Nr. 294. Abonnements- Bedingungen: abonnements- Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 mt, monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Post. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 8 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Greint täglich außer Montags. Vorort- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblaff. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( feltgedruckte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet Zelegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1982. Ich habe es hier nur mit den gegen unsere Partei ausgespielten Zitaten zu tun, die von mir herrühren. Der Vorwärts" bedarf meiner Verteidigung nicht. Es fällt mir aber nicht ein, etwa allen Zitaten nachzuspüren, ob sie richtig vorgebracht und verstanden wurden. Dazu fehlt mir im Moment das stenographische Protokoll, das wäre aber auch eine sehr langweilige und überflüssige Arbeit. Denn ich fann von vornherein auf die Auslegung, die Fürst Bülow meinen Sägen gub, ein Bitat aus seiner eigenen Rede anwenden, eines jener Worte, die er gegen den Vorwärts" gebrauchte, das also jedenfalls nicht unparlamentarisch ist. Ich will nicht gleich das schärfste Wort zitieren und von " blödsinniger Lüge" reden, das Wörtchen„ Unsinn" genügt mir. Sonnabend, den 16. Dezember 1905. wäre." Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Mr. 1984. Darüber ist nur eine Stimme in der ganzen internationalen Sozialdemokratie. delsmonopolen usw. So verschiedenartig aber auch diese Rußland zu Boden liegt, ist kein europäischer Krieg denkbar, Patriotismus und Sozialdemokratie. Methoden der Ausdehnung des Bereichs der Ausbeutung sein der nicht aufs äußerste ruchlos und verwerflich mögen, stets bedingen sie Feindseligkeit gegen andere Der Reichskanzler hat zwei Methoden, die SozialdemoVölfer, mit denen man in Berührung kommt, Feindseligkeit, fratie zu bernichten: er sucht sie totzugähnen oder totzuzitieren, die sich früher oder später unvermeidlich in Kriegen entladet. In der Sigung des Reichstags vom 14. d. M. probierte er Die nationalen Gegensäße sind nicht von Natur aus gegeben, Es ist auch niemand in ihren Reihen eingefallen, während wieder einmal das lettere. Auf der einen Seite zitierte er sie sind ein Produkt der sozialen Gegenfäße innerhalb der des japanischen Krieges zum Kriege gegen Rußland zu heben, den Vorwärts", um zu beweisen, daß bloß die deutsche So- Nationen, ihrer Spaltung in Ausbeuter und Ausgebeutete. wie Bülow behauptet. Es war das revolutionäre zialdemokratie daran schuld sei, wenn die Engländer in den Sie werden stets erzeugt von den ausbeutenden Klassen. Deutschland, von dem die revolutionäre Demokratie 1848 den Flottenrüstungen des Deutschen Reichs eine feindselige Maß- Die Ausgebeuteten haben daran nicht teil. Ihr einziges Krieg gegen den Zarismus forderte. Von der jetzigen regel sehen. Auf der anderen Seite zitierte er mich, um zu Streben geht dahin, die Verfügung über das zu behalten, preußischen Regierung hat noch niemand etwas derartiges ererweisen, daß unsere Partei ihre Sonderinteressen höher was sie produziert haben. Das führt von vornherein zur wartet oder gefordert. Unsere Striegsheze" bestand darin, stelle als das Vaterland, und daß daher ihre Friedensliebe Feindseligkeit. Sie stehen fremden Nationen nur dort feind- daß wir die Schwächlichkeit Deutschlands gegenüber den Schwindel sei und sie zum Krieg gegen Rußland hetze. selig gegenüber, wo diese als Unterdrücker und Ausbeuter Uebergriffen russischer Bureaukraten und Kosaken mit der fommen. Diese Feindseligkeit kann stets nur eine Schneidigkeit berglichen, die dasselbe deutsche Regime auf abwehrende sein. Jede aggressive Feindseligkeit gegen eine Haiti und in Venezuela entwickelte. Nation, von der ihr weder Unterdrückung noch Ausbeutung Wie gesagt, über die Verwerflichkeit jedes Krieges in der droht, liegt einer ausgebeuteten Klasse fern. jezigen Situation ist unsere Partei in allen Ländern einig, Aber nicht immer waren die ausgebeuteten Klaffen bis- und ebenso herrscht nur eine Anschauung in ihr darüber, her in der Lage, eine eigene äußere Politik zu treiben. Ent- daß es allüberall ihre Pflicht ist, auf das energischste jeder weder waren sie von der Politik überhaupt ausgeschlossen, Bolitik entgegenzutreten, die die Möglichkeit eines wie die Sklaven, oder sie waren durch ihre Beschäftigung so Strieges herbeiführt. Da aber nur die herrschenden ganz in das Bereich ihrer Kirchturminteressen gebannt, daß Klassen und ihre Regierungen es sind, die heute den ihnen jedes Verständnis für die internationalen Verhältnisse Frieden bedrohen, sowohl durch ihre koloniale Expansionsfehlte und es den herrschenden Klassen leicht wurde, stets das politik, wie durch ihr dienenden Richtungen, so Ausland als den Friedensstörer erscheinen zulassen. ist es die erste patriotische Pflicht der Sozialdemokratie jeden So entsprang bei den ausgebeuteten Klassen, dank ihrer Landes, dieser Politik und diesen Richtungen entgegenzutreten Beschränktheit, gerade aus ihrer Friedensliebe der Haß gegen und den Regierungen die Mittel dazu zu verweigern. Wie Fürst Bülow über meinen„ Patriotismus" denkt, ist das Ausland, den bösen Nachbarn, dem es nie gefiel, das Aber viel wirksamer, freilich als diese Opposition dient dem mir natürlich sehr gleichgültig. Nicht gleichgültig aber fann Vaterland in Ruhe zu lassen. Weltfrieden und der Wohlfahrt der Völker die Furcht es mir sein, wie meine Genossen meinen Standpunkt auf- Das ändert sich aber mit dem Aufkommen des modernen vor der Revolution. Das Geschick des Zarismus faffen. Ich darf nicht erwarten, daß sie alle den von Bülow Proletariats. Dies ist nicht bloß imftande, eine sehr selb- bildet ein Menetetel für alle europäischen Regierungen. sitierten Artikel gelesen haben, der in der Neuen Beit", ständige innere Politit zu treiben, es lebt auch in den Steine der europäischen Nationen hat heute in einem Striege Nr. 37 und 38 des vorigen Jahrganges, erschien, unter dem Industriezentren, die dem Weltverkehr angeschlossen sind, so etwas von Belang zu gewinnen. Jeder, auch der siegreichsten, Titel: Patriotismus, Krieg und Sozialdemokratie". Die daß ihm das Ausland nicht völlig fremd gegenübersteht. Und bringt er Zerstörung und Verderben. Und Zerstörung und Anschauungen, von denen ich dort ausging, feien hier in es verfügt über genügende theoretische Einsicht, um Verderben droht jedem Regime, das eine solche Ruchlosigkeit einer Weise dargelegt, die nicht eine Wiederholung, sondern zu wissen, daß es nicht die Bösartigkeit dieser über sein Volt heraufbeschwört. Das wissen die Regierungen eine Ergänzung meines Artikels bildet. oder jener Nation ist, was was die nationalen Gegen- und darum, so sehr sie uns hassen und beschimpfen mögen, Fürst Bülow wollte nachweisen, daß die Sozialdemo- fäße hervorruft, sondern das Ausbeutertum, das in wagen sie es doch nicht, die äußere Politit der Sozialdemofratie unpatriotisch sei in dem Sinne, daß sie ihre Parteiinter- ber kapitalistischen Gesellschaft auf die Spize getrieben fratie, die Politik des Weltfriedens, gewaltsam zu durchkreuzen. effen höher stelle als die Nation. Das wäre jedoch nicht un- ist. Nicht der böse Nachbar, sondern die kapitalistische AusR. Kautsty. patriotisch, sondern unsinnig. Jede Klasse ist an dem Ge- beutung ist es, wodurch der Weltfriede bedroht wird. Diese deihen, der Kraft, der Selbständigkeit der Nation interessiert, Ausbeutung kann aber erfolgreich von der Sozialdemokratie Die Revolution in Rußland. von der sie einen Teil bildet, feine Klasse aber mehr als das jeden Landes nur im eigenen Lande bekämpft werden. Proletariat; einmal, weil es die zahlreichste Selasse des Volkes Und so führt die Sozialdemokratie ihre Stampagne für den Die Revolution steht gegenwärtig im Zeichen der Militärbildet, dann aber, weil es nicht die Mittel hat, etwa durch Weltfrieden nicht durch Bekämpfung des Auslandes, revolten. Der Aufruhr" breitet sich in den bisherigen erhöhte Ausbeutung des Auslandes die Wirkungen eines sondern durch Bekämpfung der Ausbeuter, ihrer inneren und Schußtruppen des Absolutismus so gewaltig aus, wie es noch ökonomischen Rückganges des eigenen Volkes für sich auszu- äußeren Politik und ihrer Regierung im eigenen Lande. vor wenigen Monaten der größte Optimist nicht für möglich gleichen. In der Sorge für das Wohlergehen und die Selb- Das tun wir natürlich nicht im Interesse des Auslandes, gehalten hätte. Marine, Landtruppen, Gemeine, Offiziere bis ständigkeit des Volkes ist die Sozialdemokratie zum mindesten sondern im Interesse des eigenen Voltes. Wir bekämpfen in die höchsten Adelskreise der Garde, Kosaken, Grenzsoldaten, ebenso national als irgend eine andere Partei. Worin sie sich den englischen, französischen, russischen Kapitalismus mit seiner ja Schußleute, Polizeibeamte- alles ist im hellen Aufruhr von diesen unterscheidet, ist aber der Begriff, den sie vom Wohl- Erpansionspolitit ebenso wie den deutschen. Der eine ist begriffen. Und zwar handelt es sich überall um eine politisch ergehen und der Selbständigkeit des Volkes hegt. Jede ebenso völkerverheßend und friedensfeindlich wie der zielbewußte und in ihren Erscheinungsformen höchst würdige Klasse hat ein anderes gesellschaftliches Ideal, weil jede Klasse andere. Aber die Bekämpfung jenes ist die Aufgabe der und ruhige Erhebung der Sklaven des„ Zarenrods". eine gesellschaftliche Form anstreben muß, in der ihre be- Proletarier Englands, Frankreichs, Rußlands, nicht die unsere. Dekonomische und politische Forderungen werden überall sonderen Klassenintereffen am besten zur Geltung fommen. Gerade die internationale Solidarität sorgt dafür, daß der formuliert. Es ist ein allgemeines Erwachen Jede Klasse identifiziert das Wohl des Volkes mit ihrem Stampf des Proletariats gegen den Kapitalismus und seine Bürgergeiftes wie des proletarischen Klassengeistes im eigenen Wohl. Aber es fann stets nur eine Klasse geben, äußere Politik in allen Ländern gleichzeitig vor sich geht, so Militär. Davon zeugen die folgenden Meldungen. deren Gedeihen gleichbedeutend ist mit dem Gedeihen des daß er nirgends zu einer Begünstigung des fremden Kapita- Petersburg, 12. Dezember.( Laffan- Meldung.) Aus Moskau hat ganzen Boltes. Und vom sozialdemokratischen Standpunkt lismus auf Kosten des eigenen führt; und nichts anderes als aus ist diese Klaffe das Proletariat. das ist es, was man uns vorwirft, wenn man von unserer Vaterlandslosigkeit spricht. " Nun meint der Reichskanzler ebenso wie die ganze herfömmliche bürgerliche Auffassung, daß die Gegensäge der Klaffen und Parteien dem Auslande gegenüber zu berlöschen hätten. Der wahre Patriotismus besteht bei ihm darin, daß dem Auslande gegenüber alle Parteien der Regierung Gefolgschaft leisten und ihre auswärtige Politik unterstüßen. Die auswärtige Politik wird hier als etwas von der inneren völlig Unabhängiges betrachtet. Damit ist unsere Stellung zum Krieg gegeben. Auch der Strieg ist teine isolierte Tatsache, sondern aus den gesamten gesellschaftlichen Zusammenhängen zu begreifen. Er ist bas letzte Mittel, Gegenfäße zwischen zwei Gegnern zur Ent scheidung zu bringen, über denen keine höhere Macht steht, die imftande wäre, ihnen ihren Richtspruch aufzuzwingen. des das Blatt" Ruß" bedrohliche Nachrichten über die Stimmung unter dem dortigen Militär erhalten. Nach diesen telephonisch übermittelten Meldungen hielten Offiziere und Mannschaften aller Waffengattungen, einschließlich der Kosalen, eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, ein allgemeines Verzeichnis der Beschwerden der ganzen Mostauer Garnison aufzustellen und zu diesem Zwede eine militärische Maffenbersammlung zu organisieren. 300 Soldaten in Mostau, die Gefangenentransporte geleiten, find in den Aus stand getreten, nachdem ihnen bekannt geworden war, daß ihre Kameraden in Kurst das Gleiche getan hatten. Die ausständigen Soldaten in beiden Städten verlangen beffere Behandlung und poli tische Rechte. Die erstere Forderung ist von den Behörden bereits erfüllt worden, doch dauert der Ausstand der Soldaten fort. Die dritte Sotnie des ersten Don Kosaten Regiments hat eine Reihe Forderungen wirtschaftlicher Natur aufgestellt. Die geute erhielten fofort doppelte Nationen, doch wurden ihnen gleichDa die herrschenden Klassen stets anch ausbeutende Das ist aber feineswegs der Fall. Die auswärtige Politik laffen sind und ihre äußere Politik daher eine für andere hängt vielmehr aufs engste mit der inneren zusammen; fie Nationen feindselige ist, so bildet der Krieg unter diesen Umist nur die Verlängerung der inneren Politik über die Staats- ständen ein Vorkommnis, das notwendigerweise immer wieder grenzen hinaus. Jede Klasse und jede Partei hat daher, zeitweise eintreten muß. Ebenso notwendigerweise aber muß ebenso gut wie ihre besondere innere, auch ihre besondere bie Sozialdemokratie solchen Striegen entgegen wirken, zeitig ihre Lanzen und Gewehre abgenommen.( Der beste Beweis, auswärtige Politit, und eine Partei, die grundsäglich von da sie die Interessen der ausgebeuteten Klassen vertritt. baß es sich nicht blos um„ wirtschaftliche Forderungen" handelte! will, ftrebt fie Die Red.). allen anderen Parteien geschieden ist, muß auch grundsäßlich und da sie alle Klassen aufheben deren auswärtige Politik befämpfen, nicht aus Rücksicht auf damit einen Zustand an, der alle nationalen Feindselig- Petersburg, 14. Dezember.( Von einem Privatkorrespondenten. das Ausland, sondern aus Rüdsicht auf ihre eigene innere feiten aufhebt und einen allgemeinen Weltfrieden ermöglicht. Ueber Eydtkubnen.) In den Blättern liegen Meldungen über UnPolitik, auf die Art und Weise, wie sie die Intereffen des Troydem kann, allerdings äußerst felten, auch einmal ein Strieg ordmungen unter den Sappeuren in Warschau vor. In Lublin vereigenen Volfes wahrzunehmen sucht. eintreten, den fogar die Sozialdemokratie zu billigen hat. anstalteten Mannschaften des Jufanterieregiments Rjäsan eine Es wäre sehr intereffant, würde aber zu weit führen, Gerade als Vertreterin der Ausgebeuteten und Unterdrückten stundgebung mit roten Flaggen. Die Blätter berichten wollte man darlegen, wie feit dem Beginn der geschriebenen fann sie einen Strieg nicht verurteilen, der geführt wird, um auch über die Absicht der Residenz, einen Difiziersabend zu bilden Geschichte bis heute die auswärtige Politik jeder Klasse stets Ausbeutung und Unterdrückung vom Volte abzuwehren oder und 1906 ein fortschrittliches Militärblatt zu durch ihre innere Politit, ihre Klasseninteressen bestimmt wegzunehmen. Ein solcher Krieg bildet eine Fortsetzung ihrer gründen. An der österreichischen Grenze begannen 600 Mann wurde. Wir können hier nur das allgemeine Fazit ziehen: eigenen inneren Bolitik, die auf Bekämpfung aller Ausbeutung der Grenzwache den Ausstand. Die Klassen lassen sich in zwei Gruppen teilen, in ausbeutende und Unterdrückung geht. In Sewastopol fand am 9. d. M. eine außerordentliche Verund ausgebeutete. Nun ist die Ausbeutung stets maßlos, fie Gewöhnlich erklärt man, wir müßten jeden Angriffs fammlung aller Marineoffiziere der 14. Equipage der findet keine Schranke in sich selbst. Je größer die Menge der krieg ablehnen, für die Verteidigung des Vater- Schwarzmeerflotte statt, auf der folgende Resolution gefaßt wurde: ausgebeuteten Menschen, desto größer, unter sonst gleichen landes dagegen alles aufbieten. Aber diese Unterscheidung 1. Die Marineoffiziere wünschen fein weiteres Blutvergießen. Umständen, die Macht und der Reichtum des Ausbeuters. Ist erscheint mir zu formalistisch. Das Entscheidende für uns ist 2. Sie wünschen den Hafen von Sewastopol nicht zu 3. Sie fonstatieren, daß dank der taktlosen es daher einer Klasse von Ausbeutern einmal gelungen, sich nicht die Form, in der der Krieg zum Ausbruch kommt, berlaffen. Rolle bes Admirals Tichuchnin, der die Wünsche der das ganze eigene Volk dienstbar zu machen, so geniigt ihr sondern der Inhalt, um den er geführt wird. das nicht, so strebt sie darüber hinaus, so sucht sie ihr Aus- Aber die Frage darüber braucht uns nicht allzusehr auf Difiziere ignorierte, die Watrosen das Vertrauen zu ihren Bo gefeßten verloren haben. 4. Sie verlangen, daß die beutungsgebiet zu erweitern, und zwar auf die verschiedenste guregen, denn ein Krieg, dem das Proletariat zustimmen ökonomischen Forderungen der Matrosen erfüllt werden.-5. Sie Weise, je nach dem Charakter der Produktionsweise und ihren tönnte, wird stets nur ein Ausnahmsfall sein können; heute bitten den Zaren, daß die meuternden Matrosen nicht dem KriegsMachtmitteln: hier durch Eroberung neuen zanoes, dort durch ist ein solcher nirgends zu erwarten. Ich habe in meinem gericht, sondern einem öffentlichen Militärgericht unter Zulassung Sflabenfang, anderswo wieder durch Gewinnung von Han- Artikel ausdrücklich konstatiert:" Im Moment, wo das zarische von Zivilverteidigern, übergeben werden. 6. Sie verlangen Ent fehung des Admirals Tschuchnins und Einberufung einer zurechnungsfähigkeit freigesprochen! Der zweite sehr rasch begnadigt, Versammlung aller Offiziere der Schwarzmeer- mit einer reichlichen Bension ausgestattet und wieder angestellt! flotte, die über die verschiedenen Fragen der Reorganisation der Beim dritten hat man die Vorwürfe nicht für wahr halten können Schwarzmeerflotte Beschlüsse fassen soll. und nicht untersuchen wollen, weil man ihm einen lauteren und In Moskau sind im Troigtosergiensti- Infanterie- anständigen Charakter zutraute! Beim vierten ist die Untersuchung Regiment Unruhen ausgebrochen. Die Soldaten ver- erst eingeleitet worden, nachdem er im Amt eines seligen Todes Tangen: 1. Die fofortige Entlassung der Reservisten aus dem aktiven verstorben war! Der fünfte mußte auch straffrei bleiben, weil nicht Dienst. 2. Verbesserung der Nahrung. 3. Erhöhung der Gehälter. 4. Bessere Kleidung. 5. Anständige Behandlung seitens der Offiziere. nachzuweisen war, daß gerade seine Brutalitäten den Tod des ( Politische Forderungen werden durch die offiziösen Nachrichten ge- Schwarzen herbeigeführt hätten, sondern weil dieser vielleicht gerade wöhnlich unterschlagen, wie dies auch während der Sewastopoler an einer zufälligen Krankheit plötzlich gestorben sein konnte! Klüger Marineerhebung der Fall war.) operierte der neue Kolonialdirektor Prinz Hohenlohe, der versprach, daß unter seinem Regiment mit größtmöglichster Strenge. gegen alle derartigen Ausschreitungen vorgegangen werden würde. So versprach es einst auch Dr. Stübel, und wenn Prinz Hohenlohe verbraucht sein wird, so wird der nächste Kolonialdirektor von neuem dasselbe Versprechen abgeben, ohne daß sich an den tatsächlichen Zuständen das mindeste ändert. Und wieder werden dann ein paar Jahre zu spät bürgerliche Abgeordnete dem Reichstage als Enthüllungen" auftischen, was sozialdemokratische Redner längſt mitgeteilt hatten. Aufruf der russischen Eisenbahner an die mandschurische Armee. Die in den letzten Tagen aufgetauchten Gerüchte von Unruhen in der mandschurischen Armee suchte die russische Militärverwaltung insofern richtigzustellen, als herrsche nur Unzufriedenheit unter den nach ihrer Heimat strebenden Reservisten, was jedoch infolge verschiedener Streiks und der geringen Leistungsfähigkeit der sibirischen Bahn nicht vermieden werden könne. Nun hat das Zentralbureau der streitenden russischen Eisenbahner eine Agitation zugunsten der sich nach der Heimat sehnenden Soldaten inszeniert und jetzt laufen fast von allen russischen Bahnstationen jenseits und diesfeits des Urals telegraphische Mitteilungen ein, wonach die russischen Eisenbahner bereit sind, alle Vorkehrungen zu treffen, um die mandschurische Armee nach Rußland zu bringen. Interessant ist der auf allen russischen Stationen soeben verbreitete, am 12. d. M. nach Charbin abgeschickte Aufruf:„ Kameraden, Soldaten! Glaubt nicht der Lügenhaften Behauptung des Generals Nadarow und anderen Eurer Borgesezten, die da sagen, daß man Euch nach der Heimat nur durch das Verschulden der Eisenbahner nicht bringen kann. Man betrügt Euch, um auf uns zu hezzen und dadurch die wahren Schuldigen zu verbergen. Kameraden, Soldaten! Wir Eisenbahner er klären hiermit, daß wir, ungeachtet der Streiks, Euch alle nach der Heimat bringen werden; wir haben dies auch nie abgelehnt und werden auch in Zukunft uns nicht weigern, Euch nach der Seimat zu befördern. Wir sind mit Euch und für Euch! Wir fordern, daß man Euch unverzüglich heimbringt. Wir fordern die Wahrheit und die Freiheit! Fort mit den Feldfriegsgerichten! Fort mit der Todesstrafe! Es leben die Brüder Soldaten! Wir bitten die Kameraden, dieses Telegramm in allen mandschurischen Truppenteilen zu verbreiten, damit sie wissen, wer ihre Freunde und wer die Feinde sind." " Neben der engeren Kolonialdebatte ging die allgemeine Etatdebatte über die innere und auswärtige Politik des Deutschen Reiches ruhig weiter. Der freisinnige Abgeordnete v. Gerlach protestierte in vernünftigen Worten gegen die törichten Ausweisungen von Jaurès, Domela Niuwenhuis und Van Aalten. Durch seine Bemerkungen über den„ Idealismus der Junker", der sich nur in Steuerhinterziehungen dokumentiert, rief er natürlich den Widerspruch seines ständigen Gegners, des Abg. Ga mp, hervor, der gleichfalls nicht ganz unzutreffend ihm entgegenhielt, daß die Besizer des mobilen Kapitals, die eigentlichen Stadtbourgois, ihr Vermögen der Steuerbehörde auch nicht gerade zu hoch angäben! Ein anderes Paar von Reichstags- Abgeordneten, das sich nun mehr schon seit langen Jahren zu einer Debattiergesellschaft auf Gegenseitigkeit zusammengetan hat, find die Herren Stöcker und Gothein. Der alte Stöcker verfluchte wieder einmal recht christlich die Sozialdemokraten und die Juden. Sein einziger Trost in diesen bösen Zeiten, wo die große Masse des Volkes von dem ollen ehrlichen Stöcker nichts mehr wissen will, sind die Glückwünsche, die ein fleines Häuflein Getreuer ihm jüngst zum 70. Geburtstag dargebracht hat. Herr Gothein warf dem Stöcker, der sich wieder einmal als den einzigen Hüter der deutschen Treue aufgespielt hatte, den Scheiterhaufenbrief und sein zweideutiges Verhalten gegenüber Die Sozialdemokratie herrscht in Riga. Petersburg, 14. Dezember.( Ueber Eydtkuhnen von einem Privatkorrespondenten.) Riga ist vom Reiche gänzlich ab geschnittent. Nach den vorliegenden spärlichen Nachrichten streiten dort alle Fabriken. Nur die Wasser- dem Zentrum vor. Leitung und die elektrische Station find im Betriebe. Eine erfreuliche Abwechselung gegenüber diesen Nichtigkeiten Bewaffnete Arbeiter verhindern selbst den Wagenverkehr auf fleinlichen persönlichen Krakeels war die Rede des Grafen den Straßen. Die Zufuhr von Waren erfolgt nur noch Posadowsky. Offen heraus erklärte er der Rechten, daß sie auf dem Wasserwege. Arbeiterposten verhindern das Betreten der ein ernsthaftes Interesse an der Sozialreform nicht hätte, und, wenn Stadt. Wegen Truppenmangels steht der Kriegszustand nur auf dem er auch ihr zuliebe nebenbei von den enorm gestiegenen LandPapier. arbeiterlöhnen sprach, so dürfte er doch sicherlich im innersten Busen Syn Otetschestwa" veröffentlicht folgendes Telegramm des das Verdienst an dieser Steigerung nicht diesen Junkern zulivländischen Gouverneurs Swegingew an den Minister des schreiben. Graf Posadowsky klagte auch darüber, daß die jetzigen Innern:„ Riga, 10. Dezember. Die Kommandos aller Fluß- revolutionären Zeiten den bürgerlichen Klassen die Lust an der dampfer sind ausständig. Mit den ankommenden Dampfern besteht Sozialreform so ganz und gar verleidet hätten, weil sie doch alle deshalb keine Verbindung. Es ist notwendig, einen Kreuzer nun einsähen, daß man mit diesem Linsengericht die Arbeiter nicht und zwei Torpedoboote hierherzusenden. In den vom Aufstand um ihr Erstgeburtsrecht betrügen kann, Dann trat das dritte Fechterpaar an, aber dieses nicht gegenergriffenen Kreisen ist der Betrieb der baltischen Bahn eingestellt. Truppen sind auf dem Wasserwege zu entsenden. Schleunige einander, sondern gemeinsam gegen die provokatorische Politik des man die ErSendung bedeutender Truppenmassen ist notwendig. Ihre Kuriere Reichsfanglers. Mit scharfen Worten, bei denen find in Wolt abgefangen worden." innerung an Korfantysche Demagogie nicht los wurde, charakteriDasselbe Blatt berichtet, daß die Letten( d. h. die Bauern. sierte der Pole von Mielzinsky die Unterdrückung der Die Red.) nach Riga strömten und sich mit den Arbeitern wirtschaftlich Schwachen im heiligen Deutschen Reich, und in gevereinigten. Die Regierungsgebäude ständen in Flammen. schickten Wendungen geißelte der Elsässer Blumenthal den Bahnhof und Telegraph befänden sich in den Händen der Auf- Widersinn und die Nutzlosigkeit der deutschen Maroffopolitik. ständischen. Aus Libau seien Kriegsschiffe nach Riga abgegangen. Die Nachricht von den Feuersbrünsten beweist, wenn sie nicht crlogen ist, daß auch in Riga die letzte„ Garde" des legten Nikolaus, die schwarzen Hunderte", den Thron und Altar zu retten versuchen. Politifche Ueberficht. Berlin, den 15. Dezember. Reichstags- Schluß. Inzwischen war es spät und später geworden. Im Hause war von jeder Fraktion nur ein Vertreter und, wer etwa noch zu sprechen begehrte, zurüdgeblieben. Langsam erlosch eine der elektrischen Bogenlampen nach der anderen, und neugierig fonnten die Abgeordneten, die die Zollobstruktionskämpfe vom Winter 1902 noch nicht mitgemacht hatten, das Einziehen neuer Kohlenstifte, das Aufund Abschweben der großen Bogenlampen beobachten. Volksschule und Liberalismus. Jm Grunde genommen besteht die ganze Ginigung" darin, daß das grundlegende Institut unserer nationalen Kultur durch die Anerkennung des fonfessionellen Minderheitsrechts auf eigene Anstalten noch mehr als bisher fonfessionell entzweigeriffen wurde. Und was dann noch übrig bleibt: was man absolut nicht konfessionalisieren kann, das sieht man als ein Neutrum an. Damit soll angeblich auch der Simultanschule die Möglichkeit der Weiterentwickelung gesichert werden- auf dem Papier. Denn in der Praxis wird die in den Konfessionsschulen nunmehr gänzlich durchgeführte geistliche Schulaufsicht über den weltlichen Lehrer auch vor dem nebelhaften Gebilde der Simultanschule nicht stehen bleiben, sondern nicht eher ruhen, bis im Namen der Religion" das ganze deutsche Volk zunächst in Preußen, von der Taufe bis zur letzten Delung in zwei„ friedlich" getrennte Hürden eingepfercht ist. Dem Niveau dieser angeblich praktischen, den Tatsachen entsprechenden" Schulpolitik entsprach auch die geistige Höhe der Debatte. Wie aus Münchhausens aufgetautem Posthorn erklangen, zumal auf der liberalen Seite, die uralten Motive aus den 70er Jahren, natürlich ohne den Stahlflang des Kulturkampfes. Keine Spur einer Weiterentwickelung ,. teine Spur vor allem von der Auffassung der Schule als einer hoch über dem Zufall des Bekenntnisses stehenden, von ihm ab= solut unabhängig zu gestaltenden nationalen Erziehungsanstalt. Ein Liberalismus, der nicht jegliches Recht der Konfessionen auf den profanen Unterricht grundsäßlich leugnet, sondern sich nur auf eine mechanische Mischung der Konfession beschränkt, hatte das Spiel von vornherein verloren, namentlich wenn er mit einer gewissen absoluten KonfessionsTofigkeit fofettiert. Gegenüber dem nichtssagenden Worte " Simultanschule" wird der leider so verständliche Begriff Konfessionsschule in den breiten Massen immer siegreich bleiben, solange diesem nicht der höhere, lediglich auf Abstammung und Muttersprache gegründete Begriff der Nationalschule entgegengesetzt wird." Den sozialdemokratischen Forderungen genügt allerdings, wie wir erst vor einigen Tagen in dem Artikel„ Die Trennung von Staat und Kirche" ausgeführt haben, auch diese„ konfessionslose Nationalschule" nicht; immerhin muß anerkannt werden, daß in seiner Kritik des Liberalismus das kapitalistische Blatt recht hat. Die Motive seiner Kritik entspringen allerdings nicht seinem höheren Verständnis für die modernen Kulturbedingungen, sondern dem Haß gegen das Zentrum, das seiner Klientel so oft in die Suppe spuckt. Pour le mérite! „ Der General v. Trotha hat in einem langwierigen und schwierigen Feldzuge persönliche Bravour, Energie, Umsicht, alle Eigenschaften eines tüchtigen, eines hervorragenden Führers an den Tag gelegt. Mit vollem Rechte trägt er die höchste militärische Auszeichnung, die Preußen zu vergeben hat, den Orden pour le mérite. Solche Angriffe wie sie gegen den General v. Trotha gerichtet worden sind, können nur sein Ansehen erhöhen, können nur die Achtung vor ihm erhöhen bei allen denjenigen, die sich als Deutsche fühlen. Fürst Bülow im Reichstage am 9. Dezbr. 1905. Die Erlasse des Generals v. Trotha lauteten: Dsombo- Windombe, den 2. Oftober 1904. Jch, der große General der deutschen Soldaten, sende diesen Brief an das Volk der Herero. Herero sind nicht mehr deutsche Untertanen.( Der gute General vergißt, daß sie es völkerrechtlich nicht waren.) Sie haben gemordet, gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren und Nase und andere Körperteile abgeschnitten und wollen jezt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage dem Volke: Jeder, der einen der Kapitäne an einer meiner Stationen als Gefangenen abliefert, erhält Mart 1000; wer Samuel Maharero bringt, 5000 Mt. Das Volk der Herero muß jeder das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem groot Rohr dazu zwingen. Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero, mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen. Ich nehme keine Weiber und keine Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volfe zurück oder lasse auf sie schießen. Das sind meine Worte an das Volk der Herero. Der große General des mächtigen Kaisers b. Trotha." ,, Dieser Erlaß ist bei den Appells den Truppen mitzuteilen, mit dem Hinzufügen, daß auch der Truppe, die einen Kapitän fängt, die entsprechende Belohnung zuteil wird, und das Schießen auf Weiber und Kinder so zu verstehen ist, daß über sie hinweggeschossen wird, um sie zum Laufen zu zwingen. Ich nehme mit Bestimmtheit an, daß dieser Erlaß dazu führen wird, keine männlichen Gefangenen mehr zu machen, aber nicht zu Greueltaten gegen Weiber und Kinder ausartet. Diese werden schon fortlaufen, wenn zweimal über sie hinweggeschossen wird. Die Truppe wird sich des guten Rufes der deutschen Soldaten bewußt bleiben. Das Kommando. Endlich bildete ein Disput zwischen dem Zentrumsabgeordneten Erzberger und dem Geheimrat e Ifferich den Schluß des Tages und damit der Etatdebatte. Herr Erzberger, der sich zunächst selber den guten Glauben für alle seine Behauptungen attestierte, spielte schließlich seinen stärksten Trumpf aus: die Liste Der Reichstag bewilligte heute in zweiter und dritter Lesung der Hochedlen und hochwohlgeborenen Herren, die bei den kolonialen über 5 Millionen für den Bau der Wüstenbahn Lüderib- Eisenbahnunternehmungen des Reiches ihren Rebbach machen. bucht Kubu b. Diese hastige, im wildesten Kolonialrausch von Etat und Finanzreform wanderten in die Budgetkommission, allen bürgerlichen Parteien ohne Ausnahme gebilligte Vergeudung und der Reichstag vertagte sich bis zum 9. Januar. Dann fann von Volksgut an ein Unternehmen, von dessen wirtschaftlicher in der Kommission wieder der Umfall der bürgerlichen Parteien Nüblichkeit heute selbst der lächerlichste Kolonialfer nicht bei den Steuerfragen beginnen. mehr zu sprechen wagte, hatte nach dem Verlauf der ersten Beratung wirklich nur der erwarten können, der die bürgerlichen Parteien in ihrer ganzen Würdelosigkeit bis auf den Grund durch- Vor dem Beginn der Verhandlungen des preußischen Abgeord schaut hat. Damals hatten sie die größten Bedenken gegen den netenhauses über die Volksschulvorlage, in Nr. 285 des Vorwärts" Bahnbau vorgebracht, seine technische Unausführbarkeit langatmig vom 6. Dezember, schrieben wir:" Wahrscheinlich wird in den und mit allem Pathos, das sie aufbringen können und das ist nächsten Wochen eine Welle liberaler Schulentrüstung über Deutschnicht wenig nachgewiesen. Keines von all den erhobenen Be- land hinweggehen, ähnlich wie 1892 beim Zedlitzschen Schulgesetz. denken ist durch die paar Stunden Budgetkommissionsberatung be- Wir Sozialdemokraten stehen diesem Aufgebot an schönen Worten Hätte die gez. b. Trotha, Generalleutenant." seitigt worden, und doch brachten es Zentrum und freisinnige und Lügen fühl bis ans Herz hinan gegenüber. Das bekannte Scharfmacherblatt, die„ Ber I. Neuest. Nachr.", Bolkspartei heute fertig, umzufallen und noch jetzt vor Weihnachten Bourgeoisie bereits die Umwertung des erbärmlichen Dreiklassenunter Ausnutzung aller Möglichkeiten der Geschäftsordnung-wahlrechts in das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht voll- bemerkte zu dem leßten Erlaß, daß es doch fraglich sei, ob die awei Sigungen an einem Tage der Regierung alles nach Wunsch zogen, so brauchte sie sich mit ihren heutigen Schulschmerzen nicht durch den Krieg verhärteten Mannschaften streng an den Befehl herumzuschlagen." halten würden, über Frauen und Kinder hinwegzuschießen! Aber zu bewilligen. Genosse Ledebour faßte in einer eindringlichen Rede noch Die Verhandlungen des Dreitlassenparlaments haben in- davon abgesehen: man wird nicht im Zweifel darüber sein, worin einmal alle Gründe zusammen, die selbst prinzipielle Kolonialfreunde zwischen bewiesen, daß wir die verschiedenen Sorten des deutschen die größere Härte bestand, in dem Niederschießen der Frauen und veranlassen müßten, den vollkommen überflüssigen und nuhlosen Liberalismus noch zu hoch eingeschätzt hatten. Selbst die Frei- Kinder, oder aber darin, sie in die wasserlose Wüste der Omaheke Bahnbau abzulehnen. Noch einmal geißelte er die Zerfahrenheit sinnigen leisteten sich nur einen seichten Abspülicht der Argumen- zu treiben, wo unzählige Taufende von Frauen und Kindern unter unserer Kriegsführung in Südwestafrika, die sich bald von den tation, mit der sie und die Nationalliberalen im Jahre 1897 die entschlichen Qualen langsam verschmachteten! Zu der Forderung, der Zivilbehörden und dem Kolonialamt zu verständiger Milde, bald Bedlißsche Schulvorlage bekämpften. von den Militärbehörden und dem Chef des Generalstabes zu finn- Kirche jeden Einfluß auf die Volksschule zu entziehen und den loser Grausamkeit treiben ließ. Natürlich erzielte Ledebour nichts Religionsunterricht völlig aus dieser zu verbannen, vermochten sie weiter als eine lahme Erwiderung des freisinnigen Volksparteilers sich ebensowenig aufzuschwingen wie zur Forderung der StaatsMüller Sagan, der auch schon soweit heruntergekommen ist, schule. Auch sie wollen dem Volte die Religion erhalten wissen; nur daß er über derartige Fragen nicht nach dem gefunden Menschen- soll diese, den Bedürfnissen des sogen. freifinnigen Bürgertums verstand, sondern nach der Autorität der Herren Militärerperten entsprechend, liberalisiert und rationalisiert werden; d. h. es soll entscheiden will. zwar die Arbeiterjugend der Dogmatik der Gescheitelten und Ge Um so widerlicher wirkte die Manier, mit der wenige Sekunden schorenen entzogen, ihr dafür aber um so energischer die Lehre später bei der Fortsetzung der Etatdebatte nun auch eingetrichtert werden, daß fie nach dem göttlichen Weltgesetz dazu der freifinnige Volfsparteiler Ablaß mit Solonial- Enthüllungen" bestimmt ist, zu dienen und zu gehorchen, und daher jede Aufaufzuwarten begann. Das tatsächliche Material, das er borbrachte lehnung gegen die heutige Wirtschaftsordnung zugleich ein Verstoß und das er zum Teil amtlichen Quellen verdankte, zeigte mit einer gegen die seit jeher bestehende göttliche Weltordnung bedeutet, damit ganz erschreckenden Deutlichkeit, daß eine ungeheuerliche Mißwirt- die neue Arbeitergeneration sich nicht einfallen läßt, mit" frecher schaft nicht nur in Südwestafrika, sondern auch in allen anderen Schnauze" zu negieren: Was naturgeschichtlich immer, deutschen Kolonieen geherrscht hat, daß in einer ganz überraschend Also auch gewohnheitsrechtlich, großen Zahl Offiziere und Beamten sid, rohester Grausamkeiten Seit Jahrtausenden bestanden. gegen die Eingeborenen und wüstester Ausschreitungen schuldig geSelbst dem ehrsamen Organ der Zechenbarone, der„ Rhein. macht haben. Wie wenig diesen Kolonialhelden, deren Taten an Scheußlichkeit die der Peters, Leist und Wehlau weit hinter sich Westf. 3tg.", paßt dieses liberale Spiel nicht in seine Politik. In lassen, danach geschehen ist, bewies die ungeschickte Antwort des einem„ Die geistliche Schulaufsicht" überschriebenen Artikel meint Der eine es über das Schulgesetz- Kompromiß und das Verhalten der Legationsrats König mit erschreckender Deutlichkeit. Der eine es dieser Helden ist wie der edle Prinz Arenberg wegen Un- liberalen Parteien im Abgeordnetenhause: Ein späterer Erlaß Trothas hatte folgenden Wortlaut: An die aufständischen Hottentotten. Der mächtige große deutsche Kaiser will dem Volk ber Hottentotten Gnade gewähren, daß denen, die sich freiwillig ergeben, das Leben geschenkt werde. Nur solche, welche bei Beginn des Aufstandes Weiße ermordet oder befohlen haben, daß sie ermordet werden, haben nach dem Gesetz ihr Leben verwirkt. Dies tue ich Euch fund und sage ferner, daß es den wenigen, welche sich nicht unterwerfen, ebenso ergehen wird, wie es dem Volt der Hereros ergangen ist, das in seiner Blendung auch geglaubt hat, es fönne mit dem mächtigen deutschen Staifer und dem großen deutschen Volk erfolgreich Krieg haben. Ich frage Euch, wo ist heute das Volf der Hereros, wo find einst heute seine Häuptlinge? Samuel Maharero, der Tausende von Rindern sein eigen nannte, ist gehetzt wie ein wildes Tier über die englische Grenze gelaufen; er ist so arm geworden wie der ärmste der Feldhereros und besitzt nichts mehr. Ebenso ist es den anderen Großleuten, von denen die meisten das Leben verloren haben, und dem ganzen Volk der Hereros ergangen, das teils im Sandfeld verhungert und verdurstet, teils von deutschen Reitern getötet, teils von den Dvambos gemordet ist. Nicht anders Protest gegen das Schulunterhaltungs- Gesch. wird es dem Volt der Hottentotten ergehen, wenn es sich Amerika. nicht freiwillig stellt und seine Waffen abgibt. Ihr sollt kommen Von den Stadtverordneten Cassel, Mommsen, Dinse, Tammany fiegt! mit einem weißen Tuch an einem Stock, mit Euren ganzen den Vorsitzenden der Fraktion der Linken, der Freien Fraktion Der Tammanh- Tiger hält seine Beute fest, und Mc Clellan Werften und es soll Euch nichts geschehen, Ihr werdet Arbeit und der Fraktion der neuen Linten sowie zahlreichen Mitgliedern wird Bürgermeister von New York. Seine Advokaten haben einen bekommen und Soft erhalten, bis nach Beendigung des dieser Fraktionen ist bei der Stadtverordneten- Versammlung fol- Gerichtsbeschluß erwirkt, nach welchem eine Deffnung der versiegelten Wahlurne gegen das bestehende Wahlgesetz verstoßen Krieges der große deutsche Kaiser die Verhältnisse für das gender Antrag eingebracht worden: Gebiet neu regeln wird. Wer hiernach glaubt, daß auf ihn die Gnade keine Anwendung findet, der soll auswandern, denn wo er sich auf deutschem Gebiet blicken läßt, da wird auf ihn geschossen werden, bis alle vernichtet sind. Für die Auslieferung an Ermordung Schuldiger, ob tot oder lebendig, setze ich folgende Belohnung! Für Hendrik Witboi. Stumann Cornelius. · 5000 M., 3000 M., 3000 M., • für die übrigen schuldigen Führer je 1000 M. t Deutfches Reich. Die Einkerkerung der Kameruner Häuptlinge. Zu dem unglaublichen Vorgehen gegen die Unterzeichner der Kameruner Beschwerdeschrift schreibt das Hamburger Fremdenblatt" noch: Unsere Mitteilung von der erfolgten Verurteilung der Kameruner Häuptlinge, die die Beschwerdeschrift gegen den Gouverneur von Buttkamer unterzeichnet hatten, wird jezt offiziös bestätigt. Dadurch müssen auch die letzten Zweifel schwinden bei demjenigen Teil der deutschen Presse, der unsere Nachricht als unglaubhaft bezeichnet hatte, weil ein derartiger„ Gewaltatt", wie das„ Berl. Tagebl." schrieb, als ausgeschlossen gelten müsse. Nun findet die erfolgte Verurteilung ihre amtliche Bestätigung. Es heißt, die Unterzeichner seien wegen Beamtenbeleidigung verurteilt worden und wegen Verleumdung des Gouverneurs Puttfamer, und bevor man nichts Näheres in der Angelegenheit wisse, müsse auch das öffentliche Urteil schweigen. ' von born an. Durch den von der königlichen Staatsregierung beim Ab- würde. Wenn Hearst also eine Nachzählung der Stimmen vorgeordnetenhause eingebrachten Gesezentwurf Gesetzentwurf betreffend die nehmen wollte, wozu er nach einem anderen Gerichtsbeschluß beUnterhaltung der öffentlichen Volksschulen, droht der Selbstrechtigt ist, müßte er sich erst an die Staatslegislatur wenden, um verwaltung der städtischen Gemeinden ihren Schulen eine das Gefeß entsprechend ändern zu lassen! Dann finge das Spiel Verkümmerung und Aufhebung ihrer bisherigen Rechte in vielen mit Gerichtsbeschlüssen wahrscheinlich wieder wesentlichen Beziehungen. Die Stadtverordneten- Versammlung Tammanys Sieg zeigt deutlich die Macht und den Einfluß dieser ersucht den Magistrat um Auskunft, ob und welche Maßnahmen gefährlichen Organisation, ein Sieg, der errungen ist trotz der derselbe gegenüber dem vorberegten Gefeßentwurf zweds Er- stacken Opposition, die sich in New York gegen Tammany Hall haltung des Rechtes der Stadtgemeinde an ihren geltend macht. Schulen und an deren Verwaltung zu ergreifen beabsichtigt." Dieser Antrag gelangt in der nächsten Sitzung der Stadtver ordneten- Versammlung am 21. d. M. zur Verhandlung. Diplomatische Friedensschalmeien. Die Friedensbeteuerungen, die Bülow in seiner letzten Rede abgegeben hat, haben in England ein lebhaftes Echo gefunden. „ Daily Chronicle" schreibt: * Ueber das sozialistische Votum werden jetzt erst die amtlichen Ziffern bekannt, die leider nicht nur gegen das Votum vom vorigen Jahre, sondern auch im Vergleich zu der New Yorker Kommunalwahl vor zwei Jahren eine sehr starke Abnahme erkennen lassen. Man zählt in der Stadt New York für die sozialistische Partei diesmal nur 7649 Stimmen gegen 24 512 im Jahre 1904 und 16 961 im Jahre 1903. Auf die sozialistische Arbeiterpartei fielen diesmal Es ist ein betrübend ironischer Kommentar zum englisch- 1502 Stimmen gegen 5171 im Jahre 1904. Aehnlich wie in New französischen Abkommen, daß eine seiner ersten Folgen die war, ort war es in anderen Orten: In Philadelphia beträgt der daß Europa bis dicht an unermeßliches Unheil Verlust ein Drittel gegen die vorhergehende Wahl( 1335 gegen 2073), geführt wurde. Aber die deutsche Diplomatie ent- im Staate Pennsylvanien erhielt die sozialistische Partei diesmal Die sozialistische faltete nicht in jeder Beziehung so viel Offen- 10 390 Stimmen, im vorigen Jahre 21 863. Der Niedergang heit und Konsequenz, als einer Macht anstehen würde, Arbeiterpartei sant von 2211 auf 1622 Stimmen. die den europäischen Frieden zu fördern wünscht. Indessen: an Stimmen, wie er sich auch in Chicago, Milwaukee und allen Ende gut, alles gut. Fürst Bülow hielt gestern eine durch großen Städten zeigte, ist sicherlich nur vorübergehend. Der Reformund durch friedliche Rede. Die gegenwärtige englische sturm in den einzelnen Stadtgemeinden, die Auflehnung gegen die Regierung wird darauf bedacht sein, sede neue Freund- politische Boß- und Cliquenwirtschaft, der Ruf nach Munizipalisierung schaft zu erwerben, bei der sie nicht alte Freundschaft zu öffentlicher Betriebe hat viele mitgerissen, die sonst für die Sozialisten stimmen, aber als praktische Amerikaner sich leicht angezogen fühlen, opfern braucht." wo scheinbar schnellere Resultate winken. „ Daily Telegraph" sagt: Soziales. ,, Es scheint jetzt sicher, daß die Maroffofrage geregelt werden wird, ohne daß der Friede Europas gestört wird oder die Rechte Frankreichs beschränkt werden. Was unsere Beziehungen Katholische Krankenhauspflege gerichtlich beleuchtet. Im Kampfe zu Deutschland betrifft, so werden die gestrigen Erklärungen gegen die Sozialdemokratie spielt die christliche Charitas" keine des Fürsten Bülow mit demselben freundlichen geringe Rolle. Mit Vorliebe verweist die Zentrumspresse auf die Es ist nun allerdings außerordentlich bequem, auf diese Geiste aufgenommen werden, mit dem sie abgegeben Tätigkeit der katholischen Krankenhäuser als Betätigung„ des praktischen Weise eine Angelegenheit zu vertuschen, deren öffent- wurden. Wenn uns Fürst Bülow feierlich als Reichskanzler ver- Christentums". Wehe, wenn in irgendeinem nicht katholischen oder liche Erörterung den amtlichen Kreisen gerade nicht angenehm ist. sichert, daß Deutschland feine Absicht hat, Streit mit England zu gar einem sozialdemokratischen Blatte eine Kritik über in KrankenDie Deffentlichkeit würde nie etwas von der Beschwerdeschrift provozieren, so können wir aufrichtig und mit gleicher häusern herrschende Mißstände erscheint! Da handelt es sich natürder Kameruner Häuptlinge erfahren haben, wenn die Offenheit erwidern, daß der Gedanke eines Angriffs auf lich nur um infame Hetze", um Deutschlands auch nicht einem einzigen bernünftigen der Barmherzigkeit" durch Verleumdung der Presse sich der Sache nicht bemächtigt hätte. Monatelang lag sie Engel Menschen, die lediglich blinder im Auswärtigen Amt, und erst als die amtliche Stelle feine Nei- Engländer jemals in den Sinn gekommen ist." Haß gegen alles Christliche leitet. Das Schimpfen der gung zeigte, die Beschwerdeschrift überhaupt zu beachten, entschlossen So herrscht denn plöglich wieder diesseits und jenseits des frommen Presse beweist aber nur, daß auch die christliche wir uns zur Veröffentlichung. Da erst gab Herr Dr. Stübel Kanals die heiterste Friedensstimmung. Seltsam nur, daß trotzdem Charitas ihre schlimmen Seiten hat, was denn auch durch Gerichtsdie Erklärung ab, daß die Angelegenheit strenge untersucht werden die deutsche Regierung auf der Flottenvorlage bestehen wird verhandlungen gelegentlich bestätigt wird. So auch fürzlich von der würde. Seitdem hörte man aber von der Unter- und daß das Wettrüsten zur See und zu Lande munter weiter Duisburger Straffammer, vor der geradezu haarsträubende suchung nicht das geringste, troydem dem Auswärtigen gehen wird! Ein Zustand, der den bürgerlichen Ideologen eigentlich vorkommnisse festgestellt wurden, die sich im Amt seit langem bekannt war, daß die Kameruner Gouvernements- tollhäuslerisch vorkommen müßte! Den Sozialisten ist diese katholischen St. Marienhospital in Mülheim an regierung den Unterzeichnern der Beschwerdeschrift den Prozeß Erscheinung freilich ganz selbstverständlich. Erst dann, wenn der der Ruhr zugetragen haben. In dieser christlichen Krankenmache. Die Nachricht von der Verhaftung der Häuptlinge voltszerklüftende Kapitalismus beseitigt sein wird und die Nationen pflegeanstalt befand sich ein Epileptiker namens Schuster, der befindet sich seit vier Wochen in unsern Händen. Wir selbst demokratisch die weltpolitischen Geschicke leiten werden, wird dem Uebermaß„ christlicher Pflege" nicht gewachsen war und durch zögerten mit der Veröffentlichung, weil wir eine amt eine Abrüftung eintreten können. Solange das nicht der Fall ist, den Tod gerettet wurde. Die Pflege in dem Krankenhause liche Mitteilung erwarteten. Seit zehn Tagen sind wir im Besitz werden die Nationen trotz aller diplomatischen Friedensphrasen um wurde ausgeführt von dem Krantenwärter Benedikt Ber des Telegramms aus Duala, das die erfolgte Verurteilung die Wette Panzerschiffe bauen! ling, dem Haustnecht Hermann Berling( einem Bruder des vorigen) meldet. Wir zögerten wiederum mit der Bekanntgabe, weil wir und dem Arbeiter Bös, der selbst noch Rekonvaleszent war. Diese drei, erwarteten, daß die Kameruner Angelegenheit bei der EtatsFür einen schnelleren Ausbau der Flotte sammelt die Tägl. von denen Benedikt Berling allein 13 mal, darunter beratung zur Sprache kommen würde. Kamerun aber wurde im Rundschau" emsig Unterschriften. Sie renommiert damit, daß sich mit Zuchthaus, vorbestraft ist, hatten auch den schwerReichstage nicht erwähnt. Pflicht der Kolonialbehörde wäre es bereits 36 700 Personen in die von ihr ausgegebenen Listen hätten franken Schuster in Behandlung. Schuster beschmutzte in seinen mum gewesen, die Nachricht von der erfolgten Verurteilung der eintragen lassen. Leider verschweigt das Blatt, wieviel Reichs- Anfällen manchmal sein Bett und dann wurde von Schwester Deffentlichkeit zu übergeben. Pflicht, weil sie gewissermaßen durch mark diese Flottennarren bereits auf dem Altare des Vaterlandes Thefla ein„ Reinigungsbad" verordnet. Die Verabreichung des das öffentlich abgegebene Versprechen Dr. Stübels gebunden war. niedergelegt haben! Bades" wurde von oben genannten Personen vollführt, das BadeAuch einem Gebot der Klugheit würde die Bekanntgabe der Verurteilung entsprochen haben. zimmer war neben einem Klosett gelegen. Die drei packten Gegen die Tabaksteuer. Zu der in Nummer 290 des Vor- also den Kranken an Armen und Beinen und Gerichtsverhandlung. Aber es darf nicht wundernehmen, wenn figende der Zentralkommission der Tabakarbeiter", daß diefe von immer schrie, man möge ihn doch nicht umbringen! Es ist richtig: wir wissen noch nichts Näheres über die wärts" unter obigem Titel erschienenen Notiz schreibt uns der Vor- fchleiften ihn durch die Zimmer, wobei der Aermste man in der Deffentlichkeit das Gefühl hat, daß es sich hier um ihrem ersten Aufrufe an, bis zur jetzigen Stunde immer nur: Im Badezimmer angekommen, wurde er einen Uebergriff des Gouverneurs Puttkamer An die Zabalarbeiter Deutschlands! mit taltem Leitungswasser gefüllte handle. Man bedenke die Sachlage: Die Kameruner wenden sich die Kollegen allerorts!" appelliert hat und nicht anne gesezt, wobei es noch talte Wasserin einer langen, ausführlich begründeten Beschwerdeschrift ver- glaubte, sich noch besonders an Sonderorganisationen, christliche, gü ise über den Kopf gab. Als Extrazugabe wurden trauensvoll an den Reichskanzler und den Reichstag. Die Hirsch- Dunckerſche uſw. wenden zu müssen. Jede gegenteilige Beihm Prügel verabreicht! Hatte die Folter etwa Beschwerdeschrift richtet sich gegen Buttkamer und einige seiner hauptung fei Spiegelfechterei. Beamten. Die Beschwerdeschrift wird nun an Buttkamer zurückgegeben zur Berichterstattung". Und der Gouverneur hat nichts Eiligeres zu tun, als den Beschwerdeführern den Prozeß zu machen, fich aus eigener Machtvollkommenheit vom Verklagten zum Kläger zu erheben und Richter zu sein in seiner eigenen Sache. " Husland. England. " An eine in ge= eine halbe Stunde gedauert, dann wurde er auf einen bereitstehenden Tisch gelegt, aber legentlich so unvorsichtig, daß er herunterstürzte und sich Verlegungen zuzog. Als ein anderer Kranker die Oberin Cosima auf die Mißhandlungen aufmerksam machte, hat sie eingestandenermaßen gesagt:„ Das schadet Direkte und indirekte Steuern in England. nichts. Der muß auch etwas abbekommen, der hat es verWir können noch hinzufügen, daß in Duala Gefängnisstrafen ausgesprochen wurden, die die außergewöhnliche Höhe von 9( neun!) London, 12. Dezember.( Eig. Ber.) Angesichts der neulich im dient!" Eine derartige allerchriftliche Pflege konnte der Aermste aber Jahren erreichen! Diese ungewöhnliche Höhe der Strafen macht die deutschen Reichstag und in der deutschen Presse gemachten Angaben ganze Angelegenheit noch mysteriöser. Wegen einfacher Verleumdung über das englische Steuerwesen dürften folgende amtliche Zahlen nicht ertragen; als ihm einmal wieder solche„ liebevolle" Behandlung und Beleidigung, selbst wenn sie erwiesen sein sollte, steckt man Leute von Interesse sein. Im Frühjahr 1904 richtete der liberale Ab- zuteil wurde, ist er danach gestorben. So ist der Sachver halt nach Feststellung der Duisburger Straffammer, die dent nicht auf 9 Jahre ins Gefängnis. Die Kolonialverwaltung hat die geordnete Toulmin die Frage an den Finanzminister, ob er ihm das Benedikt Berling fünf Monate Gefängnis, dem Hermann Pflicht, im öffentlichen und im eigenen Interesse möglichst schnell Verhältnis zwischen der direkten und der indirekten Besteuerung im Berling zwei Monate Gefängnis und dem Arbeiter Bös fünf Licht in die dunkle, unser ganzes Kolonialsystem so schwer distre- Finanzjahre 1903-1904 angeben könnte. Nach einigen Tagen legte Monate Gefängnis audiftirte. Immerhin haben die drei Kerle ditierende Affäre zu bringen. der Finanzminister die nachstehende Antwort vor: noch recht milde Richter gefunden. Das Urteil reizt an zu Vergleichen mit Indirekt. anderen Urteilen, die fortgesetzt gegen Streitsünder und sozialA. Für Reichszwede. demokratische Preßverbrecher gefällt werden. 8ölle. Pfd. Sterl. 460 000 Erbschaftssteuer. 4 445 000 Einkommensteuer. 520 000 Stempel. Sind diese Darlegungen des Hamburger Blattes richtig feine bisherigen Enthüllungen haben sich bestätigt so handelt es sich in der Tat um eine ungeheuerliche Vertuschungstaktik der Regierung! Die rechtzeitig alarmierte Deffentlichkeit wird aber diesmal wohl der Regierung gründ- Früchte( getrocknete) lich in die Parade fahren! Geistige Getränke Fleischnot in Ostpreußen. Aus Ostpreußen wird uns geschrieben: Kaffee Tabak Tee Wein. Verschiedenes. .. Direkt. A. Für Reichszwecke. 12 560 000 aussteuer 6 595 000 Landsteuer 1 330 000 Verschiedenes 5 710 000 180 000 Zu diesen gerichtlichen Feststellungen schweigt die Zentrumspresse. Pfd. Stert. Wie kommt man übrigens dazu, in einer solchen 13 000 000 Anstalt mit Zuchthaus vorbestrafte Menschen als 30 800 000 rantenpfleger anzustellen?! Der Fall zeigt wieder, 7 500 000 vie notwendig es ist, insbesondere sogenannte fromme" 1925 000$ rantenpflegeanstalten unter staatliche Kontrolle 725 000 8 u stellen. 603 000 " Zur Hebung des Mittelstandes. Auf ein Gesuch des deutschen Gastwirtsverbandes an den Kriegsminister um Aufhebung des Militärverbotes für Gastwirtschaften hat derfelbe folgenden Bescheid Insges.( Reichszwecke) 31800 000 Insgef.( Reichszivede) 54 553 000 erteilt;„ Auf Ihr Gesuch um anderweitige Handhabung oder völlige Verbrauchssteuer. Pfd. Sterl. 13 104 000 80 000 30 947 000 Der Verkehr in unseren östlichen Grenzorten, besonders an Buder Markttagen, nach und von Rußland zur Herüberholung von Lebensmitteln hat in der letzten Zeit enorm zugenommen. Bekanntlich ist es den Einwohnern diesseits der Grenze in einem Umkreis von drei Meilen gestattet, jeden Tag einmal ein Quantum von 4% Pfund Schweinefleisch oder Mehl unverzollt von Rußland über die Grenze zu holen. Die Einwohner erhalten auf Wunsch vom Bier.. Magistrat resp. Gemeindevorstand einen Grenzübergangspaß auf Geistige Getränke.. 17 763 000 28 Tage und einen sogenannten Fleischzettel. Damit gehen sie Glucose dann über die Grenze, jenseits der von russischen Fleischern und Händlern das erwähnte Quantum Fleisch und Mehl bereit gehalten wird. Man bezahlt dort zurzeit für 4 Pfund Schweinekarbonade Insges.( Reichszwecke) 62 747 000 mit Spec 1,90 M., also etwa 45 Pf. pro Pfund, für reine Karbonade( den Speck ausgelöst) 2 M., also etwa 47 Pf. pro Pfund; dagegen kosten diese Fleischsorten bei uns nur wenige Schritte von Bölle. der Grenze entfernt 75 bis 85 Pf. pro Pfund. Minder gute aber Verbrauchssteuer durchaus einwandsfreie Ware kostet in Rußland pro 4% Pfund nur 1,60 bis 1,80 M.; Rindfleisch, das jedoch nicht zollfrei über dic Grenze geholt werden darf, foftet 30 Pf. pro Pfund. Kuchenmehl fauft man drüben pro Pfund für 12 bis 13 Pf., hier zahlt man für schlechteres Mehl pro Pfund 16 Pf. Gutes B. Für .. olalzwede. B. Für 2otalzwede. Pfd. Sterl 203 000 Erbschaftssteuer 1 283 000 Lizenzen Pfd. Sterl. 4 196 000 4 113 000 8 309 000 Insges.( Lokalzwecke) 1486 000 Insgesamt Jm Finanzjahr 1903-1904 betrugen demnach Die indirekten Steuern 62 747 000 Pfund Sterling für Reichszwede für Lokalzwecke · 1 486 000 " Insgesamt 64 233 000 Pfund Sterling. Die direkten Steuern für Reichszwecke. für Lokalzwecke • 54 553 000 fund Sterling. 8 309 000 " Aufhebung des Militärverbotes für Gastwirtschaften wird Ihnen ergebenst erwidert, daß an dem grundsätzlichen Standpunkte festgehalten werden muß, wonach den für die Aufrechterhaltung der Disziplin verantwortlichen Truppenbefehlshabern das Recht und die Pflicht zusteht, den Militärpersonen den Besuch einer Wirtschaft erforderlichenfalls zu verbieten. Das Kriegsministerium hat daher den Inhalt Ihrer Eingabe zur Kenntnis der Generalkommandos gebracht. Uebrigens wird noch bemerkt, daß die Militärverbote nicht zum Zwecke der Boykottierung einzelner Gastwirtschaften, sondern lediglich im disziplinarischen und dienstlichen Interesse der Truppe erfolgen. Wenn durch das Verbot eine an sich nicht beabsichtigte wirtschaftliche Schädigung des Betroffenen herbeigeführt wird, so ist das für ihn bedauerlich. Es kann dies aber für die Militärbehörden kein Grund sein, von einer im Interesse der Disziplin als notwendig erkannten Maßnahme abzusehen." Die militärischen Verbote bestimmter Lokale können den von ihnen unter dem Namen„ disziplinarisches und dienstliches Interesse Oft findet eine wahre Völkerwanderung an der Grenze statt. der Truppen" verfolgten Zweck unmöglich erreichen, die Soldaten außerhalb der Berührung mit Bürgern zu bringen, die von ihrem Besonders lebhaft ist der Verkehr bei Eydtkuhnen über die Grenze nach dem russisch- polnischen Städtchen Kibarty. Selbst von Stallumenschlich begreiflichen Rechte Gebrauch machen, der irrigen pönen kommen mit der Bahn viele, um sich von Kibarty Fleisch und politischen Ansicht des Kriegsministers nicht zu folgen. Das ängstliche Mehl zu holen. Die deutschen Fleischermeister sehen diesem Treiben Bemühen des Kriegsministeriums, die Soldaten von Sozialdemonatürlich nicht mit Vergnügen zu, denn sie machen ein recht schlechtes fraten, ja von Lokalen fernzuhalten, in denen Sozialdemokraten Geschäft. Einige Fleischer in Eydtkuhnen haben sich bereits in verkehrei, trägt zum Teil dazu bei, Soldaten, die Sozialdemokraten noch nicht kennen sollten, zu veranlassen, nach der Dienstzeit über Kibarty als Händler niedergelassen und ihr Geschäft diesseits der Grenze geschlossen. Auch in Stallupönen sollen in letzter Zeit die sozialdemokratische Bewegung sich durch Fühlungnehmen mit der 7 Fleischer eingepackt haben. Von Krankheitsfällen infolge des London, 15. Dezember.( W. T. B.)„ Daily Telegraph" meldet Sozialdemokratie über diese ein Urteil zu bilden. Daß sie sich Genusses russischen Fleisches ist bisher in den Grenaorten weder aus Konstantinopel, daß die Pforte und die Botschafter zu einem dann der Bewegung anschließen, liegt sicherlich im disziplinarischen auf deutscher noch auf russischer Seite etwas zu hören. Das be- vollständigen Einvernehmen gelangt seien. und dienstlichen Interesse" der Soldaten und der Truppe. Diese weist, daß das agrarische Geschwätz von der Seuchengefahr nichts sich wie von einigen Seiten gefürchtet beziv. gehofft wurde in meist dem Mittelstande angehören, ist eine freilich nicht beabsichtigte Glücklicherweise ist also die Komödie zu Ende gegangen, ohne Wirkung und die wirtschaftliche Schädigung von Gastwirten, die eine Tragödie zu verwandeln. als Schwindel ift. Insgesamt 62 862 000 Pfund Sterling. Türkei. Wirkung der Militärverbote. SewerklekaMickes. Sozialpolitisches„Fruchteis". Die deutschen Arbeiter bekommen eine ganze Speisekarte sozialpolitischer Genüsse auszukosten. Jüngst haben»vir zu hören bekommen, dasj ihre Kompottschüssel gefüllt sei; in Kiel sind die Arbeiter der kaiserlichen Werft bereits beim F r uch teis angelangt. Staatsbetriebe sind ja bekanntlich Musterbetriebe. Die „Post" behauptet dies in ihrer neuesten Nummer auch von der Reichsdruckerei. In den staatlichen Eisenbahnwerkstätten aber und auf den dito Werften geht es ganz besonders musterhaft zu. Natürlich ist das auch bei der kaiserlichen Werft in Kiel der Fall. Unser Kieler Partciblatt erzählt dort aus dem Ressort VII von einem Sparsystem, das geradezu haarsträubend ist. Den Arbeitern werden in der bei allen Unternehmungen gleicher Art üblichen, für einen Staatsbetrieb aber gewiß nicht nach- ahmenswerten Weise die Akkorde entweder ganz gestrichen oder wenigstens reduziert. Neu ist aber die Methode, wie man den Leuten dennoch zu ihrem alten Verdienst zu verhelfen versucht: man stellt die Dampfheizung ab und läßt die Arbeiterschaft sich warm arbeiten! Als es daraufhin recht schön kalt in der Werkstatt war, meinte der Vorsteher der betreffenden Abteilung einem Werkführer gegenüber:„Na, sehen Sie, die Leute arbeiten jetzt schneller, es nützt doch etwas, wenn man die Heizung abstellt!" Im Bureau dieses Herrn sieht es dagegen anders aus. Trotz dicker Mauern, Doppelfenstern und Dampfheizung ist sogar das Schreibpult mit Filz ausgeschlagen ivorden, daniit es nicht friert.— Und dann wundert nian sich, wenn die deutsche Arbeiterschaft ihre wärmebedürftigen Herren und die ganze Sozialpolitik menschenfreundlich dahin wünscht, wo der Pfeffer wächst I—_ Berlin una tZmgeg««S. In Sache» der Troschtenkutscherbewegung fand gestern ein Termin vor dem Gewerbegericht als Einigungsamt statt. Herr Magistratsrat v. Schulz hatte die Parteien geladen, die sich damit einverstanden erklärten, unter seinem Vorsitz in Unterhandlungen zu treten. Die Droschkenführer verlangten bei 10 M. Einnahme eine» festen Lohn von 2 M. und 25 Proz. der Einnahme. Wenn die Fuhrlzerren das Wagenwaschen übernehmen, wollten sie sich mit den bisherigen 1,50 M. begnügen. Die guhrherren erklärten. einen höheren Lohn als bisher nicht zahlen zu können. Das Einigungsamt schlug vor, die Parteien möchten sich auf einen festen Lohn von 1,75 M, bei 11 M. Einnahme vergleichen. Beide Teile werden nun erst die Generalversammlungen ihrer Organisationen sprechen lassen; alsdann findet eine neue Verhandlung statt.— Vorläufig wird von beiden Teilen stillschlveigend der seit dem 1. Dezember abgelaufene alte Tarif weiter anerkannt. Zwischen dem Verband deutscher Gastwirtsgehülfen sOrtsver- waltung Berlin) und dem Inhaber der neuerbauten„Prachlsälc dcS Ostens�, Herrn Gastwirt Era nz, Arankfurter Allee 154, ist eS des kostenlosen Arbeitsnachweises halber zu Differenzen gekommen. Ob- wohl seitens der Organisation lange vor Eröffnung des Lokals uiit dessen Inhaber verhandelt worden ist und von letzterem auch diverse Male befriedigende Versprechungen gemacht wurden, hat der Herr vorgezogen. für sein Lokal Arbeitskräfte von einem Stellenvermittler zu engagieren. bei dem die Vermittelten respektable Vermittelungögebuhren zu ent- richten haben. Die am Freitag noch einmal seitens der Vcrbandsleitung ge« machten gütlichen Versuche sind an dem ablehnenden Verhalten des Lokalbesitzers Cranz gescheitert. Deutsebe» Reich. Arbeiter-Weihnachtsangebindc an der baltischen Küste. 1600 Arbeiter der„Neptun"-Wcrft in Rostock sind, wie wir gestern schon durch Privattelegramm meldeten, aus- gesperrt, kurz vor Weihnachten auf die Straße geworfen ivorden. Ter Verlauf der Aussperrung ist der gewöhnliche: Un- zufriedcnheit der Arbeiter mit den Löhnen. Entlassung der„Hetzer". Arbeitsniederlegung ihrer speziellen Kollegen als Antwort darauf und dann Stillegung des gesamten Betriebes, um die Streikenden zur Rückkehr an die Fleischtöpfe— ach nein: die Bettelsuppennäpfe des Unternehmers zu zwingen. Die Arbeiter konnten mit dem Akkord, der ihnen für die Her- stellung der Kohlenbunker gezahlt wurde, nicht zurecht kommen. Sie forderten eine Akkorderhöhung und riefen am 13. Oktober das Ge- Werbegericht als Einigungsamt zur Entscheidung folgender Streit- fragen an: 1. Ter Preis der Kohlenbunker. Die den Arbeitern zugemutete Verpflichtung, mindestens 30 Proz. Akkordüberschuß zu erarbeiten. Die Entlassung des betreffenden Akkordübcrnehmers aus dem Grunde, daß er keine 30 Proz. erarbeitet hat. Die Bezahlung der Reparatur- und Montage-Arbeiten. Das Gewerbegericht hatte aber allerhand formale Einwände gegen seine Berechtigung zum Einschreiten, lvelche die Arbeiter alle der Reihe nach erst mit unendlickicr Geduld beseitigen mußten. End- lich setzte das Gewerbegericht am 4. Dezember einen Termin für den— 15. Dezember an! In der Zwischenzeit zwischen der Fest- setzung dieses Termines und dem Termin selbst aber entließ die Direktion der Werft 12 Mann und provozierte dadurch die Schiff- bauer zur Arbeitsniederlegung, und an dem Tage, an welchem der Termin endlich stattfinden sollte, warf die Betriebsleitung noch 1500 Mann auf die Straße und lehnte es ab, vor dem Einigungs- amt zu erscheinen!—- Für das Vorgehen der Direktion gibt es gar keine Ent- schuldigung I Die Arbeiter haben weder übermäßige Forde- rangen gestellt, noch steht das Unternehmen so da, daß es auch be- sckcidcne Wünsche seiner Angestellten nicht erfüllen könnte. Die Werft zahlte durchschnittlich 0 Proz. Dividende, steckte dabei aber noch ungeheure Summen in den Betrieb, der sich aus kleinen An- sängen entwickelt hat. Nur die Absicht, die Organisation der Arbeiter zu zerstören und die Arbeiter für die kommende günstige Konjunktur im Schiffbau mürbe und gefügig zu machen, erklärt die halsstarrige. scharfmacherische Haltung der Werftleitung l, L. 8. 4. Das Sweikp ostenstehen in der Rechtsprechung eine» sächsischen OberlanbesgerichtS. In Freiberg war im Frühjahr 1005 ein Maurer streik ausgebrochen, in dessen Verlauf es zu Unruhen, Ausschreitungen und Zusammenstößen zwischen Streikenden und Arbeitswilligen kam. So hat das Landgericht wenigstens anläßlich des vorliegenden Falles festgestellt, leider wird nicht gesagt, wem die Schuld an diesen Vor- kommnisseu zuzuschreiben ist. Die Schutzleute erhielten extra dienstliche Anweisung, jeden sich lästig machenden Streikenden von der Straße weg- zuweisen und zur Wache zu schaffen. Der Maurer D. hatte bis zum Ausbruch de« Streiks bei dem Maurermeister Göpfen gearbeitet, sich aber dann den Streikenden angeschlossen. D. besah die Kühnheit, sich am 16. Juni, wie auch schon an den vorher- gehenden Tagen, vor dem Kontorgebäude seines früheren Arbeitgebers als Streikposten aufzustellen. Sei» ehemaliger Meister konnte sich darüber derart ärgern, daß er den Streikposten wiederholt auf- forderte, sich zu entfernen. Ms er damit keinen Erfolg hatte, rief i die Aufhebung er nach der Polizei. Dienstbereit erschien denn auch sofort ein Verordnungen Schutzmann, der den Uebcltäter wegwies und schließlich mit zur Wache nahm. Vom Landgericht Freiberg ist der Mann wegen Uebertrewng des§ 105 des Freiberger Stratzenregulativs vom Jahre 1807— dieses bestimmt, daß die Exekutivorgane der Polizei und des Stadtrats im Interesse der Sicherheit auf den Straßen, wenn nicht im Z 366, Ziffer 10 des Strafgesetzbuchs andere Maßnahmen vorgesehen sind, Wegweisungen vorbehältlich späterer Genehmigung(!) aussprechen dürfen und daß denen zu gehorchen sei— und des§ 366, Ziffer 10 des Straf-Gesetz-Buches verurteilt worden. Das Streikpoftenstehen, so wird bemerkt, sei zwar an und für sich erlaubt, aber es dürste keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit enthalten. Deshalb seien polizeiliche Vor� schriften der fraglichen Art notwendig. Hinzu konime, daß dem unter Anklage gestellten Vorgänge zeitlich Straßenkrawalle voraus- gegangen waren, die Erregung in den beteiligten Kreisen am ge nannten Tage sich noch nicht gelegt hatte und deshalb möglicher- weise aus diesem Anlaß neue Krawalle entstehen konnten. An geklagter wie Schutzmann seien sich dessen bewußt gewesen, letzterer deshalb zur Wegweisung auch berechtigt. Der Angellagte sei bewußt ungehorsam gewesen. Das Vor: gehen der Exekutivbeamten solle nach dem Wortlaute des 8 105 des Regulativs auf dem pflichtmäßigen Ermessen der Beaniten beruhen und nicht mit den Gesetzen in Wider spruch stehen. Letzteres sei keineswegs der Fall, im Gegenteil stütze es sich auf die sächsische Verordnung vom 0. Juli 1872, den Verkehr auf öffentlichen Straßen betreffend. Die Revision des Angeklagten rügt Verletzung des§ 105 des Regulativs, des§ 366. Ziffer 10 des Strafgesetzbuches und der sächsischen Verkehrsordnung. Wenn das Stleikpostenstehen etwas Erlaubtes sei, könne es durch das Verbot eines Schutzmannes nicht strafbar werden. Die Auslegung des 8 105 des Regulativs könnte bei willkürlichem Handeln der Schutzleute jedem Staatsbürger ge fährlich werden. Das Oberlandesgericht �Strafsenat) hat das Rechtsmittel verworfen mit der Begriindung, es scheine davon auszugehen, daß die koalierten Arbeiter sich an die sonst bestehenden staatlichen Ein- richtungen nicht zu kehren hätten. Dieser Ansicht nnisse entschieden entgegengetreten werden. Im Interesse der Auftechterhalwng der öffentlichen Ruhe und Ordnung sei mit Recht so vorgegangen worden wie geschehen. Das sächsische Oberlandesgericht folgt hier errötend den Spuren des preußischen Kammergerichtes. Die Zeiten, wo die sächsischen Gerichte in ihrer Rechtsprechung gegen Arbeiter„bahnbrechend wirkten, sind längst vorbei. Jetzt ist auch in dieser Beziehung „Preußen in der Welt voran"._ Dem Streikbruch einen Orden. Der liberale Oberbürgermeister Wolfram in Augsburg sprach im Magistrat den Streitbrechern anläßlich des letzten GaS- arbeiterstreiks die öffentliche Anerkennung für ihre „loyale Haltung"(I) aus.— Das Licht, das diese nützlichen Elemente erzeugten, war aber auch einen Orden wert! Selbst den Schwaben war es zu jämmerlich. Daher auch unsere Anerkennung! Sie leisteten den kämpfenden Lichtbringern ungewollte Veibiilie zum Siege._ Die Fairikschuhmacher Augsburg? sind in eine Lohnbewegung eingetreten.— Die Kollegen wollen daher den Zuzug nach dort meiden. HuBlann. Die Pariser Diamantarbeiter befinden sich in einer Bewegung, der folgende Ursachen zugrunde liegen: Der Lohn der Pariser Diamantarbeiter beträgt pro Woche 80 Frank. ES kann in diesem Falle also von einer Misere nicht wohl gesprochen werden; wenn die Pariser Diamantarbeiter trotzdem eine Erhöhung des Lohnes auf öl Frank fordern, so deshalb, weil ihre Kollegen von Antwerpen und Amsterdam diesen Lohn erhalten. Run ist sestgestellt, daß die Pariser Fabrikanten das Rohmaterial zu genau denselben Preisen einkaufen wie ihre belgischen und holländischen Kollegen, und serner, daß sie ihre Waren ebenfalls nicht billiger verkaufen als jene. Da sie ihren Arbeiten! aber einen um 11 Frank geringeren Lohn zahlen als ihre ausländischen Konkurrenten, so fließt ein Extraprofit von enormer Höhe in ihre Taschen, ans den mit vollem Recht die Arbeiter Anspruch erheben. Die Untcrnebmer haben eine Erhöhung von 5 Proz. angeboten, die aber von den Arbeiten! als ungenügend ab- gelehnt wurde. Versammlungen. Pretest der Am Donnerstag tagte in Kellen Versammlung der Droschkenführer. Dreschkenführer gegen die Sperrung des PetSdamer Platzes. te in Kellers Saal eine sehr stark besuchte Auch die Fuhrherren, sowie sonstige Interessenten des Droschkengewerbes waren eingeladen. Es galt, Protest zu erheben gegen die Polizeiverordnnng vom 26. No- vember, welche den Potsdamer Platz für leerfahrende Droschken sperrt.— Der Referent K n ü t t e r begann mit dem Hinweis, daß die Droschkenführer insofern hinter alle anderen Arbeiter zurück gestellt werden, als keit unter ständiger Aus sie bei der Ausübung ihrer Tätig- .ficht der Polizei stehen. Aber nicht genug damit, fortgesetzt erscheinen neue Verordnungen, welche den Droschken- führern die Ausübung ihres Berufes erschweren. So erschien vor einigen Jahren die Verordnung, welche das Befahren der Leipziger» und Friedrichstraße sowie Unter den Linden mit leeren Droschken verbot und jetzt ist dies Verbot auch auf den Potsdamer Platz aus- gedehnt. Begründet wird es mit der starken Ueberlasiung dieses Platzes. Es ist aber in der Hauptsache nur die Straßen- bahn, welche den Verkehr auf dem Potsdamer Platz so stark in Anspruch nimmt, denn sie führt über den Platz 30 Linien, deren Wagen sich in Abständen von 30 Sekunden folgen. Wenn jetzt die leerfahrenden Droschken vom Potsdamer Platz verbannt werden, so liegt das nur im Interesse der Großen Beiliner Siraßen- bahn. Es ist nicht einzusehen, weshalb gerade die Droschken und nicht auch andere Fuhrwerke von solchen Verordnungen betroffen werden. Der Sperrung des Potsdamer Platzes würden jedenfalls noch weitere Sperrungen folgen. Diese Versammlung soll deshalb nicht nur gegen die Sperrung des Potsdamer Platzes protestieren, sondern auch gegen jede etwa sonst noch beabsichtigte Sperrungen. Der Redner schloß: Durch fortgesetzten Erlaß von Verordnungen wird den Droschkenfiihrern das Leben so schwer gemacht, daß sie sich sagen: Wenn die Polizei die Droschken als em Verkehrsmittel betrachtet, welches beseitigt werden muß, dann soll sie lieber sagen, in zwei Jahren sind sämtliche Konzessionen abgclausen, die Droschlen» interesscnten haben sich eine andere Existenz zu suchen. Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. In der lebhaften Diskussion wurde die polizeiliche Beschränkung des Droschkenverkehrs sowohl von Kutschern wie von Fuhrherren ein- mutig verurteilt. Als Gegeninaßrrgeln gegen die Sperrung des Potsdamer Platzes schlugen einige Redner vor, die Droschken- siihrer und-Besitzer sollten nun ihrerseits den Potsdamer Bahnhof und die umliegenden Halteplätze sperren, indem sie die Droschken an diesen Plätzen zurückziehen, bis die betreffende Verordnung auf- gehoben wird. Ferner wurde empfohlen, bei Hosfestlichkeiten auf drei Tage den gesamten Droschkcnverkchr eiiizniiellcn, nicht als Demonstration gegen das Fest, sondern als PressionSmittcl. um der da? Droschkengewerbe belastenden Polizei- zu erzwingen.— Bezugnehmend auf diese Acuyerunacn sagte Becker lBorstaiidsmitglied des Vereins der Droschkensührer), eS würde sich empfehlen, an einem Vormittag eine Demonstrationsversammlung sämtlicher Droschkenführer einzuberufen. Au? dem Besuch einer solchen Versammlung könne man erst sehen, ob eine allgemeine Beteiligung an einer Arbeitseinstellimg zu erwarten sei. Denn mir bei allgemeiner Beteiligung aller Droschkenintercssenten könne eine Demonstration durch Einstellung des Droschkenverkehrs Erfolg haben.— Droschkenbesitzer Schulz vertrat den Standpunkt, man solle zunächst durch Beschlverde bei den zuständigen Behörden gegen die Verordnung vorgehen. Sollte das aber nicht helfen, dann müsse es heißen:„Alle Räder stehen still!" Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die Versammlung der Interessenten des Droschkenstihrwesens Berlins und der Umgegend erhebt energisch Protest gegen die Maß- nahmen der Polizeibehörde betreffend Sperrung des Potsdamer Platzes für leere Droschken. Die Versammlung erblickt in der Polizeiverordnung vom 26. November d. I. eine Zurücksetzung und bedeutende Schädigung der wirtschaftlichen Interessen des Droschken- fuhrgewerbes zugunsten anderer großer Verkehrsgesellschasten. Die Versammlung spricht ihr Bedauern darüber aus. daß diese Verord« imng erlassen wurde, ohne die Interessenten zu hören und ist der Meinung, daß die Verordnung in ihrer jetzigen Fassung nicht ein- aehallen werden kann. Die Versammlung beauftragt den Vorstand des Vereins der Droschkenführer Berlins und der Um- gegend, die nötigen Schritte zur Abänderung dieser Verordnung zu ergreifen, indem im Beschwerdewege bei den zuständigen Behörden vorgegangen wird.— Sollte eine zufriedenstellende Antwort nicht erfolgen, so verpflichten sich die Anwesenden, in einer späteren Ver- sammlung eine Sperrung der in Frage kommenden Straßen und Plätze vorzunehmen und die Droschken dort zurückzuziehen. Der Malemrlmnd hatte zum Donnerstag nach Dräsels Fest- sälen eine öffentliche Malerversammlung einberufen, um so allen Berufskollegen Gelegenheit zur Wahl einer Lohn- k o m m i s s i o n zu geben, die im Namen sämtlicher Berliner Maler, Anstreicher, Lackierer usw. mit den Arbeitgebern die Tarifverhand- lnngen führen soll. Gewählt wurden Jakobeit, Klotz und U n g e r. Nach erfolgter Wahl entfernten sich die dem Malerverbande nicht angehörigen Personen, und die Verbandsmitglieder hielten eine Organisalionsversammlimg für sich ab. in der sie zur Einführung der Hauskassierung durch angestellte Hauskassierer Stellung nahmen. Es kam zu einer sehr lebhaften Debatte. Die Befürworter des neuen Systems wiesen darauf hin, daß sich die Kosten der jetzigen Hauskassierung schon auf 12 Proz. der Einnahmen beliefen. Größere Kosten würden auch nicht aus der festen Anstellung von Haus- kassierern entstehen. Zudem erwachse der Oraanisatton ein erheb- licher Vorteil in der besseren Festhaltung der Mitglieder. Von den Gegnern des Vorschags wurde dagegen geltend gemacht, daß die Mitglieder durch die Hauskassierung zu sehr an Bequemlichkeit ge- wöhnt würden und dadurch den OrganisattonSangelegenheiten noch geringeres Interesse entgegenbringen würden, wie es schon jetzt der Fall sei. Der Vorschlag wurde schließlich mit großer Majorität angenommen; damit ist die Einführung der Hauskassierung durch angestellte Hauskassierer beschlossen. Eine kurze Debatte entstand noch wegen der Stellungnahme der Redaktion des Fachorgans der Maler zum„Vorwärts"- Konflikt. Fast einstimmig gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Die am 14. Dezember in DräselS Festsälen tagende Mitglieder- Versammlung der Maler, Lackierer und Anstreicher Deutschlands protesttert gegen die Schreibweise des Redakteurs des FachorganS betreffs der„Vorwärts"- Angelegenheit. Die Versammelten er- warten, daß die Redaktion des„Vereins- Anzeiger" alles ver- meidet, was Zwietracht zwischen Partei und Gewerkschaft erzeugen könnte." eingegsangsene vruekfckrltten. Plutus. Kritische Wochenschrift sür VolkSwirtschast und (Herausgeber: Georg Bernhardt). 50. Hes». Vierteljährlich per Post und Buchhandel 3,50 M., Kreuzband 4 M. Verlag: Berlin-Tharlottenburg, Goetheflrasze SN. B. v. Reisner. Ein Staatsstreich. 20 Seiten. Preis IM.— Ver- lag sür moderne Litteratur, Berlin W. 57. I.«oltan. E. Oaeckels monistische Weltansicht. 88 Seiten. Preis 1,50 M. Nachtrag zu dieser Schrlst, 10 Leiten, 0,30 M.— Verlag E. Speidel, Zürich(Schweiz)._ Letzte ISacbncbten und DcpcTcben. Plakatierte Vaterlandsliebe. Paris, 15. Dezember.(W. T. W.) Deputierten, k a m m e r. In der Nachmittagssitzung, der als Zuschauer der russische Agitator Gapon beiwohnte, sagte JaureS u. a.: Die Sozialisten hätten die Ideen des Profeffors Hervö über das Vater- land gcmißbilligt, aber er, Jaures, meine, daß man nicht das Recht habe, ihn aus der sozialistischen Partei auszuschließen und ihn zu hindern, seine Ansichten über das Vaterland vorzubringen.(Bei- fall aus der äußersten Linken.) Je revolutionärer die Arbeiter seien, um so mehr würden sie die Notwendigkeit begreifen, die nationale Unabhängigkeit, die für die Freiheit unentbehrlich sei. zu wahren. Man dürfe die Worte von Arbeitern, die das Vaterland ableugneten, nicht buchstäblich nehmen, aus ihnen spreche nur eine allgemeine Erbitterung über ihre Lage. Die Arbeiterklasse werde das Vaterland verteidigen, aber sie werde sich nicht dumm machen lassen von denen, die den Vaterlandsgedanken ausbeuteten. Redner schildert dann die neue machtvolle Organisation der i Arbeiterklasse, deren Bekundung der Generalstreik sei. Die i sozialistische Bewegung sei tiefgehend und notwendig, man werde sie dadurch nicht aufhalten, daß man die Arbeitsbörsen untre dem Vorwand schließe, antimilitaristische Aeußerungen unter- drücken zu wollen. Die Macht deS internationalen Sozialismus. so gering sie auch sein möge, sei die einzige, die man dem reißenden Strome des Krieges entgegenstellen könne. Das Unglück von 1876 sei herbeigeführt durch den damals herrschenden knechtischen Sinn und durch die Mißachtung der Mahnungen Jules Simons. JaureS schließt seine Rede unter dem Beifall der Linken mit Angriffen gegen die Nationalisten. Nach Jaurös ergreift DeSchanel des Wort, dessen Exkurse über Vaterlandsliebe der Kammer-Mehrheit so gut gefallen, daß mit 383 gegen 62 Stimmen beschlossen wird, Dcschanels Rede in allen Gemeinden Frankreichs anzuschlagen I Ein Zeiche« des nahenden Ende». Odessa. 15. Dezember.(B. H.). Das gesamte Konsnlar- korpS fordert ihre betreffenden Staatsangehörigen ans, Ruh- land wegen bevorstehender ernster Ereignisse baldigst zu ver- lassen. Jiir die Konsuln und deren Familienangehörige wurden bereits Schiffe gechartert._ DaS nächste Bombardement. Petersburg, 15. Dezember.(B. H.) Von Libau ging heute ein Geschwader von mehreren Kricg?schissen ab. um sich nach Riga zu begeben. Die Schiffe haben Befehl, die Stadt zu bombardieren. Vielleicht ein deutscher Scharfmacher? Brüssel, 15. Dezember.(B. H.) In der heutigen Kammer- fitznng, in welcher die Vorlage betreffend Antwerpen beraten wurde, ereiguele sich ein Ziviicbenfall. Während der Rede eineS Ab- geoidnete» erhob sich plötzlich aus der guichauerrrivüne ein Geistes- kranker und rief: Die Sosialdemokrati« entehrt da» Land. Es ge- lang den Saaldiciier», den Geisteskranken zu entfenien._ Vercmtw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th.Glocke.Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer LcCo.. Berlin LW. Hierzu 4 Beilagen u.vnterhaltungSblatt It. 294. 22.»«.. l. WIM des.Hmillts" Kttlim DlllliSdlM Reichstag. 13. Sitzung vom Freitag, den 15. Dezember 1SVS. vormittags 11 Uhr. Am Tische des Bundesrats: Prinz Hohenlohe-Langen- bürg, Frhr. v. Stengel. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung des Gesetzentwurfes betreffend die Feststellung eines zweiten Nach- träges zum Reichshaushalisctat für die Schutz- gebiete für das Rechnungsjahr 1905(Bahnbau Lüderitz- bucht-Kubub). Die Konimisfion beantragt unveränderte Annahme der Regierungsvorlage und empfiehlt auherden, folgende Re- s o l u t i o n e n zur Annahme: a) Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dahin zu wirken, daß sämtlickies für den Bahnbau nebst Nebenanlagen sowie für die zum Betrieb der Bahn notwendigen Quellen, auch soweit diese von der Trace entfernt liegen, erforder- liche Gelände von dem Besitzer unentgeltlich zur Verfügung gestellt ivird, soweit nicht nach dem für die Kolonien geltenden Expropriaiions- rechte die Uncntgeltlichkeit der Abtretung gesetzliche Folge des Bahnbaues ist. b) Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, zu veranlassen, daß dem Reichstag schleunigst ein Gesetzentwurf vorgelegt wird, durch den bestimmt wird, daß in den deutschen Schutzgebieten der von der Reichsverwaltung zu gewährende Polizeischutz auf je einen möglichst engen Bezirk da beschränkt wird, wohin die wirtschaftlichen Interessen gravitieren. Abg. Dr. Müller-Sagan ssts. Vp.): Mit Rücksicht auf die Ge� schäftslage des Hauses will ich mich auf eine kurze Erklärung be schränken: Meine politischen Freunde sind der Meinung, daß der Bahnbau sich nicht mit wirtschaftlichen Interessen begründen läßt. Meine Freunde haben aber nach den Hinweisen, die besonders vom Oberst Deimling in der Kommission genracht worden sind, sich nicht der Ueberzeugung verschließen können, daß der Bahnbau aus militärischen Rücksichten unerläßlich erscheint. Wir werden unter Aufrechterhaltung unsere? sonstigen Standpunktes zu der Kolonialpolitik für den Bahnbau stimmen mit dem aus- drücklichen Borbehalt, daß daraus keine Konsequenzen zu ziehen sind für die Weiterführung des Bahnbaus über Kubub hinaus. (Beifall links.) Abg. Frhr. v. Richthofe»(kons.): Wir werden für die Vorlage stimmen, die ein Weihnachtsgeschenk für unsere Kolonien bedeutet (Beifall rechts.) Abg. Schweickhardt(D. Vpt.): Wir find der Ueberzeugung, daß wtr unteren Truppen nicht die nötigen Hülfsmittel versagen dürfen. Dazu kommt, daß durch den Bahnbau eine große Verminderung der Ausgaben für Transporte stattfinden wird. Diese Gründe veran- lassen mich und meine Freunde, für den Bahnbau zu stimmen.(Bei- fall links.) Abg. Lattmann(W. Vgg.) erklärt sich namens seiner Partei ebenfalls mit der Vorlage einverstanden. Abg. Graf v. Arnim(Rp.): Wir treten ebenfalls für die Bor läge ein. Abg. Basserman»(natl.): Ich beschränke mich namens meiner polltischen Freunde auf die kurze Erklärung, daß wir den Bor- schlägen der Budgetkommission zustimmen und unserer Freude darüber Ausdruck geben, daß es gelingen wird, die Vorloge noch vor Weihnachten zu verabschieden.(Beifall.) Die Vorlage wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Auch die Resoluttonen der Budgetkommission werden angenommen. Hierauf wird die Generaldebatte über den Etat fortgesetzt. Abg. Ablaß(freis. Vp.): Gegen den Haupttnann v. Besser ist durch den Bericht eines Offiziers der Schlitztruppe festgestellt, daß er S0— 70 Träger hat verhungern lassen(Hört I hört! links) mit dem Bemerken, die Schweine sollten verrecke« l(Hört! hört l links.) Die Leichen hat er in den Busch werfen lassen, wo sie. von Tieren an- gefresien, später vorgefunden wurden. Hauplmanu v. Besser hat scruer befohle». Schwarze, die man im Busch findet, zu töten und ihnen den Kopf abzuschneide».(Hört I hört! links.) Für all das erhielt v. Besser 6 bis 7 Monate Festungshaft!(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Hat er nicht einen Orden bekommen? Heiter- keit.) Ich glaube, der Mann ist noch im Reichsdienst.(Hört, hört I) Ein anderer Hauptmann. Gaston Tiery, hat mehrere Eingeborene erschossen und sich einen Harem schwarzer Weiber gehalten.(Hört, hört!) Oberleutnant Dominik in Kamerun und andere Beamte haben widergesetzlich die Prügelstrafe gegen Eingeborene angewandt. Der Gouverneur von Togo hat einen Schwarzen wegen eines geringen Diebstahls solange in glühender Sonne festgebunden, bis er vcrjchinachtet war.(Pfuirnfe.) Er ist freigesprochen worden, obwohl ihm Offiziere ins Gesicht sagten, er sei schlimmer al« Leist und Wchla».(Hört, hört!) Der Stationsvorsteber Wegener in Togo hat einen Schwarzen systematisch zu Tode geprügelt und ist nur zivilrechtlich dafür haftbar gemacht worden. In Neu-Guinea hat ein Beamter von neuem eine selbständige Stellung erhallen, der wegen seiner sexuellen Verirrungen allgemein.die lange Zunge" heißt I(Hört I hört!). Bor dem Gouverneur Jest» v. Puttkomer ist die Regierung längst gewarnt worden in einem Schriftstück, das sich in den Akten des Berliner DisziplinarhofeS befindet.(Hört! hört! link» und im Ztr.). Ich frage die Regierung, ob sie in Zukunft noch weiter derartige Mißstände dulden will. Nicht der mangelnde Idealismus des Bürgertums, sondern die Fehler der Regierung haben die Sozialdemokratie groß gemacht.(Lebh. Beifall b. d. Freis.). Stellvertretender Kolonialdircktor Prinz Hohenlohe-Laugruburg: Ich werde nach Maßgabe»neiner Mittel energisch gegen alle etwa vorhandenen Mißstände in unseren Kolonien einschreiten. Die einzelnen Fälle sind mir bisher noch nicht bekannt gewesen. Ich verurteile Brutalitäten von ganzem Herzen und»verde alles tun, um sie zu unterdrücken. Geh. Legationsrat Könjg: Herr v. Besser ist kriegsgerichtlich zu drei Jähren verurteilt. Im Gnadenwege hat er eine Pension erhalten. >Hört! hört! bei den Sozialdentokraten.) Da» allerhöchste Recht der Begnadigung darf hier doch»vohl nicht kritisiert werden.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Aber entschieden l Sie sind wohl zum ersten- mal auf den Reichstag losgelassen?) Die Geschichte von dem Harem des Oberleutnants Tiery scheint auf Küstenklatsch zu beruhen. Hauptmann Wegener ist nur wegen seines Geisteszustandes frei- gesprochen worden. Herrn v. PuttkamerS Verdienste sind allgemein anerkannt; daß er jetzt nach Deutschland bestellt ist. um fich wegen der gegen ihn erhobenen Beschuldigungen zu rechtfertigen, ist Ihnen ja schon mitgeteilt. Der Eingeborene, den der Gouverneur Horn von Togo in der Sonne fesseln ließ, ist nitbt deshalb, sondern infolge der am Tage zuvor von Eingeborenen erlittenen Mißhandlungen gestorben.(Unruhe link«.) Die Vorwürfe gegen de» Beamten in Reu-Guinca beruhen auf persönlicher Gehässigkeit. I» den Kvlouien anderer Nationen kommen viel schlimmere Sachen vor. Das Vor- stehende(Heiterkeit) wird genügen, um uns gegen die erhobenen Vorwürfe zu rechtfertigen. Abg. v. Gcrlach(srs. Vg.): Der Reichstag hat unzweifelhaft die Ausübung des Begnadigungsrechts zu kritisieren. Graf Stolberg sprach von der Sparsamkeit der Großgrundbesitzer. Sparsam sind unsere Agrarier in einem, nämlich im«teucrzahlen.(Heilerkeit und Sehr richtig! links, große Unruhe rechts.) In nächster Nähe meiner Heimat zahlt ein Großgrundbesitzer mit mehreren Tausend Morgen »eine Einkomweusteucr.(Lebhafter Zuruf rechts: Namen nennen I Zurufe von den Sozialdemokraten: Er kann sich doch nickt 2 Stunden mit Namennennen aufhalten I Große Heiterkeit.) Ein früheres Mit- glied diese« HauseS zahlt keine Einkommensteuer, wohl aber eine hohe ErqSnzungSsteuer(Zuruf: Freiherr von Wangenheim'.). Die .Herren Söhne der Agrarier leben jedenfalls nicht sparsam und sind «n Luxusgegenstand erster Güte.(Große Heiterkeit.)— Redner fragt, ob der Beamte wenigstens eine Rüge bekommen hat. der in der- fasiuilgswidriger Weise gegen den Abgeordneten Jessen ein Straf- verfahren eröffnet hat; er tadelt das Verfahren gegen den RegierungS- rat Martin. Hätte man der Martinschen Warnung Folge geleistet, so wären 25 Millionen deutsches Kapital gerettet worden. Die russischen Grenzverletzungen erregen allmählig sogar den Unwillen unserer agrarischen Kreise, wie ein Artikel der �Deutschen TageS- zeitung" beweist.(Hört! hört! links.) Daß Jaurss am Reden ver- hindert wurde, der in den letzten 10 Jahren der Hauptbefürworter eines guten Einvernehmens mit Deutschland war, ist keine diplomatische Großtat.(Sehr richtig I links.) Vor Rußland katz- buckelt man, aber unsere Freunde stößt man zurück. Die Ausweisung eines holländischen Journalisten wegen einer harmlosen Bemerkung über PodbielSti hat in Holland arg verschnupft. Die Alldeutsche» scheinen es direkt zum Kriege mit England treiben zu wollen. Ein solcher Krieg wäre, wie Rußlands Beispiel gezeigt hat, um so ge- fährlichcr, als auch bei uns breite Massen dank dem Wahlrecht in Preußen mit berechtigter Erbitterung gegen das Staatswesen erfüllt sind. Wir denken in nationalen Dingen anders als die Sozial- demokratie, aber d a s müssen wir betonen: Nur eine freiheitliche Politik im Innern ist die Voraussetzung einer guten Politik nach außen. Staatssekretär Graf PosadowSky: ES ist hier das Marttnsche Buch über Rußland erwähnt worden. Der Verfasser hatte auf den Titel des BucheS neben seinen Namen seinen vollen amtlichen Titel aufdrucken lassen. Wir mußten daher unzweifelhaft zu erkennen geben, daß die Veröffentlichung des Buches ohne Wissen der Negierung geschehen ist. Die reine Anarchie würde einreißen, wenn Neichsbeamte von vornherein gegen zukünftige Handlungen eines Reichsamts protestieren dürsten. Der Abg. Bebel hat in seiner gestrigen Rede die Erinnerung an das schmerzliche Jahr 1800 heraufbeschworen. Wie aber die Sozialdemokratie über daS glorreiche Jabr 1813 denkt, darüber belehrt uns die sozialdemo- kratische„Neue Zeit", welche schreibt:„Der Flottcntaumcl reißt die letzten Trümmer der bürgerlichen Opposition fort. Der König rief und alle alle kamen, ganz wie bei der großen Eselei von 1813". (Lebhaftes Hört I hört! rechts.) In demselben Artikel wird Napoleon als Befreier dargestellt.— Ich will ganz ruhig und objektiv sprechen, damit kommt man am besten zur Verständigung. Nack dem Abgeordneten Bebel wollen die Arbeiter nichts als das gleiche Recht. Politisch und rechtlich haben doch die Arbeiter in Deutschland schon das gleiche Recht.(Widerspruch b. d. Soz.) Ich wünsche den Arbeitern das gleiche Recht auf allen, auch auf Wirt- schaftlichem Gebiete. Sie aber(zu den Soz.) wollen nicht das gleiche Recht, sondern die Klassenherrschaft des Proletariats, die da« gleiche Recht ausschließt.(Zuruf b. d. Soz.: Absolute« Mißverständnis! Große Heiterkeit rechts.) Nun zu dem Grafen Stolberg. Ich bin der letzte, der leugnet, daß fich die Lebenslage der unteren Klasse» in den letzten zehn bis zwanzig Jahren bedeutend gehoben hat. Ich bin auch der letzte, der leugnet, daß die Landwirtschast sich in bedrängter Lage befindet. Nichts hat mir überhaupt ferner gelegen, als den besitzenden Klassen jede Opfer- fteudigkeit abzusprechen. Ich habe nur konstatiert, daß diese Opfer- freudig keit nickt mit dem steigenden Reickturn gleichen Schritt gehalten hat. Die Opferfteudigkeit kann sich auf anderem als dem wiriichaftlichen Gebiete offenbaren. Drei von den zehn Millionen deutscher Wähler haben bei den letzten Reichstagslvahlen sich ihrer Stimme enthalten. Sozialdemokraten waren es nicht! denn diese bringen ihren letzten Mann zur Urne. Hätten dle bürgerlichen Parteien sich den Wahleifer der Sozialdemokraten zum Vorbild genommen, so hätten diese ihre Sitze nicht ans 80 vermehrt, sondern kaum die Höhe ihres MandatSbestandeS in der vorigen Session erreicht.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Siehe Sachsen!) Wir treiben in Deutschland Sozialpolitik auf Grund der kaiserlichen Botschaft von 1881 und in der festen Ueberzeugung, daß es die sittliche Pflicht eines Knlttirstaates ist, für feine armen und schwachen Glieder zu sorgen. Nun wird uns aber unser sozialpolittsches Streben durch zwei entgegengesetzte Strömungen erschwert: Die revolutionäre Haltung der Sozialdemokratte, die seit dem Jenaer Parteitage immer schärfer hervortritt, erschwert der Regierung und den bürgerlichen Parteien in steigendem Maße daS sozialpolitische Wirken und kühlt bis weit nach links hin den Eifer für Sozialreformen ab. Die Arbeiter aber sind es, die den Schaden davon haben. Wenn man fortgesetzt hört vom„Appell an die Gewalt" oder„auch in Deutsch- land sind wir bereits in der Revolution" usw., wenn man so etwas in den Provinzzeitungen der sozialdemokratischen Partei liest, die viel schärfer sind als das sozialdemokratische Zentralorgan, so ist eö doch unzweifelhaft, daß es sowohl derRegicrung wie den bürgerlichen Parteien immer schwerer wird, wirllich Sozialpolitik zu treiben. Naturgemäß verstärkt die eben geschilderte Haltung der Sozialdemokratie jene entgegengesetzte Strömung, die prinzipiell jeder Sozialpolittk ab- lehnend gegenübersteht.— Ich habe neulich versucht, einige Gründe ftir die auffallende Stärke der Sozialdemokratie in Deutschland zu ermitteln. Ich bin nicht eigensinnig, und wenn ein anderer mir bessere Gründe anführen kann, so lasse ich mich gern belehren. Davon bin ich allerdings fest überzeugt, daß man die Führer der Sozial- demokratie weil überschätzen würde, wenn man ihrer hypnotischen Agitatton die Entstehung und daS Wachstum der Sozialdemokrie zu- schreibt. Es müssen innere Ursachen vorhanden sein, und es ist Pflicht jedes Patrioten, diesen Ursachen nachzugehen. Ich meinerseits werde mich dieser Pflicht nicht entziehen, so lange ich auf diesem Platze stehe. Wer den Schläfer in der Stunde der Gefahr kräftig an der Schulter rüttelt, erwirbt sich unter Umständen ein großes Verdienst, (Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum). Abg. Stöcker(Wirtsch. Vgg.) polemisiert zunächst gegen den Abg. v. Gerlach. Er bespricht als- dann in billigender Weise da« Redeverbot gegen Jaurds. An sich halte ich JauröS für einen sehr verständigen Mann: man konnte ihm aber nicht gestatten. Arm in Arm mit Herrn Bebel in Berlin aufzutreten. Die sozialdemokratische Partei unterstützt offen die russische Revolutton. Noch weiter gehen die einzelnen Genossen, insbesondere Rosa Luxemburg, die feine Dame. die jetzt in Anerkennung ihrer ausgezeichneten Verdienste Redaktrice des„Vorwärts" geworden ist.(Große Heiterkeit) Der Massenstreik, der in Jena proklamiert wurde(Widerspruch bei den Sozialdemokraten), ist nichts als eine verkappte Revolutton.(Hu I hu I bei den Sozialdemokraten.) Bei der Rosa Luxemburg, die immer Revolution predigt, aber nie selbst hingeht, handelt es sich um eine revolutionäre Maul« und Klauenseuche.(Große Heiter- keit recht».) Die Revisionisten müssen sich ducken und die armen Schlucker von Redakteuren werden zum Wider- ruf veranlaßt. was ja auch nicht gerade charakterbildend wirkt.(Sehr richtig l rechts und bei den Freisinnigen.) J,nmer war das Judentum, um mit Mommseu zu sprechen, ein Ferment der Dekomposition. Ich erinnere an die Namen Marx, Lassalle. Singer und Stadthagen. Seit 1848 hat die Judenpresse das Herz unsere« Voltes vergiftet.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Hat doch schon Lassalle gesagt: Zwei Dinge hasse ich: Literaten und Juden, und nun bin ich beides!(Große Heiterkeit.) Als Herr Mehring noch Verstand hatte(Lachen bei den Sozialdemokraten). hat er mit Recht den demoralisierenden Einfluß der Presse auf das deutsche Volksleben konstatiert. Früher hatten wir Goethe und Schiller, wen können wir jetzt den Geistesheroen des Auslandes gegenüberstellen?(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Stöcker I Große Heiterkeit). Ick warte auf die Stunde, wo sich die Arbeiter von Ihnen(zu den Sozialdemokraten) abwenden.(Gelächter bei den Sozialdemokraten, Beifall rechts.) Staatssekretär Frhr. d. Stengel polemisiert gegen den Abg. Gröber und führt aus, daß der Paragraph 6 des Flottengesetzes nur ür das damalige Flottcngesetz gelten sollte. Die neuen Steuern nehmen durchaus Rücksicht auf die wirtschaftlich Schwachen(Wider- spruch links) Genußmittel wie Bier und Tabak, deren starker Genuß schädlich ist. verttagen sehr wohl eine starke Steuer. Draußen im Lande wird der Kampf um die Steuern durch die interessierten Industrien wesentlich verschärft. Dieses hohe HauS aber hat objektiv die Gesamtinteressen des Volkes zu berücksichtigen.(Beifall rechts.) Abg. Gamp(Rp.): Wenn Herr v. Gerlach die Sohne der Groß- grundbesitzer für LuxuSprodukte erklärte, so hält er sich, der ja auch Agrariersohn ist, wohl auch für ein Luxusprodukt.(Heiterkeit.) Die Kolonialverwaltung ist aus den gegen sie gerichteten Angriffen voll- kommen rein hervorgegangen. Ich bestreite entschieden, daß jeder Beamte daS Recht haben soll, angebliche Mißstände an die Oeffentlichkeit zu bringen. Was würde da auS der Disziplin der Beamten?(Sehr richtig l rechts.) Die Diäten» gcwährung würde die Sessionen nicht verkürzen, sondern verlängern. Ich schlage vor. daß alle Etatspositionen, die bis zum 1. April nicht erledigt sind, als angenommen gelten.(Große Heiterkeit.) Bei dem Wahlrecht in Preußen mögen die Arbeiter zu kurz kommen, dafür haben sie beim Reichstagswahlrecht zweifellos zu viel Rechte.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Die Angriffe des Grafen PosadowSky gegen die bürgerlichen Klassen waren ganz unbegründet. Eine vom Materialismus durchdrungene Nation hätte nicht so Großartiges auf wirtschaftlichem Gebiete leisten können. Die Firma Krupp zahlt 10 Millionen Dividende und gibt 11 Millionen für Wohlfahrt», nnd öffentliche Zwecke aus. Die Regierung täte besser. daS Vertrauen bei den bürgerlichen Parteien zu erhöhen, daß eS ihr Emst mit der energischen Bekämpfung der Sozialdemokratie ist.(Beifall rechts.). Hieratif vertagt das HauS die W e i t e r v e r a t u n a auf heute nachmittag 4'/z Uhr.(Außerdem dritte Lesung der Bahn Lüderitzbucht- Kubub.) Schluß 4 Uhr. � � 14. Sitzung vom 15. Dezember, nachmittags 4% Uhr. Am Bundesratstische: Prinz Hohenlohe-Langenburg. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die d r i t t e B e- r a t u n g des zweiten NachtragSetat»(Bau der Bahnlinie Lüderitzbucht-Kubub). Abg. Ledebour(Soz.): ES hat mich sehr befremdet, daß diejenigen Parteien beS HauseS, die mit uns die schwersten Bedenken gegen diese Vorlage hatten, dennoch jetzt von ihren Bedenken zurückgekommen sind.— Man hat versucht, diesen Bahnbau durch die wirtschaftliche Eni» Wickelung des südlichen Gebietes zu motivieren. Eine Begründung dieser Entwickelungsmöglichkcit, die wir schon in der Borlage ver- mißten, ist auch in der Kommission nicht beigebracht worden. Die einzigen Ausführungen in dieser Richtung, die deS Herrn RcgierungSratS Golinelli, haben von zwei Seiten schärfste Zurück- Weisung erfahren. Ein Mitglied einer sehr großen ausschlag- gebenden Partei machte längere Ausführungen, in denen er sich nachzuweisen bemühte, daß es das richtigste wäre, dies ganze südlich: Gebiet überhaupt aufzugeben und sich bei der wirtschaftlichen Er- schließung zu konzentrieren auf das nördliche Gebiet von Swakvp- mund über Windhuk. Parteien, die auf einem solchen Standpunkt stchen. können keineswegs ihre Zustimmung zu der Vorlage auS wirtschaftlichen Beweggründen ableiten. Die Ausführungen de» GehcimratS Golinelli sind sehr angreifbar, namentlich seine Ver- gleiche mit dem Kaplande. Es hieß da:»Diese Zahlen-— gemeint sind Zahlenangaben aus dem Kaplande— führen eine beredte Sprache für die EntwickelungLmöglichkeit des Südens der Schutz- gebiete, die nicht ungünstiger sind als die entsprechenden Teile deS Kaplandes." Aber die großen Entwickclungsmöglichkeiten des Kap- landeS beruhen auf denjenigen Distrikten, die den Steppencharalter, den der Süden unseres Schutzgebietes besitzt, nicht haben. Weiter wird die Güte des Häsens Lüderitzbucht angeführt. Auf Grund der Aussage einiger Hamburger Kapitäne der Wörmannlinie ist aller- ding» festgestellt, daß der Hafen von Lüderitzbucht eine relativ gute Reede ist. während Swakopmund absolut unbrauchbar ist. Wir haben also die Tatsache, daß dort, wo die EntwickelungSmoglichkeit unserer Kolonien liegt, kein guter Hafen ist, dort aber, wo ein guter Hafen ist, kein gutes Hinterland vorhanden ist. Wenn auch der Hafen von Lüderitzbucht noch so gut ist, so hat doch der Bahn- bau keinen Sinn, wenn das Hinterland nicht brauchbar ist. Nun weist man darauf hin, daß eL sich um eine Notstandsvorlage, um eine Kriegsvorlage handelt. Es handelt sich um eine Stichbahn durch die Wüste. Nun frage ich Sie: Wenn sich die Verhältnisse in den nächsten 8 Monaten so verbessern wie bisher, so wird dort überhaupt kein Kriegszustand mehr herrschen, eS sei denn, daß man der Ansicht ist, daß, so lange überhaupt noch Eingeborene da sind. auch Krieg geführt werden müsse. Zum Beweise dafür, wie wenig in Wirklichkeit die Bahn unter den gegenwärtigen Zuständen für die Truppen Nutzen bringen wird, berufe ich mich auf die AuS- führungen des Bundesratsbevollmächtigten, insbesondere deS Obersten v. Deimling, der erklärt hat, einer der Truppenführcr hätte gesagt, man solle tausend Kamele kaufen. Wenn für die gegenwärtige Kricgszeit dieser Kameltransport als daS einzige in absehbarer Zeit erreichbare Transportmittel gefordert wird, so fällt damit die Bahn erst recht. Wenn nur einigermaßen guter Wille bei unserer Militär- und Kolonialverwaltung vorhanden ist. so wird eS sich bei dem Aufstande nickt mehr um unabsehbare Zeiten handeln. Die Zahl der Aufständischen ist bereits sehr zusammen« geschrumpft. Als wir in die erste Lesung der Borlage eintraten. wurde unS mitgeteilt, daß die Witbiihottentotten insgesamt 300 Mann zählen. Davon haben sich inzwischen 74 Mann ergeben, und eS ist zu erwarten, daß sich innerhalb sehr kurzer Zeit die übrigen Witboihottentotten ergeben werden. I» der letzten Sitzung der Budgetkommission wurde unS ja mitgeteilt, daß sich weitere 100 Mann ergeben haben. Da komme ich auf die Tatsache zurück. daß der Friedensschluß mit Morenga möglich sein dürfte. Oberst v. Deimling hat ja bestätigt, daß Verhandlungen stattgefunden haben, und eö geht jedenfalls aus den Mitteilungen hervor, daß weitere Verhandlungen mit Morenga nicht aussichtslos sind. Zweifellos wird sich innerhalb der nächsten 6 Monate ein Abkommen mit Morenga treffen lassen, und sobald ein derartiges Ab- kommen getroffen ist. fällt jeder Grund für eine Krikgöbahn fort. deren Bau auf 8 Monate berechnet ist. Bei dieser Gelegenheit muh ich darauf hinweisen, daß eS sich gar nicht um die kurze Strecke Lüderitzbucht— Kubub handelt. sondern daß Oberst Deimling in der Budgetkommission ausdrücklich erklärt hat, daß die Bahn bis nach Keetman�hoop weiter- geführt werden müsse. Auf eine Anfrage des Abg. Müller-Fulda hat er dann noch hinzugefügt, daß noch eine weitere Bahn- Verbindung von Windhuk nach Keetmanshoop notwendig sein würdet Da handelt eS sich dann nicht mehr um Stichbahnen in das Innere des Landes, denn sie sind drei- bis viermal so lang wie die gegen- wärtige Strecke, sondern um mehrere Eisenbahnlinien, die nach einem Vergleiche des Obersten Deimling jede dir Länge der Strecke Metz bis Posen haben sollen.(Härtl hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Wenn Sie sich also auf diesen Plan hier einlassen, so be- willigen Sie nicht nur die geforderte Wüstenbahn, sondern im Prinzip die beiden Ivcitercn Strecken sofort mit. Der Abg. Erz- berger hat Ihnen ja gestern mitgeteilt, daß schoi jetzt, ohne die Be» «illiznng des Reichstages abzuwarten, trotz früherer Ablehaung dieses Postens, die Vorarbeiten für die Strecke von Windhuk«ach Keetmanshoop in Angriff genommen worden sind und daß nur nachher indirekt die Zustimmung deS Reichstags zu de» schon ge- machten Ausgaben verlangt wird. Danach besteht gar kein Zweifel über die Absichten derjenigen Persönlichkeiten, die schließlich für die Handlungsweise der Kolonialverwaltung maßgebend sind, und deshalb müssen Sie sich klar sein, daß, wenn Sie den kleiner Finger hergeben, Sie gleich den ganzen Arm in den Rache» deS Kolonial- »wlochs hineinstecken müssen. Ich war sehr überrascht«nd flffiMentan sogar erfreut, als gestem die Herren von Her Kolonial- Vertvolhmg sich so außerordentlich bereitwillig zeigten, jederzeit Auskunft zu erteilen, wie der Herr'Legationsrat Helfferich dem Abg. Erzberger versicherte.„Die Botschaft hör' ich Wohl, allein mir fehlt der Glaubet" Nach all den Erfahrungen, die nicht nur wir Sozialdemokraten, sondern sämtliche Parteien in diesem Hause. mit Ausnahme der durchaus kolonialsreundlichen, die überhaupt nicht fragen(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten), gemacht haben, können wir an diese Bereitwilligkeit zur Auskunfterteilung nicht recht mehr glauben. Gestern allerdings, als es sich um i h r e Person handelte, waren die Herren von der Kolonialverwaltung sehr redselig und verlangten dringend, sofort Auskunft zu geben. nZch nehme ihnen das nicht übel, aber ich wünschte nur, daß sie ebenso bereit wären, zu reden, wenn es sich um die allgemeinen Reichs- Interessen, um die öffentlichen Interessen handelt. � Am 25. Mai stellte ich betreffs des Ausrottungsbefehls die dringende Anfrage an die Regierung. Da kam durch die Tücke des Schicksals die Vertagung.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Man muß doch annehmen, daß die Herren von der Kolonial- Verwaltung geradezu darauf brannten, uns Antwort zu geben, zu- mal auch die Kamerunborlage auf der Tagesordnung stand. Da kam am 30. Mai, unglückseligerweise, wie vom Himmel herab- geschneit,(Heiterkeit links) die Schließung des Reichstags. Die Herren von der Kvlonialverwaltung hätten doch zum Reichskanzler gehen und ihn beschwören sollen, die Schließung zu verhindern; denn ihre eigene Ehre stände auf dem Spiel, ebenso wie das Jnter- esse des Reiches. Der Herr Reichskanzler mit seinem guten Herzen hätte doch sicherlich mit der größten Bereitwilligkeit ihnen den Gc- fallen getan.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Statt dessen hüllte man sich bis zum 14. Dezember in vollständiges Schweigen. Nur meinem Punkte erhielten wir neulich eine sehr unklare Ant- wort vom Herrn v. Richthofen über das Verhältnis des Herrn Reichskanzlers zum Erlaß des Generals v. Trotha. Erst gestern gab Herr Geheimrat Golinelli im Auftrage des Reichskanzlers einige weitere Aufklärungen. Aus der Darlegung dieses Herrn geht nun hervor, daß der Erlaß des Generals v. Trotha bezüglich der Hereros nicht vollständig von dem Herrn Reichskanzler gewiß- billigt worden ist. sondern nur derjenige Teil, der sich auf die Frauen und Kinoer bezog, durch den die Frauen und Kinder in den Dursttod getrieben werden sollten. Im übrigen billigte es der H�rr Reichskanzler vollständig, daß Prämien ans die Köpfe der Häuptlinge ausgesetzt seien. Dagegen hatte Oberst Deimling hier im Reichstage den ganzen Erlaß gebilligt. Wir haben da eine der sogenannten„Unstimmigkeiten" in der Regierung, nämlich einen Unterschied zwischen den Anschauungen der Herren von der Militär- Verwaltung und der Herren von der Zivilverwaltung. Betreffs des zweiten Erlasses hat Gcheimrat Helfferich erklärt, daß von den Hottentotten nur diejenigen mit dem Tode bedroht wurden, die sich eines Mordes oder der Beihülfe schuldig gemacht hatten. Aus dem Wortlaute des Erlasses geht aber hervor, daß es sich um einen zweiten Ansrottungsbcfehl handelt, nur daß der Passus über die Frauen und Kinder fortgelassen ist. Es heißt da: Nur diejenigen, die sich freiwillig ergeben, sollen durch die Gnade des Kaisers des mächtigen Deutschen Reiches begnadigt werden. Und es heißt weiter: Nur diejenigen, die die Waffen gegen die Deutschen erhoben hätten, hätten ihr Leben verwirkt. Taraus geht doch aber hervor, daß die letzteren auch dann ihr Lbeen verwirkt haben, wenn sie sich frei- willig stellen.(Widerspruch beim Oberst v. Deimling.) Also auch hier handelt es sich wiederum um einen Ausrottungsbefchl. Nun kommt noch hinzu die Aussetzung der Preise auf die Köpfe der Witbois. Gegenüber der ausdrücklichen Verteidigung der Aussetzung dieser Prämien beharre ich dabei, daß das eine unbedingt verwerf- liche Handlung ist.(Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere dabei daran, daß der frühere /Gouverneur v. Lcutwein dem Hendrik Witboi ein glänzendes Zeugnis ausgestellt hat. Er vergleicht ihn mit Hermann dem Cherusker, der ja von jedem guten Deutschen als ein Stammesheros angesehen wird. Die Römer hätten Hermann den Cherusker genau so gut und mit noch viel größerem Rechte als einen Verräter ansehen können, wie die Deutschen den Hendrik Witboi. Ich betone, dieser Vergleich stammt von Leutwcin. Glücklicherweise ist die Kriegsverwaltung nicht in die Lage gekommen, die Prämien auszuzahlen. Das spricht sehr für die Herero und die Hottentotten, die sich nicht zu derartigen Verräterdicnsten hergegeben haben. Es entschuldigt aber keines- Wegs die Verwaltung, die derartige Verräterprämien ausgesetzt hat. Ich muß dann noch einmal zurückkommen auf das in der „Zukunft" veröffentlichte Telegramm. General v. Trotha verwahrt sich in ihm dagegen, daß er der Mann für eine schwächliche Kriegs- führung sei; aber dann heißt es weiter:„Ew.(fpzellenzl Ich halte den Frieden mit dem einzig anständigen Gegner Morenga nicht nur für erwünscht, sondern für dringend geboten. Die Lage ist durchaus nicht so, daß wir auf eine baldige Unterwerfung des Aufstandes rechnen können." Aus diesem Telegramme hatte Horden den Schluß gebogen, daß es an den Reichskanzler gerichtet und daß dieser einen Friedensschluß mit Morenga verhindert hätte. Gestern ist uns nun in der Budgelkommission mitgeteilt worden, daß dies eine irrtümliche Annahme der„Zukunft" ist. Der Empfänger dieses Telegramms soll nach den gestern gemachten Ausführungen nicht der Reichskanzler, sondern der Chef des Generalstabs sein. Wir stoßen hier aus die erstaunliche Tatsache, daß die Kricgsführnng in Südwestaftika Sieleitet worden ist einerseits vom Chef des General- tabs, andererseits vom Reichskanzler. Der Widerspruch zwischen der Kriegs- und der Kolonialverwaltung ist in der Kriegsführung schon wiederholt zutage getreten. Die Bemühungen des Generals v. Trotha, mit Morenga einen Frieden zu schließen, entsprechen offenbar den Anschauungen der Kolonialverwaltung, aber— nach diesem Telegramm— nicht den Anschauungen des Generalstabs. Dieser Widerspruch trat auch zutage, als der Reichskanzler den ersten Erlaß des Generals v. Trotha gegen die Hereros verurtcDlte und später Oberst Deimling ihn in vollem Umfange hier verteidigte. Ferner hat der Kaiser durch das Militärkabinett dem General v. Trotha seinen Dank und seine warme Anerkennung für seine vortrefflichen Leistungen aussprechen lassen und ihm diesen Dank durch die Verleihung des Ordens ponr Is morits bestätigt. Der oberste Kriegsherr zollt also der ganzen Kriegsführung des Generals v. Trotha wännste An- erkennung, aber auch das steht im Widerspruch mit den Ausführungen des Reichskanzlers, die eine solche unbedingte Anerkennung nicht ent« hielten, da sie ja jenen Erlaß mißbilligten und diese Mißbilligung sogar tn einem Briefe an den General zum Ausdruck gebracht wurde. Ich meine, wenn von verschiedenen einflußreichen Stellen ganz vcr- schiedene Anordnungen getroffen werden, so können wir uns nicht darüber wundern, daß schließlich General v. Trotha sich nicht mehr um die Zivilverwaltung kümmerte. Das sind aber ganz unhaltbare Zustände, denn es handelt sich nicht bloß um die Kriegsführung im engsten Sinne, sondern um politische Akte von großer Bedeutung. Der Erlaß des Generals v. Trotha ist ein Akt von politischer Be- deutung, weil er die Politik den dortigen Eingeborenen gegenüber kennzeichnet. Wir müssen fordern, daß die gesamte Kolonial- Verwaltung, sowohl im Frieden wie im Kriege, nur der Entscheidung des Kolonialamtes unterstellt wird, auch gegenüber dem kommandierenden General. Unter keinen Umständen dürfen Ein- griffe in die Verwaltung von rein militärischen Gesichtspunkten aus erfolgen. Wenn das bisherige Verfahren fortgeführt wird, so wird nach den bisherigen Erfahrungen— namentlich im Chinakriege, wo die Soldaten aufgefordert wurden, sich wie Hunnen zu benehmen und Barbareien zu begehen— unsere Kolonialpolitik den schwerste» Schaden erleiden. Zu meiner Verwunderung hat der LegationSrat König heute erklärt, daß die Greueltaten, die in den Kolonien vorgekommen sind, nicht auf die Böswilligkeit einzelner Personen zurückzuführen sei, sondern daß auch bei allen anderen Kolonieverwaltnngen Greueltaten vorgekommen sind. Das trifft ja den Kern der Sache. Ich bin der Ueberzeugung, daß die aiisgeivählten Kolonialbeamten durchschnittlich in bezug auf moralische und intellektuelle Qualität nicht niedriger stehen als die Beamten bei uns zu Lande. Wenn trotzdem eine solche Häufung von Mißbräuchen in der Koloinalverwaltung in die Erscheinung tritt, wenn soviel Greueltaten»nid so schreiende Un- gerechtigkeiten begangen werden, von denen heute Ihnen der Ab« geordnete Ablaß eine ganze Schüssel voll vorgesetzt hat, dann liegt das nicht am Tropenkoller— das ist nur ein Märchen, das jemand ausgeklügelt hat— dann ist das nur zurückzuführen auf die Aus- beutung und Unterdrückung der Völker, die der Zweck aller Kolonial- Politik ist. Die Machtvollkommenheit, die geradezu absolutistische Herrschaft der Beamten führt sie dazu, diese schlimmen Keime der Entartung und Brutalität zur Entfaltung zu bringen. Leute, die hierzulande sich normal entwickelt hätten, werden dort zu Ausbeutern schlimmster Art. Eine mir vorliegende Nummer der„Südwestafrikanischen Zei- tung" zeigt, daß vom 30. Oktober bis 30. November drei Weiße wegen Einbruchs, neun wegen Trunkenheit, vier wegen Diebstahls, drei wegen Raubes, einer wegen Unterschlagung, einer wegen Sittlichkeitsvergehens, flinf wegen kleiner Vergehen, im ganzen also 26 Weiße ins Gefängnis gebracht sind. Dagegen find nur 3 Ein- geborene ins Gefängnis gebracht I Die Todesfalle zeigen, daß in derselben Zeit von Weißen 1 Erwachsener und 1 Kind, von Ein- geborenen 17 Männer und Weiber und 7 Kinder gestorben sind. Selbst wenn man die Sterblichkeit der Schwarzen etwas höher rechnet, reden diese Zahlen eine deutliche Sprache Solange wir diese Kolonien haben, werden sie zu Mißbräuchen der scheußlichsten Art führen. Wenn Sie diese Mißbräuche abschaffen wollen, dann hilft keine Reform der Beamtenschaft, dann müssen Sie das ganze Kolonialsystem abschaffen, weil es zweifellos auf eine Aus- beutung der Eingeborenen hinausläuft. Deshalb bitte ich Sie: Lehnen Sie mit uns diese ganze Vorlage ab.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Geheimrat Helfferich protestiert gegen die Behauptung des Vor- redners, daß General v. Trotha eine Rüge vom Reichskanzler er- halten habe. Der Reichskanzler habe seine volle Uebereinstimmung mit der Tätigkeit des Generals v. Trotha wiederholt zum Ausdruck gebracht. Abg. Dr. Scmler(natl.) verzichtet aufs Wort.(Lebh. Beifall.) Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.): Es sind in der sozialdemo- kratischcn Presse, nämlich in der„Leipziger Volkszeitung", leiden- schaftliche Vorwürfe gegen Abgeordnete vom Zentrum und der ftei- sinnigen Vollspartei erhoben worden, weil sie Beschwerden, die an sie gelangt sind, nicht genügend vertreten hätten. Wir wollten aber erst die Erklärungen der Reichsregierung abwarten. Mein Fraktions- kollege Ablaß hat ja heute gezeigt, wie gründlich wir diese Sache nehmen. Wenn der Abgeordnete Ledebour heute früh anwesend gewesen wäre, als ich namens meiner Parteifreunde die Erklärung zu dieser Vorlage abgab, so hätte er uns nicht vorwerfen können, daß wir unser Urteil über die wirtschaftliche Bedeutung der Bahn geändert hätten. Ueberzeugt haben uns vielmehr die Mitteilungen des Obersten v. Deimling: daß eine Aufgabe des Südens einen Einfall der Hereros in den Norden zur Folge hätte, eventuell auch internationale Verwicklungen an der englischen Grenze, und daß eine Erleichterung der Verproviantierung der beste Weg zur rascheren Beendigung des Aufstandes sei. Getreu ihrer alten Stellung zu den Militärfragen werden meine Freunde der Re- gierung die Mittel nicht verweigern, einen notwendigen Krieg zum siegreichen Ende zu führen.(Beifall bei den Freisinnigen.) Abg. Ledebour(Soz., mit Unruhe empfangen): Der Abg. Müller- Sagau zwingt mich zu ein paar kurzen Bemerkungen. Wenn Abg. Müller-Sagan mit Einwilligung des Herrn Päplow die diesen be- treffenden Aktenstücke dem Reichskanzler übergeben hat, so ist aller- dings der Vorwurf nicht aufrecht zu erhalten, den eine Zeitung »reiner Partei gegen die genannten Abgeordneten erhoben hat; immerhin bleibt es beftemdlich, daß Herr Päplow, wenn er sich an den Reichskanzler wenden wollte, den Um- weg über Dr. Müller-Sagan gewählt hat.— Ich finde es äußerst befremdlich, daß Sie von Ihrem freisinni- gen Standpunkt aus durch die Gründe der Militär- verWallung sich zur Bewilligung einer Bahn bewegen lassen, deren wirtschaftliche Zwecklosigkeit Sie selbst anerkannt haben.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Diskussion.§ 1 wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Die folgenden Paragraphen werden debattelos angenommen. In der Gesamt- abstimmung wird die Vorlage gegen die Stimmen der Sozial- demokraten angenommen. Hierauf nimmt das Wort Oberst v. Deimling: Im Namen meiner Kameraden draußen in Afrika danke ich von ganzem Herzen dem hohen Hause für die so überaus schnelle Be- ivilligung der Bahn. Aus allen Gauen Deutschlands sind ungezählte Weihnachtsspenden jetzt an die Truppen hinausgeschickt. Sie dürfen überzeugt sein, daß von allen diesen Weihnachtsgeschenken keines so die Herzen der Truppen draußen erfreuen wirdwieJhreGabe. die Eisenbahn. Sehen doch daraus die Truppen, daß die Abgeordneten des Volkes und damit das ganze deutsche Volk hinter ihnen stehen, daß für sie die Herzen in warmer Teilnahme schlagen. Aus diesem Bewußtsein wird die Truppe am besten die Kraft schöpfen, weiter auszuharren in ihrer schweren Aufgabe bis zum siegreichen und so Gott will nicht allzu späten Ende.(Lebhafter Beifall.) Darauf wird die Generaldebatte über den Etat fortgesetzt. Abg. Gothel»(fts. Vg.): An den Wohlfahrtscinrichtimgen haben die Arbeitgeber selbst ein großes Interesse. Auf der anderen Seite muß man aber doch auch anerkennen, daß für Wohltätigkeit viel getan wird, insbesondere auch von jüdischen Firmen. In England ist die sozialdemokratische Chartistenbewegung, die dieselben Ziele verfolgte, wie Herr Kautsky in Deutschland, elend gescheitert. Bei uns wird die Sozialdemokratie besonders gefördert durch die Tätigkeit der Polizei, die Märtyrer schafft. Die Matznahmen der Regierung züchtet ja geradezu Sozial» demokraten, das sehen wir an Mecklenburg, wo die Sozialdemokratie die stärkste Zunahme aufweist. Es ivar richtig, was Graf Posadowsky über die hohe Bildung unseres Volkes gesagt hat. Aber wenn die Arbeiter so gebildet sind, haben sie anw den Wunsch, an der Gesetzgebung auch in den Land- tagen mitzuwirken. Ich gebe zu: Auch die Völker machen ihre Fehler, mißbrauchen auch wohl ihre Freiheit. Aber wenn man nur dem die Freiheit geben wollte, bei dem eS ausgeschlossen ist, daß er sie mißbraucht, köünte man überhaupt niemand die Freiheit geben, nicht einmal den Herren Ministern.(Heiterkeit.) Unvorsichtig war es, daß gerade Abg. Stöcker über das Schwinden der deutschen Treue geklagt hat. Er sollte doch an den Scheiter- Haufenbrief denken!(Sehr gut! links.) Das Auftreten des Herrn Stöcker in Essen hat wahrscheinlich den Sozialdemokraten nur ge- Holsen. In Straßburg-Land aber hat er als evangelischer Vorkämpfer den Pakt mit dem Zentrum empfohlen.(Sehr gut! links.) Die Sozialdemokratie wird aber auch vom Regierungstische ge- stützt. Herr Bebel braucht nur aufzustehen, so kommt der Reichskanzler, um sich lediglich mit dessen Rede zu beschäftigen. Die ausgezeich- neten Reden der Herren Schräder, Gröber, Payer bekommen dagegen keinerlei Erwiderungen. Ein Volksvertreter kann nicht immer in die patriotische Hurratrompete einstimmen, das wäre eine Pflicht- Verletzung. Ich bin weit entfernt, das französische Gelbbuch über Marokko Tir objektive Wahrheit zu halten. Sicher aber ist, daß die deutsche Politik in dieser Angelegenheit nicht immer dieselbe geblieben ist. So etwas mutz im Auslande beunruhigen. Ich halte es für im- bedingt notwendig, daß_ der Reichskanzler diesem französischen Gclbbuch ein deutsches Weißbuch entgegensetzt,' um jene» schlechten Eindruck wieder gut zu mache». Der Reichskanzler hat die Kriegs- gerächte als„Unsinn" bezeichnet. Aber viel mehr als in sozial- demokratischen Kreisen waren diese Gerüchte i» den Kreisen der Beamten und Offiziere verbreitet.(Sehr richtig! links.) Ich habe nur den einen Wunsch, daß diese Etatsberatnngen von cineni Patriotismus geleitet werden, der nicht vor der Kritik zurückschreckt. Sorgen wir dafür. daß ein gesunder Boden im Volke entstehe, auf dem der Patriotismus emporwachsen kann.(Lebhafter Beifall links und in der Milte.) Abg. Graf Mielzhnski(Pole): Die schlimmsten Maßnahmen gegen uns betreibt die preußische Regierung mit dem Ansiedelungs- gesetz. Man sollte doch wenigstens denken, daß die Regierung vor der Familie und der Religion Halt machen würde. Auch das geschieht aber nicht. Man beruft sich sogar auf Papst Leo XIII., obwohl dieser Greis im Vatikan gerade stets den Polen ermunternde Worte gesagt hat, obwohl er bis zum Tode seine Rechte gegen die italienische Regierung verteidigt hat. Kann man es uns denn übel nehmen, wenn wir unser Vaterland, das im Unglück danieder liegt und in Ketten geschlagen ist, lieben? Im Unglück liebt man doch doppelt. Ist es wahr, daß der Oberst v. Skeczinski in Rathenow mit schlichtem Abschied entlassen ist, weil er sein Gut an einen Polen verkauft hat? Die jetzige Politik bat dazu geführt, daß Frankreich die Ohren spitzt und Deutschland seine Lasten vermehrt hat. Trotz- dem wird Herzog v. Bülow(Heiterkeit) im nächsten Jabre uns mit lächelnder Miene sagen: Nur die Klugheit der preußischen Politik hat das Vaterland gerettet. Generalmajor Sijft v. Armin: Der Vorredner hat eine direkte Anfrage wegen der Verabschiedung des Oberst v. Skeczinski an die Heeresverwaltung gerichtet, und so will ich ihm darauf antworten, obwohl dem Oberst als Offizier die Ursache selbstverständlich bekannt ist. Der Oberst hat bei Sr. Majestät den Abschied erbeten und Se. Majestät hat den Abschied bewilligt. Weiter habe ich nichts darauf zu erwidern. Abg. Blninenthal(südd. Vp.): Die Angaben, die uns durch den Reichskanzler über die auswärtige Politik Deutschlands im ver- gangenen Jahre gemacht worden sind, waren überaus dürstig. Es ist nicht nötig, durch die diplomatische Küche gegangen zu sein, um die Kochkunst des Küchenchefs zu beurteilen. Wir merken an den: uns vorgesetzten Mahle, wie bitter eS ist. (Sehr gut! links.) Einstimmig, ohne jeden Unterschied der Parteien, wünschen alle Elsaß-Lothringer möglichst gute Beziehungen zu Frank- reich. In der Marokko-Frage konnte die deutsche Regierung ihr Ziel der Wahrung deutscher Interessen leichtlich ohne Brüskierung Fraiikreichs erreichen. Der Abgeordnete Bassermami wollte im französischen Gelbbuch zwischen den Zeilen lesen.„Das kann man nach der Posadowsky'schen Einschätzung der mutmaßlichen Durchschnittsfähigkcit eines Reichstagsabgeordneten von uns eigentlich nicht verlangen.(Heiterkeit.) Aber zum Glück hat wenigstens die nationalliberale Partei noch staatsmännische Talente, die uns die dürftigen Regierungserklärungen ausdeuten.(Heiterkeit.) Abg. Dr. Scmler(natl.): Passen Sie auf. gerade geht das elektrische Licht aus!(Heiterkeit.) Lassen Sie nur, ich werd's Ihnen schon wieder anstecken.(Große Heiterkeit.) Der Abg. Bassermann ver- langte für Deutschland Ellbogenfreiheit.(Eine elektrische Lampe wird mit neuem Kohlenstist versehen. Heiterkeit.) Mit der Benutzung des Ellenbogens erwirbt man sich nur den Ruf eines Rauhbeins. (Heiterkeit.) Die internationale Marokkokonferenz war ein Danaer- geschenk; viel leichter hätten Deutschland und Frank- reich unter sich zu einem Abkommen gelangen können. Die kriegerischen Mittel standen in merkwürdigem Gegen- satz zu den Vorteilen, die man erreichen konnte und wohl auch wollte. Jedenfalls gäbe es in Deutschland nichts Unpopuläres als einen Angriffskrieg gegen Frankreich.(Lebhafte Zustimmung links.) Erst jetzt sind die über alles Erwarten guten Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, die sich allmählich entwickelt haben, auf Jahre hinaus verschlechtert worden, und das durch unser brüskes Auftreten. Ohne den Vorwurf mangelnden Patriotismus zu fürchten, müssen wir diese schwachen Seiten der deutschen aus- wärtigen Politik aufdecken. Deutschland scheint jetzt, wenn man der konservativen Presse glauben will, sehr geneigt, die Machtfrage zu stellen. Der Abg. Stöckcr meint, daß die Bildung christlicher Gewerkschaften ein Abrücken der Arbeiter von der Sozialdemokratie bedeute. Das Umgekehrte ist der Fall. Ich befürchte, daß die christlichen organi- fierten Arbeiter später die Sozialdemokratie verstärken werden. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Warum befürchten?) Weil ich ein Gegner der Sozialdemokratie bin. Meine politischen Freunde im Elsaß können der Ausschaltung des Reichstages aus der Landesgesetzgebung nickst zustimmen, so lange wir dort nicht eine wirkliche Volks- Vertretung haben. Ich habe aber zum Reichstage in bezug auf die Einführung des allgemeinen Wahlrechts mehr Zutrauen als zu unserer Landesvertretung. Der Staatssekretär v. Köller hat aller- dings erklärt, daß. so'lange er im Amte sei. an eine Einführung des allgemeinen Wahlrechts bei uns nicht zu denken sei. Nun. auch Herr v. Köller hat seine Ansichten schon geändert. Jedenfalls sollte man den Elsaß-Lothringern das allgemeine Wahlrecht nicht vor- enthalten.(Beifall links.) Abg. Erzberger(Ztr.): Geheimrat Helfferich hat mir gestern den Vorwurf gemacht, daß ich unter dem Schutze der Anonymität ge- schrieben habe. Das hat er dodh ebenso gemacht; denn seine Er- klärung in der„Nordd. Allg. Ztg." war doch auch nicht mit seinem Nanien unterzeichnet.(Sehr richtig! im Zentrum). Geheimrat Dr. Helfferich: Ich habe dem Vorredner aus seiner Anonymität keinen Vorwurf gemacht. Wir konnten nicht voraus- sehen, daß Herr Erzberger hier etwas anderes vorbringen werde als in der„Kölnischen Volkszeitung". Das bat er aber getan. Abg. Erzberger meldet sich zum Wort. Präsident Graf Ballestrem schlägt die Hände über dem Kops zusammen.(Heiterkeit.) Ich nehme für uns in Anspruch, daß wir alles getan haben. Iva? wir konnten. An diesem guten Gewissen prallen alle Angriffe des Herrn Erzberger ab. Abg. Erzberger(Z.) hält seinen Vorwurf, daß die Budget- kommission ungenügend unterrichtet sei. aufrecht. Damit ist die erste Beratung deS Etats erledigt. Große Teile deS Etats gehen in üblicher Weise an die B u d g e t- kommission. Nächste Sitzung: Dienstag, den 9. Januar, nachmittags 2 Uhr.(Steuervorlagen.) Präsident Graf Ballestrem: Ehe wir auseinandergehen und da wir hier so zahlreich versammelt sind(Heiterkeit.— Es sind etwa 12 Personen im Saale), möchte ich Ihnen, aber auch den Kollegen, die hier nicht anwesend sind, ein fröhliches Weihnachtsfest und ein recht glückliches neues Jahr wünschen. (Beifall.) Schluß der Sitzung S'/z Uhr. Huö der Partei. AuS den Organisationen. In der am 11. d. M. abgehaltenen Mitgliedcrversaimnlung des 2000 Mitglieder zählenden Zweigvereins Köln und Umgegend deS Verbandes der baugewerblichen Hülfsarbeiter wurde einstimmig eine Protestresolution gegen die Haltung des „Bau-Hülssarbeiter" im„Vorwärts'-Konflikt und gegen die Ver- suche, zwischen den Gewerkschaften und der Sozialdemokratie eine Kluft zu schaffe», angenommen. Was wird auS Rußland? Darüber zerbricht sich im„Volksblatt für Anhalt" Genosse PeuS den Kopf. Seiner völligen Ratlosigkeit gibt er folgenden erschütternden Ausdruck: Wer kanns sagen? Die Nachrichten widersprechen sich. Bald hcißts, Witte ist noch immer Herr der Situation und bald wieder siegt Durnowo. Bald glaubt man, die Revolutionäre holen zum letzten vernichtenden Schlage aus, bald wieder scheint auf ihrer Seite alles in Wirrnis. In hohem Maße vermißt man führende Männer, wie sie die französische Revolution von 1789 in so glänzender Art und großer Zahl hervorgebracht hat. Wo ist ein revolutionärer Führer, dessen Name in aller Munde wäre?— Was sind die Meutereien? Sind'S planmäßige revoluttonäre Akte oder sind'S nur wilde Ausbrüche zielloser Menschen? � Das letztere dünkt uns ivahrschciulichcr. weil wir so gar kein planmäßiges Fortschreiten gewahr werden. Heute meutern sie, morgen unter- werfen sie sich wieder.-- Das ganze Schauspiel der russischen Revolution, so gigantisch und großartig eS in seiner Kraft eutsaltung ist, bietet, was Klar- heit und Festigkeit in den Ta fen anbetrifft, auf keiner Seite einen befriedigenden Anblick. Was daraus werden mag, kann noch niemand sagen. " " im Anfang nicht mehr als drei bis vier Lehrer anzustellen, so daß die Kosten einschließlich Bibliothek, Miete usw. nicht die Summe bon 20 000 m. jährlich zu übersteigen brauchte. Das können Partei und Gewerkschaften gemeinsam für einen so wichtigen Zweck wohl aufbringen. Und wir hätten dann den Vorteil, daß Jahr für Jahr eine Schar wirklich vorgebildeter Agitatoren ins Land fämen, die dann auch an den kleinen Orten, wo die hervor geistigen Kräfte" viel ragenberen eigen Stunter, fits Borlesungen aus der„ Neuen Zeit." " Donath Bremen berlaffen, und Ende dieses Monats geht noch Genosse Richard Schmidt. Es ist gewiß lein schlechtes Zeichen für die bremische ArbeiterBewegung, daß sie so viele brauchbare Kräfte für außerhalb zur Verfügung stellen konnte. Aber wir können doch den Wunsch nicht unterdrücken, daß nunmehr für einige Zeit Ruhe eintreten möge, damit die entstandenen Lücken wieder voll ausgefüllt werden fönnen. Gotha, 15. Dezember.( Privattelegramun des„ Vorwärts".) In Aus Induftrie und Handel. Man möchte bei der obigen Jeremiade unwillkürlich ausrufen: Da brat' mir einer den Storch! Wenn ein sozialdemokratisches Blatt nach all den grandiosen Beweisen einer bewundernswerten Disziplin, Kaltblütigkeit, Energie und Zielsicherheit, wie sie in dem Kampfe der Arbeiterklasse Rußlands jeden Tag zum Ausdrud tommen nehmen wir doch nur die letzten Massenstreits, den Eisenbahners, jezt den Post- und Telegraphenbeamtenstreit, wenn jemand nach alledem Klarheit und Festigkeit in den Jede Anregung, die den Zwed hat, dem Bildungsdrange Ichtershausen ist in Anwesenheit des Landrats der sozialdemokratische Taten" der russischen Revolution vermißt, dann zeigt er eben, unserer Arbeiter Rechnung zu tragen, ist dankbar zu Se- Arbeiter Licht als Schultheiß gewählt. daß er sich genau wie die ganze bürgerliche Philifterpresse von grüßen. Allein es scheint uns, daß mit Mitteln der for= offiziösen Telegraphennachrichten verwirren läßt und ohne jede Richt- malen Bildung, wie sie eine regelrechte Arbeiterschule oder schnur einer eigenen Auffassung mit jeder Depesche himmelhoch jauchzt Universität liefern kann, noch keine brauchbaren Agitatoren und oder zu Tode betrübt zusammenklappt. Freilich wickelt sich ein welt- Redner großzuziehen sind. Für uns kommt es doch in erster • geschichtliches Schauspiel wie die russische Revolution nicht so glatt Linie auf lar denkende Agitatoren an, die sich in die Literatur Die Generalversammlung der Allgemeinen Elektrizitäts- Geam Schnürchen ab wie die Besteuerung eines Konsumvereins. Aber des wissenschaftlichen Sozialismus, in die ganze Gedankenwelt der sellschaft in Berlin hat der Verwaltung des Unternehmens heftige dazu sind wir ja Sozialdemokraten, um uns in dem Wust der Sozialdemokratie hineingearbeitet haben und da ist die Frage am Angriffe gebracht, wie sie bei Aktionärversammlungen so großer äußeren Begebenheiten zurechtzufinden und das Wesentliche und Blaze: wie haben es denn unfere älteren Genossen in ihrer Jugend- Unternehmungen eine Seltenheit sind. Meist spielen sich diese VerGrundlegende aus dem Aeußeren und Zufälligen herauszuschälen zeit gemacht, diejenigen, die sich nicht nur den Inhalt aller grund- sammlungen ganz nach dem Wunsche der Verwaltung ohne jede Das Interessanteste in der Jeremiade des Anhalter Volksblatts" legenden Werke des Sozialismus, sondern auch eine ganz ansehnliche Stritik und Bemängelung durch die Aktionäre ab. Die Opposition ist jedoch sein Suchen nach großen Männern", nach Helden", wie Portion allgemeiner Bildung anzueignen wußten? Von unseren in der Versammlung der A. E. G. hängt im letzten Grunde mit fie in der französischen Revolution hervorragten. Hier verrät fich grauhaarigen Genossen fennt so ziemlich ein jeder die namhaftere der großen Aussperrung zusammen, deren Folge war, daß die Divieine durch und durch bürgerliche Geschichtsauffassung. Diefe Literatur der sozialistischen Theorie, meistens selbst die schwierigsten Werte dende nicht so hoch ausgefallen ist, wie die Aftionäre erwartet hatten. Fragen erinnern uns übrigens lebhaft an jene Antwort, die Heinrich von Mary, und das alles haben sie nicht erst heute oder gestern, sondern Der Generaldirektor Nathenau gab diese Einwirkung zu, indem er Heine seinerzeit den Krititern der Shakespearschen Dramen gab, als in ihrer Jugend und im besten Mannesalter durchstudiert. Und doch ausführte, daß ein Teil des finanziellen Vorsprungs gegenüber dem sie sich beklagten, daß sie in den Dramen des großen Briten alle gab es zu jener Zeit feine Arbeiteruniversitäten, nicht einmal die Vorjahre durch die Aussperrung inzwischen absorbiert worden sei. Anforderungen des„ flaffischen Dramas", also die Einheit der Zeit, des heutigen Arbeiterbildungsschulen. Und doch hatten sie sicher nicht zwar fällt die Aussperrung in das neue Geschäftsjahr, aber nichts. Drtes und einen eigentlichen Helden" vermissen. Diese Bedingungen weniger zu tun und nicht mehr freie Zeit, wie wir jetzt haben. Wie destoweniger hat bei der Bemessung der Dividende für das letzte sind alle da, antwortete Heine lächelnd, Ihr seid bloß zu kleine haben es unsere Alten trotzdem fertig gebracht, sich so tüchtig aus Geschäftsjahr in Rücksicht auf die Verluste, die die Aussperrung Leutchen, um sie zu bemerken: der einheitliche Ort der Shakespearschen zubilden? Wir denken: sie hatten einfach mehr wahren Wissens- dem laufenden Geschäftsjahr bringt, eine große Rolle gespielt; Dramen, das ist die Erdkugel, die Zeit die Weltgeschichte, und brang, als die meisten Genoffen heute, fie ließen es sich mehr andernfalls wäre es leicht möglich gewesen, eine höhere Dividende der„ Held" das ist die Menschheit! Wer heute in der ehrliche Mühe fosten und hatten mehr aufrichtigen Respekt vor der als 10 Proz. zu verteilen. Der Hauptopponent geißelte die Finanzi einen russischen Revolution nach Helden" sucht, bemerkt nicht den" Theorie", um in der täglichen Kleinarbeit nicht unterzugehen und politik der A. E. G. ungemein scharf und bezeichnete den Geschäftsgroßen Helden: die moderne Arbeiterklasse, das Proletariat als nicht geistig zu veröden. Wenn dieser Geist in unseren Reihen bericht als einen furchtbaren Blender". Die Aftionäre wurden mit Masse. Und nun verzeihe uns der„ Schwan von Avon", daß mehr gepflegt wird, werden wir auch heute tüchtige und durch einem Schwall von Worten abgespeist, bekamen aber keinen Einwir ihn mit dem Genossen Peus in Zusammenhang gebracht gebildete Agitatoren aus eigener Kraft haben. blick in den wirklichen Stand des Unternehmens. Wenn auch diese haben... edo Angriffe vereinzelt blieben und sicherlich an Uebertreibungen litten, so ist doch so viel richtig, daß heute nur die Verwaltungen der großen Unternehmungen sowie die Großbanken, nicht aber die eigentlichen Besizer der Kapitalien, die Aktionäre, in die finanzielle und kaufmännische Lage der Betriebe, denen sie ihr Geld hingegeben haben, einen einigermaßen befriedigenden Einblick erhalten. W Arbeiterbildung. Genosse Julian Borchardt regt in der Königsberger Bolts- Zeitung" die Errichtung einer Art Universität für Arbeiter in Berlin an. Der Verfaſſer erachtet es für notwendig, planmäßig gebildete Redner und Agitatoren zu erziehen. Auch hier sehe ich nur eine Möglichkeit, schreibt er. Daß die Aufgabe der Redner, so wie ich sie gestellt habe, fehr schwer ist, wird jedem einleuchten. Folglich sind dazu nur fenntnisreiche und tüchtig vorgebildete Personen zu brauchen. Die wachsen aber nicht von selbst, sondern wir müssen sie ausbilden. Der Parteivorstand sollte das Geld, das er für solche Zwecke in Bereitschaft hat, nicht durch Hergabe an alle möglichen fleinen Orte berzetteln, sondern er sollte es zusammenhalten und damit eine Stätte schaffen, an der planmäßig die Lehrkräfte, die wir brauchen, ausgebildet werden. Also eine Art Arbeiter Universität, deren Siz natürlich am besten in Berlin wäre. Derartiges ist möglich, in England besteht es bereits. Und es würde, wenigstens im Anfang, feineswegs übermäßige Kosten verursachen. Die Aufgabe des Instituts wäre, in einjährigem Kursus 20 bis 50 Hörer gründlich in Boltswirtschaft, Geschichte und Reden zu unterweisen. Dazu brauchte man Noch für Weihnachten! Ponntage eines großstädtischen Arbeiters S Gegen Kasse, billigste Preise. in der Natur mit einem von Curt Grottewitz, on Wilh. Bölsche nwort Mit Buchschmuck und dem Portrait des Verfassers Broschiert 60 Pfennig Gebunden 1 Mark ddled Wilhelm Bölsche schreibt in seinem Vorwort: „ Ich glaube, daß es in der ganzen Literatur nicht leicht wieder so schlichte Naturschilderungen gibt, mit so scheinbar allereinfachsten Mitteln, wie in diesem Büchlein." W. Zapel, Hut- Fabrik, Skalitzerstr. 131. Größtes Spezial- Geschäft für Seiden- und Filz- Hüte. Lager in Schirmen und Mützen.( 51852* Ausverkauf wegen Umbau und Vergrößerung meiner Geschäftsräume. Hüte, Schirme, Mützen, Pelzwaren Mützen, Pelzwaren zu bedeutend herabgesezten Preisen. Carl Renz, Oranienftr. 3. Eine Mark wöchentlich liefere selbstspielende Musikwerke, Sprechmaschinen und echte Menzenhauer- Zithern. Bohönste Familienunterhaltung J. Kurzberg, An der Jannowitzbrücke 1, I. direkt am Bahnhof. 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Nach dieser Richtung hat die falifornische Erdölgesellschaft einen einschneidenden Plan gefaßt. Sie beabsichtigt, mit einem KostenBremen hat im verflossenen Jahre eine erhebliche Zahl von tüchtigen Kräften für auswärtige Partei- und Gewerkschaftsämter hergeben müssen. Den Anfang machte Genosse Heinrich Meyer, der als Gaubeamter der Holzarbeiter nach Mül- aufwande von einer Million Dollars eine Röhrenleitung über die heim a. R. übersiedelte. Im Mai trat Genosse Brandmohr Bandenge von Panama zu legen, um ihre Lieferungsaufträge nach Europa leichter erfüllen zu können. Das Erdöl wird an das die ihm übertragene Stellung im Sentralvorstand der Bauarbeiter Pacific- Ufer der Landenge befördert und dann durch die Röhrenin Hamburg an. Im Sommer verließ Arbeiterfekretär Genosse Hermann Müller Bremen um in das Reichsarbeiterfekretariat leitung nach dem Atlantischen Ufer gepumpt, von wo es nach Europa in Berlin einzutreten. Ungefähr zu gleicher Zeit trat Genosse verschifft wird. Die ganze Beförderung wird dadurch erheblich billiger. Albert Faure aus dem Zentralvorstand der Tabakarbeiter eine neue Stellung als Parteisekretär in Elberfeld an. Genosse Otto Dividenden. Auf 17 bis 18 Proz. wird die diesjährige Divis Die Kronprinzen Heinrich übersiedelte im Herbst nach Straßburg, um als Geschäfts- dende der Eintracht Braunkohlenwerke geschätzt. führer in das dortige Parteiblatt einzutreten. Vor einigen Tagen werke Ohligs beglücken die Aktionäre wiederum mit einer Dividende hat Genosse Friz Ebert, am gestrigen Tage Genoise Hans von 25 Broz. Der Kenner raucht Nº61 hochfeine 6 Pf. Cigarre vorzüglicher würziger Geschmack J.NEUMANN Cigarren- Fabriken- 103 Filialen. Davon in Berlin: Brunnenstr. 32, E. Anklamerstr. Chausseestr. 16, E. Invalidenstr. Chausseestr. 36/37, E. Schwartzkopffstraße. Dresdenerstr. 5, E. Adalbertstraße. Friedrichstr. 171, E. Französ.- Str. Gertraudtenstr., E. Breitestr. 20 a. Invalidenstr. 148, E. Bergstraße. Jerusalemerstr. 41, E. Krausenstr. 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Aufnahmebedingung: gesunder Körper, versicherungspflichtigkeit liegt in dem von Ihnen geschilderten Falle nicht Schulfenntnisse einer ersten Klasse der höheren Mädchenschule. Der An- vor. M. N. 1. 1. Wenn sie nicht als selbständige Unternehmerin an Wette Nr. 35. 21. Ottober 1890. E. Zahlstelle: J. Stormer, meldung ist kurzgefaßter Lebenslauf und bei Minderjährigen die Einwilligung gesehen wird, ja. 2. Wenn mindestens 100 Marten auf Grund einer VerA. 3. 24. Die persönlichen ficherungspflicht geklebt find, braucht der Selbstversicherer insgesamt nur Berlin, Naunynstr. 75 part. Alles Nähere erfahren Sie dort.-W. T. N. W. des Vaters resp. Bormundes beizufügen. Geht zurück auf ein altes irisches Volkslied." Nr. 137. Jit gesperrt. Angelegenheiten unserer Abgeordneten sind uns nicht bekannt. 200 Marten aufzuweisen, um invalidenversicherungspflichtig zu sein. 3. An Tegel. Der Hobel, die Hobel. Unwiffend 1000. Wenden Sie sich. B. 74. Aus den amtlichen Wählerlisten tönnen wir keine Auskunft das Revier, in dem sie wohnt. 4. Die 172 Marken werden den späteren zugerechnet. an das Betriebsbureau Berlin, Köthenerstr. 12. W. 3. Nein. über die Stimmabgabe eines einzelnen Wählers geben, weil diefelben uns A. S., H. B. 28., 23. D. Nein. F. K. Wir können bestimmte St. W. 35. Im Jahre 1893. W.. nicht zur Verfügung stehen. Schult. In allen Fällen. E. H. 64. Erscheint unglaublich. Wenden Aerzte, Kliniken usw. nicht empfehlen. F. B. 10. 1. Sie können Klage Fragen Sie in einem Drogengeschäft an. P. 6. Schauspielschule des Sie sich an jene Zeilung, aus welcher der Ausschnitt stammt. auf Rückzahlung beim Amtsgericht anstellen. 2. Das ist möglich. 3. Der Deutschen Theaters. In den Zelten Nr. 21 Berlin W. Dort er unterliegende Teil trägt die Kosten. M. W. 64. 1. und 3. Ja. fahren Sie Näheres. H. St. 1. Nein. 2. 20 000 Erpl. Preis 60 000 Juriftifcher Teil. 2. Wenn die Fälligkeit der Steuern nicht weiter als drei Monate zurückliegt, Mart. 3. Vormittags beim Portier Portal V. D. T. Richten Die furistische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends fann wegen der Steuer im vollen Umfang Lohnbeschlagnahme stattfinden. Sie Ihre Anfrage an die Direktion des Birkus Schumann. von 7 bis 9%, lbr abends statt. Geöffnet: 7 1hr. 2. 240. 1. Wenn Ihre Frau gegen Ihren Willen und ohne GerichtsA. H. Wir sind nicht so tief in das Spiel eingeweiht. Chalander M. F. 100. 1. Ja. 2. u. 3. Das Eigentum Ihrer Frau haben Sie beschluß außerhalb der Chewohnung wohnt, sind Sie nicht unterhaltungsPhenig. Nein, teins von beiden ist der Fall. Friedrich Wilhelm. bei Leistung des Offenbarungseides nicht anzugeben. Soweit ersichtlich, pflichtig. 2. Das ist gleich. Treuer Abonnent 40. Wenn die Behrenstr. 59/61. Wärterin. Deputation für städtische Jrrenpflege, find die unter 2 und 3 aufgeführten Sachen Eigentum Ihrer Frau. Annahme vorbehaltlich erfolgte: nein, E. 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Dezember, vormittags 10 Uhr: General- Versammlung im Saale der Brauerei Am Friedrichshain 16/23. Tages Ordnung: 1. Fortsetzung über die Aussperrung in der Elektrizitätsindustrie. 2. An die Verwaltung gelangte Anträge. > Zahlreichen Besuch erwartet Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. [ 168/12] Die Ortsverwaltung. Achtung! Brauereiarbeiter! Achtung! Sonntag, den 17. Dezember, vormittags 11 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstraße 29: Oeffentl. Protest- Versammlung gegen die von der Regierung geforderte& rhöhung der Brausteuer. Tages Drdnung: 42/ 4* 1. Die von der Regierung geforderte Erhöhung der Braufteuer und welche Konsequenzen haben die Brauereiarbeiter daraus zu ziehen. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse Dr. Südekum. 2. Diskussion. Zu dieser Bersammlung sind alle in den Lagerbier, Weiß- und Braunbierbrauereien, Malzfabriken und Bierniederlagen beschäftigten Arbeiter eingeladen. Kein Mann darf fehlen! Kollegen! Agitiert für starken Besuch dieser Versammlung! Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Die Agitationskommission der Brauereiarbeiter Berlins und Umgegend. Verband der Maschinisten u. Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin und Umgegend. Sonntag, den 17. d. M., nachmittags 4 Uhr, bei Voigt, Ritterstraße 75: Versammlung. Tages Drbnung: 1. Was Ichrt uns der lettverflossene Kampf in der Berliner Elektro- Industrie?"( Der Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) 2. Verschiedenes. 3. Fragefasten. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 139/13 Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Dachdecker. Ortsverwaltung Berlin. Sonntag, 17. Dezember, vormittags 10 Uhr, bei Feind, Weinftr. 11: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Wie gestalten wir fürs nächste Jahr die örtliche Verwaltung von Berlin? falls ein Beamter in der Zentrale angestellt wird. 2. Verbandsangelegenheiten. Die Ortsverwaltung. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Carl Stier Fabrik für Herren- und Knaben- Garderobe Berlin SO. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege 1214b Paul Kluge Schöneberg, Hauptstraße 52, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 16. Dezember, nachmittags 3, Uhr, von der Salle des Schöneberger Kirchhofs, Marstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schloffer Heinrich Weber am 14. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. Dezember, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des städtisch. Krankenhauses am Friedrichshain aus nach dem Pauls- Kirchhofe bei Plößensee statt. Rege Beteiligung erwartet 168/13 Die Ortsverwaltung. Am Donnerstag, den 14. Dezember, nachmittags 3, Uhr, starb nach langem, schwerem Leiden im 45. Lebensjahre meine liebe Frau, Josef Fischer unfere gute unvergeßliche Wuiter Kohlen- Großhandlung Berlin 0.34, Brombergerst. 19/20. 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Das mag schon sein, aber die Sozialdemokratinnen sind nicht ge- kommen, weil sie der Meinung find, daß der jetzige Wahlrechtskampf nicht zersplittert werden dürfe. Die Sozialdemokraten verlangen ja das allgemeine Wahlrecht und es werde nirgends gesagt, daß sie darunter nur das Männerwahlrecht verlangen, sie halten es nicht für taktisch klug, das Frauenwahlrecht jetzt besonders zu betonen. Wer das Programm der Sozialdemokratie kennt, weiß, daß sie die vollständige politische Gleichberech- tigung der Frauen anstrebt. Die bürgerlichen Frauen ahnen aber auch mit prophetischem Geist, daß die sozialdemokra- tischen Arbeiterinnen in ihrem Vertrauen zur Partei ge- täuscht würden und erklärten in der Versammlung, wenn die Sozialdemokratinnen dann zu ihnen kommen werden, würden sie Hülfe finden, trotzdem sie jetzt nicht mit ihnen gehen. Vorläufig danken die Arbeiterinnen für die in Aussicht gestellte Hülfe. Sie sind sicher in ihrem Vertrauen, weil sie gleichzeitig auf ihre eigene Kraft und Stärke gestützt sind, die im Wachstum der Organisation ihren Ausdruck finden. Im Parlament wird es doch nur eine Partei geben, deren Vertreter geschlossen für das Frauenwahlrecht eintreten werden, wenn es zu einer Abstimmung kommt und das werden Sozialdemokraten sein.— In einem Artikel, der Sonntag in der„Zeit" erschien, wurde auch die Behauptung aufgestellt, daß die Versammlung der bürgerlichen Frauen die erste Kundgebung von Frauen für das Fraucnwahlrccht ist. Man hätte hinzufügen müssen: von bürgerlichen Frauen, denn wie hier schon ausgeführt wurde, haben die österreichischen Arbeiterinnen schon vor 12 Jahren für das Fraucnwahlrccht Versammlungen veranstaltet. Auch in der neuen Zeitschrift„Der Weg" wurde in einem Artikel behauptet, daß es beschämend sei, daß sich in Oesterreich noch keine Stimme für das Wahlrecht der Frauen erhoben habe. Auch hier hätte man sagen müssen, keine bürgerliche Stimme(und auch das stimmt nicht). Die Sozialdemokraten hätten zwar in ihrem Programm die Forderung nach dem Frauenwahlrecht,„diese werde aber nicht ernst genommen". Die Sozialdemokratie hat ja auch noch andere Forderungen, für die sie nicht jederzeit einen Feldzug eröffnet; kann man deshalb sagen: es ist ihr nicht ernst damit? Warum jetzt beim Frauenwahlrecht? Die sozialdemokratischen Arbeiterinnen sind die Mitkämpferinnen ihrer Genossen, sie werden auch an ihren Siegen teilhaben. Wenn einstweilen sich auch die bürgerlichen Frauen ein bißchen rühren, so tun sie damit nur ihre Pflicht; die Arbeiterinnen erfüllen die ihrige in den Reihen der Partei. Wie die Arbeiterinnen verstehen, ihre Pflicht zu erfüllen, haben sie am 2 8. November bewiesen. Auch ihre Arbeit hat geruht, in den abriken, in den Werkstellcn und am häuslichen Herde. Im eichen der roten Fahne haben sie in ganz Oesterreich mit den Männern demonstriert. Die Heimarbeiterinnen, die Ziegel- und Bauarbeiterinnen, die Schneide- rinnen und die Arbeiterinnen vieler anderer Branchen haben an dem Tage der großen Wahlrcchtsdemonstration keinen Mehrwert geschaffen. Und sie waren stolz und konnten stolz sein auf ihre Solidarität, auf ihre politische Reife. Und kommt es« zum Massenstreik, dann werden die österreichischen Arbeiterinnen erst recht die Probe ihrer politischen Reife ablegen, desien kann man versichert sein. Keinen Augenblick vergessen die ?lrbeiterinnen, was das Wahlrecht auch für sie bedeutet, und weil sie es verstehen, kämpfen sie den Kampf für das allgemeine gleiche Wahlrecht. Verstehen Regierung und Parteien das Wort allgemein nicht mit Einschluß der Frauen, nun, dann werden die Arbeiterinnen für ihr Recht nicht als Verein- s a m t e kämpfen, sondern als Angehörige einer starken großen Partei. Der Verein für Frauen und Mädchen von Schöneberg und Um- gegend hielt am 11. Dezember im Klubhause seine regelmäßige Vereinsversammlung ab. Herr Dr. Chajes referierte über„Frauen- leiden". Der sehr lehrreiche Vortrag wurde init reichem Beifall be- lohnt. An der nachfolgenden Diskussion beteiligten sich mehrere Ge- nossinnen. Zum Punkt Vereinsangelegenheiten wurde ein Komitee für daS am 3. Feiertage stattsindende Weihnachtsvergniigen gewählt. Zur Aufführung �gelangt„Der Sultan und fein Kind", ausgeführt von Kindern. Sodann„Arbciterlos", ausgeführt von Mitgliedern des Vereins. Einlaßkarte nebst Programm kostet 30 Pfennig. Herren, welche am Tanz teilnehnien, zahlen 30 Pfennig nach. Da der Abend ein recht unterhaltender zu werden verspricht, wird um recht rege Beteiligung gebeten. 8 neue Mitglieder wurden aufge- nommen. Adlershof. Der neue Verein für Frauen und Mädchen hielt am Montag, den 11. Dezember, bei Wöllstein seine Mitgliederversamm- lung ab. Herr Paul Jahn sprach über:„Die Religion der Zukunft!" Das Referat wurde mit Beifall aufgenommen. Die Versammlung war gut besucht. Bon der Agitation. Das„Volksblatt für Anhalt" berichtet: „Durch die letzten Versammlungen der Genossin Zieh ist die Frauen- agitation bei uns in Anhalt etwas in Fluß gekommen, und im Interesse der gesamten Arbeiterbewegung liegt es nun, allenthalben dafür zu sorgen, daß diese Agitation auch weiter betrieben wird. In den verschiedenen Orten, wo die Versammlungen stattgefunden haben, sind bereits weibliche Vertrauenspersonen eingesetzt, welche bezüglich der Frauenagitation durch Verbreitung der„Gleichheit". durch Vorträge usw. und Aufbringung von freiwilligen Beiträgen mit den örtlichen Parteileitungen Hand in Hand arbeiten sollen." Die Redaktion leitet den Bericht ein mit einer Aufforderung an die Genossen, ihre Frauen zum Besuch der Gewerkschaftsversamm- lungen anzuhalten, in deneu Borträge gehalten werden, als Hülfs- mittel gegenüber dem Verbot der Anteilnahme der Frauen an Ver- sammlungcn politischer Vereine und um die Frauen über den gewerkschaftlichen Kampf aufzuklären, damit sie dem Manne in ge- gebenem Falle nicht zum Hindernis wird. Das kann überall beachtet werden. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion. Rindfleisch la 64—68 pr. 100 Pfund, n» 56—61, nia 50- 55, IVa 10-48. Kalbfleisch la 82-86, Ha 70-30, lila 50-67, Hammelfleisch la 62—72, IIa 46—58. Schweinefleisch 65—71. Rotwild Pfund 40—53 Ps. Hasen Stück 3,30—3,80, klein 1,50—2.00. Kaninchen Stück 0,80—1,00, Huhner pro Stück, alte 1,40—1,85, junge la 0,80—1,20, do. IIa 0,60—0,70. Tauben, junge 0,65—0,75, alte 0,40—0,50. Enten junge 1,80—2,50, Gänse pro Stück, la 3,50—3,80, IIa 3,00—3,25, pro Psd. la 0,58-0,65, IIa 0,55-0,57, Schellfische 00,00 M,. Flunder 00,00 M. pro 100 Psd, Hechte 86—95 M.. Schleie, unsortiert 97 M, Aale, groß 0,00, mittel 0,00, klein 0,00, Plötzen 32-33 M,, Karpsen uns. 0,00 M.. Lachs 0,00, Schottische Vollhcringc(gesalzen) 36—38 M Eier, schock 4,60. Butter pro 100 Pfund la 124-126, IIa 118-124, lila 115-118, abfallende 95—110, Kartossein pr, 100 Psd. rote 2,00—2.20, Rosen 0,00—0,00, blaue 0,00—0.00, runde weihe 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock 6.00-10,00. Weißkohl 6,00—8,00, Rotkohl 4.00—8,00, Holl, 12—16 Ä, Same Gurken, Schock 2,00 M,, Pfeffergurken 2,00 M, Teures Fleisch— billige Seefische!! Bester Fleischersatz, schmackhaft Nock durch hoben Nährgehalt sich auszeichnend k Große Fänge in lebendfriscber Ware sind soeben eingetrofTen! Ein Versuch mit diesen äußerst schmackhatten Fischen ist jeder Hausfrau zu emplehlen. Öeeftsch-Rochbücher gratis. 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Vertreter der Presse wollen sich wegen Eintrittskarten an den Genossen wenden. Eugen Ernst, Buchdruckerei Vorwärts", SW., Lindenstr. 69, 2. Hof 2 Tr. Außerdem sind eine beschränkte Anzahl Karten für Zuhörer an die Wahlvereine ausgegeben. Der Eingang für Zuhörer ist: 2. Hof 2 Treppen; für alle anderen Teilnehmer 1. Hof 2 Treppen. Die Kommission zur Vorberatung der Statuten. Partei- Angelegenheiten. Wilhelmsruh. Sonntag, den 17. Dezember, vormittags pünkt lich 10 Uhr: Generalversammlung des Wahlvereins bei Bader( früher Liebermann). Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Kassenbericht. 3. Neuwahlen der Funktionäre. Friedersdorf i. M. Die zu Sonntag, den 17. Dezember, geplante Volfsversammlung zur Gründung eines Wahlvereins kann Umstände halber erst nach Weihnachten stattfinden. Näheres wird dann durch den Vorwärts" und Handzettel bekannt gegeben. Schöneberg. Vorort- Nachrichten. Bei größeren Aufträgen entsprechenden Rabatt. Viehhof zwischen Eisenbahn- Röderstraße- St. Wolfgangstraße in Wilmersdorf. einer der Terraingesellschaft günstigen Weise eingeteilt und danach Die Verleihung der Stadtrechte an Wilmersdorf, das jetzt 63 000 der Bebauungsplan festgesezt wurde. Anstatt 6 Morgen zu Schul- Einwohner zählt, und sein Ausscheiden aus dem Kreise Teltow grundstücken bietet die Gesellschaft 2 Morgen, Beitrag für die Ver- werden voraussichtlich am 1. April 1907 erfolgen. Die Verhandbreiterung der Schwarzenbrüde( Thaerstr.) anstatt 15 000 m. Ingen zwischen dem Kreisausschuß und der Gemeindeverwaltung Gemeindebaumeister in ihren Dienst genommen hat, in der Ver- nicht, wie einst Schöneberg, eine einmalige Abfindungssumme zahlen, 10 000 m. usw. Daß die Gesellschaft, die auch den bisherigen find im allgemeinen zum Abschluß gekommen. Wilmersdorf wird tretung Fürsprecher ihrer Handelspolitik" fand, versteht sich am sondern während einer Reihe von Jahren Teilzahlungen leisten. BeRande. Angenommen wurde, 4 Morgen zu fordern und an den treffs des Teltowkanals und einiger anderer gemeinsamer Einrich15 000 M. Beitrag festzuhalten. tungen wird eine fortdauernde Verbindung beibehalten werden. Friedrichshagen. Zum Bürgermeister" ernannt ist vom Ministerium der bisherige Amts- und Gemeindevorsteher Herr Wilh. Slut. Friedrichshagen braucht nun nicht mehr hinter Steglitz zurückzustehen. Beschlossen wurde auch, mit der königlichen Eisenbahndirektion Berlin einen Vertrag auf die Dauer von 5 Jahren zu schließen, der den Anschluß des Bahnhofs Frankfurter Allee an das Kabelnek des Elektrizitätsmerkes der Gemeinde Lichtenberg vorsicht und die Lieferung von mindestens 7000 Kilowatstunden Energie zum Gegenstande hat. Die Dottistraße( zwischen Rathausstraße und Ruschestraße) soll einem Vertrage entsprechend auf Kosten der An- Nowawes- Neuendorf. lieger anbaufähig hergestellt werden. Die Vorlage wurde an= genommen. Der Attiengesellschaft„ Edertwert" sollen für den 2 Meter breiten Streifen Straßenland der Steuerberanlagung des Baulandes der dortigen Gegend ungefähr entsprechend 6 M. pro Meter gezahlt werden. Von der Gemeinde werden bekanntlich 20 m. für den Quadratmeter gefordert. Einverstanden erklärte sich auch die Vertretung mit dem Ankauf eines Grundstücks zur Arrondierung des Geländes der Gemeinde- Gaswerke. Ein Vergleichsvorschlag wegen schwebender Differenzen mit einer Terraingesellschaft( Frankfurter Chauffee) wurde vertagt, doch dürfte auch diese Gesellschaft auf ihre Kosten kommen. Die Wahl eines Waisenrates für den 14. Bezirk fiel auf Herrn Horstmann. Die Resultate der Bolkszählung hierselbst sind folgende: In Nowawes wurde eine Einwohnerzahl von 6016 männlichen und 6132 weiblichen, zusammen 12 148 Personen festgestellt; da im Jahre 1900 nur 10 974 Personen gezählt wurden, beträgt die Zunahme der Ein bedeutend Einwohnerzahl seit dieser Zeit 1174 Personen. größeres Wachstum hat die Gemeinde Neuendorf zu verzeichnen; während dort im Jahre 1900 nur 4761 Personen gezählt wurden, beziffert sich jetzt die Einwohnerzahl auf 3416 männliche und 3444 weibliche Personen, zusammen 6860 Personen, so daß dort eine Zunahme von 2099 Personen zu verzeichnen ist. Berliner Nachrichten. Die Bewilligung einer laufenden, aber widerruflichen Unterstüßung an die Witwe eines verstorbenen Fleischbeschauers gab Umzugstermine beim Wohnungswechsel. Mit Bezug auf die unseren Genossen Gelegenheit, wieder einmal an die noch immer Polizeiverordnung vom 26. März 1870 betreffend die Umzugsausstehende Vorlage betreffend die Regelung der Anstellungs- und termine beim Wohnungswechsel bringt das Polizeipräsidium zur Versorgungsverhältnisse der im Gemeindedienst beschäftigten An- öffentlichen Kenntnis, daß der nach§ 3 des Gesetzes vom 30. Juni gestellten und Arbeiter zu erinnern. Wenn es hierbei zu einem 1834 am 2. Januar f. J. beginnende Umzug bei kleinen, aus Zusammenstoß mit dem Gemeindevorsteher kam, so ist das wohl höchstens zwei Zimmern mit Zubehör bestehenden Wohnungen an darauf zurückzuführen, daß die Besprechung von Arbeiterfragen demselben Tage, bei mittleren, aus drei oder vier Zimmern nebst bei der Fülle von Fragen, die ausschließlich Grund- und Haus- Zubehör bestehenden Wohnungen am 3. Januar, mittags 12 Uhr, besizern sehr nahe liegen, ganz aus der Uebung gekommen ist. bei großen, mehr als vier Wohnzimmer umfassenden Wohnungen Daß den Herren von dem„ größeren Interesse an der Entwickelung am 4. Januar, mittags 12 Uhr, beendet sein muß. der Gemeinde" wiederum eine Abschlagszahlung Bürgersteigsregulierungskosten in Höhe von 10 878 M. bewilligt wurde. Der Anfang mit dem Bau der ersten Berliner städti. Bei der das Ende dieser Forderungen" ist noch nicht abzusehen nimmt fchen Straßenbahn ist bereits begonnen worden. bei der Zusammensehung der Vertretung und der durch die Be- gegenwärtigen in Durchführung befindlichen Regulierung der fizer" geschaffenen Rechtslage" fein Wunder. Es nimmt auch Danzigerstraße zwischen Greifswalderstraße und Prenzlauer Aliee schon nicht mehr Wunder, daß von unseren Genossen die direkt findet auch die Gleislegung für die projektierte Nord- Ost- StraßenDie diesmalige Herbstaufnahme des Schöneberger Wohnungs- Beteiligten darauf hingewiesen werden mußten, daß ihre Anwesen- bahn, welche vom Stettiner Bahnhof aus durch die Garten-, marktes erfolgte in Verbindung mit der für Volkszählungszwecke heit bei der Verhandlung ihrer eigenen Angelegenheit nicht an- Bernauer-, Eberswalder, Danziger- und Elbingerstraße bis zum veranstalteten Grundstücksaufnahme. Die vorläufige Feststellung gängig sei. Es sei dies nur erwähnt, weil wiederholt auf das Baltenplatz geführt werden soll, um dort Anschluß an die Straßenergibt die Gesamtzahl von 1501 unvermieteten Wohnungen gegen- Un- schickliche dieses Verhaltens hingewiesen werden mußte. bahnlinie Warschauer Brüde- Zentralviehhof zu finden, statt. über 1139 im Mai 1905 und 1018 im November 1904, gegenDie beiden ,, Bliß- Omnibusfe" auf der Strede Hallesches Torüber dem Wohnungsangebot im Frühjahr eine Steigerung Teltow. Liefenstraße hatten gestern ihren schlechten Tag. Das am Nachum 362. Die meisten Zunahmen haben der neue Berliner und der Friedenauer Ortsteil zu berzeichnen( 110 bezt. 127). Auf Der Berkehr auf der Dampfstraßenbahn Stahnsdorf- Groß- mittag eintretende regnerische Wetter erschwerte außerordentlich diese beiden Stadtteile entfällt somit allein ein Anteil von Lichterfelde war am Dienstag wieder einmal stundenlang unter den Verkehr der Autos, da der Fahrdamm mit einer breiigen fast zwei Dritteln, der natürlich durch eine äußerst starke Wohnungs Das alte Schleifzeug blieb mit einem Nuck auf dem Schmutzschicht überzogen wurde, welche das Anfahren der Kraftproduktion verursacht ist. Die Bautätigkeit vom November 1904 bis Schügenplag stehen und konnte trotz enormer Anstrengung mit Brech- wagen sehr schwierig gestaltete. Die Räder der schweren Gefährte Oktober 1905 schuf 2992 Wohnungen gegen 2458 im vorigen Jahre. stangen und Winden nicht vorwärts und nicht rückwärts gebracht fonnten nicht die genügende Reibung finden, um mit der üblichen Der Ueberschuß an unvermieteten Wohnungen war am größten bei werden. Die Fahrgäste und Schulkinder waren in den Nachmittags- Schnelligkeit anzufahren. Dem einen Auto ging gegen 8 Uhr den dreizimmrigen( 327), zwei zimmrigen( 277), vier- und stunden genötigt, sich ihren Füßen anzuvertrauen. Diese Bahn abends an der Ecke der Friedrich- und Schüßenstraße gänzlich die fünfzimmrigen 273 beztv. 223; ein zimmrige, d. h. aus Stube wird im Sommer elektrisch betrieben werden, da sie der Streis an- Puste aus". Die Passagiere waren genötigt abzufteigen und sich einem gewöhnlichen Omnibus anzubertrauen. Der Autowagen und Küche bestehende waren nur 149 unvermietet. Eine Aufnahme gekauft hat. wurde durch vier Pferde nach dem Depot geschleppt. über die fleineren Wohnungen dürfte jedenfalls nicht intereffant sein und ein Bild darüber geben, was alles von unseren Haus- Tegel. agrariern als„ Wohnung" bloß nicht für sich selbst angesehen wird. brochen. " Die Eigentumsdiebstähle und Einbrüche mehren sich. Die Moabiter Einbrecherbande, über deren Tätigkeit wir bereits berichteten, seht ihr Treiben noch ungestört fort. So verübten sie einen Einbruchsdiebstahl in der Braudrickschen Bäckereifiliale in der Zwinglistraße 15d, woselbst sie 117 M. erbeuteten. Der Tat verdächtig erscheinen vier Personen, die dort beobachtet worden sind. Einen weiteren Einbruch versuchten sie bei dem Grünkramhändler Mann, Gozkowskystraße 36, in welchem Hause schon wenige Tage vorher ein derartiger Diebstahl verübt worden war. Die Diebe wurden bei dem Versuche, das Schloß zu erbrechen, gestört. Ende voriger Woche hat jedenfalls dieselbe Bande einen Fleischerladen an der Ecke der Turm- und Beuffelstraße geplündert. In der außerordentlichen Generalversammlung des Wahl. vereins, welche am 12. Dezember bei Rob. Schmidt tagte, widmete Ein Unstern scheint in letzter Zeit über unserer Feuerwehr zu zunächst der Vorsitzende, Genosse Lichtenberg dem plötzlich verwalten. Nachdem eben erst die peinliches Aufsehen erregende Affäre storbenen Genossen Friedrich Meier einen warmen Nachruf. des Brandmeisters Meyer mit dem Feuerwehrmann Volk die sich Die Versammlung ehrte das Andenken desselben in der üblichen übrigens noch in der Schwebe befindet einigermaßen zur Weise. Zur Aufnahme hatten sich 11 Genossen gemeldet, wovon Ruhe gekommen ist, hat ein neues Mißgeschick die von der Ver- 6 Aufnahmen wegen Abwesenheit der Betreffenden zurückgestellt waltung bis über den grünen Klee gelobte Feuerwehr betroffen. wurden. Den Bericht von der Kreiskonferenz gab Genosse Stohl. Kaum, daß die neue, fostspielige Automobilsprige in Nach dem Vorstandsbericht bewegte sich der Mitgliederbestand Tätigkeit getreten ist, hat sie auch schon den ersten Unfall bom 1. Juli 1905 bis jetzt wie folgt: Bestand am 30. Juni 201, zu verzeichnen. Im Begriff, am Donnerstagabend einem bereits Neuaufnahmen 49, ausgetreten 15, ausgeschlossen 1, mithin gegen vorausgeeilten Löschzuge zur Beseitigung eines Dachstuhlbrandes im wärtiger Bestand 234. Es fanden statt: 6 Vorstandssitzungen, Ein schwerer Betriebsunfall hat sich gestern in der Habelschen Die„ VorFriedenauer Ortsteil zu Hülfe zu kommen, passierte ihr das Malheur, 4 Vereinsversammlungen und 9 Diskutierabende. Brauerei am Tempelhofer Felde ereignet. Der 27 Jahre alte beim Wenden um die scharfe Ecke, die von der Marstraße nach der wärts"-Abonnentenzahl befindet sich erfreulicherweise in immer Brauereigehülfe Allerander Brückmann, Königs- Chauffee 95 wohnhaft. Hauptstraße führt, einen Bruch sowohl der Vorder- als der Hinter- aufsteigender Bewegung. In den Vorstand wurden gewählt: war zur Kontrolle der Maschinerie auf einen etwa acht Meter hohen achse zu erleiden. Das stolze Auto komite also zur Hülfeleistung ichtenberg als erster Vorsitzender, Scheidemantel als bei Feuersgefahr nicht weiter verwendet werden und mußte weiter,& öhler Kassierer, Hensel Sülfstassierer und Cupey Bodest hinaufgestiegen, verlor das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe. Er erlitt schwere innere und äußere Verlegungen und als Wrack nach nicht weit entfernten Depot in der Schriftführer. Alle übrigen Funktionäre wurden en bloc wieder wurde in bedenklichem Zustande nach der Speyerschen Privatklinik Feurigstraße zurückbefördert werden. Augeblich soll der schwere gewählt außer Prescher, Stodmar und Hülle, an deren in der Herbertstraße übergeführt. Unfall durch starkes Schleudern gegen die Bordschwelle verursacht Stellen die Genossen Spieß, Gutschow und Leibig traten. Als Delegierte zur Generalversammlung des Wahlverbandes worden sein. Die Kleptomanie" grassiert wieder. Gestern abend sind in Db man nun dem Fahrer eine Ungeschicklichkeit beimessen wird oder Groß- Berlin bestimmte die Versammlung die Genossen oh, einem großen Geschäftshause in der Leipzigerstraße zwei gefährliche die Schuld vielleicht der Fabrik zugeschrieben werden muß, tarn man Lichtenberg, Drescher und Rodeide. Zum Schluß Warenhausdiebinnen auf frischer Tat überrascht und festgenommen noch nicht wissen, meinen follte man aber, daß das Auto einen machte der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß die Gemeindewähler- worden. Die beiden hochelegant gekleideten Frauen waren an einen größeren Puff aushalten müßte, wenn es den gestellten Anforderungen Listen in der Zeit vom 15.- 30. Januar im Gemeindebureau öffent- Verkaufsstand für Damenpukartikel herangetreten und während die lich zur Einsichtnahme ausliegen. Für diejenigen Wähler, welchen eine derselben die Verkäuferin durch Gespräche abzulenken vergenügen soll. es an Zeit mangelt, erboten sich die Listen einzusehen die Genossen: suchte, ließ die andere Warengegenstände in ihrem Mantel verCharlottenburg. Barbier ch 3, Brunowstr. 15, 2. Rodeide, Schlieperstr. 30, schwinden. Eines der gestohlenen Stücke war auf die Erde ge= Wir machen noch einmal darauf aufmerksam, daß heute abend Nüsse, Brunowstr. 49, Rob. Schmidt, Schlieperstr. 64, fallen, und erst dadurch merkte die Verkäuferin, mit wes Geistes um 19 1hr im Voltshause, Rosinenſtr. 3, ein Experimentalvortrag C. Drescher, Spandauerstr. 15, P. Gutsch, Schlieperstr. 61 Sindern sie es zu tun hatte. Die beiden Elstern' wurden festgestellt von Dr. Borchardt über Flüssige Luft und Sauerstoffbeleuchtung" und Kargius, Schlieperftr. 64. stattfindet, zu welchem das Eintrittsgeld 25 Pf. beträgt. Friedrichsfelde. Tempelhof. In der am Mittwoch, den 18. d. M., stattgefundenen Neberfahren wurde am Montag abend auf der Grenze zwischen Lichtenberg und Friedrichsfelde in der Berlinerstraße der 60 jährige ziemlich gut besuchten Voltsversammlung bemerkte zunächst der Arbeiter Bielecke von hier, Berlinerstr. 110. Bielede konnte fich in- Einberufer, Genosse Thiel, daß die von ihm für diesen Abend befolge eines Gebrechens nur langsam bewegen. Er ernährte sich zum antragte Verlängerung der Polizeistunde von 10 auf 12 1hr abTeil durch Haufierhandel mit Streichhölzern, Blumen 2c. Bon gelehnt sei und daß er infolgedessen die gesamten Räumlichkeiten solchem Gange zurückkehrend, wurde er beim Ueberschreiten des Fahr- von dem Wirt gemietet habe. Nach einem Urteil des Kammer dammes von einem Arbeitswagen überfahren. Die Näder gingen gerichts vom vorigen Jahre habe niemand das Recht, ihm die dem Unglücklichen über den Leib. Schwerverletzt wurde Bielecke Weitertagung nach 10 Uhr zu untersagen. Hierauf hielt Genosse Frizz 8ubeil seinen Vortrag über: nach seiner nahen Wohnung gebracht, wo er trop sofortiger ärztlicher„ Die Revolution in Rußland und die Wahlrechtstämpfe in DefterHülfe starb. Der Kutscher des Wagens suchte nach geschehenem Unreich und Deutschland". Genosse Zubeil schilderte in eingehender Ein Mord scheint bei einem Leichenfunde vorzuliegen, der heute heil sein Heil in der Flucht. Ein Radfahrer nahm die Verfolgung auf, doch vergebens; auch die polizeilichen Recherchen nach dem Täter Weise die einzelnen Phasen dieser Kämpfe, fam aber nicht zu Ende früh in Marienfelde gemacht wurde. Gegen 5 Uhr fand ein Streden mit seinen Ausführungen. Um 10 Uhr wurde er von dem über- aufseher neben dem Güterschuppen der Militäreisenbahn auf den blieben ohne Erfolg. wachenden Gendarm unterbrochen, der den Auftrag hatte, die Ver- Schienen die verstümmelte Leiche eines etwa zwanzigjährigen MädLichtenberg. fammlung aufzulösen. Der Gendarm führte diesen Auftrag auch chens. Die Leiche war vollständig entkleidet. Der rechte Arm fehlte aus, troßdem er von dem Versammlungsleiter auf das Unberechtigte ganz, außerdem waren die linke Hand und der linke Fuß förmlich und auch Ungefeßliche seines Verhaltens aufmerksam gemacht wurde. vom Körper getrennt. Der Kopf wies ebenfalls schwere Verlegungen auf. Die Gemeindevertretung nahm am Donnerstag eine Vorlage des Gemeindevorstandes an, nach der das Gelände am ZentralTempelhof. und bei einer Leibesvisitation stellte es sich heraus, daß in den Tiefen der weit ausgebauschten Mäntel für weit mehr als 100 m. allerhand gestohlener Waren lagerten. Auch in anderen Warenhäusern sind die Diebe und Diebinnen bei dem augenblicklich herrschenden Nur in den großen Weihnachtsgedränge eifrig bei der Arbeit. wenigsten Fällen gelingt es den überwachenden Sicherheitsbeamten, die Täter zu fassen. Mit einer seltenen Geschicklichkeit gehen diese Taschenspieler der Warenhäuser" zu Werke, und fobald sie einmal durch unglückselige Zwischenfälle erwischt werden, markieren sie den frankhaft veranlagten„ Kleptomanen". 10 Ein Mord? " Die Leiche wurde einstweilen zur Seite geschafft und polizeiliche Denunziation feitens der eigenen Gewerkschaftskollegen. Zwei| Tage zu bezahlen. Die bezüglichen Gläubiger( Aderbefizer) sezen Anzeige erstattet. Rätselhaft erschien anfangs das Fehlen jeglicher Formern hatten es die beiden Bevollmächtigten des Metallarbeiter- daher alles daran, den Staat zu bewegen, die Bahn zu übernehmen, Kleidung. Später wurden aber in der Richtung nach Berlin und Verbandes der Zahlstelle Guben, die Genossen Lilie und damit ihnen ihre Forderung sichergestellt werde. zwar fast zwei Kilometer von der Leichenfundstelle entfernt ver- erlet, zu verdanten, daß sie wegen Bedrohung auf die schiedene Kleidungsstücke aufgefunden und zwar ein Korsett, ein roter Anklagebant tamen. Der Tatbestand ist folgender: In FrankDer Marconi- Depeschenverkehr auf hoher See. Unterrod und ein halbes Beinkleid, die jedenfalls der Verstorbenen furt a. D. war bei der Firma Gaul u. Hoffmann ein Streit gehörten. Merkwürdig war es, daß diese Kleider unmittelbar neben ausgebrochen, weil die Firma sich beharrlich weigerte, die gegen- Im Hinblick auf die schon vorhandenen und die wahrscheinlich den Bahngleisen der Richtung Berlin- Boffen lagen, daß dagegen seitig vereinbarten Tarifabmachungen innezuhalten und noch zu erwartenden Erfolge der drahtlosen Telegraphie hat die die Leiche auf dem Gleise der anderen Richtung Boffen- Berlin lag. Die Unfallverhütungs- Vorschriften nicht beachtete. Die bestreifte Hamburg- Amerika- Linie heute bereits fünf ihrer größten PassagierAmerika",„ Blücher", Diese Tatsache in Verbindung mit ter vollständigen Entkleidung Frankfurter Firma ließ nun bei der Firma Judel in Guben schiffe, die Dampfer Deutschland", der Leiche legte fofort den Verdacht nahe, daß es sich hier um einen Streifarbeit anfertigen, weshalb es auch in diesem Betriebe zur Moltke" und" Hamburg" mit Marconi- Stationen ausgerüstet; Mord handele. Hinzu kommt noch, daß schon bei oberflächlicher Arbeitsniederlegung fam. Während des Ausstandes erkundigten der Riesendampfer Kaiserin Auguste Victoria" fommt im Früh Besichtigung an der Brust der Leiche Wunden erkannt wurden, die sich nun eines Tages zwei Former, die selbst Mitglieder des Metall- jahr 1906 als sechstes Schiff mit derartiger Anlage hinzu. Jede nach Lage der Sache nicht vom Bahnzuge herrühren konnten. Einst- arbeiter- Verbandes waren, bei den genannten Bevollmächtigten der Station besteht aus zwei Abteilungen, deren eine dem allgemeinen weilen war die Tote, an deren linker Hand ein Verlobungsring Gubener Verbandsfiliale wegen Arbeit nach dem Stand der Dinge Telegrammverkehr dient, während die andere die täglichen Nachsteckte, nicht zu refognoszieren. Angenommen wird bis jetzt, daß am Orte. Lilie und Herlet sagten ihnen nun, sie dürften bei richten vermittelt, welche zu ganz bestimmten Zeiten von den beiden das Mädchen weitab von der Fundstelle ermordet, entkleidet und der Firma Juckel keine Arbeit annehmen, sonst würden sie statuten- großen Land- Marconistationen zu Boldhu an der englischen und dann auf die Schienen geworfen wurde. Die Tat fann erst mäßig aus der Organisation ausgeschlossen und ihre Namen in der Cape Cod an der amerikanischen Küste aufgegeben und an jeder in früher Morgenstunde verübt sein, denn die Totenftarre war beim Metallarbeiter- Zeitung" veröffentlicht. Dieser Hinweis auf die Stelle des atlantischen Ozeans von der betreffenden Station an Bekanntlich dienen diese Nachrichten Auffinden noch nicht eingetreten. Der furz vor 5 Uhr die Station Verbandsstatuten genügte den beiden Formern, um die beiden Be- Bord aufgenommen werden. passierende Güterzug hat dann die Leiche noch besonders verstümmelt. bollmächtigten wegen Bedrohung zu denunzieren. Das Strafver an Bord des Dampfers" Amerika" regelmäßig auch zur Herstellung Fleischteile und Kopfhaare wurden später an den Wagenrädern vor- fahren gegen sie wurde auch eingeleitet, und es erfolgte vom Gubener zweier täglich erscheinenden Zeitungen, des" Atlantischen Tagegefunden. Die Tote hat wohlgepflegte Hände und scheint befferem Schöffengericht auch prompt ihre Verurteilung zu je drei Tagen blatts" und der" Atlantic Daily News". Die Stationen für den Stande anzugehören. Im Laufe des Nachmittags wird eine Gerichts- Gefängnis. Auf die eingelegte Berufung hin befaßte sich die wechselseitigen Verkehr sind nur für eine Reichweite von zirka 200 tommission am Fundorte erwartet. Straffammer mit der Sache und lam nach furzer Beratung zur Nilometer eingerichtet; doch pflegen ihnen täglich mehrere VerAufhebung des Urteils. Sie entschied, daß in dem Hin- bindungen dadurch gesichert zu sein, daß gewöhnlich irgend einer weis auf die Sagungen des Verbandes eigenen Verbandsmitgliedern der vielen größeren nordatlantischen Dampfer, die mit Marconigegenüber schon an sich feine Drohung zu erbliden sei; übrigens stationen versehen sind, sich im Verbindungsbereich befindet. Jeder hätten die Angeklagten auch in gutem Glauben gehandelt. Das Paffagier der vorgenannten Dampfer tann auf diese Weise täglich Urteil lautete daher auf Freisprechung. Telegramme aufgeben und empfangen; für die Annahme der § 175? Zu dem neulich mitgeteilten Bericht über die Gerichts. Depeschen hält sich ein Telegraphist ständig im Bureau der Marconiverhandlung gegen den Diener bezw. Schauspieler Feigl wegen station an Bord bereit. Die Grundtare für ein Marconitelegramm Wegen eines Fabrifbrandes wurde am Freitagnachmittag um versuchter Erpressung gegen den Dr. Fr. wird noch bekannt, daß dieser Art von 12 Wörtern beträgt 6 M., jedes weitere Wort foftet 4 Uhr die Feuerwehr nach der Alexanderstraße 22 gerufen. Dort an seitens des Gerichts als straffchärfend angesehen wurde, daß Feigl 50 Pf. mehr. Die Gebühren für Weitergabe des Telegramms durch zu Papier gebracht der Ecke Blumenstraße war aus Unvorsichtigkeit in einem Fabrit und einem Verleger angeboten hatte. Sie bezogen sich übrigens stimmungsorts werden besonders berechnet. Die für die Passagiere raum Feuer ausgekommen, das hatte. Brandinspektor Rohn stod ließ deshalb mit mehreren nicht auf einen angeblichen, nach§ 175 strafbaren Verkehr des an Bord bestimmten Telegramme von Poldhu oder Cape Cod Schlauchleitungen fräftig Wasser geben, wodurch die Gefahr bald Herrn Dr. B. F. mit dem Angeklagten, sondern auf tonfuse Mit- werden mit 2 M. pro Wort berechnet, für die vorherige Uebermitte beseitigt wurde. teilungen darüber, daß der Expreßte angeblich einen Mord in Indien lung des Telegramms an diese Land- Marconistationen gelten die üblichen Gebührenfäße. Kommt ein Telegramm infolge Verschulden begangen haben sollte. der Marconistation nicht an, so erstattet die Marconi- Gesellschaft die Gebühren zurüd. Bermißt wird seit Mittwoch, den 13. d. M., die Ehefrau des Formers Karl Bönicke aus der Seestraße 68. Da dieselbe fehr nervös ist, wird angenommen, daß fie umherirrt. Sie ist bekleidet mit schwarzem Rock, schwarzem Jadett, roter Barchendbluse, rotem Kopftuch und gelben, warmgefütterten Halbschuhen. Es wird gebeten, etwaige Angaben an obige Adresse zu richten. Die Jugendwanderungen werden vom Berliner Arbeiter. Turnverein" Fichte" auch im Winter eifrig gepflegt. Die 1. Schülerabteilung beranſtaltet an diesem Sonntag eine Wanderung. Treffpunkt: Schlesische Brücke, 8 Uhr. Gerichts- Zeitung. " Allgemeine Kranken- und Sterbekaffe der Metallarbeiter. ( G. 6. 29). Hamburg. Filiale Berlin 3. Sonnabend, den 16. Dezember, abends 81, Uhr, bei Kayser, Reichenbergerstr. 157: Mitglieder- Versammlung. Filiale Berlin 4. Sonnabend, den 16. Dezember, bei Merkowski, Andreasstr. 26: Mitglieder- Versammlung. Filiale Berlin 7. Somm tag, den 17. Dezember, vormittags 9%, Uhr, bei Hoffmann, Bajewalterstr. 3: Entziehung aus der Fürsorge- Erziehung. Auf Grund des Für forge- Erziehungs- Gesetzes war der Knabe 2. dem Erziehungshaus Mord in sechs Fällen. Das Schwurgericht in Kamenz berEr entzog sich der FürsorgeLichtenberg überwiesen worden. Erziehung durch die Flucht. Ein Kriminalbeamter entdeckte ihn urteilte nach dreitägiger Verhandlung den wegen Mordes seiner bei seiner Mutter, die seine Gegenwart erst geleugnet hatte. Frau T. Schwiegermutter, Frau und vier Kinder angeklagten Arbeiter Link wurde wegen Beihülfe der Entziehung aus der Fürsorge- Erziehung wegen sechefachen Mordes zum Tode und wegen vorsäglicher zur angeklagt, in zweiter Instanz vom Landgericht aber freigesprochen. Verdeckung der Mordtaten ausgeführten Brandstiftung zu 5 Jahren Das Kammergericht hob am 14. Dezember das Urteil wieder auf Buchthaus. und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und EntDas feine Ehrgefühl Arbeitswilliger. Bei der Firma scheidung an das Landgericht zurück: Der Begriff der Entziehung" Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher BeGraaf u. Co. in Neuruppin streitten unlängst die Metall- aus der Fürsorge- Erziehung umfasse nicht bloß den Moment, too nugung für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet täglich von arbeiter, weil die Firma die bertragsmäßigen Ver- der Bögling aus der Anstalt entivich, sondern dauere fort, folange 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 und 3-6 Uhr. einbarungen den Arbeitern gegenüber nicht einhielt. Wie der Zögling den von ihm geschaffenen Zustand aufrechterhalte. In den Refesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art vielfach in solchen Fällen, so fanden sich auch hier einige Arbeiter, Es sei deshalb sehr wohl möglich, daß Frau T. sich bei der Ent- und Richtung aus. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 17. Dezember, vormittags die nicht mitstreiften. Einen dieser Arbeitswilligen hatte nun der ziehung aus der Fürsorge- Erziehung ihres Sohnes beteiligte. Das 8 Uhr, im Rathause, Saal 109, Eingang Jüdenstraße: Bersammlung. Metallarbeiter R. gefragt, ob er denn nicht ebenfalls die Arbeit Landgericht müsse nachprüfen, ob Frau T. den Sohn, der sich der Freireligiöse Borlesung. Um 10%, Uhr vormittags in der Schul- Aula, mit niederlegen wolle. Die Antwort war ein schroffes Nein. Hier- Fürsorge- Erziehung entzog, nur als Mutter aufgenommen habe Kl. Frankfurterstr. 6: Bortrag des Herrn Dr. Bruno Wille:" Wer ist auf versuchte St. dem Arbeitswilligen zuzureden, doch mitzustreifen, oder deshalb, weil sie ihn weiter der Fürsorge- Erziehung entziehen Chriftus? II. Das Jdeal antiker Philosophie". Gäste, Damen und Herren, und machte ihn darauf aufmerksam, daß dieser vorher doch wollte. Das Fürsorgegesetz stellt die Entziehung aus der Für sehr willkommen. selber den Streit sehr befürwortet habe. Der Ar- forge auch der Mutter gegenüber unter Strafe. Nun ist es flat, beitswillige aber meinte, er müsse arbeiten, schon seiner Familie daß ein bereits der Anstaltserziehung Entzogener nicht mehr der wegen, und wenn St. in seiner Lage wäre, so würde er jedenfalls Anstalt entzogen werden kann. Den Begriff einer Entziehung hat auch arbeiten. Entrüstet sagte N. darauf: Nein, er würde nicht das Reichsgericht aber bei Auslegung des§ 235 Str.-G.-B. dahin arbeiten, wenn seine Kollegen im Streit ständen, lieber würde ausgelegt, daß auch der entziehe", der die Zurüdführung eines er sich einen Strid laufen. Durch diese Aeußerung fühlte bereits Entzogenen unterlasse, wiewohl er eine Rechtspflicht hierzu Mitglieder- Bersammlung. fich der Arbeitswillige in seinem Ehegefühl tief verlebt; er stellte hat. Die Mutter kann demnach auch dann wegen Entziehung Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins gegen R. Strafantrag wegen Beleidigung, der von der Antlage- ihres eigenen Kindes bestraft werden. wenn ihr durch rechts- und Umgegend. Heute, Sonnabend, den 16. Dezember, abends 8 Uhr: Deffentliche Bersammlung im Riesensaale der behörde mit dem§ 153 der Gewerbeordnung in Verbindung ge- fräftigen Bescheid aufgegeben war, ihr Kind herauszugeben, sie die Brachtfäle", Chauffeeftr. 103. Tagesordnung: 1. Gewalt geht vor Recht. bracht wurde. Das Schöffengericht zu Neuruppin verurteilte R. Herausgabe aber unterließ und die Nachforschungen durch List Referent: Stollege Karl Böttcher. 2. Diskussion. Alle jugendlichen Arbeiter denn auch zu zwei Wochen Gefängnis. In der Be-( Verbergen des Kindes oder dergleichen) vereitelte. Entzieht sich und Arbeiterinnen sowie die erwachsenen Arbeiter sind zu dieser Ber gründung des Urteils wurde auf den üblichen Terrorismus" ein Kind der Fürsorgepflicht durch die Flucht, so wirft diese Flucht sammlung hierdurch eingeladen. Es gilt, eine gründliche Abrechnung zu Streifender gegen Arbeitswillige Bezug genommen. Rechtsanwalt auf die Art der Fürsorge- Erziehung sicherlich fein günstiges Licht. halten mit dem„ Deutschnationalen Agitationsverband" und den„ chriftlichen" Dr. Heinemann, als Verteidiger des Angeklagten, legte gegen Noch weniger spricht es zugunsten der Erziehungsmethode einer Jünglingsvereinen. das Urteil Berufung ein und wandte vor der Straftammer Anstalt, wenn gegen die eigene Mutter des Kindes, zu der das Kind zunächst ein, daß es sich hier gar nicht um einen Streit zur Er- ohne ihr Butun geflohen ist, wegen Kindesentziehung zu strafrechtlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen gehandelt habe, licher Verantwortung gezogen wird. sondern darum, die Firma zur Innehaltung der gegenseitigen bertraglichen Vereinbarungen zu bewegen. Aus diesem Grunde könne der§ 153 auch nicht in Anwendung kommen. Eine Beleidigung des Arbeitswilligen liege aber ebenfalls nicht vor. Einmal habe der Angeklagte in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt. Dann aber auch habe er weiter nichts getan, als eine ihm zuerst zugefügte Beleidigung wieder zurückgewiefen. Denn darin, daß der Arbeitswillige dem Angeklagten insinuiert habe, daß dieser auch arbeiten würde, wenn er sich in seiner Lage befände, Liege zweifellos eine Beleidigung des Angeklagten, auf die dieser nur eine drastische Antwort gegeben habe. Diesen Ausführungen schloß sich das Berufungsgericht vollinhaltlich an und erkannte auf Freisprechung. Lieferant des Rixdorfer Lehrer- Vereins. " Vermischtes. " Germania Wetter- Prognose für Sonnabend, den 16. Dezember 1905. Biemlich warm, vorwiegend trübe mit leichten Regenfällen und leb haften westlichen Winden. Berliner Betterbureau. - 0,30 Meter, Brahemünde Reze bei Wasserstand am 14. Dezember. Elbe bei Auffig+1,00 Meter, bei Unftrut bei Eine gepfändete Kleinbahn. Im Eisenbahnwesen wohl einzig Dresden-0,32 Meter, bei Magdeburg+1,63 Meter. Oder bei Ratibor+2,00 Meter, bei dastehend ist die Pfändung einer Kleinbahn. In Betracht kommt Straußfurt+ 1,45 Meter. die Annaburg- Prettiner Bahn, welche den gesamten Frachtverkehr Breslau Oberpegel+5,10 Meter, bei Breslau Unterpegel Meter. Weichsel bei einstellen mußte, da im Auftrage einer Waggonfabrik der Gerichts- bei Frankfurt+1.59 Barthe bei Posen+-- Meter. vollzieher fämtliche Güterwagen gepfändet hat. Grund: Nicht sch Meter. bezahlung der Wagen. Die Bahn ist übrigens ein großes Schmerzens find. Seit vier Jahren im Betriebe, ist es ihr noch nicht gelungen, soviel Ueberschuß zu erzielen, um den Grund und Boden ihrer AnWarenhaus H. Joseph& Co. Berlinerstraße 55 RIXDORF Größtes Geschäft am Platze. Lieferant der Berliner Beamtenvereinig. Ecke Jägerstraße. Weihnachts- Vergünstigung. Gratis! 5 Mark 14 Dutzend Visit oder Prinzeß. Nur noch 2 Tage, Sonnabend und Sonntag, verabfolgen wir: Photographie Bons Bei einem Einkauf von 10 Mark Dutzend Visit oder Prinzeß. Gratis! 20 Mark 15 Mark 14 Dutzend Kabinett oder Griseldis. 1/2 Dutzend Kabinett oder Griseldis. Außer dieser Vergünstigung verabfolgen auf Lebensmittel sind hiervon ausgeschlossen. sämtliche Waren unsere beliebten Rabatt- Spar- Marken. = Unsere Verkaufsräume sind an den Sonntagen den 17. und 24. d. M. bis 8 Uhr geöffnet. rantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantwv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW