Zlr. 296. RbonnemtntS'Redlngungen: etonnrmctUS■ Preis Hrnnumetanbo: «i-rl-li«hrl. S.SO Ml, monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Psg. frei Ins Haus. einzelne Nummer 8 Pfg. Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntag?» SeUage.Die Neue Welt- 10 Psg. Post» «bonnemenl: 1,10 Mark pro Monat, Eingetragen in die Post- Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn > Mark, stir das übrige Ausland » Mark pro Monat. SÄ. Jahrg. VI««!»« Hill« uttr lionUgt» V: Nerlinev Volksblatk. Die Infertlons'Gebübr »etrSgl für die lechSgespaltene Nolonek- zeile oder deren Rauin<0 Psg, für polltische und gewertschastlichc Vereins» und Bersanunlnngs-Anzeigen 28 Psg. „Ititetne Snreigea", das erste tselt- gedruckt»! Wort 10 Psg, jedes weiter« Wort 8 Pfg. Worte über 18 Buchstaben zühlcn sür zwei Worte. Inserate sür die nüchste Zlutniner müssen bis 6 Uhr nachmittag» in der Sipedition abgegeben werdcii. Die Expedillon isl an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends an Sonn- und gelltagen bt»« Uhr«oruiUlags geöflnct. Telegramm. Adresse: .SsiiildtiMKnt Bulld". Zcntralorgan der rozialdcmokrati feben Partei Deutfchlands. Redaktion: 8M. 68, Lindenetrasse 69. Keriiivreetier:«mt IV. Nr. l»Ha Dienstag, den 19. Dezember 1905. Expedition: KW. 68» Lindenstrasse 69. »erxsprrckx'r.«m' IV Skr IDNl. Schnlnntergrabttng. AuS pädagogischen Kreisen wird uns geschrieben: Die blamable gesetzgeberische Flickschusterei, mit der die preußische Volksschule seit ihrem Bestehen von der Regierung und der sogenannten Volksvertretung malträtiert wird, hat sich m der zweitägigen ersten Lesung des Schul- unterhaltungsgesetzes beinahe selbst übertroffen an Grundsatz! osigkeit und mit Selbstgefälligkeit gemischter Unfähigkeit. Wir haben fürwahr nichts Bedeutendes von dieser Versamm- lung erwartet, aber das Maß an Offenherzigkeit und Skrupel- losigkeit in der Bloßstellung der preußischen Schulmisere, das die erste Lesung offenbart hat, hat unsere Vermutungen doch noch übertroffen. Es verlohnt sich kaum noch, dem wichtig- tuerischen Geplärre der Junker und Junkergenossen im Ab- geordnetenhause kritisch auf den Leib zu rücken; aus jedem dort gesprochenen Worte grinst entweder die freche junkcr- liche und klerikale Heuchelei, die mit dem Aschenbrödel Volksschule freundlich tut. während sie ihm doch am liebsten das bißchen Lebenslicht ausbliese, oder die anlviderude Aengstlich- keit des liberalen Pfahlbürgers, der bei der Regierung und den mächtigen Junkern anzustoßen fürchtet. Den Reigen eröffnete würdig der Mann, der gegenwärtig zufällig an der Spitze des preußischen Kultusministeriums steht. Herr S t u d t bringt beinahe das Kunststück fertig, alle seine Vorgänger an bureaukratischer Ungelenkigkeit und an Verständnislosigkeit für das Wesen der Volksschule noch zu übertreffen. Das ist für preußische Verhältnisse wahrlich eine Leistung, auf die er von seinem Standpunkte aus sich etwas embilden darf. Was dieser gleichgültige Jurist zur Einführung des schulgesetzlichen Wechselbalges zu sagen«mißte,«var ebenso leichgültig und nichtssagend, wie der Sprecher selbst. Von Wedeutung ist höchstens seine Erklärung, daß die Regierung es an Entgegenkommen gegenüber den Wünschen des Hauses nicht fehlen lassen werde. Mit anderen Worten: Die Regierung ist zum Schachern bereit. Der konservative Fraktionsredner, der ihm folgte, das geschmeidige, redselige Junkerlein v. Heydebrand, bewies sofort, daß er die Konsequenzen aus dieser Erklärung zu ziehen wußte. Er schlug mit seinen Fordeningen auf»vie ein gelernter Mllhlendainmcr. In seinem Eifer entschlüpfte ihm sogar ein Wort, das wir unterschreiben können:„ein Gesetzentwurf, der derartig den Charakter des Stücklverkes und des Unvollkommenen trägt wie dieser, der ist doch nicht ganz häufig." So etwas darf ein Junker in Preußen ruhig dem Minister ins Gesicht sagen, wenn es ihm für seine Zwecke paßt. Und dieser Zioeck besteht darin, die Regierung möglichst einzuschüchtern, damit sie für die konservativen Verschlechterungspläne um so gefügiger ist. Herrn v. Heydebrand haben es natürlich in erster Linie die bösen Bestimmungen des Gesctzentivurfs angetan, die in ganz zarter, schlnerzloser Weise die gutsherrlicheu Drückeberger in bezug auf die Schullasten in Zukunft ein«oenig mehr heran- ziehen wollen. Zwar«vären die Konservativen selbst„elende Heuchler", so sagte der spaßige Herr, wenn sie jahraus, jahrein die Regelung dieser Materie verlangt hätten,„um dann schließlich vor den Konsequenzen zurückzuschrecken, wenn sie sich aus unseren Geldbeutel erstrecken". Aber im nächsten Atemzug jammerte und wehklagte er darüber, daß den Großgrundbesitzern die„Möglichkeit ihrer Existenz in leidlich zufriedenstellenden Verhältnissen" durch die winzige Heranziehung zu den Schul- Unterhaltungskosten erschwert werde. Zun« Ruin führe sie sogar. Daß sich bei diesen Worten nicht die Balken des Ab- geordnetenhauses bogen, zeugt davon, daß sie aus besonders gutem Material hergestellt sind. Aus der«vehklagenden Kassandra ward aber alsobald ein giftiger Spötter, als er auf die vorgesehenen Staatsuntcrstützungen für leistunasunfähigc Gemeinden und Gutöbezirke zu sprechen kam. So wenig hat die Regierung dafür in Aussicht genonimen? Das genügt ja kaun« sür einen hohlen Zahn I Die Junker sind an ganz andere Liebesgaben geivöhut. Herr Stndt niöge schleunigst bei seinem Kollegen Rheiubabcn vorstellig werden, wenn er es mit den Konservativen nicht von vornherein verderben«vill. Ganz auf der Höhe junkerlicher Schulpolitik standen auch die Ausführungen des konservativen Fraktionsredners über den konfessionellen Charakter der Schule. Natürlich bietet ihm der Eutivurf«loch viel zu wenig.„Unter einer konfessionellen Schule im eigentlichen Sinne versteht man mehr." Herr v. Heydebrand war so gütig, sein junkerliches Schul» ideal etwas genauer zu detaillieren.„Unsere Volksschulen find doch keine Universitäten; sie sind Einrichtungen mit einem verhültsnisinäßig angeinesseuen, aber doch beschränkten Kreise der Unternchtsgegeuftände. und diese Unterrichtsgegenstände sind mit fast verschwindenden Ausnahmen derartig, daß sie ihrem Sinne, der ganzen Denkart unseres Volkes entsprechend. unserer ganzen Geschichte entsprechend, überhaupt gar nicht anders behandelt werden können als mit einem geloissen christlich- konfessionellen Grundcharakte r." Aus dem verquollenen, staatsinännischen Junkerdeutsch in das einfache Deutsch übertragen, heißt das nichts andere», als daß die Konservativen verlangen. Lesen, Schreiben, Rechnen. Ge- schichte, NatuNvissenschaft. Zeichnen. Turnen. Anschauung. Hand- arbeit und was eS sonst noch im Lehrplan der Volksschule gibt, soll„christlich-konfessionellen Grundcharakter" tragen. Also beileibe nicht nur die Religion selbst, sondern der ganze Schulunterricht soll chnfUich.konfcffioiicü abgestempelt werden. Und Herr j v. Heydebrand hat die Stirn zu behaupten, daß„eine ganz . kolossale Majorität unseres Volkes" sich für diesen pfäffischen , Unterricht ausgesprochen habe. Der sonderbare Herr hat da- bei wahrscheinlich nur an das„Volk" gedacht, das beim Leutnant und beim Baron anfängt. Für diese Sorte Mit- bürger anerkennt der geistreiche Junker sogar eine„Moral ohne Religion", auch„Professoren und großen gebildeten Leuten" will er die religionslose Moral noch einräuinen; aber für die große Masse zieme sich nur die auf die Religion ge- gründete Moral. Da haben wir das reaktionäre, junkerlich-konservative Schulprogramm: Dem Volke muß die Religion erhalten bleiben. Sie ist ein vortrefflicher Zuchtmeister für die Ungebildeten. Darum müssen die Schulen des Volkes nach Möglichkeit verschlechtert und von oben bis unten mit Religion vollgepfropft werden. Nächst dem konservativen Junker interessiert der national- liberale Redner am meisten. Vorsichtigerweise hatte die Fraktion nicht den durch das Schulkompromiß bereits hin- länglich kompromittierten Pastor Hackenberg vorgeschickt, sondern den schulpolitisch unbeschriebenen Herrn Schiffer. Da dieser die natioualliberalen Drehungen und Windungen nicht mit so vielen schillernden und schön- frisierien Phrasen auszuputzen weiß wie sein pfarr- herrlicher Fraktionskollege, so wirkte die nationalliberale Halt- losigkeit um so unmittelbarer und augenfälliger. Natürlich stellte der Nationalliberale eine echte faustdicke nationalllberale Heuchelei an den Eingang seiner«veitschweifigen Rederei:„Die Volksschule habe„große ideale Aufgaben" zu lösen.„Ideale" haben die Nationalliberalen bekanntlich gehabt so zahlreich «vie Sand am Meer. Aber die Natioualliberalen haben im Verlaufe ihrer jammervollen Geschichte schließlich«lur die einzige Konsequenz beiviesen. eines ihrer„Ideale" nach dein anderen zu verraten. Im letzten Verrat dieser Art üben sie sich gerade gegenwärtig und Herr Schiffer hatte die löbliche Aufgabe, diesen Verrat zu begründen. Ter jungliberalcn KnpitolSgänse- riche wegen mußte er gleich dem konservativen Junker, nur von der anderen Seite aus. die nationalliberale» Fordeningen überspannen. Er leistete sich dabei sogar den Scherz, der Auf- nahnie von Frauen in die Schuldeputationen das Wort zu reden. Auch gegen die hinterlistige Eiuschmuggelung der gcist- lichen Ortsschulaufstcht, die der Gesetzententiourf durch obliga- torische Besetzung der Schulvorstäude und-Deputationen mit Geistlichen der beiden Konfessionen und Uebertragung des Vorsitzes im Schulvorstande an den Ortsschulinspektor plant, verknallte Herr Schiffer ctivas rhetorisches Pulver. Die Natioualliberalen würden„kaum diesen Weg mitgehen". Kaum! Wenn man ihnci« gut zuredet, «verden sie also schließlich doch mit echt nationalliberalem Mannesmut„mitgehen". Auch das saubere Plänchen der Regierung, den Gemeinden die Lchrerbcrufung zum Teil, die Anstellung von Rektoren aber völlig zu entziehen und dadurch der servilen Strcberei besonders bei den Landschullehrern Tor und Tür zu öffnen, fand bei Herrn Schiffer eine milde Kritik. Halb möchte er der Regierung folgen, halb schreckt er davor zurück. Er hoffte schließlich, daß sich im geheimnisvollen Dämmerlicht der Kommissionsberatung„ein anderer Weg" finden lassen werde. In bezug auf die Konfessionsschule fand auch Herr Schiffer, gleich dem konservativen Redner, einen Satz, der in ergötzlicher Weise die grundsatzlose, feige Halbheit der nationalliberalen Schulpolitik in bengalische Beleuchtung rückt: „Wir sind als Partei nicht Anhänger der Konfessionsschule,«rnr sind auch als Partei nicht Anhänger der Simultanschule. Wir sind nichts als liberal und tolerant, indem wir beiden Richtungen Licht und Luft geben wollen." Gegenüber dieser beinahe ekelerregenden Charakterlosigkeit wirkt die reaktionäre Offen- heit des Herrn v. Heydebrand geradezu erst-ischend. Die dritte im Bunde der Kompromißparteien war die freikonservative Fraktion. Für sie sprach der sinarte Geschäfts- und Jutrigeupolitiker Oktavio von Zedlitz. Er darf in diesem Zusammeuhang übergangen werden, zumal er sich in«veiser Vorsicht auf einige wenige Worte beschräutte. Der gute Mann ist gleichsam der oommis vo)-aAsur des Kompromisses und hat dafür in den ver- flofsenen neunzehn Monaten so unermüdlich sein Zeilenhonorar eingestrichen, daß ihm zu sagen nicht«nehr viel übrig geblieben sein dürfte. Interessanter war schon die eben- falls nicht übermäßig lange Rede des Zentrumsführers Porsch. Er spielte sich auf den Resignierten hinaus. Man hat seine Partei offiziell vorher nicht gefragt. Aber da der Gesctzentivurf die klerikalen Wünsche in einer vom Zentrum kam» je erwarteten Weise berücksichtigt, so wird das Zentrum mitarbeiten. Natürlich hat Dr. Porsch„schivcre Bedenken" gegen manche Bestimmungen des Entwurfs. Mit dieser Waffe versieht auch er sich als vorsichtiger Mann, bevor er in die Kommission geht. Besonders die wenigen Ausnahmen. die derSiinultanschule noch eingeräumt sind, passen dem Zentrum nicht. Man«vill darum in der Kommission Verbesserungen beantragen und„ausreichendere Begründung" fordern. Sie wird ihm sicher werden, denn in der Koinmissiou braucht sich nicht Herr Studt mühsam einige wenige rednerische Brocken abzuringen, sondern der eigentliche Hintermann, der Ministerial- direktor Schivartzkopff, und ein Schivanz von Kommissaricn ioerdcn zur Stelle sein und für„ausreichendere Begründung" Sorge tragen. Und dann wird das Zentrum seine„Bedenken" tapfer niederringen— es ist an derartige Tätigkeit ja längst gewöhnt— und mit Hurra für die Auslieferung der Schule an die Kirche stimmen. Blieben noch die Vertreter von Sr. Maj. allergetreuester Opposition, die im Abgeordnetenhause ihre tapfere Stimme gegen das reaktionäre Schuluntergrabungsgesctz erhoben haben. Leider ist von ihnen nicht viel zu sagen. Sie haben die übliche traurige Rolle gespielt. Zwar wußten sie, daß sie für eine verlorene Sache stritten. Aber das hätte ihrem Auftreten nicht zu schaden brauchen. Wie oft müssen die Sozialdemokraten im Reichstage für eine verlorene Sache das Wort nehmen, ohne daß dieser Umstand ihre Schlagkraft lähmt oder den Elan ihres Angriffs abschwächt. Freilich ist zwischen den Sozialdemokraten im Reichstag und den Libe- ralen im Landtag ein himmelweiter Unterschied. Hinter den sozialdemokratischen Vertretern steht eine Macht, sie sind die Abgeordneten des Volkes, jedes ihrer Worte findet einen leb- haften Widerhall in Millionen von Arbeiterherzen. Daher kommt es auch, daß selbst die Worte des einzigen Sozial- demokraten im sächsischen Landtage eine ganz andere Wirkung ausüben als die weitschweifigen Reden der liberalen Redner im preußischen Landtage. Wer steht denn hinter den Funck, Ernst und Cassel? Ein winziges Häuflein von Interessen- Politikern, die keine Macht darstellen. So konnte es kommen, daß die Tageszeitungen über die Rede des einzigen Fachinannes, der bei der Schirlgesetzdebatte das Wort genommen hat, kaum einige Zeilen gebracht haben, weil die Junker und Junkerfreunde sich während seiner Rede so ungeniert und laut unterhielten, daß die Zeitungsbericht- erstatter kamn ein Wort des Redners verstehen konnten. Was sollte den Junkern das schulmeisterliche Gerede des Herrn Ernst? An dein Ergebnis änderte es nichts, und wenn der Herr noch so schön gesprochen hätte. Ihn aber be- achten, weil er Schulmeister ist und Liberaler dazu? Es gibt kaum zwei Kategorien von Menschen, vor denen das hochmütige Junkertum weniger Respekt hätte. Langweilig und interesselos ist die wichtige Schulgesetz- debatte in der ersten Lesung verlaufen. Es fehlte das auf- peitschende Element, das die Sozialdemokratie in den Parla- menten darstellt. Die Interessenten waren hübsch unter sich und tonnten sich ungehindert über die Ver- teilung des Felles aussprechen. Im großen und Sauzen hat man auch die Grenzen abgesteckt, über die kleineren Meinungsverschiedenheiten wird man sich hinter den Kulissen und in der Kommission einigen. So geht die preußische Volksschule sicher ihrer weiteren Vcrkirchlichung entgegen. So lange das Dreiklassenparlament existiert, ist die Arbeiterklasse solchen unverschämten Provokationen gegenüber machtlos. Die preußische?lrbeiterschast muß daruni die Einbringung und die gesetzgeberische Erledigung der Schul- Vorlage mit einer energischeu, aufrüttelnden Agitation zu- grinsten des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahl- rechts begleiten._ Die Revolution in Rnhland. Trotz Militärrevolten, Beamtenaufruhr, trotz Bauern- erhebung und Arbeiterkampf beharrt die zarjsche Kamarilla hartnäckig in ihrer provozierenden Haltung und rafft sich zu einem letzten verzweifelten Versuch auf, sich gegen das gesanite arbeitende Volk, gegen eigene Beamten, eigenes Militär, mit bloßer Hülfe der Anarchie, der„schwarzen Banden" am Ruder zu erhalten. Die Durnowo und Konsorten rechnen auf die E r m ü d u n g�dcr Gesellschaft, auf die Erschöpfung der Revolution. Sie hoffen, die noch stupide Masse sowie die bürgerliche Geschäftswelt gegen die„Störenfriede" auizu- hetzen. Schon drohen sie offen mit der Auf- wiegelung von Mordbanden gegen die strei- kenden Post- und Tclegraphenbeamtenl Die revolutionäre Erhebung der Proletarier und der Bauern in Lievland versuchen sie der russischen Gesellschaft als eine nationale Erhebung behufs Lostrennung vom Reiche zu de- nunzieren, um die„patriotischen Instinkte" gegen die sozial- demokratische Arbeiterschaft von Riga und Kowno und das mit ihr solidarische Barierntum aufzustacheln. Und schließlich halten sie den Moment für gekommen, um einen offenen Ge- ivaltstreich gegen die Preßfreiheit und gegen die organisierte Arbeiterschaft zu wagen. Die Verhaftung des Rates der Arbeitcrdelegierten in Petersburg sowie die Sistierung einer langen Reihe von Blättern sind eine direkte Provokation au die Revolutionäre. Die Regierung glaubt, daß die Arbeiter zu einem Massenstreik im Augenblick noch nicht vorbereitet seien ung will sie deshalb durch brutale Provokationen zu vor- zeitigein Losschlagen zwingen. Der Ernst der Situation ist unverkennbar. Freilich kann der Ausgang des Kampfes nicht mehr zweifelhast sein. Auf das Lumpenproletariat als die einzige„Klasse" gestützt in offener Auflehnung gegen die Arbeiterklasse hat noch nie eine Regierung existieren können. Allein der freche und blinde Uebermut der Konter- revolution wird den Kampf noch sehr in die Länge ziehen und ihm die schärfsten und blutigsten Formen aufzwingen. Der Absolutismus will eher das ganze Reich in einem furchtbaren Chaos in Trümmer gehen lassen, als selbst abdanken. Die Anarchisten des Absolutismus werden schließlich doch vor der planmäßigen revolutionären Aktion der Sozialdemokratie weichen müssen!-- Der Gcwaltstrelch. PeterZIiiirg, IS. Dezember.v erden zu lassen und damit die„sozialdemokratische Gefahr" heraufzubeschwören. Aber schließlich wurde die Sache doch zu auf- fällig, denn die an Einwohnerzahl schwächere Schwesterstadt Barmen hatte in der dritten Abteilung taufende Wähler mehr als Elberfeld. Die Verwaltung zog daher vou 1901 ab in jedem Jahre eine Anzahl Arbeiter mehr zu höheren Steuern heran, so daß in diesem Jahre die Zahl der Wahl- berechtigten in der dritten Abteilung 18770 betrug. Dadurch geriet das Kartell in Not, obgleich auch heute noch nur etwa die Hälfte der Elberfelder Arbeiterschaft wahlberechtigt ist. Dazu komnit. daß unter der Kartellwirtschaft in der Gemeindevertretung die schlimmsten Mißstände eingerissen sind und sich schon vor mehreren Jahren auch in bürgerlichen Kreisen eine Opposition gebildet hat. die sich aus den verschiedensten Parteien zusanimensetzt. Das Kartell erlangte 5367, die sozialdemokratischen Kandidaten 4121 und die bürgerliche Opposition 747 Stimmen. Zwei Sozialdemokraten kamen mit zivei Kartcllkandidaten in die Stich- wähl. Die bürgerliche Opposition beschloß wohl, die Sozial- deinokraten zu unterstützen, aber es sind dieser Parole nur 89 Wähler gefolgt. So siegte in der Stichwahl das Kartell mit 5305 gegen 4438 Stimmen. All die Lügen, Verleumdungen. Entstellungen, die die M. Gladbacher Jesnitenschnle und die Trabanten des Reichsverbattdes bei Reichstagswahlen auftischen, wurden Tag siir Tag wiederholt, dazu kam ein un- be schreiblicher Terrorismus, der gegen abhängige Wähler ausgeübt wurde. Aber trotz alledem sind die Tage der kapitalistischen Alleinherrschaft ans dem Rathaus gezählt, denn bei der nächsten Wahl dürfte es unserer Partei zweifeUos gelingen. eine Bresche in das Kartell zu legen. Schon diesmal ist gehörig in das Wespennest gestochen worden. Wütend fuchteln die Kartellisten um sich— und lausen jetzt zum StaatZanivalt. Das ist in Preußen ja stets der Weisheit letzter Schluß, wenn Mißstände an den Tag gefördert werden. Es wird voraus- sichtlich einen interessanten Prozeß geben— Material für die nächsten Wahlen. Die bürgerlichen Parteien nahmen zum erstenmal in jeder Wupperstadt einen leibhaftigen Arbeiter auf ihre Liste, in Barmen einen evangelischen und in Elberfeld einen katholischen. Mit diesem faulen Köder gedenkt man für die Zukunft die im Banne des Zclotentums dahinduselnden Arbeiter an den Wahltisch zu bringen, damit sie ihre eigenen Ausbeuter wählen. Die Wuppcrtaler Arbeiterschaft wird das Spiel zu durchkreuzen wissen.— *»» Deutfebed Reich. Eine„Friedenskundgebung". In der Berliner Börse fand am Sonntag eine von 2000 Personen besuchte Versammlung von Vertretern des Handels und Gewerbes, Parlamentariern, Gelehrten und Künstlern statt, die dem Zwecke dienen sollte, dem englischen Volke die Friedensliebe der deutschen Nation eindringlich zu betveisen. Auch die Bürgermeister von Berlin, Charlotten- bürg und anderen Nachbarstädten waren zu der Demonstration erschienen. Von allen Rednern, dem«stadtältesten Kämpf, dem Direktor der Diskontogesellschaft Dr. Salomonsohn, dem Rektor der Charlottenburger Hochschule Dr. Flamm, dem Reichstagsabgeordneten und Herrenhausmitglied Prinzen zu Schönaich-Carolath usw. wurde die Friedensliebe des deutschen Volkes und das gemeinsame Friedensinteresse Englands und Deutschlands nachdrücklichst hervorgehoben. Der Direktor der Diskontogesellschaft zog speziell die deutsch-englische Handelsbilanz, das in Britisch-Südafrika investierte deutsche Kapital in Höhe von 1,2 Milliarde und die häufige Gemein- samkeit der Bankaktionen*als Beweise dafür heran, daß die beiden großen Kulturnationen ohne jede Eifersüchtelei neben- einander leben könnten, da die weite Welt vollständig Raum habe für beide Nationen. Ein anderer Redner führte aus, daß ein Krieg beiden Völkern die furchtbarsten Wunden schlagen müsse, so daß es hohe Zeit sei, auszusprechen, daß ein Krieg zwischen diesen beiden Kulturvölkern die europäische Kultur überhaupt in Frage stellen iverde. Einstimmig tvurde schließlich folgende Resolution angenommen: „Die von den Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin auf den 17. Dezember 1905 in die Säle des Börsengebäudes ein- berufene und von mehr als 2000 Personen aus fast allen Berufs- zweigen besuchte Bersammlung begrüßt mit Freude alle Be- strebungen, die auf Herstellung und Aufrecht- erhaltung freundschaftlicher Beziehungen zwischen der englischen und deutschen Nation gerichtet sind. Indem sie die Wünsche für ein gutes Einvernchinen zlvischen beiden Böllern, die in verschiedenen von hervorragenden Männern Großbritanniens in London veranstalteten Versammlungen zum Ausdruck gebracht worden sind, auf das wärmste erwidert, spricht sie die Üeberzcugung aus, daß ein freundschaftliches Berhältuis zwischen Deutschland und England dazu berufen ist, nicht nur die Interessen beider Nationen. sondern auch die g c i st i g e und wirtschaftliche E u t- Ivickelung der Welt auf das wirtsamste zu fördern." Auch diese Dcinonstration, so gut sie zweifellos gemeint war, wird an dem politischen Verhältnis zwischen England und Deutschland nicht das geringste ändern. Die Engländer denken genau das. was einmal Wallenstcin von Gustav Adolf sagte: Nicht auf's Maul, sondern auf die Hände muß man sehen! Warum ist denn von all den freisinnigen Parlamentariern kein einziger der Bälowschcn Begründung der Flottenvorlage mit den wirtschaftlichen Argumenten entgegengetreten, die Dr. Salomonsohn gestern in der Börse entwickelte? Warum hat man diese Argumentation der Sozialdemokratie überlassen? Und wenn der Prinz Schönaich-Carolath erklärte, daß Deutschland keinerlei Besorgnis hege, daß eine starke englische Flotte ihre Spitze gegen Deutschland richte, warum betreibt dann überhaupt Deutschland so fieberhaft seine Flotteurüsttingen? Es gibt nur c i n Mittel gegen die Verhetzung der Nationen und die internationale 51riegsgefahr: den siegreichen Aufstieg der Arbeiterklasse und die Demokratisierung des Staatswesens. Erst wenn die Volksmassen selbst über Krieg und Frieden zu entscheiden haben, ist jede Gefahr eines Krieges ausgeschlossen.—_ Das Wettrüsten. In den„Berliner Neue st en Nachrichten" behandelt Konteradmiral z.D. Stiege die Frage des Wettrüstens zwischen England und Deutschland. Er bezieht sich dabei auf einen Artikel in der„Army und Navy Gazette", in dem dargelegt wird, daß sich infolge der deutschen Flottenrüstnngen der Schwerpunkt für die englische Flotte nach der Nordsee verschoben habe. Die Ver- schiebung des Schwerpunktes in Englands maritimer Lage habe sich ungefähr in jedem Jahrhundert einmal vollzogen. Die letzte Ver- schiebung sei durch das deutsche Flottenrüsten geboten worden. Die Kanalflotte, die aus 12 Linienschiffe» bestanden habe, sei auf 17 Linien- schiffe erhöht worden, wozu»och 12 Panzerkreuzer kämen. Die Stärke der Kanalflotte sei auch jetzt noch keineswegs eine feststehende, vielmehr werde sie danach bemessen werden,„was andere tun". Konteradmiral St i e g e findet die hier niedergelegte englische Admiralitätspoliltk„unantastbar logisch". Deutschland müsse sich seinerseits zu derselben„nüchternen Logik" anfslbwingen. Deutschland stehe wie England an einem historischen Wendepunkt und müsse demgemäß seine Flolte verstärken. Wir unsererseits finden ein solches Wettrüsten keineswegs logisch, sofern wir nicht den methodischen Aberwitz als logisch gelten lassen wollen. Denn das Wettrüsten kann doch nicht in alle Ewigkeit weitergehen. Die Rivalität muß sich vielmehr schließlich bis zur offenen Feindseligkeit zuspitzen, daS beweisen ja gerade die Lehren der Vergangenheit: die Vernichtung der spanischen Seeherrschaft im 10. und 17. Jahrhundert, die englisch-niederländischen Seekriege im 17. Jahrhundert und schließlich die Seeschlacht von Trafalgar an der Wende des IS. Jahrhunderts! England hat, hauptsächlich wegen der deutschen Flottenrüstnngen, seinen Flottenetat von 290 Millionen im Jahre 1893 ans 734 Millionen im Jahre 1903 steigern müssen. In einem Jahrzehnt kosten also England diese Rüstungen zirka vier Milliarden! Glaubt man wirklich, daß da nicht England schließlich eine Machlprobe diesen ungeheuren und unabsehbaren Opfern vorziehen wird? Da also die„unantastbare Logik" des Wettrüstens früher oder später zu einer Katastrophe führen muß, ge- bieten die gesunde Vernunft und der wahre Patriotismus, sich diesem tollen Flottenrüsten mit aller Macht entgcgenzuslemmcn I— Flottcniiarrcn. Am Sonntag nahm der Alldeutsche Verband in Leipzig in einer außerordentlichen Vcrsanimlnng zur F k o t t c n v o r l a g e Stellung in dem Sinne, daß die Vorschläge der Regierung nicht als auS- reichende anzusehen sind. AuS dem alldeutschen Redebrei seien nur einige Geständnisse dcS Flottenagitators Generalleutenants z. D. L i e b e r t ihrer Offen- Herzigkeit wegen hervorgehoben. Einer seiner Sätze lautete: „Von England können wir vor allem den brntalc» Egoismus lernen, mit dessen Hülfe er feit 2 Jahrhunderten Meer und Welt beherrscht." Herr von Liebert ist Vorstandsmitglied des von den obersten Reichsspitzen gehätschelten F l o t t e n v e r e i n s. Und ein solcher Mann kündet dergestalt eine Meer und Welt beherrschende Seepolitik Deutschlands an! Ist auch das keine Verletzung Englands? I Besonders niedlich ist auch der zweite Ausspruch dieses Flotten- agitators. Er lautete: „Alle Interessenten versammeln sich und schreien A ch und Weh über die neuen Steuern. Wohl hören wir die Herren Hurra schreien, aber für den Patriotismus der Tat, für den Opfermut sind sie nicht zu haben!" Die alldeutschen Flottenfere riefen hierzu:„Sehr wahr!" Trotzdem wurde ihre Versammlung nur mit einem dreifachen„Heil", nicht aber auch mit einer Flottensammlung geschlossen!— Militaria. In seinem elterlichen Hause in Gerresheim machte ein Soldat der 12. Kompagnie des Jnfanteric-Regiments Nr. 39, welches in Düsseldorf doniiziliert ist, seinen! Leben durch Erhängen ein Ende. Aus einem hinterlassenen Schreiben ging hervor, daß der Soldat wegen schlechter Behandlung im Dienste durch seine Borgesetzten den Tod gesucht hat. Eine Untersuchung ist eingeleitet worden.—_ Tie„Paiither"-Afsäre. Das halboffiziöse Dementi der„5töln. Ztg." über angebliche llebergriffe des„Panther" in Brasilien wird nun doch durch eine Darstellung des sicher nicht regierungsfeindlichen Scherl-Blattes Lügen gestrast. Das Blatt erhält aus I t j a b y jSüdbrasilieu) folgende Meldung: „Der Matrose Haß mann ist vom„Panther", Ivohl auf Anlaß S t e i n h o f s, am 25. November abends v o n Bord desertiert. Einige Offiziere in Zivil und etwa 20 Man» in Uniform wollten am 27. morgens um 1 Uhr das Hotel Com- mercio, wo Stcinhof wohnte, nach Haßmann durch- suchen. Der Inhaber verweigerte dies wegen seiner übrigen Gäste, rief jedoch auf Verlangen Steinhof, der Haßmanns Uniform übergab und sodann gezwungen die Abteilung begleitete, um Haßmann zu suchen. Alle begaben sich hierauf nach der Wohnung von Jacob Zimmer- mann und verlangten, wie es heißt, unter Drohungen die Herausgabe von dessen Sohn Julius. Nach kurzer Mitführung wurde dieser entlassen, da er über den Verbleib Haß- mann? nichts wußte. Von S t e i n h o f verlautet, daß er von der Mannschaft des„Panther" Prügel empfing und an Bord genommen wurde, da er hier und in den Nachbar- orten nicht mehr erschien." Nach dieser Darstellung hätten sich also Offiziere und Mann- schaften des„Panther" eines gröblichen Völkerrechts- widrigen ll e b e r g r i s f s schuldig gemacht. Die deutsche „Ehre", die sich von Väterchens Kosaken die dreistesten Uu- Verschämtheiten gefallen läßt, hätte einem schwächeren Gegner gegen- über wieder einmal ihr Mütchen gekühlt.— HuolancL Frankreich. Genosse Abgeordneter Bagnol gestorben. In Paris ist am 15. d.M. der sozialistische Deputierte des 15. ArrondisscmentS, Henry Bagnol, an einer Lungenkrankheit gestorben. Von Beruf Textil- arbeiter, trat er als Zwanzigjähriger 1882 in die sozialistische Partei ein. Während der boulangistischen Periode kämpfte er tapfer gegen den verräterischen„Sozialismus" Rocheforts. 1902 wurde er gegen einen Nationalisten in die Kammer gewählt, wo er namentlich bei Beratung der sozialpolitischen Gesetze eine eifrige Tätigkeit eilt- faltete. Außerhalb dcS Parlaments wirkte er mit gleicher Gewissen- hastigkeit und Begeisterung in der gewerkschaftlichen und genossen- schaftlichcn Bewegung soloie bei der Gründung von Volks- Universitäten. Er war auch Mitglied deS obersten Arbeitsrais. Sein durch Entbehrungen und übermäßige Arbeit frühzeitig herbei- geführtes Hinscheiden erweckt bei den französischen Genossen das tiefste Bedauern.— Italien. In Erwartung des Votums. Rom, 10. Dezember.(Eig. Ber.) Die Diskussion über das Handelsabkommen mit Spanien wägt in keiner Weise dazu bei, die politische Situation zu klären. Gegen das Handelsabkommen haben sich Abgeordnete aller Parteien äuS- gesprochen: Sozialisten, Republikaner, Radikale, Konservative und Ministerielle, Die sreihändlcrischcn Parteien— also die drei an erster Stelle genannten— haben die Art deS Abkommens getadelt, seine plötzliche Bekanntmachung, die zu der Panik auf den Wein- märklcn Anlaß gab: auch werden sie ihrem anliministeriellcn Votum den Charakter einer Allgemeinen Mißbilligung gegen die gesamte Politik deS Kabinetts geben. Die Konservativen miß- billigen das Abkommen. weil sie Spanien als Konkarrenzland fürchten und— ohne Grund— von einer vermehrten Einfuhr spanischer Produkte eine Preisrednktion der inländischen erwarten. Viele Abgeordnete stehen direkt unter dem Eindruck der furchtbaren Erregnjig der Produzenten in den südlichen Provinzen, wo viele Taufende kleiner Weinbcrgsbcsitzer durch das plötzliche und vielleicht künstlich geförderte Sinken der Preife vor dem Bankerott stehen. Aber diese Abgeordneten, die ge- zwungen zur Opposition übergehen, möchten ihrem Votum keinerlei Mißtrauenscharakter für das Kabinett geben. Am liebsten würden sie eine Tagesordnung annehmen, die dein königlichen Dekret über das Abkommen die Bestätigung versagt und gleickizeitig dem Kabinett das Vertrauen der Kammer ausspricht. Sie wollen— was an sich nicht unlogisch ist— die politische Frage ganz von der Volkswirt- schasilichen nennen und das Handelsabkommen zu Falle bringen, ohne F o r t i s zu fällen. Gegen diese Kombination, von der man nicht weiß, ob Fortis etwas von ihr wissen will, werden sich außer den Sozialisten und Ruplikanern die Konservativen kehren. Aber auch die ministerielle Presse, wie die„Tribun a", hegt Bedenken gegen ihre Durch- sühibarkeit. Die Nichtbestätiginig dcS Handelsabkommens, sagt man, wird die spanische Ülegierung in hohem Maße verletzen. Man ist ihr eine Genugtuung schuldig. Die einzig mögliche ist die, däs'Miiüsterim» zu opfern, das das Abkonunen geschlossen hat. Bei dieser Ans- iassung fpricht natürlich die Ungeduld vereinzelter Portefeuille- aspirantcn auch ein Wörtchen mit. Die Möglichkeit, daß das Ministerium und das Handels- abkommen gerettet werden, ist unzweifelhaft gering. Immerhin faßt sie Fortis ins Auge, indem er am 15. Truppen ans Rom, Mailand, BreScia, Bergamo, Venedig, Treviso und San Remo nach Capnlicn geschickt hat. Im ganzen dürften am Sonntag fünf Regimenter in den unglücklichen Provinzen eintreffen. Der ungeheure Ernst dieser Maßnahme kann niemand verborgen bleiben. Durch diese große Truppendislokation gibt man der Unzufriedenheit dieser Provinzen e i n e k o n k r e t e Richtung: die aus dem Norden kommenden Truppen, die die Regierung schickt, erscheinen dieser gequälten Be- völkernng als der„Feind", als daS„Uebel", das man vorher nicht 'ästen, nicht definieren konnte. Fortis sollte nicht vergessen, daß Blut ein ganz besonderer Saft ist und daß dieser Saft doch etwas bedenklichere Folgen haben kann als die spanischen Weine. � � Fortis hat das von ihm verlangte unbedingte Vertrauens- Votum nicht durchzusetzen vermocht.'Infolgedessen wird dem Kabinett nichts übrig bleiben als zu demissionieren. Die Niederlage des Ministerpräsidenten wird vom Könige nicht gar übel aufgenoimnen, denn es verlautet, Fortis solle mit der Bildung des neuen Kabinetts betraut werden. Euglattd. Die sozialistische Presse über John Burns. Londou, 10. Dezember./z Proz. und zwar für das alte Aktienkapital von 53 500 000 M., und für 25 Proz. des neuen Aktienkapitals der Emission laut Generalversanimlniigsbescbluß vom 27. August 1904 von 0 500 000 gleich 1 025 000 M. voll nnd für weitere am 1.'Juli 1905 eingezahlte 25 Proz. dieses neuen Aktienkapitals gleich 1 025 000 M. jllr ein halbes Jahr zulassen diirfte. In bezng auf die Aussichten für das folgende Jahr Ivurde mit- geteilt, daß bei ungestörter EntWickelung des Betriebes nach Maß- gäbe der inzwischen lebhafter gewordenen Geschäftslage und der zum 1. April n. Js. zn erwartenden Steigerung der Kohlenpreise. ivelcher zwar eine gewisse Steigerung(!) der Selbstkosten gegenüber- stehen wird, ein auch über das Resultat des Geschäftsjahres 1904 hinausgehendes Nettoerträgnis erzielt werden wird. In den letzten 10 Jahren verteilte die Gesellschaft folgende Dividenden: 6, 7, 7, 8, 8, 9, 9, 9, 9 und 10 Proz. Jetzt sollen es 10>/z Proz. werden und im nächsten Jahre noch mehr. Den Berg- arbettern eine Trntznovelle, den Unternehmern höhere Dividenden, so findet jeder seine„gesicherte Existenz". Ein Krach in Amerika. Das Fallissement der Chicago National Bank, der Home Savingö Bank und der Eqnitable Trust Company ist angekündigt worden. Die Ankündigung erfolgte nni O'/e Uhr morgens nach einer 18stüiidigen Sitzung der Clcaringhonse ComiteeS, das feststellt, daß die Aktiva der genannten Institute in den Kohlen- und Eisenbahn- Unternehmungen des Präsidenten der Chicago National Bank, John Wash. stecken. Das Clearinghonse verpflichtete sich, die Deponenten auf Verlangen voll auszuzahlen, um eine mögliche Panik abzu- wenden. Stahlverbaud. Der Stahlverhand setzte die AuSfnhrvergütung ür Stahleisen, Bandeisen und verschiedene Erzeugnisse der Klein- eisenüidustrie auf 7 M. pro Tonne Halbzeug fest. Eine Schlacht an der Börse. Der durch seinen erbitterten Kampf egen die Standard Oil Company bekannt gewordene Börsenmann . W. Lawson teilt durch Inserate in den Zeitungen mit, daß er bei den Kursschlvanknngeii der letzten Tage 3 500 000 Doli, von den 10 000 000 Doll. verloren habe, die er fiir seine Baissespekulationen in Kupfer gegen die Standard Oil Company aufgebracht hatte. Der Rest der 10 Millionen und weitere 10 Millionen Doll. bilden das ganze Vermögen Lalvsons. Er erklärt, er werde das ganze Geld einsetzen, inn den KupfcrpreiS auf das naiiirliche Wertnivcan herab- zudrücken. Er nehme keine Rücksicht und erwarte auch keine. Die Standard Oil Company hat daraus zunächst mit einem Hinauftreiben der Kupferpreise geantwortet. SewerklekaMickes. Bertin und Umhegend. Die Gelbmetallwaren-Fabrikanteu auf dem„gelben" Arbeiterfang. Während des vorjährigen Gürtler» und Drückerstreiks versuchte sich die Vereinigung der Berliner Metallwarenfabri- kanten bekanntlich in der Gründung einer„gelben GeWerk- schast". Streikbrecher und sonstige indifferente Arbeiter, die bei den kleinen Kühnemännern tätig waren, wurden von diesen veranlaßt, sich in eine bestimmte Liste der Vereinigung einzeichnen zu lassen, damit die liebevollen selbstlosen Fabri- kanten den Listenbriidcrn aus purer Arbciterfreundlichkeit „eine Anzahl Vergünstigungen" zuteil werden lassen könnten. Die Fabrikanten verlangten laut Revers von diesen Arbeitern weiter nichts, als„daß sie i h r e m A r b e i t g e b e durch UnterschriftaufEhrenwort versichern daß sie nicht organisiert sind. Als nichtorgani siert gilt, wer keiner Arbeitnehmervereinigung angehört, die bei Streiks, Aussperrungen und dergleichen ihren Mitgliedern Gelder zahlt oder Unterstützungen gewährt Und welche„Vergünstigungen" sollten die„eingeschrie denen" Arbeiter haben? Nun, erstens sollen sie nicht aus gesperrt werden dürfen, und zweitens sollen sie von der Vereinigung im Falle der Arbeitslosigkeit eine Arbeits losenunterstützung erhalten. Das Regulativ der Fabrikanten sagt darüber nämlich: „Kommt es zu einem Streik, dessen Beilegung der Ver trauenskommistton nicht gelungen ist, so hatsiedaS Recht die Entlassung bis zu 70 Prozent der nicht ein geschriebenen Arbeiter in allen Betrieben de Vereinigung zu verfügen. Auf Beschluß de Generalversammlung können jedoch alle nicht e i n geschriebenen Arbeiter entlassen werden. Da gegen werden rütgeschnebcne Arbeiter von der Aussperrung niemals betroffeu." Mit diesem Köder spekulieren die überschlauen Fabri kanten natürlich darauf, daß sich nach und nach so viel Ar beiter bei ihnen„einschreiben" lassen möchten, daß es vor lauter vergünstigungsfrohen Arbeitern in ihren Betrieben überhaupt nicht niehr zum Streik käme, wodurch dann ja auch die Aussperrungen überflüssig würden. Also die einge schriebenen Gelben sollen gewissermaßen den ewigen Frieden in der Gclbmetallindustrie sichern. Die vor lauter Arbeiter freundlichkeit triefenden Fabrikanten können dann„ohne Be unruhigung durch unzufriedene Elemente" lustig drauf los produzieren und ungestört ihre netten Entbehrungslöhne eiw heimsen, während sie die Löhne der zufriedenen Eingeschrie� denen nach ihrem Gutdünken wohlwollend festsetzen. Schön gedacht I Schade nur, daß die Spekulation auf die Aussperrungsfurcht der Arbeiter ein großes Loch hat. Wer heute noch gelb ist, ist morgen vielleicht schon rot. Jeder Arbeiter lernt schließlich einsehen, daß selbst die Arbeitgeber mit dem berühmtesten„guten Herzen" niemals etwas anderes als seine Ausbeuter sein und werden können. Bezüglich der Arbeitslosenunterstützung heißt eS in dem Regulativ: „Als arbeitslos gilt derjenige, dem der Arbeitsnachweis der Vereinigung nicht angemessene Arbeit unter auskömmlichen Be« dingungen nachiveifen kann." Die Unterstützung soll insgesamt für höchstens 56 Tage in einem Jahre gezithlt werden und beträgt bei einem un- unterbrochenen Arbeitsverhältnis in den der Vereinigung an- geschlossenen Betrieben von 1 Jahre s. männl. Arbeiter 1.50 M., f. tvtibl. 0,80 pro Werktag 2,„„ 1,75..„ 1,05„ 3„„ r„ 2,—„»» 1,20„„ 4 �« m 2,25 o*» 1,35 o m o„„ 2,50 ob o 1,50„„ Beiträge soll der„Eingeschriebene" hierfür nicht zahlen. Alles berappt die edle Fabrikantenvereinigung aus eigener Tasche. Dafür aber hat jeder brave„Gelbe" die Pflicht, un- bedingt Streikbrecher zu werden, wenn es verlangt wird: sonst bekommt er eben— keine Arbeitslosenuitterstützungl Nach dem vorjährigen Streik übten die Fabrikanten. wie noch allgemein erinnerlich sein dürfte, im protzigsten Siegesübermut einen Druck auf die unterlegenen Arbeiter aus,' diesen gelben Revers zu unterzeichnen. Eine Anzahl von ihnen tat es auch aus Not. Das Resultat ihrer„Be» mühungen" scheint die Fabrikanten jedoch durchaus nicht zu befriedigen. Die große Mehrzahl der Arbeiter muß unbe- dingt ein Haar in der gelben Suppe gefunden haben, anderen» falls wäre eS unverständlich, daß die Fabrikanten gegen- wärtig in unscheinbaren weißen Kuverts AgitationSzirkulare in die Privatwoh» nungen der Arbeiter per Post versenden und darin in rührenden Tönen ihre eingeschriebenen Vergünsti- gungen anpreisen. In den Zirkularen wird es so dargestellt, als herrschten unter den Arbeitern der Metallwarenfabri» kanten so viele falsche Auffassungen über daS gelbe Wohl» tätigkcitsprinzip der Arbeitgeber, daß diese eine„Aufklärung" für dringend geboten erachten. Sie sagen daher in ihrem Anschreiben höflich, verlegen und unverschämt zugleich: „Wir bitten(!) d-shnlb. genau zu prüfen und empfehlen den bisher bei uns noch nickt eingeschriebenen Arbeitnehmern, sich unseren Bestrebungen anzuschließen, denn diese sollen alle dte- jenigen, welche in Ruhe sich»nd ihre Familie» auskömmlich er- nähren wollen, sowohl vor dem Zwang, streiken zu müssen, als auch vor der Möglichkeit, ausgesperrt zu werden, bewahren, also: Jedem die Freiheit zur Arbeit gewährleisten." Weshalb mögen die Herren den Wisch wohl den Ar» beitern ins Haus schicken, da sie es doch so leicht hätten, die gedruckte Anpreisung ihrer„Bestrebungen" in den Fabriken zu verteilen? Es scheint den Herren darauf anzukommen, daß die Frauen der Arbeiter über den gelben Unter- stützungsrummel unterrichtet werden. Wahrscheinlich hoffen sie, daß die Frauen dann ihre Männer baldigst zur..Ein» schreibung" bewegen würden. Damit die Frauen daS Zir» kular nicht aber als gleichgültige Postreklame betrachten und es vielleicht ungelesen ins Feuer werfen, deshalb wohl das schön verschlossene weiße Freundschaftskuvert, wie es bei Familienbriefen gebräuchlich ist. Nun. die Berliner Metallwarenfabrikanten mögen sich keinen falschen Hofsnungen hingeben. Die Arbeiter be- trachten auch in ihrer Behausung den Inhalt des Zirkulars als das was er ist: Als einen Ausfluß der Bestrebungen, den Arbeitgebern die Freiheit der Ausbeutung zu gewährtet st en und als ein Produkt der Angst vor einem neuen Streik._ Theaterarbeiter für den 22. d. M. Als die Leute sich naturgemäß um andere Arbeit bemühten, warf er am 14. einfach einen Teil von ihnen auf die Straße. Am darauf folgenden Tage bekamen auch die übrigen Leute ihre Kündigung zum letzten dieses Monats. Herr Bonn will den Arbeitern nur 90 M. pro Monat inklusive Nach» mittagsvorstellungeu und Ueberstunden zahlen, während die Bühnen- arbeiter bis dato 120 M. mit Statisterei 2C. bekamen und außerdem Nachmittagsvorstellungen mit 1,60 M. und Ueberstunden mit 50 Pf. pro Stunde auch nocb extra bezahlt werden. Am 16. d. M. weigerte sich Herr Bonn bei der Gagenzahtuiig aufeinmal, die vom 1.— 15. gemachten Ueberstunden zu bezahlen und erklärte aus der Bühne: Ich bezahle keine Uebersiunnden; macht, daß Ihr alle hinauskommt. Nun er- starten sich alle Tbeaterorbeiter mit den Gemaßregelteu solidarisch, außer drei Abcudleuten mit Namen Hinze, Heinitz und einein Maurer K o w a l k i. der sogar politisch organisiert ist. Diese schlössen sich den Gemaßregelten nicht an, sondern arbeiteten weiter. Bei den Vorstellungen am Nachmittag wirkten als Theaterarbeiter dann Logenschließer. Statisten, Automobilfahrer, Kontordiener, sogar die Herren Schauspieler und der Geschäftsführer mit. Am nächilen Tage, am Sonntag, ließ sich Herr Bonn einige Leute von der Herberge holen, um seine Komödie zu liefern. Auch Soldaten iviirden zugezogen, denen er für Arbeit und Statisterei 1 M. pro Tag gab. Der Konflikt dauert noch au. Die Theaterarbeiter bitten dringend, speziell die Holzarbeiter, das Berliner Theater zu meiden. Achtung, Rohrleger und Helfer! Bei der Firma Krasselt sind Differenzen ausgebrochen. Alle Bauten, auf denen von obiger Firma Arbeiten ausgeführt ivcrden, sind gesperrt. Wir ersuchen die Kollegen. den Betrieb zu meiden. Zur Zeit sind folgende Bauten geserrt: Städtischer Schulbau. Paukstraße 23, und Potsdamer Bahnhof(Sireckenarbeit). Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiter-VerbandeS. Achtung, Bauktempncr! Den Kollegen zur Mitteilung, daß kommenden Sonnabend, am 23. d. Mts., die Bestimmung oeS§ 3 des Tarifs keine Anwendung findet. I. A. der Schlichttmgs-Kommisstott: K. Weitzel. Oeutfehee Rtldi. DaS Gewerkschaftskartell in Düsseldorf hat in seiner letzten Sitzung die Anstellung eineS GewerlschastssekretärS beschlossen. Eine Teuerungszulage von wenigstens 5 Proz. von sämtlichen Mühlenbesitzern Leipzigs, SchkeuditzS»r.d Umgegend zu fordern, hat eine in Leipzig abgehaltene Versammlung von Müllern und Mühlen- arbeitern beschlossen. lllust»»». Die Bergleute im Becken von CharleroiS sind in der- schiedenen Gruben in den Ausstand getreten. ES streiken etwa 1000 Arbeiter. Soziales. Gewerbegerichtswahl i» München. Am Sonntag fand in München die Wahl der Arbeitnehmerbeisitzer für das Gewerbe- gericht statt. Da die Hirsch- Dunckerschen Gewerlvereine zum erstenmal sich an der Wahl beteiligten, so standen sich drei Gruppen gegenüber. Auf die Lifte der freien Gewerkschaften fielen 11004(1902: 9769) Stimmen, auf die der Christlichen 24l5 >1902: 1999); die Hirsche, die um ihr Debüt besonders glanzvoll zu gestalten, ihre Liste sogar mit dem Nomen eines Streik- orechers geschmückt hatten, brachten es ans 107 Stimmen. Es wird nach dem Proporlionalsystem gewählt. Demnach entfielen von den 60 Gewerbegerichtsbeisitzern auf die freien Gewerkschaften 50, auf die Christlichen 10. auf die Hirsche keiner. Von der Heimarbeit. Die Heimarbeiterinnen-Organisatton und der christliche Schneiderverband in M.-Gladbach haben eine Heim» arbeits-Ausstellung arrangiert. Durch diese Ausstellung sollen der Oeffeittlichkeit die niedrigen Löhne vor Augen geführt werden, die für die Heimarbeit gezahlt werden. Es ist dort ausgestellt eine Lodenjoppe, an welcher ein guter Arbeiter 3 Stunden zu tun hat. Als Lohn wird 70 Pf. gezahlt, doch mutz der Arbeiter Garn, das 8 Pf. kostet, selbst stellen. Eine Frauenhose, zu deren Herstellung 8/4 Stunden gebraucht werden, wird mit 10 Pf. gelöbnt! DaZ Garn, welche? von den Arbeiterinnen bezahlt werden muß, kostet 2 Pf. Für ein ganzes Dutzend Unterröcke werden 45 Pf. gezahlt; davon gehen aber noch 9 Pf. für Garn ab. Ein Kinderanzug, fix und fertig, wird mit 65 Pf. bezahlt: von diesem„hohen" Lohn gehen noch 5 Pf. für Garn ab. Die ausgestellten Gegenstände werden der Allgemeinen Ausstellung für Heiniarbeit in Berlin, die im Januar nächste» JahreS eröffnet werden soll, zugeteilt werden. Sie legen in an» chaulicher Weise ein beredtes Zeugnis über die elende Lage der seimarbeit ab. Sinne de» Wortes ein kulturförderlicheZ Werk ist. Der Vortrag fand stürmischen Beifall. Einstimmig wurden folgende Resolutionen angenommen. Resolution I. In Erwägung, daß die schon lange anhaltende Fletschteuerung, die eine Ab- schwächung kaum mehr erfahren wird, die gesamte Arbeiterschaft und so auch die Arbeiter der Brau- und Malzindustrie in unerträglichem Maße belastet: daß nach Inkrafttreten der Handelsverträge im nächsten Jahr durch die dann folgende Preissteigerung aller Lebensmittel und Bedarfsartikel die Lasten für die Arbeiter als Konsunienten immer drückender und unerschivinglicher werden; daß sich aus Vorstehendem die dringende Notwendigkeit einer angemessenen Erhöhung der Löhne der Arbeiter, auch der Arbeiter der Brau- und Malzindustrie, ergibt, die aber schon sehr erschwert wird infolge der Verteuerung der Rohprodukte der Brauindustrie durch die Handelsverträge, aber nock weit mehr erschwert werden würde durch die ungeheueren neuen Lasten, welche der Brauindustrie durch die Erhöhung der Brausteuer von der Regierung aufzubürden beabsichtigt wird und die auch sicher zahlreiche und große Kämpfe zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber hervorrufen würden; in fernerer Erwägung, daß schon durch die Preissteigerung der Lebensmittel und Be- darfSariikcl infolge der Handelsverträge die Arbeiterklasse als Hauptlonsument des Bieres den Bierkonsum aufs äußerste einzu- schränken gezwungen wird, wodurch eine große Zahl Arbeiter der Brau- und Malzindustrie existenzlos werden; daß der Bierlonfum noch weit mehr eingeschränkt werden wird, wenn die Brauereien zum Ausgleich der ihnen durch die Brausteuer- Erhöhung zugedachten Lasten das Bier verteuern, wodurch eine weitere größere Zahl Arbeiter der Brau- und Malzindustrie existenz- los wird; daß im Falle die bierfür maßgebenden Großbrauereien von einer Verteuerung deS Bieres Abstand nehmen und sich durch Aus- dehnung des Absatzgebietes schadlos halten, die dann einsetzende scharfe Konkurrenz zur baldigen Vernichtung der Klein- und Mittel- brauereien und folglich zur Entlassung ihrer Arbeiter führen wird, protestiert die heutige vom Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter einberufene Versammlung der in den Brauereien, Malzfabriken und Bierniederlagen beschäftigten Per- soncn auf das Enlschiedenste gegen die von der Reichsrcgierung vorgeschlagene Erhöhung der Brausteuer, sowie überhaupt gegen jede höhere Besteuerung des Bieres als eine Maßnahme, die gegen die Interessen der Arbeiter der Brau- und Malzindustrie und gegen die Existenz von Tausenden derselben gerichtet ist. Resolution II. Die heutige Versammlung der in Brauereien, Malzfabriken und Bierniederlagen beschäftigten Personen erkennt mit Rücksicht auf daS in Resolution I Dargelegte die Notwendigkeit eines festen Zu- sammenschluffes aller Arbeiter oben bezeichneter Betriebe an, um in der Lage zu sein, notwendige Lohnerhöhungen und Arbeitszeit- Verkürzungen zu erzielen und jede eventuell beabsichtigte Schädigung ihrer Interessen zu verhindern Dieser feste und wirksame Zu- sammenschluh ist nur in der Organisation gegeben, deshalb der- pflicksten sich die Anwesenden, t«m Zentralverband deutscher Brauerciarbeiter beizutreten, soweit sie noch nicht Mitglieder des- selben sind, und dafür zu wirken, daß auch der letzte Arbeiter dieser Betriebe am Orte zur Organisation herangezogen wird. Letzt* Nachrichten und Depefchen. Opfer der Wahlrcchtsdeminstration. Dresden, 18. Dezember.(W. T. B.) Von den am Sonn- abend durch die Polizei festgenommene» Demonstranten sind 14 dem Gericht übergeben worden._ Die gestern in sozialdemokrati- „Freien Presse" Im Berliner Theater ist e? zn einem Konflikt zwischen der Bühnenleitung und dem technischen Personal gekommen. Herr Direktor Bonn kündigte an, 3. Dezember der einen Hälfte der Versammlungen. Der Protest der Branereiarbeiter gegen die Erhöhung der Bransteuer. Am Sonntagmittag fand eine öffentliche Protestversammlung der Brauereiarbeiter gegen die von der Regierung geforderte Er- höhung der Brausteuer statt. Kellers großer Saal war samt den Galerien bis auf den letzten Platz gefüllt; viele mußte» sich mit tehplätzen begnügen. Aufmerksam folgten die ungefähr 2000 Ver- ämmlungSbesucher dem Vortrage deS Reichstags-Abgeordneten Dr. S ü d e k u m, der zunächst die Finanzwirtschaft de» Deutschen Reiches, das unverantwortliche Pumpsystem mit den Zuschuß- anleihen zur Deckung der Zinsen der RcichSschulden, sowie das egoistische Bestreben der herrschenden Klassen und ihrer Regierung. alle Lasten des Reiches möglichst auf daS Proletariat abzuivälzen, charf und treffend kritisierte. Nachdem der Redner im allgemeinen >as Verderbliche und die Ungerechtigkeiten des indirekten Steuer- ystems, sowie die Verwendung der also aufgebrachten Mittel zu der wahnsinnigen Welt, und Kolonialpolitik geschildert hatte, fprach er über die neuen Steuervorschläge, das Weihnachtsgeschenk, das die Regierung dem deutschen Volke zugedacht hat, und besonders über die verderbliche Wirkung, die die Erhöhung der Brausteuer in Wirt- chaftl icher, sozialer und sittlicher Hinsicht ausüben muß. Auf Grundlage beweiskräftigen statistischen Materials zeigte der Redner. wie die Bransteuer feit ihrem Bestehen auf eine Vernichtung der kleinen und mittleren Brauereien hingewirkt hat. und führte au» daß trotz der vorgeschlagenen Staffelung die neu« Erhöhung von den kleineren Brauereien weit schwerer ertragen werden kann, als von den großen, also die Vernichtung der kleinen Betrieve noch weiter begünstigen muß. Man könnte sagen: Was kümmert da» uns Sozial- demokratrn, wenn die EntWickelung zum Großbetrieb künstlich ge- fördert wird! Aber durch die damit verbundene Vervollkommtning ker Technik werden wiederum viele Brauereiarbeiter arbc'itöloS ge- macht. Außerdem hat man damit zu rechnen, daß, wie in Amerika. die Bierproduktion durch Trusts monopolisiert und das konsumierende Publikum grenzenlos ausgebeutet wird. Der Redner wies ferner darauf hin. daß das unschädliche oder doch nur wenig schädliche, schwach alkoholische Getränk, das Bier, tatsächlich gegenüber dem SchuapS eine Kulturmission erfüllt und zu erfüllen hat. und daß keineswegs die angeblich so geringe Erhöhung des BierpreiseS für die wirtschaftliche Lage der Arbeiter, namentlich der so elend be- zahlten Arbeiter in der Provinz, bedeutungslos ist. Mußte doch z. B. der Arbeiter einer Tüngerfabrik, dessen HauShaltuugsbndget der Redner erwähnt«, oft auf den gewohnten halben Liter Braunbier für 6 Pf. zur Herunterspülung des ekelhaften Arbeirssrauves ver- � | zicbten imd sich mit dem um einen Pfennig billigeren Schnaps be- ! gnügenl Der Redner schloß mit de» Worten, daß der Kamps gegen die neuen Steuervorfchläge, abgesehen von der Erbschaftssteuer, von i den politischen und wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiterschaft| mit aller Kraft geführt werden muß und daß dieser Kampf im besten Wahlrechtsdcmonstration. Straßburg, 18. Dezember.(93. H.) Kolmar stattgefunbene Landeskonferenz der scheu Partei Elsaß-Lothringens�beschloß der zufolge, daß die reichsländische Sozialdemokratie am Sonntag vor Eröffnung des Landesausschusses im ganzen Lande De- monstrationsversammlunge» abhalten soll zugunsten der Einführung des allgemeineni gleichen und direkten Wahlrechts für den Landesausschuß._ Borbereitungen. Königsberg i. Pr., 18. Dezember.(W. T. B.) Auf Einladung deS Oberpräsidenten von Mottle fand heute nachmittag eine Be- sprechung statt zwecks Einleitung einer Hülssaktion für die in der nächsten Zeit auS den gefährdeten rnssischen Ostfeeprovinzen in Königsberg zu erwartenden notleidenden deutschen Flüchtlinge. Ter Platz an der Sonne. Frankfurt a. M.. 18. Dezember.(93. H.) Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Shanghai mittags gemeldet: Die Chinesen re- voltieren seit heute früh. Sie haben die Hauptstraßen ver- barrikadiert. Engländer bcsebten das Zollamt. Deutsche Matrosen vom Flutzkanonenboot„Vaterland" find gelandet, da« Freiwilligen- korpS ist einberufen. In der Nanking Road brennen verschiedene Häuser, die Europäer werden von den Chinesen angegriffen und mit Steinen beworfen. Tie Lage ist ernst. Kein größere» deutsches Kriegsschiff ist anwesend._ Offene Drohung mit der Militär-Diktatur. Petersburg, 17. Dezember.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Ein amtliches Communique von heute besagt: Unter den politischen Parteien machen sich namentlich die Gruppen bemerkbar, die zum Ziele haben, sich den im Manifest vom 30. Oktbr. angekündigten Reformen zu widersetzen und den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Bau deS Lande? vollständig zu zerstören. Diese Gruppen bedrohen die Regierung, die Gesellschaft und die Bevölkerung, welche ihre Ideen nicht teilen, und gehen so weit, Handlungen der Gewalttätigkeit zuzulassen, den Aufstand in der Armee vorzubereiten und zu predigen und das Land durch Hemmung des Betriebes der Posten. Telegraphen und Eisenbahnen zu desorganisieren. Sie konzentrieren ihre Aufmerksaiiikcit be- sonders auf die Arbeiterklasse. Ihre Programme schließen sich den Programmen der Sozialdemokraten und der revolutionären Sozia- listen an. ihre Taktik näberl sich derjenigen der Anarchisten. Die Regierung hall die Ausführung der Reformen auf der Grundlage de? Manifestes vom 30. Lktober für ihre Pflicht. Sie hält es für das beste Mittel zum Kampfe gegen die Revolutionäre, sich auf die Gesetze und provisorischen Reglements zu stützen; wenn aber diese Mittel nicht genügen sollien, um der Tätigkeit der Revolutionäre Einhalt zu tun, wird die Notwendigkeit eintreten, Mahnahmen von vollständigem AuSnahmrcharakter anzuwenden. Aufruhr in Serbien. Semlin, 18. Dezember.,A ver- kommcnen alldeutschen Partei, sind alle Parteien im Prinzip für die Wahlreform oder richtiger: nicht mehr gegen sie. Mit der platonischen Anerkennung ist der Wahlreform freilich nicht gedient, eS muß für sie auch gestimmt werden. Man kann nun heute nicht sagen, wer für die Reform stimmen wird, aber— so paradox es klingt— ganz unmöglich scheint es, daß jemand gegen sie stimmen könnte. Solange nämlich die Gegner hoffen werden, das große Werk noch hintertreiben zu können, solange werden sie es befehden. In dem Augenblick aber, wo ihnen zu Bewußtsein kommen wird, daß die Reform unaufhaltsam ist, wird jeder lieber ein Wahl- reformfreund sein wollen. Mit der Mandatsverteilung werden natürlich alle unzufrieden sein, weil selbstverständlich jedes Land und jede Nation niehr Mandate begehrt, als ihnen zufallen werden, aber wegen ein paar lumpiger Mandate kann gegen eine so große und bedeutsame Sack?« doch zum Schlüsse niemand stimmen. Das Gewicht der Sache wird sich gegenüber allen Feinden durchsetzen. Ties natürlich alles nur in„parlamentarischer" Beziehung. Die entscheidende Rolle fällt aber dem Proletariat zu, dessen Kampf- bercitsclmft keinen Moment aussetzen darf und das dem Parlament den Ernst der Sachlage klar zu machen haben wird. Welchen Um- fang der Endkampf annehmen wird, das hängt also vornehmlich von dem Grade der Einsicht der Herrschenden ab. Es kann bei der normalen parlamentarischen Mistimmung bleiben, ober das Drama eines Massenstreiks kann gleichfalls anheben. Tie Arbeiterschaft ist für jeden Fall gerüstet und wird jeder Situation gewachsen sein. JJiis der Partei. Der Verlag der„Miiiichencr Post" findet in dem Blatte vom 17. d. M. endlich! die Sprache wieder, um auf unsere Feststellungen vom 14. d. M. zu antlvorlen. Die Antwort lautet: Die Redaktion des„Vorwärts" erklärt niit einer fast Be- wundcrung erregenden Kühnheit unsere tatsächlichen Feststellungen über den Ver>and der Broschüre: Der„VorwärtS"-Konflikt. ent- weder für subjektive oder für objektive Unwahrheiten. Ent- weder lügen wir oder unsere Bücher. Das ist jedenfalls die leichteste, aper nicht hie manierlichste Art, sich aus einer faulen Sache herauszuziehen. Wenn wir der„Vor- wärts"- Redaklion die Lelchlfertigkeit ihrer Behauptungen beweisen ivollten, so»mßte jeder Richter der b ü r g c r- lichen Gesellschaft unscre Bücher als vollgültiges Beweis- materiell ansehen. Aber was tümmert sich die.Vorwärts"- Redaktion um Beweise 1 Sie behauptet, erst am 3. Dezember ihr Exemplar, d a S am 6. h i e r wegging, bekommen zu haben, während das Entscheidende darin liegt,>v a n n der Versand stattgefunden hat. Es hat sehr lange gedauert, bis die Parteiblätter ihr Exemplar„bekomme n" haben, bei einigen, wie beim„Vorwärts", hat eS zwei Tage, bei anderen sogar acht Tage und länger gedauert. Wir erklären hier also nochmals, daß die„Borwärts"-Nedaktion in leicht- fertigster Weise Brhanpiungen ausstellt, die direkt den Tat- fachen widersprechen, wofür wir jederzeit den Beweis antreten können. Jni übrigen verzichten«vir auf eine weitere Auseinander- fctzung, weil dabei nur eine noch geringere Wertschätzung unseres angeblichen Zentralorgans herauskommen könnte. München, 15, Dezember 1905. G. B i r k u. So. Der rührige Verlag der„Münchener Post" hat von seinem Standpunkt ganz recht, wenn er„auf eine weitere Auseinandersetzung verzichtet". Er kann sich nämlich dabei nichts Angenehmes niehr holen. Daß dieRedaktion des,.Vorwärts"ihrExeniplar deS.sozialdemo- kratischen Gnnibuchs" erst an dem Tage erhalten hat, wo die bürgerlichen Blätter bereits ausführliche Besprechungen darüber brachten, bleibt eine Tatsache, die der Münchener Verlag mit allen seinen Büchern nicht hintvegrechnen kann, und daß eS sich nicht um einen Zufall, um eine ausiiahnisweife Verspätung in der Postbestellung handelt, beiueist die Erklärung der.Bremer Bürger-Zcilung", auf die der Münchener Verlag mcht mit einem Wort reagiert. Ebenso wenig berührt er jetzt dte Frage der verspäteten Sendung an die Partcivuchbniidlung Vorwärts. Nach seinen eigenen„Bückicrn" ist cS nämlich klar, daß er gleichzeitig je ein Exemplar der Broschüre(selbstverständlich als Drucksache unter Kreuzbands an die bürgerliche» Redaktionen und 100 Exemplare(selbstverständlich als Paket) an die Buchhandlung Vor- wärts geschickt hatte. Jedes Kind weiß aber, daß eine Drucksache unter Kreuzband rascher ankommt als ein Postpaket, und der Verlag der .Münchener Post" wußte es auch ganz genau. Er bat also den bürgerlichen Gegnern das mit Jubel aufgenomniene„tödliche Material" gegen die Sozialdemokratie mit vollem Belvußtlein mit jener blitz- artigen Geschwindigkeit apportiert, die von Masse und Genossen dankbar gnirtiert wurde. Daran läßt sich nicht rütteln. Angesickits dieser Tatsachen ist es unseres Erachtens eine llnver— zeihlichkeit, wenn der Verlag der..Münchener Post" noch überhaupt den Mut findet, irgendwelche„Erklärungen" abzugeben. Er hat alle Ursache, über die rühmliche Gcschichie seiner letzten Leistung auf dem Gebiete der sozialdemokratischen Broschürenliteralur so rasch wie möglich Gras wachsen z» lassen. Arbeiterbilduug. Wir erhalten die folgende Zuschrift: In seiner Nummer 294 ist der„Vorwärts" so freundlich, meine Anregung auf Gründung einer Arbeiter- Universität weiteren Kreisen der Parteigenossen zu übermitteln. Um jedoch den Lesern ein klares Urteil über meinen Vorschlag zu ermöglichen. scheint eS mir unerläßlich, tvenigstens noch eine weitere Stelle aus meinem Artikel mitzuteilen. Das in Nummer 294 abgedruckte Zitat beginnt mit der Behauptung, daß die Aufgabe der Redner, so lv i e ich sie gestellt habe, sehr schwer ist. Wie habe ich sie ge- stellt? Das ergibt sich aus folgenden Worten, die der bereits zitierten Stelle unmittelbar vorangehen: „Ich meine, man wird dem Uebel(nämlich dem vom Partei- vorstand in seinem Aufruf nach Jena beklagten Mangel a» theoretischer Vertiefung der Massen) nur dann zu Leibe rücken können, wenn man seine Ursache richtig erkennt. Und die sehe ich in folgendem. Der Eifer zu lernen ist vorhanden, an ihm mangelt eS nicht. Aber es fehlt nicht nur die Gelegenheit, sondern auch die Z e i t. Zumeist sind ja die Genossen, die lernen wollen, dieselben, die über- Haupt in der Bewegung sich eifrig betätigen, und diese find alsbald mit Bemtrrn aller Art überhäuft. Aber selbst wer wenig oder gar keine Aemter hat, kommt mit seiner Zeit nicht aus. Die not- wendigsten Veranstaltungen von Partei und Gewerkschaft sind bereits so zahlreich, daß fast Abend für Abend besetzt ist. Heute eine Generalversammlung, morgen ein Zahlabend, übermorgen eine Vertrauensmännersttzung, dann wieder eine Flugblattverteilimg— lauter geschäftliche Veranstaltungen, die abgehalten werden müssen und unaufschiebbar sind. Der bloße Rat, Vorlesungs- und Diskutier- abende einzurichten, hilft da gar nichts, selbst wenn der Parteivor- stand Geld dazu hergibt. Es sind ja keine Abende mehr frei, an denen das geschehen konnte! Ich meine nun, man muß die Dinge nehmen, wie sie einmal sind, und versuchen, im Rahmen der gegebenen Verhält- nisse dem Uebel zu steuern. Und da sehe ich nur einen Ausweg: Von den oben berührten geschäftlichen Veranstaltungen wird sich kaum hin und wieder einmal eine vermeiden lassen. ES ist deshalb ganz vergeblich, die Parteigenossen noch außerdem zu besonderen Bildungsabenden zusammenzuberufen. WaS zu viel ist, ist zu viel; es köniien dann immer nur die paar kommen, die gerade zufällig Zeit haben, und jedes folgende Mal werden eS andere sein, so daß von regelmäßiger Ausbildung keine Rede ist. Sind aber keine besonderen Bildungsabende möglich, können die Genossen nickt zur Bildung kommen, so bleibt eben nicktS übrig, als die Bildung dorthin zu bringen, wo die Genossen sich befinden, das heißt in die Zahlabende, die rein geschäftlichen General- Versammlungen«. Dort sind die Genossen, dort� müssen sie so wie so hinkommen und also, meine ich, soll man diese Ge- legenheiten auch zu BildungSzwecken ausnutzen. Jede solcke Ver- mistalttmg sollte mit einem Vortrag auS der Gedankenwelt deS Sozialismus eröffnet werden, der nicht länger als eine halbe Stunde zu dauern brauckte. so daß reicklich Zeit bleibt für die sonstigen Geschäfte des Abends. In einer halben Stunde, zumal bei öfterer Wiederlehr, läßt sich sehr viel sagen— wenn man es nur versteht. Und damit komme ich zum zweiten Teil der Frage: Wo kriegen wir die Leute her. die das macken?" Dies ist die Aufgabe, die nach meiner Meinung gelöst werden muß, und hieran schließt sich nun mein vom„Vorwärts" bereits abgedruckter Vorfcklag. Die Arbeiter-Umversität soll also nicht Agitatoren schleckthin ausbilden, sondern solche Genossen, die ihrer- seitS gewissermaßen als Lehrer imstande sind, den eigentlichen Agitatoren sowie den Massen überhaupt dte nötige theoretische Ver» tiefung zu bringen. Der Einwand, den der„Vorwärts" gegen meinen Vorschlag erhebt, scheint mir nicht durchschlagend. Ersten« hatten die Genossen in früheren Jahrzehnten diese Aufgabe, wie ich sie bier formuliert habe, eben noch nicht zu lösen, und zweitens war die Bewegung wie die Zahl unserer Anhänger damals viel kleiner, woraus sich ergibt, daß die Partei mit einer viel kleineren Zahl theoretisch gründlich vorgebildeter Genossen auskam. Auch will es mir zweifcl- Haft erscheinen, ob die viel kleinere Partei damolI wirklich soviel tägliche, unaufschiebbare Kleinarbeit zu verrichten hatte, wie»vir heute.— Endlich schloß sich in meinem Artikel an den Vorschlag noch der Satz: „Vielleicht ließe sich das Institut zugleich zur theoretischen Vorbildung unserer Journalisten benutzen. tvaS einen gewalligen Schritt zur Beseitigung beS jüngst vom Genossen Mehring(in der„Neuen Zeit") besprochenen UcbelstandeS bedeuten würde." Königsberg i. Pr., 17. Dezember 1905. _ Julian Borchardt. Partciprcsse. Die Preßkommission der»Fränkischen Tagespost� in Nürnberg wählte für den am 1. Januar ausscheidenden Ge- nossen Georg Staufer den Genossen Paul Schlegel, zur Zeit in Augsburg. Bei der Gemeiiidcwahl i» Stünz bei Leipzig siegten in der dritten Abteilung die Kandidaten unserer Partei. vsittrrnnasllbcrtlrlit voiii 18. Dezrmlier 11)05, morgens 8 111);. Stationen || - 2 ■» c Vetter Swlnenide önmf'iivQ Berlin Frank. a.M.! 774 NO Millich«)! 774 NO Wien 1773 W 773 NNW 775 Still 774 NW gdclter -Nebel 2 wölken! Imolkcul Lwollcnl gwolkenl -e. 9" 5? H 5-. 1 -2 _ 2 —2 —6 —i Stationen !<•= •2 I i Z weiter Ä Envimmda Belgrad Scilly r'lbcrdeen Paris 767 NNW: 75,7 NNW; 764 SSO! 755 SSW 1 770 ONO I 2 wolkcnl gwolkenl S Dunst 3 molkig 1 Nebel an 2 V 6 II -13 —5 8 6 Wetter-Progno e für Tieustng. den 19. Dezember 1905. Zeitweise nebelig, vorwiegend Keiler und trocken bei etwas slrcngemn Frost und mäbigen nordöstlichen Winden. Berliner W« t t e r b u r« a u. Wasserstand am 10. Dezember. Elbe bei Ansstg 0,87 Meier, bei Dresden— 0,08 Meter, bei Magdeburg-f 2,02 Meier.— II n st r u t bei Strauissurt+ 1,50 Meter.— Oder bei Ratibor 4- 2,00 Meier, bei Breslau Oberpcgel 4- 5,19 Meter, bei Breslau tlulcrpcgel— 0,30 Meter, bei Frau klart+ 1,52 Meter.— Weichsel bei Brabemünde 4- 2,08 Meter.— Warthe bei Posen-7- Meter.-» Netze bei Nsch— Meter. ie sollen wir untre IMer obne IFrügei erziehen? H Von 3- Borchardt rr*] preis 30 Pfennig LfLi Der Verfasser gehe von dem Gedanken aus, daß das Prügeln in der Schule zu venverfeu fei, bah aver auch das Prügeln der Kinder tm Kaufe für die körperliche und geiftig» Sniivickelung de««ludes verderblich ist. Gr gibt vielfache An- rezungen, wie die Eltern ihre Klnder ohne Prügel erziehen können. BluchhsmiIiingVewsM Berlin LS. 68. isi m sowie alle Artikel gewähre ich sänit- lichen Kraiikcnkasseii-Mitglicdcr -- 10 Proz. Bar.--—>— F. Liepe, Optiker und Bandaglst Kaiser»riedrichstraste 19. __ Tch öne b r ixg. 64823* Peiz< Stolas und Jacketts, allgemein bevorzugt. Weihnachtsgeschenk zu sehr billige» Preisen offeriert 68/10* 57 Leipztgerstr. 57, neben den Kolonnaden, ü bTJId Kein Schautaste»!! Gesundheits- Pfeifen in verschiedenen AuSslch- rungcn. Uai-, Klub-, Marsch-, Shag-, An- rauch-, lange und halblange Welchaelpfalfen, Meerschaum-, Weichsel-, Zigarren- und Zigarettenspitzen, Priem- u. Schnupf- tabak-Dcsen. Pfelfentelle. Tabaksbeutel und SpazierstScke.• Carl Scilliberl,"plVue" Spar-Astomal. für To-nn4 60-Pk.-8tllcka«chliessl von seihst, a gl.- Inhslt, Kacb Leerung whdav ver-, v.e diiar. Der kleine tikkelsutomat weckt den Sinn sur Spoiiam- kelt hei Jung u. Alt per StUck ,« O.SO Ii StUck.11. 3.60 12 glück.iL 6.- franko Kachn, 3U Pf. Anweisuns grstis. Fabrik- Aripestellto kflnnen sich(Jurch aeu Vertrieb dieses Eruktisohen Artikels einen ilbschen Nobenverdionst erwerben, in diesem Falle besondere Vergünstigung:. 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Die herbe Frucht. LnftipielhanS. Der Familientag. Thalia. Bis srüh um Füuse l Varl Böeisj, Gcschiosscn. Luisen. Der Kausmann von Venedig. Dcutsch-SliuerikauischeS. Uebern grogen Teich. Sliriropol. Aus ins Metropol. Kasino. Das Opferlamm. Slpvllo. PrinzeB Nosine. Em delikates Menu. Walhalla. Unser Doktor. Herrufeld. Familientag im Hause Prellstein. Wintergarten. Eugenie Fougdre. — Svezialitüten. Foiies Caprices. Soll und Haben. Nach dem Zapfenstreich. ll>e>rvsi>»Neu. Stelliuer Sänger. Basjage. Spezialitäten. tl>�ui». Tauveiltirahr IK/It>. Abends 8 Uhr: Im Lande der MitternachlSsonne. Sternwarte, Jnvalidenstr. 157/62. Tägltiv»eöhiie>»au 7 vis I Uhr. 8 Uhr: Im Lande der ütemaelilsne. Sternwarte lnv,"idon Ktr.S? 62. m i■fcimiiadiyiiirfnTHmi'-nif 1 1 astans Panoptikum Fried i-lchntr. 165. Ohne 8xtra-8ntree. Heute und folgende Tage: Knm ersten Unle in den Räumen der I.Etage: Heues Theater. Anfang T[, Ubr. Ein Scmtnernachtstraum. Morgen und solgende Tage: Ein S o»lmernach tstraum. Sonnabend zum l. Male: LiebeSlente. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Marquis von Keith. Mittwoch: Marquis von Zentral-Theater 8 Uhr. Im Abonnement: Der Kizrennerimron. Mittwoch, Donnerstag: Hnsette. Luisen-Thealer. Abends 8 Uhr: Mittwoch nachm.: Sncewittchen. Abends: Der neue Herr. Donnerstag zum erstenmal: So sind sie alle. Freitag: Der neue Herr. Sonnabend nachm.: Sneewittchen. Abends: So sind sie alle. Sonntag nachm.: Sneewittchen. Montag nachm.: Die Waise au? Lowood. Abends: Der Kausmann von Venedig. Dienstag nachm.: Faust. Mends: Co sind sie alle. Mittwoch nachm.: Tell. Abends: Der neue Herr.__ Roinisciie Oper. Friedrlchstr. 104— 164 a. Dienstag, den 19. Dezember, abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Mittwoch: Hoffmanns Erzählungen. Donnerstag, Freitag: Die Bohfime. Sonnabend zum 25. Male: HofTinanns Erzählungen. Trianon-Thealer. Heute und solgende Tage: Die herbe Frucht. Ansang 8 Uhr. An beiden Weihnachtsfeiertagen 3 Uhr: Das Ende der stiebe. 8 Uhr: Die herbe Frucht._ Residenz-Tttealer. Dirciition: Ruhard Hlexandcr. H cule und folgende Tage 8 Uhr: Ter Prinzgemahl. Satirischer Schwank in 3 Akten von L. l'anros und I. Chanccl. Montag, den 25, Dezember, nachm. 3 Uhr: Der BchlalvagenhonlroHeur. Dienstag, den 26. Dezember, nach» mittagS 3 Uhr: Penise._ Fröbeis Älierlei-Tliealer Schönhauser Allee Nr. litt. Gastspiel des Bernh. Rose-Theaters I Schauspiel in 5 Ansz. v. Shakespeare. Ans. v Uhr. Kasseiieröfsnung 7 Uhr. Voranzeige. Nächstes Gastspiel Donnerstag, den 28. Dezember: Ihre Familie. \ Passage-fheafer. Anfang abends 8 L'hr. Das sensationelle Dezember- Programm. Buddhas Tafel (die Schrift aus dem Jenseits). � Padwells, Ä'CSc. ( 14 neue erftklaiiige Nummern. Täglich 8 Uhr: Die glänzcildeu erstklassigen Dezember-Spezialitäteu. 9.20 Ubr: prinxek Rosine von Paul Lincke. Im legten Bild: Ein delikates Menu. Am 1. und 2. Weihnachtsseicrtage, nachm. 3 Ubr, bei ermäßigt Preisen: Frau Lima und das unverkürzte Spezialitäteu-Progranilu. HiietroplilTheater Mulang: 8 HUri. Heute: Festvorstollunx 2um 166. blale: - in'ü itr Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Hiiuolien in all. Käumen gestattet. LustspieBhaus. Abends 8 Uhr: Der Familientag. Morgen 3'/, Uhr: Das böic Prin- zcnchcn. 8 Uhr: Der Familientag. Kssino-'Fheatel' Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Das Opferlamm. Vorher daS brillante Dezcmberprogr. Donnerstag bis Sonnt, geschlossen. An allen drei Feiertagen: Nachm. u. abends: Fest-Vorslellung. H Gebrüder errnfeld- Theater. Heute Präzise 8 Uhr: Komödie in 3 Alten mit den Slutoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorverl. U— 2 Uhr.(Theaterkasse.) Variele Elyslun) KoniinandantenntraBc 8/4. Täglich: • Auftreten von 36 erstklassigen 1 ioternatioileii Spezialitäten. Scli Iller-Tlieater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeatcr). Dienstag, abends 8 Uhr: IVanJnseliins Kinder. Drama in 4 Akten o, S.A. Naidjonow, Deutsche Bearbeitung v. Hans Kauf- mann und Max Lie. Mittwoch, abends 8 Ubr: Der l'eilehenfressier. Donnerstag. abend«« Uhr: C-jgieH nnd sein King. Schiller-Theater N.(Fricdr.-Wilh. Th.) Dienstag, abends 8 Uhr: Kz'xe» und sein Ring. Tragödie in 5 Alt. v. Friedr. Hebbel. Mittwoch, abends 8 Uhr: 4)1« IVinterinUrchen. Do»nerStag,adends8Ubt: IVanjnscbins Kinder. Zirkus Albert Schumann Heute abend Präzise 7>/, Uhr: Extra-«lata-Porstellung. U. a: Die größte und sensationellste Attraktion der Gegenwart I Heute: Vorletztes AuflrGfon! Morgen Mittwoch, den 2V. d. M.: My Letztes Auftreten I-fsO Äutobolide La belle Mlle. de Thiers. Ä"ce:S?e« Miss Texas Hatfie. Tie phiinomenalen 6 L.neirolos. Miß Alice.— Mlle. Eugenia.— Arkadia. Die großartigen neuen Spezialitäten. Direktor Albert Schumanns neueste Monsfredressuren und: Die reizende Sportpantomime: �C?Q9 Englischen Derby. Eugenie Fougere Pariser Excentrique-Sängerin. 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Feiertage: Das einzig liasletiemle Programm. ü. a.: Die 3 Härders Berliner Hoehturner, ehemalige Mitglieder der Hagelmanntruppe. Unerreichter Luftakt d. Gegenw. Reichshallen. Heute: Stettiner Sänger. Zum Schtusi! .räulein Doktor. eitburtcske von Meyl-l. Ausierdem: Weihnachts-Programm Dienstag. 26. Dez., 2. Feiertag, mittags 12 Uhr: Gr. Weinnachls- Fest-Mafinee zum Benefiz für die Herren Britton. Pietro, Böhme, Waiden, Bockmann, Seidel, Gustav Behrens Theater Frankfurier- Allee 85. Das Biesen-Dezeralier-Programra. Neu! JliHg Anita, Neu! einzig existierende Haarathlettn. Neu I Tli». Hardon. Neu! Fesselkünstler und Muskelmensch. Neu! Bon Südwest-Nsrika zurück. oder: Stille Nacht, heilige Nacht! Weihnachts-Lebensbild mit Gesang in einem Alt. Hördes Vereins- Säle Xeue König-Straße 7.* Fahrverbindungen nach allen Sladtteilen.— mpsehke meine Säle sür Versammlungen. Gemerfschastsjihungcn und für Bcreinsfcsttich- feite». Kulante Bedienung_ Adolf Borde. GermanIa"Sale> Charlottenburg. 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Dezember(dritter Weihnachtsfeiertag), im Böhmischen Branhanse, Landsberger Allee 11/13: A�Z>M.5«>>>dl--i'. Daraus: l'aNZ!» BillettS a SO Pf. inkl. Tanz find im Bureau, Engel-Ufer 15, ID. folvie bei E. Weiland, Eiscnbabnstr. 9, F. Brake, Beymeslr. 9, I, E. Bartels, Lnsterburgcrstr. 6, III, A. Schultz, Oderbergcrslr. 23, Scilcnfl. III, A. Woike, Gartenstr. 90, C. Brunotte, Rathenoivcrstr. 69(bei Schulz), P. Dietrich, Charlotteuburz, Schulftr. 3, IV, H. Noack. Resiaurant, Musfauerstr. 12, Müller, gorfftr. 62, P. Hauke. Nixdors, Steinmetzstr. 39, ID, und P. Winkier, Weihensee, Charlottenburgerstr. 142, zu habe«. 21/12» Anfang 7 Uhr. Das Komitee. Leihhaus NORDEN Billigster Yerkauf von Brillanten, Obren, |53922' Gold- and Silberwaren! j Kulante and dlsbrete Belelhang aller Wertsachen. Zum Veibnacbtsfeste! Auf Teilzahlnng!!! kaufen Sie am besten, tvöchentl. nur IM., Herren- und Damenuhren, Standuhren, gr. 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Badow. _ Georg Drewitz. 13105 Danksagung Für die herzliche Teilnahme bei der Bcerdiaung meines lieben Mannes, dcS Tischlers Franz Gutschniann, sage allen Freunden, Bekannten und Verwandten, besonders den Kollegen der Tischlerei Poschlow, meinen aus. richtigsten Dank. 1317b Witwe Hulda Gutschmann. Dr. Simmel, spezialmzl sür 29/14« Haut- nnd Harnleiden. 10—2,5—7. Saniltags 10—12, 2—4 Neue Königs traOe 16. vorn I. Tfelz- waren-Fa!irik _ geöffnet. Neue Königstraße 16, vorn I. verkauft nach beendeter Engros- Saison •Reisemuster von Stolas und Muffen 3aeob Dolde 119 Gr. Frankfurterstr. 119 Zum Wcihnachtslest empfehlen: Wäsche- Ausstattungen. Trikotagen ♦ Strumpfwaren in bekannter Güte. 5°/o Rabatt. lieber 40 Jahre Im Osten Berlins. Soeben erschien: MI KUnstlcrpostkarte Mb Bebel spricht im Reichstage zum Etat. Nach Originalzeichnung auSgcsühri. Neue, sarbensrohe, tünstl. ausgcs. politisches enjahrxpnat starten Preis 10 Ps. Verkäufer allerorten fesuoht. Rieh. 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Allen Kollegen, Freunden und Be- kannten sür die zahlreichen Kranz« spenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau II e 1 c a c Koch meinen herzlichsten Dank. t321b Herniann_K*ch, iZwincmündcrstr. 47. C>ur die vielen Beweise und Kranz- Ij spenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes Kux Werlich sagen wir allen; Freunden und Be- lannten, insbesondere dem Zeniral- vcrband der Brauerei-Hülssarbeiter unseren herzlichflen Dans 13096 Familie Werlich. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspende h-ei der Beerdigung meiner lieben?xrau und unserer guten Mutter, Frau iZisb Iberese vesekeksk� sagen wir allen Verwandten. Freunden, Bekannten und Kollegen sowie dem Gesangverein„Frei", insbesondere dem Schrislfiellcr Herrn Adolph Stern unseren herzlichsten und aus- richtigsten Dank. Der trauernde Witwer _ nebst Kindern. *Sm IfMftgM Berlin C25 jF t JtSItll Alexander-Platz Hervorragendes Weihnaehts-SonilerangelioL Sortieren Teppiche Becken Teile Damen- Wäsche ?lfisch-?ortieren- ßarnituren, hordeaux od......... 7 5 grünoliv, sonst 10,50, f. jetzt g, Seidensatin- Steppdecken beste Handarbeit, vorzügl. Qual., in allen Farben, Größe 150X200, sonst 0,50, jetzt 0,®® Damenhemden lleindcntuch, m.hand gestickter Passe, i 5J5 Achselsch'uß, M. llomdentuch mit Zwimspitze, Prisen- 100 form...... 1 Henidenl nch, m.hand gestickt. Madellapasse u Lang.-Aohselschl. 1,75 iicindrntuch mit Languetten, Prisen- 183 form.....' r- w» haltbarstes Fabrikat. Größe 135X200, 174X230, 200X300, 265X335, sonst 17,50 28,50 42,00 75,00 jetzt 13, 75 20, 70 82, 00 55, 00 Wollen. 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Die Aufgabe dieser Versammlung sei, der Organisation der Parteigenossen Berlins eine solche Gestalt zu geben, daß sie den Interessen der Partei in jeder Hinsicht dient. Mit der Leitung der Verhandlungen wurden betraut: Als Vorsitzender Eugen Ernst und Hermann Werner, als Schriftführer O p p e l und W o l l e r m a n n. L i e p m a n n- Berlin V erhielt als Referent das Wort. Parteigenossen Berlins! Die Organisations-Kom- Mission, welche Ihr eingesetzt habt, um den Wahlvereinen einen festen Zusammenhalt zu geben, hat mich beauftragt, die Vorlage des Statuts, welche wir Euch vorgelegt haben, zu begründen, und dar- zulegen, weshalb wir unsere Vorschläge so gemacht haben, wie sie vorliegen. Zunächst möchte ich einige historische Erörterungen voraus schicken. Durch die Geschichte der deutschen und der Berliner Arbeiterbewegung zieht sich von Anfang an wie ein roter Faden der Ruf nach einem festgefügten Zusammenschluß, der Ruf nach Zentralisation. Das Thema, welches ich zu besprechen habe, ist ja ein nüchternes. Es handelt sich, wenn wir über die Art der Organi- sation sprechen, nicht um eine Prinzipien-, sondern um eine Ver- waltungsfrage. Wir haben unS zu fragen, wie müssen wir unsere Organisation gestalten, um am schnellsten und sichersten unser großes Ziel zu erreichen.— Unsere großen Lehrmeister Marx und Engels haben uns unser Ziel gezeigt und auch den Weg, auf dem wir es erreichen können. Klar haben sie erkannt, welche Entwickclung die heutige Gesellschaft nehmen wird und welche Aufgaben uns demgemäß zugewiesen sind. Was unsere Lehrmeister im Kam- munistischen Manifest ausgesprochen haben, finden wir heute, wenn wir den Gang der wirtschaftlichen Entwickelung betrachten, vollauf bestätigt. Als 1848 die Revolution besiegt war, legte sich der Mehltau der Reaktion auch aus die Arbeiterbewegung. Arbeiterorganisationen gab es zu jener Zeit nicht. Erst 1859 machte die Bourgeoisie den Versuch, im Nationalverein eine Organisation, allerdings nur für die bessergestellten Klassen zu gründen. Eine Organisation der Arbeiter trat erst im Jahre 1862 ins Leben. Delegierte, welche damals die Weltausstellung in London besucht hatten, beriefen eine allgemeine Arbeiterversammlung ein, um über die Weltausstellung Bericht zu erstatten. Im Anschluß daran wurde im Oktober 1862 ein Komitee eingesetzt, welches einen allgemeinen Arbeitertag in die Wege leiten sollte. Das Komitee wandte sich auch nach Leipzig an den dortigen Arbeiter-Bildungsverein. der unter der Leitung Bebels stand. Beim Nationalverein wurde das Komitee abgewiesen, es wandte�sich dann an Lassalle und ersuchte ihn, seine Ansichten über die Gründung eines Arbeitervereins darzulegen. Lassalle tat das in seinem„Offenen Antwortschreiben". Lassalles Gedanke über die Organisation der Arbeiter wurde verwirklicht durch die Gründung des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins, der jedoch nicht den Erfolg hatte, welchen sich Lassalle davon versprochen hat.— In Berlin entstand 1863 eine Filiale des Allgemeinen deutschen Ar- beitervereinS, gleichzeitig aber auch eine Mitgliedschaft der Eisenacher. Beide Organisationen führten heftige Fehden mit- einander, in denen die Form der Organisation ebenfalls eine Rolle spielte. Der Streit um die Form der Organisation hat sich bis in die 7<1er Jahre hingezogen. 1875 erfolgte dann auf dem Kongreß in Gotha die Einigung zwischen den Lassalleanern und den Eisenachern, es entstand die Sozialdemokratische Arbeiterpartei. Schon im Jahre 1376 begann der Berliner Staatsanwalt Tessendorf seinen Feldzug gegen diese Partei. Sie wurde geschlossen, aber die sozialdemokratische Idee konnte nicht besiegt werden. Neue Organi- sationen bildeten sich. In Berlin wurde 1876 der sozialdemokratische Arbeiter-Wahlverein gegründet, der als eine zentralistische Organi- sation ins Leben trat. Am 1. Januar 1876 erschien auch das erste sozialdemokratische Organ in Berlin, die.Freie Presse". Aber dem sozialdemokratischen Arbeiter-Wahlverein wurde durch Tessendorf bald ein Ende bereitet. AIS Ersatz trat darauf der Verein zur Wahrung der Interessen der werktätigen Bevölkerung Berlins ins Leben unter der Leitung von Körner und Finn. Auch diesem Verein war nur eine kurze Lebensdauer beschicken.— In jene Zeit fiel daS Leichenbegängnis deS Genossen Heinsch, das im März 1873 unter einer so ungewöhnlich großen Beteiligung des Proletariats begangen wurde, daß es der Bourgeoisie unheimlich wurde bei dem Massenschritt der Arbeiterbataillone. Als dann im Frühjahr des- selben JahreS die Attentats von Hödel und Nobiling erfolgten, die mit der Sozialdemokratie gar nichts zu tun hatten, wurden diese Ereignisse zum Anlaß genommen, um ein Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie zu erlassen. Die Zustände unter diesem Schand- gcsctze sind vielen von uns noch in frischer Erinnerung. Was unter der Herrschaft dieses Gesetzes an Gewaltmaßregeln gegen die deutsche Sozialdemokratie verübt wurde, daS traf in erster Linie auch die Berliner Parteigenossen. Der Verein zur Wahrung der Interessen der werktätigen Bevölkerung B-rlinS wurde aufgelöst. ebenso alle Gewerkschaften bis auf die der Buchdrucker. Selbst ein damals bestehender Arbeiter-Sängerbund, überhaupt alle Organi- sationen, die irgendwie der Beziehungen zur Sozialdemokratie ver- dächtig waren, verfielen der Auflösung. ES schien, als ob sich das Wort, welches Tessendorf einst gesprochen hatte, bewahrheiten sollte: „Zerstören wir'die sozialdemokratischen Organisationen, und die Sozialdemokratie existiert nicht mehr".— Doch es kam anders. Unsere Parteigenossen pfiffen auf das Ausnahmegesetz. Aller Gc- fahren ungeachtet, betrieben sie mit der größten Aufopferung die Agitationsarbeit. Im Jahre 1834 schien es. als wollte die Behörde der Arbeiterbewegung etwas Luft lassen. Wir setzten in Berlin mit den Stadtverordneten-Wahlen ein, Arbeiter-Bezirksvereine wurden gegründet, doch mußte die eigentliche Parteiarbeit im Geheimen be- trieben werden. 1886 wurden die Zügel wieder straffer gezogen. Die Arbeiter-Bezirksvereine wurden verboten. Inzwischen hatten sich die Parteigenossen unter dem Sozialistengesetz ganz gut einzu- richten verstanden. Im Jahre 1889 gründeten sie Arbeiter-Wahl- vereine und als dann ein Jahr darauf da« Sozialistengesetz fiel, brauchten die Genossen Berlins keine neuen Organisationen gründen. da die Wahlvereine schon bestanden. Wie schiver das Sozialistengesetz auf den Berliner Partei- genossen lastete, zeigen folgende Zahlen: AuS Berlin wurden in den 12 Jahren, wo daS Ausnahmegesetz bestand, 293 Personen ausgewiesen. davon waren 172 verheiratet, sie hatten 328 Kinder 16 der Ausgewiesenen starben im Exil.— Auf der anderen Seit« sehen wir dagegen die erfreuliche Tatsache, daß unsere Partei trotz «S gesetzlichen Ausnahmezustandes in raschem Wachstum begriffen hwr. Vor dem Sozialistengesetz hatten wir in Deutschland 437 150 sozialdemokratische Stimmen bei der Reichswgsivahl erhalten. Als das Sozialistengesetz fiel, war unser« Srimmenzahl bereits auf 1 427 323 gestiegen. Allein in Berlin erhielten wir Stimmen: J-m Jahre 1878; 56 164, 1881: 30 130, 1884: 68 275, 1887: 93 935, 1890: 120 000.— Eine Partei, die unter so schwierigen Verhält- nissen solche Fortschritte macht, die wird bestehen, bis sie ihr Ziel erreicht hat. In der Zeit des Sozialistengesetzes machte sich in unseren Reihen Unzufriedenheit gegen die damalige Parteileitung bemerk- bar. Es war die Bewegung der Unabhängigen, eine Bewegung, die ich als die Sturm- und Drangperiode unserer Partei bezeichnen möchte. Wir haben die Sturm- und Trangpcriode überdauert und werden noch manchen Sturm überdauern können. Von 1891 bis 1395 hatten wir vor behördlichen Eingriffen Ruhe. Da wurde Köller Minister des Innern. Auf sein Be- treiben wurden in Verlin sämtliche Parteiorganisationer sowie der Parteiborstand aufgelöst. Zahlreiche Haussuchungen fanden statt, der Prozeß gegen Auer und Genossen war die Folge, der jedoch mit einer völligen Niederlage der Polizei endete. Im Jahre 1896 gründeten wir aufs neue unsere Wahlvereine.— Wieder kam eine Zeit der Ruhe bis zum Jahre 1899. Tann erfolgte die Aufhebung des Verbindungsverbotes im VereinSgesctz und danrit setzte in unseren Reihen die Bewegung ein, welche auf die Reorganisation der Parteiorganisation gerichtet war. Ter Gedanke der Reorgani- sation ist: Verlegung der Entscheidung über Parteiangelcgenheitcn aus öffentlichen Volksversammlungen in die Organisationen der Parteigenossen. Diese Bewegung ries Gegensätze zwischen den Parteigenossen der Berliner Wahlkreise hervor. Einer nach dem anderen bekannten sich die Wahltrcise zu dem Gedanken der Re- organisation. Ter Grundsatz, daß die organisierten Parteigenossen die Parteigeschäfte führen und über Parteiangelegenhciten zu cnt- scheiden haoen, fand Anerkennung. Die Reorganisation war der Vorläufer der Zentralisation. Die Befürchtungen, welche die Gegner der Reorganisation hatten, haben sich als unbegründet herausgestellt. Es war nun nichts natürlicher, als daß dem im Jahre 1902 erfolgten Zusammenschluß der ach Groß-Berliner Wahlkreise zu einem gemeinsamen Agitationsbezirk eine weitere Festigung der Zentralisation folgen mußte. Wenn wir also heut eine Zentralisation schaffen, so spinnen wir nur den Faden weiter, den unsere Vorgänger angefangen haben. Wir sind nicht der Meinung, daß die Vorschläge der Kommission das beste sind, was in dieser Hinsicht geleistet werden kann, aber wir sind überzeugt: Wenn wir erst die Zenttalisation ins Leben gerufen haben, dann wird der loeiterc Ausbau schon folgen.— In mindestens 20 Sitzungen hat die Kommission über die Neuorganisation beraten und die Frage nach allen Richtungen hin gründlich Mprüft. Unsere Vorlage ist kein Muster prinzipieller Klarheit. Sie ist die Frucht eines Kom- promisses, welches geschlossen wurde, um allen Wahlkreisen die Möglichkeit zu geben, frohen Herzens der Zentralisation beizutreten. Der Redner ging nun auf die Einzelheiten der Vorlage ein. Wenn im 8 1 gesagt wird, die Wahlvereine bilden einen ge meinsamen Verband, so soll damit ausgedrückt werden, daß jedem Wahlvercin seine Selbständigkeit gewahrt bleibt. Dem Verband ist nur die Erledigung der gemeinsamen Angelegenheiten vorbehalten: Vorbereitung der Wahlen zum Reichstag, der Stadtverordneten Versammlung, zum Landtag, der Arbeitgeber-Beisitzer am Gewerbe gericht und KaufmannSgericbt. Auch allgemeine«ammlungen und dergleichen werden durch den Verband zu betreiben sein. Ein Uebelstand war es, daß bisher Preß-, Lokal- und Agitations' konlmission jede für sich tagten und keine von den Matznahmen der anderen unterrichtet war. Dem soll abgeholfen werden, daß alle Kommissionen im Vcrbandsvorstande vereinigt sind. Der§ 1 ist übrigen? in allen Wahlkreisen angenommen worden.— Beim§ 2 ist die dort vorgesehene Herausgabe eines 5wrrespondenzblatteS be mängelt woredn. ES wird befürchtet, das Kvrrefpondenzblatt könne ein Konkurrenzblatt gegen den„Vorwärts" werden. Daran ist gar nicht zu denken. Das Blatt ist gedacht als Bindeglied zwischen dem Vorstand und den Bezirksführern, es soll diesen sozusagen als Leid faden bei der Berichterstattung an den Zahlabcnden dienen.— Im § 3, der von der Zusammensetzung des Vorstandes handelt, liegt daS Kompromiß. Er ist so gestaltet, daß die kleinen Wahlvereinc nicht fürchten können, von den großen majorisiert zu werden oder ohne Vertretung in der Leitung zu bleiben.— Nach§ 5 ist auf je 50 Mit. glieder ein Delegierter zu wählen. Diese Zahl soll nach einem An. trage von Teltow-Beeskow heraufgesetzt werden. Wir glauben je doch, daß es den demokratischen. Grundsätzen entspricht, wenn wir den Parteigenossen eine möglichst große Zahl von Delegierten zu- billigen.— Im§ 6 schlagen wir eine grundlegende Aendcrung vor, nämlich die eventuelle Anstellung von besoldeten Beamten.— Gewiß können unsere Parteigenossen mit Stolz auf die Erfolge ihrer opferfreudigen unbezahlten Arbeiten blicken, aber ein so großer Apparat wie der neue Verband kann nicht ausschließlich auf frei willige Arbeit nach Feierabend angewiesen sein. ES muß da jemand sein, von dem man bestimmte Arbeiten verlangen kann, und der dafür besoldet wird.— Zum§ 7 gebe ich namens der Kommission die offiziell« Erklärung ab: Die Aufstellung der ReichStagSkandidaten bleibt unbedingt den einzelnen Kreisen vorbehalten. Die Befürch- tung, der Verband könne sich in diese Angelegenheit der Wahlkreise einmischen, ist ganz grundlos.— Ferner sind Bedenken erhoben worden gegen die Bestimmung:„Jeder Parteigenosse hat sich der Organisation seines Kreises anzuschließen; dauetnde Tätigkeit in einem anderen Kreise ist einzeln oder gruppenlvese nur mit Ge- nehmigung des Verbandsvorstandes gestattet." Hierzu habe ich die offiziell« Erklärung abzugeben: Wenn einzelne Kreise wie der erste, die Mitarbeit von Genossen anderer Kreise benötigen, so sollen ihnen diese Mitglieder natürlich nicht entzogen werden. ES genügt. wenn den, Verbandsvorstande Mitteilung davon gemacht wird. Durch die fragliche Bestimmung sollen, nicht die tätigen Mitglieder ge- troffen werden, sondern die Lauen und Faulen, die sich der Arbeit zu entziehen suchen unter dem Vorgeben, sie arbeiten in einem anderen Kreise. Ich möchte bitten, daS Statut en bloc anzunehmen. Ich kann mich keiner Sache erinnern, die so eingehend beraten worden ist, wie diese Vorlage. Zum Schluß noch einige Worte. Der Staat, die Kirche, die gegnerischen Parteien sind zentralisiert. Die zentralistische Organisation auch des Kapitalismus schreitet immer weiter vorwärts. Die Arbeiterklasse hat auf gewerkschaftlichem Gebiete angefangen, den Segen der Zentralisation zu begreifen. Auch auf politischem Gebiet fangen wir an. die ersten Schritte in der Zentralisation zu tun. Ich bitte, diese Schritt« mit aller Kraft zu unterstützen. Der Zentralverband will die Genossen zu zielbewußten Kämpfern machen. Wir leben in einer Zeit, wo der Individualismus stark übertrieben wird. Wir sind der Ansicht: DaS Recht des Individuums hat zu schweigen, wenn daS Interesse der Allgemeinheit in Frage steht. Auch durch unsere neue Organisation soll daS allgemeine Wohl ge- fördert werden. Johann Jacvby sagte einst: die Gründung deS kleinsten Arbeitervereins werde für den Kulturhistoriker der Zukunft wichtiger sein als die Schlacht von Sadowa.— Auch wir wollen bei der Gründung unserer neuen Organisation dieses Wortes«ingedenk sein. In diesem Sinne bitte ich Sic. die Gründung des Verbandes zu beschließen, Sie tun damit einen Schritt zur weiteren Förderung unserer Partei.(Beifall.) Den vom Vorsitzenden Ernst vorgeschlagenen Eintritt in die Generaldebatte lehnte die Versammlung ans Antrag des Genossen Grunwald ab. Es begann sogleich die Spezialdiskussion. Der grundlegende 8 1 des Statuts wurde ohne Debatte an» genommen. Zum§ 2 beantragte der Kreis Teltotv-Bceskow: den Absatz d: Herausgabe eines KorrespondcnzblatteS. zu streichen. Baak« führte zur Begründung des Antrages auS, er fei von der Notwendigkeit der Herausgabe eines KorrespondenzblatteZ nicht überzeugt. Der Referent habe nur gesagt, das Blatt solle ein Binde- glied zwischen dem Borstand und den Mitgliedern sein. Hierzu bedürfe es keines besonderen Blattes, denn der„Vorwärts" könne diese Aufgabe besser und schneller erfüllen. In besonderen Fällen könne der Vorstand seine Mitteilungen, die nicht für weitere Kreis« bestimmt sind, durch hektographierte Korrespondenzen an die Bezirks- führer gelangen lassen. Q p p« l sprach gegen den Antrag. Auch in der Kommission habe es Gegner des Korrespondenzblattes gegeben. Nach reiflicher Er- wägung sei die Kommission aber doch zur Annahme des Blattes gc- langt. ES sei notwendig, die Bezirksführcr mit Material zu ver- sehen, damit sie die Mitglieder zutreffend unterrichten können. Diesem Zweck solle das Blatt dienert. Baak«: Das alles könne durch Mitteilungen im„Vorwärts" geschehen.(Ruf: Dazu fehlt der Raum.) Das wäre ja noch schöner, wenn der„Vorwärts" nicht den Raum dazu hätte. Man solle dem Verband nicht von vornherein die Last des Korrespondenz- blattes aufbürden. Sollte sich die Herausgabe eines Blattes als not- wendig herausstellen, dann könne sie später immer noch beschlossen werden. Wels: Als Mitglied der Preßkommission bitte ich, Rücksicht zu nehmen aus den stark belasteten Raum des„Vorwärts". Wir können denselben nicht anss neue belasten durch die Mitteilungen des Vor- standeS an die Bezirksführcr. Vaake hat nicht alle Gründe angeführt, die gegen da« Korrcspondenzblatt gellend gemacht werden. Es wird nämlich befürchtet, das Korrcspondenzblatt könne die Funktionäre einseitig becinflnssen. Das ist in allen Kreisen gesagt worden, wo gegen das 5iorrespondenzblatt gesprochen wurde. Baak«: Ich nenne immer die wirklichen Gründe und bitte mir aus, daß nur die Gründe als maßgebend angeschen werden, die hier augeführt werden. Andere Gründe existieren für uns nicht. Li e p ina n n: DaS Korrespondenzblatt soll im tocsentlichcn nur Material über die Kasscnverhältnisse und sonstige Verwaltung»- angeiegenheiten bringen, was sich zur Veröffentlichung im«Vor- wärts" nicht eignet. Es handelt sich um die Schaffung eines lebendigen Bindegliedes zwischen dem Vorstand und den Bezirks» führern. Vorsitzender Ernst läßt über den Antrag Teltow-BeeSkow abstimmen und konstatiert, daß derselbe abgelehnt ist.(Unruhe. Gelächter.) Vorsitzender Ernst: An der Abstimmung kann nicht gezweifelt werden. Im Bureau sitzt auch ein Vertreter von Teltow-BeeSkow, er ist ebenfalls der Meinung, daß die Mehrheit gegen den Antrag gestimmt hat. Hierauf wird§ 2 unverändert angenommen. Ebenso die 88 3 und 4. ß 5 bestimmt in seinem ersten Absatz, daß auf je 50 Mitglieder ein Delegierter zur Generalversammlung des Verbandes zu wählen ist. Hierzu beantragt Teltow-BeeSkow: Wahlvereinc mit einer Mitgliederzahl bis 1000 wählen 10, mit 1000 bis 2000 20 und mit mehr als 2000 Mitgliedern für je 200 Mitglieder einen weiteren Delegierten. Hirsch begründet den Antrag. Eine von 843 Delegierten besuchte Generalversammlung ist ein schwerfällig arbeitender Apparat. Wenn sich die Zahl unserer Mitglieder noch weiter vermehrt, waS wir ja alle erwarten, dann kommen wir bald auf eine Zahl von 1200 Delegierten, und die Erledigung der Geschäfte wird durch d-ie große Zahl weiter erschwert werden. Nach unserem Antrage kommen die kleineren Kreise in der Vertretung verhältnismäßig besser weg wie die großen. Danach würden erhalten: der erste Kreis 10, der zweite Kreis 26, der dritte KreiS 21, der vierte Kreis 53, �der fünfte KreiS 20, der sechste Kreis 6b, Teltow-BeeSkow 51 und Nieder- Barnim 42, zusammen also 238 Delegierte. Dazu kommen noch die Funktionäre, so daß die Generalversammlung ebenso stark in der Personenzahl wäre, wie der Parteitag. Borgmann ersucht um Ablehnung deS Antrages Teltow- Beeskow. Nicht auf die Zahl der Delegierten kommt eS an, sondern darauf, wer die Mitglieder auf der Generalversammlung vertritt. Heute sind eS die tätigen Genossen. Mit denen ist natürlich eine leichte Erledigung der Geschäfte möglich. Wenn wir von dem Grundsatz ausgehen, daß die Masse der Genossen hier vertreten sein soll, dann sind die Bezirksführcr die berufensten Delegierten zur Generalversammlung. Sic vertteten hier die Genossen ihres Bezirk» und können denselben auf Grund persönlicher Teilnahme an de» Verhandlungen genau Bericht erstatten. Eine Vertretung dieser Art erfordert, daß wir es bei der Bestimmung des Entwurfes lassen. Hirsch: Wenn man sagt, der Wille des Volkes soll zum Aus- druck kommen, so ist das nichts weiter wie eine schöne Redensart. Es bedarf keiner großen Vertreterzahl, um den Willen des Volkes zum Ausdruck zu bringen. DaS könnte auch geschehen, wenn jeder KreiS nur durch einen Delegierten vertreten ist, der in enger Fühlung mit seinen Genossen steht. Grunwald: WaS Borgmann sagte, daS spricht gerade für unseren Antrag. Wenn wir die Zahl der Delegierten beschränken, dann werden nur die tüchtigsten und erfahrensten Genossen auf der Generalversammlung zum Wort kommen. Hoffmann-Treptow: Die heutige Versammlung zeigt, daß wegen ihrer großen Zahl die tätigen Genossen nicht zum Wort kommen. Mit einer kleineren Zahl von Delegierten würden sich die Geschäfte leichter erledigen lassen. Freyt Haler: Je mehr Vertreter an der Generalversammlung teilnehmen können um so besser ist eS, denn nur so kann den Mit- gliedern über die Beschlüsse der Generalversammlung eingehend Bericht erstattet und ihnen gesagt werden, aus ivelchcn Gründen die Beschlüsse gefaßt sind. Gewiß wird eine klein« Körperschaft mit den Arbeiten schneller fertig, es ist nicht gesagt, ob sie besser arbeitet wie eine große.» Ledebour ersucht um Ablehnung deS Antrages Teltow- Beeskow. Die Bezirke, auf denen sich die Partei-jÖrganisation Berlins aufbaut, entsprechen eilva der Zahl von 50 Mitgliedern, deshalb ist der vorgeschlagene Vertretungsmodus der geeignetste. Sollte die Zahl der Delegierten später zu groß werden, dann könnte dem Uebelstand durch Vergrößerung der Bezirke abgeholfen werden. Statt der Reichstags-Wahlbezirke könnten wir die ettva doppelt so großen Stadtbezirke unserer Organisatton zugrunde legen. Dann könnten immer noch die Bezirksführer ihre Mitglieder auf der Generalversammlung vertreten. Grunwald: Sachlich ist gegen unseren Antrag nichts vor- gebracht. Daß die große Zahl der Delegierten ein Uebelstand ist, erkennt ja auch Ledebour an. Ich meine, wenn unsere Mitglieder- zahl wächst, dann werden wir die Bezirke nicht vergrößern, sondern verkleinern müssen, um intensiver arbeiten zu können, Liepmann: Unser Statut ist, wie ich schon sagte, ein Kom- promitz. Ich gebe den Genossen von Teltow-Beeskow zu bedenken, daß wir die gegenseitigen Vereinbarungen nicht umwerfen dürfen, ehe sie noch Geltung bekommen haben. Borgmann: Es kommt darauf an, daß unsere Organisation auf breitester Grundlage aufgebaut sein muß. Nicht im kleinen, sondern in möglichst großem Kreise müssen wir unsere Beschlüsse fassen. Wir müssen dafür sorgen, daß die große Masse in der Generalversammlung vertreten ist. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Teltow-BeeSkow wird abgelehnt. Der zweite Absah im 8 2 der Vorlage lautet: „Sitz und Stimme haben in der Generalversammlung außer den Delegierten: die Mitglieder deS Vorstandes, die Revisoren, die ReichstagS-Abgeordneten rcsp. Kandidaten der acht Kreise, je eine Vertretung der Redaktion deS„Vorwärts". Hierzu wird beantragt, auch den Stadtverordneten in Berlin bezw. den Gemeindevertretern in den Vorortkreisen eine Vertretung auf der Generalversammlung zuzubilligen. Der Antrag wird damit begründet, daß die kommunalen Ver- trcter unserer Partei Gelegenheit haben müßten, auf der General- Versammlung Auskunft über Angelegenheiten zu erteilen, die ihre Tätigkeit berühren. Unsere Berliner Stadtverordneten haben des- halb eine Vertretung gewünscht, die Kommission hat sie ihnen auch zugebilligt. Als Folge davon ergab sich dann, daß auch den beiden Lororikreisen eine dementsprcchende Vertretung zugestanden wurde. Nach kurzer Debatte, die sich hauptsächlich um die Zahl der aus Berlin einerseits und die beiden Borortskrcise andererseits zu bewilligenden Vertreter dreht, wird der Antrag in der Fassung an- genommen, daß Berlin 5 Stadtverordnete. Teltow-Beeskow 3 und Niederbarnim 2 Stadt- bezw. Gemeindeverordnet« zur General» versammluiv"U entsenden haben. Em Antrag, wonach nur die Delegierten Stimmrecht, die sonstigen Vertreter nur beratende Stimme auf der Generalver- sammlung haben sollen, wird abgelehnt. Z 5 wird mit dem vorstehenden Zusatz angenommen. Z 6 wird Unverändert angenommen. § 7 bestimmt: Jeder Kreis- Wahlverein hat seine Bezirks- einteilung den Grenzen der Reichstags-Wahlbczirke anzupassen. Auf Antrag von Teltow-Beeskow wird beschlossen, diesen Passus so zu fassen: „Jeder Kreis-Wahlverein ist in Bezirke einzuteilen. Die Art der Bezirkseinteilung ist den Wahlvereinen überlassen." Der so geänderte K 7 wird angenommen. Die übrigen Paragraphen(8— 11) finden ohne Debatte An- nähme. Die Kommission beantragt, zwei Mitglieder des Verbands- Vorstandes, den 1. Kassierer und den 1. Schriftführer, zu besolden. Nach kurzer Debatte wird der Antrag angenommen. Es folgt die Wahl des Vorstandes. Nach dem Statut ist der 1. Vorsitzende, der 1. Schriftführer und der 1. Kassierer durch die Generalversammlung zu wählen. Ohne Debatte wird E u g e n E r n st per Akklamation einstimmig als erster Vorsitzender, und Liepmann in derselben Weise als erster Schriftführer gewählt. Ueber die Höhe des Gehaltes der beiden besoldeten Vorstands- Mitglieder liegen mehrere Anträge vor. Nach kurzer Debatte wird ein Antrag des sechsten Kreises angenommen. Danach beträgt das Anfangsgehalt 2100 M. und steigt jährlich um 100 M. bis zur Höchst- grenze von 3000 M. Hierauf lässt der Vorsitzende über das ganze Statut abstimmen. Dasselbe wird angenommen. Singer als Vertreter des Parteivorstandes erhält darauf das Wort und führt aus: Die bedeutungsvolle Tat, welche Sie, Parteigenossen, durch die Annahme deS Statuts, durch die Gründung der neuen Organisation für Berlin vollbracht haben, ist ein Ereignis, welches aufgezeichnet zu werden verdient in der Geschichte unserer Partei. Es ist ein historischer Moment, der viel- leicht nicht allen, die daran teilgenommen haben, in seiner ganzen Tragweite zum Bewußtsein gekommen ist. Mit dem soeben gc- faßten Beschluß ist eine Periode ruhmreicher Parteitätigkcit der Berliner Genossen zum Abschluß gebracht und eine neue, wie wir alle erwarten, nicht minder erfolgreiche Periode der Parteiorgan!- sation beginnt. Gestatten Sie mir, daß ich im Namen des Partei- Vorstandes den Genossen Berlins jetzt, wo die neue Organisation ins Leben tritt, ein herzliches„Glück auf!" zurufe. Opferwilliger und pflichttreuer, als Sie bisher waren, können Sie auch in dem neuen Verbände nicht sein. Mit größerer Hingabe, als Sie unter der alten Organisation füv. die Partei gearbeitet und gekämpft haben, können Sie auch im neuen Verbände nicht arbeiten und kämpfen, und doch hat die Partei alle Ursache, sich der eben vollzogenen Neu- organisation zu freuen und Sie dazu zu beglückwünschen. Der Referent hat Ihnen schon gezeigt, daß in dem Matze, wie die Ge- uossen ihre Organisation gefestigt und zu immer engerem Zusammen- schluß gebracht haben, die Kräfte der Partei gewachsen sind. Der Verband soll alle vorhandenen Kräfte zusammenfassen und sie nutz- bar machen für die Erreichung unseres großen Zieles. Je mehr sie in der Lage sind, von einheitlicher Auffassung getragen, dem Ziele der Sozialdemokratie entgegenzugehen, desto größer werden auch die Erfolge unserer Partei sein.— Wenn wir im Reichstage sehen, daß die Vertreter der Regierung mit dem Reichskanzler an der Spitze nichts Besseres zu tun wissen, als Angriffe über Angriffe gegen die Sozialdemokratie zu richten, so bedeutet das nichts anderes als das Anerkenntnis, daß die Sozialdemokratie sachlich nicht zu bekämpfen ist, und daß man wenigstens, weil der Sozialdemokratie nichts anzu- haben ist, die bürgerlichen Parteien mit Angst vor uns erfüllen muß. Was wir im Reichstage hören, und was wir sonst im politischen Leben sich abspielen sehen, alles drängt darauf hin, daß wir gerüstet sein müssen, um den Angriffen unserer Gegner zu begegnen und unsere Rechte zu verteidigen. Diese Aufgabe wird der neue Verband zu erfüllen suchen und er wird intensiver arbeiten können, als es bisher der Fall war. Sie dürfen mit Ihrem neuen Statut zufrieden sein. Vielleicht ist es nicht für alle Zeiten das beste, aber es ist gegenüber dem bisherigen Zustand ein Fortschritt. Die Berliner Genoffen werden auch unter dem neuen Statut die Stelle einnehmen, die ihnen auf Grund ihrer erprobten Opferwilligkeit und Arbeits- freudigkeit im Dienste der Partei zukommt. Der Parteivorstand, vielleicht die ganze Partei, beglückwünscht Sie zu dem Beschluß, den Sie soeben gefaßt haben. Lassen Sie deshalb das erste Wort, welches nach Gründung des Verbandes gesprochen wird, ein Wort des auf- richtigen Glückwunsches sein. Der Verband der sozialdemokratischen Wahlvereine blühe, wachse und gedeihe. Er lebe hoch! Die Versammlung stimmt freudig in den Ruf ein. Der Vorsitzende läßt nunmehr die noch nicht erledigten Wahlen vollziehen. Die Vorstandslistc, welche aus den Wahlen in den ein- zelncn Kreisvereinen hervorgegangen ist, wird bestätigt.— Als Revisoren werden gewählt: Freythaler, Herzfeld, Sonnenburg, Küter, Jentsch. Für das Amt des besoldeten Kassierers werden vorgeschlagen: Böskc(Rixdorf), Wollermann(Schöneberg), Fischer(Berlin VI). Die Wahl erfolgt durch Stimmzettel. B ö s k e wurde mit S04 Stimmen gewählt. Fischer erhielt 216, Wollermann 86 Stimmen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Vorsitzender Ernst: Genosse Singer hat dem Verband Glück- wünsche ausgesprochen. Wir fühlen uns nur als ein Glied der deutschen Sozialdemokratie und haben keinen anderen Wunsch, als ihr zu dienen und durch unsere Organisation die Bestrebungen der Gesamtpartei zu fördern.. Wir leben ietzt in einer ernsten Zeit. Einig dazustehen und die Masse der Parteigenossen fester denn je zusammenzuschließen, ist die Pflicht, die wir alle zu erfüllen haben. In diesem Sinne rufe ich: Die internationale Sozialdemokratie lebe hoch! Tie Versammlung stimmt begeistert in den Hoch-Ruf ein. Schluß iVi Uhr._ Versammlungen. Die Berliner Mitglieder des Metallarbeiter-Derbandcs über die Aussperrung in der Elektro-Jndustrie. Am Sonntag, den 17. Dezember, fand in der Brauerei Friedrichs-- Hain eine außerordentliche©encralversammluiig der Metallarbeiter statt, woselbst die am 12. November vertagte, am 26. November abgebrochene Aussprache über die Aussperrung in der Elektro-Jndustrie fortgesetzt und zu Ende geführt lvurde. Die Versammlung war diesmal jedoch nicht mehr so stark besucht wie' die vorhergehenden; eS mochten etwa 1500 Personen erschienen sein, auch fehlten mehrere der bereits früher eingezeichneten Redner. Zur Diskussion erhielt zunächst M ö h l das Wort. Er führte aus: Es habe anfangs immer den Anschein, als trüge an jedem verlorenen Streik lediglich die Leitung die Schuld. Seien aber erst einige Wochen nach dem Kampfe ins Land gegangen, so denke man schon bedeutend kühler und nüchterner über die ganze Angelegenheit, und so gehe eS auch mit dieser Aus- sperrung. Jedenfalls könne man dem Bevollmächtigten Cohen nicht die Schuld an dem Ausgang de? Kampfes aufbürden, denn dieser habe in der Streikleitung noch mit den Vertretern von 8 anderen Organisationen zu rechnen gehabt, auch habe er sich die denkbar größte Mühe gegeben, die Berliner Metallarbeiter über die Geld- kalamität hinwegzubringen. Wenn ihm dies nicht gelungen, so liege das an dem Verhalten der Mehrheit im Hanptvorstande und an dem Beirat in Stuttgart, der die Ausschreibung der doppelten Beiträge verweigerte. In diesem Verhalten aber kennzeichnete sich die durch- aus falsche Taktik der Organisationsleitung bei großen Kämpfen über- Haupt. Die Schuld liege am System: die Träger dieses Systems aber seien allerdings die Gewerkschaftsbeamtcn. Es fei irrig, anzunehmen, daß Streiks nur mit Geld zu führen sind; Crimmitschau ging verloren, obwohl Geldmittel genug da waren. Selbst wenn wir 10 Jahre lang sparen und 20 SKillioncn aufhäufen würden, so würde uns das koalierte Unternehmertum 100 Millionen entgegensetzen. Auch der Beschluß der Geiverkschaften, daß die Generalkommission Sitz und Stimme in einer Streikleitung haben solle, falls sie öffentliche Geld- sammlungen veranlaßt, sei falsch. Leute, wie sie oben in der Gencralkommission säßen, würden aus Gcldrücksichtcn stets be- schwichtigen und abwehren; unter deren Mitwirkung würde schließ- lich jeder Streik verloren werden. Die„Geldtaktik" habe uns noch stets den Paß verhauen. Von oben würden die Muglieder so erzogen, daß ihre erste Frage nur immer lautet: Was gibt's denn, wenn ich mitstreike? Wenn so fortgefahren werde, könne der Mctallarbeiter-Verband selbst 3- und 500 000 Mit- glieder habe», dann werde er dennoch nie etwas erringen. Redner polemisierte dann scharf gegen den bekannten Artikel in der „Me'.allarbeiter-Zeitung" über die Aussperrung. Schlicke, der mut- maßliche Verfasser des Artikels habe die Fühlung mit der Masse der Arbeiter längst verloren: er kenne die Fabrik nur noch von außen, daher auch seine irrige Auffassung der Dinge hier bei der Aussperrung. Aehnlich ergehe es dem Redakteur Scherm, der ja den Standpunkt vor- trete, daß nur die„Instanzen", nicht aber die Streikenden selbst über die Weiterführung oder Beendigung eines Streiks zu entscheiden hätten. Einem Manne, der wie Scherm aber schon seit 22 Jahren in der Redaktion sitze, könne man eine derartig verschrobene Ansicht allerdings kaum noch verübeln. Das Beamtentum bilde in den Ge- werkschaften schon geradezu„einen Staat im Staate". Die Mit- glieder hätten den Beamten die Zügel zu lang gelassen, daher komme es auch, daß die Beamten nicht mehr die Geschäfte erledigen, sondern kommandieren wollten; sie fühlten sich schon gewissermaßen als dieVor- sehung der Masse. Hier müsse unbedingt Wandel geschaffen werden, dann erst würden sich auch System und Taktik ändern lassen. Bei der Aussperrung hätte es die Leitung nur ruhig darauf ankommen lassen sollen, indeni sie sämtliche Arbeiter aus den Betrieben heraus- gezogen hätte. Eine größere Niederlage wie jetzt wäre dann auch nicht entstanden z die Fabrikanten aber hätten einen ungleich größeren Schaden gehabt. Der Verlauf dieser Aussperrung zeige, daß man sich in Zukunft ernsthaft mit dem Generalstreiksgedanken vertraut machen müsse, so wie ihn Dr. Friedeberg propagiere. Man könne dies jetzt ja um so mehr, als auch in der Partei das Schlagwort von,„Generalunsinn" überwunden sei, wenn auch Männer wie Bernstein, Kautsky usw. nur für den„umgetauften Generalstreik", den Massenstreik, eintreten. Werde die Generalstreiksidee mehr in die Masse getragen, dann könne es in Zukunft auch nicht mehr vor- kommen, daß so viele der Streikenden und Ausgesperrten nur sehn- süchtig auf den Zeitpunkt lauern, wo sie wieder in die Fabriken hineinlaufen können, wenn eS mit der Unterstützung mal nicht klappt. (Beifall.) RamSbrok geht auf die Kampftaklik der Gewerkschaften im allgemeinen ein und zieht einen Vergleich zwischen früher und jetzt. Es unterliege keinem Zweifel, daß die bisher rein wirtschaftlichen Kämpfe zwischen Arbeitern und Unternehmern imnier mehr zu direkten Machtkämpfen mit politischem Anstrich werden. Deshalb sei es falsch, sich in den Gewerkschaften mit der sogenannten Neutralität noch immer zu brüsten. In, Gegenteil müßten die Gewerkschaften offen heraus erklären, daß.sie sozialdemokratisch seien und völlig Hand in Hand mit der Partei gehen wollen, dann erwachse den Arbeitern auch der nötige Rückhalt bei künftigen Aussperrungen. (Lebhafter Beifall.) Robinson pflichtet dem Vorredner bei; wendet sich dann aber scharf gegen das zu ausgedehute Unterstützungswesen. Hier- durch werde zuviel Geld verschlungen, sö daß schließlich für Kan,pfeszwecke nichts mehr übrig bleibe. W e g n e r nimmt die Streikleitung warm in Schutz. Gerade diese Aussperrung habe wieder bewiesen, daß die Masse zur Durch- führung solcher großen Kämpfe noch nicht genügend reif sei. Redner belegt seine Behauptung mit einer Anzahl Dpi, Beispielen aus Vorgängen während der Aussperrung. Unter solchen Umständen sei es für die Streikleitung außerordentlich schwierig gewesen, so vor- zugehen, wie sie es selbst gerne getan hätte. Man solle doch nicht immer glauben, daß jeder, der nun einmal in die Leitung berufen werde, damit gleich ein schlechter Kerl geworden wäre. Aber gerade in der Leitung bekomme man einen tieferen Einblick von dem wirklichen Stand der Dinge, wie außerhalb derselben. Deshalb habe die Leitung auch immer wieder die Frage zu prüfen gehabt: Was ist möglich, und was nicht. Zum Bremsen gehöre tatsächlich mitunter mehr Mut, wie zum Halten einiger radikaler Reden. Es sei übrigens auch eine lehr billige Redensart, stets zu behaupten, die gcwerlschaftlichen Führer seien eigentlich gar keine Sozialdemokraten, während doch die bedeutendsten Führer als sozialdemokratische Abgeordnete tätig ind. Wenn man den Beamten nicht mehr traue, dann solle man ie doch lieber absetzen, als stets und ständig auf ihnen Herinn- zusckiimpfen.. Mit der ewigen Schimpferei müsse sich die Organisation a notwendigerweise selbst vor dem Unternehmertum diskreditieren. In dieser Hinsicht könne die Arbeiterschaft auch von den Unter- nehmern lernen, denn den Unternehmer» falle es gar nicht ein, ihre inneren Organisationsangelegenheiten öffentlich derartig auszuschlachten, wie es die Arbeiter tun. Auch bei dieser Aussperrung habe man das Unternehmertum viel zu tief in die Karten der Arbeiter blicken lassen.(Beifall.) Klein vermißte bei der Streikleitung besonders das energische Ergreifen der Offensive. Das ergebe sich aber auS dem ganzen Charakter, den die Gewerkschaftsbewegung durch die Schuld des Beamtentums nach und nack angenommen habe. Es sei zu wenig Idealismus und zuviel Unterstützungswesen vorhanden. Daher auch stets das lahme, zögernde Verharren in der Defensive. Auch die Generalkommission habe ihre Schuldigkeit nicht getan. Wenn die Berliner nach auswärts zahle» sollen, so wisse man sie zu finden, wenn sie aber selbst im Kampfe stehen, so lasse man sie einfach im Stich. Cohen habe sich als Führer noch besonders schlechk bewiesen, weil er wegen des Streites mit den Rohrlegern mitten irt der Aussperrung sein Amt als Bevollmächtigter habe niederlegen wollen. ES müßten andere Männer an die Spitze gestellt werden, die der Generalstreiksidee zugänglich seien. Stricker polemisierte gegen Wegner und vertrat unter scharfer Mißbilligung des Verhaltens der Streikleitung den Standpunkt, den er bereits in der vorigen Versammlung eingenommen hatte. Zum Schluß empfahl er die dem Bureau ichon am 26. November über- mittelte Nesolutton zur Annahme.(Beifall.) H a r t m a n n warnte dringend vor Uebertreibungen. Wenn eS nur auf den Willen der Gewerkschaftsbeamten allein ankäme und diese wirklich eine in jeder Hinsicht disziplinierte und kampfbereite Truppe„kommandieren" könnten, dann sollten die Unternehmer bald ihr blaues Wunder erleben. Leider aber sei die Ptasse noch nicht so weit. Für einen gewissenlosen Beamten, sei es allerdings eine Kleinigkeit, sich durch radikale» Benehmen bei den Massen in Gunst zu setzen; er könne schließlich ja alles gehen lassen, wie es wolle, und brauche sich, wenn alles verritten und verfahren sei, nur auf den Willen und die Weisungen der Masse zu berufen; sein Gehalt bekomme er ja auch so. Wie lange das aber gehe, sei eine andere Frage, denn Erfolge wolle die Masse schließlich auch bei dem radikalsten Bemmen sehen. Mit radikalen Reden allein würden die Lohn- und Arbeitsverhältnisse auch noch nicht verbessert. Da sei es schon besser, wenn ein Beamter, der sich seiner Verantwortung voll bewußt sei, ehrlich seiner Meinung Ausdruck gebe, wenn sie der Masse auch nicht immer gefalle. Für die Berliner Metallarbeiter würde die Kampftaktik doch durchaus nicht von den 16 Beamten allein bestimmt; die OrtSverwaltung bestehe doch aus zirka 70 Personen, die ouher den paar Beamten doch sämtlich in der Werkstatt tätig sind. Da könne man doch nicht sagen, die Ver- waltimg habe die Fühlung mit der Masse verloren. Wenn immer so viel von Idealismus gesprochen werde, so möge man doch be- denken, daß die Organisation erst während der letzten 5 Jahre zu ihrer jetzigen Stärke angewachsen sei. Da könne man sich doch nicht wundern, daß in der Masse der verhältnismäßig noch jungen Mit- glieder der gewünschte Idealismus noch nicht drin sitze. Die Erfahrung habe aber gelehrt, daß bei vielen, die immer das Wort Idealismus im Munde führen, dieser gerühmte Idealismus auch nur so lange Dauer hatte,„wie der Bauch voll ist". Idealismus und Materialismus müßten deshalb beide gleichmäßig in Betracht gezogen werden, wenn man der normalen menschlichen Natur ver-' nlluslig Rechnung tragen wolle. In den Gewerkschaflsbeamten steckt auch kein Deut weniger Idealismus lvie in denen, die alles aus eine Karte setzen wollten. Wer alles auf eine Karle setze, sei ein schlechter Spieler. Das habe sich auch die Streikleitung bei der Aussperrung gesagt. Wenn gleich alle Arbeiter aus den Betrieben heraus- gezogen worden wären, so hätte der Kampf statt 4 Wochen vielleicht nur 14 Tage gedauert. Das Resultat wäre aber auch kein anderes gewesen wie jetzt; vielleicht wäre das Rennen nach den Fabriken nur noch ein größeres geworden, sobald die Unternehmer die Fabriktore geöffnet hätten.(Widerspruch, Unruhe.) Redner stellt sich dann auf den Staudpunkt des erwähnten Artikels der„Metallarbeilerzeitung", was wiederum große Unruhe in der Versammlung hervorruft. Kraft und Stärke, fährt er fort, würden der Organisalion auch trotz der Niederlage verbleiben. Die Neutralität aber müßten die Gewerk- schaften in dem Sinne weiter betätigen, wie es auch Bebel gemeint habe, und nicht anders geschehe es auch. Kords wandte sich gegen die Verwaltung und deren Kampftaktik. Wittenberg will der Verwaltung den guten Glauben nicht absprechen. Selbst Zedier von der Mctallarbeitergcwerkschaft habe zugeben müssen, daß es mit der Organisation der Arbeiter und Arbeiterinnen in diesen Werken nur recht schwach bestellt war. Selbst heute, wo die Untcrnehnier den Schaden, den sie durch die Auö- sperrung erlitten haben, durch vermehrte Anspannung der Kräfte wieder auszugleichen bestrebt seien, machten die Arbeiter mit Ver- gniigen Ueberstunden. Das sei eine wenig rühmliche Betätigung des Idealismus. Im übrigen befürwortet Redner ebenfalls den engsten Anschluß der Gewerkschaften an die sozialdemokratische Partei. Cohen erhält nunmehr da» Schlußwort. Einleitend erklärt er es als eine Unwahrheit, daß er während der Aussperrung sein Amt als Bevollmächtigter habe niederlegen wollen, daran habe er gar nicht gedacht. Zur Sache selbst übergehend, bemerkte er, es sei über die Aussperrung und über die Kampftaktik zwar sehr vieles ge- sprachen worden, jedoch sehr wenig Brauchbares. Den Sinn der Neutralität der Gewerkschaften hätten die meisten Kritiker gar nicht erfaßt; sie möchten sich nur von Bebel darüber belehren lassen. Sowie Bebel die Neutralität auffasse, so werde sie auch gchandhabt, anders nicht. Auch sein, Redners, Wunsch sei eS, daß auch der letzte Gewerkschaftler Sozialdemokrat werde. Aber wie stehe es denn in Wirklichkeit. Da klatsche die Masse dem Dr. Friedeberg frenettschen Beifall, wenn er zum Austritt aus der Landeskirche auffordere; hernach aber denke fast niemand daran, den Austritt auch wirklich zu bewerkstelligen. Genau so klatsche die Masse Beifall, wenn radikale Redner die Gewerkschaftsmitglieder zum engsten Anschluß an die sozialdemokrotischc Partei auffordern; draußen aber rennen sie mit dem„Lokal-Anzeiger" und der„Morgenpost" in der Tasche umher und denken gar nicht daran, Mitglied eines Wahlvercins zu werden. Im Gegenteil, wenn sie unter sich sind, dann wissen sie nicht» Bessere» zu tun. als auf die Partei und den „Vorwärts" zu schimpfen. Mit dieser Masse lasse es sich ivohl in Versammlungen beim Pauken radikaler Reden sehr gut auskommen, weniger gut aber im wirklichen Kampf. Wer als praktischer Gc- werkschaftsführer die Masse keimen gelernt habe, der wisse, daß noch sehr viel zu tun sei, um den Idealismus in ihr zu erzielen, der zur Führung solcher gewaltigen Känipfe notwendig sei. Mit diesem Faktum müßten die Gewerkschaftsführer eben rechnen, was die radikalen Redner leider nicht täten. Man tue den Beamten einfach Unrecht, wenn man ihnen immer die Schuld an der mangelhaften Erziehung der Massen zum Klassenbewußtsein in die Schuhe schiebe. Alles habe seine realen Grenzen, auch der Idealismus. Nur wenige gäbe eS, die aus purem Idealismus sich und ihre Familien hungern lassen lvürden; die Menschen seien eben auS Fleisch und Blut und keine Uebernienschen. Deshalb könne man daS Unterstützungswesen in den Gewerkschaften auch nicht entbehren. Ja er behaupte: Seit der Einführung de» Untcrstützungs- wescnS sei die Organisation erst eine wirkliche KampfeSorganisatton geworden. Die konkreten Zahlen bewiesen eS auch, daß für Streiks und Aussperrungen ungleich größere Summen ausgegeben sind wie für sonstige Unterstützungen. Was nun die Kampstaktik anbelange, so werde sie doch tatsächlich nicht von den paar Beaintcn festgelegt. Nur 1I10 der Verwaltungsmitglieder seien Beamte, 9/I0 aber seien al» Arbeiter in den Betrieben tätig. Genau so verhalte es sich auch mit den Vorwürfen gegen den Hauptvorstand. Gerade die am schwersten Angegriffenen, Schlicke und Ncichelt, seien für die Ausschreibung der doppelten Beiträge zugunsten der Aus- gesperrten gewesen; die in den Fabriken tätigen Beisitzer und Beiratsmitglieder aber hätten die Ausschreibung abgelehnt. Wo bleibe denn da die berechtigte Unterlage zu den Vorivürfcn gegen die Beamten? Freilich, die Beamten müßten dann schließlich alle» ausbaden; die Kritik an den Beamten sei ja auch die bequemste. Nun hätten ja öffentliche Ausschreibungen immer etwas Bedenkliches, weil dadurch gleich das ganze Unternehmertum zusammengeschweißt würde. Redner verweist auf Crimmitschau. Er selbst habe bereits früher die Einführung eines Umlageverfahrens befürwortet, wodurch mit Leichtigkeit die Gelder selbst für die größten Kämpfe herbei- geschafft werden könnten. Die ganze Belastung der Mitglieder würde sich in solchen Kampfzeiten nur auf 10, höchstens 20 Pf. pro Woche belaufen, zudem böte es die Sicherheit, daß die Unternehmer nicht mehr wie jetzt mit mathematischer Genauigkeit ausrechnen könnten, wann die Kassen leer seien. Aber der gerühmte Idealismus reiche ja nicht einmal soweit, diese paar Dreier zu opfern; sein Vorschlag sei abgelehnt worden. Ganz entschieden müsse er sich gegen den Vorwurf verwahren, den„Vorwärts" während der Aussperrung nicht genügend inforniiert zu haben. Der Gewerkschafts- redakteur des„Vorwärts" sei doch fast jeden Abend nach dem Bureau gekommen und habe sich dort die gewünschten Informationen persönlich geholt. Eine innigere Verbindung mit dem„Vorwärts" könne es doch wohl kaum geben. Gegen den damaligen„Vorwärts"- Arttkel aber habe er sich gewandt, weil die Veröffentlichung des- selben zu jenem Zeitpunkt völlig unangebracht gewesen sei. Und nun wolle er der Versammlung auch mitteilen, daß es kein anderer als der Genosse Bebel war, auf dessen persönliche Anregung hin er, Cohen, dann seinen bekannten Gcgenartikel im„Vorwärts" geschrieben habe.(Bewegung.) Auf seine Rücksprache mit Bebel wegen des Redaknonsartikel» habe dieser» zu ihm gesagt:„Lassen Sie sich da? nicht gefallen." So sei er denn auch an die Abfassung des Gegenartikels gegangen. Wenn nun in der Streikleitung nicht alles so geklappt habe, lvie eS sollte, so bitte er doch, nicht immer nach einer Seite zu hauen. Ihm werde stets die ganze Schuld allein aufgebürdet, während doch der Metallarbeitcr-Verband. obwohl er ammcisten engagiert war, nickt mehr Vertreter im Streikkomitee hatte wie die übrigen Gewerkschaften, die nur mit wenigen hundert Mitgliedern an der Aussperrung beteiligt waren. Für die Bcscklüsse des Streikkomitees seien also auch jeiie niit verantwortlich, die jetzt in allen Versammlungen so über die Taktik der Streikleitung herziehen. Es sei eine Jämmerlichkeit und Feigheit von diesen Leuten, daß sie nicht einmal für die Beschlüsse geradestehen, die sie selbst mit gefaßt haben. Eine solche Spitz- bubentaklik hätte er niemals erwartet, und soviel sei sicher: Bei zukünftigen ähnlichen Aussperrungen werde er solche Leute dreikantig zur Bude hinauswerfen, wenn sie je wieder konimen sollten, um„paritätisch" an der Leitung deS Kampfes niit teil- zunehmen. Er aber trete jederzeit für die Beschlüsse des Streik- komitees ein, weil sie nach Lage der Sache gar nicht anders geiaßt werden konnten. Es konnte eben nicht mehr Energie ausgespielt werden wie vorhanden war. UebrigenS vermöge er in dem Ans- gange des Kampfes noch keineswegs eine so schimpfliche Niederlage zu erblicken, als welche sie imnier hingestellt Iverdc. Aber auch in Niederlagen werde die Organisation gestärkt. Die Taktik lasse sich auch in Zukunft nicht schablonisieren. Nicht das erste Mal seien die Metallarbeiter im Kampfe unterlegen und doch werde die Organisation immer kräftiger und widerstandsfähiger. waS die Unternehmer sehr wohl zu würdigen wisse». Daher solle man auch bei aller Knttk niemals vergessen, daß neue Känipfe geeinte Scharen erfordern. damit die Organisatton zukünftig nicht vielleicht noch weniger vor» bereitet sei wie bei dieser Ausspemulg.(Starker Beifall.) � Hierauf kam es zur Abstimmung über die von Stricker beantragte Nefolution. Sie lautet: „Die Versammlung bedauert aufs lebhafteste die Engherzigkeit unseres Hauptvorstandes nebst seinem Beirat. Sie ist der Ansicht, daß durch eine energische Offensive der Kampf in der Elektro- industrie für die streikenden und ausgesperrten Arbeiter und Arbeiterinnen einen günstigeren Verlauf genommen hätte. Sie protestiert ganz entschieden gegen die Einseitigkeit des Haupt- Vorstandes in betreff der materiellen Frage, die als Hauptgrund der leitenden Personen für den schmählichen Abbruch des Kampfes angegeben wird. In Erwägung, daß in Zukunft derartige grobe Fehler nicht mehr vorkommeu dürfen, wie sie bei diesem Kampfe zutage getreten sind, fordert die heutige GeneralverfammluOg alle ehrlich denkenden Vcrbandskollegen Teutschlands auf, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln an unserer Organisationsarbcit mitzuwirken, um eine wirklich klaffen- bewußte Arbeiterschaft zu erziehen, die in Zukunft bei ähnlichen Kämpfen mit dem Unternehmertum sich ihrer Pflicht der Organi- sation gegenüber selbst bewußt ist. Die Versammlung protestiert serner gegen den geradezu beleidigenden Leitartikel in Nr. 44 der„Metall- arbeiter-Ztg.", worin den Berliner Kollegen kleinliche Selbstüber- schätzung zugeschrieben wird, die erfreulicherweise nicht vorhanden ist." Diese Resolution wurde mit allen gegen zirka Lv Stimmen angenommen. »* « D i e Maschinisten und Heizer hatten zum Sonntag eine Versammlung nach Voigts Rittersälen einberufen, um sich eben- falls mit den Lehren dieser Aussperrung zu beschäftigen. Wegen zu schwachen Besuches wurde von der Aussprache jedoch Abstand ge- »ommen und nur einige interne Angelegenheiten erledigt. LoÄslüemokraNseker Wahlverein für den S. Serliner Reichstags-Wahlkreis. Dienstag, den 19. Dezember, abends 8V2 Uhr: General> Versammlung in den Germania-Sälen, Chausseestt. 103. Tages-Ordnung: l. Fortlctzmig der Berichterstattung aus voriger Versammlung. 2. talficrcr sowie der Schiedskommission. 3. Verschiedenes. . Mitgliedsbuch legitimiert. _ Zahlreichen Besuch erwartet__ der Abteilungssährer und Mteilungs. 269/7« lder VorstaBd.« Zentral-Verband der 7öpfer. - Filiale Berlin.-- Mittwoch, 20. Dezember, abends 6 Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29(gr. Saal): Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: Beschlusisassung über die Stellungnahme der Meister zu unserer Tarifberatung. Die Kollegen werden ersucht, die Tarise mitzubringen._ Wir ersuchen hierdurch diejenigen Kollegen, welche Mitglieder der Orts-Krankenkasse der Töpser sind, voll» zählig w der keatv»dcnd atattflndenden Krankenkassen- Versammlung im Gcwerkachaftshanae, Engel-Ufer 15(großer Saal) pünktlich zu erscheinen. Torafand. 201/7 Stukkateure! Dountrstllg, A. DtMber, abends piiMilh 8 Ilhr, bei krüiille, Sebastiaustr. 89: Oeffentliche Versammlung. TagiS-Ordnung: l. Tic Tarifbruche in den Firmen Hlaalag, Schirmer, Zeyer A Drechsler und Karl SolinUzc.— 2. Diskussion. Kollegen! Da eS sich um maßgebende, prinzipielle Verletzungen unseres TarisverwageS handelt, die unsere gesamten Abmachungen in Frage stellen, so ist das Erscheinen aller, besonders der Kollegen von oben genannten Firmen, dringend notwendig! Ganz besonders seien alle arbeitslosen Kollegen eingeladen! 181/15* Zur Deckung der Unkosten sindet Tellerlammlung statt. Der Einher« fer. 29. u. 30. 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Am IS. Dezember besuchten vier verschiedene Frauendeputationen den schwedischen StaalSminister, um zu erfahren, ob der zu erwartende Borschlag zur Einführung des allgemeinen Wahlrechts sich auch aus die Krauen erstrecken wird. Der Staatsoiinister antwortete im wesentlichen wie folgt: „Es ist von größter Wichtigkeit für die ruhige EntWickelung unseres Vaterlandes, daß eine effektive Wahlrechtsreform ohne weiteren Aufschub durchgeführt wird. Eine derartige Reform ist je- doch bisher, wie sie von großen Mitbürgergruppen verlangt und in jahrzehntelanger Arbeit und jahrzehntelangem Streben vorbereitet wurde, als eine Verleihung des Wablrechis an die MSn n er aufgefaßt fraktisclie worden, die dieses Rechts bis jetzt entbehren. Würde man nun ver- suchen, die Reform auch auf die Frauen auszudehnen, so könnte dies nach Auffassung der Regierung wahrscheinlich, um nicht zu sagen sicherlich, die Folge haben, daß die ganze Reform erschwert und ver- zögert wird. � Es würde gewiß ein großer Fehler sein, in dieser Weise eine Reform, deren Notwendigkeit der Allgemeinheit langsam, aber sicher zum Bewußtsein gekommen ist, mit einer anderen zu verknüpfen, die, wenn auch an und für sich erstrebenswert, doch noch keineswegs reif zur Lösung ist. Dieser Auffassung gemäß kann die Regierung nicht die Verantwortung auf sich nehmen, dem Reichstag einen derartigen Vorschlag vorzulegen.— DaS ist die einstimmige Meinung der Regierung." Spandau. Die für den 19. Dezember anstehende Monats- Versammlung des Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeiter- klasse fällt des Weihnachtsfestes wegen aus. Die nächste Versamm- lung tagt am Dienstag, den 16. Januar. Näheres wird noch bekannt gemacht._ Der Vorstand. Eingegangene DvucfcfcKnften. 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Von dieser Seile kamen Zettel zur Ausgabe, die in der Qualität des Papiers, in Muster und in der Farbe ganz er- hcblich von den anderen Zetteln abwichen, also von vornherein kenntlich iv a r e n. Alle diese kleinen Mittel halien»ichlS. Da? Resultat dieser Wahl? Nun, e« war ein glänzender Erfolg des Verbandes! Soweit sich das Ergebnis bisher ermitteln ließ, entfielen von den 165 zu wählenden Delegierte» über 120 uns die Liste de? Transport- NN Verkehrsarbeiter- Verbandes und nur 33 auf die Liste der Direktionspartei. Selbst von diesen 33 ge- hören»och eine Anzahl Geivählter dem Verband« als Mit- glieder an. Eine derartige Niederinge halten die Vereins» grüßen beim dorn nicht erivarter. Und da« trotz aller Be- einflusiung und Mogelei. Ihrem Aerger glaubten die Herren dann nicht besser Ausdriick gebe» zu konnrn, als daß sie gegen die Verbandsliste» auf einige» Bahnhose« Protest einlegten, weil einige Kandidaten»ngenaü dezeichnet geivesen sind. So zum Beispiel war auf einem Zettel der Name Krüger ausgedruckt, ivährend eS eigentlich Krüger II heißen mußte usw. AuS diesen Grüiiden konnte auch das Endresultat noch nicht festgestellt werden. An dem durchschlagenden Erfolge des Verbandes kann durch das Endergebnis jedoch nichts geändert werden. Die Straßenbahner aber haben der Direttion der „Großen Berliner" also auch diesmal wieder unzweideutig gezeigt, daß ihre Sympathien nicht dem.blauen Verein", sondern der modernen Arbeiterorganisation, dem Transport- und Verkehrs- arbeitcr-Verbande gehören— ttoy aller gegenteiligen.Wünsche' von oben. Charlottenbnrg. Tie„Wunder" der flüssigen Luft. Im Ehafflottenburger Volks Haus war vom Verwaltungsausschuß am Sonnabend ein Experi mentalvortrag veranstaltet worden, dem die Zu- börer mit lebhaftem Interesse folgten. Genoff« Dr. B Borchardt sprach über.Flüssige Luft und Sauer st off-Be° l euch tung." Die einleitende Bemerkung, daß in unserer Zeit der alte Glaube an Wunder den Forschungen der Naturwissenschast nicht mehr Stand zu halten vermöge wurde durch eine Reihe gut. gelungener Experimente bestätigt. Zivar mußte darauf verzichtet werden, die Herstellung flüssiger Luft an Ort und Stelle vorzu- nehmen. Das Verfahren, das hauptsächlich in iinincr erneuter Zusammenpreffung und Wärincentzichung besteht, läßt sich mit den einfachen Mitteln, die«in Experimentator im Vortragssaale zur Verfügung haben kann, nicht zeigen. Ter Vortragende mußte sich damit begnügen, das fertige Produkt in Flaschen mitzubringen und nun die Eigenschaften dieser merkwürdigen Flüssigkeit zu de- mo»stri«ren. Flüssige Luft hat ein« Temperatur von annähernd 200 Grad unter Null. So weit muß die Luft durch fortgesetzte Wärmeentziehung abgekühlt werden, ehe sie sich zu einer Flüssig- keit verdichten läßt. Steigt ihre Temperatur wieder, so geht die Flüssigkeit wieder in den gasförmigen Zustand über, den die uns uingebende atmosphärische Luft hat. Ein Napf voll flüssiger Luft, den B. im Saale umhertrug, wurde bald leer: die Flüssigkeit ent- schwand in die Lüfte. Die Temperatur der flüssigen Luft eigen- händig zu prüfen, wäre bei etwa 200 Grad unter Null ein bedenk- liches Experiment. Man könnte sich dabei leicht— die Finger verbrennen; denn sehr niedrige Temperaturen Wirten auf unsere Haut genau so ein, wie sehr hohe: sie erzeugen„Brandblasen". Der Vor- tragende steckt« in ein Weinglas voll flüssiger Luft frische Mai- glöckchen, Veilchen usw. und zog sie im nächsten Augenblick als EiS- blumen heraus, die zwischen den Fingern zerbrachen wie GlaS. Ein elastischer Gummiball verwandelte sich durch dieselbe Prozedur in eine harte Kugel, die auf den Dielen in Scherben zersprang. Ein Schlauch au« Kautschuk wurde zum festen.Knüppel, der polternd auf den Tisch aufschlug. Solche und ähnliche„Wunder" riefen Staunen hervor und wurden mit dem Lächeln der Ueberraschung aufgenommen. Ernstere Stimmungen weckte der zweite Teil deS Vortrages, der dir Gewinnung de« Sauerstoffs aus flüssiger Luft behandelte und für die Verwendung des Sauerstoffs fesselnde Zu- lunftS-Perspeltiven« eröffnet«. Bon den Hauptbestandteilen der zur Flüssigkeit verdichteien Luft geht der Stickstoff schon bei 194 Gvad unter Null, der Sauerstoff erst bei 182 Grad unter Null wieder in den gasförmigen Zustand über. Steigt die Temperatur der flüssige» Luft, so entflieht zuerst der Stickstoff. Hierdurch ist die Möglichkeit gegeben, den Sauerstoff von, Stickstoff zu befreien. Die Zuführung von sauerstoffreicher Lust ist wichtig für die Heizungs- und Beleuchtungstechnik Wenn kein.Zug" im Ofen ist, brennt das Feuer nicht, und auch unsere Lampen wollen nicht nur mit Petroleum oder Gas, sondern daneben auch mit sauerstoff- reicher Luft gespeist werden. Borchardt hatte«inen Gasometer voll Sauerstoff und daneben ein paar an die Gasleitung angeschlossene Glühlichtbrenncr aufgestellt. Ihre Leuchtkraft war zunächst die ge» wohnliche, als ihnen aber reichlich Sauerstoff zugeführt wurde, steigerte sich di« Helligkeit des Lichtes sofort ganz außerordentlich. Vorläufig ist die Gewinnung des Sauerstoffs noch sehr kostspielig. Kanu sie verbilligt werden, so erleben wir es vielleicht, daß ebenso, wie heute jede Gasflamme ihren Glühstrumpf hat. dann auch die geschilderte Verwendung deS Sauerstoffs allgemeine Verbreitung findet. Wichtiger noch könnte die Sauerstosfgewinnung für die Technik der Durchlüftung geschlossener Räume werden. In Ver- sammlungSsälen, Krankenhäusern, Schulen usw., deren Luft„ver- braucht" ist, d. h. sauerstoffarm geworden ist, ließ« sich durch Ver- dampfnna flüssigen Sauerstoffs eine rasche Lufterneuerung erzielen. Doch auch hierzu muß die Herstellung, wie gesagt, erst noch billiger werden, so daß wir uns wohl noch ein bißchen zu gedulden haben. Die Teuerungszulage abgelehnt. Am 6. Dezember hatte die Stadtverordnelen-Versammlung mit überwältigender Mehrheit den Magistrat ersucht, ihr baldigst eine Vorlage zugehen zu lassen, wo- na» sämtlichen städtischen Arbeitern und denjenigen städtischeu Beamten und Lehrkräften, die«in JahreSgehalt unter 3000 M. be» ziehen, eine einmalige Teuerungszulage gewährt werde. Diesem Beschluß ist der Magistrat nicht beigetreten, er sieht von einer al»- baldigen allgemeinen Teuerungszulage ab, da die Löhne und Gehälter de? Normaletats so bemessen sind, daß sie auch in Zeiten vorüber- gehender Erhöhung von Lebensmittelpreisen als auskömmlich erachtet werden. Sollten bei anhaltender Teuerung die Grundlagen des Normaletats nicht mehr für ausreickiend erachtet werden, so will der Magistrat rechtzeitig Anträge zur Beseitigung dieser Verhältnisse stellrn. Zur Begründung seine» überraschenden Beschlusses führt der Magistrat aus, daß er eS nicht für angängig halte,«ine TeuerungS- zutage in einer Summe und ohne Berücksichtigung der Verhält- nissc und der einzelnen Familien zu gewähren, vielmehr müßte eine Teuerungszulage, wenn sie wirklich ihren Zweck erfüllen soll, unter Berücksichtigung dieser Verhältnisi« und fortlaufend in kleineren Beträgen zum Ausgleich der erhöhten Bedürfnisse der Wirtschaft gewährt werden. Ferner seien die Gehälter und Löhn« in Char- lottenburg fast durchweg höher als in anderen Berliner Vorort. gemeinden und in Berlin selbst; sie seien hoch genug, daß die fftädti- siben Beamten. Lehrer und Arbeiter auch gelegentlickje wirtsihasllichr Schwierigkeiten aus eigener Kraft überwinden können. Aus wie schwachen Füßen die„Gründe" deS Magistrats stehen, beweist die Tatsache, daß er auf der einen Seite von der Eröffnung der Grenzen, die zum 31 März 1906 in dem durch die Handelsverträge vor- geschriebenen Umfange durchgeführt sein muß.«in Nachlassen der Preise erwartet, aus der anderen Seite aber die Möglichkeit zugibt, daß dies Ergebnis durch die Verteuerung anderer Lebensmittel und wirlschaftl icher Rückschläge infolge der neuen Haiidelsnerträge wieder auSgeglickum wird. Es wird sich in der nächste» Stadtverordneten- Versanimlniig, am Mittwoch, zeigen, ob die Stadtverordneten diese Gründe als stichhaltig anerkennen. Wir hoffen, daß sie auf ihrem Standpunkt verharren und nicht nachgeben werden. Bekämpfiiuli der SänglingSsterbsichkeit. Durch Beschluß vom 11. Oltobcr hatte die Stadtvcrordnetrnversammlunq den Magistrat ersucht, zu veranlassen, daß die gemischte Dcputatim zur Beratung von Maßregeln zur Belämpfung der Säuglingssterblichkeit sich weiter mit der Frage beschäftigt, in welcher Weise eine Unterstützung stillen- der Mütter durchgeführt werden kann. Die Deputation ist zu dem Ergebnis gelangt, di« Einstellung von 20 000 Mark für diesen Zweck und zur Unterstützung Schwangerer in den Etat des nächsten Jahres zu empfehlen. Die Beschlußfassung des Magistrats steht noch aus. Dagegen beantragt der Rivgistrat schon jetzt die Bewilligung von 6900 Mari aus laufenden Mitteln zur weiteren Fortführung des Betriebes der vier Säuglingsfürsorgestellen. Hier- von entfallen über 3000 Mark auf Lieferung von Milch. Die Er» fahrung hat gelehrt, daß die Zahl der Personen, die den vollen Preis für Milch bezahlen können, sehr gering ist und ferner, daß etwa 4» Prozent der Besucher der Fürsorgestellen die Milch unentgeltlich erhallen. Eine Erhöhung deS ArmenctatS um 66 727 M. für das laufende Jahr stellt sich schon jetzt als erforderlich heraus. Die baren Unter- stützungen müssen erhöht werden, da die Zahl der lausend unter- stützten Personen seit dem letzten Jahre um 168 gestiegen ist. Bei den unverändert gebliebenen Mietspreisen und der Steigerung der meisten Lebensmittelpreise kein Wunder! Auch die Positionen „Pflegegeldcr für Kinder in Familie npflcge" bezw.„Heilmittel und Milch" müssen um 14 000 bezw. 2000 M. erhöht werden. Für Unterbringung von Geisteskranken werden 12 000 M. mehr, für Unterbringung von Personen in Heilanstalten, Genesungsstätten und Trinkerheilstätten 20 000 M. mehr verlangt. Der Hauptteil der Kosten dieser letzteren Position entfällt auf die Entsendung Lungenkranker in Heilstätten. Sckion seit einer Reihe von Jahren hat die Armenverwaltung besonderes Gcivicbt darauf gelegt, die Tuberkulose als die verheerende Vollskrankhcit, mit aller Kraft zu bekämpfen. Seit dem 1. April d. I. ist eine Fürsorgcstelle für Lungenkrank er- richtet, deren Hauptaufgabe:s ist, die Kranken so früh als möglich zu ermitteln und soweit möglich der Heilung zuzuführen. In der Tat hat es sich seit Eröffnung der Fürsorgestelle deutlich gezeigt, daß das Verständnis für die Bekämpfung der Tuberkulose in fort- schreitendem Wachsen begriffen ist. Bis- Ende September hat die Armenverwaltung aus Antrag der städtischen Fürsorgestelle und auf Grund deS Vertrauensarztes Dr. Becker für 180 Erwachsene und 81 Kinder die Aufnahme in Lungenheilstätten beantragt. Die Aus- gaben betragen im Durchschnitt für jeden Erwachsenen 166 M., für jedes Kind 137 M. lieber die gesetzliche Verpflichtung zur Vor- nähme solcher Kuren besteht heute kein Zweifel mehr. Erfreulicher- weise hat ja auch Charlottenburg mit seinein Vorgehen bei einer großen Zahl von deutschen Städten bereits Nachfolger gefunden. Spitzhnbenpech. Recht böse reingefallen sind mn Sonnabend- abend zivei Diebe, welche in Charlottenburg ein Fuhrwerk gestohlen hatten. Vor dem Hause Wilmersdorfcrstrahc 24s hielt ein Möbel- wagen deS hiesig» Möbelhändlers E. Zwei junge Burschen schwangen sich plötzlich aus den unbeaufsichtigt stehenden Wagen. hieben auf die Pferde ein und fuhren in rasendem Tempo mit ihrer Beute davon. Sie bogen in die Wallstratze ein, als sie jedoch an den Tunnel der Untergrundbahn herankamen, ereilte sie das Ver- häugnis. Der gestohlene Wagen stieß dort mit einem Geschäfts- fuhrwerk zusammen, die Pferde kamen zu Fall, und jetzt gelang eS den herannahenden Verfolgern, die beiden Diebe festzunehmen und der Polizei zu übergeben. Schöneberg. Die Bürgermeister- und die KSmmererwahl hat gestern abend in der Stadtverordiietensitzung stattgefunden. Die erster« erfolgte in niehreren Wahlgängen»iid hatte folgendes Resultat: Im ersten Wahlgang wurden 58 Stimmen abgegeben sso zahlreich beisammen hatte man die Stadtväler schon längst nicht mehr gesehen), davon erhielten Stadtrat Blankenstein- Schöneberg 22 Stimmen, der vor kurzem zum Gemeindevorsteher in Weißensee gewählte bisherige hiesige Stadtrat Wölck 13. Stadtrat Berg- Königsberg 13 und Stadtrat Samter-Charlottenburg 6 Slimmen. Im zweiten Wahlgauge erhielten, da eine abiolute Mehrheit nicht erzielt wurde, Blankenstein 24, Wölck 20, Berg 13 und Samter 2 Stimmen. In der Stichwahl zwischen den erstercn beiden vereinigten sich auf Blankenstein 37 und auf Wölck 2l Stimmen. Elfterer ist somit auf die Dauer von l2 Jahren zum zweiten Bürgermeister gewählt. Den Reaktionären im Stadtparlament, denen der Neugewählte immer sympathisch war. ist dadurch ein Mann nach ihrem Herzen erstanden. Ob die Stadtgemeinde dadurch besonders gut fahren dürfte, muß erst ab- gewariei werden. Bei der Wahl zum Kämmerer, welche Stelle neu geschaffen ist. erhielten der bisherige Rechnungsdirektor Machowicz-Schöneberg 30 Stimmen und Stadtrat Dr. Deichen-Graudenz 27 Stimmen. Mit minimalster absoluter Mehrheit ist elfterer somit zum Kämmerer gewählt worden. Ueber die umfangreichen übrigen Punkte der Sitzung berichten wir morgen. Weistensee. In der letzten Gemeindevertreter-Sitzmig wurde der Vertreter der zweiten Abteilung, Knorr, ausgelost; im Frühjahr nächsten Jahres findet für den alten OrtSteil eine Ersatzwahl statt.— Zur Prüfung der umzuarbeitenden Steuerordnungen wurte eine neun- gliedrige Kommission gewählt, der auch die Genossen Schmutz und Taubmann angehören. Hierbei zeigte sich, daß sich die Herren Gegner schon wieder etwas„fühlen", denn einen Sitz wollten sie u»S wiederum streitig machen. Noch vor ganz kurzer Zeit gingen diese Herren mit uns durch dick und dünn; galt eS doch vor ollem, dem besoldeten Schöffen eins auszuwischen, jetzt gilt eS, das neue Oberhaupt zu umschmeicheln, waS sich bei einer Gelegenheit recht klar erwies. Di« Anstellung des Gemeindevorstehers wurde seiner- zeit ohne Dienstwohnung bestimmt, weil man die Wohnung deS ver- storbcncn Amtsvorstehers nicht alS moderne bezeichnete und auch zu Bureauräumen verneuden wollte. Jetzt scheint sich ein Teil der Herren Vertreter eine? Besseren besonnen haben und findet die frühere Wohnung de? verstorbenen als vorzüglich geeignet für den jetzigen AmtSvorstehers. Ein Antrag, welcher bereits zweimal abgelehnt wurde, wurde erneuert und mit 14 gegen 12 Stimmen die Dienst- Wohnung bewilligt.— Auf eine Anfrage, wie sich der Gemeinde- Vorsteher zu den Vorschlägen alS zweiter Bürgermeister in Schöne- berg stelle, gab Herr Dr. Woclck die bestimmte Erklärung ab, daß er die Bewerbung in Schöneberg zurückgezogen habe.— In einer vor kurzem stattgefundenen, von sozialdcmolratischrr Seite einberufenen Versninnilling halte ein bürgerlicher Herr zur Sprache gebracht, daß ein Genieindebc'rtreter in Sachen des SchloßankaiifcS den Preis in die Höhe gelrieben habe, was wiederum zu einer scharfen Kritik in einer Grundbesitzer-Versanimlung Anlaß gab. In der Gemeinde- vertreter-Sitzimg kam diese Angelegenheit ebenfalls zur Erörterung. Herr Postsekretär Mewes erklärte hier, wohl im Auftrage des ver- fforfancn ftcrrn Amtsvorstehers Feldtmmin. den Testaments- Vollstrecker der Erben besucht zu haben, aber ntemals Ue Erben selbst. Ta nun aber die Verhandlungen stets mit dem Testaments- Vollstrecker geführt worden sind, so gab dies zu Bedenken Anlast. Herr Mewes will angeblich den Verbreiter dieser Nachricht gerichtlich belangen, und so können wir ja einstweilen aus weiteres verzichten nnd abwarten. Lichtenberg. In der ausserordentlichen Generalversammlung am Dienstag, den 12. Dezember, erstattete zunächst der Vorstand seinen Tätigkeits- bracht. Bezüglich der Besetzung der Vorstandsämter gelangte ein Antrag Welk zur Annahme, nach dem Mitglieder des Zentral- Vorstandes in den Bezirkswahlvcreincn keine Vorstandsposten bc kleiden können. Ter Bericht des Vertrauensmannes ergab eine Einnahme von 1722,78 M. und eine Ausgabe von llOti M., es bleibt ein Bestand von 616,73 M. Die Abrechnung des Wahlkomitecs weist ans eine Einnahme von 411,25 M. und eine Ausgabe von 211,25 M., bleibt ein Ucberschust von 260 M. Die„Nachiasyl Vorstellung ergab einen Ueberschnst von 169,76 M. Flugblätter wurden 166 666 verbreitet. Der Bericht des Kassierers ergab eine Einnahme von 1918,76 M., eine Ausgabe von 1558,76 M., bleibt ein Besrgnd von 366 M. Abgeführt an den Kreis wurden 795 M., ausgegeben für Bibliothekszlvecke 171,15 M., am Ort wurden 592,55 M. verausgabt. Der Mitgliederbestand war 866 gegen 783 im Vorjahre. Bernfsweise gliedert sich die Mitglicderzahl wie folgt: Arbeiter 167, Maurer 84, Tischler 86, Restauratenre 57, Zimmerer 35, Schlosser 37, Töpfer 23, Barbiere 15, Möbclpolierer 16, Pfleger 14, Händler 14, Maler 13, Schneider 16, Schmiede 16, Dreher 9, Bauarbeiter, Former je 8, Hutmachcr, Weber je 7, Rohr- leger, Bretterträger, Vergoldcr, Hausdiener je 6, Drechsler, Kutscher, Maschinenarbeiter, Schuhmacher, Buchdrucker, Putzer, Glasmacher, Dachdecker, Drahtzieher, Mechaniker je 5, Bildhauer, Metallarbeiter, Metalldrehcr, Böttcher, ftlaviermacher je 4, Burcau- arbeiter, Holzbildhauer, Buchbinder, Schlächter je 3, Lagerhalter, Tapezierer, Musiker, Ofensetzer, Gürtler, Sattler, Heizer, Bäcker, Brauer, Drahtspinner, Anschläger, Kaufleute, Kistenmachcr, Stein- metz, Dachdecker, Anstreicher, Bürstenmacher, Wärter, Monteure, Stellmacher, Schriftsetzer, Korbmacher, Schleifer je 2, Glasarbeiter, Dekorateure, Fabrikanten, Hobler, Stanzer, Kolporteure, Spediteure, Metallschläger, Eisenhauer, Kürschner, Isolierer, Rendanten, Tischlermeister, Schuhmachermeister, Photographen, Steinmetzen, Bandsägenschncider, Strumpfwirker, Lederarbeiter, Orgelbauer, Bademeister, Eisenhauer, Galanteriearbeiter, Kassenbeamten, Kurbel- stcppcr, Fraiser, Fliesenleger, Uhrmacher, Zuschneider, Metallschleifer, Steindruckcr, Täschner, Steinhauer, Steinsetzer, Glaser, Teppich- schercr, Schriftgiester, Konditoren je ein Mitglied. In den Vorstand wurden gewählt: Zum ersten Vorsitzenden Genosse Backhus, zum zweiten Vorsitzenden Genosse Brühl, zum ersten Kassierer Levpn, zum zweiten Kassierer W. Schulz, zum ersten Schriftführer Welk, zum zweiten Schriftführer Kupfer, zu Revisoren Lenz, Graf nnd Niehns. Die weiteren Wahlen der Kommissionen und der letzte Punkt der Tagesordnung wurden wegen der vorgeschrittenen Zeit um IVz Uhr vertagt. Wilhelmsberg- Hohen- Schönhausen. Eine Volksversammlung, die hier stattfand, nahm einen Vor- trag des Stadtverordneten Koblenzer über:„Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Gemeinde" entgegen. Genosse Koblenzer kennzeichnete recht treffend, wie ungerecht die Klasseneinteilung bei der Gemeindewahl ist. TeS weiteren erläuterte er eingehend unser Ltommunalwahlprogramm. Genosse T h> e ke gab dann den Bericht ans der Gemeindevertretung. Er teilte mit, dost die Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde Hohen-Schönhausen in der Summe von 26 995 M. bei einem Steuerzuschlag von 226 Proz. balanziercn. Ein vom Genossen Thiele gestellter Antrag, mit Rücksicht aus die Fleischnot eine Petition an den Minister zwecks Aufhebung der Grenz- sperre zu senden, wurde abgelehnt. Ebenso wurde auch der Antrag, die Grnndwcrtsteucr einzuführen, abgelehnt. Der Vortrag des Genossen Koblenzer und die Ausführungen des Genossen Thiele zu seinem Bericht wurden von der Versammlung sehr bei- fällig aufgenommen. Teltow. Vom Bau gestürzt ist am Sonuabendnachmittag der Manker Wilh. Mangert aus der Berlinerstraste. Er war bei der Rüstung auf dem Neubau in der Nnhlsdorferstraste beschäftigt nnd fiel zwei Stock herab, auf einen eisernen Träger aufschlagend, der ihm den Hinterkopf bloßlegte. Der ncbenanwohnende Arzt leistete ihm die erste Hülfe, worauf er nach seiner Wohnung gebracht wurde. Reinickendorf. Eine arge Messerstecherei unter Polizeianfsicht fand in der Nacht zum Sonntag in der Hoppestraste statt. In einer dort gelegenen Schankwirtichast erschien nach Schluß des Geschäfts ein Fremder, welcher Getränke verlangte. Kaum hatte derselbe das Lokal be- treten, als der Amtsdiener Wollmann erschien und feststellen wollte, ob außer den Mitgliedern eines Kegelklubs, welcher im Vereins- zimmer tagte, noch andere Gäste anwesend seien. Bei dieser Ge- lcgenheit iiinrde dem Fremden das Wort„Spitzel" zugerufen. Da- durch entstand ein Streit, der sich bis auf die Straße fort- setzte. Plötzlich zog der Fremde, der von dem Polizisten immer gedeckt und beschützt wurde, sein Messer und verwundete fünf Personen. Am schwersten wurde der Töpfer K. verletzt, welcher eine» Stich in die Seite erhielt und bewußtlos zum Arzt geschafft lourde. Die Verletzten bestreiten entschieden, dem Fremden geschlagen zu haben. Als einer der Verwundeten von dem Polizisten verlangte, daß der Name de? Messerstechers festgestellt würde, erhielt er von, Polizisten einen Stoß vor die Brust und die Antwort:„Machen Sie. daß Sie zu Hanse kommen, ich kenne den Mann, er ist Militär- anwärter." Das zusammengeströmte Publikum übte dann Lynchjustiz an dem Messerhelden. Nieder-Schöneweide. Ei» scheu gewordenes Arbcitsgcspann raste gestern vormittag von Baumschulenweg kommend nach der Berlinerstraße in Nieder- Schöneweide. Die Tiere rannten gegen den dort befindlichen Kandelaber, der unten abgebrochen wurde, das Fuhrlverk wurde demoliert, ein Pferd brach da? Genick. Der Fuhrherr flog m einem Bogen vom Wagen, kam aber mit einigen Hautabschürfungen davon. �riedrichsfelde. Die für das Rohrnetz der Kanalisation abgegebenen Angebote werden setzt durch die OrtSzeitung bekannt. Höchstforderndcr ,st C Krause u Co., Berlin, mit 953 685,66 M.. Mindestfordcrnder W Bruch. Berlin, mit 859 795,66 M. Der Zuschlag ist noch nicht erteilt Die Differenz beträgt also 94 600 M. Die Firma W.Bruch, die das Mindestgebot abgegeben hat. ist dieselbe Unternehmerfirma, welche die Entwässerung des Obcrfeldes ausgeführt hat für den Preis von 128 000 M. und zur Ausführung der ArbeUen fast aus- schließlich Ztaliener, Polen nnd Polinnen beschäftigte. Diese Tat- fache führte seinerzeit in der Gemeindevertretung zu emer Jnter- pellation des Genossen Pinseler, die aber nichts weiter zur Folge hatte als einige leere Redensarten zugunsten des Unternehmers. Eigentümlich ist nur, daß nach einem Voranschlage der Firma Bruch u. Schlee, den die Gemeinde bezahlt hat, das Rohrnetz nur 600 600 M. kosten sollte. Jetzt fordert der Berfertiger des Vor- nnschlages 859 765.- M. und ist noch 94 660 M. billiger wie der Höchstfordernde. Die Offerten werden einer genauen Nachprüfung � � Bezeichnend ist es für die Friedrichsfelder Gemeindeznstände, daß die Gcmeindevertrcter ihre Kenntnis über diese Angebote erst aus der OrtSzeitung schöpfen müssen. KerUner ISachncbten. Vom Wachstum Groß-BerlinS. Die Bevölkerung Berlins und der Vororte belief sich bei der diesjährigen Volkszählung— nach den allcrueuesien, aber selbstverständlich immer noch nicht endgültigen Zusammenstelliliigen— aus 2 985 293 anwcsciide Personen Davon entfallen 2 035 815 auf Berlin und 949 473 aus 29 Vororte Die Zunahme seit 1900 beträgt für Groß-Berlin 440 857 Personen, für Berlin allein nur 146 967, dagegen für die 29 Vororte 293 890. In Berlin haben nur noch die an die Weichbildgrcnze heran- reichenden SiandeSamtsbezirke des Ostens, Nordostcns, Nordens nnd Nordwestens eine Bevölkerungszunahme gehabt, die sich auf 193 340 Personen feinschließlich Zimahme der Schiffsbevölkerung! stellt. In der ganzen übrigen Stadt, in allei, Jnnenbezirken und auch in den äußeren Teilen des Südostens, Südens, Südwestens und Westens, hat die Bevölkerungszahl fick verringert, um 46 873 Personen. Desto größer ist der Zuwachs in den Nachbar gemeinden, die an diese Teile Berlins angrenzen. Die Bevölkermigs- zahl der Bororte des südlichen Spree-Ufers von Treptow bis Charlottenburg ist um 234 943 gestiegen. Dagegen haben die Vor orte des nördlichen Spree-Ufers von Stralau bis Plötzensee nur eine Zunahme von 58 947 Personen aufzuweisen. Auf dieser Seite hat noch Berlin selber den größten Teil des Bewölkernngszuwachses aufnehmen können. Die Innungen Berlins vermehrten sich im letzten Jahr um zwei, sodaß nun 64 Innungen vorhanden waren. Die Zahl der freien Innungen stieg aus 46, die der Zwaiigs-Jnnungeii blieb 13 wie im Vorjahr. Die Mitgliedcrzahl erhöhte sich bei den freien Innungen auf 11 923, bei den Zwaiigsinnungen auf 17 379. Von den Zwangs- Innungen war die größte die der Schneider mit 5873 Mitgliedern, die kleinste die der Zeugschmiede mit nur 35. Bei den freien Innungen stand obenan die Bäckerinnung mit 1342 Mitgliedern und ihr Gegenstück war die Innung der Schwertfcger mit nur 7 Mit- gliedern. Im Streit um die Fleischvernichtnngsanstalt ist die Stadt Berlin unterlegen. Durch eine Entscheidung des Kreisausschusses von Rieder-Barnim war der Stadt Berlin untersagt worden, auf städti- schem Gelände zwischen Blankenfelde und Schildow eine Fleisch- vernichtungs- und Fleischverwertungs-Anstalt zu errichten. Am Sonnabend ist die Entscheidung des Krcisausschusscs vom neuen Handelsminister bestätigt und der Rekurs'der Stadt Berlin ab- gewiesen worden. Die Konzession für die jetzige Abdeckerei läuft im Jahre 1907 ab. Neu konzessioniert wird jene Anstalt von der Staats- behörde unter keinen Ilmständen: es kann nur der Fall eintreten, daß der Betrieb der alten Abdeckerei noch ein halbes Jahr länger geduldet wird, damit der Magistrat mit dem fast eine Million kostenden Bau der neuen Fleischvernichtungs- und Verwerhrngs- anstatt Zeit gewinnt. Die Stadt Berlin hatte den Standpunkt ver- treten, daß eine Fleischvernichtungs- und Verwertungsanstalt nicht unter dieselben Bestimmungen der Gelvcrbe-Ordnunt, fällt wie die Abdeckerei. Das Handelsministerium trat aber dieser Ansicht nicht bei. Die Sachverständigen des Ministeriums verlangten, daß gemäß den Bestimmungen über Abdeckereien die Berliner Anstalt zwei Kilometer von dem nächsten Ort entfernt liegen müsse. Dies traf bei dem vorgesehenen Gelände nicht zu. Für die Beseitigung der Ticrkadaver auf den Strafen Berlins hat die Polizei zu sorgen, aber auf Kosten der Stadt. Auch für die Beseitigung oder Ver- Wertung der Viehhofkonfiskate muß Berlin eine Fleischverarbcitungs- Anstalt haben, so daß die Stadt Berlin nach einem neuen Gelände Iveiter entfernt von der Stadt wird Ilmschau halten müssen. In der gestrigen Sitzung der Morkthallen-Depiitation wurde »nter anderem auch die Beratung des Etats fiir 1966 vor- geiioimnen. Derselbe schließt an Einnahme und Ausgabe mit 3 586 653 M. ab. Für die Markthallenarbeiter wurde. dem Antrage einer Siibkon, Mission enff'prechend, eine neue Lohnskala festgesetzt, welche am 1. April 1966 in Geltung tritt. Nock, derselben beträgt der Anfangslohn 3.56 M., steigend von zwei zu zwei Jahren um je 25 Pf. bis zum Höchstlohn von 4,56 M. Der erneute Antrag unserer Genossen, den Anfangslohn auf 4 M. zu bemessen und eine Steigerung bis zur Grenze von 5 M. eintreten zu lassen, wurde gegen drei Stimmen abgelehnt. Bezüglich der Verlegung der Engros-Marbt hallen wurde seitens des Vorsitzenden der Markthallen-Deputation mitgeteilt, daß gepflogene Verhandlungen mit den staatlichen Behörden dazu führen dürsten, das frühere Projekt— Verlegung nach der Landsberger Allee— fallen zu lassen und daß Aussicht vorhanden sei, in der Gegend des Lehrter Bahnhofs ein zweckentsprechendes Terrain zu bekommen. Der Maricnfrlder Leichenfund hat nach amtlichen Ermittelungen dahin Aufklärung erfahren, daß kein Mord, sondern Selbstmord vorliegt. Nach der Rekognition der Schwester ist die Tote die am 11. Februar 1867 zu Berlin geborene Näherin Klara Sckrndv. die in der Chorinerstratze 22 wohnte und in einem Anfall geistiger Störung Selbstmord ans den Schienen verübt hat. Diese Feststellung wird auch durch das gestern abend bckanntgeivordene Ergebnis der gcricht- lichcn Obduktion in vollem Umfange bestätigt. Diese wurde durch den Kreisarzt Dr. Elten in Gegenwart eines Vertreters der Staats- anwaltschaft II ausgeführt. Der Tod ist, wie mit positiver Be- stimnitheit festgestellt wurde, auf Selbstmord zurückziistihren. Alle Verletzungen sowie die zahlreichen Knochen- und Sckädelbrüche sind durch stumpfe Gewalt, das heißt in diesem Falle durch einen Eisen- bahnzug herbeigeführt worden. Auch die scheinbaren Stichverlctzungc» in der Brust rühren nicht von einem scharfen Werkzeug her: sie sind vielmehr ebenfalls beim Ileberfahren entstanden. Ein Sittlichkeits- verbrechen liegt nicht vor. Die Leiche ist bereits gestern abend zur Beerdigung freigegeben worden. Was durch die„Findigkeit der Post" manchmal alles an- gerichtet werden kann, zeigt uns die Irrfahrt, die eine Postaiilveisung gemacht hat. In Lichtenberg bei Berlin, einem„Dorfe" von 56 660 Einwohnern, das in postalischer Beziehuiig allerdings„bevor- zugt" ist— denn nicht weniger als 8 Postämter bestellen an die in Frage kommende» Einwohner—.zahlte an, 16. November ein HerrL. 4.35 laut Posteinlieferungsschein unter der Adresse„Gas- und Wasser- werlskasse der Gemeinde Lichtenberg", hier, Rathaus, Zimmer 41. auf dein Postamt Neu-Lichte»berg ei». Am 18. November ersucht der Magistrat zu Berlin mittels Postkarte um Angabe darüber, für welche Zwecke das— nach Lichtenberg adressierte— Geld Verweildmig finden soll. Am 22. sendet der Berliner Magistrat unter Abzug von 10 Pf. Porto doS Geld an den Absender zurück, der mit Recht die Annahme verweigert. Am 12. Dezember droht die Geineindekaffe Lichtenberg mit Zwangsbeitreibinig der schuldigen 4,35 M., da der au> 16. November an die Gemeindekasse abgesandte Betrag noch immer nicht cingegangen sei. Und alles das, obwohl die genaue und richtige Abreise an- gegeben und wiederholt der Versuch gemacht worden war. der Post- vcrivaltung die Sachlage auseinanderzusetzen. Die Post hat doch die Pflicht, die Bestellung an die sehr deutlich geschriebene Adresse zu veranlasieii und nicht dem Absender neben dem Verdruß auch noch Geldverlust zuzufügen. Obendrein fragt noch ein Bote des Postamtes angeblich im Austrage des„Postinspektors" bei dem Herrn L. an, ob er ein Interesse an einer besonderen Onittung über die in- zwischen erfolgte Ablieferung des Betrages an den Adressaten habe. Soll man diele Anfrage noch als Hohn auffassen? Denn bis gestern den 13. Dezember war bei der Gas- und Wasserwerkskasse Lichten- berg der Betrag noch immer nicht eingegangen. Wie uns mitgeteilt ivird. ist gegen den Vorsteher des hier in Frage loiniiiendeii Postamtes Beschiverde eingereicht. Wenn wir die Beweisstücke nicht in den Händen gehabt hätten, würden wir ein solches Vorkommnis für kaum glanblich halten und wir gehören gewiß nicht zn den Leichtgläubigsten. Panik bei einer Kinematographeiivorstellung. Sonntag abend um 6 Uhr entstand in der Müllerstr. 6, Ecke Fennstraße, während einer Kinematographenvorstellung ein Brand. der eine gewaltige Panik unter den Gästen hervorrief. Acht Per« s o n e n erlitten Verletzungen, die jedoch in keinem Falle lebensgefährlich sind. Ueber das Vorkommnis haben wir folgende Einzelheiten ermittelt: Im ersten Stocke des erwähnten Hauses finden seit einigen Tagen Lichtbildervorführimgeii statt. Das Unter- nehmen ist durch die Feuerwehr und die Polizei auf seine Feucrsicherheit hin geprüft worden, bevor die Genehmigung zu den Vorführungen erteilt wurde. Der Saal faßt etwa 200 Personen und war Sonntag abend vollständig gefüllt, zum größten Teil von Kindern. Gegen 6 Uhr wurden die Zuschauer plötzlich durch eine Stichflamme erschreckt, die aus dem Apparaten- räume emporschlug und eine Fcnstergardine erfaßte. Der Ruf „F e u e r I" verursachte im Nu eine unbeschreibliche Panik. Alles sprang.entsetzt auf. Stühle wurden umgeworfen und jeder suchte einen der beiden Ausgänge zu gewinnen. Besonnene erwachsene Personen riefen laut, die Ruhe zu bewahren, da keinerlei Gefahr vorhanden sei. Diese Mahnungen verhallten aber in den hundert- stimmigen Hülferufen der Kinder. Da schlug ein Arbeiter die großen nach der Straße hin liegenden Spiegelscheiben ein und verschiedene Kinder wurden auf die Straße hinabgelassen. Das erste fing ein eben vorübergehender Vizcfeldwebel unversehrt auf. Auch zwei andere Kinder, die deiiselben Weg nahmen, blieben unverletzt, weil sie glücklicherweise auf einen Haufen Weihnachtsbäume fielen, der unter dem Fenster lag. Diese Weihnachtsbäume erwiesen sich auch einigen Frauen, die ebenfalls den Sprung durchs Fenster wagten, als Retter. Weniger gut kam der 15jährige Franz Ober davon, der sich bei dem Sturze einen Beinbruch und eine Fußverstauchimg zuzog. Auch der 10 jährige Reinhold P f a n n erlitt eine schmerzhafte Fußverstauchnng. Schillttwimden im Gesicht und an den Händen trugen davon: Helene Grabow (10 Jahre), Valentin Schwarz(17), Richard Gabor(32), Emil Ftniz(15), Gustav Körner(27) und Georg Kretschmer (13 Jahre). Alle acht Verletzten erhielten auf der Unfallstation in der Lindowerstraße Verbände und wurden dann nach ihren Wohnungen entlassen. Während sich die Vorgänge auf der Straßen- seile abspielten und hier binnen wenigen Sekunden zu großen Menschenansammlungen führte, stürmten das Gros der Geängstigtcn durch die beiden Ausgänge die Treppen hinab. Als ein Wunder ist eS zu betrachte», daß hierbei die Kinder sich nicht gegenseitig umstießen und dadurch etwa die Gefahr vergrößerten. Es sind keinerlei Un- glücksfälle gemeldet worden, die sich auf dieser Treppenflucht ereignet hätten. Als die benachbarte Feuerwehr aus dem Depot in der Pank- traße an der Unfallstelle eintraf, war das Haus von den Besuchern bereits geleert und auch das Feuer erstickt.— Ueber die Entstehung des Brandes ist Sicheres noch nicht festgestellt. Die Ursprung» liche Annahme, daß eS sich um Kurzschluß handele, erscheint nicht zu» treffend, weil sich die elektrische Anlage bei der unmittelbar darauf vorgenommenen Untersuchung als intakt erwies. Fest steht nur, daß im Apparatenkasten plötzlich ein Celluloidbild Feuer fing, dessen Stichflamme aus dem Kosten herausschlug und eine Gardine erfaßte. Der Maschinist, der sich in dem Kasten unmittelbar neben jenem Bilde befand, erlitt keinerlei Beschädigungen. In erschreckender Weise mehren sich in letzter Zeit die Selbst- morde von Kindern. Vom Sonntag werden zwei Schülerselbstmorde gemeldet. Sonntagmorgen sprang der vierzehnjährige Sohn des Gastwirts M., Kaiser Wilhelinstr. 45, aus dem Fenster der in der vierten Etage belegenen elterlichen Wohnung auf den Hof hinab und fand sofort seinen Tod infolge Schädelbruchs. Die Ver- anlasiung zur Tat bildete Furcht vor Strafe.— In gleicher Weise suchte an demselben Tage der vierzehnjährige Sohn des Eisenbahnarbeiters S. in Lichtenberg sich das Leben zu nehmen. Der Knabe, der seinen Eltern bereits viele Sorgen bereitet hatte, sollte nach einer ZwangserziehungSanstalt übergeführt werden. Als Sonntag morgen ein Polizeibeamter das Haus betrat, glaubte der Junge, daß er nunmehr abgeholt werden solle und sprang auS dem Fenster der in der dritten Etage befindlicben Wohnung auf den ge» pflasterten Hof hinab. Er erlitt Brüche beider Beine und schwere innere Verletzungen und wurde in hoffimngSlosem Zustande nach dem Krankenhause Friedrichshain gebracht. Ein eigenartiger folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Automobil und einem Stapel Weihnachtsbäume fand am Sonntag» mittag in der Prenzlauer Allee statt. Der Insasse des Automobils, ein Schlächtern, eister aus Weitzensee, sprang noch rechtzeitig ab, ohne sich Schaden zu tun. Dagegen wurde der Weihnachtsbaumhändler Sch. zu Boden geworfen nnd stürzte so unglücklich, daß ihm ein spitzer Tannciizweig ins linke Auge fuhr und dieses so schwer verletzte, da seine Sehkraft wohl für immer verloren sein dürfte. Zopfabschneider treiben in den belebtesten Straßen Berlins ihr Unwesen. So wurden einem Schulmädchen, das mit mehreren Alters» genossinnen vor dem Schaufenster eines Warenhauses in der Leipziger- slraße stand, seine beiden langen, durch die schöne Farbe des Haares besonders auffallenden Zöpfe abgeschnitten, ohne daß eS gelang, den Täter zu fassen. Der Teckencinsturz in der Ziegelstraße, bei dem kürzlich fünf Arbeiter verschüttet wurden, hat ein weiteres Opfer gefordert. Ter 53 Jahre alte verheiratete Maurer August Conrad ist den schweren Verletzungen erlegen, die er sich an der Wirbelsäule und der Luftröhre zuzog. Auf der Mördersuche. Die Bemühungen, die Person des Mörders festzustellen, dem der Kellner August Giernoth zum Opfer fiel, haben nach einer Potsdamer Korrespondenz angeblich bisher ergeben, daß der sogenannte Oberinspektor Reimaim aus Potsdam mit einem ehemaligen Vierzapfer identisch sein soll. Automobiliinfall eines Generals. Auf einem Gaiige durch die Friedrichstraßc ist gestern nachmittag Generalmajor z. D. Eiswald von einem Automobil überfahren und erheblich verletzt worden. Der bereits in hoben, Alter stehende Offizier war im Begriff, an der Ecke der Französischen- und Friedrichstraße den Fahrdamm zu über» schreiten, als von den Linden her ein Droschkcnaiitomobil heran- gesaust kam. Da der Chauffeur kein Warnungssigual gab, bemerkte der alte Herr nicht daS Automobil, geriet an den Wagen heran und wurde umgerissen. Die Räder des schweren Kraftwagens gingen ihm über den rechten Fuß hinweg und fügten ihm eine schivere Ouetschung zu. Ein Schutzniann brachte den General in einer Droschke nach der nahen Rettungsstation, wo ein Notverband an» gelegt wurde und von dort nach der Wohnung Preußischeftr. 4 in Wilmersdorf. Beim Einkaufen von Weihnachtsgeschenken überfahren nnd lcbeiiS- gefährlich verletzt wurde gestern abend in der Friedrichstraße eine unbekannte, etwa 55 Jahre alte Frau. MitPakelen beladen wollte die Fremde an der Ecke der Kronen- und Friedrichstraße den Fahr- danim überschreiten, bemcrlte jedoch iiif»lge ihrer großen Schivcr- Hörigkeit nicht das Heraiinahen eines Geschäftswagen». Sie wurde zn Boden geschleudert nnd die Räder des Fuhrwerks gingen der Bedaucrnswcrien über den Kopf hinweg. In bcivußilosem Zustande wurde sie nach der Unfallstation in der Kronenstraße und von da nach der Charitö gebracht. Die Verunglückte hatte einen schweren Schädelbruch erlitlen. Sie lvar einfach gelleidet und in ihre» Taschen fand man ein Hörrohr vor. Bom Schlachtfcldc der Industrie wird gemeldet, daß wiederum ein blühendes Menschenleben vernichict worden ist. In dem Danziger Mörtelwerk von O. Upleger war am vergangeneii Freitag der Treib- riemen von der Transmiision gefalle». Der 21jährige Kalllöicher Gomball versuchte es, da der Heizer gerade abioesend war. den Riemen wäbrcnd des Ganges der Mörtelmaschinc wieder aus die Welle zu bringen. Die Welle erfaßte ihn jedoch nnglücklicherweise und schleuderte ihn mit sich herum. Hierbei wurde ihm der rechte vrm a�gerifsen. der linke Fuß abgeschlagen, die übrigen Gliedmaßen gebrochen Der Unglückliche erlag bald darauf seinen furchtbaren Verletzungen. Großstadtclcnd. Auf dem Hofe deS Hauses Wallstr. 23 ivurde gestern morgen in der siebenten Stunde ein Mann auf dem Gesichte liegend in völlig bewußtlosem Zustande aufgefunden. Derselbe mußte auf einem der daselbst stehenden Wagen die Nacht zugebracht haben und war beim Absteige» gestürzt, lieber und über mit Blut bedeckt, wurde er von zwei herbeigeholten Schutzleuten nach der Unfallstation gebracht. Eine Gasexplosion, bei der glücklicherweise Personen nicht zu Schaden gekommen find, erfolgte gestern mittag im Hause Usedom- straße 21. In einem Arbeitsraume der Finna v. Tippelskirch u. C o. machte sich ein intensiver Gasgeruch bemerkbar. Man suchte daher die Gasleitung ab. Plötzlich erfolgte dabei eine heslige Detonation und lange Stichflammen schössen empor. Die in der Nähe stehenden Personen wurden zwar durch den Luftdruck zurück- geschleudert, erlitten aber keinerlei Verletzungen. Auch das entstandene Feuer konnte leicht unterdrückt werden. Die alarmierte Feuerwehr brauchte nur noch die Aufräumungsarbeiten zu verrichten. Ein gefährlicher Brand, der großen Schaden verursacht hat. kam am Montag nachmittag in der Turmstr. 23, Ecke Lübcckerstratze, zum Ausbruch. Bei Ankunft des 1ö. Zuges brannte das Fernsprech- zimmer des Telephonamtes II. Die Feuerwehr mußte mit mehreren Schlauchleitungen kräftig Wasser geben, um die Flammen an weiterer Ausdehnung zu verhindern. Ein Teil der Leitungen des Fernsprechamtes II ist beschädigt. Gleichzeitig hatte die Wehr ein sehr schwieriges Nettungsweri am Hafenplatz zu vollbringen. Dort war ein Pferd durchgegangen und mit dem Wagen in der Nähe der Augusta-Brücke über die Ouaimauern in den Landwehr- kanal gestürzt. Mit vieler Mühe holte die Feuerwehr Pferd und Wagen heraus, wobei die Fcucrmänner mehr als einmal mit dem eiskalten Wasser Bekanntschaft machen mutzten. Außerdem hatte die Wehr gestern einen Schaufensterband in der Ritterstr. III zu löschen. Etwas später hatte der 17. Zug längere Zeit in der Nähe zu tun. Im zweiten Stock des Oucrgcbäudes Ritterstr. 35 brannte das Zwischengebälk, Packungsmaterial u. a. Ferner hatte die Wehr noch an verschiedenen anderen Stellen kleinere Brände zu löschen. Orgelkonzert. Mittwoch, den 20. Dezember, 7'/z Uhr abends, veranstaltet der königl. Musikdirettor Beruh. Jrrgang in der St. Marien-Kirche das nächste Orgelkonzert«Weih nachts- konzert) unter Mtwirkung von Fräulein Hedwig v. Sauden lSoprans, Fräulein Johanna Klapp sAlt), Herrn A. N. Harzen- Müller(Baß) und Herrn Paul Sager(Violine). Der Eintritt Ist frei. Theater. Im Belle-Alliancetheater werden, viel- fachen Wünschctt» entsprechend, am Sonnabend den 23. und 30. De- zember, nachmittags 3>/z Uhr zwei große Kinder-Vorstellungcn bei kleinen Preisen stattfinden. Zur Aufführung gelangen die Märchen- spiele:„Prinzessin Tausendschön" sowie„Max und Moritz", die bösen Buben.— Jeder Erwachsene hat das Recht, ein Kind unter sechs Jahren frei einzuführen. Gerichts-Zcitunc[. � Belästigung einer anständigen Dame. Der Tapezierer Paul -stepHan aus Ripdorf war gestern wegen Beleidigung und Körperverletzung vor dem. Schöffengericht I angeklagt.- Ter- An» geklagte hatte eines Tages Ende Oktober dieses Jahres mit mehreren Freunden und Bekannten eine fidcle Kneipfahrt durch Berlin unter» nommcn. In etwas angeheiterter Stimmung passierte er gegen Abend die Dresdenerstratze. Plötzlich bemerkte er eine junge Dame vor sich gehen, die ein größeres Interesse in ihm erweckte. Er näherte sich in sehr„zutraulicher" Art der Dame, welche die Gatlin eines in. der dortigen Gegend wohnhasten.Kaufmanns war. Als er natür» lich glatt abgewiesen wurde, wurde der Angeklagte etwas kühner und faßte die Dame um die Taille. Als Antwort erhielt er eine wohl» gezielte Ohrfeige, d-urch welche fein Kneifer herunterfiel und zer- brach. Aus Wut darüber drang der„Kavalier" nunmehr auf die Dame ein und versetzte ihr einen derartig wuchtigen Schlag ins Ge- ficht, daß sie gegen die Häuserfront taumelte und dann ohnmächtig zu Boden stürzte. Erst setzt kamen Passanten der Dame zur Hülfe, der Angeklagte wäre beinahe einer derben„Lynchjustiz" ver- fallen, wenn nicht ein Schutzmann rechtzeitig auf der Bildfiäclse er- schienen wäre. Bor Gericht bat der Verteidiger, dem Angeklagten, der sich allerdings in der Trunkenheit zu einem höchst bedauerlichen Erzctz habe hinreißen lassen, mit Rücksicht auf seine bisherige lln- bescholtenhejt eine milde es träfe zuteil werden zu lassen. Der Ge- richtshof hielt indessen eine Geldstrafe nicht für eine ausreichende Sühne, da derartige Belästigungen anständiger Damen auf der Straße immer mehr üb e r ha n d�n e hm e n, und erkannte auf 3 Wochen Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte sechs Wochen Gefängnis beantragt. Wiener Sckirammeln höhere Kunst? Die Wiener S ch r a m m e I n, jene originelle Künstlcrtruppc, von der so viele Variationen bestehen, daß es schwer zu unterscheiden ist, we'che die „wirklich echten", oder die„Original-" oder die„Ur-Schrammler" sind, gaben gestern Anlaß zu einigen Erörterungen vor dem Schöffengericht. Die Inhaberin eines großen Wiener Cafes, Frau Löwe, war mit ihrem Ehemam. beschuldigt worden, gewerbsmäßig Gesangs- und deklamatorische Vorträge veranstaltet zu lzaben, ohne daß ein höheres Interesse der Kunst und Wissenschaft dabei ob- waltete und ohne die Erlaubnis dazu zu besitzen. Für das Lokal war nur die Erlaubnis zum Vortrage von Musikstücken erteilt, ein Mitglied der Wiener Schrammeln-Kapelle pflegte dagegen auch hin und wieder ein Kuplet oder ein Lied vorzutragen, das bei den bc- geisterten Zuhörern solchen Anklang fand, daß das gesamte Audi- torium mitsang. Ter Amtsanwalt bestritt, daß bei diesen Vor- trägen ein höheres künstlerisches Interesse obwalte, welches die Ein- holung einer Konzession überflüssig mache und beantragte gegen beide Angeklagte je 10 Mark Geldstrafe.— Ter Verteidiger hielt es nicht für z»trcffend, daß in diesem gelegentlichen Vortrage des einen oder anderen Liedes eine Veranstaltung von Gesangs- und deklamatorischen Vorträgen im Sinne der Gewerbeordnung zu er- blicken sei und belämpfte weiter die Ansicht, daß bei dem Vortrage solcher Kuplets nicht auch höhere künstlerische Interessen oblvalten könnten. Jedenfalls hätten die Angeklagten die Ueberzeugung ge- habt, daß es sich bei den Wiener Schrammeln um Darbietungen höherer künstlerischer Art handele, da ihnen bei dem Engagement ein vom Professor Sucher den Schrammeln ausgestellter Kamst- schein vorgezeigt worden sei. Mit Rücksicht auf diese Tatsache nahm das Schöffengericht guten Glauben bei den Angeklagten an und er- kannte aus diesem Grunde auf Freisprechung. Miinchcncr NahrungSmittelvcrfälschung. In einer dreitägigen Verhandlung gegen den Charkutier Mathäus Herker in München wurden eine Fülle ekelerregender Manipulationen aufge- deckt. Herker war angeklagt, seit Jahren in seiner Wurstfabrik zur Herstellung von Wurstwaren alte in Zersetzung über- gegangene schmierige, grün- und blauange- laufene Würste, rotgewordene Leberwürste, stinkendes Sauerfleisch, Schi u kenschwarte u, Wurstzipfel usw. dem frischen Wurstbrat wieder bei- gemischt und daraus in der Hauptsache Leber- und Frank» furtcr Blutwurst fabriziert zu haben. Durch 54 Zeugen wurde erwiesen, daß es in dem Betrieb dieses profitgierigen Unter- nehmers schweinisch im vollsten Sinne des Wortes zuging. Sogenanntes Fisclfleisch war mit Maden durchsetzt. Einige Zeugen bekundeten, daß der Angeklagte Herker alte stinkige Fleischteile »nd Darmreste, die die Gehülsen wegen ihrer Verdorbenheit in die jlehrichttonne und Abfallkübel warfen, wieder heraussuchte und un- gereinigt in die Wurstinaschine warf. Monzels Waschgeschirren mutzten die Gesellen die Bratkübel benutzen. Tos schmutzige Wasch- Seisenwasier wurde oft anderen Tages erst ausgeleert und der Külol sofort rmeder zum Wurstbrat verwendet. Charakteristisch für unsere Lebensmittelversorgung ist das Gutachten des Vorstandes der Wurstmacher-Jnnung Kloiber. Dieser Jnnungsmeister hält das Verwursteln von Schweinstragsäcken zwar nicht für angängig, doch die Verwendung der Geschlechtsteile und alter unverkäuflicher Wurst, wenn das schlechteste daran entfernt, zur Vermengung in das frische Wurstbrat für erlaubt. Das sei in München all- gemein üblickl Der Staatsanwalt beantragte gegen den Nahrungsmittelfälscher, der sich zum dreifachen Haus- b e s i tz c r„emporgearbeitet" habe, 1 Jahr Gefängnis, 5 Jahre Ehrverlust und sofortige Verhaftung. Das Urteil lautete auf nur— 14 Tage Gefängnis und 1000 M. Geldstrafe eventuell weitere 100 Tage Gefängnis. Unbegründeter Konflikt mrhrcrer Minister. Der Eigentümer Zadet hatte in Schmargendorf bei Berlin zwei Grundstticke erworben, die in die Bauklasse C(Villenbezirk) nach der Banpolizeiverordnnng für die Berliner Vororte(ausgenoininen Rixdorf, Schöneberg und Charlottenburg) entfallen. Z. reichte in: Jahre 1303 ein Bangesuch ein. das nach fünf Wochen abschlägig beschieden wurde. Seine Beschwerde beim Landrat wurde ebenfalls binnen fünf Wochen zu seinen Ungunsten erledigt. Jetzt beschwerte er sich an: 7. Januar 1304 bei dem Regierungspräsidenten zu Potsdam. Er erhielt längere Zeit keinen Bescheid. Als es ihm zu lange dauerte, wurde er vorstellig. Ihn: wurde kurz er« widert, es schwebten noch Verhandlungen über seine Beschwerde, die müßten erst erledigt werden. Schließlich wurde ihm die Zeit doch zu lang. Nach ungefähr einem Jahre nach Einreichung der Be- lchwcrde klagte er im Zivilprozeß gegen den Regierungspräsidenten v. d. Schulenburg auf Schadenersatz. Er machte geltend, durch die lange Hiuausschiebung der Erteilung eines Bescheides auf die Be- scherde, die durch nichts gerechtfertigt sei, entstehe ihm mindestens ein größerer Zinsverlust. Dafür beanspruchte er Ersatz- leistnng durch Herrn v. d. Schulenbnrg init 1600 M. Der Finauzininister, der Minister der öffentlichen Arbeiten und der Minister des Innern erhoben Konflikt und verlangten die Ein- stellung des Verfahrens, weil sich der Beklagte in: Rahmen seiner Amtsbefugnisse gehalten habe. Der Konslitt-Zbeschlnd führte in der Hauptsache aus: Der beklagte Ncgierungspräsidcut habe die feste Ueber- zeugung gehabt, daß der Kläger nach den vorgelegten Projekten über- Haupt nickst. habe bauen wollen, daß er(der nebenbei auch ein Gesuch um Abänderung der Bauordnung eingereicht hatte)lediglich beabsichtigte, die Rechtsgültigkcit der für die Bauklasse C in der VorortS-Baupolizei- ordnnng gegebenen Vorschriften durch die höchste Instanz(Ober- verwallnngsgericht) nachprüfen zu lassen. Es schwebten aber die Ver- ordnung betreffende Verhandlungen in der Zeniralinstanz. Im öffentlichen Interesse wäre es angebracht, daß das Oberverwaltungs- gericht vor Abschluß der Beratungen nicht mit der Sache befaßt würde. Der erste Senat des Oberverwaltungsgerichts erklärte indessen am 15. Dezember, an welchen: Tage Zadel immer noch keinen angreifbaren Besch werdcbescheid von: Regierungs- Präsidenten erhalten hatte, den Konflikt der Minister für un- begründet, so daß dem Zivilprozeß des Herrn Zadel gegen den Regierungspräsidenten Fortgang zu geben ist. Es wurde aus- geführt: Die in: Konfliktsbeschluß angeführten Gründe seien nicht geeignet, die HinäuSschiebung des Beschwerdebescheides durch den Regierungspräsidenten zu rechtfertigen. Somit habe der Gerichtsbof nicht die Ueberzeugung gewinnen können, daß dem Rtzgierungsvräsi- deuten nicht die Unterlassung einer ihm obliegenden Amtshandlung zur Last falle.— Es nimmt demnach der Schadenerfatzprozcß gegen den Regierungspräsidenten seinen Fortgang. Daß von drei Ministern der Konflikt gegen die Zulässigkeit des Rechtsweges in einem Schadencrsatzprozeß überhaupt erhoben werden konnte, liegt an der Riickständigkcit der Rcichs-Justizgesetze, die trotz des sogenannten Rechtsstaats eine Entscheidung von Verwaltungsbehörden darüber zulassen, ob einen: Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten in Schadenersatzprozessen gegen Beamte weiterer Fortgang zu geben ist. Vermischtes. Vierzehn Arbeiter beim Kcsselrcinigen erstickt. Ein großes U»- glück ereignete sich, wie aus Paris telegraphiert wird, in den Stahl- werken von Homecourt(Departement Me»rthe-ct-Moselle). 24 Arbeiter lvaren mit dem Reinigen der Röhren beschäftigt, als sich eine Menge Kohlenoxydgas aus bisher noch nicht festgestellter Ursache in den Röhren entwickelte. Die Arbeiter riefen um Hülfe, zwei Werk- sichrer drangen ein. erlagen jedoch wie 1 2 Arbeiter den Einwirkungen des Gases. Die Verunglückten sind zumeist Italiener. Die Schuld trägt die Arbeitsleitung, die es an der nötigen Aufmerksamkeit fehlen ließ._ ßmfkarten der Redahtion. S. O. An den Setzmaschinen werden nur gelernte Buchdrucker beschästigt. Weitere Voraussetzungen sind: völlige Gesundheit und vor allen Ding«:: vollständige Beherrschung der deutschen Sprache. Nebenbei benicrkt, ist der Bedarf an tüchtigen Maschinensetzern gegenüber dem Angebot mehr wie gedeckt. Auch besitzen Sie nicht die gcjorderten Fachlenntnisse. Jimltilebev Ce«. Dl« iiitiftififi« Sprechstnndc find«»«öglich mit Ausnahm« des Sonnabends von?>/, bis»>/, Nlir abends»alt. Weökfnct:? IIb«. — A. B. L. Wenden Sie sich an die Waisenverwaltung.— Prumtö. Unverständlich. Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenten ofsen. — O. E. 24. Bis zu vollendetem 2t. Lebensjahr ja.— Trier. Ncin. Das Nähere finden Sie Seite 168—175 des„Arbciterrccht".— C. H. 100. 1. Das hängt von der Lage des Falles ab. 2. Ja.— Georg R. 1. und 2.: Ja.— Gpeicki». Jbnen steht das Erziehungsrecht zu. Ihre frühere Frau kann nur bei Gericht daraus antragen, daß das Besuchsrecht geregelt wird, falls gütliche Uebereinkunst nicht erfolgt.— Ginii Ich. Die Frist zur Einlegung der Beruiung gegen ein zivil gerichtliches Urteil betrügt einen Monat von Z u st e l l u n g des Urteils ab gerechnet. Die Berusung ist durch einen Anwalt einzulegen. Gegen st r n s gerichtliche Urteile ist inner- halb einer Woche nach Verlündung Berusung einzulegen.— F. M. 100. 1. Nein. 2.§ 133 der Gewerbe- Ordnung enthält die Vorschriften über Meistertitel.— Velten 100. 1., 3.: Ja. 2., 5.: Nein. 4. Durch die Antwort zu 2. erledigt.— A. A. 1. Vierteljährlich. 2. Nein, das geht auch nicht an.— Z. 86. 1. Ja. 2. Eine Aufforderung kann als be- rechtigt erachtet werden.— M. M. III. Ja.— N. A. B. 12, Nein. Cliaiiollenburg. F. Kunstmann, nnr Wallstr. I Uhren und Goldwaren. G'rollcs l-ager Reparaturen schnell und billig. Itillige l'reise. 16UV* Köpenick. 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