Ur. 800. ntttnnementS'Redlngungen: BBomicmttU«. Prei» prSnumerand«! Bierleljührl. B,30 SRf, monntl. 1,10 iRt, wöchentlich 28 Psg, fici in? HauS, Einzelne Nummer B Pfg, EonnIagZ. miinmct mit illustrierter Sonntags. Soilagc.Die Neue Seit" 10 Psg, Post. KSoimcmtnl: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post- Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn S Marl, für da» übrige ilusland I Marl pro Monat, 22* I«chtA vi« T«IcrtionS'6ebQI)f telrSgt für die fechsgespaltene Kolonel. zeilc oder deren Raum 40 Pfg., sür politische und gewerlschaflliche Vereins. und Versammlungs.Anzeigen LS Psg, „Meine Anreizen", das erste ssetl» gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort S Psg. Worte über IS Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Woch�»- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- wir» St jltagen b!» S Uhr vormittags geöffnet. CrtchtlBt tlglilt luBtl OIOBtU«. Vevlwev Volksbwttt Telegramm- Adresse: ..S»ii>liIew»i!l>I llttlilt". �entralorgan cter foÄaläemokratil'cken Partei Daitrchtands. Redahtion: 8M. 68, Lindenetrass« 69. Srtrnftircdtfr: Ami IV, Nr. Ii« 8» Expedition: 8M. 68» I�indenstrasse 69. kseriisvrrckii'r: Ell»» IV, Nr. Ii>81. Schulgesetzentwurf und Selbstverwaltung. Der Schulgesetzentwurf, der der Verabschiedung durch das Dreiklassenparlanient harrt, bedeutet nicht nur die Aus- licserung der Volksschule an die Pfaffen und eine weitere Unterstützung der schulunterhaltungspflichtigen Junker auf .Kosten der Gesamtheit, er macht auch der Selbstverwaltung der Gemeinden auf dem Gebiete des Volksschulwesens mit einem Schlage ein Ende. Den Gemeinden wird zwar nach wie vor die Pflicht auferlegt, zu zahlen, aber ihre Rechte Iverden durch einen einzigen Federstrich hinwegdekretiert l in die inneren Angelegenheiten der Schule haben sie über- Haupt nicht mehr hineinzureden, in die äußeren nur noch in beschränktem Maße. Das staatliche Aufsichtsrecht wird zum staatlichen Verwaltungsrecht, die Gemeinden werden ent» mündigt, der Staat setzt sich zu ihrem Vormund ein. Unter Selb st Verwaltung versteht Neukamp die von der Ministerverwaltung rechtlich unabhängige, nur den Gesetzen des Landes unterworfene, und deshalb von Weisungen einer vorgesetzten Behörde unabhängige Verwaltung. Halten Wir an dieser Definition, die im allgemeinen das richtige trifft, fest, so ist nach dem Entwurf von Selbstverwaltung keine Rede mehr, die Gemeindebehörden bezw. deren Organe sind nicht mehr unabhängig von den Weisungen der Regie- rung, im Gegenteil, sie sind nur noch ausführende Organe des Ministers. Die Gemeinden haben lediglich das Recht, den Schulhaushaltsetat festzustellen, die für die Schule er- forderlichen Mittel zu bewilligen und die vermögensrechtliche Vertretung nach außen wahrzunehmen. Ob sie in den äußeren Angelegenheiten der Schule sonst noch etwas zu sagen haben, bleibt zweifelhaft, man darf aber wohl nach der Art, wie die Regierung namentlich unter dem jetzigen Kultus- minister die Gemeinden behandelt, annehmen, daß sich darin tatsächlich ihre Rechte erschöpfen. Für die Verwaltung derjenigen Angelegenheiten, welche die Erfüllung der Verpflichtung zur Errichtung und Unter- Haltung der öffentlichen Volksschulen und welche das Ver- mögen betreffen, wird im übrigen eine Schuldeputation gebildet, aber mit keinem Wort ist im Entwurf davon die Rede, daß diese Deputationen ebenso wie die sonstigen Dcpu- tationen sich in die Gemeindeverwaltungen eingliedern, diesen verantwortlich sind und nur mit ihrer Zustimmung Anord- nungen treffen dürfen. Die Begründung läßt darüber keinen Zweifel, daß es der Regierung lediglich darauf ankommt, sich willfährige Werkzeuge zu schaffen: sie will fiir eine„fach- gemäße Wahrnehmung ihrer Tätigkeit" in der Art ihrer Zu- sammensetzung gewisse Garantien haben, für welche weder die betreffenden Bestimmungen der Städte-Ordnungen, noch die Beschlüsse der Gemeinde-Organe ausreichend erscheinen. Dieser Absicht entspricht auch die Zusammensetzung der Schuldeputationen. Sie bestehen aus einem bis höchstens drei Mitgliedern des Gemeindevorstandes, der gleichen Zahl von Mitgliedern.der Stadtverordneten-Ver- sammlung, niindcstens der gleichen Zahl von des Erziehungs- und Volksschulwesens kundigen Männern, den zuständigen Kreisschulinspektoren, den ältesten evangelischen bezw. katho- tischen Geistlichen und sofern sich in der Stadt öffentliche jüdische oder jüdisch-christliche Schulen befinden, dem Rabbiner. Die Gemeindevertreter sind also auf alle Fälle in der Minder- heit. Hatten sie bisher wenigstens noch das Recht, der Re- gierung ihnen genehme Geistliche vorzuschlagen, so haben sie fortab einfach den ältesten Geistlichen in Kauf zu nehmen. Einer fortschrittlich gesinnten Gemeinde kann ein orthodoxer Pfaffe aufoktroyiert werden, er darf nur dann zurückgewiesen werden, wenn er die Ordnung der Schule gestört hat. Einer Bestätigung durch die Regierung bedarf es nicht, wohl aber sind die Stadtverordneten, die des Erziehungs- und Volks- schulwesens kundigen Männer und der Rabbiner auf die Bc- stätigung angewiesen. Man will auf diese Weise das Ein- dringen von Sozialdemokraten oder sonstigen nicht genehmen Personen in die Deputationen verhindern. Einen wie gewaltigen Rückschritt der Entwurf bedeutet, beweist die Tatsache, daß darin�von einer Verwaltung der inneren Angelegenheiten der Schule durch die Städte keine Rede ist. während die Städte-Ordnung von 1808 ausdrück- lich bestimmte, daß in den Gemeinden besondere Kommissionen zur Verwaltung der inneren Schulangelegenhciten gebildet werden sollen. Das Recht, das den Städten bereits vor hun- dert Jahren als etwas ganz Selbstverständliches zugebilligt war, wird ihnen heute wieder entrissen. Schon seit Jahren ist ja das Kultusministerium bestrebt, auf dem Verwaltungs- Wege seine Alleinhcrrfchast iibcr die Volksschule zu etablieren. Tie zahlreichen Schulkonflikte legen Zeugnis davon ab. Nun- mehr glaubt es die Zeit gekommen, seinen gesetzwidrigen An- ordnungen dadurch Gesetzeskraft aufdrücken zu können, daß es einfach bestimmt: Was bislang entgegen dem klaren Wortlaut der Gesetze und Verordnungen getan haben, ist von heute ab gesetzmäßig. Ein herrliches Zeugnis preußischer Gesetzesmacherei. Genau so hat es der selige Freiherr von Hammerstein gemacht, als er, nachdem das Ober-Verwal- tungsgericht die Auflösung von Versammlungen wegen Ge- brauchs der polnischen Sprache für ungesetzlich erklärte, rund- weg eine Aendernng des Vereinsgesetzes in Aussicht stellte. Man tritt das Gesetz mit Füßen, man richtet seine Handlungs- weise nicht nach dem Gesetz ein, sondern paßt das Gesetz seinen ungesetzlichen Maßnahmen an! Fürwahr, nicht mit Unrecht hat der Staatsrechtslehrer und nationalliberale Abgeordnete Prof. v. G n e i st einst das Wort von der„dem preußischen Staat eigentümlichen Umkehrung der Gesetze durch die Ver- waltung" geprägt. Das gleiche trifft auf die Bestimmung des Entwurfs zu, die sich auf die Ueberlassung von Schulgebäudcn zu anderen als Schulzwecken bezieht. Wiederholt hat sich die Regierung das Recht angemaßt, die Ueberlassung von Schulräumen an Vereine und dergleichen zu verbieten. Das Gesetz stand dabei nicht auf ihrer Seite, sie greift also zu dem höchst einfachen Mittel, einen neuen Paragraphen zu schaffen, wonach das für Volksschulzwecke bestimnite oder dafür benutzte Vermögen der Schulverbände nur mit Genehnngung der Schulaufsichts- behörde veräußert oder anderen Zwecken dienstbar gemacht werden kann. Die Pflicht, Schulen zu bauen, bleibt den Ge- meinden, aber das Recht, über ihr Eigentum zu verfügen, wird ihnen genommen. Einen noch größeren Eingriff in das Selbstverwaltungs- recht bedeuten die Bestimmungen des Entwurfs, die die B e- rufung der Lehrer und Rektoren betreffen. Bis- her war die Anstellung der Lehrkraft Sache der Gemeinden. Für die Städte im Gebiet des Allgemeinen Landrechts ordnet die Instruktion vom 26. Juni 1811 an:„Die Lehrerwahlen bleiben bei den Schulen, die rein städtischen Patronats sind, noch bei den Magistraten, nur daß das Gutachten der fach- verständigen Mitglieder der Schuldeputation jedesmal ein- gezogen werden muß." Auch dieses Recht wird den Städten genommen. In Zukunft sollen die Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen von der Schulaufsichtsbehörde angestellt werden, die Gemeinden haben nur noch ein Vor» s ch l a g s r e ch t. Die Regierung ist keineswegs an die Vor- schlüge der Schuldeputationen gebunden, sie kann ohne An- gäbe von Gründen die Bestätigung versagen. Versagt sie auch nach dem zweiten Vorschlage die Besetzung der Stelle durch einen dafür Vorgeschlagenen oder werden die Fristen nicht innegehalten, so erlischt das Vorschlagsrecht für den betreffen- den Fall gänzlich. Auch dann, wenn die Besetzung einer Stelle durch Versetzung im Interesse des Dienstes erfolgt, können die Gemeindebehörden ihr Vorschlagsrecht nicht ausüben. Die Absicht, die die Regierung mit diesen Bestimmungen verfolgt, liegt klar zutage, sie will sich die Möglich- keit offen halten, ihr genehme Lehrkräfte in guten Stellen unterzubringen. Landlehrer, die keine Ahnung von den großstädtischen Schulverhältnissen haben, die sich aber als konservative Agitatoren den Junkern zur Verfügung stellen, sollen durch Berufung nach Berlin oder in eine andere Großstadt belohnt werden. Wird doch in den Motiven ganz offen zugegeben, daß es angezeigt ist, eine bessere Laufbahn auch solchen Lehrern zu ermöglichen, welche sich in Stellen auf dem Lande besonders verdient gemacht haben! Auf die Wahl der Rektoren haben die Gemeinden überhaupt keinen Ein- fluß mehr, sie müssen unbesehen das Material annehmen, das die Regierung ihnen schickt. Würde die preußische Regierung der Volksschule auch nur annähernd die Stellung einräumen, die ihr gebührt, dann könnte sie mit so ungeheuerlichen Vorschlägen nicht kommen. Die großstädtischen Gemeinden haben, obwohl auch ihre Tätig- keit auf dem Gebiete des Schulwesens noch recht viel zu wünschen übrig läßt, doch immerhin weit mehr für den A11S- bau und die Hebung der Volksschule getan, als die Regierung und vor allem die Landgemeinden und Gutsbezirke. Nichts ist natürlicher, als daß mit dem Augenblick, wo ihnen alle Rechte genommen und nur noch Pflichten auferlegt werden, die Lust und der Eifer nachlassen. Sie werden nur noch das tun, wozu sie gesetzlich verpflichtet sind. Den Schaden davon hat die Volksschule. Es drohen demnach der städtischen Selbstverwaltung und dem städtischen Volksschulwesen die schwersten Gefahren. Die Gemeinden haben die Pflicht, alles, was in ihren Kräften steht, zu unternehmen, um diesen Schlag abzuwehren. Wir fürchten nur, daß sie anstatt zu kämpfen, sich mit schwachen Protesten begnügen werden. Wohl haben die Liberalen in der Berliner Stadtver- ordneten-Versammlung den Magistrat um Auskunft darüber ersucht, ob und welche Maßnahmen er zwecks Erhaltung des Rechtes der Stadtgemeinde an ihren Schulen und an deren Verwaltung zu ergreifen beabsichtigt, und auch in anderen Gemeindevertretungen sind ähnliche Anträge gestellt. Es werden in den nächsten Wochen viel schöne Reden über Selbst- Verwaltung gehalten werden, es werden stolze Worte ertönen — aber dabei wird es auch bleiben. Schließlich wird das liberale Bürgertum nachgeben, und die Regierung im Verein mit den Junkern und Pfaffen wird sich ins Fäustchen lachen ob des Gegners, der ängstlich zu Kreuze kriecht. Ist es doch gerade das liberale Bürgertum, das die Re- gierung zu ihrem Vorgehen ermuntert hat! Nicht nur, daß es nach Kräften bestrebt gewesen ist. die Arbeitcrvertreter vom Dreiklassenparlament fernzuhalten und die konscrvativ-kleri- kale Mehrheit zu stärken, hat es auch durch sein fortgesetztes schwächliches Nachgeben vor den Maßnahmen der Regierung diese förmlich angestachelt, auf dem bisherigen Wege vorwärts zu schreiten. Hätten die Liberalen einen energischen Kampf gegen die staatliche Schulaufsichtsbehörde geführt, hätten sie ihren früheren gesetzwidrigen Anordnungen wirklich ernst- haften Widerstand geleistet, nie und nimmer hätte die Re- gierung es gewagt, dem Landtage einen solchen Entwurf zu unterbreiten. Der Liberalismus ist es, der die Früchte gesät hat, die die Junker und Pfaffen ernten._ Die Revolution in Rußland Der Generalstreik schreitet fort. Petersburg, 22. Dezember. Der telegraphische Verkehr mit Moskau ist unterbrochen. Petersburg, 21. Dezember.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agcntur.) Heute nachmittag begann der Aus- stand in 220 Fabriken. 70 000 Arbeiter, etwa ein Drittel der gesamten Arbeiterzahl, befinden sich im Ausstand. Petersburg, 22. Dezember. Der gestern mittag be- gonnene Ausstand dehnt sich weiter aus. Der Mittagszug nach Eydtkuhnen ist unter starker militärischer Begleitung ab- gefahren. Der Stadtteil, in dem sich die Reichsbank und die Kaufhäuser befinden, wird stark bewacht. Jnsanteriepatrouillen durchziehen die Straßen. Die schwarzen Hunderte an der Arbeit. MoSkon, 21. Dezember.(Meldung der Petersburger Telegraphen« Agentur.) Von Fnhileuten wurde auf ausständige Eisenbahner ein Angriff unternommen. Bei dem Handgeinenge wurden viele Pferde der Fuhrleute getötet. Die Mitglieder des Bureaus der Arbeiter- deputierten sind verhaftet. Seitens der Menge wurden einige Ge- walttätigkeiten gegen revolutionäre Redner und Studenten verübt. Die Ausständigen wollen die Post- und Tclegraphenbeamten zwingen, ebenfalls in den Ausstand zu treten. Alle Privatbanken sind laut Beschlutz des Bankbeamtenverbandcs geschlossen, auch alle Magazine, Läden und Theater sind geschlossen. Ein Haufe von 300 Mann durchzog die Straßen und zwang die Gastwirtschaften, ihre Räume zu schlietzen. RuS Charkow Iverden die gestrigen Meldungen bestätigt. An der Kundgebung mit roten Fahnen nahmen auch 250 Soldaten der Regimenter Starobjelsk und Lebeinsk teil. Die gegen die Menge entsandten Truppen lietzen ihrem Befehle gcmätz die Ruhestörer vorüberziehen, ohne zu feuern. Die Revolutionäre deuteten das zu zu ihren gunsten. Moskau, 21. Dezember.(Meldung der Petersburger Telegraphen« Agentur.) In den Räumen des Aquariums fand heute eine von >2 000 Personen besuchte Versammlung statt. Infanterie, Dragoner. Gendarmerie, Kosaken nnd Polizisten besetzten die Ausgänge und stellten an die Eingeschlossenen die Forderung, ihre Waffen ab- zuliefern. Moskau, 22. Dezember. In einer Versammlung der streikenden Eisenbahner wurde beschloffen, täglich einen Zug mit Getteide in die bedrohten Provinzen abgehen zu lassen. Petersburg, 22. Dezember. In TifliS sind neue Unruhen ans- gebrochen. In Kölzen bildeten die Deutschen eine Bürgerwehr. Petersburg, 22. Dezember. Der Führer der Meuterer in Rostow Schaparow soll aus dem Gefängnis entflohen sein. Nach Meldungen aus Charkow soll sich die Stadt tatsächlich in den Händen der Aufrührer befinden. Auch aus Sewastopol wird wieder große Gärung berichtet. In Livland. Petersburg, 22. Dezember. Wie aus Rjefchiza, Gouvernement Witebsk gemeldet wird, befindet fich der an der livländischen Grenze gelegene Teil des Kreises im Aufstande. Gut bewaffnete Letlenbanden Hausen dort ebenso wie in Livland. Die im Kreise ansässigen katholischen Letten werden von StainnieS- genösse» aus Livland terrorisiert; sie setzen, von Agitatoren aufgereizt, die Amtsobrigkeit ab und fordern die Entfernung der Landeshauptleute. Im übrigen Teile des KreiseS herrschen Banernunruhen. � Wie der„Nowoje Wremja" aus Riga tele- graphisch gemeldet wird, haben die Aufftändischen nachts durch Aufreihen von Schienen die Entgleisung eines nach Riga ab- gelassenen Militärzuges mit Sappeuren herbeigeführt, wobei 5 Mann getötet und 20 Mann verwundet wurden. Die Sappeure mutzten sich nach Dünaburg zurückziehen. In der Nähe der Station Kocken- Husen wurden der Gehülfe des Kreischefs Peterson und sein Ge- schäftsführer vor ein Volksgericht gestellt und grausam getötet. AuS Tucknm ist in Riga eine starke Truppenabteilung mit Artillerie ein- getroffen. Der Stadt ist exemplarische Bestrafung angedroht worden. wenn die an der Niedermetzelung der Garnison Schuldigen nicht ausgeliefert werden. Riga, 21. Dezember. Sechs deutsche ReichSangehörtge, Leutnant Habenicht. Lehrer Bader, Jäger Wotrich, Hctmcr, Schneepcl und Diener Gerul, die sich in der Gewalt der Aufständischen befanden, sind freigelassen worden. Leutnant Habenickt ist hier in Sicherheit, die übrigen sind nach Deutschland zurückgekehrt. Riga, 21. Dezember.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Aus Petersburg sind 8 Mitrailleuscu eingetroffen. Gen- darinen, die von verschiedenen Eisenbahnstationen ohne Waffen an- gekommen sind, erzählen, datz ihnen die Waffen von Aufständischen abgenommen worden seien. Ein Zug, der gemünztes Gold für die Staatsbank brachte, wurde in der Nähe von Walk von Aufftändischen angegriffen. Diese wurden aber durch herbeigeeilte Truppen verjagt, so datz der Zug nach Riga gelangen und daS Gold unversehrt der Bant übergeben werden konnte. Ein neuer Kinderkrenzzitg? Wir erhalten aus zuverlässiger Quelle die folgende intereffante Nachricht: Stettin, 21. Dezember. Am Sonnabend geht ein Dampfer von Stettin mit 1S0 bewaffneten deutschen Studenten nach Riga dB, um den Landsleuten in Livland Beizustehen. Der Dampfer heißt O st s e e" und kann voraussichtlich am Dienstag in Riga eintreffen. Wenn die Nachricht zutrifft, so wird den heldenmütigen deutschen Jünglingen, die dem bedrängten Junkertum in Rußland zu Hülfe eilen, die Weltgeschichte sicher einen Lorbeer um die Korpsmützen flechten._ Politische QcbciTicbt. Berlin, den 22. Dezember. Liebäugeln mit der Säbeldiktatur. Die„K r e u z- Z e i t n n g" nennt den Leitartikel in Nr. 237 des„Vorwärts"„Bis hierher und nicht weiter" eine„Fuchs- predigt". Der„Vorwärts" fühle offenbar das Bedürfnis, sich als „gekränktes Unschuldslamm" hinzustellen. Offenbar sei den Stadt- Hägen und Luxemburg„die Feder aus der müden Hand geglitten und habe sich ihrer einer unsrer„bewährten" Sozialreformer zu versöhnendem Tun bedient". Diese Auffassung ist umso humo ristischer, als die freisinnige„Vossische Zeitung" diesen nämlichen Artikel„als törichte fanatische Großsprecherei denunzieren zu müssen geglaubt hatte! Beißender kann die feige Winselei des Freisinnsblattes nicht gut charakterisiert werden. Unser Artikel war in Wirklichkeit ebenso Iveit entfernt von fanatischer Großsprecherei lvie von vorsichtigem Zurückweichen. Wohl aber müht sich heute die„Kreuz-Ztg.", ihr scharfmacherisches Wolfs gebiß hinter dem Vließ des„gekränkten Unschuldslammes" zu ver- bergen. Sie stellt sich, als ob im Grunde kein Mensch daran denke die ohnehin rechtlosen Massen noch brutaler zu knebeln. Dabei warnte die„Kreuz-Ztg." noch am letzten Dienstag vor dem„System des Gehenlassens"!, Zum Schlüsse freilich findet das Blatt des seligen Hammerstein seine Unverfrorenheit wieder. ES schreibt: „Für die Sozialdemokratie wäre es ja allerdings einfacher, wenn ihr allmählich soviel Ellboge nfreiheit ge währt, so viel Entgegenkommen dargebracht würde, daß sie eines schönen Tages ganz von selbst die politischen Geschäfte in die H and nehmen könnte. Da aber die„Genossen" genau wissen, daß die„morsche" bürgerliche Gesellschaft noch immer stark genug ist, solchen Zumutungen entschiedenen Widerstand entgegenzusetzen, haben sie eben„neue" Waffen— den Massen streik und die Straßcndemonstrationen a la Nussic— ins Auge gefaßt. Die sozialdemokratische Parteileitung möchte das offen bar jetzt vertuschen, um in der Stille desto kräftiger rüsten zu können. Aber so du nun ist der deutsche Michel nicht daß er sich durch solche Komödien an der Nase herumführen ließe." Das heißt also: mag das Proletariat durch die kapitalistischen Entwickclnngstendenzen auch noch so zahlreich werden, mag es auch zehnmal die große Majorität der gesamten Bevölkerung verkörpern, das Junkertum denkt gar nicht daran, ihm die ihm gebührenden Rechte einzuräumen I Im Gegenteil, die Regierung als Ausschuß der winzigen herrschenden Klasse wird das Proletariat umso stärker knebeln, je gewaltiger die Macht des Proletariats mit seiner Masse anschwillt. Da haben wir also das nackteste Bekenntnis zur Säbel diktatnr a la Rufste! Wir können uns darauf beschränken, der„Kreuz-Zeitung" cnt- gegenzuhalten, tvas heute das„Berl. Tageblatt" über die „Wetterzeichen" in Rußland sagt: „Der jahrhundertelang ans dein unglücklichen Volke lastende Despotismus, der alle Rechtsbcgriffe plump zermalmte und die ungezählten Massen zu einem stumpfsinnigen Gehorsam herunterdrückte, hat es trotz aller seiner Ver- w a l t u n g s b a r b a r i s m e n nicht fertig gebracht, das jedem Menschen nun einmal angeborene Empfinden seiner Menschen würde bis auf die letzte Spur auszutilgen." Gleichwohl wäre es ein a r g e s V e r k e n n e n d e r G c fahren, welche in dieser russischen Revolution dennoch für die übrige nichtrussische Welt und vornehmlich für unser deutsches Vaterland liegen, wollten unsere leitenden Politiker sich lediglich auf die Beobachtung eines für die gesamte Diplomatie ungemein interessanten volkspsychologischen Vorganges beschränken. Es ist und bleibt eine alte Klugheitsregel, beim Brande des Nachbarhauses auf den Schutz des eigenen rechtzeitig Bedacht zu nehmen und die ettva erforderlich werdenden Löschgeräte in Bereitschaft zu halten. Das Knochengerüst des preußischen Staates und sein Nervensystem mag unerschüttert sein. Aber es gibt auf physischeni wie auf nioralischem Gebiet eine Belastungsgrenze, und es ist gefährlich, die Spannung bis aufs äußerste zu steigern. ES will unS scheinen, als vernachlässige unsere Staats- leitnng und unsere Staatsverwaltung die Bedeutung solch eines moralischen Belastungskossfizienten in unserem öffentlichen Leben." Mögen diejenigen, die es angeht, diese Warnung beherzigen oder in den Wind schlagen— das ist ihre Sache. Nur mögen sie sich nicht einbilden, die Arbeiterklasse in ihrem Vormarsche aufhalten zu können!— Das Ministerium Mctzsch. Dresdens Bürgertum hat sich den Minister v. Metzsch zum Ehrenbürger erkoren, wie es im Ehrcnbürgerbrief heißt,„in dank- barer Würdigung seiner zielbewußten und gerechten Leitung der inneren Verwaltung" Sachsens und seiner vielen anderen„be- sonderen Verdienste". Wie es mit diesen Verdiensten des Herrn v. Metzsch um Staat und Stadt bestellt ist. zeigt eine keineswegs vom sozialdemokratischen, sondern vom liberalen Standpunkt gc- schriebeue Schilderung seines ministeriellen Wirkens, welche die „Franks. Ztg." veröffentlicht: „Im Minister des Innern Freiherrn v. Metzsch erblicken die Massen die Verkörperung des gegenwärtigen politischen Systems. Seit Veust tvar in Sachsen kein Minister so unbeliebt wie er. Herr v. Metzsch ist in allen nicht politischen Dingen ein aus- gezeichneter Minister. In der Politik haben wir ihn immer für einen ehrlichen Eharakter gehalten, aber er war auf diesem Gc- biete nur Polizei mann und nicht Politiker. In dieser Stellung des leitenden Ministers liegt der Schlüssel für die beutigen Zustände in Sachsen. Der sächsischen Gesetzgebung fehlt seit langer Zeit jede Fühlung mit dem Volke, nian hatte schon lange vor der Beseitigung des alten Wahlrechts diese Fühlung »rrloren. Man sah jede Volksregung nur mit dem Polizeiauge an, man glaubte dabei vorurteilslos zu sein und war einseitig. Diese sächsische Negierungspraris hat Minister v. Metzsch über- nommen, und da er nicht die innere Kraft besaß, mit ihr zu brechen, wurde er immer weiter nach rechts getrieben. Die Kluft zwischen Regierung und Arbeitern wurde nach der Beseitigung des alten Wahlrechts unüberbrückbar. Dann kamen die wirr- schaftlichen Kampfe um die Handelsverträge, und die Regierung unter der Leitung des Ministers v. Metzsch konnte sich von den Einflüssen der extremen Agrarier nicht frei machen. ES ist un» i�schreiblich, wie das in Sachsen wirkte. Der politische Effekt war eine Verhitterung der Groß- industrie und des Handels, und jetzt wurden diese Kreise eigentlich erst auf die widersinnige Tatsache aufmerksam, daß das in allen seinen wirtschaftlichen und kulturellen Grund- lagen von der Industrie abhängige Sachsen von einer agrarischen Landtagsmehrhcit regiert wird. Der Kampf der Industrie gegen diese Mehrheit füllt die letzten Jahre der sächsischen Politik aus. Bis zu welchem Grade auch auf diesem Kampfplatze die Er- bittcrung gestiegen ist. beweist die außcroordcntlich energische Ab- sage, die das Ministerium Metzsch von der Jahresversammlung des„Verbandes sächsischer Industrieller" kürzlich aus dem Munde eines der hervorragendsten Fabrikanten des Landes unter dem demonstrativen Beifall der Anwesenden erhielt. Die sächsischen Industriellen verfallen heute in eine Schärfe des Tones gegen die Regierung, aus der man deutlich ermessen kann, wie wenig sie von dem herrschenden System wissen wollen. Auch im Bürgertum hört man jetzt die Frage erörtern Auf welche Bevölkerungskreise stützt sich diese Regierung eigentlich noch?— Die Antwort lautet:„Auf die Landwirtschaft� aber in dieser ist nur der siebente T e i l der Erwerbstätigen beschäftigt." Der Wahlrcchtsraub in Sachsen hat sich gerächt; er hat da! Land völlig den konservativen Cliquen ausgeliefert, die seitdem, obgleich die Landwirtschaft gegenüber der Industrie nur eine un- bedeutende Rolle im sächsischen Wirtschaftsleben spielt, die ein- seitigste Jntcresscnwirtschaft betreiben. Tatsächlich steht der in- dustriell am weitesten vorgeschrittene aller deutschen Staaten unter der Fuchtel des extremsten AgrariertumS, das den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Landes stets nur so weit Rechnung trägt, als in seinem eigenen Vorteil liegt. Dieser Zustand hat in den Kreisen der Großindustrie und des Handels eine gewisse Erbitterung gegen das gegenwärtige Regime hervorgerufen, die in gelegentlichen Protesten der industriellen Jnteressenverbände deutlich zutage tritt. Aber mehr noch als das agrarkonservative Regiment hassen diese Kreise die sozialdemokratische Arbeiterbewegung. Sie wünschen eine Aenderung des sächsischen Wahlrechts— jedoch nur so weit, daß die Industrie- und Handclsbourgeoisie das Uebergewicht erlangt; die Arbeiterschaft soll zwar nicht ganz aus dem Landtag ferngehalten, aber ihre Vertretung derart eingeschränkt werden, daß sie ohne Einfluß auf die Beschlüsse der Zweiten Kammer bleibt. Deshalb gehen denn auch die meisten der sogenannten Liberalen nicht mal bis zur Forderung einer Rückkehr zu dem früheren Wahlrecht von 1868. Jedesmal, wenn es gilt, die Regierung vorwärts zu treiben, weichen sie feige zurück— wie auch bei den jüngsten sozialdcmo- kratischen Wahlrechtsdemonstrationcn— und leisten dem agrar- konservativen Regiment freiwillige Schlcppcrdienste. Hyndman und die deutsche Politik. London, 20. Dezember. sEig. Ber.) Hyndman ist der Gründer der sozialdemokratischen Bewegung in England und verdient deshalb die Achtung der internationalen Sozialdemokratie. Aber seine Persönlichkeit, seine Erziehung und seine ganze Lcbensgeschichte haben bei ihm auch manche Ansichten und Stimmungen erzeugt, die nicht jeder Sozialist teilen kann. Er besitzt große Energie, viel Wissen, ein glänzendes Rednertalent, unerschöpfliche Arbeitskraft und wurde zum Staatsmann erzogen. Zu seinem Glück oder Unglück gab ihm die Natur auch ein revolutionäres Temperament, das ihn schon frühzeitig in das Lager der Unterdrückten, der Armen und der Rebellen führte. Wäre er als Radikaler in der liberalen Partei geblieben oder als Staatssozialist in der konservativen Partei, so würde er sicherlich einem der Kabinette angehört haben; denn abgesehen von Sir Charles Dilke gibt es in den Reihen der Liberalen kaum einen Politiker, der Hyndman gewachsen wäre. Er ist auch den besten der Konservativen in jeder Beziehung eben bürtig. Hyndman hat in den siebziger Jahren Karl Marx kennen ge� lernt, und dieses Ereignis gab seinem Leben eine Richtung, die ihn in England auf einen einsamen Pfad führen mußte. Die Arbeiter haben bis jetzt teils unter liberalen, teils unter dem Einflüsse der Gewerkschaftsführer gestanden, so daß ein Sozialdemokrat wie Hyndman, der für das Parlament erzogen und zum Volksführcr geboren ist, seine Bestimmung nicht erfüllen konnte. Sein Schicksal ist tragisch, lind wer England kennt, wo ein Sitz im Parlament und dann im Kabinett zu den begehrenswertesten Dingen gehört, und wo es als selbstverständlich gilt, daß ein reicher, ge bildeter und ehrgeiziger Politiker Parteiführer wird, der begreift auch, wie ungünstig dieses Schicksal auf Hyudmans Stimmungen wirken mußte. Hyndman ist verbittert; seine Energie, die unter den traurigen politischen Verhältnissen Englands keine rechte Be� riedigung findet, macht sich oft in der„Justice" Luft. Man muß nun beim Lesen seiner Artikel immer im Auge haben, daß der Verfasser von einem gewissen Groll erfüllt ist. Er erinnert oft an den ent- lassenen Bismarck, an Bismarck den Frondeur, der zun» Journalisten reund wurde, um seinen brachgelegten Energien einen Abfluß zu verschaffen.— Hyndman ist— wie so viele gebildete Engländer— ein Frennd der romanischen Völker. Als Kriegskorrespondent im österreichisch-italicnischen Fcldzuge von 1866 machte er die Bekanntschaft Garibaldis und Mazzinis; in den siebziger Jahren verkehrte er viel mit Franzosen und wurde später ein intimer Freund ClemenceauS. In diesen Kreisen ist man nicht' deutsch reundlich, wie überhaupt Preußen-Deutschland sich bei der curo päischen Demokratie keiner Beliebtheit erfreut; denn unleugbar steht est, daß das offizielle Deutschland sehr unpopulär ist. Auch Hyndman ist ohne Zweifel ein Gegner der offiziellen deutschen Politik, die er für brutal, herausfordernd und vor allem für taktlos hält. Und er schreibt in diesem Sinne. Aber er schreibt ebenso charf und spricht ebenso rückhaltlos gegen die britische Regierung. Diesen Umstand darf man nicht vergessen. Der einzige Deutsche, den Hyndman achtete, war Liebknecht. Beide sind Produkte derselben geistigen Periode. Liebknecht war ehr international und haßte Preußen aus ganzem Herzen. Sonst meint Hyndman, die deutsche Sozialdemokratie sei national und erfülle ihre internationalen Pflichten nicht. Erst die letzten Reden Bebels haben Hyndman einige Worte des Beifalls entlockt. In der„Justice" vom 16. Dezember findet sich ein Leit- artikel HyndmanS über„Die deutsche Bedrohung des Friedens", worin er die bekannten Angriffe auf die deutsche Politik macht, die er als Friedensstörerin bezeichnet: „Der Pangermanismus hat gegenwärtig den Panslabismus verdrängt und ist an seine Stelle als der Friedensstörer Europas getreten. Bebels ausgezeichnete Rede im Reichstage beweist, daß er diese Lage jetzt versteht. Wenn ich bedauere, daß er dies nicht früher sah und sogar soweit ging, über diejenigen Genossen zu spotten, die besser informiert waren und weiter sahen;— wenn ich auch den Ton bedauere, den manche deutschen Sozial- demokraten in England anschlagen, sobald sie diese Frage be- handeln— so ist dies nur ein weiterer Beweis dafür, daß auch die fähigsten Menschen nicht unfehlbar sind.... Aber Bebels letzte Rede gibt der Hoffnung Raum, daß auch die deutsche Sozial- dcmokratie für ein allgemeines internationales Einverständnis ein- tritt. Es ist gewiß unsere Pflicht, immer wieder zu zeigen, daß das Volk Englands die freundlichsten Beziehungen mit dem Volke Deutschlands unterhält und daß England gar nicht die Absicht hat. Deutschland anzugreifen.... Wir sind Bebel dankbar für seine Rede. Von unserem Standpunkte könnte es gar kein größeres Unglück geben als einen Krieg zwischen den west- europäischen Nationen. Wir englischen Sozialdemokraten sehen die Fehler unseres vampyrartigen britischen Reiches ebenso klar, wie die deutschen Genossen die Fehler der deutschen Weltpolitik sehen. Wir möchten gerne Indien von dem ruinösen Joche der britischen Herrschaft Befreien... Ein„populärer" Krieg würde nur der Reaktion nützen, und ein Krieg gegen Deutschland, um Frankreich oder England vor einem Angriffe zu schützen, würde ztveifellos ein solcher„populärer" Krieg sein. Deshalb ist es nötig, daß sich Engländer und Deutsche verständigen, um den Chauvinismus niederzuhalten; wir haben in ähnlicher Weise vor sechs Jahren zusammen mit unseren französischen Freunden gehandelt, als beide Länder vor einem Konflikte standen." Veutfclies Retcb. Frivoler ZentrumSschacher. lieber unsere Kolonialpolitik stimm* die„Köln. Volksztg." wieder einmal ein heuchlerisches Geflenne an- Sie jammert: „In gleicher Weise war eS für die Deutschen viel leichter, den Weg nach Afrika zu finden, als mit Ehren wieder heraus zu kommen. Wenn wir damals gewußt hätten, was wir heute wissen, so hätte wohl kein einziger Reichstags- Abgeordneter der„Schutzherrschaft" über Südwestafrika und Ostafrika zugestimmt. Jetzt führen wir in Südwestafrika schon zwei Jahre Krieg, die Verluste an Menschen übersteigen schon diejenigen im dänischen Kriege von 1863/64, und die Kosten betragen heute 396 Millionei: Mark! Und was ist im günstigsten Falle der Sicgcspreis? Die Herrschaft über ein ziemlieb wertloses, meist aus Einöde bestehendes Gebiet, in dem nach Ansicht von Sachkennern höchstens 5000 deutsche Ansiedler ihren Unterhalt finde» können. Das ist ein niederdrückendes Gefühl und erklärt die Interesselosigkeit der weitesten Kreise den afrikanischen Kämpfen gegenüber. In ver- schiedenen Zeitungen wird bitter darüber geklagt, daß für Weih- nachtsgaben an unsere Krieger in Afrika aus ganz Deutschland so beschämend iveuig Geld eingekommen sei, während für die verfolgten russischen Inden mit vollen Händen gegeben werde. Aber Mangel an Teilnahme für unsere kämpfenden Landslcute liegt gewiß nicht vor; die Ursache liegt darin, daß die„Schutz- gebiete" selbst der großen Masse an sich vollständig gleichgültig sind. Wenn sie morgen weggegeben würden, so wären die meisten Leute sehr ziifricdc». Nach Lage der Sache ist das aber unmöglich. Wir sind in Afrika und sitzen dort vorläufig fest, müssen auch weiter kümvfen, so wenig uns das freut." Es wird dem Zentrum schwer fallen, einen vernünftigen Grund anzugeben, warum wir uns nicht schleunigst aus Südwestafrika zurückziehe» könnten! Ein Geschäftsmann, der sein Kapital in ein auleS Unternehmen gesteckt hat, wäre ein ausgemachter Narr, wenn er, statt sich schleunigst zu salvicren, immer neues Kapital für eine aussichtslose Sache verpulvern wollte! Das Zentrum läßt aber ruhig immer neue Reichsmittel für unsere unsinnige Kolonialpolitik verschleudern, damit es mit der Regierung Schachergeschäfte, wie bei der V e r p s a f f u n g der Volksschule, treiben kann! Eine solche Politik ist noch zehn- mal verwerflicher als die der Regierung selbst!— Steucr-Schachcr. Wie die„Sozialpolitische Rundschau" berichtet, hat Freiherr von Stengel gegenüber einem einflußreichen Parlamentarier die Grenzlinien, innerhalb deren eine Verständigung mit der Regierung allein möglich sei, gezogen. Diese lassen nur einen verhältnismäßig engen Spielraum frei. Zunächst, meinte Herr von Stengel, müsse daran festgehalten werden, daß der Gesamt- aufbau der Regierun gs-Vorlage in seinen Hauptbestandteilen erhalten bleibe, die völlige Ausscheidung eines wesentlichen Gliedes, beispielsweise der Bier- oder Tabaksteuer. würde die ganze Finanzreform zum Scheitern bringen. Ebenso müsse die Regierung darauf be- stehen, daß die in Aussicht genommene Eimtahinevermehrung t n ihrer Höhe nicht wesentlich verkürzt werde, da sonst die erstrebte dauernde Gesundung der Reichsfinanzen gefährdet werde. Komme die Kommission zu Veränderungen an einzelnen Gliedern des Steuerplanes der Regierung, die eine Verringerung der in Aus- ficht genommenen Mehreinnahmen bedeuteten, so müsse hierfür Ersatz geschaffen werden. Einer Wehrsteuer werde die Regiening nicht unbedingt ablehnend gegenüberstehen, obgleich ihre finanzielle Ergiebigkeit voraussichtlich nur gering sein werde; gegen die Ausdehnung der Erbschafts st euer auf die Deszendenten dagegen müßten sich schlver zu überwindende Bedenken erheben. Mit Rücksicht auf die Finanzen der Eiuzelstaaten würde erst mit einem späteren Termin für das Inkrafttreten dieses Teils einer Erbschaftssteuer zu rechnen sein, ferner würden nur die großen Vermögen für die Besteuerung in Kraft kommen dürfen. Eine Ausscheidung der Bier- oder Tabaksteuer aus der Reichsfinanzreform sei nicht disku- tabel, dagegen sei die Regierung bereit, durchführbare Vor- fchläge, die eine mindere Belastung der geringsten Tabaksorten sowie bei der Brausteuer der kleinen Branereicu bezweckten, einer Prüfung zu unterziehen. Auch würde eine Modifizierung der Ouittungssteucr in Betracht kommen können, sofern für den etwaigen Einuahmeausfall ein genügender Ersatz sicher gestellt sei. Damit seien die Grenzen für ein Entgegenkommen der Regierung gezogen." Der Herr RcichSschatzsekrctär wird sich wohl dazu bequemen müssen, bei dem Schachergeschäst mit dem Zentrum und den Liberalen in seinen Forderungen noch etwas weiter herunterzugehen und sicher rechnet er auch selbst damit, in diesem oder jenem Punkt, z. B. bei der Erbschaftssteuer, dem Zentrum noch einige andere Konzessionen machen zu müssen. Als guter Geschäftsmann befolgt er jedoch die beim Kuhhandel üblichen Usancen und erklärt von vornherein höchstens in einigen nebeusälblichen Bedingungen nachgeben zu können; wenn dann aber der Gegcnpart Miene niacht, den Handel abzubrechen, wird er sich-schon erinnern, daß fiir das Reichs- schatzamt immerhin noch ein recht ansehnlicher Nutzen bleibt und die sogen,„untersten Grenzlinien" etwas tiefer abstecken.— Zur Fleifchteuernng. Preußens große landwirtschaftliche Autorität, der Herr Minister von Podbielski, hat zwar im Reichstag verkündet, daß die Oeffnung der deutschen Grenzen für die Vieheinfuhr aus dem Auslande keinen Zweck hätte, da die Viehpreise in— den Nachbarstaaten so beträcht- lich gestiegen seien, daß diese das Schlachtvieh auch nicht billiger zu liefern vermöchten, als die deutschen Viehzüchter; die Preise in den ausländischen Grenzgebieten beweisen jedoch, daß diese Behauptung des Vichministers genau ebenso viel wert ist, wie die anderen bekannten Aussprüche de-Z Hochwohlweisen preußischen Konfuzius. Sowohl im Osten als im Westen ist jenseits der. vaterländischen schwarzweißen Grenzpfählen das Schweinefleisch um durchschnittlich 36 bis 46 Proz. biNiger, als in den heimatlichen Fluren diesseits der gesperrten Grenzen, und an vielen Grenzstationen unternehmen die ärmeren Schichten der deutschen Bevölkerung große Wallfahrten nach den jenseitigen glücklicheren Gebieten, um dort ihren Fleischbedarf einzukaufen. Vor einiger Zeit schilderten wir bereits die Völkerwanderung, die fast alltäglich bei Eydtkuhncn stattfindet. Genau ebenso sieht es an der deutsch-französischen Grenze ans. So wird z. B. der„Franks. Ztg." ans Lothringen berichtet: „Hüben lauf der deutschen Seite) bezahlen die Metzger für deutsche Schweine 72 Pf. und drüben für französische 46 Pf. für das Pfund Schlachtgewicht, und zwar ohne Zwischenhandel.� Nun ver- suchten spekulative Bauern der französische» Grenzdörser, ihre Schweine an der Grenze weiden zu lassen, um sie dann im ge- eigneten Augenblick die Nationalität wechseln zu lassen, aber die •rflnröde sahen ihnen gar zu sehr aufIdaS Handwerl. Da fingen sie es anders an. Der topffcrtige Speck kostetLdrüben hinter den blan-weifi-roten Grenzpfählen durchschnittlich 54 Pf. und zwar vorzügliche Ware. Da nun der deutsche Metzger dem deutschen Bauer 72 Pf. für lebend Gewicht zahlen mutz, so liegt es auf der Hand, daß dieser dem Metzger, der ihm ins Haus konimt, sein gesamtes fettes Borstenvieh, das er sonst in dem Haushalt schlachtet, zu dem hohen Schlachtpreise verkaust, und nun im Winter— fastet? Durchaus nicht I Wofür wäre denn sein fran- zösischer Kollege da. Er wandert nach la bsllo France, oft mit Kind und Kegel, und kaust sich dort aus konsumfertiger Ware seinen Winterbedarf. Und wie konlant wird er dort bedient i Ist der nächste französische Grenzort etwas weit ab- gelegen, so kommt der französische Metzger an die Grenze und richtet dort zweimal in der Woche eure anibulante Berkaufsstelle ein. Fleisch aller Sorten ist hier um 30, und feine Wursilvaren sogar um 60 Pf. das Pfund billiger. Mittwochs und Sonn- abends gibt es geradezu Völkerwanderungen nach drüben. Alles was Beine hat und vier Pfund zollsteies Fleisch tragen kann. wandert an den genannten Tagen nach drüben. Erst mischte sich die Zollbehörde in den Handel und wollte die Bestimmung so auslegen, als ob nur jede Familie und nur einmal am Tage dieses Quantum zollfrei einführen dürfe. Die Gerichte entschieden aber:„Jede Person, welche die Grenze passiert, hat ein Anrecht auf zollsteie Einfuhr von vier Pfund Fleisch." Seitdem blüht der Handel erst recht. Wenn die Leute von ihren Einkäufen aus Frankreich zurück- kommen, sind sie des Lobes voll. Nicht nur das Fleisch ist um so viel billiger, auch das Brot ist billiger und besser, und der Wein lostet noch nicht einmal halb so viel! Zur Gewinnung der Land- bevölkerung für Deutschland trägt das gewiß nicht bei."— Tie Tragödie des Rekruten. Ein Aufsehen erregender Mißhandlungsprozeß hat gestern das Berliner Kriegsgericht der ersten Gardedivision beschäftigt. Im vorigen Monat entdeckte eines Abends der Schutzmann Jäger auf einem Patrouillenritt über den Moabiter Exerzierplatz im Gebüsch einen Mann, der mit dem Gesicht auf der Erde lag. Als der Beamte näher hinzukam, bemerkte er, daß es ein Soldat war. Ter Hals desselben war mit einem Hosenträger zusauunengeschnürt, und am rechten Unterarm quoll das Blut aus zwei Wunden heraus. Auf die Frage des Schutzmannes, was denn hier vorliege, erwiderte der Soldat mit schwacher Stimme, es sei ihm unwohl geworden. Natürlich schenkte I. dieser Angabe keinen Glauben. Er fragte den Soldaten, warum er nicht in die Kaserne zurückkehre, denn es sei ja Zeit zum Abetzdessen. Ter Soldat antwortete, er bekäme doch nichts zu essen, und in die Kaserne kehre er nicht wieder zurück. Erst nach längerem Zureden gelang es dem Beamten, den Soldaten zur Kasernenwache zu bringen. Dort wurde er als der Rekrut Elbin von der siebenten Kompagnie des vierten Gardcregiments festgestellt und nach dem Garnisonlazarett überführt. Am folgenden Morgen begab sich der Kompagniechef in das Lazarett und vernahm E. Zögernd gestand der Rekrut ein, daß er sich wegen einer Mißhandlung das Leben llnbe nehmen wollen. Ter Hauptmann konnte nicht annehmen, daß eine Mißhandlung die Ursache des Selbstmordversuches war. Er leitete eine Untersuchung ein, und nun stellte es sich heraus, daß E. von dem Unteroffizier Tiet und dem Rekrutengefreiten Stern wiederholt drangsaliert worden war. Eines Abends um 9 Uhr ließ S. den Rekruten auf der Stube Klimmzüge üben. Infolge seiner Schlverfälligkeit war dem Rekruten dies nicht möglich. Damit er die Beine hochziehe, schlug ihm S. mit der Klopfpeitsche mehrere Male rnif die Füße und dann auch ans den Rücken Beim Grisfe-Ueben ließ der Rclrutengefreite den Soldaten etwa eine halbe Sttmde mit dein Gewehr Kniebeuge stehen, und als E. ermattet umzufallen drohte, trat ihm S. mehrere Male ins Gesäß. Am Tage vor dem Selbstmordversuch des Rekruten ermahnte der Kompagniechef in einer Ansprache, anknüpfend an die letzte Rede des Kaisers in Kiel, die Rekruten, sobald ihnen von den Porgesetzten Unrecht geschehe, dies sofort zu melde». Abends sagte Unteroffizier T. dem Rekruten- gefreiten, er solle E. beschäftigen, damit er kein Abendessen bekomme. S. ließ den Rekruten daraufhin Schuhe putzen und Eimer reinigen. Am folgenden Tage wackelte E. beim Gewehriiben auf der Stube eUras mit dem Kopf, worauf ihm der Unteroffizier die Halsbinde zuschnürte, so daß der Rekrut keine Luft bekommen konnte.. Um das Gewehr nicht zur Erde fallen zu lasse», faßte er mir der anderen Hand danach. T. ließ nun die Äorporalschaft herbeirufen und deutete mit den Worten:„Seht, der will sich an dem Vorgesetzten vergreisen." auf den �Rekruten. Er stieß dann den E. mit dem Kopfgegcn daSSpind.so daß eine Beule entstand. Hierauf ließ er ihn in Kniebeuge verharren und setzte sich ihm mit einer brennenden Zigarre im Munde auf einem Schemel gegenüber. Am Nachmittag mußte E. für die Maiinschafteit Kaffee holen und auf den Tisch setzen. Er selbst bekam jedoch keinen, sondern wurde von dem Vorgesetzten wieder zum Eimerputzen auf de» Hof geschickt. In verzweifelter Stimtnung ging der Rekrut auf seine Kammer, holte sich dort sein Rasiermesser und begab sich dann nach dem Exerzier- platz, wo er sich die Pulsadern aufzuschneiden versuchte. Mit dem Hosenträger wollte er sich dann erwürgen. Ter Unteroffizier und der Rekrutengefreite mußten gestern auf der Anklagebank erscheinen. Sie waren im großen und ganzen geständig und entschuldigten sich damit, daß der Rekrut infolge seiner Schwerfälligkeit schlecht zu be- handeln gewesen sei. Daß E. die ihm gegebenen Befehle mit Absicht nicht immer ordnungsgemäß ausgeführt, ist nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme keineswegs anzunehmen. Auf die Frage, warum er keine Meldung erstattet habe, antwortete er, d a ß e s i h m d a n n später noch schlimmer ergangen sein würde. Das Kriegsgericht verurteilte den Rekrut engcfreiten, welcher hauv. sächlich unter dem Einfluß des Unteroffiziers gehandelt. zu 18 Tagen mittleren Arrest. Gegen den Unteroffizier wurde auf drei Monate Gefängnis erkannt und dessen sofortige Verhaftung verfügt.— Die Satire aus der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft in verschiedenen Orten hat es wieder einmal für„zeitgemäß gehalten, für den„Simplicisfimus" Reklame zu machen. Sie hat nämlich die Nummer 37 diese« Witzblattes, die diesmal„Unseren Richtern" gewidmet war, konfiszieren lassen. Die Lorbeeren jenes Licentiatcu, der unlängst den„SiniplicissiinuS" wegen einer humorvollen Vcr- ulkung seines sittlichkeitsfports verklagte, haben offenbar etliche Ver- rcter dcS Richterstande-Z nicht schlafen lassen.— »Pod." Aus Schleswig-Holstein wird uns geschrieben: In Neu Münster verfiel vor einiger Zeit eine Volks- Versammlung, die sich mit der Fleischnot beschäftigte, der Polizei- lichcn Auslösung, weil der Redner, Genosse Paul Hoffmann aus Hainburg, den viersilbigen polnischen Namen des preußischen Laudwirtschaftsmmisters st, seiner populären Abkürzung gebraucht hatte. Beim zweiten„Pod" des Redners stülpte der Uebcrwachende den Helm auf den Kops und löste die Bersammluitg„up". Leider vergaß die Polizei, auch die Fleischnot„aufzulösen", und so kaut es, daß sich aitt Mittwochabend tu einer Volksversammlung in Neumüiistcr die Rednerin, Genossin Zietz, wieder mit dem Minister für Fleischnot beschäftigen mußte. Als auch dieses Mal der Mann mit dem Tchlachzizenuamen heimtückischer- weise nm seine drei überflüssige,', Silben geprellt werden sollte, löste die Polizei, für deren populäre Bezeichnung man hier an der Waterkant gleichfalls nur eine Silbe ,n Anspruch nimmt, die Bersammluitg wieder auf. Die Versammelten hatten Ver- ständniS für die Drastik der Situation und quittierten für die Auf- löstmgsankündigwig durch ein a tenipo einsetzendes homerisches Gelächter. Da man aber nicht einsieht, warum ausgerechnet in Neumünster eine Bezeichnung, die ans BeqnemlichkeitSrücksichten sich längst überall eingebürgert hat, polizeiwidrig sein soll, so wird zum Protest gegen den Eifer der Polizei am Freitag tvicder eine Volks- Versammlung stattfinden, und zwar mit derselben Rednerin und einem einleitenden Vortrag über den politische» Massenstreik. Eine verspätete„Ehrung" Ludwig Feuerbachs. Im Juli 1904 feierte das klassenbewußte Proletariat Nürnbergs den 100. Geburts- tags Ludwig Feuerbachs, des freiheitlichen Philosophen. Er hat bekanntlich das letzte Jahrzehnt seines Lebens in Nürnberg verbracht und liegt dort auf dem Johanuissriedhofe begraben. Sein Andenken wird nur von der Nürnberger Arbeiterschaft wachgehalten, die auch seine Grabstätte pflegt. Sie beging den 10(1 Geburtstag durch imposante 5iuttdgebuttgen, während das liberale Bürgertum sich stille verhielt, bis aus den Ankündigungen der sozialdemokratischen Presse zu entnehmen war, daß von den Nürnberger Arbeitern große Kund- gedungen geplant seien. Dies entfachte bei einigen freisinnigen Herren die Eifersucht und im letzten Moment wurde im Gemeinde- kollegium ein Antrag des früheren Abgeordneten für Coburg, Her- mann Beckh, angenommen, den Magistrat zu ersuchen, er möge durch eine gemeindliche Kommission beraten lassen, in welcher Weise Feuerbach zu seinem 100. Geburtstag eine Ehrung bereitet werden solle. Ter Nürnberger Magistrat erklärte, daß er zur Beratung bereit sei. Inzwischen hörte man nur einmal wieder von der Sache, als es hieß, es sei beabsichtigt, ein Medaillon Feuerbachs an dem Treppenaufgang zu dem geplanten Bismarckturm auf dem Rechen- berge, an dessen Fuße der Philosoph seine Wohnung hatte, anzu- bringen. Alle Welt lachte über den famosen Einfall, den Blut- und Eisenmenschen in solcher Weise mit dem Philosophen in Beziehung zu bringen. Tann blieb es still, bis kürzlich die Sache im Gemetndekollegium wieder austauchte. Dort wurde beschlossen, an dem Wohnhause Feuerbachs ein einfaches Relicfbildnis anzubringen. Dieses Wohnhaus ist ein altes, unansehnliches Bauernhaus am Fuße des Recheitberges, das bald dem llntergang geweiht ist. Es wäre besser gewesen, die„freisinnigen" Gewalthaber von Nürnberg, die in den letzten Jahren Hunderttausende von Mark für protzige Fürstendenkmäler aus städtischen Mitteln aufgewendet haben, hätten auch das Geld zu dieser„Ehrung" Feuerbachs für eine Ge- legenheit, bei der Orden und Titel zu holen sind, aufgespart.— Neuwahl in Mannheim. Aus Karlsruhe wird gemeldet: Die Zweite Kammer der Landstände erklärte heute die Wahl des Abg. K r a m e r(Soz.) im 59. Wahlbezirk(Mannheim) für ungültig. Neuwahl ist angeordnet.— Husland. Schweiz. Zürich, 21. Dezember.(Eig. Ber.) Einen neuen Geniestreich hat die schon sehr oft kompromittierte Genfer Polizei ausgeführt. Ilm für die Aufklärung der Bombenaffäre des Studenten Bilitt, der in seiner Wohnung beim Experimentieren eine Bombe zur Explosion brachte,„Material" zu gewinnen, schwindelten sie Geheimpolizisten in die Universitäts-Labaratorien als„Photographcu" ein. Ihre dummen Fragen erweckten jedoch Verdacht und der Chemieprofessor Dupare wies sie aus den UniversitätSräumen fort, gleichzeitig machte er dem Erziehungsdirektor Vincent von den Vorgängen Mitteilung. Das polizeiwntige Bürgertum wird nun nicht etwa auf die frechen, unverschämten Spitzel schimpfen, aus das unerträgliche Ueberwuchern der Polizei, sondern auf den Professor, der so lvenig Verständnis für Gesellschafts- und Staatsretlung bewiesen hat l Frankreich. Tie Schraube ohne Ende. Das„Echo de Paris" veröffentlicht eine Unterredung mit dem Mariiieministcr Thomson über das französische Flottenprogramm. Danach sagte der Martttetnintster u. a.: Alle Welt ist über einen Punkt einig, nämlich, daß die französische Flotte gegenwärtig der deutschen überlegen ist, und daß, solange der Zusatz zum deutschen Flotteuprogramm von 1900 nicht bewilligt ist, ein jährlicher Kredit von 120 Millionen genügen wird, um diese Ucberlegenhcit aufrecht zu erhalten. Das Marineministerium wird gelegentlich der Be- ratung des Budgets für 1906 die Ermächtigung verlangen, außer den Torpedobootzerstörern und Unterseebooten sofort mit dem Bau von drei neuen Panzerschiffen zu beginnen. Diese Schiffe werden die ersten einer neuen Serie sein. Mährend die Panzerschiffe, deren Bau zuletzt in Angriff genommen wurde, 11300 Tonnen Ge- halt, eine GesckMndigkeit von 18 Knoten und tm Geschützen 1 Kanonen von einem Kaliber von 30,5 Zentimeter sowie 10 Kanonen von einem Kaliber von 19,4 Zentimeter besitzen, sollen die neuen Panzerschiffe einen Tonnengehalt von 18 000, eine Ge- schtvindigkett von 19 Knoten haben und mit 4 Kanonen von einem Kaliber von 30,5 Zentimeter und 12 Kanonen von 24 Zentimeter Kaliber armiert werden. Nach diesem Typ sollen noch andere Panzerschiffe-gebaut werden. Ehe aber diese Schisse fertiggestellt werden, wird der Höhere Marinerat zu prüfen haben, nach welchem Typ die folgenden Serien gebaut werden sollen. Bis dahin werden wir im Besitze aller erforderlichen Auskünfte über die vom Aus- lande gebauten Schiffe sein. Das Parlament wird ganz zweifel- los die verlangten Kredite ungeschmälert bewilligen.— England. Bannermaus Programm-Rede. Aus der Rede des englischen Premier-Ministers konntcu wir gestern nur in einem Teile der Auflage die Hauptstellcn bringen, weshalb wir heute das wichtigste wiederholen: Tie Tatsache, daß die Liberalen ans Ruder gekommen seien, habe keinen Schauder in den europäischen Kabinetten verursacht... Das Grundstcuersystem einschließlich der Abgaben für den Boden- wert soll reformiert, die Einfuhr chinesischer Arbeiter sofort ein- gestellt Iverden. Was die auswärtigen Beziehungen betreffe, so habe er bereits das Einvernehmen mit Frankreich freudig begrüßt. Er halte an dieser Politik fest und wolle den Geist der Freund- schaft unvermindert aufrecht erhalten. Auf die jetzige schwere Prüfung Rußland hinweisend, sagte Redner: Wir haben nur freundliche Gefühle und Wünsche ftir jenes große Volk. In be- zug auf die Beziehungen Englands zu Deutschlands sehe er in keinem einzigen der Interessen beider Völker irgendwelchen Grund zu einer Entfremdung und begrüße die kürzlich erfolgten in- offiziellen Freundschaftsbezeugungen. Die Beziehungen zu den anderen Mächten seien freundschaftliche. Die liberale Politik würde einer Angriffspolitit entgegen sein und von dem Wunsche getragen werden, mit allen Mächten in den besten Beziehungen zu stehen. England wolle mitarbeiten an dem gemeinsamen Werke der Zivilisation. Er freue sich, daß die Schiedsspruchfrage große Schritte vorwärts getan habe. Heute werde es nicht mehr einer Grosiinacht als Schwäche angerechnet, wenn sie Streitpunkte einem Schiedssprüche unterwerfe. Das Wachsen der Rüstungen sei eine grotze Bedrohung für de» Frieden der Welt. Da die schieds- gerichtliche Erledigung von Streitfragen an Boden gewonnen habe, fei es Pflicht, jene Rüstungen damit in Einklang zu bringen. Wvs die irische Frage betreffe, so sei es ein Grundsatz der liberalen Politik, die häuslichen Angelegenheiten der Iren gegebenenfalls in deren eigene Hände zu legen. Redner betonte dann, daß er überzeugter Freihändler sei, und kündigte an, daß die Regierung beabsichtige, das Gesetz über die Trade-Nnions abzuändern. Ter letzte Satz ist so zu verstehen, daß die Gewerkschaften von dem Drucke befreit werden sollen, der seit den berüchtiaten arbeitcr- feindlichen Gerichts-Entscheidcn auf der englischen Gewerkschafts- bewegung schwer lastet. Wenn Bannerman imstande sein sollte, dieses sowie das den Iren„gegebciicnsalls"(!) geleistete Versprechen einzulösen, dann löimte seine Tätigkeit dem englischen Volke allerdings in gewissen Beziehungen zum Segen gereichen, falls es dem alte» Ehambcrlain nicht gelingt, die Pläne des Liberalismus zu durch- kreuzen. Daß Bannerman den Konservativen und den Jingos in seiner Rede eine Anzahl Angriffsflächen geboten hat, läßt sich schon aus dem oben gegebenei, kurzen Auszug erkennen und wird wohl noch deutlicher werden, wenn der genaue Wortlaut der einstündigen Ver- sammlungsrede des Premier-Ministers vorliegt. Es verlautet, man beabsichtige, das Parlament bereits in der zlveitci, Januarwoche aufzulösen: dann würden die Wahlen gegen Anfang Februar erledigt sein. Wir werden also bald sehen, welche Richtung den Sieg davonträgt.—- Ästen. Peking, 22. Dezember.(Meldung be?„Reuterschen Bureaus".) Der chinesisch-japanische Vertrag ist heute von Komura und Uchida für Japan und von den Prinzen Ching und Juanschikai für China unterzeichnet worden. Die für den Abschluß des Vertrages beauftragten Bevollmächtigten er- klären, der Vertrag betreffe nur die Mandschurei-Angelegen- Heiken, die Berichte von einem chinesisch-japanischen Bündnis seien falsch.— Japan. Die sozialistische Bewegung.------— Wir berichteten vor einiger Zeit von den Verfolgungen, die Japans Regierung gegen unsere Parteigenossen drüben, gegen ihre Organe und Organisationen ins Leben rief. Die Zeitung„Chokugcn" wurde verboten, die Propaganda gehemmt, die Bewegung für einige Zeit scheinbar unmöglich gemacht. Aber so international wie der Sozialismus selbst ist auch seine Widerstandskraft, seine Taktik, die aus allen Verfolgungen nach kürzerer oder längerer Zeit stets von frischem, gekräftigt rmd ver- jüngt, ihr Haupt erhebt. Die Parteigenossen Tokios haben bereits ein neues Organ au Stelle des unterdrückten„Chokugen" geschaffen, den„Hikari"(„Das Licht"), dessen erste Nummer dieser Tage herausgekommen ist. Die ökonomische Krise, unter der Japan im gegenwärtigen Zeitabschnitte seufzt, das Massenelend des an Zahl stets zunehmenden Proletariats bildet einen Boden, auf dem die Saat unserer tapferen japanischen Genossen bald aufgehen dürfte.—- Amerika. Noosevelt als Reformer wird von seiner eigenen Partei, der republikanischen, mit Mißtrauen und Unbehagen betrachtet, wenigstens von einem Teil der Partei. Im jetzigen Kongreß, dem 59., haben die Republikaner eine große Majorität, im Rc- präsentantenhause allein 112 Stimmen, aber sobald Roosevelt mit neuen Vorschlägen auftritt, ist die Partei gespalten. Im Senat herrscht eine feindselige Stimmung gegen Roosevelt; mau will da von seinen Reformbestrebungen in der Zollpolitik, in der Bundes- kontrolle über die Eisenbahnen und über die Versicherungsgesell- schaften nichts wissen; man widersetzt sich jeder Beschränkung der Trustgewalt, die Roosevelt für notwendig hält. Das„Philadelphia Tageblatt" untersucht die Frage, was von Roosevelts Reform- bestrebungen eigentlich zu halten sei, und kommt zu dem Schluß: Roosevelt will als kluger und wcitausschauender Mann den Groß- kapitalismus„anständiger" machen, um ihn besser konservieren zu können. Die feindselige Stimmung im Volke gegen die Trusts muß beschwichtigt werden, damit sie nicht zu sehr wächst und zu ge- fährlich wird. Irgend welche Rücksichten zu nehmen, ist aber den Kapitalisten unbequem, und darum behagt ihnen Roosevelts Politik nicht, darum ist gerade der Senat, der als die erste Vertretung der großen Trusts gilt, am meisten zur Opposition bei jeder Gelegenheit geneigt. Als guter Politiker hat sich Noosevelt aber der Hülfe der demokratischen Partei versichert ftir den Fall, daß die republikanische ihm die Gefolgschaft versagt, und man weiß, daß er im Volke sehr populär ist. Die republikanischen Politiker müssen zwar vorsichtig mit ihm umgehen, aber doch besteht ein fort- währender Kampf zwischen ihnen und dem Präsidenten.— Die Dentschen in den Ostseeprovinzen. Alle bürgerlichen Blätter sind voll von Schreckensnachrichten über die in den russischen Ostseeprovinzen von den„Letten" ver- übten Greuel. Tränen fließen allenthalben über die armen deutschen Opfer der bäuerischen Ruchlosigkeit des Lettenvolkes. Sammlungen werden bereits für diese Opfer veranstaltet und die Edelsten und Besten der Nation, denen manchmal die entsetzlichsten k o s a k i s ch e n Greueltaten gegen das ivehrlose Volk in Rußland nicht einen Schimmer von menschlicher Riihrtmg zu entlocken vermochten, sind außer sich vor heiligem Zorn angesichts der ihren Landsleutcn widerfahrenen Mißhandlung. Bis jetzt ist nun von keiner Seite die Frage berührt und beantwortet worden: wie ist es denn eigentlich in den baltischen Provinzen zu diesem plötzlichen Ausbruche des Deutschenhasses gekommen? Und vor allem: Wer sind jene Deutschen und wer jene Letten, die gegenwärtig im offenen Bürgerkriege gegeneinander stehen? lieber diese entscheidenden Fragen gibt uns die nachfolgende Privat- korrespondenz aus Livland ausreichende Antwort: Riga, 18. Dezember.(Eig. Bcr.i Sie Ivissen wohl schon, das; die ersten Nachrichten, die über die hiesigen Vorgänge in die Welt ausposaunt worden sind, kolossale Uebertreibungen enthielten und überhaupt ein ganz unklares Bild von den Vorgängen gaben. Von Mordtaten und Feuersbriiusten war hier in Riaa sowie in anderen Städten nichts zu sehen. Die Arbeiterschaft hat einfach einen Generalstreik erklärt und auch ausgeführt, weil die lettische Sozial- demokratie annahm, daß ein solcher für ganz Rußland erklärt worden wäre. Die großartige Disziplin, mit der die hiesigen Arbeiter der Parole der Sozialdemokratie gefolgt find und das ge« samte Industrie- und Haudelsleben zum Stillstand gebracht haben, konnte wohl der Bourgeoisie einen ordentlichen Schreck einjagen und sie auch zur Wut bringen. Aber daraus allein läßt sich die all« gemeine Panik nichr erklären. Hier kommt eine andere Bewegung noch in Betracht, das ist u n f e r e l ä u d l i ch e B e w e g t, n g. Es muß vorausgeschickt werden, daß hier in den baltischen Provinzen auf dem flachen Lande ganz eigenartige Verhältnisse herrschen. Die vorherrschende Form des Grundbesitzes ist ritterlicher Großgrund« besitz auf höchster Stufenleiter, direkte Latifundienwirtschaft. In Livland zum Beispiel gehört etwa ein Drittel der ganzen Boden« fläche, in Kurland etwa die Hälfte dem adeligen Großgrundbesitz. Diesem gegenüber steht eine große Masse des Land- Proletariats, das durch die Vermittelung des PächtersystcmS von dem Latifundienbesitz unmenschlich ausgebeutet wird. Die Lage des osipreußischeit„Gesindes" erscheint manchmal noch als beneidens- wert im Vergleich mit dem Helotendasein der Landarbeiter in Liv- land und Kurland. Was nun aber dieses rein soziale Klassen- Verhältnis eigentümlich färbt, ist der Umstand, daß der ganze grund- besitzende Adel ausnahinslos deutsche Junker sind, während das Landproletariat lettisch ist. Die Religion spielt hier keine Rolle. Lutheranisch sind sowohl Letten wie Deutsche. Auch der Unterschied der Nationalität würde natürlich keine Rolle spielen, denn das lettische Bauernvolk ist sehr gutmütig und kümmert sich um keines Menschen Nationalität. Allein-der Deutsche hat sich als Junker, als brutaler Lattfititdienbesitzer verhaßt gemacht. Denn bei den Deutschen hat der Nationalitäten« haß freilich eine Rolle gespielt. Den armen lettischen Bauer haben sie nicht bloß mit der üblichen Rücksichtslosigkeit des Junkertums, sondern auch mit dem ganzen Hochmut der„herrschenden Nationalität" behandelt. Tatsächlich war für den lettischen Bauer jahrzehntelang der Herrscher nicht etwa der russische Kosak, sondern der deutsche Rittergutsbesitzer, der das Landvolk direkt wie verächtliche. rechtlose Sklaven behandelte. Hinzu kommt noch, daß auch die evangelische G e i st l i ch k e i t hier zum Groß« gruudbesitz gehört. Das find nicht etwa die armen luthe« ramschen Landpastoren, wie in anderen nordischen Ländern, nein, die hiesigen Herren Geistlichen sitzen zusammen mit dem Junkertum, mit dem sie auch versippt und verschwägert sind, am reich besetzten Tische der Lattfundieiiwirtschaft und helfen dem Adel, die Geißel doppelt und dreifack über dem Rücken des lettischen Land« Volkes zu schwingen. Bis in die jüngste Zeit ivar diese herrschende Jnukcrkaste sowie das deutsche Bürgertum in den Städten, das sich nicht weniger fleißig von der Ausbeutung der lettischen Industriearbeiter nährte, mit dem Äimteureginient des russischen Absolutismus wohl zufrieden. Freilich nmrrten die Herren stark gegen die R u s s i f i z i e r u n g der Schule und des öffentlichen Lebens. Durch ihr brutales Klassenregiment hatten sie es sedoch selbst soweit gebracht, daß für baS ärmere Volk die Russifizierung der Schule eigentlich erst den zur mittleren und höheren Schule ermöglicht hat! Das deutsche Junkertum und Biirgertum ließen den Sohn des lettischen Volkes. so lauge sie dai' Regiment in dem Unterrichtswesen allein führten. nicht durch die Pforten der höhere» Schule durchschlüpfen! Im ganzen jedoch hatten und haben die balnschen Adelsfamilien bei ��ifchen Hofe, in Petersburg, so starke Verbindungen und Emflutse, daß der Bauer ihnen vollständig ausgeliefert war. In den letzten Jahren nahm die sozialdemokratische Bewegung zunächst in den Städten sehr stark zu. Der 22. Januar dieses Jahres war em Signal einer Reihe von wunderbar durchgeführten Generalstreiks in Riga. Reval, Mitan usw. Allmählich begann die Sozialdemokratie ihre Einflüsse auch auf das flache Land auszubreiten. Und da. beim ersten Zeichen daß die Sklaven„aufmucken" wollten, setzte das baltische deutsche Junkertum sofort alle seine Einflüsse in Petersburg in Bewegung, um„verstärkten Schutz" über das Volk in Livland und Kurland zu erwirken. Alle diese Herren„von und zu" malten der zarischen Kamarilla die Lage in den Ostseeprovinzen als so bedrohlich vor, daß sie natürlich bei dem Knutenregiment willige Ohren fanden und gleich im Ansang des Jahres den„Segen" des K'r i e g s z u st a n d e S über das Land brachten. Wie die Junker mit Hülfe der Nagajka ihre„heiligen Rechte" zu verfechten anfingen, dafür nur ein Beispiel für viele. Im Frühjahr dieses Jahres, ich entsinne mich in diesem Augenblick des Datums nicht näher, unternahm einer von den Gewaltigen dieser deutschen Junkersippe. Fürst Lieven, die Bauern in der ganzen Gegend zu„beruhigen". Er fiel plötzlich mit einer Ab- teilung Kosaken in das Dorf Szagarren ein. das zwar schon im Gouvernement Kowno, aber dicht an der Grenze Rußlands liegt, und ließ alle Bauern grausam auspeitschen. Bei dieser Exekution wurde unter anderen auch ein Buchhalter Namens Janson auf Geheiß des Herrenmenschen durchgepeitscht. Da nun Szagarren zum Gutsbezirk des russischen Fürsten Naryschkin gehört und der ge- walttätige Junker zufällig einem anderen Junker ins Gehege kam. so wurde der kosakische Einfall aus Naryschkins Klage vor den Kadi gewiesen und Fürst Lieven bekam— 7 Tage Stubenarrest! So wirtschaftete der deutsche Adel, gestützt auf den Kriegs- zustand und die Hülfe der Kosaken. Man kann sich leicht vorstellen, welcher Haß und Grimm sich im Laufe dieser Monate im Herzen des lettischen Landvolkes aufgespeichert hat! Der jetzige Aufruhr ist nur eine plötzliche Schuldentilgung der Bauern, deren Gewaltsamkeit genau der langjährigen gewaltsamen Aus- beutung und Unterdrückung seitens des deutschen Junkertums ent- spricht. Die brutalen„Herren" ernten nur den Haß, den fie bei bei ihren Sklaven gesät haben. Fürst Lieven. der Held von Szagarren. ist ja als eines der ersten Opfer getötet worden. Aber noch in anderer Beziehung ernten die Junker die Frucht der eigenen Saat. Der lange Kriegszustand, den sie selbst provoziert hatten, das Hausen der Kosaken in den Dörfern— das alles hat die Landarbeiter politisch aufgerüttelt und revolutioniert. In dieser Schule hat der lettische Bauer in Kürze begreifen gelernt, was die Sozialdemokratie aus den Städten nur mit großer Mühe ihm früher klar zu machen vermochte. Der Bauer versteht jetzt, daß er neben dem Junkertum den Absolutismus hassen muß und daß sein nächster Verbündeter— der städtische Arbeiter ist. Die Greueltaten des ländlichen Aufruhrs sind das eigene Werk des deutschen Junkertums, die politische Aufklärung, die sich aus dem Aufruhr herausdestilliert und jetzt schon stark zum Ausdruck kommt, ist das Werk— der lettischen Sozialdemokratie. Massenhaft strömen uns jetzt Landarbeiter zu unter dem allgemeinen Banner der demokratischen Republik im ganzen Reich. lettische« Der erste Strafsenat des Kammergerichts verwarf am s Arbeiter erklärten dies für unannehmbar und beschlossen in zwei Zutritt 21. Dezember die hiergegen eingelegte Revision mit folgender Versammlungen, die Arbeit einzustellen, wenn die Tirek- �__<. cvr.cr- Hnn hif* 15 9\rnvnf ntrfif fwhmminnSrnS fvtrytTT«rw<�2 GSi* GewcrhlcbaftUcbca. Der Wille des Schutzmanns ist in Preußen das höchste Gesetz. Das Kammergericht, das höchste preußische Gericht, hat wieder einmal seine Abhängigkeit von dem Befehle eines preußischen Schutzmanns öffentlich bekundet. Bekanntlich hat dies Gericht vor längerer Zeit schon aus Furcht vor den Streikposten die Straßen dem Publikum entzogen und dem Schutzmann übergeben, indem es erkannte, kein Gericht habe bei Vergehen gegen straßeupolizeiliche Anordnungen nachzu- priifen, ob dieselben tatsächlich der Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung dienten, sondern nur, ob die schütz- männischen Befehle formell unter Hinweis auf die Sicher- heit und Ordnung ergingen. Die Folge dieser famosen Entscheidung ist eine Rechts- Unsicherheit nicht nur für Streikposten, sondern auch für bürgerliche Redakteure und andere Sterbliche bis hinauf zum— Kammergerichtspräsidenten. In jedem anderen Lande hätte die öffentliche Meinung eine solche Rechtsauslegung längst über den Haufen gestürzt; nur in Prcnßen, Ivo jeder„gemeine" Zivilist, der noch nicht zur roten Rotte schwört, im Schutzmann noch den Unter- offizier verehrt und respektiert, ist ein solches Urteil denkbar und aufrecht zu erhalten.— Anläßlich des Streiks in der Fabrik von Kappler in der Prinzenallee hatte der Arbeiter B a n d o w wiederholt Streik- Posten gestanden. Ein Schutzmann kannte ihn daher. Durch Eintritt in eine andere Fabrik schied B. aus der Zahl der Streikenden aus. Krankheitshalver mußte B. die neue Stellung bald wieder verlassen, zu einer Zeit, als der Streik bei Kappler noch nicht beendet war. Am 24. Mai sah nun jener Schutzmann Bandow auf der der Fabrik gegenüberliegenden Straßenseite auf und ab gehen. Tatsächlich stand B. nicht Streikposten, sondern wartete auf seine Frau, die dort Einkäufe machte. Der Schutz- inann forderte B- aus, sich zu entfernen, da das Streikposten- stehen dort verboten sei. B. ging nicht weg, sondern lächelte nur den Schutzmann an, worauf er zur Wache zitiert wurde. Das Landgericht l als Berufungsinstanz verurteilte später B. zu einer Geldstrafe von 2() M., weil er einer„zur Aufrechterhaltung der Ruhe, Bequemlichkeit und Sicherheit auf der öffentlicher Straße erlassenen polizeilichen Aufforde- rung" nicht gefolgt sei. Begründend wurde ausgeführt: Es sei als wahr zu unterstellen, das B. diesmal nicht Streik- Posten gestanden, sondern nur auf seine Frau gewartet habe. Aber trotzdem habe er sich durch die Richtbesolgung der An- ordnung strafbar gemacht. Da der Schutzmann ihn von früher als Streikposten kannte, so hätte er asauben können, B. stehe auch diesnial Streikposten. Anstatt den Beamten aufzuklären, habe B. nur gelächelt und ihn in seiner Auf- fassung dadurch nur bestärkt. Grundlage für das Vorgehen! s p deS Schulzmannes sei gewesen: erstens die Anweisung des Reviervorstandes, vor der Kapplerschen Fabrik das Streik Begründung: Der verkehrspolizeiliche Charakter der Auffor' derung sei genügend festgestellt. Ganz gleichgültig sei es, daß Angeklagter nicht Streikposten war. Ganz selbstverständlich müßten auch Leute, die nicht Streikposten wären, polizeilichen Aufforderungen folgen, die zur Erhaltung der Ordnung, Sicherheit und der Bequemlichkeit des Verkehrs ergingen. Sertln una Clmgegend. Achtung, BauNempner! Die nächste Vertrauensmänner-Kon- ferenz der Bauklempner findet am 27. Dezember(3. Feiertag) im bekannten Lokal statt. Dieselbe wird pünktlich um 8 Uhr eröffnet. Jede Wertstatt muß vertreten sein. Die Ortsverwaltung. Tarifbrüche im Stukkateurgewerbe. Eine öffentliche Stukkateurversammlung, die am Donnerstag bei Frank« in der Sebastianstraße tagte, befaßte sich mit dem Thema: „Die Tarifbrüche bei den Firmen Bissing, Schirmer, Zeyer u. Drechsler und Karl Schultz«." Der Referent Krebs richtete sich in seinen Ausführungen jedoch weniger gegen diese Firmen selbst, als vielmehr gegen das Ver- halten der dort beschäftigten Stukkateure, die sich dazu verleiten ließen, obwohl der Tarifvertrag für die Zeit vom IS. November bis zum IS. Februar die siebcnstündige Arbeitszeit vorschreibt, 8 bis 8zh Stunden täglich zu arbeiten, und sich nickü einmal die Ueber- stundcn mit den festgesetzten 2S Prozent Zuschlag bezahlen lassen. Zur Entschuldigung führen sie teilweise an, es sei ihnen gesagt worden, Krebs, der Leiter der Filiale, habe diese Ueberschreitung der Arbeitszeit gutgeheißen, was jedoch durchaus nicht der Fall ist. Auch berufen sie sich darauf, daß in den anderen Bauberufen, namentlich von den Rabitzputzern, den Maurern und vor allem von den Putzern, die tariftnätzige Arbeitszeit noch viel mehr überschritten werde, als von den Stukkateuren Dies gab Veranlassung zur Einberufung einer Konferenz von Organisationsvertretern der verschiedenen Bau- berufe, von der die Putzer allerdings fernblieben. Es zeigte sich hier, daß die Töpfer strenge auf die tarifgemäße Arbeitszeit halten, und daß die Leitung des Maurcrverbandcs sich redlich bemüht, die Mitglieder dazu anzuhalten, und auch bei Schichtwechsel eine lieber- schreitung der für die Jahreszeit üblichen Stundenzahl nicht billigt. Ein Antrag der Stukkateure, jetzt eine al/�emeiiie Aktion sämtlicher Bauberufsarbeiter zu strenger Durchführung der Tarifbestimmungen über die Arbeitszeit einzuleiten, wurde von der Konferenz abgelehnt. — Der Referent bemerkte, daß die Stukkateure sich nicht durch das laue Verhalten anderer Baugruppen und ebensowenig durch irgend- welche andere Dinge abhakten lassen sollten, ihrem Tarif auch hin» sichtlich der Arbeitszeit in der jetzigen Jahreszeit unbedingt Geltung zu verschaffen. Es seien arbeitslose Kollegen genug vorhanden und auf 1000 Stukkateure könnten durch die jetzt vorgeschriebene Arbeits- zeitverkürzung 214 Arbeitslose Beschäftigung erhalten. Sei aber auf einem Bau die Arbeit wirklich so außerordentlich dringend, so könnten ja zwei Schichten zu je 7 Stunden eingeführt werden. An den Tarifbrüchen sind übrigens sowohl lokal- wie zentralorganisierte Stukkateur« beteiligt.— Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die Versammlung stellt mit Bedauern fest, daß es auf Seite einiger Arbeitnehmer in mehreren Fällen zu einem Tarifbruch gekommen ist. Dieser besteht in einer Konzession an die im Bau- gewerbe umsichgreisende Unsitte, die Arbeitszeit über die tariflich festgelegte Tauer auszudehnen, trotz nachweislich großer Arbeits- losigkeit im Beruf. Dfl Versammlung verurteilt das Verhalten der länger ar- bettenden Kollegen als unkollegial, unlogisch und organisations- schädigend. Sie erwartet, daß in Zukunft auf allen Arbeitsplätzen die tariflich geltende Zeit mit den entsprechenden Pausen ein- gehalten wird. Als dringende Ausnahmefälle, Ueberstunden laut Tarifvertrag gestattet zu erhalten, erkennt die Versammlung nur l an Arbeitskräften aus dem paritätischen Fachnachweis an. Mang Die Versammlung sieht als Ausweg zu einer beschleunigten Produktion nur Schichtwechsel unter tariflichen Arbeits- bedingungen an."_ Arbeiter, Parteigenossen Berlins und Nmgegeud. Wir teilen mit, daß auch unsere Kontrollkarte nur an gelverk- schaftlich organisierte Friseurgehülfen ausgegeben wird und auch da die Forderungen bewilligt sind, wo diese sichtbar am Spiegel an- gebracht ist. Tie Karten sind gültig mit der Unterschrift Hermann Schulze. Die Ausgabe derselben erfolgt in dem von den Organi- sationen anerkannten Arbeitsnachweis /Große Franksurterstratze 6ö (Restaurant Kemnitz) in der Zeit von 10— 1 und von 2— i Uhr durch den Nachweisvorsteher Baumgart. Darum. Genossen l Achtet auf die weitz-grüne Kontrollkarte und meidet jedes andere Geschäft. Gleichzeitig teilen wir mit, daß sich die Kollegen am 2. Feiertag in der Zeit von 9— 11 Uhr im Bureau Große Frank- furterstraße 6S zwecks Kontrolle zu melden haben. Nachträglich haben bewilligt die Firmen: Schietzsch, Reichcubergerstraße S1, Welle, Müllerstraße 12, B o n i n, Libauerstraße 14, und B u ck o w i ck i, Waldstraße 0. Verband Deutscher Barbier-, Friseur- und Pcrückcnmacher- gehülfen. Zjerlin. Doutrchca Reich. Ein Gewerkschaftsbeomter vor dem— Kriegsgericht! Wegen Vergehen gegen das Vereinsgesetz vom 11. März 18S0 stand angeklagt vor dem Breslauer Kriegs- gericht der elften Division unter Vorsitz des� Majors von Witt der jetzige Grenadier, frühere Maurer, Anton Stanke vom Grena- dier-Regiment 11 in Breslau. Die Anklage beschuldigt ihn, in seiner Eigenschaft als Vertrauensmann des Zentral- Verbandes der Maurer Teutschlands am S. Juli zu- folge einer Zeitungsnotiz im Makos chaucr Wald bei Zabrze ein« Versammlung unter freiem Himmel veranstaltet zu haben, ohne polizeiliche Anmeldung. Als Zeuge ward der Maurer Lorenz aus Altkosel vernommen, der angibt, der Angeklagte habe ihm einmal gesagt, demnächst werde eine Versammlung stattfinden, da solle er hinkommen, wo, wisse er noch nicht. Zeuge habe hinterher durch Erzählen erfahren, daß im Makofchauer Wald eine Versammlung stattgefunden habe. Ter Angeklagte wendet ein, es sei wohl möglich, daß er den Zeugen aufgefordert haben könne, zu einer Bc- sprechung in seiner Wohnung, aber nicht zu einer in Rede stehenden Versammlung unter freiem Himmel. Der Anklagevertreter, Kriegs. gericbtsrat Tschirschke, führt in seinem Plaidoper auS. es fei dargetan, daß am S. Juli tatsächlich eine Versammlung im Mako- schauer Wald stattgefunden, unter freiem Himmel abgehalten, wie ein Zeitungsbericht sage. Es sei wohl unglaubwürdig, daß Arbeiter, wie der Augeklagte behauptet, einen Redalteur reii gelegt und aus Scherz zum besten gehabt mit einem Bericht über die nicht statt. gefundene Versammlung. Er beantrage dreißig Mark Geld- strafe oder sechs Tage Haft. Der Angeklagte beantragt Frei- rechung, da kein« fragliche Versammlung stattgefunden. Wie der Verhandlungsführer, Kriegsgerichtsrat Willeke, bei der Ur Hon die 15 Prozent nicht bedingungslos betvillige. Das half. Die Direktion willfahrte der Forderung, und so unterblieb der Ausstand. Achtung, Metallarbeiter! In der rheinischen Maschinen- und Metallwarenfabrik(Ehrhardt) haben 00 Kartouichendreher die Kündigung eingereicht, weil sie sich eine Reduzierung des Akkordpreises von 20 auf 17 Pf. nicht gefallen lassen wollen. Der Zuzug von Drehern ist deshalb fernzuhalten. Auf dem Werk sind im ganzen 3300 Personen beschäftigt. Die Ortsverwaltung Düsseldorf des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes. Die Buchbinder in Aachen traten Ende vorigen Monats an die Unternehmer heran und forderten: neunstündige Arbeitszeit, für Spezialarbeiter 22, S0 M. Mindestwochenlohn, für sonstige Arbeiter je nach Alter 14— 21 M., für Arbeiterinnen 4.S0— 12 M., 50 bis 100 Prozent für lieber- und SonntagSarbeit. Eine gemeinsame Kommission des deutschen Buchbinderverbandes und des„christlichen" Verbandes für daS graphische Gewerbe wurde zur Leitung der Lohn- bewegung bestimmt. Dieser Tage kam es zur Unterzeichnung eines Tarifs auf folgender Grundlage: Der Lohn der Gehülfen beträgt in den fünf Jahren nach Beendigung der Lehrzeit 13, IS, 17, 19, 21 M Die den letzteren Lohn heute schon haben, erhalten fünf Pro- zent Zulage. Arbeiterinnen erreichen nach sechs Jahren 11 M. pro Woche. Ueberarbeit wird mit 2ö bis 50 Prozent, SonntagSarbeit mit 7S Prozent Zuschlag vergütet. Die Arbeitszeit beträgt ohne Pausen neun Stunden. Ter Tarif gilt drei Jahre. Die hier ver- einbarten Löhne bedeuten für Aachen, die vom Katholizismus völlig beherrschte Großstadt, einen Fortschritt. Außerhalb Aachen? werden sie als H u n g e r l ö h n e empfunden. Eine Tarisgcmeinschaft im Steindruckgewerbe. Der Vorstand des Vereins deutscher Steindruckereibesitzer, der in Leipzig seinen Sitz hat, war von der Prinzipalität verschiedener Druckorte aufgefordert worden, einleitende Schritte zur Schaffung einer über das ganze Reich hin gültigen Tarifgcmeinschaft zu tun. Tiefem Auftrage ist der genannte Vorstand nunmehr nachgekommen, indem er die Bildung einer Tarifkommission in die Wege geleitet hat, die aus allgemeinen Wahlen sämtlicher Gehülfen und sämtlicher Prinzipale hervorgehen soll. Neuerdings, hat der Verein auch an die Prinzipale die Aufforderung erlassen, sich auf Sonderver- Handlungen in Tarifangelegcnheiten nicht mehr einzulassen, sondern die etwa mit solchen Anträgen an fie Herautretenden Gehülfen an die demnächst zusammentretende allgemeine Tarifkommission zu ver- weisen. Ausgesperrt wurden die organisierten Zelluloid- und Stock- arbeiter bei der Firma Mendelfohn in Leipzig-Lindenau. Alle Ber- suche zur Beilegung der Differenzen sind von der Firma abgelehnt worden, weil sich genügend Arbeitswillige gefunden haben, um die Plätze der Ausgesperrten zu besetzen. Ueber den Betrieb ist die Sperre verhängt worden. tluelBia. Ein neuer Scharftnacherverband beginnt sich in der Schweiz zu bilden. Nachdem erst kürzlich die kleinen Meister von Basel, Zürich usw. sich fester zusammenschlössen, sind es jetzt eine Anzahl größerer Fabrikanten, die zur Gründung eines Trutzbündnisscs auffordern. Das Komitee versendet ein„ver- trauliches" Zirkular, dein aber unser Züricher Parteiorgan durch Veröffentlichung eine weitere Verbreitung verschafft. Die Komitee- Mitglieder scheinen ganz gelehrige Schüler ihrer größeren Meister von den Teuffchen Scharfmachcr-Verbänden zu sein; als Zweck des Ver- bandes wird da unter anderem angeführt:„Bei fruchtlosen Ver- Handlungen mit den Arbeitern kann oder soll die Aussperrung der- selben organisiert werden. Außerdem ist die Anlegung einer „Schwarzen Liste" vorgesehen zur Eliminierung aller aufrührerischen und hetzerischen Elemente unter den Arbeitern." Im Januar nächsten Jahres wollen die Herren zu einer Generalversammlung zusammen. treten.— Riem sieht, wie aus politischem, so wird auch aus Wirt- sck-astlichem Gebiete die Kluft zwischen den zwei Bevölkerungsklassen. den Besitzenden und den Besitzlosen, auch in der Schweizer Republik eine immer tiefere.__ Die Arbeiter am Tauerntunnel erzielten durch einen Ausstand eine, wenn auch nur geringe, Erhöhung der Löhn« und das Ber- sprechen auf baldigste Einführung des Achtstundentages. Tie Straßenbaljner in Winterthur(Schweiz) erzielten durch eine Lohnbewegung einen hübschen Erfolg. Tie städttsche Ber- waltung erhöhte die monatliche Besoldung folgendermaßen: für die Kontrolleure von 160 Frank im Minimum und 20S Frank im Maximum aus 190 bis 240 Frank, für die Wagenführer von 130 bis 154 Frank aus 150 bis 130 Frank, für die Kondukteure von 120 bis 142 aus 125 bis 170 Frank, für die Bahnwärter von 110 bis 130 aus 120 bis 140 Frank. Tie tägliche Arbeitszeit im Depot be- trägt zehn Stunden, die alten Diensttleider werden den Inhabern überlassen, nach zweijähriger Dienstzeit werden sechs-, nach zehn- jähriger vierzehntägige Ferien jedes Jahr gewahrt. Für Ueber- stunden wird ein Lohnzuschlag von 25 Prozent, für Nachtarbeit von 50 Prozent bezahlt. Die Buchbinder in Winterthur erzielten durch eine Lohnbewegung eine Reduttion der Arbeitszeit von 10 ans 9M, Stunden bei den bisherigen Verdiensten. Die belgischen Gewerkschaften treten zu Weihnachten in Brüssel zu ihrem Jahreskongreß zusammen. Auf der Tagesordnung stehen einige sehr wichtige Puntte. so die Verkürzung der Arbeitszeit: Be- seitigung des Artikels 310 des belgischen Strafgesetzes(dieser Ar- tilcl entspricht etwa dem§152 des deutschen Strafgesetzes); das Gewerbcgerichtsgesetz; der obligatorische Schulunterricht usw. Man sieht, es sind zum Teil politische Frage,,, ivelche aus dem belgischen Gewerlschastskongreß. verhandelt werden. Bezüglich der Schule wird dem Kongreß eine Resolution unterbreitet werden, in welcher die Einführung des obligatorische» Schulunterrichts für das ganze Königreich gefordert wird. Dieser soll vom sechsten bis zwölften Lebensjahr« nack Ablauf von fünf Jahren vom sechsten bis vier- zehnten Lebensjahre dauern. Hiera» soll sich ein obligatorischer Fortbildungs-Schulunterricht für die jungen Leute bis zum acht- zehnten Lebensjahre schließe»; in der Fortbildungsschule soll halb theoretischer, halb getverbl icher Fachunterricht erteilt werden. Schließ- lich wird die Einführung von Schulkantinen gefordert. Tie ausständigen Erdarbeiter der Untergrundbahn zu Paris haben infolge teilweiser Erfüllung ihrer Forderungen die Wieder- ausnähme der Arbeit beschlossen. Letzte IVacbncbtcn und Depefeben. postenstchcn auf jeden Fall zu verhinderu, und zweitens die gewonnen, sondern ihm sei es zweifelhaft, ob die Makofchauer Per „Bcrgarbeiterschuy". Essen a. d. Ruhr, 22. Dezember.(SB. T. B.) Die Siebener- ___________________.-------- kommisswn beschloß, gegen den ablehnenden Bescheid des Ober» teilsverkünt-ung ausführte, hat das Gericht nicht die Ueberzeugung bergaiiiteS Dvrtniiind auf ihren Eiusprucb gegen die neue Arbeits» �»rduung beim Minister Beschwerde zu erheben. eigene Erwägung des Schiitzinannes, daß es bei Schluß der Fabrik gegen 6 Uhr abends zu Reibereien mit Arbeitswilligen und zu Störungen kommen könnte. Die Betveiserhebung habe ergeben, daß der Befehl des Reviervorstandes bcrech- tigt(!) gewesen sei und der Schutzmann mit Recht(!) ein- geschritten sei, nachdem es vorher dort schon einmal zu Streitigkeiten zwischen Streikposten und Arbeitswilli- gen gekommen wäre. Zweifellos erscheine die Aufforderung als„zur Erhaltung der Ruhe, Beqnemlichkeit und Sicherheit" (vcrnlutlich des beschützten Arbeitgebers. Red. d.„Vorw.") ergangen. sammlung stattgesunden habe." Dem Gericht sei das Zeugnis des Lorenz nicht ausreichend, es konnte aus ihm nicht recht klug werden, ob der Angeklagte ihn zu dieser Versammlung aufgefordert, es Gegen dir neuen Stcucrpläne. ..I M..„. Nürnberg, 22. Dezember.k. Hierzu 4 Beilagen n.Unterhaltnngsblatt i�oo. i. Dtjjllge des LllmSrts" Kerlilm Wldsdlatt. �«�23?.!.«.»..�. Em der Partei. Partei und Gewerkschaft. Die„Rheinische Zeitung" schreibt unter Bezugnahme auf die Protestresolution des Kölner Zweigvereins des Verbandes der Bau- und HülfSarbeiter gegen die Haltung ihres Gewerkschafts- orgcms im„Borwärts"-Koiiflikt: Es geht uns nicht darum, zu untersuchen, ob der„Bau- HülfSarbeiter" diesen Rüffel verdient hat. Wir wollen nur bei dieser Gelegenheit den Finger auf«inen wunden Punkt mancher Organisationen legen, darunter solcher, die die Zusammengehörigkeit von Partei und Gewerkschaft gerne mit Nachdruck betonen. Selbst- verständlich sind in einer regulären Versammlung der Kölner Ban- und Erdarbeiter nicht alle 2000 Mitglieder anwesend. Nehmen wir aber an, jene Versammlung, die die Protestresolution au- genommen hat. sei eine kleine von vielleicht hundert Personen besuchte Sektionsversammlung gewesen: Wieviel von den Protestierenden haben für sich die Schlutzfolgerungen aus ihren Anschauungen über das Verhältnis von Partei und Gewerkschaft gezogen? Wieviel von ihnen halten die„Rheinische Zeitung", wie viele gehören dem sozialdcniokratischen Verein an? Wir befürchten, daß da mancher milprotestiert hat, dessen Verhältnis zur sozialdemokratischen Partei bisher lediglich in einer unverbind- lichen Zuneigung und in der Stimmabgabe bei Wahlen bestanden hat. Und solcher Sozialdemokraten wird man in allen Gewerk- schasten sehr viele antreffen können. Wenn der Generalstreik als Mittel zur Erringung oder zur Verteidigung politischer Rechte jemals Aussicht auf Erfolg haben soll, so muß jeder einzelne Gewerkschaftler zu einem klassenbewußten und klar- denkenden Kämpfer erzogen werden. Das kann aber niemal« geschehen, so lange viele Tausende gewerkschaftlich organisierter Arbeiter den für die Arbeiterklasse ungemein wichtigen politischen Fragen sozusagen teilnahmslos gegenüberstehen, so lange sich ihre Organisationszugehörigkeit in der bloßen Beschäftigung mit Lohn- und Arbeitszeitfragen äußert und sie die politische Organisation und das Parteiblatt nur dem Namen nach kennen. Wer nicht seine ganze Kraft einsetzt, hier Wandel zu schaffen, der schweige hübsch still vom Generalstreik, denn er wird ihn niemals erleben. Danir schreibt das Kölner Parteiblatt iii bezug auf den von uns aus dem„Bau- und HülfSarbeiter" abgedruckten kleinen Aufsatz des Genossen Fröhlich:„Was ist Revisionismus?": Daß eine einigermaßen genaue Kenntnis der sozialistischen Bewegung selbst vielen bereit« der Partei angeschlossenen Arbeitern noch abgeht, dafür liefert der Kölner Beamte der Bau« und Erd- arbeiter einen trefflichen Beweis. Er hat kürzlich in der Zeitung seines Verbandes eine nette Zusammenstellung von Ansichten über Revisionismus und Revisionisten gegeben. Nicht etwa seine eigenen Ansichten lvollte er damit wiedergeben, sondern eine Blutenlese dessen, waS man„im Volksmunde" als Merkmale der Revisionisten betrachte. Und diese Zusammenstellung ergab eine Verworrenheit der Anschauungen, die klärlich zeigte, daß es auch unter den für die Partei bereits Gewonnenen»och viele gibt, die in die sozialistische Gedankenwelt und die sozialdemokratischen Parteiverhältnisse erst noch eingeftihrt werden müssen. Wenn, wie cS der Kölner Beamte der Bau- und Erdarbeiter schildert,„im VolkSmunde" solche Leute als Revisionisten gelten, die etwa nicht gerne Beiträge für die politische Organisation bezahlen oder in ihrer Gewerkschaft nicht das Parteiblatt empfehlen wollen, so ist daS der beste Beweis für den völligen Mangel an theoretischer und parteipolitischer Schulung. Früher nannte man solche Drücke- berger oder Leisetreter auf gut deutsch faule Köppe. Daß man sie einmal Revisionisten schimpfen werde, wird sich Herr Alsred Nossig, dessen„Revision de« Sozia lisimt«" da« häßliche geflügelte Wort geprägt hat, schwerlich haben träumen lassen. Wir glauben, daß die„Rheinische Zeitung" mit den obigen Aus- führungcn nicht sowohl den Verfasser des hübschen und witzigen MoincntbildcS des Revisionismus, wie vielmehr diesen letzteren selbst trifft.„Der völlige Mangel an theoretischer und parteipolitischer Schulung", die„Verworrenheit der Anschauungen" sind nun einmal Tciläußcruiigcn dcS Revisionismus, wie er ja auch tatsächlich in allen möglichen Farben schillert. Vertreter-dieser Richtung„faule Köppe" zu nennen, sollte sich jedoch unseres ErachtenS verbieten aus Rücksichten auf den„guten Ton". Sozialdemokratie und RepublikaniSmuS. „Zu Hofe gehen" soll und muß jeder, der im Bureau einer Volksvertretung sitzt: daS ist im Seniorenkonvent der hessischen K a in in e r erklärt worden. Die Sozialdemokraten sollten einen Schriftführer stellen dürfen, wenn sie erklären würden, daß sie die ,. verfassungsmäßigen" R c p r ä s e n t a t i o n s p f l i ch t e n zu über- nehmen sich bereit erklären würden. Der Abg. Ulrich erklärte rund und bündig, daß er aar keine derartige Erklärung abgebe und die dahin- gehende Zumutung einfach für sich und seine Fraktion zurückweisen müsse, Dr. Heidenrcich verlangte nicht bloß, daß der sozialdemokratische Schriftführer die Repräsentation im Schloß mitmacht, er fordert vielmehr, daß er auch bei Hofe auf den Großherzog mit- ho che und seine Partei veranlasse, bei diesen Hochs ebenfalls mitzumachen und nicht den Saal zu verlassen. Ulrich erklärte den Herren, daß er sich eine derartige Zumutung verbitten müsse, daß er eine Beleidigung in derselben sehe und dem Herrn Heidcnreich, wenn er dieselbe an einer anderen Stelle aussprechen würde. eine keineswegs parlamentarische Antwort erteilen würde. Pennrich fand die Forderungen Hcidenreichs, daß man die Wahl eines Sozialdemokraten als Schriftführer davon abhängig machen wollte von der Teilnahme der Sozialdemokraten am Hoch auf den Großherzog, für eine zu starke Zumutung, während der Herr v. Brentano diese Zumutung gar nicht als Beleidigung auf- fassen zu können erklärte, vielmehr meinte, da unsere StaatSform nun einmal monarchisch sei und die Sozialdemokraten alle Wohl- taten derselben mit genießen könnten, so seien ste eigentlich auch verpflichtet, durch das Hoch diese Staatsform anzper- k e n n e ir. Genosse Ulrich erklärte darauf, die Auffassung Brentanos müsse er zurückweisen. Er sei als Republikaner gewählt und werde keinen AugenblickZweifel darüber auf- kommen lassen, daß er der Alle geblieben. Die, Folge war. daß kein Sozialdemokrat in da? Bureau gewählt wurde. Unsere hessischen Genosien werden diesen Schmerz zu tragen wissen!_ In Holland werden am 22. Januar 1906 in allen großen Siädien Versamiknlungen zum Andenken an die Petersburger Straßenschlacht veransta ltet werden. Das frühere Organ der japanischen Sozialdemokratie, Shokugen, das durch die Regierung verboten wurde, ist jetzt durch eine neue Wochen schrift ersetzt: Der H i k a r i(Das Licht). Die erste Nummer erschien� am 1. Dezember._ Dass komuniuiftische Manifest unter Anklage. Wegen vermeint- li'cher Aufreizung zu Gewalttätigkeiten ist die Genossin Nostt Lu�xtlubnrg vor dem Amtsgericht Berlin II verantwortlich ver- nommeif. worden. Die Siaatsanwaltschaft zu Weimar glaubt in der Red,«, die Genossin Luxemburg auf dem I e n e n s e r Partei- tag zmz; Frage des Massenstreiks gehalten hat, insbesondere in dem Zitat aifiS dem koinniimistischen Manifest eine strafbare Aufforderung verschiedener Klassen zu Gcivaltlätigkeilen gegen einander entdeckt zu haben.£ Sächsische Gcmeindrwahlrn. In Portitz bei Leipzig wurden zum ersten Äiale unsere Genossen in den Geinemderat gewählt. Sie er» hielten 1421 Stimmen, die Gegner nur 2. I Ein alter, treuer Parteigenosie ist am Montag in Neumünster (aus den Reihen des kämpfenden Proletariats geschieden. Der Ge- nosse H i n r i ch Reimers war schon während der Zeit des Sozialistengesetzes für unsere gerechte Sache erfolgreich tätig. "Mehrere Male wurde er gemaßregelt, was für seine zahlreiche Familie nicht besonders angenehm war. Aber alles das konnte seinen Mut und seine Begeisterung für unsere Sache nicht brechen. In den letzten Jahren trat er wegen seines hohen Alters etwas auS der Oeffcntlichkeit zurück. Die Parteigenossen werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. polieeUld,«». Sericfftlleki«» ukw. Unfreiwillige Komik. Der sozialdemokratische AgitationS- kalender 1906„ O st p r e u ß i s ch e r L a n d b o t e" ist vor kurzem an fast 2000, dem Partei-Sekretariat für Ostpreußen zur Verfügung stehende Adressen portoftei zur Verbreitung versandt worden. Einem der Adressaten konnte der Postbote das Paket nicht in seiner Wohnung aushändigen, weil derselbe inzwischen seinen Ausenthalt unfreiwillig nach dem Jnsterburger GerichtSgefängniS verlegt hatte. Der pflichttreue Postbote vermerkte dieses auf dem Paket und die Postbehörde sandte es an den Adressaten im Gefängnis. Dort wurde nun das Paket geöffnet und sein Inhalt geprüft. Neben 12 Exemplaren des Kalenders befand sich auch darin ein gedrucktes Zirkular mit diesem Inhalt: Wir übersenden Ihnen hier eine Anzahl des so fehnlich er- warteten Kalenders zur Verteilung an die Landarbeiter, Hand- werker und Kleinbauern. Da unsere Gegner alles mögliche ver- suchen werden, die Verbreitung des Kalenders zu verhindern, so bitten wir auf folgendes zu achten: Der Kalender muß sofort nach seiner Ankunft, womöglich an demselben Tage, unentgeltlich ver- teilt werden usw. Sollte die Sendung nicht ausreichen, dann schreiben Sie uns doch schnell, wie viele Kalender Sie noch brauchen. Mit der Bitte, für schnelle und gründliche Verteilung des Kalenders zu sorgen, zeichnet mit freundlichem Gruß „Der Verlag des Ostpreußischen Landboten". Entweder befürchtete nun die Gefängnisverwaltung, der im Gefängnis sitzende Arbeiter könnte die in diesem Zirkular enthaltene Anweisung zur Verbreitung im Gefängnis prompt befolgen, unter anderem, wenn die Sendung nicht ausreicht, mehr verlangen; oder schien es der Jnspeltioir zu gefährlich, die Kalender mit ihrem auf- rührerischen Inhalt so lange in ihren Räumen aufzubewahren, bis der Inhaftierte in Freiheit war. Kurz, der Verlag des„Ost preußischen Landboten" erhielt die Sendung zurückgeschickt mit einem Schreiben, in dem es wörtlich heißt: Da gemäß ß 84 der Gefängnisordnung vom 21. Dezember 1898 Gefangene, welche Gefängnisstrafe verbüßen, Bücher und Schriften nur aus der Sammlung des Gesang- n i s s e s entnehmen dürfen, und da nach Lage der Sache zur Bewilligung einer Ausnahme von dieser Vorschrift im vorliegenden Falle kein Anlaß gegeben ist, sende ich Ihnen beifolgend die 12 Kalender und das gedruckte Anschreiben zurück. Der Gefäugnisvorsteher. Hecht, _ Geheimer Justizrat. Wegen Beleidigung der Offiziere des preußischen Heeres durch Abdruck eines Artikels auS der„Leipziger Voikszeitung" ist am 4. Mai vom Landgerichte Naumburg der Redakteur der„Tribüne", Otto Michaelis in Erfurt, zu einem Monat Gefängnis ver- urteilt worden, nachdem das Reichsgericht ein freisprechendes Urteil des Landgerichts Erfurt aufgehoben hatte. Die vom Angeklagten gegen das neue Urteil eingelegte Revision wurde vom Reichs- gerichte verworfen.— Berworfrn wurde auch die Revision gegen das Urteil des Landgerichts Bochum vom 16. Mai, durch welches der Redakteur des„VolkSblaiteS", Nikolaus Li nx Weiler, von der Anklage der Beleidigung des PollzeikoinrnisfarS F. in Witten freigesprochen worden ist._ Soziales. Zur Rechtlosigkeit de« Gesindes. Unser Bremerhavener Bruderblatt(„Norddeutsche BolkSstimme") berichtet über folgenden Fall aus dem Kreise NcuhauS a. d. Oste, der geeignet ist. die a u s n a h in e r e ch t l i ch e Stellung, in der sich da« Gesinde befindet, zu illustrieren. Die Angelegenheit betrifft einen Knaben im jugend- lichen Alter von kaum 14'/, Jahren. ES ist der Sohn der in Warstade wohnenden Witwe Ciballa. Die Mutter hatte den Jungen zum Hofpächter W i l h. R a m m zu Elbdeich. Gemeinde Belum, vcnnietei, und zwar für die Zeit von Ostern 1905 b i S 1. November 1905. Der Lohn betrug 65 M. jährlich. Während der Junge noch in Dienst war, erklärten in Amerika lebende Ver- wandten desselben sich bereit, ihn auf ihre Kosten nach dort komnien zu lassen. Alle Vorbereitungen dazu wurden getroffen und am 1. November verließ der Junge daher denn auch den Dienst. Der Hofpächter Ramnr wollte ihn zwar nicht ziehen lasse>l, ja er behauptete sogar, der Junge habe sich weiter bis zum 1. November 1906 bei ihm vermietet. Die Mutter des Knaben ließ sich jedoch darauf nicht ein, hatte der letztere selbst doch gar kein Recht, sich zu vermieten, da die Mutter ariSdrücklich nur bis zum l. November 1905 die Genehmigung zur Dienstleistung gegeben hatte. Sie, die Mutter, war über diese angebliche Weiter- Vermietung absolut nicht gefragt worden. Zudem war das Billetr für die Fahrt nach Amerika eingetroffen, so daß von einem Weiterdienen nicht die Rede sein konnte. Den weiteren Verlaus der Sache ergeben ein paar landrätliche Verfügungen, die hier wortgetreu abgedruckt werden mögen. Der Landrat J.-Nr. 12091. Neuhaus a. d. O., den 10. November 1905. Nach einer Anzeige des Fußgendarmen Wulf zu NcuhauS a. d.O. vom 3. November 1905 haben Sie Ihren Dienst bei dem Hof- Pächter Wilhelm Ramm zu Elbdeich, Gemeinde Belum, am 1. No- vember 1905 ohne gesetzlichen Grund verlassen, obwohl die Dienst- zeit erst am 1. November 1906 abläuft. Sie werden daher hiermit, auf Grund des§ 182 des Gesetzes über die allgemeine LaiideSverwaliung, vom 3. Juli 1883, aufgefordert, binnen 3 Tagen, nach Empfang dieser Verfügung, Ihren Dienst bei Ramm wieder anzutreten, widrigenfalls eine Geldstrafe von 30 M., an deren Stelle im Unvermögensfalle eine Hast von 3 Tagen tritt, gegen Sie festgesetzt werden wird An Unterschrift. den Dienstjungcn Karl Ciballa, zu Warstade, bei den Eltern. Da der Junge der Auffordernna dieser Verfügung nicht nach- kam, erhielt er folgendes Schriftstück: Der Landrat J.-Nr. 12816. Neuhaus a. d. O., den 23. November 1905. Da Sie meiner Aufforderung vom 10. November 1905— J.-Nr. 2091— Ihren ohne gesetzlich zulässigen Grund verlassenen Dienst bei dem Hofpächter Wilhelm Ramm zu Elbdeich. Gemeinde Belum, binnen 3 Tagen wieder anzutreten nicht iiachaekomnien sind, sq wird die angedrohte Strafe von 30 Mark eventuell 3 Tagen Hast hiermit gegen Sie fest- gesetzt. Den Strafbelraj; von 30 Mark haben Sie binnen einer Woche vom Tage der Zustellung dieser Verfügung an gerechnet kostenfrei a» die königliche Kreiskasse in Olterndorf abzusenden. Gleichzeitig gebe ich Jljnen nochmals auf, Ihren Dienst bei Ramm nunmehr binnen zwei Tagen vom Datum der Zustellung dieser Verfügimg an gerechnet, wieder anzutreten, widrigenfalls eine Geld st rase von 50 Mark eventuell 5 Tagen Haft gegen Sie festgesetzt werden wird. Unterschrift. An den Dienstjungen Carl Ciballa, zu Warstede, bei den Elte«». Der Junge hat den Dienst bei dem' edlen Hofpächter auch jetzt noch nicht angetreten, gegen die Strafbefehle bielmehr gerichtlichen Einspruch erhoben. Hat die Mutter ihr Kind lediglich zu dem von ihr abgeschlossenen Jahresdienst ermächtigt, so kann auch gegenüber dem Gestnderechi von einem Weiterbestehen des Gesindcvertrages leine Rede sein. Aber auch wenn der Vertrag in vollem Umfange auch über den 1. November 1905 zu Recht bestände: welche Ungeheuerlichkeit liegt darin, daß das Gesetz die Festhaltung eines jungen Menschen an dem Dienste als Dienstjungen ermöglichen will, wiewohl dem Jungen eine gute Gelegenheit zum besseren Fortkommen gegeben ist und die Mutter mir dem Mitverdiene» im Interesse des Jungen nicht einverstanden ist. Diese Ausbeutung eines Kindes und Fortreißen aus der Familie nennt der Agrarier: Hochhaltung der Familie und Familienbande. Ferner: bei jedem anderen Dienstverhältnis ist es unstatthaft und im Interesse der persönlichen Freiheit und der Gesellschaftsordnung durch ß 888 der Zivilprozeßordnung auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion einhellig im Reichstage verboten, eine Rückkehr in den Dienst ge- richtlich zu erzwingen. Das Gesinde soll wie ein Sklave durch Polizeizwang in den Dienst zurückgeführt werden können. Wir halten zwar diese Vorschrift, trotz des leider noch landesgesetzlichen Charakters des GeflnderechtS, für unzulässig. In der Praxis wird aber so wie vom Neuhauser Landrat versucht verfahren. Strafen, die gar den I a h r e s l o h n des Gesindes übersteigen, werden an- gedroht, falls es nicht in die Sklaverei zurückkehrt. Und über- dies droht dem Gesinde in den altpreußischen Provinzen gar noch Gerichtsstrafe auf Grund des Gesetzes vom April 1854. Die endliche Beseitigung der Ausnahme- gefetze gegen das Gesinde ist dringend erforderlich. Wie würden die Agrarier aufschreien, wenn ihnen wegen Nichteinhaltung eines Vertrages— z. B. Nichtbezahlung der Weinrechnungen oder der Hypotherenzinsen— Polizei- und Gcrichisstrafe aufgebrummt werden köimte I Mit Fug und Recht würden sie eine Gesetzgebung, die das zuläßt, die eine Schuldhaft wieder einführen würde, alS eine rückständige, die Freiheit des Einzelnen und die Wohlfahrt der Gesamtheit mitergrabende bezeichnen. Und da wundern sich die Herren noch über Leute not! Abschaffiiug der Sonntagsarbeit in der Glasindustrie. Jahraus, jahrein wird im Reichstag von sozialdemokratischer Seite die Beseitigung der Sonniagöarbeit für die Glasindustrie auS hygienischen Gründen gefordert. Bislang wurden allerlei Einwendungen dagegen erhoben. Nunmehr dringt auch in Unternchnrerkreise immer mehr die Erkenntnis von der Notwendigkeit der Sonntagsruhe. So hat die Handelskammer in KottbuS an die Regierung eine Eingabe ge- richtet, in der sie um Abschaffung der Sonntagsarbeit in der Glas- industrie ersucht. Ueber die Folgen der SonntagSarbeit für die Arbeiter heißt eS in der Eingabe: „Es muß betont werden, daß in diesen Kreisen schon seit einer ganzen Reihe von Jahren der Wunsch»ach Beseitigung der Sonn- iagsarbeit besteht. Dazu kommt, daß es überhaupt von Jahr zu Jahr schwerer wird, für die Glasindustrie die erfordc-- lichen Arbeitskräfte, insbesondere die jugendlichen Arbeiter, in ausreichendem Maße zu erhalten. Die Arbeit an Glasöfe» ist schwer, deshalb sollte man dem Arbeiter, der sechs Tage in der Woche angestrengt au dieser Stelle tätig gewesen ist, den Sonntag als Ruhetag gönnen. ES liegt bei dem angegebeiieir Charakter der Arbeit in der Glasindustrie auf der Hand, daß sie keinen Anreiz für die jungen Leute bietet, sich ihr zu widmen. Tat- sächlich macht man in unserem Bezirk die Beobachtung, daß es den Zwischenmeistern immer schwerer fällt, für die Arbeit junger Leute als Einträger oder Külbelmacher jederzeit ausreichende Arbeitskräfte zu erhalten. Eine Folge dieser Verhältnisse ist der fortwährende Wechsel und das kllndigungSlose Verlassen der Betriebe seitens dieser jugendlichen Arbeiter." Rücksichtlich der Einwirkung des Verbots der SonntagSarbeit auf die Produktionsverhältnisse führt die Eingabe aus: „WaS den Einfluß der Beseitigung der SonntagSarbeit auf die Produktion betrifft, so ist eS theoretisch zweifellos richtig. daß das in den Betrieben angelegte Kapital am besten durch eine ununterbrochene Ausnutzung der B etri e bseinrich tunge» verzinst wird, weil dadurch die Produktion und damit auch die Ren- tabilität entsprechend zunimmt. Praktisch stellt sich aber die Frage ganz anders. Solange menschliche Kräfte in einem Betriebe verwendet werden, tritt bei diesen nach einer gewissen Zeit das BedürftiiS nach Ruhe und Erholung ein, dies umsomehr, wenn die Arbeit wie bei der GlaS- bläserei schwer und anstrengend ist. Wird die Ruhe nicht ge- währt, so suchen sich die Arbeiter an den Sonntagen besonders Genüsse zu verschaffen. Damit stimmt die Erfahrung aus der Praxis üvercin, daß gerade an den Sonntagen trotz scharfer Auf- ficht mehr als an den anderen Tagen der Wochen Alkohol in die Glashütten eingeschmuggelt wird. Die Folge davon sind Mangel« hafte Arbeit und fehlerhaste Stücke, deren Zahl erfahrungsmäßig gerade an den Sonntagen eine» besonders großen Umfang an- niinnri und später seitens der Abnehmer zu Beanstandmmcii führt."_ Das Spreuiberger Eisenbahnunglöck vor Gericht. Die Verhandlungen vor der Kottbuser Strafkammer über das Eisenbahnunglück kurz vor der Haltestation Schleife bei Spremberg, über deren Beginn wir in der DonnerStag-Nummer berichteten, hatten folgenden Verlauf. Angeklagt find: 1. der aus der Untersuchungshaft vor- geführte 41 Jahre alte Eisenbahnassistent Gustav Arthur StullghS aus Spremberg; 2. der Weichensteller Paul Oswald Wiedemann aus Schleife, 45 Jahre alt; 3. der Weichensteller Karl Gustav Schmidt aus Spreniberg, 45 Jahre alt. Sämtliche Angeklagte sind bisher unbestraft. Nach dem Anklagebeschluß der Strafkammer werden alle drei Angeklagte der fahrlässigen Tötung in Jdealkonkurrenz mit TranS- portgeführdung durch Vernachlässigung der ihnen obliegenden Pflichten beschuldigt.(§§816, 319, 222, 73 des R.-Str.-G-B.) Als Verteidiger fungieren die Rechtsanwälte Reuscher, Hammerschmidt, Spittel und Rosenthal von KottbuS. Das Unglück hatte sich am 7. August d. I. um 5 Uhr 50 Min. nachmittags auf der Strecke Berlin— Görlitz, etwa zwei Kilometer von Spremberg entfernt, vor der Haltestation-Schleife durch Zu- sammeiistoh des von Berlin kommenden Schnellznges 113 und des von Görlitz kommenden Nachzuges zum Schnellzug 112 ereignet. An der Unfallstelle beschreibt die eingleisige Strecke eine scharfe Kurve. Ein dichter Wald zu beiden Seiten ermöglicht hier den AuS- blick aus nicht weiter als 200 Meter. Den Stationsdienst in Spremberg hatte Stnllgys. den in Schleife Wiedemann und den der nächst der Unsallstelle gelegene» Endweichenstellerbude II der An- geklagte Schmidt. Allgemein interessiere» dürste dasPublikum, in welcher Weile der Sicherheitsdienst geregelt ist. Die nach ß 24 der Vor- schriflen für den Telegraphendienst in Frage kommenden Zug- meldestatioiien wäre» Bagenz— Kottbns, Spremberg und Schieise. 9ie Zugmeldestation hat nach der Regelung des Sicherheitsdienstes bevor ein Zug ab- oder durchfahren darf, der in der Fahrt- richtung vorwärts liegenden nächsten Meldestation telegraphisch den Zug anzubieten(„Wird Zug X angenommen?") und das Annehmen des ZugcS� abzuwarten(„Nehme Zug X an" oder„Zug X tnufe warten"). Trifft ein Zug ein, so ist das der zurückliegenden Station unter Angabe der Ankunftszeit zu melden. Läßt die Station den Zug weiterfahren oder durchfahren, so ist das der nächsten vorliegenden Station unter Zeitangabe zu melden. Auf Station Spremberg befindet sich ein Morse-Apparat für die Zug- «eldeleituug mit zwei Umschaltern nach jeder der beiden Richtungen der Strecke und zwar für Vagenz in der Richtung»ach Berlin und für Schleife in der Richtung nach Görlitz. Außerdem aber darf der Befehl zur Ab- oder Durchfahrt auf der Station erst gegeben werden, wenn das Eintreffen des vorher abgegangenen Zuges von der nächsten Station gemeldet worden ist. Am 7. August d. I. hatte infolge des starken Ferienverkehrs vom Riesengebirge nach Verlin der Schnellzug 112 3l) Minuten Verspätung. Das war von Görlitz aus den Stationen gemeldet worden und es wurde die sonst in Bagenz vorgesehene Zugkreuzung der Züge 112 und 113 nach Spremberg verlegt, was auch ordnungsmäßig geschah. Die Kreuzung des von Berlin kommenden Zuges 113 mit dem Nachzuge 112, die in Spremberg stattzufinden bat, sollte auf eine Station nach Görlitz zu verlegt weiden. Diese Maßregel wurde aber in Spremberg und Schleife übersehen. Schnellzug 113 wurde um 5 Uhr 48 Minuten Von Spremberg, Nachzug 112 um 5 Uhr 42 Minuten von Schleife abgelassen, sodaß beide in rasender Fahrt befindlichen Schnellzüge auf der eingleisigen Strecke aufeinanderprallen mußten. Die Dienstobliegenheiten des Angeklagten S t u l l g y S waren außerordentlich große. Nach d e m U n g l ü ck s f a l l sind mehrere Erleichterungen für den Dienst vorgenommen..Angeklagter hatte auf dem Bahnsteig Güter- und Personenzüge ab zufertigen, die Züge abzumelden und anzubieten, den Dienst zeitweilig tele- graphisch zu bedienen, Fahrkarten zu verkaufen und auch die Gepäckabfertigung zu besorgen. Er war für den Fahrdienst, für den Telegraphendienst und für die Fahrkartenausgabe verantwortlich. Angeklagter hatte am Tage vor dem llnglückstage keinen Dienst. Am Unglückstage, dem 7. August, sollte er um 1 Uhr mittags den Dienst antreten, trat ihn aber erst um 3 Uhr 46 Minuten an. Er war Wochen lang vor dem Unglück in gedrückter Stimmung, weil eine Hypothek seiner Frau in Höhe von 6400 M. auszufallen drohte, wenn er nicht die Hinterlegung einer gleich großen Summe be- wirkte. Die Beschaffung dieser Summe machte ihm Kopfschmerzen. Am Abend des 6. August gelang es ihm, von einem Bekannten die Zusage zu erhalten, daß das Geld für ihn bereit stehen würde. Die Nacht darauf hat Angeklagter gekneipt und gespielt und wenig ge- schlafen. Die meisten Zeugen bekunden, daß er wohl übernächtigt, nicht aber angetrunken gewesen sei. Einige wollen bei seiner An- kunft in Spremberg Angetrunkcnheit bei ihm bemerkt haben. An- geklagter wendet ein, er habe nicht gewußt, daß ein Nachzng zu Zug� 112 verkehre. Die Frage des Vorsitzenden, ob er im Amtsblatt gelesen habe, daß seit dem 27. Juli täglich ein Nachzug 112 verkehre, bejaht er, meint aber, daß er dies vergessen habe. Die Anklage behauptet und der Vorsitzende unterstützt diese Behauptung, daß schon in dem Vergessen des täglichen Verkehrs des Nachzuges eine grobe Pflichtverletzung liegen würde. Angeklagter legt dar, daß der Fahrplan häufig schnell verändert werde und der Fahrdienstleiter sich nur auf telegraphische Meldung stützen könne. Gepäckabfertigung, Fahrkartenaiigelegenheiten und auch Privatdepeschen mußten und zwar oft zwischen der Zngabfertigung durch ihn erledigt werden. Angeklagter hat an dem kritischen Tage die Umschaltung falsch bewirkt und den Unglückszug 113 statt nach Schleife nach Bagenz angerufen. Als er den Zug 113 nach Schleife abgelassen hatte, wurde er an- gefragt, wo bleibt Nachzug. Er erwiderte, von Nachzug weiß ich nichts, lief dann schnell hinaus, um zu sehen, ob Zug 1l3 noch zu erblicken sei. da kam schon von der Strecke das Alarmsignal. Nach den in der Verhandlung vorgelegten Morsestreifen(Streifen der Telegraphenämtcr) ist Nachzug 112 aber in zwei Worten nach Zug gemeldet. Angeklagter will Nachzug nicht gelesen haben. Beim Zug 113 war die Kreuzung mit dem Nachzug 112 zu verlegen. Der Zug durfte nicht abfahren, wenn der Zugführer nicht den Kreuzungsbefehl erhalten hatte. Die Anklage behauvtet, Angeklagter habe ein Papier hochhaltend den Lokomotivführer zugerufen, der Kreuzungsbefehl ist da. Der Zugführer selbst ist bei dem Unglücksfall getötet, Angeklagter bestreitet entschieden gesagt zu haben, der Kreuzungsbefehl ist da. Vom Nachzuge habe er nichts gewußt, sonst hätte ja auch der Zug 112 hinten eine grüne Scheibe haben müssen. Auch der Zugführer 112 hätte ihn darauf aufmerksam machen müssen. Eine andere Möglichkeit, außer dem Alarmsignal, das Angeklagter gab, bestand nicht, um den Zug zum Stehen zu bringen. Insbesondere gab es keine e l e k t r'i s ch e n H a l t e- s i g n a l e auf jener Strecke. Angeklagter erklärt, auch wenn nur ein Strecke n telephon bestanden hätte, würde ich den nächsten Wärterposten benachrichtigt und wenigstens einen Zug aufgehalten haben. Angeklagter behauptet ferner, die Annahnicstation Schleife hätte den Zug 113, als er ihn anbot, ablehnen müssen. Weil Wiedemann (Station Schleife) dies nicht tat, ist auch er zur Verantwortung ge- zogen. Schleife bot den Zug 112 wieder an. Die Anklage meint, es wäre doch Unsinn, den Zug wieder anzubieten, wenn er schon durchgewesen wäre, ja vom Angeklagten schon weiter abgelassen wäre. Angeklagter erklärt das dahin, daß dies Anbieten oft vorkomme. Er habe es nur als Rückmeldung für das Eintreffen von 112 nach Schleife gehalten. Nach dem Unfall eilte Angeklagter sofort zur Unfallstelle. Später trug er die Daten der Ankunft und der Abfahrt ein, die Daten selbst sind nicht zutreffende. Der Dienst ging wochenweise. In der ersten Woche hat der Angeklagte von 6 Uhr früh bis 2 Uhr nachmittags, in der zweiten von 12 Uhr mittags bis 1 Uhr nachts und in der dritten Woche Nacbtdienst von abends 7 Uhr bis morgens 6 Uhr, am Ende der Woche war dann der volle Tag dienstfrei. Dieser dienstfreie Tag fiel auf den 6. August. Angeklagter bestreitet ent- schieden, angetrunken gewesen zu sein. Sein Verteidiger Reuschcr weist auf zivei Widersprüche der Dienstvorschristen hin. Nach K 17 der Signalordnung darf der Stationsleiter den Bahnsteig nach Abfahrt des Zuges nicht mehr verlassen. Nach der Telegraphen- ordnung hat er aber die An- und Abmeldung der Züge selbst zu besorgen. Der Angeklagte Wiedemann hatte am 7. August von früh 7 Uhr bis abends 7 Uhr Dienst. Nachmittags sollte ein Arbej�szug in Schleife von dem Hauptzuge 112 und dem Nachzuge 112 überholt werden. Auf den Schnellzug 112 sollte der Arbeitszug in Schleife folgen. Der Hauptzug 112 habe Verspätung gehabt, er wurde aber von Spremberg angenoninicn und passierte Schleife. Den Arbeits- zug habe er von Weißwasser angenommen und auf ein Nebengleis gestellt. Inzwischen habe er. alS der Nachzug schon vor Schleife war, die Rückmeldung des Hauptzuges 112 gemacht und nach Spremberg telegraphiert: Nehmen Sie Nachzug 112 an? Er habe bie Antwort erhalten: „Nein, wieso nehmen sie 112 an?" Die Anklage nimmt an. daraus hätte der Angeklagte entnehmen müssen, daß das Telegramm für Bagenz und nicht für ihn bestimmt war. Angeklagter legt dar, daß er das nicht bemerken konnte. Spremberg hätte schon daraus, daß er Rückantwort für 112 verlangt hatte, wissen müssen, daß noch etwas nachkomme. Der Zug 113 war ihm nicht als unterwegs ge- nicldet, sonst hätte er eS noch in der Gewalt gehabt, den Nachzug 112 auf das GeleiS, auf das er bereits einen ArbeitSzug dirigiert hatte, zu schaffen. � Der dritie Angeklagte Schmidt behauptet, ihm sei Nach- zug 112 auf seinem Fahrplan nur als Bedarfszug angegeben gewesen, so daß er nicht gewußt habe, daß der Nachzng täglich vcr- kehre. Vors.: Mußten Sie nicht vorsorglich nachfragen, ob der Nachzng heute nicht komme? Angell.: DaS nahm ich nicht an, weil der Hanptzug nicht, wie vorgeschrieben, die g r ü n e Scheibe hinten im Zuge führte. Beim Ausfahren des Zuges 113 sah ich vorn die rote Scheibe, deshalb glaubte ich, die Kreuzung sei nach vorwärts verlegt worden.— Vors.: Sie mußten doch, che Sie das Ausfahrtssignal für 113 gaben, mindestens zutückfragen, ob heute kein Nachzug komme?— Angekl.: Wenn nicht etwas Besonderes vor- liegt, muß ich den Stationsbefehl unweigerlich befolgen. Der Zug 112 hatte sonst stets eine grüne Scheibe, wenn er einen Nachzng hatte. Der Eisenbahnassistent Julius Terpe aus Spremberg meint, daß der Dienst nur zu bewältigen war, wenn man„höllisch auf- paßte". Jetzt ist der Dien st zerlegt worden, es sind jetztimmer zwei Mann beim Mittagsdienst und der Fahrkartenverkanf ist dem Fahrdien st- leiter ganz abgenonimen. Der Angeklagte Stullgys habe auf ihn nicht den Eindruck eines Augetrunkenen gemacht. Der Schnellzug nach Berlin hat seit sünf Jahreii während'der Ferien einen Nachzug. Dem Angeklagten war dies wohl bekannt, aber er hatte es vergessen. Aus dem Nebenzimmer hörte ich, wie die Kreuzung verlegt wurde und daß dann Stullgys am Apparat schimpfte: Bagenz hört nicht. Ich ging deshalb an den Apparat und sah, daß er falsch eingeschaltet war. Ich schaltete um und bot Zug 112 in Bagenz an. Das meldete ich Stullgys auf dem Bahnsteig. Als ich vom Fenster aus bemerkte, daß Zug 113 fort war, ging ich schnell auf dem Bahnsteig. Ich sah noch den Rauch der Lokomotive und rief Stullgys zu: Wo bleibt denn Nachzng 112? Stullgys wurde ganz bestürzt, ich aber stürzte in das Slaiionsbureau, telegraphierte nach Schleife: 113 abgelassen, wo bleibt Nachzug 112? Schleife gab nun sofort das Alarmsignal.— Das Unglück war aber nun unabwendbar.— Davon, daß der Apparat nicht richtig funktioniert hat, hat Zeuge nichts bemerkt. Bei der Beweisaufnahme über den Inhalt der Tele- g r a m m e von Statton zu Station stellte sich heraus, daß die überwiegende Zahl der Telegramme fehlerhaft, teilweise ganz un- verständlich ist. Ein Teil der Sachverständigen führt die Fehler aus S t r o m st ö r u n g e n. die anderen auf schlechtes Ar- beiten der Telegraphisten zurück. Ein Sachverständiger meint, auf der ganzen Strecke von Weißwasser nach Kottbus sei„nicht einer, der ordentlich telegraphieren könne". Ter Angeklagte Stullgys erklärt zu den Telegrammen: Auf mein Anbieten von Zug 113 erhielt ich von Schleife keine formelle Ablehnung, was aber um so mehr geschehen mußte, als Schleife den Nachzug dort hatte. Schon aus meinem fortgesetzten Anbieten von 113 mußte Wiedemann merken, daß ich an den Nachzug nicht denke. Schleife durfte den Nachzug auf keinen Fall ablassen. Auf meine Anfrage erhielt ich mehr oder weniger unverständliche Antworten. Ein Sachverständiger erklärt, das Telegramm lautete: Nachzug muß nach dort. Da durfte ein Irrtum nicht eintreten.— Der Sachverständige Rohr erläutert: Ein Irrtum war möglich, weil die Silben„Nach" und„Zug" getrennt standen. Au- geklagter habe ja auch geantwortet, Arbeitszug kann doch nicht vor Schnellzug gehen. Also habe er das Angebot auf den Arbeitszug in Schleife bezogen. Hülfsbahnschaffner Knospe hebt hervor, die roten und grünen Scheiben sind oft ganz schwarz und bei schlechtem Wetter nicht zu unterscheiden. Wenn er wie Schmidt das Ausfahrtssignal erhalten hätte, hätte er es wahrscheinlich befolgt, denn der Befehl des Stationsleiters muß befolgt werden. Der Stationsassistent K a u l b a r s bekundet, der Stationsdienst sei infolge des Fahrkartenverkaufs eine zu große Belastung für einen Beamten gctoesen. Dadurch, daß jetzt die D i e n st st u n d e n der Stationsleiter anders gelegt worden sind, ist keine Ent- lastimg eingetreten, es sei vielmehr schlimmer geworden, da derDienst da- durch verlängert ist. Am Nachmittag mußte man sich außerordentlich ranhalten, um den Dienst fertig zu stellen. Ihm sei auch schon eine falsche Einschaltung am Apparat passiert. Nach dem Unglücksfall ist ein Streckentelephon, aber nur für die Auftäumungsarbeiten eingerichtet. Man ist jetzt auf der Strecke zur Errichtung des elektrischen Blocksignalsystems ge- schritten. Ihm sei es auch einmal passiert, daß es ihm entfallen war, daß der Nachzug täglich verkehre und daß er sich erst bei der Vorstation erkundige» mußte. Auf die Frage des Sachverständigen Geheimrat Piernay, wie solch Vergessen niöglich sei, erkärt der Zeuge, daß dies wohl aus der niißverständ- lichen Bezeichnung B e d a r f s z u g sich erkläre. Mehrere andere Zeugen, so Stationsassistent Zerpe und der Stationsvorsteher T r o s i n aus Spremberg bestätigen, das die eingleisige Strecke er- heblichere Schwierigkeiten als die zweigleisige infolge des Depeschen- Wechsels bot. Trosin bekundet auf Beftagen: das Unglück wäre unmöglich gewesen, wenn das im Bau begriffene Blocksystem schon dagewesen wäre. Die Ver- nehmnng der Schraukenwärterin Zeugin Witwe Knospe gestattet sich wie folgt: Die Zeugin spricht sehr drastisch in unverfälschtem schlesischen Dialekt.— Vors.: Wissen Sie, welche Züge bei Ihnen vorbeikommen?— Zeugin: DaS wecs ich ganz gut, Herr Roat, ich hob' ja den Fahrplan in der Bude.— Vors.: Dann wissen Sie doch auch, daß der Nachzug kommt?— Zeugin: Nee. Herr Roat, i glob', der kttimiit heut»ich. I hob nischt g'hört.— Vors.: Er kam doch auch an den anderen Tagen?— Zeugin: Es woa doch nur a Bcdarfszug, und i hott nischt.— Vors.: Sie meinen wohl, weil schlechtes Wetter war, da kommt er nicht?■—' Z e u g i n: Nu nee, dös grab»ich, Herr Roat, aber der Zug 68 hat doch ooch'neu Vorzug und der is doch nich gekummen. Von Schleife ist der Zug 112 viel zu spät ge- kummen, un in dem Moment, wo er vorbeikam und der Zug von Schleife gemeldet wird, da kann man oft nisch höre. Kurz und gut, Herr Roat, weil i nischt g'hört und g'sehu hob, da hob i g'dacht, meeglicherweise kummt der Nachzng heut»ich. Wie soll mau das denken, wenn man nischt hört un sieht.— Vors.: Hatte sich denn Zug 113 gemeldet?— Zeugin: Drei Minuten vorher, wie sich's gehert(Heiterkeit). Der Zug wor kurz vor meiner Bude, da ging in der Glocke ein Rasen an, ich docht, sie springt entzwee, und lief, um nachzusehn, da pfiff auch schon der Zug an mir vorbei und gleich darauf kam der Krach.— Bert. Justizrat Rauscher: Wie weit war der Zug noch entfernt. als die Glocke zu rasen begann? � Zeugin: Das kann ich Ihnen nicht sagen.— Vors.: Sie haben früher gesagt. etwa 400 Meter.— Zeugin: Nu nee, so weit warsch nicht, vielleicht 260 Meter.— Vert. Rauscher: Sie hatten doch die Stange mit der Fahne bei sich, mit der Sie so wunderschön Honneur machen können, konnten Sie denn nicht damit den Zug zum Halten bringen?— Zeugin: Da hett ich ooch noch geheerig zu losen. (Heilerkeit.)— Geheimrat Piernay: Ihre Bude ist 1500 Meter vom Bahnhof Spremberg entfernt?— Zeugin(erstaunt): Nee I So weit kann das doch nich sein.(Heiterkeit.)— S a ch v e r st.: Nun, Sie können es mir schon glauben.(Erneute Heiterkeit.)— Vors.: Wie lange dauert es, bis der Zug bei Ihnen ist?— Z e u g i ii: Kurz und gut, die Ob- und Durchfahrt dauert drei Minuten. Die Verhandlungen am gestrigen Tage wurden durch einen Zwischenfall unterbrochen. Der Staatsanwalt erklärte: Der „Kottbuser Anzeiger" hat einen wortgetreuen Abdruck der Anklage- schrist abgedruckt. Das ist unzulässig. Ich habe gegen den ver- autwortlichen Redakteur noch kein Verfahren eingeleitet, einmal weil ich keine Veranlassung habe, anzunehmen, daß ein Beaniter sich einer Pflichtwidrigkeit schuldig gemacht habe, und zweitens weil ich annehme, daß dem betreffenden Redakteur nicht bekannt tvar.daß§17 deS Preßgesetzes die Veröffentlichung der Anklageschrift vor und während der Verhandlung verbietet. Bei einer Wiederholung würde ich aber unweigerlich einschreiten. Von den dann, veruommeiien Zeugen stellt �Bahnmeister P u m p t o w dem in Frage kommenden Schrankenwärtcrpersonal das Zeugnis persönlicher Zuverlässigkeit aus, meint aber, daß es mit ihrer Entschlußfähigkeit schlecht bestellt sei. Die Frage, ob der geistige Horizont des Strecken Person als in Eisen ach, wo Zeuge früher war, ein höherer sei, bejaht der Zeuge und erklärt unter lebhafter Zustimmung seitens der zahlreich im Zuhörerraum befindlichen Beamten: das Personal ist deshalb dort besser, weildieBahn- >v ä r t e r dort c t a t s in ä ß i g a n g e st e l l t sind. Tie Frage, ob die 62 jährige Witwe Knospe imstande wäre, bei außerordentlichen Vorkonmmiffeii ihre Pflicht zu crsüllen, verneint er. Zur Erläuterung, daß die etatmäßige Anstellung von ErheblichkM lei, führt Rechtsanwalt Dr. Spittel einen Fall an, in dem ein Schrankenwärter die Schranke nicht geschlossen hatte, er hatte sich krank gefühlt, sich aber nicht dienstunfähig gemeldet, weil er den Tagelohn von 2 M. nicht einbüßen wollte. Das gegen diesen Sireckenbcamten erlassene Urteil(20 M. Geldstrafe) wird verlesen und bestätigt die Angaben des Verteidigers. Die Zeugen, die mit dem Angeklagten Stullgys in der Nacht vor dem Unglücksfall zufainmenkaiiien, bezeugen, daß der Angeklagte nicht betrunken ge« wcsen sei. Es sind dann noch die S a ch v e r st ä n d i g e n zu vernehmen. Statioiisassistcnt Urlaub, früher in Teuplitz, jetzt in Forst, stellt dem Angeklagten das Zeugnis eines pflichtgetreuen Beamten und anständigen Menschen aus.— Rechtsauw. R e u s ch e r erklärt, daß er gerade vom praktischen Beamten Auskunft über den täg« lichen Dienst haben ivolle, nicht bloß von den auf höherer Warte, dem praktischen Dienst fernstehenden Vorgesetzten. Die Eisenbahn- Verwaltung könnte ja die Geiiehmignng versagen, wenn dienstliche Nachteile zu erwarten wären.— Verteidiger verliest_ die von ihm an die Eisenbahndirektion in Halle gerichteten Anträge. Zu- nächst hat die Verwaltung die Fragen für zu allgemein gehalten. Rechtsanwalt Rosenthal hat dann die Fragen spezialisiert, ob da? falsche Einschalten des Morseapparates nach Lage des Dienstes innerhalb der in Frage stehenden 13 Minuten als ein entschuld- bares Versehen zu betrachten sei. Die Direktion hat die Genchmigung hierzu erteilt. Der erste Staatsanwalt glaubt, daß die Genehmigung nicht alles das umfasse, was die Verteidigung von dem Sachverständigen hören wolle; er beantrage deshalb eine Vertagung, bis die telegraphische Genehmigung von der Direktion eingeholt sei.— Nach längerer Beratung über diesen Antrag verkündet der Vorsitzende, daß hier die Sache sehr schwierig liege, und wünscht vom Verteidiger Auskunft, ob er von dem Sachverständigen Urland auch noch über andere Dinge etwas hören wolle, als über die Vorgänge am 7. August. Rechtsanwalt Neuscher will sich damit begnügen, der Staatsanwalt bittet trotzdem, die Verhandlung bis zur Erlangung der telegraphi- scheu Auskunft auszusetzen. Nach ziveistündiger Pause beginnt die Nachmittagssitzung. Als Zeuge und Sachverständiger wird vom Vorsitzenden der Zugrevisor Kaiser aus Görlitz aufgerufen. Er ist der sür diese Strecke zu- ständige Revisor und traf sofort nach der Anmeldung des Unfalls auf der Unfallstelle ein, um gemeinsam mit Baurat v. Ende die Bergung der Toten zu leiten. Er habe im Auftrage seiner Behörde in Schleife die Morscstrcifen beschlagnahmt. Wiedemann sei sehr ruhig und absolut nicht schuldbewußt gewesen: er behauptete, auf Anweisung von Spremberg den Zug abgelassen zu haben. Der Sachverständige Kaiser Verbreiter sich sodaim über die Dienstpflicht eines Stationsleiters auf Grund deS Reglements vom Jahre 1892. Den Kreuzungsbefehl direkt an den Lokomottv- führer zu geben, sei vorschriftswidrig.— Staatsanwalt; Der Apparat der Zugmeldeleitung scheint hiernach nach den Aussagen deS Zeugen Torpe in Ordnung gewesen zu sein. Aber was hätte der Stationsleiter zu tun, wenn die Leitung gestört war? — S a ch v e r st.: Wenn keine Berstündigung möglich war, hatte er die Bezirksleitung.— Vors.: Wie groß war der Verkehr auf der Strecke? — S a ch v e r st.: Es verkehrten am 7. August insgesamt 31 Züge auf der Strecke, 16 von Görlitz, 13 von Berlin.— Vors.: Wie war Wiedemann daran beteiligt?— S a ch v e r st.: Wiedemann hatte 18 Züge abzufertigen und Schmidt 23 Züge. Dazu kam� der Schrankendienst, die Weichenbedienung usw. Eine Ueberlastung ist auch von beiden nicht behauptet worden.— RechtSanlv. Rauscher stellt durch Befragen deS Sachverständigen fest, welche Dienstverrichtungcn Stullgys in den 13 Minuten während der Schnellzugsabfertigung zwischen 6 Uhr 33 Minuten und 5 Uhr 48 Riinnten hatte.— S a ch v e r st.: Das ist eine ganze Anzahl Punkte, aber sehr viele nehmen nur einen Moment in Anspruch.— Vert.: Aber jede Dienstverrichtung nimmt doch einen gewissen Zeitraum in Anspruch. Ich bitte zu berück- «sichtigen, daß es sich nur lim 13 Minuten handelte.— S a ch v e r st.: Ja wohl, den Stationsdicnst kann ich auch genau beurteilen. Ich habe selbst auf einer Station Dienst gehabt, wo innerhalb einer Stunde 13 Züge abzufertigen waren.— Bert.: Außerdem hat der Angeklagte aber noch drei telegraphische Apparate, die Zugmeldeleistung, die Bezirksleitung und den Reichstelegraphen zu bedienen.— S a ch v er st.: Aber zur- zeit der Zugabfertigung nicht. Der Sachverständige Kaiser erklärt mit Bestimmtheit. daß Wiedemann auf Station Schleife sehen mußte, daß die Frage: Wird 112 angenommen, wenn 113 hier. an Bagenz gerichtet und der Apparat falsch eingestellt war. Der Borsitzende verliest sodann die soeben ein- gelaufene an den Ersten Staatsanwalt ge- richtete telegraphische Antwort der Eisenbahn« direktion Halle, welche lautet: Wir erheben gegen die Vernehmung des Urland und deS Tele- graphisten Nutoschka als Sachverständige über den gesamten Dien st betrieb Einspruch, da dieselben sachverständige Auskunft nicht zu erteilen vermögen und ihre weitere Vernehniung dem Interesse des Dienstbetriebes nicht ent- sprechen würde. Eisenbahndirektion Halle.— Rechtsanwalt R e u s ch e r: Nunmehr beantrage ich, da die Antwort die gesetz- lichen VoranSsetzuugen nicht erfüllt. wonach nur die Ge- fährdung von Interessen des DieustbetriebeS eine Ablehnung rechtfertigen würde. durch Gerichtsbeschluß die Vernehmung als Sachverständige zu beschließen. Der Gerichtshof zieht sich zur Beratung zurück. Der Vorsitzende Landgerichtsdircktor Horn ver- kündet folgenden Gerichtsbeschluß: Nachdem die könig« liche Eise n bahn direktion gegen die Vernehmung der beiden Beamten als Sachverständige Wider« sprach erhoben hat, hat jede weitere Vernehmung derselben zu unterbleiben. Rechtsauw. Reuscher: Ja, sollen die Beamten wenigstens nicht soweit vernommen werden, als bereits früher die Genehmigung erteilt worden war?— Vors.: Nach dem Telegramm ist die frühere Genehmigung zurückgezogen worden. Es hat deshalb jede Vernehmung zu unterbleiben.— Vert.: Ich möchte doch bitten, eine nochmalige telegraphische Nnftage nach Halle zu richten, denn wenn der Sachverständige Urland für mich ausgeschaltet wird, sehe ich mich genötigt, so leid es mir tut, einen substauziicrteii Ver- tagungsantrag zu stellen.— Erster Staatsanwalt Stachow tritt der Anregung bei. da es sich wohl nur um eine unkorrekte Fassung des in der Eile abgesaudten Telegramms handeln dürfte. Das Gericht zieht sich zu einer erneute» Bcrattmg zurück und beschließt sodann: Die Vernehmung der Sachverstänlägen, so- weit sie durch das Schreiben der königlichen Eiscnbahndirccktion ge- nehmigt ist, bleibt zulässig. Die Direktion hatte damals die Ver- nehmung über zwei Fragen genehmigt. Es wird d>ann der Hauptsachverständige Geheimer Baurat Piernay aus Schwerin vernoimiien. Der Sachverständige führt u. a. aus: Die Norgänge, die uns hier in dreitägiger Verhandlung beschäftigt haben,> sind auf der Grundlage der für den Eisenbahnbetrieb bestehcndfn Vor- schriften, insbesondere der Eisenbahnbetriebsordiiimg für das' Deutsche Reich zu beurteilen. Wie ein roter Faden ziehe sich d urch die Verhandlungen die Bezeichnung„Bedarfszug". Eine tlennwis der Instruktion lasse darüber keine Mißversläudnisse aufikommen. Der Zeuge Terpe habe als stellvertretender Vorsteher vollständig seine Pflicht erfüllt, wenn er den Fahrplan an die Wand � heftete. Der diensttuende Beamte mußte seinen Blick darauf wewfen. Es wären hier Andcntimgen gefallen, als ob das Strecken Personal hier dümmer fei, als anderswo. Er habe nicht den Eindruck' gehabt. Im Gegenteil: bei einzelnen Zeugen habe er sich sogar gesa gt: Sieh mal an! Das wolle er gerade nicht in bezug auf die an cinsaiiier Stelle stehende Dame sagen.(Heiterkeit.) Er sei 20 Jahre aus der preußischen Verwaltung heraus und habe zu ihr keine Bezsicyungen mehr, aber er müsse sagen, daß er nirgends das Bestreben der preußischen Eisenbahuvcrwaltung festgestellt habe, an dem Ein- richtmigcn unter allen Umständen Ersparnisse zu erzielen. Bei den BelriebSordmuigsverhandlungen habe es sich sehr füh Ibar ge- macht, daß We Vertreter Preußens in ihren Anforderungen weiter gegangen sind, als es von anderer Seite geplant gewesen sei ohne Rücksicht auf die Kosten, obwohl es sich oft um Millionen handelte. Die Rücksichten der Sicherheit waren absolut allein maß- gebend. Daß nicht alle Einrichtungen so, wie sie der Laie wünscht, geschaffen werden, ist erklärlich, denn die Dinge sind fort- gesetzt in der Entwickeluug begriffen. Noch ein Wort �ur S t r e ck e n b l o ck u n g. Es ist zweifellos, daß sie den Betrieb günstig beeinflußt, jedoch in' der Hand nicht kopfklarer Beamten kann sie ebensogut große Schwierigkeiten bereiten. Man wird sie ja auch hier bald haben nach der Erklärung des Ministers. Zweifellos wird das den bestehendenZustand der- o essern, weil es eine EntWickelung des Eisenbahnbetriebes be- deutet. Der Dienst ans der Station War nicht so, daß die Beamten überlastet waren. Freilich wenn man alles summiert, klingt die Arbeit furchtbar, aber die Ausführung gestaltet sich, wie auch in anderen Berufen, viel einfacher als es aussieht. Aus den Verhandlungen habe er den Eindruck gewonnen, daß der Slationsleitcr von Schleise von dem Nachzug wußte und der Stationsleiter von Sprcmbcrg nicht. Auf die Telegranunkorrespondenz wolle er nicht näher ein- gehen, da schwer zu unterscheiden sei, wer der Absender sei. Nun noch zur Schuldfrage des Stullgys. Er hatte bis Sonn» abend sieben Tage Nachtdienst und das ist gewiß ein aufreibender Dienst. Die notwendige Ruhepause benutzte er zu einer Geschäfts- reise und geriet schließlich auf Abwege. Wer ist nicht schon einmal länger auf gewesen und hat urchr getrunken! Der wird dann am anderen Morgen bald bemerkt haben, daß nicht alles klappte. Den Angeklagten Stullgys bedauere ich aufrichtig. Er ist von einem schweren Geschick betroffen Worden und hat wahrscheinlich an diese Möglichkeit nie gedacht. Er War in einer schweren Stunde von dem Druck schwerer Sorgen befreit, sozusagen auf Abtvcge geraten. Wie sehr seine Energie abnahm, zeigt sein Verhalten auf der Bahn morgens in Teuplitz. Daß er das Amtsblatt nicht sorgfältig gelesen hatte, war bedauerlich. Der Nachzug kam ihm nicht ins Gedächtnis. Das Telegramm aus Schleife, das den Nachzug betraf, hat er nicht gelesen. Auf diesem Boden entstand die Komödie der Irrungen. Daß Schleife in dem späteren Telegramm nur noch Zug„112" sagte, ist auch begreiflich. Die Zeit drängte. Stullgys hätte wissen müssen, was gemeint war, aber er verstand es nicht. Eine Verkettung von Umständen war es auch, daß Krug die Strecke zum erstenmal befuhr: offenbar hatte er auch nicht an den Nachzug gedacht. Eine unglückliche Verkettung von Umständen muß bei einem solch furchtbaren Unfall mitspielen. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten, Stationsassistenten Stullgys wegen Pflichtverletzung und fahr- lässiger Tötung 3 Jahre Gefängnis, gegen Weichensteller Schmidt Wegen Pflichtverletzung und fahrlässiger Tötung 6 Monate Gefängnis und gegen W i e d e m a it n Wegen Pflichtverletzung 6 Monate Gefängnis. Dann nahm Verteidiger Rechtsanwalt Reuscher daS Wort. Das Urteil ist erst in später Nachtstunde zu erwarten oder wird erst heute gesprochen. Gerichts-Leitung. Privatklage Lange wider„Hamburger Echo". Der Redakteur des sozialdemokratischen„Hamburger Echo", Gustav Waberski und dessen Berichterstatter August Kasch hatten sich gestern auf eine Privatklage des Anarchisten, Hand- lungsgchülfen Rudolf Lange, vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten. Sie wurden vom Rechtsanwalt Wolsgang Heine verteidigt, während Rechtsanwalt Viktor F r ä n k l den Privatkläger vertrat. Lange war vor Jahren Vertrauensmann der sozialdemo- kratischen Partei, ist dann in Lübeck aus der Partei ausgeschlossen worden und tritt als Anarchist als politischer Gegner der Sozial- demokratie auf. So trat er in einer in Altona abgehaltenen Ver- fammlung als Redner auf und sprach über:„Der politische Massen- streik oder der sogenannte Generalstreik", wobei er gegen die gcwerk- schaftlich« Zentralorganisation und die sozialdemokratische Partei sehr scharfe Angriffe richtete. Dies veranlatztc den Angeklagten Kasch, der selbst Mitglied der gewerkschaftlichen Zentralorganisation ist, vor dem Privatkläger zu warnen und er erörterte in einem „Eingesandt" der Nr. 218 des„Hamburger Echo" vom 17. September die Frage:„Wer ist Lange?" Darin hieß es, es handle sich um denselben Handlnngsgehülfen Rudolf Lange, der seinerzeit aus der Partei ausgeschloffen sei. weil er sich erwiesenermaßen mit den politischen Gegnern verbündet und ihnen Material geliefert habe, das zu veröffentlichen diese allerdings zu vorsichtig gewesen seien. Lange erwiderte darauf, daß sein Ausschluß lediglich wegen seiner anarchistischen Gesinnung erfolgt sei. In seiner Gegenerklärung betonte der Angeklagte Kasch, daß der Anarchist Lange seinen in Lübeck erfolgten Ausschluß aus der Partei zugebe und daß im übrigen die Behauptungen des„Eingesandt" ausrecht erhalten werden. Der Angeklagte Kasch und sein Verteidiger erklärten, daß es natürlich jetzt nach so langer Zeit unmöglich sei, den Wahrheits- beweis dahin zu führen, daß der Privatkläger sich mit politischen Gegnern verbunden habe, um ihnen Material zu liefern. Tatsache sei, daß sich Privatklägcr in der Zeit, wo er innerhalb der Partei tätig gewesen, sich Material gegen den damaligen Reichstags- Kandidaten Schwarz ge- sammelt und daß sich die Gegner dieses Material zunutze gemacht haben. Nur das sei aus dem inkriminierten Artikel herauszulesen.— Rechtsanwalt Viktor F r än k I wollte diese Interpretation nicht gelten lassen, da der klare Wortlaut dagegen spreche. Der Artikel sage, daß Lange sich„erwiesener- maßen" mit anderen Leuten gegen die Partei„verbündet" und ihr Material geliefert habe und darüber liege dem Angeklagten die Beweispslicht ob.— Der Angeklagte Kasch nahm den 8 193 für sich in Anspruch. Er sei zu der Zeit, als die Dinge sich bis zum Aus- schluß Langes aus der sozialdemokratischen Partei zuspitzten, nicht selbst in Lübeck gewesen, habe aber allseitig gehört, daß der Aus- schluß wegen seines Konspirierens mit den Gegnern erfolgt sei. Vor 11— 12 Jahren sei dem Kläger derselbe Vorwurf gemacht Worden und er habe ihn damals ruhig hingenommen. Er selbst sei Mitglied der gewerkschaftlichen Zentralorganisation und da er wisse. daß Lange diese letztere benutzt habe, um darin eine Stellung zu erringen und nun sich nicht scheue, gegen die Gewerkschaften vorzu» gehen, so habe er es für seine Pflicht gehalten, vor �.ange zu warnen.— Ter Privattläger wies alle ihm von der Gegenseite ge- machten Vorwürfe entschieden zurück. Er habe seinerzeit das Material gegen Schwarz nicht gesammelt, um eS den Gegnern zu geben, sondern Weil er ein Schiedsgericht anrufen mußte wegen einer von Schwarz gegen ihn erhobenen schweren Beichuldigung. Das Schiedsgericht habe damals Schwarz eine Rüge erteilt. Er sei nicht gegen die sozialdemokratische Partei aufgetreten„weil man ihm seine Stellung genommen", sondern man habe ihm seine Stellung genommen, weil er ein zu unabhängiger Mann war. � Rechtsanwalt Wolfgang Heine beantragte die Vernehmung zweier von außerhalb gekommener Zeugen Effinger und �olefsohn. Ersterer sollte bekunden, daß seinerzeit es'die judizierende Ver. sammlung, die den Ausschluß Langes beschloß, es für erwiesen angesehen, daß dieser sich mit den Gegnern verbündet und diesen durch seine Angriffe auf die Partei Material geliefert habe. Der zweite Zeuge sollte bekunden, daß die heftigen Angriffe Langes aus die Zentralorganisation geeignet gewesen seien, diese zu schädigen, und der Angeklagte Kasch alle Veranlassung hatte, dagegen auszu- treten.— Der Gerichtshof lehnte die Zeugenvernehmung ab. — Rechtsanwalt Viktor F r ä n k l hielt eine empfindliche Strafe für geboten, da eine schwere Ehrverlctzung eines politischen Gegners vorliege, wie sie schlimmer kaum gedacht werden könne.— Rechtsanwalt Heine erklärte, daß, nachdem ihm die be- antragte Beweisführung abgeschnitten worden sei, er auf jedes weitere Wort verzichte.— Der Gerichtshof verurteilte W a b c r s k i zu S0 M., Kasch zu 150 M. Geldstrafe, event. 5 bezw. 19 Tagen Gefängnis und sprach dem Privatkläger die Publikationsbefugnis zu. Von einer Wahrung berechtigter Interessen könne keine Rede sein, der Angeklagte Kasch habe einen politischen Gegner in seiner persönlichen Ehre treffen wollen Und einen kolossal schweren Vorwurf gegen ihn leichthin er» hoben. Bei Waberski ist berücksichtigt worden, daß nach seiner glaubhaften Angabe Herr Kasch stets als zuverlässig erprobt worden sei._ Wahlfälschung durch einen Gemeindevorsteher. Der Gemeindevorsteher August Dahn in Ludwigshorst War vom Landgericht Star- gard in Pommern wegen Wahlfälschung verurteilt. Das Gericht hatte festgestellt, daß Dähn bei der Leitung der Wahl des Gemeinde- Vorstehers und der vier Schöffen in wenigstens vier Füllen bei der Verlesung der Stinnuzeltel fälschlich seinen Namen genannt hat. DuS Reichsgericht hob am 1. November das verurteilende Erkenntnis auf und Wies die Sache zur nochmaligen Verhandlung in die Vor- instanz zurück, weil ein Beweisantrag zu Unrecht abgelehnt sei. Die Strafkammer hat in der erneuten Verhandlung denselben Tatbestand festgestellt und den Gemeindevorsteher zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt. Unserem Genossen Karl Lankow zu seinem heutigen S1. Geburtstage die besten Glückwünsche. 137öb 8«ias prounllo. Sozialileniokratisclier Wahlverein für den Bezirk Rummelsburg. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Schlosser Olto Krosemark im 21. Lebensjahre nach längerem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken i Die Beerdigung findet am Montag, den 25..Dezember, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des hiesigen Kirch hoscs aus statt. Um rege Beteiligung bittet 8/13 Ter Zlorstand. Dr. 8immel, s™' Spezialarzl(lir 29/14' Hunt* and Harnleiden. 10—2,5—7. Zoimtag» 10—12, 2-4 [athati Mancl 129 Skalitzerstr. 129. Die schönsten 54962* Herren-Winter-Paletots und Anzüge, Jrc �, |iWonats-Garderobe 1 uoiiKavalieren getragene Sachen,! säst neu, sür jede Figur passend, I speziell Bauch an z Ii ge sind ins s großer Auswahl stets zu staunend I billigen Preisen zu haben, st fathan ftland 129 Skalihcrstr. 129. | Hochbahnstation KottbuserTor. I Bitte ausHausnumnier zu achte». Wo tanzen wiv Sonntag? Linden-Garten, Nieder-Schönhausen, 4682L* Linden- Strasse 43. Deutscher Metallarheiter-Verhand Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachrichi, daß unser Mitglied, der Werk- zeugmach er Odo Krusemark gestorben ist. Ehre seinein Andeuken k Die Beerdigung findet am Montag, den 25. Dezember, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Gemcinde-Fried- hoscs in Rummclsburg aus statt, Rege Beteiligung erwartet 168/19 vir Ortsverwaltung. Deutscher Senefeliler-Bunl Ultgllcdscliuft Berlin. (Filiale I.) Todes- Anzeige. Am 20 Dezember er. verstarb unser Mitglied, der Steindrucker Adolf Schwechleii. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag. den 24.. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Sophien-Kirchhoscs. N., Freienwalderftraße, aus statt D i e Verwaltnua 284/2 der Filiale' Am Donnerstag, nachts I Uhr, entschllcs sanst nach siebenjährigen, Leiden meine innig geliebte Frau Wrma Kieophas geb. Döring. Um stilles Beileid bittet W!. Kieophas. Die Beerdigung findet am dritten Feiertage, nachmittags S'/j Uhr, von der Leichenhalle der Anstalt Dalldorf aus nach dem Ansialtssriedhos statt. 1S83b fialvanophone �___ PI, l. 1 Ä....1 ?elZ'Sfotas Kolliers puffen Mäergsrnitlir. nur streng reelle Ware! gebe nach beendeter EnaroSsaison zu sehr billige» Preisen auch im einzelnen ab. Sedr grosse Auswahl! Hüte, Mützen, Pelzwar. Eugros I Export I HS. dem Besten . v. 8,50M. an 9,50.. 9-.. 5,-— m* 10,50 , 20,- 3.— Greift zn! Mflnat«. An-riina h ft■' Menals-Anzüge.. Abonnements-Anzüge Monats-Paletots... Joppen....... Partie-Anzüge, teils mit unmerkbaren Fehlern Anzüge, Erfatz jär Matz Kainmg.. Hos. od. Jacketts„ Alles auch sür torpulente Figuren! Getragene Kleidungsstücke von Ka- valicren, Reisenden, aus den scinsteii Werkstätten Berlins, teils von Hos- licserantcn, kolossal billig. 64/2' Strajiciibahn-Vergütung I A'°.Ze»lra!'Ke!!er,«-r»n. 35 Neanderstr. 35, 3 Minut V.Stadtbahn Jannowitzbrücke. KoIj. Sohn ■ nvalidenstr. 135 Laden u. I. Etage. 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S8, Berliner Verbandsbureau. Lmdenstraße 69, erster Vorsitzender. Georg Oppcl, Reinickendorferstr. 23->, zweiter Vorsitzender. Leopold Liepmann, S\\. 68, Berliner Verbandsbureau, Lindenstr. 69, erster Schriftführer. Karl Wollermanii, Schöneberg, Martin Lutherstraße 60, zweiter Schriftführer. Emil Borste, S\\. 68, Berliner Verbandsbureau, Lindenstr. 69, erster Kassierer. Georg Frciwaldt, Pankow. Florastr. 66. zweiter Kassierer. Hermann Werner, Mittenwalderstr. 39. August Pohl, Naunhnstr. 39. Paul Hoffmann, Oppelnerstr. 47. Otto Wels, Greifswalderstr. 45. Karl Liesegang, Liebigstr. 7. Richard Hcntschrl, Wollinerstr. 61. Stefan Fritz, Oranienstr. 167. Karl Fischer, Waldstr. 24. Alle Briefe und Mitteilungen sind an Leopold LieP- mann �Berliner Verbandsbureau), 8W. 68, Lindenstr. 69, alle Wert- und Geldsendungen an Emil BoeSke (Berliner Verbandsbureau), SV/. 68, Lindonstr. 69, zu richten. B. Preßkommisfion: Robert Diesclcr, Brunuenstr. 145. Julius Mcher, Urbaustr. 131. Heinrich Königs, Hasenheide 66. Otto Kräkcr, Oranienstr. 143. Otto Büchner, Andreasstr. 72. Panl Laaser, Sorauerstr. 7. Paul Lusche, Forsterstr. 46. Hugo Winter, Warschauerstr. 76. Otto Wels, Greifswalderstr. 45. Adam Bittorf, Fehrbellinerstr. 23. Wilhelm Knick, Wollinerstr. 36. Paul Rosenow, Lettestr. 3. triy Hoppe, Rirdorf, Herniannstr. 48/49. arl Boxhcimer, Gr.-Lichterfelde/Lankwitz, Kaiser Wilhelmstr. 63. Oswald Grauer, Frankfurter Allee 198. Wilhelm Kubig, Pankow, Florastr. 9. Alle Mitteilungen und evenwelle Beschwerden den.Vorwärts" betreffend sind an den Obmann der Preßkommission Otto Wels, NO. 55, Greifswalderstr. 45 IV zu richten. 0. Agitations-Kommisfion für die Provinz Brandenbnrg: Albi» Schuster, Straßmannstr. 2. Fritz Zinke, Reichenbergersw. 128. Karl Gehrman», Naunhnstr. 22. Jan Jansen, Pintschstr. 22. Leo Zucht, Keibelstr. 42. Paul Dobrohlaw, Eberswalderstr. 1. Karl Schulz, Pappel-Allee 6. Hermann Fischer, Schöneberg, Gothenstr. 36. Karl Licsegang, Liebigstr. 7. O. Settel, Kronprinzenstr. 50. Zuschriften find an den Obmann der Agitations-Kommisfion Karl Liesegang, 0. 112, Liebigstr. 7 zu richten. 0. Lokal-Kommission für Berlin und Umgegend: Jakob Egr, Roßstraße 23. Heinrich Schröder, Kreuzbergstraße 16. Karl König, Jahnstraße 24. Karl Rott, Straßmannstratze 34. Friedrich Rausch, Winsstraße 12. Richard Hcntschel, Wollinerstraße 61. Karl Rohr, Liirdorf, Thomasstraße 27. Robert Rick, Rummelsburg, Kantstraße 22. Ave Mitteilungen, Zuschriften und Beschwerden in Lokal-An- gelegenheiten für Berlin und Umgegend sind an den Obmann der Lokal-Kommissioir Richard Henlschel, N. 28, Wollinerstraße 51 n zu richten. Revisoren sind: Dr. G. Hrrzfcld, Kaiserin Augustastraße 77. Oskar Jensch, Waldemarstraße 15. Wilhelm Frcifthalcr, Gartenplatz 1. Reinhold Küter, Schöneberg, Prinz Georgstraße 4o. Hermann Sonnenburg, Friedrichshagen. Obmann der Revisoren ist Wilhelm Freythaler, N. 31, Gartenplatz 1. Vorsitzende und Kassierer der einzelnen Kreis- Wahlvereine: 1. KreiS: Vorsitzender Richard Strehl, N. 28, Swinemündcrstr. 118. Kassierer Karl Bittner, FW. 68. Feilnerstr. 11. 2.„ Vorsitzender Hermann Werner, SW. 29, Mittenwalderstr. 80. Kassierer Gustav Schmidt, W. 57, Bülowstr. 53, 2. Hof pari. 3., Vorsitzender August Pohl, 80. 26. Naunhnstr. 39. vorn IV. Kassierer Albert Harndt, C. 19, Grünstr. 20. 4., Vorsitzender Panl Hoffmann, 80. 33, Oppelnerstt. 47. Kassierer Hermann Barenthin, O. 34, Tilsiterstr. 31, v. 1 Tr. 6., Vorsitzender Leo Zucht, lTO. 43, Keibelstr. 42. Kassierer Leopold Liepmann, NO. 43, Linienstr. 242 I. 6., Vorsitzender Wilhelm Frehthaler, N. 31, Gartenplatz 1. Kassierer Karl Fahrow, dl. 39. Ravenvstr. 6. TeltoW-Beeskow: Vorsitzender Paul Hirsch, Charlottenburg. Spiel- hagenstr. 12. „ Kassierer Wilhelm Eberhardt, Charlottenburg. Rosinenstr. 3. Nieder-Barnim: Vorsitzender Georg Frciwaldt, Pankow. Florastt. 66. „ Kassierer O. Scikel, 0. 112, Kronprinzenstr. 50. Klassenjustiz? Wer wandert oder Rad fährt, bezweckt eine Einwirkung aus öffentliche Angelegenheiten. Die kleinlichen Gesichtspunkte des ftüheren Polizeistaates passen in die heutige Zeit nicht mehr hinein, meinte Graf Posadowsky jüngst im Reichstage; und selbst der konservative Abgeordnete Graf zu Stolberg stimmte ihm hierin bei. Anders denkt ans Grund der Gesetze manche Anklagebehörde und inanches Gericht, insbesondere das preußische Kammergericht. Insbesondere in Prozefien, die gegen Arbeiter angestrengt sind, legt es Polizei- gesetze so au», daß selbst einen Beamten des ungeschminktesten Polizeistaates ein gelindes Gruseln über diese Straftechnil befallen würde. Vor allem das Koalitionsrecht der Arbeiter und ihr Vereins- recht sind das Feld, auf dem sich eine Auslegungskunst tummelt, die mit dem allgemeinen Rechtsbewußtsein unvereinbar ist. Die typische Art dieser polizeilichen, von dem Kammergericht bestätigten Nadel- stiche ist die: Irgendwo im preußischen Staat entdeckt ein Polizei- begmter, daß bei dem reaktionären Wind, der in das höchste preußische Kaminergericht hineinbläst, möglicherweise in irgend ein Strafgesetz sich eine Handlung oder Unterlassung wehen ließe, die bis dahin niemals beanstandet wurde undjauch jetzt unbeanstandet passiert, sofern der Täter nicht der Arbeiterklasse angehört. Das Gericht erster oder zweiter Instanz.stellt" dann„fest", das heißt es erklärt: die zur Anklage gestellte Handlung oder Unterlassung erfüllt die Tatbestandsmerkniale des Paragraphen soundso, dernun wört- lich angeführt wird. Diese schematische Subsumierung, zu der wahrlich nicht'die Arbeit eines oder gar eines Haufens gelehrter Richter erforderlich wäre, mag gegen Vernunft und Logik verstoßen— ganz gleich: DaS Kammergericht glaubt stereotyp wegen des. engen Rahmens, in den die Strafprozeßordnung das Rechtsmittel der Revision gespannt hat, erklären zu müssen: Nicht darauf kommt es an. ob bei der tatsächlichen Feststellung der Tatbestand voll gewürdigt ist o d e r ob Grundsätze der Logik, des folgerichtigen Denkens bei der formularmäßigen Schlutz.feitstellung"„also hat der Angeklagte..." verletzt sind, sondern lediglich darauf, ob die tatsächliche Feststellung aus R e ch t s irrtiimern beruht. Deshalb muß es nalürlich in nicht ganz besonders gearteten Fällen zur Verwerfung der Revision gelangen. Ein auf diesen juristisch- technischen Grundsätzen aufgebautes Urteil fällte das Kammergericht am Donnerstag. Das Kammer- gericht vermochte in der Feststellung, die eine Radfahrbetätigung, falls sie von Arbeitern betrieben wird, zu einer„Einwirkung auf öffentliche Airgelegenheiten" stempelte, keinen Rechtsirrtum zu er- blicken. Selbst dem Oberstaatsanwalt waren bei dem landgericht- lichen Urteil Bedenken aufgestiegen. Gerade weil es sich bei diesem Fall um eine Lappalie handelt, die allenfalls dem RadfahrervereinS- vorstand ein bißchen Schreibarbeit verursacht und die Altenarbeit irgend eines Bureaukraten vermehrt— wie kann ein Polizeistaat bestehen, in dem nicht alles fein säuberlich in Polizeiakten registriert, annotiert, revidiert, schematisiert und repariert ist, bestehen?— ist die Art der Entscheidung typisch. Ueber die Verhandlung selbst geht uns folgender Bericht zu: Der Vorfitzende Kiihnhold vom Borbecker Arbeiter- r a d f a h r e r v c r e i n„Wanderlust", der Leiter des Vereins seit seiner Gründung im September 1904 ist, sollte die§§ 2 und 13 des Vereinsgesetzes durch Nichteinreichung von Statuten und Mitgliederverzeichnis bei der Polizei übertreten haben. Das Landgericht Esten verurteilte ihn auch zu einer Geldstrafe, indem es annahm,„Wanderlust" bezwecke eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten. Erstlich hätten Mitglieder des Vereins eine vom Arbeitergesangverein veranstaltete Maifeier durch Reigenfahren verschönt. Dann aber sei wesentlich, daß„Wanderlust" und seine Mit- glieder dem Arbeiter-Radfahrerbund„Solidarität", Sitz Frankfurt am Main, angehörten. Organ des Bundes„Solidarität" sei die Zeitung „Der Arbeiter-Radfahrer". In einem ihrer Artikel wurde ausgeführt. die Arbeiter unter den Radfahrern gehörten zusammen und nicht in die bürgerlichen Vereine. Die Arbeiterradfahrer würden zum Klassenbewußtsein im Sinne der modernen Arbeiterbewegung auf- gerufen, und in diesem Sinne stelle auch der Artikel den Arbeiterstand in Gegensatz zu den anderen Ständen. Aus dem Artikel des Bundes- oraans wäre zu schließen, daß der Bund„Solidarität" auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken bestrebt sei. Die Zweig- vereine des Bundes seien aber mit seinen Zwecken solidarisch, also sei auch„Wanderlust" ein Verein im Sinne des§ 2 des Vereins- Gesetzes. Unerheblich wäre demgegenüber die statutarische Be- timmung, daß Politik nicht getrieben werden dürfe. Angeklagter legte Revision ein und machte geltend, es könne für die Feststellung der Zwecke des Vereins in Barbeck nicht ent- scheidend sein, was der Bund, dem er angeschlossen, bezwecke. Der O b e r st a a t S a n>v a l t am Kaminergericht meinte auch, daß nicht ohne tveileres aus der Zugehörigkeit von„Wanderlust" zum Bunde„Solidarität" geschlossen werden könne, daß der Verein eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecke. Was in der Zeitung„Der Arbeiterradfahrer" im Juni 1995 gestanden habe. könnte dem im September 1996 gegründeten Verein„Wanderlust" kaum zur Last gelegt werden. Der erste Senat des Kammergerichts verwarf jedoch die Revision mit folgender Begründung: Der Borderrichter schließe aus dem Zeitungsartikel, daß der Arbeiter-Radfahrerbund eine Ein- Wirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecke, und ziehe daraus den weiteren Schluß, daß der Berein„Wanderlust", der Mitglied des Bundes sei, den gleichen Zweck erstrebe. In diesem Rückschluß sei ein Rechts irrtum nicht zu finden, ß 2 des Vereinsgesetzes sei mit Recht angewendet worden. Aus verschiedenen Gründen sind derartige, mit dem allgemeinen Rechtsbewußtsein unvereinbare gelehrte Urteile mit Freuden zu be- grüßen. Ein etwas vertrauensseliger Standpunkt nimmt vielleicht an, daß die kleinlichen Polizeigesetze, deren völlige Zwecklosigkeit solche überspitzte Anwendung klar illustriert, durch eme derartige Rechtsprechung schließlich in ähnlicher Weise wie daS unsinnige. selige Jiiverblndungtreten-Verbot zu Tode gehetzt würden. Wertvoller als diese immerhin etwas sehr vertrauensselige Hoffnung scheinen uns die Folgen einer solchen Rechtsprechung nach einer anderen Rich- tung. Ist ein Radsahrerverein ein politischer Berem, weil nur be- stimmte Klassengenossen ihm angehören oder weil ein Artikel der von den Mitgliedern gelesenen Zeitung den Klassenkampfcharaktcr der bestehenden Gesellschaftsordnung hervorhebt, so sind auch alle anderen Radfahrer-, Turn-, Automobil- Vereine politische Vereine, mögen ihre Mitglieder einer bestimmten politischen Richtung oder einer bestimmten so- zialeg Klasse angehören oder mögen sie zum Bei- spiel in dem Nichtanschluß an die Sozialdemokralie einig sein. Werden diese Vereine nicht unter die gleichen klammern wie Arbeitervereine geklemmt, so offenbart sich selbst bei der Rechtsprechung über Radfahrerei und dergleichen der der bestehenden Gesellschaftsordnung innewohnende Klassen- charakter. Die Klassenjustiz wird gerade durch derartige kleinliche Polizeistaatsattacken Tausenden offenbar, die bis dahin möglicherweise noch einen Rest von Vertrauen zu der heutigen Rechtsprechung hatten. Diese agitatorische Wirksamkeit der Be- tätignng polizeilicher und gerichtlicher Ansichten ist anerkennenswert. Sie zeigt, daß als Rechtsgrundsatz dieses Klasienstaates das Motto der Ungerechtigkeit gilt: Wenn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe. Eine Gesellschafts- ordnung aber, deren Organe bei dem besten subjektiven Willen, Gerechtigkeit zu üben, zur Anwendung dieser fteilich vorn Justizminister a. D. Schönstedt als Grundsatz der„Rechtswissenschaft" verherrlichten Richtschnur gelangen müssen, leugnet. daß die arbeitende Klasse ein Recht auf Rechtsschutz und auf Gleich- berechtigung habe. Mit welchem Recht darf ein solcher Klassenstaat die Kraft der Arbeiter zu seiner Stütze beanspruchen? Was bietet er der Arbeiterklasse anders als Lasten nach jeglicher Richtung hin! Daß Polizei und Gericht die Antwort auf diese Fragen so leicht machen und das Märchen von einem Rechtsstaat so glänzend illustrieren, scheint zu ihrer historischen Aufgabe zu gehören. /Zus Inclultrie und ftandel. Die Lage des Geldmarktes wird immer kritischer. Obwohl der Reichsbankdiskont schon auf 6 Proz. steht, hat sich der Status der Rcichsbank nicht nur nicht gebessert, sondern in den letzten Tagen abermals verschlechtert. Auch am offenen Geldmarkt tritt eine Ver- steifung ein, die eine starke Erhöhung der Geldsätze zur Folge hat. Unter dem hoben Diskont leidet namentlich auch die kleine Geschäfts- weit, die viel mit Kredit arbeitet. Für sie kommt ja nicht der Diskont der Reichsbank, sondern ein etwa noch 1—2 Prozent höherer Zinssatz in Bettacht. Das verteuert aber nicht nur den Kredit in einer für die kleine Geschäftswelt unerttäglichen Weise, es erschwert ihn auch, da die Geldgeber vorsichttger werden. Die Geldverteuernng mutz auf schwache Eristenzen im Handwerl und Kleinhandel der- nichtend wirken. Die Zahl der Konkurse dürfte bald durch die starke Diskonterhöhung eine Steigerung erfahren. Ein schweizerischer Arbeitgebervrrband. Das Züricher„Volks- recht" veröffentlicht daS Geheimzirkular eines Unternehmer-Jnitiativ- komiteeS zur Gründung eines schweizerischen ArbeitgeberverbandeS, dessen Aufgabe die Bekämpfung der Arbeiterbewegung mit AuS- sperrung und schwarzer Liste sowie die Gründung eines Stteikfonds sein soll. Im Januar 1996 soll die konstituierende Versammlung des neuen Scharsmacherverbandes stattfinden. Englische Kohlen. Die Regelung der Produktion durch das Syndikat erfährt eigenartige Beleuchtung durch eine Notiz in der „Köln. VolkSztg.", nach der nicht nur die englischen Kokskohlen. sondern auch die englischen Kessel- und Generator- Kohlen von den rheinisch-westfälischen Werken aufgekauft werden, da dieselben sich in einer Notlage befinden, weil das Kohlenshndikat die konttaktlichen Mengen nicht liefere. Das Kohlenverladegeschäst nach dein Ober- rhein ist trotz deS günstigen Wasserstandes wieder abgeflaut. Die Bedienung der rheinischen Reeder durch die Zechen ist sehr mangel- hast. Die Schiffbeladung leidet unter der verspäteten Anlieferung der abgerufenen Kohlen, obwohl der Wagenmangel beseitigt ist.— Solche Manipulationen können doch nur den Zweck haben, den Boden für weitere Preissteigerung zu bearbeiten. In den Armen liegen sich— olle. Wie gemeldet wird, ist zwischen den Hamburger und Bremer Reedern eine Verständigung erzielt worden. Sowohl die KoSmos- und die Rolandlinie als auch der Norddeutsche Lloyd und die Hamburg-Amerika-Linie haben sich über die schwebenden Differenzen geeinigt. Einen Mehrüberschuß von 59 Prozent erzielte in den ersten vier Monaten d. I. gegenüber derselben Zeit des Vorjahres der Hoerder Verein. Der diesiährige Ueberschuß beziffert sich aus 2 462 664 M. gegen 1 619 696 M. im Jahre 1904. Und die Aussichten für das nächste Jahr sind noch sehr günstig, denn am 1. Dezember lagen noch 163 999 Tonnen Aufträge vor.— Die von der Verwaltung ge- forderte Erhöhung des Aktienkapitals um sieben Millionen wurde von der Generalversammlung abgelehnt. Einen Kredit von 499 Millionen Pesos votierte der argentinische Kongreß, um in den nächsten Jahren wichtige Bauten, wie Eisen- bahnen und Kanäle auszuführen. Auch soll die Einwanderung nach Möglichkeit gefördert werden. Steuer Verband. Mit der Zweckbestimmung gleichmäßige Zahlungsbedingungen herbeizufübren und die Mitglieder zu ver- pflichten, nur von solchen Fabrikanten zu beziehen, welche aus- schließlich mit Grossisten arbeiten, hat sich ein Verband der Groß- Händler in der Schneiderartikelbranche gebildet. Konzentratio» in der amerikanischen Industrie. In der ameri- konischen Industrie vollziehen sich ähnliche Zusammenschlüsse zwischen Kohlen- und Eiscnwerlen wie in Deutschland, ferner dehnt sich dort die Fusion auf die Eisenbahnen aus. So hat jetzt der Stahltrust die halben Ländereien der Großen Nord-Pacific-Eisenbahn, die einen Wert von 699 Millionen Dollar repräsentieren, angekauft. Die Eisenbahngesellschast steht aber auch dem Stahltrust nahe, indem in jener der Stahlkönig John Pierpont Morgan dominierenden Einfluß ausübt. Neben dem großen Besitz an Erzgruben beherrscht der Stahlttust aber auch einen erheblichen Prozentsatz der Kohlen- Produktion. Jetzt steht der Trust in Unterhandlungen wegen weiteren Ankaufs eines Kohlenfeldes im Werte von 19 Millionen Mark. Die Antitrustgesetze erweisen sich nach dieser Richtung als durchaus un- tauglich, sie hindern die Konzentration nicht im mindesten. Vom Textilmarkt. Die Lage auf dem Textilmartt wird im all- gemeinen als durchaus günstig geschildert, wenigstens soweit die Beschäftigung in Frage kommt. Auch sind verschiedentlich Preis- erhöhungen erzielt worden. Nur im Seidengewerbe wird über an- haltende Geschäftsstille geklagt. Namentlich wird über ausreichende Beschäftigung aus dem M.-Gladbacher und Chemnitzer Bezirk berichtet._ Oeffcntliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be. »utziing für jedcnnann, 8W.. Alerandrincnstt. 26. Geöffnet täglich von b>/,— U) Ubr abends, an oonn. und Feiertagen von 9— i und 8—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschrislen jeder Art und Richtung aus. Lebenäe Karpfen in allen Größen Pfund 95 Pf. bis 1.15 M. Ein Versuch mit diesen äußerst schmackhaften Fischen ist jeder Hausiran zu empiehlen. Öeefiscb-Kochbücber gratis. Deutsche Daiupffisclmei-Gesellscliatl..Nordsee" Filiale: Berlin C. 2. Baiinliof Börse, 8-18. Zentral-Fernsprecher: Amt III, No. 8804. 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Lnftspielhaus. Der Familientag. Nachm. 3'/, Uhr: Das böse Prinzeßchen. Thalia. Bis srüh um Fänse l Nachm. 4 Uhr: Hänscl und Grete!. Carl Weift. Kabale und Liebt. Nachm. 4 Uhr: Frau Holle. Luise». So sind sie alle" Nachm. 3 Uhr: Sneewittchen. Deutsch-Zlmerikanisches. Er und Ich. Nachm. 3 Uhr: Uebern großen Teich. Metropol. Auf ins Metropol. Kasino. Geschlossen. Slpollo. Prinzeß Rosine. Ein bell kates Menu. Walhalla. Unser Doktor. Herrnfeld. Familientag im Hause Prellstein. llraui». Tanbenstrafte 48/49 Geschlossen. Sternwarte. Jnvalidenstr. 1S7/62. Tägliw geösinel von 7 bis t Uhr. Urasiia I, Meute geschlossen. Sternwarte ,n,'aliden «»p. 57/62 Berliner Theater. Sonnabend und Sonntag geschlossen. Feiertags-Tpielpian. Montag nachm. 2'/, Uhr: tiamle«. Abends Vi, Uhr: Zum 1. Male: Edles Blut. Dienstag nachm. 2'/, Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Abends VI, Uhr; Edles Blut. Mittwoch nachm. 3 Uhr: Die Wunderglocke. Abends V/, Uhr: Edles Blut. Neues Theater. Ansang V/, Uhr. 8in Smernaehtstrauni. Sonntag: Geschlossen. Montag und folgende Tage: Ein Sommernachtstraum. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Ghetto« Sonntag: Geschlossen. Montag nachm. 3 Uhr: staektas/l. Abends 8 Uhr zum erstenmal: llwel Stilpe-Komödien(Das Eenacle der Maulesel— Die Schlangendame) von Otto Julius Bicrbnum Zentral-Theater 4 Uhr(halbe Preise, ein Kind frei): Schueeweiftchcn und Rosenrot. Abends 8 Uhr: ItRusett«. Luisen-Theater. Nachmittags: Sneewittchen. Abends: So sind sie alle. Sonntag nachm.: Sneewittchen. Abends: Geschlossen. Montag nachm.: Die Waise aus Lowood. Abends: Der Kausmann von Venedig. Dienstag nachm.: Faust. Abends: So sind sie alle. Mittwoch nachm.: Tell. Abends: Der neue Herr._ LiastspielhaiiSu Nachmittags 3'/, Uhr: Das böse Prinzeftchen. Abends geschlossen._ Trianon-Theater. Heute und folgende Tage: Die herbe Frucht. Ansang 8 Uhr. An beide» Weihnachtsfeiertagen 3 Uhr: Das Ende der Uede. 8 Uhr:' Die derbe Eruekt. Täglich 8 Uhr: Tie glänzende» erstklassigen Dezembcr-Tpezialitäten. S,20 Uhr: prin�ek Rosine von Paul Lincke. Im letzten Bild: Ein delikates Menu. Mm 1 und 2. Weihnachtsjeiertage, nachm. 3 Uhr, bei ermäßigt. Preisen: Krau Luna und das unverkürzte � Spezialttüten-Programm. Frlcdrlchstr. 105. 0hne8xfra-8ntree. Heute und folgende Tage: Zum ersten Haie In den Räumen der I. Etage: r iill 65 Eingeborene Männer, Weiber und Kinder. Eintritt 50 Pf. Komische Oper. Friedrichftr. 104/1 04 a. Sonnabend, den 23. Dezbr., 8 Uhr: Zum 25. Male: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag mittag 42'/, Uhr: Matinee zum Besten der Opfer der Judcnver- solgung in Rußland. Erhöhte Preise. Abends geschlossen. Montag u. Mitt- woch nachm. 3 Uhr: Die Beiiäme. Dienstag nachm. 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Montag und Mittwoch abends 8 Uhr: iieffmanns Erzählungen. Dienstag abends 8 Uhr: Die Behörne. Metropol-Theaier Anfang 8 Uhr. l'sS Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen in all. Räumen gestattet. Kasino=Theater Lothringerftr. 37. Täglich 8 Uhr. Bis Sonntag geschlossen. An allen drei Feiertagen: Nachm. 4 und abends 8 Uhr: Eest-Verstellung. Das Opferlamm "äs einzig ilastell. Festprogram. Montag(1. Feiertag) nachm. 4 Uhr: Hotel Klingebnach, Dienstag(2. Feiertag) nachm. 4 Uhr: Arbeit achUndet nicht. Mittwoch(3. Feiertag) nachm. 4 Uhr: Ein Sohn dea Vulkea. Billctworverk. zu allen Vorstellungen vormittags v. 10'/,— I'/, ohne Gebühr. Residenz-Theater. Direktion: Richard Klcgandcr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwank in 3 Akten von L. Zkanrof und I. Chancel. Montag, den 25. Dezember, nachm. 3 Uhr: Der Behlahvagenkontrelleur. Dienstag, den 26. Dezember, nachmittags 3 Hin-: Penise._ Folies Caprice. Budapester Possen-Theater - 132 Llnienstr. 132. Ecke Friedrichstraße. Zum 05. Male: Kach dem Zapfenstreich. Vorher: Soll und Haben. u. d. ausgezeichn. Speziali tätenteil. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf täglich b.A.Werlhelm und an der Theaterkasse v. 10 Uhr vormittags an. Walhalla Theater Montag, den 25. Dezember, gSP" zum ersten Male:"Mg 9tach Afrika nach Kamerun! Ausst.-Posse mit Ges. u.Tanz in KBild. Ans.'I,S Uhr. Rauchen überall gestattet Dienstag, den 26., und folg. Tage: Nach Afrika, nach Kamerun! Reiclishallen. Heule: Stettiner Sänger. Zum Schluß! Kränlein Doktor. Zcitburlcsle von 2'leysel. Außerdem: Weihnaolits-Programm Dienstag. 26. Dez., 2. Feiertag. mittags 12 Uhr: Gr. Weihnachts- Fest-Nlalines zum Benefiz für die Herren Brillen, Pietro, Böhme, Waiden, Bockmann, Seidel, Schiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeater). Sonnabend, abends 8 Uhr: Enpfcnstrclch. Drama in 4 Auszügen von Franz Adam Bcyerlein. Sonntag: Geschlossen. Montag, nachm. 3 Uhr: Her Traum ein L-eben. Montag, abends 8 Uhr: Gyge» und sein Ring. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Sonnabend, abends 8Uhr: Zum erstenmal: Hnns. Drama in 3 Ausz. von Max Dreher. Sonntag: Geschlossen. Montag, nachm. 3 Uhr: "Wan.juschins Kinder. Montag, abends 8 Uhr: HoTgnnst. Zirkus JUbert Schumann Heute Sonnabend, den 23. d. M., abends präzise V/, Uhr: XIV. Grande Soiräe High Life. Gala-Programm. Zum Schluß: Zum 3. Male: Femina, Das neue frauenreich. Große Ausstattungs- Pantomime in 7 Abteilungen. Entworfen und in Szene gesetzt vom Direktor Albert Schumann. 1. Bild: Ein Polterabend. 2. BW: Das Meeting der Trauen. 3. Bild: Die Hauptstadt Emanzipatoria. 4. Bild: Im Coiffeurladen. 5. Bild: Das Sport- fest der Damen. 6. Bild: Waffen und Liebe. 7. iBilb: Die eroberte Festung. — Amors Triumph. Morgen Sonntag, 24. d.M., nachm. 4 lllir: Gala-Vorstellung.(Nur eine Vorstell.) Aus allen Plätzen 1 itind srei. Bernhani Rose-Theater Gefundbrunnen, Badstraße 58. Heute und morgen: Geschloffen. Montag(1. WeihnachtSfeiertag): Nachmittags: Tie eiserne Maske. Abends: Ihre Familie. Dienstag(2. WeihnachtSfeiertag): Nachm.: Drudens Sommerreise. AbendS: Der Kaufmann von Venedig. Mittwoch, den 27. Dezember: TrudenS Dommerreise. Cicbrttdcr Herrnfeld- Theater. Heute präzise 8 Uhr: Komödie in 3 Akten mit den Autoren jinfon und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Vorverk. 11—2 Uhr.(Theaterkaffe.) leM-MMW Theater. KUpenickcmtr. 07. Heute abend 8 Uhr: Gastsp. A. Philipp. aW Premiere ER und ICH. 4 Bilder mit Gesang ans dem Leben der Deutsch-Amerikaner von Ad. Philipp.. An allen drei Feiertagen Abends 8 Uhr Gastsp. A. Phiupp. EH und ICH. Nachm. 3 Uhr halbe Preise. Sowie am 2. Feiertag zum 600. Male: Oeber'n großen Teich. Carl Weiß-Thealer. Gr. Franksurterstr. 132. Nachm. 4 Uhr: Kinder-Vorstellung. �rau Holle. Abends« 11hm Kabale und Liebe. Sonntag 4 Uhr: Klein Däumling. Abends geschlossen. I.Feiertag nach- mittag 3 Uhr(halbe Preise): Maria Ätuart. Abends 8 Uhr u. solg. Tage: Die lebende Brücke aus Kuba. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Heute geschlossen. Am 1. Feierlag: Die drei Dränen. Am 2. und 3. Feiertag: Robert und Bertram, oder: Tic luftigen Vagabunden. Anfang: am 1. Feiertag 8, am 2. u. 3. 7 Uhr. Entree: am l.u. 3. Feier- tag 50 Ps. bis i M., am 2. Feiertag 50 Pf- bis 1,50 M. Restaurant„Zum Prälaten1' Rummelsburg. Jnh: F. Boragk. Sonnabend, 30. Dezember: Oripal- Jfarburger Sänger Frick-Kasohe-Krause. Silvestir-Programm. Ans. 8 Uhr. Entrce 30 Ps. Sonntags: Spez.-Vorstoll. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Prunk- und Parade-Abend. KZum 85. Male:"TSä® leste und größte Sehenswürdigkeit Borlins! ♦ Indien. ♦ Orig.- Pantomime des Zirkus Busch in 8 Bildern. Besonders hervorzuheben: Eine Tlgerjagd In den Dschungeln Indiens.'TftQ Ferner; Eine Witwenverbrennung. Außerdem: Elefanten• Kämpfe. Sensationell! Sensationell! Mr. Norton Smith, Amerikas berühmt.Pferdebändiger. Fräul. Martha Mohnke, Schulreiterin. Herr Burkhardt-Foottit, Schulreiter. Eine Springpferde- Konkurrenz zwischen 3 Springpferden u. die vorzüglichsten Programranummern. Avis! Morgen Sonntag geschlossen! An allen 3 Feiertagen; Je L große Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr u. abends 71/, Uhr. Nachm. 4 Uhr: 6 indische Orig.-Fakire. Mexiko. Inbeid. Vorstellungen: Der berühmte amerikanische Pferdebäneiger Mr. Smith. Signor Maxini mit. seinem Wunderhändchen.— Abends VI, Uhr: Indien._ Belle-Alliancei Theater-VarI6t6. Anfang 8 Uhr. 3osephine?etif| Flammen- und Radium-Tanz.| Seppl Werner Charakter- Komiker. Rebusas lustiger Bauernhof. 1 14 hervori-ag;. Debüts. Sonnabend, d. 30. Dezember,| nachmittags 3 Uhr: Prinzessin Tausendschün. Heuteu. Sonntag; Geschlossen I An den 3 Feiertagen nach>' Vorstell. Konzert. Entree fi ■1. IC mm»II Colosseum Dresdener-Str. 97. Heute: Heitere Szenen v. Leopold Ely, Musik von Rudolf Nelson, vorkommende Tänze vom Ballettmeister Eugen Chlebus. Hauptdarsteller: Fortunatus Biedermann Martin Bendix. Anastasia, seine bessere Hälfte Alice Düring. Id�ai-d) beider Killder TrudyTruth, Gustav Waldau. Theodor Steiner Fred Carlo. Kudel v. Brillwitz Littke Carlsen. Manon Frelu Paulette v. Roy. Pauline, modernes Dienstmädchen Martha Wald. Johannes Bliemchen Hugo Hoohgemuth. Anf. 8 Uhr. Sonntag VI, Uhr. 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Verbandes zu sein, denn während der Verhandlungen mit der Korn« Mission tat der Herr nachstehenden, sür ihn als Unternehmer recht be« zeichnenden Ausspruch: „Wenn Sie sich dazu verstehen könnten, dcS Wochentags sür 1,50 M. und Sonnabends und Sonntags sür 2 M. A r b e i t s k r ä s t e zu vermitteln, dürsten sie in Bälde den gesamten Snalbrsitzer- Verein zu Ihrer K« n d s ch a s t rechnen.* jpjr" Die VerbandSmitglicdcr werden ersucht, sür stritte Durchsühruug und weiteste Verbreitung des Beschlusses Sorge zu tragen. 28411 Der Vorstand. I. A.: Er. II!l-»r,n. ii m - Terwaltangsstclle Berlin. Haupt'Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Llmt IV 9679 Arbcil-snachwcis Zintiner 84. Zlmt IV> 3353. Achtung! Zelnaßbsßdi'anßliß. Achtung! Am Montag, den 81. Dezeniber, fällt unsere Zusammenkunft auS. Dafür ist am Mittwoch, de» 27. Dezember f3. Feiertag), ein im Restailrant Voigt, Nitterftr. 75 fEingang vom Hof), eingerichtet. verbunden mit SV" Tanz und gemütlichem Beisammensein."®0 Anfang 5 Uhr. 188/18 Entree frei. _ Die Ortsvcrwaltuiig. Deutscher Holzarbeiter-Verban!). Mobelpolierer. Donnerstag, den 88. Dezember, abends 8'/, Uhr, vei Bndat, Blumenstrafte 38: Eranchon-�ommissionssitzung, 98/19__ Der Obmann. Aedtung! Besenleger! Die Kollegen werden darauf aufmerksam gemacht, »»»-» heutige» Konuabend Tag vor dem Weihnachtsfest drei Stunden früher c" au den anderen Tagen Feierabend zu machen i' laut g 3 des Tarifs. e 299/20 Der Vorstand. I. A.: O. G i-- Steife schwarze Hüte mit Futter Alst. ISO�an!* Weiche Herrenhüte mit Futter-J* grosser Auswahl. Alles bis zu den feinsten Haartilzqualität<'ues etc, LodenhQte, Jagdhüte, Cvllndef ™""�Damen-Mützen. Hsrren-, Kind'.a� per Ijtr.3,00 u. 3,* feinen Punsch-, Grog- unk Glüh wein-Extrakt. per Jjtr. 1,60—�,50. 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Interessant war hierbei eine kleine Auseinandersetzung unter den Herren von der großen Mischmasch- Fraktion, bei der unsere Genossen die lachenden Dritten waren— illustrierte sie doch sehr treffend die berühmte llneigennützigkeil der bürgerlichen Vertreter. Als nämlich Stadtv. Adam sich wohl für den Bau, aber gegen das vorgeschlagene Grundstück in der Emserstraße wegen der in nächster Nähe zu er- richtenden Realschule aussprach, hielt ihn, sei» Fraklions,, freund" Stadtv. Seltmann entgegen, daß es doch wohl„andere" Gründe als die angeführten seien, die die Gegnerschaft des Vorredners er- erklärten. Also doch! Run, die Herren müssen es selbst am besten wissen, weshalb sie sich haben„wählen" lassen. Der eigenartige Tonfall des Herrn Seitmann hat aber bewiesen, wie recht die Arbeiterschaft hat, wenn sie solchen Städtväter» nicht über den Weg traut. So sehr sonst die Redelust hervorbricht, wenn die Große Berliner Straßenbahn wieder einmal auf der Anklagebank sitzt, so wenig ver- mochte diesmal selbst deren zum Uebermaße volles Sündenregister zu einer nennenswerten Debatte anzureizen. Nicht einmal der in Straßenbahnangeleaenheiten vom Saulus zum Paulus gewordene Stadtv. Llbrahain sand den in Sachen der„Großen" ihn sonst zierenden oppositionellen Ton. Immerhin brachte er es fertig— wie der Stadtrat Bürkncr es bereits auf der kürzlich stattgehabten Konferenz von Berliner und Vorort-Vertretern getan— eben diese Konferenz mit ihren gewiß noch sehr, sehr be- scheidenen Resultaten als den Geburtstag von Groß-Berlin zu feiern. Ganz besonderer Stolz erfüllte den Redner aber, weil Rixdorfs Magistrat gelvissermaßen als die Mutter dieses Neugeborenen zu bezeichne» sei. Wie leicht zufriedengestellt ist doch so em braves Bourgeoisherz. Schon die bloße, endlich kundgegebene Absicht, irgend etwas in der großberlinischen Verkehrsmisere zu unternehmen, setzt es in Verzückungen. Doch lvarten wir ab I Von der Absicht bis zur Verwirklichung ist ja ein weiter Weg und die bürgerlichen Vertreter sind ja noch immer zu uiutigem Zurückweichen bereit gewesen.— Stadtverordneter Dr. Silberstein(Soz.) vertrat den Standpunkt der sozialdemokratischen Fraktion. Es sei ge- wiß erfreulich— so führte Redner aus—, daß Berlin und seine Vororte zu gemeinsamem Vorgehen sich zusammenschließen würden. Indessen wären alle Maßnahmen gegen die„Große Berliner" ein Schlag ins Wasser, wenn sie nicht darauf hinausliefen, bei Ablauf des Vertrages im Jahre 1919 die Straßenbahn in städtische Regie zu übernehmen. Jedenfalls müsse der„Großen" auf ihre Keckheit, eine Vertragsverlängerung auf rund 100 Jahre zu verlangen, eine deutliche Antwort zuteil werden. Diese könne aber nur lauten: Ablehnung der Vertragsverlängerung und Ueberführung in städtische Verwaltung.— Der Antrag des Magistrats, von den vor- gelegenen Verhandlungen mit der Großen Berliner Straßenbahn Kenntnis zu nehmen und sich mit den Beschlüssen der Konferenz am 28. Oktober 1905 einverstanden zu erklären, wurde schließlich ein- stimmig angenommen. Es folgte hierauf noch eine geheime Sitzung, in der u. a. auch die Wahl von Sachverständigen in Ausführung des Reichs- seucheugesetzes vorgenommen wurde. Aus dieser Wahl ging u. a. auch der Tapezierer Genoffe Max Heinrich als Sach- verständiger hervor. Eine aufregende Fahrt mußte gestern nachmittag ein Ehepaar in •Axdorf mitmachen. Der Eigentümer Krüger aus Britz fuhr gemein- (am mit seiner Frau in einem Zweispänner die Hermannstraße in Rixdorf entlang. Plötzlich wurden die Pferde scheu und gingen durch. Sie rasten in wilder Karriere davon, und bei der wilden Jagd, die sich nun abspielte, verlor K. die Herrschaft völlig über die Tiere. Vor dem Hause Hermannstr. 141 wurde der Wagen gegen eine Straßenlaterne geschleudert, die zerbrach. Krüger wurde durch den Anprall mitsami seiner Frau auf die Straße hinabgeschleudert und an beiden Armen verletzt. Die Pferde rasten weiter, und erst nach längerer Jagd gelang es, die Ausreißer zu stellen und auf- zuhalten. Der Wahlverein hielt am Dienstag, den 19. d. M., im Lokale von Heickaus seine nur mähig besuchte Mitgliederversammlung ab. Es waren zunächst eine größere Anzahl neuer Mitglieder auf- zunehmen, deren Aufnahme durch die Versammlung ohne Wider- spruch erfolgte, nur diejenige von Kreideweiß mußte infolge Protestes zurückgestellt werden. Nunmehr erhielt Genosse Pagcls als Bericht- «rstattcr von der Krcis-Gcncralversanunluug das Wort. Er führte in etwa cinstündigem Vortrage an der Hand des der Versammlung übrigens auch gedruckt vorliegenden Jahresberichts des Zentral- Vorstandes den Parteigenossen die EntWickelung des Kreis-Wahl- Vereins im verflossenen Jahre vor Augen. Das verflossene Geschäfts- jähr kann als ein verhältnismäßig ruhiges bezeichnet werden, und ist auch im allgemeinen der Fortschritt unverkennbar, so dürfe man doch nicht unterlassen, auszusprechen, daß in puncto Pflichterfüllung manche Orte ein geradezu erschreckend trauriges Resultat zeitigten. So konnte z. B. durch die Säumigkeit der Genossen bis heute noch keine endgültige Abrechnung des im Sommer stattgefundenen Kreis- festes gegeben werden. An anderen Orten wieder droht durch rein persönlichen Zwist einzelner die Parteibewegung am Orte auf längere Zeit lahmgelegt zu werden. Treffe auch erfreulicherweise auf Rix- dorf dieses alles nicht zu, so ist unser Ort durch derartige Vorkomm- nisse, weil zum Kreise gehörig, indirekt gleichfalls in Mitleidenschaft gezogen. Der Hauptvorstand tut, was in seinen Kräften steht, um auch den zahlreichen kleineren Ortschaften, namentlich auf dem Ge- biete der Bibliothek Rechnung zu tragen. Es wurden u. a. im Kreise zur Belebung der Agitation 144 000 Flugblätter gegen die Fleischnot und 77 000 sonstige Broschüren verteilt; der Redner verlas unter gryßer Heiterkeit der Versammlung eine bürgerliche Pretzstimme, in der uns unter ungeheuerem Aufwand von Worten die gute Wirkung unserer Tätigkeit attestiert wird. Der Redner rügte noch zum Schluß in scharfer Weise das Vorgehen der Polizei gegenüber unserer Bewegung vor den Toren Berlins. Ten Bericht von der Generalversammlung für Groß-Berlin gab der Genosse Conrad. Derselbe verwies auf den vorzüglichen ausführlichen Bericht im „Vorwärts" und gab nur in kurzen Zügen ein Resümee des Ver- laufes der Generalversammlung bei den Abstimmungen über die einzelnen Paragraphen. Er schloß sich insbesondere den Ausführungen des Genossen Singer an, indem er darauf hinwies, daß in der bevor- stehenden schweren Zeit hoffentlich die geschaffene Zentralisation die Feuerprobe bestehen wird. Genosse Heinrichs erläuterte noch kurz seine Stellungnahme bezüglich der in Sachen des„Vorwärts"- Konflikts auf der letzten Kreis-Gcneralversammlung eingebrachten Resolutionen, während Genosse Stielcr über einige Positionen des Jahresberichtes vom Kreise einige Aufklärung gab und spezialisierte. Genosse Franke kritisierte in scharfen Worten die Oeffnung der Spalten des„Vorwärts" für den„blauen" Berein Berliner Haus- diener und desgleichen das Verhalten der Berliner Gewerkschafts- kommission bezw. des Ausschusses derselben in Sachen der Aufnahme genannten Vereins in die letztere. Ihm wurde von anderen Rednern teilweise widersprochen. Tesche führte Klage über den Inhalt der Vorortsbeilage, in der unser Ort nicht genügend berücksichtigt würde. Zum Schluß gab der Vorsitzende bekannt, daß nach Neujahr die Neu- einteilung der Bezirke vorgenommen werden mutz und daß unser Weihnachtsvergnügen am ersten Feiertage bei Hoppe in der Hermann- straße stattfindet. Genosse Wutzki machte darauf aufmerksam, daß unsere Parteispedition nach wie vor sich Prinz Handjerystraße 7 befindet und den bis jetzt leider noch nicht allzu zahlreich eingelaufenen Weihnachtseinkäufen entgegensieht. Der Zugführer des um 7 Uhr 18 Minuten in Rixdorf ein- treffenden Zuges bemerkte gestern in der Nähe des elektrischen Bahn- Hofes einen dunklen Gegenstand, über den der Zug gefahren war. Bei näherem Nachsehen stellte sich heraus, daß einxr weiblichen Person der Kopf abgefahren war. Ob ein Selbstmord oder ein Unglücksfall vorliegt, konnte nicht festgestellt werden. Ausgeschlossen ist nicht, daß es sich um eine auf der Strecke arbeitende Frau handelt, welche zur Arbeit wollte. In letzter Zeit sind auf der Strecke viel Frauen beschäftigt gewesen. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich Donnerstagabend beim Teltowkanalba» in der Nähe des Mariendorfer Weges. Ter 42jährige Arbeiter August Schäfer aus der Chausseestraße 64 in Britz tvar mit anderen Personen beschäftigt, eine schwere Holzrinne auf Träger zu hebe». Hierbei entglitt dieselbe seinen Händen und fiel zur Erde. Unglücklicherweise geriet Sch. unter die Rinne, die ihm das rechte Schienbein zerschmetterte. Der Verunglückte wurde in das Britzer 5dreiskrankeiihaus eingeliefert. Britz. In der lebte» Gcmciiidepertreter-Sibung wurde zunächst über die Kassenprüfung berichtet, daß Beanstandungen nicht zu machen seien. Für das Gelände südlich des Teltower Kanals bis zur Ring- Chaussee zwischen Nudower- und Chaussecstraße wurde ein ab- geänderter Fluchtlinicnplan vorgelegt und genehmigt. Dieser Plan bringt insofern eine Verbesserung, als die Anlage einer Diagonal- straße vorgesehen ist, die sich von der' Brücke in der Rudowerstraße bis zur Dorfstratze, Ecke Wilhclmstraße, erstreckt. Beabsichtigt ist ferner die Anlage von Vorgärten an der Nordscite der Straße, sowie eine größere Straßenbreite, und zwar soll die Breite 19— 23 Meter betragen. Ein Fluchtlinien- und Höhenplan wurde auch sür die Chausseestraße von der Rixdorfer Grenze bis zur neuen Kreis- chaussce vorgelegt und genehmigt. Derselbe sieht die Tieferlcgung der Mittcnwaldcr Bahn an der Stelle vor, wo die Bahn die Chaussee- straße kreuzt.— Auf die Ausschreibung zweier Nachtwächterstcllcn hatten sich keine geeigneten Bewerber gemeldet; wahrscheinlich war ihnen die hierfür ausgesetzte Besoldung von 720 Mark jährlich zu hoch; das ist ja geradezu ein fürstliches� Gehalt. Die Etats- kommission glaubte aber wohl verschwenderisch sein zu müssen und schlug vor, 900 Mark auszusetzen einschließlich Bedienung der Lampen. Im Winter soll pro Monat 90 Mark, im Sommer 60 Mark gezahlt werden, zuzüglich 50 Mark Kleidergeld; hoffentlich werden die Leute dabei nicht zu üppig. Ein Wächter, der am 1. Januar zurücktritt, soll nach zirka 25jähriger Tätigkeit eine monatliche Zu- Wendung von 25 Mark erhalten; Anspruch habe er zwar nicht darauf, wurde bemerkt. Mit der Einführung des Turnunterrichts für Mädchen macht über das Thema: sich zunächst de.. deutsche Volk. iueu..?w.�k�'"°�°''""d wies nach Lohnen der deutschhaben die Jah?e 1900 Än"0 Drunter-' daß dieselbe» st? zwar ind-ukew!.� lWl zur Genüg. geschraubt wurd'vou einer cm Aufschwuna Ute T-äwl oe%te6°VuK TtSettie«"[«je,, taÄÄfsS;" K" zu v Landtag vorliegt und wendet st» � Me den. Lntuation m 3„,„- � dann der allgemeinen tz. Verhältnisse"!» und b" Redner?"� .-. m Sachsen. schildert kurz de» Laudtags-Walil» sich die Errichtung einer technischen Lehrerinnenstellc notwendigen der Diskussion' und zwar vom 1. April 1906 ab.— Die Lehrer sind um Erhöhuyter, welche sich im Si.me des Re�crcutcii�"°�"„Trompler und Die Alterszulagen erhöhen sich um je 10 Mark, vom 1. April ab auf 210 Mark; das Grundgehalt beträgt 1350 Mark; der Woh- nungsgeldzuschuß 500 Mark. Als Teuerungszulagen wurden je 50 Mark für Arbeiter und untere Beamte bewilligt. Charlottenburg. Ein Sittlichkeitsattentäter ist gestern abend in der Berliner- straße in Charlottenburg festgenommen worden. Das 10jährige Laufmädchen Erna B., Möckernstr. 110 wohnhaft, hatte für ein Bcr- liner Geschäft in dem Hause Berlinerstr. 26a in Charlottenburg ein Paket abzuliefern. Sie erkundigte sich bei einem in der Nähe des Knies auf- und abgehenden Manne nach dem betreffenden Hause. Anstatt jedoch Auskunft zu geben, versuchte der Fremde das Mädchen in eine unbelebte Privatstraße zu locken und in der schäm- losesten Weise unsittliche Anträge an es zu stellen. Empört rief die B. einen Schutzmann herbei, worauf der Attentäter zu entfliehen versuchte. Er wurde jedoch festgenommen und nach der Polizei- wache gebracht. Ein umfangreicher Tachstuhlbrand beschäftigte gestern früh unsere Feuerwehr in der Goethestr. 23, neben der 10. Gemeinde- schule. Das Feuer war in einer Wohnung des vierten Stockes von. Seitenflügel auf nicht ermittelte Weise entstanden und wurde erst bemerkt, als die Decke durchgebrannt war und der darüberliegende Dachstuhl in Flammen aufging. Als die sofort alarmierte Wehr nach wenigen Minuten eintraf, brannte bereits der größte Teil des Dachstuhles. Vom Ouergebäude und Vorderhause aus wurde nun mit mehreren Schlauchleitungen vorgegangen, um diese Gebäude zu schützen und das Feuer auf den Tachstuhl des Seitenflügels zu bc- schränken, was auch nach angestrengter Arbeit gelang. Er ist aber fast völlig niedergebrannt. Lichtenberg. Eine gefährliche Eisenbahntreppe hat der Bahnhof Lichtenberg- riedrichsfelde aufzuweisen. Sie ist nicht nur recht steil und un- equem, sondern entbehrt auch der Zweiteilung, so daß namentlich in den Haupwerkehrsstunden die Ankommenden die Treppe derart in Anspruch nehmen, daß diejenigen Personen, die nach dem Bahn- steige gelangen, um abzureisen, oft minutenlang auf ein Freiwerden der Treppe warten müssen und ihren Zug versäumen. Die Ucbel- stände auf der Treppe sind so arg, daß Bewohner von Friedrichs- felde sich veranlaßt gesehen haben, eine Petition an die Eisenbahn- Verwaltung dieserhalb zu richten und um schleunige Abhülfe zu bitten. Steglitz. Ein schweres Unglück, bei dem sechs Arbeiter hätten den Tod finden können, ist gestern mittag gegen 2 Uhr auf der Wannseebahn- strecke noch im letzten Augenblick verhütet worden. Die sechs Arbeiter ivaren dicht vor der Station Steglitz mit Aufschüttung der Gleise beschäftigt und wichen signalgemäß einem von der Station komnienden Zuge aus. Dabei übersahen sie bei der starken Qualm» eutwicklung der Lokomotive, daß auf dem nun von ihnen besetzten Schienenstrang von Berlin her ein Zug herankam. Erst als die Lichter der Lokomotive dicht vor ihnen aufglühten, erkannten sie die Gefahr und retteten sich mit einem Verzweiflungsschrei, der die ganze nahe Station alarmierte, auf ein anderes Gleis. Ihr gesamtes Handwerkszeug, zu dessen Bergung keine Zeit mehr war, ist von de' Zuge vernichtet worden. Am ersten Weihnachtsfeiertage, mittags ilVa Uhr, finde�r Matinee statt zum Besten des Streik- und Aussporrungsso'„Zu- Steglitzer Gewerkschaftskommission. Der Gesangverezcl mit kunft I", das Berliner Ulk-Trio und der Musikdirigcnt.ttspreis seiner Kapelle haben ihre Mitwirkung zugesagt. Cimmission 25 Pf. Zahlreichen Besuch erwartet die Gewerksch- Steglitz und Umgegend. Nowatves. m der achten Feuerlärm erschreckte am Donnerstagmowie gefüllte große Stunde die Bewohner unseres Ortes. Es braDurch ßas schnelle Scheune der Frau Hagen in der Ncuenstra� eine weitere Aus- Eingreifen der Feuerwehr wurde glücklichf�cheiinc samt Inhalt dehnung des Brandes verhütet, doch j st-- nt sie h u ngs II rsache des ein Raub der Flammen geworden. Feuers konnte noch nicht festgestellt wch�sinn gemacht, daß der Unsere Hausfrauen seien dara jj'fst am Montag, sondern Wochcnmarkt des Weihnachtsfestes nachmittags von 1 bis 4 Uhr, bereits am Sonnabend, den 23.' in der Priesterstraße stattfindet fand am Mittwochabend im Saale Eine öffentliche Bersm; � Liebknecht referierte --jSS«WLiZ"öJ°°- Spandau. von ihrer Bezüge eingekommen. Die Vertretung erkennt an, daß eff getan werden muß, aber wo soll man anfangen, um allen gcreck werden? Alle verlangen Erhöhung des Wohnungsgeldzusi die jüngeren Lehrer Erhöhung des Grundgehaltes, die ält,�[ höhuug der Alterszulagen. Der Gemeindevorsteher ben'�I die Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses selbstverständl. die älteren Lehrer bedürften dringend der Aufbesserung.' zulagen. Gcmeindcvertrcter Zickert vom Grundbesi''' für die Erhöhung des Grundgehaltes ein, auch wc'l� J? überflügeln sollte. Genosse Kitzing legte dar, dast„ beides zu erhöhen. Hierauf führte der Vorstel.'».�» m" die Vertretung die Mittel zur Verfügung Mutlaacn■ hohung beider Positionen sei, leider standen� atmenomme™' Mark zur Verfügung. Hierauf schlag, das Grundgehalt um 50 10—15 Mark zu erhöhen; dieser Vorschl aussprachen. � lieber Tp a r v e i Berliner JVacbricbten. J'tS" r"�ZMungstchwierigkeiten, in w~ ■il„.rctri deutscher<5 a» s r � �--Rabatt- Mittw�Ä i>er bürgerlichen Presse bcrickte/ � ,üiri> mch'"dl n c�k �cilungnr 'S? Zahlungsschwierigkeit sc. darauf zuÄS�Me�SäsiL Tente die Marken in Kommission genommen und die Beträge noch nicht bezahlt ljätten. Das war uns nicht neu. Wir hatten in unserer ersten Veröffentlichung selber darauf hingewiesen, dast diese Pumpwirtschast als Ursache angeführt werde. Nunmehr schickt uns Herr A. ein Schreiben, in dem er folgendermaßen losschimpft:«Der Vereinshirt, wie Sie mich nennen, ist sehr schnell in Schmutz ge- zogen worden, aber seine Rechtfertigung kann er sich suchen. Warum bringt Ihr Reporter denn nichts von dem Konsum, welcher in der Arndtstraße Pleite gemacht hat und nicht einen Pfennig auszahlt?" Auf besagten„Konsum" aus der Arndistratze kommen wir nachher zurück, lieber seinen eigenen Verein erzählt uns Herr A., er habe 38 000 M. Außenstände für Marken, die von den Geschäftsleuten noch nicht bezahlt seien. Der Verein habe 139 999 Mark Einnahmen gehabt, aber 1ö2 999 M.»ausgezahlt", und der Lorstand habe schon 13 999 M. hergegeben,„um den Hausfrauen möglichst entgegenzukommen". In dieser Rechnung vermissen wir eine Angabe über die Kosten der Verwaltung. Herr A. selber hat, so versichert er, drei Jahre seinen Posten ehrenamtlich versehen. Daß er keinen Nutzen davon gehabt habe, sagt er nicht direkt, aber wir sind bereit, seine Worte so aufzufassen. Seinen Grundbesitz hatte A., so erzählt er, schon erworben, noch ehe der Verein ins Leben trat, und eben das hat es ihm ermöglicht, drei Jahr« lang den LereinSvorsitz im Ehrenamt zu führen. Herr A. macht das offenbar alles um der schönen Augen der Berliner Hausfrauen willen. Da hat ev am Ende gar die 13 999 M. aus eigenem hergegeben und wird nun gewiß noch ein übriges tun, falls ihm die Gefchastsleute nicht rechtzeitig bezahlen, was sie schuldig sind. Dann kann ja noch alles gut werden. Freut Euch, Ihr Berliner Hausfrauen, die Ihr an die allein seligmachende Sparmarke glaubt. Ihr kriegt alles ausgezahlt, nicht in Sparmarken oder Wechseln, sondern in barem Gelbe. Euer Vereinshirt wird sich nicht lumpen lassen, für Euch opfert er sein Letztes. Was ist's nun mit dem„Konsum, der in der Arndtstraße Pleite gemacht hat?" A. meint den„Konsum-Sparverein Südwest". der in der Tempelhofer und Potsdamer Vorstadt An. Hänger hatte und gleichfalls in Schwierigkeiten geraten ist. Dieser Verein hat sogar seine Zahlungen vollständig ein- st e l l e n m ü s s e n. Da haben wir also in diesem Jahre gleich zwei„nette Weihnachtsbeschcrungen", die den auf ihre Spargroschen ivartenden Hausfrauen hergerichtet worden sind. Herr A. fragt in patzigem Ton, warum wir denn hiervon nichts gebracht hätten. Wir tvollen es ihm verraten: iveil wir erst nach Veröffentlichung unseres Artikels über den„Nabatt-Sparverein deutscher Hausfrauen" davon in Kenntnis geseht wurden, daß auch der»Könsum-Sparverem Süd. West" in die Tinte geraten ist. Ehe»vir uns entschlossen, Herrn A.'s Verdiensten ein Denkmal in unserem Blatt zu errichten, sind wir zwei Tage bei Geschäftsleuten umhergelaufen, um Erkundigungen ein- zuziehen. Wir wollten uns aber über den zweiten Krach mit nicht geringerer Sorgfalt informieren als über den ersten. Herr A. be- hauptet seelenruhig, daß der„Konsum-Sparverein Südwest"„nickst einen Pfennig auszahle". Von anderer Seite wird gemeldet, daß der größere Teil der Interessenten voll befriedigt und dann plötzlich die Zahlungen eingestellt worden seien, so daß ine übrigen leer auS- gingen. Die Pleite des Vereins wird in Verbindung gebrackst mit der Pleite seines Vorsitzenden und Rcndanten Kaufmann Saude, der ein Ladengeschäft hatte und selber zahlungsunfähig geworden ist. Hierbei wird manchem nicht recht klar sein, was die gähnende Leere in dem Pribatportemonnaie des Borsitzenden und Rendanten den Berein und seine Sparer angelst. Wer etwa glaubt, daß wegen solcher Vorkonnnnisse d i e S p a r- Wirtschaft tn Berlin und Umgegend endlich ein- mal aufhören iverde. der irrt. Wir sagten das schon in unserem ersten Artikel, und wir können heute hinzufügen, daß bereits andere Vereine tätig sind, den„Nabatt-Sparverein deutscher Haus- frauen" wie den„Konsum-Sparoerein Südwest" zu beerben, d. h. die enttäuschten Sparer zu sich herüberzuziehen. In Berlin ist wirklich dafür gesorgt, daß die Sparer nicht alle werden. Die Neujahrsnummer de»„Wahre» Jakob" ist eingetroffen und wird von heute ab in der Buchhandlung Vorwärts aus- gegeben. Die Pakctbestelluvg an Sonn- und Feiertagen wurde im Ober- Postdirektionsbezixk Berlin im Juli d. I. zur Förderung der Sonn- tegsrnhe der Beamten aufgehoben. Die Maßregel galt als ein Ver- such, der auf das ganze Reichs-Postgebiet ausgedehnt werden sollte. Dies wird im Februar 1396 geschehen. Dann wird hei sämtlichen Postämtern an Sonntagen und an den Feiertagen, au denen der Schalterdienst beschränkt ist, eine Bestellung von Paketen nicht mehr stattfinden. Um in dringenden Fällen dem Empfänger die Möglich- lest zu gewähren, Pakete zu erhalten, können dann nicht nur die Paketabholcr die Pakete an den Sonntagen während der Stunden, da dl« Schalter geöffnet sind, abholen, sondern jedermann kann dann seine Pakete abholen. Nur für den Fall, daß die Abholung zu großen Umfang annehme und zu wei entlichen Unzurräglichkeiten führen sollte, ist der Widerruf vorbehalte». Fällt ein Feiertag auf einen Sonnabend oder einen Montag, so findet an einem der beiden Tage eine Bestellung von Paketen statt. In jedem Bezirk wird nach der Bedeutung des Feiertags besonders bestimmt, ob die Bestellung am Sonntag oder an dem Feiertag stattfinden, soll. Bestellt Iverdenl Sonn- und Feiertags nach wie vor Eilpakete.. Auch ist von der Beschränkung der WeihnachtS-, Oster- und Pfingstverkehr ausge- nommen. So findet in Berlin in diesem Jahre nicht nur am nächsten Sonntag, sondern auch an beiden, Weihnachtsfciertagen eine Paket bestellung statt. Der Gasverbrauch l« Serlin. Zum e r st e n m a l feit dem Be« stehen der städtischen Gaswerke suid g est et« mehr als eine Million Kubikmeter K aS pon den städtischen Werken an den Konsum abgegeben worden. Es wurden nämlich nicht weniger als 1 995 399 Kubikmeter verbraucht, d. h. mehr Gas an einem Tage als der ge samt« Jahreskonsum anderer Städte, wie z. B. Apolda. Emden, Oppeln, Schweidnitz ec. beträgt. Eine Geiicralvcrsammlnng der Milchzentrale fand am Donnerstag in der Brauerei Friedrichshain statt. Auf der Tagesordnung standen diesmal nur die üblichen Geschäftsangrlegeuheiten. sowie die Be- schlußfassung über die Bilanz für das mit dem 39. September 1995 ablaufende Geschäftsjahr. Zum 39. Septeinbec>994 hatte die Milchzentrale einen buchniäßigcn Gewinn von 48 395 Mark heraus- gerechnet, wobei sie an rückständigen Beiträgen ihrer Mttglieder auf Debitoreiikviilo nicht iveniger als l 93y,894 Mark und ans Provisionskonto 184.352 Mark als Aktiven eingestellt hatte. Außerdem hatte man das Genosseiischaflekapiral im Voraus um den Betrag von rund 384999 Mark übertragenen Verlustsaldo voin Jahre 1993 gekürzt, während die Haftsilmmen der Genossen sich um 513999 Mark herab- gemindert halten. Herr Ring, der wieder über die Geschäftslage berichtete, konnte den Genossen wiederum mitteilen, daß. wie im vorigen Jahre, nachdem das Debitorenkonto und Provisionskonto der Genossen keine wesentliche Verändermig erfahren hatte, ein buch. mäßiger Gewiim in Höhe von 37 000 M vorhanden sei, der eben« falls, wie im vorige» Jahre, nicht zur AiiSzahtllNg gelange. Die Anzahl der GeschästSanteile, die am 39. September 1098 42 938 betrug, ist inzwischen am 39. September 1995 auf 29 935 zurück- gegangen. Die Haftsummen haben eine entsprochende Ber- Minderung erfahren. Herr Ring und ein Schullehrer Borchert aus Neu-Hollaud ergingen sich hierauf in sehr lebhaften An- griffen gegen die Meierei Bolle wegen der bekanntlich in einem Prozehverfahren der Milchzentrale erfolgten Preisgabe des Geheimvertrages. Ebenso heftige Vorwürfe wurden gegen den Ver- band der Milchhändlergenoff'enschaften erhoben, dem die Einfuhr der dänischen Milch nach Berlin zu perdanlen sei. Der„demokrsttischen" Presse wurde der Vorwurf gemacht, dah sie den gesuiidhettlicheii Be- denken, die die Milchzentrale gegen die dänische Milch in lleberei»- stimmung mit Autoritäten wie Dr. Engel und Professor Ostertag vorgebracht habe, nicht die gebührende Beachtung geschenkt hätte Herr Ring teilte gleichzeitig mit, daß der Vorsitzende de» AufsichtS- rats, Herr v- Bredow-Laiidin, dessen Amlsperiode abgelaufen sei, Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den eine Wiederwahl nicht mehr annehme. Nachdem dann drei andere» Feiertagsverkehr auf der Hochbahn. Die Hochbahn hat für die ausscheidende Aufsichtsratsmitglieder wiedergewählt waren, legte der Wcihnachtsfeiertage einen besonderen Fahrplan ausgearbeitet, der Vertreter der Raihsdorfer Milchverwertungsgenossenschaft gegen alle Beschlüsse der heutigen Generalversammlung schriftlich Protest ein. Einbruch bei einem Juwelier. Gestern Nacht wurde in dem Goldwarengeschäft von Paul DubinSki, Jernsalemerstraße 62. ein Einbruch verübt, indem die Diebe aus der Scheibe des vergitterten und erleuchteten Schaufensters ein kleines Dreieck ausschnitten und mit langen, wahrscheinlich für diesen Zweck besonders angefertigten Zangen etwa ein Dutzend goldener Ketten und Broschen einzeln durch die engen Maschen des Gitters hindurchholten. Zum Glück werden die wertvollen Brillantringe,-Broschen und-Ohrringe all- 'abendlich entfernt, sodah der Schaden kein allzu großer ist. Er siaunlich ist es, daß die Diebe Zeit fanden, ihren immerhin um- ständlichen und zeitraubenden Diebstahl an dem hell erleuchteten Fenster, vor welchem auch nachts beständig Passanten stehen bleiben, unbemerkt ausführen zu können. Unter der Maske eines Telephonarbeiters treibt gegenwärtig ein gefährlicher Bursche in den westlichen Vororten sein Unwesen. Ein etwa 39 jähriger Mann versucht sich dadurch Eingang in die Wohnungen zu verschaffen, daß er angibt, er sei Telephonarbeiter und habe am Fernsprecher zu schaffen. Ist der Wohnungsinhaber nicht anwesend, so stellt der Fremde fcm Dienstmädchen unsittliche Anträge. Außerdem hat es der gefährliche Geselle ans Diebstähle abgesehen ES sei daher vor dem falschen Telephonarbeiter dringend gewarnt. Traurige Weihnachten sind der Familie des Kaufmanns Karl valenttn aus der Pasewalkerftraße beschieden. Als V. gestern morgen aus dem Weg zu seiner Arbeitsstätte begriffen war, wurde er an der Plantagenstraße plötzlich von einem vorüberfahrenden Grünkran,- wagen umgerissen und die Räder des Gefährts gingen dem Be- dauernswerten so unglücklich über den Hals, daß die Wirbelsäule gebrochen wurde. V. wurde nach der Unfallstation in der Lindower- strahe getragen, Ivo ihm die erste Hülfe zu teil ward. In fast hoffnungslosem Zustande fand er in dem Krankenhause in Moabit Aufnahme. Eine erschütternde Nachricht erhielt der Kaufmann K. aus der Elsasserstraße, dessen Frau, geisteskrank, längere Zeit in einer Nervcneilanstalt in Pankow untergebracht war. Da sich ihr Zu- stand wesentlich gebessert hatte, ließ K. seine Gattin wieder nach der Wohnung kommen, hielt jedoch auf Anraten des Arztes eine Pflegerin, welche auch nachts mit der Kranken zusammen schlief. Trotzdem war es Frau K. gelungen, in der vorgestrigen Nacht unbemerkt ihr Bett zu verlassen und nur leicht bekleidet die Flucht zu ergreifen. Gegen drei Uhr früh bemerkte ein Schutzmann in der Straße am Weidendamm eine Frau, die sich dort in ausfälliger Weise bewegte und, als der Beamte sich ihr näherte, über das Ge- länder hinweg in die Spree sprang. Der Schutzmann machte sofort den Rettungskahn frei, doch gelang eS ihm erst nach etwa einhalb- stündigem Bemühen den Körper der Lebensmüden zu landen, deren Tod bereits eingetreten war. Die Selbstmörderin war Frau K., die von ihren Angehörigen noch gar nicht vermißt worben war. Erst als ein Beamter den Kaufmann gegen 6 Uhr morgens in schonender Weise von dem Tod seiner Frau Mitteilung machte, konnte dieser feststellen, daß die Kranke den seit mehreren Tagen vermißten Haus- und Korridorschlüssel sich heinckich angeeignet und den Selbstmord planmäßig zur Ausführung gebracht hat. Berliner Luftschiffer in Lebensgefahr. Ein eigenartiger Unfall er- eignete sich während der Fahrt eines Ballons der Berliner Luft- schifferabteilung, der gestern nachmittag gegen 3 Uhr über Simmers- dorf bei Forst N.- L. in nordöstlicher Richtung auf die Reißmühle zuflog. Anscheinend war das Luftschiff schon im Fallen begriffen, denn es bewegte sich in der verhältnismäßig nur geringen Höhe Uber dein Gelände fort. Kurz vor der Reißmühle geriet der Ballon in die Hochspannungsleitung der Forster Holzwollwerke, verwickelte sich dort in den Drähten, geriet in Brand und explodierte plötzlich unter einer gewalttgcn Detonation. In dem Korbe befanden sich drei Offiziere der Lufrschifferabteilung, die aber glücklicherweise sämtlich unverletzt blieben. Die Holzwollwerke mußten sofort den Betrieb einstellen, da von den Drähten der Leitung einer gerissen war. Nur dem Umstände, daß der Korb des Ballons noch nicht den Erdboden berührte, daß also eine Verbindung mit der Erde und der Slromleituiig noch nicht stattfand, ist es zu verdanken, daß die Insassen mit dem Leben davongekommen sind. Die Luft- schiffer hatten ursurüizglich die Absicht, auf dem Wiesengelände der Reißmühl« zu landen._ geeignet ist, den stärksten Anforderungen zu genügen. Im allgemeinen wird am Sonntag, Montag und Dienstag Tonntagsbetrieb einge- richtet. Es sind aber Vorkehrungen getroffen, den Beirieb bei Be- darf nachmittags so zu verdichten, daß sich die Züge auf der Ost- und auf der Weststrecke in Abständen von 2— 2 Vi Minuten folgen. In zehn Minuten verkehren dann immer fünf Züge in jeder Richtung. Zwei davon verkehren zwischen Osten und Westrn unmittelbar, zwei gehen vom Osten nach Westen und zurück über den Potsdamer Platz, und einer verkehrt zwischen dem Westen und den: Potsdamer Platz. Es entsteht so auf der Oststrecke eine Zugfolge von. 2Vj, auf der West- strecke eine solche von 2 Minuten im Verkehr mit dem Potsdamer Platz. Große Sehnsucht nach dem ZirkuS Busch veranlagte einen Berliner Gemeindeschnler. folgenden Brief an die Direktion zu schreiben: „Libbär Här sirkuß Busch lasen sie mir doch mal bei ihnen rein. Libber Här sirkuß Busch du bist ein Aelewand hat mein Vater gesagt un ich habde gebäten das er mir inal bei sie rein- gehen lasen tut im ich habe eine so gntte Zensur gebracht ich mus nämlich die Tigger sän, weil ich die Dire sälber fangen wil wenn ich erst grojs bin un das ist sicher ich krigge die Dinger und ich bringe Sie mit. Liber Här Sirkns schenke mich doch ein Billjedd Fritz G.... Schüler der.... Gemeinte- schule in der 7. Klose ..... strafte 8 How 3 Träbben lings." Mit der„guten Zensur" scheint die Sache wohl nicht ganz zu stimmen. Verloren gegangen ist die Russenliste Nr. 7672. Es wird um Abgabe gebeten bei Creßmann, Hochmeisterstr. 19. Vermißt. Die unverehelichte Frieda Kubbe. am 5. April 1876 in Berlin geboren, Dorkstraße 62b bei der Mutter Ivohnhasr gewesen, wird seit dem 11. September d. I. vermißt. Sie ist mittelgroß, hat dunkle Haare, blaue Augen, blasse Gesichtsfarbe, kräftige Statur und im Genick eine siinsmarkstückgroße Narbe. Bei ihrem Fortgange war sie bekleidet mit einem rot-wcißpnnktierten Jackett, salz- und pfefferfarbigem Rock, unten mit Saint- einfassung. grauen Segeltuchschuhen. Regeninantel mit grünen, Lederpaspel. schwarzen Strümpfen. weißer Wäsche und ohne Kopfbedeckung. Die Kubbe. welche geistesschwach ist. ist schon wiederholt Wochen- und monatelang verschwunden gewesen. Da sie bis jetzt nicht zurückgekehrt ist und oaher angenommen werden muß. daß sie irgendwo verborgen gehalten wird, so wird eine Belohnung von 39 M. seitens der Angehörigen demjenigen zugesichert, welcher nähere Angaben über den Aufenthalt bezw. Verbleib der Vermißten machen kann. Nachrichten werden in jedem Polizeirevier und bei der Kriminalpolizei,«lexanderstr. 3/8. 2 Treppen. Zimmer 334. schriftlich und mündlich zu Tagebuchnummer 7565. IV. ZZ. 95 ent- gegengenommen. DaS Passage-Panoptikum hat eine eigenartige Schaustellung auf« zuweisen: Zirka 59 Marokkaner in den Sitten und Gebräuchen threS Heimatlandes zeigen sich alltäglich in diesem Etablisiement. Eine zeitgemäße Reminiszenz Der„Wegweiser zum Zukunftsstaat", der i», politischen Teil des„Vorwärts" gestern besprochen wurde, erinnert vielleicht manchen alten Berliner Genossen an den„Bolksfreund". der vor etwa 2l Jahren in Berlin herausgegeben wurde, bald nachdem der Vorwärts", damals„Berliner Volksblatt", erschiene» war. Der „Volksfreund" erschien auch unter sozialdemokratischer Maske und spielte den Berliner Bauernfänger, indem er es mit dem„Syzia- lismus der dummen Kerle" versuchte und besonders auf die reichen Juden schimpfte. Die Polizei verhalf dem„Berliner Bolksfreund" schnell zu emem unverdienten Ansehen, indem sie ihn � wie auf Bestellung— verfolgte. An den Litfaßsäulen prangten große Plakate mit Einladungen an die Arbeiterschaft, auf den„Bolksfreund" zu abonitteren. Einige radikal klingende Phrasen in der Ein- ladung gaben die äußere Veranlassung, daß die Plakate von der Polizei entfernt wurden. Da§ war die erwünschte Reklame! das machte Sensation in der Arbeiterschaft und Abonnements wurden massenhaft angemeldet. Bald zeigte der .Volksfreund" sei» wahres Gesicht als Volksfeind und zog nach Kräfte» gegen das sozialdemokratische„VolkSblait" vom Leder. Das ivar sein Tod! Die lonservaliv-antisemitischei, Gründer hatten eS zu eilig, den,„VolkSblait" die zuströmenden Abonnenten zu rauben. und den Arbeitern, die auf die erste Sensation hineinfielen, wurden schnell die Augen geöffnet. Man beeilte sich, das verleumdete „Volksblatt" kennen zu lernen und die Abonnements wurden schnell umgewandelt in solche für das sozialdemokratische Blatt, den heutigen „Vorwärts". Der„Volksfceund" aber mutzte nach kurzer Lebe«» freude in die Grube fahren!— Vermischtes. Ein Zweitklassiger ans der Untergrundbahn. Einen wunder lichen Auftritt, der sich auf dem Bahnhof„Potsdamer Platz" der llntergrnndhahn abgespielt hat, teilt uns ein Parteigenosse mit. Es war abends um 5 Uhr, und auf de», Bahnhos herrjelste, toie immer um diese Zeit, ein reges Leben. All« paar Minuten kam ein Zug, um den gewaltigen Andrang des Publikums zu bewältigen. Wieder fuhr ein Zug ein, da rissen die Schaffner die Türen auf und riefen;„Alles aussteigen, nicht einsteigen, bitte!" Im Nu leeren sich die Wagen, das„Fertig!" erschallt, und der Zug rückt weiter vor. In demselben Augenblick tritt ein elegant gekleideter Passagier an einen der Schaffner heran und examiniert ihn:„Sagen Sie mal, hat Ihnen die Direktion befohlen.„Alles aussteigen!" zu rufen?"„Jawohl." erwidert der Schaffner,„ich habe noch„bitte" hinzugefügt."„Alles aussteigen?" wiederholt der Elegante. „Jawohl, alles aussteigen!" erklärt ein zweiter Beamter, der herangetreten ist,„das ist richtig gesagt."„Das ist aber sehr u>,- an stand i gl" tadelt her gestrenge Examinator. Das Publikum, das tziesc Unterhaltung mit anhörte, sah den Nkann des guten Tones verwundert an. Als ein Paffagier ihm seine Meirning sage» wollte, zog der Anstandswächter sich in den ztveitklassigen Wagen eines eben eingefahrenen Zuges zurück und sckzalt von dort ans über„Un- anständigkeit" des Beamten. Was der Zweitklassige eigentlich wollte, wurde nicht recht klar. Verdroß ihn das unpersönliche„Alles"? Unser Gewährsmann vermutet, daß das ein ostelbischer Kornjunker war, der ttnen„seiner" Leute vor sich zu haben glaubt«. Er macht den Vorschlag, für solch« Paffagiere zweiter Klasse auch Schaffner zweiter Klasse anzustellen. WM. WWMWWWMM 6.N0-l0.00, Weißkohl 6,00-8,00, Rotkohl 4,00-8,00. Holl. ______________ gaitt« Gurft», Schock 8,00 M, Pscfiergurt«» 2,00 M. Inseratenteil veranttp.: Th. Micke» Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärt» Buchdruckerei u, Verlagsansta'.t Paul Tinger äi?o. Weihnachtsgeschenke, aber nicht für Praletarier. Die moderne Industrie und Technik haben sich auch deS Spiel- zeuge» bemächtigt und bringen Schöpfungen hervor, die allerdings nicht dem Portemonnaie des gewöhnlichen Sterblichen zugänglich find. Aber in die Kinderstuben der Königsschlösser finden sie notür- lich leicht ihren Weg,— ebenso freilich auch in die der Milliardär- palästc. Wahre Wunderwerke werden da geschaffen. So wurde zum Beispiel jüngst für die kleinen russischen Großfürstinnen ein Dessertserviee angefertigt, das eine in allen Einzelheiten ganz genaue Nachbildung eines solchen darstellte, das ihre Eltern als Hochzeitsgeschenk erhalten hatten. Daneben kann sich aber wohl ein anderes sehen lasse», dessen sämtliche Stücke ein berühmter Künstler selbst entwarf und bemalte. Miniaturelsenbahnen und-Auwmobile. Küchcnausstaitungcn in gediegenem Silber, komplette Stall- einrichtungen. wo der Beschlag der Geschirre ebenfalls aus Silber besteht, kosten natürlich auch ein tüchtiges Stück Geld. Doch immer noch nicht so viel wie eine richtige, elegante, moderne Puppe, deren Kleid aus schwerster Seide gemacht und mit den kostbarsten echten spitzen bedeckt ist. mährend den riesigen Hut die prächtigsten Straußenfedern schmücken. Vor allem aber gehört zu einer Puppe dieser Art eine vollständige Ausstattung von Toiletten der ver- schiedensten Art: Reisetleider, Schlaf- und Morgenröcke, Ballroben. Äbendmäntel. Pelzgarnituren und ein vollständiger Trousseau von feinster Batisttväsche mit Spitzenbesatz. Koffer und Schränke in allen Großen vervollständigen die Equipierung, zu der auch noch echter Schmuck in Puppendimensionen gehört. Ein Weihnachtsgeschenk. daS ganz New Dork Gesprächsstoff liefert, besteht aus einem P a l a st in der vornehmen Fünften Avenue, der im Auftrage eines Herrn von einer Maklerfirma heimlich angekauft worden ist und einer Dame, deren Name npä) nicht bekannt ist. als Weihnachtsgeschenk gewidmet werden soll. Etwa« Neues ist ein modern eingerichtetes Puppen- haus mit einem durch vier Stockwerke gehenden Fahrstuhl, elektrischem Licht und teurer Porzellan-Ausstattung. Selbstverständlich gibt es auch Automvbil.Garagen mit Automobile» neuesten Modells, die mit starke« Licht gebenden Lampen und tutenden Huppen ausgestattet sind. Die größeren Modelle können wie Zweiräder in Bewegung gesetzt werden. tv II» eruiiaSttv erficht l>oi» 28. Dezember I»«s, Iiiorariis«Uhr. e S* 5? M Ü- «? -? a e a e 9-Wara»sa!747 NN Petersburg 748 ÄLW Seilly|77l 33® .ibct&cen 1764 30© Laeis 776 3 3® aficitee S bedeckt i! bedeckt 2 bedeckt Wetter-Prognose fit« Tönnnbend, de» 23. Dezember 1905. Ein wenig kühler, zeitweise ausklarend, vorwiegend noch trüb« inst geringen Niederschlägen und mäßige» weltlichen Waiden. Berltn«, W.ilerburrou. Berliner Marktpreise. Nu» dem amtlichen Bericht ber städtischen Markthallen-Dircllton. Niudsieisch la 64- 68 pr. 100 Pfund, IIa 58—61, lila 50-55, IVa 40-43..Kalbsleiich ja 84-00, IIa 78-82, Ikla 53-70, fommelflcisch la 84—75, Na 48—82. Gchweüiesleisch 68—75. Rotwild fluid 50-57 Pf. Hasen Stück 3,40-3,70, mittel 2,50-3,20. Kallinchen Stück 0,80-1,00. Hühner pro Glück, alte l.L0-l.7S. junge 1» 0,80- l, 30. do. IIa 0,60-0,70. Tauben, junge 0,00-0,00. alte 0,45-0,45, tntcu junge 1,80-2,50«älise pro Stück la 3.80-4.20, IIa 3.80-3,00 pro Pfd. U 0,60 0,68, II» 0,55—04)8. Schellfische 26 M.. Flunder 18 M. pro 100 Pfd fechte 8 t-SO M.. Schleie, unsortiert OO.Ou M. Aale, groh 0,00, mittel 0,00, klein 0,00, Plötzen 24 M., Karpfen uns.«6 M., tlachs 110—120. Schottische Pollderina« fgesalzen) 36—38 M Eier, Schock 5,00 Butler pro 100 Pfand la 124-126, IIa 118-124, lila 115-118, 05-110. Kartoffeln pr. 100 Psd. vole 2,00-2.20, Rosen blaue 0_,Q0— j),00, runde weihe j, 80— 3,00. Wirsingkohl absagende 0,00-0,00, pr. Schock 18-17 SR. st. so». N. MMs. 3. Seüniie Uro„PotiDitls" �tdintt PoHisblült w»-»« Hua der fraiienbcwegung. Mehr Agitation unter dem weiblichen Proletariat. Ungemein hoch gehen überall die Wogen der Politik. In den Parlamenten, weil mehr aber noch draußen in den Massen. Wie tönnle es auch anders sein? Zwei Hauplmomente im gegenwärtigen politischen Leben, die vollständig entgegengesetzler Natur sind, wirken aber aus die Massen in gleicher Richtung: die russische und die preu�ßisch-deutsche Reaktion. Beide peitschen die Massen geradezu auf aus ihrer Lethargie, stacheln auf zur intensiveren Beteiligung am Klassenkampf. Die russischen Freiheitskämpfer, Märtyrer und Helden rufen unser Staunen, unsere höchste Anerkennung und Bewunderung wach, sie entfachen durch das Beispiel revolutionärer Tatkraft und Energie, das sie geben, unsere Begeisterung, unseren Kampfesnmt. Umstrahlt von dem Gluischein der rassischen Revolution, erscheinen aber auch alle die veralteten, rückständigen Einrichtungen in Preusien- Deutschland um so grotesker, und in jenem Schein empfinden bor allem die Enterbten und Geknechteten um so drückender alles Unrecht: die mahlose Aus- beutung gepaart mit der Rechtlosigkeit. Muß mcht die Bevölkerung der einzelnen Bundesstaaten die Vorenthaltung des allgemeinen direkten und gleichen Wahlrechts zu den Landtagen als ein um so größeres Uiuecht, als eine um so brennendere Schmach und politische Degradation empfinden, an- gesichts der Tatlache, daß das russische Proletariat den Wechselbalg von Verfassung, den NikoläSchen ihnen.gnädigst" gewähren wollte, ihm zerrissen vor die Füße warf und ganze Arbeit verlangte? Muß nicht die Röte der Scham und der Empörung dem deutschen Proletariat die Wangen färben, angesichts der reaktionären Fassung und der noch reaktionäreren Auslegung und Handhabung der buntscheckigen Vereins- und Versammlungsrechte, grund dessen die Arbeiter und noch weit mehr die Arbeiterinnen wie Unmündige und Idioten behandelt oder gleich Verbrechern förmlich unter ständige Polizeiaussicht gestellt werden? Müssen die Massen es nicht als einen unerträglichen Zustand empfinden, daß ihre Wortführer in der Presse und in Versaimnlungen unausgesetzt das Damoklesschwert der strafrechtlichen Verfolgung über ihrem Haupte schwebend wissen? Und zu all' der Rechtlosigkeit unseres Volkes die Ausbeutung der Arbeitskraft durch das goldhungrige Unternehmertum, das jeden Versuch seiner Lohnsklaven, den gar zu kargen Lohn nur um ein weniges zu erhöhen, die gar so kurze Sklavenrast um ein weniges zu verlängern, mit den brutalsten Gewaltmaßregeln zu unterdrücken versucht. Welches Matz von Empörung muß nicht z. B. die Herzen unserer thüringischen und sächsischen Arbeitsbrüder und Schwestern beseelen, die zu 49— 60 000 ausgesperrt wurden, weil sie den Zehn- stundentag und ein paar Pfennige mehr Lohn verlangten, während an so vielen Orten Rritzlands die Arbeiterschaft trutziglich den Acht- stundentag reklamiert. Dazu die schier unerträgliche Belastung durch das verwerfliche System der indirekten Besteuerung, deren Erträgnisse in der Haupt- fache dem blutgierigen, völkerfeindlichen und völkerverderbenden Militarismus und Marinismus geopfert werden. Nicht genug, daß monatelang das Volk zu Nutz und Frommen der Ochsengrafen und schweinezüchtenden Minister unter der Fleisch- not gelitten hat und heute mehr denn je leidet, nicht genug, daß das Inkrafttreten der neuen Handelsverträge, die eine weitere enorme Belastung der Massen bringen, vor der Tür steht: an der weiteren Plünderung unserer Taschen sollen in Zukunft, in noch erhöhterem Matze als bisher, auch die Kanoucnkönige und Panzerplattenfabrikanten teilhaben.(Siehe die Flottenvorlage.) Und als Weihnachtsgeschenk überreicht der Herr v. Stengel ein wunderschön gebundenes neues Steucrbukett. Wahrlich die Schafögeduld des deutschen Michel müßte endlos sein, würde ihn all dieses und noch so vieles andere mehr, nicht geradezu aufreizen zum Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung. So ist die Luft gleichsam gesättigt mit dem Zündstoff der Unzufriedenheit. Es gilt ftir uns lediglich denselben nutzbar zu machen für unsere Allgcmeinbewegung, im besonderen aber auch für unsere F r a u e n b e lv e g u n g. In letzterer Beziehung sollte mehr geschehen als dies in jüngster Zeit der Fall gewesen ist. Bei allen Veranstaltungen seitens unserer Genossen, mögen diese der Agitation im allgemeinen, mögen diese der Erkämpfung uns bisher vorenthaltener Rechte dienen, sollte man es nicht unterlassen. sich auch besonders an die Frauen zu wenden. Just diese Zeit der Gärung und allgemeinen Regsamkeit, sie darf nicht ungenutzt in bczug ans die Aufklärung der proletarischen Frauenwelt vorübergehen. Jeder, der von uns mitten im Kampfe, in der AgitationS- und OrganifationSarbeit steckt, iveiß aus Er- fahrung, daß in solchen Zeiten die Masten sehr empfänglich sind für das geschriebene und gesprochene Wort, daS der Aufklärung dient, das aber auch aufruft zur Mitarbeit, zuni Mitopfern. Kräfte, die schlummern, werden dann weit leichter geweckt als sonst. Der Klasscninstinkt reift gleichsam über Nacht zum Klassenbewußtsein. Alle unsere Genossinnen, die im Dienste der Partei tätig sind— und dabei denken loir nicht etwa nur, nicht einmal in erster Linie. an die kleine Schar unserer Rednerinnen, o nein! wir denken in erster Linie an all die fleißigen, opferfreudigen, treuen Genossinnen, die von vielen ungekannt und ungenannt, die so wertvolle und uu- entbehrliche Kleinarbeit unermüdlich leisten— haben sicher gerade in der letzten Zeit mit uns oft das Geflihl gehabt: Hätte» wir statt der einen Zunge doch deren zwanzig, statt der zwei Hände und Beine doch deren vierzig, um mehr schaffen, mehr arbeiten, mehr agitieren zu können, um die schier unermeßliche Fülle von Agitations- Material bewältigen zu können. Aber an vielen Orten haben wfr noch keine solcher Mitarbeiterinnen. Wo uns Mitarbeiterinnen fehlten, müßten die Genossen, sollte die örtliche Parteileitung helfend ein- greifen. Die Nottvendigkeit etiler intensiveren Agitation unter dem Weib- lichen Proletariat auch an diesen Orten wird von niemand bestritten werden. Zudem erweisen die oben gemachten Ausführungen diese Notwendigkeit aufs neue. In einem späteren Artikel werden wir deshalb die Art, das „Wie" dieser Agitation erörtern. _ Louise Zietz. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 24. Dezember, vormittags 8'lt Uhr, im Rathause, Saal 109, Eingang Jüdenswaße: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung.— Um 1(3'/, Uhr vormittags in der Schul-Aula, Kl. Frantsurterstr. 6: Vortrag des Herrn Adols Stern:„Hingade und Charakterstärke."— Montag, den 25. Dezember, vorm. 10'/, Uhr, ebendaselbst„Feftvortrag" des Herrn Pros. Dr. Albert Gehrkc.— DieuStag, den 26. Dezember, vorm. 10'/, Uhr, ebendaselbst Festvortrag deS Frl. Ida Altmann.— Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Bonntstr bla 8 Uhr geOlftiet. Sielmann& Rosenberg, Grosses Spezial-Haus für Damenkonfektion' Fahrgelegenheit überall, 2 Häuser vom Dönhoffplatz. 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