N». ia. ntiomianentS'Befflngangen: ■Sonnemmtä» Preis pränumerando; Pierteljährl. S.M Mi, monatL tlO SRf., wSchenllich SS Pfg. frei ins HauS. Einzelne Hummer 5 Pfg> Sonntags- tuimmex mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reue»elf 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingettageu in die Post-geitungS- Preisliste. Unter Kreuzband ffit Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Offttlt Oall«»Btr OoBtigt, 23. Jahrg. Verlinev Volltsblcrtk. vi« lnkrtionü-LebW betrügt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen SS Pfg. „Meine Anreizen", das erste fsett- gedruckte)»ort ll> Pfg., jedes weitere »ort 6 Psg.»orte über 15 Buchstabe» zühlen für zwei»orte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis S Uhr bormittagZ geöffnet Telegramm-Adreffe: »SnUMunlik« Itrüi". Zcntratorgan der rozialdemohrattfchen Partei Deutfchlands. Redaktion: 8 LI. 68. Llndenetrasae 69. Fernsprecher: Zlmt IT, Nr. l»Ha Expedition: 8 LI. 68. Lindcnetraeee 69. Hernkvrecher:«int IV. Nr. 19S4, Freisinn und Dreiklassenwahlrecht. Unsere wiederholten Brandmarkungen der unsäglich feigen und verlogenen Haltung, die der Freisinn der Preußischen Wahlrcchtskampagne des Proletariats gegenüber einnimmt, haben die Schaumschläger der freisinnigen Presse in peinlichste Verlegenheit verseht. Namentlich unsere Be- merkung, daß die volksverräterische Haltung des Freisinns in der Wahlrechtsfrage die trefflichste Gelegenheit böte, den aus ehrlicher Vertrauensseligkeit politisch verblendeten Elementen der Hirsch-Dunckerschcn Gewerkvereinler gründlich die Augen über ihre„freisinnigen" Begönnerer zu öffnen, ist dieser Presse auf die Nerven geschlageil. Nachdem die„V 0 s s. Z t g." über den Satz des„Vorwärts", daß denkende Arbeiter schon des- halb von der Bourgeoisie keinerlei ernstgemeinte Unterstützung ihrer Wahlreckjtsforderungen erwarten könnten, da ja doch ein I n t e r e s s e an der Wahlrechtserweiterung nur die Arbeiter- schaft selbst habe, mit der ganzen Entrüstung des schnöde ge- leugneten Idealismus die Hände gerungen hatte, schmäht in ihrer Sonntagsnummer die„Freie Deutsche Presse" unsere Anspielung auf die Hirsch-Tunckerschen Gewerkvereinler als eine„nichtsnutzige Aufforderung". Unsere Nichtsnutzigkeit — um in dein gewählten Stil des Herrn Müller-Sagan zu bleiben— geht freilich dem weiland Eugen Richterschen Blatte derart an die Nieren, daß es diesmal einen ganzen Leitartikel darauf verwendet, um zu belveifen, daß die Freisinnigen im Kampfe gegen das Dreiklassenwahlrecht„wirksamer einer Reform im Sinne der Einführung des Reichswahlrechts für die preußischen Landtagswahlen vorgearbeitet" haben, als die Sozialdemokratie. Und dieser Nachweis besteht dann nicht etwa in einer Enthüllung, durch welch geheimnisvolle Minierarbeit der Freisinn, der doch das ungestüme Drängen und Fordern der?lrbeiterklasse selbst verwirft, das Dreiklassen- Wahlrecht seinem Zusammenbruche nahe gebracht hat, sondern -— in der triumphierenden Aufzählung der spöttischen Abweisungen, die freisinnige Wahlrechtsabänderungs- anträge in den Jahren 1882, 1891 und 1893 von der Junker- kammer erfahren haben! Das jämmerliche Fiasko, das der Freisinn bei seinen komödiantenhaften Wahlrechts- Attacken erlitten hat, soll also von der Arbeiterklasse als eine solch„wirksame Vorarbeit" zu einer Wahlreform bewundert werden, daß sie beruhigt die Hönde im Schöße faltet und getrost des Anbruches der Schlaraffenherrlichkeit harrt, bei der die Proletarier nur den Akund aufzusperren brauchen, damit ihnen die gebratenen Wahlrechtstauben hineinfliegen! Es gehört die ganze edle Dummdreistigkeit der Kopsch und Müller-Sagan dazu, eine solche Zumutung an eine Ar- beiterschaft zu stellen, die m den klassischen Schriften eines Ferdinand Lassalle die unvergänglichen Zeugnisse der schmählichen Impotenz besitzt, die schon damals das frei- sinnige Bürgertum bewies, als es doch auf dem Gipfel seiner Macht stand und selbst noch an seine historische Mission glaubte- Es gibt keine vernichtendere Kritik der lächerlichen Groß- sprecherei des heutigen, absoluter Ohnmacht verfallenen Frei- finns, als die Vergegenwärtigung der Rolle, die der bürgör- liche Liberalismus gespielt hat, als er es noch in der Hand hatte, die absolutistisch-junkerhiche Reaktion niederzuringen. Als im Jahre 1881 der nachmalige Kaiser Wilhelm I. als Nachfolger Friedrich Wilhelms IV. den Thron bestieg, schien dem liberalen deutschen Bürgertum noch einmal Ge- legmheit gegeben zu sein, die Scharte von 1818/19 auszu- wetzen. Wilhelm I., der bereits seit 1838 als Regent an Stelle seines erkrankten Binders die Zügel der Regierung in die Hand bekommen hatte, hatte im Jahre 1869 dem Landtage die Forderung einer Heeresreorganisation vorgelegt, die indes von der liberalen Mehrheit des Hauses ihres die feudal- absolutistische Reaktion stärkenden Charakters wegen zwar nicht abgelehnt, aber. doch nur als Provisorium bewilligt worden war. Dieser Verlegenheitsakt war freilich die größte Dummheit, die von der liberalen Landtagsmehrheit begangen werden konnte. Denn die Ablehnung der Armeereorganisation vergrößerte die Jnbimität zwischen der Krone und dem„staats- erhaltenden", bewilligungsbereiten Junkertum, die Be- ivilligung des Provisoriums aber ermöglichte es der Re- giening, ihr Reorganisationsprojekt tatsächlich in Angriff zu nehmen! Der König beantwortete die seinen Plänen bereitete Opposition durch unverblümte Provokationen. Bei der Krönung erklärte er den Vertretern des Landtages, daß die „Krone nur von Gott komme", daß er sie„vom Tische des Herrn nehmen und auf sein Haupt setzen" werde, ferner, daß der Landtag der Krone nur zu„raten" habe. Die Neuwahlen gaben die Antwort auf diese Betonungen des unumschränkten Gottesgnadenwms. Äe entschieden liberale Richtung, die sich im Dezember 1861 als„Fortschrittspartei" konstituierte, er- langte mit einem Schlage 161 Btandate. Und als der neue Landtag bereits nach wenigen Wochen, im März 1862, auf- gelöst wurde, weil die oppositionelle Mehrheit dem Hause ein wirkliches Budgetrecht zu sichern bemüht war, ging trotz aller .behördlichen Wahlbeeinflussungen aus den Neuwahlen ein Parlament hervor, in dem die Fortschrittspartei über nicht tveniger als 239 Mandate verfügte.„Bildung und Besitz" hatten sich also mit erdrückender Mehrheit bei der Dreiklassen- �hl für die liberale Opposition erklärt; das Junkertum te kaum ein Dutzend Mandate zu retten vermocht. Der Konflikt zwischen Krone und Landtag, der«Per- fassungskonfbikt", wurde nun akut. Der König trotzte Volks- stimmung und Parlameistsmajorität, indem er das reaktionäre Ministerium am Ruder erhielt. Und als nun gar der Finanz- minister drohte, daß, wenn das Haus in der Heeresfrage nicht nachgebe, etwas geschehen möchte, was nicht ausdrücklich in der Verfassung stehen könnte, strich das Haus die Kosten der Heeresreform, wodurch der Bruch ein vollständiger wurde- Trotzdem dachte der König gar nicht daran, nachzugeben, viel- mehr berief er zum Zeichen, wie er den Widerstand des fort- schrittlichen Bürgertums zu brechen gedenke, nunmehr als Ministerpräsidentm einen Junker, der sich während der Revo- lutionsjahre durch sein provozierend- reaktionäres Auftreten hervorgetan hatte: O t t 0 v. B i s m a r ck. Die Fortschrittler empfanden diesen Schritt denn auch als einen Faustschlag ins Gesicht, als die Kriegserklärung an jedes konstitutionelle Regime, als den vollendeten Staatsstreich. Jetzt konnte es kein Zurück mehr für sie geben, jetzt galt es, den Kampf siegreich durchzuführen. Die Situation für das freiheitlich gesinnte Bürgertum war die denkbar beste. Die übergroße Masse des Volkes, die weitaus größte Mehrheit von Bürgern und Bauern stand hinter der fortschrittlichen Fraktion, die auch im Abge- ordnetenhause die erdrückende Mehrheit hatte. Und erst recht die Arbeiter standen geschlossen zur fortschrittlichen Opvosi- tion. Bei der nötigen Energie und Beharrlichkeit konnten Krone und Junker keinen dauernden Widerstand leisten: sie mußten schließlich vor der Mehrheit des Volkes und Paria- mentes kapitulieren. Selbstverständlich genügte es nicht, die Krone in dem einen Falle der Heeresfrage zur Nachgiebigkeit gezwungen zu haben, der Sieg mußte festgelegt werden durch Schaffung demokratischer Garantien, durch die Zer- trümmerung der Dreiklafsenwahl und die Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts für das preußische Abgeordnetenhaus. Hier also stand das liberale Bürgertum vor seiner h i st 0 r i s ch e n M i s s i 0 n, h i e r stand es vor der W e n d e seines Geschickes! Diese historische Mission hätte gar nicht einmal allzu viel Heroismus der bürgerlichen Opposition erfordert. Die Niederkämpfung der Reaktion wäre möglich gewesen ohne Anwendung irgend welcher Gewaltmittel, selbst ohne Gewalt- maßregeln der Krone heraufzubeschwören. Welche Mittel an- zuwenden waren, erläuterte L a s s a l l e Ende des Jahres 1862 in einem Vortrage„Was nun?", den er in einer Reihe fortschrittlicher Berliner Bezirksvereine hielt. Ein bewaffneter Widerstand, führte Lassalle aus, sei zurzeit ebenso aussichts- los wie eine Steuerverweigerung. Das einzige siegverheißende Mittel sei das, daß der Fortschritt dem konstitutionell mas- kierten Absolutismus, die Maske vom Gesicht reiße, daß er den Scheinkonstitutionalismus völlig zerstöre. Der Absolutis- mus bedürfe, um finanziell existieren zu können, der schein- parlamentarischen Mitverantwortlichkeit. In seiner nackten Form sei das preußische Gottesgnadentum nicht mehr kredit- fähig genug. Ein Gedanke, den Friedrich Engels ein paar Jahre später so formulierte:„Diese Herren— näm- lich die europäischen Finanzkönige— diskontieren nur Wechsel mit drei Unterschriften, und wenn neben der Regierung nur das Herrenhaus— ohne das Abgeordnetenhaus— darauf unterschrieben hat... so sehen sie das für Wechselreiterei an und danken für das Geschäft." Das Abgeordnetenhaus, riet Lassalle, müsse also seine Tätigkeit einfach einstellen. Erfolge eine Auflösung, so habe das neue Haus ebenfalls zu streiken. Je länger die Regierung dieser Aushungerung des Absolutis- mus trotze, desto schlimmer für sie, desto größer ihre schließliche Demütigung.„Dann kein Versöhnungsdusel, meine Herren! Sie haben jetzt hinreichende Erfahrungen gesammelt, um zu sehen, was der alte Absolutismus ist. Dann also kein neuer Kompromiß mit ihm, sondern: den Daumen aufs Auge und das Knie auf die Brust!" Da Lassalle--' den bürgerlichen Elementen des Fort- schritts bereits�nicht mehr genügend Energie zutraute, einen Entschcidungskampf gegen die Reaktion aufzunehmen, be- mühte er sich gleichzeitig, die fortschrittliche Arbeiter- schaft durch seinen die Verfassungsfragen als Macht- und Klassenfragen darstellenden Vortrag über„Verfassungswesen" zum vorwärtsdrängenden Element des Fortschritts zu machen und namentlich auch für das allgemeine und gleiche Wahlrecht zu interessieren. Das fortschrittliche Bürgertum zeigte sich seiner histori- schen. Mission, die Lassallo ihm so klar vorgezeichnet, nicht gewachsen. Lassalle blieb der Prediger in der Wüste. Die bürgerliche Opposition begnügte sich mit der Halbheit, fort- gesetzt die Militärkredite zu verweigern, was die Regierung nicht hinderte, die Heeresreorganisation unentwegt dem Land- tag zum Trotz fortzusetzen. Zwar begannen bald � genug die einsichtigeren Fortschrittsblätter über die„feierlichen Pro- teste", über die„Rederei und Protestfasscrei" zu spotten, die „in ganz Deutschland auch nicht ein dürres Blättchen be- wege", doch brachte es der Fortschritt zu keiner energischeren Aktion. Ebensowenig konnte er sich mit dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht befreunden. Die preußische Fort- schrittspartei hatte es grundsäblich von ihrem Programm ausgeschlossen. Selbst ein Johann I a k 0 b p erklärte es damals„keineswegs für eine sofort zu erfüllende Forderung" und warnte vor einem„ungebührlichen Drängen". Schulze- Delitzsch meinte, die Arbeitcrmassen müßten sich erst bilden, um es richtig zu gebrauchen! Mit einem Wort: das fortschrittliche Bürgertum begnügte sich gegenüber der gesctz- widrig schaltenden Reaktion mit papierenen Protesten, bis es schließlich reumütig zu Kreuze kroch und sich 1866 der Reaktion bedingungslos unterwarf. Gegen die Autokratie der Krone und Junker wirklich die Demokratie auszuspielen, war ihm niemals in den Sinn gekommen. Im Jahre 1866 spaltete sich die Fortschrittspartei, indem der rechte Flügel sich unter dem Namen der national- liberalen Partei von dem linken Flügel abtrennte. Der Fortschritt war fortan zur Ohnmacht verurteilt. Im Jahre 1878 zählte er im Reichstag 25, im Landtag 38 Abgeordnete. Nach einem kurzen Aufschwung anfangs der 89er Jahre ging es mit ihm— trotz des Taufaktes, durch den er sich den Namen einer Deutsch-freisinnigen Partei zulegte— wieder unaufhaltsam bergab. Männlicher und weiblicher Freisinn zusammen brachten es 1993 imReichstag auf32, im preußischen Landtag auf 33 Mandate, ihre Stimmenzahl im Reiche belief sich auf 772 128 Stimmen. Und dieser altersschwache Freisinn, dem schon vor vier Jahrzehnten jede politische Zeugungskraft fehlte, renommiert heute noch damit, daß er, er ganz allein, den Arbeitern das allgemeine, gleiche Wahlrecht erobern werde, wenn sich das Proletariat nur hübsch still und artig verhalte. Und genau dieselben versteinerten Phrasen, mit denen die freisinnigen Führer vor fast einem halben Jahrhundert die Arbeiter abspeisten: das gleiche Wahl- recht sei„keine s 0 fo r t zu erfüllende Forderung", man möge sich deshalb vor„ungebührlichem Dränge n" hüten, glauben noch heute„Vossische Ztg." und„Neue Freie Presse" den Arbeitern vorleiern zu' dürfen! Es wäre zum Kranklachen, wenn es nicht doch gar zu traurig wäre, daß es trotz alledem noch viele tausend Arbeiter gibt, die sich, statt sich der Klassenpartei des Proletariats anzuschließen, noch heute vom Freisinn ins Schlepptau nehmen und dadurck, nach dem Wort des freisinnigen Abgeordneten Barth, als Schleppenträger der Reaktion mißbrauchen lassen! Wenn es der Freisinn mit seiner angeblichen Absicht, der Arbeiterklasse das allgemeine, gleiche Wahlrecht zum prcußi- schen Landtag zu erobern, ehrlich meinte, so gäbe es für ihn nur e-i n Mittel zur Förderung dieser Absichten: ein Kampf- b ü n d n i s mit der Arbeiterklasse s e l b st, ein Z u s a m m e n g e h e n m i t der Sozialdemokratie. wie es ja Herr Barth und einige wenige Freisinnige befür- Worten. Die Zahl der Mandate beider Parteien würde da- durch vennehrt, ihre ganze Aktionskraft erhöht werden können- Aber aus feiger Furcht, unter solchen Umständen auch noch den Rest seiner proletarischen Anhänger an die Sozialdemokratie zu verlieren, vor allen Dingen aber aus dem unüberwindlichen kapitalistischen Klasseninstinkt heraus schreckt der Freisinn vor jeder auch nur zeitweiligen Waffenbrüderschaft zurück. Lieber verliert er selbst Mandate, statt der Sozialdemokratie zu ein oder zwei Sitzen im preußischen Landtage zu verhelfen. Und da er selbst weder den Mit noch den Willen hat, einen Wahl- rechtssturm anzufachen, verleumdet und beschimpft er in er- bärmlichster Weise die Wahlrechtspropaganda der sozialistischen Arbeiterklasse! Im Grunde ist ihm ja das gleiche und allge- meine Wahlrecht aus tiefster Seele verhaßt, heute mehr noch als zu Lassalles Zeiten.„Nicht aufs Maul, auf die Fäuste muß man sehen", dieses Wort Wallensteins gilt ganz besonders vom Freisinn. Denn wenn man erlebt hat, wie der Freisinn in zahlreichen Kommunen, in denen er die Macht hatte, wir brauchen nur an Kiel, Neumünster, Nürnberg, Ham- bürg, Lübeck usw. zu erinnern, das Wahlrecht der- s ch l e ch t e r t statt verbessert hat. so weiß man, wessen man sich ein- für allemal vom Freisinn zu gewärtigen hat. Der Freisinn hat es eben allezeit als seine Mission betrachtet, sich im Interesse des Geldsacks mit der Reaktion zu vertragen und die Arbeiterklasse durch leere Versprechungen zu äffen! Die Revolution in Rußland. Der Schlächter von Moskau Minister des Innern. London, 13. Januar.(Bureau Laffan.) Der General- gouverneur von Moskau. Admiral D u b a s s 0 w. wird, wie„Daily Expreß" auS Moskau meldet, in Anerkennung seiner Leistungen bei der Niederwerfung der Erhebung in Moskau zum Mini st er des Innern an Stelle Durnowos ernannt werden, der Präsident der Reichsduma werden soll. Neber die Taten des Schlächters Dubassow, den neuen Minister des Innern, wird der„Tägl. Rundschau" berichtet: Von der Moskauer medizinischen Gesellschaft geht mir heute eine wahrhaft grauenvolle Aufstellung zu, die sich ans Zahl, Alter und Stand der ans den Moskauer Straßen während der Schreckens- tage getöteten Privatpersonen bezieht. Diese Aufstellung ist nur sehr mangelhast, da die einschlägigen Daten nur von den 47 Moskauer Kliniken, Krankenhäuser u. dergl. geliefert worden sind, die meisten Leichen aber von den einzelnen Polizeirevieren geborgen tvordeu sind, die sich aus naheliegenden Gründen hüten werden, Zahl und Alter der Hingemordeten und von Polizei wegen ohne Sang und Klang Verscharrten mitzuteilen. Aber auch die mir zugegangenen mangelhaften Ziffern schreien zum Himmel, rniissen jedermann, der nicht gerade Dubasso« oder Mcdem heißt, das Blut in den Adern erstarre» lassen. Unter den insgesamt in den Krankenhäusern befindlichen IOoS Leichen beiderlei Geschlechts— ich wiederhole: diese Zahl bezieht sich lediglich aus unschuldige Privatpersonen, da die getöteten Soldaten besonders von den Militärbehörden, die um- gekommenen Rebolutionare aber von den Irrigen aufgelesen Morden sind— waren 97 im Alter von 1—14 Jahren t Das »»schuldige Blut dieser 97 Kinder wird die russische Regierung von ihren Hände» nie und«imincr abwaschen könne». Und nicht weniger schmachvoll für die Dubassow-Horden ist die entsetzliche Tatsache, daß unter den Opfern sich auch 56 Greis« im Alter bis zu 89 Jahren befanden. Was muß das für eine Regierung sein, die ihr Fortbestehen von Säuglingen, Abc-Schühen und uralten Greisen bedroht sieht, oder von den 116 Köchinnen, Kindermädchen und dergleichen, die nunmehr ebenfalls in den Totenkainmern der Moskauer Kranlcnhäuser liegen I Die Bombe. Tscheruigow, 14. Januar.(Meldung der Petersburger Telcgraphcnagcntur.) Heute wurde der Provinzgouverneur Chwostow, als er im Wagen mit seiner Gemahlin von der Kathedrale zurückkehrte, durch zwei in den Wagen geschleuderte Boniben schwer verwundet, während seine Gattin leicht verletzt wurde. Der Täter wurde verhaftet. Attentat gegen den Zaren? Ein Dynamitfund erregt in Petersburg großes Auf- sehen. Unter den Schneemassen des in die Newa mündenden Ust- Jschoraslusses, in der Nähe der Papierfabrik Palissen. wurden zwei K i st e n mit D y n a m i t p a t r o n e n mit allen Bor- richtungen zur Herbeiführung einer Dynamitexplosion gefunden. Die Geheimpolizei ist der Ansicht, daß diese Borbereitungen für ein Attentat auf den Zaren, welcher am 19. d. M. zum Feste der Wasserweihe an den Newafluß kommen sollte, getroffen waren. Infolge dieser Entdeckung findet die Reise des Zaren von Zarskoje-Ssclo nach Petersburg nicht statt. Die Lage im Kaukasus. Nach Privatberichten sind alle Gebirgsvölker im Nord-KaukafuS .m Aufstand. In Grusien wurde eine provisorische Regierung proklamiert. Das GebirgSvolk in Dagestan leistet hartnäckigen Widerstand, die Stadt Sotichy ist in den Händen des Revolntions- kometees. Biele Abteilungen Bewaffneter der Bergstämme über- schritten die türkische Grenze. Die Kosaken des Terekbezirks find mobilisiert. Bon Odessa werden Truppen nach dem Kaukasus ab- gesandt. AnS Tiflis wird gemeldet: Auf der Bahnstation Jewly explodierte eine in Moskau nach Schuscha aufgegebene Postsendung; dadurch wurden 13 Personen verwundet. Kutais ist von Batum ab- geschnitten. Die Drahtleilung zwischen Tuapse und Sotschi ist be- rcits seit vier Tagen an beiden Enden durchschnitten. Der Versuch, die beschädigte Leitung der Jndo-Europäischen Telegraphenleitung auszubessern, mißlang. In Tiflis sind die Magazine geöffnet und die Straßenbahn hat den Verkehr wieder anfgeuomnrcn. Aus Baku, Jelissawetpol und Alexandropol wird telegraphisch die Beendigung des Eisenbahnausstandes gemeldet!. nach einer Meldung aus Eriwan wurde aus der im Bau begriffenen Dschultybahn der Personen- und Güter- verkehr eröffnet. In Warschau wurden elf Mitglieder des Komilees des„Bundes" und viele Verdächtige die sich im Besitz von Revolvern und Messern befanden, verhaftet, darunter der Anarchist Grauinann, der die neulich entdeckten Bomben angefertigt hat. Die Patrouillen sind verstärkt worden. politische(leberlidn. Berlin, den 15. Januar. Auf zur Gewalt! In der heutigen Reichstagsverhandlung gab der Kriegsministcr aus Anlaß der Duell-Jnterpcllation namens des Reichskanzlers eine Erklärung ab, die einer direkten Aufforderung zur Begehung des Duellverbrechens so ähnlich sah wie ein Ei dem anderen. Zur Begründung der vom Zentrum eingebrachten Interpellation hatte der Abg. R o e r e n in scharf umrissenen, klaren Zügen de» Fall Feldhaus-Göbel dargelegt. Der nicht im Militärverhältnis stehende Dr. med. Göbel hatte den Landwehr-Artillerie- Leutnant und Rechtsanwall Feldhaus in einem albernen Briefe beleidigt. Feldbaus verklagte den Göbel und er- zielte auch eine Bestrafung Göbels in Höhe von 699 Mark. Im Urteil wird anerkannt, daß Göbels Handlungsweise provokatorisch und frivol war. Daraufhin wurde Anklage beim Ehrengericht gegen F e l d h a u s erhoben, weil er nicht durch Herausforderung zunr Duell Göbels Anpöbeluugen beantwortet hatte. Die Anklage wurde für begründet erachtet, Feldhaus aus dem Offiziersstaud mit schlichtem Abschied entlassen./ Das Duellunwesen ist eine feudale Einrichtung— mag sie in Deutschland althergebrachten Rechtens sein, wie der Kriegsministcr heute meinte, oder mag sie, wie es zutreffender ist, aus dem Don Ouixote-Lande nach Deutschland importiert sein. Ob diesem privilegierte» Totschlage Hunderte oder Tausende jährlich zum Opfer fallen, kann der Arbeiterklasse gleichgültig sein, solange die Duellfexe lediglich Privatneigungen nachkommen. Sie sind dann für die Oeffentlichleit genau so interessant oder uninteressant, wie irgend ein anderer Totschläger oder ei» Einbrecher. Der Duellanhänger zeichnet sich als Privatperson mit den, gewohnheitsmäßigen Ver- brechen von alle» anderen Gelegenheitsverbrechern dadurch aus, daß er bereit ist, gegebenenfalls dasselbe Ver- brechen zu wiederholen. Von, gewohnheitsmäßigen Ver- brecher zeichnet er sich in der Geineingcfährlichkeit dadurch ans, daß er sich zu solchen Wiederholungen auch bereit erklärt. Soweit solche Duellscxe sich gegenseiiig um die Ecke bringen, wird man im Interesse der Befreiung der Gesellschaft von höchst nutzlosen Elementen nicht viel einzuwenden haben. Anders steht es aber mit dem Duellunfug und den, Duellzwang, soweit er ein Aufdruck des feudalen Geistes ist, der unsere herrschende Gesellschaftsklasse vom unreifen Gigerl bis zum reifsten Minister beherrscht. Weil das Duell feudalen Ursprungs, so kann es nur ausrotten, wer dem feudalen Wesen entgegentritt, nicht wer es stützt. Mit gutem Recht konnte Bebel den Zentrumsleuten vorhalten, daß die Täuschung, die sie heute in des Kriegsministers Antwort fanden, auf ihrem oft dargelegten Jrrtun, beruhe, die Kabinettsorders seien ein Abbruch des Duells, nicht eine Stärkung der Institution des Duells. Der Kriegsminister nahm den bürgerlichen Illusionären, die da glaube», das Prinzip des Duellzwangs fei aufgehoben, diese Einbildung. So nackt und offen wie wohl noch nie wurde von ihm namens des Reichskanzlers erklärt, daß ein Offizier, der zum Verbrechen des Duells sich nicht bereit erklärt, aus der Armee fliegt. Diese nnnisterielle Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze, zur Mißachtung der„Majestät des Gesetzes" wurde noch durch die Darlegung übertroffen: freilich ver- stoße das Duell gegen göttliches und menschliches Gesetz. Aber mit seinem Gott muß sich der einzelne selbst ab- finden und die irdische Strafe erhält er zumeist freilich durch Be- gnadignng verschönt. Dieselben Entschuldigungsgründe könnte jeder Verbrecher für sich geltend machen. Die bürgerlichen Parteien Ware» über diese, dem gesetzesverachtende Standpunkt der feudalen herrschenden Klasse durchaus entsprechenden Erklärung bestürzt. Und gar noch vor dem 21. Januar, klagte Stöcker, muß solche Erklärung kommen l Mit Fug und Recht konnte Bebel behaupten, daß durch diese zu Gewalttätigkeiten auffordernde Erklärung der R e i ch s r e g i e r u n g der Aufklärung ein guter Dienst geleistet ist. Die herrschende Klasse ist es, die selbst durch den Mund des Reichskanzlers erklären läßt auf zur Gewalt, wer nicht zu gesetzwidrigen Gewalttätigkeiten bereit ist, kann nicht Offizier bleiben, wer den Duellunfug lvirksam bekämpfen will, muß seine Wurzeln, den Feudalismus und die Klassenherrschaft bekämpfen. Wer aber wie Zentrum und Freisinn die Klassenherrschaft und den Feudalismus von Tag zu Tag stärkt, hat kein Recht sich darüber zu wundern, daß die Folgeerscheinungen der Klassenherrschaft wachsen und gedeihen. Wird der neue Herr Justizminister die Aufforderungm zu Ge- Walttätigkeiten, wie sie von der Regierung heute proklamiert sind, verfolgen? Nein: eine Klassenjustiz kann nicht gerecht sein. Nur unterlasse der Herr Justizminister mitsamt seinen Kollegen nach der heutigen Sitzung die Wiederholung der beliebten Redensarten über eine unparteiische Justiz, es sei denn, sie geizen nach dem Ruhm, von allen Seiten vor, am und nach dem 21. Januar ausgelacht zu werden._ Oberschnrfmacher Zedlitz. Bei der am Montag fortgesetzten Generaldebatte zum Preußischen Etat hielt es der Zeitungsgeheimrat der„Post", der freikonservative Abg. Frhr. v. Z e d l i tz, fiir nötig, seinein Groll gegen die Sozialdemokratie wieder einmal Luft zu machen- Ter Abg. Dr. W i e in e r hatte namens der frei- sinnigen Volkspartei die Einführuiig des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Landtagswahlrechts nicht etwa ge- fordert, sondern demütig erbeten; die Regierung möge sich endlich zil dieser Reform entschließen, zum mindesten aber die Wahlkreise neu einteilen. Selbst diese sreisinuige Bescheiden- heit brachte den Oberscharfmacher Zedlitz so in Harnisch, daß er die Bitte um Einführung des Reichstagswahlrechts zum Landtag mit der Forderung einer Aenderung des Reichstagswahlrechts in reaktionärem Sinne be- antworten zu müssen glaubte. Er erkannte an, daß die Rücksicht auf den Besitz im Dreiklassenwahlrecht zu stark aus- geprägt sei, betonte aber gleichzeitig, daß diese Rücksicht einen Ausgleich bilde gegenüber der„kiilftirwidrigen" Rücksicht auf die Besitzlosen, die im Reichstagswahlrecht genommen iverde. Erst wenn diese„Urquelle der Macht der Sozialdemokratie" beseitigt sei, d. h. erst nach Beseitigung des Reichs- tags Wahlrechts, könne man an eine durchgreifende Reform des preußischen Wahlrechts denken. Herr v. Zedlitz hat damit durchaus nichts Neues gesagt, er hat lediglich die geheimen Pläne der Konservativen, die sie vor den Wahlen stets sorgsam verhüllen, offenbart. Die Herren von der Rechten wollen lieber heute als morgen dem Reichstagswahlrecht den Todes st oß versetzen. Die Sozialdemokraten bezeichnen sie als Umstürzler, weil sie das bestehende Dreiklassenwahl- system ändern wollen, sie selbst aber sind mindestens in gleichem Maße von umstürzlerischen Ideen erfüllt. Nur mit dem Unterschiede, daß die Umsturzbestrebungen der Sozial- demokratie im allgemeinen Kulturinteresse, die der Konser- vativen dagegen im einseitigen Interesse der Besitzenden liegen. Bor allem warnt Herr v. Zedlitz vor einer Aenderung des Dreiklassenwahlrcchts angesichts der Demonstrationen der Sozialdemokratie. Die Regierung dürfe nicht den Eindruck erwecken, als ob sie nachzugeben bereit fei, sie dürfe vor allem nicht der Sozialdemokratie einen neuen starken Zulauf ver- schaffen. Was soll nun eigentlich die Sozialdemokratie tun? Rührt sie sich nicht, demonstriert sie nicht gegen das Dreiklassen- Wahlsystem, so kann man sicher sein, daß es verewigt wird. Erhebt sie mit den ihr gesetzlich zu Gebote stehenden Mitteln Einspruch gegen ihre Entrechtung, dann soll erst recht nichts an dem Gesetz geändert werden! Was wir auch immer be- ginnen, Leuten vom Schlage eines Zedlitz werden wir es nie recht machen können- Das beste ist also doch wohl, wir befolgen die Taktik, die uns unsere eigene politische Einsicht und die Zeitumstände gebieten. Daß wir auf dem richtigen Wege sind, beweist die Wut der Clique der Scharfmacher. Abgesehen von dieser Episode zog sich die Etatsberatung schleppend dahin. Es wurde viel über die Reichsfinanz- r e f o r m geredet, für deren Znstandckomnren die preußische Regierung das Zentrum zu engagieren sucht. Zwischendurch wetterte Frhr. v. Zedlitz über die sozialdemokratischen Eisenbahnarbeiter, die im Falle des Ausbruchs eines Streiks zum Tempel hinausgejagt werden müßten, während Abg. Dr. W i e m e r sich über zu große Milde gegen den Grafen Pückler beklagte. Den Schluß der Sitzung bildete eine Polendebatte. Herr v. I a z d z e w s k i zog scharf gegen die Polenpolitik der Regierung zu Felde, der Minister des Innern v. B e t h- mann-Hollweg verteidigte die Maßnahmen der Re- gierung in widerspruchsvoller Weise. Zwar bezeichnete er eine Politik der Nadelstiche als ihm unsympathisch, er vergaß aber, daß die ganze Polenpolitik, die übrigens noch in dem nationalliberalen Abg. G l a tz e l einen warmen Befürworter fand, tatsächlich nichts weiter als eine ununterbrochene Reihe von Nadelstichen bildet, durch die schließlich das Gegenteil von dem erreicht wird, was die Negierung beabsichtigt. Am Dienstag soll die erste Lesung des Etats zu Ende geführt werden-—_ Die Marokkokonferenz. Die Marokkokonferenz wird morgen, Dienstag, in AlgeciraS zu- sammentreten. Die Vertreter der beteiligten Regierungen sind zum größten Teil bereits dort eingetroffen. Nach einer Aenßerung des Grafen Tattenbach, des deutschen Delegierten zur Marokko- konferenz, dürften die Verhandlungen ziemlich langwierige werden. Graf Tattenbach rechnet mit einer Dauer von mindestens zwei Monaten. Die Wichtigkeit der zu beratenden Gegenstände, erklärte er, erheische eine gründliche Würdigung, je länger die Be- ratung dauere, desto wahrscheinlicher sei die Behebung der vor- handenen Schwierigkeit. Auch wir glauben, daß es nichts schaden wird, wenn die Ver- Handlungen ohne jede Ueber stürzung geführt werden. Aeußerste Besonnenheit ist namentlich den Vertretern der in erster Linie beteiligten Mächte umsomehr zu empfehlen, als leider Versuche gemacht zu werden scheinen, durch Ans- streuung der tollsten Gerüchte eine Ein- schüchterung hervorzurufen. Von den abenteuerlichen Gerüchten, die in Deutschland verbreitet sind und deren Verbreitung doch schließlich auf Stellen zurückzuführen ist, von denen die größte Zurückhaltung zu erwarten gewesen wäre, haben wir ja bereits in unserer SonntagSnummer Notiz genommen. Selbstverständlich haben diese Gerüchte ebenso rasch in Frankreich Verbreitung gefunden und dort, namentlich an der Grenze, höchste Beunruhigung hervorgerufen. Es ist deshalb sehr wenig angebracht, wenn beispielsweise die „Rheinisch-Westfälische Zeitung' sich darüber entrüstet. daß e n g l i s ch e und französische Zeiümgen den Versuch machten, Deutschland durch NachrichtenvonRüstuiigen einzuschüchtern. Selbst wenn diese Meldungen, meint das Blatt, der Wahrheit entsprechen sollten. so würden sie auf das deutsche Volk und hoffentlich auch auf die deutsche Diplomatie nicht den geringsten Eindruck machen. Wenn auch kein Bismarck mehr die deutschen Angelegenheiten leite, so lebe doch sein Geist noch in der Nation fort und noch heute gelte das Vismarcksche Wort:„Ein Appell an die Furcht findet im deutschen Herzen niemals ein Echo". Die„Rhein.-Westfälische Zlg." scheint uns den Spieß vollständig umzukehren, oder bedeutet es vielleicht eine Beruhigung der Gemüter diesseits und jenseits der Grenze, wenn ein Scharfmachcrblatt wie die„Berliner Neueste Nachrichten" in einem„Die Kriegsgefahr" überschriebenen Artikel ihrer Sonntags» Nummer erzählt, daß in allen Berliner Abendgesellschaften über Gefahr und Chancen eines deutsch-französischen Krieges gesprochen werde und daß dabei Offiziere vom Heere oder der Flotte, ja selbst Diplomaten meist recht e r n st e Mienen zeigten? Es scheint uns vielmehr, als ob durch derartige sensationelle Artikel das gegenseitige Mißtrauen nur erhöht und die vorhandene Reibung nur verstärkt würde. Mit einem Wort, wir können uns nicht dem Eindruck entziehen, als ob auch bei uns in Deutschland selbst die v e r a n t- w ortungsvollsten Stellen ein wenig mit den, Feuer spielten. Nachdem aber gerade von der Regierung selbst wieder- holt erklärt worden ist, daß die Situation im verflossenen Jahre eine sehr gespannte gewesen sei, nachdem Fürst Bülow erklärt hat, daß die Beziehungen zu einzelnen Mächten keine freundschaftlichen, sondern nur korrekte gewesen seien, sollte man doppelt Bedenken tragen, die ohnehin gespannte Situation durch EiuschüchternngSversuche noch zu verschärfen! Wir haben schon ein- mal betont, daß Deutschland dadurch, daß es die Anregung zur Ein- beriifung der Marokkokonferenz gab, feierlichst auf eine Löflmg des diplomatischen Knotens durch die Schärfe des Schwertes verzichtet hat, jedes Säbelrasseln müßte also unter solchen Umständen als absichtliche Provok a t i o n. als eine Er s eh wer» n g der diplomatischen Lösung des Konfliktes angesehen werden. Es wäre also sehr an- gebracht, daß die Regierung offiziell erklärte, daß die umschwirrenden Gerüchte von einer beabsichtigten Mobitisicrung vollständig auf Er- findiing beruhen. Auch könnte es durchaus nicht schaden, wenn durch die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung' ein scharfes Dementi jener chauvinistischen deutschen Blätter erfolgte, die mehr oder minder verblümte kriegerische Drohungen auszustoßen wagen! Es fehlte gerade noch, daß aus dem lächerlichen Marokkohandel ernstliche Verwickelungen entständen!— ♦ Deutrcbce Reich. Der Prediger in der Wüste. Eine große Versöhnungsrcde hielt Tr. Barth am Sonntagmittag in einer Berliner Volksversammlung in der Unionsbrauerei in der Hasenhaidc. Er wollte die Liberalen aufrütteln zum gemeinsamen Kampf mit der Sozialdemokratie gegen das Treiklassenwahlrccht. Es gibt für den preußischen Junker, so meinte er, drei heilige Dinge: Hohe Koruzölle, Branntweinlicbcsgaben und das Dreiklassenwahl» system. Das letztere, ein wahrer Knäuel von Absurdi» täten, wird hartnäckig von den Reaktionären verteidigt. Jeder recht und billig denkende liberale Mann mutz gegen ein Wahlrecht Front machen, das der stärksten Partei des Landes nicht einen einzigen Vertreter im Parlament gestattet, während eine andere Partei mit nur halb so viel Stimmen, die konservative, 159 Sitze in Anspruch nimmt. Wenn der Liberalismus noch deit mindesten Wert darauf legt, für Gerechtigkeit im öffentlichen Leben einzutreten, so ist er verpflichtet, es hier zu zeigen. Die sGe- fahr der alles beherrschenden Reaktion wird immer größer, und der Liberalisn, us muß sich wehren. In Dresden hat man in diesen Tagen liberale Versammlungen, in denen das Wahlsystem kriti- siert werden sollte, verboten unter der Begründung, daß Stratzendemonstrationen sich daran anschließen könnten. Je ernst- hafter die Opposition gegen das Wahlsystem in Preußen wird, desto erbitterter wird der Kampf geführt zur Verteidigung dieses Systems. Ata i, hört jetzt schon von Konfiskationen von Flugblättern, und empörend ist das Urteil gegen den Redakteur Löbe von der„Bres- lauer Volkswacht". In keinem anderen Kulturlande der Welt würde auch nur ein Tag Haft für ein Vergehen verhängt werden, das hier mit einem Jahr Gefängnis bestraft wird. Aus Grund dieses Urteils könnte mai, dahin kommen, daß einfach de, krctiert wird: Wer sich gegen das Dreiklasscnwahlsyftem wendet, wird bestraft, wie jene afrikanischen Häuptlinge, die sich über Putt, kamer beschwerten und dafür von einem deutschen Gericht zu neun Jahren Gefängnis verurteilt wurden. Sogar in Oesterreich, dem alten verrotteten Oesterreich, wird das allgemeine, geheime und gleiche Wahlrecht gefordert, und die Regierung sieht sich zu einem Eni- gcgentommei, genötigt, um die nationalen Institutionen neu zu be- leben. Es gibt nichts, was staatserhaltender wirkt, als die Tcuio- kratisierung des Wahlrechts. Der Liberalismus allein ist nicht stark genug dazu. Dagegen bilden die großen Massen der Arbeiterschaft mit den, Liberalisn, us zusammen eine unwidersteh- liche Mackit. Eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen Libcra- lismuS und Sozialdemokratie könnte von großem Nutzen sein. Jeder tue seine Pflicht und das Ziel, das beiden gemeinsam ist, wird er- reicht werden. Dr. Barth bezog sich auf das Beispiel von Baden, wo das Zentrum in allen 29 iLlichwahlen durch ein Bündnis zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie unterlag, und meint weiter: Tie Sozialdemokratie glaubt, allein mächtig genug zu sein, mit den Reaktionären fertig zu werden. Diese Zuversicht ist bei der Stärke der Partei begreiflich, aber sie ist dennoch ein Verhängnis- voller Irrtum. So schwach der Liberalismus gegenwärtig scheint, er verfügt doch über viel« gute Kräfte, und allein kann die Sozial- demokratie keine demokratischen Reformen durchsetzen. Es wäre der Anfang von, Ende der Reaktion in Preußen, wenn der unsinnige Haß zwischen Freisinnigen und Sozialdemokraten beseitigt würde.— In der Diskussion ließen einige Genossen den guten Ab- sichten des Herrn Dr. Barth volle Gerechtigkeit widerfahren, aber man sagte ihm, daß er ein Feldherr mit wenig Truppen sei, daß der Liberalismus sich bei vielen ernsteren Fragen volksfeindlich zeige, kurzum, daß der Liberalismus ein höchst unzuverlässiger Bundes- genösse sei.— Eine klassische Bestätigung dieser sozialdemokratischen Kritik wurde durch den liberalen Dr. Flatauer geliefert, der das preußische DrciklaffeiUvaUsystem ftranm, in Schutz nahm, inden, er erklärte, daß die Schwächen und Ungerechtigkeiten dieses Wahl- systcms doch zu sehr überschätzt werden. Das vielziticrte Wort von Bismarck vom„elendsten aller Wahlsysteme" sei gerade auf die Liberalen gemünzt gewesen, die doch unter diesen, System eine Reihe glänzender Geister ins Parlament geschickt hätten.— Die— Taktlosigkeit von Dr. Flatauer wurde vom Vorstandstisch scharf gerügt, sie illustriert aber gleichwohl die Tatsache, auf wie unfrucht- baren Boden Dr. Barths eindringliche Er» Mahnungen bei den Liberalen fallen!—» Mobilmachung zum 21. Januar. Während eine Berliner Korrespondenz behauptet, daß von den Behörden besondere Sicherheitsmatzregcln zum 21. Januar absolut nicht geplant seien, ist sogar in Potsdam das Gerücht verbreitet, daß dort in den militärischen Kreisen erzählt wird, daß ein Tpsl der Potsdamer Garnison bereits an, Freitag nach Berlin abrüchp. und dort in Bürgcrquartiere gelegt werden solle! Wir halten dic�s Gerücht natürlich für total unsinnig. Wenn es wirklich am 21. Ja. nuar ohne militärische Vorbereitungen nicht abgehen sollte, so witch »,M doch Wohl wenigstens die Zuversicht hegen, daß die Berlind W WDW Garnison immerhin ausreichend sei, um eine„Revolution" nieder- zuschlagen. Nach dem Ausspruch des früheren Kriegsministers sollte ja schon die Feuerspritze vollständig genügen, um die Sozial- demokratie auseinander zu treiben. Ucbrigens scheinen ähnliche Vorbereitungen wie in Berlin auch in den übrigen preuhischen Städten geplant zu sein. So berichtet die„Schlesische Volkszeitung", daß den Mannschaften der Breslauer Garnison besohle» worden sei, am nächsten Sonntag die Kasernen nicht zu verlassen und weiterer Befehle gewärtig zu sein. Die verheirateten Unteroffiziere, die in den Kasernen wohnen, dürften keinerlei Zivilbesuche empfangen. Ueberhaupt dürften keine Zivilisten die Kasernen betreten. Wenn da das Vaterland nicht gerettet wird!— Eine Wnhlrcchtsdcbattc in der sächsischen Ersten Kammer. Dresden. 13. Januar.er Maske der Kordialität die Fühler aus, ob sie vielleicht auch einer Gewerkschaftsorgainsatiou angehören. Ja, man tut so, als seien die Organisationen an und für sich ganz gute Ein- richtungen, denen im Betriebe direkt nichts in den Weg gelegt werde. Merkt man nun, daß der betreffende Arbeiter nicht- organisiert ist, oder von der Organisation nur gleichgültig oder gar feindlich spricht, so denkt der Meister: Das ist unser Mann— und präsentiert ihm dann den Revers- Unter den- jenigen Arbeitern aber, die bereits länger in dem Betriebe tätig sind, macht man sich vorläufig nur an die bekannteren „Rauhbeine" heran, die noch nicht für die Organisation zu gewinnen waren oder die schon mehrfach durch eine Organi- sation hindurchgelaufen sind und dann imnier das Zahlen der Beiträge vergaßen. Solche Elemente sind ja verhältnismäßig leicht herauszufinden, weil sie sich bei ihren organisierten Kollegen nicht gerade des besten Ansehens erfreuen. Also still und leise lassen die Kühnemänner die gelbe Werbearbeit betreiben, uin erst das Feld zu sondieren und einen gewissen Stamm für das gelbe Streikbrecherkorps zu schaffen. Haben sich in den verschiedenen Betrieben aber erst eine Anzahl Arbeiter„einschreiben" lassen, dann dürften die Kühnemänner bald kühner werden und die Unterschrift des Reverses von allen Arbeitern generell verlangen, ähnlich so wie sie es durch- gesetzt haben, daß sämtliche Arbeiter ihrer Betriebe erst durch «ihren Arbeitsnachweis hindurchgehen müssen, ehe sie eingestellt werden. Doch die Herren brauchen sich nicht zu wundern, wenn die Organisationen ihren Mitgliedern ebenfalls ganz st i l l u n d leise empfehlen, samt und sonders jenen Revers zu u n t e r f ch r e ib e u. Die schlauen Kühnemänner würden einander dann bald mit sehr langen Gesichtern ansehen. Sie wären einfach: betrogene Betrüger. Tic Lithographen und Steindrucker befaßten sich gestern abend in einer starkbesuchten Versammlung, die in Kellers großem Saal stattfand, mit dem Ansuchen der Arbcitgeberorganisation, einen Zcntraltarif für ganz Deutschland abzuschließen. Wü: der Referent S i l l i e r hervorhob, haben sich die Arbeitgeber bis- her stets gegen den Abschluß von Tarifverträgen gesträubt und dort, wo solche in den einzelnen Städten dennoch zustande kamen, nur unter dem Druck der Organisation in den Abschluß gewilligt. Nachdem aber jetzt die Organisation gegen früher erheblich erstarkt ist, scheinen die Arbeitgeber zur besseren Einsicht gekommen zu sein und haben selbst das Ersuchen um Verhandlungen zum Ab- schluß eines generellen Tarifvertrages, der vor dem Leipziger Ge- werbcgericht festgelegt werden möge, bei der Organisation gestellt. Der Referent legte hierauf die Grundzüge eine» w-chcn Tarif- Vertrages, wie er für die gesamte Organisation von Vorteil sein könne, klar, sprach sich aber gegen einen staffelweiscn Minimallohu mit Ortszuschlägen aus, wie ihn die Buchdrucker haben, sondern befürwortete einen einheitlichen Minimallohnsatz von 25 3)1. pro Woche. Ferner soll eine Maximalarbeitszeit von 8 Stunden für Lilhographen und 9 Stunden für Steindrucker gefordert werden; außerdem die Beseitigung der Akkordarbeit und des Prämiensystcms sowie eine gründliche Regelung des Lchrlingswesens. Die Ver- sammlung erklärte sich mit diesen Grundlagen einverstanden uns wählte eine Konimission zur Ausarbeitung eines Tarifentwurfes, der dann dem Leipziger Gcwcrbcgericht als Antrag vorgelegt werden soll. Auch gab die Versammlung der Erwartung Ausdruck, daß der ..Verein Berliner chromolithographcr Ansialten" ebenfalls der Tarisgemeinschaft beitreten möge. Audrücklich betont wurde jedoch, daß der Tarifvertrag nicht langfristig sein varse und ein definitiver Abschluß nur dann zu erwarten sei, wenn oer Vertrag den Wünschen der Kollcgenschaft auch in jeder Hinsicht entspricht. Achtung, Kleber! Wegen Tarifbruch sind folgende Bauten gc- sperrt: Simon Dachstraße 32, Straße 17 Bau Nr. ö und Unter- nehmer Siebert, Nachodstraße 12. Die Achtzehnerkommission. Deutscl»«» Reich. Im Ruhrrevicr muß etwas vor sich gehen, denn iu Ostpreußen reisen Agenten der Bergwerksmagnaten herum und werben Arbeiter für die Bergwerke des Ruhr- reviers an. Am Sonnabend haben sie m Königsberg allein 40— 50 Arbeiter angeworben. Dieses Geschäft blüht in Ostpreußen, da hier im Winter stets große Arbeitslosigkeit vorhanden ist. Tie Agenten suchen sich nur junge Kräfte, meist unverheiratete Leute aus. Versprocheil wird ihnen bei achtstündiger Arbeitszeit ein Tagelohn von 3 Mark, der bei„guter Führ u n g" auf 4 Mark erhöht werden soll. Die Parteipresse in Königsberg warnt selbswerstäMich die Arbeiter nach dem Ruhrrevier zu gehen, da hier sicher genügend Arbeitskräste vorhanden sind und die.Grubenbarone nur Böses im Schilde führen. Gärung unter der Bergarbeiterschaft. Die Wohlfahrtsfirma Krupp macht wieder mal von sich reden. Wie schon berichtet, ist auf der Kruppschen Zeche„Glücksbrunn" im Siegerlande Streik ausgebrochen. Angesichts der unbefriedigenden Lohnverhältnisse droht die Bewegung nun weitere Kreise zu ziehen. Die Löhne im Bergbau entsprechen durchaus nicht den derzeitigen Konjunkturverhältmssen; das geht schon daraus hervor, daß dw Siebenerkommission der Bergarbeiter aus die Tagesordnung der am 11. Februar stattfindenden Revier- konferenz als besonderen Punkt die„Lohnfraae" gesetzt hat. Und wenn schon im allgemeinen die Löhne nicht befriedigen, dann sind sie im Siegcrlande alS ganz besonders schlecht zu bezeichnen. Daß die Firma Krupp gar nicht befürchtet, durch niedrigere Löhne ihrem WohlfahrtSruhm Abbruch zu tun, weiß man ja. Kürzlich kam eS»och zu Maffenkündigungen in Essen, weil die Firma die erbärmlichen Löhne der Schlosser nicht aufbessern wollte. Bürgerliche Blätter richten an die Arbeiter die Mahnung, grade jetzt während der günstigen Konjunktur nicht zu streiken. Die„guten Freunde" der Arbeiter meinen wohl, diese sollten mit Lohnforderungen warten, bis die Krise wieder ein- setzt. Wie kommt man eigentlich dazu, die Arbeiter für solche dummen Ratschläge empfänglich zu halten? Tie Aussperrung auf der Neptun-Werft Iu Rostock dauert unverändert fort! Die Maßnahme der Direktion, die Nichtorgani- siertcn zur Wiederaufnahme der Arbeit zu veranlassen, ist als ein Schlag ins Wasser zu bezeichnen. Außer den Meistern, Vorarbeitern und Lehrlingen sind nur 130 bis 140 Mann von 1600 beschäftigt! Diese Zahl ist so gering, daß die Werftleitung nun entweder Arbeits- willige in sehr großer Anzahl heranziehen muß, oder den Be- trieb ganz einstellt. Daher ist für die nächste Zeit ganz be- sonders zu beachten, daß der Zuzug nach Rostock fernge- halten wird. Wenn das gelingt, kann der Erfolg nur auf scitc» der Arbeiter sein. In Betracht kommen Schiffbauer, Schiffs- zimmerer, Schmiede, Kesselschmiede, Maschinenbauer. Schlosser. Dreher, Former, Kupferschmiede, Tischler, Maler, kurz Handwerker aller Art, die im Schiffbau beschäftigt werden und deren Hülfs- arbeiter. Letzte plaebricbten und Dcpefcben. Baueru-Aufftiinde. Kiew, 15. Januar. Bevor ich zur Besprechung des Falles übergehe, möchte ich die Worte verlesen, welche Se. Majestät der Kaiser der Verordnung über die Ehrengerichte im Mai 1874 vorausschickte. Was den vorliegenden Fall anbetrifft, so steht eS zweifelhaft fest, daß eine schwere Beleidigung gegen den Leutnant Feldhaus vorgelegen hat. Das Ehrengericht hat entschieden, daß Leutnant Feldhaus, weil er es abgelehnt hat, für eine ihm zugefügte Be- leidigung standesgemäße Genugtuung zu fordern und zwar unter Anführung von Gründen, welche mit den Anschauungen eines Offiziers über den Austrag von Ehrenhändeln nicht vereinbar sind, für schuldig der Verletzung der Standesehre zu erachten sei und hat die Entlassung mit schlichtem Abschiede beantragt. Se. Majestät der Kaiser hat mittels Allerhöch st er Kabinettsorder vom 6. September v. I. dahin entschieden, daß Leutnant FeldhauS mit schlichtem Abschied entlassen wird.(Hört! hört!) Die Darstellung des Herrn Vorredners war durchaus zutreffend, ich kann mich nur seinen Schlußfolgerungen nicht anschließen. Zweifellos ist der Brief, den Göpel zunächst an die Schwiegermutter des Dr. Feld- haus geschrieben hat, in Ton und Form nicht angemessen gewesen. Göpel hat stets ausgesagt, daß er sich zweifellos erheblich gekränkt gesehen hat, daß seine Honorarforderungen nicht beglichen und überhaupt die Rücksichten, die er nach seiner Ansicht zu fordern hatte, nicht genommen waren. DaS ist der Grund gewesen, warum er den Brief des Dr. Feldhaus zurückgesandt und daneben zweifellos beleidigende Worte gegen Dr. FeldhauS gebraucht hat. Nun sagt der Herr Borredner: es war das einzig richtige, daß Dr. Fcldhaus auf diesen beleidigenden Brief nichts getan hat. Ich bin durchaus anderer Ansicht. Wenn damals in diesem ersteren Falle Leutnant Feldhaus das Organ benutzt hätte, was ihm zu Gebote stand, nämlich den Ehren- rat, so wäre zweifellos die ganze Affäre aus der Welt geschafft worden.(Lachen links.) Ich glaube, keiner von Ihnen wird stillschweigend eine derartige zugefügte Beleidigung dulden, er wird nicht abwarten, bis eine noch schwerere Beleidigung folgt. Damals lag noch keine so schwere Beleidigung vor, damals war auch noch nicht die Aegriertheit auf der anderen Seite vor- Händen. Das dann später eingerichtete ehrengerichtliche Verfahren führte zu keinem Vergleich infolge deS Wider st an des Göpels. Dieser widersprach dem Vergleich, weil ihn Leutnant Feldhaus durchaus nicht in dem Maße als einen Ehrenmann angesehen habe, wie er das beanspruchen konnte.(Lachen links.) Sie lachen darüber, daß Göpel die Empfindung von sich hatte, ein Ehrenmann zu sein. Das Gericht hat ihn ja auch für einen nicht ernsten leicht- sinnigen jungen Menschen gehalten und hat ihn mit der höchsten zulässigen Strafe belegt. Zweifellos ist damit die Sühne nach dem Strafgesetzbuch erfolgt. Zweifellos aber nicht erfolgt vom Standpunkt der verletzten Ehre aus. Soweit ich die Verhandlungen der Antiduell-Liga verfolgt habe, ist auch dort immer hervorgehoben: Wir haben kein Strafgesetz, was die Sühne für die verletzte Ehre in der Weise gibt, wie es ein Ehrenmann fordern kann.(Abg. Bebel: Na! na!) Nun handelt es sich um die Frage: War Göpel ein minderwertiger Mann? Dagegen spricht, daß der Augenarzt Peretti ihn 4—3 Jahre lang mit seiner Ver- tretung betraut hat. Dagegen spricht auch, daß Göpel vor diesem Fall lange Zeit in der Familie Feldhaus verkehrt hat. Wäre Göpel Offizier gewesen, dann wäre das Organ dagewesen, das Ehren- gericht, das hätte sagen können: dieser Mann hat seine Ehre ver- letzt, indem er in frevelhafter Weise einen anderen beleidigt hat. Hier aber hat dies Organ vollkommen gefehlt. Wenn wir ein solches Organ einsetzen können, wäre uns allen geholfen.(Widerspruch und Heiterkeit links.) Die Annahme des Herrn Roeren, Feldhaus sei ein prinzipieller Gegner des Duells, trifft nicht zu. Er hat sich nur immer als Feind dieses Duells bezeichnet.— Der Herr Vorredner hat dann von einer Ueberhebung des Offizierstandes gesprochen. Nicht der Offizier- stand allein ist aber Träger des Duells, sondern sehr weite Kreise des Volkes, ganz gleich welcher Konfession, huldigen noch heute dem Duell. Daß die Beteiligung amZlveikampf gegen göttliche und menschliche Gesetze durchaus verstößt, i st zweifellos.(Hört! hört I links.) Was den Verstoß gegen göttlrche Gesetze anlangt, so soll man demjenigen, der aus Gewissens- zwang sich in ein Duell einläßt, eS überlassen, wie er als gläubiger Christ sich mit seinem Gotte abfindet.(Lachen links.) Der Verstoß gegen das Gesetz des Staates wird besttast. Was nun den zweiten Punkt der Interpellation anbetrifft, so habe ich im Auftrage des Herrn Reichskanzlers folgende Erklärung abzugeben. Zur Austragung von Ehrenhändeln besteht bei uns die Sitte des Zweikampfes in weiten Kreisen der gebildeten Stände. Im Offizierkorps ist der Zweikampf in wirk samer Weise durch die allerhöchste Verordnung vom 1. Januar 1897 bekämpft worden. Weitere Abhülfe könnte aber nur von einer gleich- zeitigen Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen über die straf- rechtliche Verfolgung der Beleidigung und des Zweikampfes erhofft werden. Eine solche Aenderung des Gesetzes ist schon aus Anlaß früherer Interpellationen ernstlich erwogen worden und wird auch jetzt noch im Auge behalten. Sie läßt sich aber nicht durch- führen ohne eine Umgestaltung deS Abschnitts des Strafgesetzbuches über Beleidigung und Zweikanrpf und ohne einen tiefen Eingriff in unser Strafsystem, insbesondere soweit es die Festungsstrafe und die Geldstrafe bettifft. Dies ist nur möglich im Zusammenhang mit der in Vorbereitung befindlichen Revision des Strafgesetzbuchs. Es darf als sicher angenommen werden, daß bei dieser Revision eine anderweitige strafrechtliche Be- Handlung der Beleidigung und des Zweikampfes eine wichtige Frage bilden wird. Inwieweit eine solche Aenderung der Gesetzgebung eine Wandlung der zurzeit herrschenden Ansichten über die Wahrung der verletzten Ehre bewirken wird, muß abgewartet werden. S o lange der Zweikampf von weiten Kreisen als anerkanntes Mittel zur Wiederher st ellung der verletzten Ehre gilt, kann auch das Offizier- korp« in seine» Reihen lein Mitglied dulden, welches nicht bereit ist, gegebenenfalls auch mit der Waffe für seine Ehre einzutreten. (Lebhaftes Hört! hört! Unruhe links. Zuruf: Aufforderung zur Ungesetzlichkeit!) Die allerhöchste Kabinettsorder sagt in ihrem Eingang: Ich will, daß dem Zweikampf zwischen meinen Offizieren in höherem Matze begegnet wird als bis jetzt. Sie hat derartig günstig gewirkt auf den Zweikampf im Heere, daß im vergangenen Jahre nur ein einziges Duell zwischen attiven Offizieren stattgefunden hat.(Hört I hört! rechts.) Dies ist eine durchaus günstige Wirkung, über die wir uns alle nur freuen können.(Bravo! rechts.) Abg. Himburg(k.): Wenn ein Offizier mit schlichtem Abschiede entlassen wird, ohne daß er eine strafbare Handlung begangen hat, so ist das unter allen Umständen zu mißbilligen. Aber wir wollen doch auch nicht vergessen, wie wichtig das hochentwickelte Ehrgefühl unseres Offizierkorps für Deutschlands Größe ist. Bismarck hat einmal gesagt: Den preußischen Leutnant machen Sie»nS nicht nach. Jeder Stand hat seine besondere Ehre. der Richter die Unparteilichkeit, der Kaufmann die Reellität, der Offizier den Mut. Das Duell wird nicht aufhören. Das liegt in unserem Nationalcharakter, der Deutsche läßt nichts auf sich sitzen, über das Leben geht die Ehre.(Vereinzelter Beifall rechts.) Abg. Dave(freif. Vg.j: Das Novum in der heutigen Verhandlung ist die vorgelesene Erklärung des Herrn Reichskanzlers, deren Inhalt es ist: Ich, der höchste Beamte des Reichs erachte mich nicht für befugt. die Gesetze durchzuführen.(Lebhafter Beifall links und im Zentrum.) Der Abg. Himburg wieS auf den deutschen National- charakter hin. Aber das Duell entspricht viel mehr den Anschauungen der romanischen als der germanischen Völker. Wir sind für Ver- schärfung der Strafbestimmungen gegen das Duell, vor allem für Beseitigung der custodia honesta und für Einschränkung der Begnadigungen gegen Duellanten. Der vorliegende Fall ist einer der krassesten, den man sich nur denke» kairn. Denn der Kriegsminister mußte ja die Darstellung des Kollegen Roeren für richtig erklären. Der klaffende Widerspruch zwischen Gesetz und Ducllanten-Ehrgefühl ist unerträglich. Niemand wird aber einem Offizier, der sich weigert, sich zu duellieren, Mangel an Mut nachsagen. In, dänischen Kriege boten sich drei Offiziere, die sich aus religiösen Gründen weigerten, sich zu duellieren. an, sofort vor den Feind gestellt zu werden.(Hört! hört! links.) Aber das wurde abgelehnt. Die Anschauungen von der Notwendigkeit der Exklusivität des Offizier- korps haben bei Jena Schiffbruch gelitten.(Leb- hafter Beifall links und im Zentrum.) Abg. Bassermai«(natl.) schließt sich der Verurteilung deS Duells an, bestreitet aber, daß die Verabschiedung mit schlichtem Abschiede eine entehrende Strafe sei.(Widerspruch links.) Die Urteile der Gerichte in Beleidigungssachen seien leider im allgemeinen zu milde. (Zuruf bei den Sozialisten: Wir können darüber nicht klagen! Große Heiterkeit.) Unser Standpunkt ist der, welchen unser verstorbener Führer Bennigsen im Jahre 1896 präzisiert hat: Wir empfinden das Duell als einen peinlichen Widerspruch gegen die Staatsgesetze und hoffen auf seine allmähliche Einschränkung.— Ein Uebelstand ist es, daß sich heute kaum jemand gerne entschließt, in BeleidigungSsachen vor ein Schöffengericht zu gehen, be- sonders wenn die Schöffen einer ganz anderen Gesell- schaftsklasse angehören. Die Anti-Duell-Liga fordert mit Recht eine Aenderung der GerichtsverfassungSbcstimmungen in dieser Richtung. Die Reform der Strafgesetzgebung ist aber nicht abzu- warten. Wir müßten vielmehr auf dem Wege der Spezialgesetz- gebung vorgehen. Schon heute erträgt die öffentliche Meinung kein frivoles Duell. Aber Sie werden das Duell nicht durch strengere Strafen abschaffen. Geben Sie erst einen besseren Schutz der per- sönlichen Ehre!(Beifall links und rechts.) Abg. Bachem(Z.): Aufs höchste befremdet hat mich der Schlußsatz in der Er» klärung des Reichskanzlers. Es lief mir eiskalt über den Rücken, als ich hörte, daß der höchste Vertreter der Staatsgewalt erklärte, das Offizierkorps könnte kein Mitglied in feinen Reihen dulden, das nicht in gegebenen Fällen be- reit wäre, die bestehenden Gesetze zu brechen.(Lebhafter Beifall links und im Zentrum.) Aber gerade das Gegenteil hätte der Reichskanzler erklären sollen: Das Offizicrkorps kann kein Mit- glied in seinen Reihen dulden, welches die Absicht hat, in gegebenen Fällen die Staatsgesetze zu überschreiten.(Sehr richtig! links und im Zentruni.) Das hatte dem Standpunkte eines christlichen Reichs- kanzlers entsprochen.(Sehr richtig! im Zentrum.) Bisher glaubten lvir, daß wir unseren, Ziele, daß das Duell allmählich abgeschafft würde, näher kämen. Jetzt aber sehen wir, daß gerade das Gegenteil der Fall sein wird. Der Reichskanzler hat durch seine Erklärung den heutigen Tag zu einem dies nekastus gemacht. (Lebh. Beifall links und im Zentrum.) Auf anderen Gebieten weiß doch der Herr Reichskanzer sehr wohl die Majestät des Gesetzes zu schützen. Wenn der Herr Reichskanzler gegen dir Sozialdemokratie vorgehe» will, da weiß er ganz genau die Töne zu finden, die die Absicht zum Ausdruck bringen, unter allen Umständen das Vorgehen der Sozial- dcmokratie gegen die öffentliche Ordnung aufs strengste zu verurteilen. Im preußischen Abgeordnetenhause hat der Justizminister Bebel (Schallende Heiterkeit), ich wollte sagen, der Justizminister Beselcr ebenfalls betont, daß man jede Verletzung der Majestät des Gesetzes ahnden werde. Soll denn dieser Standpunkt nur gegen die Sozial- dcmokratie gelten?(Zurufe bei den Soz.: Ja I ja I) Wie kann man gegenüber den Standesvorurteilcn eines ganz kleinen Teiles unseres Volkes einen solchen schonenden Standpunkt einnehmen, daß man zugibt, daß die Gesetze sich vor diesen Standes- Vorurteilen beugen müßten? Ist es denn kein Vorgang gegen die öffentliche Ordnung, wenn aus der irregeleiteten Ansicht gewisser Kreise heraus diese Gesetze aufs schroffste übertreten werden? Wie verträgt sich denn die Erklärung des Herrn Reichskanzlers mit der Majestät des Gesetzes? Ich gebe zu, unsere Gerichtsverfassung gegenüber den Beleidigungen könnte gewiß verbessert werden. Auch die Beleidigung ist eme schwere Rechtsverletzung. Aber daS Er- schießen eines Menschen ist eine noch schwerere Rechtsverletzung als die Beleidigung.(Lebhafter Beifall im Zentrum und links.) Ebenso bedauere ich es auf das lebhafteste, daß wir auS dem Munde des Abg. Bassermann keine schärferen Töne gehört haben. Mit einer so lahmen Erklärung leistet nian dem Duell nur Vorschub.(Beifall links und in, Zentrum). Die Frage ist nur. ivie können wir dem Unwesen steuern? An die einzelnen Ehrengerichte können wir nicht heran. Aber jedes ehrengerichtliche Urteil erfordert die Bestätigung des aller- höchsten Kriegsherrn. Und diese Bestätigung ist eine Regierungshandlung des Kaisers in feiner Eigen- schaft als allerhöchster Kriegsherr.(Lebhafter Beifall links und im Zentrum.) Für eine solche Handlung sind unS aber die Organe verantwortlich, welche verfassungsmäßig die Krone vor dem Lande vertreten. In unserem Falle ist das der Herr Reichs« kanzler bez. sein Vertreter. ES ist Sache des Herrn Reichskanzlers, es ist seine Verpflichtung, den Schaden, welchen er durch seine heutige Erklärung angerichtet hat, auf irgend eine Weise wieder gut zu machen, wenn er weiteren Anspruch auf den Namen eines ch r i st- lichen Reichskanzlers machen will.(Lebhafter, immer erneuter Beifall im Zentrum und links.) Abg. Bebel(Soz.): Wir haben durch die heutige Verhandlung den Standpunkt, den wir seit einer Reihe von Jahren bei jeder Gelegenheit, die sich bot, eingenommen haben, infolge der Erklärung des Reichskanzlers eine Genugtuung gefunden, wie sie sich gar nicht besser denken läßt. Die Erklärung des Herrn Reichskanzlers lief darauf hinaus, daß es den Offizieren erlaubt sein müsse, unter Um- ständen die be st ehenden Gesetze zu übertreten, und daß das sogar unter Umständen ihre Pflicht sei. Der moralische Schaden, welchen der Herr Reichskanzler dadurch dem herrschenden Systeme zugefügt hat. ist auf keine andere Weise wieder gut zu machen. Denn eS ist doch in diesem Hause auf die offiziellste Weise nichts mehr und nichts weniger ge- sagt worden, als daß für gewisse Klassen Recht und Unrecht nicht mehr gelten, daß eS in unserem Klaffen st aate gewisse Klassen gibt, die das Recht haben. Recht und Gesetz mit Füßen zu treten.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Ich muß dem Abg. Roeren anerkennen, daß seine Partei seit vielen Jahren dem Du'ellunfug mit großem Eifer zu Leibe ging. Dabei hat aber insbesondere der Abg. Bachem, welcher das Zentrum bei solchen Gelegenheiten zu vertteten pflegte, in den letzten Jahren die Anschauung vertreten, daß die allerhöchsten KabinettSorderS, die sich mit dem Duell in den letzten Jahren beschäftigt haben, den Zweck hätten, das Duell nach Möglichkeit zu beseitigen. Ich selbst aber habe seinerzeit dem Abg. Bachem das Irrige dieser seiner Auslegung der aller- höchsten Kabinettsorders auseinandergesetzt. Heute finden wir die Bestätigung unserer damaligen Auffassung durch die Erklärung deS Herrn Reichskanzlers.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ueber das Unsinnige der Auffassung, welche dem ganzen Duellwesen zugrunde liegt, ein Wort zu verlieren, ist ja völlig überflüssig. Das Duell müßte doch wenigstens garantieren, daß auch nun der Be- leidiger die wirkliche Strafe findet. In Wirklichkeit aber hängt der Ausgang des Duells ja wesentlich vom Zufall ab, und in sehr vielen ist es der Beleidigte, welcher noch überdies fein Leben lassen m u tz. Ain letzten Sonnabend hat der neue Justizminister Beseler von der M'a jestät des Gesetzes ge- sprochen. Auch hört man. daß für den 21. Januar, an dem wir unsere P r o t e st v e rs a m m l u n g e n gegen das Dreillassen Wahlrecht abhalten werden, die ganze irdische Dreifaltigkeit, nämlich Infanterie, Kavallerie und Artillerie (Schallende Heiterkeit linksZ in Bewegung gesetzt wird, um den möglicken Unruhen, welche nach der Meinung gewisser Leute sich an unsere Protestversanunlungen anschließen könnten, entgegenzutreten. Es ist das ein Matz von Vorsorge, das auf unserer Seite die allergrötzte Heiterkeit hervorgerufen hat.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten, Zwischenrufe rechts: Na, na!) Es wäre nun aber zu untersuchen, ob nicht die heute vorgelesene Erklärung des Reichskanzlers selb st unter das Strafgesetz fällt.(Lachen rechts. Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Im Z 110 des Strafgesetzbuches wird mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft, wer öffentlich jemanden auffordert, die Gesetze zu übertreten. Die heutige Erklärung des Reichskanzlers war aber nichts anderes als eine indirekte Aufforderung zur Mitzachtung der Gesetze.(Sehr richtig! links.) Jedenfalls ist in der denkbar yffiziellsten Weise doknmentiert worden, datz wir uns in einem K l a s s e n st a a t e befinden. Ein besseres A g i t a t i o n s m i t t e l für unsere Ver- sammlungen am 21. Januar können wir uns gar nicht denken als das, welches uns heute der Herr Reichskanzler mit seiner Erklärung fegeben hat.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Er mag chen, wie er den Schaden, den er unzweifelhaft dem von ihm ver- tretenen Regiment zugefügt hat, wieder repariere» kann. ES ist doch ein geradezu unerhörter Znstand der Dinge, wenn gesagt wird. es gibt in der Nation, nicht blotz im OsfizierkorpS, weite Schichten. die das Duell eben für absolut notwendig halten, und wir bedauern, datz wir den« bestehenden Zustand nicht ein Ende machen könne», weil die nötigen gesetzgeberischen Matzregeln bis heute noch nicht eingeführt worden sind. Die grotze Majorität des Reichstags hat es seit Jahrzehnten in allen Verhandlungen über die Frage ausgesprochen, datz das Duell im Widerspruch steht mit der sittlichen Anschauung der ungeheuren Mehrheit der Nation, im Widerspruch niit den» bestehenden Recht und auch mit den religiösen Anschauungen. Was heute der Herr Kriegsminister in bezug auf diesen letzten Punkt gesagt hat, kommt eigentlich auf den Programmsatz der Sozialdemokratie hinaus: Religion ist Privatsache. (Heiterkeit.) Die Konsequenz eines solchen Standpunktes wäre z. B. die Entfernung der 106 und 167 aus dem Strafgesetzbuch. Denn dort erachtet es der Staat für seine Pflicht, die herrschende Religion gegen Angriffe zu schützen. Wir meinen ja, datz dies den Staat nichts angeht. Für uns handelt es sich hier um eine einfache Rechtsfrage. Das Duell ist verboten und vcrstötzt gegen bestimmte Paragraphen des Gesetzes. Die Herren Duellanten genießen ja schon eine Ausnahme- stellung in der Gesetzgebung selbst, datz die Körperverletzungen beim Duell wesentlich milder beurteilt werden, als sonst Körperverletzungen. Und sie werden auch nicht wie wegen andere schilleren Körperverletzungen Angeklagte ins Gefängnis geschickt, sondern auf die Festung, und endlich ist cS so sicher, wie,� datz zweimal zwei vier ist, daß sie ihre Strafe nicht zu Ende verbüßen, sondern sehr bald begnadigt werden. Also in der ganzen Handhabung der Strafe liegt schon eine Art nioralischer Bc- günstiguug des Duells.(Sehr richtig! links.) Wir haben nun heute auS den Verhandlungen folgende? er- fahren: zunächst datz es ein Irrtum ist, wenn man glaubt, daß an allerhöchster Stelle das Duell überhaupt verworscn wird. Im Gegen- teil, es besteht an allerhöchster Stelle die Auffassung, datz unter be- stimmten Verhältnissen Duelle eine absolute Notwendigkeit sind. Ferner haben wir erfahren, datz der Ehrcnrat nicht, wie bisher viel- fach angenommen lourde, die Aufgabe hat, Duelle zu verhüten, datz er zwar einen friedlichen Ausgleich suchen soll, datz er jedoch, wenn die Qualität der Beleidigungen nach seiner Ansicht zu schwer ist, das Duell für unatlsbleiblich erklären mutz. Ich will auf den Fall selbst nicht eingehen. ES versteht sich von selbst, datz wenn einmal derartige Vorurteile existieren, es notwendigerweise dazu kommt, datz rechter Hand linker Hand alle Begriffe vertauscht werden. Wer heute die Darstellung deS Herr» Rocren gehört hat, mutz glauben, datz dem Dr. Feldhaus bitter Iln- recht geschehen ist, wenn man aber den Herrn Kriegsminister hört, dann ist eigentlich Göpel der Ehrenmann und Feldbaus der- jcnige, der es nicht verstanden hat, im gegebenen Falle seine Ehre zu lvahren. Die bürgerlichen Begriffe stehen hier mit denen ge- wisser priviligierter Schichten im schärfsten Widerspruch.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nun bin auch ich der Meinung, datz, wenn sich bestimmte Auffassungen über gewisse Dinge in be- stimmten Schichten der Gesellschaft gebildet haben, die mit den An- schauungen der großen Mehrheit des Volkes im Widersprnch stehen. man diese nicht ohne weiteres durch Gesetz beseitigen kann. Wenn aber solche Zustände vorhanden sind, dann dürfen diese Widersprüche nicht durch die Gesetzgebung noch t ü n st l i ch b e g ü Ii st i g t werden.(Sehr richtig! links.) DaS eine gebe ich zu: die Erklärung des Herrn Reichskanzlers ist so offen und rückhaltlos, wie mau sie nur wünschen kann. Er hat freilich die ni o r a l i s ch e Wirkung sich nicht überlegt, die seine Erklärung hervorrufen wird, aber von seinem eigenen Standpunkt aus, ist diese Erklärung durchaus natürlich. Wie heute niemand Offizier sei» könnte, der es wagt, offen zu erklären: man mag mich beleidigen, wie man will, ich werde mich nicht dazu herbeilassen, meinen Beleidiger zu fordeni, so ist nach meiner Ueberzeug u n g auch kein Reichskanzler im D eutschen Reiche, kein I u st i z m i n i st e r, überhaupt k e i n M i t- glied des Bundesrats möglich, daS nicht e b e n- s a l l s diesen Duellkomment als selbstverständlich anerkennt. Das mutz auch einmal ausgesprochen werden. Man hat wiederholt in öffentlichen Blättern gelesen, eS sei in Preußen ganz undenkbar, datz j e m a n d M i n i st e r w e r d e, d e r nicht d e m Borussenbunde angehört. Der Borufienbund gehört zum Kö jener K. C. und alle Mitglieder des Korps find auf Grund der statutarischen Bestimmungen des Kösener?. G. verpflichtet, datz sie gegebenenfalls auf ein Duell eingehen. Wer ein Duell verweigert, wird nach den Staruten mit der schwersten Strafe, der Aechtnng, der„Vcrschitzerllärung" lGrotze Heiterkeit) wie es heißt, belegt. Vor mir liegt die Ver- fassung des Kösener L. G. Sie wird sehr diskret behandelt und nur den allereingeweihtesten Kreisen zugänglich geniacht. Es ist dies also eine Verbindung, die nach 8 126 des Strafgesetzbuchs als angesetzlich angesehen werden mutz, da sie geheimgehalten wird und da in ihren Statuten zur Verletzung von gesetzlichen Bestimmungen aufgefordert wird.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- traten.) Amtlich bekommt keine Staatsbehörde, kein Staatsanwalt, kein Justizminister Kenntnis von diesen Statuten. Während jede andere Verbindung verpflichtet ist. ihr Statut der Polizei zur Ge- nehmigiuig einzureichen, ist daS hier nicht der Fall. Alle Beamten bis hinauf zum Reichskanzler kennen diese Statuten als Alte Herren des Kösener S. G. Aber in ihrer offiziellen Eigenschaft wissen sie nicht, was inoffiziell passiert. Mit anderen Worten, dem Staatsanwalt, der als Mitglied des Kösener S. 0. systematisch gegen das Strafgesetzbuch verstötzt, fällt es garuicht ein, sich selber zu denunzieren, denn er betrachtet es als daS Privilegium seiner Stellung, datz er als Angehöriger des 8. G. d a s Recht hat. ungesetzlich zu handeln. Das sind doch un- glaubliche Zustände. Das Präsidium des L. G. wird nach dem mir vorliegenden Statut alle vier Wockien von einem anderen Korps ge- bildet. Zu seinen Funktionen gehört unter anderem die Verwahrung eines Pistolenkastens. Dieser Rasten spielt ungefähr dieselbe Rolle, wie die Bundeslade bei den alten Inden.(Stürmische Heiterkeit.) Er ist ihnen das Allerheiligste. Im§ 66 des Statuts wird mit deut- licheu Worten der Duellzwang ausgesprochen im klarsten Widerspruch mit 8 129 des Strafgesetzbuches. Wie will man denn von der großen Masse des Volkes noch Respekt vor der Gesetzlichkeit erwarten, wenn die Ersten des Staates, die das Recht handhaben und dasRecht sprechen wollen, sich einer permanenten Rechts- Verletzung schuldig machen. Im 8 12-1 heitzt es: Jeder offenbaren Beleidigung mutz eine Forderung folgen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Angesichts eines solchen Znstandes der Dinge, der dem Herrn Reichskanzler und sämtlichen Behörden sehr genau bekannt ist, während doch niemand sich veranlaßt sieht, das geringste zu tun, damit diesem Unfug allerärgster Art ein Ende bereitet wird, können Sie sich nicht wundern, wenn die breiten Massen der arbeitenden Klassen aufs höchste erbittert und empört werden müssen. Angesichts solcher Zustände sind alle Debatten über kleine Hülfs- mittel, wie sie heute vorgeschlagen worden sind, vollständig über- flüssig. Man mutz den Dingen, wie sie sind, ins Auge sehen. Der Duelluiifug köimte nicht bestehen, wenn er nicht von den leitenden Kreisen der Regierung selbst auf alle mögliche Weise begünstigt würde. Eine Verschärfung der Strafen für Beleidigungen, wie sie verlangt worden ist, würde nur darauf hinauslaufen, daß die uiibcqiicincn oppositionellen Elemente noch härter bestraft werden als bisher. (Sehr richtig! bei der Sozialdemokraten.) Die Duellanten würden von den schwereren Strafen ebenso wenig getroffen werden, wie heute. Es bleibt dabei: der Duelluiifug i st ein ll e b e l, das von oben kommt, und so lange das der Fall ist, werden alle unsere Anträge nichts helfen.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Abg. Träger(frs. Vp.): Die heutige Verhandlung hat für mich zwei Ueberraschungen gebracht. Die erste war die, datz in diesem Falle dem Beleidiger ein Verteidiger erstanden ist in der Person des Herrn Kriegsministers. Die zweite Ueberraschung war die Erklärung des Herrn Reichs- kanzlers. Der Herr Reichskanzler wurde gefragt, welche Maßnahmen er zu ergreifen gedenke, um die Wiederholung eines solchen Vorfalls zu verhindern, und seine Antwort lautet: keine. Er hat sich zwar bemüht, die Ablehnung in einen Mantel zu hüllen, aber jeder Unbefangene wird aus dieser Erklärung nur das Nein heraushören.(Sehr richtig! links.) Im übrigen entbehrt die Erklärung nicht eines gewissen Beigesckimacks, es wird darin versichert, datz die Regierung die Verschärfung der Strafbestimmung für Be- leidigungen im„Auge behalten" werde. Nun wer die Weitsichtigkeit des Regierungsauges kennt(Heiterkeit), wer weitz, wie wir 16 und 20 Jahre lang immer dieselben Vorschläge gemacht haben, die niemals von der Regierung berücksichtigt worden sind, der wird mir recht geben, datz diese Erklärung nur eine humoristische Wirkung haben kann. Der Herr Reichskanzler gibt sich in seiner Erklärung als duellwütiger Kavallerist.(Heiterkeit.) Ich komme zum Falle selbst. Der Herr Dr. Feldhaus läuft eigentlich mit einer gespaltenen Ehre herum.(Heiterkeit.) Das Erkenntnis des Zivilgerichts erklärt ihn für einen untadel- haften Ehrenmann, den eine derartige Beleidigung eines „törichten Knaben" nicht anzurühren vermöge. Aber das militärische Ehrengericht urteilt troydem: du bist doch kein ganz uniadelhafter Ehrenmann, denn der Entlassung aus dem Landwehroffizierstande liegt notwendigerweise diese Meinung zugrunde. Für uns gibt es nur eine allgemeine Ehre, die Ehrenhaftigkeit. Verichieden sind nur die besonderen Verpflichtungen, welche die besonderen Verhältnisse, in denen der einzelne lebt, ihm auferlegen.(Sehr richtig I) Es gibt keine Ehre, deren Verletzung durchaus nur auf dem Wege geheilt werden kann, datz sie mit Blut abgewaschen wird.(Bravo I links.) Abg. Frhr. v. Tiedcmann(Rp.): Bei allen Duelldebatten hier im Reichstage hat die rechte Seite des Hauses die Ansicht vertreten, datz es eine Reihe von Fällen gibt. in denen das Duell, auch wenn es an sich vom Nebel, doch not- wendig ist. Bei verletzter Familienehre(Zurufe: Fall Bennigsen I) können ein paar hundert Mark Geldstrase nicht als ausreichende Sühne betrachtet werden, da mutz zur Waffe gegriffen werden.(Zuruf links: damit man hinterher noch niedergeknallt wird!) Ja nun, dann wird eben einer niedergeknallt; das ist ja tragisch, aber unter Umständen nicht zu vermeiden.(Unruhe links.) Gewiß ist das Duell gesetzwidrig: ich möchte aber die Herren vom Zentrum daran erinnern, datz ein Zentrumsabgeordneter gelegentlich des Kulturkampfes erklärte: Es gibt Gesetze, denen sich nicht zufügen Pflicht und Gewissen gebietet.(Unruhe links und im Zentrum. Zu- ruf im Zentrum: Unerhört, das zu vergleichen! Zuruf bei den Sozial- demokraten: Das wollten wir ja blotz hören I) Fürst Bismarck hat einmal gesagt, über seine Ehre könne nur er selbst urteilen.(Zwischenruf bei den Sozialdemokraten: DaS ist ja anarchistisch! Heiterkeit und Zustimmung links.) Ich schließe damit, datz daS deutsche Offizierkorps das Duell nicht entbehren kann, datz daS Duell alle Reden dagegen überdauern wird, und zwar im Interesse der guten Sitten unserer Gesellschaft.(Beifall rechts, schallende Heiterkeit links.) Abg. Stöcker(Wirtsch. Vg.) Im Namen der Wirtschaftlichen Vereinigimg, im Namen aller christlichsozial gesinnten Kreise glaube ich es aussprechen zu müssen, datz der Verlauf der heutigen Verhandlung sehr unglücklich ist. Denn die Wirkung der Erklärung des Herrn Reichskanzlers mutz eine sehr schlimme sein. Sie ist voll Verhängnis- vollster Bedeutung: Die Rede des Abg. Bebel hat uns ja bereits einen Vorgeschmack davon gegeben, welchen Ge- brauch die Sozialdemokratie von der heutigen Regierungs- erklärung machen wird. Und leider wird sie dabei Erfolg haben, denn diese Erklärung war sehr schlimm. Ich fürchte, was die Presse tun wird, ist viel schlimmer, als was Herr Bebel getan hat. Die Verhältnisse unseres Volkes sind so, datz man in diesen Dingen nicht grundsätzlich genug vorgehen kann. Das Duell verstötzt gegen Gottes Gebot. Daraus kann nur eins folgen, datz nian sich Mühe geben mutz, abzuschaffen, was gegen Gottes Gebot verstötzt. Das Verzweifelte dieser Frage liegt aber darin, datz wir eine Einrichtung haben, die das Duell begünstigt. Dadurch entsteht ein heilloser Konflikt zwischen dem bürgerlichen Recht und dieser Institution. Dem Vorredner sage ich: Gerade wenn Frauen im Spiele sind, ist das Duell oft besonders unmoralisch.(Sehr richtig! links und im Zentrum.) Ich mutz fragen, ob es nötig war, datz die Regierung einen so prinzipiellen Standpunkt einnahm, besonders so unmittelbar vor dem 21. Januar?(Heiterkeit und Sehr richtig I) Sorge man deshalb für die Wahrung der öffentlichen Moral und der Gefetze I(Beifall links und im Zentrum.) Kriegsminister v. Einem: Durch die Armee geht ein Streben, durch Erziehung daS Duell zu überbrücken. Nicht durch plötzliche Verbote und schwere Strafen rotten Sie diese Sitte aus, die weiten Kreisen unseres Volkes eigen ist.— Sehr viele Vorredner haben meine Erklärung verwunderlich gefunden und sie sogar mit Entrüstung zurück- gewiesen. Es wäre mir ein leichtes gewesen zu sagen, ein derartiger Fall solle nicht wieder vorkommen. Ich will mir aber lieber von Ihnen Vorwürfe machen lassen über bestehende Verhält- nisse, die ich weder herbeigeführt noch gefördert habe, da ich mir niemals Vorwürfe machen lassen will, daß ich eine Erklärung ab- gegeben habe, die ich nicht halte und nicht halten kann. Die Er- klärung des Reichskanzlers besagt in keiner Weise, datz wir nicht mit allen Mitteln gegen daS Duell weiter arbeiten. Ich möchte auf das allerentschiedenste dagegen Verwahrung einlegen, daß in unserer Erklärnng Recht und Gesetz mit Füßen getreten wäre.(Lebhafte Zurufe bei den Sozialdemokraten: Doch!) Das ist nicht wahr I(Erneute Zurufe bei den Sozialdemokraten: Doch!) Das ist nicht wahr!(Lebhafte Zurufe bei den Sozialdemokraten: Es ist doch wahr I) Der Reichskanzler bietet Ihnen die Mittel dar. diese Sitte im Volke auszurotten.(Stürmische Zurufe bei den Sozialdemokraten: Im Volke?)— Glocke des Präsidenten. Präsident Graf Ballcstrcm: Ich bitte, nicht permanent zu unter- brechen. Hier wird in Rede nnd Gegenrede, aber nicht in einzelnen Unterbrechungen gesprochen. Kriegsminister v. Einem(fortfahrend): Ich verkenne nicht, datz in der Antidl.ell-Liga eine grotze Anzahl sehr ehrenwerter Männer sitzt, deren ganzes Bestreben dahin geht, die Sitte des Duells aus« zurotten. Wenn wir aber die Herren der Antiduell-Liga als Männer mit idealen Zielen ansehen, können wir ebenfalls beanspruchen, datz wir als ehrenwerte Männer angeschen werden, die ihre Ehre über alles stellen und jede Rücksicht bei Seite lassen, um die schwer verletzte Ehre wieder zu reinigen. Man sagt, das Duell sei erst künstlich in einer kurz vor uns liegenden Zeit eingeführt. Das glaube ich nicht. Ich halte es für eine germanische Sitte. Ich möchte der Hoffnung Ausdruck geben, datz unser Streben in der Armee weiter von Erfolg begleitet sein möge. Es wird mit Erfolg gekrönt sein, weil die Ansicht Bebels, datz jedes Duell gebilligt werde, in dieser allgemeinen Fassung in keiner Weise richtig ist. Aber wie die Sache nun ein- mal liegt, ist es unter den gegebenen Verhältnissen nicht möglich, es zu vermeiden. Abg. Dr. Potthoff(fts. Vg.): Ich möchte dem Abg. Bebel nicht auf das Gebiet des 8.-G.- Komment folgen. Diejenigen Herren aus seiner eigenen Partei. welche seinerzeit dem Kösener 3. G. angehört haben, würden dem Abg. Bebel sagen können, datz er über dessen Verhältnisse nicht genügend orientiert ist. Andererseits aber möchte ich dem Herrn Kriegsminister doch erwidern. datz man von ihm eine offene Verurteilung des betreffenden Ehrengerichtes er- warten mutzte. Ich bin als Reserveoffizier nicht unbedingter Gegner des Duells, erachte aber den vorliegenden Fall für geeignet, viele Offiziere zu veranlassen, eventuell auf den Offizier»- rang zu verzichten, da der Kriegsminister sich so wenig präzise gegen jene Standesvorrechte, die ich als Demokrat verurteile, aus- gesprochen hat. Ein solches verderbliches Standesvorurteil ist der Duell zwang.(Vereinzelter Beifall links und rechts.) Abg. v. Czarlinoki(Pole) findet den Duellzwang ebenfalls un- erträglich. Jeder müsse nach seinem Gewissen handeln.(Beifall bei den Polen und im Zentrum.) Abg. Rocren(Z.) hält seine Behauptung, daß Dr. FeldhauS nicht wegen eines„Fehlers" in dem einzelnen Falle, sondern wegen seiner grundsätzlichen Stellung zum Duell entlassen worden ist, ausrecht. (Lebhafter Beifall und Hört! hört! im Zentrum.) Es handelt sich um einen unerhörten Gewissenszwang. Selbst Herr v. Tiede- mann, der hier eine Lobrede auf das Duell gehalten hat. hat zugeben müssen, datz die Haltung des Ehren- gerichts im Falle Feldhaus nicht richtig war. Ich mutz dem Abg. v. Tiedemann erklären, datz wir beim Rulturkanipf zwar passiv Widerstand gegen gewisse Gesetze geleistet haben, aber das geschah aus Gewissensbedenken, nicht aus Standesvorurteilen.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Ich schließe mit der Erklärung, datz die schriftliche und feierliche Erklärung des Reichskanzlers, die darauf hinauslief, jeden Offizier zu zwingen, gegebenenfalls einfach die göttliche und die staatliche Autorität bei Seite zu setzen, im höchsten Grade bedauerlich ist.(Zuruf bei den Sozial- demokraten: Im Gegenteil!> Die notwendigen Folgen einer solchen Erklärung werden nicht ausbleiben.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Preußischer Kriegsminister von Einem: Ich habe dem hohen Hanse die Akten des Ehrengerichtes vorgelegt, aus dem hervorging, datz Dr. Feldhaus nicht wegen seiner grundsätzlichen Stellungnahme zur Duellftage verabschiedet ist. Abg. Rocren(Z.>: Ich weitz sehr wohl, datz das Ehrengericht nicht ausdrücklich erklärt hat, Herr Dr. FeldhauS sei wegen seiner grundsätzlichen Stellung verabschiedet. Das wird ein Ehrengericht nie erklären. Aber ich weitz positiv(Hört! hört! beim Zentrum), datz das Ehrengericht die zwei Fragen des einzelnen Falles und der grundsätzlichen Stellung in seinen Verhandlungen getrennt hat. und datz die Frage des Verschuldens in diesem einzelnen Falle verneint wurde.(Hört! hört I im Zentrum und links.) Kriegsminister v. Einem: Davon, was der Abg. Roeren sagt, steht nichts in den Akten.(Heiterkeit links.) Hiernnt schließt die Debatte. Das Haus vertagt sich aus DienS- tag 1 Uhr.(Tagesordnung: Erste Beratung der Gesetzentwürfe über die Erhöhung des S e r V i s und der Wohnungsgeld-Zu- schüsse; Nachtragsetats.) Schlutz 53/4 Uhr. Hbcieordnetcnbaiid» s. Sitzung vom Montag, den IS. Januar 190«. vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. R h e i n b a b e n. Vor Eintritt in die Tagesordnung � erteilt das Haus dem Präsidenten die Ermächtigung, den Kaiser zum Geburtstage zu beglückwünschen. Auf der Tagesordnung steht zunächst die einmalige Beratung des Staatsvertrages mit den Staaten des hessisch- thüringischen Lotterieverbandes und mit Reutz j. L., laut welchem diese Staaten ihre Sonderlotterien zugunsten Preußens gegen eine Rente aufgeben. Die Budgetkommission beantragt unveränderte Annahme der Vorlage. Abg. Kirsch(Z.) stimmt trotz einiger Bedenken der Vorlage zu. Abg. Brömcl(frs. Vg.) erkennt an, datz die Vorlage die unwürdige Lotteriekonkurrenz zwischen Preußen und anderen Bundes- staaten beseitigt. Jndeffcn würde in einem aus dem allgemeine» Wahlrecht hervorgegangenen Parlament die Lotteriefrage ganz anders behandelt werden. Abg. Dr. Arendt(Rp.) erklärt prinzipielle Erörterungen über Lotterien und Wahlrecht in diesem Augenblick für unangebracht. (Beifall rechts.) Finanzminister v. Rheinbaven bezeichnet die privaten Lotterien für bedenklicher als die Staatslotterien. Nach einer bei der allgemeinen Unruhe im Hause fast un- verständlichen Erwiderung des Abg. Brömel(frs. Vg.) wird die Diskussion geschlossen und die Vorlage angenommen. Alsdann wird die er st e Lesung des Etats fortgesetzt. Abg. Dr. Wicmer(frs. Vg.): Der Finanzminister veranschlagt die zu erwartenden Einnahmen aus den Eisenbahnen zu niedrig. Gegen die Fixierung der Matrikularbeiträge wendet sich die Mehrheit des Reichstages mit vollem Recht.— Zu finanziellem Pessimismus liegt kein Grund vor; nur die verhängnisvollen neuen Handelsverträge geben zu schweren Bedenken Anlaß. Der Industrie wird von der Regierungshank immer mir dann Lob gespendet, wenn man sie über die schädlichen Folgen industriefeindlicher Gesetze trösten will.(Sehr richtig! links.) Nicht erst durch böswillige Agitatoren sind die Massen auf das Drückende der indirekten Steuern aufmerksam geworden; sprach doch jüngst der antisemitische Abg. Raab, der selbst Mitglied des Bundes der Landwirte ist, von dem„aufrührerischen" Charakter der neuen Steuern.(Hört! hört! links.) Redner geht auf Einzel- heiten des Etats ein. Mit der Aufbesserung der Beamten- gehälter mutz fortgefahren werden. Schließlich haben doch nicht blotz die Minister Anspruch auf Verbesserung ihrer Lage.(Heiterkeit.) Würde der Gedanke verwirklicht, die Beziige nach der Kinderzahl abzustufen, so würden die katholischen Geistlichen sehr schlecht dabei fahren.(Große Heilerkeit.) Bedenklich sind die Zuwendungen an die Bischöse: der Finanzminister hat selbst anerkannt, datz leine rechtliche Verpflichtung vorliegt I— In drei Ministerien sind neue Männer eingezogen. Wir sahen Herrn Schönstedt ohne Bedauern scheiden. Seine Amtszeit war reich an Fehlern und Mißgriffen. Auf sein Konto dürfte auch noch die neueste Begnadigung des antisemitischen Grafen Pückler fallen. Gegenüber den harten Verurteilungen, die sonst in politischen Prozessen gefällt werden, verletzt die Umwandlung der über den Dreschgrafen— dessen Treiben ja auch Herr v. Erffa gegeißelt hat— verhängten Gefängnisstrafe in Festungshaft das Rechtsbewutztsein der weitesten Kreise.(Sehr richtig! links.) Auch in das Handelsniinisterium ist ein neuer Herr eingezogen. Herr Möller ist als Opfer des Friedensschlusses zwilchen der Regierung und der rheinisch-wcst- fälischcn Großindustrie gefallen, lieber die von Herrn v. Budde an- geordnete Einführung der neunstündigen Arbeitszeit in den Eisen- bahn-Betriebswerkstätten freuen wir uns. Der Spremberaer Prozeß hat Mißstände aufgedeckt, die denn doch nicht so einfach auf Betriebs- zum Wahlrecht; Die die Beiicichteiliizuiig der hafte Ziislimnuinq links.) Hummelei sich zurückführen lassen und dringend der Abhülfe er- heischen. Die Tarifreform, die der Eisenbahinninister selbst als not» wendig bezeichnet hat, verträgt sich nicht mit der vor- geschlagenen Fahrkartensteuer.(Sehr richtig! links.)— Im Land- wirtschaftsmiiiislerinm herrscht das Agrariertum in Gcstalr des Ministers v. Podbielski unumschränkt. Im Dezember ist nur ein leichtes Nachlasse» der Fleischpreise, nicht aber ein Anfhören der Fleisch- not zu konstatieren gewesen. Ein Aufhören der Fleischnot hat auch keineswegs, wie geschrieben worden ist, der Oberbiirgerineister Bender von Breslau behauptet. Der Landwirtschaftsunuister vergibt fortwährend. das; er nicht nur Nessort-, sondern auch StaatSminister ist. (Lebhafte Zustinnniing links.) Nun zum Knltusetat: Es ist tiestraurig, daß wir uns heute, hundert Jahre nach dem Zusammenbruch des alten Preußens, gegen ein Gesetz zur Wehr setzen müssen, das die Volksschule gefährdet, welche daS Hnnptmittcl zur Wiedererhebnng des preußischen Staates gewesen ist. sLebhafter Beifall links.) Nun Zustände sind unhaltbar geworden; Städte ist geradezu unerhört.(Leb- Die Thronrede kündigt eine Reform an, die aber nur kleinliches Flick- und Stückwerk sein wird. Wir verlangen die Einführung des allgemeinen gleichen, geheime» und direkten Wahlrechtes in Preußen! Aber wir bekämpfen entschieden die Erzwingung oder den Versuch der Erzwingung dieses Wahl- rechtes durch Straßendemonslrationen, die nur den Sckiarsmachern Wasser auf die Mühle liefern. Wir sind entschiedene Gegner der Sozialdemokratie und ihrer terroristischen Agitation. Wir sind aber auch der Meinung, daß scharfmacherische Reden, wie sie auch hier gehalten lverden, der Sozialdemokratie nur zugute kommen, während Gerechtigkeit in jeder Beziehung ihr die Wurzeln abgräbt.(Lebhafter Beifall links.) Finanzminister v. Rheinbabcn: Die Prophezeiungen des Abg. Herold über die Erfolge unserer Polenpolitik werde» schiverlich ein- treffen. Was das Zentrum mit seiner Nachgiebigkeit gegen die Polen erreicht, hat es iu Oberschlesien gesehen.(Sehr gut! rechts.) Höchst bedauerlich sind die Aenßerimgen des Abg. Wiemer über den abwesenden StaatSminister Schönstedt.(Sehr richtig! rechts.) Wen» er die Entlassung des Herr» v. Podbielski wünscht, so kann ich ihm nur erwidern: Die Entlassung und Berufung von Ministern ist Sacke der Krone und nicht des Parlaments.(Lebhafter Beifall rechts.) Nichts liegt uns beim Schulgesetz ferner, als irgendwie die Selbstverwaltung zu beeinträchtigen.(Lachen links.) Nur mit schwerem Herzen' hat sich Preußen mit der Reichs- erbschaftssteuer einverstanden erklärt; es erwartet aber, daß dieses Opser gewürdigt und die indirekten Steuern bewilligt werden, durch die allein der Rcichsctat saniert werden und durch die in Wirklichken niemand irgenlvie empfindlich belastet wird.(Widerspruch links.) Ich bitte das Zentrum dringend, die Frage der Reichsfinanzreform nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Das Reich hat am Wohl- ergehen der Einzelstaaten das allergrößte Interesse I(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Freiherr v. Zedlitz(fk.): Gewundert hat mich die Zu- stimmung der preußischen Regienmg zur Frachtscheinsteuer, die den Wünschen des_ gesamten Landtages schnurstracks widerspricht. In der Wahlrechtsfrage kann man, wenn man in der Minorität ist. sehr schöne Reden halten. Anders ist es, wenn man für die Beschlüsse die Verantwortung tragen muß. Wir stehen noch immer auk dem Standpunkt, daß einige Reformen angezeigt sind, daß einige zu große Wahlkreise geteilt werden müssen, daß aber im allgemeinen die Vertretung dieselbe bleiben muß. Die Sozialdemokratie macht jetzt Massen- Demonstrationen. Gerade unter dem Eindruck dieser Massendemonstrationen dürfen wir nicht nachgeben, und ich bedauere die Rede des Abg. Herold, die der Furcht vor dem Massenschritt der Arbeiterbataillone Ausdruck gab. In der Tat muß man mit einer sozialdemokratische» Parlamentsmehrheit beim allgemeinen gleichen Wahlrecht für die Zukunft rechnen, aber selbst Dr. Barth. der große Freund der Sozialdemokratie. hat das als größtes Kultur- Hemmnis bezeichnet. Ich meine, Ivenn wir jetzt zu einer größeren Reform des Wahlrechts in Preußen schritten, würden wir nur die Sozialdemokratie in unheilvoller Weise stärken. Zudem ist eine grundlegende Aenderung unseres Wahlrechts nicht einmal ein Gebot der Gerechtigkeit. Mängel haften dem Dreiklassenwahlrecht an, aber der Schwerpunkt der inneren Politik liegt im Reiche, und dort haben die Besitzlosen eine sehr starke Vertretung. Es ist ausgleichende Gerechtigkeit, daß in Preußen Besitz und Bildung stärker vertreten sind. Erst wenn im Reiche das allgemeine gleiche Wahlrecht beseitigt ist, wird der Zeitpunkt gekommen sein, hier im Landtag daS Wahlrecht zu reformieren. Ich bitte den Finanzminister, besonders in der Pflege der Jnter- essen der Eisenbahnbcamten fortzufahren, damit die Sozialdemokratie in diese Kreise keinen Eingang findet, sondern zum Tempel hinaus- geworfen wird. Ich begrüße die Erhöbung des Wohnungsgeld- Zuschusses für die unteren Beamten.— Der Ausgleich der Kommunal- lasten und der Ausbau des Schulwesens werden sich als weitere Mittel bewähren, die Unzufriedenheit zu mindern, und der Sozial- demokratie das Wasser abzugraben. Mit dem guten Gewissen, das eine echt volkstümliche Politik gewährt, werden wir der bevor- stehenden Krisis ruhig ins Auge sehen!(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. v. Jazdzcwski(Pole) polemisiert gegen den Minister Frhrn. v. Rheinbaben, der alle Grundsätze über den Haufen werfe, die die Regierung bei Aufnahme der polnischen Bevölkerung proklamiert habe. In ganz unberechtigter Weise wurde den Polen das Versammlnngs- recht geschmälert. Das Ansiedelungsgesetz werde s o ausgelegt, daß es den Polen unmöglich sei, sich anzusiedeln. Unglaublich sei auch das von den Lebrern geübte Spionagesystem, das des preußischen Staates unwürdig sei.(Rufe rechts: Galizien.) Wenn wir»ur solche Bcrhältniffe hätten wie in Galizien.(Schallende Heiterkeit.) Sllöge die Regierung dazu beitragen, daß die Spannung beseitigt Iverde, daß die guten Eigeni'chasien des polnischen Volkes, das königs- treu ist. anerkannt werden. Das werde zum Frieden beitragen. (Beifall bei den Polen.) Minister v Bcthiiiaiin-Hollwcg: Ich möchte den Vorredner bitten. nicht nur in diesem Hause zum Frieden zu reden, sondern auch anderwärts.(Sehr richtig I) Das hat der Vorredner leider nicht immer getan. Hat er dockt bei dem Begräbnis des Dekans Antoniewicz in Wien, eines Mannes, der au dem Aufstande von 1863 beteiligt und deswegen bestraft lvar, gesagt: der polnische Priester müsse für die politische Zukunft des PolentumS vorbereiten, au die sie alle glaubten. Eine kleinliche Politik der Nadel- stiche ist mir ganz unsympathisch, das erkläre ich offen. Aber ebenso erkläre ich, daß an den Grundziigen der Politik der Regierung selbstverständlich nichts geändert wird.(Beifall.) Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Dienstag 11 Uhr. (Etat, Gesetz betreffend die Wohuungsgeldzuschüsse, Denkschrift über die Ausführung des Auerbenrcchts in Westfalen. Schluß l'A Uhr._ Huö der Partei. Der„Wegweiser zum Zukunftsstaat" kündigt„In eigener Sache' an. daß er vorläufig sein Erscheinen einstellt. Die„perfide Art des persönlichen Angriffs', die der„Vor- wärtS" gegen dieses nützliche Unternehmen beliebte, hat ihm den Hals gebrochen. Die Genossen müssen also bis auf weiteres ohne „Wegweiser zum Zukunftsstaat' durchs politische Leben tappen. Die letzte Nummer bietet noch einige Perlen, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten dürfen. Gerhard Claudius hat sich einen Vortrag der„blutigen Rosa" mit angehört, fand sie aber „recht sanft, sehr sanft sogar, so daß von der Blntglorie, mit der sie»»»woben wird, wirklich nur ein sanftes Morgenrot übrig blieb. Unangenehn» wurde Rosa nur als sie in einer persönlichen Bemerkung einen Anarchisten abivehrte, der in seiner Erregung, in seiner ivirklichen Begeisterung für seine Ideen ihr gegenüber etwaS zu weit gegangen war. Die sozialistischen Führer scheinen ine merkwürdige uns unverständliche Nervosität gegenüber den Anarchisten an den Tag zu legen, da sie es für nötig halten, die vielfach sehr berechtigten und wahren Ausführungen derselben in höhnischer Weise vielfach damit zu widerlegen, indem sie dieselben persönlich lächerlich machen. Das wenig schöne Benehmen gegenüber den Anarchisten ist uns schon verschiedentlich bei sozialdemokratischen Führern auf- gefallen, u. a. auch beim Genossen Reichstagsabgeordneten Ledebour, ebenfalls in Anlaß einer Debatte über den Generalstreik resp. den politischen Massenstreik. Da man im offiziellen sozialdemokratischen Lager die an- archistische Bewegung für so sehr unbedeutend hält und als eine der Sozialdemokratie absolut unschädliche Sache betrachtet, erscheint es unbegreiflich, warum die Empfindlichkeit oder will man damit vielleicht das nicht ganz reine Gewissen beschwichtigen." AuS dem Loche pfeift's also!— Besser als die sanfte, recht sanfte, sogar sehr sanfte Rosa gefällt Herrn Claudius der— Graf P ü ck l e r! „Auch das Körnchen Gute, das Graf Pückler bietet, können wir ruhig akzeptieren: Immer gerade aufs Ziel loszumarschieren, nach„Oben" hin nicht mit kleinlichen Nadelstichen nur reizen, sondern wie Graf Pückler— offen und ehrlich darauf loszn- schlagen."— Frau Professor R e d a h teilt dann von einem„kleinen Partei- tage", von der Brandenburger Konserenz mit, daß dort an die Delegierten blaue Aktendeckel mit je einem Bogen weißen Papiers zu Notizen verteilt wurden. „Diese Verschwendung I" jammert sie. „Aber wrnn schon, warum dann nicht wenigstens blutrote Aktendeckel und nicht blaue, wie man sie bei jeder Aufsichlsrats- sitzung sieht." Man begreift, was das Berliner Proletariat durch die Schuld der„Vorwärts'-Rcdaktion verloren hat! Wenn es ohne solche Kenntnis von den Gepflogenheiten der Aufsichtsratssitzungen nun den Weg in den Zukunstsstaat verfehlen sollte, wenn ihm die Pückler- Parole„ehrlich dranfloszuschlagen" nun nicht mehr geboten wird: der„Vorwärts" hat Schuld, wie an so vielem I— Hoffentlich er- tragen wir's._ polizcilichee, GerichtUches ukw. Zum Prozeß des Genossen Molkenbuhr berichtet man uns ans Halle noch: Auf die Vernehmung des Sachverständigen wurde verzichtet, da daS Gericht annahm, daß die dichterischen Ausschmlkcknngen in dem Fall nicht als Beleidigungen anzusehen seien. Die Plauderei beschäftigt sich besonders mit dem früheren Polizeisergeanten Neu- bauer, der sich im Juni v. I. auf einer Promenadenbank er- schössen hat, weil er von seinem Vorgesetzten, Kommissar Sommer, so versicherte der Verstorbene in einem Abschiedsbriese, nicht gut behandelt sein wollte. Stadiv. Thiele hatte den Fall seinerzeit im Stadtverordneten-Kollegium zur Sprache gebracht»nid Oberpolizei- Inspektor Weydemann war besonders geladen, um aus�T h i e l e s Angriffe zu antworten. Herr Weydemann schwieg aber damals zur Ueberraschung des ganzen Kollegiums. In der Verhandlung gegen Molkenbuhr kam etwas Licht in die dunkle Ursache dieser Ver- schwiegenheit. Als Rechtsanwalt Dr. L a n d s b e r g die Frage an- schnitt, warum Herr Weydemann damals im Stadtverordneten kollegium geschwiegen habe, antwortete Herr Zeuge Weydemann: Stadtv Thiele sprach damals ziemlich lange, und im Kollegiun, ging es von Mund zu Mund, nur keine Entgegnung auf Thieles Rede; die Sache mutz platt abfallen. Als Thiele seine Rede beendet hatte, habe Zeugen Weydemann der Oberbürgermeister Staude sowie auch der Stadlverordnetcnvorsteher Geheimrat D i t t e n- b e r g e r zu verstehen gegeben,„reden Sie nicht".— So kam es, daß mit Unterstützung der liberalen Stadtverordneten jede Auf klärung verweigert wurde. Das Gericht schien sich über diese lieb- liche Polizciepisode seine eigenen Gedanken zu machen. Es ver- urteilte Molkenbuhr zu 300 M. Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte aber gegen unseren Genossen die Kleinigkeit von sechs Monaten Gc- fängnis beantragt._ Der„mißlungene" Wahrheitsbeweis. Die Strafkammer in Düsseldors verurteilte den Genossen Dr. Laufenberg wegen Beleidigung zu zwei Wochen Gefängnis. Im August vorigen Jahres gewährte Laufenberg einem Artikel in unseren, Düsseldorfer Parteiblatt, der„Volkszeitung", Aufnahme, in welchem behauptet wurde, daß von der Firma Wellenstein-Koch in Ratingen, einem Landorte im Wahlkreise Düsseldorf, widerrechtlich Wasser aus der städtischen Wasserleitung entnommen werde. Der Inhaber der Firma Welleiistein, eine feste Stütze des Zentrum?, hatte nach Erscheinen des Artikels Strafnutrag gestellt und war auch als Nebenkläger zugelassen worden. Es stellte sich heraus, daß in dem Fabrikgebäude ein Brandhydrant angebracht sei. Mittels desselben lvar dreimal unberechtigterwcise Wasser entnommen worden. Ein Polizeibcamter hatte die Sache zur Anzeige gebracht und der sronnne Mann, der Beigeordneter ist, mußte SO M. Strafe zahlen. Ob noch öfter Wasser entnommen worden war, konnte nicht festgestellt worden. Wellenstein sagte als Zeuge aris, er habe die Erlaubnis von dem verstorbenen Bürgenneister gehabt, auch bei anderen Anlässen als bei Bränden Wasser zu entnehmen; doch müßte er dieses dem Amte vorher anzeigen. Das habe nun sein Mascknnist nicht getan, deshalb habe er die Strafe bezahlen müssen. Ob der verstorbene Bürger meister eine solche Erlaubnis gegeben, wußte niemand mehr, doch nahm das Gericht dieses als erwiesen an und betrachtete— den Wahrheitsbeweis als vollständig gescheitert! Der Staatsanwalt stellte sich auf den Standpunkt, daß eine Gefängnis strafe von zwei Monaten am Platze sei, weil die verschiedenen Geld strafen nicht vermocht hätten, unseren Genossen von öffentlichen Be leidigungen abzuhalten. DaS Gericht kam zu der obenerwähnten Strafe._ Die krasieste Polizciwillkür auf dem Gebiete des Vereins- und Versammlungsrechtes herrscht jetzt in Sachsen. Dem Verbot von Versammlungen, in denen für die Wahlrechtsreform demonstriert werden soll, folgt jetzt sogar die Berritelung von Vereinsversammluiigen. Die sozial demokratische Parteiorganisation des C h e in n i tz e r Reichstag? Wahlkreises besteht aus einer Anzahl von Bezirkvereinen. Am Sonn- abend wollte der städtische Nvrdbezirk eine Bcrsaniiiilnng abhalten, in der Genosse Dr. Max Mnurenbrcchcr über das Thema: Der Kampf um die Wahl, sprechen sollte. Die Ver- sammlimg wurde als öffentliche angezeigt,»lm einzelnen Genossen ans anderen Bezirksvereinen die Teilnahme daran zu ermöglichen. Es ist ganz ausgeschlossen, daß die Polizei annehmen konnte, im Anschluß an diese Versammlung würden Straßen- demonstrationcn stattfinden. Das Versannnlungslokal faßt höchstens zwischen 300 und 400 Personen. Der Einberufer der Versamnilimg wurde zur Polizei gerufen und an ihn das Verlangen gestellt, das Konzept zur Rede des Genossen Mauren- b r e ch e r vorzulegen. Das war aus dem Grunde schon nicht möglich, weil der Vortragende noch gar nicht in Chemnitz weilte Aber auch svnst müßte eine derartige unerhörte Einmischung der Polizei in die in Sachsen schon unerträglich beschränkte Rede- und Versanimlungsfreiheit zurückgewiesen werden. Di? Polizei verfiigte, daß die Versammlung nicht stattfinden dürfe. Dieses Verbot eröffnet nette Aussichten für die Zukunft. Auf die Ab- haltnng von Volksversainmluiigen zum Zwecke der Agitation für die Ersatzwahl dürste kaum zu rechnen sei». Sicher ist aber auch, daß durch solche polizeilichen Willkürakte eine Stininunig bei den Volks- massen hervorgerufen wird, wie sie der Sozialdemokratie gar nicht günstiger sein kann. Mus Industrie und Handel. Die Aiispamning des KapitalSmarktcs. Die Ansprüche, die im Jahre 1905 an den deutschen Kapitalmarkt gestellt wurden, in Ver- gleich zu den Vorjahren, illustriert folgende, dem„Deutsch. Oekono- misten" entnommene Zusammenstellung. Es betrug in Mill. Mark Hochkonjunktur im Bergbau. Am 7. Dezeniber 190S wurde die bisher höchste Anzahl Wagen im Ruhrrevier gestellt, nämlich 22 623. Diese Ziffer ist au» 13. Januar d. I. noch um 244 überholt worden. Nach der„Rh.-Wests. Ztg." betrug der rechnungsmäßige Kohlenabsatz des Syndikats im Dezember 1905 4 901 173 Tonnen(gegen 4 679 621 Tonnen im Dezember 1904, d. i. 4,73 Proz. mehr), der rechnnngsmLtzige Absatz betrug bei 23Vß Arbeitstagen 83,35 Proz., der sich auf 5 879 943 Tonnen belaufenden Beteiligung(gegen 76 05 Proz. bei 25>/« Arbeitstagen und 6 153 650 Tonnen Beteiligung im Dezember 1904).— Bürgerliche Blätter»nelden, ein Teil der Zechen ließe schon Ueberschichten verfahren, um der stärker werdenden Nachfrage zu genügen, lieberschichten lverden aber schon seit Monaten reichlich eingelegt, worauf ja noch die Eingabe der kürzlich stattgefundenen Revierkonferenz der Bergarbeiter besonders hinwies. Rekordzifferu. Der Wert aller während des letztvergangenen Jahres in den Vereinigten Staaten erzengten Ackerbauprodukte bc- läuft sich nach amtlicher Berechnung ailf die erstaunliche Summe von 6415 Millionen Dollars. Diese Summe ist um nahezu 400 000 000 Dollars größer als diejenige des Jahres 1904, in welchem die Farmer bis dahin die besten Resultate aufzuweisen hatten. Der Werl der letztjährigcn Jndustrieprodukte wird auf nicht weniger als 16 Milliarden Dollars bemessen. Der Wert der Exporte hat die Grenze von einer und einer halben Milliarde Dollars über- schritten und damit das frühere Rckordjahr mit 1 4SI Millionen Dollars übertroffen. Wie die Ausfuhren haben auch die Importe, der mit einem Gesamtwerte in Höhe von un- gefähr 1175 Millionen Dollars, einen weiteren Vorsprung vor dem Maxininm auf 1035 Millionen Dollars in 1904 erreicht. Besonders auffallend ist die große Zunahme der Einfuhr von Luxusartikeln. Es wurden im letzten Jahre für nicht weniger als 36 Millionen Dollars Edelsteine importiert. Höchst bedeutsame Rekords lveisen auch die Einnahmen der Eisenbahnen, die Zunahme der Umlaufs- mittel, die Bankverrechiniiigen und die Produktion gewisser Judnstrie- zweige ans. So steigerte sich in derjenigen Industrie, welche man als Barometer des Zustandes des allgeineinen Geschäfts zu be- zeichnen pflegt, die Erzeugung von Roheisen auf 23 Millionen Tonne», d. h. auf einen Ueberschuß von 5 Millionen Tonnen im Bergleiche zu dem früheren in 1903 erreichten größten JahrcS- erzeugnis. Günstige» Abschluß erzielte die Gothaer FenerversichcrungSbank auf Gegenseitigkeit. Sie wird ihren Versicherten für das Jahr 1905 an Ueberschuß 75 Proz. der eingezahlten Prämien zurückgewähren. Zusammcnschlilß— Preiserhöhung. Wie die„K. V.-Z." meldet, haben sich die rheinischen Stoffdrncker zusammengeschlossen und sofort eine Preiserhöhung von 15 Proz. festgesetzt. ßriefltsftcn der Redahtion. �urirtlfcHcr Cell. Bökeliuan». Sie müssen beim Gewerbegericht beantragen. Ihnen ein vollstreckbares Erkenntnis zu erteilen.— O. M. 100. Der Preis ist uns unbekannt. Legen Sic eventuell bei dem dortigen Magistrat oder bei dem Präsidenten de- Landgerichts II Beschwerde ein.— F. H. 10. Fa.— Gross««. 36.— Zt. B. Da Ihre Tochter minderjährig, ist der Verlrag ungültig, sie zur Slbnahme oder Zahlung nicht verpflichtet.— 5t. G. L. Nein. �.£». B. 16. Sie mühten zunächst Kosteuseslsetzungsantrag au das Gericht stellen Beispiele siiidcn Sie in dem in den öffcutlichcn Bibliotheken auslicgenden„Arbciterrecht".— F. 31. Dem Mädchen steht leider nur das Recht der Kündigung zu.— C. M. 25. Der Sicherheit wegen wäre ein Zusah in dem Schein dahingehend erwünscht:„Deine Schulden sind also beglichen, ich habe nichts mehr zu sordern".— H. 5t. 1. Schwächlichkeit und Schwerhörigkeit in cincin voraussichtlich vom aktiven Dienst be- srcicndcn Grade. 2. Aber I Es steht der Korporation srei zu abonnieren. — G. Z. 121. 1. Ja, falls nicht besondere Umstände, dagegen sprech t!. 2. Durch I) erledigt.— M. W. 100. 1. Gerichtskosten verjähren nicht in zwei, sonder» in vier Jahren, vom Ablauf des Jahres, in dem sie eni- standen sind, oder in dem eine Zahlungsaufforderung u. dergk. erging, ab gerechnet. 2. Nach bestriltciicr Ansicht: nein. 3. Sic nnisse» gegebenenfalls Jnterventionsllagc erheben.— P. I. 42. Die Schwester hat rechtlich keinen llutcrhallsgnsprnch gegen ihre Geschwister. Die Mutter hat cincii solchen Anspruch gegen ihre Kinder; doch geht die jüngere Familie vor.— I. D. 10. Gegen GcwcrbegcrichtSurteile be! einem Sircitobjekt mitcr 166 M. ist eine Berusnng überhaupt unzulässig. Glauben Sic, daß seitens des Verbandes eine Bummelei vorliegt, so müssen Sie sich an die zuständige gcivcrkschaillichc Instanz wenden. iipi i; i m m lrig,wrrT",'','ll''''''*ra�� Achtung!"WE AM" Achtung J Bauarbeiter der Firma H. Rädel, Kaugrschiist sG. m. b. H.). DounerStag, de» 18. Januar, abends 71/;. Uhr, In den.. Arm Inhal Icn'S Konunandan tciis. traBc ÄO: MM- Versmmttlttng"HSW aller bri der Jirum H. Kiihel bcschiiftigtcu Träger, Cnischalcr und sonstige» Hülfsarbeiter. Tagesordnung: 1. Die Erböbuug des Tariflohns nnd ist derselbe zur Durchfubruug gelaugt? 2. Verschiedenes. 32 g ZlG- In dieser Versammlung kommen die gcdrucklcn Tarife zur?lus- gäbe. Das Erscheinen aller Kollegen ist erforderlich. Iber!�,relirvereln!,voi'»ita»d. Krankenkasse!iir die Beamten und Angesteilten der Krankenkassen, Bei'iiisiienossenscliaiteii, sowie der Invaliditäts- u. Altersversiciierungs- anstalten zu Bertin|E. B. 108). Mittwoch, den 24. Januar 1006, abends llß Uhr. bei Miegel, Stralauerftr. 57: Ordentliche General- Versammlung der Mitglieder. T a g e s> O r d n»»t g: 1. Jahres- u. Kassenbericht Pro 1905 sowie Bericht der Revisoren. 2. Bc- schlutzfastung über das zu bestimmende Publikationsorgan für 1906. 3. Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern für die Jahre 1966 und 1307. 4. Wahl von Revisoren für 1906. 5. Innere Aiigelegenheitcu. 285/13 Ter Borstand. Walto«- Gornrnerl, Vorsitzender, Romintenerstr. 23. von 55Ö9L» Carl Ernst, Köpcnickcrstr. 126, 1 Tr. Größte Auswahl! Billigste Preise k Vorzeiger dieser Annonce erhält>0°/„ Preiserntäsng. . 57222* Sofaslotte Riesenauswahl aller Qualitäten. Mocifuettos. Sattoltasohen. Wolle fl�Slß!_Moci,"e,,os Musterb.näher.Aiiffabc franko. EmilLefevre, SVaiÄ.lSe. m !ll" I> 'MW Bessefe Cigaretten als Josetti-Cigaretten sind niemals gemacht worden. Wir können diese Behauptung mit voller lieber- zeugung aussprechen, weil uns langjährige Erfahrung zur Seite steht: und wir sagen ohne jeden Rückhalt, dass J OSETTI CIGARETTEN heute weit erhaben über dem höchsten unserer früheren Erfolge stehen. . Wenn wir nicht wüssten, dass diese Behauptung wahr wäre und erwiesener« massen wahr auf Grund des Urteils der besten Kritiker der Welt, würden wir unseren guten Ruf, den wir durch langjährige harte Arbeit erworben haben, leichtsinnig aufs Spiel setzen. Josetti« Cigaretten übertreffen alle türkischen Cigaretten durch ihr köstliches Aroma und milde Qualität. Dies sind die beiden Eigenschaften, welche am meisten in feinen türkischen Cigaretten gesucht werden und niemals so vollkommen und in so vollkommener Verbindung gefunden worden sind als in Josetti-Cigaretten. ii» ki J /- Josetti Juno 10 St. 20 Pfg. H i/-� 'j.. Ssi/ � Du Aufreiben türltrscber TabakbUtter fsr Josetti-Cigaretteo. Die ausgesuchten Blatter werden an Stangen aufgereiht um in der Sonne sachaureif eil. Unseren werte» Lesern empfehlen wir solgende 233/4- Keuerscheinunigen von Büchern und Broschüren: Sin katholischer Pfarrer als Sozialdemokrat von oanden Brink wPs. Ter politische Massenstreik und die Sozialdemokratie. Sonder- abdruck der Berhandlungen aus dem Parteitag zu Jena 20 Pf. Ter politische Massenstreik. Vor- trag gehalten in Breslau von Ed. Bernstein 20 Pf. Generalstreik und Sozialdemo- kratie von Henriette Roland-Holst mit Vorwort von Karl KaurSky. Zweite revidierte und verbesserte Auslage 1,50 M. Die preustische Bolksschule und die Sozialdemokratie von Dr. Leo Arons mit Einleitung von Dr. Max Ouarck 75 Ps. Die heutige Sozialdemokratie in Theorie und Praxis von Ed. Bernstein. Eine Antwort aus die Artikelserie der �Kölnischen Ztg.': Die heutige Sozialdemokratie 1.- M. Feste der Frstlose». Hausbuch weltlicher Predigtschwänke von Kurt EiSner 2.50 M. Tie Hämmer dröhnen. Gedichte von Franz Diederich 1,— M. Die berühmten Frauen der franzö- fischen Revolution I78S-17Sö. Mit 3 Porträts von Emma Adler geb. 6,— M. Sonntage eines grosistädtischen Zlrbciters in der Natur von Kurt Grottewitz mit einem Vorwort von WUh. Bölsche brosch. 60 Ps. geb. l,— M. Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung von Paul Kampssmeyer 75 Ps. in besserer Ausstattung 1,50 M. Expedition des„Vorwärts" Berlin SW. 58, Lindenstr. 69, Laden. Verlag 6. Birk& Co., Münclien. Neu erschienen: El!. Lervstem: Die heutige Zomldemokratie iu Theorie und Nroris. Preis i mt. Dr. med. G. Zepler: Radikalismus und Taktik. wort zum„VorwärIS"-Kon flilt als Mahnwort an die Genossen. Preis 2» Pf. Ferner: Der„Vorwärts"- ßnuMt. Gesammelte Aktenstücke. 57032* Preis 30 Pf. Durch alle Buchhandlungen und Kolporteure sowie direkt vom Per- läge zu beziehen. Bnich-Pobann empfiehlt sein Lager in Brucddsndsgen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensors sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Licser. f. Orts- u, HülfS. Kranlenkassen Berlin C., 56492* 80. Liuitu-Straße 80. Alle Bruchbänder mit elastischen Pc- lotlen, angenehm u. weich am Körper. oerühmteOr$ginal=Reichel=Essenzen sind dieBesteiiundBewähFtesteii zur Sslbstbereitung--er feinsten Liköre, Oognac, Rum«>°. Einzig echt �rdkeer Licbtherz nUche' zum Schutze gegen Nachahmungen. Otto Reichel, Berlin SO., Eisenbahnstr.4. Sää6««' Hiederlagen n ato w wIhb Miutr 1-11«-° Drogerien. 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Jahrgang. 2 Jrihijf te JjnHris" Kerlimr|oiy litt Dienstag, 16. Jannar 1906. Preußischer Städtetag. Berlin, den 15. Januar 1906. Im Festsaale des Berliner Rathauses trat heute der preußische Ctädtetag zusammen, um zu dem Gesetzentwurf be- treffend die�Unter Haltung der öffentlichen Volksschulen Stellung zu nehmen. Ls waren fast alle größeren Städte der Monarchie durch ihre Oberbürgermeister, Bürgermeister, Stadträte und Stadtverordneten vertreten. Ter Vorstand des preußischen Städtetages hatte bereits !geftcrn und vorgestern mehrstündige Sitzungen abgehalten und hat die von den Berichterstattern, Oberbürgermeister Lenze- Barmen und Oberbüraermeistcr Ehlcrs-Danzig vorgeschlagenen Leitsätze in folgender Fassung angenommen: „Ohne zu dem übrigen Inhalte des Gesetzentwurfes betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen Stellung zu nehmen, erklärt der preußische Städtetag zu den die Rechte der Städte cm der Volksschule betreffenden Bestimmungen: I. Die Uebertragung der Unterhaltungslast für die Volksschulen auf die politischen Gemeinden und Gutsbezirke ist grundsätzlich zu billigem II. Die Pflichten und Lasten der Städte für Volksschulzwecke werden zwar unzweideutig festgelegt, ihre Rechte dagegen sind ent- weder trotz des dringenden Bedürfnisses nicht geregelt und nach wie bor dem diskretionären Ermessen der Unterrichtsverwaltung inHeim- gestellt, oder gegenüber dem bisherigen Zustande in den aller- wichtigsten Fragen teils erheblich beschränkt, teils gänzlich aufgehoben. Demgegenüber ist die Mitwirkung, die Zuständigkeit und die Gewalt der Untcrrichtsvcrwaltung in einer Weise gesetzlich geregelt, daß sie als eine unbeschränkte bezeichnet werden muß. III. Vornehmlich sind zu beanstanden: 1. Tie Möglichkeit der Einbeziehung einer Stadt in einen Ge° samtschulverband(§ 3); 2. das neu eingeführte Institut der Gastschule und das dabei Vorgesehene Verfahren(8 6); 3. die vollständige Beschränkung der Städte in ihrer Verfügung über ihr zu Volksschulzwecken bestimmtes oder benutztes Vermögen, ohne Begrenzung auf das ischulintcresse(88 11, 12 Z. 3); 4. die selbständige Stellung der Schuldeputation und die Ueber- tragung des größten Teiles der Leitung der äußeren Schulange-legen- lheiten an die Schuldeputation unter Ausschaltung der„versassungs- mäßigen Gcmcindeorgane" entgegen dem Art. 24 Abs. 3 der Ver fassung(§ 27 Abs. 2}; 5. die Zusammensetzung der Schuldeputation, insbesondere die KLiderruflichieit der Bestätigung(8 28); 6. die Aufhebung jedw:d-'r Mitwirkung der verfassungsmäßigen Gemeindeorgane bei der Anstellung der Lehrer und Uebertragung der Mitwirkung an die Schuldeputation, entgegen dem Art. 24 Abs. 3 der Verfassung(8 40); 7. die fast gänzliche Ausschaltung selbst der Schuldeputation bei der Anstellung der Hauptlehrcr und Rektoren, entgegen dem Art. 24 Abs. 3 der Verfassung(8 40 Abs. 3); 8. die Befugnis des Unterrichtsministers, für die Etats- jaufstellung, Einreichung des Etats, Rechnungsführung und-Lcgung usw. besondere Anweisung zu erlassen(8 42 Abs. 3); 9. die ausdrückliche Aufrechterhaltung der den Schulaufsichts behörden nach dem bisherigen Rechte zustehenden Befugnisse(§ 51 Abs. 1). jy. Dagegen ist zu fordern: 1. Daß das Recht, die Lehrer, Hauptlchrer und Rektoren am Zustellen, den Gemeinden in Berücksichtigung ihrer großen Leistungen für das Volksschustvesen belassen oder übertragen wird; 2. daß den Gemeinden in allen dazu geeigneten Fällen der Rechtsschutz des Verwaltmigsstreitverfahrens gewährt wird; 3. daß die nach dem Gesetz zu bildende Schuldeputation ein Organ der städtischen Gemeindeverwaltung wird und ihre Befugnisse gesetzlich dahin geregelt werden, daß sie den Schulaufsichtsbehörden nur insoweit unterstellt wird, als ihre Besugnisse der staatlichen .Schulaufsicht übertragen werden. Von bekannten Persönlichkeiten bemerkte man die Oberbürger meister Bender-Breslau, Schneider-Magdeburg, Müller-Kassel, Becker-Köln, Haier-Stettin, Fuß-Kiel, Körte-Königsberg, Stadt- . vcrordnetenvorsteher Dr. Langerhans, Stadtverordnetcnvorsteher- Stellvertreter Michelet, Stadtv. Paul Singer-Berlin u. a. mehr. Eröffnungsrede beö Oberbürgermeisters Kirschner. . Gegen 10% Uhr vormittags eröffnet Oberbürgermeister ! Kirfchner-Berlin den Städtetag mit etwa folgenden Worten: Der preußische Städtetag ist berufen worden, um zu dem von der Re° gierung vorgelegten Gesetzentwurf betreffend die Unterhaltung d er öffentlichen Volksschulen Stellung zu nehmen. Ter Gesetzentwurf hat in allen Volkskreisen große Erregung und Enttäuschung hervorgerufen. Groß ist ins- besondere die Enttäuschung bei den städtischen Selb st ver- waltungcn, da diese erwartet haben, der Gesetzentwurs werde ihnen eine Erweiterung ihrer Rechte in Schulangelegenheiten bringen. Ter Städtctag wird daher jedenfalls nicht umhin können, gegen den von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurf W.idcr- s p r u ch zu erheben. Trotz alledem dürfen wir über diesen Sonder- intereffen nicht vergessen, daß wir berufen sind, die Gesamtinteveffen des Volkes und Staates zu wahren und zu fördern. Wir dürfen nicht außer acht lassen, daß die städtische Selbstverwaltung in Preußen in der Hauptsache den Hohenzollern zu verdanken ist. Wir »vollen nicht vergessen, daß der Schule schon einmal eine große Ge- fahr gedroht hat und daß unser König und Kaiser durch energisches Eingreifen diese Gefahr im letzten Augenblick abgewendet hat. Wir »vollen uns der Hoffnung hingeben, daß auch diesmal unser König, de: der Entwickclung der Volksschule stets die größte Beachtung zu- gewandt bar, seine schützende Hand über die Volksschule halten wird. Oberbürgermeister Kirschner teilte danach mit: Es sei der An- trag gestellt worden, Städre» bis zu 10 000 Einwohnern herab das Recht zu gewähren, Vertreter zu dem Städtctage zu entsenden. Diesem Antrage konnte nicht stattgegeben werden, da alsdann die Zahl der Vertreter eine gar zu große geworden wäre. Es sei aber den städtischen Provinztalverbändcn gestattet worden, anstatt wie bisher drei, sechs Vertreter zu diesem Städtetage zu entsenden. Oberbürgermeister Lcnze-Barmen erörterte alsdann tn eingehender Weise den Gesetzentwurf. Der Entwurf sei für die Städte in seiner jetzigen Gestaltung vollständig unannehmbar. Die Städte haben danach nur noch das Recht, für Errichtung und Unterhaltung der Schul- gebaute und Besoldung der Lehrer zu sorgen, im übrigen werden ihre Rechte an den Schulen fast vollständig aufgch.oben. Die Aufhebung jeder Mitwirkung der verfassungsmäßigen Gemeinde- organe bei der Anstellung der Lehrer widerspreche vollständig den Bestimmungen der Verfassung.. Alle Rechte seien dagegen der Kirche übertragen. Die Befugnis, die der Schul- dcputation übertragen werde, sei geeignet, das Mißtrauen der Bürgerschaf: gegen die Schuldeputation hervorzurufen, denn es werde nickt ausbleiben, daß die Schuldeputation als Organ der Schul- aufsichtsbehörde werde angesehen werden. Wenn die Schuldeputation als die Vertretung der Bürgerschaft gelten solle, dann müsse sie Organ der stadtischen Geineindevertvaltung sein und außerdem sei es notwendig, auch Frauen in die Schuldeputation zu wählen. (Rufe: Sehr richtig!) Unannehmbar sei der Entwurf für die Gemeindebehörden, daß ihnen das Recht entzogen lvcrden solle, bei der Anstellung der Hauptlehrer und Rektoren mitzuwirken. Der WniZer habe diese NMimwWg W ZbMebüetchchauie mit der Bemerkung begründet: Es müsse der Landflucht der Lehrer gesteuert iverden. Ein Lehrer, der lange Jahre an einer Landschule gewirkt, eigne sich in der Regel nicht zum Stadtschnllehrer. Es würde aber auch den Landlehrern damit nicht gedient sein, denn die Landlehrer seien eher in der Lage, zu avancieren, wenn sie in ihrem Wirkungs- kreis bleiben. Die Gesetzesbestimmung»verde aber ein Streber- tum und Gesinnungslosigkeit sondergleichen unter den Lehrern erzeugen.(Rufe: Sehr richtigl) Die Lehrer und Rektoren»Verden ihre Gesinnung»räch der politischen Richtung der Schulräte einrichten. Die rechtlos gemachten Städte»Verden unter den Schullasten seufzen und es werde der Ruf erschallen, diese Lasten auf den Staat abzuiv ätzen. Möge die Regierung diesen Umstand nicht außer -»cht lassen. Möge das Abgeordnetenhaus nicht einem Gesetzentwurf zustimmen, wonach die Volksschule zur Staatsschule gemacht und den Gemeinden nur das Recht der Schulunterhaltung zugestanden werde. Tie Selbstverwaltung der Städte sei in größter Gefahr, möge es gelingen, diese Gefahr noch im letzten Augenblick abzuwenden.(Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Der zweite Berichterstatter, Oberbürgermeister Ehlcrs-Tanzig: Ter Verfasser des Gesetzentwurfes sei augenscheinlich ängstlich darauf bedacht gewesen, das Recht des Staates auf die Schulen nach Möglichkeit auszudehnen. Dafür spreche der§ 31 Abs. 1 deS Gesetzentwurfs:„Der Staat behält sich alle Rechte auf die Schulen vor, so»veit ihm diese Befugnis zusteht." Der Verfasser des Entwurfs hatte zweifellos die Besorgnis, es könnte irgend ein Recht des Staates in dem Entwurf incht zur vollen Geltung kommen. U»rd einem solchen Entwurf sollen die Städte zustimmen. Nicht ans Machthunger wehren sich die Städte gegen den Gesetzentwurf: nicht einmal die Selbstverwaltung sei ein Beweggnind hierfür, obwohl gerade die jetzige Zeit eindringlich mahne, die Allmacht des Staates nicht gar zu groß»verden zu lassen.(Rufe: Sehr richtigl) Der Vorredner wandte sich gegen geborene Schulbeaufsichtigung. Er meinte, die beiden ältesten Geistlichen müßten in die Schulaufsichts- behörde geivählt werden. Es entstehe dabei aber die Frage, ob solche gewählte Geistliche nicht sehr unbequem werden können. denn es dürfte doch sehr nützlich sein, wenn die gewählten Geist- lick)en»n der Schulaufsicht vollständig gegen die Anschauungen der Magistrate und Stadtverordnetenversammlungen handeln. Er wolle zugeben, daß der UnterrichtSmiiuster nur das beste der Schule mit dem Gesetzentours bezwecke. Man müsse aber dem Minister zu- rufen:„Sie irren, Exzellenz!"(Lebhafter Beifall.) Oberbürgermeister Fuß-Kiel: Die Selbstverwaltung und auch die der Volksschule vertragen keine Uniformierung. Tie Stadt Kiel verwende z. B. 10 Prozent ihres ganzen Etats für Volksschulztvecke. Die Staatsregierung sollte doch auch nicht vergessen, daß die städtische Selb st ver- »v a l t u n g der beste Hort aller staatlichen Ordnung sei, da die städtischen Gemeinden es ermöglichen, die extremsten politischen Parteien für die Mitarbeit am öffentlichen Wohle in friedlicher Weise heranzuziehen. Dadurch werde bedeutend mehr der soziale Frieden gefördert, als durch alle staatlichen Maßnahmen. Er gebe sich der Hoffnung hin, daß Regierung und Volksvertretung diese Momente nicht unbeachtet lassen werden.(Lebhafter Beifall.) Oberbürgermeister Nollen-Remscheid wandte sich ganz besonders gegen die Bestimmung des Entwurfes, wonach die Gemeinden von der Schulaufficht aasgeschlossen»verden. Der Redner schlug vor, der preußische Städtetag möge rioch in letzter Stunde bei dem Mini st erpräsidenten vor st ellig»verde n.— Stadtverordneter. Landtagsabgeordneter, Fustizrat Casscl-Berlin teilte mit. daß gegen die Provinzialschulkollegien allgemein das größte Mißtrauen herrsche. Nach dem Gange der Verhandlungen im Ab. geordnetcnhause sei vielleicht zu hoffen, daß die exzessivsten Bestim- mungen aus dem Gesetz beseitigt werden würden, der Entwurf als solcher dürfte aber Gesetz tverdenc Vielleicht werde es dem Druck der öffentlichen Meinung noch im letzten Augenblick gelingen, wenigstens das schlimmste abzuwenden, damit die Selbstverwaltung, die Preußen groß gemacht, nicht in dem empfindlichsten Teile aufs schwerste getroffen»verde.(Lebhafter Beifall.) Oberbürgermeister Struckmann-Hildesheim wandte sich gegen die Bestimmung, daß R a b b i n e r, die in die Schulaufsicht gewählt, bestätigt»verden müssen,»nährend dies bei den evangelischen und katholischen Geistlichen nicht erforderlich sei. Oberbürgermeister Dr. Briidcr-Breslau befürwortete, in dem Leitsatz 2 hinzuzufügen:„Die auf die städtische Schulvertvaltung bezüglichen Vorschläge des Gesetzentwurses erachtet der Städtetag sämtlich fiir Verschlechterungen." In der gegenivärtigen Zeit herrschen Gegensätze in kirchlicher, politischer und sozialer Be- ziehung. Nur auf dem Gebiete des Schulwesens herrsche Friede und Eintracht. Daß man gerade die gegenwärtig« Zeit für geeignet halte, den Städten diesen Gesetzentwurf über den Kopf zu»versen, sei unverständlich. Er ersuche, seinen Antrag anzunehmen, ihn aber nicht als eine Verbesserung oder Veränderung der Leitsätze der Be- richterstatter anzusehen. Nachdem noch eine Reihe Redner gesprochen, erklärte Ober- bürgermeister Bender schließlich, im Interesse der Einigkeit seinen Antrag zurückzuziehen. Im Schlußwort bemerkte noch Oberbürgermeister Ehlers- Danzig: Es müsse jedenfalls ausgesprochen werden, daß hier fach. kundige Männer versammelt seien, deren Ausführungen und Be- schlüsse geprüft und gehört werden müssen. Das sei Pflicht des Ab- geordneten- und Herrenhauses.(Stürmischer Beifall.)—Die Leitsätze gelangten darauf einstinimig zur An- nähme. Nach Wieder>r>ahl des Vorstandes erklärte Oberbürger- meister Kirschner-Berlii» den Städtetag � für geschlossen. Soziales. Preußischer Handwerkskainmertag. Berlin, 15. Januar. Ans Anregung der Wiesbadener Handwerks- kammer trat gestern im kleinen Saale der Konkordia in der Andreas- straße eine außerordentliche Konferenz preußischer H a n d>v e r k s k a»n m e r n zusammen. Verairlasiung dazu gab insbesondere der v.on der preußischen Regierung ausgearbeitete, durchaus unzulängliche Gesetzentivurf zum Schutze des Bau- gelverbes. Berlin hat sich von der Mitlvirkung ausgeschlossen, wie es heißt, weil sich die Berliner Handlverkskammer in ihren Rechte»» durch das Vorgehen der Wiesbadener Kammer verletzt fühlt. Etwa 00 Delegierte aus den ver- schiede, isten Teile» Preußens hatten sich zu der Konferenz eingefunden. Als Vertreter der preußischen StaatSregicrung war Geh. Rat Dr. Franke aus dem Handelsministerium erschienen. Der Handlverkskammersekretär Schröder- Wiesbaden beantragte folgende Erklärung:„Die Vcesaminlung beschließt: Der vor- liegende achte Gesetzentivurf zur Sicherung der Bauforderungen ist an und für sich im Interesse des ehrlichen Baugewerbes als ein erfreulicher Fortschritt zu begrüßen. Seine baldige Ge- setzlvcrdung ist dringend erwünscht. Damit das Gesetz seinen Zlvcck aber nicht Yciltveise verfehlt, sind folgende Abänderungen und Ergänzungen ziveckinäßig: 1. Das Gesetz ist gleichzeitig auf da» ganze Reichsgebiet aus- zudehnen. 2. Das Gesetz soll nicht nur Neubauten, sondern auch größere An-, Um- und Erlveitermigsbauten erfassen— und zwar nicht nur solche auf unbebaute»,, sondern auch solche auf bis dahin bebauten Grundstücken, sowie auch die zu laudwirtschasiilchen Zwecke» be- stimmten Bauten. 3. Der Bauvennerk ist auf jeder Baustelle einzutragen, die Bestimmung von deren Verhindenmg durch Hinterlcgnng also zu beseitigen. 4. Im§ 11 sind zu streichen die Worte.. und der Eigen- tümer mußte..." bis„... zu befriedigen." 5. Neben den bereits dem Bau eiirverleibten sollen auch solche Leistuitgen geschützt iverden, welche für den Bau geschehen, aber noch nicht angeliefert sind, vielmehr noch auf dem Werkplatz lagern. 6. Die Verzinsung der Bauforderungen zu 4 Proz. soll vom Tage der Eintragung der Bailhhpothek an beginnen. 7. Im Falle des§ 14 Abs. 2 soll die Frist zur Anmeldung der Bauforderungen drei— nicht, wie vorgesehen, zwei Monate be- tragen. 8. Dem Baugeldgeber ist nicht der Vorrang vor dem un- befriedigten Baugläubiger, sondern der gleiche Rang zuzubilligen für seine Leistimgen— oder es sind die Bauforderungen in das Mindestgebot<8 25) aufzunehmen. 9. Im Falle des 8 25 soll der Baugläubiger berechtigt sein. mit einer Bauhypothek in Höhe derselben die Bietersicherheit zu leisten. 10. Die für den Bau angefertigten Gegenstände, die demselben noch nicht eingefügt sind(Thüren, Fenster, Gitter, Oese», Herde:c.), sowie die Nutzungen(Mieten) sind den, Bangläubiacr z»» erhalten und deshalb anderweiter Veräußerung und Verpfändung zu entziehen. 11. Das Gesetz soll zwingendes Recht»verden, also eine Be- stimmung erhalten, daß entgegenstehende Abmachungen unwirksam sind."_ Zum HulfSkassenkongreß. Zu dem heute im Gewerkschaftshaus tagenden Kongreß der eingeschriebenen soivie auf Grund landeS- rechtlicher Vorschriften errichteten Hiilfskassen sind bis gestern abend 280 Kassen mit 201 Delegierten und 820 805 Kaffeninitgliedern angemeldet. Die Zahl der vertretenen Kassen dürfte im Laufe des Kongresses auf mehr als 300 steigen. Selbstverständlich sind die Schwindellassen nicht zugelassen. Gratifikationsversprechen klagbar? Am Freitag stand die All- gemeine Elektrizitäts-Gesellschaft abermals als Beklagte vor dein Berliner Kaufmannsgericht. Als Kläger trat mit einem Klagea>»spruch voir 30 Mark der Lagerist D. auf, der über drei Jahre bei der Gesellschaft in Stellung war. Im Juni v. I. lvar man in verschiedenen Abteilungen des Be- triebes mitJnventurarbeiten beschäftigt. Der AbteilungSvorsteherKilanf bemühte sich, mit den Jnventnrnrbeiten seines Ressort» so schnell wie möglich fertig zu werden und ermunterte auf Anlaß der Direktion die Angestellten zu beso»» deren Kraftanstrengungen durch das Versprechen, daß nach beendeter Inventur jeder mit einer Gratifikation in Höhe von 30 bis 50 Mark bedacht werden würde. Die Auge- stellten vollbrachten daraufhin eine außergeivöhnliche Arbeits- leistung. Durch einwandfreie Zeugen wurde sestgestellt. daß auch der Kläger gleich den anderen intensiv an der Fertigstellung der Ii»- ventur»nitgearbeitet hat. Man trat statt um 8 Uhr um 7 Uhr an und blieb abends 2— 3 Stunden länger. Als nach statt- gehabter Inventur die Gratifikationen verteilt wurden, ging der Kläger als einziger leer aus. Einen Zeugenapparat von fünf Personen hatte die Firma auf- geboten, um zu beweisen, daß der Kläger sich die 30 M. nicht verdient hätte, im übrigen könnte sie es halten wie sie wollte; sie halte sich für berechtigt. Angestellte aus irgendwelchen Gründen von der Zahlung der Gratifikation auszuschließen, da es sich um ein Geschenk, das freiwillig erteilt»verde, handele. Das Kaufmannsgericht trat dieser Anschauung nicht bei; es verurteilte vielmehr die Beklagte zur Zahlung von 30 Mark. In der Begründung hob der Vorsitzende hervor, daß das Gericht auf Grund der Erfahrungen der im praktische», L e b e n st e h e n d e n B e i s i tz e r zu der Ansicht gelangt ist, daß ein Prinzipal, der seine Angestellten durch Versprechen einer be- sonderen Belohnung, die noch wie im vorliegenden Falle zahlenmäßig normiert ist, zu intensiverer Arbeitsleistung aii- spornt, nicht berechtigt ist, einen Angestellten von der Zuerteilung der Gratifikation auszuschließen. Da der Kläger ebenso wie die anderen jungen Leute air den Jnventurarbeiten in fleißigster Weise tätig war, so kommt ihm der Extralohn für die Extrnarbeit gleichfalls zu.— Diese Entscheidung entspricht durchaus den gesetzlichen Borschriften und den Gepflogenheiten anständiger Unternehmer. Ueberarbeit ist stets auch ohne besondere Verem- barnng besonders zu bezahlen. In der gelverbegerichtlichen Praxis ist das auch stets anerkannt. Wir verweisen nach dieser Richtung z. B. auf ein im„Gelverbegericht" Jahrgang 1898 S. 68 ab- gedrucktes Urteil des Magdeburger Geiverbcgcrichts. Auffällig»st, daß die A. E.-G. in letzter Zeit vor dem Kauf- mannSgericht so häuf ig als Beklagte auftritt; es ist das kei», gutes Zeichen für die Wertschätzung »virklicher Arbeit durch die mit hohen Gratifikationen auS- gestatteten Vorstaitds- und AnfsichtSratsmitglieder. In der Regel beruht die häufige Einladung einer zahlungsfähigen Firma, als Beklagte vor dem Gericht zu erscheinen, auf ihrem Mangel an Rechtsempfinden. Sollen etiva die für ihre Arbeit mit hohen Gratifikationen aus- gestatteten Aufsichtsrats- und Vorstandsfunklionäre der kapital- kräftigen A. E.-G. veranlaßt werde»», durch kleinlichste Knauserei einen Teil des Schadens»vett zu machen, de» die brutale Aus- sperrung de» Aktionären zugefügt hat? Sericdts-Leitung. Eine staatsgcfährlichc Ehrung der Märzgefallenen von 184?.. (Kranzschleife und Polizeischere.) Am 18. März hatte die Redaktion des Blattes.„Der Anarchist" durch W. Ehrenberg auf dem Begräbnis- platze im Friedrichshain einen Kranz niedergelegt, dessen schlvarze Schleife die Worte Johann Jacobys ei»thielt: „Den MilitartSmuS schafft man nicht auf parlamentarischem Wege ab; deshalb nehme ich kein Reichstagsmaiidat an. Johann Jacoby." Der Polizeioffizier, der mit der Schere in der Hand seines ordnungS- und sicherheitSretterischen Anttes auf oder am Friedhofe waltete, schnitt die Widmung ab und gab sie Ehrenderg»vieder mit auf den Weg. Ehrenbergs Beschwerde wurde vom Polizeipräsidenten tind Oberpräsidcnten zurückgewiesen. Auch seine Klage im BerloaltungSstreitverfahren»vurde am Freitag vom Ober- verlvaltungSgericht abgewiesen. DaS Gericht führte auS: Es sei die Besorgnis begründet gewesen, daß eine Störung der öffentlichen Ordnung eintreten könnte, wenn die Schleife, an dem Kranze befestigt bleibe. Somit sei das Vorgehen des Beamten gerechtfertigt geivvsen. Weim es richtig ist, daß Eriimermig an die Nichtannahme des ReichStagSmandaiS die öffentliche Ordnung stören könnte— um»nie viel richtiger ist die Annahme, daß dte durch das Dreiklassen- »vahlrecht geschaffene Behinderung der Annahme eines Parlaments- manoatS für die Arbeiterklasse die öffentliche Ordnung gefährdet. Und doch tritt die öffentliche Gewalt nicht für Beseitigung des „widersinnigen, elenden Wahlgesetzes" und siir das allgemein- gleiche geheime direkte Wahlrecht zum Landtage ein. Wann ist eigentlich unter Zugrundeteaung der oberverwaltnngsgerickMchk» Rechtsprechung die öffentliche Ordnung nicht gefährdet Z Ein kleiner Familientag berer von Kuczkowska spielte sich gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts l ab. Auf der Anklagebank sahen: die unverehelichte Emmy von Kuczkowska. deren Brüder Blumenbindcr Bruno v. K. und Techniker Paul v. K., deren Schwester Elly v. K. und der Kaufmann Otto P l ö tz e r. Die Angeklagte Urrtmy von Kuczkowska war Stütze bei dem Luthardschen Ehepaar, Traiteur des Restaurants von Borchardt in der Französischcnstratze. Sie erhielt wiederholt den Besuch ihres schon vorbestraften Bruders Bruno. Dieser hatte aus diesem Verkehr erfahren, daß in dem Büfett der Dienstherrschaft sich eine Menge Schmucksachen befanden. Am 19. Scptembsr in der zehnten Abendstunde hatte Emmy v. K. ihren Bruder wieder in die Woh- nmig gelassen und ihn in dem Speisezimmer untergebracht. Sie will dann nach dem Salon gegangen sein und dort Licht gemacht haben. Inzwischen hat, wie sie behauptet, Bruno v. K. Schmuck- fachen im Werte von 4800 M. aus dem Büfett gestohlen und ist schnell davongegangen, nachdem er vorher in das Schloß der Woh- nung von außen her einen Dietrich gesteckt hatte, um so den Ein- druck zu erwecken, als ob Einbrecher der Wohnung einen Besuch gemacht hätten. Bruno v. K. begab sich mit den gestohlenen Schmuck- fachen in ein Kcllerlokal am Pariser Platz, wo er seinen schon wiederholt bestraften Bruder Paul und dessen Freund, den noch unbescholtenen Plötzer traf. Alle drei fuhren mit dem nächsten Zuge nach Hamburg, um dort mit Verkauf der Brillanten und Goldsachen zu beginnen. Dort las Bruno in der Zeitung, daß er wegen des Diebstahles gesucht werde, er überließ die gestohlenen Sachen den beiden anderen und kehrte nach Berlin zurück, wo er sich der Polizei stellte. Er hat aus dem Diebstahl nur einen Nutzen von 40 bis 13 M. gehabt. Paul v. K. und Plötzer veräußerten die Schmucksachen in Hamburg und Bremen und gingen nach Holland. Bei ihrer Verhaftung in Aurich trugen sie Revolver bei sich. Der Angeklagte Bruno v. K. hatte zunächst ein Geständnis abgelegt, daß der Diebstahl unter Kenntnis seiner Schwester und Mitwirkung seines Bruders ausgeführt worden sei. Er will dazu von dem Angeklagten Plötz« hauptsächlich angestiftet worden sein. Er hat dieses Geständnis dann widerrufen und sich bemüht, feine Schwester aus der Sache herauszubringen. Später hat er seine Angaben wieder abgeändert und im gestrigen Termin widersprachen sich die Geschwister einander lebhaft bezüglich der Rolle, die jeder von ihnen bei der Affäre gespielt hat. Ter Staatsanwalt hielt die Mitwirkung der Emmy v. K. für erwiesen und beantragte gegen sie 1 Jahr 3 Monate, gegen Bruno v. K. 2 Jahre 10 Tage. gegen Paul v. K. wegen Hehlerei 2 Jahre und gegen Plötzer 11 Nlonate und 3 Wochen Gefängnis. Tic Angeklagte Elly v. K. hat mit diesem Diebstahl nichts zu tun. Sie wurde beschuldigt, in einem Schuhgeschäft, wo sie als Verkäuferin angestellt war, kleine Veruntreuungen begangen zu haben. Außerdem wurde ihr zur Last gelegt, in Gemeinschaft mit ihrer Schwester Emmy in einem Abzahlungsgeschäft ein Kostüm auf Abzahlung entnommen und es dann verkauft zu haben. Gegen sie beantragte der Staatsanwalt 6 Wochen 1 Tag Gefängnis.— Der Gerichtshof nahm ein plan- mäßiges Zusammenwirken von Emmy, Bruno und Paul v. K. als erwiesen an und verurteilte Emmy v. K. zu e i n I a h r s c ch s Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust. Bruno und Paul v. K. zu je zwei Jahren sechs Monaten Ge- f ä n g n i s und 5 Jahren Ehrverlust, P l ö tz e r zusätzlich zu einer schon gegen ihn erkannten einmonatigen Gefängnisstrafe zu noch neun Monaten Gefängnis. Elly v. K. wurde wegen einfachem Diebstahl zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Ein ungetreuer Stadtsekretär. Vor der Strafkammer zu Neu-Ruppin fand am Sonnabend ein Prozeß gegen den früheren Stadtsekretär B a r t h aus W i t t e n b e r g e an der Elbe wegen Unterschlagung von Mündelgedern statt. Der Angeklagte ist bei dem Magistrat zu Wittenberge seit dem Jabre 1801 beschäftigt. Während seiner 11jährigen Amtsperiode ließ sich Barth eine große Reihe Unterschlagungen amt- l ich er Gelder zuschulde» kommen; es sind bisher zirka 140 Fälle ermittelt und dürfte sich die Höhe der unterschlagenen Summe auf 10 000 bis 11 000 M. belaufen. Wegen dieser Straftaten wird sich Barth demnächst vor dem Schwurgericht zu Neu-Ruppin zu verantworten haben. Der Anklage am Sonnabend, bei welcher es sich nur um U n t e-r s ch l a g u n g von Mündelgeldern usw. handelt, liegt folgender Tatbestand zugrunde: Am 22. Oktober 1901 wurde Barth von dem Amtsgericht in Wittenberge zum Vormund der verwaisten fünf Geschwister Hermann, Wilhelm, Emma, Luise und Albertine Hingst bestellt und übernahm er gleichzeitig die Vermögensverwaltung derselben. Der Angeklagte, welchem in seiner amtlichen Eigenschaft als Stadtsekretär auch die Verwaltung des Armen- und Krankenhauswesens sowie das Rech- nungswesen und die Kalkulatur unterstanden, buchte unter Kur- kosten der Emma Hingst und Pflege- und Bekleidungsgeldcr der übrigen Kinder Posten in Höhe von 925,43 M., 479,40 M., 686,50 Mark und 232 M. In dieser Höhe wies er dem Vormundschafts- richtcr die Posten als an die Armen- und Krankcnhausverwaltung der Stadt Wittenberge gezahlt nach; die Empfangsbestätigung trug die Unterschrift:„Der Magistrat. I. A.: Barth." In Wirklichkeit hatte Barth jedoch diese Beträge, welche rechtlich hätten gezahlt werden müssen, nicht an die Stadtkasse abgeführt, sondern dieselben für sich verbraucht. Bei der Prüfung der Rechnungen stellte der Pormundschaftsrichtcr fest, daß, nachdem das Vermögen der Enrma Hingst bereits aufgebraucht, für dieselbe noch an Kur- und Pflege- kosten 232,89 M. bezahlt waren, mithin diese Summe zu Unrecht dem Vermögen der anderen Kinder entnommen war. Es wurde deshalb ein Pfleger bestellt, welcher an die Armenverwaltung zu Wittenberge ein Gesuch um Rückzahlung der letztgenannten Summe richtete. Dieses Gesuch legte Barth jedoch der Armenverwaltung nicht vor. sondern fertigte ein Schreiben an, durch welches die Rückzahlung angeordnet wurde, und legte dasselbe dem Stadtrat Hildebrand vor, welcher es unterschrieb. Hierauf entnahm Barth, der die Entdeckung seiner Unterschleife befürchtete, die 232,89 M. seinen eigenen Mitteln und brachte so die Differenz in Ordnung. — Im Oktober 1902 wurde der Angeklagte zum Vormund des Rentenempfängers Joseph Klatte bestellt, welcher sich in dem Witten- berger Krankenhause befand und später dem Siechenhause zu Tondcrn zugeführt wurde. Hier stellte Barth für Kurkoften die Summe von 243,24 M. ein, welche er ebenfalls nicht an die Stadt- kasse abgeführt, sondern für sich verbraucht hatte.— Der dritte Fall betrifft den Invaliden Briest. Derselbe erhielt eine Unterstützung seitens der Stadt, später wurde ihm seitens der Landesversicherungsanstalt Brandenburg eine jährliche Rente von 141 M., zahlbar in monatlichen Raten von je 12 M., zugebilligt. Die Auszahlung erfolgte auf Grund einer Be scheu sigung, daß Em- pfänger sicb noch am Leben befindet. Als Briest sich demgemäß bei Barth die erste Quittung wollte bescheinigen lassen, überredete thn dieser, ihm(Barth) die Gelder in Verwahrung zu geben; wenn er dann Geld gebrauche, könne er sick> solches von ihm holen. Briest ging hierauf ein und übergab Barth einen Betrag von 27,48 M. rückständiger Rente und 5 Monatsraten a 12 M. gleich 60 M. zu- sammen 87,48 M. Von diesem Geldc ließ sich Briest einmal 2 M. geben. Die übrige Summe unterschlug Barth und verwendete sie für sich.— Der Angeklagte, welchem der Erste Bürgermeister Nedwig bei seiner Vernehmung das Zeugnis eines tüchtigen Beamten ausstellt, will sich in einer Notlage, hervorgerufen durch andauernde Erkrankungen in seiner Familie, befunden haben. diesen Einwand widerlegte der Staatsanwalt in feinem Plaidoyer. Ter Angeklagte, welcher gewissenlos, ehrlos, gemein und treulos gehandelt habe, verdiene eine schwere Strafe. Er bc- antragte gegen denselben 2 Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehr- Verlust. Ter Verteidiger führte zur Milderung an, daß es in der Stadt Wittenberge nicht so gewesen, wie es hätte sein sollen. ES fehle an der genügenden Kontrolle. Ein Vorwurf könne allerdings niemand treffen. Nur die Leichtigkeit, mit welcher der Angeklagte die Unterschlagungen in 11 Jahren hat vornehmen können, dürsi: ihm zur Entschudigung dienen. Das Urteil gegen Barth lautet wegen Unterschlagung und Untreue in zwei Fällen und Unter- schlagung in einem Falle auf ein Jahr sechs Monate Ge- f ä n g n i S und drei Jahre Ehrverlust. Kodurger Scheidungsprozeß. Das Landgericht Koburg sprach gestern die Scheidung im Prozeß des Prinzen Philipp und der Prinzessin Luise von Koburg aus. Die geschiedene Prinzessin soll 7000 Fr. monatlich von ihrem früheren Ehemann, 50 009 Fr. jährlich von ihrem belgischen Vater erhalten. Eingegangene DrucKfcKnften. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 16. Hest des 21. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Zum 22. Januar.— Die Ursachen des Gottesglaubens. Von Paul Lasargue.(Fortsetzung.)— Ein Unternehmer für den Achlstundcutag. — Die englischen Hauptwahlen und die Arbeiter. Von M. Beer.— Kunlt und Kapitalismus. Von Otto Krille.— Literarische Rundschau: A. Abend- roth. Die Grogstadt als Städtegründerin. Von Dr. Siegsrieda. vr. msck. Wilhelm Hammer, Zehn Lebensläuse Berliner Kontrollmädchen. Bon Therese Schlesinger-Eckstein.— Notizen: Gartenbau und Akliengesellschastcn. Von rts. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro O.uarlal zu bc-lchcn: jedoch lann dieselbe bei der Post nur pro Onartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Ps. Probenummcm stehen jederzeit zur Versügung. Turm-Me 75. SacHmatm& Scholz Größtes Warenhaus in]ftoablt* Otto- Straße t. 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Deutsch-Zlmerikanisches. Er und Ich. Metropol. Aus inS Mctropol. Kasino. Die goldene Brücke. Slpollo. Prinzeß Rosine. Speziali- täten. Herrnfeld. Familicniag im Hanse Prellstein. Wintergarten. Otto Rculter.— Spezialitäten. Belle-Alliance. Der grüne Tcusel. Spezialitäten. Walhalla. Nach Afrika, nach Ka- merun. FolieS Caprice. Nach dem Zapfen- streich. Der Behcme. Reichshalle». Stcltiner Sänger. Passage. Spezialitäten. llrauta. Taubeuslrahe 48/49. Abends 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Im Hörsaal: Abends 8 Uhr: Dr. M. v. Unruh: Die Elemente des Wassers. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57/62. Täglich geösincl von 7 bis I Uhr. Abends 8 Uhr: DaS Mittelalter und die Begründer der aftro- nomischcn Rcsormatioir_ Berliner Theater. Abends VI, Uhr: Der Meineidbauer. Mittwoch nachm. 3 Uhr: ptildolmloll. Abends VI, Uhr Gastspiel der Oper des Theater des Westens: Zar und Zimmermann. Donnerstag: Kean. Freitag: Gastspiel der Oper des Theater des Westens: Der Zigeuner- daran. Heues Theater. Ansang V/, Uhr. Liebesleute (Arnants). Mittwoch, Donnerstag; Ein Sommer- naehtstraum. Freitag: tiebesleule(Arnants). Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Nachtasyl. Mittwoch: Nachtasyl. Zentral-Theater (Operette). 8 Uhr: e i s h a. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Oie lustip tfeiber von Wimlsor. Mittwoch: Der Kaufmann von Venedig. Donnerstag: Der Störenfried. Die Dienstboten. trcitag zum erstenmal: Pension öller. Sonnabend: Die lustigen Weiber von Windsor. Sonntag nachmittag: Die lustigen Weiber von Windsor. Abends Pension Schöller. Montag: Der Störenfried. DI« Dienstboten. �.ustspialhaiis. Täglich abends 8 Uhr: zlrr Meg zur Hölle. rianon=Theater. Ansang 8 Uhr. Die Wetterfahne. Sonntag nachm.: Die herbe Frucht. Reichshallen. Heute: Stettiner Sänger «c.-c J Iiis* lU T-Siv irr. o o K 19 Urania str. 48/49. Abends 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Hörsaal 8 Uhr Dr. M. v. Unruh; Die Elemente des Wassers. Sternwarte ÄS: 8 Uhr: Das Mittelalter und die Begründer der astronomischen Retormation. astans faneptikum Frledrlclistr. 105. öhwe Exlra-Sntree. Ucute und Toigende Tage: -Suni ersten 3ia3e In den Räumen der I. Eiage: 65 Eingeborene Männer, Weiber und Kinder. Eintritt 50 Pf. Komisehe Oper. Friedrichstr. 104/101a. Dienstag, den 16. Jan., abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Mittwoch: Der Corregidor. Donnerstag: Die Bohdme. Sonntag nachmittag 3 Uhr bei ermäßigten Preisen: ttottmanns Erzählungen. Apollo-Theater. s uhr: Prinzeß Rosine von Elncke. Hieraus die glänzenden Spezialitäten mit Katsukuma Kigashi Meister der Sclbstvertcidigungslehre Jin-Jitsn. Sonntag nachm. 3 Uhr: Berliner Lust und Spezialitäten. Metropol-Theater Anfang 8 Uhr. -I Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen in all. KUumcn gestattet. Sonnabend, den 20. Januar er.: 0. großer Metropol-Theater-BalL Öeiitseh- Amerikanisches Theater. Köpenickerslr. 67/68. Jed. Abd. 8 Uhr: Gastsnle! Ad. Philipp. Tftßi ERundlCH Sonntag naetmünag 3 Uhr: Halbe Preise! „Ecbcr'n großen Teich". FoEies Caprice. Budapester Possen-Theater 132 Linlonstr. 132, Ecke Friedrichstr. Aum 103. Male: Wach dein IKapfeiiHtrelch. Vorher zum erstenmal: Der Boheme u. d. ausgezeichnete Spezialilätcnteil. Anlang 8 Uhr. Borvcrk. tägl. b. Werthelm u. au der Theaterkasse v. 10 Uhr vormittags an. WisUfölloTdesleT Nach Aftiha, nach Kamerun. Ausst.»Posse mit Ges. u. Tanz in 6 Bild. Ans. 8 Uhr. Rauchen überall gestaltet. Resiilsitt-'Ues. Direktion: Richard Hlcxandcr. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Sattrischer Schwan! in 3 Alten von L. Zanros und I. Chance!. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Schlaf- wagenkontrollour._ Carl Weiß-Theater. Gr. Franks urterstr. 132. Täglich abends 8 Uhr Tie lebende Brücke auf Kuba. Sensationelles ameril. AusstattungS- stück mit Ges. u. Ballett in 7 Bildern von James Fox. Sonnabend, den 20. Januar, nach- mittag 4 Uhr Kindervorst.: Aschenbrodel. ?röde!8 ailerlei-Theater Schönhauser Allee Nr. 148. Heute DienSlag, den 16. Januar er.: Gastspiel des Beruh. Rose-Theaters Uriel Acosta. Trauerspiel in 3 Akten v. St. Gutzkow. Ans. 8 Uhr. Kasseneröfsnung 7 Uhr. Preise der Plätze wie gewöhnlich. Schiller. Schiller-Theater 0.(Wallner-Thealer). Dienstag, abends 8 Uhr: nnd sein Ring. Eine Tragödie in 5 Alten von Friedrich Hebbel. Mittwoch, abends 8 Uhr: Uebei? unsere Kraft.(I. Teil.) DonnerStag,abends8Ubr: Ucber unsere Kraft.<1. Teil.) Theater. Schiller-Theater N.,(Friedr.-Wilh. Th.) Dienstag, abends 8 Uhr: Zum erstenmal.: Cyprienne. Lustspiel in 3 Ar.szügen von Victorin Sardon ur.d E. de Nafae. Mittwoch,, abends 8 Uhr: Cj'priennc. Donnerst ag,abendS8Uhr: Hans. Zirkus Albert Sehumann. Heute Dienstag, den 16. Januar, abends präzise 7ll, Uhr: Wovltäten-Abend.! II, a.: Debüt.-2Ä1 Zum 1. Male aus dem Kontinent l Eine absolute Nennelt! Hiß Able Slitcliels 20 schwarze Studenten 20 direkt aas Amerika. � Ferner daS Seusatlous-Pragramm und die phänomenale WgCLK v 8 G LK«T AI ßS � Ga Zum Schluß: Die diesjährige grosse Ausstattungs-Pantomtme: das neue Frauenreich. XI. Berliner Saison. Zirkus Bnscb. igsf Zum 58. Male: Die neueste und größte Sehenswürdigkeit Berlins: <*► Ii&dteii. � Orig.-Pantom. dos Zirk. Busch, j Besonders hervorzuheben: i Eine Tigerjagd in den Dschungeln j Indiens und Elefanten-Kämpfe. Sensationell! Sensationell! Mr. Xorton Smith, Araer. berühmtester Pferdebändiger. I U. a.: Die gefährliche Fahrt durch j d. Teufelsbrlicke b. Rauch u. Feuer.| W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brumienstr. 16. Zum letztenmal: Robert und Sertram oder: Die lustigen Bagabunden. Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Akten von Räder. Anfang 8 Uhr. Entree ZV Pf. Mittwoch zum letztenmal: Maria Stuart. Kssino-Hiealer Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Die goldene Brücke. Schauspiel in 3 Alt. v. R. Skowronnek. Im Neue» Theater z. Z. m. sensation. Erfolg gegeben! Vorher: Das brili. bunte Programm. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das Dpkerlamm._ Otto Reutter. Kiein-Familie, Kunstradfahrer. Ernst Perzina, dressierte Aßen. Lola tathorne,"sSS"'* Elim Ii.»0000, TSSS"' Yulian Familie, Akrobaten. Die drei Holloways, wÄr.' Gebrüder Schwarz, parodisten. Die Meininger, Hundepantomime. „In Schottland", DiveSment. Burke, Andrus u. Frisco .RQckkehr vom Ball". H Gebrüder errnfeld- Theater. Heute und lolgende Tage die von der gesamte» Berliner Presse als �der grösite Schlager» ein- stimmig auerkannte dreiaktige Komödie fW!I!eiil-ig im ÜAiZe Prellstein mit Anton und Donat Herrnfeld in den Hauptrollen. Ans. 8 Uhr. Vorverk. 11-2 Uhr. Gustaf Behrens Spalilälea- Theater Frankfurter ___ Allee 85. Der grösite Schlager der Saison I Rentier M u d i ck e s Abenteuer auf dem Metropolball odei: Die kleinen Mädchen von Berlin. Gr.NuSstattuiigSposte m. Ges. u.Tauz. Im zweiten Bilde: Die 6 schönen Mauolizigaretten. Ausierdem: IS Spezialitäten. Passage-Theater, j Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. j, Walter Steiner i Humorist. Acosia Krast-Jongleur. Buddhas Tafel prolongiert. 14 neue erstklassige Nummern. palast-Theater Burgstr. 24, 2 Min. v.Bh. Börse. Täglich 8 Uhr. Entree 50 Ps. DaS siisssn-ZMUgr-krogrämm. U.a.: g Us«,)«»,-> Berliner Die« ut»» UV1 5, Hochturner, ehemal. Mitgl. d. Hegelmann-Truppe. The Baretts, urkomische Pantomimiften. Paulas Beichte, Burleske von W. Gericke. Der treue Hund und 11 Elite- Nummern. Famllienkarten in allen Barbier-, Friseur- u. Zigarrengeschästen sowie im Theaterbureau unentgeltlich zu haben. �anvouiipi Xoiibusorsir. 4a. SNlIasvllbl. Dir. W. Reimer. Heule Dienstag: Etnilill Galotti. Trauerspiel in 5 Akten von Lessing. Mittwoch: Das Getängnla. Sonnt., Moni., Donnerst.: HolTmauii» Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchon. Sonnt. Bz.S,Wochcnt.8Uhr Ovi'manHla'-TsIv. Charlottenburg. Spreestr. 13. Inhaber: C. Woderich. Jeden Dienstag: Mm ßriginal- M/ Karburger Sänger Dir.: Karl Frick und F. Kasche-Krause. h|| Ans.8Uhr. Entr.30u.ü0Ps. '�I Borzugstarten gelten. Nachher: Tanz. Otto Pritzkows Berliner Ähaormitäten-Tlieatep IHiinzstr. 16. Rlesen-Weibnachts• Programm! Neu! Die Elite-Llliputaner-Trunpe, die kleinsten Sängerinnen u. Bor- tt-agskünstter der Welt. Riesln It-�na, 430 Pfd. schwer. Dpullo, der Mensch ohne Gefühl. Mne! Mno! Hnie! frei in der Lust schwebende' Türlin. ttellseherln Armida, wahrsagende Wunderdanie. Pluto, Wundcrhahn, geb. mit 4 Beine», 2 Körpern, 1 Kopf, lebend, jc. Schöneberger Wintergarten Goltzstrasie 9. Täglich Theater- und Tpcziali- tätenvorstelluug. Sonntags 2 Vorstellungen. Nachmittags 4 Uhr zu halben Preisen. Jede erwachsene Person hat ein Kind frei.— LlbcndS 7>/.UHr Grosie Gala» Borstellung. Die Direktion. norltzplutz. Täglich � tu den unteren Sälen Gottschalk-Konzert. Variete Elysium KominandunteueitraBe 8/4. Um 9'/, Uhr: Austreten deS berühmten Stegreifdichters Paul Steinitz. Die Geburt eines krästigen Sports- genosscu zeigen an 6777L �(yt>. Backheiser und Frau. Allen Freunden, Bekannten und I Genossen die traurige Nachricht, dasi mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwicger- und ! Großvater, der Schlosser �tleirir. Hellmann j im Alter von 62 Jahren am 14. d. Mts. nach kurzen Leiden | verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mist- f wochuachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Elisabeth-KirchhosS |(Prinzen-Allee) aus statt. Die trauernden ttinterbliobenen. 1 1922b Strclitzerslr. 48. iSozItdöeniokpatischepWahhereini für den 6. Berliner Rsiehstags-Walilkreis.j Todes- Anzeige. 5(m Sonntag verstarb unser I \ Mitglied, der Schlosser Heinried Hellmann Strelitzerstr. 48. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, von I von der Halle des Elisabeth. ibirchhoses, Prinzen- Allee, aus > statt. 246/16 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Borstand. Todes-Anzeige. j Die Endesunterzeichneten bringen i i hiermit zur Kenntnis, dasi unser I | lieber, alter Kollege u. Mitkämpfer J Reinricb Hellmann ! insolge eines SchlagansalleS am I Sonntag, den 14. Januar 1906, | verstorben ist. Wer ihn kannte, wird wissen, I wer er war, stets, wenn es galt, für die Interessen der Allgemein- heit zu kämpscn, war er immer | einer der ersten. DicKollegen des Werkzeugbaues I der A. E.-G., Ackerstrasie, verlieren in ihm, bis ins tiefste gerührt, einen unbergesilichen Kollegen. Die Beerdigung findet am Mitt- I woch, den 17. d. M. nachmittags >4 Uhr, von der Leichenhalle des I Elisabeth- Kirchhoses(Prinzen- Allee) aus statu. IgZgb Tic Kollege»» des Werkzeug- baues der 3t. E.-G. Slckerstr. Deutscher Metallarbeiter-Verbanti VerwaltungSstclle Berlin. Todes- Anzclg/e. Den Kollegen zur Nachricht, dasi unser Mitglied, der Werkzeug- macher Heinricd Hellmann am 14. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet an» Mittwoch, de» 17. Januar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Elisabcth-Kirchhoses in der Prinzen-Allec aus statt. Rege Beteiligung erwartet 116/17 Die Drtsvenvallung. Verband d. baugewerblichen Hültsarbeiter Deutschlands. == Bezirk Adlorshof._ Todes■ Anzeige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, dasi der Kollege 32/8 tasoph Arndt am 14. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17. Januar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Köpenickcr FriedhoseS, Köpenick, Rudowerslrasic, aus stall. Um rege Beteiligung ersucht Der Zweigvereins-Vorstand. Deulscber Holzarbeiter-Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, dasi der Kollege, Bodcnlcger August Günther am 5. Januar am Schlagansall, insolge eines Unsalles, plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. Januar, nachmittags um 3 Uhr, vom städtischen Kranlcnhause am Urban aus nach dem neuen Jakobi- Kirchhose, Hermannstrasie, statt. Um rege Beteiligung ersucht DI« Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie die kostbaren Kranz- spende» anläsilich der Beerdigung unseres uilvergesilichen Sohnes und Bruders �äolk Draxer sagen allen Verwandten, Freunden und Bekaunlcn unseren liesgesühlten Dank. 1929b Familie Johann Di'ligcr, SO-, Kottbuser Ufer 6. Ilm Sounabend starb unsere gute Frau, Mutter, Schwieger- und Grosimutter Bertha Davidsohn. • geb. Pick zwei Wochen vor ihrem SS. Be- burtstagc. Die Beerdigung erfolgt am Dienstag, den 1K. Januar (nachmittags st.3 Uhr), in Wcisien- sce aus dem Friedhos der jüdischen Gemeinde. 577SL Adolf Davidsohn. Georg und Frieda Oavidsohn. Jenny Oavidsohn geb. Bramsohn. Hertha Oavidsohn. Berlin �imitr. 11. ■ocum' Heinersdorserftr. 8. Todes-Änzeige. Allen Freunden, Bekamttc», ! Genossen und Verwandten die traurige Nachricht, dasi in der i Nacht vom Sonnabend zum Sonntag meine tt.ve Frau (iertruä Rjükle geborene Thiodke plötzlich gestorben ist. Tie Beerdigung findet am Mitt- woch. den 17. d. M., nachmittags 2'], Uhr, vom Trauerhause Lieben- watderstr. 10 aus»ach dem Friedhof der Nazarcth-Gemeinde, Reinickcndos-West, statt. Die trauernden Hinterbliebenen C. Rühle nebst Kindern. Zur Nachricht, daß meine liebe ] Frau und Mutter Hedwig Klein ! nach schwerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet ain Mitt- Wochnachmittag 3'/, Uhr von der I>>allc des Gcmeindestiedhoscs Britz j Triststrasic) aus statt. 1944b Alfred Klein Ä, Britz, Jahnstr. 48. veutseber � ! Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachrii' | dasi der Kollege, Tischler Solan Klafki am 13. Januar verstorben ist. Ehre seinem Andet-!�,' Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17. Januar, nachmittags nni 3 Uhr, von der Leichenhalle des Michael-Kirchhoses, Maricndorser Weg, ans statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwallung. 78/4 Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines imvcrgesilichcn Mannes sage ich allen Bekannten und Verwandten, insbesondere dem Ge- sangverein..Vorwärts I Südost" meinen herzlichsten Dank. 67762 Witwe Emma Gutsob und Tochter. Danksagnng. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Verwandten und Be« kannten, insbesondere seinen Kollegen der A. E.-G., Werkzcugbau-Abtcilung Becker, sowie dein Metallarbeiter- Verbände meinen innigsten Dank. Berlin, den IS. Januar 1966. Die trauernde Witwe PanlincKratakencbft Hinbern. StSieusnafismiis Sicht-, Gliederreisson, hlcrven- schmerzen.HUItwelUc.ocrichroimien bald durch Suherllchen Scbrauch von Reichel'* M£|eclricuRi" der, fofoct IchincrKIillender Wirlunal Tausende verdanken„Elsctrlcum" ihre Gesundheit, FI.1.-u.Z.—. DicWIr- lung wird noch erhöhl d. den inneren Scbrauch vo» Reicbel's Wacholder- Extrakt„Uedico". Ft. 75 Ft.. M. I.SO, u. Z.SO, Inden Oroperlenu. 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Vortrag des Genossen Zl»x chirlmvalS über:„Reichsfina»>zreform und Sozialdemokratie". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. IW* Gäste willkommen."WM Zahlreichen Besuch erwartet vor Vors tond.. Die Zahlstelle des Bezirks 189d bcsmdet sich nicht mehr bei Seck, Kniprodestr. 117, sondern| Bei SchUnrock. Paste» rftr. 30. Sozialdemokratiseher Wahlverein für den 6. Berliner Heiehstags-Wahtkreis. Dienstag:, den 16. Januar, abends S1/: Uhr: SBF Versammlung: im„Snincmünder Oescllschaftshans", Twineniiinderstr. IL. Tages-Ordnung: 1. V o r t r a g des Genossen Dr. Michels aus M a r b u r g über: Internationalismus und Sozialismus. 2. Diskussion. ■ Gäste— Damen und Herren— willkommen.• 216/8* Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Hh Hygienische BoaansarüKei. rsouest. Katalog 1. Bmpffthl. viel. Aerzte u.Prof. grat. uir. R. ünger, Gammiwarexif&brzk Berlin NW.. Friedrlchsirass'»" � Verwaltnnesstcllc Berlin. Haupt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1— b. Fernsprecher: Amt IV 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 31. Amt IV 3353. Mittwoch den 17. Fauuar, abends 8'/, Uhr: Geffeiitliche MktllllarlleitniicrsammlWg in Boekers Festsäleu, Weberstr. 17. Tages-Ordnung: 1. Der Hirsch-Dunckcrschc Gewerkverein der Maschinenbauer uud'Metall- arbeiter im Lichte seines DclegiertentagcS in Chemnitz. Reserent: Kollege Hohen. 2. Diskussion. 110/16 Zahlreiches Erscheinen erwartet Tie Ortöverwaltung. Achtnng l Achtung! Verband der Portefeuiller und Ledergalanterie-Arbeiter u. Arbeiterinnen. Zahlstelle Berlin. Mittwoch» 17, Januar, abends'j.ß Uhr, tu„Graumanns Festsälcn", Nanaynstr. 27: Leneral-Versammwng. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Ortsverwaltung, des Kassierers, deS Arbeitsnachweises, der Agitationskommission. 2. Neuwahl der Ortsocrwaltung. Wahl der Revisoren. 3. Wahl eines AuSschusimitgliedes. Wahl der Llgitations- kommission. 4. Ausgabe der Billetts zuin StistungSsest am 18. Februar. 5. Verbandsangelegenhciten und Verschiedenes. Die Versammlung wird pünktlich um 9 Uhr eröffnet, es ist daher Pflicht aller Mitglieder, bestimmt und pünktlich zu erscheinen. 109/1 Die Ortsverwaltung. I Morgen» Mittwoch, alu:uds is'/a Uhr, bei Keller, Kopperipraste Ä9: verttauensmSnuer- Versammlung für sämtliche Bezirke und Branchen. TageS-Ordnung: 1. Das Ergebiiis der statistischen Zlufnahme über die Lohn- und Zlrbeitoverhältnisic in Berlin. Referent: Kollege F,anxhan>ii,er. 2. Bericht des Kollegen Zlaav über die Verhandlungen in der schlichlungS- kommission. 78/3 r Bertranensmännerkarte nebst Mitgliedsbuch legitimiert.-PW Jede Werkstatt muß vertrete» sein. Die Drtsvervnitnng:. Achtung! Achtung! Charlotteisburg. Dienstag, den 16. Januar, abends 8 Uhr, im großen Saale des Voikshanses, Rosinenstraste 3: Oeffentl. Versammlung. Tages-Ordnung: 285/18* 1. Die Bedeutnng der bevorstehende» vlewerbegerichtS- wählen. Reserent: Genosse Redakteur Fritx Zletsch. 2. Diskussion. 3. Nominierung der von den einzelnen Gewcrlschasten aufgestellten Kandidaten zu den Wahlen zum hiesigen Schiedsgericht. 4. Verschiedenes. Um recht zahlreiches Erschemen ersucht Der Ausschuß der Charlottenburger Gewcrkschastskommission. J. A.: Otto Fiemming:, Schiülerstr. 71. Zahlstelle Rixdorf. Donnerstag, den 18. Januar, abends SVa Uhr, bei Thiel, Bergstraste IZl/sÄ; Kenerai-Veraamminng. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom IV. Ouartal. 2. Bericht der OrtSvcrwalWng. 3. Neu- wähl der gesamten OrtSvcrwalWng. 4. Wahl der Delegierten zum Gautag. 5. Verbandsangelcgenheiten. 73/2 Die Drtsverwaitnng:. Male Berlin. Donnerstag, den 18. Januar, abends 7'/, Uhr bei Feind, Weinstr. 11; 6cticral-VerFanimlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 4. Ouartal 1905. 2. Wahl deS OrtsvorstandcS. 3. Wahl der Ausschußmitglieder. 4. Verbandsangelegcnheitcn. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 54/1* Die Ortsverwaltung. Sterbe- und Kraubeu-Wer- jtützungskasse Ur. 55. Mittwoch, den 24. Januar er., abends S Uhr, im tkassenlokal, Linienstr. 19: venerai-VerLaniniiimg. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht der Revisoren. 3. Wahl eines Vorstehers, 3. Wahl eines Revisors. 4. Verschiedenes. 1943b Der Vorstund. Zentral-Kranken- u. Sterbe- Kasse der Maler E. H. 71. Filiale«. NR Berlin. Mittwoch, den 17. Januar 1906, abends 81/2 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jalabstr. 75: General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Verschiedenes. 1926b Der Vorstand. /CJeine ßnzeigen. W als JS Duchstaben z&hUn doppelt. Strasse 6 Anzeigen tUn Anna/tmestelUn für Berlin bis I Uhr»für die Vororte bis 1 2Ubr, Verkäufe. 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Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer&, Co., Berlm SWe partci-Hngclcgenbeitcn« Friedrichshagen. Die Gemeindewählerliste liegt vom 15. bis 30. Januar im Rathaus. Zimmer 13, während der Wochew tage von 9 Uhr vormittags bis ll Uhr vonniltags zur Einsicht aus. Die Parteigenossen werden ersucht, sich davon zu überzeugen, ob ihr Name in die Wählerliste eingetragen ist. Wer nicht in der Liste steht, kann bei der Wahl im lvtärz sein Wahlrecht nicht ausüben. Stralau. Vom 15. bis 30. Januar liegen im Gemeinde- bureau während der Dienststunden von 8— 1 Uhr und von 3—6 Uhr wochentags die Wählerlisten zur Gemeinde Vertreterwahl, welche im März stattfindet, aus. Für die jenigen, welche während dieser Stunden an der Einsichtnahme ver hindert sind, liegen Listen zum Einzeichnen aus im Restaurant Max Schmidt, Marlgrafen-Damm 16, und Restaurant Paul Schöps, Alt- Stralau 17. Adlershof. Am Donnerstag, den 13. Januar, abends 8l/a Uhr. findet die ordentliche Generalversammlung des Wahlvereins bei Raul, Bismarckstr. 16, statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Die neuen Steuervorlagen.(Referent: Reichstagsabgeordneter Adol Albrecht.) 2. Diskuision. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Kassen- dericht. 5. Vereinsangelegenheiten. 6. Bericht von der General- Versammlung von Groh-Berlin. Uni zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder wird gebeten._ Vorort- JNfacbnchtcn» Charlottenburg. Bei einer Gasexplosion verunglückt ist vorgestern sSonntag) der Portier Hornig aus der Schlotzstratze 39 zu Charlottenburg. Als sich Gasgeruch im Keller bemerkbar machte wollte H. nach der Ursache forschen und betrat leichtsinnigerweije den Kellerraum mit einem offenen Licht. Das angesammelte Gas explodierte und be schädigte die Kellerwände an verschiedenen Stellen. Hornig selbst erlitt schmerzhafte Verletzungen am Kopf und im Gesicht und wurde nach dem Äramkenhause gebracht. Die Explosion ist darauf zurück� zuführe,», daß infolge eines Wasserrohrbruches die Gasleitung un dicht geworden war. Bauuufall. Vor dem Neubau des Hauses Leibnizstt. 59 sollten gestern vormittag gegen 8 Uhr Balken von einem Wagen abgeladen und von mehreren Zimmerleuten nach dem Haufe getragen werden. Beim Abladen gerier ein besonders nasser Ballen ins Rutschen und fiel auf den löjährigen Zimmermann Gustav Abendroth aus der Reichenbergerstr. 78, der sich in gebückter Stellung unter dem Balken befand, und zwar so unglücklich, daß Abendroth zu Boden stürzte und von dem auf ihn fallenden Balken gequetscht wurde. Er erlitt eine Verletzung der Wirbelsäule und mußte in einem Krankenwagen nach dem Krankenhause Westend geschafft werden, wo er schwer daniederliegt. Selbstmorde. Gestern früh gegen 6 Uhr kam der aus der Schweiz stammende, in der Steglitzerstr. 79 wohnende Malergehülfe Fritz Joffer mit seiner Braut und einigen Bekannten aus einem Lokal in der Bismarckstr. 1. Ms er sich vor dem Neubau Bismarck- straße 123 befand, zog er plötzlich zum Entsetzen seiner Freunde einen Revolver aus der Tasche und schoß sich eine Kugel hinter dem rechten Ohr in den Kopf. Da er noch schwache Lebenszeichen von sich gab, wurde er in einer Droschke nach der Unfallstation in der Hertzstraße gebracht, wo er starb. Die Leiche wurde nach dem Schauhause geschafft.— Vermittelst Kleesalz hat am Sonnabend abend die 42jährige Klavierlehrerin Franziska Schötzau Selbstnwrd verübt. Sie war schon seit längerer Zeit melancholisch und scheint in einem Anfall von geistiger Umnachtung die Tat ausgeführt zu haben. Lichtenberg. Der Landrat des Kreises für Niedcrbarnim macht im Kreisblatt bekannt, daß beanttagt sei, den Bezirk der Tischler- ZwangS- Innung auszudehnen auf die Ortschaften: Lichtenberg- Friedrichs- bera, Boxhagen-Rummclsburg. Stralau, Hohen-Schönhausen, Heiners- dorf, Pankow, Nieder-Schönhausen. Reinickendors und Tegel. Die Aeußerungen für oder gegen den Plan sind von den das Tischler- Handwerk selbständig Betreibenden schriftlich bis zum 30. Januar oder mündlich bis zum gleichen Tage im Kreishause Friedrich Karl- Ufer Nr. 5 Zimmer 26 in der Zeit von 10—2 Uhr abzugeben. Die Aeußerungen müssen genau erkennen lassen, ob für oder gegen die Ausdehnung des Bezirks gestimmt werden soll. Hoffentlich nimmt sich die Organisation der«ache an. Reinickendorf. Seit dem 11. Januar, vormittags, wird der bei den Eltern, Pankotver Allee 73, wohnhafte Knabe Max Born, geboren am 17. April 1894, zu Berlin, vermißt. Derselbe ist von mittlerer Statur, hat dunkelblondes Haar und dunkle Augen. Bekleidet war der p. Born mit Kniehosen, blauem Sweater mit roten Streifen, grauer Bluse, dunkelblauer Joppe, schwarzen Strümpfen und Stiefeln. Als Kopfbedeckung trug er eine blaue Mütze mit blankem Schirm. Es wird gebeten, etwaige Mitteilungen über den Verbleib des Vermißten' dem nächsten Polizeibureau oder den Eltern zu- kommen zu lassen. Friedrichsfelde. Den Tod im Dienst fand der 64 Jahre alte Maschinenputzer Johann Specht von hier, Bcrlinerstt. 73 wohnhaft. Specht, ein äußerst nüchterner Mann, wurde beim lieberschreiten der Gleise auf Bahnhof Rummelsburg von einer Maschine erfaßt und ihm der Kopf glatt abgefahren, so daß der Tod sofort eintrat.. Friedrichshagen. Protestversammlungen am Sonntag, den 21. Januar: Für Schöneiche, Klein-Schönebeck, Fichtenau und Münchehofe, mittags 12 Uhr, im Restaurant Waldschloß, Schöneiche. Referent Genosse Röhl. Für Friedrichshagen, nachmtttags 3 Uhr, im Restaurant Karl Conrad, Friedrichstraße. Referent Genosse Sonnenburg. Die Rahnsdorfer Genossen werden ersucht, an der Versammlung in Friedrichshagen teil- zunehmen. Ein gefahrdrohender Brand entstand in der Nacht vom Sonntag zu Montag in dem vielen Berliner Ausflüglcrn be- kannten Lokal Fischerhütte von Karl Zachow in der Seestr. 11. Auf unaufgeklärte Weise halte das Inventar in dem vorderen«chanl- zimmer Feuer gefangen, welches sich schnell über den Raum ver- breitete. Die Friedrichshagener freiwillige Ortsseuerwehr war als- bald zur Stelle und löschte den Brand ab. Immerhin ist der Schaden an Inventar, Musikinstrumenten, Zigarren und verschiedenen anderen Waren, sowie an Türen, Fenstern usw. recht beträchtlich. Steglitz. Die erste Gemeindevertretersitzung im neuen Jahre wurde nicht mit der gewohnten Pünttlichkeit eröffnet, vermutlich, um den säumigen Herren nicht die Gelegenheit zu rauben, ihren patrio tischen Gefühlen tönenden Ausdruck zu geben. Erst als sich zirka 15 Herren zusammengefunden hatten, konnte das Hoch auf den„an. gestammten Herrscher" mit der nötigen Verve ausgebracht werden. Die übrige Tagesordnung war dann in reichlich 10 Minuten er- lcdigt. Registrieren wollen wir daraus die Bewilligung von 30 000 Mark zur Vermehrung des Wagenmaterials der Grunewaldbahn. Der Verkehr auf derselben hat sich schon jetzt über Erwarten ent wickelt und wird sich aller Voraussicht nach im Sommer derart steigern, daß das vorhandene Wagenmaterial nicht genügt.— Nach Erledigung der Tagesordnung stellte Bürgermeister Buhrow noch einen Dringlichkeitsantrag auf Bewilligung von 500 M. Die Silber� Hochzeit des Kaiserpaares soll von hiesigen Stützen von Thron und Altar dazu benutzt werden, bei dem Steglitzer„Volk" durch ein Festspiel„patriottschen Geist" zu entflammen und„nationale Be- geisterung zu weckenl", wie sich der Bürgermeister so schön aus- drückte. Schöffe Kirchner war gegen die Verwendung von Gc- meindemitteln zu solchen Zwecken, zumal die Gemeindevertretung schon 25 000 M. aus dem gleichen Anlaß zu einer Stiftung be- willigt habe. Er blieb jedoch mit seinem ablehnenden Standpunkt allein, da unser Vertreter nicht anwesend sein konnte. Der Patriotismus loderte in den hellsten Flammen, man redete von „idealen Aufgaben der Gemeinden" und glaubt. dies dadurch er- füllen zu können, daß man für 500 M. Eintrittskarten seitens der Gemeinde zu diesem Festspiel kauft und an„Unbemittelte" ver schenkt—< mit anderen Worten, daß man eine Armenvor- st e l l u n g veranstaltet, um für den patriotischen Klimbim einen sozialen Hintergrund zu bilden.— Die 500 M. wurden natürlich bewilligt.— Auf Antrag des Schöffen M a n ck e wurde nunmehr auch noch der Punkt„Beschaffung von Jugendspiel- Plätzen", welcher für die geheime Sitzung vorgesehen war, öffent. lich verhandelt. Und das war wirklich nötig, um den„Vater Staat" einmal im rechten Lichte zu zeigen. Die Gemeindever- walrung war mit dem Fiskus in Unterhandlung getreten zwecks Pachtung eines geeigneten Geländes im Grunewald zur Anlage eines Spielplatzes. Nach endlosen Verhandlungen war endlich ein Vertragsentwurf zustande gekommen, welchen die Etatslommission zur Annahme empfahl— merkwürdigerweise, mutz man sagen. Die Gemeinde sollte pro Quadratmeter 10 Pf. Pacht, also pro Morgen 250 M., oder für 12 Morgen, die beansprucht wurden, 3000 M. jährlich bezahlen. Für das Fällen des auf diesem ,Ge- lande stehenden Baumbestandes sollte die Gemeinde 5 M. pro Fest- meter Holz bezahlen und— das Holz dem Vater Staat kostenfrei überlassen. Die Gemeinde sollte ferner den Bertrag aus 10 Jahre schließen, während sich der Fiskus eine jederzeittge Kündigung von 6 Monaten vorbehielt. Die einmaligen Ausgaben der Gemeinde würden sich auf 10— 20 000 M. gestcllr haben. Diese Bedingungen wirkten ctivas abkühlend und dämpften die vorher so hoch lodernden patriotischen Flammen in etwas. Der Bertrag wurde ein- stimmig abgelehnt, nachdem man von allen Seiten beweg- liche Klagen über den so wenig entgegenkommenden„Herrn Fiskus" losgelassen hatte.— Auf dem Städtetag e war unser Ort durch die Herren Bürgermeister Buhrow und Schöffe M a n ck e vertreten. Die dort gepflogenen Verhandlungen über das Volks- s ch u l g e s e tz wurden kurz bekannt gegeben. Bernau. Am Donnerstag, den 11. Januar, wurde die Stadtverordneten- Versammlung, welche 11 Tagesordnungspunkte zu erledigen hatte, von dem Vorsteher mit dem üblichen Kaiserhoch eröffnet. Sodann wurden die wieder- und neugewählten Stadtverordneten von dem Bürgermeister durch Handschlag vereidigt, dann von dem Vorsteher begrüßt und als Stadtverordnete in das Parlament eingeführt. Unsere Partei ist durch die Genossen Werner, Wünsche und Helbig in der Stadtverordnetenversammlung vertreten. Der Jahresbericht wurde vom Vorsteher gegeben. Daraus war zu entnehmen, daß im vergangenen Jahre 15 Sitzungen stattgefunden haben. Bürger- meister wie Vorsteher hatten sich anläßlich Jubiläen und silbernen Hochzeiten durch U eberreichen von Glückwunschadressen zu betätigen. An das Kronprinzenpaar hat die Stadt Bernau durch den Bürger- meister und den Vorsteher eine Bronzestatue überreichen lassen. Auch das 25 jährige Bürgermeisterjubiläum wurde vom Vorsteher erwähnt, tvelches die Spitzen der Behörden und die Stadtverord- netcn zu einem Festessen vereinigt haben soll. Die Einnähmen der Stadt beliefen sich auf 234 796,51 M., die Ausgaben auf 223 757,14 M. so daß ein Bestand von 6039,37 M. zu verzeichnen war. Bei der Vorstandswahl wurde der alte Vorstand wiedergewählt. Die Ersatzwahlen für die städttschen Deputationen und Kommissionen ergaben, daß von unseren Genossen in die Armen- dcputation der Genosse Werner, in die Gesundheitsdeputation der iGenosse Helbig und in die Etats, und Rechnungskommission die Genossen Helbig und Wünsche gewählt wurden. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Wahl von Deputierten zu dem am 12. Januar stattfindenden außerordentlichen Städtetage der Pro- vinz Brandenburg. Hierzu hatten unsere Genossen eine Resolution eingebracht, welche verlangte, daß gegen die Annahme des Schul- gesetzcs durch die Stadtverordnetenversammlung energisch protestiert werde. Die Resolution hatte den ganzen Troß der Gegner in Aufregung gebracht. Wohl erklärten sie, daß sie in verschiedenen Punkten mit dem Entwurf nicht einverstanden seien, wollten aber nicht, wie die Resolution besagte, den ganzen Gesetzentwurf ab- gelehnt wissen. Nachdem der Vorsteher, die beiden Schulkom- missionsmitglieder und der Bürgermeister sich über die drei Punkte des Entwurfes, die Konfessionsschule, die Schukdeputation und die Lehrerwahl ausgesprochen hatten, wandte sich Genosse Helbig gegen die Halbheiten der Herren, die wohl Bedenken äußern, aber nicht willens sind, für die Resolution zu stimmen. In eingehender Weise wandte er sich gegen die Ausführungen des Bürgermeisters über die konfessionelle Schule. Auch charakterisierte unser Redner die Selbstverwaltung, indem er darlegte, daß von einer solchen in Preußen nicht viel zu merken sei; als Beweis auf die Bestätigung der Schuldeputattonen hinweisend. Zur Lehrerfrage übergehend. bemerkte Genosse Helbig, daß nach dem neuen Gesetzentwurf die jetzt noch etwas freier denkenden Lehrer sich später ganzlich ihrer Mernung enthatten würden. Es würden Lehrer, welche sich der Regierung gegenüber gefügig gezeigt haben, in die besseren Stellen einrücken, dahingegen die der Regierung nicht genehmen guf minder» wertigere Stellen beordert werden. Auch Genosse Werner drückte den Gegnern seine Verwunderung darüber aus, daß sie die Re- solution durch ihre Erklärungen wohl billigen, aber sich dennoch gegen die Annahme der Resolution wendeten. Für unsere Rcsolu- tton stimmten nur unser« drei Genossen, die übrigen 21 Stadtver- ordneten erklärten sich dagegen. Es wurden dann noch zwei Magi- stratsvorlagen der Versammlung zur Kenntnis gebracht und zum Schluß ein Antrag, die Sitzungen statt um 5 Uhr um 6 Uhr abends anzuberaumen, angenommen. Spandau. Stadtverordnetenversammlung am 11. Januar. Mit einem Glückwunsch zum neuen Jahre eröffnete der Stadtverordneten. Vorsteher Schröder die erste Sitzung. Hierauf erfolgte die Ein- führung der neu- bezw. wiedergewählten Stadtverordneten. Der Oberbürgermeister Kölze hielt die übliche Ansprache, in der er bemerkte, daß die Stadt Spandau einer großen EntWickelung und Ausbreitung entgegengehe, welche mit großen Kosten verknüpft sei. Er hoffe, daß die Herren bei dieser schweren Aufgabe ihre Pflicht tun, nicht zum Wohle einzelner, sondern zum Wohle der All- gemeinheit. Werde der richtige Zeitpunkt verpaßt, so können später die Kosten die zwei- und dreifachen sein.(Dies ist leider in Spandau schon zu oft dagewesen.)— Im Namen des Stadtverordnetenkollegiums richtete dann der stellvertretende Vorsteher L ü d i ck e einige Worte an die 14 Herren. Er führte u. a. aus: Er hoffe, daß die Herren ihre Pflicht tun, aber nicht unberechtigten Wünschen einzelner nachkommen. Hiermit kann auch die arbeitende Bevölkerung Spandaus einverstanden sein, denn diese hat am allerwenigsten unberechtigte Wünsche. Die Neuwahl des Vorstandes ergab die Wiederwahl deS Vor- stehers Lüdicke. der ersten Schriftführers Krempf und des zweiten Schriftführers Sannemann.— Auf die VorstandS- wahl erfolgte die Neuwahl des 6. Ausschusses, in den auch Genosse Hornig gewählt wurde.— Zu Vertretern zu dem am 12. Januar 1906 in Berlin stattfindenden außerordentlichen brandenburgischen Städtetage werden gewählt die Herren Schröder und Grube. Genosse Piek bemerkte hierbei, daß er und seine Freunde nicht- gegen die Personen einzuwenden hätten. Man wüßte aber, ur was es sich handelte bei dem Schulgesetz, das die Schule der Kirck ausliefere. Es sei nötig, die betreffende Deputation mit ein bestimmten Marschroute zu entsenden. Er wünscht deshalb«n.e Erklärung der beiden Herren, welche Stellung sie zu dem ne' en Schulgesetz einnehmen. Herr Schröder bemerkte hierzu, oaß der Städtetag�zu dem Zwecke berufen worden sei, gegen daS gc- plante Schulgesetz Front zu machen.— Zum Vertreter zu dem am 15. Januar d. I. in Berlin stattfindenden preußischen Städte- tage Witt) der Stadtverordnetenvorsteher Schröder gewählt.— Bei Beratung der Vorlage: Nichterhebung der Gewerbesteuer der Klassen 3 und 4 für das letzte Vierteljahr des Etatsjahres 1905 richtete Genosse Piek die Frage an den Magistrat, ob die Auf- sichtsbehörde daS städtische Warenhaussteuer-Reglement bereits genehmigt habe. Diese Frage wurde vom Oberbürgermeister ver- neint.— Für eine Denkschrift zur silbernen Hochzeitsfeier deS Kaiserpaares beantragte Stadtv. Oberlehrer Grube die Bewilligung von 300 M. Die Denkschrift soll an die Kinder zur Verteilung kommen. Er, Stadtv. Grube, hofft, daß dadurch der Patttotismus gefördert werden würde. Genosse Stadtv. Schmidt wendet sich im Namen seiner Freunde gegen diese Borlage. Für dergleichen Bücher haben wir kein Geld. Bei der Frage der Erhöhung des Schulgeldes in der mittleren Mädchenschule von 48 M. auf 60 M. tritt Genosse Stadtv. Schmidt für die Einheitsschule ein.— Auch die Bewilligung von 500 M. für Einführung des verbindlichen katholischen Religionsunterrichtes in den gehobenen Schulen gaben unseren Genossen Stadtvv. Piek und Schmidt Veranlassung, in die Debatte einzugreifen. Genosse Stadtv. Piek erklärte im Namen seiner Freunde, die Religion müsse aus den Schulen entfernt werden. Religion sei Privatsache. Mit demselben Recht, wie die Katholischen, könne auch der jüdische Rabbiner kommen und die Erteilung des Religionsunterrichtes von der Stadt bezahlt verlangen. Gegen vier Stimmen gelangte die Vorlage zur Annahme.— Einer Bewilligung von 100 M. an den Vorstand der Malerinnung zur Anschaffung von Medaillen und Preisen für die Feier des LSzährigen Stiftungsfestes tritt Genosse Stadtv. Grieben gegenüber. Die Malerinnung sei reich genug. um diese Ausgabe allein bestreiten zu können. Die Mehrheit be- willigt aber sogar 150 M.— Beim Armenkassenetat führte Genosse Stadtv. Schmidt mehrere Fälle an. die eine Regelung des ArmenwesenS dringend nötig erweisen.— Beim Etat Brennmaterialien beantragte Genosse Stadtv. Schmidt, Mittwoch und Sonnabend, wie früher, zum Einsammeln des Leseholzes in der Stadtforst freizugeben. Für manche arme Familie bedeute die unentgeltliche Beschaffung des Brennmaterials eine große Er- leichterung. Der Antrag wurde von den bürgerlichen Stadtverord- neten ohne Debatte abgelehnt.— Die Bewilligung von 25 000 M. zum Bau einer Turnhalle anläßlich der Feier der silbernen Hochzeit des Kaiserpaarcs gab unseren Genossen Ver- anlassung. darauf hinzuweisen, daß die Benutzung der Turnhalle nicht von einer bestimmten politischen Richtung abhängig gemacht werden dürfe. Trebbin(Kreis Teltow). Oefsentliche Stadtverordncten-Bersammlung vom 11. Januar 1906. Zu der heuttgen Versammlung waren sämtliche Stadt- verordnete erschienen. Zuerst wurden die Kommissionswahlen er- ledigt. Außer in die Bau. und die Feuerlöschgeräte-Kommission sind unsere Genossen in alle Kommissionen gewählt. Gegen die Wahlen der neuen Stadtverordneten sind Einsprüche nicht erhoben und beschließt die Versammlung, die Wahlen für gültig zu er- klären. Der Ratmann Otto Koppen hat sein Amt niedergelegt; es wird beschlossen, die hierdurch nötig werdende Neuwahl am Donnerstag, den 25. Januar, abends 6 Uhr, vorzunehmen. Die Wahlperiode des zu wählenden Ratmannes lauft bis zum 11. Februar 1910. Die Versammlung nimmt Kenntnis: 1. Von der Wasseruntersuchung des hiesigen Wasserwerkes; das Wasser wurde frei von schädlichen Substanzen und als gut befunden. 2. Bon der letzten Kassenrevision am 20. Dezember v. I., bei welcher alles richttg befunden wurde. 3. Von einer Einladung des Branden- burgischen Städtetages zu einer außerordentlichen Sitzung betreffend das Schulgesetz. Herr Bürgermeister Baudach wird zu dieser Ver- sammlung delegiert.— Nächste Stadtverordneten-Versammlung am Donnerstag, den 25. Januar 1906, abends 6 Uhr. Britz»Buckow. Die am 9. Januar abgehaltene Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvcrcins nahm zunächst den Bericht des Vorstandes für das verflossene Quartal entgegen. Aus dewleiben war ersichtlich, daß 4 Vorstandssitzungen. 4 Vercinsversammlungen» 4 Agitationstour, 1 Flugblatt- und 1„Vorwärts"-Verbreitung stattgefunden haben. Tie Einnahmen betrugen 174,02?Ji., die Ausgaben 43,64 M, An die Zcntralkassc wurden 116 M. abgeführt, so daß ein Bestand von 12,33 M. am Orte verblieb. Hierauf gab lÄen. Händel einen ausführlichen Bcricbt von der konstituierenden Generalversammlung Groß-Bcrlins.— An den voui Gen. Weniger gegebenen Bericht der Gemeindevertreter schloß sich eine längere Diskussion, in welcher n. a. Klagen laut ivurdcn über die niedrige Entlohnung der Geineindcarbeiter und Unterbeamten, besonders der Nachtwächter. Unter Punkt„Vercinsangelegenheiten" fand ein Antrag Annahme, die Zahlabende vom Monat Februar ab am Mitt- woch vor den» 15. jeden Monats abzuhalten. Ferner wurde beschlossen, an die Gemeindevertretung den Antrag zu richten, die Mahlzeit der 3. Wählerklasse für die im März stattfindenden Ersatz- Wahlen bis 8 Uhr abends auszudehnen, damit jedem Wahlberech- tigtcn dieser Klasse Gelegenheit geboten wird, sich an der Wahl zu beteiligen. Außerdem gab der Vorsitzende bekannt, daß am Sonntarj, den 21. Januar, eine Protestvcrsammlung gegen das Dreitlassenwahlrccht in Bethges Festsälen(Jnh. Nosters stattfindet und ersucht um rege Agitation für den Besuch derselben. Tempelhof. Tie am 10. d. Mts. bei Müller stattgcsundene stark besuchte Generalversammlung des Wahlvereins nahm nach den begrüßenden Worten des Vorsitzenden Thiel zunächst den von Küter gegebenen Bericht von der letzten Kreisgeneralversammlung, dann den Bericht Jänkcs über die konstituierende Versammlung des Verbandes Groß- Berlin entgegen. Im Anschluß an Küters Bericht wandte sich Genosse Bogen"gegen die Heber nähme eines weiteren Landkreises. Ge- nosse Thiel jedoch zerstreute seine Bedenken. Letzterer gab sodann den Bericht des Vorstandes. Es haben danach im letzten Vierteljahr stattgefunden: sechs Vorstandssitzungen, eine Generalversammlung, eine öffentliche und eine Vereinsvcrsammlung. Nach dem vom Genossen Bcrtrand gegebenen Kassenbericht beginnt das neue Ge- schäftsjahr mit einem Bestände von sieben Pfennigen. Aus dem vom Genossen Müller gegebenen Zeitungsspcditionsbericht ist zu entnehmen, daß die Zahl der Abonnenten von 128 auf 162 in vier Mo- naten gestiegen ist; die Ausgaben und Einnahmen bilanzieren sich. Einen kleinen Uebcrschuß brachte aber der Vertrieb des„Wahren Jakob", der„Gleichheit" usw. Auf Vorschlag des Genossen Schieritz wurde der bisherige Vorstand neu bestätigt. Ter Vorsitzende Genosse Thiel teilte mit, daß mit den Maricndorfer und Britzcr Genossen zusaminen die„Urania" für einen Sonntagmittag gemietet werden soll. Nachdem dann noch verschiedene Vereinsangelegenheiten er- ledigt waren, erfolgte die Aufnahme von zehn neuen Mitgliedern. Ausgeschlossen wurden wegen restierender Beiträge nach Verlesung der Namen die gleiche Anzahl. Adlershof. Tie Vcrtragsverhaudlungcn mit der Stadt Köpenick über die Meiterführung der Äöpenicker Straßenbahn bis zum Adlerhofer Bahnhof haben immer noch nicht zu einem Abschluß geführt, trotz- dem die Verhandlungen, schon zirka zwei Jahre schwebe». Bekannt- lich soll die Konzcssion aus 50 Jahre erteilt werden und es ist selbst- verständlich, daß die hiesige Gemeindevertretung alles ins Auge faffcn mutz, um der künstigen Vergrößerung des Ortes keine Schwierigkeiten zu bereiten. Die vielfachen Beratungen über diesen Gegenstand haben denn auch über alle wichtigen Fragen zum Ein- Verständnis geführt, doch besteht Köpenick daraus, daß in dem nord- östlick der Bahn gelegenen Ortsteile nur im Zuge des Adlergestells 'der in einer dieser parallel laufenden Straße einem Konkurrenz- Unternehmen später die Konzcssion erteilt werden darf, während in tcm Teile, welcher zwischen, der Bahn und dem Teltowkanal liegt, jede Konkurrenz ausgeschlossen sein soll. Im Interesse der weiteren (intwickelung des Ortes konnte aber die Gemeindevertretung dem nicht zustimmen, vielmehr beschloß dieselbe, dem Vertage nur dann ihre Austimimmg zu erteilen, wenn auch hier eine Straße im Zuge des Adlergestellö einem cvcnt. Konkurrenzuntermchmen freibleibt. Auch war in dein Bertrage festgesetzt, daß bei einem Streik der Etraßenbahnarbeiter die Unternehmerin(die Stadt Köpenick) nicht verpflichtet ist, ihren Betrieb aufrecht zu erhalten. Auf Drängen unserer Genossen wurde dieser Paragraph aber dahingehend ge- ändert, daß die Bctriebsuntcrnehmerin gezwungen ist, bei Streitig- keiten mit den Llrbeiterni das Gewcrbcschicdsgericht der Gstadt Köpenick anzurufen. Auch wurde von unseren Genossen bei Bc- ratung der Errichtung einer neuen Burcauassistcntenstclle für die Kanalisationsvcrwaltung das Verlangen wiederholt, endlich mit der Errichtung des Gelverbeschiedsgerichts in Verbindung mit dem Kausmannsgericht porzugchen. Wenn lveitcre Schritte in dieser Hinsicht noch nicht geschehen sind, so liegt das zum Teil au der Lau- heit des hiesigen Gewerkschaftskartells, welches trotz mehrjährigen Bestehens noch niemals Veranlassung nahm, eine Agitation für die Notwendigkeit eines Gewerbeschiedsgerichts für unseren Ort einzu- leiten. Selbstverständlich darf man sich dann nicht wundern, daß die bürgerlichen Gcmcindcvertretcr die Dringlichkeit der Errich- tnng nicht anerkennen.'— Durch die Erwciteruirg der Gemeinde- Geschäfte durch die Be- und Entwässerung des Ortes ist es notwendig geworden, ein Teil der Burcauräume in Mictsräume zu verlege». Auch bei diesem Punkte verlangten unsere Genossen, daß bei der Verlegung der Bureauräume sofort darauf Bedacht genommen wird, daß mindestens ein Raum zu Schulzwrcken freigemacht wird, um zum 1. April die fliegende Klasse in der 1. Öeineh'.deschule zu beheben. Ein entsprechender Antrag wurde schließlich auch ange- nommew Unter Kanalisationsangelegenheiten tonnte der Gemeinde- Vorsteher mitteilen, daß die Hausanschlüffe nunmehr sämtlich her- gestellt sind und auch der Sandfang in zirka 14 Tagen fertiggestellt sein wird, so daß an eine baldige Inbetriebnahme der Anlagen ge- dacht werden kann. Weiter beschäftigte sich die Gemeindevertretung mit der Entgegennahme von Ueberweisungen des Gemeindevor- stehers aus den Beträgen, welche von dem Wasserversorgungs-Per- bande für die vorbereitenden Arbeiten geleistet worden sind und zwar in der Höhe, wie die Gemeinde Adlershof dazu beitragen muß. Auch wurde mitgeteilt, daß die Volkszählung 9113 Einwohner er- geben hat und zwar 4645 männliche und 4468»leibliche. Der Zuwachs beträgt 11,38 Prozent feit der letzten Volkszählung oder 1107 Einwohner. Berliner J�acbricbten. nkmt ein Dicnslmädchcn krank wird. Em Todesfall durch Blutvergiftung, über den wir schon vor acht Tagen berichteten, bedarf noch der Aufklärung. Die noch nicht 16 Jahre alte Olga Bnchholz, die bei einer Herrschast in der Koloniestraße diente, war dort am 27. Dezember von einem Hund in den Damnen der rechten Hand gebissen worden. Als sie am Abend zu ihrer in der Badstraße wohnenden Mutter zurückkehrte— sie schlief nicht bei der Herrschaft, sondern zu Hanse— erschien die Verletzung nur unbedeutend. Trotzdem Ivurde das Mädchen noch an demselben Abend durch ihren Bruder nach der Unfallstation in der Hochstraße geführt, und die kleine Wunde wurde dort verbunden. Nach einigen Tagen begann der Daumen anzuschwellen und heftig zu schmerzen. Da der Zustand sich immer mehr verschlimmerte, so wurde am 6. Januar ein Arzt mifgesncht. Ans dessen Anordnung wurde die Kranke am Abend desselben TageS einem Krankenhanfe zugeführt, aber dort starb sie bereits am Vormittag des 7. Januar. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Nachdem nunmehr Blutvergiftung als Todesursache festgestellt worden ist, hat an diesem Sonntag die Verstorbene beerdigt werden können. Todesfälle durch BIsttvcrgistnng werden oft nur dadurch möglich, daß eine geringe Verletzung aus Unkenntnis oder Leicht- sinn für ungefährlich gehalten und dementsprechend vernachlässigt wird. In dem vorliegenden Falle ist baldigst sachgemäße Hülfe beschafft lvorden. Wir nehmen auch an, daß ans der Unfallstation die Wunde zweckmäßig behandelt und dem Mädchen richtige Ver- haltungSmaßregeln gegeben lvorden sind. Trotzdem mußte der scheinbar Verantwortlicher R'daktcur: Hans Weber. Berlin. Für den ganz harmlose Unfall so traurig enden! DieFamiliedcr Verstorbenen gibt von der ganzen Angelegenheit eine Darstellung, zu deren Wieder- gäbe wir uns verpflichtet halten, tveil vielleicht mancher auS ihr eine Lehre ziehen wird. Olga Buchholz dient? bei einer Familie Grüne- berg. Als sie dort am anderen Tage mit dem dick verbundenen Daumen wieder antrat, soll Herr Grüneberg sie gefragt haben, warum sie ivcgen einer solchen Lappalie nach der UnsaNstation renne, ob sie etwa verrückt geworden sei. Er soll das Mädchen veranlaßt haben, den hindernden Verband abzutun und einen bequemeren„Däumling" über den verletzten Finger zu ziehen. Olga arbeitete dann noch bis zum S. Januar, obwohl ihr die Arbeit immer schwerer wurde. Für die beginnende Verschlimmerung soll man— wir folgen immer den Mitteilungen, die Olga daheim ge- niacht hat— in der Familie Grüneberg ebenso wenig Verständnis gehabt haben wie für die Klagen des Mädchens über die austretenden Schmerzen. Darüber braucht sich am Ende niemand zu wundern. Es liegt im Wesen des Gesindedienstes, daß bei Erkrankung eines Dienst mädchcnS die Herrschaft zu allererst an den Verdruß denkeil wird, der ihr erwächst, wenn die Arbeit liegen bleibt. Sonderbarer aber erscheint, daß auch ein Arzt den Znstand des Mädchens für ungefährlich gehalten haben soll noch zu einer Zeit, wo das unseres Erachtens kaum möglich gewesen sein kann. Olga am 6. Januar vormittags zu Herrn Dr. Kaufmann geführt wurde, fragte dieser, ob das Mädchen in einer Kasse sei. Da das irrtümlicherweise bejaht wurde(Frau Buchholz glaubte, ihre Tochter sei von der Herrschaft angemeldet worden), so erwiderte Dr. K., man solle sich den Schein besorgen und am Nachmittag wiederkommen. Am Nachmittag konnte Olga selber nicht niehr mitkommen, weil ihr Zustand sich weiter verschlimmert hatte. Als dann Dr. K. sie gegen Abend in ihrer Wohnung aufsuchte, forderte er sofortige Neberwcisung an ein Krankenhaus. Diese erfolgte, aber die Hülfe kam zu spät. Am anderen Vormittag bereits trat der Tod ein. Die Wiedergabe dieser Darstellung scheint uns im öffentlichen Interesse zu liegen. Wenn die Sache sich so verhält, so ist hier mit einem Leichtsinn gehandelt worden, der die dafür verantwortlichen Personen mit schwerer Schuld belastet. Nene Omuiüuslinie. Eine weitere neue Omnibuslinie wird gegen Ende des Monats Januar eröffnet. Sie erhält die Nummer 32. Die Linie nimmt ihren Aiflang am Schlesischen Tor an der Ecke der Oppelnerstraße und geht bis zum Rosentaler Tor. Dort erhält sie ihre Haltestelle an der Ecke der Lothringerftraße. Die Wagen folgen sich in Abständen von 4—5 Minuten. Der Betrieb beginnt im Südosten um 6, am Rosentaler Tor gegen 7 Uhr früh. Auch diese Linie wird durch die Herstellung eines neuen Depots im Viktoriaspeicher er- möglicht. Drei schwere Unglücksfälle haben sich gestern im Straßenverkehr zugetragen. An der Ecke der Warschauerstraße und Frankfurter Allee wurde der 23jährige Gärtner Karl Rainer ans Lichtenberg von einer Automobildroschke überfahren und schwer verletzt in daS Krankenhaus am Friedrichshain eingeliefert.— Am Baltenplatz geriet der 11jährige Schüler Otto Brückner aus derGabelsbergerstr. 15 unter die Räder eiiieS Milchwaaens, wobei der rechte Unterschenkel zerschmettert wurde. Die erste" Hülfe ward dem verunglückten Knaben auf der Unfall- station in der Warschauerstraße zu teil.— In der Hussiteustraße wurde die 57 jährige Henriette Schramm. Müllerstr. 12 wohnhaft. zwischen einen Geschäftswagen und eine Mauer gedrückt und erlitt schwere Ouetschnngen und innere Verletzungen. Sie fand im Lazarus- Krankenhause Ausnahme. In gemeinsamer Gruft beerdigt. Die Tragödie des jungen Brautpaares, die sich, wie wir berichteten, am vorletzten Sonntag in der Triftstt. 2 abspielte, hat gestern ihren Abschluß gefunden. Nachdem die beiden Leichen von der kgl. Staatsanwaltschaft frei- gegeben worden, konnte die Beisetzung erfolgen. Sie fond gestern nachmittag unter zahlreicher Beteiligung auf dem Begräbnisplatzc der neuen Lazarusgemeinde statt. Gemeinsam in einer Gruft wurden die Toten beerdigt. Man hatte damit den letzten Wunsch der Unglücklichen erfüllt. Selbstmord eines Kammerdieners. Auf entsetzliche Weise hat sich gestern in der sächsischen Gesandtschaft in der Voßstr. 19 der 28 jährige Kammerdiener Robert Faust daS Leben genommen. Bei dem großen Empfange, der am Sonnabend in der sächsischen Ge- sandtschaft stattfand, hatte sich F. derartig benommen, daß ihm die Stellung gekündigt werden sollte. F. zog es jedoch vor. in den Tod zu gehen. Er holte sich gestern morgen das Jagdgewehr seines Herrn auf sein Zimmer, lud es mit Wasser und schoß sich die Ladung in den Mund hinein. Die Wirkung war eine furchtbare. Der Kops des Selbstmörders wurde vollständig in Stücke gerissen. Die Leiche ist polizeilich beschlagnahmt und in das Schauhaus eingeliefert worden. Die spanische»„Schatzgräber" wieder an der Arbeit. Der spanische Schatzgräberschwindel hatte eine Zeitlang geruht, und es hatte auch den Anschein, als ob diese in großem Maßstabe angelegte Betrugs- manöver endlich aus der Welt geschafft seien. Dem ist aber leider nicht so. Seit kurzem sind die spanischen Schatzgräber wieder tüchtig an der Arbeit. In der„altbewährten Weise" werden an Ein- wohner Berlins und der Vororte die üblichen Schwindel- offerten auS Madrid versandt, durch die man in die„glückliche Lage" versetzt wird,„mit Leichtigkeit 250 000 Frank zu ver- dienen. Der Koffer, welcher die angeblichen 800 000 Frank in Pavieren enthält, lagert noch immer auf einem stanzösischen Bahnhof und die Prozeßkosten, durch deren Begleichung die Freilassung des beschlagnahmten Koffers mit den Wertpapieren ermöglicht wird, harren nach wie vor der Bezahlung.„Cssxar Juan de Herrera 4 pral cida Madrid, Acceptiere E. W.", so lautet jetzt die Unter- schrist der Schwindelbriefc. Wann endlich wird der spanische Schatz- gräberschwindel, auf den leider immer wieder solche„von denen, die nicht alle werden", hineinfallen, ein Ende nehmen. Beim Baumfällc» erschlage». Ein folgenschweres Unglück, bei welchem ein Arbeiter getötet und einer schwer verletzt wurde, hat sich am Sonnabend nachmittag in der benachbarten Choriner Forst ereignet. Dort waren die Holzarbeiter Fürst,.Nr Ippendorf und Krampitz mit Holzfällen beschäftigt. Die beiden erstgenannten forderten nun Krampitz auf, ihnen beim Ausroden einer Wurzel bc» hülflich zu sei». Der Holzarbeiter kam diesem Wunsche auch nach, doch kaum hatte er die Fichte, welche er zum Fällen bringen wollte, verlassen, so stürzte diese prasselnd um und traf im Fallen Krampitz und Fürst. K. ivar auf der Stelle tot, während F. schwer verletzt davongetragen wurde._ Tragödie eines Ehepaares. Gemeinsam sind in der vorvergangenen Nacht die Schulzeschen Ehe- lcute in der Putbuserstr. 56 in den Tod gegangen. Lebensüberdruß ist angeblich das Motiv zu dem Doppelselbstmord, welcher in beider- seittgem Einverständnis erfolgt ist. Schulze wurde zwar noch lebend in das Lazarus-Krankenhaus gebracht, sein Zustand ist jedoch völlig hoffnungslos; dagegen war seine Ehefrau bei der Entdeckung der Tat bereits tot. Ueber das Drama wird uns folgendes berichtet: Der Sljährige Sattlermeister Ernst Schulze lebte in langjähriger kinderloser Ehe mit seiner 54jährigen Frau Berta, geb. Kracht aus Stralsund. Früher hatte er ein Sattlergeschäst inne gehabt, das jedoch wegen schlechten Geschäftsganges bald einging. Sch. nahm daraufhin eine Stellung in einer größeren Maschinenfabrik an und kam mit dem Gehalt auch gut aus. Es hatte jedoch den Anschein, als ob von stüher her noch Schulden vorhanden seien. Am Sonnabend vonnittag teilte Frau Sch. den Nachbarsleuten mit, daß sie abends mit ihrem Manne zu einer Geburtstagsfeier gehen werde und daß sie infolgedessen morgens lange schlafen würden. Man solle sie doch ja nicht stören und lvenn der Frühstücksjunge komme, möchte man ihmsdoch die Brötchen abnehmen. Sonntag morgen ließ sich denn auch das Paar nicht sehen. Als die Nachbarin sich in der neunten Stunde auf den Balkon begab, fiel ihr ein seltsamer GaZ- und Lysol- geruch, der aus der Sch.schen Wohnung herausdrang, auf. Sie schöpfte nun Verdacht und setzte die Polizei von ihrer Entdeckung in Kenntnis. Es erschien daraufhin von dem nahen Revier der Leutnant mit mehreren Beamten, Welche die Wohnung gewaltsam öffneten. Ms man eintrat, wurde der Verdacht, daß sich hier eine Tragödie abgespielt, vollauf bestätigt. In ihren Betten lagen die beiden Eheleute leblos. Frau Sch. war bereits zur Leiche erstarrt, während sich bei ihrcni Manne noch Lebenszeichen bemerkbar machten. Die beiden hatten zusammen 200 Gramm Lysol getrunken und außerdem auch noch den Gashahn aufgedreht. Auf'dem Tisch standen die leeren Giftbehälter. Frau Sch., eine korpulente Person, hatte sich auf das Gesicht ein Tuch und ein Kissen gedrückt, damit man nicht ihr Stöhnen im Todeskampfe vernehmen sollte. Es wurde sofort die Feuerwehr requiriert, welche den Sch. mit dem Sauerstoffapparat behandelte und ihn dann nach dem Lazarus- Krankcnhause bringen ließ. Dort liegt der Mann hoffnungslos danieder. In einem hinterlassenen Briefe geben die Eheleute an, daß sie in beiderseitigem Einverständnis gemeinsam in den Tod gegangen sind, weil sie des Lebens überdrüssig seien. 20M., sowie ihre Bücher vermachte Frau Sch. ihrem Neffen. Als letzten Wunsch sprachen die beiden in dem Briefe aus, gemeinsam in einen Sarg beerdigt zu werden. Von den erwähnten 20 M. fand die Polizei bei der Durchsuchung der Wohnung jedoch nichts bor, und es hat den Anschein, als ob noch ein weiteres Motiv zu den, Doppelselbstmord vorliegt. Die Polizei hat darüber Ermittelungen angestellt._ Acht Tage tot in seiner Wohnung gelegen hat der Zeitungsbote Schröter in der Provinzstraße, der dort ein einzelnes Zimmer be- wohnte. Sch., der eine Stellung bei einem Spediteur inne hatte, trug seit einiger Zeit ein aufgeregtes Wesen zur Schau und erklärte vor etlva acht Tagen, daß er keine Zeitungen mehr austragen wolle. Seit dieser Zeit wurde Sch. nicht mehr gesehen. Da es auch den Hausbewohnern auffiel, daß sich der etwa 50jährige Mann nicht mehr blicken ließ, benachrichtigten sie die Polizei, welche gestern durch einen Schlosser die Sch.sche Wohnung öffnen ließ. Hier wurde der Vermißte an einem Wandhaken tot aufgefunden. Er hatte, toi- ein hinzngerufener Arzt feststellte, schon vor etwa acht Tagen Selbst- mord verübt. Ein brennender Stratzcubahuwage» rief Sonntag nachmittag ans dem Schloßplätze große Aufregung hervor. Infolge eines Defektes an einem unterirdischen ZuleitnngSkabel war der Motorwagen 2119 der Linie GreifZwalderstraße— Hansaplatz in Brand geraten, so daß Flammen unter dem Wagen hervorschlugen. Die Fahrgäste stiegen schleunigst ans, während die Angestellten der Straßenbahn das Feuer zu unterdrücken suchten. Es gelang auch in wenigen Mimten, die Flammen zu ersticken, so daß größerer Schaden nicht entstanden ist und der Wagen die Fahrt fortsetzen konnte. Wie die nähere Unter- suchung ergab, war die Isolation eines Kabels durchgebrannt. Drei Personen ertrunken. Auf dem Seddinsee ereignete sich Sonntagmittag ein bedauer- sicher Bootsunfall, bei dem drei Personen ihr Leben einbüßten. Es sind dies Gustav Mücke aus der Fürbringerstraße(31 Jahre alt), Hermann Ratke aus der Friedrichstr. 250(29 Jahre) und Robert N e u m a n n aus der Barutherstr. 2(22 Jahre). Alle drei gehörten einem bekannten Ruderklub an. Sie hatten sich Sonntag früh aufgemacht, um bei den Gastwirten der Oberspree das übliche Eier- ammeln vorzunehmen. Beim Gastwirt Noack am Seddinsee hatten sie ein Quantum Eier bekommen, da jedoch der Korb noch nicht voll gefüllt war, machten sie noch einen Abstecher nach Zwiebusch. Auf der Rückfahrt nach Schmöckwitz gerieten sie auf eine ögenannte Sandschurre, wobei das Boot kenterte und die Insassen ins Wasser stürzten. Vom Ufer aus war wohl beobachtet worden, daß die Segler der gefährlichen Stelle zusteuerten, doch sollen merk- würdigerweise keine Anstalten zur Warnung und Rettung der Leute getroffen lvorden sein. Angeblich sollen die am Ufer siegenden Kähne im Eise festgestoren sein. Die drei Personen erttanken und waren ihre Leichen bis gestern nadjmittag noch nicht geborgen. Alle drei ind unverheiratet.'_ Bon seinem Wagen überfahren wurde gestern nachmittag vor dem Hause Oranienburgcrsttaße Nr. 92a der Hülfskutschcr der Firma Kranz. Der Kutscher war im Begriff, seinen Wagen zu bc- steigen, rutschte aber von demselben ab und geriet mit dem Fuße unter das Borderrad. Drei oder vier Zehen wurden ihm abgefahren. Durch einen Schutzmann mußte er nach dem Krankenhause gebracht werden. Arbeiter Bildungsschule Berlin. Diejenigen, welche an dem Unterrichtskursus in Nationalökonomie für Fortgeschrittene teilnehmen wollen, müssen sich um- gehend, bis Mittwochabend, beim Genossen Lamme, L. 59, Frciligrathstr. 3, gemeldet haben. Berliner Marktpreise. An? dem amtlichen Bericht der städtischen Marklhallen-Direktion. Rindfleisch la 62—65 pr. 100 Pjund, IIa 54—60, lila 48-52, IVa 40-46. Kalbfleisch la 82-90, Ha 70-80, DTa 56—68, Hammelfleisch la 65—75, Ha 56—64. Schweinefleisch 68—75. Rotwild Aund 0,40—0,50 Ps. Hasen Stück 3.00—3,40, mittel 2,00—2,80. Kaninchen Stück 0,90—0,95. Hühner pro Stück, alte 1,50— 2,30, junge la 0,00—0,00, do. IIa 0,00—0,00. Tauben, junge 0,60—0,70, alte 0,00. Enten junge 2,00—2,30. Gänse la 0,60—0,65, IIa 0,55—0,58, russische 0,45—0,55 M. Schellfische 18—22 M., Zlnnder 19—25 M. pro 100 Psd. Hechte 105 M. Schleie unsortiert 00—00 M. Aa'.e, groß 00— 00, mittel 0.00, klein 0,00 M., Plötzen 0,00 M., Karpsen uns. 0,002)?., Lachs 0,00 5!)?. Schottische Bollheringe(gesalzen) 40—44 5??. Eier, Schock 5,00. Butter pro 100 Psund la 1t4— U7, IIa 110—114, lila 105—110, abfallende 00—00. Kartofleln pr. 100 Psd. rote 2,00—2.20, Rofcn 0,00—0,09, blaue 0,00— 0,00, runde weiße 1,80—2,00. Wirsinglohl pr. Schock 7.00—12,00. Weißkohl 7,00—10,00, Rotkohl 6,00—10,00, Holl, 14—1? M. Saure Gurken, Schock 2,00 59?., Pjeffergurken 2,00 M. esttterungsiiberstckit vom 13. Januar 1906, morgens« llh». Stationen £ C l| 2 |5'= M H K§ Weller Swinemde."67 SD! Hamburg i767 SW j Berlin 770 WSW> Franks.a.M,!772 SW München! 774 SO Wien 775 WNW i I 3 bedeckt 4 bedeckt 4 bedeckt 2 Nebel 3 wölken! 1 wölken! s& =? Ufa 4 5 0 —3 p Stationen LS z= 2= Ü— i« Havarandn 759 NO Petersburg 755 WNW Seillh|756 S©ä3 Aberdee» j 744 SW Paris 768 S Wetter 2 bedeckt LSchnce 7 bedeckt 4 bedeckt i-tst s«-« Mfli -10 —4 9 8 1 wölken!—1 Wetter-Prognose für Dienstag, den 16. Januar 1906. Etwas wärmer bei lebhaften südwestlichen Winden und zunehmendet Bewöllung; nachher Regen. Berliner Wctterbureau. Leih-Haus Charlottenbnrg, Friedrich- Karl- Plan 12, Berlin, Zlnklamer-Strasie 2. Bclcihung von Brillanten, Gold- und Silbersachen. Uhren, Büchern, Wäsche, Kleidungsstücken ic. 306V* geltestes Uonz. Leihhaus Chavlottcnbiirg. Wümersdorferstr. 40 1. Hohe Beleihung. Diskr. Sprechzimmer znseratenteil veranttv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckcrci ti. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.