Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69. HfcrufDrcdicr: Amt IV. Nr. 198». Freitag, den S. Dezember 1005. Expedition: SM. 68, l�indenstraase 69. Ztcrnivrrdier: Amt IV, Nr. liI84. Kr. 387. 33. Jahrg. Veelinev Volksblatt. der fo2ialdemokratiscken Partei Oeutfcklands. lik fniertloni-Ledilhi' vetrilgt Illr die sech-gespallene Kolonel- »eile oder deren Raum«0 Pfg., für politische»nd gewerlschaslliche ZZereinS- rind Bersaiiimiungi-Sinzeigen 26 Psg. „Meine ZZnrelgcn", das erste(seit- yedruSicl Wert>0 Psg>, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte iiber 16 Buchstabe» »SHIcn sür zwei Worte. Juscrale für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Lejltagen bis L Uhr doriiiillags geöffnet. Telegramm.Adresse: uStzialdtmokrat Rerlln". RbonnmentS'Bedlnffungen: «bonnemcntS- Preis präuumerando: »ierteljährl. 6,3» Ml., monall. I.l» Ml.. wSchetitlich 2S Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. »ummer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" l» Pfg. Post. Abonnement: l.l» Mart pro Monat. Eingeiragen in die Posi-Zeittings. Preisiiste. Unter Kreuzband sür Dellischland und Oesterreich- Ungarn 3 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. vkdtliit tigstch auBer ülonlagi, Zentralorgan Feindliche Welten. Der zweite Tag der Etatsdebatte im Reichstag bot für den Sozialpsychologen Gelegenheit zu interessanten Be- obachtimgen. Er bcivies, das; die Scheidung der Geister sich analog der sozialen �lassenscheidnng derart scharf bollzogen hat. daß sich die Vertreter der beiden großen Klassen der Besitzenden und Nichtbesitzenden, der Bourgeoisie und des Proletariats geistig als zwei feindliche Welten gegenüber- stehen, zwischen denen auch nur jede vorübergehende Ver- ständigung unmöglich ist. Die ganze Weltanschauung, die ganzen sittlichen Grundbogrisse sind total verschiedene. Die bürgerlichen Abgeordneten sowohl wie die Exekutivgewalt der besitzenden Klasse, die Regierung, beurteileit alle'Dinge von ihrem borniert bürgerlichen Standpunkt ans. Ihre Haltung gegenüber der Weltmacht- und Marincpolitik geht nicht von der Voraussetzung aus, daß die Nationen in friedlichem Wettbewerb um die Erreichung des höchstmöglichen Kultur- zustandes für die ganze Nation zu ringen hätten, sondern von der festgewurzelten Ucberzcugmig, daß sich die Nationen als haß- und neiderfüllte Rivalen im Kampfe um die Futterkrippe gegenüberstehen, daß der Vorteil des einen mit Natur- Notwendigkeit zum Nachteil des anderen ausschlagen muß, und daß deshalb nur die Nation Aussicht hat, im Kampfe zu bestehen, die bis zu den Zähnen gewaffnet ist. Fragt man, weshalb denn eigentlich Deutschland genötigt sei, sich zu der Landarmce ersten RangeS auch noch eine Flotte ersten Ranges zu schaffen, so erfolgt die Antwort: Deutsch- lands Handel ist enorm getvachsen und schon deshalb allein ist es nötig, Deutschlands Seewehr zu schärfen. Die Tat- fache, die man im inneren Staatslebcn keck hinweg- leugnet: daß innerhalb des kapitalistischen Systems keine Solidarität der Interessen zwischen den Klassen möglich sei, erhebt man für das i n t e r- nationale Verhältnis der Völker unter ein- ander zum selbstverständlichsten Grundsatz! Henai: so steht cö mit dem Begriff des Patriotismus. Als heute Bebel die Jaitres- Blamage des Reichskanzlers geißelte und die ebenso läppische wie infame Gepflogenheit der Chauvinisten brandmarkte, in Deutschland Jaurds als den vaterlandsliebenden Sozialisten hinzustellen und umgekehrt in Frankreich ihn, Bebel, als einen Patrioten dem Vaterlands- losen Jaures als Muster vorzuhalten, brach die Rechte des HauscS in ein johlendes Hohngelächtcr ans. Die Herren ver- standen offenbar die ätzende Ironie Bebels gar nicht und amüsierten sich gottvoll über den„patriotischen" Bebel. Daß Bebel wie jeder Sozialist in Wahrheit als Kämpfer für die Wohlfahrt der Massen seines Volkes ein glühender Patriot ist, wollte nicht in die chauvinistisch verbohrten Schädel derer hinein, fiir die der Patriotismus nur in brutalem Niedertreten der Interessen fremder Nationen und der eigenen Volks- Mehrheit besteht. Die unüberbrückbare Kluft der Klasscnanschauungen offen- barte sich schließlich klassisch in der Rede des preußischen Finanzministcrs R h c i n b a b e n. der kecklich leugnete, daß das preußische Volk zur Rolle des politischen Helotentums entwürdigt sei, daß die Steuerpolitik Preußen-Dcutschlands in der unverfrorenen Abwälzung der Staatslastcn auf die nichtbesitzcndcn Klassen bestehe, und der dann im gleichen Atemzuge den Bicrkonsum der Massen und die gefüllten Kassen der Gewerkschaften als Beweis dafür reklamierte, daß die Lage des deutschen Proletariats eine vollauf befriedigende sei. Als ob nicht in einer solchen Beurteilung der Lebens- Haltung der arbeitenden Klaffe gerade das empörende Bc- kenntnis zu der bonrgcoiscn Klasscnmoral liege, daß es von Gottes und RechtS wegen ztveiKlassen geben müsse: eine besitzende Klasse, die ein Anrecht ans alle erdenklichen Lebens- g e it ü s s c habe, und eine besitzlose Klasse, der es fast schon zu wohl gehe, wenn sie sich zu Kartoffeln und Brot auch gelegentlich ein Glas Bier leisten kannl Was der erste Redner, der Staatssekretär des Reichs- marineamtes T i r p i tz. vorbrachte, war äußerst belanglos. Er beschränkte sich auf die bekannten Erläuterungen zu der Marinevorlagc. Die DeplacemeNtsvcrgrößcrung der Linien- schiffe sei ebenso notwendig, wie die Vermehrung der großen Kreuzer und der Torpcdoflotille. Die Auslandkreuzer würden im Falle eines Krieges bemüht sein, die Streitkräfte des Feindes von dem eigentlichen Hauptkriegsschauplatze nach Möglichkeit abzuziehen. Die Preßäußerungen hätten ja be- wiesen, daß die Parteien der Vorlage nicht unfreundlich gegenüberständen. Er hoffe, daß der Reichstag bei der Abstinimung beweise, daß die große Masse der deutschen Volks- Vertreter hinter der Flotte stehe. Nach Tirpitz kam Bebel in einer zweistündigen Rede zum Worte. Wären die bürgerlichen Parteien Argumenten und der gemeinen Logik überhaupt zugänglich, so hätten sie vor den überaus eindringlichen Darlegungen Bebels die Waffen strecken müssen. Der sozialdemokratische Etatredner begann mit einem scharfen Protest gegen die geringschätzige Ausschaltung des Reichstags in den wichtigsten nationalen Lebens- fragen, namentlich den Fragen der auswänigen Politik. Als— „ach den offiziellen Versicherungen— die Marokkofragc am brennendsten geworden sei, habe man den Reichstag g!> schloffen, um jeder Erörterung der Angelegenheit auö dem Wege zu gehen. Aber auch in seiner gestrigen Rede habe der Reichskanzler die Darstellung des Konflikts gerade am wichtigsten Punkt abgebrochen. Bebel stellte sodann den Er- kläningcn Bulows eine eingehende Schilderung des wirklichen Sachverhalts gegenüber, die beweist, daß Deutschland den Konflikt nichts weniger als korrekt und diplomatisch klug be- handelte. Statt rechtzeitig England und Frankreich auf Deutsch- lands Interessen aufmerksam zil machen, habe man sich die Dinge erst zuspitzen lassen, um dann die beiden Mächte förm- lich zu brüskieren. Die 5kaiserreise nach Marokko sei ein Unikum gewesen: habe er sie schon seinerzeit eine ScnsationS- reise genannt, so müsse er sie jetzt eine Pro- vokationsreise nennen. Diese Aktion reihe sich dem Krüger- T e l e g r a ni m tvürdig an; tvie damals bei den Buren habe man jetzt in Marokko die Illusion erweckt, als werde Deutschland im gegebenen Falle intervenieren, woran im Ernste doch gar nicht zu denken sei. Und was habe sich alles vorher und nachher abgespielt I Er erinnere nur an die Enthüllungen P a a s ch e s, daß Deutsch- land einer großen Gefahr entgangen sei, an einen ähnlichen Ausspruch des Prinzen Ludwig von Bayern, er er- innere an die im Auslande peinliches Aufsehen erregende Rede bei der Enthüllung des Mvltke-Denkmals, daß Deutschland sein Pulver trocken und sein Schwert ge- schliffen halten müsse! Solche Reden seien aber seit einem Jahrzehnt unzähligcmal gehalten tvordcn, man denke nur an die Aussprüche von dem„größeren Deutschland", von dcni„Dreizack, der in unsere Faust gehöre", usw. Könne man sich da noch über die Verstimmung und das Miß- trauen anderer Staaten Wundern? Aehnliche Reibungen hätten 30 Jähre früher zweifellos zum Ausbruch eines Krieges geführt. Wenn solches Unheil heute verhütet tvordcn sei, so sei das der Sozialdemokratie zu danken. Man tvisse auch in den Kreisen der herrschenden Klasse ganz genau, daß man heute nur einen Krieg führen könne, dessen Ziel die Masselt des Volkes billigten! Wie die festländische Arbeiterklasse, habe auch die englische Gewerkschaftswelt über den unbeugsamen Willen keinen Zweifel gelassen, den Völker- frieden aufrecht zu erhalten. Die Flottcnrüstungcn Dclitschlands seien sinnlos. Man müsse doch fragen, wohin Deutschlands Handel gehe. Zwei Drittel davon gingen nach europäischen Ländern, neun Zehntel nach solchen Staaten, mit denen Deutschland gar keinen See- krieg führen könne! Ein Krieg mit England sei— volkswirtschaftlich wie militärisch— das Aberwitzigste, das sich denken lasse. Glaube man es etwa jemals mit der ver- einigten Flotte Englands und Frankreichs aufnehmen zu können? Wenn nicht, wozu dann überhaupt das uferlose Wettrüsten? Die Hoffnungen auf o st a s i a t i s ch e Er- lvcrbungcn seien durch das englisch-japanische Bündnis cnd- gültig zu Grabe getragen worden: unsere Kolonien in Afrika und Ozeanien aber würden drei Wochen nach Ausbruch eines Krieges mit England verloren sein! Schon jetzt gebe Deutsch- land für Militarismus und Weltpolitik 1400 Millionen aus, wohin solle das führen? Wolle man das Wettrüsten einmal mitmachen, so gebe es kein Ende— bis zur u n a» � b l e i b- lich en Katastrophe! Und dann die Deckungsfragc! Wiederum sollten die breiten Massen bluten. Die Erbschaftssteuer, die ja nur ein schamhaftes Feigenblatt darstelle, solle 72 Millionen bringen — ein Lumpengeld! England habe 1901 1131 Millionen an direkten Steuern aufgebracht, an solche Opferwilligkeit denke die deutsche Bourgeoisie nicht I Man belaste das Volk mit immer neuen indirekten Steuern, drohe durch die Vernichtung der Tabakindustrie viele Taufende brotlos zu machen, und geniere sich gleichzeitig nicht, das Volk politisch immer mehr z u e n t r e ch t e n I Die Zeiten seien, Rußland be- weise es. bitterernst, deshalb solle man endlich Einkehr halten, ehe es zu spät seil Der Reichskanzler, der erst sehr spät erschienen ivar und während Bebels Rede mehrfach ostentativ gegähnt hatte, über- ließ die Antwort auf Bebels wuchtige Anklage dem Herrn v. Rheinbaben. Dieser Herr legte sich nunmehr mit den Allüren eines eben flügge gewordenen Assessors ins Zeug. Er bestreite, daß Preußens Proletarier politische Heloten seien (trotz der absoluten Rechtlosigkeit von 8ö Proz. der Bc- völkerung!). Wenn Bebel erklärt habe, ohne das Bremsen der Sozialdemokratie hätte sich die Empörung der Volks- massen vielleicht schon in elementaren Ausbrüchen entladen, so lege er darauf nicht daS mindeste Gewicht: die Sicher- heitsorgane des Staates würden schon ga,nz allein für die A u fr e ch t e r h a l t u n g der„Ord- nung" sorgen! Ferner„nagele er fest", daß nach Bebel künftig das Volk die Entscheidung über Krieg und Frieden haben solle! Nachdem Herr v. Rheinbaben dergestalt schneidig Attacke geritten, zügclte er das Rößlein seiner Rede, um statistisch Bebels Anklagen über die Stcncrbclastung der Massen und die Steucrscheu der Besitzenden zu widerlegen. Es sei nicht wahr, daß die deutsche Bourgeoisie sich mit Vorliebe vom Steuerzahlen drücke. Neben den direkten Staatssteuern zahle die besitzende Klasse auch beträchtliche Kommunal- steuern,(daß die Bourgeoisien anderer Länder, die mehr direkte Staatssteuern zahlen, als die deutsche Bourgeoisie, auch solche Konmiunallasten tragen, ist dem preußischen Finanzminister bis jetzt offenbar total unbekannt geblieben!) Wie lvenig das preußische Proletariat zu diesen direkten Staats- und Konununallasten beitrage, gehe schon daraus hervor, daß 22 Millionen von Stcuerleistnngen überhaupt völlig frei seien, wogegen 4,33 Proz. nicht weniger als 70 Proz. und 0,3 Proz. 44 Proz. dieser Leistungen aufzubringen hätten. Und diese Zahlen glaubte der preußische Finanzminister gegen Bebel ausspielen zu können! Als ob nicht gerade diese Zahlen die ver- nichtendste Anklage gegen die kapitalistische Gcseltschafts- ordnung darstellten, die sich denken läßt I Bezeugen sie doch gerade die t r o st l o s e Lebenshaltung der großen Masse und die Konzentration der Reichtümer in immer>v e n i g e r Händen! Aber diese Zahlen genügten Herrn Rheinbaben noch nicht zur Kritik unseres Klassenstaates. Er brachte immer neues Material herbei: die S p a r k a s s e n st a t i st i k beweise, daß seit 1873 bis 1903 die Sparkasseneinlagen um 6 Milliarden gewachsen seien. Das Vermögen der V e s i tz e n d e n ist demgegenüber von 1896 bis 1899 ebenfalls um 6 Milliarden gewachsen: das heißt: jeder der Besitzenden hat binnen 3 Jahren sein Vermögen um 5999 M. vermehrt, also im ncnuten Teil der Zeit, wo die Spargroschen des ganzen Volkes sich um 199 M. Pro Kopf vermehrten I Das Ungeheuerlichste aber leistete sich der preußische Finanz- minister damit, daß er den wachsenden Wohl- stand der Arbeiterklasse damit zu beweisen suchte, daß die Gewerkschaftskasscn ein Vermögen von 20 Millionen auf- wiesen. Das Proletariat könne, so deduzierte Herr Rhein- babcn, alsosehr lvohl neue Steuerlasten tragen; s ch l i m m st e n- falls könne es ja seine freiwilligen Gewerk- s ch a f t s st e u e r Ii einschränken! Es hieße die ministerielle Selbstkritik abschwächen, wollten wir diese boden- los törichte und frivole Bemerkung irgendwie glossieren l Nur das sei„festgenagelt", daß die Mehrheit des HauseL dieser gxoben Verhöhnung der unter schwersten Opfern um ein menschenwürdiges Dasein ringenden Arbeiterschaft, mit der der Regiernngsvertrcter schloß, stürmischen Beifall spendete I So stellte der zweite Tag der Debatte über den Etat der Weltpolitik das Klassenregiment unserer Herrschenden er- barmungslos an den Pranger. Mit naiver Rücksichtslosigkeit plauderten die berufenen Verteidiger unserer gottgewollten Ordnung ihre innerste Hcrzensmeinung aus. Zwei feindliche Welten stehen sich gegenüber, zwei Welten, zwischen denen es keine Verständigung gibt, tvcil jede gemeinsame moralische Unterlage fehlt. Will das Proletariat der Schmach seines Helotentums ledig werden, so gibt es für seinen Aufstieg zu Bürgerrecht und Menschenwürde nur den Weg des unerbittlichen Klassen- k a ni p s e s!_ Die Revolution in Rnszland. Die streikenden Post- und Telegraphenbcamten halten sich wacker. Die russische Regierung ist nach wie vor auf den Dienst von Polizeispitzeln und dergleichen„Arbeitswilligen" angclvicsen. Ein Telegramm aus Petersburg über Eydtkuhncn meldet: Der Ausstand der Post- und Telegraphenbcamten hält nach wie vor an. Die Ausständigen sind guten MntS und überzeugt, durch Ausdauer ihre Forderungen durchsetzen zu können. Graf Witte sei für deren Erfüllung, das einzige Hindernis sei Durnowo. Unter- dessen arbeitet die Post so gut eS eben gebt mit Unterstützung von 2009 Freiwilligen aus dem Publikum. Nach wie vor herrscht um die Postgebäude eine ziemliche Velocguug: auf- und abgehende Patrouillen und im Schritt reitende Kosaken locken viele Neu- gierige an. Durch die Residenz ziehen Tag und Nacht berittene Patrouillen. Eine Versammlung der Post- und Telegraphenbeamten beschloß weiter zu streiken. Ein anderes Telegramm besagt: Petersburg, 6. Dezember.(Ueber Eydtkuhnen.) Die Lage in Petersburg ist unverändert. Die ausständigen Post- und Telegraphen- beamten halten daran fest, daß sie den Rücktritt Durnowos herbei- führen wollen. Sympathiebezeugungen und Spenden gehen ihnen in großer Zahl zu. Der Verband der Staatsbeamten sprach ebenfalls in einer mit zahlreichen Unter- fchriften versehenen Resolution seine Zustimmung zu den Bestrebungen der Post» und Telegraphenbcamten aus. Die Regierung versucht indessen, wie verspätete Tele- gramine der Petersburger Agentur zeigen, durch neue Gewalt- akte den Brand noch zu schüren: Wladimir, 3. Dezember.(Ueber Eydtkuhnen von der PeterS- burger Telegraphen-Agentur.) Hier sind zwei Studenten und sieben Telegraphenbeamte wegen Beteili» gung am Ausstande verhaftet worden. Moskau, ö. Dezember.(Ueber Eydtkuhnen von der Peters- burgcr Telegraphen-Agentur.) Ein Teil der verhafteten Mit- glieder des Post- und Telegraphen-VerbandeS wurde frei- gelassen. Die Drohung des Generalstreiks wirkt! Wie sehr die Arbeiterschaft den Absolutismus durch ihre wunderbar ausgeführte Generalstreiksaktion Mores gelehrt hat, zeigt der folgende von der Zsitung„Ruß" gemeldete Fall. Ingenieur Sokolow und noch einige Eisenbahnbeamte wurden wegen des letzten Ansstalides von dem Kommandanten der Festung Knschka(Transkaspisn) einem Kriegsgericht über- geben und zum Tode verurteilt. Davon erfuhr zuerst der Präsident des Samaraschen Eiscnbahnkomitees und meldete es dem Zciitraleisenbabnbureau in Moskau mit dem Hinweis, daß im Falle der Vollstreckung des Urteils sofort ein oll- 0 cm einer Cisenbflhnerstreik ausbrechen w ü r d e. Von Moskau erging dann Drahtnachricht an Graf Witte, den Verkehrs� und den Kriegsminister sowie den Gene- ralstab, weiter an sämtliche Eisenbahnen mit der Aufforde- rung, die Aufhebung des Todesurteils zu verlangen. Der Verkehrsminister setzte hierauf die Eisenbahnen in Kenntnis, daß die Vollstreckung borläufig ausgehoben sei. Die Petersburger Telegraphenagentur teilt hierzu mit, daß weder dem Grafen Witte, noch dem Kriegsminister von dem Urteil etwas bekannt war. Letzterer richtete sofort nach Eingang der Meldung Anfragen nach Kuschka, Aschabad und Taschkent und befahl gleichzeitig, die Vollstreckung des Urteils, falls es überhaupt gefällt sei, aufzuschieben. Das Fehleu einer amtlichen Meldung dürfte eine Folge des Telegraphenstreiks gewesen sein. Ein Muster der Klassensolidarität. Der„Frankfurter Zeitung" wird gemeldet: Petersburg, 7. Dezember. Der Verband der Moskauer Buchdruckereigehülfen erklärte, gegenwärtig einzelne ökono- mische Ausstände nädit unterstützen zu können, weil das ganze Vroletariat zum politischen Generalstreik rüste, der der Ne- gierung den letzten Schlag versetzen soll. � Ter Priester G a p o u scheint selbst zu fühlen, daß seine Nolle ausgespielt isb. Ein Telegramm meldet: Petersburg, 7. Dezember. Der Priester Gapou hat sich entschlossen, Rußland zu verlassen und beabsichtigt in Paris dauernden Aufenthalt zu nehmen. Ein neuer terroristischer Akt. Nach längerer Pause scheint wieder der von der Partei der „Sozialisten-Revolutionäre" angewendete Terror in Tätigkeit zu kommen. Wie der„Daily Telegraph" meldet, ist der frühere K r i e g s m i n i st e r General S a ch a r o w, der das Gonverne- ment Snratow bereiste, um die unruhigen Vauern zu beschwichtigen. am 3. Dezember von einer der revolutionären Partei angehvrigcn Frau erschossen. Die Frau begab sich in das Haus des Gouverneurs von Saratow und verlangte den sich dort aufhallenden General zu sprechen. Als sie vor Sacharotv stand, feuerte sie drei Schüsse ans ihn ab, die ihn auf der Stelle töteten. Saratow, S. Dezember,(lieber Eydtkuhnen von der Peters- vnrger Telegraphenageutnr.) Die Frau, welche heute inder Wohnung des Gouverneurs den früheren Kriegsminister Generaladjutant Sacharoio erschoß, wurde verhaftet und erklärte, daß sie ein Urteil der fliegenden Äanipfabt�ilung der sozialrevolulionäreu Partei voll- streckt habe. Jedenfalls haben jetzt, nachdem die gesamte große Masse des Proletariats den Kampf führt, solche einzelne terroristische Akte eine ganz untergeordnete Bedeutung. Kriegszustand und kein Ende. Petersburg, 6. Dezember.(Meldung der Petersburger Delegraphen-Ageittur über Eydtkuhnen.) lieber das Gonver- neiueut Livlaud ist der Kriegszustand verhängt worden. politische(ZlIh, Berlin, den 7. Dezember. Ter Wahlrechtssturm in Sachsen. Wenn irgend etwas die Bedeutung der sächsischen Wahl- �echtsdemonstrationen ins rechte Licht zu rücken vermöchte, so die gleichermaßen von Wut und Furcht beherrschte reaktionäre Presse. Für sie ist die Steigerung der Bewegung gegen den Wahlrechtsraub vom Jahre 1896 völlig unverständlich. Tie Reaktionäre, vor allem die Wahlrechtsränber selbst hatten geglaubt, die arbeitenden Klassen würden die brutale Vernich- tung ihres Laudtagswahlrechtes wohl in Versammlungen und in ihrer Presse bekämpfen, sonst aber mit der Faust in der Tasche murrend schweigen. Sie rechneten dabei auf die strenge � Disziplin der sozialdemokratischen Massen: aber sie verstehen diese Disziplin so wenig, wie daS Wesen und die Grundlagen der sozialdemokratischen Partei. Mit musterhafter Disziplin verfolgten die Entrechteten die von Session zu Session weitergreifende„Eliminierung" der sozialdemokratischen Avgeordueten aus dem Landtage. Sie organisierten den Gegenschlag bei den Reichstagswablen, der zu dem großen Siege im Jabre 1363 führte: sie machten An- strengnngen, das Dreiklassen-Wahlsystem bei den Landtags- wählen zu durchbrechen, was bekanntlich bei den vorletzten und letzten Wahlen gelungen ist: sie protestierten jedoch auch in immer verschärftem Maße gegen die Gewaltherrschaft der Konservativen im Lande wie im Landtage, und haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie kein Mittel unversucht lassen würden, sie zu brechen und die Wahlentrechtung zu sühnen. So schritten sie von Etappe zu Etappe, wissend, daß der Tag der Vergeltung für sie kommen müsse. Einen Augenblick erfaßte die Massen eine Hoffnung auf Einkehr der Wahlentrechtler— als nämlich auf Veranlassung des verstorbenen Königs Georg eine sogenannte Wahlrechts- reform in Szene gesetzt wurde. Die Warnungen von Kennern der reaktionären Machenschaften dämpften zlvar diese Hoff- nnng, aber die völlige Enttäuschung folgte erst, als die Wahlrechtsreform von allen Wahlentrechtlern, einschließlich der Regierung, vereitelt wurde und sich als eine Farce erwies. Von diesem Zeitpunkte an begann die Erregung der Massen über das schurkische Treiben der Konservativen sich stetig zu steigern. Nicht die mindeste Hoffnung setzten sie ans die Behandlung der Wahlrechtsinterpellation im Land- tage dieses Jahres. Aber wenn sie auch nicht angenommen hatten, daß sie in so brutaler Weise abgetan würde. Am meisten jedoch empörte sie der Hohn des Wahlentrechtungs- Ministers v. Metzsch, der jede Aenderung des Wahlrechts nicht nur ablehnte, sondern die Ablehnung mit einer Verspottung der Arbeiterinteressen begleitete, die er � durch Abgeordnete für genügend vertreten erklärte, welche in Arbeitskammern gewählt würden. Es bestehen jedoch in Sachsen keine Arbeits- oder A r b e i t e r k a m m e r n, und es ist bei der hierzulande herrschenden Wirtschaft auch nicht an die Schaffung von derartigen Arbeiterinstitutionen zu� denken, ganz abgesehen davon, daß die Arbeiter, die sich als gleichberechtigte Staatsbürger fühlen, von einem derartigen parlamentarischen Almosen nichts wissen wollen. Tie neuesten Wahlrechtsdemonstrationen sind daher nur die Bestätigung des fortgesetzten, durch die Haltung der Wahl- entrechtler verschärften Kampfes, von dem konstatiert werden muß, daß er sich durchaus in gesetzlichen Bahnen hielt und noch hält. Denigegenüber ist es um so un- verschämter, Provokationen der Massen, wenn die Presse der Reaktionär� die Demonstrotionen. die durch die bekannten Polizei-Erzesse in Dresden gewalttätig gestört wurden, als ungesetzlich bezeichnet. Tarin äußert sich nur die Absicht, die Arbeiter als völlig Rechtlose von jedem Streben zur Wieder erlangung des geraubten Rechtes abzuhalten. Bei der bis- herigen Betätigung d"s entschiedenen Willens und der muster- gültigen Disziplin der Arbeiter ist dies jedoch ausgeschlossen: es kann sich also bei der reaktionären Hetze gegen die Wahl- rechtsdemoustrationen nur darum handeln, die Polizei- und die Mstitärmacht gegen sie spielen zu lassen. Das ist um so unvorsichtiger, als sich der Kampf immer mehr auf die Be- seitigung der konservativen Gewaltherrschaft zuspitzt, die bis in die bürgerlichen Kreise hinein verhaßt ist, da die Konser- vativeu alle Staatseinrichtungen für sich ausschlachten. Das muß ein Ende nehmen. Geschieht es nicht infolge einer Einlenkung der Regierung, was wir bei ihrer der- inaligen Zusammensetzung fast für ausgeschlossen halten, dann ist es selbstverständlich, daß die Volkskämpfe auch gegen die Regierung einen immer bedrohlicheren Charakter annehmen werden. Tie oroße Mehrheit der säckistscheu Bevölkerung hat bei verschiedenen Anlässen der Regierung Mißtrauensvoten erteilt: sie hat mehrfach deutliche Warnungen an sie gerichtet. Wirdjilles das brüsk abgewiesen, dann bleibt nur übrig, daß Sprache und Handlung des Volkes noch schärfer, noch nachdrucksvoller werden. VielleichHst die Provokation beabsichtigt, um„die Flinte schießen, den Säbel hauen" zu lassen— dann hat man nicht mit der überlegenen politischen Stellung der Sozialdemo- kratie in Sachsen und nicht mit der Disziplin ihrer Auge- hörigen gerechnet, noch weniger aber mit der Tatsache, daß die Arbeiter für ibre Rechte zu kämpfen gelernt haben mit Drangabe ibrer Eristenz. Was haben denn die ansgebeuteteen und entrechteten Arbeiter auch noch viel zu verlieren? Das Leben hat für sie wenig Wert, wenn man sie zu Heloten stempeln will. Eine disziplinierte und politisch geschulte Masse kann nian weder mit Drohungen, noch mit Blutvergießen von ihrem Ziele abbringen.—__ Tie Scharfmacher an der Arbeit. Immer deutlicher kommen in der Reaktionspresse Symptome zutage, die darauf hinweisen, daß die Scharf- inacher die Zeit für gekommen erachten, um einen erneuten Versuch behufs Einschränkung des Koalitions- rechts zu unternehmen. Dabei muß natürlich in erster Linie das lebhafte Interesse der Arbeiterschaft für die Frage des politischen Massenstreiks und namentlich die Vorgänge in Sachsen als Vorwand herhalten. Neulich hatte bekanntlich die „Arbeitgeber-Zeitung" direkt einen besonderen Paragraphen des Strafgesetzes zur Vorbeugung des Generalstreiks in Deutschland in Vorschlag gebracht. Jetzt leitariikelt die „Krenz-Zeitnng" des langen und breiten über das Thema des Generalstreiks, um die folgende Hctzpredigt vom Stapel zu lassen: � Ernster als bisher müssen vor allem die Gefahren eines Generalstreiks inS Singe gefaßt werden. Das Koalitionsrecht ist zur Erlangung günstiger wirtschaftlicher Bedingungen und nicht zu politischen Zwecken gegeben worden. Der Generalstreik lvird aber nicht von Sirbeitern veranstaltet, die mit ihren Löynen usw. unzufrieden sind, sondern auch von zu- friedenen Arbeiten?, er geht von den politischen Führern aus ?md erschesttt im Hinblick auf seine Wirkungen als eine zunächst wirtscha'tlich und zugleich politisch revolutionäre Handlung. Bei einen, Generalstreik maßt sich der Allsschuß oder der Diktator, lvie der„Verband der Verbände" in Rußland gc- zeigt hat. ans Grund einer Vereinsorganisanon Befugnisse an. wie sie kein Staatsbeamter auszuüben das Recht hat. Der General- streik setzt die Organisation aller Slrbeiter über den ganzen Staat. So weit geht das Koalitionsrecht denn doch nicht, das-, die Ar- beiter inii Hülfe ihrer verschiedenen Organisationen gewissermaßen einen Laiidesverein zur Sistierung des gesamten lvirtschastlichen Lebens zu improvisieren im stände sind. Einen? derartigen Beginnen könnte, ja, nützte schon jetzt ciltgegengetreteu werde??. Die Möglich- keit eines Generalstreiks?l?utz beseitigt lverden. nicht nur im Interesse der sozialen Ordnung und der Arbeitgeber, sondern auch im Interesse der Arbeitnehmer: dem? bei der Dnrchfiihrling eines Generalstreiks unter Leitung von Bebel-Singer würden alle Teile zu Grunde gehen. Und zum Schluß klingt der Brandartikel in die folgende „Offenherzigkeit" aus: Llks ei?? politisches Kampfmittel kann der General st reik nicht unter dem Schutze des K o a l i t i o n s r e ch t e s st e h e?>. das nur dem Strebe?? der Arbeiter nach lvirtschnftlicher Besserstellung gilt. Vielmehr nultz der Generalstreik nach dem angefiihrtei? Zugeständnisse des„Vorwärts" alle Damme überspringen, also revolutionäre Wirkungen haben, er wird nach der Meii?ui?g der Frau Rosa Luxen?- bnrg„ein Auslösen der revolutionären Kraft nach � sich ziehen", er bedroht die soziale Ordunng, das Gesamt- wohl der Bevölkerung, die Autorität der Staatsgewalt. IN an w? r d � e n, n a ch d a r a n f b e d a ch t s e i?? m ü. s s e n, durch zweckn? ätzige Beschränkungen de s� Koalitions- rechtes aus wirtschaftliche Forderungen und durch a!t g e m e s s e?? e S t r a t b e st i m m u n g e n gegen die Rädelsführer den Gefahren des General- streiks rechtzeitig und wirksam vorzubeugen. Es ist ja nichts Neues mehr, daß die herrschenden und ausschlaggebenden Kreise der Bourgeoisie jede Fähigkeit der- loren haben, von der Geschichte zu lernen. Aber ein so eklatantes Beispiel der unverantwortlichsten politischen�Bliitd- heit durfte denn doch zu den Seltenheiten gehören. Die Funken des großen Brandes in Rußland sind ja bereits nach Oester- reich, nach Sachsen herübergeflogen. Die laitg aufgespeicherte Erbitterung der Massen über das politische und soziale Un- recht muß sich naturgemäß bei der allgemeinen Lage immer stürmischer entladen. Und nun ist der erste Ruf unserer Reaktionäre in dieser Situation: noch mehr Unrecht! noch mehr politische Unterdrückung! noch?nehr Einschränkung der so kümmerlichen bestehenden Koalitionsfreiheit! Mit solchen Mitteln des blödesten Scharfmachertums glaubt man in Deutschland in gewissen Kreisen noch dein Drang der proletarischen Massen nach menschenwürdigen Zuständen Zügel anlegen zu können, und das angesichts des elenden unauf- haltsamen Zusammenbruchs des ganzen Scharfmachersysteins— in Rußland! Wahrhaftig, wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie zuerst jnit Blindheit! Dcutfchea Reich. Die Novelle zum Eii?koinnlc!lstcucrgrsetz. Der Gesetzentwurf betreffend die Abänderung deS Einkommen- steliergesetzes und des ErgänzungsstenergcsetzeS. dessen erste Beratung ain Sonnabend in? Abgeordnetenhause beginnt lind den ivir bereits kurz charakterisiert habe??, ist bekanntlich nur der Vor- gänger einer allgemeinen Erhöhung der Einkommeustener. Preußen schwimmt förntlich in, Golde, seit Jahren verfügt eS Über Uebcrschüsse, für die es keine Verwendung Iveitz, und auch die diesjährige Thronrede hebt wieder die günstige Finanzlage des Staates hervor. Aber trotzdcn, kann es nie genug bekommen; Frei- Herr vou Rheii?babei? verfolgt als gelehriger Schüler die gleiche ThesanriernngSpolitik wie sein Meister v. Miqnel. Mai? will nicht da?lcrnde Ausgaben auf schioaukenden Einnahmen basieren. Da' aber der Anteil der direkten Staatssteuern an den allgemeinen Einnahmen prozentual kinmer mehr zurückgeht, während der der Eisenbahnüberschüsse iinmer steigt, soll, wie wir bereits vorgestern niilteiltei?, die Einkommensteuer erhöht werden. Diese Argumeirtation hätte nur dani? einen Sinn, loein? die Regierung sich entschließen könnte, die Eiscnbahnverwaltm?g völlig von der all- gemeinen Staatsverwaltung loszlilösen.die hohen Eii'enbahneinnahmen lediglich zu Berkehrsverbesicrungen lliid Tarifherabsetzui?gei, zu vcr- Ivcn'den und andcrscils die Deckung der gesamten StaatSausgaben durch direkte Steuern herbeizuführen. Natürlich müßten dam? die hohen Eiiikonunen und die großen Vermögen weit schärfer zur Be- stcnerung Hemngezogei? werden als heute. Die Erfahrungen bcivciien jedoch, daß an eine solche Steuerreform in Preußen unter den? Dreiklaffen-Wahliystem nicht zu deliken ist. die Reform wird viel- ,nehr auf eine Belastn?ig der unteren und ,nittleren Eiilkonrmen hinauslaufen. Das Reich powert die Besitzlosen indirekt, der preußische Staat potoert sie direkt ailS. In, einzelnen sieht dieNovelle vor: eine Bcstcncrnng der Gesellschaften mit beschränkter Haftmig, soweit ihr Stammkapital den Betrag von 160 666 M., übersteigt und eine Befreiung von der Ein- komnienslcuer für Offiziere, die das in? Etat für llnleroffizicre oder Gemeine ausgeworfene Dienstcinkommen beziehen. Von der Steuer ausgeschlossen sollen ferner sein die auf Grund gesetzlicher Vorschrift de?? Kriegs- oder Friedensinvaliden geivayrten PeusionS- erhöhungen und Versiiiinn, elnngszulagei?, die durch ReichSgesctz der Besteuerung entzogenen Gebühriitsie, die mit Kriegsdelorationen ver- bnndenen Ehrensolde, die aus einer Krankenversicherung den Ver- sicherten zustehenden Leistungen. Abzngsfähig sollen??. a. sein die von den? Grundeigentum, dem Gewerbebetrieb und den, Bergbau zu entrichtende,? direkte?? Koinnunialsteuern bis zur Höhe der staatlich veranlagten Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer. Ermäßi- guugci? infolge hoher Kinderzahl sind auch bei Einkommen von 3666 bis 6560 M.(bisher nur bis 3606 M.) zulässig. Die übrigen B.'stimiminge» sind mehr formaler Natur, insbesondere ist die Berufung gegen das Ergebnis der Veranlagung anders geregelt. Die Mindcrerträge aus den neuci? Bestimmilngey werden ans 5 666 666 M., die Mehreinnahmen auf 2 566 666 M. geschätzt, so daß. wie wir schon berichteten, ein Minderertrag von 3 406 666 M. entsteht._ Indirekte Stenern in Deutschland und England. Wir haben bereits wiederholt nachgeiviesen, daß in reinem Kulturstaat die besitzende Klasse so wenig Steuern zahle ivie in Deutschland. Eine Gegcniibcrstelluirg von England und Teutschland beweist das besonders scvtageild: England zahlt 26 M. direkte Steuern pro Kopf, Deutschland noch nickit 8 M. Nun hat gestern Bi'ilow in seiner ersten Rede behauptet, Englaird zahle aus? 47 M. pro Kopf an indirekten Steuern. Diese Berechnung ist beträcht- lich zu hoch und lvohk darauf zurückzuführen, daß der Reichskanzler die 356 Millionen E r b s ch a f t s st e n e r zu den indirekten Stelle??? gerechnet hat! Aber hiervon ganz abgesehen: selbst wenn BülowS Rechnung richtig lväre, so würde die Aclastlmg des deutschen Volkes durch iiidirekte Steuern dennoch iveit größer sein, als in England. Werden doch in Deutschland auch die iiotweiidigstn? Lebensmittel wie Brot und Fleisch durch die Zölle belastet, während in England gerade diese wichtigsten KonsuintionSartikel nicht belastet sind! Durch die Zollbelastung auf Getreide wird der deutschen Slrbeiterklasse nicht nur der Zollbetrag auferlegt, sondern das Brot überhaupt verteuert, so daß eine fünfkövflge Familie ihren Brvt- bedarf im Jahre um ca. 45 M. teurer bezahlei? muß! Ebenso wird bei uns durch die Grenzsperre das Fleisch künstlich verteuert. Selbst wenn das Pfund Fleisch durch die Grenzsperre nur um 16 Pf. kunst- lich verteuert würde, ergäbe das bei einem Fleischkonsum von 54 Kilograinn? pro Kopf— soviel rechnet die Denkichrift des Reichs- marineamtS heraus— eine Vclastung von 16,86 M. pro Kopf! Zieht man diese durch unsere agrarische Zollpolitik hervorgerufene Verteuerung der Lebensmittel in Betracht, so stellt sich die indirekte Belastung der Massen in Deutschland als viel höher heraus, als in England und auch in Frankreich I— Die sozialpolitischen Initiativanträge der sozialdemokratischen ReichStagsfraktioi? sind der„Soz. Praxis" unbequem und sie richtet deshalb an unsere Fraktion das Ersuchen, sich zu bescheiden und es bei einigei? weiiigeu Anträgen bewenden zu lassen: Die Folge dieser Unzahl von Anträgen sind weitläusige, ermüdende Debatten, denen platonische Beschlüsse des Reichstags und dann leider meist die Nichlbeochtnng des Bundesrats mit der Begründung folgen: Es ist zu viel, man kam, nicht alles auf einmal machen. Der einzige Weg, lvirklich zu praklischen Ergebnissen zu gelangen, wäre die Einigung der sozialpolitische Energie besitzenden Parteien, sich auf wenige, ganz dringende Forderungen zu beschränkei?, diese aber gemeinsam ,mt aller Wucht zu vertreten, so daß sich der Bundesrat diesem Nach- druck gar nicht mehr entziehen könnte. Die„Soz. Praxis" hat leider vergessen anzugeben, welche „sozialpolitische Energie besitzenden Parteien" sie im Auge hatte, als sie zu ihren? Vorschlag einer Einigimg kam. Uns ist außer der Sozialdemolratie eine solche energisch-sozinlpolitische Partei im Reichstage nicht bekannt: oder rechnet vielleicht die„Soz. Praxis" auch die Klerikalen, Notionalliberalcn, freisinnigen Volksparteiler usw. zu den„energischen" Sozialpolitikern? Die«Freie Deutsche Presse" die ehemalige Eugei? Richtersche „Freisinnige Zeitung", scheint all�dings auch ihre eigene Partei wie überhaupt sämtliche Liberale zu den„energischen" Sozialpolitikern zu rechnen, denn sie interpretiert den Vorschlag der„Soz. Praxis" dahin, daß die Liberalen sich mit dem Zentrilm über die Ein- bringung und Behandlung sozialpolitischer Anträge verständigei? sollten; sie scheint also an eine sozialpolitische Verständigung inner Mugdans Führung zu denken— vorläufig möchteu wir jedoch die „Soz. Praxis" noch nicht so tief einschätzen, daß sie bereits Schwätzer vo,n Schlage des Herrn Mugdan zu den energischen Sozialpolitilern rechnet.— Deutsch-amerikanische Handclshczich?mgen. Der republikanische Senator Lodge brachte im amerikanischen Senat eine Gesetzesvorlage ein, durch welche ein Marimal- und Minimaltarif geschaffen wird. Diese Vorlage ändert den Dingleytarif ab niid räumt die Vorteile der Minimalzölle den Produkten aus Ländern ein, welche gegen ainerikainsche Produkte einen Differentialzoll nicht vorsehen. Das Gesetz bestimmt ausdrücklich die Erhebung von höheren Zöllen gegenüber de?r»Lä?idcrn, welche Waren aus den Bereiu igten Staate?? llicht?l>?ter den gleiche!? Bedingungen zulassen, welche sie anderen Ländern einräumen. Gegen die geplante Erhöhung der Biersteucr protestierte am Mittwoch in Köln eine von Vertretern fast aller rheinisch- westfälischen Brauereien besuchte Versammlung. Nach cine,n Referate des Syndikus Dr. Creuzbauer nahm?nai? cinstiminig eine Resolutioi? an. worln eS heißt: „Das dem deutschen Reichstage vorgelegte Gesetz wegen Aenderung des BrausteuergesetzeS läßt den Gnludsatz der gerechte» Verteilung völlig vcrmissei? und bedeutet mit seinen außerordeiittich erhöhten Sieuersätzen für die gesamte norddeutsche Brau- Industrie eine deren Existenz ernstlich bedrohende Gefahr, sofern es nicht gelingt, die Steuer abzuwälze it.. Die von der Negienmg gegebene Begründung zu den, Gesetz unterschätzt die Folgen der Steuererhöhnng.'Be? der heutigen Lage der Brauintnistrie sind die Braucretcn völlig außerstande, die neue Steuer zu traget; ebemo wenig können die Bierabnehmer die drohende lastuiig auf sich nehmen, so daß die Steuer v o nt konsumierenden Pnblikun?, insbesondere aljo von den Arbeiterkreiscn, gezahlt werden mutz. An der Erwägung, daß die norddeutsche Bramudustrie einen sehr bedeutsamen Faktor im deutschen Wirtschaftsleben darstellt, und daß die von der Annahme des Gesetzes zu erivartende tiefgehende Schädigung der norddeutschen Brauindustrie für sie selbst wie für die mit und von ihr gestützten Gewerbe- und Handelszweige, insonderheit aber auch für die Landwirtschaft von unübersehbaren Folgen begleitet sein müßte, spricht deshalb die Versammlung die bestimmte Erwartung aus, daß der Reichstag dem G e s etz entw ur fe sei nc Z u sti mnlun g v er s a g en wird." Dem Verdienste feine Krone. Gendarm Schubert in Schoppiuitz fOberschlesien) hat SOV Mark Belohnung für sein tatkräftiges Ein- S[reifen beim Krawall in Wtlhelminenhütte während des Bergarbeiter- treiks erhalten. Außerdem ist ihm das Allgemeine Ehrenzeichen ver- liehen worden. Er hatte den Grubenarbeiter Sallorz erschossen, angeblich ans Notwehr, nachdem er selbst bereits verletzt worden war. Nach seiner„völlige» Wiederherstellung" soll er versetzt werden.— Gepäck-»ud Pcrsoncntarif. Der Landeseisen bahnrat bat in seiner Sitzung vom ö. d§. Mts., wie der„Staatsanzeiger" nreldet. über die Vorlage des Ministers der öffentlichen Arbeiten. betreffend die Reform der deutschen Eisciibahiipersoucit- und Gepäck- tarife. beraten. Den Grundzügcu der vorgeschlagenen Reform wurde von keiner Seite widersprochen. Die Mehrheit der ttörper- s ch a f t e n hat dabei e nr p f o h l e n, w e g e n E r m ä ß i g u n g der Frucht für kleinere G e p ä ck st ü ck e b i s z u in G e- wicht von 25 Kilogramm mit den übrigen Staats- b a h n v e r w a l t H ii g e u in erneute Verhandlungen einzutreten. Bulgarischer Handelsvertrag. Dem Reichstage ist gestern ein Handels-, Zoll- und Schiffahrtsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Bulgarien zugegangen. /Zuvlsncl. Italien. Rom, 5. Dezember.v s k y. Ein schleuniger Antrag der Abgg. Böckler(Antis.) und Gen. !Sf eines Strafverfahrens gegen den Abg. K r ö s e l l fAntn.) Ivird dcbattclos angeiwmmrn. Dann ivird dir Generaldebatte über den Etat, die Flotten- vorlade und die Reichsfinanzreform fortgesetzt. Staatssekretär der Marine v. Tirpitz: Ich möchte die Marin«. Vorlage, lvelche die verbündeten Regie- rniigcn dein hohen Hause vorgelegt habe», meinerseits mit ein paar erläuternden Worten begleiten. Die Novelle einl ält die etatsmähige Vermehrung unseres KreuzcrbestandeS um tt große Kreuzer. Die Bc- grüudung liegt sowohl in der Fnci>ciiSverwciii»i»g als in der Kriegs- tierwenimng. Der ersterc» Zweckbestimmung verdanken die Kreuzer ihren Namen als AuSlaudstrcnzer; sie sind bestimmt unserem Handel im Auslände eiueu Rückhalt zu geben und zur Repräsentation die Flagge zu zeigen, wo es erforderlich ist Es ist erstaunlich, welch ungeheure Anhäufung von Interessen an der See statifiiidet, und seit dem Jahre 1000 stnd diese Interessen trotz �er dazwischen liegenden Mißjahre in beständigem, teilweise rapidcin Wachstum gewesen. Einer solchen Steigerung entspricht von vorn- herciu eigentlich auch eine steigende Vertretung. Das, was die vcr- biludcten Regierungen als Auslandsvertretung Planen, vier große Kreuzer als Stationär«, und vier große Kreuzer als Verbinduugs- geschwader, ist iin Vergleich zu dem, was andere Nationen in dic>cr Beziehung tun, sehr mäßig. Es ist aber nicht angängig, diese Interessen nur durch lleine schwache Schiffe vertreten zu lassen. Es wird sich ja der Nutzen, den diese Auslands- Vertretung gewährt, nicht in jedem cinzelncn Falle abrechnen lassen zwischen den Interessen, die vorliegen, und den Kosten, die durch die Vertretung verursacht werden. Mai» wird vielmehr stets die all- gemeine Wirkung berechnen müssen, welche eine gelegentliche ei»- driicksvollc Vertretung deutscher Srcintcrrssen durch die deutsche Flotte hervorbringt. Wenn gesagt worden ist, unser Handel sei auch ohne Flotte vorwärts gegangen, so möchte ich doch demgegenüber be« merken, daß kleine Gegenstände leichter Unterschlupf finden als große. Gerade da wir genötigt sind, unsere Kräfte im wesentlichen in der Heimat zu konzentrieren, haben tvir ein natnrgenmßes Bedürfnis. an anderer Stelle kleine Wachen zu haben. Noch wichtiger erscheint da der Umstand, daß alle diejenigen, welche praktisch der Frage unserer Vertretung durch Schiffe im Ausland nahe gestanden haben, stets volle Würdigung für ihre Bedeutung gehabt haben. Sowohl unserem Auswärtigen Amt wie unseren Landslcutcn im Auslände hat die Marineverwalümg nie genug Schiffe hinanSsenden können. Unsere Landsleute draußen sind sich eben bewußt, daß durch eine solche Vertretung auch ihre geschäftlichen Positionen gestärkt werden. Unseren Nachbarnationcn, die ja bezüglich ihrer Seeinteressen ans eine längere Tradition zurückblicken können, kommen solche Zweifel überhaupt nicht. Schließlich wäre zu erwähnen, daß die Kosten für diese Auslandsvertretung nicht ausschließlich auf daS Friedens- konto, sondern bis zu einem entsprechenden Grade auch auf das Kriegökonto zu setzen sind. Es läßt sich ja nicht mit Sicherheit bestimmen, wie diese Kreuzer im Kriegsfälle verwendet werden können; das hängt zu sehr von dem Gegner, seinem Verhalten, dem Auf- enthaltsorte und dem technischen Zustande dcS Schiffes ab.— Die großen Kreuzer haben in, Jnlande die Bedeutung, die Schlag» sertigieit der Kriegsflotte zu erhöhen, im Auslände werden sie sich be- mühen, soviel als möglich den Gegner zu schädige» und so dem Handel zu nützen, indem sie möglichst viele von den feindlichen Schiffen auf sich ziehen und dadurch die heimische Schlachtflotte so- wohl als die Handelsschiffe entlasten. Die anderen großen see- fahrenden Nationen: England, Amerika, Frankreich und Japan halten jederzeit tüchtige Kreuzergeschwadcr bereit. Das Verhältnis zwischen Linienschiffen und großen Kreuzer» beträgt bei ihnen 1:1. In unserer Flotte ist dieses-Verhältnis 3:1(Hört! Hört! rechts), also auf drei Linienschiffe kommt bei uns nur ein großer Kreuzer. Nun ist cS ja gemäß nnserer politischen und geographischen Verhältnisse nickt erforderlich, daß wir das gleiche Verhältnis anstreben: wcr müssen aber wenigstens auf ein Verhältnis von l:2 zu kommen suchen, d. h. wir müssen sehen, daß auf zwei Linienschiffe ein Kreuzer kommt. Wir besitzen, unter Einrechnung der Materialreserve, 38 Linienschiffe, und wir werden, wenn diese Novelle von Ihnen angenommen wird, zwanzig große Kreuzer besitzen. Ich sollte meinen, daß dieser all- gemeine Gesichtspunkt auch widerstrebende Herren bewegen wird, der Novelle zuzustimmen. Bei den Anforderungen zum Etat handelt eS sich zunächst um eine Vermehrung der Törpcdobootsbcstände. Das Torpedoboot hat ja im russisch-japanischcn Krieg seine Feuertaufe erhalten. ES liegt mir natürlich fern, von dicfer Stelle aus irgend eine Kritik der russisch-japanischcn Torpedoboote auszusprechen. Aber das haben die nunmehr historischen russischen Torpedoboote doch gezeigt, daß daS Torpedoboot nur dann die Erwartungen erfüllt, daß eS nur dann seine spezifischen Chancen ausnützen kann, wenn eS auf einem sehr hohen Stande der Ausbildung steht. Nach dieser Richtung gehl der Wille der Regierung. Es ist unsere Absicht, die Torpedoboot- flottillc während dreier Jahre fest zusammenzuhalten, und zwar mit Mannschaften und Offizieren. Es ist aber nickt möglich, wie es beim Bataillon der Infanterie geschieht, in die taktischen Einheiten die Re- scrven einzuführen. Wir brauchen also aktives Material. daS ist der springende Punkt unserer Forderungen. Wenn nun ein Torpedoboot während dreier Jahre allen Strapazen ausgesetztist. so muß eSzuuächst in die Reparaturwerkstatt. Also auf drei Flottillen kommt immer eine, die in SIeparalur ist. Da wir im ganzen neun aktive Flottillen brauchen, so fordern wir im ganzen 12 Flottillen, also 144 Torpedo- boote. Ich war nie ein begeisterter Anhänger der vntcrsccboote, aber infolge von Verbesserungen ist das Unterseeboot jetzt doch für bc- schränkte Fälle von großer Bedeutung. Eine ZuknnftSprophczeiung cmszusprechen, maße ich mir nicht an. Aber da alle anderen Staaten in großem Maßstabe an den Bon von Unterseebooten hcrangegan�e» sind, fordern wir auch unsererseits jährlich sünf Mll ionen für Uittcrscebo ote. Am meist-» Anksehen hat unser Plan der Deplacements- Vergrößerung der Linienschiffe gemacht. Nachdem, namentlich infolge des Eindrucks der Seeschlacht von Tsuschima, eine allgemeine Er- höhung des Deplacements bei den seefahrenden Nationen ein- getreten ist, müssen auch wir in dieser N'chtung vorgehen. Die Ursache liegt namentlich in der größeren Bedeutung der Ferngeschütze. Wen» in Zukunft das Ferngefccht eine so große Rolle spielt, so er- gibt sich daraus die Nonveudigkeit einer schwereren Armierung, die wieder eine größere Tragfähigkeit der Schiffe erfordert. Weiter hat sich der Einfluß der Torpedos nach zwei Richtungen hin geltend gc- macht. Er ziviugt uns, den Kampf möglichst außerhalb Torpedo- schußweit- zu führen. Während diese bis vor kurze,» nur wenige hundert Meter weit reichte, ist darin in jüngster Zeit eine Ncndcruiig eingetreten.— Die Ansicht, die ich in der Presse gelesen habe, daß wir unsere Schiffe nicht vergrößern könnten mit Rücksicht auf die Befahrbarkeit der Wasiertänfe. ist für die von der Rczicimig gcplan-c» vaittcn nicht zulreffend. Dahingegen wäre <4* ft/t 1*0 tfJt'rnrnfai'rimn iitrht nlHrfis solche Erweiterung ohnehin nötig gemacht. Ich komme nun zu der Pcrsoualcrhöhung, die größtenteils durch die vorher geplanten Maßnahmen erforderlich ist. Wr werden, [ wenn man den Jahresdurchschnitt nimmt, in den nächsten i Jahren nicht wesentlich mehr verlangen als in den letzten i sechs Jahren von dem hohen Hause bewilligt worden ist. ' Bezüglich der besseren Ausnutzung der Schiffsartillerie bleibt uns noch manches zu tun. Durch die physische Entlastung des einzelnen Mannes soll die Geschwindigkeit und Ausdauer des Ge- schutzfcuers gesteigert und die Treffsicherheit erhöht werden.— Wir haben uns zum Schlüsse bemüht, über die Kosten, welche aus den geplanten Maßregeln voraussichtlich entstehen werden, einen Ucberblick zu geben und die schwierige Schätzung so gewissenhaft wie möglich ausgeführt. Sie werden nicht erwarten können, daß die einzelnen Zahlen stimmen, aber wir werden uns große Mühe geben, die Kosten innerhalb des Rahmens der Gesamtschä'tzung zu halten. Das ist der springende Punkt, auf den e« ankommt. � Aus den Acußerungeu der Presse und der Mitglieder dieses Hause? babe ich im allgemeinen den Eindruck gehabt, daß die Marinevorlage nicht unfreundlich aufgenommen worden ist. Wohl habe ich Stimmen gelesen sHeiterkcit), die die Kosten zu groß fanden und den Nutzen einer deutschen Marine überhaupt nicht einsahen, aber ich habe auch Stimmen gesehen lHeiterkeit), denen die Vkarmcvorlage lange nicht weit genug ging. Ich hoffe, daß die Beratungen in diesem Hause dazu beitrage» werden, auch diejenigen, welcke sich bisher zu den Vorlagen ab- lehnend verhielten, zur Zustimmung zu bewegen, und daß auch die- jenigen, welche eine größere Vorlage gewünscht hätten, sich werden überzeugen lassen, daß das Vorgehen der verbündeten Regierungen in dieser Frage richtig gewesen ist. Ich hoffe und wünsche dringlichst, daß eine möglichst große Majorität dieser Flottenvorlage zustimmen möge, damit jedweder sehen kann, daß die erwählten Vertreter dcS deutschen Volke? in dieser Frage geschlossen hinter der Regierung stehen.(Lebhafter Beifall rechts und in der Mitte.) Abg. Bebel(Soz.): Die Verabschiedung des Reichstages in, Sommer, die schon der Abg. Fritzen erwähnt hat. kam in der Tat im höchste» Maße über- raicheud. Noch wenige Tage vorher war dem Senioren-Konvent die Mitteilung zugegangen, daß mit Rücksicht auf bestimmte wichtige Vorlage», die sich damals in den Kommissionen befanden, eine Vcr- tagimg stattfinden sollte. Das einzige, was ivir über den Grund zu den, plötzlichen Schluß erfahren konnten, war, daß er nicht aus Animosität gegen den Reichstag erfolgt sei. ES wäre ja wirklich sonderbar, wenn gegen diesen Reichstag bei der Regierung eine Animosität bestehen sollte. Aber kurz darauf wurde gesagt, der Reichstag sei heimgeschickt worden, weil man der Erörterung über die damals schwebende Marokko- Angelegenheit aus dem Wege gehen wollte. Aber wenn wirklich die Situation einen so ernste» Charakter hatte, wie den, in dem sie später der Oeffentlichkeit entgegengetreten ist, so hätte man erst recht de» Reichstag für alle" Eventualitäten zur Hand hallen sollen. Jedenfalls war diese plötzliche Verabschiedung ein Verkahren äußerster RücksicktSlosigkeit gegen den Reichstag, gegen das ich im Namen meiner Parteifreunde entschieden Protest einlege.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wir haben keinen Grund, das bißchen Ansehen, daS der Reichstag„och bei den verbündeten Regierungen genießt, unter unserem Stillschweigen„och weiter herabdrückcn zu lassen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Später hieß es, der Reichstag werde st, Anbetracht seines riesigen BeratungssioffcS Mitte Oktober einberufen werden. Statt dessen ist er- jetzt so spät wie möglich zusammenberilfen worden, so spät, daß an«ine Fertigstellung des Etats bis April gar nicht gedacht werden kann. Wenn man dabei die Absicht hatte, zu verhüten, daß der Reichstag sich in gewisse Fragen allzusehr einiuifcht, so kann ick schon fetzt erklären, daß wir uns keine Zügel anlegen werden, daß wir die ernste» Fragen, die die gegenwärtige hochernste Situation bietet, auch ernst und gründlich behandeln werden, gleichgültig, ob»er Etat fertig wird oder nicht. Die Verantwortnng für sein Nicht- zustandetommen trügen dann eben die verbündeten Regierungen oder die Instanzen, die darauf hingearbeitet haben, daß der Reichstag so spät zusanimenberufen wird.— Der Reichstag ist mit eincrThronredc er- öffnet, die im I»- und Ausland großes Aussehen erregt hat. Ich entsinne mich einer solchen AusdnickSiveiie, wie wir sie dort finden, von keiner Thronrede seit Bestehen des Reiches. Es wird in ihr darauf hin- gewiesen, daß wir zu einzelnen Großmächten nur in korrekten, nicht in freundschaftlichen Beziehungen stehen, und der Reichskanzler hat ja gestern unsere Beziehungen zu den Hauptmächten Europas noch näher erläutert. Dabei hat er auch die Maroklofrage zur Sprache gebracht, aber da abgebrochen, wo es am notwendigsten gewesen wäre, weiter zu reden! Sie werde» es begreiflich finden, daß wir versuchen werden, das Versäumte nachzuholen. Der Reichs- kanzler hatte ganz recht, wenn er sagte, ein Staatsmann könnte nicht in jedem Augenblick eine Rede über die auswärtige Politik Deutsch- landS halten. Aber auch diese Aeußerung ist ein Beweis mehr für die ungewöhnliche Spannuiig in unsrrn intcrimtionalcn Bczichlingc». Weiter bezeugen eine Reihe anderer Aeußerung« n den Ernst der Situation. Ich erinnere nur an die Rede des deutschen Kaisers beim Festbanlett zu Ehren des sächsischen Königs: „Sic haben ja gesehen, wie eS in der Welt mit UNS steht. Darum das Schwert geschliffen, das Pulver trocken, die Kräfte ge- spannt, das Ziel fest erkannt und die Schwarzseher verbannt." Das hat in der ganzen Welt ungeheures Aufsehen erweckt. Und wenn der Reichskanzler gestern erklärt hat, daß Frieden oder Krieg heute am meisten von der Stimmung und Leidenschaft der Völker abhängt, wenn er Bezug genommen hat auf die tiefgehende Abneigung der öffentlichen Meinung Englands gegen uns, so hätte er sich bewußt sein solle», daß derartige Acußcrungcn jenseits des Kanals energischen Widerspruch erfahren werden(Unruhe rechts), genau so wie wenn ein englischer Staatsmann ausspräche, daß innerhalb Deutschlands ge- wisse Kreise eine tiefgehende Abneigung gegen England hätten. Daß beides der Fall ist, will ich gar uichi bestreiten.(Rufe rechts! Na, alio I) Aber die Frage ist doch, ob die Situation derart ist, daß eine Rede wie die des Kaisers vom 20. Oktober gehalten werden muß. Der Kollege Pansche hat ja schon am 4. Januar d. I.' in seinem Wahlkreise Kreuznach versichert, daß Deutschland in den letzten Wochen der Gefahr einer kriegerischen Verwickelung mit England sehr viel näher gewesen sei als'viele sich träumen ließen. Nun bin ich ja überzeugt, daß der Kollege Paasche bei seinen Beziehungen zu vielen Steven der Regierung und vielleicht auch des Hofes manches erfährt, was uns unbekannt bleibt. Aber trotzdem hatte ich bei dieser Aeußerung das Gefühl, daß der Abg. Paasche sich nur einmal habe— bemerkbar machen wollen(Große Heiler- teit.) Als dann aber am 27. Jnnuar Prinz Ludwig bei der Kaiser- Geburtslagsfeier aussprach: Wir verdankten eS dem Kaiser, daß wir im versiossciien Jahre nicht in einen großen Krieg verwickelt worden seien, da gewann die Mitteilung, daß um Weihnachten schon die Mobilmachung der Flotte angeordnet gewesen sei, allerdings an Wahr- scheinlichkett. Wir haben dringenden Grund zu erfahren, was an all' dem wahr ist, umsomehr als wir im Lause dieses Jahres an- geblich abermals anläßttch der Marokko-Affäre vor der Gefahr eines großen europäischen Krieges gestanden haben. Der Reickskanzler hat ja seiner gestrigen Rede selbst einen sehr ernsten Charakter bei- gelegt. Noch schärser lautete die Erklärimg, zu deren Vcröffent- lickung er seinerzeit den Korrespondenten des„Matin" ermächtigt halte: Er halte die Marokkokonfercnz für das beste Mittel, um aus einer Lage herauszukommen, die nach mehr als cmer Hinsicht gefahr- voll sei.— Wie entwickelte sich denn nun die Marokkosrage? Zuerst wurde die Angelegenheit vom Herrn Abgeordneten Sattler vorgebracht am 11. April 1004. Damals erklärte Graf Bülow, wir hätten keine Ursache, anzunehmen, daß da« eiiglisch-französische Ko- loiiinlabkoinmcn eine Spitze gegen irgend eine andere Macht entHalle. In Marokko hätten wir lediglich kommerzielle Interessen, und wir hätten keinen(sinmd, anzunehmen, daß diese unsere Interessen von irgend einer Macht mißachtet oder verletzt werden könnten. Im Laufe der Debatte sprach ich dann meine Bedenken darüber aus, ob diese optimistische Auffassung gerechtfertigt sei. Weiter erklärte dann Fürst Bülow im März dieses JahrcS auf meine Anfrage zu der Reise des Kaisers nach Tanger:„Ich halte cS nicht für opportun, mich eingehend über Marokko zu äußern. Deutschland erstrebt keine territorialen Erwerbungen in Marokko. Die Haltung des Politikers richtet sich nach den Umständen, aber unsere Politik gegenüber Marokko ist keine andere geworden." Am 29. März fand dann die Laudung deS deutschen Kaisers in Tanger statt, die die ganze Situation nach meiner Ucberzeugimg völlig veränderte. Wir haben gewiß allen Grund, es zurückzuweisen, wenn in Marokko deutsche Interessen ge- schädigt werden sollten, wir hatten eS sogar für viel richtiger ge- halten, wenn Deulschland sofort nach Bekanntwerden des englisch- französischen Abkommens die interessierten Mächte über dies Ab- kommen interpelliert hätte. Das ist nicht geschehen. Statt dessen geht nun der deutsche Kaiser nach Tanger— ein Vorgang, der bisher in der diplomatischen' Welt unerhört war.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Damals erklärte ick diese Reise für eine Demonstrationsreise, heute bezeichne ich sie als Provokationsrcise(Unruhe rechts. Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten). Es lag auf der Hand, daß ein solches Vorgehen bei den anderen beteiligten Mächten das höchste Mißfallen erregen mußte.(Unruhe rechts.) Ihnen(nach rechts) mögen solche Erörterungen unangenehm sein; eS handelte sich aber gegebenenfalls um das Glück der Nation, die ihr Gut und Leben in die Schanzen schlagen mußte, und lvir werden mit Rücksicht auf die Vorkommnisse alle Veranlassung haben, unS viel mehr um die auswärtige Politik zu kllinmern olS bisher.(Lachen rechts.) Wenn tvir Deutschland in Europa tatsächlich isoliert wissen, so ist da? zum großen Teil den Fehlern unserer eigenen Politik zuzuschreiben. WaS die Reise des Kaisers nach Tanger anbetrifft, so kam noch hinzu, daß die marokkanische Bevölkerung von einem derartigen persönlichen Eingreifen dcS deutschen Kaisers einen ganz anderen Eindruck haben mußte wie irgend eine zivilisierte Nation. Genau wie 1390 die bekannte Krügcr-Depesche bei den Bnrcn eine ganze Reihe von Hoffnungen in bezug auf ihren Konflikt mit England hervorgerufen hat. Ich bin im Zweifel, ob der Burenkneg ohne jene Depesche überhaupt ausgebrochen wäre.(Lachen rechts.) Tat- fache ist jedenfalls, daß die Depesche bei den Buren unberechtigte Hoffnungen erweckte. Und glauben Sic, daß die Be- völkerung Marokkos nicht ganz ähnliche Hoffnungen aus der Reise nach Tanger gewonnen hat? Zweifellos. Im ganzen Orient ist man des Glaubens, daß— wenn eines Tages die orten- talische Frage aufgerollt würde— man alsdann mit großer Sicher- hcit auf die Unterstützung durch Deutschland rechnen könnte. Das sind gewiß falsche Hoffnungen, aber Hoffnungen, die durch die Vor- gänge nur unterstützt werden. Die Behauptung des früheren französischen Ministers Dckcaffö, daß England für den Fall eines Krieges zwischen Deutschland und Frankreich diesem bestimmte Zusagen gemacht habe, ist allerdings durch eine Reuterdepesche in der„Nordd. Allg. Ztg." vom 15. Ok- tober d. I. als unrichtig zurückgelviescn lvordcu. Jaures aber hat auö- drücklich destäligt, daß Minister Delcasss eine solche Erklärimg abgegeben hat. Diese Angelegenheit bedarf also noch der Aufklärung und ebenso die im Anschluß daran anfgetauchte Nachricht: eS sei an den deutschen Genernlstab die Frage gerichtet worden, ob er in der Lage sei, in einen Krieg mit Frankreich einzutreten.(Unruhe rechts.) Als mir die Mitteilung wurde, erklärte ich sie für ganz verrückt. daS hieße ja ein zweites 1370— und noch dazu gegen Frankreich und England zugleich— provozieren. Jedenfalls wurden von diesem Augenblick an Frankreich und England vollkommen zusammengeschweißt.(Unruhe rechts.) Ich bedaure diese Vorgänge ganz außerordentlich, weil ich der Uebcrzcugung bin, daß eine andere als die eingeschlagene Politik uns sowohl mit Frankreich wie mit England auf einem freundschaftlichen Fuß hätte bringen können.— Bei dieser Gelegenheit muß ich noch etwas anderes berühren. Sie können nicht bestreiten, daß mein Freund Jaurös in dieser ganzen Frage eine für Deutschland außerordentlich wertvolle Rolle gespielt hat. Er hat sofort Lärm geschlagen, hat die öffentliche Meinung in Frankreich von diesen Dingen unterrichtet und hat gefordert, daß die Marokko-Angelegenheit unter keinen Umständen zu einem ernsten Konflikt zwischen Frankreich und Deutschland aufgebauscht iverden lalle. Da war eS selbstverständlich, daß meine Parteigenossen auf die Idee kamen, hier in Berlin seine Anschauungen zu entwickeln. ES sollte daS eine Friedens- und Freuiidichaftsdcmonstratian zwischen den beiden Völkern sein, die von seiten der deutschen Regierung doch nur mit Freuden begrüßt werden konnte. Zu aller Uebcrraschuug war aber das Gegenteil der Fall. Fürst Bülow schrieb persönlich an den deutschen Botschafter in Paris und forderte ihn auf. seinen ganzen Einfluß aufzubieten, um JaureS von Deutschland fernzuhalten. Der Herr Reichskanzler betonte in seinem Schreiben, er stimme nicht selten mit den Anschauungen JauröS in der auswärtigen Politik überein. Wewi auch von dem Takt des Herrn Jauros zu erwarten aiäre, daß er alles vermeiden würde, was der deutschen oder sran« zösischen Regierung Unannehmlichkeiten bereiten könnte, so könne man doch die gleiche Zuversicht gegenüber den deutschen Veranstaltern leider nicht hegen. Auch als besonders patriotisch wird die ftanzösische Sozialdemokratie in diesem Schreiben des Herrn Reichskanzlers be- zeichnet. Wir haben ja umgekehrt wiederholt die Erfahrung gemacht, daß die französische Presse unseren dortigen Genossen vorgehalten hat: Da seht! Bebel, daS ist ein patriotischer Mann.(Große Heiterkeit rechts.) Unsere Begriffe von Patriotismus und die Ihrigen (nach rechts) werden(ich allerdings niemals decken.(Lebhaftes Sehr richtig I rechts.) Ich habe das nur angeführt, um die ganze Lächerlich- keit dcS Verfahrens hüben und drüben zu brandmarken.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.)— Und dann, was die Bemerkung des Briefes inbezug auf die„rückständige, doktrinäre Haltung der deutschen Sozialdemokratie auf dem Amsterdamer internationalen Kongreß" betrifft, so will ich Ihnen mitteilen, daß auf dem letzten nationalen Kongreß der französischen Parteigenossen JauröS erklärt hat:„Seit Amsterdam haben alle französischen Sozialdemokraten dem MinisterialismuS entsagt!" JauröS hat dem Herrn Reichskanzler also eine Antwort gegeben, die sich dieser sicher nicht hinter den Spiegel gesteckt hat. Fürst Bülow sollte endlich einsehen, daß eS ein ganz vergebliches Be- mühen ist, zwischen der französischen und der denrschen Sozialdemo- kralie irgendwie Gegensätze aufzurühren. Ich weiß kaum einen zweiten Fall, bei dem sich der Reichskanzler so total bloßgestellt hat. Die ganze deutsche Presse war ja auch darin einig, selbst ein Blatt wie die„Berliner Neueste Nachrichten" fragte, ob denn irgend ein vernünftiger Grund vorliege, das Auftreten JauröS zu ver- bieten. Ein zweites Blatt, das namentlich in Fragen der äußeren Politik der ReichSregierung sehr nahe steht, die «Kölnische Zeitung" führte, noch ehe daS Verbot bekannt wurde, an§:„Es würde ein bedauerliche« Zeichen der Schwäche der Re- gierung sein, wenn das Verbot erfolgen würde." tHörtl Hörtl links.) Daß der Herr Reichskanzler sich so vor der ganzen Welt blamiert hat, kann uns ja gleichgültig sein; wir bedauern nur, daß Dcntsckland sich in solchen Fällen mit blamiert. Der Zufall wollte, daß ivcuige Monate vorher bei einem internationalen Zusammen- kommen in der Schweiz der Plan gefaßt wurde, in Konstanz eine internationale Arbciterverbrüdcrung zu seiern. Dazu wurde» außer meiner Person meine Genoffen Greulich aus Zürich, Adler aus Wien und ein italienischer Genosse aus Rom bestimmt. Ich wollte nur, dnß ein Teil von Ihnen(zur Reckten) die Kritik gehört hätte, die an den deutschen Regierungen geübt wurde, als bekannt Ivard, daß die bndische Regierung das Auftreten der aus- ländischen-Redner in Konstanz verbot. (Der Reichskanzler Fürst Bülow betritt den Saal.) ES wird der Tag kommen, Ivo Sie mit diesen Jniponderadilien flu rechnen haben werden! Der reaktionärste Staat, Rußland, stürzt in diesen Tagen danieder. Viele im Auslande werden denken, daß jetzt da-Z reaktionäre Preußen fallen müsse. sUnruhe rechts.) Eins hat der Reichskanzler gestern nicht gesagt, obgleich eS in bezug am die Politik in Ostasien von großer Bedeutung ist. Die Verhältnisse haben sich dort durch zwei Tatsachen völlig verändert, einmal durch den Friedensschluß von Portsmouth, sodann durch das cnglisch-japanische Bündnis, das am selben Tage bekannt wurde. Der ganze russisch-japanische Krieg ist ja nur durch unsere Ein- Mischung in den Frieden von Schimonoscki hervorgerufen.(Lautes Lachen rechts und in der Mitte.) Jawohl, infolge unserer dainaligen Einmischung bekam Rußland Port Arthur, Talienwan und Dalny, setzte sich dort fest und trat mit immer größeren Ansprüchen auf. Rußlands Oberhoheit ist jetzt dort für absehbare Zeit vernichtet. Durch das englisch-japanische Bündnis haben sich die beiden Ver- tragsmächte in Asien die Herrschaft zu Wasi'er und z» Lande ge- sichert. Das bedeutet für uns zunächst die offene Tür in ganz China. Das ist ein großer Vorteil für unseren Handel; denn wäre Rußland siegreich geblieben, so hätte es die Grenzen überall ver- schlössen. Auf der anderen Seite gab es Leute, die glaubten, wir hätten in Kinutschou einen Stützpunkt gefunden, um von dort großen Einfluß auf die ostasiatischen Verhältnisse zu gewinnen. Diese Hoff- nnngen sind jetzt aber allerdings sehr geschivächt. Nach meiner Meinung wäre es jetzt das Klügste, sich von dort zurückzuziehen. Wir können die militärische Position— ich betone das Wort „niilitärisch" in Kiantschou räumen. Diese kostet uns nur Geld. Diejenigen, die geglaubt haben, aus Kiautschou ein zweites Port Arthur macheu zu können, habe» sich getäuscht. Man müßte bei den verbündeten Regierungen einfach verrückt sein, wenn man einen solchen Plan ausführen zu können glaubt. Dagegen wird das englisch-japanische Bündnis sehr lange danern, weil es auf einer natürlichen Interessen- gemeinschaft beruht. Wenn einmal ein Krieg zwischen uns und England ausbrechen sollte, was wir nicht wünschen, so hätte Kiautschou nicht nur keinen Nutzen für uns, sondern würde sogar eine Kugel ani Bein sein. Dasselbe gilt aber auch für unsere gesamten auswärtigen Besitzungen in Afrika und im Stillen Ozean. Wir würden einfach nicht inistande sein, diese Besitzungen gegebenen- falls zu verteidigen.(Sehr richtig! links.) Alle die Millionen lvären dann verloren. Unter solchen Umständen ist es ein Nonsens, diese Millionen für die Kolonien auszugeben. Unser gesamter Handel mit den eigenen Kolonien beträgt jährlich etwa 36 Millionen Mark. Dabei haben wir aber in diesem Lahre einschließlich der Ausgaben für den südwestafrikanischen Aufstand ein Kolonialbudget von 133 Millionen Mark.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Einschließlich der Kosten der ostasiatischen Expedition sind es sogar 151 Millionen. Unsere ganze Kolvnialpolitik ist also nach meiner Meinung hellerWahnsinn. Wen» man für den gesamten dentschenHandel das Budget in derselben Weise einrichten würde(Lachen rechts), so mären wir in wenigen Jahren bankrott. fBeisall bei den Sozialdemo- kraten.) Wenn wir jemals in Europa in eine ernste Verwickelung kommen, � so lvären wir außerstande, gleichzeitig in Europa und in den überseeischen Ländern Krieg zu führen. In dem einen Punkte also hatte der Fürst Bismarck, deffen auswärtige Politik wir ja sonst keineswegs billigen, bollkommen recht, als er bei der Nachricht von der Erwerbung Kiautschous sagte: Gerade groß genug, um viele Dummheiten z» machen!(Sehr gut! und Heiterkeit bei den Sozial« demokrateil.) Wir führen allerdings 7,7 Millionen nach Kiantschou ein, aber in dieser Summe stecken die Ausgaben für die Truppen und das Eisenbahnmaterial. Die Ausfuhr KiautschouS ist 0,0.(Leb- hafter Widerspruch und Lachen rechts.) Ja, weniger kann sie nicht gut sein! Diejenigen, die� glauben, daß unser Auswandererstrom in die Kolonien abgeleitet werden könnte, sind entweder Dunlmköpfe oder Betrüger.(Unruhe rechts.) Duinm- köpfen verzeihe ich, Betrüger sollten allerdings ins Zuchthaus kommen. Der Reichskanzler hat von einer Verstimmung gewisser publizistischer Kreise in England gegen uns gesprochen. Ich möchte fragen, ob diese Verstimmung ausschließlich in diesen Kreisen besteht, oder vielleicht auch noch bei anderen Leuten. Wie steht denn zum Beispiel der Hof von London zu dem Hofe von Berlin?(Heiterkeit links, Unruhe rechts.) Das möchte ich auch gern hören.(Große andauernde Heiterkeit.) Die Stimmung zwischen den Höfen sollte ja allerdings auf die Stimmung zwischen den Völkern keinen Einfluß haben. Aber es kommt vor, daß durch gewisse Reden(Heiterkeitj das Verhältnis zwischen den Völkern schwieriger wird. Solche Reden bedeuten eine ganz außerordentliche Gefahr für uns.(Lebhafte Zustimniung links.) Auf einer so expo- nierten Stellung sollte mancher manchmal lieber nicht reden.(Heiter- keit und Beifall bei den Sozialdemokraten.) Seit ungefähr 10 Jahren, seit dem Krüger-Tclcgramm vom 3. Januar 1896 sind eine ganze Reihe von Aeußerungen gefallen, die jenseits des Kanals verstimmen mußten. Es folgten die Reden: 1397:„Der Dreizack gehört in unserc Faust!", 1898 im September in Stettin:„Deutschlands Zukunft liegt auf den» Wasser!", 1893 in Hamburg:„Bitter not tut uns eine starke Flotte!".(Ein Abgeordneter der Rechten ruft ganz laut: Sehr richtig!— Große Heiterkeit.) Als ich damals den Staatssekretär der Marine interpellierte, ob eine zweite Flottenvorlage in Aussicht stehe, da schwieg er:„Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts'. Trotzdem kam die Flottenvoilage und wurde voni Zentrum trotz aller entrüsteten vorherigen Proteste bereitwilligst akzeptiert. Dann kam im Juli 1900 beim Bankett anläßlich der' Taufe der„Wittels- bach" die Redewendung, daß auch auf dem Ozean ohne Teutschland n»d den deutschen Kaiser keine große Entscheidung mehr fallen dürfe. Ein Glück, daß wir uns trotz jener Rede nicht in Ostasien ein- gemischt haben, wo auch die große Entscheidung über das Geschick zweier Völker auf dem Ozean fiel! Endlich das famose Telegramm im Sommer 1902 nach dem Besuch deS Zaren in Reval:„Der Admiral des atlantischen Ozeans dem Admiral des stillen Ozeans". Der Admiral des stillen Ozeans ist sehr still geworden.(Große Heiter- keit.) Es war ein ganz nettes Bild im„Wahren Jacob", auf dem der Zar in einer Waschschüssel herumruderte, dem letzten lieber- bleibsel seiner Macht aus dem Meere. Ich hoffe nicht, daß es dem Admiral des atlantischen Ozeans einst ebenso gehen wird.(Heiterkeit links, vereinzelte Pfuirufe rechts.) Der Abg. Fritzen erklärte namens seiner Partei, daß sie Krieg weder mit England noch mit Frankreich wünsche. Das ist die An- ficht des ganzen deutschen Volkes. Wäre sie es nicht, so wäre auch in diesem Jahre mehr als eine Gelepenheit gewesen. Krieg hervor- zufen. An der Aufrcchterhaltung des Friedens ist heute in erster Linie die Sozialdemokratie aller Länder schuld(Widerspruch rechts), die als Menetekel den herrschenden Klaffen entgegensteht. (Lachen rechts.) Ja. meine Herren, die Masse des Volkes, ob man sie zuläßt oder nicht, spielt heute auch in den internationalen Be- Ziehungen eine große Rolle. Und es war ein Mann von Ihrer Seite, der Generalleutnant v. Liebert, der in diesem Sommer schrieb, daß ohne die Zustimmung der Volksmassen heute kein Krieg geführt werden könne. Was das russische Volk seinein Herrscher ge- zeigt hat, könnten unter Umständen auch westeuropäische Völker ihren Fürsten beibringen.(Lebhafte Zustimniung bei den Sozialdcmo- kraten, große anhaltende Unruhe rechts.) Die Völker lasten sich heutzutage in keinen Krieg mehr hetzen. Sie müssen wissen, worum es sich dabei handelt, und nur wenn sie das Ziel billigen, sind sie für den Krieg zu haben. Anders nicht! Ich bin nicht der Meinung, daß Deutschland sich jede Provokation gefallen lassen muß, aber nur mit der Zustimmung des ganzen Volkes kann heutzutage ein Krieg geführt werden.'(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Zur Brgrüudung der Flottenvorlage beruft man sich auf die Ausdehnung, die der deutsche Handel— zum Vorteil der Bourgeoisie— tatsächlich in den letzten Jahren gewonnen hat. Der deutsche Außenhandel ist in den letzten 3 Jahren ja von 3% auf 12 Milliarden Mark, genau um 40.7 Proz. gestiegen. Aber kenTMensch kann behaupten, daß die deutsche Flotte dazu beigetragen hat. Allein mit England und seinen Kolonien taufchen" t-ir für 2820 Millionen Mark Waren jährlich ans. reichlich '■l Proz. unseres gesamten Welthandels. Trotz aller Beleidigungen ij£d Hetzereien hat sich dieses Geschäft in steigendem Matze erweitert und ist das glänzendste zwischen allen Nationen der Welt geworden. England wird ein derartiges Geschäft nicht mit aller Gewalt zu- gründe richten wollen. Eine solche Absicht wäre ja Wahnsinn! Sie dürfen ja auch nicht vergessen, daß wir noch heute ziemlich alle Waren frei nach England einführen dürfen. Dabei wäre es doch gar nicht wunderbar, wenn England sich sagte, daß, da ihm alle Grenzen abgesperrt werden, es auch seine Grenzen absperren nmß. Das war doch auch Ihr Hauptargument bei der Schaffung der Zölle. Trotzdem hat Chamberlain vorläufig noch keinen nennens- werten Teil des englischen Volkes hinter sich. Einstimmig hat sich die englische Arbeiterklasse gegen ihn ausgesprochen, ebenso wie die 2 Millionen gewerkschaftlich organisierten Arbeiter sich einstimmig gegen die deutschfeindliche Propaganda erklärt haben. Und die Arbeiter- organisationen bedeuten in Engtand noch etwas mehr als bei uns. (Widerspruch und Zurufe rechts.) Lassen Sie nur, das nächste Mal werden die englischen Arbeiter auch ihre Vertreter in das englische Parlament hineinwählen, Jedenfalls hat vorläufig der schutzzöllnerische Pre- mierminister einem frcihändlerischen Platz machen müssen.(Zuru des Abg. Graf Könitz: Abwarten!) Weiter beruft man sich darauf, daß der deutsche Sechandcl viel stärker gestiegen sei als der Landhandel. Die entscheidende Frage ist aber: wohin der Handel geht. Mehr als zwei Drittel unserer Ausfuhr gehen nach den europäischen Staaten, von dem Rest der größte Teil nach den englischenKolonie» und nach Nordamerika. Angesichts dieser Verteilung unseres Handels läßt sich eine so große Flotte, wie sie schon jetzt bei uns besteht, nicht rechtfertigen. Selbst wo sie e i n g r e i f e n muß, würde eine unendlich viel kleinere genügen. In Militär- und Flottenfragen bewegen sich die Regierung und die Mehrheit des Hauses immer noch in demselben oireuhrs vitiosus (Trugschluß). Wenn Sie eine Mehransgabe von 450 Millionen für die Flotte berechnen, dann berücksichtigen Sie noch immer nicht die afenbauten, die Bcsestigungen und die Verbreiterung des Nord- slsee-Kanals. Mit Naturnotwendigkeit muß aus der gegenwärtigen Situation weiter eine erhöhte Ausgabe für die Armee kommen, das kann man schon jetzt voraussehen. Wenn wir vor zwei Jahren die heutige Situation gehabt hätten, dann würde sich der Kriegsminister sicher nicht mit zehn Millionen begnügt haben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Und wenn Sie heute das ganze Steuer- bukett bewilligen, für künftige Forderungen reicht es doch nicht aus. Man sagt: England! England! und immer wieder England I Es scheint mir schier unbegreiflich, wie man so etwas reden kann. Als vor drei Jahren in England über dieses Thema verhandelt wurde, da erklärten die Vertreter aller Parteien: England ist nicht reich genug, um sich eine erste Armee und Marine zu halten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Da künftighin Frankreich und England zusammenstehen werden, so hätten, wenn ein Flugblatt des Flortenvcreins richtig berichtet, gegebenenfalls im Jahre 1910 Deutschland 24 Panzer und 8 Kreuzer, England und Frankreich 87 Linienschiffe und 65 Panzerkreuzer. Welch kolossales Uebergewicht! Da ist doch gar nicht daran zu denken, auch nur annähernd das gleiche zu erreichen. Im Falle eines Krieges wären England und Frankreich im stände, die ganze Nordsee mit ihren Schiffen geradezu zu pflastern. Wir würden genau so vernichtet werden wie die Russen in der Tsuschimastraße! Wie können Sie an einen Krieg mit solchen Mächten denken! Ist denn unser Verhältnis zu Ruß- land sicher? Die orientalische Frage, die Eroberung Konstantinopels tritt für Rußland zurück hinter der Idee der Eroberung der deutschen Ostseeprovinzen. Wenn heute in Rußland das konstitutionelle System eingeführt wird, so bedeutet das, daß die russische Bourgeoisie das Heft in die Hand bekommt, für die es eine Lebensnotwendigkeit sein wird, ein starkes Heer zu haben. So haben wir. auch nach dieser Richtung hin alle Ursache, zu fragen, was die Zukunft bringt. Ihs ist die Folge davon, daß wir uns England zuliebe zwischen zwei Stühle gesetzt haben! Wie wollen Sie die Kosten decken? Der Reichskanzler hat gestern ein Steuer- Programm entwickelt genau wie Bismarck am 22. November 1875. Auch damals spielten schon Tabak, Zucker, Petroleum eine Rolle, da? waren die.Luxusgegenstände", die herangezogen werden sollten! DaS ist die Politik, die seit Jahren im Deutschen Reiche befolgt wird. Neue Wege wandelt der jetzige Reichskanzler also nicht. Auch eine Automobilsteuer schlägt man vor. Ich vermute, daß sie nur als Dekoration angehängt ist. Sie soll auch nur 2Vz Millionen bringen. Man weiß, daß eine Bewegung gegen die Automobile im Lande vorhanden ist; diese will man benutzen. Das Volk wird sich aber wundern, daß nicht mehr dabei herauskommt. ES ist ja eine alte Weisheit: die sogenannten Luxussteuern bringen wenig ein. Die ganze Champagnersteuer hat nur 4>/z Millionen gebracht! Der Branntwein zieht anders! Wenn Sie aber die Einkommen, die Vermögen und Erbschaften besteuern wollen, so lassen wir mit uns reden. Da bringt man die Onittungsfteuer! ES ist doch ein Horrendum(un- glaublicher Zustand), daß ein armer Teufel, der 20 M. für seinen Anzug zahlr, 10 Pf. Ouittungssteuer zahlen soll, ein reicher Mann, der große Summen von der Bank holt, auch nicht mehr I Hätten Sie'nicht wenigstens eine progressive Steigerung vorschlagen müssen? Die MittclstandSretter können sich an dieser Sieuer die Zähne aus- beißen. Der Staatssekretär bestritt, daß die Tabaksteuer bisher verheerend gewirkt habe. 1892 sind von Hamburg tausend und abertausend Ar- beiter ausgewandert, und die Fabrikanten haben die Fabriken nach Süddcutschland verlegt, wo sie jetzt statt früher 13 M. 5—12 M. Lohn zahlen.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) So sind tausende von Arbeitern um ihre Existenz gebracht. Sie im Zentrum wollen die Zigarettensteucr. Vergessen Sie doch nicht, daß die Hälfte aller Zigaretten 1 Pf.-Zigarcttcn sind, daß durch die Verteuerung der Zigaretten eine Menge von Arbeiterinnen der Prostitution in die Arme getrieben wird! Von allen diesen Steuern sollte keine einzige bewilligt werden, wohl aber sollten alle Einnahmen aus der Erb- schaflsstcuer gewonnen werden. Sic bekommen mit dieser Steuer auf einmgl eine Einschätzung von Vermögen und Einkommen, wie sie Sie schöner vorher gar nicht gehabt haben. Das war ja der Grund, weshalb Miguel seine Erb- schaflsstener nicht durchsetzen konnte. Der Herr Reichskanzler hat ja selbst zugegeben: niemand zahlt gern Steuern, auch der Patriotismus nicht. Noblesse oblige, das heißt, ins Moderne übersetzt: Besitz verpflichtet. Für den Besitzenden hat der Staat am nieisten zu sorgen und zu verteidigen: in demselben Maße zu der Beschaffung der Mittel beizutragen, ist daher die verdammte Pflicht und Schuldig- keit, ja— ich nehme das Wort nicht gern in den Mund— die sittliche Pflicht der Besitzenden.(Zuruf rechts: Auch Ihre! Heiterkeit rechts.) Gewiß, ich wende mich nur dagegen, daß Sie auf die Masten, die' nichts habe», die Abgaben lege». Deutschland zieht 82 Millionen aus der EcbschastSsteu'er in den einzelne» Staaten. Frankreich zieht aus dieser Steuer 200 Millionen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)" England hat im Jahre 1901 380 Millionen aus der Erbschaftssteuer gezogen.(Hört! hört! bei den Sozialdem.) Im Jahre 1901, als der Vnrenkrieg ungeheuere Opfer verlangte, hat die englische Aristokratie und Bourgeoisie' die Einkommen-, Vermögens- und Erbschaftssteuer erhöht und an Erbschaftssteuer 380 Millionen, an Einkommensteuer 788 Millionen, zusammen also 1168 Millionen aufgebracht,(Hört! hört! links.) Nach dein Burenkrieg wurde die Steuer natürlich ermäßigt, aber 1903 wurden doch noch 620 Millionen an Einkommen- und 330 Millionen an Erbschaftssteuern aufgebracht. Dabei werden an indirekten Stenern in Englaiid nur Tabak- und Petrolennistener erhoben, alle Nahrungsmittel, � Judustrie- artikel sind steuerfrei. Folgen Sie(nach rechts) zunächst einmal dem Beispiel der englischen Aristokratie und Bourgeoisie, dann würde unser Marine- und Militärbudget zum mindesten zur Hälfte aus der Erbschafts-, Vermögens- und Einkommensteuer gedeckt werden können. Aber das wollen Sie eben nicht, dagegen wehren Sie sich, die M a s s e hat das Vaterland zu verteidigen, die Masse muß auch Heer und Marine unterhalten. Sie haben die Vorteile, die Ehrenstellen, die großen Aufträge usw. Für die Füllung Ihrer Koinpotischüsscl ist gesorgt. Alle Resolutionen in bezug auf Sozialreform, die der Reichstag im letzten Frühjahr angenomnieu hat, sind einfach in den Papierkorb deS Bundesrats gewandert. Dagegen ist Scharfmacherei Trumpf! Das beweist die Absicht der Beschränkung der cselbstverwaltung der Kraukenlajjcn, das Verhalte» der Regier»»» bei den Massenstreiks. In Berlin streiken ein paar Hundert Elcktrizitätsarbeiter um eln« geringe Lohnerhöhung; darauf sperren die Unternehmer 30 000 Ar« beiter aus, und die Regierung kommt den Unternehmern zu Hülfe, indem sie Feuerwehrleute, Schutzleute, Lokomotivführer, sogar Militär zur Verfügung stellt, damit die Elektrizitätswerke den Betrieb aufrecht erhalten können. Anderenfalls hätten die Ar- beiter ja siegen können! Wo bleibt in diesem Falle der„Schutz der Arbeitswilligen", Herr Reichskanzler?— Die 30000 wollten arbeiten! Von dem Vereins- und Versammlungsrecht für Frauen ist noch immer keine Rede, das Koalitionsrecht der Arbeiter wird immer mehr beschränkt, die Massenaussperrnngen folgen einander. In Dresden werden 4000 Zigarettenarbeiterinnen Wochen auf Wochen ausgesperrt, und die Fabrikanten verlangen, die armen Dinger sollten aus dem Verbände austreten. So wird durch die Willkür der Unternehmer den Arbeitern das bißchen Vereinigungsfreiheit noch genommen. Von unserem Parteistaudpunkt aus haben wir ja gegen die Aussperrungen nichts. Wenn so gegen die Arbeiter aller Richtungen vorgegangen wird, wird ihnen der Charakter des Klassen- staates klarer als durch die besten Agitationsreden. Zu den neuen Steuern kommt das Inkrafttreten der neuen Handelsverträge. Diese werden schon jetzt dadurch schädlich, daß zahlreiche deutsche Fabriken über die schiveizerische, österreichische. russische usw. Grenze auswandern, weil sie die neuen hoben Zölle nicht ertragen können. Diese Arbeitsgelegenheiten � gehen den Arbeitern verloren.(Zuruf rechts: Geschah ja schon seit Jahren!) Gewiß, aber in der letzten Zeit nimmt diese Auswanderung in er- fchi eckender Weise zu. Lesen Sie doch einmal die an der Grenze erscheinenden Zeitungen. Die Arbeit ist die Grundlage der Steuerfähigkeit und der Wehrfähigkeit. Aber man will die Arbeiter noch ihrer kläg- lichen Rechte, die sie besitzen, berauben. Man denke an die Hansastädte! llnd in Preußen hat man den Zustand, daß die ganze Arbeiterschaft unvertreten ist infolge des elenden, verruchten, bodenlos verrotteten Wahlrechts!(Lebhafter Beifall auf der ganzen Linken.) Und auch jetzt wollen Sie nur ganz kleine jSer- bessernngen vornehmen. 15 Prozent der Bevölkerung wählen 433 Abgeordnete, und 85 Prozent können keinen einzige:: Vertreter durchbri'ngen I Nun Herr Reichskanzler, wenn Sie vor anderthalb Jahren im Herrenhanse ausgerufen haben:„Preußen in Deutschland voran. Deutschland in der Welt voran!", was sagen Sie jetzt? Preußen ist heute das reaktionärste Land der Welt. (Beifall links.) Die Arbeiter aber wollen nicht mehr dulden, daß ihnen der Fuß auf den Nacken gesetzt wird, sie wollen mitraten und mittaten, sie wollen ihre staatobürgerlicheu Rechte vertreten können. (Fortwährende Zivischenrufe rechts, besonders des Abg. v. Kardoff.) Wenn Sie nicht dafür sorgen, daß das Vaterland, das der Arbeiter verteidigen soll, der Verteidigung wert ist, so wird der Arbeiter das nächste Mal sich erst fragen, ob er in die Verteidigung ziehen soll.(Lebhafte Unruhe rechts und in der Mitte.) Der'Acheron(Fluß in der U n t e r w e l t) ist in Bewegung. Sie haben keine Ahnung von der ungeheueren Verbitterung, die heute im Lande verbreitet ist.(Zuruf rechts: Die Sie verbreiten!) Sie liefern uns ja stets das Material! Wir müssen ja die Unzufrieden- heit immer bremsen. Sie aber sorgen in jeder Session für neues Material. Wenn die Verhältnisse krank sind— die Verantwortung liegt bei Ihnen!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Bevollmächtigter zum Bundesrat, preußischer Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben: Ich will nur auf einige der Ausführungen des Herrn Vor- redners eingehen, die in mein Ressort fallen. Herr Abgeordneter Bebel hat den Arbeiter einen politischen Heloten genannt.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Sehr richtig!) Sehr richtig I ist kein Beweis. Nach meiner Auffassung befindet sich der Arbeiter bei uns in völlig geordnetem rechtlichen Zustand.(Lebhafte Zurufe bei den Sozialdemokraten: Beweis! Beweis!) Sie behaupten ferner, wenn Sie nicht bremsten, dann würde die Bewegung noch viel schlimmer sein. Ich muß gestehen, ich lege auf Ihr Bremsen keinen sehr großen Wert, sondern ich glaube, daß eS die Autorität des Staates und der Gesetze ist. die die Bewegung zurückhält.(Sehr richtig! rechts.) Der Abg. Bebel meinte, die Arbeiterschaft würde es sich überlegen, ob sie im Zustande der Not der Aufforderung deS Vaterlandes, es zu verteidigen, im geeigneten Falle folgen werde. Ich nagele diesen Ausdruck des Herr» Bebel hier fest, daß es dem Votum der Arbeiter- schaft anheimgestellt werden soll, zu entscheiden, ob dem Rufe deS Kaisers, das Vaterland zu verteidigen, Folge geleistet werden soll. (Lebhafte Zustimmung rechts. Unruhe und Zurufe bei den Sozial- demokratcn.) Der Vorredner hat ferner gesagt, der Besitz verpflichtet, und darin kann ich ihm nur beipflichten. Ich werde nachweisen, daß dieser Gesichtspunkt maßgebend gewesen Gt für die ganze steuerliche Entwickelung der neueren Zeit. Wir haben in der Beziehung ein sehr gutes Gewissen: denn die bürgerlichen Parteien tragen schon jetzt in Staat und Kontmune fast die ganzen Lasten.(Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten. Sehr richtig! rechts.) Für die Arbeiterverficherung tragen die Arbeitgeber jährlich 276 Millionen Mark.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Soviel zahle.» die Arbeiter allein! Lachen rechts.) Wenn man die direkten und indirekten Steuern zusammennimmt, so kommen in Preußen 26 M., in Oesterreich 38, in Ungarn 28. in Frankreich 61, in Groß- britannien 65, in Italien 35 und in Rußland 20 M. auf den Kopf der Bevölkerung. Bei den neuerlichen Maßnahmen in bezug auf die Besteuerung ist immer der Gesichtspunkt maßgebend gewesen, die Besitzenden heranzuziehen und die Nichtbesitzenden zu entlasten. (Zuruf bei den Sozcaldemokraten: Unigekehrt!) Im Jahre 1904 lvären nicht weniger als 63 Proz. der Bevölkerung steuerfrei.(Hört! hört! rechts. Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) l8on den über 34 Millionen Einwohnern Preußens sind 32 Millionen entweder ganz von Steuer befreit oder in der niedrigsten Steuer- stufe, während die übrigen 70 Prozent der gesamten Stenern auf- bringen.(Hört! rechts I rechts.) Die Kommunalsteuer wird in Preußen nnd in den meisten andcrcn Bundesstaaten in der Form eines Zuschlages zur Staatseinkommensteuer erhoben. Die Zuschläge sind in zahlreichen Geineinden, namentlich im Westen, sehr hoch. Von den rund 35 Millionen Zensitcn sind 22 Millionen ganz steuer- frei und die übrigen 13 Millionen zahlen zu den 200 Millionen Einkommensteuer im Durchschnitt 140 Proz. Zuschläge, ebenso werden Zusckläge zu den Realsteuern erhoben, und wenn nian dann die übrigen direkten Steuern dazu rechnet, wie z. B. die Erbschafts- steuer, so kommen auf diese Zenfiten rund 700 Millionen Mark Steuern. Die Etats der Kommunen werden hauptsächlich durch Schul- und Armenlasten belastet.(Sehr wahr! rechts.) Diese kommen doch den minder leistungsfähigen Klassen zugute. Durch die Ein- führuna der Kanalisation und ähnliche Einrichtungen ist der Gesund- heitszuftand der minder besitzenden Klassen wesentlich verbessert worden, wenngleich ich zugebe, daß auf dem Wohnungsgebicte noch (ehr viel zu tu» ist. Auf dem Gebiet der Arbeitervcrsicherung sind im Jahre 1903 in Deutschland nicht weniger als 602 Millionen aufgewendet worden. Hiervon entfallen auf die Beiträge der Arbeitgeber 374 Millionen. Für die Arbeiterverficherung werden täglich in Deutschland 1'/, Millionen ausgebracht, davon 3/4 Millionen nahezu von den Arbeitgebern. DaS hat noch kein Land der Erde uns nachgemacht. 'Vielfaches Sehr wahr! recht*.) Die 580 Millionen Zölle und in- direkten Steuern, die in Preußen für da? Reich erhoben werden. treffen allerdings wohl zu einem crheblicheil Teile die minder- bemittelten Kreise; aber dagegen bringen die Besitzenden allein 900 Millionen Mark jährlich auf. Auch über das vom Abg. Bebel wieder o»>sührte.Proletarierelend" muß ich noch einige Angaben machen. Ich bestreite gar nicht, daß es noch viel Elend iit der Welt gibt, aber Tatsache ist, daß die Lohn- und Lebensverhäliuifse�der handarbeitenden Klaffe in Deutschlaild sich in den l-tzten drei Jahrzehnten in ganz erheblichem Maße gebelfert habe».(Sehr wahr! rechts.) Jedenfalls ist der Durchschmttslohn. Von 1383— 1903 von 612 ans 809 M. oder um 33'/z Prozent gestiegen.(Vielfaches Hört I hört! und Sehr wahr! rechts.) Noch einen kurzen Blick auf die Sparkassen, dre nur zum geringen Teil als Depositenlasse» benutzt werden, meist aber den wenig und wenigst bemittelten Kreisen dienen. Danach sind die Einlagen vom Jahre tS75 mit 1 Milliarde 120 Millionen Mark mir über 7 Milliarden im Jahre 1003 angewachsen. sHört! hört! rechts.) Die k l einen Bücher mit Beträgen bis zu 60 M. sind im gleichen Zeitraum von 530 Millionen Mark auf 2 Milliarden 727 Millionen Mark angewachsen. sHört I hört! recbts.) Aber ich rufe die Sozialdemokratie selbst zum Schiedsrichter an über die Besserung der Lebenshaltung der deutschen Arbeiter. Im Bericht der Generalkommisfion an den 5. Kongreß der sozialdemokratischen Geiverkschaften Deutschlands wird mitgeteilt, daß im Jahre 1801 277 000, im Jahre 1004 weit über 1 Million Arbeiter organisiert waren; diese brachten im Jahre 1801 1 116 000, im Jahre 1004 weit über 20 Millionen Mark an Beiträgen auf. (Vielfaches Hört! höri! rechts.) Ja. alle bürgerlichen Parteien sollten das als einen Ansporn betrachten, dieser Opferwilligkeit nachzueifern, die bisher die bürgerlichen Parteien lange nichi in demselben Maße übten. Jedes Gewerkschaftsmitglied zahlt 20 M. Beitrag im Jahre. Da sollte einmal der Staat oder die Kommune dem kleinsten Arbeiter eine Steuer in dieierHöhe auferlegen wollen! Was hätte dann wohl Herr Bebel gesagt!(Sehr gut! rechts) Die sozialdemokratische Partei- lasse hat ja von den 721 000 M. Einnahme im letzten Jahre nur 407 000 M. ausgegeben und 224 000 M. kapitalisiert. Wenn die Arbeiter wirklich so bedürftig wären, wie Herr Bebel sagt, dann wäre es geradezu ein Verbrechen, so hohe Beiträge zu erheben. (Lebhaste Zustimmung rechts.) Uebcrhaupt, wenn die Gewerkschafts- beitrüge herabgesetzt würden, würden die Mittel zu so frivolen Streiks wie deni letzten Elektrizitätsstreiks wohl fehlen und die Ar- beiter nicht in den Streik und damit ins Verderben gehetzt werdettl (Vielfaches Bravo rechts, Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die gestrigen Ausführungen des Abgeordneten Fritzen haben die Möglichkeit einer Verständiamtg über die Finanzfrage in sehr weite Ferne gerückt. Ich hoffe dringend, daß das Zentrum ini weiteren Stadium der Beratungen den Wünschen der Regierungen nach einer strengen Fixierung der Matrikularbeiträge noch entgegen- kommen wird. Daß die Erbschaftssteuer auf das Reich übernommen ist, ist allerdings ein Novum. Sie aufzugeben ist auch ein sehr schwerer Entschluß für die Einzclstaaten gewesen. Wir sagten uns aber: Essoll nicht jeder auf seinem Schein bestehen! Dafür verlangen wir aber auch von dem Reichstag, daß er uns bei den Matrikularbeiträgen entgegenkommt. Das Budgetrecht soll nicht verkümmert werden. Abg. Fritzen hat die Einbeziehung der Deszendenten und Ehegatten in die Besteuerung der Erbschaften gefordert. Die sinanzielle Wirkung dieser Einbeziehuilg wird aber weit überschätzt. Nach den Erfahrungen in Elsatz-Lothringen nehmen diese allerdings der Zahl nach vier Fünftel aller Erbschaften ein; da sie aber zu diel geringeren Sätzen veranlagt werden müssen, bringen sie nur ein Drittel des Betrages ein. Das würde für das Reich nur 25 Mil- lionen ergeben. Diese Steuer trifft aber nicht einmal die großen Erbschaften, vielmehr betragen 4,5 Proz. dieser Erbschaften weniger als 2000 M., 43 Proz. weniger als 50 000 M. Gegen die Heran- ziehung der Ehegatten und Deszendenten spricht aber weniger als ein materielles Interesse ein ideales. Soll das Wenige, was sich ein Mann erarbeitet hat, hei seinem Tode nicht einmal ungeschmälert seiner Familie zukommen? Bei uns in Deutschland haben wir im allgemeinen zwar große Einkommen, nicht aber große Vermögen. In dem Moment, wo die Familie in die größte Trauer versetzt ist, soll ihr der Staat nicht noch einen Teil der Existenzmittel nehmen. Ich glaube ja, daß die Sozialdemokratie gern in diese Kerbe weiter hauen würde; denn wir würden auf diese Weise durch die Eni- cignung des Kapitals dem sozialdemokratischen ZukunstSstaate immer näher kommen.(Hu! hu I bei den Sozialdemokrateu.)-- Ich hoffe, daß auch der Herr Abgeordnete Fritzen sich davon überzeugen wird, daß cS all dieser Mittel nicht bedarf, sondern daß der Weg, den die verbündeten Regierungen vorschlagen, durch- aus gangbar ist. Um eine Verteuerung der notwendigen, unentbehrlichen Lebensmittel handelt es sich dabei nicht. Die Steuer auf Bier ist seit langer Zeit nicht erhöht worden, in Preußen sogar seit 1310.(Hört! hört! rechts.) Trotz des in vielen deutschen Staaten gegen früher erhöhten Steuersatzes ist das Bier dort nicht teurer, sondern billiger geworden. Die Ihnen vorgeschlagene Steucrerhöhung lvürde etwa V» Pfennig auf das Seidel ausmachen. Dieser Zuschlag kann kaum auf den Konsumenten abgewälzt werden. Was nun aber den Tabak anlangt, so ist seine Belastung in England und Frankreich durch die dortigen Steuern eine weit höhere, als lvir sie Ihnen vorschlagen. Ich rauche selbst leidenschaftlich gern, aber ich bin gern bereit, einen erhöhten Obolus dafür auf den Altar des Vaterlandes niederzulegen.(Lachen linls.) In der ganzen Presse liest man seit Wochen nichts anderes als Proteste das der Dank für die Ist das der Dank dafür, nicht nnr politisch geeint, wirtschaftlich in einer Weise Besteht denn unsere Nation gegen unsere Steucrprojelte. Ist im Jahre 1870 erzielte Einigkeit? daß durch GotteS Willen Deutschland sondern im letzten Menschenalter auch aufgeblüht ist wie kein anderes Land? nur aus Leuten, die da sagen: Hör mich, heiliger Florian, Verschon mein Hans, zünd' andere an!? (Heiterkeit. Zuruf links: Agrarier!) Ich denke, wir Ivollen gleich den Altvordern Opfer nicht scheuen, wenn es sich darum handelt, daß die Größe und Sicherheit des Vaterlandes sicher gestellt sein soll.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Frhr. v. NichtHofen(k.): _ Mit wachsender Bewunderung haben wir die Heldentaten unserer Brüder in Südivestnfrika betracktet; sie sind mit ehernem Griffel in die Tafeln der Geschichte verzeichnet zum Gedächtnis für Enkel und Urenkel.(Bravo! rechts.) Herr Bebel ist ein ausgezeichneter Redner, aber trotzdem habe ich mich gefragt, als ich ihn hörte: sprechen wir beide denn noch eine und dieselbe Sprache?(Sehr richtig rechts.) Bebel nimmt sich das Recht heraus, zu prüfen, ob ein Krieg be- rechtigt ist oder nicht! Dieken Standpunkt iverden wir niemals akzeptieren. Dem Auslande gegenüber müssen wir zeigen, daß wir uns nicht sürckiem daß in Frage der nationalen Ehre und Wohl- fahrt das demsche Volk wie ein Mann hinter seinem Kaiser steht.(Bravo! rechts.) Was notwendig ist. muß bewilligt werden, selbst wenn es sich um unpopuläre neue Steuern handelt. Alles, was zum Schutze des Vaterlandes dient,»ms! bewilligt werde», selbst wenn inan dabei gegen den A 6 des Flottcngcsetzeö veistöstt, der weitere indirekte Auf- lagen auf die Minderbeinittelten verbietet. Die Sozialdemokratie hat ihr ivahreS Gesicht mit erschreckender Deutlichkeit in der letzten Zeit enthüllt. Ich meine nicht die Känipfe der Herren auf ihren Partei- tagen(Lachen bei den Sozialdemokraten), nicht die Behandlung der Redakteure des„Vorwärts"(Lachen und Zwisckenrufe bei den Sozial- demokraten), nicht den Servilismus und die Parteidiktatnr. die dabei zum Vorschein gekommen sind. Das ist für uns nebensächlich, ja. es hat vielleicbt das Gute, daß diejenigen, die noch immer an die Möglichkeit einer Umwandlung der Sozialdemo- kratie in eine Reformpartei glaubten, eines Besseren be- lehrt worden sind. Daran denke ich nicht, ich denke vielmehr an die prinzipielle Vorbereitung zum Massenstreik, d. h. die gewissenlose Vorbereitung von Ausständen und an die Verherrlichung des Meuchelmords, die man ans Anlaß der russischen Revolution jetzt täglich in sozialdemokratische» Blättern findet. Redner gibt Zitate aus dem„Vorwärts" und der„Leipziger Volkszeitnng", in denen das revolutionäre Empfinden des rnssiichen Proletariats gefeiert wird, in denen es u. a. heißt:„Not bricht Eisen" und:„Auch die deutschen Arbeiter könnten einmal russisch werden." Das sind Verhetzungen der Volksklassen untereinander, die nicht geduldet werden sollten.(Bravo! rechts.) Die Regierung sollte hier Vorbeugungsmaßregeln ergreifen. In dem Kampfe gegen den innere» Feind läßt die Regierung es an der nötigen Energie fehlen. Wir iverden nicht umhin können, kommende Vorlagen auch von diesem Gesichtspunkte aus zu prüfen. Redner geht nunmehr auf die Einzelheiten des Etats in Aus- sührungen ein. die auf der Tribüne fast unverständlich bleiben. Er schließt: Wir wollen stets das Wort bedenken: Die Nation ist die größte, die zu kämpfen versteht. Der Erhöhung der Tabak- und Zigarettensteuer stehe ich durchaus sympathisch gegenüber.(Bravo! rechts.) Hierauf vertagt das HauS die Weitcrberatung auf Sonnabend 1 Uhr. Schluß S Uhr._ 3119 Industrie und DandeL SienrenS u. Halske, A.-G. Der Geschäftsgewinn pro 1904/05 ist auf 0 021 556 M. gegen 7 410 006 M. pro 1003/04 angewachsen. Die Dividende beträgt 9 Proz., gegen 7 Proz. resp. 5 Proz. in den Vorjahren. Berichtigung. Der Vertreter des HauseS Mendelssohn heißt nicht, wie angegeben Schippel, sondern Fischl. Steigerung des deutsche» Haudelsverkehrs. Im Jahre 1894 be- trug der deutsche SpezialHandel(ohne die Edelmetallbewegung) in Einfuhr an Tausenden von Tonnen: 32 022,5: in Millionen Mark 4285,5. In Ausfuhr an Tausenden von Tonnen 22 883,7; in Millionen Mark 3051,5. Zusammen an Tausenden von Tonnen: 54 906,2 und in Millionen Mark 7337,0. Im Jahre 1904 sind diese Ziffern gewachsen auf 48 886,3 Tonnen Einfuhr im Werte von 6864,3 Millionen Mark und 38 855,4 Tonnen Ausfuhr im Werte von 5315.4 Millionen Mark, zusammen 87 741,7 Tonnen und 12197,7 Millionen Mark. Deutschland führt mithin für Istz Milliarden Mark mehr Waren ein als es ausführt. In dem Jahrzehnt von 1894 bis 1904 ist die Einsuhr um 60 Proz., die Ausfuhr um 74 Proz., der Gesamthandel um 66 Proz. gestiegen, ungeachtet der wirtschaftlichen Krisis in den Jahren 1900/1901. Hliufcrnte Italiens. Das Ergebnis der Hanfernte in Süditalien hat sich noch günstiger gestellt, als es nach den aiifänglichen Schätzungen angenommen worden war, nämlich auf 360 000 Doppel- zenlner, das ist 80 000 Doppclzentner niehr, als im Vorjahre. Da- gegen haben die oberitälienischen Bezirke Bologna und Ferrara einen erheblichen Ausfall von rund 159 000 Doppclzentner zu ver- zeichnen. Das Gesamtergebnis der diesjährigen Haufernte in Italien beträgt 900 000 bis 1 Million Doppelzentner. Billigere Tarife— höhere Kohlenpreise. Der Landeseisenbahn- rat hat in einer dieser Tage abgehaltenen Sitzung beschlossen, die Ermäßigung der Fracht für Steinkohlen und Briketts nach Schleswig- Holstein zu befürworten, ebenso die Anträge auf Ermäßigung der Fracht von Steinkohle und Koks für den Gcorg-Marien-Bcrgwerks- und Hiittcnverein in Osnabrück, die Malhilden-Hütte in Harzburg sowie für das Lahn- und Dillgebiet. Die Zechcnbesitzer im Ruhrrevier haben die Preise noch weiter gesteigert. Im Anschluß an die in der BeiratSsitznng und Zechen- befitzerversamnilung des Nheimsch-Westfälischen Kohlensyndikats vom 27. November festgestellten Richtpreise sind nämlich für einige Sorten Kohlen noch weitere Preiserhöhungen festgesetzt worden. Es sind die Preiie nämlich nunmehr frstgestelll loorden: für Gasförderkohle auf 11,50— l 3.50 M., für Nußkohle I auf 14.50— 16,50 M., für Nußkohle III auf 15—16 M., für Anthracit-Nnßkohle I auf 17,50 bis 18,50 M. und für Anthracit-Nnßkohle II auf 19—23 M. Hochkonjunktur in der amerikanischen Nohcisciiprodiiktion. Nach dem Fachblait„Iran Age" erhielt die U. S. Steel Corporation im Laufe des Monats November Aufträge, die eine Produltion von 51000 Tonnen täglich erfordert hätten, während die tägliche Prodnkttonssähigkeit nicht über 34 000 Tonnen hinausging. Während der letzten Woche wurden Aufträge für Stahlschicnen in Höhe von 116 000 Tonnen erteilt, wovon 25 000 Tonnen für Südamerika und 6000 Tonnen für Australien bestimmt sind. Die Preise für leichte Schienen zogen um 1 Dollar an. Die Werlstätten für Bau» eisen sind sehr beschäftigt. Die Eisenbahnen sollen sich nach Eliropa behufs schneller Lieferung von Betriebsmaterial gewandt haben. 50O00 Tonnen Baustahl sollen beim deutschen Stahlwerksverband in Auftrag gegeben werden. Japan hat Kredit. Ein englisches Syndikat hat sich bereit erklärt, für 50 000 Pfund Sterling Aktien der Japanischen Industrie- bank zu übernehmen. Die Bank tvill ihr Kapital uni diesen Betrag erhöhen. Das Geld soll zur Finanziernng der vom Vizepräsidenten der japanischen Staatsbank, Takahashi, cingelciteteil Unternehmungen verwendet werden. Da wird die industrielle EntWickelung Japans ja gleich einen großzügigen Charakter annehmen, ähnlich wie in Deutschland nach dem dentsch-sranzösischen Kriege. Aber, wie in Deutschland und Amerika die indusirielle Konzentration in viel schncllcreni Tempo sich vollzog, als im Rintterlnnde der Industrie, in England, wird in Japan die Entlvickelung zum Monopol ein noch schnelleres Tempo zeigen._ Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur.(AMeillmg Berlin.) lleBer„Moralimtcrricht in England" wird Sonnabend, den 9. Dezember, abends b'si Uhr. im Berliner Raihause(®a«I 109) Fräulein Emily A l t- schul nach eigenem mehrjährigen Studium sprechen. Angesichts des Vor- gebens der Bremer Lchrcrschast für Einführung eines ähnlichen Unterrichts dürste dies« von der Berliner eihischen Gesellschaft veranstaltete Vorlesung sür weitere Kreise von Interesse sein. Eingegangene l)rucklcl?i'iften. Soziale Praxis, Zcntralblalt sür Sozialpolitik. Herausgeber. Dr. E. Franke. Erscheint an jedem Donnerstag. Preis vierteljährlich 2,50 M. Verlag Duncker u. Humblot, Leipzig. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Dm Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Rohr- 1 leger August Lehmann 1 am 3. ds. Ms. gestorben ist. | Wir werde» sein Andenken in| Ehren halten. >98/1 Die Ortsverwallung. Deutscher Metallarbeiter-Verbandi Verwaltungsstelle Berlin. Sluchruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß! unser Mitglied, der Schlosser /�.dam Skirecki | gestorben ist. Ehre feinem Andenren' j 167/9 0io Ortsverwaltung. i toin zuf Walirunt) Ii. Interessen i der Kayrer Berlins u. Ding, Dm Mitgliedern zur Kenntnis I l das? am 6. Dezember unser I Mitglied Karl Heinrich (Zahlstelle Osten) j gestorben ist. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 9. Dezember, !„acinniitags ly,Uhr, vomKinnken- I raus FricdrichSbain aus»ach dem 1 Zentral- Friedhose in Friedrichs- Melde statt. Um rege Beteiligung ersucht > 130/13 Der Vorstand. Kots Hr Sose i-ehung 19. bis 23. Dezember. oic M. 4,- mit Porto u. Liste._* ■ Baehor, Haupt-Kollekteur, KSÜIZ. OankNagunK. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme beim Begräbnis meines lieben Mannes und Vaters Hrrmaiui Woschetzky sagen wir allen lieben Verwandten und Bekannten sowie dem Herrn Meister und den Kollegen von der Deuischcn Waffen- und Munitionsfabrik Ludwig Löwe unseren innigsten Dank. lc>12b Marie Woschetzky geb. Barthel und Sohn. Danksagung. Allen Verwandten, Bekannten und Genossen sowie dem Personal der Firmen Schüler u. Heilgendorf und Louis Schulze(Zlbt. Hamburger Bahn) sagen hiermit unseren' herzlichsten Dank. lOtlb HVitrrv Iloldt u. Sohn. In dm nächsten Tagen erscheint: üel„Vorwärts"- Uli Gesamuieite Aktenstücke. 144 Seiten drosch. 30 Ps. 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Dez. von 1 2 bis 3 Uhr, ,, den 24. Dezember von 1 2 bis 6 Uhr, von 1 bis 7 Uhr. von 1 2 bis 6 Uhr. 'Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. L- den Jnieratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Krück u. Verlag: Borwärt»»uchdrucierei u. Verlagsanjialt Paul Singer U Co, Berti« SW |lr. 387. 22. Iahrgaug. 2. KtilaP Ks.Fmiirls"§crlm WsM Freitag, 8. Dezember lM. )Zus der frauenbewegung. Ter politische Massenstreik. Die von den sozialdemokratischen Frauen mit dieser Tagesordnung einberufene Volksversammlung, die am Mittwoch in den Gerinania-Festsälen in der Chausseestraßc tagte und für welche Genossin Rosa Luxemburg als Referentin ge- Wonnen war, hatte sich eines überaus starken Andranges zu erfreuen. Ter Riesensaal war bis zum letzten Platz gefüllt. Gleich nach acht lihr wurde polizeilich gesperrt. Viele konnten keinen Entritt mehr erhalten. Als Neuheil war zu verzeichnen, daß die Polizei dein Vertreter der Presse, ja selbst oer Refcrentin den Eintritt verwehrte. Nach heißem Streite erst gelang es den Ausgesperrten, auf Seiten- Pfaden zum Saal vorzudringen.— Nachdem Genossin Luxemburg diese Begebenheit mit einigen sarkastischen Worten einleitend berührt hatte, verwies sie zunächst auf den interessanten Umstand, daß in der deutschen Arbeiterschaft in letzter Zeit dem politischen Massenstreik allgemeines warmes Interesse entgegengebracht werde, während bis vor kurzem der Sozialdemokratie Deutschlands dieses .Kampfmittel undiskutierbar erschien. Solche plötzlichen Umschläge in der Würdigung einer politischen Losung seien immer von symptomatischer Bedeutung dafür, daß in den sozialen Verhältnissen tiefgreifende Verschiebungen eingetreten seien, nämlich das, was Hegel den Umschlag der Quantität in eine neue Qualität nenne. Den Hauptwert lege sie auf das bloße Interesse für die Debatte um den politischen Massenstreik, es komme gar nicht darauf an, ob dieser oder jener Genosse, ob diese oder jene Parteizeitung sich gegen den politischen Massenstreit ausspreche. Die deutsche Arbeiter- schast habe sich plötzlich mit heißem Interesse der Losung zugewandt. ohne daß bestinimte Instanzen und Führer ein Interesse dafür ge- zeigt hätten. Man erinnere sich bloß an den Gewerkschaftskongreß in Köln, wo die Vertreter der Gewerkschaften, ja die Blüte des ge- lverkschaftlichen Beamtentums in ganz Teutschland, zu dem Beschlüsse gekommen sei, der politische Massenstreik komme nicht in Betracht, ja sogar die Diskussion sollte verboten sein. Genosse Bömelburg protestierte zwar gegen diese Auslegung der Resolution, der „Grundstein" aber schreibe:„Der politische Massenstreik kommt trotz Jena für uns nach wie vor nicht in Betracht, ja wir lehnen jede Diskussion darüber ab." Solche Beschlüsse bewiesen nichts anderes, als eine gewisse rührende Vorstellung bestimmter Leute, welche sich einbildeten, durch einen Utas an das Volk:„Ihr habt das Maul zu halten!" dem wirklichen Tun und Lassen der Arbeiter- schast die Wege weisen zu können. Es habe sich wiederum erwiesen, daß die Masse der Arbeiterschaft zuweilen weiter gehe und klarer sehe, als die sogenannten Führer.(Beifall.) Und daß unsere Zu- kunst nicht in der Unfehlbarkeit der Führerkreise, namentlich nicht in den Beamtenkrcisen liege, sondern in den großen Massen selbst.— Bei jeder neuen Frage der Taktik und des Prinzips, die an uns herantrete, müßten low uns darüber klar werden, auf welcher all- gemeinen theoretischen Grundlage tvir diese Frage behandeln und untersuchen wollten. Verschiedene Auffassung gebe es in bezug aus den Massenstreik. Da steht auf der einen Seite z. B. der Genosse Friedeberg mit seiner eifrigen Predigt des Massen- oder General- srreiks in seinem Sinne und demgegenüber der strikt ablehnende Standpunkt der erwähnten Gewerkschaften. Beide Auffassungen ständen auf demselben Boden, nämlich dem anarchistischen. Be» zeichnend für die anarchistische Denkweise sei, daß sie Aufgaben des politischen Kampfes, losgerissen von der wirtschaftlichen und sozialen EntWickelung, lediglich vom Standpunkt der in' blauer Luft schwebenden Spekulation betrachte. Nur auf Grund solcher freien Spekulation könne man glauben, den Massenstreik durch eifriges Predigen heraufbeschwören zu können. Auf der anderen Seite stehe man ebenso in der Luft, wenn man incine, durch ein einfaches Verbot den Massenstreik verhindern zu können. Beide Auffassungen be- trachteten ihn nicht vom Standpunkt der historischen Notwendigkeit, sondern sähen darin ein beliebig zu benutzendes Werkzeug des Kampfes. Ihnen sei der Generalstreik gewissermaßen eine Art Taschenmesser, das man immer mit sich herum trägt, um es nötigen- falls aufzuklappen oder zuzuklappen. Von dieser trivialen Auf- sassung unterscheide sich grundsätzlich die Ausfassung der Sozial- demokratie, die auch hier auf geschichtlichem Boden stehe, wie in allen Fragen der Theorie und Taktik. Die Sozialdemokratie frage nicht: «Ist es gewagt oder nützlich, ein Experiment mit dem Massenstreik zu machen? Wollen wir es oder wollen wir es nicht?" Die Sozial- demokratie stelle(entspreelxmd ihrer materialistischen Geschichts auffassung) die Frage so:„Wenn wir einen Blick auf die jetzige un! nächste Entwickelnng der Klassengegensätze in der heutigen Gesell schast werfen und daraus unsere Schlüsse ziehen, ergibt sich dam der Massenstreik als historisch gegebene Notwendigkeit, als historisch Form des Klassenkampfes oder nicht?" Wenn man die Frage st stelle, dann erübrigte es sich eigentlich, auf die mancherlei Einwände einzugehen, die von den Gegnern dcS Massenstreiks erhoben würden. ■— Rednerin machte dann, indem sie es für das eigentliche Thema I für notwendig hielt, eine Abschveifung auf das Gebiet der intcr- (nationalen Weltpolitik, kennzeichnete namentlich die Situation,!vie sie jetzt im fernen Osten nach dem letzten Kriege zwischen Rußland und Japan sich herausgebildet hat, um daraus den Schluß zu ziehen, � daß man dort noch blutigere Kriege erwarten müsse. Ueber kurz oder lang werde auch Deutschland nicht mehr Zuschauer, sondern Mitleidender sein. Kiautschou wolle man zur Seefestung machen; wer damit beginne, arbeite auf einen Seekrieg hin. Die Gegensätze zwischen den Mächten seien gewachsen. Und die Rückseite der Me- daille? Vermehrung des Heeres, der Flotte, neue Zölle, neue Steuern, neue Auspowerung der Massen: neue Verschärfung der inneren Gegensätze der Klassen sowohl in Deutschland, wie in allen anderen Staaten I Ein neuer Faktor komme hinzu, der gewaltigen Einfluß haben müsse, das revolutionierte Rußland. Schon jetzt habe sich die Wirkung auf die sozialen Kämpfe in anderen Ländern gezeigt. Werfe man nur einen Blick aus den österreichischen Wahl- rechtskamps und auf den in Sachsen. Das seien die Funken, die aus dem großen Flammenmeer im Osten herübergesprungen seien. Mern müßte geradezu mit polizeiwidriger Dummheit, oder richtiger: mit polizeilicher Blindheit geschlagen sein, um nicht zu begreifen, daß dieses Hinüberspringen der Funken von Tag zu Tag zunehmen müsse. Auf die russische Revolution eingehend, legte Rednerin dar, daß beim heutigen Stande der Dinge die Revolution in Rußland der Form nach nur ein befteites, demokratisiertes bürgerliches Ruß- land schaffen könne. In Rußland stehe an der Spitze des Proletariats unsere Bruderpartei, die Sozialdemokratie. Das neue Rußland werde im Innern die GluNnasse des klassenbewußten Proletariats tragen. Neue Konflilte würden entstehen und es würden die Versuche folgen, das kapitalistische Joch abzuwerfen. Das übrige Europa werde die Wirkungen zu spüren bekommen. Die russische Revolution sei nicht bloß eine Etappe für das russische Volk, sondern ein Merkstein in der Weltgeschichte. Sie sei ein Prolog für andere Revolutionen, die sich entwickeln müßten, solche, die keinen anderen Ausgang nähmen, als die vielgeschmähte, einst verlachte Diktatur des Proletariats.— Rednerin wolle nicht etwa sich aus vages Prophezeien einlassen. Was sie hier sage, seien nur ganz nüchterne Schlußfolgerungen aus kühler Betrachtung sowohl der russischen Revo- lution als des internationalen Zusammenhanges der Klassenkämpfe in allen andern Ländern. Wie sei es nun mit dem politischen Massen- streik bei uns? Aus der aufgezeigten Entwicklungslinie der Welt- Politik der letzten zehn Jahre und aus der Entwicklung der russischen Revolution des letzten Jahres sei der Schluß zu ziehen, daß die Klassengegensätze in allen kapitalistischen Ländern sich ungeheuer»er- schärfen würden, und daß die Arbeitermasse nicht mehr in der Lage sein werde, sich die Klassenherrschaft mit ihrer ganzen Schmach und ihrem ganzen Elend wie jetzt, ruhig gefallen zu lassen, sondern daß wir stürmische Auseinandersetzungen und direkte Kämpfe mit den herrschenden Klassen zu gelvärtigcn hätten. Nun, jede Arbeiterklasse, die sich zu einer größeren genieinsamen Aktion im Kampfe entschließe, müsse schon dazu auS der Werkstatt, der Fabrik, der Grube heraustreten, aus der Sklaverei an die Oberfläche. Für sie sei so ganz von selbst der erste Schritt die Niederlegung der Arbeit, der Ausstand. Aus der Anwendung des Massenstreiks in Rußland könne man lernen; nirgends fei er weniger diskutiert worden, wie gerade in Rußland. Die russische Revolution habe eben bewiesen, daß der Massenstreik historisch notwendig gelvorden sei für die Arbeiterklasse, wenn sie sich zur Aktion aufraffe.' Auch in Deutschland werde die Zeit kommen, wo der Massenstreik ein unabweisbares Mittel des Kampfes sein werde. Rednerin protestiert dagegen, daß man in gewissen Genossenkreisen sie und andere als Gegner deS Parlamentarismus hinstelle. Ob und inwieweit der P a r l a m e n t a r i s m u s die Fonn des Kampfes der Arbeiterklasse sei, darüber entschieden nicht wir, sondern die geschichtliche Eutwickelung. Aber gerade deswegen könne mart ihn nicht als alleinseligmachendes Mittel betrachten, wenn er auch! unter bestimmten geschichtlichen Voraussetzungen der Arbeiter- bewegung die hervorragendsten Dienste leistete. Die Herrschender wollten uns eö ja gerade verwehren, weiter den Kampf auf den Boden des Parlamentarismus auszufechten, indem sie uns dal Mittel entreißen wollten. Nicht die radikalen Marxisten wollten der Parlamentarismus zerstören; vielmehr gehe die sich steigernde und der- schärfende Reaktion darauf aus, uns das Mittel zu entreißen. Es trete geradezu der Zlvang an uns heran, zu einem anderen Mittel zu greifen.— Lasse sich nun auch ein Massenstreik weder verbieten noch willkürlich herbeiführen, komme es auch immer auf die geschichtliche Situation an, so dürsten wir doch nicht im Fatalismus gehen anzunehmen, daß jeder Massenstreik vom Himmel herabfallen werde. Allerdings müsse er, wenn er planmäßig durchgeführt werden solle, das Resultat eines Entschlusses der organisierten Arbeiterschaft sein. Nur die Situation, die den Massenstreik fordert, lasst sich nicht durch Beschluß herbeiführen. Die Hauptsache wäre, daß beim Eintritt der Situation die Sozialdemokratie auf dem Platze und fähig sei, der Masse vorauzuschrciten. Rcdncrin trat dann verschiedenen der bekannten Einwände entgegen, welche von Gewerkschaftsführern und einzelnen Parteigenossen, zum Beispiel dem Genossen Frohme im„Hamburger Echo", gegen den politischen Massenstreik erhoben worden sind. Insbesondere ivandte sie sich auch i dagegen, daß die Gewerkschaften als Selbstzweck betrachtet würden. � Nur gegen diese Taktik, nicht gegen die Gewerkschaften selbst seien 1 die Marxisten. Sie hielten sie vielmehr für eine unumgängliche? Waffe der Arbeiterschaft. Man dürfe sich aber nicht zum Sklaven seines Werkzeugs der Befreiung degradieren. Nichts sei übrigens so; fruchtbringend für die Idee der Organisation, wie ein offener' scharfer Klassenkampf. Bei einem Massenstreik in Deutschland würden die gewerkschaftlichen Organisationen gleich den politischen nicht nur nichts zu befürchten haben, sondern würden noch einnial wiedergeboren und zehnfach gestärkt daraus hervorgehen.— Es sei gefragt worden:„Werden die Massen der Unorganisierten uns folgen?" Auch diese Frage löse sich wie manche andere spielend, wenn man vom Standpunkt der Spintisiererei herab auf den Boden des Massenstreiks als historischer Notwendigkeit trete. Wenn es so weit sei. dann sei jene Situation gegeben, daß jedes Wort, das von organisierter Seite falle, auch von dem Nichtorganisierten Proletariat aufgegriffen und befolgt werde. Wenn die Situation den Massenstreik notwendig mache, dann schaffe sie auch die Klarheit im Proletariat usw.— Nach Verwerfung der„staatsanwaltlichen Vorsicht" Wolfgang HeineS sowie des Einwandes, der bezüglich der Ernährung beim Massenstreik ge- macht worden ist, faßte Rednerin ihren oben entwickelten grundsätz- lichen Standpunkt noch einmal zusammen und schloß den vielfach von Beifall unterbrochenen Vortrag mit dem Hinweis auf das hier für die Sozialdemokratie wie für jeden Kämpfer geltende Wort: „Bereit sein ist alles!"(Stürmischer, lang anhaltender Beifall.) Der Anarchist Erich Mühsam brach als erster Diskussions- redner eine Lanze für den Generalstreik im anarchistischen Sinne. Er sparte auch nicht mit den von Anarchisten gewöhnten bekannten An- griffen auf die Sozialdemokratie und ihre Vertreter, tvobei er einige- mal so ausfallend wurde, daß es bei der Versammlung große Unruhe und Empörung hervorrief. Genosse W. Schulz von der Organisation der Jugendlichen und Lehrlinge, stellte sich im wesentlichen auf den Standpunkt der Referentin und trat im Anschluß daran lebhaft für die Förderung der genannten Organisation ein.— Auf Beschluß wurde die Dis- kussion geschlossen. In ihrem Schlußwort rechnete Genossin Luxemburg gründ- lich mit Herrn Mühsam ab, was ihr wieder starken Beifall eintrug. Mit donnernden Hochrufen auf die internationale Völker- befreiende Sozialdemokratie, denen Hochrufe auf die Genossin Luxemburg folgten, schloß die imposante Versammlung. Schönebcrg. Der Frauen- und Mädchen-BildnngSverein zu Schöneberg und Umgegend hält am Montag, den t t. Dezember, abends 8% Uhr, in Weimanns Klubhaus seine regelmäßige Vereins- Versammlung ab. Herr Dr. Chapes hält eine» Vortrag über „Frauenleiden". Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Gäste, Herren und Damen, willkommen. _ Der Vorstand. WttterunftSitbersickit vom 7. Dezember 1005, moraenv« Uhr. Stationen winenide. 'Hainburg Berlin Franks.a.M. München Wien £ £ 2- c 5 £ S m■b Wetter 764' SS® 762 SSO 766 SW 767 S 770 S 772 Still B-e d il tri?c 1 -0 Stationen L£ | E i= c 3 Haparanda Warschau Scilly Bberdeen Paris 7SS 762 WSW 746 SW 76S SW 11 7 10 3 bedeckt 4 bedeckt 2 heiter 1 bedeckt 2 wolkig -halb bd Wettcr-Prognose für Freitag, den 8. Dezember 1005. Zeitweise heiter und zicmiich mild, aber veränderlich mit geringen Niederschlägen und mäßigen südwestlichen Winde». Berliner Weiterbureau. ii i:? Wetter SSW �bedeckt 6 Nebel 4 heiter LRegcn & 55 c% d Ii ti 5, BHcfharten der Redafttfon. S». 1800. Die soweib 1800 Meter haben. Eibe kommt aus Bergen vor, die eine Höhe von Jurlkllkckier Oell. Die Inrlftischc Sprechstunde findet tnalich mit SlnSnahmedeS Sonnadends vo» T'/a bis O'/a Ubr al»",dS statt, tveöisuet! 7 Ubr. H. St. 8S. Die Bcktglieder der JnnungSkrankenkasse sind Zwangs- itglicder und können nicht Mitglieder der Ortskrankenkasse seiu.— Gkua. Wenden Sic sich au das Bureau Neue Friedrichstr. 9/10.— O. W.:i. 1. La. 2. Nein. 3. Ein solches Verbot ist uns nicht bekannt.— L. Ä. l. In. 2. DaS Amtsgericht ist zuständig: das von Jhneu ttlngesührte reicht keines- Wegs zur Begründung eines EiitmüiidigungSantragcS aus.— D. 1. Nein. hlnsskS V/sesniiäusos sind am Sonntag>wU Dez. von 12—8 Uhr geöffnet. Um unserer werten Kundschaft Gelegenheit zu geben die Weihnachts-Einkäufe rechtzeitig zu besorgen, und dem grossen Andränge kurz vor dem Feste vorzubeugen, haben wir uns entschlossen, bei Einkäufen am Freitag, den 8. Sonnabend, den 9. Sonntag, den 10. Die nonpelte Anzahl abattniarkeD auf Verlangen zu verabfolgen AJANDORF&C9 Spittelmarkt Belle Alliance-Strass� Grosse Frankfurter Strasse Brunnen-Strasse Einige Artikel«ind von obiger Vergünstigung ausgescblossen.| i Riit den Jiivalt der Inserate iiberniiliint die Redaktion dein Vnblitni» geacniiber keinerlei Äeranttvortuna. Zhczter. Freitag, 8. Dezember. Ansang VI, Uhr: Opernbaus. Symphoniekonzert der königl. Kapelle. Mittags 12 Uhr: Symphonie- matinec. Schauspielhaus. Der Schwur der Treue. Neues Opern» Theater. Ge- schlössen. Neues. Ein Sommernachtstraum. Westen. Der Liebestrank. Deutsches. Das Käthchen von Hcilbronn. Berliner. Der G'tvisscnSwurm. Anfang 8 Uhr: Lessing. Stein unter Steinen. tsentral. Der Aigcunerbaron. Kleines. Der Dorsmufikant. Schiller<».«Wallner-Theater.) WanjuschinS Kinder. Schiller Ji.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Zapfen- streich. Komische Oper. Hoffmanns Erzählungen. Residenz. Der Prinzgemahl. Trianon. Die herbe Frucht. LustspielhanS. Der Familientag. Thalia. Bis früh um Fünse I Carl Weist. Der Mädchenhündler. Luisen. Die Mönche. Deutsch- Amerikanisches. Wer Herr Herzog I Metropol. Aus ins Metropol. Kasino. Das Opserlamm. Apollo. Prinzeß Rosine. Ein deli- kates Menü. Walhalla. In Lebensgefahr. Herrufeld. Familientag im Hause Prellstein.. Wintergartei». Eugcnie Fougöre. — Spezialitäten. Folieö Caprices. Nach dem Zapsen- streich. Vorher: Familie Knops- loch. Spezialitäten. ReichshaNr». Stettiner Sänger. Passage. Spezialitäten. llrania. Tanbenstrnste Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Sternwarte, Jnvalidenstr. 157/62. Täglich gcösinel nmi 7 bis 1 Uhr. verliver fliester. Zum erstenmal: Der(l'wissens'ivul'm. Vorher: Der Qeigenmacher von Crernona. Ansang Vlf Uhr. Sonnabend nachmittag 3 Uhr: vis Viuniiorglootto. Abends 7'/j Uhr: Gastspiel Mme. R o j a n: Za:a._ Neues Theater. Ansang T'/i Uhr. 8in Sctnmernaclitstraum. Morgen und folgende Tage: Ei» Sommcrnachtstraum. Kleines Theater. WendS 8 Uhr: Hidalla. Sonnabend: Ghetto. Zentral-Theater Abends 8 Uhr: 2. FreitagS-'Abonneuient-Vorstellung: Zigeunerbaron. Operette in 3 Akten von Joh. Strauß. hülsen-Theater. WendS 8 Uhr: Die IVlöncke. Sonnabend: Die Mönche. Sonntag nachm.: Othello. Wends: Die Mönche. Montag: Die Mönche�_ Komische Oper. Frledrlcli.tr. 104— 104 a. Freitag, den 8. Dezember, abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Sonnabend, Sonntag: Hokkinanna Erzählungen. Montag z. erstenmal: Die BohBme. Täglich 8 Uhr; DaS grandiose, erstklassige Zmialitättti- Programm. £»'/, Uhr: Prinzeß Rosine von Paul Lincke. Sonntag nachm. 3 Uhr: Frau Luna und das vollständige Dezember- Spezialitäten-Programm._ Urania 8 Dlir: Im Laniie der Miitemaclilssoiiiie. Sternwarte «tr. 57/62. Metropol-Theater Anfang 8 Uhr. 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Vorher: Der DorfmasJkant u. d. ausgezeichn.SpezialitätenteiL Anfang 8 Uhr. Vorverkauf täglich h. A.Wertheim und an der Theaterkasse v. 10 Uhr vormittags an._ Deiitsel-AraerikaniSElies Theater. KUpenicberstr. 07. Dienstag; Jeden Abend 8 Uhr! Souvenir- Gastsp. ADOLF PHILIPP Too.1' ABERT AuffUhrung Herr Herzog ♦ Jeden Sonnabend, nachmittags 4 Uhr; Hansel und Grell in Amerika. Jeden Sonntag nachm. 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Carl Weiß-Thealer. Gr. Franksurterstr. 132. Zum letztenmal: Mädchenhändler. Schauspiel in 5 Ausz. v. I. I. Hirsch. Ansang 8 Uhr. Sonnabend 1 Uhr- Aschenbrödel. Abends 8 Uhr: Störenfried. Sonntag zum erstenmal: Bon Stufe zu Stufe. V. Noacks Theater. Direktton: Roh. Dill. Briinnenstr. 16. Zum letztenmal: Nathan der Weise. Ein dramatisches Gedicht in 5 Aus- zögen von G. E. Lessing. Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Ps. Sonnabend: Glöckner v. Notre- Dame. taisispivlksiis. Abends 8 Uhr: Nemesis. Sonntag nachm.: Biederleute. gkmmmä Passage-Theater. Anfang; abend. 8 Chr. 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Vorschläge von Kollegen zu machen, die in die demnächst zu wählenden Gesamt- kommiision zu delegieren sind. GS ist hierbei zu beachten, daß nur tatkräftige und verlässliche Kollegen zur Wahl gestellt werden, da dieselben im nächsten Jahre eine schwere Ausgabe zu lösen haben. Montag, den 11. Dezember, abends 8 Uhr. im Gcwerkschaftshause, Engel-Ufer 15(Saal S): Kommissions- Sitzung. Der Obmann. statt. v«i-«'alti>i>s:»»tellv Berlin. Haupt-Burcau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV, 3353, Sonntag, 10. Dezember, vorm. 10 Uhr, im Lokale von Wollschläger, Adalbertstrasic 21: Versammlung kr S'dinittaikitrr liild«litt an Mitt- nnd Zloßwerlik» kfdsifligttn Irkittr. Tages-Ordnung: 1. Vortrag.— 2. Diskussion.— 3. Verschiedenes. Kollegen! Zeigt durch guten Besuch der Versammlung, daß Ihr immer noch, da wo Ihr verlangt werdet, aus dem Platze seid l WT Zur Beachtung."Wl Die bisher im Restaurant Wiesenthal, Ackerstr. 123, befindliche Zahlstelle ist nach dem Rcntmirant Xeuuiann, Usedomstr. 28, verlegt. Die nach dem bisherigen Lokal bestellten Zeitungen bitten wir deshalb von heute ab im Restaurant Heumann abzuholen. 167/20 Tie OrtSvcrwaltung Verband der Sattler OrtsverwaUung Berlin. Die Branchenversammlungen finden an folgenden Tagen statt: Geschirrbranche: Mittwoch, den 13. Dezember. Treibriemenbranche: Sonnabend, den 9. Dezember. Taschen-, Koffer- und Galantcricbranche: Donnerstag, den 14. Dezember. Linoleum- bczw. Tchpichnäher: Donnerstag, den 14. Dezember. Wagenbranche: Mittwoch, den 14. Dezember. Eisenmöbelbranche: Donnerstag, den 14. Dezember. Sektion Eharlottenburg: Dienstag, den 12. Dezember. Zahlreichen Besuch dieser Versammlungen erwartet 157/19 Die OrtSverwaltung. Dienstag, den S6. Dezember 1905- Ä. Weihnachtsfeiertag :: WeihnachtS'Nergnügvn u im Gewcrkschaftshaus, Engel-User 15. Konzert. Auftreten der Bolkssänger-Gesellschaft Hugo Anke. twrelter Ball. Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anlanz 5 Uhr. X Billetts inkl. Programm 30 Pf. Um rege Beteiligung ersucht DaS Bergnügungs-Komitee. Marmorarbeiter! Sonntag, den 10. Dezember, vonnittags 10 Uhr: MitgUeder-Uersammlung im Englischen Garten, Zllexanderstr. 27c. Tages-Ordnung: 1. Macht es sich notwendig die Beiträge zu erhöhen? 2. Gewerkschaftliches.. 189/16 Kollegen! Es ist unbedingt notwendig, das, jeder einzelne Kollege anwesend ist. Die OrtSvcrwaltung. lisMer-Verein zu SerUn. E. H. Nr. 80. Sonnabend, den 9. Dezember, abends 8'/3 Uhr, Melchiorstraßr 15: General-Versammlung. Tagesordnung: Wahl des gesamten Vorstandes sür 1906.— Ausgabe der Billetts zum Weihnachtsoerguügen.— Ohne Mitgliedsbuch lein Einlatz. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstesnd.[199/16 Verein zur Vfabning der Interessen der teer Berlins nnd Umgegend. Sonntag, den 10. Dez., vorm. 10 Uhr, bei Fritz Wilke, Brunnenstr. 188: lÜF" Mitglieder-Versammlung."WK TageS-Ordniing: 1. Die letzten Vorkommnisse in unserem Beruf. 2. Vereinsangclegenheiten. Kollegen I Da wichtige Angelegenheiten in letzter Zeil sich abgespielt haben, ersuchen wir die Kollegen, zahlreich zu erscheinen, insbesondere sind die Baudeputicrten verpflichtet, an dieser Versammlung teilzunehmen. 130/17__ Der Borstand. Sonntag, den 10. Dezember, vormittags 10 Uhr, in de« Jndnstriesäleu, Beuthstr. 20: Außerordentliche Versammlung des Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend. TageS-Ordnung: 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Bericht über das Ergebnis der Fragebogen. 3. Was lehrt uns der Kampf in der Elektro-Jndustrie? Referent: Genosse Alfred Schröder. 4. Diskufsson. 5. Verschiedenes. 258/15_ I>cr Yoratand. I. A.; 91. Juppenlah. Zentral-Verband der Töpfer. Freitag, den 8. Dezember 1905, abends 6 Uhr: Kau-Nertrililkgsmäiiiler-Sihilgg .Wim Arteiter- Raillalirer-lferfiiö" Mitglied des Arbeiter- Radsahrer-BundeS .Solidarität'. Sonntag, den 10. Dezember: 1. und 2. Abt. nach Schenkendorf. Start 1 Uhr Viktoriapark, Kreuzberg. 5. und 6. Abt. nach Karlshorst (Kupsch). Start 2 Uhr Elysium. 4. Abt., Besichtigung der Arbeiter« WolllsahrtZ-AuSslellung in Charlotten- bürg. Start 1 Ubr?lndreaZplax. Bei schlechtem Wetter per Bahn. 27/19 8to!a Muffen ctc. eto. Inp eig. Fahrikat. Große Auswahl. Kaiman, Dresdenerstr. 75 vorn II. 2.Hau$ v.Thalia-Th. Kein Zwischenhändler. Vcrk. auch Sonnt, u. Wochen!, b. 9U. ah. bei Keller, Koppenstraße 29(kleiner Saal, 1 Treppe). Tages-Ordnung: 1. Weitere Stellungnahme zur Lohnbewegung. 2. Die Situation auf unserem Arbeitsnachweis. 3. Verschiedenes. 201/5» Kollegen! Sorgt dasür, datz jeder Bau vertreten ist! Alle Kollegen, welche in unserer Verbandsorgantfation belleiden, sind zu dieser Sitzung eingeladen._ Der Borstand. Aemter Vergolder! Filiale Berlin. Montag, den 11. Dezember, präzise 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. SO(groster Saal): Iftttgllcder-Vcrfatiiiiiluiig. TageS-Ordnung: 1. Vortrag über: Arbeitsverträge. Res.; Genosse Hob. Alirens. 2. Diskuiston. 3. Verschiedenes. DM" Da diese? Referat für unser� BerusZangehörigen von Interesse ist, erwartet einen vollzähligen Besuch 225/19 Der Torstand. In htrabgesehtkn Preisen liefem wir: Geschichte der französischen jlenolution von 1848 und der zweite»: Repltblik. Volkstümlich dargestellt von L. H ö r i t i e r........ anstatt 6,60 M. seht 5,— M. Sie deutsche fMntion von 1848 und 1849. Geschichte der deutschen Revolutionsbewegung dieser Zeit. Dargestellt von V. B l o s........ anstatt 5,70 M. jeht 5,— M. Der Keusch und seine Rassen m. Die Geschichte der 8rde Bon tet... m. Die Pflanzenwelt eon 3,1 3 0 m m c�ftfllt 5� feift M. Die Tierwelt ocn 31 s 0 m � e t» anftatt 710 � ietft 6_ � Die Wunder des Kosmos popuIaänfwTt96%%rieS 5,- m! 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Mitgliedsbuch und Ginla'onngökarte legitimiert. 140/12__________ Der Toriftand. Achtung! --- Fleisch bUlieerü--- Schlächterei Veteranenstraffe 15 offeriert: Schabefleisch....... 85 Rinderbrust....... 65 Schmorfleisch....... 70 Fehlrippe........ 70 Roulade........ 85 Filet im Ganzen..... 85 Rumsieak ohne Knochen... 90 Kalbsschnitzel....... 1,20 KawSIeule....... 70—80 KalbSnteren stück..... 70—80 Kalbsbrust....... 60—70 Hammelkeule....... 80 Dicke Rippe....... 75 Hammelbrust....... 65 SchweinS-Schinken..... 85 Kotelett......... 1,00 Kamm in. Fett u. Schulterblätter 85 Schlackwurst u. Salami Pfd. v. 1,10 an Zungen-, ff. 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Als nun der Portier unseres Genossen K. im Vorraum des Bahnhofs ansichtig wurde, stürzte er mit den Worten aus ihn zu:„Was machen Sie hierl" Genosse K. war sich nichts Unrechtes bewußt und er- klärte deshalb:„Das sehen Sie ja." Diese Anttvort beruhigte den Eifrige» nicht, sondern erzielt« eher das Gegenteil. Der Portier eilte fort und kehrte bald in Begleitung eines Polizeibcamteu zurück. Genosse Koppen ließ sich auch jetzt noch nicht aus seiner Fassung bringen, wurde aber auf Verlangen de« Portiers von dem Polizei- bcamten sistiert, mit welchem Recht, ist ganz unerfindlich. Gegen ein derartiges Vorgehen werden wir uns ja noch zu wehren wissen und die nötigen Schritte dagegen unter- nehmen. Unseren Genossen teilen wir mit, daß die Verteilung dcS „Vorwärts" in der gemieteten Kellerwohnung deS HauseS Bahnhof- straße 2 geschieht. Diejenigen Genossen, welche frühmorgens ihren „Vorwärts" am Bahnhof in Empfang genommen haben, machen wir hierauf aufmerksam. Potsdam. Wegen fahrliissiger Tötung deS Schutzmanns Streubrl in Potsdam, begangen unter Auherachtlassiiiig von Berufspflichten, hatte sich am Mitlmoch vor der Potsdamer Strafkammer der königliche Kutscher und Borreiter Julius Kann apinn zii ver- antworten. Es handelt sich um den traurigen Vorfall, der am 2. September in der Brandenburger Vorstadt zu Potsvm» passierte. Kaimapinn kam mit einem großen Lastwagen deS kaiserlichen Mar- stalls vom Neuen PalaiS nach Potsdam gefahren und zwar in Ge- sellschaft des königlichen Kmscher« Arndt, welcher vor ihm gleichfalls mit einem Marstallwagen fuhr. Beide sind langjährige Augestellle des kaiserlichen MarstallS, die sich nie etwas hatten ziischiilden kommen lassen. Als sie bei einem Fleischerlade» in der Walde», ar- straste vorüberfuhren, hielten sie an und kauften eine größere Wurst, welche sie in dem benachbarten Siewertschen Lokal warm machen ließen. Arndt ging zu diesem Zwecke in das Nestanrant, während Kmmapinn vor der Tür bei den Gespannen, die nicht ab- geschirrt wurden. blieb, um dieselben zu beobachten. Als er aber glaubte, die Wurst sei warm, verließ er für kurze Zeit gleichfalls die Gespauiie. um sich bis zum Eingange des Restaurants zu begeben. Während dieser Zeit gingen nun die vor seinein Wagen gespamiten, mutige» Pferde, deren Lerne er um die in einer Hülse steckenden Peitsche gewickelt hatte, durch, liefe» bei dem vorn haltenden Arndtschen Gespann vorbei und mit dem schweren Wagen der Stadt zu. Der auf der Straste diensthabende Schutzmann Stteubcl. einer der ältesten Polizeibcamteu der Stadt, sah das Ge- spann kommen, fürchtete Unheil und warf sich den Pferden eiitgcgen. Er wurde niedergerissen und so schwer verletzt, daß er einige Tage darauf im St. Josephskraukenhause verstarb, Kannapinn und Arndt wurden sofort vom Dienste suspendiert, auch ließ sich der Kaiser über den Borfall Bericht erstatten. Der Gerichtshof erblickte in dem Verlassen deS Wagen? ohne abzuschirren eine grobe Fahrlässigkeit und verurteilte Kaimapinn zu vier Monaten Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte sechs Monate Gefängniö beantragt. In der Nnisor« eines Unteroffizier« unserer südwcsiafrikanische» Schutztruppe hat seit einigen Wochen im Havcllaiide ein Mann viel» fache Schwindeleien verübt, bis es jetzt endlich gelang, ihn in Havelberg zu verhaften. Er verschaffte sich Adressen von Leuten. deren Angehörige in Sildwestafrjka kämpsten, suchte diese auf. bestellte Griiste von den Kriegern und erzählte, dast er wegen einer Verwundung zurückgeschickt sei. nun aber wieder, weil er genesen, nach Afrika zurück müsse. Ii, vielen Fällen hat der Schwindler Geld zum Ueberbringen an die fernen Angehörigen Seine Persönlichkeit steht noch nicht fest. Kerlimr IVacbrlcbten» Das Ergebnis der BokkSziihlung in Verlin. Berlin hat nach den vorläufigen Zusammenstellungen dcS Statistischen Amts der Stadt Berlin am 1. Dezember d. I. bei der Volkszählung eine Ein- Wohnerzahl von 2 033 900 gehabt. Nach der letzten Volkszählung vom 1. Dezember 1V00 betrug die Bevölkerung: 1 888 848(darunter 20 000 Mann Militär); sie hat also um 145 052 i» den letzten fünf Jahren zugenommen. Radfahrkarten. Die für die Jahre 1903 und 1904 aiiSgestellten Radfahrknrteii, deren Gültigkeit bereits auf die Jahre 1904 bezw. 1906 ausgedehnt worden ist, sowie die für das Jahr 1906 aus» gestellten Radfahrkartcu bleiben auch für das Jahr 1900 in Geltung, sodast es einer Erneuerung derselben nicht bedarf. Mr Einführung der SrZtchenSezahlung in den Gastwirtschaften IllNN schon jetzt als völlig gescheitert gelten. Zahlreiche Kategorien von Gastwirtschaften, so die erstklassigen Nestanrants, die Lokale mit einem Einheitspreis für Speisen, die Cafs-Restanrants, die meisten Brauerei-Ausschanklokale, die Studenten- und Arbeiter- kneipen haben sich von vornherein von der zweifelhasten„Reform ausgeschlossen. In vielen Restaurants, wo der Versuch gewagt wurde, haben die Stammgäste ihr Fortbleiben angekündigt und ans- drücklich erklärt, daß sie lieber einen höheren Preis für's Essen zahlen, als sich der„Brötchen-Kontrolle" unterwerfen wollten. Das ungewohnte Rechnen mit einzelnen Pfennigen— man gab hie und da das erste Brötchen umsonst, die weiteren für je zwei Pfennig— war den Kellnern und Gästen gleich unbequem, auch kamen die Kellner vielfach infolge der Pfennigrechnung beim Trinkgeld zu kurz, während die Bäcker meister, bei denen die Backware bezogen wird, den Gastwirten er- klärten, sie sähen nicht ein, weshalb sie eigentlich für die Fleisch teuerung bilden sollten und kündigten ihnen bei einer wesentlichen Minderabnahme von Gebäck eine Kürzung des gewährten Rabatts an. Die Folge � dieses allgemeinen Ansturms war, daß der Plan gänzlich ins Wasser fiel und nur noch von einzelnen Restaurants eine Bezahlung der Brötchen verlangt wird, dagegen sind ver- schiedentlich ohne besondere Ankündigung die Preise für Fleischspeisen neuerdings wieder um S— 10 Pf. erhöht worden Ter Weihnachtsmarkts dessen Buden in der nächsten Woche wieder aufgebaut werden, gilt vielen Berlinern als tot, seit er aus dem Innen» der Stadt in die Außenbezirke verbannt wurde. Aber die Statistik geigt,'daß er in neuerer Zeit sogar stärker von Händlern beschickt wird� als in den lechtcn Jahren jenes Glanzes, der ihm auf dem Schloßplatz und im Lwstgarten bcschicden war. Im Fahre 1880 waren vom Polizeipräsidiusn 3142 Verkaufsstellen zum Weihnachts- markt angewiesen worden. Im Jahre 1891, wo der Schloßplatz ge- räumt werden mußte, sank die Zahl auf 2839, aber im nächsten Jahre hob sie sich wieder auf 3847. Im Jahre 1833 mußte auch der Lustgarten freigemacht werden, aber trotzdem stieg die Zahl der Verkaufsstellen des über die Außenbezirke verstreuten Weihnachts- ntarktes in demselben Jahne auf 3438. Im nächsten, Jahre mehrtcit sich die Verkaufsstellen auf 3585, in 1895 minderten sie sich plötzlich auf 3858, in 1838 mehrte« sie sich ebenso plötzlich auf 3686, und in 1897 minderten sie sich wieder auf 3117. In den folgenden Jahren blieb die Zahl ziemlich unverändert auf derselben bescheidenen Höhe, bis sie in 1982 mit einem Schlage auf 3361 stieg. Das Jahr 1983 brachte eine Ermäßigung auf 3593, aber in 1384 kam wieder eine Erhöhung auf 3648. Hiernach ist heute die Zahl der Verkaufsstellen größer als vor anderthalb Jahrzehnten. Geringer als damals er- scheint sie nur deshalb, weil der Weihnachtsmarkt zerstückelt worden ist. Um Bersammlungen uwnöglich zu machen, scheint die Polizei auf ein neues Mittel verfallen zu sein, das sehr einfach ist: Man ver- weigert den Referenten den Zutritt zum Versammlungslokal. Dieses Mittel wurde aus Anlaß der von den Frauen zu Mittwoch nach der Germania in der Chauneestraße einberufenen Volksversammlung an- gewandt, in der die Genossin Luxemburg über den politischen Massenstreik referieren sollte. Als die Referentin um Vs9 Uhr nach dein Lokal kam, waren eine große Anzahl Personen auf dem Hofe versammelt, die keinen Einliaß mehr finden konnten. Die Polizei hatte bereits gegen 8 Uhr abgesperrt und die Ankommenden wurden in recht barscher Weise zurückgewiesen, anstatt ihnen den Grund mit- zuteilen, warum kein Einlaß n,ehr gewährt werde. Die Referentin mußte das Schicksal der übrigen Ausgesperrten teilen und durfte sich ebenfalls das Lokal von draußen ansehen. Als Fräulein Ottilie Baader den Polizeibeamtcn erklärte, Frau Dr. Luxemburg sei doch die Rednerin des Abends, wurde zur Antwort: Das sei gleich, es käme niemand mehr in den Saal hinein. Auf wieder- holte Vorhaltungen über das Unzulängliche dieses Verfahrens wurde erklärt: Wenden Sie sich an die zuständige Stelle. Wer aber anders ist die zuständige Stelle als die Polizei selbst? Es blieb eben bei der Veriveigcrung des Eintritts. Es half auch nichts, daß die Ein- beruferin aus dem Saale kam, um die Referentiii in den Saal zu bringen! sie mußte vielmehr das gleiche Schicksal teilen und draußen bleiben. Auch unseren Berichterstatter traf das gleiche Los. Schließ- lich gelang es, unbemerkt auf Hintertreppen in den Saal zu gelangen, so daß es auf diesem Wege noch möglich war, die Versammlung stattfinden zu lassen. Hätte dieser Ausweg nicht gewählt werden können, so wäre eS tatsächlich Polizeibcamten gelungen, durch die einfache Aussperrung der Referentin die Versammlung unmöglich zu machen. Falsche Einmarkstücke sind in neuerer Zeit wieder im Umlauf und mehrfach angehalten worden. Es sei darauf hingewiesen, daß bei dem letzt beginnenden Weihnachtsverkehr die Falschmünzer eine verstärkte Tätigkeit entfalten. Mit dem Teckcneinsturz in der Senatorschen Klinik, bei dem zwei Arbeiter ihr Leben einöüßten und andere mehr oder minder schwer verletzt wurden, beschästigen sich die Bau- als auch die Kriminalpolizei. Wie verlautet, sollen am Mittwoch Leute dc� Kunststeinfabrik von Czarnikow u. Eo., am Werderschen Markt, ver- nommen worden sein, die die Zementdecke im Auftrage des Maurer- mcistcrs Leist aus Friedenau ausgeführt hat. Im Gegensatz zu der Ansicht der Sachverständigen glauben sie, daß die Drahtnetze hei der üblichen Verhalung des Gestänges auch ohne Verankerung bei ge- nügender Austrocknung des Zenientmaterials hätten halten müssen. Alle Zementdecken würden so hergestellt, ohne daß man bisher Un- glücksfälle zu beklagen gehabt hätte. Ter Zement muhte nur oben auf der Verschalung sehr trocken werden. Daran aber habe es in diesem Falle gefehlt. Leist sei bei einer Vertragsstrafe verpflichtet gewesen, die Decke bis zu einer gewissen Zeit fertigzustellen. Des- halb habe er auf die Ausschalung gedrängt. Czarnikow u. Co. hatten seinem Verlangen endlich nachgegeben, ohne zu wissen, daß die Austrocknung der Decke noch durch einen besonderen Umstand erschwert gewesen sei. Denn Leist hatte auf den Zement noch eine ziemlich feuchte Lehmschicht auftragen lassen. Aber auch ohne diese wäre die Zementschicht in acht Tagen noch nicht fest genug getrocknet gewesen um der Decke einen sicheren Halt in sich selbst zu geben. Aus diesem Grunde sei angeordnet worden, jede ausgeschalte Fläche einstweilen noch zu stützen. Diese Stützen find auch sofort aufgestellt worden man hat sie im Schutt der Decke gefunden. Daß die Decke trotzdem einbrach, lag nach Czarnikows Behauptung daran, daß die Austrocknung durch die Lehmschicht erschwert gewesen und deshalb nicht so weit vorgeschritten war, als man geglaubt hatte. Es ist ja klar, daß die für den Bau verantwortlichen Personen versuchen, die Schuld an dem Unglück von sich abzuwälzen und es wird abzuwarten sein, welches endgültige Ergebnis die Unter- suchung zeitigen wird. In den meisten Fällen enden derartige An- gelegenheiten damit, daß irgend ein untergeordneter Angestellter al-, Sündenbock gefunden wird. Der Unternehmer ist in fast allen Fällen gedeckt; er hat den Profit und die Arbeiter setzen ihr-�«jcn ein. Und das nennt man darm im kapitalistischen Staate:„-ras Risiko des Unternehmers." Zwischen den Puffeni. Auf dem Potsdamer Güterbahnhof hat sich heute morgen beim Rangieren ein schwerer Unglücksfall zugetragen. Der Rangiermeister Kühnapfel geriet beim Zusammenfahreil zweier Güterwagen init dem Körper zwischen die Puffer und wurde mit großer Gewalt eingequetscht. Der Bedauernswerte hatte schwere innere Verletzungen davongetragen und wurde in bedenklichem Zu- stände nach dem Elisabeth-Krankenhause gebracht. Der erste starke Schneefall, welcher Mitttvoch abend nieder- gegangen ist, war für den Verkehr in den Straßen von recht nach- rei'ligen Folgen. Die Schneemassen waren bald geschmolzen und in kurzer Zeit hatte sich auf den Bürgersteigen und Straßcndämmen eine dichte schlüpfrige Masse gebildet, welche für Passanten und Pferde außerordentlich gefährlich wurde. Häufig sah man Personen ausgleiten und zu Boden stürzen und in mehreren Fällen erlitten die Verunglückten so erhebliche Verletzungen bezw. Verrcnknng-n, daß sie die Hülfe der Unfallstation in Anspruch nehmen mußten. Der Wagcnverkehr hatte durch Stockungen empfindlich zu leiden. In den �Verantwortlicher Redakteur belebten Straßenzügen sammelten flch immer wieder von neuem Burgen von Straßenbahntvagen an. Ein Bitriolattrntäter ist im Südosten der Stadt aufgetaucht. Der gefährliche Bursche hat es hauptsächlich auf helle Damen- tleidung abgesehen. Gestern abend vernichtete der Attentäter einer jungen Dame, welche die Hermannstraße passierte, ihr neues helles Kleid durch Begießen mit der ätzenden Flüssigkeit fast vollständig. Der Täter, der sich anscheinend nur ein Vergnügen daraus macht, die Bekleidung von Passantinnen zu beschädigen, ist von mittlerer Figur, etwa 35 Jahre alt, hat blondes Haar und trägt einen mode- farbenen Ueberzieher. Bon einem Lastfuhrwerk überfahren und schwer verletzt wurde gestern nachmittag der 32 Jahre alte Kupferschmied Meißner aus der Sickingenstr. 14. AuS bisher noch nicht ermittelter Ursache war M. von einem mit eisernen Trägern beladenen Wagen während der Fahrt herabgestürzt, und zwar so unglücklich, daß die Räder des schweren Gefährts über die Brust der Verunglückten hinweg- gingen. Schwerverletzt wurde M. in das Kraukenhaus Westend ein- geliefert. Gefundenes Kind. Am 25. November d. I.. nachmittags 8� Uhr, wurde im Hnuseingcinge Linienstr. 7 ein zirka 8—18 Tage altes Kind männlichen Geschlechts hülflos aufgefunden. Bekleidet war das Kind mit weißem Hemdchen, mit wollener Strickjacke und gleicher Leib- binde und war eingehüllt in ein grauwollenes Tuch mit schwarz und weißen Streifen. Sämtliche Gegenstände sind ungezeichnet. Nachricht über die bisher unbekannt gebliebene Mutter werden von der Kriminalpolizei zu Nr. 8762 IV. 41. 83 erbeten. Wer ist der Tote? In der Jungfernheide im Jagen 19 bei Plötzenfee wurde am 1. d. M. eine männliche Leiche aufgefunden. Der Tote gehört anscheinend dem Arbeiterstande an, er ist 35 bis 48 Jahre alt, von mittelgroßer Figur, kräftig gebaut, hat dunkel- blondes Haar und ist nnt einem dunklen Anzug. Hut und Stiefeln bekleidet. In den Taschen des Toten befanden sich Papiere auf den Namen des Webers Bernhard Ott, 1. 6. 69 in Flodwiese geb. lautend. Diese Person ist bis jetzt hier nicht gemeldet gewesen. Personen, welche über den Toten Angaben machen können, wollen dies dem nächsten Polizeirevier oder bei der Kriminalpolizei, Zimmer 331, 2 Treppen zu 8166 IV/30. 85 tun. Gerichts-Zeitung. Tierquälerei. Ein Hausbesitzer in der Bernauerstraße hatte mancherlei Verdruß mit einem Mieter, der im Besitze einer wohl- genährten Katze war. Die schöne Mez war nicht nur für ihren .Herrn eine liebe Hausgenossin, sondern auch die Freundin anderer Hausbewohner, sie betrug sich aber auf der Treppe manchmal un- manierlich, und da sie von Zeit zu Zeit auch Liebcsduett� mir einem benachbarten Kater zum besten gab und der schmachtende Liebhaber hin und wieder ein Lied anstimmt«, das„Steine erweichen, Menschen rasend machen" konnte, so hatte sie sich den ganzen Zorn des Haus- Wirts zugezogen. Und dieser Zorn übertrug sich auch auf dessen Hund, der jedesmal sich wütend und bellend auf die Katze stürzte, sobald er ihrer ansichtig wurde. Nun kam die Zeit, wo die auf Nachkommenschaft bedachte Miez wieder einmal, wie schon oft zuvor, iii einem Verschlage auf dem Hofe ihr Wochenbett abhielt und jjald von einer Anzahl langgeschwänzter Kinder umsprungen wurde, über deren Wohlergehen sie mit der ganzen Aufmerksamkeit einer guten Mutter wachte. So laa sie eines Tages nnt wohlig zugekniffenen Augen und gemütlich schnurrend vor dem Lager ihrer Kinder auf dem Hose, als der Hauswirt mit seinem Hunde dort erschien. Letzterer stürzte sich sofort wieder wutentbrannt auf seine Spezialfeindin, die sich kampfbereit ihm gegenüber stellte und etwaige Angriffe aus ihr Glück im Winkel fauchend und mit gekrümmtem Rucken zurückzuweisen sich bereit zeigte. Auch der Hund war kampfcsmutig, er zog sich aber heulend zurück, als seine Gegnerin ihm mit ihren Krallen einige wuchtige Nasenstüber appliziert und dadurch gezeigt hatte, daß sie keinen Spaß verstand. Nunmehr geriet der Herr des Hundes über diese unsanfte Behandlung seines getreuen Hausgenossen in lebhafte Erregung und trat auf die Katze zu und versetzte ihr trotz ihres Fauchens und Prustens einige Fußtritte,'die sie kampfunfähig machten. Die Tritte müssen etwas heftig gewesen sein, denn die Katze ließ gleich darauf wehmutsvolle Klagctöne erschallen, wodurch mehrere Hausbewohner zur Hülfe herbeigelockt wurden. Darunter befand sich auch einer, der das Glück hatte, zwei Kinder der miß- Handehen Mutter sein eigen nennen zu dürfen. Er war Belasrungs zeuge gegen den Hauswirt, der wegen Tierquälerei zur Veranb Wartung gezogen wurde und bekundete vor Gericht, daß der eine chenkel der Katzcnmutter infolge der Fußtritte nicht unerheblich an geschwollen gewesen sei. Das Schöffengericht erkannte daraufhin auf M. Geldstrafe. Ter Hauswirt sowohl als auch der Staatsanwalt legte Berufung ein, vnd letzterer beantragte vor der Strafkammer die Erhöhung der Strafe auf 28 M., da nach seiner Ansicht der Beweis seiner Mißachtung, den Angeklagter der Katze gegeben, den Charakter der Roheit gehabt habe. Ter Gerichtshof glaubte, daß das an gerichtete Malheur durch die vom Schöffengericht erkannte Strafe genügend gesühnt sei und verwarf deshalb beide Berufungen. Ter Fluch der iiösen Tat. Wegen schwerer Urkundenfälschung in drei Fällen und Verleitung zum Meineid war gestern die Frau Anna Schülerz geschiedene Frau Rechnungsrat Dahlmann vor der neunten Strafkammer des Landgerichts I angeklagt. Die 29jährige Angeschuldigte heiratete vor mehreren Jahren den um ein erhebliches Teil älteren Rechnungsrat D. Die Ehe gestaltete sich aus verschiedenen Gründen zu einer sehr unglücklichen. Schließlich kam es zu einem Ehescheidungsprozeß, den der Ehemann mit Ehe bruch begründete. Der Ehebruch sollte von der Angeklagten, die sehr lebenslustig ist, mit einem gewissen K. betrieben worden sein. Seitens der Ehefrau wurde Widerklage erhoben und mit angeblicher Mißhandlung begründet. Um eine vorläufige Unterstützung von ihrem Ehemann zu erlangen, reichte die Angeklagte eine eideSstatt- lichc Versicherung eines Ehepaares H. bei dem Landgericht I ein, in welcher verschiedene Szenen aus der D.'scheu Ehe wiedergegeben wurden. Da die Form der Versicherung der Angeklagten nicht ge- nügte, setzte sie, angeblich im Einverständnis mit der Frau H., die Worte hinzu:„auch nach dem Fahre 1982". In ähnlicher Weise verfuhr die Angeschuldigte auch mit zwei weiteren eidesstattlichen Versicherungen. Seitens des Gerichts wurde bald bemerkt, daß auf den Schriftstücken nachträglich etwa? hinzugesetzt worden war. Es wurde deshalb ein Strafverfahren anhängig gemacht. Die erste Verfehlung zwang die Angeklagte nun zu einem zweiten Vergehen, welches nur Zuchthausstrafe zuläßt. Als am 18. Mai d. I. Ver. nchmimgen vor dem Untersuchungsrichter stattfanden, trat die An- gcschuldigte auf dem Korridor des Gerichtsgebäudes an die Zeugin H. heran und bat sie, sie möchte doch aussagen, daß jener Vermerk mit ihrer Einwilligung geschrieben wäre. Vor Gericht bestritt die Angeklagte jede Schuld, wurde indeffcn durch die. Beweisaufnahme völlig überführt. Der Gerichtshof erkannte auf die niedrigst zu- lässige Strafe von einem Jahre Zuchthaus. Die SchSneberger Spar- und Tiskontobank vor Gericht. Der seit mehreren Tagen vor der 5. Strafkammer des Landgerichts II verhandelte Prozeß gegen den Kaufmann Karl G o I l i n wegen strafbarer Machenschaften, die er als Vorstand der Spar- und Diskontobant zu Schöneberg in den Jahren 1898 bis 1981 ausgeübt, ist nun zu Ende gegangen. Durch die Beweis- aufnähme wurden die Verfehlungen des Angeklagten als sehr ernste hingestellt, so daß der Staatsanwalt ihn im vollen Umfange der An- klage für überführt erachtete. Die Verteidiger beantragten aus juristischen Gründen in fast allen Punkten der Anklage die Frei- sprechung und plädierten in den Fällen der Bilanzfälschung auf Zubilligung mildernder Umstände. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu drei Jahren Gefängnis, unter An- rechnung von sechs Monaten Untersuchungshaft und 1588 M. Geld- strafe. Ter Verurteilte trat die Strafe sofort an. Versammlungen. Ueber den politischen Massenstreik sprach der Genosse Ströhe! am Sonntag in einer gutbesuchten Versammlung der Werkzeug. macher(Melallarbeitcr-Verband). Der Vortrag wurde mit leb- hastem Beifall aufgenommen. An der Diskussion beteiligten sich nur Robinson, der als Anhänger Dr. Friedebcrgs sprach, und Zippel. Letzterer bestritt, daß zwischen der Partei und den Ge- werkschaften eine Entfremdung eingetreten sei. Es möge vielleicht in einigen Großstädten von Entfremdung gesprochen werden können, nicht aber in den Provinzen. Dort gingen Partei und Gewcrk- schaften stets Hand in Hand. Dem Massenstreik vermochte der Redner allerdings nicht viel Sympathie abzugewinnen. Er vermißte sowohl in den Ausführungen Ströbcls wie auch im Jenaer Referat Bebels klipp und klare Spczial-Darlcgungen darüber, w i e die In- szenierung und Durchführung des Massenstreiks denn eigentlich ge. dacht sei. Ebensowenig vermochte er sich von den Dresdener und Leipziger Demonstrationen einen Eindruck auf die herrschenden Klassen zu versprechen. In seinem Schlußwort bemerkte Ströbel unter anderem, es könne sich jetzt naturgemäß nur erst um die Propagierung der Grundgedanken des Magenstreiks handeln, alle Emzelheitcn mühten späteren Erörterungen vorbehalten bleiben.— Die Versammlung nahm hierauf provisorisch die Ergänzungswahlen der Agitationskommission vor. Als Branchenvertreter wurde, eben- falls provisorisch, der Kollege Müller gewählt. Die endgültige Erledigung der übrigen Tagesordnung wurde bis zur nächsten Branchenversammlung vertagt. Eine Versammlung der Lederarbeiter, Weißgerver� Leder- särber usw. beschäftigte sich am Dienstag abend mit der Situation nach Beendigung der Aussperrung. Nach dem Bericht der Kom- Mission sind noch zirka 188 Mann ohne Arbeit. Der größte Teil der angelernten Streikbrecher nimmt noch die Plätze der Aus- gesperrten ein. Hauptsächlich sei das bei Färbern der Fall, von denen noch ein großer Teil auf der Straße liege. Die Kommission >ei bei mehreren Fabrikanten deshalb vorstellig geworden, und habe man die Versicherimg erhalten, sobald es der Betrieb erlaube, solle jeder seinen alten Platz wieder einnehmen. Das Entfernen der Streikbrecher sei mit Schwierigkeiten verknüpft, da man bei den Verhandlungen als selbstverständlich angenommen habe, daß beider- seitig keine Matzregelungen vorgenommen werden sollen. In Zu- kunft würde sich das von selbst regeln. Redner forderte die Kollegen auf, unverzüglich zur Wahl von Fabrikausschüssen zu schreiten. Die Kommission habe beschlossen, sich nicht aufzulösen, ehe alles geregelt sei, und würde nach wie vor ihre volle Schuldigkeit tun. Die Tis- kusswn war eine sehr erregte. Der Unwille gegen die Fabrikanten machte sich in bitteren Worten Luft. Auch der Kommission machte man Vorwürfe, daß sie nicht energisch genug gehandelt hätte. Letzteres wurde seitens der Kommissionsmitglicder zurückgewiesen und angeraten, vorläufig eine abwartende Stellung einzunehmen. Auf Vorschlag der Kommission wurde beschlossen, für die Lokalkasse einen Beitrag von 58 Pf. zu erheben. Die noch Ausgesperrten sollen einen Unierstützungszuschlag von 12, 6 und 3 M. erhalten, je nach Länge der Zeit, der sie der Lokalkasse angehört haben. .(Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.)' Vermischtes. Die Hallesche Polizei in der Oper. Einsichtsvoll und vorsichtig, wie sie immer ist, hielt sie es für strafbar, daß in der hübschen romantischen Oper„Der Freischtitz" bei der Wolfsschluchtszene im Stadt-Theater Feuerwerkskörper abgebrannt werden. Der Stadt- Theaterdirektor Richards hatte mit aller nur zu Gebote stehenden Vorsicht, um in jener Szene den sogenannten Höllenrachen effekt« voller zu gestalten, einige an Stöcken angelegte Raketen aussteigen lassen. Er mutzte dieierhalb vor dem Schöffengericht erscheinen, da er nach einer vorsündflntlichen Verordnung im Theater mit Feuerwerkskörpern umgegangen sei, die geeignet sein sollten, eine Brandkatastrophe hervorzurufen. Direktor Richards sagte, die Anklage sei durchaus unbegründet, da er bereits seit 9 Jahren in dieser Weise den„Freischütz" aufführe und die Hülfsmittel der Polizei, die Feuerwehrbeamten, bezeichneten die befürchtete„Brand- kataftrophe" als Zimmerfeuerwerl. Der Amtsanwalt be- antragte 20 M. Geldstrafe. Das Gericht sprach den Direktor aber frei, da sich jene Szene ohne Feuerwerkskörper nicht auf« führen lasse und alle Vorsichtsmaßregeln getroffen waren. da? BilkSzöhlungsergebnisse.> Halle zählt jetzt 169 648 Einwohner, gegen IS80 bedeutet eine Zunahme um 12 916 Eimvohner. Bei der Volkszählung wurde für die Stadt Dessau eine Ein» wohnerzahl von 64 658 ermittelt, das sind 4849 oder nicht ganz 8 Prozent mehr als bei der Zählung von 1988.� Hannover. Die Volkszählung ergab eine Einwohnerzahl von 249 619. Davon sind 128 583 männlich und 129 836 Iveiblich. Nicht mit eingerechnet sind die 7898 Militärpersonen. Im Jahre 1988 zählte Hannover 235 649 Einwohner, die Zunahme beträgt also 13 978 Seelen.. Bielefeld. Die Volkszählung ergab 71412 Einwohner gegen 63 846 im Jahre 1988. Die Zahl der Emwohnier Straßburgs, die 1900 151041 betrug, beläust sich jetzt auf 167 342. Nürnberg. In F ü r t h ergab die Volkszählung eine Ein» wohnerzahl von 60 520 gegen 54 142 ,m Jahre 1900. Im Klub zur Enwölkerung. Die amerikanische bürgerliche Frauenbewegung, wie sie in den Franenklubs zum Ausdruck kommt. wird von einer Dame Miß Olga Cadiah aus Ohio, die die Frage studiert hat, fiir den„Rassenselbstmord", d. h. die kinderlosen oder kinderarnien amerikanischen Ehen, verantwortlich gemacht. Aus langen Zahlenreihen weist die Dame nach, daß die einem Klub angehörigen Frauen durchschnittlich nur zwei Kinder haben, während die Mütter dieser Frauen im Durchschnitt vier Kinder hatten. Das Durchschnittsalter der weiblicbeir Klub-Mitglieder ist 33. Jahre, dagegen ist das Durchschnittsaller ihrer jüngsten Kinder 11 Jahre, woraus zu schließen iväre, daß junge Frauen, die in die Klubs eintreteii, nachher nur selten Kinder haben. Von 16 verheirateten Frauen wird im Durchschnitt nur eine Mutter, nachdem sie einem Frauenklub beigetreten_ ist, und in acht Jahren wird nach dem Eintritt in Klubs nur_ eine Frau von 43 zweimal Mutter. Die Autorin dieser Aufstellung sagt, am schliimnsten sündigten in dieser Beziehung die Frauen der höheren Klassen.__ Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen BeriSt der städtischen Markthallcn-Direltion. Rindfleisch la 64-68 pr. 100 Pfund, IIa 56-64, lila 50-55, IVa 40—48. Kalbfleisch la 84—88, Ha 72—82, lila 54—68, "ammeifletsch la 65—75, IIa. 50—60. Schweinefleisch 68—75. Rotwild (und 40—53 Pf. Hasen Stücks 3,50—3,75, klein 1,50—2,00. Kaninchen 4ück 0,80-1,00. Hu Ii»er pro olucf, alle 1,30-1,85, junge Ta 0,80-1,15. do. IIa 0,00—0,00. Tauben, junge 0,55—0,68, alle 0,40-0,45. Enten junge 1,50-2,50. Gänse pro Stuck, la 3.50-4,50. IIa 2,50-3,00, pro Pfd. la 0,60-0,65, IIa 0,50— 0,58. Schellfische 18—22 M.. Flunder 00-00 M. pro 100 Psd. Hechte 80—33 M., Schleie, unsortiert 00 M. Aale, groß 0.00, mittel 0,00, klein 0,00. Plötzen 32-35, Karpfen uns. 10,00 M., Schottische Vollheringc(gesalzen) 40-44?.>! Eier. Schock 5,00. 100 Pfund la 124—125, IIa 118-124, lila 115-113, 95—110. Kartofielu pr. 100 Pfd. rote 2.00—2,25, Rosen blaue 0,00-0,0o, runde weihe 1,80- 2,00. Wirsingkohl 4,00-8,00, Lciistohl 6,00-8,00, Rotkohl 4,00-8,00, yoll. Saure Gurken, schock l.,00 M. Waflerftand am 6. Dezember. Elbe bei Aussig-st 0,34 Meter, bei Dresden—l.04 Meter, bei Magdeburg-st 1,74 Meter.— Uuflrut bei Straußfurt-st l,4.> Meter Oder bei Ratibor-st 1,48 Meter, bei Breslau Lbcrpegcl 5,05 Meter, bei Breslau Uiilerpegcl— 0,94 Meter. bei Frantfurt-st 1,83 Meter.— Weichsel bei Vrahcinunde -st 3,32 Meter.— Warthe bei Posen—.— Meter.— Netze bei Ilich—.— Meter. LachS 200. Butter pro abfallende 0,00-0.00. pr. schock 12-lo M. Hans Weber, Berlin. Für den' Lnleratentcil vecanlw.: Th. Glocke, Berlin. Krück u. Verlag: Vorwört» KuKdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.