Nr. 303. RbonnfmfntS'Retfinsan�n: UonncmentS■ Preis pränumerando: SifrtfljStirL 3,30 Mi, monatl. 1,10 Ml., wSchentlich 28 Pfg. frei int Haut. einzelne Kummer 6 Big. Sonntags. r.ummer mit illustrierter EowitagZ. LeUage.Die Zleue Seit* 10 PIg. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Singetragen in die Post.ZeitungS- Preistille. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesierretch> Ungarn 2 Marl, für da» ädrige Ausland 3 Marl pro Monat. Crftotot ligti»»itr ffiodtw. Berliner Bolksblcrtk. ST. Jahrg. VI« snstfNonz-LedRhk betrügt für die sechigespaltene itolonet. geile oder deren Raum 40 Psg.. für poliMche und gewcrlschastltche verein?. und BersamuiIungS.Anzeigen LS Psg. „Kleine?n-«sg«n", da» erste ssett- gedruiltei Wort 10 Psg. jede» wettere Wort S Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Juscrate für die nächste Stummer müssen bis B Uhr nachmittags in der expeditto» abgegeben werden Die Expedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abends, an Sonn, und FesUageit biS 8 Uhr vormittags geöffnet. Delegramm. Adresse: „SsiliitKnskrii Rirlli". Zcntralorgan der rozialdcmohrat» fchen parte« Deutfchtandd. Redahtion: SM. 68» Lindenetraaec 69. shcr» spreche»:«mt IT, Rr. I9
/zstündigen Arbeitszeit, Lohnzulagen von 6—12 Proz. (bei besonders schlechten Positionen besondere Zulagen); Maß- regelungen dürfen nicht stattfinden. Für die im Tagelohn arbeitenden Arbeiterinnen sind materielle Vorteile nicht erzielt worden, aber sie nehmen an der nicht zu unterschätzenden Verkürzung der Arbeitszeit teil. Die Aufnahme der Arbeit erfolgte am Mittwoch früh. IZuolsnd. Der Verband der österreichischen Bergarbeiter beruft für den 7. Januar eine große Bergarbeiier- Versammlung ein. in welcher die Forderung auf eine 2öprozentige Lohnerhöhung aufgestellt und die Frage eines eventuellen Massenstreiks erörtert werden soll. Der Belagerungszustand in Thun. Bern, 26. Dezember.(Eig. Ber.) In Thun streiken zirka 250 Arbeiter und Arbeiterinnen der M e t a l I w e r k c von Salve, der ein preußischer Kommerzienrat und sechzigfacher Millionär ist, aber in seiner Fabrik unbefriedigende Arbeits- und Lobnverhältnisse hat, trotzdem er ausschließlich für die eidgenössische Militärverwaltung arbeitet. Die Arbeiter versuchten bereits alles mögliche, um zu einer Verständigung mit dem Fabrikanten zu kommen, aber ver- gebenS. Sie riefen auch den Kriegsminister Müller, ein gelvali- tätiger und brutaler Gcldsackspolitiler, um seine Per- Mittelung an, allein er bedauerte nur den Streik, die maßlose Ausbeutung der Arbeiter und die protzige Haltung des Kommerzienrates aber bedauerte er nicht. Dagegen steht wie immer in der Schweiz die ganze öffentliche Macht auf Seite des Unternehmers und gegen die Arbeiter und nun hat die Berner KaiitonSregierung zum Schutze der gefundenen Herren Streikbrecher auch noch eine Streikverordnung mit Verbot des Streik- Postenstehens. der Versammlung der Streikenden usw. erlassen, also den kleinen Belagerungszustand verhängt. Das geschieht nun schon zum zweitenmake in diesem Jahre von derselben Regierung, die im Mai gegen die streikenden Schreiner in Bern mit den gleichen Mitteln vorging. Mit dem Belagerungszustand kann jeder Esel regieren.'_ Der Ausstand der Pariser Spezerrimigestellte». Paris, 26. Dezember.(Eig. Ber.) Der Streik der Spezereikommis hat trotz der entgegenstehenden Meldungen der offiziösen DepeschenbureanS einen für die Aus- ständigen recht günstigen Abschluß gefunden. Der Unternehmer- verband, der erst alle Zugeständnisse verweigert hatte, bewilligte angesichts der Zunahme der Bewegung einige der wichtigsten Forderungen. So wurde den Angestellten, die über 21 Jahre alt sind, zugestanden, außerhalb der von den Unternehmern in den Kaufhäusern eingerichteten Kasernen zu wohnen. Diejenigen, die von diesem Recht Gebrauch machen, sollen einen entsprechenden Wohnungsbeitrag.erhalten. Die Urlaubsbewilligungen sollen künftg in größcrem Ausmaß erteilt werden. In bezug auf die geforderte Abkürzung der Arbeitszeit konnten die Gehülfen- Vertreter nur die Einwilligung der Unternehmer, die Frage mit ihnen gemeinsam zu studieren, erhalten. Die volle Sonntagsruhe war nicht durchzusetzen. Einige der größten Häuser wollen indes ihren Angestellten eine 24stündtge Arbeitsruhe von Sonntagmittag bis Montagmittag gewähren. Die Versammlung der Streikenden hat auf Anraten des Streikkomitees diese Beschlüsse angenommen.— Der Streik der Spezereikommis hat wieder einmal offenbar ge- macht, wie rückständig die gewerbliche Organisation in Frank- reich ist, und selbst in dem von so vielen Revolutionen durch« stürmten Paris. In dieser Stadt, deren Pflastersteine so oft ihre Kehrseite dem Tagislicht zugewendet haben, hat sich die Ordnung insbesondere der kaufmännischen Betriebe seit der Zeit, da der mittelalterliche Gewürzhändler die höchste Stufe kapitalistischer Uiitcriiehmung darstellte, weniger als anderswo in Westeuropa verändert. Die Bourgeoisie hat hier auch unter dem modernen Kapitalismus die patriarchalischen Aiisbeutungsformen nach Möglichkeit erhalten. Erst der proletarischen Klassenorganisation ist eS vorbehalten, diesen historischen Schutt wegzuschaffen, der auch der kapitalistischen Eutwickelung selbst im Wege gestanden und dessen Konservierung der französischen Gesellschaft den kleinbürgerlichen Charakter, besonders auch die kleinbürgerliche Knickerei und Kurz- sichtigkeit bewahrt hat, die sie im weltkapitalistischcn Konkurrenz- kämpf iuS Hiiitertresfen haben geraten lassen. Ei» großer Buchdruckerstreit steht für den Januar in Amerika bevor. Die Verleger der großen Zeitschriften richten sich bereits daraus ein, indem sie ihre Nummern für die nächsten drei Monate in größter Eile und unter Benutzung alles ver- sügbaren Materials fertiggestellt haben. Die Arbeiter fordern den Achtstundentag an Stelle des bisherigen NeunstundentageS. Die Arbeitgeber lehnten diese Forderung ab und antworteten mit der Einführung des Systems der„offenen Werkstatt", d. h. sie stellten auch Leute ein. die nicht der Organisatton angehören. Die Arbeitgeber erklären, sie könnten Maschinensetzer aus den von den Arbeitgebern eingerichteten Schulen erhalten, in denen die Leute in 80 Tagen vollkommen auSgebilder würden. 80 Tage sind allerdings eine lange Zeit, in der sie"sich die Sache noch genügend überlegen können, und manches„Schwarzbein" wird nach vollendeter Lehrzeit gcnasführt dastehen._ Letzte Naebriebten und Depelcbcn. Tic Ausstände in Petersburg. Petersburg, 28. Dezember.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Tie Zahl der Ausständigen in Petersburg beträgt 37 000. Einige Fabriken und Werk- rätten, deren Eigentümer fürchteten, daß sie gezwungen sein würden, den Betrieb vor dem Weihnachtssest einzustellen, wurden geschlossen. Die Einbuße an Lohn, welche die Aus- ständigen während der letzten Woche erlitten haben, beläutt jich auf 523 000 Rubel."_ Folgen des Eisentahner-AuSstaiideS. Odessa, 23. Dezember.(B. H.) Der Gesamtverkehr zwischen wolocyska. Odessa und Kiew ist eingestellt; aus allen russischen Stationen haben sich die Güterzüge derart angehäiist, daß eS«»mög- lich ist, daß in denselbc» befindliche Bich zu füttern, weshalb die meiste» Tiere vcrciidcir. Verhaftungen in Reval. Ncval, 27. Dezember.(Meldung der Petersburger Telegraphen« Agentur.) Der am 24. Dezember angekündigte Zujammen- tritt des Kongresses von Vertretern der Landgemeinden ist von der Polizei nicht genehmigt worden. Ein Teil der Delegierten sowie Arbeitcrvertreter versammelten sich letzte Nacht im Kellergeschoß der Fabrik Volta zu einer geheimen Sitzung. Die Polizei verhaftete alle Teilnchiiier dieser Bersauimlung und beschlagnahmte Schrisistücke. Unter den Festgenommenen besindet sich der Gemeinderat und Ge- hülfe des Bürgermeisters der Stadt Pinst, Ingenieur Lender, sowie die Genieinderäte Temant und Strandmann. Die Zahl der Verhafteten beträgt 70. Die Ziige verkehren unregclniäßig, da ein beträchtlicher Teil der Maschiniften miSstnndig ist. Perantw. Redakteur: KanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: TZ. Glocke, Berlin. Druck u. Perlaz; Vorwärts Buchdr. u. VeclagSanstalt Paul Singer L-Co.. Be rlin SW. Hierzu bBeilageuu.Unterhaltnngsblatt
9t. 303. 22,i«n«.?. i Keilllge des.FllMlirts" Kerlilltt Volllsblllt!. k«».«. 29. Ztimd» IM. Das Tnunelprojtkt der Großen Kerliner Straßenbahn zeigt, wie wir schon kurz mitteilten, in dem jetzt aus- gearbeitet vorliegenden Spezialentwurf mehrfache Aenderungen der Linienführung, die notwendig geworden sein sollen, weil die Kreuzung mit der Unterpflaster- bahn Süd— Nord und mit der Untergrundbahn Potsdamer Platz— Spittelmarkt Schwierigkeiten bereitete. Der ErlcmtenmgSbericht, so meldet eine straßenbahnoffiziöse Korrespondenz, zerfällt in drei Teile: t. Untergrundbahn Potsdamer Brücke— Neue Grünstraße mit Abzweigung an der Mauerstraße, 2. Untergrundbahn Siegesallee— Platz am Opernhause, 3. Er- gänzungen und Abänderungen im oberirdischen Straßenbahnnetz. Der oberirdische Betrieb geht an der Viktoriastraße in den Tunnel« betrieb über. Um dies zu erleichtern, und gleichzeitig die Potsdamerstraße zwischen Potsdamer Brücke und Lützow- straße zu entlasten, wird von dem Tunnel aus ein Anschlußgleis über die westliche Abzweigung der Potsdamer Brücke durch das Schöneberger Ufer und Blumeshof gelegt, während ein weiteres Anschlußgleis für die die PotSdamerstraße entlang fahrenden Wagen nach der Potsdamerstraße geplant ist. Die Tunnelbahn beginnt öst- lich vom Landwehrkanal an der Ecke der Königin Auguste- und der Viktoriastraße mit einer Rampe im Häuserblock zwischen Viktoria- und PotSdamerstraße, woselbst sie in die viergleisige Untergrundbahn übergeht. Sie erreicht noch innerhalb des Hauserblocks die erforder- liche Ticfenlage, so daß sie gegenüber der Eichhorn« straße unter dem Fahrdamm der Potsdamerstraße weiter geführt werden kann. Der viergleisige Ausbau soll nur bis zur Mauerstraße geführt werden mit Rücksicht auf die geplante städtische Süd-Rord-Linie. Der nordöstlich abzweigende Tunnel schwenkt in den Häuserblock zwischen Kronen-, Mauer-, Leipziger- und Friedrichstraße ein und erreicht innerhalb des Blocks die Straßen- höhe der Kronenstraße vor der Friedrichstraße. Der andere zwei- gleisige Tunnel verfolgt dann die Leipzigerstraße bis zum Spittel- markt und soll nach dem geänderten Plan hinter dem Hause Sehdel- straße 31 in den Häuserblock hineinführen. Innerhalb desselben wird die Bahn bis zur Straßenhöhe geführt, um dann in der Wall- straße den oberirdischen Anschluß zu erreichen. Die Untergrundbahnstrecke Sieges-Allce— Opernhaus schließt an die Gleise der Charlottenburger Straßenbahn an. Die Gleise werden zwischen der Quer- und Flor- Allee, etwa 220 Meter westlich von der Sieges-Allee, sich gegen Norden in den Tiergarten wenden, wo � ungefähr an der Flora-Allee die Gleise in einer offenen Rampe sich in den Tunnel hinabsenken. Dieser schwenkt dann kurz vor der SiegeS-Allee nach der Charlottenburger Chaussee zurück und führt unter der letzteren bis zu dem Platz am Brandenburger Tor. Bei Eintritt unter diesen Platz entwickelt sich die Bahn zu einer vier- gleisigen Strecke. Die inneren Gleise biegen in die um das Brandenburger Tor gelegte Ringbahn ein. Die beiden äußeren Gleise werden tiefer eingelenkt, uin sie unter die Verbindungsstrecken der Ringbahn hinwegzuführen. Hierdurch wird ein Durchgangs- verkehr von Westen nach Osten, ohne Niveaukreuzung der von Süden nach Norden führenden Bahn ermöglicht. Die Abzweigungen nach Norden und Süden in die Sommer- und Königgrätzerstraße sind nur von kurzer Ausdehnung und hier steigen die Bahnen wieder in offenen Rampen zur Straßenhöhe einpor. Oestlich vom Brandenburger Tor vereinigen sich die vier Gleise wieder zur zweigleisigen Strecke inner- halb des bis zum Platz am Opernhause geplanten Tunnels. Am Opernhause endigt der Tunnel in erne unterirdische Rundbahn, in welche die von Süden nach Norden führenden Gleise einmünden. Die Gleise senken sich in einer vor der königlichen Bibliothek liegenden Rampe und steigen auf der Nordseite im Kastanien- waldchen vor der Universttät wieder auf Straßenhöhe. Die unter- irdische Gleisanlage vom Süden nach Norden kann, so läßt die „Große' großmütig versichern, eventuell auch die Straßenbahnlinien der Stadt Berlin aufnehmen. Hier würde dann einerseits ein VerbindungSgleiS vom Platz an der Hedwigskirche durch die Behren« und Markgrafenstraße nach der Französischenstraße und durch die Behren« nach der Charlottenstraße, anderseits ein Verbindungsgleis von der Dorotheenstraße durch den Kupfergraben nach der Eisernen Brücke zu schaffen sein. Bezüglich der Bauausführung sind Maßnahmen getroffen, welche eine BerkehrSstörung in der Leipzigerstraße verhindern sollen. Es wird beabsichtigt, das Tunnelprofil in zwei Hälften auszuführen, waS durch Anordnung von Mittelstützen, aus welchen die Decken- träger gestoßen sind, ermöglicht wird. So bleiben die beiden Bürger- steige unberührt und je nach dem Fortschritte des Baues rechts oder links eii sechs Meter breiter Fahrweg zur Verfügung. Um den Bau nach Mö lichkeit zu beschleunigen, soll derselbe an mehreren Stellen gleichzeitt» in Angriff genommen werden, jedoch so, daß nicht eine längere Strecke der Leipzigerstraße hierdurch gesperrt werden mutz. Zur Ergänzung für das Untergnlndbahnnetz sind auch Aenderungen im oberirdischen Straßenbahnnetz erforderlich. So würden neue Gleisanlagen durch die Voßftraße mit Anschlußweichen nach beiden Richtungen in der Kanonierstratze, durch die Kronen- straße mit Anschlußweichen nach allen vier Richtungen in der Char- lottenstraße und beiden Richtungen in der Jcrusalemerstraße. durch die Krausenstraße mit Anschlußwcichen nach der nördlichen Richtung der Charlottenstraße und beiden Richtungen der Jerusalemerstratze, ferner die Herstellung eines Anschlußgleises von der Wallstraße aus, 1. durch die Neue Grün- nach der Gertraudten- straße. 2. durch die Roßstraße nach dem Köllnischen Fischmarkt bczw. Breitenstraße, 3. durch die Neue Rotzstraße nach der Alten Jakobstraße erforderlich. Zum weiteren Ausbau des durch die Untertunnelung durchführbaren Strahenbahnnetzes werden nach Ansicht der Direktion der.Großen' ferner erforderlich Berbindungs- aleise auf der Westseite des LützowplatzeS, durch die Nürnberger- straße von der Kurstirstenstrohe bis Äurfürstendamm. in der Luther- straße von der Augsburger- bis zur Motzstraße, in der Bellevue- Allee von der Charlottenburger Chaussee bis zur Paulstraße, sowie Anschlußweichcn von der Jnvalidenjtraße nach der Chausseestraße iNordrichtung) und am Großen Stern von der Charlottenburger Chaussee nach der Altonaerstraße. WaS die„Große" mit ihrem Tunnelprojekt will, geht auch aus diesem Spezialentwurf und dem dazu gehörigen Grläuterungsbcricht noch nicht mit voller Klarheit hervor. Die Rentabilität dieses Projektes erscheint angesichts der uit- geheueren Kosten sehr fraglich. Daß aber die„Große" sich in Unternehmungen stürzen wird, an denen nichts zu pro- fitieren ist, glaubt ihr kein Mensch. Da wird sie wohl den Profit aus einer ganz anderen Ouelle erwarten, vielleicht ans der Erschwerung und Verzögerung, die den oben er- wähnten anderen Projekten: der von der Stadtgemeinde geplanten Unterpflasterbahn Süd-Nord und der von Siemens u. Halske geplanten Untergrundbahn Potsdamerplatz— Spittel- markt, aus dem Tunnelprojekt der„Großen" erwachsen kann. Sehr hübsch ist das großmütige Anerbieten, auch der Stadtgemeinde für ihre eigenen Straßenbahnen die Mitbenutzung des Opernplatztunnels gestatten zu wollen. Früher hatte man immer gedacht, die Untertunnelung des Opernplatzes werde von der Stadtgemeinde ausgeführt werden, und dann werde die„Große" von den städtischen Behörden die Erlaubnis zur Mitbenutzung dieses Tunnels erbitten müssen. Soll sich das Verhältnis jetzt umkehren? Möglich ist es. und vielleicht wußte der Stadtverordnete Haberland Bescheid, als er in der letzten Stadtverordnetensitzung kühl erklärte, die„Große" habe ja die Genehmigung zu ihrem Tunnelprojett bereits in der Tasche. Was die Stadt aus ihrem eigenen Grund und Boden bisher nicht zu erreichen vermochte, hätte dann die„Große" spielend erreicht: die Untertunnelung nicht nur der Leipzigerstraße, sondern auch deö Opernplatzes. Kommt der Opernplatztunnel zustande und beansprucht die Stadt die Mitbenutzung für die städtischen Bahnlinien, so wird die„Große" ihr diesen Gefallen schwerlich ohne reichliche Gegenleistung erweisen wollen. Man vergleiche hierzu die „Aenderungen im oberirdischen Sttaßenbahnnetz", die als „Ergänzung für das Untergrundbahnnetz" geplant sind. Wer herrscht auf und unter den Sttaßen Berlins? Huö der Partei. Der politische Massenstreik, ein Kampfmittel oder das Kampfmittel des Proletariats? Henriette R o l a n d- H o l st hat der Neu-Auflage ihres vor- trefflichen Bnches General st reikundSoztaldemokratie ein Vorwort vorausgehen lassen, in dem sie u. a. sagt: .Die meinem Buche gezollte Kritik ist von mir jetzt sorgfältig erwogen worden und hat mich bestimmt, bei der Revision des Textes einiges Vergessenes nachzuholen und Mißverstandenes klarer zu gestalten. Freilich beziehr sich dies meist auf Untergeordnetes. Der Haupt- Punkt, wo die Kritik ansetzte, war die Frage der gesellschaftlichen Eni- Wickelung, die Frage, ob sie mit Notwendigkeit auf den Massenstreik als Form der proletarischen Revolution hinauslaufe. Von verschiedenen Kritikern ist mir vorgeworfen worden, daß ich die friedliche Ent- Wickelung, das geordnete Aufsteigen der unterdrückten Massen, wenn auch nicht ganz ausschließe, so doch al» etwas sehr Unwahrscheinliches hinstelle und allzusehr zu der Auffassung neige, daß die gesellschaft- liche EntWickelung zur Katastrophe führt. Weil so der Endkonflikt als unvermeidlich angesehen wird, ergäbe sich in meiner Darstellung als notwendige Form der Entscheidungsschlacht der Massenstteik. In diesem Punkt, an den sich die bekannte Diskussion zwischen „Neue Zeit' und„Vorwärts' geknüpft hat, habe ich keine eingehenden Aenderungen oder Neuausführungen in meiner Schrift anbringen zu müssen geglaubt. Es wäre das erstens unmöglich gewesen, ohne den ganzen Zyklus der Probleme von der Konzentration des Kapitals, der Zuspitzung der Klassengegensätze, der Richtung der gesellschaftlichen Entwickelung eingehend zu erörtern. Eine solche Erörterung aber gehört nicht in eme Untersuchung über die Natur und den Wert des Generalstreiks; sie ist eine Arbeit für sich, die schon seit Jahren vorliegt in KautSkys:„Bernstein und das sozial- demokratische Programm'. Die gesellschaftliche Entwickelung auf ökonomischem wie politischem Gebiet, die sich seitdem vollzog, hat dann weitere zahlreiche Belege für die Schlüsse beigebracht, zu denen KautSky in einer Periode geschäftlicher Prosperität und politischen Stillstandes gelangte. Meine Schrift aber beschränkt sich auf die Beantwortung der trage, ob überhaupt und unter welchen Voraussetzungen, in welchen agen der Stteik dem Proletariat als Kampfmittel gegen den Staat dienen könne. Die Prüfung deS vorhandenen Tatsachenmaterials, der Erfahrungen der Vergangenheit und der sozialpolitischen Ten- denzen der Gegenwart ergab, daß der Massenstteik ebensowohl, unter gewissen Voraussetzungen, in einer bestimmten Periode des prole- tarischen Emanzipationskampfes ein geeignetes Mittel sein könne, dem Staat Reformen abzuzwingen, wie er bei weiter entwickelten Klassengegensätzen und in einer revolutionären Lage die Form der proletarischen Revolution fem müsse, weil für das Proletariat die Verweigerung der Arbeitskraft das aus seiner ganzen Stellung in der heutigen Gesellschaft hervorgehende äußerste und unveräußerliche Macht- oder Gewaltmittel ist. Das aber behaupten, bedeutet nicht die Unvermeidlichleit der gewaltsamen Revolution unter allen Um- ständen voraussagen. Es spricht zwar die geschichtliche Erfahrung für ein solches Endergebnis der Entwickelung. da es kein Beispiel einer privilegierten Klaffe gibt, die sich ohne äußerste» Kampf zurückdrängen läßt. Es weisen zwar zurzeit unsere politischen Wettergläser alle auf Sturm, aber dennoch gibt es Möglichkeiten einer anderen Ent- Wickelung als einer, die auf den Entscheidungskampf zwischen Bour- geoisie und Proletariat hinausläuft. Eine dieser Möglichkeiten wäre ein Weltkrieg und seine Folgen. Eine andere kann hervorgehen aus den sozialen Wirkungen der Trusts, die ja erst am Anfange ihrer Tätigkeit stehen und vielleicht den gesellschaftlichen Boden auf von unS noch ungeahnte Weise durchwühlen werden. Zwar würde auch keine dieser Möglichkeiten deS Proletariats die Notwendigkeit ausschalten, die politische Macht zu erobern, um seine Gesellschaftsordnung durchzuführen. Es eröffnen sich dabei aber Aussichten, daß fast oie Gesamtheit der Mittelklassen sich gegen das herrschende Regiment kehren und, die moralisch-geistige Ueber- legenheit des Proletariats anerkennend, seiner Leitung folgen würde, Denn ein anderer Punkt, der die heutige gesellschaftliche Bewegung und damit auch ihre Aussichten von jeder früheren wesentlich unter- scheidet, ist die von Bebel in seiner Rede zu Jena mit Recht hervor- gehobene Aufklärung und das politische Bewußtsein der Massen. DieS ist jedoch nicht die Frage, uin die eS sich hier handelt. Die Ansicht, der Massenstreik sei iin Falle des Konflikts die Form der proletarischen Revolution, bedeutet ebensowenig ein einseitige« Be- tonen der Zuspitzung der Verhältnisse wie ein ungebührliche« Herab- setzen der anderen Mittel deS proletarischen Kampfes, vor allem des Parlamentarismus.' Der„Wegweiser zum ZiikunstSstaat" ist, wie uns der Redakteur diese« Blattes, Herr Adolf I a k o b s e n. init Sozialdemokratischem Gruß versichert lSozialdemokratisch schreibt er groß, wie er besonders betont), lein Spitzelorgan. Der Ueberschuß des Unternehmens soll sogar in die Parteilasie fließen.— Was die Person des Herrn Jakobsen anlangt, so wird uns allerdings auch von anderer Seite versichert, daß ihm die Fähigkeit fehle, preußischer Polizeispitzel zu werden. Auf den Ueberschuß aus dem Unternehmen wird aber trotz alledem die Parteikasse verzichten müssen. Unsere Partei ist eine Kampfes organisation. Einen Tanz außer der Reihe kann sie keinem Mitkämpfer gestatten. Ihre Mitglieder und ihre Publikationsorgane müssen sich der Kontrolle der Partei unterstellen. Die Erkenntnis dieser Notwendigkeit ist bei den sozialdemokratischen Arbeitern so eingewurzelt, daß sie unter sozialistischer Flagge segelnde Privatunternehmungen gelegentlich aus Reugier einmal kaufen, nie aber dauernd und regelmäßig unterstützen. In sozialistischer Literatur ist also kein Geschäft zu machen; selbst wenn jemand nach dem Vorbild gewisser Hausseaenfabrikanten den„Wohl- tätigen' spielen und den Vorteil der Parteikasse als Köder aus- Wersen sollte. Einmal nach kürzerer, einmal nach längerer Zeit gehen alle solche Unternehmen ein, und beim„Wegweiser zum Zukunftöstaat' wird das nach den von uns mitgeteilten Proben natürlich außer den Beteiligten kein Mensch bedauern. Der weimarische Hofdcmokrat, Mützenmacher Hermann Mangn er in Apolda, ist am 27l Dezember gestorben. Mangner spielte sich in den siebziger und achtziger Jahren als radikaler Demokrat auf. wurde dann 1885 als er st er sozialdemokratischer Ab« geordneter in den weimarischcn Landtag gewählt, dem er neun Jahre angehörte. Während dieser Zeit entpuppte er sich mehr und mehr als Renegat, der in der Beteiligung an der Hostafel das höchste Ziel sew«- parlamentarischen Tätigkeit erblickte. „Mehr Praxi«." Die„Metallarbeiter-Zeitung" vom 23. Dezember knüpft an den Artikel des Genossen Mehring in der„Neuen Zeit", der von der Ueberlastung der Parteiredakteure und der Notwendigkeit einer theoretischen Durchbildung für sie sprach, folgende Bemerkungen an: Mehrings Artikel bedarf noch nach einer anderen Richtung der Ergänzung. Es ist unseren Lesem bekannt, welch eine Fülle von Vorwürfen, ja Verdächtigungen seit einiger Zeit den Gewerk- schastsbeamtcn aus Parteikreisen entgeäengeschleudert werden. Wer im praktischen Gewerkschaftsleben steht, weiß, wie sehr diese Beschuldigungen im großen und ganzen unberechtigt sind. Diese Kenntnis ist aber nicht allgemein und namentlich fehlt sie denen, die vorwiegend theoretisch für die Arbeiterbewegung tätig sind. Diesen Genoffen wäre dringend zu wünschen, daß bei ihnen auch die nötige Zeit und Lust vorhanden wäre, sich mehr um die Einzelheiten der praktischen Arbeit zu bekümmern, die in de» Gewerkschaften geleistet werden mutz. Wäre dies schon eher geschehen, so wären unserer llebcrzeugung nach in die„Neue Zeit' die gegen die Gewerkschaftler gerichteten Artikel von Ströbel, Fleißner. Emil Fischer und anderen gar nicht erst hinein- gekommen. Daß dies geschehen konnte, ist ein Beweis dafür, daß in mancher Redaktionsstube ganz falsche Begriffe von der Praxis des Klassenkampfes herrschen. Wie gesagt, der Ruf nach mehr Theorie ist durchaus berechtigt. Für nranchen ist eS dagegen notwendiger, daß er den Ruf ve- herzigt: Mehr Praxis! Die sogenannten„Angriffe auf die Gewerkschaften', das heißt die Kritiken an der von gewissen GewcrkschaftSbeamtcn befürworteten und ausgeübten Taktik, finden bekanntlich in den Reihen der ge- werkschasilich organisierten Arbeiter, die doch„die Praxis" hoffentlich nicht weniger kennen als ihre Angestellten, eine begeisterte Zustimmung. Die GewerkschaftSredakteure und-beamtcn bringen eben zum großen Teil ebenso wenig die Ansichlen und die Stimmung der Mafien zum Ausdruck wie sozialdemokratische Redakteure. „Der WahlrechtS-Tag." Der 28. November, der so vielen Herrschaften in Oesterreich wegen seiner Großartigkeit so überaus unangenehm geworden ist. ist nun auch im Bilde festgehalten, nämlich in einer Gedenkfchrift unter dem Titel„Der WahlrechtS-Tag'. Diese im Auftrage der Parteileitung der deutschen Sozialdemokratie Oesterreichs heraus- gegebene Gelegenheitsschrift brmgt mehrere Bilder in tadelloser Wiedergabe. Vor allen anderen seien die beiden großen Bilder, Werke der Maler L e>o y und Koch, genannt. Während der erstere auf dem Titelblatt in symbolischer Weise den Kampf der Arbeiter- schaft gegen die Kurienschande veranschaulicht, zeichnet Koch die Ankunft deS Zuges der Wiener beim Parlament. Den textlichen Teil der Festschrift besorgte ihr Redakteur, Genosse Dr. Ellen- bogen. Der Preis der Festschrist, die sich jeder Parteigenosse an- schaffen sollte, beträgt 20 Heller. Zu haben in der Wiener Volksbuchhandlung Jgnaz Brand. Wien VI, Gumpendorfer- straße 18 oder in der Buchhandlung Vorwärts. Totcnliste der Partei. In Essen starb am Morgen de« ersten WeihnachtstageS der Genosse Schneider an der Proletarier- krankheit. Der Bergarbeiterverband, dem Genosse Schneider seit langen Jahren angehört, verliert in ihm eine seiner brauchbarsten Kräfte, lange Jahre war er der Vertrauensmann der Essener Zahl- stelle, bis ihn die Arbeit, die er als Knappschaftsältester zu versehen hatte, veranlaßte, sein Amt im verbände niederzulegen. Der Ver- band und die Partei verlieren in Schneider einen Kampfgenossen, der durch Selbststudien sich die innere Festigkeit erworben hatte, allen Anfechtungen zu trotzen, die zeitweilig an ihn herantraten, um ihn in das Lager unserer Gegner zurückzubringen. Wir bemerken nur, daß er zu August Brust in naher verwandtschaftlicher Be- ziehung stand. Das hinderte den zur Erkenntnis gekommenen Grudenproletarier natürlich nicht, seiner Ueberzengung gemäß im Dienste der Enterbten sich zu betätigen. Eine Konferenz der Karsten- v. Pinstlmacher Deutschlands trat am 27. Dezember im Saale der Restauration„Martin Behaim' zu Nürnberg zusammen. Die Verhandlungen sind auf zwei Tage berechnet. Die Tagesordnung lautet: 1. Die allgemeine Lage in der Bürsten- und Pinselindustric. 2. Die Heimarbeit in der Bürstenindustrie. 3. Die Konkurrenz der Straf- und WohltätigkcitSanstaltcn. 4. Tarifverträge. S. Agitation und Organisation. 0. Anträge. Für den Hauptvorstand deS Deutschen Holzarbeiter-VerbandeS begrüßt Leipart- Stuttgart die Erschienenen unter dem Hinweis daraus, daß eS nicht das erstemal ist, daß Abgesandte der Bürsten- und Pinselarbciter aus allen Gauen sich versammeln, um über die Besserung der Laye im Berufe zu beraten. So weit die In- formationen über die Vorgänge aus früheren Zeiten reichen, ist dies der sechste Delcgiertentag, den die Bürstenmacher abhalten. Vor der Gründung deS Holzarbeiter-VerbandeS haben deren fünf statt- gefunden: 1884 in Leipzig, der zur Gründung des Ilntcrstützungs- Vereins der Bürsten- und Pinselmachcr führte. Dieser Verein hielt 1887 seine erste Generalversammlung in Braunschweig, seine zweite 1880 in Kassel, seine dritte 1802 in Magdeburg ab. Außer diesen 4 Tagungen hat dann noch 1801 der Kongreß in Apolda statt- gefunden, der zur Gründung deS Sonderverbandes führte. Auf dem Magdeburger Kongreß 1802 ist dann die Vereinigung der Zcntralverbände erfolgt. Wenn mau sich vergegenwärtigt, wie schwach an Zahl und an Leistungsfähigkeit die Organisatwn ur» sprünglich war. so kann man mit den jetzigen Zuständen insofern einigermaßen zufrieden sein, als die Organisation trotz aller Schwierigkeiten immerhin Fortschritte gemacht hat. Früher war die höchste Zahl der organisierten Bürsten- und Pinselmachcr zwischen 1200 und 1300, oft betrug sie nur 500 bis 600, während sie zurzeit mehr als 3000 beträgt. Eine Reihe von Orten hat gerade in den letzten Jahren ganz erfreuliche Fortschritte gemacht, und mit ganz besonderer Befriedigung sei darauf hingewiesen, daß in einer Gegend, wo es stets schwer war, Eingang zu finden, im Erzgebirge nicht nur Zahlstellen, sondern sogar sehr kräftige Zahl- stellen des Holzarbeiter-Verbandcs existieren, die zurzeit etwa 700 Mitglieder aufweisen. Die Freude an den Fortschritten wird etwas getrübt durch die Tatsache, daß wir heute wieder eine Sonder- organisation zu verzeichnen haben, den sogen. Kniestädtischen Per- band, aber diese trübe Stimmung wird ausgetilgt, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß unsere Fortschritte weit größer sind, als diejenigen des Sondervcrbandcs. Der Vorsitzende S ch m a l b a ch teilt mit, daß 41 Orte mit 7451 Beschäftigten, wovon 2536 im Holzarbeiter-Verband organisiert sind, aus der Konserenz vertreten sind. Ueber den ersten Punkt:„Die allgemeine Lage in der Bürsten- und Pinselindustrie' spricht zunächst D o r n- Nürnberg: Unsere Industrie ist eine von denjenigen, die ihren Ausgang von der Haus- industrie genommen, dann handwerksmäßig betrieben wurden und bei denen sich der fabrikmäßig« Betrieb nur langsam entwickelt hat. Wir bemerken deshalb noch heute an ihr alle die unangenehmen Begleiterscheinungen, die Hausindustrie und handwerksmäßiger Betrieb mit sich bringen. ÄuS diesem Grunde sind auch die Ver- Hältnisse in den Fabriken nicht die besten. Obwohl sich das Groß- kapital der Industrie schon vollständig bemächtigt hat, so existieren doch noch eine große Anzahl kleiner Handwerksmeister und machen viele Arbeiter sich immer wieder selbständig und tragen dadurch dazu bei, daß die Verhältnisse immer ungünstiger werden. Die Selbständigkett. das Wort Meister, hat es vielen angetan, obwohl sie zu Hause ein Dasein führen, daS wesentlich schlechter ist wie das des Fabrikarbeiters. Viele der kleinen Meister sind nur schein- bar selbständig, in vielen Fällen arbeiten sie für den Fabrikanten zu Hause um einen geringeren Lohn, als er in der Fabrik bezahlt wild. In besonders hohem Maße ijt dies bei den Bürstenmocharu
der Fall; viele nehmen ihr Prodult auf den Nucken und suchen es durch Hausieren an den Mann zu bringen. Diese Umstände und die Gleichgültigkeit der Arbeiter und Arbeiterinnen sind die Haupt- Ursachen der schlechten Erwerbsverhältnisse innerhalb unserer Industrie. Die Arbeitszeit ist in einer Reihe von Betrieben noch eine unendlich lange und die Frauenarbeit so umfangreich, wie in keinem anderen Berufe. Wir stehen nicht auf dem Standpunkt, daß die Frau aus dem Produktionsprozeß verdrängt werden soll; aber sie soll nicht zur Lohndrückecin gemacht werden, wie es jetzt der Fall ist. In einer von den Berliner Kollegen aufgestellten Statistik wird festgestellt, daß die Arbeitszeit zwischen 54 und 67 Stunden beträgt. Die kürzeste Arbeitszeit hat ein Betrieb in Erlangen, die längste ein solcher in Wilhelmsdorf. Das sind selbst- verständlich nur die Arbeitszeiten, die kontrolliert werden konnten, da eine größere Anzahl von Kollegen zusammenarbeiten, oder die von Fabrikbetriebcn. Bei den kleinen Meistern und bei den Heim- arbeitern ist sie wesentlich länger und beträgt 85, 85 und noch mehr Stunden pro Woche. Aber auch in vielen Fabriken wird die Arbeits- zeit länger sein als angegeben wurde, weil viele Arbeiter die Arbeitszeit in der Fabrik durch die Mitnahme von Arbeit nach Hause noch verlängern. Das ist hauptsächlich bei flottem Geschäftsgang der Fall. Auch bei Einführung neuer Sorten wird die Heimarbeit sehr gern in Anwendung gebracht. Sind die neuen Sorten zu Hause um billigeren Preis hergestellt, so müssen sie zu demselben Preis auch in der Fabrik angefertigt werden, wenn eine schlechtere Geschäftskonjunktur eintritt. Durch die Heimarbeit wird es er- möglicht, daß jugendliche Arbeiter unter 14 Jahren mit beschäftigt und auch Kinder zur Arbeit herangezogen werden, was besonders auf die Bürsteniiioustrie zutrifft. Auch in hygienischer Beziehung ist die Heimarbeit ungeheuer gefährlich; sie müßte eigentlich gesetzlich verboten werden, da durch die Milzbranderkrankungen ganze Familien in Gefahr gebracht werden können. Besonders vor- herrschend ist die Heimarbeit in der Bürstenindustrie im badischen Schwarzwald, im Erzgebirge usw. Dort ist sie nicht zurück- gegangen, sondern hat sich im Gegenteil großartig entwickelt. Die Ausbeutung der Kinderarbeit wird dabei in intensivster Weise be- trieben. Die Fabrikinspektoren weisen in ihren Berichten aus die Schädlichkeit der Heimarbeit in der Bürsten- und Pinsclindustrie hin, auch Prof. Sommerfeld hat dies auf dem Berliner Heim- orbeiterschutzkongreß getan. Auch die Arbeit in Straf- und Wohl- tätigkeitsanstalten schädigt unsere Industrie auf das schwerste, ebenso die Anstalten, in denen Unfallverletzte und Invalide be- schäftigt werden. Ein Verbot der Zuchthausarbeit wird sich schwerlich erreichen lassen und wir müssen daher danach streben, daß die Arbeitskräfte in den Zuchthäusern nicht billiger als in der freien Industrie zur Verfügung gestellt werden dürfen. Ich bin aber nicht der Meinung, daß man in diesen Fragen mit den Unternehmern Hand in Hand gehen soll, wie es die Kollegen in Berlin tun zu müssen glaubten. Die Heimarbeit und die Arbeit in den Zuchthäusern usw. bleibt selbstverständlich auch nicht ohne Einfluß auf die Löhne in unserem Berufe, die seit einer Reihe von Jahren in keinem Verhältnis zu den hohen Miete- und Lebensmittelpreisen stehen. Die schlechtesten Löhne findet man in der Hausindustrie, wo bei jeder Lohnzahlung Lohnkürzungen erfolgen können, weil da eine gegenseitige Ver- ständigung der Arbeiter ausgeschlossen ist. Die Frage, ob es ein Mittel gibt, unsere Lage zu verbessern, ist mit ja zu beantworten, dieses Mittel ist die Organisation, und gerade die Organisation der Heimarbeiter ist für uns eine unerläßliche Pflicht. Leider wird der Wert der Organisation von vielen Kollegen noch lange nicht eingesehen, ja es wird sogar von einigen versucht, Zwiespalt in unsere Reihen hineinzutragen, wie durch die Gründung des Kniestädtschen Sonderverbandcs. Die Behauptung, daß im Holz- arbeitcr-Verband unsere Interessen nicht vertreten werden, muß als eine Unwahrheit bezeichnet werden. Die Lohnbewegungen, die Ivir durchgeführt haben, hätten wir im Rahmen unserer früheren Organisationsweise nicht durchführen können. Deshalb empfehle ich unermüdliche Tätigkeit für den Deutschen Holzarbciter-Vcrband. Warnen möchte ich davor, den Mitgliedern immer wieder zu sagen, daß es nicht möglich sei, die hohen Beiträge zu zahlen und der Erhebung von Staffelbeiträgen das Wort zu reden. Man soll erst den Kollegen sagen, in welch schlechter Lage sie sich befinden und dahin wirken, daß die Heimarbeiter organisiert werden; gelingt uns das. so werden wir innerhalb des Holzarbeiter-Vcrbandes unsere Lage sehr bald verbessern und uns auf die Stufe stellen können, wie sie andere Berufe bereits einnehmen. /Ins Induftrie und Handel. Weitere Preissteigerungen. Während leitende Personen in Amerika offen auf die gefährliche Praxis der fortgesetzten Preissteigerung für Rohmaterial ansinerksam machen und scharf zur Mäßigung raten, da Ueberpreise der Roh- Materialien sichere Vorläufer rückgängiger Konjunktur seien, werden in Deutschland die Preise nihig weiter in die Höhe getrieben. So ist jetzt der Preis des Schweiß- eisens, als Folge der Preissteigerung für Roheisen, um 10 M. hinaufgesetzt worden, auf 142 M. für Handels-, Schrauben- und Muttereifen und auf 155 M. für Hufstabeisen und Nieteisen. Gleichzeitig ist aber auch wieder der Preis für Luxemburger Roh- eisen erhöht worden und zwar diesmal um 1 M., auf 65 Fr. für das zweite Ouartal 1956. Der Preiserhöhung der Materialien folgt natürlich eine Verteuerung der Produkte und jede Steigerung der Fabrikatspreise wirkt hemmend auf die Kauflust. Die Weiter- verarbeiter, erkennend, daß eine lohnende Erzeugung nicht mehr möglich ist, schränken zum Teil, ehe der Markt weitere Aufnahme der verteuerten Erzeugnisse verweigert, von selbst die Produktion ein. Auf jeden Fall: die Nachfrage und die Erzeugung flaut ab, die Kurve Beschäftigung neigt nach unten. Ucberspannende Rohmaterialien preise und anhaltende gute Konjunktur schließen sich aus. Kapitalverminderung. Der seltene Fall, daß eine Gesellschaft ihr Kapital vermindert, ist jetzt bei der Terrain-Aktiengescllschaft„Flora" zu verzeichnen. Die Generalversammlung beschloß, das Aktien- kapital um 375 505 M. auf 1125055 M. herabzusetzen. Die lieber- lassung von Terrains gestaltete sich für die Gesellschaft ziemlich schwierig. Direktor Schrobsdorf erklärte, trotz der überaus günstigen Lage des Geländes habe er im allgemeinen für die Ter- rains nur Bauunternehmer interessieren können, wobei er in mehreren Fällen aus persönlichen Mitteln Baugelder zu gewähren hatte. Es sei ihm gelungen, die letzten 15—12 Parzellen an Händler abzusetzen, die indessen seines Wissens bereit seien, die Grundstücke zum Einkaufspreise, teilweise auch mit einem kleinen Nachlaß wieder abzugeben. Die Zuckerproduktion der Welt. Die diesjährige Zuckerernte der Welt ist die größte bisher dagewesene, da sie noch um rund 695 050 Tonnen die Rekordernte des JahreS 1951 übersteigt, welche sich ihrerseits auf 11 033 393 Tonnen belief. Im Jahre 1895 betrug die Zuckerproduktion der Welt 7 254126 Tonnen. Für 1955 wird die Ausbeute auf 11 728 550 Tonne» geschätzt; das bedeutet eine Zu- nähme von 3 473 555 Tonnen oder 47 Proz. für einen Zeitraum von 1l Jahren. Obgleich übrigens die Weltausbeiite an Rohrzucker von 2 839 477 Tonnen in 1895 auf 4 913 550 Tonnen in diesem Jahre gestiegen ist, so ist doch das prozentuale Verhältnis der Rohr- zuckerproduktion zur Gesamtausbeute der Welt fast das gleiche ge- blieben, indem es gegenwärtig 42 Proz. beträgt, gegen 45 Proz. in 1895. Voll 1895 bis einschließlich 1899 ist die Rohr- zuckerernte tatsächlich jährlich stationär geblieben und seit- dem ist wiederum jährlich eine gleichfönnige Steigerung im Tonnen- gehalt der JahreScrnten zu verzeichnen gewesen. Es ist vielmehr die enorme, in diesem Jahr auf 6 550 550 Tonnen angewachsene Rübenzuckerernte Europas, welche die Hauptmasse der Weltproduktion ausmacht und nach wilden Schwankungen während der letzte» fünf Jahre, fowohl im Touneugehalt wie in den Preisen, die allmähliche und ständige Zunahme der Rohrzuckcrproduktion überflügelt hat; und sie ist es auch, der der oben erwähnte Wechsel in den ertrag- reichen und ärmeren Jahren zuzuschreiben ist. So ist eS klar, daß der Zuckermarkt der Welt sich in zwei Lager scheidet; auf der einen Seite die dominierende Produktion von europäischem Rübenzucker, welche der ganzen Welt für rohen wie für raffinierten Zucker die Preise vorschreibt und die Grundlage für Spekulationen bietet, die in diesem Jahre zu den unheilvollen Zusammenbrüchen in Frankreich ftihrteu. Auf der anderen Seite die amerikanische Rohrzucker- Produktion. Nachstehend geben wir eine Zusammenstellung, in der für die Jahre 1895—1905 die gesamten Welternten an Rohr- und Rübenzucker getrennt aufgeführt sind: Rübenzuckerernte der Welt Rohrzuckerernte der Welt Tonnen Tonnen 1905..... 6 815 000 4 913 500 1904.... 4 916 622 4 565114 190?...... 6 083103 4 220 393 1902..... 5 756 720 4 163 947 1901..... 7 011 164 4 027 229 1900..... 6 096 859 3 420 779 1899..... 6 607 944 2 831 973 1898..... 5 014 572 2 995 374 1897..... 4 872 173 2 864 253 1896..... 4 954 122 2 864 490 1895..... 4 314 649 2 839473 Außenhandel in Eisen. In den 11 Monaten Januar bis De- zember dieses Jahres beziffert sich Deutschlands Export an Eisen- und Eisenwaren auf 29 856 959 Doppelzentner gegen 25 359 990 Doppelzentner in der Parallelzeit des Vorjahres. Die Einfuhrziffern stellen sich auf 2 953 638 Doppelzentner resp. 3 164 034 Doppelzentner. Getreidestatistik. Der auSlvärtige Handel des deutschen Zoll- gebiets mit Getreide und Mehl zeigt nach den Zusammenstellungen des Statistischen Amts folgende Ziffern, alles in Doppelzentnern: Gesamt-Einfuhr 1. August bis 15. Dezember 1905 1904 1953 Weizen....... 11758 278 8 920 457 9 210 924 Roggen....... 3 356 005 1 696 588 2 580 497 ' afer........ 5 367 475 1 340 940 1 951 982 lerste....... 8 830 977 6 659 463 8 583 228 Mais....... 3 546 838 3 649 122 4 511476 Weizenmehl..... 103 881 92 224 137 857 Roggenmehl..... 8 054 6 329 8 152 Gesamt-AuSfuhr 1. August bis 15. Dezember 1905 1904 1903 Weizen....... 1301918 1 704 770 1 515 488 Roagen....... 705 701 1843 749 1 010 203 Hafer........ 547 438 1005162 616 173 Gerste....... 162 202 259 623 333 430 Mais........ 168 223 195 774 142 787 Weizenmehl..... 316 353 313 813 141 299 Roggenmehl..... 408 969 538 740 383 971 Ein neuer Stahltrust in Amerika. Nach Meldungen aus New Dork beabsichtigt der Stahlkönig Gates mit einem Kapital von 150 Millionen Dollar einen neuen Stahltrust zu gründen, der an- geblich ein Konkurrent des Morganschen Trusts werden soll. Die neue Gründung wurde vorbereitet durch bedeutende Kombinationen zwischen gemischten und anderen Stahlwerken. Schließlich werden die streitenden Unternehmer aber auch wohl zu einer Interessen- gemeinschaft gelangen, und bildet die Konkurrenzgründung die be- schleunigte Fortentwickelung auf dem Wege zu einem geschlossenen Monopol. War daS der Reise Zweck? Das Bankhaus Mendelssohn hat die Plazierung weiterer 50 Millionen Rubel russischer Schatzschrine übernommen, nachdem die russische Regierung für Einlösung der pro Februar fälligen Schatzwechsel eine besondere Garantie übernommen hat. Die Garantie besteht darin, daß durch besonderes Gesetz die Staatsbank verpflichtet wird, die Schatzscheine abzüglich eines Diskontos jeder- zeit in Gold einzulösen. Weiter wird die Regierung durch ein Gesetz zur Ausgabe von 2015 Mill. Rubel Jnlandscheinen ermächtigt. Durch solche Transaktionen werden natürlich die russischen Finanzen nicht aufgebessert und die Kreditfähigkeit ebenso wenig. Es handelt sich um einen Notbehelf, den wohl in der Konferenz, die der kürzlich nach Petersburg entsandte Vertreter des Hauses Mendelssohn mit Witte zusammen ausgeheckt hat. Unterschlagungen. Bei der Niederländischen Gesellschaft für Sicherheitsstellungen und bei der Niederländischen Hypothekenbank sind Unterschleife aufgedeckt worden in Höhe von ca. 2 Millionen Gulden. Man glaubt jedoch nicht, daß die Angelegenheit gerichtlich verfolgt werden wird. Es sind wohl.hohe" Herren in den Handel verwickelt? Aufruf an alle Borstände der Wahlvereine, der GewerkschaftS-Kartelle. der einzelnen Gewerkschaften rc.:c. deS Deutschen Reiches! Die Unterzeichneten wenden sich in ihrem Kampfe gegen die von der Neichsregierung dem deutschen Reichstage vor- gelegten Entwürfe einer Erhöhung des Tabakzolles, der Tabak- steucr sowie einer Zigarettenpapiersteuer an die oben erwähnten Vorstände zc. jc. mit dem Ersuchen, im Interesse der gesainten deutschen Arbeiter diesem Kampfe ihre Unterstützung zu teil werden zu lassen. Sollten diese Vorlagen Gesetz werden, würden nicht nur viele Zchiitanseude von Tabakarbeitern brotlos und mit ihren Familien dem Elend preisgegeben werden, in der Wechsel- Wirkung würde es sich nicht nur um Hunderttausende gc- schädigter Personen handeln, sondern diese Schädigung würde sich auf alle übrigen Industriezweige erstrecken und diese eben- falls in Mitleidenschaft ziehen. Die Unterzeichneten haben in ihrer Flugschrift Nr. I die Bedeutung dieser Gefahren für die ganze Arbeiterschaft klargelegt. Der Kampf gegen diese Schädigung der Arbeiter- klaffe ist daher nicht nur Aufgabe der Tabakarbeiter, sondern alle Arbeiter müssen an diesem Kampfe teilnehmen. Die sozialdemokratische Partei hat bei den früheren Projekten ähnlicher Art(Entwurf zur Einführung des Tabak- Monopols 1882, Einführung einer Tabakfabrikatsteuer 1893 bis 1895) in den ersten Reihen der Kämpfer zur Bekämpfung dieser Projekte gestanden. Wir rechnen auch jetzt darauf, daß alle Arbeiter Schulter an Schulter stehen»Verden, um diese Entwürfe zu Fall zu bringen. An die Parteigenossen im ganzen Reiche wenden wir uns mit der Bitte, uns bei der Bertcilnug dieser Flugschrift unter- stützen zu wollen. Die Versendung erfolgt unsererseits kosten- und portofrei, und würde sich die Verteilung in P r o t e st-, Volks-, Wahlvereins- sowie Gewerkschafts- Versammlungen sehr empfehlen. Schriftliche Bestellungen oben erwähnter Vorstände oder Versammlungsleiter werden unter Angabe der genauen Adresse sowie der gewünschten Anzahl der Exemplare unter der Adresse: Karl Butry, Stralsundcrstr. 41. III, Berlin H. 31, erbeten. Die Zentralkommission der Tabakarbriter Deutschlands. Wilhelm Börner, Vorsitzender. Alle Arbeiterblätter werden um gefl. Abdruck gebeten. Soziales. (Siehe auch 2. Beilage.) Bimdesratliche Verlängerung der Kiiiberarbeit. Das am 1. Januar 1904 in Kraft getretene Reichsgesetz betr. Kinderarbeit in gewerb» lichen Betrieben vom 30. März 1903, ermächtigt im§ 14 den Bundes« rat, für die ersten zwei Jahre nach dem Inkrafttreten des Gesetzes für einzelne Arten solcher Werkstätten, in denen nicht bloß vorübcrgebend durch elementare Kraft bewegte Triebwerke zur Verwendung kommen. Ausnahmen zuzulassen. Diese Ausnahmen sind vom Bundesrat unter dem 17. Dezember 1993 und 11. Juli 1904 veröffentlicht. Sie kommen nach dem Kinderschutzgesetz und nach einer gestern im„Reichs- Anzeiger" veröffentlichten Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 20. Dezember 1905 mir Ablauf des 3». Dezember d. I. in Fortfall. Mithin ist vom 1. Januar 1906 ab die bislang noch bundesratlich genehmigte Beschäftigung der eigenen Kinder mit dem Spulen auch an Maschinen, die bislang für den Regierungsbezirk Düsseldorf in Werkstätten der Bandweberei, für die KreiShaiiptmannschasten Bautzen und Chemnitz sowie für den badischen Kreis Waldshut iu Werkstätten der Band- und Stoffweberei gestattet war, durchweg verboten. Der Z 14 des Kinderschutzgesetzes gestattet ferner dem Bundesrat Ausnahmen von dem Verbot einer Beschäftigung eigener Kinder unter 10 Jahren flir bestimmte Werkstätten ohne Motorbetrieb zu- zulassen. Auf Grund dieser Ermächtigung hatte der Bundesrat unter dem 17. Dezember 1903 und 11. Juli 1904 die Arbeit in bestimmten Werkstätten unter der Bedingung bis zum 31. Dezember 1905 gestattet, daß die beschäftigten Kinder am 1. Januar 1954 das achte Lebensjahr vollendet haben müssen. Der Bundesrat hat, wie seine im„Reichs-Anzeiger" jetzt veröffentlichte Bekanntmachung dom 25. d. M. ergibt, von neuem Ausnahmen von dem Kinderbeschäftigungs-Verbot erlassen. Die neue Bekanntmachung gestattet mckit mehr die Beschäftigung von acht jährigen. wohl aber die Beschäftigung von neun jährigen Kindern in bestimmten Werkstätten. Ein Vergleich des Ver- zeichmsses dieser Werlstätten mit dem zurzeit in Kraft stehenden ergibt, daß der Bundesrat das bestehende Verzeichnis »m eine Nummer vermehrt, im übrigen die Anzahl der Werk- stätten, in denen eigene Kinder unter zehn Jahren beschäftigt werden dürfen, etwas vennindert hat. Die Vermehmng betrifft die Ausdehnung der ge» statteten Arbeit in Werkstätten mit Verfertigung von Spiel- Ivaren und anderen Gegenständen ans Metall(Anfügen von Haken, Anhängseln usw. an fertig gestellten Uhrketten aus Eisen- droht, Anhängen der Ketten an Uhren, Aufnähen der Uhren auf Karton, Einlegen in Kartons) auf die Amtshauptmannschaft Maricnbcrg in Sachsen. In Fortfall soll von den bisher für eigene Kinder gestatteten Arbeiten allgemein kommen: die Silber- und Golddrahtzieherei(die bislang für Mittclfraitken gestattet war), die Häkelei und Stickerei (siir Bayern, Württemberg, beide Rentz und den Regierungsbezirk Potsdam— Besticken und Aufkleben von Haussegen— zurzeit noch gestattet), die Verfertigung vvn Holzstiften sbislang inMerseburg gestattet), die Herstellung von Vogelbauernr be- gründet. Der Perband sei wegen der oben genannten Ziele hm- fichtlich der Verbesserung der Verhältnisse seiner Mitglieder als em Verein anzusehen, der politische Zwecke verfolge. Der Vorstand des Verbandes legte Berufung beim Ober» verwaltungsgericht ein. Sein Vertreter machte m der Verhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht geltend: ES konnte höchstens von cinein sozialen Stteben deS Verbandes die Rede sein, nicht aber von einem polirischen oder sozialpolitischen. Ter Verband wolle ja nur die soziale Lage der Mitglieder vcrbefferil und zwar ohne direkten Einfluß aus die gesetzgebenden Körperichaflcn aus- üben zu wolle». Nur durch Varste llimgen bei den vorgesetzten Be- Hörden wolle man in der Richtung der Ziele ivirken, wobei statistische Tabellen vorgelegt werden sollten u,w. ES seien übrigens nur private Interessen der Mitglieder, die der Verband vertrete, wenn eine Erhöhung des Anfangs- und Endgehaltes und der Be» ivachnilgS- und Bcgleituiigsgebühren sowie, eine Anerkennung der im Verbände organisierten Grenz-, Zoll-, RevisionS- und Steuer- aufsehcr als Subälternbcamte erstrebt werde. � �.. Das Oberverwaltungsgericht verwarf ledoch die Berufung de» VerbairdSvorstandeS, indem es von folgenden Er-
wZgungm ausging: Es sei zugestanden worden, dost der Verband eine Erhöhung des Anfangs- und EndgehalteS und gewisser Gebühren seiner Mitglieder anstrebe, desgleichen die Feststellung eines gewissen Ranges. Diese Ziele aber könnten ohne ein Eingreifen des Staates nicht erreicht werden, da es ohne eine Aenderung der jetzt geltenden Grundsätze der Verwaltung des Staates beziehungsweise der Gesetz- gibung nicht möglich wäre. Somit liege auf jeden Fall ein sozial- politischer Zweck des Vereins(Verbandes) vor und seine Eintragung in das VereinSregister habe mit Recht beanstandet werden können.— Diese Entscheidung legt den Altonaer Beamten die Einsicht nahe, das; ohne eine gründliche Aenderung der gesamten Gesetzgebung an eine dauenide Besserung ihrer sozialen und rechtlichen Lage nicht zu denken sei. Luiigcnheilstätten-Gcschäft. Die geschäftlichen Verhältnisse der hier in Berlin domizilierenden Madeira-Aktiengesellschaft bildeten heute vor dem hiesigen Schöffengericht den Gegenstand längerer Erörterungen. ES handelte sich um eine Privatklage, die der Direktor Ernst Hosmann gegen den Professor Dr. G. P a n n w i tz in Eharlottenburg angestrengt hat. Die Verhandlung wurde durch zwei Stenographen ausgenommen auch ein Vertreter des portugisischen Gesandten wohnte dem Termine bei. Der Privatkläger ist der Direktor der genannten Gesellschaft, welche zum Gegenstände hat, Sanatorien für Lungenkranke und andere Kranke auf Madeira zu erwerben, zu erbauen und zu ver loalten. Vor der Gründung der Aktiengesellschaft war eine so- genannte Vorbereitungsgesellschaft gegründet worden, deren Ge- schäftsführer Herr Prozessor Pannwitz war. Zwischen ihm und dem Privatkläger bestand ein gewisser Antagonismus und schließlich schied Professor Pannwitz auf vorherige Vereinbarung aus dieser Gesellschaft aus. Er hat am 16. Juni an sämtliche Gesellschafter der.Sanatorien auf Madeira" Vorbereitungsgesellschaft m. b. H. ein Schreiben gerichtet und darin Behauptungen aufgestellt, durch die sich der Privatkläger beleidigt fühlt. Pros. Pannwitz weist in diesem an 22 Personen gerichteten Schreiben auf ein früheres Schreiben hin, in welchem er die Gründe seines Rücktritts dargelegt hatte. Er teilt weiter uiit, daß er über Borgeschichte. EntWickelung und derzeitigen Stand der Madeira-Sache weitere Erhebungen insbesondere in Lissabon, Paris und Madeira vorgenommen habe und eine Denkschrift vor- bereite. ES wird dann in dem Schreiben des Angeklagten die Behauptung aufgestellt: M. Con?alves in Funchal Hab- im Sommer 1904 auf Anweisung von Hoftnann 5S00 Pzd. Sterl. für den Ankauf der Quinta Santa Anna gezogen(d. h. etwa 110 VOV M.), während nach notariellem Ausweise nur 21 750000 Reis(zirka 92 000 M. bezahlt worden seien. Der Privatkläger behauptete im gestrigen Termin, daß in dieser Behauptung der Vorwurf einer stattgehavten Veruntreuung liege und diese Behauptung wider besseres Wissen auf gestellt sei, da Professor Pannwitz ganz genau gewußt habe, daß für die Quinta Santa Anna 5500 Pfd. Sterl. gezahlt worden seien, denn er sei zurzeit, als die Zahlung erfolgte, gleichzenig mit Direktor Hofmann in Funchal gewesen.— Professor Paunwitz erklärte dem- gegenüber, daß er den Vorwurf der Veruntreuungen nicht habe erheben wollen, sondern es nur für seine Pflicht gehalten habe, seitdem er gezwungen gewesen, sich zurückzuziehen, so viel wie möglich hineinzuleuchten in die Verhältnisse der Gesellschaft und zweifelhafte Punkte aufzuklären. Er habe um sein Recht gekämpft und— nach den ihm gewordenen Jnfornmti onen— ein Tatsachenmaterial denjenigen Männern unterbreitet, die es zu prüfen das Recht und die Pflicht hatten. Der Angeklagte erkannte heute an, daß in Sachen des An kauss der Quinta Anna nur ein Uinrcchnungsfehler in dem in Funchal am 28. April 1905 aufgenommenen Skotariatsakt vorliege, er behauptete aber, daß er gutgläubig und in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe.— Die Gegenseite bestritt die Gutgläubigkeit und behauptete, daß Professor Pannwitz aus Haß und Wut darüber, daß er aus einer einträglichen Stellung habe scheiden müssen, gehandelt habe. Dies ivurde vom Angeklagten entschieden bestritten. Zur Anklage stehen ferner zwei deleidigeude Aeutzerungen, die Professor Paniuvitz mündlich über den Privatkläger gemacht haben soll und zwar einer- seit? gegenüber den Direktoren des Kohlendepots in AsichauS. Herren O. Goddefroy und R. Loesener und dem Prokuristen deS Deutschen Kohlendepots, Kaufmann Lübsen in Hamburg, anderseits gegenüber mehreren Herren in der Sitzung des Zentralkomitees eines Vereins. lieber alle diese Punkte kam eS zu lebhaften Auseinander Ktzungen zwischen den sich gegenüberstehenden Parteien. Der Zweck der heutigen Verhandlung war im wesentlichen, den Umfang der notwendigen Beweisaufnahme festzustellen. Nachdem eine Reihe von Personen, die als Zeugen in Frage kommen, namhaft gemacht ivorden waren, vertagte der Vorsitzende, Gerichtsassessor Wittke, die Verhandlung und gab den Parteien eine Frist von einem Monat zur Angabe etwa weiter notwendigen Beweismaterials. Gemeine Erpresser. Wie leicht jemand gemeingesährlichen Erpressern in die Hände fallen kann, zeigte eine Verhandlung, welche gestern vor der zehnten Strafkammer des Landgerichts I stattfand. Wegen versuchter und vollendeter Erpressung waren die Kellner Friedrich L i d d e und Paul S ch e w e angeklagt. Beide Angeklagte sind vielfach wegen BcttelnS, Landstreichens und Diebstahls sowie auch wegen Erpressung vorbestraft, unter anderem mit Zuchthaus. — Im Sommer dieses Jahres saß ein Kaufmann Sk. in einem Restaurant am Potsdamer Platz. Er geriet mit den beiden Angeklagten, die damals einen sehr eleganten Eindruck machten, in ein Gespräch. Hierbei mutzten die Angeklagten wohl Kenntnis erhalten haben, daß N. über große Geldmittel verfüge. S,e folgten ihm später unauffällig und ermittelten so Namen und Wohnung. Einige Tage später war N. aufs höchste erschreckt, als er von Schewe, der sich Schäfer nannte, einen Brief bekam, in dem dieser um eine größere Suinme Geldes„bat", anderenfalls er ihn öffentlich bloßstellen würde. Da N. eine größere Reise vor sich hatte und in seiner Abwesenheit Unannehmlichkeiten in seiner Familie be- fürchtete, übersandte er den Erpressern 20 M. Nunmehr verlangten diese 600 M. unter allen möglichen Drohungen. Herr N. übergab den Brief der Kriminalpolizei. Der Kriminalwachtmeister Tietze bestellte die Erpresser zu einem Rendezvous nach dem Potsdamer Platz, wo sie festgenommen wurden. Staatsanwalt Lehmann be- antragte mit Rücksicht auf die Gcmeingefährlichkeit derartiger Er- Pressungen gegen Lidde drei Jahre, gegen Schewe sechs Jahre Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte gegen S ch e Iv e auf vier Jahre, gegen Lidde auf zwei Jahre Gefäng- nis sowie auf je fünf Jahre Ehrverlust. Versammlungen. Die Rabitzspaimer vom Zentralvcrband der Maurer hörten in einer auch von Frauen besuchten Versammlung einen Vortrag des Herrn Engelbert 5t rast über:„Glaube, Aberglaube, Sitten ».»d Gebräuche im Lichte der Äultufgeschichte". Unter„Verschiedenes" nahm dann B a u m a n n das Wort und warf die Frage auf: Welche Stellung nimmt die Versammlung ein zu dem Artikel in Nr. 15 des„Correspondenzblatt" über den„Vorwärts"-Konflikl? Redner sprach sich dahin aus, daß sich das„Correspondenz- blatt" um Angelegenheiten, die außerhalb des Rahmens der Gewerkschaftsobliegenheiten sich befinden, nicht zu bekümmern brauche. Im Laufe der sich nun entspinnenden Debatte brachte G. Schulz eine Resolution ein, die gegen zwei Stimmen angenommen wurde. Die Resolution lautet:„Die Ansichten über die„Vorwärts"- angelcgenheit, die das„Correspondenzblatt" der Generalkom- Mission in Nummer 15 entwickelt, werden von der Versammlung als eine Beleidigung derjenigen Personen auf- gefaßt, die ehrlich Vertrauensposten innerhalb der Partei- und Gewerkschaftsorganisationen ausfüllen. Die Ausführungen werden auch weiterhin aufgefaßt, als nicht vereinbar mit den sozialsslischen An- schauungen über Vertrauensstellungen innerhalb der Organisationen. Die Rabitzspanner weisen daher diesen Artikel, der nur eigennützigen Interessen das Wort redet, mit Entschiedenheit von sich." Vermisckres. I»W K» Ein freiherrlicher Theaterconp im„Hannov. Tageblatt". Für daS Hannoversche Hoflheater ist kürzlich ein Fräulein von H a m m e r st e i n als Altistin engagiert. Das„Hannov. Tageblatt" brachte nun dieser Tage folgende Notiz: „Aus der Theaterwelt. Wir werden um die Mit- teilung ersucht, daß die neu engagierte Altistin unseres Königlichen Theaters nicht der hiesigen Freiherrlich von Hammersteinschen Familie angehört." Die„Freiherrlich von Hammersteinsche Familie" will also mit „einer vom Theater" nichts zu tun haben und beeilt sich, in gc- schmackvollcr Weise dies aller Welt öffentlich bekannt zu geben. Merkwürdig, sie ist ja auf einmal sehr empfindlich. Anläßlich der Entlarvung deS großen politischen Schwindlers und Zucht- Häuslers Freiherrn von Ha mm er st ein von der „Kreuzzeitung" haben wir, so schreibt unser Hannoversches Parteiblatt, ein derartiges, in diesem Falle berechtigtes Abrücken vermißt. Es gibt in Hannover einen Pastor von Hammer- stein. Wir wissen nicht, ob dieser der„Freiherrlich von Hammersteinschen Familie angehört", wir bezweifeln das aber, da er sonst sicher dieses un christliche Abrücken verhindert haben würde, das stark nach dem Pharisäer schmeckt:„Herr, ich danke dir, daß ich nicht bin wie jener". Ganz abgesehen davon, daß der Beruf einer Thcatersängeriu mindestens ebenso anständig und ein ebenso ehrliches Geschäft ist als das Gewerbe eines Pastors. Und ihren Abscheu gegen jeden ehrlichen Beruf hat die„Freiherrlich v. Hammersteinsche Faniilie" doch nicht ausdrücken wollen, sondern lediglich„eine vom Theater" von sich abschütteln, was wir hier gebührend festnageln wollen. In seiner SonntagS-Nummer bringt übrigens das„Tageblatt" die Antwort des Frl. v. H a m m e r st e i n. bei der dem Ehrenretter der„Freiherrlich v. Hammersteinschen Familie" sicher die Ohren gedröhnt haben: „Zur Ergänzung einer kürzlich an dieser Stelle gebrachten Notiz werden wir um die Mitteilung ersucht, daß die neu engagierte Altistin unseres Königlichen Theaters weder hier am Orte Verwandte ihres Namens hat, noch mit dem vor mehreren Jahren in Berlin wegen Meineids zu längerer Zuchthausstrafe verurteilten Freiherrn v. Hammerstein in irgend welcher verwandt- schaftlichen Beziehung steht." Das sitzt I Dem Verdienste seine Krone. Die frühere Kronprinzessin von Sachsen hat kürzlich der Münchener Polizei heiß gemacht. DaS „N. Wiener Tageblatt" weiß darüber zu berichten: „Die Gräfin Montignoso hatte sich zu Besuch bei ihren Eltern am Bodensee angesagt, traf auch dort ein, aber ihr Hauptzweck war, ihren auf der Jagd weilenden ehemaligen Gatten. König Friedrich August, zu sehen,»hu. wenn er auf der Heimkehr bayerischen Boden betrete, auf emer bestimmten Station zu erwarten, zu überraschen und anzusprechen. Ihre jähe Abreise von Lindau aber weckte Verdacht, und die großherzoglich toSkanische Familie ist es gewesen, die diese Mutmaßungen in Dresden mitteilte. So war denn, als sie nach München kam, mn hier die Prinzessin Therese, eine ehemalige intime Freundin, zu sprechen, bereits alles gerüstet und vorbereitet. So war auch in München ein Heer von Detektivs aufgeboten, um jede Annäherung der Gräfin an die Prinzessin hintanzuhalten. Doch trotzdem wäre der in taktischen Schachzügen und in Minen und Gegenminen allmählich so wohl- bewanderten Frau ihr Vorhaben geglückt. Es gelang ihr, die Prinzessin zu erspähen, ihr entgegenzuschreiten, und eine Begegnung wäre unvermeidlich geworden, hätte die Prinzessin die ihr raschen Schrittes entgegengehende Gräfin nicht erkannt und eilig ihren Wagen bestiegen, um davonzufahren. Auf den Wink der olizei, der nun selbstverständlich erfolgte, und zugleich, wie man erzählt, auf Drängen der toSkanischen Familie, verließ die Gräfin, nachdem König Friedrich August gewarnt, einen anderen Weg zur Rückreise gewählt hatte, Bayern, ohne ihren Zweck, den Gatten zu sehen und zu sprechen, erreicht zu haben. Die seither aus Italien von polizeilicher Seite kommenden vertraulichen Bulletins schildern den Zustand der Gräfin als einen übererregten. Je näher daS Wcihnachtsfest heranrückte, desto deutlicher habe sich ihre Nieder- geschlagenheit und desto nervöser auch ihre Sehnsucht nach de» Kindern geäußert." Daß die Polizei diese ihre großen Heldentaten bis jetzt so be- scheiden verschwiegen hat, schreibt die„Müuchener Post", ist eine zwar ungewohnte, aber desto erfreulichere Erscheinung bei dieser so unsagbar nützlichen Körperschaft. Gute Taten finden in diesem sehr christlichen Jahrhundert aber immer ihre Belohnung. Und darum ist auch in Anbetracht der neuen Verdienste um den unbefleckten Monarchismus der Chef aller Tapferen, die den gefährlichen Feind rechtzeitig erkannt und seine Anschläge klug vereitelt haben, zun» Regierungspräsidenten von Oberbayern befördert worden. Hätte man das gleich mitgeteilt, würden wir keinen Augenblick die unbedingte Notwendigkeit dieser Beförderung bezweifelt haben. Ein schwerer Schiffbruch. Die Bark„Paß of Mclfort" ist an der Küste der Vancouver-Jnsel(Britisch- Kolmnbia) untergegangen. 29 Personen, meistens Ausländer, welche nach Panama reisen wollten, sind dabei ums Leben gekommen. Amerikanische Straßenräuber. Ein unerhört frecher Straßenraub ereignete sich gestern früh in den ersten Morgenstunden in der Ashland Avenue in Chicago. Sechs Männer überfielen einen dicht mit Fahr- gäste» besetzten Straßenbahnwagen, zwangen den Wagenführer zu halten und plünderten mit vorgehaltener Pistole die Fahrgäste aus, denen sie alles Geld und sämtliche Wertsachen wegnahmen. Einige der Beraubten, die Widerstand leisteten, wurden miß- handelt. Im Innern des Wagens herrschte eine wilde Panik. Die Frauen schrien vor Furcht laut auf, und mehrere von ihnen fielen in Ohnmacht. Der Wagenführer kämpfte verzweifelt gegen die Räuber, die auf die Vorderplattform eingedrungen waren, und drehte dabei das elektrische Licht ab, so daß im Wagen Dunkelheit herrichte. Unter dem Schutze der Dunkelheit gelang eS einein der Fahrgäste, zu entschlüpfen und die Polizei zu benachrichtigen. Eine größere Abteilung Schutzleute wurde sofort in einem Eilwagen an den Schauplatz entsandt. Sie überwältigten die Räuber und nahmen sie sämtlich gefangen._ eingegangene Druehfehnften. „Kommunale Praxis", Wochenschrift für Kommunal- Politik und Geincindesozialksmus. Herausgeber Dr. Albert Südckiim. Berlin W. 15, Düsseldorfcrstr. 10. „Die Neue Gesellschaft", Sozialistische Wochcnschrist. HestZS. Herausgeber: Dr. Heinrich Braun und Lila Braun. Verlag: Berlin W. 15. Preis für das Einzclhest 10 Ps. pro Monat 40 Ps., pro Vierteljahr 1,20 M. Plntus. Kritische Wochcnschrist sür VolkSwirlschast und Finanzwesen (Herausgeber: Georg Bernhard). Probehefte gratis in jeder Buchhandlung und vom Verlag, Berlin-Charlottenburg, Goelhestr. 69. Henriette Nolnud-Holft;„Generalstreik und Sozialdemokratie". Mit einem Vorivort von Karl Kautsky. Zweite revidierte und er- w e i t c r t e Auslage. 232 Seiten groß Oktav. Preis 1,50 M. Verlag von Kaden u. Comp., Dresden. Richard Ealwcr, Das Wirtschastsjahr 1904. Erster Tell. Handel und Wandel in Deutschland. 296 Seiten. Verlag: G. Fischer, Jena. Mitteilungen des„Pereins zur Wahrung der gemeinsamen Wirt- schastlichen Interessen tn Rheinland und Westsalcn", Hest 5. Herausgeber Dr. W. Bcumcr, Selbstverlag, Düsseldorf. C. Scholl und 6!. Rost. ES werde Licht! Jährlich 12 Heste. Monnemcnt halbjährlich 2 M.— Einzelheit 40 Ps. Verlag O. Th. Scholl, München. Peter Krapotkin:„Der Anarchismus in Rußland." 16 Seiten. Preis 10 Pf. Freier Arbeitcr-Verlag(R. Oestrcich). Berlin. Naunhnstr. 73. Post-, Telegraphen- und Telephon-.Tarif-Fix". Zweite vcrbejserl« Auslage. Preis 25 Ps. F. Hast'S Verlag, Jena. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthalleit-Direktion. Rindfleisch la 64—68 pr. 100 Pjund, IIa 56—64, lila 50-55, IVa 40-48. Kalbfleisch la 85-93, Ua 73-84, ITTa 60-70, Hammelfleisch la 65—75, IIa 54—64. Schweinefleisch 70—76. Rotwild Pfund 50—53 Ps. Hasen Stück 3.60—4.00, Nüttel 2,50—3,20. Kaninchen Stück 0,80— l. 00. Hü Huer pro Stück, alte 1.40—1.75, junge Ta 0,80—1,20, do. IIa 0,00—0,00. Tauben, junge 0,60—0,68, alte 0,45—0,50. Enten junge 1,75—2,50. Gänse pro stück la 3.80—1,20, IIa.3.00—3,50, pro Pfd. la 0,65-0,70, Na 0,58-0,63. Sch-llsische 28 M., Flunder 00—00 M. pro 100 Pfd. Hechte 91—103 M.. Schleie, unsortiert 00,00 M. Aale, groß 0.00, mittel 0,00, klein 0,00, PlöhcnöO— 53 M., Karpsen uns. 70— 73 M., Lachs 0,00. Schottische Vollheringe(gesalzen) 36—38 M Eier, Schock 5,00. Butter pro 100 Psund la 121—123, IIa 116-120. lila 112—116, 95—110. Startoff ein pr. 100 Psd. rote 2,00—2,20, Rosen blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl 6,00—10,00, Weißkohl 6,00—8,00. Rotkohl 4,00—8,00, Holl. Saure Gurten, Schock 2,00 M., Pfeffergurken 2,00 M. abfallende 0,00-0,00, pr. Schock 12-17 M. WttteruugSübersickit vom 28. Dezember lSOS. morgen» 8 Uhe. Stationen Swlnembe. L S S 2 3 S s« Weiler 757128 757 OSO 758 WNW Jetlin_______ Franks, a. 28. 1759 Still München 761 Still Wien 1760 Still e> llDunst 2 Nebel 2 Nebel -Nebel -heiter — bedeckt i»»e,rrr-vr«>g»o,r Tue Freitag, ven XV. XCjemilcr INN». Ein wenig wärmer, vorwiegend trübe und nebelig mit geringen Riede schlagen und schwachen südlichen Winden. Berliner W e 1 1 e r b» r e a». Für den J»l,al, der J»,era»r überuimnit die Ncdaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berannvortuiig. 'Cbeater. Freitag, 29. Dezember. Ansang 7'/, Uhr: Opernhans. Der Freischütz. Schausplelliaiis. Der Damenkrieg. Tie Diciistboten.. Deutsches. Das Käthchcn von Hcilbronn. Neues. Ein SommcrnachlStraum. Wcsicn. Nachmittags 3 Uhr: Undine. SlbendS: Das Schützcnllescl. Berliner. EdlcS Bült. Lessiug. Die Wildente. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner.Theater.) HanS. Schiller K.(Friedrich Wilhelm. ttädlilcheS Theater). GhgeS und sein Ring. Kleines. Stilpe-Komödicn. Komische Oper. HosimannZ Erzählungen. Residenz. Der Prinzgemahl. Driauon. Die herbe Frucht. Luftipielhaus. Der Weg zur Hölle. Dhalia. Bis sruh um Fünft I Carl TSeiss. Die lebende Brücke aus Kuba. Uhr Die Zentral. Nachmittags 1 Prinzeßchen Goldtraut. SlbendS: Der Vogcthändler. Luisen. Der Störenstted. Dienstboten. Deutsch-AmerikanischeS. Er und Ich. Metropol. Auf ins Mctropol. Kasino. DaS Opscrlamin. Apollo. Prinzeß Rosine. Speziall- täten. Herrnfcld. Familientag im Hause Prellstein. Walhalla. Nach Asrika, nach Ka- mcrun. Wintergarten. Eugenle Fougöre. — Spezialitäten. FolieS Capriees. Soll und Haben. Nack dem Zapfenstreich. Reichouallen. Stcltiner Sänger. Passage. Spezialitüten. Urania. Tanveiisirnste 18/1». Nachmittags 4 Uhr: Ticrlcben in der Wildnis. Abends 8 Uhr: Am Gois von Neapel. Sternwarte. Jnvalidenstr. 157/62. Täglich geöffnet von 7 bis 1 Uhr. Berliner Theater. Ansang"i'h llhr. SMles Blnt. Sonnabend: Edles Blut. Sonntag: Pension Schüller. Montag nachm. 3 Uhr: Pension Schüller. Abds. T/, Uhr: E(Hm Blut. £>c Ii liier- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Htm«. Drama In 3 Slusz. von Max Dreyer. Sonnabend, abends 8 Uhr: H»n». Sonntag, nachm. 3 Uhr: Sfora. Sonntag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Zwei Theater. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Freitag, abends 8 Uhr: üfysc» and sein Ring/. Eine Tragödie in 5 Akten von Friedrich Hebbel. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Traum ein I-cbon. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Helms'fanden. Sonntag, abends 8 Uhr: Flachamann aln Erzieher. Neues Theater. Ansang 7'/, Uhr. Lin Scmmemachtstram Somiabend zum 1. Male: Liebesleute. Sonntag, Montag: LiebeSleute. Kleines Theater. Anfang 8 Uhr. Zwei Stilpe-Komiüljen. Sonnabend: Z.vei Stilpe-Komädien. Zentral-Theater (Operette.) 4 Uhr: Prinzestcheii Goldtraudt. Abends 8 Uhr: Ter Vogelhändler. Luisen-Thealer. Ansang 8 Uhr. Der Störenfried. Die Dienstboten. Sonnabend zum erstenmal: DaS Gefängnis. Sonntag nachm.: Sneewittchen. Abends: DaS Gesängnis. Montag nachm: Der neue Herr. AbendS: DcrKausman» von Venedig. Urania L.'«Al Im Theater 8 Uhx: Am Golf von Neapel. Nachmittags 4 Uhr; Tierieben in der Wildnis. Sternwarte lnvalldon ' Str. 57/62. Helropol-Thealer Anfang 8 Uhr. •» Trianon-Theater. Heute und folgende Tage: Die herbe Frucht. Ansang 8 Uhr. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das End« der Liebe. Grolle Jahrosrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildorn v. Jul. Freund. Mnsik von Viktor Hollaender. Kauchon in all. lläumen gostattot. Fröbels Allerlei-Tiiealer Schönhauser Allee Rr. 118. Sonntag, 3l. Dezember: lZteBe Silvester- Vorstellung. " Humorist. Spielsolge. JnBol and Trsibcl Großer Silvester-Tanz._ Ansang 6 Uhr. Eintritt 40 Pf. Montag, 1. Januar: lVenJatartifcflt-l'orstcIlans. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Zum 40. Molo; Die neueste und größte Sehenswürdigkeit Berlins! ♦ Indien. � Orig.- Pantomime des Zirkus Busch in 8 Bildern. Besonders hervorzuheben: DM- Eine Tigcrjagd In den Dschungeln Indiens. Ferner: Eine Witwenverbrennung. Außerdem: Elefanten-Kämpfe. Sonsatlonoll! Sensationell I Mr. Rorlon Smüli, Amerikas berühmt. Pferdebändiger, und d. vorziigl. Programmmim. Carl Weiß-Theater. Gr. Frankjurlcrstr. 132. Die lebende Brürke auf Kuba. Sensationelles amcrik. AuSstaitnngS- stück mit Ges. u. Ballett in 7 Bildern von James Fax. Ans. 8 Uhr. Morgen: Dies. Vorstell. Sonnabend 4 Uhr: Klein Däumüng. Sonnabend abend 8 Uhr: Oeborah. Felix Scheuer StisImltntr.L
Zirkus ilbert Schumann Heute Freitag, den 23. d. SDt., abends präzise 71/, Uhr: Extra-Gala-Vorstcll. Elite-Programm. Zum Schluß zum 8. Male: Pemlna, das neue Trauenreieh. GreBe Auestattungs- Pantomime in 7 Abteilungen. Entlvorsen und aus das glSlizendstc inszeniert von Dir. Albert Sebumann. 1. Bild: Ein Polterabend. 2. Bild: Oa« Meeting der Frauen. 3. Bild: Hie Hauptstadt Emanzlpatoria. Im Palast der Präsidentin. 4. Bild: Im Coiffeurladen. 5. Bild: Das Sportfest der Damen. 6. Bild: Waffen und Liebe. 7. Bild: Die eroberte Festung. — Amors Triumph. Avis! Sonntag, den 31. b. M., und Montag, den 1. Januar 190«: Je zwei grofte Gala-Vorstellunae». Nachm. 3'/, Uhr u. abend» TL Uhr. Nachmittags ein Kind frei! I Pastans Ii f anoptikum Frledrlchatr. 165. Ohne 8xtra-8ntree. llcnte und folgende Tage; Xuta ernten Male in den Räumen der I. Etage: 65 Eingeborene Männer, Weiber und Kinder. Eintritt 50 Pf. Passage-leater. Anfang naohm. 5 Uhr, abends 8 Uhr. Buddhas Tafel (die Schrift aus dem Jenseits). La Vampa, aghpt. Tänze. PaijttarettB,-franz. ejctnwc. 14 erstklassige Nummer«. Vslhslliilhestei' Täglich: Nach Afrika nach Kamerun! AuSst-Posse mit Ges. U.Tanz in«Bild. Ans. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Folies Caprice. Budapester Kossen-Theater 132 Linienstr. 132, Ecke Friedrichstr. Zum 102. Male: Wach dem Kapfcnistrelch. Vorher: Soll und Haben U. d. ausgezeichnet« Spezialitätenteil. Anfang 8 Uhr. Vorverf. tägl. b. Wertheim u. an der Thcatertasse v. 10 Uhr vormittag» an. V.«oseks Ikesler. Direktion: Rod. Dill. Bruniienstr. IS. Die drei Tränen oder: Das Märehen vorn König Allgold. Drnnmt. Märchen m. Ges. V. R. Kneisel. Änsang 8 Uhr. Entree SV Ps. Margen: Robert und Bertram. Sonntag: Grosse Tilvesterfeier. Residenz-Tlieater. Direktion: Richard HUxander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwant in 3 Akten von L. Zkanros und I. Chancel. Sonntag, den 3t. Dezember, nachm. 3 Uhr: Der Schlafwagenkontrolleur. Komische Oper. Friedrichstr. 101/ 104 a. Freitag, den 23. Dez., abends 8 Uhr: iloffmaiins Erzählungen. Sonnabend: Haffmanns Erzählungen. Sonntag: Die Bohöme.(Ans. 7 Uhr.) Montag und Erzählungen. Dienstag: Hoffmanns Beutzeh-Maittz Theater. Köpenickerstr. 67/63. Jeü. Abd. 8 Uhr: agf Oas'snlet Ari. Philinn"VS ER«nd|CH l0ÄÄ£)iiae6a.3lliif: „llleber n groBen Teich'*. LustspieBhaus. Abend» 8 Uhr: Ter Weg znr HSIte 3'L Uhr: To« böse Pri» 10'/. Uhr: Titglich: lv'/. Uhr! »Ii» die Quelle japanischer Kraft I DaS Ideal der Silbstverteidigung! Xatsuhums Xigsshi Jnslruktor Sr. Mal. des Kaisers von Japan, des Präsidenten Roosevclt. lliiru»hl anerkannt unbesiegbar im Jiu-Jitsu-Ringe», Meister der SclbstverteldigungSIehre Jiu-Jttsn. Vorher: Prinzes, Rosine und Spezialitäten. KssBno-'rkeater Lolhringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noch einige Tage: Das Opferlamm und daS brillante Programm. Sonntag 4 Uhr: Ein Sohn des Volkes. Montag 4 Uhr: Arbeit sohändet nicht. H Gebrüder errnfeld- Theater. Familientag im Hause Prellstein. Komödie in 3 Akten mit den Autoren Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ansang 8 Uhr. Vorverf. 11—2 Uhr. Voranzeige. Sonntag, den 31. Dezember: lsttrFvstvr. Nach der Vorstellimg: Gemütliches Beisammeusem. Silvester-Konzert. Grub a» das neue Jahr 1306 sowie G>atulatio»s-Cour mit Punsch- uno Psannluchen- Polonäse. Bollo-Allianoo! Tlieatcr.Tarlvi mu /, uun x*.„1 2 Liter tPunfcl-CxtraKt. f� Original-Flasche Noa�s Punech-Extrakt-Basw gibt mit■/, ober 1 Liter Weingeist und Zucker nach belgegebener Vorrätig mit Ananas-, Gitranen-, Erdbeer-, Glühwein-, Grog-, Himbeer-, Kaiser-, Orangen-, Schlummer-, Schwediech-, Vanille-Aroma k Flasche 75 Psg. Düsseldorfer Punsch k Flasche 90 Psg. Mit Burgunder-, Eier-, Milch-, Nektar-, Royal-, Sherry-, Tee-, Victoria-Punsch-Aroma k Flasche Mk. 1,—. 1 Teil dieses Punsch. ExlralteS mit t4t /• fjf«« irinbfrrftitoti wohlbckömmlichen Punsch von höchster 2 Teilen heltzem Wasser vermischt ergibt kll. 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Sonnt., Moni., Donnerst.: HofTmanna Norddeutsche Sanger und Tanzkränzchen. Morgen: Extravoretellung. Die Kunst, zu gefallen. Nachher: Tanzkränzchen. Nächsten Sonntag: Silvester- Ulk-Verstellung und Silvester-Ball. Reichshalien. Stettiner Sanger Am 31. Dezember 1905; Sllve.ter-Clk Soiree m. Tanzkränzchen 2 Iä Reicbsballeo-Restaurant: Große. Ililltßr-Konsert Königshof, SS Heute sowie jeden Freitag: ftitz Steidl- Sänger, yfc. Zum Schluß: llufer'm Weihuaohtsbzum! Anfang 8'l4 Uhr. Tntrce 30 Pf. Sperrsitz 50 Pf. Gustai Behrens Spezialüäieo- Theater Frankfurter- Allee 85. irV Taö grostartige m Weihnachts-frogramni. Ansang abend» 7 Uhr. Kieker! Vom 1. Januar 1906 an tritt für die Kleber eine neue Kontrollkarte(grau) in Kraft. Jeder zu tarifmäßigen Preisen arbeitende Kleber mutz im Besitze einer solchen Karte sein und mutz sich im ersten Felde derselben eine rote Marke befinden. Gleichzeitig werden die alten Karten eingezogen. Die Karten werde,: verabfolgt Sonntag, den 31. Dezember, vor. mittags 9—13 Uhr. in folgenden Lokalen: Krüger, Lychenerstratze 8; Stephan, Wicnerstr. 31; Pade, Knnkelslr. 6; Merker, Bergstr. 10; Pankow, Perlebergerstr. 32; Riekert, Steinmetzstr. 35; KluB, Fruchtstr. 34; Ralk, Charlottenburg, Peslalozzistr. 82, Ouergcb. 1 Tr., sowie täglich von 8 bis 10 Uhr im Nachweis Rückerstr. 9._ 193/15 #****** Palast-Theater Burgstr. 24, 2 Min. v. Bb. Börse. Täglich« Uhr. Entree 59 Pf. Das einzig dastehende Weihnachts-Prosramin u. a.: Die 3 Härders Berliner Hochtnrner und 14 erstklassige Nummer». Familieniarten in allen Barbier-, Fnsier» und Zigarrengeschüstcn sowie Im Theaterburcau unentgeltlich zu haben. Sonntag, 3t. Dezember>905: Große Silvester-Feier. Zum 1. Male: Novität: Paulas Beichte. BurlcSte von W. Gericke. in Horitaplut.. Täglich den unteren Sälen Gottschalk-Konzert. SchOneberger Wintergarten Goltz, lratze 9. Täglich Theater- und Speziali, tätendorftelluug. Sonntags 2 Vorstellungen. Rachmittag« 4 Uhr zu halben Preisen. Jede erwachsene Person bat ein Kind srei.— Abend» 7'/, Uhr Grotzc Gala- Vorstellung. Die Direktion. Otto Piitzkows Berliner Ibnorniitäten-Tbeater Blincatr. 16. Riesen-Weibnacbts- Programm! Neu! Die Eiite-Liliputaner-Truppe, die kleinsten Sängerinnen u. Bor» tragStünsller der Welt. Riesin Ilona, 485 Pfd. schwer. Opulle, der Mensch ohne GesühL Mne! Mno! Mniel frei in der Lust schwebende Türkin. Hellseherin Armida, wahrsagende Wunderdame. Pluto,, Wunderhahn, geb. mit 4 Beinen,, 2 Körpern, 1 Kops, lebend. 2C, i Gwwwwwwwvrwwwwww»' Variete Elysium Kommandantenstraße 3/4. Täglich: Auftreten von 36 erstklassigen iFiternaiionalen Spezialitäten 1 erziehen? Bon J. Borchardt prei« SO Pfennig lü Der CSerfaffet geh« von dem«edanken aus, daß da» Prügeln In de» Schule ,u verwerfen sei, daß aber auch das Prügeln der Kinder Im fiauft für dt« körperliche und geistige Snlwickelung ve« fktndes verderblich ist.«r gibt«telf-che An- regungen, wie die Eltern ihre Kinder ohne Prügel erziehen können. 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Lebensjahre. 14053 Dies zeigen tiesbetrübt mit der Bitte um stille» Beileid an Aagfast Jfefzenthln und Söhne. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 30. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle de» Reuen Jakobi- Kirchhofes, Rixdors, Hermann- slratze, auS statt. Dentseblands. Filiale Berlin. Am 22. d. MtS. verstarb unser langjähriges Mitglied Paul Neumann Luckenwalde. Wir werden ihm stet« ein ehrendes Slndenken bewahren! 100/16 Die Filialverwaltuag. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Ranne» und Baters, deS Restaurateur» Karl knacke sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie den Mitgliedern deS Zentralverbandes der Tapeziere:, Zahlstelle Berlin, dem«ozial- demokratischen Wahlverein de» sechsten Berliner Kreises unseren innigsten Dank. 55332 Frau Rade nebst Sohn. Dr. Sltiunel, Prinzen Sir. 41. eztalarzt für 29/14* id Harnleiden. Epe llant- an« 10—2, 5—7. Sonntag» 10—12, 2—4 Radfahrer-Verein'4 Mitglied de« Arbeiter« Radsahrer-Bundes »Solidarität*. Tonntag, den 31. Dezember, im Moabiter GesellschastshauS: Gr. SUvesterfeler. Sonntag früh'/,19 Uhr im Lokale AndreaSstrabe Nr. 21: Aaßerordeatllelze General-Versammlung. Sonntag, den 31. Dezember, findet der Generaloersammlung u. Silvester- seier wegen keine Tour statt. Montag, den 1. Januar: Nach Pankow, Berlinerstr. 102. Start: Oderdergerstr. 30, Genolienschatt, Silvester-Karpfen zu den billigst. Markthallei, preisen Fischhandlung. MendelSsohnstr. 1. Kein noiscniueter- Schwindel. Stola Muffen etc. etc. lur eig. Fabrikat. Großo Auswahl, gedieg. reelle Ausf. bestes Material. Kein Zwischenhändler, daher Fabrikpreise. Kaiman, Drcsdenerstr. 75 vom II.• 2.Hausv.Thali«-Th. Verk. auch Sonnt, u, Wochent. b. 9U. ab. Bleichsucht Blutarmut. Nervenschwäche. Blut» stockiuiqeu usw. beseitigt voütonunen MLire�LNpulver Reichlich blutbildend, fchwach«««wen stärkend». enorm Üldpeti« anregend. 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Nr. 303. 22. Jahrgang. 2. MW!>«.Awiirts" Kcrlim ÄIKsdIM Freitag, 29. Dezember 1903. Der 8. Derbandstag des Derbandes der verehugten Dachdecker und veruiandteu Dernfsgenoffen Deutschlands ist am Mittwoch, den 27. Dezember, in Braunschweiy eröffnet. Anwesend sind 23 Delegierte, sowie von der Zentralleitung der Vorfitzende Georg D i e h l und der Kassierer Jakob Diel- Frank- fürt a. M., der Vertreter des Ausschusses und der Pretzkomimssion sowie der Redakteur des Fachorgans und Genosse S i l b e r s ch m i dt als Vertreter der Generalkommission der Gewerkschaften Deutsch- lands. Aus dem Bericht der Zentralleitung ist zu entnehmen, daff sich der Verband seit dem letzten Verbandstage vor zwei Jahren in Bezug auf die Zahl der Mitglieder, auf den Stand der Finanzen und auf die Agitation günstig entwickelt hat. Die Mitgliedcrzahl ist von 3375 im Jahre 1S03 auf 5380 bis zum Jahre 1005 gestiegen. Die Einnahmen stiegen von 57 056,98 M. in den Jahren 1002 und 1003 aus 73 685,83 M. in den beiden letzten Jahren. Vor zwei Jahren schloffen die Finanzen mit einem Defizit ab; jetzt ist ein Ueberschutz von 17 000 M. vorhanden. Die Löhne sind durch die Lohnbewegungen und Streiks in den beiden letzten Jahren für zirka 1900 Kollegen erhöht worden. Die Arbeitszeit wurde in einer ganzen Reihe von Orten für die Kollegen verkürzt. Ueberdies ist in vielen Fällen in mehreren anderen Punkten eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen erzielt worden. Ueber die Berichte fand eine eingehende Debatte statt, an welcher sich ein großer Teil der Delegierten beteiligte. Im allgemeinen fand die Geschäftsführung des Zentralvorstandes Zustimmung. Es wurden nur Beschwerden ohne allgemeine Bedeutung vorgetragen. Schließlich wurde der Zentralleitung Entlastung erteilt. Hub der Frauenbewegung. Mehr Agitation unter dem«eiblichen Proletariat. Die Zahl unserer weiblichen Redner ist verhältnismäßig nur klein. Daher sind die meisten von ihnen in der letzten Zeit fast bis zur vollständigen physischen Erschöpfung angespannt gewesen. Die Forderung:„Mehr Agitation unter dem weiblichen Proletariat!" soll also nicht etwa heißen:„Arrangiert mehr Versamm- lungen mit weiblichen Referenten," sondern sie soll bedeuten:„Be- rücksichtigt bei allen Veranstaltungen mehr wie bisher auch die Frauen." Vor allem aber soll sie bedeuten:„Sorgt für eine plan- mäßige Agitation unter den Zlrbeitcrinnen I" Zu diesem Zwecke grlt es, möglichst überall die Bestimmung des Z 10 unseres neuen Organisationsstatutes zubcrücksichtigen, die da lautet:„Die planmäßige Agitation unter dem weiblichen Proletariat wird durch weibliche V e r- trauenspersonen betrieben, die möglichst an allen Orten im Einvernehmen mit den Partei-Jnstanzen gewählt werden." An den Orten, wo Frauen rednerisch tätig sind oder wohin sie bei ihrer Agitation� kamen, sind erfreulicherweise auch möglichst nach vorheriger Rücksprache mit den leitenden Genoffen Vertrauens- Personen gewählt worden. Wir möchten hiermit nun anregen, daß auch anderenorts, wo dies noch nicht geschehen ist, die leitenden Genossen zu dieser Frage Stellung nehmen. In jenen Bundesstaaten, wo wir Frauen das Recht der Mit- gliedschast in politischen Vereinen erwerben können, hat die Agi- tation der weiblichen Vertrauensperson dafür Sorge zu tragen, daß die Genofsinnen in möglichst großer Anzahl Mitglied dieser Bereine werden. Wo da» reaktionäre Berein»gefetz eine» Landes dies verbietet, können die für unsere Bewegung gewonnenen Frauen und Mädchen sich lediglich um ihre Vertrauensperson scharen. Sie können aber auch zur Opferwilligkeit erzogen werden, und sie können das Gefühl der Zugehörigkeit zur Partei dadurch betätigen, daß sie frei- willige Beiträge zahlen. Die nötigen Anweisungen in dieser Beziehung sowohl als überall dort, wo Anweisungen notwendig sind, erteilt unsere Zentral-Vertrauensperson, die Ge- nossin Baader. Berlin. Leider ist an manchen Orten arg gesündigt worden. An den so großartigen Wahlrechts-Demonstrationen unserer sächsischen Genossen haben unsere Genossinnen sich nicht nach Wunsch be- tciligt. ES hat aber auch fast überall an der Anregung dazu gefehltl Wie ganz anders haben dagegen unsere Genossinnen in Oester- reich den innigsten Anteil an den Wahlrechtskämpfen genommen. Uns stehen in den verschiedensten Bundesstaaten nach dieser Richtung noch harte Kämpfe bevor. Bereiten wir schon heute unsere Genossinnen, die dreifach Entrechteten und hundertfach Interessierten, vor auf diese Kämpfe. ES darf keine Gelegenheit vorüber gehen, wo wir nicht inten- sive Propaganda für unsere einzige deutsche sozialdemokratische Frauenzeitung, die„Gleichheit", machen. Wenn irgendwo, so fordern wir hier die Unterstützung unserer Ge- nasse n. So gut wie ein jeder sozialdemokratische Agitator es als ein« arge Pflichtverletzung sich anrechnen mutz, wenn er es verabsäumt, für die örtlich« Parteipresse Propaganda zu machen, so gut sollte es als arge Unterlassungssünde angesehen werden, falls es unter- bleibt, in unseren Agitationsvcrsammlungen für die„Gleichheit" einzutreten. Was bei einer planmäßigen Agitation auf diesem Gebiete er- reicht werden kann, hat das vergangene Jahr uns gezeigt, wo die Zahl der„Gleichheits"-Abonnenten von 10 0 0 0 auf 2 3 0 0 0 stieg. Dabei Ivar das versloffene Jahr ein verhältnismäßig ruhiges und— es haben in der Hauptsache nur die Genossinnen die Agitation für die„Gleichheit" besorgt. Noch ganz anders muß sich der Erfolg gestalten, wenn in der gegenwärtigen Zeit alle agitatorisch tätigen Mitglieder unserer Partei sich mit vollem Eifer der Sache annehmen. Ist in unseren Versammlungen durch das aufrüttelnde, be- geisternde Wort die Frau hingewiesen auf die Zusammenhänge des wirtschaftlichen, sozialen und politischen Lebens; ist ihr der Feind gezeigt, dem es geschuldet, daß sie und ihre Lieben trotz fleißiger Arbeit in der Not und dem Elend dahinleben müssen; ist somit ihrer gerechten Empörung die Richtlinie gegeben, um nicht in gelegentlichen Unmutöäußerungen zu verpuffen, sondern sich zu konzentrieren und zu einem treibenden Faktor im Klassenkampf zu werden; ist mit einem Worte der K l a s s e n i n st i n k t geweckt bei der Frau, dann gilt es, denselben zum klaren Klassen- b e w u ß t s�e i n zu entwickeln. Und dazu soll uns neben der weiteren mündlichen Agitationsarbeit vor allem die Presse und darunter in erster Linie die„Gleichheit" helfen. Einem immer größeren Kreise von Leserinnen mutz die„Gleichheit" das scharfe, schneidig« Schwert, die b:ste Waffe jn unserem Befreiungskämpfe werden. Wir haben die Pflicht, die proletarischen Frauen schon jetzt binauszuführen auf das weite Blachfeld des politischen Kampfes, sie schon jetzt zu lehren, eine Waffe zu handhaben, die ihnen von den politischen Finsterlingen des Zentrums nicht in die Hand gedruckt werden soll zur Verteidigung ihrer Jatcreffen, sondern zu deren Beruichtung. Jede Frau, dem proletarischen Klaffenkampfe gewonnen, bedeutet ein Durchkreuzen der Pläne der Dunkelmänner. Nach besten Kräften wollen wir das von der preußisch-deutschen Reaktion uns gelieferte Agitationsmaterial benutzen, damit es in unserer Hand zur scharfen und schneidigen Waffe werde gegen— die Reaktion. Unser laut« und eindringliche Ruf:„Auf zum Kampfe gegen Ausbeutung und Knechtschaft!- er mutz die Frauen und Mädchen treiben aus Fabriken und Werkstätten, vom Lande und aus der Heimarbeit, auS den Läden und Kontoren, aus der Enge der elenden Mietskaserne, dem Dachstübchen, den Höfen und baufälligen Hütten und wo immer Proletarierinnen hausen, um sie zu scharen um das leuchtend rote Banner der Sozial- demokratie. Je mehr Kämpfer diesem Rufe folgen, je schneller und leichter gelingt es uns, derFreiheitdieGassezubahnen. _ Louise Zietz. Die„Gleichheit", das Orgrcn der klassenbewußten Frauen, richtet an die Proletarierinnen folgenden Aufruf mit der Aufforderung zum Abonnement auf diese vortreffliche Waffe im Kampfe für Befreiung der Frau von kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung und für Abschüttelung der die Frau als Geschlechtswesen noch besonders drückenden Ausnahmestellung im Rechtsleben: Die„Gleichheil", das Organ der deutschen Genossinnen, schließt mit dieser Nummer ihren 15. Jahrgang. Wie in den vergangenen Jahren, so wird die Zeitschrift auch sürderhin die treue Beraterin der Proletarierinuen für ihre Beteiligung am Befreiungskämpfe ihrer Klasse sein. Sie wird wie seither mit aller Energie und Schärfe kämpfen für die volle soziale Befreiung der proletarische» Frauenwelt, wie sie einzig und allein möglich ist in einer sozialistischen Gesellschaft. Denn nur in einer solchen ver- schwindet mit den jetzt herrschenden Eigentums- und Wirtschafts- Verhältnissen die Ursache jeder gesellschaftlichen Unterdrückung und Unfreiheit: die wirtschaftliche Abhängigkeit eines Menschen von einem anderen Menschen; denn nur in einer solchen verschwindet mit den jetzt herrschenden Eigentums- und Wirtschaftsverhältnisfen der Gegen- satz zwischen Besitzenden und Nichtbesitzenden, der soziale Gegensatz zwischen Manu und Frau, zwischen Kopfarbeit und Handarbeit. Die Auf- Hebung dieser Gegensätze kann jedoch nur erfolgen durch den Klassen- kämpf: die Befreiimg des Proletariats kann nur das Werk des Proletariats selbst sein. Will die proletarische Frau ftei werden, so muß sie sich der allgemeinen sozialistischen Arbeiterbewegung anschließen. Und nur ihr, keineswegs aber der bürgerlichen Frauen- rechtelei. die zwar zugunsten des weiblichen Geschlechtes innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft reformieren will, aber grundsätz- lich eine Revolution der Gesellschaft zugunsten der aus- gebeuteten Klassen zurückweist. Die proletarischen Frauen zum Klassen- kämpf zu rufen und für den Klassenkampf zu schulen, das wird wie bisher so in Zukunft die vornehmste Aufgabe der„Gleichheit" bleiben. Jhrein alten Programm getreu wird sie auch im konunenden Jahre werben für den Streit, in dem„ein Hüben und Drüben nur gilt". Daneben will jedoch die„Gleichheit" noch weitere Aufgaben er- füllen. Jede Nummer hat eine Beilage, welche, abwechselnd in der Reihe des Erscheinens, der allgemeinen Bildung der proletarischen Frau, ihrer besseren Ausrüstung für die Pflichten als Mutter und Hausfrau gewidmet ist und Kinderlektüre bringt, die in dem heranwachsenven proletarischen Geschlecht sozialistisches Fühlen und Denken fördern soll. Das Blatt hat im Laufe des letzten Jahres seinen Leserkreis um viele Tausende vermehrt. Wir hoffen, daß es sich 1006 die alten Sympathien erhält und neue Freunde erwirbt. Verlag und Redaktton werden tun, was in ihren Kräften steht, damit die„Gleichheit" ihren Aufgaben gerecht wird. Ihr Preis be- trägt vierteljährlich ohne Bestellgeld 65 Pf. Probe- und Agitationsnumniern werden jederzeit gratis ab- gegeben._ SozialeB. Nrlmdenvurgrr Ortschaften mit mehr als 10 000 Einwohnern. Die vorläufigen Ergebniffe der Volkszählung vom 1. Dezember zählen als Orte mit über 10 000 Einwohnern die nachfolgenden auf. Die Landgenieinden sind mit einem Stern(*) bezeichnet. Zählung 1006 1900 Charlottenburg....... 236 634 189 305 Nixdorf.......... 152 858 90422 Schöneberg........ 140 932 95 098 Spandau......... 70 301 65 030 Frankfurt a. O....... 63 921 61 852 "Wilmersdorf(Berlin).... 63475 80671 Potsdam......... 61 873 59 796 "Lichtenberg(Berlin)..... 55 293 43 371 Braudeiiburg a. H...... 51 251 49 250 KottbuS......... 46 242 45 164 "Weißensee(Berlin)..... 37 400 84 453 Landsberg a. SB....... 36 871 83 598 Guben.......... 36 274 33 122 "Groß-Lichterfelde(Berlin)... 34 283 23 168 "Boxhagen-RummelSburg(Berlin) 34 088 16 884 Forst.......... 33 777 82 075 "Steglitz(Berlin)...... 32 881 21 425 "Pankow(Berlin)...... 29 061 21 524 Köpenick......... 27 724 20 925 Eberswalde........ 23 841 21 654 Rathenow......... 23 096 21 046 "Reinickendorf(Berlin).... 22392 14779 Luckenwalde........ 22 259 20 986 Preuzlou......... 20 930 20 229 Fürsteiiwalde........ 20 455 16 765 Neuruppin........ 18 556 17 130 Wittenberge........ 18 501 16 258 "Friedenau(Verlin)..... 18 027 11050 Küstrin.......... 17 343 16 473 Sarau.......... 16 405 15 045 "Ober-Schöneweide(Berlin).. 14 106 5 850 "Friedrichsfelde(Berlin).... 14 070 9 632 "Friedrchishagen(Berlin)... 13 203 11288 "Zehlendorf(Berlin)..... 12 493 8 837 Sommerfeld........ 12 247 11910 "Tegel(Berlin)....... 12 130 6 799 "Nowawes(Potsdam).... 12 148 10 974 "Treptow(Berlin)...... 11 239 5 348 Spremberg........ 11 202 10 925 Finsterwalde........? 10 726 Oranienburg........ 10 633 9 854 Teinpelhof........ 10 574 9 991 Amtliches Verzeichnis der Gewcrbegerichte. Die soeben erschienene Dezembernummer des.Reichsarbeitsblattes" bringt zum erstenmal ein amtliches Verzeichnis der Gewerbcgerichte zum Abdruck. Da« Verzeichnis soll durch periodische Ergäiizniigen richtig erhalten werden. Ein gleiches Verzeichnis über die bestehenden AaufniannS- gerichte soll demnächst veröffentlicht werden. Diese Publikation kommt einem dringenden Bedürfnis entgegen. Die veroffeiitlichten Tabellen weisen für das Deutsche Reich insgesamt 388 kommunale Gewerbegerichte auf. Von diesen entfallen auf Preußen 226, auf Bayern 36, aus Sachsen 33, auf Würltem- berg 23, aus Baden 12, auf Hessen 12, auf Mecklenburg- Schwerin 3, auf Sachsen- Weimar 7, auf Oldenburg 3, aus Braunschweig 5. auf Sachsen« Meiningen 3, auf Sachsen- Altenburg 4, auf Sachsen- Koburg- Gotha 6, aus Anhalt 6, auf Schivarzburg-Riidolstadt 1, auf Reutz ältere Linie 2, aus Reuß jüngere Linie 1, auf Lippe 3. aus Bremen und Hamburg je 1. Zu diesen kommunalen Gewerbegerichten treten sieben Berg- aewerbegerichte: 5 preußische(in Beuthen O.-S., SBalden- bürg i. Sehl., Saarbrücken, Aachen, Dortmund), ferner eiir bayerisches in Müncheir und ein braunschweiger in Helmstedt. 19 Gewerbe- gerichte, die auf Grund des§ 85 des Gewerbegerichtsgesetzes fortbestehen, sind gleichfalls noch zuzurechnen. Es sind das die 10 rheinischen Gewerbegerichte Barmen, Krefeld, Düsseldorf, Elber- feld, M.-Gladbach, Lennep, Remscheid, Solingen, Köln, Mülheim usw., die Gewerbegerichte in Lübeck, Bremen und Hamburg, sowie die 6 elsaß-lothringischen in Mülhausen, Straßburg, Thann, Mnr- kirch, Metz lind Colmar. Mithin hat Deutschland insgesamt 414 Ge- Werbegerichte zu verzeichnen. Bncfhaften der Redaktion. M. Gr., Lichterfelde. Ihr Bericht hat kein öffenllichcs Interesse, die Ausnahme muß deshalb unterbleiben. Iimktilcbcr Cell. 91t lurtftischc eprcififtmibc findet täglich mit ZlnsiXihmt de? Sonnadends von?>/, bis»>/, Hlir adends kintt.(«eärfiie»: 7 Nbr. E. 10. 1. Nein. Sie scheinen aber von irrigen Voraussetzungen aus- zugehen. Den Zwangsinnungen ist durch 100» verboten, ihre Mitglieder in der Festsetzung der Preise über Waren oder Leistungen oder in der Sin- nähme von Kundin zu beschränken. Nach dieser Richtung gefaßte Beschlüsse sind rechtsungültig. Ob zu diesen einer Zwangsinnung verbotenen Be- schlüssen isür srcie Innungen besteht solches Verbot nicht) auch die Beschluß- sassung über Tarife mit ihren Gesellen gehört, erscheint zwciselhast. Wir möchten diese Frage verneinen. Aber auch solchen Jnnungsbeschlüssc» gegenüber käme§ 152 Abs. 2 zur Anwendung. 2. Ob und inwieweit Tarifverttäge sür Arbeitnehmer gegen Arbeitnehmer oder für'Arbeitgeber gegen Arbeitgeber verbindlich sind und welche Wirkung sie aus'Arbeits- Verträge zwischen Parteien haben, die der Tarisvercinbarimg nicht beigettetcn sind, ist streitig. Eine Darlegung hierüber finden Sie bei Lotmar S. 755, Sigel S. 33,„Arbeilerrecht" S. 14S. 150. Die anarchistische Rechtsprechung des Reichsgerichts aus dem Gebiete des KoalitionsrelyIS stellt allerdings in Frage, ob Arbeitsverträge überhaupt klagbar sind. Indessen dürste diese von dem Grundgedanken„welche Konstruktion ist ersordcrlich, um einen Arbeiter zur Bcstrasung zu ziehen?" beherrschte Rechtsprechung nur eine vorübergehende Erscheinung bilden können. 3. Beides ist möglich: daS Statut, nicht das Gesetz allein ist entscheidend. 4. Nur wenn der Gesellen- auSschuß zustimmt:§ 95 der Gewerbeordnung.—<£• 2. 1. Jn der Regel 30 Jahre. 2. Nach B. G. B. fällt, falls lein Instrument vorliegt, an die Kinder, an den Gatten. 3. Beides ist möglich. ES enrpsichlt sich ins- besondere rn Erbstreitigkeiten den Sachverhalt selbst genau zu schildern, ins- besondere auch anzugeben, Ivan» und wo der Todessall sich ereignet hat, wann und wo die Ehe geschlossen war, ob ein Testament vorliegt und ob eine Erbregulierung stattgefunden hat. G. G. 27. Zur Rückjendung ist der Adressat nicht verpflichtet.— G.®. 5. 1. und 3. Bei böslicher Verlassung ist erst aus Wiederherstellung des ehe- lichen Lebens zu klagen. Erfolgt die Rücklehr innerhalb eines Jahres nach Rechtskraft des verurteilenden Erkennwisses nicht, so kann aus Scheidung aellagt werden. 2. Verjährung liegt vor.— St. B. 96. Will Ihre Frau Hebamme werden, so hat sie sich zunächst an das Polizeipräsidium zu wenden. Von dort wird sie zur Vorprüfung dem Phhsikus übenviesen. Fällt die Vorprüsung(Rechnen, Lesen, Schreiben, Sehschärse, Hörfchärse u. dgl,) günstig aus, so wird sie von der Polizei zur Teilnahme am Kursus vornotiert. Der Kursus wird in der Charitv absolviert, dauert ein halbes Jahr und tostet etwa 300 M. Nach dem Kursus wird da« Hebammen- examen absolviert. Dann kann sie Hebamme werden. Da Personen, die daß 30. Lebensjahr erreicht haben, als Hebammen nicht zugelassen werden und die Vornoverungen sehr reichlich find, jo hat Ihre Frau nur dann Aussicht aus Zulassung, wenn sie bei der ersten Meldung noch nicht 27 Jahre alt ist. — R. M. Ein Sttasantrag ist an die Staatsanivaltschast innerhalb drei Monaten nach Kenntnis der Straftat und des Tälers zu richten, wenn es sich um eine nur aus Antrag zu versolgende Straftat handelt, Jn dein geschilderten Falle dürfte eine vom Wir! zu erstattende Anzeige Erfolg haben. Einer von Ihnen erstatteten Anzeige kann schwerlich Folge gegeben werden, weil eine strasbare Bedrohung nicht vorliegt.— Ä. M. 200. t. Die tiefste Nordsee liegt an der Süd- und Westküste Norwegens. Dort ist die See bis 809 Meter ttcs. Die Durchschnittstiefe mag gegen 30 Meter betragen. 2. Die Oftsee ist flacher. Der tiefste Punkt liegt bei Stockholm (etwa 460 Meter). 3. Die größte MeereStiese weist wohl der Portoriko- graben(nördlich von Portoriko) mit 8350 Meter aus. Näheres finden Sie in Krümmel, Der Ozean, und in den wissenschaftlichen Ergebnissen der deutschen Tiessee-Expcdition.— Tchötz. Wenden Sie sich au einen Arzt oder an die Berliner Rettungsgesellschast, Zicgelstraßeif 10/41. oder endlich an den Magistrat, Krantenhaus-Deputation.— Rixdötf 405. In Ihrem Falle ist sür die Feierlage Lohn nicht zu zahlen, wohl aber für die Zeit deS ohne Ihre Zustimmung erfolgten Ausfctzcns der Arbeit.— Triiand- maul. Den Weg einer Privatllage und ein Beispiel sür eine solche smdcn Sie S. 600 und 123 deS in den össentiichen Bibliotheken auSliegenden ArbeiterrechtS angegeben. Die aus Sic sür den Fall fruchtloser Pfändung entfallenden Kosten mögen etwa 20 Mark betragen. Es kann aus Geld« oder Freiheitsstrafe erkannt werden.— R. R. 400. Ja. — P. S. 57. Dienstinädchen in der Stadt sind nicht krankenversichcinnas» p flichtig. Die Herrschast hat aus die Dauer von sechs Wochen, nicht aber über die Dienstzeit hinaus, für Kur und Verpflegung Sorge zu tragen. Mitbin scheint die Herrschaft im Recht zu sew,— P. B.,(f. G. Nein.— G. Georgenthal. Die erste Frage wird in der Rechtsprechung überwiegend bejaht, die zweite verneint.— C. W. Sie sind zur Zahlung verpflichtet, der Umfang Ihrer Verpflichtung Achtet sich nach dem Inhalt des nicht mit- geteilten Vertrages. Die juristische Sprechstunde steht jeden, Abonncnlni offen,— E.®. 1. Wenn ausgeklagt war: ja. 2. Durch Zahlungsbese l oder Klage.— H. St. Gegen den Amtsgerichtsbeschluß müßten Sic niltcu Darlegung der Verhältnisse Beschwerde einlegen. Eine Veröffentlichung iit vor desinitivem Entscheid nicht möglich und nur angängig, wenn die sämtlichen Unterlagen unS zur Verfügung gestellt werden.— I. P. 46. Feststellung und Sicherstelluna könnten Sie nicht verlangen, da das gülstge Tesiarnciü der Witwe freie Verfügung vorbehalten hat. Sie könnten Miteintragung aus das Grundstück, wenn diese nicht schon erfolgt sein sollte, durchsetze». — Scheußlich Pech. Der Rat war durchaus zutteffend. Es ist im„Vor- wärts' wiederholt unter Bezugnahme aus retchsgcrichttiche Er'euntmssc dar- gelegt, daß ein Armenunterswtzter in Preußen zur Rückzahlung nicht ver- pflichtet ist, ebenso wenig sind eS feine Verwandten. Was die gesetzliche Alimentationspflicht der K i n d e r gegenüber ihren Eltern anlangt, so hängt diese nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch nicht nur von der Bedürftigkeit der Eltern, sondern auch davon ab, ob die Kinder leistungsfähig sind. DaS Kind ist rechtlich nicht verpflichtet, die bedürftigen Eltern zu unter- stützen, wenn daS Kind nicht mehr als die Kosten für den eigenen und der Familie standcSmäßigen Unterbalt zu gewinnen vermag oder wenn die Unterstützung den eigenen, der Frau und der Kinder standeSmäßigen Unter- halt für die Zukunft in Frage stellen würde oder endlich, wenn durch die Unterstützung sonstige Verpflichtungen deS KindeS unberücksichtigt blieben. Da diese Voraussetzungen auf Sie zutreffen, so sind Sie nach dein Gesetz nicht unterstiitzungSverpflichtet, insbesondere nicht verpflichtet, der Stadt die sür Ihren Vater gezahlten Unterstützungen zu ersetzen. Jn der Klage der Stadt gegen Sie haben Sie durch Darlegung Ihrer Verhältnisse zu beweise», daß diese Voraussetzungen aus Sie zuiresfen. Jn erster Instanz oder richtiger als Art Vorinflanz entscheidet der Krcisausschuß. Dieio pflegt auch in Berlin aus die gesetzlichen Vorschristen, nicht die vom Reichtsgericht gebilligte Rücksicht aus die Familienverhältnisse des Kindes zu nehmen und in der Regel zu verurteilen. Dieses Urteil des KreiSauSschuffeS ist leider vorläufig vollstreckbar. Sie können daS Urteil aber durch Klage beim Amtsgericht anfechten. Für die Klage sollten Sie sich daS Armenrccht bewilligen lassen. Unmöglich ist eine beslimmte Voraussage des Inhalts des Urteils letzter Instanz. Nach Ihrer Darlegung sind Sie aber rechtlich zur Zahlung nicht verpflichtet. E. E. K. Da in der Poiize ausdrücklich steht: Wert 150, ab ein Drittel Sclbstvcisicherung usw. und§ 2 zutrifft, so würde ein Prozeß kaum'Aus- ficht aus Erfolg haben.—. 9)1.®._ a) Zur Heirat sind die GcburtS« Urkunden und Ihre Militärpapiere dem Standesamt zu übergeben, b) Wie Sic wollen, c) Nach der Heirat ist es erst möglich, dem nicht von Ihnen gezeugten Kind Ihren Namen zu erteilen, d) Ja: wenn daS Kind nach 1899 geboren ist, sind die Alimente bis zu seinem zurückgelegte» 16, Lebens- jähre zu zahlen.«> Eine Frist ist nicht bestimmt; suchen Sie baldmöglichst den Standesbeamten aus.— Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen.— Russin. Ja.—<£. R. Die Möglichkeit ist nicht völlig ausgeschlossen. Teilen Sie nrit, w welchem Orte Sie wohnen, wie hoch die Altersrente, wie hoch Ihr etwaiges sonstiges Einkommen ist und wiederholen Sie die Frage.— H. R. 6. oder H. R. E. Ihre Anfrage ist bereit» am 15. Dezember unter H. N. 6 dahin beantwortet: Da eine bestimmte Mictszcit nicht vereinbart und die Miete vierteljährlich zu zahlen ist, so müßte bis spätestens am dritten des Ouarial« zum Quartalsschluß gekündigt werden. Sie können auch früher, z, 55, im Januar zum 30. Juni kundigen.— Paul H>. Guteubergstraße. Nach§ 910 deS Bürgerlichen Gesetzbuchs kann der Eigentümer eines Grundstücks herüberragende Zweige abschneiden und be- haiicn, wenn der Eigentümer dem Besitzer des Nachbargrundstücks eine an- genicssene Frist zur BeseUigung bestimmt hat und die Beseitigung nicht miierhalb dieser Frist erfolgt. Machen Sie von dein nach dieser Vorschrift Ihnen zustehenden Recht Gebrauch, wenn nicht etwa Ihr Nachbar durch Zettkaus(30 Jahre) daS Ueberhangsrecht ersessen hat.
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.Vorwärts" Berliner Redaktion und Sxpeditiont Berlin, Clndenftr. 69. fernlpredier; Amt IV. 198}. Nr. B03t Freitag, den£9. Dezember 1905.| Inserate Sedisgelpaltene Kolonelzeile 20 Big. Bei grSBeren Bulträsen entlpredicnden Rabatt. Partei-Hngclcgcnbeiten. Zur Lokalliste! In Bindow steht das Lokal der Witwe Engelhardt der Arbeiterschaft nicht mehr zur Verfügung, ist daher streng zu meiden. Die L o k a l k o m m i s s i o n. Erkner. Am Sonnabend pünktlich abends 8 Uhr findet bei Degebrodt die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Ab- rechnung, Vorstandswahl usw. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen ist notwendig. Vorort- l�admcbteu. �harlottenburg. Freie Bolksbiihue Charlottenburg. Auf die heute, Freitag, abends 8>/z Uhr, im Volkshause, Rosinenstr. 3, stattfindende Vorstellung des Lustspiels„Die Erziehung zur Ehe" von Otto Erich Hart- leben wird noch einmal hingeiviesen. Kriedrichsfelde. »Tie Gemeindevertretung—0" kann man sagen, wenn man sieht, wie die hiesige Gemeindevertretung vom Gemeindevorsteher und den Sclwffcli behandelt wird. Hinzufügen könnte man nur noch:„Jeder wird so behandelt, wie er es verdient."— Die letzte Gemeinde Vertreter- Sitzung hatte außer Mitteilungen nur einen Punkt auf der Tagesordnung, nämlich Anträge der Riesclguts- kommission. Genannte Kommission beantragte, um zweckmäßiger arbeiten zu können, einem Mirgliede derselben die Lberaufsicht iiber das Rieselgur Münchehofe zu übertragen, und schlug den Landwirt W. Fehmcr vor. Di« Gemeindevertretung stimmte dem zu. Ein anderer Antrag betraf die Erbauung von Arbeiterwohnungen auf dem Rieselgut. Gefordert werden sechs Wohnungen. Die Riesel- gutskommission forderte einen Neubau, während der GemeindeschLssc Pechardscheck plötzlich erklärte, daß ein Herr Rottke, derselbe, welcher den Vermittler beim Ankauf des Rieselgutes gemacht hatte, bei ihm gewesen sei und erklärt habe, der hiesigen Gemeinde ein bebautes Grundstück in Münchehofe für 20 000 M. verkaufen zu wollen; er empfehle, diese Offerte zu berücksichtigen. Die Rieselgutskommission nnd auch der Gemeindevorsteher erklärten, von einem Angebot des Rottke nichts zu Wissen. Die Landwirte in der Kommission er- klärten das betreffende Grundstück auch für völlig ungeeignet. Ob- looh! der.. Ete..viiitoiitrjl«her vorher erklärt hatte, diese Angelegen. heit sei dringend— darum fände auch die Sitzung zwei Tage vor Weihnachten statt—, schlug er vor, die Kommission solle die lllottkesche. Offerte prüfen und dann eventuell mit Vorschlägen kommen. Trotz Protestes mehrerer Vertreter gelangte der klare Antrag, ein neues Wphnhaus zu bauen, nicht zur Abstimmung. Der zweite Punkt der Tagesordnung waren„Mitteilungen". Im parlamentarischen Leben versteht man unter Mitteilungen etwas Nebensächliches, Unverbindliches Ganz anders in unserer Ge ineindevertretung. Ter Herr Gemeindevorsteher geruht, den Ge meindevertretern bekanntzugeben, daß ein Spekulant der Gemeinde Land verkaufen wolle(SO Morgen, in Münchehofe gelegen, a Morgen 750 M.), daß zum 1. Januar dem Baubeamlen ein Techniker und ein Bauaufseher zur Seite gestellt werden müssen, daß eine Baustelle für dicPumpstation in Karlshorsr gekauft werden müsse, daß die Gemeindeburcaus in Karlshorst mit dem hiesigen Bureau durch eine direkte Telephonleitung verbunden werden müssen, daß die skanalisationSarbeiten der Firma Bruch als Mindestfordcrnden für 859 795,60 M. durch den Gemeindcvorstand übertragen seien usw. Tie Kanalisationsangelegenheit gab Veranlassung zu einer erregten Debatte. Genosse Pinselcr stellte die Frage an den Gemeinde- Vorsteher, warum die Gemeindevertreter wichtige Angelegenheiten der Gemeinde erst durch die Ortszeitung erfahren,'warum die Offerten für die Kanalisationsarbeiten den Voranschlag um über 200 000_ M. überschritten haben, warum der Zuschlag erteilt ist, ohne daß die Gemeindevertretcr davon eine Ahnung haben und warum die Arbeit überhaupt cm den Mindestfordernden vergeben sei, welcher sich in jeder Weise an die Gemeinde herandrängt und die Kostenanschläge ausgearbeitet habe. Die Firma hätte überhaupt nicht konkurrieren dürfen. Auch Gemcindevcrtreter Roth forderte, daß die Gemeindevertreter von allem benachrichtigt würden und nicht ihre Wissenschast über Gemeinde-Angelcgenheiten aus der Zeitung schöpfen müßten. Der Gemeindevorsteher suchte natürlich die Sache so harmlos wie möglich darzustellen. Der Mißstand, daß die Zeitung wohl von jeder Gemeinde-Angelegenheit unterrichtet sei, aber wochenlang später die Gemeindevertreter, solle aufhören. Die lieber- schreitung des Voranschlages, sogar durch den Unfertiger des Vor- anschlageö. mit über 200 000 M. komme daher, weil jetzt in Karls- Horst einige Straßen mehr aufgenommen sind, für die Berlinerstratze das Rohrnetz statt einseitig jetzt mif beiden Seiten gelegt würde. Der Voranschlag datiere von 1903. Ter Firma Bruch sei deshalb die Arbeit übertragen worden, weil sie die billigste Offerte gemacht habe. Herr Bruch sei auch zuverlässig, das sei durch die Eni- Wässerungsarbeiten des Obcrfeldes bewiesen. Herr Bruch habe bei den Vorarbeiten der Gemeinde mich wichtige Dienste unentgeltlich geleistet. Ter Gemeindeschöffe Peckmrdscheck findet es als selbst- verständlich, daß die Ortszeitung von Gemeinde-Angelegenheiten früher unterrichtet sei. Genosse Pinscler trat den Ausführungen des Gemeindevorstandes entgegen. Die Entwässerungsanlage des Oberfeldes beweise für die Leistungsfähigkeit der Firina Bruch gar nichts, denn die Anlage sei noch nicht im Betriebe. Sein« Ansicht sei. daß von vornherein im Gemeindevorstand die Absicht bestand, nur Bruch die Arbeiten zu übertragen, alle Vorarbeiten ließen darauf schlichen.— Großer Entrüstungssturm beim Gemeinde- vorstand, der sich nun von der Vertretung ein Vertrauensvotum ausstellen ließ. Die Gegenprobe wurde �ber nicht gemacht. Wie manche Gemcindevertreter ihre Rechte und ihre Pflichten auffassen, beweist die Bemerkung des GemeindcvertreterS Grützke. indem er misrief:„Will denn Herr Pinseler, daß sich die Ge- meindeliertretung mit der Vergebung der Arbeiten beschäftigen soll?" Es wird Zeit, daß wieder gewählt wird! Als Ne»jahrSzesche»k-der„Großen Berliner" erhält der Vorort Friedrichsfelde einige Verbesserungen im Straßenbahn- betriebe. Vom 1. Januar 1900 ab wird die Linie 69 bis zur Kirche in FriedrichSfelde�dnrchgeführt und die Li sie 70 bis zur Ecke der Berliner- und Schloßstraße verlängert. Die Hauptforderung der Friedrichsfelder an die„Große Berliner", die Aufhebung des lo Psennig-Tarifes und die Glci�stelliing Fried sich.zstldes mit den � andereir Berliner Vororten, die ein gut Teil ihrer EntWickelung! �.��"Pfennig-Einheitstarif verdanken, bleibt auch fernerhin un- 1 erfüllt, i Wcistensee. Das Resultat der Volkszählung ist bis jetzt noch ein„vor- läufiges", also immer noch nicht zum Abschluß gelangt. Bis jetzt sind 37 598 Personen festgestellt worden, und zwar 18 664 männliche und 18 934 weibliche. 1900 betrug die Einwohnerzahl 31946, 15 676 männliche und 16 7M weibliche, somit ergibt sich eine Zu- nähme von 5642 Personen. Die Herren Hausbesitzer fühlen sich schwach, denn sie werden im nächsten Frühjahr doch mit dem Grundbesitzer- verein gemeinsam in den Wahlkampf ziehen. Sie befürchten tat- sächlich, daß die Sozialdemokratie ihnen die zwei zur Wahl stehenden Sitze der zweiten Wählerabtcilung abjagen wird und sind daher geneigt, sich mit den Grundbesitzern den Raub zu teilen. Diese Anerkennung unserer Stärke aus dem Munde des Hausbesitzer- Vorsitzenden gibt uns zu berechtigten Hoffnungen Anlaß. In der vorjährigen Wahlkampagne legten die so Zusammengewürfelten sich den Titel„Vereinigte Bürgcrpartei" zu. Da nun in den letzten Jahren die Jntcrcssenwirtschaft dieser Herren zur vollen Blüte ge- langte, so empfehlen wir ihnen für diesmal den Titel:„Partei zur Wahrung der eigenen Interessen der Haus- und Grundbesitzer, G. n,. b. H." Die Gemeindevertretung wird sich nochmals mit dem Etat der Realschule beschästigen, trotzdem derselbe in der vorigen Sitzung in seinen einzelnen Positionen mit Majorität angenommen wurde. Es ist von sozialdemokratischer Seite Einspruch erhoben worden, weil dessen einzelne Positionen wohl beraten und beschlossen wurden, jedoch eine Abstimmung über den gesamten Etat versäumt worden ist. Dieser Formfehler wird an dem ersten Resultat jedoch nichts ändern. Ein nationalliberaler Wahl verein für den Reichs tagswnhlkreis Nieder-Barnim mit dem Sitz in Weißenfee ist am 24. Dezember gegründet worden. Auf wie schwachen Füßen diese Neugründung steht, ersieht man daraus, daß im ganzen Kreise kein Vorsitzender aufzutreiben war und man den Vorsitz einem Herrn Krieger ans Charlottenburg übertragen mußte. Der Jahresbeitrag wurde auf— eine Mark festgesetzt, wohl in der Erkeinitnis, daß die Herren Patrioten nicht gewohnt sind, für ihre Sache Opfer zu bringen-, oder will man damit Arbeiter ködern? Reiwickendorf-Ost. Tie außerordentliche Generakversammlung de? sozialdemokra- tischen Wahlvereins tagte am 20, Dezember bei Wolfram, Hausotter straße, und hatte eine umfangreiche Tagesordnung zu erledigen. Durch die Neu-Organisation von Groß-Berlin, welche am 1. Januar in Kraft tritt, mußten schon jetzt die Bezirks- und Vorstandswahlen vorgenommen werden. Ter Vorsitzende Genosse Kolmetz gab zuerst einen Bericht über seine dreimonatliche Tätigkeit. ES fanden drei Mitgliederversammlungen, drei Vorstands- und zwei koinbimerte Vorstandssitzungcn statt. Der Mitgliederbestand betrug 253. Durch Verzug traten aus 13 und zur Neuaufnahme meldeten sich 23 Ge nosien, mithin hat unser Wahlverein«ine Mitgliederzahl von 268. Da der Vorsitzende eine Wiederwahl ablehnte, wurde Genasse Schönberg zum Vorsitzenden gewählt, zum Kassierer wurde Ge nosse Herrmann, zum Schriftführer Genosse Ernst Schmidt, zum Beisitzer Genosse Gursch, zu Revisoren die Genossen Jäckel, Ense. Licders und Stnbbe, zu Bibliothekaren die Genossen Pritsch und Ziolkowsky gewählt. Das Vergnügungskomitee besteht aus den Genossen Paul Schmidt, Popp, Borgivard und Wallbruch. Zu Bezirksführern bestimmte die Versammlung die Genossen Lübke für den ersten Bezirk, für den zweiten Bezirk Neumann, für den dritten Bezirk Paul Schmidt und für den victen Bezirk Jendreiek, zum Delegierten zu den Kreiskonferenzen den Genossen Neumann. In der Lokalfrage berichtete Genosse Jäckel, daß das Lokal von Leder lSchützenhaus) der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht und streng zu meiden ist. Gemeindevertreter Genosse Jendreiek gab be- kannt, daß im Frühjahr Gemeindevertreter-Wahlen stattfinden und die Genossen ihre ganze Kraft einsetzen müssen, damit es uns ge. lingt, das letzte Mandat in unseren Besitz zu bekommen. Rummelsburg. Tie Kaufmannsgerichtswahlen sind vom Bezirksausschutz für ungültig erklärt worden. Wie wir seinerzeit mitteilten, hatte bei der Wahl der Beisitzer aus dem Stande der Handlungsgehülfen für tvS Kanfmannsgericht zu Rummelsburg der Leiter der Wahlen, der Herr Assessor Köhler, durch eine kaum glaubliche Auslegung resp. Handhabung der gesetzlichen Bestimmungen die Veranlassung zum Protest gegen diese Wählen gegeben. Der Herr Assessor hatte zum Beispiel einen Nichtwahlberechtigten in den Wahlvorstand auf- genommen, ferner wies er alle diejenigen Handlungsgehülfen, welche als Beschäftigungsart„Expedient" angaben, weil nicht Handlungsgehülfe, von der Wahl zurück. Es waren hierdurch fünf Wähler um ihr Wahlrecht gekommen. Auch erlaubte sich der Herr Assessor an den einzelnen Wähler die Frage zu stellen, ob er ge- lernter Kaufmann sei. Diese geradezu unverständlickie Art der Wahlleitung empörte die Anwesenden derartig, daß dieselben durch Zwnschenrufe versuchten, den Herrn Assessor auf seine ungesetzliche Wahlleitung aufmerksam zu machen. Die Zwischenrufe hatten aber nur den Erfolg, daß der Vorsitzende im echten Assessorton sich jede Bemerkung über seine Wahllcitung verbat, und im übrigen die» jenigen, welche mit seiner Geschäftsführung nicht zufrieden waren, an den Bezirksausschuß verwies. Der Bezirksausschuß hat nun aus den obigen Gründen die Wahl für ungültig erklärt. Ob dies eine Lehre für den Herrn Assessor sein wird? Treptow. Fliegende Schiilklassen. Kaum sind die fliegenden Klassen durch den Bau der 1. Gemeindcschule in der Bouchestraße beseitigt, so stellt sich heraus, daß in Baumschulenwcg zum 1. April wieder neue eingerichtet werden müssen. Als dort die 2. Gemeindeschule vor 5 Jahren mit ihren 18 Klassen fertig wurde, glaubte man, daß sie für immer groß genug sein würde. Die rege Bautätigkeit, welche einsetzte, und nach Fertigstellung der Kanalisation noch größer werden wird, hat die Gemeindevertretung veranlaßt, sich mit dem Vau einer neuen Schule zu beschäftigen. Beschlüsse sind noch nicht gefaßt, jedoch wurde der Meinung Ausdruck gegeben, die jetzige als Toppelschule auszubauen. Unhaltbare Zustände im Schulbesuch herrschen jetzt im mittleren OrtSteil, Ivo zirka 800 Einwohner, aber keine Schule vorhanden ist. i Durch den Bau der 1. Gemeindcschule sind die im Gemeindchausc i bisher vorhandenen Klassen eingegangen und die Räume zu Bureau- � zwecke in Benutzung genommen worden. Um nach der neuen Schule zu gelange», haben die Kinder einen Weg von zirka% Stunden zurückzulegen; bei dem nassen, kalten Wetter kann ihnen dieser Um- stand zum großen Schaden gereichen. Pflicht der Gemeinde- Vertretung ist es, sich mit dem Bau einer Schule auch in diesem Ortsteile zu befassen. � Der Grundbesitzerverein ,n Baumschulenweg hat mit der Berliner Wach- und Schließgesellschaft ein Abkommen ge- troffen, nach dem von 10 Uhr abends bis 6 Uhr früh stündlich jedes mit einem Schilde versehene Haus besichtigt werden muß und jeder im Hause Wohnende, bei genügender Legitimation auch ohne Schlüssel, hineingelassen werden soll. Die Regulierung dcr Bai;mschulenstraße. welche man nach der Lcgung der Kanalisationsrohre erwartete, wird erst nach der Schicncnlegung, welche die Untergrundbahn-Gesellschaft aller Voraussicht nach im Laufe des Frühjahrs vornimmt, erfolgen. Die Acnderuug des Namens Baum schulen weg in„Treptow II", welche von verschiedenen Vereinen bei der Eisen- bahn- und Postbchörde beantragt wurde, ist von den betreffenden Behörden abgelehnt worden. Französisch- Buchholz. Tie Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereinv fand am 19. Dezember bei Kähne statt. Genosse Ncuinanix gab einen kurzen Bericht über die Tätigkeit des Vereins im verflossenen Jahre. Die hierauf vorgenommene Wahl des Vorstandes ergab folgendes Resultat: Fritz Ziegelsdorf. Vorsitzender; Pohl, Kassierer. Bezirksführer: F. Ziegelsdorf. Radzei, O. Schulz, A. Pohl und Neu- mann. Genosse Röder erstattete den Bericht von der Kreiskonferenz und der Generalversammlung für Groß-Berlin. Genosse Pohl gab bekannt, daß vom 15. bis 30. Januar 1906 die Wählerlisten zur Gemeindevertreter-Wahl auslicgen und ermahnte, dieselben ein- zusehen. Der gesamt- Vorstand wurde beauftragt, die Wahlagitation sofort einzuleiten. Unter Verschiedenem wurden von mehreren Genossen die traurigen Lokalverhältnisse gegeißelt und es wurde aufgefordert, die Lokalliste streng zu beachten. Gekennzeichnet werden mutz das Benehmen des Gastwirts Schmidt, früherer Be- sitzer des„Jägerhauses" in Berlin. Er erklärte uns, er wolle mit den Arbeitern nichts zu tun haben, er, der in Berlin über 20 Jahre in der Partei organisiert war. Das Lokal„Augusta Viktoria- Garten", deren Besitzer, Ackermann und Schnelle, auch Inhaber des Lokals„Bnggenhagen" am Moritzplatz sind, ist nicht frei. Der Mitinhaber Schnelle ist auch der jetzige Oekonom des GeWerk- schastshauses in Berlin. Ober- Schöneweide. Am Donnerstag, den 21. Dezember, tagte in eine öffentliche Veriammlung. in welcher Genosse D ü w e l l über die politische Lage referierte. In seinen Ausführungen legte er die Zerfahrenheit in der inneren und äußeren Politik Deutschlands dar und zeigte den Anwesenden an den Vorkommnissen, daß die Arbeiter- schaft bei den lediglich von kapitalistischen Interessen diktierten Maß- nahmen der Regierung immer der leidende Teil ist. Solle emi Besserung eintreten, sei es notwendig, mit Aufnrerksamkeit das öffentliche Lebe» zu verfolgen, und wie sich die Gegner der Arbeiter eng zusammenschließen zur Ausbeutung und Unterdrückung des arbeitenden Voltes, so müsse dieses in zielbewußter Organisation sich zusammenfinden und eventuell dem Wollen der Gewalthaber den Willen des Volkes entgegensetzen. An einer Reihe von Zahle» legte der Referent dar. wie die arbeitende Klasse bedrückt wird und weiter geplündert werden soll. Das neue Steuerbukett bestehe aus Blumen, welche den Menschen kein Wohlgefallen bereiten, sondern sehr unangenehm duften und wegen ihrer giftigen Eigenschaften für Gesundheit und Wohl- stand des Volkes äußerst gefährlich sind. Die traurigen Schulverhältnisse, Klassenrecht und Polizeischikane fanden eingebende Würdigung und vernichtende Kritik. In au- schaulicher Weise wurde die Bedeutung der neuen Handels- Verträge vom Standpunkt des Produzenten sowohl als des Kon- iumenlen geschildert und nachgewiesen, daß durch die neue deutsche Hochschutzzollpolitik der Arbeiter doppelt geschädigt wird. Zum Schluß forderte Referent auf, Gleichgültigkeit und Vertrauen zur Re- gierung abzuschütteln, sich darauf zu besinnen, daß der Arbeiter als Staats- und Weltbürger nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht habe, dafür zu sorgen, daß, wenn die Hochspannung im politischen Leben einen Kurzschluß herbeiführt, die Arbeiterklaffe bereit sei, ihre Rechte zu verteidigen. Dem Vortrage folgte eine rege Diskussion, welche zun, Ausdruck brachte, daß die Arbeiter mehr wie bisher für ihre Organisation und ihre Presse wirken müssen. Zum Schluß gelangte diese Resolution einstimmig zur Annahme: Die heute in Wilhclminenhof tagende öffentliche Versammlung er- kennt an. daß die heutige Politik die Interessen des arbeiteiide» Volkes verletzt. Es ist Pflicht jedes einzelnen, dafür zu sorgen, daß die Arbeiter sich zusammenschließeu in ihren politischen Orgmii- sationen, wie auch in der Geiverkschaft und in Wirtschaftsgenosseu- schaften. Es ist auch Pflicht, nur die Arbeiterpresse, die uiisere geistige Erkenntnis fördert, zu abonnieren und für deren Verbreitung Sorge zu tragen. Durch die Organisation der Arbeiter müssen wir ui'S wehren gegen Reaktion und Unterdrückung, um stark im Kampfe zu sein. Friedrichshage». In der letzten Monatsversammlung des Wahlvereins hielt Dr. Kurt Rosenbcrg einen Vortrag über das Thema:„Die Schwurgerichte und ihre Bedrohung durch die geplanten Aenderungen der Strafprozeßordnung". Tarauf gab der Vorsitzende Karossat den Vorstandsbericht vom Juli bis Dezember und der Kassierer seinen Kassenbericht vom letzten halben Jahre. Einer Einnahme von 432,53 M. steht eine Ausgabe von 249,41 M. gegenüber, es bleibt somit ein Bestand von 183,12 M. Da Anfang nächsten Jahres die neue Organisationsform der sozialdemokratischen Wahlvcreine ins Leben tritt, war es notwendig, einen neuen Vorstand zu wählen. Die Wahl hatte folgendes Ergebnis: Köhler, erster Vorsitzender; Hermann Schötzau, zweiter; Schulz als erster Kassierer wurde wiedergewählt. Als zweiter Kassierer fungiert Fritz Schötzau. Werkmann, erster Schriftführer; Körb er. zweiter. Als Beisitzer wurden Röhl, Bögge und Boddin ge- wählt. AIS Ersatz für die Bibliothekkommission wurden Franz Scholz und Karossat bestimmt. Aufgenommen wurden 42 Genossen. Die Konsumgenossenschaft für Fricdrichshagen, Erkner und Um- gegend, E. G. m. b. H., hielt am 12. Dezember in Petznicks Restaurant ihre gut besuchte 7. Generalversammlung ab. Den Ge- schäftSbericht erstattete der Geschäftsführer. Der Ilmsatz erreichte die Höhe von 102 481,20 M., ein Mehr gegen das Vorjahr von 5915,10 M, Die Eciiossenschaft zählte am Jahresschlüsse 409 Mit- gliedcr. Die Ecschäflögnthaben betrugen 7894,57 M. Die Haft» summe 13 820 M. Von der Großeinkaufs-Gcsellschaft deutscher Konsumvereine in Hamburg, dessen Mitglied die Genossenschaft ist, wurden für d6 000 M. Waren entnommen. Vom Reingewinn in
Höhe von 5 158,73 M. gelangen an die Mitglieder 4% Proz. auf entnommene Waren. 3 Proz. auf BäckerbonS, 2 Proz. auf Schlächter- bonS. Trotz der vielen Anfeindungen und grundlosen Berdäch- tigungen, welchen die Genossenschaft ausgesetzt ist, geht dieselbe doch vorwärts, wenn auch langsam. Schneller könnte dieses geschehen, wenn die Arbeiterschaft mehr den Genossenschaften beitreten würde. Mahlsdorf. Am So»» lag, den 17. Dezember, fand im Lokale von Werneke eine gut besuchte öffentliche Maurerversammlung statt. Kollege T h ö n S- Berlin hielt einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über Zweck und Ziele der Organisation. Er betonte besonders, dass die Lage der Arbeiter nur durch eine straffe Zentral- o r g a n i s a t i o n am besten gehoben werden könne. In der DiS- knssion sprachen die Kollegen Hebold und Scholz im Sinne des Re- screnlen. Letzterer bemertte, datz man wohl getrennt marschieren, aber vereint schlagen könne. Zum dritten Punkt der Tagesordnung „Stellungnahme zur Lohnbewegung- referierte Kollege Albert Schmidt- Mahlsdorf. Es sei bedauerlich, daß die Kollegen, die bei Mahlsdorfer Meistern beschäftigt sind, zu niedrigeren Stundenlöhnen arbeiten als wie sie in Berlin gezahlt werden. Angesichts der hohenLebenSmittelpteise, die zweifellos nach Inkrafttreten des neuen Zolltarifs noch höher werden. der Wohimugsmiete usw., sei eö unbedmgt notwendig, daß auch die Mahlsdorfer Kollegen endlich das verlangen, was sie schon längst haben müßten. Die Kollegen Hebold, Scholz und Knbenz schloffen sich diesen AnSflihrungen an. Mit der Aufforderung an die An- wesenden, sich auch politisch zu organisiere», Mitglieder des Wahl- vereinS zu werden und auf die Aroeiterpresse zu abonnieren, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Nowawes- Neuendorf. In der letzten Kartellsitzüng teilte der Vorsitzende Schulz mit, daß von den organisierten Malern in Potsdam eine Arbeiter- Bildungsschule gegründet worden ist. Als Lehrer wirken die an der Berliner Schule tätige» Genossen. Anmeldungen nimmt entgegen: Schulz, Neuendorf, Grohbeerenstraße 43.— Hierauf erstatteten die Kontrolleure einen ausführlichen Bericht über die am 30. November und 1. Dezember stattgefundene Bauten- t o n t r o l l e. Kontrolliert wurden in Nowawes-Neuendorf und Neu-Babelsberg 31 Bauten. Bei einigen Unternehmern haben sich die Verhältnisse gebessert. Eine Ausnahme machen bei jeder Kontrolle die Bauten des Unternehmers Michaelis. Auf dem einen Bau hausten die Arbeiter in einem allen Wind und Wetter ausgesetzte» Schuppen. Verbandskästen existieren überhaupt auf keinem Bau. Aus die Frage eines Ron- trolle urs nach dem Verbandskasten bekam er von Michaelis sen. die Antwort, daß ein Stück vom Hemde genommen werde. Auf dem anderen Bau waren Parterre und erste Etage nicht abgedeckt, auf einem anderen befand sich das Klosett im Keller, und zwar war alles unter Wasser. Die schon früher vom Kartell bei der Berufs- genoffenschaft gegen diesen Unternehmer unternommenen Schritte scheinen nicht die Wirkung gehabt zu haben, die man erwartete. Tie Delegierten stimmten der Ansicht des Vorsitzenden bei, daß nur durch eine ständige Kontrolle und jedesmalig« Anzeige auch dieser Unternehmer gezwungen werden könne, auf seinen Bauten menschen würdige Verhältnisse für die Arbeiter, die leider selbst ein großes Teil Schuld daran tragen, herbeizuführen. Potsdam. AuS dem Potsdamer Schlachtsteuereldorado wird wieder ein drolliges Vorkommnis bekannt, das vor Weihnachten passierte. Eine adelige Dame erhielt aus Berlin von einem Verwandten eine Kiste mit Marzipan in Form von Schlack- und Leberwürsten. Der Ab- sender hatte aus Scherz den Inhalt als Fleischwaren angegeben, straße bis zum Militärvahuhof verlängert. 22, Rixborf— Alexander-[ bereits so schwere Brandwunden erlitten, daß an ihrem Aufkommet« platz— Müllerstraße wird ebenfalls in den Berkehrsstimden bis zur gezweifelt wird. was zur Folge hatte, daß die Kiste von der Steuerbehörde geöffnet wurde und die Würste, die man nicht genall untersuchte, mit Schlacht- steuer belegt wurden. berliner JVacbnchten. Das neue Straftenbahnnetz. Gleichzeitig mit den Plänen für die U n t e r t u n n e l u n g der Potsdamer- und Leipzigerstraße, des Brandenburger Tores und der Linden hat die Große Berliner ein neues Stratzenbahnnetz ausgearbeitet, das eine große Zahl neuer Linien enthält. So wird eine direkte Verbindung mit Wilmersdorf und Rix» darf durch den Leipziger st raßentunnel geschaffen werden. Die?- und ki-Linien der Charlottenburger Straßenbahn werden von Westend resp. Spandauer Bock bis zum Schlesischen Bahnhof verlängert, und der Gesundbrunnen erhält direkte Ver- bindung mit Schöneberg. Auf der anderen Seite wird von Schöne- berg eine Linie durch die Martin Lutherstraße— Herkulesbrücke— Charlottenburger Chauffee— Lindentunnel— Kupfergraben— Hackescher Markt— Schönhauser Tor bis zum Ringbahnhof Schönhauser Allee gehen. Die Linie Halensee wird durch den Lmdentunnel— Hausvoigteiplatz— Spittelmarkt— Köpenickerstraße bis zum Schlesischen Tor verlängert. Die Linie 94, Rixdorf, Knesebeck- straße— Dönhoffplatz wird über den Hausvoigteiplatz durch den Lindentunnel über Charlottenburger Chaussee— Levetzowstraße bis Beussel-, Ecke Turmstraße durchgeführt. Die Aufhebung der Endhaltestellen Dönhofsplatz und Spittel- markt ist in dem Projekt vorgesehen, und eine Weiterführung der Linie 70— Friedrichsfelde— Spittelmarkt— über Dönhofsplatz, Jerusalemer-, Kronen-, Mauer-, Krausen- und Jerusalemerstraße zurück nach Friedrichsfelde und der Linie 62 Weißensee— Dönhoffplatz in der gleichen Linienführung zurück nach Weißensee in Aus- steht genommen. Schließlich werden noch folgende neue Linien ge- schaffen: 83/84 Stcttincr Bahnhof— Weidendammer Brücke— Opernplatz— Schlesische Brücke beziehungsweise Treptow: Linie 18: Char- lottenburg, Amtsgericht— Luisenplatz— Turmstraßc— Karlstraße— Opernplatz— Oranienstraße— Görlitzer Bahnhof; Linie 99: Kreuz- berg— Hallesches Tor— Potsdamer Tor— Brandenburger Tor— Luisenstraffe— Chausseestrahe— Müller- Ecke Secstraße; Linie Y: Moabit— Beußelstraße— Levetzowstraße, Charlottenburger Chaussee. Lindentuunel, Königgrätzerstrahe. Moritzplatz; Linie Z: Ringbahnhof Putlitzstcaße, Alt-Moablt, Bcllcvueallce, Branden- burger Tor, Königgrätzerstraßc, Haisenkeide, Rixdorf, Hermann- platz. Die Straßenbahnlinic 54, Schönhauser?lllce— Grolmann- straße, wird durch die Bismarck-, WilmerSdorferstraßc. Königsdamm bis zum Nonnendamm in Charlottenburg verlängert. Man muß eS der„Großen Berliner" lassen: Sie läßt alle Minen springen, um ihr neues Projekt dem Publikum und vor allem den Behörden schmackhaft zu machen. Fahrplanverbesserungen bei 10 Straßenbahnlinien. Umfangreiche Fahrplanverbesserungen wird die Große Berliner Straßenbahn am 1. Januar einführen. Sie betreffen uichl weniger als 10 verschiedene Linien. Linie 4 sJimenring) wird durch den Tiergarten auf dem Wege von V Kupsergraben-WilmerSdorf geführt. Zwischen dem Großen Stern und der Prinzenstraße geht 4 über die Kaiser-Allee, RoSberitzer-, Hohenstaufen-, Pallas-, Gäben-, Jork« und Belle- illiancestratze über den Blücher-Platz nach der Gitschinerstraße. In Richtung vom Großen Stern geht sie über die Fasanerie- und Lichtenstein-Allee, die Corneliusstraße, den Kurfürsiendamm, die Ronkestraße und die Kaiser-Allee. In umgekehrter Richtung geht sie von der Kaiser-Allee durch die Joachimsthaler- und Harden- berßstraße. Kurfürsteiidamm, Cornelmsstraße, Lichtenstein- und Faianerie-Allee. 89 und 90 gehen dafür von der RoSberitzer- über die Lipaer- und Güntzelstraße bis zur Ecke der Uhlandstraße. 79, Küftrinerplatz— Halensee geht von der Ecke der Schill- und Kur- fürsteiistraße durch die Nettelbeck-, Kleist- und Tanenzienstraße statt durch die Nürnberger- und Augsburgerstraße zum Kurfürstendamm. 23, Gesundbrunnen— Brandenburger Tor— Potsdamerstraße wird in den Verkehrsstunden in Schöneberg durch die Haupt- und Kolonnen Seestraße, Ecke der Müllerstraße durchgeführt. Die Linien 46 und 47, Briy—Nieder-Schönhausen— Nordend und Kirche werden in einer gemeinsamen Linie 47 verschmolzen. Sämtliche Wagen gehen in den bisherigen gemeinsamen Abständen bis Nordend durch. 69, Schöneberg— Alexanderplatz— Friedrichsfelde wird in Friedrichsfelde bis und von der Kirche durchgeführt. Dafür verkehrt 70 nur zwischen der Schloßstraße in Friedrichsfelde, Ecke der Berlinerstraße und dem Spittelmarkt. Silvester Fahrgelegenheit. In der Silvesternacht werden auf den Linien P a n j tv bezw. Nieder-Schönhausen nach Mittel- straße anschließend an den Fahrplan noch folgende Sonderzüge verkehren: Ab Pankow, Mendelstraße 12.10, 12.30, 12.50, 1.10, 1.30 nachts. Ab Nieder-Schönhausen 12.20, 12.40, 1.00, 1.20, 1.40 nachts. Ab Mittel-, Ecke Friedrich st ratze nach Pankow, Mendel- straße 1.00, 1.20, 1.40, 2.00, 2.20 nachts; nach Nieder-Schönhausen 1.10, 1.30, 1.50, 2.10, 2.30 nachts.— Auf der Linie Behren- straße-Treptow findet zwischen Behrenstraße und Wiener Brücke bis 1.54 nachts 10 Minuten-Berkehr statt. Der Umzug am 1. Januar ist erheblich schwächer, als der zum 1. April oder zum 1. Oktober, immerhin bietet er manchen Arbeits- losen Gelegenheit, sich einige Mark zu verdienen. Arbeiter, deren Beruf eine Beschäftigung um die jetzige Jahreszeit schwer gestattet oder die durch schlechten Geschäflsgang arbeitslos sind, ergreifen mit Vergnügen die Gelegenheit,„Ziehen zu helfen". Die Arbeiter suchen durch Anfragen oder auf anderem Wege zu ermitteln, wo man Leute gebrauchen könnte und bieten dann ihre Arbeitskraft an. Wie muß es dann einem solchen auf der Suche nach Arbeit Befindlichen zu Mute werden, wenn er sehen muß, wie im Dienste des Staates stehende Beamte ihn diese Arbeit vor der Nase wegnehmen. Die Amioneenfirma Daube u. Co. in der Zimmerstratze beschäftigt im Augenblick fünfzehn Feuerwehrleute beim Umzug; also Leute, die doch aus Steuergeldern unterhalten werden. Arbeitslose, die um Arbeit nachfragten, wurden infolgedessen abgewiesen. Es ist dies ein Verfahren, das gar nicht scharf genug gerügt werden kann. Ter Magistratsantrag betr. die Ausarbeitung der Spezial-Ent- würfe für die Nord-Süd-Nntergrundbahn ist, wie aus dem Stadt- verordnetensitzungSprotokall erhellt, nicht„einstimmig"— mit 107 gegen 0 Stimmen— sondern mit„sämtlichen abgegebenen 114 Stimmen" angenommen worden, wobei bemerkt wird:„Der Stadtverordnete M o m m s e n hat sich der Abstimmung enthalten." Die Gesellschaff für den Bau von Hoch- und Untergrundbahnen, welche die SpezialPläne für das Tunnelprojekt der Großen Berliner in etwa L'/zMonaten hergestellt hat, wird die ihr vom Magistrat aufgetragene Arbeit, wie man hofft, in längstens zwei Monaten aus- führen, so daß es möglich sein wird, schon Anfang März!. I. mit den Einzelberatungen des Nord-Süd-Projektcs im Rathanse zu beginnen. Zu dieser Zeit wird auch das in den städtischen Bau- bureauS bearbeitete neue Projekt— Linienführung durch die Friedrich st raße— schon fertig vorliegen. Die diesbezüglich vom Stadtbaurat gemachte Mitteilung, daß die Auffichtsbehörden sich gegen diese Linienführung ausgesprochen hätten, � wird an zuständiger Stelle für irrig erklärt. Es ist also begründete Aussicht vorhanden, daß die Rord-Südlinie den geraden und direkten Weg durch die Stadt nehmen kann. Hier darf niemand durch! Aus Anlaß der am 1. Januar 1906 im königlichen Schlosse stattfindenden Gratulationskur, des Salut- schießens im Lustgarten sowie der großen Paroleausgabe und Fahnen- nagelung im Zeughause werden von etwa 10 Uhr vormittags ab bis nach Beendigung der Feierlichkeiten— etwa gegen I'/i Uhr nachmittags— die Kaiser Wilhelm- und die Schloßbrücke, der Lust- garten, die Schloßfreiheit und der Platz am Zeughause für Fuhr- werke, Reiter und Fußgänger nach Bedarf gesperrt. Ueber die Geschästsmanipulationen eines DarlehnSinstttutS, das sich neben vielen anderen in der bürgerlichen Presse marktschreierisch anpreist, finden wir in der„Pfälzischen Post" eine Mitteilung, die wir wiedergeben möchten. Im allgemeinen preisen sich diese Institute in der Form an, daß sie durch„Herleihen von Geldern unter strengster Diskretion, kulantesten Bedingungen, niedrigsten linsen" die Aufmerksamkeit der in Notlage Befindlichen wachrufen. Jn den meisten Fällen wird eS derjenige, der das DarlehnSinstttut als seinen letzten Ausweg betrachtet, zu spät gewahr werden, daß er in den meisten Fällen der Düpierte ist. Die Firma, um die eS sich hier handelt, betitelt sich Hermann Schneeweiß, Bank- und Kommissionsgeschäft, Berlin. In dem ersten Schreiben— einem gedruckten Formular— das nach dem auf die Annonce an die Firma gerichteten Schreiben eingelaufen ist, wird mitgeteilt, daß das Darlehen in diesem Falle 500 M. zu 5 Proz. Zinsen auf Wechsel oder Schuldschein zu erhalten ist; für erforder- liche Auskunft und Unkosten usw. sind 15,40 Mark an- gesetzt. Derjenige, um den eS sich in unserem Falle handelt, ein Arbeiter, war kurzsichtig genug, wenn auch nach einigen Tagen, daS Geld einzuschicken. Der Firma Schneeweiß dauerte das aber noch zu lange und darum ein vielversprechendes Mahnschreiben. Diesem Schreiben folgte, da ja die Geldsumme inzwischen ein- gelaufen war, eine EmpfmigSbestätigung. und der Geldsuchende wiegt sich in den schönsten Hoffnungen, aus seiner Geldverlegenheit durch das Entgegenkommen dieses„wohltätigen" Instituts herauszukommen. Da trifft Schreiben Nr. 5 ein. Es bedeutet aber für den Empfänger eine Hiobspost. Jn dieser Zuschrift heißt eS, daß man sich leider nicht zur Hergabe des Darlehens entschließen könne, da. wie aus beiliegender Auskunft zu ersehe», keine genügende Sicherheit gegeben sei. Der Mann, welcher sich schon im Besitze des Geldes wähnte, ist um 15,40 M. ärmer und um eine bittere Erfahrung reicher. Wie diese Firma auf solche seine Geschäfte rechnet, kann man hil'raus er- sehen, daß ihre sämtlichen Zuschriften gedruckt, also für den Massen- verbrauch bestimmt find und der Firma ein hübschek Sümmchen mühelos in den Schoß werfen. Die Konsum- Genossenschaft Berlin und Umgegend, die auch in der Arndtftraße 5 eine gutgehende Filiale besitzt, bittet uns mit- zuteilen, daß sie mit dem Rabatt- Sparverein deutscher Hausftauen und mit dem Rabatt-Sparverein Südwest alias Konsum in der Arndt- straße nicht das geringste zu tun hat. Zwei Menschenleben im Straßenverkehr vernichtet. Ein Unglücks- fall mit tätlichem Ausgange hat sich gestern abend im Straßenbahn- betriebe zugetragen. An der Ecke der Boyen- und Chausseestraße war die 53iährige Witwe Karoline Thim, Friedrichsgracht 3. im Begriff geweien, kurz vor dem herannahenden Straßenbahnwagen Nr. 1541 der Linie 29 sNichttmg Britz) den Fahrdamm zu über- schreiten. Die Unvorsichtige wurde umgerissen und mit solcher Ge- walt mit dem Kopf auf das Pflaster geschleudert, daß sie einen schweren Schädelbruch erlitt. Nachdem sie auf der Ilnsallstatton VI in der Lindowerstraße Notverbände erhalten, kam die Verunglückte nach dem Krankenhause in Moabit, wo sie bald nach ihrer Ein« lieferung, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb.— In der Friedrichstraße wurde der 24jährige Bäckergeselle Max Zobel aus der Bergstr. 3 von einem Droschkenautomobu überfahren und gleichfalls mit einem komplizierten Schädelbruch in das Kranken- Haus in Moabit eingeliefert. Auch Z. erlag bald der schweren Ver- letzung. Bei einer Spiritusexplofion ist die 54 Jahre alte Witwe Sophie Werth, Weserstraße 2 wohnhaft, lebensgefährlich verbrannt worden. Frau W. wollte gestern nachmittag Kaffee zubereiten und benutzte dabei einen Spirituskocher. Plötzlich explodierte der Apparat und der brennende Spiritus ergoß sich über die unglückliche Frau, deren Kleider im nächsten Augenblick brannten. Gleich einer Feuersäule eilte die Brennende aus der Wohnung heraus, und auf dem Kor- ridor gelang eS Nachbarn, die Flammen mit Bettzeug zu ersticken. Inzwischen hatte jedoch die Bedauernswerte am ganzen Körper Ueber zwei Fälle imßcmdeiltlich roher Tierquälerei ist wieder zu berichleu. Große Eiitriistiing erregte am Donnerstag der Anblick eines Schaufensters in der Schönebergerstraße. Dort war in dem Fenster einer Vogelhaiidlung ein Teil der gefiederten Sänger durch Nachlässigkeit des Besitzers verendet, während die am Leben ge- bliebenen an den Leichen nagten. Wiederbolte Meldungen brachten zunächst keine Hülfe, bis schließlich die Polizei einschritt nnd die Leichen der verhungerten Vögel entfernte, während die überlebenden gefüttert wurden. Der Loden wurde geschlossen. Wie es heißt, ist der Inhaber seit Sonnabend nicht mehr anwesend und hat die Tiere ihrem Schicksal überlassen. Der andere Fall betrifft den Fund eines herrenlosen Pjerdes in Tegel. Dort ist, wie schon berichtet, ein alles, krankes Pferd aufgegriffen und auf Veranlassung des Amtsvorstchers in dem Stall eines Besitzers untergebracht worden. Durch die Er- Mittelungen des Deutschen Tierschntzvereins wurde festgestellt, daß das arme Tier Über und über mir Räude behaftet war. Aus diesem Grunde hat auch der gewissenlose Besitzer sich des Pferdes entledigt, weil in diesem Falle ja selbst das Fell keinen Wert befitzt. Auf Veranlassung der Behörden wurde, nachdem ein Tierarzt zu Rate gezogen war, das Tier getötet. Man fahndet jetzt auf den Eigen- lümer, um ihn wegen der unverantwortlichen Behandlung des Pferdes zur Rechenschaft zu ziehen. WeihuachtSpaket-Statistik. Der WeihnachtSpaket-Verkehr weist in diesem Jahre wieder eine beträchtliche Steigerung ans. wenn diese a»ch in Berlin bei der Gesamtstückzahl der aufgegebenen und ein- gegangenen Pakete nur etwa die Hälfte deS vorjährigen Zuwachses erreicht. In Berlin wurden vom 12. bis zum 15. Dezember ein- schließlich insgesamt 2 355 620 aufgegeben, das find 69 518 mehr als 1904. Bon dieser Ge'amtstückzahl wurden Heuer 1 525 126 aufgegeben, während 830 494 Pakete für Berlin eingegangen sind. Das Verhältnis, fast doppelt so viel Auflieferung wie Eingang, zeigt, welche Rolle der Berliner Geschäftsverkehr auch in der Weihnachts- zeit spielt. Die Zunahme gegen das Vorjahr verteilt sich auf die Aiiftieferung mir 40000, auf den Eingang mit nahezu 30 000 Stück. Während der Zeit deS Hauptverkehrs, vom 18. bis zum 25., waren bei den Berliner Ortspostanstaltcn insgesamt 11 357 Beamte ohne HülfSmannschaften beschäftigt. Davon waren 3l66 Beamte, 4481 Unterbeamte und 3710 Postboten Zur Bewälttgung des Post- silhrverkehrS wurden täglich 2118 Pferde verwendet. Charlottenburg hatte Heuer einen Gesamtverkehr von 106275 Paketen oder 7946 Stück mehr. Aufgegeben wurden 48 869 Stück, dagegen weit mehr, 5? 906, eingeführt. Von der Vermehrung entfallen 3000 auf die Ausgabe und 5000 auf den Eingang. In der Hmiptzeit wurden 754 Beamte beschäftigt. Rixdorf gab 10 500 Pakete auf, erhielt aber 16 742. Während im Vorjahre die Ailflieferung etwas zurück- gegangen war, zeigt sie in diesem Jahre wie der Eingang eine kleine Vermehrung, 336 bei der Aufgabe, 2860 beim Eingang. Es waren dort 236 Beamte notwendig. In Schöneberg wurden in diesem Jahre 24 244 WeihnachtSpalele aufgegeben, das sind 4350 mehr als 1904. Der Eingang zur Bestellung betrug Heuer 38 202, eine Zahl, die sich mit der de§ Vorjahres nicht vergleichen läßt, da seit dem 15. Januar die für Friedenau bestimmten Pakete vom Postamt in Schöneberg bestellt werden. In Schönebcrg wurden vom 18. bis 25. Dezember 265 Beamte beschäftigt. Der Verkehr wurde vom Wetter und von dem Umstände begünstigt, daß der heilige Abend auf einen Sonntag fiel, so daß die Hauptmasse der Auflieferung einen Tag früher erfolgte. Bei einem brave» Rettungswerke schwer verunglückt ist gestem morgen der Droschkenkutscher Gustav Ludwig aus der Krummestr. 26. 2., welcher mit seinem Wagen am Droschkenhalteplatz an der Ecke der Luther- und Kleiststraße gehalten hatte, bemerkte plötzlich ein durchgegangenes Doppelgespann die Kleiststraße hiiiunterraisn. Da auf dem Stratzeudamm ein sehr lebhafter Berkehr herrschte und viele Passanten in der größten Gekabr schwebten, stürzte sich L. ent- schloffen den Tieren in die Zügel und versuchte sie zum Stehen zu bringen. Die Pferde bäumten sich jedoch hoch auf und rissen den Kutscher zu Boden. L. klammerte sich verzweifelt an die Leibriemen des Handpferdes an und wurde in dieser furchtbaren Lage bis zum Wittenbergplatz mitgeschleift. Dort gelang es einem Schutzmanne, die wilden Durchgänger zum Stehen zu bringen. L. wurde mit schweren inneren Verletzungen unter den Pferden hervorgezogen und nach der Uufallstation am Zoologischen Garten gebracht. Im Krankenhause Westend liegt der Bedauernswerte jetzt in kritischem Zustande darnieder. Beim Fensterputzen abgestürzt und lebensgefährlich verletzt'ist gestern die 40 jährige Reinmachefrau Johanna Räbke, Melchiorstr.>15 wohnhast, die in der Jerusalemerstt. 54 eine Aufwartung versah. Gestern nachmittag war Frau R. beim Fensterputzen begriffen und erhielt durch einen unseligen Zufall von einem in dent Zimmer befindlichen Maler einen so unglücklichen Stoß mit dem Farbeeimer gegen den Kops, daß sie das Gleichgewicht verlor und auf die Straße hinabstürzte. Die Bedauernswerte hatte eine schwere Gehirn- erschütterung erlitten und wurde in fast hoffnungslosem Zustande nach dem Krankenhause am Urban gebracht. Von der dritten Etage herabgestürzt ist fast um die gleiche Zeit auf einem Neubau an der Humboldt-Mühle der 41jährige Arbeiter Lothar Glösemaim aus der Reinickeildorferstraße. G. hatte beim Abrüsten mitgeholfen und fiel dabei in der Höbe der dritten Etage vom Gerüst herab. Mit Nippenbrüchen und schweren Arm- und Schulterverletzungen wurde der Verunglückte in da« Moabiter Krankenhaus eingeliefert. Eine Revolveraffäre, die sich gestern in Plötzensee abgespielt hat, beschästtgt die Polizeibehörden. Der 22 jährige Buchhalter Paul Gasinaim aus der Äredowstr. 4 hatte mit mehreren Bekannten in dem Restaurant„Kronprinz" ein Theaterstück aufgeführt. Als die Mitglieder später das Lokal verließen, krachte plötzlich ein Revolverschlitz und G. stürzte getroffen zusammen; die Kugel war ihm in den Kopf gedrungen. Der junge Mann wurde in das Moabitcr Krankenhaus eingeliefert. Ueber den Urheber des Schusses konnte noch nichts ermittelt werden. Da G. keine Feinde besessen, kann man wohl annehmen, daß er das Opfer einer Verwechselniig geworden ist. Abgestürzt ist gestern vom Bau des neuen Rathauses in der Stralauerstratze der 21jährige DachdeckerhülfSarbeiter Schulz aus der Kopenhagenerstraße 74. Schulz glitt von einer Leiter und stürzte sechs Meter tief hinab. In einer Droschke wurde er zu- nächst nach der Unfallstation in der Brüderstraße und von da nach der Charite gebracht. Schulz hat sich erhebliche Verletzungen zu- gezogen. Ein schweres Unglück beim Reiten hat sich gestern nachmittag am Kurfürstendamm zugetragen. Der Offiziersbursche Berber des Grafen Serrh galoppierte auf einem Pferde den Reitweg entlang und als er an der Knesebeckstraße den UeberfahriSweg kreuzte, fuhr plötzlich von der Seite ein mit Steinen beladener Lastwagen in Pferd und Reiter hinein. Berber wurde samt dem Tiere zu Boden gerissen und siel unter das Pferd. Mit schweren Knöchelbrüchen wurde er noch der Unfallstation am Zoologischen Garten und von dort nach dem Garnisonlazarett in der Schariihorststraße gebracht. Zur Beseitigung deS Reitpferdes unter dem Wagen hinweg mußte die Feuerwehr requiriert werden. Da» Tier war derartig zugerichtet. daß eS an Ort und Stelle erschossen wurde. Zur Lysolflasche gegriffen hat gestern abend die Ehefrau deS Kaufmanns Eck. aus der Gropiusstr. 3. Schon wiederbolt hatte die Lebensmüde geäußert, sie werde Selbstmord verübe». Gestern abend versuchte sie. in Abwesenheit ihres ManiieS ihre» Entschluß aus- zuführen. � Die Unglückliche trank Lysol und wurde in fast hossuungS- losem Zustande nach dem LazaruS-Kranlenhause übergeführt- Am ersten Feiertage sind bei Kliem in der Hascnheide mehrere Parteibons gefiinden worden: der Verlierer kann sich dieselben ber Sellack, SO., Ratiborstr. 4 III abholen. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für dcn Jnscralenteil ver«ntw.: Lt. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts B tidruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW,