Ar. 295. Hbonncments-Bcdingungcn; Älonnementä- Preis pränumerando! «ierteljährl. 3,30 Mi,, mon-II. 1,10 Mk,. wächentlich 28 Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Eomiiags- nummer mit illufttiertcr Sonntags. Beilage.Die Neue Wdi" 10 Pfg. Pafl. «bonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posi-Zeitungs. Preislille. Unter Nrcuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn » Marl, für das übrige slusiand i Marl pro Monat. AÄ. Jahrg. Vlch«Ii« UgUch»glitt CIODtagi. Verlinev VolksblAkk» Die TnlcrtlonS'GebOIfr telrSgt für die sech>?gefpal!ene Ilolonel- geile oder deren Raum 40 Pfg., für poliiilche und gewerlschaslliche Pereins- und Berlauinilungs-Aiizeigen LS Psg. „titeln« Hnieigen", das erste ffrli- gedrurltef Wort l0 Pfg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nnuiiner müffen bis ö Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochett- tagen bis 7 Uhr abends, an Conti»»tid Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegrantm. Adresse! „Soilalittniokrit Rerlln". Zcntralorgan der fozialdemokratircben parte« Deutfcblanda. Redaktion: 8 Tl. 68, Lindcnatraase 69. Svornftirertitr: Amt IV. Rr. t'.iHZ Sonntag, den 17. Dezember 1905. Expedition: 8 Tl. 68» binden Strasse 69. iprriillireeitor! Sinti IV, Ufr. I9HI. 0crM Abonnenten für den „Vorwärts"! Gleich der gesamten Parteipresse hat auch der„Vorwärts" in den letzten Jahren einen gewaltigen Zuwachs seiner Abonnentenzahl zu verzeichnen gehabt. Trotzdem mutz immer wieder von neuem darauf hingewiesen werden, datz die Zahl der Abonnenten noch keineswegs der Zahl der sozialdcmo- kratischen ReichStagSwnhlcr entspricht, datz also der Agitation für die Parteipresse noch ein weites Tätigkeitsfeld offen steht. Kein Parteigenosse, der begriffen hat, datz es notwendig ist, den Klasseninstinkt der proletarischen Massen auch zum klaren Klassenbewußtsein zu entwickeln, datz die Stärke der Partei nach der Zahl der organisierten und geschulten, zu Opfermut und Tatkraft erzogeneu Parteimitglieder zu bemessen ist. sollte deshalb versäumen, seine volle Energie für die Verbreitung der Parteipresse einzusetzen! Gerade die sozialen und politischen Kämpfe der Gegen- wart stellen die Arbeiterklasse vor grotze und drängende Auf- gaben. Die Reichstagsverhandlungen der letzten Tage haben ja gezeigt, datz unseren besitzenden Klassen das Wort von der gelfillten Kompottschüssel des Arbeiters aus innerster Seele gesprochen ist. Unter lautem Beifall konnten es die Regierungsvcrtreter wagen, ein„Hohes Lied" auf die gehobene Lebenslage des deutschen Proletariats anzu- stimmen und der sich paradiesischer Steuerfreiheit erfreuenden Arbeiterklasse die unter erdrückender Steuerlast seufzende Bourgeoisie, den im Schweiße seines Angesichts das Feld be- bauenden Grotzgrundbesitzer gegenüberzustellen! Datz unter solchen Umständen jeder kleinste Fortschritt auf dem Gebiete des Arbeiterschutzcs und der sozialen Gesetzgebung vom Prole- tariat mühsam erkämpft werden muß, das mutz auch der rück- ständigste Arbeiter begreifen! Diese völlige Stagnation ans dem Gebiete der Sozial- Politik wird bedingt durch die uferlosen, alle Reichsmittel auf- saugenden mariuistischcn und militaristischen Rüstungen. Die neue Ttottenoorlage erfordert jährlich eine Mehransgabe von 7V Millionen Mark. Hinzu kommen noch die Kolossalen Kolonialausgaben. die auch im Jahre 1906 neue Hunderte von Millionen ver- schlingen werden. Für diese Weltpolitik, die der Arbeiterschaft nicht den geringsten Vorteil bringt, dafür aber den Panzer- Plattenfabrikanten, Schiffsbau- Aktionären, Reedereien und Militär- und Koloniallieferanten ungezählte Millionen in den Schotz schüttet, macht das Deutsche Reich im Jahre 1906 Zluf- Wendungen von nicht weniger als ItzOV jYUUionen JßarU! Diese kolossalen Ausgaben für kulturfeindliche Zwecke aber verursachen nicht nur ein lawinenartiges Anwachsen der Reichsschuld, die bereits mehr als Z'/. Milliarden beträgt, sondern machen auch immer neue Steuern notwendig. Da aber die besitzende Klasse im Höchstfalle das„Lumpengeld" von 43 Millionen Erbschaftssteuer aufzubringen gewillt ist, soll die Arbeiterklasse die fehlenden zirka 200 Millionen in Form einer... Tabak- und Bierstesier und anderer indirekter Abgaben aufbringen. Und das trotz des durch den neuen Zolltaiif gesteigerten BrotwuchcrS, trotz der furchtbaren Fleischuot. Zudem wird z. B. die Tabaksteuer nicht nur die Konsumenten belasten. sondern auch vielen Tausenden und Abertausenden direkt die nackte Existenz rauben! Um diese Anschläge der besitzenden Klasse zu bekämpfen, bedarf es des einmütigen Widerstandes der Arbeiterklasse l Die Blassen sind aber nur aus ihrer Lethargie aufzurütteln und zum Kampfe zu entstammen durch die Weiteste Verhreiimig der Arbeiterpresse, die auch in die finstersten Winkel des Elends und geistiger Stumpfheit das Licht der Aufklärung, des Klassenbelvutztseins und der Siegeszuversicht hineinträgt! Es gilt aber nicht nur die Abwehr gegen die materielle Bedrückung und Ausbeutung, es gilt auch den Kampf In Sachsen, in Hamburg, in Lübeck hat man der Arbeiterklasse bereits ihr bitzchen, Wahlrecht geraubt und die Scharfmacher sind mit Feuereifer am Werke, auch das Reichstagswahlrecht umzustürzen! Dies freche Attentat abzuwehren und den Kampf um die Eroberung weiterer Rechte in Staat und Kommune mit Energie aufzunehmen, ist die Ehrenpflicht des seiner Menschen- würde bewußt gewordenen Proletariats I Vielmillionenstimmig mutz in den nächsten Wochen der Ruf erschallen: Nieder mit dem Dreiklassenwahlrecht! Erst wenn die Arbeiterklasse die ihr gebührenden politi- schen Rechts erobert hat, wird auch sie ein Machtwort mitge- sprachen haben. wenn die stümpernde Diplomatie es wagt, intemationale Händel anzustiften und dadurch die Gefahr eines blntigen Völkerkrieges heraufbeschwört> Wer nicht will, datz das Volk eines Tages zur Schlachtbank geführt wird für die Interessen einer be- sitzenden Minderheit und gegen Bolkswohl und Volks- «Villen, der wirke rüstig mit an der Aufklärung, Schulung und Organisierung der Massen l Der„Vorwärts", das Zentralorgan der sozialdemo- kratischen Partei Deutschlands, wird auch in dem künftigen Kampf um die Emanzipation des Proletariats in der ersten Reihe stehen. Deshalb ist es die vornehnlste Pflicht der Arbeiterschaft Grotz-Berlins, ihrem Blatte die Verbreitung schaffen zu helfen, die ihm gebührt! Darum: Agitiert unermüdlich für Euer Kampforgan, den Vorwärts! gegen die politische Entrechtung des Proletariats. Neuorganisation von Groß-Berlin. Die Delegierten der Sozialdemokratie von Groß-Berlin — � die sechs Reichstagswahtkreise der Stadt Berlin und die beiden der Vorortskrelse Tettow-Beeskoiv-Storkow-Charlotten- bürg und Niederbarniin— treten heute zur endgültigen Be- ratung über die neue Organisation für Groß-Berliu zusammen. Das von uns bereits veröffentlichte Organisationsstatut ist in seinem Entwurf in den einzelnen Wahlkreisen be- sprochen, und man darf annehmen, daß die 350 Genossen, die heute in den Geriuauiasälen die endgültige Beratung und die erforderlichen Wahlen vorzunehmen haben, im großen und ganzen dem neuen Statut ihre Zustimmung geben werden. Der vorgeschlagene Verband für Grotz-Berlin hält als Richtschnur an der Selbständigkeit der einzelnen Wahlkreise in eigenen und der Zentralisation in allgemeinen Angelegenheiten fest, gliedert sich aber selbstverständlich in die Organisation der Gesamtpartei ein. Für die Organisationsform verfangen die Schlagworte „zentralistisch" oder„dezentralistisch" allein nicht. Die Organi- sation einer Partei und ihrer Glieder ist kein künstliches sondern ein historisches Produkt, das von den je- weiligen politischen Gesamtverhältnissen und von der Stärke der Partei abhängt. In Jena ist die neue Organisation der Gesamlpartei beschlossen. Das leitende Motiv war bei dem Jenenser Beschlutz: Förderung der Aufklärungsarbeit und der Kampfbereitschaft der Partei. Dasselbe Motiv war für den engeren Zusammenschluß der Wahlkreise von Grotz-Berlin die Richtschnur. Aufklärung gegenüber den Fernstehenden, V e r t i e f u n g der Einsicht der Genossen in den ökonomischen und politischen Zusammenhang der Dinge, Unter st ützung der Gesamtpartei sind die Ziele, denen die Organisation dienen soll. Dezentralisation durch Ellbogenfreiheit der ein- zelnen Wahlvereinskörper, die nach dem Jenenser Statut die Grundlage der Parteiorganifation zu bilden haben; gemein- samcs Marschieren— Zentralisation— in allen gemeinsamen Angelegenheiten. Zentralisation nicht im Sinne einer militärischen Subordination oder einer bureaukratischen Leit- Hammelei, Dezentralisation nicht im Sinne einer Anarchie gegenüber dem Gesamtkörper, freieste Entfaltung der einzelnen agitatorischen Kräfte bei strengster Unterordnung unter den Gesamtwillen weist unser Gesamtstatut und das Statut für Grotz-Berlin auf. Wie für die Organisation der Gesamt- Partei der Zweck der Aufklärungsarbeit»nd Kampfbereitschaft und die Rücksicht auf die gesestlich möglichen Formen matzgebend waren, so auch für Grotz-Berlin. Die neue Organisation ist geeignet, die Aktionsfähigkeit Grotz-Berlins einheitlicher und wirksamer zu gestalten, die orgauisatiorischen Kräfte der Partei fester zusammenzufassen. Die Vertiefung der grundsätzlichen Einsicht und die ans ihr entspringende Ovferwilligkeit für die Ziele der Sozialdemo- kratie nickt minder wie eine Vermehrung der Anzahl der organisierten Genossen— wer nicht organisiert ist, ist auch kein Genosse— wird mit Recht von der neuen Organisation erhofft. Die neue Organisation beläßt den einzelnen Wahlkreisen ihre Selbständigkeit. Die acht Vereine, nicht die Mitglieder der acht Vereine, sollen sich zu einem Verband zusammen- schließen. Innerhalb dieses Verbandes ist durch eine General- Versammlung, die auf prozentualer Beteiligung aufgebaut ist, eine breite demokratische Grundlage geschaffen und hierdurch. soweit dies durch äußere Formen möglich ist, dafür Sorge ge- tragen, daß der Wille der Gesamtheit der Genossen zum Richtung gebenden Ausdruck gelangt. Gewiß kann die Sozialdemokratie Grotz-Berlins auf recht ansehnliche Erfolge zurückblicken, aber mit Recht ist sie mit den errungenen Erfolgen noch nicht zufrieden. Sie weiß, datz erst über 40 000 Genossen organisiert sind. Grotze Kreise des Proletariats stehen unseren Ideen noch indifferent gegenüber. Bei ihnen gilt es, das Klassengefühl zu wecken und vom 5tlassengefühl zum Klassenbewutztseiu zu führen. Durch das Zusammenfassen der Kräfte in dem Verband ist die Möglichkeit einer leichteren und tieferen Aufklärung geschaffen. Die jetzige Aenderung der Organisationsform erinnert an die früheren Formen der Organisation Berlins. Auch hier sehen wir, wie die Stärke der Partei, die politischen Gesanitverhältnisse, sowie die vereinsrechtlichen und sonstigen gesetzlichen Bestimmungen für die Gestaltung der Organisation stets entscheidend ivaren. Den neuen Verband kennzeichnet ein starker zentralistischer Zug, der die Kampf- gemeinschaft deutlich zum Ausdruck bringt. Bereits vor dem Sozialistengesetz war für die Organisation der Berliner Sozialdemokraten die zentralistische, und zwar die stark zentralistische Form gewählt. Die Geschichte der Or- ganisation von Berlin hängt unzertrennlich mit der Geschichte der Gesamtpartei zusammen. Die Anfänge einer sozial- demokratischen Organisation in Berlin fallen mit der Grün- dung des Allgeni einen deutschen Arbeiter- Vereins unter Lassalle zusammen. Auf dem ersten Kongreß, der im Jahre 1863 stattfand, war Berlin noch nicht vertreten. Bald schloß es sich aber dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein au. Der vor wenigen Jahren verstorbene Genosse Schuhmacher Metzucr wurde in den Vorstand gewählt. Von den wenigen Mitgliedern, die Berlin im Allgemeinen deutschen Arbeiter- verein stellte, bestand die größere Anzahl aus Schuhmachern. Auch der erste Berliner Bevollmächtigte Arndt— später in Bernau— war Schuhmacher. Den wenigen fiel ein gar- schwieriges Feld zur Bearbeitung zu. Die Einzelagitation ivar unendlich mühsam. In Versammlungen der Fort- schrittler, denen damals die Arbeiter noch in hellen Haufen tiachliefen, suchten die Genossen für die sozialdemokratische Idee zu werben. Bei dieser Agitation tvurden sie mehr als eininal wenig sanft an die Lust befördert. Einen vorübergehenden Aufschivung der Mitglieder- zahl in Berlin brachte das Eingreifen Lassalles; die Mitgliederzahl stieg auf 200, sank aber bald auf 30 zurück. Wie winzig noch im Jahre 1867 die Bewegung in Berlin ivar, zeigt die Tatsache, datz bei der am 12. Februar voll- zogenen Wahl zum Norddeutschen Reichstag der sozialdemo- kratische Kandidat Fei sie l in allen sechs Reichstags- Wahlkreisen zusammen 75 Stimmen erhielt. Auch die später gegründete sozialdemokratische Partei, die so- genannte Eisenacher Richtung, brachte es in Berlin zu- nächst zu keiner erheblichen Anhängerzahl. Der„Volks- staat", das Organ der Eisenacher, hatte im Jahre 1870 in Berlin insgesamt 63 Abonnenten. Der Zwist zwischen den Eisenacher» und Lassalleanern war der Förderung der Orga- nisation nichts weniger als förderlich. Die Lassalleaner führten im Jahre 1874 die„Westentaschenzettung" ein, ein kleines etwa handgroßes Blättchen, das als Legitimation und Bei- tragsnachweis für die Lassalleaner galt. Im selben Jahr setzten harte Verfolgungen durch staatsanwaltschaftliche Tätigkeit gegen beide Richtungen ein. Einen unsterblichen Namen hat durch diese Versuche gegen die sozialistischen Richtungen vorzugehen sich der damalige Staatsanwalt, spätere Reichs- anwalt T e s s e n d 0 r f erworben. Als er die bekannten An- klagen gegen die Organisation erhob, gab er sich dem Wahne hin und verlieh ihm Ausdruck: zerstören wir die sozialistischen Organisationen, dann gibt es keine sozialdemokratische Partei mehr. Die gerichtliche Auflösung der Organisationen wurde ermöglicht. Es trat aber das Gegenteil der Prophezeiung der Staatsanwaltschaft und des Gerichtes ein. Die Verfolgungen durch die Staatsgewalt trieben die Rich- tungen, die sich bis dahin bis aufs Blut bekämpft hatten, zu einem Zusammenschluß. Auch die Beschleunigung der Einigung der sozialdemokratischen Partei auf dem Kongreß in Gotha im Jahre 1875 ist mit auf die staatsanwaltschaftliche Erdrosseluiigswut zurückzuführen. In Berlin nahm die Be- wegung vom Gothaer Kongreß an einen schnellen Fortgang. Im Jahre 1877 wurde in Berlin der Verein zur Wahrung der Interessen der werktätigen Bevölkerung gegründet. Sein Begründer, Genosse August � e i n s ch, starb am 8. März 1878. Die Beteiligung der erliner Arbeiter an dem Begräbnis war so gewaltig, datz die bürgerlichen Zeitungen erstaunt schrieben: Das war nicht nur der Massenschritt von Arbeiterbataillonen, die dem Sarge folgten, sondern von Arbeiterregimentern. Unmittelbar nach dem Inkrafttreten des Sozialisten- e s e tz e s ereilte am 22. Oktober 1878 den Verein zur ahrung der Interessen der werktätigen Bevölkerung das Schicksal der Auflösung. Auch das Partetorgan, die„Freie Presse", und die Gewerkschaften wurden unterdrückt. Neu- gründungen von Organisationen scheiterten in Berlin, aber die Agitation von Mund zu Mund erlahmte ttfdih Die tätigsten. oii3 Berlin ausgewiesenen Ge- uosscu trugen die sozialistische Idee in Gegenden, die bis dahin noch von dem„Gift" verschont geblieben waren. Die durch die brutalen Ausweisungen entstandenen Lücken wurden von den Genossen in Berlin sofort ausgefüllt. Je stärker die Verfolgung einsetzte, desto größer z e i g�t e s i ch der Opfermut. Ein Flugblatt während des Sozialistengesetzes in Berlin und Umgegend zu ver- breiten, war keine leichte und ungefährliche Sache. Die Verbreitung wurde aber stets prompt ausgeführt, jeder Genosse rechnete es sich zur Ehre an, nntgeholfen und die Polizei aufs Glatteis� geführt zu haben. Dabei ist zu berücksichtigen, daß damals so mancher Genosse ganze Stadtviertel allein zu belegen hatte. Da jede gesetzliche offene Organisation unmög- lich lvar, so traten die tätigen Genossen zu Beratungen über Parteifragen. Partciaktionen. Schriftenvcrbreitung usw. ohne polizeiliche Genehmigung zusammen. Diese Zusammen- -künfte bildeten gar oft die Grundlage einer Reihe gegen Gesetz und Recht zusammenkonstruierter Geheimbund- Prozesse, in denen die Angaben nicht vernommener Polizeispitzel zur Grundlage des Urteils gemacht wurden. Bezirksvereine. Arbeiterbildungsvercinc, Mietervereine und dergleichen suchte man trotz Sozialistengesetzes zu gründen. Zumeist ereilte sie die Auflösung durch das Sozialistengesetz. Nach dem Falle des Soziali st engesetzes im Jahre 1890 wurden die sozialdemokratischen Wahlvereine, die vorher fast nur während der Reichstagswahlen bestehen konnten, ständige Einrichtungen für die Form der poli- tischen Organisation der Sozialdemokratie in Berlin. Ein gemeinschaftliches Arbeiten der Genossen in der Stadt Berlin nnt den Genossen in beiden Vorortskreisen fand schon während des Sozialistengesetzes statt: was die politische Gemeinde noch nicht sertig gebracht hat, der tatsächlichen Wirt- schaftscinheit durch Eingemeindung den Stempel aufzudrücken, hatten die Genossen bereits in den 80er Jahren für die sozial- demokratische Gemeinde ausgeführt. Das sogenannte lose Vertiauensmänncrsystem, wie es in Halle int Jahre 1890 be schlössen wurde, bildete in Berlin die Grundlage für gemeinsame Aktionen. Im Jahre 1893 versuchte der preußische Polizciimnister v. Köller, die Vertrauenspersoncn als Vereine zu konstruieren und ein verbotenes In- verbiu dungtreten der Vereine heranszutüfteln, um die Sozial- demokratie zu vernichten. Dieser große Kindcrstrcich mißlang; die Angeklagten wurden freigesprochen. Der Versuch Köllers er- wies sich aber als ein Teil jener Kraft, die stets das Böse will und doch so manchmal gutes schafft. Sie wurde der treibende Keil zur Aufhebung des Strafverbots des In- verbindungtrctcns politischer Vereine. Die Aufhebung dieses Verbots in � 8 des preußischen Vereinsgesetzes erfolgte im Dezember 1899. � Seitdem wurden in Berlin die Partei- geschäfte mehr und mehr in die Hände der Wahlvereine gelegt. Nachdem in Jena die Wahlkreisorganisation als Träger der politischeit Bcivegung an Stelle des Vertrauensmänner- systenis beschlossen, ivar für Groß-Berlin die Bahn zuin Zu- sammeuschluß der Vereinsorganisntionen zu einer Einheit frei. Die Vorarbeit zu dem Zusammenschluß war bereits vor dem Parteitage in Jena begonnen. Sie hat in allen Wahlkreisen grundsätzliche Zustimmung gefunden. Mit den Berliner Genossen teilen wir die Hoffnungen, daß das neue Organisationsstatut die Agitation zu einer lebendigeren, die Organisation zu einer mächtigeren gestalten wird. Die Vertiefung der grundsätz- lichen Einsicht ist durch das neue Statut erleichtert. Ent- scheidend ist für den Erfolg einer Organisation weniger der Wortlaut, als der Geist mit dem das Organisationsstatut von den Genossen belebt wird. Der revolutionäre, klare, zielbelvußte, opferwillige Geist der Berliner wird zum Wohle der Berliner Partei und der Gesamtpartei agitatorisch und organisatorisch weiter wirken. politische(leb er siebt. Berlin, den 16. Dezember. Zum Wahlrechtskampf in Sachsen. Die Rolle des die widerspenstige Sozialdemokratie zähmenden Petruchio, die der Minister v. Metzsch am Donners- tag im sächsischen Landtag bei der Beantwortung der Jnter- pellatioit Goldstein spielte, findet in der Arbeiterpresse Sachsens eine höchst spöttische Beurteilung. Sie nimmt seine Kraft- meier-Leisttmg nicht ernst, tind noch weniger mißt sie seiner Erklärung, daß die Regierung keineswegs abgeschworen habe, in der Wahlrechtsfrage aufs neue die Initiative zu ergreifen, irgend' welche Bedeutung bei, erscheint es doch als völlig aus- geschloffen, daß das sächstsche Ministerium in seiner jetzigen Zusammensetzung sähig ist, die gegenwärtige Situation und ihre historische Bedeutung zu begreifen. Tie„Leipziger Volks- zeittmg" schreibt z. B. in einer satirischen Parallele, die sie zwischen dein Grafen Witte und Herrn v. Metzsch zieht: „lins, der sächsischen Arbeiterklasse, muten Sic zu, Ihre Ver- sprechnngen ernst zu nehmen? Nein, wir wissen ganz genau, daß in demselben Augenblick. Ivo das sächsische Volk nachlassen würde. sein Wahlrecht mit allem Nachdruck zu verlangen, die Frage der Wahlreform tot und begraben wäre. Mit dem Speere soll man Gabe empfangen. Spitze gegen Spitze, heißt es in dem altdeutschen Hildebrandslied, und auch die Frage des allgemeinen Wahlrechts in Sachsen wird nicht gelöst werden durch einen schmählichen Kuh. Handel zwischen dem revolutionärsten Teil der deutschen Arbeiter- schaft und der reaktionärsten aller deutschen Regierungen. Das möge man sich in Dresden hinter die Ohren schreiben! Ob es nötig und klug war. die juristische Flohknackcrci über die Gesetzmäßigkeit der Straßcndemonstrationen auszuwerfen, das mögen die Bürgerlichen und Herr Metzsch an der Spitze mit sich selber abmachen. Im allgemeinen ist dieser Rasse dringend zu empfehlen. die Rechtsfragen zu meiden wie die Pest; beruht nicht der ganze sächsische Landtag, die ganze sogenannte sächsische Verfassung auf einem ganz offenbaren Rechts- b r U ch? Das hat sogar einer der Vorgänger des Herrn Metzsch zugegeben, jener berüchtigte Beuft, der den Staatsstreich von 1851 nur damit zu verteidigen suchte, daß er ein■ unblutiger Rechtsbruch gewesen sei. Sodann aber bestreiten wir ganz entschieden, daß friedliche Straßendcmonstrationen, wie wir sie z. B. hier in Leipzig gehabt haben, rechtswidrig seien. Herr v. Metzsch sollte gegen sie nicht wettern. Er hat sich bisher darüber beklagt, vaß seine Vorschläge zur Wahlreform selbst von diesem Landtag als zu weitgehend zurückgewiesen wurden. Wird er nicht selber noch einmal auf die Straße gehen und gegen den sächsischen Landtag demon- strieren müssen, wenn er überhaupt eine Wahlreform durch dieses politische Sicchenhaus oringen will?—" Die sächsische Sozialdemokratie hat sich denn auch durch Petruchios kraftmeierische ftaprioleit durchaus nicht aus der Fassluig bringen lassen, sondern zu morgen in verschiedenen Städten große Versamnilungen einberufen, in denen über die ' weiter zu unternehmenden Schritte beraten werden soll. Vor- läufig scheint allerdings Herr v. Metzsch die Rolle des starken Mannes noch fortsetzen zu wollen; denn, wie uns soeben telegraphisch aus Leipzig gemeldet wird, hat die dortige Polizei die vier großen Wahlrechts-Versammlungen, die morgen in Leipzig stattfinden sollten, verboten, und zwar auf Grund der Z§ 5 und 12 des Vereinsgesetzes, wegen der Befürchtung, daß nach den Versammlungen Straßendemon- strationcn stattfinden könnten; eine Befürchtung, die mit dem Hinweis auf die Dresdener Vorgänge, die maßlose Sprache des Leitartikels der„Leipziger Volkszcitung" und der Ver- sammlungsanzeige begründet wird. Herr v. Metzsch lernt hoffentlich bald begreifen, daß er sich weit mehr für die Rolle des Falstaff, als für die des Petruchio qualifiziert._ Ein preußischer Junker für die konfessionslose Volksschule. Aus pädagogischen Kreisen wird uns geschrieben: Vor hundert und mehr Jahren bestand über das Verhältnis der Volksschule zum Staat und zu den Konfessionen nicht bloß beim preußischen Oberkonsistorium(vgl.„Vorwärts" Nr. 28S) eine wesentlich„modernere" Auffassung als heute, auch Vertreter des Junkertums und der feudalen Beamtenhicrarchie nahmen in dieser Frage einen Standpunkt ein, der den kulturfeindlichen Verteidigern der preußischen Schulverpfaffungs-Vorlage die Schamröte ins Gesicht treiben müßte, wenn diese Sippe überhaupt noch Scham zu empfinden fähig wäre. Außer an den mecklenburgischen Kanzleirat v. Türk, der ein eifriger Befürworter der Staatsschule war und den bemerkenswerten Satz schrieb:„Man fordere für die Menschen vorerst nicht Menschen-, sondern Pferderechte, so wird's schon gut um sie stehen," sei hier nur an den bekannten junkerlichen Pädagogen Eberhard von Rochow auf Reckahn erinnert, dessen Haltung zur Volksschule wie überhaupt zur Frage der.Staats- und kam fessionellen Schule einen grellen Kontrast bildet zu der Feindselig- kcit, mit der die junkerlichen Dunkelmänner der Gegenwart— Arm in Arm mit den kirchlichen— allem Fortschritt der Volksschuh bildung gegenüberstehen. „Das Kommunalprinzip ist die einzige Grundlage, auf der die Schulverhältnisse geregelt werden können," erklärte der Kon- servativ« v. Heydebrand am Montag im Abgeordnetenhause, denn „in staatlichen Volksschulen ist für die Konfessionen kein Raum"; und weiter:„Mit schwerem Herzen wende ich mich zu den Bestimmungen über die Konfessionalität der Volksschule. Das, was der Entwurf uns da bietet, ist verzweifelt wenig.(Sehr richtig! rechts.)... Eine gute Moral- und Sittenlehre kann nur auf ton- fessioneller Grundlage erteilt werden." Wie hat sich nun der Junker von Rochow vor mehr als hundert Jahren über diese Fragen aus- gesprochen? In seiner„Geschichte meiner Schulen"(17gZ) schreibt er: „Sollen alle Menschen ohne Unterschied des Standes verständig werden oder nicht? Ueber diese Frage, die doch so leicht zu ent- scheiden ist, scheinen die Regenten der Völker nicht ins reine kommen zu wollen. Wird sie bejaht, so folgt daraus: daß die Schulsachc eigentlich Staats fache ist." Ebenso fordert er in seiner Beantwortung der Frage der Akademie der Wissenschaften zu Berlin für das Jahr 1783,„daß der öffentliche Schulunterricht als eine Staats fache behandelt und völlig frei und unentgeltlich erteilt werde".... Daß Freiherr von Rochow seine Grundsätze bei den von ihm begründeten Volksschulen auch praktisch betätigte, wird bezeugt in einem in der„Neuen Verl. Monatsschrift"(1799) erschienenen Bericht, in dem es heißt:„Ter sorgsame und für das Wohl der Menschheit unermüdete Mann hat vor einiger Zeit auf den Punkt Rücksicht genommen: daß nämlich in den ersten Volksschulen, in welche Kinder von 6 bis 7 Jahren eintreten und welche sie im 14. oder 15. Jahre verlassen, alle Konfessionen zusammen sein können." Vorher hat der Verfasser gesagt:„Man soll das Volk tolerant machen, daher simultane Schulen einrichten. Der Staat hat nicht nötig, zwei bis drei Schulanstalten neben- einander zu errichten, sondern nur eine, aber die soll gut sein." Leicht ist freilich dem Freiherrn von Rochow sein Vorgehen damals nicht geworden, denn die Pfaffen und Junkergenossen saßen ihm oft genug deswegen im Nacken. Er klagt daher 1794:„Wenn durchdrungen von der Unentbehrlichkeit des Worts und des Begriffs ihr etwa als Lehrer die unteren Stände lehret, so habt ihr von Glück zu sagen, wenn das hohe Ephorat euch nicht als einen verschreiet. der den gemeinen Mann aufklären, d. h. zu gelehrt machen will." Diese Bildungsfeindschaft seiner Vorfahren hat das heutige Junkergeschlccht als Vermächtnis seines Standes übernommen und sein Erhaltungstrieb zwingt es, daran festzuhalten, lveil anders seine Existenz nicht möglich ist. An Rochow, seinen Grundsätzen und seinem Streben hat es keinen Teil, denn er war eines jener ver- dächtigen und anrüchigen Elemente, die„den gemeinen Mann zu gelehrt machen" wollen.— Das Gelbbuch und seine Lehre». Allmählich lichtet sich das Dunkel, aus dem die Enthüllungen des Gclbbuches geboren sind, und wenn man sich in die Einzelheiten der durch dieses Dokument wenigstens zum Teil geklärten politischen Vorgänge vertieft, so wird einem— gelb und grün vor den Augen. Es stellt sich nämlich heraus, daß der ganze Zwist im tiefinnersten Grunde ans einer Art Etikette-Frage beruht, daß beinahe ein Krieg entfesselt ivorden wäre, weil die Anschauungen deS deutschen und des französischen Kabinetts darüber auseinandergingen, ob die ge- wählte Form der Mitteilung einer allerdings sehr wichtigen Jnforniation genügend„offiziellen" Charakter getragen habe oder mehr privat-infonnatorischer Natur gewesen sei!— Wir teilten bereits mit, daß eins feststeht: Am 27. Marz 1904 konferierte Delcassö mit Fürst Radoli», dem deutschen Botschafter m Paris, über den zivischen Frankreich und England geplanten Ver- trag, der die trostlosen Verhältnisse in Marokko regeln sollte. Fürst Radolin erklärte, in dem geplanten englisch- franzostichen Vorhaben keine Schädigung deutscher Interessen erblicken zu können. Aber DelcassS beging— gemäß nachträglich verkündeter diplomatischer Auffasiinig— den groben Fehler, die mündliche Aussprache mit dem Vertreter Deutschlands als hinreichend zu er- achten, während er— so verlangte es das raffimerte Feingefühl internationaler Diplomatie— sich schriftlich durch eine in jeder Be- ziehung offizielle Mitteilung über die geplante Aktion hätte äußern sollen. Wir schalten hier ein: Wäre nicht Wilhelm II. später auf den Gedanken gekommen, dies Verhalten Delcassss zu einer Kabinettsfrage zu machen, so hätte keine internationale Verwicklung, keine Kriegsgesahr, kein Gelbbnch, keine Marokio-Kon- ferenz zustande zu kommen brauchen.— Am 8. April 1904 wurde das französisch-englische Abkommen voll- zogen und in aller Form und so offiziell wie nur irgend mög- lich veröffentlicht I Tut nichts— die offizielle Benachrichtigung hätte vorher erfolgen müssen.— Am 14. Oktober 1904 fällt endlich, und zwar durch den Mund des Herrn v. Richthofen, die erste Andeutung, daß die Delcasse sche Politik den Jntcrcsfen Deutschlands zuwiderlaufe. Aus der An- deutung werden bald haarscharfe Hinweise, und im Juni 1905 ist Delcassö gestürzt, an seine Stelle tritt Rouvier, unter dessen Leitung der französisch-spanische Vertrag vollzogen wird, der denselben Tendenzen dienen soll, wie Frankreichs Vertrag mit Eng« land. Durch die in jeder Faser offizielle, fchrist« l i ch e Form, in der Rouvier der deutschen Regicrung den französisch- spanischen Bertrag notifiziert, wird erst Delcassss ganze Verruchtheit offenbar: Hätte er sich nicht der gleichen Form bedienen können? Als ob man nicht oft einem eigen- sinnigen Kinde seinen Willen tut, auch wenn man überzeugt ist, daß im Grunde genommen keine Veranlassung vorläge, gerade so und nicht anders zu handeln. Zu alle dem kani noch ein furchtbares Verbrechen auf ftan- zösischer Seite: der f ranzöfische Vertreter in Fez, Herr St. Rens Taillandietrsoll sich dem Maghzen gegenüber auf ein„europäisches" Mandat berufen haben, während er doch höchstens von einem französisch-englischen Mandat hätte reden dürfen! Wir kennen den diplomatischen Kniggc zu wenig, um entscheiden zu dürfen, ob Taillandier großes Unrecht begangen hat oder nicht. Aber eins, wissen wir: Wenn Deutschlands Regierende nach ihrer eigenen Ansicht beizeiten informiert und ins Konvivium einbezogen worden wären, dann hätte plötzlich kein Hinderungsgrund vorgelegen, von einem europäischen Mandat zu sprechen, auch wenn Italien und Spanien Oesterreich und Ungarn. Portugal und Skandinavien, Rußland und die Schweiz gar nicht ins Vertrauen gezogen worden wären I Zum Glück ist die leidige Affäre ja schließlich in friedliche Bahnen gelenkt worden, aber die deutsche Regierung muß es sich doch gefallen lassen, daß jetzt von verschiedenen Seiten herber Tadel aus sie herniedersaust. So sagen z. B. die„Times": „Das Urteil eines unbefangenen Beobachters fällt zugunsten Frankreichs aus. Die lange Zeit, während der man die drohende Haltung beibehielt, die plötzliche Schwenkung der deutschen Politik, als es zweckmäßig erschien, geben den besten Kommentar zu den friedlichen Versicherungen des Fürsten Bülow von gestern. Wir stellen ihre Aufrichtigkeit nicht in Frage, aber wir können sie nicht mit derselben Glaubens- Zuversicht aufnehmen, wie es vielleicht geschehen wäre, wenn Deutschlands Verhalten von anderen Grundsätzen geleitet worden wäre, als nach dem Gelbbnch offenbar wird. Die Konferenz gibt Deutschland Gelegenheit zu beweisen, daß eS mißverstanden worden ist." Und„Daily Chronicle": „Wir sind im ganzen der Ansicht, daß die Marokko-KrisiS nicht völlig geschickt von Delcasss behandelt worden ist. Die Opposition Deutschlands hätte vorausgesehen iverdeu können. Es ist ein betrübend ironischer Kommentar zum englisch-französischen Abkomme», daß eine seiner ersten Folgen die ivar, daß Europa bis dicht an unermeßliches Unheil geführt wurde. Aber die deutsche Diplomatie entfaltete nicht in jeder Beziehung so viel Offenheit und Konsequenz, als einer Macht anstehen würde, die den europäischen Frieden zu fördern wünscht." Sogar der deulschenfreundliche„Gil Blas" schreibt: „Die Geschichte der Verhandlungen, die der Demission Delcassss folgten, beweist, daß Deutschland noch mehr nach einer Gelegenheit zum Zanke, als nach einer ehrbaren Regelung deS marokkanischen Konfliktes strebte." Es versteht sich von selbst, daß eine Anzahl ausländischer Zei- tungen hingegen Deutschland lobt und Frankreich tadelt und daß unsere liebe deutsche Presse mit verschwindenden Ausnahmen das Verhalten Deutscklands in der Marokkoaffäre geradezu genial findet. Unter den rühmlichen Ausnahmen befindet sich merkwürdiger Weise die„Rheinisch-Westfäliiche Zeitung", die an ihrer schon früher ge- äußerten Ansicht festhält, daß beinahe ein ungeheurer Krieg um eine Formens ache entbrannt wäre und daß die deutsche Rc- gierung durch ihr Verhalten seit 1901 bei Frankreich den Eindruck erwecken konnte, daß ihr das Schicksal des scherifischcn Reiches gleichgültig sei. Sehr treffend bemerkt der„Eclair", das Gelbbuch bilde eine spannende Lektüre besonders durch das. was in ihm nicht gesagt sei; denn es versteht sich von selbst, daß— durch ihre neuesten Er- sahrungen gewitzigt— die französische Regierung gar manches Aktenstück zu veröffentlichen unterließ. Und auch das„Echo de Paris" trifft den Nagel auf den Kopf, wenn es sagt: „Das Gelbbuch ist eine gute Lektion für die Internationalisten und AntiMilitaristen". Das Blatt hat recht, allerdings in anderem Sinne, als cS selber meint, Wir„Jnternattonalisten und Antimilitaristen" ziehen aus der Angelegenheit nämlich die Lehre, daß wir«nS Mühe geben müssen, die Kulturwelt recht bald aus den Zuständen zu befreien, unter denen es noch immer— im zwanzigsten Jahrhundert— möglich ist, daß einer jener Kabinetts- Kriege entfesselt wird, wie sie in früheren Zeiten so oft chlverstes Unheil über die Nationen brachten. Wir müssen ferner lernen, daß gerade von denjenigen Staatsmännern am leichtesten Formfragen zu gefährlichen Aktionen aufgebauscht werden, die elber nicht allzu reine politische Wäsche tragen. Es ist kaum nötig, unsere Leser daran zu erinnern, daß erst vor einigen Jahren jener Bismärckische Geheim vertrag mit Rußland bekannt ge- worden ist, dessen zeitigere Veröffentlichung zu entsetzlichen Kata- trophen hätte führen können. Und wenn wir berücksichttgen, daß ein Mann wie Bülow keinen größeren Ruhm kennt, als dem Eisernen Kanzler so ähnlich wie möglich zu werden, dann dürfen wir ohne weiteres annehmen, daß Herr v. Bülow inbezug auf Geheimver- träge genau so denkt oder gar— handelt wie Bismarck.-- Nach Neujahr wird im Reichstage über die Marokko-Angelegen- heit noch zu sprechen sein. Wir werden sehen, ob die Herren Gothein, Blumcnthal und andere mehr dann noch die Ansichten ver- treten werden, die sie in der Sitzung am 13. Dezember leider uur andeuteten. Wenn aber nicht, so soll Herr v. Bülow und sein Hülfstrupp wenigstens die Vertreter der deutschen Sozialdemotjatie auf dem Plan finden. Und denen wird er durch Mätzchen und win- dige Zitate nicht ausweichen, können. Im französischen und im deuffchen Parlament haben's die Bülowianer nun zu hören bekommen: das moderne Proletariat läßt sich nicht mehr blind, taub und stumm in einen„von oben" ge- wünschten Krieg schicken. Und wenn es sich bereit findet, zu den Waffen zu greifen, dann nmß der Kampf den hehrsten Menschheits- idealen gelten, nicht aber einem Schemen höfisch-diplomatischer Takt-. ragen. ••• Deutfebeo Rcfcb. Der Klerikalismus in Elsaß-Lothringrn. Aus Straßburg schreibt uns unser W.-Korrespondent vom 13. Dezember: Der Katholikentag, der in der vorletzten Augustwoche hier ab- gehalten worden war, hak seine Früchte gezeitigt. Schon als vor zwei Jahren in Köln der Beschluß gefaßt wurde, in Straßburg im Jahre 1905 zusammenzutreten, merkte man die Absicht, die dahin- ging, die immer noch etwas renitenten elsaß-lothringischen Klerikalen endgültig in die Reihen des deutschen Zentrums ein- zugliedern; und als am Schluß der diesjährigen Tagung der Vor- sitzende die Hoffnung aussprach, der Katholikentag möge eine Kon- sequenz haben, die dem lieben Gott und allen Katholiken in Deutsch- land Freude machen würde, konnte kein Mensch diese deutliche Mahnung mißverstehen. Jetzt hat denn auch eine außerordentliche Generalversammlung des Straßburger Zentrumsvereins folgende drei Anträge einstimmig angenommen: 1. Der Zentrumsvercin Strqßburg erklärt sich damit einverstanden, daß die zurzeit be- stehenden 3 Zentrumsvereine Straßburg. Mülhausen und Colmar eine ek�ässische Zentrumspartei gründen. 2. Zu der demnächst stattfindenden Delcgicrtenversammlung entsendet der Straßburger Zentrumsverein 5 Delegierte. 3. Das Organisations« statut soll für alle drei Vereine das gleiche und bindend svin. Damit ist der Uebergang der klerikalen elsaß-lothringischen Landespartei in das altdeutsche Zentrum abgeschlossen. Was noch durchgeführt werden kann, ist lediglich Ausbau und Festigung fei neugeschaffenen Parteirahmens. Die sogen. Jungen sind Sieger auf der ganzen Linie. In Mülhausen selbst— der Residenz Winterers— hat sich eine solche jung-klerikale Organisation ge- bildet, die den alten Kämpen in den Sand gestreckt hat. Und die Gründung der elsässischen Zentrumspartci ist beschlossene Sache. Nur ein Glied fehlt in der Kette: Lothringen. Allein auch hier traten schon 1903 Zentrumskandidaten auf und zurzeit bereiten die christlichen Gewerkvereine, die eine ungeheure Agitation in den endlosen Jndustricbezirkcn der Saargcmündcr und Diedenhofener Gegend entfalten— drei ihrer Arbeitersekretäre sind dort tätig—, den Boden für die politische Organisation. Daraus aber, daß das Elsaß dem französisch sprechenden Lothringen voranschreitet, ersieht man, daß nur die Rücksicht auf die Wähler die Klerikalen bisher gelindert hat, offen das Banner des altdeutschen Zentrums aufzurollen. So ist der Anschluß der elsaß-lothringischcn Klerikalen an das Zentrum mehr als ein Stück innerer Parteipolitik. Es ist ein Kapitel aus der reichsländischen Politik überhaupt. Die EntWickelung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse hat uns mehr und mehr nach Deutschland gedrängt, und ungeachtet aller Sym- pathien für Frankreich und dessen republikanische Verfassung vcr- binden sich namentlich Handel und Gewerbe immer mehr mit Alt- deutschland, wo sie jetzt ihren Absatzmarkt gefunden haben. Zudem haben gerade die klerikalen Blätter die Kämpfe zwischen Staat und Kirche in Frankreich ausgenützt, um gegen die Republik zu hetzen. Uns kann es recht sein. Denn nichts ist für uns angenehmer, als wenn die Gegner mit offenem Visier kämpfen. Wir begrüßen den Vorgang als eine Klärung der politischen Lage. „Herrliche Zeugnisse" aus Siidwestafrika. Der Felddivisionspfarrer Schmidt, der während des Fcldzugs ein Jahr lang in Südwestafrika ivciltc, hielt am Mittwoch einen Vortrag in Berlin, in deni er der Kriegs- führung in Südivestafrika„herrliche Zeugnisse" ausstellte. Diese Zeugnisse bestanden in allerlei Kanipfepisoden, bei denen sich die Bravour der Soldaten und ihre heldenmütige Kameradschaftlichkeit offenbart habe. So erzählte Schmidt nach dem Bericht des„ R e i ch" über den Kampf im A n b- G e b i e t: „Nach drei Stunden hörten die Geschütze auf zu feuern, um Munition zu sparem Den ganzen Tag gab's nichts zu trinken, die Hitze lvär fürchterlich. Die Mann- schaffen versuchten zu essen; aber der ausgedörrte Gauinen konnte nicht mehr schlucken. Auf den heißen Steinen konnten es die Glieder nicht mehr aushalten. Die Qualen ivurden größer und stärker. Die Nacht verging, aber kein Wasser I Am zweiten Tage wurde der Durst eine Todesgefahr. Viele waren der Verzweiflung nahe. Der Pfarrer hörte in der Linie einen Soldaten für sich sagen:„Mein Gott, warum hast Du mich verlassen!" Der Nachbar mgte unwirsch:„Ach was! Schieß' mal da rechts rüber!" Ein Soldat rief:„Mutter, Mutter!" Ein dritter sagte feierlich:„Er führet mich zum frischen Wasser!" Nie, bemerkt der Feldprediger dazu, hat mich dieses Wort des Herr- lichen 23. Psalms so ergriffen wie bei dieser Gelegenheit. Unsere Leute schliefen vor Ermattung im stärksten Feuer ein, bis sie eine aufprallende Kugel wieder auffchreckte. Divisionspfarrer Schmidt hat später einige Soldaten gefragt, wie's ihnen hierbei ergangen sei. Sie erzählten, daß sie die iv u n d e r v o l l st e n Träume gehabt hätten— nämlich von Wassersäckc», und wie sie dann wieder entsetzt gewesen seien, als die Wassersäckc eben— nur Träume waren. Manche aßen in der Bcrzwciflung Ameisen, spät abends nahmen sie kühle Steine in den Mund, Blut von Pferden wurde versucht zu trinken und andere Dinge, die sich nicht erzählen lassen." Diese Schilderung zeugt gewiß von der Bravour der Mannschaften. Aber sie löst auch noch andere Gedanken aus. Sie gibt nämlich einen Vorgeschmack der entsetzlichen Qualen. unter denen viele Tausende von Hererofrauen und-Kindern zu- gründe gegangen sind, als sie durch den Trothaschen Äusrottungserlaß in die Omaheke getrieben worden waren I Verzweifelt wühlten dort die Verschmachtenden den Boden zwanzig Meter tief auf, ohne ihre Höllenqualen durch einen Tropfen Wasser mildern zu können I Sie starben in Fieberdelirien dahin, zu Tausenden, und zwar Unschuldige, Frauen und Kinder! Welch'„herrliche Zeugnisse"! Und da sagte der Herr Divisionspfarrer:„Der Krieg gehört zu den Sturmwinden, die des Herrn Wort ausrichten!!!"— Wer„hetzt" und„verleumdet"? Der Reichskanzler leistete sich in der ReichStagösitzung vom 14. Dezember das rabulistische Mätzchen, durch Zitate aus dem „Vorwärts" beweisen zu wollen, daß nicht die berüchtigten weit- politischen Drohreden, nicht das sinnlose und provozierende deutsche Flottenrüsten in England Mißtrauen erregt hätten, sondern erst die scharfen kritischen Warnungen, die der„Vorwärts" daran geübt hatte. Als einen Beleg der„hetzerischen Verleumdungskampagne" deS„Vorwärts" zitierte Fürst Bülow folgende Stelle: „Je effriger Deuffchland seine Flottcnrüstungeu betreibt, desto näher rückt die Gefahr eines kriegerischen Zusammenstoßes mit England, das ja gar nicht anders annehmen kann, als daß die kolossalen deutschen Marinerüstungen gegen England gerichtet seien. iHört! hört! rechts.) Bülow bezeichnete eS also als eine Verleumdung Deutschlands, vaß der„Vorwärts" die unanfechtbare Tatsache feststellte, daß Deutschlands Flottenrüstungen in England Berstimmungen hervor- zurufen geeignet sind. Dafür, daß das eine Taffache ist, können wir uns heute auf das Zeugnis eines Mannes berufen, der gerade für den deutschen Reichskanzler das Gewicht einer Autorität besitzen dürfte auf— Karl Peters. Dieser stellte, wie wir der „Täglichen Rundschau" entnehmen, dieser Tage in einem Artikel einer Zeitschrist folgende These aus: „Zwei Tatsache» jedocki bleiben bestehen: 1. daß eS zurzeit keinen Staatsmann hier gibt, welcher einen Krieg mit Deutsch- land verantworten würde; 2. daß das Anschwellen der deutschen Bevölkerung von Jahr zu Jahr, die Ausdehnung unserer In- dustrie und unseres Handels, die Bcrstärkinig unserer Flotten auf der Nordsee von jedem klar denkenden Engländer als eine ernste Bc- drohnng der britischen Weltstellung empfunden wird und«mpfunden wer- den muß. Da helfen freundliche Worte und Redensarten nicht hinweg." Karl Peters spricht hier also, nur noch in schärferer Form, genau denselben Gedanken aus wie das von Bülow als ver- lcumderisch gebrandmarkte. von der Rechten �durch ein patriotisch entrüstetes„Hört! hört!" unterstrichene„Vorwärts"-Zitat!_ Aber damit nicht genug. Der„Vorwärts" erscheint i» Deutschland, der Artikel des Peters aber in einem englischen Blatte, nämlich in der Londoner„ Fi n a» z- C h r o n l k!" Wenn also der„Vorwärts" lvegen seiner Vaterlandslosigkeit gehängt zu werden verdiente, verdiente der Peters mindestens gevrerteilt zu werden! Daher hätten es unsere Flottenpatrioten und Weltpolüner nur zu gern gesehen, wenn der PeterS trotz seiner Hänge-Affaren die Stelle unseres Kolonialprinzcn eingenommen hätte!— Aus der Pfefsersack-Republik. Wir berichteten kürzlich, daß in einer Versammlung der Hamburgef Staatsarbeiter die Behauptung aufgestellt worden ist, die Verwaltung des Eppcndorscr Krankenhauses hätte Leichen zu anatomischen Zwecken an deutsche Universitäten verkauft. Die Mitteilung schien nicht recht glaubwürdig, wird aber durch die Verhandlungen der Hamburger Bürgerschaft im wesentlichen be- stätigt. Wie unser Hamburger Bruderblatt, das„Hamburger Echo", berichtet, richtete in der letzten Sitzung Genosse Emil Fischer eine Anfrage an die bürgcrschaftlichen Mitglieder des Krankenhauskollegiums, ob der Behörde die öffentlich in der „Sanitätswarte" und in einer Versammlung der Staatsarbcitcr erhobenen Anschuldigungen bekannt geworden seien, wonach seitens der Staatskrankenanstalten, insbesondere seitens des Eppendorfer Krankenhauses Leichen und anatomische Präparate kistenweise an die Universitäten Kiel, Würz- bürg und Stratzburg verschickt würden, und daß es vorgekommen sei, daß Leidtragende einem Sarge folgten, m dem sich statt einer Leiche Schutt und Steine befanden. Obgleich diese Anschuldigungen schon seit längerer Zeit erhoben werden, sei seitens der Krankcnhausverwaltung nichts geschehen, um diese Anschuldigungen zurückzuweisen. Dr. Roth erwiderte, daß auch andere Städte Leichen und Präparate an die Universitäten liefern. Der Marincminister habe insbesondere darum ersucht, damit die Marineärzte in Kiel daran Studien machen könnten. In Lübeck würden die Leichen von zu Zuchthaus Verurteilten und Selbstmördern dazu benutzt. Hatte Herr Dr. Roth nur zugegeben, daß nur die Leichen von Zuchthäuslern, Selbstmördern usw. zu anatomischen Präparaten benutzt würden, so ging Herr Dr. R u m p c l schon etwas weiter und gestand ein, daß auch„Landstreicher" und dergleichen Leute, die auf öffentliche Kosten in den Krankenhäusern verpflegt worden sind und dort versterben, ohne daß Angehörige die Leichen reklamieren, für anatomische Zwecke benutzt würden. Den beiden gesellte sich Dr. Wcstphal hinzu, der mit einer Arroganz, die völlig deplaziert war, von der Unwissenheit des Interpellanten in der Sache sprach, war aber bei all seinem„Wissen" auch nicht imstande, nachzuweisen, daß das Verfahren in den Staatskrankcnhäusern gesetzlich berechtigt sei. Er behauptete, daß in allen Großstädten so verfahren würde. Soviel steht fest, daß keine gesetzliche Grund- läge für das in den Ha in burger Staatskranken- Häusern beliebte Verfahren der Verlocndung von Leichen zur Anfertigung anatomischer Präparate vorhanden i st! Doch was quält sich die herrschende Clique der Pfeffersack-Rcpublik um Recht und Moral; die Hauptsache �ist der Vorteil. Zum Schulunterhaltungsgcsctzciitwurf hat der Lehrer- verein B e r l i n- La n d- Te l t o w durch Annahme folgender Thesen Stellung genommen: 1. Bei der Bildung der Schuldepu- tationen muß Bedacht genommen werden, daß Rektor bezw. Lehrer von der Lehrerschaft gewählt werden und des Erziehungs- und Volksschulivcsens kundige, im Volksschnlwescn tätige Männer sind. 2. Hinsichtlich der Besetzung der Lchrcrstellen in Orten mit weniger als 25 Schulstellen glaubt der Verein, daß die Rechte dieser Orte gegenüber den mit mehr Schulstcllen durch das Vorschlagsrccht der Schulaussichtsbehörde zu sehr gekürzt seien und wünscht, daß auch in diesen Orten die Schuldeputationen, Schulverbände oder Schulvorstände das Vorschlagsrccht erhalten. 3. Die für die Er- richtung einer Simultanschule im Entwurf vorgesehene Bemer- kung, daß vorgenannte Schulen nur„aus besonderen Gründen errichtet werden können", sieht die Versammlung als ein Hemmnis in der EntWickelung der Simultanschulen an und wünscht deren Beseitigung,>veil sonst die Hoffnung auf Simultanschulen vollständig zu begraben sei. Es ist traurig genug, daß die doch so gut organisierten Lehrer nicht eine einheitliche machtvolle Kundgebung gegen das Vcrpfaffungsgesetz zustande bringen! So werden ihre schwäch- lichen und obendrein kläglich verzettelten Proteste wenig Eindruck machen I—_ Weitere Handelsverträge. Die Hanbelsvertrags-Verhandlungen mit den nordischen Ländern sowie mit den Vereinigten Staaten von Amerika und Argentinien schreiten nur sehr langsam vorwärts— angeblich, weil es die Reichsregierung für angebracht erachtet, zu- nächst mit der nordamerikanischen Union ins reine zu kommen. Ter„Ostpr, Ztg." wird darüber von ihrem Berliner Korrcspon- deuten berichtet: „Von gutorientierter Seite erfahre ich, daß die VerHand- lungen betreffs Abschlusses von Handelsverträgen mit kleineren Staaten erst nach Festsetzung der handelspolitischen Vereinbar- ungen mit der Union und ScHvcden beginnen sollen. Es kommen zunächst Argentinien, Spanien, Portugal und Norwegen in Be- tracht. Mit Argentinien wird wohl das Mcistbegünstigungsver- hältnis— wenn von dort gewisse Zollermätzigungen zugestanden werden, was zu hoffen ist— bestehen bleiben, während mit den drei anderen Ländern der Abschluß von Tarifverträgen erstrebt wird. Sowohl der portugiesische wie der spanische Zolltarif sind, wie mau weiß, mit Rücksicht auf die schutzzöllnerischen Maßnahiuen der meisten Staaten ganz erheblich erhöht, zurzeit aber noch nicht veröffentlicht worden. Mit Norwegen stehen wir im Meist- begünstigmigsverhältnis.�das auf alten Verträgen beruht. Auch dieser Staat hat seine Tarifsätze ganz bedeutend erhöht, die be- reits schon in Kraft getreten sind. Vermutlich werden die Ver- Handlungen mit diesen Ländern nicht unbedeutende Schwierig- keiten bieten. Ob man mit allen gleichzeitig unterhandeln wird, steht dahin. Technisch wäre es wohl möglich nach Erledigung der jetzt schwebenden Beratungen." Daß unter diesen Umständen mit den genannten kleineren Staaten bis zum 1. März nächsten Jahres neue Verträge zustande kommen, erscheint höchst zweifelhaft.— Landtags-Ersatzwahl in Luckau-Lübbcn. Amtliches Wahlresultat. Bei der Landtags-Ersatzwahl im Wahlkreise Luckau-Lübben iFrankfurt a. O. 9) wurde Generalmajor z. D. v. Krosigk-Fürsten- Walde(Teutschlons.) mit sämtlichen 247 Stimmen gewählt.— Der Flottenrummel der Leipziger Studentenschaft ist unter mächtigen Bierreden des Generals Keim und des alldeutschen Pro- fessors Dr. Lamprecht vor einem ebenso durch Redensarten und akademisches Beifallsgetrampel wie durch den edlen Gerstensaft be- rauschten Auditorium von 2999 Gambrinusjüngern am Donnerstag Programm- und kommentmäßig vor sich gegangen. Ohne Ab- stimmung wurde eine Resolution angenommen, in der es die von Vaters Gnaden in dulci jubilo lebenden Mnsensöhne für eine „nationale Pflicht" halten, ihrer„Ueberzcugung dahin Ausdruck zu geben,„daß nicht nur die Flottenvorlagc bewilligt werde, sondern daß auch über die Flottenvorlage hinaus ein schnellerer Ausbau und eine weitere Verstärkung unserer Flotte erfolge."— MajestätSbcleidigung? In dem Gewände der Kranken- s ch w e st e r hatte die Krankenpflegerin Karoline Seemann gestern auf der Anklagebank der fünften Strafkammer des Land- gerichts II Berlin Platz zu nehmen, um sich wegen Beleidi- gung der Kaiserin zu verantworten. Ihr wurde von einer ihr feindlich gesinnten Pflcgeschwcstcr nachgesagt, daß sie ihr gegen- über auf einem Kirchgänge die Kaiserin mit einem populären Namen belegt habe, der eine Ehrvcrletzung gegen die Person der Kaiserin enthalte. Die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt- gefundene Beweisaufnahme veranlaßte den Staatsanwalt, gegen die Angeklagte 1 Monat Gefängnis zu beantragen. Die Angeklagte bestritt dagegen die Richtigkeit der Beschuldigung und behauptete, daß die beanstandete Bezeichnung von ihr höchstens in referierender Mitteilung ohne jede beleidigende Absicht gelegentlich gebraucht sein könnte. Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht beantragte Freisprechung, aus die der Gerichtshof auch erkannte. Aus Südwestafrika. Gouverneur v. L i n d e q u i st meldet, daß sich der Witboi- ® roßmann S e b u l o n mit Anhang. bestehend aus 19 5 Männern, 192 Weibern und 79 Kindern, in Gibcon g c st e I l t h a b e. Es seien dabei von den Hottentotten 49 Ge- mehre, meist Modell 98, 21 Reittiere und 195 Stück Kleinvieh ab- gegeben worden. Das Leben wurde dabei nur denjenigen zugc- sichert, die nicht des MordeS überführt werden. Weitergehende Versprechungen seien den Leuten nicht gemacht worden. M o r c n g a hat am 8. Dezember einen erneuten Angriff auf Sandfonteiu gemacht, wobei von uns fünf Reiter ge- fallen, vier verwundet worden sind. Die Abteilung des Rittmeisters H a e g e l e warf am 8. De- zember östlich Aub Leute des Cornelius nach Süden zurück und verfolgte sie. Hierbei wurde ein Reiter schwer, ein Reiter leicht verwundet. Bei Gubuoms östlich Aminuis hatte am 5. Dezember die vierte Batterie ein zweites Gefecht gegen Hottentotten, in dem der Feind drei Tote, zwei Gewehre, 8 Reit- ochsen und 25 Stück Großvieh einbüßte. Auf deutscher Seite wurde ein Reiter schwer, ein Offizier und ein Reiter leicht verwundet.— HuslancL Italien. Die italienische Partei für das allgemeine Wahlrecht. Rom, 14. D ezember./g Pf. am Ort. bei Ueberlandarbeit 5 Pf. pro Stunde Lohnerhöhung gezahlt. Die Versammlung stimmte dem Antrage der Vertrauensmänner debattelos zu und beauftragte die Schlichtungskommission, in der kombinierten Jnnungsversamnilung für die Annahme des Tarifs für 1906 zu wirken.— Schließlich be- willigte die Versammlung noch 3000 M. für die Helden der russischen Revolution._ Achtung, Kleber! Der Bau Mommsenstr. 36(Ecke Wilmersdorferstraße), Unter- nehmer Kalmbach, PotSdamerstr. 78, ist für Kleber wegen Tarif- druchS gesperrt. Die Achtzehner-Kommission. Ocutkchee Reich. Die Aussperrung auf der Rostocker ReptunSwerft. Man schreibt uns aus Rostock: Die Rostocker Neptunswerft ist eine junge Schöpfung Ham- burger Großkaufleute, die— angelockt durch die niedrigen Arbeits- löhne Mecklenburgs— in Rostock vor zehn Jahren einen kleinen Schiffsbaubetricb aufkauften nnd in eine moderne Werft um- wandelten. Jahrelang kämpften die Rostocker Neptunarbeitcr um die Erringung eines Stundenlohnes von— sage und schreibe 21 und 22 Pf. Auch heute bewegt sich der Jahrcslohn im Durchschnitt noch um 1100 bis 1200 M. Die jetzt eingetretene Aussperrung ist nicht etwa hervorgegangen aus einem Bestreben, die gewiß mehr als bescheidenen Lohnsätze heraufzuschrauben, sondern aus der Ab- tvehr gegen eine angedrohte Lohnherabsetzung. Im Frühling d. I.>var ein Lohntarif zwischen der Werft- direktion und den Arbeitern abgeschlossen. Ter Tarif setzte Mindest- Stundenlöhne für die verschiedenen Arbeitergruppen fest und be- stimmte, daß Akkordsätze, bei denen„achweisuch mehr als einmal über 56 Proz. Akkordüberschutz erzielt wurden, herabgesetzt werden können, dah dagegen alle Akkordsätze erhöht werden sollen, die weniger als 36 Proz. Akkordüberschutz ergeben haben. Beide Parteien hatten sich im Tarif verpflichtet, bei etwaigen Zwistig- leiten über Auslegung einzelner Tarifpunktc als EinigungSamt das Gewerbegericht anzurufen, dessen Entscheidung für beide Teile bindend ein sollte. Im September ordnete die Direktion die Ein- sührung einer neuen Gruppe von Akkordarbeit an und setzte einseitig den Akkordpreis fest, ohne vorher den Arbeiterausschutz anzuhören. Lag schon hierin neben einer Verletzung der Gewerbe-Ordnung ein Verstoß gegen den Grundgedanken des eben abgeschlossenen Tarifvertrages vor, so beschloh doch die in Frage kommende Gruppe der Schiffsbauer, um des lieben Friedens willen eine ehrlich« Probe zu machen. Eine Kolonne Schiffsbauer übernahm, allerdings unter Vorbehalt, die Ausführung der von der Direktion neu vor- geschlagenen Akkordarbeit. Nach Fertigstellung der Arbeit zeigte sich, daß der seitens der Direktion kalkulierte Akkordpreis den Mindest-Stundenlohn nur um 7 Proz. überschritt, also bei weitem nicht die garantierten 36 Proz. erreichte. Die geforderte Nachzahlung lehnte die Direktion mit der Bemerkung ab, die betreffende Kolonne sei»zu faul" gewesen. Auch jetzt verloren die Schiffsbauer noch nicht die Geduld. Sie gingen auf eine zweite Probe ein unter der Bedingung, datz die Direktion einen Aufseher stelle, der den Fleiß der Kolonne zu kontrollieren habe. Der Aufseher beschränkte sich aber nicht auf diese Kontrolle, sondern verrichtet« trotz Protestes fortdauernd direkte Hülfelei st ungen. Dadurch wurde derartig an Zeit gespart, dah bei dieser„Probe-Arbeit" der Akkordverdienst den Mindeststundenlohn um etwas mehr als� 36 Proz. übertraf. Zweifellos wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte die eigenartige»Kontrollarbeit" des Aufsehers vom Akkord mitbezahlt werden müssen. Als nun der betreffende Kolonnen- führer bei der Direktion vorstellig wurde und namens der Schiffs- bauer verlangte, der Streitfall solle dem Tarifvertrag gemäß der Entscheidung des Gewerbegerichts unterbreitet werden, bestand die Antwort der Direktion auf diesen ebenso sachlichen wie friedlichen Borschlag in nichts anderem, als in der sofortigen Entlassung des betreffenden Arbeiters. Als die Schiffsbauer die Wiedcreinstellung ihres gemahregcltcn Kameraden verlangten, wurden weitere fünf Scknsssbauer entlassen. Als weitere Verhandlungen um die Wieder- emstellung an der hartnäckigen Weigerung der Direktion scheiterten, legten 55 Schiffsbauer Ende voriger Woche die Arbeit nieder, auch jetzt noch mit der ausdrücklichen Erklärung, sich der in Vorschlag gebrachten Entscheidung des Gewerbe gerichtS unbedingt fügen zu wollen. Aber die Direktion der Neptunwerst, die feit kurzem ihren Beitritt zum Arbritgeberverband deutfcher Werften beschlossen hatte, wollte keinen ehrlichen Frieden; sie wollte es auf ein« Macht» probe ankommen lassen Sie gab bekannt, datz am 14. d. Mts.. mittags 12 Uhr, alle Werftarbeiter ausgesperrt würden, wenn bis dahin jene 55 Schiffsbauer nicht bedingungslos die Arbeit wieder aufgenommen hätten. Unter dieses Joch haben sich die Arbeiter nicht gebeugt, und so trat tatsächlich die Aussperrung von etwa il666 Arbeitern in Kraft. Jetzt können nun die Arbeiter Rostocks und ganz Mecklenburgs, obgleich dies Ländchen industriell noch so wenig entwickelt ist, das moderne Scharfmachertum in seiner Reinkultur studieren, und � Grohherzog Friedrich Franz IV. wird in seiner nächsten Krieger- � vcreinsrcde zweifellos eine weitere Ausbreitung der„Seuche" fest-> stellen können.' Die-Obstruktion der Bergleute. Die Arbeiterausschubwahlen im Ruhrrevier gestalten sich immer eigenartiger. Die Fälle mehren sich, datz von der gesamten Beleg- schast der Zeche auch kein Mann wählt. Wir nannten bereits Zeche „Bergmann". Dasselbe ist noch zu melden von Zeche„Freiberg". Auf Zeche„Freie Vogel' kam keine Wahl zustande, weil nur ein Mann wählte, dessen Stimme aber noch obendrein ungültig war. Nun werden für diese Zechen, wo keine Wahl zustande kam, neue Wahltermine anberaumt. Auf Zeche„Freiberg" sollte am Donnerstag schon zum zweiten Male gewählt werden. Auch diesmal war der Erfolg ein negativer; es erschien kein Mann a« der Wahl- urne!—_ Auf Zeche„Wiendahlsbank" ist jetzt nach achttägiger Dauer der Streik der Schlepper und Pferdetreiber beendet. Nach einstimmigem Beschluß einer Versanimlung am Donnerstag abend sind Freitag früh sämtliche Streikende wieder angefahren. Der Vertreter der Bergbehörde hatte versprochen, an der Versammlung der Streikenden teilzunehmen, war aber nicht erschienen. Ei» neuer Sieg der österreichischen Eisenbahner. Die Verhandlungen der Südbahn mit ihren Bediensteten haben zu einer Einigung geführt und damit ist die passive Resistenz- vewegung bei dieser Bahn beendet. Auch bei der Rordbahn dürste eS zu einer Verständigung komme». Gerichts-Zeitung. Schutz vor Schutzlenten. Vor einigen Wochen wurden die Genossen und Einwohner von Marten und Umgegend(Kreis Dortmund) durch die Nachricht, datz der Genosse Sasse auf offener Straße von dem Polizeisergeanten Hillebrand durch einen Revolverschub niedergeknallt worden sei, in Aufregung versetzt. Der Polizist hatte gut getroffen. Der Tod unseres Genossen war sofort eingetreten. Hillebrand stellte den Vorfall so dar, als sei er von Sasse und dessen Begleitern an- gegriffen worden. Er nannte sogar die angeblichen Begleiter des Genosse Sasse, gegen welchen ein Strafverfahren wegcii Angriffs auf den Polizisten eingeleitet wurde. Da Sachse als ein stiller und friedsanier Mann bekannt war, fanden die Angaben des Hibebrand von vornherein bei der gesamten Einwohnerschaft nur wenig Glauben. Inzwischen hat sich denn auch als ziemlich sicher herausgestellt, daß Genosse Sachse ganz allein seines Weges gegangen ist und völlig unbeteiligt an irgend welcher Belästigung des Polizisten, von Hille- brand niedergeschossen worden ist. Daraufhin ist jetzt das gegen die erwähnten Personen eingeleitete Strafversahren eingestellt worden. Dagegen wurde von der Dortmunder Staatsanwalt- schast gegen den Polizisten Hillebrand ein Ermittelungsverfahren eingeleitet; außerdem haben die Eltern des Erschossenen eine Schadens- ersatzklage angestrengt._ Ist die Behauptung, ein Richter kenne das Gesetz nicht, eine Beleidigung? Vom Landgerichte Stettin ist am 26. März> der Verlagsbuchhändler Max Grabner in Swinemünde wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 166 M. verurteilt worden. Früher hatte er vor dem Amtsgerichte Swinemünde einen Termin wegen Beleidigung. Er erschien nicht, sandte vielmehr seine Frau mit einer Entschuldigung, die von dem Vorsitzenden, Assessor L., nicht anerkannt wurde. Grabner wurde dann zwangsweise vor- geführt und lehnte schließlich den Assessor L. als Vorsitzenden ab. Zur Begründung seines Ablehnungsgesuchcs brachte er vor: L. ließ mich in aufsehenerregender Weise verhaften und sagte mir vor einer großen Anzahl von Zuhörern im Gerichtssaale, eigentlich hätte er auch meine Frau wegen ihres unanständigen Venehmens der- haften lassen müssen. Auf seine Frage, wo die Entlastungs- zeugen seien, habe L. gesagt, er habe ihre Ladung nicht iir nötig gehalten. Das Recht auf Entlastungszeugen stehe m zivili- ierten Staaten jedem Angeklagten zu; der Vorsitzende scheine das nicht zu wissen. In diese» Aeußerungen hat das Gericht eine Be- leidigung des Assessors erblickt. Daß der Haftbefehl alsbald auf- >ehoben wurde, so heißt eS im Urteile, konnte den Angeklagten aller- singS zu der Auffassung bringen, daß er zu Unrecht verhaftet worden 'ei. Er durfte auch den Assessor für befangen halten. Aber der 3 o r lo u r f der Unkenntnis von Gesetzen, die in allen zivilisierten Ländern bestehen, und andere gehässige Bemerkungen wie der Lorwurf der Animosität ließen die Absicht der Beleidigung erkennen.— I» seiner Revision rügte der An- geklagte Vcrkcimung des§ 193 Str.-G.-B. Er sei überzeugt gewesen, daß der Assessor die Gesetze nicht kenne, und habe geglaubt, dies auch aussprechen zu dürfen.— Ter Reich Sanwalt beantragte die Aufhebung des Urteils, da die Busführungen desselben über den§ 193 sehr wenig klar seien. Das Reichsgericht hob das Urteil gestern auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. In den Urteilsgründen wurde anerkannt, daß der§ 193 vom Land- gerickt rechtsirrtümlich aufgefaßt worden ist. Der Prozetzpartei steht zweifellos das Recht zu, ihr« Ansicht, auch wenn sie irrig ist, zu be- gründen. Sonst wäre ja jede nicht erfolgreiche Beschwerde, Be- rufung und Revision strafbar. Der Vorderrichter verkennt, daß niemals der Inhalt, sondem lediglich die Form und besonderen Umstände eine in Wahrnehnnnig deS§ 198 Str.- G.- B. getane Aeußerung strafbar machen könnten. Ungültige GrmeinderatSwahl in Langenbielaii. Die Wahl der Herren Adam und Neugebauer zu Gemeindevertretern von Langen- bielau, die in der Stichwahl erfolgte, war seinerzeit vom Kreis- ausschuß Reichenbach auf Klage des Genossen Buchdruckereibesitzers Pelz iir ungültig erklärt loorden und der Bezirksausschuß Breslau hatte daim ebenso entschieden, weil die Stichwahl nicht ordnungsgemäß nach den Bestimmungen der Landgemeindeordiumg bekannt gemacht worden war. Auf Revision der Genicindevertretung verwies das Ober- Verwaltungsgericht die Angelegenheit noch einmal a» den VezirlSausjchuß, aber lediglich deshalb, weil die Herren Adain und Neu- gebauer nicht als Beteiligte dem Streitverfahren beigeladen ivorden ivaren. Der Bezirksausschuß holte das Versäumte nach, lud die Gewählten dem Versahren bei und entschied dann wieder auf Un- gütligkeit der Wahl der Beigeladene».— Die Genieindevertretung legte abermals Revision ein. Die Revisioiiöschrifl ließ sie an den Bezirksausschuß gehen, der an sie den KreisaiiSsckmß als erste Instanz weiter gab. Als sie dorthin gelangte, war die Rcvisionsfrift verstrichen.— Das Ober-BerwaltuiigSaericht wie» durch einen in mündlicher Verhandlung vom 15. Dezember bestätigten Vorbcscbeid die Revision als verspätet zurück.— Die Gemeindevertretung von Langenbtklau möge aus diesem ihrem eigenen Versehen die Folgerung ziehen, auf Gememdelosten ftir alle Geniemdeangehörigen uncnigelt- lichen Rrchlslinlerricht einzurichten oder den dortigen Parteiorgani- sationen Zuschüsse zu zahlen, damit diese die Verbreitung der Rechts» kenntius in die Hand nehmen. Versammlungen. und umfaßt das Frankfurter, Stralauer, Landsberger, Köpeniaer und Görlitzcr Viertel. Die Betreibung der Agitation in jedem Viertel liegt einem Viertelsführer ob, der von den Genossen des Viertels gewählt wird. Jedem Viertelsführer steht ein Stellvertreter sowie ein Schriftführer zur Seite. Jeder Stadtteil erhält einen Hülfskassierer. Die Bestätigung der hier genannten Funktionäre erfolgt durch die Generalversammlung.— Für jedes Viertel findet in der Regel monatlich eine Vereinsversammlung statt, die jedoch keine Beschlüsse fassen darf, welche den Beschlüssen der Generalversammlungen widersprechen. Dem Viertelsführer werden eine Anzahl Abtcilungsführer zur Verfügung gestellt, die das Bindeglied zwischen den Bezirkssübrern und dem Viertels- führer bilden.— Halbjährlich, vor der Generalversammlung, findet eine Kreiskonferenz statt, an der alle Funktionäre des Vereins teil- nehmen und Bericht zu erstatten ist. Außerdem können die Viertels- führer der Stadtteile je nach Bedarf mit ihren Funktionären konferieren. Der Vorstand, der aus 12 Personen besteht, ist aus beiden Stadtteilen gleichmäßig zu entnehmen. Eine Geschäftsord'nung, in der die vorstehenden Grundzüge der Organisation festgelegt und im einzelnen ausgearbeitet sind, wurde der Versammlung vorgelegt und nach kurzer Diskussion an- genommen. Auch die Verschmelzung beider Wahloereine wurde einstimmig beschlossen. Ein Statut, welches den bisherigen Statuten beider Wahl- vereine entspricht, fand Annahme ohne Diskussion. Hierauf folgte der Geschäftsbericht des Vorstandes. Da der Vorstand des Vereins„Sirdost" bereits in bei letzten Generalversammlung denselben beriäjtet hat, so erstattete Genosse Mann den Vorstandsbericht vom„Osten". Der Bericht erstreckt sich auf 8 Monate. In dieser Zeit fanden 3 Generalversammlungen, eine allgemeine Mitgliederversammlung und 9 Abteilungsversamm- lungcn statt. Die letzteren dienten der Agitation und der Auf- klärung der Mitglieder und hatten in diesen Beziehungen guten Erfolg. Der Vorstand erledigte seine Geschäfte in 12 Sitzungen, außerdem fanden 7 erweiterte und 8 kombinierte Vorstands- sitzungen statt.— Im Laufe der Berichtszeit sind 17 Mitglieder verstorben, 2 ausgetreten und 5 wurden ausgeschlossen. 127 traten ein. Die Mitgliederzahl beträgt zurzeit 4966. Die Versammlung nahm den Bericht entgegen und erteilte dem Vorstand Decharge. Der nun folgenden Wahl des neuen Vorstandes ging eine Debatte voraus, die sich hauptsächlich auf Formalitäten erstreckte. Bedenken wurden erhoben gegeir die Wahl von Beisitzern zum Vorstand, da die von den Genossen der Viertel zu wählenden Vier- telsführer als Beisitzer fungieren sollen, die Wahl in den Vierteln aber natürlich noch nicht stattfinden konnte. Die Versammlung beschloß, sich für diesmal an die formalen Bedenken nicht zu stoßen und in der Boraussetzung, daß die Genossen in den Vierteln damit einverstanden sein werden, die Wahl der Beisitzer vorzu- nehmen. Ferner beschloß die Versammlung, gleichfalls um formalen Bedenken vorzubeugen, daß der Pasten des ersten Kassierers zu besolden ist.— Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: Vorsitzende: Paul Hoffmann, Wilhelm Mann. Kassierer: Ba- renthin, Jöchel. Schriftführer Menzel, Schenk. Beisitzer: Hackel- busch, Görke. Brödenseld. Kupfer. Bader. Gries. Revisoren: Wase Witz. Klavon. Dietrich. Voigt. Ostburg. Jäck.— Für Groß-Berlui: Aktionsausschuß: Paul Hoffmann. Preßkommission: Otto Büch- ner. Agitattonskommission: Janseu. Lokalkommission: Rott. Aspiranten: Laaser, Lusche, Winter. Die GipS- und Zementarbeiter(Sektion des Maurervcr- bandes) hielten am Freitag im Gewerkschaftshause eine gut be- suchte Mitgliederversammlung ab. Genosse Silberschmidt sprach daselbst über„Die schädliche Wirkung der Akkordarbeit". Am Schluß seines mit großem Beifall aufgenommenen Vortrages gab Redner der Meinung Ausdruck, daß die Akkordarbeit generell weder durch Versammlungsbeschlüsse noch durch Streiks zu be- seitigen sei. Aus diesem Grunde überlasse es der Maurerverband auch seinen Mitgliedern in den einzelnen Orten, je nach ihrer Reife und unter Berücksichtigung der gegebenen Verhältnisse, gegen das Akkordsystem vorzugchen.— In der regen Diskussion wurde gerügt, daß es auch noch immer in der Gips- und Zemcntbranchc eine Anzahl Kollegen gäbe, die sich in die Akkordarbeit geradezu verliebt hätten. Wenn es infolge der strengen Kontrolle nicht an- gängig erscheine, die Atkordschusterei direkt zu betreiben, so greise man zum indirekten Shstem. Wie schädlich das sei, beweise allein der Umstand, daß während der letzten Jahre die Akkordpreise in demselben Verhältnis heruntergedrückt wurden, wie die Stunden- löhne gestiegen sind. Alle Redner hielten als bestes Mittel zur Beseitigung der Akkordarbeit die gewerkschaftliche Schulung und Erziehung der Arbeiter; diese werde mehr wirken als alle Be- schlusse. Von diesen Gesichtspunkten ausgehend beschloß die Ver- sammlung auch, demnächst ein Flugblatt über die Schädlichkeit der Akkordarbeit unter den Mitgliedern zu verbreiten.— Wegen�in- solidarischen Verhaltens wurden sodann die Arbeiter Zertner� Marquardt und V o l k m a n n aus der Organisation auS- geschlossen._ Eingegangene Druchfchnftcn. «Pit. h,r Deutliben VerlagS-Anstalt in Stuttgart erscheinende 3 1 tust r fei t" Volt 8 au 9 gab e von Schillers Werken ist I°-bcn erlchicnen.„ Gcldverlehr. Ein Ratgeber für alle Interessenten a,mT&»Ä Serlta 1906. Herlag von E. Eiße». Pre.S l.50M, °�".Welt-M„nd Menschheit." Geschichte der Ersinschung der Nalu, und'der Verwertung der Naturlräfte im Dicnfte der Völler. Liesernr z 9k und 100 soeben erschienen. Prel» der Lieserung 0,60 M.— Demschel Verlaashaus Bong u. Co., Berlin IV..»».». Kalender des Zentralverbandes der Maurer für daS Jahr 1906. Be- arbeitet von Fritz Paeploio. Zweiter Jahrgang- Preis 50 Ps. Verlag � K?ttit�dcr Krittk.� Hest 4. Monatsschrift W Künstl« und Kunst. freunde. PreiS 30 Ps. Schlesische Verlagsanstali S. SchoNIander. Breslau Letzte Nachrichten und Depefchen. Bevorstehende Bombardements. Berlin, 16. Dezember.(W. T. B.) Wie wir erfahren, hat der Reichskanzler den Oberpräsidenten von Ostpreutzen ersucht. s»f-rt- einen Danivser für Ria«, Liba» und Reval zu chartern, damit sie im Notfälle für dortige deutsche Neichsaiigehörige zur Bersüginig stehen. Sierter Wahlkreis. Am Freitag tagte in Kellers Saal eine gemeinsame Generalversammlung der. beiden Wahlvereine„Ost" und..Südost". Auf der Tagesordnung stand der Zusammenschluß der beiden Vereine. Paul H o f f m a n n leitete die Verhand- lungen ein, indem er ausführte: Der Zusammenschluß der beiden Vereine müsse ersolgen, weil nach dem neuen Organisalionsftatut der Partei für jeden Reichstagswahlkreis nur ein Wahlverein be- stehen darf. Tie Funktionäre beider Vereine haben eine gemein. same Konferenz abgehalten und sich aus folgender Grundlage der neuen Organisation geeinigt: Ter Wahlverein für den vierten Reichstagswahltreis besteht aus den Stadtteilen Ost und Südost Nedplte"-' Weber Berlin, nleratenteil verantw.: TH.Glockc, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co.. Berlin LW Massendemonstration. Budapest, 16. Dezember.(B. H.) Die sozialdemo- kratiiche Partei beschloß heute, am 18. d. M.. dem Bortage der Parlameiitseröffnung. einen friedlichen Massenaufzug vor samt- lichen Klublokalen der politischen Parteien zu veranstalte,». Eine Landarbeiter-Organisation. Budapest, lS. Dezember(93. H.) Der Minister de? Innern hat die Siatuten de» LandesverbniideS der ungarischen Feldnrbnter, welcher jetzt schon»0 006 Mitglieder zählt, genehmigt. Die Feld- arbeiter werden für ihre Bernfsinleresicii und für die polilischc» Forderungen der Sozialdemokratie Ungarn» kämpfen. Reaktionäre Anschläge. P.tersburg, 15. Dezember.(Bon einem Privatkorrespondentcn über Eydikuhnen.) Fünf Blätter, die das Manifest der revolutionären Parteigruppe» abgedruckt haben, wurden heute nachmittag bcschlag- nahmt. Die Redakteure des„Syn Otetschestwa" wurden, iech» an s der Zahl, wegen Belanntgabe de» Manifestes verHaftel.__ Hierzu 7 Beilagen. ms. i. Ktüllgt des JorroW ßctliiicr Volllgdlllti. Tie Revoltttion in Rußland. Der Arbsitcrdeputicrtenrat, das Hauptkomitce dc-Z Bauern- kongresses, da-Z Zentral- und Organii atr and koinitee der sozialdcmo- kralischen Arbeiterpartei und daS Zcntralkoinitee der Partei der Sozialrevolutionäre haben ein„Maniiest" veröffentlicht, in dem nach einer Kritik der Regierung und der wirtschaftlichen Lage erklärt wird, keine Ablösungszahlen und andere Staaissteucrn zu entrichten, bei Kaufabschlüssen und Lohnzahlungen nur Gold, bei Zahlungen unter ö Rubel nur klingende Münze als Gegenwert anzunehmen, aus den Sparkassen und der Reichsbauk die Einlagen zurückzuziehen lind diese in Gold zu verlangen, und schließlich Zahlungen für solche Anleihen, die zu einer Zeit abgeschlossen Knnrden, als sich die Re- gierung in offenem Kampfe gegen das Volk befand, nicht zu- zulafien. Die Arbeiter, die ihre Macht und Entschlossenheit bewiesen haben, werden von den Bürgerlichen umworben. Englische Blätter melden: Die Arbeiter- und Bauernbiinde bereiten für Januar eine Art gemeinsames Parlament vor. Der„Verband der Verbände" bemüht sich, die Sozialisten zu sich heran zu ziehen und wirbt um ihre Unterstützung, indem er ebenfalls für den Beschlud zugunsten einer bewaffneten Erhebung eintritt. Die fortschrittlichen Blätter treten weiter für ein Zusammen- gehen aller Linksparteien ein, wozu sie zählen: Konstitutionelle Demokraten, Radikale, Sozialdemokraten und Sozialrevolutionäre, doch kommt ein Zusamtneugehen mit den Anarchisten fes gibt in Rußland nur ein oder zwei Dutzende solcher. Die Red,), die selbst von den Sozialrevolutionären zurückgewiesen werden, nicht in Frage. Bisher haben die Sozialisten das Entgegenkommen der gemäßigten Parteien sehr geringschätzig aufgenommen. Der Aufruhr in der Armee. Der„Daily Telegraph" meldet: DaS letzte Telegramm des Oberkommandierenden der Mandschureiannee. General Linewitsch an das Kriegsministerium in Petersburg lautete:„Ich kann das Anwachsen und die Ausbreitung der revolutionären Propaganda im Heer nicht bekämpfen. Bereits über die Hälfte des HeereS meutert. Die Reservisten verlangen sofortige Heimbesörderung und wollen kein Papiergeld nehmen. Erbitte telegraphische Weisungen. Dringend." Es erfolgte darauf aus Petersburg eine draht- liche Antwort über Europa und Wladiwostok. Ihr Inhalt ist unbekannt. Die Anklageschrift gegen den Schiffs- leutnant Schmidt, der bei der Meuterei der S ch warz m e e r- F lo tte b i e L eit un g hatte, ent- hält Anklagen, auf welche die Todesstrafe steht. In der Anklageschrift wird u. a. folgender angeblich vom Leutnant Schmidt am 38. November a. St. erlassene Tages- befehl veröffentlicht:„An den Bürgermeister von Sewastopol! Ich habe heute an Se. Majestät den Kaiser folgendes Tele- gramm gerichtet: Die glorreiche Flotte des Schwarzen Meeres, die der Nation tief ergeben bleibt, ersuchen Sie, Sire, ohne Verzug eine verfassunggebende Versammlung einzuberufen und hört hiermit auf. Ihren Ministern zu gehorchen. tGez.) Flottenkommandeur Schmidt." (Heber den Sewastopoler Ausstand siehe unsere heutige Beilage. D. Red.) Petersburg, IS. Dezember. Nach Meldungen aus Rostow am Don sind dort große Unruhen ausgebrochen. Die dortige zaren- treue Garnison macht« den Ruhestörern gegenüber von der Waffe Gebrauch. Hierbei wurden 300 Personen getötet und verletzt.— Die Schiffsarbeiter in Rostow haben die mit Waren beladenen Schiffe teils versenkt, teils verbrannt. Die Kaufleute erleiden da- durch großen Schaden. Die Banken haben die Auszahlung von Bankguthaben verweigert, die bessersituierten Bewohner verlassen fluchtartig die Stadt. Die„Beruhigung" der Bauern. Ein Korrespondent der sehr gemäßigten Petersburger Zeitung „Nascha Schisnj" erzählt in seiner Zeitung wie man im Kreise BorisoglcbSk des Gouvernement Tambow die aufständischen Bauern „beruhige". Einige Stellen seines intereffanten Briefes verdienen wiedergegeben zu werden: Durch den ganzen Kreis BorisoglebSk, schreibt der Verfasser, sst ein Telephon eingeführt, das die Eigentümlichkeit besitzt, daß wenn ein Abonnent spricht, sein Gespräch von allen übrigen gehört werden kann. Dank dessen wurden im Kreise alle Geheimnisse der Polizei bekannt. Auf diese Weise erfuhr man. daß der Pristav dem Landeshauptmann PolonSkh gesagt habe:„W i r werden denBauern viel mehrGetreide abnehmen, als sie selbst den Gutsbesitzern abgenommen haben." Der Rittmeister Jljuschkin, der eine Sotnja Kosaken vefehligt, gibt seinem Unteraebrnen F. Schtscherbinin. der sich nach der Wotostj Oleschki begibt, folgenden Befehl(telephonisch): „Seien Sie eingedenk dessen, was man zu tun hat: Ins Dorf fahren Sie nicht ein, sonst werden Sie abgeschnitten. Sollte eS notwendig sein, daß die Bauern aus dem Dorfe heraustreten, so zündet das Dorf vom Rande an. Fordert die Herausgabe des Getreides. Im Falle der Weigerung— lassen Sie schießen; zuerst in die Luft, dann auf die Bauern. Ueberhaupt müssen Sie sich bemühen, ihnen Schrecken einzujagen: zündet den Dung an, damit es Feuer und Krachen gebe, zerstreut Euch über das Dorf und s ch l a g t die Fensterscherben ein." Der Leutnant Schtscherbinin übermittelt dann telephonisch seine bei der„Beruhigung" gewonnenen Eindrücke seiner Frau:„R i n g S umher fließt das Blut, alles steht in Flammen. wir hauen, stechen, schießen." „Aufgeklärte" Spitzel. Eine Gruppe von Agenten der berüchtigten.Schutzabteilung". die die Aufgabe hat. alles zu beschnüffeln und zu bespitzeln, sandte unserem Petersburger Bruderblatt„Rowaja Sch'snj" einen Brief zu. der bezeugt, daß die„Seuche der Revolution" auch die politischen Spitzel ergriffen habe. Die Redaktion der„Nowaja S-bisnj" be- zweifelte anfangs die Richtigkeit dieser Tutsache, aber eine Nach- Prüfung bewies, daß„nler den„Agenten" wirklich„aufgeklärte" Elemente vorhanden sind. Der interesiante Brief lautet: „Wir, aufgeklärte Agenten, verachten Euch(d. h. die Regierung) und sprechen Euch unsere Empörung au», da Eure verbrecherischen Taten mit ihrer ganzen Last aus uns, aufgeklärte Agenten, drücken. Wir sind berufen die Menschheit(!) vor dem Terrorismus(I) zu schützen, aber nicht selbst Terroristen zu sein. Es müßte Euch schon da« geniigen, daß Ihr, indem Ihr Euch hinter unseren Rücken verbergt, uns zwingt, jeden Schritt der Gesellschaft zu verfolgen. Aber Ihr. die Ihr unseren Hunger und den Hunger unserer Familien ausnutzend, uns in Eure Hände bekommt, Ihr zwingt uns noch außerdem die Gesell- schast zu terrorisieren. Nicht die Gesellschaft, sondern Ihr ruft den Terror hervor. Ihr, die Tyrannen der Menschheit, obwohl Ihr unL zum Schuhe der Menschheit erwarbt, habt Ihr uns Eure demonischen Pläne aus- zuführen gezwungen, Ihr, Ungeheure. Ihr wißt, daß. wenn ein Mensch in Eure Hände fällt, er verloren ist. Sei es denn wie eS ist. mag die Gesellschaft auf UNS als auf Schurken herabblicken, aber trotzdem haben Ihr unsere Seelen nicht ertöten können. Wir alle gehören der Gesamtheit und zusammen mit ihr werden wir für die Freiheit der Menschen kämpfen. Ihr wisset, daß wenn wir Eure Reihen verließen, wir nirgends aufgenommen werden können. Wir sind gezwungen als Judas herumzuirren. Mag unser Blut und unsere Leiden deshalb auf Eure Häupter und auf die Häupter Eurer Nachkomme« fallen. Wir aber find auch Proletarier und in den Reihen des Proletariats werden wir gegen Euch, Ihr Ungeheuer, kämpfend, sterben." Der Brief ist sehr ungrammatisch geschrieben, aber daS gerade verbürgt wohl seine Echtheit. « Die Moskauer Börscnbesucher haben bcschloffen, keine Stenern zu bezahlen, falls die Regierung weiter gegen die ausständigen Post und Telegraphenbeamtcn vorgeht. Mm der Partei. ÄuS den Organisationen. DaS Gewerkschafts kartell Duisburg nahm in Sachen de?„Vorwärts"-Ko»flikts am 14. d. M. eine scharfe Protestresolulion gegen daS„Correspondeiizblatt der Gewerkschnflen" sowie diejenigen Gewerkschaftblätter, die dessen Weisungen gefolgt sind, an; ferner sprach das Kartell sein Befremden darüber aus, daß die von ihren Verfassern nunmehr desavouierte Broschüre der sechs ausgeschiedenen „Vor>värtS"-Nedakteure gleichwohl weiter den Genossen zum Kauf angeboten wird. � Bon Vertretern dreier Berufe wurde erklärt, ihre Fachblälter hätten die von den Duisburger Mitgliedschaften einge- sandten Protestresolutionen nicht aufgenommen. DaS Gewerkschaftskartell Ncumünstcr nahm am 13. d. M. eine Protestresolution gegen die Haltung deS„Corre- spondenzblatt der Generalkommission" gegenüber dem„Vorwärts"- Konflikt an und sprach den Wunsch nach einer möglichsten Annäherung der Gewerkschaften und der Partei aus. Zu der im Verlage der„Münchener Post" erschienenen Broschüre der sechs ausgeschiedenen„Vorwärts"- Redakteure sowie zu ihrer darauf erfolgten„Erklärung" im„Vorwärts" hat die Parteipresse bereits Stellung genommen. Ein Teil der Blätter hat die„Erklärung" ohne Kommentar abgedruckt. Andere Blätter haben sie mit Randglossen versehen. So schrieb die Elberfelder„Freie Presse": Vor einigen Tagen ist im Verlage der„Münchencr Post' eine Broschüre erschienen, die eine Sammlung der tendenziösen Schrift- stücke enthält, welche von den ehemaligen sechs„Vorwärts"- Redakteuren in die Welt geworfen wurden. Den in. der Broschüre zum SluSdruck gekommenen Niederschlag ihrer krankhaften Eigen- brödeleicn und Quertreibereien übermitiellen sie sofort den Ber- liner bürgerlichen Zeitungen, als die Broschüre die Maschine ver- lassen hatte. Zu welchem Zwecke ist nicht zweifelhaft. Das Treiben der„edlen Sechs" wird aber nun mich noch am besten charakterisiert durch nachstehende Erklärung, die Dr. Grad- nauer dem„Vorwärts" sandte(folgt der Wortlaut der Erklärung). Das alles hat man früher ander« gelesen. Die Parteiorgani- sattonen haben mit verschwindender Ausnabme ihr Verdikt gegen die Sechs abgegeben. Diese haben durch ihr Verhalten nun auch noch den reichlichen Spott der bürgerlichen Presse, die sie anfangs so fürsorglich unter ihre Fittiche nahm, auf sich geladen. Der Braunschweiger„Volksfreund": Zum„VorwärtS'-Konflikt veröffentlicht Genoffe Gradnauer im Namen der Sechs im letzten„Vorwärts" folgende Friedens- erkläruna.--- Vielleicht lernen die Sechs schließlich auch noch einsehen, wie töricht sie handelten, als sie der Partei dm Fehdehandschuh hin- warfen. Da«„BolkSblatt für Anhalt": Die Erkläruna beweist, daß wenn allerseits mit der unter Parteigenossen erforderlichen Frcimiittgkeit und Offenheit vor- gegangen ivorden wäre, wenn man sich gegenseitig rechtzeitig ausgesprochen hätte, der ganze Skandal zu vermeiden gewesen wäre. Die„R e u ß i s ch e Tribüne": Wenn die sechs ausgeschiedenen Redakteure deS„Vorwärts" zu wesentlich anderen Ansichten gekommen sind, dann war es ihre Pflicht, das Erscheinen der Broschüre zu inhibieren und die Be- leidigungen und Verdächtigungen nicht nochmals in die Oeffentlich- keit zu schleudern. Dann hätten sie auch nicht den bürgerlichen Zeitungen die Gelegenheit geboten, sich wie die Aasgeier auf den Fraß falscher Darstellungen zu stürzen. Wenn in der Zeit der ersten und größten persönlichen Erregung harte Worte und Anschuldigungen gefallen sind, so kann man dafür mildernde Umstände bewilligen, auf keinen Fall aber ist das skandalöse Treiben der sechs Redakteure durch die Herausgabe der Broschüre zu entschuldigen. Aufs tieffte zu bedauern ist es aber auch, daß sich em Parteiverlag finden konnte, der diese von den Verfassern letzt selbst deSavomerte Broschüre herausgeben konnte. Die„Leipziger BolkSzeitung": Die sechs ausgeschiedenen Redakteure des„Vorwärts" haben eS für angezeigt gehalten, im Münchener Parteiverlage„Gesammelte Aktenstücke" zum„VorwärtS'-Konflitte herauszugeben, mit einer Einleitung und einem Schlußworte, die von gehässigen An- schuldigungen gegen die Berliner Parteiinstanzen strotzen und von der bürgerlichen Presse schon ausgebeutet werden konnten, ehe die Parteibuchhandlungen noch im Besitze der Schrift waren. In- zwischen erläßt Gradnauer im Namen der Sechs im„Vorwärts" eine Erklärung, wonach diese„heftigen Angriffe" in der Zeit der ersten und größten persönlichen Erregung über die geschehenen Vorgänge geschrieben worden seien. 'Von den Parteigenossen ist der„Fall" längst als„abgeschloffen" aufgefaßt worden, indem ihre ungeheure Mehrheit das Treiben der Sechs in der entschiedensten Weise verurteilt hat. Die geringe Minderheit, die ihnen noch halb und halb die Stange zu halten geneigt war, wird durch diesen Schlußakt der Tragikomödie nun auch wohl bekehrt sein: obgleich nach ihrem nunmehrigen Ein- geständniS längst eines Besseren belehrt, laffen die Sechs die „hefttgen Angriffe" erscheinen, wiffen nicht zu hindern, daß sie zuerst in die Hände der bürgerlichen Presse gelangen und von dieser gründlich gegen die Parte» ausgeschlachtet werden, und sagen dann patsr peccavi in dem Augenblick, wo die Parteipresse hätte antworten können. Der Karlsruher.Volksfreund': Die Erklärung GradnauerS mutet sehr seltsam an. und die Parteigenossen werden den Kopf ob solchen Verfahrens schütteln. Glaubten die ausgeschiedenen Redakteure die Attenstücke der Oeffentlichkeit übergeben zu müffen, dann hatten sie die verdammte Pflicht, ihren Inhalt auch heut� noch zu vertreten. Konnten oder wollten sie das nicht, dann hatte die Veröffentlichung zu unter- bleiben. Die Erklärung GradnauerS hat den Gegnern billigen Stoff gegeben, sich an der Sozialdemokratie zu reiben. Wir er- kennen die gute Absicht der ausgeschiedenen Redakteure an, finden aber ihr neuestes Verhalten einfach unverständlich. Wenn das der Zweck der Uebung war. dann konnte man sich dje Rechlfertigungs- schrift und andere Dinge sparen und die Partei blieb bor dieser unliebsamen Affäre bewahrt. Die„Bremer Vürger-Zeitnng": So unerquicklich die minmehr beendigte.VorwärtS"-Angelegen- hcit in allen ihren Stadien war. so unerquicklich und unwürdig ist auch ihr Schluß. Die ausgeschiedenen Redakteure haben es für noiwendig gehalten, in die schon dem Erlöschen nahen letzten Fläinmchen deS„Vorwärts"streites neue Kübel voll Oel zu schütten und dadurch die Affäre in allen Einzelheiten erneut aufzurollen. Sie haben die sämtlichen Aktenstücke, die sich ans die Angelegen- heil beziehen, besonders den bisher noch nicht bekannten Brief- Wechsel zwischen den Redakteuren und dem Parteivorstand in Broschürenform herausgegeben(im Verlage der„Münchener Post") und mit den üblichen Mitteln der Reklame den buch- händlerischen Vertrieb dieser Broschüre in die Wege zu leiten ver- sucht.--- Man fragt sich erstaunt: konnte diese Erkenntnis den Redak- teuren nicht drei Tage früher kommen? Haben sie die in Ein- lcitnng und Schlußwort enthaltenen Angriffe seit der Zeit der „ersten und größten persönlichen Erregung" nicht wieder zu Gesicht bekommen? Hat keiner von ihnen die Korrektur gelesen? Ist keinem von ihren eingefallen, nachdem ihnen die Vorwürfe„in wesentlich anderem Lichte' erschienen sind, daß schleunigst die Ver- öffenllichung der Broschüre, zum mindesten der gehässigen Angriffe, inhibiert werden mußte? Sonderbar, recht sonderbar I Gerade zwei Tage zu spät, nachdem die bürgerliche Presse mit schmatzen- dem Behagen die„heftigen Angriffe" in der Affäre zur Kenntnis genommen und das„Grünbuch" ihrer Materialfammlung ein- verleibt hat, kommt den ausgeschiedenen Redakteuren die Reue! Ein Ausfluß bedauerlicher Scnsattonsjägerei war die erste Notiz über die Kündigung der„Vorwärts"-Redakteure, die den Streit zu einem Parteiskandal aufblies; ein Ausfluß der gleichen Sensationsjägerei schließt den wenig rühmlichen Feldzug der sechs .Vorwärts"-Redaktcure ab. Die„Schleswig-Hol steinische Zeitung": Da steht einem ja der Verstand still I Die sechs Genossen aeben ei» Buch heraus voller bitterer Anklagen und Angriffe, sorgen dafür oder lassen es geschehen, daß die bürgerliche Presse dies Buch schon besprechen kann, ehe die Parteipresse ein Exemplar gesehe» hatte und nun, als die Steinchen hübsch im Rollen sind, da erklären sie: DaS Buch ist freilich voller Gift und Galle gegen Euch, aber Ihr müht'S nicht übel nehmen, eS ist nicht so böse gemeint. Wenn daS, was da geschrieben steht, sich mit dem, waS die sechs Genossen heute denken, nicht mehr verträgt, so war eS ihre Ehrenpflicht, das Erscheinen des BuchcS zu verhindern." Im übrigen mehr zu sagen, ist unnötig, haben die Sechs sich durch diese Erklärung doch mehr bloßgestellt als durch alles andere, was vorher geschehen ist. Das„Volksblatt für Koburg": Ergötzlich und lehrreich zugleich ist daS Wutgeheul, da? die Blätter sämtlicher Parteien ohne jede Ausnahme über die Erklärung der sechs ausgeschiedenen„VorwärtS'-Redakteure er» heben. Diese lächerlichen WntauSbrüche zeigen so recht, welchen großen Erwartungen unsere Gegner sich hingegeben hatten. Welche Hoffnungen hatten gerade sie auf die braven Sechs gesetzt, die sie jetzt ebenso beschimpfen, wie sie sie früher in den Himmel gehoben hatten I Unfähig die Arbeiterklasse wieder an ihre Windfahnen zu fesseln, lauer» sie nur noch auf eins, auf den Zerfall der Sozial- dcmokratie, der ihnen die Arbeiter in Scharen zutreiben soll. Ihre Hoffnungen auf den Revisionismus der Bernstein, David usw. sind wie Seiscnblasen zerplatzt und nun kneifen ihnen auch noch die wackeren SechS auS I Die Bielefelder„VolkSw acht": Im sogenannten„Vorwärts"- Konflikt ist ganz plötzlich daS Ende eingetreten. Rackdrin vor nur ein paar Tagen eine von Kurt EiSner verfaßte Broschüre erschienen war, in welcher die sämtlichen in der Affäre produzierten„Aktenstücke"-- Makulatur möchten wir lieber sagen— fein säuberlich ge- samnielt und mit Randglossen versehen, enthalten waren, in welcher sich noch folgender von großartig partclgenössischem EolidaritätSgesühl zeugender Satz vorfand:„Nur die be- kannte Gruppe der Mehringpresse, die jetzt vom„Vorwärts" geführt wird, trat auf die Seite der Stärkeren, und schmähte die Mißhandelten", ist in der SonntagSnummer des„Vorwärts" folgendes hoffentlich allerletztes„Aktenstück" zu lesen."--- So komisch auf der einen Seite, so befremdlich auf der anderen wirkt dieser Abschluß. Indessen dürfte die»aheliegende Erklärung auch die richtige sein, daß eS Kurt Eisner war, der von vornherein den Karren der Sechs auf einen ganz falschen Weg geschoben hatte. und daß auch Kurt Eisner den Karren auf diesem Wege immer weiter zu schieben versuchte, andernfalls hätte er ja fem Fiasko al« Taktiker eingestehen müssen. Als nun aber der Karren bei der Broschüre als Endziel, zu welchem der Weg führte, angelangt war, da kam denn doch den anderen zum Bewußtsein, wohl nicht zum wenigsten auch durch da» Jndianeraeheul der bürgerlichen Presse. daß thr Vorgehen mit parteigenössischem SolidaritatSgesühl so gut wie gar nichts mehr zu tun habe, und sie machten Schluß mit der ganzen unangenehmen Geschichte. Wir aber wollen uns freuen, daß unsere Genossen, mögen sie auch in ihrem Aerger zunächst über die Stränge geschlagen haben, wieder in Reih' und Glied eingerückt sind, den Aerger darüber überlassen wir gern unseren Gegnern. Die Dortmunder„Arbeiter-Zeitung"» Die Erklärung der sechs ausgeschiedenen„VorwärtS"«Redak- teure zu ihrer Broschüre erlveckt in der gesamten Parteipresse lebhaftes Erstaunen. Mit Recht wird allseitig die Frage erhoben, warum sie, wenn sie jetzt anderer Meinung über die Frage ge- worden sind, das Erscheinen der Broschüre nicht verhindert haben. Die Broschüre enthält Gift und Galle, gibt den Gegnern Waffen in die Hände. Für so etwas muß man einstehen, da darf man nicht kletimtütig sagen, vergebt uns, e« war nicht so böS gemeint. Nachdem die„Sechs" sich so bloßgestellt haben, kann die Arbeiter- schast allerdings über die Affäre zur Tagesordnung übergehen. Das„BolkSblatt für Harburg": Nach dieser Broschüre, die, um auch Abnehmer dafür anzu- locken, im Stile der Krupp-Affäre� abgefaßt ist. kommt die Erklärung GradnauerS so ziemlich posb fostum. Bei den Bürgerltchen wird die Firma Birk u. Co. auch wohl auf ihre Rechnung kommen, die Arbeiter möchten wir aber in ihrem eigenen Interesse vor Ankauf dieser Schauerroman- Broschüre eindringlichst warnen. DaS Machwerk enthält nichts, was nicht bereits auch in unserem Blatte zum Ucberdruß gebracht worden ist. Ein Nachwort bedarf der sogenannte„VorwärtS'-Konflikt aber dennoch. Die ausgeschiedenen Redakteure haben sich bei der ganzen Affäre wohl als gute Redakteure, aber als sehr schlechte Parteigenossen bewiesen. Jeder Parteigenosse, dem eS heiliger Ernst mit der Parteibewegung ist, überlegt sich denn doch drei- mal, ehe er, nur um seiner lieben Person wegen, einen solchen Skandal vom Zaune bricht. Die Berliner Bewegung kann wohl ohne Schaden einen solchen Radau über sich ergehen lassen. Aber wir in der Provinz, die wir mit der schofelsten Kreisblattpresse. die leider auch noch viele Arbeiter zu Gewohnheitslesern hat, zu kämpfen haben, wir haben den Schaden davon. Wir haben uns während dieser Zeit die Finger wund schreiben und die Kehle heiser reden müssen, um den Blödsinn, den ein paar Personen ihres ge- kränkten„Ichs" wegen in Berlin angerührt haben, auch nur einiger- inaßen ivieder realisieren zu können. Möge der sogenannte „VorwärtS'-Konflikt daher für unsere Partei ein warnendes Exempel für alle Zeiten sein. Tarif und Revolution. Herr Rexhäuser erwidert in einem langen Arttkel unsere neu- lichcn Bemerkungen an die Adresse der„Stcinsetzer-Zeiwng". Er befolgt dabei seine alte und.bewährte" Taktik, seine eigene Person nt!t fcent ganzen Buchdruckcr-VerLand zu identifizieren und alles, waS man gegen feine verkehrten Ansichten und polemischen Manieren sagt, in einen Angriff auf die Buchdrucker zu verdrehen. Sachlich erklärt Rexhäuscr, der Bericht der„Sächsischen Arbeiter- Zeitung", aus dem wir seine Ausführungen zitiert hatten, sei „blühender Blödsinn" des Berichterstatters, der die Rexhäuserschc Rede„absichtlich verstümmelt" haben muh. In bezug aber auf die von uns abgedruckte interessante Mahnung Rexhmisers an die tarif- vergchlichcn Budapester Buchdrucker, die im Dienste des Wahlrechts- kampfeS den Druck wahlrechtsfeindlicher Blätter verweigert haben, droht der Redakteur des„Correspondcnt" folgenderntahen: Wenn nun einmal die geiverkschaitlich organisierten deutschen Buchdrucker sich weigern würden, solche sozialdemokratische Zeitungen u setzen, die Angriffe gegen die Buchdrucker und ihr Organ swill agen einfach: gegen Herrn Rcxhnuser) bei den Haaren herbei- ziehen? WaS dann? —— Wollen unsere österreichisch-nngarischen Kollegen nach dein Budapcster Beispiele ihre Gewerkschaftsarbeit verrichten, wir werden sie darin nicht zu hindern suchen, dann mögen diese Kollegen auch die Konsequenzen ziehen und nicht gleichzeitig einen Tarifvertrag mit zum Teile achtjähriger Gültigkeit ab- schließen. Dann können sie solche Spielereien lassen, dann Klarheit und..klar zum Gefecht!" und keine Phrasen und keine unnötige Heuchelei l Wenn also die Budapester Buchdrucker den für normale Zeiten und Verhältnisse abgeschlossenen und selbstverständlich bindenden Tarif in außerordentlicher Situation eines allgemeinen revo- lutionären Klassenkampfes zurückstellen, erklärt Rexhäuser ihre Taktik als„Heuchelei". Den Unternehmern spricht er mit dieser Auffassung gewiß aus dem Herzen._ Die zcntralorganisicrtcn Steinsetzer Groß-Bcrlins haben in ihrer letzten Mitgliederversammlung beschlossen, den russischen Freiheitshelden Barmittel zuzuwenden. Der Versammlung wurde» zwei Anträge unter- breitet: Die Vertrauensmänner beantragten 3(XX)M. zu bewilligen. Ein von einigen Genossen unterzeichneter Antrag sah für diesen Zweck nur 2000 M. vor, indem darauf hingewiesen wurde, daß die Tarifbewegung noch nicht abgeschlossen, die Zentralkasse verschuldet sei und die Lokalkasse auch nur einige tausend Mark Bestand hätte. Demgegenüber wurde erwidert: Was ist eine Tarif- beweg ung gegen die russische Revolution! Es wurden dann auch gegen ö Stimmen 3000 M. bewilligt. Eine Mandatsnicderlcgung. Wegen andauernder Krankheit legte .Genosse Franz Reibt sein LandtagSmaudat zum Sachsen- Weimarschen Landtage nieder. Genosse Reibt war im Wahlkreis Ilmenau gewählt. Nach dem Landtagswahlgesetz hat alsbald eine Neuwahl durch die Wahlmänner stattzufinden. Im Herbst 1900 finden die allgemeinen Neuwahlen statt. Karlsruhe, 10. Dezember.(Privattelegramm deS„Vorwärts".) Bei der heutigen Präsidcntenlvahl in der zweiten badischen Kammer tvurde Genosse Adolf Geck zum zweiten Vizepräsidenten gewählt. Er erhielt LS Stimmen. Das Zentrum gab weiße Zettel ab. Soziales. Etiigemelndung einer Observanz. Nach der Praxis des Obcr-VerwaltungsgerichtS kann durch Observanz die an sich der Gemeinde obliegende Pflicht zur Polizei- mäßigen Straßenrcinigung auf die Straßcnanlieger(Grund- besitzer) übergehen. Das ist in der Stadt Forst i. L. vor dem Jahre 1872 geschehen, in welchem Jahre durch Polizciverordnung die observauzmätzige Pflicht der Grundbesitzer im einzelnen geregelt wurde. Das Ober-Verwaltungsgcricht hat in früheren Urteilen die Rechtmäßigkeit dieser Observanz für das Gebiet von Forst i. L. iin Jahre 1872 anerkannt. Nun wurde aber im Jahre 1874 die Landgemeinde Altsorst in Forst eingemeindet. In jener ehemaligen Landgemeinde soll sich eine solche Observanz bezüglich der Straßen- rciniguugspflicht nicht gebildet haben. Es wurde deshalb von dem Besitzer Lindner, dem Eigentümer eines im jetzigen Stadtteil Alt- forst belegenen Grundstückes, bestritten, daß er zur Reinigung ver- pflichtet sei. Eine Verfügung der Polizeiverwaltung, von seineni Grundstück Sprembergerstraße 2 bis 4 gründlich die Straße und den Rinnstein reinigen zu lassen, bekämpfte er im Verwaltungs- streitvcrfahrcn. Ter Bezirksausschutz zu Frankfurt a. O. wies ihn mit der Begründung ab, die alte Observanz für Forst i. L. habe ohne weiteres durch die Eingemeindung der Landgemeinde Altforst für das Gebiet des früheren Altforst Geltung erlangt.— Lindncr legte Berufung ein und sein Anwalt hob in der Verhandlung vor dem Obcr-VerwaltungSgericht am Donnerstag besonders hervor, daß Kammergericht und Reichsgericht bei Gebietserweiterungen vermittelnde Akte zum Ucbergange von Gesetzen, Ordnungen, Observanzen usw. auf die neuen Gebietsteile für notwendig er- achteten. Es wäre zu wünschen, daß die Verwaltungsgerichte sich damit in Einklang stellten, um Rcchtsvcrwirrungen des Publikums vorzubeugen. Das Ober-VerwaltungSgericht wies jedoch die Berufung am 14. Dezember mit folgender Begründung ab: Hier handele es sich nicht um den Einfluß von Eingemeindungen auf Polizeiverord- nungen, sondern zur Entscheidung stehe nur die Frage, welchen Einfluß Eingemeindungen auf bestehende öffentlich-rechtliche Observanzen hätsten. Obwohl es damit teilweise mit anderen höchsten Gerichtshöfen und der Literatur in Gegensatz stehe, nehme doch daS Ober-Ver- waltungsgericht den Standpunkt ein, daß, wenn Ortschaften in andere Ortschaften eingemeindet würden, die öffentlich-rechtlichen Observanzen regelmäßig ohne weiteres für das eingemeindete Gebiet Anwendung fänden. Unter besonderen Verhältnissen und Umständen seien Abweichungen von der Regel möglich. Solche besonderen Verhältnisse oder Um- stände seien vorliegend nicht erkennbar, es sprächen vielmehr die Eingemeindungsvereinbarungen zwischen Altforst und Forst i. L. eher für die Regel._ Essener LrtSkrankenknsscnwahl. Die„Konservative Korrespondenz", die Prcßorgane des Reichsverbaudes zur Bekämpfung der Sozial- demokratie und sein parlamentarischer Vertreter. Herr Stöcker. jubilieren über den großen Sieg der christlichen Gewerkschaften und eine vernichtende Niederlage der„Roten" bei der jüngst er- folgten Essener Ortskrankenkassenwahl. 138 Vertreter sind bei der Wahl den christlichen, nur 24 den freien Gewerkschaften zugefallen. Gewiß ist dieser WahlauSfall kem erfteulicher. wert lieber wäre eS uns, wen» den freien Gewerkschaften 188 Vertreter zugefallen wären. Es mag auch ohne weiteres zugegeben werden, daß be, emer leb- bafteren Beieilignnq der freien Gewcrftchaften und bei einer stärkeren Einsicht der einzelnen Gewerkschaftsmitglieder ,n die Bedeutung der Krankenkassenwahl ein weit besseres Resultat den„Roten" be?chieden gewesen wäre. Eine beklagenswerte Lässigkeit vieler Genonen gerade in Krankenkasseiiangelegenheiteii ist nicht imr für die letzte Essener Wahl, sondern auch anderwärts zu verzeichnen. Zuruckzufuhren dürfte diese Lauheit bei Krankenkasseiiwahlen te,lwci,e auf den Mangel hinreichender Aufklärung über die grobe Bedeurung dieser Wahlen für die Arbeiterklasse sein. Sacke der politischen und gewechchaft- lichen Orgaiiisalioncu wäre eS, Abhülfe zu schaffen. Aber ganz so glorreich, wie es die Gegner darzustellen be- lieben, ist der Sieg der christlichen Gewerkschaften in Essen doch nicht. Berücksichtigt man die frühere Bertreterzahl � der freien Gewerkschaften, so könnte man sich bei geringen Ansprüchen sogar mir einem Erfolg der freien Gewerkschaften trösten. Diese gc- ringen Ansprüche stellen wir freilich nicht, auch nicht mit Rücksicht auf den Umstand� daß die christlichen Gewerkschaften mit teilweise eigen- artigen Mitteln den Wahlkamps führte» und daß unsere Genossen durch die Handhabung des Legitimationskartensystems zweifellos erheblich im Nachteil waren. Die freien Gewerkschaften hatten früher schon mal ein Dutzend Vertreter in der Generalversammlung der Orlskr�nkenkasse, die Zahl war aber infolge von Arbeitswechsel und Maßregelung auf zwei zusammengeschrumpft. Die Wahl in Esten findet nach Gruppen sa bis o) statt. Wähle» kann nur, Iver sich vorher eine Legitimationskarte holt. Masten- Haft wurden diese Karten von„unbekannten Leuten" ab- geholt, so daß Arbeiter, die für sich sie forderten, eine Karte nicht mehr bekamen. Auch das christlicheGewerkschastskartell mußte zur Herausgabe unberechtigt geholter Karten veranlaßt werden. In der stillen zähen Agitation wurde von den Geistlichen das möglichste geleistet, so daß sich manche unserer Gewerkschaften ein Beispiel daran nehmen könnten. Die Gruppe der Holzarbeiter(5 Vertreter) ging mit 30 Stimnien Majorität an die Christlichen über infolge der Lässigkeit der freien Gewerkschaftler, 00— 80 von ihnen haben nicht gewählt. Ebenso hätte bei der Gruppe der Buchbiiider der eine Sitz von uns geholt werden müssen, zehn Mann blieben aber der Wahl fern und so siegte mit einer Stimme Mehrheit ein Indifferenter. Bei den Metallarbeilern waren 0— 8 christliche Stimmen zu ver- zeichnen, von uns wurden acht Stimmen abgegeben, aber 50—00 waren vorhanden! Den Ausschlag gab hier eine indifferente Werlstatt mit zirka 20 Stimmen, so daß die Christlichen 27 Stimmen erhielten. Die Gruppen der Schneider, Maurer und Käuflente konnten von uns schlecht gewonnen werden, weil in diesen Berufen nur wenige freie Gewerlichastler Mitglieder der Ortskasse sind. Die Gruppe der Kanfleule wäre trotzdem mit 2 Stimnien Majorität uns zugesallen wenn nicht die Schwarzen, die sonst nur die Frau am Kocvtopf und im Beichtstuhl haben wollen, Hl Damen deS katholischen Handlungsgehülfiniienverbandes ins Wahllokal geschleppt hätten. Die Mobilmachung der„Deutschiiationalen" hätte allein nichts genützt. Ein erfreuliches Zeichen war das Resultat in den Gruppe» ü und o, in denen die städtischen Arbeiter ausschlaggebend sind. Die 10 Sitze der Gruppe h fielen uns zu, in der Gruppe o(70 Vertreter) erhielten wir zirka 100 Stinimen weniger als die Gegner. Für die „christlich" genannten Listen war von Ingenieuren, Meistern zc. unter den städtischen Arbeitern lebhaft agittert worden, bei der Gruppe o, wo 70 Mandate auf dem Spiele standen, wurden noch bis zum letzten Augenblick die Feuerwebrleute, die Kanalarbeiter»c. mobil gemacht. Wie bei der vor kurzem statt- gehabten Wahl zur Bauinnuugskasse wurde auch bei dieser Wahl wieder ein Christlicher beim Wahlschwindel ertappt, er wählte erst für sich, dann ans eine andere Karte. Es sind also in einigen kleinen Gruppen Niederlagen für die freien Gewerkschaften zu verzeichnen, die der eigenen Nachlässigkeit der Gewerkschaftler zuzuschreiben sind. Aufgabe der Essener Genossen wird es sein, dafür zu sorgen, daß die Schlagfertigkeit der Gewerkschaften, daß ihr innerer Ausbau Schritt hält niit ihrem starken Wachstum. Die Resultate bei den Kaufleutcn, den Fabrik- und Gasarbeitern sind sehr erfreulich und berechtigen zu guten Hoffnungen. Von den 133„chri st lichen" Vertretern ist die größere Hälfte nickt christlich organisiert, sondern indifferent. Aber das macht ja nichts, mit der gewohnten Unverftorenheit werden alle Vertteler für die christlichen Gewerkschaften reklamiert! HülfSkasseukongreß. An anderer Stelle veröffentlichen wir den Auf- ruf des Verbandes freier Krankenkassen, des deutschen Krankenkassen- Verbände? und der Vereinigten Hülfskassen von Hamburg-Altona. zu einem HiilfSkai'seiikoiigreß am l0. Januar 1900. Der Gesetzentwurf, der daS HiiljSkassengesetz aufheben und die HlllfSkasseu dem Privat- versicherungsgesetz unterstellen will, haben wir sofort nach seinem Eingang im Reichstag mitgeteilt. Bereits damals wendeten wir uns dagegen, den Schwindelkassen mit durchaus unzulänglichen Mitteln zu Leibe zu gehen und hierbei gleichzeitig die, wie die Motive selbst allerkennen, in gedeihlichster Weise wirkenden Berufs- lassen zu schädigen. Das wäre aber die Wirkung des Gesetzentwurfs, dessen eingehende Besprechung wir uns vorbehalten. Hud Induftrie und Handel. Angst vor den Riesen! Geheimrat Lueg, einer der Hauptmatadore im„Bund der In- dustriellen", gab in der am Freitag stattgefundenen Generalversamm- lung der Düsseldorfer Börse den Geschäftsbericht, bei welcher Ge- legenheit er auch die sozialen Wirkungen der sich in der Groß- induftrie vollziehenden Fusionen erörterte. Er führte dazu unter andereni ans: Die weiter verarbeitenden Werke haben unter den zunehmenden Fusionen großer industrieller Werke sehr zu leiden. Sie haben vergeblich versucht, sich der drückenden Abhängigkeit durch vorüber- gehende Vereinigungen zu erwehre» und lohnende Preise zu er- zielen. Es erscheint in diesen Kreisen daher wünschenswert, daß die umfangreichen Zusammenlegungen, die so erbebliche Kapitalien in einer Hand vereinigen und die nach ihrer Anficht auf die Dauer die Eittwicklung unserer Industrie ungünstig beeinflussen müssen, nicht überhand nehtne». Solche fromnieu Wünsche werden natürlich den Konzcntrattons- Prozeß nicht aufhalten. Die Wege des Kapitalismus führen über ruinierte Existenzen. Die Akkumulation des Kapitals in der Montan- induftrie demonstriert siimensällig die Nichtigkeit der Theorie von Karl Marx._ Jedem das Seine! Zwölf Millionen Mark muß, wie unsere Leser wissen, das kleine zarte Fräulein Krupp, als Ergebnis der sauren Arbeit— die sie von den Lohnsklaven in den Kanonenwerken verrichlen läßt, ein- stecken. DaS Fräulein wird gewiß schwere Sorgen habe», wie sie das Geld ordentlich unterbringt, um noch— höhere Dividenden herauszuschlagen! Die Sorgerin mag sich trösten mit vielen ihrer Arbeiter, die auch nicht wissen, wie sie die WohlfahrtSlöhne anlegen sollen— um durchzukommen. Im Fahrzeugbau II werden nämlich horrende Tagesverdienste von 2.70 M. bis 3,00 M. erzielt. Im Baufach können Löhne von 35 bis 44 Pf. für jede Arbeitsstunde erlangt werden. Bei den Akkordsestseyiingen sorgen die Meister dafür, daß das kapitalistische Prinzip„jedem das Seine", keine Ver- letzung«fährt, indem Fräulein Krupp mit einem ordenllichen Anteil am Arbeitserträge belastet wird. So kommt jeder Teil zu dem, was dem ordnungsslaallichcn Recht entspricht: Fräulein Krupp zu Millionen, die Arbeiterschaft zu WohlfahrtSlöhne» I-- Stahlwerksverband und AuSfuhrvcrgiitungcn. Ilm die Shudi- zierungsbestrebungen im Eiscugewerbe wieder stärker anzuregen, hat der Stahlwerksverband einen Beschlutz gefaßt, der viel Widerspruch hervorruft. Bisher wurde von der Abrechnungsstelle für Ausfuhr- Vergütung in Düsseldorf alle» den exportierenden Betrieben eine Ausfuhrvergütung gewährt, die einer Vereinigung, wenn auch nur einer ganz losen angehörten. Namentlich brauchte diele Ver- einiguug die Exportpreise nicht zu regulieren. Das soll nun anders werden. Denn der Hauptbeteiligte der AuSsichrstelle, der Stahlwcrksverband. hat beschlossen, vom 1. April 1900 ab nur noch den Mitgliedern solcher Verbände Ausfuhrprämien zu gewähren, die für das Inland und für das Ausland fest geschlossen sind, also die Erporlmengen den einzelnen Mitgliedern zuweisen und die Exportpreise festsetzen. Damit will der Stahl- Werksverband einmal Einfluß auf die Preisfestsetzung dies« Ver- bände geivinnen. sodann aber erreicht er, daß die Kartellierung im Eiscngcwerbe beschleunigt wird. 4Cenil für die nicht in festen Ver- bänden zusammengeschlossenen Betriebe würde nach dem I.April 1900 deutiches Halbzeug so hoch zu stehen komme», daß sie nach Wegfall der Prämie aus dem Weltmarkt nicht mehr konkurrieren könnten. Diese Eventualität wäre nur dann noch möglich,� wenn die nicht in festen Verbänden zusammengeschlossenen Verbände ausländisches Halbzeug zollfrei bezichen könnten. Die Ernte in Preußen 1905. Die Schätzungen der diesjährigen Ernte seitens der von den Landwirlschaftslammern auserwählten Vertrauensmänner der land» wirtschaftlichen Stattstik haben zu folgenden, im königl. Statistischen Landesamte zusammengestellten Ergebnissen geführt. Der Ertrag war für Winterweizen und-Roggen nicht so lohnend wie im Borjahre: Sommerweizen und-Roggen waren reichlicher, Sommergerste und Hafer ziemlich ebenso wie in ihm. Sämtliche Getrcideartc» übertrafen aber das Mittel aus den Jahren 1895 bis 1904. Kartoffel» brachten durchschnittlich vom Hektar 14 900 Kilo- gramm, den höchsten bei der jetzigen ErhcbnngsÄrt bisher festgestellten Ertrag. Leider entsprach die Güte nicht der Menge, da sich ein Krankhcitsanteil von 7,5 Proz ergab. In den zehn Vorjahren war diese Ziffer nur 1890 mit 9,9 Proz. noch höher: sie betrug von 1904 bis 1895 zurück 0.8, 0,4, 7.1. 4.4. 2,2, 2.9. 2.5. 0.4. 9.9 und 2.3. Auch an Heu war der Ertrag reichlich; der Gewinn an Wiesenheu wurde in keinem der Vorjahre erreicht, an Klee- und Luzerneheu nur 1903 überlroffen. Freilich mag die Güte auch dieses Erzeugnisses bei der übermäßigen Nässe des Jahres zu wünschen übrig lassen. Es wurden im Gesamtstaate geerntet Tonnen Kampf gegen Trusts. Einen rücksichtslosen Kampf gegen aus- ländische Trusts und ähnliche Koi'.kckrrenten der australischen Industrie hat die Regierung mit Einbringung einer Vorlage eröffnet, wonach die Einfuhr von Waren verboten wird, wenn eine Untersuchung er- gibt, daß die Einfuhr unlauterem Wettbewerb dient oder„dazu führen kann, daß australische Waren entweder vom Markt verdrängt oder mit Verlust verlauft werden müssen, falls nicht der für ihre Her- stellung gezahlte Arbeitslohn herabgesetzt, wird". Ferner wird die Einfuhr der von Trusts hergestellten Waren verboten, falls sie zu einem Preise verlauft werden, der nicht einen angemessenen Nutzen über den ausländischen Markt- wert läßt. Weitere Klauseln der Vorlage verbieten den Verkauf von Waren ausländischer und auch australischer Syndikate, falls der Verkauf Schädigungen für die Verbraucher oder die australische In« dustrie im Gefolge hat. Dem Staatsauwalt wird Befuguis erteilt, derartige Fälle zu verfolgen, und durch Trusts geschädigte Personen erhalten das Recht, Entschädigungen im dreifachen Betrage der ihnen zugefügten Nachteile zu verlangen. Ein gekrönter Pctrolciimkönig. Wie berichtet wird, will König Karl von Rumänien aus seinen ausgedehnten Gütern nach Pelroleuin schürfen lassen und glaubt nian, der betriebsame Regen: werde in Bälde zu den bedeutendsten Petroleumproduzenten Rumäniens ge» hören. Was aus einem König nicht alles werden kann!— Ter Termin des Inkrafttretens des russische!, Zolltarifes. Korporationen auS den Kreisen, der bergisch- rnärkischne Kleineiseu» Industrie haben an den Reichskanzler die Litte gerichtet, er möge die russische Regierung veranlassen, den Termin bis zum 1. Juni hinauszuschieben. Ter Handelsvertrags-Vercin macht darauf aufmerksam, daß die deutsche Regierung kaum in der Lage sern wird, auf die russische Regierung irgend eine Einwirkung zu üben. Denn Rußland würde sofort"mit dem Wunsche antworten, daß aus gleichen Gründen auch die neuen deutschen Zollsätze, insbesondere die Getveidezölle, nicht schon am 1. März in Kraft träten. Eine Verlängerung des gegenwärtigen deutsch-russischen Handels« Vertrages würde aber wieder eine Verlängerung sämtlicher HanMs- vertrage bedingen. Es würde der Beschluß des Bundesrates, nach dem J>ct neue Zolltarif am 1. März in Kraft tritt, wieder auf- gehoben werden müssen. Eine solche Fortdauer der bisherigen Zu- stände wäre natürlich sehr erfreulich, aber sie scheint unbedingt ausgeschlossen. Ein großes Geschäft. Ein spekulativer Amerikaner, Dr. Lomax S. Anderson, hat mit der Regierung von Nicaragua einen Vertrag folgenden Inhalts abgeschlossen: „Die Regierung gewährt Anderson auf fünfzig Jahre das Recht der Ausnutzung aller Fichtenstämme(srboles grandes de pino) innerhalb solgender Grenzen: Im Norden die Staatsgrenze mit Honduras, im Osten der Atlantische Ozean, im Süden der 13,35 Grad nördlicher Breit« und im Westen der 84,52 Grad westlicher Länge. Die neue Konzession schließt sich im Westen an die Interessensphäre des Amerikaners Teitrick an. Das Gebiet umfaßt die größere Hälfte des Distrikts Cabo Gracias a Dios so- wie den nördlichen Teil des Departements Zelatm und dürfte nahe-, zu dem Umfange des Königreichs Sachsen entsprechen. Zum Transport des geschlagenen Holzes darf Anderson alle geeigneten Flüsse und Wasserwege benutzen, sowie Wasserfahrzeuge aller Art in Betrieb setzen, sofern die freie Schiffahrt dadurch nicht gehindert wird. Ebenso darf er Straßen und Eisenbahnen bauen, Sägewerke und Destillierapparate errichten, Einrichtunacn treffen, um das Holz mit Kreosot zu tränken, sowie überhaupt Fabriken aller Art zur Holzbearbeitung und Holzverwertung' eröffnen. Anderson hat ferner das Privilegium, alle benötigten Mä- schinen und Werkzeuge, wie auch Ersatzteile, ferner Lebensmittel usw. zum Unterhalt seiner Arbeiter und Angestellten, zollfrei ein» zuführen; ebenso ist ihm Zollfreiheit bei Ausfuhr seiner Produkte zugestanden. Als Entgelt zahlt er der Regierung 500 000 Dollar amerikan. Gold in folgenden Raten: Während der ersten fünf Jahre 5000 Dollar jährlich, während der zweiten fünf Jähre 10 000 Dollar jährlich und während der letzten 40 Jahre 10 025 Dollar jährlich. Als Sicherheit für die Zahlungen wird der Regierung ein General» Pfandrecht an allen VermögenSstückcn der Unternehmung ein» geräumt. Die Ausbeutung soll am 1. Juni 1900 beginnen. Falls Ander» son vom Vertrage zurücktritt zahlt er die erste Jahresrate als Ver» tragsstrafe. Die Hamburger Reeder fühlen sich schon wieder beunruhigt. Der Streit mit der neuen Rolandlinie wird sich anscheinend in Wohl» gefallen auslösen, nach bekanntem Muster durch Abschluß einer Jiltercssengemciiischaft m einer Form. Nun verlautet, daß die Gründung noch einer neuen Schiffahrrsgesellichaft bevorsteht, welche den Berkehr mit Chile fördern wird. Wie die„Hamburger Nachrichten" aus Exportkreisen mit Be- stimmthcit hören, stehen Neugründungen auf dem genannten Ge- biete bevor, und zwar habe die Regierung Chiles mit Rücksicht auf die Steigerung des Außenhandels deS �cmdes mehrere Millionen zu Subveiitionszwecken zur Verfügung geste llt. Neben der Vermehrung der Schiffahrtsgelegenheil von und nach Chile sei auch eine Eä» Weiterung der chilenischen Kustciiichiffahrt ms Auge gefaßt. ES bandelt sich bei der Gelegenhett duckt um die Absicht, eine Kon- kurrenz gegen die hamdurgische«yndikatsreederei schaffen. Der Versuch, Hamburger Rcedereikreue an dem neuen Uuterncbmen zu interessieren, sei allerdings auf Schwierigkeiten gestoßen; man habe sich dann nach Bremen gewandt, um diesen Platz an der Sache zu beteiligen. Sic weinen und— lachen, lieber die Geschäftslage in der Glas» induftrie führt die Direktion der Rheinischen Glashütten Akt.-Ges. in ihrem, neuesten Jahresberichte aus: Die Geschäftstage in der Hohlglas- und in der Flachglasherstellung kann durchaus nicht als günstig bezeichnet werden. Die Vcrtausspreise sind eher gefallen als gestiegen. Auch die zu Anfang des Kalenderjahres 1905 ins Leben getretene Vereinigung westdeutscher vohlglasfabriten hat diesem Uebelstaude nicht wirkfam genug enfgegcntretcn können,, a sie sicki vorläuffg nur aus einzelne Erzeugnisse der Hohtgtasherstclluna beschränkte, nnd� deren Verkauf zu höheren Preisen durch noch laufende Abschlüsse beeinträchtigt wurde.— Nachdem der„Rotpand in grellen Farben gezeichnet ,st. kommt ftir die Konsumenten daS dicke Ende hinterher. Der Bericht bemerkt weiter, daß die.tussichten für daS neue Geschäftsjahr als nicht ungünstig zu bezeichnen seien, da durch eine seitens der Vereinigung westdculscher Hohlgla-Kadrilen vorgeschlagene allgemeinen Preiserhöhung auf sämtliche HohlglaSwaren und auf Preßglas günstigere Erfolge erhoffe» ließen. Sozialdemokratischer Wahluerein für den S. Berliner ftelehsfags-Wahlhreis. Dienstag, den 19. Dezember, abends 8V2 Uhr: (Zeneral-Versarnmlunx in den Germania-Sälen, Chausseestr. 103. TageZ-Ordnung: t. Fortsetzung der Verichtcrstaliung ans voriger Versammlung. 2. Wahl der Wteilungssührer und Wieilungs- kassierer sowie der Schiedskommission. 3. Verschiedenes. 26917* -: Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Yortttnud. Charloit Sozialdemokratischer Wahlvereiu. Am Diellstag» den 19. Dezember, abends S'/altyr, im Dalkshanse, Koßneustr. 3: Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: i. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Dr. Gradnauer über:„Dlt NtNeN ÖfffilfSUOrlagfll im|}fidjötl!9f.a 2. Diskussion. 3. Vercinsangclcgenheiten. 268/9 ZeiürHiiil derUaAls- jraiisporl- a'ermelr°. IrlieMii SSSIM. —— üerwaltyüsssteüe Beiiiti I. nifi. j ,1,, „Gewerkschaftshaus«, Engel-Ufer 15, II, Zimmer 13—17.— Arbeitsnachweis: T-A. IV. Nr. 3318. - Bureau: T.-A. IV, Nr. 4747.-——-- Kolltgtii, Sksirtigssihrtt nnb Kktrirbs-Deriralitlislksitt! H«it Rücksicht auf das bevorstehende WeibnachtSfcst und der damit verbundenen langen Arbeits- zeit unserer Kollegen im Handelsgewerbe, findet die nächste Versammlung nicht mehr vor Weihnachten, sondern nach Weihnachten und zwar am DonncrStag, den 28. Dezember, abends S'/z Uhr, bei Franle, Sebastianstr. 39, statt. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zu der Aufnahme des Vereins Berliner Hausdiener in die Berliner Gelverk- schastslammission. 2. Diskussion und Beschlubfassung. 3. Antrag Schenk und Genossen betreffs „Courier'. 4. Geschäftliches. Bei der äußerst wichtigen Tagesordnung erwarten wir. daß ein jeder der oben genannten Funktionäre sich zu diesem Abend frei halten und bestimmt in der Versammlung erscheinen wird. Die Ortsverwaltimg. NB. Die nächste anfferordentkiche Generalversammlung, welche sich mit der Stellung- nähme zu der Aufnahme des Vereins Berliner Hausdiener in die GcwerkschaftSkommission zu be- schäftigen hat, findet in der ersten Hälfte des Januar 1932 statt. Die Tagesordnung wird in der nächsten Nummer des„Courier" bekannt gegeben._ 88/17 friedricbsberg, Friedrichsfelde, Rummeisbnrg. Montag, den 18. Dezember, abends 6 Uhr, im Lokal von Wildner, IsiiedHcdsdcre. Friedrich Karlftr. Iii Branehenversammlting«nWeWierer. gnr* Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Zahlreiches Erscheinen erforderlich. Her Obmann. = Stockarbeiter.= Dienstag, d«l 19. Dezember, abends SV, Uhr, im Gewerkschaftshause (Saal 1). Eugel-Ilfer 15: Branchen-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Die Lage der Ztockarbeiter nach den letzte» Erhebungen. Aeserents: Kollege Hildebrandt. 2. Die Masscn-Masiregelung bei der Firma Mendelsohn in Leipzig. 3. Werkstattangelegenheiten. 4. Ver- schicdenes. Oer Obmann. W~ Einlaß nur mit Mitgliedsbuch. Die Vertrauensleute werden ersucht, den Kollegen die Mitgliedsbücher rechtzeitig auszuhändigen. D. O. SS BUdcrrahmcntnacfKr« ss DienStaa. den 1« d- M.. abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshanse H(Saal 5), Engel-User 15: •JI Branchen=VersammIung. Tages-Ordnung: 1, Vortrag des Kollegen F e n d e I über: Krankenversichenmg. 2. Ver- bandsangclegenheitcn. 3. Verschiedenes. - Pflicht unserer Kollegen ist, zahlreich und pünktlich zu erscheinen--- _ Die KomratsBlon. Hutf ormen- Tischler. Dienstagabend 8'L Übt im Lokal des Herrn Ririinuer, E»gel>Ufer 15 i Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist notivendig.- Sautisohler-Konunission. Mittwoch, den 20. Dezember abends S'/i Uhr, bei Herrn Walter, ... Adälbcrtstr. KS q 96/16 ------ Sitzung für sämtliche beziehe. VernaUuiijcHBtelle»er»» Haupt-Burcau: Enget-Uscr 15, Zimmer 1—5 Fernsprecher: Amt IV 9679 Arbeitsnachweis Zimmer.84. Amt IV, 3353._ Montag, den 18. Dezember,»bendS 7'-, lkhr: MUglieder-Uersammlnug sjirKöiiissititißcrhiiiijkli. Wjisgil«iid ZiW. im Lolate von Lange, zum»Zicgeskranz--, in KSiitgswusterhausen. Tages-Lrdnung: 1 Vortrag. 2. DiSkusnon. 3. Verdandsangelegenheite». Das Erscheinen aller»tollegvi erirartct � � 188 14__________ Die OrtSverwaltung. Kein lieisentusier- Schwindel. Muffen etc. etc. Hup eig. Falifikal. Große Auswahl, gedleg. reelle Ausf. bestes Material. Kein Zwischenhändl*. daher Fabrlkprelea. Kaiman, Dresdenerstr. 7S vom II.• 2.Haus*.Thalla-Th. Verk. auch Sonnt, u. Wochonl. b. 91). ab. Hrnn Weibnachtsfest! IlhPOn Frelsehwlnger, Re- UNI vu, gulatoren, Herren- und Dsmenketten, Ringe, Ohrringe, Broschen, Bilder, Gardinen, Stores, Portieren, Toppiche, LäufersloHe, Stepp- deeken, Plflschdcckon, Chaiselongue etc. billigst!— auch auf Teilzahlung! 5439L* Gustaf Steinke, KopcrnlknAstr. 21 (Bahnhof Warschauerstr.). Tueh-Jahnk-Reste I zu HerrenanzOgen, Paletots v. 12 M. an, neueste Muster, nur reinwollene Aachener Stoffe, spottbillig. Gelegenheitskauf. liiidwlK Ensel, Prenz- lauerstr. 23, II(Alexanderplatz). Ver— Stoß— hat '.'Ä%'<>m ohne Konkurrenz pSÄUt holte MeMle. I.ndiviK Hb sei, Prenzlauer» strahe 23. II(Alcxanderpl) Gegr. 1892, Sozialdemokrat Wahbersitt Rixdorf. Dienstag, 19. Dezember, abends 8 2 Uhr, im Fokale von keleksus, Korlsgorttußr. 7/8: Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 283/1 1. Anstiahme neuer Mitglieder. 2. Bericht von der Kreis-Gencral- versan'.mlung. 3. Bericht von der Generalversammlung des Verbandes Grotz-Berlin. Diskussion. 4. VerewSarrgclcgenhcitcn und Verschiedenes. Gäste, auch Frauen sind willkommen.-MW Iber Voi-ralenel. VeYband ler KllrsctiiieT Berlins und Umgegend. Montag, den 18. Dezember, abcndS 8 Uhr: Wtzlbliör'skrsMmlWg im Alten SchützenhauS, Linicnftraßc 5. Tages- Ordnung: «1. Vortrag über: Friede auf Erden. Referent: Schriftsteller Genosse A d o l s S t e r n. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. 4. Die Verlegung des VerkehrslokalS. Zahlreiches Erscheinen erwartet 231/ 1 Der Vorstand Deutseher Kfrsehner-Verband 0liale BerUn. Montag, de» 18. Dezember, abendS 8'/, Uhr: M itgiieder U er samml« ug in ch.«l»ir», Prenzlanerstrafte 41. TageS-Ordnung: 1. Unser VerbandStag Ostern 1906. 2. Bericht anS der GewerkschaflS- foinmifsion. 3. Die Ausstellung sür Erzeugnisse der Hausindustrie. 4. Ver- schicdenes. 263/20 Gäste haben Zutritt. Um regen Besuch dieser wichtigen Versammlung ersucht Die OrtSverwaltuug Verbatul der Sattler. (Ortsverwaltung Berlin.) Am Montag, den 18. Dezember, abendS 8�2 Uhr, im großen Saal des GewerkschaftshauscS, Engel-Nfcr 15: RfifterorckentUdfe Witgliederverfammiung TageS-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Redakteurs Genossen 11. StrSbel über:„Partei und Gewerkschaft". 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Das Erscheinen sämtlicher Kollegen erwartet 188/1__ Die OrtSverwaltung. Montag, den 18. Dezember er., abend? 8'/, Uhr, in Graumannö > Festfäleu, Naiinynstratze 27: Leneral-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Ersatzwahlen de§ Vorstandes und der Revisoren. 2. Vortrag des Serrn Dr.»neb über: ,Dte direkte Aktion«. 3. Diskussion. 4. Ver- etnsangelegcnheiten. DM- Mitgliedsbuch legitimiert."MB Montag. 25. Dezember(1. Weihnachtsfeiertag), nachm. 4 Uhr: Urauia-Boi stellnng. Zur Aufsührung kommt«peltenlal»:„Alitcn- n. WUsten- fahrt Im Ballon". Mittwoch. 27. Dezember(3. Weihnachtsfeicrtag) in BchnegelsbergS Festsälen. Hasenheide 21, Ecke Jahnstrafte: Grolks �clbnacbtsvcrgniigcii verbunden mit �tltbcrtC|chcrtlltQ. Billett 25 Pf. Garderobe frei. Tanz frei. Anfang S Uhr. BillettS zu beiden Veranstaltungen sind i« den Zahlstellen: Restaurant Krüger, Naunynstr. 78; Restaurant Schwarzer, Frankfurter Allee 99; Restaurant BeTer, Schönhauser Allee 33; Restaurant Krusemarg, Rixdors, Jägerstr. 69, zu haben.[142/15] Der Borstand. Ehemalige Schiller vom„Technikum Elektra, Berlin" werden um Zusendung der Adresse ersucht. A. Krakow, Pankow, Brehmestrake 7.______ 12306 frachtvolle f etechtsgesclienke Reisemuiter dirclt von Fabrik. Parsümericn, Selsen, Kartonagen. Außer- gewöhnlich billig. Nur wenige Tage. Musterlager BitteR-inti-. 82. Samt und Seide. Fortsetzung des Weihnachts-Ansverkmifs. 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Die Beerdigung sindet am s .Sonntagnachmittag 3 Uhr vonk der Leichenhalle deS Steglitzer! Kirchhoses aus statt. 193/14 1 Um rege Beteiligung ersucht Die Verhanilsleltnnjg. Zentral-Krmi heu- und Sterbehasse d. Tapezierer. (Pitiale Schöneberg.) Todes- Anzeige. Am Donnerstag starb unser langjähriges Mitglied, der Tapc- zierer Paul Diering. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonn- tag, den 17. d. M., in Steglitz, FtenSburgerstr. 10, statt. Um rege Beteiligung bitt et 1271b Der Borstl ind. üeMIseehM üw Bamlels-, Traüsuort- d. Meiir-sariieiter Ueuisehlamis. Verwaltungsstelle Bertin I. Hierdurch diene den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, GeschästSkutscher Karl ZclwlftE verstorben ist. Ehre feinem Andcnven k Die Beerdigung findet am Montag, den 18. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle der AndreaS-Gememde m WilhelinSberg aus statt. �ie Ortsverwaltung. Zentral-Ipanken- u. Sterbekasse der ßenlschen Wagenbauer. Filiale Berlin XIII. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Stellmacher Karl Paul im 5t. Lebensjahre plötzlich am I Sonntag, den 10. Dezember, ver- j swrbcn ist. Ehre seinem Andenken! 1217b Bio Ortsverwaltimg. OnnliMufung. Mr die vielen Beiveise der Teil» nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Schlossers l�uäolk krökücd sage ich meinen herzlichsten Dank. Ann» Fröhlich geb. Fuhrmann, Grüner Weg 105. Rmnksagnng. Allen Neben Verwandten. Freunden »nd Bekannten, welche meinem lieben Manne, dem Gastwirt Karl Pein bei seiner Beerdigung die letzte Ehre erwiesen haben, sage ich hierdurch meinen wnigsten Dank. I24öb Witwe A. Pein. Schmargendorf, 16. Dezember 1905. Hubertusbaderstr. 8/10. � HidnseiiiÄZuM, billigste Quelle, schöne Ware, öl) Pf. cm Bpunnftna�r. 41(srüh«rNr.9). Nicht abgeholte und � verliehen gewesene Möbek, Teppiche sollen enorm billig verkauft werden. 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Seitdem die zwei habgierigsten und rücksichtslosesten Gruppen bon Jnteresscnpolitikern, Junker und Großindustrielle, sich aus dem Boden des Wucherzolltarifs zusammengefunden haben, hat die Kartcllfrage für die Regierung viel von der unangenehmen Seite verloren. So lange die Junker noch im Zweifel darüber waren. wie weit ihr Zollhunger Befriedigung finden werde, zum Teil auch, um Gegner der Agrarzölle im industriellen Lager in Schach zu halten, gaben sich einzelne Agrarier als wütende Hasser_ der Kartelle. Nun haben sich die Mächtigsten im Reiche der Industrie, die Könige in der Rohmaterial- und Halbzcugherstellung mit den Agrariern in der gleichen Absicht, die kleinen Produzenten und die Gesamtheit der Konsumenten gründlich übers Ohr zu hauen, zu- sammengetan. Die Regierung hat von der einen Seite höchstens noch Scheinangriffe zu gewärtigen, und sie hat nicht nötig, mit den selbstbewußten Jndustrieprotzen anzubinden. Schließlich übt man die Tugend des Hinziehens etwas sehr ausgedehnt und darf sicher sein, daß jedesmal, wenn nach irgend einer Richtung gegen Auswüchse der Kartelle etwas unternommen werden soll, die dar- gestellten Verhältnisse längst nicht mehr vorzufinden sind, denn ständig ändern und verschieben sich im Flusse der Entwickelung die Formen, Beziehungen und Einwirkungen der Kartelle. Ganz treffend sagt in dieser Beziehung der letzte Essener Handelskammer- bericht: „Man darf sich darüber keiner Täuschung hingeben, daß diese Zusammenschlüsse lediglich den Anfang einer Entwickelung bilden, die, weil sie in der Hauptsachs von außerhalb unseres Macht- bereichs liegenden Faktoren abhängig ist, in ihrem weiteren Ver- laufe sich nur schwer übersehen läßt. Ein Blick auf das hinter uns liegende Wirtschaftsjahr, dessen Signatur geradezu die vor allem in der Montanindustrie, aber auch auf anderen Gebieten sich stark geltend machende Organisationsbewcgung bildet, zeigt die Richtigkeit dieser Auffassung und beweist, daß überaus schwierige Aufgabe» noch der Lösung harren/ Bei solchen tatsächlichen Verhältnissen hat die Aktion der Regierung gegenüber der Kartellfrage wenig praktischen Wert. Seit 5 Jahren beschäftigen wir uns in Deutschland mit der Frage eines gesetzgeberischen Eingriffes zur Bekämpfung der Kartellaus- wüchse. Das Problem ist heute noch nicht gelöst, und wir werden au? den angezogenen Gründen kaum zu praktischen Resultaten ge- langen. Wenn uns die Regierung erst gründlich über das Wesen und den Einfluß der Kartelle aufgeklärt hat, haben die jetzt in der Hauptsache in Betracht kommenden Verbände ihre Bedeutung ver- loren, sie sind in eine höhere Organisationsform, in das geschlossene Jndustriemonopol aufgegangen. Dann aber auch sind die Kartelle in ihren Formen so leicht beweglich, daß sie eventuell gesetzlichen Bestimmungen sich bald anpassen, ohne Preisgabe ihres Zweckes. Im Jahre 1902 begannen die kontradiktorischen Verhandlungen über die Kartelle. Mittlerweile sind neue Kartelle entstanden, alte eingegangen. Die letzten Verhandlungen fanden im Oktober d. I. statt, sie betrafen den erst im vorigen Jahre ins Leben getretenen, seiner Bedeutung nach an erster Stelle stehenden deutschen Stahl- Werksverband. Der Regierung gaben die Ereignisse der Verhand- lungen Veranlassung zu einer— allgemeinen K'artcllenquete, deren Resultat dem Reichstage in einem 1000 Folioseiten füllenden Bericht vorgelegt worden ist. Nach diesem bestanden in Deutschland Ende November 389 Kartelle. 3 Kartelle, die in der bis Ende September reichenden Statistik mit aufgeführt sind, bestehen heute nicht mehr. Die 389 Kartelle verteilten sich auf die einzelnen Gewerbegruppen Wie folgt: Kohlenindustrie.. Glasindustrie... Ziegelindnstrie.. Steine und Erden. Tonwaren.... Eisenindustrie... Metalle(außer Eisen) Elektroindustrie.. 19 Chemische Industrie.... 46 10 Textilgcwerbe...... 33 132 Leder und Kautschuk... 6 27 Holz- und Schnitzstoffe... S 4 Papier........ 7 64 Rahrungs- und Gcnußmittel. 16 11 Sonstige Kartelle.... 7 2 Diese ziffernmäßige Nachwcisung gibt aber noch lange kein Bild von den wirklichen Verhältnissen. Verschiedene Kartelle, speziell in der Montanindustrie, stehen untereinander in Be- zichungcn, die in letzter Linie manche als selbständig bewerteten Kartelle nur als Unterabteilung oder Ergänzung eines anderen erscheinen lassen. Danach' ist der Kartcllierungsprozeß in der Montanindustrie schon viel weiter vorgeschritten, als in den an- gegebenen Ziffern zum Ausdruck kommt. Bei der Ziegelindustrie spielen die lokalen Verhältnisse eine außerordentlich große Rolle, daher die große Zahl der Organisationen. In den letzten Monaten machten sich noch weitere Kartell- bestrebungen in der Eisenindustrie— Stabeisenverband— und der Textilindustrie bemerkbar. Preiskonventionen für Zucker, Gemüse und so weiter sind in der Bildung begriffen. Bei Beurteilung der Bedeutung der Kartelle für die deutsche Volkswirtschaft kommt es natürlich weniger auf die Zahl der Kartelle, als auf das Quantum der von diesen beherrschten Pro- duktion und bor allem auf ihre Preispolitik an. Die Kartelle sind durchaus nicht einheitlich organisiert, sie gehen in ihren direkten Aufgaben oft erheblich weit auseinander. Einzelne Kartelle sind lose Vereinigungen, durch welche lediglich gewisse Minimalverkaufs- preise festgelegt werden. Andere Kartelle fungieren in der Haupt- fache als Verkaufsburcaus, auch gibt es Vereinigungen, die für eine bestimmte Gruppe von Weitcrverarbeitern den gemeinsamen Ein-� kauf eines Rohmaterials besorgen. Die einflußreichsten Kartelle sind diejenigen, welche die Pro- duktion„regeln" und gleichzeitig als Verkaufszentralcn den ge- samten Verschleiß besorgen. Die Kartelle, wie das Kohlenshndikat und der Walzwerkverband, überweisen jedem angeschlossenen Werk eine bestimmte Produktionsmenge und setzen die Verkaufspreise fest. Hierbei ist einmal die Höhe der Preise, dann die Differenzierung derselben, nach Zonen abgestuft, oder für das Inland und. Ausland verschieden, von der größten Bedeutung. Die Auslandspreise werden niedriger gehalten wie die Inlandspreise, wodurch die inländische Weiterverarbeitung in der Konkurrenzfähigkeit erheblich eingeengt wird. Das Mittel zu dieser Preispolitik ist bie Kontingentierung der Produktion. Die größere Anzahl der Kartelle hat die Statuten zur Verfügung gestellt, auch sonstige Angaben gemacht. Andere Verbände verlangten Geheimhaltung bestimmter Verhältnisse, be- sonders über internationale Beziehungen, so daß nach dieser Richtung das Material durchaus nicht vollständig ist. Der Bericht erkennt die Forderung der Geheimhaltung im allgemeinen als berechtigt an. weil es sich um Wahrung von Geschäftsgeheimnissen handele, deren Veröffentlichung das Interesse der betreffenden Werke schwer ver- letzen könne. Meist haben die Verbände für Mitglieder, welche die getroffenen Bestimmungen verletzen, hohe Konventionalstrafen fest- gesetzt. Es kommt dabei in der Hauptsache die Beachtung der Minimalpreise und die Nichtlieferung von Materialien an Outsiders und so weiter in Betracht. Die meisten Verbände sind im letzten Jahrzehnt ins Leben getreten, am stärksten war die Verbandsbildung im Jahre 1904. In diesem Jahre traten besonders die Bestrebungen hervor, die kleineren Verbände aufzusaugen, in ein umfassendes Kartell zusammenzu- schließen. Diese Umformung hält noch weiter an. Die Verbände in der Industrie der Eisenfertigerzeugnisse haben meist eine nur lose Form und üben auf die Gestaltung des Marktes wenig Einfluß aus. Was in der Enquete fehlt, ist eine Zusammenstellung der von den Kartellen beherrschten Produktion und der beschäftigten Arbeiterzahl, im Vergleich zur Gesamterzeugung� und zu der in dem Berufe beschäftigten Gesamtarbeiterzahl Deutschlands. Ferner wäre notwendig, um die soziale Wirkung der Kartelle zu erfassen. eine vergleichende Uebersicht über die Steigerung der Preise resp. der Betriebsgewinne und der gezahlten Löhne. Eine solche Zu- sammenstellung ermöglichte ein Urteil darüber, ob die Belastung, welche die Verarbeitungsindustrie infolge Preissteigerung und Benachteiligung gegenüber dem Auslandsvcrbraucher erfährt, durch Lohnstcigerung entsprechenden Ausgleich findet. Die steigenden Ge- Winne der kartellierten Betriebe lassen auf das Gegenteil schließen. Was die Regierung mit der Enquete angeblich bezweckt, sagt sie in folgendem: „Das Bedenken, daß das durch die Verhandlungen zutage ge- förderte Material bereits großenteils veraltet sei, ist insofern be- gründet, als einige Verbände, die Gegenstand von Verhandlungen gewesen sind, zurzeit nicht mehr bestehen oder ihre Organisation wesentlich geändert haben. Trotzdem behalten auch diese VerHand- lungen ihren Wert, weil es sich nicht darum handelt, gegen einzelne Kartelle ini Verwaltungswege vorzugehen, sondern darum, die tat- sächlichen Verhältnisse, welche sich durch das Kartellwesen gebildet haben, kennen zu lernen und nötigenfalls im Wege der Gefetz- gebung gegen die Auswüchse einzuschreiten. Für diese Frage ist es nicht von entscheidender Bedeutung, ob die Kartelle, über welche verhandelt worden ist, zurzeit noch bestehen. Dieselben Er- scheinungen, die Gegenstand der früheren Verhandlungen gewesen sind, können jederzeit an anderen Kartellen hervortreten." Von solchen Gesetzgebungsaktionen versprechen wir un8 bitter wenig. Für die Montanindustrie wird die event. in Aussicht ge« stellte Maßnahme schon darum immer mehr zu einer stumpfen Waffe, weil sich hier das Schwergewicht in den wenigen kombinierten Be- trieben konzentriert, denen es ein leichtes sein würde, ein Kartell durch geheime Preis- und Kontingentierungsabmachungen zu er- setzen. Auf dem angedeuteten Wege ist wenig zu erreichen. DaS Grundübel ist unsere Zollpolitik, welche die Monopolisierung der Großindustrie und zwar nicht zum Vorteil für die Weiter- Verarbeitung die Wege ebnet. Und die Schutzzölle haben die Groß- industriellen ja vorläufig wieder in den sicheren Hafen eingebracht. Und das andere Mittel, das geeignet wäre, den sozialen Schäden der Kartelle entgegenzuwirken, ist bei der Regierung verpönt. Wir meinen die Erweiterung und Sicherung des Koalitionsrechtes der Arbeiter. Diese müssen in den Stand gesetzt werden, den Ueber- griffen der Kartelle, deren Bestreben, die soziale Lage der Arbeiter zu verschlechtern, erfolgreich Widerstand zu leisten, ja darüber hin- aus, Bewegungsfreiheit genug haben, um sich einen entsprechenden Anteil an dem gesteigerten Arbeitsertrage erkämpfen zu können, wenn er nicht gutwillig zugestanden wird. Wenn die Regierung nach dieser Richtung versagt, dann ist ihre Ankündigung, event. gegen Auswüchse gesetzgeberisch einzuschreiten, lediglich Spiegelfechterei. D. Eingegangene Druchrchnftcn. Jndustriegegnerschast, buchhandlung, Hannover, rdung des en, Rechts- che Verlags» Tsrisn-Ausverkauf wegen deren Aufgabe oder Mängel, soweit die Vorräte reichen, teilweise ganz bedeutend herabgesetzt, oder weit unter den Herstellungs-Preisen, iüls R-X-V ,12.-, 8 m. für Herren 135.-. 35 88 Spezial-Haus grössten Massstabes. 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Berlin, den 15. Dezember 1305. Lom Arbcitsmarkt. Der NrbeitSmarkt im Dezember steht hervorragend unter dem Einfluß deS Wcihnachtsgeschäfles und dieses spielt im Geschäftsleben eine hervorragend wichtige Rolle. Ter Kreis der zu Weihnachten onSgetauschten Geschenke hat sich gegen früher bedeutend erweitert. lieber die Gepflogenheit, nur Spielzeuge, kleine Lurnsgegenstände, Genußmittel usw. als Angebinde zu über- reichen, ist man längst und weit hinausgegangen; heute spart man die Ergänzung der Garderobe, Ersatz der Haus- Haltungsgegenstände, notwendiger oder als Bedürfnis empfundener Neuanschaffungen gern für die Weihnachkszcit auf— zu gegenseitiger Ucbcrraschung. Schon aus di'escm Grunde nimmt auch der Arbeitsmarkt besonders im Dezember für einzelne Industrien neben der Luxusindustrie, ein lebhafteres Gepräge an, zum Beispiel in der Möbelindustrie. Textilindustrie, Wasche- und Handschuhbranche. Putz-, Hut- und Schuhfabrikation usw. In der Spielwarenindustrie stockt die Lebhaftigkeit bereits, weil die meisten Austräge erledigt sind und Nachbestellungen nur in geringerem llmsange eingehen. In der Lebensniittelrndustrie häufen sich dagegen vielfach erst in den letzten Wochen die Aufträge, ebenso in vielen Branchen der Papicrindustrje, auch die Gärtnereien profitieren. Durch die Lebhaftigkeit in den verschiedenen Produktionszweigen wird das Angebot auf dem Nrbeitsmarkt stark abgeschwächt, hinzu tritt ein gesteigertes Bedürftüs nach Arbeitskräften in den kaufmännischen Gesckiäftcn. und zwar werden nicht nur Burennarbeiter und Verkanfspersonal benötigt sondern auch Hausdiener, Packer. Spediteure, Laufburschen 3C. In den Speditionsgeschäften, überhaupt im Verkchrsgeschäst, erfolgen ebenfalls Einstellungen. Auch im Gastwirtsgewerbe sind infolge des gc- steigerten Verkehrs Engagements zu verzeichnen. Die gesteigerte Nachfrage auf dem Arbeitsmarkl kommt in hervorragender Weise den ungelernten Arbeitern zu gute, die vielfach als Lückenbüßer eingeschoben werden. Infolgedessen hat auch der Andrang der Beschäfligungsuchenden sehr nachgelassen, was besonders bei Ausgabe der Arbeitsmarktblätter an den verschiedenen Stellen zu beobachten ist. Die Lage des Wcihnachtsarbeitsmarktes wird günstig beeinflußt durch das bisher für die Baukonjunktur günstige Wetter, welches eine fast ununterbrochene Draußenarbeit gestattete und die durch starke Be« schäsligung in den übrigen Industrien, besonders in der Textil- industrie, rm Kohlenbergbau und im Eisengcwerbe. Wenn hier auch Arbeiter weniger neu eingestellt werden, so finden aber auch keine Abstoßungen statt, so daß von dieser Seite kein Zudrang erfolgt. Dies sind zum Teil Nachwirkungen der in diesem Jahre ftattgefnndenen Streiks und Aussperrungen im Bergbau und in der Elektrizitätsindustrie. Der Bergbau konnte in den letzte» Monaten teilweise infolge des Wagenmangels nicht einmal allen Anforderungen genügen und die während deS Stteiks geräumten Läger find noch nicht wieder gestillt. Die Eisemndustrie ist durch den Aohlenmaugel in Erledigung der Aufträge so weit zurück- geblieben, daß jetzt noch mit Anspannung aller Kräfte gearbeitet werden muß, um die Lieserftisten einhalten zu können. Aehnlich wirkte die Aussperrung in der ElekttizitätSinoustrie. Es muß jetzt noch mit Hochdruck gearbeitet werden, damit der Rückstand in der Produftion wieder emaeholt wird. Liegen zurzeit die Verhältnisie auf dem Arbeitsmarkt selbst befriedigend, so kann das bezüglich der Arbeits- bedingungen nicht auch allgemein gesagt werden. DaS gilt besonders für die Nahrungsmittelbranche und für das Verkehrswesen. Hier wird sehr viel über unzureichende, mit den gestellten Ansprüchen gar nicht in Einklang stebeuder Bezahlung geklagt. Sehr viel dürfte das zurück- zuführen fein auf daS regellose Angebot, als Folge mangelhafter Organisation. Gerade fiir HülfSarbeiter wäre eine straffe Organi- sation dringend nötig, um eine Besserung in den vielfach miserablen Lohnverhältnissen herbeizuführen, speziell um für die hier in Betracht kommenden Arbeiterkategorien die günstige Periode auf dem Arbeits- markt auch qualitativ auszunützen. Geldmarkt und Baukonjunktur. Die von der Reichsbank als unbedingt nötig erachtete Diskonterhöhung auf den enormen Satz von 6 Proz.(das bedeutet bei Darlehen 7 Proz. ohne die üblichen Provisionen) wirkt auf die von den politischen Ereignissen stark beeinflußte Börse weiter de- primierend. Kursrückgänge reihen sich an Kursrückgänge. Besonders gettoffen werden infolge des hohen Reichbanksatzes die Aktien der hiesigen Tcrraingesellschasten, von denen wir einige hier anführen. Es notierten: � �et nach der letzten Diskonterhöhung Bauland Seestraße-Aktien.. Bauges. Ostend VorzugS-Aktien HandclSges. f. Grundbes.-Aktien Ncu-Westeud-Aktien.... Nordpark-Terrain-Aktien.., Teltow-Kaual-Aktien.... Terrain Nied.-Schönhaus.-Aktien „-Ges. Nordost. „ Südwest„ Union Vauges.-Aktien.... Diskonterhöhung am 4./11. 126.— 116 V, 218>/, 196.— 167.— 112.— 146.— 284 V. 166'U 143.— 124 V« 108.— 206.— 188 Vs 162-/, 104'/4 140.— 271 3/4 157 Vi 138 V« Bei den Terrain-Aktien sind die Rückgänge besonders bemerkens« wert, weil die Erfahrungrn der letzten Jahre immer wieder gelehrt haben, daß sich gerade in den Schluß-Monatcn in Terrain- Werten die Kurse stark nach oben cutwiflelten. Wenn sich nun in diesem Jahre von einer derartigen Steigerung nichts bemerkbar niacht, die Aktien im Gegenteil im Kurse nachgeben, so liegt das allein an dem hohen Geldsatze. Die politischen Ereignisse sind hier von ganz unter- geordneter Bedeutung. Gerade das'Baugeschäft ist sehr stark auf den Kredit angewiesen, denn die Bauunternehmer sind zum großen Teile Handwerker, denen nur geringe Mittel zur Verfügung stehen, eS find Leute, fiir die der Kredit eine Existenzftage ist. Diesen Leuten fällt es natürlich jetzt besonders schwer. Kredit bezw. Bauvorschnsse zu erhalten. Die Folge ist, daß die Terrain- gesellschaften nur wenig von ihren Grundstücken veräußern können, das Bauhandwerk, welches für Groß-Bcrlin einen sehr cnt- wickelten Industriezweig bedeutet, ins Stocken gerät und ein großer Teil Arbeiter beschäftigungslos wird. Und die Stockung im Baugewerbe wirft größere Kreise, der Krebsgang geht weiter. Für die Produkte der Eisenindustrie, der Holzbranche, der Ziegelstein- und Riörtclfabrikation ist die Bau- industrie eine starke Abnehmerin und auch hier wird sich der durch Lahmlegung des Baugeschäftes entstandene Ausfall bald bemerkbar machen.' So ist der Anfang gemacht mit einer erheblichen Ab- fchwächung der Gesamtkonjunktur, soweit nicht lediglich die Montan- industrie in Frage kommt. Produktisnssteigerung in der Montanindustrie. Das vierte BicrteljahreShest zur Statistik des Deutschen Reiche? (Jahrgang 1905) gibt eine Uebersicht über die Ergebnisse der Montan- industrie im Jahre 1904. Ein Vergleich mit den Resultaten des Jahres 1902 ergibt eine Steigerung sowohl in der Erzeugung als auch in der Zahl der beschäftigten Arbeiter. Die folgende Zusammen- stellung bietet ein Bild der absoluten Zunahmen: Produkten- Wert der Zahl der be- Produkte mengeinMill. Produktion in schästigten Tonnen 1000 M. Arbeiter 1904 1902 1904 1902 1904 1902 Brennmaterialien. 169.8 160.7 1162827 1 057217 544 822 606 029 Erze..... 23,9 19.8 145511 131273 88 535 84 137 Roheisen.... 10,0 8,5 520736 455699 35 358 32 309 Die Zunahme ist nicht gleichmäßig, ste bettägt bei Brenn- Materialien 12,6 Proz., bei Erzen 21,2 Proz. und bei Roheisen 18,8 Proz. Der Wert der Produktionsmenge stieg bei Brenn- Materialien um 9,04 Proz., bei Erzen um 10,8 Proz. und bei Roh- eisen um 14,3 Proz. Auf das Verhältnis der Wertsteigerung ist die Preispolitik der Syndikate von sehr großem Einfluß. Gerade in der Rohproduktion wurden noch 1900 und 1901 Preiserhöhungen vorgenommen, die für das nächste Jahr in Wirksamkeit blieben. Für 1904 waren die unter dem Drucke der Depression gedrückten Preise in Kraft, während für 1905 und 1906 wieder stark gehobene Preise verrechnet werden. Die Vermehrung der beschäftigten Arbeitskräste ist aber relativ hinter der Produktionszunahme und der Wert- steigerung zurückgeblieben. Die Zahl der Beschäftigten nahm zu bei Brenmnaterialien um 7,69, bei Erzen um 5,22 und bei Roheisen um 9,13 Proz. Aus dieser, gegenüber der Steigerung der Produftionsmenge und der Werlsumme geringeren prozentualen Zunahme, resulttert die in der nachstehenden Tabelle wiedergegebcne absolute Steigerung des auf den Kopf der Beschäftigten entfallenden Produkttonsquantums und Wertanteils. ES betrug nämlich: pro Kopf der Beschäftigten Produkte de�Erz?ugung tn sonnen in Mark 1904 1902 1904 1902 Brennmaterialien Erze..... Roheisen... 311 271 284 298 235 263 2116 1643 1560 14756 14065 Am erheblichsten ist die Produftionssteigerung bei Erzen, ste beträgt pro Kopf 36 Tonnen; in der Roheisenindustrie ergibt sich ein Plus von 21 Tonnen und im Kohlenbergbau(einschließlich Asphalt und Erdöl) ein Mehr von 13 Tonnen. Obwohl der Wert der Erzeugung pro Tonne in 1904 gegen 1902 noch etwas zurücksteht, ist neben der Steigerung der Produktion auch die pro Kopf der Beschäftigten er- zielte Wertsumme gestiegen und zwar bei der Erzgeioinnung um 23 M.. bei der Förderung der Brennmaterialien um 27 M. und in der Hochofcnindustrie um 691 M. Wie schon oben angeführt, ist für die Unternehmen das Preis- Verhältnis im Jahre 1904 sehr ungünstig, trotzdem können die Werke mit den Resultaten zufrieden sein. Es konnten ja auch durchgängig höhere Dividenden zur Verteilung gebracht werden. Uebriaens sind die Wertangaben durchaus nicht zuverlässig. So fehlt z. B. bei den Brennmaterialien der Nachweis über die Koakserzeugung, während die Gesamtbelegschaften der Arbeiter in die Berechnung eingestellt sind. Der KoakSpreis steht im Durchschnitt um 8 M. über dem Kohlenpreis und allein von den dem rheinisch-westfälischen Kolssyndikat angeschlossenen Kokereien wurden 1902: 6 873 162 Tonnen und 1904: 10 831 437 Tonnen erzeugt. Dadurch würde die Wertsumme bei Brcnnmaterialen für 1902 allein um zirka 50 Millionen Mark und für 1904 um zirka 80 Millionen Mark höher einzusetzen sein. Auch die Erzeugung von Briketts, von Ammoniak, Ziegel- steinen und anderen Nebenprodukten, ist in die aufgeführte Wertsumme unberücksichtigt geblieben, wodurch das Zahlenbild nochmals ungünstig beeinflußt wurde. So leidet die Statistik noch an verschiedenen lln- stimmigkeiten, welche die Produktton und die pro Kopf erzielten Wertsummen erheblich niedriger erscheinen lassen, als sie in der Tat- fache sind. Wie nach der biblischen Mythe durch Himmelssegen bald mehr bunte, bald mehr weiße Lämmlein auf der Weide umher hüpften, dem schlauen.Jakob zur Mehrung seine« Reichtums, so füllen sich jetzt nach der„gottgewollten kapitalistischen Ordnung" die Geld« schränke der Besitzenden bald durch Steigerung der Produltton, bald durch Lohnkürzung. v. HI (lezrüacket Im 4adre 1857. Landeshuter Leinen- und Qebild-Weberei F. V. GEÜUFELD Berlin W. 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Die Gesetzgebung auf dem Gebiete deS Arankenkassenweseni lägt die Kassen nicht zur Ruhe kommen, deren sie doch zu ihrer geoeihlichen E-twictclung im'Zntercsse ihrer Mitglieder so bringend bedür.en. Kaum daß die Kassen ihre Einrichtungen den durch die jüngste Gesetzgebung auf diesem Gebiete geschaffenen Verhältnissen angepabt und sich in dieselben hineingelcbt haben, werden sie schon wieder mit einer neuen Gefetzcsänderung„be» glückt". Das allerneucste auf diesem Gebiete ist die dem Reichs« läge zugegangene Regierungsvorlage, nach welcher das Gesetz über die eingeschriebenen Hülfskassen aufge» hoben und diese Kassen dem Gesetze über die privaten Vrrsiche» rungSunternehniungen unterstellt werden sollen. Unter dem Vor« ivand, das Publikum vor den Schwindelkassen zu schützen, soll daS Kind mit dem Bade ausgeschüttet und sollen die Hülfskassen aus dem Regen unter die Traufe gestellt werden, unter der denselben u Was es für die .. tz unterstellt zu 1 geben die Sterbekasscn einen kleinen Vorgeschmack. welche bereits diesem Gesetz unterstellt wurden. Tausende und Atzeriausende von Mark mutzten diese Kassen allein für„versichc» runastechnische Gutachten" bezahlen. Wie oft diese Gutachten er» MM beigebracht werden müssen, das mägcn die Götter und daS Reichsauffichrsamt wissen. Autzetdem aber haben die sämtlichen Kasten jährlich eine Beisteuer zur Erhaltung dieses AufsichtSamtcS zu leisten. TaS ist aber noch daS wenigste. Die bekannten„der- sicherungSmathcmatischcn" Anforderungen, welche das kaiserliche Aufsichtsamt auf Grund der„versicherungstechnischen" Gutachten in vezng auf den Reservefonds an dir Kasten gestellt hat, sind so eitörin, datz die Hülfskasten denselben auf die Dauer unmöglich standhalten können. Ucberschüste von und 42% Proz., also beinahe der Hälfte der Einnahme, genügten dem Auf- sichlsamtc nicht; es wird sogar der Grundsatz aufgestellt, datz von einem Ucberschutz so lange überhaupt nicht gesprochen werden könne, als nicht die ganze versicherte Summe des einzelnen Mitgliedes durch den Reservefonds gedeckt ist! Wenn demnach schon die Sterbelasten Riesen- summen aufbringen müssen, was wird dann erst in dieser Beziehung den Hülfskassen zugemutet werden, die ja wohl ausnahmslos K. ranken- und Sterbekassen zugleich sind! Weitere Schwierigkeiten erwachsen den Kasten, namentlich den zentralen, in bezug auf den Gerichtsstand sowie ihre VerwaltungStätigkeit im allgemeinen. EL erübrigt sich, an dieser Stelle auf alle die Schmie- rigkciten und Kosten im einzelnen hinzuweisen, we�e den Hülfskassen aus dem neuen Rechtszustand, in den sie übergeleitet werden sollen, fernerhin entstehen. Wir können getrost die Behauptung aufstellen, datz die Gefahren, welche den Hülfskassen durch den neuesten Akt auf dem Gebiete der Krankenkaffengesetzgebung drohen, erheblich höher sind als jemals vorher. Werden die Hülfs- kästest dem PrivatbersicherungSgesetz unterstellt, so wird diese Tat- fache wohl für die meisten HülfSkasten der Anfang ihres EndeS bedeuten. Mindestens aber wäre eS bann für alle Kasten mit dem Selb st bestimm ungerecht und der Selb st vermal. t u n g so ziemlich vorbei. Pflicht sämtlicher freier Hülfskassen ist. diese neueste Bevor- mundung nicht stillscbweigend sich auferlegen zu lassest', sondern laut und eindringlich zu protestieren. Vielleicht gelingt es. wenn auch nicht den geplanten Streich gänzlich abzuwenden, so doch in seiner Wirkung bedeutend abzuschwächen. ZU diesem Zweck berufen die Unterzeichneten«inen Kon g r« h der eingeschriebenen, sowie auf Grund landesrechtlicher Vorschriften errichteten Hülfskassen auf den 16. Jaiitwr ISO« nach Berlin Cm".stede Hülfskasie ist verpflichtet, fich auf dem Kongreh vertreten zu lassen; so weit die einzelne Kasse nicht in der Lage ist selb- staubig einen Delegierten senden M.konnem möge sich dieselbe mit anderen in gleicher Lage zwecks gemeinschaftlicher Entiendung eineS Delegierten verständigen oder ihr- Vertretung dem Delegierten einer grösseren Kasse Überträgen. Wenn auch die auf Grund landesrechtlicher Vorschriften errichteten Hulfskanen nicht gleich .. r„n.« so geschieht _____ Hülfskassen vv,.»cv... �ustszustand übergeführt sind; vie ersteren haben somit daS gleiche Interesse, dagegen grvnt zu machen w»e die letzteren. Jede Kasse kann durch ewen oder mehrere Delegierte vertreten sein. Jeder Tttegicrte hat sich durch ein Mandat zu legitimieren welches von dem Vorstande der Kasse oder der Kassen ausgestellt kein muh, welche der Delegierte vertritt. Dir Mitgliederzahl der t Kassen ist ebenfalls anzugeben; auch mutz das Statut sowie der RechnungSabschluh für 1904 eingereicht werden, um feststellen zu können, ob etwa auch sogenannte Schwindelkassen sich in unsere Reihen mischen wollen. Wettere Bekanntmachungen in bezug auf den Kongreß erfolgen später. Anträge, die zu dem Kongreß gestellt werden sollen, sind an C. D e i s i N g e r, Haniburg l, Hohe Bleichen 34, einzusenden, und zwar so frühzeitig, daß sie noch gedruckt dem Kongreh unter- breitet werden können. Hamburg, den 15. Dezember 1905. Der Verband fretrr Hlllfskassen(Sitz Hamburg). Der deutsche Krankcnkasscilvrrband(Eitz Dresden). Tie vereinigten Hlllfskassen von Hamburg-Altona. Die arbeiterfreundlichen Blätter aller Parteien werden dringend ersucht, diesen Aufruf ganz oder doch wenigsten» teil- weise abzudrucken. gus der frauenbewegunöf. Gut abgefertigt. In einem auswärtigen bürgerlichen Blatte hatte eine„menschenfreundliche Dame", wie die betreffende Re« daktion sagte, den unter der Fleischnot Leidenden empfohlen, auf Fleischgenuh zu verzichten, dafür sich an Wurstbrühe, Schinken- und Rauchfleischbrühe und— mehr Kartoffeln zu ergötzen. Eine Ar- beiterfrau gab der— Dame darauf folgende Antwort: Verehrte Frvul Habe auch Ihren weisen Rat gelesen, mutz Ihnen aber mitteilen, datz wohl nicht viele einen Fingerzeig davon nehmen können, denn eine Erbsen- oder Bohnensuppe, mit Wurst- schmalz zubereitet, wird wohl schlecht zu genießen sein; auch werden sie wohl wissen, datz in salziger Schinkcnbrühe Hülsen- früchte nur s-l'Iecht gar werden. Im übrigen wird eine Hau»- fran, deren Mann den ganzen Tag anstrengende Arbeit zu ver- richte'» hat, ihm ein solches Gericht ohne Fleisch nicht vorsetzen stehen kann. Auch kann ich noch mitteilen, daß bei Schlachtern nicht immer Schinlenbrühe zu bekommen ist möchte zugleich be- merken, wo die Schlachter denn in den'Arbeitervierteln bleiben sollten, wenn alle Leute um Schinkenbrühe bitten und ihr Essen mit Wurstschmalz kochen? Auch zweifle ich sehr, datz Sie selbst ein solches Gericht essen, wenn doch, dann wünsche ich gesegneten Appetit. L. L.■ Und wir wünschen allen„wohltätigen Damen" Appetit zu solcher Abfuhr und allen Arbeiterfrauen die Erkenntnis, datz sie m den Frauenvcreinen sich das nötig« Rüstzeug holen müssen, um der WohlfahrtSheuchclei überall die Mösle abzureißen und datz sie gen die Klassenberrschaft den Kampf aufnehmen müssen, wenn Unrecht. Not und WW ff! özialcs Elend ein Ende nehmen soll. D Wilmersdorf. Der hier neu gegründete Frauen- und Mädchen- BilbungSverein hielt am 14. Dezember im Lokale von Käsler, Lauenburgerstr. 20, feine MonatSversammlung ab. Herr August Tätervtv hielt einen interessanten Vortrag über:„Die Arbeiterbewegung und die Frauen". Den mit grotzem Beifall auf- nommenen Ausführungen folgte eine lebhafte Diskussion. Eine iökussivnSrednerin beschäftigte sich kritisch mit dem Berein Mutterschutz". Die Vorsitzende ersuchte die Anwesenden, für den Verein, der trotz seiner Jugend schon gute Fortschritte gemacht habe. kräftig zu agitieren, damit sich ihm alle Frauen von Wilmersdorf aUschlietzcn. Die regelmäßigen VereinSvcrsammlungen finden jeden zivdten Donnerstag im Monat statt. Charlottenburg. Der hiesige Frauen- und Mädchen-BildungS- verein hielt am 14. Dezember seine MonatSsitzung ab. Genosse Dr. Zepler sprach über„Frauenkrankheiten und ihre Symptome". Der Bortragende Zntzrrte sein lebhafte» Bedauern darüber, datz zu der Versammlung nicht eine amtliche weibliche Person zur Urber- lvachung cntsandi worden sei. Nach der Beantwortung der an den Referenten gerichteten Fragen wurde beschlossen, die nächste Sitzung am 24. Januar stattfinden zu lassen. Auch wurde auf die bevor- stehenden Vorträge in den von der Allgemeinen OrtS-Krankenkasse zn Charlottenburg einberufenen Versammlungen hingewiesen. Zivei Neuaufnahmen wurden vollzogen. Mariendorf. Der Frauen- und Mlädchen-Bildungsverein von Martendorf und Umgegend hielt am Donnerstag, den 14. De- >ember, bei Reichert seine regelrechte Monotsvcrsammlung ab. ' räulein Baader referierte über„Kinderarbeit". Refrrentin be- prach auch daS Kinderschutzgesetz, welches mit dem 1. Januar 1906 in Kraft tritt. Kein schulpsuchtiges Kind dürfe nach dem 1. Januar vor dem VormittagS-Unterricht eine gewerbstätige Arbeit verrichten. Da sollten besonders die Mütter doppelt aufmerksam sein und darauf achten, daß jede Ausbeutung der Kinder unterbleibt. Tie Rednrrin erntete für die lehrreichen und interessanten Ausführungen großen Beifall. Fünf neue Mitglieder ließen sich im Verein aufrel; neu. Die nächste Versammlung tagt Mittwoch, den 17. Januar 1906, in Tempelhof bei Müller, Berlinerstr. 41. Treptow Baumschule::wcg. Mittwoch, den 13. b. M., hielt der hiesige FmueNbildungSvcrein in Baumschulcniveg seine regelmäßige Mitgliederversainmlmig ab. Herr Dr. R. Blum hielt einen Vor- trag über:„Licht, Luft, Wasser und Bewegung in ihrer Bedeutung für die Gesundheit". An den sehr lehrreichen mit Beifall auf- genommenen Vortrag knüpfte sich eine kurze Diskussion. Wir machen unsere Mitglieder nochmals darauf aufmerksam, datz der Verein am 20. Januar nächsten Jahres in Baumschulenwcg bei Spchr sein erstes Stiftungsfest feiert. ES ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, Freunde und Bekannte zum Besuchen des Festes an» zurr gm._ BHefhaften der Redahtfon. O.G. 1. Evangelisch- reformiert nennen sich die Anhänger der von Calwin ausgestellten Formeln, während die von Luther sestgeleglen Formeln von den Evangelilch-lulherischen als richtig anerkannt werden. Der Unter- schied ist unbedeutend. 2. So ins einzelne spezialisiert leimen wir keine Quelle».— Abonnent 45. Da» Wahlrecht zum deittichen Reichstage entspricht dem, was Sie in Ihrer Ausrage ansühren. 2. Wissen wir nicht. Fragen Sie im Bureau des beiressenden Verbandes leibst an. 8. Fori- bildunasschule Reichenbergerstratze 44/45.— C.®. Blindschleichen sind nicht gistig.— Otto Pock. Rein, der katholische illltus läßt da» überhaupt nicht zu.— K. ttit». Die„Elbe" ging unter am 30. Januar l«gs. Die Länge des Schisse» betnig 128 Meter, Breite 18,75. Tiefe>0.5 Meter.— St. M. Sticht unter 2l Jahren.— C. M«9. 1. Persien und die russische Provinz Astrachan. S. Dl« seine Kräuselung dieser Felle wird da- durch gefördert, indem die neugeborenen Lämmer in grobe Leinewand ge- näht, täglich mcbnnol» mit warmem Wasser benetzt und nach einer gewissen Richtung geftrtchen werden. 3. Trotz diese» AuswnndeS von Mühe wird nicht immer ei« tadellose» Fell erzielt und daher der hohe Preis.— B. W. 9it. Sie tun nm besten, wenn Sie mit dem Zeichenlehrer Ihres Sohnes M dieser Sache Rücksprache nehmen.— P. W. Verein zum Schutz der Kinder vor AnSimtzmtg und Mißhandlung, Charlottenstr. 88, Ii. JuriKlsckter Oeik. Die jurlftllche Sbrechstniide ftnbct täglich mit Aiisnahm« des Sonnabend» von?>/, bis»>/, lldr abend» statt.(«eSffnet i T Nbr. A. 45. 17. 1. Wenn mindesten» 200 Marken vor der Verheiratung geklebt find, so kann die junge Frau innerhalb de» ersten Jahre» nach ihrer Verheiratung den Antrag ans Rückzahlung der Hälfte der Klebemarken stellen. Der Antrag ist an die untere Verwaltungsstelle zu richten. Untere Verwaltungsstellen sind in Preunen in Städten mit mehr als 10 000 Ein- wohnern die Magistrate, sonst die Landräte. L. Spielfragen beaniworteir mir nicht.— K. B. 100. t. und 2. Ja.— Rosenkranz. 1. Ja, Sie müssen Ihren Anspruch anmeldet!. Schwierigkeit bereitet die Beweislast. L. Die Rechtsprechung Ist geteilter Ansicht: nach der zutreffenden haste» beide. — B R. 1900. Sit hätten keinen Anspruch aus Rückzahlung. ES steht Ihnen frei, sich Weiler zu versichern; mindesten» 20 Marlen für 2 Jahre müssen dann geklebt werden.— W. Ech. 9. Ist Ihre Frau noch nicht groniährig(21 Jahre alt), so ist sie an den Vertrag nicht gebunden, sonst ja. -«». H. 2. Beide».- 31.«. 14. Sit könnten lediglich ans Ersatz klagen. Sind Sie aber der Ansicht, datz nicht» zu holen ist, so würben Sle nur noch Kosten zahlen müssen.— 45. B. 195». Wir sind leider nicht in der Lage, eine andere Instanz als die Stsstunq»devuiativn anzugeben. ~~~'- I.«» Rixdorf. Der Staat leistet allj.ibrlich sest. G. F. 15. Nein.__________________»WWWWWWWW» gesetzte Zuschüsse.— L. 2. 19. Sie müssen ein Verzeichnis Ihre» Ver» mögen« mitbringen. Wie Sie dnäsetbe herstellen, ist Ihre Sache. Da» Ver- zeichnt« mutz aber vollständig sein. Wenn Sie wollen, können Sie zusetzen: Sollte ich elwaS veraessen haben, sö werde ich e» nachträglich angeben.— R. 09 tsharlottcnburg. Verjährung würde erst mit Wlaus dieses Jahre» eintreten.— «ttterniigsüberstcht vom 10. Dezember 1005. morgen» 9 IIQt. mmm Setter Swtnrmde Berti» Frankk.a.N. München Kien 7«l!W 705 WSW 704 W 77t W 772 SW 708 WSW! rbbede-kt 3 bedeckt 2 bedeckt 5NebeI 5 bedeckt *»95 r-si. II » fc Stationen davaranda Belgrad Scilly Aberdeen Part« 30 768 Setter NW WS« 77i NNO 76« Still 772 Still Lbetter lliedecki l bedeckt — Regen bedeckt 1 c 3» £11 H L, -11 3 S 4 s Wetter prognose für Sonntag, den 17. Dezember 1905. Etwa» kühler, vielfach heiter, jedoch unbeständig mit geringeren Niederschlägen und frischen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserstand am 15. Dtnmber. Elbe bei Aussig+ 0,80 Meter, bei' Dresden— 0,52 Meter, bei Magdeburg+ 1,85 Meter.•— u n st r u t bei Stmnisiurt si- 1,55 Meier.— Oder bei Rattbor+ 1,91 Meter, bei Breslau Oberpegel-f 5,13 Meter, bei Breslau Untersiegel— 0,52 Mete?. bei Frantsurt+ 1,53 Meter.— Weichsel bei Braheniiv ,d- + 8,98 Atel er.- Warthe bei Posen+ 0.98 Meter.- Netze bei Usch-s- 1,i I Meter. Vforeoh Ecke Stralsunderstraße. BrUOHCIlStrflÜS© Ecke Stralsunderstraße. Bis zum 28. Dezember:„Oopp6ll0 NOHlßD' IfirkBIl" oder 10 Prozent in Bar. Enorme Auswahl und SW extra billige Preise"W in Spielwaren und Welbnaclitsgesclienli-Artlkeln aller Art. Neu anfgenommen: Apfelsinen sehr süß. xroUe FrNchte Dtzd. 43 Pf., Stück 4 Pf. Aepfel —- Amerikanep—• Pfund Ä3 Pfennig. Wallnässe gute(tzauIltiU Pfund 30 u. 48 Pfennig. Haselnässe gute Ware Pfund 43 Pfennig. Baumlichte pro———— 12 u. 15 Stück pro Karton 80 Pf. 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Der fliegcndeHolländer. Montag: Figaros Hochzeit. SchausPielhäuS. Venus Amathusia. Montag: König Richard der Dritte. Neues Oper»- Theater. Häusel und Gretel. Die Puppensee. Montag: Geschlossen. Neues. Ein SommernachtSIraum. Montag: Dieselbe Vorstellung. Westen. Der Opernball. Nachmittags 3 Uhr: Die Zauber- flöte. Montag: Die Hugenotten. Deutsches. Der Kausmann von Venedig. � Montag: DaS Käthchen von Heil- bronn. Berliner. Der Geigenmachcr von Cremsna.— Der Glissens- wurm. Nachmittags 3 Uhr: Die Wunder- glockc. Montag: Der Geigcinnacher von Cremona. Der G'wissenswurm. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(23 alliier-Theater.) Die Braut von Messina. Nachmittag« 3 Uhr: Nora. Montag: Nora. Schiller Si.(gdedrich Wilbelm- städtisches Theater). Flachsmann als Erzieher. Nachmittags 3 Uhr: Crainquebille. Die Bäuerin.— Abschied vom Regiment. Montag: Heimg'sunden. Lessing. Stein unter Steinen. Nachmittags 3 Uhr: Rosenmontag. Montag: Elga. Zentral. Musette. Nachmittags 3 Uhr: Der Bettel- swdcnt. Rontag: Musette. Nachmittags 3 Uhr: WohltättgleitS- Vorstellung: ChristoselS Weih- nachtStraum. Kleines. MarquiS v. Keith. Nachmittags 3 Uhr: Die Laune der Verliebteu. Der zerbrochene Krug. Montag: MarquiS v. Ketth. Komische Oper. Der Bohsme. Montag: Dieselbe Vorstellung. Nesidenz. Der Prinzgemahl.� Nachmittags 3 Uhr: Der Schlaf- wagentontrolleur. Montag: Der Prinzgemahl. Trianon. Die herbe Frucht. Montag: Dieselbe Vorstellung. Lnstspielhans. Der Familicntag. Nachmittags 3 Uhr: L» Behandlung. Montag: Nemesis. Thalia. Bis früh um Fünse 1 Nachmittag» 3's, Uhr: CharleyS Tante. Montag: Bis früh um FflnseJ (farl SSe Ist. Von Stufe zu«tuse. Montag:(geschlossen. Luisen. Der neue Herr. Nachmittag? 3 Uhr: Sneewittchen. Montag: Der neue Herr. Deutsch- Ainerikanisches. Aber Herr Herzog l Nachmittags 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Montag: Ueber'n großen Teich. Ntetropol. Auf ins Metropol. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kasino. DaS Opferlamm. Nachmittags 4 Uhr: Arbeit schändet nicht. Montag: DaS Opferlamm. Apollo. Prinzeß Rosine. Ein deli- kateS Menu. Montag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla. Unser Doktor. Montag: Dieselbe Vorstellung. Herrnfeld. Familientag im Hause Prellstein. Montag: Diesewe Vorstellung. Wintergarten. Eugenie Fougsre. — Spezialiiäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. FolicS Caprice». Soll und Haben. Nach dem Zapfenstreich. Montag: Dieselbe Vorstellung. Reichsballe». stettincr Sänger. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Urania. Taiibcnstrastr 48/4S. Abends 8 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sternwarte, Juvalidenstr. 157/62. Täglich geösllicl neu 7 bis 1 ü!ir. Berliner Theater. Nachm. 3 Uhr: vi» Wunderalack». Mbends 7'/» Uhr: Der G'wissenswurm. /z Uhr. Sin Scmmentachtstraum. Morgen und folgende Tage: Ein Sommernachtstranm. Kleines Theater. Nachmittag 3 Uhr: Der zerbrochene Krug. Vorher: Tie Laune des Verliebten. Abends 8 Uhr: Msrquis von Keith. Montag: Marquis von Keith. Komisciie Oper. Frlertrichstr. 104— 104 a. Sonntag, den 17. Dezember, abends 8 Uhr: IMe llolteme. Montag: Die Bohfime. Dienstag: Hotfwanns Erzählungen. Schiller-Theafer. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Sonntag, nach m. 3 Uhr: iüoi-a. Schausp. in 3 Auszügen v.HcnrikIbsen. Deutsch von Wilhelm Lange. Sonn lag, abends 8 Ubr: H!« Braut von nenalna. Em Trauerspiel mit Chören von Friedrich Schiller. Montag, abends 8 Uhr: diora. Dienstag, abends 8 Uhr: Wanjoschins Kinder. Scniller-Theater N.(Fr!edr.-Wilh. Th.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: vralnqnelklll«. Die Bäuerin, ädschieli vom Regiment. Sonntag, abends 8 Ubr: Flachamaiin al« Erzieher. Komödie in drei Auszügen von Otto Ernst. Montag, abendS8UHr: Heimg'fnnden. Dienstag, abends S Uhr: Gyge* nnd Kein Ring. Luisen-Theater. NachmtttagS: Sneewittchen. MendS; Der neue Herr. Montag: Der neue Herr. Dienstag: Der Kausmann von Venedig. Mittwoch nachm.; Sneewittchen. Abends: Der neue Herr. Zentral-Theater Nachm. 3 Uhr: Ter Bettelftndent. Abends 8 Uhr: Musette. Montag 8 Uhr: ie 3•lympicr, Bronzestatuen Biograph. Passage-Tlieater. Anfang abends 8 Uhr. DaS sensationelle Dezember- Programm. MM Tafel (die Schrift aus dem JenseiiS). FaqtIZsgffS, franz. Excenttw.\\ 14 neue ersttiassige Nummer», astaas fansptikism Frlcdrichstr. 165. OhüeSxfra-Sntrse. Beate und folgende Tage: Zum ersten Male In den Räumen der I. Etage: 65 Eingeborene Männer, Wcifesr und Kinder. Eintritt 50 Pf. Walhalla-Theater Volkstümliche Preise. Unser Doktor. Volksstück mit Gesang in 4 Alten bon L. Treptow und L. Hcrrmann. Ansang 3 Uhr. Rauchen in allen Räumen gestattet. KasinosTheater Lothringcrstr. 37. Täglich 8 Uhr. Allabendlich ausverkauft. Großer Lachcrfolg!— Das Opferlamtn. Vorher das sensation. Dezembcrprogr. st»u! Baldwin Brotli. Neu! Sonnlag nachm. 4 Uhr: Arbeit schündet nicht. Palast-Theater Burgsir. 24, 2 Min. v. BH. Börse. Heute llß Uhr. Entree 50 Pf. LetiteHöi'steüungvorWeiiioaeiifpn Elite-Dezember-Programm. Barry u. fllly Smith, �»911«»»»«. Mr. Bargoldy ü"b.eÄ Um Wnlcnn unerreichter ml. lamSUU, Handakrebat. Im Kmg zum grünen Kranze. Singspiel von O. Richter und 13 erstklassige Nummern. Heils-Aliiaiicel Theater- Varlötö. Anfang 8 Uhr. »er fertlne Teufel Romant. Pantomime. Joscphln« Petit Plämmon- u. Radium-Tanz. 8cupi Werner Clmrakter-Komiker. Kehusiis lustig. Bauernhof Jim A Jaai. mus. Pif rrots. Kill it KllU, Kveentriques. 14 ganz neue Debüts. rwwwwwwwwwwwwwwwwwwi XI. Berliner Saison." Zirkus Busch. 2 Kp- Vorstellungen O � nachm. 4, abds. T1/, Uhr. � Nachm. 4 Uhr zahlen Kinder auf allen Plätzen halbe Preise. ,(Kein Kind frei.) In b e i d• n.Vorstellungen; Quadrille, ger. auf 12 Schulpf. Zwergclomn Francois mit dem Zwergpferd. Hr. Ernst Schumann mit seinsn Neudreeauren. Die borühmt. Manoge-Kornikor Rappo und Keade. Vorführan und Vorreiten der besten Schul-, Freiheits--und Springpferde. Auftreten der neuengagierten Künstler nnd Künstlerinnen. Die vorzügl. Clowus mit ihren neuesten Witzen und Späßen. In beiden Vorstellungen: Sensationell! Sonsadonell! Mr. Horton Smliii, Amerikas berühmt.Pferdebändiger, Nachmittags 4 Uhr: Die 6 indischen Orlglnai-Fakieroals Zauberst n. Ssklangenkeschwörer. Mexiko Gr. Ausstattungs- Pantomime aus d. mexikan. Pflanzerleben. Abends 7'j, Uhr: Die neueste und gräQte Sehens- wUrdlfkeit Berlins! ♦ Indien. � Orig.- Pantomime des Zirkus Busch in 8 Bildern. Besonders hervorzuheben: 6 indische Orlg.-Fahlre. Ferner: Eletanfen-Kämpfe. Hr.HagedsnisTransformat.-Grotte Bernhani Rose-Itisater Gesuiidbrumien, Bad strotze 58. AbeudS 8 Uhr: Der Pfarrer von Kirchftid. Volksstuck in 5 Alten v. Anzengruber. Kafsencröffnung 6 Uhr. Billctt-Vorverfaus von 19—1 Uhr an der Theaterfaise. Morgen: Klasfifer- Vorstellung: Der Kaufmann von Venedig. Voranzeige. Mittwoch, d. 29. De- zembcr: Gr. Schülcr-Nachmittags- Vorstellung: Ter Kaufmann von Venedig. Anfang 4 Uhr._ Reichshallen. Heute: Stettiner Sänger. Zum Schluß! Fränlcin Doktor. Zeitburiesfc bon Mcyset. CO-J � C vCJ-"JS vO » s» ~ � r*, £1 N o® Außerdem: Weihnachts-Programm Dienstag, 26. Dcz., 2. Feiertag, mittag? 12 Uhr: Gr. Welnnachis- Pesi-8aIineo zum Benesiz für die Herren Britton, Pietro, Böhme, Waiden, Bockmann, Seidel, R. und O. Schräder._ Variete Elysium Koramandantenstraßc 3/4. Täglich: Auftreten von 36 erstklassigen ioternatioiiaieB Spezialitätea. Gustav Behrens Speziaiitälen- Theater Frankfurter- Allee 85. Das Riesen-Dezemlier-PrograniBi. Neu! Jllss Cntta, Neu! einzig eri stielende Haarathlettn. Neul Rtc. Bai-doi>, Neu! Fesselkünstler und MuSkeimensch. Neu! Bon Südwesi-Afrlka zurück. oder: Stille Nacht, beiiige Nacht! Weihnachts-LebenSbild mit Gesang in einem Akt. Otto Pritzkows HHusKtr. l(t. fe Riesen- Weihntckis- Programm!» » I 4 Vfunderhahn Pluto, geboren mit « 4 Beinen, 2 Körpern, 1 Kopf. Z Dar Welt-KoioB, schwerste Dame, die je gelebt. Di« fliogend« Venus?? DcrSkc!B!lmensoii,27 Kilo schwer! Di» Hellseherin Armida.— Ri«oan,! Zwwgj, Phäno.nsv, Fakire, Hotl- 5 scher, ftvarUhnsfier, Geiiaak««-) loser ctef— Ei) tr«a wie immer. J Keine Nachzahlung. Ilrania J».«,«: 8 Uhr: Im Lanie Der iüeriiaefitssoie. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sternwarte Gehrtldep Herrnfeld- Theater. Heute präzise 8 Uhr: Oolosseiim Dresdener-Str. 97. Heute: Heitere Szenen v. Leopold Ely, Musik von Rudolf Nelson, vorkommende Tänze vom Ballettmeister Eugen Chlebus. Hauptdarsteller: Fortunatus Biedermann Martin Bendix. Anastasia, seine bessere Hälft« Alice Düring, j) beider Kinder Eduard) TrudyTruth, GustavWaldau. Theodor Steiner Fred Carlo. Rudel v. BriUwitz Littke Garisen. Manen Freln Paulette v. Roy. Pauline, modernes Dienstmädchen Martha Wald. Johannes Bliemchen Hugo Hochgemuth. Anf. 8 Uhr. Sonntag 81/, Uhr. Dazu: Lette Sebus, der kleine Gabrun, Lucia Ravello, Oskar Fürst etc. Konzertsaal. Fest• Dekoration. äfnslk u. Ges. h. I Uhr nachts. Sonntag nachm. 3 Uhr:« Yolks-Spezialitätenforstelliiiig. 1 Kind frei. Jeder Platz 30 Pf. SaisMlIÄS;" Sonnt., RonL, DonnerSt.: HolTmanns Norddeutsche Sänger Sonnt. Bg.5, Vochent.8Uhr Dienstag, Mittwoch.-ttastsp. d.4.»tve-F,nseu,i»les. Der Pfarrer von llirchteid. Miitw.iEine Nachtin Berlin. Umons-Srsuersi HascnHridc 22-31. Orionom M.Keiizew. Jeden Lonntag (im Wintergarten): Zlsrdurger Sänger. Direktoren: 0. Friok und Fr. llasche-llrause. Milltllp- Konzert. Sinf. 5 Uhr. Gnlicc 29 Pf. Artus»Hof Rerlebei gerslr. 26. Siendalerstr. 18. Säle von 103-1200 Pcrs. stehen den geehrten Vereine» zur Verfügung. Jeden Lonniag, Dienstag u. Freitag; Gr. Theater- Vorsfcllnng. Jeden L.»artett,a»grr und hiiinoristischc Soiree. Jeden Donnerstag� Gr. Knnsert. in sijUujll ZZ»rtt«pZi»tvi. Täglich den«ntere» Sälen na l Zirkus Albert Schumann Heute Sonntag, den 17. Dezember, nachm. 3>/,Uhr und abends 7'/, Uhr: " gr. drillanie Gaia-Vorsieilungen. F» _ ohne Ausnahme 1,111 1111111 11 1'1'" Jedes weitere Minti unter 19 Jahren halbe Preise(außer Galerie). In beid. Vorstellung., nachm. u. abds.': Berlins größte Sensation! AMMe La belle iäiie. de Thiers. In beiden Vorstellungen: i.liss Texas Hattie.— Los LueiroldS. Die beliebte jugendliche Schulreiterin Frl. D«ra 8ehan>ann. Clown'Adolf als Diung-Ling-Fec. Der Schüttenschclleu spielende Hund. Sämiiiche Spezialitäten, Clowns und Auguste sowie Dir. Albert Schumanns neuesle fflonstredrcsscren und: die reizende Spor'panfomime: Englischen Derby. Moni.: Gaia-Sport-VorsL Auteheiide. Riescnprogramm nnd der Tag des Englischen Derby. Komödie in 3 Litten mit den Autoren Anten nnd llenat Hsrrnfeld in den Hauptrollen. Vorverk. 11—2 Uhr.(Theaterkasse.) W. Noacks fliealer. Direttio»: Rod. Dill. Brnimenltr. tS. Sie Zlose von Avignon. Schauspiel in 5 Ausz. bon Charlotte Birch-Pseiffcr. Slnsang 8 Uhr. Eintritt 39 Ps. Nach der Vorstellung: Familienbaii. Montag: Letzte Vorslell. vor Weihn. Zum letztenmal: Die Rose vonAvignon. �zszzzzszzs Buggenhagen vor Weihnarhten. Zum Schluß: Unterm Weihnanhtsbaum. Schöneöerger Wintergarten Goitzsttaße 9. Täglich Theater- und Speziali« tätcnvorftellung. Sonntags 2 Vorstellungen. Nachmittags 4 Uhr zu halben Preisen. Jede erwachsene Person hat ein Kind frei.— Abends 7'/zllhr Große Gala« Vorstellung. Die Direktion. Geriii-praUle C 4 n o Q a«AO Chaussee--' StraBelOS. Arnold Scholz Rächt. Karl Richter. Jeden Sonntag und JUttwoch: ton®eir«:d,FäiiiilieD-|[räflzelieD unVön 5®na!rl Großer Ball. D°.?ner?tag- Militär- Konzert d. Garde-Küsiiier-Kapelle. Vorzugs- karten u. Passepariouis Mittwochs und Donnerstags gültig. 46792' Alhambra Wallner-THeaterstraße 15.• Großer Ball Jeden Sonntag: Großes Orchester. Ansang SonntagS 5 Uhr. X, üEaineitat. Ost-Kasino Frankfurter-Allee 106. Säle bis 299 Personen für Bereine, Versamniiungen und Hochzeiten zu vergeben. Zwei Sonnabende im Februar noch frei. 54652* Karl Plrnan. Qriginal[jarburger Jänger, Direktion: Karl Frlck und Franz Ka»rho- Kranse. ---' Vorzügl, Solls, , Duette u. •Ensembl. Frei noch die Soiin- ilJipnija». 10.» 24. Fe- OliCIIIIC bruar 1306 u. b. 24. März 1 998, sowie durch Tlifall Sonntag, den klllnl 1,26. Januar 1906, 4.— 11. und 18. Februar 1906. GesÄatee: Karl Frielc, Berlin SO. 16, Melchiorstr. 22. Telephon: Anit 4 Mo. 4807. I Sophien>Säle (Sophienstrafte 17—18.) SIm Montag, den 35. Dezember 1905(erster Weihnachtsfeiertag): Matinee M 5- Ken der Tertilardeiter Snchsen-Thiimgens veranstaltet vom treten?llttnn«-.i-cIioi- Berlin(Mitglied des Urb citer- S äng erbun d es), Chormcister: Serr 0No VtsIImann. unter gütiger Mitwirkung des humoristischen TrioS„Fidele Brüder". Saalerösinung vormittags 11 Uhr. Programm 30 Pfennig. JCännerchor Jeorpia 1879" M. d. A.-S.-B. Chormeister: Herr P. Weinrich. □ Montag, den 25. Dezember 1905(1. Feiertag): = KONZERT= im„Deutschen Hof", Luckauerstr. 15. Mitwirkende: Frau Pankenln-Aderhold(Alt). Herr Neubauer, kgl. Hof-Domsänger. Herr Gutdeutsch, Violine. X X X X FrL Mecklenburg, am Flügel. X X X X Hauchen verbeten. 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Anfang ll'/s i hr. _ Rege Beteiligung erwartet Programm an der Kasae. 241/17 Entrco SO Pf. Daa Komitee. □ □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□DD Turn-Verein|i«„Fichte" Berlin Montag, den 25. Dezember 1905(1. Weibnachtsfeiertag): Weihnachts-Vergnügen bestehend in Konzert, Turnen, bumoristischenYorträgen in den Gesamträumen der „Neuen Welt", Hasenheide 108-114. Anfang 5 Ehr. Billett 30 Pf. Von 6 Uhr an in den Nebensälen, nach Schluß der Vorstellung in allen Sälen = TANZ.— Herren, die daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. , Programm am Eingang gratis.- 299/16 Daa Komitee. □ □□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□□ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ n □ □ n □ □ □ Diese Konzerte sollen täglich stattfinden: um srcundl. Unter. stiitzung wird gebeten. rzabb »VOSS Iii- Oiga Jacobson lnvalii,sn- 'i slraße 145. tiesgbg. Hohl- iluiiiti sanger■ mit entzückend klangv. tlefgbg. Hohl- rollen, Hoblklingel, Knorre, Du-Flöte, anch bei Licht sing., a 8, 10, 12, 15, 20, 25 M. Berf. geg. Nachn. 6 Tage Probe. Gar. leb. Ank. Zu jcd. 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Weizenmehl 00 23« 70« 1.35 Weine »Ii r| ca. 2 PW. 5 Pfd. 10«d, IVieni Kaiserauszug 34« 85«. 1.65 Moselweine Rheinweine Bordeaux-Weina Südweine Ungarweine Obermoseler nasche 50« Moselblümchen 55«. Zeltinger 63«. Lieserer 85« Trabener 1.05 Valwigberger Auslese 1.25 Bei Weinen bezeichnet die Etiqaettierung nicht immer den genannten Ort des Wachstums, kennzeichnet vielmehr nur den Charakter der betreffenden Sorten.— Die Preise sind bei allen Weinen Inklusive Flasche. Kaffee Thee gebrannt Pfund QC Brutto uÜPf. 1.101.301.45 in Packeten ä Vi und Va Pfund Mischung I n m IV 1.50 1.80 2.20 2.80 3.40 KcikciO Deutscher Pfd. 90 Pf. 1«20 KcikclO Holland. Pfd. 1(75pf. 2.10 Cervelatwurst Salamiwurst Schinkenwurst Leberwurst ff Ffnnd 1.20 1.25 1.20 M e tt W U r st(Braunsehvelgex Art) Rotwurst I Kasseler Rippespeer 1.00 I Corned Beef Pfund 1.00 i 90 pt e 90 Pt Vi Dose 1 ,55 SPEZIALITÄT; Hall. Fleischwurst Hall. Leberwurst PftBÄ 1.00 Ee 1.10 Ananas Pfund 66 p, 1 Citronen Dutzend Amerik. Aepfel s 1,10 i Apfelsinen Dutzend 32 30,38,48 pf. pf. n den S©riinfag@ini gaSflmief ¥@iii 12 bis 8 Uhr9 bis 10 Ohr abemida / Nr. 295. 22. Ichrg««g. 6. Dcilggc i>cs JotiuHtti" ßttlintt Pollislilalt. Zovlltag, 17. Dtjmber 1995. SericKts-Leitung. Roheit. Welche Mrkungcn die Roheit, gegen den Kopf zu schlagen, manchmal hat, zeigte wieder einmal eine Verhandlung, die den Schlosiermeister Friedrich Hörtel gestern vor die 10. Straf- kainmer des Landgerichts I führte. Der Angeklagte lag am 4. Juli während der Mitiagspanse in seinem Kontor auf dem Sofa, als er durch den Lärm einiger Jungen gestört wurde. Der Lärm wurde dem ollen Herrn zu viel. Er unterbrach seine Mittagspause, lief hinaus und versetzte den beiden Störenfrieden ein paar Maulschellen. Als die Jungen noch ganz verdutzt dastanden und ihnen die Tränen über die Backen liefen, kam ihnen der Kutscher Zubeil zu Hülfe. Der junge Mann hatte die Austeilung der Maulschellen gesehen und hielt nun dem Meister eine recht laute Strafpredigt darübK, dast es unerhört sei.«inen Menschen gegen den Kopf zu schlagen und sich in solcher Weise gegen Kinder zu vergehen. Der Wortwechsel lockte immer mehr Neugierige herbei und als der Angeklagte, um weiterem Aerger zu entgehen, die Tür zu seinem Arbeitshofe hinter sich zumachte, rüttelte Zubeil fortgesetzt an der Tür und brachte dadurch den Angeklagten gewaltig in Harnisch. Er holte sich aus dem Kontor seinen Spazicrstock und forderte, mit diesem be- waffner, den Z. auf, sich ruhig zu verhalten und zu entfernen. Darüber kam es zu einem Handgemenge zwischen beiden, in dessen Verlauf der Angeklagte mit dem Stocke seinen Gegner zuerst gegen die Beine schlug und ihm dann einen Schlag über den Kopf versetzte. Zubeil fiel nach wenigen Schritten wie leblos zu Boden. Ein gerade vorüber- kommender Arzt nahm sich seiner an und beförderte ihn mittels Droschke nach dem Moabiter Krankenhause. Er hat dort 3 Wochen krank gelegen, da er eine G e h i rn- e r s ch ü t t e r u n g mit inncrem Blutergüsse davongetragen hatte. Nach seiner Entlassung aus dem Kranlenhause ist er noch vier Wochen lang arbeitsunfähig gewesen. Das Schöffengericht lies} seinerzeit die Behauptung deS Angeklagten, dah er sich in der Rot- wehr befunden, nicht gelten, verurteilte ihn vielmehr mit Rücksicht auf die ganzen Tattimstände zu einer Geldstrafe von 200 M. Die vom Angeklagten hiergegen eingelegte Berufung wurde verworfen. Reben der außerordentlich geringen Strafe sind natürlich die Kur- losten usw. zu zahlen. Landarbeitecfreuden. Der schweren Mssetat, als Land- vrbeiter, der auf dem Gute Wilkendorf in Oberbarnim Wohnung hatte, gegen die Befehle des Administrators grehse un- gehorsam gewesen zu sein, und zwar zweimal, war der Land- cirbeiter August Jahncke beschuldigt. Dem Frevler war am HO. September befohlen:„laden Sie ab." Darauf erwiderte er: „ich mutz erst frühstücken" und tat was sein Bedürfnis erheischte. Am 12. September ward ihm befohlen, er solle Häcksel futtern. Er erklärte: ich habe schon gefuttert. Der Administrator Frehs« er- widerte: dann futtern sie nochmals. Das lehnte der Landarbeiter «b. Darin lag Missetat Numero 2. Nunmehr stellte der Admini- strator Frehse Strafantrag auf Grund des Gesetzes vom 24. April 1Zö4. Die Polizei verhängte darauf gegen den„ungehorsamen" Landarbeiter 6 M. Geldstrafe(je 3 M. für jeden Frevel). Jahncke beantragte gerichtliche Entscheidung. Das Amtsgericht Strausberg hatte nun darüber zu befinden, ob die Stärkung in der Frühstückszeit vor getaner Arbeit und ob die Weigerung, ein Tier zu überfüttern, ein„strafbarer Ungehorsam" gegen einen die Majestät des Besitzers lKommerzienrats Carow) vertretenden Ad- miniftrator sei. Jahncke meinte: ach, das was ich getan, ist ja ganz in der Ordnung gewesen; das ganz« Verfahren wäre wohl auch nie eingeleitet, wenn ich bei der letzten Oberbarnimer Reichs- tagswahl nicht sozialdemokratisch gestimmt hätte. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld, be- antragte Einstellung des Verfahrens und Uebernahme auch der Auslagen des Angeklagten(Verteidigungskosten) auf die Staatskasse. Zur Begründung führte er an: Ter Strafantrag war zurzeit des Erlasses des polizeilichen Strafbefehls nicht mehr gültig. Herr Frehse hat erst Strafantrag gestellt, dann den Straf- antrag zurückgenommen und ihn dann wiederholt; ein zurück- genommener Strafantrag kann nicht nochmals gestellt werden. Die Amtsanwaltschafi und das Gericht schlotz sich den Ausführungen des Verteidiaers an, stellte das Verfahren ein und legte die Kosten, einschließlich der Auslagen des Angeklagten, der Staats- lasse auf. In wie unendlich vielen Fällen wird ein Landarbeiter auf Grund der Ausnahmegesetze gegen die ländlichen Arbeiter be. straft, weil er ohne Verteidigung bleibt. Wie rückständig ist ferner die Anschauung derer, die auf Grund der auf ein Hörigkeitsverhält- ins zugeschnittenen Ausnahmegesetz« gar noch Strafantrag stellen. Sollte das Hin und Her des Antrag-Stellens und-Zurücknehmens ein Zeichen für aufflackernde Erkenntnis dieser administratorischen Rückständigkeit sein? Roheit. Ein wenig erfreuliches Ehebild entrollte eine Ver- Handlung, die gestern vor der dritten Strafkammer de? Land- gerichts I stattfand. Wegen Körperverletzung mittels ge- fährlichen Werkzeuges war der Arbeiter K. angeklagt.— Der Kutscher L. ist seit mehreren Jahren verheiratet. Die Ehe war anfänglich eine sehr glückliche, bald aber kam es zu ernsten Zer- Würfnissen, da Frau L. jedem Vergnügen nachjagte, mit besonderer Vorliebe jedoch ins Theater ging. Diese Vergnügungssucht brachte eS mit sich, daß Frau L. sich ihrem Manne immer mehr entfremdete und ihre Neigung dem Angeklagten K. zuwandte, der als un- verheirateter Mann mehr Geld für Vergnügungen übrig hatte. Eines Tages im September d. I. erklärte Frau L. ihrem Manne, daß sie abends mit dem Angeklagten in das Palast-Theater ginge. Der Ehemann verbot ihr das, erhielt als Antwort jedoch nur ein höhnisches Lachen. Nach Schluß der Vorstellung Ivartete L. vor dem Theater auf sein« Frau, die sich in Begleitung des Angeklagten und eines zweiten Mannes befand. Als er seiner Frau Vorwürfe machte, wurde er von deren Begleitern mißhandelt. Wutentbrannt eilte er nach Hanse, um hier seiner„besseren" Hälfte einen ge- bührenden Empfang zuteil werden zu lassen. Mit einem 5wüttel in der Hand postierte er sich an der Wohnungstür auf. Als seine Frau nach mehreren Stunden, in denen sie mit dem Angeklagten ein« kleine Bierreise unternommen hatte, in der Wohnung eintraf, wollte L. seiner Frau seine eheherrlichcn Rechte mit dem Stock klar machen. Er kam indessen nicht dazu, denn diese hatte ihren Lieb- Haber mitgebracht, der nunmehr mit einem Messet auf L. losging und ihm drei Stiche in den Hals und die rechte Brustseite bei- brachte.— Vor Gericht beantragte der Staatsanwalt gegen den ge- ständigen Angeklagten neun Monate Gefängnis. Ter Gerichtshof ging jedoch in Anbetracht der von dem Angeklagten an den Tag gelegten Roheit erheblich über die beantragte Strafe hinaus und erkannte auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis. Die gestohlenen„Dackerl". Eine eigenartige Diebstahls- geschichte beschäftigte gestern die dritte Strafkammer des Landgerichts I. Angeklagt war die 31jährige Wirtschafterin Pauline W. In einer Laube, die sich auf dem Laubenterrain zwischen der Barbarossa- und Martin Lutherstratze in Schönebcrg befindet, hatte sich ein Kaufmann Lorenz eine kleine Hundehütte eingerichtet, in der„Lotte", ein« bereits prämiierte Teckelhiindin, mit rührender Sorgfalt um die in diesem Falle besonders krummbeinig gewünschten Sprößlinge bemüht war. Herr L., der ein eifriger Nimrod ist, hatte mit den beiden jungen„Dackerl" recht hochfliegende Pläne, denn er wollte sie zu erstklassigen Rassehunden heranziehen. Um so größer war sein Schmerz, als eines Tages die Laube erbrochen und„Waldmann" und„Männe" verschwunden waren. Alle Nach- forschungen nach dem Diebe waren erfolglos. Der Schmerz über den schweren Verlust hatte sich noch nicht gelegt, als eines Tages die Angeklagte, mit der L. seinerzeit verlobt war oder, wie er behauptet, nur ein„Verhältnis" hatte, einen der Teckel wiederbrachte und erzählte, sie habe ihn mehreren halbwüchsigen Jungen abgenommen, die am Kottbnser Damm mit dem Tier gespielt hätten. Bald darauf kgm es zwischen L. und der Angeklagten zu Auseinandersetzungen, die mit der Auflösung des Verhältnisses endigten. Herr L. ermittelte kurze Zeit darauf, daß sich der zweite Teckel bei einem Bruder der Angeschuldigten befinde. Die Folge war eine Anzeige und eine Anklage wegen schweren Diebstahls. Vor Gericht behauptete die Angeklagte, sie habe ihrem damaligen Bräutigam eine besondere Ueberraschuna dadurch bereiten wollen, daß sie den besonder? schlecht entwickelten Teckel ihrem Bruder zur weiteren Aufzucht übersandt habe. Der von ihr nach dieser Richtung angetretene Beweis ergab die Richtigkeit dieser Angabe. Die Angeklagte wurde deshalb freigesprochen. Deutscher Slrbeiter-Abstincnten-Bund. Ortsgruppe Berlin. Montag, den 18. Dezember, abends 1IJ) Uhr, bei Lehmann, Bülowstr. 59: Bezirksptzung Tag Sordnimg: 1. Rcscrat des Kenossen O. Berg:„Wissen ist Macht". 2. Diskussion und Verschiedene». Gäste willkommen. Lese-«nd Diskutierklub„Moabit". Montag, den t8. Dezember, bei Bachstein, Saizwedelerstr. 16: Vortrag ilber„Die Vcrhällniss» der Ham- burger Metallarbeiter". Neserent: Genosse Kampiert. SinKer Nähmaschinen. Einfache Handhabung! 44422» Grofte Haltbarkeit! Hohe«rbeitSleiftnng! WeltauMtellang rifan/l Dt-iv Weltausstellung Pari*!900: VjranCl rTIX s,. Louig jgo� Unentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunststickerei. Elektromotore für Räftmaschinenbetrieb. Singer Co. Mähmaschinen Hct. Ges. Berlin V*., Leipzlgerstr. 92. Filialen In allen Siadtleilen. 6. Stark,! .13. Seidenhüte x Mechauikhüte Filzhüte x Mützen x Schirme in allen Preislagen vorrätig. Vorzeiger dieses Snserats erhält 5 Proz. 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Wir verlangen Beseitigung des gesamten Vorschul- Wesens und die Einführung einer allgemeinen Volksschule, auf der sich die höheren Bildungsstiifcn aufzubauen haben. Heute sind nur die Kinder der begüterten Klassen in der Lage, sich die nötige Bildung aneignen zu können, und das geschieht vielfach noch in der Weise, dast für die höheren Schulen von Staats und Gemeinde wegen erheblich höhere Mittel verwendet werden als für die Volks- schulen. Tegel. Den Mitgliedern des sozialdemokratischen Wahlvereins zur Nach- richt, dast die Beerdigung des verstorbenen Genossen Friedrich Meier heute Sonntag nicht stattfindet. Der Vorstand. Pankow. In einer auherordentlichen Sitzung beschloß die Gemeinde- Vertretung nach monatelangen Vorverhandlungen, das sogenannte „Pfulhaus" und das Langesche Grundstück anzukaufen. Beide Grundstücke, welche den Marktplatz flankieren, liegen mitten im Stratzcnzugc und bilden einen gefährlichen Engpatz, welcher nun- mehr beseitigt wird. Der Kaufpreis für beide Grundstücke beträgt 260 000 M., wozu die angrenzenden Grundbesitzer aus eigenem l spekulativem) Interesse zirka 20 000 M. aufgebracht haben. An- schließend an das Langesche Grundstück liegt die in letzter Zeit „rühmlichst" bekannt gewordene alte Schule, welche vom Pankower Schularzt mit Recht als zu Unterrichtszwecken nicht brauchbar erachtet wurde. Eine von der Regierung bestimmte Kommission, welche auf Grund eines im„Vorwärts" erschienenen Artikels über „Schulelend in den Vororten Berlins" die Schulräumc unter- suchte, kam zu dem Ergebnis, daß die Schule allen Anforderungen entspräche; der Schularzt Dr. Schäfer gab klein bei und erklärte der Untersuchungskommission gegenüber, er habe sein Gutachten nicht so gemeint, wie es ausgelegt worden sei. Daraufhin erklärten bürgerliche Vertreter durch den Mund des Professor Mendel, daß unsere Genossen durch ihre Nörgelei die Pankower Schulverhältnisse ohne Grund schlecht gemacht und die Gemeinde blamiert hätten. Um nun den Ankauf der obengenannten Grundstücke schmack- Haft zu machen, sprachen sich dieselben bürgerlichen Vertreter, welche bor acht Tagen dem Professor Mendel Beifall spendeten. dahin aus, daß die Schule unter allen Umständen falle» müßte, nur einem besonderen Glücksumstand sei es zu verdanken ,daß durch den starken Verkehr und die enge Straße noch kein Unglück ge- fchehcn sei, außerdem sei die Schule nichMtcn heutige» Verhältnissen angepaßt. Es wird nunmehr auch die Schule fallen, was wir nur im Interesse der die Schule besuchenden Kinder mit Freuden be- grüsten. Mit dem Fallen der alten Baulichkeiten und der Freilegung der Kirche wird ein prächtiger Platz und zugleich eine Promenaden- straße geschaffen, wie sie wohl kein anderer nördlicher Vorort auf- zuweisen hat. Eine zirka 4 Kilometer lange asphaltierte Straße wird vom Gesundbrunnen ab die Prinzen-, Wollank-, Breite- und Dammerowstraße bis Pankow durchqueren bis zur Haltestelle Pankow-Heinersdorf. Weder- Schönhausen. Ein Rathaus soll unsere Gemeinde erhalten. Eine vorberatende Kommission hat vorgeschlagen, eine öffentliche Ausschreibung zu veranstalten, um ein geeignetes Grundstück zu erlangen. Das Grundstück soll 270 Ouadratrnteil groß sein und mindestens 50 Meter Front haben. Der Bau selbst ist alö einfaches Dienstgebäude gedacht, das durch spätere Ausbauten vergrößert werden kann. Die jetzigen Amtsbureaus sind in MietSräumen untergebracht. Die Vergröstening des Ortes bedingt die Erbauung eines eigenen Dieiistgebäudes. Auf dem von der Gemeinde angekauften Schulgrundstück hat noch ein Pächter einen langjährigen Kontrakt, es wird beschlossen, den- selben mit 2900 M. abzufinden. Durch die Neuregelung der Linden- straße, deren Kosten auf 16 000 M. veranschlagt werden, hat die Gemeinde gerade nicht den Befähigungsnachweis für Aufstellung eines rechnerisch zuverlässigen Vorschlages erbracht, denn die Her- stellung kostet 55 000 M.. also das Dreieinhalbfache der veranschlagte» Summe. Die Ausgabe soll durch eine größere Anleihe gedeckt werden. Weihensee. Die im Frühjahr stattfindenden Gcmeindcvertretcrwahlen intcr- essieren schon ganz austergewöhnlich sämtliche bisher Beteiligten. Die Parteigenossen habe» bereits ein Wahlkomitee zur Vorbereitung der Wahle» gewählt, die Haus- und Grundbesitzer sind sich noch nicht schlüssig, ob sie gemeinsame Sache mache» wollen. Nur die Gewerbetreibende» haben eine Kommission gewählt, welche mit den einzelnen Vereinen Verbindimg suchen soll: in Frage kommen kann nur der Hausbesitzer- oder Grundbesitzerverein. Die Herren scheinen gar nicht zu merken, wie sehr sie sich widerspreche». Kaum haben sie diesen Beschluß gefaßt, fordern sie das kaufende Publikum auf, ihre Weihnachtscinkäufe im Ort zu besorgen. Das kausende Publikum am Orte besteht aber in der Hauptsache aus Arbeitern und man könnte mindestens erwarten, daß die Gewerbetreibenden der Arbeiter- schaft auch bei Wahlen nicht in den Rücken fallen, wenigstens nicht Parteien unterstützen, welche die Gewerbetreibenden nur benach- tciligen. Auch der Kampfgenossen- und Waffengefährten-Verein macht schon mobil zur Wahl und fordert alle ehemaligen Soldaten auf, diesem Verein beizutreten, um so geschlossen gegen die Sozialdemo- kratie vorzugehen. Ein Unparteiischer dieser Garde läßt in einem hiesigen Blatte seine Unkenrufe ertönen und schließt mit den Worten: »Will man etwas erreichen, so muß man auch den Mut haben, Farbe zu bekennen." Das meinen wir auch. e �riedrichsfelde. Die Mitglieder der evangelischen Landeskirche werden in den nächsten Jahren mehr wie bisher für ihre Frömmigkeit büßen resp. zahlen inüssen. Die Kolonie Karlshorst will selbständig werden, wenigstens in kirchlicher Hinsicht. Wir hatten seinerzeit berichtet, welch' heftiger Äanipf um die Kirchenvertretiing zwischen Friedrichs- selbe und der Kolonie KarlShorst tobte. Die Arbeiter hatten an diesem>Ltreit keinerlei Interesse, der schließlich damit endete, daß die Karlshorster den Sieg errangen und somit auch die Mehrheit in der Kirchenvertretiing. Diese Mehrheit nutzte nun ihre Macht aus, um die kirchlichen Interessen in Karlshorst zu verbessern. I» letzter Zeit ist nun beschlossen worden. der zu errichtenden Kircheiigcincwidc KarlShorst den dortigen Kirchhof nebst Leichenhalle schnldenfiei zu überlassen, außerdem die Suminc von 40 000 M. bar als Grnndstock zu überweisen. Sollte dieser Beschluß von der Aussichtsbehörde sanklioniert iverden, so wird wohl 1 die Kirchensteuer erhöht werden: bisher wurden aber schon 16 Proz. der Einkommeiisteucr erhoben. Wer nicht zahlen will, muß eben rechtzeitig der„teuren" Kirche den Rücken kehren.— Das vorläufige Resultat der Volkszählung ergab für Fricdrichsfelde mit Karlshorst 14072 Seelen gegen 9600 im Jahre 1900. Zunahme also 4072 Seelen. Die Zunahme ist mindestens mit 90 Proz. der Kolonie Karlshorst zuzuschreiben, denn dort ist eine rege Bautätigkeit entfaltet worden. Nach Fertigstellung der Kanalisation wird auch im alten Ortsteil die Bautätigkeit rege ein- setzen. Der Schaaffhausener Bankverein hat von Rittergutsbesitzer v. Tresckow ein Terrain für l'/z Millionen erworben(zwischen Berlinerstraße und Ostbahn), der Bebauungsplan liegt schon vor. Bis zur nächsten Volkszählung wird sich, was bald mit Gewißheit zu be- Haupte» ist, die Einwohnerzahl verdoppeln. Tempelhof. Die Berliner Rettungsgescllschaft schreibt uns: In der Bei- läge Ihres Organs für Vororte Nr. 292 vom 14. d. Mts. findet sich eine Notiz aus der Tempelhofer Gemeindevertretung, nach welcher die Rettungsgesellschast für Krankentransporte der Tempel- hofer Gemeinde angeblich höhere Preise berechnet als die Privat- Unternehmer.— Wir bitten, dies dahin richtig zu stellen, daß unsererseits überhaupt Transporte nicht berechnet werden, und in solchen Fällen, wo Zahlung durch die Transport-Unternehmer nicht zu erlangen ist, unsererseits stets nur die wirklich an die Transport- Unternehmer von uns gezahlten Beträge eingezogen werden. In keinem Falle hat die Rettungsgcsellschaft an einem Kranken- transport irgend Welchen Nutzen. Sie muh im Gegenteil für alle Ausfälle bei von ihr bestellten Wagen, für welche Zahlung nicht zu er- reichen ist, ihrerseits Ersatz leisten. tkrUuer)Vacbncbten. Zur Bewältigung des Weihimchts- und Neujahrs-BerkehrS wird die kgl. Eiseiibahndirektion S t e t t in eine große Zahl von Personen- und Schnellzügen auf ihren Strecken verkehren lassen. Wir heben imr die folgenden hervor: Ein Vorzug zum Schnellzug 19, ab Berlin Stettiner Bahnhof 3.95 nachm., am 22. 23. und 24. d. M. bis Belgard, ebenso ein Vorzug 597 um 4.18 nachm., am 23. d. M. außerdem noch ein Vorzug 591, ab 11.24 abends. Am 22., 23., 24. und 23. d. M. und am 2. Januar k. I. gehen Vorzüge bis Belgard um 11.29 abends. Nach Stargard werden Vorzüge am 24. und 20. Dezember, vorm. 5.54, am 22. bis 25. d. M., vorm. 10.45 abgelassen, nach P as e w a l k am 23. bis 25., vorm. 8.34, am 23. und 24. um 6.05 abends, nach Z ü s s o w am 22. bis 24. um 2.20 nachm., nach Neu-Strelitz am 22. bis 25., 27. De- zember und 1. bis 3. Januar 10.36 vorn,., am 21., 22., 24. und 30. d. M. 3.28 nachm., am 23. außerdem um 3.33 nachm., sämtlich vom hiesigen Stettiner Bahnhof. Auch nach Ebers Walde, Wriezen, Gransee und Fürstenberg gehen in den Tagen des Weihnachtsverkehrs Vorzüge, die sich in demselben Fahrplan bewegen, wie die zugehörigen Hauptzüge. Noch reichhaltiger ist der Weihnachts-Fahrplan der königlichen Eisenbahndirektion Posen, welche u. a. verkehren läßt, ab C h a r« lottenburg: Vorzug 3, vom 18. Dezember bis 3. Januar 7.58 vorm. bis Kaudrzin(Kattowitz), Vorzug 5, vom 19. De- zember bis 4. Januar, 4.17 nachm. bis Breslau(Kattowitz), Vor- zug 9, vom 22 bis 24. Dezember. 12.36 nachm. bis Kattowitz; ferner ab SchlesischerBahnhof: am 23. und 24. Dezember. 7.18 vorm. bis B r e s l a u, am 21., 22. und 25. Dezember 19.35 vorm., sowie am 23. und 24. um 10.35 von», bis L i e g u i tz; am 23. und 24. Dezember, 3.13 nachm. bis S a g a u(Breslau), und am 24. Dezember, 9.16 abends bis Breslau(Brieg). Der fahrplan- mäßige Zug 1 wird vom 20. bis 27. Dezember abends mit Wagen für Kattowitz und den Klirswagen Berit n-Herby und Berlin-Vudapest abgelassen: die Wagen für Oderberg und der Kurswagen Berlin-Wien laufen an diesen Tagen in einem Nachzug 1. An den Tage», an welchen die Vor züge 3, 5 und 8 (letzterer ab Breslau 18. Dezember bis 3. Jammr 8.59 abends bis Charlottenburg) abgelassen und nach bezw. von Kattowitz durchgeführt iverden, kommen die sonst in den Haupt ziigen 3, 5 und 8 laufen- den Kurswagen nach und von Kattowitz in Fortfall. Kriegsgefangene Japaner, die bisher in Rußland interniert gewesen waren und jetzt wieder nach ihrer Heimat befördert werden sollten, passierten gestern in geschlossenem Eisenbahntransport Berlin. Sie kamen in drei Zügen über Wirballen-Kvnigsberg-Küstrin, hatten alsdann hier in Berlin aiff dem Moabiter Güterbahnhof, gegenüber dem Bahnhof Puttlitz- straße, einen etwa einstündigeii Aufenthalt und fuhren von hier aus nach Hamburg, wo ihrer bereits zwei Dampfer zum Weiter- transport nach dem fernen Osten harrten. Der erste Zug langte bereits kurz nach 7 Uhr morgens hier air; es war ein Lazarettzug mit Krüppeln, Kranken und Verwundeten, im ganzen etwa 290 Personen. Acht Schwerkranke blieben davon hier; sie sollten in der Lungenheilstätte Grabowsee Aufnahme finden. Der zweite und dritte Zug mit je 774 Personen kamen gegen 10 resp. 12 Uhr. Besonders behaglich schien es den Kriegern des Mikado bei dem un- freundlichen Wetter auch nicht zu Mute zu sein. In ihre Mäntel gehüllt sahen die ineisten ziemlich mißvergnügt aus den Eisenbahn- wogen in die eintönige graue Landschaft; nur wenige winkten hin und wieder mit Taschentüchern einen freundlichen Gruß den Passan- ten zu. Von Berlin haben die Leute herzlich wenig zu sehen be- kommen, da sie den abgelegenen Bahnhof nicht verlassen durften. Auffallend war der so wenig militärische Empfang der Japaner in Berlin. Nichts von wehenden Helmbüschen und präsentierenden Ehrcnkompagnien, wie man es hier sonst bei jedweder Gelegenheit gewohnt ist Nur zur Begrüßung des Lazarettzuges waren außer der Noten Kreuz-Kolonne mit ihren Liebesgaben und der japanischen Gesandtschast einige Hofschranzcn erschienen, die von Lakaien Schoko- lade und Zigaretten verteilen ließen. Für die Mannschaften des letzten Zuges war auf einem freien Platze neben dem Bahnhof echt komimßmäßig zum Mittagsmahl„serviert". Naß geregnete Bänke, Liebesgabenkarren und ein Haufen der obkigaien inilitäri» scheu„Frcßtöppe" aus irgend einer Kaserne deuteten schon von weitem darauf hin, daß hier eine Art Biwaks-Füttcrung abgehalten werden sollte. Ob's den kleine» Japanern geschmeckt bat läßt sich mit Bestimmtheit nickst sagen. Es schien aber, als hatten sie gegen- wärtig auch„mehr Hunger als Vaterlandsliebe". Wenn sie nach wochciilangcr Seefahrt glücklich ihr Heimatland erreicht haben werden, dürft? auch mancher von ihnen stille Betrachtungen darüber anstellen, für was und für wen eigentlich die Völker auf dem Tchlackstfelde oder in der Gefangenschaft bluten und leiden müssen Ja für wen?! Tie fleißigsten Briesschreiter in den Bororten. Die fleißigsten Vriefschrdber von allen Berliner Vororten wohnen in Schöneberg. ?>ort wurden im Jahre 1904 über 18 Millionen Briefe, Postkarten, Drucksachen» Geschöftspapiere und Warenproben aufgegeben. Das ungefähr doppelt so große Charlottenburg gab nur 21 Millionen Stück auf. Die zweitgrößte Auflieferung von den größeren Vor- orten hat Friedenau mit über 6 Millionen Stück. Es folgen Rix- darf mit 5,9, Steglitz 4,8, Groß-Lichterfelde 3,5. Wilmersdorf 2.5, Pankow 1,8, Wcißensee 1,6. Charlottenburg erhält dagegen fast ebenso viel Vriefsendungcn als die Mehrzahl dieser Vororte zu- sammen, nämlich 26,2 Millionen, während Schöncberg und Rixdorf deren nur 3, Friedenau 5,5, Groß-Lichterfelde und Steglitz je 4, Wlilmersdorf 3,3, Weißensee und Pankow etwas über 2 Millionen Bncfsenhmgcn erhielten. Durch Postanweisungen empfing Char- lottenburg über 39, Schöneberg 11, Nixdorf und Friedenau 7, Groß-Lichterfelde 6%, Wilmersdorf 5%, Steglitz 5, Weißensee fast 4, Lankow fast 3 Millionen Mark. Die Aufgab« von Postanweisungen ist fast überall etwas geringer. Nur Nixdorf schickt etwa Millionen mehr weg als es empfängt. Der Paketversand ist nirgends von besonderem Umfang. Er beträgt in Tausenden in Charlotten- bürg 450, Schöneberg 213, Friedenau 130 usw. Dagegen erhält Charlottenburg 600 000, Groß-Lichterfelde 200 000» Pakete usw. An Zeitungsnummern setzte Charlottenburg fast% Million, Groß- Lichterfelde Vi Million ab. Sonst erreicht diese Zahl nirgends sechs Stellen. Ferngespräche wurden in Charlottcnburg 12 Millionen, in Wilmersdorf 6?4, in Rixdorf fast 3, in Groß-Lichterfelde 21/j, sonst 1—2 Millionen geführt. Die Einnahmen der Post sind am beträchtlichsten in Charlottenburg mit fast 2 Millionen. Selbst Schöncberg hat noch nicht 700 000 M. Einnahmen. Es folgt Rix- dorf mit 424 000, Steglitz mit 371 000, Groß-Lichterfelde mit 366 000, Friedenau mit 343 000, Wcitzensce 192 000, Pankow mit 176 00V M. Einem Teile der heutigen Nummer der„Neuen Welt" liegt «in Prospekt der Buchhandlung Vorwärts, betreffend die im Vcr- läge derselben erscheinende Unterhaltungsschrift„In Freien Stunde n" bei. Wir machen hiermit unsere Leser besonders darauf aufmcrksani. Zugleich erinnern wir an das reichhaltige Lager der Buchhandlung in Bilderbüchern, Märchen- und Jugend- schriften, das wir allen Interessenten bei Deckung des WeihnachtS- bedarfs nochmals empfehlen. Die(tzniiiduilg ciiics Arbeitcr-Athletendundes wurde in einer am �onntag staltgefundenen Bersainmlung in die Wege geleitet. Der Redakteur Ströbel, der in der Versammlung referierte, wandte sich zunächst ironisch gegen einige Glossen, welche die bürgerliche Presse an die Einladung zu dieier Versammlung geknüpft habe. Des näheren legte der Redner klar, daß durch die kapitalistische Ausbeutung die Arbeiterklasse inehr und mehr körperlich degeneriere, so daß auch die Pflege des körperlichen Sports eine Notwendigkeit sei. Schon im klassische» Altertum, besonders bei den Griechen, fei der körperliche Sport, namentlich auch der Ring- kämpf in hohem Ansehen gewesen, große GeisteSherocn waren eifrige Anhänger desselben. Freilich sei jener Ringsport etwas anderes ge- Wesen als heute, wo er auf der Bühne erscheine und als Geschäft betrachtet werde, wie alles, was der kapitalistischen Klasse als aus- beutungsfähig erscheine. Er schloß nnl der Mahnung, die Athleten Berlins mögen in vernünftiger Weise ihren Sport betreiben und soweit sie der proletarischen Bewegung angehören mögen, sie den Sängern und Radfahrern folgen und auch aui dem Gebiete des Sport ihre eigenen Wege gehen. Ein Proletarier habe in den patriotischen und sonstigen Klimbim treibenden Verbänden nichts zu suchen, er gehöre zu seinen Klassengenossen und habe diesen zu dienen. Reicher Beifall lohnte den Redner. In der Dis- kussio» sprachen sich alle Redner für Gründung eines eigenen Verbandes aus. Die Abstimmung ergab die Zu- stimntting der 14 anwesenden Vereine. Es wurde be- Ichlosien, eine Kommission zu ernennen und ans jedem der anwesenden Vereine je zwei Mitglieder zu delegieren. Die Kominission hält heute Sonntag vormittag 10 Uhr, im Lokal von Lilfin, Mcmelerstr. 67, ihre Sitzung ab. Vereine, welche nicht in der Versammlung vertreten waren, können durch Delegierte an der- selben teilnehmen und sind hierdurch freundlichst eingeladen. . In Sachen der Ermordung deS KcllncrS August Giernoth haben die fortgesetzten Ermittelungen noch keinen sicheren Anhalt über die Persönlichkeit des mutmaßlichen Täters ergeben, wenn- gleich verschiedene der Kriminalpolizei zugegangenen Mitteilungen deil Verdacht der Täterschaft nach einer bestimmten Richtung hin- gelenkt haben. Die ursprüngliche Annahme, daß der Mörder ein gewerbsmäßiger Äautionsschwindler sei, hat nach der Durchficht des Acrbrecher-Albums keine Bestätigung gefunden. Der Verbrecher dürfte ein Mann sein, welcher einen Mordversuch schon längst ge- plant hat. Tarauf deutet wenigstens«ine der Polizei zugegangene Anzeige, nach welcher vor etwa 14 Tagen ein Mann, der sich als Stellenvermittler bezeichnete, einen Stellensuchenden, den er zur Mitnahme einer zu stellenden Kaution veranlassen wollte, ebenfalls zu verschleppen suchte. Der Plan scheiterte damals, weil der Bc- treffende das Geld für die Kantion erst nach erfolgtem Engagement aufbringen konnte.— Der Mörder hatte bekanntlich angegeben, daß er ein Tamcnrestaurant in der Andreasstrahe 70 kaufen wollte. andererseits behauptet er, daß er ein Inspektor Sieimann aus Potsdam sei. Diesen beiden Punkten hatte die hiesige sowie die Potsdamer Kriminalpolizei besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Es hat sich herausgestellt, daß lvcder in der Andreasstrahe 70 ein Tamenrestaurant noch ein Potsdamer Inspektor Reimann existiert, so daß ancki aus diesen Adressenangaben kein Anhalt über den mut- matzlichen Mörder zu gewinnen war. Ueber die Blivwagen, die jetzt von der Chausseestraße bis zum Holleschen Tor verkehren, war dieser Tage gemeldet.daß einer derselben seine Tätigkeit eingestellt habe und mit Pferden nach dem Depot gebracht werden mußte. So störrisch soll das Auto denn doch nicht gewesen sein, es hat seinen Weg allein gefunden; jetzt ist das- selbe wieder in voller Tätigkeit. Mit polizeilicher Auflösung und gewaltsamer Räumung des Saales endete die vorgestrige Piickler-Versammlung im Restaurant „Sanssouci". Graf Pückler hatte nur eine halbe Stunde lang sprechen können. In seiner Rede machte er sich den Ulk, seiner gläubigen Zuhörerschaft alle möglichen Bären aufzubinden. So versicherte er mit ernsthafter Miene, er habe erfahren, daß General- direktor Ballin von der Hamburg-Amerika-Linie die Rofa Luxem- bürg heiraten und bei Hofe einführen wolle. Die Aufforderung des gräflichen Redners, endlich von Worten zu Taten überzugehen und den Juden recht kräftig„JnvalidenversicherungSinarken in die Visage zu kleben", veranlagte den überwachenden Polizeilentnant zur Auflösung der Versammlung. Erst einem größeren Schutz. inannsausgebot, das den Saal besetzte, gelang es, die Menge hinauszudrängen. Zu dem Lcichenfunde in Marienfelde wird gemeldet, daß die Tote mit der 3Ljährigen unverehelichten Näherin Clara Schudy aus der Chorinerstr. 22 identisch sein dürste. Ihre Schwester be- gab sich gestern nachmittag nach der Friedhofhalle zu Mariendorf und rekognoszierte die Tote im wesentlicken an den rnxfgefundcnen Kleidungsstücken. Sie gab auch an, daß die infolge des Todes ihres Bräutigams wahnsinnig gewordene Schwester sich öfters statt eines Heindes mehrfacher Handtücher bedient habe. So erklärt sich das Fehlen des Hemdes bei der Auffindung der Kleidungsstücke. Clara Schudy hat sich offenbar entkleidet und bei dem Einfahrtssignal in Maricndorf vor den Zug geworfen. Der Rumpf wurde mit- geschleift bis Marienfelde, wo er liegen blieb. Schon früher hatte sie in der Jungfernheide einen Selbstmordversuch verübt. Eine andere Meldung besagt: Die Nachforschungen richten sich augenblicklich unter anderem auf den Verbleib eines 16 Jahre alten Dienstmädchens Johanna Schimming aus Friedeberg N.-M., das im Vorort Wilhelmsruh in Stellung war und deren Bräuti- gam in Schöneberg lebt. Diesen wollte es ain Sonntag besuchen. Nach Wilhelmsruh ist es nicht wieder zurückgekehrt. Ein Zwillingswagen des ZugeS 10 Uhr 8 Min. wird dem Gerichts- chemiker Dr. Jeserich zur Untersuchung übeAviesen. Es ist das der Wagen zweiter und dritter Klasse, in dem man auf einer Bank in einem Abteil dritter Klasse Blutspuren fand. Ter Gerichts- chemiker soll feststellen, ob es sich um Menschenblut handelt. Zu be- merken ist, daß die Züge auf jener Strecke jetzt viel von Jägern benutzt werden, die ihre Beute wohl auch auf die Bänke legen. Der ausgerissene rechte Arm ist immer noch nicht gesunden. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß er in den Aschenkasten der Loko- motive gefallen und in der glühenden Asche verkohlt ist. Großmutter und Enkel verunglückt. Ein bedauernswerter Unglücksfall hat sich gestern in der Danzigerstr. 90 zugetragen. Die 63jährige Wiiwe W., welche bei ihrer verheirateten Tochter in dem erwähnten Hause wohnt, war nachmittags mit ihrem drei Jahre alten Enkelchen einkaufen gegangen. Auf der Treppe glitt die Greisin aus und stürzte mitsamt dem Kinde die Treppe hinunter. Sie erlitt einen schweren Oberschenkelbruch, während der Kleine mit äußeren Verletzungen t«vonkam. Frau W. mußte in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht werden. Um in den Tod zu gehen hat sich der Billardstopfer und Milch- Händler W. aus der Tilsiterstraße von seinen Angehörigen entfernt. Ter Lebensmüde scheint seinen unseligen Plan auch schön zur Aus- fiihrung gebracht zu haben, denn gestern Nachmittag wurden in einem Kahne ans dem Tegeler See die Bekleidungsstücke samt den Papieren und dem Notizbuch des Verschwundenen aufgefunden. Es ist jedenfalls anzunehmen, daß sich W. in dem Tegeler See er- tränkt hat. Ausgesetztes Kind. In der Nacht zum 14. d. M. wurde in der Zicgelstraße vor dem Hause Nummer 3 ein erst wenige Tage altes Kind weiblichen Geschlechts auf dem Bürgerstcige liegend auf- gefunden und dem Waisenhause überwiesen.— Das Kind war in eine graue Decke gehüllt, lag auf einem rotkarrierten Kopfkissen, welches wiederum in ein schwarzes mit gelben Streifen versehenes Tuch gewickelt war.— Die Recherchen nach der Mutter des 5tindcs waren bis jetzt erfolglos.— Zweckdienliche Mitteilungen zur Er- Mittelung der Mutter werden mündlich oder schriftlich zu 9267 I V/41. 05 bei der Kriminalpolizei oder jedem Polizeirevier ent- gegengenommen. Vermißt. Seit dem 21. November 1905 wird die unverehe- lichte Elise Lutz, am 17. November 1387 in Berlin geboren, vermißt. Beschreibung: 1,55 Nieter groß, Haare hellblond, Augen blau, Ohren groß, Zähne etwas schadhast-anaestockt, Gestalt schlank. Bei ihrem Fortgange war dieselbe bekleidet mit schwarzem Hut mit blauen Blumen, schwarzem Rock und Bluse mit grünem Samt garniert, schwarzen Strümpfen und. schwarzen Schnürstiefeln. Die Wäsche ist Ei gezeichnet Personen, welche über den zeitigen Aufent. halt oder Verbleib der Genannten Angaben machen können, werden gebeten, dieS der Kriminalpolizei, Zimmer 326 II oder einem Polizeirevier zu I. Nr. 3234. IV. 25. 65, anzuzeigen. DaS ganze Krankengeld verloren hat am Donnerstag ein Mädchen auf dem Wege vom Warenhaus Leiser, Wienerstraße bis Lausitzcrplatz. Das Mädchen hatte für einen Bekannten, der das Krankengeld nicht selbst abholen konnte, diesen Betrag erhoben, muß aber da? Portemonnaie, das von roter Farbe war und das Geld — 10 M. und einige Pfennige— enthielt, neben die Tasche ge- steckt haben. Sollte etwa jemand aus unserem Leserkreise dasselbe gefunden haben, so wird er gegen eine Belohnung um Rückgabe ge- beten und zwar an die Parteispedition, Lausitzerplatz 14/15 oder W. Jöchel, Köpenickerstr. 190. Seitenflügel 2. Aufgang 3 Treppen. Die Neue Freie Volksbühne veranstaltet am Sonntag, den 17. Dezember, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, einen Kinder. nachmittag für die Kinder der Bereinsmitglieder. Arrangiert ist das Fest von Hans Ostwald und Egon Hugo Straßburger; ihre Mitwirkung haben zugesagt die Damen Elise Fröhlich, Anna Plothow, Martha Altenberg, Fräulein llngrnid, Sascha Sant und die Herren Viktor Blüthgen und F. H. Straßburger. Im Zirkus Busch sind für Sonntag nachmittag als Glanz- nummern neben der Pantomime„Mexiko" das Auftreten der indi- scheu Zauberer und die ungemein drastischen Künste des Pferde- bändigers Prof. Norton B. Smith zu erwähnen. Für Kinder gelten nachmittags halbe Eintrittspreis«. Am Abend bildet„Indien", ein farbenreiches Manegenstück, den Höhepunkt des Gebotenen. Sehr interessant werden sich auch hier die Zähmungen unbändiger Pferde gestalten, für die Prof. Smith bei seinem ersten Auftreten am Freitag ungeteilte Anerkennung erntete. Mends: Kabale und Liebe. Sonntagnachmiitag 4 Uhr: Klein DäumIInz. Abends: Geschlossen. Monlagnachmitlag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Die lebende Brücke aus Kuba. Theater des Westens. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Zauberflöte. Abends: Der Overnball. Montag: Die Hugenotten. Dienstag: Der Zigeuncrbaron. Mitlwoch: Wiener Blut. Mittivoch- und Sonnabend- nachmittag 3 Uhr: Schlaraffenland. Donnerstagnachmittag 3 Uhr: Torquato Tasso. Abends: Undine. Freitag �ind Sonnabend 3 Uhr: Die Schüljenliksel. Sonnlagnachiniitag 2 Uhr: Schlaraffenland. Abends: Ge- schlössen. Monlagnachmitlag 3 Uhr: Undine. Abends: Die Schützenliesel. Zentral- Theater. Sonntagnachmiitag 3 Uhr: Der Bellclstudent. Abends: Musette. Montagnachmittag 3 Uhr: Chrlstrosels Webnachtslraum. Dienstag Der Zigeunerbaron. Mittivoch-, Donnerstag-, Freitag- und Sonnabendnachmillag 4 Uhr: Schneeweißchen und Rosenrot. Freitagabend: Die Geisha. Soiuitagnachmiliag 3 Uhr: Die Geisha. Abends: Ge- schloffen. Montagnachmitlag 3 Uhr: Die Fledermaus. Abends: Musette. Thalia-Theater. Allabendlich: Bis srüh um Fünse. Sonntagnach- mittag: Charleys Tante. Miltivoch achmittag 4 Uhr: Frau Holle. Sonn- abendnachmlitag 4 Uhr: Hänscl und Grctel. Sonntag: Geschlossen. Montagnachmittag 3 Uhr: Der Hochtoursst. Belle- Alliance- Theater. Sonntag und allabendlich 8 Uhr: Ein Mcnd in einem amerikanischen TingcUaugel. Sonntag, 24.: Geschlossen. Luiieii-Theaicr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Sncewittchen. Abends: Der neue Herr. Montag: Der neue Herr. Dienstag: Der Kaufmann von Venedig. MUtmochnachiniltag 3 Ubr:"Sneewittchen. Abends: Der neue Herr. Donnerstag:«oo sind sie Alle. Freilag:�Der neue Herr. Sonn» abendiiachmittag 3 Uhr: Sncewittchen. Abends: so sind sie Alle. Sonn- tagnachmillag 3 Uhr: Sneewittchen. Abends: Geschloffen. Montagnachmittag 3 Uhr: Die Waise von Lowood. Abends: Der Kausmann von Venedig. Deutsch- Amerikanisches Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Abends: Aber Herr Herzog I Montag und solgende Tage: Ueber'n großen Teich. Soiiiiabend: Er und Ich. Sonntag: Ge- schloffen. Montagnachmittag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Walhalla-Theater. Spezialitäten. Ansang 6 Uhr Sonntag 7'/, Uhr. Casiiio-Theatcr. Sonntagnachmittag: Arbeit schändet nicht. Von Sonntagabend bis Mittwoch: Das Opscrlamm. Von Donnerstag bis Sonntag: Geschlossen. Moiitagnachmiltag 4 Uhr: Hotel Klingebusch. Apollo- Theater. Allabendlich: Prinzeß Rosine. Spezialitäten. Sonntag: Geschlossen. Montagnachmiltag 3 Uhr: Frau Luna u. Svezialitälen. Passage- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. («ebr.'-Serrnfeld- Theater. Allabendlich: Der Familientag im Hause Prellstein. Folies Eaprice. Allabendlich 8 Uhr: Nach dem Zapsenstreich. Soll und Haben. Wintergarten. Otero. Spezialitäten. Reichshallen- Theater. Sonntag und solgende Tage: Stettiner Singer. klraiila-Thcater. Taubenstraße t3/4S. Im Lande der Mitternachts- sonne. Ansang 8 Uhr. Verniilckres. Mocken-tzpielplan der ßcrUncr Cheater. Opernhaus. Sonntag: Der fliegende Holländer. Montag: FiaaroS Hochzeit. DienStag: Der Barbier von Sevilla. Mittwoch: Tannhanser. Donnerstag: OavaUeria nisticana. Bajazzi. Freitag: Mittags>2 Uhr; Matinee. Abends: Sinsonic-Konzert der tgl Kapelle. Sonnabend: Tannen. Sonntag: Geschlossen. Montag: Die gaubcrslöte. ÄchauiPtelhnuS. Sonntag: Venus Amathusia. Montag: König Richard lll. DienStag: Der schwur der Treue. Mittwoch: Venus Amathusia. Donnerstag: Die Räuber.(Ansang 7 Uhr.) Freitag: Venus Ainathusia. Sonnabend: Der Damcnkiicg. Die Dienstboten. Sonntag: Geschlossen. Montag: Götz von Berlichingen.(Ansang 7 Uhr.) Neues Köntgl. Operntheatcr. Sonnlag: Hansel und vretel. Montag bis Sonntag: Geschloffen. Montag: Da» groß- Licht. Lessing-TIieater. Sonntagnachmiitag 3 Uhr: Rosenmontag. ilbendS: Stein unter Steinen. Montag: Etga. Dienstag: Zwffchenspiel. Mittwoch: Ttcin unter Steinen. Donnerstag: Die Frau vom Meere. Freilag: Rat Schrimpf.(Ansang 71/, Uhr.) Sonnabend: Stein unter Steinen. Sonntag: Geschlossen. Montagnachmittag 3 Uhr: Die Weber. Abends: Rat Schrimps. Deutsches Theater. Sonnlag: De, Kausmann von Venedig. Montag bis Donnerstag: Da» Kälhchcn von Heilbronn. Freitag und Sonnabend: Der Kausmann von Venedig. Sonntag: Geschloffen. Montag: Der Kaus- mann von Venedig. Gchiller-Theater t>.(Wallncr-Thealer.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: Nora. Abends: Die Braut von Messina. Montag: Nora. DienStag: Wanjuschins Kinder. Mittwoch: Der Veilchensreffer. Donnerstag: Gyn es und sein Ring. Freilag: Der Veilchensreffer. Sonnabend: Zapsenstreich. Sonntag: Geschloffen Montagnachmittag 3 Uhr: Der Traum ein Leben. Abends: Gyges und sein Ring. Schiller-Theaicr R.(Fnedrtch-Wilbelmstädttsches Theater.) Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Crainqurbille. Die Bäuerin. Abschied vom Regiment. Abend«: Flachsmaun als Erzieher. Montag: Heimg'sunden. DienStag: Gyges und sein Ring. Mittwoch: Ein Wmtermärchen. DonnerSlag: Wanjuschins Kinder. Freitag: Heimg'sunden. Soiiiiabend: HanS. sonnlag: Geschloffen. Montagnachmittag 3 Uhr: Wanjuschins Kinder Slbends: Hosgunst. Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Die Wunderglock«. Abends: Der Geigeumacher von Creinona G'wlffenswurm Montag: Kean. Dienstag: Maria Stuart. Miltwochnachmillag 3 Uhr: Die Wunder- glocke. Abends: Uiibestimmt. Doniierslag uno Fieitag: Un- lammt,«onnabendnachmiltag 3 Uhr: Die Wunderglocke. AbendS: Hamlet. soiinlag: Geschloffen. Moiitagnachmittags 3 Uhr: Hamlet. Abends: Edles Blut. Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Ubr: Die Laune der Ver« liebten. Der zerbrochene Krug. Abend«: Marquis o. Keith. Montag bis Sonnabend: Marquis v. Keith. Sonntag: Geschlossen. Montagnachmiltag 3 Uhr: Nachtasyl. Abends: Stolps Komödien. Lustiptelhau». Sonntagnachmillag 3 Ubr: In Behandlung. Abend?: Der Fainiiientag. Montaa: Neinesis. Dienstag: Der Familicntag. Mittwochnnchmiltag 3'f, Uhr: Das böse Vrinzeßchcn. Abends: Der Familientag. Donnerstag: Der Familtenlag. Freitag: Nemesis. soimabendiiachmiltag 3'/, Uhr: Da? böse Prinzeßchen. Abends: Der Familientag. Sonntag: Geschloffen. Montag: Der Weg zur Hölle. Neues Theater, soiinlag bis Freitag: Ei» sominernachtSlraum. Sonnabend: Liebesleutc. Sonntag: Geschlossen Montag: Liebesleute. Trtanou-Ttieater. Sonntag bis soiiiiabend: Die herbe Frucht. Sonntag: ölcichloffcn. Montagnachmittag 3 Uhr: Das Ende der Liebe. Abends: Die herbe Frucht. Reffdeiiz- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Schlafwagen- kontrolleur. Sonntagabend u. solgende Tage: Der Prinzgemahl. Sonntag: Geschloffen. Montag: Der Prinzgemahl. Carl Weiß-Tdeater. Sonntag: Von Stuse zu Stuse. Montag bis Freitag: Geschlossen. Sonnnbeiidiiachmiliag 4 Uhr: Frau Holle Ein Konzertbettler.„Ick sage weiter nischt, als bei ick partuten- mang keene Strafe nich annehme, ick leje von vorne rin eenen Beruf daseien in." So ließ sich der Orgelspieler Br... vernehmen, als der Voisitzeude des Schöffengerichts ihn fragte, ob er sich der ihm zrid Last gelegten Bettelei für schuldig bekenne.— Vors.: Damit können Sie so lange warten, bis Sie verurteilt sind. Sie haben wohl eine verkrüppelte Hand?— A n g e k l.: Jawohl, ick bin voll- ständig erwerbsunfähig un bloß uf't Musikmachen anjewiesen, denn det Singen is mir ja ooch verboten. Vors.: Ja, es mag Ihnen so leickt nicht werden, sich durchzuschlagen, aber die Behörde kann Ihnen doch unniöglich ein Privilegium zum Betteln geben.— Sin» gell.: Ick bestreite ooch. det ick jebettelt habe. Wat die Pollezei oei unsereenen alles„Bettelei" nennt, da is't Ende von weg. Zum Beispiel, tvenn die Russen eenen Krieg jewonnen haben, denn kriejen die öbersten Jeneräle jeder so'n paar Millionen. Det nennen sie denn eene Dotation un det is ooch jewitz keen Betteljroi'chen. Wenn ecn Beamter mit seinen Jehalt nich auskommen kann wejen Krankheit. Dodesfall oder sowat, denn schreibt er eenen weechmäuligen Brief an seine Behörde un denn kriegt er ooch Wat. Dat nennen sie aber eene Unterstützung. Ick sage nich det det Betteln is. wenn det aber eener sagt, bin ick der erste dcr't jloobt. Hab ick nich Recht Herr JcrichlShof:— Vors.: Alle derartigen Betrachtungen können Sie stir sich behalten. Nun erklären Sie mir kurz, warum Sie meinen, nicht gebettelt zu haben. Haben Sie sich nicht mit einer Spieldose, so groß wie eine Schnupftabaksdose im Tiergarten ausgestellt?— A n g e k l.: Ja, det habe ick jedhan. Det es an den- selbigten Juni-Nachmiddag jewesen, als unser Kronprinz mit seiner verlobten Braut in Berlin einzog. Ick hadde mir det Instrument erpreh für diesen Zweck für eene Mark fufzig jemietet, indem er so hübsche diesbezügliche Lieder als„Eine Rose nenn ich mein" un„Den Schönen Heil" nff dem Kasten waren.— Vors.: Die Lieder wird wohl kein Mensch gehört haben.— Singe IL: O, ick bitte sehr. Ick hadde mir uff die Pauls-Brücke nich weit von't Schloß Bellevue uffjestellt, wo dat Wasser den Schall so recht lieblich zurückwirft.— Vors.: Und das neiinen Sie eine musikalische Leistung, worauf ja Ihr Gewerbeschein lautet?— Sing eil.: Un mit Recht, Herr Jerichtshof. Wenn die Dose in Jange is, denn is det eene. Mancher eener hört diese Töne, die so weech klingen wie schierer Senst, lieber als eene Regimentskapelle un denn jibt et ooch welche, die so unmusikalisch sind, det sie keene Trommel von'ner Violine nnterscheide» können. So eenen is det nu schließlich janz einjal. mit welchem Instrument man ihm unter die Ooge» jeht. Wat soll ick denn nu eijentlich machen? Ick habe eenen selten schönen Baß. wie Sie meinem Orjan ooch wohl an- hören werden, ick kann nach unten hin det zwccmal jestrichene(? glockenrein rauSbringen und wenn»ick frieher sang: Im tiefen Keller sitz ich hier" det sich det denn man so auhörle, als wenn en Gewitter im Anzüge. Aber det Singen im Tierjarten is mir ja ooch verboten worden. Bald mache ick zu ville Münk, bald zu wenig, wie soll ick denn nu det Richtige treffen.— Vorsitzender: Sie' sollen nun ferner den Borübergehenden ihre Miitze entgegengehalten haben, worin die Slufsorderung gesunden wird, etwas hineinzuwerfen. A n g e k l.: Ick habe nischt darin gefunden. Det heeßt, in die Mütze. Wie kann der Schutzmann bloß so farbenblind sind und so falsch bc- obachtcn. Ick hadde mir eenen kleenen Jungen dazu angenommen, der det Anglree i» Empfang nahm, wenn eener wat jab, un ick nahm denn die Mütze ab, um mir zu bedanken. Ick konnte den Herr- schaften doch nich die Hand schütteln. Frieher hat mir ja mancher vornehme Mann die Hand jejebcn, aus Dankbarkeit, weil ick det doppelt jestrichene C so rein rausjekriegt hadde. Wenn mir der jetzt paftiert wäre, denn würde der Schutzmann wohl anje- uommen haben, ick bädde uf'n Zwanzigniarlstück rausjejeben. Vors.: Na, na, machen Sie keine Witze. Wir werden mal den Schutzmann hören.— Dieser erktärt, daß das Gebaren des An- geklagten den Eindruck einer ganz gewöhnlichen Bettelei gemacht habe und von der Darbietung einer iiiusikalischen Leistung nicht die Rede sein konnte. Das Instrument sei ein jämmerliches Ding ge- wesen. das man auf etwa zwanzig Schritte Entfernung so eben habe bören können. Dieser letzteren Bekundung verdankte der Angeklagte seine Freisprechung: der Gerichtshof hielt nicht für erwiesen, daß er gebettelt habe, denn möglicherweise habe er dem Publikum einen, wenn auch zweifelhaften Kuiistgeiiuß bieten wollen. Berliner Marktpreise. An, dem amtlichen Bericht der städttschen Marllhalleii. Direktion. Rindfleisch la ö4-S8 pv. 100 Pfund. II» 56-64, lila 50 55, IVa 40-48. Kalbfleisch I» 82 86. IIa 70-80, III» 50-67, Hammelfleisch la 62—72. IIa 46-58. Schiveiiirjleisch 65-71. Rotwild Pfund 45 52 Ps Hasen Slück 3.30 3.70. mittel 2.50- 3.00. Kaninchen Slfuf 0,80-0,95. Hvtnier pro stück, alle l.00-1,75, junge Ja 0,80—0,00, do IIa 0.60—0,70. Tauben, junge 0,05—0,70, alte 0,00—0,00. Enten jung« 1,80-2,40. Gäule pro Stück/ la 3,50- 3,80, IIa 3.00 pro Pfd. la 0.68 0,63, IIa 0,40-0,67 Schcllftiche 00,00 M.. Flunder 31,00 M. pro 100 Pjd Hechte 80-89 M. Schleie, unsortiert 00.00 M. Aalt, groß 0,00, mittel 0.00. klein 0.00, Piöljen 56 60 M, Karpse» uns. 0,00 M., Lachs 172. »chottiichc Bollheriiigc tgesalzen) 36 38 M Eier, Schock 4,60. Butter pro 100 Psinid ia 124-126, IIa 118 124, Uta 115-118, abfallende 95-110..Kartoffeln pr. 100 Pfd. rote 2.00-2 13, Roten 2,00-2,10, blaue 0,00-0,00, runde weiße 1,80- 2,00. Wirsingkohl pr. schock 6.00-10.00. Weißkohl 6,00—8,00. Rotkohl 4.00-8.00, Holl. 12-16 M. Saure Gurken. Schock 2,00 M., Pfeffergurken 2,00 M. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil veraittw.: Tb. Glocke, Berlin Druck u. Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei w. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 295. 22, Jahrgang. Ktilllge iics Jormii#4 Ictlinet iolbliltttt. Vorort- Ausgabe. Vorort- JVacbncbtcn» Britz. Am DienStag den 12. Dezember 1905 tagte in der„Rosensee- Terrasse" eme leider sehr schwach besuchte Mitglieder-Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins� Gen. Kiesel-Berlin referierte über das Thema:„Die Weihnachtsbescherung der Regierung an das deutsche Volk." In ausführlicher Weise schilderte der Referent an der Hand eines reichhaltigen Zahlenmaterials die Folgen der un- geheuren Belastung, welche der arbeitenden Bevölkerung durch die neuen Steuervorlagen auferlegt wird. In der hierauf folgenden Diskussion wurden die Ausführungen des Referenten vom Gen. Händel in einigen Punkten ergänzt. Den Bericht von der General- Versammlung des Zentral-WahlvereinS gab Gen. Schröder. Händel ging hierbei noch näher auf den gedruckt vorliegenden Geschäfts- bericht des Zentralvorslandes ein und bemängelte die späte Ausgabe desselben an die Delegierten. Die vom Gen. Dumke gegebene Ab- rechnung vom Hcrbstfest ergab bei einer Einnahme von' 139,10 M. und einer Ausgabe von 127,60 M. einen Ueberschuß von 11,50 M. Groft- Lichterfelde. Der sozialdemokratische Wahlvereiu Groß-Lichtcrfelde- Lankwitz nahm m seiner letzten Versammlung den Bericht von der Kreis- Generalversammlung entgegen, an den sich keine Diskussion knüpfte. An Stelle des ausgeschiedenen zweiten Vorsitzenden wählte die Ber- sammlung den Genossen Eisner. Zur Generalversammlimg für Groß-Berlin wurden delegiert: Eichler, EiSner und Jvest. Ucber die im März nächsten JahreS stattfindenden Gcmeindewahle» referierte Genosse Wenzel, der sich für Beteiligung an den Wahlen aussprach. Den gleichen Standpunkt nahmen die übrigen Redner ein. Die Aufstellung der Kandidaten für Grotz-Lichterfelde und Lankwitz bleibt einer späteren Versammlung vorbehalten. Einem Vorschlag des Genossen Weuzel, zur nächsten Vereinsversammlung d e n p o l i t i s ch e n M a s s e n st r e i k auf die Tagesordnung zu setzen, widersprach Eisner und wünschte eine öffentliche Versammlung mit dem Thema: Preußische Reaktion und die Volksschulvorlage, deren ungeheure Schädlichkeit für die proletarische Klasse Redner in großen Zügen klarlegte. In jener Vesrammlung könnte auch der politische Massenstreik diskutiert werden. Er bedauere, das; der Bolksschulfrage von der Partei nicht diejenige Bedeutung beigemessen würde, die sie tatsächlich habe. Eichler ergänzte die Ausführungen über die Schulvorlage, sprach sich aber dagegen aus, auch noch den politischen Massen- streik in der geplanten Versammlung zu behandeln, da nicht gut Über drei Punkte mit gleicher Gründlichkeit verhandelt werden könnte. Wenzel schloß sich den letzteren Ausführungen an: der polttliche Massenstreik müsse speziell behandelt und gründlich diskutiert, werden. Er habe, noch ehe dieses Kanchfesmittel parteiofffziell| sanktioniert worden sei. die Auffassung vertreten, daß der politische Massenstreik bei der unverkennbar zunehmenden reaktionären Strömung in Preußen-Deutschland wahrscheinlich einmal eine be- deutende Rolle spielen werde. Das Arrangement der Versammlungen wurde dem Vorstand überlassen. Schriftsteller Nonnemann vom Reichsverband brachte in einer hiesigen Zeitung eine abfällige Notiz über den Bericht im„Vorwärts" bezüglich der Versammlung der Reichsverbändler. Genosse Wenzel verlas jenen Bericht und sämtliche Teilnehiner an jener Bersamm- lung bestätigten die Nichtigkeit desselben. Daß Herrn Ronnemann die Berichte der Ortszeitungen besser gefallen hätten, sei begreiflich. Nach einer anregenden Diskussion über die Aufgaben unserer Genossen in den Gewerkschaften zur Gewinnung von Mitgliedern für die politische Organisation und Aufnahme von zwölf Genossen erfolgte Schluß der Versammlung. Spandau. Nach Vornahme einer Abänderung der Geschäftsordnung wählte die letzte Stadtverordnetsu-Versammlung eine gemischte Deputation zur Vorberatung der Vorlagen betreffend die Verbreiterung der Brückenstraße und des Haveldurchstichs. In die elftere wird von unseren Genossen der Stadtverordnete Köpnick, in die zweite die Genossen Köpnick und Grieben gewählt. Eine zweistündige Debatte zeitigte die Vorlage, die M- änderung des Vertrags betreffend den Bau und Betrieb einer elektrischen Straßenbahn in Spandau. Der vorliegende Entwurf besagt im wesentlichen folgendes: Die Allgemeine Elektrizitäts- Gesellschaft stellt eine Gleisverbindung zwischen dem Bahnhof und der Charlottenbrückc durch den Straßenzug Schürstraßc, Artillerie- srraße und Schiffbauerdamm her und verpflichtet sich, die drei bereits bestehenden Linien nach ihrem Ermessen entlveder in der Richtung vom Bahnhof nach der Charlottenbrückc oder in um- gekehrter Richtung über diesen Sträßcnzug zu leiten. Beschließen jedoch die städtischen Körperschaften innerhalb 12 Wochen nach Ab- schluß dieses Vertrages die Verbreiterung der Brückenstraße, so werden die vorstehenden Bestimmungen aufgehoben und die All- gemeine Elektrizitäts-Gesellschaft zahlt an die Stadtgenieindc den Betrag von 100 000 M., sobald die Brückcnstraße in der Fluchtlinie freigelegt ist. Ferner hat die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft die folgenden neuen Straßenbahnstrecken zu bauen und bis zu folgenden Zeitpunkten in Betrieb zu setzen: o) Gleichzeitig mit der Eröffnung des neuen Spandaner Vorort-Bahnhofcs eine Linie, welche an der Ecke der Kloster- und Seegefelderstraße beginnt und durch die Scegefeldcr-, Ranener- und Hambnrgerstraßc bis zur Stadtgrenzc führt, b) Binnen 5 Fahren nach Abschluß dieses Nachtragsvertrages die Verlängerung der jetzt in Hakenfclde endenden Straßenbahnstrecke bis Wilhelmsruh, c) Die Linie Spandau bis Spandaner Bock bis 1. Juli 1906. ck) Für den Fall, daß die zur- zeit zwischen der Stadt und der Aktiengesellschaft Siemens u. Halske schwebenden diesbezüglichen Verhandlungen binnen zwei Jahren zu keinem Vertragsabschluß geführt haben, eine Straßenbahn- Verbindung von Spandau über die Berliner Brücke auf der nach Haselhorst führenden Chaussee bis zum Berlin-Spandauer Schiff- fahrtskqnal spätestens innerhalb vier Jahren nach Abschluß dieses Vertrages. Als Aequivalent wird der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft die Konzession vom 31. Dezember 1942 bis 31. Dezember 1957, und falls sie die 190 000 M. zahlt, bis 31. Dezember 1967 verlängert. Die Gesellschaft hat dafür dann noch die Verpflichtung, die neuen wie die bestehenden Linien normalspurig zu machen. Der Streit dreht sich in der Hauptsache um die Verlängerung der Kon- zession. Die sozialdemokratische Fraktion läßt durch die Genossen Scholz, Schmidt und Pieck erklären, daß sie auf keinen Fall einer Konzessionsverlängerung zustimmen werde; im weiteren wird noch die Errichtung einer Linie nach dem Friedhof verlangt. Bei dieser Debatte fehlt es natürlich nicht an Zusammenstößen zwischen einigen bürgerlichen Stadtverordneten und unseren Genoffen, die aber von letzteren ganz energisch zurückgewiesen werden. Genosse Scholz führte unter anderem aus, daß man schon aus dem Grunde gegen eine Verlängerung der Konzession stimmen müsse, weil im Jahre 1940 auch die Stadt Berlin jedenfalls das ganze Straßen- bahnnetz in eigene Regie übernehme. Wenn dann die Vororte noch in den Hgnden von Gesellschaften seien, so würden dadurch die Ver- kehrsverhältnisse sehr erschwert. Es fehlte in dieser Debatte auch nicht an Angriffen gegen den Berliner Kommunalfrcisinn, der so ziemlich alles bisher verabsäumt habe, um die Bahnen in eigene Regie zu bekommen. Trotz aller dieser Vorhaltungen, die auch von konservativen Stadtverordneten, namentlich von dem Stadt- verordneten Dr. Baumert, gemacht wurden, genehmigte die Versammlung den Nachtrag und zeigte damit, daß sie auS den Berliner Verhältnissen nichts gelernt hat. Ncuenhagcn(Oftbahn). Am Sonntag, den 10. Dezember, fand im Lakale des Herrn August Wünsche eine außerordentliche Generalversammlung des Wahlvereins von Neuenhagen und Umgegend statt. Auf der Tages- ordnung stand die Reorganisation unseres Vereins und der Bericht von der letzten Kreiskonfercnz. Ter Vorsitzende erklärte, daß der hiesige Ort bisher zu dem Bezirk Ruinmelsburg gehört habe, aber vom 1. Jm«uar 1906 an als selbständiger Bezirk gelte. Es wurden sodann die neuen Statuten, welche vom Vorstand ausgearbeitet worden waren, zur Beratung gestellt und dann bis auf Aenderung eines Paragraphen einstimmig angenommen. Ten Bericht van der Kreislouscrenz erstattete der Genosse Warttig. Genosse Lehner forderte»och auf, endlich die gegnerischen Zeitungen aus dem Hause zu schaffen und die Arbeiterpresse zu lesen. Die InsertionspbQlir beträgt für die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 20 Pfennig. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends geOtfnet VORORT-ANZEIGEN Alt.Gllenickei Rcinhold Schulz, Rudowerstr. 83. Britz: Hermann Schliebitz, Jahnstr. 2. Charlotten bürg: flusl. Scharnberg, Sesenheimer- strasse 1 Ecke Goethestr. vorn 1. Dtsch.-Wllmcrsdorf i Oeorg Reese, Bcrlinerstrasse 46, Laden. Lichtenberg- Priedrlchslelde-Wilhelmsberg- Boxhagen- RummeUburg- Stralau: Otto Selkel, 0.112, Kronprinzenstrasse SOI. Grünau: 11. Bluhmc, Viktorlastr. 2. Rix dort: M. Heinrich, Prinz Handjerystr. 7, im Laden; Conrad, Hermannstr. 50. Schöneberg: Wilh. Bäumler, Martin Lutherstr. 51. Ober-Schönewclde: Julius Grunow.Edisonstr. 10 1. Annoncen- Annahmestellen: Nieder-Schöncwelde: Bonakowsky, Hassel- werderstr. 1 d. Johannistal: Franz Hünold, Bismarckstr. 7. Adlershof: Brich Steuer, Roonstr. 8 I. Konijgs-Wusterhausen: P. Körle, Berlincrstr. 19. Köpenick s Friedrich Woick, Grünstr. 29. 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