Nr. 289. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 t., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat, Eriscint täglich außer Montags. Vorort- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblaff. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 40 fg., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 25 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Borte über 16 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1982 Sonntag, den 10. Dezember 1905. religiösen Frage begründet. Die Sozialdemokratie in allen Die Trennung von Staat und Kirche. Ländern hat in ihrem Programm die Forderung der Trennung 5 " der Kirche vom Staate, sowie der Schule bon Durch den jüngsten Beschluß des französischen Senats ist der Kirche. Dies ist auch die äußerste Lösung der Frage, die gesegliche Trennung der Kirche vom Staate vollzogen. deren die bürgerliche Gesellschaft fähig ist. Während Damit ist ein politischer Kampf zum formellen Abschluß ge- aber diese rein formale Erledigung der Sache für den bürgerbracht, der seit mehr als fünf Jahren die Deffentlichkeit in lichen Liberalen das höchste war, wozu er sich in seiner besten Frankreich und namentlich das parlamentarische Leben der Zeit aufzuschwingen vermochte, ist sie für die Sozialdemokratie Republik in Atem gehalten hat. Die Trennung der Kirche wohlgemerkt eine Die Trennung der Kirche wohlgemerkt eine der Minimalforderungen des vom Staate ist eine der alten Grundforderungen des Klein- Programms. Die Sozialdemokratie verlangt von dem heutigen bürgerlich- republikanischen„ Radikalismus". Allein erst seit Staate als die minimalſten Garantien der geistigen Freider Dreyfus Krise und der sogenannten parlamentarischen heit, daß die Religion zur Privatsache erklärt und die Schule Herrschaft des republikanischen Blocks" war das alte Schlag- von jeder Einmischung der Kirche verschont wird. Der bürgerwort der ,, Radikalen" zur Zentralachse des politischen Lebens, liche Liberale in seiner besten Zeit glaubte nun, daß damit, zum Gegenstand unendlicher leidenschaftlicher Parteikämpfe und das heißt mit der Abschaffung des Kultusbudgets und der Redeschlachten geworden. Der unmittelbare Zweck und fonfessionellen Schule, für die gänzliche Befreiung der Gesellin gewissem Maße auch das Ergebnis dieser fünfjährigen schaft von dem geistigen Druck der Kirche gesorgt wäre. unaufhörlichen parlamentarischen Balgereien zwischen dem Wenn jeder seinen Priester bezahlt, wie er feinen ,, republikanischen" und dem ,, nationalistischen" Teil der Bäcker bezahlt", so meinten die bürgerlichen Freidenfer, französischen Bourgeoisie war die Abwendung der Arbeiter dann sei es mit der Herrschaft der Kirche über die Geflasse von ihrem direkten Klassenkampf sowohl gegen die müter borbei. Die Oberflächlichkeit dieser bürgerlichpfäffifche wie gegen die antipfäffische Reaktion, die Hinein- freidenferischen Gesichtspunkte beweisen schon zur Genüge die ziehung der Masse des Proletariats in die bürgerlichen Vereinigten Staaten Nordamerikas, wo bei völliger Fraktionstämpfe unter dem alten Schlachtruf der mittleren Trennung von Staat und Kirche das Mudertum und das und fleinen Bourgeoisie: Hie Republik hie Monarchismus! Seftenwesen aufs beste blüht und gedeiht. Der bürgerliche Daß diese schlaue Politik der nationalistischen wie der Liberalismus hat eben auf diesem Gebiete wie auf allen republikanischen Demagogen im letzten Ende elend Schiffbruch anderen Gebieten des Fortschritts und der Demokratie vollgelitten hat, bewies der schließliche Austritt der französischen ständig Schiffbruch gelitten und seine Jdeale der Sozialdemokratie Sozialisten aus dem republikanischen Block" und der feste als Erbschaft hinterlassen. Die Sozialdemokratie allein verZusammenschluß unserer geeinigten französischen Bruderpartei mag die geistige Freiheit in der Gesellschaft auch in der Tat zum scharfen Klassenkampf unter der begeisterten 8u- zu verwirklichen, indem sie auf gesellschaftliche Zustände, hinstimmung der breiten Schichten des französischen Proletariats. arbeitet, in denen die firchliche Herrschaft als eine ErscheinungsUnd wenn ein Umstand diese jüngste Tattit der französischen form der Klassenherrschaft mit jeglicher Klassenherrschaft Sozialdemokratie glänzend gerechtfertigt hat, so ist es gerade zusammen verschwinden wird. Erst wenn die menschliche die eben vollzogene Trennung der Kirche vom Staate. Gesellschaft in solidarischer, bewußter Arbeit Herr ihrer eigenen Nicht nur ist dieses Gesetz ohne den„ republikanischen Block", Geschicke wird, erst dann verschwindet die jahrtausende nachdem dieser sich gänzlich zerschlagen hatte, zustande ge- alte soziale Wurzel der kirchlichen Geistesknechtschaft. Und tommen, sondern der Austritt unserer Genossen aus der die Sozialdemokratie bahnt schon heute diese Befreiung Schritt parlamentarischen Allianz mit den bürgerlichen Republikanern für Schritt an, indem sie durch die Verbreitung des Klassenund die schroffe Umkehr des französischen Proletariats zur bewußtseins und durch den Klaffenkampf ganze große Schichten reinen Massentampfpolitit hat bei dem schließlichen Zustande- der Getnechteten zu Herren ihrer eigenen Geschicke, weil zu tommen des Gefeßes eine wesentliche, wo nicht die entscheidende zielbewußten Kämpfern um eine neue Gesellschaftsordnung Molle gespielt. Die antipfäffische wie die pfäffische Demagogie macht. hatten eben zu offensichtlich jede Wirkung auf die Arbeiter- Die Trennung der Kirche vom Staate ist für uns freilich maffen verloren, die so lange benutte Karte war augenscheinlich die nächste Forderung, die wir an den gegenwärtigen ausgespielt, mit dem Kampfe wider die jesuitische Verseuchung Staat stellen. Die wahre Lösung der kirchlichen Frage liegt der Schule und des öffentlichen Lebens mußte endlich Ernst aber für uns nicht in der Abschaffung des Kultusbudgets und gemacht werden. Länger ließ sich von diesem politischen der fonfessionellen Schule, sondern in der Verwirklichung Sapital für die Bourgeoisie nicht zehren. Und so erscheint des Sozialismus. In knapper und flarer Form hat dies auch diese Bortion demokratischen und republikanischen Fort- bereits eine alte Barteibroschüre auseinandergesetzt, die mit schritts, der in der Trennung der Kirche vom Staate in Frant- jener herzerfrischenden Schärfe und Großzügigkeit geschrieben reich verwirklicht wird, als ein Wert des klassenbewußten, ist, die unsere ältere sozusagen Klassische Parteiliteratur sozialistischen Proletariats und seines Druces auf die parla überhaupt von den jüngsten Erzeugnissen der Partei mentarischen Parteien. so wohltuend auszeichnen. Wir meinen die Glossen zu Yves Die Geschichte wollte une offenbar die preußisch- deutsche Guyot's und Sigismond Lacroir's: Die wahre Gestalt des Misere in diesem Augenblid besonders deutlich vor die Augen Christentums" von Bebel. Da die zuerst 1878 erschienene führen: Die Annahme des Gesetzes über die Trennung der Kirche Broschüre heute bergriffen ist, so halten wir es für gut, durch vom Staate in Frankreich fällt zeitlich mit einer neuen Schul- den folgenden Abdruck einiger Schlußseiten dieser Schrift den borlage in Preußen zusammen, die unsere öffentliche Schule Genossen in Erinnerung zu rufen, wie man in unseren mun erst recht der Vermuckerung und der Pfaffenherrschaft Reihen über die Religionsfrage in damaliger Zeit schrieb und preisgeben soll! Während in Frankreich wenigstens ein Teil dachte: der mittleren und teinen Bourgeoisie noch an der Form der einstigen Jdeale des Liberalismus, an den formalen Garantien der bürgerlichen Aufklärung festhält, ist in Deutschland nicht eine ernst zu nehmende bürgerliche Partei vorhanden, die noch das höchste Gut der Kultur, die Geistesfreiheit zu schüßen bereit und imftande wäre! Cine fleine Begebenheit hat erft vor kurzem den jämmerItchen Verfall der bürgerlichen Aufklärung drastisch illustriert. Jm April dieses Jahres trat Professor Ernst Häckel mit einigen Borträgen über die Darwinsche Abstammungstheorie in Berlin auf. Der einstige Herold der bürgerlichen Aufklärung wieder. holte auch diesmal seinen alten Kampfruf: Los von Rom! Fort mit der Pfaffenherrschaft aus der Schule und dem öffentlichen Leben! Aber wie dumpf und hohl tönte das Echo seiner Worte in dem großen Saale der Berliner Singakademie! Borbei sind die Zeiten der liberalen Sturm- und Drangperiode der sechziger Jahre. Wie ein Gespenst aus einer längst begrabenen und vergessenen Epoche stand der silberhaarige Häckel mitten in einem Auditorium, das aus bloßer Neugier herbeigeströmt war, um die lebendige Reliquie der eigenen Vergangenheit als eine Kuriosität anzustaunen, und wie die Worte einer toten unverständlichen Sprache tönten von seinen Lippen die einstigen Kampfrufe des Liberalismus. Dieser Wandel der Zeiten, diese Umkehr der Bourgeoisie von den Jdealen der Geistesfreiheit und der Aufklärung zum Kompromiß mit der Kirche hängt aber mit der ganzen Entwicklung der Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten, mit der zunehmenden Verschärfung der Klassengegensäge zusammen. Die Kirche soll die letzte Zuflucht der vor dem eigenen Untergang zurückschaudernden herrschenden Klassen, sie soll vor allem das legte Mittel sein, die zum Klassenbewußtsein erwachenden Voltsmassen am Gängelband zu halten. Diese innere enge Verbindung zwischen der Kirche und der bestehenden Gesellschaftsordnung ist es aber auch, die innerhalb , der heutigen Gesellschaft die Unzulänglichkeit der Trennung der Kirche vom Staate als einer Lösung der Kirchlichen, " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernfvrecher: Amt IV. Mr. 1984. langen, den idealen Zielen, für welche das arbeitende Volt tämpft, stehen sie, wenn nicht gleichgültig, feindselig gegenüber, die Ausnahmen sind zu zählen. Bevor nicht eine gründliche staatliche und gesellschaftliche Umgestaltung vor fich geht, welche dem Lehrer die für seine Menschheitserziehungs- Aufgabe not wendige, materiell gänzlich unabhängige Stellung sichert und die entsprechende Bildung, die ihm heute meist mangelt, gibt, erfüllt er seine Aufgabe nicht. Die Erziehung aber muß alsdann aus. schließlich Staatssache sein, sie muß den höchsten Ansprüchen genügen und darf während der Erziehungsjahre, wie überhaupt fein Bögling, von Staats- oder Gemeindewegen in religiösen Dingen Unterricht genießen. Das ist der Punkt, warum ein Verfaffungsparagraph, wie der vorgeschlagene, allein nicht hilft. Gibt der Staat nicht bloß die Freiheit der Gewissen zu, was er soll und muß, sondern auch die Freiheit der Erziehung, wie bies in Nordamerika der Fall ist, so ist die notwendige Folge, daß die Kirche sich der Erziehung bemächtigt und ihren unheilvollen Einfluß qusübt, wie sich das tatsächlich in den Vereinigten Staaten herausgestellt hat. Dieses laisser faire des Staates auf dem Erziehungsgebiet hat es fertig gebracht, daß in feinem Staate der Welt das Kirchen- und Sektenwefen sich üppiger entfaltete als in den Vereinigten Staaten. Warum verzichtet der bürgerliche Freistaat auf die religionslofe Erziehung seiner Jugend? Die Beantwortung dieser Frage läßt sich mit der Beantwortung einer anderen Frage über eine ähnliche Erscheinung vereinigen. Der Staat, der die vollste Gewissenfreiheit anerkennt, aber auch seine Jugend als Beute den Kirchen und Gekten überläßt, erklärt sich selbst für einen christlichen, er erkennt in seiner Verfassung das Dasein Gottes an, hält im Interesse der Religion eine Sonntagsheiligung aufrecht, wie sie, ausgenommen in England, strenger sich nirgends findet, und seine höchsten Behörden veröffentlichen feinen Regierungserlaß, ohne den Namen Gottes anzurufen. Die gleiche Erscheinung wie in den Bereinigten Staaten finden wir wesentlich in allen den Staaten wieder, die als Hort bürgerlicher Freiheit gelten: in England, in Belgien, in der Schweiz. In der republikanischen Schweiz wird keine Stände- oder Kantonsratssitzung ohne Gebet eröffnet. Wie erklärt sich diese mert würdige Frömmigkeit und Religiöfität? Sehr einfach. Indem die Bourgeoisie, die in allen diesen Staaten herrscht, die bürgerliche Freiheit einführte, hielt sie es gleichzeitig für not. wendig, ihr ein Gegengewicht in der Religion zu geben. Die Religion soll den mangelnden Drud der politischen Gewalt, die auch dem Bourgeois manchmal unangenehm wird, ersehen und eine Schranke gegen destruttive Tendenzen der arbeitenden Klassen sein. Das ist das Geheimnis. Der Bourgeois der Bereinigten Staaten, der in größter Freiheit den Staat bestiehlt, die Politik nur als Geschäft fennt, im bürgerlichen Leben die Arbeit aufs schamloseste ausbeutet und alle Moral mit Füßen tritt, hält es für notwendig, ein eifriger Kirchengänger zu sein, um vor den Augen der Masse seine bürgerlichen Schandtaten durch firchliche Uebungen und Opfer wett zu machen. Aus denselben Gründen erklärt sich die pietistische und puritanische Gesinnung der englischen Aristokratie und Bourgeoisie, die ultramontanen Allüren der belgischen und die Orthodogie der schweizerischen Bourgeoisie. Aus diesem Bestreben der Bourgeoisie, in der Religion ein konservatives Gegengewicht gegen die bürgerliche Freiheit zu suchen, erklärt sich aber auch weiter der entschiedene Fortschritt den gerade der Katholizismus in Amerika und England gemacht hat, die Gunst, die er in Belgien findet. " Wir sehen also, daß die bürgerliche Welt unfähig ist, den Kampf gegen die Kirche auszufechten. Wie in allen Staaten mit modernen sozialen Kämpfen Konservative und Liberale bis auf den Namensunterschied eins geworden sind und an demfelben Strange ziehen, so ist dasselbe mit den Vertretern der Kirche vielfach schon geschehen oder wird geschehen. Alle Vertreter der sozialen, politischen und religiösen Interessen einigen sich gegen die Vertreter der neuen revolutionären Weltanschauung zu einer einzigen großen reaktionären Partei. Der 8 wist der herrschenden Klassen unter sich ist nur häusliches Gezänt, das sofort ber schwindet, wenn es den gemeinsamen Feind zu betämpfen gilt. " Nicht Verfassungsparagraphen und Henderung äußerlicher Regierungsformen, sondern nur eine mächtige Umgestaltung der sozialen Verhältnisse, beruhend auf der Gleichheit Aller und unterstüßt durch die moderne Wissenschaft, die allen zugänglich gemacht werden muß, wird dem Bäsarismus und der Herrschaft des Christentums ein Ende machen. Nur eine Macht kann diese Umgestaltung vollziehen der Sozialismus." „ Der Beweis, daß die Religion aufs engste mit den materiellen Interessen der Gesellschaft in Berbindung steht und ihnen dient, ist erbracht. Die Tatsache ist unwiderleglich, daß mit allen großen religiösen Bestrebungen politisch- soziale zu sammenhängen. Wir sehen das bei der Entstehung des Christen tums, bei allen religiösen Kämpfen des Mittelalters in Italien, Frankreich, England, Deutschland, wo die Bestrebungen gegen die Kirche mit denen um bürgerliche Freiheit und Unabhängigkeit zufammenfielen; in dem Präludium zur französischen Revolution, welches das Auftreten der Enzyklopädisten bildete, wie in den inneren Kämpfen unmittelbar bor der achtundvierziger Bewegung in Deutschland, wo die Feuerbach, Strauß und Bauer und die deutsch katholische Bewegung gewissermaßen die Ouvertüre spielten, endlich in den Kämpfen der Gegenwart, wo eine neue große soziale Umwälzung sich vorbereitet, und die Geburtswehen einer neuen Gesellschaft begonnen haben. Die alte Gesellschaft liebt es, ihre sozialen Kämpfe wie ihre Herrschaft unter falscher Der Streit dauert fort. Nachrichten aus Rußland tegen Flagge zu decken und zu verstecken. Diese letzte sich vorbereitende fast keine vor außer einigen Versicherungen der Petersburger große soziale Umgestaltung unterscheidet sich aber von allen ihren Agentur... daß der Streik so gut wie beendet, der Verkehr Borgängern dadurch, daß sie nicht nach neuen Religionsformen" normal" und alles in schönster Ordnung fei. Den Humor daß, indem sie als ihr Ziel die Bernichtung aller errschaft scheint man in Petersburg noch nicht verloren zu haben, wenn auf ihre Fahne geschrieben, fie alle Formen dieser Herrschaft, es auch nur Galgenhumor ist. also die sozialen und politischen wie die religiösen, zu beseitigen Englische Blätter melden: trachtet. Mit einem Berfassungsparagraphen, wie ihn die Verfasser in die drastische Formel fassen: Jeder bezahlt seinen Priester, wie er feinen Bäder bezahlt", wird die Macht der Religion allein nicht beseitigt, und die Hoffnung auf den Arzt und den Lehrer der bürgerlichen Gesellschaft dürfte ebenfalls als Täuschung sich erweisen. Wohl find unsere Aerzte meist Atheisten und Materialisten, aber ihre soziale Stellung, die sie in die Reihe der herrschenden Klassen stellt, ihr Interesse verbietet ihnen, sich zu Aufklärern der Maffe aufzuwerfen. Diejenigen, die in diesem Punkte ihre Schuldigkeit tun, sind äußerst dünn gefäet. Dasselbe gilt von den Lehrern. Die große Mehrheit unserer Lehrer hat feine blaffe Ahnung von ihrer wahren Aufgabe. Jm Dienste der herrschenden Klasse stehend, von ihren Ideen beherrscht und in ihnen erzogen, halten sie i nihrer Mehrzahl zu dieser. Ihr einsiger Wunsch ist, eine möglichst gute materielle Stellung zu er Die Revolution in Rußland. 100 000 Arbeiter in Petersburg sind jetzt mit Schußwaffen aus gerüstet. Zwei Millionen Revolver find über das ganze Reich verteilt worden. Von Revolutionären im Auslande angebotene Gewehrfendungen wurden von den Führern der Aufständischen mit der Begründung abgelehnt, es würden genügend Gewehre aus den Kaiserlichen Arsenalen zur Verfügung stehen. Der Verband der Verbände" richtete an den Grafen Witte ein Ultimatum bezüglich der Meldung, eine Anzahl der Teilnehmer an den Meutereien in Sevastopol würden erschossen werden. Der Verband droht einen Generalstreit an, falls das Urteil nicht sofort aufgehoben werde. Die Meuterei der ruffischen Truppen in Charbin begann nach weiteren Meldungen von dort am 12. November. An der Meuterei beteiligten sich gegen 10 000 Soldaten. Sie berübten Tumulte in den Straßen, plünderten die meisten chinesischen Läden und steckten die Regierungsmühlen, die Rasernen und andere kaiserliche Gebäude Petersburg, 9. Dezember. Hier zirkulieren Gerüchte, daß haben. Durnowo feine Demission eingereicht habe. Petersburg, 9. Dezember. Der Verband der Ministerialbeamten erließ einen Aufruf, in welchem er mit Entschiedenheit das Stoalitionsrecht verlangt. Darin heißt es weiter: Nieder mit der Billtür und mit den reaktionären Ministern, die alle Leiden, die über das Land gekommen sind, verursacht haben. -in Brand. Es fam dabei zu Zusammenstößen, bei denen zahlreiche| fapitulieren mußte, und drittens verschwieg er die Entwickelung vom Schauplatz abgetreten, um einem der Barthschen Mannen Berfonen getötet wurden. der Steuerreform auf das Landtagswahlrecht, das dadurch be- der Kieler Freisinn, dem Herr Struve angehört, neigt den Platz Ferner liegen folgende Meldungen vor: kanntlich noch plutokratischer gestaltet wurde. Die Besitzenden nämlich stark zur Barthschen Richtung Kiew, 9. Dezember. 9. In Proskurow meuterte das dortige haben also dadurch, daß sie sich zur Einführung einer ge- räumen. weite Infanterie Regiment. Die Mannschaften ver- rechteren Steuer bequemten, ihren ohnehin schon großen Ein Daß die Sozialdemokratie nicht besser abgeschnitten hat, weigerten den Dienst und vernichteten die Ausrüstungsgegenstände. fluß auf die Landesgesetzgebung noch verstärkt, sie haben erklärt sich aus dem Charakter des Wahlkreises, der nicht nur Odessa, 9. Dezember. Nach Privatmeldungen aus Sevastopol gewissermaßen ihre Macht erkauft. Das Dreiklassen zu mehr als drei Vierteln ländlich ist, sondern auch nur kleine ist Leutnant Schmidt noch nicht hingerichtet. Er wurde gestern wahlsystem wurde noch plutokratischer, und die Vertreter und Kleinste Städtchen- die größten darunter zählen nicht unter sehr starker Bedeckung nach der Festung Dischakow gebracht. des Geldsacks fonnten, ungestört von Arbeitervertretern, einmal 5000 Einwohner aufweist. Auf dem Lande domiFerner wird aus Sewastopol gemeldet, daß der Herausgeber des dortigen Blattes„ Krimsti- Westnit" unter Androhung der Hinrichtung ihre Macht ausnuten, um die Arbeiterklasse zu unterjochen, niert aber wiederum der junkerliche Großgrundbesiz, der seine gezwungen wurde, einen Artikel zu veröffentlichen, in welchem die Recht und Gesetz mit Füßen zu treten, sich selbst aber auf Landarbeiter derartig in sklavischer Abhängigkeit hält, Juden und Revolutionäre als die Urheber der letzten Aufstände be- Kosten der Gesamtheit zu bereichern. Der Minister wird es daß es nur der kleinste Teil von ihnen wagt, einen sozialzeichnet werden. Das Militär verhindert, daß Depeschen aus uns wohl nicht übel nehmen, daß wir im Interesse der demokratischen Stimmzettel abzugeben. Nimmt man noch Gewastopol abgehen. historischen Wahrheit seinem Gedächtnis etwas nachgeholfen hinzu, daß die sozialdemokratischen Redner auf dem Lande eigene Versammlungen überhaupt nicht abhalten können und In der Debatte erklärten sich alle Parteien mit den durch daß ihnen in den gegnerischen Versammlungen günstigstenfalls die Novelle beabsichtigten Steuererleichterungen, insbesondere nur eine minimale Redezeit eingeräumt wird, so wird man mit den Erleichterungen für die Angehörigen des sogenannten verstehen, daß es auf absehbare Zeit nicht möglich sein wird, Mittelstandes, einverstanden. Bedürfen doch nach Ansicht des die Konservativen aus diefer Hochburg herauszuwerfen. Sperrn v. Rheinbaben die mittleren Volksschichten des Schußes Es versteht sich von selbst, daß auch in diesem Wahlkampf noch mehr als die Arbeiter! Dagegen stieß die geplante Be- der berüchtigte Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialsteuerung der Gesellschaften mit beschränkter Haftung demokratie durch mehrere seiner geriffensten Demagogen verauf lebhaften Widerstand, und die in Aussicht gestellte treten war. Der Erfolg seiner heißen Bemühungen war ein Erhöhung der der Einkommensteuer rief rief wahres Entsegen äußerst geringfügiger. Der Mißerfolg der Bekämpfung der herbor. Dieselben Herren, die sich augenblicklich im Sozialdemokratie von dieser Seite wird bei den nächsten Reiche zu einem noch nie dagewesenen Beutezug auf Wahlen vollends zu Tage treten. die Taschen des arbeitenden Volfes anschicken, jammern und zetern plötzlich einer Steuererhöhung, wegen von der noch nicht einmal feststeht, wann und ob sie überhaupt Auch in der französischen Deputierten Kammer wurde um fommt. Ein interessanter Beitrag zu der angeblichen Opfer-- Freitag über Patriotismus" gesprochen. Natürlich kann bis jetzt Die Abflanung der Etatsdebatte. willigkeit der Besigenden! upitsho noch kein genauerer Bericht über diese Sizung vorliegen. Das Der gleichen Kommission, wie die Novelle zum Ein- verhindert indessen einen Mann wie den deutschen Reichskanzler Drei Führer größerer bürgerlicher Parteien und der gefürstete Reichskanzler in höchst eigener Person mühten sich tommensteuergesetz, wurde nach kurzer Debatte, in der die Fürsten Bernhard von Bülow nicht, schon am Tage darauf von den heute nach zweitägiger Vorbereitung an den Ausführungen Freisinnigen gegen die Bevorzugung der Gutsbezirke vor den Verhandlungen in einem Zone zu reden, als hätte er ihnen in des Genossen Bebel herumzumäkeln; trot oder wegen Landgemeinden und namentlich vor den Städten protestierten, höchsteigener Person beigewohnt. In Wirklichkeit liegen die Dinge dieser langen Bedenkzeit war die Debatte überaus seicht und auch der Entwurf zu einem Kreis- und Provinzialfo, daß seine ganze Information" im günstigsten Falle einer uninteressant. abgabengesetz überwiesen. Den Anfang machte der nationalliberale Abgeordnete Am Montag beginnt die erste Beratung des Volks Bassermann, der in einer Zweistundenrede eine Fülle all- schulgesetentwurfs. Die Finanzen des Zarenreichs. Paris, 9. Dezember. Der Matin" meldet: Nouvier hat im Ministerrat nicht erklärt, daß der russische Kupondienst durch die bei den Banken hinterlegten Summen für 2-3 Jahre, sondern daß er für 2--3 Geniester gedeckt sei. Politische Geberficht. Berlin, den 7. Dezember. Abgeordnetenhaus bis zum Dienstag zurückstellen. D. R.) ( Wegen großen Stoffandranges müssen wir den Bericht vom " gemeiner Redensarten vorbrachte, die es ihm ermöglichten, bor allen grundverschiedenen Klassen: nationalliberale Wähler, Agrariern, Scharfmachern, Kleinhandwerkern und allDas Palladium des gebildeten Bürgertums. deutschen Flottenferen, seine tiefen Verbeugungen zu machen. Daß unter den Sumpfgewächsen der deutschen JournaHerr Bassermann ist nicht töricht genug zu verkennen, daß die Riesenaussperrungen, die jetzt von den national liftit, die über die sächsischen Wahlrechtskundgebungen spotten, liberalen Unternehmerverbänden allenthalben in Deutschland auch die Rheinisch- Westfälische Zeitung", das edle Leibblatt vorgenommen werden, alle Arbeiter, die unterschiedslos davon der Zechen- und Hüttenbesiger, nicht fehlen werde, war vorbetroffen werden, zu einer einheitlichen, fest solidarischen Masse auszusehen. Mit der ihm eigenen Perfidie zetert zuerst das zusammenschweißen müssen. Mit dem gleichgültigen Wechsel- Organ der Kohlenbarone gegen die sogenannte Nacheiferung balg von Arbeitskammern, von denen er sich in dieser Zeit der russischen Revolutionspraktiken, um dann hinterher die höchst gesteigerter Klassenfämpfe zwischen Kapital und Arbeitsächsischen Wahlrechtsstraßentrawalle" mit Bliemchenkaffee zu noch großartige soziale Friedenswirkungen verspricht, und mit vergleichen. Den Beschluß des unverschämten Sermons bildet einer kleinen Milderung der Rechtlosigkeit der breiten Volks- ein Ausfall gegen das Reichstagswahlrecht, in welchem sich schichten will Herr Bassermann daher Versöhnungspolitik treiben; das Blatt folgendes Lob auf das preußische Dreiklassenwahldenn diese liberale Heldenseele lebt in der allergrößten Furcht recht leistet: davor, daß die deutschen Arbeiter auf die Straße steigen und sich die Rechte, die man ihnen auf friedlichem Wege nicht gibt, mit Gewalt holen fönnten. Gerade umgekehrt ist natürlich die Stimmung der reinen Scharfmacher von der Art des Herrn v. Kardorff und des Reichskanzlers. Unter Aufwand all seiner Intelligenz bemühte sich Herr v. Kardorff nachzuweisen, daß es den Arbeitern Deutschlands noch immer viel besser ginge als den Arbeitern in aller anderen Herren Länder eigentlich sogar viel zu gut und daß gegen ihre weitergehenden Ansprüche die Regierung eine feste Hand zeigen müsse. Harmlos genug sah er hente den Anfang zu dieser Politik der festen Hand in dem Verbot der Jaurèsversammlung! " " Das nativ Das nationale Problem. Wolff- Depesche entstammt, die das Wesentliche der Verhandlungen in aller Kürze andeutet. Die Richtigkeit dieser Vermutung wird das durch bewiesen, daß der Zitierkünstler Bülow den Namen des französischen Sozialisten, den er gegen Bebel und gegen die deutsche Sozialdemokratie ausspielen zu können meint, nicht genannt, sondern nur gesagt hat: " Zu derselben Zeit, als Bebel hier in unpatriotischem Sinne sprach, betonte in der französischen Kammer ein Sozialist, daß die französischen Sozialdemokraten nicht versagen werden, wenn der Ruf des Vaterlandes an sie ergeht." Bülows Information muß danach noch minderwertiger fein, denn Wolff nennt ja den Namen dieses Sozialisten. Es war der Genoffe Sébaès, der nach derfelben Quelle gesagt haben soll, daß seine Partei patriotisch gefinnt sei". Darauf heißt es weiter: Wir achten das Vaterland Schillers und Goethes ebenso, wie wir das Vaterlano Victor Hugos, Voltaires und Pasteurs nicht unterdrücken lassen werden." Der Redner erinnert dann an die Haltung der Sozialisten im Jahre 1870 und erklärt, Desertion vor dem Feinde werde von den Sozialisten nicht gebilligt.p Wir maßen uns nicht an a la Bülow nach so dürftigen Das gleiche, geheime, direkte Wahlrecht hat den Einfluß der Vorberichten schon ein Urteil abgeben zu können, aber soviel darf Bildung und des Besizes in Deutschland außerordentlich beschränkt und die Massen zum Herren gemacht, welche unter das Kommando wohl schon jetzt behauptet werden, daß Bülow wieder einmal ins entweder einer lediglich fonfeffionelle Ziele verfolgenden Hierarchie Blaue hineingesch- offen und ein furchtbares Loch in die Luft ge oder einer fraẞ materielle Genüsse vorspiegelnden Demagogie ge- riffen hat. raten find. Dies Wahlrecht auf die Einzelstaaten auszubehnen, wie in Baden begonnen, heißt das Chaos in Deutschland vollenden. Jedem Versuch, mit Gewalt und Krawallen Sozialismus oder Merifalismus zu Herren auch der Landtage zu machen, muß mit Entschiedenheit begegnet werden. Es ist zurzeit ohne Gefährdung der Staatsordnung nicht möglich, weiter mit der Demotratifierung der Boltsvertretungen zu gehen. Will die Linte im Reichstage Zugeständnisse machen, so muß und wird der Landtag zurzeit entgegenkommen. Vielleicht kommt einmal die Zeit denkt fein ernsthafter Politiker daran und alles Gerede davon ist nur haltlose Erfindung der Demagogie, wo man beide Wahlrechte auf einer mittleren Linie verschmelzen kann. Zurzeit ist das völlig ausgeschlossen, damit aber auch jede Antastung des Klassen Wahlrechts, welches das lezte Palladium des gebildeten Bürgertums ist." Der Neichskanzler sagte dasselbe wie Herr von Kardorff, nur noch etwas gröber. Unter der größten Heiterkeit der edlen Herren aus dem Dbotritenlande und aus der Bellevuestraße protestierte er gegen die auswärtige Politik der„, Hasenheide". So lange Er Ministerpräsident sei, versprach er, der Palladium des gebildeten Bürgertums. Welches geArbeiterschaft jeden Einfluß auf die auswärtige Politik des bildeten Bürgertums"? Die Hochschulfreise kann das Blatt Deutschen Reiches zu versagen. Soweit das von seinem nicht meinen, denn wie es immer wieder behauptet, verstehen Millen abhängt, darf man ihm glauben, daß er versuchen wird, die in leeren Abstraktionen befangenen Männer der grauen dies Versprechen zu halten. Je kostspieliger und aussichts- Theorie nichts von den Bedürfnissen und Problemen des um so optimistischer dar praktischen Geschäftslebens, zudem aber kommen diese Kreise Loser die Kolonialpolitik wird, über zu sprechen fühlt sich der Reichskanzler verpflichtet. beim Dreiflassenwahlrecht gar nicht politisch zu Geltung, sondern Er verkündet das Prinzip der seligen Trebertrocknungs wählen vielfach in der dritten Klasse, während die reichgesellschaft. Je wertloser eine Sache, um so mehr Geld muß gewordenen Schlächtermeister, Vichkommissionäre, Wichsehineingesteckt werden, um Ertrag daraus zu ziehen, d. h. in und Fettpuderfabrikanten als würdige Vertreter höchster diesem Falle: Profit für gewisse Kapitalistenkliquen auf bürgerlicher Bildung in der ersten Klasse wählen. Auch die Kosten der Arbeiter. Für die Provokationsreise nach Tanger höhere Beamtenschaft kann das Blatt nicht meinen, denn über übernahm Fürst Bülow wieder einmal mit dem üblichen pathetischen beren politisches Verständnis äußert es sich fast täglich in Phrasenschwall„ die volle Verantwortung". Wüßte er beffer gleich wegwerfender Weise. Es bleiben also nur als feinste Bescheid über die Stimmung des deutschen Voltes, so würde Blüten deutscher Bildung die Stinnes, Funk, Thyssen, Haniel ihn diese Verantwortung längst mit Zentnerlast zu Boden ge- und deren Geistesverwandte übrig. Eine feine Nummer! brückt haben. inno G Am Montag steht außer der Fortsetzung der Etatsdebatte der Handelsvertrag mit Bulgarien und das Handelsprovisorium mit England auf der Tagesordnung.196 Abgeordnetenhaus. The Be Die Reichstagsersatzwahl in Oldenburg- Plön. Wie unsicher die ganze Geschichte noch war, als Bülow sein Urteil schon fig und fertig hatte, geht daraus hervor, daß das Berliner Tageblatt" am selben Tage einen Teil der Zévaèsschen Ausführungen dem Genossen Jaurès zuschreibt.) Warum Bülow nicht überhaupt auch Jaurès Rede zu berück fichtigen geruhte, ist schwer zu erklären. Wir holen das von ihm Versämte mit Vergnügen nach. Jaurès fagte u. a.: dr aber Das Ziel der Sozialisten sei, den Zusammenhalt und die Tätigkeit der Proletarier aller Länder zu fördern, um den Krieg zu vermeiden und und eine systematische Schiedsgerichts Politit herbeizuführen. Redner erinnert an die Reise des deutschen Kaisers nach Tanger, die, gegen den einstimmigen Willen aller Länder Europas, der Prolog zu dem europäischen Drama gewesen sei, das eine Vermehrung der Rüstungen Deutschlands, Englands und Frankreichs herbeiführen werde. Die Arbeiterklasse werde erdrückt von so viel Lasten und suche natürlich die Gefahr zu beseitigen. Das Proletariat wolle dem Kapital und der Autokratie ihren Szepter entreißen und ihre erdrückende Macht. Die Organisation der Proletarier sei eine nationale und eine internationale. Der Wille des Proletariats habe nicht die Macht gehabt, das Drama bon 1870 zu vers hindern, seitdem bilde das europäische Proletariat eine Macht des Gleichgewichts, auf die man rechnen dürfe. Das englische Proletariat würde in vollem Aufruhr eine Macht des Friedens sein. Selbst das russische Proletariat beginne sein Recht zu fordern. In Desterreich sei es ebenso. Was Deutschland anbetreffe, so entspreche die Macht seines Proletariats nicht der Zahl dieses Proletariats. Jedesmal aber, wenn das Leben Europas in Gefahr gewesen sei, habe der deutsche Sozialismus für den Frieden gefämpft. Jaurès bespricht sodann die Politik der deutschen Sozialisten, die mehr und mehr zu einem Stadium der Propaganda und der Tätigkeit übergehe. Auf dem Kongreß in Jena habe man zum erstenmal von einem allgemeinen Ausstande gesprochen; in Dresden hätten die Arbeiter zum erstenmal in den Straßen das allgemeine Stimmrecht verlangt. Das ist, fährt Jaurès fort, ein Hauch, der aus ganz Europa wcht. Von jetzt an organisiert sich das Proletariat von einem Ende Europas bis zum andern, von Petersburg und Moskau bis London über Berlin und will eine Garantie für den Frieden werden. Wie groß auch die Schwierigkeiten zurzeit noch sein mögen, ich hoffe mit Ihnen allen, daß der Frieden erhalten bleiben möge. Zwischen Frankreich und England waren die Beziehungen vor einigen Jahren nicht weniger gespannt als sie Der gegenwärtig zwischen Deutschland und England find. Warum sollte der Antagonismus ist beseitigt und vergessen. Konflikt zwischen England und Deutschland nicht abgewendet Iverden? Der deutsche Botschafter in London Graf WolffMetternich hat erflärt, daß ein solcher Stouflift eine verbrecherische Torheit wäre. Die englischen und deutschen Proletarier denken ebenso.( Beifall.) Eine bedeutungslose Rede des freisinnigen Abgeordneten Dr. Müller Sagan über die neuen Steuervorschläge Nach einem Wolffschen Telegramm wurde bis jetzt im füllte den Rest der Sigung aus. Müller- Sagan fühlte sich als Nachfolger Eugen Richters verpflichtet, das Haus hauptsächlich 9. Schleswig- Holsteinschen Wahlkreise bei der vorgestrigen Reichsmit trockenen Etatszahlen zu langweilen und die großen, das tagserfahwahl folgendes Stimmenergebnis gezählt: Bokel. Volk bewegenden Gegenwartsfragen möglichst zu vernach- mann( Rp.) 8776, Strube( frf.) 4290 und Weinheber Täffigen. Seine Rede leerte denn auch den Sizungssaal am( S03.) 3922 Stimmen. Bei der Hauptwahl im Jahre 1903 erhielten der Konservative 9186, der Sozialdemokrat schnellsten und gründlichsten. 4509, der Nationalfoziale 2597 und der Freisinnige Volksparteiler 418 Stimmen. Danach haben also die Konservativen zirka 400, die Sozialdemokratie zirka 500 Stimmen weniger erhalten, während der freisinnige Mischmasch zirka 1200 Stimmen mehr erhielt, als 1903 die Freisinnige Voltspartei und Nationalsozialen auf sich verPas Abgeordnetenhaus überwies am Sonnabend die einigten. Einkommensteuergeset Novelle zu an einte Dies Resultat fann freilich kaum als ein freisinniger Erfolg Ueber den Geschmack soll man bekanntlich nicht streiten; darum Kommission von 21 Mitgliedern. In seiner einleitenden Rede ausposaunt werden, hat doch der Freifinn diesmal noch nicht sah sich der Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben ver- einmal die Stimmenzahl erreicht, die 1898 für Freisinnige muß es Herrn v. Bülow schon überlassen bleiben, immer wieder ländischer und die Vaterlandslosigkeit deutscher Sozialanlaßt, ein Loblied auf das Dreiklassenwahlunrecht und Nationalsoziale abgegeben wurden, die damals zusammen und wieder dieselben Tiraden über den Patriotismus ausdie die 4854 Stimmen erhielten. anzustimmen. Er rühmte die Selbstlosigkeit, herrschenden Klassen bei Verabschiedung der Miquelschen Die freisinnigen und nationalsozialen Stimmen fann man demokraten bis zum lleberdruß, bis zum Erbrechen vorzutragen. Wenn aber nicht die Rücksicht auf den guten Geschmad, so sollte Steuergesete dadurch an den Tag gelegt hätten, daß sie sich aber ruhig zusammenwerfen, da im Jahre 1898 die Freiselbst hohe Lasten aufbürdeten, und er fügte hinzu, daß sinnige Vereinigung völlig auf eine eigene Kandidatur der ihn doch die Klugheit davon abhalten, sich jedesmal und jedesmal diese opferwillige Tat von einem Parlament vollbracht sei, has zichtet hatte und drei Viertel der freisiunigen Stimmen von neuem eine Schlappe, eine erstklassige feudale Abfugr zu fich auf Grund des Dreiklassenivahlsystems zusanimengesetzt auf die Nationalsozialen allein übergegangen waren. habe! Natürlich) erntete der Minister durch diese plumpe Nationalsozialen befanden sich damals noch in ihrem ,, HeldenSchmeichelei lebhaften Beifall. Nur schade, daß er die tat- zeitalter". Sie entfalteten unter persönlicher Führung des fächlichen Verhältnisse nicht ganz richtig dargestellt hat. Ein- Herrn Naumann eine beispiellose Agitation. In den GastKreises fand des mal vergaß er, zu erzählen, daß vor Einführung des höfen Stuttgart, den 9. Dezember 1905.( Privattelegrammi des Deklarationszwanges die Besitzenden den Staat aufs nieder schwiegenen Drten ganze Berge nationalsozialer Agitationsträchtigste zu betrügen pflegten, ziveitens vergaß er mit literatur, namentlich luxuriös namentlich luxuriös ausgestattete Flugblätter Vorwärts"). Die gestrige Gemeinderatswahl endete mit einem vollzuteilen, daß die Vertreter des Geldsacks die Besteuerung der mit dem Konterfei des nationalsozialen Kandidaten. Im ständigen Siege der zwischen Sozialdemokratie und Volkspartei vers Die Koalition von Nationalliberalen, höchsten Vermögen über 4 Proz. hinaus zu einer Stabinettsfrage Jahre 1903 hatten die Nationalsozialen bereits wieder ein einbarten Kandidatenliste. machten und daß die Regierung schließlich vor dem Herrenhaus Drittel ihrer Stimmen eingebüßt. Diesmal waren sie völlig Konservativen und Zentrum ist Dank der in diesem Jahre von man damals Die holen. an berPOS * * Deutfches Reich. Stuttgarter Gemeinderatswahl. ?[uferen Genossen eingeschlagenen Salti! glatt aus dem Felde ge-- chlagen und dürfte bei Fortsetzung dieser Taktik in Zukunft niemals mehr Aussicht haben, wieder Erfolge zu erzielen. Die Kandidaten der volksparteilich-sozialdemokratischen Zettel erhielten zwischen 8964 und 9631 Stimmen, während die bereinigten Reaktionäre es nur auf 6634 bis 8313 Stimmen brachten. Unser letzter ge- wählter Kandidat erhielt 331 Stimmen mehr, als der erste durch- gefallene Gegner. Die Wahlbeteiligung war in der letzten Woche sehr lebhaft. Die Gegner gaben sich starke Blößen, indem sie ein- seitig den Hausbesitzer- und Protzenstandpunkt herauskehrten und verächtlich von den sogenannten Fünfmarkbürgern sprachen, welche die sozialdemokratische Wählerschaft bildeten. Die Agitation der letzten Woche wird noch lange nachzittern, zweifellos auch von großem Einfluß in der württembergischen Wahlpolitik sein. Die Wahlbewegung war so stark wie noch nie. Bon unserer Seite kommen nunmehr noch die Genossen Tau scher, Weitinger. Wagner und Schulz aufs Rathaus, so daß jetzt von 32 Gemeinderats sitzen neun im Besitz der Sozial- demokratie sind.—_ Eine Flottcndemoustratiou des Zentralverbandes deutscher Industrieller. Unter dem Vorsitz des Herrn Fabrikbesitzers und Majors Popelins hielt heute der Ausschuß des Zentralderbandes deutscher Industrieller hier in Berlin eine Sitzung ab, um für die Flotten- vorläge zu demonstrieren— ein ziemlich überflüssiges Beginnen, denn jeder Mensch, der die Jnteresseupolitik des Verbandes kennt, weiß, daß er sich für die Flottenvorlage begeistert. Der Generalsekretär deS Verbandes, Herr B u e ck, hielt die Rede. Er führte die be- kannten Gründe der ofsiziösen Presse für die Notwendigkeit einer starken Vermehrung der Flotte an. Unter anderem meinte er: „Je mehr sich der Wettbewerb auf dem räumlich begrenzten Gebiete der Erde zuspitze, umsomehr sei zu befürchten, daß das Rechts wieder der Gewalt weichen werde und daß der Mächtigere den Schwächeren mit Gewalt aus seiner wirtschaftlichen Stellung werfen und wirtschaftlich zu vernichten suchen werde. Diese Gefahr rücke für Deutschland immer näher. Das machtvolle Heer könne uns dagegen nicht schützen, sondern allein eine wirkungsvolle Aus- gestalluug der Streitkräfte zur See." Dann beschäftigte er sich mit der Deckungsfrage, trat für die neuen Reichssteuervorlagen ein und empfahl schließlich eine Reso« lution zur Annahme, in der es zum Schluß heißt: „Der Zentralverband hält freilich den schnelleren Ersatz deS den Anforderungen der Zeit nicht mehr entsprechenden Materials wie überhaupt die wesentlich' schnellere Ausführung des Flottenbauplanes für dringend erwünscht. In Erwägung jedoch des Um- standes, daß die verbündeten Regierungen sich nicht mit dem Flotten- gesetz von 1898 begnügten, sondern 1996 und jetzt weitere Schritte zur Stärkung unserer Marine getan haben, hat der Zentralverband das feste Vertrauen zu den verbündeten Regierungen, baß sie im rechten Augenblick für die Stärkung unserer See- macht tun werden, was nach Maßgabe der Welt- läge und der politischen Verhältnisse zu tun notwendig ist. Der Zentralverband verzichtet demgemäß darauf, Anträge über die jetzige Borlage hinaus zu stellen, er spricht aber die bestimmte Erwartung aus, daß die Vorlage im Reichstage unverkürzt zur Annahme gelangen iverde." Selbstverständlich wurde die Resolution einstimmig an- genommen. Die Stellungnahme des Verbandes ist wirtschaftlich durchaus begründet. Für niemand ist der Flottenenthusiasmus so profitabel als für die industriellen Zentralverbändler.— Storker. Am 11. Dezember vollendet der ehemalige Hofprediger Stöcker sein siebzigstes Lebensjahr. Dieser Tag ist von den Freunden dieses „Jesuiten im Talar" bereits festlich begangen worden und wird wahrscheinlich noch weitere Festivitäten zeitigen. Die Oeffentlichkeit hat an diesen„Ehrungen" kein Interesse, da Stöcker bereits seit vielen Jahren politisch ein toter Mann ist. Stöcker, der widerwärtige Typ der politisierenden Pfaffen, spielte eine politische Rolle eigentlich nur in den siebziger und achtziger Jahren, als er den Versuch unternahm, in Berlin der aufftrebenden Sozialdemokratie ein Zerrbild des Sozialismus, eine kleinbürgerlich-antisemitische,„chistlich-soziale" Partei gegenüberzustellen. In der Tat gelang es dem zweifellos begabten Dema- gogen, zahlreiche Berliner Kleinbürger und vorübergehend selbst Arbeiter um sein Bgnner zu scharen. 1831 wurden 47 lXK), 1884 nahezu 54 000 und 1887 40 000 christlich- soziale, anttsemitische und konservative Stimmen in Berlin abgegeben. Aber der judenfresserische„Sozialismus der dummen Kerle" vermochte sich auf die Dauer gegen die Sozialdemokratie nicht zu halten. Seine Wählerscharen wurden immer kleiner, je gewaltiger die sozialdemokratische Armee in der Reichshauptstadt anschlvoll. Seit Beginn der neunziger Jahre hatte die Bewegung in Berlin so gut wie völlig ausgespielt. Der Antisemitismus streifte denn auch. da er die Aussichtslosigkeit seines Liebeswerbens um die Faust deS Arbeiters einsah, sein soziales Mäntelchen völlig ab und entpuppte sich als der giftigste, freilich auch ohnmächtigste Feind der Arbeiterklasse. Stöcker selbst schloß sich immer enger der konservativen Partei an, in der er mit seinem Freunde Hammerstein den reaktionärsten Flügel bildete. Als Bismarck kurz nach dem Regierungsantritt Wilhelms n. die Konservativen nötigte, mit den Freikonservativen und den Nationalliberalen ein Kartell einzugehen, suchte Stöcker gemeinsam mit Hammerstein nach allen Regeln jesuitisch- höfischer Ränke Bismarck zu stürzen und das extreme Junker- und Muckertum ans Ruder zu bringen. Er sänieb damals, im August 1883, an Hammerstein den berüchtigten Scheiterhaufenbrief, in dem er dem Kaiser gegenüber die Politik des intrigantesten SchleichertumS empfahl. Dieser Brief, der das Charakterbild des Mannes schleierlos enthüllt, wurde im Jahre 1895 vom„Vorwärts" veröffentlicht und führte zum endgültigen Sturz des Demagogen. Stöcker ging seines Hofpredigerpostens verlustig. Auch mußte er seinen Austritt aus der konservattven Partei erklären. Es fehlte jedoch noch ein charakteristischer Zug in dem Gesamtbilde des Mannes, wenn unerwähnt bliebe, daß gerade dieser Sittlichkeitsapostel es war, der, als Hammer- steinS Verfehlungen ans Tageslicht kamen, die konservative Parteileitung zu einer Verzögerung der Stellungnahme gegen den „Kreuz-Zeitungs"- Redakteur veranlaßte, obwohl er nicht nur dessen Unterschlagungen, sondern auch sein Verhältnis zu Flora Gaß nur zu genau kannte! Hammerstein und Stöcker. zwei würdige Freunde, zwei un tadelige Vertreter deS staatserhaltenden Junkertums und der Muckerei! Stöcker gehört längst der Vergangenheit an, überlassen wir ihn seinen Freunden! Kampf jedoch, unerbittlicher Kanipf den noch allzu lebendigen Nachfahren der Hammerstein und Stöcker!— Die gefüllte Kompottschüssel. Während im Westen deS Reiches die relativ günstige Lage der Industrie den Arbeitern eine einigermaßen gute Beschäftigung sichert, kommen aus den größeren Städten der Ostsee- Provinzen vielfach laute Klagen über Arbeitslosigkeit und die durch diese herbeigeführte bittere Not. Kennzeichnend dafür ist ein von unserem Königsberger Parteiblatt mitgeteilter Aufruf deS dortigen Armenunterstützungsvereins. ES heißt darin: „Täglich laufen bei uns 60 bis 80, von bitterster Not diktierte Bittschriften ein. Was sollen lvir aber bei dem vor- handenen Elend machen, lvir können die Leute doch nicht auf die Straße setzen oder verhungern lassen? Niemand wird von den Bittenden so herangezogen lvie gerade unser Verein, und es ist ein trauriges Ehrenamt für die Leitung, diese Eingaben durchzusehen, und für die Mitarbeiter lBezirks- Vorsteher, Pfleger und Pflegerinnen) diese zur Prüfung zu empfangen und nur zu einem geringen Teil ganz kleine Be- willignngen. da unsere Mittel nicht reichen, befürworten zu können. Es Ivird ja von unseren Ivohlhabenden Mitbürgern gerade jetzt vor Weihnachten viel verlangt, nicht nur für hier, sondern auch für ausioärts(Rußland), so daß es kein Wunder wäre, wenn die gebende Hand müde würde. Unsere Mitbürger können wir aber gegenüber dem Auslände nicht vergessen, sie nicht im Elend umkommen lassen, und so bittet der Verein dringend, auch unserer Armen zu gedenken und ihm reichliche Mittel zuzuführen, damit er sein schweres Amt mit Erfolg fort- führen kann." Besser kann das Wort von der„gefüllten Kompottschüssel" und das Verständnis unserer„Regierenden" für die Lage des Proletariats nicht illustriert locrden, als durch diesen Aufruf.— Nachträge zum Kolonialetat für 1905. Dem Reichstag sind bereits zwei NachtragSsordernngen zum Kolonialetat für 1905 zugegangen. Die eine Forderung bezieht sich auf Südwestafrika und verlaugt die Summe von 1 818 050 Mark, die andere auf Oftafrika beansprucht den Betrag von 2407875 Mark, die Gesnmtforderungen belaufen sich also ans die Summe von 4 225 925 Mark.- Hualänd. Finnland. Tos Programm des neuen Ministeriums. In der ersten Sitzung des neuen Senats, am 4. Dezember, sprach der Vizepräsident Senator M e ch e l i n ausführlich über das Programm der neuen Regierung. Er bezeichnete es als eine der ersten und wichtigsten Aufgaben des Senats, einen Vorschlag zu einer neuen Ordnung des Landtages auf Grundlage des all- gemeinen Wahlrechts auszuarbeiten. Es soll eine wahrhast demo- kratische Volksvertretung in einer Form durchgeftihrt werden, die die Nation zufriedenstellt. Ferner sollen Verfassungsreformen durchgeführt werden, die es der Volksvertretung möglich machen, eine genügende Kontrolle darüber auszuüben, daß die Behörden und Beantten die Gesetze des Landes respektieren. Dann soll Preß- sreiheit, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit garantiert werden. Außerdem bemerkte Mechelin, daß eine Reform des Ge- richtswesens und der gesamten Rechtspflege sowie die Ausdehnung des Grundsatzes der Selbstverwaltung notwendig sei. Die Ber- Hältnisse der Arbeiter sollen durch wirksame soziale Gesetze verbessert werden, dem Kleinbetrieb in der Landwirtschaft soll Hülfe zuteil werden. Eine Revlftou der Alkoholgesctze wird ebenfalls beabsichtigt.—_ Hua der Partei. Genosse Gradmmer ersucht uns um die Aufnahme der folgenden —- Erklärung. Die von den ausgeschiedenen Redakteuren des„Vorwärts" ver- öffentlichte Sammlung von Aktenstücken enthält in Einleitung und Schlußwort heftige Angriffe. Es ist nötig mitzuteilen, daß die be- treffenden Stellen in der Zeit der erste» und größten persönlichen Erregung über die geschehenen Vorgänge geschrieben worden sind. Seitdem hat eine Reihe von Aussprachen stattgeftmdeu, auf Grund deren die vom Parteivorstande und von der Preßkommission ge- faßten Beschlüsse und Maßnahmen, gegen welche unsere Vorwürfe sich richteten, in wesentlich anderem Lichte erscheinen, so daß die in der Einleitung und dem Schlußworte gebrauchten Kennzeichnungen und Schlußfolgerungen von uns jetzt nicht mehr auftechterhalten werden. Vor allem haben wir auch festzustellen, daß es uns gänzlich ferngelegen hat und fernliegt, die subjektiv guten Absichten des Parteivorstandes und der Preßkommission zu bezweifeln. Wir haben nicht im mindesten die Absicht, den unleidlichen Streit irgendwie fortzuführen und hegen nur den Wunsch, daß dieser Fall von den Parteigenossen als abgeschlossen aufgefaßt wird. Die atlszeschiedcncn Redakteure. Die Organisationen»nd der„Vorwärts"-Konflikt. Das Gewerkschaftskartell Kiippersteg hat sich in seiner letzten Sitzung mit dem„Vorwärts"-Konflikt befaßt und tu einer Reso- lution sehr energisch gegen das„Eorrespondenzblatt" der General» kommission Stellung genommen. Das Gewerkschaftskartell Osnabrück beschäftigte sich in seiner Versammlung vom 6. d. M. mit dem„Vorwärts"-Konflckt und der Stellungnahme des„Eorrespondenzblattes" der Generalkommission. Die Kieler Resolution wurde gegen drei Stimmen an- genommen._ Demonstration und Organisation. Unter diesem Titel bringt das„Volksblatt für Anhalt" folgende Ausführungen: Die großartigen Demonstrationen, welche in den letzteit Tagen in Wien und in Prag, in Leipzig und in Dresden stattgefunden und sicher auf das arbeitende Volk nicht bloß jener Orte, sondern das Proletariat allüberall einen das revolutionäre Gefühl, die Begeisterung für Freiheit und Recht anfeuernden Ein- druck gehabt haben, können auch bei den Genossen in unserem Lande, wo wir in gleicher Weise des dem Volke zukommenden Wahlrechts zum Lande entbehren, die Frage anregen, ob denn nicht auch wir solche Demonstrationen veranstalten und dadurch dem arbeitenden Volke in unserem Ländchen die Notwendigkeit des Kampfes gegen die ihm bis heute aufgezwungene Rechtlosigkeit gefühlsmäßig nahe bringen und durch den Anblick von Massen als nicht mehr aufzuhaltende historische Notwendigkeit vor Augen führen sollen. Wir wollen für jetzt nur das eine bemerken, daß wir einen diese Frage betreffenden Vorschlag der Parteiorganisation unterbreiten werden, und dann erst, nachdem diese ihre Anffaffung festgelegt hat, für denselben an dieser Stelle Propaganda zu »lachen. Dann geht der Artikel zur Frage der Organisation über und weist zahlenmäßig die Iliizulänglichkeit der Organisation in Anhalt nach, woraus er also fortfährt: Zuletzt aber konnte dann auch da« Mittel des ManetistrenS in Anwendung gebracht werden. Ist das arbeitende Volk so stark organisiert, dann ist's auch eines Tages möglich, daß aus An- ordnung der Leitung der orgamsierten Arbeiterklasse ein Teil der Produktion lahm gelegt wird, daß es heute heißt, jetzt streiken die Raffinislen auf bestimmte Zeit, und wird dann der Streik über die Maschinenfabriken verhängt, bis die Kreise, die für eine ruhige Abwickelung der Verhältnisse verantwortlich sind, mürbe werden und dem Volke geben, was ihm zukommt, Wahrscheinlich aber wird eS dann zu solchem Streikkampfe gar nicht erst kommen. Denn wo Macht auch nur latent ist, d, h. nur die Möglichkeit zum Hervortteteu hat, da stellt sich auch das entsprechende Recht ein. Und so kommen wir auch angesichts der� neuerlichen Wahl- rechtsdemonstratioiicn in Oesterreich uno in wachsen, denen wir nicht im mindesten ihren Wert absprechen wollen, immer wieder zu dem Ende Organisation, das ist die Hauptsache, Organisation auf allen Gebieten, Die Tendenz des Artikels ist selbstverständlich eine sehr löbliche und es kann in der Tat nicht oft genug für die gewerkschaftliche und politische Organisation agitiert lverden. Allein unser Anhalter Blatt verfällt doch dabei in denselben engen und einseitigen Standpunkt, der ans dem Kölner Gewerkschastskongretz zum Ausdruck kam. Die Idee, daß ein Massenstreik dann erst möglich sei, wenn die über- wiegende Mehrheit des Proletariats bereits organisiert sei, wider- spricht allen Erfahrungen der großen Lehrmeisterin auf dem Gebiete deS Massenstreiks: der russischen Revolution, Die Genossen vergessen immer, daß nicht bloß der Weg durch die Organisation zum Kampf, sondern auch um- gekehrt: durch den Kampf zur Organisation führt! Der Massen- streik, wie jede große Massenaktion, ist ja auch selbst ein vorzügliches Mittel die Masse» aufzurütteln und für die Idee der Organisation zu gewinnen. Auch sehen wir, daß in Rußland gerade jetzt die gewerkschaftlichen Verbände massenhaft entstehen, als der bleibende Niederschlag nach jeder neuen Welle des Generalstreiks, Darum sagen wir: nicht nur„Orgauisatiou" sei unsere' Parole, sondern ebenso: Verbreitung deS revolutionären Geistes deS Klassenkampfes! Der politische Massenstreik. Im Kieler Sozialdemokratischen Ber ein hielt am Donnerstagabend Genosse Paul Hofsmann aus Hamburg, Vorsitzender der Hamburger Filiale des Seemannsverbandes und Neichstagslandidat für den Wahlkreis Schleswig, einen Vortrag über den politischen Massenstreik. Redner beleuchtete u. a. das Verhalten der Gewerkschaften zu dieser Frage und zog auch die bekannte Erklärung der Genossen von Elm, Frohnie und L Ahe in den Bereich seiner Ausführungen. Di: Versammlung präzisierte ihre Stellung zu diesen Punkten in folgender, cinstimmig auge- nommener Resolution: „Der Sozialdemokratische Verein in Kiel erklärt sich in seiner am 7. Dezember abgehaltenen, gutbesuchten Mitgliedrrversammlunz mit den Ausführungen des Referenten über den Massenstreik verstanden und konstatiert mit Befriedigung, daß der Standpunkt W'> Genossen Hofsmann sich mit dem Massenstreik-Beschlutz des Partei- tags in Jena vollständig deckt. Die Versammlung erblickt eine glänzende Bestätigung der politischen Aktualität und Zweckmäßigkeit des Jenaer Beschlusses in der heroischen Erhebung des russischen Proletariats und in den Wahlrechtskämpfen in Sachsen und Oester- reich. Die Versammelten, fast durchweg gelverkschastlich organisierte Arbeiter, verurteilen entschieden die Taktik dersenigen Gewerkschaftsführer, welche die Arbeiterbewegung zu einer bloßen Unterstützungs- genossenschast herabdrücken möchten und die Frage des Massenstreiks lediglich aus finanziellen Gesichtspunkten beurteilen. Mit gleicher Entschiedenheit wendet sich die Versammlung gegen die in � der „Schlesw,-Holst. Volk�tg." und im„Hamburger Echo" veröffeut- lichte Erklärung der drei schleSwig-hoksteinischvn Reichstagsabgeord- neten, der Genossen von Elm, F r o h m e und L e�s ch e, da diese Erklärung gegenstandslos und in der heutigen politischen Situation doppelt deplaziert ist und keine andere Wirkung hatte, als daS Kopf- schütteln der Parteigenossen zu erregen und den Gegnern der Sozial- demokratie Veranlassung zu hämischen Angriffen auf die Partei zu geben."_ Die Stadtverordneten-Stichwahl in Halle hat die wünschens- werte Klarheit geschafft, daß die Sozi�sdemokratie in Wahlkämpfen nur aus sich selbst angewiesen ist. Unsere Stimmen sind von der Hauptwahl bis zur Stichwahl nur um einige zwanzig gestiegen, und es ist offen dargelegt, daß der Kommunalfrcisiim geschlossen für die antisemitische, konservative Bcamtengruppe gestimmt hat. Und das ist gut. Wahlbeeinflussungen wurden eugros betrieben. Die bürger- liche Presse leistete in Scheinheiligkeit und Blzzantinismus das menschenmöglichste. Schrieb doch die„Hallesche Zeitung":„Die Bürger müßten schon deshalb antisozialdemokratisch wählen, weil die Stadt er st vor zwei Jahren Se, Majestät den Kaiser mit seiner hohen Gemahlin� in ihren Mauern sehen durfte." Von den Parteigenossen wurde nur Thiele gewählt. Nach der Zunahn-v der sozialdemokratischen Stimmen von Wahlperiode zu Wahlperiode steht aber das eine fest, daß nach zwei Jahren in der dritten Abteilung das letzte Stündlein für den Bürgermischmasch geschlagen hat, denn für uns wurden jetzt 4570 und für die Gegner 5470 Stimmen abgegeben. Sächsische Stadtverordnetenwahlen. In Netzschkau wurden zwei bürgerliche und zwei sozialdemokratische Kandidaten gewählt, so daß unsere Genossen nunmehr fünf Sitze innehaben. In Werdau dagegen beschränkt sich der Erfolg unserer, Genossen auf einen Stimmen- zuwachs._____ Zum Jahreswechsel erscheint im Verlage der Buch- Handlung Vorwärts eine reich illustrierte Zeitung unter dem Titel: 1649—1789-1905 die im Anschluß an die welterschütternden Ereignisse die größten Revolutionen behandelt, die die Weltgeschichte gesehen hat. Das sind die englische Revolution des Jahres 1649 und die französische des Jahres 1789. Selbst heute noch ist die Zahl derjenigen groß, die in de» Revolutionen die Resultate der Agitation einzelner böswilliger Personen sehen, während sie tatsächlich überall da eintreten, wo ein gesellschaftliches Bedürfnis sie zur zwingenden Notwendigkeit machen. Die illustrierte Zeitung soll die Erkenntnis der Ursachen und den Verlauf der gesellschaftlichen Erschütternngen durch Wort»nd Bild verbreiten helfe». Die Ausstattung wird sehr reichhaltig. Illustrationen aus der Zeit jener Kämpfer lverden den Text beleben und veranschaulichen. Di« Zeitung wird 16 Seiten stark, im Format und Ausstattung der diesjährigen Schiller-Zeitung. Die textlichen Beiträge liefern: Kants ty: Alte und neue Revolution! Schulz: Dte englische Revolution: Mehring: Die französische Revolution: Luxem- bstl r g: Die russische Revolution. Der Preis für die Nummer beträgt 20 Ps. Bestellungen bitten sofort an die Buchhandlung Vorwärts, Berlin LW. 68, Lindenstr. 69, zu richten. Soziales* Vom Schutz des Gesindes auf dem Lande. Das„Jenaer V>/fts- blatt" berichtet über eine Gerichtsverhandlung, die vor kurzem stattfand: Merkwürdige Bettwärmer liebt der 57 jährige Landwirt Friedrich Wilhelm St., gebürtig ans Gernewitz und wohnhaft in Raus- nitz. Anfangs September d. I. war das 15 jährige Dienstmädchen Frieda G. aus Schöngleina auShülssweise als landwirtschaftliche Arbeiterin bei dem Witwer in Stellung. In der Nacht zum 1. Sep- tember stellte der Alte an, das junge Dienstmädchen, das— wie ländlich sittlich!— mit dem„Herrn" eine Schlafkammer gemeinsam teilen mutzte, das sonderbare Verlangen, ihm(dem Landwirt) im Bett etivaS Gesellschaft zu leisten. Die junge Tienstbotm entsprach dem Wunsche aber nicht. Die folgende Nacht ist der Dienstherr nun selber in ein Bett der.Kammer gestiegen, in dem nun zufällig schon jemand anderes lag. Obendrein bat[ich der Nachtwandler noch recht unschicklich benommen, was ihn Herste wegen tätlicher Beleidigung auf die Anklagebank brachte. Der alte Sünder gab seine Vergehen zu; unter allgemeiner Heiterkeit versuchte er glaube» zu machen, er sei nur in das Bett gekrochen, um— sich seine kalten Knie etwas zu erwärmen. Das konnte nun freilich dem Alten nicht mehr ge. glaubt werden, wenn man die Angaben der jungen Zeugin hörte. Angeklagter verwies aus seinen bischerigen guten Lebenswandel und auch darauf, daß er schon lange Jahre— GemeinderechnungSfüchrer und braver Bürger der Gemeinde Nausnitz sei. Ter wärm- bedürftige Landwirt kam mit einer[Geldstrafe von 20 Mark event. vier Tagen Haft wegen Beleidigung davon. Außerordentlicher österreichischer Gewerkschaftskongreß. (Telegr. Bericht.) Wien, 9. Dezember. Zweiter Verhandlungstag. Zu Beginn der heutigen Sitzung wurde namens der Mandats- Prüfungskommission bekanntgegeben, dah auf dem Kongreß 63 Or- ganisationen mit 244 899 Mitgliedern durch 398 Delegierte ver- treten sind. Als erster sprach für die Holzarbeiterorganisation Delegierter S c a r e t. Redner beschäftigt sich zunächst mit dem Vorschlage der Tschechen, nationale Reichsvereine zu schassen. Im Interesse der ökonomischen Aufgaben und der kulturellen Bestrebungen könne nicht zugegeben werden, daß nationale Streitfragen in die Or- ganisationen hineingetragen werden. Heute bestehe noch ein har- monisches Zusammenwirken innerhalb der Organisationen; es würde aber in dem Augenblicke gestört, wo die nationale Frage in den Vordergrund gestellt werde. Wo die Tschechen in der Minorität seien, würden sie sich immer als Unterdrückte der Deutschen fühlen; umgekehrt aber würden die Deutschen, wo sie in der Minorität sind, klagen, man wolle sie nach Prag ausliefern. Wer in einer Organi- satwn keine Disziplin wolle, der wolle auch keine Organisation. j(Lebhafter Beifall.) In einem Moment, wo alle Kräfte zusammen- gefaßt werden müßten und die Arbeiterschaft sestgeschlossen dastehen müsse, sei es geradezu ein Verbrechen, an die festgefügten Or- ganisationen Hand anzulegen.(Lärm auf Seiten der Tschechen, Beifall bei den Deutschen.) Im Namen der Bauarbeiterorganisation referierte D e- dencka-Wien in tschechischer Sprache. Er erklärte sich gegen den Vorschlag der Prager Kommission, die GewerkschaftSorgani- sationen in nationale Gruppen zu teilen. DaS würde geradezu einer Desorganisation gleichkommen. Wir fühlen uns, betonte er, den Deutschen nicht untergeordnet, sondern nur den Statuten, die wir uns selbst gegeben haben.(Beifall.) Die mährische Delegation gab hierauf gleichfalls eine Erklärung ab, in welcher sie betont, an der bestehenden Form der Zentral- organisation festhalten zu wollen. Delegierter A r be i t l- Bielitz wendete sich scharf gegen die Delegierten, welche in der gestrigen Sitzung erklärt hatten, daß die Beschlüsse des Kongresses für sie nicht bindend sein würden. Die Tschechen setzten damit ja geradezu dem Kongreß das Messer auf die Brust. Wenn jeder für sich das Recht beansprucht, Beschlüsse, die ihm nicht passen, nicht zu halten, dann ist jede Disziplin aufgelöst. (Stürmischer Beifall.) Die Ünternehmer seien ja auch ohne Unter- schied der Nation organisiert. Und diesem Unternehmertum sollte eine in Atome zersplitterte Arbeiterschaft gegenüberstehen. Sei da ein Kampf möglich?(Beifall.) Die Durchführung eines solchen nationalen Programms würde auch an dem Widerstand der Arbeiter- schaft selbst scheitern. Ter Kampf für die nationale Gliederung der Organisationen wird gar nicht von den Gewerkschaftlern geführt, sondern von den Politikern.(Lebhafter Beifall.) In den poli- tischen Organisationen ist die nationale Autonomie berechtigt, da bedeutet sie Zusammenschluß, in der gewerkschaftlichen Organisation aber Zerstückelung der Kräfte. Die tschechische Arbeiterschaft hat in ihrer großen Mehrheit gegen die Forderungen der Präger Kom- Mission entschieden.(Beifall.) Der Delegierte der mährischen Holzarbeiterorganisation Wa n e k erklärte sich in längerer Rede gegen das Prager Programm. Für die Textilarbeiterunion sprach H a n u s ch. Er legte Ver- Wahrung gegen die Behauptung ein, daß man gewaltsam germani- sieren wolle. Die Organisation sei nicht künstlich durch einzelne Personen geschaffen, sondern habe sich in natürlicher Weise auS den wirtschaftlichen Kämpfen entwickelt. Redner beantragte schließ- lich die Ablehnung des Prager Programms. Der Delegierte der Buchdruckerorganisation Dworaczek wandte sich gegen das Organ der tschechischen Sozialdemokraten in Prag, welches gleichfalls die Kongreßbeschlüsse für nicht bindend erklärt hatte. Er müsse Verwahrung gegen eine nationale Gliede- rung der Organisationen einlegen und empfehle die Ablehnung des Prager Programms. Der Vertreter der mährischen Bergarbeiterorganisation B r d a-Mährisch-Ostrau tritt der Erklärung der Tschechen ent- gegen, daß die Beschlüsse des Kongreesss für sie nicht bindend sein würden. Die Bergarbeiter seien gegen jede Zersplitterung der Organisation und für Aufrechterhaltung der Zentralisation.(Leb- haster Beifall.)„.,. Für die Schneidergewerkschaft sprach Gisela- Wien unter großem Lärm. Die gegen die Reichsgewerk,chaftskommission er- hobenen Klagen seien durch die sprachlichen und kulturellen Be- dürfnisse der Tschechen hervorgerufen. Wenn man noch weiter so fortfahre, werde man noch alle Tschechen in das Prager Lager treiben. Redner spricht sich dann aber f ü r die Zentralorganisation aus und wünscht ein Programm, auf das sich beide Parteien einigen können. � �, Der Delegierte der Alpenländischen Kleidermacher Fiedler erklärt, daß der Vorredner nicht im Namen des Reichs. Verbandes gesprochen habe, sondern nur im Auftrage der tschechischen Schneider in Wien. Namens der Schuhmachergewerkschaft sprach sich Moller für die Erhaltung der Zentralorganisation aus.. Der Sekretär der tschechischen Gewerkschaftsorganisation „anosch erklärte, zur Entscheidung der streitigen Angelegenheit ei nur der tschecho-slawische Kongreß kompetent.(Heftiger Wider- spruch.) Wenn man fortfahre, die tschechischen Genossen als Chauvinisten oder Nationalisten zu bezeichnen, dann sei daS der letzte Kongreß, den die Tschechen besucht haben.(Große Unruhe.) Die Tschechen verteidigten nur ihre Rechte und ihre eigene Or- ganisation, aber nicht aus nationalen Motiven, sondern aus dem einzigen Grunde, um sich diese Organisation zu erhalten. ES sei durchaus zu bestreiten, daß durch die Anerkennung der nationalen Verbände die Zentralorganisation zerstört werde. Nachdem noch einige Delegierte sich gegen die Bildung nationaler Organisationen erklärt hatten, erhielt Reichs-Gewerk- wurde. Hueber ist der Ucberzeugung, daß das Resultat des Kon- während von tschechischer Seite auf das Schlußwort verzichtet wurde. H u e be r ist der Ueberzeugung, daß das Resultat des Kon- gresses ein' sehr erfreuliches sei. Schon aus der Debatte allein habe sich klar der Sieg des Zentralisationsgedankens ergeben. Er empfahl zum Schluß Ablehrnna des tschechischen Programms und beantragte namentliche Abstimmung.— Das ziffern. mäßige Resultat der Abstimmung wird in der morgigen Sitzung bekannt gegeben werden. Die schätzungsweise Zählung ergab un- gefähr 199 999 Stimmen gegen das tschechische Pro- g r a m m, für dasselbe wurden 2364 Stimmen gezählt. Die Tschechen mit zirka 49 999 Stimmen enthielten sich der Abstimmung. Die drei Gewerkschaftskommissionen Wien, Prag und Brünn traten nach der Sitzung zur Beratung des Einigungsprogramms zusammen. Morgen wird der Kongreß geschlossen. GewefKfcKaMi�bes. National-sozial-liberale Hülfe bei einer christlichen Berräterei! Eine öffentliche Gärtnerversammlung fand am Donnerstag in den Jndustrie-Festsälen, Beuthstraße, statt. Dieselbe war veranstaltet worden von der sogenannten„Tarifkommission" des Verbandes der Handelsgärtner Deutschlands und des „christlich- nationalen" Detltschen Gärtuerverbandes. Der letztere, der in ganz Berlin und dessen Vororten über kaum 80 Mitglieder verfiigt, hat bekanntlich mit der ausgesprochenen Absicht, eine etwaige Lohnbewegung zu unterbinden, in echt christlicher Weise hinter dem Rücken des rund 1700 Mitglieder zählenden Allgemeinen Deutschen Gärtnervereins mit dem k- Unternehmerverband einen Tarifvertrag abgeschlossen, der die Löhne der Gärtnergehülfen von 18 M. bis herab zu 16,20 M. pro Woche bis zum 1. April 1907 festlegen will, obgleich laut aufgenommener Statistik schon 1904 der gezahlte Durchschnitts- lohn 19,20 M. betrug! Der Redakteur der„Sozialen Praxis", Herr Dr. Z i m m e r- mann, gab sich nun in der Versammlung dazu her, für jenen Auch-Tarifvertrag seine Autorität als Nationalökonom und als Angehöriger der— von allen bürgerlichen Richtungen bei der Arbeiterschaft noch relativ den meisten Kredit ge- nießenden— Gruppe der sich um die„Soziale Praxis" scharenden bürgerlichen Sozialreformer in die Wage zu werfen. In seinem Referat bezeichnete er jenen durch schmählichen Arbeiterverrat zustande gekommenen Vertrag als eine„gute Grundlage und als einen erfreulichen Fortschritt für das Prinzip der Tarifgemeinschaft im Gärtnereigewerbe" und nahm auch sonst die Partei der christlichen Arbeiter-Verräter. Wenn auch die Wissenschaft des Herrn Dr. Zimmermann über jene Tarifgemeinschaft sich auf einseitige Mitteilungen stützte, die ihm von den Unternehmern und dem„christlichen" Ge- hülfen-Verbande geworden waren, so kann ihm dies noch lange nicht als Entschuldigung dienen. Die Genoffen Georg Schmidt, KamrowSki, Löcher und A l b r e ch t vom Allgemeinen deutschen Gärtner- verein übten denn'auch unerbittliche Kritik. Die von etwa 700 Gärtnern besuchte Versammlung nahm zum Schlüsse nur gegen die Stimmen der 30 Arbeitgeber und ebenso vieler Christlichen eine Resolution an, die jenen Tarifvertrag als für die Berliner Gärtnergehülfen nicht bestehend charafterisiert und verspricht, mit allen Mitteln dahin zu arbeiten, daß Löhne erzielt und eventuell tariflich festgelegt werden, die den gerechten und billigen Ansprüchen der Gärtnergehülfen entsprechen. Die Stimmung in der Versammlung war eine ziemlich gereizte. Die Christlichen dürften voraussichtlich nicht wagen, noch ein zweites Mal an die Oeffentlichkeit zu treten. Und Herr Dr. Zimmermann hat auch seinen wohlverdienten „Dank"._ Berlin una Umgegend. Achtung, Bauklempner! Die Differenzen bei der Firma Pflaum u. Großmann sind erledigt, nachdem nun die Firma ihren tariflichen Verpflichtungen nachgekommen ist. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Maurer! Die Differenzen bei der Firma Lach- mann u. Zauber am Kaiserhof wurden in der gestrigen Achtzehnerkommissionssitzuna dahin geregelt, daß ab Montag, den 11. d. M., die Arbeitszeit den bestehenden Tarifbestim- mungen entsprechend für alle Maurer 7 Stusiden beträgt und alle früher dort beschäftigten Kollegen wieder ein- gestellt werden. Auf Antrag des Vertreters der Firma soll im Laufe der Woche eine Unterkommission an Ort und Stelle darüber befinden, ob angesichts der angeblichen Dringlichkeit der Arbeit eine längere Arbeitszeit zugestanden werden kann. Die Verbandsleitung. I. A.: E. ThönS. Lohnbewegung der Töpfer. Am Freitag waren die Baudepu- tation und Verbandsfunktionäre versammelt, um über die weiteren Schritte der Lohnbewegung zu beraten. Gleichzeitig hielt auch die Lohnkommission eine gemeinsame Sitzung mit der Kom- Mission der Arbeitgeber ab. Nachdem sich die Versammlung zunächst mit anderen gewerkschaftlichen Angelegenheiten beschäftigt hatte, erschien die Lohnkommission und erstattete Bericht über die Ver- Handlungen mit den Arbeitgebern. Während die Arbeiter eine Er- höhung der Position für Veltener Arbeit von 19 Proz. forderten, beharrten die Unternehmer bei der Verweigerung einer prozen- tualen Erhöhung des Tarifes, erklärten sich aber bereit, Lohn- erhöhungen auf einzelne Positionen zu gewähren. Das Ergebnis der letzten Verhandlung war, daß die Kommission der Arbeitgeber auf die verschiedenen Arten weißer Oefen Zulagen von 1 bis 2,S9 Mark bewilligten, was eine Lohnerhöhung von 8 Proz. bedeutet. Die Kommission der Arbeitgeber, welcher auch der Ober- meister der Innung angehört, versicherte, daß sie die genannten Zugeständnisse in der Meisterversammlung vertreten werde. Auch die Lohnkommission der Arbeiter empfiehlt die Annahme der Be- willigung. Die endgültige Entscheidung haben die demnächst statt- findenden beiderseitigen Versammlungen zu treffen, die jedenfalls den Vereinbarungen, welche die Kommissionen trafen, zustimmen werden. 0eutfe>>e» Reich. Der Streik der Kieler Straßenbahner hat mit einer Nieder. läge geendet. In der letzten Versammlung der Streikenden wurde mitgeteilt, daß am Donnerstagnachmittag eine Kommission, be- stehend aus vier Personen, beim Stadtrat Möller vorstellig ge- worden sei, um Auskunft zu erhalten, welche Schritte der Magistrat getan habe, um von seinem im Vertrag mit der Straßenbahn fest- gelegten Recht, nach achttägiger Unterbrechung des Betriebes diesen selbst zu übernehmen, Gebrauch zu machen. Die Antwort lautete, daß der Direktion am Freitagfrüh eine Aufforderung zugehe, sofort den vollen Betrieb auf allen Strecken zu eröffnen, daß aber eine Einwirkung dieser Aufforderung auf die augenblickliche Lage der Streikenden nicht zu erwarten sei. Es wurde der Versammlung dann ein längeres Schreiben des Polizeipräsidenten zur Kenntnis gegeben, des Inhalts, daß die Straßenbahndirektion bereits eine ganze Anzahl Neueinstellungen vorgenommen habe und hoffe, in wenigen Tagen den Betrieb voll aufnehmen zu können. Trotzdem fei die Direktion bereit, die sich bis 9. Dezember meldenden Aus- ständigen nach Bedarf wieder einzustellen bezw. vorzumerken, um bei späterem Bedarf auf diese zurückzugreifen. Diese Einstellungen sollten unter den zugestandenen Bedingungen, 3,5b M. Tagelohn, achttägige Kündigungsfrist usw. erfolgen. Mit allen gegen zehn Stimmen wurde beschlossen, sich am Freitagvormittag bedingungs- los der Direktion zur Verfügung zu stellen.— Die Streikenden waren in der Mehrzahl unorganisiert. Trotzdem und ob. gleich die„Sympathie des Publikums" sich in keiner Weise materiell äußerte, hielten sie wacker stand, bis sie dem Mangel an Mitteln und der Zufuhr auswärtiger Streikbrecher erlagen. Der Kampf hat ihnen aber vor allen Dingen dieNotwendigkeit der Organisation gezeigt. Sämtliche Zuschneider in den Konfektionsgeschäften zu Her- ford reichten am Freitag ihre Kündigung ein, nachdem ihnen eine gestellte Lohnforderung abgelehnt war.— Zuzug ist fernzuhalten. Die Parteipresse wird um Abdruck gebeten. Die Leipziger Rotenstecher sind in eine Tarifbewegung ge- treten, die vor allem die Einführung des Achtstundentages bei ent- sprechender Lohnerhöhung und gleichzeitig einen Ausgleich zwischen den einfacheren und schwierigeren Tarifpositionen sowie die Fest- legung einer Lehrlingsskala zum Ziele hat. Die Prinzipalität lehnt die Verkürzung der Arbeitszeit strikte ab. AuS diesem Grunde wurden die übrigen Vorschläge der Prinzipalität von den Gehülfen mit zwei Dritteln aller Stimmen verworfen; man be- schloß, noch einmal Verhandlungen anzubahnen. Sollten die Prinzi- pale in diesen neuen Verhandlungen auf die Hauptforderungen: Verkürzung der Arbeitszeit. Zählen der Textsilben und Lehrlings. skala nicht eingehen, so werden die Gehülfenvertreter weitere Ver- Handlungen abbrechen. flu»la»d. Lohnbewegungen in der Schweiz. In Sitten, dem Hauptorte des Kantons Wallis, stehen seit drei Wochen die Schreinergehülfen im Streik. Sie verlangen de» Zehnstundentag. minimalen Stun- denlohn von 45 Rappen, Anerkennung der Organisation und Wiedereinstellung der Streikenden. Die ersten zwei Forderungen wollen die Unternehmer bewilligen, die anderen weisen sie ab.— Der Metallarbeiterstreik in Thun dauert fort. Polizei, Streik- brecher und Unternehmer üben Terrorismus und blutige Gewalt- taten aus. Die Streikenden sind vogelfrei; werden sie mißhandelt, so erhalten sie obendrein von den behördlichen Hausknechten des Unternehmertums Strafe.— Der Streik der Schneider in der Berner Uniformfabrik, bei dem es sich hauptsächlich um die Ent- lassung eines Zuschneiders handelt ist mit dem Erfolg der Arbeiter beendet worden.— Die Werkstättenarbciter der schweizerischen Bundesbahnen fordern den Neunstundentag.— Aarau haben die Schriftsetzer in allen Buchdruckereien ihre 14tagige Kündigung eingereicht. Der Abschluß dcS dänischen Textilarbeiterftreiks. Wie bereits eine Depesche meldete, ist der Streik der dänischen Textilarbeiter beendet. Er dauerte seit dem 1. Juli dieses Jahres. Die Arbeit ist bereits am Freitag, so weit es die technischen Voraussetzungen zuließen, wieder aufgenommen worden. Die Arbeiter haben bei dem langen Streik nicht alles erreicht, was sie sorderten, und mutzten sich auch mit einem auf ziemlich lange Zeit berechneten Ucbereinkommen zufriedengeben. Der neue Vertrag soll bis zum 1. Januar 1911 gelten. Das Bestreben der Arbeiter, einen für alle Fabriken einheitlichen Lohntarif zu schaffen, ist zwar ge- scheitert, doch bietet das Uebereinkommen selbst sowie die mit den einzelnen Fabriken vereinbarten Lohntarife teilweise recht be- deutende Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Die Arbeitszeit ist in den Fabriken, wo 19 Stunden und darüber ge- arbeitet wurde, für vier Monate der Jahre 1996 und 1997 um eine halbe Stunde verkürzt worden, und dann tritt für sechs Monate des folgenden Jahres dieselbe Arbeitszeitverkürzung ein. Außerdem fft dafür gesorgt worden, daß Arbeiter bei Klagen über Lieferung schlechten Materials oder bei anderen Differenzen nicht, wie es bisher oft geschah, entlassen werden, sondern, daß, wenn nötig, mit Beistand eines Vertreters ihrer Organisation ihre Beschwerde regelrecht geprüft wird._ Letzte Nacbncbten und Deoefcben. Zecheneinsturz. Tcplitz, 9. Dezember.(B. H.) Die Amalien-Zech« in Friesen ist eingestürzt. Ein Arbeiter ivurde getötet, mehrere verletzt. Verurteilte OrdnungSsäule. Güstrow, 9. Dezember.(W. T. B.) DaS Schwurgericht ver» urteilte den Amtsrichter Paschen in Stavenhagen wegen Fälschung öffentlicher Urkunden. Unterschlagung amtlicher Gelder und wegen Betruges unter Zubilligung mildernder Umstände zu fünf Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust. Täuschung durch die Regierung. Budapest, 9. Dezember.(Sä. T. 95.) Der leitende Ausschuß der Koalition hat eine Proklamation an die Ersatzreseroisten erlassen, in welcher dargelegt wird, daß die Verfügung ihrer Einberufung auf einer falschen Auslegung des Gesetzes beruht, deren Zweck sei, das Rekrntenbewilligungsrccht des Reichstages zu vereiteln. Väterchen will nicht flüchten. Petersburg, 9. Dezember.(B. H.) Trepow hat«ruf feine Stellung als Palastpräfekt verzichtet. Bisher hat der Zar feine Einwilligung dazu noch nicht gegeben. Die GerüöHte. daß die Zarenfamilie im Januar zu längerem Aufenthalt sich nach Ri«o cm» Gardasee begeben werde, werden in Hofkreiscn als unbegründet be» zeichnet und sind darauf zurückzuführen, daß ein Großfürst dort eine Villa gemietet hat._ Preßfreiheit mit Fußangel». Petersburg, 8. Dezember.(W. T. 93.)(liebet Ehdttuhnen.)j Ein kaiserlicher Ukas enthält provisorische Verordnungen für die periodisch erscheinende Presse. Die allgemeine und besondere Prä» ventivzcnsur für periodisch erscheinende Publikationen, Zeichnungen und Holzschnitte wird abgeschafft, ausgenommen sind die Publi» kationen, welche auf dem Land« erscheinen. Administrative Matz, regelungcn und Bestrafungen für periodisch erscheinende Publikationen werden abgeschafft. Die Brrantwortlichkeit für Preßvergehen wird lediglich durch die Gerichtshöfe festgestellt. Das Recht des Ministers des Innern, die 9Zeröff«ntlichung oder 95esprechung von Fragen, die die Regierung betreffen, zu verbieten, wird aufgehoben. Schließlich wird eine lange Reihe besonderer Fälle aufgezählt, die gerichtliche Verfolgungen nach sich ziehen. Die angedrohten Strafen bewegen sich zwischen einer Geldstrafe von 399 Rubel und Gefängnisstrafe oder Deportation. (Die Regierungsräte des Zaren bemühen sich umsonst, da in der jetzigen Situation niemand dergleichen Erlasse befolgt, R. d.„V.">_ Der Verkehr wird immer schwieriger. Kattowitz, 9. Dezember.(28. T. 93.) Die Eisenbahndirektion sieht sich gezwungen, den Güterverkehr nach Rußland über Herby, Czcnstochau und Sosnowicemit der Warschau-Wiener 93cchnimOrts- und Uebergangsverkchr bis auf weiteres von Sonnabendmittag zu sperren. Infolge der verschärften Zollrevision in Sosnowice und Herby trat eine starke Stauung der Frachten ein, weshalb russischerseitS die von Preußen aufgegebenen Frachten nur in beschränktem Maße cm- genommen werden. Die Stauung übte eine Rückwirkung auf die preußischen Grenzbahnhöfe aus, so daß wegen Ueberfüllung der Bahn- Höfe die weitere Güterannahme eingestellt wurde. Streik in der Handelsmarine. Zara, 9. Dezember.(B. H.) Die Matrose» der Dampf- schiffahrts-GesellsckM Topicht u. Co. sind in den Streik getreten. Sie verlangen dieselbe Arbeitszeit und denselben Lohn wie die Ma- trosen des österreichischen Lloyd. Sie«erden gebraucht. Moskau, 9. Dezember.(B. H.) Den Offizieren der Maudschurri.Armee wurde verboten, in die Heimat zurückzukehren wegen der in der Armee ausgebrochen«» Meutereien. Internationale Solidarität. Brüssel, 9. Dezember.(93. H.) Das internationale sozialistische Bureau beschloß, am 22. Januar nächsten JahreS eine internationale Sammlung zu veranstalten, deren Ertrag den russischen Revolu- tionären zufließen soll. Die Sammlung wird durch die ganze Welt gehen._ Bauernunruhen in Italien. Taurisano(Provinz Lecce), 9. Dezember.(W. T. B.) Gestern kamen hier Unruhen der ländlichen Bevölkerung vor. Nachdem schon am Vormittag Demonstrationen stattgefunden hatten, zogen am Abend etwa 199 Bauern unter aufrührerischen Rufen nach dem Rat- Haus, das von einigen Karabiniers bewacht war. Sie warfen nach diesen mit Steinen. Erst als gütliche Mittel nichts fruchteten und mehrere Karabiniers durch Steinwürfe verwundet waren, machten die Mannschaften von der Waffe Gebrauch. Ein Bauer wurde ge- tötet, drei wurden verwundet. Tie Erregung im Orte dauert an. Ein chinesisches Parlament? Tientsin, 9. Dezember. Eine chinesische Kommission gestern von hier nach dem Auslände abgereist, um dort die Parlamentsein- richtungen zu studieren._ «erantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtSBuckidr.u.VerlogsanstaltPaul Singer St Co.. Berlin SW. Hierzu 8 Beilagen. Nr. 289. 22. Jahrgang. 1. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 10. Dezember 1905. Parteigenossen von Berlin und " Umgegend! Zutritt haben nur die mit Legitimationsfarten versehenen Zutritt haben nur die mit Legitimationstarten versehenen Vertreter der Sozialdemokratischen Wahlvereine Groß- Berlins. Vertreter der Presse wollen sich wegen Eintrittskarten an den Genossen wenden. Eugen Ernst, Buchdruckerei., Vorwärts", SW., Lindenstr. 69, 2. Hof, 2 Tr. man das. Das ist das Verdienst des Flottenvereins, der wenigstens Politit; ich bin aber überzeugt, daß es in Südwestin dieser Frage sehr maßvoll aufgetreten ist. Die Kommission zur Vorberatung der Statuten. find nun aber auch große Mittel nötig. Wir bedauern, daß man bedeutet, was wir in folonialen Dingen tun können.( Beifall rechts.) Reichstag. 8. Sigung vom Sonnabend, den 9. Dezember 1905, Am Tische des Bundesrats: Frhr. b. Frhr. v. Richthofen, Graf Posadowsky. nachmittagstengel, b. Einem, Erbschaftssteuer mag großen Schwierigkeiten begegnen; daß er aber ständiges Kolonialamt mit einem Staatsvertreter an der Spitze zu Die Generaldebatte über den Gtat, die Flottenvorlage und die Finanzreform wird nach debatteloser Erledigung einiger Rechnungssachen fortgeset. Abg. Bassermann( natl.): afrita dem neuen Gouverneur, Herrn v. Lindequist, gelingen wird, Meine politischen Freunde sind geneigt, einer Reorganisation dem Lande völlig den Frieden zurüdzugeben. Auch in der Kolonialverwaltung zuzustimmen. Gestern erschien ein Buch über Ostafrika ist Vorsicht geboten und eine Verstärkung der Truppen am Sonntag, den 17. Dezember 1905, mittags präzise 12 Uhr, Zogo und Kamerun, das verlangt mit Recht: Weniger Monokle und Lad Blaze. Schwere Verluste hat Südwestafrika unserem Bolle gebracht; findet in den Germania- Festsälen"( oberer Saal), Berlin, stiefel und mehr Wasserstiefel.( Beifall links.) Auch darf unter den mancher deutschen Mutter Sohn schläft am fernen Geftade; aber das Chausseestraße 103, die Beratung und Beschlußfassung über Bezirkshauptmannschaften nicht so oft gewechselt werden.( Beifall links.) Bewußtsein darf uns trösten, daß der alte Soldatengeist sich glänzend das Statut des Verbandes der Sozialdemokratischen Wahlwollenbau in den Mittelpunkt treten. Leider wird unfere Regierung ihre Schuldigkeit getan haben. In der Pflege der wirtschaftlichen Unternehmungen wird der Baum- bewährt hat und daß Offiziere und Mannschaften im vollsten Maße So schwer die Opfer sind bereine Berlins und Umgegend, sowie die Wahl der Vorstands von den gerissenen Geschäftsleuten, mit denen sie verhandeln muß. wir müssen durchhalten, wenn anders wir nicht die mitglieder statt. bisweilen über das Dhr gehauen.( Sehr richtig! links.) Wir wollen Kolonien ganz verlieren wollen. Ich glaube nicht an die vom AbSparsamkeit in den Kolonien, aber teine falsche Sparsamkeit. Der geordneten Kopfch behauptete Kolonialmüdigkeit; ich bin überzeugt, füdwestafrikanische Aufstand, welche Ursachen auch immer er gehabt daß wie Abg. Baffermann hervorhob die deutschen Kolonien haben mag, hätte nie die große Ausdehnung erreicht, gerade durch das Blut, das dort geflossen, dem deutschen Volke teuer wenn wir mehr Truppen dort gehabt hätten.( Sehr richtig! rechts. geworden find.( Lebhafter Beifall rechts und bei den Nationallibe Rufe: Und mehr Eisenbahnen!) Ein Abgeordneter sprach von der ralen.) Wir müssen alles daran setzen, die Stolonien zu Kolonialmüdigkeit des deutschen Volkes. Mit Unrecht! Die gefallenen ertragreichen Domänen des Reiches zu machen; dazu gehört Söhne Deutschlands, die in afrikanischer Erde schlummern, werden aber, daß einmal die Fehler vermieden werden, die nie recht das Bindeglied sein zwischen dem deutschen Volte mit seinen zu bestreiten die Kolonialverwaltung gewollt hat, zum anderen aber, Kolonien im schwarzen Erdteil. In allen diesen großen Aufgaben daß nicht eine falsche Sparsamkeit beliebt wird, die das Schlimmste nicht schon früher mit der Energie, die jetzt entwickelt wird, Große Unternehmungen find nicht mit geringem Betriebskapital durchan die Lösung der Reichsfinanzreform herangegangen ist. zuführen. Eine durchgreifende Aenderung der Kolonialverwaltung, Mit der unbefriedigenden Finanzlage hängt auch die noch immer völlige Trennung der Zivil- von der Militärverwaltung, sowie nicht erfolgte Lösung der Militärpenfionsfrage zufammen. Wir Selbstverwaltung der Ansiedelungen werden, wie ich hoffe, werden alles bewilligen, damit diese nationale Schuld endlich be- das Aufblühen und Gedeihen der Kolonien fördern. Es ist für den zahlt wird. Ueber die neuen Steuern nur ein furzes Wort. Eine Reichskanzler äußerst erwünscht, für Stolonialangelegenheiten einen Steuerpolitik, die uns nur die Zahl der sozialdemokratischen Vertreter selbständigen Vertreter zur Seite zu haben; daher beabsichtigen wir, vermehrt, ist keine richtige( Sehr richtig!) Der Ausbau der Reichs- die bisherige Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts in ein selbstmöglich ist, beweisen die Erfahrungen in auswärtigen Ländern. Das verwandeln. Dem bisherigen Kolonialdirektor kann ich die vollste Gindringen in die inneren Familienverhältnisse, das Herr v. Rheinbaben Anerkennung für seine selbstlose Tätigkeit aussprechen.( Beifall.) in der Besteuerung des Ehegatten und Kinder fab, ist ja heute schon Sein Nachfolger wird, davon bin ich fest überzeugt, alles daran bei anderen Gefeßen vielfach vorhanden!- Meine politischen Freunde sehen, um den Kolonien eine Aera des Glücks zu eröffnen. Ich vermissen unter den Steuern die Wehrsteuer, die als gerechter Aus- kann diesen Gegenstand nicht verlassen, ohne die Angriffe zurückzuDie Thronrede führte eine ernste Sprache und dieser Eindruck ist gleich für die wachsenden Ansprüche an die Militärpersonen in weiten weisen, die vor einer Woche hier gegen den General von Trotha durch die Ausführungen des Herrn Reichskanzlers verstärkt worden. Boltstreifen empfunden wird.( Sehr richtig! bei deu National- gerichtet worden sind. Diese Angriffe können bei jedem, der sich als Eine gewisse Isolierung Deutschlands in Europa ist zu befürchten. liberalen.) Die Thronrede sprach von der Fortführung der Sozial- Deutscher fühlt, nur dazu beitragen, das Ansehen des hochverdienten In der Presse aller Parteien ist es ausgesprochen worden, daß wir reform. Die Sozialfreudigkeit besteht, das darf man ruhig zugeben, Generals von Trotha zu steigern.( Lebhafter Beifall rechts, uns einer veränderten Weltlage gegenüber befinden. Wie schon der nicht mehr in dem früheren Maße. Das kommt von dem Unbehagen Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten.) Sachlich ist nur zu bea Abg. Frißen ausgeführt hat, müffen wir alle wünschen, daß der über das Wachstum der Sozialdemokratie und ihre immer stärkere Hin- merken, daß der bekannte Erlaß des Generals ausschließlich für die Dreibund erhalten bleibe. Die Thronrede unterscheidet neigung zum Radikalismus her. Deshalb sollte man teine neuen Lasten den Hereros bestimmt war und durch einen gleichzeitigen Erlaß an die zivischen Vorrechten und freundschaftlichen Beziehungen zu Arbeitgebern zugunsten der Arbeiter auferlegen, sondern lieber die deutschen Soldaten wesentlich abgeschwächt wurde. Oberst Deimling anderen Mächten. Wenig Kombinationsgabe gehört dazu, Versicherungen vereinfachen und auf eine billigere Verwaltungsbasis hat hier dargelegt, mit welch graufamem Feinde wir es in Südum unter den forretten" Beziehungen diejenigen zu Frant- stellen. Dabei soll die Selbständigkeit der Krankenfaffen nicht an- westafrifa zu tun hatten. Ich zweifle sehr, ob die, die fern von reich und England zu verstehen. Die Mißstimmung geht zweifellos getaftet werden, wohl aber das ungerechte Berhältnis von Zweidrittel Schuß auf unsere tapferen Truppen in Südwestafrika Steine werfen, von England aus. Man mißgönnt uns dort unseren großen wirt zu Eindrittel abgeschafft und das Uebergewicht der Arbeitnehmer be- die ich möchte sagen, übermenschliche Selbstüberwindung schaftlichen Aufschwung. Man macht Frankreich künstlich vor uns feitigt werden, das eine tiefe Mißstimmung der deutschen Aerztewelt befizen würden, gleich den deutschen Soldaten den legten Schluck bange; man sucht uns namentlich auch bei den kleineren Staaten zu hervorgerufen hat. Die Sozialdemokratie hat in Jena ausführlich Wasser mit den Kindern und Weibern zu teilen, die vom Feinde verdächtigen. Wir werden als Störenfried, vielleicht sogar als Rauf den Generalstreit diskutiert, und die Argumente der Straße haben zu Hunderten ausgestoßen wurden.( hört! hört! und lebhafter Bei bold hingestellt. Wir müssen uns ja nun hüten, hier durch unsere bei den sächsischen Arbeitern einen fruchtbaren Boden gefunden. fall rechts, in der Mitte und bei den Nationalliberaien.) Noch nic Etatsreden das Mißtrauen zu vergrößern. Aber die Dinge Ebenso unerfreulich find auf der anderen Seite die start angewachsenen ist ein Solonialfrieg mit soviel Menschlichkeit geführt worden, wie find so bekannt, daß hier eine offene Aussprache nottut. Arbeitgeberorganisationen, die finanziell viel mächtiger sind als die der, den unsere braven Truppen unter den fürchterlichen SchwierigWir wollen nichts, als daß uns bei unserem jährlich sich steigernden Gewerkschaften.( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Durch feiten in Südwestafrika führen mußten.( Stürmischer Beifall rechts, Bevölkerungszuschuß nicht die Möglichkeit genommen wird, uns in diefe Organisationen haben die Aussperrungen einen ungeahnten Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Was die Flottenvorlage friedlicher Weise überfeeisch zu betätigen. Wir verstehen ja, wenn Umfang angenommen; bas ist sehr bedauerlich; denn durch diese Aus- betrifft, so haben zu meiner Freude die Redner dreier Parteien sich England das unbequem ist; tir fönnen uns aber nicht sperrungen wird nur fünstlich eine Interessensolidarität unter den für dieselbe ausgesprochen. Ausführungen, wie sie mein Kollege gefallen Lassen und müssen es als Reckheit sondergleichen Arbeitern gezüchtet. Deshalb find Arbeiterkammern als gewerbliche Fortis in Italien, der Präsident Roosevelt in Amerika über die zurückweisen, wenn man uns englischerseits vorschreiben will, Friedensinstitutionen sozialpolitisch von höchstem Werte, auch wenn man Notwendigkeit einer Flottenvermehrung gemacht haben, und das wie weit wir unsere Flotte ausbauen dürfen.( Beifall.) Herr fich nicht der Illusion hingibt, daß sie alle Streitigkeiten verhindern Beispiel Japans überheben mich der Notwendigkeit, hier in breiter Bebel freilich fieht immer in der deutschen Diplomatie den Stören- tönnten. Ich schließe die Uebersicht über die sozialpolitische Ent- Ausdehnung für den Ausbau unserer Marine einzutreten. Je fried; oft genug werden Stellen seiner Reden, wie die gegen die wicklung Deutschlands damit, daß ich noch einmal hervorhebe, daß reicher ein Bolt ist, desto nötiger ist eine starke Wehrmacht zu Wasser Flottenvermehrung, über die angeblichen Neutralitätsbrüche im jede Sozialreform nur möglich ist, wenn die Sicherheit des Landes und zu Lande; die reichsten Klöster haben die dicksten Mauern. russisch- japanischen Kriege usw. in der deutsch- feindlichen Bresse nach innen genügend gewährleistet ist. Ich fomme zum Schluß: Es ist in( Heiterkeit.) Nicht trop dessen, was die Sozialdemokratie MiliEnglands als Argumente benutzt. Wir bedauern, daß ein so her- der Thronrede auch auf die inneren Verhältnisse in Rußland hingewiesen. tarismus nennt, ist die deutsche Industrie, der deutsche Handel vorragender Mann, wie der Abg. Bebel, fich einer solchen vaterlands- Wir billigen den Grundsatz des Herrn Reichskanzlers, daß wir uns da emporgediehen, sondern unsere starte Militärmacht war und ist die feindlichen, selbstmörderischen Politik hingibt. Die Folge davon ist, nicht hineinzumischen haben. Jedenfalls lehren uns die dortigen Grundlage unseres ganzen wirtschaftlichen Gedeihens.( Beifall daß Bebels Reden im Gegensatz zu früher keinen Resonanzboden Ereignisse, wie schwer ein Volt gestraft werden kann durch den Ün- rechts.) Abgeordneter Bebel nannte die Reise des Kaisers nach mehr in der bürgerlichen Bresse, auch nicht in der linksstehen verstand seiner Bureaukratie. Der Verlauf der Ereignisse in Ruß- Tanger eine Probotationsreise", und auch Abgeordneter Bassermann den finden.( Sehr richtig! rechts, im Zentrum und bei den land ist lehrreich auch für die Nachbarstaaten.( Sehr richtig! bei den war nicht ganz mit ihr einverstanden. Ich erkläre ausdrücklich, Nationalliberalen.) Ganz gewiß hat auch Deutschland, die deutsche Sozialdemokraten.) Bei uns in Deutschland steht der monarchische daß ich den Besuch voll mit meiner Verantwortlichkeit decke, und daß Diplomatie und die deutsche Presse, Fehler gemacht. Wir wollen Gedanke fest. Aber die Monarchie sollte Fehler vermeiden: ein zu ich ihn für eine Deutschland nützliche Tat halte.( Vereinzelter Beiwünschen, daß der englische Regierungswechsel günstig wirken möge: startes Exponieren, Aeußerungen, die zu Mißverständnissen Anlaß fall rechts.) Abgeordneter Bebel kam auf das Redeverbot gegen den aber eine volle Sicherheit vor einem ernsten englisch- deutschen Konflikt geben usw. Heute wird bei uns alles kritisiert, nichts wird frangösischen Deputierten Jaurès zu reden. Ich bin überzeugt, daß gewährt uns alles dies ebensowenig, wie die friedenbefördernde Macht deshalb atzeptiert, weil es alt und ererot ist, sondern die der Eindruck einer Berliner Rede des Herrn Jaurès in Frankreich der Handelsbeziehungen zwischen England und Deutschland, die Institutionen werden nach ihrem inneren Wert geprüft. fein allgemein günstiger gewesen wäre.( Heftiger Widerspruch bei Abgeordneter Bebel hervorhob und die auch wir nicht Vielfach hat das Bolt nicht die richtige Erkenntnis den Sozialdemokraten.) Ich muß mir vorbehalten, die Stimmung Leugnen. Gewiß ist z. B. die City" friedlich gesinnt. von dem, was not tut, aber doch richtige Instinkte. Diese Instinkte in Frankreich ebenso gut beurteilen zu können, wie Sie( zu den Der Vorwärts" ist wegen seiner Berichte aus London sehr lesens- sollte man wohl beachten. Manche Institutionen der Einzelstaaten Sozialdemokraten). Lebhafter Beifall rechts.) Zum anderen wert für bürgerliche Kreise. Der Vorwärts" hat nämlich einen werden geändert und freiheitlich umgestaltet werden müssen, und wollte die Sozialdemokratie den Abgeordneten Jaurès für ihre ausgezeichneten Korrespondenten. Dieser berichtet stets von der es ist nicht erfreulich, wenn die Aenderung erst unter dem Drud innerpolitischen Zwecke ausschlachten; sie wollte sich als feindseligen Stimmung der englischen Kreise. Wir wollen niemals von Straßendemonstrationen erfolgt. Ich erinnere an die Vor- Friedensretterin, als Hüterin des Kapitols( große Heiterkeit) aufStrieg gegen England führen, unsere Flotte wird dazu niemals start gänge in Desterreich- Ungarn. Wir können es nur begrüßen, daß spielen. Vorläufig wird die deutsche auswärtige Politit noch nicht genug sein. Der Abg. Paasche hat in Kreuznach durchaus feine Fürst Bismard seinerzeit aus nationalen Gründen das bon sozialdemokratischen Agitatoren in der Hafenhaide gemacht. Indiskretion begangen, er hat nur gefagt, was in den weitesten gleiche allgemeine Wahlrecht gegeben hat. In der( Schallende Heiterkeit.) So lange Jch hier stehe, werde ich zu vera Kreisen belannt war. Es muß auch daran gedacht werden, Regierung müßten manche Verbesserungen getroffen werden. bindern wiffen, daß die Sozialdemokratie, die alle Dinge unter dem daß wenn Rußland vom Stillen Ozean abgeschnitten ist, es sich an Nicht mehr Repräsentation, sondern Fähigkeit ist es, auf die es heute engen Winkel fanatischer Fraktionspolitik behandelt, irgendwelchen der Ditsee ausdehnen wird. Das wird neue Reibungen geben. Ein auch für unsere Diplomaten antommt. Das gilt namentlich auch Einfluß auf die deutsche auswärtige Politit gewinnt.( Lachen bei Grund mehr, unsere Friedensrüstung zu stärken! für unsere Vertragsverhandlungen mit Amerika. Häufig stehen den Sozialdemokraten.) In Konstanz hat ein Sozialdemokrat Im übrigen hat die Rede des Herrn Abg. Bebel der radikalen Alarm- Nachrichten und unwahrheiten in amerikanischen Zeitungen, Deutschland für den Fall eines Serieges mit Frankreich eines Strömung, die in der Partei seit Dresden die Oberhand hat, ent- ohne daß unsere Vertretung dem entgegentritt. Auch in der Justiz Krieges, den wir zu vermeiden wünschen mit russischen Vor. sprochen. Von dem Gewehr, das Herr Bebel im Ernstfalle auf den wäre viel zu verbessern. Man kann sich jetzt nicht wundern gängen, d. h. mit Aufruhr und Meuterei bedroht( hört! hört! rechts.) Rücken nimmt, war nicht mehr die Rede, wohl aber hat er erzählt, über die Nufe nach Berufsgerichten! Man will billiges und damit bewiesen, daß es Leute gibt, die sich mit hinterlistigen daß gegebenenfalls die Sozialdemokratie es sich überlegen werde, und schnelles Recht, damit der Richter wieder der Vertrauens Anschlägen gegen Deutschlands Sicherheit tragen. Die Rede, die ob fie einen Strieg mitmacht. Wie das gedacht ist, ob etwa eine mann des Volkes werde. Ich wünschte eine großzügige Reform der Abgeordnete Bebel hier vorgestern hielt, würde eine Prämie für Abstimmung stattfinden soll, weiß ich nicht. Jedenfalls rechnet die der Strafprozeßordnung und Einführung Berufung in Schädigung Deutschlands verdienen.( Lebhafter Widerspruch bei Sozialdemokratie darauf, daß ihre Bewegung schon so in das Heer Straffachen. den Sozialdemokraten, lebhafte Zustimmung rechts und bei den gedrungen sein könnte, daß man etwa bei der Einberufung der Sehr verstimmt hat uns der plötzliche Schluß des Reichstags. Nationalliberalen.) Es ist hier ja ausgesprochen worden, daß die Reservisten usw. mit Butschen vorgehen könnte. Ich bin Ich wünschte nur, daß der Reichskanzler einen Teil der Reden gehört Sozialdemokratie sich erft überlegen will, ob sie an einem Striege, überzeugt, daß die Armeeverwaltung auf diese Gefahr ihr hätte, die damals von den Abgeordneten gehalten wurden, die den Deutschland zu führen hat und das könnte nur ein VerAugenmerk richtet. Im übrigen überschäßt wohl Herr Bebel hierher famen, um in den Kommissionen weiter zu arbeiten und teidigungs-, nie ein frivoler Angriffstrieg sein beteiligen will. die Macht der Sozialdemokratie. Wenn auch Rosa Luxemburg in plötzlich nach Hause geschickt wurden. Jetzt werden wir mit Vor- Soll erst ein Parteitag darüber abstimmen?( Heiterkeit.) Oder Jena zum Generalstreit sagte, wir fönnen alles gewinnen, nichts lagen geradezu überschüttet. Es ist unmöglich, die Vorlagen auch soll der Parteivorstand darüber bestimmen wie bei inneren Stänke berlieren, so steht doch der Abg. Frohme und andere auf einem anderen nur zu lesen, und wenn man von morgens früh bis abends spät reien bei einem sozialdemokratischen Parteiblatt?( Schallende HeiterStandpunkt. Ihnen macht diese ganze Revolutionsromantik des Herrn sich damit bemühen würde.( Lebhafter Beifall im größten Teil des feit.) Ich bin gespannt, ob man derartige Reden anderswo, ohne Bebel teine Freude. Eines aber muß ich sagen: würden wir un- Haufes.) Die Nacht brauchen wir doch schließlich zum Schlafen. Schutz der parlamentarischen Immunität, zu halten wagt. Zu derglüdlicherweise in einen Strieg verwickelt, so müßte das ein Krieg Warum diese späte Wiedereinberufung? Wenigstens hätte man die selben Zeit, als Bebel hier in diesem unpatriotischen Sinne sprach, fein, für den das Volk Verständnis hat, ein uns aufgedrungener Strieg. Vorlagen frühzeitig in die Presse geben sollen. Die Einführung der betonte in der französischen Stammer ein Sogialist, daß die französ Der marokkanischen Politik des Reichskanzlers zollt meine Partei den Diäten ist eine dira necessitas( grimme Notwendigkeit). Jezt fann fischen Sozialdemokraten nicht versagen werden, wenn der Ruf des größten Beifall: Ais Frankreich als Mandatar Europas auftrat, mußte es dem Herrn Kollegen Singer ja jeden Tag einfallen, die Fortsetzung Vaterlandes an sie ergeht.( Hört! hört!) Deutschland einschreiten. Bedenklich war freilich das Einsetzen der unserer Beratungen zu verhindern. Ich enthalte mich aus guten Gründen jeder Kritik der inneren Person des Kaisers, vielleicht sogar gefährlich. Hätten wir aber eine Wir stehen äußeren Feinden und inneren Kämpfen gegenüber. Bustände Rußlands. Wenn aber die Sozialdemokratie glaubt, sich größere Flotte, so hätten wir die Person des Kaisers Die sozialdemokratischen Ideen breiten sich im Volte aus wie der Rußland zum Muster nehmen zu können, wenn sie mit Meuterei, nicht einzusehen brauchen, sondern hätten eine Heufchreckenschwarm über Aegypten.( Große Heiterfeit bei den Aufruhr, Mord und Brand droht( Gelächter und Rufe: Hu! Hu! Flottendemonstration veranstaltet. Wir sprechen jetzt Sozialdemokraten.) Von einem frischen Luftzuge merken wir vor bei den Sozialdemokraten), dann werden solche Versuche an der aber den Wunsch aus, daß, gleichwie Nouvier für nächsten Donnerstag läufig noch nichts. Im Gegenteile sehen wir die Phantasie der Energie der Regierung und an der Entschlossenheit der großen ein Gelbbuch über die maroffanische Frage versprochen hat, auch deutschen Arbeiter mächtig durch Vorgänge im Dften erregt. Ein Mehrheit des deutschen Wolfes scheitern, die sich nicht das sozialuns ein amtliches Aftenstück darüber vorgelegt werde.( Beifall links.) sozialdemokratisches Blatt schrieb fürzlich:" Der Sturmgang der demokratische Joch auf den Naden leger lassen will!( Lebhafter Durchaus anderer Ansicht wieder als der Vorwärts" und der Ab- Weltgeschichte rüttelt an den Toren des Deutschen Reichs." Wir Beifall rechts, in der Mitte und bei den Nationalliberalen.) geordnete Bebel ist der frühere Abgeordnete alter, der in werden diesen Gefahren zu begegnen wissen. Wenn uns ein Krieg Abg. Dr. Müller- Sagan( frs. Bp.) twirft dem Reichskanzler den Sozialistischen Monatsheften" einen der Flotte sehr aufgedrängt wird, werden wieder große Tage für Deutschland bor, auf die Anfragen der verschiedensten Parteien wegen des plößgünſtigen Artikel veröffentlichte( Redner verliest längere Stellen kommen, in denen das gesamte deutsche Bolt hinter seinem Kaiser lichen Reichstagsschlusses und des verspäteten Anfanges gar nichts aus dem genannten Artikel Calwers). Ich halte es stehen wird! Wir beantragen die Ueberweisung der Flottenvorlage erwidert zu haben und fordert ebenfalls Diäten. Es ist eine Zufür unfraglich, daß vom Ansehen der deutschen Flagge im Auslande und der allgemeinen Finanzreformi an die Budgetkommission, die der mutung, uns so viele neue Steuern vorzulegen in einer Zeit, wo die ein großer Teil unseres Ueberfeehandels abhängt, und daß schon aus einzelnen Steuervorlagen an eine besondere Kommission von Reichsfinanzen an sich im Steigen begriffen sind. Sollten die Mehrdiesem Grunde die Auslandskreuzer bewilligt werden müssen. Die 28 Mitgliedern.( Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen.) einnahmen nicht genügen, so müßte vor allem an eine Reform der Budgetkommission wird sich besonders zwei Fragen vorzulegen Branntweinsteuer gedacht werden. Insgesamt würden hierdurch haben, einmal, ob nicht die Lebensdauer der Schlachtschiffe 79 Millionen Mark Mehreinnahmen zu erzielen sein.( Hört! hört! zu hoch angenommen worden ist, und zum andern, ob es sich nicht Ich danke dem Vorrebner für den patriotischen Ton seiner Aus- links.) Jm äußersten Notfalle aber müßte man die Matrikularempfiehlt, die Ersatzbauten über das bisherige Maß zu beschleunigen. führungen, den er auch dort anschlug, wo er die Politik der Re- beiträge erhöhen. Der Reichsfangler hat die Autorität meines Die Frage der Ersatzbauten ist dringend. Die 38 2inienfchiffe gierung fritisieren zu müssen glaubte. Gewiß ist die Kolonial- Freundes Richter anerkannt. Richter aber hat im Jahre 1902 die müssen zum mindesten erstklassig sein. In allen Voltstreifen wünscht verwaltung zurzeit einer der schwierigsten Teile unserer Rückkehr zu dem Usus gefordert, der in den ersten Jahren des Reiches " " Reichskanzler Fürst Bülow: der bei den Sozialdemokraten.) Verfammlungen. Abends beftand. Da wurden nämlich die thüringischen Staaten etivas| auf einige Bemerkungen des Abg. Bebel zurüdfommen. Zunächst| Deutschland zu segensreicher Entwidelung weiterführen wird. Das tveniger, die Hanseatischen etwas mehr herangezogen, als es der über das Verbot der Jaurès- Versammlung.( Redner spricht den walte Gott!( Lebhafter Beifall rechts, Lachen bei den Sozials Stopfzahl entsprach. Aber gerade die indirekten Steuern wirfen Namen Jorä" aus, worauf ihm zugerufen wird:" Joräß". Heiter- demokraten.) Ach so, Sie glauben ja nicht an Gott!( Heiterkeit.) wesentlich als ungerechte Stopfsteuer. Meine politischen Freunde feit.) In dem Strakehl zwischen Parteivorstand und Vorwärts"= Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Montag, stehen auf dem Standpunkt: Keine neuen Steuern vor der Reform Redakteuren wird unter anderem den letteren auch vorgeworfen, 1 Uhr. Außerdem steht auf der Tagesordnung: Handelsbertarg mit der Branntweinsteuer. Die Erbschaftssteuer hat den Fehler, zu daß fie ohne Befragung des Parteivorstandes Jaurès eingeladen Bulgarien und Handelsprovisorium mit England in erster und event. wechselnde Beträge zu liefern. Das Budgetrecht, das wesentlichste haben. Ich für meine Person bedauere sogar, daß Herr Jaurès zweiter Lesung. Recht des Reichstages, steht in Gefahr, wenn uns das Recht, die hier nicht geredet hat; denn Herr Jaurès ist ein guter Agrarier Schluß 6 Uhr. Höhe der Matrikularbeiträge zu bestimmen, entzogen würde. Wir( Stürmische Heiterfeit.), der den Antrag Ranib, ins Französische fordern ferner verantwortliche Reichs- Staatssekretäre. Die Quittunge überseßt, in der franzöfifchen Deputiertentammer eingebracht hat. steuer ist im höchsten Grade mittelstandsfeindlich und muß geradezu Ich hatte sogar stets ein wenig den Berdacht, als ob das Nichtzur Bumpwirtschaft verleiten.( Zustimmung.) Nun die Automobil erscheinen Jaurès Herrn Bebel gar nicht so sehr unangenehm steuer. Gewiß ist das Automobil noch in weiten Kreisen unpopulär; war.( Lachen b. d. Soz. Zuruf: Bülow hat wohl in Bebels AufEine Versammlung der Blumengeschäftsangestellten( Blumenbinder ich weiß aber aus Niederschlesien, daß es schon in hohem Grade zum trag gehandelt?!) Wir können nicht dulden, daß sich die inter- und Binderinnen) tagte am Dienstag in den Arminhallen in der Geschäftsfuhrwerk geworden ist; mit der Automobilsteuer will man nationale Sozialdemokratie bei uns breit macht. Der Abg. Bebel Kommandantenstraße. Es waren rund 250 Personen anwesend. ja auch bloß gewissen Instinkten der Masse entgegenkommen. hat uns zugemutet, wir hätten in der Maroffofrage das Ver- Frau Paula Thiede sprach über" Frauenarbeit und FrauenWie man gerade jetzt, wo dank den neuen Handelsverträgen Hopfen halten Englands und Frankreichs einfach ignorieren sollen. Dann organisation". Der Vortrag wurde allseitig mit Beifall aufund Malz durch erhöhte Zölle verteuert werden, dazu kommt, dem aber wären unsere deutschen Interessen beim nächsten Male noch genommen. Ebenso das zweite Referat des Kollegen Albrecht Braugewerbe neue Lasten aufzuerlegen, ist mir völlig unerfindlich. viel schlimmer ignoriert worden. Wahrlich, wenn ich so flug wäre über„ Die Lage der Blumengeschäftsangestellten". Die Debatte war Daß die Brau- Industrie selbst die Steuer tragen wird, ist ganz aus wie der Abg. Bebel zu sein glaubt, wäre ich ein Politiker vom sehr anregend und schlossen sich sämtliche Redner der von den geschlossen; die Brauereien werden sie auf die Gastwirte, diese auf Schlage Bismarcks. Der Abg. Bebel ist dann auch auf das Ver- Referenten zum Ausdruck gebrachten Aufforderung zum Beitritt in die Konsumenten abwälzen. Nun zur Tabaksteuer. Aufs neue gangen. Da möchte ich doch auf die treffliche, leider viel zu wenig den Allgemeinen Deutschen Gärtnerverein an. Zahlreiche Mißstände wird ein Gewerbe beunruhigt, das schon wirtschaftlich äußerst une gangen. Da möchte ich doch an die treffliche, leider viel zu wenig im Arbeitsverhältnis der Angestellten tamen zur Sprache und günstig dasteht. gegeißelt. des Der Erfolg Gerade die ärmsten Bevölkerungsteile Deutsch bekannte Broschüre des Generals v. Boguslawski hinweisen:" Nicht wurden zeigte sich lands, die nach dem Niedergang anderer Hausindustrien in die Tabat- Rede, sondern Fehde!" Darin weist dieser noch rühmlichst bekannte in der Aufnahme einer großen Anzahl besonders weiblicher industrie flüchteten, sehen sich bedroht. Und wozu dieses ganze Politiker darauf hin, daß eine starke Hand die noch fönigstreuen Mitglieder. Der Allgemeine Deutsche Gärtnerverein hat in seiner Steuerprojekt? Man will die Wehrkraft des Reiches stärken. Meine Soldaten vor dem Terrorismus der Sozialdemokratie schüßen Organisation eine besondere Sektion für die Angestellten der politischen Freunde werden gewiß nicht die Mittel verweigern, die müsse. Den Anfang dieser starken Hand ſehe ich in dem Entschlusse Blumen- und Kranzbindereien eingerichtet, um diesen Kollegen Genötig sind, um die Verteidigung Deutschlands zu Wasser und zu des Reichskanzlers, die Jaurès- Versammlung zu verbieten.( Lachen legenheit zu erfolgreicher Wahrnehmung ihrer Spezialintereffen zu Lande nach allen Richtungen hin zu sichern. Wir werden alle diese geben. Die Settion Groß- Berlin hält am Sonntag, den 7. Januar 1906, Fragen mit der größten Gewissenhaftigkeit prüfen; wir werden uns Herr v. Reinbaben hat den bürgerlichen Parteien die Opfer- nachmittags 1/6 Uhr, in demselben Saale eine weitere Versammlung ganz besonders freuen, wenn die Unterseeboote sich bewähren, weil freudigkeit der Sozialdemokratie vorgehalten. Die Regierung sollte ab, der um 8 Uhr ein Lichtbildervortrag folgt. durch sie größere und kostspieligere Fahrzeuge erspart werden. Das nicht immer wieder Verbeugungen vor der Sozialdemokratie machen; gegen hat die Denkschrift uns nicht von der Notwendigkeit der Aus- sie sollte wissen, daß die Einnahmen der Sozialdemokratie auf einem Tandskreuzer überzeugt. Die auswärtige Politik ist schon vom Terrorismus beruhen, dem sich der einzelne nicht entziehen kann. Abg. Bassermann in mehreren Punkten kritisiert worden, und diese( Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wenn Herr Bebel schon in Seritif war um so bedeutungsvoller, als sie aus nationalliberalem Aussicht gestellt hat, daß es auch bei uns zu ähnlichen Zuständen wie Munde lam. Ich mache auf die Alwissenheit des Abg. Bebel in in Rußland kommen könnte ja, wer fann's wissen? Das hängt international- diplomatischen Fragen feinen Anspruch, das aber weiß von der Entschlossenheit der Regierung ab und von der Unterſtügung, ich, daß kaum jemals die deutsche Diplomatie so sehr das deutsche welche sie in der Nation findet. Das eine ist gewiß, daß in einigen Volk hinter sich hatte als damals, da sie den Delcasséschen Ränken Teilen in den Ostseeprovinzen allerdings eine solche Bewegung denentgegentrat.( Lebhafte Zustimmung.) Es wäre vielleicht besser ge- selben Charakter annehmen könnte, den sie in Rußland leider anwesen, man wäre ohne Konferenz zu einer völligen Verständigung genommen hat, nämlich den von Judenverfolgungen. Denken Sie mit Frankreich gekommen; wir hoffen, daß die Konferenz zu Algeciras an Sonib. Sozialdemokratischer Zentral- Wahlverein für den Reichstags. ebenso den Interessen Deutschlands wie der Sache des Weltfriedens Der Abgeordnete Ledebour jammerte über die verrohende Wahlkreis Züllichau Schwiebus Crossen Sommerfeld.( Drts. dienen möge. Wir sehen keine Veranlassung, die genügen könnte, Wirkung der Kolonialfriege. Wohl ruft jeder Krieg Grausamkeiten berein Berlin.) Dienstag, den 12. Dezember, abends 8 Uhr: Mitgliedereinen Weltbrand zwischen England und Deutschland zu entzünden; hervor. Aber es wedt auch die edelsten, stärksten Gefühle in der Versammlung bei Patt, Dragonerstr. 15. Tagesordnung wird in der BerDas Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. wir hoffen, daß es den englischen Friedensfreunden gelingen möge, Menschenbrust.( Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Im übrigen sammlung bekanntgegeben. Der Vorstand. den verhängnisvollen Einfluß Chamberlains zu paralysieren.( Bei- leisten an Roheiten die russischen Terroristen viel mehr als die Verein für Gesundheitspflege des Volkes Berlin Moabit. fall.) Wir sind nicht für eine Weltpolitik zu haben, die mit aller deutschen Krieger in Südwestafrifa. Der Abgeordnete Ledebour Montag, den 11. Dezember, abends 8%, Uhr, in Pilekes Restaurant, WaldWelt Händel sucht, wohl aber für eine Weltpolitik, die mit aller stellte Deutschland als so ziemlich den rückständigsten Staat der Welt straße 8. Vortrag des Herrn Störmer:" Glauben und Wissen". Welt Handel treibt und überall das Prinzip der offenen Tür ver- dar.( Abgeordneter Bebel ruft: Preußen!) Wen?( Abgeordneter tritt. Borbedingung einer solchen vernünftigen Weltpolitik ist aller- Bebel: Preußen mit seinen Juntern! Glocke des Präsidenten.) dings eine vernünftige Handelspolitit, also so ziemlich das Gegen- Ja, Herr Bebel, ich habe hier leider nicht die diktatorische Macht, die teil jener agrarischen Politik, dje unsere Reichsregierung treibt.( 3u- Sie über Ihre Parteigenossen ausüben. Sie machen nur" Pst", und stimmung und Beifall links.) gleich ist alles ruhig.( Stürmische Heiterkeit.) Sie sollen ja auch den Schlüssel zur Kasse für die Parteidiäten Ihrer Abgeordneten Stationen haben.( Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die Sozialdemokraten wiffen dabei ganz genau, daß an die deutsche Schule, an die deutsche Verwaltung, an die deutsche Rechtspflege feine in der Welt heranreicht.( Lachen und 28iderspruch bei den Sozialdemokraten.) Nehmen Swinemde. 764 23 Hamburg 766 WSW 4 bedeckt Sie das englische Wahlrecht! Hätten wir bas, so würde Ihre Zahl Berlin 766 rasch auf 8 bis 10 zurückgehen.( Lachen bei den Sozialdemokraten.) Franti.a.M. 768 N Beantragen Sie doch, es einzuführen!( Sehr gut! rechts. Buruf München 770 S des Abgeordneten Bebel: Für den preußischen Landtag!) Gewiß, Bien 770 S wenn wir die Bewegung in Bayern und Baden auch nach Preußen Wetter- Prognose für Sonntag, den 10. Dezember 1905. übertrügen, so würde das zur sozialen Demokratisierung ganz Etwas fühler, teilweise beiter, jedoch unbeständig mit geringen Nieder Deutschlands, zur Republik führen.( Sehr gut! bei den Sozialdemo- schlägen und ziemlich frischen westlichen Winden. fraten.) Aber noch hoffe ich, daß die starke Hand des Fürsten Bülow Berliner Wetterbureau Abg. v. Kardorff( Rpt.): Der Staatssekretär des Marineamts hat sich immer vorbehalten, die 1900 abgelehnten Auslandskreuzer nachzufordern. Ich bin von vielen Seiten aufgefordert worden, für die Beschleunigung des Flottenbaues einzutreten.( Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ueber die Steuervorlagen will ich mich furz fassen. Der preußische Finanzminister hat das sozialistische Agitationsmärchen von den großen Lasten, die das Deutsche Reich den Arbeitern aufbürde, ja genügend zurückgewiesen.( Lachen bei den Sozialdemokraten.) Man sollte diesen Nachweis des Finanzministers in populärer Darstellung im Lande verbreiten. ( Rufe b. d. Soz.: Man zu! Heiterfeit.) Bisher war die preußische Regierung bei der Verbreitung solcher Aufklärungsbroschüren sehr ungeschickt.( Bustimmung b. 5. Soz. Heiterkeit.) Ich muß jest Unserem altbewährten Parteigenossen Julius Vieweg und Frau Sozialdemokrat. Wahlverein zu ſeinem am 11. Dezember statt- f.d.4. Berl. Reichstagswahlkreis findenden 25jährigen Ehejubiläum die besten Glückwünsche und ein dreifach donnernd Hoch! 53852 Die Vertrauensleute bes 12. 3.-.- B. Rigdorf. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Rudolf Fröhlisch am 7. b. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 11. Dezember, nachmittags 2, Uhr, von der Leichenhalle des Berliner GemeindeFriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 168/4 Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin u. Umgegend. ( Bezirk 4.) Allen Kameraden zur Nachricht, daß unser Mitglied Heinrich Lange verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittags 3, Uhr, auf dem Andreas- Kirchhof in Hohen- Schönhausen statt. Um rege Beteiligung bittet 256/2 Die Bezirksleitung. Danksagung. Da es mir nicht möglich ist, jedem einzelnen für die vielen Beweise der Zeilnahme bei der Beerdigung meines ( Süd- Ost). Todes- Anzeige. Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Lederarbeiter Friedrich Hahn wohnhaft Naunynstraße 68( Stadt bezirk 84) geftorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 12. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- Kirchhofes, Rig dorf, Hermannstraße, aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Zentral Verband der Schmiede. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Karl VoB an den Folgen eines Unfalles berstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 10. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Kranfenhauses Moabit( Eingang Birken straße) aus nach dem HeilandsKirchhof in Blötensee statt. Recht rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Danksagung. ORIGINAL SINGER Singer Nähmaschinen. 44422* Einfache Handhabung! Große Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleistung! Weltausstellung Grand Prix St. Louis 1904. Paris 1900: Unentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunststickerei. Elektromotore für Nähmaschinenbetrieb. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. Berlin W., Leipzigerstr. 92. Filialen in allen Stadtteilen. 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Dezember 1905, morgens 8 Uhr. Barometer. stand mm Wind richtung Windstärke Better 3'moltig Temp. n. C 5°.= 4° R. Stationen Barometer. Wind3 Haparanda 744 5 Belgrad 2 wolkig 1 bedeckt 4 Regen 2 Nebel 7 Scilly 9 Aberdeen 6 Baris Gewerkschaftshaus Gr. Defonomie: Max Schnelle. Heute von 12-4: Sunipa Windstärke Better Temp. n. G. 288 2wollen!-2 772 S 1 Nebel 3 770 WSW 3 halb bd. 10 757 285 3 beiter 770 3 Regen Salonbilder 4 9 spottbillig Königgräkerstraße 101, 1. Etage links. 283/20 nach Maß für Herren und Knaben. Größte Auswahl in in- und aus: ländischen Stoffen für Paletots, werden unter Garantie des guten Sizes zu über aus billigen Preisen schnellstens angefertigt im Tuch- und Maßgeschäft bei A. Karle, 3nh. H. Schlüter, Waldemarstr. 66. 47272* Anzüge Mittagstische, Beinkleider, a Gebed 0,75 M. und à la carte. Abends 26 Uhr( im Restaurant): G. Pohls ausgezeichnetes Künstler- Quartett. ( Stonzert.) Kein Entree. 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Perantwortlicher Redakten Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantwo.: El Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 289. 22. Jahrgang. 5. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sontag, 10. Dezember 1905. An die Arbeiterinnen und Genossinnen Berlins. Zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit sind vom Mai dieses Jahres ab zunächst vier städtische Fürsorgestellen die ganze Stadt umfassend für bestimmt abgegrenzte Bezirke eingerichtet worden, in denen bedürftige Mütter und Pflegemütter von Säuglingen ( Kinder des ersten Lebensjahres) sich unentgeltlich spezialärztlichen Rat über die Wartung und Ernährung der Säuglinge einholen können. Diese Fürsorgestellen befinden sich: Für den Norden; Elsasserstraße 27, Ferner follen, um die Not zu lindern, in welcher sich stillende Mütter besonders zur Zeit der Entlassung aus den Entbindungsanstalten häufig befinden, geeigneten Vereinen Zuschüsse zum Pflegegeld gewährt werden, bei Anstaltspflege oder bei Unterbringung in Familien. Die Fürsorge- Einrichtungen find feine Armenunterstübung, Arztes eine Bei hülfe gewährt werden. Ferner sind die ärztlichen Leiter der Fürsorgestellen ermächtigt, Müttern, die nicht stillen tönnen, oder Pflegemüttern zubereitete Milch, oder andere Mährpräparate in der für den speziellen Fall geeigneten Menge und Zubereitung bis zur Dauer von acht Tagen unentgeltlich abzugeben. Und zwar soll die Milch, dem Zustande des Kindes an gepaßt, in Portionsflaschen fertig zubereitet, den Müttern zugestellt sondern ein Recht, welches jede bedürftige Mutter in Anspruch werden, damit nicht erst durch vieles Hantieren in der engen, meist nehmen soll. Den Männern dieser Frauen, wie den Vätern dieser elenden Häuslichkeit Staub und andere schädliche Stoffe der Milch Säuglinge können hierdurch politische Rechte nicht gekürzt werden. beigemengt werden. Genossinnen, Arbeiterinnen Berlins! Ueberall, wo sich Ge= Ueber den Zeitpunkt von acht Tagen hinaus soll eine derartige legenheit bietet, in der Arbeitsstätte, bei den Nachbarinnen, in Abgabe der Regel nach nur gegen Erstattung des Selbstkosten- Bekanntenkreisen, macht auf diese Veranstaltungen aufmerksam, preises erfolgen. Ausnahmsweise darf in Berlin ortsangehörigen damit dieselben stark in Anspruch genommen werden. Müttern oder Pflegemüttern auf Antrag des Arztes der Bezug von Der durch jahrelange Agitation in der Oeffentlichkeit und durch Nordwesten( Moabit): Arminiusplak, Markthalle. Milch und Nährmitteln länger als acht Lage unter dem Selbstloften- zähen Stampf im Stadtparlament errungene Erfolg ist zwar winzig. Die Sprechstunden sind von 2-3 Uhr nachmittags. Die ärzt- preise gewährt werden, wenn die Bedürftigkeit durch Organe der Er schließt jedoch in sich die prinzipielle Anerkennung der soziallichen Leiter dieser Fürsorgestellen, die renommierten Kinderärzte: städtischen Verwaltung nachgewiesen ist. Die Benutzung und demokratischen Forderungen auf Säuglings- und Mutterschuk. Nur it. Sanitätsrat Dr. Kaffel, Privatdozent Dr. Neumann, Dr. die Gewährung der Nährmittel erfolgt nur so lange, wie der durch Ausnutzung des Erreichten und zähen Kampf für weitere VerSalge und Dr. Ballin, werden in erster Linie darauf hinzu ärztliche Leiter dies nach dem Gesundheitszustande für notwendig besserungen wird mehr erreicht, ja schließlich das Elend überwunden Soweit erachtet und die Mütter fich der Kontrolle durch die Aufsichtsdamen werden. wirken suchen, daß die Mütter die Säuglinge selbst stillen. es notwendig erscheint, fann bedürftigen, in Berlin ortsangehörigen in erster Reihe die weiblichen Mitglieder der GemeindewaisenMüttern, um ihnen das Stillen zu ermöglichen, auf Antrag des räte unterwerfen. 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Besember 1905, Hus Induftrie und Dandel. dazu über, eigene Elektrizitätswerte anzulegen oder vorhandene Verhandlungen, betreffend Verlängerung des Syndikats, über die ländische Kapitalisten, ihr Geld nach Rußland abzustoßen. Naiv wird Beteiligungsquoten nicht einigen fonnte. dann weiter gesagt, man wolle vollkommen unparteiisch die Lage sunter- Serbische Anleihe. Als Garantie der mit einem internatio- schildern. So predigt der hungrige Wolf über die Bosheit des SchäferKohle und Elektrizität. Die kapitalfräftigen Bergwerksunter- nalen Banktonsortium abgeschlossenen 70 Millionenanleihe ver- hundes. Unparteiisch wird behauptet, die extremen Parteien seien an nehmer ſuchen immer neue Wege, um aus dem Konstruktionsfehler pfändet der Staat die Monopolüberschüsse, die im Jahre 1904 allem schuld, diese hätten die Bevölkerung zu Ausschreitungen aufgeheßt, des Kohlensyndikats Vorteile zu ziehen. So geht man jetzt vielfach 11 743 905 Dinars betragen haben. Die serbische Regierung ver- das habe eine Reaktion bei der Regierung hervorgerufen, die ehrlich Anlagen zu erweitern und durch Abgabe von Elektrizität an Kom- pflichtet sich, bis zum 1. Januar 1908 weder direkt noch indirekt genug gewesen sei, die Versprechungen des Manifestes einzumunen usw. den Kohlenverbrauch in den eigenen Anlagen zu Grundlage dienen würden. Von den übernommenen 40 Millionen Aufflackern eines erlöschenden Feuers charakterisiert, daran die Vereine Anleihe abzuschließen, für welche die Monopolüberschüsse als lösen. Schließlich werden die jüngsten Ereignisse als das leẞte steigern. Um den vermehrten Selbstverbrauch kann dann die Förder steigern. Um den vermehrten Selbstverbrauch kann dann die Förderung gesteigert werden, da der Eigenverbrauch auf die Beteili- der Anleihe wird das Konsortium 15 Millionen im Laufe des ficherungen geknüpft, die Regierung werde mit traftvoller Hand derung gesteigert werden, da der Eigenverbrauch auf die Beteili- Monats März 1906 und die übrigen 25 Millionen längstens bis in weiser Borsorge eventuelle verbrecherische Bestrebungen der gungsziffer nicht angerechnet wird. Bei der Erzeugung der elet- Ende 1906 emittieren. Dem Konsortium steht das Recht zu, vom extremen Parteien niederhalten, aber auch in liberalster Weise alle frischen Energie erzielen die Werke noch den besonderen Vorteil, Vertrage zurüdzutreten, wenn das Anleihegeſeh nicht bis zum berechtigten Forderungen erfüllen.. Dann kommt der Schlußeffekt. daß die bei der Keffelheizung gewonnenen Abgase bei der Sots- 28. Dezember dieses Jahres sanktioniert sein sollte oder wenn bis Das Erposé schließt:" Dadurch wird auch dem Publikum das Vererzeugung verwendet werden können. Auch diese Entwickelung wirkt als Sprengpulver für das Syndikat. zur Uebernahme des fig zu übernehmenden Anleiheteiles ein Krieg trauen zu den russischen Finanzen wiedergegeben, welches unter oder eine Revolution in Europa unter Beteiligung einer euro- denen, welche das russische Finanzwesen auch nur wenig kennen, auch Patriotismus, der sich lohnt. Der Verband fächsischer In- päischen Großmacht ausbräche oder wenn der Kurs der 4proz. unifi- iegt unerschüttert ist. Diese Auslassung ist wohl die Frucht der dustrieller hielt in Dresden seine 4. Hauptversammlung ab. Natür- zierten serbischen Anleihe in Paris unter 79 notieren würde oder Konferenz zwischen dem Vertreter des Hauses Mendelssohn und Witte. lich war die Regierung und eine Gesandtschaft vom Flottenverein schließlich, wenn bis zum bezeichneten Datum an den Börsen in Ob nun die Kurse steigen? bertreten. Dr. Stresemann hielt eine fulminante Rede über die Wien und Baris die Kotierung nicht bewilligt sein sollte. boltswirtschaftliche Bedeutung der Flottenverstärkung. Da der Herr Man merkt, die Herren Kapitalisten werden sehr vorsichtig, die Geldsadsinteressen der Fabrikanten und Lieferanten als Bolts- fie denken nicht nur an Ariege, sondern auch an Revolutionen. interesse unterstellt, kam er zu dem, in die nationalökonomische Kinderstube zu verweisenden Urteil, die Flottenvermehrung hebe den Volkswohlstand. In welchen Hochgefühlen muß doch so ein patriotisch überschäumender Flottenenthusiast schwelgen, er den winkenden Gewinn überschlägt? wenn München. Eingegangene Druckfchriften. Die Angst vor dem Bankerott. Der Sturz der russischen Papiere Annalen des Deutschen Reichs. Heft 12. Herausgeber Dr. K. Th. ruft die Petersburger Internationale Bank auf den Plan, um der b. Cheberg und Dr. A. Dhroff. Jährlich 12 Hefte, welche einen Band weiteren Flucht des Kapitals vor dem ruffischen Abgrund zu be- bilden. Preis: Halbjahr 10 M. Berlag: J. Schweizer( A. Sellier), gegnen. Aber die Bank versteht sich schlecht auf den Bau Potemkinscher Dörfer. Gleich Eingangs ihres Erposés erzählt sie, daß viele Herausgeber Georg Bernhard. Heft 49. Bierteljahr per Post und BuchVlutus. Kritische Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanzwesen. Im Streit um die Happen. Das belgische Drahtstiftsyndikat russische Kapitalisten ihr Geld im Auslande Geld im Auslande in Sicherheit handel 3,50 M., Kreuzband 4 M. Verlag: Berlin- Charlottenburg, Goethewird in die Brüche gehen, weil man sich bei den jetzt stattgefundenen gebracht haben. Das ist kaum ein lockendes Argument für aus- straße 69. bel fröhlichster Weihnachtsstimmung, wenn sie ihm schöne, bunte Jede Dame erhält einen Mann wen- en- Wee in Bel H.& J. Friedlaender, Berlin C., Molkenmarkt 12, kolossaler Auswahl Westen, Tuche,-Anzug- Stoffe M. Löwinsohn Nachf od. Wollen- Seiden- Weste schenkt. Herren, Damen Reste enorm billig. und Knaben. BERLIN O. ( Am Andreasplatz) Grüner Weg 32-33, Andreasstr. 28 5 Minuten vom Schlesischen Bahnhof. Bar Geld: 8% Doppelte Rabattmarken : oder bis verabreiche ich meinen werten Kunden von Sonntag, den 10. Dezember, bis Sonntag, den 17. Dezember. Kleiderstoff- Roben in Kartons Luisianatuch, Coupon 20 Mtr. 7.25 Coupon 10 Mtr. 2.95 Kissen 6 Mtr. 1.95, 2.65, 3.35, 4.25, 5.65 Luisianatuch, Seidene Blusen 3.85, 4.90, 7.50 Dimiti- Garnitur Unterröcke in Cloth, Tuch, Moiré, Damast- Handtücher 2.75, 3.45, 5.90, 7.85, 8.75 Kaffee- Gedeck mit 6 Serv. 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Engel- Ufer 15: Ortsverwaltung Berlin. Montag, 11. Dezember, abends 8% Uhr: 5257L* Dienstag, den 12. Dezember, abends 8% Uhr, im Gewerkschaftshause( großer Saal), Bezirks- Versammlungen. Selten günstige General- Versammlung. Süden u. Südosten: imärkischen Hof, Admitralt. 180 Tagesordnung: 1. Vortrag von Frau Dr. David: Was bedeuten Tages- Ordnung: Bericht des Vorstandes und Neuwahl desselben. Bericht der Vertrauens die Genossenschaften für die organisierten Arbeiter?" 2. Diskussion. perfonen, Breß, Lokal, und Agitationsfommissionen und Neuwahl derselben. Verschiedenes. 3. Verbands- Angelegenheiten und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Bahlreichen Besuch erwartet [ 241/16 Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Verein im fünften Berliner Reichstagswahlkreise Dienstag, den 12. Dezember, abends 8 Uhr, im ,, Alten Schützenhaus", Linienstr. 5: 1. Fortsehung der Debatte über den Bericht der kommission. 2. Partei- und Vereinsangelegenheiten. 266/ 8* KF Nur Mitgliedsbuch unseres Wahlvereins legitimiert. Frauen und Nichtmitglieder haben Zutritt. Westen und Süd- Westen: bei Habel, Bergmannstr. 5-7. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Wollheim über: Staats. hülfe und Selbsthülfe". 2. Distusfion. 3. Wahl eines Schriftführers. 4. Berband3- Angelegenheiten und Verschiedenes. Auch Nichtmitglieder und Frauen haben Zutritt. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. NB. Die Stollegen werden gebeten, sich zahlreicher zu beteiligen. Wedding und Gesundbrunnen: bei G. Milbrodt, Müllerstraße 7. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Stern über: Religion und 2. Diskussion. 3. Wahl eines Beitragssammlers. 4. Verbands- Angelegenheiten. Pre- Naturwissenschaft". Die Bersammlung wird pünktlichst eröffnet. Alseitiges Erscheinen unserer Mitglieder erwartet Der Vorstand. 6. Wahlkreis. Damen und Gäfte haben Zutritt. Friedrichsberg, Friedrichsfelde u. Rummelsburg im Lofale Gursch( Kronprinzengarten), Frankfurter Chauffee 128. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen M. H. Baege über:„ Die Entstehung und Abstammung des Menschen". 2. Wahl der Bezirtsleitungen 3. Verbands- Angelegenheiten und Verschiedenes. Küchenmöbel- Branche. im Englischen Garten, Alexanderstr. 27 c: Sonntag, den 10. Dezember 1905, abends 6 Uhr, im Kolberger Donnerstag, den 14. Dezember 1905, abends 8%, Uhr, Salon, Kolbergerstr. 23: Branchen- Versammlung. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Geffentl. Versammlung für Männer u. Frauen. Achtung! Treppengeländer- Branche! Achtung Tages- Ordnung: 269/ 6* Rezitation aus Reuters Werken von Fräulein Hedeler. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vertrauensmann. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Sozialdemokr.Wahlverein für den Bezirk Lichtenberg. Dienstag, den 12, Dezember 1905, abends 8 Uhr, im Schwarzen Adler" ( Inh. Gebr. Arnhold), Frankfurter Chauffee 5/6: Dienstag, den 12. Dezember, abends 8%, Uhr, im„ Königstadt Kasino", Holzmarkt Straße 72, großer Saal: Deffentliche Versammlung aller in Kaufgelegenheit für Weihnachten Eine Partie imit. SmyrnaTeppiche ein farbenprächtiges ganz neues Gewebe in echt orientalischen Mustern. 90X165 cm M. 4,65( Wert 6,50) 130X195 160X230 200X300 250X350 300X400 32 29 39 7,85 19 11,50) 12,25 99 17,50) " 17,50 " 3 24,00) " 33,00) 29 22 25,00 33,00 27" 9 » 46,00) Nach auswärts per Nachnahme. Teppich- Spezial- Haus Emil Lefèvre Berlin Treppengeländer- Fabriken besch. Arbeiter Oranienstr. 158. als Tischler, Stellmacher, Drechsler, Bildhauer, Maschinenarbeiter usw. Tages Ordnung: 1. Der Vertragsbruch der Firma Jos. Drechsler. 2. Disfuffion. 3. Verschiedenes. Außerordentliche General- Versammlung. Die Berfammlung ist von großer Wichtigkeit, darum Tages Ordnung: darf kein Kollege fehlen. wan geladen. 1. Bericht von der Streistonferenz. 2. Bericht der Funktionäre. 3. Konstituierung des Bezirks- Wahlvereins Die Herren Arbeitgeber sind besonders zu dieser Versammlung einund Wahlen. 4. Ergänzungswahlen der Delegierten zur Generalversammlung von Groß- Berlin. Bei der außerordentlichen Wichtigkeit dieser Versammlung ist es Pflicht jedes Mitgliedes, zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. 14/13 Der Vorstand. 98/6 Die Kommiffion. Achtung! Musikinstrumenten- Arbeiter. Atung Deutscher Metallarbeiter- Verband. Montag, den 11. Dezember, abends 8%, Uhr: Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis: Bimmer 34. Amt IV, 3353. Wiclefstraße Nr. 24: Oeffentliche Versammlung etenstag, den 12. Dezember 1905, abends 8%, Uhr, bei Peters, Bezirks- Versammlung für Moabit. im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( großer Saal). Tages- Ordnung: 1. Der Verlauf der partiellen Zohnbewegung in diesem Herbst. Referent: A. Sickfeld. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 98/ 4* Bei der Wichtigkeit der Tages- Ordnung ist das Erscheinen aller Musikinstrumenten- Arbeiter u. Arbeiterinnen Die Branchenkommission des Holzarbeiter- Verbandes. notwendig. Verband der an Holzbearbeitungs- Maschinen beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Montag, den 11. Dezember, abends 8%, Uhr: Mitglieder- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engel- lfer 15, Saal I. Zages Ordnung: 1. Vortrag des Redakteurs Genossen Ströbel über 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches 76/6 Politische Massenstreiks. In Anbetracht des wichtigen Vortrages ersucht um zahlreiches und pünktliches Erscheinen Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. Donnerstag, den 14. Dezember, abends 8% uhr, bei Wendt, Beuthstr. 20: Versammlung Tagesordnung: 193/13 1. Anträge zur Gaukonferenz und Wahl der Delegierten zum Gautag. 2. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es nötig, daß alle Kollegen erscheinen. Die Verbandsleitung. Lackierer! 海苔 Morgen Montag, den 11. Dezember, abends 8%, Uhr, in Drüsels Festsälen, Neue Friedrichstr. 35: Versammlung. Tages Ordnung: Preußisch- und 1. Vortrag des Genoffen Julius Kaliski über: Russisch- Polen. 2. Regelung des Arbeitsnachweises. 3. Verschiedenes. Der äußerst wichtigen Tagesordnung wegen ersucht um zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Kollegen Die Sektionsleitung. 107/13 στην GOTT GRUSS DIE KUNST Wohin unsere Herrenpartie? Nach dem romantisch an der Spree gelegenen Heideschlößchen Hohenbinde!! § 11.§ 11. 3um Gutenberg."§ 11.§ 11. Stadtbahnstation Erkuer. Besizer Alb. Lehmann. Der Vorstand. für das Orts- Strankenkaffe Töpfer- Gewerbe zu Berlin. Durch Ungültigkeitserklärung der Delegiertenwahl vom 6. Oftober d. J. muß eine nochmalige Wahl der Delegierten für die Kaffenmitglieder stattfinden. Wir laden unsere Stassenmitglieder daher zu der am 19. Dezember 1905, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshause, EngelUfer 15, stattfindenden General- Versammlung ein. Tages.Drdnung: 278/10 Wahl der Delegierten. Zu wählen find 72 Arbeitnehmer. Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches resp. Bescheinigung vom Arbeitgeber. Der Vorstand. Kronen, Bilder, Steppdecken, Tischdecken, Portieren, Gardinen, Wäsche, Teppiche, Bettvorleger, Spiegel, Uhren etc. billigst. Auch auf Teilzahlung. Gustav Scharnow, Prinzenstr. 32, I ( zwischen Moritzpl. u. Ritterstr.) Tages Drdnung: Weihnachts- Extraliste Illustrat. gratis und franko. u. Katalog mit ca. 600 Empfehle frühzeitigen Weihnachtseinkauf, da besonders vorteilhafte Artikel später vergriffen sein dürften. Heute Sonntag bis 8 Uhr geöffnet. Extra billig! div. Teppiche mit kleinen Webefehlern! A. B. Koch, 1. Fortsetzung der Diskussion über die Aussperrung in der Elektro Kohlen- Groß- Handlung Industrie. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. 168/3 NB. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen und jeder Stollegin, in dieser Versammlung pünktlich zu erscheinen. Die Ortsverwaltung. Verband der Verwaltungsbeamten Berlin 0. 34, Brombergerstr. 15. Breise für nur la Marken ab Blat: Prima la Halbsteine( be tannte Marken) pr. 8tr. 80 Pf. la Senftenberg Wurfbriketts 75$ 1. la Marienglück pr. 8tr.( 110 bis 120 Std.) 85 Pf. 90 Pf. der Krankenkassen u. Berufsgenossenschaften a Diamant gef. gefch.( 110 bis Deutschlands.( Bezirksgruppe: Berlin- Brandenburg.) Montag, den 11. Dezember 1905, abends 8 Uhr, bei Miegel, Stralauerstr. 57: 120 Std.) la Ilfe zu dem von der Jlse- Grube festgesetten Preise. Anhalter Kohlenwerke Ztr. 95 Pf. 2 M. usw. zu AnTagespreisen. lieferung frei Keller je nach Quantum 1. Bortrag des Genossen Göhre über:" Jugend- Erziehung". p. 3tr. 10-15 Pf. mehr. Bei 2. Diskussion. 3. Berbandsangelegenheiten. größerer Abnahme billiger. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Spezial- Geschäft für Uhren. ◆ Bezirkstag in Berlin.de, intohten win the 1/10 Zages Ordnung: 299/10 Der Vorstand. Schönstes Weihnachtsgeschenk! Plattensprechapparate von 12 M. an. 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An die Parteigenossinnen Berlins! " Reinickendorf- Oft. Am Dienstag, den 12. d. M., abends 8 Uhr, hält der Bildungsverein für Frauen und Mädchen bei Gründer, Hoppestr. 24, feine Vereinsversammlung ab. Herr Liesegang Lichtenberg spricht über: Welchen Wert hat die Bildung für die Arbeiterin?" Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Bahl Der Vorstand. Durch die Bestimmungen des§ 8 des preußischen Vereinsgefeges ift zwar dem weiblichen Teil der Bevölkerung, den Frauensreichen Besuch erwartet personen", wie es so schön im Geseze ausgedrückt ist, untersagt, politischen Vereinen als Mitglieder anzugehören. Dieses bestehende gefeßliche Unrecht fann jedoch die Proletarierin nicht hindern, eine politische Ueberzeugung zu haben, Sozialistin zu sein. Unsere Partei, die gleiches Recht für alle auf ihre Fahne gefchrieben hat, zeigt im Absag 2 des§ 10 des Organisations statuts, welcher lautet:" Die Vertrauenspersonen sind berechtigt, freiwillige Beiträge entgegenzunehmen und durch besondere Marken zu quittieren", den Weg, den die Parteigenoffinnen beschreiten tönnen, um ihre Parteizugehörigkeit zu befunden und damit dem§ 1 des Organisationsstatuts, welcher lautet:" Bur Partei gehörig wird jede Person betrachtet, die sich zu den Grundsäßen der Partei bekennt und diese dauernd durch Geldmittel unterstützt", voll zu genügen. Adlershof. Der Verein für Frauen und Mädchen in Adlershof hält Montag, den 11. Dezember, bei Wöllstein seine Mitgliederbersammlung ab. Herr Paul Jahn spricht über: Die Religion der Zukunft". Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung werden die Mitglieder ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Borsigwalde- Tegel. Der hiesige Frauen und Mädchen- Bildungs verein hält am Mittwoch, den 18. Dezember cr., abends 8 Uhr, im Lokale von Kube, Ernststraße 8, seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Tagesordnung: 1. Vortrag von Frau M. Tie über: Wirtschaftliche und politische Schwierigteiten in der proletarischen Frauenbewegung". 2. Disfuffion. 3. Verschiedenes. Gäste will fommen. Aufnahme neuer Mitglieder, Recht zahlreiches Erscheinen erwünscht. für Frauen und Mädchen Lichtenbergs findet am Montag, den Lichtenberg. Die Mitgliederversammlung des Bildungsvereins 11. Dezember, abends 8% Uhr, im„ Schwarzen Adler", Gebrüder Arnhold, Frankfurter Chauffee 5, statt. Zum Vortrag gelangt: Mitgliedes ist es, in der Versammlung zu erscheinen. Gäste, Männer " Das Schulkind". Referent: Dr. Silberstein. Pflicht eines jeden und Frauen, find willkommen. der Mitglieder ein Märchenstück zur Aufführung. Pflicht eines jeden Mitgliedes ist es, möglichst viel Karten umzusehen, um ein volles Haus zu bekommen. abends 8 Uhr, tagt in Mariendorf bei Reichhardt, Chausseestr. 16, Mariendorf, Tempelhof, Marienfelde. Donnerstag, den 14. b. M., die Versammlung des Frauen und Mädchen-- Bildungsvereins. Frl. Baader spricht über Kinderarbeit". Gäste( Männer und Frauen) haben zu dieser wichtigen Versammlung Zutritt. U. A. w. g. Der Verein Frauenstimmrecht Hamburg" hat dem Herrn Reichstagsabgeordneten Oldenburg auf seine Aeußerung hin, daß es mit der Fleischnot besser bestellt wäre, wenn Rosa bon letzterer verfaßtes Kochbuch zugehen lassen. Ob die Fleischnot Luxemburg und Anita Augspurg am Kochtopf stehen würden, ein nun ein Ende haben wird? Briefkaften der Redaktion. 22 Bir bitten bel feber Anfrage eine Chiffre( zwei Buchstaben ober eine Baht) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die lezte bonnementsquittung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant wortet und schriftliche Antwort wird nicht erteilt Quaiffer. London hatte bei seiner legten Bolfszählung 1901 4 536 063 Einwohner, Baris in demselben Jahre 2714 068, New York im Jahre 1900 und M. 2. 2. Fragen Sie bei der" Internationalen Artiſten- Zeitung", 3437 202, Berlin am 1. Dezember 1905 2 033 900. B. Nummelsburg Alexandrinenstr. 51, dort ersehen Sie aus den Inseraten das von Ihnen Gewünschte. K. 18. Die Beantwortung Ihrer Anfrage würde als einlassen tönnen. J. S. Suchen Sie mit Ihrem Kinde die Klinik in Ruffe. Ja, aber nur Für diesen Zwed werden von den weiblichen Vertrauens, personen Karten für freiwillige Beiträge an Genoffinnen verabfolgt, bie, um es möglichst bequem zu machen, bei folgenden Genofsinnen zu haben sind: Frau Döring, W. Steinmegstr. 23, Hof IV; Frau 2ut, SW. Waterloo- Ufer 9, im Laden; Ottilie Baader, S. Blücherstr. 49 Frau Kulicke, S. 42 Prinzenftr. 102, III; Frau Hönide, SO. Wienerstr. 48, i. 2.; Frau Deutschmann, O. Zorndorferstr. 11; Frau Schädlich, O. Friedenstr. 49, Quergeb. part.; Frau Marg. Schöneberg. Der Frauen- und Mädchenbildungsverein von Empfehlung einzelner Geschäfte erscheinen, worauf wir uns prinzipiell nicht Wengels, O. Gubenerstr. 42, 2. Aufg. IV; Frau Beipert, NO. Marien- Schöneberg und Umgegend hält am Montag, den 11. Dezember, der Biegelstraße auf. Sogenannte Seilinſtitute würden wir nie empfehlen. burgerstr. 22, Duergeb. I; Frau Stunze, N. Straßburgerstr. 12, Quer- abends 8% Uhr, in Weimanns Klubhaus, Hauptstr. 5/6, seine regel-. S. Berlin W., Ansbacherstr. 56, Hof part. geb. IV; Frau Matschte, N. Wolgasterstr. 8, v. III; Frau Schmidt, mäßige Vereinsversammlung ab. Herr Dr. Chajes hält einen Bor per Streuzband durch direktes Abonnement bei den betreffenden Redaktionen N. Brunnenstr. 91, Seitenflügel II; Frau Panzeram, N. Pappel- trag über" Frauenleiden". In der Versammlung werden auch die in Petersburg. 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Die SchwurgerichtZverhandlungen gegen den früheren Geschäfts sichrer des Connewitzer Konsumvereins Karl Friedrich Bock aus Markranstädt wegen Bilanzverschleierung, Untreue und betriiglichen Bankrotts endete gestern nach zehntägiger Verhandlung mit der Verurteilung des Angeklagten wegen Bilanzverschleierung und Untreue zn 14 Monaten Gefängnis und 1200 M. Geldstrafe und mit Frei- sprechung von der Anklage des betriigerischen Bankrotts. 9 Monate Untersuchungshaft wurden angerechnet Der Angeklagte wurde aus der Haft entlassen. Die zehn Verhandlungstage entrollten folgendes Bild: Der Connewitzer Konsumverein wurde im Jahre 1870 gegründet. Er wurde später in eine Genostenschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt. Ter Verein prosperierte und verteilte ansehnliche Dividenden. Im Jahre 1890 gelangte Bock, ein gelernter Schlosser, in den Auffichtsrat, 1890 wurde er Vorstandsmitglied, 1897 erster Leiter der Genossenschaft. Sein Anfangsgehalt beirug jährlich 1900, schließlich 2öS0 M. Bock war eifrig bestrebt, die Genossenschaft, die schließlich rund L'/z Millionen Mark Jahresumsatz hatte, zu fördenr. Mit der Errichtung eines zu ausgedehnten Fleischereibetriebes, der 1899 errichtet wurde, geriet aber die Genossenschaft auf ein falsches Geleise. Defizits begannen. E§ wurden aber trotzdem in den nächsten Jahren erhebliche Dividenden in Höhe von 9 und 10 Proz. ausgeworfen, weil die Vermögenslage verschleiert wurde. Schließlich, im Herbst 1904, brach die Genossenschaft zusammen. Bock wurde am 24. November 1904 verhaftet. Der Staats- anwalt gab selbst zu, daß Bock keineswegs absichtlich den Ruin der Genossenschaft verschuldete. Das Gericht anerkannte in seinen Urteilsgründen, daß der Angeklagte auch nicht aus un- eigennützigen Motiven gehandelt hat. Die Schuld des An- geklagten'bestand darin, daß er den Mitgliedern der Genossenschaft und ihren Gläubigern nicht reinen Wein eingeschenkt hatte, nachdem er erkannt hatte und erkennen mußte, daß die Genossenschast sich auf ei er schiefen Ebene befinde, daß die großen Hoffnungen, welche man auf die Prosperität der Fleischerei gesetzt hane, nicht in Er« süllung gehen konnten. Er begann seit 1902 mit Vertuschung der ivahren Geschäftslage. Als Borsitzender war er nach Gesetz und Statut zu richtiger Buchführung verpflichtet, wenngleich die Buch- führung einem anderen(Beyer, oblag. In den Borträgen in den Generalversammlungen und in den Bilanzen für 1902, 1903 und 1904 wurde den Mitgliedern die Wahrheit vorenthalten. Hierin lag eine strafbare Bilanzverschleierung. Es sei hier eingeschaltet, daß die Verteidigung sRechtsanwalt Kallir) eine ähnliche Unklarheit wie der VermögenSschilderunä des Angeklagten den nach einjähriger Vorar- beit zustande gekommenen Eröffnungsbcfchluß verwarf. UnterWidcrspruch der Staatsanwaltschaft verlangte der Verteidiger eine Klarheit darüber, worin denn eine Bilanzverschleierung liegen solle. Das Ge- richt hielt diesen Vorwurf der Verteidigung für berechtigt, denn eS ergänzte den Eröffnungs- beschluß dahin, daß in der Bilanz vom 80. Juni 1902 der Wert des Areal- und Gebäudekontos zu hoch angesetzt, die Warengläubiger aber zu niedrig angegeben seien, so- wie, daß in den Bilanzen von 1903 und 1904 die Kreditoren mit einer zu geringen Summe aufgeführt und 1903 eine Summe von 120 000 M., welche der Großeinkaufs» gesellschast in Hamburg vom Konsumverein geschuldet wurden, vom Kreditorenkonto aufs Darlehnskonto umgebucht worden sei. Infolge dieser und anderer Manipulationen rechnete Bock eine Dividende von 9 Proz. heraus, die auch in den Jahren 1902 und 1903 zur Verteilung gelangten, obwohl die Geschäftslage der Ge- nostenichaft dies keineswegs gestattete, vielmehr durch die Dividenden- uuözahlung das nötige Betriebskapital der Genossenschaft entzogen wurde. Im Jahre 1904 wurde die Auszahlung auch beschlossen, aber sistiert. Der Zusammenbruch der Genossenschaft erfolgte. Der Plagwitzer Konsumverein griff teilloeise helfend söhne Uebernahme des Fleifcherei- betriebs) ein. Die Gläubiger erhielten 50 Proz. In der Minderung des Betriebskapitals usw. erblickte die Anklage strafbare Untreue. Der betrügliche Bankrott, der dem Angeklagten zur Last gelegt wurde, lag nach der Anklage in folgendem: Die Bilanz- Verschleierung hatte den Zweck, einen bilanzmäßigen Gewinn heraus- zurechnen. Das wirkte aber nur für einen bestimmten Zeitpunkt. Die Bilanz ist aber ein Teil der Buchführung. Es waren daher auch die Bücher der Genossenschaft unrichtig geführt worden, so daß, als dieselbe liquidieren und ihre Gläubiger mit 60 Proz. abfinden mußte, ein Ueberblick über die Bermögensverhält- nisse des Konsumvereins nicht zu erlangen war. Eine weitere Anschuldigung der U r k u n d e n f ä sch u n g(durch Rasuren in den Büchern ufw.) hatte die Staatsanwaltschaft selbst im Vorverfahren als hinfällig erachtet. Im Geschäftsbericht.für 1901/02, der mit einem Gewinn von 97 026,38 M. bei einem Umsatz von 1493167,23 M., wovon 634839,16 Mark aus F l e i s ch w a r e n. abschließt, wird ausdrücklich hervorgehoben, daß die Fleischerei im steigenden Maße sich die Gunst der Mitglieder erworben hat und erklärt, daß die Einnahmen aus dem Kolonial- und Schnittwarengeschäft hätten höher sein können. Das Warenkonto bezifferte sich auf 268 113,69 M., das Areal in der Frohburgerstraße war auf 176 000 M. erhöht worden. Im folgenden Jahre wurde ein Reingewinn von 114 226,62 M. erzielt, der Umsatz betrug im allgemeinen 1 883 833,73 M., bei de r Fleischerei 1 086 296.44 Mark, das Warenkonto hatte sich auf 313 143,27 M. erhöht. Im Geschäftsbericht vom Jahre 1903/04, der bei einem Umsatz von 2 458 701,10 M., davon 1 674 916,62 Mark für Fleischwaren, einen angeblichen Gewinn von 116 321,30 Mark berechnet, heißt es bezüglich der Fleischerei, daß sie den Haupt- anieil an dem erzielten Mehrumsatz trage, daß sie aber trotzdem nicht den gehegten Erwartungen entsprochen habe. Zur Steigerung des Warenbestandes um 40 448,07 M. gegen das Vorjahr habe die Fleischerei ebenfalls bei- getragen, der Warenbestand sei aber prozentual niedriger als iin Vorjahre. In der vom Aussichtsrat unterm 12. November auf- gestellten Bilanz ist der Warenbestand um über 100 000 M. geringer, , a K 4 CTP �9 � � e\ S._.___ 1 und zwar auf| erzielte Gewinn worden. 272 936,64 M. angegeben, mit 8314.63 M.(statt und der im Betriebsjahre 116 321,30 M.) beziffert Diese Angaben der Geschäftsberichte, insbesondere die den Fleischereibcttieb angehenden, entsprechen nicht der Wahrheit. lieber da? Gesckiäftsgebaren sei im einzelnen hervorgehoben Der Kleiderhändler Sally Baden war der Genostenschaft 7898 M. schuldig. Er geriet in Konkurs. Höchstens 30—40 Proz. tonnten aus der Mäste entfallen. Trotzdem wurde die Forderung gegen ihn in voller Höhe gebucht. Die Warenposten der Flcischereibesiäude sind um viele Tausende— ein Sachverständiger( stricht von rund 100 000 M.— zu hoch gebucht. Be. der Jnventuraufnahnie wurde nur geschätzt, und zwar höchst willkürlich und der Wahrhett wider- sprechend. Ende des Geschäftsjahres 1904 war im Fleischereibetriebe ein Defizit von 136 000 M. vorhanden, es wurde durch Ein stellung eines Wertes von 138 000 M. Warenvorräte verdeckt. Beim Aufsichtsrat wurden lebhafte Bedenken gegen die Richtigkeit der letzten Jnventurausstellung rege. Das Drängen auf volle Auf- klärung führte dann zur Entdeckung deS Vorgefallenen. Der Auf- sichtSrat konnte um so beruhigter sein, als ein Sachverständiger (Westphal) zx dein Aufsichtsratsvorsitzenden geäußert hatte:„Wenn überall die Buchführung so ordentlich ist. wie'bei Euch, dann hat es keine Not." Tatsächlich war die Buckführung, wie ein Sachvev ständiger sich ausdrückte, außerordentlich laienhaft und zugleich kindisch raffiniert. Die bei der Buchfiihrung und Inventaraufnahme mitbeteiligten. ehemaligen Genost ens chaftSangestellten blieben wegen Verdachts der N Mittäterschaft unbeeidigt. Die Hann burger GroßeinkaufSgcsellschast hatte über 100 000 Mark kredittert. Die Verhandlung erwies schlagend, daß Bock, wenngleich in der Annahme, der Genossenschaft zu nützen, die peinlichste Offenheit außer acht gelassen hat, die für jedes kaufmännische Geschäft durch- aus notwendig ist. Erst täuschte er sich selbst in der Annahme der Prosperität deS Fleischereibetriebes. Diese Täuschung wollte er sich und später der Genossenschaft nicht eingestehen. Er hoffte immer auf Besserung. Dieser Mangel an rücksichtS losester Offenheit sich und den Genossen gegenüber war sein erster Fehler. Dieser Fehler wurde ihm zum Verhängnis und gebar Nachfolger. Trotz des tief bedauerlichen Zusammenbruchs der Genossenschaft ist es erfreulich, daß die Verhandlung erwiesen hat, daß gewinnsüchtige Motive bei Bock nicht obwalteten. Der Prozeß niag unsere Genossen in Konsumvereinen von neuem veran- lasten. Dividendenjägerei und Selbsttäuschungen innerhalb der Ge- noffenschast entgegenzutteten. partei-�ngdegenkeiteii. Sozialdemokratischer Zentral- Wahlverein für Telto«- Bceskow- Storkow-Cliarlottenburg. Sonntag, den 10. Dezember 1906, nach- mittags 3 Uhr, im Volkshause, Charlottenburg, Rostnenstraße 3: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht der Funkttonäre. 3. Wahl des Vorstandes und der Funktionäre. 4. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung Groß-Berlin. 6. Statutenberatung und Anttäge. 6. Verschiedenes., Laut Statut ist jeder Wahlverein berechttgt, drei Delegierte zu entsenden. Die Delegierten müssen mit Mandat versehen sein. Parteigenossen haben als Gäste Zutritt. Der Borstand. I. A.: W. Eberhardt. Tempelhof-Mariendorf. Am Mittwoch, den 13. d. M., findet im Wilhelmsgarten zu Tempelhof, Berlinerstr. 9, eine Volksversammlung statt, in der Genosse Fritz Z u b e i l über:„Die Revolution in Rußland und die Wahlrechtskampfe in Oesterreich und Deutschland" Vortrag halten wird. Alle Arbeiter, solvie alle diejenigen, welche Verständnis für die geschichtliche Bedeutung dieser Kämpfe haben, sind herzlichst ein- geladen. Weißensee. Am Mittwoch, den 13. Dezember er., findet statt der Zahlabende in den Abteilungslokalen eine Vereinsversammlung im Prälaten, Lehderstr. 122, mit folgender Tagesordnung statt. 1. Vor- trag über Politik und Gewerkichaft. 2. Diskussion. 3. Wahl von Delegierten zur Generalversammlung für Groß-Berlin. 4. Vereins- anaclegenheiten. Der Kasfierer sowie Abteilimgsführer find zur Annahme von Beiträgen anwesend. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Der Vorstand. Britz. Dienstag, den 12. Dezember, abends 8'/2 Uhr, Mitgliederversammlung des Wahlvereins in der„Rojensee-Teraste", Chaussee- straße 60/70. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Bericht von der Generalversammlung des Zentral-Wablvereins. 4. Ab- rechnung vom Herbstfest. 6. Vereinsangelegenheiten.— Frauen haben Zutritt. Pünktliches Erscheinen aller Mitglieder erwartet Der Vorstand. Tegel. Am Dienstag, den 12. d. M., abends S1/« Uhr, findet bei Robert Schmidt. Schlieperstt. 64, eine außerordentliche Generalversammlung deS sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Kreiskonferenz. 2. Wahl von Delegierten zur Generalversammlung deS Wahlverbandes Groß- Berlin. 3. Reuwahl des Vorstandes. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung wird um zahlreichen und pünktlichen Besuch gebeten. Mitgliedsbuch legituniert. Der Vorstand. Schmargendorf, Am Dienstag, den 12. Dezember, abends 8V, Uhr, findet im Restaurant„Wirtshaus Schmargendorf"' Warne- münderstr. 6, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt, zu welcher jeder Genosse pünktlich zu erscheinen hat. Der Borstand. Treptow. Die Bezirksversammlung findet am Mittwoch bei Mehlau, Kiesholzstr. 35, statt. Die Genoffen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. AdlcrShof. Achtung,„Vorwärts"-Leser! Vom Dienstag, den 12. d. Mts., ab, wird die ZeitungsauSgabe bei Meißner des Morgens nach den 7 Uhr-Zügen geschloffen. Abonnenten, welche sich verspätet und ihre Zeitung biS dahin nicht abgeholt haben, erhalten dieselben beim Genossen Tost im Zigarrengeschäft, Bismarckstr. 10. Ober Schönewcide. Am Mittwoch, den 13. Dezember, abends 3Vz Uhr, findet für die Mitglieder des hiesigen Wahlvcreins Zahl- abend in folgenden Lokalen statt: 1. und 2. Bezirk bei Sipli, Siemensstr. 23. 3. und 4. Bezirk bei E. Kaufhold, Wilhelminenhof straße 18. 6. Bezirk bei K. Schulte, Wilhelminenhofstr. 43. 6. und 7. Bezirk bei Voß, Wilhelminenhofstr. 64. Zahlreiche Beteiligung er- wartet Der Vorstand. Wilhelmsruh. Dienstag, den 12. Dezember, abends 8l/3 Uhr: Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Baader(früher Lieber- mann). Tagesordmmg: 1. Bericht von der Kreiskonferonz und die Neuorganisalion. 2. Dislussion. 3. Wahl einer Zeitimgskommission. 4. Vereinsangelegenheiten. 5. Verschiedenes. Vollzähliges Erscheinen ist Pflicht. Steglitz. Wir machen die Parteigenossen nochmals auf unseren ersten Kunstabend am Montag, den 11. d. Mts., im„Birkenwäldchen" aufmerksam und hoffen auf rege Beteiligung. Gleichzeitig weisen wir darauf hin, daß der Abend pünktlich>/$ Uhr beginnt und daß Kinder unter 6 Jahren nicht zugelassen werden. Das Gebotene wird sicher jeden befriedigen. Der Vorstand. Köpenick. Dienstag, den 12. d. MtS., abends 8 Uhr: Bezirks» Versammlung der Damm-Borstadt im Lokale deS Herrn Golze, Kaiserin Augusta Victoriastr. 16. Die Genossen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Vorort- l�ackricbten. Charlottenburg. Arbeiterrifiko. Ein Unglück, bei dem zwei Arbeiter schwer vcr« letzt wurden, hat sich gestern nachmittag gegen 6 Uhr auf dem Neu- bau Sybelstr. 7 iu Charlotteuburg zugetragen. Bei gemeinsamem Transport von Baumaterialien stürzten die Arbeiter Karl Scholz. Krummestr. 18, und Josef Slozil, Wilmersdorferstr. 27 wohnhaft, von der ersten Etage in die Tiefe hinab. Sch. erlitt mehrere Rippenbrüche, während dem Sl. der Brustkasten stark gequetscht wurde. Nachdem die beiden Verunglückten in der RetttmgSivache die erste Hülfe erhalten, erfolgte ihre Ueberführung nach dem Kranken- Hause in Westend. _ Großes Unheil wurde gestern nachmittag durch ein schengewordeneS Gespann in Charlottcnburg angerichtet. In der Berlinerstraße in der Nähe des Rathauses war daS Pferd mit einem Fuhrwerk deS Warenhauses für deutsche Beamte plötzlich durchgegangen und davon- gerast. Bor dem Hause Berlinerstr. 88 wurde das Gefährt gegen die Bordschwelle geschleudert und stürzte um. Der Kutscher Bernhard, Boyenstr. 33, und der Hausdiener Ronominski, Schiffbauerdamui 33 wohnhaft, wurden durch den Anprall auf das Straßenpflaster hinab- geschleudert. B. ttug dabei Verletzungen an der linken Hand davon und R., dem anscheinend beide Beine gebrochen waren, mußte nach dem Krankenhause Westend gebracht werden. Freie Volksbühne Charlottenburg. Wie bereits mitgeteilt, findet Sonntag, den 17. Dezember er., abends Uhr. ini Volkshause. Rosinenstraße 3. ein F r i tz R e u t e r- A b e n d mit iiachfolgendem geselligen Beisammensein statt. Entree 30 Pf. Gäste haben Zn- tritt. Da EinirittSkarten nur in beschränkter Zahl zur Ausgabe ge- langen und schon jetzt die Nachfrage eine außerordentlich rege'ist, wird gebeten, sich möglichst bald mit Karten zu versehen, welche in den Zahlstellen des Vereins zu haben sind. Das Programm ist ge» wählt und reichhaltig und verspricht einen gemitzreichcii Abend. Schöneberg. Die ordentliche Generalversammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins Schöneberg tagte am 28. November und wurde fort» gesetzt am 6. Dezeniber im Obstschen Lokal. Der erste Punkt der Tagesordnung ergab an Stelle deS ans dem Vorstand scheidenden Genossen Marx die Wahl des Genossen Kubik zum Schriftführer. Der Gesamtvorstand des abgelaufenen Geschäftsjahres bleibt bis zur Reuorganisation im Januar im Amte.— Den Jahresbericht des Vorstandes gab der Borsitzende Genosse Wollerniann. Der Mit- gliederbestand hob sich im Geschäftsjahre von 1287 auf 1643. Die JahreSeinnahmen betrugen 6382,61 M., die Ausgaben 6909,87 Mk.. mithin ergibt sich ein Bestand von 472,74 M.' An den Kreis wurden abgeführt 4690,37 M. Abgehalten wurden 12 Vercinsvcrsamm- lungen(davon 4 Generalversammlungen), 3 öffentliche Bersamm» lungen, 20 erweiterte und 6 engere Vorstandssitzungen. Ferner fanden statt 7 Flugblattverbreitungen und 2 Agitationstourcn. Die EntWickelung in den Bezirken ist zufriedenstellend. Eingenommen wurden in den BezirkSsitznngen 3023 M.; aufgenommen in den- selben 351 Genossen. Die diesjährigen Stadtverordnetentvahle» brachten uns die Siege in 4 von den 6 zur Wahl gestandcncn Bc- zirken; ungültig erklärt ist inzwischen schon unser im 3. Bezirk errungenes Mandat. Nachwahlen stehen uns bevor im 6. und 8., wahrscheinlich auch im 2. Bezirk. Der Abonnentcnstand des„Vor- wärts" hat sich gehoben um 296, nämlich auf 2382. Für den Kreis fanden statt 2 Generalversammlungen und 4 kombinierte Sitzungen. Den Kassenbericht erstattete sodann der Kassierer Genosse Leh- mann. Derselbe ergibt bei einer Einnahme von 2269 M. und einer Ausgabe von 1796,26 M. den Bestand von 472,74 M.; an den Kreis abgeführt wurden 1663,64 M. Hieran schloß sich der Bericht der Delegierten von der Kreis-Generalversammlung, erstattet von den Genoffen Kister und Härtung. Die Diskussion hierüber, die aus. schließlich eine Auseinandersetzung in Sachen des„Vorwärts". Konfliktes abgab, gestaltete sich äußerst lebhaft. Zur Debatte standen drei Resolutionen. Die erste, vom 9. Bezirk eingebracht, stellt sich dem Sinne nach auf die Seite des Parteioorstandes und ist mit der auf der Kreis- Generalversammlung angenommenen Resolution Südekum-Zubeil nicht einverstanden und wird vom Genossen Schenk in eingehender Weise begründet. Genosse Schenk gibt eine Darlegung der Angelegenheit, um schließlich auch auf die Beeinflussungsversuche von GcwerkschaftS. blättern zu sprechen zu kommen. Eine Anzahl dieser Blätter habe sich von dem„Corrcspondcnzblatt" benutzen lassen, insbesondere ver. urteilt er auch die Haltung des„Courier", Organ für Handels- und Transportarbeiter. Als zweiter Redner begründete Genosse Marx die zweite von ihm mit den Genossen Fischer, Küter, Fritsch und Becker eingebrachte Resolution. Dieselbe vertritt die Ansicht, daß in dem Konflikt aus beiden Seiten Fehler gemacht worden seien. Der Partcivorstand hätte unter allen Umständen die Redaktion hinzuziehen und hören müssen; andererseits wäre es nicht zu billigen, daß die 6 Rcoakteu-g ORi lyttr Bingereichken KünSkgvng im„Vorwärts- ragender Stelle Mitteilung machten. Genosse Marx Resolution 2; dieselbe lasse Leiden Teilen Gerechtigkeit widerfahren Genosse E d. Bernstein, der die dritte von ihm eingebrachte Resolution begründete, wandte sich entschieden dagegen, daß nach Jena irgend etwas vorgelegen habe, was zum Vorgehen der Funktionäre hätte Anlaß geben können. Meine Resolution, sagt Bernstein, soll kein Mißtrauensvotum gegen den Parteivorstand sein; sie erklärt sich nur für alle Fälle im Prinzip gegen das vom Parteivorstand eingeschlagene Verfahren.— Nach erregter Geschäftsordnungs-Debatte wird Vertagung beschlossen und ein Antrag angenommen, zur nächsten Versammlung Genossen Z u b e i l einzuladen. In der Versammlung am 6. Dezember war Genosse Z u b e i l zugegen. Eine große Zahl von Rednern beteiligte sich an der Diskussion. Genosse G i e b l e r tritt fiir die Resolution 1 ein und schließt sich den Ausführungen des Genossen Schenk an. Genosse F r i t s ch wendet sich gegen Giebler, der eine einseitige Darstellung der An- gelegenheit gegeben habe. Die Berliner seien dank der jetzigen Redaktion über die Sache einseitiger informiert wie die Genossen in der Provinz. Die Stellung der Generalkommission sei eine Not- wendigkeit gewesen. Die Denkschrift des Parteivorstandes enthalte Stellen, die der Gewerkschaftsbewegung Knüppel zwischen die Beine werfe,. Als Redner den Artikel aus dem„Correspondenzblatt" ver- lesen will, wird er stürmisch unterbrochen und mutz von seinem Vorhaben Abstand nehmen. Die sofortige Entlassung der Sechs hätte auch der Partei große Kosten verursacht. Genosse Gabriel verurteilt das Vorgehen der Funktionäre; man hätte in die Wahl- vereinSverfammlungen gehen und die Mitglieder beschließen lassen sollen. Genosse Wollermann geht ein auf den Bericht von der Zehlendorfer Versammlung, der seine dortigen Ausführungen unrichtig wiedergibt. Es sei ihm bei seiner Befürwortung der Re- solution Fuchs in Zehlendorf nicht eingefallen, dieselbe als ein Mißtrauensvotum gegen Genoffen Zubeil zu bezeichnen. Genosse Fischer spricht int Sinne der von ihm unterzeichneten Resolution und verurteilt das Vorgehen der Funktionäre. Die Redakteure hätten den Sitzungen, in denen über ihre Kündigung beraten wurde, beizuwohnen Gelegenheit haben müssen. Genosse Müller unterstützt die Resolution 1 und wendet sich besonders gegen Bern- stein, dem er seine radikale Haltung vor seinem Aufenthalt in England ins Gedächtnis ruft. Genosse Steuermann polemi- siert gegen Fritsch; er weist hin auf das eigenmächtige Vorgehen der Redaktion bei der Veranstaltung der Jaurös- Versammlung. Die Genossen R. Krabe! und Urban sprechen für Resolution 1 und legen gleichfalls die Gründe dar, die das Vorgehen gegen die Redakteure rechtfertigen. Genosse Zubeil legt die Gründe dar, aus denen er dazu kam, mit Südekum die Resolution auf der Kreis-Generalversammlung einzubringen. Er habe nichts dagegen, daß die Genossen nicht seiner Meinung seien, aber er erkenne nicht das Recht an, ihm seiner Stellungnahme in dieser Sache wegen ein Mißtrauensvotum auszu- stellen. Wolle man das, so sollte man noch einen Schritt weiter gehen und die Konsequenzen ziehen. Mit Mißtrauensvoten von den Parteigenossen bepackt gehe er nicht auf Agitation. Gegen Genoffen Wollermann bemerkt Genosse Zubeil, daß er den Bericht von der Zehlendorfer Versammlung für richtig halten müsse, da Wollermann eine Richtigstellung desselben nicht veranlaßt habe. Nachdem noch Genosse P. Krabe! für Resolution 1 gesprochen, wobei er äußerst scharf und in drastischen Ausdrücken gegen Genossen Fritsch polemisiert, wird die Diskussion geschlossen. Nach einigen persönlichen Bemerkungen erfolgt die Abstimmung. Dieselbe ergibt die Annahme der Resolution 1 mit 62 Stimmen. Für Resolution 2 stimmten 54, für Resolution 3(Bernstein) 35 Genossen. Die Resolution 1 lautet: „Die heute am 28. November bei Obst tagende Generalver- sammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins kann sich mit der Haltung der Delegierten auf der Kreis-Generalversammlung, so weit eS die„Vorwärts"-Angelegenheit betrifft, nicht einverstanden erklären. Dagegen spricht die Versammlung dem Parteiborstand und der Preßkommission für ihr Vorgehen vollste Anerkennung aus." Zur Kreis- Generalversammlung am 10. Dezember in Char- lottenburg wurden delegiert die Genossen Lehmann. Küter, Marx. Auf Beschluß fällt die Dezember-Versammlung des Wahlvereins aus. Das vor einigen Tagen erfolgte rätselhafte Verschwinden der Geschwister Schütze aus Schöncberg hat bis zum heutigen Tage eine Aufklärung noch nicht gefunden. Aeußerungen, welche die Frida Sch. Nachbarn gegenüber getan, ist zu entnehmen, daß die Ver- mißten in? Wasser gegangen sind. Die Polizei hat zur Ermittelung des Aufenthaltsortes der Schwestem eine rege Tätigkeit entwickett und sie rechnet mit der Möglichkeit, daß die beiden Verschwundenen ihre Absicht, in den Tod zu gehen, noch nicht zur Ausführung ge- bracht haben. Jugeudschriften-Ausstellung. Auch der Schöneberger Lehrerverein hat eine Ausstellung von Jugendschristen in der Aula, Apostel Paulus- straße 11, veranstaltet, der eine Ausstellung von künstlerischem Wandschmuck angeschlossen ist. Dieselbe ist noch am heutigen Sonntag vvn 10—1 und von 4—7 Uhr geöffnet. Alle Eltern und Freunde der Jugend werden zur Besichtigung freundlichst eingeladen, der Eintritt ist frei. Das Verzeichnis aller ausgestellten Jugendschriften ist von der Schöneberger Buchhandlung(H. Golde), Motzstr. 54, umsonst zu haben. Friedenau. Friedenau hat als erste Borortgemeinde den in Afrika kämpfenden Soldaten eine Weihnochtsgabe in der Höhe von 560 M. zuzuwenden beschlossen. Die Bedenken, ob eine solche Verwendung von Ge- meindemitteln gesetzlich zulässig sei, wurden durch den Hinweis auf die Liebesgaben der Gemeinden in den Kriegsjahren 1870/71 zer- streut. Der Antrag wurde darauf einstimmig genehmigt. Wir wollen einmal sehen, welche Stellung die Friedenauer Gemeindevertreter einnehmen würden, wenn es sich darum handelte, für am Orte Arbeitslose oder aber um ihr Koalitionsrecht oder für bessere Lebensbedingungen kämpfende Arbeiter eine größere Summe aus Gemeindemitteln zu bewilligen. Da würde es anders klingen. Eine nette Bescheerung wurde dieser Tage einem jungen Ehe- paar in der Menzelstraße zu Friedenau zu teil. Während die Ehe- gattin im Wochenbette lag, erschien plötzlich eine tiefverschleierte Dame in der Wohnung, legte dort einen etwa fünf Wochen alten Knaben nieder und verfchwand, ehe sich daS junge Paar von seiner Ueberraschung erholt hatte. Dem Säugling war ein Zettel bei- gelegt, welcher die Aufschrist enthielt, daß das Kind nur mit Hafer- grütze zu ernähren sei. Das Rätsel dieser seltsamen Affaire dürste ivohl ein Geheimnis der Beteiligten bleiben. Der Knabe wurde in ein Waisenhaus eingeliefert. An- Dienstag, den 5. d. M., fand im bisher gesperrten«Hotel Rheinschloß" die erste, stark besuchte Volksversammlung statt. Von den vier erschienenen Referenten nahm Genosse Reichstags-Ab- geordneter Molkenbuhr das Wort zu einem Vortrag über:„Die neue Flottenvorlage". In ausführlicher Weise schilderte Redner die EntWickelung der deutschen Flotte seit den siebziger Jahren. Er wies auf die dadurch entstehende ungeheuere Belastung durch neue Steuern hin, welche hauptsächlich von der arbeitenden Bevölkerung getragen werden müssen und zeigte in überzeugender Weise, daß es dieser Vorlage an hervor-> wie MarmiAmuS, Sie bestimmt find, auf Kosten der kverTOstigen Ve- empfahl die völkerung, lediglich zugunsten der besitzenden Klassen, eine abenteuer- liehe Welt- und Raubpolitik zu unterstützen. Die Versammlung erblickt den Schutz des deutschen Welthandels nur in dem Schutz der deutschen Arbeist in der ausgiebigsten Ver- besserung der wirtschaftlichen und politischen Lage der deutschen Ar- beiter. Die Versammlung fordert einen solchen Schutz der Arbeiter von der Regierimg durch gesetzliche Festlegungen; außerdem aber erachtet sie es auch als eine Pflicht der Arbeiter, durch zahlreichen Anschluß an die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen für eine Besserung der Lage des Proletariats nach Möglichkeit zu wirken. Ober-Schöneweide. Wegen eines schweren Sittlichkeitsverbrechens ist gestern der Schmied N. aus Ober-Schöneweide verhaftet worden. Er wohnte bei einer Arbeiterfamilie B. und hatte, während der Abwesenheit des Ehepaares dessen dreijähriges Töchterchen genotzüchtigt. Der Ver- haftete ist in das Untersuchungsgefängnis in Köpenick eingeliefert worden. Spandau. Die Einführung des Genossen Hornig wurde in der letzten Stadtverordneten- Sitzung zunächst vollzogen. Eine ausgedehnte Debatte zeitigte dann eine Vorlage, nach welcher der Magistrat 2000 Mark forderte für einen einzustellenden Ingenieur zur Be- arbeitung eines Entwurfes für einen Haveldurchstich in den Gödel- wiesen und 3500 Mark zu den Vorarbeiten für die nördliche Güter- bahn und die Bahn Potsdam-Spandau. Es handelt sich hier um ein Millionen-Projekt, zu welchem folgendes bemerkt sei: Vor längerer Zeit hatte die Wasserbauverwaltung die Absicht, in den Gödelwicsen zwischen dem Burgwall und dem alten Havelarm einen Haveldurchstich vorzunehmen. Diese Absicht wurde aber damals dadurch verhindert, daß ein gewitzter Unternehmer, der wohl Kenntnis von der Sache erhalten haben mochte, das ganze in Frage kommende Terrain ankaufte und dann von der Wasserbauverwaltung einen derartig hohen Preis forderte, daß diese von dem ganzen Projekt Abstand nahm. Jetzt hat sich nun die Sachlage insofern geändert, als der Unternehmer gestorben ist und die Erben bo deutend geringere Preise fordern, um das Gelände wieder los zu werden. Die Regierung hat nunmehr der Stadt angetragen, den Durchstich auszuführen, sich selbst aber bereit erklärt, 500 000 Mark zuzuschießen. Ter Magistrat zeigt auch hierfür Geneigtheit und hat den Mitgliedern der städtischen Körperschaften eine Denkschrift über den Haveldurchstich und über die Anlegung einer großen Hafen-Anlage dortselbst sowie über eine Gütcrbahn zugehen lassen. Tie Gesamtaufwendungen für dies Unternehmen würden nach der Denkschrift betragen: Grunderwerb 1405 000 M., Einrichtung der Bauflächen 355 180 M., Hascn-Anlagen 236 542 M., Durchstich 407 000 M.. Verzinsung während des Baues 40 000 M., insgesamt 2 443 722 M. An Grund und Boden muß also die Stadt erwerben 255 791 Quadratmeter zu einem Preise von 1 405 000 M. Es werden davon gebraucht für Haveldurchstich 42 857 Quadratmeter, Verbreiterung des Durchstichs 2387 Quadratmeter, Anlegung von Straßen und Gleisen 29 835 Quadratmeter, Anlegung von Schiffs- liegeplätze 3600 Quadratmeter, in Summa 78 679 Quadratmeter. Es verbleiben der Stadt zur Ausnutzung durch Verkauf, Ver- Pachtung usw. 177 112 Quadratmeter. Nach der Denkschrift kann die Stadt daraus eine Einnahme von 2 168 925 M. erzielen, so daß sie nur noch einen jährlichen Zuschuß von 5542 M. zu leisten hätte. Die Sache wäre soweit ganz schön, wenn alles so klappte, wie in der Denkschrift angegeben. Es wurden aber in der Debatte darüber noch gelinde Zweifel gehegt. Der Berichterstatter dieser Borlage, Stadtverordneter Bau-Jnspektor Bender hielt eine Besprechung über die materielle Seite des Projekts noch nicht für notwendig und stellte den Antrag, zunächst eine gemischte Kommission zu wählen, welche zu prüfen habe, ob die Einstellung eines Ingenieurs eigens für dies Projekt erforderlich sei oder ob es nicht besser wäre, eine zweite verantwortliche Kraft neben dem überlasteten Baurat anzu- stellen, die nicht nur das vorliegende, sondern noch andere schwebende Projekte zu bearbeiten und zu vertreten hätte. Dieser Antrag ge- langte dann auch nach beinahe 2stündiger Debatte zur Annahme. Gelegentlich der Beratung dieser Vorlage nahm auch der Stadt- verordnete Ducksch daS Wort, der früher der sozialdemokratischen Fraktion angehörte, aber infolge seines Ausschlusses aus der Partei aus der Fraktion austreten mußte und von der Parteileitung vergeblich aufgefordert wurde, sein Mandat niederzulegen, da er daS Vertrauen der Partei zu diesem Ehrenamt nicht mehr habe. Stadt- verordneter Ducksch mußte sich von dem bürgerlichen Stadt- verordneten Malermeister Kupke sagen lassen, wenn er spreche, möge er doch hervorheben, daß er nur für sich spreche, denn für seine sozialdemokratischen Wähler spreche er doch wohl nicht, deren Ver- trauen habe er ja verloren. Es könnte nun den Anschein erwecken, als spräche er jetzt im Interesse der bürgerlichen Wähler und da- gegen müsse er(Kupke) doch Verwahrung einlegen. Stadt- verordneter Ducksch erklärte, er' habe das Vertrauen seiner Wähler noch nicht verloren. Seinen Ausschluß hätten nur Fünfzig im engeren Kreise beschlossen, während ihn etwa 1200 Personen zum Stadtverordneten gewählt hätten.— In die gemischte Kommission für die Vorberatung zur Verpachtung von Gelände in der Stadt- forst zu Restaurationszwccken wird u. a. auch Genosse Köpnick ge- wählt.— Zur Aufstellung eines Kaiser-Denkmals will der Militär- fiskus der Stadt einen 2800 Quadratmeter großen Platz an der Garnisonkirche belegen, für 1,50 M. pro Quadratmeter verkaufen. Genosse Schmidt gab für die sozialdemokratische Fraktion die Er- klärung ab, daß sie gegen den Ankauf stimmen wurde; diesem Zweck hätte der Fiskus ja das Gelände umsonst abtreten können.— Die Dechargierung mehrerer Rechnungen gab dem Genossen Pieck die Gelegenheit, das Verlangen zu stellen, daß diese Rechnungen nicht immer so spät vorgelegt werden, damit sich die Erledigung der gezogenen Notaten nicht so lange verzögere. Es schloß sich an diese öffentliche Sitzung dann noch eine geheime Beratung. Eine aufregende Szene ereignete sich vorgestern wieder am Uebergang der Lehrter Bah». Ein 15jähriger junger Mann radelte über die Gleise, obwohl die eine Barriere schon zur Hälfte herunter- gelassen war; als er auf der anderen Seite des Bahnkörpers an. kam, war die dortige Barriere schon ganz geschlossen. In seiner Verwirrung wollte er rasch wieder umkehren. In diesem Augen- blick fuhr aber schon eine Rangiermaschine vorbei, die den Unvor» sichtigen um Haaresbreite erfaßt und zermalmt hätte. Die Zeugen des Vorganges waren vor Schreck wie gelähmt. Oranienburg. Achtung, Parteigenossen! Am Montag, den 11. Dezember, findet die Stichwahl statt. Es ist notwendig, daß an diesem Tage jeder Wähler seine Schuldigkeit tut und für unseren Kandidaten seine Stimme abgibt. Außerdem aber muß die kurze Zeit noch ausgenutzt werden zu intensiver Agitation für unsere Sache. Alle Lässigen müssen ausgerüttelt werden; sage niemand, auf meine Stimme kommt es nicht an. Wenn wir alles einsetzen, wird auch der Sieg unser sein. Am Sonntag, den 10. Dezember, findet noch eine Versammlung bei Schuhmann, Restaurant Waldhaus, Sandhausen. Sck)ützenstraße, statt, zu welcher ersucht wird, zahlreich zu erscheinen. gegenüber nur heißen kann: Nieder mit der Flostenvorlage I Nach dem mit Beifall aufgenommenen Vortrag wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: «Die am Dienstag, den 5. Dezember, im„Rheinschloß" zu Friedenau tagende Volksversammlung erklärt sich mit den Aus- führungen des Referenten Reichstags-Äbgeordneten Molkenbuhr über die neue Flottcnvorlage völlig einverstanden. Sie protestiert gegen �iese Vorlage ebenso wie gegen das ganze System des Militarismus berliner I�adrnditen. Für den Umtausch der Zeitkarten beim Wechsel des Jahres hat die Große Berliner Straßenbahn folgende Einrichtungen getroffen, auf die sie hinweisen läßt. Im Verwaltungsgebäude am Leipziger Platz werden neue Karten schon jetzt bis zum 20. Dezember sofort ausgestellt. Die Photographie wird auf die neue Karte übertragen, während die alte Karte ohne Bild für den Rest des Monats gilt. Auch wenn man bisher nicht abonniert war, kann man schon jetzt eine Zeilkarte sich dort unter Beibringung einer Photographic aus- stellen lassen. Gegen Vorausbestellung sind Zeitkarten ferner durch sämtliche Bahnhöfe sowie verschiedene Geschäft« gn beziehen, und zwar auf den Bahnhöfen Reinickendorf, Brandenburgstraße, Nieder- Schönhausen, Rixdorf. Tempelhof, Tegel, Ackerstraße, Ofenerstraße, Schönebcrg, Steglitz, Charlottenburg, Wilmersdorf, Kreuzbergftratze, Markusstraße, Schönhauser Alle«, Treptew, Kleine Franksurterstraße, Weißensse, Lichtenberg, sowie bei Jandorf am Halle schcn Tor, Spittclmartt, Große Frankst'.rterstraße und Vrrmnenstraße. Die Karten werden überall von der Stelle, bei der sie bestellt sind, nach Weihnachten ausgegeben. Zu Neujahr kann dazu die erforderlich: Marke gelöst werden. Kosten und Verbindlichkeiten entstehen durch die Vorausbestellung nicht, sie ist aber im Interesse der Inhaber dringend zn empfehlen, da in den Tagen unmittelbar vor und nach Neujahr erfahrungsgemäß ein überaus großer Andrang stattfindet, der in diesem Jahre sich noch steigern dürfte. Polizeiliche Razzia gegen die Rotten. Eine planmäßige Ver- tilgung der Ratten wird von der Polizeidircktion Tharlottenburg in diesem Winter veranlaßt. Die königliche Tiergartenverwaltung, die Direktion des Zoologischen Gartens, sowie noch andere in Bettacht kommende Stellen sind erneut darum ersucht worden, auf eine um- fängliche Vertilgung der Ratten Bedacht zu nehmen. Um aber einen durchgreifenden Erfolg zu erzielen, werden alle Grundstücksbesitzer, auf deren Grundstücke sich jetzt schon Ratten befinden oder später zu erwarten sind, besonders aufgefordert, in der Zeit vom 15. bis zum 23. Dezember und vom 15. bis zum 25. Januar gleichzeittg wirksames Gift auszulegen. Fallen zu stellen, Katzen und Hunde zur Vertilgung der Tiere zu verwenden. Ein großer Teil der Ratten hält sich im Sommer an den Wasserläufen auf. Besonders der Tiergarten und unbebaute Grundstücke dienen zum Unterschlupf. Zu Anfang des Winters und noch mehr beim Eintritt des Frostes ziehen sich die Ratten auf die bebauten Grundstücke zurück, um mit dem Beginn des Frühjahres wieder ins Freie zu wandern. Ei« dreister Einbruchödiebstahl wurde gestern gegen Wend in dem Hause Büschingstratze 14 verübt, woselbst der Möbelhändler Noack, Gollnowstraße 23 wohnhast, einen Lagerkeller besitzt. Gestern Abend in der siebenten Swnde verschafften sich zwei Einbrecher da- durch Zutritt zu dem Lagerkeller, daß sie die Türfüllung aus- schnitten. Durch das Geräusch, das die Diebe verursackiten. wurde auch eine Hausbewohnerin aufmerksam gemacht, welche beobachtete, wie die beiden Spitzbuben einen schweren Nußbaumtisch nach der Straße ttansportierten und auf einen dort stehenden Wagen luden, auf dem sich schon verschiedene andere Gegenstände, unter anderen auch zwei Mattatzen befanden, die sie ebenfalls schon aus dem N.'schen Lager geholt hatten. Als die Ver- brecher auch noch einen Nußbaum-Kleiderschrank die Kellertteppe hinausbeförderten, wurden sie zweifellos von dem Schmieresteher gewarnt, ließen den Schränk auf den Hof stehen und fuhren mit der auf den Wagen befindlichen Beute davon. Während die Diebe das R.'sche Lager.aufräumten", befand sich in der Wohnimg des N. eine Dame, die verschiedene Möbelstücke kaufen wollte und das in der Gollnowstraße befindliche Lager in Augenschein nahm. Ms Herr N. die Käuferin aufforderte, ihm nach dem Haupt- lager zu begleiten, lehnte die Dame dies ab und erklärte sich nun- mehr bereit, ans dem Bestände des Nebenlagers Waren auszusuchen. Es ist wohl kaum daran zu zweifeln, daß die Käuferin mit den Ein- blechern gemeinsame Sache machte und Herrn N. daran zu hindern hatte, das Hauptlager aufzusuchen. Im Straßenbahnverkehr. Zwei tödliche Unglücksfälle haben sich am Freitag zugetragen. Die 66 Jahre alte Witwe Luise Mochert aus der Brunnensttaße 146 war gestern abend zum Einkaufen ausgegangen und als sie auf dem Heimwege die Treppe hinaufging, stürzte fie infolge emeS Fehltrittes plötzlich hinab. Die Greifin hatte einen schweren Schädelbruch erlitten und starb bald an den Folgen.— Der obdachlose Schlosser August Waldhahn glitt beim Passieren der Sttaße aus. schlug mit dem Kopf auf einen Pflasterstein und wurde mit gebrochenem Schädel nach einem Krankenhause gebracht. Auf dem Transport dotthin erlag der Verunglückte der schweren Verletzung.— Zwei kleine Knaben find gestern abend auf der Sttaße schwer verunglückt. Der sieben Jahre alte Schüler August Kretschmar aus der Schmidstt. 7» wurde beim Ueberschreiten des FahrdammeS von dem Geschästswagen eines Warenhauses überfahren und schwer verletzt in das Krankenhaus Bethanien eingeliefert.— Bei dem Neubau am Richardplatz 1 ver- unglückte der fünfjährige Max Hesse, Schöneweiderstt. 6 wohnhaft. Während der Kleine cm dem Bau vorüberging, fiel plötzlich ei« Teil deS Zaunes um und begrub daS Kind unter fich. H. hatte einen schweren Oberschenkelbruch»litten und kam mich dem städtischen Krankenhause. Ein» Bagatelle Halver unternahm der 25 Jahre alte Arbeiter Emil H., welcher in der Möbelfabrik von Schindler. Oranienburg»- straße 27, beschäfttgt war. einen Selbstmordversuch. Er wurde beschuldigt, einzelne Möbelteile aus dem Betriebe entlvendet zu haben. Das Erscheinen eines Kriminalbeamten, der zwecks Recherchen estern morgen in dem Bettiebe nachftug, war die Veranlassung. aß H. nach dem Boden flüchtete und sich durch eine Luke vom dritten Stock herabstürzte. Mit schweren inneren Verletzungen und blutübersttömtem Kopfe wurde er durch einen schnell von der königl. Klinik in der Ziegelstraße requirierten Krankenwage« nach der Klinik gebracht. An seinem Auskommen wird gezweifelt. «in Goldwarendiebstahl ist in der gestrigen Nacht in dem Juweliergeschäft von B. in der JoachimSthalerstr. 6 verübt worden. Die Einbrecher stießen mit einem Stemmeisen ein Loch in die große Ladenscheibe, und da diese mit einem starken Drahtgitter gesichert war, waren die Diebe gezwungen, mittels eines Hakens zu.arbeiten". Es gelang ihnen auch, 23 goldene Herrensiegelringe sowie eine goldene Damenremontoiruhr Nr. 80 391 aus dem Schaufenster „herauszuangeln". Der Gesamtwert der Beute bettägt etwa 600 M. Durch das unsinnig schnelle Fahren eines Postwagens ist gestern abend ein Radfahr»»heblich verletzt worden. Der Postwagen fuhr in schnellem Trabe um die Ecke der Artillerie- und Ziegelstraße und fuhr einen vor ihm fahrenden Radfahrer derarttg an, daß der Rad- fahrer stürzte, und zwar so unglücklich, daß er»heblich verletzt und noch der königl. Klinik gebracht werden mußte. Der Führer des Postwagens kümmert« sich nicht im geringsten um das angerichtete Malheur, sondern fuhr im schnellsten Trabe davon. Gerichts-Leitung. Warnung. Der Gerichtsberichterstatter OSkar Thiele schreibt unS: Neuere Vorkommnisse im KriminalgerichtSgebäude gaben mir Veranlassung, die dort verkehrenden Parteien— Angeklagte und Zeugen— wieder einmal dringend aufzufordern, jeden, der sich unter Mißbrauch meines Namens mit der Offerte ihnen näherte, gegen Schweigegeld für die Nicht Veröffentlichung von Gerichtsverhandlimgen zu wirken, unter allen Umständen festnehmen zu lassen. ES handelt sich um Schwindel. wirken, in solchen Fällen ohne jede Ausnahme Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direttion. Rindfleisch I» S4-SS pr. 100 Pflmd, IIa 56-64, lila 50-65, IVa 40-48. Kalbfleisch la 84-88, Na 72-82, lila 54-63, Hammelfleisch la 63-73, Na 48—58. Schweinefleisch 67—74. Rotwild Psimd 40-53 Ps. Hasen Stück 2,50-3,65, klein 1.50-2.00. Kaninchen Stück 0,80— IM Hühner pro Stück, alte t.30— l, 85, flnige la 5,80-1,20. do, IIa 0,00—0,00. Tauben, junae 0,55—0.65, alte 0,40— 0,45. Enten iunae 2,00—2,50. Gänse pro Stück, la 3,50—3,80, IIa 0,00—0,00, t"o Psd. la 0 58- 0,63. IIa 0,50-0,56. Schellfische 16-23 M„ Flunder 19,00 VI. pro 100 Bfl. Hechte 83-91 M., Schleie, imsorttert 105 M. Aale, groß 0.00, mittel 0,00, Nein 0,00, Plötzen 11 M., Karpfen uns. 00,00 M, Lachs 0,00. Schottische Vollheringe(gesalzent 40—44 M Eier, Schock 5,00. Butler pro 100 Psund la 124—126, Ila 118-124, lila 115-118, abfallende 95—110. Karle sseln pr. 100 Psd. rote 2,00—2,20, Rosen 0,00—000, blaue 0,00—0,00, runde weijze 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock 4,00-8.00. Weijflohl 6,00-8.00, Rotkohl 4,00-3,00, Holl. 12-16 M. Saure Gurken, Schock 2,00 M. ItmUaertliätt Aedakteur; Hans Web«, Beriul. Für im kstleratentcjl verumw.: TK. Glicke, Berlin.(Lrud u. Verlag: Vorwärts eüzdruckttei u. Berlagsaustatt Jaul Singer& Co.. Berlin SMi 280. 22. Jahrgang. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Santos, 10. Besember 1905. Vorort- Nachrichten. Bolkszählungsergebnisse aus ben Berliner Vororten. Vorort- Ausgabe. die die Regierung eventuell stellen könnte, aber noch nicht gestellt| Aufforderung an die Genossen, in Rücksicht auf die im Frühjahr hat, schon im Voraus annahm. stattfindenden Neuwahlen der Gemeindevertreter schon jetzt die Als Grund für dieses Verfahren, bas wohl einzig dastehen Arbeiterschaft für diefelben zu interessieren, damit wir gute Erfolge dürfte, wurde geltend gemacht, daß am 1. April 1906 die Einrichtung erzielen. Nach einer längeren Diskussion, in welcher die Ausder Schule beendet sein müsse! Doch nicht etwa des Umzugsführungen Gruhls vom Genossen Wagner noch ergänzt wurden, termins wegen? nahm die Versammlung eine Resolution an, in der sie sich mit der Tätigkeit der sozialdemokratischen Gemeindevertreter einverstanden erklärt und für den Maurer Sims die Gewährung von Rechtsschuß beim Vorstande des Zentralwahlvereins beantragt. Ferner spricht die Versammlung ihre Entrüstung aus über die Aeußerung des Gemeindevorstehers in der vorlegten Gemeindeversozialdemokratischen GemeindeAls ein Mißstand muß es bezeichnet werden, daß am Bahnhof tretung, daß die jebigen Baumschulentweg der Fahrdhmm bei der Ueberführung der Bahn, vertreter unwürdig wären, diefes Amt auszuüben, weil sie Beschlüffe speziell bei naiſem Wetter, sich in einem solch schmugigen Zustand aus der nichtöffentlichen Sihung veröffentlicht hatten. Nach Gre befindet, daß das Publikum buchstäblich durchwaten muß, um zum ledigung dieses Punktes wurden die Genossen Gomoll, Gruhl und Bahnsteig zu gelangen. Wir sind der Meinung, daß troß des Bahn- Rottstock als Delegierte zu der am 10. Dezember stattfindenden baues bei einigermaßen gutem Willen hier Abhilfe geschaffen werden Generalversammlung des Zentralwahlvereins und die Genossen kann. Der starke Verkehr sollte doch wirklich berücksichtigt werden. Dummernig, Hoffmann, Heidenreich und Krohnberg als Vertreter Aus demselben Grunde müßte auch die Fertigstellung des zu der Generalversammlung von Groß- Berlin gewählt. Nachjetzigen Nixdorfer Geleises beschleunigt werden, damit das Publikum dem noch einige interne Angelegenheiten geregelt waren, wurde die durch den Schrankenschluß nicht immer aufgehalten wird und dadurch zahlreich besuchte Versammlung geschlossen. Zur Aufnahme hatten den Bug vielfach verfäumt. Die gesamte Einwohnerschaft führt sich 11 Genossen gemeldet. hierüber Beschwerde und ist es wirklich Zeit, daß diese Zustände befeitigt werden. Den prozentual bedeutendsten Zuwachs, nämlich 140 Broz, hat Dber Schöne weide aufzuweisen, woselbst eine Bevölkerungsgiffer von 14 106 gegen 5857 im Jahre 1900 festgestebt wurde. Ja, die Wohnungen, die Wohnungen. Nun kommen die Mieter Dann folgt mit 108 Proz. die Gemeinde Wilmersdorf. Die in Haufen und unsere Volksschullehrer werden sich zufrieden Bevölkerungsziffer beträgt 63 475( 1900 30 671). Wilmersdorf ist geben. Zu etwas sind die Vorschulklassen also doch gut! somit das größte Dorf Deutschlands. Eine bedeutende Entwicklung hot auch antwit aufzuweisen, woselbst 7172 Gintvohner ermittelt Treptow- Baumschulentweg. wurden( 1900: 4212). Die genaue Feststellung für Köpenick hat eine Bewohnerzahl von 27 724 ergeben( 1900: 20 925). In Französisch Buchholz wurden gezählt 4075 Bewohner gegen 3156 im Jahre 1900. In Friedrichshagen wurden ermittelt 18 203 Ginwohner gegen 11 174 im Jahre 1900. Gutsbezirk Segefeld einschließlich Finkenkrug Bevölkerungszunahme 600 Proz. Die Einwohner zahl beträgt 915 gegen 153 vor 5 Jahren. Tegel. Es wurde ermittelt 12 180 ortsanwesende Bevölkerung, 1900 betrug die Bevölkerungszahl 6799. Marzahn. Die Einwohnerzahl hat sich von 684 im Jahre 1900 nur um 23, auf 707 im Jahre 1905 er höht. Treptow hat eine Bevölkerungszahl von 11310 auf zuweisen und zwar 5920 männliche und 5390 weibliche Personen. 1900 hatte Treptow nur 5858 Einwohner, die Zunahme beträgt so mit 104 Proz. Heinersdorf bei Pantow. Die Einwohnerzahl ist in den letzten fünf Jahren nur unerheblich, von 760 auf 829, gestiegen. Lichtenberg. " Nowawes. Steglit. ErEine stürmische Sigung hatte gestern unsere Gemeindevertretung. Aus Anlaß der Bekanntgabe des Resultats einer amtlichen Erhebung über die Mietspreise von Dreizimmer- Wohnungen gerieten sich die Der Sozialdemokratische Wahlverein hielt am Mittwoch in Hausbefizer und Mietervereinler wieber in die Haare, erftere Schmidts Restaurant seine regelmäßige Mitgliederversammlung fetundiert von dem Kommunalverein. Herrn Weinhausen( Mieterab. In derselben brachte der Vorsitzende Genosse Gomoll zur Vorschulklassen für das zu errichtende Realgymnasium zu schaffen, Kenntnis, daß die Bezirke neu eingeteilt seien. Im bie Agitation berein) wurde abermals der Vorwurf gemacht, daß er in seiner hätte sich eine„ liberale" Gemeindevertretung nicht leisten sollen. in Klein- Glienice intensiver zu betreiben, sei der Genosse Dienst privaten Statistik mit unrichtigen Zahlen operiert habe, und man Diese Ansicht der hiesigen Lehrerschaft die merkwürdigerweise dortselbst zum Bezirkskassierer ernannt worden. berief sich zum Beweise dessen auf einen anderen Vertreter des unsere bürgerlichen Elemente in der Gemeindevertretung für" liberal" werden ersucht, einer Aufforderung der Bezirksführer zu Agita am Viertische drei Herren der Mehrheitspartei gegenüber nicht nur Die Genossen Mietervereins, Herrn Buchdruckereibefizer Scheufelein, welcher halten wird den führenden Geistern" der ersten und zweiten tionstouren usw. stets zahlreich Folge zu leisten. An Stelle des die Preise über die Wohnungen in seinem eigenen Hause als falfch, fammenkünften der Auftraggeber diefer Gemeindevertreter" fort über fommunale Angelegenheiten. Er bedauerte eingangs feiner umpig und Schwindel bezeichnet babe. Herr Scheufelein spielte Wählerklasse durch die Vertreter unserer Volksschullehrer in den zu verhinderten Genossen Zubeil hielt Genosse Gruhl einen Vortrag die Preise über die Wohnungen in seinem eigenen Hause als falfch, sondern die gesamte Statistit seines Freundes" Weinhausen als fondern die gesamte Statistit feines Freundes" Weinbaufen als gesetzt in der ganzen Affäre keine Heldenrolle. In der vorigen Sitzung gefeht unter die Rafe gerieben. Nun gilt es diese Mahner" zu Ausführungen, daß es hier im Orte verschiedene Parteigenossen Mumpig und Schwindel bezeichnet habe. Herr Scheufelein spielte beschwichtigen, und da werden Erklärungen abgegeben, die nur den gäbe, die die Tätigkeit der sozialdemokratischen Gemeindevertreter in der ganzen Affäre keine Heldenrolle. In der vorigen Sitzung einen Fehler haben, daß sie mit der Wahrheit auf recht gespanntem am Biertisch usw. kritisierten, ohne von dem wirklichen Sachverhalt wählte er trotz der deutlichsten Anspielungen das beffere Teil der Fuße stehen. Die Herren berufen sich nämlich auf die Bustimmung Kenntnis zu haben, da sie in den Parteiversammlungen fait stets Tapferkeit und schwieg. Gestern bestritt er die ihm zugeschriebenen der sozialdemokratischen Vertreter. Es haben aber bei Beratung der durch Abwesenheit glänzten und auch sonst keinen Aufschluß über Aeußerungen, allerdings ohne Erfolg, denn seine drei Gegner er in Frage kommenden Vorlage sechs Sozialdemokraten, also die Gemeindeangelegenheiten an kompetenter Stelle einholten. Ins flärten sich bereit, ihre Behauptungen bor jeder gewünschten Stelle gefamten Vertreter der dritten Wählerklasse( ein Mandat ist besondere sei es der Fall Schröder, worüber genannte Mitglieder zu bestätigen. Das alles wird indessen die feindlichen Brüder vakant, ein Vertreter ertranft) gegen die Vorlage votiert. ihre Meinung dahin ausließen, daß in dieser Sache von unseren nicht abhalten, bei den Gemeindewahlen im März nächsten Jahres Die Sozialdemokraten haben durch ihre Redner Welt und Grauer Gemeindeverordneten schärfer hätte vorgegangen werden müssen. Arm in Arm die Sozialdemokratie zu bekämpfen. erklären lassen, daß fie prinzipiell im Sinne ihrer Wähler alle Redner legte den Gang der Sache dar und betonte, daß kein Mensch der Etatskommission, den Unterbeamten und Gemeindearbeitern eine Bildungsbestrebungen unterstügen werden. Im vorliegenden Falle von der Sache erfahren hätte, trotzdem auch bürgerliche Gemeinde- euerungszulage von 75 refp. 50 M. zu gewähren, wurde beantragten sie die Einsegung einer gemischten Kommission und be vertreter davon Kenntnis hatten, wenn nicht unsere Genossen die nach längerer Diskussion in die Etatskommiffion zu erneuter Be gründeten dieses Verlangen unter anderm auch mit dem Hinweis, Angelegenheit im Ortsparlament aufgedeckt hätten; die Folge davon ratung und selbständiger Beschlußfassung zurildverwiesen, weil sich daß die Vertreter der dritten Wählerklasse von den vorbereitenden fei übrigens, daß der Bauunternehmer Schröder den Maurer Sims die Versammlung über den Verteilungsmodus und die Grenze der Arbeiten zu dieser Vorlage wie überhaupt von den Schul berklagt habe, welcher die Sache zuerst in die Oeffentlichkeit gebracht zu Berücksichtigenden nicht einigen konnte. Der Antrag der EtatsDa die Wünsche im Blenum fommissionen ausgeschlossen feien. Die Majorität lehnte aber das haben soll. Nachdem sich Redner noch über mehrere andere Fragen, fommission hätte 6860 M. erfordert. Verlangen rundweg ab, ebenso einen von derselben Seite gestellten bie in den letzten Sizungen der Gemeindevertretung verhandelt weitergingen, wurde der Kommission ein Kredit von 15 000 M. Vertagungsantrag, und so blieb den Vertretern der britten Wähler- worden sind, verbreitet und die Stellung, die die sozialdemokrati bewilligt. flaffe teine andere Wahl, als gegen die Vorlage zu stimmen. Die schen Vertreter dazu eingenommen haben, erläutert hatte, schloß er Majorität hatte es mit der Annahme so eilig, daß sie Bedingungen, seinen interessanten mit Beifall aufgenommenen Vortrag mit der Die Insertionsgebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 20 Pfennig. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends geöffnet. 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