Nr. S nbonntBKofs-Bedlngungens Abonnements, Preis pränumerondo: Lierleljihrl. Z�o Mr. monoU. i.io SRI., ivbchentlich 28 PIg. frei WS HauZ. Einzelne Nummer 5 Pfg. EonntagS- nummer mit illustrierter Sonntags» Vellage.Die Neue Welt' 10 Psg. Post- Ilbonnement: l.lll Marl pro Monat, Eingetragen w die Post.ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband fü» Teutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige kuSlan» B Marl pro Monat. Ä3. Jahrg. Die Infcrlions-Gcbüljr betrügt für die sechsgespaltene koloilel» zeile oder deren Raum«0 Psg., sür politische und gewcrlschastliche Vereins» und BcrsaniniIitngS-Anzeigen 25 Psg. „Aleine ZZn-eigen". daS erste(seil» gedruille) Wort>0 Psg., jedes meliere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchslabe» zühlcn sür zwei Warle. Inserate sür dte nüchste Nummer müssen bis B Uhr nachniiltagS In der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wachen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sann» und Festtagen bis 8 Uhr»orinillags geöffnet. CriitlDt ttgilch stillt' DlonUa*, Verlinev VolksblÄkk. relegramm-ildreff«! „SMtalileinoKrai Btrlll". Zentralorgan der fozialdemokratifcben parte» Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68» Lindenstrassc 69. iteriiivreitii'r! Amt IV. Str. l«Ka. Ein Dämpfer für unsere Säbelraszler. Angesichts des kindischen Bramarbasierens, in dem sich, ivic wir noch in unserer gestrigen Nummer zeigten, gewisse Kreise unseres Bürgertums gefallen, scheint uns die nach- iolgende Betrachtung sehr am Platze zu sein, die uns ein Mitarbeiter zur Verfügung stellt: Da die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland immer noch gespannt zu sein scheinen und es im Deutschen Reiche sehr viele Leute gibt, die glauben, ein neuer Krieg mit unseren» westlichen Nachbarn würde den Deutschen ebenso gewiß den Sieg bringen wie der Feldzug 1870/71, so ist ein Vergleich zwischen damals und jetzt sehr angebracht. In» Jahre 1870 waren sämtliche Trümpfe auf der Seite Preußens. Schon beim Ausbruch des Krieges wußte Bismarck die Meinung zu erwecken, daß Preußen das un- schuldige Lämmlein sei, dem Napoleon plötzlich an den Kragen wolle. Von der Fälschung der Emser Depesche, die Bismarck später selbst zynisch eingestand, hatte das Volk damals keine Ahnung. Außerdem war Napoleon sowohl durch seine Politik wie durch verschiedene säbelrasselnde Aeußerungen in den Ruf des europäischen Störenfriedes gekommen. Wie ständen die Dinge jetzt im Falle eines Krieges? Könnte Fürst Bülow im deutschen Volk die Ueberzeugung hervorrufen, daß das Reich von Frankreich freventlich an- gegriffen werde? Davon kann gar keine Rede sein, auch wem» die Bülowschen Tintenkulis sich die Fingern wund schreiben würden. Erstens sind die Zeiten vorbei, in denen die große Maffe des deutschen Volkes an die Tölpelei vom französischen„Erbfeind" glaubte. Zweitens hat jeder denksähige Deutsche schon seit zehn und mehr Jahren die Ueberzeugung. daß die auswärtige Politik des neuen Kurses das Reich einmal in einen Krieg stürzen oder wenigstens a n den Rand eines solchen bringen werde. Diese Politik ist ja überreich an u n- eschicktesten Provokationen, die Provokationen leiben, auch wenn sie mit Versicherungen der eigenen Friedens- liebe garniert wurden. Und welche Sehnsucht nach kriege- rischen Barbareien man in gewissen deutschen Kreisen empfindet, das haben der Anfang und der Verlauf der Expedition nach Ehina sowie das„forsche" Drauflosgehen gegen Venezuela und Haiti zur Genüge gezeigt. Endlich ist ein ausgezeichneter Beweis für die Friedensliebe Frankreichs in der Tat- fache vorhanden, daß es seinen kriegslustigen Minister Delcassö zum Teufel jagte. Im Deutschen Reiche aber ist der Reichs- kanzler, der die Reise nach Tauger zuließ, sogar feierlich billigte und beivunderte, nicht nur immer noch aktiv, sondern inzwischen sogar Fürst geworden. Unter solchen Verhältnissen ist es klar, daß der Versuch. Frankreich als den Teil, der den Krieg vom Zaune brach, hinstellen zu wollen, kläglich scheitern müßte. Käme es zu einem Streit mit den Waffen, so würde das gesamte Ausland die Ursache einzig und allein in Berlin suchen. Und nicht nur das Ausland I Ferner konnte man 1870 das Schlagwort von der Bedrohung des linken deutschen Rheinufers in die Massen werfen. Die Souveränität des Sultans von Marokko aber, für die das offizielle Deutsche Reich sich so sehr ins Zeug legt, gibt keine Kriegsparole, dieiveilen Marokko dem deutschen Volke, abgesehen von einem kleinen Hä»»flein politischer und kapitalisti- scher Spekulanten, ganz egal ist. Zu all' dem konimt das erfreuliche Faktum, daß die Sozialdemokratie den Chauvinismus eifrigst bekämpft und auch dafür gesorgt hat. daß der Abscheu vor dem staatlich ge- nehmigten Massenmord überhaupt in immer weitere Kreise gedrungen ist. Wir sahen also, daß bei einem neuen Krieg gegen Frank- reich die— man erlaube den Ausdruck— moralische Position Deutschlands viel schlechter wäre als jene von 1870.— Und nun zum Vergleiche der beiderseitigen militärischen Situationen. Frankreich trat 1870 bekanntlich völlig unvor- bereitet in den Krieg. Bei den obersten Militärbehörden, vor allem im französischen Kriegsministerium. herrschte eine beispiellose Schlamperei und Pflichtvergessenheit. Ein ernstlich erwogener Plan für die ersten bis zun» Zusammentreffen niit dem Feinde nötigen Operationen fehlte, die Truppen waren »vohl mit Kärten von den deutschen Greuzprovinzen. nicht aber von den in Betracht koinmenden französischen ausgerüstet. Die Kavallerie war für den Äusklärungs- dienst fast gar nicht ausgebildet. Auch mangelte schon im französischen Aufmarschgebiete der nöttge Proviant. so daß die Truppen zuletzt, von Hunger getrieben, auseinander- liefen und auf eigene Faust requirierten. Und weil, wie be- merkt, kein fester Plan fiir die zunächst notivendigen Operationen vorhanden war, wurden die Führer unsicher, Befehle und Gegenbefehle jagten sich, und infolgedessen mußten die Truppen unnütze, ermüdende Märsche, die sie deino- ralisierten, ausführen. Um das Unglück vollzumachen, mimte Napoleon III. den Feldherrn und erließ möglichst blödsinnige Anordnungen. Ist wirklich jemand im Deutscheu Reiche albern genug sich einzubilden, daß die Franzosen bei einem noch- maligen Kriege gegen Deutschland wieder so der- fahren werden? Die Franzosen haben aus dem französischen Kriege sehr viel gelernt und werden daher der deutschen Armee von vornherein anders gegenüberstehen als im August 1870. Da Frankreich Republik ist, so ist auch für die Deutschen die Hoffnung ausgeschlossen, daß ein französischer Monarch ihnen mit seinen Dumniheiten siegen hilft. Die kriegslustigen deutschen Chauvinisten mögen sich auch hinter die Ohren schreiben, daß jetzt der Einmarsch in Frank- reich erst nach Ueberwindung der stanzösischen Sperrforts möglich ist. Mögen die Forts auch nicht ganz den allerneuesten fortifikatorischen Prinzipien entsprechen, so bilden sie dennoch furchtbare Hindernisse, die vielen tausend Deutschen das Leben kosten werden, ehe man an ihnen vorbeimarschieren kann. Außerdem bieten sie dem französischen strategischen Aufmarsch einen großen Schutz. Doch zurück zum Kriege 1870. Die Deutschen begannen den Krieg mit einer relativ kolossalen Ueber- macht. 447 000 Deutsche marschierten gegen 250 000 Fran- zosen los. Daß das Deutsche Reich jetzt einen Krieg gegen Frank- reich mit einer Uebermacht von lK> Proz. beginnen kann, ist ausgeschlossen. Gewiß hat das Deutsche Reich bedeutend mehr Einivohner als Frankreich, aber es kann auf einen Schlag höchstens 2—3 Millionen Soldaten an die Grenze schicken, weil hier die Zahl der vorhandenen Verkehrsniittel (Lokomotiven, Wagen) eine Beschränkung auserlegen. Von den pekuniären und den anderen Schwierigkeiten, die einer gleichzeitigen Mobilmachung von 4 Millionen und mehr Mann entgegenstehen, wollen wir nicht sprechen. Zwei bis drei Millionen Mannschaften kann aber auch Frankreich schon am Anfange des Krieges auf die Beine bringon. Somit ist die Aussicht, daß das Deutsche Reich auch in einem künftigen Kriege gegen Frankreich von vorilherein mit einer großen Uebermacht aufzutreten imstande ist. sehr gering. Im weiteren Verlauf des Feldzuges 1870 hatten die Deutschen ein enormes Glück und die Franzosen ebenso großes Pech. Bei Wörth wurde Mac Mahon vom General Failly, den er zur Teilnahme an der Schlacht beordert hatte, einfach im Stich gelassen. Bei Mars la Tour ließ Bazaine sich, trotz- dem er über 125000 Mann und 504 Geschütze verfügte, von 32 000 Preußen mit 126 Geschützen düpieren. Hätte er zugegriffen, so wäre für den preußischen General von Alvens- leben eine furchtbare Niederlage unausbleiblich gewesen. Würde hier Mac Mahon, der zwar kein großer Feldherr, aber ein sehr energischer und tüchtiger General war, komman- diert haben, so wäre die Schlacht für die Deutschen sicher verloren gewesen und der Sieg von St. Privat-Gravelotte, durch den die ganze französische Rheinarmee nach Metz hinein- geworfen wurde, wäre unmöglich geivorden- Was die vielgepriesene Schlacht von Sedan anbelangt, so ist sie viel weniger das Verdienst Moltkes, als die Folge einer Verkettung von unglücklichen Verhältnissen. Wäre Frankreich schon damals eine Republik gewesen. so hätte die deutsche Armee niemals ein Sedan erfochten. Da Napoleons Thron nach der Niederlage von St. Privat-Grave- lottc bedenklich ins Wackeln gekommen war, wurde Mac Mahon, der im Lager von Chklons eine neue Armee sammelte, von der Regentschaft aufgefordert, den in Metz eingeschlossenen Bazaine zu befreien. Mac Mahon wies mit Nachdruck darauf hin, daß ein solcher Zug überhaupt nicht gelingen könne, weil es unmöglich sei, unbemerkt an der rechten Flanke der nach Paris marschierenden Deutschen vorbeizukommen. Aber es galt, eine erhabene Dynastie an der hochaufgehäuften Kompott- schüssel zu erhalten und so wurde dem armen General der strikte Befehl erteilt, nach Metz zu marschieren. Auf dem Wege dahin gab es das Sedan. Und damit war, vom Gefecht bei Weißenburg an gerechnet, innerhalb 27 Tagen der»vi'itaus größte Teil der französischen Armee des Kaiserreiches unschädlich gemacht. Ist wirklich ein Deutscher so vernagelt zu hoffen, daß die Franzosen auch in einen» künftigen Kriege solche Böcke schießen werden, wie die eben erwähnten? Und mögen die Gedanken- losen, die meinen, daß die deutsche Armee gewiß siegen werde, sich fragen, ob die deutsche Führung»vieder so k o n- s e q u e n t Verfahren werde wie 1870. Moltke war gewiß kein großer Feldherr, aber er war ein energischer, und wenn es sein mußte, auch kühner General, der sich vor allem durch eine große Konsequenz auszeichnete. Die Kon- seqllenz ist im Kriege sehr viel wert, denn in ihm kommt es, wie schon Scharnhorst sagte. weniger darauf an,»vas geschieht, als daß das einmal Unternommene mit Kraft und Logik durchgeführt wird. Das Deutsche Reich steht jedoch im Zeichen des Zickzacks. Und wenn auch in einem etivaigen Krieg Prinzip des Zickzacks herrschen sollte, so könnte die de»ltsche Armee dabei erbärmlich unter die Räder geraten. Es ist sehr fraglich, ob nicht schon ein siegreicher Krieg durch die enormen Opfer, die auch er dem deutschen Volk an Gut und Blut auferlegen müßte, die bedeutsamsten innerpolitischen Folgen für das Reich haben würde. Um wieviel »vahrscheiulicher wäre es, daß ein verlorener Krieg Konsequenzen hätte, die für das monarchische und das kapitalistische Prinzip soivie fiir die herrschenden Klassen sehr unangenehm sein könnten. Expedition: KM. 68, Oindenstrasse 69. �rriiN'ri'ilier! Ain» IV. Str. Ii>»t. Die Revolution in Rußland. Wiederanfflackeru der Moskauer Straßenschlacht. Dem Scherlblatt wird aus Moskau vom 3. Januar ge« meldet: Gestern wurde auf dem Platze vor dem Nikolaibahnhofe in Gegenwart der obersten Behörden und Militärs ein feierlicher Dankgottesdienst anläßlich der Niederwerfung des Aufstandcs ab- gehalten, doch am Abend fanden abermals heftige, blutige Straßen- kämpfe im Stadtviertel P r e h n j a statt, wo durch Artilleriefcuer mehrere Fabriken zerstört, viele Wohnhäuser eingeäschert wurden. Der Widerschein einer kolossalen Feuersbrunst war weithin sichwar. Der Arbeiterdeputiertenrat sowie die Komitees beider sozialistischen Parteien beschlossen, den Generalstreik heute zu liquidieren. Die Straßen bieten jetzt im allgemeinen wieder daS gewohnte Bild, die Geschäfte sind geöffnet, sämtliche Zeitungen sind erschienen. Auch der Eisenbahnverkehr ist wieder aufgenommen, die Pferde- bahn dagegen kursiert noch nicht wieder. Die Metzelei in Bachmut. Bachmut, 2. Januar.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agenttir.) Ein Detachement Kosaken mit Infanterie wurde nach der Statton Debalzewo geschickt, und diese von ihnen genommen. Die Herstellung der Eisenbahnverbindung ist in Angriff genommen. Viele Arbeiter aus verschiedenen Plätzen des Donezbassins begeben sich nach Zentral-Rußland. Der Kommandant der Truppen im Donezbassin gibt durch An- schlag bekannt, daß die Truppen die aufständischen Arbeiter bei Gorlovka geschlagen hätten, wobei 300 Man» getötet und viele verwundet seien. Um Blutvergießen zu vermeiden, werden die Arbeiter ermahnt, zur Arbeit zurückzukehren. Zur Aufrcchterhaltung des regelmäßigen Eisenbahndienstes soll jeder Streik mit Waffengewalt»interdrückt lverden. Waffen sind an die Behörden abzuliefern. Alle Personen, die init Waffen ergriffen werden oder versuchen, die Ruhe zu stören, oder zum Streik aufreizen, werden als Aufrührer angesehen werden, gegen die die Truppen energisch vorgehen werden. Petersburg, 3. Januar. Die Zahl der nicht arbeitenden Fabrik- arbeiter ist hier auf etwa 2500 gesunken. Die Verhaftungen von Arbeitern und Studenten dauern fort. In Pskow wurden viele Mit- gliedcr des Bauernverbandes und im Moskauer Eiscnbahngebiet viele Eisenbahnongestellte wegen Teilnahme an dem bewaffneten Ausstaude verhastet. Alle Regierungsmaßnahmen sind darauf ge- richtet, die sozial-revolutionäre Agitation einzudämmen. Vom Kaukasus fehlen feit zwei Wochen alle Nachrichten. Mitau, 2. Januar.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Der direkte Bahnverkehr mit Libau ist heute wieder eröffnet worden. Lodz, 2. Januar. lBon einem Privatkorrespondenten.) In vielen Fabriken war die Arbeit wieder aufgenommen worden, doch zwangen die Agitaioren die Arbeiter, die Fabrikräume zu verlassen. Der Ausstund dauert fort. Heute vormittag wurde in Pabianice ein Sekretär de» Polizeiamts durch Revolverschüsse getötet. Die Täter entkamen. * Was kostet Rußland die Revolution? Professor Mig ulin bringt einen neun Spalten langen Aufsatz, den er„Vor dem Bankrott" betitelt. Wir finden darin Schätzungen der Verluste, die Rußland bis heute durch die Revolufion erlitten habe. Nach Migulin kosteten etwa: A. direkter Schaden: 1. der Brand von Baku 100 Millionen Rubel, 2. 600 niedergebrannte Güter zu 100 000 Rubel 60 Millionen Rubel, 3. der Hafen von Odeffa 60 Millionen Rubel, 4. die zer- störten industriellen Anlagen 40 Millionen Rubel, 5. 60 geplünderte Städte. Flecken und Dörfer einschließlich Kiew, Odessa. Rostow (ohne Moskau) 60 Millionen Rubel, 6. Materialschaden von Heer und Flotte 60 Millionen Rubel, zusammen an direktem Schaden etwa 350 Millionen Rubel. L. indirekter Schaden. 1. Verluste der Eisenbahnen durch verringerten Güterverkehr 40 Millionen Rubel. 2. Ver- luste der dienenden Klassen infolge der Ausstände 200 Millionen Rubel. 3. Ueberführung von Kapitalien ins Ausland durch Flüchtlinge 200 Millionen Rubel. 4. Verluste infolge von Insolvenzen und Kreditverkürzungen 100 Millionen Rubel. 6. Goldabfluß infolge Uebersiedelung russischer Familien in? Ausland 100 Millionen Rubel. 6. Zurückziehung von Einlagen ausländischer Firmen 100 Millionen Rubel. Zusmnmen an in- direkten Verlusten 740 Millionen Rubel. Den Verlust an Staats» und Jndustriepapieren schätzt Migulin auf mindestens eine Milliarde, sodaß nach seiner Ansicht der der Volkswirtschaft bis heute zugefügte Schaden zwei Milliarden weit überschreitet. Beruhen diese Zahlen auch nur auf Schätzungen, so dürften sie doch nicht allzusehr übertrieben sein. Die russische Regier»ing prahlt jetzt damit, daß sie die Revolution in wenigen Wochen niederwerfen»verde,>v eil sie neue An- leihen aufnehmen muß. Die Revolution wird aber weder in einigen Wochen, noch in einigen Monaten nieder- geivorfen sein, sie wird vielniehr solange dauern, bis der Zarismus völlig am Boden liegt. Und dieser Zusammen- bnich muß schon aus finanziellen Gründen erfolgen, lvenw die Revolution noch länger andauert I Die Verhaftung der 166 Arbeiterdelegierte». Ueber dieses Ereignis erhalten wir aus St. Peters- bürg folgende Schilderung: Es war ungefähr l'/a Uhr in der Nacht vom 16. zum 17. Dezember, als sich ein merkwürdiger Zug durch das Narvastadiviertel am Südende von St. Petersbiurg bewegte. Bei einem flüchtigen Blick sah es aus, als wäre das Ganze nur eine besonders starke Abteilung Militär, die durch den fast stockfinsteren Stadtteil vorrückte. Eine Kosakenpatrouille bildete den Vortrupp und eine andere Kosakenpatrouille den Abschluß des Zuges. Aber der Kern war ein starkes Jnsautcriekarree mit aufgepflanzten Bajonetten, und drang der Blick durch die Reihen der Soldaten, so er- kannte man mit einem gewissen unheimlichen Gefühl, daß es sich hier um einen Gefangenentransport von außer- gewöhnlichem Umfang handelte. Inmitten des Militärkarrees gingen zirka 160 Zivilpersonen aller Klassen der Bevölkerung, aber doch überwiegend Arbeiter. Alle waren Mitglieder des Arbeiterdelegiertenrates von St. Petersburg. Sie waren verhaftet und auf dem Wege nach der Peter-Paulsfestung. Im Gebäude der Freien ökonomischen Gesellschaft waren sie am selben Abend mit ihren Kollegen im Rat und zahlreichen anderen Parteigenossen versammelt gewesen. Plötzlich war das Gebäude von Militär umringt worden und diese 160 Männer, über die Hälfte des Rates, wurde sogleich ab- geführt. Der ganze Austritt dauerte nicht eine halbe Stunde. Die Namen derer, die arretiert werden sollen, wurden auf- gerufen, und. um zu verhüten, daß die ganze Versammlung arretiert wurde, mußten die Betreffenden sich melden und mitgehen. Der düstere Zug, der ganz denselben Charakter trug wie die berüchtigten sibirischen Gefangenentransporte, bewegte sich durch die lange öde Straße Sabalkausky nach der Festung. Die Nachtschwärmer und das wohlhabende Publikum, das von Kaffees und Mittagsgesellschaften nach dem Zentrum der Stadt fuhr, beobachtete von den Kaleschen aus neugierig diesen Aufzug, und viele von jenen Leuten begrüßten das Ereignis mit Zufriedenheit, als eine Wiedergeburt der alten russischen Gewaltherrschaft aus den guten Tagen Plehwes und Trepolvs. Aber innerhalb der großen Volksmasse hat die Nachricht von dieser Gelvalttat und der ungefähr gleichzeitig erfolgten Beschlagnahme von acht fteiheitlichen Zeitungen— darunter alle sozialdemokratischen— einen neuen Sturm der Erbitterung hervorgerufen. Heiß tveht von neuem der Atem der Re- volntion, und es ist leicht begreiflich, daß die russische Bourgeoisie jedem neuen kritischen Tage mit Schrecken entgegengeht._ PoUlifcbe Ckbcrficbt. Berlin, den 3. Januar. Militärische Bedenken. Oberstleutnant a. D. v. Wartenberg, der unter dem Titel „Surs ira et studio" bereits im Jahre 1003 allerhand milirärische Betrachtungen angestellt hatte, hat nunmehr unter dem Titel„Mili- tausche Bedenken" eine neue Schrift erscheinen lassen, die manches Interessante enthält. Schon in dem Vorwort der Schrift erhebt der Oberstleutnant a. D. heftige Angriffe gegen das ehrengencktliche Verfahren, dem auch er wegen einiger gutgemeinter Offenherzigkeiten zum Opfer gefallen ist. Herr v. Warlenberg behauptet, daß man bei dem ehrengerichtlichen Verfahren gegen ihn die elementarsten Grundsätze verletzt habe, die für eine solche Prozedur beständen. In der Anklage habe man ihm die schwersten Verfehlungen gegen die Ehre des Offizicrstandes zur Last gelegt, ohne sie, wie es der § 29 der»Allerhöchsten Verordnung über die Ehrengerichte der Offiziere" verlange, näher zu bezeichnen. Auf diesen Verstoß habe er in seiner Verteidigung ausdrücklich hingewiesen.„Trotzdem konnten mich", schreibt er,„ein ans einem aktiven General und nenn aktiven Stabsoffizieren bestehendes Ehrengericht und die an letzter Stelle entscheidende Instanz verurteilen." So grell und häßlich beleuchte diese Tatsache die heutigen militärischen Zustände, daß er es für seine Pflicht halte, auch ferner darauf hinzuweisen, daß auf vielen Gebieten des deutschen Heerwesens unbedingt Wandel zu schaffen sei. Wenn man nun die neue Schrift Wartenbergs liest, begreift man in der Tat nicht, weshalb man ihm das Recht, die Uniform zu tragen, ehrengerichtlich aberkannt hat. Seine Ausführungen be- Weisen nicht nur die Ehrlichkeit seiner Kritik, sondern sie sind auch so absolut militärfromm, daß in der Tat unser Militarismus eine geradezu unbegreifliche Empfindlichkeit besitzen muß. Ein Zeichen robuster Gesundheit ist eine solche Mimosenhaitigkeit sicherlich nicht. Beachtenswert ist zunächst, was Wartenberg über den Offiziers- luxus sagt. Es könne scheinen, als ob durch die Verurteilung dieses Luxus durch den Kriegsminister„endlich das befreiende Wort gesprochen sei l" Es sei aber jedem Kenner der militärischen Ver- Hältnisse klar, daß der LuxuS gerade durch die glänzenden offi- zielten Festlichkeiten und die übrigen repräsentativen Zumutungen großgeznchtct werde. Solange mit diesem System nicht gebrochen Werde, sei alles Eifern gegen den LuxuS der Offiziere Reden in den Wind. Aber nicht nur die Offiziere, sondern auch die Einjährigen der feudalen Waffengattungen, speziell der Kavallerie, würden durch das herrschende System zum übertriebensten Luxus gezwungen. Herr v. Einem habe sich im Reichstage über die Schlemmerei auf dem Diner eines Kommcrzienrats entrüstet. Für solche Entrüstung gäbe es für den Kriegsminister viel näher liegende Objekte. Bevor ein Vater sich stir den Truppen- teil der Kavallerie entscheide, in dem sein Sprößling sein Jahr absolvieren solle, pflege er sorgfältige Umfrage anzustellen. bei welchem Regiment er ain b i l l i g st e n durchkomme. Aber die n i e d r i g st e n Sätze seien doch so hoch. daß Vater und Sohn herzlich froh seien, wenn sie die Summe von 12000 M. nicht überstiegen. Da es bekanntlich gerade unsere Landjunker sind, deren Söhne aus„Standesrücksichten" bei der Kavallerie ihr Jahr abdienen, begreift man, warum diese armen„Notleidenden" sich so sehr gegen die Erbschaftssteuer und überhaupt jede direkte Steuer sträuben I Da in der letzten Zeit, bevor der Marinerummel ausbrach, eifrig Propaganda für eine Kavallerievermehrung getrieben wurde, da also die Gefahr besteht, daß nach Bewilligung der Marine- vorläge dem Reichstag auch eine Knvallerieverstärkung zugemutet lvcrden wird, ist es gut, sich zu merken, was Wartenberg über die Bedeutung resp. die Bedeutungslosigkeit der Kavallerie sagt: „Nur wer krampfhaft die Augen schließt, kann heute noch in Slbrede stclleir, daß durch die Entwickelung der Feuerwaffen die Kavallerie als Schlachten lv äffe aus dem Kampfe ausgeschaltetworden ist. Den Maßgebenden im Heere scheint dies aber trotz der recht deutlichen Lehren des russisch-japanischen Krieges ebenfalls noch nicht zum Bewußtsein gekommen zu sein." Es ist bezeichnend für die kleinliche Intoleranz unseres Militarismus, daß Offiziere, die solche Ketzereien zu äußern wagen, nicht nur aus dem aktiven Dienste entfernt, sondern sogar noch ehrengerichtlich guillotiniert werden, llnd dann läßt sich noch unsere bürgerliche Opposition im Reichstag durch die Autorität von„Sach- verständigen" imponieren, die jede schüchterne Kritik nicht minder Sachkundiger als Hochverrat ächten I— Das Attentat ans das Hamburger Wahlrecht. Die Hamburger Arbeiterschaft hat den Kampf gegen die von der hambnrgischen Handelsbourgeoisie und ihrem Anhang geplante Wahlre'chtsvcrschlcchterung aufgenommen. Die Entrechtung der ärmeren, nicht ein jährliches Einkommen von 2500 Mark beziehenden Hamburger„Bürger" beantwortet sie mit der energischen Forderung des allgemeinen gleichen Wahl- rechts. In einem massenhaft im hamburgischen Staatsgebiet verbreiteten Flugblatt kritisiert sie im einzelnen die vom hanseatischen Liberalismus beabsichtigten Maßnahmen und ruft zugleich zu niorgen abend 17 Protestversammlnngen ein. In dem Flugblatt heißt es: Von den 80 Sitzen, die durch die allgemeinen Wahlen besetzt werden, sollen 8 dem Landgebiet verbleiben, das nach dem bis- herigen Wahlsystem weiter wählt, 48 sollen den„Erstklassigen" zu- fallen und nur 24 für die„Anneuecke" verbleiben. Die Unverschämtheit dieser„Wahlreform" tritt plastisch in die Erscheinung, wenn man sich vor Augur führt, daß die„Erstklassigen" ja schon 80 Sitze in der Bürgerschaft zur Verfügung haben, die ihnen durch die Notabeln- und Grundeigentümer- wählen gesichert sind, so daß sie nach dem von dem bürgerschaftlichen Ausschuß ausgeklügelten Wahlsystem nicht weniger als 123, und nnt den 8 Sitzen des Landgebietes, das ja auch „erstklassig" wählt, insgesamt 136 von den 160 Bürgerschaftssitze» besetzen werden, während die„Nichlbesitzenden" der zweiten Klasse mit ihren 24 Sitzen dauernd zu einer völlig einflußlosen Minorität verdammt sind. Die etwa 20 000 Wähler der ersten Klasse werden also einzig und allein eine Vertretung in der Bürgerschaft haben, die etwa 35 000 Wähler der zweiten Klaffe aber sind so gut wie ausgeschaltet, sie können höchstens ein„Sprachrohr" in der Bürgerschaft aufstellen, aber niemals Einfluß gewinnen, weil sie dauernd nur eine winzige Minorität in der Bürgerschaft bilden können und von der Verwaltung völlig ausgeschlossen sind. Ist es nicht eilte Unverschämtheit ohne- gleichen, ivenn die„besitzenden" Klassen nur 24 von 160 Sitzen als„eine der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung des Arbeiterst andes im Staatswesen entsprechende Vertretung" den „Nichtbesitzenden" zuweisen? Die arbeitende Be- völkerung ist die Trägerin des Staatswesens in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht. Ohne die arbeitende Bevölkerung wäre Hamburg ein Nichts I Es ist eine schamlose Beleidigung der gesamten arbeitenden Bevölkerung, wenn man sie so minderwertig einschätzt, wie das seitens der Verfechter des Wahlrechtsraubes geschehen ist. Und wie begründet mau dieses Attentat auf die Rechte des Volkes? Die„Nichtbesitzenden" sollen eine„Gefahr für den Staat" sein I Die größte„Gefahr" für den Staat wäre aber das Nichtvorhandensein der„ N i ch t b e s i tz e n d e n", denn ohne die Nichlbesitzenden wäre eS mit den„Besitzenden" bald Matthäi ani letzten, würde die Existenz der„Besitzenden" sehr schnell das Fundament verlieren, würde Hamburg sehr bald gar nicht mehr existieren; denn der Besitz der„Besitzenden" ist lediglich geschaffen durch die ersprießliche Tätigkeit der„Nichtbesitzenden", durch die Aus- beutung der Arbeitskraft der„Nichtbesitzenden" seitens der„Besitzenden"! Uebrigons findet die geplante Wahlentrechtung auch in bürgerlichen Kreisen schärfste Verurteilung. Die geradezu Mit- leid erregende alberne Sophistik der„Begründung" be- ivirkt das Gegenteil von dem, was ihre Produzenten beabsichtigt haben. Das fade, ohne jede tiefere Kenntnis der Staatsrechtsgeschichte zusammengebraute Räsonnement fordert jeden Denkenden zum Wider- spruch heraus. Aeußerst charakteristisch ist in dieser Hinsicht eine Aeußerung des Professors Delbrück, mit der er eine Kritik einiger Punkte der„Begründung" in der„Neuen Hamb. Ztg." schließt: „Ich bin voin deutsch-nationalen. politischen Standpunkt aus gegen die beabsichtigte Hamburger Wahlrechtsreform, aber nachdem ich den KommissiouSbericht gelesen habe, muß ich hinzufügen: ich bin schon im Interesse des Ansehen? der Ham- burger Bildung gegen eine Reform, wenn sie auf Grund eines Berichtes erfolgt, der so sehr auf Schritt und Tritt die gewöhnlich st en Kennt- nisse auf dem Gebiete der staatsrechtlichen Theorien, der Geschichte und der Politik ver- missen läßt."— »»» Veiitlclies Reich. Eine Gewissensfrage. Die„Köln. Volksztg." beschäftigt sich zwei Spalten lang mit unserem Artikel„Eine Legendenbildung". Dabei legt sie uns die peinliche Gewissensfrage vor. ob wir wirklich nur an eine„Abwehr- Revolution" dachten, oder ob wir nicht auch eine kräftige Offensive siir nötig erachteten. Das Blatt inquiriert uns folgendermaßen: „Wollen beide Parteien, namentlich also die radikalen „Revolutionsromantiker", mit ihrem ganze» Gerede über die Revolution nichts weiter besagen, als daß die Arbeiter auf die Entziehung des allgemeinen gleichen Wahlrechts zunächst mit dem Maffeiistmk antworten und, wenn dann Gewalt gegen sie an- gewandt werden sollte— aber auch nur dann— sich mit Gewalt zur Wehr setzen werden? Denkt also, mit einem Wort gesagt, die Sozialdemokratie nur au eine deseusive, eine Abwehr- Revolution? Das ist schon deshalb unwahrscheinlich, weil es der Sozialdemokratie doch nicht bloß darauf ankommen kann, die Rechte, die der Gegeuwansstaat den Arbeitern verliehen hat, zu erhalten; sie kann sich nicht einmal damit begnügen, den Umfang dieser Rechte innerhalb des GegenwartSstaateS zu erweitern und etwa zu diesem Zwecke, nehmen wir an zur Erringung eines demokratischen LaudtagSwahlrechteS in Preußen, politische Massen- streiks zu veranstalten. Mit alledem lvird sie ihren ZukunftSstaat nicht herbeiführen, dazu würde es vielmehr einer kräftigen und nachhaltigen Offensive bedürfen. Jeder Angreifer glaubt ja allerdings seiner«ache zu dienen, indem er auch für sich eine Art Notwehr konstruiert, indem er dem Gegner die Absicht eines Ueberfalles zuschiebt, und so ähnlich macht eS in diesem Fall auch wohl der„Vorwärts". Wir wollen die Wißbegierde des führenden ultra- montanen Blattes gern befriedigen. Die Sozialdemokratie will sich selbstverständlich nicht nur auf die Defensive beschränken. Ihre Agitatioit gegen das Dreiklassemvahlrecht b e w e i st doch schon ihre Offensive. Auch spricht ja die Amsterdamer Resolution deutlich genug ans, daß der politische Massenstreik unter Umständen auch ein Mittel sein kann, der sozial- demokratischen Propaganda zur Erkämpfuug weiterer staats- bürgerlicher Rechte für die Massen Nachdruck zu verleihen. Deshalb braucht die«Köln. Volksztg." aber nicht gleich an eine Offensiv-Revolution zu denken. Die Sozial- demokratie ihrerseits denkt umso lvenigcr daran, als sie bei der ttnübcrwindlichkeit der von ihr vertretenen Anschauungen sicher sein kann, daß sich ihre Anhängerschaft von Jahr zu Jahr vermehren wird. Aus den drei Millionen wahlberechtigter Sozialdemokraten werden sechs Millionen, wird die Mehrzahl der Bevölkerung werden. Und die Sozial- demokratie hegt auch die Zuversicht, daß es ihr gelingen wird, die Masse ihrer Anhänger zu wirklich überzeugten, opferbereiten Parteigenossen zu machen. Je stärker aber die Sozialdeniokratie anmächst, desto weniger wird die besitzende Klasse trotz allen Sträubens in der Lage sein, dem drängenden Volke seine Rechte zu verweigem. Namentlich auch das Zentrum wird— da ja auch die„ K ö l n. Volksztg." die Ungerechtigkeit der preußischen Recht- losigkeit der Arbeiterklasse anerkennt!— nicht umhin können, die Forderungen der Sozialdemokratie nachdrücklichst zu unter- stützen. Mach'tvolle Demonstrationen— eventuell auch Massenstreiks— werden der widerstrebenden Reaktion klar machen, daß auf die Tauer ein Widerstand unmöglich ist. Sollte aber die Reaktion trotz alledem an die W a f f e n g e w a l t appellieren, sollte s i e die Revolution proklamieren, nun, so würde eben die Gewalt entscheide:» Hoffentlich ist die„Köln. Volksztg." nunmehr vollständig befriedigt. Vielleicht beantwortet sie uns aber auch die Gegenfrage, wie denn das Zentrum über die külfftige politische Entwickelung denkt und wie lange es noch warten will, bevor es seine platonische Sympathie für die Erweiterung der Volksrechte einmal in die Tat umsetzt! Sollte das Zentrum die Antivort vergessen, so werden wir sie bei den nächsten Wahlen vor den Zentrums- arbeitern um so dringender wiederholen!— Altar und Thron. Der Wortlaut des am 27. November l90S von Wilhelm II. an den Erzbischos von Gnesen und Posen. Dr. Florian v. Swblewski, gerichleten Handschreibens wird erst jetzt bekannt: Hochwürdiger Erzbischof! Aus dem mir vorgelegten Hirtenbriefe vom 16. Oktober v. I. habe ich gern ersehen, wie sehr Euere Hochwürden bestrebt sind, den christlichen Glauben bei dem heranwachsenden Geschlechte zu stärken und dieses unter Hinweis auf die schuldige Ächtung vor den höchsten Autoritäten in Kirche und Staat zur treuen Er- füllung seiner kirchlichen und staatsbürgerlichen Pflichten zu ermahnen. Meine Regierung wird Ihre Bemühungen, den sich verbreitenden Umsturzgelüsten durch eine erweiterte und vertiefte Bildung der Jugend in den christlichen Glaubens- Wahrheiten zu begegne», gern unterstützen. Umiomehr ertvarte ich, daß Eure Hochwürden bei den näheren Anordnungen über die Vervollkommnung des Vorbereitungsunterrichtes dafür Sorge trage,: werden, daß Ihre Geistlichen die ihnen zu gebenden Weisungen in demselben stnatötrenen Sinne handhaben werden, in dem sie nach Ihrer Versicherung von Ihnen erteilt werden. Ich verbleibe Eurer Hochwürden wohlgeneigter gez. Wilhelm R. Dem Briefschreiber haben sicherlich nicht bloße Höflichieitsgefühle seine Worte in die Feder diktiert. Deshalb kann nicht angenommen werden, daß beide Male— kurz hintereinander— nur aus Kourteoisie zuerst von der„Achtung vor den höchsten Autoritäten in Kirche", zuerst von der Erfüllung der kirchlichen und dann erst von den Autoritäten des Staates, dann erst von den bürger- lichen Pflichten die Rede ist! Diese Anordnung zeugt von tiefer Kenntnis des Wesens des Katholizismus. Wozu dann aber der ganze Brief? Wozu dieser große Apparat zur Unterstützung und Förderung des HakatismuS? Sollte man dem polnischen Erzbischof im Ernste zutrauen, daß er sich an der borussischen Kaniuchenjagd zu beteiligen fähig wäre? Oder glaubt man gar, ohne die Hülfe des preußischen Zentrums weder mit den„Umsturzgelüsten" noch mit dem jüngst geplanten Attentat gegen die Volksschule im Abgeordnetenhause fertig werden zu können?-- „DaZ bißche» Friedensarbeit". Wir nahmen gestern Notiz von dem Gerücht, daß Wilhelm II. seinem neuen Generalstabschef, dem Grafen Moltke, Mut zugesprochen und ihm seine kaiserliche Unterstützung zugesagt habe. Die Form der angeblichen Aeußerung Wilhelms IL gibt die„Staatsbürger- Zeitung" vom 3. Januar: st in Kolonial- d i e n st e n keine Verwendung mehr finden wird. Als sein Nachfolger dürfte Geheimer LegalionSrat S e i tz, jetzt in der Kolonialabteilung. nach Kamerun gehen. Putl kamer lvird Ende Januar in Berlin eintreffen und sich sofort über seine Re- giernngsmaßnahiuen zu verantworten haben, das gegen ihn einzuleitende Disziplinarverfahren wird im Reichstage noch ein Nachspiel haben. Der jetzige Kolonialleiter wird im Falle Pnttkamer nichts verschleiern und selbst dann, wenn aus dem Falle Pnttkamer ein K o l o n i a l s k a u d a l sich entwickeln sollte, dem Reichstage in allen Punkten Rede und Antivort stehen. — Allerdings werden, wie von anderer Seite versichm wird, von verschiedenen Seiten Vermche gemacht, Pullkamer noch einmal zu reiten, bei seinem großen Sündenkonto dürfte dies aber ver- gebliche Liebesmüh sein. Sehr wichiig siir die Entschleierung der Wahrheit über die Zustände in Pulckmneru:: wäre es. daß die auf Puttkainers Ver- aulassung in de» Kerker geworfenen Unterzeichner der Beschwerde- schuft schleunigst in Freiheit gesetzt würden, damit nicht d'.e wichtigsten Ankläger und Belastungd-engen von vornherein au-- geschaltet siud. Durch die bloße Versicherung deG KolonialsekretärS, daß er nichts verschleiern wolle, sollte sich der Reichstag nicht einlullen lassen.—___ Die Expedition in Jlitutcnm, ans der Leutnant Karl F o e r t s ch bei Hingam schwer verwundet wurde, ist schon seit dem 2. September aus dein Marsche, und Mar richtet sie sich, wie den„ H a m b> Nachrichten" aus Kamcrum geschrieben wird, gegen die unbot- mähigen Mbos. Die Erpedition leitet der stellvertretende Kom- maudeur der Schuhtrnppe, Hauptmann ü. Krogh. Außerdem nehmen daran teil Oberleutnant Menzel, der verwundete Leutnant Foertsch und Assistenzarzt Eckard, sowie drei weihe Unterosfiziere. Die Kolonne, die 120 Mann stark ist, nebst etwa 100 Trägern, führt ein Maschinengewehr und auch ein Fallboot mit sich. Einzelheiten waren bisher noch nicht bekannt geworden.— Amtlich ist über die Expedition seltsamerweise bisher noch nichts gemeldet worden!— Südwest« frika. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: An Typhus sind gestorben: Gefreiter A u g u st Mische, geboren am 4. 11. 70 zu Bloniberg. am 31. Dezember 1905 im Lazarett Windhuk. Reiter Karl Zeichner, geboren am 0. 9. 82 zu Barleben, am 23. Dezember 1905 im Feldlazarett Lnderitzbucht. Auherdem: Reiter A u g u st K u r z i n s k i. geboren am 1. 3. 8V zu Klouczen, am 28. Dezember 1905 beim Ucberfall Teivs Farm schwer verwundet. Schutz rechtes Knie.-» HuBlattcL Frankreich. Das Tendcnzurteil. Nicht nur von den Sozialisten, auch von einem Teil der bürger- licheu Presse wird das barbarische Urteil gegen Hervö und Genossen als inibarmherzig, tendenziös, willkürlich bezeichnet. Aus einem Berichte, den die„Vossische Zeitung" von ihrem Pariser Korrespon- deuten erhält, geben wir zum Beweise dafür einen Satz wieder: „... die Richter haben Strafen von einer Schwere und Ungleichheit bemessen, die Befremden erregt. Professor Heros bekam vier Jahre Gefängnis, weit mehr, als über große Diebe und sonstige gemeine Verbrecher verhängt zu werden pflegt...." Die„Berliner Neueste Nachiichien", die den Untertitel„Un- parteiische Zeitung" führen, entrüsten sich, weil die„Pllblizisten" des „Vorwärts" sich nicht über die„Vaterlandslosigkeit" der französischen AntiMilitaristen empören, sondern über das gegen sie ergaiigene Urteil. Mögen die„B. N. N." sich mit Tantchen Voß auseinander- setzen.— England. Das Frcmdcngesrtz. Am 1. Januar ist das Einwanderungsgesetz in Kraft getreten. Bon diesem Tage an werden nach amerikanischem Muster alle Nicht- cngländer, die in den Häfen von London, Liverpool, Hull, Dover und Harwich landen, ärztlich uniersucht und auf ihre pekuniären Verhältnisse hin geprüft, weil kein Ausländer nach England hinein- gelassen werden soll, dessen geringe Geldmittel den Schlnh gestatten, daß er bald der öffentlichen Armenpflege anheimfallen würde.— Die mit der Kontrolle betrauten Aerzte und Beamten patronil- lieren zu Schiff die betreffenden Wasserläufe ab. Sobald sie eines Fahrzeuges ansichtig werde», steigt ein Beauftragter an Bord und erhält vom Kapitän die Passagierliste eingehändigt. Die wohledlen Passagiere erster Kajüte und einige Kategorien von Fahrgästen zweiter Kajüte dürfen unbehelligt an Land. Die übrigen werden auf Herz, Nieren und Geldbeutel geprüft, einem Verhör bezüglich ihrer Pläne unterworfen und dann— je nachdem— an Land gelassen oder zurückgewiesen. Der Mindestbetrag der vorhandenen Barmittel muh pro Person b Pfund(100 Mark) betragen. Familienväter haben pro Kopf ihrer Familie außerdem den Besitz von je 40 Mark nachzniveifen. Man ist aber wenigstens so gnädig, ihnen gegebenenfalls eine Bescheinigung über die Gründe ihrer Abschiebung aüsznfertigen. Sie bleiben an Bord und haben das Recht, bei einem eigens zu diesem Zwecke eingesetzten Berufungsgericht, das endgültig entscheidet, Be- schwerde einzulegen. Politische Flüchtlinge und Personen, die nachzuweisen vermögen, dah sie wegen religiöser Verfolgungen ihr Vaterland Verlässen mutzten, sind von der Beibringung eines Nachiveises genügender Subsistenzmittcl entbunden!— Alles in allem ein Gesetz, das trotz der dcmokratisch-toleranten Kautelen des letzten Absatzes alle Merkmale seiner kapitalistischen Familienangehöngkcit als Brandmal auf der Stirne trägt. Finnland. Eine letzte Warnung an die Stände. Am 30. Dezember haben in ganz Finnland gewaltige Wahlrechts- demonftrationen stattgefunden, die gleichsam als eine letzte Warnung an den Ständelandtag gelten sollen: sich nicht durch das Klassen- interesie zu einem für das Volk unannehmbaren Beschlutz über die Wahlrechtsfrage verleiten zu lassen. In Helsingfors nahmen un- gefähr 15 000 Männer und Frauen au dem DemonstrntionSzuge teil, der unter Führung der„Roten Garde" vorbei am Ritterhause und am Ständehause nach dem Senatsmarkt marschierte. Es war klares Frostwetter— mehr als 20 Grad unter Null. Die Musikkorps im Zuge konnten der grimmigen Kälte wegen nicht spielen. Um so kräftiger wurden der finnische Sozialisteumarsch und andere Kampf- lieber gesungen. Auf dem Sammelplatze wurde von fünf Rednertribünen eine umfangreiche Resolution' verlesen, die— als ein Ultimatum an die Stände— mit grotzem Beifall angenommen wurde. ES ist jetzt Sache des Landtages, durch eine wirklich dcmo- kratifche Gestaltung der Volksvertretung für eine ruhige Ent- Wickelung der inneren politischen Verhältnisse zu sorgen und einem politischen Massenstreik aus dein Wege zu gehen, der sicherlich die Folge eines verfehlten Landtagsbeschlnsses sein würde.— Zimerika. Dje amerikanische Post. Welche Fortschritte das amerikanische Postwesen gemacht hat, das zeigt der Postsckretär Cortelyon in seinem Jahresbericht durch Vergleiche der bestehenden Verhältnisse mit denen zur Zeit Benjamin Franklins. Er erinnert die Ameri- lauer an Franklin, der auch einmal Generalpostmeister der 5!olomen war und dessen 200jähriger Geburtstag am 17. Januar gefeiert wird. Im Jahre 1790, als Benjamin Franklin starb, hatte man nur 75 Postämter, heute gibt es 38 000 in den Vereinigten Staaten. Die Posteinnahmen im Jahre 1790 betrugen 37 975 Dollar. die Ausgaben 32140 Dollar. Im letzten Fiskaljahre betrugen die Einnahmen der Post 152 823 585, die Ausgaben 167 399 169 Dollar. Immerhin kannte man damals das regelmäßige Defizit von heute nicht. Die damalige Beamlenichar der Post uinfahle nicht mehr als 500 Mann. Heute sind bei der Post 280 000 Personen an- gestellt.— Die amerikanische Armee. Nach dem jüngst veröffentlichten Jahresbericht des Kriegssekretärs ist die amerikanische Bundes- armee etwas weniger als 60 000 Mann stark. Das ist das st e h e n d e Heer, wobei das Regiment auf Porto Rico und die Besatzung der Philippinen nicht mitgerechnet ist. Außerdem haben die einzelnen Staaten und Territorien ihre Milizen, die im letzten Jahre eine Gesamtstärke von 121 908 Mann erreichten. Die Aus- gaben im Bundesamt- für das Militärwesen betrugen im letzten Fiskaljahre 115 843 871 Dollar. Für das laufende Jahr sind die Ausgaben mit 12 Millionen Dollar weniger eingeschätzt! In dem Berichte des Kriegssekretärs heißt es von den Philippinen, daß»n allen 35 Provinzen, mit Ausnahme von drei, im letzten Jahre keinerlei llnruhen vorgekommen seien, welche ein Einschreiten durch die Militärgewalt nötig gemacht hätten.— Mus der partei. Strafkouto der Arbeiterbewegung. Im Monat Dezember wurden an Strafen erkannt: 6 Jahre. 11 Monate und 20 Tage Gefängnis, 2 Wochen Haft und 2602 M. Geldstrafe. Baiichriitscherei vor der Majestät des Proletariats nennt es das„Bolksblatt flir Anhalt", daß wir Edmund Fischers Lied vom Ende der russischen Revolution als„Hochverrat an der Sache des Volkes" bezeichnet hatten. Der„Freien Deutschen Presse" zur freundlichen Registratur empfohleni—_ Im eigenen Heim. Die„Freie Presse" in E l b e r f e l d ist zum 1. Januar in ein neues, in ein eigenes Heim übergesiedelt. Sic erscheint ans diesem Anlaß iin Festgewand und bringt auf der ersten Seite mehrere Ab- bildimgen des stattlichen Gebäudekomplexes, das sich an der Ecke der O.obert- und Wilbergstraße zu Elberfeld erhebt. An der Robenstraße haben die Gebäude eine Frontlänge von ca. 27 Meter, an der Wilbergstraße eine solche von ca. 30 Meter. Die Gesamtgrundstücksgröße beträgt 868.1 Onadratmeter. Als Eckgrundstück konnte dasselbe in ausgiebigster Weise aus- genutzt werden und wurden insgesamt 683,5 Quadratmeter bebaut. Für das eigentliche Druckereigebäude wurden 360 Quadratmeter ver- wandt, während der Rest auf die beiden Geschäfts- und Wohnhäuser Robertslraße 8 und Wilbergstraße 10 einfällt. Diese beiden Wohn- häuier sind, obwohl ein direktes Bedürfnis nicht vorlag, mit auf- gestihrt worden, um eine möglichst günstige Rentabilität des wert- vollen Grundstücks zu erziele». Die Fassaden machen durch den massiven Ouaderaufbau, der durch geschmackvolle ornamentale Friese mnerbrochen wird, mit den gefälligen golhischen und schlichten Fensterumrahmungen einen ge- diegenen Eindruck. Die abgestumpfte Ecke Robert-Wilbergstraße wurde etwas reicher behandelt. In den oberen Etagen wurde ein Erker durchgebildet. der durch einen Turm seinen krönenden Abschluß findet. Die Hoffassade des Drnckereigebäudes ist im Putzbau gehalten, die Gewände und Fensterstürze sowie das Hauptgesims sind in Back- steinrohban ausgeführt. Das Druckercigebände wird von der Robertstraße auch durch eine zirka 3,50 Meter breite Dilrchfahrt erreicht und ist ferner von der Wilbergstraße aus durch einen Eingang direkt zugänglich ge- macht. Mit der Front nach der Wilbergstraße, durch eine geräumige Freitreppe zugänglich, sind verteilt das Arbeitszimmer der Redakteure, das Sitzungs- und Sprechzimmer und das Bureau für den Parteisekretär. Im letzten Stockiverk, lotrecht über den Redaktionsränmen, die ganze Front der Wilbergstraße einnehmend, wurden der Saal für die Zeitungssetzer und der Raum für den Stereo- typeur verlegt. Diese haben vorzügliches Licht, von den beiden Seitenwänden, außerdem wurden noch mehrere Oberlichter im Dach angebracht. Sämtliche Arbeitsräume werden mit elektrischein Licht beleuchtet und mit Niederdruck-Dampfheizung erwärmt. Das Druckeretgebäiide ist vollständig au? Stein und Eisen gebaut und kann als vollkommen feuersicher gelten. Die Buchdriickerei Grimpe hat der Verlag der„Freien Presse" käuflich übernommen: am Sonnabend, den 30. Dezember, ist also die Buchdruckerei in der kleinen Klotzbahn, aus der ca. 18 Jahre laug die„Freie Presse" wanderte, eingegangen. Die Verlagsanstalt hat eine weitere(achtseitige) Rotationsmaschine erworben, auf der die „Freie Presse" bis zur Aufstellung der bisherigen Maschine her- gestellt wird und die später für alle Eventualitäten zur Ber- fügung steht. Die„Freie Presse" wird von jetzt ab regelmäßig mindestens 8 Seiten stark erscheinen.—_ Die Genosse» in Halle veranstalteten am Silvesterabend eine Agitation für ihr Parteiorgan. Vorläufig können sie den Gewinn von 300 Abonnenten konstaiieren. Münchcner Bock. Unter der Spitzmarke„Humoristisches auS Groß-Berlin" schreibt die„Münch. Post": Im„Vorwärts vom 3t. Dezember 1905(Nr. 305) steht in einer Polemik gegen den Genossen v. E l m auch folgender Satz: „... Wir waren bisher der Meinung, daß die' neue„Vor- wärt§"-Redoktion sich gegenüber der Schlammflut von Verleum- düngen und Verdächtigungen eine beinahe übermenschliche Zurückhaltung auferlegt ha t." Sämtliche Redakteure der„Münch. Post" müssen doppelt sehen, wenn sie wirklich mehr als zlvei oder drei gelegentliche Notizen der neuen„Vorwärts"-Ncdaktion gegenüber den auf sie verübten An- griffen gesehen haben._ Leichcnhandel.< Am 6. Dezember erschien im Verlage der„Münch. Post" unter dem Titel„Der ,.Vor>värts"-Konflikt, gesammelte Aktenstücke" eine Broschüre, in der die ausgeschiedenen Redakteure des„VorivärtS" dem Publikum ihren Briefwechsel mit dem Parteivorftand und der Pretzkommission sowie ihre Repliken unterbreiteten. Schon am 10. Dezember haben sie dann durch eine„Erklärung" ihr eigenes Kind gransam urnaebrunge». In der„Münch. Post" aber erscheinen fortgesetzt noch Inserate, in denen der arme Kadaver zum Kauf an- geboten wird. Die Ausgeschiedenen schrieben damals in ihrer Erklärung: „Wir babcn nicht im mindesten die Absicht, den unleidlichen Streit irgendwie fortzuführen, und hegen nur den Wunsch, daß dieser Fall von de» Parteigenossen»lS aligcschlossc» aufgefaßt wird." Kennt der Verlag Birk u. Co. diesen Wunsch nicht? Soziales. Uns Zum Gesetzentwurf zur Erdrosselung der freien Hülfskassen wird zu diesem Thema geschrieben: „Der Gesetzentwurf über die Hülfskassen ist eine der reaktionärsten Vorlagen,»nt denen sicki der Reichstag bisher zu beschäftigen hatte. Um ihn gebührend zu ivürdigen, müssen wir unS daran erinnern, daß die freien Hülfskassen seinerzeit das Vor- bild waren, nach dem die allgemeine Krankenvcrsichernng aufgebaut iviirde, und daß nur ans diese Weise der Anfailh mit den Arbeiterversichermigen gemacht werden konnte. Kaum aber waren die Zwangskasscn unter Dach und Fach, da trat bereits daS Bestreben der herrschenden Klasse zutage, die freien Hülfskassen lahmzulegen. Anfangs war hierfür ivohl maß- gebend, daß durch die Beseitigung der freien Hülfskassen eine große Zahl tüchtiger und im Kassenivcsen erfahrener Mitglieder den Zwangskassen zugeführt werde, die den letzteren etwas mehr Leben verleihen würden. In den letzten Jahren jedoch kommt dieses Moment gar nichi mehr in Beiracht, da sich die klassenbewußten Arbeiter im Laufe der Zeit mehr und mehr um die Zwangskassen bekiimniert haben, die denn auch überall dort, wo ihnen der nötige freie Spielraum gelassen ist, eine erfreuliche Entwickelung anstveisen. Dafür werden unsere Gegner jetzt von einer anderen Sorge arg gequält. Sie sehen es als eine schwere Gefahr für die gcgemvärtige GesellschnftSordiinng an. wenn die Sozialdemokraten, die nach ihrem Rezept gar nichts„Positives" leiste» können, ans die Krankenkassen einen matzgebenden Einfluß ausüben und damit auf diesem wichngen Gebiete den Beweis erbringen, daß die Arbeiter selbst am belten ihre Angelegenheiten regeln können. Die„sozialdemokraiischen Kassen" sind daher für unsere Gegner ein Gegenstand des AcrgernisseS und der Sorge geivorden. Und daß sie beseitigt werden sollen, d. h. datz den Arbeitern das Selb st verwaltungsrecht in ihren Krankenkassen entrissen werden müsse, ist in den matzgebenden Kreisen eine ausgemachte und offen augekiindigte Sache. T>!e Verwirklichung dieser schönen Absicht wird aber den Herren durch die freien Hülfskassen sehr erschwert. So lange die Arbeiter in den freien Hülfskassen zeigen können, datz sie ohne Mitwirkung der Unternehmer und der Behörden, sa trotz der vielfachen Hemmnisse, die ihnen schon bisher durch die Gesetzgebung bereitet worden sind, eine scgens- reiche Tätigkeit entfalten können, geht es nicht gut an, die Arbeiter als unfähig zur eigenen Verwaltung hinzustellen. Es wäre ein geradezu unerträglicher Zustand, wenn die Arbeiter in den freien Hülfskassen alle-! selbst regelten, zu gleicher Zeit aber in den Zwangskassen taisäcblich ganz rechtlos mit Bezug auf die Verwaltung sein sollten. Unerträglich wäre dieser Zustand für die Zwangskassen. Denn fraglos würden die meisten Arbeiter, und zwar die für die Kasse in finanzieller und moralischer Beziehung ivertvollsten, aus den Zivangskassen austreten und sich den freien HiilfSlaffen anschlietzen. Deshalb mutz der Entrechtung der Arbeiter in den Zwangskassen die Beseitigung der freien Hiilsskassen vorangehen. Demnach bildet der Entwurf über die Hülfskassen den ersten Teil der Aktion, durch welche den Arbeitern das SelbstverivaltnngSrecht in allen ihren Krankenkassen entrissen iverden soll. HiergnS ergibt sich, datz der Kampf gegen den Entwurf nicht nur Sache der Mitg lieder der freien H ü l f s k a s s e n i st, sondern der g e s a m t e n A r b e i t e r- schaft zufällt. Daher ist e9 nicht verständlich, weshalb zu dem Kongreß, ivelwer gegen den Entwurf Stellung nchinen soll, nicht alle Krankenkassen, sondern nur die Hülfskassen eingeladen sind. Notwendig erscheint es uns, datz die Arbeiter alle ihre Kräfte gegen den sie alle bedrohenden Schlag einsetzen. Und das nmio mehr, weil die Situation für die Arbeiter sehr schwierig ist. Offenbar ist die Erdrosselung der freien Hülfskassen schon vor einiger Zeit zwischen den Negicrnngen und den maß- gebenden Parteien vereinbart worden. Zu dieser Bcrmutmig bc- rechtigt uns eine Anseinandersetzmig zwischen dem Zentrumsabgeordneten Trimborn und dem Grasen v. Posadowsky im Reichstage an, 1. beziv. 2. März v. I. Zunächst gab Herr Trimborn „den zahlreichen Klagen Ansdntck..., die über unsolide und schwindelhafte Gründungen von Krankenkassen laut werden." Dann fuhr er fort: „Mir scheint in einzelnen Landcsleilen die Aufsicht eine sehr mangelhafte zu sein.(Sehr wahr! in der Mitte.) Da werde» die törichtsten Grüiidiuigen gemacht, die der Arbciterivelt mitunter großen Schaden zufügen. Es handelt sich hier lim eingescktriebene Hülfskassen. Infolge dessen unterstehen diese Kassen nicht dem Reichsanfsichtsamt für Privatversichernng, sonder» die Aussicht liegt der Landesbehörde ob." Darauf antivortete am folgenden Tage Graf v. Posadowsky: „Es ist auch richtig, daß die sogenannten freien Kassen zmt, Teil zu sehr bedenklichen Gründungen Anlaß gegeben haben,»nd es ist inibedingt nottvcndig, hier einen gesetzgeberischen Eingriff zu machen.(Bravo! in der Mitte.) Ich habe bereits ein ein- gehendes Gutachten vom Aufsichtsamt für Ptivatbersichernitgeu eingefordert, und mein Gedanke geht dahin, diese freien Kaisen unter das Znlassungssyslein zu stellen nttd damit unter das Aufsichtsamt für Privatversicherung.(Sehr gut!> Dann iverden meines Erachtens solche gefährlichen, man kann fast sagen betrügerischen Gründungen, wie sie vorgekommen sind, in Zukunft unmöglich sein." Der vorliegende Entwurf ist aber, wie Genosse Friedrich Klccis in der„Neuen Zeit" treffend nachgeivicse» hat, ganz und gar nicht geeignet, den Schivindclkassen iin besonderen gefährlich zu werden, sondern er schneidet allen, also mich den reellen freien Hülfskassen den Lcbenssaden ab. Trotzdem lvird von einem großen Teile der bürgerlichen Presse die Annahme des Entwurfes im Reichstage als selbstverständlich hingestellt, weil doch die Schwindclkassen unschädlich gemacht iverden müßten. Offenbar sollen auf diese Weise die Arbeiter über die wahre Bedeutung des Entwurfs getäuscht werden, damit das Zentrum und die anderen bürgerlichen Parteien es ivagen können, den entscheidenden Schlag gegen die Hülfskassen zu führen. Hiergegen mutz sich unsere Agitation wenden. ES kann nicht genügen, daß etwa der Hülfskassenkongretz eine Resolution gegen den Entwurf annimmt, sondern es müssen überall die Arbeiter aus- geklärt iverden, was in Wahrheit ans dem Spiele steht. Nur durch eine sorgfältig vorbereitete und tatkräftig durchgeführte Agitation wird es uns gelingen, die große Masse der Arbeiter in dieser Sache aufzurütteln und so den Entwurf zum Scheitern zu bringen." Der Beratungsstoff des Kongresses der freien Hülsskassen ist sicher für alle Kassen und für die gesamte Arbeiterklasse wichtig. Wenn lediglich' ein Hülfskassenkongretz cinbernfcn ist, so sehen wir darin keinen Nachteil für die Sackte selbst und für die tveitere Anf- klärungsarbcit, datz die zunächst Betroffenen sich zuerst äntzcrn. Soweit die Zuschrift, deren Ausführungen wir im übrigen_ unterschreiben, statt des einbernfenen Kongresses der freien Hülfskassen einen allgemeinen Kasseitkongretz wünscht, vermögen wir ihr deshalb nicht beizupflichten. Zur GcsiiNdhcitsschödiqniia durch die Heimarbeit. UnS lvird auS Heimarbeiterkreiscn geschrieben: „Die gesundheitlichen Gefahren der Heimarbeit, speziell in der B e k l e i d n n g S i n d u st r i c, dürften großer sein, wie all- geinein angenommen wird. Epidemische Krankheiten besitzen die unangenehme Eigenschaft, sich dort zu verbreiten, wo ihrer Ent- Wickelung am wenigsten Widerstand geleistet wird. Und dies sind die Räume der Heimarbeiterin. lieber die Schäden der Heimarbeit können nicht nur die in der Heimarbeit Tätigen ein Lied singen. Jeder, der die Heimarbeit kennt, weiß, daß die Volksgcsmtdheit durch die Heimarbeit unter- graben wird. Und gerade die Heimarbeit in der Bekleidnngs- tndnstrie ist der günstigste Nährboden für verheerende KrankhcitS» keime. Leute, die hier und da Schiffbruch in ihrem Unternehmen erlitten haben, legen sich zuletzt auf die Heimarbeit. Bei den jammervollen Schinidlöhncn, die den Heimarbeiter» gezahlt werden, ist der Hunger oder zum mindesten Unterernährung ständiger Bc- gleiter dieser Aermsten der Annen. Hinzu kommt die unzulängliche Wohnung. Nasse Kellerräume, durchregnende Dachstuben bilden Wohnung und Arbeitsraum zugleich. Und lvie wird in diesen Höhlen gearbeitet? Vom frühen Morgen bis in die sinkende Nacht ohne Unterbrechung, ganz gleich ob krank oder gesund, und ohne Rücksicht auf die Kiitder, die oft mitarbeiten müssen. DaS sind die Herde der Volkskrankheit, der Tuberkulose) das sind bei anderen epi.demischen Krankheiten die Brutstätten der Krankheitskeime. Was wäre ivohl bei einem größeren Auftreten der Cholera in Berlin geworden? Ich bezweifle, datz man bei den Z w i s ch e n m e i st e p n oder gar bei den Konfektionären die fertigge st eilten Kleid ungs st ücke abgeholt und niit samt den Krankheitskeimen verbrannt hätte. Nach dem Entgegenkommen zu schlietzett, das die Konfektionäre bei dem. Berliner Polizeipräsidenten bei Einführinig der gesetzlich vorgeschriebenen Lohnbücher gefunden haben. wird sich auch in kritischen Momenten, bei verheerenden Volkslrankheiteu das Interesse des Geldsackes über das der Allgemeinheit stellen. Den honetten Damen der Gesellschaft, die ihre Garderobe bei Hertzog, Gerion, Manheimer. Lüders usw. kaufen. mag gesagt werden, daß sie keineswegs sicher sind, ob ihr teuer be- zahltes Äleidniigsstück nicht von einer lungenkranken Heimarbeiterin angefertigt ist. Sind die Damen, die für ihre Babys bei Arnold Müller?c. einkaufen, versichert, datz diese Kiiidergarderobe nicht in Brutstätten der Diplnheritis, Scharlach und sonstigen Würgern der Kiitder hergestellt werden? Warum richten diese schioerreichen Firmen keine Betriebs- Wertstätten ein? Warinn dulden die Behörden die Anfertigung dieser Art Arbeit von schwerkranken Personen in unzureichenden Wohnrännien? Die Organisation der Arbeiter fordert Betriebs- iverkst ätten. Wer einen Blick in oben geschilderten„Heim"- arbcitsiverkstStten getan, wird sich diesem Verlangen anschließen. Man soll den Brunnen nicht erst zudecken, wenn das Kind er- trunken ist." Die in dieser Zuschrift crhobcuen vollberechtigten Klagen werden erst mit Erfüllung der Forderung eigener Bctriebswerkstätten ver» schwinden. DaS FiehrungsMgniS. Der Kontorist(S. war von der Edison« Gesellschaft ohne voraufgegangene Kündigung sofort entlassen worden, weil deren Geschäftsführer B. trotz des seitens des G. beigebrachten Ärankenattestes des prakt. Arztes Dr. Falk an die Krankheit nicht glauben wollte. Dieser nahm vielmehr Sinuilation an und stellte dem Handlungsgehülfen ein Zeugnis aus, in welchem es wörtlich hieß: Die Führung des G. war out bis auf den einen Anlaß, der zu seiner Entlassung führte. Der als Sachverständiger vorgeladene Dr. Falk bekundete, daß er eine Simulation für so gut wie ausgeschlossen haltet das ginge schon daraus hervor, daß er dem Kläger attestierte, daß er einige Tage bis zur Behebung der Krankheitserscheinungen dem Geschäfte fem bleiben und sich zu Hause halten müsse. Die beklagte Gesellschaft ivurde vom Berliner KaustnannSgericht zur Zahlung des GehaltS verurteilt. Auf die Frage des Bor-sitzäiden, ob der Geschäftsführer dem Kläger nicht ohne Urteilssipruch ein Zeugnis ausstellen wolle, in welchem der ominöse Schlußsatz fortbliebe, erklärte letzterer:„Nein, jetzt erst recht nicht. Ich kann doch dem Angeklagten, der mich vors Gericht zitiert, nicht ein Zeugnis über gute Führung ausstellen." Das Kaufmannsgcricht fällte darauf nach kurzer Beratung folgendes Urteil: Die Beklagte wird zur Ausstellung eines Zeugnisses verurteilt, in welchem es Heißen muß:„Die Führung des G. ivar gut." Der SchlusstassuS„bis auf den emen Anlaß, der zu seiner Entlassung führte" hat fortzubleiben. Erteilt die Beklagte ein solches Zeugnis dem Kläger nicht innerhalb acht Tagen, so hat sie an den Kläger eine Geldbuße in Höhe von 420 M. zu zahlen.— Die Klagen wegen mangelhafter oder unrichtiger Ausstellung von Zeugnisten brechen nicht ab. Der Mangel des sozialen Empfindens, daß der Angestellte für die Verlvertung seiner Arbeits kraft eines Zeugnisses bedarf und daß der Arbeitgeber kein Recht hat, der Verwertung der Arbeitskraft seines früheren Angestellten entgegenzutreten, führt zu recht wunderlichen Rechtsauffassungen bei einer überraschend großen Zahl gewerblicher und kaufmännischer ChefS. Ausschluß eines Stadtverordneten zulässig? Die Stadtverordneten Versammlung zu Sternberg sMark) hatte am 3V. Juni 1V03 be schlössen, den Stadtverordneten Jacobs für die Dauer seiner Wahlzeit von denVer Handlungen auszuschließeit, weil er sich eines Stadwerordneten unwürdig benommen und die Pflichten seines Amtes verletzt habe. Man hatte ihm sein Ber halten anläßlich des Planes, fiir Sternberg eine Acetylen-Gasanstnlt zu errichten. Übelgenommen, weil er mehr den Agenten der in Betracht konmiendeu Gesellschaft als den Stadtvater hervorgekehrt hätte.— Herr Jacobs bestritt ganz entschieden den Vorwurf der Eigennützigkeit nud klagte im VcrwaltungSstreitverfahren gegen die Stadtverordneten Vcrsaminlung. Der Bezirksausschuß Frankfurt a. O. erklärte den Beschluß schon deshalb für ungültig, weil die Verletzung irgend eines Gemeindeverfassungsgesetzes im Sinne der§§ 10 und 11 deS ZustäudigkeitSgesetzeS nicht m Frage stehe und eine Uebertretung der Geschäftsordnung die Stadtverordneten-Versammlung dem Kläger selbst nicht vorwerfen wolle. Ein darüber hinausgehendes Straftecht stehe der Stadtverordneten-Versammlung nicht zu. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte am 2. d. M. dieses Urteil. In der Begründung wurde ausgeführt: Z 48 der Städte» Ordnung überläßt der Stadtverordneten-Versammlung, unter Zu stimmung des Magistrats eine Geschäftsordnung abzufassen und darin Zuwiderhandlungen der Mitglieder„gegen die zur Aufrecht erhaltung der Ordnung gegebenen Vorschriften" mit Strafen zu belegen. Wird auf Grund solcher Geschäftsordnung eine Strafe von der Stadtverordneten-Bersammlimg festgesetzt, so ist in dem gegen diesen Beschluß anhängig gemachten VerwaltungSstreitverfahren zu prüfen, ob der in der Geschäftsordnung im Rahmen des K 48 der Städte-Ordnung vorgesehene Fall vorliegt. Die Sternberger Ge- schästsordnung spricht von dem Tarbestand„eines Stadt» verordneten unwürdigen Benehmens und der Verletzung der Pflichten eines Stadtverordneten". Soweit diese Vorschrift „zur Aufrechterhaltung der Ordnung" dient, ist sie zulässig und müßte i>n gegebenen Fall nachgeprüft werden, ob der bestrafte Stadtverordnete sich unwürdig benommen habe. Der hier gegen Jacobs behauptete Tatbestand fällt aber unter diesen dem Z 48 der Städteordnung entsprechenden Inhalt der Geschäftsordnung nicht. Dem die Strafe festsetzenden Beschluß fehlt es an der gesetzlichen Grundlage. Er ist mit Recht aufgehoben ohne in eine Prüfung ein- zutreten, ob das Verhalten des Jacobs als ein unwürdiges Be- nehmen zu erachten sei. Die Sternberger Stadtverordnetenmehrheit hatte durch den Beschluß sich an Stelle der Wähler gesetzt, ein Standpunkt, der. abgesehen von der gesetzlichen Grundlage, entschieden zu verwerfen ist. Träfe er zu, so loäre jede Mehrheit in der Lage, die Minder- heit von der Teilnahme an den Beratungen auch auS politischen Gründen auszuschließen. Zur Stadtverordnetenwahl. Das Oberverwaltungsgericht be- stätiate am 2. Januar eine Entscheidung des BezirksauSschnsseS Merseburg in Sachen Magistrat kontra Stadtverordnetenversammlung zu Naumburg a. S., wodurch au-gesprochen worden war. daß nach einer Verstärkung einer Stadtverordnetenversammlung einer Auslosung im Sinne des§ 18 der Städte-Ordnung nur die zur Verstärkung gewählten Stadtverordneten zu unter- werfen feien. Ge�verkfckaftli�es. Eine freisinnige Heldentat gegen städtische Arbeiter! Die städtischen Arbeiter von Breslau haben in einer mehr als tausendköpfigen Versammlung fünf ihrer Kollegen beauf- tragt, beim Magistrat um eine Teuerungszulage einzu» kommen. Als diese Deputatton am Tage nach der Beschlußfassung beim Oberbürgermeister vorsprach, wurde ihr eröffnet, daß sie vorschriftsmäßig um eine„Audienz" nachzusuchen hätte. Das ist sofort geschehen und eine Woche später, am Sonnabend, fand die Aussprache statt, nachdem der Oberbürgermeister den Verbau dssekretär zurückgewiesen hatte. Im Mirstensaale des Rathauses hatte der Oberbürgermeister mehrere Magistrats Mitglieder und Betriebsleiter versamnielt. unter denen die Arbeiter ihre hoch st en Vorgesetzten erkannten. Außerdem waren als Zuhörer eine ganze Anzahl Vorarbeiter, Aufseher und Unterbeamte aus den verschiedenen Verwaltungsstellen beordert. � � endete damit, daß der freisinnige Ober» Bender das Gesnch nm Teuerungszulage und den Sprecher der Depntatton entließ! Die Unterredung schloß nach der„Breslauer Volk- wacht": Arbeiter Mohaupt: Und außerdem wollte ich noch einmal ftaaen. Herr Oberbürgermeister, da wir zu dem Zwecke her- gekommen sind: Haben wir eine Teuerungszulage z u erwarten? Dr. Bender: Nein, nein! Mohaupt: Andere Städte haben doch auch Zulage bewilligt, aum Beispiel Berlin. Dr. Bender: Da gehen Sie doch i» andere Städte! Im üvriaen müßten Sie, Mohaupt und Reichclt, doch f.oh sein, daß wir Sic Überhaupt noch beschäftigen, denn Sie sind doch beide schwer bestraft! Reichelt: Im Dienst nicht, Herr Oberbürgermeister. Dr Bender: Nein, aber privatim! ''''""errOberbsirger- Die Audienz bürgerineister Dr. rundweg ablehnte Dr. Bender: Gehen Sie jetzt ra«S!(R e i ch e l t folgt der Weisung.) Der Mann wird entlassen.(Zum Stadtbaurat W i r tz): Ter Mann ist von heut ab entlassen! Damit war die Audienz des„schlichten Mannes aus der Werkstatt" bei dem freisinnigen Oberbürgermeister tatsächlich beendet!— Als Neichelt abends nichtsahnend zur Nachtschicht in's Gaswerk kam, wurde er vom Portier sofort zum dienst- habenden Betriebsassistenten gesandt. Dieser teilte ihm mit, daß er ihm eine„bedauerliche Eröffnung" zu niachen habe: Er sei auf höhere Anordnung gezwungen, Reichelt sofort zu entlassen und ihn das Werk nicht mehr betreten zu lassen. E s täte ihm, dem Herrn Assistenten, leid, Reichelt entlassen zu müssen, da er einer der ältesten und zuver- lässig st en Arbeiter sei. Aber der Weisung von oben müsse er leider Folge leisten. Er bat den Entlassenen, sich ruhig zu entfernen, denn es widerstrebe ihm, den alten Mann ans v e m W e rk hinausgeleiten zu las senil Reichelt konnte darauf mit gutem Gewissen versichern, daß er ebenso ruhig gehen werde, wie er stets gekommen sei. Was auch geschah. In einem Briefe an den Genoffen Mehrlein vom 27. April 1905 hatte der Oberbürgermeister geschrieben: „Wenn die städtischen Arbeiter Wünsche haben, werden sie die- selben selbst vorzutragen haben." Das ist am Sonnabend geschehen. Der Sprecher der Deputation aber, der noch am„Weihnachtsheiligabend" in 24 stündiger Schicht an verantwortungs- v o l l st e ni Posten für die Stadt Breslau frondete, saß am Silvesterabend arbeitslos daheim bei seiner acht- köpfigen Familie I So löst der freisinnige Oberbürgermeister von Breslau sein Wort ein I So achtet er das Koalitionsrecht der städtischen Arbeiter!_ Bertin und Umgegend. Genosseu Berlins und Umgegend! Wir machen nochmals be- sonderS darauf aufmerksam, nur da sich bedienen zu lassen, wo die weiß-grüne Kontrollkarte sichtbar in jedem Geschäft angebracht ist, weil nur da die Forderungen der Gehilfen bewilligt sind. Es liegt in Eurer Hand, Genosien, die Organisaiiou zu unterstützen, indem Ihr nur nach der Kontrollkarte ftagt. Meidet die gesperrte Firma Max Gros u. Co. Die Geschäfte derselbe» befinden sich: Bergmann- straße 112, Nostizstr. 14, Ackerstr. 32. Gneisenaustr. 69, Alexanderplatz 2, Königstr. 62, Mansteinstr. 2, Stallschreiberstr. 63, Schöneberg, Kolonnenftr. 54, Steglitz, Schützenstr. 54. Verband deutscher Barbier-, Friseur- und Perückemnacher gehülfen Berlins. Bureauzeit: Große Frankfurterstr. 65, Restaurant Kemnitz, von 10—1 Uhr. I o o s s e ist ebenfalls ein Genosse. Die Mehrheit der großstädtischen Delegierten am jährlichen Kongreß sind Sozialdemokralcn. Im Jahre 1905 vermehrte sich die Mitgliederzahl von 7049 auf 7463. Davon sind 5075 Lehrer und 2242 Lehrerinnen. Der Bund zählt 136 Abteilungen. Wenn man damit rechnet, daß in den katholischen Gegenden der Anschluß sehr beschwerlich ist, wodurch der Bund da auch nur ivenige Mitglieder hat, sind in den übrigen Gegenden 80 Proz. aller Lehrer organisiert. In den großen Städten fast alle. Diese Organisation kämpft für die sogenannte„Republi- kainsche Schule", für die Scimle ohne Oberlehrer und nimmt diese „Schulhäupter", wie sie hier offiziell heißen, nicht als Mit- gliedcr auf. Der diesjährige Kongreß, der vom 27.-29. Dezember in Zwolle abgehalten Word, beschloß eine Agitation für weitere Verbesserung der Saläre einzuleiten. Durch den Fall des Ministeriums Äuyper, dieses grimmigen Feindes der öffentlichen Volksschule und des Volksschullehrers, hat die Bewegung wieder Aussicht bekommen. Interessant ist, lvaS über die Gehälter der Voikslehrer mitgeteilt wurde. Das gesetzliche Minimum ist 500 Gulden i10 Mark--- 6 Gulden). 2821 Lehrer haben 500—600 Gulden, 2253 von 600 bis 700, 1910 von 700-800, 1221 von 800- 900, 903 von 900 bis 1000. Von den 11 832 Lehrern verdienen 77 Proz. noch nicht 1000 Gulden. Allgemein forderte der Kongreß im Hinblick auf eine Strömung, die Rechte der Lehrer im öffentlichen Leben einzuschränken, die voll- ständige Freiheit m Ausübung ihrer Rechte als Staatsbürger. Rcichelt: ES tut mir leid. m e i ft e r. d a ß S i e m i r d a Z hter a g enl DcutTdice Reich. Die Lohnbewegung der Zimmerer Kölns hat mit der Unter zeichnung eines Tarifs ihren Abschluß gefunden. Nachdem die Zimmerer gemäß einem Versammlun�sbeschluffe den Tarif der Arbeitgeber abgelehnt, sich jedoch zu weiteren Verhandlungen bereit erklärt hatten, versuchte der beauftragte Gesellenausschuß bei der Innung nochmalige Verhandüingen. Diese fanden am 24. Dezember statt. Eine Versammlung der Zimmcrlcute nahm am 31. Dezember den Bericht des Ausschusses entgegen. Nach diesem hat bei den Verhandlungen besonders die Vertrogsdauer eine Nolle gespielt. Während der Ausschuß für ein Jahr war, bestand die Innung auf zwei Jahren, beginnend mit 1. Januar 1906, endigend am 31. De- zember 1907. Die im Tarif vorgesehene Klausel, die die Lohn- Verhältnisse bei nicht der Innung angehörenden Arbeitgebern regeln sollte, ist von der Innung zurückgezogen worden. Nach längerer Debatte hat der Gesellenausschuß de» Tarif unterzeichnet. Der Be- richterstatter des GcsellenausschuffeS bemerkte, daß, nachdem die Unternehmer Entgegenkommen gezeigt hätten, der Ausschuß glaube, im Interesse der Zimmerer Kölns gehandelt zu baben. Die Ber- sammluiig erklärte ihr Eiiiversländuis zu dem Tarifabschluß, der 60 Pfg. Stundenlohn bei L�slündiger Arbeitszeit festsetzt. Als Lichtspender in einer schwarze» Ecke wurde dieser Tage feierlich ein Gewerkschaftshauö in Trier eröffnet. Eine Herberge bietet dem wandernden Arbeiter freigewerkschaftlicher Richtung Unter- kommen und Schutz vor den gewohnheitsmäßigen Angriffen auf seine Gesinnung in den religiösen und Heimats-Herbergen; ein Saal dient der Verbreitung unserer Ideen. Hustend. Ans der niederländische» Gewerkschaftsbewegung.— Die Lehrerschaft. Der Teil der niederländischen Gewerkschaftsbewegung, welcher sich nicht vom Anarchismus loszumachen verstandeu hat, geht rasch zugrunde. In den Verbände» diskutiert man jetzt die Frage, ob man diese Verbände mit ihrer jetzigen Zentralleitung nicht auf- lösen soll und nur örtliche Sekretariate, aus de» Gewerkschaften der verschiedensten Berufe zusammengesetzt, bilden soll, welche dann ins- gesamt das„National Arbeitssekretariat" bilden werden. Wenn der Anarchismus nicht dies oder das auflösen kann, dann lebt er nicht. Inzwischen scheiden immer mehr Verbände auS dem National Arbeitssekretariat", der anarchistischen Gewerkschaftszentrale auS. Was von diesem N. A. S., das 1903 über 17 000 Mitglieder zählte, noch übrig ist, geht hervor ans der Tatsache, daß bei der jüngsten Vorstandswahl, welche durch Urabstimmung aller Mitglieder stattfand, im ganzen Lande 554 Stimmen abgegeben ivurden. Nicht bloß, daß ganze Perbände ausscheiden, in den übrig- bleibenden zeiligt die anarchistische Ohmnacht überall Verfall. So bielt zu Weihnachten der beim R. A. S. angcschloffene Lederarbeiler-Verband seine Jahresversammlung ab. auf der nur siebe» Abteilungen vertreten waren. Vor zwei Jahren zählte der Bund ungefähr 40 Abteilungen mit 2000 Mitgliedern. Glücklicherweise ist dieser Verfall der anarchistischen Gewertswafts- bewegung nicht der Verfall der Gewerkschaflsbcwegmig überhaupt. Im Gegenteil haben wir eine sehr gute Entivickelimg zu verzeichnen bei denjenigen Gewerlschafien, welche sich vom Aiimchismus cut- hielten od?!: befreiten und den neuen„Niederländischen Fachverband" gegründet haben. Der Diamantarbeiter- Verband hat eine Blütezeit wie noch nie. Jede Woche nimmt dieser Verband von 8900 Mit- gliedern 1t 000 Gulden(18 300 3».) an Beiträgen ein. Während im Juni 1904, bei Aufhebung der Aussperrung, welche 18 Wochen gedauert hatte, der Verband ein Defizit von V« Million hatte, bat er jetzt, nach V/q Jahren, alle Schulden getilgt und noch 400 000 Gulden in der Kasse. Daß diese Lage den guten Geist nicht verdorben hat, beweist der zum erstenmal gefaßte Beschluß, den 1. Mai zu feiern. Wohl war die Mehrheit noch nicht groß, 2183 gegen 206 t, aber ein groß, r Forischritt ist es. Erfreulich ist auch, daß die beim Generalstreik von 1903 der- nichtele Eisenbahnerorganisation unter sozialdemo- kratischer Führung wieder austebt und schon wieder niehr als 1000 Mitglieder zählt, während die ganze Menge..Organisationen", welche von christlichen und anderen„OrdimiigS"stützen gegründet wurden, nach diesem Generalstreik alle mit dem Tode ringen. Prächtig steht es mit dem Volksschullehrerbitnd, welche Organisation ganz und gar die Arbeiterfordermigen auf dem Gebiete der Schule vertritt. In Vorstand, Redaktionell usiv. sind die Sozial- demokraten tüchttg vertreten. Der Vorsitzende deS Bundes ist der Sozialdemokrat O s s e n d o r p, der Redakteur des ZentralorgauS Serickts-Teitung. DaS Reichsgericht auf der Suche nach Richtern für die Lex Heiitze. Vom Landgericht EI in Berlin ist am 12. Oktober v. I. der Redakteur der„Zeit am Montag", Karl Swneidt, von der An- klage der Verbreilimg einer unzüchttgen Schrift— Z 184, 1 Str.-G.-B. — freigesprochen worden. Wegen derselben Sache hatte er sich schon früher vor dem Landgericht I zu verantivortett. Dieses hatte ihn freigesprochen, und auf die Revision des Staatsanwatts hatte das Sieichsgericht das Urteil aufgehoben und die Sache an das Landgericht II verwiesen. Esöchandelte sich uro den Abdruck einer angeblich von Heinrich Becker verfaßten Erzählung ..Loreuzos Hochzeit". Der Verfasser schildert darin die Heirat eines älteren, abgelebten Lebemannes mit einer jungen Frau und sucht darzulegen, daß eine solche Ehe keine besonders glückliche sei. Es wird angedeutet, daß eine junge Frau sich naturgemäß nach Jugend und Kraft sehnt, und eine Szene geschildert, die hierfür einen Beweis erbringt. Die junge Frau schaut abends mit einem Operngucker nach dem Kasernenbofe und sieht, wie die Soldaten sich zur Ruhe begeben. In der Darstellung dieser Szene erblickt die Anklage dasjenige Moment, welches der fraglichen Schrift den Charakter der Unzüchtigkeit verleihen soll. Das Landgericht II war ebenso wie das Landgericht 1 der Ansicht, daß diese Darstellung das Scham- und Sittlichkeitsgestihl in geschlechtlicher Beziehung zu verletzen nicht geeignet sei. In dem ersten, die Vor- cntscheidung aushebenden Urteile hatte das Reichsgericht ausgesprochen, daß die Wirkung der Schrift nicht nur ihrer Form nach, sondern auch nach ihrem Inhalt in Bettacht gezogen werden müsse. Diese Wirkung werde eine andere sein, je nachdem die Schrift in einem politischen oder in einem Familienblatte erscheine.— Gegen das zweite freisprechende Urteil hatte die Staats- anwaltschafl ebenfalls Revision eingelegt, welche in der VerHand- lmig vor dem Reichsgericht am Dienstag vom Reichsanwalt vertreten wurde. Das Landgericht habe die Grundsätze, welche das Reichsgericht ausgestellt habe, nicht beachtet. Es komme nicht lediglich daraus an, ob die Form eine unzüchtige fti, sondern auch darauf, ob der Inhalt geeignet fei, das-schäm- und Surttchteua» gefühl„des normalen Menschen" in geschlechtlicher Beziehung zu verletzen. Beantragt werde nicht nur die Aufhebung des Urteils, sondern auch die Verweisung der Sache an ein anderes Land- gericht.— DaS Reichsgericht hob das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht Frankfurt a. O. Wenn die Richter in Frankfurt a. O. dasselbe Alter erreicht haben werden, wie die Reichsgerichtsräte, so werden sie vielleicht nicht in dem un- moralischen Verhältnisse zwischen einem alten Lebemanne und einer jungen Frau, sondern in der Kritik der Wirkung einer solchen Ehe- kette die Gefühle eines„normalen Menschen" verletzt ftnden. Wem« nicht, so beginne das Reichsgericht von neuem die Suche nach solchen „Siormalmenschen"._ Wahrnehmung berechtigter Interessen. Das Reichsgericht hat den Begriff Wahrnehmung berechtigter Interessen im Sinne des Z 193 Str.-G.-B. insbesondere gegenüber der Presse außerordentlich einengend, gegenüber Beamten sehr ausdehnend interpretiert. DaS Bestreden der Staatsanwaltschaft, den Begriff noch mehr zuungunsten freier Kritik einzuengen, scheiterte ausnapnisweise M einer Per« Handlung, die am Dienstag gegen den Redakteur der„Schleswig- Holsteiiischen Bolks-Zeitung", Genossen I w e r S, stattfand. Jwers und der Händler W ö h l k ivaren am 11. Mai v. I. vom Landgericht Kiel von der Anklage wegen Beleidigung freigesprochen. W. war früher wegen Beleidigung deS Grafen R. und des Amlsdieners M. ver- urteilt worden. Die Beleidigung war erfolgt, als M. einen alten Hasen bei Wöhlk beschlagnahmte. Ueber diesen Prozeß hatte die VolkSzeitttng" einen Bericht veröffentlicht. In einer späteren Nummer erschien eine Erklärung des Wöhlk, in welcher er die Zeugen- aussage des AmtsdienerS M. als falsch bezeichnete und mitteilte, er habe gegen diesen bereits Anzeige erstattet. Hierin sollte eine neue Beleidigung liegen und Jwers sollte sich durch Aufnahme derselben ebenfalls strafbar gemacht haben. Das Gericht hat aber angenommen, daß beide Angeklagte des guten Glaubens waren, be- rechtigte Interessen wahrzunehmen.— Die vom Staatsanwalt hier- gegen eingelegte Revision wurde vom Reichsgericht alS unbegründet verworfen. Smgecfzngcne viucllfckriften. H. Wcscman». Was muß ein prcußllchcr Staatsbürger wissen, mn seine Veranlagung zur Einkommensteuer prüfen zu lörnien. Peels 20 Ps. Hahnsche Buchhandlung, Leipzig. Gedeon v. Rohouczys. Offener Brie! an den Grasen ftul. Adrüssy und die Aulwort I 31 Seiten, Buchdruckerei A.-G. Pallas, Budapest. Letzte Kacbricbtcn und vepelcben. Sühne für den liebevollen Empfang. «jUbapest, 3. Januar.(W. T. B.) Die Regierung hat einen RegierungSkommissar mit außerordentlichen Vollmachten nach Debreczin entsandt, der namentlich die Aufgabe hat, eine Unter- suchung gegen behördliche Organe einzuleiten, welche, wie es heißt, von der Lorbereitung des Anschlages auf den Obergespan Kovacz wußten und ihn nicht verhinderten. Revolution in Ecuador. New Dork, 3. Januar.(B. H.) Der„New Dork Herald" be- richtet, daß in der Republik Ecuador eine revolutionäre Bewegung ausgebrochen sei. Telcgraphische Berbindungcn sind zerstört. Es wird behauptet, daß diese Bewegung zugunsten des früheren Präsi- denten Adolf Alfaro inszeniert worden sei. Ein Teil der Re- gierungsiruppen und der Polizei unter dem Befehl des Generals Terani hat sich der revolutionären Bewegung angeschlossen. Bttantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.. Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer S-Co. Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen». Unterhaltnngsblatt ----- 23 1. Ktilage des„Wnliiilts" Kerliller NolksdlM unmm. Hus der frauenbewegung. Das Kindcrschutzgesetz. DaS Kinderschutzgesetz vom 30. März 1903, das am I. Januar 1994 in Kraft trat, ließ für die ersten zwei Jahre seines Be- stehens dem Bundesrat und der unteren Verwaltungsbehörde die Möglichkeit offen, durch Ausnahmebestimmungen Verschlechterungen in das Gesetz hineinzubringen. Von dieser Befugnis haben die Behörden ausgiebigen Gebrauch gemacht. So wurde in K 14 durch Ausnahmebestimmung erlaubt, die Arbeit der Kinder in Werk- statten, in denen durch elementare Kraft sDampf, Wind, Wasser, Gas, Luft, Elektrizität) bewegte Triebkräfte nicht bloß vorüber- gehend zur Verwendung kommen, schon vom 8. Jahre an zu ge- statten. So wurde profitgierigen Unternehmern die Ausbeutung bequemer gemacht. Mit dem 31. Dezember dieses Jahres fällt diese Zusage an die Ausbeuter und das Gesetz tritt gemäh seinem Wortlaut in Kraft, wonach in den genannten Werkstätten Kinder unter 19 Jahren nicht beschäftigt werden dürfen. Ferner fällt die Ausnahmebestimmung zu§ 3 fort, wonach für Kinder über 12 Jahre die Arbeitszeit schon von früh 6� Uhr an beginnen durste. Somit haben alle den Kinderschutz einschrän- kendenAusnahmebestimmungenmitEndevorigen Jahres ihre Gültigkeit verloren. Mit dem 1. Januar 1996 trat das ganze Gesetz ohne Einschränkungen und Sonder- bestimmuugen in Kraft. Es darf nun kein fremdes und kein eigenes Kind mehr vor 8 Uhr morgens und nach 8 Uhr abends erwerbsmätzig beschäftigt werden. Für Austragen von Zeitungen, Milch und Backwaren ist laut Gesetz die Ausnahme gestattet, sedoch sind nur eigene und über 19 Jahre alte Kinder zu verwenden. Leider sind diese Kinder nicht mit unter den Schutz des Gesetzes gestellt, was um so bedauerlicher ist, weil wir damit zu rechnen haben, daß es noch vielen Eltern an der genügenden Einsicht der Schutzbedürftigkeit ihrer Kinder fehlt. Auch spricht der, wenn auch sehr geringe materielle Nutzen mit, den Kleinen die frohe, sorgenlose Kinderzeit zu verbittern und die Kinder mit- verdienen zu lassen. Jede proletarische Mutter sollte von dem Unrecht überzeugt sein, das ihrem Kinde, weil es arm ist, wider- fährt; wie vielen körperlichen, geistigen und sittlichen Gefahren es ausgesetzt ist. Sie sollte mit aller Macht danach streben, der Er- werbSarbeit ihrer Kinder unbedingt ein Ende zu machen zum Nutzen der Kinder und der gesamten Menschheit. Aber auch jetzt noch steht dem Bundesrat das Recht zu, zuun- gunsten der Kinder erneut Ausnahmebestimmungen zu erlasien. Daher sollte die Agitation darauf gerichtet sein, den Bundesrat und die untere Verwaltungsbehörde zu veranlassen, die Schutz- bestimmungen nicht einzuengen, sondern zu erweitern, sie auf Be- triebe auszudehnen, die heute noch nicht dem Gesetze unterstehen. Die Beschäftigung von Kindern zu Austragediensten hat so gewaltigen Umfang angenommen und wird so geschäftsmähig be- trieben, daß eine Ausbeutung schlimmster Art von zumeist schwachen, kränklichen Kindern besteht. Wohl sind es nur die eigenen Kinder über 19 Jahre, deren Verwendung keiner Be- schränkung unterliegt; aber der dehnbare Begriff, daß auch Ver- wandte. Mündel, an Kindesstatt angenommene oder zur Erziehung überwiesene Waisenkinder, kurz alle zum Hausstand gehörenden Kinder als„eigene" nach dem Gesetz anzusehen sind, hat der Um- gehung des Gesetzes Tür und Tor geöffnet. Und wer wird kontrollieren, in welchem Verhältnis das Kind zu dem steht, der eS beschäftigt? Von den bereits überlasteten Gewerbe-Aufsichtöbeamten und Polizeibehörden ist wenig zu er- warten und schließlich ist auch denen nichts Uebermenschliches zu- zumuten. So lange die Zahl der Gewerbe-Aufsichtsbeamten nicht bedeutend vermehrt wird, müssen die Frauen selbst mit ans Wer! gehen, und überall, wo es möglich ist, Frauenkommissionen wählen, die sich mit den Bestimmungen des KinderschutzgesetzeS _ welche im Wortlaut jede unserer Vertrauenspersonen erhalten hat— vertraut machen, und überall, wo Kinder beschäftigt werden, darauf achten, daß die geringen Schutzgesetze den Kindern. die sich ja selbst noch nicht wehren können, auch zugute kommen und die Gesetze Beachtung finden, bis es möglich ist. unseren Forderungen, die bezüglich des KinderschutzgesetzeS auf der Bremer Frauenkonferenz 1994 in nachfolgender Resolution zu- sammengefaßt sind, Anerkennung zu verschaffen. Unsere Forde- rungen lauten: »Verbot jeglicher Erwerbstätigkeit schul- und vorschulpflichtiger Kinder im Gewerbe, der Land- und Forstwirtschaft, bei häuslicher Arbeit, im Boten- und Gesindedienst. Ausdehnung der Schulpflicht auf das vollendete 14. Lebensjahr. Herabsetzung der täglichen Maximalarbeitszeit für jugendliche Arbeiter von 14 bis 13 Jahren auf 6 Stunden und Einführung eines obligatorischen Fortbiloungs- Unterrichtes für beide Geschlechter. Des ferneren fordert sie nach- drücklichst die Durchführung einer wirksamen Kontrolle des Kinder- schutzes, und um dieselbe zu ermöglichen, die entsprechende Ver- mehrung der Gewerbe-Aufsichtsbeamten aus den Kreisen der Ar- beiter und Arbeiterinnen." Die Durchführung dieser Forderungen wird uns um so schneller möglich sein, je weitere Kreise für unsere gerechte Sache zu haben und entschlossen sind, unseren Kindern das Paradies derJugend zurückzuerobern. Jede Mutter muß ihr Teil dazu beitragen. Ottilie Baader. Berlin L. 83, Blücherstr. 49, Hof 2 Tr. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 8. Januar, abends Uhr. in den Arminhallen, Komman- dantenstraße 29. Vortrag von Frau Wally Zepler über:»Ibsen". Gäste willkommen. Hus Industrie und ftandel. Vater Staat blecht! Das..einnehmende" Wesen des Fiskus ist bekannt; er übt die Tugend in rücksichtslosester Weise aus— nur nicht den Königen der Industrie gegenüber. Wir berichteten kürzlich, daß das Kohlen- syndikat es ablehnt, durch Nachlieferung bei eventuellen Rück- ständen in der Erfüllung seiner Vertragspflichten den Ansprüchen der Abnehmer zu genügen. Der Zweck solcher Politik ist klar. Mit dem 1. April treten höhere Preise in Kraft, und da hat das Syndikat ein Interesse daran, daß die Abnehmer über keine Vorräte verfügen können, sondern nach jenem Termin sofort mit verteuerten Kohlen arbeiten müssen. Soweit hierbei Privatunternehmer in Betracht kommen, kann dem Steuerzahler das schließlich gleichgültig sein, anders aber, wenn der Staat durch das erwähnte Vorgehen de? Syndikats betroffen wird, denn der Staat zahlt schließlich immer auS dem Säckel der Steuerzahler. Und der Eisenbahnverwaltung gegenüber war das Syndikat auch mit 39 999 Tonnen Kohlen im Rückstand geblieben. Das Syndikat lehnte eine Nachlieferung ab, und die Eisenbahnberwaltung hat, wie jetzt berichtet wird, auf ihre Forderung verzichtet. Da der Staat dem Syndikat für das neue Jahr einen um 69 Pf. erhöhten Preis bewilligt hat, läßt dieser durch Verzicht auf die Vertragserfüllung über 59 999 M. ganz un- berechtigterweise in die Taschen der Kohlcnkönige fließen. So werden die Satten übersättigt.— Thyssen auf Monopulpfadeu. Die Herren Stinnes und Thyssen haben bei ihrem Bestreben, die gesamte Erzeugung und den Ver- schleiß elektrischer Energie in ihre Hände zu bringen, doch wohl mehr Widerstand gefunden, als sie erwarteten. Aber die Pläne scheitern an solchem Widerstande nicht. Unverrückbar steuern die Herren auf das Ziel los, die elektrische Krafterzeugung unter ihre Kontrolle zu bringen. Zu diesem Zwecke bieten sie jetzt sogar dem Staate eine Beteiligung an dem Rh.-Wests. Elektrizitätswerk an. Am 3. Januar hat in Berlin bereits eine Beratung der zuständigen Ministerien unter Zuziehung von Vertretern der beteiligten lokalen Staats- und Gemeindebehörden über die Frage stattgefunden, ob und in welcher Form diesem Anerbieten nähergetreten werden soll. Daß die Thyssen und Stinnes auch bei diesem Projekt auf die Koste» kommen, davon darf man überzeugt sein. Die Beteiligung der Körperschaften ist nur ein Lockmittel zum Fang des schönen Monopolvogels. Ausnutzung der Wasserkraft. Vor einiger Zeit wurde über ein Riesenprojelt berichtet, durch welches unter Ausnutzung der Isar oberhalb Wallgau in Verbindung mit dem Gefäll zwischen Walchen- und Kochelsee 25lXX>?8 gewonnen werden könnten. Heute liegen drei neue Rieseuprojekre vom gleichen Urheber, dem Oberbaurat Schnnck in Darmnadt vor. Er hat nach eingehender Prüfung das Konzessionsgesuch an zuständiger Stelle eingebracht, wonach er durch Erbauung von drei Talsperren und Schaffung von Stauseen im Frankenwald nicht weniger als 12 999 PL gewinnen will. Dadurch könnte ganz Oberfranken von Baniberg, Kronach, Kulmbach und Bayreuth bis Hof mit Licht und Kraft versorgt werden. Eine ungünstige Prognose stellt dem neuen Wirtschaftsjahr die Düsseldorfer Handelskammer aus. In ihrem Jahresbericht spricht sie zwar die Ansicht aus, daß das wirtschaftliche Leben Deutschlands im Jahre 1995 im Zeichen reger, zum Teil sehr lebhafter und an- gespannter Tätigkeil gestanden habe, aber die Aussichten der deutschen Industrie seien für die nächste Zukunft im Jnlande und Auslande gleich ungewiß. Sicher sei nur eine erhebliche Belebung des Schiffsbaues und ein gewisser Zuwachs an Arbeit durch die Erweiterung gewisser industrieller Unternehmungen. Wie weit aber diese und die daraus entspringende gute Beschäftigung wichtiger Zweige der Eisen- und Maschinenindustrie, deren Verbände keineswegs alle an Ruhe und Sicherheit gewonnen hätten, eine genügend breite und tragfähige Unterlage für das sichere, weitere Aufsteigen unserer ge- samten Volkswirtschaft zu bilden vermöge, stehe dahin, zumal heute noch nicht sicher beurteilt werden könne, wieviel von dem vorliegenden Auftragsbestand auf Rechnung des demnächstigen Inkrafttretens der neuen Zolltarife zu setzen sei. Human. Seit einigen Tagen hat überall eine empfindUche Kälte eingesetzt, da macht sich natürlich bei den Armen eine neue Not bemerkbar: die Beschaffung des Brennmaterials. Nun haben die Großhändler in Oberschlesien noch ein übriges getan und die Listenpreise erhöht, damit den Armen recht deutlich demonstriert wird, ein wie.schätzbares" Material die Kohle ist. Ein Repräsentant des Stahlverbandes äußerte sich über die Aus- sichten im neuen Jahre also:„Der Auftragsbestand für Walzfabrikate und besonders für die durch den Stahlwerksverband verkauften Artikel ist ganz außergewöhnlich stark und sichert den Werken reichlich Arbeit bis in das zweite Quartal. Dabei ist zu bemerken, daß die vorliegenden Aufträge solche sind, daß man auf ihre Abnahme rechnen kann, und daß außerdem die Preise so mäßig sind, daß sie einen weiteren Aufschwung des Geschäftes und eine Ausdehnung des Konsums nicht hindern, zumal da weitere Preissteigerungen nicht in unserer Absicht liegen. Der Bedarf im Jnlande wie im Auslande ist ein außerordentlich starker und das einzige Bedenkliche ist in diesem Augenblick der hohe Zinsfuß und die Gefahr, die dem Geldmarkte von Rußland her droht. Es ist klar, daß ein hoher Zinsfuß einschränkend auf den Bedarf und in erster Linie auf die Bautätigkeit wirken muß. Es scheint aber, daß auf dem Geldmarfte eine Erleichtermig einzutreten beginnt und auch bezüglich Rußlands macht sich eine freundlichere Auffassung geltend, nach- dem die russische Regierung anscheinend die Zügel wieder in die Hand bekommt und nachdem auch die russischen finanziellen Verhältnisse neuerdings mit etwas mehr Sachverständnis beurteilt werden. Wie dem aber auch iei, im Stahlwerksverbande ist man auch für die Möglichkeit eines Rückganges des Bedarfs gerüstet und man hat deshalb keinen Augenblick aufgehört, den Export sorgsam zu pflegen und die Absatzmöglichkeit, die auf dem Weltmarkte besteht, aus- zunutzen, so daß wohl anzunehmen ist, daß die Werke deS Verbandes auch bei einer Verschlechterung der Marktlage in normaler Weise beschäftigt werden können. Es ist ein großer Vorzug des Verbandes, daß er die gesamte vorliegende Arbeitsmenge kennt und auch über den gesamten Bedarf des Welt- Marktes genau unterrichtet ist, was früher für ein einzelnes Werk niemals möglich war. J<, dtS O'/t»dr abcud» statt, weöfinet: 7»br. A. F. S. l. Ja. 2. Nein.— G. 130. Für Ihre Ansprüche wäre daS Amtsgericht zuständig. Die Versolgung derselben dürste aber auS« sichtslos sein. Für den Zeugnisinhalt wäre§ 630 B. G.-B. entscheidend, die Gehaltssorderung scheuert an der klaren Vorschrift deS§ 9 Ihres Ver- trageS.— P. F. I. Ist wegen der Kündigungsfnst nichts vereinbart (ein» Vereinbarung ist auch durch Tarifvertrag möglich), so besteht vierzehntägige Kündigungsfrist für einen gewerblichen Arbeiter. 2. Sie befinden sich im Irrtum.— O. K. Ja.— Schalle«. 1. Für die Zeit vom 1. Oktober 1905 ab, also im Januar. 2. Bis am 3. Januar.— Rau. Die vereinbarte Kündigungssrist, in Ihrem Falle also 3 Monate 8 Tage, ist gültig. Die gesetzliche, d. h. die mangels Vereinbarung eintretende, Kündigungsfrist für Mietsverhäliniffe beträgt nicht 3 Monate 3 Tage, sondern die Kündigung hat bis zum dritten Tage deS Quartals zum Quartalsschluß zu erfolgen.— Vi. B. Die Mitteilung über eine Be- strasung eines anderen kann als Beleidigung crachlct werden. Maßgebend ist die Form der Wiedergabe und die Umstände.— X. X, 1906. Nein. — F. B. Das Amtsgericht Charlottenburg ist zuständig.— H. K. 1 Die Ansichten sind verschieden. 2. Der Grad der Minderung der Erwerbs- fähigkeit und die Art des Verdienstes ist entscheidend.— Ni. K. Sper. Der Schuldschein ist cinklagbar.— Benoit. Da das Geschäft nach einem entfernteren Ort verlegt wird(oder ganz aufgelöst wird), so ist der Lehrling nicht verpsiichtet, in dem neuen Ort das Lehrverhältnis sorizusetzen. Ebensowenig wäre er verpflichtet, eS bei einer neuen Gesellschaft sailzusetzen. Verlangen Sie Einhaltung des Vertrages eventuell Schadenersatz. Wird der Antrag abgelehnt, so klagen Sie ihn ein.— 6. M. 1. 1. DaS Gesetz sährt die einzelnen Gegenstände nicht aus, sondern spricht vo» unentbebr- lichen, die nicht gepsändct werden können. Als solche werden sämtliche, vielleicht mit Ausnahme eines-spindes, erachtet werden. Klagen Sie eventuell. 2. Die Sachen der Frau, die den Vertrag nicht mit ab- geschloffen hat, hasten in der Regel nicht für die Miete. Dcr Jnhall deS Vertrages, Ort und Datum der Heirai sprechen mit. — P. T. 5. Der Anspruch aus den Gewinnanteil steht Ihnen zu.— 137. Der Fall kann sich unmöglich nur so zugetragen haben, wie Sie ihn schildern. Unter den obwaltenden Umständen häiicn Sie eine Umschulung durch eine Eingabe an die Schuldeputation eavirken können. Die Entziehung de» Erziehungsrechts ist ohne einen Beschluß des Amtsgerichts nicht möglich. Liegt etwa solcher Beschluß vor, so muffen Sie gegen diesen Be- schluß schleunigst Rechtsmittel ergreisen. Wenden Sie sich wenigstens nun- niehr schleunigst an die Schuldepulation und an das Amtsgericht. Mchr läßt sich ohne mündliche Rücksprache unbEinsicht in die Papiere nicht sagen. — St. W. Sie müssen den Fall, den Sie meinen, schildern und an die Schilderung bestimmte aus de» Fall bezügliche Fragen stellen. Unmöglich ist cS, allgemein das preußische oder gar das provinzielle Fischereirecht und Vorflulrccht mit einigen Worten darzulegen.— O. R. 99. Nein. — E. W. und andere Wohlfahrtskassen-Fragen. Bor dem Beitnlt zur Kasse Wohlfahrt haben wir vor Jahren wohl ein dutzendmal gewamst dann nach dein osfiziellen Zusammenbruch der Kasse abermals mindestens ein dutzendmal dringend geraten, schleunigst aus dem im Statut angegebeucn Wege schristlich den Austritt zu erklären. Wer den Rat befolgt hat, hat nicht zu zahlen. Die sonst Verklagten müssen zahlen, sosem ihnen nicht eine besonder« Einrede zur Seite steht. Zu diesen Einreden rechnen z. B.: Der oder die Bellagte war zur Zeit des Eintritts in die Kasse du, ch Unter- schriit minderjährig(und bat den Eintritt auch nach erreichter Volljährigkeit nlchi genehmigt), serner: die Kasse hat dem Beklagten gegenüber ihre Ver- pflichwngen(Zahlung von Arzikosten u. bergt.) nicht ersüllt. Endlich kann jeder Beklagte den Einwand erheben, seine Beitrittserklärung sei durch arglistige Täuschung oder durch Betrug erschlichen. Dieser Einwand ist, wie jeder Einwand deS Beklagten, vom Beklagten zu beweisen. Zulässig ist eine Bezugnahme aus den amtlichen Bericht deS Polizeipräsidiums an daS Ministerium über den Schwlndelcharakter der Kaffe, wiewohl die Liqui- datoren Polizeibeamte sind.— Vergolder. New.— E. I. AK. Ja. — Jakob I. Wir lehnen es grundsätzlich ab, Adressen von Aerzten, Anwälten, Sachoerstäiidigen usw. anzugeben. Die in Berlin vom Gericht er- nannten Schreibsachverständigen finden Sie im zweiten Teil deS Adreß- kalenders angegeben.— H. M. 1S3. 1. bis 3. Eine Ehe kann nicht wegen mutmaßlichen Todes des Ehegatten geschieden werden. Der Tod hebt ohne weiteres die Ehe aus. Ist der Ehemann verschollen, so kann an Stelle des Nachweises des Todes eine Todeserklärung treten. Dieser muß ein Ausgebot vorangehen, daS erst zulässig ist, wenn seit zehn Jahren keine Nachricht von dem Leben des Verschollenen eingegangen ist. 4. Liegt die Annahme vor, daß Ihr Ehemann Sie böslich verlassen hat und ist trotz aller Ihrer Bemühungen der jetzige Ausenthalt Ihres Mannes nicht zu er- Mitteln, so können Sie aus Scheidung klagen und öffentliche Zustellung für den Eheschcidungsprozetz nachsuche»».— K. K. Neil». □ 1649: 1789: 1985 □ Sin«ich UluetTicrtcs Scdcnhblatt ist soeben erschienen! pnsis 20 k»kg. Vlellmei'IiMei' erhalten Rabalt! (ZTä weckt die Erinnerung an die revolutionären � Kämpft früherer Jahrhunderte, der englischen Revolution von t649 und der französischen von 1789, und zeigt den Unterschied in den rcvolutio- nären Mitteln und Zielen, um die ciust gerungen wurde und den jetzigen Kämpsen in Rußland.— Von den Bildern nennen wir neben der Tilel- seite: Die Erstürmung der Bastille und Beftci»ing der Gefangenen durch da« Volk— Eine Dar- stellung der Hinrichtung Karl J. von England— Wie Väterchen reiste— Auspeiischung einer Frau im Reiche Väterchens usw., daneben Porträls von Cromwell, Marat, Danton u.a. Zahlreichen Austrägen entgegensehend lZuchhsndiung Vorwärts ESÄg Aelilung! Sanarbeiier! ss Seit gestern(Mittwoch) stehe» die Töpfer- Trager tw streit. Die wenigen Mehrfvrderuilgen, welche sie bei ihrer Tarifberawilg aufgcstettt haben, sind nicht im entferntesten von den Arbeitgebern anerkannt worden. Da die Arbeitgeber schon bei der Tarifberatung erklärten, daß bei j-inem eveiit. Streik der Träger die Banunternehincr die t§r�a�träftö für die Träger stellen würden, so richten wir hierdurch an alle übrigen Banarbetter das Ersuchen, den Töpfer-Trägern gegenüber volle Solidarität zu üben und sich von den Arbeitgebern nicht als Arbeits- willige gebranchen zn lassen, auch sonst bis zur Erledigung deS Streiks keine Arbeit bei Töpfern zu überuehmen. 32/s An Zlvmvtrtius-NorstMd. Für Dm Iii i>»ll ecc Imeraie iibeniimnit die Nudaktio» dem Viiblitm» gegenüber keinerlei Ne>»»»mortiing. UKeater. Donnerstag, 4. Januar. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Cosi fan tutte.(So machen es Alle.) Schansbielhaus. Die Verschwörung des Fiesco zu Genua. Deutsches. Das Käthchcn von Heil- bronn. Neues. Liebcslcuie. Westen. Schützenliesel. Nachm. 3 Uhr: Hamlet. Berliner. EdlcZ Blut. Ansang 8 Uhr: Lessing. Nora. Schiller«».«Wallner. Thealer.) Zwei glückliche Tage. Schiller.V.(ssncdnch Wilhelm- slädlischcs Thealeri. Nora. Kleines. Stilpe-Komödien. Koniische Oper. Die Boheme. Residenz, Der Prinzgemahl. Triano». Die herbe Frucht. Lnstspiellians. Der Weg zur Hölle. Thalia. Bis srüh um Fünse. Carl Weist. Die lebende Brücke auf Kuba. Zeniral. Musette. Lniie». Das Gesängnis. Dentsch-Amerikanisches. Er und Ich. Meiropol. Auf ins Metropol. Kasino. Das Opferlamm. Apollo. Prinzeg Rosme. Speziali- täten. Herrnfeld. Familientag im Hause Prellstein. Walhalla. Nach Afrika, nach Ka- merun. Wintergarten. Otto Reutier.— Spezialitäten. Folies CaprieeS. Soll und Haben. Nach dem Zapjcnstreich. Rritlisballeu. Stettiner Sänger. Passage. Spezialitäten. Urania. T»»l>e»str»ste 4H/49. Nachmittags 4 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Abends 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Sternloarte, Jnvalidenstt. t 57/62. Täglich geöfsnci von 7 bis 1 Uhr. Scliiller-Tlteafer. Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeatcr). Donnerstag, abendSSUhr: Zwei g-Jückllche Tase. Schwank iii 4 Zlkten von Franz v.«chönthan und Gustav Kadelburg. freitag. abends 8 Uhr: Ilofgaast. Sonnabend, abends 8Uhr: Haas. wtm Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Donnerstag. abends8Uhr: 'Sora. Schausp. in 3 Aufzügen v.HenrikJbsen. Dcuisch von Wilhelm Lange. Freitag, abends 8 Uhr: 131a Wiatevmlirchcn. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zwei glückliche Tage. J_ I Berliner Theater. Ansang 71/2 Uhr. F.ellcs Blut. Freitag; Etiles Stint. Sonnabend: Gastspiel der Oper des Theater d. WestenS: llie Fledermaus. Sonntag nachm. 3 Uhr Vorstellung zu ennäst. Preisen: Pension Schüller. WendS 71/3 Uhr: Kcan. Neues Theater. Anfang 71/a Uhr. Ulebesteute (Amants). Freitag: Liebesleute(Amants). Sonnabend: Ein Sommernachts- träum. Sonntag: Liebesleute(Amants). Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Zwei Stilpe-Komödien. Freitag: Marquis von Keith. Zentral-Theater (Operette). Ansang 8 Uhr. Musette. Operette in 3 Alten von Herblay. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Das Gefängnis. Freitag zum erstenmal: Der Gold- bauer. Sonnabend: Der neue Herr. Sonntag nachm.: Der Kaufmann von Venedig. Abends: Der Goldbauer. Montag: DaS Gefängnis. Komisehe Buer. Friedrichltr. 104/t04a. DonnerSlag, 4. Jan., abends 8 Uhr IMe Boheme. Freitag u. Sonnabend: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag, Montag: Die Bohfeme. Melropol-Theater Anfang 8 Uhr. liisiir Große Jahrcsievue mitGesungu. Tanz in 9 Bildern v. Jnl. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Kauchon in all. Räumen gestattet. Sonnabend, den 6. Januar er.: 1. großer Metropol- Theater-Ball. Besidenz-Thealer. Direktion: Richard HUxandcr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwank in 3 Aklc» von il. A'auros und I. EhanceL Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ber Hiittonbesitzer Freie Tolksbiibne. i Sonntag, 7. Januar 1906. Anfang Ä'/a l!hr: Metropol-Theater. 3./4. Abteilung Maria Magdalene. Carl Weiß-Theater. 12./13. Abteilung Amphitryon und Die Frage an das Schicksal. 12. Ktmst'Hbend im Rathaus Dienstag, den 10. Jannar, abends 8'/, Uhr Mozart. Einleitender T OVtVag A�eÄiter. Violine.,. Violoncello Gesang... Arn Flügel. 239/11 Der Vorstand. Herr Benno Schnch. Herr Heinz Beyer. Frau Johanna Rlchler-Burchardt. Herr Kapellmeister Hochapfel. fjeue fme Volksbühne Die Kunst dem Volke! Sonntag, den 14. Jannar, abends 8 Uhr, im Konzertsaale der kttnigl. Hochschule für Musik (Ecke Hardenberg- und FasanenstraBe): Mozart-Feier (zum Gedächtnis der ISO. Wiederkehr von Mozarts Geburtstage) unter gütiger Mitwirkung von Aenny Kindermann, Mitglied des Hamburger Stadt-Theaters(Gesang), Hedwig Kirsch(Klavier), Eugenia Sloltz(Violoncello), Gabriele Wietrowetz(Violine), Or. Leopold Schmidt (Vortrag), Artur Schnabel(Klavier). Begleitung; Fritz Andres._____ Billets a 60 Pf. inklusive Garderobe, Programm und Liedertexte sind nur für Mitglieder bis zum 8. Januar inklusive in allen Zahlstellen zu haben. Von da ab werden übrig bleibende Billetts an Gäste verkauft. Die Plätze werden verlost. 150/1 Zu den Vorstellungen:„Der Kaufmann von Venedig" am 7., 14. und 21. Januar im Deutschen Theater sind noch einige Gastkarten a 1,25 M. in folgenden Zahlstellen zu haben. Fischer, Veteranenstr. 6; Bobslen, Kommandantenstr. 62; Becker, Gotzkowskystr. 9; Kaufhold, Wrangelstr. 52; Martienzen, Belle- alliancestr. 7/8. Der Vorstand. I, A.: H. Nett, Breraerstr. 59 H Zirkus Albert Schumann Heute Donnerstag, den 4. d. Mts., abends präzise 7'/, Uhr: Elite- Abend. Gala- Programm. GensatloncII« ATovltllt! Sftivza- Golem- Truppe Original Kaukastcr. Ferner: Die anerkannt vorzüglichen Spezialitäten, Zum Schlnst: Einzig dastehender Erfolg! G!e diesjährige gr. Ausstattungspantomime in 7 Abteil.: k�emina, das neue frauenreich. Entworfen und aus das glänzendste inszeniert von Dir. Albert Schumann, Besonders hervotzicheben: Im 3, Akt: Im Palast der Präsidentin. Im 5. Akt: Das Sportfest der Damen.— Ferner: Die märchenhaft schöne Schluß- Apotheose! XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Nachm. 3 Uhr: Auf allerhöchsten Befehl!! Extra-Gala-Vorsieilong wozu der kaiserliche Hof sein Erscheinen zugesagt hat. In beiden Verstellungen nachm. und abends die neueste u. größte Sehenswürdigkeit Berlins � ludieii.+ Orig.- Pantomime des Zirkus Busch in 8 Bildern. Besonders hervorzuheben: SJV- Kine Tlgerjagd in den Dschungeln Indiens."90 Ferner: Eine Witwtnverhronnung. Außerdem: Elefanten-Kämpft Abends 7'/, Mir: Sensationell! Sensationell! Mr. Norton Smith Amerikas ber. Pferdebändiger. KasinosTheater Lclhringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Zum letztenmal: Das Opferlamm. Freitag zum erstenmal: Die goldene Drücke. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Held Klingebusch._ Folies Caprice. Budapesler Possen-Theater 132 Linienstr. 132, Ecke Friedrichstr. Zum 105. Male: Vach dem Zapfenstreich. Vorher: Soll und Huben u. d. ausgezeichnete Spezialiiätenteil. Antang Tlt Uhr. Vorverk, tägl. b, i�eriheim u, an der Theaterfasse v. 19 Uhr vormittags an, ßu'f Welli-Tlieaier. Gr. Frankfiirterstr.(32. Täglich abends 8 Uhr: Tie lebende Brücke aus Kuba. Sensationelles amerik. Ausstatiungs- stück mit Ges. u, Ballett in 7 Bildern von James For, Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder- Vorstellung, ll. Preise: Ka» u.Kcritz. Deutseh-imerikaniseiifis fheater. Köpenickerstr. 67/63. Jeü. Abd. 8 Uhr: pav Gaslsoiel Ad. Philinn"SWjl liiMhiUtl Sonntag oacnnutMg 3 Uhr: Halbe Preise! „IJcbep'n großen Teich". palast-Theater Burgslr. 24, 2 Min. v.BH. Börse. Täglich 8 Uhr. Entree S« Ps. Das säesen-öannar-frogratnni. «- 3 Härders, ÄS, Ehemal. Mitgl. d. Hegelmann-Tnippe. TThe-Baretts, urkomische Pantomiiiiisten. Paulas Beichte. Burleske von W. Gericko. 12 erstklassige Nummern. Familienkarten in allen Barbier-, Frlsenr- u. Zigarrengeschästen sowie im Thcatcrburcan unentgeltlich zu haben. Giislav Behrens Spezialiiälen- Thealer Frankiurter- _ Allee 85. Vollständig neues Januar-Programm. * Willy Fernando, der berühmte DoppcbKnnftbläier. �r. Ginley mit seinem Wunder- Hund. Alpii! Eier-Wally. IfUlll Posse mit Gesang. 25 Sl�SpeziaUtaten. Sanssouci. ITTkLII: Somit., Mont., Donnerst.: Hoffmanns Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sonnt. Bg.5,Woche!it.8Uhr Jed. Dienstag». Mittwoch: Theatcr-Zldendc. Annicld. für d. grosten Theatersaalu. d. kleineren Säle zur nächsten Saison werden schon jetzt entgegen- genommen._ Otto Prifrkows Berlinei' ÄhnDraitäteii-Theatfir niinr.Ktr. Kt. Riesen-Weihnachts- Programm! Rcul Die Ellte-Liliputaner-Truppo, die kleinsten Sängerinnen u. Bor- tragSkünstier der Welt, kiesin Ilona, 485 Pfd. schwer. Dpuilo, der Mensch ohne Gesühl.«ne!«no! Knie! frei in der Luft schwebende Türkin. Hellseherin Armida, wahrsagende Wnnderdamc. Pluto. Wnndcrhnhn, geb. mit 4 Beinen. s Körpern, 1 Kops, lebend,-c. Meiter-Wungszeliule Berlin Sonntag, den 7. Januar, abends 7 Uhr, im großen Soale des Gemerhschostshliuses,«Ngel-Ufcr IS: Vortrag des Redakteurs Heinrich Ströbel über: „Kulturinteresse und Völkertriede. Eine Kulturbetrachtung." Nach dem Vortrag: Genintliches Keisammeustin nnd Tanz."WU Eintritt inN. Garderobe SV Pf. S/16» Donnerstag, den 11. Januar, abends'/-T Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 8: General-Uersammlung. Tagesordnung: l. Bericht des Vorstandes, der Revisoren und des Lehrerkollegiums. 2. Anträge. 3. Schulangelcgenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge werden entgegengenommen. !l» Iii Stock- u. Zelliilold-Hrbeiter» Donnerstag, den 4. Januar, abends 8'/, Uhr, bei Bareiuz, Brückcnstt. 7: Vertrauensmänner-Versummlunx. Zluf je 10 Kollegen ein Vertreter. 77/3 DM- Jede Werftatt mutz vertreten sein. Der Obmann. 8e!iönederg. SoiiBldewoKrsliZcder Wahlverein. Freitag, den 5. Januar, abends 3'/, Uhr: DP Versammlnngs"WU im Obst'schen Saale, Metningerstr. 8. Tages-Ordnung: 1, Unsere Aufgabe» im Stadtparlament. Referent: Stadt- verordneter Killer. 2. Diskussion. 3. Die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen und Ausstellung von Kandidaten. 4. Veremsangelegenheiten. iz/i Zu einem zahlreichen Erschewen ladet-in Vorstand schnupfet„Kur» Prise" (D. lt. G. M. 220 985) 204/5» In Flaschen und Päckchen a 10 Pf.- b£2!£e flualitäls- Schnupftabak z��scdÄ«. Fröbels Mlerlei-Thealer Schdnhauier Zlllee Sir. l4H. Jeden Sonntag und Mittwoch: ' Konzert Theater X Spezialitäten. Stets wechselnde Spteljolge. Nach der Vorstellung: tsr. Tan?!. Ans. Sonnt. 6 Uhr, Mittwochs 8 Uhr. Etzsiiitn Landsberger Allee Nr. 49-41. Jnh. G. Eisermann. Irden Donnerstag: )larIiurgkr8Snger. Direktion: D. Frick und F. Kasche-Krause. Anfang 8 I hr. Gutree 10 Pf. Nach der Soiree: Tanz, Reichshallen. Heute: Stettiner Sänger c§§.- ® vd iH* Ii«* 55 �- m s l!loi-it'#,|»lntz. D a g l i ch � in den nnteren Sälen � (iottschalK-i 3 Heute DonuerStag. den 4. Januar, nachmittags 3 Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29, großer Saal: Große Mitgl jeder-Uersam mlnttg. i. Nnsere Stellliugiiühink\m Gkneralkrtik der Töpfer-Trager. 2 SSü eriuchen um»ellzähliges Erscheinen aller Kollegen. Der 1»ratand. um Töpfer Träger! Pernttsinj, den 4. Znmar 1906, nnchm. 6 Jllir, Ä Roseniiinler hos. Große Sektions-Uersammwng. 32/1 Tages-Ordnung: 1. Bericht über den Stand der Belvegung. 2. Verschiedenes. Das Erscheinen aller Töpser-Träger ist erforderlich.. Den �nclgvcrclns-Vor-Gtand. T» ♦♦ ♦ ♦»W V»»■»+""■» ♦ Variete Elysium Kommandantermtraße S/4. Täglich- Auftreten von 36 erstklassige« iewatjenale« j1uggenha|enSgi=; 4 Heute sowie Jeden Donnerstag:> < Neues Programm der' linsii-i Siwr. i « Auf. S1/, Uhr. Nachi,: Freitanz. I Vwww wwwwww• Schöneberger Wintergarten Geltzstraße 9. Täglich Tbenter.»nd Tpeziali» tälenvorstellung. SonntngS 2 Vorstellungen. ?>ochmittagS � Uhr zu halben Preisen. ?!cde erwachsene Person bat ein Kind srci.— Abends 7'/.Uhr Groge Gala- Vorstellung. Die Direktion. ftruuerei?. ftuppolät Serliv 8. sisselldeiäe 32-38 empfiehlt ihr Lager» Münchners Tip=Top= Bier in Flmsclieu und(webindm. Telephon: Amt IV. Ao 9115. 56357.* Der A.IISStoß unseres Sock-|i(falz- Bieres vom Paß und in Flaschen beginnt liente I�oimerstag, den 4. olanuar. Bergbrauerei, Berlin N. Bergstr. 22, Telephon: III, 1412. 5�,�, Gebrüder Herrnfeld- Theater. Heute abends 8 Uhr: Familientag im Hause Preilstein. Komödie in 3 Akten mit den Autoren Anten und Qenat Herrnteld in den Hauptrollen. Morgen abends 8 Uhr: Familientag im Hause Prellstein. M— 1��— Wir haben die Herstellung der Josetti-Cigaretten so vervollkommnet, dass wir alle früheren Produkte in unserer langjährigen Praxis nur als experimentale Stufen zu dieser Vervollkommnung betrachten. Während dieser Praxis haben wir fortwährend den Vorteil sachverständiger Kritik gehabt, ohne welche die Herstellung von Cigaretten wie JOSETTI CIGARE.TTOS nicht möglich gewesen wäre, Die Josetti-Cigarette ist thatsächlich ein Erfolg, begründet auf vielen früheren Erfolgen, Sie ist die Cigarette des deutschen Kenners geworden, weil sie über der Kritik des schärfsten sachverständigen Kritikers steht. Dt» Eroten fOrkischer Ttbakblltter. Nur die feinsten Blatter werden unter sacbveretAodigQ' Anfsicbt gepflockt - Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei und leiden nicht an Verdauungsstörung. scoil* fn I"bewSSt'Sfe� Brechdurchfall, Darmkatarrh, Diarrhöeetc. Urania I, Im Theater nachm. 4 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Abends 8 Uhr: Am Golf von Neapel. SternwarterS Belle-Alliancel Theater- Varl6t4. Ansang 8 Uhr. Dkl grüne Tenfel. 11 hervorragende Sensationen. Otto Reutter. Kunstradfahrer. EmSt Perzma, Hundepantomime, Lola Hawthorne, �S0116 Elmo u. Recco, Yülian Familie, Akrobaten. Die drei Holloways, Süen Gebrüder Schwarz, parodisten. „In SChOltland", Di�sement. Burke, Andrus u. Frisco �eer Der Biograph.„RBekkehrvomBall" AIS Verlobte empfehlen sich Ottilie Krause Hermann Bloß. Ber"n' � Spandau. Neujahr 1906. 14506 �ntral- Kranken- 11. Stf.rliekasse l'sp deulsclien Wagejitiauer. Filt»le 8 tGrsiiuddi nunen). T�des-Anzeige. ©icrmU' den MitZli edcrn Nachricht, �ajz unser Mitglied, Bohrer 14�,. XVillielm kleinxe am 31. Dezember vri starben ist. Die Beerdigung sind et am Frei- tag. den 5. Januar,! nachmittags 3 Uhr, von der Leich enhalle des Sophienkirchhoses in der Freien- walderstraste aus statt. Um rege Beteiligung bittet ve? 1'>»>'«tnitü. iur . Zer 14546 Allen Freunden, Bekannten und Verwandten die tr»urige Nach- richt, dast unser lieber Sohn, der Lederarbeiter 1451b H aKr am 3. Januar, moi igenS 6 Uhr im 35. Lebensjahre>»erstorben ist. Die Beerdigung sin det Sonntag, den 7. Januar, nachmittags 1 Uhr, vom Trauerhause, Kieibelslraszc 9 aus statt. vlo trauernden Eltern und Geschwijter. Deutsc'ner Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Am 31. Dezember, nachmittags 5>/, Uhr, verstarb unser Mitglied Edmunil Kirchner. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 4. Januar, nachmittags 3 Uhr, aus dem St. AüchaeliS-Fricdhose, Rixdors, Hermannstraste, statt. Rege Beteiligung erlvartet 23/1 Die Ortsverwaltung. ORnU-< Mark« „Medleo'* vcrich offen. 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Meldungen mit An- gäbe der Gehaltsaniprüche und ge- drängte schristliche Bearbeitung der Thätigkeit eines Gewerkschasts» und Arbeitersekretürs sind bis spätestens 1. Februar 1906 mit der Aufschrift „Arbeitersekretär* an die Fünfer- kommission de» GewerkschastskartellS. Severinstraste 20l zu richten. 284/3* ......________ Trau Kokosty, tiausf Ebarlotlenburg, Goetheftraste 84, I. ♦,—------------_:___________ SüTöerTSnletattnteil vermitw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Bor wärt» llfiuchdruckerei u. BerlagSanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, Fräser. Feiler, Schleifer. Bieger aus Rawrstöcke verl. Sodiiilis, Ritterstr. 59. Für daS „Volksblatt" in Cassel wftd zum baldigen Eintritt ein zweiter Redakteur gesucht. Derselbe must m alle» Redaktionsarbeiten bewandert sein. Bevorzugt wird ein Genosse, der auch rednerisch tätig sein kann. Anstellung»- oertrag nach den Bestimmungen deS VerewS Arbeiterpresse. Osterten an A. Jordan, Cassel, Graben 32. Eine mit den modernsten Ein- richwngen versehene Fabrik plan- geschtisseurr Kupfer- und Zink- platten sucht tür sofort einen in allen vorkommen- den Arbeiten erfahrenen 71/ü* Meister. Derselbe muß in der Lage sew, die Fabrikatton vollkommen selbständig zu leiten, und ist die Stellung angenehm und dauernd. Ebendaselbst finden noch Polterer und Abzieher Arbeit. Osterten mit Angabe der bisherigen Tätigkeit und Gehaltsansprüchen er- beten unter I(. P. 5789 an Rudolf Moüse, Köln. Achtung! Achtung! Piano-Mchamk-Arbtittl und Arbritmnvtn! Die Firma Plcns A Co., Blumenitraste 77. ist für alle Branchen bis ans weiteres gospoi'ntZ nelitseitösliolkgsdkitör-Vöslzgnlj (Seanedo 98/15* der Uueilllnstrumentsa./lrbeitsr). Stock- und Zelluloid- Arbeiter! Bei der Firma klendklMbn n Leipzig sind sämtliche Kollegen d Kollegin und Kolleginnen wegen Zugehörigkeit zur Organisatton ausgesperrt worden. Zuzug nach Leipzig ist deshalb streng fernzuhalten. 98/9 Die Kommission. Heherbriter! In der Treppengeländer. Fabrik Jos. Drechsler, Gubener- ftraste 33, sind sämtliche Arbeiter ausgesperrt. 47/2 Zuzug ist sernzuhalten. F „Vorwärts" Berlinor Redaktion und 6xpcdition: Btrlln, Cindenitr. 69. fernfpretljcr: Amt 17. 198J. j Nr. 2. Donnerstag, den 4. Jannar � Inferade Sechsgelpsltene Kolontlzellt 2d Pfg, Bei größeren flufträgen entfprethendcn Rabatt. partci-Hngclegenbcitcn. Zur Lokalliste! Am Sonnabend, den 13. Januar, veranstaltet der Musilverein.Lohengrin" im Lokale von Ran, Marien- d o r f, Dorfstraste, einen Maskenball; da das betreffende Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht, ersuchen wir. Billetts zu obigem Vergnügen entschieden zurückzuweisen. Das Genoisenschafts-Wirtshans, Nord- Ufer 10, steht der Arbeiterschaft zu den bekannten Bedingungen zur Ver- fügung. Die Lokalkommission. Schöneberg. Am Freitag, den 5. d. M., findet im Obstschen Saale, Meiningerstr. 8, eine Versammlung des Wahlvereins statt, in welcher seitens der sozialdemokratischen Stadtverordneten ein Bericht über ihre Tätigkeil im verflossenen Jahre gegeben wird. Weiter wird die Versammlung zu den am 11. d. M.'stattfindenden Stadtverordneten wählen Stellung nehmen. Ein zahl- reiches Erscheinen der Mitglieder ist deshalb' dringend notwendig. Reinickendorf und Unigegegcnd. Heute Donnerstag, den 4. Januar, abends 3'/, Uhr, findet bei Meinhardt, Reinickendorf- Ost, Hauptstr. 50/51, eine kombinierte Versammlung der drei Wahlvereine Reinickendorf-Ost, Reinickendorf- West und Wilhelmsruh statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vertrauensmannes. 2. Neuorganisation des Bezirks. Referent: Genosse Kemnitz 3. Neuwahl der Fuiiktionäre. 4. Verschiedenes. Genossen I Diese wichtige Tagesordnung verpflichtet Euch, alle zu erscheinen. Der Vertrauensmann. Vorort- l�acbricbteu. Charlottenburg. Vorn Vorstand des sozialdemokratischen Zentral-Wahlvereins für Teltow-BeeSkow erhalten wir folgende Zuschrift: In der Nr. 1 des „Vorwärts" vom 3. Januar befindet sich unter Charlottenbnrg ein Bericht über die Sitzung der Charlottenburger Gewerkschafts- delegierten und Vorstände, nach dem Genosse Jost aufgefordert hat, das eventuell zu gründende Lokalparteiblatt rege zu unter- stützen. Wir erklären hierzu, dast Anträge, die darauf hinzielen, in Charlottenburg ein Lokalparteiblatt zu gründen, weder vom Wahl- verein Charlottenburg noch von anderen Wahlvereinen des Kreises an die zuständigen Parteimstanzen eingereicht worden sind. Der Zentralvorstand. I. A.: W. E b e r h a r d t. „Der Gral" ist daS Thema, mit welchem die Volkskunstkommission der Stadt Charlottenburg nach längerer Pause ihre Tätigkeit am Sonntag, dem 7. Januar, in dem Festsaal der Kaiser Friedrich-Schule, Savignyplatz. wieder auf- nimmt. Gröstere Bruchstücke aus Richard Wagners„Parsifal" und„Lohengrin" füllen in Dichtung und Musik das interessante Programm auS, für das sich erste Kräfte, welche zum Teil ans Bayreuth- Festspielen bestens akkreditiert, wie Adele Otto- Morano, ferner Hjalmar Arlberg, Sydney Biden und der Tenorist R. T o m e l l i zur Verfügung gestellt haben. Eine junge Dame der Gesellschaft, Frl. Dr. K a u f ni a» n-S ch w a b a ch, hat de» einleitenden Vortrag übernommen. Karten a 50 Pf.— einige numerierte a 1 M.— sind in allen Charlottenburger Buch- Handlungen, sowie im Verein zur Förderung der Kunst, Genthiner- straste 17 I. zu haben. Weihensee. Aus der Gemeindevertretung. Der Etat der Realschule wurde ohne nochmalige Debatte gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen, der Fonnfehler der letzten Sipung, in der die Ab- stinimung unterblieben ist, ist repariert.— Bei der Grosten Berliner lvar beantragt die Linien 60 und öl vom Schlost bis zur Rennbahn- straste zu verlängern und die Linien 59 und 62 bis Malchow durchzuführen. Beides wurde von der Gesellschaft abgelehnt mit der Be- gründung. dast bei ersleren Linien die Betriebskosten schon durch die Ver- längerung vom Antonplatz bis zum Schlost in keinem Verhältnis zu den Einnahmen stehen, der Antrag könne nur durchgeführt wenden, wenn die Gemeinde oder die Interessenten einen Zuschust zu den Baukosten leisten.— Eine Festlegung der Baufluchtlinie» in der Albertinen-, Amalien- und Parkstraste wurde beschlossen, damit ein einheitliches Strastenbild geschaffen wird; hierbei nahmen unsere Genossen Gelegenheit, das Aussehen der Vorgärten zu bemängeln, welche in solchem Zustande sind, dast sie eher einer Rumpelkammer glichen als dast sie auf den Namen Garten Anspruch machen könnten. Herr Fabrikbesitzer Henniger, dessen Vorgarten in der Debatte auch erwähnt wurde, bezeichnete denselben sogar als„Lunge von Weisten- sce", austerdem müsse er sein an der Strastenfront liegendes Fabrik- gebäude vor dem„Fenstereinschmeisten" schützen.— Dem Erlast einer Polizeiverordunng.»ach der Fabrikanlagen auf einzelnen Teilen des GcmeindegebieteS unzulässig sind, wurde zugestimmt. Die Polizei- Verordnung hat lediglich den Zweck, den Besitzer des Schlosses Weistensee zu behindern, ein dort geplantes Fabrikunleruchmen zur Ausführung zu bringen. Das Projekt des Ankaufes des Schlosses ruht demnach. Bei dieser Gelegenheit entpuppten sich wieder einige Herren als offene Vertreter ihrer eigenen Interessen. In die Verordnung sind nämlich eine Reihe von Strasten einbezogen, die erstens um den See und dann um den umfangreichen Garten herum- liegen; unter anderen auch die Parkstraste. Hier wohnen rcsp. haben Besitztum die Herren Catenbnse», Rothe. Lambertus und der jüngste Grundstücksspekulant Postassiileiit MeiveS. Diese konnten nun gar nicht einsehen, dast auch die Parkstraste, die doch hinter dem Schlosse liege, hiervon ebenfalls betroffen werden sollte. Ihre Grund- stücke sind angeblich so tief, dast sie diese gar nicht anders als zu Fabrikanlagen veränstern könnten, oder aber die Gemeinde eröffne auf ihrem Hinterlande eine— St» aste. Kühner konnten diese Herren sich nicht offenbaren. Die Bürgerschaft Wcistensees kann aus dies m kleinen Beitrag ersehen, wie die Interessen des OrteS von diesen Herren vertreten werden. Erst verhindern diese den Schlostankauf. wenn aber Matznahmen getroffen werden sollen, eine wirkliche Lunge Weisteusees zu erhalten, dann drücken sie sich, wenn sie dabei nicht auf ihre Rechnung kommen. Wannsee. Am Sonnabend, den, 30. v. M, hielt der hiesige Wahlverein seine Generalversammlung ab. Der Vorstand erstattete den Bericht des vergangenen Geschäftsjahres und gab dabei bekannt, haß die «eriamnilungen im Durchschnitt schlecht besucht waren. Dt» Mit- gliederzahl hat sich von 22 auf 28 erhöht. Die Zahl der„Vorwärts"- Abonnenten beträgt zurzeit 23. der„Wahre Jakob" wird in neunzehn Exemplaren gelesen. Der Kassierer gab den Kassenbericht des Jahres. Die Gesamte'inuahine betrug 160,91 M., die Ausgabe 43.99 M.. an die Zentralkasse wurden abgeliefert 168, 04 M., der Bestand am Orte ist 8,88 M. Alsdann berichtete der Genosse O. Wenngatz über die Generalversammlung des Kreises und Genosse K. Schulze über die Generalversammlung von Grotz-Berlin. Die Versaininelten wünschen, dast der Verband der acht Wahlkreise von grostem Nutzen für die Partei lverden möge. Als letzter Punkt der Tagesordnung ivurde die Vorstandswahl vorgenommen. Es wurden gewählt: Erster Vorsitzender O. Wenngatz. zweiter Vorsitzender Wilhelm Junger- mann, Kassierer K. Schulze, Schriftführer Franz Schulze, Beisiöer H. Meistner. Der Vorsitzende ermahnte die Genossen, tüchtig für den Wahlverein zu agitieren, dast beim nächsten Jahresbericht der Verein noch einmal so stark sein möge wie heute. Drei Genossen liehen sich in den Verein aufnehmen. Rummelsburg. Bei lebendigem Leibe geräuchert. Ein tragikomischer Vorfall wird auS Rummelsburg gemeldet. Der 43jährige Kaufmann M. hatte sich, um seine Freunde durch plötzliches Verschwinden zu überraschen, am Silvesterabend in dem grosten offenen Kamin eines alten Hauses versteckt. Die Türe hatte er hinter sich fest zugeschlagen, das an der Austenseite angebrachte Schlost schnappte ein und M. war in dem Kamin gefangen. Es dauerte nicht lange, so begann man in allen Etagen das Punschwasser aufzusetzen und bald schlugen die Flammen zum Kamin und Rnuchfang empor. Von Minute zu Minute wurde .die Situation des Eingesperrten ungemütlicher. Vergeblich versuchte er die Türe mit Gewalt zu sprengen und sein verzweifeltes Schreien , verhallte in dem Spektakel der Neujahrsuacht. Nach längerer Zeit endlich wurde ein Hausbewohner auf den Aermsten aufmerksam und rettete ihn vor gänzlichem Durchräuchern und Ersticken. Die Haut des unvorsichtigen Versteckspielers hatte bereits die Farbe eines Negers angenommen. Schöneberg. Die Schöneberger Gewerkschaftskommission beschäftigte sich in ihrer Sitzung am 29. Dezember v. I. mit den Gcwerbcgerichts- Wahlen. Der Obmann teilte hierzu folgendes mit: In diesem Jahre würden wir jedenfalls mit zwei Gegenlisten zu rechnen haben. In erster Linie handelt es sich um die lokalorganisierten Zimmerer, welche einen Kandidaten beanspruchten. Durch ein Schreiben sei ihnen aber mitgeteilt worden, dast sie keine Berück- sichtigung finden könnten. Im anderen Falle handele es sich um einen am Orte bestehenden Gastwirtsgehülfenverein. Derselbe habe bei einem Kommissionsmitgliede anfragen lassen, ob wir bereit wären, einen Kandidaten des Vereins mit auf die Liste zu nehmen, würde dem nicht entsprochen, würden sie selbst eine Liste aufstellen. Als Legitimation hatte der Abgesandte dieses Vereins eine Zeitung des Zentralverbandes der Gastwirtsgehülfen borge- zeigt, nachträglich stellte es sich jedoch heraus, dast dieser Verein mit dem Verbände gar nicht in Verbindung stehe. Daraus sei zu ersehen, dast diese Leute nur im Trüben fischen wollten; diese Frage sei somit für uns erledigt. Diese Mitteilungen würden gemacht, damit jeder unterrichtet sei und nunmehr eine rege Agitation in den Betrieben entfaltet werde. Sodann berichtete Genosse Folger über die letzte Sitzung der Berliner Gewerkschaftskommission, in welcher die Abstimmung über die Anträge betr. Aufnahme des Vereins Berliner Hausdiener in die Berliner Gewerkschaftskom- Mission vorgenommen wurde. Er drückte seine Verwunderung darüber aus, dast man den an die Berliner Gewerkschaftskom- Mission angeschlossenen Vorortkartellen kein Stimmrecht eingeräumt hätte. Genosse Schenk sHandels- und Transportarbeiter-Verband) bemerkte, dast sein Verband bei der Generalkommission der Gewerk- schaften Deutschlands Protest eingelegt hätte und bereits nach einer von der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands ver- mittelten Aussprache zwischen dem Ausschuß der Berliner Gewerk- schaftskommission und den Vertretern des Handels- und Trans- portarbeiter-Verbandes der Ausschuß dem Verein verschiedene Be- dingungen auferlegt habe, daß im Falle eines Verstoßes gegen diese das fernere Verbleiben in der Kommission in Frage gestellt wird. Bezüglich des Stimmrechts der Vorortkartclle bemerkte Genosse Henkel, daß von einer Diskussion zurzeit abgesehen werden könne. da der Ausschutz der Berliner Gewerkschaftskommission bereits erklärt habe, daß die Vorortkartelle künftig Stimmrecht haben sollen, das Reglement würde neu ausgearbeitet und dann soll eine diesbezügliche Bestimmung mit aufgenommen werden.— Es fehlten die Vertreter der Schneider und städtischen Arbeiter. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 1905 haben in Scböneberg 31 Stadtverordnetenversammlungen und 1ö3 AuSschustsi Hungen stattgefunden gegen 39 Stadtvero'rdnetenversamlungen und 129 Aus- schnstsitzungen des Vorjahres. Insgesamt waren in den 31 Sitzungen 594 Tagesordnungspunkte zu erledigen. Unter diesen befanden sich 431 Magistralsvorlagen, 15 Anträge aus den Reihen der Mitglieder und 35 Petitionen. Von de» Vorlagen des Magistrats wurden 1 zurückgezogen und 5 abgelehnt, während 34 noch ihrer Erledigung harren. Der Magistrat liest 14 Beschlüsse der Stadtverordneten- Versammlung unerledigt.— Zu Beginn des Jahres waren sämtlich� Mandate bej'etzt. Ausgeschieden sind im Laufe des Jahres 6 Stadtverordnete, deren Mandate bis auf eins anderweitig besetzt wurden. Unter den Neueingetretenen befand sich auch unser Genosse Fritzsch. Bei Beginn des neuen Jahres sind noch vier Mandate frei, und zwar drei Haiisbesitzermandate in der dritten und ei» Mandat in der zweiten Abteilung. Von den bei Kon- stiluierung der ersten Stadtverordneten-Versammlung am 29. De- zeinber 1897 eingeführten Stadtverordneten gehören nur noch sechzehn der jetzigen Versammlung an. Ei» Verleihinstitut für Krankenpflcge-Apparate tritt mit dem Beginn des neuen Jahres in Schöneberg ins Leven. Die hiesige Rettungswache stellt folgende Gegenstände leihweise oder kostenlos zur Verfügung, falls vom behandelten Arzt die Notwendigkeit ihrer Verwendung und die Krankheit, bei Ivelck�r sie gebraucht werden, schriftlich bescheinigt wird: Bade, und Fieberthermometer, Spei- gläser, Unterschieber. Gummi-Unterlagen, Gummiringe, Eisbeutel, ein Wafferkiffen, ein Thermophor,«in Leibwärmer, Prießnitz- Umschläge, ein verstellbares Kopskissen, JnhalationSapparate, Jrri- gatoren, Ikmschlagwärmer, Schnabeltassen, Nasendouchen, eine Sitz- badewanne, eine' Armbadewanne, ein Krankentisch, Lampenschirme. Augenschirme, Schutzbrillen, eine Reifenbahre usw.— Selbst- ver'täudlich lverden die gebrauchten llrankcnpslegc-Utensilien bor ihrer Weitergabe einer gründlichen Desinfektion unterzogen.— Sehnliche Institute bestehen bereits in der Schweiz und im König- reich Sachsen� Spandau. Die Verbreiterung der Brllckenstrnße, wie sie vom Magistrat beantragt war, wird nicht erfolgen. Die letzte Versammlung der Stadtverordneten hat die diesbezügliche Vorlage des SRagistrats abgelehnt und zwar mit 12 gegen 16 Stimmen. Gevlant war die Verbreiterung auf 29 Meter. Die zu diesem Zwecke benötigten Grundstücke sollten im Wege des freihändigen Airkaufes oder aber in> Enteignungsverfahreii erworben werden. Der Magistrat be- gründete die Vorlage mit den immer lebhafter werdenden Verkehr in der Brückenstratze, auch das gesamte Stadtbild würde schöner gestaltet werden. Für die Verbreiterung waren sieben Grundstücke in Betracht gezogen, die zusammen 947 999 M. kosten sollten, ob- wohl sie nur mit 752 909 M. zur Grundwertstcuer veranlagt waren. Auch ein Beweis dafür, wenn es sich darum handelt, zu verkaufen, haben die Grundstücke einen ganz oinderen Wert, als wenn es gilt, zu zahlen. Der Magistrat hoffte allerdings, dast sich die Kosten bei den einzuleitenden Verhandlungen ernrästigen würden, er rechnete auf eine solche Ermäßigung von 79—199909 M. Durch den Wiederverkauf von Restbaustellen und eines neuen HauseS, durch Zahlung eines Betrages von 199 999 M. seitens der A. E.-G., durch Heranziehung der Hanseigentümer der westlicheu Seite der Brücken- straste. deren Grundstücke durch die Verbreiterung erheblich gewinnen, glaubte der Magistrat eine Einnahme von 677 900 M. zu erzielen, so daß die Stadt ihrerseits nur 279 999 M. zu den Verbreiterungs» kosten beizutrage» hätte. Dieser Zuschust würde sich aber durch etwaige Ermäßigung der hohen Forderungen voraussichtlich erheblich vermindern. Vom Genossen Scholz wurde beantragt, daß diejenigen Stadt- verordneten, welche an der Borlage interessiert seien, an der Be- ramna nicht teilnehmen dürsten. Dem Antrage wurde stattgegeben. Der Berichterstatter der Vorlage. Dr. Engelhardt, sprach sich im Sinne der Magistratsvorlage aus. Von bürgerlicher Seite bekannten sich die Stadtverordneten Jenne, Bauinspeklor Bender und Dr. Baumert als Gegner der Vorlage. Ganz entschieden wandte sich der Stadt- verordnete Bauinspektor Bender gegen das Projekt. Er erklärte, das Projekt der Brückenstrastenverbreiteruna fei plötzlich wie ein glänzendes Meteor erschienen. Redner fragte den Referenten, was er denn für Unterlagen für die Vorlage habe. Die in der Niederschrift des Magistrats gegebenen Ausstellungen genügten ihm, dem Techniker, nicht. Die Vorlage sei nicht in der Weise durch- gearbeitet, wie man es für notwendig halten müsse. Einer anderen Stadtverordneten-Versammlung dürfte man mit einer derartige» Vorlage überhaupt nicht kommen. Auf Schönheitsprinzipiell bei Ge- staltung des Spandauer Stadtbildes könne er(Redner) nichts geben, bevor nicht die Charlottenbrücke verschwunden sei. Auch seien tech- nischc Schwierigkeiten vorhanden, welche Redner nachweist. Von unserer Seite sprach der Genosse Scholz scharf gegen die Vorlage. Er zog sich einen Ordnungsruf zu, als er sagte, es sei ein Uiisinn gewesen, dast man 799 999 Mark städtischerseitS für die Bahnhofsanlagen bewilligt habe, wenn man, wie eS heute von mehreren Seiten ausgesprochen sei, nicht glaube, daß der Vorortbahnhos viel von der Einwohnerschaft benutzt werde. Die Bewilligung dieser Summe sei doch gerade mit dem Verkehrs- bedürfnls begründet worden. Redner versprach sich von dem neuen Bahnhofe keine Steigerung der Grundwerte, nahm ensschieden gegen die Verlängerung der Konzession der A. E.-G. Stellung und be'an- tragte im Namen seiner Freunde Vertagung der Brückenstrasten- Verbreiterung. Man habe in Spandau so viel Projekte, dast man sich nur imnier wieder ftagen müsse, wie will man init den Steuer» auskommen? Nach 3'/� stündiger Beratung wurde die Magistratsvorlage mit 12 gegen 16 Stimmen abgelehnt. Ein Antrag auf Schluß der Sitzung wurde angenommen und sämtliche anderen Pirnlie der Tagesordnung zurückgestellt. Nowawes- Neuendorf. Baumsrevler treiben seit einiger Zeit ihr Unwesen in Neuciidorf. So wurden kürzlich wieder die in der Kleiststraste angepflanzte» Bäume durch Anschneiden der Rinde stark beschädigt. Ilm dicsem Unsuge zu steuern, hat der Gemeindevsrstand von Neuendorf eine Belohnung von 10 M. ausgesetzt für denjenigen, welcher den oder die Uebeltäter der Behörde»an, Haft macht.— An Silvesterunfug hat es auch hier nicht gefehlt; u. a. wurden dem Besitzer der Deutschen Festsäle in der Silvesternacht sechs Fensterscheiben zer- schlagen. Dem Täter, der bereits ermittelt ist, durfte dieser„Spaß" teuer zu stehen kommen. Fangschleuse. Am Sonntag, den 31. Dezember, tagte eine allgemeine Arbeiter- Versammlung in Fangschleuse, zu welcher auch die Arbeiter von Erkner zahlreich erschienen waren. Der Genosse Richard Beier sprach über das Thema:„Warum müssen wir uns gewerkschaftlich und politisch organisieren?" Unter Hinweis auf die letzten grosten AuS- sperningeii in Crimmitschau und in der Elektroindustrie betonte der Redner, daß heute kein Arbeiter mehr diesen Kämpfen interesselos gegenüber stehen dürfe, wenn er nicht unterliegen wolle. Alle wirtschaftlichen Kämpfe aber können nur dauernd dann einen Erfolg haben, lvcim die Gesetzgebung in diesem Sinne ausgebaut wird. Darum ist es niisere Pflicht, alle Energie daran zu setzen, um einen Einflnst auf die Geietzgebung zu erlangen. Dazu ist notwendig, dast wir uns politisch organisieren, um bei den koniinenden Wahlen geschlossen für die Sozialdemokratie einzutreten. Noch eine» Rück- blick auf das verflossene Jahr werfend, behandelte Redner die Ur- fachen und Wirkungen der gegenwärtigen Tellerungsverhältnisse. Der neue Zolltarif werde immer augenfälliger seine verderbliche Wirkung ausüben und dem Jndisserentesten schließlich die Augen öffnen. Der Bortrag fand allgemeine Zustimmung. In der Diskussion sprachen drei Genosten im Sinne de« Referenten. Zum Schlust forderte der Vorsitzende Genosse Rein, an» nochmals auf, den„Vorwärts" zu lesen und sich» der geiverkschasltichen sowie der politischen Organisation anzuschlieben. Sechs Mann liesten sich im Wahlverein aufnehmen. berliner I�acbricdten. Keine Fcricnorbeitcn iu den Berliner Gemeiildcschulcn. Im Auf- trage des königlichen Provinzialschulkollegiums weist die städtische Schuldeputation die Rekloren der hiesigen Gemeindeschnlen darauf hin. daß Ferienarbeiten in Zukunft nicht mehr aufgegeben werden dürfen. Die etwa zu stellenden Aufgaben dürfen den Rahme» einer Vorbereitung der Schüler auf den Unterricht des ersten Arbeitstages nach den Ferien nicht überschreiten. Die Rektoren werden ersucht, den ihnen unterstelllen Lehrerkollegien davon Mitteilimg zu machen. Zu Neujahr ist auch die Stadt Berlin vom Kaiser bedacht worden. Er hat der Stadt die von ihm verfaßten Tabellen über die englische Marine durch den Oberpräsidenten der Probinz Branden« bürg zugehen lassen. Berlin ist glücklich! Auch im Deutsche» Automobilklub herrscht eitel Freude. Der Kauer hat daS Protektorat über denselben übernommen und den Situb zum Kaiserlichen Automobilklub ernannt. Am letzten Sonnabend ist eine diesbezügliche Kabinetts- o r d e r ergangen. Die Automobilindustriellen feiern den Kaiser darob als obersten Schutzherrn des Automobilweseus. Das Wort „Kaiserlicher Klub" ist zwar nichts neues, denn wir haben bereits emen Kaiserlichen Jachtklub. Vom Schillcrpnrk. Die für die Errichtung des„Schillerparks" autzer den städtischen Grundstücken noch erforderlichen Terrains sind bis auf einige Restgrundstücke sämtlich in den Besitz des Magistrats übergegangen. Für diese Grundstücke sind rund l3/4 Millionen Mark bezahlt worden. Mit der Herstellung des Parks soll nach der Aus- schreibung der Pläne noch in diesem Jahre begonnen werden. Die Ausschreibung der Pläne hatte sich durch die in Aussicht genommene Vergrösteruwg des Parks nach Reinickendorf zu etwas verzögert. Graf Pürkler geht und nimmer kehrt er wieder. Schreckliche Zeiten stehen Berlin bevor. Graf Pückler hat seine schon früher in Versammlungrm ausgesprochene Drohung wahr gemacht und will die Stadt Berlin jetzt ihrem Schicksal überlassen.' Er hat seinen An- hängern gegenüber erklärt, daß er in Berlin vorläufig keine Reden mehr halten und sein Tätigkeitsgebiet demnächst in die Provinz ver- legen wolle. Die Stadt Magdeburg wird als erste das Vergnügen haben, den redelustigen Grafen in ihren Mauern zu beherbergen. Das Aufgeben seiner Redetätigkeit in Verlin begründete Graf Piickler damit, dast die Berliner zwar eifrig seine Versammlungen besucht und Beifall geklatscht, aber trotz seiner langen Wirksamkeit noch keine männlichen Taten— man kann sich denken, welche„Taten" der Gras meint— vollbracht hätten. Nun möge Bertin in der „Fudennot" untergehen, er, Pückler, habe seine Schuldigkeit g.tan. Ein weilerer Grund für den Grafen, den Berliner Staub von den Füßen zu schütteln, sind die ewigen Streitigkeiten mit den Leitern seiner Versammlungen, die ihm niemals radikal genug vorgingen. Er hat in letzter Zeit zu jeder Versammlung einen neuen Leiter suchen müssen und findet wohl keinen geeigneten mehr. Einer der verflossenen Versammlungsleiter hat auch die blutrote Pückler-Fahne mit der Inschrift„Deutschland, Deutschland über alles" behalten und verweigert die Herausgabe, so daß die Pückler-Armee jetzt ohne Feldzeichen ist. Eingeweihte wollen übrigens wissen, daß nicht diese Gründe allein den Grafen zum Aufgeben seiner Redetätigkeit in Berlin bewogen haben, sondern daß er damit ein Versprechen gegenüber denjenigen Leuten einlöst, die sich für seine Begnadigung verwandt haben. Im ungeheizte» Eisenbahnwagen mußten am Dienstag bei der herrschenden Kälte Passagiere der vierten Wagenklasse die Fahrt von Sangerhausen nach Berlin machen. Es handelt sich um den Zug, der gegen mittag(11 Uhr 44) von Sangerhausen abfäbrt. Die Passagiere waren äußerst aufgebracht über die Rücksichtslosigkeit, init der die Bahnverwaltimg gegen das Publikum verfährt. Ob die gemeint hat, daß es iin Wagen warm wird, indem man die Leute lvie Heringe zusammenpfercht? Vor allem jammerte jeder über er- frorene Füße; recht jämmerlich schrien die Kinder. Die Eltern und andere Passagiere gaben ihre Kleidungsstücke her, um die kleinen Geschöpfe gehörig zu verpacken und zu beruhigen. Warm gehen konnte man sich nicht, da der Wagen vollgepfropft lvar. Wer die Tour nicht bis zu Ende mitmachen brauchte, dankte seinem Schöpfer. ES ist nicht ausgeschlossen, daß sich verschiedene der Passagiere noch Krankheiten zugezogen habe»! denn es befanden sich Leute darunter, die, bevor sie den Eiszug bestiegen, eine längere Eisenbahnfahrt im geheizten Wagen gemacht hatten. Vielleicht macht sich Herr v. Budde einmal das zweifelhafte Vergnügen, bei 12 Grad Kälte im ungeheizten Wagen IV. Klasse eine sechsstündige Fahrt zu unternehmen, das ziveite Mal dürfte er daS nicht wieder riskieren. Jacob. Auch in diesem Falle waren mißliche Geld Verhältnisse die Veranlassung zu der Tat.— In einem Anfalle von Schwermut erhängte sich der 63 Jahre alte Vater des Schriftsetzers B. aus der Swinemünderstr. 21. Als die Augehörigen des Lebens müden hinzukamen, war der Alte bereits tot. Die Leiche wurde in das Schauhaus eingeliefert. Zu der Licbcstragiidie i» der Eckertstraße wird berichtet, daß eS voraussichtlich gelingen wird, die von ihrem Geliebten angeschossene Kellnerin Else Krakauer am Leben zu erhalten. Die Leiche des Ur Hebers der Tragödie, des Maschinenarbeiters Dcske, ist im Schau hause obduziert und zur Beerdigung freigegeben worden. Bei der am zweiten Weihnachtsfeiertage bei Buggenhagen statv gefundenen Matinee des dritten Wahlkreises ist ein Regenschirm ver- lorcn gegangen. Der Finder wird gebeten, denselben bei Torgler, Neuenbu'rgerstr. 18», abzugeben. I Ii» Dienste ums Lebe» gekommen. Polizeilich beschlagnahmt wurde gestern die Leiche des 40 Jahre alten Kutschers Heinrich Kranz aus der Zellestr. IS. K., welcher viele Jahre hindurch in den, Hof- speditionSgeschäft von W. Nicolai, Mühlenstr. 29/66, als Kutscher tätig war, hatte gestern morgen gegen 6 Uhr zwei Pferde aus dem Stall heraus nach dem Wagenplatz geführt. Gegen 6i/z Uhr fand der Kohlenarbeiter Höhnig den Kutscher' vor dem in der Nachbarschaft liegenden Lagerplatz von Abc u. Co. tot vor denbeiden Pferden liege». AnS der Nase des K. drang Blut heraus. Es wurde sofort der in der Fruchtstr. S/6 wohnhafte Sanitätsrat Dr. Ulrich herbeigerufen, welcher die Todesursache nicht festzustellen vermochte. Die Polizei- behörde rechnet hier mit zwei Möglichkeiten, und zwar einerseits da- mit, daß K. von dritter Hand zu Boden geschlagen, andererseits, daß er das Opfer eines Unglücksfalles geworden ist. Zur Auf- klärung der Angelegenheit ist die Leiche polizeilich beschlagnahmt und zur Obduktion in das Schauhaus eingeliefert worden. Ein heftiger Zusammenstoß zwischen einem Kohlenwagen und einer Elektrischen ereignete sich gestern gegen Abend kurz hinter dem Großen Stern und' hatte eine zweistündige Verkehrs- störung zur Folge. Von der Firma Dahlniann u. Uno fuhr ein bcladener Kohlenivagen, aus Berlin kommend, auf dem Straßen- bahngleise der Linie Kupfergraben— Charlottenburg. Der Kutscher wollte nun einem ihm folgenden Wagen dieser Linie ausweichen. Bei dieser Gelegenheit zerbrach jedoch das linke Hinterrad und der schwele Wagen legte sich quer über die Schienen. Dem Führer der Elektrischen war es nicht möglich, seinen Wagen noch rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Es kam vielmehr zu einem heftigen Zusammenstoße, wobei der Vorderperron eingedrückt wurde. Dadurch trat nun eine Sperre dieses Bahngleiscs ein, die über zwei Stunden währte. Folgen der strenge» Kälte. Der seit Sonnabend herrschende Frost hat in der vergangenen Nacht eine erhebliche Stärke erreicht. DaS Thermometer sank in der letzten Nacht bis auf 12 Grad unter Null. In den Asylen für Obdachlose herrscht infolge der starken zrülte ein ganz gewaltiger Andrang. Im städtischen Obdach in der Fröbelstraße suchten in der vergangenen Nacht nicht weniger als 2992 Personen Zuflucht. Davon entfallen auf das Familienobdach 262 Männer. Frauen und Kinder, auf das nächtliche Asyl 2730 Per- sonen. Im Obdach des Berliner Asylvereins in der Wiesenstraße ist seit Eintritt der Frostperiode jedes Plätzchen besetzt. In der letzten Nacht nächtigten dort 684 Obdachlose.— Die Schiffahrt ist infolge der Bildung von Eisdecken auf den Gewässern voll- ständig unterbrochen. Auf den Neubauten ruht jede Arbeit und in den Markthallen haben die Stand- inhaber unter der Einwirkung des Frostes schwer zu leiden. Vielfach komnien gefrorene Waren an, die zum Verkauf untauglich sind. Der Frost hat auch schon eine Reihe von Opfern gefordert. So wurde gestern abend der obdachlose Fabrik- arbeiter Gottlieb Weber auf der Straße erfroren aufgefunden und von einem Schutzmann in trostlosem Zustande nach dem Kranken- Hause am Friedrichshain gebracht.— Der Müggelsee ist jetzt in seiner ganzen Ausdehnung zugefroren und falls die Kälte andauert, lvird noch Ende dieser Woche der Eissport aus dem See aufgenommen. Die Eispächter sind mit der allzu strengen Kälte gar nicht einmal zufrieden. Infolge der schneidenden Frostwittcrung, die besonders in den Abendstunden empfindlich ivirlt, werden zahlreiche Schlittschuh- läufer von der Ausübung des Eissports abgehalten. Eine reiche Selbstiuordchrouik weist der Dienstag auf. In der Böüolvstr. 31 erhängte sich der 46 Jahre � alte Sckiankwirt Paul ~'' seiner Wohnung. K. hatte in letzter Zeit starke Geld- Gerichts-Leitung. Schwurgerichtstagimgen. Die erste Tagung des Schlvurgericht am Landgericht I im neuen Jahrs wird am nächsten Montag unter Vorsitz des Landgerickitsrats M r o c z e k ihren Anfang nehmen. Am Landgericht I sind, abgesehen von der Januartagung noch zehn Tagungen in Aussicht genommen, die am S. Februar, am 5. März nm 23. April, 14. Mai, 25. Juni, 24. September, 15. Oktober. 5. November und 26. November ihren Anfang nehmen und eine Dauer von je 14 Tagen haben sollen.— Auch amLandgerichtll beginnt am nächsten Montag die erste diesjährige Schwurgerichts tagung, der am 24. Februar, S. März, 30. April. 25. Juni 24. September und 19. November weitere Tagungen folgen werden Zum erstenmal figuriert auch das Landgericht III im Geschäfts- plan der Kriminalgerichtsgebäude. Am Landgericht III wird die erste Schwnrgerichtslagung am 8. Oktober beginnen und eine zweite am 3. Dezember folgen. An dem neuen Gerichtsgebäude in der Turmstraße wird jetzt emsig bei Tage und teilweise auch des Nachts gearbeitet. Denn nur so ist es möglich, das Gebäude bis zum Inkrafttreten der neuen Gerichtsorganisation fertig zu stellen Der umfangreiche Neubau, dessen kräftiger Turmaufbau weithin sichtbar ist, gewährt schon jetzt einen höchst imposanten Anblick. In dem Neubau sowie in dem alten Kriminalgerichtsgebäude sollen plangemäß die Strafabteilungen der verschiedenen Gerichte vereinigt werden und zwar soll daS jetzige Gebäude lediglich die Straf- abteilunge» des Amtsgerichts Berlin-Mitte sowie die Schwurgerichts abteilung des Landgerichts I aufnehmen, alle übrigen Strafabteilungen derLandgerichtel.liundlll und derAmtsgerichteTempelhof, Schöneberg und Wedding sollen in dem Neubau in der Turmstraße Platz finden, ebenso die Staatsanwaltschaften der drei Landgerichte. Der Neubau wird zwei Schwurgerichrssäle, dreizehn Strafkammer- und eine größere Zahl von Schöffensälen enthalten, außerdem eine Unzahl von sonstigen Geschäftsräumen, und so wird das Gebäude das bisherige Kriminalgerichtsgebäude um mehr als das Doppelte Über treffen. Die Sitzungssäle liegen in dem in der Mitte der Hauptfront belegenen Saalbau, die übrigen Geschäftsräume gruppieren sich in den Flügelbauten. Zur Verbindung zwischen dem alten und dem neuen Gebäude ist ein Verbindung? gang hergestellt worden, der den Staatsanwälten und Beamten zur Verfügung stehen soll. Hoffentlich wird in dem so umfangreichen Neubau endlich auch der Presse gedacht und für ihre Vertreter ein Arbeitszimmer vorgesehen sein, damit einmal der Zustand mff hört, daß die Verweter der Oesfentlichkeit bei großen Prozessen, die ein Arbeiten an Ort und Stelle notwendig machen, oftmals keine Stätte finden, die ihnen die Erfüllung ihrer Pflichten ermög- licht. Oder hat die Rechtsprechung die Oeffcntlichkeit zu scheuen? Ei» Baimufall. Ein bedauerlicher Bauunfall führte gestern die Kersten ur■ W ,,..lüfte erlitteil und dies scheint ihm ivohl die Beranlaffung zu dem Selbstmord gegeben zu haben.— Mit Lysol vergiftete sich der Nebcr eiucu Bulka» auf den Samoainseln wird berichtet: Das 47iäliriae Zimmermann Alfred Benzin aus der Bremerstr. 49. Er amtliche„D. Kol.-Bl." veröffentlicht folgenden vom 23. Oktober teauk sich vorher einen tüchtigen Rausch an und leerte dann eine vorigen Jahres datierten Bericht des ObservatorS des Samoa- �laiche mit Lysol. Der von der Unfallstation in der Huttenstraße Observatoriums, Dr. Linke, über eine Besichtigung des auf der !w5e aerufene Arzt wandte sofort alle Gegenmittel an, doch Samoainsel Sawaii im Sommer 1905 bei Matanlu neu entstandenen nrTna B auf dem Transport nach' dem Krankenhause in Moabit! Vulkans: Der Aufstieg geschah an der Westseite des LavafeldcS. Es g-,, Wirkungen des Modegiftes.— In seinem Bureau in der wurde festgestellt, daß die Lavawnud sich seit meiner letzten Reise Leipzigerstr 6 erschoß sich, wie bereits berichtet, der Kommissionär'um 4 Kilometer längs ala grlne sArbcitsweg, Pflanzungsweg) Maurer A u r as und Jannowski unter der Anklage der fahr- lässigen Tötung vor die 8. Strafkammer des Landgerichts I. Beide Angeklagte waren im Dienste der Beton- und Monierbau- Aktiengesellschaft an dem Tunnelbau des Bahnhofes in der Beuffel- straße' beschäftigt und zwar hatte Auras die Stellung eines Vor- arbeiterS. An dem Tunnelbau war schon ein Holzgerüst in zwei Etagen zur Ausführung von Steinmetzarbeiten aufgerichtet gewesen. Das ursprüngliche Gerüst war dann in der oberen Etage abgerüstet worden, am 25. Oktober aber ordnete AuraS an, daß Jannowski daS Gerüst in der ursprünglichen Form wieder herstellen solle, um die Verfugnngsarbeiten fertigstellen zu können. Es wird nun behauptet, daß Jannowski vorschriftswidrig die obere Etage nicht in der ganzen Breite deS Gerüstes mit Brettern belegt habe, sondern daß' zwischen den Brettern und dem Abschluß des Gerüstes nach außen hin ein ziemlich breiter leerer Raum geblieben sei. Auch soll die Leiteröffnung, durch die man von der unteren Etage des Ge rüstes nach der oberen gelangte, vorschriftswidrig nicht mit einem Schutzgeländer versehen gewesen sein. Als der Maurer Hirsch, ein 54jähriger Mann, am 25. Oktober auf diesem Gerüst im zweiten Stockwerke arbeitete, muß er wohl beim Zurück- treten von der Tunnelwand entweder in den leeren Raum zwischen dem Bretterbelag und der äußeren Schutzwehr, oder aber in die Leiteröffnung geraten sein; kurz, er fiel plötzlich in die Tiefe und blieb schwer verletzt liegen. Er wurde nach dem Krankenhause be fördert und ist dort am 30. Oktober an den Folgen der Verletzungen verstorben. Der Staatsanwalt machte die Angeklagten für den Unfall verantwortlich, den ersten, weil er sich nicht von der vor- schriftsmätzigen Herstellung des Gerüstes überzeugt, den zweiten Iveil er das Gerüst so mangelhaft hergestellt habe. Nach dem Gutachten des Baurats S toll lag ei» Verstoß gegen die Vor- schriften der Gerüstordnung und der Unfallverhütungsvorschriften vor.— Rechtsanwalt Leonh. Fried mann bedauerte, daß seinem Antrage auf Voruntersuchung nicht stattgegeben worden sei und beantragte Freisprechung, da die Art des Unglücksfalles nicht gc nügend aufgeklärt sei.— Der Gerichtshof verurteilte Auras zu f e�ch S Wochen, Jannowski zu 14 Tagen Gefängnis. Die Verhandlung legt wie so viele ähnliche die Frage nahe, warum denn nicht der eigentliche Bauleiter zur Verantwortung ge- zogen sei und weShalb, wiewohl ein Menschenleben Folge des Un- falles war, keine Voruntersuchung eingeleitet ist. Ein Pastor als Betrüger. Vom Landgerichte Dresden ist am 6. Juni v. I. der Pastor Otto Wilsdorf in Großenhain wegen Betruges zu 1500 M. Geldstrafe verurteilt worden. Er war in Schulden geraten, weil er über seine Mittel hinaus Geschenke machte und Bürgschaften übernahm. In dieser mißlichen Lage ließ er sich dazu verleiten, falsche Angaben zu machen, um sich Geld zu verschaffen. Seine Revision wurde am Dienstag voin Reichs- gericht verworfen. VemiilcKtes. I» den Flamme» umgekommen. In der vergangenen Nacht wurde das Magdeburger Vergnügungslokal Flora durch Feuer zcr- stört, das anscheinend in der Küche ausgebrochen war. Zwei Dienst- mädchen, die in einem über der Küche gelegenen Räume schliefen, sind in den Flammen umgekommen. Gefundene Opfer der Grubenarbeit. Neusattel. 3. Januar. Nach langwierigen Arbeiten ist es heute nacht gelungen, die Leichen von 16 der am 20. Dezember im Helene-Schachte Berungtnckle» zu bergen.— Infolge neuerlichen AnftretenS von Rauchgasen mußte daS Brändfeld wieder abgedämmt werden. der Küste genähert hat, so daß sie von Paia nur noch 5 Kilometer, von der Küste 7 Kilometer entfernt ist. Ei» im Flußtale Matavanu vorgeschobener schmaler Strom ist Paia sogar schon bis auf 3% Kilometer nahe. Jedoch war hier alles erkaltet, lvie überhaupt an der ganzen Westseite deS Lava- feldes. BemerkenSlvert sind einige bei Lalotia— eUva 5 bis 10 Nieter von der Lavawand entfernt— gefundene trichterförmige Löcher im Erdboden, die in kleine unterirdische Höhlen verlaufen. Zeitioeilig kamen heiße Gase heraus, die stark nach Chlor rochen. Solche Ausströniungcn von Gasen konnte ich auch mitten im kalten Lavafelde beobachten; sie sind schon von weitem durch Ablagerung weißer und gelber Substanzen(meist Schlvefels erkennbar. Der Krater selbst war in voller Tätigkeit; seine Wand hatte sich an der Südost- und Westseite erhöht, die Nordseite lvar eingestürzt. Nach Nordosten gingen Lavaströme aus, die diesmal teilweise aus der Lücke der Krater- wand flössen, oder auch besondere Ausflußstellen im Nordosten des Kraters hatten. Nachts lvar die Tätigkeit besonders heftig, nach Sonnenaufgang hört sie fast ganz auf, so daß wir auf dem Lava- felde uns dem Kraterrande von seiner offenen Seite her nähern konnten. DaS Innere hat kein besonderes Interesse, da die Mündungen der vulkanischen Gänge durch die herabfallenden Aus- Wurfsmasse» bedeckt waren. Jedoch halte ich von hier oben einen guten Blick über das gesamte Lavafeld, das ich auf 15— 20 Quadratkilometer schätzte. In der letzten Zeil hat die Lava besonders nach Nordosten Fortschritte gemacht und dorl die Eingeborenenpflanzungen von Matautu und Saleaiila vernichtet. Da die Täler und Niederungen meist die fruchtbarsten Gegenden sind, die Lava aber in den Flußbetten herab- kommt und die Niederungen zuerst ausfüllt, werden nalurgemäß die Pflanzungen zuerst betroffen, eso läßt es sich leider nicht verkennen, daß der Vulkan jetzt in das Stadium geweten ist, wo er den Um- wohnenden gefährlich wird. Seine Tätigkeit, von der wir zuerst annahmen, daß sie— ebenso wie beim ersten Ausbruch— nach kurzer Zeit beendigt sein würde, hat sich stets erhöht, kurzen Ruhepausen sind immer stärkere Ans- bräche gefolgt; die Lavamassen fließen in stetig wachsenden Mengen der Küste zu. Es wird daher wohl mit der Zeit die Lava an einigen Stellen bis in die beivohnten Gegenden vordringen und die Bewohner dazu zwingen, ihre Dörfer zu verlassen. Am meisten be- droht scheinen Saleaula und die benachbarten Orte im Osten, Sasotu und Sasune im Westen. Matautu scheint weniger gefährdet. Für das Gerücht über einen neuen Ausbruch des alten Vulkans habe ich keine Bestätigung bekommen. Trotz denkbar guter Fernsicht war von der See aus in der betreffenden Gegend kein Rauch zu sehen. Amerikanische Mordstatistik im Jahre 1905. Nach den genauen Aufzeichnungen einer großen Chicagoer Zeitung kamen in den Ver- einigten Staaten im Jahre 1905 nicht weniger als 9212 Personen durch Mord und Totschlag um. Das sind 730 mehr Mordtaten als im Jahre 1904 und fünfmal soviel als vor 20 Jahren, im Jahre 1835. Die Mordtaten haben in unheimlicher Weise zugenommen, besonders in den letzten Jahren. Ebenso ist die Selbstmordziffer erschreckend gewachsen. 9932 Selbstmorde im Jahre 1905, die höchste Zahl in der Geschichte des Landes, beinahe doppelt soviel als im Jahre 1899. Und dabei steht das Jahr 1905 als unerreicht da in der Prosperität. Noch nie wurden so glänzende Geschäfte gemacht, noch nie so große Ernten erzielt! Die Zahl der Lynchmorde ist ver- hältniSmäßig klein. Nur 66 Personen sielen der Lynchwut zum Opfer, die kleinste Zahl seit dem Jahre 1885. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion. Rindfleisch la 64— LS pr. 166 Pfund, IIa 56—64, nia 50-55, IVa 40-48, Kalbfleisch la 84-92, Ha 72-83, lila 68-70, Hammelfleisch la 62—72, Ha 50—60. Schweinefleisch 67—72. Rotwild Pfund 50— 55 Ps. Hasen Stück 3,40— 3,65, mittel 1,85—3,00. Kaninchen Stück 0,80—0,90. Hühner pro Stück, alte 1,30—1,75, junge la 0.80—1,30, do. Ha 0,00—0,00. Tauben, junge 0,60—0,72, alte 0,45— 0,50. Enten junge 1,75—2,00. Gänse pro Stück la 0,00—0,00, Ha 0,00— 0,00, pro Psd. la 0,58-0,62, IIa 0,55-0,57. Schellfische 22-25 M.. Flunder 00,00 M. pro 100 Psd. Hechte 74—91 M., Schleie, mittel 00—00 M. Aale, groß 0,00, mittel 0,00, klein 0,00, Plötzen 32—37 M., Karpfen uns. 56 M., Lachs 00,00. schottische Vollheringe(gesalzen) 36—38 M Eler, Schock 5,00. Butter pro 100 Psund la 118—120, IIa 114—118, lila 110—114, abfallende 00—090. Kartoffeln pr. 100 Psd. rote 2,00—2,20, Rosen 0,00—0,00, blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingl 7,00-12,00, Weißkohl 7,00-10,00, Rotkohl 6,00-10,00, Saure Gurken, Schock 2,00 M., Pseffergurken 2,00 M. hl pr. Schock Holl. 12-17 M. Wetter-Prognofe für Donnerstag, den 4. Januar IS06. Etwas gelinder bei frischen östlichen Winden und zunehmender wölkung; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Be- Wasserstand am 2. Januar. Elbe bei Ausstg Meter, be Dresden— 1,31 Meter, bei Magdeburg— Meter.— 11 n st r u t bei Straußsurt-j- 1,10 Meter.— Oder bei Ratwor 1,45 Meter, bei Breslau Oberpegel+ 5,05 Meter, bei Breslau Unterpegel— 1,08 Meter, bei Frankfurt-s- 1,98 Meter.— Weichs e�I bei Brahemünde + 2,70 Usch-,- Meter. - Meter. > arth e bei Posen 4-1,06 Meter.— Netze bei C? Emil Hoegner Grimewaldstraße 108. Wftsche-, Weiß-, WoII- nnd Tlaniifaktnr waren. Toreezelchnetc and fertige llundarbeltcn. = Herren-Artikel. Mitglied von 8 Rabatt- u. Sparvereinen. 268V r Hermann Schleich\achf. :K| Inhaber: W. Schilling. Charlottenburg, ScHioer Strafe Ho. III Pfeifen und Tabake Reparaturen and Zubehörteile. En groa ZigSIlTCII En detail I Einzelverkauf zum Fabrikpreis. 10 Stuck 25, 30, 35, 40 Pt. 307V« Eduard Möller hüte, JVIützcn, pdzwaroi Klirdorf» Kevliftr. 34. Heltestes kons. Leihhaus Chavlottvnhnrg, Snimersilorferslr. 40 i. Hoho Beleihung. Oiskr. 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