Nr. 302. Bbonncmcnts-BedinguRgen: BSonnementS■ PrciZ(jtänumetcnbo: «ierleljährl. S30 Mk. inouall. tto Marl, für das übrige LuSlanb 8 Marl pro Monat ÄZ. Jahrg. CrtAtiit täglich auStr Dlcatigi, Berliner Volksblnkl. Die Tnfertions'GebQDr betrügt für die sechSgespaltene lloloncl. zeile oder deren Raum 40 Pig. für politische und gewerlschastliche Vereins- und»ersainnilnngS.Rnzeigen 26 Pfg, „Kleine Hnzctgcn", das erste(fett. gedruckte) Wort 10 Pfg» jedes weitere Wort 6 Psg, Worte über 16 Buchstaben zühien für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben tverden. Die Expedition ist an Wochen- lagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet Telegramm- Ndresse: „SoiUliltiD«lint Berit*". Zcntralorgan der fozialdcmokrati fehen Partei Deutfchlands. Redaktion: 801. 68, Lindenstrasat 6g. 1 DvNNerstaq, bell Ä8. Dezember 1905. ttrrnwrecher: Mm» IV, Nr. II»«». P____ 2_ Expedition: 8ÖQ. 68, Lindenatraaae 69. Zpernivrerlier: Mm» IV. Nr. 1384. Plutokratische Wahlentrechtnng. Während Gescheitelte und Geschorene von der Kanzel her- ab die Weihnachtsbotschaft„Friede auf Erden" ver- kündeten und die liberale Presse in allen möglichen Variationen von der seelischen Erlösung der Menschen durch seine Erhebung zu den hohen Idealen des reinen Menschentums faselte, hat ein Teil der deutschen Bourgeoisie sich einen politischen Streich ge- leistet, der an die Durchpeitschung des Zolltarifs in der Advents- nacht des 13. Dezember 1902 erinnert und sich als die blutigste Persiflage auf die verlogenen kirchengläubigen und frei- sinnigen Tiraden darstellt, mit denen in den letzten Tagen die Christeuwelt massenweise gefüttert worden ist. Wie damals vor drei Jahren die Gier nach den Vorteilen des neuen Zoll- tarifs alle Stützen des offiziellen Christentums, die protestan- tischen wie die ultramontanen, dazu trieb, im Bunde mst den uationalliberalen Vertretern der grohindustriellen Pluto- kratie noch wenige Tage vor detn„Friedensfest" das er- schacherte Tarifgesetz unter Dach zu bringen, so hat diesmal der Wahlrechtsprüfungsausschusi der Hamburger Bürgerschaft noch die Nacht vor dem Heiligen Abend dazu benutzt, mit dem Wahlentrechtungsplan hervorzutreten, durch den Hamburgs liberales Bürgertum seine infame Jnteressemvirtschaft aufrecht zu erhalten gedenkt. Die Hamburger sozialdemokratische Arbeiterschaft hält, ob- gleich sie bei der letzten Reichstagswahl 100 000 gegen 00 000 gegnerische Stimmen aufbrachte, nur 13 Sitze des Hamburger Parlanients, der sogenannten„Bürgerschaft", besetzt. Das ist, da die Bürgerschaft aus 160 Mitgliedern besteht, nur eine geringe Minorstät; und wenn auch die Aussicht auf eine spätere beträchtliche Vermehrung der sozialdemokratischen Vertretung besteht, so erscheint es doch als ganz ausgeschlossen, daß unter dem geltenden Wahlrecht jemals die Arbeiterschaft ein Ueber- gewicht in der Bürgerschaft erlangen könnte; denn nur di« Hälft« der Ha IN burger gesetzgebenden Körperschaft geht aus allgemeinen Wahlen hervor, ein Viertel wählen die Grundeigentümer, ein Zweites Viertel die sogenannten„Notabeln", d. h. die gegen- wärtigcn und ehenialigen Mitglieder der Gerichte und der Verwaltungsbehörden. Diese beiden Kategorien sind der Sozialdemokratie völlig verschlossen. Aber auch die übrigen Lv Sitze vermögen sie niemals zu erobern, denn an den all- fgemeiiien Wahlen dürfen imr Hamburger Bürger tellnehmen, die mindestens 5 Jahre hintereinander ohne Unterbrechung ein Einkommen von 1200 M. versteuert haben. Dazu kommt, daß sämtliche Wähler der ersten und zweiten Klasse, d. h. der Notabeln und Grundeigentümer, auch in der allgemeinen Wählerklasse Stimmrecht haben. Ein Mitglied einer Ham- burger Verwaltungsbehörde, das zugleich Hauseigentümer ist. wählt also dreimal: erstens bei den Notabeln-Wahlen, zweitens in der Klasse der Grundeigentümer, drittens bei den all- gemeinen Bürgerschaftswahlen. Trotzdem das bestehende Hamburger Wahlrecht also völlig ausschließt, daß die Sozialdemokratie eine Majorität in der Biiraerschaft zu erlangen vermag, paßt der Hamburger Handelsbourgeoisie das jetzige Wahlrecht nicht in ihre Cliquen- und Vetternwirtschaft. Als sich 1896 das Ham- burger Großbürgertum unter dem Druck der Entrüstung, die allenthalben in der Welt die durch die Choleraepidemie ent- hüllte Klüngelwirtschaft des„Freistaates" hervorgerufen hatte, zur Einführung des jetzigen Wahlsystems entschloß, rechnete sie nicht mft einer ernsthaften Arbeitervertretung. Im Sinne des bekannten Laeiszschen Wahlspruches„dlundus vult öecipi"(die Welt will betrogen sein) suchte man zwar nach außen den Anschein zu erwecken, als bräche man mit dem bis- herigen Korruptionssystem: ein ernsthafter Verzicht auf das bisherige einträgliche Cliquenregiment lag aber durchaus nicht in der Absicht der sogenannten maßgebenden Hamburger Kreise. Deshalb wurde als Vorbedingung der Anteilnahme an den allgemeinen Wahlen die ununterbrochene 5jährige Ver- stcuerung eines Einkommens von 1200 M. gefordert. Nach den Stenerlisten war damals die Zahl der Arbeiter, die diese Bedingung erfüllten, eine sehr mätzige; man nahm daher im honetten Bürgertum an. daß höchstenfalls einige wenige Er- wählte der Arbeiterschaft in die Hamburger Volksvertretung gelangen würden— und mit solchen vereinzelten Stören- frieden hoffte man leicht fertig zu werden. Der Ausfall der nächsten halbschichtigen Wahlen zur Bürgerschaft schien diese Kalkulation zu bestätigen. Bei den Wahlen im Jahre 1898 wurde kein sozialdemokratischer Ver- treter gewählt, bei den Wahlen im Jahre 1901 nur ein ein- z i g e r; erst im vorigen Jahr gelang es den Hamburger Ge- nassen. 12 Sitze zu erobern. Mit ziemlicher Sicherheit ist darauf zu rechnen, daß bei der nächsten halbschichtigen Er- Neuerung der Bürgerschaft im Jahre 1907 die Zahl um ein weiteres Dutzend steigen wird. Tie Hamburger Handels- und Advokatenbourgeoisie fühlte sich durch diesen WahlaussJll in ihren heiligsten Grundsätzen verletzt. Vermögen auch selbst zwei oder drei Dutzend sozial- demokratische Vertreter der Hamburger Bürgerschaft nicht ihren Willen aufzuzwingen, so können sie doch in einzelnen Fällen bei Streitigkeiten zwischen den verschiedenen bürgerlichen Fraktionen den Ausschlag geben; zudem aber ist nach der Ham- burger Verfassung zu Aenderungen des Wahlrechts die Zu- stimmung von drei Vierteln der Bürgerschaft erforderlich. Er- langt also die Sozialdemokratie 10 Sitze, so ist sie imstande, ftv««aktionäre Revision des Wahlrechts zu verhindern. In den Kaufmanns-, Reeder- und Advokatenklüngeln wurde daher eifrig für eine Acnderung des Wahlrechts agitiert, und, nach- dem schon vorher an die Stelle der Entscheidung nach relativer Mehrheit die nach absoluter Majorität mit Einführung von Stichwahlen gesetzt worden war, trat plötzlich der Hamburger Senat am 14. Mai dieses Jahres mit einer Vorlage hervor, die für die allgemeinen Wahlen zur Bürger- schaft das Dreiklassensystem forderte. Alle BürgermitwenigeraIs3000 M. Einkommen wurden in die dritte Klasse, die 24 Ab- geordnete wählen sollte, verwiesen. Außerdem sollte, um zu verhüten, daß vielleicht im Laufe der Zeit in der dritten Wählerklasse die Arbeiterschaft den größten Teil der Sitze gewinnen könne, die Proportionalwahl eingeführt werden. Die Vorlage stieß nicht nur in der Arbeiter-, sondern auch in der Kleinbürgerschaft, die sich durch diese Art der„Wahl- rechtsresorm" zu fast völliger politischer Eiuflußlosigkeit verurteilt sah, auf starken Widerstand, und nach längerem Kampfe wurde schließlich das Wahlgesetz an einen Ausschuß verwiesen, der die Nacht vor dem Heiligen Abend für angebracht gehalten hat, endlich offen mit seinen Wahlentrechtungsplänen heraus- zurücken. Der neue Entwurf bedeutet nur eine geringe Ab- schwächung des plutokratischen Charakters der Senatsvorlage. Die Privilegierten-Wahlen bleiben selbstverständlich bestehen, d. h. die Mitglieder des Senats, der höheren Gerichts- und Ver- waltungsbebörden sowie die Grundeigentümer sollen nach wie vor die Hälfte der Sitze des Hamburger Parlaments nach ihrem Belieben verteilen: die andere Hälfte, also 80 Bürger- schaftsmitalieder, sollen von den Bürgern gewählt werden, aber nicht wie bisher nach gleichem Stimmrecht; 48 Vertreter haben vielmehr nach dem Entwurf künftig die begüterten Bürger, die ein Einkommen von mehr als 2500 M. versteuern, zu ivählcu. 8 Vertreter stellen die Landgemeinden, und nur 2 4 Vertreter kommen aus die Bürger mit einem ver steuerten Einkommen unter 2500 Mark. Die betreffenden Bestimmungen des neuen Wahl- gesetzes lauten: 5 1. Die 160 Mitglieder der Bürgerschaft werden aus den nach Art. 32 und 35 der Verfassung wählbaren Bürgern gewählt, und zwar: 1. 80 durch alle Bürger; 2. 40 durch diejenigen Bürger, welche Eigentümer von innerhalb der Stadt belegenen Grundstücken sind; ?. 40 durch diejenigen Bürger, welche Mitglieder des Senats oder der Bürgerschaft oder der in Anlage A zu diesem Gesetze verzeichneten Gerichts- oder Verwaltungsbehörden sind oder gewesen sind. § 2. Ausgeschlossen von der AuSübmig des Wahlrechts sind: 1. diejenigen, welche noch nicht das 25. Lebensjahr vollendet haben; 2. diejenigen, welche keine Einkommensteuer bezahlen oder zur Zeit der Ausschreibung der Wahlenmit deren Zahlung im Rückstände sind, falls sie nicht bor Abschluß der Wählerlisten den Nachweis liefern, daß sie die rückständige Einkommensteuer bezahlt haben; 8. diejenigen, welche entmündigt sind; 4. diejenige», über deren Vermögen das Konkursverfahren er- öffnet ist, bis sie von allen Ansprüchen ihrer Gläubiger be- freit sind; 5. diejenigen, denen durch strafrechtliches Urteil die bürgerlichen Ehrenrechte entzogen sind, während dcS dafür festgesetzten Zeitraumes; 6. diejenigen, welche sich in Straf- oder Untersuchungshaft be- finden. § 3. Von den 80 aus allgemeinen Wahlen hervorgehenden Mitgliedern der Hamburger Bürgerschaft werden 72 im Stadtgebiet, 8 im Landgebiet gewählt. ß 4. Das Stadtgebiet wird zwecks Vornahme der Wahl in zwei Wahlbezirke zerlegt. Bei jeder teilweisen Erneuerung der Bürger- schast werden abwechselnd in einem dieser Bezirke 36 Abgeordnete auf einen Zeitraum von sechs Jahren gewählt. Die Wahl erfolgt nach den Grundsätzen der Verhältnis- Wahl. Gewählt werden können nur Personen. welche auf einer Vorschlagsliste vorgeschlagen find. Die zur Ausübung des Wahlrechts berechtigten Bürger werden in zwei Gruppen eingeteilt: zu der ersten Gruppe gehören diejenigen wähl- berechtigten Bürger, welche in jedem der drei der teil- weisen Erneuerung der Bürgerschaft vorauf- gegangenen Kalenderjahre ein Einkommen von mehr als 2500 Mark versteuert haben, zu der zweiten Gruppe alle übrigen wahlberechtigten Bürger. Die Verteilung der Sitze auf die einzelnen Vorschlagslisten erfolgt rnit der Maßgabe, daß bei der Verteilung von 24 Sitzen nur die von Wählern der ersten Gruppe und bei der Ver- teilung von 12 Sitzen nur die von den Wählern der zweirenGrü'ppe abgegebenen Stimmen berück- sichtigt werden. Bezüglich des Wahlmodus heißt es in dem Gesetzentivurf: Die Wahlen geschehen mittels Stimmzettel. Jeder Stimmzettel ist von dem Wähler in einen mit amtlichem Stempel versehenen Umschlag abzugeben. Bei den allgemeinen Wahlen im Stadtgebiet wird jedem Wähler außer dem zur Aufnahme dcS Stimmzettels bestimmten Umschlage in einem weiteren Umschlage, welcher verschlossen und mit dein Kamen des Wählers und feiner Nummer in der Wählerliste ver- sehen ist, eine Gruppenmarke verabfolgt. Durch die Gruppenmarke, welche von dem Wähler durch Aufkleben auf den von ihm abzu« gebenden Ssimmzettel zu verwenden ist, wird nachgewiesen, ob der mit der Marke versehene Stimmzettel ron einem Wähler der ersten oder der zweiten Gruppe abgegeben ist. Auf die für die Wähler der ersten Gruppe bestimmten Marken ist die Zahl 1, auf die für die Wähler der zweiten Gruppe bestimmten Marlen die Zahl 2 auf- gedruckt. Die Marken der beiden Gruppen sollen durch die Farbe deutlich von einander unterschieden werden. Die für die einzelnen Wähler bestimmten Grupvenmarken werden den Wahlkommissionen vor Beginn der Wahlhandlung von der Zentralwahlkommission in den zuvor von dieser verschlossenen und mit der erforderlichen Aufschrift versehenen Umschlägen, ge- ordnet nach der Reihenfolge der Wählerliste übergeben. Die Wahl- kommission hat sich zu überzeugen, daß die Zahl und die Aufschrist der Umschläge mit der Wählerliste ubereinstimint." Dadurch gedenkt man für alle Zeiten die Vertretung der Arbeiterschaft auf ein kleines Häuflein zu beschränken und sich die Möglichkeit fiir die Fortsetzung der bisherigen profitablen Vetternwirtschaft offenzuhalten. Indirekt gesteht das die Begründung des Ausschusses selbst zu. Es heißt darin, nach- dem auf eine höchst merkwürdige Weise herausgerechnet worden ist, daß bei einem Fortbestehen des jetzigen Wahlrechts die Sozialdemokratie im Jahre 1910 50 bis 60 Sitze der Bürger- schast inne haben wird: „Die geplante Acnderung des Wahlrechts soll dem Zwecke dienen, zu verhüten, daß in Hamburg die Sozialdemokratie— nicht etwa in ferner Zeit, sondern schon in naher Zukunft— eine ausschlaggebende Stellung erhalte. Ein liberaler Mann würde seine politische Pflicht versäumen. wenn er jenem Plane gegenüber sich einfach dabei beruhigte, daß nach einer für ihn maß- gebenden festen Theorie jede verstärkte Differenzierung des Wahl- rechts rückschrittlich und daher schlecht sei und daß demzufolge der Plan zu verwerfen sei. Jeder liberale Mann hat es als eine politische Gewissenspslicht anzusehen, gründlich und bis in die Einzelheiten hinein unter voller Berücksichtigung der konkreten in Hamburg obwaltenden Verhältnisse zu prüfen, ob der Plan geeignet oder nicht geeignet ist, herbeizuführen, daß in Hamburg die freie Entwicklung der Persönlichkeit des Bürgers, Freiheit der Meinungsäußerung, Toleranz dcS Urteils, Schutz für das Emporstreben des Fleißigen und Tüchtigen gewahrt und ge- fördert werde. Er wird zu diesem Behufe mit Strenge die Fragen zu prüfen haben, ob zu erwarten ist, daß bei Fortbestehen des heutigen Wahlrechts die Sozialdemokratie in Hamburg zu einer aus- schlaggebcnden Stellung gelangen wird und ob ferner, wenn diese Frage zu bejahen ist, zu erwarten ist, daß das Vorhandensein eines ausschlaggebenden Einflusses der Sozialdemokratie in Hamburg der Erreichung jener großen Ideale des Liberalismus dienlich sein wird. Wird diese letztere Frage verneint, so wird schließlich zu prüfen sein, ob der Plan zur Abwendung der Gefahr geeignet ist und ob etwa ein anderer besserer ebenso wirk- samer Plan erdacht werden kann.... Ist der Plan der Wahlrechts- änderung geeignet, die höchsten Idealismus iu Liberalismus in Ham- bürg zu schützen ttnd zu fördern, dann ist eS ein Unrecht, ihm Ab- kehr vom Liberalismus vorzuwerfen." Dann heißt es weiter, das Wahlrecht sei daher so zu regeln, wie es bei der heute geltenden Wirt- schafts- und Eigentumsordnung dem Staats- zwecke am besten diene. Niemand habe ein moralisches Recht darauf, daß das Wahlrecht so gestaltet werde oder ge- staltet bleibe, daß damit anderen, dem Staate fremde nZweckcngedient werde. Seit jeher haben die herrschenden Stände und Klassen verstanden, zur Stütze ihrer Herrschaft und Jntereffenansprüche allerlei schöne Souveränctäts- und Staatszweckstheorien zu erfinden, und wer diese Theoretik durch die ver- schiedenen Zeitläufte verfolgt, stößt auf die seit- samsten Voraussetzungen, Deutungen und Schlußfolgerungen. Doch nach einer so unfähigen Begründung, wie die des Ham- burger Ausschusses, sucht man in allen Staatsrcchtsphilosophien vergebens. Sie gleicht in ihrer Hülflosigkeit fast dem Ge- stammcl, mit dem der Hamburger Bundcsratsbevollmächtigtc im Reichstage die Institution der Hamburger Bordelle zu verteidigen pflegt. Aus ihren dekorativen Phrasen heraus- geschält besagt die Begründung nichts anderes als:„Der Zweck des Staates ist die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Inte rossen Wirtschaft. Was diesem Zweck dient, ist gestattet, denn der Zweck heiligt die Mittel— folglich ist auch die Beschränkung des Wahlrechts erlaubt, zumal die Sozialdemokratie unserem hehren StaatSzweck widersprechende Zwecke verfolgt." Es ist eine geradezu frivole Provokation der Arbeiter- maffen, die sich Hamburgs„liberale" Pfeffer- und Kaffeesäcke nebst der von ihnen abhängigen Advokatenschaft leisten— zu einer Zeit, da es überall in Europa gärt und brodelt. Die Hamburger sozialdemokratische Arbeiterschaft loird die passende Antwort auf diesen unverschämten Wahlentrechtnngsplan finden> Die Revolution i» Rutzland. Die Strastenkämpfe in Moskau. MoSknn, 24. Dezember.(Meldung der Petersburger Tele- graphcn-Agentiir.) Lln allen Punkten, Ivo gestern die Barrikaden zerstört waren, errichtete» die Aufständischen neue. Die Breststraßc bis zum Bahnhof ist voll von Barrikaden. Auf dem Strastuoi- platze sind wieder Geschütze aufgefahren. Am Batrio�Senteich, auf 6er Bronnasastraßs. Beim Karetnyj Rjad, der Petrowka und der Twerskaja wechseln die Aufständischen mit den Truppen Schüsse. In dein ausgeraubten Waffenmagazin von Thorbeck explodierte heute nacht eine Höllenmaschine, wodurch das angrenzende Hotel Metropol in Brand gesteckt wurde. Der Brand wurde bald gelöscht. Auf das Waffenmagazin von Brabctz wurde ein Plünderuugsversuch gemacht, der indessen keinen Erfolg hatte. Heute vormittag hatte das Schieben nachgelassen. Bis heute früh zählte man gegen 200 Verwlindete. Die Zahl der Toten ist noch nicht festgestellt. Seit heute früh feuerte die Artillerie gegen die Barrikaden. Feuerwehrleute setzten die Barrikaden in Brand. Zusammcnstöbe, die zuerst aus der TwcrSkaja, dann in anderen Straben stattfanden, wurden besonders heftig auf dem Twerskoy Boulevard und den umliegenden Straben. Die Aufständischen verwundeten 20 Gendarmen. Nach neueren Zählungen gab es gestern 500 Verwundete, heute noch viel mehr. Heute abend kam es auch in den Vorstädten zu Zusammen- stöben. Auf der Srenteuka wurde eine Bombe geworfen. Die Bahnhöfe sind von Truppen besetzt. Der Verband der Verbände befchloh, den allgemeinen Ausstand aufrechtzuerhalten, sich aber nicht an dem Aufstand mir Waffen zu beteiligen. Moskau, 25. Dezember.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.s Als heute gegen ll Uhr vormittags von der Station Perowo der MoSkau-Kasaner Bahn 300 Mann revolutionärer Miliz in einem Sonderzuge hier eintrafen, versammelten sich am Lokomotiveltdepot dieser Bahn 2000 ausständige Arbeiter, worunter sich einige hundert Mann revolutionärer Miliz be- fanden. Die Menge bemächtigte sich eines benachbarten Viktualienladens und beschob die bei dem Bahnhof stehenden Truppen, welche darauf ein Geschiitzseuer eröffneten. Gegen 1 Uhr nachmittags brannte das Gebäude nieder, in dem sich der Viktualien- ladeil befand. Der in der Nähe gelegene Nikolai-Bahnhof wurde inzwischen von Revolutionären aus den Werlstätten der Jaroslaw- Bahn beschossen. Eine Grenadierabteilung antwortete vom Dache des Bahnhofes. Die Stationen Ljuberzh und Perowo, wo rote Flaggen wehen, befinden sich in de« Händen der Revolutionäre. Der Kampf dauert fort. Der„Lolnl-Anzeiger" bringt die folgende Privatmeldung: Petersburg, 20. Dezember, 11 Uhr 40 Minuten nachts. Die Rachrichten aus Moskau über die Stratzenfchlachten der letzten Tage lauten schrecklich. Es sollen dort gegen 10 000 Tote und Verwundete gezählt worden sein. Der Kamps dauert noch fort, insbesondere au' den Bahnhöfen und den Prochorowschcn Fabriken, wo dreitausend bewaffnete Arbeiter mit dem Militär, das sie entwaffnen wollte. ins Gefecht kamen. Den ganzen Tag wurde dort gekämpft, wobei es viele Tote und Verwundete gab. Die Revolutionäre beschossen dann das Gefängnis, worauf die Militärivache antwortete. Die Revolutionäre bauen ununterbrochen Barrikaden, die die Artillerie»iederschicht. Das Militär hält zur Regierung; die nicht eidestreueu Soldaten sind in den Kasernen eingeschlossen worden. Während der Nacht auf Montag wurden neue Barrikaden gebaut. Die Anführer beabsichtigen um das Zentrum der Stadt ciueu Ring vo» Barrikade» zu bauen, um Zeit zu gewinnen, in der Hoffnung, dah das Militär sich ihnen schliefilich doch anschlieben werde. Die Artillerie zerstörte durch Granaten die Barrikaden, während die Feuerwehr die Holzhindernisse anzündete. Während eines Meetings mit 10000 Teilnehmern hieb es, dab auch Soldaten anwesend seien. Es wurde vorgeschlagen, ihnen dafür eine Ovation zu bereiten; da- bei verbreitete sich infolge eines Mibverständnisses das Gerücht, Militär sei im Anzüge, und nun entstand eine furchtbare Panik. Alles rannte davon, wobei viele erdrückt und verwundet wurden. Während des Meetings war beschlossen worden, den General- gouverneur von Moskau Admiral Dubassow und den Stadthaupt- mann Baron Medem zu arretieren. Aus London loird gemeldet: London, 27. Dezember, 12 Uhr 20 Min. mittags. Die letzten per Bahn via Odessa aus Moskau in Petersburg eingetroffenen Nachrichten lauten, wie den„Times" telegraphiert wird, dab die Revolutionäre den Suchara-Turin in der Sadovajastrabe eroberten und Maschinengeschütze darin ausstellten. Enorme Menschenmengen be- finden sich auf dem Roten Platze, wo ein heftiger Komps ausgefochten wird. Die ersten Donkasaken, die Twerdragoner und die Nesoizer Infanterie hätten gemeutert und seien in den Kasernen festgehalten. Versuche, den Nikolaus-Bahuhof zu erobern, schlugen fehl. Mindestens 2000 Personen wurden bis Sonntag gelötet. Admiral Dubasow telegraphierte an, Montag, 15 000 Personen seien getötet und ver- wundct, er erklärte die Lage für sehr ernst. Nach den letzten Nach- richten ist die Situation nicht wesentlich verändert, die Revolutionäre machen keine Fortschritte, zeigen aber auch noch keine Erschöpfung. Generalstreik und Straßeukämpfe in Südruszland. Petersburg, 27. Dezember. Die Petersburger Telegraphen- Agentur verbreitet folgende Meldungen: In Charkow begann am 25. d. M. der allgemeine Ausstand. Gegen die Fabrik Hclfreich, wo die Arbeiter sich eingeschlossen hatten, feuerte Artillerie zwei Schüsse ab, durch die die Mauer zerstört wurde. Von der Lokomotivfabrik eilten Arbeiter herbei, um ihre Kameraden zu entsetzen und warfen zwei Bomben. Auch beim Bahnhof und im Mittelpunkt der Stadt kam es zu bewaffneten Zusammcnstöben. Nach amtlicher Meldung wurden 0 Personen getötet, mehr als 200 verwundet und 138 verhaftet. Die Nacht verlief unruhig.— In Odessa brach gestern ein Ausstand aus. Selbst die Apotheker sind ausständig. Im Hafen ruht die Arbeit. Die Dampfer stellten ihre Fahrten ein. Güterzüge gehen nicht ab, die Personenzüge verkehren bis Schmerinki. Die Hafenarbeiter be- schlössen, die Bevölkerung im Falle von Unruhen zu schützen.— 9Iuf der Station Kosatin kam es zu einem Zusammenstob zwischen Arbeitern und Truppen. Sechs Bahnongeftcllte wurden getötet, etwa 15 verwundet-— In Saratow dauern die Verhaftungen fort. Kiew, 27. Dezember. Der Generalstreik ist gelungen. Die Fabriken, Schulen, die Pferde- und Eiseubahnvcrwaltuugen streiken; auch die Zeitungen fehlen. Während drei der letzten Nächte drang Gendarmerie in die Wohnungen der angeschensten Familien und führte Haussuchungen durch. Die Mosscnverhaftungen werden fort- gefetzt. Die Auftegung darüber ist so grotz, dab das Publikum auf offener Strahe zwei Spione tötete. Das Militär hält auf allen Strahen Wache. Die„Schwarze Horde" ist in Bereitschaft gehalten; zwei Juden sind von ihr hingeschlachtet worden. Am Bahnhof er- wlgte ein blutiger Zusammenstoß zwischen Revolutionären, Streik- blechern und dem Militär. Blutige Kämpfe in Zentralrußland. Tambow, 24. Dezember.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Die Städte Tambow und Koslow und die dazu gehörigen Kreise sind als im Kriegszustand befindlich erklärt worden. Ueber 10 andere Städte und ihre Kreise wurde der Belagcrungs- zustand verhängt. Der Brigadechef Generalleutnant Klawer wurde mit den Obliegenheiten des Gcueralgouverueurs betraut. Bei der Verhaftung einer bewaffneten Volksmenge wurden Bomben und Waffen beschlagnahmt. Generalstreik und Straßenkämpfe im Kaukasus. Tistis, 26. Dezember. Hier haben die Mohamcdaner und Armenier Frieden mit einander geschlossen, dagegen dauert der Aus- stand der Postbeamten noch fort und hat sich seit gestern zu einem allgemeinen Ausstand entwickelt. Die Sozialdemokraten haben sich der Eisenbahn bemächtigt. Der Verkehr ist aufs äuberste beschränkt. In anderen Orten finden zwischen Sozialisten und Kosaken Straßen- kämpfe statt. Aufruhr in Livland. Königsberg i. Pr., 26. Dezember. Aus Libau gingen hier über Etzdtluhne» durch einen Kurier übermittelte zuverlässige Nachrichten ein, die vom 23. Dezember datiert sind und aus denen hervorgeht, daß die Lage in Libau als recht ernst angesehen werden muß. Durch den kürzlich wieder begonnenen Ausstand der Post-, Tele- graphcn- und Eisenbahnbcamten ist die Stadt vom In- und Aus- lande so gut wie gänzlich abgesckmitten. Auf dem Lande herrscht völlige Anarchie und das ganze flache Land steht in Hellem Aufruhr. Offiziöse Bernhigungslügen. Petersburg, 27. Dezember.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Heute sind hier alle Blätter wieder erschienen; ein großer Teil der Fabrikarbeiter befindet sich noch im Ausstande. Es ereignet sich häufig, daß Polizeibeamte in den Arbeitervierteln ermordet werden, auch kleine Zusammenstöße mit Kosaken kommen vor. Von den Bahnen ist bei einigen, wie der baltischen Bahn, der Betrieb noch nicht auf der ganzen Strecke wiederhergestellt. Auf der Warschauer Bahn sollen an der Grenze Versuche gemacht worden fein, den Verkehr zu unterbrechen. In Regierungskreisen ist man der Ansicht, wie„Slowo" mitteilt, daß in zwei bis drei Tagen in Moskau die Ruhe wiederhergestellt sein wird. Gestern sind dort frische Truppen mit Arlillerie eingerückt. Die durch das Geschütz- feuer angerichteten Verwüstungen sind sehr groß. Gestern abend wurde mit der Beschießung der ausgedehnten Druckerei Uschnerow begonnen, in der Aufständische Polizeibeamte und andere Personen gefangen halten. Um 11 Uhr abends dauerte daS Bombardement noch an. Verhaftungen. Petersburg, 26. Dezember.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) In der vergangenen Nacht ist der ganze Generalstab der„bewaffneten Kohorte" von Petersburg, insgesamt 49 Mann nebst dem Führer des Stabes, Ingenieur Schulmann, während einer Sitzung verhaftet worden. Dabei wurden Pläne, Schriftstücke, Höllenmaschinen und Waffen beschlagnahmt. Petersburg, 23. Dezember.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) In Anbetracht des Ausstandes sind bis auf weiteres hier alle Versammlungen öffentlichen oder privaten Charakters, in denen politische oder wirtschaftliche Angelegenheiten beraten werden, verboten worden. Eine neue Spottgeburt des Zarismus. Durch kaiserlichen Ukas wird das Wahlrecht zur Reichsduma folgenden Kategorien gewährt: 1. Besitzern von Immobilien, die der Besteuerung unterworfen sind, sofern sie mindestens ein Jahr im Besitze derselben sind; 2. Eigentümern von industriellen Unternehmungen, die der Be- steueruug unterliegen; 3. den Personen, die WohuungSsteuer bezahlen; 4. den Personen, die Gewerbesteuer zahlen; 5. den Personen, die eine Wohnung auf eigenen Namen haben; 6. den Personen, die Gehalt vom Staat, den Semstwos, den Gemeindebehörden oder den Eisenbahnen beziehen; diese Personen haben auch das Recht, an den Konferenzen der städtischen Wähler teilzunehmen. Arbeiter von Fabriken, deren Gesamtarbeiterzahl nicht weniger als 50 bettägt, habe» das Recht, Beauftragte in die Wahlversammlungen zu entsenden, und zwar entweder die Arbeiter von Fabriken, die wenigstens 50 und bis zu 1000 Arbeiter be- schäfligen, einen Beauftragten, und die Arbeiter von Fabriken, die über 1000 Arbeiter beschäftigen, einen Beauftragten auf je 1000 Arbeiter. Die eigentlichen Wähler werden von diesen Beausttagten gewählt. Die erste Sitzung der Duma kann eröffnet werden, nachdem der Senat eine Liste veröffentlicht haben wird, welche mindestens die tälste der Gesamtzahl der Mitglieder der Duma enthält. Der aiser ordnete die Beschleunigung der Wahlen an, sowie daß der Minister des Innern Maßnahmen ergreise, damit die Duma sich so rasch wie möglich versammeln könne, und daß derselbe Sonder- instruktionen für die Ergänzungswahllisien bekanntgebe. politilcbe Ckbcrficbt. Berlin, den 27. Dezember. Ein Gemeinde-Idyll. Von der Unterweser wird uns geschrieben: Zu welchen Zuständen es führt, wenn in den städtischen Kor- porati onen die Jutercssenpolitiker und Geschäftemacher dominieren, davon liefert die Unterweserstadt G e e st e m ü n d e charakteristische Beispiele. In Geestemünde herrschen seit Jahr und Tag im Gemeindekollegium die HauSagrarier und eine An- zahl Geschäftsleute. Sie betrachteten das städtische Parlament als ihren Besitzstand von— Gottes und Rechtswegen, und als es im letzten Frühjahr der Sozialdemokratie gelang. einen Sitz in dieser Körperschaft zu erobern, entstand bei ihnen große Entrüstung. Der Versuch, das Mandat unseres gewählten Genossen für ungültig zu erklären und den unbequemen Gast aus ihrem idyllischen Karpfenteich wieder hinauszubugsieren, scheiterte jedoch in kläglicher Weise. Dafür glaubte man dann aber seinem bedrängten Herzen in anderer Weise Luft machen zu müssen. Unsere Genossen hatten nämlich gelegentlich der Wahlbewegung durch ein Flugblatt in die dunstige Luft der Gemeindeverwaltung hineingeleuchtet. Nachdem der Feldzug gegen das von der Sozial- demokratie eroberte Mandat mit einem gründlichen Fiasko geendet, schlug man einen anderen Weg ein: Magistrat und Bürgervorsteher- kollegium erhoben Klage gegen den verantwortlichen Herausgeber des Flugblattes. Hätten die tapferen Leute geahnt, welche Folgen dieser Schritt haben würde, sie hätten sich die Sache jedenfalls zweimal überlegt. Der Sozialdemokratie war die Klageerhebung äußerst recht, bot sich dadurch doch die Gelegenheit, an Gerichtsstelle öffentlich das ganze System einer skrupellosen Interessen- und Geschäftspolitik zn brandmarken. Den Mittelpuntt der Gerichtsverhandlung bildete ein Fall, wo ein Bürgervorsteher, Lange ist sein Name und Bauunternehmer sein Beruf, ein Areal Land, welches er kurz vorher gekauft, mit einem Verdienst von 2800 M. wieder an die Stadt verkaufte, trotzdem er die Verpflichtung übernommen hatte, es zum S e l b st- ko st en preise abzugeben. Das Bürgervorsteherkollegium wurde in dem Glauben gelassen, daß der erhöhte Preis der Selbstkostenpreis sei. Ein anderer Bürgervorsteher, Namendorf, hatte dabei als Vermittler üngiert. Er erhielt 500 M. von Lange, natürlich als— Ver- mitllungSgebühr. Im weiteren wurde erwiesen, daß fast alle Bürger- vor st eher, ja selb st im Amte befindliche Senatoren mit der Gemeinde Geschäfte machen. Der eine baute Häuser(Schule, Krankenhaus jc.), der andere verkauft eigene Grund- stücke an die Stadt, der dritte liefert Pflastersteine, der vierte Jnventarstücke usw., ein anderer Steinkohlen, noch ein anderer Baumpfähle— fast keiner ist ausgeschlossen. Die Gemeinde ist ja ein vorzüglicher Zahler, und alle wollen„verdienen". Trotz all diefer erwiesenen Tatsachen endete der Prozeß schließ- lich mit der Verurteilung des Angeklagten zu 300 M. Geldstrafe— ein Ausgang, den man bei ähnlichen Gelegenheiten ja in Preußen- Deutschland gewohnt ist— moralisch verurteilt war jedoch trotzdem daS in der Gemeinde herrschende System. In fast allen Schichten der Einwohnerschaft stellte man sich auf die Seite der Sozialdemokratie, und der sozialdemokratische Bürger- Vorsteher Wieth brachte denn auch als Konsequenz des Prozesses vfort den Antrag beim Bürgcrvorsteherkollegium ein, daß in das Statut ein Paffns aufgenommen werde, wonach' an Mitglieder des Bürgerbor st eherkolleginmS und des Magistrats keine Lieferungen und Arbeiten für die Gemeinde übertragen werden d ü r f e n. Unter dem Drucke der Erregung hätten die Kollegien sich vielleicht diesem Antrage nicht entzogen, der Magistrat ließ jedoch erst wieder Gras über die Sache wachsen und dann, nachdem Woche» darüber vergangen, kam der Anttag zur Verhandlung, um nun unter Führung des Bürgermeisters von beiden Kollegien glatt abgelehnt zu werden. DaS war vor etwa drei Wochen. Dann aber trat ein Ereignis ein, das gewissermaßen den Höhepunkt der Geestcmünder Gemeinde- skandalosa bildete. In dem vorerwähnten Prozeß war, gestützt auf die Aussagen verschiedener Maurer, Beweisführung beantragt worden über Mißstände, die bei dem Bau des seit etwa einem Jahre in Betrieb sich befindenden neuen städtischen Krankenhauses vorgekommen sein sollten. Ausgeführt war dieser Bau von dem genannten Bürgervorsteher Bauunternehmer Lange. Das Gericht lehnte jedoch die Beweisanträge ab, nachdem Laiige erklärt, bei dem Krankenhausbau sei alles ordnungsmäßig zugegangen. Wohl oder übel sah sich nun der Magistrat genötigt, Untersuchungen anzustellen. Es wurden Zeugen, Maurer und Arbeiter, die bei dem Bau tätig gewesen waren, vernommen, Untersuchungen an Ort und Stelle angestellt und zu diesen Untersuchungen schließlich als unparteiischer Sachverständiger der Professor Schleyer von der Technischen Hochschule in Hannover hinzugezogen. Das Resultat war für die Bauausführung ein geradezu vernichtendes. Von den Zeugenbekundungen seien nur einige hier wieder- gegeben. Ein Maurer erklärte, der Maurermeister Lange habe au- geordnet, der Bauschutt solle nach ihm, dem Maurer, und einem anderen Maurer gebracht werden, die„könnten ihn am besten ver- möbeln". Das sei denn auch geschehen. Der Weisung Langes folgend hätten sie den Schutt schippeuweise, manchmal auch sackweise in die Querwände geworfen, und zwar in die langen zwei- steinigen Ouerloände, welche an der Vorder- und Rückseite mit halben Steinen ausgeführt seien. Das Innere dieser Wände hätten sie dann mit Schutt aus- füllen müssen. Ein anderer Maurer erklärte, er habe, als er eines Tages an einer Jnnenmauer im Grundmauerwerk die Isolier- schicht in Zementmauerwerk herstellte, Steinbrocken, welche auf Be« stimmung des Meisters herantransporttert waren, dabei verwende» müssen. Derselbe Maurer ist Zeuge gewesen, wie Lange selb st Bauschutt in die Mauern schippenweise hineingeworfen habe, worauf darüber habe hinweggemauert werden müssen. Die Untersuchung an Ort und Stelle geschah derart, daß man die Mauern dort, wo nach Angabe eines Maurers, der die Stellen noch zu bezeichnen vermochte, Schutt vermauert sein sollte, wieder aufbrechen ließ. Das Ergebnis war, daß man tatsächlich den Schutt vorfand. In Gegenwart des Professor Schleyer wurden dann weitere Untersuchungen angestellt; das Resultat der letzteren wurde von dem Sachverständigen schriftlich nieder- gelegt, es ist für die ganze Art der Bauausführung ein geradezu vernichtendes.� In einem Falle wurde z. B. konstattert, daß die Vorder- und Rückseite der Mauer nur 1I2, ja oft nur V« Steinstärke hatte, der Zwischenraum war ausgefüllt mit Steinbrocken, Scherben, Betonbrocken, Mörtelresten, erdigem Sand und Schmutz, selbst Holz und— Strohabfällen! Jegliche Verbindung durch Mörtel fehlte. Gerne hätte man zweifellos auch dieses„bedauerliche Vor- kommuis" mit dem Mantel der Liebe zugedeckt, da das aber bei der Sachlage nicht mehr möglich war, so beschloß der Magistrat wohl oder übel, das gesamte Aktenmaterial dem Staatsanwalt zu übergeben. Daß damit die Geestemünder Kammunalftandale ihr Ende er- reicht haben, glauben wir nicht. Interessen- und Privilegien- Wirtschaft treiben immer aufs neue ihre Sumpfpflanzen und zeitigen solange ihre stinkenden Früchte, bis dieser Wirtschaft selbst der GarauS gemacht worden ist.— Offiziöse Fälschertaktik. Die„Nordd. Allg. Ztg." fährt fort, der Sozialdemokratie Vaterlandslosigkeit und VaterlandZverrat vorzuwerfen. Nach- dem wir ihr nachgewiesen, daß kein Geringerer als der jüngst „rehabilitierte" Hänge-Peters" genau dieselben„Vater- landslosigkeiten", deren Bülow den„Vorwärts" anklagte, ver- öffentlicht, sogar in e n g l i s ch e n Blättern veröffentlicht hat, hat sie diese Zitate schleunigst unter den Tisch fallen lassen. Da- gegen führt sie heute abermals jenes Hyndman-Zitat gegen uns ins Gefecht, das Bülow ini Reichstag verlesen hatte. Dies der„Kreuzztg." entnommene Zitat lautet: „Es ist kein Geheimnis, daß Männer von Fähig-- keit in England offen sagen, obwohl sie es nicht häufig aussprechen oder schreiben: Wenn, wie wir glauben, Deutschland mit Vorbedacht einen Freibeuterzug auf unsere Küsten plant; wenn, wie einige unkluge deutsche Politiker und Beamte sich rühmen, diese Insel von einem Ende zum anderen mit deutschen Spionen erfüllt ist, die unter dem unmittelbaren Befehl der deutschen Behörden stehen; wenn der deutsche Kaiser, wie Itapoleon III., mehr und mehr nach Krieg und Vergrößerung in Europa, in Asien und in anderen Weltteilen strebt; wenn all dies unstreitbar ist, wie wir überzeugt sind, so ist es sicherlich unsere Pflicht, sofort die Zeit beim Stirnhaar zu fassen und mit der deutschen Flotte aufzuräumen, so lange wir noch fähig sind, sie mit verhältnismäßig geringer Schwierigkeit zu zerschmettern(sursis it is one duty to take tiino by the forelock and settle with the German flcet wliile we aro able to crush it with compa- ratively little difficulty). Das ist die alte Staatspolittk Eng- lands, modernen Bedingungen angepaßt." Wie man sieht, besteht Hyndmans ganzes Verbrechen da- rin, daß er hier dem Ausdruck gegeben hat, was, feiner Ansicht nach,„Männer von Fähigkeit" in England gelegentlich offen aussprechen. Er hat sich diese Ansichten keineswegs zu eigen gemacht, was auch noch nichts bedeuten würde, da ja, wie unser Londoner Korrespondent inzwischen aktenmäßig feststellte, Hyndman mit seinen Auffassungen über den eng- lischen und deutschen Imperialismus in der englischen Sozial- demokratie völlig i s o.l i e r t dasteht. Diese dokumen- tarischen Feststellungen hat natürlich die„Nordd. Allg. Ztg." vollständig unterschlagen, da sie ja das ganze Kartenhaus ihrer verleumderischen Bezichtigungen, daß die deutsche Sozialdemokratie vaterlandsfeindlich sei, daß sie Eng- land gegen Deutschland aushetze, während die englische Sozial- demokratie patriotisch und jingoistisch sei, umblasen würden! Ebenso geflissentlich unterschlägt sie die Tatsache, daß Hyndman die englische Weltpolitik, speziell die Anektion der Burenstaaten, mindestens ebenso rücksichtslos gegeißelt hat wie die deutsche Sozialdemokratie die deutsche Wcltpolitik zu geißeln pflegt! Es bleibt also trotz aller osfHiöscn IlnterschlagMtgen und Fälschungen dabei: Tie Sozialdemokratie bewährt sich als die einzige aufrichtige Hüterin des Weltfriedens gerade dadurch, daß sie überall, in a l l e n Staaten, den ChauviinsmuS und die kapitalistische Raubpolitik bekämpft. Auf das Lob. patriotisch in dem Sinne zu sein, daß sie die kapitalistische Expanfions- und Raubpolitik des eigenen Landes mitmache, verzichtet sie allerdings nachdrücklichst und für alle Zeiten! •* ♦ Dcutfcbea Reich. Alldeutsche Kriegshetze gegen Rußland. LÜe„Staatsbürger-Zeitung" schlägt in allem Ernst tot, die Revolutionswirren in Rußland dazu zu benutzen, etliche russische Provinzen zu annektieren! Das Blatt schrieb dieser Tage: »Weder Rußland noch Teutschland wollen jetzt von einer Besetzung Rußlands durch unsere Truppen etwas wissen. Und doch ist ein Krieg, eine Abrechnung mit dem Slawentum un- vermeidlich, und nie waren die Verhältnisse so g ü n st i g wie heute. Wir würden zunächst dadurch die Mißgunst Englands in freudigen Beifall verwandeln, aus einem Gegner würde es sofort ein Freund.(I) Und auch Frankreich kann nur damit zufrieden sein, wenn wir unsere E x p an s i on s- b e st r e b n n g e n nach einer anderen Himmelsgegend zu betätigen, als in der die gallische Republik und Marokko liegt,(l) Sodann haben wir dringend Land nötig, und zwar nicht tropisches Kolonialland, gut für einige wenige Pflanzer, sondern Land, wo sich unsere Bauern ansiedeln könnten."...„Mit Strömen Blutes wird einst gewonnen werden müssen, was jetzt noch mit geringeren Opfern zu erkaufen ist. Denn neues Ackerland brauchen wir unbedingt, so nötig wie das tägliche Brot, so nötig wie Licht und Luft."...»Da fallen denn unsere Blicke naturgemäß auf den Südosten. In irgend einer Form, föderativ oder sonstwie, wird dock. Deutsch- Oesterreich einmal an uns fallen. Ueber Sieben- bürgen und ein kleines Stück Galizien vorschreitend, gelangen wie nach Siidrusiland. Hier ist das Land unserer Träume. Weite, unermeßliche Räume, zur Vesiedelung geeignet und noch lange nicht so ausgefüllt, daß nicht für neue Zuwanderer Platz wäre. Zugleich die Macht des herrschenden Volkes, der Russen, durch den rumänischen Block, durch Juden und Deutsche unter- bunden und durch den Gegensatz des Groß, zum Kleinrussentum geschwächt." Wir können diesen alldeutschen Erguß dem Fürsten Bülow für seine Zitatcnmappe nur dringend empfehlen!— Eine Petition gegen die geplante Erhöhung der Tabaksteuer hat der Bremer Zigarrenfabrikantenverein, der SSFirnien umfaßt, an den Reichstag gerichtet. In der Eingabe heißt es: „Der Verein muß erklären, daß die Annahme der Vorlage der Regierungen der deutschen Tabakindustrie schwere Wunden schlagen und zu zahlreichen Arbeiterentlassun'gen führen muß, da die vorgeschlagenen Zoll- und Steuersätze den deutschen Raucher mit einer neuen Last von über 60 Millionen treffen würden, eine solche Mehrausgabe das deutsche Volk, dem noch über 260 Millionen sonstiger neuer Stenern abverlangt werden, aber nicht würde tragen können. Ein starker Konsumrückgang mnß und wird die Folge sein und zahlreiche Entlassungen von Arbeitern, die vielfach zu schwächlich sind, um anderen, körperlich an- strengenderen Berufen nachgehen zu können, sind alsdann unvermeidlich. Für die Mitglieder des Bremer Zigarrenfabrikantenvercins, die überwiegend rein ausländische Tabake verarbeiten und ihre Fabrikation fast ausschließlich in Nord- und Siiddeutschland, nämlich in Bremen und Umgebung sowie in zahlreichen Dorffilialeu, in ehemals armen und durch' die Tabakindustrie zu einem gewissen Wohlstande gelangten ländlichen Distrikten von Westfalen und am Eichsfelde betreiben, wird die Lage durch die vorgesehene Erhöhung der Spannung zwischen Zoll und Steuer noch weiter erschwert. Der vorgesehene Zollsatz auf ausländische Blattabake wird die Herstellung der 5 Pf.- und des größten Teils der 6 Pf.-Zigarre aus rein ausländischen Tabaken unmöglich machen." Freisinn nnd Koalitionsrecht. Die„Hilfe" hatte in ihrer letzten Nummer einen Bericht des freisinnigen„Hamb. Fremdenblattes" über einen Vortrag des Abgeordneten K o p j ch zitiert, demzufolge sich Herr Kopfch entschieden gegen die Verleihung de? KoalitionS- rechts an die Landarbeiter ausgesprochen hatte. Aus der„Hilfe" hatten auch wir diese die„Arbeiterfreundlichkeit" der Freisinnigen Volkspartei kennzeichnenden Zitate über- nommen. Die„Freie Deutsche Presse" behauptet nun. die „Hilfe" habe die betreffenden Zitate„in perfidester Weise" aus dem Zusammenhang gerissen; in Wirklichkeit sei Herr Kopsch nicht nur ftir die Erhaltung des bestehenden Koalitions- rechts, sondern auch für dessen weitere Ausgestaltung, speziell für die Verleihung der Rechtsfähigkeit an die Berufsvereine eingetreten. Diese polemischen Ausfälle gegen die„Hilfe" übergehen seltsamerweise gerade den springenden Punkt: Die Stellung- nähme des Herrn Kopsch zu dem Koalitionsrecht der Land- a r b e i t e r I Ist Herr Kopsch für oder gegen ein solches Koalitionsrecht? Solange die„Freie Deutsche Presse" sich hierüber nicht klipp und klar äußert, wird man die Hinweise auf die allgemeinen Erklärungen dieses freisinnig- volksparteilichen Abgeordneten nur als A u s s l ü ch t e be- trachten müssen. Uebrigens liefert die„Freie Deutsche Presse" selbst einen netten Beitrag zur Arbeiterfreundlichkeit der Freisinnigen Volkspartei. Die„Hilfe" hatte es befremdend gefunden, daß Herr Kopsch überhaupt in dem zünftlerisch-scharfmacherischcn „Wirtschaftlichen Schutzverband" gesprochen hatte. Dazu be- merkt nun das Blatt des Herrn Müller-Sagan: „Wenn die„Hilfe" es auch moniert, daß Abg. Kopsch in einen, Verein gesprochen, der sich die Aufgabe gestellt hat, Arbeiter und Kleingewerbetreibende in Harburg zu schützen gegen den TerroriSuius und den wirtschaftlichen Boykott der Sozialdemokratie, und dem Mitglieder aller bürgerlichen Parteien angehören, so nimmt das nicht wunder bei einem Blatt, dem es nur wohl ist. wenn es Schleppenträgerdienste der Sozialdemokratie ver- richten darf." Danach ist wohl kaum noch daran zu zweifeln, daß Herr sropsch in der Tat dem Harburger Scharfmachertum Schleppen- trägerdienste geleistet hat l_ Deutsch-englische Beziehungen. Die Berliner Handels- kammer hat in ihrer Vollversammlung vom 22. d. M. beschlossen, zur Förderung der Bestrebungen, die aus eine weitere Befestigung der zwischen der deutschen und englischen Nation bestehenden freund- schaftlichei, Beziehungen abzielen, eine Kundgebung zu ver- cmstalten, die zugleich eine Erwiderung auf die neuerdings in Eng- land mehrfach zutage getretenen deutschfreundlichen StimmungS- äußerungen sein soll. Die Kammer wird zu d,esem Zwecke am rg. Januar k. I. in ihrem Amtsgebäudc ein Festmahl veranstalten, das dazu dienen soll, von, Ttaudpuickt des Handels und der In- dustrie Teutschlands jenem Eledanken Ausdruck zu verleihen. Zur Teilnahme an der festlicken Vereinigung, zu der der englische Bot- schafter sein Erscheinen bereits zugesagt hat, sollen Vertreter deutscher Handelskammern sowie Vertreter der hervorragendsten englischen Handelskammern aufgefordert werden.— lieber politische Brntalisicrungen verbreitet sich ein General- major a. D. Schmaltz in der„Deutschen Tagesztg."„Man babe, schreibt dieser Herr, der öffentlichen Stimmabgabe eine Brutalisie- rung oder eine Korrumpiernng"»achgesagt. Das sei nicht der Fall, denn eS gäbe sehr viele Personen, die auch Ihei der öffentlichen Stimmabgabe den Mut besäßen, für de» Mai», zn stimmen, der ihre lleberzeugung vertrete. Andererseits würde» aber durch das geheime Wahlrecht Beamte und Rriegcrv-reinsmitglieder verleitet, „mit dem Wahlzettel hinterrücks das Königtum zu bekämpfen, als dessen Anhänger sie sich öffentlichen bekennen".' Nach dieser schnurrigen Einleitung kommt der Herr Generalmajor erst auf sein eigentliches Thema: die Brutalisierung von Nichtsozialdemokraten durch Sozialdemokraten. Zu diesem traurigen Kapitel steuert er zwei Beiträge bei: „Ein mchtsoziakdemokratischer Klempnerg esell e mußte kürzlich, nach jedesmal nur kurzer Arbeitszeit, aus drei Werkstätten entlassen werden, weil seine Kollegen sich weigerten, mit ihm zusammenzuarbeiten. Ein kleiner, konservativ gesinnter B a u u n t e r- n e h m e r hatte seit Jahren große Schwierigkeiten. Arbeiter zu finden. Jetzt ist er g e z w u n g e n worden, das hiesige sozial- demolratische Parteiblatt zu halten und zur Parteikasse regelmäßige Beiträge zu zahlen, da sich nur unter diesen Bedingungen Arbeiter fanden zur Ausführung eines von ihm übernommenen Baues." Selbst angenommen, diese beiden Beispiele seien der Wirklichkeit entnommen— obwohl es sich im ersten Fall wohl um einen ver- rufenen Streikbrecher, im zweiten Fall möglicherweise um einen jener Leute handeln dürfte, die eS fertig bringen, gleichzeitig drei oder vier verschiedenen Parteien„aus Ucberzeugnng" anzugehören — was beweisen sie gegenüber dem ungeheuren Terrorismus. den die Kapitalistenklasse und ihr Organ, der Staat, üben? Maßt sich nicht unser Ansbeuterstaat an, ganzen Kategorien von Beamten und Arbeitern nicht nur jede politische Freiheit zu eskamotieren, sondern ihnen sogar das Recht der freien beruflichen Koalition, ja der Zu- gehöngkeit zu einem Konsumverein zu verbieten? I Und wagen es nicht noch zahllose private Unternehmer— ohne daß jemals ein Staatsanwalt einschritte I— ihre Arbeiter zu maß- regeln, weil sie nach ihrem Gutdünken von ihrem Wahl- recht Gebrauch machen, ja nur deshalb, weil sie ihrer Berufs- organisation angehören?! So lange man solche Brntalisierungen von oben gutheißt, macht man sich nur lächerlich, wenn man über den Terrorismus von unten zetert!—_ Lindequist und die Hereros. Die„Deutsch-Südwestastikanische Zeitung" veröffentlicht eine An- spräche, die der neue Gouverneur von Südwestafrika kurz nach seiner Aiikimft den gefangenen HereroS gehalten hat. Danach gab Lindequist den Gefangenen die tröstliche Zusicherung, daß er nicht gesonnen sei, sie immer als Gefangene zu behandeln. Sie würden vielmehr, sobald der Aufftand völlig beendet sei, ihre Freiheit wiedererhalten, ausgenommen diejenigen, die an den Ermordungen der Farmer nnd Händler beteiligt gewesen seien. Wäbrend der Gefangenschaft solle ihnen eine gerechte Behandlung zuteil werden. Sollte sich jemand ungerecht behandelt fühlen, so stehe ihm der Be- schwerdeweg offen. Schließlich fragte der neue Gouverneur: Habt ihr das alles ver st an den? Einstimmiges„Ja". Gebt ihr zu, daß ihr den Krieg grundlos angefangen und daß ihr an euerem gegenwärtigen Unglück selbst schuld seid? Antwort:„Ja, wir wissen es."— Habt ihr das Vertrauen zn mir, daß ich euch stets mit Gerechtigkeit und Wohlwollen regieren werde?— Antwort:„Ja, wir vertrauen dir." Dann grüße ich euch jetzt als der Gesandte des Deutschen Kaisers. Betragt euch gut und es wird euch wohl gehen. Da gibt es in Deutschland noch immer Menschen, die nicht be- greifen wollen, daß die HereroS den Krieg aus purem Mut- lv i l l e n angefangen haben, die vielmehr im Land- und Viehranb der Händler, in den Arenbergereien und anderen Brutalitäten die Ursache des Aufstandes erblicken. Diese Verleumder unserer»ge- rechten" Kolonialpolitik werden nunmehr beschämt verstummen. Haben doch die Gefangenen jetzt Herrn Lindequist selbst bestätigt, daß sie den Krieg„grundlos" angefangen haben! Seltsam nur, daß General Trotha nicht schon auf diese ebenso geniale wie über- zeugende Methode verfallen ist, die lämmerweiße Unschuld unserer Kulturpioniere und die verruchte Frivolität der HereroS zu beweisen!— /Instand. Frankreich Haupt- und StaatS-Aktion. Am Dienstag hat in Paris der Prozeß gegen Hervö, Urbain Gohier, Amilcare Cipriani, Georges Uvetot, Louis Grandidier und 23 weitere Angeklagte begonnen, die beschuldigt sind, das bekannte antimilitaristische Manifest unterzeichnet zu haben. Die Anklage lautet auf: direkte Aufreizung zum Morde und Aufforderung zum Ungehorsam an die Soldaten zu Wasser und zu Lande. Zwei Stellen de§ Manifestes sind inkriminiert, die in wörtlicher Ueber- setzung also lauten: „Wenn man euch den Befehl erteilen sollte, auf eure Unglück- lichen Brüder zu schießen, wie eS in Chalons, in Martinique, in Limoges der Fall war, Arbeiter, ihr Soldaten von morgen, so zaudert nicht, gehorchet, schießt I Aber nicht auf eure Kameraden, sondern auf die betreßten Kerle, die eS wagen, euch solche Befehle zu erteilen." „Wenn man euch an die Grenze schickt, damit ihr den eisernen Geldschrank der Kapitalisten gegen Arbeiter verteidigt, die betrogen sind— wie ihr—. so marschiert nicht. Jeder Krieg ist ein Ver- brechen. Auf die MobilmachungSorder antwortet unverzüglich mit dem Streik und mit der bewaffneten Erhebung lJnsurrektionj. Am l. Mai 1906 werden diejenigen eurer Kameraden, die gegen den Druck der Unternehmer zu kämpfen haben, ihren Willen bekunden, nicht länger als acht Stunden täglich zu arbeiten. Man wird euch befehlen, diese begeisterte Kundgebung des UnabhängkeitSgefühlS und der Würde der Arbeiterklasse in Blut zu ertränken. Aber da werdet ihr, ihr Rekruten, euch weigern, diese niedrige Polizistenrolle zu übernehmen unter Berufung auf die enge Solidarität, die euch mit den Manifestanten verbindet." Der öffentliche Ankläger hat 19, die 16 Verteidiger haben S6 Zeugen geladen, darunter den Popen Gapon. Der Prozeß dürfte mindestens eine Woche dauern. Wir werden über ihn noch näher zu berichten haben.— Portugal. In der Aera der Ministerkrisen und KabinettS-Erneuernngen glaubt Karl der Dicke von Portugal, sein Ministerium auch renovieren zu müssen. Was in diesen Tagen Staaten wie England, Italien, Japan, Griechenland, Montenegro recht war, das muß Portugal billig sein, und so bringt denn der Telegraph aus Lissabon die Nachricht, daß der König die Demission des Kabinetts angenommen und Herrn. Luciano de Casto beauftragt hat, ein neues Kabinett zu bilden.— Niederlande. Der„liberale" Kricgsministcr. Vor dem Sturze des Ministeriums Kuhper wurde von den Livcralen viel von einer Einschränkung des Militarismus und von der EntWickelung des Militärwcsens zu einem wirklichen Volks- h"er gesprochen. Aber wer etwas Derartiges von dem neuen, liveralen Ministerium erwartete, sieht sich gründlich enttäuscht. Der Budgetvorschlag des neuen KriegSministers S t a a l und sein ganzes Auftreten in der Kammer zeigt, daß er durchaus in den Bahnen seiner klerikalen Vorgänger wandelt. Keine irgendwie nennenswerten Ersparniffe hält er für angebracht, keine Ein- schränkung der Dienstzeiten, lieber noch eine kleine Verlängerung. Er erklärte zwar in der Kammer, er sei kein Militarist und er habe Gefühl für die sozialen und wirtschaftlichen Bedürfnisse der Gesell- schaft, aus der ganzen Rede, die er am Donnerstag hielt, ging jedoch hervor, daß er geradezu romantische Ansichten über die Landesverteidigung hegt und daß die vernichtende Kritik, die unsere Genossen T r o e l st r a und Ter L a a n am Tage zuvor geübt hatten, durchaus berechtigt war. Troelstra wies in seiner Rede auch auf die immer mehr fortschreitende internationale Ver- brüderung der Arbeiterschaft hin, auf das allmähliche Entstehen des internationalen Vakerlandes, in dem lein Krieg mehr möglich sein wird, und bemerkte weiter: „Jetzt bereits tritt das Proletariat für den Frieden m die Bresche; in dem Maße aber, wie das Bewußtsein sich vertieft, daß es nicht angängig ist, die Regierungen einander Kriege erklären zu lassen, werden die Kriege seltener werden, wird es unwahr- scheinlicher, daß die kleinen Nationen ihrer Selbständigkeit be- raubt werden." Auf diese Ausführungen antwortete der Minister, sich auf Moltke berufend, mit der' bekannten Redensart, daß der ewige Friede ein Traum sei. Am Donnerstag, gegen Schluß der Debatte, brachte Genosse Troelstra daraufhin folgenden Antrag ein: „Die Kammer, konstatierend, daß das Auftreten des KriegSministers in der Kammer nicht die Garantie dafür bietet, daß seine Regierungsweise mit den bei den letzten Wahlen durch die freisinnige Konzentration aufgestellten Forderungen übercin- stimmen wird, geht zur Tagesordnung über." Dieses Mißtrauensvotum gegen den Minister wurde mit S6 gegen 29 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten, außer den 7 Sozialdemokraten, 11 Freisinnig-Dcmokratcn und 2 Liberale.— Unter sozialdemokratischem Drang sieht sich die niederländische Regierung gezwungen, eine provisorische Verstärkung der Geldmittel durch direkte Stenern zu versuchen, während die vorige Regierung vornehmlich— nach bekanntem Brauch— noch die indirekten Steuern berücksichtigte. Der Finanzminister beantragte eine Er- höhung von 10 Proz. auf die Vermögens- und Betriebssteueni zu legen. Ein sozialdemokratisches Amendement: keine Erhöhung der Betricbssteuer, aber eine Erhöhung von 20 Proz. auf die Ver- mögenssteuern zu legen, wurde mit 85 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Der Antrag des Fmanzministers wurde dann mit 49 gegen 44 Stimmen angenommen. Die ganze Rechte stimmte natürlich dagegen, die ganze Linke dafür.— Das nene Kabinett Fortis. Rom, den 25. Dezember.(Eig. Bcr.) Das neue Kabinett, das man dem italienischen Volke als WeihnachtSgabe geboten hat, ist schnell charakterisiert: Es ist noch weniger Ivert als das vorige. Man hat den be- stehenden Schwächen neue hinzugefügt; noch mehr als daS erste Ministerium Fortis trägt das zweite den Charakter des Provisorischen: eS soll die Zeit hinbringen helfen, bis da? Eisenbahnproblem eine vorläufige Lösung erfahren hat und G i o l i t t i wieder Lust verspürt,»die Last der Regierung" auf seine breiten Schultern zu nehmen. Besonders ungünstig wird die Wahl des Arbeitsministers kommentiert. Nicht, daß T e d e S e o die technische Befähigung ab- gesprochen wird— diese hat er unleugbar, und an einen italienischen Minister stellt niemand hohe Ansprüche— aber TedeSco hat im Juli dieses Jahres gegen das Ministerium Fortis und gegen den Minister Carcano die allerschwerstcn Beschuldigungen erhoben, er hat die„sensationellsten Enthüllungen" über den Rückkauf der Süd- bahnen gemacht, und jetzt will er Arm in Arm mit den Gebrandmarkten arbeiten! Das Wort„Pack schlägt sich, Pack verträgt sich" wird einem da wirklich allzu nahe gelegt. TedeSco ist ein Günstling GiolittiS und war unter ihm Arbeitsminister in jenem letzten Ministerium Giolitti, das. vor dem Angriff der Eisenbahner- Obstruktion ReißauS nahm. Der Minister des Aeußeren, di San Giuliano, gehört nicht in den Bereich der Mehrheit, die das letzte Votum treffen wollte. Solange er Abgeordneter war(7 Legislaturperioden). gehörte er dem Zentrum(gemäßigte Konservativen) an. Wie T i t t o n i ist er Senator, wie dieser einer der Stützpunkte des Kabinetts, die nach rechts hinneigen. Unfähiger als Tittoni zu sein, dürste ihm schwer fallen. Das spielt aber überhaupt für die Leitung der äußeren Angelegenheiten des Staates keine Rolle: wenn der Minister nur gut repräsentieren kann.— Daß Carcano ruhig Schatzmeister bleibt, obwohl er besonders durch das Votum gegen daS Handelsabkommen getroffen war, zeigt nur, wie sehr der parlamentarische Geist in Italien durch den parlamentarischen Formalismus überwuchert wird. Marsengo B a st i a, der neue Postniinister, ist ein Streber, der seine schnelle Karriere dem Umstände verdankt, daß auf die von ihm vertretene Tagesordnung jene entscheidende Abstinnnung fiel, die daS erste Ministerinm Forsts aus der Taufe hob.- Die schönste Perle in der Kette ist aber zweifellos der Ab- geordnete de Marinis, dem das unglückliche Portefeuille des Unterrichts anvertraut worden ist. Baron de Marinis begann vor zehn Jahren seine Laufbahn als„sozialistischer" Abgeordneter von S a l e r n o. Wegen seiner Teilnahme an einer Trauerkundgebung für Humbert I. sprach ihm der Parteitag von Rom(September 1900) ein Mißbilligungsvotum aus, das ihn bestimmte, aus der Partei auszutreten. De Marinis schrieb sich dann in die radikale Partei ein— er gehört zu der kleinen monarchisch gesinnten Fraktion Marcora. Eigentlich ist er nicht einmal Radikaler, sondern ein politischer Eingänger in beständiger Umformung. Augenblicklich ist er einer der energischsten Vertreter des Imperialismus.— Dieser Mann, der trotz unzweifelhaft weiter Bildung und tüchtiger Jntelli- genz eine Art Wetterfahne darstellt, von der niemand weiß, in welcher Richtung sie morgen wehen wird, dieser Mann wird auf einmal Unterrichtsminister 1 1 Der bisherige Minister B i a n ch i, der natürlich noch keine Zeit gehabt hat, zu zeigen, was er konnte, wird einfach„abberufen", weil das die Alchemie der parlamen- tarischen Hexenküche fordert, und das arme Ressort erfährt in wenigen Jahren den vierten Wechselt Richtung, Programm, Geist— alles wechselt und dabei soll das Unterrichtswesen gedeihen! Ueber die übrigen Minister ist nichts zu sagen. Daß Forsts den Kriegsminister Pedottt losgeworden ist, ist für ihn die günstigste Veränderung. Pedottt ist ein Mensch von ungewöhnlich beschränkter Intelligenz und von einer erstaunlichen Ungeschicklichkeit. Wer ihn gehört hat, wie er dem Senat versicherte, daß„das Heer bis heute noch zuverlässig" sei und wie er dieses„bis heute" mehrmals wiederholte, der mußte diesen taktvollen Minister seinen Feinden wünschen. Seine ganze antisozialistische Politik in den Kasernen mit Spitzelei, Haussuchungen usw. hat Pedottt geradezu zum Gespött gemacht. Sein Nachfolger, Mainoni d'Jntijuano, eine im politiichen Leben unbekannte Größe, kann jedenfalls nicht kompro- mitsterender für Fortis sein als es der gute Pedottt war. Um das Maß voll zu niachen, hat das neue Kabinett eine sehr „schlechte Presse". Wir erinnern uns nicht, daß je ein Ministerium so schlecht aufgenommen worden wäre. Der Mailänder „Corriere"(Frakston Sonnino) schreibt: daS Kabinett sei»mißgestaltet und wenig lebensfähig". Der christlichsoziale„M o m e n t o" nennt eS»moralisch und parlamentarisch schwäch", der konservastvc „Giornale di Venezia" bezeichnet es als»schwächlich und ohne Autorität". Die liberale Türmer„ S t a m p a" meint, Fortis hätte jeder Logik. Vcrnimft und Würde entgegen die Bildimg des nencn Kabinetts übernommen und seine Ausgabe in der denkbar schlechtesten Weise gelöst. In diesem Tone geht eS weiter. Noch schöner wird das Kabinett werden, tvcnn erst der neue Landwirtschaftsminister unter den Stocklonservativen, wo man im Augenblick noch auf der Suche ist, gefunden sein wird. Vorläufig hat Forsts das Interim der Landwirtschaft. Wir werden also ein Kabinett haben, daZ in allen Fraktionen einen Stützpunkt hat. ein Kabinett mit Mehrheit in der Kammer, aber ohne Autorität und ohne Dekorum, ein schlaffes, faules Gemisch, das den Boden düngt für das kommende Ministerium Giolitti.— ■•• Das Portefeuille des AckerbauministcrZ hat inzwischen Graf Malvezzi übernommen.— öewcrhrchaftlicbee. Der Weihnachtsmann hinterm Ladentisch. Die letzten Wochen vor Weihnachten stellen bekanntlich VN die im Handelsaewerbe beschäftigten Angestellten die denk- bar größten Ansprüche. Auch die an und für sich schon spärlich genug aussehenden Schutzgesetze gestatten den Unternehmern die bei ihnen Angestellten noch länger zu beschäftigen als zu normalen Zeiten. Während sonst die Geschäfte um 9 Uhr geschlossen werden, darf man jetzt bis 19 Uhr verkaufen, und die llstündige Ruhepause bis auf eine lOstündige reduzieren. Es ist jedoch vollkommen un- möglich, zu kontrollieren, ob diese gesetzlich gewährleistete Ruhezeit eingehalten wird oder nicht. Eine Ueberwachung der gesetzlichen Schutzbcstimmungen, die übrigens nur für die in offenen Verkaufsstellen Beschäftigten gelten, ist nur Sonn- tags möglich. Sonnabends nach 12 Uhr nachts darf nämlich weder in Laden- noch in Engrosgeschästen gearbeitet werden, da dann eben der Sonntag beginnt und man es in diesem Falle mit einer Verletzung der Sonntagsruhe zu tun hätte. Um nun gewissen Kreisen, in denen man vielfach der Ansicht ist, daß die Sonntagsruhe Wohl kaum in größerem Maße überschritten wird, die Irrigkeit dieser Annahme nachzu- weisen, unternahmen es einige Mitglieder des Zentral- Verbandes der Handlungsgchiilfen und Gehülfinnen in den Nächten vom 16. zum 17. cr. und 23. zum 24. er., in den Straßen Berlins eine Anzahl Geschäfte auf die Uebertretung der Sonntagsruhe hin zu kontrollieren. Allein in dem Be- zirk der Leipziger- und Friedrichstraße konnten ohne weiteres zirka 39 Firmen festgestellt werden. Auf die Aufforderung. das Personal sofort zu entlassen, hatten die Chefs in der Regel nur höhnische Antworten übrig. Dieselben mußten daher der Polizei gemeldet werden. In der Regel handelte es sich dabei gerade um die größten und kapitalkräftigsten Firmen, teilweise auch— wie bei Wertheim in der Oranien- straße und Cyliax in der Rosenthalerstraße— um solche, die auf Arbeitcrkundschaft rechnen. Daß diverse Hoflieferanten sich nicht an die Gesetzesbestimmungen gebunden fühlten, per- steht sich am Rande. Aufgabe der gesetzgebenden Körperschaft sowie der über- wachenden Behörden wäre es, Organe zu schaffen, die der- artige Uebertretungen festzustellen und zu sühnen hätten. Es müßten dies Handclsinspektoren sein, die sämtliche Ge- schäftsbetriebe regelmäßig zu besuchen hätten, und wenn ihnen irgendwelche Anzeigen zugehen, dieselben auf ihre Richtigkeit zu kontrollieren haben und eventuelle Mißstände zu beseitigen. Alle Gesetzesbestimmungen aber sind zwecklos, wenn die ausführenden Organe nicht bereit sind, denselben Geltung zu verschaffen. In dieser Beziehung mußten die in Frage kommenden Mitglieder des Zentralvcrbandes der Handlungs- gehülfen die allcrschlimmsten Erfahrungen machen. Die von ihnen zur Unterstützung angerufenen Polizeiorgane zeigten vielfach eine an Widerstand grenzende Passivität. Zur wirklichen Durchführung der gesetzlichen Bestim- mungen gibt's nur eine Möglichkeit: Anschluß an die Organisation, in diesem Falle an den Zentralverband der Handlungsgehülfen und-Gehülfinnen Deutschlands und einen unter diesem Schutz gemeinsam ausgeübten Druck auf das Unternehmertum, dahingehend. daß dieses nicht nur des Profites willen die Rücksichten auf die zugunsten ihrer Angestellten geschaffene soziale Gesetz- gebung außer acht lassen!_ Bcrkln und amgegendU Zentralveriand der Tapezierer iSektion der Kleber). Bau kontroll e. In der Zeit vom 27. November bis 16. Dezember wurden m Berlin und Umgebung 762 Bauten kontrolliert. Hiervon waren bessere Bauten ISS. mittlere 2S1 und geringerer Art 352. Zurzeit in Arbeit befanden sich 129. zum Anfangen resp. 1. April fertig- znstelsen waren 633 Bauten. Arbeitende Kleber wurden angetroffen 226. Davon waren organisiert: zentral ISS, lokal 13, bei den Malern 7, unorganisiert 32. IS waren Unternehmer. 2 der letzteren bekundeten ihr Standesbewußtsein dadurch. daß sie die Klebearbeit inklusive Borten usw. für 26 Pfennig pro Nolle herstellten. Differenzen fanden S statt. 7 wurden durch Einschreiten der Kontrolleure erledigt: in 2 Fällen mußte zur Sperre gegriffen werden(ebenfalls mit Erfolg). In den meisten Fällen handelte es sich um Nichtbezahlung der Borten. Auf 3 Bauten wurde Lyncrusta von Linoleumlegern geklebt, in einem Falle (Eisenacherstr. 2g. Firma(5arst u. Nölte) der Quadratmeter für 45 Pf. Lichtarbeit Ivurde bisher nicht festgestellt. Die Verbandslertung. NB, Sonntag, den 31. Dezember, findet der Umtausch der Kontrollkarten in den näherbezeichneten Lokalen statt(siehe Annonce am Freitag, den 20. Dezember). Oeutfches Reldi- Zur Aussperrung auf der Reptunwerft in Rostock erhalten wir «roch folgende Darstellung: Im Frühjahr d. I. streikten die Schiffszimmcrcr. Es wurden deren Forderungen bewilligt nach kurzem Ausstand. Nun war aber die gesamte Arbeiterschaft mit den Lohn- und Arbeitsverhältnissen unzufrieden und hatte auch allen Grund dazu. Es drohten also die Streiks anderer Abteilungen. Die Direktion aber wollte„zwei Jahre Ruhe" haben. Die Arbeiter lvarcn sckion damals sehr gut organisiert. Dem Ruhebedürsnis der Direktion und der guten Organisation der Arbeiter ist denn zu verdanken gewesen, daß ein Tarifvertrag zustande kam. In diesem Vertrag sieht die Bestimmung. daß, wenn eine Einigung über einen bestimmten Akkordpreis nicht erzielt werden kann, das Gewcrbegcricht als Einigungsamt von beiden Teilen anzurufen ist. Diese Bestimmung trifft auf die Anfertigung eines Kohlenbunkers zu. Statt aber nur. den Tarif auch zu halten, d. h. das Gewerbegericht anzurufen, weil eine Einigung nicht erzielt wurde, hat die Direktion einfach den bc- treffenden Schirrmeistcr entlassen, die Entscheidung wochenlang vcr- zögert, wobei der Herr Vorsitzende des GewcrbegerichtS— Senator Paaschen— redlich sein Teil beitrug, und dann drei Tage vor dem Spruch des Gewerbegerichts abermals zwölf Vkann entlasten. Das schlug dem Faß den Boden aus, die Schistsbauer traten in den Streik, und diesem Streik folgte die Aussperrung auf dem Fuße. Nun erklärt die Direktion die Arbeiter für unreif, einen Tarif- vertrag abzuschließen. Wir können hier nur den Spieß umdrehen. Es ist doch zweifellos derjenige unreif für solch ein„Friedens- instrrnnent", der es versucht, durch„kunstvoll"(oder auch reckst un- geschickt) an den Haaren herbeigezogene Interpretationen den Tarif. Verantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin, Inseratenteil verantw.: bruch den anderen aufzulvälzen. GeWitz hat fast jeder Tarif seine Mängel, aber die Bestimmung, die hier in Betracht kommt, ist so klar, daß ein Zweifel daran, wer die Schuld trägt, gar nicht auf- kommen kann. Erst mutzte mehrfach mit dem Streik gedroht werden, che die Direkticn ihre Verpflichtung anerkannte, vor dem Gewerbe- gcricht zu erscheinen, und dann sollte auch nur ein Teil der strittigen Punkte zur Verhandlung gebracht werden.— Vorher aber maßregelt die Direktion lustig weiter. Es ist allerdings bedauerlich, daß jetzt, kurz vor Weihnachten. solch ein Kampf ausbricht, aber daran ist nichts zu ändern. Die Arbeiterschaft ist zu mehr als 80 Proz. organisiert und hat sich auf den Kampf vorbereitet. Niemand kann wissen, wie der Kampf endet. Die Chancen für die Arbeiter sind gut, und daher sehen diese, gestützt auf ihre Organisation, in aller Nuhe der weiteren Entwickelung entgegen. Ob es abermals zu einem Tarifvertrag kommt, kann ebenfalls nicht behauptet werden. Jedenfalls müßte derselbe eine für den Arbeiter noch günstigere Fastung haben als der erste, falls die Zustimmung seitens der Arbeiter erfolgen soll. Auch im Aachener Kohlengebiet sind die Bergarbeiter zum Teil der Parole des alten Verbandes gefolgt und den Ausschuß- Wahlen fern geblieben. Auf Grube„Maria" war die Beteiligung sehr schwach, und auf Grube„Nordstern" mutzte von der Direktion folgende Bekanntmachung erlassen werden: „Der Belegscbaft wird hierdurch mitgeteilt, daß die Wahl- berechtigten Mitglieder der ersten, zweiten und dritten Wahl- abteilung keine Ausschußmitglieder und keine Ersatzmänner gewählt haben, weil kein wahlberech- tigteS Mitglied eine Stimme abgegeben hat." Nachwchen des Nürnberger BäckcrstreikS. Im Mai d. I. brach in Nürnberg ein allgemeiner Bäckerstteik auS, in dem sich die Meister vom Backtrog sehr hartnäckig betrugen. DaS Stteikkomitee ver- öffcntlichte täglich in der„Fränkischen Tagespost" ein Verzeichnis der Bäckermeister, die jedes Entgegenkommen ablehnten, und daran war die Aufforderung an die Arbeiterschaft geknüpft, nur bei solchen Meistern einzukaufen, die bewilligt hatten. Die Vorstände der Bäckermeisterkorporationcn und neun Meister stellten beim Gericht den Anttag, dieses Inserat zu verbieten. Die vierte Zivil- kammer erließ auch eine einstweilige Verfügung, durch die dem Ver- lag und dem verantwortlichen Redakteur der„Fränkischen Tagespost" sowie dem Vorsitzenden des Bäckerverbandes, dem Borsitzenden der Zahlstelle und dem Gauleiter verboten wurde, die Einwohner- schaft durch öffentliche Kundgebungen aufzufordern, ihren Bedarf nur bei bestimmten Meisten: zu decken. Für jeden Fall der Zuwiderhandlung wurde eine Geldstrafe von 1500 M. fest- gesetzt. Der hiergegen erhobene Einspruch wurde abgewiesen und die Verfügung bestätigt, weil dieselben Richter, die die Verfügung erlösten hatten, auch über deren RechtSgülttgkeit zu urteilen hatten. Zu gleicher Zeit wurde der Bcttag der Streitsumme auf 30(10 M. erhöht, damit eventuell auch daS Reichsgericht sprechen könne. Jetzt hatte sich das Oberlandesgericht Nürnberg mit der Sache zu be- fasten, und dieses fällte ein merkwürdiges Urteil: DaS Urteil der Zivilkammer wird aufgehoben, der Protest gegen die einstweilige Verfügung jedoch zurückgewiesen, die BerufungSführer haben die Kosten zu ttagen l Su»I»»d. Der belgische Gewerkschaftskongreß. Brüssel, 26. Dezember.(Eig. Der.) Während der zwei WeihnachtStage versammelte sich zu Brüssel im V o l k S h a u s e der VIl. jährliche Gewerkschaftskongreß. 178 Gewerkschaften waren durch 17? Delegierte vertreten. Die meisten der sozialdemokratischen Kammermitgliedcr wohnten den Verhandlungeu als Gäste bei. Die erste SonntagSsitzung behandelte hauptsächlich die Redaktion und Verbreitung deS monatlich erscheinenden Korrespondenzblattes „Le Journal des CorrespondenccS". Alle Delegierten bedauerten die Mängel deS Blattes und be- tonten, daß eine bezahlte Redaktion notwendig sei, um diese Mängel zu heben. Der größte Fehler sei jedoch die fehlende materielle und moralische Unterstützung durch die Organisationen. Verschiedene Redner schlugen das obligatorische Lesen deS Korrespondenzblattes vor; vorläufig stimmte man dieser Art der Verbreitung nur für die Kommissionsmitglieder der Gewerkschaften zu. Die NachmittagSsitzung nahm Stellung zu einer Resolution für die Ausbreitung der gewerblichen Schiedsgerichte für alle Lohn- arbeiter(Geschäfts- und Handelsangestellten einbegriffen). Sodann besprach die Versammlung die Revision des Artikel 310 des Straf- gesetzbuches. Die heutige Gesetzgebung ist(die zahlreichen Urteile deS Klassengerichts belvcisen es) etile der schärfsten Waffen deS Unternehmertums gegen die Arbeiterschaft. Seit langer Zeit haben die Arbeitervcrtreter die Abschaffung dieses Artikels verlangt. Die Buchdrucker aus Brüssel schlagen vor, die nächste Wahl- agitation zu benutzeil zur Bekämpfung des Artikels 310. Alle Kandidaten der verschiedenen Parteien sollen über ihre Stellung- nähme zu diesem Artikel schriftlich oder mündlich in den Wahl- Versammlungen Befragt werden. Alle diejenigen, die sich zugunsten der heute bestehenden Gesetzgebung äußern sollten, werden der Arbeiterschaft als Feinde der Gewerkschaftsbewegung charakterisiert. Merkwürdig ist es, daß diese Resolution auch die Zustimmung der „neutralen" Vereine bekam. In der Montagssitzung befaßte sich der Kongreß mit der Be- schränkung der Arbettsdauer. Einige Delegierte machten der Kammerstaktion den Vorwurf, daß sie sich zu viel an politischen Debatten beteiligte, und dies zum Schaden der ökonomischen Forderungen des Proletariats. Vandervelde beantwortete diesen Borwurf mit der Be- merkung, daß schon 1896 die sozialdemokratische Fraktion einen Vor- schlag zur Einführung deS NeunstundcntageS vorgelegt hat. Außer- dem dürften die Arbeiter sich nicht allem auf ihre politische Ver- ttetung verlassen, sondern müßten auch auf die Kraft ihrer Organi- sationen rechnen. Die Abgeordneten auS Flandern erklärten, daß die Arbeitszeit- verkürzungsstage eng verbunden ist mit der deS Schulzwanges. Der Kongreß beschloß, am Ende des Jahres 1906 große Sttaßendemonstrattonen in Brüssel zu veranstalten und bei diesen den achtstündigen Arbeitstag zu fordern. Was die obligatorische Schulpflicht bettifft, so forderte man: ->.) Schulpflicht für alle Kinder von 6 bis 14 Jahren. b) Obligatorische technische Abendschule für die jungen Leute von 13 bis 16 Jahren. c) Von 12 bis 14 Jahren. Verteilung der Unterrichtszeit zwischen pädagogischem Unterricht und Handarbeit. ck> Freie Nahrung und Kleidung für die Schüler. cj Revision des Gesetzes vom 13. Dezember 1889 betreffend die Kinderarbeit Der Kongreß stimmte auch— mindestens prinzipiell— der Begründung eines Zentralbureaus der belgischen Gewerkschaften zu. Am 2. Feiertag wurde der Kongreß unter Absingung der Internationale geschlossen._ Der Ausstand der Pariser Handlungsgehülfen der Spezereiwaren- Branche ist beendet Versammlungen. Ter Tertilarbeiter-verbanb(Filiale Berlin) beschäftigte sich in seinen beiden letzten Versammlungen mit der Frage der Ein- führung eines Lokalzuschlages zum Verbandsbcitrag. Bis- her war ein solcher Zuschlag für die Berliner Mitglieder noch nicht erhoben worden. Beim letzten Tcppichweberstreik war aber die Un- zulänglichkeit deS Unterstützungssatzes für Berliner Verhältnisse so oeutlich zutage getreten, daß die Anregung, einen örtlichen Zuschlag von 5 Pf. pro Wocbe zum allgemeinen Beitrag zu erheben und da- durch auch die Streikunterstützung etwas höher bemessen zu können« kü, Wicke, Berlin. Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdr. u, BerlagZanstalt auf fruchtbaren Voden fiel. Selbst ein Teil der weiblichen Mi!» glieder erklärte sich zur Zahlung des gleichen Zuschlages bereit. Nach lebhaften Debatten wurde dann die Einführung deS Lokal» Zuschlages von wöchentlich b Pf. für männliche Mitglieder be? schlössen. Ter Antrag, den Zuschlag auch auf die weiblichen Mitglieder auszudehnen, fand dagegen keine Mehrheit.— Die Vorftandswahl ergab die Wiederwahl der bisherigen Vorstands- Mitglieder mit Ausnahme des zweiten Kassierers. An dessen Stelle wurde W. O u a n d t gewählt In der Bereinigung der Fliesenleger sprach am Donnerstag Dr. Büeck über: Die direkte Aktion". Alach der Ansicht des Redners ist die Masse der Arbeiter von proletarischem Klassen- bcwußtsein und revolutionärer Begeisterung beseelt, die Führer der Sozialdemokratie aber bevormunden die Massen und bremsen den revolutionären Drang derselben. Der Redner verurteilt es, daß die Klassenfordcrungen des Proletariats durch Vertreter der Arbeiter, beispielsweise im Parlament, vertreten werden, au- statt daß die Arbeiter im Wege der„direkten Aktion" ihre For- derungen gegenüber der Bourgeoisie geltend machen. Die dirette Aktion, die ihre vollkommenste Auwendung im Generalstreik finde, gehe im geraden Wege auf das Ziel, sie sei der Kampf um das erstrebte Ziel durch Einsetzung der Persönlichkeit der von selbst- herrlichem, autonomen Willen beseelten Arbeiter. DaS System der Vertretung, wo die Arbeiter ihr Schicksal den Führern überlassen, sei vom Uebcl, es könne nicht bestehen, wenn die Arbeiter selbst- bewußt wären. Tie direkte Aktion sei daS beste Kampfmittel.— Diese und andere ähnliche Ausführungen veranlahtcn den ersten Diskussionsredner Genossen P u t t l i tz zu der Bemerkung, cr habe aus dem Vortrage herausgehört, daß der Referent nicht Sozial- dcmokrat, sondern Anarchist sei. Im übrigen �vertrat Puttlitz dem Referenten gegenüber den Standpunkt der Sozialdemokrati: und propagierte ihre Organisationen und ihre Presse. Nachdem noch Knövpchen gegen den Referenten polemisiert hatte, ging Dr. Bueck in seinem Schlußivorte unter anderem auf die Frage nach seiner Parteistellung ein. Er sagte, ob er Anarchist sei, w i s s e c r nicht, cr wisse auch nicht, ob ihn die Anarchisten als zu ihnen gehörig anerkennen würden. Bis jetzt stehe er noch im sozialdcmo- kratischen Lager, denn cr sei Mitglied eines Wahlvercins und die Partei habe seine Mitgliedschaft noch nicht angefochten. Er sehe auch nicht ein. warum in der Sozialdemokratie nicht Raum für ihn sein solle, solange sie Platz habe für Extreme wie Heine und Bebel, Bernstein und Kautsky, Schippe! und Rosa Luxemburg. Hierauf beschäftigte sich die Versammlung mit gewerkschaft- lichcn Angelegenheiten. Ter Vorsitzende teilte mit, daß sich die Vertreter der Fliesenleger im Gewcrkschaftskartell verteidigt haben gegen den Vorwurf des Maurerverbandes: Ter Tarifvertrag der Vereinigung der Fliesenleger stehe nicht mehr in den Grenzen, iu denen sich eine moderne Arbeiterorganisation zu bewegen habe.— Hierzu nahm die Versammlung einen Antrag an, welcher besagt. die erwähnten Angriffe auf die Vereinigung der Fliesenleger zeugen von großer Unkenntuis der Sachlage, der Vertrag der Vereinigung sei besser wie der Bertrag des Maurerverbandes, die von jener Seite aufgestellte Behauptung, die Einreichung der Mitgliederliste beim Gew:rbegericht sei als Verbreitung einer„schwarzen Liste" zu betrachten, sei eine unbegründete Verdächtigung. Den russischen Freiheitskämpfern bewilligte die Versammlung 100 Mark. Senefclder Bund. Filiale II(Chemiarapben Berlins), Nachdem die übrigen VcreinSangelegenheiten erledigt waren, kam in her letzten Versammlung unter anderem auch der Artikel der„Graphischen Presse" Nr. 46„Ein Konflikt in der.,VorwärtZ"-Reda:tion" zur Sprache, Nach längerer ziemlich erregter Debatte, wobei zu bc- merken ist, daß wegen der vorgerückten Zeit(llh'z Uhr) die Vcr- sammlung schon ziemlich gelichtet war, wurde folgende Resolution mit 42 gegen 11 Stimmen angenommen: Die ordentliche Mitgliederversammlung der Berliner Eheirn- graphcn protestiert gegen die Austiahinc des Artikels der Generalkommisston in Sachen„Vorwärts"- Konflikt in der „Graphischen Presse". Obgleich die ganze Angelegenheit die Gewerkschaften nicht berührt, hat die Generalkommission als Vertreterin der Gewerkschaften die Partei in gehässiger Weise an- gegriffen und die ganze Sache so einseitig dargestellt, daß zu bc- fürckitcn ist. daß daS gute Verhältnis zwischen Partei und Ge- wcrkjchaft hierdurch in Frage kommt Die Versammlung verwahrt sich ganz entschieden gegen daS Vorgehen der Gcneratkoinmission und erwartet, daß in Zukunft unser Geiverkschaftsblatt derartige Artikel scharf zurückweist, wie dieselbe auch bedauert, daß zu der- artig wichtigen Fragen der Redakteur niemals seiner persönlichen Meinung Ausdruck verleiht. Letzte Naebnebten und Depefeben, Muhlhcim a. Main, 27. Dezember.(Privatdepesche des „Vorwärts".) Bei der heute stattgehabten Brigcordnctcnwahl erhielt der seitherige Beigeordnete 349« der Sozialdemokrat Peter Zahn 489 Stimmen. Letzterer ist demnach mit 14t) Stimmen Majorität gewählt und ist der erste sozialdemokra- tische Beigeordnete in Hessen. Die bevorstehende Präsidentenwahl. Paris, 27. Dezember.(W. T. B.) Dem Vernehmen nach wird die Wahl des neuen Präsidenten der Republik am 16. Januar 1906 erfolgen._ Die Kämpfe in MoSkair. Moskau, 27. Dezember, nachmittags 3 Uhr.(Meldung der Petersburger Tclcgrapheii-Agentur.) Tie Stadt trägt den Charaltcr deS Belagerungszustandes. Gesten: abend wurden die Passanten von den Patrouillen durchsucht; diejenigen, welche Widerstand leisteten, wurden rrschosien. Nach 9 Uhr abends war es in den Häusern finster. Das Schießen dauerte ununterbrochen an, sogar noch über Mitternacht. Die Plünderungen der Läden nehmen an Umfang zu; namentlich war«s auf Klcidermagazire und Milchwirt- schaften abgesehen. Heute begann das Schiesirn seit dem frühen Morgen in der Gegend des Nikolaibahnhofrs, Drei Abteilungen von bewaffneten Aufständischen setzten sich nach drei Richtungen in Bewegung. Eine mit Flinten und Revolvern bewaffnete Abteilung marschierte auf der Kasancr Eisenbahn zwischen den Stationen Moskau und Perovo; die Vorhut dieser Abteilung versuchte sich des Nttolaibahnhofcs zu bemächtigen. Die Verbindung zwischen Skoskau und Perovo wird durch Sonderzüge aufrecht erhalten. Die zweite Abteilung von Revolutionären, welche mit Revolvern bewaffnet und auS Männern und Frauen, insgesamt etwa tausend Köpfe starl, zusammengesetzt ist, operiert in der Gegend der Sadowaja und in den umliegenden Boulevards von der alten Triumphpfortc bis zum Sucharewturm, Ucbcrall in dieser Gegend sind Barritaden errichtet. Die Revolutionäre erscheinen in kleinen Abteilungen und greifen die Truppen an. Besonders tapfer, mitunter sogar grausam, find die Frauen. Die dritte Abteilung, welche die stärkste ist, operiert in der Gegend vom Brester Bahnhof in der Sadowaja bis zur PreSnja. Hier sind Äämptt häufiger als anderswo. Eine Abteilung von Re, volutionären uerbarrikadittte sich in der Kommissarowschulc. Das Gebäude wurde mit Kanonen beschossen und stark beschädigt. Auw ein anderes Gebäude wurde mit.Kanonen beschossen. Viele Per- soncn sind getötet und verwundet worden. Ausstand in Kiew. Kiew, 25. Dezember,(lieber Eydtknhncn.)(Meldung� der Petersburger Tclcgraphen-Agentur.) Sämtliche Arbeiter der Eisen- bahn-Werkstätten sind im Ausstand. Mehrere Wagen der Trambah, wurden von Ausständigen beschädigt.__ ßaul Singer LcCo., Berlin S1V. Hierzu 3 Beilagen u. vntcrhaltungShlatt Nr. 302. 22. IahrMg. 1. KrilU des Lmiirls" Krlim Wiksdlill. Dounerstag, 28. Dezember WS. Jim der Partei. Gin Vortragszyklus über Nationalökonomie wird in Bremen bon dem.Bildungsausschutz des Gewerkschaftskartells" vom 2. bis S. Januar veranstaltet. Vortragender ist Genosse Max Grun- Wald. „Der Grundstein" Nr. öl bringt einen langen Artikel, worin er mit großem Lärm und Kraftaufwand zu beweisen versucht, daß der »Vorwärts".verleumdet". Die„Verleumdung" soll darin bestehen, daß wir dem„Grundstein" seine Hetze gegen die Partei vorgeworfen haben, die er zuletzt in dem Artikel„Der Radikalismus an der Arbeit" getrieben. Höchst entrüstet ist der„Grundstein" darüber, wie es ja alle die Gewerkschaftsblätter zu tun pflegen, denen man ihr parteischädigendes Treiben vorhält. Wer jedoch in Wahrheit verleumdet, das läßt sich an dem eigenen Artikel deS„Grundstein" mit spielender Leichtigkeit nachweisen. Das Organ des Maurer- Verbandes hatte als Hauptbeweismaterial für die angeb- liche Feindschaft der„radikalen" Sozialdemokraten gegen die Gewerkschaften zweierlei angeführt: ein Zitat ans einem Artikel der„Leipziger Volkszcitnng" vom Januar 1303, von dem ohne weiteres behauptet wurde, daß er von der Gen. Luxemburg geschrieben war, und ferner einen angeblich von ihr in einer Leipziger Versammlung gebrauchten Ausdruck über die »Sisyphusarbeit der Gewerkschaften". Es wurde im„Vorwärts" festgestellt, daß beide„Beweise" aus den Fingern gesogen sind, und der„Grundstein" ist gezwungen, jetzt selb st zuzugeben, daß er in leichtfertiger Weise Verleumdungen verbreitete. Der Artikel in der„L. V." war nicht von der Gen. Luxemburg geschrieben, und den Ausdruck von der„Sisyphus- arbeit" will der„Grundstein" nur in„Zeitungsberichten" über die Leipziger Versammlung gefunden haben, er lehnt aber jede Verantwortlichkeit für diese„Zeitungsberichte" ab. In Wirklichkeit wird sich der„Grundstein" mit den„Zeitungsberichten", hinter die er sich verschanzt, gar nicht ausweisen können, denn tatsächlich ist die von Rexhäuser zuerst freigeschaffene Legende von dem Ausdruck«Sisyphusarbeit der Gewerkschaften" im Sinne völliger Nutzlosigkeit des Gewerkschafts- kampfes nicht auf Grund irgend eines VersammluugsberichteS, sondern lediglich auf Grund eines Satzes in der Broschüre der Genossin Luxemburg:.Sozialreform oder Revolution" zurecht- gemacht, und die Fälschung, die der Legende zugrunde liegt, ist schwarz auf weiß im„Vorwärts" nachgewiesen worden. Behauptet nun der„Grundstein" dreist, daß der von ihm zitierte Artikel der „L. V.", worin dem Gewerkschaftskampf der Charakter des Klassen- kampfes abgesprochen wird, zwar, wie der„Grundstein" jetzt zugeben mutz, nicht von der Genossin Luxemburg geschrieben ist, aber„doch ihr ganzes Tun und Treiben mit dem Artikel im Einklang steht", so fügt er nur zu den früheren erwiesenen Verleumdungen eine neue hinzu. Und schließlich ist eS gleichfalls aus der Lust gegriffen, wenn der„Grund- stein" folgende Haupt- und Staatsverbrechen rekapituliert: Wir stellen nochmals fest: Rosa Luxeniburg und einige andere Parteigenoffen haben in Wort und Schrift die gewerkschaft- liche Arbeit zu verkleinern gesucht. Sie haben gegen die Führer der Gewerkschaften gehetzt und sie in den Augen der Gewerkschaftsmitglieder verächtlich zu machen versucht. Sie haben den Beichlutz des Parteitages über den Maffenstrcik falsch interpretiert und die Arbeiterschaft mit revolu- tionären Phrasen zu berauschen versucht.— Ein solches Verfahren haben wir verurteilt, ganz besonders in dem Artikel „Der Radikalismus an der Arbeit". So lange die Gewerkschaftsführer die üble Gewohnheit haben Werden, sich selbst, ein paar Dutzend Mann, mit„den Gewerkschaften" zu identifizieren, alle Ausführungen über die Grundlagen und natürlichen Grenzen des Gewerkschaftskampfes als„Verkleinerung der gewerkschaftlichen Arbeit" zu denunzieren und auf Grund dieser Verwechselungen in den Reihen der Sozialdemokratie eine„Feind- schast gegen die Gewerkschaften" zu wittern, so lange werden sie, ob sie sich dessen bewutzt sind oder nicht, tatsächlich gegen die Sozial- demokratie eine schädliche Hetze ausführen. Und wenn der„Grundstein" schließlich beteuert, er hätte ja nicht im Traume daran gedacht, gegen die Partei loszuziehen, sondern bloß gegen„Rosa Luxemburg und einige wenige Genossen", so mutz man erstaunt fragen: Welchen Zweck hatte denn die ganze lärmende Aktion„einiger weniger Genossen"?... In Halberstabt erscheint seit Dezember ein neues Blatt:„An- zeiger für die werkthätige Bevölkerung Halberstadts". Zur Ein- führung des Blattes erklärt die Redaktion: Dem langgehegten Wunsche und Bedürfnis vieler gewcrk- schaftlich organisierter Arbeiter Halberstadts Rechnung tragend. haben wir uns zur Herausgabe eines Blattes entschlossen, welches zwar kein Parteiblatt und Parteiunternehmen darstellt, wohl aber bestinmit ist, den Interessen der sozialdemokratischen Arbeiterschaft Halberstadts zu dienen. Um keine Unklarheit über unser Unternehmen aufkommen zu lassen, bemerken wir von vornherein, daß der„Anzeiger" weder jetzt noch für die Zukunft dazu bestimmt ist, die politischen TageS- fragen in seinen Spalten zu behandeln. Diese Aufgabe hat nur unser offizielles Parteiorgan,.Die Volksstimme" in Magdeburg, zu erfüllen und«vir würden uns mit den Beschlüssen unserer Kreis- Parteitage in Widerspruch setzen, wollten wir für die Parteigenossen Halberstadts ein Blatt herausgeben, welches in irgend einer Weise dem offiziellen Parteiorgan hinderlich wäre. Ter„Anzeiger" ist auch weder dazu berufen, noch will er außerhalb des Halberstädter Stadtgebiets im Wahlkreise sein Verbreitungsgebiet ausdehnen. Er will ein lokales Nachrichten- blatt für oie Halberstädter Arbeiterorganisationen sein, weiter nichts. Das Geschäft vor allem. In der„Münchener Post" vom Pt. Dezember finden wir im Inseratenteil die folgende Anzeige: Soeben erschien im Verlage von G. B i r k u. Co.: Der„Bor- wärtS"-K»»flikt. Gesammelte Aktenstücke. 144 Seiten. Brosch. 30 Pf. Porto 5 Pf. Die Veröffentlichung der Aktenstücke des bedauerlichen Konflikts war insofern notwendig, als damit erst die Grundlage zu einer sachlichen Beurteilung der Borgänge gegeben wird. Eine Ncubelebung deS Streites soll und wird sie nicht verursachen. Ebensowenig ist ein finanzieller Vorteil bei der Heran kgrche der Aktenstücke beabsichtigt, da ein etwaiger Ucber- schütz über die Herstellungskosten der Parteikasse zufließt. Zu beziehen durch die Expedition der„Münchener Post", Sendlingerstr. 20.__ Derbandstag der KurSell- nnd Piilsklmacher. Der Verband der Bürsten- und Pinselmachcr Deutschlands hielt im Lokale von Patt in der Dragonerstratze am 26. und 27. Dezember feinen zweiten Verbandstag ab. Die 21 Zahlstellen des Verbandes waren durch 14 Delegierte vertreten. Außerdem waren vom Haupt- vorstand der Verbaudsvorsitzende Kniestedt und der Kassierer Genz, und als Vertreter des Ausschusses B ö t t ge r- Hannover anwesend; ferner als Vertreter der Geschäftskommission der Freien Vereinigung der Gewerkschaften Deutschlands K l e i n l e i n. Der Berbandstag wurde am Montagvormittag'fcll Uhr eröffnet. Zunächst gab der Verbandsvorsitzende Kniestedt den Bericht d e S V o r st a n d e s, der sich auf die fett dem ersten Berbandstag verfloffenen S1/« Jahre erstreckt. Gr wieS darauf hin. daß der Verband der Bürsten- und Pinselmacher aus Mitgliedern des Holzarbeiter-Berbandes hervorgegangen ist. die mit den Verhältnissen in dieser Organisation und mit ihrer Taktik nicht einverstanden waren. Die Mitgliederzahl. des Verbandes ist von 240 in 20 Zahlstellen auf 370 in 21 Zahl-> f stellen gestiegen. Lohnbewegungen haben 14 stattgefunden, an denen 2Sö Mitglieder beteiligt waren. Sechs Lohnbewegungen mit 173 Beteiligten endeten mit Erfolg, 4 mit teilweisem Erfolg und 4 erfolglos. Der Redner bezeichnete die EntWickelung des Verbandes als verhältnismäßig günstig. Er berichtete aus ver- schiedeuen Orten über eine Gcgenagitatwn von Vertretern des Holzarbeiter-VcrbandcS, die er, besonders auch in der Form, wie sie betrieben Ivurdc, scharf verurteilte. Der Zentral-Arbeitsnachweis des Verbandes hat verhältnismäßig gut funktioniert, doch war es nicht immer möglich, die verlangten Arbeitskräfte herbeizuschaffen. Der Redner schloß mit der Bemerkung, daß es Aufgabe der Organisation sei, die Mitglieder zu klassenbewußten Arbeitern zu erziehen. Die Abrechnung über die Zeit vorn 1. Juli 1903 bis zum 1. Oktober 1905 ist bereits in der„Einigkeit" veröffentlicht worden, lvorauf der Kassierer Genz auftnerksam machte. Die Einnahmen samt dem alten Bestände von 625,89 M. beliefen sich auf 8ö82,39 M., die Ausgaben auf 3096,61 M., so daß ein Bestand von 485,78 M. übrig blieb. Für Streikunterstützung wurden 2788,90 M. ausgegeben, für Agitation 1413,86 M. Von der Tätigkeit des Ausschusses berichtete Böttger. Der Ausschuß hatte nur wenige unbedeutende Beschwerden sowie zwei Ausschluhanträge zu erledigen. Außerdem hat er die Verbandskasse revidiert und hat hier alles in bester Ordnung gefunden. Dem Vorstandsbericht folgte eine rege Diskussion, in der sich die Delegierten über die Verhältnisse der einzelnen Zahlstellen äußerten. Auch in diesen Berichten trat die bedauerliche Tatsache hervor, daß sich im Bürstenmacherberuf zwei Arbeiterorganisationen bekämpfen, und daß hierbei zuweilen Mittel angewandt werden, die man als durch- aus verwerflich bezeichnen mutz. Im übrigen ging aus den Berichten hervor, daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Bürsten- und Pinselmacher an den meisten Orten außerordentlich elende sind, daß aber an einzelnen Orten, wie z. B. auch in Berlin, durch die Organisation und das Vorgehen der einzelnen Mtglieder Ver- befferungen erzielt worden sind. Nach Erledigung dieses Punktes kam das neue Statut zur Be- ratung. Der hierzu vorliegende Entwurf wurde mit geringen Aenderungen angenommen. Der Verband erhält danach den Namen: „Vereinigung der Bürsten- und Pinsel macher D e u t s ch l.a n d s" und setzt sich aus einzelnen Ortsvereiuen zusammen, die ihre Angelegenheiten im wesentlichen selbständig regeln. Solche Vereine sollen an allen Orten gegründet werden, wo mindestens acht Organisationsangehörige vorhanden sind; wo dies nicht der Fall ist, soll ein Vertrauensmann ernannt werden, der mit dem Geschäftsleiter der Vereinigung direkt abrechnet.— Außer diesem„Regulativ" wurde über ein Streikreglement beschlossen, das den Vereinen als Norm dienen soll, sowie über Bestimmungen, die sich auf die Reise- und Umzugsunterstützung beziehen. Es wurde beschlossen, daß die Geschäftsleitung der Organisation, die im September dieses Jahres von Hannover nach Berlin verlegt wurde, auch ferner hier ihren Sitz haben soll. Als Geschäftsleiter wurde i» geheimer Abstimmung Kniestedt einstimmig wieder. gewählt. Durch das neue Regulativ wurde auch beschlossen, eine Beschwerdekommission zu bilden, deren Sitz in Hannover sein soll. In der Sitzung am Dienstag wurde zunächst über den Punkt: Det siebente Kongreß der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften verhandelt. Nachdem K n i c st e d t auf die Bedeutung des Kongreffes, der bekanntlich zu Ostern in Berlin stattfindet, hingewiesen hatte, wurde nach kurzer Diskussion einstimmig ein Antrag zum Kongreß gut. geheißen, wonach die der Freien Vereinigung angeschlossenen Gewerk schaften verpflichtet werden sollen, die„Einigkeit" obligatorisch ein. zufiihren. Ferner wurde einstimmig beschlossen, den Kongreß durch einen Delegierten zu beschicken und als solcher Kniestedt ge wählt. Dann wurde über die Agitation beraten. Der Referent Kahle-Dresden wies auf die Agitationsweise des Holzarbeiter- Verbandes hin, besten Vertreter nach Meinung des Redners auch beim besten Willen nicht imstande sind, im Bürstenmacherberuf wirksam zu agitieren. Die Vertretung der Jnteresten der Kollegen müsse vor allem Sache der Kollegen selbst fem. Sowohl vom Referenten wie von inehreren Diskussionsrednern wurden besonders die elenden, außerordentlich gesundheitsschädlichen Zustände in den Werkstätten geschildert, wie sie auch in Berlin vielfach noch bestehen und fast in allen Orten, wo der Bürstenniacherberuf vertreten ist, zu finden sind. Die höchst unzulängliche Bundesrats. Verordnung vom 22. Ottober 1902 wird wenig, an vielen Orten gar nicht beachtet. Es kommt wohl hier und da vor, daß ein Polizeibeamter in den Werkstätten revidiert, aber, Ivenn auch der gute Wille wirklich vorhanden ist, so ist der Beamte aus Mangel au Sachkenntnis gar nicht einmal befähigt, die Verhältniste richtig zu beurteilen. Es wurde beschlossen, das wichtigste Material über die erbärmlichen Lohn- und Arbeitsverhältnisse teils durch die„Einigkeit", durch ein Flugblatt agitatorisch zu verlverten. lieber„Unsere Presse" referierte Böttger- Hannover. Er erklärte, daß er zu der Ueberzeugung gelangt sei, daß eS nicht möglich ist, ein eigenes gutes Organ für die Bürstenmacher heraus zugeben und es darum am zweckmäßigsten ist, die„Einigkeit" auch fernerhin als das für die Vereinigung maßgebende Organ an- zuerkennen. Irgendwelche wesentlichen Beschwerden gegen die „Einigkeit" seien nicht laut geworden; daS Blatt habe nach besten Kräften für die Jnteresten der Bürstenmacher gewirkt. In gleichem teils Sinne äußerten sich die Diskussionsredner. „Die Heimarbeit in unserem Beruf" war der nun folgende Punkt der Tagesordnung. Diese im höchsten Maße schädliche Ausbeutungsform der menschlichen Arbeitskraft tritt be- kanntlich im Bürstenniacherberuf ganz besonders kraß hervor, wofür sowohl der Referent Kahle- Dresden, wie auch die Diskussions redner eine Menge von Beweisen vorbrachten. Arbeiten, für die Gehülfen in der Werkstatt 1 M. bis zu 1,ö0 M. erhalten, werden z. B. im Erzgebirge von Kindern und Frauen für 9 Pf. hergestellt. Eine ähnliche Schmutzkonkurrenz wird von der Heimarbeit im Schwarzwald, im Westerwald, im Taunus usw. betrieben. Die Delegierten waren sich darüber einig, daß eine gründliche Beseitigung dieser Form der Ausbeutung nur durch die Abschaffung der kapitalistischen Produktionsweise möglich ist, daß aber auch jetzt mit aller Kraft danach gestrebt werden muß, lvenigstens die schlimmsten Auswüchse der Heiniarbeit soviel wie möglich einzuschränken. Als besonders ver- iverflich wurde eS bezeichnet, daß Berufsgenosien, die in der Werk- statt arbeiten, noch Arbeit mit nach Hause nehmen, ihre Frauen anlernen und, wie es auch nur zu oft geschieht, noch selbst zu Hause bis in die Nacht mitarbeiten. Eine wohl noch mehr verwerfliche Form der Ausbeutung kam in dem folgenden Puntt„Maßnah mengegen die unlautere Konkurrenz der Zwangs- und WohltätigkeitS- an st alten" zur Sprache. Das Material, das dem Vorwage des Referenten K n i c st e d t zu Grunde lag, ist zu einem großen Teil schon in der„Einigkeit" veröffentlicht worden und selbst das Fach- organ der Arbeitgeber hat diese Artikel übernommen, lvic denn die Arbeitgeber im allgemeinen in ldiesem Punkt mit den Gehülfen zusammen ivirlen und beide Parteien gemeinsame Kommissionen, sowie auch eine Zentralkommission zur Bekämpfung dieser schändlichen Schmutzkonkurrenz gebildet haben. Beträgt doch der Schaden, den die Arbeit in den Strafanstalten, den Blindenanstalten, der Werkstätte des„Vereins für Unfallverletzte", den Arbeiterkolonicn und ähnlichen Anstalten allein in Berlin dem Bürstenmachergewerbe zugefügt hat, im letzten Jahre 240 000 M. Mit den gesundheitsschädlichsten Arbeiten werden in ihren Zellen Strafgefangene beschäftigt, und man zwingt sie durch schwere Strafen ein Arbeitspensum zu leisten, das das der in der Freiheit tätigen gelernten Bürstenmacher noch übertrifft. Es ist festgestellt worden, daß im Zuchthaus zu Wronke z. B. Arbeiten, die in den Wcrlstätten im Durchschnitt mit 33 Pf. bezahlt werden, dem Unter- nehmer dort für Pf. geliefert werden, und in Tegel Arbeiten l für 40 Pf., die sonst 2 M. Arbeitslohn kosten. Was die Bürstenmacherei der Blinden anbetrifft, so wurde vom Referenten erwähnt, daß nach Aussage von Aerztcn die Dünste deS kochenden Peches verbunden mit dem giftigen Staub des Arbeitsmaterials dazu führen müsten, daß Augenkranke und Halbblinde in kurzer Zeit völlig erblinden. Diese Art„Wohltätigkeit" wird auch ganz be- sonders in Berlin vom Blindenheim in der Oranienfttaße betrieben und von der Stadt wie den Vorortgemeinden auch mit Aufträgen unterstützt. Nicht minder scharf verrurteilte der Redner die unter der Flagge der Wohltätigkeit betriebene Ausbeutung verbrauchter Arbeitskräfte durch de«„Verein für Unfallverletzte", der in der Neuen Friedrichstraße eine Bürstcnnlacherwerkstatt betreibt, die jetzt, wie es scheint, auch zu einer richtigen Rentenquetsche ausgenutzt werden soll, indem man nun auch Unfallverletzte dort hinschickt, deren Rente noch nicht festgesetzt ist. Der Referent solvohl wie die Diskussionsredner erklärten, daß mit aller Kraft gegen diese schändlichen Formen der Schmutz- konkurrenz gekämpft werden müsse, wenngleich auch hierbei eine gründliche Besserung nur von einer Umgestaltung der kapitalistischen Produttionsweise zu erwarten sei. Aus Antrag von Kater, der an Stelle Kleinleins als Vertreter der GeschäftSkonimisston der Freien Vereinigung der Gewerkschaften erschienen war, wurde be- schlössen, daS über diesen Punkt vorliegende Material dem sozial- demokratischen Parteivorstande und der Reichstagsfraktion zu über- weisen.— Uebrigens hat die erwähnte Zentralkommission bereits beschlosten, das Material über diese Art Schmutzkonkurrenz sämtlichen Fraktionen des Reichstages zu überweisen. Unter dem Punkt„Verschiedenes" wurden noch einige geschäft- liche Angelegenheiten erledigt. Es wurde unter anderem beschlossen. daß das neue Regulativ am 1. Januar in Kraft treten soll. Die Entschädigung des Geschäftsleiters wurde auf 150 Mark jährlich fest- gesetzt._ Soziales. Dampfkessel-Explosionen im Deutschen Reiche 1904. Im Deutscheu Reiche fanden während des JahreS 1904 15 Dampf- kestelexplosionen statt. Hierbei verunglückten 18 Personen, 5 wurden sofort getötet oder starben binnen 48 Stunden nach dem Eintritt der Explosionen, 5 Personen wurden schwer und 8 leicht verletzt. Es explodierten ein liegender einfacher Walzenkessel mit einem Siede- rohr, ein ebensolcher verbunden mit stehendem Heizröhrenkessel ohne Feuerbuchse, zwei liegende Einslammrohrkessel, ein ebensolcher mit Schlammsanunler. acht liegende Zweiflammrohrkestel. ein ebensolcher mit Quersiederei und ein liegender Feuerbuchsenkestcl mit vor- gehenden Heizröhren. Betroffen wurden zwei Steinkohlenbergwerke. ein Braunkohlenbergwerk, eine chemische Fabrik, eine Zellstofffabrik. eine Holzleistenfabnk. eine Getreidemühle, eine Metallwarenfabrik. eine Mälzerei, ein Zinkwalzwerk, eine Sägennihle. eine Lokomobile, ein Drahtlvalzwerk und eine Badeanstalt. MS mutmaßliche Ursachen der Explosionen werden in 8 Fällen Wassermangel, nieist in Verbindung mit unzureichender Wartung angegeben, in je einem Falle: örtliche Blechschwächung durch äußere Abrostung infolge durchsickernden KesselwasserS, mangel- haste Konstruktion und schlechte Schweißung, Erglühen der Flammrohre infolge örtlicher Kesselstciiiablagerung. zu hohe Danipfspannung oder Wassermangel und in zwei Fällen minderwertiges Material. Vielfach sind die Explosionen fuach den Berichten der Berussgeiiossenschasten eine Folge ungenügender Wartung seitens der Heizer und Maschinisten, wenn diese bei ihrer Arbeit überanstrengt werden. Sie müssen mit ihrer Arbeit wesentlich früher anfangen als die anderen Arbeiter, um rechtzeitig genügend Dampf liefern zu können. Besonders wenn ein Heizer drei oder vier Kesselfeuer zu bedienen hat. ist es ihm nranchmal nicht möglich alle Manometer und Wasserstandsgläser laufend zu kontrollicren Tritt eine Verstopfung eines solchen Wasserstandsglases durch Kessel- schlämm ein. so kann ein Heizer irregeführt werden, er läßt nicht genügend Wasser nach. eS tritt Wassermangel im Kessel ein und Erglühen und Eriveichen der Wände, und dann ist eine Explosion die unausbleibliche Folge. Die Arbeitszeit der Maschinisten und Heizer sollte daher eine Maximalzeit von acht Stunden nicht überschreiten dürfen und sie während dieser Zeit nicht mir Arbeit überlastet werden. Meie Kesselexplosionen werden auch durch Weiterbenutzung schon stark abgenutzter Kessel verursacht. Nun werden ja die Kessel von Zeit zu Zeit von den amtlichen Revisoren geprüft, aber nur kalt, und bei den Revisionen können oft nicht alle Stellen derselben untersucht ivcrden, es entgehen einzelne der Prüfung und durch Putzen bekommt ein alter Kessel oft ein neues Aus- sehen. Daher bieten auch die Revisionen, so notwendig sie sind, noch keinen genügenden Schutz vor Explosionen. Denn ein Dampfkessel wird, abbesehen von der Blechschwächung, wie ein Kanonenrohr nach einem gewissen Gebrauch in seinem Gefüge unsicher, und wie mau ein Kanonenrohr nach einer gewissen Anzahl Schüsse außer Gebrauch stellt, sollte man auch einen Dampfkessel nach einer gewissen eut- sprechenden Dienstzeit nicht weiter benutzen dürfen. Dann würde Äesselexplosionen sicherer vorgebeugt, als durch die Kesselrevistoneu allein. Stach der oben mitgeteilten von den BerufSgenossenschafteii und den Revisoren angegebenen Ursachen sind nahezu die gesamten Explosionen auf Schuld der Unternchmer zurückzuführen, da auch die mangelhafte Wartung, soweit Ueberanstrengung oder schlechte Organisation des Betriebes den Mangel verursacht haben, dem Unternehmer zuzurechnen sind._ Wieder eine Schwindclkaffe verkracht! Als kürzlich die unter- stützungsberechttgten Mitglieder der Rheinischen KrankenversicheningS- lasse in den Räumen der Direktion in Köln erschienen, wurde ihueii gesagt, daß man wegen Mangel an Mitteln nicht mehr zahlen könne. Der betrogenen«ranken bemächtigte sich eine solche Empörung, daß eS zu heftigen Auftritten kam, tvogegen die Polizei einschritt. Erst kürzlich, am 23. Oktober, hatte die Kasse eine„Generalversamni- lung", in der das Statut so umgestaltet werden sollte, daß die Kaste lebensfähig fei. Bon den 17 000 Mitgliedern waren nur 2l zugegen, und zwar deshalb, iveil die Versammlung absichtlich auf nachmittags 4 Uhr. und zwar auf einen Wochentag einberufen worden war. wo den Leuten das Erscheinen unmöglich ist. Die Kaste trug von jeher den Charakter eines Schwindelunternehmens, und in der sozialdemokratischen Presse ist sehr oft vor ihr gewarnt loorden. Dennoch gelang es den Gründer», durch die geringen Bei- träge und das hohe Krankengeld eine Mtgliedcrzahl von 17 009 usammenzubringen. Erst jetzt, vor jener Generalversanunluug. )atte die Regierung die Kasse aufgefordert, ihre Existenzfähigkeit nachzuweisen, obwohl die Unmöglichkeit der Existenzfähigkeit sich durch eine einfache Gegenüberstellung der Beiträge lind der Leistungen für jeden Kenner sofort ergeben hätte. Nach dein Gut- achten eines VersicheningSmathematikers wurden denn auch am 23. Oktober die Beiträge um 30 Proz. erhöht, die lluterstützungs- betrüge aber um 40 Proz. erniedrigt. Die Verwaltuugstosteu ver- schlangen ein Drittel der gesamten Einnahmen: 50 000 Mark von 150 000 Mark in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Die Kasse hatte damals einen Kapitalbestand von 1900 Mark, oder pro Mitglied 11 Pfennige. Die verkrachte Rheinische Krankenversicherirngs- käste ist mit ihren Einrichtungen und ihre» ganzen Machenschaften typisch für zahlreiche ähnliche llntcrnchmungen, die bereits vor ihr in die Lust geflogen sind, oder die ihr unrettbar nachfolgen werde». Auch der Gesetzenrwurf, der die HülfSkassen dem Privatversicherungs- gesetz unterstellen will, würde vor solchem Schwindel nicht schützen. Dagegen kann nur ein besserer Ausbau der Kraukenkassen und Frei- heil der Kritik schützen. Bekanntlich haben aber Organe derselben Regierung, die behauptet, durch den Reichsgesetzcntwurf den Schwindclkassen an den Kragen zu wollen, sozialdemokratische Redakteure wegen Beleidigung verurteilt, die auf den Schwindel aufmerksam gemacht hatteu. Hue der frauenbewe�ung. Vcrci» für Frauen«ud Mädchen der Arbeiterklasse. Heute Douuerstag, nachmittags 3 Uhr, in den„Arminhallen", Kam- mandantenftr. 20, findet die Weihnachtsfeier mit Kindern statt. Märchenvorlesnng: Tilla Durieux. Gesang: Frau Elise Fröhlich. Die mangelhafte Gcsetzeskcnntnis mancher Behörden oder Be- amten ist immer wieder die Ursache dessen, daß die Frauen nicht nial die lvenigen Rechte unverlürzl gebrauchen können, die ihnen eine rückständige Gesetzgebung zugestanden hat. In Aachen ver- anstaltet zurzeit die Kartellkoimnission der Gewerkschasten eine Vor- trngsreihe über die sozialpolitischen Gesetze, wozu jedermann gegen Lösung einer Eintrittskarte Znlajz hat. Trotzdem verlangte der über- flüssigerweise zur Ueberwachuug gesandte Polizeibeamte bei dem jüngsten Vortrage, daß die'Frauen entfernt würde». Als man ihn über den Charakter der Veranstaltung informierte und auf das Vereinsgesetz verwies, forderte er die Entfernung der Frauen ans den Reihen der übrigen Zuhörer und ihre Ver- Weisung in das staatrettende„Segment". Auf die hiergegen sofort eingereichte Beschwerde antwortete die Polizeidirektion, daß die An- ordnung des Beamren zu Recht ergangen und die Beschwerde zurück- zuweisen sei; das Gewerkschaftskartell sei als politischer Verein zu betrachten und demgemäß den für solche bestehenden Beschränkungen unterworfen. Der Aachener Polizeibehörde sei hier mitgeteilt: erstens ist die Kartellkommision keine politische, sondern eine rein gewerkschaftliche Körperschaft; zweitens ist sie kein Verein; drittens war die Versammlung öffentlich, so das; gemäß dem Vereinsgesetz die Frauen ohne jede Einschränkung Zulaß hatten; viertens können Frauen sogar Mitglieder der Gewerkschaften und auch der Kartellkommission werden. Spandau. Am Silvesterabend wird der Bildungsverein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse zu einem gemütlichen Bei- saminensein bei Böhle, Neumeisterstr. 3, eingeladen. Zahlreiches Er- scheinen erwartet Der Vorstand. Berichtigung. In dem Artikel„Mehr Agitation unter dem Weib« lichen Proleiariat" in unserer Nr. 300 hat der Druckfehlerteufel ein- mal das Wort„Revolution" verschwinden lassen. ES muß im zweiten Absatz dritte und vierte Zeile heißen: Die russische Revolution und die prclchisch-dcutsche Reaktion.... Mus Industrie und Handel. Ein gutes Jahr! Ein gutes Jahr! So können das zu Ende gehende Jahr viele, diele Papierarbeitcr nennen. Reicher Dividendensegen ergoß oder ergießt sich in die Taschen der Aktionäre. Und das kommende Jahr verheißt auch für manchen Kuponabschneider gute Ausbeute. Für dieses Jahr bringen u. a. an Dividenden zur Verteilung: Thüringer Gasgesellschaft Leipzig 13 Proz., Bereinigte Elbichifiahrts- Ges. Dresden 8 Proz.(geschätzt), Porzellanfabrik Klocko-Veitsdorf 13 Proz., Porzcllanfabrik A.-G. Nauenstein 8 Proz., Deutsch-Oesterrcichische Bergw.-Ges. 8 Proz., Westböhmischer Bcrgb.-A.-V. 3>/z Proz., Brüxer Kohlenbergb. A.- G. 7 Proz., Nordböhmische Kohlenwerks- Ges. 11 Vz Proz., Duxer Kohlcn-Verein 9 Proz., Dux-Bodenbachcr Bahn ö'/z Proz., Blei-Industrie A.-G. Freiburg i. S. 13 Proz., Corona, Fahrradwerke und Metallindustrie A.-G. 14 Proz., Berliner Spediteurvercin A.-G. 3 resp. 6 Proz., Vereinigte Harzer Kalk- indnstrie A.-G. 7'/.2 Proz., Berliner Omnibnsgesellschaft 13 Proz. (geschätzt.) Die Arbeiter, die ihr ganzes Kapital der Produktion zur Verfügung stellen, erhalten am Jahresschluß keine Dividende, sie müssen froh sein, wenn der erzielte Lohn sie vor dem Verhungern schützt. Die Arbeiter können keine glänzenden Gewinne einstreichen, dafür haben sie die Reichtiimer schaffen dürfen, die von den Aktionären, die nichts erarbeiteten, eingeheimst werden. Vom Mnllcrcisyndikat. Bereits vor einiger Zeit haben wir berichtet, daß die Mühlenbesitzer Deutschlands sich mit der Absicht tragen, ihre Produktion und den Verkauf ihrer Fabrikate zu syndizieren, selbstverständlich zur höheren Ehre ihres Geldbeutels. In Leipzig hat sich nunmehr ein zu diesem Zwecke eingesetzter Aus- schuß dafür entschieden, örtliche Syndikate und Verkanfsvereinigungen als die zweckmäßigsten Organisationen zur Ausbeütrnlg der Mehl- konsumenten ins Leben zu rufen. Diese Syndikate sollen auch die Kontingentierung der zu ihrem Bezirke gehörenden Mühlen über- nehmen. Der Ausschuß wird mit Hülfe von Vertrauensmännern zunächst an einigen Orten Mehl- bezw. Kleieverkaufsvereinigungen ins Leben rufen. Also auch von dieser Seite ist eine Verteuerung der wichtigsten Volksnahrung gesichert. Jntmssc»gemcilischaftcn. Die deutsche Levante-Linie hat, wie die„Neue Hamburgische Börsenhalle" erfährt, mit der ihr bc- freundeten Antwerpener Reedereifirma Adolf D»ppe ein lieberein- kommen dahin getroffen, daß die Expeditionen beider Reedereien ab Antwerpen künftig nach einem gemeinsamen Fahrplan geregelt werden. Die Sphinx-Linie wird sich ab 1. Januar 1906 der Kom- bination der deutschen Levante-Linie mit der Reederei Adolf Deppe anschließen; dasselbe ist von der Atlas-Linie-Bremen bezüglich ihres Verkehrs von den Rheinhäfen zu erwarten. ES zeigt sich also, daß die Gründung neuer Gesellschaften den Zusammenschluß der Reeder ganz entschieden fordert. Allgemeine Petroleum-Aktiengesellschaft. Der Aufsichtsrat be- schloß, für das am 30. September 1903 abgelaufene fünf Rtonate umfassende erste Geschäftsjahr eine Dividende von 5 Proz. zu ver- teilen und im übrigen den 363 010,87 Vi. betragenden Reingewinn derart zu verwenden, daß 18 400,30 M. der statutarischen und 100 000 M. einer Spezialreservc überwiesen werden, während 6 277,03 M. zum Vortrag gelangen. Ferner soll der General- Versammlung der Antrag unterbreitet werden, daS 12 000 000 M. betragende Aktienkapital um 3 000 000 M. auf 17 000 000 M. zu er- höhen. Nicht gut nbgeschttitte» haben in diesem Jahre die Hagel- Versicherungsgesellschaften. Die Vaterländische Hagelversicherungs- gesellschest in Elberfeld schließt ab mit einein Verlust von 503 000 M., während der Abschluß der Berliner Hagel-Assekuranzgesellschast einen Verlust von 338 000 M. aufweist. Die letztere Gesellschaft bemerkt in ihrem Bericht, daß sie mit ihren'Garantiekapltalicn von 3 811000 M. gegenüber dem Verlust zehnfache Sicherheit bietet. Aus deni Vraunkohleiibergbau. Im Meuselwitzer Braunkohlen« bezirk zeigt sich anhaltend starke Unternehmungslust. Nicht nur im östlichen und nördlichen Kohlenrevier haben Gesellschaften Felder erworben, sondern auch im Süden des Kohlenbeckens sind Besitz- Veränderungen vorgekommen. Im Norden bei Mumsdorf schreitet der Aufbau der neuen Grubcnanlage rüstig vorwärts. Nach Neujahr sollen 18 große Dampfkessel dort gelegt werden. Auch noch weiter nördlich zwischen Lucka und Groitzsch hat eine Weißenfelser Firma in letzter Zeit Felder erworben, um ein Werk zu erbauen. Roheisenproduktiou. Die Produktion an Roheisen im deutschen Zollgebiet betrug nach den Ermittlungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller im November dieses Jahres 988 000 Tonne» gegen 1 006 943 Tonnen im Oktober 1903»nd 833 253 Tonnen ün November 1904. Die Erzeugung ist gegen den Vormonat sonach um rund 19 000 Tonnen zurückgegangen und damir wieder unter 1 Million Tonnen herabgosunken, sie ist aber trotzdem wesentlich höher wie im November 1904.— Der Rückgang gegenüber dein Vormonat betrifft alle Bezirke, nur im Siegerland hat eine Zunahme um 3009 Tonnen stattgeftmden. Preiserhöhung— Produktiouskontiiigcntierung. Zwischen den deutschen und böhmischen Druckknopsfabrikanten schweben gegenwärtig Verhandlungen wegen Kontingentierung des Absatzgebietes und wegen — Erhöhung der Preise. Der Bericht der Handels- und Gcwcrbcknmmer zu Sonneberg gibt über das zu Ende gehende Jahr folgendes Urteil ab: Die aus- schlaggebenden Produktionszweige, als welche zu gelten haben die Spielwaren-, Porzellan- und Glasindustrie, waren zufriedenstellend be- schäftigt, die erzeugte Gütermenge und der Versand übertrafen sogarum ein Mäßiges die Vorjahre. Weniger günstig beurteilen das Geschäfts- ergebnis diejenigen Firmen, welche vorzugsweise Beziehungen zu England pflegen, da dieses Land immer noch diejenige Lebhaftig- keit des Begehrs hat vermissen lassen, welche früher es anszcichnctc. Wenn auch sonst nicht überall volle Znftiedenheit mit dem Arbeits- erträgnis, dem Geschäftsiiutzen besteht, so findet dies in besonderen Umständen, u. a. im Tiefstand mancher Fabrikatpreise, seine Be- gründung, einem Tiesstand, der da und dort um so empfindlicher sich geltend machte, als die Preise der Rohmaterialien zum Teil ansehnlich gestiegen sind. Im ganzen aber wird nickt in Abrede gestellt werden können, daß die wirtschaftliche Entwickelung des Oberlandes, die sich zwar nicht in raschen, kühnen Sätzen, sondern in mäßigem Tempo, aber stetig und deshalb vielleicht gesunder voll- zieht, auch in diesem Jahre angehalten hat. Für sc» Jiilml! scr �»icruie »berniiiimt die Redaktion dem Publikum gegeilübcr keinerlei Verautn>or»»» Buddhas Tafel i (die Schrift aus dem Jenseits). La Vampa, sgypt. sanje. Paquareite, stanz. Green wc. i 14 erstklassige Rummern. M VW VW WM WWM Trianon-Theater. Heute und folgende Tage: Die lierbe druckt. Slnsang 8 Uhr. Sonnlag nachmittag 3 Uhr: Bas Ende der Liebe. 10'/« Uhr: Täglich: 10'/« Uhr: «fi» Jitsa die Duelle japanischer Kraft! DaS Ideal der Selbstverteidigung! listsuhums jiigashi Jnslruttor Sr. Maj. des Kaisers von Japan, des Präsidenten Roofevclt. Hijpnslii anerkannt unbesiegbar im Jiu-Jitsn-Ringen, Meister der SclbstverteidigungSIehre Jiu-Jitsu. Vorher: Prinzest Rosine und Spezialitäten.__ Metropol-Thealer Anfang 8 Uhr. -in's Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jnl. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Hauchen in all. Räumen gestattet. KasinosTheater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch einige Tage: Das Opferlamm und das brillante Programm. Sonntag 4 Uhr: Ein Lehn des Veiiies. Montag 4 Uhr: Arbeit schändet nicht. Folies Caprice. Budapester Possen-Theater 132 Llnienstr. 132, Ecke Friedrichstr. Zum 101. Male: IVach dem Zapfentttrelch. Vorher: Soll und Ilaben u. b. ausgezeichnete Spezialitätenteil. Antang S Uhr. Vorverk. tägl. b. Neriheim u. an der Theaterkasse v. 16 Uhr vormittags an. Residenz-Theater. Direktion: Richard Hlejcandcr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwant in 3 Akten von L. Zanrof und I. Chancel. Sonntag, de» 31. Dezember, nachm. 3 Uhr: Oer Schlalwagenkontrolleur. Reichshailen. Stettiner Sänger Am 31. Dezember 1905: SIlTcatcr-Vlb Soiree m. Tanzkränzchen Reicbstrallen-Restaurant: Großes SIllltiir-Konzert Carl Weiß-Theater. Mr. Franksurlerstr. 132. Tie lebende Brücke auf Kuba. Sensattenelles amerik. AuSftattungs- stück mit Ges. u. Ballett in 7 Bildern von JamcS Fox. Ans. 8 Uhr. Morgen: Dies. Vorstell. Sonnabend 4 Uhr: Klein Däumling. Sonnabend abend 8 Uhr: Deherah. W. Noacks Thealer. Direktion: Hob. Dill. Brunnenftr. tfl. Die drei Tränen oder: Das Härchen vom König Allgold. Dramat. Märchen m. Ges. v. R. itncisel. Ansang 8 Uhr. Entree ZV Ps. Ehren- und Vorzugskartcn gültta! Sonntag: Grofte Silveftcrfeier. Walhalla Theater Täglich: Nach Afrika »ach Kanieru»! Ausst.-Possc mit Ges. u.Tanz in 6 Bild. Ans. 8 Uhr. Rauchen überall gestaltet. ftipie Fougere Pariser Excentrique-SBngerin. C. Bernardl, Verwandlungskünstler. Mc. Hanns, Keulenjongleur. Rosa Xnynon, dressierte Vögel Perzinn, Hundepantomime. I«cne I.and, Parodistin. Sicgwart Gentes, Humorist. de Grey, Bartußtänzcrin, Im Pensionat, Ballettdivertissement. D le 3 Olympier, Bronzestatuen IHo�raph. FröbelsAlleFlei-Thealer Schönhauser Allee 148. Heute, Donnerstag, 28. Dezember 1905 Gastspiel des Rerniiard» Rose-Theaters. Abonnements-Vorstellung. Gastspiel des Dir. Wllh. Richter vom Gebrüder Richter-Theater; Ihre Familie oder Die Töchter des Arbeiters. Bolksslück mit Gesang in 4 Akten von Sünde und Engels. Ans. 8 Uhr. Kassencröffnung 7 Uhr. Preise der Plätze wie gewähnlich denM-imenitMiiez Theater. Köpenickerstr. 67/58. ied. Abd. 8 Uhr: WP- Gastspiel Ad. Philipp. ,ERundiCH' ÄÄÄS teWfc „1 eher n großen Teloh". Fröbels AIIeFlel-Theater Schönhauser Allee Nr. 14«. Sonntag, 31. Dezember: Gtoßö Silvester- Vorstellung, ZM- Humorist. Spieifolae.' Jubel und Trubel GroBer Silvester-Tanz. Lustspieihaus. Abends 8 Uhr: Ter Weg zur Hölle. Morgen: Ter Weg zur Hölle. Uysim Landsberger Allee Nr. 46-41. Inb. G. Eisermann. Irden Donnerstag: Zfsrdurger8änger. Direttion: G. Frick und F. Kasche-Krause. An Tang 8 Thr. Entree 10 Pf. 1X7 Tanz. Ansang 6 Uhr. Eintritt 40 Pf. Morgen 1. Januar: A' euj ahrsfcbt-Y ors tellaoff. rolosseum Dresdenerstr. 97. Täglich 8 Uhr Sonnig. ,31. Dez. Sonntag 7 Uhr Montag, 1. Jan. 16 Jsi�ettaütälenJ nachm. 3 Uhr, jeder Platz 60 Pf., 1 Kind frei! Kolossaler Silvester 1905 im Colossentn. Diese Feier, welche während der ganzen Nacht stattfindet, umfaßt Ä5 Sterne am Varistä-Himmel: Bendix, Littko Carlsen, Oskar Fürst, Hochgemuth, Piccoto Gabrun. van Roy, Sebu», Truth, Wardinis, Ravello. Das Hnhn in. den goldenen Eiern 3 Kapellen: u. a. die berühmte Damenkapelle„Die süßen Mädels", die weiblichen Schrammein(zum 1. Male auf der Welt), Neger Witboi, d. 25te Schlag 12 Uhr (Normaluhrzeit) Bendix spricht. Carlsen tanzt. Signer Inowrazlaw pfeift aufs alte Jahr; Piccolo Gabrun verteilt 2000 Flaschen franz. Liköre. Große Confetti-Sciilacht. Hierauf: Gesänge und Tänze aus Rln— fn> Coioowenm. 1. Bendix. die große Weiße. 2. Paulette van Roy als Mad. Henkell trocken. � Littke Carlsen, der üeberlebemann als Brillwitz glossieren das alte Jahr in den neuerbauten Theaterlogen.—„Bin— in's Colosseum", Marsch, gespielt, fctrommelt, gepfiffen, gelasen und gepaukt von sämtlichen Kapellen und gesungen von den Mitgliedern und dem Auditorium. Anfang 8 Uhr. Konzert 6 Uhr. Bolle-Alliancel Theater-Vurltte. Anfang 8 Uhr. loSesn�DergriiiieTeyfel.j 14 erstklassige Sensationen. I Sonntag u. Montag nachmittag I 3 Uhr: Jeder Sitzplatz ßJi Jlf Ein Kind frei. U" fll.| Sonntag: Silvester• Feier. palast-Thealer Burgstr. 24, 2Mn.v.Bh. Börse. Täglich 8 Uhr. Entree S« Pf. Das einzig dastehende Weiiinaohts-Programm u. a.= Die 3 Härders Ucrllner Ilochtnrncv und 14 erstklassige Nummern. Familienkarten in allen Barbier.. Frisier, und Zigarrcngeschästen sowie im Theaterbureau unentgeltlich zu haben. Sonntag, 31. Dezember 1905: Große SilYesfer-Feier. Zum I. Male: Novität: Paulas Beicirte. Burleske von W. Gericke. Zum Schluß: Unterm Weihnachtsbaum. Entree 30 Pf., Sperrsitz 50 Pf. Anf. 8'/« Uhr. Nachh.: Freitanz.. GwwwwwwwwwwwwwwwwV Sanssouci.' Th.) Donnerstag, abe n ds8 Uhr: Haas. Drama in 3 Aniz, von Max Dreher. Freitag, abends 8 Uhr: Oyges nnd sein Ring. Sonnabend, abends 8 U h r: Her Vrani» ein Heden. wwIhwwwwwwW»" I Freie Tolksbiiline. Sonntag, 31. Dezember(Silvester), Anfang S1,� Uhr: Mefropol-Theater. 17 /13. Abteilung Die Wölfin und Fräulein Frsscliboizen. Carl Weiß-Theater. 8./9. Abteilung AsnpMtryon und Die Frage an das Schicksal. Montag, den 1. Januar: 5. Serie im Metropol-Theater, 1. und 2. Abteilung: Maria Magdalena Ein bürgerlicbes Trauerspiel in drei Aufzügen von Friedrioli Hebbel. 10./1I. Abteilung im Carl WeiB-Theater: Amphitryon und Die Frage an das SciiiGksal. 12. Ktmst- übend im Kathaus Dienstag, den 30. Januar, abends 8'/, Uhr: Mozart. Vortrag u. Kammermusikabend. 230/11 Der Torstand. I. A.: G. Winkler. »«««««»«O»»««««««««« XI. Berliner Saison. r' Zirkus Busch. Zum 39. Male: Die neueste und größte Sehenswürdigkeit Berlins! ♦ Indien. � Orig.- Pantomime des Zirkus Busch in 8 Bildern. Besonders hervorzuheben: WM- Eine Tigerjagd in den Dschungeln Indiens."MM Femer: Eine Witwenverbrennung. Außerdem: Elefanten- Kämpfe. Sensationell! Sensationell! Mr. Norton Smith, Amerikas berühmt. Pfordehandigsr. Frl. Martha Mohnke, Sohulreiter. 8igiior Maxiui mit seinem Wunderhündchen. Die berühmt. Manege-Komiker Rappo und Reade nnd d. vorzügl. Programmnum. Oebrüder Herrnfeld- Theater. Familientag im Hause Prellslein. Komödie in 3 Akten mit den Sluioren Anilin und Donal Herrnfeld in den Hauptrollen. Anfang 8 Uhr. Vorverk. 11—2 Uhr. Voranzeige. Sonntag, den 81. Dezember: »llvester. Nach der Vorstellung: Gemütliches Beisammensein. SIIvesler-Konzert. Grnh an das neue Jahr 190S. sowie GratnlationS-Cour mit Punsch, und Pfannkuchen. Polonäse. IIWIIWII—W 111111■! Hill Moritzpiatz. Täglich O in den unteren Säle» � (lottschglk-kon�ert. MdeN Zchiimiinn Heute Donnerstag, den 23. d. M., abends präzise 7'/, Uhr: Elite-Abend. Gala-Programm. Zun, Schluß zum 7. Male: Peitiina, das neue ftauenreleh. Große Ausstattungs■ Pantomime in 7 Abteilungen. Entworjen und aus das glänzendste uiszeniert von Dir. Albert Sobuniann. 1. Bild: Ein Polterabend. 2. Bild: Das Meeting der Frauen. 3. Bild: Die Hauptstadt Emanzipatoria. Im Palast der Präsidentin. 4. Bild: Im Coiffeurladen. 5. Bild: Das Sportfest der Damen. 6. Bild: Waffen und Liebe. 7. Bild: Die eroberte Festung. — Amors Triumph. Avis I Sonntag, den 31. d. M., und Montag, den 1. Zanuar 1903: Je zwei graste Gala-VorsteUungen. Nachmittags ein Kind frei! Nachm. 31/, Uhr u. abends 7'/., Uhr, Schöneberger Wintergarten Goltzstraße 9. Täglich Theater- und Speziali- tätenvorsteUuiig. Sonntags 2 Vorstellungen. Nachmittags 4 Uhr zu halben Preisen. Jede erwachsene Person hat ein Kind frei.— MendS 7'/, Uhr Große Gala- Vorstellung. Die Direktion. Otto Pritzkows i BerlineF Abnoiiitätra-Mep! MHnzstr. 16.; Riesen-Weihnachts- Programm![ Neu! Die Elite-LÜIpulaner-Truppe,( die kieinsten Sängerinnen u. Vor., tragskiinstler der Welt. Riesln, Ilona, 485 Psd. schwer. Opullo, der l Mensch ohne Gefühl. Mao! Mno!' Mnle! frei in der Stift schwebende Türkin. Hellseherin Armida, wahr- j sagende Wunderdame. 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Dezember, abends 8'/, Uhr, im„Nosenthalcr Hof-, Roseiithaterstr. 11/12: BranShsn- Wersammlung der Stellmacher« Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. 99/1 Die Kommission. J.$ W. Mitters Spezialitäten | aus der Brennerei u. Spritfabrik, Berlin, Backowerstr. 7. M.& W.Müllers: Nordlicht-> orig-uti. 1,00! <�c Kloster Korn a Ortg.-htvfi. 1,50. ' ABS Ivv�yy XXXXXXXXPaXXX�XXXXXXXxIxW sk Hundertjähriger 1 a Orig.-Litrfl. 3,00.§ Meunier=Kognak hochfeine Qualität, Originalflasche von 1—6 M. ff. Rum u. Arrak hochfeine Qualität, sehr geeignet "iTTt--------. zur Punschhereiiung, Original- lruS©P SU ihaib®lräl Hasche van 1-5,25 M. 1 1. ftW.lüllersAromaUque-Likör '»ehr beliSnsmlicher. hochfeiner Tnfelllkör. nnr echt mit Jymaho- Etikett, a Orlginaifl. M. 1,85. Käuflich überall, wo dieses.lymbo-Plakaf aushängt. Mi Brauerei Ernst Engelhardt MI." Berlin-panhow. grSM Jftalz-8ier-8raaerei in öentsebland. Hochfeines Spezialbräu: 52738* Ufaizbier- gebraut aus echt Münchoner Salvator-Malz. 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Dezember verstarb unser i Mitglied, der Nestanrateur Reinrloh Revh! Jagowstr. 23. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heute Donnerstag nachmittags 3>/, Uhr von der Halle des Moabiler Krankenhauses au» nach dem Heilnnds-Kirchhost Plötzensee, statt. Um rege Beteuigung ersucht Der Siorsland. vLliiaeRks �stallarböHer-Vördanl! Berwaltuiigsstelle Berlin. Todcs-Anzcige. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Klempner Eduard Mannek gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, de» 29. Dezember, üachiniitags 2 Uhr, von der Wohnung, Swinemünderstr. 79, aus nach deinFriedens-Kirchhose in Nieder-Schönhausen statt. Rege Beteiligung erwartet 138/23 Die Drisverwaltung. Beuiselier Holzarbeiter-Verband.! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Emil iartlM am 25. Dezember verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigniig findet am s ! Donnerstag, den 28. Dezember, iiachiniltags um l'/� Uhr, von der? .Leichenhalle des. Zentral- Fried- 1 hoses in Friedrichsselde auS statt, s Um rege Beicittguiig ersucht s 99/4 Die Drtsverwaliunii. | Zentral-Krsnken-linfei'stiitzuiigs-l n. BegrülinisveFeinilerSctiiniEiiel lu. verw. Gewerlie Beuiseiilantls. Zahlstelle Berlin II. Nachruf. Den Mitgliedern geben wir | hiermit bekannt, daß der Kollege P'AitZ Reimann 1 am 2-1. d. M. im Alter von 1 39 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 11459b Die Dris Verwaltung. Am Heiligabend, den 24. Dezbr., abends 7 Uhr, cittsch!!?s sauft meine inmzgcliebtc Frau und sorgende Gattin L,ni8e Müller geb. Schulz. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 28. d. M., mittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorfcr Friedhofes, Mariendorscr Weg, ans statt. 14v0b Der trauernde Gatte Rari MUiler. Nixdorf, Emserstr. 92. Dr. Sämmel, Spezinlarzl für 29/14* Hnnt- und Harnleiden. 10— 2,5— 7. Sonntags 10—12, 2—1 Kran;- mid Zhnine»bindertl von Hoberl Meyer,. nur Mnrianntn-Straße 3. VereinSiKränze, Palmen- u. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und schönen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben MamicS, unseres guten Vaters, des Zimmermanns Franz Feclmer sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, den Kameraden der Firma Zinuner- meister Scns, sowie dem Zentralverband der Zimmerer Deutsch- landS, Zahlstelle Rixdors, unseren herzlichsten Dank. 55802 Wwe. Rosa Fechner und Kinder. Für die vielen Beweise der Liebe und Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Bruders Bruno Dammbeck sage ich allen Freunden u. Bekannten sowie den Mitgliedern des Deutschen Mühlenarbeitcr. Verbandes meinen innigsten Dank. 1450b Karl Dammbeck mit Familie. Dailksagung. Für die überaus zahlreichen Bc- weise ausrichtiger Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben unvergeßlichen Mannes, des Restauralcurs Ludwig Hahn, sagen wir dem Gesangverein Nord- ivacht sowie Herrn Manasse unseren innigsten Dank. 1434b Die trauernde Wiiwe nebst Kindern. Dauksagnug. Allen werten Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie dem Meister und den Kollegen der Firma Rose u. >s!ern, insonderheit auch den Herren CbesS, dein Verband der Wäsche- arbekter Deutschlands sowie dem Gc- saiigverein Scegcrschcr Männcrchor, welche meinem lieben Mann, dem Wäschearbeiter Wiüy Son-cs* die letzte Ehre erwiesen haben, sage ich meinen innigsten Dank. 55792 Witwe!8. Sorrer nebst Eltern und Geschwistern. I.II wohnl jetzt: Brill KoKcuthaler- »*"'' Strasse 86, II. Homöopath und Spezial-Arzt sür Haut-, Harn- und Gcjchl.-Leidcn. 11—2 n. 5—3. Sonnt. Ii-3.* Husten, Heiserkeit Witten Reich eis! Hustentropfen! itberrnschend s einten und sicher. Nur eent, wenn j mit Marks „Medlco" octfchi ofien. ftlQftfttSO r-* Erhältlich in den Drogerien URt 06 OttoEeUhel,BerllnS0.43 EiserbahnitA Soeben erschien: Mg ILiiustierpestkarte lZK kedel sprieb! int Lleichstage ziim Etat. Nach Origiiialzeichnung ausgejühri. Nene, sarbensrohe, künsll.«u-sgei. polilischeXeii�ahrspestkarte:, Preis 10 Ps. 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Der in liberalen Zeitungen insbesondere aus Anlässen, für die er nicht verantwortlich tft, als„sozialer",„sozialfühlender" Mann verschrieene Herr gehört zu jener Sorte Sozialvolitiker, die die soziale Frage für gelöst halten, wenn ihr Name recht häufig genannt wird, ihre Person für alle möglichen„Wohltätigkeitskomitees" zugezogen wird und die da wähnen, die Arbeiter wären so geortet, daß sie um einiger lieben Redewendungen und ein paar Iuckerbrötchen halber, die Dr. Freund ihnen aus ihrem Vermögen zu leihen die Güte hat, mit stiegenden Standarten ins Heer der Satten übergehen würden. In der Sitzung des Aus- schusses vom 22. d. Mts. kam wieder die bekannte Angelegenheit der Hypothek des Gewerkschaftshauses zur Sprache, die schon in der vorigen Sitzung erwähnt worden ist und in der Sitzung am 22. d. M. wieder angeschnitten wurde, als die Beratung des Etats, der die Kommission passiert hatte, auf der Tages« ordnung stand. Die Annahme, daß dem Ge- werkschaftshause die Hypothek nicht aus finanziellen, sondern lediglich aus politischen Gründen entzogen worden ist, hat der Vorsitzende Dr. Freund in der Kommission unum>o u n d e n zugegeben. Wie der Referent der Kommission ausführte, hat sich Dr. Freund darauf berufen, daß im Gewerkschastshause einmal eine Auarchistenversammlung abgehalten worden ist. Daraus scheint Dr. Freund zu schließen, das Gewerkschaftshaus sei ein politisches Unternehmen und deshalb nicht würdig, eine Hypothek der Landes- Versicherungsanstalt zu haben. Die Vertteter der Arbeitgeber haben in der Kommission das Verhalten Dr. Freunds gebilligt. Unter anderem führten sie dafür auch den Grund an, daß im Gewerkschastshause der Kampf gegen die Arbeitgeber an- gezettelt werde.— In der Ausschuhsitzung traten mm mehrere Vertteter der Arbeiter der einseitigen Haltung des Vorstandes entgegen, sie wiesen darauf hin, daß die Hypothek seinerzeit gewährt worden sei, weil die Herberge im Getverkschaftshause, ebenso die Arbeitsnachweise Wohlfahrts- cinrichtungen sind, die keine Ueberschüsse abwerfen. Diese Ein- richtungen sind von dem Restaurant des GewerkschastshanseS völlig getrennt und man könne gegen sie nicht Dinge vorbringen, die sich in den RestaurattonS- und Versa, nmlungSräumen ereignen. Diese Ausführungen veranlaßtcn Herrn Dr. Freund zu einer Entgegnung. Sticht nur die Anarchistenversannnlung führte er ins Feld._ E r griff weiter aus. Die Gewerkschaften sagte er— seien doch mit der sozialde m o k r a t i s ch e n Partei eng verbunden. Das habe der Kölner Ge- werkschaftskongreß gezeigt, wo betont wurde, daß Partei und Gewerkschaften ems sind. Auch jetzt werde derselbe Standpunkt in den gewerksckaftlichen Versammlungen unter allseittgem Beifall vertreten. Ständen die Gewerkschaften nicht in so engem Verhältnis zur Sozialdemokratie, dann hätten sie wohl Aussicht auf Förderung von anderer Seite.„Machen Sie sich von der Partei frei" rief Dr. Freund den Arbeiterverttctern zu. Als Autwort tönte es ihm aus den Reihen der Arbeitervertteter entgegen:„Nie» malsl"„Wir denken nicht daran!" Damit war die Besprechung der Hypothekenangelegenheit er- ledigt. Wenn Dr. Freund seinerzeit an die Hergabe der Hypothek die stille Hoffnung geknüpft haben sollte, daß die Verleihung des Geldes dazu beitragen könnte, die Gewerkschaften aus dem sozialdemokratischen Lager ins bürgerliche Fahrwasser hinüberzulocken, so dürfte er jetzt wohl diese Hoffnnng endgültig begraben haben, und er kann versichert sein, die Mahnung:„Machen Sie sich frei von der Sozialdemokratie" findet bei den Gewerkschaftlern ebenso entschiedenen Widerspruch wie bei den Arbeitervertretern im Ausschuß der Landesversicherungsanstalt. In der Ausschußsitzung wurde wieder die Errichtung eines Arbeiterausschusses für die in der Heilstätte Beelitz Beschäftigten gefordert. Dr. Freund trat dieser Forderung entgegen mit der Begründung, die Heilstätte sei doch kein Betrieb im gewöhnlichen Sinne desWortes. Er sei sonst ein warmer Befürworter von Arbeiterausschllsfen, aber in der Heilstätte seien sie nicht am Platze.— Der Ausschuß beschloß einstimmig— es gab in dieser Hinsicht keine Meinungsverschiedenheit zwischen den Vertretern der Arbeiter und denen der Arbeitgeber—, daß die Errichttmg eines Arbeiterausschusses in der Heilstätte Beelitz zugelassen Werve.— Aus den weiteren Etatsberatungen mag noch folgendes erwähnt werden: Die vom Vorstand beantragte Anstellung eines zweiten Inspektors in Beelitz wurde bewilligt, jedoch soll die An- stellung erst mit der Erweiterung der Anstalt am 1. Oktober 1006 erfolgen. Um der Anstellung eines Günstlings, dessen Name schon genannt wurde, einen Riegel vorzuschieben, beschloß der Ausschuß, daß nur ein älterer und erfahrener Beamter auf den neuen Posten gestellt werde. Für die Einrichtung einer eigenen Bäckerei in der Heil- statte wurden 35 Obst M. und für eine eigene Fleischerei 50 WO M. bewilligt.— Die Schaffung von Regiebetrieben für diese beiden tweige des Anstaltskonsums war schon seit längerer Zeit geplant. sie Verwirklichung dieses Planes machte sich neuerdings umsomehr zur Notwendigkeit, als der Fleischlieferant der Anstalt, em Potsdamer Schlächtermeister, bei der gegenwärtigen Fleischnot den Bedarf der Anstalt nicht mehr decken kann. Mi Für dw Frauenabteilung in Beelitz soll ein Spezial- arzt für Frauenttankheiten, wenn möglich eine Aerztin, gewonnen werden. Der Einrichtung einer e i g e n e n Z a h u k l i n i k für die bei der Anstalt Versicherten stimmte der Ausschutz zu. Ferner wurde beschlossen, auf dem Gelände der Heilstätte Beelitz ein Postgebäude aufzuführen. Die Reichspostverwaltung hat sich bereit erklärt, das Anlagekapital des Gebäudes mit 6 Proz. jährlich zu verzinsen. Sämtliche Beamte und Arbeiter der Landesversicherungsanstalt erhalten eine einmalige Teuerungszulage und zwar'die ver- heirateten Beamten 100 M., die ledigen Beamten 75 M., die ver- heirateten Arbeiter 75 M., die ledigen Arbeiter 50 M. Der Jahresetat der Landesvcrsicherungsanstalt schließt in Ein- nähme und Ausgabe mit 11477 252 M. ab. Davon entfallen auf die Heilstätte Beelitz an Einnahmen 731700 M., an Ausgaben 2 250 291 3)?. Bekanntlich hatte Dr. Freund versucht, ohne den Vorstand oder den Ausschuß auch nur zu fragen, das beamtete Element im Vorstande durch Neuanstellung eines Vorstandsmitgliedes zu stärken. Sein Vorgehen erlitt Schiffbruch. Unsere Genossen in der Stadt- verordnetenversammlung frugen an, ob denn Vorstand und Ausschuß mit dieser Bureaukratisierung und Einengung des Laienelements in der Selbstverwaltung einverstanden seien. Darauf stellte sich heraus, daß Dr. Freund die übrigen Vorstandsmitglieder und den Ausschuß nicht einmal befragt hatte. Einstimmig erklärte dann die Stadt- verordnetenversammlung und der Magistrat sich nur unter der Be- dingung mit einer Vermehrung des beamteten Vorstandspersonals einverstanden, daß auch die B e r t r e t e r z a h l der A r b e i t g e b e r und A r b e i t n e h in e r um je eine vermehrt würde. Die Zahl der nichtbesoldeten Vorstandsmitglieder ist deshalb von vier auf sechs heraufgesetzt. Demzufolge hatte der Ausschuß je einen Vertreter der Arbeiter und der Arbeitgeber neu in den Vorstand zu wählen. Den bisherigen Arbeitgebermttglicdern Nelke und B ö s e l gesellt sich P h i l i p p s o h n als dritter hinzu. Zu den Arbeiter- Vertretern im Vorstande: Maurer Simanowski und Bildhauer W ö l k e r kommt Tischler Ahrens als dritter.— Den Vorsitz im Ausschuß führt nach einem Uebereinkommen abwechselnd ein Arbeiter und ein Arbeitgeber, jedesmal auf ein Jahr. Für das kommende Jahr ist Tiefbau-Unternehmer Bernhard Vor- sitzender.— Als Publikationsorgane wurden die„Vossische Zeitung" und der„Vorwärts" bestimmt. Die unbesoldeten Vertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer haben von Jahr zu Jahr stärker gegen eine Bureaukratie anzukämpfen, die da zu meinen scheint, die johen Versicherungsbeiträge würden gezahlt, um einer Anzahl Be- amten recht hohe Einnahmen und ein soziales Ansehen zu schaffen. NSSL L-Ui— fielen unserer ICuodeB Ist äer Umstand aufgefallen, dass dfe Josetti-Cigarette sich stets gleich bleibt und ein nie wechseln* des gutes Aussehen besitzt In Fabriken mit einer zahlreiches Arbeiterschaft ist das Erreichen solcher Oleichmässigkeit nur unter besonderen Umständen möglich* JOSETTI CIGAXUXTEN öu?«von. gut bezahllea srnd geübtea Arbeitern unter Sacbkimdige» Aufsicht verfertigt. 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Insbesondere sei es unrichtig, wenn gesagt sei, daß in der Diskussion Umbreit, Stühmer und Bruck über die„Vorwärts"-Angelegenheit gesprochen hätten. Richtig sei vielmehr, daß Genosie Pinseler in seiner Berichterstattung es darauf angelegt habe, die„Vorwärts"-Angelegenheit aufzurollen und dem Genossen Link wegen seiner Stellungnahme auf der Kreiskonferenz eine Art Mißtrauensvotum erteilen zu lassen, ihm habe Link entgegnet, dann aber wurde beschlossen, zur Tagesordnung überzugehen. Rixdorf. Liebcstragödie einer Scchszchnjährigen. Der Leichenfund auf dem Eisenbahngleis am Rixdorfer Bahnhof hat jetzt seine Aufklärung gefunden. Die Tote, welcher der Kopf vom Rumpfe getrennt war, ist als die 16 jährige Verkäuferin Klara Dochow, die bei dem Bäcker- meister Braun in der Kaiser Friedrichstr. 11 in Stellung war, rekognosziert worden. Dem entsetzlichen Selbstmord liegt eine Liebestragödie zugrunde. Das junge Mädchen hatte mit einem Gesellen ihres Arbeitgebers ein Liebesverhältnis angeknüpft, das der �Vater jedoch nicht leiden wollte, da ihm über den Gesellen ungünstig berichtet worden war. Um dem Liebesverhältnis nun ein Ende zu bereiten, wurde der Bäckergeselle von seinem Meister ent- lassen. Auf die Drohung des Vaters, daß er seine Tochter züchtigen werde, wenn sie dennoch mit dem Liebhaber weiter verkehre, schrieb das junge Mädchen seinem Schatz einen Abschiedsbrief. Der Geselle antwortete ihr jedoch, daß er nur verleumdet worden sei. Einige Tage später kam der Bäutigam wieder in den Laden des Braun und sprach mit der D., bis der Meister hinzukam. Da dieser kurz darauf einen Brief schrieb, nahm das Mädchen an, daß der Vater von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt werden sollte und von Furcht getrieben, eilte es verzweifelt nach der Bahn und warf sich vor einem Süd- ringzuge. Charlottenburg. Während der HochzeitSfeier vestohlen wurde ein junges Ehepaar aus der Georg Wilhelmftraße zu Charlotten- bürg. Das Paar war nach Berlin gefahren, um hier seine Hochzeit zu feiern, und als es gegen Diitternacht die neue Häuslichkeit be- trat, entdeckte es zu seiner Bestürzung, daß während seiner Ab- Wesenheit Einbrecher in die Wohnung eingedrungen waren. Die Diebe hatten in dem Heim der jungen Ehegatten eine heillose Ver- Wüstung angerichtet und kein Bedenken getragen, sämtliche Betten aus der Wohnung zu stehlen. Außerdem fielen den Einbrechern wertvolle Kleidungsstücke, Wäsche usw. in die Hände. Schöneberg. Die jüngsten Erfolge der Sozialdemokratie bei den Stadt- verordnetenwahlen, die ihr infolge des erbärmlichen Klassenwahl- rechtes zwar keinen Mandats-, wohl aber einen Stimmenzuwachs brachten, scheinen unseren Prozentpatrioten besonders schwer im Magen zu liegen. Die auf sie trotz aller Anstrengungen entfallene geringe Stimmenzahl hatte den Haus- und Grundvcsitzerverein ganz aus dem Häuschen gebracht. Min befürchtet offenbar, es könnten bei den am 11. Januar stattfindenden; Ergänzungswahlen doch nicht mehr so kurzerhand, wie im Falle unseres Genossen Gabriel, die auf die sozialdemokratischen Kandidaten entfallenden Stimmen, welche hoffentlich gegenüber den vereinigten Gegnern wieder in der Mehrheit sein werden, für ungültig erklärt werden. Da muß denn mobil gemacht werden. Glauben doch die Herren Hausbesitzer das alleinige Anrecht auf diese Mandate zu haben. In der° letzten Sitzung des Haus- und Grundbesitzervereins legte der Ober- scharfmacher. der Stadtv. R. Schneider, in einem Referate über die bevorstehenden Wahlen denn auch besonderen Nachdruck darauf, „daß es Pflicht aller auf dem Boden der heutigen Gesellschafts- ordnung(die für ihn und seinesgleichen freilich die angenehmste ist) stehenden Vereinsmitgliedcr sei, geschlossen gegen den gemeinsamen Feind, die Sozialdemokratie, Front zu machen und alles zu ver- meiden, was zu einer Zersplitterung der Kräfte führen könnte".— Diese Praris wird zwar freilich schcm seit jeher geübt und es war ganz überflüssig, das besonders zu betonen. Immerhin ist es bc- merkenswert, wenn unter den Sozialistentötern in dieser Gesell- schaft sich noch jemand findet, der versucht, anderer Meinung wie seine Standesgenossen zu sein. Der Rechtsanwalt Gottschalk erklärte mutig, bei den Kommunalwahlen die Hausbesitzerprivilegien nicht anzuerkennen und seiner demokratischen und sozialfortschritt lichen Ueberzcugung zu folgen. Er wird aber schließlich auch ein. sehen müssen, daß eben dann für ihn in jener Gesellschaft kein Platz vorhanden ist. Die. Sozialdemokratie wird sich durch derartige Er- güsse eines demokratischen Herzen? nicht irritieren lassen, dazu sind die Erfahrungen mit Leuten aus jenen Kreisen, die bei allen schönen Worten doch nicht aus ihrer Haut herauskönnen, denn doch zu ernster Natur. Spandau. Ein Opfer des in den Staatsbetrieben herrschende» AngebertnmS ist der Arbeiter Karl Ganzer geworden. G. war seit 188S in der königl. Pulverfabrik beschäftigt und hat sich während dieser langen Zeit nicht das geringste zuschulden kommen lassen; auch genoß er das größte Vertrauen seiner Mitarbeiter. Seit neun Jahren war er Mitglied des Arbeiterausschusses und gehörte dem Vorstande der Fabriklrankenkasse an. Am 16. November dieses Jahres wurde Ganzer plötzlich gekündigt. Da er sich nicht bewußt war, was zu seiner Entlassung hätte Veranlassung geben können, so wurde er beim Direttor, Major Ninsberg. vorstellig und bat, ihm doch die Gründe seiner Entlassung anzugeben. Der Herr antwortete im barschen, militärischen Tone:„Ihnen die Gründe anzugeben habe ich nicht nötig: wenn Sie mir gekündigt hätten, würden Sie mir auch nicht gesagt haben warum." G. bemerkte noch, daß man doch auf sein Alter(Ganzer ist 48 Jahre) Rücksicht nehmen möge, auch habe er eine kranke Frau und drei schulpflichtige Kinder: außer- dem stehe das Wcihnachtsfest vor der Tür. Alles dieses rührte das christliche Herz des Herrn Direktors nicht. Dem Wunsche, ihm doch den etwaigen Angeber vorzustellen, damit er(G.) sich rechtfertigen könne, leistete der Herr Direktor keine Folge. Was die eigentliche Ursache der Entlassung ist. lveiß niemand als vielleicht der Herr Direktor allein. Was braucht auch die Direktion danach zu fragen, was aus dem Arbeiter wird. Er hat seine Schuldigkeit getan und mag sehen, wie er weiter kommt. So handelt ein Staatsbetrieb an denl Arbeitern, ein Staatsbetrieb, der vorgibt, ein Musteriustitut zu sein. Mögen die Arbeiter der Staatsbetriebe, die immer ihrem Gegner Gefolgschaft leisten, sich diesen Fall ernstlich vor Augen führen und die Lehre daraus ziehen, daß sie sich in Zukunft aus die Seite der vorwärts strebenden Arbeiterschaft zu stellen haben. berliner JVachricbtcn. Neuerung beim NeujahrSbriefverkehr. Für den Neujahrsbrief- verkehr sind die Vorbereitungen von der Post schon von langer Hand getroffen. Unmittelbar nach dem letzten Neujahr finden Besprech- ungen bei der Ober-Postdirektion über die Erfahrungen beim letzten Jahreswechsel statt. Eine Neuerung wird heuer bei der Kasten- leerung eingeführt. Die Auflieferung pflegt sich zu Silvester und Neujahr allein bei den Stadtbriefkasten zu verzehnflchen. Der ein- zclne Mann vermag die Auflieferung bei den einzelnen Brieflastcn nur auf wiederholten Gängen zum Amt zu schaffen. Für die Brief- kastenleerung werden deshalb in diesem Jahre die jetzt verfüg- baren Paketbestellwagen herangezogen. In den Wagen werten Körbe aufgestellt, in welche der Inhalt der Briefkasten geschüttet wird. Es geschieht dies besonders bei den größeren Aemtern, wie 21 in der Turmstratzc, 30 in der Neuen Winterfeldstraße, 34 in der Pctersburgerstraße, 58 in der Danzigerstraße, 61 am Halleschen Tor, in Rixdorf usw. Die Auflieferung ist gerade in den Bezirken, die sonst weniger Bricfvcrkehr haben, zu Neujahr besonders groß. Die Kastenleerung mit Wagen ist nicht nur sicherer, sondern auch schneller als die zu Fuß. Für den Neujahrsverkehr läßt die Post- Verwaltung wieder die Mahnung ergehen, die Briefmarken möglichst frühzeitig und nicht in den letzten Stunden beim starken Andrang zu kaufen, sowie die Neujahrsbriefe frühzeitig aufzuliefern. Nicht nur bei Briefen nach Großstädten, sondern auch nach Mittelstädten muß die Wohnung angegeben werden, für Berlin auch der Post- bezirk und die Nummer des bestellenden Postamtes. Geschieht das nicht, so kann die Sendung verzögert werden. Stets empfiehlt sich die Angabe deS Wsenders, bei Briefen auf der Rückseite, bei Karten in der linken unteren Ecke der Vorderseite. KindeSmord. Ein schauriger Fund ist gestern morgen in dem Hause Gollnowstr. 29 gemacht worden. Milchjungen entdeckten dort im Hausflur in einer Ecke die Leiche eines neugeborenen Knaben. Der tote Säugling war in ein Stück Nesseltuch und Packpapier ein- gewickelt. Es liegt hier zweifellos ein Kindesmord vor. Nach Ansicht ver Polizei ist dem Knaben, welcher kräftig entwickelt und vollkommen lebensfähig gewesen war, Mund und Nase zugehalten worden, um ihn auf diese Weise gewaltsam zu ersticken/ Die Leiche ist polizeilich beschlagnahmt worden. In Sachen der Ermordung des Kellners August Giernoth im Walde bei Klein-GIienicke wird berichtet, daß am Freitagabend gegen 7 Uhr derselbe Manu., der sich bald nach Auffinden der Leiche des Ermordeten in Klein-Glienicke bei der Ehefrau des Gendärmen nach verschiedenen Einzelheiten erkundigte, dort wieder erschienen ist. Die Ehefrau des Gendarmen traf ihn auf der Straße und erkannte ihn sofort wieder, obgleich er anders gekleidet war, als beim ersten Mal. Damals trug der Mann einen schwarzen steifen Hut und dunklen Paletot, der graumeliert war, diesmal dagegen, ähnlich wie ein Wirtschaftsinspektor, eine grünliche Joppe und einen weichen Hut. Als er merkte, daß er beobachtet wurde, lief er schnell auf der Berlin-Potsdamer Chaussee in der Richtung nach Potsdam zu davon. Was den in Verdacht geratenen früheren Bierzapfer Reimann anbelangt, so ist derselbe als nicht in Betracht kommend jetzt außer Spiel. Ein schwerer Automobilunfall hat sich an, ersten Weihnachtsfeier- tage in der Friedrichstraße zugetragen. Ein unbekannter etwa 43 Jahre alter Mann war im Begriffe gewesen, vor dem Hause Friedrichstraße 88 den Fahrdamm zu überschreiten und hatte dabei nicht das Herannahen der Automobildroschke Nr. 4388 bemerkt. Der Chauffeur gab sofort das Warnungssignal, doch war es dem Passanten nicht mehr möglich, dem Bereiche des Automobils zu ent- eilen. Er wurde auf die Straße geschleudert und trug einen komplizierten Schädelbruch davon. Polizeibeamte brachten den Ver- unglückten nach der Unfallstation in der Kroncuslratze und von dort nach dem Krankenhause in Moabit, wo er hoffnungslos danieder liegt. Mord und Selbstmord am heiligen Abend. Eine blutige Ehe� tragödie hat sich am heiligen Abend zu Charlottenburg im Hause Nettelbeckstr. 12 abgespielt. Dort tötete der 30 Jahre alte ehemalige sächsische Offizier, jetzige Kaufmann und Plantageiibesitzer Alfred Herzger seine gleichaltrige Ehefrau Margarethe geb. FoSka durch fünf Revolverschüsse in den Kopf und dann sich selbst durch einen Revolver schuß in das Herz. Beide waren auf der Stelle tot. Zu dieser Tragödie wird folgendes mitgeteilt: Herzger, der nach seinem Ab schiede aus der sächsischen Armee zumeist in den Tropen gelebt und dort, z. B. in Batavia und Java, Plantagen bewirtschaftet hatte und in Batavia auch Farmen besitzen soll, war im vorigen Jahre mit seiner Gattin, einer bildschönen, aber bereits einmal geschiedenen Frau, au§ dem Auslände kommend, in Charlottenburg zugezogen und bewohnte in einem Hause Nettelbeckstr. 12 zwei möblierte Zimmer. Im Juni d. I. war der Mann nach Amerika gereist und am heiligen Abend unverhofft aus Hamburg bei seiner Ehefrau, die bereits de» Weihnachtsbaum geputzt hatte, zurückgekehrt. Bald nach dem Be- tteten der Wohnung hörte man aus derselben harte Worte, die auf einen heftigen Streit schließen ließen, und bald darauf knallten in der Wohnung hintereinander sechs Schüsse. Als darauf die er- schreckten Mtbewohner ins Zimmer eilten, bot sich ihnen ein schrecklicher Anblick. Beide lagen tot auf dem Fußboden, der Mann hielt noch den rauchenden Revolver in der Hand. Die so« fort erschienene Revierpolizei beschlagnahmte die Leichen, sowie die vorgefundenen Gegenstände, darunter einen Brief, dessen Inhalt wohl darauf schließen läßt, daß der Gatte seine Gattin zu züchtigen beabsichtigt hat, und zwar aus Eifersucht. Kinder besaß das Ehe- paar nicht. Die Leichen wurden nach dem Schauhanse auf Westend befördert. AutomobilomnibuSvcrkehr zwischen Bahnhof Zoologischer Garten und Beelitzhof. Ein beachtenswertes Verkehrsprojekt ist für die West- lichen Vororte geplant. Ein Unternehmerkonsortium hat sich an die in Frage kommenden Gemeindeverwaltungen gewandt, um einen ständigen AutomobilomnibuSverkehr zwischen dem Bahnhof Zoologischer Garten und Beelitzhof(am Wannsee) herbeizuführen. Die Linie ist über den Kurfürsiendamm, durch Halensee und Grüne» Wald sowie über den Kronprinzessin-Weg gePlaut. Die�ganze Strecke soll in einem Zeitraum von etwas mehr als einer Stunde durch- fahren werden. Die Verwirklichung dieses Verkehrsprojekts hängt von den notwendigen Konzessionierungen der anliegenden Ge- meinden ab. Drei Einbrnchsdiebstähle. Eine unangenehme Ueberraschung wurde dem Fabrikanten M. zuteil, als er an einem der«Feiertage mit seiner Frau von einer Weihnachtsbescherung in die am Kurfürsten- dämm gelegene Wohnung znrücklehrte. In den Zimmern war eine heillose Verwüstung angerichtet, alle Behälter gewaltsam orbroche» und durchwühlt. Die Einbrecher hatten tüchtig gestohlen. Klcidungs» stücke, Wäsche, Schuhe, ja auch das ganze Beltzeug hatten sie ent- wendet.— Reiche Beule fiel Dieben in die Hände, welche bei einem Kaufmann in der Wildcnbruchstr. 55 eingebrochen waren. Die Laugfinger hatten ebenfalls die Abwesenheit des Wohnungs- Inhabers benutzt, um in die Wohnung einzudringen und zu plündern. Sie stahlen Uhren, Ringe, Ketten und andere Wertobjekle und entkamen ungehindert.— Für 1100 M. Beleuchtungs- und Kraftkabel wurden bei einem Einbruch erbeutet, welcher auf dem Gnindstücke der Wilmersdorferstr. 98/99 verübt worden ist. Die dreisten Diebe stahlen dort aus einem Keller 600 Meter Beleuchtungs- kabel, 15 Meter Kraftkabel und nahezu 900 Meter Leitungsdraht. Dieser Diebstaht muß zweifellos von einer größeren Einbrecherbaude ausgeführt sein, da schon zur Fortschaffung der schweren Beute eine ganze Reihe von Personen notwendig sind. Ein Millionendicb, dessen Flucht seinerzeit großes Aufsehen erregte, wurde am ersten Fekdrtag in Paris festgenommen. Es handelt sich uni den Prokuristen Hugo Spiegel von den Obcrschlesi- scheu Kokswerken und der Chemischen Fabrik-Akticn-Gescllschaft Unter den Linden Nr. 8. Spiegel erhielt mehr als ein Minister- gehakt, bewohnte in Wilmersdorf ein fürstlich eingerichtetes Haus und lebte in jeder Beziehung auf großem Fuße. Eines Tages ver- schtvand er, und nun kam ans Licht, daß er 800 000 M. veruntreut, wahrscheinlich in Börsenspekulationen, die er mit fremdem Gclde auf eigene Faust betrieb, verloren hatte. Die Nachforschungen nach dem Ungetreuen blieben bisher erfolglos, bis gestern aus Paris die Nachricht hierher gelangte, daß er dort am Montag ergriffen wurde. Einzelheiten über seine Festnahme sind hier noch nicht bekannt. Wahrscheinlich ist der Tcfraudant von privater Seite angehalten und der Polizei übergeben worden. Tarauf läßt wenigstens die Mitteilung des Ehefs der Pariser Sicherheitspolizei schließen, der hier anfragt, was mit Spiegel geschehen solle. Der Pariser Polizei wurden von hier aus die Vorgänge sofort kurz mitgeteilt. Spiegel bleibt daher in Haft. Diplomatische Verhandlungen zu seiner Aus- lieferung werden unverzüglich eingeleitet. Ein schlechtbehandelter Fürst. Nach dem Petitionsverzeichnis der Stadtverordnetenversammlung hat der„ F ü r st v o n K a r m a n k. Herr zu Sachsen und Hohenstein, bisher v. Karmansky, Brüderstraße", eine Beschwerde über angeblich schlechte B e- Handlung aus der Armendirektion erhoben. Im Berliner Adreßbuch scheint der hohe Herr auch schlecht weggekommen zu sein, denn es führt den Namen Sr. Durchlaucht gar nicht auf l Um dem Unfug in der Silvesternacht zu steuern, werden seit längerer Zeit die �dabei vorfallenden Ausschreitungen nicht durch polizeiliche Strafverfüguiiacn. erledigt, sondern der Staats- an waltschaft zur gerichtlichen Verfolgung übermittelt. Im Jahre 1905 sind aus diesem Anlasse bestraft worden 113 Per. sonen, davon 24 mit Freiheitsstrafen bis zu 2 Wochen, 69 Mit Geld- strafen und 7 jugendliche Personen mit gerichtlichen Verweisen, 2 Angeklagte wurden der Staatsanwaltschaft zur anderweitigen Aburteilung überwiesen. Auch dieses Jahr ist die Schutzmannschaft angewiesen, energisch gegen Unfugstifter vorzugehen. Zwei ungesiilnttc Morde. Die beiden Mordtaten an der Ehe- frau deS Schlossers Schurm und der Schiffersfrau Graßnick lverden wohl ungcsühnt bleiben. Bekanntlich war der Schlächter Teichmann vor etwa einem Vierteljahre unter dem schtveren Verdacht, beide Verbrechen begangen, zu haben, verhaftet worden. Seitdem befand sich T. als Untersuchungsgefangener in Moabit. Heiligabend ist er jedoch plötzlich wieder auf freien Fuß gesetzt worden,«eine Ent- lassung aus dem Untersuchungsgefängnis erfolgte ohne irgend welche Begründung. Es hat demnach den Anschein, daß sich der Verdacht gckgen T. im Laufe der langwierigen Untersuchung nicht aufrecht erhalten ließ. T. hatre sich auch seinerzeit bei Vcrübung des Mordes an der SchiffcrSfrau Graßnick unter dem Verdacht der Täterschaft in Untersuchungshaft befunden, konnte jedoch wegen Mangels an Beweisen nicht unter Anklage gestellt werden. AIS dann vor etwa einem Vierteljahr im Walde bei Zeuthen die Frau des Schlossers Schurm unter ähnlichen Begleitumständen, als bei dem borhergcgangencn Verbrechen dahin gemordet wurde, wurden gleichzeitig auch die Ermittelungen in der Gratznickschen Mordaffäre durch die hiesige.Kriminalpolizei wieder aufgenommen, und das Er« gebnis war die Verhaftung des Teichmann. Mit der Freilassung des Verdächtigen sind die Untersuchungen in den beiden Mordaffärcn vorläufig wieder auf einen toten Punkt angelangt. Das letzte Mittel. Am Heiligabend Selbstmord verübt hat der 22jährige Maurer Hennami Kuski. K. war seit längerer Zeit obdach-und arbeitslos gewesen und hatte am Weihuachts- abend die Wohnung seiner Mutter in der Hcitzbcrgstraße 27 auf- gesucht. Als Frau K. den Bauin angezündet hatte und darauf ihren Sohn zur Bescherung aus dem Nebenzimmer rufen wollte, fand sie ihn erhängt am Türhaken vor. Der Tod war bereits eingetreten. Gratis-Automobilfahrten. Ein ingeniöser Besitzer eines CafeS im Südwesten von Berlin läßt jetzt allnächtlich in der großen Friedrichstraße, zwischen der Leipzigerstraße und Unter den Linden, dem Zentrum der Lebeivelt, ein Automobil hin- und herfahren, auf dessen Verdeck ein großes Schild angebracht ist, worin er zur Gratis- fahrt nach seinem Cafe einladet. Die Idee findet viel Anklang, deiin� der Wagen ist immer mit Männlein und Weiblcin aus der Welt, in der"matt sich nie langweilt, voll besetzt, und der schlaue Wirt kommt durch die starke Frequenz seines Cafes jedenfalls auf seine Rechnung. Vielleicht kommt ein noch findigerer Cafetier auf die vortreffliche Idee, die Gäste, wenn sie genug haben, gratis nach ihrer Behausung befördern zu lassen. Todessprung in einer Badeanstalt.� In der städtischen Bade- anstatt Baerwaldstraße passierte am Sonnabend, den 23., spät abends ein trauriger Unglücksfall. Der Verkehr war den ganzen Tag über ein ungemein lebhafter, auch die Schwimmhalle war sehr stark besucht. Am Abend badeten auch eine größere Anzahl Mit» glieder des Schtoimmklubs„Friesen". Als der Bademeister der Anstatt, Herr Gcppert, seinen Rundgang um das Schwimmbassin machis, tt war gegen WO Uhr abends, kurz bor Feierabend, be- merkte er plötzlich, daß auf dem Grund des WasserZ ein Mensch lag. Er sprang sofort in voller Kleidung hinein und holte den Mann ljcraus, es wurden auch sogleich die geeigneten Wiederbelcbungs- versuche, wie künstliches Atmen usw. gemacht, der in der Nähe wohnende Arzt Tr. Friedbcrg, die Feuerwehr aus der Wilmsstraße mit dein Sauerstossapparat geholt, doch menschliche Hülfe war leider vergebens. Es lvab ein noch junges Menschenkind, der 17 Jahre alte Schriftsetzer Kirchner, Gitschincrstr. 58 bei den Eltern wohn- hast, ein Mitglied des Schwimmklub„Friesen", in welchem er als guter Schwimmer sehr geschätzt war. Er soll sich sehr warm ab- gebraust haben, und unmittelbar darauf in das Bassin gesprungen sein, wo ihn wahrscheinlich ein Herzschlag traf, und er gleich unter- ging. Tie Leiche wurde noch in der Nacht zur genauen Feststellung der Todesursache nach dem Schauhause gebracht. Begnadigt. Professor Moritz Meyer, der am 7. Juli v. I. wegen Betruges zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, ist begnadigt und aus der Haft entlassen worden. Seine Frau, die eine Gefängnisstrafe von einem Jah„ drei Monaten erlitten hatte, ist bereits seit längerer Zeit in Freiheit. Da dem Ehepaar je drei Monate als durch die Untersuchungshaft verbüßt angerechnet wurden, so sind dem Professor Meyer etwa drei Monate Strafhaft erlassen ivorden. Die Affäre des Ehepaares hatte seinerzeit großes Auf- sehen erregt. Wer ist die Tote? Am 22. d. M., vormittags, brach in der Turmstratzc eine etwa 6V Jahre alte anscheinend dem Arbeiterstande angehörende Frau bewußtlos zusammen und verstarb auf dem Transport nach dem Krankenhaus Moabit. Die Verstorbene, welche bisher noch ist cht rekognosziert wurde, ist 1,6-1 Bieter groß, hat graumelierte Haare, graubraune Augen, spitze Nafe, runde Gesichrs- bittmng und hatte schlanke Gestalt. Die oberen Schnittzähne fehlen. Bekleidet war die Unbekannte mit grauer Taille mit braunen Samtärmeln, grün-schwarz durchwirktcm Rock, graukaricrter Pelerine, blauweißgcsrreifter Schürze, rot und weiß durchwirktem Unterrock, roten Beinkleidern, schwarzen Strümpfen und schwarzen Zugschuhen. Mitteilungen über diese Persönlichkeit werden zu 0193 IV./41 05 auf den Polizeirevieren oder bei der Kriminal- Polizei, Polizei-Präsidium, Alexandcrplatz 3/6, entgegen genommen. Zeugen gesucht. Personen, die gesehen haben, wie am?.3, Oktober gegen Mittag in Moabit, gegenüber der Spencrstraße eine Frau von einem Automobil überfahren wurde, werden um Abgabe ihrer Adressen an Frau Wilhelms, Gneisenaustr. 6, Hof IV gebeten. Straßensperrung. Der Kreuzdamm der Gleim- und Schwedter- straße wird behufs UmPflasterung vom 23. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. heit des Angeklagiett. Nunmehr sind 60 Schutzleute aus den etwa in Frage kommenden Nebenrevieren als Zeugen geladen worden, um den Mädchen im Gcrichtssaale gegenüber gestellt zu wexden. VemileKres. Gerichts-Zeitung. Eine Rcvalvcraffärc, welche ein auf versuchten Mord lautendes Vorverfahren zur Folge gehabt hatte, beschäftigte gestern die zweite Strafkammer des Landgerichts II unter Borsitz deS Land gerichtsdirektorS La uff er. Wegen Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werkzeuges war der 49jährige Friedrich Engel an- geklagt. Die Beweisaufnahme entrollte ein trauriges Bild eines durch schwere Schicksalsschläge und übermäßigen Alkoholgenuß völlig zerrütteten Menschen, der sich im Affelt zu einer an versuchten Mord grenzenden Handlung hinreißen ließ. Der Angeklagte lvar früher ein einfacher Landarbeiter, er wurde dann Bürstenliändler und kam als solcher nach Berlin. Vor Gericht wurde konstatiert, daß er sich das Trinken angewöhnt habe und einmal, als er in trunkenem Zustande seine gesamte Barschaft verloren hatte, einen Selbstmordversuch unternahm, indem er sich mit seinem Taschen messer zahlreiche Schnitte an den Händen und am Halse beibrachte, Arn 28. Juni d. I. verstarb seine Frau, mit der er viele Jahre in glücklicher Ehe gelebt hatte. Engel nahm sich dies so zu Herzen, daß er sich nnnmehr völlig dem Trünke ergab. Wie er behauptet, sei ihm häufig seine Frau erschienen und habe ihn aufgefordert, ihr nachzufolgen. Ilm diesen Erscheinungen zu entgehen, habe er seine Wohnung aufgegeben und sei zu keiner Schwesier, einer in Äieder-Schönhausen wohnhaften Frau Stein, übergesiedelt. Hier habe es ihm ebenfalls nicht gefallen, schon weil ihn seine Schwester als Schlafbursche angemeldet habe. Frau S. habe ihm darauf erwidert:„Wenn es ihm nicht gefalle, könne er ja gehen!"— Am 4. Oktober d. I. ging der Angeklagte in aller Frühe von der Stein'schen Wohnung fort. Er unternahm eine kleine Spritzfahrt nach Berlin, wo er in verschiedenen Lokalen einkehrte und gehörige Mengen Bier und Schnaps zu sich nahm. Schon einige Tage zuvor hatte E. Selbstmordgedanken geäußert. Mit dem Rest des Geldes kaufte sich E. einen Revolver, mit dem er auf freiem Felde bei Nieder-Schönhausen sein Vorhaben zur Ausführung bringen wollte. Der Angeklagte suchte jedoch erst sie Wohnung seiner Schwester auf, in welcher er aber nur seine löjährige Nichte Margarete Stein antraf. Zu dieser äußerste der Angeschuldigte, er habe nunmehr alles in Ordnung ge- bracht. Ohne den Sinn der Worte zu ahnen, antwortete das junge Mädchen, unter Hinweis auf seinen angetrunkenen Zustand: waS er wohl in Ordnung bringen könne? I» demselben Moment krachte ein Schuß. Der Angeklagte hatte aus unmittelbarer Nähe mit dem Revolver einen Schuß auf seine Nichte abgegeben, der glücklicher- weise nur eine geringfügige Fleischwunde am Genick zur Folge hatte. Durch den Schuß hatten indessen die Kleider des jungen Mädchens Feuer gefangen. Hülferufend eilte die Verletzte auf den Hausflur, wo sie ohnmächtig zusammenbrach. Der Angeklagte hatte inzwischen mehrere Schüsse auf sich abgefeuert und war, von zwei Kugeln in den Kopf getroffen, zusammengebrochen. Er wurde nach Anlegung eines Notverbandes durch Dr. JsraelSky als Polizei- gefangener in das Lazarett deS Moabiter UnterfuchungsgefängnisieS libcrftihrt. Hier entfernte der Gefängnisarzt Dr. Marx die zwei Kugeln auf operativem Wege. Zurzeit ist der Angeklagte wieder vollständig hergestellt.— Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht darauf, daß die Tat des Angeklagten nahezu an versuchten Totschlag grenze, eine Gefängnisstrafe von iVa Jahren. Der Gerichtshof beließ eS in Anbetracht. daß E. nach dem Gutachten des Dr. Marx ein infolge über- mäßigen Aikoholgenusses minderwertiger Mensch sei, bei sechs Monaten Gefängnis, unter Anrechnung von zwei Monaten der erlittenen Untersuchungshaft.— War der Angeklagte bei Bc- gehung seiner Tat zurechnungsunfähig, so gehört er in ein Trinker- asyl, nicht inS Gefängnis..Der traurige Fall ist, soweit er durch die Verhandlung zur Sprache kam, für die vollkommene Dcgenerierung durch den Alkohol typisch. War's ein Schutzmann? Nicht weniger als 69 Schutzleute sind zum 10. Januar als Zeugen vor die 7. Strafkammer des Land- gcrichts I geladen worden. Als am 7. Januar d. I. in der zehnten Abendstunde zwei junge Mädchen durch die Bellevue-Allec gingen, find sie zweimal von einem Schutzmann belästigt worden, der in unanständig derangicrtcr Toileitc auf sie zutrat und dadurch ihre laute Entrüstung erregte. Fünf Tage später haben sie in einer anonymen Beschwerde den Vorgang zur Anzeige ge- bracht. Nach der von den beiden Mäddfcn gegebenen Personalbeschreibung wurde der Schutzmann S ch w i e man n als der vermeintliche Täter den Mädchen vorgestellt und diese behaupten mit großer Bestimmtheit, daß er der Unhold sei, ixr sie an jenem Abend in so unanständiger Weise belästigt habe.� Der Beschuldigte, gegen den die Anklage wegen Erregung eines öffentlichen Aergcr- niffes erhoben worden ist, bestreitet, von dem ganzen Vorgang auch nur das geringste zu wissen und behauptet unter Hinweis auf da? Postenbuch, daß er zu der kritischen Zeit noch auf der Tiergarten- lösche gewesen sei. Es haben in dieser Affäre schon zwei Termine stattgefunden, in denen, durch eine Reihe von Beweisen die Mög- lichkcit eines Irrtums der beiden Mädchen darzulegen versucht wurde. Inzwischen hat auch eine Beobachtung des Geisteszustandes des Angeklagten durch den Gcrichtsarzt Medizinalrat Tr. Hoffmann Eine höchst unglückliche Ehe kam in einer Verhandlung vor dem Schöffengericht zur Sprache. Der Handelsmann F. hatte sich wegen Mißhandlung seiner Ehefrau zu verantworten. Entweder war Herr F. ein guier Schauspieler, oder es mußte ihm etwas sehr Angenehmes begegnet sein, denn sein rotes Gesicht strahlte vor Freude und er inachte seiner erregten Stimmung durch halblaute Bemerkungen Luft, wie:„SicgI Sieg auf der ganzen Linie!" und „Jott verläßt keencn Deitschenl" Als er sich im Anklageraum befand, holte er einen Brief aus der Bruftiasche, drückte ihn. gegen seine Lippen und hielt ihn geöffnet dem Vorsitzenden entgegen.„Ent- schuldigen Sie bitte, det ick etwas aus dem Häuschen bin. Ick habe soeben meinen Weihnachten jekriegt, dat Beste, wat ick mir nur wünschen könnte, jerade als ick zum Termin jehen wollte, brachte mir der Briefdräger diesen Brief.— Vors.: Ja, was soll ich damit, es ichcint ein gerichtliches Schreiben zu sein.— Singe II.: En jesegnetcs Schreiben is et. Et is das Erkenntnis in meinem Ehescheidungsprozeß. Denken Sie bloß, ick bin nu wieder cen freier Mann und sie is für den schuldigen Deel erklärt worn nn ick brauche ihr kernen Fennig Alimente zu zahlen. Et jibt doch noch Jercchtig- kcit in der Welt.— Vors.: Sic haben wohl eine traurige Ehe ge- führt?— St n g e k l.: Herr Jerichtshof, die Hölle mutz en Paradies dajejen sind. Und wenn ick denke, det det drei Jahre jcdauert hat. Wat hat det Weib mir zujesctzt! Et is ja richrig, et jibt ooch 'Männer, die man so sind, aber so schlecht wie'n Weib kann en Mann ieberhaupt nich Voer'n.— Vors.: Nun wollen wir zur Sache selbst übergehen. Ihre frühere Frau hat Strasantrag gegen Sie gestellt. Sie will am Wend bes 17. Oktober auf der Straße arg von Ihnen mißhandelt worden sein.— Angefl.: So'n Weib hat et hinter sämtliche Ohren un der Mann soll erst jeboren wer'n, der en Weib in die innersten Falten auskeimen dair. Wat meine is, oder wollte ick sagen, jcwesen is, dat is. dat mowähste Subjekt, wat nfln Erdboden rumkraucht, die is in die Schwartenwurschr zu schlecht. Sie is'ne Wachtmeestersdochter aus Thüringen. Ick habe ihr kennen jelcrnt, als ick in der Jejend mal Kartoffeln koofte. Tie Kartoffeln waren man schlecht un det Mächen doogte erst recht nischt. Aber det is merschtendeels so, wo die Jejend schön is, sind die Menschen schlecht. Immer prahlte sie mit ihrer Bildung nn ihre Kenntnisse, aber en ordentlichen Happen.pappen war sie nich imstande zu kochen. Immer kam sie mit ihre Klötze an. die Jedärme krümmen sich mir immer noch im Leibe, wenn ick daran denke. Un faul war sie, da war't Ende von weg; den Kaffee mußte ick det Morgens kochen, weil die Madam nich so stich aus den Federn konnte. Slutzerdem war sie mir lange nich sauber jenug. Tct wäre nu noch alles�zu ertragen jewesen, aber als ick dahinter kam, dat sie Herrenbesuch annahm, während ick mir in der Markthalle mit dem Handel quälte, da war der Zappen bei mir ab, ick habe ihr en Paar mit det fünf- zippelige Daschenduch in't Profil jejeben.— Vors.: Das heißt also mit der Faust. DaS steht aber alles nicht zur Slnklage, kommen Sie nun auf den 17. Oktober.— A n g e k I.: Jawohl. Also im Aujuft sab et bei uns wieder en jewaltigcn Krach. En lleener Junge brachte eenen Brief an meine Frau, die jerade nach dem Koofmann jejangen war. Ick machte ihn offen, denn dazu habe ick als Mann dat Recht. Slls ick det lese, denke ick doch, ick soll lang hinschlaen. Een Herr M. fragte bei seine„jeliebte Emilie" an, ob er jestern nich bei ihr eenen Schlüssel hätte licchen lassen, er müßte ihm aus der Tasche jefallen find. Nanu können Sie sich meine Stimmung denken, Herr Jerichtshof. Zunächst nahm ick meinen Hut un jing rum in die Distille, wo ick drei Flaschen Selker drank, um mir etwas zu beruhijcn.'Dann jing ick in en Sattlerjeschäst un kooste mir so'n richtijcn derben ledernen Riemen und denn jing ick nach Hause. Die Nachbarn erzählten- sich am folgenden Dag, det in meine Wohnung großer Radau jcwesen wäre. Det hätte sich anjchört, als wenn Möbel ausgekloppt würden un meine Frau hätte mächtig dazu jeschrieen. Sie sagten aber alle, det ihr vollkommen recht jeschehen wäre. Als ick mir mit meine Frau un den Ledcrriemen ordentlich ausjesprochen hatte, sing ick wieder weg un kam erst in der Nacht nach.Hause. Da seh ick denn, det meine Frau ausjerückt war un ihre Sachen mitjenommen hatte. Uf'n Tisch lag en Stück Papier, wo druf stand:„Sldje Du Schinder, ich bringe dem Herrn M. seine Schlüssel hin". Laß sie loofen, dachte ick. Aber am nächsten Dag reichte ick die Scheidungsklage in. Ick hatte sie lange nich wieder jesehen, bis ick am 17. Oktober, abends nach 10 Uhr, durch die Lange- straße jing. Da bejejent mir mit ecnem Male meine Olle._ Sie hatte eenen jungen Herrn unterjeärmelt, mit dem sie mächtig intim tat. Mit eenen Ruck reiß ick sie ausencmder, halte aber meine Frau noch mit ccne Hand fest.„Wie können Sie sich unterstchen mit anderer Leute Frauen spazieren zu jehen, Sie Ehebedriejer?" sage ick zu dem jungen Mann.„Sie scheinen lange kecne Jehirnerschütte- rung jehabt zu haben, machen Sie schleunigst det Sie wegkommen, sonst haue ick Ihnen eene Backpfeife, det Sie in kcenen Sarg mehr rinpassen." Er machte denn ooch schleunigst lati. Meine Olle machte aber cn jefährlichcs Jcschrei un da mir der Uflauf unbequem war. habe ick ihr schnell en Paar mit meinem Kreuzdorn icberS Kreuz jezogen un bin denn davonjejangen. Weiter is nischt jewesen. Der Angeklagte ist sehr enttäuscht, als daS Urteil auf 6 M. Geldstrafe lautet. Unser täglicher Eisenbahn-Unfall. Dirschau, 27. Dezember. Amtliche Mewung. Ter hier 4 Uhr 17 Minuten nachmittags von Bronrberg fällige Personenzug erlitt am Sonntag zwischen Maxi- milimiowo und Klahrheim dadurch einen Unfall, daß ein Wagen v�rter Klasse einen nach Brombcrg fahrenden Güterzug streifte. Hierbei erlitten zwei Personen schwere Verletzungen, so daß sie inS Krankenhans in Schwetz an der Weichsel gebracht werden mutzten. Zwei Leichtverletzte konnten die Fahrt fortsetzen. Ein pcstverdächtigcs Schiff. Auf dem von Rosarro am 21. d. M. in Hamburg eingetroffenen Dampfer„Karthago" sind Ratten ge- fundcn worden, welche, wie die Untersuchung jetzt ergeben hat, Pest- trank waren. DaS Schiff ist einer Ausgasung mit einem Ratten- tötungs-Slpparat unterzogen und alle Vorsichtsmaßregeln sind ge- troffen. Menschen sind nicht erkrankt. Die Löschung der Ladung wird unter den üblichen Vorsichtsmaßregeln gestattet werden. Deutscher Arbeiter-Abstinenteu-Bniid. Ortsgruppe Berlin. Donnerstag, den 28. Dezember, abends'/,g Uhr, Bezirksversanmilung sür C., O. und NO. und Vororte, Frankfurter Allee 64 I. Borlrag des Genossen 21. Störmcr über: Wie wird die Bildung gehemmt und wie wird sie gefördert?" Gäste willkommen. '' P. L. 7. Lneflutten der Redahtton* jftiriftifcher Cell. Fhre Echiviegermuttcr ist WMWWWWDI 2IlS linderlolem Witwer steht Ihnen das Recht auf die eine, den anderen Erben der An- ipruch aus die andere Hälsle des Nachlasses(das sind Akliva und Passiva) u. Ihnen gebühren aber überdies als Voraus alle Gegenstände, >ie zum ehelichen Haushalt gehört haben, sowie alle Hochzeitsgeschenke.— I. O.. 75 und andere Hebammcnfragen. ES ist nicht vorgeschrieben und läßt sich nicht vorschreiben, wieviel Besuche eine Hebamme zu macheu hat DaS richtet sich wie beim Arzt nach der Eigenart des EiuzclsallS. Die Gebühr der Hebammen richtet sich nicht nach einer bestimmten Tare. Eine solch« ist mit der Gewerbeordnung unvereinbar und existiert nicht Von Fall zu Fall ist daher zu eMscheidcn, ivelche Gebühr angemessen ist. Die Hebammen Berlins und der Vororte haben ihrerseits eine Taxe unter sich vereinbart, die im„Vorwärts" scinerzelt verösscntlicht ist und da- hin geht: sür eine Entbindung 10-30 M.. sür jeden Besuch 1—2 M.. sür jeden Nachlbesuch L M., sür eine Nachtwache 5—8 M., sur Tag. und Nacht- wache 8— lv R. Der Potsdamer Regierungspräsident hat im Jahre 1893 folgende Sähe als solche vorgeschlagen, die als Anhalt in Streitfällen für weniger bemittelte Familien gelten sollen: eiistache Entbindung 4-10 M.. vergrößerte oder stwilling'gcburt 6— 15 M„ Tagwnche 1.50--3 M., Stacht- Regierungspräsidenten veröffentlichten bleiben lediglich Anhaltspunkte für die im Swcitsall vom Richter zu normierenden Sätze.— A. R. I. Nein. — D. l. Pankow. 1. und 2. Das ist von Fall zu Fall zu entscheiden. Sic müßten statt allgemeiner Fragen den Sachverhalt, der Sie betrifft, unter'Angabe der Daten und Einzelheiten schildern. 3. Der Klage auf Herstellung� des eheltchen Lebens und einer Ehe« Vchcidimgsklagc muß ein Sühnetermin(zuständig Amtsgericht II, HallescheS ' Ufer) vorangehen.— A. B. Ä Gut gemeint, aber nicht verwendbar.— Lsiüller. t. Das Gesuch um TiSpenS wegen Ehehindernisscs richten Sie an das Landgericht, das die Ehe wegen Ehebniches geschieden hat. Den Dispens zu erhalten ist leichter, wenn eine Zustimmung des anderen Elte- gasten beigefügt wird. Eine Wartezeil gibt eS nach dieser Richwng nicht, 2. In der Buchhandlung von Hoffmann, Blumenstr. 14, und in der„Vor- >i>ärIs"-Buch Handlung können'Sie ein Formular zum Austritt aus der Kirche erhalten. 3..Kyrife.— D. Die Zlnsprüchc Ihrer Frau sind freilich unberechtigt. Das sollten Sie ihr in Ruhe auseinandersetzen und schließlich daran denken, daß osl auch nach I8jähriger Ebc die Ansichten verschieden werden. — Wiener 190:4 und Täglicher Leser. 2lls Nicht-Deutscher haben Si- lein Recht aus Naturalisation. Die Behörde kann sie bewilligen. Der Antrag ist an das Polizeipräsidium zu richten oder aus dem Revier zu Protokoll zu erklären.— K. L. Leider steht Ihrem Bruder ein klagbarer Anspruch nicht zur Seite. Zum mindesten wäre bei der Zweiselhastigkeit eines günstigen Erfolges(es müßte eine Schuld der Verwaltung bei der Aussicht nachgelvicseu werden) von einer Klage ohne Armenrccht abzuraten. Zunächst sollte die SVlut!« eine Eingabe an das Kriegsministerium mache». — M. Z. 1907. Ihr Zlntrag bleibt gülstg, auch wenn das Eremvlar nicht mehr in Ihren Händen.'Soweit nach Ihren Darlegungen ersichtlich. läuft er aber zum 1. April 1306 ab, da die Aenderung nicht schriftlich bewirkt ist.— Zl. Sch. 100. In ganz Preußen ist als äußerste Grenze sür die Zulassung als Hebamme daS 30. Lebensjahr jestacsetzt. DaS andere ist erst dieser Tage unter A, B. 36 beantwortet. — A.