N». 9. RbonnenentS'Rtdlnanngen: »ionnemmtS. Preis pränumerando i «ierteljahrl. s,80 mt., monatl. l,tO TO!., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer B Pfg. Sonntag«. nummet mit illustrierter Sonntags* Beilage.Die Neue Welt' lll Psg. Posl< Abonnement: l,l0 Mark pro Monat. Singetragen in die Post-Zeitung«. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 1 Marl, für da» übrige Ausland 8 Mark pro Monat. 23* Jahrg. VI« InlfflionS'Gcbültf betrögt für die sechSgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum«0 Psg., für politische und gewerkschastliche Vereins- und VersammiungS-Anzeigen 26 Psg. „KUtne Anreizen", da» erste(fett- gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über IS Buchstabe» zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bi« 8 Uhr vormittag» geöffnet. CrfittlBt ttg»» außer Montag». Berliner BolKsblnkk. Telegramm- Adresse! „Soalaliltluslirat Berlin". Zcntralorgan der fozialdcmohrati fchen parte» Deutfcblands. Redaktion: 8UJ. 68, Lindenstraese 6g. Kernsprecher: Amt IV. Nr. Ittsa. Freitag, den 12. Januar 1906. Expedition: ÖCH. 68, Lindenstraese 6g. Kernlprrcher: lllmt IV. Nr. I»SI. Ein Wendejahr. STitB Wien wird uns geschrieben: Das war seit langem das merkwürdigste Jahr, das die asterreichisch-ungarische Monarchie erlebt hat! Als ein ganz gewöhnliches Krisenjahr fing es an, und als echtes und rechtes Wahlrechtsjahr hat es geendet. An gesetzgeberischen Tatsachen, aus denen sich sonst die Chronik des Jahres zusammen- setzt, äußerst arm— ist doch in Ungarn im vergangenen Jahre auch nicht das kleinste, überhaupt kein Gesetz zustande gekommen—, ist es dennoch ein geschichtliches Jahr, dessen Wirkungen weit in die Zeiten reichen werden. Es ist ein Jahr der Umwälzung, ein Wendejahr, in dem die alten Formen des staatlichen Lebens zusammengebrochen sind. Mit einem Ruck hat sich das alte Oesterreich aus dem Schlamme seiner Rückständigkeit, seiner Trägheit und Schlamperei zu neuem Leben erhoben, und trügen die Zeichen nicht, so hebt nun eine neue Eickwickelung, die zu einem modernen Staate gehört, ernstlich an. Leer und öde begann das Jahr, und nichts deutete darauf hin, daß aus ihm etwas anderes werden könnte, als was lange Zeit vorher war: Krise, Arbeitsunfähigkeit des Parla- ments, unfruchtbare, verlorene Zeit. Am Silvester vollzog sich die Entlassung des Ministerpräsidenten Koerber, nicht feiner Regierung, sondern nur des Regierungschefs selbst, der sich fünf Jahre lang mit allen Künsten um die Lösung eines unlösbaren Problems bemüht hatte, des Problems: aus dem tauben Gestein des Privilegienparlaments Wasser zu schlagen! An Talent und Fleiß fehlte eS Koerber sicherlich nicht, und was mit dem ganzen Arsenal kleiner Künste zu er- zielen war, das hat er redlich geschafft. Aber mehr als ein Routinier und erfahrener Verwaltungsmcusch war er nicht: kein Wunder also, daß seiner politischen Kleinkunst endlich der Atem ausging. Der neue Mann, der von Taaffe und Äadeni her nicht gerade rühmlich bekannte Unterrichtsminister, wurde mit großer Skepsis empfangen: niemand traute ihm recht, und niemand traute ihm zu, daß er der verfahrenen Dinge Herr werden würde. Doch auch die Obstruktionskraft der nationalen Parteien war in den acht Krisenjahren erschöpft worden, und so kam man über einen Sessionsabschnitt leidlich hinweg, ohne daß zu dem gewöhnlichen Auskunftsmittel der österreichischen Regierung, dem 8 14, der alles„verordnet", gegriffen werden nmßte. Aber nur mit Ach und Krach hatte sich die Parlamentsmaschine bewegt, und der Augenblick schien unvermeidlich, wo sie wieder zum Stillstand kommen mußte. Zwei Tatsachen veränderten nun das Bild. Die eine war die von der Regierung zum Zweck der Versöhnung der beiden Nationalitäten vorbereitete Reform der böhmischen Landesordnung, in die unvermeidlich auch eine Erweiterung des Wahlrechtes zum Landtage Böhmens eingeschlossen war. Diese Erweiterung sollte, wie bisher überall, in der An- fügung einer sogenannten allgemeilien Kurie bestehen, die genau so wie die des Landes bei den Reichsratswahlen acht- zehn Mandate erhalten sollte— ein Einfall von besonderer Unverfrorenheit, nachdem die Landtagskurien überall mit doppelt so viel Mandaten ausgestattet worden sind, als das betreffende Land Abgeordnete in den Reichsrat entsendet. Es war vornehmlich dieser besondere Rcchtsraub, der in der böhmischen Arbeiterschaft jenen Wahlrechtskampf auslöste, aus dem sich in wahrhaft typischer Gestaltung die große Be- wegung im Reiche entwickelte. Dieser Kampf um den Land- tag, auf einem besonderen, überaus eindrucksvollen Landesparteitag beschlossen, erreichte seinen Höhepunkt in dem Auf- marsch der Prager Arbeiter vor dem Landtagsgebäude— aber dieser Einzelkampf war schon über seine ursprüngliche Absicht hinausgewachsen und mitten in den gemeinsamen Kampf um die Reform des Zentralparlaments versetzt. Die zweite Tatsache kam aber von Ungarn her. Dort hatten die mit Tiszas Geschäftsordnnngsreform-„Jdeen" be- gonnenen Wirren zu einer regelrechten Krisis des Dualismus geführt. Der Plan, mittels Neuwahlen die störrige Opposition, die sich so rasch zur O b st r u k t i o n wandeln konnte, zu zerschmettern, hatte das denkbar gründlichste Fiasko erlitten: nicht die antidualistische Opposition wurde zer- schmettert, sondern die dualistische Majorität, die liberale Regierungspartei, die von Beginn des konstitutionellen Lebens das Ruder geführt hatte und unangreifbar und unerschütter- lich erschienen war. Die ehemaligen vier Oppositionsparteien vereinigten sich zur Koalition, die nun im Reichstage die un- bestrittene Mehrheit errang und nach aller parlamentarischen Doktrin zur Regierung berufen werden sollte. Aber dessen weigerte sie sich und weigert sie sich im Grunde nochjieute. Als Preis dafür— immerhin ein Ungewöhnliches Schau- spiel—, daß sie die Regierung übernimmt, fordert sie nationale Konzessionen auf dem Gebiete, wo Ungarns Selbst- ständigkeit noch beschränkt ist: auf dem Gebiete der bisher kaiserlichen gemeinsamen Armee. Sie will, daß innerhalb dieser gemeinsamen Armee ein ungarisches Heer kon- stituiert werde, aus ungarischen Soldaten und Offizieren, die in Ungarn bleiben und ungarisch(richtiger: magyarisch) kom- nrandiert werden: die magyarische Kommandosprache, die die Koalition fordert, die Krone ablehnt, ist— oberflächlich betrachtet— der Inhalt der ungarischen Krise. Oberflächlich: denn der Konflikt sitzt natürlich tiefer, besonders darin, daß die Krone den Dualismus, als den letzten Rest ihres ehe- maligen Kaisertums, erhalten, die ungarische Reichstags- Mehrheit ihn beseitigen will. So trat der neugewählte Reichstag zusammen und blieb natürlich sofort stecken. Monatelang mußte das demissionierte Ministerium Tisza den Schein einer Regierung vorstellen, endlich wurde es durch das Kabinett Fejervary ersetzt, das mit keiner anderen Bestimmung ins Amt trat, als mit der, sich überflüssig zu machen, der Koalitionsregierung den Weg zu ebnen. Aber die groteske Hartnäckigkeit, mit der die sterile Koalition eine Uebernahme der Regierung ablehnte, zwang das Kabinett des ehemaligen Honvedministers und Trabautengenerals zum Nachdenken, und sein fähigstes Mit- glied, der junge Minister des Innern, Kristoffy, förderte die Erkenntnis zutage, daß der krankhafte Zustand des Reichs- tages in letzter Linie in dem lächerlich einseitigen, auf die allerschwächste Schicht der Besitzenden beschränkten, ein halbes Jahrhundert alten Wahlrecht seine Ursache hat. Und so eick- stand der kühne Plan, die Krise an der Wurzel zu packen, sie durch eine große Refonn, durch Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts zu lösen. Dieser Plan wurde aber in der Hofburg verworfen, und zwar— wie ganz sicher nach- weisbar— infolge des Einspruches des Herrn von Gautsch, des österreichischen Ministerpräsidenten, der ein Aufflammen der Wahlrechtsbewegung in Oesterreich befürchtete und die Wahlreform, hier wie dort, durch sein Veto zu begraben hoffte. Das geschah in der Wiener Hofburg am 10. September, und der Tag war der Geburtstag der Wahlreform. Es kam nämlich, wie selbstverständlich, umgekehrt: der Gautschsche Einspruch erstickte das Feuer nicht, er eickfachte es erst recht zur gewaltigen Flamme. Ter Stachel des Un- rechts, das die österreichische Verfassung an ihr verübt, ward von der Arbeiterschaft immer schmerzlicher einpfundeu: ge- ruht hat der Kampf um das allgemeine, gleiche Wahlrecht niemals. Aber war der Wille durch die ewige, schier unlösbar scheinende Krise des Parlamellts einigermaßen erschlafft, so war jetzt alles wie weggeblasen: eine gewaltige Energie ward entfesselt, der immer deutlicher das Ziel vorschwebte, die Bastionen des Unrechts, die Kurien, zu brechen. Dazu kam noch die Verachtung, die das Privilegienparlament— so hatten wir es getauft, und so heißt es nun— im Laufe der Krisen- jähre durch seine Unfähigkeit, durch seine Entartung auf sich geladen hatte, und die eigentlich überall das Bedürfnis er- zeugt hat(wenn auch alle Nutznießer der Privilegien dem gleichen Rechte widerstreben): ein besseres, modernes und vor allem arbeitsfähigeres Haus zu erschaffen. Die immer mächtiger sich kündende Volksbewegung fand auch im Abgeordneteuhause, das Ende September zusammen- trat, ihr Echo. Sieben Dringlichkeitsanträge forderten die Regierung auf, dem Hause sofort eine Vorlage auf Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts zu präsentieren, und mit 155 gegen Iii Stimmen erhob das Abgeordneten- haus die Forderung zum Beschlüsse! Nun wurde die Bewegung im wahrsten Sinne des Wortes unwiderstehlich. Wohl hatte sich Herr von Gautsch in der Debatte des Ab- geordnetenhauses fast ganz ablehnend geäußert, und die bürgerliche Presse suchte die große Volksbewegung nach in Oesterreich altbewährter Methode totzuschweigen. Aber das Meer brandete und schäumte auf, und die Flut schwoll immer gefahrdrohender an. Dem Aufzug in Prag folgten Vor- sammlungen von einem Elan, von Leidenschaft und Kraft, wie sie selbst in dem an Temperament nicht armen Oesterreich nie erlebt worden waren, folgte jener geschichtliche Gesamt- Parteitag, in dessen Stimmung des Zaren Verfassuirgs- manifest wie ein Funke ins Pulverfaß fiel, folgte der Beschluß für den Generalstreik, folgte die Schlacht in der Babenberger- straße mit der ihr als Autwort entgegengestellten Versamm- lung vor dem Parlament auf der Wiener Burgstraße. Und der Kampf war entschieden! Die Regierung ließ offiziell er- klären, daß sie eine Wahlreform auf Grundlage des allgemeinen und gleichen Wahlrechtes ausarbeiten, dem Reichs- rat vorlegen und für ihr Zustandekommen in dieser Session sorgen werde. Dann kam noch der alle Kraft zusammen- fassende und jeden Willen bannende 28. November, der Parlamentstag. an dem alle Arbeit in Oesterreich stillstand und durch fünf Stunden eine viertel Million Arbeiter vor dem Parlament über die große Prunkstraße der Hauptstadt zog eine Demonstration von feierlich erhabener Größe, die sein Leben lang niemand vergißt, dem sie mitzuerleben vergönnt war. Das allgemeine und gleiche Wahlrecht ist noch nicht Gesetz, aber geborgen ist es. Aus der österreichischen Wahlrechtsbewegung, in deren Hut heute auch die Wahlreform in Ungarn steht, kann mancherlei gelernt werden, das zwar nicht neu, aber immernoch richtig ist. Nämlich, daß am Anfang immer die Tat steht und daß nichts unerreichbar ist— worunter natürlich das in der gegebenen ökonomischen Enckvickelungsstufe Mögliche. weil durch sie bedingte, verstanden ist— wenn zur Tat der Wille nicht mangelt. Heute, wo der Sieg der Wahl- reformforderung entschieden ist, scheint es recht leicht gewesen zu sein, ihn zu erringen. Aber wenn jemand vor vier Monaten prophezeit hätte, wir würden nach vier Monaten die Wahlreform durchgesetzt haben, so hätte man ihn einen Toren gescholten. Es war also eine ganz gewaltige Kraft- leistung. die in Oesterreich zustande gebracht wurde: genau die Leistung, die notwendig war, und genau zu der Zeit, da sie möglich war. Die österreichischen Arbeiter nennen es be- scheiden einen„Wahlrechtskampf". Aber wenn aus der inneren Entwickelung mit einem Ruck gewaltsam herauszureißen, was in ihr als Gegenwartsmöglichkeit steckt,„R c- v o l u t i o n" genannt werden kann, so könnten wir die mit einem gewaltigen Vorstoß erzwungene Umwälzung des alten Oesterreichs fast eine Revolution nenne». Gegenüber dieser großen geschichtlichen Umwälzung tritt alles, was im Jahre 1905 in Oesterreich sonst geschah, naturgemäß zurück. Es war wohl auch im übrigen ein Jahr der Kämpfe, die das Erbteil unserer Kampfpartei sind, ein Jahr starken Fortschrittes in gewerkschaftlicher Beziehung, ein Jahr der Arbeit auf allen Gebieten. Aber seine Bedeutung in der Geschichte, der Geschichte des Staates Oesterreich so- wohl wie der Sozialdemokratie dieses Staates liegt in der Wende, die in ihm begann und in der begraben wird das alte Oesterreich, und ein neues, auf dem gleichen politi- schen Recht beruhendes, geformt werden muß.— politische CUbcrficht. Berlin, den 11. Januar. Wahlrechtsdemonstrationen und Ordensfest. Die„Tägliche Rundschau" veröffentlicht folgende Polizei- notiz: „Der sozialdemokratische Wahlrechtsradau am 21. Januar wird allem Anschein nach eine nicht ganz ungefährliche Spielerei init dem Feuer werden. Wir erfahren dazu aus zu- verlässiger Quelle das Folgende: Die angekündigten 80 sozial- de in akratischen Versammlungen finden gleichzeitig um 12 Uhr statt. Es wird dafür gesorgt werden, daß sie nicht allzu stürmisch verlaufen, um nicht vor der Zeit aufgelöst zu werden. Zu einer genau verabredeten Stunde werden s ä m t- liche Vers cimmllln gen geschlossen, die Straßen- kundgebungen beginnen. Die Parole heißt:„Nach dem Schloß!" Sozialdemokratische„Ordner" mitArmbinden sollen für „Ruhe und Ordnung" sorgen— soweit das dann noch möglich ist. Die Regierung hat dagegen die folgenden Maßregeln getroffen: der Schloßplatz und die Zugänge werden, da im Schloß das Ordensfest gefeiert wird, in der üblichen Weise abgesperrt. Selbstverständlich ist die ganze Polizei aufgeboten. Diese wird, genau den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend, friedlich einher- ziehende Gruppen unbehelligt lassen, dagegen jede Störung der Ordnung sowie jeden Versuch, einen öffentlichen Umzug zu veranstalten(der bekanntlich einer vorherigen polizeilichen Genehmigung bedarf) durch sofortiges Ein- greifen verhindern. Für den Fall, daß der Polizei Widerstand entgegengesetzt werden sollte und ihre eigenen Kräfte nicht ausreichen, werden sämtliche Berliner Truppe»(einschließlich der Kavallerie und Artillerie) in ihren Kasernen versammelt und zum unverzüglichen Ausmarsch bereitgehalten. Der Erfahrung entsprechend, daß flache Hiebe und Schüsse über die Köpfe hinweg nur die Wut der Menge reizen, ohne sie einzuschüchtern, und so- mit nur größere Ausschreitungen und größeres Blutvergießen hervorrufen, ist diesmal von dem Ministerpräsidenten ausdrücklich angeordnet worden, daß Polizei und Truppen, falls sie zum Gebrauch der Waffen gezwungen werden sollten, diese sofort regelrecht anwenden." Zu diesen Auslassungen der„Tägl. Rundschau" ermächtigt uns der Parteivorstand folgendes zu erklären: 1. Es ist unwahr, daß die am Sonntag, den 21. d. M., stattfindenden Volksversammlungen zu einer genau verabredeten Stunde geschlossen werden und alsdann Straßenkundgebungen beginnen sollen. Weder ist beabsichtigt, den Rednern für die Versamm- lungen irgend eine Vorschrift über die Länge ihrer Reden, noch den Versammlungsleitern eine Vorschrift über den Zeit- Punkt, an welchem die Versammlungen zu schließen feien, zu machen. Die Versammlungen finden unter denselben Formen und Bedingungen statt— also eventuell auch mit Diskussion— wie sie bisher stets stattgefunden haben. 2. Es ist auch umvahr, daß nach Schluß der Versamm- lungen Straßeukundgebuilgen unter der Parole:«Nach dem Schloß" oder in irgend einer anderen Form stuttfinden sollen. Es ist vielmehr im Gegenteil beschlossen worden, daß die von der Partei gestellten Ordner nicht nur die Ordnung in den Versammlungen, sondern auch auf den Straßen aufrecht erhalten, indem sie die aus den Versammlungen strömenden Massen, wenn nötig, zu größter Ruhe zu ermahnen haben. Die Sozialdemokratie, die sich ihrer Verantwortung be- wüßt ist, wird alles tun. damit der Verlauf der Versammlungen in Ordnung sich vollzieht und ein des geplanten Zwecks würdiger ist. Umgekehrt erwartet die Partei aber auch, daß die Behörden alles unterlassen, was störend in die gesetzlich gewährte Versanunlungsfreiheit eingreifen könnte. Wird diese Richtschnur von beiden Seiten innegehalten, so wird das Ordensfest im Schloß am 21. d. M. wie üblich verlaufen, und unsere Gegner können sich abends ruhig schlafen legen in dem Bewußtsein, sich einmal wieder vergeblich auf- geregt zu haben.—_ „Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll.. Die Nixe„Rcichsfiuanzreform"— da? undefinierbare Wesen, das manchen berückt, aber den Reichsschatzsekretären des Reiches nie als Helferin in der Not beispringen wird, hifftttt man sie nicht ans rcalcren Voden stellt, als es seit "Niquels Zeiten geschieht— sie hat es dem Feeiherrn v.' Stengel angetan. Um sie heimführen zu können, bemühte er sich— nachdem er und seine Gcheimräte zwei Tage ge- schwiegen— heute in anderthalbstündiger Rede vergeblich, ihr mehr Sympathie im Reichstage zu erwecken, als sie bis jetzt während der Steuerberatung gefunden hat. Schönere Züge hat er an ihr nicht entdeckt, wenigstens stand seine heutige Rede nur auf dem Niveau seiner vorgestrigen Einleitungsredc. Nichts Neues, nur etwas breitere Wiederholung allgemeiner Redensarten— das ist die Signatur seines Vor- träges. Höchstens wäre hervorzuheben, daß er sich etwas be- weglicher beklagte über die Opposition der Interessenten der Tabakindustrie und daß er die Verschiebung der Zigarren- industrie vom Norden nach dm Süden infolge der Zollauflage bon 1879 bestritt. Seine einzige Hoffnung bleibt die Kom- missionsberatung, dort denkt er im trauten Verkehr mit dem Zentrum seiner„Finanzreform" frisches Leben einhauchen zu können; indes es ist nicht unmöglich, daß er das Schicksal des Goetheschen Fischers teilt;„Halb zog sie ihn, halb sank er hin, Und ward nicht mehr gcseh'n."—— Zlvar versuchte der nationalliberale Abgeordnete Patzig ebenfalls die Schönheiten der„Reichsfinanzreform" herauszu- streichen, aber er wollte ihre Mängel nnt dem hülfsbereiten Pflästerchen einer Reichseiscnbahnabgabe verkleben. Damit hatte er aber dem preußischen Finanzminister ins Handwerk gepfuscht, der sich dagegen verwahrte, daß man ihm die reiche Finanzquelle partikularer Eisenbahneinnahmen abgrabe. Mit dieser Absage zog der nationalliberale Patzig betrübt von bannen, der übrigens seinen„Witz" erfolglos an der Sozial- dcmokratie versucht und sie der parlamentarischen Pflicht- Vernachlässigung geziehen hatte, weil sie an der steuerlichen Auspowerung des Volkes für den Militarismus nicht teilnimmt. Herr v. Rheinbabcn war auf denselben Ton gestimmt; die Opposition der gegen die beabsichtigten neuen Steuer- lasten sich wehrenden Massen hält er natürlich für ein sozial- demokratisches Hetziverk; denn nach seiner Ansicht sind die Arbeiter noch zahlungsfähig genug, wie er an einem von einem Arbeiter in der„Münchener Post".veröffentlichten Haus- haltungsbudget nachzuweisen suchte, in dessen Bedeutung er aber intellektuell nicht cingednmgen ist, wie man ihm des näheren nachweisen wird. Die konservativen Abgeordneten. Graf K anitz und Herr G a m p fühlten zwar wegen des Reichsdefizits ein mensch- liches Rühren, aber ihren Reden niangelte der Glaube an die Stengclsche Reichsfiuanzreform, und einzelnen seiner Steuer- Projekte bringen auch sie keine Sympathie entgegen. Sie hüllten jedoch ihre Bedenken, besonders gegen die höhere Besteuerung des Rohtabaks, in die schonendsten Worte. Nur Graf Kunitz kritisierte recht scharf die kritiklose Zustimmnngs- lust der einzelstaatlichen Bundesratsvertreter zu den Plänen der„Exzellenz v. Stengel". Es ist den Herren sehr unan- genehm, daß die neuen Steuerprojekte eine lebhafte Volks- bewcgung hervorgerufen haben, die Wasser auf die sozialdemo- kratischen Mühlen leitet. Der freisinnige Abgeordnete B a r b e ck und Herr v. G e r l a ch zogen den einzelnen Steuerprojekten etwas schärfer zu Leibe. Die Bänke des Hauses zeigten auch heute die trostlose Leere der letzten Tage.—_ Der Kameruner Kolonialskandal. Das„Hamburger Fremdenblatt" erhält aus Kamerun einen ausführlichen Bericht über die Verurteilung des King Akra und der übrigen Unterzeichner der bekannten Beschiverdcschrist. Aus diesem Bericht geht die unglaubliche Tatsache hervor, daß die Verurteilungen z�i so enorm hohen G e f ä n g n i s st r a f e n bis zur Daner von neun Jahren deshalb erfolgten, weil es die Konicruner Häuptlinge überhaupt gelvagt hatten, sich mit einer Beschwerde- schrift direkt nach Deutschland zu wenden, statt den Instanzenweg einzuhalten und sich zunächst an das Gouvernement selbst zu wenden. Wenn diese Meldung des„Hamburger Fremdenblatt" zutrifft— und die bisherigen Nachrichten des Blattes über die Kameruner Affäre haben sich bisher stets bestätigt— so haben wir es mit einem geradezu beispiellosen kolonialen Gewaltakt zu tun! Das„Hamburger Fremdenblatt" macht für diesen Kolonial- skandal in erster Linie den abgedankten Dr. Stübel verantwortlich. Dieser habe seinerzeit im Reichstage erklärt, dah die Sache streng untersucht werden solle. Statt nun aber einen unabhängigen Beamten zur Untersuchung nach Kamerun zu entsenden, habe er die Beschwerdeschrift dem angegriffenen Gouverneur Pnttkamer einfach zur Berichterstattung zugesandt. Pnttkamer habe dann sofort das Prozeßverfahren gegen die Unterzeichner der Veschwerdeschrift der- anlaßt. Nach dem Berichte des Hamburger Blattes wurden die Häupt- linge am 25. November gefangen gesetzt. Die Verhöre begannen sofort und dauerten elf Tage. Die Angeklagten hätten einmütig erklärt, daß sie selbst die Unterzeichner, die Verfasser der Beschwerde- schrift seien. Auf die Frage, warum die Beschwerdeführer denn nicht jeden einzelnen Beamten, über dessen Vorgehen sie sich be- schwert hätten, in der Schrift mit Namen genannt hätten, ant- warteten die Häuptlinge, daß cS ihnen nur um Abschaffung des A s s e s s o r i s m u s in Kamerun zu tun gewesen sei. Auch sei eS nicht richtig, daß die Beschwerde ohne Wissen des Gouverneurs nach Deutschland geschickt worden sei. Sämtliche Beschwerden seien zunächst bei dem Gouverneur er- hoben worden. Herr v. Pnttkamer habe entiveder nie g e- antwortet oder aber barsch sagen lassen, sie sollten sich nicht unter st ehen, ihm noch einmal mit Be- schwer den zu kommen. Als alle Vorstellungen beim Gouverneur nichts geholfen hätten, habe sich King Akwa im Jahre 1902 nach Berlin begebe» und die Klagen im Auswärtigen Amte vorgetragen. Herr Dr. D o b b e r i tz habe damals auch v e r- sprachen, daß die Wünsche der Beschwerdeführer erfüllt werden sollten. Da aber das Versprechen nach drei Jahren noch nicht eingelöst worden sei und sie sich von allen verlassen gefühlt hätten, hätten sie ihre Veschwerdeschrift an den Reichstag und den Reichskanzler gerichtet. Zu diesem Schritt hätten sie als deutsche Untertanen das vollste Recht gehabt. Das Urteil gegen die Angeklagten lautete gegen King Akwa auf neun Jahre Gefängnis, gegen die übrigen Häuptlinge auf je einundeinhalb bis sieben Jahre, und gegen die Unterhäuptlinge auf je drei Monate Gefängnis. Die Geschichte dieses Prozesses und der ihm vorhergegangenen Ereignisse beweist wiederum die a b s o l ute R e ch t l o s i g k e i t, in der sich die Eingeborenen unserer Kolonien be- finden. Die Behandlung der Beschwerdeführer stellt ja keineswegs ettvas Außerordentliches dar. Auch die südwestafrikanischen Eingeborenen haben ja jahrelang ihre Beschwerden der Kolonialregierung vorgetragen. Erst als sie dieselbe Empfindung wie die Kameruner Häuptlinge hatten, daß sie vollständig verlassen seien, griffen sie zu den Waffen. Die Kameruner Häuptlinge würden bielleicht zu einem ähnlichen Verzweiflungsakt getrieben worden sein, wenn sie nicht der Aufstand in Südwcstafrika von der Unmöglichkeit einer erfolgreichen Ein- geborenenerhebung überzeugt hätte. So begnügten sie sich denn mit jener Beschwerdeschrift, die mehrere Monate lang im Kolonialamt völlig unbeachtet blieb. Als sich jedoch die Presse der Kameruner Häuptlinge annahm, und Herr Dr. Stübel die Beschwerdeschrift dem Gouverneur Puttkamer zur Be- richterstattung zusandte, erfolgte eine prompte Beantwortung der Beschlvcrdeschrift dadurch, daß man die Beschwerdeführer sofort in Ketten legte und nach weiteren 11 Tagen zu den ungeheuerlichen Freiheitsstrafen verurteilte I Bekanntlich ist eS tatsächlich in Kamerun inzwischen zu einer Eingeborenenerhebung gekommen. Ein Leutnant der Schutztrnppe ist bei den Kämpfen bereits gefallen. Die Zahl der Aufständischen soll gegen 10 000 Mann betragen. Diese Meldung stammt freilich nur aus der Schcrlpresse, die deutsche Regierung be- obachtet wieder einmal vollständiges Schweigen, sowohl über den Verlauf als auch über die Ursachen des Aufstandes. Nach der Behandlung, die King Akwa aber und den übrigen Hänpt- lingen zuteil geworden ist, braucht man nicht erst die Frage auf- zuwerfen, wer als der Schuldige für dieses abermalige koloniale Blutvergießen anzusehen ist.—_ Die alte Leier. Wolfis Bureau gibt folgende Depesche: Paris, 10. Januar. Im Verlaufe einer Versammlung der Syndikate des Scinedepartemcnts, deren Zweck war, Einspruch zu erheben gegen die Verhaftung mehrerer einem Syndikate an- gehöriger Personen, schlug der Präsident der Versammlung vor, daß die Anwesenden einen annmilitaristischen Anschlagzettel unterzeichnen sollen. Jaures, der in der Versammlung anwesend war, wurde aufgefordert, mit zu unterzeichnen, lehnte es jedoch unter lautem Tumult ab und erklärte, die Armee sei unumgäng- lich notwendig, um die von außen kommenden Angriffe zurück- zuweisen. Und„Herold" bringt die Meldung in folgender Fassung: Paris, 10. Januar. Gestern abend fand in der Arbeitsbörse eine große antimilitärische Versammlung statt, an der auch mehrere sozialistische Abgeordnete und die bekanntesten Führer der Be- wegung teilnahmen. Während der Versammlung erklärte ein Redner, Jaures und die übrigen sozialistischen Abgeordneten seien nur einfache Bürger und besäßen keinerlei Vorrechte. Hierauf schlug ein anderer Redner vor, alle Anwesenden sollten das anti- militärische Manifest unterzeichnen, und zwar Jaures an erster Stelle. Dieser lehnte das ab und bestieg die Rednertribüne, um seine Ablehnung zu begründen. Er wurde jedoch durch Lärmen und Pfeifen am Sprechen verhindert. Alsdann wurde vor- geschlagen, Jaures aus dem Saal zu entfernen. Schließlich nahm die Versammlung eine Resolution an, in der sie sich ver- pflichtete, in ganz Frankreich eine energische antimilitärische Agitation einzuleiten. Man sieht: die Sache bedarf noch einiger Aufklärung. Nichtsdestoweniger stürzen sich die reaktionären Haifische schon heute auf diesen ihnen so schmackhaften Fraß. Die„Deutsche Tageszeitung" sagt:„Diese Frontschwcnkung der französischen Sozialisten ist höchst bezeichnend."— Die„National-Zeitung" faselt:„Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, daß selbst sogenannte„Anti- Militaristen" vom Schlage Jaures' die Armee für unumgänglich notwendig erklären, so wird dieser Beweis durch folgende tele- graphische Meldung erbracht"(folgt die Wolff-Depesche, der die „National-Zeitung" folgende Naivetät anhängt): „Daß in Teutschland noch immer Naivetäten auftauchen, die an den Antimilitarismus Jaures' in Frankreich glauben machen wollen, verdient in diesem Zusammenhange festgenagelt zu werden." Und die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" fiebert: „Damit ist abermals der Beweis für die Richtigkeit der Auf- fassung erbracht, daß die französische Sozialdemokratie patriotisch gesinnt und weit davon entfernt ist, den Verrat am eigenen Vaterlande zu verfechten. Es bleibt dabei, daß der Volks- und Landesverrat eine spezifische Eigentümlichkeit der deutschen Sozialdemokratie ist, deren Diktator Bebel sich bekanntlich nicht gescheut hat, im Reichstage selbst die Fahnenflucht vor dem Feinde als unter Umständen zulässig zu erklären, unter Um- ständen, deren Feststellung nach den Zwecken der sozialdemokrati- scheu Partei dieser selbst vorbehalten wird. Es lebe die Partei— mag darüber das Vaterland zugrunde gehen!— dies ist die politische Moral, die bei Bebel und Genossen den Ausschlag gibt. Der oben erwähnte Vorgang in Paris zeigt aufs neue, daß die Entäußerung von jedem nationalen Empfinden ganz allein bei der sich deutsch nennenden Sozialdemokratie zu finden ist, und daß die Sozialisten anderer Länder die Jnternationalität ihrer Bestrebungen nur soweit betonen, als notwendig ist, den Geist des Vaterlandsverrates in der deutschen Sozialdemokratie zu nähren, damit sie sich jederzeit bereit halte, als Bundesgenossin jedes Feindes den Verteidigern Deutschlands in den Rücken zu fallen. Nicht darauf kommt es an, daß ein solcher Versuch nicht die geringste Aussicht auf Erfolg hätte, da er mit rücksichtsloser Gewalt niedergeschlagen würde, vielmehr kommt es darauf an, vor dem deuffchen Volke mit aller Bestimmtheit festzustellen, daß es in seinem Schöße eine Partei birgt, die den Vaterlandsverrat und damit die Preisgabe des eigenen Landes und Volkes gegen- über jedem Gegner, der sich zu einem Angriff auf Deutschland stark genug fühlt, zum leitenden Prinzip erhoben hat." Wie schaut's mit der„Frontschwcnkung der französischen Sozialisten" in Wirklichkeit aus? Sie haben— wie alle Sozialdemokraten— stets gemeint, daß unter den heutigen Zuständen eine militärische Bereitschaft für den Defensivfall leider noch immer nicht entbehrlich ist; denn unter Umständen können nicht nur die Mon- archen, sondern die Völker die Armee sogar gegen den— inneren Feind nötig haben, allerdings nur gegen einen inneren Feind vom Schlage jener Liebertschcn„Persönlichkeiten", die bereit wären, „ohne Befehle zu erwarte n", sich als Revoluttons- bekämpfer aufzuspielen! Daran kann einstweilen auch das allerlängste Geschwafel der„Norddeutschen Gemeinen" nichts ändern; denn selbst die Herveisten werden, aufs Gewissen befragt, sich darüber klar sein, daß im Anfang des 20. Jahrhunderts nach Jaures' Worten leider noch immer eine Armee oder jedenfalls irgend ein armeeartiges Gebilde notwendig ist,„um die von außen kommenden Angriffe zurückzuweisen". Sonst hätten die inter- nationalen Reaktionäre ja, wenn sie gezwungen am Boden lägen, gar zu leichtes Spiel, den Sieg eines Volkes, das sich— beispielsweise— die Republik erkämpft hätte, in eine Niederlage zu venoandeln.— Uebrigens bringt„LHuinanitö" von vorgestern(Mittwoch) einen Bericht über die Dienstagversammlung. Da finden wir denn nichts von den Ausstreuungen, mit denen die Depeschenbnreans die „Norddeutsche Allgemeine" und Konsorten zu beglücken wußten. Da lesen wir einfach, daß Jaures in aller Schärfe die Herrlichkeiten des kapitalistischen und des militaristischen Regimes gegeißelt, die Sozia- lisierung gefordert und einer klassenbewußten Organisation des Pro- letariats das Wort geredet hat. Es entspann sich, dann eine„heftige, aber höfliche Diskussion" („väiömonto mais courtoise"), die bis 1I-A Uhr nachts währte und in deren Verlauf Jaures die alte sozialistische Lehre vertrat, daß unser Internationalismus einen gesunden Nationalismus nicht aus-, sondern gerade einschließe. Darauf wurde die Protestresolution an- genommen, in deren Text ausdrücklich erklärt wird: die Versamm« lung fasse die Resolution, nachdem sie„die Genoffen Löby, Meslier, Libertad, Janrös und Dejeante" angehört habe 1 1 Im letzten Absatz gibt die Versammlung sogar ihrem Vertrauen Ausdruck, daß die Genossen JaureS(an erster Stelle!), Meslier und Dejeante die Sache der Antimilitaristen in der Kammer vertreten und eventuell die Agitation in Paris und in der Provinz zu verschärfen helfen werden!—(„Die Versammlung wird ohne Zwischenfall init dem Gesang der Internationale geschlossen.") Bis zum Beweise, daß die„Humanits" gröblich fälscht, glauben wir ihr und nicht den depeschierenden Gewährsmännern der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung", die höchstwahrscheinlich das Tempe- rament der Franzosen nicht zu beurteilen verstehen und aus einem erregten Disput gleich Mord und Totschlag heraushören, besonders wenn's ihnen in den Kram paßt. Uns verlangt aber doch zu wissen, wann diese Art Presse sich endlich einen neuen Leierkasten mit moderneren Melodien anschaffen wird.— Deutfckes Reich. Schleppenträger der Reaktion. Die von Herrn Barth erhobene Mahnung, daß es endlich Sache des Freisinns sei, durch die Tat zu zeigen, daß man es mit der Gegnerschaft gegen das selbst von einem Bismarck so genannte „elendeste aller Wahlsysteme" ernst meine, begegnet auch in dem Blatte des Herrn Müller-Sagan frechstem Zynismus. Die „Freie Deutsche Presse" höhnt: �, „Im Schöße der Freisinmgen Verein, gung, d,e se,t Eintritt der Nationalsozialen zu einem wahren Hexenkessel geworden ist für die noch svärlich darin versprengten„liberalen" Elemente, ist es wieder einmal am Gären und Brodeln. Dr. Barth, der immer noch der Meinung ist, daß keinerlei Dummheit ge- macht werden dürfe, ohne daß die Freisinnige Vereinigung dabei sei, möchte bei den von der Klassenpartei der Linken projektierten W a h lr e ch t s d e m o n st r a t i o n e n den sozial- demokratischen Konkurrenten den Wind aus den Segeln nehmen und ähnlich wie bei der„gloriosen" Obstruktion gegen die Zoll- tarifvorlage von 1902 den Rekord im Radau machen ein- zuheimsen suchen. Daß Dr. Barth in diesem Streben Gegen- liebe finden würde bei Leuten vom Schlage der v. Gerlach, Gothein, Naumann und Schräder, ließ sich ja voraussehem... Das aber glauben wir ans das bestimmteste zu wissen, daß Männer wie Brömel, Dove, Frese, Mommsen, Pachnicke den neuen Barthschen Seitensprüngen aufs hart- näckigste wider st reben, schon deshalb, weil sie sich der Verantwortung bewußt sind, die sie übernehmen würden durch Hinauslegung der Tageskämpse aus den Par- tarne nten auf das Straße„Pflaster, wo eine Volks- bewegung leicht anzufacken, aber schwer abzugrenzen ist. So ist es denn für uns durchaus nicht überraschend, wenn wir heute hören, daß in der Freisinnigen Vereinigung die disparaten Elemente wieder einmal heftig aufeinanderplatzen zum Brechen— oder Biegen." Auch dies edle Freisinnsorgan lehnt also nicht nur jede Unter- stützung der proletarischen Wahlrechtsbewegung ab— als ob von diesen Helden schon jemand verlangt hätte, daß sie ans die Sttaße gehen sollten I— sondern es gibt noch obendrein den Scharsmachern einen Wink mit dem Zaunpfahl, doch ja keine Straßen- demonstrationen zu dulden, da man ja nicht wissen können, was daraus alles entstehen werde!— Berzweiflungstat eines Rekruten. Von dem Attentat eines Rekruten auf einen Leutnant in Lübeck wird von dort bürgerlichen Blättern be- richtet. Auf dem Hofe der neuen Kaserne in Lübeck übten die Mannschaften der zweiten Kompagnie Paradeschritt. Der Rekrut Gloy aus Kellinghufen marschierte so schlecht, daß Leutnant H e e r l e i n ihn noch einmal antreten ließ. Der Rekrut sprang aber plötzlich aus den Offizier zu und schlug mehrmals mit dem Gewehr- kolben auf ihn ein. Nach dem ersten Schlage, der die Gesichtshälfte traf und völlig auftiß, brach der Leutnant in die Knie. Die folgenden Schläge trafen zumeist den zum Schutze emporgehobenen Arm. Andere Soldaten entwaffneten nun den Attentäter und hielten ihn fest. Der Verwundete mußte vom Hose getragen werden. Eine Lebens- gefahr soll indessen nicht bestehen. Beim Verhör wurde bekannt, daß der Attentäter am Morgen auch seinen Unteroffizier geschlagen habe.— Wie es heißt, soll der Kaiser sich einen ausführlichen telegraphischen Bericht über diesen Vorfall eingefordert haben. Dem vom rheinisch-westfälischen Schlotjunkertum unterhaltenen Kronsbeinschen Blatt, der„Post", muß auch dieser Fall zu einem gemeinen Angriff auf die sozialdemokrattsche Partei dienen. Sie knüpft an den Bericht folgende Aeußerung: „Es dürfte sich dringend empfehlen, festzustellen, ob und in wieweit dieser Mann vor seiner Einstellung von sozialdemokratt- schen Lehren beeinflußt worden ist. Bejahendenfalls wären die sozialdemokratische Partei im allgemeinen und der Abg. Bebel im besonderen als geistige Urheber der Tat zu bezeichne». Letzterer hat be- kanntlich im Reichslage, indem er denjenigen Soldaten, welche wegen Mißhandlungen aus dem Leben scheiden wollten, den Rat gab, dann wenigstens zuvor ihre Peiniger umzubringen, die Soldaten direkt zur Ermordung ihrer Vorgesetzten aufgefordert. Die in so schändlicher Art gesäte Saat muß aufgehen und sie wird leider besonders wohl in ernsten Zeiten ihre schlimmen Früchte tragen. Der VolkSverderber Bebel wird leider im Reichs- tage viel zu glimpflich, ja nicht selten geradezu ehrerbietig be- handelt; hat doch z. B. ein bekannter süddeutscher Abgeordneter ihn kürzlich als„bedeutenden Mann" bezeichnet. Jeder gute Deutsche kann doch aber für die sozialdemokratischen Führer oder vielmehr Verführer nur ein Gefühl hegen: vollste Verachtung. Wir möchten im Anschlüsse an diese durchaus treffenden Zeilen bemerken, daß die geistige Urheberschaft der Umstürzler mich dann keinem Zweifel unterliegen kann, wenn nicht direkt festzustellen ist, daß der rebellische Rekrut sozialdemokratischen Einwirkungen aus- gesetzt war, denn die skandalöse Rede Bebels ist ja im Lande durch die Presse verbreitet und mußte auf alle sittlich minderwertigen Elemente ihre Wirkung üben." Bebel wie die übrigen sozialdemokratischen„Verführer" werden die„vollste Verachtung" der„Post" und ihrer Hinlermänner— die Redakteure kommen, da sie nur willenlose Vollstrecker der ihnen zu- gewiesenen Aufträge sind, als selbständige Persönlickkeitcn nicht in Betracht— zu tragen wissen. Jedem anständigen Menschen gilt die „Verachtung" dieses Gesindels als Beweis dafür, daß der von ihr Betroffene ein Ehrenmann sein muß; ebenso wie eS nur für die Moral eines Mannes spricht, wenn er von alten Zuhältern als nicht ihrer Achtung würdig befunden wird. Für uns ist daS, was die„Post" als ehrenhaft und sittlich hin- stellt, die erbärmlichste Selbsterniedrigung; denn dieser Begriff der Ehrenhaftigkeit schließt die Erstickung jedes persönlichen Ehrgefühls. jedes männlichen Selbstbewußtseins aus. Jedes Tier, soweit es nicht zu den allerniedrigsten Gattungen ge- hört, wehrt sich, wenn es gereizt und malträtiert wird; der Soldat aber soll nach der Ansicht der„Pöstlinge" jede Mißhandlung ruhig erdulden; läßt er sich in der Erregung des Augenblicks �lister dem Gefühl der ihm widerfahrenen Schmach zu einer Verzweiflungstat hinreißen, dann ist er ein Mörder, ein Scheusal; der Vorgesetzte aber, der unter dem Schutze der ihnen eingeräumten Rechte seine Ueberlegenheit fortgesetzt in infamster feigster Weise zu Mißhandlungen mißbraucht hat, ein Ehrenmann, der nur in seinem Diensteifer die Strenge ein wenig übertrieben hat. Diese hehre Auffassung der„Post" von Ehrgefühl und Dis- ziplin vermögen wir nicht zu akzeptieren, und wie wir hoffen, wird auch das deutsche Volk— abgesehen von den Protektoren der „Post"— sich nie zur Höhe dieses Standpunktes aufschwingen, denn eS würde sich sittlich damit weit unter die Hottentotten stellen.— Gegen nie Labariteuervorlage protestierte am Mittwoch eine sehr stark besuchte Versammlung von Tabakintcressenten, die in der Tonhalle tagte. Einberufen war die Versammlung von vier Vereinen der Tabakfabrikanten und Händ- ler, der Zigarrenhändler und Zigarettenfabrikanten Berlins. Als Referenten traten auf: Schlostmacher, Syndikus des Deutschen Tabakvercins, L u c a n, Direktor der Elsässischen Tabakmanufaktur, und Dr. Gerhard. Die Redner betonten zunächst ihre Loyalität. Eine starke Wehrmacht müsse das Reich haben. Warum aber solle gerade die Tabakindustrie zu den Kosten der Wehrmacht in so un- gewöhnlich hohem Maße herangezogen werden. Es läge doch näher, die Lasten denen aufzubürden, welche den Vorteil von der Ver- mehrung des Heeres und der Flotte haben, den Fabrikanten von Panzerplatten und Kriegsmaterial. Die Tabakintercssentcn würden gern Opfer für das Vaterland bringen, aber die Opfer müßten nicht ihrer Industrie allein aufgebürdet, sondern nach dem Matze der Leistungsfähigkeit verteilt werden. Da sich am Rohtabak und an der Ausstattung des Fabrikats nicküs sparen lasse, so bliebe kein anderer Ausweg, als an den Arbeitslöhnen zu sparen. Die Akkord- löhne würden herabgesetzt und Arbeitskräfte entlassen werden. Es würden also in letzter Linie die Schultern der Arbeiter sein, welche die Lasten der neuen Steuern und Zölle zu tragen haben. Man könne mit Sicherheit annehmen, daß etwa 10— 15 Prozent aller in der Tabakindustrie und deren Hülfsgcwerben beschäftigten Arbeits- kräfte entlassen werden müßten. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: 1. Wir sind jederzeit bereit, zur Stärkung der Wehrkraft des Deutschen Reiches zu Wasser und zu Lande unser Teil redlich und willig zu tragen. 2. Durch die geplanten neuen Tabaksteuervorlagen dürfen aber einem einzelnen Gewcrbszweige nicht Lasten aufgebürdet werden zur Erfüllung von Aufgaben, die doch dem gesamten deutschen Volke zugute kommen. 3. Die geplanten neuen Tabaksteuervorlagen widersprechen, dem tz 6 des Flottcngesetzes von 1900, der die Mehrbelastung von Gegenständen des Massenkonsums— und solche sind unbestreitbar Tabak, Zigarren und Zigaretten— verbietet. 4. Die geplanten neuen Tabakstcucrvorlagen sind einerseits technisch teilweise undurchführbar, andererseits erregen sie in wirtschaftlicher und sozialpolitischer Hinsicht die schwersten Be- denken. Wir richten daher an den hohen Reichstag die dringende Bitte, im Interesse der Gerechtigkeit und Billigkeit den dem hohen Hause vorliegenden Tabaksteuervorlagen die Zustimmung zu ver- sagen.—__ Zum Hamburger WahlrcchtSraub. In der gestrigen Sitzung der Hamburger Bürgerschaft, die sich bis 12 Uhr nachts hinzog, schlug der Präsident vor, mit der parlamentarischen Beratung des Wahlrechts- gesetzes am Mittwoch, den 17. Januar, zu be- ginnen und sie an den regelniäßigen Sitzungs- lagen— Mittwochs— zu erledigen. Dr. Roth sLib.) hält den in Vorschlag gebrachten Zeitpunkt für verfrüht, weil die Volksvertreter sich erst mit ihren Wählern in Verbindung setzen müßten. Dagegen meinten die Häuptlinge der Hausagrarier, mau habe Zeit genug gehabt, sich mit der Vorlag- zu beschäftigen, die seit Monaten im Vordergrunde der öffentliche» Diskussion stehe.{Beifall und Widerspruch.) Auch ein Mitglied der Rechten wandte sich gegen ein Durchpeitschen der Vorlage. Stalten lSoz-i erklärte:„Unsertwegen kann'S losgehen". Der Vorschlag des Präsidenten fand Annahme.— Preußischer Eisenbahn-Etat. Der Etat der Eisenbahnverwaltung für 1996 enthält für daS Personal verschiedene Veränderungen. Die etatsmäßigen Stellen werden um 8531 vermehrt, so daß die Gesamtzahl der Etatsstelleu 154 714 betragen wird. Ferner wird der Stellcnzulagefonds wiederum erhöht, nachdem bereits im vorigen Jahre durch eine außerordentliche Maßnahme eine Steigerung dieses Fonds um 2 Millionen Mark stattgefunden hat. Der Fonds ist für 1906 auf 7 822000 Mark bemessen. Zur Erhöhung der Arbeiterlöhne sind 4>/z Millionen Mark vorgesehen. Auch der Wohnungsgeldzuschuß für die Unterbeamten soll erhöht werden.— Die sächsische Justiz. Dresden, 8. Januar. Am Montag hatten sich vor der 2. Strafkammer des hiesigen Landgerichts wiederum drei Teilnehmer an den anläßlich der Wahl- rcchtsbcwegung in der Nacht zum 17. Dezember in Dresden statt« gefundenen Straßendcmonstrationcn zu verantworten. Den Vor- sitz in den Verhandlungen führte der aus zahlreichen Prozessen gegen sozialdemokratische Prcßsünder bekannte Landgerichtsdirektor Dr. Becker. Der erste Angeklagte ist der 1877 in Kappel bei Chemnitz geborene Buchhalter Hermann Otto BomS- d o r f, ein wegen Gewalttätigkcitsdelikis wiederholt vorbestrafter Mensch. Er soll sich in der fraglichen Nacht des Auflaufs und des Widerstands gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht haben. Die Beweisaufnahme ergab folgendes Bild: Der Angeklagte ist in keiner der au jenem Abend st a t t- gefundenen Prote st Versammlungen gelvcscn, ja will nicht einmal gewußt haben, daß solche statt» fanden, hat vielmehr mit dem Portier Schramm und dem Markthelfcr Müller bis Mitternacht in einem Lokale auf der Schloß- strahe gezecht. Als die Drei das Lokal verließen, fanden sie die Schloßstraße von der Polizei abgesperrt. B. muß schon damals ein aufgeregtes und aufreizendes Wesen zur Schau getragen haben. denn seine beiden Begleiter hielten es für ratsam, sich von ihm zu trennen, da sie das Gefühl{Gründe hierfür vermögen sie aller- dings nicht anzugeben) gehabt haben wollen, baß dem Börnsdorf noch etwas passieren werde. Letzterer wandte sich nach der Wils- drufferstraße, auf der eine vielhundcrtköpfige Menschenmenge in einzelnen Trupps geräuschvoll auf- und abzog. Besonders laut soll es jedesmal zugegangen sein, wenn der eine oder andere De- monstrant aus der Menge herausgeholt und arretiert wurde. Als dicht in der Nähe des Angeklagten ein junger Bursche verhaftet lvurde, hat B. ai geblich lmit gerufen:„Los, kommt alle mit, alle nach!" Im nächsten Augenblicke wurde er von dem Gendarmen Schmidt von hinten am Liragen erfaßt und mit den Worten: „Kommen Sie mal mit!" arretiert. Der Angeklagte setzte seiner Abführung dadurch Widerstand entgegen, daß er sich einstemmte; als indessen ein zweiter Gendarm hinzukam, konnte der Transport des Inhaftierten ohne weitere Störung nach dem Polizeigefäiianis erfolgen. B. behauptete, er sei unschuldig. Nach seiner Darstellung hat er nur aus Aerger über die seiner Ansicht nach zu Unrecht erfolgte Festnahme eines jungen Mannes zu dein ihm Nächststehenden geäußert:„Komm, wir gehen mit!", weil er als Zeuge fungieren wollte. Da sei auch schon seine Verhaftung erfolgt. Zwei Tage vorher hatte B. schon ein Renkontre mit einem Gendarmen, welches ihm eine Anklage wegen Widerstands gegen die Staats- gewalt, Beamtenbeleidigung und groben Unfugs einbrachte. Dieser Vorgang hat mit der Straßendemonstration jedoch absolut nichts zu tun. Das Gericht erkannte auf 1 Jahr 3 Monate Ge- f ä n g n i s und 1 Woche Haft, mit dem Bemerken, das Ver- halten des Angeklagten habe nahe an Aufruhr gegrenzt. Ter 22 jährige, aus Teuben gebürtige Mechaniker Hugo Heinrich Bennemann hat sich eine Anklage wegen Auf- l a u f s, ruhestörenden Lärms und groben Unfugs zugezogen. Der junge Mann hatte, wie er erzählt, von den Straßen- demonstrationen ebenfalls keine Ahnung. Sein Weg führte ihn gegen 11 Uhr auf den Altmarkt, nachdem er vor- her stundenlang in einer Kneipe der inneren Stadt gesessen hatte; er will angetrunken gewesen sein. Auf dem Altmarkte hatten sich Trupps halbwüchsiger Burschen gebildet, die die Polizei hänselten. Zu ihnen scheint sich der Angeklagte gesellt zu haben, denn er wurde später an der Spitze eines Haufens gesehen, der die Schutzmannskette am„Cafe Central" durchbrechen wollte. Daß B. gejohlt oder sonst gelärmt hat, kaim keiner der Zeugen(nur zwei Gcndarme) bestätigen. Es konnte deshalb nur eine Bestrafung wegen Auflaufs erfolgen. Trotzdem der Angeklagte noch gänzlich unbestraft ist, wurde er zu der zulässigen Höchststrafe von 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Der 1865 zu Schlegel bei Ostritz geborene, vorbestrafte A r- beiter Hermann Ernst Böhmer ist von allen bisher ab- geurtcilten Stratzendemonstranten der erste, der behauptet, an einer Prote st Versammlung teilgenonimen zu haben. Er war in der Versammlung in den„Blumensälen" und hat sich nach Schluß mit einigen Kollegen, die er später aber wieder ver- loren hat, nach dem Stadtinnern begeben, um dort angeblich noch ein Glas Bier zu trinken. Als er am Zeughausplatze in der Nähe des Aufganges zur Brühlschen Terrasse anlangte, sei die Menge, die von den„Blumensälen" nach der«tadt gezogen war, schon in der Hauptsache zerstreut gewesen. Ohne daß er hierzu irgend welchen Anlaß gegeben hätte, sei er plötzlich von zwei Gendarmen erfaßt, auf die Terrasse geschoben und dort geschlagen worden. Tann bätte man ihn obendrein verhaftet. Er seinerseits stellte jede Tätlichtcit in Abrede. Gendarm Kühne bekundete, daß der An- geklagte beim Vorgehen der Polizei sich in der vordersten Reihe be- sunden babe und nicht gewichen sei. Der Angeklagte habe förmlich zurückgeschoben werden müssen, wobei er der zurückweichenden Menge ermunternd zugerufen habe:„Bleibt nur hier, hier dürfen sie uns nichts tun!" Gleich darauf erhielt der Zeuge, ohne daß er es ver- hindern konnte, vom Angeklagten einen Faustschlag ins Gesicht, dann drang B. auf den Beamten ein und suchte ihn rückwärts über das Geländer zu stürzen. Nach Aussage des Zeugen würde dies dem Angeklagten auch gelungen sein, wenn ihm nicht ein Kollege sofort zur Hülfe geeilt wäre. Das Gericht hielt auf Grund des Beweisergebnisses die Anklage, soweit sie auf Aufruhr und Auf- laus handelte, nicht für gedeckt, nahm vielmehr nur W i d er st a n d gegen die Staatsgewalt für erwiesen an und erkannte auf 2 Jahre Gefängnis, der gesetzlichen Maximalstrafe.— Schiilunterhaltiiiigsgesetz. Eine vom Vorstand der Berliner frei- sinnige» Volkspartei einberufene Protestvcrsammlung tagte gester» abend im Buggenhagenschen Saale. Nach schwächlichen Aus- führuugcn des Abg. Funk-Frankfurt a. M. und des Abg. Cassel gegen den neuen Entwurf eines Volksschulunterhaltungsgesetzes wurde schließlich folgende Resolution angenommen: „Die heute ini Kaisersaal von Buggenhagen tagende, von feiten der fteisinnigen Volkspartei einberufene öffentliche Versammlung protestiert gegen den dem preußischen Abgeordnetenhause vorliegenden VolksschulunterhaltniigsgeietzenNvurf, da er den Grundsatz der Kon- feisionalität der Volkssclmlc festlegt, die Rechte der Selbstverwallung auf dem Gebiete der Slluile nahezu beseitigt, die geistliche Schul- aufsichl gesetzlicb festzulegen sucht, die verfassuiigsmäßigen Rechte der jüdischen Staatsbürger in Frage stellt und die Kinder der Dissidenten einem dauernde» Gewissenszwauge unterwerfen würde."— Dresdener Gerichtsurteile. Die Dresdener Justiz fährt fort, die Teilnehmer an den Straßeudcnionstrationen mit drakonischer Strenge zu den härtesten Gefängnisstrafen zu verurteilen. Die Dresdener Strafkammer verurteilte heute den ehemaligen Schutzmann, jetzigen Fabrikarbeiter Pauli wegen Beteiligung an den Demonstrationen, wegen Beleidigung und Vergehens gegen die BerkehrSordmmg, begangen am 3. Dezember auf dem Altmarkte, zu drei Monaten Gefängnis und einer Woche Hast. Auch der Handarbeiter Karl Heinrich Riebak wurde ivegeu Beteiligung an den Straßenknndgcbungeii in der Nacht zum 17. Dezember zu einem Jahr vier Monaten Gefängnis und sechs Wochen Haft verurteilt.—_ Eiu„minder schwerer Fall". Vor dem Kriegsgericht in Koblenz hatte sich ein Unteroffizier der 2. Kompagnie des Pionier-Bataillons Nr. 8 zu verantworten, der beschuldigt war, am 11. Dezember den Pionier K., einen Unter- gebeucn, durch einen Stoß gegen den Leib mißhandelt und beleidigt zu haben. An dem betreffenden Morgen geriet der An- geklagte in Aufregung, weil der Flur nicht gereinigt tvar; er traf den Pionier K. auf der Stube, packte ihn am Arm, stieß ihm mit dem Knie gegen den Leib, s o d a ß der Mann wider den Tisch fiel, dabei rief er:„ R o t e r S o z i a I i st. ich bringe Sie noch dahin, wohin Sie gehören!" Das Gericht verurteilte dem Angeklagten wegen Mißhandlung und Beleidigung eines Untergebenen unter Annahme eines minder- schweren Falles zu n c u n T a g e n g e I i n d e n A r r e st. Offenbar hielt das Kriegsgericht den Angeklagten zugute, daß er durch ein Scharfmacherorgan vom Schlage der„Post" in einen Anfall von Rotkoller versetzt worden war.— Driickfchlerberichtiguiig. In dem gestrigen Leitartikel im Absatz 4, Zeile 1. muß eS statt:„Die Frage aufgeworfen, heißt sie ver- neinen" heißen:„Die Frage auf werfen, heißt sie verneinen". Ferner werde» unsere Leser wohl schon selbst bemerkt haben, daß es im Schlußsatz statt„öffentliches Wahlrecht" heißen muß: „geheimes Wahlrecht".— Hueland. Frankreich. Paris, 11. Januar.{W. T. B.) Der Senat wählte FallioreS mit 173 von 249 abgegebenen Stimmen wieder zum Präsidenten. Italien. Zusammenkunft der lombnrdischen Sozialisten. Rom, 7. Januar.{Eig. Ber.) Am 6. und 7. Januar haben die Sozialisten der Lombardei in Mailand eine Zusammenkunft abgehalten, um über das Thema: Verhalten der Sozialisten der Lombardei gegen- ii b e r e i n e m wahrscheinlichen Eingreifen fremde r Mächte gegen die russische Revolution zu diskutieren. Der Referent, Genosse L a z z a r i, führte aus, daß die Frage der Unterstützung der russischen Revolution durch das übrige Proletariat Europas heute eine praktische Bedeutung hätte, die ihr nie bisher zugekommen sei. Die Gefahr einer Einmischung fremder Mächte wäre offenkundig, und es wäre Pflicht der Sozialisten, ihren ganzen Einfluß dagegen geltend zu machen. Das internationale Proletariat müsse den reaktionären Gelüsten der Dynastien entgegentreten. Redner ist der Ansicht, daß ein internationales Freiwilligcnheer den russischen Proletariern Verstärkung bringen müsse. Walter M o c ch i meint, daß in Rußland zurzeit noch nicht die Elemente für eine proletarische Revolution bestehen. Was das Land heute auskämpft, ist seine bürgerliche Revolution. Er hält deshalb ein persönliches Eingreifen der Genossen anderer Länder für unzweckmäßig und vertritt die Ansicht, daß die Arbeiterschaft aller Länder sich bereit halten solle, im Falle einer Einmischung ihrer Regierung den Generalstreik zu proklamieren. Die Diskussion, die lebhaft und sachlich war, zeigte, daß die Mehrheit der etwa 80 Delegierten den Ausführungen Mocchis bei- pflichtet. Genosse d'Arragona dagegen ist der Ansicht, daß man nur durch Geldunterstützungen den russische» Proletariern wirksam tülfe bringen köune. Schließlich wird folgende Tagesordnung azzari durch Akklamation angenommen: „In Erwägung, daß die Entwickelung der russischen Revolution durch den Generalstreik Europa die Bildung eines der wichtigsten Faktoren der sozialen Befreiung anzeigt und folglich dem Triumph der Revolution den Charakter eines proletarische» Sieges verleiht, erklären die Sozialisten der Lombardei, daß es im Interesse der Sozialisten und Proletarier der ganzen Welt liegt, die Anstrengungen des russischen Volkes in seinem Kampfe für die Befreiung vom Joch des Zarismus zu unterstützen. „In Erwägung ferner, daß unter den Gefahren, die der russischen Revolution drohen können, die der Möglichkeit der militärischen Ein- mischung eines anderen Staates'{in erster Linie Deutschlands) be- steht, der, sei es durch die geographische Lage, sei es durch sein politisches Regime, sich bestimmen ließe, die Interessen des russischen Despotismus zu vertreten, fordern die lombardischcnSozialisten das inter- nationale Bureau in Brüssel auf, sich mit den sozialistischen Parteien und proletarischen Organisationen Europas und besonders Deutschlands ins Einvernehmen zu setzen, um mit allen Mitteln die Verwirk- lichnng solcher verbrecherischen Anschläge gegen die Rechte des rufst- schen Volkes zu verhindern, unter Benutzung aller der organisierten Arbeiterschaft gegen das bürgerliche Regime zur Verfügung stehenden Fornien der Hülfeleistung für die russischen Revolutionäre(sowohl pekuniärer als persönlicher Natur), jeder Form der Pression{öffent- liche Kundgebung, parlamentarische Kämpfe, Demonstrationen), sowie der direkten Aktion{Generalstreik, Eisenbahnerstreik, Streik der Post- und Telegraphcnbeamten)." Außerdem wurde eine Tagesordnung Lazzari angenommen, die das internationale Bureau auffordert, schon jetzt die Organisation eines eventuellen proletarischen Freiwilligenheeres für Rußland ins Auge zu fassen.— Spanien. Sozialistische Stimmen bei den legislativen Wahlen. Nach dem amtlichen Wahlresultat brachte die sozialistische Partei Spaniens es auf 14 088 Stimmen; allerdings fehlen noch einige entfernte Orte, aber auf mehr als 15 000 Stimmen ist nicht zu rechnen. „El Socialista" erörtert die Ursachen, die zu diesem Rückgang der Stimmen geführt haben; bei den Wahlen von 1903 hatte cS die Partei auf 26 000 Stimmen gebracht. Das genannte Blatt teilt mit, wie namentlich die Landarbeiter vielfach durch die Grundbesitzer an der Teilnahme an den Wahlen gehindert wurden, vor allem aber sei die große Arbeitslosigkeit schuld, die in den letzten Jahren geherrscht hat. Große Massen von Arbeitern seien ausgewandert, und andere geben sich der Verzweiflung hin; sie haben nicht mehr die Kraft, sich zur politischen Tat des Wählens aufzuraffen. Es sei aber alle Aussicht vorhanden, die Schlappen bei den nächsten Wahlen wieder auszuwetzen.— Asien. „Geheimes" Abkommen. London, 11. Januar.{W. T. B.) Wie„Daily Telegraph" auZ Tokio meldet, ist der Wortlaut des chinesisch-japanischen Vertrages gestern bekannt gegeben worden. Außer den bereits mitgeteilten Bestimmungen enthalte der Vertrag ein geheimes Abkommen, durch welches China gehindert werde, irgend einer andern Macht zu er- lanben, sich mit der Frage des Eisenbahnbaues Kirin— Tschang- tschu» und Sinminting— Mulden zu befassen. Das Blatt fügt hinzu, es sei klar, daß die ostasiatische Frage nicht dauernd erledigt sei. sondern daß man sie nur während der Zeit der Rußland zuge- standenen Pachtungen ruhen lasse. China sei entschlossen, sich so bald als möglich von jeder fremden Einmischung loszumachen.{!) Tie Preßfreiheit in Japan ist, wie schon mehrfach mitgeteilt, heule nach dem siegreichen Kriege mehr gefährdet als vormals. Nicht bloß die sozialistische, sondern auch die bürgerliche Presse hat zur- zeit sehr unter Schikanen und Verfolgungen aller Art zu leiten. Alle großen Zeitungen von Tokio haben sich deshalb zu einer Presse- Vereinigung zusammen getan, um diesen behördlichen Eingriffen entgegen zu arbeiten; namentlich soll versucht werden, den Belage- rungszustand, der noch immer in Tokio verhängt ist. zur Aufhebung zu bringen.— Trotz dieser Verfolgungen crnwicHt sich doch die sozialistische Presse weiter. Das Erscheinen des„Hikari"(„Licht") ist bereits mitgeteilt. Wie wir dem soeben eingetroffenen„Soeia- tist" entnehmen, wird dieses neue Kampsesorgan vom Genossen Nishikawa redigiert, der gerade eine siebeniiiouatlictv Aemnanis- strafe, die er sich als Redakteur des suspendierten„Chokugen" zu» gezogen, durchgemacht hat. Sein Mitarbei er, der Genosse Kotoku. ist nach Amerika abgereist, um seine eb»falls durch Gefängnisstrafe geschwächte Gesundheit wieder herzustellen. Ferner berichtet der „Socialist" von noch drei anderen sozialistischen Lokal» ättern, die in der letzten Zeit erschienen sind:„Ter neue Kamerad", das Organ der Bergleute von Dubari. Sodann haben sich die Sozialisten von Hakodate in der„Neuen Botschaft" und die Genossen von Moji in der„Volksstimme" ein Organ geschaffen, das vorläufig alle 14 Tage erscheint. Außerdem beginnt eine staatssozia i ische und sogar eine christlich-soziale Bewegung in Japan einzusetzen.— Alles dies deutet auf ein politisches Erwachen des japa ischen Volkes hin; wenn der nationale Siegesjubel verrauscht ist, werden die wirtschaftlichen und politischen Kämpfe ihren Klassencharakter un. vcrkennbar zeigen.—_ Kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. 2. Sitzung vom Donnerstag, den 11. Januar, nachmittags 5 Uhr. Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Sitzung nach 5 LH Uhr. Die Abteilungen haben sich konstituiert und den Ausschuß zur Vorbereitung der Neuwahl der ständigen Ausschüsse usw. gewählt. Ferner ist gewählt worden der Ausschuß für die Vorlage wegen Ge- Währung von Teuerungsbeihülfen an städtische Bedienstete; hier ist die sozialdemokratische Fraktion durch die Stadtvv. H i n tz c. Schubert, Singer vertreten. Zunächst sind von der Versammlung 5 Mitglieder zur Teil- nahnie an den Verhandlungen des preußischen Städte- t a g e s zu wählen. Durch Zuruf werden gewählt Dr. Langer- Hans, Ai i ch e l c t, Cassel, Singer, R o s e n o w. Für den Rechnungsausschuß erstattet darauf Stadtv. Friede- rici{A. L.) Bericht. Stadtbaurat Krause: Der schriftliche Bericht weist auf die hoho Summe von fast 16 Millionen Resten in der Tiefbauverwaltung hin. Soweit darin ein Vorwurf oder eine Mahnung liegen könnte, muß ich betonen, daß bisher allein 12 Millionen für Straßendurch- legungen und Verbreiterungen nicht zur Verausgabung gelangen konnten, weil die Vorverhandlungen mit den Interessenten noch schweben. Gemäß den Ausschußanträgen dechargiert die Versammlung eine große Anzahl von Rechnungen aus den Jahren 1902— 1904 und genehmigt die außeretatsmäßigen Ausgaben und Etatsüberschrei- tungen. Zu der Vorlage betreffend den armenttrztlichen Dienst hat der niedergesetzte Ausschuß eine Reihe von Anträgen ange- nommcn, die dahin gehen: 1. eine Bestimmung für die Armenärzte zu erlassen, nach welcher unter Zustimmung der betreffenden Armenkommissions- Vorsteher ausnahmsweise die Konsulation bezw. Behandlung des Armenarztes eines Nachbarbezirkes gestattet ist; 2.dieArmenarztbezirke zu vermehren und neu einzuteilen(hierzu wird ein vom Ausschuß aufgestelltes Tableau zur Berücksichtigung empfohlen); 3. das Gehalt der Armenärzte entsprechend zu erhöhen. 4. besoldete Spezialärzte anzustellen. Der Beschluß»ck 4 ist im Ausschuß mit 6 gegen 5 Stimmen gefaßt, weitergehende Anträge auf Gewährung von täglich 2 Sprech- stunden vor- und nachmittags an die Patienten und auf Gleich- stcllung der Armenärzte im Gehalt mit den Schulärzten sind ab- gelehnt worden. Referent ist der Stadtv. L i e b e n o w. Vom Stadtv. Sachs wird beantragt, Nr. 1 und 4 zu streichen; Stadtv. Koblenzer (soz.) nimmt den Antrag auf Gewährung von je 1 Sprechstunde vor- und nachmittags wieder auf. Stadtv. Koblenzer(soz.): Meine Freunde werden für die Aus- schußanträge stimmen, wenn sie auch keineswegs darin die Erfüllung aller berechtigten Wünsche erblicken können. Schon vor 7 Jahren wurde angeregt, die Stellung der Armenärzte zu ändern und die Bezirke zu verkleinern. Da muß es doch Wunder nehmen, daß die Magistratsvorlage, die wir endlich bekommen haben, sbgesehen von einer geringfügigen Gehaltserhöhung alles beim Alten lassen will. Daß auch die Mehrheit disser Persammlung damit nicht einverstan- den ist, beweisen die Ausschußanträge, namentlich der einstimmig angenommene Entwurf eines neuen Tableaus der Bezirke, wie ihn Kollege Liebenow ai»sgcarl>citet hat. Uber auch nach anderer Richtung muh Wandel geschaffen werden. Man muß die ungeheure Härte beseitigen, welche darin liegt, daß der Armenkranke an einen bestimmten Arzt gewiesen wird und bei diesem bleiben muß. SS muß dem Kranken Gelegenheit gegeben werden, sich eventuell an einen anderen Arzt zu Menden; die freie Arztwahl würde auch da Anzulasten sein. Wir werden aber einstweilen für den bezüglichen Ausschufzantrag stimmen. Ten Beschluß auf Anstellung besoldeter Speziaiärzte hat man damit bekämpft, daß man ausführte, es müsse doch den jungen Aerzten Gelegenheit gegeben werden, sich durch freiwillige Behandlung der Armenkranken fortzubilden. Wie kann man solches Argument überhaupt geltend machen? Ilebrigens würde mit 10—12 Spezialärztcn dem Bedürfnis zunächst genügt sein; die Befürchtung, daß nian wenigstens 100 solcher Acrzte loürdc nnjtellen müssen, ist grundlos. Leider hat der Ausschuß unseren Antrag auf 2 Sprechstunden abgelehnt; da machte man wieder den Unterschied zwischen arincn und wohlhabenden Kranken. Wir tat nicht in so gefühlloser Weise ausgeübt wird, und daß der arme Patient gerade so wie jeder andere Kranke in die Aerztesprcch- arme Paticn tgcrade so wie jeder andere Kranke in die Aerztesprcch- stunde geht. Unser Antrag verlangt also keineswegs zuviel vom Magistrat. lBeisall bei den Sozialdemokraten.) «tadtv. Sachs(A. 2.): Die weit überwiegende Mehrheit meiner Fraktion nimmt die Punkte 2 und;3 an, lehnt aber 1 und 4 ab. Die Ablehnung des Punktes 1 rechtfertigt sich schon mit Rücksicht auf die Person des Armentommifsionsvorstehcrs selbst, der dadurch den Armen gegenüber in eine ganz unangenehme Lage gebracht wird. Die Armen würden dann gewisse Aerzte vorziehen, von denen sie basser behandelt zu fein glauben, und schließlich auch in den Krantanhäusern sich weigern, sich von bestimmten Aerzten oder Assistenten behandeln zu lassen. Mancher Armenarzt würde auf diese Weise diskreditiert lycrdcn. Besoldete Spczialärzte anzustellen. ist gleichfalls unnötig; die leitenden Aerzte unserer Kranken- Häuser sind ja auch Spezialisten(Zuruf: Die aber nicht behandclnl) Ja, sie tragen doch die Verantwortung. Tatsächlich müßten an die 100 Spezialärztc angestellt werden, da es schon jcht 17 Spezialitäten gibt. Da kommt doch auch der Kostenpunkt sehr in Betracht, während wir eine große Zahl junger Aerzte haben, die alle bereit sind, unentgeltlich die Behandlung vorzunehmen. Auch der Magi- strat hat das Bedürfnis besoldeter Spezialärzte nicht anerkannt. Die doppelte Sprechstunde ist ebensowenig notwendig. Wenn Sic denr Arzt das auferlegen, so muß er sein Geschäft aufgeben. Warum soll derjenige, der nun einmal besser situiert ist, es nicht auch etlvas bequemer haben? Uebrigens ivird der Armenarzt in dringenden Fällen, wenn er kein Unmensch ist. seine Hülfe nicht versagen. Stadtv. Dr. Bütow(Fr. Fr.) tritt lebhaft für die Anstellung besoldeter Spezialärzte ein und befürwortet auch die Annahnie der Nr. 1. Hier gehe Herr Sachs in seinen Befürchtungen zu weit, es handele sich ja nur um die Zulassung einer Ausnahme unter besonderen Umständen. Stadtv. Koblenzer: Herr Sachs wird sich jetzt doch überzeugt haben, daß nicht bloß die Sozialdemokraten es sind, die hier mit rauher Hand in aufs beste geordnete Verhältnisse eingreisen wollen, wie er annimmt. Die Armenärzte haben gar keine Veranlassung, sich so sehr nach dem Andrang der Armenkrankcn zu sehnen. Daß die Armcnkommissionsvorstcher die ihnen hier gestellte Aufgabe er- füllen können, darf man ihnen wohl zutrauen. Bei der An- stellung von Spezialärzte» wird man sich natürlich auf die nennens» werten Spezialitäten beschränken. Es ist der Stadt Berlin nicht würdig, die unentgeltliche Tätigkeit von Aerzten in Anspruch zu nehmen. Stadtrat Münsierberg: Der Magistrat hat Ihnen seine Vorlage zur Kenntnisnahme vorgelegt, damit Sie sehen, daß er unauSgc- fetzt an diesem schwierigen Problem gearbeitet hat. Tie Armen- dircktion hat sich in den letzten 4— 5 Jahren mit größtem Eifer um die Lösung der Frage bemüht und wird diese Bemühungen energisch fortsehen und Ihre heutigen Verhandlungen und Be- schtüsse als sehr schätzbares Material verwerten. Die Verweisung der Kranken an andere Aerzte haben wir heute schon in dem Falle, wo Arzt und Patient nicht miteinander auszukommen vermögen. Gegen das, was in Nr. 1 aber generell verlangt wird, schlagen doch die Bedenken dcS Stadtv. Sachs durch. Das Dezernat würde gar nicht mehr zu bewältigen fein, weil jeden Tag Wünsche derart an die Armendircktion herantreten würden.(Beifall.) In der weiteren Debatte schließt sich D i n s c(N. L.) den Ausführungen des Stadtv. Bütow an und verteidigt gegenüber dem Stadtrat Münsterberg und dem Stadtv. Sachs speziell Nr. 1 der Ausschußanträge, betont auch, daß die freie Arztwahl im Ausschuß von keiner Seite gefordert worden sei. Stadtv. Barth(A. L.) macht sich die Argumente des Stadtv. Sachs gegen Nr. 1 und 4 zu eigen. Ebenso legt sich Stadtv. Cassel(A. L.) sehr entschieden gegen Nr. 1 und 4 ins Zeug. Mit dieser Ausnahmebestimmung werde mau nur einen Teil der Armenkrankcn gegen einen Teil der Aerzte in Aufregung versetzen und so den armenärztlichcn Dienst in Einordnung bringen. Stadtv. Hintze(Soz.): Es wird doch jetzt stark übertrieben und gar zu schwarz gemalt. WaS schon jetzt nach der Auslassung des Stadtrats zulässig ist, kann doch nur im Wege der Beschwerde bei der Armendirektion erreicht werden. Auch werden nicht Hundert- tausende von Kranken an die Verwaltung mit solchem Ansinnen herantreten. Möge doch der Stadtrat einmal die Armenärzte selbst mit dieser Frage befassen. Unser Antrag wegen der zweiten Sprech- stunde rechtfertigt sich auch deswegen, weil ja der Arme erst morgens seinen Krankenschein erhält und dann erst am nächsten Tage zum Arzt gehen kann, wenn ihm die NachmittagSsprcchstunde verschlossen bleibt. Damit schließt die Debatte. In der Abstimmung wird zunächst der Antrag Koblenzer gegen die Stimmen der Antragsteller, der Sozialfortschrittlichcn und einiger Mitglieder der Neuen Linken abgelehnt. In namentlicher Abstimmung fällt darauf 1 der Aus- schutzanträge mit SO gegen S3 Stimmen; mit der Alten Linken stimmen auch eine Anzahl von Mitgliedern der Freien Fraktion. Die Nr. 2 und 3 werden mit großer Mehrheit a n g e n o m- men, Nr. 4 in namentlicher Abstimmung mit öl gegen SS Stimmen abgelehnt. Das Haus Adalbertstratze 08 wollte der Magistrat für 05 000 Mark an eine Frau v. Holwede verkaufen. Nachträglich hat ein Maurermeister Fritze ein Gebot von 105 000 M. gemacht. Der Magistrat hat darauf einen Bietungstermin veranstaltet, in welchem Fritze mit 101 500 M. Meistbietender blieb. Der Magistrat emp- sichlt die Zustimmung hierzu. Stadtv. H,ffmann(Soz.) beantragt Ausschußberatung. Schon die erste Vorlage sei eine starke Zumutung an die Versammlung gewesen, da die Stiftung, zu welcher das Grundstück gehöre, jetzt 8000 M. Miete daraus ziehe, während der Veräußerungsprcis nur 3000— 4000 M. Zinsen repräsentiere. Die Stadt würde also die Differenz einfach oerschenken. Das Haus sei ja verfallen, aber selbst ein kompletter Neubau wäre noch vorteilhafter als die Ver- äußerung. Wenn nun aber solche Dinge eintreten, wie der neue Antrag des Magistrats, so könne man sich nicht wundern, wenn die umlaufenden Gerüchte über Vetternwirtschaft und Schiebungen neue Nahrung erhalten. Was soll man dazu sagen, daß, wenn ein Angebot von 105 000 M. bereits gemacht war, nachher der Zuschlag für 101 500 M. erteilt wird? Solche Vorlagen der Versammlung zu machen, ist leichtfertig.(Unruhe und Beifall.) Stadtrat v. Kriedberg protestiert gegen den letzteren Vorwurf und ist mit Ausschußberatung einverstanden. Stadtv. Ladewig(N. L.) ist mit den Ausführungen Hoffmanns einverstanden und rügt außerdem, daß man den Fritze nicht sofort veranlaßt hat, sein Gebot in rechtsverbindlicher Form zu wieder- holen. Nachdem auch Stadtv. E ck a r d(A. L.) die Ausschußberatung empfohlen hat. weil in diesem Falle vielleicht etwas geschäfts- unkundig(Heiterkeit) verfahren worden sei. spricht sich Stadtv. Haberland für glatte Ablehnung aus. Die Vorlage geht darauf an einen Ausschuß. Nach Erledigung einiger kleinerer Vorlagen wird die öffentliche Sitzung um%9 Uhr abgebrochen. ßcwcrhfchaftHchca. Die„neutralen" Stadtvätcr! Ein ganz interessantes Nachspiel zum großen Königsberger Lohnkampf im Bangeiverbe im Jahre 1904 brachte am Dienstag die Königsberger Stadtverordneten-Versammlung. Es sollte eine Etatsüberschrcitung von 1409,02 Mark beivilligt werden, die im Sommer 1904 bei der Reno- Vierung der Aula eines Gymnasiums vorgekommen war. Die Ileberschreitung von 1000 M. war auf folgende Weise entstanden. Der Magistrat hatte die Arbeiten einer Firma übergeben, die Mitglied des Arbeitgebcrvcrbandcs ist und die Forderungen der Maurer mit aller Entschiedenheit ablehnte. So kam es, daß sie keine Maurer hatte, die die Arbeiten in der Aula er- ledigten. Anstatt daß der Magistrat den Unternehmer nun aufforderte, seiner Pflicht nachzukomnien, oder die Arbeiten ans Kosten des Unternehmers selbst machen ließ, wandte er sich an einen Stukkateur, der ungeübte Italiener stellte, die viel langsamer als die Königsberger Maurer arbeiteten. Die Arbeiten wurden aber im Tagelohn aus- geführt, so daß nicht der Unternehmer, sondern die Stadt den Schaden zu tragen hatte. Etwa 1000 M. hat die Ein- stellung der italienischen Streikbrecher gekostet. Diese Summe sollten nun die Steuerzahler entrichten. Ja, es wurde erklärt, daß man. um die Etatsübcrschreitung nicht so hoch erscheinen zu lassen, einige Posten ans eine andere Vorlage abgewälzt hatte. Tie Angelegenheit erregte großes Aufsehen, und der Magistratsvertretcr wußte sich nicht weiter zu helfen, als höchst fragwürdige Entschuldigungen vorzubringen und sogar zu erklären, daß es sich gar nicht um Italiener gehandelt habe, obgleich das selbst in der Vorlage des Magistrats stand. Unsere Genossen geißelten in scharfen Worten das Ver- halten des Magistrats und beantragten, die verlangte Summe abzulehnen. Natürlich ließen die liberalen Stadtväter den Magistrat nicht im Stich, sondern bcivilligten das Geld. Hier hat man ein Beispiel dafür, wie bei Lohn- kämpfen das Unternehmertum von städtischen Behörden unter- stützt wird. Jnr Dezember 1904, als die Unternehmer die Maurer kurz vor Weihnachten auf die Straße gesetzt hatten, weil diese nicht dem Streikbrcchervcrband beitreten wollten, wurde von unseren Genossen im Königsberger Stadt- Parlament beantragt. 2 0 0 M a r k f ü r d i c in Not g e- r a t e n c n Maurer zu bewilligen. Da erschallte ein Hohugclächtcr und keine bürgerliche Seele stimnltc für den Antrag. So wurden die Arbeiter behandelt. Jetzt aber bewilligte man 1000 M.. die von Rechtswegen andere Leute und nicht die Steuerzahler zu entrichten haben. Trotzdem stellt man sich hin und sagt, daß die Stadt zwischen Unter- nehnicrn und Arbeitern bei Lohnkämpfcn streng st e Neutralität übe._ Deutkehee RefcK Zur Beachtung! Auf Beschluß der Gauleiter von Schlesien und Posen ist eine Zentralstelle für die in diesem Bezirk domizilierenden Gauvorstände, Bezirksleitungen, AgitationSkominissionen usw. ge- schaffen worden. Es soll baldigst ein Adressen Verzeichnis geschaffen werden, und werden deshalb alle Beteiligten gebeten, baldigst dem Unterzeichneten die Namen und Wohnungen der Bor- sitzenden und Kassierer sowie die Versammlung?- lokale der Verwaltungsstellen in Schlesien und Posen— aller Zentralverbände— mitzuteilen. Die in Betracht kommenden Parteiblätter bitten wir um gefl. Kenntnisnahme. I. A.: Hermann Zimmer, Breslau I, Schmiedebrücke 12, Hof l. Wunderbare Zustiinde herrschen auf der kaiserlichen Saat- sce- Kanal werft am No»d-Ostsee-Kanal in Rendsburg. Dort müssen sich die Arbeiter noch die monatliche Lohnzahlung ge- fallen lassen. Alle Petitionen um vierzchntäge Lohnperioden wurden vorn leitenden Banrat abgeschlagen, ebenso der bescheidene Wunsch auf Einführung eine? alle 14 Tage zu zahlenden Vorschusses auf den ver- dienten Lohn. Die Arbeiter wollten mm ein Gesuch an das kaiserliche Kolonialamt richten, nach der Arbeitsordnung bedürfen aber der- artige Gesuche erst der Genehmigung des Werftleiters, ganz nach dem Mnster des militärische» Beschwerde.rechts". Der Herr Baurat hat denn auch die Genehmigung des Gesuchs prompt verweigert. Das sind Zustände, die direkt den guten Sitten widersprechen und die eher als russisch zu bezeichnen sind denn als„mustergültig", wie die Sozialpolitik der Reichsbctriebe stets von den RcgierungS- Vertretern gepriesen wird._ Kinder als Streiksünder angeklagt! Vor dem Schöffengericht in Köln standen vier schul- Pflichtige Knaben und vier Schreinergesellen. Sie sollen ver- sucht haben, während des Kölner Bautischlerstreiks die bei dem Schreinermeister Buch arbeitenden Gesellen, insbesondere die Schreiner Mittler und Marten, durch„Gewalt' zur Einstellung der Arbeit zu nötigen, die Schüler auch mit Steinen auf Menschen geworfen haben. Die Arbeitswilligen wurden abends von der Werfftätte in einem Wagen nach Hause gefahren, ivobei es geschah, daß sie mit Sieinen beworfen wurden. Einer der Arbeitswilligen wurde am Kopfe und am Arm getroffen. Drei von den Schulknaben gestanden vor Gericht. sich an dem Werfen beteiligt zu haben. Auch andere noch straf- unmündige Knaben hatten mitgeworsen. Es kann als er- wiesen erachtet werden, daß eine Anstiftung der Knaben durch Auö- ständige nicht stattgefunden hat.— Das Gericht sprach die vier Ausständigen frei, da keiner der Zeugen ihnen etwas anhaben konnte. Die drei Schüler wurden auf Grund ihres Geständnisses zur Strafe des Verweises verurteilt. Und wieder christliche Arbeiter und christliche Nnternehmcr. Die Arbeiter der Firma Wintzens, Eisengießerei in Eupen (Rheinpr.), gehören fast alle dem christlichsozialen Metall- arbeiter-Verbande an. Nachdem in den übrigen Bettieben der Metallbranche des Ortes die zehnstündige Arbeitszeit eingeführt worden war, stellte man diese Forderung auch an die genannte Firma. Als Antwort verlangte der Unternehmer, daß die Leute aus ihrem Berbande austräten, und als das nicht geschah, wurden sie jetzt nach vorhergegangener Kündigung von dem Unternehmer ausgesperrt. In den Wcrkstiittcn der städtischen Straßenbahn zu Nürnberg sind Lohndifferenzen ausgebrochen, die einen größeren Umfang an- zunehmen drohen. Zuzug von Metallarbeitern, Holzarbeitern und Sattlern ist fernzuhalten. In geringem Maße kommen auch Maurer, Heizer und Maschinisten in Betracht. Huslaiick. Die dänische Gewerkschaftsbewegung im Jahre 1905. In drei umfangreichen Leitartikeln berichtet Kopenhagens „Socinl-Dcmottaten" über die dänische Gewerkschaftsbeloegung im verflossenen Jahre. Zunächst lvird eine Uebersicht über die Arbeits- losigkcit gegeben, die, obwohl die Bautätigkeit eine lebhafte war, im allgemeinen so groß war wie im vorhergegangenen Jahre. Wie viel die 33 Gewerkschaften, die bis jetzt Arbeitsloscnkasscn eingerichtet haben, für diesen Unterstützungszwcig ausgegeben haben, ist noch nicht festgestellt, wird aber aus ungefähr 500 000 Kronen geschätzt. Verschiedene Kommunen haben auf Grund des Gesetzes vom 20. März 1904 Beiträge zu den Mitteln der„Freien Armenkassen", deren Leistungen nicht als Armenmiterslützung gelten, beivilligt. Diese kommunalen Ausgaben werden zu einem Drittel vom Staat ersetzt. Kopenhagen hat im vorigen Jahre 60000 Kronen bewilligt, und für dieses Jahr stellen die sozialdemokratischen Gemeinde- Vertreter den Antrag, die Summe auf 120 000 Kronen zu erhöhen. Dieses Geld kommt aber nicht ausschließlich den Arbeits- losen, sondern im allgemeinen unverschuldet Notleidenden zugute. Was die eigentliche Aufgabe der Geiverkschaften anbetrifft, so kann das erste Halbjahr als das der Abwehr gegen die Aussperrung--- gelüste der Unternehmer bezeichnet werden. Im Februar kündigten die Zementfabrikante» eine allgemeine Aussperrung ihrer im Arbeits- mannsverband orgniiisierten Arbeiter an; im März drohten die Mgurer- und Zimmenneister in Jütland und den Jnseldistrikten mit einer allgemeinen Aussperrung: im Mai sollten die Hülfsarbeiter der Eisenindustrie soivohl in deir Provinzstädten ivie danach auch in Kopenhagen ausgesperrt loerden, und zur selben Zeit ivollten die Tischlermeister in der Provinz ihre sämtlichen Gesellen auf die Straße werfen. Alle diese AussperrungSpläne, die Folgen geringfügiger Forderungen der Arbeiter waren, wurden jedoch nicht ausgeführt; die Streitigkeiten lvnrden durch Verhandlungen erledigt. Ein großer und langer Lohnkampf fand im zweiten Halbjahr in der Textilindustrie statt. Am 1. Jnli legten 3000 Textilarbeiter und Arbeiterinnen die Arbeit nieder, und in einer Fabrik, wo auch Hntarbeiter tätig waren, schloffen sich diese aus Solidarität den Streikenden an. Der Streik dauerte bis zum 7. Dezember und kostete der dänischen Arbeiterschaft an Streikunterstützung zirka 500 000 Kronen. Der Verlust an Arbeitslohn beträgt gut eine Million und die Unternehmer berechnen ihren Verlust auf 2>/z Millionen Kronen. Der Erfolg des Streiks war ein neuer Tarifverttag, der den Arbeitern und Arbeiterinncii wesentliche Ver- bcfieruiigen bietet. Bemerkenswert und nachahmenswert ist die Opferwilligkcit, init der die organisierte Arbeiterschaft Dänemarks für den notwendigen Unterhalt der Streikenden sorgte, namentlich iveim man bedenkt, daß nebenbei noch 236 000 Kronen für die Unterstützung des Kampfes in der schwedischen Metallindustrie auf- gebracht wurden, abgesehen von weiteren 124 000 Kronen, die für diesen Zweck der Dänische Schmiede- und Metallarbeitcrverband, der in einem GegenseitigkeitSverhältniS zu seinem schwedischen Bruder- verband stehr, allein ausbrachte. Außerdem wurden aber auch noch aus Dänemark Unterstützungsbeittäge an die streileiidc» Bergarbeiter Rheinland-Westfalens. sowie an die Bauarbeiter der Schweiz gesandt. Die Arbeiterschaft des kaum 2>/z Millionen Einwohner zählenden Landes hat also nach besten Kräften für die Unterstützung der kämpfenden Brüder im In- und Auslände gesorgt. In vielen Bernsen wurden ohne Streik Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen erzielt. Ein neuer Tarif kam für die Herrenkonfektions-Arbetterinnen in Kopenhagen zustande, ferner für die Fuhrleute Kopenhagens und für die Straßenbahnangesiellten daselbst. Die Buchdrucker der Provinzstädte haben ebenfalls einen neuen, verbesserten Tarif erzielt, der am 1. Januar in Kraft ge- trete» ist: die Buchdrucker Kopenhagens haben zwar, obwohl ihr alter Tarif abgelonfen ist. noch keinen neuen, doch scheint es, daß es auch hier auf friedlichem Wege zu einer Einigung kommen ivird. Ein großer Teil der städtischen Arbeiter Kopenhagens hat mit Hülfe ihrer Organisation und der starken Vertretung der Arbeiterschaft in der Stadtverordnetenversammlung wesentliche Lohnaufbesserungen erhalten. Ein Streik der Modell- tischler, der nur wenige Tage dauerte und mit teilweisem Erfolg endete, fand in sechs größeren Provinzstädten statt. Ucberraschung bot es, daß diesmal sich die Unternehmerorganisation der Eisen- industtie zu einer Verlängerung des Tarifvertrages von 1902 mit einer kleinen Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der Löhne bereit fand. Diese Unternehmer pflegten sonst immer auf ihre Macht zu pochen und nichts ohne Kampf zu bewilligen. Anker den hier erivähnlen, fanden noch in einer großen Anzahl von Bernsen kleinere Streiks und Lohnbewegungen in verschiedenen Städten statt. Im ganzen waren 4500 Arbeiter am Streik und Aussperrungen beteiligt und zirka 20.000 Arbeiter erlangten Ver- besserunge» und Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen ohne Lohnkampf._ Wie weit die Dreistigkeit der Untcrnchmer gehen kann, zeigt, wie man uns ans Rom schreibt, das Verhalten der Portefeuille- und Rcisekofferfabrik Franzi in Mailand. Dort haben sämt- liche Arbeiter vor etwa einem Monat den Ausstand erklärt, iveil mau drei Arbeiter auf eine falsche Anschuldigung hin entlassen hatte. Der Besitzer Franzi erklärt nun, die Streikenden zu folgenden Be- dingungen wieder anzunehmen: 1. Die Arbeiter verpflichten sich, eine Geldsumme in der Höhe von 14 Tagen Lohn beim Unter- nehmer zu deponieren. 2. Sic nehmen jede Arbeitsordnung des Besitzers an. 3. Sie können ohne Einhaltung der gesetzlichen 14 lägigen Kündigungsfrist entlassen werden. 4. Sie dürfen keinem Verband angehören. 5. Im Streikfall verlieren sie ihr Depot. 6. Keine Zeitung darf sich mit internen Angelegenheiten der Fabrik be- s ch ä f t i g e n; dies hat, auch wenn die Arbeiter nicht dafür verantwortlich sind, Entlassung des Personals zur Folge! Der Unternehmer erklärt, wenn die Arbeiter diese Bestimmungen annehmen, wolle er den A ch t st u n d e n t a g einführen. Es ist das so schlau, als wenn er zu den Arbeitern sagte: laßt Euch den Kopf abschneiden, dann schenke ich Euch eine neue Mütze I Letzte Nacbncbtcn und Depefeben, Bewilligte Teuerungsbcihülfe. Stettin, 11. Januar.(W. T. BO In der heutigen Stadtverordneten-Sitzung wurden 55 000 M. als einmal Ige Teucrungs bcihülfe den Beamten und sonstigen im Dienste der Stadt stehenden Personen mit nicht mehr als 2000 Mark Einnahme bewilligt. Schulden wie ein— Bischof. Kaschau, 11. Januar.(B. H.) Ueber den hiesigen Bischof BubieS soll, nach Blättermcldungen. schnldcnhalber Kuratel verhängt werden. Russische„Wahlbcwegung". Petersburg, 11. Januar.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Vom 23. Januar ab werden Wahlversamm- lungen gestattet werden._ Russische„Wahlbcwegung". Petersburg, 11. Januar.(Meldung der Petersburger Telegraphen- agentlir). Vom 23. Januar ab werden Wahlversammlungen gestattet werden. Vexantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlaa: VorivärtsBuchdr. u.Verlagsanstalt Paul Singer LCo., Berlin LW. Hierzu 3Bcilaaenu.Unlerbalt»nqsblatt Nr. 9. 23. Jahrgang. 1. KkilU kö Lmärls" Sttlintt llolbliktt. Freitag, 12. Januar 1906. Reichstag. u ■17. Sitzung vom Donnerstag, den 11. Januar 1906, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Frhr. von Stengel, Frhr. von y e i n b a b e n. .-.f..,21*! bem2:a9lä0l'b.nun9 steht die Fortsetzung der ersten Beratung über die R c, ch Z f, n a n z r c f o r m und die 5 Steuer- vorlagen. � Reichsschatzselretär Frhr. v. Stengel: « �üsing hat behauptet, ich hätte in meiner Rede vom h'? 0an3c Reichsfinanzrcform würde scheitern, enn Reichstag einen Stein aus ihr herausnehmen würde. «-o wenig vorsichtig habe ich mich nicht ausgedrückt. Ich habe nur Vmogt: wenn Sie einen Stein herausnehmen, riskieren Sie, twchallcndc Heiterkeit) datz die ganze Finanzvorlage scheitert. :~,ei}n dagegen t m beiderseitigen Einverständnis ein ■ v11 bcin®au herausgelöst und durch einen neuen ersetzt (Erneute Heiterkeit) so ist das etwas anderes. In diesem �allc wurde eine Gefährdung der Vorlage meines Erachtcns nicht eintreten. Der Abg. Speck ist dem roten Faden, der sich durch die nanze Vorlage zieht, nämlich der Rücksicht auf die wirtschaftlich ischwachen, leider nicht nachgegangen. Sollten unsere, für kleinere i�rschasten vorgeschlagenen Sätze in der Kommission noch als zu hoch angesehen werden, so würden wir dagegen keinen Widerspruch erheben. Die verbündeten Regierungen haben besonderen Wert darauf gelegt, daß die Quote des Anteils des Reiches an der Erb- schastssteuer ,n jedem Jahre besonders festgestellt werden soll. Von der linken Seite ist nur dem Z 6 des Flottengesetzes eine pro- grammatische Bedeutung für die Finanzpolitik des Reiches beige- legt worden. Auf diesen Standpunkt haben sich auch die Vcr- Irctcr der sozialdemokratischen Fraktion gestellt. Das ist mir— offen gestanden— um so merkwürdiger gewesen, als gerade die sozialdemokratische Partei und auch die freisinnige Volkspartei seinerzeit gegen das Flottengesetz gestimmt haben. lLachen links.) Es ist ferner das Bedenken erhoben worden, dah die Erbschaftssteuer gegen die Reichsverfassung verstoße, weil die Verfassung die Er- Hebung von direkten Steuern für das Reich nicht zulasse. Dem- gegenüber bemerke ich, daß in Preußen die Erträge der Erbschafts- steuer im Etat der indirekten Steuern aufgeführt werden, während in Sachsen die Erbschaftssteuer in Form einer Stempelsteuer er- hoben wird. Ter eigentliche Grund für die gegenwärtige Misere des Reiches liegt nicht in der Verschwendungssucht des Bundesrates, den Hauptgrund dafür, daß wir immer tiefer in Schulden geraten, während in anderen Bundesstaaten die Schuldenlast sich im Laufe der Jahre vermindert, erblicke ich darin, daß es zahlreiche Elemente im Reichstag gibt, die seit Dezennien ihre Aufgabe darin erblicken, jeden ernsthaften Versuch einer nachhaltigen Kräftigung der Reichs- sinanzen zu vereiteln.(Lachen links.) Warum die verbündeten Regierungen zurzeit Bedenken haben, tiefeingreifende Aenderungen der Branntweinsteuer einzuleiten, habe ich bereits in meiner Rede vom 6. Dezember ziemlich klar un deutlich dargelegt. Erst vor einigen Jahren ist nach mühseligen, langen Verhandlungen zwischen den gesetzgebenden Faktoren ein Kompromiß zustande gekommen. dessen Zweck wohl doch kein anderer war als der, dem Brennerei- gewerbe endlich für eine Reihe von Jahren— das Jahr 1912 war ins Auge gefaßt— eine ruhige EntWickelung zu lassen und während dieser ruhigen EntWickelung eine spätere, gründlichere Reform einstweilen vorzubereiten. Ein vorzeitiger Bruch dieses Kompromisses hätte nur das Vertrauen in die Gesetzgebung des Reiches erschüttern können. Damit will ich natürlich nicht jede Reform des Branntweinsteuergesetzes für alle Zeiten aufgeben, nur was die Gegner der Liebesgaben fordern, ist alles andere eher als eine Reform. Von den schweren verfassungsrechtlichen Bedenken abgesehen, würden dadurch tausende von kleinen und kleinsten Exi- stenzen aufs äußerste bedroht werden und zweifellos eine erheb- liche Preissteigerung der Brennereiprodukte eintreten, die gerade von den unteren Schichten getragen und gerade von den Gegnern der Liebesgaben am wenigsten gewünscht werden dürfte. Natürlich hätte ich gegen eine Verteuerung des Trinkbranntweins am oller- wenigsten etwas einzuwenden, wenn er auch im Gebiet der nord- deutschen Brausteuergemeinschaft schon jetzt 16—-LOmal so Hoch belastet ist wie das Bier. Damit gehe ich über zur Braustcuer. Die Belastung des Bieres im Gebiete der norddeutschen Brausteuergemeinschaft sollte ur- sprünglich etwa eine Mark pro Hektoliter abwerfen, der Ertrag der Steuer ist aber alljährlich auf 72—73 Pf. pro Hektoliter zurück- gegangen. Ich bemerke dabei, daß jeder Pfennig,'um den der Er- trag der Bierstcuer pro Hektoliter sinkt, für das Reich einen Ver- lust in brutto von annähernd einer halben Million bringt,(Viel- focheS Hört! hörtl) Es galt deshalb, die Maßnahmen zu erwägen, durch die der Ertrag der Biersteuer mindestens wieder auf die im ursprünglichen Gesetz von 1672 vorgesehene Höhe gebracht werden könnte. Die Tatsache, daß in Norddeutschland bei einer Verdrei- fachung der Produktion die Zahl der Betriebe in den letzten dreißig Jahren von 13 666 auf 6666 zurückgegangen ist, ist nur durch vie niedrige Steuerbelastung erklärlich, die es den Grohbrauereicn er- möglichte, sich zu Riesenbetrieben zu entwickeln. Wenn Herr Abg. Südekum auf die jüngsten Erfahrungen in Württemberg hinwies, so kann ich ihm mitteilen, daß nach einer amtlichen Auskunft, die wir von der königlich württembergischen Regierung erst in aller- jüngster Zeit bekommen haben, die jetzige höhere Staffelung die Erwartungen, die die Regierung auf sie gestellt hat, wenigstens teil- lveise erfüllt. Die Vorteile des Surrogatsverbots werden auch von den Gegnern der Vorlage anerkannt. Dieses Verbot ist meines Erachtens mebr als alles andere dazu geeignet, den Schnapsteufel aus dem Lande zu treiben.(Heiterkeit) vielmehr, als wenn das Bier ein paar Pfennig billiger wird. Bevor ich nun das Bier verlasse, will ich noch einige Zahlen anführen, deren Richtigkeit ich meinerseits allerdings nicht verbürgen kann, die sich aber ni einer österreichischen Fachzeitung befanden. Im Jahre 1963 betrug danach die gesamte Bierproduktion der Welt oder vielmehr unserer Erde, soweit sie statistisch zu erfassen ist. Bill Milliarde Liter Bier. Ich dars wohl annehmen, daß diese Milliarden Liter Bier auch getrunken worden sind.(Heiterkeit.) Die gesamten Biersteuern der Erde betrugen damals 46 Millionen Mark. In England, das lvohl an der Spitze der Bierproduktion der Erde, jedenfalls an der Spitze des Bierstcucrertrageö steht, betrug der Steuerertrag 286 Millionen Mark, das sind 6,82 M. auf den Kopf der Bevölke- rung. Das ist also das achtfache des bisherigen Steuerbetrages in der norddeutschen Braugemeinschaft. Gegenüber England stehen die bereinigten Staaten etwas zurück. Aber sie übertreffen noch immer ,ei weitem unseren bisherigen Biersteuerprozentsatz. Da cS sich igbei auch um einen Bundesstaat handelt, so ist der Vergleich in oiesem Falle ganz zwingend. Wie man angesichts dieser Tat- fachen eine Vernichtung des norddeutschen Braugewerbes in Aussicht stellen kann, ist mir unerfindlich. Nun zum Tabak! ES werden besonders in der Presse Ver- gleiche über die Tabakonsumtion in den Jahren unmittelbar vor und nach dem Jahre 1379, welches uns bekanntlich die gegenwärtige Tabaksteuer brachte, angestellt. Auch damals wurde der Tabak- industrie der Untergang in Aussicht gestellt. Allerdings griff das damalige Gesetz verhältnismäßig viel schärfer als die gegenwärtige Vorlage es will. ein. Wir sind nicht in der Lage, jedem Raucher die Zigarre aus dem Mund zu nehmen,(Heiterkeit) um sie zu zählen. Wir haben nur eine Produktions- und eine Einfuhrstatistik und schließen daraus auf den Konsum zurück. Dieser Rückschluß wird aber nur in normalen Zeiten richtig sein. Ein Wort zum Kapitel der Arbeiterentlassungen. Man hat aus die Folgen des Gesetzes von 1879 hingewiesen und die schrecklichsten Folgerungen daraus gezogen. Aber auch damals hatte man ge- droht, es würden viele Zehntausende von Tabakarbeitern arbeitslos werden; nach Inkrafttreten des Gesetzes sprach man nur von 7666. Aber auch das kann nicht richtig gewesen sein; denn nach der Ge- Werbezählung beschäftigte die Tabakindustrie 1873 116 891 Per- sonen, 1882, wenige Jahre nach Inkrafttreten des neuen Tabaksteuergesetzes 113 246 und 1893 schon 153686 Arbeiter. Was die Löhne der Tabakarbeiter angeht, so sind sie nach einer mir zugegangenen Mitteilung von sachverständiger Seite iu den letzten Jahren ganz erheblich gestiegen. Nur bei den Koutabakarbeitern liegt es infolge der wachsenden Bevorzugung der Zigarre und Zigarette nicht so. Die Steuer auf das Zigarettenpapier wird ebenfalls bekämpft, und es wird gesagt, daß damit den kleinen Zigaretten- fabrikanten die Existenzmöglichkeit genommen werde. Darüber werden wir ja in der Kommission sprechen. Uns ist nur eine Zigarettenpapierfabrik in Deutschland bekannt, und die hat keine Klage erhoben. Bei den Verlehrssteuern handelt es sich in den meisten Fällen um Beträge von 16 und 3 Pf., und es kann doch da von einer Er- schwerung des Verkehrs keine Rede sein. Ein solcher Betrag wird z. B. niemand davon abhalten, zu reisen. Die Ausdehnung der Reichserbschastsstcuer auf Deszendenten und Ehegatten ist mehrfach gefordert worden. Die Herren werden sich erinnern, daß ich schon bei der ersten Beratung die gewichtigen Bedenken, welche die ver- bündeten Regierungen gegen eine solche Regelung hegen, vorgetragen habe. Herr Singer hat gegen die Be- freiung der Landessiirsten von der Erbschaftssteuer gesprochen. Demgegenüber verweise ich darauf, daß diese Befreiung den zurzeit in Deutschland bestehenden Gesetzen sowie den allgemein in Deutsch- land �anerkannten staatsrechtlichen Grundsätzen entspricht. Die Be- vorzugung des unbeweglichen vor dem beweglichen Kapital bei der Erbschaftssteuer entspricht der Tatsache, daß das letztere sich leichter der Kontrolle entziehen kann. Zum Schluß möchte ich Herrn Pachnicke auf seine Anfrage er- klären/ daß die verbündeten Regierungen es mit ihrer Stellung- nähme zu den Beschlüssen des Retchslages in dem vorliegenden Fall genau so halten werden wie bei allen anderen Gesetzen. Sie werden zunächst die Ergebnisse der Kommissionsberatung und die Beschlüsse des Reichstages zu denselben abwarten und dann ihrer- seits wahrscheinlich zwischen der zweiten und dritten Lesung, sich über die etlvaigen Aenderungen, die von feiten des Reichstages vor- geschlagen werden, schlüssig machen. Ich kann meine Aussiibrungen nur mtt dein aufrichtigen Wunsche schließen, daß bis dahin eine Einigung zwischen den gesetzgebenden Faktoren über den vor- liegenden Gesetzentwurf erzielt werden möge.(Bravo I rechts.) Abg. Dr. Patzig(natl.): Eine Verpflichtung. für den großen Bedarf in den Reichsfinanzen, der über 266 Millionen beträgt, irgend wie zu sorgen, erkennen wir natürlich an. Gerade eine gegenwärtig so zeittralistisch geleitete Partei wie die Sozialdemokratie sollte dafür Verständnis haben. Statt dessen hat uns der Abg. Singer in ganz interessanter Weise erzählt, wie er sich die— ich kann es nicht anders sagen— Konfiskation der großen Vermögen zur Ab- schaffung aller indirekten Steuern denkt. Statt dessen will die Partei jetzt nicht einmal an der gegenwärtigen ReichserbschaftS- steuer mitwirke». Dies werden die Arbeiter im Lande nicht verstehen. Diese werden sagen:„Unsere sozialdemokratischen Vertreter müssen unbedingt dafür gestimmt haben". Die Nichtmitwirkung der Sozialdemokratte an der Versicherungsgesetzgebung ist ja aber auch eine Tatsache.(Lachen und Widerspruch bei de» Sozialdemokraten.) Ueber die uns vorgeschlagenen Stempelsteuern wird schwerlich eine Einigung mit dem Reichstage zu erreichen sein. Wie die Stempel steuern auf Pakete wirken, dafür einige Beispiele aus Städten, die leine Warenhäuser haben. I» Hage» würden für Pakete pro Kös>f der Bevölkerung 42 Pf. Abgabe gezahlt werden müssen, in Hannover 76 Pft, in Annaberg 1,74 M.(Beifall bei den National liberalen.) Preußischer Finanzminister Frhr. v. Rhcinbaben: Die Herren Wiemer und Pachnicke haben behauptet, daß die Regierung die sogenannte Liebesgabe nur auftecht erhalte im Interesse der ostelbischeu Brennereien. Die Behauptung muß ich mit aller Bestimmtheit zurückweisen, sie wird auch in der Presse, wie mir scheint, weniger aus wirtschaftlichen als politischen Gründen immer wieder aufgestellt.(Sehr richtig I rechts.) Ich würde es für sehr erwünscht halten, wenn die sogenannte Liebesgabe allmählich beseitigt würde, schon um dieser polilischen Brunncnvergiftung eutgegenzu- treten. Aber durch eine solche Maßregel würden vor allem die kleinen Brennereien in West- und Süddeutschland geschädigt werden. Die unausbleibliche Folge der Aufhebung der sogenannten Liebes- gäbe wäre nämlich eine Preissteigerung, und die würde denen vor allem zugute kommen, die mehr als das Kontingent brennen, Die Brausteuervorlage ist gestern vom Abg. Südekum lebhast angegriffen worden Ich muß aber daran festhalten, daß die Vor- läge durchaus nicht notwendig zu einer Verteuerung des Konsums der breite» Masse führen mutz(Sehr wahr! rechts), daß vielmehr eine geringe Ermäßigung deö Nutzens der Zwischeninstanzen. der Schankstellen, die ganzen Kosten aufbringen könne; denn dieser Nutzen ist in Norddeutschland viel größer als in Süddeutschland. Hier ist die Ausstattung der Bierlokale viel opulenter und werden vielfach ganz unsinnige Mieten dafür gezahlt.(Sehr richtig! rechts.) Brauchen wir denn so viele Schankstätten in Norddeutschland?(Sehr gut! rechts.) Nach einer Statistik von 1964 wurden in Preußen nicht Weniger als 188 237 Gast- und Schank wirtschaften gezählt.(Vielfaches hört, hört! rechts.) Eine Kleinhandelsstelle mit Bier entfiel in Berlin auf 113 Einwohner, in Brandenburg aus 173, in Sachsen auf 177, in Schleswig-Holstein aus 133. in Hannover auf 134, in Hesten-Nassau auf 136 Ein- wohner usw. Wohlverstanden— es sind dabei Frauen, Kinder und Greise miteingerechnet! Reduziert man die gegebenen Zahlen auf die erwachsenen Männer, die doch allein— Don Ausnahmen ab- gesehen(Heiterkeit)— in die Schankwirtschaften gehen, so entfällt bei den etwa 16 Millionen männlicher Preuße» auf je 54 eine Gast Wirtschaft.(Hört I hört! und Heiterkeit rechts.) Selbst, wenn sich diese Zahl etwas verminderte, wenn auf 58 oder 68 oder auch 98 Erwachsene eine Kneipe fiele, geht das Deutsche Reich noch lange nicht zugrunde.(Große Heiterkeit rechts.) Der Abg. Dr. Südekum hat sich auch auf die Broschüre des Profestor Dr. Gustav Struve berufen; ich bedauere nur. daß er ihr nicht weiter in der Frage der Abwälzung der Steuer auf die Kon- suinenten gefolgt ist. Auch Professor Schanz hat hierüber anläßlich der Brausteuererhöhung in Bayern eine sehr interessante Studie ver- öffentlicht. Danach kann von einer allgemeinen Verteuerung des Bieres durch den Steuerzuschlag nicht die Rede sein; nur i» den wohlhabendsten Gegenden war eine Preiserhöhung auch uur vorüber- gehend denkbar, in nicht weniger als 9 Proz. der Betriebe fand sogar eine Preisherabsetzung statt. Der Abg. Dr. Südekum hat des weiteren bestritten, daß eine Aufsaugung ver kleineren und mittleren Brauereien durch die großen stattgefunden habe. Aber nach einer Eingabe de« Bundes kleinerer und mittlerer Brauereien Norddeutschlands ist deren Zahl in dem kurzen Zeitraum von 1873 bis 1963 von 13 361 aus 6332 zurück- gegangen. Zum Schluß möchte ich noch hinweisen auf einen Ausschnitt aus der„Münchener Post", dein offiziellen Organ der bayerischen Sozialdemokratie, der mir in diesen Tagen zugeschickt worden ist, in dem der Etat eines Arbeiters veröffentlicht wird, der ein Ein- kommen von 1366 M. hat. wozu noch die Verdienste der Frau von 176 M. kommen. Unter den Ausgaben befindet stch der Posten: An 286 Tagen abends Bier für den Mann 3 Quart, für die Frau I Quart, zusammen 73,75 M. Ebenso ist noch ein Posten von Bier für Mitlag und Vesper eingestellt, da der Mann dann nicht nach Hause gehen kann. Da tan» man wohl sagen, daß durch die Bier- steuer kein Arbeiter behindert wird, ein->»*»*.—«*-- Omantum' wohl Bier zu trinken.(Heiterkeit.) Es wird immer behauptet, daß die ärmeren Klassen durch die Steuern besonders stark belastet werden. Aus dem erwähnten Etat aber geht hervor, daß der Arbeiter bei einem Einkommen von 1366 M. an die sozialdemokratische Organisation nicht weniger als 86 M. zahlt.(Hört! hört! rechts.) Sapisnti sat! (Für den Weisen bedarf's keiner weiteren Erklärung!) Beifall rechts.) Abg, Graf Könitz(k.): In der Anerkennung, daß Frhr. v. Stengel in den Borlagen eine gediegene Arbeit geleistet hat, sind wir wohl alle einig. Ich möchte aber vor allem wünschen, daß die verbündeten Regierungen sich in Zukunft einer etwas größeren Sparsamkeit befleißigen mögen, sonst können uns die neuen Steuern auch nicht helfen. Die Schuld an der Steigerung der Ausgaben hat der Bundesrat. Im Bundes- rat sind die Herren viel zu höflich gegeneinander(Heiterkeit): Exzellenz hin, Exzellenz her, und schließlich wird alles bewilligt. (Heiterkeit.) Unsere Arbeit würde erleichtert werden, wenn schon im Bundesrat die Ausschaltung ininötiger Ausgaben erfolgte. Ich werde dem Bundesrat einen Rotstift dedizieren und bitte ihn, davon einen recht ausgiebigen Gebrauch zu machen.(Heiterkeit.) Die Herren Singer und Südekum wollen alle indirekten Steuern beseitigen. Herr Raab sprach sogar von dem revolutionären Charakter der indirekten Steuern. Wie steht es denn damit jetzt in republikanischen Staaten wie Amerika, Frankreich, Australien? Der australische Zoll- tarif, der unter dem Einfluß der dort herrschenden sozialdcmo- kratischen Partei zustande gekommen ist, sieht für Tabak siebenhundert Mark pro Doppelzentner vor, während Freiherr v. Stengel nur 123 M. fordert. Für Zigarren werden in Australien sogar 1166 M. gefordert.(Rufe bei den Sozialdemokraten: Getreide!) Getreide macht allerdings eine Ausnahme, weil kein Getreide ein- geführt wird; es kostet 3 M. pro Zentner Zoll. Aber die Mühlen- industrie hat einen Schutzzoll von 16% M.(Hört I hört! rechts.) Ich bedauere, daß es Herrn Jaurös nicht möglich war, in Berlin zu sprechen. Ich würde es gern gesehen haben, wenn wir in einer großen Berliner Versammlung einmal seine landwirtschaftlichen Ansichten über den Schutzzoll gehört hätten, weil er einen Weizenzoll von 236 Frank pro Tonne als unbedingt notwendig be- zeichnet hat, wenn der französische Landwirt überhaupt noch mit Nutzen arbeiten solle. Der deutsche Landwirt ist aber uoch Iveit mehr belastet als der französische, z. B. mit den Kosten der sozial- politischen Gesetzgebung. Die Abschaffung der Zölle und indirekten Steuern würde gerade den deutschen Arbeiter schädigen.(Wider- spruch links.) In Frankreich spielt diese Polemik gegen die Zölle keine Rolle. Zu meiner Ueberraschung sagte Herr v. Rheinbaben, es gebe keine Statistik der Kommunalabgaben; in meinem beschränkten Wirkungskreise habe ich selbst an einer solchen mitgearbeitet. Jedenfalls sind die Kommunalabgabe», zusammen mit den Schul« und Armeulasten, sehr groß. Aber Iveit schlimmer ist die Belastung durch die sozial- politische Gesetzgebung. Sie ist größer als die Last für Heer und Flotte in irgend einem Kulruritaate.(Hört! hört! rechts.) Iu sehr vielen Gegenden zahlen die Arbeitgeber auch noch die Klebemarke für ihre Leute. Bei Gelegenheit dieser neuen Steuern möchte ich dringend daran erinnern, daß uns vom Grafen Posadolvsky bald eine Vereinheitlichung und Verbilligung in Aussicht gestellt ist. Wäre er hier, ich würde ihn fragen, warum uns noch immer keine Vorlage darüber zugegangen ist. Wir haben einen Koloß aufgerichtet, der auf keinem festen Boden steht. Wenn man die Eise'nbahnfahrten besteuern will, so möchte ich vor- schlagen, auch den Straßenbahnverkehr zu besteuern. Es wird dann den Gesellschaften überlassen bleiben, ob sie den einen Pfennig auf das Publikum abwälzen, oder ob sie ihn aus ihren Ueberschüsten zulegen wollen.(Heiterkeit.) Die Große Berliner würde dem Reiche eine hübsche Steuer bezahlen können. Gegen die Erbschaftssteuer habe ich das Hauptbedenken, daß es eine direkte Steuer ist. Statt dessen wünschen wir erstens einen Ausfuhrzoll auf Kohlen. Zweitens sind wir für eine Weinsteuer. Denn in großen Teilen Deutsch- lands ist der Wein nur ein Luxusgetränk. Für teure Weine zu 36. 46 Mark die Flasche könnte eine tüchttge Steuer entrichtet werden. Vor kurzem toar hier in Berlin ein Diner, da wurden nur solche Marken getrunken. ES waren aber keine Land- Wirte, sondern Bankiers, die dieses Diner einnahmen.(Heiterkeit rechts.) Eine Wcinsteuer würde 36 Millionen einbringen. So habe ich auch posittve Borschläge gemacht. Möge man ihnen Folge geben. (Beifall rechts. Frhr. v. Stengel drückt dem Redner, als er die Tribüne verläßt, unter großer Heiterkeit des Hauses die Hand.) Abg. Barbcck(srs. Vp., ans der Tribüne schwer verständlich): Wir bekämpfen von den neuen Steuern insbesondere die Brau- und Tabaksteuer. Wenn man die Fahrkarten besteuert, wird man schließlich wohl auch noch dahin kommen, die Fußgänger zu besteuern.(Heiterkeit.) Die Besteuerung der Quittungen bedeutet nichts weiter als eine Besteuerung der Ordnung.(Sehr gut! links.) Dagegen ist mir die Automobilsteucr sympathisch, soweit sie sich nicht aus Transportautomobile erstreckt. Es existiert eine sehr schöne Einrichtung in Preußen, wonach jeder Prinz ein Handwerk erlernen muß. Ich wünschte, daß diese Einrichtung dahin ausgedehnt würde, daß jeder Prinz eine Zeitlang auch regulär ein Gewerbe betreiben müßte.(Sehr gut! links.) Abg. Gamp(Rp.): Ich persönlich stehe der Erhöhung der Tabaksteuer noch weniger freundlich gegenüber als ein Teil meiner Freunde. Was die Bier- steuer angeht, so betrachtet Frhr. v. Rheinbaben deren Wirkung zu sehr unter dem Gesichtspunkt der großen Restaurants in den großen Städten. Gewisi. die können die Erhöhung der Steuer tragen. Aber wenn wir an die kümmerlichen Erwerbsverhältniste der kleinen Schankwirtschaften im Osten denken, so ist die Steuererhöhung doch recht bedenklich. Man sollte es für die kleinen Betriebe bei dem bisherigen Steuersatze belasten. Herr Pachnicke hat auf einer Versammlung von Mitgliedern der nord- deutschen Brauercigemeinschaft einen Vortrag über die Biersteuer gehalten und lebhaften Beifall gecrntet. Ein Brauer meinte allerdings mit Reckt, man sei nicht zusammengekommen, um die Ansichteii der ReichstagS-Abgeordneten zu hören, sondern um diesen die Meinungen der Brauer darzulegen, und der Abg. Dr. Hermes schloß stch dieser Anffassung an.(Hört! hört! rechts. Zuruf links: Sie bäticn ja auch hinkommen könne» I) Ja gewiß, aber dann hätte ich den Herren keinen Vortrag gehalten. In der Versammlung wurde auch die Beseitigung der Kommunalbiersteucr verlangt, die wohl auch in der Stadt der Intelligenz, Berlin, in Form eines Zuschlages zur Malzsteuer noch besteht.(Zuruf links: Sie ist aufgehoben!> Nun, bis vor wenigen Jahren hat sie noch bestanden. Auf der erwähnten Versammlung hat man die kleinen Brauer nicht zu Wort kommen lassen und sie haben dann unter Protest den Saal verlassen.— Die Erbschaftssteuer halte ich weder für eine direkte, noch für eine indirekt« Steuer. Sie knüpft stch an einen Vorgang, der ein großes Unglück ist, und der unvorhergesehen eintritt. Selbst Herr v- Gerlach wird eS einsehen, daß es unbillig wäre, daß— wenn B. in einer Epidemie vier, fünf Geschwister hinter einander sterben— daß dann jedesmal von neuem die Steuer bezahlt werden muß. Trotzdem bin ich für die Besteuerung der Erbschaften weit- läufiger Verwandten, weil sie gewissermaßen einen Lotteriegewimr darstellen. Sehr schwierig wurde es dagegen sein, die Erb- chaftssteuer für Ehegatten einzuführen, da es sich häufig nicht mehr feststellen läßt, was der eine, was der andere Teil in die Ehe mitgebracht. Wenn auch Schenkungen besteuert werden sollen, so könnien schon aus dem Grunde Deszendenten nicht einbegriffen werden, weil man nicht wissen kann, was Schenkung, was Alimen- tation der Kinder ist. Wenn ferner der Sohn beizeiten Associö des VaterS wird, ivird sich ebenfalls die Höhe der Erbschaft nicht fest- 'tellen lassen. Der Branntwein darf nicht wesentlich höher besteuert ein rtl«»>.» zzir im Osten brauchen die Liebesgabe nicht, aber die Brennereien im Westen und Süden! denn wlr im Osten können de» Spiritus so billig herstellen, daß alle Brennereieu im Süden und Westen ihre Bnde zumachen können. (Hont l hört I links.) Aber ein Spiritusmonopol wäre viel leichter herzustellen, als das Tabakmonopol, welches Graf Kanitz vor- lieschlagen. Ich kann noch eine neue Steuer vorschlagen, die Jnseratensteuer.(Beifall rechts.) Abg. v. Gcrlach(frs. Vg.): Der Schuldenwirtschast muß ein Ende gemacht werden, deshalb sind wir fiir eine kräftige Reichserbschaftssteuer. An eine Ausdehnung der Erbschaftssteuer in den Einzelstaaten, speziell in Preuszen, wäre bei dem elenden Dreiklassenwahlrecht nicht zn denken gewesen. Vor allem wenden wir uns gegen die Bevor- zugnng der Landwirtschaft bei der Erbschaftssteuer.(Sehr richtig I links.) Ich habe mich sehr gefreut, daß Herr Gamp heute dafür eintrat, das Erbrecht für entferntere Berwandtschaftsarade aufzuheben. Im Kanton Uri in der Schweiz existieren Erbschaftssteuern bis 75 Proz. bei entfernten Verwandtschaftsgraden. Festnageln will ich schließlich noch, daß Herr Rheinbaben sich bereit erklärt hat, an eine Aufhebung der Branntweinsteuerliebesgabe heran- zutreten. Er ivollte � es zwar nur ganz„leise" tun, aber loir werden auch diesen leisen Versuch mit Freuden aufnehmen. Herr Raab meinte, die indirekten Steuern hätten etwas Aufregendes. Das halte ich gerade für das erfreuliche an dieser Vorlage, daß das Volk sich einmal eingehend damit beschäftigt, wie eigentlich bei uns Steuern aufgebracht werden.(Bravo! links.) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr. (Borher schleuniger Antrag auf Einstellung eines Strafverfahrens gegen den Slbg. v. Gerlach; kleinere Vorlagen.) Schluß 6>/z Uhr. '.' Druckfehler-Berichtigung. Im gestrigen Reichstagsbericht muß eS in der Rede des Abg. Pachnicke(2. Absatz, Zeile 3 und i) statt „drei Millionen Mark Nationalvermögen"„drei Milliarden Mark" heißen._ Parlamentanfches. Etat der Rcichspost. In der gestern fortgesetzten Beratung der Budgetkommission rügte Abg. v. Jazdzewski die vielen Miß- Helligkeiten, die entstehen durch die geradezu mit fieberhafter Eile betriebene Umänderung der polnischen Ortsnamen in deutsche Namen. Die letzte Nummer des Amtsblattes der Posener Regierung enthalte nicht weniger als hundert solcher Namen. Die Post weist jeden Brief und jedes Telegramm zurück. wenn die alten polnischen Namen auf der Adresse stehen. Der Bevölkerung sind natürlich alle diese Namensänderungen gar nicht oder nur sehr mangelhaft be- kannt, sie leidet also erheblich unter dem heutigen Znstande, den Abg. Singer mit den Worten charakterisierte: er entspreche deni System der Schikane, das gegen die polnisch sprechende Bevölkerung praktiziert werde. Mit dem Mißbrauch der Portofreiheit, der von fürstlichen Verwaltungen getrieben werde, sei aufzuräumen, wie niit der Portofreiheit der Landcsfürsten überhaupt. lieber den Zeitnngstarif entspann sich eine längere Debatte, in deren Verlauf der Staatssekretär übrigens weit vernünftigere An- schauungen vertrat als beispielsweise der ZentrumSabgeorduete Erzberger. Die Kommission nahm alle drei mitgeteilten Resolutionen an.-»'.Heute Eisenbahnetat. Die Revoltttion iu Rußland. Witte für den Absolutismus und den Terror. Petersburg, 11. Januar. Die„Nowoje Wremja" gibt Aeußerungeu des Ministerpräsidenten Witte wieder, wonach das Mainfest vom 30. Ottober die selbstherrlichen Rechte des Kaisers in keiner Weise schmälere. Witte sprach sodann die Ueberzeugung aus, daß die aus der Mandschurei zurückkehrende Armee die Wiederherstellung der Ruhe im Innern bedeutend fördern«verde. Demoralisiert seien nur die Truppen iin Rücken der Armee(etlva 30 Proz.), die Mandschurei- Armee dagegen(70 Prozent) sei gut diszipliniert und zuverlässig. Petersburg, 11. Januar. Graf Witte erklärte anläßlich des Empfanges einer Abordnung, daß nicht er, sondern der Minister des Innern, Durnolvo, auf die Nottvendigkeit hinlveise, die jetzigen Repressalien aufrecht zu halten. Früher habe er das Vertrauen des Volkes gesucht, aber eine solche Illusion sei nicht mehr möglich. Er sei ein Gegner der WiedervergeltungSpolitik geivefen, aber er sehe sich heute in die Notlvendigkeit versetzt, sich a u f e i n e solche z u st ü tz e n. Witte fügte hinzu, er Ivisse jetzt, wie er Rußland retten könne. Aus den Ostseeprovinzen. Riga, 11. Januar. Der aus London hier eingettoffene Dampfer der Reederei-Firma Helmsing u. Grimm,„Michael", ist ü« die Hände der Revolutionäre gefallen. Dieselben b e«n ä'ch t i g t e n sich der auf dem Schiffe befindlichen Waffen.— Die Verhaftungen von Revolutionären dauern fort. Oberst Wrangel ist mit Gardekürassieren und Kavallerie nach Lemsal in Livland abgegangen,«velcheS sich in den Händen der Revolutionäre befindet. Petersburg, 11. Januar. In Rieschiza nahmen gestern die Truppen l-", Lettenführer gefangen, außerdem ist einer erschossen; der Hauptsührer Granid entkam. Die Gemüter beginnen sich zu beruhigen. In Riga tvurde in voriger Nacht in der Hospitalstraße ein durchziehendes Bataillon aus drei Häusern beschossen. Von den Truppen wurde das Feuer erwidert: 13 Personen wurden verhaftet. Bei der darauf folgenden Haussuchung wurden Waffen gefunden. Die Aufständischen haben im Kreise eigene Wertzeichen mit dem Bildnisse eines Führers in Umlauf gesetzt. Die Stadt T e m s a l im Kreise Wolmar ist von Truppen des Gelterals Orlolv eingeschlossen. Der Aufstand im Kaukasus. Odessa, lt. Januar. Die Nachrichten aus dein Kaukasus lauten sehr alarmierend. Sämtliche Städte im Küstengebiete befinden sich in hellem Aufruhr. In N o>v o R o s s i s k sowie in Poti haben die Revolutionäre eine eigene Regierung eingesetzt. Dieselbe verfügt über mehrere Dampfer sowie über die Eisenbahn. Alle Frachten, die über diese beiden Städte gehen, tragen den roten Stempel der neu eingesetzten Regierung. Vor Notvo R o s s i s k ist der Panzer„RostiSlaw" eingetroffen, der die Stadt bombardiert. Das Blutbad in Moskau. Ein dänischer Journalist und Parteigenosse sendet uns aus Moskau vom 31. Dezember eine Schilderung des furchtbaren Blut- bades und der schändlichen Verwüstung, die die Schergen des AbsolutiSinuS am selben Tage in dein Arbeiterviertel der Stadt vollführten. „Moskau," so schreibt er,„hat einen Schreckcnstag erlebt, dessen Blutvergießen und Grausamkeit alles übertreffen, was bisher iin Laufe der russischen Revolution geschehen ist. Die Militärdiktatur hat an diesem Tage einen Schurkenstreich vollführt, dessen Roheiten die russische Staatsmacht und das russische Militär von jeder Geineinschaft«nit der zivilisierten Welt ausschließen«nüßtcn." Es folgt dann eine Schilderung des Schauplatzes und der Eni- Wickelung der blutigen Ereignisse. Dann heißt es weiter: „Lei meiiier Ailkunft in Moskau hatte die Artillerie schon mehrere tagelang PräSuenski(das Arbeiterviertel) heftig beschossen. aber ohne Erfolg. Seit ich hier bin, habe ich Tag und Nacht Kanonendonner gehört, und tS war für ganz Moskau ein Rätsel, «vie die Arbeiter dem modernen Belagerungsfeuer über eine Woche lang standzuhalten vermochten. Etwas ähnliches hat die Welt noch in keiner Revolution gesehen. Vermutlich hat es die Eitelkeit der Offiziere verletzt, daß sie sich so lange vergebens mit diesen befestigten Fabriken beschäftigen sollten, und die militärischen Schurken, Stachelberg und Mistschjenko an der Spitze, haben dann den mangelhast bewaffneten Arbeitem gegenüber gierig die Parole ergriffen, die Dubnssow gestern ausgab: Schafft mir die Arbeiter heraus aus Präsuenski, tot oder lebend! Mit dieser Parole wurden heute, Sonntag, den 18. Dezember russischen Kaleirders, Westeuropas Silvestertag, die Schrecken von Präsuenski eingeleitet. Auf der Ebene Nordwest von Moskau, wo seinerzeit bei der Krönung Nikolaus II. 5000 Menschen zertrampelt wurden,«vurden jetzt verstärkte Batterien schwerer Feldgeschütze aufgefahren, und auf der südlichen Seite von PräSuenski zwischen Sodowaja und dem Lauf des Flusses wurden ebenfalls Kanonen uiid Maschinengeschütze aufgestellt. Um 5 Uhr morgens wurde dann ein mörderisches Feuer gegen den ganzen eingeschlossenen Stadtteil eröffnet. Moskaus Einivohner erivachten und veriiahmen mit Schrecken diese Kanonade, die an Heftigkeit das tägliche Schießen, an das man sich allmählich gewöhnt hatte,«veit übertraf. Vor spät am Nachmittag, nachdem die Kanonade zlvischen 3 und 4 Uhr eingestellt tvorden war, ahnten jedoch wenige, welche unglaublichen Mördereien Dubassows und Wittes Büttel angerichtet hatten. Das Niedrige im Auftreten des Militärs liegt darin, daß man sich nicht darauf beschränkte— direkt mit den Arbeitern zu kämpfen und die befestigten Fabriken und Gebäude allein zu beschießen oder zu stürmen, sondern den ganzen Stadtteil ohne Unterschied schonungslos bombardierte, ohne Rücksicht auf irgend eines Menschen Leben und irgend welche Werte. Die Militärbehörden behaupten, daß sie den unbewaffneten Bewohnern des Viertels„eine kurze Frist" zum Ver- lassen der Häuser gegeben hätten; aber das ist eine feige Lüge. Alles, lvas sie der Form wegen taten,«var, ein paar Patrouillen nach den nächsten Straßen zu senden, mit der Botschaft, nun solle alles niedergeschossen werde»; aber sie ließen sich nicht Zeit, das Fortkommen der wehrlosen Einivohner abzuivarten. Während eine allgemeine Flucht erst begonnen hatte,«vurde das Feuer eröffnet, und die Flüchtenden«vurden niedergeschossen «vie Hllnde, als sie ihre Wohnungen verließen. Die meisten schliefen, als die Kugeln durch die Fenster zu fliegen begannen und die Granaten die Dächer der Häuser zer- splitterten. Entsetzt erwachten sie und stürzten hinaus auf die Straßen, um sich zn retten,«vurden aber von einem Kugelregen empfangen, so dicht, daß nahezu alle rettungslos verloren«varen. Viele flüchteten in bloßem Hemde und lagen im nächsten Äugenblick blutend auf dem Eis und Schnee der Straße. Frauen liefen mit kleinen Kindern auf dem Ann, und glückte es ihnen, sich selbst zu retten, so geschah es«vohl, daß das Kind blutend in ihren Armen lag,«venn sie außer sich vor Entsetzen aus dem Stadtviertel hinaus kamen.-- Vor 8 Uhr morgens stand der größte Teil deS Stadtviertels in Flanunen, natürlich vor allen« die Straßen mit den aus Holz aufgeführten Hänsern. Mit rasender Geschwindigkeit pflanzte sich hier das Feuer von HauS zu HauS fort." Zum Schlüsse berichtet der Verfasser,«vie er mit einigen russischen Studenten von der Dachkammer eines Hauses aus die Stätte des Schreckens überschaut: „Wir Vier starren hinaus und keiner spricht ein Wort. Aber ein Student legt seinen Arm auf meinen Rücken und sein Haupt sinkt herab auf meine Schulter; sein langes schivarzeS Haar ver- «vickclt sich in die Knöpfe«neineS Nockes, lvähreud er lvcint."— Nach dieser Schilderung begreift man, daß. wie bürgerliche Korrespondenten aus Moskau berichten, die revolutionäre Erbitterung in Moskau heute viel furchtbarer ist, als vor dem Blutbad des 31. Dezember!—__ Hus der partci» Gegen die„Rcvolutivnsroinantik" «vettert nun auch der Hirsch-Dlinckersche„Gelverkverein" in einem Artikel, der die Debatte in unserer Parteipresse über diese Frage dtirch Auszüge lviedcrgibt: Ans eigenen, sagt der„Gelverkverein": „In Deurschland bedarf die Arbeiterschaft des politischen Massenstreiks nicht, um sich politische Rechte zu erkämpfen. Dazu bieten sich ihr viel ungefährlichere Waffen. Die Arbeiter brauchen i» den reichSdeutschcn Staaten, die ihr Wahlrecht verkürzen, nur diejenigen bürgerlichen Parteien bei den Wahlen' zu u n t e r st ü tz e>,, die allezeit ehrlich für de» Ausbau des Wahlrechts gestritten haben. Hätte die Sozial- demokratie diese Taktik befolgt, so besäße die preußische tv i e s ä ch s i s ch c A r b e i t e r s ch a f t l ä n g st ein besseres Wahlrecht und hätte es jetzt nicht nötig, mit den Bciiicn auf den Straßen zu demonstrieren und sich«nit den Schutzleuten herunizuprügeln." Der„Gelverkverein" würde sich ein Verdienst— nicht um die Arbeiterbewegung oder eine politische Partei— aber um die spätere Geschichtsschreibung erlverben, wenn er auch nur eine bürgerliche Partei nennen Ivollte,„die allezeit ehrlich für den Ausbau des Wahlrechts gestritten" hat. Da die Arbeiterschaft allein ein Interesse an der Ausdehnung des Wahlrechts hat, steht sie in dem Kampfe um dasselbe auch ohne Hülfe, glücklichcttveise aber uich« hülflos da. ES spricht für die jeder Romantik abholde, kühle und über- legende Art des deutschen, speziell deS Berliner Arbeiters, daß der- selbe jedem Techtel-Mechtel besonders mit dem«veiblichen Freisinn aus dem Wege geht, der seinerseits trotz dieser Ablehnung immer «viedcr kokette Blicke nach einem so«villkommcnen Liebhaber«virft. Der Hecht in, Karpfenteich. In Estenfeld bei Würzburg«vurde bei der letzten Gemeindeivahl ein Sozialdemokrat mit in die Gemeindeverwaltung gewählt. Zttin «var es mit der idyllischen Ruhe, die bisher auf der Ratsstube ge- herrscht hatte, vorbei. Der unbequeme Nörgler verlangte u. a. auch eine genaue Abrechnung von dem Gemeindekassierer Walz, einen, strammen Zenirumsmann und großen Sozialistcntöter. Der Gute tat enttüstct, aber unser Genosse ließ nicht locker und steckte seine Nase in alles, zuletzt sagte er dem Kassierer auf den Kopf zu, daß er seit vielen Jahren Gemcindegelder unterschlagen und für sich ver- braucht habe. Die Antwort«var eine Beleidigungsklage, deren Ergebnis jedoch der Herr Kassierer nicht abivartetc: er ist jetzt bei Nacht und Nebel verduftet. Die ziemlich umfangreichen Unterschlagungen haben sich nun evident herausgestellt. Wäre der Sozialdemokrat nicht in die Verwaltung gewählt worden, so hätte der ungetteue Kassierer sein Unlvesen noch lauge«veiter treiben können. Bei der Stadtverordnetcnstichwahl zu Burg bei Magdeburg wurden die Kandidaten der Sozialdemokratie, die Genossen Blum- tritt und Stollberg gegen die bürgerlichen Parteien mit«45 gegen«33 Sttmmen nach heißem Kampfe gewählt. Personalia. Genosse Max Schneider ist aus der Redaktion der Chemnitzer„Volksstimme" ausgeschieden. Er siedelt nach Straß- bürg im Elsaß über, Ivo er in die Redaktion der„Freien Presse" eintritt.— Genosse Hans Block tritt aus dem Redaktionsslab der «Sächsischen Arbeiterztg." aus, ebenso der den Berlinern bekannte Genosse Mermuth ans der Redaktion der„Remscheider Arbeiter- zeitinig". Beide treten in die Redaktion des„Vorwärts" ein. Ron«, 8. Januar.(Eig. Ber.) lieber die Streitfrage in d e r r ö m i s ch e n P a r t e i o r g a n i s a t i o n, die sich an die letzten Stadtwahlen knüpfte, hat die Organisation ein Referendum angesagt, dessen Ergebnis heute bekannt gegeben«vurde. Wie erinnerlich, hatten mehrere römische Reformisten, gegen den Beschluß der Parteimehrheit, die Liste der Parteikandidaten mit Namen von antiklerikalen Liberalen ergänzt. Als die Organisation dies als Disziplinlosigkeit tadelte, hatten andere Reformisten sich auf die Seite der Getadelten gestellt und ihnen öffentlich ihre Solidarität ausgesprochen. Darauf beschloß die Versammlung der Unione Soz'ialista den Ausschluß aller dieser Frondeure aus der Partei. Da der Beschluß nicht mit den statutenmäßigen Garantien gefaßt«vorden «var, annullierte ihn der Parteivorstand und«vies die Sache an die Unione zurück. Diese, der es«vegen der zerrütteten Parteiverhältnisse in Rom so gut wie unmöglich ist, 3li der Genossen in einer Ver- sammlnng zu vereinigen, befragte daraus alle eingetragenen Mit- glieder durch Referendums Das Ergebnis, das nicht offiziell bekannt gegeben«vurde, soll nach vorläufigen Mitteilungen das folgende sein: Von über 800 Mitgliedern waren nur 475«vahl- berechtigt,«veil nur sie mit ihren Zahlungen an die Zeniralkasse auf dem Laufenden waren. Nur 342 machten von ihrem Recht Gebrauch und zwar erklärten sich 202 für die Ausschließung, 126 dagegen, 13 enthielten sich. Die Ausschließung ist somit beschlossen, lvas der Parteileitung eine eigene Lage schafft, da sich unter den Aus- geschlossenen Genosse B i s s o l a t i befindet, Mitglied des Partei- Vorstandes und Abgeordneter, ferner M ongini, Sekretär der Vor- standes. Im ganzen trifft das Votum einige 20 der bekanntesten Reformisten, so Ca s sola, Gasi, Piva, Merlau i und einige Angestellte in der Administration des„Avanti". Wenn das Refe- rendum, statt einzig die Frage der Ausstoßung zu stellen, die der Suspendierung für ein Jahr eingeschlossen hätte, dürfte sich für diese lveniger radikale Maßregel eine Mehrheit gefunden haben. polireiticdes, Sericbtlicbes utw. Ein Preßprozeß, der ein öffentliches Jntereffe bot, be- schäftigte am Mittlvoch das Hallesche Schöffengericht. Es klagte der Inhaber der Firma Otto K u n a u in Hamburg (Vertreiber der amerikanischen Strickmaschine„Bienenkorb") gegen den vcrantlvortlichen Redakteur des„Volksblatts" Genosien Molken- b u h r«vegen Beleidigung. Beklagter hat dem Privatkläger vor- gelvorfen, dieser habe die Käufer seiner Maschinen durch ein Inserat des„Volksblatts" getäuscht; die Abnehmer «vären einem Schlvindel zum Opfer gefallen. Im Herbst vorigen Jahres wurden fast in der gesamten deutschen Presse die Maschinen jener Firma bei Barzahlung für einen Preis von 150 M. unter der Garantte inseriert, daß man pro Tag damit bequem 5 M. verdienen könne und die Firma die gestrickten Waren aufkaufe. Auf das„verlockende Inserat" fielen Tausende hinein, und in Hamburg, Berlin und in anderen Großstädten fanden Protestkundgebungen„armer Hineingefallener" statt, die die Reklame in Resolutionen als Schwindel bezeichneten und den Staatsanwalt von Hamburg um Einschreiten ersuchten. Der Vertreter des Herrn Kunau»«achte sich die Reinigung seines Klienten sehr leicht, indem er sagte: auch einen Menschen, der gestohlen habe, dürfe man nicht als Dieb bezeichnen. Genosse M o l k e n b u h r bot den WahrheitSbelveis für seine Be- Häuptling an, und das Gericht beschloß, Zeugen und Sachverständige zu vcrnchnien bezlv. die Untersuchungsakten gegen den Privalkläger vom Hamburger Staatsanwalt einzufordern. Die Sache mußte des- halb vertagt«verde». Hätte der Privatkläger geschlviegen, wäre er ein Weiser geblieben. Ausgewiesen aus Metz«vurde am 10. d. M. der Italiener Catenzati,«velcher sich feiner Landsleute in allen gewerkschaft- lichen Fragen annahm. Er«vurde von der Arbeit weggeholt und innerhalb einiger Stunden als lästiger Ausländer an die schiveizer Grenze nach Basel gebracht. Dies ist der dritte derartige Fall in einem Jahre. Bei den Grubenbaronen des Lothringer Bergreviers dürfte die Freude darüber jedoch nur von kurzer Dauer sein; dafür wird die dortige Arbeiterschaft, bei welcher der Ausgewiesene großen Anhang hat, schon sorgen. Hus Industrie und Handel. Das Gespenst einer Kohlennot. Noch vor einigen Wochen sträubte sich das Nh.-Westf. Kohlen- syndikat, jede Fördereinschränkinig aufzuheben. Man war also der Ansicht, daß die Produktivkräfte die Absatzmöglichkeiten überragten. Mittlerweile ist kaum etlvaS geschehen,«vaS die Lage auf dem Markt «vesentlich hätte verschieben können. Nun aber«Verden plötzlich die Konsumenten mit dem Gespenst einer Kohlennot geängstigt. Die „Köln. Ztg."«veiß zu berichten, zlvischen dem Kohlensyudikat und der Hamburg-Amerika-Linie und dem Norddeutschen Lloyd seien Ver» einbarungen dahin zustande gekommen, daß zunächst für den Januar beide Gesellschaften auf Ansuchen des Syndikats auf einen Teil der vertragsmäßigen Kohlcnliefernngcn verzichten und für den Ausfall auf dem englischen Markt Deckung suchen. Das Syndikat mutz die Preisunterschiede vergüten, soweit höhere Preise in Frage kommen. — Nach einer Mitteilung der„Köln. VollSztg." hat das Syndikat bei dem Bochumcr Gutzstahlverein große Bestellungen für Eifenbahulvagen gemacht, um die Zechen gegen den Wagen- Mangel zu schützen.— Das Syndikat, das sonst«vohl sehr schweigsam sein kann, sorgte dafür, daß alle Welt von einem Schreiben an seine Abnehmer Kenntnis erhielt, in Ivclchem mitgeteilt wurde, daß alle Ansprüche lange nicht befriedigt «Verden könnten. Ja eS«vurde sogar mitgeteilt, das Syndikat sei in seinen Erwartungen in bezug auf die Leistungsfähigkeit der Gruben enttäuscht. Alle solche Mitteilungen wirken darauf hin. bei den Abnehmern die Befürchtung zu erlveckcn, es könnte eventuell eine für sie unangenehm werdende Kalamität in der Kohlen- Versorgung eintreten. Diese Befürchtungen lösen naturgemäß das Bestreben aus, durch große, langfristige Abschlüsse sich gegen solche Kalamitäten zu schützen. WaS mag nun solcher Mitteilungen Zweck sein? Wir wollen hier nur an einen ähnlichen Vorgang erinnern, der sich vor fünf Jahren zutrug. Damals war auch das Gespenst einer drohenden Kohlennot hervor- gezaubert worden. Die Angst vor einer solchen«vurde iiickft vermindert durch eine feierliche Erklärung deS Abgeordneten Hilbck, das Syndikat werde die Kohlenkiiappheit nicht künstlich steigern. Die Eisenbahnverwaltung schloß einen neuen LieferungS- vertrag niit dem Syndikat zu den damaligen hohen Konjunktur- preisen. Die Abnehmer suchten Deckung durch große Ablchlülse und auf einmal war von Knappheil keine Rede mehr, das Syndikat koniite Produktionseinschränkungen festsetzen. Große Abschlüsse zu guten Preisen waren hereingebracht, viele Abnehmer mußten größere Mengen abnehmen als sie konsumieren konnten. Bon der Geißel der Schutzzoll- und Syndikatspolitik. Unter denen, die zum Sänitze der deutschen Industrie und Volkslvirtschaft am lautesten nach Schutzzöllen riefen, gehörten die Papiersabrikanten. Ohne Zölle sollte angeblich die deutsche Industrie der Auslands- konkurrenz nicht gclvachsen sein. Tatsächlich dienen die Schutzzölle also dazu, auf dem Jnnenmartt ein Monopol zu erhalten und der VerarbeitungSiiidnstrie durch billige Auslandspreise ftir Rohmaterial den Export zu erschweren. So hat das Papicrsyndikat den deutschen Abnehmern jetzt für neue Abschlüsse höhere Preise vorgeschrieben, «vährend eS ausländischen Beziehern herabgesetzte Preise kodi ziert. An Hand einer Originalofferte«vird dein„B. T." darüber u. a. ge- schrieben:. „Der hier offerierte Preis beträgt im Höchstfälle 1« Ps. per 1 Kilograuwi franko HauS London, lvährcnd augenblicklich in Deutschland Druckpapier unter 22 bis 23 Pf. per 1 Kilogramm kaum zu haben ist. Da der deutsche Druckpapierzotl sim jetzigen wie auch im neuen deutschen Zolltarif) 6 M. per 100 Kilogramm beträgt, so hat also die Preisdifferenz zwischen In- und Auslandspreisen bereits den vollen Zoll überschritten. Eine deutsche Fabrik, die solvohl Druckpapier wie auch das für die Buntpapierindustrie nötige Rohpapier herstellt, gab der oben erwähnten Buntpapierfabrik betreffs der Preisherabsetzung von deutschem Druckpapier in Londoit die offenherzige Erklärung, daß der Verband deutscher Dnlckpnpierfabriken den Preis im Aus- land niedriger stelle, um ein möglichst großes Ouantum dahin absetzen zu können„und den Preis im Attslandc nicht drücken zu lassen". Hier wird also offen eingestanden, daß der Schubzoll nicht not- wendig ist, um den Auslandskonkllrrenten die Eroberung des deutschen Marktes unmöglich zu machen, sondern daß der Zoll dazu bestimmt ist. auf Kosten der Weiterverarbeitung den deutschen Markt zu monopolisieren. So gestaltet sich in der Praxis der Schutz der nationalen Arbeit durch Zoll- und Syndikatspolitik. „Lohisifftcigcrung für Aktionäre. In der Aufsichtsratssitzung der Hamburg- Amerika- Linie wurde mitgeteilt, daß der nach Absetzung sämtlicher Uitkosten zur Verfügung bleibende Reingewinn des ver- flosseueii Jahres nach vorsichtigen Schätzungen sich auf etwa 35 Millionen Mark(im Vorjahre auf 27 800 000 Mark) belaufen wird. Die Verwaltung beabsichtigt vorzuschlagen, von diesem Be- trage 11 Millionen Mark zur Auszahlung einer Dividende von 11 Proz.57/62. Täglich geössnel von 7 bis> Uhr. (Irania Abends 8 Uhr; Am Golf von Neapel. Hörsaal 8 Uhr: Ingenieur Kellner: Gewinnung des Roheisens. Sternwarte ,n,'alldeR- «tr. 57/02. astans fanoptikmn Fried rlchstr. 165. Ohne 8xfra-Snfree. H Heute und folgende Tage: Zum ersten Kaie in den Räumen der!. Elane: Berliner Theater. Ansang VI, U h r. lüdle* Blut. Sonnabend Gastspiel der Oper des Theater des Westens: Der Opernball. Sonnlag nachm. 2', Uhr: Hamlet. Abends VI, Uhr Gastspiel der Oper des Theater des Westens: Die Fledermaus. Montag: Kaan. Heues Thealer. Ansang 7'/2 Uhr. Liebcöleutc (Amants). Sonnabend, Sonntag, Montag: Lin Sommernachtstraum. Kleines Theater. Wends 8 Uhr: Ghetto. «onnabcnd: Zwei Stilpe-Komödien. Zentral-Theater (Operette). 8 Uhr: Die Glocken von torneville. 65 Eingeborene Männer, Weiber und Kinder. Fintritt 5« Ff. Luisen-Theater. Zum erstenmal; Die lustigeü Mer von Winiisor. Soimabciid: Tie lustigen Weiber von Windsor. Sonntag nachm.: Die Waise auö Lowood. Abends: Die lustigen Weiber von Windsor. Montag: Der Kaufmann v. Venedig. Abends 8 Uhr: Prinzeß Rostne. Hieraus: Tic erftklaffigcu Spozialitäte» mit ZLstsukuma liigsshi Meister der Selbliverlcidigimgslchrc «Im-tfltisu. Sonntag nachm. 3 Uhr: Berliner Luft und Spezialitäten. Metropoi-Theater Anfang 8 Uhr. .1 Große Jahresrevue mit Gesang u, Tans in 9 Bildern v..lul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Hauchen in all. Räumen gestattet. Guslav Behrens Spezialitiiten- teter Frankfurter- _ Allee 85. Vollständig neues Januar-Programm. " Willy Fernando, der berühmte Doppcl-Kunstbläser. Mr. Ginley mit seinem Wunder- • Hund. MpiiT Eier-WaSly. HUUl Posse mit Gelang. 25 SUte-SpeziaUtäten. Hch iller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallucr-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: X-wei glücltlichc Tage. Schwank in 4 Akten von Franz v. Schönihan und Gustav Kadclburg. Sonnabend, abends 8 U h r: Zum erstenmal: Oehor nnserv Kraft. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Vera. Sonntag, abends 8 Uhr: Zwei eitickUeho Taje. Zirkus Albert Schumann Heute Freitag, den 12. d. MtS., abends präzise 7>/. Uhr: Extra-Vala-Vorsitelluns. Sensatioiielle Novität! Alirsa- Qoletn- Truppe 9 Personen, Original-Kaukasier. Ferner: DaS anerkannt vorzügl. Pro- gramm u. sänltl, Clowns v.'Auguste mit ihren neuesten urkom. CutrecS. Zum Schluß 1 Zum 22,.Male: Die diesjährige grolle Ausstattungs- in 7 Abteilungen: Femilla, das neue Jrauenreisb. Eutworscn und aus das glänzendste � inszeniert vom Dir. Aid. Schumann. i Besonders hervorzuheben: Im 3. Akt: Im Palast der Präsidentin. Im 5. Akt: Das Sporltest der Damen.— Ferner: Tie märchenhaft schöne Schluß- Apotheose! Sonntag: 2 Vorst. Nachm. 3'/, Uhr: Fin Kind krei. Abds. 71/, Uhr: Femina. In bcid. Borst.: Mirra Golem-Truppo. Schiller- Theater N.(Frledr.-Wilh. Th. Freitag, abends 8 Uhr: Kau». Drama in 3 Ausz. von Max Dreher. Sonnabend, abends 8 Uhr: Kau». Sonntag, nach m. 3 Uhr: Craluquvdüle. Die Bäuerin. Abschied vom Regiment. Sonntag, abends 8 Uhr: Iber V«;IIrllrufrc>»»rr. Lustspielhaus. Mends 8 Uhr: per Weg M ijöllr. Walhalla Theater Nach Afrika nach Kamern«! Ausst.-Posse mit Ges. u. Tanz in KBild. Ans. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. FoHss Caprice. Budapesfcr Possen-Theater 132 Linienstr. 132, Ecke Frledrichstr. Zum 117. Male: Xach dem Zapfenstreich. Vorher: Soll und Haben u. d. ausgezeichnete Spczialitätenteil. Anlang 8 Uhr, Vorvcrk. tägl. b. Werlheim u. au der Theaterkasse v. 19 Uhr vormittags an. In Vorbereitung: Der Beheme. ; Passage-Tlieater. j Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. ; Walter Steiner Humorist. Acosta Kraft-Jonglcur. . Itnddhas Tafel prolongiert, J 14 neue erstklassige Nummern, j Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstratze 58. Heule Freitag, den 12. Januar er.: UpbsI Acosta. Trauerspiel in 5 Ausz. v. St. Gutzkow. Ans. 8 Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. Billelt-Borverkaus von 19—2 Uhr an der Theaterkasse. Sonnlag nachm.: Uriel Acosta. Abends 7 Uhr: Bummelfritze. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Komiseber Gala-Abend. SV Zum 54. Male:"Mik Die neueste und gröBte Sehens- j Würdigkeit Berlins: � Indien. ♦ Orig.-Pantomime des Zirkus Busch in 8 Bildern. Besonders hervorzuheben; SV Eine Tigerjagd in den Dschungeln Indiens.'VQ Ferner: Elefanten-Kämpfe. Sensationell! Sensationell! Tlr. Horton Sinltli, Amcr. berühmtester Pfordebändiger. U. a.: Die gefährliche Fahrt durch die Teufelsbrllcke bei Rauch und Feuer.— Die ital. Reiterfamilio Cardinale, die berühmt.Manege- komiker Rappo u. Reade, Signor Magrini. Zwergclown Francois,! Herr Ernst Schumann, Orig.-t drossuren und dio vorzüglichsten Programm-Nummern. T rianon=Theater. Ansang 8 Uhr. Die Wetterfahne. Sonntag nachm.: Die herhe Frucht. Residenz-Theater. Dirchtion: Richard fllcxandcr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwank in 3 Akten von L. Xanros und I. Chancel. Sonnlag nachm. 3 Uhr: Herkulespillen.__ ieutseh-Amerilaniselies Ttieater. Köpenlckerstr. 67,68. Jen. Abd. 8 Uhr: JPJP" Gastsoiel Ad. Philinp. ER""d ICH Sonntag nachmittag 3 Uhr: Halbe Preise! „IJebcr'n groBcu Teicli". Carl Welfi-Theaier. Gr. Frauksuricrstr. 132. Täglich abends 8 Uhr Die lebende Brücke auf Kuba. Sensationelles amerik. AnsstattungS- stück mit Ges. u. Ballett in 7 Bildern von James Fox, Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder- Vorstellung, kl. Pr.: Hansel u. Grete!. Palast-Thealer Burgstr. 24, 2lNin.v.Bh.Börse. Täglich 8 Uhr. Entrce 50 Pf. Da? Siesen-Jattuar-progratm«. «- 3 Härders,. ehemal. Mitgl. d. Hegelmami-Truppe. I'ke varetts, urkomische Pantouiimisten. Paula« Beickte, Burleske von W. Gericke, u. IL erstklassige Nummern. Familienkarten in allen Barbier-, Friseur- u. Zigarrengeschästen solvie im Theaterbureau unentgeltlich zu haben. Romische Oper. Frledrichstr. IDI/tGla. Freitag, 12. Januar, abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzäiiltingen. Sonnabend; Die Bohäme. Sonntag nachmittag 3 Uhr bei er- »läßigteu Preisen: Die Boheme. Abends 8 Uhr: Hofimanns Erzählungen. Montag zum erstenmal: Der Dorre- gidor____ Otto Reutter. Ktein-Familie, Kunstradfahrer. Ernst Perzina, dressierte Affen. Lola Hawthorne, Elmo u. Recco, aÄXhe Yuiian Familie, Akrobaten. Die drei Holloways, Sfei1" Gebrüder Schwarz, parodisten. Die Meininger, Hundepantomime. „In Schottland", Divertissement. Burke, Andres u. Frisco's�nT Der Biograph„Rückkehr vom Ball". W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brimnenstr. 16. Maria Stuart. Schauspiel in 5 Akten von Friedrich v. Schiller. Ansang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Sonnabend: Keine Vorstellung. Sonnlag: Eine Heirat per Dampf. Ans. 7 Uhr. Entrce 39 Ps. bis 1 M. Kasitio-I'keatei' Lothringcrstr. 37. Täglich 8 Uhr. Die goldene Brücke. Schauspiel in 3 Akt. v. R. Skowronneck. Im Neuen Theater z. Z. nr. sensation. Erfolg gegeben! Vorher: Das brill. bunte Programm. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das Opferlamnn_ OebrUder Herrnfeld- Theater. Heute abend 8 Uhr: Familientag im Hause Prellslein. Komödie in 3 Allen mit den Autoren Anton..nd Donat Kerrnteld in den Hauptrollen. Morgen abend 8 Uhr: Familicntag im Haufe Prellstein. Täglich � in de» niitcren Sälen � Gottschalk-Konzert. Reichshallen. Heute: Stettiner Sänger H1° i.- o 1: rS» Sanssouci. Ko,tbuserstr-4a- Dir. W. Reimer. Sonnt., Moni,, Donnerst.: IIotfroniiH» Norddeutsche Sänger »nd Tanzkränzchen. S oimt. Bg.ö, Wochciit.8Uhr Dienstag und Mittwoch: TbvJttei'-�bvml«?. Gastsp. d. Löwe-Ensembles. Anm. f. d.gr. Theatersaal u. b. kleineren Säle zur nächst. Saison ivcrden schon jetzt entgegengenommen. KönigshofÄS Jeden Freitag: ?rUz Steidl- Sänger. Ansang 81/. Uhr. IV Zum Schluß: Aftermietep. otto Pritzkows Berliner Ahnormitäten-Tlieater Iflünzstr. IN Riesen-Weih nachts■ Programm! Neu! Die Elite-Liliputaner-Truppe, die kleinsten Sängerinnen u. Bor- tragSkünstler der Welt. Riesin Ilona, 485 Pfd. schwer. DpuIIo, der Mensch ohne Gefühl, töne! Mno! Mnie! jm in der Lust schwebende Türkin. Hellseherin Armida, wahr- sagende Wunderdame. Pluto, Wrinderhahn, geb. mit 4 Beinen, 2 Körpern, 1 Kopf, lebend, ic. I qpw mmmmmmmm* Qoßmamis �estsäle Kreuzbergstr. 48. Jnh. Otto Ernert. Jeden Freitag: öriginal" Jtarliurger Sänger Direktion: Karl Frick-Kasche-Krause. Ansang 8 Uhr. Entr. 29 Ps. Vorznstskartcn gelten. Nachher: Frei- Tanz. Jeden Montag: Frei- Tanzkränzchen. Ansang 9 Uhr. Schöneherger Wintergarten Goltzstratzc 9. Täglich Theater-»»d Speziali« täteuvorttelluug. Sonntags 2 Borstellungcn. Nachmittags-1 Uhr zu hatbcn Preisen. Jede erwachsene Person hat ein Kind srci.— Abends 7'/.Uhr Große Gala» Vorstellung. Tie Direktion. Variete Elysium KommandantcnsLraBc 3/4. Um S'/z Uhr: Austreten des berühmten Stegreifdichters Paul Steinitz. wwwwwwwwmwwwwwwwwwmm Hi1 beiterstott? Malender 1906 J Geb. 60 Pfg. Porto 10 Pkg. y Sechster Wahlkreis. i Iliiv niltzlich-.' R-ilacvcr, ein unent. H tefr,ii(f)oä Na�Mao-buch für olle■ in Härtel imbGe�crkidiaftcD org.nnl*~l fiwtcn Sitfioter Der diesiahrigc Kalender enthl.lt u. av Lierzio Jahre deutsche Sozialdemokratie.— Nor. male Ernährung und BolkS- ernäh rung. Von E. Äurm. � Wisf-n.iwe-cteS auk dem ge- werdliaheii Recht.— Die Sie, ä>..> tagswalilcn tSvd»ut den fetthsc stattgefund.en« n Nachlvahleu.— Biographien unserer Reichstags- abgeordneten. Sozialistische und GewenkschastSpresse in Deutschland,. � Adressen der deutschen Äenxerde-Inspelloren— der deutsche» Ä ewerlschasten— der Mitglieder der Generallommission der Internationalen Sekretariate — der Arbeiterser'retariate.— Mir- gliederzahlen u. shaanzieNe Seiftun- gen der deutsrhen Gewerk. schastem— Mit Ilieder in den einzestien Geiverisch asten.— Weib iiche Mitglieder.-- Portotaxe. Münztadelle. Einnahrae- und Aus. gabetadellen nsw, Außerdem enthält der Kalender einvorzüglich hergeslell. tes Lichldruckdild: reilneftmer am einig ungz. :: lioncirell in Lotda l>t75:: Zu beziehen ist der Kalender durch jede Parteibuchhandlui ig. � Der Verlag: Butbfiandlung Vorwärts Herlin SU.«s, Clndenltr.«9. Buchhandlung Vorwärts Berlin SlV. 68, Lind nistr. 69 Sonutag, deu\L Illuuar 1900, abends 6 Uhr, im„Kolberger Kalon�» Ii«»II»vr-K'oir«tr»Lv SS: Persammlnng für Männer nnd Frauen. Tages-Ordnung:„Die Zeit im SiMs Aev Diekwng". Vortrag des ReichSIags-Abgeordneten Genossen I-eNeNoiii'. 216/7 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Bertrauensmann. sw Nach der Bersammlung: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. v Zttr Kgirabion tiir clie Mäkl- recktskämpfe zu empfehlen: !e?rsuen u. die Politik von LUy Braun Agitations- Ausgabe 20 pfg- 311 inarmen, hegeisternden Wor. teil sordert die Lersasserln die proletarischen grauen aus zu tätiger Mitarbeit iil den Wahlrechtskamp- sc». Die Revolutio» der Maschine hat die grau der Ausbeutung des Kapitalismus überantwortet! die Maschine ebnet aber auch den Weg zur Besrciung der Frau aus deil ökonomischen, rechtlichen und sitt- lichcu Fesseln, in die nergangeiie Zeiten sie geschlagen haben. Darum muß auch die Frau um Anerkennung der Staatsbnrgerrechte kämpsen. Sonntag, den 14. Januar 1906, vormittags 10 Uhr, in den„Jnduswie-Sälen", Beuthstr. 29: General'Uersammlitng des Uvreins der Zimmerer Kerlins und der Umgegend. TageS-Ordnung: 257/2 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1905. 2. Bericht des Vorstandes, des Bibliothekars, der Rechtsschutz- Kommission und der Karlelldelegicrieiu S. Neuwahl des Gesamtvorstandes. 4. VereinSangclegenheitcn. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. _ Der Vorstand. I. A.: A. Juppenlatz. i lyanäluMgehWimen! lgand!ung$ael)ülfen! Freitag, den 12. Januar 1906, abends 9 Uhr, in den„Jndustric-Festsälen", Beuthstraße 20: Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: Zsl Frsuensrlieit Ladnürued! Rescrcnl: Ncdaktenr S,il.»orektUi'dt-Köiiizsbcrg. Zahlreichen Besuch erwartet �virtral- Verbau«1 der Handlungsgebüllcn und(üehüflnnen Dentsehlands. Bezirk Kerlin, Neue Friedrichstr. 20. 285/10 General-Versammlung der Kranke» Nnterstiitmugs- und Begräbnis-Kasse der �.vilSr r ichtvr Berlins(C. H. Nr. 50) am Sonutag, de» 21. Januar, vormittags 10 Uhr, bei I'eind, Weinstraße 11. Tages- Ordnung: 1. Abrechnung vom IV. Quartal 1905. 2. Bericht der Revisoren. 3. Vorstandswahl: a) des ei sten Vorstehers; b) eines Schristsührer»; c) eines Beisitzer»; d) Wahl der Ersatzmänner. 5. GeschästlicheS. Der Vorstand. 1S20b I. A.: G« jt a v B u s s e. Qaf e Wieyer �Dresdener- SlraBe 128/29. Kaffee lOu.tS, Bier, heilu dunk., 10Vf. ca. 50 Zeitungen; 2 Billards Slb. 40 Vf. Zahlstelle der Freien Volksbühne.* H. Zimmermann Berlin SO. Juwelier OmieM. 206 Qold= und Silberwaren=Fabrik, Uhren=GroßhandIung. 5670L» Eigene Werkstatt für Neuarbeit u. Reparatur. Streng reell.— Billigste Preise. Primagroße W aldhasen per Btttck 3,40 Ä. B742I, Hasenrücken 1,75, Hasenkeulen 1,35, sowie sämtliche Sorten Wild und Geflügel. Wilh ItriqfTf Friedrichstrasse 310, niui. iki diu, jg'-SrnV SoziaMemokr. V/ahlterein des Kreises Kiederbarnim Bezirk Weißensee. DienStag, ben 16. Januar er., abends 8>j, Uhr, im Bereinshause, Charlottenburgerstraße Nr. 150: Ordentliche General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kassierers. 3. Bericht deS Vertrauensmannes. 4. Bericht der Bibliothekare. 5. Bericht des Ver gnügungSkomileeS. 6. Bericht der Revisoren. 7. Neuwahl des Gesamt- Vorstandes und BergnügungstomiteeS. 8. Bereinsangelegenheiten. 18/1 ES ist Pflicht eines jeden Parteigenossen, zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Borstand. Vsutseke Melsllsrlieiler-�eWerhellsst Verwaltnnesstelle Ucrlln. Bureau und Arbeitsnachweis Rosenthaterstraße 57 (2. Eingang: Gormannstraße 28). Geöffnet von 91/,— 2 und 4—8 Uhr. Telephon: IN, Nr. 1296' Die von uns einberusene Versammlung der Wk" Rohrleger-Helfer findet umständehalber nicht am Sonntag, den 14. Januar, sondern 14 Tag- später, also am Sonntag, den Ä8. Januar, vormittags>0 Uhr, bei Wohlfahrt, Rosenthalerftr. 37, statt. Die Mitglieder wollen die» beachten. 280/1 Dl« Branchcnkonunisslon. Zahlstelle Charlotlenbnrg. Sonnabend, den 13. Januar, im Volkshause, RosinenstraBe 3(großer Saal): 132/2 ■ Wiener Maskenball zz Während der Kaffecpaus«: BgMu.IIisgtölgMIuunp sowie sonstige Ueberraschungen. Billetts 40 Pf. Anfang: 8 Uhr. BillettS sind bei allen VorsiandSmItgliedern,»Grundstein�-Bertreibern und beim Reftaurateur Emil Müller, Rofinenftr. 3, zu haben. ES ladet ergebenst dazu ein Das Komitee. Eürnplebten unser helles u. dunkles Tafelbier: Gambrinusbräu(Münchener) Nepotnukbrau(Pilsener) Böhmisches Brauhaus NO. FaB- Abteilung: f.nndsberger Allee 11/13. T. VII. 5088. Flaschen. ,, Frieden-Straße 93. T, VII. 1670. Unsere Origlnal-Ahzug-l'Iazchenblere in fast nllen Kolonial waren- Handlungen. 56691.' □ Koiizcrthans Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. Sonnabend, den 20. Januar 1906. abends 8 Uhr: Kroges o�vrereivn,,Nortldeulsclie Sehleife'Ä.a Eine SingeM naeü dem lesengebirge mit diversen Begleitersoheinnngen. Natürliche dekorative Darstellung oes Riesengebirges Teilnehmerkarten mit vollständigem Programm a 75 Pf. vorher zu haben: Restaurants: B. Schaller, Gräfestr. 4 II Richter, Adalbortstr. 5. Zlgarrengeschäfte: Brodowsky, Beichenbergerstr. 78. A. Hofkmann, Püoklerstr. 30. ,0. Hensoher, Wrangelstr. 107. 0. Wölkt, Oubenerstr. 29. Tischler'Verein zu Berlin. Sonnabend, den 13. Januar, in„Iaiissouci". Kottbuserstr. 4a: Qroßer Wiener JÄasUenball. Bllletis sind zu habe» bei: Wresohniock, Eisenbabiistr. 27; Hinfz, Wal» dcmarstr. Gäa; Rose, Köpcnilkerstr. 190; Kühn, Gräfestr. 69/70; Lecher, Adalbertstr. 97; Lipke, Nostizstr. 59; Lanpichler, Graudenzerstr. 12, und Kretschmar, Fruchtstr. 41. 198/2 M VcrwaltanssiitcllS Berlin. Haupk-Burcau: Engel-Uscr 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV 9679. Slrbcitsnachweis Zimmer 34. Amt IV 3353. Äll Bohrleger und Merl iäüül Sonntag, 14. Jannar. vormittags 10 tlhr. im Gewerkschaftshause, Engel-Nfer 13(Saal IV): Allgemeine Versammlung der Rohrleger u. Helfer Berlins u. Umgegend. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Das Erscheinen aller Kollegen ist notwendig. Sonntag, 14. Januar, vormittags 1« Uhr. im„Englischen Garte»', Alexanderstraste 37 c: ßrandKn-VcrsatnniUing aller in der Metall- u. Eisenindustrie beschäftigten Köhler, Sohrer. Ltofier und 7rs8sr. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Kriminalrccht und Strasvollzug'. Referent: Kollege Pawlowitsch. 2. Diskussion. 3. Perbandsangelegenheiten und Verschiedenes. BS. Um die Versammlung pünttlich eröffnen zu können, werden die Kollegen ersucht, Pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Sonntag. 14. Januar, nachmittags V/, Uhr, im Lokal von Moll. Grünaucrstrafte 7: Bezirksversammlung m Köpenick««a»W-s-d. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Jakobse» über:„Die gefüllte Kompott- schüssel der Arbeiter'. 2. Diskussion. 3. Kassenbericht der Bezirksleitung. 4. Wahl der gesamten Bezirksleitung. 5. Verbandsangeleaenheiten. Shrenpsiichl aller organisierten Metallarbeiter ist es, diese Bersammlung pünktlich zu besuchen._ Mitglieder«°n Baumscliulenweg! Sonntag. 14. Januar, vorm. 10 Uhr, bei Schäfer. Baumschulenstr. 14: V ersarnmlunx. Tages-Ordnung: 1. Borirag:„Die Not deS vierte» Standes'. 2. Diskussion. 3. BerschiedeneS. 110/1 h Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute, Freitag, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause. Engel-User 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Branche dir Musikinstrumenten-AMer! Montag. 15. Januar, abend»«>/, Uhr. im Gewerkschaftshanse« Engel-Nfer 13(Saal V>- VertrauenMänner-Vercammiung. TageS-Ordnungz 1. Werkstattdifferenzen. 2. Bericht der Branchenlommiffion. 3. Branchen- angelegenhelten und Verschiedenes. 77/lg Jede Firma must vertreten fein: 0!» 0ranchsnl(ommi5ii,n. Einsetzer. Sonntag, 14. Januar, vorm. präzise 11 Uhr. im Gewerkschaftshaus, Engel-User 15, Saal I: Branchen- Vers ammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Obmanns über die Tätigkeit der Kommission im Lause deS vergangenen Jahre». 2. Bericht des Kassierers über den Stand des Extra-FondS. 3. Diskussion. 4. Neuwahl der Gesamtkonimission(mit Kassierer und Beitragsammler). 5. BerbandSangelegenheiten und Verschiedenes. DUf Kollegen I In Rücksicht ans die obige Tagesordnung sowie in der Erwägung, daß am 1. Juni dieses JahreS unser Tarif abläuft, insolgedessen erneute Verhandlungen mit den Unternehmern stattsinden müssen, ist es nötig, die Säumigen auszurütleln, damit Mann sür Mann in dieser Ber- (ammlung erscheint, um tatkröstige und energische Kollegen in die Kom- Mission entsenden zu könne». Mitgliedsbuch legitimiert. Dteustas, 16. Januar, abends 8 Ihr, bei Wal tcr, Adalbertstraße 62: Kommissions-Sitzmift. VW Sämtliches Material, das die bisherigen Kommissionsmitglieder im Besitz haben, ist mit zur Stelle zu bringen. Der Obmann, Vergoldet! Filiale Berlin. Montag, de» 15. Januar, abends präz. 8 Uhr, in den Arminhalleu, Kommandanlenftr. SI(großer Saal): Lenera!-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1905. 2. Jahresbericht deS BorstandeS. S. Neuwahl de» Gesamt-FilialvorstandeS, der Revisoren und Delegierten zur Berliner Gewerklchastskommission. 4. Wahl von sieden Delegierten zur Generalversammlung 1W6. 6. Anträge zur Generalversammlung. 6. Verschiedene». V Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dieses kein Einlast.-WlU Pflicht eine» jeden Mitgliedes ist«S, in dieser Versammlung pünktlich zu erscheinen und wird dieselbe der reichhaltigen Tagesaldiiung wegen pünktlich eröffnet. 225/1_ Der Vorstand. perantwonlicherNeMeur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsansialt Singer Co., Berlin SWT Nr. 9. 23. Jahrgang. 2. SnlU ko Jomirts" Strlintt valllsM Freitag, 12. Januar 1906. In der„Blanken Hölle". Das bekannte„Abenteuer in der Blanken Hölle", das seinerzeit der Versicherungsbeamte Knappe erlebte, beschäftigte gestern zum zweitenmal die vierte Strafkammer des Landgerichts I. Die An- klage richtet sich gegen den jetzt 21 jährigen Bersicherungsbeamten Otto Knappe und den Redakteur Max Ludwig; ersterer ist des Vergehens gegen§ 187. Ludwig wegen Vergehens gegen Z 186 St.-G.-B. beschuldigt. Die Angelegenheit ist am 9. März v. I. schon einmal ausführlich verhandelt worden. Die Strafkammer hotte beide Angeklagte freigesprochen, das Urteil ist aber vom Reichsgericht aufgehoben und die Sache an die Strafkammer zu erneuter Verhandlung zurückverwiesen worden. Es handelt sich um folgende Vorgänge: Zwischen Tempelhof, Mariendors und Schöneberg liegt ein Wiesen- terrain mit einer Schlucht, in welcher sich eine Art Teich befindet und welche.Blanke Hölle' genannt wird. Diese ist, wie behauptet wird, der Sammelplatz von allerlei lichtscheuem Gesindel und es wird dort von Zeit zu Zeit eine Razzia abgehalten. Da auch die Kirchhofs- Verwaltung der St. Matthäikirche die Kirchhofsruhe wiederholt ge- fährdet erachtete und der Amtsvorsteher von Mariendorf eine nur von ihm zu veranstaltende Razzia nicht für ausreichend hielt, so ersuchte der Amtsvorsteher die Polizeiverwaltung von Schöneberg, mit ihm zusammen eine Razzia zu veranstalten. Diese fand am 25. August 1901 statt. Es wurden dabei mehrere Personen auf- gegriffen, darunter auch der jetzige Angeklagte Knappe. Diesem lvar, wie er behauptet, infolge seines leidenden Zu- st a n d e s vom Arzte möglichst häufige Bewegung in der Sonne verordnet worden und er hatte sich mit einem Buche in der Hand am Rande der„Blanken Hölle" niedergefetzt, als ihn das Schicksal, von der Polizei„aufgegriffen" zu werden, ereilte. Ueber seinen Transport inmitten einer Anzahl fragwürdiger Gestalten und seine Behandlung aus dem Wege nach der Polizetdireklion hatte er der Redaktion der„Welt am Montag" eine eingehende Schilderung unterbreitet, die das Blatt am 12. September unter der Ueberschrist„Schutz gegen die Polizei" veröffentlichte. Es wurde darin erzählt, dasi Knappe, als er mit den Bassermannschen Gestalten nicht gern in Reih' und Glied marschieren wollte, sondern sich etwas seitwärts hielt, plötzlich Stockhiebe erhalten habe. Als er dagegen protestierte, sei er von mehreren Beamten nochmals mit Stockhieben bedacht worden. Man habe ihm die Handschelle so eng umgelegt, daß das Blut in der Hand stockte; er habe allerlei peinliche Insulten der Exekntivbeamten und höhnische Bemerkungen der Arrestanten erleiden müssen, sei in strömendem Regen nach der Schöneberger Polizei transportiert und dort noch eine Weile in eine Zelle gesperrt worden, bis man ihn nach Feststellungen seiner Personalien entlasten habe. Die„Welt am Montag" knüpfte an diese Darstellung Ausdrücke der Entrüstung über das Verhalten der Polizei. Daraufhin er- hielt das Blatt von dem Polizeipräsidenten von Schöneberg, Grafen von Westarp, eine Berichttgung. die in fünf Punkten die Darstellung des Knappe als unwahr bezeichnete und namentlich bestritt, daß dieser geschlagen worden sei. Knappe blieb aber auf Borhalt unentivegt bei seinen Behauptungen und die „W. a. M." knüpfte deshalb an die Berichtigung eine Reihe weiterer krittsche Bemerkungen, die sich mit dem Verhältnis des Publikums zur Polizei beschäftigten. Durch diese Arttkel fühlen sich der Kriminalkommissar Rucks in Schöneberg und zwei andere Kriminalbeamte beleidigt; es wird behauptet, daß Knappe seine Angaben wider beffereS Wissen gemacht habe. Auch im gestrigen Termin verbleibt Knappe dabei, daß alles, was in dem Artikel von ihm berichtet worden ist, durchaus wahr sei. Insbesondere sei eS richtig, daß er auf dem Transport plötzlich von hinten durch einen heftigen Schlag auf die Waden zum Weitergehen aufgefordert worden fei. Er habe darauf erklärt, dag er keinen Schritt weiter gehe, wenn man ihn schlage. Darauf habe ihn ein Beamter an die Kette gelegt und der Beamte habe sich seine Hand zeigen lassen. um nachzusehen,„ob er etwa die Krätze habe". Als der Zug aus der Polizei angelangt war. habe man ihn, nachdem er ver- nommen war, in die Zelle gesperrt, wo er mit einem anderen etwa eine Viertelstunde lang festgehalten worden sei. Der Beamte. der ihn schließlich entlasten, habe ihm drohend gesagt: „Wenn Sie sich noch einmal an der„Blanken Hölle" sehen lassen. dann geht es nach Moabit!" Als er sich über die Behandlung beklagte und dabei erwähnte, daß er noch Rekonvaleszent und erst den dritten Tag außerhalb des Bettes sei. habe der Beamte gesagt: „Es wird wohl nickt so scklimm gewesen sein." Der Angeklagte bestreitet, daß die„Blanke Hölle" verrufen sei. Einen Nachmittag sei sogar ein religiöser Verein dort gewesen. Der praktische Arzt Dr. D ö r k e n- Tempelhof bestätigt bei seiner Ver- nehmung. daß Knappe zur kritischen Zeit Rekonvaleszent war. Er wisse nichts davon, daß die„Blanke Hölle" eine» üblen Ruf habe. Sie sei vielfach der Zielpunkt von Spaziergängen. Er selbst sei 50 bis 60 mal. auch des Abends, dort gewesen und habe niemals Gesindel dort bemerkt. Kriminalkommissar Rucks aus Schöneberg bekundete folgendes: Zwischen den Ortschaften Tempelhof, Mariendorf und Schöneberg liege ein kleines Gewässer, welches den Namen„Blanke Hölle" führe. An diesem Orte versammelte sich ständig sl) allerlei Gesindel, wie Pennbrüder, Rowdys. Zuhälter und Dirnen der allerniedrigsten Sorte, die geradezu skandalöse Zustände herbeiführten. Die Frauen- zimmer und Männer reinigten dort ihre Kleider, badeten zusammen und spazierten vergnügt umher, bis die Kleider in der Sonne ge- trocknet waren. Um den Zuständen ein Ende zu bereiten, wären häufig Razzien vorgenommen worden, die jedesmal ein gutes Ergebnis hatte, da viele gesuchte Personen festgenommen wurden. Auf ein Ersuchen des Amtsvorstehers von Mariendors habe am 25. August 1904 eine Razzia an der„Blanken Hölle" stattgefunden. In der Nähe von einigen Pennbrüdern habe der Angeklagte Knappe gelegen und gelesen. Auf die Frage, ob er Legitim atioSpapiere bei sich habe und was er dort treibe, habe er„Patzig" geantwortet: Das geht Sie gar nichts an". Knappe wäre wegen dieser„Patzigkeit" festgenommen worden. Er habe weder seinen Namen genannt, noch gesagt, daß seine Eltern in Tempelhof wohnen und ihm der Arzt empfohlen habe. spazieren zu gehen. Hätte Knappe dies auf anständige, bescheidene Weise gesagt(!). so hätte er— Zeuge- ihn laufen lassen. Auf dem weiteren Transport habe Knappe plötzlich erklärt, er gehe nickt weiter mit. Der betreffende Beamte, der«kriminal' schütz», am, Krehske, habe ihm die Fessel um das linke Handgelenk gelegt, weil Knappe sich gegen den Bode» gestemmt habe. Nack kurzer Zeit sei ihm jedoch die Fessel wieder abgenommen worden, da Knappe nunmehr mitging. Daß er geschlagen sei. habe Zeuge nicht gesehen. Daß unterwegs Spitzfindigkeiten und spöttische Redensarten gegen Knappe gefallen seien, sei möglich, wie z. B.:„Was der für eine feine„Pelle" an hat, wer weiß, wo er die„geklaut" hat", und„Das ist der erste Schritt zum Staatsverbrecher". Diese Aeußerungen rührten jedoch nicht von den Beamten, sondern von den festgenommenen Pennbrüdern her.— Rechtsanwalt Dr. Löwen st ein stellte durch Befragen des Zeugen fest, daß die Razzia nicht durch ein bestimmtes Verbrechen veranlaßt worden sei. Weiter erklärte Kriminalkomissar Rucks auf Befragen des Verteidigers, daß zurzeit gegen ihn ein D i s z p l i n a r- verfahren schwebe. Er lei jedoch von seinem Vorgesetzten, Polizeipräsidenten Graf v. Westarp angewiesen worden, hierüber die Aussage zu verweigern, dagegen auszusagen, daß dieses Disziplinarverfahren nichts mit der vorliegenden Sache zu tun habe. Auf Antrag des Rechtsanwals Dr. Löwen st ein wurde der Bericht des Kriminalkomniissars Rucks verlesen, den er bald nach der Razzia versaßt hatte. Durch diesen soll bewiesen werden, daß der Zeuge in verschiedenen Punkten von seiner damaligen Ansicht abweiche. In dem Bericht des Zeugen heißt es u. a.:„Knappe habe sich mit zwei echten Pennbrüdern an der„Blanken Hölle" aufgehalten, auch eine weiße Weste getragen, die stark reinigungsbedürftig gewesen sei. Er habe— so heißt es wörtlich weiter— bei näherem Beschauen den Eindruck eines besseren Zuhälters gemacht." Während der Zeuge heute angab, er habe den Angeklagten wegen seines„patzigen" Benehmens festgenommen, gab er in dem Bericht an, daß die Festnahme wegen seines reduzierten Aeußeren und des Mangels jeglicher Legitimationspapiere der Grund gewesen sei. Der Bericht schließt mit folgenden Worten:„Wenn jemand sich die„Blanke Hölle" als Verguüguiigsort aussucht und sich unter das dortige Strolchkollegium setzt, ist er ebenfalls nichts besseres wie ein Strolch. Sonst krächzen die Zeitungen davon, daß jeder Mensch im Arbeiter- anzuge von der Polizei als Strolch angesehen werde, wenn nun mal ein besser gekleideter Mensch als Strolch festgenommen wird, ist es auch nicht recht. Der Wind muß eben gedreht werden, sonst flattert die Fahne der Parteientriistung nicht richtig." Pastor Frommhagen aus Neu-Tempelhoi bekundete, daß er öfter nach der„Blanken Hölle" spazieren gegangen sei, niemals aber verdächttges Gesindel dort gesehen habe. Er habe auch einmal dort, genau so wie der Angeklagte, im Gräfe gelegen und. sich sonnend, ein Buch gelesen.— Kriminalschutzmann LoczynSki bestätigte die Aussage des Zeugen Rucks, daß Knappe patzige Redens- arte» gemacht und keine Legittmation besessen habe. Der Zeuge bestritt, seinerseits geschlagen zu haben.— Der Schutzmann Krehske bekundete, daß Knappe bei seiner Sistierung und auf dem Transport gesagt habe:„Das muß in die Presse koinmen!" Der Zeuge will auch etwas von der„Welt am Montag" und vom„Vorwärts" gehört haben: Er hat den Knappe an die Kette genommen, weil er nicht gehen wollte. Es sei nicht wahr, daß das Hand- gelenk des Knappe blutunterlaufen war, ebensowenig wahr sei es, daß er selbst etwas von„Krätze" gesagt habe.— Einer dieser Zeugen hat gesehen, daß Knappes Hand- gelenk durch die Handfessel blutunterlaufen war. Ein anderer be- hauptete, daß die„Blanke Hölle" öfter als Ziel zu Familien ausflügen benutzt werde, ein anderer will in der Woche doch auch Pennbrüder dort getroffen habe». Nach Anficht eines Zeugen ist Knappe etwa eine halbe Stunde in der Zelle zurückbehalten worden, in der Taxierung dieser Zeit gingen aber die Ansichten der Zeugen auseinander. Zwei Zeugen bekundeten, daß, als sie durch die Beamten am Rande der„Blanken Hölle" bei der Razzia festgenommen wurden, sie ein Beamter an die Beine geschlagen und gesagt habe: „Marsch, vorwärts I" Seinor als Zeugin vernommene» Mutter und einer anderen Zeugin hatte der Angeklagte Knappe gleich nach seiner Freilassung von der Polizei seine Erlebnisse genau so erzählt, wie es in dem qu. Artikel steht. Die Mutter gab ihrem Sohne das Zeugnis eines guten Sohnes und bestätigte ihm, daß er zunächst von seinem Vater verlangt habe, klagbar zu werden, daß sich der Vater aber vor den Kosten gescheut und den Weg zur Presse vorgeschlagen habe. Mehrere von der Verteidigung geladene Zeugen sollten bekunden, daß sie selbst noch am Tage der Razzia die„Blanke Hölle" zum Ziel eines Spazier- ganges benutzt haben. Da diese Tatsache als wahr unterstellt wurde, wurde auf diese Zeugen verzichtet.— Staatsanwalt Bönning, der die Anklage aus ß 187 gegen Knappe fallen ließ, führte aus, daß dieser der üblen Nachrede schuldig sei, ebenso wie der Angeklagte Ludwig. Knappe sei bedauerlicherweise teils durch seine Unkenntnis, teils durch sein Unglück in eine Razzia verwickelt und in Gemeinschaft mit verschiedenen Sistierten nach Schöneberg zur Polizei transportiert worden. D i e Polizei treffe keine Schuld dafür, daß sie Knappe mitgenommen. Die Polizeibeamten hätten nach ihrer Kenntnis von diesem Orte das Recht gehabt, eine Razzia abzuhalten. Knappe habe sein Geschick durch sein eigenes ungeschicktes Benehmen verschuldet. Unrichtig sei es. daß er von einem Beamten geschlagen worden sei, unricktig, daß die höhnischen Redensarten seitens der Beamten gefallen seien. Der Angeklagte könne nicht den Schutz des§ 193 in Anspruch nehmen. Die Form und die Aufmachung des ganzen Vorfalles in dem Artikel zeige deutlich, daß es ihm nicht varanf angekommen sei. seine Interessen zu wahren, sondern der Polizei und den Polizeibeamten etwas am Zeuge zu flicken. Der Staats- a n w a l t beantragte gegen Knappe 50 M. event. 10 Tage Gefängnis, gegen Ludwig 300 M. Geldstrafe event. 60 Tage Gefängnis. Der Verteidiger führte aus, daß die Darstellung des Artikels im großen und ganzen, abgesehen von kleinen Nebensächlich- leiten, sich als richtig erwiesen habe. Er nahm für Knappe den Sckutz des Z 193 in Anspruch und beantragte gegen Ludwig, wenn dieser in seiner Kritik des polizeilichen Verhaltens zu weit gegangen fein sollte, eine möglichst gelinde Strafe. Das Gericht verkündete folgendes Urteil: Der Gerichts- Hof fei davon ausgegangen, daß der Angeklagte Knappe ein Opfer seiner Ungeschicklichkeit geworden ist. denn hätte er sich bei der Razzia nur ein wenig geschickter benommen, wäre der ganze Vorfall nicht passiert. Als erwiesen sei weiter angesehen worden, daß die„Blanke Hölle" ein Tummelplatz für licht- scheues Gesindel und die Razzia deshalb mitRecht vorgenommen worden fei. Dies schließe natürlich nicht aus, daß auch einmal ein an- ständiger Mensch sich dorthin verirre. Wer aber einmal einen solchen Punkt besucht, der dafür bekannt ist, daß sich dort nur Gesindel aufhält, muß unter den Folgen leiden und sich auch einer Razzia fügen. Das Gericht habe geschwankt, ob nickt § 187(verleumderische Beleidigung) in Anwendung kommen könne. Es sei jedoch nur eine Beleidigung aus§ 186 angenommen worden. Der Schutz des§ 193(Wahrnehmung berechtigter Jnter- essen) sei den Angeklagten aus dem Grunde nicht zugebilligt worden, weil in dem Artikel schon nach der Form und den Umständen eine Beleidigung erkennbar sei. Bei Knappe komme bei der Abmessung des Straf», aßes mildernd in Betracht, daß er geglaubt habe, ihm wäre bitteres Unrecht geschehen, und ferner, daß er noch ein junger Mensch ist. der sich der Tragweite seiner Handlungsweise nicht voll bewußt gewesen war. Es fei deshalb bei ihm nur auf eine Geldstrafe erkannt worden. Bezüglich des Angeklagten Ludwig liege die Sache anders. Er sei seit mehreren Jahren Redakteur und kenne seine Pflichten ganz genau. Trotzdem habe er mit einer gewissen Leichtfertigkeit dem Knappe Gehör geschentt. Er hätte vielmehr als der ältere und erfahrenere Mann den Knappe auf den einzig richtigen Standpunkt der Beschwerde bei dem Polizeipräsidium weisen müssen. Die ganze Sache habe den Anschein, als ob Ludwig die Angelegenheit als willkommene Vorlage für einen auf die Sensattouslüsternheit des Publikums berechneten Artikel aufgenommen habe. Es sei deshalb Knappe zu 30 Mnrk Geldstrafe, Ludwig zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden.— Ein eigenartiges Urteil und eine noch eigenartigere Begründung. Einem harmlosen Rekonvaleszenten geschieht bitteres Unrecht. Darüber beklagt er sich— es erfolgt deshalb Bestrafung. Und das Gericht erteilt gar noch den Rat, der Beleidigte hätte sich beim Polizeipräsidium beschweren müssen I Vor demselben Gericht sagte im Oktober 1893 der damalige Polizeipräsident als Zenge aus: er halte es für durchaus in der Ordnung, daß man einen Bürger für verrückt halte und als gemeingefährlich nach terzfelde transportiere, der sich bei derselben teile beschwere, von der das Unrecht zuaefügt sein soll. Nette Aussichten eröffnet das ungeheuerliche Urtett dem Bürger: Beeinträchtigungen seines Rechts mutz er sich gefallen lassen, führt er in der Oeffentlichkeit darüber Befchwerde, so erhält er Strafe. Führt er Beschwerde— kommt er ins Irrenhaus. Die Verurteilten werden selbstverständlich Revision einlegen. )Zus der Frauenbewegung. Im Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse sprach Frau Wally Zepter über„Henrik Ibsen". Die sehr gut besuchte Versammlung nahm mit lebhaftem Interesse die außerordentlich feine Charakterisierung deS Dichters und Denkers entgegen. Die nächste Versammlung findet am 22. Januar statt. Eduard Bernstein spricht über das Thema:„Materialistische Geschichtsauffassung und das moderne Geschlechtsleben." Das Stiftungsfest des Vereins ist am 18. Februar. Billetts zu demselben sind m der nächsten Versamm- lung upd später zu haben. Vermiscbtes. Zu der DiebstahlSaffäre in Weimarer Hofkrrifen wird dem „Jenaer Volksblatt" aus Weimar geschrieben: Die Unter- suchungen über die Diebstahlsaffären im hiesigen Kultusministerium und im großherzoglichen Residenzschlotz werden mit ungemindertem Eifer fortgesetzt und immer wieder Personen verhört und neue Tat- fachen festgestellt. So hat man letzthin ausgeforscht, daß öfters alte Akten zum Ausklopfen weggefahren wurden und es ist immerhin nicht ausgeschlossen, daß auch bei dieser Gelegenheit Wertsacken gestohlen wurden. Die Oeffentlichkeit erfährt so gut wie nichts von der Angelegenheit, da alle beteiligten Personen tiefstes Schweigen beobachten. Trotzdem ist es wohl einzig und allein den Veröffentlichungen der Presse zuzuschreiben, daß viele der Hand- schristen und Wertgegenstände wieder in den Besitz der recht- mäßigen Eigentümer gelangten.— Der Antiquitätenhändler Bach sitzt noch immer in Untersuchungshaft, er soll aber seine Rechts- läge absolut nicht für verzweifelt halten und fest an seine Frei- sprechung glauben. So viel steht jedenfalls fest, daß nicht wenig Leute hier in Weimar von dem Küchenmeister König ebenfalls Bilder und Kunstaegenstände gekauft haben, ohne sich je ettpas Un- rechtes dabei zu denken, da König beim verstorbenen Grohherzog Karl Alexander in großer Gunst gestanden haben soll und man stets annahm, es handle sich um Geschenke. Auch aus der König- fchen Konkursmasse sind noch viele Kunstgegenstände» die meist aus dem Schloß stammen, zu hohen Preisen verlauft worden. Auf die gerichtlichen Nachspiele, falls eS überhaupt so weit kommt, ist man gespannt._ Berliner Marktpreise. AuS dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion. Rindfleisch ka 62—65 pr. 100 Psund, IIa 54—60, lila 48-52, IVa 40-46. Kalbfleisch la 82-90, IIa 70-80, lila 56-68, Hammelfleisch la 64—74, IIa 52—62. Schweinefleisch 74—78. Rotwild Psund 40—60 Pf. Hasen Stück 2,90—3,20, mittel 2,00—2,80. Kaninchen Stück 0,75—0,90. Hubner pro Stück, alte 1,40—2,00, junge Ta 0,80—1,30, do. IIa 0,00—0,00. Tauben, junge 0,40—0,60, alte 0,30—0,50. Enten junge 2,00—3,00. Gänse pro Stück la 0,00—0,00, IIa 0,00—0,00, pro Psd. la 0,60—0,70, IIa 0,58. Schellsische 18—25 M.. Flunder 27—30 M. pro 100 Psd. Hechte 90—106 M Schleie, mittel 00—00 M.'Aale, groß 0,00, mittel 103— tOo, klein 0,00, Plötzen 00—00 M., Karpfen uns. 00 M., Lachs 00,00. schottische Vollhcringe(gesalzen) 36—38 M Eier. Schock 5,00. Butter pro 100 Psund la 117—120, IIa U4-ll7. INa 110-114, abfallende 00—00. Kattoffeln pr. 100 Psd. rote 2,00—2,20, Rosen 0,00—0,00, blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock 7.00-12.00. Weißkohl 7,00—10.00, Rotkohl 6.00-10.00. Holl. 14-17 M. Saure Gurken, Schock 2,00 M., Pseffergutten 2,00 M. v>tt»ern»gsupers>ckt von, 11. Januar morgeus 8 Ilhr. Stastonen Zwlnemde Hamburg Berlin Frnnks.a.M München Wien LS s= Sl 9« Wetter 745 W! 3 bedeckt 759 WSW! 4 bedeckt 758 WSW, 4 Regen 766 SW j 2 bedeckt 767 SW! 4 halb bd. 764 WSW Ihalbbd. »s? d't -> II E vi Wfc 4 4 4 5 Stastonen Havaranda Wilna Scilly nberdeen Patts Ä| Q 5 c 5 - 1 9« Wetter 757 SO 756 ZW 768 W 757 SW 768 W 2 bedeckt 1 bedeckt 3 halb bd. 3 heiter 1 wölken! !-«« c% S H —7 — 1 8 8 -1 Wetter-Prognose für Freitag, de« 1». Januar 1906. Etwas kühler, vorwiegend nebelig oder woMg bei mäßigen nordwesi- lichen Winden, keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterburean. Teures Fleisch Ein Versuch mit diesen äuBerst schmackhaften Fischen ist jeder Haustrau zu emptehlen. Deutsche Dampffischerei-Besellschaft„Kurte" Seelachs billige Seefische!! Filiale; Berlia C. 2, Balinhof uerse, Uetze» 8—10 Bester Fleischersatz, schmackhaft und durch hoben Nährgehalt sich auszeichnend! Große Fänge in lebendfrischer Ware sind soeben eingetroffen! ■O Zentral-Fernsprecher; Amt III, No. 8804. 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Januar, nachmittags 4 Uhr, von derLcichcnhallc desScbastian- Kirchhofes, Sumboldtstr. 68/73 in Reinickendorf, statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 24S/1 Der Vorstand. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des MöbelpoliererS S74lL Max Janke sagen wir allen Verwandten, Bekannten sowie seinen Kollegen vomHolzai bciter- verband unseren herzlichen Dank. Die trauernde Witwe Ida Janke ucbst Dochter. Verein lier Zimmerer Berlins und Umgegend. Todes- Anzeige. Am 8. Januar v. I. starb unser Mitglied Felix Dobbertin. Ehre seinei» Andenken! Die Beerdigung erfolgt am Freitag, den 12. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Gethscnlane-Kirchhofcs in Nieder- Schönhausen aus statt. Rege Beteiligung erwartet 257/4 Ter Vorstand. Verdami der Bueii- und Steindrterei-Hisarlieiter u. Arbeiterinnen Oentseiilands. OriNvei-wnUung Berlin. Zahlstelle II(Hülfsarbeiter). Todes- Anzeige. Am Sonntag, den 7. Januar, starb plötzlich und unerwartet unser Mitglied und Kollege Mai Brzezmak im eben vollendeten 28. Lebens- jähre. 36/3 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. Januar, vom Leichenschauhause aus nach dem Nazarcth-Kirchhof statt. Die OrtSverwaltnng. Berlin II. ..Berliner Arbeiter- Radlabrer-Verein" Mitglied des Arbeite» Radsahrer-Bundcs „Solidarität«. Touren am 14. Januar: 3. Abt. Besichtigung der Arbeiter- Wohlsahrts- Ausstellung in Char- loltenburg.. Start 12'/z Uhr Ma- rianncnparfi mit und ohne Rad. 4. Abt. nach Spandau, Kumke. Start 1 Uhr Andrcasplatz. 5. und 6. Abt. nach Chorinsee. Start 1 Uhr Prenzlauer-, Ecke Danziger- strafie. 1t /2 Todes» Anzeige. Allen Verwandten, Freunden I und Bekannten die traurige Nach- richt, daß mein lieber, guter Mann, j der Bauarbeiter Ernst Gutschl im Alter von 51 Jahren am 19. d. M. nach langem, schwerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 13. d. M., nachmittags 3>/, Uhr, von der Leichenhalle des Gcmeinde-Friedhoses in Friedrichs. selbe aus statt. 32/6 Um stille Teilnahme bittet Die trauernde Witwe Trnn Emma Gntsch. Verband d. baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin und Umg. Den Mitgliedern unseres Ver- bandes zur Nachricht, daß unser altes Mitglied, bisheriger Gau- leiter in Graudcnz, der Kollege Ernst Gutsch am 10. Januar nach langem, schlverem Leiden verstorben ist. Seine aufopserndc, jahrelange Tätigkeit im Interesse unserer Organisation wird ihm ein stetes Andenken bei allen Bauarbeitern bewahren. _ Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 13. d. Mts., nach- mittags 3�/, Uhr, von der Leichen- Halle des Gemcinde-Friedhoss in Friedrichsselde ans statt. 32/5 Um rege Beteiligung ersucht vor Z«eigverelns-Vorstand. Achtung!! Hamburger Rohtabak-Haus. Vorstenland, zweite Länge Vollblatt, leicht und sehr gut brennend per pmd!!>. 1,30. Filiale: Berlin N., Brunnensfr. 190. ISozialdefflokratisehJahlvereini Reinickendorf-Ost. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß gestern unser Genosse Itarl Berger verstorben ist. Ehre seinem Zlndenken! Die Beerdigung findet am Sonntag/ nachmittags S'/i Uhr, von der Leichenhalle des Ge- meinde- Friedhoses, Humboldt- straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 222/1 Her Vorstand. Allen Verwandten, Freunden I und Bckannlen die- traurige I Nachricht, daß meine liebe Frau i und Mutter 57432 Helene Lehmann geb. Baumann am 9. Januar nach langen, schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet statt am öonnabend, den 13. Januar, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nindorfer Kirchhoses, Mariendorser Weg. Karl I-ehmann und Sohn (ehemal. Zcitungsspediteur) Rixdorf, Juliusstraße Nr. 53. Unseren werten Lesern empfehlen lvir folgende 233/4« Z�teuersekswungen von Büchern und Broschüren: Ein katholischer Pfarrer als Sozialdemokrat von van den Brink 19 Ps. Der politische Massenstreik und die Sozialdemokratie. Sonder- abdruck der Verhandlungen auf dem Parteitag zu Jena 29 Ps. Der politische Massenstreik. Vor- trag gehalten in Breslau von Ed. Bernstein 29 Pf. Generalstreik und Sozialdemo- kratie von Henriette Roland-Holst mit Vorwort von Karl Kautsky. Zweite revidierte und verbesserte Auslage 1,59 M. Tie preußische Volksschule und die Sozialdemokratie von Dr. Leo LIrons mit Einleitung von Dr. Max Quarck 75 Ps. Die heutige Sozialdemokratie in Theorie und Praxis von Ed. Bernstein. Eine Antwort auf die Artikelserie der„Kölnischen Ztg.-: Die heutige Sozialdemokratie 1.— M. Feste der Festlosen. Hausbuch weltlicher Predigtschwänke von Kurt Eisner 2,59 M. Die Hämmer dröhnen. Gedichte von Franz Diedcrich 1,— M. Die berühinten Frauen derfranzö- fischen Revolution 178S-179S. Mit 9 Porträts von Emma Adler geb. 6,— M. Sonntage eines grosistädtischeu Zlrbriterö in der Natur von Kurt Grottewitz mit einem Vorwort von Wilh. Bölsche brosch. 69 Ps. geb. 1,— M. Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung von Paul Kmnpffmeycr 75 Ps. in besserer Ausstattung 1,59 M. LipMion!lk5„Variväri5" Berlin 8Vk. 68, Lindenstr. 69, Laden. Dr. Simtnel, SpezialarzI sür 29/14* llnnt- und llai-nlcidcn. 10— 2,5—7. SoniltagS 10— 12. 2—4 ■m■ meine werte Inacho.sä, Keute Freitag SfSS- von Mittag an gibt es frischet Wurst in bekannter, tadelloser L.»alität. Richard Frühstücks- und Mittagstisch. Stöle und Vereinsziramcr noch mehrere Wochentage frei. mmmm Telephon: Amt IV, 5652,— Lunge-Hals. Del Husten, Heiserkeit. Verichlel- mung,«rnstleiden Asthma»c. gedrauche man»ur den qarant. echt. aussischenKnSteridi (IRaite..Eremit". Pakete mir n»sse»>«t>asu. Gutachten »J. 1. 3 Sick. 3 7 5 Bei 6 Dateien franko übttaU hin. Ketchel's Bonbons Pertorn!, aus nur heiltriilUgcn Arzneiftofseii deflehend, sind wunderbar in ihrer Wirknngu.ucrdopvcln denterrolg. i Pfund I.ÄO■>)(.,'/, Piun 00 Pf. Pcrfand hier frei HanS! 4. 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Neue Jakobstr. 6, sind sämtliche Kollegen u. Kolleginnen i» Streit getreten. Zuzug ist streng scrnziibaitcii. Tic Lrtsberwaltnug des Zentral- Verbandes der Glasarbeiter und Arbeiteriiine». Achtung: Achtung: BsiÄnei'. Packer und Kutseiier der Firma G. Regeler«. Ga., C'maille-Eugros,Rittcrstr.7l 7ö. ist wegen Entlassung sämtlicher organisierten Kollege» 67 2 gesperrt! ikentralv erbend dor Handels-, Iransport- und Verkebrsarbeiler. Drtsver«altung Berlin l. Verantwortlicher Re�ktcur: H�Mb�Berlin. Für dW Inseratenteil vermitw.: Th. Glocke. Berlin. Krück u, Pcrlag: Vorwärts Buchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer L- Co.. Berlin L>V. Vorwärts" Berliner Redahtion und Expedition: Berlin, Cindenltr. 69. fernlprecher: Amt IV. 1983. Nr. 9. Freitag, den 12. Januar 1906. j Inserate Secfisgelpaltcne Kolonelzeile 20 Pfg. Bei größeren Hufträgen entlpredjenden Rabatt. Partei-Angelegenheiten. Eine Flugblattverbrcitnng tvird am Sonntag in Berlin und den Kreisen Teltow-Beeskow und Niederbarnim vorgenommen werden. Die Genossen werden ersucht, sich recht zahlreich an dieser Arbeit zu beteiligen. Je mehr sich be- teiligen, desto schneller ist die Arbeit getan. Die Genossen wollen sich an folgenden Stellen einfinden: im 1. Kreis bei Seiler. Neue Friedrichstr. 2», „ Weihnacht, Grünstr. 21. „ G l a u e, Krausenstr. 18. „ R a d t k e. Flensburgerstr. 24. »2.»„ de» bekannten Stellen. »3.„„Schnieber, Admiralstr. 31. „ Krüger, Naunhnstr. S4. „ D u n ck e l, Simeonstr. 23. „ Zacharowsky, Brandenbnrgstr. 49. „ Stramm. Ritlerstr. 123. „ Höhlke, Oranienstr. 113/114. „ Schneider, Sebastianstr. 7. „ M o s ch i n s k i, Michaelkirchplatz 9. „ Biber st ein, Adalbertstr. 61. „ R a d t k e, Neue Jakobstr. 61. .4.»„ den bekannten Stellen des Ostens und des Südostens. »5. m„ Rausch, Winsstr. 12. 1. Abt. /Winter, Georgenkirchstr. 24. 2. Abt. "'Tuscher, Georgenkirchstr. 48. 2. Abt. „ K n ö tz s ch. Hirtenstr. 10. 3. Abt. „ W o h l f arth, Rosenthalerstraße 57, Hof, 4. Abt. „ Wirth, Auguststr. 51. 5. Abt. „ W i t t ch o w. Elsasserstr. 68. 6. Abt. „ B e se r, Luisenitr. 26. 7. Abt. .6.„„ den bekannten Stellen. In Teltow-BrcSkow und Niederbarnim treffen sich die Genossen un den ihnen schon bekannt gegebenen Stellen. Folgende Orte er- suchen uns um besondere Bekanntgabe: Nieder-Schönhausen. Flugblattverbreitung am Sonntag, den 14. Januar, l/nS Uhr, bei Dücker, Eichenstr. 70. Alle Parteigenossen haben pünktlich zu erscheinen. Tegel. Vormittags 8 Uhr treffen sich die Genossen im Restaurant Gehlhaar, Berlinerstr. 92. Neueuhngen. Die Ausgabe des Materials erfolgt am Sonn- abend abend 8 Uhr im Lokal von A. Wünsch, Bahnhofstr. 27. Waidmannslust und Umgegend. Sonntag 8 Uhr für B o r s i g- walde bei Knbe; Wittenau bei Müller, Oranienburgerstr. 14; W a i d m a n ir s l u st an der bekannten Stelle; H e r m s d o r s bei Dimke; Hohen- Neuendorf bei Herrmann, Stolperstraße 6; S ch ö n s l i e ß bei Zimmerer Behrend; Bergfelde bei August Wille. Jeder Ort muß selbst die Kräfte für die Verbreitung am Ort stellen. Wcißensec. Die Flugblattverbreitung für den Ort Weißen- see findet am Sonntag früh 1l.ß Uhr von den bekannten Abteilungs- lokalen aus statt. Für die Verbreitung in den ländlichen Be- z i r k e n ist der Treffpunkt morgens 1lß Uhr beim Genossen Schmutz, Königs-Chaussee 33._ Spandau. Am Sonntag, den 14. d. M., findet eine Flugblatt- Verbreitung für Stadt und Land statt. Die Bezirks- und Land- bezirksführer nehmen dieselben am Sonnabend beim Genossen Schuster in Empfang. Sonntag früh Sammelpunkt in den Bezirke-lokalen. Sonntag mittag 1 Uhr Generalversammlung des Zentral-Wahlvereins bei Tetznow in Hakenfclde, an welcher auch die Genossinnen als Zu- Hörer teilnehmen können. Wcißensec. Die nächste Generalversammlung de? sozialdemo--' kratischen WahlvereinS Bezirk Weißcnsee findet am kommende» Dienstag, den 16. Januar er., abends 8>/g Uhr im Vereinshaus. Eharlotteuburgerstr. 150 statt. Der wichtigen Tagesordnung wegen darf kein Genosse in dieser Versammlung fehlen. Näheres siehe heutiges Inserat. Zühlsdorf. Wahlverein Bezirk Pankow. Der Gesangverein „Konkordia" hält am 15. d. M. ein Vergnügen im Lokale des Herrn Iben ab. Die Genossen werden darauf aufmerksam gemacht, daß das Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht. Vorort- I�acknckten. Die Vorbereitungen zu den Gemeindewahlen, oie im März in vielen Gemeinden stattfinden, müssen unver- züglich eingeleitet werden. Dazu gehört in erster Linie, daß dafür Sorge getragen wird, daß kein Wahlberechtigter in der Wählerliste fehle. Wer nicht in der Liste steht, darf nicht wählen. Versäume daher niemand, sich seines Wahlrechts zu der- gewisser». Ueberzeuge sich jeder, ob er in der Liste steht. Wer das nicht kann, wende sich an einen bekannten Partei- genossen am Orte mit dem Ersuchen, für ihn die Einsicht- nähme vorzunehmen. Wahlberechtigt ist jeder selbständige Gemeindeangehörige, welcher 1. Angehöriger des Deutschen Reiches, A. die bürgerlichen Ehrenrechte besitzt, 3. seit einem Jahre in dem Gemeindebezirk seinen Wohnsitz hat, 4. keine Armenuuterstützung aus öffentlichen Mitteln empfängt, 5. die auf ihn entfallenden Gemeinde- abgaben bezahlt hat und außerdem u) entweder ein Wohn- haus in dem Gemeindebezirk besitzt, oder b) von seinem gesamten, innerhalb des Gemeindebezirks belegenen Grund- besitz einen Jahresbetrag von mindestens 3 M. an Grund- und Gebäudesteuern entrichtet, oder o) zur Staatseinkommen- steuer veranlagt ist oder zu den Gemcindeabgaben nach einem Jahreseinkommen von mehr als 660 M. herangezogen wird. Als selbständig wird nach vollendetem 24. Lebensjahre jeder betrachtet, welcher einen eigenen Hausstand hat. Ehambregarnisten sind wahlberechtigt, Schlafburschen ist das Wahlrecht durch eine Entscheidung des Oberverwaltnngsgerichts abgesprochen worden. Besonders sei noch darauf hingewiesen, daß man zur Ausübung des Gcmeindewahlrcchts— im Gegensatz zu den Städten— nicht Preuße zu sein braucht, es ist nur erforderlich, daß man die deutsche Reichsangehörig- keit besitzt. Die Gemeindewählerlisten liegen vom 15. bis 36. Januar aus und zwar: In Pankow von 8—3 Uhr im Rathause. Listen zum Einzeichnen der Wähler werden in folgenden Lokalen ausgelegt werden: Restaurant Griffel, Kaiser Friedrichstr. 15; Restaurant Müller, Berlinerstr. 86; Restaurant A b e n d r o t h, Mütilenstr. 23; Re- staurant El einen, Wollankstr. 122; Restaurant Buge, Schulze- straße 28; Restaurant Wolf, Wollankstr. 23; Vorwärtsspedition von Georg Freiwaldt, Florastr. 66. Reinickendorf. Die Listen liegen im Rathause aus. Für die- jenigen, welche die Listen nicht persönlich einsehen können, haben sich die Nachfolgenden bereit erklärt, die Listen einzusehen: W. Bohn, Gescllschaftsstr. 33; F. Bolien, Gesellschaftsstr. 42; H. Scholz, Proviuzstr. 7; E. H o h m u t h, Provinzstr. 108; E. Kirsch, Markstr. 1/2; Klähn, Residenzstr. 31; Nicolai, Residenz- straße 137; M e i>: h a r d t, Hauptstr. 50/51; Brückner, Provinz- straße 82; Schiller, Provinzstr. 79; Wolffram, Hausotter- straße 43; Petrat, Provinzstraßc Ecke Bürgerstraße; Gründer, Hoppestr. 24; Gehrke, Nordbabnstr. 11. Groß-Lichterfelde. Die Wählerliste für die Wahlen zur Ge- mcindevertretung in Groß-Lichterfelde liegt vom 15. bis ein- schließlich 30. Januar 1906 im hiesigen Gemeindebureau(Schiller- straße 32), Zimmer 8, zur öffentlichen Kenntnis aus. Adlcrshof. Vom 15. bis 30. Januar liegen im Gemeinde- bureau die Wählerlisten zur Gemeinderatswahl ans. Diejenigen Parteigenossen ivelche�ckeine Gelegenheit haben, selbst nachzusehen, Wollen ihren Namen, Wohnung und Beruf bei nachstehenden Ge- nossen abgeben: Hermann Hildebrandt, Selchowstr. 14; Ernst Tost, Bismarckstr. 10; Richard Kaul, Bismarckstr. 16; Gustav Tempel, Krouprinzenstr. 46; Louis Stemm Wedel, Adlergestell 20; August Beck, Hackenbergstr. 29. Treptom-Bäiimschiilenweg. Die Wählerliste für die Ge- meindevertretung liegt in der Zeit vom 13. bis 30. Januar im Gemeindehanse, Neue Krug-Allee 5. Zimmer 15, an den Wochentagen von 9 bis 3 und an den Sonntagen von 9 bis 10 llhr vormittags öffentlich ans. Zur Einsicht für behinderte Genossen sind bereit: Robert Gramenz, Zigarrengeschaft, Kiefholzstr. 412, an der Elsenstraße, Fritz Prenß, Gastwirt. Neue Krug-Allee 59, Otto Vi e t t e, Zigarrengeschäft, Baunischnlensir. 70, G u sta v W a n g en- heim, Zigarrengeschäft, Baumschulenstr. 15 und die Bezirksführer. In Schmargendorf kann die Liste iin Rathanse, Zimmer 45, werktäglich von 8'/» Uhr vorinittags bis nachmittags 3 Uhr ein- gesehen.verde». Grünau. Im Gemeindeamt, Mittelstr. 11, Zimmer 2, liegt die Wählerliste während der Amtsstunden— 9 bis 1 Uhr— zur öffent- lichen Kenntnis aus. Wähler, die verhindert sind, selbst»achzu- sehen, wollen sich an G. Becker. Jägerstr. 18, wenden. Mariendorf. Die Einsichtnahme in die Wählerliste kann während der Dicilststunden im Rathause, Zimmer 6, erfolgen. Biikow. Im Gcnieiudcbureau. Dorfstr. 8, ist die Wählerliste ausgelegt und kann eingesehen werden. Einsprüche gegen die Richtigkeit der Liste sind sofort zu Protokoll zu geben._ Chart otteubnrg. Die Charlottenburger Stadtverordneten hielten am Mittwoch ihre erste Sitzung im neuen Jahre ab. Nach Erledigung der üblichen Formalitäten wurden die wiedergewählten Stadträte sowie die wieder- bezw. iieugcwählte» Stadtverordneten, darunter die Sozial- demokraten Bartsch und Klick, eingeführt. Sodann erfolgte die Wahl des Vorstandes für 1906. Bei der Wahl des B o r st e h e r s herrschte im Saale große Spaminng, eS blieb bis zum letzten Augenblick zweifelhaft, wer als gewählt proklamiert werden würde. Die Liberalen erHobe» nämlich als stärkste Fraktion Anspruch auf die Stelle, sie präsentierten den bisherigen stellvertretenden Vorsteher Kaufmann. Die drei anderen Fraktionen dagegen wünschten die Wiederwahl des bisherigen Vorstehers Justizrat Rosenberg. Die Wahl erfolgte durch Stimmzettel. Von 65 Zetteln waren sechs un- beschrieben, 28 lauteten auf Rosenberg, 31 auf Kaufmann. Da die Versammlung nach längerer Geschäftsordnungsdebatte sich dafür erklärte, daß bei der Ermittelung des Resultats auch die weißen Zettel als gültig zu betrachten seien, mithin die Mehrheit von 33 von keinem Kandidaten erreicht war, wurde zur zweiten Wahl geschritten, ans der Rosenberg mit 34 Stinnneil gegen Kaufmann, auf den nur 31 fielen, als Sieger hervorging. Zum stellvertretenden Borsteher wurde Stadtv. Kauf- m a n n. zu Beisitzern die Stadtvv. Heise, Münch, Stein und Dr. Borchardt(Soz.) gewählt. Zum preußischen Städtctag entsandte die Versammlung die beiden Vorsteher, zum Brandenburger Städtetag die beiden Vorsteher und die Stadtvv. Buka, Dr. Penzig, Otto und Dr. Borchardt (Soz.). Es folgte die Wahl von Mitgliedern für verschiedene Ausschüsse. Von Sozialdemokraten gehören an dem Wahlausschuß: Dörre. Scharrirberg, Mickler; dem RechnungsauS s ch u ß: Klick. Liebe, Sellin; dem Petition Sa usschuß: Klick, Sellin; dem Wahl- Prüfungsausschuß: Hirsch. Paasche; dem Ausschuß betr. Regelung des V e r d i n g u n g s w e s e n S: Hirsch. Scharrnberg. Sellin; dem Ausschuß zur Prüfung eines Defekts im Rechnungs- jähre 1903: Liebe und Sellin. Debattelos bezw. nach unwesentlicher Debatte nahm die Versammlung die Vorlagen betr. versuchsweise Errichtung von Arbeitsstunden für Kinder der Gemeindeschulen und betr. Bereit- stellung von 30 000 M. zur technischen Vervollkommnung der im neuen Schiller-Theater zu errichtenden Bühne an. Die Vorlage betr. Ueberlasiung eines Grundstücks an die an- läßlich der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares geplante Stiftung zur Begründinig einer Mnsteranstalt zur Bekämpfung der Säuglings- slervlichkcit gab unserem Genossen Zepler Veranlassung in ironischer Weise die Sozialpolitik der Gemeindebehörden zu kritisieren, die die sozialdemokratische» Anträge ablehnen, aber das gleiche, was die Sozialdemokratie fordert, in dein Augenblick bewilligt, wo von höchster Stelle ein entsprechender Wunsch geäußert wird. Die Vorlage wurde einem Ausschuß von 13 � Mitgliedern überwiesen, dem u. a. die sozialdemokratischen Stadtverordneten Liebe, Vogel und Dr. Zepler angehören. Schöneberg. Die Schöneberger Stadtvcrordlietcn-Nachivahlen brachten unserer Partei den vorauszusehenden Erfolg, indem die Mandate des s e ch st e n und achten Bezirks behauptet wurden. Die Zahl unserer Mandate im Stadtparlament hat sich dadurch um zwei vermehrt, ist also auf neun angewachsen. Im zweiten Bezirk, mit seinen von Arbeitern teilweise sehr wenig bewohnten Straßen hatten wir schon im voraus mit einer Stichwahl zu rechnen. Unsere bürgerlichen Gegner arbeiteten mit vollen Kräften, um mit uns in Stichwahl zu gelangen. In letzter Stunde war hier noch der offizielle Hausbesitzerkandidat zurückgezogen und an dessen Stelle anderweitig Ersatz geschafft. In Ermangelung eines weiteren Hausbesitzers war unsere Partei genötigt, hier wiederum den Genossen Stadtv. O b st aufzustellen. Die Beteiligung der Arbeiterschaft war ziemlich flau. Die bürgerlichen Parteien hatten die ganze Beamtenschaft mobil gemacht, daher die für sie ziemlich hohe Stimmenzahl. Die Resultate der einzelnen Bezirke sind folgende: 2. Bezirk. Eingeschriebene Wähler......... 1482 Abgegebene Stimmen......... 648 Obst(Sozialdemokrat)......... 229 Gottschall(Freisinnige Volkspartei)..... 202 Hacker(Hausbesitzerverein)........ 38 Raach„........ 179 Stichwahl zwischen Obst und Gottschall. 6. Bezirk. Eingeschriebene Wähler......... 1623 Abgegebene Stimmen......... 699 Magnan(Sozialdemokrat)........ 391 Clans(Bürger!.>........... 303 Gewählt; Magnan. 8. Bezirk. Eingeschriebene Wähler......... 2444 Abgegebene Stimmen......... 1148 Wolframi»(Sozialdemokrat)....... 613 Fischer(Bürgert.)........... 534 Gewählt: Wolframm. Die Schöncbcrgcr Gcwerbcgrrichtswahlcn, die am 20. Januar statifinden, werfen ihre Sckatten voraus. Die Schöneverger lokal- organisierten Zimmerer hatten an die Gcwerkschnftskominissioii das Verlangen gestellt, ihnen einen Kandidaten zur Gewerbegerichtswahl zuzubilligen. Dieses Verlangen ist von der Kommission abgelehnt worden. Gegen diesen Beschluß war von der Kommission der lokal- organisierten Gewerkschaften zu Dienstag eine Protestversammlung nach dem Obstschen Lokale einberufeil worden, in der der Referent Genosse Gehl eingehend die Sachlage darlegte und den Beschluß aufs heftigste geißelte. Die Diskussion war eine sehr erregte und es wurde schließlich folgende Resolution angenommen: „Die heutige Protestversammlnng der lokalorganisierten GeWerk« schaften Schöiiebergs am 9. Januar protestiert gegen die Vergewalti- gung des hiesigen Gewerkschaftskartells bezüglich Nichtanerkennung ihres nominierten Kandidaten zu den bevorstehenden Gewerbe- gerichtswohlen und erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten voll imd ganz einverstanden.— Die lokalorganisierten Arbeiter Schönebergs sind nicht gewillt, sich als Genossen zweiter Klasse be- handeln zu lassen und' sehen sich daher gezwungen, ihr von den Berliner Berirauensleuten zuerkanntes Recht auf dem Wege der Selbsthülfe zu erkämpfen.— Die heutige Protestversammlung be- schließt demzufolge, selbständig in die Wahl für ihre eigenen Kandi- baten einzutreten und diese Resolution dem Vorstande des Zentral- Wahlvereins zur Kenntnis zu unterbreiten." Eine für Nicht beteiligung eingebrachte Resolution fand dadurch ihre Erledigung. Der Gral- Abend, bei lvelchem am vorigen Sonntag in Char- lottenburg Hunderte wegen Ueberfüllnng des Saales umkehren mußten, wird nun in der H o h e n z o l l e r n s ch u l e von der Schöneverger Volksk nn st kommission am Sonntag, den 14. Januar er., wiederholt. Größere Bruchstücke aus Wagners„ P a r s i f a l" und„ L o h e n g r i n" werden von ersten Kräften, wie Adele Otto- Merano(Bayreuth), Hjalmar Arlberg, Sydney Biden:c. zu Gehör gebracht werden. Frl. Dr. Kaufmann- Schivabach hat den einleitenden Vortrag übernommen, die Rezitation Dr. Gustav Mauz. Karten a 0,30 M. sind in allen Schöneverger Buchhandlungen sowie im Verein zur Förderung der Kunst, Genthiner- straße 17. und Dürerhaus, Kronenstr. 18, zu haben. Nixdorf. Der Rixdorfcr Kanarienzüchter- Verein veranstaltet in der Zeil vom 13. bis 16. Januar 1906 eine V o g e l a n s st e l l u n g in den Prachtsälen des Deutschen Wirtshauses in Rixdors, Bergstr. 137. Treptow-Baumschulenweg. AuS der Gemeindcorrtretung scheidet unser Parteigenosse Hof- mann und der Freisiiniige Herr Kurth ans. Die Freisinnigen ivollcn ihr möglichstes tun. um uns das Mandat zu entreißen und haben bereits am 28. November beschlossen, sich mit anderen Parteien be- Hufs Bekämpfung der Sozialdemokratie in Verbindung zu setzen. Sie glauben, init den 100 Forensen bei der Wahl den Sieg zu er- ringen. Der Kommunalverein, welcher für sie hauptsächlich in Be- tracht kommt, hat es bisher noch nicht für nötig gehalten, sich mit diesen„Schaukelmännern" zu koalieren. Die gemachten Erfahrungen bestätigen aber, daß Antisemiten und Juden ein Herz und eine Seele sind, wenn es gilt, die Sozialdemokratie zu bekämpfen. Unsere Parteigenossen werden gewiß alles daran setzen, um den „Bürgerlichen" die Aussicht auf emen Wahlsieg zu vereiteln und durch eiftige Betätigung an den Wahlarbeiten der Sozialdemokratie zum Siege zu verhelfen. Pankow. Die Gemeindevertretung hatte in ihrer letzten Sitzung eine um- fang, eiche Tagesordnung zu erledigen, in welcher nicht weniger als 24 Punkte ihre Erledigung fanden. Zu Vorsitzenden'und Stell- Vertreter des hiesigen Gcwerbcgerichts wurden die Herren Conrad und Baak wiedergewählt, weil deren Amtsdauer abgelaufen war. Die Anstellung eines besoldeten Schöffen soll vorläufig vertagt und dafür die Stelle eines RegiernugSbaumeisters ausgeschrieben lvcrdcn, ivelcher später die Funktion eines besoldeten Schöffen übernehmen soll. Die Allstellung eines Gartenbauuispektors mit 2500 M. Anfangsgehalt wird nach längerer Debatte abgelehnt, lveil die Notwendigkeit zur Anstellung einer solchen Kraft noch nicht vorhanden ist. Die katholische Gemeinde hatte einen Antrag eingereicht, eine besondere katholische Volksschule einzurichten. Mit Rücksicht auf das schwebende Volksschulunterhaltungsgesetz wird der Antrag ab- gelehnt. Die gesetzliche Regelung der Schnlfrage soll abgewartet werde». Ein Antrag der Schulkommission, zwei Lehrer und zwei technische Lehrerinnen anzustellen, wird angenommen, wobei von sozialdemokratischer und bürgerlicher Seite hervorgehoben wurde, daß. da 45 Pflichtstunden auf eine Lehrkraft im Durchschnitt die Woche fallen, eine grögere Entlastung Platz greifen müsztc. Es wird der Schulkoimmssioii anheimgestellt, eine Vorlage auszuarbeiten, wonach eventuell mehrere Lehrkräfte noch anzustellen oder dast für Vertretung für erkrankte Lehrer zu sorgen sei.— Mit schwerem Herzen hat sich die HauSbesitzermajorität entschlossen, den vor zwei Jahren gefastteu Beschlutz, den Wasserzins von 2i) Pf. auf 15 Pf. herabzusetzen, wieder aufzuheben. Denn der finanzielle Effekt ist zu augenfällig; 35 000 M. hat die Gemeinde weniger ans dem Wasserwerke herausgeholt, so datz im letzten Jahre beinahe mit Ilnterbilanz gearbeitet wurde. Um aber die bittere Pille zu der- süßen, hat man sich geeinigt, die Grundgebühr nicht mehr zu er- heben, Ivelche zirka 11000 M. einbringt. ES wird also trotz der Erhöhung auf die alte Höhe nur ein Mehr von 24 000 M. erzielt. Für das im Herbst zu eröffnende Krankenhaus sind die Stellen der dirigierenden Aerzte mit 3500 M. und die Stelle eines Krankenhaus- inspektors mit 2500 M. als ÄnfangSgehälter nebst freier Wohnung und Nebenbezllgeil ausgeschrieben worden. Johannisthal. Am Dienstag, den S. Januar, fand bei Wendt eine gutbesuchte Generalversammlung des hiesigen Wahlvereins statt. Zunächst gab der Vorsitzende den OuartalSbericht, aus dem zu entnehmen ist, datz der Verein gute Fortschritte gemacht hat. Im letzten Quartal haben sich 15 Mitglieder neu aufnehmen lassen. Den Bericht von der Kreisgeneralversamnilung gab Genosse Beetz. Der Vorsitzende Genosse DieSner berichtete über die Versamnilung des Verbandes Grotz-Berlin und knüpfte die Hoffnung daran, datz der Verband erfolgreich für die gesamten Vereine arbeiten werde. Nach Eni- gegennahme des Berichtes der Parteispeditio» und des Bibliothekars, berichteten die Genossen Radunche und Dühring ans der Gemeinde- Vertretung. Im Anschluß hieran teilte derVorsitzendennt.datzdieWähler- listen zur Gemeindevertretung vom 15.�-30. Januar beim Genossen Gobi», Roonstr. 2, zur Einsicht ausliegen. Sodann wurde ein An- trag des Vorstandes diskutiert, den Tischler Wegner wegen Ver- imtreuung von Parteigeldern aus dem Wahlverein auszuschließen. Diesem Autrage wurde einstimmig Folge gegeben. Ein weilerer An- trag, gerichtlich gegen denselben vorzugehen. Ivurde ebenfalls an- genommen. Nach Wahl eines Verguügungskomitees zum Oster- vergnügen wies der Vorsitzende aus die am 14. d. ült. stattfindende Flugblattvcrbreitung hin und machte darauf aufmerksam, datz anr 21. Januar im Lokale Hqsseltverder in Nieder-Schöneweide init den Rudower und Schöneiveider Genossen gemeinsam die DenronstrationS- Versammlung gegen das Dreiklassenwahlrecht stattfindet. Köpenick. In der ersten Stadwcrordnetcnfiftnng im neuen Jahre wurde zum Vorsteher Herr Andersohn, zum Stellvertreter Herr Dr. Martin und zum Schriftführer Herr Fritiche wiedergewählt. Als Sitznngstag ivurde der Freitag, und als Anfangszeit nachmittags 4 Uhr festgesetzt. Ein Autrag unserer Genossen, erst um 5 Uhr zu beginnen, wurde abgelehnt. Außer in der Schutkommission sind unsere Genossen in allen Kommissionen vertreten. Der in der letzten Sitzung im alle» Jahre an eine Kommission verwiesene Antrag des Magistrats, wegen Verkaufs von 66 Hektar städtischen Forstlandes hinter„Rübezahl" am Müggelsee, wurde nach längerer Debatte angenommen. Der Kaufpreis beträgt IV, Millionen Mark, gleich 2,75 M. für den Quadratmeter. Ein Drittel der Summe ist sofort zu zahlen, der Rest wird auf 20 Jahre unkündbar zu 3 Proz. als Hhpothek eingetragen. Es ist nur landhauSmätzigc Bebauung zulässig, auch mutz längs des Müggelsees ein dreißig Meter breiter Streifen für eine Ufeistratze freibleiben. Die Anträge unserer Ge- nossen, die Umsatzsteuer zu erheben und auch den Baumbestand extra zu berechnen, wurden abgelehnt. Spandau. Ju der Gcncralversammlmig des sozialdemokratische» Wahl- vereins erstattete zunächst der Vorsitzende Genosse Pieser den Vor- standsbericht. Im letzten Quartal haben stattgefunden: 2 ordentliche und I antzerordentliche Generalversammlungen, 5 öffentliche Versa», mlungen, 7 Sitzungen der erweiterten Parteileitung und 0 AorstandSsitznngen. Die Mitgliederzahl ist von 645 auf 713 gesisegeu. Nach Berufen verteilen sich die ivtitglieder wie solgt: Maurer 173, HülfSarbcitcr 144, Zimmerer 85, Metall- nrbciter 77. Holzarbeiter 46, Töpfer 41. Steinsetzer 22 Brauer 15, Restaurateure 14, Heizer und Maschinisten 11, Schuhniacher 9, Büchdrusker 12, Böttcher 6, Zigarrenmacher 6, Kutscher 7, Bäcker 5, Porzellaudreher 5, Bäckermeister 4, Barbiere 3, Porzellanmaler 3, Schuhmachermeister 3. Korbmacher 3, Kaufleute 2, Gärtner 2. Schnciderineister 2, Kohlenhändler 1, Vergolder 1, Spediteur J, Buchbinder 1, Kassenbeamter 1, Zahntechniker 1, Lagerist 1, Kürschner 1, Malermeister 1, Schneider 1, Kellner 1, Dekorateur 1 und Handelsmann 1. Abonnenten des„Vorwärts" sind 784. der„Brandenburger Zeitung" 32. Bei der Stadtverordneten- Ersatzwahl ist der Genosse Hornig mit großer Majorität gewählt, dagegen sind wir bei der Hauptwahl in sämtlichen Bezirken unterlegen. Dies sei einerseits dem Umstände zuzumessen, datz in den Staatsbetrieben eine regelrechte Wahl- beeinflnssung stattgefunden habe, andererseits waren die Partei- genossen sowie die' gewerkschaftlich organisierte» Arbeiter nicht so auf dem Posten wie es ihre Pflicht«rforderte. Man komme mit allerlei Ausrede», dies seien ader mir faule Ausreden. Die Wählerlisten waren schlecht ausgearbeitet, mau kana sich auf die Arbeit des Magistrats nicht verlasse». Redner beschäftigt sich alsdan» mit der ge- planten Reorganisation derhiesigen Parteibewegung. Der dann erstattete Bericht des Kassierers ergibt, datz die Einnahmen 682,29 Dl, die Ausgaben 435,78 M. betrugen und an den Zentralvorstand 106,86 M. abgeführt sind. Dem Kassierer wurde auf Antrag der Revisoren Decharge erteilt. Zu der am 14. d. M. stattfindenden Kreis-General- Versammlung empfiehlt der hiesige Vorstand, folgende Anträge zu stellen: 1. Der Zentralvorstandsbericht soll vier Wochen vor der stattfindenden Kreis-Generalversammlung den Zweigveremen zugehen, 2. Zulassung eines Mitgliedes in der„Vorwärts"- Pretzkonmnssion. Als Delegierte zur Kreisgeneralversainmlung wurden die Genossen Pieser. Golz und Trompler gewählt. Eine längere Debatte zeitigte das Bedürfnis einer örtlichen Presse. Für die Nolwendigkeit einer hiesigen Zeitung sprachen sich die Genossen Reibeholz. Bühle. Abraham, K o n i tz e r und Golm aus, dagegen waren die Ge- nossen T r o m p l e r und Linz. Dir freie Gemeinde hielt am Sonntagnachmittag im Saale von Tetznow(Hakenfelde) eine öffentliche Versammlung ab. Hierzu waren sämtliche katholischen und evangelischen Pastoren sowie die Lehrer der Baptisten und Heilsarmee eingeladen, aber leider nicht erschienen. Nur der Amtsvorsteher von Spandau-Land. Herr Major v. Rohr war anwesend. Genosse Stern-Berlin sprach in ständigen Ausführungen über das Thema:„Gibt es eine» Gott?" In der Diskussion versuchte der Herr v. Rohr von seinem orthodoxen Standpunkt aus, die Versammlung für seine Ideen zu gewinnen, mutzte aber wahrnehmen, datz fich auch nicht ein einziger in der von etwa 800 Personen besuchten Ver- sanimlung befand, der mit seinen Ansichten sympathisierte. Man verlangte Vernunstgründe und keine Phrasen. Der Herr Major ver- schwand, ohne die Antwort seines Gegners abzuwarten. Es läßt sich eben gegen Vernunftaründe schwer ankämpfen. In der Dis- kussion sprach noch Genosse Pieser im Sinne des Referenten. berliner JVachrichten. Endlich! Mit der Auszahlung der Zulage an städtische Beamte und Arbeiter ist gestern begonnen worden. Die Auszahlung der Zulage geschieht nach Listen in der Reihenfolge der Verwaltungen nach den Anweisungen der betr. Dezernenten. Zu dem Berliner Borort-Fahrplan ist ein Berichtigungsblatt erschienen, das folgende, sofort in Kraft tretende Aenderungen ver- zeichnet: Die Görlitzer Vorortzüge 3143 und 3154, welche bisher nur bis bezw. von Grünau verkehrten, werden bis bezw. von K ö n i g s- W u st e r h a u s e n durchgeführt: ab Görlitzer Bahnhof 6>o an Äöiiigs-Wusterhaiisen 6 53 abends, ab Königs-Wusterhausen 7� an Görlitzer Bahnhos 3>3 abends. Auf der Z o s s e n e r Borort- strecke verkehren zwischen Potsdamer Ringbahnhof und Mahlow zwei neue Züge ab Berlin 2� nachm., ab"Mahlow 3� nachm. Der Zug�S auf der Nauener Vorortstrecke ist früher gelegt! er trifft in Spandau schon 63l xi,, und geht von da ö29 vorm. nach dem Nordring weiter._ Ein schweres Bauunglück hat sich gestern'frühlin der Romintenerstr. 24 ereignet. Dort wird von der Baufirma Arnold Küthe, Friedrichstr. 72, ein mehrere Höfe umfassender Fabrikneubau aufgeführt, der bereits bis zum vierten Stock im Roh- bau fertig ist. Das benötigte Baumaterial wird in kleinen Lowries mittels eines Fahrstuhles in die Höhe befördert und dann auf Schienenwegen an Ort und Stelle geschafft. Als nun gestern früh um 8 Uhr zwei Arbeiter im vierten Stock zwei solcher LowrieS, von denen eine mit etlva 300 Manersteinen und die andere mit Kalk gefüllt Ivar, über eine sogenannie Brücke, die über das Treppenhaus. führte, schoben, brach die Brücke unter der Last zusammen und die 1 Lowries samt den Arbeitern stürzten hinab. Ein an der Wand beschäftigter Maurer Zeidler erhielt durch eine abgebrochene Schiene einen Schlag und wurde am Kopfe leicht verletzt. Die schwere Last durchschlug die vierte abgedeckte Etage und fiel in der dritten Etage auf einen Zementarbeiter, der gerade mit seinem Karren durchfahren wollte, und ritz ihn mit, alles durchschlagend. Auch ein in der ersten Etage beschäftigter Stein- träger wurde getroffen und ebenfalls mitgerissen. Die bereits fertig gewölbte Kcllerdecke wurde gleichfalls durchschlagen; ein dort be- schäftigter Maurer hatte noch so viel Geistesgegenwart beiseite zu springen und wurde nur leicht verletzt. Sofort wurde die Feuer- wehr alarmiert, die sich unverzüglich an die Reitungsarbeiteii machte, sie holte zwei unter de» Trümmern begrabene Arbeiter heraus, zwei andere waren bereits vor Ankunft derselben von den Kollegen befreit worden. Am schwersten verletzt waren der Arbeiter Karl R o st e ck aus der Gabriel Maxstratze 10 in Rummelsburg und sein Kollege Hermann Düring aus der Borstgstratze 15. Rosteck wies besonders zwei Wunden am Hinterkopf auf, die den Sckädcl förmlich freigelegt hatten. Ferner erlitt er noch starke Quetschungen im Gesicht. Auch Düring hatte schwere Wunden am Kopf und im Gesicht und außerdem noch eine starke Briistquetschung und Beschädigung der Wirbelsäule davongetragen. Beide Ver- unglückte wurden nach Anlegung von Notverbänden nach dem Kranken- hause am Friedrichshaiu geschafft. Der Arbeiter Robert Linke aus der Eldeuaerstr. 5 wies neben einem Armbruche zwei schwere Kopf- wunden auf, während bei dem Arbeiter Hermann R e h b o ck ans der Nüdersdorferstr. 13 eine Gehirnerschütterung und Quetschung des rechten Unterschenkels festgestellt ivurde. Mit leichteren Verletzungen waren der Maurer Gustav Zeidler aus der Frankfurter Allee 147 und sein Kollege Waldemar F a b e r aus Eggersdorf bei Strautzbcrg davon gekommen. Die vier zuletzt genannten Personen wurden auf ihren Wunsch nach ihren Wohnungen befördert. Rosteck und Düring dürsten schwerlich mit dem Leben davon kommen.— Der Bau bezw. die Unfallstelle wurde einstweilen polizeilich gesperrt. Noch im Laufe des Bor- mittags erschien eine amtliche Kommission, die den Talbestand auf- nahm und die Unfallstelle photographierte.— Wem die Schuld an dem Unfall zuzumessen ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Gewiß ist aber, wäre die Konterrüstung in der dritten Etage, unmittelbar unter der Rüstung, vorhanden gewesen, wäre das Unglück nicht so groß geworden. Zahlreiche Pserdediebstähle sind in letzter Zeit im Südwesten der Stadt ausgeführt worden. So wurde vorgestern ein vor der Markt- balle in der Bcrgmaimslratze haltendes Fuhrwerk des MilchhändlerS Dispert aus Marieudorf gestohlen. Der Wagen wurde später ohne Gespann am Maybach-llser aufgefunden. Gestern wurden gleich- artige Diebstähle in der Neuenburger- und Simeonsttatze auSgesührt. In dem letzteren Falle wurden die Täler überrascht, verfolgt und in der Kochslratze festgenommen. Die Verhafieten sind die in Zuhälterkreisen bekannten.Arbeiter" Röhl und Lorenz. Ein heftiger Zusammenstoß einer Automobildroschke mit einem Straßenbahnmagen fand gestern nackmittag gegen l/a3 Uhr an der Ecke der König- und Nene» Friedrichstratze statt. Die Automobil- droschke Nr. 4305 bog unmittelbar vor einem Straßenbahnwagen der Linie 62 auf das Gleis und fuhr gegen die Borderplattform des Motorwagens. Der Anprall erfolgte mit solcher Gewalt, datz der Vorderteil des Autos vollständig zertrümniert. der Führer und die beiden Insassen der Droschke ans den Stratzendamm geschleudert wurden. Während der Automobilfahrer ohne Verletzungen davon- kam, erlitten die beiden Fahrgäste, Kaufmann Trninbin aus Warschau. zurzeit„Hotel Phönix" wohnhast, und Dr. Schlotzberg, zurzeit„Hotel Fürst Bismarck", Quetschungen an den Händen sowie Verletzungen im Gesicht. Sie erhielten auf der Unfallstation in der Keibelstratze die erste Hülfe und konnten sich von dort nach ihren Wohnungen begeben. Zeugen gesucht. Personen, die Zeugen einer am 27.?lugust 1005 sich in den Nachmittagsstundcn in der Thomasiusstratze Ecke Alt-Moabit abgespielten Schlägerei waren, werden um die Abgabe ihrer Adresse an John, Löwestrahe 1s, gebeten. Serickts-Leitung. Den Hände» eines Mädchenhändlers entwichen. Das geheimnis- volle Verschwinden der Ibjährigen Tochter des Portiers Treptow aus der Rheiustratze 25 zu Friedenau hat jetzt seine Aufklärung gesunden. Das junge Mädchen war in Berlin von einein srcmden Manne überredet worden, mit ihm ins Ausland zu fahren, wo sie bald ihr„Glück" machen könne. Die T. ließ sich auch betören und war eines Tages spurlos verschwunden. Sie fuhr mit dem Unbekannte» vom Slettiner Bahnhof ab: während der Eisenbahn- fahrt kamen ihr jedoch Bedenken. In Stettin gelang es dem Mädchen unter einem Vorwande ans dem Bereiche ihres Begleiters zu ent- kommen. Es begab sich zu seiner dort wohnhaften Grotznnitter, welche den Eltern der Verschwundenen sofort telegraphische Nachricht über die Ankunft der Tochter zugehen lietz. Lieber sterben als den heiraten. Mit diesem Ausbruch der Ver- zweiflung stürzte sich gestern nachmittag an der Alsenbrücke ein junges Mädchen in die Spree Ein in der Nähe patrouillierender Schutzmann löste sofort den RettungSkahn und ruderte auf die Selbst- niörderiii zu. Verzweifelt ivehrle diese sich jedoch gegen ihre» Retter. Erst nach längerem Kanipfe im Wasser gelang es dem Beamten, die Lebensmüde in dem Kahne zu bergen. In einer Droschke brachte er sie nach der nahegelegenen Charitö, wo sie bald nach der Eiiilieferung starb. Die Persönlichkeit der Toten konnte bisher noch nicht fest- gestellt werden. Es handelt sich hier jedenfalls um die BerzweiflungS- tat einer Unglücklichen. Verhaftung einer Einbrecherbande. Mttcn in der Arbeit wurden in der gestrigen Nacht Einbrecher überrascht, welche dm Warenhause von Meyer in der Boxhagenerstratze einen Besuch abgestattet hatten. Die Täter erbrachen zunächst die Schaukästen und waren emsig dabei. dieselben auszurauben. Plötzlich rauchten im Dunkel der Nachl einige Gestatten hinter ihnen aus und die Burschen ergriffen nun, ihre Beute im Stiche tassend. die Flucht. De» Verfolgern— es waren Bäckergesellen au« dem Nebenhause gelang es jedoch, die Aus- rcitzer zu erwischen und festzunehmen. Durch Polizeibeamte wurden die Langfinger dann verhaftet und in das Präsidium eingeliefert. Zu dem Gerüchte von einem Raubmord hat ein Leichenfund Beranlassung gegeben, welcher gestern zwischen dem Buckower- und dem Scharmützelsee gemacht wurde. In dem dortigen Werdafltetz fand man etwa 76 Meter von der Buckowsee-Promenade, entfernt die Leiche einer weiblichen Person, die etwa fünf bis sechs Tage im Wasser gelegen haben konnte. Bekleidet war die Tote mit grün- karrierter Bluse, schwarzem Rock, einem einfachen sogenannten Herrenhut mit weitzrm Schleier, dunklem Jackett und brcnmgelbe» Handschuhen. In Verbindung mit dem Leichenfund enlstand das Gerücht, datz die Tote, bei der man Geld nicht vorfand, einen größeren Geldbetrag und eine goldene Uhr bei sich geführt habe, und daß die Aufgefnnden« einem Verbrechen zum Opfer gefallen sei. Was an diesem Gerücht Wahres ist, wird die gerichtliche Untersuchung, welche sofort i» die Wege geleitet ist, ergebe». Vor allen Dingen handelt es sich darum, die Persönlichkeit der Toten, in der anscheinend eine Berlinerin zu suchen ist, festzustellen. Ans der Straße vom Tode überrascht wurde gestern abend eine unbekannte etwa 55 Jahre alte Frau, die dem Arbeiterstande anzn- gehören scheint. Sie war die Triststratze hinuntergegangen und an der Ecke der Willdenowstratze plötzlich zusainmengeoroche». Wenige Augenblicke später war sie bereits tot. Zur genauen Feststellung der Todesursache wurde die Leiche beschlagnahmt und zur Obduktion in das Schauhaus eingeliefert. Vandora vor Gericht. Vor der 2. Strafkammer beb Land- gcrichts II hatten sich gestern der Dichter Frank Wedekind und sein Verleger Bruno E a s s i r e r wegen Verbreitung der„Büchse der Pandora" zu verantworten. Die Sache hatte bekanntlich bereits- im Mai 1905 das Landgericht Berlin I beschäftigt, das beide An- geklagte freigesprochen und auch auf Freigabe des nicht für unzüchtig. erklärten Buches erkannt hatte. Die von der Staatsanwallschaft hier- gegen eingelegte Revision hatte den Erfolg, datz das Reichsgericht das Urteil aushob und die isache zur andertveitcn Entscheidung an das Landgericht II verwies. Zur gestrigen Verhandlung waren als Sachverständige der schon früher in dieser �adje gehörte Professor der Literaturgeschichte an der Universität Leipzig, Dr. Georg Witkowsky, und der gerade in Berlin anwesende Wiener Schriftsteller Hermann Bahr geladen. Da das Buch in der Verhandlung zur Verlesung gelangen mutzte, erfolgte die Verlesung durch Herrn Wedekind selbst. Die Verhandlung fand unter Ausschlutz der Lcffent- lichkeit statt, doch verlautet, datz die beiden Sachverständigen sich durchaus zugrmste» der Angeklagten und des inkriminierten Buches gcäutzert habe». Der Gerichtshof kam aus subjektiven Gründen zur Freisprechung der Angeklagleii, erkannte jedoch auf Vernichtung des Schriftiverks, da dasselbe unzüchtig sei, wenngleich es eher Ab- scheu und Ekel als Lüsternheit zu erregen geeignet sei. Bestrnstes Vertrauen. Wie die Allgenreine Elektrizitäts- Gesellschaft ihr« kaufmännischen. Angestellten eingestellt, wurde in einer Klagesache beleuchtet, die gestern vor der 2. Kammer des Kanfmanlisgerichtes zur Verhandlung kam. Es trat dabei die eigen- tümliche Gebarung zutage, datz die einzelnen Betriebe der Gesell- schaft einen lebbasten Ronkurrenzkamps untereinander um die tüchtigen Angestellten des Hauses betreiben, and datz ein Ressort bemüht ist, dem anderen Ressort tüchtige Beamte fortzuschnappcn. Diese Handhabung sollte dein hier als Kläger auftretenden Buch- Halter L. zum Verhängnis werden. L. war zuerst in der Turbinen- fabrik der'Allgemeinen Elektrizitäts»GesellscHast tätig gewesen, wurde aber wegen seiner Tüchtigkeit von der Apparatefabrik fort- engagiert. Die Tatsack)«, datz man ihm den tüchtigen Menschen, der llebenbei bemerkt ein Monatsgehalt von nur 106 M. bekam, wegschnappte, ließ den Betriebsburcauvorsteher der Turbinenfabrik nicht ruhen.„Zweimal bemühte ich mich," sagte dieser als Zeuge aus,„Herrn L. wegen seiner Tüchtigkeit zurück- zubekommen, aber Herr Direktor B. verweigerte die Erlaubnis." Später trat der Vorsteher ein drittes Mal mit L. in Verbindung und suchte ihn zu belvegen, wieder in die Turbinenfabrik zu kommen. L. erklärte sich auch zum llebertritt bereit, sofern man ihn drüben freilasse. Als nun der Borsteher dem Kläger ver- sicherte, es stände auch seitens des Direktors kein Hindernis ini Wege, wenn er nur von den Herr e n des andere» Betriebes gutwillig frei. gegeben werde, da löste L. in friedlicher Weise an einem Scnnabend sein Vertragsverhäktms und beabsichtigte am Montag in der Turbinensabrik anzutreten. Als er sich aber Montags ein- stellte, da hietz es, der Direktor hätte zum Engagement doch nicht seine Einwilligung gegeben, jj. wurde trotz seiner an- erkannten Tüchtigkeit und ohne Grund auf die Stratze gesetzt.— Das Kaufmaimsgericht mutzte zu einer Abweisung des Klägers kommen. Der Tatbestand sei zwar für den Kläger um so bedauerlicher, als er sich gerade kurz vorher ver- heiratet hätte, indessen hätte er das eine Engagement nicht lösen sollen, bevor er nicht das andere Vertragsverhältnis f e st in Händen gehabt habe. Er habe sich zwischen zwei Stühle gesetzt, und es sei sein„persönliches Pech", datz dieS Wagnis ihm die Stellung ge- kostet hätte. Zur Schadensersatzpflicht der Polizei, Bei der Hamburger Polizei war ein Hund abgeliefert, der zugelaufen war. Wie Üblich in solchen Fällen wurde der herrenlose Hund der Abdeckerei übergeben und, da die Adresse des Besitzers sich auf dem Haisband befand, benachrichtigte die Polizei den Eigentümer mit der Auf- forderung, den Teckel in der Abdeckerei einzulösen. Als dieses ge- schehcn sollte, war der Hund aber schon getötet. Der Bc- sitzer des Hundes strengte daraus eine Schadenersatzklage an gegen die Polizeibehörde. Sein Anspruch wurde in> erster Instanz abgewiesen, indem das Landgericht be- gründete, daß der Angestellte der Slbdeckerei, welcher den Hund ge- tötet hatte, kein Willensorgan sei und deshalb eine Haftpflicht für seine Hmrdlungen nicht bestände Auf die Berufung des Klägers wurde das Urteil des Landgerichts vom Oberlandesgencht aufgehoben und der Klageanspruch als berechtigt erklärt. Und zwar lomntt das Oberlandesgericht zu der Ansicht, datz die Polizeibehörde ein Verschulden treffe, da sie den Hund als Fundstück betrachten und ihn der Abdeckerei mit dem Auftrage zur Aufbewahrung übergeben mutzte. Sie hatte dies aber nickt getan, sondern ihn zur Behandlung nach§ 6 des Hnndcgesetzes überwiesen. Auch der Finder hatte das Recht, bei Nichtabholung das Fundstück wieder zurückzusorderr». Ter Hund ist also ohne Recht vernichtet worden und deshalb zu ersetzen. Gegen dieses Erkenntnis hatte die ham- burgische Polizeibehörde Revision beim Reichsgericht eingelegt. Das Reichsgericht erkannte jedoch auf Zurückweisung der Revision. Backstubenschweinereien. Vor dem Schöffengericht Fürth wurde gegen den Bäckermeister Zähler wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz verhandelt. Er hatte Brot verkauft, in dem die Käufer Würmer eingebackcn fanden. Ter ganze Mehlvorrat war mit Würmern durchseht, was der Beklagte wuhte. aber trotzdem buk er weiter, erst später schaffte er ein Sieb an. um die Würmer von dem Mehl abzusondern Ein Kunst,» liller als Sachverständiger meinte, es gäbe überhaupt nicht viel Mehl, das nicht Würmer enthalte I Diese seien übrigc'nS gar nicht ekelhaft, so lange man sie nicht sehe. Der bayerische Mehlwurmbäcker kam mit einer Geldstrafe von, 10 M. davon, hie ihn schwerlich zu größerer Reinlichkeit veranlassen wirb. "verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil vercmtw.: Th. Glocke, Berlin. Zentralverband der Handlnugsgebülfeu und Gehiilfinnen Dentschlauds. Bezirk Berlin. Freitag. den l2. Jminar. abends 9 Ilde: Verlänimliiiig in den Industrie- Feslsäle», Bemhttr. 20/21. ES spricht Redakteur Jul. Borchardt-Königsberg über:„Ist Frauenarbeit Lohn- ______ druck<" Zahlreichen Besuch erwartet__ Die Ortsocrwaltung. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.