Mr. 290. RbonnrmnitS'Bedlngimgtn: ■tennrmrnt*• Vrei» pränumerando; Btntetiadrl ISO MI, numatl. 1,10 MI, wöchentlich 28«fg.(cd w» Hau». Ewzeln« Hummer I Vsg. EonntagS» nummer mll tllustrt erler GonnlagS» Serlage.Die Neue«eil» 10 Psg. Post. gwonnemerU: 1.10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Eosl-Zeltungs- Preigliste. Unter Kreuzband für Drullchlan» und Oesterreich> Ungarn » Marl, für da» übrige«utland I Marl pro Monat. 22. Jahrg. «Mit a«tt»»Bu Dgntia*. Verlinev Volksblskk. Zcntralorgan der rozialdcmokratifchcn Partei Deutfcblands. Bit Tnftrtlons'Gtbfllir betrügt für die sechSgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Saum 40 Psg, für politische und gewerlschaflliche BereinS- und PerfammIungb.Unjeigen 25 Pfg. „Kleine JJneeigen", da« erste isetl- gedruckte) Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Psg, Worte über IS Buchstaben zihlen sür zwei Worte, Jiiscrate für die nüchste Nummer müssen big S Uhr nachmittags in der»ipedttion abgegeben werden. Die Ezpedttion ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Eonn- und Eesttagen bi» 8 Uhr bormUtag» geOssiiet Xetegramm-Abrefi«! „SMlaWimoltrai Pkrihi". Rcdahtion: SM. 68, Lindcnotraasc 69. ffernwre»e>:«ml IV. Nr. I9«a. Expedition: 8M. 68, Lindenatraea« 69« stlernsvreitirr:«ml IV. Nr. I9S4. Quittung. Im Monat November gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Altenburg, WahllrciS Sachfen-Mtenbura durch M. Sp. VW,—. Mt-Cosel i. Oberschl, v, Parteig. 7,—. Berlin, Beiträge der Wahl- kr.ise: 4. Kreis(Südost) 1000,—(darunter Tischlerei von Wolf, Waldemarstr. 27 20,—, Wahlvereinsbeiträge durch Hackelbusch 1,—. amerik. Auktion einer Mütze durch Schley 1,70, Sparverein Kottbuser Kietz 10,—). 4. Kreis(Ost) 2000,—(darunter Werkstatt Daum u. Kutschkau, Cadinerstr. 18 4,50, Abt. 59 der Siemens- Schuckert- Serke, Franklin 8,96). 6. Kreis 4000,—(darunter Putzerkolonne Bau Berlinerstrahe, Wilmersdorf 5,—, 7 Ueberstunden Werkstatt Schulenburg 4,55, Kranziibersch, Bezirk 639 4,80, freiwillige Samni- lung Bezirk 640 8,25, GeburtstagSf. b, Frau Agthen, Pflugstr, 5 4,50, A. SB. Mister 1,—, von der Möbeltischlerei Gebr. Gcihler. Brunnen- strahe 79 9,15. W. G. B. 14 3,—). Berlin, diverse Bei- träge: C. L. 1,—. H. H. 400,—. Bon der Schneiderwerkstatt �«offmann 40,—. Ges. auf Hochzeit K. R. durch W. W, 0,62. Von Mitgl. der U,«Dr. 9,80. Dr. L. A, 100,—. Bierprozente v. d. Kollegen der Berliner Kunst- u. Bautischlerei v. Tauchert, Waldemar- strahe 55 52,12. MacheteS 5,—. Zur Wiedererwerbung verlorener Rechte 10,—. Kontobucharbeiter vom Wcdding 5,—. Munition zum Kampfe für Wahrheit und Recht 4,—. P. S. 50,—. A. B. 50,—. C. D. Guhrau 1,—. DruckereihülsSarbeiter deS„Vorwärts", Abt. RotationSsaal 5,—. Bommern a. Ruhr, rote Brüder 1,50. Bern 50,—. Beuthen(Oberschl.) 5,—. Breslau, sozialdemokratischer Verein 150,—. Beelitz,„VorwärtS'-Abonnenten 7,30. Cassel, Wahlkreis Cassel-Melsungen 50,—. Düsseldorf, O. Fischer 2.—. D.-S,-W.< Afrika, von einem Parteigenossen 5,—. Erfurt, Wohlkreis Erfurt Schleusingen-Ziegenrück 25,—. Essen a. R, nicht gebrauchter Zu- schuh 1500,—. Elgershausen, Lungcnpfeifer 4,—. Falkenberg (Oberschl.) 20,—. Friedrichshagen. Mohrrübe 4,50. Gr.-Lichterfelde H. F. 4,90. Gotha, durch den VertrauenSinann 60,—. Hamburg, 2. Wahlkreis 3000,—. Hamburg, 3. Wahlkreis 5000.—. Hamburg, im Monat November in der Expedition des„Hamburger Echo' eingegangen 143,65. Hohenstein- Ernstthal C. B. 5.—. Kattowitz(Oberschl.), sozialdemokr. Verein 5,—. Lcnnep-Remscheid- Mettmann, sozialdemokr. Berein f. d, Wahlkr. Beitrag für daS 3. Quartal 178,84. Langenbielau, Restbeitrag deS Agitationsbezirkes 34,50(dar, B. i. H. 1,—, Wahlverein Reichenbach 16—, Peilau 6.50. PilgramShain 11.—.) Luckenwalde, RufuS 5,—. München, Wald- läufer Juli bis November 25,—. Niederzwönitz. 19. sächs. Reichs- tagSwahlkreiS 50.—. Nürnberg, L. R. 3,—. Parchwitz i. Schi., Beitrag vom Volksverein 20.—. Potschappel, sozialdemokr. Verein deS 6. sächsischen NeichStagSwahlkrciseS 1000,—. Randow-Greifcn- Hagen, sozialdemokr. Wahlverein 100,—. Rixdorf, die Arbeiter von Pordemann u. Co. 25,—. Tchöneberg, O. Labian 4.—. Scherpen- berg. au» dem Wahlkreise MörS-ReeS 15,26. Siegburg-Waldbröl, Wahlkr. 3. Quart, d. d. Kreisvertr. 5,—. Gorau-Forst, Zentral- verein 246,40. Teltow-BeeSkow-Charlottenvurg. Zentralwahlverein 250.—(darunter Mariendorf, W. P. 3,—.) Württemberg 100,—, Berlin, den 9. Dezember 1905. Für den Parteivorstand: N. Gerisch. Ltndenstr. 69, Wahlrechtskämpfe in Holland. Ll. R..II. Amsterdam. 8. Dezember 1905. Seit dreißig Jahren führt in unserem Lande der politisch tätige Teil der Arbeiterklasse den Kampf um das Wahlrecht, einen Kampf, der nicht in ununterbrochener Steige- rung vor sich geht, sondern in dem Perioden der Ebbe mit denen deS stürmischen Anschwellens abwechseln. Im Jahre 1848 kam unsere Bourgeoisie, weniger aus eigener Kraft als infolge der Rückivirkung der revolutionären Erschütterungen in Frankreich und Deutschland ans Ruder. Sie führte das parlamentarische Regiment ein, jedoch mit äußerst beschränktem Wahlrechte; nicht nur die Arbeiterklasse. sondern auch das kleine und mittlere Bürgertum sowie der größte Teil der Intelligenz blieben ausgeschlossen. Als anfangs der achtziger Jahre die junge Sozialdemo- kratie unter Führung von Nieuwenhuis den Wahlrechts- kämpf eröffnete. fand sie deshalb in dem radikalen Kleinbürgertum einen natürlichen Bundesgenossen. In den Jahren 1882 bis 1885 nahm die Wahlrechtsbewegung zum ersten Male großartige Diincnsionen an; leider crivieS sich die Energie deS eben erst auS furchtbarer De- gradasion erwachenden Proletariats nicht stark genug, um die ersten Enttäuschungen zu überwinden und unaufhaltsam vorwärts zu dringen. Als eine Versassungsrevision 1886 von der Kammer in Angriff genommen wurde, war schon eine Depression eingetreten. Dies gab der bürgerlichen Demokratie den Mut. die Arbeiter im Stiche zu lassen. Die in die Verfassung«eilcingefügte Klausel, die die Regelung der WahlrcchtSfrage dem Gesetzgeber Überließ, aber zugleich die Forderung eineS bestimmten Zensus „des Wohlstandes und der Tauglichkeit' stellte, machte eine neue Versassungsrevision notweiidig, um zum allgemeinen Wahlrecht zu gelangen. In den Jahren 1888 und 1892 erzielte die Sozialdcmo- kratie große Fortschritte. Die wirtschaftliche Krise, die politischen Verfolginigt-n, die Wahl Doinela Nieinvenhuis' in die Kammer, alles wirkte dabei zusammen. Die Wahlrechtsbewegung nahm einen erneuten Anlauf, die proletarischen und bürgerlich. fortschrittlichen Elemente wirkten in ihr zusammen, die Massendcnionstrationcn von 1860 und(891 machten großen Eindruck ini Lande. Da aber kam, seit diesem Jahre, die unglückliche Wendung des sozialdemokratischen , Bundes und ihres Führers NieuwenhuiS zum Anarchismus. .Und gerade in dem Zeitpunkte, wo eine energische Führung not tat und ein entschlossenes Borgchen der Massen Großes erreicht hätte, wurde der Wahlzettel mehr und mehr von der alten sozialisüschen Partei, die den Massen vorangehen sollte, als tvertloser Fetzen betrachtet. Ende 1392 wurde ein Wahlrechtsentwurf vom bürgerlichen Demokraten Tak v. Poortvliet in der Kammer eingebracht. Er schloß nur Analphabeten und solche, die während des der- gangenen Jahres öffentlich unterstützt wurden, vom Wahlrecht aus. Ehe aber noch dieser Entwurf von der Kammer in Angriff genommen wurde, hatte der Sozialistenbund auf seinem Parteitag von 1893 den verhängnisvollen Beschluß efaßt, in keiner Weise und unter keiner Bedingung sich am ahlrechtskampf zu beteiligen. Sich selbst als politischer Partei versetzte er damit den Todesstoß, die Arbeiterklasse aber brachte er um die Frucht jahrelanger Anstrengungen, im Augenblick, wo der Erfolg ihr winkte. Im Jahre 1894 wurde der Entwurf Tak in seiner ursprünglichen Fassung verworfen und die Kämmer aufgelöst; die Neuwahlen ergaben eine anti-demokratische Majorität, das Kabinet van Honten kam ans Ruder, das die Wahlrechts- frage im Sinne aller„gemäßigten" bürgerlichen Elemente löste. Das Wahlrecht wurde zwar erweitert, aber an einen Zensus gebunden, der größte Teil des Proletariats blieb vom elementarsten Bürgerrecht ausgeschlossen. Diese Ent- rechtung vollzog sich anscheinend unter völliger Teil- nahmlosigkeit der Massen; die 1894 gegründete sozialdemo- kratische Arbeiterpartei veranstaltete einige Demonstrationen, war aber noch zu schwach, um einen Einfluß auf den Lauf der Ereignisse auszuüben. Das damals eingeführte Wahlrecht hat jetzt eine zehn- jährige Erfahrung hinter sich. Dreimal, 1897, 1901, 1904, haben unter seiner Herrschaft Wahlen stattgefunden, die unserer Partei 12 000 resp. 39000 und 65000 Stimmen einbrachten! Den Siegeslauf der Sozialdemokratie aufzuhalten, erwies sich also das Zcnsnswahlrecht ohnmächtig. Nichtsdestoweniger ist es so ungerecht und widersinnig wie nur möglich. Es spaltet die Arbeiterklasse, indem eS einem gewissen Teil der- selben das Wahlrecht gibt, das es dem anderen Teil weaen eines kleinen Unterschiedes in der Lohnhöhe, der Miete usw. vorenthält. Auf diese Weise wurde fast die Hälfte der An- gehörigen des Proletariats des wichtigsten Bürgerrechts beraubt. Aber dieses Wahlrecht ist in Wirklichkeit noch schlimmer als es anssicht. Der Bruchteil der Wähler ist nicht gleich mäßig über Stadt und Land verteilt. Die Klauseln des Gesetzes bringen es zustande, daß es in den großen und mittleren Städten verhältnismäßig viel weniger Wähler gibt wie auf dem Lande. Je größer die Gemeinde, umso geringer der Prozentsatz. Mit mathematischer Genauigkeit sinkt die relative Zahl der Wähler, je größer die Gemeinde. In den Hauptstädten ist die Wählerschaft ohne Ausnahme verhältnismäßig kleiner wie in der Provinz. Die für ihre Bevölkerungszahl kleinste Wählerschaft hat Rotterdam mit 19,10 Proz. In Amsterdam, der Hauptstadt des Landes, besitzen das Wahlrecht nur 22,68 Proz. der männlichen Bevölkerung über 25 Jahre. Die überwiegend agrarischen Provinzen Friesland und See- land dagegen haben 31,46 und 31,33 Proz. In gewissen Kleinstädten und Dörfern steigt die Zahl der Wähler bis 40 Proz. und mehr: dort ist das allgemeine Wahlrecht fast verwirklicht. Man sieht jetzt, wie dies Wahlrecht nicht nur ungerecht, sondern im höchsten Maße widersinnig und tückisch ist. ES ist ungerecht, weil eS das wichtigste politische Recht vom Besitz abhängig macht. Es ist tückisch, weil es den Versuch macht, die Arbeiterklasse zu spalten in einen privilegierten Teil und eine entrechtete, der politischen Bewegung fernstehende Masse. Widersinnig aber ist es, weil es die ökonomische EntWickelung auf den Kopf stellt. Es gibt den rückständigsten Klassen und Ortschaften einen über- wiegenden politischen Einfluß, der ihrer ökonomischen Be- deutnng wie dem Maß ihrer geistigen Entwickclung wider- spricht. Dagegen schaltet es künstlich den Einfluß der radikalsten, geistig aufgewecktesten Elemente: der großstädtischen Arbeiter aus. In Wirklichkeit ist das herrschende Wahlrecht eine fort- währende Bedrohung für die liberale Bourgeoisie, weil es der Masse des in Holland zahlreichen, der klerikalen Demagogie am meisten zugänglichen kleinbürgerlichen und bäuerlichen Mittel- standes noch einen politischen Einfluß gibt, der nicht durch die Aktion städtischer, der sozialdemokratischen Leitung folgender Massen aufgeivogen wird. Unsere Bourgeoisie würde aber eine Ausnahme bilden, wenn sie diese Gefahr nicht geringer achtete wie die aus dem allgemeinen Wahlrecht für sie entstehende: die Zunahme der politischen Macht der Arbeiterklasse, die Steuer- reform und die soziale Gesetzgebung in greifbare Nähe rückt! Jetzt rüstet die Arbeiterklasse Hollands wieder zu einem energischen Ansturm gegen das alte Wahlniirecht. Die russischen Rcvoliittonsblitze, der Donner des VolkSzornS in Oesterreich und Sachsen wirken auch bei uns niächtig. Doch darüber in einem ziveiten Artikel. Die Revolution in Rußland. Die Kopflosigkeit im Lager der zarischen Konterrevolution scheint alle bisher von der Geschichte gelieferten Beispiele zu übertreffen. Angesichts des offenkundigen Zusammenbruchs der ganzen staatlichen Maschinerie des Absolutismus, versteifen sich die stupiden Schergen auf den unveräußerlichen an- gestammten Rechten der Nagajka und glauben noch damit irgend jemand imponieren zu können. Ein Tagesbefehl des Ministers Durnowo vom 9. d. Mts. erklärt kategorisch, der Verband der Post- und Tclegraphen-Beamten werde unter keinen Umständen gestattet werden! Diejenigen Beamten, welche den Ausstand fortsetzten, würden unbedingt„vom Dienst aus- geschlossen werden", diejenigen, welche außerdem„Unruhen ernstisteten", und die Beschädigung der Leitungen sowie der teueren Apparate veranlaßten, würden auch noch gerichtlich verfolgt werden. Derartige Handlungen bedeuteten„offene Auflehnung und Rebellion". Mitte November seien zu Unterstützungen für die Post- und Telegraphen> Beamten 500000 Rubel angewiesen worden. Bei Verteilung derselben würden von den wieder in den Dienst tretenden Beamten nur solche berücksichtigt werden, die sich früher durch„Diensteifer" ausgezeichnet hätten. Man will also noch zur Gelvalt auch den Schinipf fügen und mit einer„Unterstützung" die rebellischen Staatssklaven bestechen! Auf die Streikenden wirken diese plumpen Sprünge der Reaktion natürlich nur anfeuernd. Sie hielten in Peters- bürg eine Versammlung ab, die von 2000 Personen besucht war, und in der mit allen gegen eine Stimme die Fort- setzung des Ausstandes beschlossen wurde. Das Exekutivkomitee des Arbeiterdeputiertenrates nahm eine Resolution an, in der ausgesprochen wurde, daß der unvermeidliche Zusammenbruch des alten Systems eS für das Proletariat vorteilhaft mache, den entscheidenden Schlag hinauszuschieben. Der Petersburger Arbeitcrdeputiertenrat gebe daher noch nicht daS Signal zum Generalstreik. „Rnss" meldet unter dem 7. Dezember, daß in Zarskoje Sselo die Einsetzung der Militärdiktatur beraten, die Einführung derselben aber bis zum Ausbruch eines größere? AusstandeS verschoben wurde. Nach umlaufenden Gerüchten soll daS Schwarze Hundelt eine Kundgebung beschlossen haben, bei der die Petersburger Zeitungsdrnckereien überfallen werden sollen. Alle diese Gerüchte lassen noch lange und äußerst heftige Kämpfe in Rußland erwarten. Hierbei zeigt es sich aber zum so und sovielten Male, wer der Urheber des Blutvergießens, der Greuel, des Bürgerkrieges ist, wer provoziert und wer die furchtbare Krise mutwillig in die Länge zieht und ver- schärft: ob die revolutionäre Volksmasse oder aber die Blind- heit, der Eigensinn und die verbrecherische EinsichtSlosigkeit der Hüter der bestehenden„Ordnung" I... Der Bauernkrieg. Petersburg, 10. Dezember.(Ueber Eydtkuhnen.) Die Bauern.« Unruhen nehmen einen inimer drohenderen Umfang an. Jetzt be- ginnen solche in nächster Nähe der Bahn M 0 S k a n— K ursk. Die Bauern zihiden nicht nur Landsitze an, sondern bedrohen auch die benachbarten Bahnstationen.(So berichtet. wohlgemerkt, die offiziöse Telegraphen- Agentur.) Die„friedliche Bevölkerung' des Reiches erblickt kein anderes Mittel zur„Beruhigung der Gemüter" als die schleunige Einberufung der ReichSduma. Auf Gesuche in diesem Sinne antwortete Graf Witte, die ReichSduma werde bald zusammentreten. Ein abgeänderte? Wahl- gesey ist aber bisher noch nicht bekanntgegeben worden. Ebenso ivird in der Geschäftswelt gegen die Haltung DurnowoS im Post- und Telegraphenstreik protestiert, die m Moskau bereits zu Stratzcnunruhcn geführt Hai Die Verhaftung des Organisator» und der Mitglieder des BureauS des Verbandes der stzost- und Telegraphenbeamten in Moskau dürfte die Bewegung eher nähren als aufhalten. Aus Moskau wird der„Nowoje Wremja telegraphiert: Die Börse ist sehr beunruhigt durch Meldungen auS Wischinj-Wolotschek. wo die Arbeiter die Fabrikverwalter mit dein Tode bedrohen und einen erdolcht haben.(Natürlich eine offiziös gefälschte Nachricht.) Auf der Twerschen Manufaktur beschlossen die Arbeiter, dieLeitung derFabrik zuübernehmen. Die Militärrebellio». Der„Frankfurter Zeitung' wird gemeldet. Petersburg, 11. Dezember. General Linewitsch empfiehlt die schleunige Rückberufung der Armee, da sonst Militär- revolten im fernen Osten unvermeidlich seien. Aus Warschan wird vom 10. d. M. berichtet: In Polen kommen jetzt häufiger einzelne Meutereien des Militärs vor. Heute nachmittag zogen drei Militärkapellen durch die Stadt, die Freiheitsliedcr spielten und denen ein großer Volkshaufe mit roten Fahnen folgte. Am Abend meuterte das vierte Bataillon des Kexholinschen Leibgarde- Reginients Kaiser von Oesterreich; es ist in der Kaserne ejn- geschlossen. Für morgen ist. wie es heißt, eine große Kund- gebung feiten? des Militärs geplant. Wie aus Moskau berichtet loird, sind die Truppen daselbst in zwei Lager geteilt, von denen der eine Teil loyal, der andere, und zwar der bedeutendere revolutionär gesinnt ist. Die Offizier» des letzteren Lager» begeben sich in Uniform zu den Meeting», wo st« Rede» halten. Die rebellierende Polizei. Warschau, 10. Dezember. Hiesige Polizoiagentcn sind in den Ausstand getreten, woraus der Polizeimeister alle ihres Amtes enthoben hat. Ter Eisenbahuersireik im Auzuge. I» Niga soll am Freitagabend eine Versanimlniig von Eisen- bahnbcamten mit Waffengewalt aufgelöst worden fein. Hierbei gelangten auch Maschinengewehre gur Anwendung. Die Zahl der Getöteten soll bedeutend sein. In den Straffen sind die Maschinengewehre aufgefahren. Der Bahn der kehr Von Riga- nach Petersburg i st e i n g e st e l l t. Ein neues Parteiblatt. AnS Warschau lvurde uns der Prospekt der ersten groszen Tageszeitnng der Sozialdemokratie zugeschickt, die in den nächsten Tagen erscheinen soll. Das Blatt wird„Die Bolkstribüne" heißen; eS zählt unter seinen Mit- arbeiteru Bebel, Kautsky, Singer, Klara Zetkin und mehrere Führer der Sozialdemokratie in Frankreich und Holland. Dem neuen Kameraden unsere herzlichsten Brudergrüße! pdilileke Ocbcrficbt. . Berlin, den 11. Dezember. Bnschlufiuu fähig. Die gestrige Sil, miß des Reichstages endete frühzeitig— infolge der Beschlnßnnfähigkeit des Hauses. Nachdem der nüt Bulgarien abgeschlossene Handelsvertrag ganz überflüssiger- weise an eine Kouimission verwiesen war, wiederholte sich dieses Verlangen nach der Beratung des deritsch-englischen Handelsabkommens, dessen Verlängerung ans zwei Jahre die Regierung beantragte. Die Agrarier unter Führung der Grafen Kaniff und Reveutlow benrängelten die Vorlage, beantragten Kommissionsberatung und kündigten auch Anträge an, die eine Verlängerung nur auf e i n Jahr bezweckten. Nachdem die gesamte Linke die Nutzlosigkeit einer Kommissionsberatung nachgewiesen hatte, erklärte Abg. Bachem die Geneigtheit seiner Fraktion fiir die Kommission zu stimmen, während Abg. Büsing es im unklaren ließ,>vie feine Partei stimmen würde. Hiernach würde der Antrag auf 5touinnssionsberatnug die Mehrheit des namentlich im Zentrum und auf der rechten Seite sehr schivach besetzten Hauses gefunden haben. Tie sozialdeniokratische Fraktion ließ die Beschlußunfähig- keit des Hauses feststellen, um auch nach außeu hin die Tatsache festzunageln, daß die industrie- und handelsfeindliche Agrarmajorität zlvar ihre volksverwüstende Zoll- und Handels- Politik im Reichstage fortsetzen lvill— aber es dabei nicht für erforderlich und nötig erachtet, selbst im Reichstage anwesend zu sein. Es entspricht ganz der bekannten agrarisch-klerikal-konser- dativen Unver— froreuheit, zu verlangen, daß, während die Majorität sich Jagd- und sonstigen Geschnslen hingibt, die Minorität die Abwesenheit der Junker und Junkergenossen mit dem Mantel christlicher Liebe verdecken soll. Die Regierung überschüttet den viel zu spät einberufenen Reichstag mit Vorlagen, darunter mehreren, die Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres erledigt sein müssen, verlangt, daß der Reichstag ihr mit Antomobilgeschlvindigkeit zu Willen ist— und die Majoritätsparteien halten ihre parlamentarische Tätigkeit durch Teilnahme an Kanzler- und anderen Festlich- leiten für absolviert und verschwinden wieder. Daß.die sozialdemokratische Fraktion sich dieser Gebarung widersetzt, ist selbstverständlich. Das fehlte noch, daß wir den Gegnern den Steigbügel halten, damit sie reden können. Wenn die 5konservativen, die Nationalliberalen und das Zentrum im Reichstage die Politik ihrer Parteien treiben wollen, so haben die Herren anwesend zu sein. Damit basta!— Die VcrPfnffungSvorlngc im Dreiklasscnparlanicnt. Der rapide Niedergang unseres Bürgertums spiegelte sich in der Debatte, die sich heute im prenffischcn Abgeordnetenhause über die Volksschnlvorlage entspann. Im Jahre 1897 hatte der Liberalismus gegen ein ganz ähnliches Gesetz einen solchen Protest- stürm ini Lande entfacht, daff die Vorlage samt ihrem geistigen Bater schleunigst ivieder von der Bildfläche Vcrschlvand. Der national- liberale Führer Herr von Bennigsen hatte damals Arm in A r m mit Enge n R.i ch t e r flammende Reden für Geistes« und Gewissensfreiheit gehalten. Diesmal hatte der Nationalliberalismus, nachdem er selbst erst durch sein berechtigtes Kompromitz der Reaktion die Wege geebnet, zwar in der Presse noch einige Scheingefechte geliefert, allein an seinem schliefflichen Umfall von vornherein keinen Zweifel gelassen. Und der Freisinn seinerseits vcr- riet durch sein ganzes Gebaren, daß auch er durch seinen Kampf gegen das Verpfaffnngsgcsctz nur noch einer alten Tradition genüge, daff es ihm aber an jedem ernsten Willen fehlte, gemeinsam mit. de» Masicn des Volkes Sturm gegen diesen schnöden Vcrgclvaltigungsversnch zu laufen. Zu einem Appell an die Ocffcn'.lichkcit raffte man sich gar nicht erst ans, man ergab sich von vornherein in das Fatiim. Freilich hätte der Freisinn bei öffentlichen Kundgebungen ja auch riskiert, daff ihm von sozialdemokratischer Seite die Maske rücksichtslos vom Gesicht heruntergerissen worden wäre. So lieff man die Dinge tatenlos an sich herankommen. Angesichts dieser ganzen Sachlage war es kein Wunder, daff das Abgeordnetenhans keinen„groffen Tag" erlebte, vielmehr eine überaus armselige und nüchterne Debatte. Die Entscheidung war ja schon längst gefallen. Die Regierung und die Reaktionsparteien brauchten sich nicht erst ins Zeug zu legen. Ihrer verächtlichen Nonchalance— der Ministerpräsident Fürst Bü low hatte es nicht einmal fiir nötig gehalten, höchstselbst zu erfcheinen— entsprach auch die Opposition. Der nationalliberale Redner gab mit einigen Wenn und Aber dem reaktionären Atientat seinen Segen: nur der frei- sinnige Redner leistete sich einen platonischen und unverbindlichen Waffengang gegen das Verpfaffungsgesetz, wobei er jedoch nicht einmal wagte, für eine völlige Trennung von Schule und Kirche einztitreten. Die Einleitnngsrcde hielt Kultusminister S t n d t, der denn auch, so gut oder schlecht ihm dies möglich ist, eine„Rede" verlas. Nur ziveimal wurden seine Ausführungen von Beifall unterbrochen. einmal, als er nach Verabschiedung des SchnlunterhalwngsgesetzeS eine Revision des Lehrerbesoldungsgesetzes in Aussicht stellte, und zweitens als er die bürgerlichen Parteien ermahnte, angesichts der jchweren Zeiten ihre Meinungsverschiedenheiten nach Möglichkeit zu überbrücken. Im übrigen inachte die Rede dcS Ministers, die im wesentlicheiS eine Wiedergabe der Motive der Gesetzesvorlage war, nicht den geringsten Eindruck. Aehnlich wie der Minister glaubte auch der erste Redner aus dem Hanse, der Konservative Dr. v. Hey beb ran d, daS preuffische Abgeordnetenhans zur Verständigung und Einigung anrufen zu müssen, damit es gemeinsam gegen den Ilmsturz kämpfen könne. Die Konservativen halten nach lvie vor grundsätzlich � an der Forderung der völligen Konfessionalität der Volksschule fest, ihnen geht der Entlvnrs noch lange nicht weit genug, aber sie wollen sich bescheiden, damit wenigstens etwas erreicht wird. Für ste ist eine Moral ohne Religion undenkbar, wenigstens soweit daS Volk in Frage kommt. Die höheren Schichten sind auch ohne Religion moralisch. Und wie schlecht kennen diese Herren das Volk! Meinte der konservative Führer doch allen Ernstes, die überwiegende Mehrheit des Volkes fordere die konfessionelle Schule. Weiff Herr v. Hcydebrand wirklich nicht, daff 1892 der Zedlitzsche Entwurf von der Entrüstung des Volkes hinwcggespült imirde, weih er nicht, daff die überwiegende Mehrheit des prenffischcn Volkes sozialdemokratisch gesinnt ist und die völlige Befreiung der Volksschule von der Kirche anstrebt? Ebenso wie die Konservativen denkt auch das Zentrum, in dessen Rainen Abg. Dr. Porsch sprach, über die Konfessionalität der Volks- schnle. Das Hauptbedcnken dcS Zentrums liegt auf dem Gebiete des Verfassungswesens. Die Verfassung verheifft nämlich die einheit- liKe Regelung des VolkSscbnlwesens, während der Entwurf nur einen Teil dieses Gebietes regelt. Es mühte demnach der Verabschiedung des Entwurfes eine Aendernng der Verfassung vorausgehen. In der Kommission wird diese Frage, über die sich die Regierung bisher nicht geüuffert hat. wohl eingehend geprüft werden. Im übrigen hat sich ja daS Abgeordnetenhaus schon öfter über die Verfassung hinweggesetzt, cS sei nur an die Kampfgcsctze gegen die Polen erinnert, die in den letzten Jahren erlassen wurden. Eine scharfe Stellung gegen die Vorlage nahm nur der Hospitant der Freisinnigen Bolkspartci, Abg. Funck ein, loährend die Nationalliberale» durch den Abg. Schiffer erklären liehen, daff sie trotz mancher Bedenken im einzelnen dem Entwurf prinzipiell zustimmend gegenüberstehen. Da der Entwurf sich genau an das Kompronüff anschließt, zu dessen Vätern sich auch die Nationalliberale» mit Stolz erklären, ist ihre Haltung eigentlich selbstverständlich. Nach einer Harlekinade des OberscharfmacherS Frhrn. v. Z e d- l i tz jsk.), der an das Hans den unvermeidlichen Appell zum.Kampfe gegen die Sozialdemokratie richtete, die, wie erst am Sonntag der .Vorwärts" geschrieben habe. Religion und Monarchie vernichten wolle, wurde die Debatte auf Dienstag vertagt. »»» Deutlcdes Reich. Die Stcnersche« der Flottenschwärmcr. Das Organ der Kruppschen Erben, die„Berliner Neueste Nachrichten", warnt in seiner SonntagSnummer dringend vor einer„llebertreibung des sozialen Gedankens", nämlich vor der Ausdehnung der Erbschaftssteuer ans Ehegatten und Deszendenten, die von dem Zentrum— ob im Ernste, wird ja das Schicksal der Vorlage zeigen!— vorgeschlagen worden war. Das Panzerplattenorgan jammert: „Der Vorfall ist im höchsten Maffe charakteristisch und sollte nicht gleichgültig übergangen werden. Er ist be- zeichnend für den Ticfstimd des Gerechtigkeitsgefühls, den die öffentliche Meinung unserer Tage in Steuerfrage» be- kündet. Hat denn der Redner, der nebenbei bemerkt, als Hüter von Recht und Gerechtigkeit eine ehren- volle Lausbabn hinter sich hat, kein Gefühl für die tiefe p»!itlschc Unsittlichlcit seines Vorschlages? Ist das öffentliche Gc- wiffcn bereits so verwahrlost, daff Vorschläge zu willkürlicher Plünderrnig der Neichen aus bürgerlichen Kreisen heraus erhoben werden können, ohne mit Entrüstung zurückgewiesen zu werden? Denn um nichts anderes handelt es sich bei jenem Vorschlage, als nni einen Akt nackter Willkür, um eine Aneignung des Gutes der Reichen, nicht auf Grund eines steuerlichen all- gemein gültigen Prinzips, sondern ans Grund der bloßen Tatsache, daff dieReichen Geld haben und der Staat Geld braucht. Freilich nur„bescheidene" Summen sollen ihnen ge- nommen Iverdcn. die die Reichen entbehren können, ohne sich ein- schränken zu müssen. Zngcgclicn. Aber ist Raub kein Raub, wenn der Beraubte nach Ansicht der Minderbemittelten noch reichlich übrig behält? Und lvo ist der Begehrlichkeit des von rcichtiimsfeindlichen Instinkten geleiteten Staates eine Schranke gesetzt, wenn allein die Crwägmia cnlscheidend ist, daff die Konfiskation großer Vermögen fiskalisch überaus einträglich und für die große Masse des Volkes das bequemste sei? Hat denn der Begriff des Rechtsstaates feinen Inhalt per- lorcn? Soll der' Rechtsstaat nur eine Durchgangsphase auf dem Wege vom TespotisimiS der Fürsten zum Despotismus einer ochlokratifchcn Demokratie bedeuten? Wir verstehen es. wenn die Sozialdemokratie durch einen ciitschloffenen Eingriff in den Geldbeutel der Reichen jeder Finanznot abhelfen' lvill. Wenn ihr aber die bürgerlichen Parteien in diesem Bestreben sekundieren, so helfen sie dem „klassenbelvuhtcn Proletariat", die Grundlagen zu z c r- stören, auf denen unsere Gesellschaftsordnung beruht." DaS Zentrum hatte den Vorschlag gemacht, fdaff die Kinder der Ehegatten erst dann zur ErbschastSsteuer herangezogen werden sollten, wenn ein Vermögen von mindestens 100000 M. in Frage komme. Und dieser Vorschlag versetzt die„Berk. Neueste Nachr." in einen solchen Zustand der Raserei! Wenn Leute, die weiter kein Verdienst haben, okS in der Wahl der Eltern oder Gatten vorsichtig gewesen zu sein, von einer Erb- schalt von 100 900 M. ein paar Prozent an den Staat abgeben sollen. so ist das eine„willkürliche Plünderung", ein„Akt nackter Willkür", ein„Raub". Ein Raub auch dann, wenn die glücklichen Erben von der Rente der Erbschaft herrlich und in Freuden leben können, ohne jemals auch nur fiir die Gesellschaft, zu deren„Edelsten und Besten" sie gehören, eine Stunde nützlicher Arbeit geliefert zu haben! Völlig in der Ordnung ist es aber, daff die Proletarier mit einem Arbeitseinkommen von»och nicht 900 M. jährlich— und nach den Zahlen des Herrn v. R h e i n b a b e n beträgt die Zahl dieser Proletarier allein in Preußen 22 Millionen!— jährlich 100 und mehr Mark an indirekten Stenern zahlen! Welch hohe sittliche Aufgabe, an der Beseitigung einer auf solchen Grundlagen beruhenden Gesellschaftsordnung zu arbeiten!— Ter neue deutsch-bulgarische Handelsvertrag. Der heute im Reichstag zur Beratung gelangte Handels- vertrag mit Bulgarien hat nicht, wie die mit Rußland, Oesterreich- Ungarn. Italien, der Schweiz usw. abgeschlossenen neuen Verträge, die Form eines Zusatzvertrages, sondern ist ein völlig neuer, selbständiger„Handels-, Zoll- und Schiffahrtsvcrtrag", da bisher die deutschen Handelsbeziehungen zu Bulgarien nur durch einen Meistbegünstigungsvertrag geregelt waren. Im ganzen ent- spricht er den anderen Handels- und Schiffahrtsverträgen des Reiches, nur wird mit noch gröfferem Nack, druck die Meistbegünstigung für die Verzollung des Ervortcs festgelegt. Nach Artikel 7 verpflichtet sich z. B, jeder der beiden vertragsckckiehcnden Teile,„den anderen bei der Ein- oder Ausfuhr der Boden- und Geivcrbserzeugnisse der beiden Länder an jeder Begünstigung, jedem Vorrecht, oder jeder Herabsetzung in den Tarisen teilnehmen zu lassen, welche er einer dritten Macht gewährt haben sollte. Ebenso soll jede späterhin einer dritten Macht zugestandene Begünstigung oder Befreiung sofort be- dingnngslos und ohne weiteres den Boden- und Gclverbscrzengnissen des anderen vertragschließenden Teiles zu stalten kommen." Auf deutscher Seite sind Zugeständnisse fast ausichkiefflich ans dem Gebiete der Nahrungsmittel und Rohstoffe gemacht worden, d i e sich mit drei Ausnahmen völlig in-. Rahmen der bisherigen Handelsverträge halten, llelicr diese hinaus ist nur ermäßigt der Zoll für Graupen, Gries und Grütze aus Getreide(mit Ausschluß von Hafer und Reis) von 18,75 M. auf 12 M., der Zoll für Rosenöl von 30 M. auf 20 M.. der Zoll sür ungespaltene oder gespaltene, enthaarte, halb oder ganz gare, noch nicht gefärbte oder weiter zugerichtete Schaf- und Ziegenfelle, Lamm- und Zickelfelle von 3 M. auf 2 M. für 100 Kilogramm. Auf bulgarischer Seite sind von den 562 Positionen des neuen Zolltarife- IIS gebunden und zum Teile ermäßigt. Ter gegen- wärtigc bulgarische Tarif enthält mit verhältnismäßig wenig Aus- nahmen Wertzölle in der Höhe von 8 bis 20 vom Hundert. Auf Grund dcS Gesetzes zur Förderung der Industrie von 1395 gehen aber fast alle gewerblichen Maschinen und ein Teil der Rohstosse zollfei ein. Der neue bulgarische Tarif hat die Wertzölle durchweg in spezifische Zölle umgewandelt, dabei aber die Jndustriczölle größtenteils stark erhöht, zum Teil aus finanziellen, hauptsächlich jedoch aus schutzzöllnerischen Rücksichten. Bei einem Vergleich der neuen Vertragszölle mit den heute gültigen Sätzen ergibt sich eine Besserstellung für folgend?. wichtigere deutsche Ausfuhrartikel: Indigo, Korkstopfen und Kork- waren; Bücher, Musikalien, Karten, Oeldrucke, Steindrucke usw.: gegerbtes Leder, baumwollene Gewebe; Juwelierwaren aus Geld oder mit Edelsteinen; Gegenstände aus Kupfer, Messing oder Bronze, aus Schmiedeeisen; elektrische Bogcnlmnpcn und Apparate, Elemente für Läutewerke. Dagegen werden von wichtigeren Artikeln schlechter gestellt: Stärke und Stärkemehl, Toilettcnscifen, Tccrfarbcn, Bleistifte, Schieferstifte, chemische Erzeugnisse, Strohhüte, Steingntivarcn. Porzellanwaren, Spiegelglas, Papierwaren(namentlich Lurus- papiere), Albums usw., feinere gegerbte oder lackierte Leder, feines Pelzwerk, Seidcngewebe, Seidenbänder, Garne, Gewebe, Shatvls» Wirkwaren und Posamenticrivaren aus Wolle, Nähgarn, gebleichte Gewebe, Barchent, Tülle, Shawls, Wirkwaren und Posamentier- waren aus Baumwolle, Stickereien, Bindfaden. Kleider, imitierte Juwelierarbeiten, Uhren und fast alle besseren Mctallwarcn. Wie die im Frühjahr im Reichstag durchgesetzten Tarifverträge bringt also auch der neue deutsch-bulgarische Vertrag keine Herab- Minderung der bisherigen Zollschranken, sondern eine Erhöhung. Er reiht sich den im Frühjahr vom Reichstag akzeptierten sieben Tarifverträgen als gleichwertig an und wird deshalb von der sozialdemokratischen Fraktion abgelehnt.— Zwei Seele». Der eheinalige Gouverneur von Südwest-Asrika. Generalmajor L e u t w e i n hat seinem alten Verbündeten Hendrik Witbost' in der„Gegenwart" einen Nachruf gewidmet, der äußerst charakteristisch ist für die moralischen Verwüstungen, die unsere Kolonialpolitik selbst bei von Haus ans ehrenhaften Charakteren anrichtet. Lentwein beginnt seinen Nachruf mit den Worten: „So bist du also dahin, mein alter Freund Witboi, der du mir so viele schwere Stunden, aber auch manche Freude be- reitet hast, der du dem deutschen Vaterlande vielen Schaden vcr- ursacht, aber auch vielen Nutzen gebracht hast. Du bist zwar schon oft totgesagt worden und immer wieder aufgestanden, aber diesmal scheinst du doch wirklich tot zu sein. Lebe wohl, du Mann mit den zwei Seelen in der Brust. Möge dir die Erde leicht sein! Ich fteuemich, daff du noch einen ehrlichenSoldatentod gefunden hast und so dem Galgen entgangen bist, der dir, hätten lvie dich in die Hände bekommen, sicher gewesen sein würde. Leider aber würden wir dich wohl nicht bekommen haben. Denn im Fortlaufen warst du ebenso geschickt, wie im Standhalten und der Durchführung von Gefechten." Warum nun nennt Lentwein den Hottentottenhäuptking den „Mann mit den zwei Seelen"? Weil er, der lange Zeit der aufrichtige Freund und Verbündete Deutschlands war, zuletzt doch noch die Waffen gegen die Deutschen ergriff I Als ob eS dazu bei Hendrik Witboi„zweier Seelen" bedurft hätte! Ist doch Lentwein selbst so ehrlich, den Hottentottenhäuptling gegen Verleumdungen in Schutz zu nehmen. Hendrik Witboi, führt er auS, habe genau gewußt, was auch seinem Stamme nach Beendigung des HererofeldzugeS bevorstand: völliger Verlust der(i h n e n vertragsmäßig v e r- bürgten!) Selbständigkeit, Absetzung der Kapitäne, Entwaffnung! „Wer will es ihm", so fragt Lentwein.„verargen, wenn er diesen, drohenden Unheil zuvorzukommen suchte?" Und der General fügt hinzu: „Solange wir den Chrrusterfürsten Armin für seinen Abfall von den Römern als Freiheitshelden preisen und ihm ein Denknial setzen, solange müssen wir auch Witboi mildernde U m st ä n d e zuerkenne n." Trotz alledem aber gelangt Generalmajor Lentwein schließlich doch zu dem«chluff, daff Hendrik Witboi nach den Gesehen der StaatSraison hätte gehängt werden müssen, wenn er den deutschen Truppen in die Hände gefallen wäre I Wer ist da der„Mann mit den zwei Seelen", Hendrik Witboi oder Generalmajor Lentwein?! Zweifellos Lentwein, der erst beweist, daff Hendrik Witboi durchaus im R e�ch t war, wenn er zu den Waffen griff, und ihm dann ebenfalls von Rechts wegen den Galgen znerkemu. So verwirrt die Kolonialpolitik alle sittlichen Begriffe! UebrigenS haben andere Nationen bei ihren Kolonialkriegen keineswegs immer derart Recht und Humanität mit Füffen getreten. So wurde von Frankreich der Kolonialrebell Abdel K aber, der den Franzosen fünfzehn Jahre lang furchtbar zu schaffen machte, nur zur Verbannung verurteilt. Ja, selbst die Ameri- lauer, die doch die Jndianerkriege mit größter Brutalität führten, haben vielfach den berüchtigsten Häuptlingen noch Pardon gewährt! Deutschland scheint also auf dein Gebiete der kolonialen Kriegs- führung in der Tat„in der Welt voran" gehen zu wollen l Bülow und Trotha. Der deutsche Reichskanzler brachte es in seiner letzten Rede fertig, die berüchtigten Trotha-Erlasse in Schutz zu nehmen und sich zu den, Ausspruch zu versteigen, daff die Angriffe auf Trotha nur dazu beitrügen, das Ansehen des„hochverdienten Generals" zu steig e r n. Zur Steigerung dieses Ansehens mögen dann auch die folgenden Urteile beitragen, die bürgerliche Blätter nach dem Bekaniitiverden der Erlasse abgaben. Die„Freie Deutsche Presse" schrieb: „Wir können vorläufig nicht annehmen, daß ein deutscher Offizier amtlich droht, er werde ans Weiber, Kinder und un- bewaffnete Männer schießen." Die„Voss. Z t g." erklärte: „Die KrirgSfiihning des Generals v. Trotha schädigt daS Deutsche Reich und sei» Ansehen bei anderen Böllern." „Wenn aber auch der Krieg ist und die besonderen afrika- »ischen Verhältnisse besondere, manchmal sogar a u ff e r g e w ö h n- l i ch e Maßnahmen erfordern und rechtfertigen, so möchten wir doch stark bezioeiseln, daß solche, lvie sie die die Regel» zivilisierter Kricgsfnhrung bcdcnklich anjjcr acht lassende AuSrottungS- Politik v. Trothas für angczcigt hielt, zum Ziele führen." Im Reichstag fanden freilich nicht einmal die F r c i f i n n i g e n ein Wort der Kritik für die vom Kanzler verherrlichte Kricgsführung Trothas!—_ Deutsch-englische Beziehungen. In Breslau ist. wie die „Schlcsische Zeitung" meldet, gestern von dem Rektor der Universität Professor Kanfmaim ein Aufruf zur Anbahnung besserer Beziehungen zwischen Deutschland und England in Umlauf gesetzt worden. Der Aufruf fordert alle Deutschen und Engländer, welche den Wert deut- scher wie englischer Arbeit und Literatur zu schätzen wissen, auf, da- hin zu wirken, daff die herrschende Verstimmung einer ruhigeren und wohllvollenden Beurteilung der Verhältnisse weiche. Unter- zeichnet ist der Aufruf von Professor Kaufmann, Oberbürgermeister Bender, Kardinal Fürstbischof Kopp und Gcneralsuperintendent Nottcbohin. Der Aufruf ist jedenfalls recht gut gemeint; er hat aber wenig Zweck, wenn der Reichskanzler in feiner eigenartigen Diplomatie fortfährt, ähnliche schöne Reden zu halten wie am ersten Tage der Etatsdebaite, und wenn die offiziöse Presse solche Redereien in gleicher Weise kommentiert lvie bisher.— Lcutwcin gegen Deimling. In der Reichstagssitzung vom 2. Dezember glaubte Oberst Deimling die Trothasche AusrottungSstrategie gegen wehrlose Frauen und Kinder damit entschuldigen zu können, daß er an zwei Beispielen die Bestialität der Hercro und Hottentotten zn illustrieren suchte. Die Grausamkeit der Hottentotten schilderte Oberst Deimling nach dem amtlichen Stenogramm folgendermaßen: Weiter: Nachdem der Hottentottenaufstand ausgebrochen war und Hendrik Witboi beschlossen hatte, Orlog zu machen, schickte er seinen Nntcrkepitä» Samuel Isaak nach Gideon zum Distrikt-Zchef, Hauptmann v. B n r g s d o r f f. Samuel Isaak sagte:„Hauptmann, der Kapitän will Orlog machen: Du bist der einzige, der noch imstande sein wird, ihn davon abzuhalten; denn zu Dir hat er das nieiste Vertrauen. Konim mit mir, wir wollen zusammen zu ihm gehen'" Hauptmann v. Burgsdorff ritt mit Samuel Isaak ohne Gewehr und ohne Waffen ab, und als sie in das Weichbild von Rietmont, der Residenz Hendriks, kamen, traten sechs bereit gestellte Hottentotten hervor und schössen BurgSdorff nieder. Und gegen solche besiialischen, grausamen, heiuitückischeu Feinde hätten wir mit Glacehandschuhen Krieg führen sollen? Da verlangen Sie Ucbcr- menschlichcs von uns." Diese Darstellung Deimlings ist falsch. Hendrik Witboi ist eS gar nicht eingefallen, den Hauptmann v. Burgsdorff in eine Falle zu locken, um ihn dann meuchlerisch ermorden zu lassen. Er hat vielmehr ein übriges getan, indem er vor Ausbruch der Feindseligkeiten dem Hauptmann eine Kriegs- erklärnng schickte. Samuel Isaak handelte völlig auf eigene Faust, ebenso wie Hauptmann v. Burgsdorff seinen heldenmütigen Ritt ganz auf eigenes Risiko übernahm, ohne irgendwelche Zusicherung Hendrik Witbois erhalten zn haben. Ebensowenig wie Hendrik Witboi von dem Ritt BurgSdorffs wußte, so wenig hat er mit der Ermordung desselben zu tun gehabt. Schrieb doch auch Generalmajor Leutwein in der letzten Nummer der„Gegenivart", daß sich Hendrik Witboi kurz vor. dem Kriege, bei Unterwerfung der Bonzelzwards, um die Sicherheit des ihm befreundeten Hauptmanns BurgSdorff mit einer geradezu rührende» Aufmerksamkeit besorgt gezeigt habe. Leutwein fährt dann fort: „lind diesen selbigen Herrn von BurgSdorff haben die Witboi ein Jahr später meuchlings erschossen, als er zum Kapitän reiten lvollte, um ihn von dem geplanten Auf- stände abzubringen. Ich sage mit Absicht„die Witboi", denn das der Kapitän den direkten Befehl zu dem Morde gegeben, ist möglich, aber nicht erwiesen. Viel- mehr ist auch denkbar, daß die Kriegspartei unter den Witboi das Zusammentreffen zwischen Herrn v. BurgSdorff und dem Kapitän hindern wollte, weil sie davon eine Störung ihrer Pläne be- fürchtete. Auch Frau v. Burgsdorff, welche ich hiernach gefragt habe, ist dieser Ansicht." Man sieht an diesem Beispiel, mit welcher Vorsicht Ent« hüllungcn über die Bestialität der südwcstafrikanischen Eingeborenen aufgenommen werden müssen!— Eine Protcstvcrsammlung gegen die geplante Brausteuer- crhöhnng fand gestern, am Sonntag, liier in der Tonhalle statt. Die Reichstagsabgcordneten Dr. Pachnicke. I. Kämpf, Dr. Hermes und der Direktor Mertens von der Schulthciß-Brauerci hielten über die Braustcucrvorlage längere Referate, die von den An- wesendcn, meist Besitzern und Leitern größerer nord- und mittel- deutscher Brauereien, mit Beifall aufgenommen wurden. Schließ- lich gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Die versammelten Vertreter des Braugewerbes verwahren sich auf das entschiedenste gegen den von den verbündeten Re- gierungcn dem Reichstag vorgelegten Brausteuerentwurf. Eine Erhöhung der Steuer um mehr als 60 Millionen Mark bedeutet für die Brauereien der Norddeutschen Brausteuergcmcinschaft, insbesondere für die kleinen und mittleren, eine Mehrbelastung, der sie nicht gewachsen sind. Sie würde zu einem Niedergang des Braugewerbes führen und zugleich den GastiSirtsstand sowie alle beteiligten Httlfsindustrien und Handelszweige empfindlich in Mitleidenschaft ziehen. Soweit eine Abwälzung auf die Vcr- brauchcr in Frage kommt, werden diese, also in erster Linie die breiten Massen der Bevölkerung, in einer Weise getroffen, die zu ihrer Leistungsfähigkeit uin"so weniger im Verhältnis steht, als bereits alle übrigen Lebens- und Genußmittcl stark verteuert sind. Die Angehörigen des Braugewerbes weigern sich keineswegs, zur Be st reitung höherer, den Macht- und Kulturz wecken des Reiches dienender Abgaben das ihrige beizu- tragen, wenn hierbei daS Stcucrprinzip der Gleichmäßigkeit und Allgemeinheit nickst verletzt wird. Sie erheben aber Wider- spruch dagegen, daß ihr Gewerbe als einzelnes herausgegriffen und zur Deckung eines namhaften Teils des Reichsfinanzbedarfs in einer Form herangezogen werden soll, welche diesen Grund- sähen zuwiderläuft und die Fortcntwickclnng der Brauindustric auf das äußerste gefährdet. Die Versammlung erwartet deshalb vom deutschen Reichstag, daß dieser, nachdem er 1893 schon eine Verdoppelung der Brausteucr für zu weitgehend erachtet hat, die nunmehr geforderte Verdreifachung derselben, zumal in An- betracht der seitdem eingetretenen wirtschaftlichen Erschwerungen um so nachdrücklicher ablehnen wird." Vor dem Schluß der Versammlung kam es zu einem Tumult. oer für das Verhältnis der kleineren zu den Großbrauercien charakteristisch ist. Nachdem obige Redner gesprochen hatten, wurde plötzlich von einem der größten Berliner Brauereibesitzer ein Schlußantrag gestellt, obgleich bisher noch kein Vertreter der kleineren und der Brauereien von obergärigem Bier zu Worte gekommen war. Auf den gegen dieses Verfahren erhobenen Protest wurde über den Schlußantrag unter großer Erregung der Ver- samnilung mehrmals abgestimmt mit dem Ergebnis, daß der Vor- sitzende eine Mehrheit für den Schluß konstatierte. Darauf ver- ließen alle zu der Gruppe der mittleren und kleinen Brauereien und zu den obergärigcn Brauereien gehörenden Teilnehmer unter scharfem Protest' gegen solche Vergewaltigung den Saal.« Der Vorsitzende brachte noch schnell die obige Resolution gegen die Er- höhung der Biersteuer zur Annahme und schloß dann unter großen: Tumult die Versammlung.—• Ein deutsch-brasilianischer Zwischenfall. Wie einige New Forker Blätter und die französische„Agence HavaS" zu berichten wissen, sollte sich die Besatzung des deutschen Kanonenbootes„Panther" in Jtajahy lBrasilien) einen schweren Uebergrifs haben zu schulden kommen lassen. Drei Offiziere mit zwölf Matrosen seien in einen Gasthof der kleinen Stadt ein- gedrungen und hätten sich eines gewissen Fritz Steinhoff mit Ge- walt bemächtigt unter dem Vorgeben, daß er vom„Panther" fahnenflüchtig sei. Die brasilische Presse erhebe wegen des Vor- fallcs Lärm, im Kongreß sei eine große Interpellation wegen„Ver- lctzung der Hoheiisrcchte" durch Deutsche eingebracht und es sei eine Tagesordnung angenommen worden, wonach. die Regierung sofortige Genugtuung verlangen solle. Tic„Köln. Ztg." bestreitet die Nichtigkeit dieser Darstellung. Sie läßt sich telcgraphisch aus Berlin melden „Nach den von uns eingezogenen Erkundigungen stellt sich heraus, daß es sich um eine einfache Matrosenstblägcrci gehandelt hat, bei der niemand auf den„Panther" geschleppt worden ist. Bei dieser Schlägerei ist ein Mann, der Reichsdeutscher ist, von den Matrosen, wie es scheint, ziemlich stark verprügelt worden. Einzelheiten über den Vorfall liegen hier nicht vor, jedoch ergibt sich aus den Depeschen, daß weder ein Deutscher noch ein Brasilier auf das Kriegsschiff„Panther" geschleppt worden jind und daß somit von der„Verletzung der Hoheitsrechte eines fremden Staates" gar keine Rede sein kann." Aufgehobenes Schreckensurteil. Kiel, 11. Dezember. Vom Oberkricgsgericht der Ostsecstation in der Berufungsinstanz freigesprochen wurden mangels aus- reichender Beweise der Torpedoheizer Wünnenberg und der Maschinistcnmaat Pelikan, die vom Kriegsgericht der l. Marine- Inspektion wegen militärischen Aufruhrs resp. Beihülfe dazu je zu 5 Jahren 1 Tag Gefängnis und Entfernung aus der Marine, letzterer außerdem zu Degradation verurteilt worden waren. Zwei andere an der Affäre beteiligt gewesenen Torpedoheizer, gegen die auf ö Jahre ö Monate resp. 6 Jahre 3 Monate Zucht- haus erkannt worden war, außerdem Entfernung aus der Marine, hatten sich bei dem Urteil beruhigt. Gegen das gegen Wünnenberg und Pelikan ergangene Urteil hatten indes sowohl diese wie der Gerichtsherr Berufung eingelegt, letzterer mit der Begründung, daß gegen Wünnenberg auf Zucht- haus hätte erkannt und Pelikan statt wegen Bcihülfe zum Militär- ischcn Ausruhr wegen erschwerter gemeinschaftlicher Körperverletzung hätte bestraft werden müssen. Die heutige Verhandlung endete, wie oben bemerkt, mit Freisprechung, obgleich die schwersten Verdachtsmomente für ihre Schuld vorlagen, aber doch ein schlüssiger Beweis nicht dafür erbracht werden konnte, daß die Angeklagten an dem Ueberfall auf vier Maschinistenmaate, um den es sich gehandelt, direkt beteiligt gewesen waren, während ihre Teilnahme an der ganzen Affäre feststand. Aus diesen: Grunde wurde ihnen auch eine Entsckstidigung für unschuldig erlittene Unter- suchungshaft nicht zugebilligt. Bei der ganzen Affäre hatte es sich nur um eine jener„kamcrad- schaftlichen Rempeleien" gehandelt, wie sie in Kiel an der Tages- ordnung sind.—_ Akademischer Flottcnkollcr. Um ihre feucht-patriotischen Gefühle zur Geltung z:: bringen, plant die Leipziger Studentenschast für den 14. d. M. in den Räumen des Kristallpalastes eine Kundgebung für die Flottenvorlage.— Gegen die Tabaksteuer. Die Zentralkommission der Tabak- arbeitcr Deutschlands erläßt einen Aufruf an die Tabakarbeiter Deutschlands, in tvelchem sie zur Agitation gegen die Tabaksteuer- vorlagen auffordert: „Jetzt, wo die Steuervorlagen erschienen sind", heißt es zum Schluß,„haben die Tabakarbeiter durch ihre Kommissionen an den Reichstagsabgeordneten ibres Kreises, an die Abgeordneten aller Parteien heranzutreten, sie zu fragen, wie sie sich dieser Vorlage gegenüber verhalten werden, wie sie ihr Mandat als„Volksvertreter" auszuüben gedenken. Zeigt ihnen eure traurige Lage, die Erbärm- lichkeit eurer Verhältnisse! Sie können und dürfen sich nicht zum Mitschuldigen an der Vernichtung der Tabakindnstrie machen. Dieses Herantreten an die einzelnen Abgeordneten, gleichviel welcher Partei, hat im Jahre 1893 sehr gute Erfolge gezeitigt; die Abwehr der da- nmligcn Stenervorlagen von 1894—1895 ist zum guten Teil diesen: Vorgehen mit zu verdanken gewesen. Kollegen Deutschlands! Ans Werk, beruft Versammlungen ein, sammelt Geldmittel, tretet ein in die Agitation gegen die Volks- Ntörderischc Vorlage der Regierung!" Die wahre Ursache der Vichscuchcnvcrbrcitnng Ivurde am Sonn- abend in: weimarischen Landtage von dem Abg. Collen- b u s ch bekannt gegeben. Herr Collenbusch ist Besitzer eines großen Gutes in S ch I o ß v i p p a ch und gilt als tüchtiger Fachmann. Den: Landtag war von der Regierung eine Vorlage unterbreitet worden, welche die Entschädigungspflicht für die an Milzbrand ge- fallcnen Rinder auch aus„Ranschbrand" und„Wildsenche" ausdehnt. Der Abg. Collenbusch erklärte sich mit der Vorlage einverstanden, führte dann aber aus, daß er zur Sprache bringen müsse, was die Schuld an der„ s ch r e ck e n e r r e g e n d e n" Zunahme der Milzbrandseuche im Großherzogtun: trage. Die Schuld Haupt- sächlich an der„mangelhaften V e k ä m p f n:: g" der Seuchen. C:>: großer Teil der Dorsbürgermeister handhabe die zur Be- kämpfung der Seuchen erlassenen Bestimmungen viel zu lap. Bein: Transport und der Vernichtung des gefallenen Viehes werde nicht gewissen hast genug verfahren: daher komme es, daß die Bakterien weiter verbreitet würden. Es gebe sogar n: e n s ch I i ch e Hyänen. Es sei vorgekommen, daß gefallenes Vieh, daS bereits eingegraben war, lvieder aus- gegraben und—— verkauft worden sei. Er scheue sich nicht, bezüglich der V o l l st ä n d i g ungenügenden Bekämpfung der Seuchen zu erklären: Wir sind allzumal Sünder! Die übrige:: agrarischen Abgeordneten schwiegen zu diesen Ans- ftthrungcn. Verständnisinnig blinzelten sie sich zu, als der Abg. B a u d c r t diese offenherzigen Ausführungen festnagelte.— /Zustand. Italien. Krisrngcrüchte. Rom, den 9. Dezember.(Eig. Bcr.l Die Zollabmachung mit Spanien scheint wirklich dem Kabinett F o r t i s den Hals brechen zu sollen. Tie Erregung in den Wein produzierenden Provinzen hält an, obwohl eS der ruhigen Ucberlcgung nicht verborgen bleiben kann, daß die praktische Bedeutung der spanischen Konkurrenz die heutige Konkurrenz nicht zu rechtfertigen vermag; dieses Mißverhältnis zwischen Ursache und Wirkung hat sogar den Gedanken aufkommen lassen, als liege der ganze:: Zollabmachimg eine Spekulation der norditalicnischcn' Wcinhändler zugrunde, die in diesem Jahre hoher Weinpreise die Preise drücken lvollten und die Rcgiming zun: unbewußten Werkzeug dieses An- schlagcs zu machen verstanden. Jedenfalls ist die Situation für das Ministerium nicht erfreulich. Die offiziöse„Tribun a" hat den Vorschlag gemacht, ein politisches Botun: über die innere P o li ti'k zu provozieren und zwar bei Gelegenheit der Jnter- pellationen über das Blutbad von G r a n m i ch e l e. Natürlich hätte dieses Votum eine große Mehrheit ergeben, und dam: hätte FortiS die Diskussion über die spanische Zollabmachung abwarten können, ihr keine politische Bedeutung beizumessen brauchen und im Falle eines ungünstigen Bottuns nur die„technischen Minister", die direkt die Zollabmachung verbrochen haben, ausgemerzt. FortiS, der wahr- scheinlich der Vormnndschast der„Tribuna" einigermaßen müde ist. im: so mehr, als ihn das Blatt nur als den Wegbereiter für den Messias G i o l i t t i gelten läßt, bar aber erklärt, er werde ein Votum über die Zollabmachuiig selbst fordern und, falls ihn die Mehrheit in: Stich lasse, zurücktreten.' Heute sieht es stark danach ans, als«volle die Riehrheit Hern: Fortis„im Stich lassen". Die lokalen Interessen der südlichen Wahl- lreise drohen, dem ewigen MimsterialiSnms ihrer Vertreter Gewalt aiizntun. Immerhin kann sich bis zur Diskussion und durch diese noch manches ändern. Für Montag sind die Interpellationen über Granmichele an- gesetzt, Dienstag die Beratung der Zollabmachnng. Vor Freitag oder Sonnabend ist das Votum kaum zu erwarten. Zn vielen Kommentalen gibt die Tatsache Anlaß, daß die gestrige„Tribuna" das Ministerium schon ganz fallen läßt.— In diesem eigenartigen Verhalten einer ossiziösen Zeitung will man den Einfluß des kommenden Kabinetts Giolitt: sehen.— England. Das neue Ministerium. Endlich hat Eampbell-Bannerman doch eine Art Mischlingskabinett zu stände gebracht: Liberale, Konser- vative. Imperialisten, Jrcnfcennde, Jrenfeiude und wer weiß was noch für Schattierungen. Im einzelnen sind die Posten folgender- maßen verteilt: Edward G r e y, Minister des Aeußercn; Herbert G l a d st o n e, Minister des Inneren; Earl o f C r e w e, Lord- Präsident des Geheimen Rates; A s q n i t h, Finanznnnister; Earl of Cor rington, Ackerbau: Haldane, Kriegsministcr: Lord T w e e d m o ii t h. Marineminister; Robert Neid. Lord-Kanzler: V i r r e l für Volksbildung; John M o r l c h. Minister für Jiidici:: Sinklair für Schottland; Vryce für Irland; Llohd-l George für Handel;„Genosse" John Burns, Minister für Lokalverwaltung; Sydney Buxton, Gcneralpostmeister; Fred Elgien Minister für die Kolonien. Der Name Elgien hat bekanntlich schlechten Klang in der Kulturwelt; denn es war ja ein Elgien, der zu Anfang des 19. Jahrhunderts die herrlichen griechischen Kunstwerke ans Athen stahl. Hoffentlich macht sich der neue Kolonialminister in seinem Ressort die Methode seines diebischen Namensvetters nicht zu eigen. Die meisten dieser neuen Männer sind noch unbeschriebene Blätter; doch wird das Kabinett allgemein für stark und lebensfähig gehalten. Die Zeit wird lehren, ob diese Auffassimg berechtigt ist. Uns scheint, es werde entweder schnell abwirtschaften, oder aber, wenn es sich bis ins Frühjahr 1906 halten sollte, in der Tat zu längerem Leben berufen sein.— Dänemark. Sozialdemokratische Gcsetzesvorschläge. In den Folkethingssitzungen ain Freitag und Sonnabend voriger Woche wurde über drei verschiedene Eesetzcsvorschläge der sozialdemokratischen Fraktion beraten. Zunächst über einen Vor- schlag zur Abschaffung des Adels, der Titel, der Ordens- und Rangauszeichnungcn. Dieser Vor- schlag ist im wesentlichen eine Wiederholung des im Jahre 1871 und 1874 von dem allen Demokraten C. Berg eingebrachten und von Alberti und Högsbro unterzeichneten Antrags. Die Söhne dieser drei Linkenmänner von dazumal sitzen nun in dem zweiten Linken- Ministerium. Aber diese Söhne haben das demokratisckie Programm ihrer Väter schmählich verraten. Ter Chef ihres Ministeriums, C h r i st e n s c n, machte unserem Parteigenossen W i i n b l a d zun: Vorwurf, daß er dieselben Gründe, wie jene alten Demokraten, für den Antrag anführte; der Präsident des Linkenministeriums selbst aber bekämpfte den Antrag gerade mit denselben Vorwänden, wie seinerzeit die alten Konservativen. Außer unseren Genossen traten nur die Redner der neuen radikalen Linken für den Antrag ein. der schließlich, wie üblich, einem Ausschuh überwiesen wurde. Die große Regierungslinke hat auch in dieser Sache ihre alten guten Grundsätze über Bord geworfen.— Ter zweite Gesetzesvorschlag verlangt die Ausdehnung der Unfallversicherung auf die land- und so r st wirtschaftlichen Arbeiter. Er wurde von dem Genossen M. Olsen begründet, fand jedoch unter den bürgerlichen Parteien nur die Billigung des Wort- sührers der Radikalen. Der Minister des Innern, Berg, er- klärte, er betrachte den Vorschlag als einen„sozialdemokratischen Wunschzettel", der als solcher überflüssig sei, Iveil er, der Minister, im vorigen Jahre versprochen habe, diese Reform stückweise zn fördern. Daß die Regierung dies Versprechen gegeben hat, ist selbstverständlich nur dem unaufhörlichen Drängen der Sozialdcmo- kratie zu verdanken. Der Vorschlag wurde dem Ausschuß überwiesen, der sich mit der nicht minder notwendigen Anfall Versicherung für Fischer befaßt. Darauf folgte die Beratung des Gesetzentwurf über den Achtstundentag, ausführlich begründet vom Genossen M. Olsen, der als Vorsitzender des dänischen Gewerkschaftsver- bandcs in dieser Hinsicht über eine besonders reiche Sachkenntnis verfügt. Der Entwurf hat das Folkething bereits mehrere Male beschäftigt, wird aber von unseren Parteigenossen immer wieder von neuem eingebracht, und es zeigt sich denn auch, daß sich nach und nach selbst bei Konservativen das Verständnis für die Notwendigkeit gesetzlicher Beschränkung der Arbeitszeit Bahn bricht. Der Minister des Innern erklärte nun zwar, daß er es„unnatürlich" finde, ein Gesetz über die Arbeitszeit zn erlassen, weil das eine Sache sei, die zwischen Arbeitern und Arbeitgebern zu regeln wäre; er sprach sich aber doch für die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit in gesund- h c i t s s ch ä d l i ch c n Betrieben aus, worüber, wie es jetzt schon geschieht, in jedem Falle der aus Vertretern der organisierten Ar- bcitcr und Arbeitgeber bestehende„Arbeitsrat" vorher Unter- suchungen anstellen solle. Auch dieser Gesetzentwurf wurde einem Ausschuß überwiesen.— Finnland. Keine Spaltung in der Sozialdemokratie. In Nr. 982 des„Vorwärts" wurde erwähnt, daß in Börncborg zwei Sozialdemokraten in den finnischen Landtag gewählt seien, und dazu bemerkt, daß hier offenbar ein Disziplinbruch gegen den ans dein Parteitag in Tammersfors gefaßten Beschlutz der Wahlent- Haltung vorliege. Ter finnländische Parteisekretär, Genosse U r j ö E. S i r o la, hat nun in Stockholms„Social-Demokratcn" eine Erklärung veröffentlicht, aus der hervorgeht, daß hier ein Irrtum obwalte. Die beiden Gewählten sind keine Sozialdemokratei:. Sie haben zwar früher dem Arbeiterverein angehört, der eine ist jedoch ausgetreten, der andere ausgeschlossen worden. Sie sind von der k o>: st i t u t i o n e l l e n Partei aufgestellt und gewählt worden. Der Börneborgcr Arbeiterverein hat keine Kandidaten zum Land- tag aufgestellt, sich also auch keineswegs über den Beschlutz von TainmcrsforS hinweggesetzt.— Türkei. Endlich! Der Ehef der Geheimpolizei F e h m i Pascha ist verhaftet worden, da festgestellt würde, daß er ein Bombenattentat gegen sich durch einen seiner eigenen Diener ausführen ließ. Der aus der Türkei geflohene frühere Kamnierherr Arif Bei ist in seine früheren Aemter und Würden wieder eingesetzt worden. Auch die Befreiung deS Marschalls Fnad� Pascha, welcher vor vier Jahren auf Anstiften Fehini Paschas zum Tode und zur Degradation verurteilt und später zu lebenslängliche»: Kerker in Damaskus begnadigt worden lvar, steht bevor. Wir hatten des sauberen Geimpolizeipräsidenten schurkische Taten erst kürzlich besprochen. Es hat recht lange gedauert, bis ihn die redlich verdiente Strafe ereilte.— Asien. Wirrnisse. Japan hat noch imiiicr mit Schtvierigkeitcn zu kämpfen, wo es die Bestimmungen seines Vertrages mit Korea durchführen will. So berichten jetzt Privatmeldungen aus Söul, daß man dort ein Kom- ploit entdeckte, welches bezweckte, sämtliche koreanischen Minister, die den Vertrag mit Japan unterzeichnet haben, zu ermorde:» Donners- tag mittag hielten die Haupträdelssührer eine geheime Versammlung ab, als plötzlick japanische Soldaten in das Lokal eindrangen und zehn Verschwörer verhafteten.— Umgekehrt sollen von japanischer Seite den englischen und den amerikanischen Kaufleuten arge Schwierigkeiten bereitet werden. Ein Herold-Telegramm meldet darüber folgendes: Aus Peking wird gemeldet, die Bovkoirerklärung gegen englische und amerikanische Waren bat in der Mandschurei eine große Ans- dehnung gewonnen. Tie japanische Polizei hat die Plakate der englischen und amerikanischen Tabakverkäufer zerstört. Der Agent einer Handel sgesellschaft in Niutschwang beklagt sich, datz er keine Abschlüsse mehr machen könne. Endlich wird durch Bureau Lassan aus Peking telegraphiert: Die Bevollmächtigten Chinas und Japans konnten bisher sich nicht über die Kontrolle der Mandschureibahn verständigen. Die Kaiserin-Witwc von China widersetzt sich energisch der Beibehaltung japanischer Eisenbahnwachen und � den japanischen Vorschlägen be- züglich der Zollverwaltung für die Mandschurei.— Amerika. Aus Paraguay. Telegramme des argcniiuischei: Geschäftsträgers in Affuncion berichten, daß der Präsident der Republik Paraguay Gaora am Donnerstag vom Kongreß seines Anites enthoben worden ist. An seiner Stelle wurde Dr. Balz ernannt. Solche Leitung der StaatSgeschäfte könnte diesseits wie jenseits d?S OzeanS auch größeren Staaten als Paraguay nichts schaden.— 6ewcrhrcbaftlube9. Die Quittung der Bergleute. Wir haben schon mitgeteilt, daß die ultramontane Dortmunder„Tremonia" in unbändiger Wut den Beschluß des Bergarbeitcrverbagdes, bei den Arbeiterausschuß- Wahlen sich der Wahl zu enthalten, als Arbciterverrat hin- zustellen versucht hat. Mit welchem„Erfolg" sie da gehetzt ertennung der Eisenbahner-Organisation die Resistenz eingestellt wurde, habe man auch aus Wunsch deS Leiters des Eisenbahn- Ministeriums auf den Privatbahnen dieselbe eingestellt, weil er ihnen die Zusicherung gab, daß er sich bei den Privatbahnen für die Bewilligung ihrer Forderungen einsetzen werde. Inzwischen hal>en die Verhandlungen stattgefunden und die Verwaltungen der Privatbahnen erklärten, daß sie ihrem Personal die gleichen Zugeständnisse bewilligen wie die k. k. Staatslmhnen, doch seien sie nicht in der Lage, die Vertrauensmänner der Organi- hat. beweist die am folgenden Tage stattgcfundene W a h l � langen, sse�häucn �ur�mll�chrim� Angestellten direkt auf Zeche„Freie Vogel" bei Dortnumd. Äormten wir bisher von 7 Mann auf einer Zeche und 80 Mann einer anderen Zeche berichten, die gewählt hatten, so können wir von„Freie Vogel" melden, daß sage und schreibe— ein Mann zur Wahlurne schritt. Und die Stimme dieses einzigen Wählers war obenein noch ungültig, weil der Stimmzettel nicht zu entziffern war. Die Wahl ist also nicht zustande gekommen und„Freie Vogel" wird sich vorläufig ohne Ausschuß behelfen müssen. Eine schallende Ohrfeige für die Regierung und die schwarzen Demagogen I Nicht mal die Streikbrecher trauen der„Tremonia" noch; sie haben es vorgezogen, nicht auf deren Leimruten zu gehen. So wissen die Bergleute zu antworten l BerHn una amgcgend. Die Schriftgießerei H. Berthold sendet uns eine weitere Zu- schrift, in welcher sie erklärt, sie habe ihren Petersburger Gießern nicht mit Aussperrung gedroht. Die russischen Gießer hätten sich vielmehr zwecks Durchsetzung des Achtstundentages und anderer wirtschaftlicher und politischer Forderungen aus freien Stücken dem Generalstreik angeschlossen. OetitMi«« Rclch. Zum Streik auf Zeche„WicndahlSbank". Zum Streik der Schlepper und Pfcrdetreibcr, der den Betrieb fast völlig lahm legte, kam Freitag in der Frühschicht noch ein Schachlbruch, wodurch der Schacht nn fahrbar wurde. Auch der Förderkorb war demoliert. Die gesamte Belegschaft war also genötigt, auf den„Fahrten" zu Tage zu klettern. Verhältnismäßig schnell gelang aber die Reparatur des Sckmchtes— und schon Sonnabend früh konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Inzwischen hatte auch Freitag nackiniittag eine Versammlung der Streikenden stattgefunden, in welcher sie von der Organisation zur Anfahrt ermahnt wurden. Der Erfolg war, daß auch Sonnabend früh alle ausständigen Schlepper und Pferdetreiber die Arbeit wiederaufnahmen. Nun konnten es sich aber verschiedene Beamten nicht versagen, die Leute ob ihrer Niederlage zu höhnen und zu hänseln, was diese so erbitterte, daß die Schlepper und Pserdetreiber der Mittag- schicht— 44 Mann an der Zahl— abermals die Arbeit niederlegten. Der Betrieb ruhte wieder fast vollständig und die Eisenbahn brauchte keine leere Waggons zu stellen. Die Lohnbewegung der sächsischen Bergarbeiter im Zwickauer und Luga u-Oels nitzer Revier hat nicht, wie die sauberen Herren Grubenbesitzer erwartet haben werden, einen raschen Abschluß gefunden. Auch die Forderungen der Beleg- schaften haben die Verwaltungen durch Anschlag ans den Gruben be« kannt gemacht, daß sie eine Zulage gewähren wollen in Höhe von 15 Pf. pro Schicht für Arbeiter unter 21 Jahren und von 25 Pf. für Arbeiter über 21 Jahren. Diese Zulage wurde außerdem nur als Teuerungszulage gewährt und soll nur so lange gezahlt werden, als die Kohlenpreise auf der von den Grubenbesitzern fest- gesetzten Höhe stehen bleiben. Die Grubenverwaltungen haben sofort eine Erhöhung der Kohlenpreise festgesetzt. Und zwar wollen sie die Lohnbewegung der Arbeiter zu einem besonderen Attentat ans die Taschen der Konsumenten benutzen. Sie fordern viel mehr, als sie den Arbeitern zu zahlen gedenken. Im Lugau-Oelsnitzcr Revier fanden am Sonntag. den 10. Dezember, in 4 Orlen von Bergarbeilern massenhaft besuchte Versammlungen statt. In denselben wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Bergarbeiter den Anerbiewngen der Grubenver- lvaltungen mit sehr gemischten Gefühlen gegenüberstehen müssen. Da die Zulage nur als Teuerungszulage gezahlt werden solle, habe man keine Garantie dafür, daß sie bald wieder zurückgezogen werde. Die Zulage müßte auf die Schichtlöhne sofort eingerechnet werden. Auch unbefriedigend sei das Gebotene. Doppelt soviel als die Zulage beWage, erhielten die Unternehmer durch die Preiserhöhung für Kohle. Im Zwickaner Revier betrage der Extragewinn der Unternehmer mindestens 000 000 M., im Lugau-Oelsnitzer Revier 500 000 M. Es wurde eine Resolution beschlossen, durch welche die Arbcitervertreter auf den Gruben angewiesen werden, erneut an die Verwaltungen heran- zutreten, um neue Verhandlungen einzuleiten, die bis zum 1ö. Januar n. I. zum Abschluß zu bringen sind. Gefordert soll werden, daß die Zulage sofort auf die Schichtlöhne angerechnet wird. Ebenso soll die achttägige Lohnzahlung, Beseitigung der ge- trennten Gedinge und anderes mehr gefordert werden. Die Resolution wurde in allen Versammlungen einstimmig angenommen. Ein Streik der Gasarbciter ist in Augsburg ausgebrochen. Die gesamte Gnslieferung für die Stadt liegt in den Händen einer Aktiengesellschaft, die jährlich Riescnprofite einsteckt. Trotzdem ver- Iveigerte man den Arbeitern die Erfüllung minimaler Forderungen. Die„liberale" Stadtverwaltung, deren Mitglieder zum großon Teil Aktionäre der Gasfabrik sind, gibt sich die größte Mühe, Streik- brccher anS Spitälern. Jdiotenanstalten usw. zusammenzubringen. doch ohne nennenswerten Erfolg. Gewerbcgrrichtswahlcu in München. Bei der Wahl der Gewerbe- gerichtsbeisitzer aus dein Arbeitgeberstande in München wurden am 10. Dezember für die sozialdemokratische Liste 512 Stimmen ab- gegeben, während auf die Liste des Gewerbevereins 20öli Stimmen entfielen. Da nach dem Propotionalsystem gewählt wird, erhalten wir von 60 Beisitzern 12, und von den 18 Ersatzmännern 3. Zwischen den chirurgischen und orthopädie-mechanischen Werk- Mten und dem Deutschen Metallarbeiter- Verband in M ü n ck e n tvurde ein Tarifvertrag abgeschlossen, der bis zum t. Januar 1908 Gültigleit hat. Danach beträgt die Arbeitszeit Stunden, Ueber- stunden werden mit 30 Proz., SonntagSarbeit mit 40 Proz. Auf- schlag bezahlt. Die M i n d e st l ö h n e wurden nach Altersklassen festgesetzt und betragen 15—30 M. Der Mindestlohn für Näherinnen beträgt im ersten Jahre 10 M., im zweiten Jahre 12 M. und im dritten Jahre 16 M. Akkorde sind schriftlich zu vereinbaren und ist der vereinbarte Wochenlohn bei Akkordarbeit zu garantieren. Zur Schlichtung von Streitigkeiten ist ein Tarifamt vorgesehen. WiederauLbruch der passiven Resistenz. Wien, 10. Dezember. sEig. Der.) In der heutigen Sitzung deS österreichischen Gewerkschaftskongresses gab der Vertreter der Eisenbahner-Organisation, G r ü l l, eine Erklärung ab, nach welcher der WiederauSbruch der passiven Resistenz bei den Privatbahnen bevor- steht und richtete an die Gewerkschaften einen Appell, an der Seite der Eisenbahner mitzukämpfen. Er teilte mit. nachdem infolge der Zugeständnisse der k. t. Staatsbalznen an ihre Bediensteten und An zu verhandeln. Diese Erklärung, durch welche die Organisation der Eisenbahner nicht anerkannt wird, hat unter den gesamten Eisen bahnern eine große Erbitterung hervorgerufen. Wir, b'wnte Grüll, sind min nicht mehr imstande, die neuerlich aus gebrochene Bewegung aufzuhalten. Mährend das Eisenbahn-Ministerium mit den Vertretern der Organisation ver- handelte, sehen es die Teitteles und Konsorten als Erniedrigung an die Vertrauensmänner zu empfangen. Die Organisation lehne nun jede Verantwortung für die kommenden Ereignisse ab und bittet die gesamte Arbeiterschaft bei Aufnahme des Kampfes, um ihre Unterstützung in jeder Hinsicht. Der Vorsitzende der Reichs-Gewerkschaftskommission, S m i t k a, sprach den kämpfenden Eisenbahnern im Namen des Kongresses die vollsten Sympathien aus und gab die Versicherung, daß sie in ihrem Kampfe der Unterstützung der gesamten Arbeiterschaft versichert sein lönncn.(Lebhafte Zustimmungskundgebnng.), Versammlungen. Der Verband der Schneider(Filiale Berlin) hielt am 16. No- vember in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20, eine Versammlung ab. Auf der Tagesordnung stand: Vortrag des Genossen Kaliski über:„Unehrliche Leute"; Diskussion über den Jahres- bericht. Zum Schlüsse lag eine Resolution vor, welche sich mit der Haltung der.Fachzeitung für Schneider" in Sachen des„Vor- Wärts"-Konfliktes beschäftigte und folgendermaßen lautete: „Die heute, den 16. November 1905, in den Arminhallen, Kom- mandantenstr. 20, tagende Versammlung des Verbandes der Schneider und Schneiderinnen, Filiale Berlin, verurteilt auf das Entschieocnstc das Hineinmischen der„Fachzeitung für Schneider" in die„Vorwarts"-Angelegcnheit, da dieselbe nur geeignet ist, Ver- wirrung in den Reihen der Kollegen hervorzurufen. Die' Ver- sammelten sind der Meinung, daß die Redaktion sich schon aus taktischen Gründen jede Einmischung in diese Angelegenheit hätte versagen müssen, da nur ein kleiner Bruchteil der im Verband der Schneider organisierten Kollegen politisch organisiert ist. mr�tJ�cV-teXen.tc')cIt, Versammlung das Verhalten der �.�f das bestimmteste, weil dieselbe das Verhalten '"cht verhindert hat. Die Versammlung ersucht die ��)0mmission auf das bestimmteste, jede weitere Einmischung der Redaktion in diese Angelegenheit mit allen ihr zu Gebote stehenden Ifinni s3" �rhlndern. Ebenso die darauf bezüglichen Artikel. �- ch.t'euen in Nr. 45 des Fachorgans vom 11. November, auf das entschiedenste zurückzuweisen. Schrekling." aus- Esltt � d-r Kollege Schrekling etwa folgendes aus LS ist cm bedauerlicher Zustand, daß die Gewerkschaftsvrcslo mif bcn Parteivorstand und die Partei z u u äch f ü r w c N 7- c c � durch solche Artikel die Agitation erschwert Wen? m,™ �"V�r auch für die Gewerkschaften, mlvö*»■«' man bedenkt, daß die Gewerkschaftövresse in siert?n Arbeiwr bcßtb.teüet roo die gewerkschaftlich organi- Verein en 9 Ä r" Krtegerber-men und sonstigen bürgerlichen Artikel den begreift man erst, welches Unheil derartige rl Arbeitern zufügen können. In kleinen Orten, wo die in t>-n m �""3 noch nicht erstarkt ist, wo die Arbeiterschaft noch ur den Anfangsgründen der gewerkschaftlichen Bcweauna siebt wirken.derartige Artikel geradezu verwirrend Daß dw Ä komiruinen die Aufnahme dieser Artikel nicht verhindert hat ist J�'�nenh- Begreiflich ist es aber, wenn man bedenkt, daß' die ?i.k�vmmstsion statt alle Woche einmal, alle halbe Jahre einmal !'Sf ninc"r-lunif: Di- Preßkommistion hat kein "llart Kollege Schrekling: DaS wäre noch schöner: zu was ist sie denn da? Die Artikel in Nr. 45 der Fachzeitung sind. abgesehen davon, daß sie Verwirrung in die Reihen der Kollegen tragen, nur geeignet, den Gegnern Material zu liefern. Die fHs TS o legGii, welche zum größten Teile politisch organisiert sind, haben alle Veranlassung, möglichst einstimmigen Protest gegen die Haltung der Fachzeitung zu erheben.— Der anwesende Rcdak- �".v Sabath erklärt, man müsse, bevor man zur Annahme dieser Reiolntion gelange, auch ,hn gehört haben, die Zeit sei aber so weit vorgeschritten— es war%12 Uhr—. daß. wenn er sich verteidigen wolle, der Saal sich wohl inzwischen leeren würde. Darauf wurde die Angelegenheit vertagt. Am 6. Dezember fand die Fortsetzung dieser Versammlung statt, in welcher zunächst dem Kollegen Sabath das Wort verstattct wurde. Er führte etwa das folgende aus: Wenn ich zu dieser Angelegenheit in der Fach- zeltung Stellung nahm, so geschah das einzig und allein aus dem Grunde, gegen die meines ErachtenS verkehrte Auffassung des Porteivorstandes zu protestieren. Wo sollte es hinführen, wenn die Auffasiung des Parteivorstandes bezüglich der Entlassung von Partei-Ängesiellten, ohne dieselben gehört" zu haben, richtig wäre? �vir tzaben gerade genug zu tun im Kampf gegen die Unter- nehmer, die zust den Standpunkt, den der Parteivorstand vertreten yat, vertreten. Um aber zu verhindern, daß die Unternehmer ein- mal sagen konnten:„Ihr Partcivorstand vertritt ja dieselbe An- M'�n- bei �hnen auf Widerstand zu stoßen," habe er es für seine Psticht gehalten, gegen eine derartige Auffassilng und nicht gegen �vvtelvorstand als solchen Stellung zu nehmen. Des weiteren fuhrt Redner aus, daß sogar das„Hamburger Echo", eins der objektivsten Organe der Partei, geschrieben habe, daß den Rcdak- teuren in diesem Falle Unrecht geschehen sei. und zwar wurde daö ausgeführt in derselben Nummer, in welcher das„Echo" das Per- halten der Redaketure kritisierte. Die Kritik, welche das„Echo" an den Redakteuren übte, brachte der„Vorwärts", jedoch die Kritik am Parteivorstand nicht. Wie sehr die Auffassung des Parteivorstandes sich eigene, den Gewerkschaften als Knüppel zwischen die Beine geworfen zu werden, illustrierte er an folgendem Beispiel: Als die Lederarbeiter einer Stadt mit einem Arbeit- gcber in Differenzen kamen und die Organisation mit dem Unter- nchmer der Differenzen wegen verhandeln wollte, erklärte derselbe: „Was wollen Sie? Ihr Partcivorstand macht es genau so wie ich." Sodann müsse man ihm doch auch zutrauen, daß er imstande sei, sich über derartige Vörkommnisse eine eigene Meinung zu bilden. Der Artikel, welchen die Generalkommission versandt hätte, sei keine neue Erscheinung, im Gegenteil, da» sei schon früher so gemacht worden. In Zukunft werde er aber auch genau so handeln, wie er es mit seinem Gewissen vereinbaren könne, daß es zum Wohle der Gesamtheit sei. Während der Ausführungen deS Redners herrschte zeitweise große Unruhe.— B o h m gab eine chronologische Schilderung der Vorgänge im„Vorwärts". Dann wandte er sich gegen die Stelle der Resolution, welche der Preß- kommission einen Tadel aussvricht. Die Prcßkommission erbölt nicht früher Mitteilung von dem Inhalt der Zeitung wie jedes andere Mitglied, kann also auch erst nachher einschreiten.— Schrekling bringt in seiner Entgegnung ungefähr dieselben Argumente vor, wie zur Begründung seiner Resolnkion und be- merkt unter anderem: Die Herren von der Generalkommission haben Morgenluft gewittert. Wenn der Kollege Sabath sich dick- köpfig zeigen will und die Fachzeitung nicht so redigiert, wie es die Mitglieder wünschen, so muß eben auf dem nächsten Verbands- tage über die Sache verhandelt werden. Dann rezitiert er noch einen Ausspruch Bebels in Dresden, den er auf die Gcwcrkschafts- beamtcn wie folgt angewendet wissen will:„Seht Euch die Gewcrk- schaftsbcamten an. dreht sie um und dreht sie nochmal um. und seht sie Euch nochmal an, bevor Ihr ihnen eine Vertrauens- stellung gebt/— Stühmer ging an der Hand deS Brief- Wechsels der Redakteure mit dem Part ei vorstand die ganze An- gelegcnheit durch, wobei er zunächst durch Zurufe: Stampfer, Meinungssabrik, unterbrochen wurde. Er weist an der Hand der einzelnen Daten nach, daß die Redaktcure auf die Beantwortung des Briefes, in welchem sie die Unterredung nachsuchten, volle zehn Tage warten mußten. Erst nachdem bekannt wurde, daß die Kün- digung erfolgen sollte, haben sich die Redakteure solidarisch erklärt und gekündigt. Diese Kündigung habe nun, entgegen einer Er- klärung eines Vorstandsmitgliedes in Jena, doch erfolgen sollen. Damit war ohne Zweifel die ganze Angelegenheit in eine neue Phase der Entwickelung gekommen, die es rechtfertigte, daß den Redakteuren Gelegenheit gegeben würde, zu erfahren, was gegen sie vorliegt. Kollegen, ich meine, wenn wir von einem bürgerlichen Unternehmer verlangen, daß er die Gründe, welche ihn zu der Kündigung veranlaßt haben, angibt, dann ist der Partcivorstand moralisch—(Grvße Unruhe. Schlutzrufe.)—. ich meine, dann ist der Parteivorstaud moralisch dazu verpflichtet.(Erneute große Unruhe.) Kollegen, das Anstellungsverhältnis kann niemals so aufgefaßt werden, daß der Parteivorstand bei einer Kündigung keine Gründe anzugeben brauche. Wenn die Verhältnisse unHalt- bare geworden sind, so muß es möglich sein, unter Genossen eine Lösung auf freundschaftlichem Wege herbeizuftihren und nicht in so schroffer Weise, wie eS hier geschehen. Es handelte sich hier um die Partei-Ehre der Beteiligten.— Sabath bemerkt noch kurz, nicht er, sondern diejenigen, welche die Fehler gemacht haben, seien schuld, wenn Verwirrung entstände.— Schrekling entfernt den Tadel für die Preßkommission aus seiner Resolution, alsdann wird über die Resolution abIestimmt. Von etwa 400 Anwesenden stimmten 244 für und 28 gegen die Resolution. Verband städtischer Arbeiter. Eine gut besuchte Gencralver- sammlung der Filiale Groß-Bcrlin fand am 6. Dezember bei D r ä s e l statt. Ortssekretär E. D i t t m e r referierte über„Die Revolution in Rußland". Ter Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen, ebenso sprachen sich die Diskussionsredner im Sinne des Referenten aus. Nach einer kurzen Ansprache des Stadt- verordneten W n tz k y- Rixdonf erfolgte die Wahl deS 2. Orts- sckretärs der Filiale, welcher vom 1. Januar 1906 hauptsächlich die Agitation leiten soll. Die Wahl erfolgte vermittelst Stimmzettel und erbrachte eine überwältigende Mehrheit für den Gen. W u tz k y- Rixdorf.— Ueber die eventuelle Einführung einer weiteren Unterstützungseinrichtung für die Berliner Filiale referierte der Filialkassierer Kolleye H o f f m a n n. Derselbe sprach sich im Prinzip für eine Erwerbslosenunterstützung aus, doch müsse notwendig eine wesentliche Beitragserhöhung damit verbunden sein. Da hierzu aber im Moment wenig Stimmung vorhanden sei. befürwortete er eine Notfallunterstützung ohne Bei- tragserhöhung. Die eingereichte diesbezügliche Resolution wurde jedoch abgelehnt und die Versammlung beschloß gemäß dem An- trage M a s p h u l, daß der Filialvorstand in einer spater ein- zuberufcnden Generalversammlung die Erwerbslosenunter- stütz ung auf die Tagesordnung setzen möge. Mit einem Hoch auf den Verband schloß der Vorsitzende F i e b i g die Versammlung. Eingegangene Druc&rchnfteii, Bon der„Neuen Zeit-(Stuttgart. Paul Singer) ist soeben das 1t Heft deS 24. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt de» Heftes heben wir hervor: Der preutzischc Landtag.— Bogomilcn und Palarener. Em Beitrag zur Geschichte des Sozialismus. Bon Milorad Popowiftch.— Em Vorstoß. Von G. Gradnauer.— Uneheliche Knaben. Von Adolf Braun. Sozialismus und Christentum. Bon E. 8.- Lfterartsche Rundschau: Dr Armin Tille. WirtschaftSarchive. Bon Dr. Siegsrieda. Otto Gerlach, Gemcindcsteuerrecht. Von P. H. CaruS Sterne, Werden und Vergehen. �Vic hielte Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen. Postanstaltcn und Kolporteure zum Preise von 3.25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Heft kostet 25 Pf. Probenummcrn stehen jederzeit zur Versügung. Letzte Nacbricbtcn und Dcpefcbcn. Drohender Bergarbeiterstreik. Prag, 11. Dezember.(B. H.) Im Kladnoer Kohlenrevier macht sich wieder eine Streikbewegung unter den Bergarbeitern bemerkbar, Bier BcrtrauenSmänner der sozialistischen Bergarbeiter wurden deS- halb verhaftet._ Ausstand der Pariser Diamantarbeiter. Pari», 11. Dezember.(B. H.) Die Di-mantarbeiter find heute in den Ausstand getreten. Sie verlangen Gleichstellung mit ihren Ainsterdamer und Antwerpener Kollegen. Tee englische Presse über Blll-w. London, 11. Dezember.(W.T.B.) Die„Times" tadelt. daß Fürst Bülow der Sozialdemokratie entgegengetreten ist. Das Blatt meint, dies sei kein gutes Verfahren. Ueber Bebels Rede urteilt die„Times":„Er sagte recht viel unangenehme Dinge, von denen einige um so unschmackhaftcr waren, weil sie ein gutes Teil Wahrheit enthielten." Der„Manchester Guardian" meint, die Antwort deS Reichskanzlers habe um viele Grade unter der wür- digen und bedeutenden Rede deS sozialistischen Führers gelegen. Das Blatt sagt weiter, wann nach dem Gesetz des Fortschritts, daö ihr Wachstum bestimmt, die deutsche Sozialdemokratie stark genug sein wird zu handeln, so können wir hoffen, ein Deutschland zu sehen, daS nicht mehr militaristisch ist. Das Blatt freut sich, daß die stärkste deutsche Partei die deutsche Weltpolitik bekämpfe. Die Reaktion arbeitet. Petersburg, 11. Dezember.(W. T. B.) Die Polizei löste heute da? Zeuiralburrau und das Zentralkomitee des Bcrbandeö der Ber- bände auf. Als die Anwesenden die Ausnahme eines Protokolls forderten, antworlete der Polizcikommissar, daß der Polizeipräfekt besohlen habe, die Auflösung ohne Ausnahme eiueS Protokolls vorzur»hairii. Am 10. Dezember fand im Theater Remetti eine Versammlung von Mitgliedern aller Verbände deS alten Bezirkes Petersburg statt, die zum Ziele hatte, ein Programm zur Errichtung einer konstituierenden Bersanimluilg auf der Basis des allgemeinen gleichen geheime» Stimmrechts zu schaffen. Auch die Holzarbeiter� wollten eine Ber- sammlung abhalten, die Polizei drang jedoch in das Lokal und trieb die Teilnehmer hinaus._ DeS Zaren Leibgarde. Bukarest, 11. Dezember.(B. H.)«US Jassh wirb gemeldet. Jelisawethgrad steht in Flammen. Die schwarzen Banden morde» und berauben die Juden._ Nene Streiks. Odessa, 11. Dezember.(B.$.) In Kischinew ist neuerdings ein Streit der Post- und Ttlegrapheubcamten ausgebrochen. Ausstand der Eisenbahner. Warschau, 11. Dezember.(W. T. B.) Hier wird für heute nacht der allgemeine Eisenbahner-AuSstand erwartet. DaS Militär bekämpft fich. Kiew, 11. Dezember.(B. fr) Hier ist neuerdings«ine Militärnirntc ausgebrochen. Zwischen Kosaken einerseits»nd Jnsantenc- und Genietruppen anderersciiS kam eS zu erbitterten Kämpfen, wobei die letzteren unterlegen sind._ Schnell verbraucht. Madrid, 11. Dezember.(B. fr) Die Gerüchte«wer neuen Mimsiertrisis bestätigen sich. Es wird anS ziiverlässtger O'ielle mit- geteilt, daß thatsächlich eine Umbildung deS Kabinetts, das erst seit zehn Tagen im Amte ist, erfolgen wird.__ Sewntlv. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: BorwärtS Vuchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer ScCo.. Berlin L W. Hierzu 4 Beilagen u. UnterhaltungSblatt ih. m 22. wrpn, 1. Killllje des„vomiirls" Ktllilltt VlllkslliÄ. � 12 �min 1905 Reichstag. G. Sitzung vom Montag, den 11. Dezember ISOo, nachmittags 1 U h r. Am DnndesraiStische: Graf Posadowskh. Freiherr d. Stengel, v. T i r p i tz, Frhr. v. Richthofen, v. Kölker. Der Gesetzentwurf über die Verlängerung der Gültigkeitsdauer der inilitärischenStrafrechtspflege imKiautschou- gebiet wird in erster und zweiter Lesung ohne Debatte an- genommen. Es folgt die erste Beratung deS Handelsvertrages mit Bulgarien. Wg. Graf Rcventlo« Milliarden. Da ist es geradezu unfaßbar, daß hier ein Antrag kommen ka.»«, das Handelsprovisorium statt auf zwei Jahre, zunächst nur auf ein Jahr zu verlängern. Wir wären eher geneigt, eiee noch längere Frist zu bewilligen. Ich Iweiß nicht, worauf der Herr Vorredner seinen Antrag stützt. Für viele Geschäftsleute ist es doch überaus wichtig, daß sie aus längere Zeit genau wissen, mit welchen Zollverhältnisien sie zu rechnen haben.— Graf Kanitz hat nun auf unsere Erfahrungen mit einigen englischen Kolonien hingewiesen. ES ist ja richtig: Wir stehen einer starken Ber- selbständiguug eines Teils der Kolonien Englands gegenüber und auf der andern Seite Bestrebungen auf einen engeren Zusammen- schluß deS englischen Heimatlandes mit seinen Kolonien. Wenn da- durch die deulschen Ausfuhrverhältnisse beeinträchtigt werden, so können wir das auch nur bedauern. Aber die Herren Agrarier ernten nur, was sie gesät haben(Sehr richtig! links) oder vielmehr unsere Industrie erntet nur, was die Herren Agrarier gesät haben. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Seit wann besteht denn diese Bewegung in England? Doch nur seit der Zeit, als wir übergegangen sind zu dem hohen Schutzzollsystem, insbesondere zur Einführung der Agrarzölle. (Sehr richtig I links.) Wir können dock dem britischen Reich nicht vorschreiben, daß es keine Verträge mit seinen Kolonien eingehe. Ein Zollkrieg mit England würde unseren blühenden Handel mit diesem Lande sehr beeinträchtigen.(Sehr wahr! links.) Wir haben alle Ursache, dahin zn wirken, daß die jetzt so starke Bewegung in England gegen Chamberlain an Boden gewinnt. Wir haben unter diesen Umständen kein Interesse daran, die Vorlage einer Kommission zn überweisen und werden jedenfalls gegen den Antrag auf Ver- kürznng de« Termins und für die Regierungsvorlage stinunen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Sie haben heute aus dem bulgarischen Handelsvertrag gesehen. wie schwer unsere Industrie geschädigt wird durch die neuen Handels- Verträge, wie gerade die Industrien, welche die ärmsten der Arbeiter beschäftigten, die Textilindustrie, die Konfektion usw. in ihren AuSfuhrbediiigimgen durch die neuen Handelsverträge benach- teiligt werden. i«ehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Sie tönnen nicht bestreiten, daß eine ganz erhebliche Verteuerung der Lebensmittelpreise besteht. Dabei steht unseren Arbeitern bevor, daß sie mit dem Inkrafttreten der neuen hohen Zollsätze in ihren Lebensbedingungen noch ganz bedeutend schlechter daran sein werde» als heute. Die Folge wird eine Einschränkung deS Verbrauches von Jndustrieartikeln sein, und damit eine neue Schädigung der Industrie, die noch zu dem Schaden im Verkehr mit den Vertragsstaaten hinzukommt, und da» bedeutet wiederum eine Verminderung der Arbeitsgelegenheit für die Industriearbeiter.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und nun haben wir ein einziges Land, dem gegenüber das nicht der Fall ist. Daher haben wir alles Interesse, »lir diesem Lande die denkbar besten politischen und Handels- politischen Verhältnisse ausrecht zu erhalten.(Bravo I bei den Sozial- demokraten.) Abg. Bachem(Z.) spricht sich unter der VorailSsetziing. daß ke,ne Verzögerung dadurch eintritt, für KommissiouSberatung aus. Ii, Deutschland sind die Feinde Englands, in England find die Feinde Deutschlands in der Minderheit.(Beikall im Zentrum und links.) Abg. Kaempf(frf. Vp.) spricht sich namens seiner Fraktion gegen jede Abänderung der Regierungsvorlage und gegen Kommisjivils- beratung auS.(Beifall links.) Abg. Graf Reventlow(Wirtsch. Vg.): Wir werden für die Komniisiionsberatung stimme, l und auch/ sowohl in der Kommission als hier im Plenum bei der zivcilen Lesung, für den Autrag des Grafen Kanitz auf Verkürzung der Vcrtragszcit. Ich halte eS für uniiuigänglich notwendig, auch heute eine kurze historische Uebersicht über die Entstehuiig uusereS HandelsprovisariumS mit England zu geben.(Allgemeines Ach! ach l) Redner bespricht dann eingehend die Kündigung des dentsch-engkischen MeistbegünstigungsvertraaeS von 1835 infolge der Zollstreitigkeiten mit Kanada usw. Gerade die Alldeutschen legten den größten Wert auf gute Be- ziehungen zu England und erblickten ihr politisches Ideal in sehr engen, sehr nahen Beziehungen der beiden germanischen Vormächte. Aber wenn der Reichstag so schwach sei. immer wieder die Er- mächtigung zu einem Provisorium mit England zu erteilen, und wenn die Regierung so schwach sei, sie immer wieder nicht richtig zu benutzen, so müsse daS in der ganze» Welt den Eindruck erwecken, daß man uns alles bieten könne. Deshalb seien seine Parteigenossen entschlossen, das Zustaiidekoinmen der Vorlage zwar nicht durch Ob- struktion, aber mit allen geschäftSordnuiigsmähigen Mitteln zu verhindern uud vor allem zu verlangen, daß nu» ein beschlußfähiges Haus diese Vorlage beschließ«! denn es sei ihre Ueberzeugung, daß daS Deutsche Reich sich etwas vergebe, wenn es auS Gründen nach- gebe, die nicht in der Sache liegen.(Lebhafter Beifall bei der Wirtschaftlichen Vereinigung.) Abg. Biising(natt.) will im Gegensatz zum Vorredner auf die überaus schwierige Frage der Handelsbeziehungen zu England nicht eingehen, sonderii sich mit der Erklärung begnügen, daß seine Freunde mit der Vorlage einverstanden sind. Die Bewilligung des Pro« visoriums auf»ur ein Jahr würde wie ein Akt der Unfreundlichkeit gegen England erscheinen, den zu vermeiden Deutschland gerade jetzt allen Grund hätte.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Staatssekretär des Innern Graf Posadowsky: Graf Reventlow hat in der Tat bereits im vorigen Jahre die Prophezeiung ausgesprochen, aus die er sich heute berufen hat, nämlich, daß wir in diesem Jahre wieder ein Handelsprovisorium mit England abschließen müßten. Besonders schwierig war die Prophezeiung nicht. Graf Reventlow hätte ebensogut prophezeien können, daß die Erde sich in zwei Jahren um ihre eigene Achse drehen wird.(Heiterkeit.) Von ver- schiedenen Rediiern ist heute wieder darauf Bezug genommen worden, daß einzelne englische Kolonien uns differenzierten. Ich stelle fest, daß dieselbe rechtliche Lage schon vorlag, als das letzte Handelsprovisorium im Jahre 1903 verlaiigert wurde. Sollte entgegen dem dringenden Wunsche der Regierung eine KommissionSberatuilg beschlossen werden, so würde ich mir vorbehalten, jede eiiizelne Behauptung, die hier aus der Mitte des HauseS aufgestellt worden ist, als vollkommen unrichtig nachzuweisen. Staatssekretär des Auswärtigen Freiherr v. Richthofrn: Der Abg. Graf Reventlow wünscht, daß unsere Regierung im Auslände möglichst stark ericheint. Zu diesem Ziveck teilt er mit, daß sie sich alles gefallen lasse.(Heiterkeit.) Es ist doch merkwürdig. daß die äußerste Linke uns imnier Provokationen und die äußerste Rechte uns immer Schwächlichkeiten nachsagt. Graf Reventlow wünscht gute Beziehungen zwischen Deutschland und England, deshalb greift er unseren Botschafter an, weil dieser das möglichste tut, gute Beziehungen zwischen den beiden Ländern her- zustellen!(Heiterkeit.) Ich hoffe, daß die große Mehrheit des deutschen Volkes und dieses Hauses mit diesem Wirken des deutschen Botschafters durchaus einverstanden sein wird, und nur den Wunsch hat, daß seiner Politik möglichst großer Erfolg beschieden sein möge. Der Abg. Graf Reventlow behauptete schließlich, daß die Flaumachereicn uusereS Londoner Botschafters die jetzige Gestaltung der Flotten- vorläge verschuldet hätten. Ich weiß nicht, woher er die diplomatische Korreipondenz so genau kennt.(Heiterkeit.) Aber die deutsche Flottenvorlage ist nicht nach dem Briese eines Botschafters, sondern nach Maßgabe der Bedürfnisse des Deutschen Reiches ausgearbeitet worden. Abg. Gothein(frs. Vg., mit lebhafter Unruhe empfangen) polemisiert gegen den Gedanken einer Kommissiousberatung. Die gewünschten Auskünfte könnte die Budgetkommission auch geben. Diese Vorlage sei gleichsam eine Brrtrauensfrage der Regierung!— Derartige Angriffe, wie Graf Reventlow sie hier gegen die aus- wärtige Politik der Regierung vorgebracht, seien bisher im Reichstage nicht üblich gewesen. Hätte ein Abgeordneter der Linken solche Angriffe vorgebracht, so hätte man eine Haupt- und Staatsaktion daraus gemacht, der Reichskanzler hätte es als.vaterlandsfeindlich" gebrandmarkt usw. Wenn Sie jetzt dem Antrag des Grafen Kanitz auf KommisfionSberatung zustimmen, so werden Sie im ganzen Auslände den Eindruck erwecken, als stehe die Mehrheit des Reichstages hinter seinen Ausführungen.(Sehr gut! links.) Abg.». Kardorff(Rp.): Es wäre doch sehr wünschenswert, in einer Kommisston Aufklärung darüber zu erhalten, welche Schlüsse etwa Amerika auS unserem Verhältnis zu England ziehen könnte. Damit schließt die Debatte. Vor der Abstimmung über den Antrag de? Grafen Kanitz auf Verweisung der Vorlage an die Budgetkommissidn bezweifelt Abg. Singer(Soz.) die Beschlußfähigkeit des HauseS. Da das Bureau einstimmig der Meinung ist, daß daS Hans beschlußunfähig ist, beraumt Vizepräsident Graf Stolberg die nach st«Sitzung an auf Dienstag 1 Uhr mit der Tagesordnung: Handels- Provisorium mit England; Fortsetzung der Etats- d e b a t t e. Schluß 4'/« Uhr. Der hessische Parteitag. Kassel, den 10. Dezember.(Eig. Ber.)� Heute fand hier der fünfzehnte hessische Parteitag für den Agttationsbezirk Kastel statt. Anwesend waren 53 Delegierte ans den Wahlkreisen Kastel-Melsungen, Eschwege-Witzcnhausen-Schmal- kalben, Fritzlar-Homberg-Ziegcnhain, Hofgeismar-Rinteln-Wolf- Hägen rmd Waldeck-Pyrmont. Auf der Tagesordnung des Parteitags stand: 1. Bericht der Agitationskommission. 2. �Organisation und Agitation. 3. Presse. lieb« den ersten Punkt der Tagesordnung referierte im Namen der Agitationskommission Genosse M ü l l e r-Kastel, der gleich- zeitig den Kastenbericht erstattete. Die Einnahmen betrugen 2651.63 M., die Ausgaben 2255,09 M., so daß ein Kassenbestand- von 396,54 M. verbleibt. An den Bericht schloß sich eine lebhafte sachliche Debatte. Uebcr die Frage der Agitation und Organisation referierte in zirka einstündiger Rede Genosse Hüttmann- Frank- furt a. M, der hauptsächlich sich über das auf dnn außerordentlichen Landesparteitng in Franlfnrt a. M. angenommene Statut der sozialdemokratischen Landesorganisation für Hestcn-Nassau in längeren Ausführungen erging. Auch an dieses Referat schloß sich eine mehrstündige interessante Diskussion, die sich hauptsächlich um die Höhe deS zu leistenden Monatsbeitrages drehte. Das ganze Statut wurde gegen eine Stimme angenommen. Der Provinzial- Parteitag beschloh ferner, den Parteivorstm,d zu ersuchen, Mittel zwecks Anstellung eines P a r t e i s e k r e t ä r s für den Agitation?- bezirk Kastel zu bewilligen. In der Debatte über die Parteivrcstc wurde allgenrein anerkannt, daß sich die Redaktion deS„Volksblattcs für Hessen" bemüht hat, die Zeitung ganz erheblich zu verbessern. Bcsäyvcrden gegen die prinzipielle Haltung des„Voltsblattes" wurden von keiner Seite vorgebracht. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, die dem russischen Proletariat sowie den österreichischen und sächsischen Parteigenossen in ihren, heldenmütigen Kampfe um das allgemeine Wahlrecht die Shmpathicn des Parteitages ausspricht und die Parteigenossen Preußens auffordert, eine energische Agitation gegen da? elende preußische Dreillassenwahl-System zu eröffnen, Huo der Partei. Von der Meinungsfabrik. Unsere Notiz unter dem obigen Titel in Nr. 283 des„Vorwäi ts" Hat den betriebsamen Lieferanten fabrikmützig hergestellter Partei- artikel zu einer„Abwehr" in den ihm nahestehenden Blättern ver- anlaßt, deren Schnoddrigkeit uns in erfreulicher Weise bestätigt, wie empfindlich wir dem Betreffenden auf die Finger geklopft haben. Wenn er uns z. B. nicht das Zentralorgan der Sozialdemokratie, sondern„ein Berliner Blatt" nennt, so empfinden wir zwar die ganze abgrundtiefe Verachtung, womit wir gestraft werden sollen; jedoch vermag weder diese komische Nichtachtung noch der ganze Aufwand an frechen Ausfällen gegen den„Vorwärts", der angeblich die notwendigsten Parteiaktioncn vernachlässigt und durch die Lichterfelder Fabrik auf Schritt und Tritt unterstützt und korrigiert werden muß, auch nicht um ein Jota die von uns festgenagelte Tatsache abzuschwächen oder zu verdrehen. daß die Meinungsfabrik neulich wieder das proletarische Lesepublikum mit einem Erzeugnis traktiert hat, das als ein Muster der hastigen und' gedankenlosen Pfuschcrarbeit dem berühmten Schillerartikel aus derselben Fabrik würdig an die Seite gestellt werden kann. Wie sehr sich auch der Vcrfaffcr dreht und windet, indem er uns auf das Konversationslexikon verweist. »vo man alle seine berühmten Ausländer finden könne, Talsache bleibt es, daß er den Arbeitern als das maßgebende Urteil„des Aus- landes" über die deutsche Politik ein Bündel großspuriger Phrasen aus der Feder verschiedener zum Teil direkt reaktionärer Professoren, Dichter und sonstiger Eigeubrvdler vorgelegt hatte, die als politische Autoritäten einem bürgerlichen Literaten gewaltig imponieren mögen, für das klassenbewußte Proletariat jedoch zum mindesten Hckuba sind. Wenn der gekränkte Meinungsfabrikant in seiner peinlichen Situation nun versucht, sogar an Druckfehlern im„Vorwärts" seine Unzufriedenheit auszulassen und uns z. B. belehrt, daß man„vom Vizepräsidenten" und nicht„vom Vizepräsident" sage, so finden wir das sehr unvorsichtig von ihm. War doch er gerade gezwungen, als ihm im Mai dieses Jahres die Unsinnigkeiten und Verdrehungen feines„SchillerarlikelS" öffentlich vorgehalten wurden, sich auf lauter fatale„Druckfehler" herauszureden. Ja, während unser Druckfehler- teufcl wenigstens ein harmloses Tier ist, das mal einige Buch- stoben, freilich oft auch den Sinn damit verdreht, wurde der Verfasser der Fabrikartikel von einem höchst gelehrten rantianischeu Druckfehlerteufel verfolgt, der z. B. in einem Citat des Schiller- artikelö die„Reine Vernunft" nicht etwa in„Feine",„Keine",„Kleine", „„Seine" oder irgend eine ähnliche, sondern direkt in„Praktische Vernunft" verwandelt hatte! Wer von solchen fatalen Druck- sehlern selbst geplagt wird, der hat alle Ursache, sich zu sagen: O, rühre, rühre nicht daran I Der Mcinungsfabrskant protestiert schließlich gegen die von uns angeblich betriebene„Schnüffelei nach dem Autor" und das Be- streben des„Vorwärts",„die Persönlichkeit des Verfassers hervor- zuzerrcn". Wir können auf Ehre versichern, daß wir hinter den fabrikmäßigen Preßerzeugnissen nicht im geringsten eine Persönlichkeit vermuteten. Ganz im Gegenteil. Es kam und kommt uns nur auf die Sache an, nämlich auf die Kennzeichnung des gefährlichen Unter- nehmens, den frischen geistigen Wettbewerb und Meiiinngslampf unserer Provinzpresse durch den Abdruck geisttötender fertiger Schablonen zu ersetzen. Vor diesem Unternehmen werden wir nach wie vor unsere Presse warnen, und Ivir können nur bedauern, doch nichts daran ändern, wenn wir dabei den Unternehmer kränken. WaS ist RevifionismuS? Im Anschluß an die Besprechung des„VorwärtZ"-KonfliktS hat sich im„Bau-Hilfsarbeiter" eine interessante Polemik über Partei- ricktungen entsponnen. Die letzte Nummer dcS genannten Blattes veröffentlicht die folgende Zuschrift aus Gcwcrkschaftskreisen. Der Schreiber ist Genosse Fröhlich-Köln: „Tie Redaktion verlangt von mir eine Abhandlung darüber, WaS Revisionismus ist und wer Revisionist ist. Unsere Redaktion wäre ja eigentlich berufener, diese Frage zu beantworten, weil sie näher an der Quelle ist als ich. Im Volkömuude gelten als Revisionisten solche Leute, die gern von sich reden machen und zu diesem Zwecke allerlei vom Zaun« brechen; Leute, von denen die Sozialdemokratie als ein schwankendes Schiff hingestellt wird, dem nian sich nicht anvertrauen könne: Leute, denen die Bewegung alles, und das Endziel gar nichts ist: Leute, die Gott danken, daß die„Neue Zeil" nicht viel von Arbeitern gelesen wird; Leute, die den Generalstreik für General« unsinn erklären, und die Diskussion über den politischen Massenstreik verbieten wollen(Meinungsfreiheit); Leute, die lieber heute wie morgen dem Proletariat die Maifeier nehmen möchten; Leute, die. ivie noch gestern inr Kölner Kartell geschehen ist, sich darüber beschweren und über die Maßen ausregen, daß in Ge- werkichaftS- Versammlungen die sozialdemokratische Arbeiterpresse empfohlen wird; Leute, die sich damit brüsten, die als Gau- leiter in öffentlichen Versammlungen erklären, noch nie Geld für den sozialdeinokratisclicn Reichstag?- Wahlsonds gegeben zu haben und darauf ordcmlich stolz sind. Weiter iverden Leute alS Revisionisten angesehen, die den„Vorwärts"- Konflikt als eine Partcikrise hinstellen und nicht miide werden, ihn aufzu- bauschen zum Schaden der gesamten Arbeiterklasse und zum Nutz und Frommen dhr herrschenden Klasse. Mit einem Wort: alle die- jenigen, die durch ihr Tun und Treiben der allgemeinen Arbeiter- fache schaden und deren Wirken wie Sprengpulvcr und Scheidcwasser wirkt. Sie alle find dem gewöhnlichen Untertanenvcrstande der Arbeiter unter dem Sammelnamen Revisionisten bekannt. Wie muß es doch die Begeisterung der Arbeiter zu hellen Flammen anfachen, Ivenn sie folgendes in dem Verbandsorgan der Buchdrucker, dem„Correfpondcnt" lesen. Unter Hinweis auf das iiach dem letzten Jahresbericht in den verschiedenen Kassen des Verbandes befindliche Vermögen von insgesamt SVSllOtlv M. schreibt das Blatt in Nr. 136:„Rechnen wir rund davon vier Millionen verfügbar ffir Streikunterstützung und folgen dann den firenenbaften Lockungen der Generalstreikapostel a la Rosa Luxem- bürg, so lväre die ganze Herrlichkeit auch bald zu Ende— und das Huugern für die Ileberzeugung köuute seinen Anfang nehmen." Auch der, der das verbrochen hat, gehört mit unter den Sammel- nanieir. Auf die Frage, welchen Wert ich de» Vertrauenskilndgebungen für den Parteivorstand und die Berliner Preßkomniission beimesse, antlvvrte ich: Hundertmal mehr als allen Anwürfen, die gegen Parteivorstand und Preßkomniission in dieser Angelegenheit ge- richtet worden sind."__ LoSlösung der Hainburgcr Parlciorgaiiisatioucn von der Qrgaui- sation der Provinz Schlcswig-Hvlsteiu. Bislang bildeten Hamburg und Schleswig-Holstein ein Organisations- und Agitationsgebiet, erst in loser, dann in festerer Forni. Vom Jahre 1831 bis ItHM unterstützte Hamburg die provinzielle Agitation in jeder Weise. Auf dem vor- jährigen Parteitage in Neumünster' wurde unter hervorragender Mitwirkung der Hamburger Delegierten eine Parteiorganisation geschaffen und die Anstellung eines Parteisekretärs beschlossen, für welchen Posten der Genosse Saalfeld- Hamburg gewonnen wurde. Kurz vor dem diesjährigen Provinzialparteitag in Elmshorn faßte eine kombinierte Parteiversamnilung in Hamburg den Beschluß, aus dem Agitationsgcbict auszuscheiden. Begründet wurde dieser Antrag damit, daß Hamburg mit seinen besonderen Landes- und Kommunalgesetzen nicht in das Organi- sationsgebilde hineinpasse, daß auf Grund des allgemeinen Organi- sationssiatutS neben dem Parteivorstand in Berlin keine Neben- regierung Ersistenzberechligung habe und daß säinlliche verfügbaren Gelder an die Hauptkasse abzuführen seien, von wo die schlechter gestellten Landesteile in finanzieller Hinsicht unterstützt werden müßten. Auf Grund diese« Beschlusses hat in den Hamburger Vereinsversammlungen eine Urabstimmung über das Organisations- Verhältnis zur Provinz stattgefunden und es wurde mit 1610 gegen CiO Stimmen beschlossen, aus der Provinzorganisation anSzuireten. Der„Avanti" vor Gericht. Rom, 5. Dezember.(Eig. Ber.) In der Privatklage des Ab- geordnete» d e M i ch e l e gegen den„A v a n t i" wegen Beleidigung ist gestern in der Appellinstanz der Redakteur Genosse O r a n o frei- gesprochen, für dessen verautwortlicheu Redakteur Gen. S a l u st r i das Urteil der ersten Instanz— 10 Monate Gefängnis— beftäligt worden. Man nimmt an, daß der Privatkläger nach diesem Urteil seine Klage zurückzieht, da es sich lediglich um eine falsche In- formation handelte, die der„Avanti" sofort berichrigte, und dem Abgeordneten de Michele wohi nichts an dem Strafvollzug an den gänzlich unbeteiligten Salustri gelegen sein kann. ES geht vorwärts! Unser Offenbacher Parteiblatt berichtet, daß es bereits mehr als 8000 Abonnenten hat. Seit Jahresfrist ist daS ein Zuwachs um rund 1000 Aboniienren und alle Aussichten, immer„höher hinauf" zu kommen, denn nicht mit einem Schub kam der ZuioochS, ganz allmählich aber andauernd. Und die neu gewonnenen Abonnenten sind geblieben! Die Achttausend sind jetzt unser fester Stamm— und wir sagen wie der Kaiser, wenn er neue Schiffe bewilligt kriegt: Nun aber weiter! Die Hälfte aller sozial- demokratischen Wähler im Kreise�Offenbach-Dieburg haben wir zu Abonnenten, nun frisch voran iinlT die zweite Halste ge- Winnen! Nahrung und Ernähriing Unter diesen, Titel erschien soeben im Verlage der Buchhandlung Vorwärts das 8. Heft der Arbciter- GesundheitS-Bibliothek. Es handelt vom Essen und Trinken, also von einem für Arbeiter sehr wichtigen Kapitel. Bei ungenügendem Ersatz dc§ durch die Arbeit verbrauchten KörpermateriaiS geht der Ernährungszustand und damit die Arbeitskraft zurück. Ist es daher schon in normalen Zeiten für den Arbeiter von der größten Wichtigkeit, über den Nährwert der einzelnen Nahrungsmittel, ihre Zusammensetzung und ziveckmäßige Zubereitung, über die Gesetze der Ernährung und des Stoffwechiels. über den Ausgabe- und Ein- nahme-Etat. den„Hanshalt des Körpers" aufgeklärt zu lverden, so wird diese Erkenntnis unabweisbar in der Zeit der Fleischnot und der allgemeinen Preissteigerung aller Lebensmittel. Mit deni allzu knapp benicssenen Lohn gilt es, nach Möglichkeit auszukommen, sich selbst und die Familie noch allenfalls ausreichend zu ernähren. Da mutz man ivisscn, in welchem Verhältnis sich die einzelnen Nahrnngsstoffe und Nahrungsmittel einander vertreten und ersetzen können. Diese Kenntnis und Einführung zu vermitteln, ist die Aufgabe der vorliegenden Broschüre, welche durch eine farbige Tafel über den Nährwert der wichtigsten Nah- rnngö mittel noch einen besonderen Wert erhält. Die Broschüre, in allen Parteibuchhandlungen erhältlich, kostet 20 Pfennig. Bei dieser Gelegenheit erinnern wir noch an die bereits früher erschienenen Hefte der Arbeiter-Gcsundhcits-Bibliothek, die in all- gemein verständlicher Weise die einzelnen Gebiete der Gesundheits- pflege behandelt. Jedes Heft ist für sich abgeschlosien, ein Verzeichnis der einzelnen Hefte liefert auf Wunsch jede Parteibuchhandlung. Berichtigung. Die zuletzt 1832 neu herausgegebene Broschüre von Bebel„Glossen zu DveS GuyotS und Sigismund Lacroix' Die wahre Gestalt des Christentums" ist, wie uns die Buchhandlung Vorwärts mitteilt, nicht vergriffen; sie sei dem, auch den Genossen hiennit besonders empfohlen. polleellichea, Oerlchttichcs uk». — Auf der„Lolköwacht"- Suche. Auf Anordnung des Staats- anwalts in Waldenburg erschiene» Donnerstag nachmittng in den Wohnungen der Kolportcure Scholz und Teuber in Nieder- Hermsdorf zwei Polizeibcamte, um nach Nr. 283 der„Volks-. wacht" zu suchen. Die Beut« war aber nicht groß, man fand bei jeoem nur ein Exemplar, worüber ein Protokoll aufgenommen wurde. Die Polizei hat offenbar viel freie Zeit. Huö Industrie und Kandel. Der ReichSbank-DiSkont. Die schon angekündigte Erhöhung des ReichSbank-Diskont wurde in der gestern stattgcfundenen Sitzung des ZentralauSschuffcs der ReichSbank vorgenonmen. Der Diskont wurde von SVs auf 6Proz.> der LombckkdzinSfuß für Darlehen gegen Verpfändung von Effekten und Waren auf 7 Proz. erhöht. Die Zlistimmung des Ausschusses, der nur beratende Stimme hat, konnte das Direktorium nicht erlangen. Mit dieser Veränderung hat die ReichSbank den Jahresrekord erreicht. Am 10. Januar d. I. wurde der Satz von 3 auf 4 Proz. herabgesetzt, am 11. Februar folgte die Herabsetzung auf 3>/z Proz., der tiefste Stand wurde mit dem Heruntergehen auf 3 Proz. am 23. Februar erreicht. Am 11. September folgte dann die Erhöhung ans 4 Proz., der am 3. Oktober die Heranssetzung auf 3 Proz und am 4. November auf 3'/z Proz. folgte. Dr. Koch begründete die jetzige Maßnahme mit der außer- ordentlichen Anspannung des Geldmarktes durch die Industrie, wo- durch die Bank in den wesentlichen Positionen auf einen unhaltbaren Status geraten sei. Die Diskonterhöhung werde zu starken An- forderungen hemmend entgegenwirken und den Goldbestand durch Eingang vom Auslände stärken. So viel Erklärungen man für den hohen Satz auch finden mag, die Diskonterhöhung auf 6 Proz. ist ein bedenkliches Zeichen. Seit 1300 ist dieser Satz nicht wieder erreicht worden. Zwar wurde am 13. Dezember 1300 der Diskont sogar noch von 6 auf 7 Proz. erhöht, aber schon am 12. Januar 1301 erfolgte die erste Diskont- Herabsetzung. ES begann an verschiedenen Stellen dcS Konjunktur- gebäudcs zu knistern, und es folgte bald daS Krachen und Zusammenstürzen hinterher. Der Gedanke, daß die diesmalige Diskonterhöhung als ein Krisenzeichcn bewertet werden müsse, wird natürlich von verschiedenen Seiten eifrig zurückgewiesen. Allerdings auf eine Krise wie damals braucht man nicht zu schließen, zweifellos wird aber eine Abflauung eintreten und Direktor Koch tröstet mit der Bemerkung, die hohen Ansprüche der Industrie müßten in andere Kanäle abgeleitet werden. Die Börse reagierte ans die Statusveränderung teilweise mit Rückgang der Kurse,, wozu aber auch Nachrichten aus Rußland beigetragen haben mögen. Pessimistische Stimmen. Schon der Deutsche Stahlwerkverband ließ kürzlich in seinem Urteil über die Lage einige trübe Töne durchklingen. Pessimistisch koloriert ist nun auch das Bild, das die Leitung des obcrschlcsischcn Stahlvcrbandcs von dem Wirtschaftsmarkt entwirft. Sie schreibt: „Das Geschäft hat in den letzten Wochen einen ruhigeren Charakter angenommen. Nachdem sich sowohl der Handel wie die Kon- sumenten für die nächsten Monate mit genügenden Quantitäten versorgt haben, ist naturgemäß ein Stillstand in der Tätigkeit neuer Abschlüsse eingetreten. Soweit der Großhandel in Betracht kommt, war dieser bemüht, die gekauften Quantitäten an die Unterabnehmer abzusetzen, was im großen und ganzen ohne Schwierigkeiten möglich war. Es bleibt nun abzuwarten, ob die derart aufgenommenen Quantitäten zu den vereinbarten Fristen zur Abnahme gelangen werden...." Es wird dann weiter aller. dings der bestimmten Hoffnung Ausdruck gegeben, daß mit Beginn des neuen Jchhres die Spezifikationen wieder reichlicher einlaufen, aber mancher wird sich mit solchen Hoffnungen genarrt sehen. Die kritischen Aeußerungen sind das Präludium zu Traucrmelodien. Die aincrikanlsche Gefahr. Die Frage, ob eS eine amerikanische Gefahr gibt, beantwortet der Halter Privatdozent Dr. Herm. Levin, der über die amerikanischen Produktions- und Absatzmöglichkeiten in der Stahlindustrie ein- gehende Studien gemacht hat, im allgemeinen verneinend. Für ihn ist die Gefahr gebnndeii, sie köuute aber für Deutschland gelöst Iverden durch eine verkehrte Politik. Die Stärke Deutschlands sei , gesichert, wenn der Berarb itinigsindustrie die Konkurrenz- sähigkeit nicht künstlich erschwert werde durch Verteuerung der Materialien.— Diesen Weg haben wir aber längst beschritten. Die Frage der amerikanischen Gefahr wird daher, und das Fazit zieht auch Dr. Levin, durch unsere neue Wirtschafts- Politik, durch welche die Rohmaterialien verteuert, die Ernährung des Volkes verschlechtert, damit auch die Leistungsfähigkeit und' In- tclligenz der Arbeiterschaft ungünstig beeinflußt wird, sehr an Be- deutung gewinne». Nicht weil Amerika— sondern weil unsere Agrarier und industriellen Feudalen der deutschen Volkswirtschaft durch Nücksichtslosigl.it gefährlich werden. Amerikanische Versicherungsgesellschaften. Durch die jüngsten Enthüllungen über die unerhörte Verschwendung von Vcrsiche- rungsgeldcrn ist beim Publikum ein starkes Mißtrauen gegen diese Gesellschaften im allgemeinen rege geworden. Ter Equitablc- Skandal, die Aufdeckung von Korruption in der Mutual und New Dork Life Insurance Co. u. a. hat bcwickt, daß viele Versicherte die Weiterzahlung ihrer Beiträge einstellten und ihre Ansprüche ver- loren geben. Amerikanische Zeitungen erklären, eine solche Preis- gäbe sei unter allen Umständen sehr töricht, denn als Finanz- institut könnten die großen Gesellschaften als unbedingt sicher gelten. Jeder Anspruch eines Versicherten sei voll befriedigt worden; im Verhältnis zu den vorhandenen Kavitalien seien die größten vergeudeten Summen nur Bagatellen. Die Inhaber von Versicherungspolicen sollten energisch darauf dringen, daß gründ- liche Reformen vorgenommen werden, aber sie sollten nicht ihre wertvollen Ansprüche ausgeben. Die Untersuchung der Verhältnisse in den Versicherungsgesellschaften durch das New Borker Staatskomitee hat übrigens schon in rcformatorischem Sinne gewirkt. Uclicr den Beschäftigungsgrad in der Zigarrcnindustrie schreibt die„Arbeitsmarkt-Corresp.": „Schon im vorigen Jahre war der Geschäftsgang in der Zigarrenindustrie vor Weihnachten sehr lebhaft; in diesem Jahre wurde aber diese Lebhaftigkeit noch übertroffcn. In den Be- trieben der Hauptbczirke waren die Weihnachtsbestellungcn so reichlich eingegangen, daß lange Zeit hindurch unter Anspannung aller verfügbaren Arbeitskräfte gearbeitet werden konnte. So schließt im allgemeinen das Jahr 1903 noch etwas besser als das Jahr 1304. Schon die Ziffern der Rghstoffversorgung weisen auf diese Besserung hin, die freilich lange nicht so stark war wie die Besserung des Vorjahres gegen 1303. Die Versorgung mit aus- läudischem T«bak stellte sich nämlich während der ersten zehn Monate in Doppelzentnern auf: 1303 1304 1903 323 000 348 770 331 425 Tie Zunahme von 1903 aus 1904 ist ganz erheblich größer als die von 1304 auf 1303. Auch auf dem Arbeitsmarkt zeigte sich die Gunst der Lage, insofern als die Zahl der Beschäftigten mindestens so groß war tvie 1904." Schundlöhnnng. Für die Conponabschneider von der Mticn-Ge- scllschaft Gerresheimer Glashüttcnwcrke ist die Konjunktur günstig, sie haben für ibre mühselige Arbeit ohne Kampf eine Lohnerhöhung erzielt. Anstatt 7*4 Proz., wie im Vorjahre, sollen diesmal 10 Proz. Dividende verteilt werden. Hoch lebe der Jnteruatioimlismus! Wenn e§ sich ums Geschäft handelt, dann betrachten die hitzigsten Ehauvinistcn die Jntcr- Nationalität als— profitable Tugend. In Paris hat in den letzten Tagen nach dem„Jron Monger" zwischen Vertretern des deutschen SlahlverbandeZ und der 1l. S. Steel Corporation eine Konferenz statt- gefunden zwecks Abschlusses einer internationalen Verständigung über den Verschleiß von gezogenen Drähten. Auch mit Ausgestaltung des internationale» SchicnenverbandeS und Lieferung deutscher Halb- zeuge für den amerikanischen Trust soll sich die Konferenz beschäftigt haben. Machterwciterung. König Thyssen ist seitens des Obcrbcrg- arnis Dortmund das Eigentumsrecht an zwei neuen linksrheinischen Steinkohlenbergwerken und der Gewerkschaft Deutscher Kaiser das Eigentumsrecht an drei niederrhcinifchen Salzbergwerken, um- fassend je 2 200 000 Quadratmeter Fläche, verliehen worden. Kohlenfund. Die internationale Bohrgescllschaft ist im Münstcrlande im Kreise Lüdinghausen bei Selm sündig geworden. Es wurden ergiebige Flöhe von guter Beschaffenheit angebohrt. Spritdividcnde. Die Generalversammlung der Brcslauer Spritsabrik genehmigte— ohne sich zu sträuben— die Auszahlung einer Dividende von 15 Prozent. 8o2Lale9. Gegen die Soimtagsruhe der Binnenschiffer. Der Ausschuß VeS ZeutralvereinS zur Hebung der deutschen Fluß- und Känaljchiffahrt hielt am Freitag im Tcltower Kreishause eine Sitzung ab. Der lediglich großkapitalistischen Zwecken dienende, von dem national- liberalen Abgeordneten Krause geleitete Verein gab seiner anti» sozialen und großkapitalistischen Anschauung über die Forderung einer Sonntagsruhe in der Binnenschiffahrt nach einem Referat von Dr. Stuhrmann- Ruhrort in folgender, einstimmig angenommenen Resolution zum Ausdruck: „Der Zentralvercin für Hebung der deutschen Fluß- und Kanal- schiffahrt erklärt nach erneuter eingehender Beratung unter Aufrecht- crhaltung seiner Beschlüsse vom 27. Februar 1833 sowie vom 14. April 1303, daß die Einführung einer gesetzlichen Sonntagsruhe in der Binnenschiffahrt aus natürlichen, bctrievstechnischcn und Wirt- schaftlichen Gründen im höchsten Maße bedenklich ist, und daß die darauf hinzielenden Bestrebungen mit Rücksicht auf die vielfältigen Nachteile, welche sich für die au der Binnenschiffahrt beteiligten Kreise von Handel, Judnstrie und Landwirtschaft aus der Erschwerung des Schiffahrtsbetriebes ergeben würden, mit allem Nachdruck z» bekämpfen i st." Diese Resolution konnte zur einstimmigen Annahme gelangen, wiewohl auch die Erhebungen des Beirates für Arbeiterstatistik über die Lage der Binnenschiffahrt die Notwendigkeit einer Besserung der Lage der Binnenschiffer, insbesondere aber eine gesetzliche Einführung eines Ruhetages klar erweisen. Zum Wohnungselend der Ziegcleiarbeitcr. Das Kammer- gericht erklärte eine für den Regierungsbezirk Düsseldorf erlassene Polizeiverordnung vom 29. Juni 1896 für rechtsgültig, durch welche unter anderem bestimmt wird, daß in der wärineren Jahreszeit auf Ziegeleien beschäftigte Arbeiter zwar in Holzbaracken unter- gebracht werden können, daß diese aber ein gesundes, gegen Witte- rungseinflüssc schützendes Iliiterkonimen gewähren müßten. Die Verordnung trifft dann noch nähere Bestimmungen über die zu- lässige Größe der Schlafräuine und dergleichen. Das Kammer- gericht verwarf die Revision des in zweiter Instanz vom Land- gericht Düsseldorf wegen Uebertretung der zitierten Vorschrift ver- urteilten Ziegelcibesitzers Hamm aus Opladen, von dessen Arbeiter- baracken festgestellt worden � war, daß die Außenwände klaffende Fugen a u f wiesen, nachdem das Holz unter dem Einfluß sommerlicher Wärme sich verzogen hatte. Begründend wurde vom Kammergericht ausgeführt: Die Verordnung sei gültig. Wie die aus alle» möglichen Gegenden zusammenströmenden Zicgelarbeitcr wohnlich untergebracht würden, sei nicht nur für die Leute selbst, sondern auch für das Allgemeinwohl von großer Bedeutung. Krankheiten könnten einge- und verschleppt werden und >kv Verll-eitnna ki-i.-üw ci'l'tircdwudi' Vorschrift" Ebr leicht. D»" Verordnung sei aber auch richtig angewendet worden, indem daS Landgericht mit Recht annehme, dah es kein gesundes, gegen Witte- rungscinflüsse schützendes Unterkommen sei. wenn die Außenwände eines Bretterhauses weit klaffende Fugen aufweisen.— Diese Entscheidung des KammergerichrS anerkennt also, daß die höhere Polizeibehörde das Recht hat, gegen ungesunde Wohnungen Per- ordnungen zu erlassen. Eine Behörde, die ein Recht hat, hat auch die Pflicht, von diesem Recht Gebrauch zu machen. Nicht nur in Ziegeleien steht es sehr traurig mit den Bchausungsverhältnissen. das Wohnungsclcnd, unter dem Erdarbeiter, Schnitter, Land- arbeiter und das Gesinde leiden, ist nicht minder groß. Eine Woh- nungsinspcktion, Verordnungen zur Beseitigung der größten Woh- nungsmisere aus dem Lande und in den Städten tun dringend not. Im Reichstag Ivird bekanntlich ein Reichs- Wohnungsgesctz seit Jahren von sozialdemokratischer Seite gefordert. Attszerordentlicher österreichischer Gewerkschaftskongreß. (Telcgr. Bericht.) Wien. 10. Dezember. Dritter Verhandlungstag. Heute wurden die Beratungen des österreichischen Gewerkschafts- Kongresses zum Abschluß gebracht. Zu Beginn dcr� Sitzung gab der Sekretär der Gewcrkschafts- kommission das Resultat der gestern namentlich vorgenommenen Abstimmung über das Programm der tschccho-slawischen Kommission in Prag bekannt, nach welcher eine nationale Gliederung der gc- werkschaftlichen Organisation durchzuführen wäre. Von 239 262 abgegebenen Stimmen entschieden 2364 für das Prager Programm und 197 202 Stimmen gegen dasselbe. Der Abstimmung enthielten sich 30 686 Stimmen und abwesend waren 9010 stimmberechtigte Stimmen. Namens der Reichsgewerkschaftskommission nahm hierauf -Beer das Wort. Er führte aus. nachdem die Abstimmung er- geben habe, daß die uberwiegende Mehrzahl der in den Gcwerk- ,chaftcn organisierten Arbeiter aller Nationen die Erhaltung der bestehenden Zentralorganisaiion wünsche, traten die Mitglieder der Landeskommissioncn und der Rcichskommission noch gestern abend zu einer Beratung zusammen, um eine neue Basis zu einem friedlichen Nebencinandcrarbcitcn mit den tschechischen Genossen zu finden. Diese Verhandlungen haben zwar zu keinem Resultat ge- fuhrt, aber d,e Diskussion habe gezeigt, daß es dennoch nicbt aus- gcschloßen sei, die notwendige Einigung zu erzielen. Das Em- pfnidcn der Tschechen, daß sie als Besiegte von dem Kongrcsie gehen, sei nicht berechtigt. Der Kongreß hatte nicht den Zweck, Sieger oder Besiegte zu schaffen. Tie tschechischen Gciiosicn können über- zeugt sein, daßman ihren sprachlichenBedürfnissen nach jeder Richtung entgegenkommen werde. Nach Rekapitulation der nationalen Differenzen begründete Redner einen Antrag der Reichsgewerkschaftskommission zur Abänderung der Be- stimmungen für die Gewerkschaftskommission Oesterreichs. Nach demselben soll dieselbe statt wie bisher aus 12 aus 16 Mitgliedern bestehen. Die vier neuen Mitglieder sind aus den bestehenden Landeskommissionen von Böhmen, Mähren, Galizicn und Küstenland zn wählen. Man hoffe, erklärte Redner, dadurch Reibungen zwischen den verschiedenen Nationen zu vcr- hindern, indem hierdurch eine intime Verbindung zu denselben ge- schaffen werde. Der erweiterten Rcichskommission werden ins- besondere Angelegenheiten der Sozialpolitik, Zentralorganisation, großer Lohnbewegungen des In- und Auslandes und die Wahl von Vertretern zu internationalen Gcwcrkschaftskonferenzen der Be- ratung und Beschlußfassung zustehen. Redner betonte ferner die Notwendigkeit, das Votum des Kongresses im Interesse der starken einheitlichen Organisation zu respektieren und sprach den Wunsch aus. oaß bei den tschechischen Genossen keine Verstimmung zurück- bleibe. Man möge friedlich und brüderlich auseinandergehen zum Nutzen der gesamten Arbeiterschaft des ganzen Reiches.(Beifall.) Ter von der Rcichskommission gc-stellte Antrag bezüglich der Abänderung der Bestimmungen für die Gewerkschaftskommissioi� Oesterreichs wurde sodann einstimmig angenommen. Nach einem Schlußwort des Vorsitzenden S m i t k a wurde der Kongreß geschlossen. Semdts-Leitung. Tninmerjungenstreich. Ein echter Tummerjungcnstreich führte gestern den 16jährigcn Hausdiener Hermann Stacks unter der Anklage der versuchten Erpressung vor die 7. Straf- kammer des Landgerichts I. Ter Angeklagte ist ein zu Abenteuer» aller Art hinneigender junger Bursche, der durch die Lektüre von Jndiancrgcschichtcn und Hinwrtreppcirrommten in seinen. Pl>aii-. tasten noch bestärkt wurde. Er hatte den Plan gefaßt, nach Afrika auszuwandern und dorr sein Glück zu versuchen. Er hatte sich auch schon als nötigste Reiserequisite Gift und einen Dolch besorgt, es fehlte ihm nur noch am Reisegeld. Dieses versuchte er sich in romantischer Weise zu verschaffen. Die S3jährige Klavier- lchrerin ,K. in der Raupachstraße erhielt eines Tages einen Brief, der sie einigermaßen in Angst versetzt«. Der Inhalt war etwa folgender:„Wenn Sie nicht unter den Treppcnvorleger 200 M. zur Abholung bereit legen, dann verschvinden Sic von der Bild- fläche." Der Brief trug die Unterschrift„Die Mafia" und drei Kreuze, sowie die Abbildung eines Dolches. Auf Rat der Polizei legte die Bedrohte einen Brief unter den Türvorleacr, in welchem sie schrieb, daß sie leider nur imstande sei, 60 M. für die Rettung ihres Lebens vor der Rache der„Mafia" aufzubringen. Diesen Brief entdeckte durch Zufall ein ganz unschuldiger und unbeteiligter junger Mann, der vorübergehend in Verdacht kam, der Erpresser zu sein. Fräulein K. erhielt dann noch einen zweiten Brief ähnlichen Inhalts von dem Angeklagten, das Experiment wurde wiederholt und min gelang cS, den Angeklagten abzufassen. Dieser war gestern geständig und erklärte auf Befragen, daß er von den Taten der Mafia mancherlei gelesen habe.— Ter Staatsanwalt gab zu, daß es sich um einen recht törichten Streich handle; da aber der Angeklagte durch sein ganzes Vorgehen doch«inen hohen Grad von Verderbthcit gezeigt habe, so sc» eine Strafe von— 6 Monaten Gefängnis am Platze. Ter Gerichtshof er- kannte auf 6 Wochen Gefängnis unter Anrechnung von 4 Wochen Untersuchungshaft.— Eine Sühne des kindischen Streichs durch Verweis wäre wohl hinreichende Sühne gewesen. Mag sein, daß das Gericht auf Gefängnis erkannte, da nun einmal der junge Mann in Untersuchungshaft saß. Würde unsere„patriotische" Er- ziehnng die jungen Leute nicht mit.Jndianergcschichtcn,� Kolonial. scknvindcleien und sonstigen Hintertrcppcncrzählungcii suttern, so wäre der Angeklagte schwerlich auf den dummen streich verfallen. Vollends unverständlich bleibt das von der StcKttsannxutschaft be- antragt« Strafmaß. Einem ähnlichen Studentenstreich gegenüber würde schwerlich Gefängnis beantragt sein. X Hochnotpeinliches Verfahren eines Regierungspräsidenten. Zu einer Geburtstagsfeier bei Stadtrats H. in Stettin war auch der zweite Bürgermeister Roth erschienen. Er kain direkt aus einer Magistraissitzung, wo über die Wahl von zwei Oberärzten für das Sietlincr städtische Krankeiihaus verhandelt worden war. Im, bn anwesenden Herren, intimer Bekannten, darunter aber auch � zwei NichtMitglieder des Magistrats, äußerte sich Roth aus eine Frage; kiita über die Sitzung. Er soll ans dieser mitgeteilt haben, daß Stadtrat E. der Empfehlung des einen Bewerbers um die Oberarzt- stelle als eines A n t l a! k o h o l i st e n scherzhaft entgegenhielt: „Tarauf lege ich weniger Wert; wer nicht einen guten Tropfen oer- trogen kann, das ist kein rechter Mann". Weiter soll er erzählt lmbcn ein anderer Stadtrat hätt keine» Juden als Eberarzt wählen wollen weil er Bedenken gehabt hätte, christliche Assistenzärzte einem jüdischen Oberarzt zu unterstellen.(Ter eine, auch später gewählte Bewerber ist Jude.) Dem Oberbürgermeister kam die Sache zu Ohren. Er hielt nach Ermittelungen auch für fest- gestellt, daß Bürgermeister Roth jene Mitteilung'» vor Herren, von denen zwei nicht zum Magistrat gehörten, gemacht habe. Er erließ darauf eine Ordnungsstrafverfügung an R., indem er ihm einen Verweis erteilte. Wegen der Wiedergabe der Worte des trinkfrohen Stadtrats wollte er amtlich nicht einschreiten. So erklärte der Oberbürgermeister in der Verfügung. Tagegen sei ein Verweis dafür angebracht, daß R. die Bedenken eines anderen SiadtiÄts gegen die Wahl eines jüdisclien Oberarztes wieder erzählte. Die Weiter- erzählung konnte zu Gehässigkeiten und zur Verhetzung der jüdischen Bevölkerung führen».— Tic gegen d.c Verfügung gerichtete Be- schwerde R.s wurde vom Regicrunespräsideiitcn verworfen. Der Regierunpspräsident führte zum Schluß seines sonst im Sinne der oberbürgermeisterlichen Verfügung gelxiltenen Bescheides aus: Im Interesse des Dienstes liege es, daß die Stadträte ihre Ansicht im Magistrat, besonders aber in Persvnalfragcn, frei und ohne Rück- halt äußerten. Sie könnten das, wenn sie überzeugt sein könnten, daß ihre Aeußerungen nicht aus dem Magistrat hinausgetragen würden. Dagegen habe Bürgermeister R. sich in der Geburtstags- gcscllschaft durch unbedachte?lcußerung-n veraaimcn. R. klagte nun beim Obcr-VerwalturrpsiZericht. Auf den Wunsch des Klägers, der die ganze Angelegenheit noch als völlig ungeklärt hinstellte, erhob das Gericht erst Beweis. Scharf umrissen« Aussagen kamen nicht heraus. Ganz genau wußte ein Zeuge nur, daß R., soweit er über- baupt vinr Reden aus jener Magistralssitzung sprach, dies in absolut barmloser Weise getan habe. Das Ober-Verwaltungsgericht hob kürzlich den Bescheid des Regierungspräsidenten auf und setzte die Strafverfügung gegen R. außer Kraft. Kommen im Bezirk des pommerschen Regierungspräsidenten wirklich nicht ernstere Verfehlungen konservativer Beamter vor, die ein Einschreiten des Regierungspräsidenten rechtfertigten? 8 175 Str. G. B. Wiederholte Erpressungsvcrsuche gegen ein Mitglied des„wisienschaftlich- Humanitären Komitees" lagen einer Anklage gegen den 27jährigen Schauspieler Karl Fei gl zugrunde, welcher gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Oppcrmann II zur Vcr- Handlung kam. Der in Budweis in Oesterreich geborene Ange- klagte war einige Zeit bei dem Leiter des„wisscnschaftlich-hutnani- tären Komitees" Dr. Hirschfeld als Aushülfsdiener angestellt gewesen. Hier lernte er in einer VcrtrauenSmänncrvcrsammlung den Privatgelehrten Dr. Benedict Friedlaender kennen. Dieser gewann einiges Interesse für den Angeklagten, der viel von seinen Reisen und Abenteuern auf einem Söhiffc des Norddeutschen Lloyd erzählte, da er selbst große Reisen nach fernen Weltteilen unternommen hatte. Dieses Interesse soll, nach einseitiger An- gäbe des Angeklagten, sich bald in ein näheres Verhältnis vcr- ivandclt haben, welches strafrechtlich unter§ 175 Str. G. B. fällt. Dr. Friedlaender unterstützte den Angeklagten in der weiteren Folge mit teils erheblichen Beiträgen. Als Feig! infolge verschiedener Angelegenheiten vorübergehend in Zürich Aufenthalt nahm, richtete er von hier ans an Dr. F. ein UnterstützungSgcsnch, worauf er von diesem 150 M. erhielt. Bald darauf forderte Fcigl noch- mals 300 M., die ihm indessen verweigert wurden. Der Ange- klagte richtete daraufhin mehrere Briefe, die in ziemlich drohendem Tone gehalten waren, an Dr. F., in denen er ankündigte, er werde eine Broschüre verfassen, durch welche mehrere Mitglieder des „wisscnschaftlich-humanitärcn Komitees" stark kompromittiert ivür- den. Zugleich wurde dem Adressaten anheimgestellt, die Broschüre im Originalmanuskript gegen eine ziemlich hohe Summe zu kaufen, und so die sich weiter ergebenden Konsequenzen zu be- seitigen. Auf Grund dieser Briefe wurde gegen den Angeklagten Anzeige wegen Erpressung erstattet, er selbst zugleich verhaftet. Von einer dritten Seite wurde für ihn eine Kaution von 3000 M. gestellt und er einstweilen wieder aus der Haft entlassen.— In dieser Sache stand schon einmal Termin an, der seinerzeit vertagt wurde, weil der Verteidiger Rechtsanwalt Viktor F r a c n k l den Antrag stellte, den Angeklagten, der wiederholt Briefe des kon- fuscstcn Inhalts an verschiedene Personen gerichtet hatte und aller Wahrscheinlichkeit nach unzurechnungsfähig fei, auf feinen Geistes- zustand zu untersuchen. In der gestrigen Verhandlung gab der psychiatrische Sachverständige Dr. S c i f s e r sein Gutachten dahin ab, daß Feig! ein psychopathischer Mensch sei, der§ 51 Str. G. B. jedoch keine Anwendung bei ihm finden könne.— Der Gerichtshof biclt mit Rücksicht auf die Gcmcingefährlichkcit derartiger Erpressungen eine empfindliche Strafe für angebracht und erkannte wegen wiederholter versuchter Erpressung auf ein Jahr Gefängnis sowie drei Jahre Ehr- Verlust. Simulationseinwand tineS Ehefs. Tie Lageristin�D., die mit einem Monatsgehalt von 65 M. bei der Firma Karl Schreier an- gestellt war, erkrankte im Juli an Brechdurchfall und erhielt seitens des Kassenarztes Dr. Broh das Krankenattcst ausgestellt. Ihr Fernbleiben vom Geschäft wurde ordnungsgemäß entschuldigt. Ter Chef wollte an die Krankheit des Fräuleins nicht recht glauben, da er ihr kurz vorher einen Urlaub abgeschlagen hatte und gab nun sein Interesse für seine Angestellte in folgender Weise kund. Er sandte nach einigen Tagen unangemeldet seinen Hausarzt Dr. Bl. in die Wohnung des Fräulein D.. der konstatierte, daß diese zwar nicht ganz gesund, aber doch nicht so krank war, daß sie nicht im Geschäft tätig sein könnte. Der Chef benachrichtigte die Erkrankte von ihrer sofortigen Entlassung. � Zu der Verhandlung vor der zweiten Kammer des Berliner Kaufmannsgerichts am Sonnabend waren beide Aerzte behufs Ab- gäbe ihres Gutachtens geladen, um festzustellen, ob die Klägerin simuliert habe oder nicht. Während der Hausarzt des Chefs zu- geben mußte, daß der Zustand der Klägerin im Stadium seiner Untersuchung noch keinen Rückschluß zulasse auf deren Gcsundhcits- zustand während der vorhergehenden Tage, erklärte Dr. Broh eine S i in u I a ti o n der Klägerin für absolut ausgeschlossen. sie war in der fraglichen Zeit zweifellos arbeitsunfähig. Diese positive Aussage eines Kassenarztes wagte der Beklagte mit den Worten in Zweifel zu ziehen:„Die Klägerin sagt, sie hat Brech- durchfall gehabt, gesehen hats doch aber der Herr Doktor nichll", worauf Tr Broh die richtige Antwort gab:„N a. s o l l i ch m i r s etwa ertra vormachen lassen?" Der Vorsitzende schlug einen Vergleich vor. gemäß welchem die Klägerin 106 M. zugesprochen erhalten sollte und mit dem sich schließlich auch die Klägerin einverstanden erklärte, da sie das Geld sofort ausgezahlt erhielt und wegen ihrer wirtschaftlichen Lage leider auf ihren gerecht- fertigten weitergehenden Anspruch verzichtete. Vermisckres. Zwei spanische Torpedoboote durch Feuer zerstört. Bei einem Brande de? Arsenals von La Carraca bei Cadiz sind zwei in Reparatur befindliche Torpedoboote zerstört worden. Außerdem ist ein Matrose in den Flammen umgekommen. Die beiden Boote sind „Ariere" und„Rayo". Der Gesamtschaden wird auf drei Millionen Pesetas geschätzt; viele Arbeiter dürften beschäftigungslos werden. Schwere Arbeit. Aus Monte Carlo werden dem„Berliner Tagebl." folgende„Momentaufnahmen" übermittelt: In den Roulettesälcn: Großfürst Nikolaus von Rußland, von cinein Tisch zum andern gehend, setzt überall daS Maximum, ohne das Resultat abzuwarten, spielt an vier Tischen zugleich und läßt sich, falls er gewinnt, das Geld aufheben, bis er tviedcr an den Tiicb kommt— verliert täglich seine 160 660 Frank I— Der Kronprinz von Schweden setzt stundenlang seine 5 Frank und gerät oft mit alten Frauen wegen seines Einsatzes in Wortwechsel— zieht natürlich stets den Kürzeren. Am trente et quarante- Tisch; Großfürst Kyrill mit seiner nun angetrauten Frau. Sie spielen kleines Spiel und zählen alle Augenblicke ihre Louis, die sie in der Hand halten. Haben aus- gesprochenes Pech— was dem alten Sprüchwvrt recht gibt.— An einem anderen trente et quarante»Tisch sitzt ein kleiner dicker Frank- surter Kaufmann mjtzwei höchst unschikenFraueu. Er spielt mit Tausend» frankscheinen und die Frauen mit Plaques. Anfangs gewinnt et mehreremale das Maximum mit 12 600 Fr., doch bald verläßt chit das Glück und er verliert Schlag auf Schlag. Da sagt ihm plötzlich mit lauter aufregender Stimme die eine Frau:„Setze doch ein Weilchen aus, es stehen wieder Landslente hinter uns, da kannst du ja nie gewinnen." Die Landslente waren der Erbprinz Bernhard und Charlotte von Meiningen, die sich daraufhin schleunigst aus dem Staube machten.— Beim Verlassen der Säle erblicke ich den Krön» prinzcu von Schweden in angeregter Konversation mit dem Groß» fürsten Nikolaus von Rußland. Ich blieb auf Entfernung stehen und sah zn meinem Ergötzen, wie Nikolaus den Kronprinzen alle Augenblicke stehen ließ, um seine Einsätze an den Rouletten zu lon- trollieren I ßviefhaften der Redahtfon. Juriktikcbei' Cefl. Sic tiirlsttschc SPrcchftinidc findet«önlich»lit ZlusuahmcdeS eomiopeit»» von T'/j bis»'/, Itlic nbciid? statt,(»eöffnet; 7 Ubr. SR. 93. 4, 1. Es gibt feine gesetzliche Hebammenwxe. MS angemessen werden für Berlin und llmgegerd vom Hevammenverein 10 bis 30 M. jilt die Entbindung, 1 bis 2 M. für einen Besuch, 2 bis 3 M. für einen Nacht- besuch, 5 bis 8 M. für eine Nawtwache. 8 bis 10 M. für eine Tag- und Nachtwache erachtet. Das Gericht solgt in der Regel diesen Sätzen. 2. Wie ost Besuche zu inachen sind, richtet sich nach der Abrede.— F. Br. Offenbacher Krankenkasse sur Frauen und Mädchen(Prinzenstr. 66 bei W. Hinz).— Konipottschüssel. 1. Wenden Sie sich an das Bureau Neue Friedrichstr. 9(10. 2. Nein. 3. Es kann völlige Unentgelllichkeit ein- treten.— Schneider. Ja. Sie können eventuell einen Entscheid der Gewerbedeputalion HerbeisüHren.— St. H. 30. Der Anspruch aus Unfall- reute ist an die Berufsgenoisenschast zu richten. Eine Beihülfe eines Rechts- anwalts ist nicht erforderlich. Durch die Gewährung einer Unsallrente sind die weitergebenden Rechte gegen den Unternehmer ausgeschlossen. Die Grundsätze der Unsallgesetzgebung und Beispiele für Anträge usw. finden Sie S. 330 bis 447 und 575 bis-580 des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden Arbeiterrechts.— 1004. 1. Ja. 2. Das können Sie halten wie Sie wollen. 3. Seine Vorschriften gelten als Norm im Streitsall: Arbeiterrecht S. 145, 149. 4. DaS hängt vom dortigen Statut ab. ö. Nein. — Di. D. 1. 1. Außerhalb der Kircheugeineinschast stehend. 2. Der Ar- tikel ist uns nicht erinnerlich.— H. M. 3ii. Sie sind zur Zahlung ver- pflichtet; der Vertrag ist gültig.— K. I. 22. 1. Die Vorschriften sind für die verschiedenen LandcSteile. 2. Nein. 3. Nur mit Genehmigung der «chuIaussichlLbehörden. Wiederholen Sie eventuell Ihre erste Frage unter Mitteilung, ob Sie für eine bestimmte und für welche Gegend AnSkimft haben wollen.— 93. Konnte nicht ermittelt werden.— M. H., F. Th. Die Höhe einer Invaliden- oder Mlersrente läßt sich ohne Einsicht in die Karten und Papiere nicht bestimmen. Die Art der Berechnung ist Seite 492 bis 494 und 501 bis 503 des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden.Arbeiterrecht" dargestellt.— H. 8. Bei 550 bis 850 Marl Jahresarbeitsverdienst sind 0,24, bei 850 bis 1150 0,30, bei höherem Jahresaibeitsverdienst 0,36 Mark Marken zn kleben.— üirniitstrasie. Ja. — I. 12. 05. 1. Ja. 2. Nein. 3. Das bängt von Ihnen ab. 4. Das Er» ziehungsrecht steht Ihnen zu. Das Besuchsrecht hat aus Anrufen das Aiuts- gericht zu regeln. 5. Ohne Kenntnis der Urkunde nicht zu beantworten. Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenleu offen. 6. Mindestens 200. Legen Sie den Sie betreffenden Fall dar. 7. Niemand. 8. Der geschiedene Mann hat keine Wartezeit. 9. Nein.— H. I. 24. Wedding 6. Ohne Einsicht in die in Betracht kommenden Papiere und ohne nähere Kenntnis des Falls nicht zu beantworten.»Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen.— St. W. 1. und 2. Die Zustimmung des Abgeordneten- Hauses und des Herrenhauses, sowie die des Königs ist in Preußen sür die Gültigkeit eines Gesetzes erforderlich. Die Einzelheiten der preußischen und ivürttembergischen Verfassung sind wiederholt bei Gelegenheit im„Vorwärts" besprochen, können aber unmöglich im Briefkasten aus Wunsch dargelegt werden. 3. und 4. Zustimmung des Reichstags und Bundesrats ist für ein dann vom Kaiser zu verüffenilichendeS Reichsgesetz erforderlich.— Zi. B. 100. Das Gewerbegericht ist zuständig.— G. W. IIS. Verhaftung zwecks Eidesleistung kostet 15 M. Außerdem sind Verpstegungskosten in Höhe eines Monats(24 M.) vorauszuzahlen. Schon das schützt Sie gegen ein Borgehen des Gläubigers. Neberdies ist es in Ihrem Falle ratsam, gegen den Haftbesehl beim Amtsgericht unter Darlegung des Vergleichs Beschwerde einzulegen. Eudtich hindert Ihr Zustand eine Verhasiung.— P. I. 65. Soweit ersichtlich, würde ein Verschulden des Besitzers schwerlich an- genommen werden, die Klage sehr wenig Aussicht auf Erfolg haben.— G. S. 20. Nein.— W. E. 10. l. Innerhalb einer Woche nach Ver- kündung deS Urteils ist gegen ein Strasurteit Berufung einzulegen. 2. Ja. 3. Das ist nicht zu viel.— H. ig. Charlottenbnrg 111. Nein. — K. B. Rumnielsburg. Eine Schadenersatzklage wäre aussichtslos.— (f. St. 3. 1. Nein. 2. Ja. 3. In 10 Jahren.— Konsequenz. Die Tauf- berechligung besteht.— E. R. 23. Dem Vertrag fcblt eine Uebergabe nicht. Den Ersordernissen der'tz§ 929, 930 des Bürgerlichen Gesetzbuches ist ge- nügt. Er leidet aber a» zwei anderen Mängeln. Der Gesamtinhalt legt nache, daß kein Verkauf, fondern lediglich eine Verpfändung stattfinden follle und stattgefunden hat. Ferner dürste es an einer BürgschastSerklärung der Ehefrau sehten. Der Antrag spricht nur davon, daß sie Bürgschaft über- nommen habe, nicht, daß sie Bürgschaft übernimmt. Für eine Bürgschaft ist solche Erklärung erforderlich. Der Verkauf und die Verpfändung sowie die Bürgschaft der Ehefrau wurden demnach wohl als ungültig, der Vertrag, foweit er den Ehemann betrifft, nur als Pfandvertrag anerkannt werden.— A. B. 2. Die(gründe würden nicht durchschlagen, Sie können aber einen anderen Sachverständigen vorschlagen. — E. 3. 9. Der Brief ist nicht gerade sehr höflich, aber eine Erpressung enthält er wohl, nicht. Klagen Sie Ihren Anspruch cm. Wegen der Straf- fache würden Sie ans Anfrage Nachricht erhalten.— O. St., Groß- Lichterfelde. Die.Herrschast ist für die Daner von sechs Wochen zur Für- sorge in Krankheitssällen des Gesindes verpflichtet. Ob es sich in Ihrem Fall»m Gesinde oder einen nicht in das HauS aufgenommenen Knecht oder endlich um einen Fall handelt, in dem bestimmte Vereinbarungen zwischen den Parteien getroffen sind, läßt Ihre Anfrage nicht erkennen. Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen.— 100. R. S. Sie müßten bei der Versicherungsanstalt und Ihrer Krankenkasse anfragen.— Artur Wolter. Leider steht dem Arbeiter ein Recht aus Ueberweisung in eine Heilstätte nicht zu. Eine Beschwerde hätte deshalb keinen Erfolg.— Zldoptierte. 1. Ja. 2. Nein. 3. Die Adoptiveltern sollen mindestens fünfzig Jahre sei». DispenZ ist zulässig. Den Weg zur Adoption finden Sic Seite 44 des dem Arbeiterrecht beigefügten Führers durch daS Bürger- liche Gesetzbuch beschrieben. Das Blich liegt in den öffentlichen Lesehallen aus. 4. Solche Korporationen, Vereine, Behörden u. dgl. gibt es nicht.— 2». Miihlh Die Konkurrenzklausel dürste soweit als ungültig erachtet werden, als sie nicht eine bestimmte Zeitbeschränkung enthält. Sie könnten dementsprechend ttagen.— Z. B. III. Stein.— M. M. 80. Ja. — 96. DaS Dispensgesuch ist an das Landgericht(ScheidnngSgencht) u senden. Zustimmung des beleidigten Ehegatten ist zweckmäßig dem von eiden in Betracht kommenden Personen einzureichenden Antrag beizu- sügen.— P. 3. 41. Ohne Einsicht in den Vertrag ist eS unmöglich zu beurteilen, wie weit die Rechte oder Pflichten des Mieters in dem von Ihnen geschilderten Fall gehen.— G. M. W. 189. Leider ist eine Klage aussichtslos, weil nach Ihrer Darlegung bereits früher Abweisung erfolgt und überdies Verjährung eingetreten ist.— F. R. 40. Schlafleute, Ehambregarnisten und Monntsmieter haben, falls nichts anderes vereinbart ist, bis am 15. zum 1. zn kündigen(nicht bis am t. zum 15.). Die gleiche Kündigungsfrist haben die Vermieter innezuhalten. — E. L. 12». 1. Nein. 2. Teilen sie mit, daß Sie mit der Kündigung nicht einverstanden sind und sie als rechtsgültig nickst anerkennen. 3. Nein. — I. X. 28. Falls Ihre Frau ohne ilnterbrechung sechs Monate laug Mitglied einer OrlS-, JnnungS- oder BetriebSkaffe war, so steht ihr der Anspruch zu, DaS heißt nicht, daß sie derselben Kaffe sechs Monate lang angehört haben muß, sondern daß sie sechs Monate hindurch Kaffenmitglied war, also nickt inzwischen keiner Kasse angehörte.— E. H. 68. Wenn Ihr Gehalt jährlich 1500 M. nicht übersteigt, ist eine Klage auf Zahlung der 30 M. aussichtsvoll. Welches Gericht zuständig ist. hängt davon ab, in welcher Stellung Sie sich befinden: Gewerbegehülfe? Handlungsgehülse? Bureauarbeiter?— K. R. 4. 1. Den Kreis der der Psändung ent- »ogenen Sachen finden Sie S. 535—538 des in den öffentlichen Bibliotheken ansliegenden„ArbeiterrechtS" aufgeführt. 2. Zur Rücksendung sind Sie nicht verpflichtet.— W. W. 1. Nein. 2. Ja. — R. 3. 7. 1. Der Ehescheidungsklage geht ein Sühnepersuch voraus. Zu diesem ist Beklagter nicht verpflichtet zu erscheinen. Im Klageversahren wird, wenn der Beklagte nicht im ersten Termin unvertreten bleibt,»euer Termin anberaumt. Zu diesem wird der Beklagte wieder geladen. Läßt er sich auch dann nicht oertreten, so wird in der Sache verhandelt, eventuell Beweis beschlossen usw. 2. Auch als Beklagter können Sie um Bewilligung des Armenrechts einkommen. Den Weg bierzu und ein Beispiel finden Sie «. 524 u. 592 des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden„Arbeiter- rechts".— A. H. 4. 1. Zur Weiterversicherung ist kein Antrag ersorder- lich. 2. Mindestens in zwei Jahren 40.—®. Tch. 118. Die Bekanntmachung genügt. Der Zession sehtt der Grund sür die Esche Forderung gegen F. Ein Beispiel siir eine Zessionsurkunde sinden Sie s. 229 Sir. 33 des dem„Arbeite: recht" beigefügten Führers. Das Buch liegt in.den öffenttichen Lefci allen aus.— Hnnnemann. 1. Zuspätlommen ist in der Reget kein Eutlaffungsgrund. 2. Bei 8S0 bis 11S0 M. Jahresverdienst sind 30 Pfennig-Marke» zu kleben. 3. Ein Mädchen kann mit vollendetem 16. Lebensjahre, ein Mann mit erreichter Volljährigkeit� heiraten. Berlin 8W. 69 Cindcnftr. 69, Laden. Bucl)l)andlung Vorwärts Berlin 8W. 69 Cindcnftr. 69. Caden. Für BVeihnachten empfehlen wir unseren werien Lesern nachstehende Werke, die sich zu Geschenken besonders eignen, zur gefälligen Beachtung. Sonstige Klassiker-Ausgaben. ■firifr H A in ci,,cr ,,c,,c" illustrierten PrachtnnSünbe fl XvvMlvl 9 I itlllll*\fcXvl Kv 2 Bünde, elegniit in Hnll'leinen gebunden, Äroß-Lexikon-Format, zirka 1200 Seiten, mit Jllnstratioiie» i»id nuSfli lirlichem hochdentschc» Wörierbuch� AM"?reis nur 3 Jfmk.'MG fäfiVlttyAhtli'CxVfhMtt'r'n Staat Gemeinde»Iid Familie. 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Der Gesetzentwurf über die Abänderung der Landes- grenze gegen das G r o tz h e r z o g t u m Hessen wird in erster und(jlvciter Beratung debaltcles angenommen. ES folgt die erste Beratung dcS BolkSschuluntcrhaltmigSgcsctzeS. Der Entwurf enthält 7 Abschnitte. Der erste Abschnitt bezeichnet als Träger der Schullast die Schnlvcrbände. Der zweite Abschnitt handelt von der Verteilung der Volk-Zschullasten, der dritte trifft Bestimmungen über das Schulverinögeu und die Schulleistungeu Driller. Der vierte Abschnitl stellt als Regel die konfessionelle Volksschule fest. Tie bisher bestehenden Simultanschulcn sollen bestehen bleiben. Der fünfte Abschnitt regelt die Zlismnmensetzung der Schuldeputaticnen und die Berufung der Voll-zschnl lehrhafte, die von der AilssicktSbehörde unter der Be» teiligung der Swulverbande angestellt werden. Der sechste Abschnitt behandelt den SchiilhaushaltSelat und trifft namentlich für die Auf- bringung der Schulbaulaftcn Bestimmungen. Der siebente Abschnitt enthält Schluß- und Uebcrgangsbejlimmungen. Kultusminister Dr. Studt: Der Ihnen vorliegende Entwurf eines Gesetzes für die Unter- qalwng der öffenllichen Volksschulen bedeutet die Erfüllung einer Ihnen gemachten Zusage. Die Zusage ist bei Gelegenheit der vor- jährigen EtatSberaiung erfolgt, und zwar auf Anlaß wiederholter und immer dringender geäußerten Wünsche. Lange Zeit hat die Regierung schwere Bedenken getragen. Aber dir inzwischen in immer erhöhtem Maße hervortretenden Ungleichheiten bedeuteten schließlich eine Gefahr für die Güte dcS Volksschulwesens. Diese allseitig geteilte Anschauimg führte zu der Ucberzenglmg. daß eine Vereinbarung über Vereinheitlichimg dcS Schulwesens möglichst zu beschlennigen sei und daß man sie deshalb auf diejenigen Materien beschränken müsse, welche unbedingt dazu gehören. Auf diesem Bode» haben sich die großen Parteien dieses HauseS ani 13. Mai vorigen JahreS fast einstimmig geeinigt. ES ist dicS der sogenannte.Scbulkompromiß'. Ich war tn der Lage, ihn damals sofort mit Gemigtimng zu begrüßen. Hoffentlich wird diese Einigung zwischen Parteien und Regierung auch fortdauern. Wir leben tn einer ernsten Zeit, ernst nicht nur für die Schule, sondern auch für die ganze Nation. Jimere Kämpfe wegen der Schnle würden die Nation auch nach außen schwächen. Deshalb hat die StaatSregiernng es mit Absicht ver- mieden, weitere Materien heranzuziehen. Zu dielen gehört mich die Gehaltsaufbesserung der VolkSschullchrcr. Wir haben jedoch in Aussicht genommen, sobald dieser BolkSschiilmiterhaltungs- cntwurf verabschiedet sein wird, sofort an die Negelmig der GehaltsaufbefferliNgsfrage heranzutreten.(Beifall.) Schon jetzt möchte ich Ihnen aber sagen, daß der Entwurf zum Etat für 1906 den Bewag von 2�/, Millionen Mark vorsieht, um die schlimmsten Härten und Ungleichheiten auf diesem Gebiete zu bc- fettigen, besonders um die Abwanderung der Lehrer und Lehrerinnen vom Lande in die Stadt und vom Osten nach dem Weste» zu ver- hindern. Diese vorläufigen Maßnahmen sollen der späteren Regelung allerdings in keiner Weise vorgreisen. Um auf den Inhalt des vorliegenden Entwurfs einzugehen, so ist es außer Frage, daß er von den Grundbesitzern zum Teil erheb- liche Mehrbeträge fordert. Die von ihnen geleistete Grundsteuer soll nämlich bei der Veranlagung zur VolkSschulnuterhaltung mit heran- gezogen werden. Allerdings nur zur halben Quote, und zwar deshalb, »veil die Grundsteuer ohne Rücksicht auf vorhandene Schulde» erhoben wird. Die§§ 18— 25, d. H. der vierte Teil des Entwurfs entspricht ganz dem Schulkompromisse, sie betreffen die konfessionellen Verhältnisse. Hingegen wird ausdrücklich vermieden, die Ausdrücke„Konfessions- schule" oder„Simultanschule" aufzuuehmeu, weil die Begriffe nicht feststehen. Statt dessen spricht der Entwurf von Schulen mit nur evangelischen oder nur katholischen Lehrern und Schülern. Der Ent- Wurf wird dadurch in seiner Fasinng etwa? schwerfällig; doch war diese Umschreibung schon deshalb notwendig, weil Bestimmungen über die Erteilung von Religionsunterricht durch Lehrer der betreffenden Konfession nicht enthalten sind. Entsprechend dein Kompromißantrag findet der Entwurf aus daS Herzogtum Nassau, Posen und West- preußen keine Anwendung. Jedes Schulsystem soll, wie cS jetzt be- steht, weiter entwickelt werden, und wo KonfessionS- und Simultan- schule zusammen bestehen, wie z. B. in Frankfurt a. M., soll der bis- herige Zustand aufrechterhalten und weiter entwickelt werden. Aus besonderen Gründen sollen auch nach Anhörung der Selbst- verivalwngskörper neue Simultanschulen errichtet werden können. Für die Anstellung der Lehrer ist wie bisher den größeren Schulverbänden mit mehr als 120 Schulsiellen ein Vorschlagsrecht, den kleineren ein Anhörungsrecht gegeben worden, Sonderrechte von Gutsherren und kleineren Magistraten in einzelnen Provinzen konnten dabei nicht aufrecht erhalten werden. Zur Vermeidung der steigenden Landflucht der Lehrer muß den Landlehrern vor allem Gelegenheit zur Karriöre gegeben werden. Ans der Erwägung heraus, daß das Abströmen tüchtiger Kräfte vom Lande nicht noch mehr gefördert werden soll, hat die Schulverwaltung Fürsorge dafür ' Lehrern, welche sich auf dem Lande wohlverdient getragen, daß,, M. gemacht haben, Aussicht aus die besseren Stellen der Rektoren und Hauptlehrcr gegeben wird. Für die notwendigen Reparaturen und Verbesserungen der Schulgebäude ift die Ansammlung von Fonds als notwendig erachtet worden, damit nicht größere, plötzlich auftretende Bedürfttifse die Schulverbände allzu drückend belasten. Die StaatSregiernng beabsichtigt, von dem Zeitpunkt de" Jnkraft- trctcnS des Gesetzes ab, für die Volksschulunterhaltung 8 000 000 M. zur Bcidnlfe in der Scknilunterbalwngslast und weitere 3 Millionen zur Beihiilfe bei drei Schulneubauten bereit zu stellen. Neben Mehr aufwendungen für verschiedene andere Schulzweckc sind weitere drei Millionen zur Erhöhung der Lehrergehälter und 2 Millionen noch besonders für die Lehrer in Posen und Westpreußen als Neu ausgaben im Schuletat vorgesehen. Die preußische Volks- schule kann den Ruhin fiir sich in Anspruch nehme», eine Pflanz statte der Gottesfurcht und Vater- lands liebe zu fein und die ihr anverttauten Kinder zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft zu erziehen. Die Staats regiernng ist sich bclvutzt, die Ziele des Antrages bei der Aus gestaltung dieses Gesetzentwurfes mit größter Loyalität verfolgt zu haben. An bereitwilligem Entgegenkommen wird sie eS a»ch ferner nicht fehlen lassen. So hofft sie. daß ein Gesetz zustande kommen wird, daö der Fortentwickelung unserer Volksschule zum Segen g* reichen werde.(Bravo! rechts und in der Mitte.) Abg. Dr. v. Heydebrand(k.): Das Kommunalprinzip ist die einzige Grundlage, nicht nur nach den, Kompromißanttag, sondern auch sachlich bettachtet, aus der die Schulvcrhälwisse noch geordnet werden koniiten. Zwar wünschen viele Herren schon heute die Allmacht des Staates ani dem Gebiete der Schule herbei.(Mehr faches Sehr ivahr! rechts.) Aber diese Forderung wäre gleichbedeutend mit dem Scheitern des Gesetzentwurfes, d a kein Finanz- mini st er eine so ungeheure Last auf den Staat übernehmen könnte. Auch ist in staatlichen Volksschulen für die Konfessionen kein Raum. Deshalb können wir zur Beseitigung deS Kommunalprinzips die Hand nicht bieten.(VielfackieS Sehr richtig!) Soll aber dieses Prinzip haltbar bleiben, so müssen ent« gegen dem vorliegenden Gesetzentwurf die Kommunen auch Rechte erhalten.(Vielfache Zustimmung). Daß die Grundbesitzer zu erhöhten Lasten herangezogen werden, billigen wir im Prinzip. Denn derjenige soll die Lasten ttaaen, der sie tragen kamt Aber eine Korrektur muffen die diesbezüglichen �Bestimmungen des Gesetzentwürfe? doch auch erfahren. Es ist mir «sehr zweifelhaft, ob sich die Grundsteuer überhaupt zum Maßstabe der Lasteuverteilung eignet. Es ist ein seit 40 Jahren bestehendes, total veraltetes Institut. Man sollte doch auch diejenigen mehr heranziehen, die von der Schule Nutzen haben, die großen Haushaltungen usw. Ein solches Moment würde auch eine gewisse Stabilität bringen, während sich die Steuerveranlagung jedes Jahr ändert.— Nach dem Entwurf hat eS der Minister schließlich ganz in der Hand, die Lasten zu verteilen, weil seine Zustimmung eingefordert werden muß. Der Rekurs von den Kommunalbehörden darf nicht an die Staats- deHörden erfolgen, sondern an einen anderen Selbstverwaltungs- körpcr.— WaS nun aber die Leistungen des Staates anlangt, so ist hier der RegierungSentwurf doch sehr— bescheiden.(Heiterkeit.) Die Staatöleistung muß erhöht werden. Vor allem aber muß sie fixiert werden. Wir vermissen in dem Entwürfe jede konkrete Bestimmung hier- über. Mit schwerem Herzen wende ich mich zu den Bestimmungen über die Konfessionalität der Volksschule. Das, was der Entwurf uns da bietet, ist verzweifelt wenig.(Lachen links. Sehr richtig! recht?.) Die �konfessionelle Schnle ist eine Forderung, die unser Volk in seiner überwiegenden Majorität zu der seinigen macht. (Lebhafte Zustimmung rechts). Der Friede zwischen den Konfessionen wird besser gewahrt, wenn wir konfessionelle Schulen haben, als bei Simultanschulen.(Sehr richtig! rechts.) Wenn man sich auf der linken Seite gegen die g e i st l i ch e S ch u l a u f s i ch t wendet, so kann man das wohl nur als eine Zcitströnnma betraaiten, die das Wesen der Volks- schule verkennt Denn die Volksschule ist eine Schule der Erziehung, und eine gute Moral- und Sittenlehre kann nur auf Ion- f e s s i o n e l l e r Grundlage erteilt werden.(Sehr richtig! rechts.) Die Konsequenz davon ist aber auch dann die geistliche Schnlauf- ficht. Wir halten es fiir unsere Pflicht, unseren Standpunkt zur Geltung zu bringen, und meine Freunde haben alle den Mut, den Bestimmungen über die Konfessionalität der Volksschule zuzustimmen. Abg. Funck(Fr. Vp.): Ich meine, man hätte wohl etwas mehr Zeit und Ruhe für die Behandlung der Vorlage im Parlament finden muffen als es jetzt der Fall ist. Die ganze Behandlung der Materie entspricht nicht der Bedeutung der Voltsschule.(Sehr richtig I links.) In- dessen kann ich ja verstehen, daß man Eile nötig hat, und nach- dem wir den Gesetzentwurf gesehen haben, müssen wir sagen: er kommt immer noch zu früh. tSchr gut I links.) Wir sind nicht der Meinung, daß die Vorlage eine Beendigung dcS Kampfes bedeutet, sondern sie bedeutet die Entfesselung eines Kampfes (Sehr richtig I links.), er wird aus der Arena des Parlaments in die der Kommunen getragen. Zu einer gesetzlichen Regelung der Schulunlerhaltnngspflicht liegt ein Bedürfnis vor. Diese hat auch die Vorlage im Auge, aber es steht auch sehr vieles darin, dem wir nicht zustimmen können, und zwar bezieht sich das auf die wichtigeren Materien. Der Ge- setzcntwurf will die Konfessionalität der Volksschule festlegen. Man sieht dem Paragraphen, der die Bestimmungen über die Konfessionalität der Volksschule enthält, an, daß er auf Grund des Kompromisses zustande gekommen ift. Die komfessionclle Volksschule soll die Rrijel sein, die Simultanschule wird als Aus- nähme zugelassen. Während konfessionelle Schulen nach Herzenslust errichtet werden, können Simultanschulen nur mit besonderer Genehmigung eingerichtet werden. Für Hesscn-Nassau sollen die Siinultanschulcn wie bisher zugelassen werden. Ferner sind sie als Ausnahmen zulässig da, wo das Schulsystem gemischt ist. Wenn in der Begründung gesagt wird, die Simultanschulen können nur aus besonderen Gründen genehmigt werden, so ist v o n d i c s e n besonderen Gründen leider gar kein Wort er- wähnt. Es wäre interessant, darüber etwas von der Regierung zu hören. Am letzten Ende wird alles in das Ermessen der Schul- aufsichtSbehörde gestellt. DaS Recht der Minderheiten ist ein sehr weitgehender Begriff.(Sehr richtig! links.) Wir haben ja ge- sehen, in welch geschickter Weise Leute gegen das Schulsystem mobil gemacht worden sind. Alle die Kautelen. die anscheinend zugunsten ocr Simultanschule in der Vorlage getroffen sind, werden durch die übrigen Bestimmungen der Vorlage vollständig hinfällig.(Sehr richtig! links.) Während man aber sonst ängstlich bestrebt ist, den konfessionellen Charakter der Volksschule zu wahren, sehen wir in bezug auf die jüdischen Volksschulen eine große Willkür platzgreifen. Von einer Toleranz und Gerechtigkeit tonnen wir da nichts sehen.(Sehr richtig! links.) ES wird auf die historische EntWickelung der konfessionellen Volksschule hingewiesen; aber von einer solchen kann man ja gar nicht sprechen. Wir haben da häufig ein Auf- und Niedergehen gesehen, wir haben Minister ge- habt, die auf dem entgegengesetzten Standpunkt des heutigen Ministers standen.(Scqr richtig I links.) Man hat die Pro- dingen Posen und Westpreußen auS dem Gesetz herausgelassen, wir haben auch in anderen Provinzen, wie z. B- Schleswig-Holstein. Simultanschulen, und da wird künftig gesetzlich die konfessionelle Volksschule vorgeschrieben. Wenn von der Zahl der Simultanschulcn gesprochen wird, so muß man doch sagen, daß eine cinklassige Schule nicht mehr als Simul- tanschulc zu bezeichnen ist. Allerdings haben sich trotz der Schwierig- kcitcn. die die Untcrrichtsvcrwaltung der Bildung der Simultan- schulen in den Weg gelegt bat, diese Schulen im Laufe der Jahre erheblich vermehrt, ES muß also dafür doch ein Bedürfnis vor- handen fein.(Lebhafte Zustimmung links.) ES ist sehr zu befürchten, daß die Konfessionalisierung schließ- lich auch auf die höheren Schulen und Universitäten übergreift. Die Zlbsicht wird das Zentrum nach den Reden der Herren Schädler und Gröber in Regcnsburg nicht leugnen können. Es liegt ja auch eigentlich ein Widerspruch darin, daß in dem Augenblick, wo die Volksschule völlig konfessionalisiert wird, die Bildung konfessioneller mittlerer und höherer Schulen in Preußen geradezu verboten ist. Warum will man denn den höheren Kreisen die Segnungen der Konfession so schnöde vorenthalten? Ich kann nicht einsehen, warum die höheren Klassen weniger Religio« gt- brauchen als daS Soll(Sehr gut! links.), die Arbeiterschaft muß durch ihre Intelligenz Deutschland auf dem Weltmarkte kon- kurrenzfähig erhalten; das ist ihr unmöglich, wenn sie in der Volksschule in dieser Weise beengt wird. In der konfeffionellen Schule wird der Religionsunterricht noch vermehrt werden. Viel besser wäre eS, die Kinder mit den Gesetzen und Einrichtungen des Staates vertraut zu machen. Man braucht ja den Kindern die Religion nicht völlig vorzuenthalten, aber man muß sie auch über ihre sozialen Rechte und Pflichten instruieren.(Sehr wahrl links.) Es ist ja bekannt, daß die Nationallibcralen hier im Hause trotz alledem für diesen Entwurf zu haben sind. Aber vielleicht sagt mir einmal nachher Herr O. Hackenbcrg, ob die Herren ihre Kinder— sie werden ja wahrscheinlich alle in Mittelschulen gehen _ in konfessionelle Anstalten schicke» möchten. Draußen im Lande haben ja die Rationalliberalen vielfach gegen den Entwurf Front gemacht. Wie Sie ihn aber mit Ihren liberalen Grundsätzen, mit der Haltung Ihrer großen Vorkämpfer und mit der gesetzlichen Gleichberechtigung der Juden vereinbaren wollen, ist mir ein psycho- logisches Rätsel.(Sehr gut! bei den Freisinnigen.) Der Abschnitt 5 dcS Enilmirfes„von der Verwaltung der Volksschule" begegnet, ganz abgesehen von den konfessionellen Be- stimmungcn, den allergrößten Bedenken. Daß danach von Selbst. Verwaltung keine Rede sein kann, hat der Vorredner, der doch ganz anders zur Regierung steht wie wir, selbst zugeben müssen. Die Schuldeputationen sollen von jetzt an, das ist in dem Gesetze klipp und klar gesagt, lediglich Organ« der Aufsichtsbehörden sein. Durch die Regierung sollen die Krcisschulinspektorcn hincingeietzt werden und die Geistlickcn ihre geborenen Mitglieder sein. Noch schlimmer wird es ans dem Lande stehen. Daß jede«chule rhren eigenen Schulvorstand hat, sieht ja äußerlich ganz harmlos aus. Aber die Ortsschulinfpcktoren sollen durchweg Vorsitzende dieser Schulvorstände sein. Diese Ortsschulmspektoren, Staats- bcamte find fast durchgängig Geistliche, werden bei ihrem natttt- lichcn Einfluß im Schulvorstand durchsetzen, was sie wollen. Da- mit wird also die geistliche Schulaufsicht für alle Zeiten begründet, und meine Freunde sind fest entschlossen, das iwkeinem Falle zuzulassen.(Sehr richtig! links.) In der Anstellung der Lehrer waren die Städte bisher ziemlich autonom, sie haben sich stets die besten Lehrer geholt, die für ihre finanziellen Verhältnisse erreichbar waren, und dadurch ihr Schulwesen in die Höhe ge- bracht. Jetzt soll den großen Städten nur noch ein Vorschlags- recht, den tleinen nur ein Recht auf Anhörung gelassen werden. Bei der Wahl der Rektoren werden auch die größeren Städte gan� von de r Gnade der Regierung abhängig ge- macht, damit die Lehrer vom Lande Karriere machen können. Das heißt Korruption und Strebertum in der Lehrerschaft großziehen, die auf die Dauer weder den Lehrern noch der Schulverwaltung selbst nützen kann.(Bradol links.) Mit den wirklichen Wünschen der Volksschullehrer hat man sich nie vertraut gemacht, hat n i e eine Deputation von ihnen empfangen. Trotzdem haben sie stets ihre- Meinung furchtlos gesagt, und diese ganze Richtung ist es, die der Regierung nicht paßt. Man will den preußischen Lchrcrstand von der freien Meinungsäußerung ab- schrecke».(Sehr wahr! links.) Was wird dann aus den stolzen städtischen Schulverwaltungen werden? Es wird eintreten, was Miquel einst in einer Eingabe auS Frankfurt a. M. vorausgesagt hat, eine Verstimmung der Städte, in der sie nicht mehr so reichlich fiir die Volksschule sorgen werden, wie bisher. Denn das Kommu- nalprinzip besteht jetzt nur noch in der Pflicht zu zahlen.(Sehr wahrl bei den Freisinnigen.) Meine politischen Freunde fordern grundsätzlich die allgemeine gesetzliche Einführung der Simultan- schule, wie sie schon 1892 Eugen Richter hier gefordert hat. Gerade im Geiste dieses großen Volksmannes, dessen Ausscheiden aus dem Parlamente von allen Seiten lebhaft bedauert wird, müssen wir uns gegen diese reine Kirche»schule mit allen Kräften wehren. Wir müssen uns wundern, daß bei her Bedeutung der Sache nicht einmal der Ministerpräsident im Hause erschienen ist. Wir hätten gern gewußt, wie er bei seiner Vorliebe für die geistigen Errungen- schaften aller Völker in diesen Zeiten nationaler Annäherung zur konfessionellen Zerreißung Preußens steht. Wir müssen jedenfalls bei Zeiten unsere warnende Stimme erheben, damit nicht Preußen einen großen Rückschritt macht.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Schiffer(Nail.): Man hat bei der Erörterung der Vorlage der Frage der Kon- sessionalität meines Erachtens einen zu großen Spielraum ein- geräumt. Wenn wir demgegenüber die Frage der Schuluntcr» Haltung in den Vordergrund stellen, so heißt daS keineswegs den ideellen durch einen materiellen Standpunkt verdrängen: die materielle Sichcrstellung unserer Volksschule bedeutet einen un- schätzbaren idealen Gewinn für unser ganzes Volks- und Kultur- leben.(Beisüll bei den Nationalliberalen.) Mit Herrn v. Heydc- brand sind wir der Ansicht, daß die finanzielle Frage in der Kvm- Mission eingehend behandelt und die Mitwirkung der Kommunalbe- Hörden bei der Verteilung der Lasten festgestellt werden muß. Meiner Meinung nach wäre es angebracht, den Frauen Sitz und Stimme in den Schuldcputationen zu gewähren. (Sehr richtig I links.) Ter in der Vorlage vorgesehenen Zusammen- setzung der Schulvorstände, die dem Ortsschulinspektor einen un- gebührliehen Einfluß einräumt, die Lehrerschaft beeinträchtigt und da? konfessionelle Prinzip übermäßig verschärft, werden wir kaum zustimmen können. Die Rechte, die die Vorlage den Ge- incinden einräumt, stehen ganz außer Verhältnis zu den Pflichten, die sie ihnen aufbürdet.(Sehr richtigl links.) Auch hier wird die Kommission die bessernde Hand anzulegen haben.— Wir sind weder unbedingte Anhänger der Simultan-, noch der Konfespons- schule; wir wollen, daß diese beiden Schularten, die ja auch keinen unbedingten Gegensatz bilden, in freiem Wettbewerb mit einander ringen. Wir können nicht gleich den Freisinnigen in dem Eni- Wurfe den lintergang der Simultanschule erblicken; wir er- kennen vielmehr in ihr verheißungsvoll e Keime einer inneren Simultan isierung der Konfessions» schule. Unbedingt muß den Eltern freistehen, in welche Schule sie ihre Kinder schicken wollen, wenn wir nicht zu einem uncrttäg- liehen Gewissenszwang kommen wollen.(Sehr richtigl links.)— Unsere Bedenken sind ernst; aber der Boden für eine Verständigung ist vorhanden. Möge eine solche zustande kommen und zum Heile der preußischen Volksschule ausschlagen, die in dieser Zeit nationaler Gefahr besonderer Pflege bedarf.(Lebhafter Beifall bei den NationaUiberalen.), Abg. Dr. Porsch(Z.): ES ist schade um die Druckerschwärze und die Zeit der Leser, die auf die Stellung des Zentrums in dieser Frage verwandt ist. Wir stehen der Vorlage weder pikiert noch als tertiu, gauckens gegenüber. Wir nehmen vom streng katholischen Standpunlt aus denselben Standpunkt ein, wie Dr. v. Heydebrandt vom gläubig katholischen Standpunkt. Wir vertreten noch die Ansicht, der Ab- geordneter Ditttich bei der Korum-Jntrrpellation Ausdruck gegeben hat. Wir haben in einzelnen Punkten aber schwere Bedenken, so schwere Bedenken, daß jetzt wohl endlich das alberne Gerede der Zeitungen verstummen wird, daß ein Kuhhandel stattgefunden habe, um uns ans dem Umwege über das Reich eine Kompensation zu ge- währen. Wir wollen selbstlos, ohne Hintergedanken, an die Prüfung der Vorlage herantreten.' Eine Staats schule wollen wir nicht. Leider stecken wir aber schon jetzt tief in dieser Schule.(Sehr richtig! im Zentrum.) Viel höher als alle menschliche Kultur steht die christliche.(Beifall im Zentrum.) Von dieser Grundlage gehen wir aus. Dagegen aber verstößt der 8 29 der Vorlage, der dem Provinzialrat eine zu große Macht gibt. Eine volle Gewissensfreiheit ist nicht vorhanden, wenn man gläubige Katholiken oder Protestanten zwingt ihre Kinder in die Simultanschulcn zu schicken. Wie soll die Simultanschulc im Nationalitäteiikampf in Posen und Westpreußen erfolgreickr wirken? Es ist nicht zu billigen, Posen und Westpreußen von den Wohltaten dieses Gesetzes miSzunehmen. Viele meiner Freunde empfinden cS auch bitter, daß die Provinz Nassau«ruSgenommen werden soll. Dort ist doch auch nur theoretisch die Simultanschule eingeführt, tatsächlich bestehen dort doch auch meistens KonfcssionS- schulen. Der Minister beruft sich auf historische Reminiszenzen. Dann darf ich ihn wohl daran erinnern, daß Kultusminister v. Mühler im allerhöchsten Auftrage ausgesprochen hat, daß nach Einver- lcibung Nassaus die Konfessionsschule zur Grundlage gemacht wer. den würde. Die Dissidenten werden sich gefallen lassen müssen, daß wir ihre Religionsschule hier mit regeln. Zweifelhaft cr- scheint uns, ob dieses Torsogesetz. das territorial nicht überall ein. geführt werden soll und materiell nicht die ganze Frage regelt, nicht gegen Artikel 26 der Verfassung verstößt. Denn dieser Artikel verlangt eine einheitliche Schulgesetzgebung. Wir fordern hier kein Gyinnasialgesetz, sondern bescheiden uns bei der Vorlage, meinen aber, daß die Artikel 26 und 112 der Verfassung geändert werden müssen.(Beifall im Zentrum.) Abg. Freih. v. Zedlitz/2 Milliarden erzielt wurde. Das ist ein Gesetz, das von einem Dreiklassenpnrlament geschaffen istl(Sehr richtig I rechts.) Die Miquelsche Steuerreform hat zweifellos ihr Ziel erreicht. Darum darf es nicht ein Noli mo tangere(Blümchen.Rühr mich nicht an") sein. Ich empfehle als Verbesserung zunächst: der Schätzung bei geringeren Einnahmen da? letzte Jahr statt der letzten drei Jahre zugrunde zu legen. Ein Arbeiter kann ja gar nicht nach zwei Jahren noch angeben, wo er früher einmal gearbeitet hat. Ferner muß das Oberverwaltungsgericht, ebenso wie es mit dem Reichsgericht geschehen ist, eiulastet werden. Deshalb muß der Beschwerdeweg anders geordnet werden. Ebenso würde man den mittleren Existenzen damit helfen, daß man die Kosten für die Erziehung der Kinder abzugsfnhig macht. In dieser Beziehung sind die mittleren Existenzen zum Teil viel schonungs bedürftiger als die Arbeiter, die für die Schulbildung ihrer Kinder nicht einen Pfennig ausgeben.(Sehr richtig! rechts.) Diese Verbesserungen lassen sich aber nur durchführen, wenn wir die Gesellschaften mit beschrankter Haftung, ebenso wie alle physischen und' juristischen Personen, zur Be fteuernng heranziehen. Diese Heranziehung rechtfertigt sich schon arw deni Gesichtspunkte, daß diese Gesellschaften immer mehr einen kapitalistischen Charakter annehmen. Trotz unserer jetzigen guten Finanzverhältnisse müssen wir vorsichtig sein, da sich die Ausgaben ganz eminent steigern. Im nächsten Etat betragen die Ausgaben über 179 Millionen mehr als die Einnahmen Fudem beruhen die günstigen Verhältnisse zum größten Teil auf den schwankenden Einnahmen der Eisenbahnverwaltung Auf diese schwankenden Einnahmen dauernde Ausgaben zu basieren ist nicht nur ein Schönheitsfehler, sondern auch ein KoiistriiktionS- fehler der bestehenden etatSrecktlichen Bestimmungen.(Beifall rechts.) Abg. v. Wcntzcl(kons., auf der Tribüne fast unverständlich) tritt für Kommissionsberaiimg ein. Abg. Dr. Rcwoldt(fk.): Gerade bei dieser Gelegenheit bedanern wir die Mandatsniederlegimg deS Abg. Richter. Wenn ein Rechtskandidat im Referendar- oder Assessoreiiexamen Ansichten äußern würde wie die Begründung der Vorlage, so würde er bedenkliches Kopfschiittcln bei den Examinatoren erregen. Die Aktiengesellschaften stellen gewissermaßen das mobile Kapital dar, die Gesellschafien mit beschränkter Haftung sind dagegen eine Art im- mobile, individualistische Bildung. Die Besteuerung dieser Gesellschaften ist weder au? juristischen noch auS volkswirtschaftlichen Gründen zu rechtfertigen. Will man alle Handelsgesellschaften be steuern, so soll man auch die großen Konsumvereine besteuern, die zum Teil eine wirtschaftliche Kalamität geworden sind. Wollen wir auf dem vorgeschlagenen Wege vorgehen, so müssen wir eine organische Gesetzgebung machen, indem wir ebenso wie der Staat Bremen grundsätzlich scheiden zwischen physischen und nicht physischen Personen.(Bestall rewtS.) Finanzminister Freiherr v. Rheinbaben: Wir wollen nichts ganz Unerhörtes. In sämtlichen deutschen Bundesstaaten sind die Gc- sellschasten mit beschränkter Haftung besteuert, nur bei unS nicht. Jeder Gedanke, die juristischen Personen ganz frei zu lassen, ist, daS wird mir der Abgeordnete Rewoldt zugeben, indiskutabel. Abg. Röchling(natl.): Meine Fraktion wird nahezu geschlossen {legen die Besteuerung der Gesellschaften mit beschränkter Haftung nnmien, weil wir die Doppelbestcuernngen überhaupt bekämpfen. Wenn man überhaupt die Gesellschaften besteuern will, soll man die mit weniger als 1 Million Kapital ausnehmen, ebenso die Familien gefellschaften. Mit den neuen Steuern soll man doch warten, bis sie notwendig sind. Finanzunnister Frhr. v. Rheinbaben: Gegenüber den juristischen Ausführungen, die wir mehrfach gehört haben, möchte ich bemerken, daß ich auch aus der Justiz hervorgegangen bin und das Assessoren- examen mit„gut" bestanden habe.(Heiterkeit.) Wenn ich gesagt haben sollte, daß die Gesellschaften in. b. H. unter ihrem Namen keine Rechte erwerben können, so wäre das allerdings ein Irrtum. Abg, Kirsch(Z.): Wir sind für die Verweisung der Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Ich bin dafür, daß die Konsumvereine so weit zur Besteuerung herangezogen werden, als sie auch an NichtMitglieder verkaufen. Vielleicht würde es sich empfehlen. noch weitere Erleichterungen bei allzu reichem Kindersegen in der Borlage vorzusehen. Wir werden uns in der Kommission noch gründlich zu überlegen haben, ob nicht der Steuersatz für die ganz großen Vermögen von 4 auf 5 Proz. zn erhöhen ist. Ein Teil meiner Freunde ist geneigt, die Gesellschaften mit beschränkter Haft- Pflicht zur Einkommensteuer heranzuziehen, ein anderer Teil verhält sich dagegen ablehnend.(Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Wiemer(frs. Vp.) hält ebenfalls eine Reform des Einkommensteuergesetzes für notwendig. Das VeranlagungSverfahren hat große Mängel. Der Minister hat die Selbstlosigkeit der be- sitzenden Klassen gerühmt, aber zu sagen unterlassen, daß auch eine plutokratische Vertchärfmigjbes Wahlrechts zugunsten der besitzenden Klassen eingetreten ist.(Sehr richtig! links.) Die Vorlage enthält Verbesserungen, diese werden aber'durcki eine Verschlechterung des bisherigen RechtszustandeS erkauft, da ja' der Beschwerdeweg an daS Oberverwaltungsgericht fortfallen soll. Als einen Fortschritt sehen wir die Schätzung nach den Ergebnissen deS letzten Jahres an. Dos Kommunalabgabengesetz muß geändert werden(Sehr richtig! links), namentlich in bczng ans das Steuerprivileg der Beamten. Die letzten Reformen bei uns, wie bei der Eisenbahnreform und der Säuilimterhaltungsfrage, sind innner mit Verschlechterungen ver- vimdcn. Ebenso ist es hier bei der Einlommeiisteuer-Reform. Für die Verschlechterung aber können wir nicht stimmen.(Beifall links.) Abg. Wolff-Lissa(fts. Dg.): Mit der von der Vorlage gebotenen Erleichterung können wir uns im allgemeinen einverstanden erklären; daß aber die Gutsbezirke von allen Lasten für Grund-, Gebäude- ulld Gewerbesteuer befreit werden sollen, halten wir für eine nn- gerechte Bevorzugung. Auch gegen die Heranziehung der Gesell- jchaften m. b. H. müssen«vir irns wenden. Die Vorlage wird hierauf einer Kommission von 21 Mitgliedern übertoiesen. Es folgt die e r st e B e r a t u n g des Krers» und Pro- vinzialabgabc n gesetzcs. Miiiister des Innern v. Bcthimnin-Hollwcg begründet die Vorlage: Zahlreiche Gemeinden haben sich mit anderen zu gemeinsamen Unternehmungen vereinigt. Diese Möglichkeit muß auch den Kreisen gegeben werden. Ich hoffe, Sie werden den Entwurf als brauchbare Grundlage für Ihre Beratungen annehnien. (Beifall.) Die Abag. Hchking(k.) und W«y»e>(frk.) erklären, daß sie dem Entwurf sympathisch gegenüberstehen. Abg. Schmcdding(Z.) erklärt sich mit dem Entlvlirf im all- gemeinen einverstanden. Nur ei» kleiner Teil seiner Freuilde habe Bedenken gegen die Umsatzsteuer, die Wertsteuer und gegen die Kontingentierung. Abg. Brandt(natl.) schließt sich den Ausführungen deS Vorredners an und beantragt, die Vorlage derselben Komniission zu überweisen, der die Novelle zum Einkommcnsteuergesetz überwiesen ist. Abg. Gyhling(frs. Vp.): Der Wunsch nach staatkiclier Fürsorge darf nicht zu weit gehen, weil darunter das VeraiitwortlichkeitSgefühl leidet. Möge der Minister dafür sorgen, daß keine Knebelung der Selbstverwaltniig eintritt. Der Minister ncinit die Vorlage ein be« schcidenes Zwecfniäßigkeitsgesetz. Ich halte das Gesetz weder für bescheiden, noch für zweckmäßig. In den wichtigsten Bestimiiiiingen liegt keine Reform, sondern formalistische Aibcit vor. Abg. Wolff-Lissa(sts. Vg., auf der Tribüne fast unverständlich) schließt sich de» Aiissühriingc» des Vorredners an. Hicrauf wird die Vorlage derselben Kommission überwiesen, der auch die N o v e l l e zum Einkommen- steuergeseh überwiesen worden ist. N ä cb st e S i tz u ii g: Montag 1 1 U h r. 1. Vorlage betr. die Abänderung der Landesgrenze gegen daS Großherzogtum Hessen. 2. Erste Lesung der Schulvorlage. Schluß 4'/z Uhr._ Itk?fra!-Miili!otttissfürTtltoiv-Aktsko!v-Eharlotteilb»rg. Die am Sonntag abgehaltene Generalversammlung tagte im Volkshanse zu Charlotlenbnrg. Vertreten waren 34 Orte durch 87 Delegierte, außerdem waren aiiweseiid 12 Funktionäre und der SieichStagsabgeordnete deS Kreises. Znnl ersten Punkt der Tagesordnung: GeschäftSberickit deS Vor st an des lag ein gedruckter Bericht vor, dem wir folgendes entnehmen: Das verflossene Geschäftsjahr konnte, da der Kreis durch größere politische Akiionen nicht in Anspruch gelioinmen ivar, völlig dem Ausbau der Organisation und der Agitation gc- ividmet werden. Zur Erledigung der laufenden Gcschäsre hielt der Vorstand 29 Sitzungen ab, davon 7 mit den Fniikiioiiärcn des Kreises. Ferner fanden 5 koiilvinierte lind 2 Generalversommliuigen statt.— Die Errichtung eines Bureaus lind Aiistellling eines Beamten hat sich bewährt.— Anträgen, die darauf abzielten, den Parteigenossen Ge- legenheit zur Erweiteruiig ihrer Kenntnisse zu geben, hat der Vor- stand bereitwilligst entsprochen. Eine Reihe von Vereinen erhielten Mittel zur Gründung einer Bibliothek oder zur Vergrößerung einer bereits vorhandenen. Im Geschäftsjahre wurden zwei AgitationS- tvuren auf dem Lande unternommen. Auf der ersten Tour wurden der Kalender„Märkischer Landbote" und eine Broschüre verbreitet. Die zweite Tour diente der Verbreitung einer anderen Broschüre und eines Flugblattes. Zur Agitation unter den polnischen Arbeitern wurde Material in polnischer Sprache verbreitet.— Im April wurden im Kreise 15l 599 Fliigblälter verbreitet, die die Arbeiter auf die damals gegründete Vororibcilage des„Vorwärts" anstnerksam machten und zum Abonnement ans den„Vorwärts" aufforderten Der Erfolg war eine beträchtliche Steigerung der Abonnemeiizahl. Der Gesauitpartei gegenüber ist der Kreis seinen Verpflichtungen in jeder Hinsicht nachgekoinmeil. Insbesondere war er bemüht, die Partei a»ch finanziell zu unterstützen. Der regelmäßig an den Parleivorstaiid zu leistende monailiche Beitrag ist ans 259 M. er- höht, daneben sind von den Neberschüssen des Kreises noch 5999 M. an die Parteikasse abgeführt worden. Die Bergarbeiter im Rubrgebict wurden, abgesehen von den durch Sammlungen aufgebrachten Geldern, mit 2999 M. iinterslützt.— Um den Mitgliedern des Zentral- WablvereinS Gelegenheit zur theoretischen AuSbilduiig-zn geben, hat der Zentral- vorstand in einer Reihe von Orten Vorträge über das Erfurter Programm veranlaßt. DaS Interesse der Parteigenoffen an diesen Vorträgen war teilweise ein recht reges, es fehlt aber auch nicht an Mitleilungen, wonach der Besuch der Abende viel zu wünschen übrig ließ. Der Vorstand wird sich jedoch durch den nicht ganz zufrieden- stellenden ersten Versuch nicht abschrecken lassen, söndern erncilte Versuche in dieser Richtiliig unternehmen.— Bei den Wahlen zu den Gcmcnidevertretlmgen hat unsere Partei fast überall gut abgeschnitlen. Besonders erfreulich sind die Resultate auS Rixdorf und Köpenick, wo wir alle Mandate der dritten Abteilung als unseren sicheren Besitzstand betrachten können. In Rixdorf kam sogar in der zweiten Abteilung der sozialdemokratische Kandidat in die Stichwahl. Im ganzen verfügten wir beim Ab schlnß des Berichts in-5 Slädten deS Kreises zusammen über 49 sozialdemokratische Stadtverordnete und in 19 Landgemeinden über 27 Gemeindevertreter. Zinn Zcniralwahlverein gehörten am 1. Oktober 34 Vereine. Nengebildet haben sich die Vereine in Mittenlvaldc und Drewitz, so daß die Zahl der Vereine jetzt 36 beträgt. Die Mitglicderzahl ist von 19112 zu Anfang auf 11339 zu Ende des Berichts jahres gestiegen, bat also um 1727 zugenommen. Einige Vereine weisen leider einen Rückgang in der Mitglieder- zahl auf. Es sind imr 8209 volle Jahresbeiträge eingenommen Hierzu sagt der Bericht, man kann sich der Ansicht nicht verschließen, daß eine ganze Reihe von Mitglieder» nur ans dem Papier stehen. ES wird Aufgabe der örtlichen Vorstände sein, für eine regelmäßigere Einkassicriing der Beiträge zu sorgen, damit das Mißverhältnis zwischen den Zahlen der voll ihren Verpflichtnugen nachkommenden und der Zahl der in den Listen geführten Mitglieder aufhört. Aus sollend groß ist die Zahl der wegen restierender Beiträge gestrichenen Mitglieder. Es wird Aufgabe der einzelnen Vereine sein, nach Mitreln und Wegen zu suchen, um die ciumal gclvonnenen Genossen zkl halten. Ersreulicherweise hat die Zahl der Abonnenten ans unsere Partei ircsse zugenommen. Abgesehen von den nicht festzustelleiiden Abonnciitcn bei Privatspeditenren und bei der Post crmitielte der Vorstand 17 526 Abonnenteii auf de»„Vorwärts". 4 944 ans ocn„Wahren Jacob", 243 auf die„Gleichheit". 133 auf die„Neue Zeit," Eine große Zahl von Strafmandaten wurden gegen Genossen im Kreise erlassen, meistens gelegentlicy der Verteilung von Flug blättern an Souiitagen. Auch die Verbreitung von Bons hatte i» einigen Orten polizeiliches oder gerichtliches Vorgehen zur Folge. £>ie Aiifechtuiig der Gültigkeit von Wahlen sozialdemokratischer Ge- meindevertreter erfolgte in zwei Fällen, die beide mit emem Reinfall der Gegner endeten. Wirte, die ihre Säle den Sozialdemokraten zur Verfügung stellen, werden niitunter noch immer gemaßregelt. indem sie auf Polizeistuiide gesetzt werden oder ihnen die Tanz- konzcssion eutzogeii wird. Selbst die Entziehung der Schank- konzession ist angedroht worden. In Mariendorf erlauben sich Polizcibeamte sogar, von den angemtldetcn Wahlvereinsmitgliedern die Milirärpässe einzufordern. Auch mit VersallimluiigSauflöstingen sind übereifrige Beamte verschiedeullich vorgegangen. Mit den Parteigenosseil von Groß-Bcrlin Häven die Funktionäre deS Kreises in bestem Einvernchinen zusammengearbeitet. Der ebenfalls gedruckt vorliegende Kassenbericht gibt eine llebersicht über Eiiniahmen und ItuSgaben der örtlichen Wahlvereine �owie der Zentralkasse. Diese verzeichnet eine Einnahme von 8 990,12 M., eine Ausgabe von 37 922,58 M.(darimter 19 935.43 M. an die Parleikasse, 1639 M. an die Agitationskommission, 1424,79 M. ür Agitationstomen, 12 877.95 M. für Agitation.) Der verbleibende Bestand beträgt 21967,54 M.— Auf Listen wurden gesammelt; Für den Crimmitschancr Streik 6751,69 M., für den Bergarbeiter» treik 16 879,16 M.. für die Opfer de? russischen Freiheitskampfes 5280,01 M., siir die JaiirsS-Versainmlung 222.53 M. Zu dem VorstandSbericht machte der Vorsitzende Hirsch einige erläiitemde Bemerkilnaen. Danach»ahm der Kassierer Eberhard das Wort zum Kassenbericht. Er sagte unter anderm: Wenn man den Stand der Zentralkasse betrachte, so zeige dieselbe einen un- günstigere» Abschluß als wie im Vorjahre. Die Einnahmen !eien hinter denen des Vorjahre? um 2565 M. zurückgeblieben. Hierbei müsse aber berücksichtigt werden, daß die finanziellen Kräfte der Parteigenossen in diesem Jahre durch freiwillige Tamm- lungen(für die Bergarbeiter, die rnssischen Opfer usw.) stark in An« spruch genommen waren. Rechner man das Ergebnis der Listen- sanimliingen zu den Einnahmen der VereinSkasse hinzu, so ergibt sich, daß die Genossen deS Kreises in diesem Jahre über 29 990' M. niehr aufgebracht haben, wie im vorigen Jahre.— In den örtliche« Wahlvereinen ist ein Bestand von 2927,78 Di. vorhanden. Außer den 151 999 Flugblättern zur„Vorwärts"-Agitation wurden verbreitet 144 909 Flugblätter über die Flcischnot, 59 999 Flugblätter zur Lokalsrage, 19 999 polnische Flugblätter und 77 999 Broschüren. Im Kreise fanden 352 Verein?- und 86 Volks- Versammlungen statt. Im VcreinSbureau gingen ein: 672 Briefs, 385 Postkarten, 221 Pakete. Abgesandt wurden: 1198 Briefe, 435 Postkarten, 72 Pakete. In der Diskussion brachten mehrere Redner Klagen über die Neferentcufrage vor. Andere verwiesen darauf, daß trotz des Fort- schrittes in der Verbreitung der Parteiprcsse in dieser Hinsicht noch viel zu tun sei. Z n b e i l sagte unter anderem, es sei in Aussicht genommen, den Genossen des Kreises noch einen Landkreis zur Be- arbeitung zn überweisen. Dagegen sei einzilwenden, daß der Kreis in seinen cigenen ländlichen Bezirken noch ein so großes Arbeitsfeld habe, daß die Genossen dadurch rcicklich in Anspruch genommen werden. Dazu bemerkte Fischer, der KreiS habe Arbeitskräfte und Geld genug, um noch einen weiteren Kreis mitznbearbeiten. Auch Hirsch nieinte, im Prinzip sei gegen die Zuweisung eiueZ Landkreises nichts einzuwenden. Im übrigen konstatierte er, daß die Tätigkeit des Vorstandes in der Diskussion nicht moniert worden sei. Auf Antrag deS Vorstandes beieüloß die Versammlung, der Parleikasse 3999 M. zu überweisen.— Der Kassierer wurde entlastet. Es folgie die B e r i ch t e r st a t t u u g der Funktionäre. Fisctier gab eine kurze Uebersicht über die Tätigkeit der Agi rati o n Sk o mm issi o n. Nach Besprechung verschiedener Eiuzelbeilen kam er zu dem Schluß, daß es sich die Agitations- kommission angelegen sein lasse, diejenigen Provinzkreisc, wo unsere Bewegung noch schwach ist, zu stärken und unsere Ideen daselbst zu verbreiten. Den Bericht der L o k a l k o m m i s s i o n erstattete G r a m e n z. Unter anderem führte er aus, in verschiedenen Orlen sei eS oft recht schwer, in der Lokalfrage besriedigende Verhältnisse zu schaffen. Es sei den Genossen der Vororte auch erschwerl worden, ihre durch die Lokaliragc bezüglichen Veröffentlichungen rechtzeitig in den „Vorwärts" zu bringen, weil die Redaklion alle derartigen Auge- lcgenheiten erst dem Obmann der Berliner Lokalkommission vorgelegt habe, der ans diese Weise auch über die Lokalailgelegenheiten der Vororte zu befinde» habe. Im übrigen berichtete der Redner über die Arbeiten der Lokairommission im einzelnen. In der Diskussion wurde der Wunsch ausgesprochen, daß auch die Gewerkschaften ihren Einfluß in der Lokalfrage geltend machen müßten, was nicht immer geschehe. Weiter'wurde geklagt, daß der „Vorwärts" die Genossen der Vororte in ihrem Kampf um Er- langung von Lokalen nicht genügend unterstütze, indem die Redaktion ans die Lokalfrage bezügliche Einienduiigen nicht aufgenommen habe. (Einsender solcher Nolizeii werden pflichtgemäß von uns immer an die Lokalkommission verwiesen. Red.) Hierauf folgte der Bericht der Preßkommission. Bevor derselbe erstattet wurde, verla-Z der Vorsitzende zwei auf diesen Punkt bezügliche Resolutionen, die beim Bureau eingegangen waren. Sie lauten: „Die Generakbersammlling des Kreises Teltow-Beeskow- Storioiv-Charlotteiiburg lehnt eine nochmalige Erörterung des ,VorwärtS"-Ko»flikts ab. Sie begnügt sich init der Feststellung, daß die Ansichten der Parteigenossen in dieser Frage geteilt sind. Ilngcachtet dieser Urteilsdifferenzen druckt sie dem Vertreter deS Kreises im Reichstage, dem Genosse» Zubeil, ihr volles Vertrauen auS." „Die Generalversammlung ist der Ueberzengung, daß die Generalversamiiilimg am 29. Oktober in Sachen des„Vorwärts"« Konfliktes durch die Annahme der Resolution Südekum- Zubeil voreilig gehandelt hat.— Die übergroße Zahl der Mitglieder des ZentralwahIvereinS haben in ihren Versamm- lungen die Annahme der Resolution Siidekum-Zubeil bedauert und schließt sich die heutige Generalversammlung diesen Kund- gebinigen an und erklärt, daß sie das Vorgeben des Partei» Vorstandes und der Preßkommission in der„Vorwärts"-Affäre gutheißt und spricht denselben nach wie vor das vollste Vertrauen aus.— Ebenfalls bekundet die Versamiulung, daß sie dem Ver- treter des KreiseS, Genossen Zubeil, unbekümmert um seine Stelluiiguahme in dieser Frage, ihr ganzes Vertrauen entgegen« bringt." Der Vorsitzende stellte im Einverständnis mit der Versammlung die erste Resolution zur Debatte mit dem Bemerken, daß, wenn sie angenommen werde, die zweite Resolution hinfällig geworden sei. In der DiSkufion wurde für die Resolution geltend gemacht: ES sei jetzt Zeil, daß mit der Erörterung des„VorwärtS"-Koiistilles ein Ende gemacht werde, da die Parteigenossen sich mit anderen wichtige» Dingen zu beschäftigen haben. DaS Vertrauensvotum für den Genossen Zubeil sei deShasb nötig, weil in ver« schiedenen örtlichen Wahlvereinen seine Haltung i» der vorigen Gciieralversamiiiluiig getadelt worden sei.— Von anderer Seite wurde bemerkt, die Resolution sei doch etivaS einseitig. Niemand werde dem Genossen Zubeil ei» Miß- trauenSvotmn aussprechen wollen. Wenn aber die Ver« sammlung ein ausdrückliches Vertrauensvotum für Zubeil in diesem Zusammenhaiige ausspreche, dann könnte es scheine», als ob sie den Ausführungen Zubeils in der vorigen Gencralversammluiig recht gebe. Kaiser, der in diesem Sinne sprach, �beantragte zu der Resolution einen Zusatz, welcher auch dein Parteivorstand das Ver- trauen der Generalversammlung ausspricht.— Gegen diesen Antrag wandte Heinrichs ein. die Versammlniig köime' nicht aussprechen. daß der Parteivorstand recht gehandelt habe, da ja mehrere Wahl- vereine einen eliigegengesetzten Staildplinkt eingenoninien haben. lieber die Resolution wurde absatzweise abgestimmt. Der erste Absatz(den„VorwärtZ"-Konflikt nicht mehr zu erörtern) wurde gegen drei, der zweite Absatz(Feststellung, daß die Ailsichteii geleilt sind) gegen vier Stimuien, das LertraiieiiSvotum für Zubeil ein- stinimig und der Zusatzantrag, auch dem Parteivorstand das Ver- tränen cniSzndrückcn, gegen eine schwache Minderheit bei zahlreichen Stimmenthaltungeii angenomnien. Nunmehr gab Boxheimer den Bericht der Preß- kommission. Er ging zunächst auf die Anträge des KreiseS ein, die er in der Kommission zu vertreten hatte, erörterte dann die wichtigsten Angelegenheiten, welche die Kommission in letzter Zeit beschäftigten und besprach die bekannten geschäftlichen Acnderungen. welche in Aussicht genommen sind, darunter auch die geplante Üm- gestaltinig der jetzigen Vororibeilage. Die letztere Angelegenheit wurde in der Diskussion hauptsächlich berührt. Man betonte allseitig, auf keinen Fall dürfte die Bericht- crstattung über die Vorortenlgelegenyeiten eingeschränkt oder der Raum für dieselben verringert werden. Auf eine besondere Beilage für die Vororte werde kein Gewicht gelegt, cS sei sogar wgiischenswert, daß die Lorortangelegenheiten in der ganzen Auf- lagp des Blattes erscheine», anderenfalls würden die'Berliner Genossen nicht über die Bewegung in den Vororlen unterrichtet. Hierauf erfolgte die Wohl des Vorstandes und der Funktionäre. Einstimmig wiedergewählt wurde der bisherige Vorstand: Vorsitzende Hirsch- Charloitenburg, B ö s k e- Rixdorf; Schriftführer Stiefen hofer- Charlottenbiirg. Wollermann- Schöneberg; Kassierer E b e r h a r d- Charloiieitburg. Als Re- viioreil wurden Engel- Rixdorf, Pagets- Rixdorf und W o i ck- Köpenick gewählt.— Für den Vorstand von Groß�- Berlin wurden bestimmt: BöSke(AkiionsauSschuß). Boxheimer(Prcß- komiiiiision). Rohr(Lokalkommission), Fischer(AgitaiionS- konimission). Hoppe und W o l l e r in a n n. Die Delegation zur Generalversammlung von Groß-Verlin er- ölgt in der W-'iic, daß jeder Wahlvcrein die ihm zugeteilte Zahl der Delegierte» wählt. Beschlossen wurde, die Anträge' des KreiseS zum Stalut von Groß-Berlin. welche in der Kommission abgelehnt ind, ans der Geurralversaiiimlung wieder einzubringen und durch den Genossen Wollerniann brgrüuveu zu lassen. Ferner beschloß die Versammlung,»och einen weiteren LorstandSsitz für den KreiS im Groß--Berliner Vorstände zu beanspruchen und hierzu den Genossen Baake zu uomiuieren. Die Kommission, welche eingesetzt worden ist, um das Statut 6e5 Zentralwahlvereins zu beraten, ersuchte, diese Angelegenheit erst zu erledigen, wenn das Normalstatut für Grog-Berlin aufgestellt ist. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden und dele- gierte den Genossen Marx in die Kommission an Stelle deS wegen Uebersiedelung nach Bochum ausgeschiedenen Genossen Wetzker. Nach Erledigung der Tagesordnung sprach der Volsitzeude Hirsch die Hostnung aus, dah die Genossen auch im neuen Geschäftsjahre und unter der neuen Organisation nach besten Kräften im Interesse der Partei wirken werden. Er schloß mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie._ Versammlungen. Zweiter Wahlkreis. In einer außerordentlichen General. bersammlung, die am Freitag im Hofjäger-Palast stattfand, wurde der Rest der Tagesordnung vom ö. Dezember erledigt. Zunächst gab der Genosse Zinke Bericht von der Agitationskommisjion. Teils find die hierher gehörenden Angelegenheiten schon im Vorstandsbericht mit erwähnt worden. Der Redner berichtete ausführlich über die Zustände in den einzelnen Orten de? Kalauer, sowie des Lucken. walder WflhlkreiscS. Im Kalauer Kreise besteht der Kreiswahlverein jetzt anderthalb Jahre. Er zählt 528 Mitglieder, 83 mehr als im vorigen Jahre. Bei der letzten ReichStagSwahl wurden 0183 sozialdemokratische Stimmen abgegeben. Tatsächlich ist die Zahl der Parteigenossen weit größer als die der organisierten, denn viele dürfen es mit Rücksicht auf ihre wirtschaftliche Existenz nicht wagen, dem Wahloerein beizutreten und können sich aus demselben Grunde nicht an den Parteiarbeiten beteiligen. Der Kalender wurde in 27 000 Exemplaren verbreitet und in derselben Anzahl das Flugblatt vom Kontraktbruchgcsetz gegen die fer.arbeitet. In einem Orte sind die Genossen bei der Verbreitung de» Agitationsmaterial» mit Zaun- latten und Steinen empfangen worden, in anderen Orten wurden sie jedoch, freundlich und anständig aufgenommen. Oft waren sie in den Behausungen von Landarbeitern Zeugen furchtbaren sozialen Elends. Die„Fackel" ist in 18 500 Exemplaren— 375 Exemplare monatlich— verbreitet worden. Die Parteipresse zählt 862 Abonnenten, 20 mehr als im vorigen Jahre. Wenn im Kreise mehr Agitation betrieben werden könnte, würden größere Fortschritte zu erzielen sein.— Im Jüterbog-Luckenwalder Kreise steht es bedeutend besser mit der Organisation und Agitation. Dazu trägt auch viel der Umstand bei, daß eine gre� Zahl der in dem Kreise wohnenden Arbeiter in Berlin und Umgegend beschäftigt sind. Es bestehen jetzt 10 Wahlvercin? im Kreise; im vorigen Jahre waren es nur 14. 140 Volksversammlungen und 136 Wahlvereinsvcrsammlungen wurden abgehalten, und Maifeiern fanden in 12 Orten statt. Das Flugblatt vom Landarbeiter-Kontraktbruch wurde in 30 000 Excm- plaren verbreitet, der„Märkische Landbote" in 14 000 Exemplaren. Die„Fackel" wird monatlich in 1650 Exemplaren verbreitet. Einen der Gesamtorganisation nicht förderlichen Beschluß haben die Jüter- boger Genossen gefaßt. Sie wollen zum 1. Januar einen eigenen, olleinstehenden Wahlverein gründen und sich nicht dem Kreiswahl- verein anschließen.— Zur Diskussion über diesen Bericht verlangte niemand das Wort. Won der Lokalkommission berichtete Genosse Schröder. Er bemerkte zunächst, daß der Beschluß des Boykotts der Philharmonie eigentlich nicht von der Lokalkommission herrühre, sondern ein Be- schluß der Berliner Genossen sei, der auch nur von dieser Stelle wieder aufgehoben werden könne. Ob er berechtigt sei, darüber könne man ja verschiedener Meinung sein. In der Lokalliste sind die Orte außerhalb Berlins jetzt in alphabetischer Reihenfolge ausgeführt, um den Genossen dos Auf- finden der Ortsnamen zu erleichtern. Der Redner berichtete sodann über einzelne Lokaldifferenzen im zweiten Wahlkreise, die zur Zu- friedenheit der Genossen erledigt wurden. Die Lokalliste ist viermal erschienen. Di« Lokalkommission hat im Lauf« der Berichtszeit 47 Mitteilungen im„Vorwärts" veröffentlicht und 21 Konferenzen ab- gehalten. Ter Obmann erteilte 62 Auskünfte; hierbei sind die Aus- künfte, die die einzelnen Kommissionsmitglieder erteilten, nicht mit- gezählt. Tie Zahl der eingegangenen nud abgesandten Postsachen betrug 710. Zum Schluß forderte der Redner besonders auch die Radfahrer auf, sich bei Ausflügen streng an die Lokalliste zu halten, da in dieser Hinsicht von den Genossen in der Provinz oft Vorwürfe laut werden. Allerdings scheine es. daß die Genossen in der Provinz oft von der irrigen Auffassung ausgehen, als sei jeder Radfahrer cwS Berlin Sozialdemokrat. Ferner forderte der Redner die Vor- stände der Arbeitervereine ans, sich bei Veranstaltung von Dampfer- Partien an die Lokalkommission zu wenden. Hierauf folgten die Vorstandswahlen. Sie hatten folgende» Ergebnis: erster Vorsitzender Werner, zweiter Schneider; erster Kassierer Gustav Schmidt, zweiter Lohse; erster Schriftführer Rautmann, zweiter Barlo Witz; Beisitzer Donath. Als Revisoren wurden Henning, Ohnesorge und Jäger gewählt. Als Aspiranten zum Vorstand des Ver- bandeS von Groß-Bcrlin wurden für den Aktionsausschuß Werner, für die Preßkommission Meyer und Königs, für die Agitations- kommissson Zinke und für die Lokalkommission Heinrich Schröder, als Ersatzmann Eisenhauer einstimmig vor- geschlagen. In die Zeitungskommission wurden die Genossen Michelsen, Schäfer und Buchholz gewählt. Eine gewaltige Demonfirationsversammlung zugunsten der russischen Revolutionäre hatte der Zentralverband der Handels- und Trans. portarbciter am Mittwochabend für seine Mitglieder veranstaltet. Kellers großer Saal in der Koppenstrahe war einschließlich der Gallerten bis auf den letzten Platz besetzt. Teilweise mußten noch die Tische und Stühle entfernt werden, so daß sich wohl fast 3000 Personen, Männer und Frauen, Kopf an Kopf in dem Räume drängten. Hunderte mußten wegen Uebcrsüllung wieder umkehren. Das Referat über„D ieFreiheitskämpfe in Rußland" hielt Ingenieur Genosse Grempe. In fesselndem Vortrage gab Redner einleitend eine knappe historische Ueb erficht über die politischen und wirtschaftlichen Zustände Rußlands. Scharf geißelte er dabei die durch und durch korrupte russische Beamtenwirtschaft und die politische Rechtlosigkeit des russischen Volkes, unter spezieller Würdi- gnng der trübseligen Verhältvisse, in denen die dortigen Arbeiter leben müssen. Au» diesem Milieu heraus schilderte er dann die EntWickelung der russischen Freiheitsbewegung mit dem heroischen Opfermut und den unsäglichen Leiden vieler ihrer Vorkämpfer. Sein Vortrag klang aus in einer wuchtigen Anklage des Zarismus und dem Appell an die Anwesenden, das russische Proletariat, als dem Träger der Revolution, in seinem schweren Befreiungskampfe moralisch und materiell tatkräftig zu unterstützen. Lautlos, in düsterem Ernst hatte die Versammlung den Ausführungen des Redners gelauscht. Als er endete, durchbrauste jedoch ein wahrer Beisallsorkan das Haus, der sich mehrmals wiederholte. An den Vortrag schloß sich sodann eine Projektion von Lichtbildern an, iv denen Szenen aus der russischen Bewegung dargestellt und Porträts bekannterer_ Freiheitskämpfer vorgeführt wurden, u. a. das von Wera Sassulitsch, Wera Figner, Maria Kowalewskaja, Michailow, Leo Deutsch sowie von Plechanoff und Axelrod. In der Versammlung herrschte nur eine Stimmung: die der unbegrenzten Sympathie mit der russischen Arbeiterschaft. In einer sehr gutbcsuchtcn Betriebsversammlung der Arbeiter des Gaswerke» referierte Genosse Henning über das Thema:«Aus der Geschichte der Sozialdemokratie". Am Schlüsse seine» mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrages kenn zeichnete Genosse Henning besonder? das zweideutige Verhalten der Hirsch-Dunckerschen Gewerkoereino, die sich stets bereit finden lassen, denmodern organisierten Arbeitern in den Rücken zu fallen. Den deutlichsten Beweis hierfür gab der folgende Bericht de» ArbeiterausschusicS. Das Mitglied des Arbeiter- ausschüsseS, Nowacki, Mitglied des Hirsch-Dunckerschen Gcwerkvereins der Fabrik- und Landarbeiter, stimmte gegen sämtliche Anträge des Ausschusses, mochten dieselben nun die Verbesserung hygienischer Einrichtungen oder Lohnaufbesserung bezwecken. Der Dank der Ver- waltung bleibt denn auch nicht ans. Trotz der gegenteiligen Be- stimmungen der Arbeitsordnung sieht den Mitgliedern derH.-D.Organi- saiion daS Recht zu, nach Belieben für ihre Organisation zu agitieren. während z. B. die Mitglieder des Verbandes der städtischen Arbeiter mit Entlassung bedroht werden. In der Angelegenheit Nowacki nahm die Versammlung nachstehende Resolution einstimmig an: „Die heutige Betriebsversammlung des Gaswerks Mariendorf spricht dem Mitgliede des Arbeiterausschusies Nowacki ihre schärfste Miß billigung über sein Verhalten in der letzten Sitzung des Arbeiter- ausschusses au». Die Versammelten erklären, daß seine Ansichte» sich nicht mit denen eines ArbntervertreterZ vereinbaren lassen und ersuchen den Nowacki um sofortig� Niederlegung seines Mandates."— Scharf wurde die einseitige Stellungnahme der Verwaltung kritisiert, die in jeder Weise die Mitglieder des Verbandes zurücksetzt. Sie setzt sich damit in Widerspruch mit der Direktion, die ausdrücklich und zu verschiedenen Malen erklärt hat, daß Arbeiter wegen ihrer Zu- geHörigkeit zur Organisation nicht benachteiligt werden sollen. Sin«?ecf2n?cne Dnichrchväften. Richard Knlnier, Da« Wirtschaftsjahr 1904. Erster Teil. Handel und Wandel in Deulschland. 296 Selten. Verlag: G. Fischer, Jena. Werner Tombart, Sozialismus und Sozialdewegung. 329 Seiten. Preis 2 M.. geb. 2, CO M. Verlag: G. Fischer. Jena. A. Meyriiberg, Anteilnahme der Katholiken an Wisscnschast und Kunst. 92 ereilen. Preis 90 Ps. Verlag: Räber u. Cic., Luzern. Die Wiederhrrsteklnng des jüdischen Staates in Palästina. Reden, gehalten von V. Jslüczhs im ungarischen Abgeordneten Hause von 1872 bis 1896. 27 Seiten. Preis 1 Kr. Selbstverlag, Budapest, X Szabüky u. 04. Für den Jnbalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem HZnblttiim gegenüber keinerlei Verantwortung. UKeater. Dienstag, 12. Dezember. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Die lustigen Weiber von Windsor. Schauspielhaus. Prinz Friedrich von Homburg. Neues Opern> Theater. Ge. schloffen. Neue«. Ein Sommernachtslraum. Westen. Rigolctto. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Berliner. L'&ge d'aimer. Ansang 8 Uhr: Lessing. Zwischenspiel. Zentral. Dte FlcdermauS. Kleines, ver zerbrochene Krug. Ein Feiertag. Schiller o.«Wallner-Theater.) WanjufchinS Kinder. Schiller sFriedrich Wilhelm- städtisches Thcnlerl Heimgffunden. Komische Oper. Die Boheme. Residenz. Der Prinzgemabl. Triano». Die herbe Frucht. Liistspielhans. Der Familicntag. Thalia. Bis früh um Füllsel i5arl Weist. Von Stusc zu Stufe. Luisen. Die Waise von Lowood. Deutsch> tUmeri krniisches. Slber Herr Herzog I Meiropol. Aus in? Mctropol. Kasino. DaS Opserlamm. Rpollo. Prinzeß Rosine. Ein deli- kateS Menü. Walhalla. Spezialitäten. Herrnfrld. Familientag im Hause Prellstein... Wintergarten. Eugenie««ougsre. — Spezialitäten. FolieS Caprices. Nach dem Zapsen. streich. Vorher: Der Dorf- Musikant. Spezialitäle». Rcietishallr». SteMner Sänger. Passage. Spezialitäten. IIl«ii>n. Tn»vr„„s„ps 4HI49. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Hörsaal 8 Uhr: Dr. v. Unruh: Das Goldschmidtsche Thermit- verfahren. Sternwarte, Jnvalidenstr.>57/02. Zäflliiti»eöslliri«bn 1 bis l Ut». Hörsaal 8 Uhr: Dr. Ristenpart: Ausbau und Entivickcluug de» WellgebäudcS. Berliner Tlieiltör. Ansang 71/, Uhr. DienStag: Gastspiel Mine. Rejane: i/ngc WAImer. Mittwoch, nachmittags 3 Uhr: Die Wunderglocke. AbendS 7'/, Ubr: Gastip. Mme. Rejane: 1» L»»zerelle. Donnerstag 7'/, Uhr: Lehte« Gastspiel Mme. Rejane: l.'stir»nil»lle. Freitag 7'L Uhr: G'wieieiuwurm. Vorh.: Der uelgonmacher r. Crimma. Kleines Theater. Abend» 8 Uhr: Der zerbrochene Krug. Hieraus: Ein Feiertag. Mittwoch zum ersten Male: ksargui, run Keith. Schauspiel in 5 Auszügen von Frank Wevellnd. Heues Theater. Anfang T/, Uhr. 8in Sommeruaelitstrautn. Morgen und folgende Tage: Ein Sommernachtstranm. Zentral-Theater MomiementZvorstellung(8 Uhr): Die Fledermaus. Luisen-Theater. Zum ersten Male: Die Waise von Lowooil, Mittwoch: Der neue Herr. Donnerstag: Die Mönche. Freitag zum erstenmal: Der Kauf- mann von Venedig. S.nnabend: Die Waise v. Lowood. Sonntag nachm.: Sneewittchen. Abends: Der neue Herr. Montag: Der neue Herr._ Trianon-Theater. Heute und folgende Tage: Die herbe Frucht. Ansang 8 Uhr. Täglich 8 Uhr: Die glänzende» erstklasstgr» Dezember-Dpezialitäten. 9-/. Uhr: Frin�eK kosine von Raul Llncke. Im letzten Site: Ein delikates Menu. Ilm 1. und 2. Deilmachtsseiertage, nachmittags 3 Uhr: Frau L»»a und das unverkürzte Spezialitäten» Prograinin. Metropol-Theater Anfang 8 Uhr. Große Jaliresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Kauctien in all. Käumen gestattet. palast-Theater Burgstr. 24, 2 Mi». v.Bh. Börse. Heute 8 Uhr. Eulree 50 Ps. Benefiz für Carl Braun Berwandliingstiinstler. Auftreten des Elite-Dezember-Programms sowie naiuliartcr l-U» te. Nach der Vorstellung: Daa»»hne Staehzahlung. Famillenkarten in allen Barbier-, Frisier- und Zigarirugeschäslen sowie im Thealerburenu mientgeltüch zu haben. j5»«MU«ivTIiSatvr. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). DienStag, abends 8 Uhr: WanJoBchlns Kinder. Drama in 4 Akten». S.A. Naidjonow. Deutsche Bearbeitung v. HanS Kauf- mann und Max Lie. Mittwoch, abends 8 Uhr: Helme'fttnden. Sonne rstag. ade ii dS8 Uhr: HclmgTondcn. XI. Cerliner�aison. 1 1 Zirkus Buseh. Znm!84. JInle: Die neueste und griiBte Sehens- Würdigkeit Berlins I Indien- Orig.- Pantomime des Zirkus Busch in 8 Bildern. Besonders hervorzuheben: 6 Indlactip Orlg.-FaMre. Ferner; gy Elelanten-Kämpfe. Außerdem: Zum 1. Kais in Deutschland! Mr. Hagedorns Transformatione■ Protte. Schiller-Theater N. kFriedr.-Wilh. Th.) DienStag, abends 8 Uhr: DeihnachtSkomödie in 3 Akten von Ludwig Anzcngrubcr. Mittwoch, abends 8 Uhr: "WanJasckUn» Kinder. Donnerstag, abendSSUHr: Wanjnsehlns Kinder. __'6 echt linnortlerte arab. Vollblntnengntc, dressiert und vorgeführt von Herrn Ernst Schumann._ KaslnosTheater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Allabendlich ausverkauft. Großer Lachcrfolg! Das Opferlamm. Vorher da? sensatten. Dczemberprogr. Heu I Raldvrln Bruth. Neu! Sonniaz nachm. 4 Uhr: Arbeit schändet nichts_ Komische Oper. Friedrlchatr. 104,— 104». DienStag, den 12. Dezember, abends 8 Uhr: Dt« Itolkem«. Mittwoch. Donnerstag: Die Bohßme. Freitag, Sonnabend: Hoffmanns Er- atthlungeu Residenz-Theater. Direktion: Richard Hlejtandcr. Heute und solgcnde Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwank in 3 Akten von L. Xanros und I. Chancel. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Schlaf- wanenkuntrolleur. Täglich O in den untere» Sälen � Oottschalk-Konzert. Schöntberger Wintergarten Goltzstrab« 9- � Täglich Theater- iind Speztali- tateuvorstelluug. Sonntag« S Borstellungen. AachniittagS 4 Uhr zu halben Preisen. Jede erwechsen« Person hat ein Kind stet.— AbendS 7'/.Uhr Große Gala- Vorstellung. Die Direktien. Zirkus Albert Schumann Heute abend präzise 7'/. Uhr: Zum 83. Maie! Die größte u. sensationellste Kavltat! Neeh nie gesehen! TAg La belle MMe. de Thiers. Ferner: JlniMs ZaBWeri.Suun"g: Ri» Texas ITattle. Die phänomenalen 6 OuciroloS. Dir. Alb. Schumanns neue u. moderne Dressuren. Die grohart. Spezialität, u. Die reizende Sperlpantemime: Der Tag de« Lnslizekenverb?. Kolosseum Dresdener Straß c 07. 8 Uhr: ■ 12 Attraktionen= Dnal Q 4 Lotte Sebus, ■ OeS■■ Wardinis, Littke Carlsen, Bendlx, Osk. Fürst. Diese Woche Donnerstag Uraufführung: „RiniD'sColosseom!" von Leopold Ely. Musik von Rudolf Nelson, Im Konzertsaal: Sensation. Weilmactitstiekoratlon. Musik u. Gesang! Billettvorverkauf an der Tageskasse. Variete Elysium Kommandantenntraße 3/4. Täglich: Auftrete» von 36 erstklassigen iatsrnatiiiütilLg Spezi lütSien. Artus»Hof Perleüergerstr. 2«. Stendalerstr. 18. SSIe von 108—1208 Pers. stehen den geehrten vereinen zur Versügung. Feden Sennlag, Oiensiai iL Freitag: 44 r. Theater- Voraitellnisg. Jeden Meatag: L-uarteitsäiiger und humoristische Soiree. Jeden Dennerslag:<ür. Kannert. Urania Tau,,en" slr. 48/49. 8 Uhr: Im Lande der Miüeraaditssoie. Hörsaal 8 Uhr; Dr. v. Unruh: Das Goldschmidtsche Thermitverfahren. Sternwarte Hörsaal 8 Uhr: Dr. Ristenpart: Aufbau und Entwiekelung des Wsltgebäudes. I CAS TAN ANOPTICU Friedrlchstr. 165. „Ernia". Schattenspiel in 9 Bildern. 1 Wanderung durch das Niltal.| Kcstaurant: Harbui-ecr Münger. Pancptikran Friedrlchstr. 105. Ohne 8xtra-8ntree.| Menke und folgende Tage: Zum ersten Male in den Räumen der I. Etage: 65 Eingeborene M&nner, Weiber und Kinder. Eintritt SO Pf. Deutsch-Manisehes Theater. KUpenlckcrstr. 07. Heute 8 Uhr Gastsp. Ad. Philipp. SOUVENIR-VORSTELLUNG. �um Aber, Herr Herzog! W. Hoacks Thealer. Direktion: Rod. Dill. Brünneiistr. 16. Am Altar. Schauspiel in 5 Akt. nach der gleich». Erzählung E. Werners von C. Wcxel. Ansang 8 Uhr. Eintritt 30 Ps." Mittwoch: Bcnesiz für den Kapell- meistcr Fritz Kiefer: Die drei Träiieli.__ Fröbels fillerlei-Thealer Schilnhauser Allee Nr. 148. Gastsp. deS Beruh. Rose-TheaterS. Her Pfarrer von Kirshteld. NolkSstück mit Gesang in vier Akten von Ayzengruber. Ans. 8 Uhr. Kasscncröffnung 7 Uhr. Voranzeige. Dienstag, den 19. Di> zember: Der Kaufmann von Venedig. Folies Caprice. Budapester Possen-Theater == 132 Linien str. 132----------- Ecke Friedrichstraße. Zum 85. Male: Kach dem Zapfenstreich. Vorher: Der Dorfninnlkant n. d. ausgezeichn.Sper.ialitätenteil. Anlang 8 Uhr. Vorverkauf taglich b. A.Werthclm und an der Theaterkasse v. 10 Uhr vormittaga an._ Carl Wein-Tlieater. Kr. Franksurlerstr. 132. Neil Stufe in Stufe. Lebensbild mit Gesang in"5 Akten von Dr. H. Müller,«nfang 8 Uhr. Morgen und solgende Tage: Die- selbe Vorstellung. � Sonnabend nochm.: Kloin Däumling. Abends 8 Uhr: Dia Ahnfrau. BsilB-Alliancs1 Tb eatcr- V nrlöt«;. Abends 8 Uhr: OosepUme �etifl Flammen- und Radium-Tanz.( Seppl Werner Charakter- Komiker. Rebusas lustiger Bauernhof, j 14 hervorrng. I>cbHtn. Sanssouci, fi0ttlii!ffrf!r.4a Direktion Wilhelm Reimor. löeuie Dienstag: Benefiz für Frl. ttela Desks. Othello, der Mohr von Bcnedig. Mittwoch: Geschlossen weg. Beretnsfestlichteit. Jeden Sonnt.. Moni., DonnorSL: IloiTinnnn» Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sonntag» Beginn 5, Wochent. 8 Uhr. Böbrn. Brauhaus I-nndsbcpgcp Alice. Heute Dienstag 8'/, Uhr: LeUte Soiree der Fritz Sieidl- Sänger vor Weihnachten! Nächste Solrea am 2. Jan. 1906. Gebrüder Herrnfeld- Theater. Heute präzise 8 Uhr: Komödie in L Akten mit den Autoren Anton und Oonat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorverk. 11-2 Uhr.(Theaterkasse.) Eupie fougere Pariser Excenlrique-SSngerin C, Ucrnardl, Verwandlungs- künstlor. 3üc. ItumiH, Keulenjonfrlenr. Rok» Sfoynon.droissiertfl Vögel l'crzinn, Huncleptintomime. Xjene I.and, Parodistin. Sicenart«ente«, Humonst de Orey, Barfulltänrerin. Im Pe'nHlonat, Ballett- divertissoment. Die 3 Olympler, Bronzestatnen IHogrnph.__ Germania-Säle* Chnrlotlcnhurg. Spreestr. 13. Inhaber: C. Woderioh. Heute Dienstaa: Letzte Soiree vor Weih- nachten der Original- Harburger. »ünger. C.FUck«. Kasche-Krause. Ansang 8 Uhr. Entree.TO und 50 Pf. Jinchljci: Tanrkränzehen. Nächste Soiree: 2. Januar 06. Passage-Thealer. Anfang abend« S Uhr. 1n9 sensationelle tvezemder- Progrnmm. Siiddliss Igsgl (die Schrtst aus dem Jenseits). k-P-nn«. f,iVCÄ. < 14 neue erftklasstge Nummern. Reichshallen. H» U t«: Gtettiner Sänger. Zum Schlutz l f-räulei« Doktor. citburlesle von Meysel. -» T- � o ii |£3S3 .*7 T, o». S w .aaaOttO PrltZkOWS«aaa Berliner 11 RilncMtp. 10. Rlesen-Weihnacbts• Programm k Wunderhahn Pluto, geboren mit 4 Beinen, 2 Körpern, 1 Kopf. D*r Welt-Kolott. aohworsto Dame, die je gelebt. Die tlisgend» Venus?? DorSkeleftmensch.a? 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MtZ.. abends KV, Uhr, tagt in Wilmersdorf bei KäSlcr, Lauenburgerstrahe 20— 21, die Ver- sammlung deS hiesigen Frauen- und Mädchcn-VildungSvereinS. die Arbeiterbewegung und die dieser Lersamm- Herr August Tnterow spricht über Frauen". Gäste, Männer und Frauen, haben zu lung Zutritt. Treptow-Bauiiischulenweg. Am Mittwoch, den 13. ds. MtS.. abends 8'/, Uhr, hält der hiesige VildnngSvercin für Frauen und Mädchen bei E. Christ, Ernslstraste 26, seine regelmäßige Mitglieder- Versammlung ab. Herr Dr. Blum referiert über:„Licht. Luft, Master und Bewegung in ihrer Bedeutung für die Gesundheit". Die Genossinnen werden dringend gebeten, zahlreich zu erscheinen, damit sie bekunden, daß hier die Frauenbewegung ebenso wie in anderen Orten tüchtig vorwärts marschiert. Gäste willkommen. Stationen Srvlncmde. Hamburg Verlin j>r.i»ks.a.M. 133 NO München>783 NO Wie»!780WNW Ii 8 f I 780 W 783 3SB 782 Still «eller 2 Nebel 2 Nebel bedeckt 2 wolkig 3 heiter 3 wolkig »»t si~ Ä II =£ w t 1 2 2 2 -2 a Stationen eg £ i- B« i si ß 9 w.c Havaraudo Belgrad Scilly Uberdeen Paris 783 W 775 ZiNW 778 SSO 770 SSO 7SO SIC «eilet >s« s» ÄA 2woMg 4 bedeckt S heiter 4 bedeckt 2 wölken! 3 t 7 -1 Wetter-Prognose für TienStag. den 12. Dezember 1003. Zeitwelse nebelig, zuerst ziemlich heiter und trocken bei mäßigen süd» Uichcn Win'''~ � Weihnaehts-Vorzugspreise. Teppiche Saalgröße............ 90, 65 n. 50 m. Saiongröße............ 65, 40 u. 30 m. Wohnziraraergröße..... a 35, 25 n. 20 m Sofagröße............ 14, 10 u 6 � Zteppäecken Lxcelsior-LIotd........ 8, 6,50 4 m. Seidenartig. Lasting,» 12, 10 8 m Wollatlas-Lasting.....»10, 7,50 u. S m. Seiden- Atlas und Serge... 18, 15 a. 12 M �sufepstokke Krüssel und Tapestr>..... 2,50« 1,50 m. Velour............... 3,60 2,90 m. Holländer.......... 1,20 80 n. 40 fi Gardinen Englisch Tüll....... per Fonster ron 2,50 M. Brüsseler Tüll...... per Fenster von 4,75 M. Spachtel-Tüll........ per Fenster von 10 M. ErbstÜll........... per Fenster von 12 M. Stores Relief-Tiill..............-»» 2,75 m. Spachtel-Tüll............. von 5,50 m. Band(Lacet)............. von 7 m. Tischdecken Wolle mit Franze........» 5, 4, 3 m. Tuch, gestickt...........• 8, 6, 3 m. Plüsch mit Borde und Franze..... 7 m. Plüsch, gestickt......... 15, 12, 8 m. Portieren PlÜSCh, gCStickt, 2 Shawla und 1 Lambreqnin von 10 Tuch, gestickt........ per ctornitar von 6 Velvet mit Tuchapplikation per Gonut« von 18 Wolle, gestickt....... per Garnitur von 7 Diwandecken Karamani, doppelseitig mit Franzen.. 7 Velour-Frise, doppelseitig....... 8,50 Plüsch-Moquette........... 30 u. 24 Felle und Fellteppiche Chines. Ziege mit Futter...» 7,60, 6 u. 3,75 Angora, Lamm Größe so x wo........ 7 Dingo-Fell-Teppich mit Futt«...... 6,75 u. it. M. U. M. M. M. M. M. M. Teppichhaus B. Hurwitz, Rotes Schloß, vis-a-vis dem National- Denkmal. 3 Die Fleischnot, Co Mnt«s heut« aus aller Munde, Ist es, welche am Lebensmark des Volkes rehrt. Nicht allein aber das Fleisch ist dazu bestimmt, dem menschlichen Körper eine besonders kraftige Nahrung zuzuführen; noch vor diesen Stelle tritt»1s Nahrungsmittel CylldX ScHokolsdO und CyÜflX KoltflO ein. Aus nachstehender Analyse ist zu ercehen, wieviel Nährwertoinheiten für 1 Mark Cyllax Schokolade dem Körper mehr zugeführt werden, als für Z Hark Rindilelaeh. Diese Analyse beweist, daß Cyllax gdhokolade fast die doppelten Kfthrwerte alz da» Rindfleisch besitz� mithin ist sie weit billiger und somit ein Volksem&hrungsmittel ersten Ranges. Analyse nach Dr. Paul Jeserich, vereideter Handels-Chemiker: I Kilogr. Cyliax Schokolade für 2 Mark Wasser............... 1,69 Asche................ 0,81 Phosphorsäure(P, Oj)......... 0,0092 StiokstoSsubstans........... 14,06 Fett: Schmelzpunkt 88 9......... 26,53 Rohrzucker.............. 56,4 I Kilogr. Rindfleisch Tor 2 Mark »?. Wasser............... 72,73-/a Stiekstolfsubstanz........... 21,88 0/# Fett................ 8,69«/, Asch»............... 1.00"lo I Kilogr. Pilseoer Bier Urquell Spez. Gewicht............. 1,0118 Alkohol!£Tcht;/#.......... sAl l Volum«/o.......... 4,86 Extrakt............... 4,68 Asche................ 0,1946 Fhosphors&ure(T, O ,)......... 0,002 StickstoSsubstanz........... 0,4 Maltose 0,75 Säure(Milchsäure)........... 0,029 Flüchtige Säuren(Essigsäure)...... 0,01 Nährwerteinhelten pro Liter: 27,5 Cyliax Hanahalt Schokolade verbürgt rein von 0|80 MflPk 48 sowohl als auch Cyliax Peaaert Schokoladen und Kakaoa zeichnen sich durch reinen Ceaehmack und hohen yfthrwert ganz besonders aus. Nährwerteinheiten pro Kilogr.: 1204,7 Nährwerteinheiten pro Kilogr.: 2063,0 Zum Weihnachtafeate empfehle ich Honigkuchen, Marzipan, Pralinee« etc. in vorzüglichster Güte zu billigsten Freisen.-MW G. Cyliax, Schokoladen und Kakao Werke» u Dienstag, 12. Dezember. iltvocb, 13. Dezember, Donnerstag, 14. Dezember, Freitag, 15. Dezember, Sonnaliend, 16. Dezember, stellen wir mehrere Posten vorjähriger oder nicht moderner, wie auch mit kleinen Fehlern behafteter Herren-Wlnteppnlef ot« zu stark herabgesetzten Preisen, teilweise für die Hälfte, teils für den dritten Teil der bisherigen Preise, zum Verkauf. Diese Winterpaletors wie auch die darunter befindlichen InodcllkloldangsatUcbe sind durchweg aas reellen Stoffen. Ein Posten Winter-Paletots Bin Posten Winter-Paletots Bin Posten Winter-Palelots Ein Posten Herren-Winterjoppen 4, so � 5 m. IM" Wir bitten höfl. dem Verkäufer zu sagen, wenn zurückgesetzte Pälotots gewünscht werden. Die Preise sind streng fest und auf jedem Gegenstand in Zahlen deutlich sichtbar. Keltinger& Co. Oranienstraße 40-41 Deutschs Compagnie. Berlin S.O. Ein Posten zurückgesetzter Hm-Mett-litZöge IS M. Ein Post, dunkelgrauer Gehrock-Anzöge 17 und*0 M. Das Weihnaehts-Buch 1905 ist der soeben abgeschlossene Roman m Die Geschichte einer Jugend Roman in vier Bänden von Edward Stilgebauer Preis pro Cand drosch. 4 Mk., gebd. 5 Mk. ZU iMbgtstHtk» Kmstll litftrm wir: ßesctiichte der franzdsisehen Beuoktion von MS Der Dtensch and seine Bassen Die üeschichte der£rde und der zweiten Republik. DolfSlünilich dargestellt von i>.\..... anstatt 6,60 5J. jrbt 5,— M. Die deutsche Bevoiuiion von 1848 and 1849. Geschichte der deutschen RcvolntionSbewcgung dieser Zeit. Dargestellt tum W. 23 1 0 S........ anstatt 5,70 M. jetzt S.— M Den B. Langfauel anstatt 5,90 Dt. jetzt 3,— M Don R. B o nt m e I i anstatt 7,00 M, jetzt 3,- M. 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Dezember, abends, verschied nach kurzem Leiden unser Mitglied, der Porte- seuitler, Kollege frieclrick Hahn Naunhnstratze 68 wohnhast, im Alter von 63 Jahren am Gehirn» schlag...... Wir verlieren an dem Ver» storbenen ein treues-Mitglied uno steten Förderer der Organi» satwn... Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. Dezember 1905, nachmittags 3 llhr, von der Leichen» Halle de? allen ThomaS-Kirch» Hofes, Nixdorf, Hermannstrage, auS statt. 132/6 Um recht zahlreiche Beteiligung bittet vis Ortsverwaltung. Zentral-Verband der Brauerei-Arbeiter Zweigverein Berlin, Sektion II. Todes'Anxelffe. Am 8. d. Mts. verstarb unser Mitglied Max Werlich (Schullheih 1). Ehre feinem Andenke«! Die Beerdigung findet DienS- tag, den 12. Dezember, nach» mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle de? Gethsemane-KirchhofeS in Nieder-Schönhausen-Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 42/5 Der Borstand. Dnnksnxnng. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung unseres BrudxrS Kurl Tos« fagen wir allen feinen Kollegen»isere» ausrichligsten Dank. S396L A. und R Voss. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Nachncht, daß am 8. d.M., abends 9'/. Uhr, nach kurzen Leiden mein innigstgelieber Mann, unser guter Vater, derPorteseutller Friedrich Hahn im Alter von 63 Jahren sanft entschlasen ist. Dies zeigen tiesbettübt an Biattzilde Hahn, geb. Weistbach, nehst Kindern, Naummstr. 68. Die Beerdigung findet am DienSlag, den 12. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Thomas- Kirchhofes aus statt. 53953 r- Berlins und Umgegenl Todes- Anzeige. Zur Nachricht, dastunserBundeS- Mitgtied August HBbner auS Rauch-KIub.Colorada" ver- 1 starben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am i Mittwochnachmittag 3 Uhr von| der Lcichenyalle des Gemeinde- Kirchhofes in Reinickendorf, Hum- boldtslrahe, auS statt. 299/12 ver Vorstund. Verband der Schneider und Schneiderinnen u. verw. Berufsgenassen Oeutschl. (Filiale Berlin.) Todes- Anzeige. - Den Mitgliedern geben wtt hiermit bekannt, daß am 8. De- zember der Kollege Wenzel Oomenski im Alter von 37 Jahren verstorben ist. 169/15 Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 12. h Mts., nach- mittags 2 Uhr, vom Krankenhaus Moabit auS statt. 164/16 Die Orlsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Paul Lckubert am 8. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdimmg findet am Dienstag, den lt. Dezember, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- balle des MarkuS-KirchhoseS w Wilhelmsberg aus statt. Rege Beteiligung erwartet 168/6 Die Drisverwaliung. Tanksagung. Für die vielen Beweise der Liebe und Teilnahme bei der Bestattung meines innigstgeliebten guten BlanneS. des Tischlers 53942 Julius Conrad sage ich allen Verwandten. Freunden und Bekannten, sowie den Mitgliedern deS Deutschen Holzarbeiter-VerbandeS meinen herzlichsten und innigsten Dank. Di« tiefbetrühte und trauernde WHwe nebst Tochter. Dr. Sshunemann, Spezlal-Arzt sür 87942*] Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten, Seydelstr. 9, dicht am Spillelmarkt. Wochentags>/,KL-'/.». _ Sonntags 10—18._ |tonsum-Renossenscliaft Kerlin«. Iftng. Eingetrageue Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Bilanz-Kenta am 30. Juni 1003. Aktiva. An Warrn-Konto. , Kafia-Konto.... , Bant-Konto.... , Efictten-Konto... . Städt.SpartassenIonIo , Inventar-Konto, Bestand Mk. 30 559,12 10% Ab- schreibung. 8055,91 » Debitorcn-Konto.. , Stammantcil-Konto. , Fastagcn-Konto... , Gasanstalt«, Konto. , Darlehn-Konto... , Bau- u. SparverelnS- Konto..... ro.«i 54 919�97 15 072 49 19 878 OS, 2 770 1013 27 503 4 627 6181 769|70 565 51 572 300 05 184 172 41 Mttglicder.vcwcgting. Seflanb 30. Juni 1904 5227 Neu einaetteten.■ 641 5868roHgl. Freiwill. ausgeschieden 664 Durch Uebertragung ausgeschieden. AiiSgeschledvn d. Tod 7 AuSgeschlofsen laut Z 8 itvs. 3 d. SlattitS 219 921. Per Fasslva. GeschöstSanteil-Konto RcsertesondS-Koitto. «parfondS-Kouto. Licseranten-Konto. KautionS-Konto.. DiSpofifionSsondS- Konto..... Dividenden-Konto. Rewzewinn..... M�ivf 69 906 37 8 026�01 56 747 35 24 362 58 5 220j40 522l52 1 305 20 18 061 43 Bestand am 30. Juni 1905 4947 Mitgl. 184 172|41 Die eingezabltenGeschaftS- cfltfile oetrugen am 30. Juni 1904... 68174,822». kinzahlungen wurden ge- wacht..... 1 732,05, Mithin Bestand am 30. Juni 1905.1 Die Haslsummc der Mt- glieder. bcttug am � � 30.luni 1904... 156810,— 3». Dieselbe verminderte sich um......- 18410-� Milhin bettägt summt a.< 69906,872». die sdajt« i. Juni 1905 138 400,-2». 140/13 Mu Monzel. Der Vorstand..._ ,, Paul Malier. F. Tutzauer. H. Metz. H. Reilman«. Deutscher Metallarheiter-Verband. TcrwaUnngastcllc Berlin. HauPt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Mittwoch, den 13. Dezember 1905, abends 8 Uhr: Bezirks-Versammlung für Steglitz, ßr.-Lilijterfelde und Umgegend bei Tchcllhase, Steglitz, Ahornstrosze No. 15. Tages- Ordnung: 1. Wahl von Kartelldelegierten. 2. WaR von zwei AgitationZ- Mitgliedern. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. gy Ohne Slitglledsbach kein Antritt. D» Donnerstag, den 14. Dezember 1905, abends 8'/, Uhr: Bezirks-Versammlung der Spandauer Kollegen und Kolleginnen im Lokale des Herr» Kumke, Schönwalderstrasze No. 80. Tages- Ordnung: t. Neuwahl der Bezirksleitung. 2. BerbaudSangelegenheiten. BW Ohne Bitgliedsbuch kein Zutritt."WS Bezirk Ober- Schöneweide. Tounerstag, den 14. Dezember 1905, nachmittags S'/a Uhr: Geffentliche Arlicilcr- u. Arbcittriiiilti>-Nersiiii»>ll«i>z im Schlostpark„Wilhclminenhof". TageS-Ordnung: 168/5 1..Der Gewerkverein der Maschinenbauer«nd Metallarbeiter «Hirsch-Tuncker) im Lichte seines Telegicrtentages in Chemnitz". Rcsercnt Kollege voden. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreichen und pünktlichen Besuch erwartet ___ Die Ortsverwaltnng. Mtiniüi fortefsuiller! Mtmw! Verband der Portefeuiller und Ledergalanterie-Arbeiter und Arbeiterinnen. Zahlstelle Serlin. Mittwoch, den 13. Dezrniber, abends 8 Uhr: l�itglieder- Versammlung in Graumanns FestsSlen, Naunyustr. S7. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen l». l,aderrlg über «Rechte und Pflichten der Mitglieder in der Krankenversicherung". 2. DiS- kussion. 3. Verbands-Angelegcnheiten und Verschiedenes. 132/5 DW Gäste willkommen. DaS Erscheinen aller Mitglieder erwartet Die OrtSverwaltnng WM MM-IM Parkettbodenleger! Donnerstag, 14. Dezember, abends 8 Uhr, im„Englischen Garten", Zllcxanderstraße 27o: Branchen-Bers ammlung. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Jeder Kollege ist verpflichtet, in dieser Versammlung zu erscheinen. 98/8» »er Obmann. Donnerstag, 14. Dezember. abdS. 8'/, Uhr. im GewerkschaftShauS, Engel-llscr 15, Saal III: Vere>n5-Yersammlllng. Tages 1. Vortrag des Genossen G. Bauer über: l c 5• D r b n u n g: _____ 3. Bauer über:„Das Invaliden- und Mersversicherungs-Gesetz." 2. Diskussion. 3. Bericht über den Besuch der Heilanstalt WilhelmShagcn(Rahnsdorf). 4. Verschiedenes. 53/13 Gäste willkommen.— Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. I. A.: Bernh. Jost, slollvcrtr. Vorsitzender. __ Ad. Stompe. Kassierer. Schwedtcrslrasic 51._ Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Rlxdorf. DounerStag, de» 14. Dezember 1905, abends S'/a Uhr: Mitglieder Versammluug bei Thiel, Bergstrasie 151/153. TageS-Ordnung: 1. Bortrag der Frau Dr. David über:«Konfnmgenoflenschast und Arbeiterbewegung." 2. Diskussion. 3. Vcrbanbs-Angelegenheitcn. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder, auch der weiblichen, ersucht 98/7_ Die Ortsvorwaltung. 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M., Kirchfte. iiy. 4982L' l,eMsii5 mm»Äf• Billigster Verkauf ron Brillanlen, Ohren, w Gold- und Silberwaren! Rnlantu und diskrete Belelhnng aller Wertsachen. Sozialdemokratischer Wahiverem für den 8. Berliner Reiehslags-Wahlkreis. Diellsiag, den 12. DkMber, abends 8'/- Khr, im Gemerhschastshause(großer Saal), ——— Engel-Ufer 15:- General-V ersammluns. TageS-Ordnung: Bericht des Vorstandes und Neuwahl desselben.— Bericht der Vertrauens- Personen, Preß-, Lokal-, und AgitationSlommissioncn und Neuwahl derselben.— Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert.= BW Die Versammlung wird pünktlich eröffnet."MW Zahlreichen Besuch erwartet s241/16 Der Verstand. Sozlaldemokrafiseher Verein im fünften Berliner Beiehstagswahlkreise Dienstag, den 12. Dezember, abends 8% Uhr, im„Alten Schiitzenhans", Linienstr. 3: 1. Fortsetzung der Debatte über den Dericht der Dresi- kommission. 2. Partei- und Dereinsangelegenheiten. Nur Mitgliedsbuch unseres Mahlverems legitimiert. 266/8* Die Versammlung wird pünktlichst eröffnet. Allseitiges Erscheinen unserer Mitglieder erwartet Der Vorstand. Zwcigverein Berlin. Sektion der Gips- nnd Zemcntbranche. Freitag, den 15. Dezember 1005, abends pünktlich 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15(großer Saal): Kombinierte Versammlung der Kaditz- und Lugtnowanüyutzer sowie deren Trager und der Asdttzspsnner. TageS-Ordnung: 1. Die Schäd'ichkeit der Akkordarbeit im Rabitzgewerbe. Referent- Kollege Bennann Sllberschnildt. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 160/1* NB. Die Wichtigkeit der TageS-Ordnung erfordert das Erscheinen sämtlicher im Rabitzgewerbe beschästigten Mitglieder unserer Sektion. Der Borstand. Mtuvg! Sranereiarbeiter! Jkhlimg! Sonntag, den 17. Dezember, vormittags 10 Uhr, in KcllerS Festsälen, Koppenstraße 29: Oef f entl. Protest- Versammlung gegen die von der Begiernng geforderte SrhShnng der Sranstener. TageS-Ordnung: 42/4* 1. Die von der Reaierung geforderte Erhöhung der Brausteuer«nd welche Konseqnenzen haben die Brauerciarbeiter daraus zu ziehen. Referent: Reichstags- abgeordneter Genosse Dr. Südekum. 2. Diskussion. iW" Zu dieser Versammlung sind alle in den Lagerbier-, Weist- und Brannbierbranereien, Malzfabriken und Bierniederlagen beschäftigten Arbeiter eingeladen. messn Kein Manu darf fehlen! Kollegen! Agitiert für starlen Besuch dieser Versammlung! Zentralverband deutscher Brauerciarbeiter. Die Rgitationsrommission der Brauerciarbeiter Berlins und Umgegend. Vereinigung der Haler, Sackterer, Unstreieher. ?Uiale 3erUn. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 36. Telephon: Amt IV, 0720. Donnerstag, den 14. Dezember, abends 8'/, Uhr, in DräselS Festsälen, Neue Friedrichstr. 3s: Mitglieder-Uersammlung. TageS-Ordnung: Beschlußfassung über die Anstellung von HauSkassierern. BereinSangelegenheiten. 125/18 Die Ort* Verwaltung. Werte Kollegen! An demselben Abend findet in demselben Lokal, abends 7 Uhr, eine Versammlung statt, zur Wahl der Lohnkommission, ciuberuse» vom Gehülsen-Ausjchusi. Wir ersuchen die Kollegen, unter allen Umständen schon««: 7 Uhr zu der Versammlung zn erscheine«. D. O. 0enensia-|tlder Brennabor-Räder Teilzabiang! Zwei Jahre Garantie! Sozial-Räder 65.-, Sozial-Luxus-, Ä. M. IQO.-. gGebruchte Räder billig! Bitte genau aus Hausnummer„23« zu achten. zz. R. Groskurth, m i Münzstr. 23. Soeben erschien: 41 Künstlcrpostfaarte BD Bebel spricht im Reichstage zum Etat. Nach Originalzeichnung auSgesührt. Neue, sarbcnfrohe, künstl. auSges. politische Vei�jii brspostkartei, Preis 10 Ps. Verkäufer allerorten gesucht. Bich. I-ipInski, Ver- lag. Leipzig, Rendnitzerstr. U. Brennspiritus „Marke Herold" Original-Literflaschen mit Patentverschluß. Han nehme nnr Flaschen mit nnversehrten VerschlnO- strelfen, auf welchen Gradstarke nnd Preis vermerkt sind! 52021,* Vol.% exkl. Glas Vol. 7. exkl. 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Den Mitgliedern zur Kenntnis, datz der beantragte Nachtrag zu den Ver» haltungSmahregeln für erkrankte Kasfcnmitgücder, betreffend Abände» rung deS Z 5, von der AussichtSbehörde genehmigt ist, dahingehend, datz Zuwiderhandlungen mit OrdnungS- strasen bis zum dreifachen Betrage des täglichen Krankengeldes geahndet werden. 278/11 Berlin, den 1. Dezember 1905. Der Vorstand. I. A.:.Albert Kirchmann. Vorsitzender. + Hygienische Bedarfsartikel. Neuest. Katalog M- Emp fehl. viel. Aerzte u.Prof. grat. H. Unger, Gommiwatenfabrik Berlin NW.. Friednchsirassa dlfSS. Ziehnntz US°ü.° Lose o 1 m. 11 Lose 10 M., Porto u. Liste 20 Pf. Pferdegewinne günstig verkäufl. gegen Bar-Greld. 4578 Gewinne �ert4" Mark 100000 Erster Hanptgw.: Zuchthengst 10000. 3 Gew.= 8 Zuchtstuten zus. 10 000. 14 Gow.= 14 Pferde zus. 14 000 m CO Gcj�=- CO Pferde zus. 30000m. 30000 m. Arnold liaase Jernsalemcrstr. 34. Heinrich Krön Alcxandcrstr. 54. H. C. Kröger Friedrichstr. 250. 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Der Zal)labend für Berlin und Vororte findet am Kitwoch statt. partei-Hngelcgcnbcitcn. Tcmpclhsf-Mariettdorf. Wir machen noch einmal auf die morgen Mittwoch im Wilhelmsgarten, Berltnerstrasze S. stattfindende Volks- Versammlung aufmerksam, in der Genosse Fritz Zubeil über:.Die Revolution in Ruhland und die Wahlrechtskämpfe in Oesterreich und Deutschland" sprechen wird. Heute abend 7 Uhr Handzettel- Verbreitung von den bekannten Lokalen auS, wozu rege Be- tciligung erwartet wird. Treptow-Baiimfchulcnweg. Morgen Mittwoch findet in Baum- f ch u t e n w e g in den bekannten Lokalen gahlabend statt, in welchem die Parteitagsprotokolle und der Jahresbericht des ZentralvorstandeS zur Ausgabe gelangen. In Treptow findet die Bezirlsversamm- lung im Restaurant Molan, Kiefholzstr. 35, statt. Lichtenberg. Dienstag, den IS. Dezember, bält der Wahlverein in Gebr. AmholdS.Schwarzer Adler", Frankfurter Chaussee 5/3, eine au herordentliche Generalversammlung ab. die sich mit dem Bericht von der Kreiskonferenz, dem Bericht der Funktionäre, Konstituierung des Bezirks-Wahlvereins, Neuwahlen des gesamten Vorstandes und der Kommisstonen und mit der Wahl von Delegierten zur Verbandsversammlung von Groh-Berlin beschäftigen wird. Bei der Wichtigkeit dieser Versammlung ist es Pflicht aller Mitglieder, zu erscheinen. Der Vorstand. Groß- Lichterfelde. Sozialdemokratischer Wahl» verein Groh-Lichterfelde-Lankwitz. Morgen, Mitt» wochabend 8 Uhr im Reisenschen Lokale, Chaussee- strahe 104. Vereinsdersammlung. Tagesordnung: Be- richterftattung von der Kreis- Generalversammlung. Diskussion. Ersatzwahlen zum Vorstand und zur Generalversammlung für Groß» Berlin. Stellungnahme zu den kommenden Gemeindewahlen. Der Vorstand. Vorort- pfadmebten. Weitere Ergebnisse der SolkSzShlung aus den Vororten VerNns. Friedrichsfelde. Die Einwohnerzahl ist von V632 auf '14072 gestiegen. Der Vorort Britz hat eine verhältniSmähig geringe«ntwwkelung gefunden. ES wurden 8450 Einwohner ge- zählt,»12 mehr als bei der Zählung im Jahre 1V00. Schmargendorf zählt 6037 Bewohner gegen 8178 bei der Zählung 1900. I» Rieder-Schöneweide ist die BevSlkerungs- zahl von 2421 auf 308S gestiegen. Die Einwohnerzahl von Wittenau i früher Dalldorf) beträgt 7434, 1900 wurden 5433 Bewohner ermittelt. Birken werder. Die Einwohnerzahl ist von 1483 auf 1935 gestiegen. Groh-Ziethen hat 341 Einwohner aufzuweisen. Die Bevölkerungszunahme beträgt 27 Seelen. Hohen-Schönhausen zählt jetzt 3510 gegen 3016 Seelen im Jahre 1900; ,n Bernau ist die Einwohnerzahl von 8177 auf 9484 gestiegen. Waidmann Slust hat sich in der Einwohnerzahl mehr als verdoppelt; vor fünf Jahren wurden dort 883, jetzt 1880 Einwohner gezählt._ Charlottenbnrg. Die Allgemeine OrtSkrankenkasse für die vereinigten Gewerbe- betriebe CharlottenburgS veranstaltet in den Monaten Januar und Februar des kommenden Jahres einen Zyklus volkstümlicher Vor- träge über Gesundheitspflege— gehalten von hervorragenden Fach- gelehrten zu denen jedermann(auch Frauen) u n e n t» g e l t l i ch e n Zutritt hat. Die Vorträge finden im Volkshause in Charlottenburg, Rosinen- straßc 3, statt und beginnen abends 8 Vi Uhr. ES werden sprechen: Am 12. Januar 1906 Professor Mar Michaelis über praktische Hülfeleistung bei plötzlichen inneren Erkrankungen; am 26. Januar Professor George Meyer über praktische Hülfe- keistung bei Bewußtlosen und Scheintoten; am 2. Februar Professor Magnus Levy über praktische Hülfe- lcistung bei Vergiftungen; am 9. Februar Professor Heinrich Rosin über den Wert natür- licher und künstlicher Nährmittel und ihre zweckmäßige Verwendung; am 16. Februar derselbe über die zweckmäßige Kost der Kranken; am 23. Februar Professor Th. Gluck über Blutung und Blut- stillung. Lichtenberg. Bei der auf 55 293 festgesiellten Einwohnerzahl unseres „Torfes" überwiegen die männlichen Personen mit 27 671 die wcib- lichen mit 27 622 um 40 Seelen. Die Personenstandsaufnahme vom 27. Oktober ergab die Zahl von 54 845. Die Viehzählung am 1. Dezember ergab, daß am Orte noch 611 Rinder, angeblich nur 2 Esel, dafür aber 2088 Pferde vor- Händen seien. Der„landwirtschaftliche" Charakter diese?„Dorfes" wird durch diese Zahlen lebhaft illustriert. Reinickendorf. Der Zusammenstoß eines Automobils mit einem Straßen- bahnwagen, wobei drei Personen verletzt wurden, wird vom Sonntagvormittag gemeldet. In der in Reinickendorf belegenen Scharniveberstraße versuchte das aus der Berlinerstraße kommende Privatantomobil Nr. 2346 kurz vor dem Straßenbahnwagen 1905. Linie 31, Richtung Schlesischer Bahnhof, das Gleis zu kreuzen. Das Automobil' rannte dabei gegen den Vorderperron des Straßenbahnwagens und zwar derartig heftig aus, daß durch den Zusammenprav das Hinterteil des Kraft. Wagens zertrümmert wurde. Die Insassen des Automobils wurden in weitem Bogen auf das Strahenpflaster geschleudert, und dabei erlitten der Zechlinerstr. 1 wohnende Herr Hugo Hubatsch und Herr Wilhelm Krüger. Müllerstr. 21 wohnhaft. Wunden am Kopf. Herr Arthur Hubatsch, Adlershof wohnhaft, scheint innere Verletzungen davongetragen zu haben. Die drei Verunglückten wurden nach dem Paul Gerhardt-Stift� geschafft. Au dem Srraßenbahnwagen wurde die Schutzweste beschädigt und der Perron eingedrückt. Eine Störung des StraßenbahnbetriebeS fand nicht statt. Teltow. Bor einigen Monaten fand in Düppel eine Schlägerei unter polnischen Arbeitern statt, wobei ein Arbeiter getötet wurde, die Täter entkamen. Bor einigen Wochen gelang es. die Haupttäter, Gebrüder Skrazt. in Oesterreich festzunehmen. Gestern nachmittag wurde der dritte Täter, Arbeiter Martin Durzak, hier dingfest gemacht. Treptow-Baumschulenweg. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich Sonnabend abends 4� Uhr auf dem Bahndamm kurz vor der Baumschulenstraße. Ein Streckenarbeiter, welcher auf dem kürzesten Wege den Bahnhof Baumschulenweg erreichen wollte, ging von dem Rixdorfer Gleise, auf welchem er gearbeitet hatte, nach dem höher gelegenen Stadtbahn- gleise. Hier wurde ihm von einem Stadtbahnzuge der rechte Fuß bis zum Spann giatt abgefahren. Arzt, Verbandstoffe und eine Tragbahre, der 29. Bahnmeisterei, Rieder-Schöneweide, gehörig, waren schnell zur Stelle und wurde der Verunglückte nach Anlegung eines Verbandes mit dem Stadtbahnzuge 5 Uhr 42 Min. ins Rummelsburger Krankenhaus befördert. Die Tragbahre aber, welche doch auch zum Transport in der Stadtbahn benutzt werden muß, erwies sich als zu breit und zu lang. In schräger Richtung mußte dieselbe mit dem Verunglückten ins Abteil gebracht werden. Der Verunglückte wurde auf die Bank gelegt und die Bahre hochgestellt, um die Türe schließen zu können. Ober-Schöneweide. Heute abend 5 Uhr findet in der Schulaula Frischenstraße eine öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung statt. Auf der TageS« ordnung steht: Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses für Lehrer an der höheren und Volksschule, und für die Gemeindebeamlen. Antrag Hegewaldt: Teuerungszulagen für Beamte und Gemeinde- arbeiter. Gründung von zwei Mittelschulklassen. Die Ortsverwaltung Ober-Schöneweide und Umgegend des freien Schank- und Gastwirte-VerbandeS hielt am 6. Dezember beim Kollegen Sipli in Ober-Schöneweide, SiemenSstr. 28, seine Mit- gliederversammlung ab. Nach einem instruktiven Vortrage deS Genossen Friedländer über das Gastwirtsgewerbe und seine Grund- fragen in der Spirituosenbranche berichtete der Kollege DieSner über den Entwurf eines Flugblattes, welches in 10 000 Exemplaren hergestellt und an die organisierte Arbeiterschaft der Umgegend gerichtet ist. Sechs Mitglieder wurden aufgenommen. Kollege Reiman» ersuchte um Betätigung an den Aktionen der Partei. Mariendorf. Am Donnerstagabend fand hier ein« von zirka 400 Personen be- suchte Volksversammlung statt. Der geräumige Saal war über- füllt, trotzdem die Tische entfernt waren, und Hunderte fanden keinen Einlaß. Vor Eintritt in die Tagesordnung brachte der Tempeiyofer Gesangverein„Tangeslust lll" das Lied„Empor zum Licht" recht wirkungsvoll zu Gehör. Dann hielt Genosse Zubeil einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über:„Ein Weihnacht? geschenk der verbündeten Regierungen an das arbeitende Volk". In ausführlicher Rede führte Genosse Zubeil an der Hand eines reich- haltigen Zahlenmaterials den Anwesenden vor Augen, tvelche un- geheuere Erbitterung die neuen Steuervorlagen der Regierung bei dem deutschen Proletariat, bis weit in den Mittelstand hinein, her vorbringen müssen. Wie immer, hat man es auch hier wieder der standen, die Kosten der breiten Masse aufzubürden. Die freisinnig« Flotten- und Kolonialpolitik, der auf die Spitze getriebene Mill- tarismus und die Großmachtssucht müssen schließlich Teutschland dem wirtschaftlichen Bankrott entgegenführen. An der Diskussion be- teiligten sich die Genossen Beyer, Kommick, Alb. Thiel im Sinne des Referenten: von den anwesenden Gegnern nahm trotz mehrfacher Ausforderung de» Vorsitzenden keiner das Wort. Tie 5preis-Ver- trmiensperson Frau Thiel wandte sich an die in großer Zahl an- wesendcn Frauen, da gerade sie diejenigen seien, die unter jeder Teuerung am meisten zu leiden hätten. Sie forderte die Frauen auf. die Männer in dem schweren Kampfe gegen die wirtschaftliche und politische Unfreiheit zu unterstützen, die„Gleichheit" zu lesen und sich dem Bildungsverein für Frauen und Mädchen anzuschließen. Zur Lkkalfrage stellt« Lehmann ll den Antrag, da« Lokal von Borgfeld, früher Setzefand, in der Feldstraße 44 freizugeben. Das ArbeitcrverkehrSlokal ist bei Herrn Reicharl. Thausseestraße 16. Alle übrigen Säle sind gesperrt. Greulich stellte für Marienfelb« den Antrag, das Lokal von Dietmann, Berlinerftraße 48, und alle Saal- inhaber sind gesperrt; Arbeiterv'rkehrslokal ist Jaruczewski. früher Scholz, am Kiepertplatz. Genosse Hannemüller beantragte, die Teller» sammlung fortzusetzen und den Ueberschuß den russischen FreiheitS- kämpfern zu überweisen. Me drei Anträge wurden einstimmig an- genommen. Nachdem Genosse Reichard die Anwesenden zum Abonnement auf den„Vorwärts" und zum Eintritt in den Wahl- verein aufgefordert hatte, wurde die Versammlung mit einem brausenden Hoch auf die internationale, völkerbefreiende Sozial- demokratie geschlossen. Weiftensee. Dir Agitation zu den im März nächsten Jahres stattfindenden Gemeindevertreter-Wahlen wurde von den Parteigenossen in einer am Dienstag, den 5. Dezember, im Vereinshause stattgeftmdenen Versammlung eingeleitet. Genosse Frentz erstattete Bericht auS den Gemeindevertrcter-Sitzungen und beleuchtete die Tätigkeit und Jnteressenwtrtschast verschiedener Herren Vertreter aus dem bürger- lichen Lager. Di« Seele der ganzen Cliquenwirtschaft sei der ver- starben« Gcmeindevcrsteher Feldtmann gewesen; sei aber auch das geistige Oberhaupt tot, so bestehe die Clique doch weiter. Diese Er- scheinung sei so recht bei der Schloßankaufs-Angelcgenheit hervor- getreten, llcberall. wo cS gegen chre Interessen geht, geraten manche sonst recht phlegmatische Herren in hohe Aufregung. Wir müssen alles daran setzen, um auch aus der zweiten Klasse als Sieger hervorzugehen, damit auch Männer gewählt werden, die nicht nur für sich arbetten. Daß manche der Herren aus den HauS- und Grundbesitzer- vereinen für ihre Mandate bangen, geh« schon daraus hervor, daß sie diese Versammlung zahlreich besucht haben, sonst haben sie eS in der Regel vorgezogen, derartige Versammlungen vornehm zu igno. riercn. Bon der bürgerlichen Seite sprachen die Herren Frick und Dr. Grünau. Herr Frick wollte wohl zeigen, daß er der rechte Mann für die Gemeindevertretung sei. Herr Dr. Grünau meinte, der Antauf des Schloßparkes fei wohl aus hygienisch«» Gründe» gut- zuheißen, würde dann aber noch viel zu klein sein. Es sprachen noch die Genossen Peuckert, Ncrlich, Taubmann, ReSke und Hohenstein. In das Wahlkomitee wurden die Genossen Reske, Walters- kötter, Frentz, Tanbmann, Roßkopf, Lewh und Schmutz gewählt. Wilmersdorf. Die Gemeinsame Ortskrankenkasse von MlmerSdorf hat in ihrer letzten Generalversammlung folgende Statutenänderungen beschlossen. Nach§ 12 werden die durchschnittlichen Tagelöhne wie folgt fest- gesetzt: I. Klasse 8,60 M. anstatt 2,90 M., II. Klasse von 1,80 M. auf 2,50 M.. HI. Klasse von 1,40 M. auf 1,80 M.. IV. Klasse von 1.— M. auf 1,40 M. Nach§ 13 wird da« Krankengeld erhöht für die I. Klasse auf 10,80 M.. II. Klasse 7,50 M.. III. Klasse 5.40 M.. IV. Klasse 4,20 M. Nach K 80 bettaaen die Kassenbeiträge 3 Proz. wie bisher und zwar für die I. Klasse 0,66 M., II. Klasse 0,45 M.. Hl. Klasse 0,33 M., IV. 0,24 M. Das Eintrittsgeld wird auf vier Wochenbeiträge herabgesetzt: I. Klasse 2,64 M., II. Klasse 1,80 M., lll. Klasse 1,32 M., IV. Klasse 0,96 M. DaS Sterbegeld bettägt 90 M., 62,50 M., 45 M., 35 M. Die Wöchnerinnen- Unterstützung ist von 32,40 M. auf 45 M. erhöht. Unsallzuschuß: I. Klasse 60 Pf.. bisher 48'/, Pf. Die Nendenmgen treten mit dem 2. April in Kraft. Potsdam. Der Sozialdemokratische Wahlverein bollzog in seiner letzten Sitzung mehrere Neuaufnahmen, so daß der Verein jetzt rund 300 Mitglieder zählt. Der anscheinende Rückgang beruht darauf, daß die Bornstedter Genossen jetzt einen eigenen Wahlverein bilden. Einige Mitglieder mußten auch wegen Resten gestrichen werden. Hierbei rügte der Vorsitzende Genosse Staad die Lässigkeit eines Teiles der Parteigenossen, die die Notwendigkeit der intensiven politischen Arbeit noch nicht genügend begriffen hätten. Und doch erfordere gerade die jetzige ernste Zeit, daß die Arbeiterschaft nicht bloß sich um die gewerkschaftliche Organisation kümmere, sondern auch um die politische, und da« umsomehr, als die neuen Steuer- vorlagen, die Zollgesetze usw. die Errungenschaften der Gewerkschaf. ten mit einem Federstriche wieder vernichten. Hier könne nur die Gesetzgebung eine Aendcrung herbeiführen. Diese durch die Sozial- demokratie zu beeinflussen, sei daher das einzige Mittel, um bessere Zustände und dauernd für die Arbeiterklaffe zu schaffen. Darum müsse diese aber auch alles tun, was die politische Organisation fördere. Je stärker die sozialdemokratische Partei sei, desto stärker werde auch ihr Einfluß auf unsere Gegner werden, desto leichter werden die Forderungen auch der Potsdamer Arbeiterschaft in Er« fiillung gehen.— Die hierauf folgende Besprechung der Stadt» verordnetenwahlen erbrachte den Beweis der vorigen Ausführungen. ES muß gesagt werden, daß unser Erfolg ein größerer gewesen wäre, wenn die organisierte Arbeiterschaft ihr- Wahlpflichten besser erfüllt hätte. In Zukunft werden wir hier energischer vorgehen müssen, wenn wir zum Ziele kommen wollen. DieS ist um so notwendiger, als ja hier die staatlichen und städti- scheu Behörden mit allen Mitteln ihrer Machtstellung gegen die sozialdemokratische Partei resp. Wählerschaft vorgehen. An drastischen Beispielen wurde der Beweis erbracht, wie rücksichtslos unsere Gegner den Wahlkampf geführt haben. Nun, wir haben gelernt uno werden nichts vergessen I...— Eine rege Diskussion zeitigte der Punkt„Parteipresse", deren Unterstützung allen Partei. genossen zur Pflicht gemacht wurde. Auch der„VorwärtS'-Konflikt wurde dabei noch einmal kurz gestreift und von mehreren Rednern namentlich das Vorgehen der Generalkommission resp. der GeWerk- schaftSpresse verurteilt.— Unter„Verschiedenem" brachte dann der Vorsitzende den Aufruf des Parteivorstandes zur Unter. stützung der Opfer der russischen Freiheits. kämpfe zur Verlesung und gab die Sammellisten aus. daran den Wunsch knüpfend, daß sie diesmal einen besseren Erfolg haben mögen als die ersten Listen.— Weiter wurde eine Aufforderung zum Beitritt von der Potsdamer Konsumgenossenschaft„Hoffnung verlesen, die das„Jahrbuch des Zentr.-Verb. der Konsumvereine" der Vereinsbibliothek überwiesen hat.— Mit dem Hinweis auf das am 2. Weihnachtsfeiertag im..Viktoriagarten" stattfindend- Jami. l i e n f e st des Wahlvereins und der Mitteilung, daß das Lokal von Rose in Eiche unS jetzt zur Verfügung steht, erfolgte der Schluß der leider nur schwach besuchten Versammlung. Die nächste Wahlvereinsversammlung findet erst am, w e i t e n Mittwoch im Januar statt. Sldlershof. Die Adlershofer Kanalisationsaffäre, über die wir seinerzeit schon berichtet haben und die viel Staub aufgewirbelt hat. ist nun vor dem Köpenicker Schöffengericht zum Abschluß gekommen. Der Anklage lag folgender Sachverhalt zu Grunde: Der Angeklagte Lutze hat bald nach Beginn der Kanalisationsarbeiten in der Ge- meinde Adlershof in Versammlungen und speziell in der am 23. November 1904 im Meißnerschen Lokale stattgehabten des HauS- und Grundbcsitzer-BereinS die in Angriff genommenen uni» ausgeführten Arbeiten bemängelt und behauptet, daß die Anfangs« strecke von etwa 120 Meter und ein Brunnen völlig unbrauchbar seien. Diese Behauptungen riefen in der Gemeinde nicht geringe Erregung hervor. Ter Herr Gemeindevorsteher trat den angeblich unberechtigten Angriffen wiederholt entgegen und erklärte, daß zu einer Beunruhigung nicht die geringste Veranlassung borliege, da die Arbeiten mit größter Gewissenhaftigkeit und unter Beobachhmg aller Vorsichtsmaßregeln ausgeführt seien. Di« Bemühungen der Herren Gcmeindevertreter Direktor Lindcnberg und Wiesner, Klar- heit in die Affäre zu bringen, waren erfolglos, da der in der Gemeindevertretung eingebrachte Antrag, gegen Herrn Lutze Klage zu erheben, abgelehnt wurde. Die Gemüter hatten sich bereits wieder beruhigt, als sich plötzlich die Nachricht im Orte verbreitete, Lutze habe doch recht gehabt; die kritisierte Anfangsstrecke sowie der erste Schachtbrunnen seien unbrauchbar, die Röhren werden wieder herausgenommen und der Brunnen müsse abgebrochen werden. Der Beklagte verfaßte ein an die Gemeindevertretung gerichtetes Flugblatt, da» auch an andere Interessenten in etwa 200 Exem- plaren verbreitet wurde. In derselben griff er den von der Ge- meinde eingesetzten Bauleiter Herrn Rebien in scharfer Weise an und behauptet«, daß R. von KcmalisattonSarbeiten nicht das geringste Verständnis habe, so sei unter anderem die Sole des fraglichen Brunnens nicht dicht und um etwa 5 Zentimeter zu hoch gemauert gewesen, auch habe der Bauleiter ein« Nivellierung überhaupt nicht vorgenommen, obwohl dies unumgänglich notwendig war. Die aufgedeckten AivellierungsfeHler solle» bei dieser kurzen Strecke IV SetiHmrter betragen haben. Am Schlüsse des Flugblattes be- antragte Herr Lutze, den Bauleiter wegen Unfähigkeit feines Amtes zu entheben. Dieser Antrag und die Behauptung, daß er die Ber- legung des Rohres unter gröblicher Verletzung seiner Pflichten vor- genommen habe, gaben der Gemeindevertretung Veranlassung, Herrn Rebien nunmehr anheim zu geben, die Angelegenheit im Klagewege klar zu stellen. In der Hauptverhandlung war außer 16 Zeugen Herr Re- gierungs- und Äreisbaumeister Kleine als Sachverständiger ge- laden. Nachdem der Antrag des Beklagten, den Schachtmeistcr Backhusen als Zeugen zu vernehmen, abgelehnt, auch der Antrag, Herrn Ingenieur Müller-Adlershof als ScrclMrständigen zu hören. vom Gericht nicht gebilligt worden war, ließ Herr Lutze durch seinen Verteidiger Herrn Rechtsanwalt Steincrt die Beisitzer Hansen und Hund als befangen erklären und dieselben als Richter ablehnen. Sowohl dieses Ansinnen, als auch die Ablehnung des Sachver- ständigen Regierungs-Baumeisters Kleine waren erfolglos, da so- wohl die Herren Schöffen als auch der Sachverständige sich als nicht befangen erlljärten>. Nach etwa b�stündiger Verhandlung, un- mittelbar vor der IlrteilSverkündigung, gelang es den Bemühungen des Vorsitzenden, Herrn Amtsrichter Kriener, zwischen den streitenden Parteien einen Vergleich zustande zu bringen und zwar dahingehend, daß der Beklagte, Herr Lutze, erklärte:„Auf Grund der heutigen Beweisaufnahme nehme ich den von mir dem Privat- klüger gemachten Vorwurf der Unfähigkeit als unbegründet zurück. Die Absicht, den Privatkläger persönlich zu beleidigen, hat mir fern- gelegen. Ich übernehme sämtliche gerichtliche sowie außergericht- liche Kosten dcS Verfahrens, einschließlich des an den Vertreter d«S Privatklägers zu zahlenden Honorars von 106 M." Herr Rebien zog hierauf die Klage zurück, und das Gericht beschloß formell die Einstellung des Verfahrens. ßcrlincr]Machrlcbtm Vom Widerstand der Unvernünftigen erzählt eine Mitteilung, der wir in verschiedenen bürgerlichen Blättern begegnen. Sie be- trifft die Verbreitung der Pedikulosis unter den Berliner Gemeindeschulkindern und das ablehnende Verhalten mancher Eltern gegenüber den Ratschlägen zur Bekämpfung dieses Leidens. Pedikulosis heißt in schlichtem, ehrlichem Deutsch: Ver- laustheit. Der Laie hält die Pedikulosis nur für das Ergebnis einer argen Schnrutzerei, die Aerzte aber sehen in ihr eine Art Krankheit. Mitunter bleiben die schmutzigsten Kinder von Läusen verschont, und andererseits wird manches sauber gehaltene Kind von ihnen befallen und kann sie dann schwer wieder los werden. Der Kampf gegen die Pediculosis gehört mit zu den Aufgaben der Schulärzte. Daher finden wir ihn auch erwähnt in dem vom Stadtverordneten Dr. Hartmann erstatteten Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit der Berliner Schulärzte im Jechre 1364/63, den wir kürzlich hier besprochen haben. Jene Zeitungsnotiz ist diesem Bericht cnwommen. Hartmann teilt aus den Einzelberichtcn mehrerer Schulärzte mit, daß ihnen die Bekämpfung der Pedikulosis viel Mühe verursacht habe. In einzelnen Aufnahmeklassen sei über die Hälfte der Kinder verseucht gewesen.„Die Behandlung der Kopfläuse," so führt er in seinem Gesamtbericht auS,„findet in den Berliner Schulen in der Weife statt, daß durch die Rektoren den mit Läusen behafteten Kindern eine gedruckte Anweisung für die Behandlung mit Petroleum mitgegeben wird. Ein Fernbleiben aus der Schule und das sonst für die Behandlung empfohlene Ab- schneiden der Haare bei Mädchen ist mit dieser Behandlung nicht verbunden. Leider scheitert bisweilen die Behandlung an dem Widerstand unvernünftiger Eltern." Hartmann weist auf die Zwangsmittel hin. die für solche Fälle zur Verfügung stehen, und schließt mit der Versicherung, ständige Ueberwachung durch die Schulärzte haben in vielen Schulen das Uebel aus- gerottet. Daß Eltern in diesem Punkte den Schulärzten Widerstand ge- leistet haben sollen, ist eigentlich überraschend. An einer anderen Stelle hebt der Bericht ausdrücklich hervor, daß die Urteile der Aerzte über die Bereitwilligkeit der Eltern, ihre Rat- schlüge zu befolgen, im allgemeinen„äußerst günstig" lauten. Doch es kann sein, daß�die Anschauung, auch um das leibliche Wohl der Kinder habe die schule sich ein bißchen zu kümmern, wirklich noch nicht allen Eltern so geläufig ist. wie man es wünschen muß. Lange genug ist ja in Berlin von„autoritativer" Stelle erklärt worden, daß Schulärzte„überflüssig" seien. In Berlin kam die Schillarztfrage vor jetzt anderthalb Jahrzehnten in Fluß, als die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverordneten die Untersuchung und Ueberwachung des Gesundheitszustandes der Ge. meindcschulkinder forderte. Hai man bereits vergessen, wie damals und in den folgenden Jahren der Magistrat und die freisinnige Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung sich zu dieser Forderung stellten? Für überflüssig erklärte die Schulärzte der Stadtrat Straß- mann, der als Leiter des städtischen Geswidhcitswcsens gilt und uns in dieser Stellung bis auf den heutigen Tag erhalten geblieben ist. Gegen die Schulärzte erklärte sich durch seine Abstimmungen auch der jetzige Stadtschulrat Gerstenberg, der damals noch Stadt- verordneter war. Später ließ im Rathause der Widerstand der Unvernünftigen nach und Berlin bekam die geforderten Schul- ä r z t e. Wie notwendig sie waren, nicht bloß um der paar Läuse, sondern noch um ganz anderer Dinge willen, das zeigte sich sofort nach dem Beginn ihrer Tätigkeit, und es ist jetzt durch den Hart- mannschen Bericht aufs neue bestätigt worden. Auch die Haltimg der bürgerlichen Presse ist umgeschlagen. Dieselbe Presse, die damals der Anregilng der Sozialdemokraten den unvernünftigsten Wider- stand entgegensetzte, hält es heute für angebracht, die Mitteilung über den Widerstand der Unvernünftigen aufzugreifen und weiter- zugeben. So ändern sich die Zeiten. Die Droschkenkutscher und Fuhrherren haben, wie berichtet wird, beim Minister des Innern Beschwerde geführt gegen die kürz- lieh erlassene Polizeiverordnung, die das Befahren des Potsdamer Platzes zu gewissen Tagesstunden verbietet. In dieser Beschwerde wird die Rechtsbeständigkeit dieser Verordnung angezweifelt und dargelegt, daß die Interessenten gar nicht gehört worden seien. Daraufhin wird jetzt eine Mitteilung verbreitet, in ivelcher versucht wird, die Rechtsgültigkeit der Polizcivcrordnung zu erweisen. Es wird gesagt, daß die Verordnung sich nur als eine Ergänzung der Straßen-Polizei-Ordnung darstelle. Vor ihrem Zustandekommen hätten amtliche Erhebungen stattgefunden, die ergeben hätten, daß die Zahl der leeren Droschken, welche z. B. auf dem Potsdamer Platz Jagd auf Fahrgäste machten, eine„erschreckende Größe" sei. Weiter wird gesagt, daß die Droschkenkutscher in ihrer Beschwerde selbst zugeben, daß gerade der Potsdamer Platz„die lohnendste Stelle für die Aufnahme der Fahrgäste sei"; die Fahrgäste könnten aber die Wagen auf den benachbarten Halteplätzen finden. Die Vorteile der neuen Verordnung ließen bei weitem die„kleinen Unbequemlicbkeiten", welche den Droschkenkutschern daraus erwachsen, überwiegen.' Zum Trost für die Droschkenkutscher wird bemerkt. daß die Polizeiverordnmig sofort aufgehoben werden würde, sobald die Verkehrskalamität auf dem Potsdamer Platz usw. durch unterirdische Führung der Straßenbahnen beseitigt fein würde. Tie Droschkenkutscher mögen sich nur die Zeit nicht lang werden lassen! Aus dem Potsdamer Platz überfahren und schwer verletzt wurde gestern abend der 36 Jahre alte Fabrikarbeiter Reinhold Witte aus der Langhansstr. 37 zu Weißer.see. Beim Ueberschreiten des Platzes wurde W. von einem Omnibus zu Boden gerissen und unter das Gefährt geworfen. Er trug einen Schädelbruch davon und wurde, nachdem ihm in der Unfallstation in der Kronenstraße die erste Hülfe zu teil geworden, in bedentlichem Zustande nach dem Krankeuhause Am Urban gebracht. „Die Hohenzollern-Legende", von der Buchhandlung Vorwärts herausgegeben, behandelt in den neu herausgegebenen Heften die Zeit Friedrichs II. Die Kapitel über diesen, in unseren Schulen und Von allerhand Patrioten als den„Nationalhelden" gefeierten Hohenzoller sind besonders interessant. Der Verfasser zerreißt hier unbarmherzig die Legendenbildungen, die unsere neudeutschen Ge- schichtsklittercr um ihn gewoben haben und zeigt uns, wie gerade die Politik Friedrichs dem späteren schmählichen Zusammenbruch des preußischen Staates vorgearbeitet haü Das Werk erscheint in 36 Lieferungen, die noch jetzt von Heft 1 an durch jede Parteibuchhandlung, in Berlin in allen Partei- spcditioncn, zum Preise von 26 Pf. pro Heft nachbezogen werden können. Im Heft 43 der im Verlage der Buchhandlung Vorwärts er- scheinenden„In Freien Stunden" beginnt ein neuer Roman: „Am M a l a n g e r F j o r d", von Theodor Mügge. Nach dem Lande, das kürzlich seinem Könige eine ebenso Höf- liche wie energische Kündigung überreichte, führt uns diese Er- Zählung. Ein habgieriger Kaufmann, der seine ärmeren Lands- leute und besonders die Lappländer ausbeutet und betrügt, will seine Tochter an einen schurkischen Landrichter verschachern. Sie aber liebt einen Sohn des geknechteten und verachteten Volkes, und daraus entspringen alle Konflikte. Die Erzählung ist ein Protest wider den Hochmut und die Grausamkeit deS Kultur- gegenüber den Naturmenschen. Die wöchentlich erscheinenden Hefte sind durch jede Partei- buchhandlung, in Berlin durch die Parteifpeditioncn, zum Preise von 16 Pf. zu beziehen. Vvn Pferdchufeu zerstampft. Bei einem entjetzlichen Unglücksfall ist gestern mittag der 36 Jahre alte Kutscher Georg Stendler tödlich verletzt worden. St., der bei dem Steinsctzmeister Baumann in der Schwcdenstraße 13 in Stellung ist, war beim Putzen der Pferde, als plötzlich eins der Tiere ausschlug und den Kutscher zu Boden warf. Er fiel unglücklicherweise unter die Hufe der Pferde und diese stampften wild auf den Unglücklichen los. Von Arbeitskollegen wurde St. schließlich unter den Tieren hinweggcrissen und nach der Unfallstation 17 gebracht. Der Bedauernswerte hatte drei kom- plizierte Schädelbrüche, Rippenbrüche und andere schwere Verletzungen davon getragen. In hoffnungslosem Zustande wurde er in das Lazarus-Krankcnhaus eingeliefert. Schwere Ucberfälle im Tiergarten. Im Tiergarten sind wieder zwei schwere Ueberfälle verübt worden. Der Schriftsteller E., am Kronprinzendamm in Halensce wohnhaft, passierte gestern in früher Morgenstunde, von einem Vergnügen heimkehrend, den Tiergarten. In der Nähe des großen Sterns angelangt, glaubte E.. er habe sich verlaufen. Er bat daher einen vorübergehenden unbekannten Mann um Auskunst über den Weg nach Halensee. Anstatt einer Antwort zog der Fremde plötzlich ein Messer aus der Tasche und stürzte sich auf den Ahnungslosen. Dieser wollte sich seines Angreifers erwehren, erhielt jedoch einen tiefen Messerstich ins Ge- ficht. Hierauf fiel der Messerheld nochmals über sein Opfer her und nur mit großer Mühe gelang es E., den gefährlichen Burschen von sich abzuschütteln. Jetzt ergriff der Täter die Flucht, E. wollte ihm nacheilen, doch infolge des erlittenen starken Blutverlustes war er dazu nicht imstande. Mühsam schleppte sich der Schwerverletzte nach der Charlottenburger Chaussee, von wo ihn eine Droschke nach der Unfallftatton am Zoologischen Garten brachte. Der Arzt stellte dort eine etwa 16 Zentimeter klaffende Stichwunde fest, die unterhalb de? Auges bis zum Ohr reichte. Nachdem E. Notverbände erhalten. wurde er nach seiner Wohnung gebracht. Von dem Täter fehlt jede Spur. Ein weiterer Ueberfall ist abends in der achten Stunde auf dem Kronprinzenweg zwischen der Fasanerie und Hoffäger-Allee verübt worden. Die 22jährige Wäscherin Hedwig Schulz aus Charlotteir bürg wurde dort von drei Burschen im Alter von 16 bis 26 Jahren angefallen und zu Boden gerissen. Als die Burschen das Mädchen zu vergewaltigen versuchten, setzte dieses sich verzweifelt zur Wehr und schrie laut um Hülfe. Beim Herannahen eines Schutzmannes ergriffen die Attentäter die Flucht und entkamen auch. Zwei Todcsstürze auf der Treppe haben sich gestern zugetragen. Der 45 Jahre alte Handwerker Ludwig Leidecker aus Kaulsdorf war in einem Lokal in der Alexanderstr. 37 eingekehrt. Als er sich au: die auf dem Hof gelegene Toilette begeben wollte, stürzte er infolge eines Fehltrittes ab. L. brach sich das Genick und war sofort tot. — In dem Hause Kanonierstr. 37 verlor der Schmied Reinhold Polcher, während er mit seinem Schwiegervater etwas angeheitert die Treppe hinaufging, das Gleichgewicht und fiel über dos Geländer hinweg in die Tiefe hinab. Er erlitt einen schweren Schädelbruch und starb bald daraus. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Zur Lysolflasche gegriffen hat am Sonntagmittag der 35 Jahre alte Arbeiter Simmerlick, Rostockerstt. 16 wohnhast. Er bat seine Wirtsleute ihm einen Korkenzieher zu geben, damit er sich eine Weinflasche öffnen könne. Während nun die Wirtslente und auch noch ein anderer Schlafbursche Karl R. nach dem Korkenzieher im Zimmer suchten, setzte S. unbemerkt eine Flasche Lysol an den Hals und entleerte sie fast vollständig. Mit den Worten:„Leb wohl Karl, grüß' alle meine Freunde", brach dann der Lebensmüde zw sammelt. Der von der Unfallstatton in der Huttenstraße herbei� gerufene Arzt pumpte dem Selbstmordkandidaten sofort den Magen aus und ließ nach dem Krankenhause in Moabit bringen. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.— Durch Lysol geendet hat auch der Büffetier Flöge! aus der Lützowstr. 21. Er erreichte sein Ziel. Im Berfolgungswahn zum Fenster hinausgestürzt hat sich gestern nachmittag der in der Putbuserstr. 26 wohnhafte 46jährige Arbeiter Johann Lücke. Während seine Frau zur Krankenkasie gegangen war, ging Lücke zu den Nachbaröleuten hinüber und wurde dort plötzlich vom Verfol'gungswahnsinn befallen. In der Raserei stürzte sich der Unglückliche schließlich aus dem Fenster heraus und fiel zwei Etagen tief in den Hof hinab. Er wurde bewußtlos nach der Unfallstation in der Badstraße gebracht, wo man schwere innere Verletzungen und Oberschenkelbrüche feststellte. In fast hoffnungslosem Zustande kam Lücke nach der Charits. Wer ist der Tote? Am 1. d. Mts. hat sich im Treptower Park ein dem Arbeiterstande angehöriger Mann erschossen, dessen Per- sönlichkeit noch nicht festgestellt worden ist. Der Unbekannte ist etwa 1,76 Meter groß, dunkelblond, hat hellblonden an den Enden grau- melierten Schnurr- und desgleichen kurzgeschorenen Vollbart, defekte Zähne und bräunliches Gesicht, schmächttge Gestalt: er trug schwarzen -chlapphut, schwarze Joppe und Weste und schwarze Hose mit weißen Punkten, wollenes Untcrhenid, Chemisett, rotbraune Strümpfe und Halbschuhe mit Holzsohlen. Etwaige Angehörige oder Personen, die über den Unbekannten Angaben machen können, wollen sich im Leichenschauhause, Hannoverschestr. 6, melden.. Eine Trauerfeier für die russischen Juden veranstaltete die Ber- liner Jüdische Gemeinde in den Synagogen in der Oranienburger- und Rykestraße. Die Tenipel waren überfüllt; unter den An- Ivesenden bemerkte man zahlreiche hervorragende Mitglieder der Berliner Jüdischen Gemeinde. Am Eingange waren Sammelbüchsen für die russischen Inden aufgestellt. Orgelkonzert. Am Mittwoch, den 13. Dezember, abends 7>/z Uhr, veranstaltet der kgl. Musikdirektor Bernhard Jrrgang in der St. Marien-Kirche das nächste Orgelkonzert lWeihnachtsmusik) unter Mitwirkung von Frau Martha Dreyer-Wolff(Sopran). Herrn Kurt E. Wieck(Violine) und Herrn Heinrich Scholz(Orgel). Der Eintritt ist frei!_ Berliner Marktpreise.«Tus dem amtlichen Bericht der städtischen Marlthallcn-Direktion. Rindfletsch I» 64—68 pr. lOll Pfund, IIa 56—64 lila 50-55, IVa 40-48. Kalbfleisch la 82-86, IIa 70-80, lila 50—67� Sammclfleisch la 62—72, IIa 46—58. Schlvcinefleisch 65—72. Notwild Pfund 40—53 Pf. Hasen Stück 2,50—3.00, klein 1,50-2.00. Kaninchen 1 Stück 0,80-1,00. Hühner pro Stück, alte 1,50-2,00, junge 7a 0,80-1.10. do. Na 0,60—0,75. Tauben, junge 0,55—0,65, alte 0,40—0,45. Enten junge 2,00—2,50. Gänse pro Stück, la 3,50— 4,25, Na 0,00—0,00, pro Pfb. la 0,58-0,60, IIa 0,45-0,56, Schellfische 24-26 M.. Flunder 25—26 M. pro 100 Pfd. Hechte 00—00 M., Schleie, unsortiert 0,00 M. Aale, groß<100, nültcl 0,00, klein 0,00, Plötzen 19—24 M., Karpscn uns. 0,00 M.. Lachs v,00. Schottische Vollhcringe(gesalzen) 40—44 M Eier, Schock 5,00. Buttev pro 100 Pfund la 124—126, Na 118—124, lila 115-118, abso.llende 95—110. Kartoffeln pr. 100 Pfd. rote 2,00—2,20, Rosen 0,00—0,00, blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. schock 4.00-8,00, Weißkohl 6.00-8.00, Rotkohl 4,60—8,00. Holl. 12.-16 M. saure Gurken, Schock 2,60 M. 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