Nr.14. Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Breis bränumerands: Bierteljährl. 8,30 m, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Big. Sonntags, nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Big. Bost. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost- Beitungs Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. • Ericheint täglich außer Montage. Vorort- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblaff. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene stolonel. geile oder deren Naum 40 Big., für politische und gewerkschaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 25 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebrudte) Wort 10 Big., jedes weitere Bort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Juferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 11hr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1982 Parteigenoffen! Sonntag, den 21. d. Mts., finden wie bekannt, die Proteftversammlungen gegen das Dreiklaffenwahlrecht in Preußen statt. Der Proteft muß durch Massenbesuch der Versammlungen ein wuchtiger werden. Die Ankündigung der Protestversammlungen hat die Scharfmacher in Wut versetzt. Sie möchten die Gelegenheit Scharfmacher in Wut versetzt. Sie möchten die Gelegenheit benützen, an der Sozialdemokratie ihr Mütchen zu kühlen. Parteigenoffen! Laßt Euch nicht provozieren, von wem und von welcher Seite es auch sei. Vereitelt die Gelüfte der Scharfmacher dadurch, daß Ihr jede Straßendemonstration unterlaßt und bei Versammlungsauflösungen oder nach Schluß der Bersammlung den getroffenen Anordnungen Folge leistet. Der Parteivorstand. Donnerstag, den 18. Januar 1906. zweiten Wählerklaffe die überwiegende Mehrzahl der Wählerschaft, nämlich die zur dritten Klasse gehörenden, um ihr Wahlrecht brachte und in einer nun 57jährigen, Preußen nicht aur Ehre gereichenden parlamentarischen Geschichte immer geprellt hat. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferniprecher: Amt IV. Nr. 1984. 3olltarifes, ieder kurzsichtig nur seine eigenen Interessen bertrat, fast niemand ein Verständnis für das allgemeine Interesse der deutschen Industrie zeigte. Er führte dies zurück auf den Mangel an Bildung innerhalb dieser Schichten! In der schon öfter herangezogenen ministeriellen Denkschrift zu der Verordnung vom 30. Mai 1849 heißt es, daß mittel sei, daß in absehbarer Zeit eine Revision desselben dieses Dreiflaffenwahlrecht nur ein vorläufiges Aushülfsin Frage tomme. Sie sind nun alle gestorben und verdorben, die sich die Schuld für dieses Wahlunrecht und für den Verfaffungsbruch aufgebürdet haben. Aber diese Schuld ist nicht gefühnt, und diejenigen, welche Vorteile aus dem alten und nicht verjährten Unrecht ziehen, bleiben verantwortlich für ihrer Väter Wert. Die„ borläufigen" Bestimmungen der Verordnung vom 30. Mai 1849 bestehen nun nach 57 Jahren weiter! Als die Verordnung den beiden Kammern zur Beratung vorlag, hielten sich dieselben die Revision ausdrücklich vor. Tatsächlich aber ist durch den Ausbau der preußischen Einkommensteuer das Wahlunrecht nur noch weiter verschärft worden. Selbst ein früherer nationalliberaler Abgeordneter, der Heidelberger Staatsrechtslehrer Georg Meyer, fagt in feinem Buche über das parlamentarische Wahlrecht: Die neueren preußischen Steuerreformen haben die Umgestaltung der Vorschriften über die Klasseneinteilung zu einer unabweisbaren Notwendigkeit gemacht." Hier zeigt sich ein gewaltiger Unterschied zwischen der In der ministeriellen Denkschrift zur Rechtfertigung der Schulung des klaffenbewußten Proletariats durch die SozialKlaffeneinteilung brachten die konterrevolutionären Verfasser demokratie und der der befizenden Schichten durch den Kapitadie scheinheilige Begründung, daß dieses Stimmrecht nach lismus. Die Sozialdemokratie erzieht die Massen und jeden dem Verhältnis der Besteuerung der Forderung„ Gleiche einzelnen zum Verständnis und zur Vertretung des GemeinPflichten, gleiche Rechte!" zu entsprechen strebe. Tatsächlich intereffes. Sie lehrt die Arbeiter, ihre persönlichen Interbedeutet dieses Dreiflassenwahlrecht aber: daß alle diejenigen, essen zu wahren in der Vertretung der allgemeinen die sonst schon alle Vorteile der heutigen Wirtschaftsordnung Intereffen, sie schult sie zur ständigen freiwilligen Betätigung befißen, auch noch ein Monopol auf die politischen Rechte er- der Solidarität. Der Kapitalismus züchtet nur das eigene halten, während die wirtschaftlich Enterbten auch politisch Interesse und damit Kurzsichtigkeit in politischer Hinsicht, rechtlos gemacht werden. Aber selbst die ministerielle Dent- Kleinlichkeit in allen großen Fragen. schrift mußte damals eingestehen, daß die Steuer ein sehr Unsere Gegner jammern über den Opfermut der deutungenügender Maßstab für die Verteilung der politischen schen Arbeiterschaft für die Partei, für die Gewerkschaften, Rechte sei. Als Scheingründe führte sie an, daß eins der sie jammern über ihre finanzielle Bekundung der Solidarität wichtigsten Rechte des Parlaments die Steuerbewilligung dem Auslande, so gegenwärtig den Opfern der russischen Refei und daß man um deswillen gerade den höher Besteuerten volution gegenüber. Und gleichzeitig beklagen sie die Kleingrößere Rechte erteilen müsse als den niedrig Besteuerten. lichkeit der Angehörigen der bürgerlichen Parteien da, wo es Wer aber weiß, wie selbst ein Miquel über die systematische fich um große Opfer für die Vertretung ihrer politischen Steuerhinterziehung der reichen und bemittelten Wolfsschichten Grundsätze handelt. So müffen unsere Klaffenfeinde selbst in Preußen gedacht hat, wer sich an die Kämpfe erinnert, bezeugen, daß der Sinn und der Opfermut für das allgewelche um die, wenn auch völlig ungenügende Verbesserung meine Interesse nirgends größer in Deutschland ist als bei der preußischen Einkommensteuergesetzgebung geführt wurden, der Arbeiterschaft. Wenn dem so ist, dann hat das Prolemer in diesen Tagen sieht und hört, wie die Vertreter des tariat aber selbst nach Auffassung derjenigen, die dem allgeAdel" die Erbschaftssteuer als eine„ kommunistische Einrich- fegungen für eine politische Gleichstellung mehr als genug Bürgertums die Erbschaftssteuer bekämpfen, wie ein hoher meinen Wahlrecht mißgünstig gegenüberstehen, die Voraustung" befehdet, der muß sich sagen, daß gerade die Rücksicht erfüllt. auf das wichtige Recht der Steuerbewilligung Anlaß geben sollte, das Vorrecht der Neichen und Reichsten im Interesse der Welt zu schaffen. Erst vor kurzem hat Graf Posadowsky, des Staates, im Interesse eines gerechten Steuersystems aus der ja im preußischen Staatsministerium Sig und Stimme hat und auch als früherer Landesdirektor der Provinz Bofen die im preußischen Abgeordneten- und Herrenhause maßgebenden Schichten kennt, von dem Mangel an Idealismus in den befizenden Klassen gesprochen. Damit hat er, ficherlich ohne es zu beabsichtigen, Zeugnis abgelegt gegen das preußische Dreiflaffenwahlunrecht, gegen das gewaltige Vorrecht der befizenden Schichten bei der Steuerbewilligung. Als man in Preußen das Dreiklassenwahlunrecht oftronierte, führte man für dasselbe unter anderem den Scheingrund an, daß die Befigenden auch die Gebildeten feien, daß in den reicheren Schichten das höhere Maß der geistigen Kräfte zu liegen pflege, somit dasjenige Gewicht, welches man dem materiellen Vermögen beilege, in der Tat der höheren Intelligenz zufomme. So unberechtigt diese Begründung des Wahlunrechtes schon damals war, so lächerlich muß heute eine gleiche Behauptung wirken. Heute weiß ieder, daß Bildung und Besitz durchaus nicht zusammenfallen. ft es doch eins der größten Verdienste der Sozialdemokratie auf ideellem Gebiete, daß fie die früher dumpf dahinlebenden, ihrer eigenen Not nicht bewußten Arbeiter erweckt und aufgerüttelt hat, daß sie sie mit einem unauslöschlichen Bildungstrieb erfüllt hat, fodaß die Vertreter der Arbeiterklasse überall dort, wo sie mitwirken, in der Selbstverwaltung, in Gemeinde, Staat und Reich, in der Ordnung ihrer eigenen Angelegenheiten, in Partei, Gewerkschaften, Genossenschaften usw. usw. vollkommen Ebenbürtiges, oft Tüchtigeres leisten als die Vertreter des Bürgertums. Erst unlängst wurde in Magdeburg anerkannt, daß von der Sozialdemokratie die Anregung für das Netz von Rechtsauskunftsstellen ergangen ist, In Riga dauern einem Telegramm zufolge die politt. die von dem preußischen Staate nun auch finanziell gefördert fchen Morde fort. Gestern wurde wieder ein Polizist werden, wenn sie als Konkurrenten der Schöpfungen der auf offener Straße ermordet. Auch in der Provinz Arbeiter wirken. Die mächtigen Unternehmerorganisationen bauern die Unruhen an. Die Güter Sergemetten des Barons find Nachbildungen unferer Gewerkschaften, unsere Genossen- Blomberg und Perbonnen des Barons Simolin wurden vorschaften haben die bürgerlichen in mancherlei Hinsicht, vor gestern eingeäschert. In Grobin gelang es den Truppen, die allem in bezug auf die Organisation überflügelt. Allgemein Suhe herzustellen. Der Führer der dortigen Revolutionäre, erkennt man an, daß die Bertreter der Arbeiter in den GeIn Pensa wurde der Kommandeur des 78. Infanteriewerbegerichten fachkundig, pflichtbewußt urteilen. Unter Ramid, wurde standrechtlich erschossen. diefem Eindrucke haben erst unlängst die Justizminister Regiments, Generalleutnant Lissowski, am 15. Januar auf Bayerns und Sachsens an die ihnen unterstellten Gerichte der Straße durch drei Revolverschüsse getötet. Der Mörder die Mahnung ergehen lassen, daß die Arbeiter bei der Auswahl der Geschworenen und Schöffen nicht übergangen werden sollen. Die ganze Welt beneidet uns um die Intelligenz, die Disziplin, den geistigen Eifer unserer Arbeiterklasse, und diese Leute sollten nicht fähig fein, das gleiche Wahlrecht auszuüben wie diejenigen, die in höhere Steuerstufen eingeschätzt sind? Wahlunrecht, Bildung und Besitz. Preußen in Deutschland voran, Deutschland in der Welt Preußen in Deutschland voran, Deutschland in der Welt boran. Diese Worte des Fürsten Bülow waren eine schöne Diese Worte des Fürsten Bülow waren eine schöne Redewendung des Reichskanzlers, für uns find sie mehr: eine Quelle ununterbrochener Agitation und Arbeit, nicht im Sinne der Selbstbespiegelung wie beim obersten Chef des offiziellen Breußens, sondern ein Ansporn, durch die Macht des organisierten Proletariats den Abstand auszugleichen, der die politische Organisation unseres Landes von denen fortgeschrittener Länder trennt und unsere politischen Rechte so weit zu verbessern, daß man fünftighin nicht mehr erftaunen kann, daß Preußen in der Ausgestaltung der Volksrechte hinter den meisten Kulturnationen zurückgeblieben ist. Preußen in Deutschland voran! Fürst Bülow sprach den Sab aus in einem der Häuser des preußischen Landtages, eines Parlaments, das weniger als die anderen Barlamente deutscher Einzelstaaten, wenn wir von der mecklenburgischen Sitterschaft absehen, der Ausdruck der im Volfe bestehenden politischen Richtungen und Parteibildungen ist. Selbst in Sachsen ist es unmöglich gewesen, die große Mehrheit des Voltes vollkommen im Landtage unvertreten zu Lassen. Die Sozialdemokratie hat nach und nach in fast allen parlamentarischen Körperschaften des deutschen Reiches Wurzel gefaßt. Nur ganz wenige genießen den zweifelhaften Borzug, daß die arbeitende Klasse parlamentarisch nicht vertreten ist, daß sie nur von außen her auf die Beschlüsse der Landesparlamente einen Einfluß auszuüben vermag. 1 649 698 fozialdemokratische Stimmen wurden am letzten großen Wahltage in Preußen abgegeben, und doch gehört fein einziger Vertreter des klassenbewußten Broletariats dem preußischen Abgeordnetenhause an! Dagegen besitzen sozialdemokratische Bertreter, wenn auch durchaus nicht in einer der Verbreitung unserer Partei entsprechenden Anzahl: die Bundesstaaten Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Heffen, Oldenburg, alle Hansastädte, die meisten thüringischen Staaten und endlich die Reichslande! Noch merkwürdiger als diese Tatsache dürfte vielen die erscheinen, daß Preußens Wahlrecht, dessen Urteil niemand schärfer als Bismard gesprochen hat, seine Verteidiger findet, ja daß dieses Wahlrecht mit all seinen, unseren Lefern so häufig vorgeführten Ungeheuerlichkeiten in jedem der beiden Häuser des preuBischen Landtages Befürworter und Verfechter besikt, die die überwiegende Mehrheit derselben bilden. Dieses Wahlrecht, das nur durch die knifflichsten staatsrechtlichen Deduktionen als zu Recht bestehend nachgewiesen werden kann, ist von feiner Regierung seit 1849 als erheblich änderungsbedürftig angesehen worden. Seit Ferdinand Laffalle ist dieses Wahlunrecht von der Sozialdemokratie stets auf das energischste bekämpft worden, und von nicht ins Gewicht fallenden Ausnahmen abgesehen ist die Sozialdemokratie in diesen Kämpfen für ein gerechtes Wahlrecht allein geblieben. Als die Reaktion durch die Verordnung vom 30. Mai 1849, also durch einen verfassungswidrigen Aft, das Dreiklassensystem einführte, ging man von der Erwägung aus, daß die Einführung eines Zensus sich deswegen nicht empfehle, weil die Vorgänge in Frankreich zeigten, daß es bedenklich sei, der arbeitenden Klasse ein einmal erteiltes Wahlrecht wieder zu entziehen. Man wollte auch den Schein erweden, daß man den ärmeren Volksschichten die einmal zugefagte Teilnahme am Staatsleben auf breitester Grundlage nicht zu nehmen beabsichtige. Das Vorbild dieses preußi- Wie steht es übrigens um die Intelligenz der vollberechschen Landtagswahlrechtes bildete die Gemeindeordnung für tigten Wähler in Preußen? Hat irgend jemand die Stirn, die Rheinproving vom 23. Juli 1845, deren Nachahmung, zu behaupten, daß diese Intelligenz am größten ist in der wie Leopold von Gerlach in seinen Denkwürdigkeiten erzählt, ersten und daß sie um ebensoviel geringer sei in der zweiten bei den Vorbesprechungen namentlich von den rheinischen Wählerklasse, als das Recht dort gemindert ist? Ist wirklich Abgeordneten empfohlen wurde. Diese rheinische Gemeinde- die Intelligenz des einen Fräuleins Krupp unendlich größer ordnung hatte auch die Einteilung der stimmberechtigten als die aller Wähler der dritten Klasse in ihrem Wahlkreise? Gemeindebürger in drei Klassen, von denen jede insgesamt Gerade die kapitalistischen Schichten sind, als Masse beeine gleiche Steuersumme aufbrachte. Während aber das von trachtet, in ihrer geistigen Betätigung von größter Einseitig. den Bätern und Großvätern unserer Scharfmacher empfohlene feit. Erst jüngst flagte ein Vertreter des Bürgertums, ein Vorbild jeder Klasse die Wahl von Gemeindevertretern zu- Lehrer an der Frankfurter Handelshochschule, über den gestand, wurde für das preußische Abgeordnetenhaus eine völligen Mangel an Ueberblick bei den Vertretern des deutVerschlechterung dahin beschlossen, daß die einzelnen Abtei- fchen Industriekapitals. Es wurde von ihm darauf hingelungen nur Wahlmänner und legtere gemeinsam den Abge- wiesen, daß in den langjährigen Verhandlungen der Regieordneten wählen, sodaß das Zusammenhalten der ersten und Irung mit den Interessentenkreisen vor der Fertigstellung des " Für die im Genusse des Wahlunrechts Lebenden gilt das Wort: Beati possidentes!( Glücklich, die im Besitze sind!) Sie wollen ihre Festung des Unrechts verteidigen so lange es irgend geht. Das Wolf aber wird die Vorrechte einer fleinen Minderheit unausgefeßt und ruhelos mit wachsender Energie befehden, bis ihm eines seiner selbstverständlichen Rechte wird: Das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht zum preußischen Landtage. entfam. Die Revolution in Rußland. Kirchenspaltung. Aus Tiflis wird gemeldet, die grusinische Geistlichkeit habe fich für Unabhängigkeit und Selbständigkeit der grusinischen Stirche entschieden und beschlossen, am 27. Januar die Beziehungen zum Synod abzubrechen. Wie die Petersburger Telegraphenagentur hierzu bemerkt, fehlen an zuständiger Stelle in Petersburg Nachrichten über diesen Vorgang. Die Revolution gebrochen? Der Voff. 8tg." wird aus Petersburg vom 15. Januar geschrieben: Die Revolution ist völlig gebrochen". fo lefen wir in ausländischen Blättern, denen die Aeußerungen der offiziösen russischen Telegr.- Ag." zugestellt werden. Hier in Rußland werden troy aller Einwirkungen der Reaktion allzu grobe unwahrheiten des offiziöfen Dementierapparates von der Preffe vielfach ignoriert. Und sie tut recht damit. Denn von einer Beruhigung des Landes ist nicht die Rede. Die Leser der„ Boff. 8tg." werden sich meiner Meldung erinnern, daß sämtliche mit der Fortschrittsbewegung sympathifierenden Beamten auf Befehl des zuständigen Ministers aus den Telegraphen- Agenturen entlassen worden sind. Diese Maßregelung Man sollte meinen, daß noch er anmutigen Eins erftredte fich natürlich auch auf die Provinz Korrespondenten. Wie Bundesratsvertreter versprach im Frühling 1903 bei der Beratung der gehen zum Herzog von Almodovar gesagt haben:" Ich danke allen früher zu Plehwes Zeiten sind auch heute wieder diese Provinz- letzten Krankenkassennovelle, in Preußen würden die Schwindelkassen mit für die Anerkennung der Rechte meines Herrn und der Integrität Korrespondenten Angestellte der Gouvernements- Kanzlei und ähn dem 1. Oktober 1903 verschwinden. Daraufhin wurden auch die zur Be- des Reiches gleich in der ersten Sizung." licher Aemter. Wenn also früher die Nachrichten über die Unruhen in feitigung der Schwindelfassen von sozialdemokratischer Seite ein- Bis jetzt herrschen also in der Konferenz holde Freude und füße Rußland übertrieben waren, so sind sie heute im entgegen- gebrachten Anträge abgelehnt. Und was wurde aus der Prophezeiung des Eintracht. gesezten Sinne unrichtig. Sie sind lediglich dar- Bundesratsvertreters Geh. Reg.- Rat Hoffmann? Die Schwindel- leitung die Einzelheiten des Uebereinkommens in wenigen Tagen auf berechnet, im Auslande den Glauben zu erweden, fassen blühten weiter, Sozialdemokraten wurden aber erledigt sein könnten. Das wird freilich nicht der Fall sein. Das als sei die russische Regierung soweit erstartt. mals verurteilt, weil sie an dem Schwindel- Diplomatenhandwerk hat gleich den Beslissenen der edlen Roßdaß sie das Heft in den Händen halte. Dadurch soll gebaren berechtigte ritit übten. Wir erinnern daran, täuscherzunft einen wahren Abscheu vor jedem geraden und ehrlichen das Vertrauen der westeuropäischen Finanzwelt daß z. B. der Redakteur des„ Hannoverschen Volkswillen" zu hoher Wege. Man wird in Algeciras jetzt erst recht versuchen, sich Geldstrafe verurteilt wurde, weil das gelahrte Landgericht in dem unter der Maske der Biedermeierei einander gründlichst über's Gerade in diesem Augenblicke scheint es mir Pflicht zu sein, Glauben an die Solidität der Schwindeltaffe Thalia", deren Ohr zu hauen. darauf hinzuweisen, daß die Regierung durchaus nicht Herr der Geschäftsgebaren kritisiert war, nicht erschüttert war. Erst der Situation ist. Selbst in Petersburg leben wir in Zuständen, unter denen die Selbsthülfe das einzig wirklich geltende Gesetz zu sein scheint. Man bedenke, daß in einem der ersten und vornehmsten Restaurants ein Beamter sieben Schüsse auf einen Studenten abfeuert, der nach seiner Meinung der Nationalhymne nicht genügend Ehrerbietung erwiesen hat. Und in einem der ersten Hotels wird der Militärbertreter einer auswärtigen Macht schwer verwundet. gewonnen werden. behördlichen Arbeit einiger Jahre bedurfte es, bis dann endlich die Leiter der„ Thalia", die selbstredend verfrachte, von der Staatsanwaltschaft und der Straffammer zu Gefängnisstrafen wegen Un treue verurteilt wurden. Wir berichteten über den fünftägigen Prozeß anfangs November vergangenen Jahres. Die englischen Wahlen. Auf der ganzen Linie fiegen die Liberalen. Alle konservativen Hochburgen fallen in die Hände der Freihändler und Sozialisten. Die größte Ueberraschung bot Manchester( Often), wo der frühere Premierminister Balfour einem unbekannten liberalen Rechtsantvalt unterlag. Die Kunde davon wurde abends um 10 Uhr in In erster Reihe Schuß gegen Schwindeltassen bietet Fleet- Street der Straße der Zeitungen bekannt und wirkte auf die freie Kritit. Diese zu schüßen ist, wie wir anführten, die die dort versammelte Menge pie ein Blitzstrahl aus heiterem Wie sieht es erst in der Provinz aus? Während über das Staatsgewalt weit entfernt. Aus ihrem Vorgehen gegen die freie Himmel. Die Nachricht klang fo unglaublich, daß des Publikum ganze Land Truppenabteilungen verstreut sind, um die wild- Kritik schöpfen die Schwindler Ermutigung zu neuen Schwindeleien. im ersten Augenblick wie betäubt war und jede Kundgebung vergaß. gewordenen Bauern zur Ruhe zu bringen, während sämtliche Ges Den Schwindellassen kann auch die Gesetzgebung zu Leibe gehen. Erst als sie sich als wahr herausgestellt hatte, brachen die Wassen in fängnisse überfüllt werden, tritt die Terroristenpartei Der Gefeßentwurf gibt keinerlei Andeutung, woran die Schwindel- einen Beifallssturm aus. In Bradford( Westen) stand Genosse Jowett einem tonfers wieder in Tätigkeit. Das neue Jahr wurde eingeläutet tassen zu erkennen sind. Er hütet sich überhaupt, Material aus vativen und liberalen Kandidaten gegenüber und siegte über beide; durch den Anschlag auf den wenig beliebten Gouverneur Chwostow den tatsächlichen Verhältnissen heraus zu geben, weil dasselbe dem der Wahlkreis war fonservativ. In Manchester( Nordosten) stand in Tschernigow. Gesetzentwurf den Garaus machen müßte. Auch auf dem Kongreß Genosse Clynes dem tonservativen Sir James Ferguson gegenüber Das sind so die ersten Anzeichen des herauf der Hülfstassen wurde betont, daß es einige objektive Merkmale für und siegte mit 5386 Stimmen gegen 2954; der Wahlkreis war ziehenden Gewitters! Gewiß wird die Regierung imstande Schwindellassen gibt. Ungeheuer hohe Verwaltungskosten, Fragebogen tonservativ. In Manchester( Südwesten) stand der Kandidat der fein, größere Boltsaufstände zu unterdrücken(?). aber Meuchelmorden, bei der Aufnahme mit Forschungen nach früheren Krankheiten, An- Arbeiterpartei Kelly dem fonservativen Galloway gegenüber; der mit denen die russische Gesellschaft aller Schichten sehr wohl zu arbeiten beraumung von Generalversammlungen zu Zeiten, an denen die Mit- Arbeiterkandidat siegte über Galloway, der im letzten Parlament weiß, kann sie heute weniger vorbeugen, als zu Blehwes Zeiten. Die Be- glieder nicht teil nehmen können, fast unbeschränkte Macht eines wo- den Wahlkreis vertrat und bei Beratung der Gewerkschaftsvorlage eifrig gegen die Arbeiter anftrat. Unterlegen ist Mitchell, der hauptung, die russische Revolution sei gebrochen, ist unhaltbar! Sie steht für möglich auf Lebenszeit gewählten Vorstandes und dergleichen find Arbeiterlandidat in Darlington; an ihn verliert indes die Partei furze Zeit still, um Atem zu holen für neue Taten. Was Kriterien für das Bestehen einer Schwindelfasse. Wenn der Gefeßentwurf nichts, da er liberal ist. gegenwärtig geschieht, sind Vorpostengefechte vor der Schlacht. Man auf diesen Gebieten, die der Regierung doch bekannt sein müßten, glaube nicht, die Ströme Blutes, die in Petersburg, Warschau, Forderungen gebracht, so hätte man an die Absicht der Regierung, gegen Moskau und an hundert anderen Drten geflossen find, hätten die Schwindelfaffen einzuschreiten, vielleicht glauben können. Schon das revolutionären Streise entmutigt. Im Gegenteil! Gerade durch bestehende Gesetz gibt ja hinreichende Handhaben, Schwindelfassen in die furchtbaren Mezeleien haben sich Kreise, die früher den der Geburt zu erstiden. Auf Hamburg wurde im Kongreß hinMord verdammten, an Menschenblut gewöhnt. Bürger, gewiesen, wo es der Behörde gelungen ist, Schwindeltassen nicht denen allmählich das Bewußtsein gekommen ist, daß ein großer auffommen zu lassen. Teil der zwischen der Regierung und dem Volt geschlagenen Schlachten von einer reaktionären Clique herausgefordert oder, wie die Judenmezzeleien von Anfang November, organisiert waren, scheuen sich heute nicht, auszusprechen, daß der politische Mord an einem Vertreter der Reaktion notwendig sei, um die Gesamtheit des Bolles vor einem neuen Unglück zu bewahren. Das ist die Frucht der Lügensaat, die die Machthaber gesät haben! Politische Ueberficht. Berlin, den 17. Januar. Leider sind auch einige Kandidaten der Sozialdemokratischen Föde ration unterlegen. Das Wahlresultat in Burnley, dem man in London mit Spannung entgegenfah, ist folgendes: Genosse Hynd man 4932 Stimmen; Arbuthnot( fonfervativ) 4964; Maddison ( liberaler Arbeiterkandidat) 5288; letzterer wurde somit gewählt. In Bradford erhielt Genosse Hartley 3100 Stimmen, gegen 4277 konservative und 6100 liberale. In Rochdale, der Pionierstadt des Genossenschaftswesens, fandidierte Genosse Hobson, der auch der Fabian Die eigentlichen Mängel der Schwindelfassen liegen aber in Society angehört und von den Sozialisten der verschiedenen Richtungen den Mängeln unserer Krantentassengesezgebung. geachtet wird. Aber die Rochdaler Pioniere zogen einen Liberalen Der Mangel einer Einheitlichkeit in der Organisation der Kassen, die dem Sozialisten vor! Indeffen wird allgemein zugegeben, daß die Begünstigung von Zwergkassen in der Form der Junungs- und Be Bahl der auf die Sozialdemokraten entfallenen Stimmen über riebskrankenkassen, die Beibehaltung der absolut unzulänglichen raschend hoch ist. Das Wahlmanifest Hyndmans war durch und Gemeinde Krankenversicherung, insbesondere in Bayern, durch revolutionär. In Deptford( London) kandidiert Bowerman, der Sekretär der der Mangel der Ausdehnung des Kreises der Versicherten begünstigen Londoner Buchdrucker, gegen einen Liberalen und einen Konfer wesentlich das Emporblühen von Schwindellassen. Wäre die sozial- vativen. Er hat jedes Kompromiß mit den bürgerlichen Parteien demokratische Forderung, einer einheitlichen, alle Eriverbs- abgelehnt. Ju Südwest- Ham( London) kandidiert Genosse William tätigen bis 3000 Mark Jahreseinkommen umfassenden Krankenkassen- Thorne, der Sekretär der Gasarbeiter, gegen einen konservativen In Southampton kandidiert Genosse Quelch, gefeßgebung mit vollem Selbstverwaltungsrecht der Versicherten er- Sanßzölner. füllt, Tausende und Abertausende Arbeiter, Hand- Redakteur der" Justice" und Vorsitzender des Londoner Gewerk ,, Den Kerls auch noch Diäten?" er hat einen liberalen und einen konser werker und kleine Gewerbetreibende wären nicht in schaftskartells; In Aberdeen fandidiert Genosse Der erste Schwerinstag dieser Session war der Diäten- die Rege von Schwindellassen geraten. Der Boden zum Gedeihen vativen Gegenkandidaten. Neze Kennedy gegen einen Liberalen und einen Konservativen; der frage gewidmet. Aber dieser Priorität entsprach nicht die Be- schwindelhafter Krankenkassen wäre nicht mehr vorhanden. tonservative Kandidat ist der Staatssozialist und Schriftsteller handlung der Frage, die von den bürgerlichen Parteien zum Warum beschreitet die Regierung diesen Weg nicht? Weil sie Maltman Barry, dessen sich Karl Mary zu bedienen pflegte, un Teil mit Geflenn über die Nichtbeachtung der bezüglichen das Versprechen des Reichskanzlers erfüllen will, das diefer dem seine Ansichten in der englischen Presse zu verbreiten. Barry ist Reichstagsbeschlüsse seitens des Bundesrats, zum Teil mit Herrenhaus bei Gelegenheit der Beratung der Berggesegnovelle gab. fehr stolz auf seine Bekanntschaft, aber er ist auch bescheiden genug Galgenhumor über die eigene Ohnmacht behandelt wurde. Das Versprechen ging, wenn man es aus seiner Einkleidung heraus zuzugeben, daß er nichts weiter als ein Wertzeng war. Bur Vor einiger Zeit Der Zentrumsredner Abg. Kirsch vertrat den Antrag seiner hebt, dahin: die Kassen der Verwaltung der Arbeiter zu entwinden. Charakteristik Barrys folgende Geschichte: Fraktion fraft und saftlos, ja er bot schier dem Reichs- Die letzterschienene Statistik über die Krankenversicherung be- traf unser Londoner Korrespondent ihn in einer Versammlung kanzler in findlichem Spiel Verzeihung für seine Duell- trifft das Jahr 1903. Danach waren durchschnittlich insgesamt und fragte ihn über Marg aus, worauf Barry erwiderte:„ Es gibt erklärung an, wenn er den Diätenbeschluß akzeptiere! Darob 10 224 297 Mitglieder auf Grund des Krankenversicherungsgesetzes drei Personen, die ich hasse: den Juden, den Deutschen und den von anderen Rednern ironisiert, deutelte er zwar an seinen jährlich versichert. Von diesen entfielen auf dem§ 75 des Kranten- Atheisten. Marg war alles drei, aber als ich vor ihm stand, vergaß ich alle meine Vorurteile. Ju meiner Eigenschaft als Staatssozialist Aeußerungen herum, aber das änderte nichts an seiner unzu- versicherungsgesetzes entsprechende eingeschriebene Hülfskassen: und fonservativer Politiker bin ich mit den meisten englischen reichenden Vertretung des Antrages. Für den national- 887 130, auf landesrechtliche Hülfskaffen: 41 597 Mitglieder. Jus- Politikern zusammengetroffen, ich habe mich indessen vor feinem liberalen Diätenantrag trat Bassermann in die gefamt gab es 22 842 Kassen, darunter 1620 ülfstaffen, gebeugt. Vor Mary aber empfand ich, wie unbedeutend ich bin." Schranken. Charakteristisch ist, daß Bassermann von der Zah- nämlich 1421 eingefchriebene und 199 landesrechtliche. Die Hülfslung von Diäten eine Einschränkung der Beratung sozial- tassen hatten 16 613 928 M. für Arzt, Arznei, Krankengelder, Wöchne- Nach den zuletzt vorliegenden Ergebnissen sind bis jetzt gewählt: politischer Fragen und Geseze erhofft. Genosse rinnen, Sterbegelder, Krantenanstalten und Refonvaleszenten aus- 168 Liberale, 52 Unionisten, 40 Nationalisten, 30 Arbeitervertreter Ginger bedeutete ihm, daß wenn man solche Absichten gegeben. Auf ein Mitglied tam im Durchschnitt des Jahres 18,32 der verschiedenen Richtungen. Die genaue Gruppierung wird sich erst ein paar Tage nach hege die sozialdemokratische Fraktion sich veranlaßt fühlen bei den eingefchriebenen, 15,18 M. bei den landesrechtlichen Hülfskönnte, gegen die Diätenanträge zu stimmen; denn die Sozial- lassen. Die Verwaltungskosten betrugen auf den Kopf des Mitgliedes Erledigung sämtlicher Wahlen feststellen lassen. politik betreffe das Wohl und Wehe von Millionen Arbeitern. berechnet 2,14 bis 1,39 M. Singer geißelte auch verdientermaßen die Heulmeierei über die schlechte Behandlung des Reichstags durch die Regierung, weil es ja in der Hand des Reichstags selbst liege, sich Respekt zu verschaffen. Der Konservative v. Staudy will für die Diätengewährung die Stompensation einer Aenderung der Geschäftsordnung des Reichstags; er unterließ es aber, den geheimen reaktionären Wünschen bestimmten Ausdruck zu geben. Liebermann v. Sonnenberg, Antisemit, erklärte zwar, feine Stompensationen für Diäten zu fordern, aber er empfahl nichtsdestoweniger eine Aenderung des Wahlgesetzes, wonach nur derjenige wahlberechtigt sein soll, der einen dreimonatlichen Wohnsitz an dem Wahlorte nachweisen kann. Der reaktionäre Antisemit hält das für keine Verschlechterung des Wahlrechts! Die freisinnigen Redner fanden ebenfalls feinen rechten rhetorischen Aufschwung für die von der Regierung so wegwerfend behandelte Forderung, und so verlief denn die Beratung ziemlich interesselos. An die erste Lesung wurde sofort die zweite geknüpft und erledigt. Zwei an den Bundesratstisch verschlagene Geheimräte aus dem Ressort des Inneren gaben durch ihre tatenlose Anwesenheit dem Spott über die Rücksichtslosigkeit der Regierung gegenüber dem Reichstage neue Nahrung. " " # Deutfches Reich. Erbofte Scharfmacher. 9,1 Proz. aller dem Krankenversicherungsgesetz unterstehenden Kaffenmitglieder befanden sich also in den freien Hülfsfassen. Diese haben, wie amtlich anerkannt wird, ihre Verpflichtungen über das Gesetz hinaus erfüllt. Weshalb will man sie jetzt dem Privat- Die Deutsche Tageszeitung" ärgert sich grün versicherungsgesetz unterstellen? Die Hamburger Nachrichten" und blau über die Erklärung des Parteivorstandes, daß man nicht gar nicht daran gedacht habe, schrieben unter dem 3. Januar:" Das neue Gesetz ist für die Hilfs- überhaupt Straßen faffen von der einschneidendsten Bedeutung; fie müssen mit allen demonstrationen am 21. Januar zu veranstalten. Das Blatt gefeßlichen Mitteln dahin streben, daß auch ihre Kon- für Brotwucher und Landarbeiterknebelung schilt auf die furrenten( die Drts- und Betriebskassen) nach denselben erbärmliche Feigheit der Sozialdemokratie, die im Ernste nicht Grundsäßen beaufsichtigt werden. Will die Regierung wage, ihre blutrünstigen Drohungen" wahr zu machen. dieses Sugeständnis den freien Hilfskaffen nicht machen, dann sollte Denn es scheint wirklich so, als sei es der Partei oder den sie aber die bisherigen Bestimmungen, nach denen die Beitrags- Parteiführern mit ihrer Jahrmarktsreklame" der Massenberechnung reguliert wird, auch für die Hülfskaffen bestehen lassen. fundgebungen nicht Ernst gewesen. Solche Dinge bereite man, Die sämtlichen gut fundierten, eingeschriebenen Hülfstassen wenn man sie wirklich auszuführen beabsichtige, in der Stille müßten sich verbinden, um gemeinsame Schritte bei der Regierung vor und pofaune sie nicht in alle Welt hinaus. Trete man sic und den Reichstagsabgeordneten zu unternehmen, die darauf hin- mit dem größten Trampelgeräusch" breit, so betreibe man nur zielen, daß in erster Linie auch die übrigen Kranten eine Theatermache". Die Großherren der Sozialdemokratie" fassen unter das Gefet gestellt werden und daß hätten offenbar nur so großen Lärm vorher geschlagen, um das Gesetz ausdrücklich das System der Beitragsberechnung für alle durch die Maßnahmen der Behörden an der Veranstaltung Kassen gleichmäßig vorschreibt. Gelingt das nicht, dann ist das von Straßendemonstrationen verhindert zu werden. handelt sich also nur um„ Kindereien und dumme JungenSchicksal der freien Hülfstassen besiegelt." streiche". Das Scharfmacherblatt deutet mit diesem liebenswürdigen Appell an die Kurzsichtigkeit von Arbeitervertretern an, wohin die Reise gehen soll. Es ist das vorgelegte Gesetz der erste Schritt Gesetzentwurf zur Erdroffelung der freien Hülfskaffen. aur völligen Bernichtung der Selbstverwaltung Die Tagung des Hülfskaffen Der Hülfsfranfenfaffenfongreß hat nach ernster, fachlicher der staisen überhaupt. imposanter Diskussion sich mit Einhelligkeit gegen den Gefeßentwurf fongreffes möge dazu beitragen, diese die Gesundheit der Arbeiter über die Hülfskassen ausgesprochen. schwer gefährdende Minirarbeit zu zerstören. Ueber die gemeingefährlichen Bestrebungen der Scharfmacher und ihrer Handlanger in Regierungstreifen hat er hoffentlich weite Kreise aufgeflärt. Der würde. und Die Marokkokonferenz. " Es Dieser Wuterguß wird von der Arbeiterklasse mit der gebührenden Heiterkeit aufgenommen werden. Da man nun allgemach einzusehen beginnt, daß man sich mit der Hoffnung auf Proletarierschlächtereien am 21. Januar gründlich verspekuliert hat, hat ein Pfiffitus ein neues Plänchen ausgeheckt, wie man trotz alledem die Arbeiterschaft provozieren und möglichst in die Bajonette treiben könne. Die Antifozialdemokratische Korrespondenz" macht nämlich den Vorschlag, daß man am 21. Januar auch die Versammlungen verbieten solle. Das preußische Verfamnilungsrecht biete ja leider keine Handhabe, die Versamm" Der Gesetzentwurf ist ein tolles Machwerk. Er behauptet die Schwindelkassen totschlagen zu wollen und schlägt ein Mittel vor, das die Schwindellassen ruhig bestehen lassen, aber den foliden Hülfstassen, insbesondere den Berufskassen, deren Nüglichkeit den Gefeßentwurf selbst anerkennt, Garaus machen Die Maroffofonferenz hielt am Dienstag ihre erste Sigung ab. und den ersten Schritt zur vollständigen Vernichtung der Der zum Präsidenten gewählte spanische Delegierte, Herzog lungen aus politischen Gründen zu verhindern, doch sei Selbstverwaltung aller Krankenkassen zur Vernichtung von Almodovar, proklamierte in seiner Begrüßungsansprache zu erwägen, ob man nicht ein Verbot aus verkehrsSolche ver einer segensreichen Wirkung aller Krantentassen bedeuten folgende drei Punkte: 1. Souveränität des Sultans, polizeilichen Gründen verhängen könne. 2. Unabhängigkeit des Kaiserreiches Marotto, fehrspolizeilichen Gründe fönnten leicht geltend gemacht werden, Gegen Schwindeltassen ist vornehmlich die Arbeiterpresse 3. offene Tür für den Handelsverkehr aller da ja die Versammlungslofale bei weitem nicht ausreichend und sind die Arbeitervertreter stets eingetreten. Bei der Beratung der Nationen." Sobald er geendet, erhob sich der französische feien, um die Zahl der Versammlungsbesucher zu fassen. Krankenkaffegesegnovelle wurden dem Regierungsvertreter von sozial- Vertreter Stéboil und ersuchte die Konferenz im Namen Frant- Voraussichtlich würden also viele Tausende feinen Einlaß finden, demokratischer Seite einige Dugend Schwindellaffen genannt, reichs um Zustimmung zu den vom Vorsitzenden im Namen die sich dann vor dem Lokal anstauen und Verkehrsstörungen Man möge deshalb wenigstens für vor denen die Arbeiterpresse gewarnt hatte. Durch diese Kaffen Spaniens aufgestellten Prinzipien. Alsdann nahm Herr v. Rado- hervorrufen würden. waren Tausende um ihr Geld geprellt. ihr Geld geprellt. Die Kassen felbst witz im Namen Deutschlands das Wort und stellte die Berlin die Versammlungen verbieten. Die Sozialdemokratie waren später taput gegangen. Selten erhob sich die Staats- deutsche Anerkennung jener drei fundamentalen Grundsäge offiziell möge über das Polizeiverbot dann schimpfen", so viel fie wolle. Dränge sie dann die Arbeiter auf die Straße, so sei gewalt gegen diese Betrüger. Wohl aber wurden fozial- fest. Hiermit war das Pensum des ersten Tages erledigt. demokratische Redakteure wegen der lebhaften Diefer Verlauf der ersten Sizung soll bei allen Vertretern damit der sozialdemokratischen Bartei Wille aller Welt kundForm, in der sie vor den Betrügern gewarnt der Mächte einen angenehmen Eindruck" hervorgerufen haben. getan, daß Arbeiterblut fließen solle". Auch wenn man nicht wüßte, daß kein anderer als der hatten, durch die Staatsgewalt bestraft! Der Speziell der marokkanische Vertreter soll beim Auseinander berühmte Max Lorenz diesen provokatorischen Vorschlag macht, würde man die Absicht dieser Scharfmacherei zu deut- lich merken, um darüber verstimmt zu sein!— Ein Köder für daS Zentrum. Ein Nachtrag zu der amtlichen Denkschrift über die deutschen Seeinteresien ist soeben dem Reichslage zugegangen. Er enthält statistische Aufslellungen über die Beieiligung der evangelischen Kirchen sowie der katholischen Ordens- und Misfioitsgesellschaften an der Mission in den deutschen Kolonialbetrieben. Offenbar glaubt man dadurch namentlich bei dem Zentrum eine grössere Begeisterung für den Marinismus und die Weltpolitik entfachen zu können. Diese Spekulation wird sa auch keine verfehlte sein, wie schon ein Leit- artikel in der heutigen Abendinunmer der„Germania" beiveist, der sich„Katholische Seeinteresien" betitelt. Trotz der entsetzlichen Kolonialbestialitäten, die im Laufe der Zeit, und gerade auch der letzten Zeit, enthüllt worden sind, trotz der Klage einzelner Zentrums- abgeordneter über die furchtbare Ausbentungswirtichaft in unsere» Kolonien wird das Zentrum auch künftig im angeblichen Interesse der„Heidenmission" für die deutsche Weltpolitik zu haben sein, ob- wohl doch erst die D u e l l d e b a t t e wieder so drastisch bewiesen hat, daß die Verbreitung wahrhaft christlicher Grundsätze im eigenen Lande viel näher lägel— Elende Heuchelei. Die Presse unseres offiziellen Christentums ist begreiflicherweise höchlichst entrüstet über die blamablen Erklärungen, die von den Negieruugsvertrelern über die D u e l l s r a g e abgegeben worden sind. Das„Reich" wehklagt, der Kriegsminister habe eine „doppelte Sittlichkeit" forniuliert.„Grundsätze für die Masse und Grundsätze für die Herrschenden, die Satisfaktionsfähigen". Wer aber die„Autorität" vertrete, müsse vor allem die Gesetze beachten. Namentlich aber dürfe, wer christlicher Sittlichkeit Raum schaffen wolle, nicht die Einrichtung des privilegierten Mordes vertreten. Herr v. Einem dagegen fasse das Duell als „Verstoß gegen Gottes Gesetz" auf und verlange dennoch von den Offizieren, daß sie diesen Verstoß, den furchtbarsten Frevel, den es gäbe, begingen. Wenn diese Auffassung die einzig zulässige und maßgebende werde, so dürfe in der Tat„kein Christ mehr Offizier und kein Offizier mehr Christ werden". Mit solchen Litaneien richtet man gegen das Duell natürlich nicht das geringste aus. Wenn die Stöcker und Konsorten es mit Gottes Geboten wirklich ernst meinten, so müßten sie einfach dem Militarismus solange alle Mittel verweigern, bis auf das Duell die«träfe der Ausstoßung aus dem Heere gesetzt wäre! Außerdem sollten die Herren doch einmal die Frage untersuchen, ob denn auch nicht der Krieg, dieser privilegierte Massenmord„wider Gottes Gebote" verstößt. In ähnlicher Weise wettert auch die ultramontane„Germania" über die Reichstagsdebatte. Es sei„Umsturz von oben", ivenn der- gestalt eine Verletzung der göttlichen Gebote und eine Verletzung der staatlichen Gesetze für das Offizierkorps durch den militärischen Zwang einer Entlasiung gefordert werde. Daun schwingt sich das Blatt sogar zu einer Drohung auf. Vielleicht, schreibt es, bietet sich schon bei den M i l i t ä r p e n s i o n S g e s e tz e n Gelegenheit, der Frage näher zu treten, eventuell ließe sich hier ein Du eil- Paragraph anbringen oder auch eine Klausel dahin, daß die neuen Militärpensionsgesetze gleichzeitig mit einem einzubringenden Gesetze über das Verbot des D u c l I e s im Heere in Kraft treten sollten. Daß diese Drohungen ebensowenig ernst gemeint sind, wie die Heulmeierei des„Reich" wird ja die Zukunft lehren.— Staatsanwaltliche Ordnungsrettung. Wir lesen in unserem Leipziger Bruderorgan: Nicht fünfzehn, sondern fünfundzwanzig Artikel der „Leipziger Volkszeitung" aus den letzten fünf Wochen sind unter Anklage gestellt worden; zu diesen„Artikeln" gehört u. a. eine Notiz im Tageskalender und eine Buchhandlungs- a n n o n c e. Bildet man sich wirklich ein, durch einen Platzregen von Anklagen die Flammen der Empörung ersticken zu können, die die Gemüter der schamlos entrechteten und von den Scharf- machern obendrein frech verhöhnten Arbeiterklasse durch lodern? Wie schlecht muß es doch nach der Ansicht der Ordnungs- retter selbst um das Klassenregiment bestellt sein, daß es nicht einmal eine freie Kritik verträgt.— Sächsisch! Dresden, 16. Januar.(Eig. Ber.) Die sächsische Regierung kneift vor dem Forum der Oeffentlich- Kit! Der leitende Minister von Metzsch hat nicht die Courage, die kürzlich beliebte Vernichtung des Verfanimlungsrechts in Sachsen offen zu vertreten.— Mitte voriger Woche wollte der hiesige Lib er a le Verein, der aus früheren Nationalsozialen besteht, und von dem Privatgelehrten Dr. von Mangold, bekannt durch seine wissenschaftlichen Untersuchungen über Wohnungswesen, geleitet wird, in Dresden eine Wahlrechtsve rsammlnng abhalten, die von der Polizeidirektion Dresden verboten wurde. Daraufhin brachten die drei freisinnigen Abgeordneten in der Zweiten Kammer des Landtages folgende Interpellation ein: Nach übereinstimmenden Berichten in der Tagespreffe hat die königliche Polizeidirektion die vom Liberalen Verein in Dresden und' Ilmgegend für Mittwoch, den 16. Januar, angemeldete öffent» liche Verlammlung verboten. Die lliiterzeichueten erblicken in diesem Verbote eine Polizei- licher Willkür entsprungene Maßregel, die geeignet ist, das Vereins- und Versammlungsrecht'für die Staatsbürger illusorisch zu machen. Wir richten an die königliche Staatsregierimg die Anfrage. welche Maßnahmen sie anzuordnen gedenkt, um solche polizeiliche willkürliche Verbote in Zukunft unmöglich zu machen. Diese Interpellation stand auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer. Wie die Regierung diese Anfrage beantworten würde, war für jeden in sächsischer Politik einigermaßen Erfahrenen ohne weiteres klar. Es kam anders. Herr von Metzsch lehnte im Namen der Regierung die Beantwortung überhaupt ab. weil— die Frist zur Einlegung der Be- schwerde gegen das Verbot noch nicht abgelaufen sei. Das ist in der jetzigen Situation ein außerordentlich auffälliges und außergewöhnliches, aber sehr begreifliches Verfahren. ES unterliegt keinem Zweifel, daß die Antwort der Regierung das Verbot nach jeder Richtung hin gedeckt hätte, wie ja bereits das Dreinhauen der Gendarmen auf ftiedliche Demonstranlen die ganze Billigung der Regierung gefunden hat. Die Sache liegt io: Der Minister will warten, ob Beschwerde eingereicht wird. was. wie wir wisien, inzwischen geschehen ist. Ehe eine solche Beschwerde bis eventuell an die letzte Instanz zur Ent- schcidiing gebracht ist. vergehen nach der herrichenden Praxis Monate. So lange schweigt sich also der Minister der„Volks- Vertretung" gegenüber aus! Wird aber keine Beschwerde erhoben. dann erklärt natürlich die Regierung, keine Veranlassung zum Ein- greisen zu haben, weil der vom Verbot Betroffene sich des ihm zu- stehenden Rechts begeben hat. Also ist daS Bersaniilllungsrecht zurzeit vogclfrci in Sachsen! Unterdessen geht der Landtag auf zwei Jahre auseinander. Die Zweite Kammer lehnte gegen nur nenn Stimmen eine Besprechung der Interpellation auch ohne die RegierungS- antwort ab! Die Mehrzahl der Nationalliberalen ist also auch dafür zu haben gewesen. Höchstens fünf von ihnen kömien initer den neun sein. t Und das nennt sich„liberales Bllrgerttim" I Das sucht dein sächsischen Volke Kampf gegen die Konservativen vorzuspiegeln. Eine so unsagbar traurige und erbärmliche Rolle hat noch niemals eine politische Partei gespielt. Der Wahlrechtskampf in Sachsen zeigt die eine reaktionäre Masse in Reinkultur. Warnung oder Provokation? Man schreibt uns: In Hannover wird es am Sonntag fürchterlich werden I So raunen sich die Philister der Leinestadt gegenseitig zu. Warum— wissen sie selbst nicht, denn noch weiß niemand, was die Sozialdemolratie am Sonntag beginnen wird. — Trotzdem sind bereits im Laufe der vorigen Woche sämtliche Schutz mannssäbel geschliffen worden, und jetzt sollen die Schutzleute noch Revolver erhalten! Man spricht in den Blättern schon vom„Roten Sonntag in Hannoverl" Statt von einer Demo» st ratio» gegen das Dreiklassenwahl- unrecht redet man absichtlich von einer„Jahresfeier des blutigen Sonntags in Petersburg". Und dem folgen die wehleidigsten Warnungen vor Stratzeukundgebungen. Mitgefangen — mitgehangen, heiße es bei solchen Anlässen! Diese Warnungen werden noch mit besonderem Hinweis auf die Krawalle beim Straßen- bahnarbeiterstreik sensationell zugestutzt und offenbaren nur die niedrigste Heuchelei der bürgerlichen Presse. Gerade die Straßen- bahnirawalle im Jahre 1960 hatten ihre Ursache in der ungeschickten Draufgängerei der Polizei, die allabendlich unter Aufgebot der ge- samten Schutzmannschaft und Hinzuziehung auswärtiger Gendarmen zu wahren Straßcnschlachtcn führte. Einmütig stand damals die Presse— mit Ausnahme der agrarischen— auf dem Standpunkt allerfchärfster Verurteilung des polizeilichen Verhaltens. Und heute! Durch alle Zeilen klingt das Lob für die Polizei hervor, daß sie„jede Störung der öffentlichen Ordnung so wirksam unterdrücken" will! Die Polizei kann jedoch eine Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung durch aktives Eingreisen in Hannover gar nicht unterdrücken. Sie kann sie aber provozieren. Zur Genüge bewies das die min- bestens überflüsi'i'ge jahrelang geübte Straßenabsperrung in der Silvesternacht. Zu Tausenden zogen nur deshalb die Leute vor den abgesperrten Platz an der Bahnhofstraße. Die Polizei hatte über- menschlich zu tun mit Verhaftungen und mit dem Säbel! Im letzten Jahre war nun zum ersten Male weder abgesperrt noch waren Haufen von Schutzleuten auf den Beinen. Jetzt soll noch das Militär mobil gemacht werden, um sofort mit eingreifen zu können. Auch in Hannover werden trotz alledem natürlich die Scharsmacher nicht auf ihre Rechnung kommen!— Weitere Mobilmachungen! Ein bürgerliches Blatt in Stettin berichtet: „Bevorstehende Wahlrechtsdemonstrationen? Behufs Ver- m e i d u n g von Ausschreitungen am'21. Januar hat die gesamte Stettiner Garnison Befehl zur Alarm- bereitschast an diesem Tage erhalten. Die Truppen erhalten keinerlei Urlaub und dürfen die Kasernen ohne Erlaubnis nicht verlassen." Es liegt also in der Tat ein Mobilmachungsbefehl für das ganze Reich vor! Die Scharfmacher geben sich den An- schein, als beweise die Regierung durch dies lächerliche Truppen- aufgebot ihre unerschütterliche Macht gegen den„inneren Feind". Ganz das Gegenteil ist der Fall. Mit Recht weist ein bürgerliches Blatt daraufhin, daß sich die deutsche Regierung durch solche Maßnahmen nur dem Ausland gegenüber bloß- stelle und eine Furcht vor dem eigenen Volke offenbare, die ihr Ansehen wahrhaftig nicht zu erhöhen vermöge!— Aus dem bayerischen Landtag. München, den 17. Januar. lEig. Ber.) Einen unerhörten Fall von Soldatenschinderei unter den erschwerendsten Umständen brachte am Mittwoch bei der Spezialberatung der Abgeordnete Dr. Heim beim Kapitel des Militär- und Medizinalwesens zur Sprache. Der Soldat Feuer der vierten Kompagnie des 19. Infanterie- regiments in Erlangen hatte am 6. März eine Felddienstübung mit- gemacht, wobei sich die Mannschaften ins Gras legen mußten. Er sei sehr erhitzt gewesen und habe gleich beim Aufstehen Schmerzen auf der Brust und Atmuugsbeschwerden verspürt. Als er sich beim Oberarzt krank meldete, habe dieser erklärt, es fehle ihm nichts. Bei wiederholten Meldungen nach vier Tagen habe ihn dieser Arzt einen frechen Kerl genannt, der sich vom Dienst drücken wolle und eingesperrt gehöre. Auch der Oberstabsarzt habe ihn bei der Unter- suchung beschimpft und erklärt, daß er ihm nichts glauben wolle. Er sei auch sonst schikaniert worden und habe auf Besch! des Feldwebels zwei Eimer voll Wasser über sechs Treppen hinauf tragen müssen, und dann habe er auf Befehl des Oberarztes noch einmal die Treppe hiiiauflauseii müssen, was er aber nur mit großer Mühe habe tun kömien, wobei der?lrzt gesagt habe, er übertreibe nur. Endlich am fünften Tage hätten die Aerzte. entdeckt, daß er doch krank sei. Der Mann, Feuer, wurde dann im Lazarett an der linken Brustseite operiert, am 1. Juli entlassen und liege seitdem im Hause seiner Mutter lungenleidend hoffnungslos danieder. Ties- Angaben habe der Soldat auf seinem Sterbebette nach Empfang der Sterbe- sakramente zu Protokoll gegeben. Jetzt sei er bereits begraben. Es habe sich um eine Lungenentzündung mit bereits vorgesckirittcner Rippenfellentzündung gehandelt, die die Aerzte seinerzeit nicht ent- deckt haben. Dr. Heim meinte, es handele sich da um eine geradezu infernalische Roheit. Kriegsminister v. Horn erbat sich das Material über den Fall, und er versprach, er werde den Fall natürlich sofort untersuchen lassen. In der gleichen Sitzung besprach unser Genosse Adolf Müller die allgemeinen Sanitätsverhältnisse in der bayerischen Armee und wies an der Hand des amtlichen Sanitätsberichtes nach, daß Bayern relativ einen wesentlich höheren Krankenstand habe, wie die preußischen Truppenteile. Auch die Zahl der Todesfälle und der Selbstmorde sei höher. Er besprach dabei auch das Gebiet der Geschlechtskrankheiten. Die Militärsanitätsverwaltung solle sich zur Aufgabe stellen, den Geschlechtskrankheiten durch Belehrung der Mannschaften und auch der Offiziere entgegenzuwirken und dafür zu sorgen, daß die Zote mehr als bisher aus der Armee verschwindet und der Soldat im allgemeinen belehrt werde, der Frau eine größere Achtung entgegenzubringen, auch wenn sie nicht zu denen gehört, die die vorgeschriebene Kaution stellen können.� Der Chef der Sanitäts- Verwaltung, Generalstabsarzt Dr. v. Pestelmeher, entgegnete auf diese Mahnung der Aufklärung, über die Gefahr des außerehelichen geschlechtlichen Verkehrs sei eine gewisse Grenze gezogen durch den „sittlichen Standpunkt". Es ist dies eine Antwort, die bei allen, die mit den Verhältnissci! unserer Armee einigermaßen vertraut sind, nur eine ungemeine Heiterkeit erwecken kann. � HuelamL Ungarn. Bvlksbrtriig. Die vereinigte Opposition Ungarns arguineniiert stets, daß das allgemeine Wahlrecht derzeit nicht eingeitthrl werden kann, weil das Volt noch immer nicht die geiiügende Reife besitze, um die wirk- liche Tragweite dieses Gesetzes gebührend würdigen zu können und weil durch die Einführung das„intelligente Element"— welches bekann-lich in großer Minorität ist— unbedingt benachteiligt würde. Sehen wir uns einmal die jüngsten Begebenheiten an, die aus- schließlich durch das so gefährdete„intelligente" Element herbei- geführt wurden: Dieses Element hat die Eidesleistung fast sämt- licher neuernaniiten Obergeipane vereitelt und hat nach Kräften dazu beigetragen, daß einige derselben tätlich insultiert wurden. Dem Devrecziiier Odergespan wurden ja sogar bei seinem Einzüge die Juwelen ent— fremdet. Jetzt entlarvte unser Bruderorgan„Nspszava" auch daß Ge- heimnis der in Wien mit dem gemeinsamen Kriegsminister Pitreich stattgefundenen Besprechung des Grafen Julius Aiidrasstj. Diese Nachricht— welche wir bereits registriert haben— hat die Koalitionsfllhrer, hauptsächlich aber den Grafen Andrassy, fast außer Rand und Band gebracht,� da von dieser Wiener Reise doch nur wenige wußten und wissen sollten. Sowohl Andrassy als auch die Koalitionspresse haben die Abrüstuiigsnachricht einfach dementiert, da eine solche Konferenz gar nicht stattgefunden habet! Zum Glück hat ein bürgerliches Organ, welches in sehr naher Beziehung zur Regierung steht, sogar das Ergebnis veröffentlicht, welches jene Kon- fercnz hatte. Die Bediiigimgen sollen sogar vom Ministerpräsidenten bereits dem Könige uuierbreitet sein: 1. Die Koalition übernimmt die Regierung. 2. Bezüglich der militärischen Fragen stellt sie sich auf den Standpunkt des Nemierausichusies; die magyarische K o m- m a n d o s p r a ch e wünscht sie nicht, resp. anerkennt sie als ein koiistitutioiielles Majestätörecht, das nur dann geändert werden kann, falls der König und das Parlament dies vereint wollen. Z. Vordem Jahre 1917 wünscht die Koalition das selbständige Zollgebiet nicht. Die seitens der Re- gierung Fejörvarys geschlosfenen Handelsverträge erkennt sie am 4. Die Revision des parlamentarischen Hausordnungsgesetzes führt sie durch. 5. Sie votiert die Steuer und Rekruten; ebenso stimmt sie für die militärischen Mehrausgaben von 400 Millionen Kronen und für die Erhöhung des Rekruten- k o n t i n g e ii t s! 6. Sämtliche Anordnungen der Regierung Fejörvarys werden gutgeheißen. G DieS wären die wichtigsten Punkte, welche eine Koalitious- abriistung ermöglichen würden. Auf Grund dieser Proposition wird der König nunmehr Fejörväry damit betrauen, mit der Koalition offiziell zu verhandeln. Bereits werden Gegenbedingungen zitiert, die der König der Koalition als FriedenSbasis zu unterbreiten gedenkt. In diesen Be- diiigungen a.ber ist nirgends vom allgemeinen Wahlrecht die Rede! Und einen solchen Frieden nennt die KoalitionSbande dann:'„ehrlich", ihr Vorgehen„patriotisch und volksfreundlich", Ivo doch gerade das Gegenteil festzustellen ist.— Frankreich. Versailles, Mittwoch, 17. Januar. Ffalliöres ist zum Präsidenten der Republik gewählt mit 449 Stimmen gegen 371 Stimmen, die auf Doumcr fielen. Das Wahlmanifest der französischen Sozialiste». Paris, 14. Dezember. sEig. Ber.)_ DaS Nationalkomitee der sozialistischen Partei hat in seiner heutigen Sitzung den Aufruf für die bcvorstehcudcii Kammerwahlen beschlossen, der von allen Kandidaten der Partei plakatiert werden muß. Er beginnt mit der Erklärung, daß die Befreiung des arbeitenden Volkes von jeglicher Aiisbeiitung und durch die Ersetzung des kapitalistischen Eigentums durch das kollektive erfolgen könne. Die sozialistische Partei allein, sagt das Manifest weiter, erkennt diese einzige Lösung an und strebt, sie zn verwirklichen. Die anderen Parteien kämpfen gegen das Volk oder suchen es zu über« listen. Allen diesen Parteien setzte ihr, Arbeiter und Bauern, die unverkürzte Forderung des Proletariats, die große revolutionäre Idee der souveränen Arbeit entgegen! Als Republikaner entschlossen, die allzudürstigen Freiheiten deS Proletariats gegen jeden Anschlag zu verteidigen, gebet kund, daß die politische Republik durch die ökonomische ergänzt werden muß, daß die Freiheit des Bürgers erst dort gesichert ist, wo die Freiheit des Produzenten verbürgt ist." Der Auftuf stellt sodann die von der Portei geforderten un» mittelbaren Reformen zusammen. Es sind: Der Achtstunden- tag; die Koalitionsfreiheit für alle öffentlichen Beamten; die Vor- sicherung gegen Arbeitslosigkeit und Krankheit; progressive Ein- kommen- und Erbschaftssteuer; Nationalisierung der vom Kapital ausgebeuteten Monopole; Listenabstimniung mit Verhältniswahl. lieber die auswärtige Politik sagt das Manifest: Der Sozia« liSmus, der allein die Gerechtigkeit unlcr den Menschen zu begründen vermag, ist allein im stände, die Gerechtigkeit und den Frieden unter den Nationen zu verwirklichen. Zur Stunde, wo die dunkelen Äoiiibinationen der Diplomaten und die Habgier der besitzenden Klassen die Gefahren des Konflikts vervielfachen, werdet ihr euch nicht nur ehren, indem ihr allen— den Regierenden und den Besitzenden— zeigt, daß ihr den Krieg nicht wollt, der nur der verbrecherische Ausweg der bedrohten herrschenden Klaffen wäre. Ihr werdet den Krieg unmöglich machen, indem ihr diejenigen, die an ihm ein Interesse haben, von der Regierung ver- jagt und eure eigene Klasse zur Herrschaft bringt. Es ist notwendig, daß die proletarische Internationale handele und sich erhebe, um zugleich die Unabhängigkeit der Nationen und den Frieden der Welt zu retten I" Jtalieu. Die antimilitaristische Propaganda in Italien. R o m, den 15. Januar.(Eig. Ber.)' Um die antimilitaristische Propaganda systematisch zu betreiben, unter möglichster Vermeidung der unverhältnismäßig zahlreichen Opfer, die die direkte Agitation in den Kasernen fordert, hat der Verband der sozialistischen Jugend die Gründung eines„Landes» Verbandes der künftigen Rekruten" beschlossen. Dieser Landesverband will sich Jahrgang für Jahrgang an alle vor der Einberufung stehenden Rekruten wenden und ihnen sozialistische und antimilitaristische Broschüren zustellen. Zu diesem Zweck wird der Verband der sozialistischen Jugend einige seiner Mitglieder in allen Städten beauftragen, die Namen und Adressen aller Rekruten des Jahrganges zu beschaffen und dem römischen Zentralkomitee zu übermitteln. Da die Listen der Namen öffentlich angeschlagen werden— zum Ztveck der Einberufung— ist es durchführbar, überall Namen und Adressen aufzutreiben. Allen jungen Leuten, über 500 000 jährlich, sollen dann die Broschüren zugestellt werden. Bis jetzt sind die Genossen E t t o r e C i c c o t t i, C. L a z z a r i, A. d e l l a S e t a und Ezio Barto» l i n i für die Abfassung der ersten Broschüren gewonnen worden. Um das nötige Geld aufzubringen, rechnet der Verband der sozialistischen Jugend auf einen regelmäßigen Beitrag der Ar- beitskammern, ferner auf das Ergebnis aus Vorträgen, die der Verband gegen Eintrittsgeld veranstalten wird. Als Redner hat bereits Enrico Ferri eine Vortragsserie zugesagt. Die erste Broschüre, von E. Ciccotti, wird auf Kosten des Partei. Vorstandes gedruckt. Am 1. Februar wird die erste Verteilung begonnen, und zwar wird sie persönlich von den„jungen Sozialisten" ausgeführt, um die großen Kosten und auch das Risiko der— Postverteilung zu vermeiden.— Dänemark. Für eine gerechte WahlkreiSeinteilung.. Wie erinnerlich sein wird, brachte die dänische Regierung im Herbst vorigen Jahres einen Vorschlag zur Abänderung des§32 der Verfassung ein. wonach der Satz:„Die Anzahl der Folkethingsmit- glicder soll ungefähr dem Verhältnis von einem Mitglied zu 16 000 Einwohnern entsprechen," durch die Worte:„Die Anzahl der Folkethingsmitglieder ist 132" ersetzt werden sollte. Dies wurde als die Erfüllung eines im Frühjahr gegebenen Versprechens gerechter Wahlkreiseinteilung bezeichnet! Nach einer scharfen Kritik von feiten der Sozialdemokraten und der Radikalen im Folkething wurde die Angelegenheit einer VerfassungSänderiingskommission uberwiesen. Diese hat nun am 13. Januar ihr Gutachten abgegeben und schlägt— nur mit Ausnahme der Vertreter der Konservativen— eine Fassimg des Paragraphen vor, wonach die Zahl der FolkerhingS- Mitglieder mindestens 124 und höchstens 132 betragen und die Wahl- kreise der Einwohnerzahl nach ungefähr gleich groß sein sollen. Die KreiSeinteilung selbst soll durch das Wahlgesetz bestimmt werden. DaS Mmisterium des Innern hat bereits Vorschläge hierzu ausgearbeitet Ein zweites Privattelegramm meldet uns: Ropenhagen foll 6 bis 7 neue Wahlfreife erhalten, Aarhus, Aalborg bis zum Rathausmarkt; diefer selbst ist abgesperrt. Ob man einen und Esbjerg je einen; außerdem werden einige neue Wahlfreife ge- Sturm aufs Rathaus befürchtete? bildet, indem ländliche Bezirke, die jetzt mit Städten zusammen einen Kreis bilden, von diesen getrennt werden. Die Kommissionsmehrheit erklärt es für wünscheuswert, daß alle zehn Jahre eine Revision der Wahlkreiseinteilung stattfinde und eine Bestimmung über Stichwahlen ins Wahlgesetz aufgenommen werde. Die Vertreter der Sozialdemokraten und die der Radikalen in der Kommission find mit der von der Mehrheit vorgeschlagenen Form der Verfassungsänderung nicht durchaus einverstanden und begründen dies in einer längeren Erflärung. Sie wünschen nament lich, daß das Prinzip, eine bestimmte Einwohnerzahl als Grundlage der Wahlkreiseinteilung festzulegen, beibehalten werde, außerdem eine Herabsetzung des Wahlrechtsalters und Einführung des Gesinde wahlrechtes wie des Frauenwahlrechtes erfolge. Aus tattischen Gründen haben sie sich jedoch den Vorschlägen der Mehrheit angeschlossen. Schweden. Bom Budget. Im Budgetvorschlag, der mit der Bilanziumme von 193588000 Kronen schließt, ist eine Erhöhung der Volksschullehrer- Gehälter vorgefehen, für die gegen 2 Millionen ausgefegt find. Für Heer und Marine follen im ganzen 78 700 700 Stronen aufgewandt werden; das sind ungefähr 5 Millionen mehr, als der Reichstag im vorigen Jahre bewilligte! Es sollen drei neue Torpedojäger und elf Torpedoboote angeschafft werden. Zweds Steigerung der Staatseinnahmen wird eine Erhöhung der Stempelsteuer für Grundstücksverkäufe sowie die Einführung einer Aktiensteuer vorgeschlagen. Da gegen soll bei der Einkommensteuer der steuerfreie Abzug erhöht werden, also eine Erleichterung für die Steuerzahler eintreten. Hamburg im Zeichen des politischen Kampfes. Wenn die Hamburger Kaffee- und Pfeffersäde sowie der Konferenz der bayerischen Textilarbeiter. In Nürnberg tagte am 14. und 15. Januar eine Konferenz des Tertilarbeiterverbandes, Gau Bayern( ohne die Rheinpfalz). Im Die Versammlungen find sämtlich überfüllt; in der foldeten Gauleiters Brüggemann( 1. Oftober 1904) der GeGeschäftsbericht wurde fonstatiert, daß seit der Anstellung des beimmeren Stadt erweisen sich die Lokale als viel zu klein. Zu banke der Organisation gute Fortschritte gemacht hat, die Zahl der Tausenden strömen die Wahlrechtsdemonstranten von der Mitglieder im Gau ist von 1397 auf 4194 gestiegen. Im gangen Wassertante, aus den Fabriken, Werkstätten, Bauten usw. rechtsrheinischen Bayern sind nach den Aufstellungen der Gewerbeherbei. Bei Tütge( Valentinstamp) war das Lofal schon inspektion etwa 48 000 Personen in der Textilindustrie beschäftigt, furz nach drei Uhr besetzt, und viele hundert Personen wendeten davon gehören zirka 30 000 dem weiblichen Geschlechte an! fich anderen Lokalen zu. Das Personal der Alster- Dampf- Interessant waren die Situationsberichte der einzelnen Delegierten schiffahrt stellte mittags 12 Uhr die Fahrten ein; die Dampfer- über die Verhältnisse an ihren Vertretungsorten. Sie ergaben viel wichtiges Material und lieferten ein anschauliches Bild von den flotte wurde am Jungfernstieg- Bonton befestigt. Sämtliche trostlosen Zuständen, wie sie in der bayerischen Textilindustrie Polizeibeanzte haben Dienst, die Kriminalbeamten sind bis auf herrschen. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse sind durchaus unden letzten Mann im Stadthause versammelt. günstig; allgemein wurden die sogenannten Wohlfahrtseinrichtungen Ein drittes Privattelegramm lautet: als ein schwerer Krebsschaden bezeichnet, da sie die Arbeiter an das Alle acht Versammlungen waren überfüllt. Tausende Unternehmertum fesseln und sie unfähig machen, sich tatkräftig um eine Verbesserung ihrer Lage zu rühren. Es wurde empfohlen. fanden keinen Einlaß. Auf den Straßen stauten sich große allenthalben Aufklärung über die Schäden dieser Art ArbeiterfürMenschenmengen. Ünter stürmischer Zustimmung prote- forge au verbreiten. Auch über die verschiedenartigen Lohnsysteme, stierten die Redner gegen den Raub der Volksrechte. Nach die häufig fogar innerhalb eines Betriebes existieren, wurde vielfach Schluß der Versammlungen zogen Zehntausende spontan nach geflagt, ferner über das Prämiensystem und die sonstigen bekannten dem Rathause, dessen Bugangsstraßen durch starke Schuß- Auswüchse in dieser Branche. Vielfach wurde verlangt, daß der mannsposten abgesperrt waren. Die Polizei verhielt sich im Frauenagitation ein größeres Augenmerk zugewendet und daß sie durch weibliche Redner betrieben werden müsse. Es wurde ein übrigen zuvorkommend. Antrag angenommen, wonach die Generalversammlung ersucht werden soll, den Zentralvorstand zu beauftragen, er möge Material sammeln über den Umfang des Prämiensystems, der Wohlfahrtseinrichtungen, Fabritwohnungen und Fabritsparkassen und über die daraus folgenden Schädigungen für die Arbeiterschaft. Das Material folle in geeigneter Weise publiziert werden. Die Abendblätter konstatieren, daß die Arbeitsruhe heute größer war als an Sonntagen! Namentlich machte sich die Arbeitsruhe am Hafen bemerkbar, den am Vormittag zwei Dampfer mit Riefenplakaten befahren hatten, auf denen nichts weiter stand als: Heute 4 Uhr Volksversammlungen! Von den Dampfern aus waren auch Flugblätter an die auf den Schiffen Arbeitenden verteilt worden. Ueberall erscholl die Antwort: Wir kommen! Viele Arbeiter hatten die Arbeit schon am Vormittag niedergelegt. Nachmittags stockte die Arbeit auf allen Werften, in allen Etablissements trotz der Drohung des Verbandes der Eiſenindustriellen von Hamburg- Altona: die Feiernden bis zum 22. Januar auszusperren. Auch am Neubau des Zentralbahnhofes ruhte die Arbeit gänzlich. Beim Beginn der Barlamentsverhandlung am Abend ist die Umgegend des Rathauses von riesigen Menschenmassen belagert. bon ihnen ausgehaltene Advokatenflüngel geglaubt haben, die Hamburger Arbeiterschaft werde sich ihre winzigen politischen Rechte widerspruchslos rauben lassen, so haben sie sich gewaltig getäuscht, und manch ein republikanischer Diktator" oder früherer Befürworter des Wahlrechtsraubes hat inzwischen einsehen gelernt, daß es besser gewesen wäre, an dem bestehenden Wahlrecht, das sowieso die breiten Schichten der Bevölkerung dauernd zur politischen Einflußlosigkeit verdammt, nicht zu rütteln. Der wuchtige Protest der Volksmassen vom 5. Januar gegen die beabsichtigte brutale Voltsentrechtung ist nicht ganz ungehört verhallt, wie der Umschwung der Gesinnung in den Bürgervereinen deutlich beweist. An der Haltung der Bürgervereine zu den die Plutofratenrepublik beschäftigenden politischen Fragen konnte man ermessen, wie der Beschluß der gefeßgebenden Körperschaft, der Bürgerschaft, ausfallen werde. Von den 28 Bürgervereinen, Die Bürgerschaft ist beinahe bollzählig besezt, die Logen die bisher zur Wahlrechtsvorlage Stellung nahmen, haben sich 19 für die Verwerfung und nur 9 für die Annahme und die Tribünen sind überfüllt. Dr. Zacharias verteidigt des Ausschußentwurfs erklärt. Allerdings muß in Betracht gezogen werden, daß viele„ Volksvertreter" aus Furcht vor dem Verlust ihrer Mandate fich nicht mit ihren" Bürgervereinen, von denen sie auf den Schild erhoben worden sind, identifizieren. Die Wahlrechtsräuber sehen trotzdem mit einiger Beklemmung der parlamentarischen Verhandlung der Wahlrechtsvorlage entgegen, weil sie im Zweifel sind, ob sich die nötige Dreiviertelmajorität zur Verfassungsänderung finden wird. Kurz vor Redaktionsschluß erhalten wir noch folgende Privatdepesche über die Sigung der Bürgerschaft. Gewerkschaftliches. Eir Antrag Augsburg verlangte, es solle innerhalb des Verbandes die Invalidenunterstützung eingeführt werden. Der Antrag wurde damit begründet, daß in Augsburg ein großes Unternehmen einen Verein der Nichtorganisierten" ins Leben gerufen hat, der Von Hof wurde mit bom Unternehmer mit Hunderttausenden von Mark subventioniert und dazu benügt wird, die Arbeiter aus den Gewerkschaften herausburger Verein der Nichtorganisierten zu verallgemeinern, diesen auziehen. Die Arbeitgeberzeitung" hat empfohlen, diesen Augs schönen Blan glauben die Antragsteller durch Ausbau des Unterstüßungswesens durchkreuzen zu können. geteilt, daß bereits ein Sendbote des Augsburger Unternehmertums nach Hof gekommen ist, um die„ liberalen Arbeiter" zu überzeugen, daß das Augsburger Beispiel nachahmenswert sei. Der Antrag wurde als Anregung dem Zentralvorstand überwiesen. Nach ausgedehnter Beratung sprach sich die Konferenz für Schaffung eines Gehaltsregulative für sämtliche Verbandsbeamte aus. Ferner sprach die Konferenz den Wunsch aus, daß das Fachorgan an den Siz des Verbandes( Berlin) verlegt und vom Ver band in eigene Regie genommen werde. Eine lange und anregende Diskussion entspann sich über die Frage der Agitation. Vielfach wurde der Wunsch laut, daß die Frauenagitation energischer zu betreiben sei. Der Vertreter des Zentralvorstandes Nössel- Berlin erklärte, man werde bald dazu übergehen müssen, im Zentralvorstand eine Frau als Agitatorin anzustellen, die in die einzelnen Gaue auf Agitationstouren dirigiert werden solle. Nur die Personenfrage bereite noch Schwierigfeiten. Ein Antrag, der Generalversammlung zu empfehlen, eine weibliche Agitationskraft anzustellen, wurde einstimmig angenommen. Als befoldeter Gauleiter wurde einstimmig Brüggemann wiedergewählt. Drei Anträge aus Hof, Augsburg und Bayreuth forderten die Wegverlegung des Sizes des Gauleiters von Nürnwurden die Anträge damit, daß Nürnberg kein genügendes Arbeitsfeld biete, da feine ausgedehnte Textilindustrie vorhanden sei. Nachdem Rössel- Berlin empfohlen hatte, diese Anträge auf zwei Jahre zurückzustellen, da Aussicht vorhanden sei, daß Bayern in zwei Gane geteilt werde, wobei man allerdings einen Teil des sächsischen Tertil bezirkes an den Gau Nordbayern angliedern müsse, wurden die Anträge abgelehnt und beschlossen, die Generalversammlung zu erfuchen, sie möge erwägen, ob es sich nicht empfehle, den Gau zu teilen und in möglichst kurzer Zeit einen zweiten befoldeten Be. amten anzustellen. berg. war. Begründet den Ausschußbericht, seine Statistik und seine StaatszweckTheorien. Er empfiehlt die Annahme des Ausschkentwurfes. Dr. Wolffon legt in glänzender Rede dar, daß es sich um die Beschränkung eines beschränkten Wahlrechts zuungunsten einer politischen Partei handele. Solche Maßregel sei ungerecht und unflug. Es sei eine abschüssige Bahn, wenn die jeweilige Mehrheit die Minderheit in ihren Rechten beschränke. Es handele sich um ein Kampfgeset gegen die Sozialdemokraten. ( Widerspruch und Beifall.) Redner ironisiert den Passus Gestern, Mittwoch, war der Tag, an dem in der Bürger- des Ausschußberichtes, in welchem gesagt wird, daß die schaft die Kämpfe um das Wahlrecht begannen. Als Ouvertüre Sozialdemokraten den Handel zerstören wollen. Die Sozialzu denselben fanden am Nachmittag acht große demokraten würden sich hüten, die Quellen ihrer Eristenz zu Protestversammlungen statt, über deren Verlauf zerstören. Sie wollen nur die Formen des Handels ändern. wir weiter unten berichten werden. Als am Dienstagabend Treten doch sogar viele Staatserhaltende" für die Verstaatein kurzes Flugblatt mit der Aufforderung zum Versammlungs- lichung oder Kommunalisierung der Verkehrsmittel usw. ein, besuch zur Verteilung gelangte, soll sofort der Arbeitgeber- 3. B. der konservative Oberbürgermeister Adickes in FrankBöttcheraussperrung. Wie seinerzeit berichtet, traten die nicht in berband von Hamburg- Altona, in dem die Matadore der furt a. M. Man sollte den Sozialdemokraten dankbar jet, den Brauereien beschäftigten Böttcher Kulmbachs in den Ausstand, Wahlrechtsräuber daß sie die Besitzenden an weil die Unternehmer geringfügige Verbesserungen der Lohn- und Stellung dazu genommen und die Frage der allgemeinen schließt mit den Worten: Fort mit der Vorlage!" Arbeitsbedingungen nicht zugestehen wollten. Nach mehrmonatlicher Nach ihm spricht Brindmann für und in später Nacht- Dauer mußte die Arbeit bedingungslos wieder aufgenommen werden, Aussperrung erörtert haben. In den großen Etablissements und Fabriken, auf den Bauplätzen usw. beschlossen stunde Fischer( Soz.) gegen die Vorlage. Die Verhandlung da der Zuzug von auswärtigen Streifbrechern außerordentlich groß Troß der schlechten Erfahrungen, die die Unternehmer mit gestern morgen die Arbeiter, am Nachmittag die Arbeit ruhen dauert fort ihren Arbeitswilligen gemacht haben, ist ihnen ihr Sieg" derart zu zu lassen und in Massen in den Versammlungen zu erscheinen. Kopf gestiegen, daß sie nicht davor zurückschreckten, einen neuen Zum besseren Verständnis der parlamentarischen ErörteKampf zu provozieren. Sie stellten an die Arbeiter die Forderung, rung der Angelegenheit wollen wir nochmals furz die Bedaß sie dem Verbande den Rücken kehren sollten, und als dies Au die Tabakarbeiter Berlins und Umgegend! schaffenheit des jezigen Wahlrechts und die der Senatsund Ausschußvorlage schildern. Die Bürgerschaft besteht aus 160 Indem die Zentralfommission nochmals auf den am zurückgewiesen wurde, sperrten sie aufs neue sämtliche Böttcher aus. Abgeordneten, von denen die Hälfte durch die Privilegierten 29. Januar und folgende Tage zu Berlin stattDie Buchbinder in St. Gallen erlangten burch eine friebliche ( Notable und Grundeigentümer je 40) und die andere Hälfte findenden Tabatarbeiter Rongreß hinweist, gibt sie von den einfachen" Bürgern gewählt wird. Das bestehende gleichzeitig bekannt, daß zu diesem Zwed am 19. Januar, Lohnbewegung die Verkürzung der 10 stündigen Arbeitszeit auf Bürgerrecht ist an einen Zensus von 1200 M. und an eine abends 8 Uhr, in Dräsels Festsälen, Neue 9 Stunden und 5 Prozent Lohnerhöhung. ununterbrochene Steuerleistung von 5 Jahren gebunden. Die Friedrichstr. 35, eine öffentliche Versammlung der Senatsvorlage will die Privilegiertenwahlen bestehen abafarbeiter und Arbeiterinnen stattfindet, laffen, dagegen die allgemeine Wählergruppe in drei Klassen in der auch gleichzeitig die Delegiertenwahlen zu diesem bis 3000 M., von 3000 bis 6000 M. und über 6000 m. Kongreß vollzogen werden.( Näheres über Tagesordnung usw. nach dem Proportionalwahlsystem wählen lassen, mit der Maß- siehe das Inserat in heutiger Nummer.) Die Zentraltommission. gabe, daß jede Gruppe 24 Abgeordnete wählt, während die J. A.: C. Butry. übrigen acht Abgeordneten vom Landgebiet zu wählen sind. Der Ausschußentwurfunterscheidet sich von der Senatsvorlage nur dadurch, daß für die allgemeinen Wahlen awei Klaffen bis 2500 m. Einkommen und über 2500 M. Im Verband der Fabrik-, Land- und Hülfsarbeiter hat fürzlich Görlitz, 17. Jaunar.( Privattelegramm des ,, Vorwärts".) vorgesehen sind, von denen die Klaffe mit über 2500 M. eine Verschmelzung der Zahlstellen Berlin und Ober- Schöneweide Für Sonntag wird hier das Militär in der Kaserne gehalten, Einkommen 48 und die Armenede", wie im Volksmunde die stattgefunden. Der Siz der Ortsvertvaltung bleibt nach wie vor armen Schlucker unter 2500 M. Einkommen genannt werden, in Berlin. Für Ober- Schöneweide ist aber in der Person des dortigen nennte Kompagnie marschbereit. Heute wurden 20 Dragonerbisherigen Zahlstellen- Bevollmächtigten Werlig ein befoldeter Pferde ausgeladen. Die Polizei übt sich gegen Papp24 Abgeordnete zu wählen haben soll. An den Bestimmungen Bezirksleiter angestellt worden. Durch den llebertritt der Schöne- heiben im Revolverschießen. Sämtliche Säle find über den Erwerb des Bürgerrechts wollen beide Vorlagen weider Mitglieder ist die Zahlstelle Berlin jekt auf zirka 5000 Mit- burch Oberbürgerliche Anordnung mit Zehnuhrfeierabend bedroht. nichts geändert wissen, glieder angewachsen. Durch Wolffs Bureau" erhielten wir im Laufe des Tages Hamburger Wahlrechtsverhandlungen vertagt. folgende zwei Depeschen: Hamburg, 17. Januar.( Privatdepesche des„ Vorwärts".) Achtung, Schlächtergesellen! Zum sveiten Male ist in NeuHamburg, 17. Januar. Von der hiesigen sozialdemokratischen münster ein großer Streik der Schlächtergesellen ausgebrochen. Nach der Rede Brindmanns wurden die Verhandlungen bis Parteileitung sind die Arbeiter zum Massenbesuch von acht Protest- Warum? Weil die Gesellen die daselbst vorherrschende lange zum nächsten Mittwoch vertagt. Genosse Fischer kam nicht versammlungen gegen das neue Wahlgefez, die heute nachmittag arbeitszeit bei geringem Lohne, speziell bei der Firma Winter, nicht M. 4 Uhr stattfinden sollen, aufgefordert worden. Der Verband der Eiſenindustrie Hamburgs hat daraufhin, wie die" Hamburger Nach richten" melden, durch Anschlag bekannt gegeben, daß jeder Arbeiter, der heute unentschuldigt nicht zur Arbeit erscheint oder diese vorzeitig verläßt, sofort entlassen und vor dem 22. Januar() nicht wieder eingestellt wird. Hamburg, 17. Januar. Auf der Werft von Blohm n. Boß und der Reiherstiegwerft haben mehrere Tausend Arbeiter nach der Mittagspause die Arbeit verlassen. Bon einer Reihe anderer Jndustriebetriebe wird das gleiche gemeldet. Auch die Besagungen der Alsterdampfer haben heute mittag den Dienst eingestellt. Die Hamburger Scharfmacher dürften sich in der Beurteilung dessen, was die Arbeiterschaft sich gefallen läßt und was nicht, doch twohl etwas sehr getäuscht haben. Berlin und amgegend. Deutfches Reich. länger ertragen konnten. Alle Vorstellungen um Kürzung resp. Regelung der Arbeitszeit halfen nichts. Im Gegenteil! Der Herrenstandpunkt der Fleischermeister kennt keine Grenzen. Gleichgültig werden die Gesellen auf das Straßenpflaster geworfen, einer wie der andere. Zur Antwort hierauf legten alle Gesellen die Arbeit einmütig nieder, um dadurch die Meister zu zwingen, bessere Arbeitsverhältnisse zu schaffen. An Euch, Kollegen, ergeht der Mahnruf: Fallet den Kollegen in Neumünster in ihrem Kampfe nicht in den Rücken, laßt Euch nicht als Streitbrecher anwerben, fahret nicht nach Neumünster in Arbeit, sondern unterstüßt den Streit. Zentralverband der Fleischer und Berufsgenossen Deutschlands. Ausland. Der Buchdruckerkonflikt in der welschen Schweiz ist zur gue friedenheit der Gehülfen erledigt worden. Die wöchentliche Arbeitszeit wurde von 54 auf 53% Stunden reduziert bei Zahlung des bisherigen Lohnes, am Sonnabend beträgt die Arbeitszeit 8, in einigen Druckereien nur 7½ und 7 Stunden ohne Lohnabzug. Letzte Nachrichten und Depefchen. Unnühe Uebungen. mehr zum Wort. Staatsminister v. Richthofen f. Berlin, 17. Januar.( W. T. B.) Staatsminister Staatssekretär Frhr. v. Richthofen ist heute abend 11% Uhr verschieden. Die gefährdete Ordnung" vor Jena! Jena, 17. Januar.( Privatdepesche des Vorwärts".) Der Gemeindevorstand in Neustadt a. d. Orla verbot eine Versammlung, in der Genossin Ziet als Referentin über das Thema Revolution überall" sprechen wollte. Das genannte Thema sei durch die Behandlung seitens sozialdemokratischer Agitatoren geeignet, die öffentliche Ordnung zu gefährden. Schnüffler. Steigende Breise- Lohnkürzungen! Die Verwaltung der Westfälischen Stahlwerte bei Bochum versuchte während des Bergarbeiter streits sich den Arbeitern gegenüber als besonders human zu geben. Allerdings in einer Weise, die beinahe zu einem Konflikt führte. Jeßt, wo die Unternehmen bei anhaltend steigenden Preisen günstig Aus einem längeren Privattelegramm, das wir am Abend er- prosperieren, befundete die Verwaltung ihre Humanität durch HerabHalten, geht hervor, daß die Arbeiter in überwältigender fegung der Affordpreise im Walzwerfe. Die Arbeiter haben diesen Menge in die Versammlungen strömen. Die Passage ist freigegeben Angriff durch Einreichung der Kündigung beantwortet. Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Lodz, 17. Januar.( W. T. B.) Heute wurden hier fast alle Baufgeschäfte von der Polizei durchsucht. Einige Personen wurden dabei verhaftet. »Mi W.z°w� it Ktilllge des.loriirts" Kerlim Uslksblatt. g°nntt3ta8'i8-?mtim Reichstag. 22. Sitzung vom Mittwoch, den 17. Januar 1S06, nachmittags 2 Uhr. Am Tische des Bundesrats: Kommissare. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des von den Äbgg. Graf v. Hompesch und Genossen eingebrachten Gesetz- entwurfs betreffend Abänderung des Artikels 32 der Reichs- Verfassung in Verbindung mit der Beratung des Antrages des Abg. Bassermann(nl.) auf Vorlegung eines Gesetzentwurfes wegen Einführung von Anwesenheitsgeldern und freier Eisenbahnfahrt für die Mitglieder desReichstages. Der Gesetzentwurf des Abg. Graf v. Hompesch hat folgenden einzigen Paragraphen: Der Artikel 32 der Verfassung wird durch folgende Be- stimmungen ersetzt: Die Mitglieder des Reichstages erhalten aus Reichsmitteln während der Legislaturperiode, und zwar solange der Reichstag versammelt ist sowie acht Tage vor Eröffnung und acht Tage nach Schluß desselben freie Aahrt auf den Eisenbahnen und für die Dauer ihrer Anwesenheit bei den Sitzungen des Reichstages Anwesenheilsgelder in Höhe von 20 M. für den Tag. Der Anwesenheit bei den Sitzungen des Reichstages steht esgleich.wenn der Abgeordnete außerhalb des Versammlungsortes des Reichstages durch Arbeiten im Auftrage des Reichstages in Anspruch genomnien ist. Von den Anwesenheitsgeldenr werden die Tagegelder ab- gerechnet, welche ein Mitglied des Reichstages in seiw besonderen Eigenschaft als Mitglied einer politischen Körperschaft für dieselbe Zeit bezieht. Der Antrag Bassermann lautet: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, unverzüglich einen Gesetzentwurf wegen Einführung von Anwesenheitsgeldern und fteicr Eisenbahnfahrt für die Mitglieder des Reichstages vor- zulegen. Zur Begründung des Zentrumsantrages erhält das Wort Abg. Kirsch(Z.): Auch ein parlamentarischer Antrag kann eine Leidensgeschichte Haben, das zeigt unser heutiger Antrag.(Sehr richtig!) Im Jahre 1901 ist eine Resolution unserer Partei hier angenommen worden, in der die verbündeten Regierungen um Vorlegung eines Gesetzes im Sinne unseres heutigen Antrages ersucht wurden. 1903 erklärte Graf Bülow, daß die verbündeten Regierungen noch keine Stellung zu dem Antrage genommen haben.(Hört! hört I) Auch ein Antrag des Grafen Hompesch auf Gewährung von Diäten, den der Reichstag 1904 angenommen hat, fand nicht die Billigung der Regierungen Der Reichsgedanke in Süddeutschland kann nur dadurch gewinnen, daß den süddeutschen Abgeordneten eS infolge der Gewährung von Diäten ermöglicht würde, den Verhandlungen hier in Berlin bei- zuwohnen. Die Regierung sollte doch einmal eine Statistik auf- machen, in welchen Parlamenten der Welt noch keine Diäten bestehen!(Sehr richtig I im Zentrum.) Nur in England liegen die Verhältnisse ganz anders. Der Antrag des Zentrums entspricht den früheren Beschlüssen der Reichstags- kommission. Ich bitte Sie deshalb, unserem Antrag den Vorzug zu geben. Wenn der Reichskanzler auch heute eine Erklärung verlesen läßt, dann macht dieke hoffentlich wieder gut. was die neulich vom Kriegsminister vorgetragene gesündigt hat.(Heiterkeit.) Abg. Bassennann(natl.): Beide Slnträge bezwecken die Ein- führung von Anwesenheitsgeldern, sie unterscheiden sich nur in der Form. Wir sind daher auch in der Lage, für den vom Zentrum eingebrachten Entwurf zu stimmen. Ein Teil meiner Freunde würde auch damit einverstanden sein, wenn an Stelle der Anwesenheitsgelder eine Pauschale gewährt würde. Ich glaube, daß die Anwesenheits- gelber auf die Kassen der Sozialdemokratie nicht wesentlichen Einfluß ausüben. Ich hoffe aber, daß die Abgeordneten dieser Partei durch Änwescnheitsgelder von der Partei unabhängiger werden. Ich verweise bei dieser Angelegenheit ferner darauf, daß— wenn die Sozial- demokratie so weiter zunimmt— allgemein der Zustand eintreten könnte, der jetzt schon oft bei zweiten Beratungen vorhanden ist. daß nämlich die Sozialdemokraten infolge der Diäten- losigkeit die Mehrheit im Hause haben. Schon die wichtigen Vorlagen dieser Session werden ohne Diäten nicht zur Zeit fertig gestellt werden könne». Deshalb müssen gerade jetzt die Diäten be willigt werden.(Lebhafter Beifall.) Abg. Lenzmann(frs. Vp.): Früher hatten wir die Fahrkarten über das ganze Reich, man verließ sich damals darauf, daß sie uns nicht mehr genommen werden könnten. Deshalb wurde diese Ver- günstigung nicht durch Gesetz festgelegt. Aber Fürst Bismarck nahm uns diese Fahrkarten I So wird die Regierung immer rückschritt- licher. Früher, wenn wir über die Diäten verhandelten. erschien wenigstens der Reichskanzler oder sein Vertreter selbst hier. Jetzt aber ist die Regierung hier nur durch zwei Kommissare vertreten, von denen der eine(Zurufe:„sitzt und der andere steht". Große Heiterkeit, in der die nächsten Worte des Redners ungehört verhallen) ... In Bayern spricht jetzt ein Königssohn es aus, daß das all gemeine, gleiche Wahlrecht das beste ist, in Preußen dagegen._... na, das will ich lieber nicht sagen.(Große Heiterkeit.) Wir wissen es alle: ein Einzelner im Volke glaubt es wagen zu dürfen, eine Stellung in dieser Frage einzunehmen, die dem Gesamtwillen des Volkes widerspricht. Wir sind nicht revolutionär(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten), wir streiken auch nicht(Zunif vom Zentrum: Na I na I), aber die Reichstags- Abgeordneten werden durch die Diätenlosigkcit hier gewaltsam ausgesperrt.(Sehr richtig I links und im Zentrum.) Das ist noch viel schlimmer. Abg. v. Staudy(k.): Meine Freunde nehmen denselben Stand- Punkt ein wie früher. Ein Teil ist für Aenderung des Artikels 32. Alle sind aber darin einig, daß bei Aenderung dieses Artikels gleich. zeitig eine Aenderung der Geschäftsordnung erfolgen muß, welche gewährleistet, daß die Verhandlungen des Reichstags eine wesentliche Abkürzung erfahren.(Hört I hört l links.) Wg. Singer(Soz.): Unsere Partei ist bei früheren Gelegenheiten wiederholt für die Diäten eingetreten und hat diesen Standpunkt auSftihrlich begründet. Wir stehen heute noch auf demselben Standpunkte. Die Verwergerung der Diäten ist nach unserer Meinung eine Beeinträchtigimg des freien Wahlrechtes der Wähler. Denn dadurch, daß keine Diäten gegeben werden, ist der Kreis derjenigen, die sich um ein Mandat bewerben können, sehr eingeschränkt. Ich hätte mich auf diese kurze Erklärung beschranken können, wenn inich nicht die Herren Vorredner veranlatzten. etwas gegen sie zu erwidern. Der Abgeordnete Basserinann meinte: infolge der Diätengewährung würde die Macht der Sozialdemokratie beschränkt werden. Die Konsequenz wäre ja dann, daß wir gegen die Anträge stimmen müßten! Wir sind der Mewung, daß gerade die Wählerinaffen, auf die wir uns stützen, eine sehr starke Vertretung im Reichstage ver- langen können, da es ihre Arbeit ist. auf der sich die gesamte Volks- Wirtschaft aufbaut. Abg. Baffermann führte eine sozialdemokratische Stimme an. welche gesagt haben soll, die Diäten würden für u»S schädlich wirken, weil unsere Abgeordneten dann von der Partei- leilung unabhängig wären._ Ich weiß nicht, wer diese unbekaimte sozialdemokratische Stimme ist, aber das kann ich sagen: Wenn in der Tat ein Parteigenoffe so gesurochen hat. so hat er etwas gesagt, was er nicht vertreten kann. Es ist für unsere Partei ganz gleichgültig, ob unsere Abgeordneten Diäten bekommen oder nicht. Wir machen die Erfüllung unserer Pflicht nicht abhängig von der Gewährung von Diäten. Meine Kollegen und ich. wir sind nicht abhängig von der Parteileitung, aber wir werden immer abhängig sein vom Willen der Wähler. Daß unsere Wähler aber über uns ein anderes Nneil fällen werden, wenn wir Diäten bekomme», als wenn wir keine bekommen, das glaubt doch auch wohl der Abg. Nassermann nicht. Die Vorredner haben sich auch über die kühle Haltung des �Bundesrates zu Beschlüssen des Reichstages gewundert. Bei der Verhandlung von Initiativanträgen glänzt der Bundesrat gewöhnlich durch Abwesenheit. Heute sind ja zufällig zwei Vertreter anwesend. aber merkwürdigerweise zeigt der Name des einen der Herren, was dem Reichstage in der Diätenfrage vom Bundesrate beschert werden wird.(Alle Abgeordneten richten ihren Blick auf den am Bundes- ratStische sitzenden Geheimrat Mermuth.— Stürmische Heiterkeit.) Präsident Graf Ballestrcm: Ohne einen Präjudizfall zu statuieren, möchte ich doch bitten, solche Scherze über die Namen von Bundesratsmitgliedern oder Reichstagsabgeordneten zu unter- lassen; es könnte das sonst unliebsame Folgen nach sich ziehen. (Erneute Heiterkeit.) Abg. Singer(Soz.): In dieser ganzen Diätenfrage hat sich recht deutlich gezeigt, welche Wertschätzung und Achtung der Bundesrat den Beschlüssen des Reichstages entgegenbringt. Mit der Kom- pensationspolitik des Abg. Kirsch bin ich durchaus nicht einverstanden. So leicht soll es dem Reichskanzler nicht fallen, seine neuliche Duell- erklärung abzuschwächen, daß er etwa nur Diäten zu bewilligen brauchte, um dadurch die Aufforderung zur Gesetzwidrigkeit wieder gut zu machen.(Sehr wahr l bei den Sozialdemokraten.) Wahr- scheinlich war es auch bei dem Abg. Kirsch nur ein falscher Zungen- schlag. Gutmachen kann der Reichskanzler seine Erklärung nur durch eine offene ehrliche Zurücknahme.(Lebhafte Zustimmimg links und im Zentrum.) Der Reichstag hätte aar nicht so behandelt werden können, wie er in der Diätenftage behandelt worden ist, wenn er nicht viel zu lange sich jede Behandlung hätte gefallen lassen.(Sehr richtig l bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Reichstag Kraft zeigte und Erkenntnis für das. was er sich selbst schuldig ist, würde eine solche Behandlung diirchfldie Regierung einfach unmöglich sein.(Erneute Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wenden Sie nur einmal die parlamentarischen Mittel im konstitutionellen Staate an, verweigern Sie den Ministern nicht nur die Gehaltserhöhung. sondern auch die Gehälter, und lehnen Sie das Budget ab, dann wollen wir einmal sehen, ob die Regierung eher zum Ziel kommt mit ihrer Mißachtung des Reichstages oder der Reichstag mit der Wahrung seiner parlamentarischen Rechte.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. v. Staudy hat— bewußt oder unabsichtlich— die Anschauungen der Regierung in der Frage der Diätenbewilligung ganz zutreffend vertreten, indem er Kompensationen verlangte und andeutete, daß der Regierung an dieser Zahlung viel weniger gelegen sei als an den begleitenden Umständen. Am liebsten wäre ihr wohl eine Aenderung nicht nur der Geichäftsordnung des Reichstages, sondern auch der Verfaffung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aber um diesen Preis wird die Regierung die Diäten nicht verkaufen; denn ich hoffe, daß auch die beiden Parteien, die heute die Anträge gestellt haben, sich diese Wünsche der Regierung nicht zu eigen machen werden. Das wäre allerdings der Gipfel dieser ganzen Verhandlung, wenn der Reichstag, um für seine Mitglieder Diäten zu bekommen, verfastungs- mäßige Volksrechte aufgeben müßte.(Sehr wahr! bei den Sozial- demokraten.) Wir werden für die beiden Anträge stimmen, un- bekümmert darum, ob der Bundesrat sie annimmt oder ablehnt. Aber ich muß die Herren doch alle bitten, sich von der Vision frei zu machen, als ob durch so kleine und kleinliche Mittel die Wirk- samkeit der Sozialdemolratie irgendwie beeinflußt werden könnte (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Liebcrmann v. Sonnenberg(Antis.): Nachdem die Zolltarif kommission Diäten erhalten hat, kann man vollends gegen die vor- liegenden Anträge nichts gellend machen. �Ein'Entgegciikömmcn gegen die Regierung halte ich für ganz selbstveriiändlich, namentlich in der Richtung der Aenderung der Geschäftsordnung, deren Bestimmungen .heute einer Förderung der Geschäfte zum Teil hinderlich sind. Abg. Schräder(frs. Bg.): Im Gegensatz zu Herrn Kirsch bin ich der Ansicht, daß die vom Reichskanzler durch den Kriegsminister ab- gegebene Erklärung: es müsse unter Umständen ungesetzlich gehandelt werden, eine Acußerung von solcher Tragweite ist, daß dafür gar keine Genugtuung gegeben werden kann.(Sehr wahr! links.) In anderen Ländern würde eine Regierung, die sich so benimmt wie die unsere, sofort verschwinden.(Sehr wahr! links.) Weshalb ist es bei uns anders? Weil wir keine Rcichöregierung, sondern nur einen Bundesrat haben. Wir sehen den Bundesrat höchst selten, die maß' gebenden Personen der Einzelstaaten lassen sich nur dann und wann einmal sehen. Keine Behörde ist da, bestimmt, unsere Wünsche ent- gegenzunehmen. Nicht einmal der Kaiser ist dafür da. Er ist in seinem Hauptamt Präsident des Bundesrats und hat zu tun, was der Bundesrat gebietet.(Sehr wahr! links.) Nur in auswärtigen An gelcgenheiten hat er wirklich eine wichttge Stellung. Rur der Reichstag ist die Stelle, die imstande ist, das Volk mit der Regierung zu ver- binden. Deshalb ist der Reichstag eine festere Stütze des Reiches, als es irgend eine Regierung sein kann. Und wie behandelt die Regierung den Reichstag? Es ist nicht möglich, einen Initiativ antrag hier mit Erfolg durchzuführen; denn fast immer glänzt die Regierung durch Abwesenheit. Unter diesen Umständen muß das Voll denken: Was nützt denn dieser Reichstag, wenn er nur an- nehmen kann, was ihm die hohen Regierungen vorgelegt haben? Wir seien ja nur. so denkt man. gerade gut genug, d«e Steuern zu bewilligen. Das muß da« Interesse fiir unsere Verhandlungen inner- und außerhalb des Hauses herabsetzen. Und das fllbrt dann dazu, daß wir Vorlagen seitens der Regierung bekommen, die völlig unbrauchbar, und daß Gesetze gemacht werden, die überhaupt nicht durchführbar sind.(Lebhafter Beifall.) Abg. v. Tiedcniann(Rp.): Wir stimmen für den«nttag, von der Boraussetzung ausgehend, daß eS durch ein Ucbereinkommen unter den Mehrheitsparteien gelingen wird, gewisse Bestimmungen der Geschäftsordnung, die für eine rasche Erledigung der Geschäfte ein Hemmnis bilden nnd die Altionsfähigkeit des Reichstages lähmen, zu beseitigen. Abg. Dr. Müller-Meiningen(frs. Vp.): Die Diätenftage ist nachgerade von einer OpPortunitätSftage zu einer Existenzfrage des Reichstags gewordeir. ES knüpft sich daran die Erörterung der Frage, ob eS gelingen wird, die antiparlamentarische und zum Teil geradezu antitonstitutionelle Stimmung in gewissen Kreisen zu über- winden. Wie wird denn der Reichstag überhaupt behandelt? Im Sommer kamen die Abgeordneten, auch aus Süddeutschland, hierher, um am nächste» Tage wie die Schulbuben nach Hause geschickt zu werden I(Sehr richtig I links und im Zentrum.) Aber auch berühmte Künstler werden trotz des vielgeruhmten MScenatentumS nach meinen persönlichen Erfahrungen nicht besser behandelt. Bon den Künstlern wird ebenso wie von den Abgeordneten verlangt, in Demut zu ersterben. Man ivendet das Verhältnis vom Herrn zum Diener auf uns an.(Hört I hört I links.) Aber der Hauptgrund ist: Wir sind zu gute Kerle!(Stürmische Heiterkeit. Zwischenrufe bei den Sozialdemokraten.) Ja, Sie auch, Sie sind auch zu gute Kerle I Sie wissen gar nicht, wie gut Sie sind!(Erneute Heiterkeit,) Der Kollege Bebel donnert wohl mal los, aber das ist mehr für die Wähler berechnet. Der Reichstag sollte seine Verhandlungeii ein« 'ach so lange einstellen, bis der Reichskanzler hier wenigstens er« cheint.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Immer l«S!— Bewegung.) Heute kommt ein Unterstaatssekretär, morgen wird man uns einen RegierungSaffeffor schicken.(Heiterkeit.) In einer Zeit, in der im preußischen Landtage das allgemeine Wahl- recht, das«in bayerischer Fürst als höchst vernünftig und zeitgemäß bettachtet, von Oktavio Frhm. v. Zedlitz als„Stabilisierung der Souveränität des Proletariats" und„Hochverrat" oder„Landes- verrat" gebrandmarkt wird, sollte man sich doch vor dem ersten Schritt zur Reaktion hüten. Gewiß ist eine Revision unserer Ge- chäftsordnung dringend notwendig, zumal da sie in einem Piuikte geradezu verfassungswidrig ist.(Hörtl hört! Aha! und Na alsol rechts.) Aber man darf sie nicht so tendenziös gegen die Rechte der Minderheit zuspitzen, zu deren Schutz die Geschäfts- ordnung hauptsächlich da ist. Schon jetzt find breite reichstrcue Kreise in Süddeutschland tief verstimmt; einmal über unvorsichtige Bemerkungen, die uns in der inneren und äußeren Politik schwer gefährden, sodann über die persönliche Art der Behandlung des Parlaments, die wir in Süddeutschland nicht keunen. Der Reichs- lanzler hat die Pflicht, an maßgebender Stelle zu erklären, daß es so nicht weiter geht— so wahr er selbst kein Philister ist.(Heiter- keit und Beifall links.) Abg. Werner(Reformp.) findet den Gedanken sehr sympathisch, den Ministern und Bundesratsmitgliedern die Gehälter zu sperren, bis die Diäten bewilligt sind.(Große Heiterkeit rechts.) Abg. Blumenthal(Südd. Vp.): Auch wir stimmen den vor« liegenden Anttägen zu. Ich stimme dem Abg. Müller-Meiningen durchaus nicht darin bei. daß die Abwesenheit von Regierungsver- treten, dem Ansehen des Reichstages schaden könnte. Ich fände es auch gar nicht so horrend, wenn hier einmal statt des Reichskanzlers ein Assessor die verbündeten Regierungen verträte.(Heiterkeit.) Ich bin vom Werte der hierarchischen Abstufung der Beamtenschaft nicht so durchdrungen, daß ich den Wert einer Erklärung nach dem Titel dessen bemesse, oer sie abgibt. Ja. eine ungeschickte Erklärung eines Assessors kann sogar viel bequemer zurückgenommen werden, als wenn derjenige, der sie zurücknimmt, die Torheiten selbst geredet hat.(Große Heiterkeit.) Fühlen wir uns also nicht dadurch herab- gesetzt, daß„nur" ein Unterstaatssekretär unseren Verhandlungen beiwohnt. Von den Rednern mehrerer Parteien sind für den Fall fort- gesetzter Diätenverwcigerung Drohungen ausgestoßen worden. Wenden Sir sie nur an— ich mache mit.(Große Heiterkeit und Beifall links.) Damit schließt die Debatte. Zunächst wird der Antrag Bassermann gegen die Stimmen der Konservativen angenommen. Es folgt die zweite Beratung deS Anttags Hompesch. Abg. v. Strombeck(Z.) beantragt, am Schlüsse hinzuzufügen: „Die näheren Bestimmungen erläßt der Präsident des Reichstags." Abg. Dr. Arendt(Rp.): Ich muß gegen den Antrag Hompesch stimmen, weil ich die freie Eiscnbahnfahrt für die Abgeordneten nicht bloß während der Session wünsche, sondern während des ganzen Jahres. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Sttombeck und der ganze Gesetzentwurf des Abg. Graf Hompesch wird gegen die Stimmen der Konservativen und Freikonservativen angenommen.— Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr. 1. Erste Lesung der Kamerun-Eisenbahn; 2. erste Lesung des Offizier- Pensionsgesetzes. Schluß nach l'/z Uhr. parlamentarisches. In der Budgetkommission des Reichstages wurde gestern die De- batte über die Hoh-Königsburg fortgesetzt; die Forderung schließlich bewilligt. Zu Vorarbeiten ftir die Vergrößerung des Nordoftsee- Kanals wurden 100 000 M. bewilligt, die gleiche Summe soll nach einem Antrag der Abgg. Singer, von Richthofen und Müller- Sagan zur Bekämpfung der Syphilis in den Etat ein- gestellt werden. Weiter wurden bauliche Veränderungen im Reichs- kanzler-Palais genehmigt, ebenso eine Repräsentationszulage von 14 000 M. für den Staatssekretär des Reichs-JustizamteS. Die gleiche Zulage erhielt der Reichsschatzsettetär. Auf der einen Seite wird also der arbeitenden Bevölkerung vom 1. März ab Brot, Fleisch nnd alles, was zur Ernährung und zum Unterhalt notwendig ist, maßlos verteuert, hingegen wird der Arbeitslohn von 30 000 M. jährlich um 14 000 M. für die armen, notleidenden Staatssekretäre erhöht. Das ist ausgleichende Gerechtigkeit. Eine Forderung von 830 000 M. zum Ankauf eines Grundstücks fiir den Bau eines Reichsmilitärgerichts wurde zurückgestellt; es soll möglichst billigeres Bauland gesucht werden. Nächste Sitzung: heute Vormittag. Die Petitionskommission deS Reichstages verhandelte am Witt- woch über einige von Hoteldienern und Gastwirtsgehülfen dem Reichstage zugegangene Petitionen, welche die Ausdehnung der Bundesratsverordnung vom 23. Januar 1902 auf alle in Gastwirts- und Hotelbetrieben beschäftigten Personen fordern. Im besonderen wird beantragt, den§ 105 i der Gewerbe-Ordnung dahin abzuändern, daß allen Angestellte« im Gastwirtsgewerbe an Stelle der Sonntags- ruhe ein Ersatzruhetag von 36 Stunden an einem Werktage jeder Woche zu gewähren ist. Ferner fordern die Petenten, die private Stellenvermittelung gegen Entgelt gesetzlich zu verbieten und die Unfallversicherungöpflicht auf alle im Gastwirtsgewerbe Beschäftigten auszudehnen.— Die Kommission beschloß, diese Wünsche der Petenten dem Reichskanzler als Material zu überweisen.— Eine der Petitionen fordert weiter, für die Gastwirtsgehülfen eine obligatorische dreijährige Lehrzeit für GastivirtSgehülfen gesetzlich anznordnen und ferner, um der Lehrlings- ziichterei entgegenzutreten, zu bestimmen, daß in den Betrieben nicht mehr Lehrlinge als Kellner beschäftigt werden dürfen, fiir größere Betriebe aber eine Maximalzahl der Lehrlinge gesetzlich festzusetzen. Diese Wünsche der Petenten erklärte die Kommission für ungeeignet zur Erörterung in» Plenum. Mehrere Petitionen wenden sich gegen die Bivisektto«. Teils wird das gänzliche Verbot, andererseits nur die Verhütung von miß- bräuchlicher Anwendung derselben verlangt. Die Kommission beschloß, die Petitionen, soweit es sich um Einschränkung und Verhütung mißbräuchlicher Anwendung der Vivisektion handelt, dem Reichskanzler zur Berücksichtigung, soweit das gänzliche Verbot derselben gefordert wird, als'Material zu überweisen. Der Verein fiir die Interessen der Hausangestellten in Berlin petttioniert um Ausdehnung der Kranken- und Unfallversicherung auf die im häuslichen Dienst angestellten Personen. Bekanntlich hat der Staatssekretär des Innern, Gras Posadowsky, vor längerer Zeit im Reichstage erklärt, daß die ReichSregierung die in der Petition ausgesprochenen Wünsche als berechtigt anerkenne und eine diesbezügliche Vorlage dem Reichstage zugehen würde. Auch der Reichstag hat früher schon eine ähnliche Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen. Die Petition gelangte diesmal mit einer ganzen Anzahl, die Abänderung deS Krankenkassengesetzes betreffenden Petittonen gemeinschaftlich zur Verhandlung in der Kommission. Der Sieferent, Abg. Dr. Mugda»(fts. Vp.), beanttagte. alle diese Petitionen dem Reichskanzler als Material zu überweisen. Abg. Tuhaurr lSoz.) stellte den Antrag, die Petttion. die Unfall- und Krankenversicherungspflicht der Hausangestellten betreffend, hier- von auszuschließen und diese dem Reichskanzler znr Berücksichtigung zu überweisen.— Der Antrag Tutzauer wurde gegen sechs Sttmmen — es stimmten nur die Sozialdemokraten und der Pole Korfanty dafür— abgelehnt und dem Antrage des Referenten gemäß be- schloffen._ Die Finanzreform-Kommission sollte, wie gestern berichtet, erst wieder zur nächsten Sitzung einberufen werden, wenn da? Reichs- chatzamt das erforderliche Aufklärungsmaterial geliefert hatte. Der Vater der Finanzrefonn hat'S eilig, er hat schon gestern einen Teil deS in Aussicht gestellten Materials drucken und den Kommissions- Mitgliedern zustellen lassen, nämlich die„Schätzung des Zollerttags auf Grund des Zolltarifs vom 25. Dezember 1902 und der Handels- Verträge". Dadurch bat sich der Vorsitzende B ü s i n g veranlaßt gesehen, zu heute wieder eine Sitzung einzuherufen. Müller- Fulda leitete die DeLatte über die Frage des durch neue Steuern aufzubringenden Betrags durch ein längeres Referat ein. Auf Grund seiner sorgfältigen Berechnungen sei er zu der Ueber- zeugung gelangt, das; die Schätzungen der Negierung über den Zu- »nachs der Einnahmen sowohl wie auch über den der Ausgaben nicht ganz einwandsfrei seien. Das von ihm erzielte Resultat seiner Be- rechnung ergebe ein Minus von 180 Millionen Mark. Diese müssen durch neue Steuern aufgebracht werden. Da er nun nicht für die samt- lichen von der Regierung vorgeschlagenen Steuervorlagen stimmen kann, schlägt er die Reichswchrstcuer vor, die nach seiner Schätzung einen Ertrag von 26 Millionen ergeben würde. Büsing erklärt, seiner Berechnung nach beziffere sich der durch neue Steuern aufzubringende Mehrbetrag aber auf mindestens 260 Millionen. Gegen den Vorschlag der Reichswehr st euer habe er nichts einzuwenden. Der preußische Finanzminister v. Rheinbaben wie auch der Reichsscbatzsckretär V. Stengel haben schwere Bedenken gegen die Einbringung einer Wehrsteuer- Vorlage und befürworten zunächst die Durchberatung der Regierung-.- Vorlage». Gegen das Prinzip der Wehrsteuer spricht sich Genosse Dr. S tt d e k u m ganz entschieden ans und warnt vor einer Be- Ivillignng von Steuern auf Vorrat. Entsckneden befürwortet wurde der Wehrsteuervorichlag von dem Antisemiten Ii a a b und Dr. Becker und Speck. Der Abgeordnete Müller� Fulda brachte schließlich seinen Vorschlag als schleunigen Antrag ein, dahingehend, die Kommission fordert die verbündeten Regierungen aus zur Einbringung einer Wehr st eu erVorlage, wodurch die Mitiel für die Sanierung des JnvalidensondS und der Weteranenbeihiilfe aufzubringen sind. Dieser Antrag hatte eine sehr lange Geschästsordnungsdebatte zur Folge, indem Genosse Geyer demselben als verfassungswidrig widersprach. Der Vorsitzende erkannte den Widerspruch als berechtigt an, worauf der Antrag in eine Resolution umgewandelt wurde dahingehend, daß die Kommission den Reichstag ersucht, den Reichskanzler zur Einbringung einer Wehrsteuervorlage aufzufordern. In gleicher Weise verfuhr dann der Abg. D i e d r i ch mit weiteren Steuervorschlägcn. Der Reichsschatzsekretär erklärte sich bereit, den Steuersuckicrn der Kommission geeignetes Material zur Begründung ihrer Vorschläge zur Verfügung stellen zu wollen. Zu einer Ab- Kimmung über die vorgeschlagenen Resolutionen kam es nicht. DaS Schnluntcrhaltungsgesetz in der Kommission. Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Lorberatung des Schul unterhaltungsgesetzes nahm am Mittwoch die Abstimmung über§ 7 vor. Er wird mit folgenden Anträgen des Zentrums angenommen: Die Kommission»volle beschließen: t. Dem§ 7 Abs. 1 folgenden Zusatz zu geben:„wenn die Fürsorge- Pflicht öffentlichen Verbänden oder solchen Privatpersonen obliegt, denen die Aufbringung des Fremdenschulgeldes nicht schwer fällt". 2. im§ 7 Abs. 2 Satz 1 die Worte„oder unentgeltlich... sind" sowie den Satz 2 zu streichen; 3. hinter Abs. 2 den Zusatz einzu- reihen:„Das Fremdenschulgeld darf den im Durchschnitt der drei letzten Rechnungsjahre auf jedes Schulkind entfallenden Betrag der dem Schulverbande erwachsenen Schulunterhaltungskosten nicht über- steigen." Die Abstimmung über Z 6 erfolgt absatzweise. Die R e- gierungsvorlage wird in den beiden ersten Abschnitten a b- gelehnt und durch die beiden freikonservativen Anträge ersetzt: „Von der Schulaufsichtsbehörde können Schulkinder aus einem Schul- verbände gastweise der Schule eines anderen Schulverbandes nach Anhörung der beteiligten Schulverbände zugewiesen werden. In gleicher Weise kann aus erheblichen Gründen die gastweise Zuweisung auch für einzelne Unterrichtsfächer erfolgen." Die drei folgenden Absätze werden in der Fassung der Vorlage angenommen. Zu den Absätzen 6 und 7 werden folgende konservative Anträge angenommen: I. Die Kommission wolle beschließen: 1. Den Absatz 6 des Z 6 von Satz 2 ab folgendermaßen zu fassen:„Sie wird mangels einer Einigung der Schnlverbände durch den Kreisausschuß, sosern eine Stadt beteiligt ist den Bezirks- auSschuß festgestellt. Gegen den Feststellungsbeschluß findet binnen zwei Wochen die Beschwerde an den Provinzialrat statt." 2.§ 6 Absatz 7 den letzte» Satz folgendermaßen zu fassen: „Unter den gleichen Voraussetzungen kann der Gastschulbeitrag durch die im vorigen Absatz bezeichneten Instanzen anderweit festgestellt werden." II. Die Kommission wolle beschließen: In§ 6 Absatz 6 hinter dem ersten Satz einzuschieben:„Der andere Schulverband hat nur Anspruch auf Erstattung der ihm durch den Besuch der Gastschulkinder erwachsenden Mehrkosten." Zu Absatz 8 wird dann noch der nationalliberale Zusatzantrag „mit beratender Stimme" angenommen. Eua der Partei. „Der politische Massenstreik und die Sozialdemokratie". Unter diesem Titel gibt die Buchhandlung Vorwärts soeben den Sonder- abdruck der Verhandlungen in Jena über diesen Gegenstand heraus. Der Parteitag hatte beschlossen, nur die Bebelsche Rede über den politischen Massenstreik als besondere Broschüre zu drucken. Der Parteivorstand glaubte aber die Debatte in dieser, für die Massen- agitation bestimmten Broschüre ebenfalls veröffentlichen zu müsse», um so auch die Ansicht der Gegner des politischen Massenstreiks in »veitere Kreise zu tragen und so zur Klärung der Frage beizutragen. Das jetzt ausgegebene Heft erscheint als daS fünfte der Sammlung, die unter dem Titel:„Sozialdemokratische Agitations-Bibliothek" erscheint und deren Aufgabe es ist, wichtiges Tatsachenmaterial den Genossen dauernd zu erhalten, in indifferenten Kreisen aber durch solche Gelegenheitsschriften auf die Sozialdemokratie und ihre Forderungen aufmerksam zu machen. In dieser Sammlung sind bisher süns Hefte erschienen: Prinz Arenberg und die Arenberge— Der Zukunftsstaat der Junker— Der Klassenkampf im Ruhrgcbict— Das neue Ausnahmegesetz gegen die Bergarbeiter— Der politische Massenstreik und die Sozialdemokratie. Jede? Heft der Sammlung kostet 20 Pf., die AgitationZausgabe der Broschüre, die nur an Vereine, Vertrauensleute zc. zum Zwecke der Massenverbreitung geliefert wird, ist zu einem billigeren Preise zu haben._ Wahlkreis Friedeberg-Arnswalde. Am Sonntag, den 28. Januar, nnttags 1 Uhr, findet im Lokal von Konrad Marks(„Rittergutsgarten") zu Driesen die Kreis- konferenz deS Kreise? Friedeberg-Arnswalde mit folgender Tages- ordnung statt: 1. Bericht des KreisbertrauensmanneS. 2. Bericht vom Parteitag. 3. Vortrag des Genossen Obst über Agitation und Organisation. 4. Gründung eines Zentralwahlvereins. 6. Neuwahl des Kceisvertrauensmannes. 6. Presse. 7. Parteiangelegenheiten im Kreise. Anträge, welche auf der Konferenz verhandelt werden sollen. müssen bis Sonntag, den 21. Januar, an den Unterzeichneten ein- gereicht werden. Ludwig Werner, Kreisvertrauensmann, Driesen, Hinterstr. 36. Dem Rechtsanwalt Wcstphal- Danzig wurde wegen seiner früheren Betätigung als Sozialdemokrat die Bestätigung als Bürgermeister von Waltershausen durch die gothaische Regierung versagt._ Km Name» Seiner Majestät des Königs zum Sozialdemokraten erklärt. In München wurde bekanntlich der Schuhmachermeister I o h a n it Hierhager im Hinblick aus§ 3 des Vereinsstatuts und Z 3 des Organisationsstatuts der sozialdemokratischen Partei auS dem sozialdemokratischen Verein, somit auch aus der Partei ausgeschlossen. Hierhager hat in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Freien Vereinigung selbständiger Schuhmachermeister eine Reihe von Arbeitern der Zentralwerkstätte dem VcrkehrSministerium denunziert, daß sie zu Hause für Kundschaften pfuschen. Ein Schiedsgericht, das den Tatbestand feststellte, konnte keine Ent- scheidung fällen, da der Vorsitzende infolge des Verhaltens Hierhagers den Vorsitz niederlegte; doch hat der Gesamtausschuß des sozial- demokratischen Vereins auf Grund des protokollarisch aufgenommenen Tatbestandes Hierhager einstimmig ausgeschlossen und wurde dieser Beschluß von einer außerordentlichen Generalversammlung bestätigt. Hierhager stellte nun Klage zum Landgerichte München I mit dem Antrage: Der Beschluß des sozialdemokratischen Vereins vom 13. August v. I. auf Ausschließung des Klägers wird für rechtsungültig erklärt. Begründet ist dieser Antrag damit, daß der Beschluß mit Umgehung des Statuts gefaßt wurde, daß nach ß 2 des Organisationsstatuts ein Schiedsgericht zu entscheiden gehabt hätte, eine Entscheidung aber nicht getroffen habe und daß den Borsitzenden dieses Schiedsgerichts nach den Bestimmungen des Statuts nicht der sozialdemokratische Verein, sondern der P a r t e i V o r st a n d zu bestimmen habe. Die schon einmal aus- gesetzte Verhandlung kam am Dienstag neuerdings am Landgerichte zum Aufruf. Inzwischen sollte ein Schiedsgericht gebildet werden, zu dem der Parteivorstand in Berlin einen Vorsitzenden bestimmte und den Hierhager aufforderte, dem Vorsitzenden bis längstens 20. Fe- bruar seine Beisitzer zu benennen. Darauf ging Hierhager aber nicht ein, sondern er bestand auf seinem Schein. Das Landgericht fällte nun in der Tat folgendes sonderbar anmutende Urteil: Im Namen Sr. Maj. des Königs von Bayern. Der Beschluß des sozialdemokratischen Vereins München vom 18. August v. I., wonach der Kläger Hie» hager aus dem sozial- demokratischen Verein und der sozialdemokratischen Partei aus- geschlossen wurde, wird für rechtsungültig erklärt. Der be- klagte Berein hat die Kosten zu tragen. Sollte der königl. bayerische Sozialdemokrat Johann Hier- hager nicht vorziehen, seinen Austritt zu erklären, so wird ihm voraussichtlich ein Parteischiedsgericht die Parteizugehörigkeit neuerdings absprechen und ihn trotzalledem nochmals„a. D." stellen. Soziales. Wie es ausländischen Arbeitern in Preußen ergeht. Ritterguts- besitzer Gilka in Weißagl bei Lnckau beschäftigte auf seinem Gute mehrere golizisch-polnische Arbeiter aus Galizien. Es waren etwa 10 Männer. Am Sonnabend, den 4. November, als alle ordentlich dem Fusel zugesprochen hatten, verlangte der Arbeiter K i l i t s ch e ck von seinen Kollegen Brot und Schmalz. Nachdem sie ihm das ver- langte gegeben, zog er sein Messer und drohte sie zu ermorden. Mehrere der polnischen Arbeiter fielen darauf über Kilitschcck her, warfen ihn zu Boden und f e s f e I t e n ihn mit ihren Leibriemen an Händen und Füßen. Gefesselt ließen sie ihn nun am Boden liegen, von Sonn- abend, abends 10 Uhr an, bis gegen Sonntag und st i e ß e ir r e s p. traten mit ihren schweren Stieseln auf ihn herum. Nur, wenn er seine Notdurft verrichten wollte, lösten sie ihm die Fesseln und führten ihn hinaus, nachher wurde er gleich wieder gebunden. Die nächsten Tage fingen die polnischen Arbeiter zur Arbeit und überließen ihren übel zugerichteten Kollegen seinem Schicksal. Erst am Dienstag wurde ein Arzt aus Sonnenwalde geholt, ivelcher die Ueberführnng des Verletzten nach dem Krankenhanse in Lucka» anordnete. Am Freitag, den 10. November, wurde dann Kilitscheck nach dem Krankenhause in Lnckau gefahren, doch starb er noch an demselben Tage infolge der Verletzungen im Krankcnhanse. Wegen dieser Mißhandlungen und ivegcn Freiheitsberaubung hatten sich kürzlich vor der Strafkammer in Kotlbus die galizischen Arbeiter Michael Krysowaty, Konstantin Vetschowicz, Peter Zawadsky rnid Valentin Romankiwicz zu ver- antworten. Der Luckaner Kreisarzt als Sachverständiger bekundete, daß der Tod des gransam Gcmitzhandelten eine Folge der Miß- Handlungen war.' Wenn am S o n n t a g m o r g e n ein Arzt hinzugezogen worden, lväre»roch Rettung möglich g e iv e s e n. Der nichteidlich vernommene Zeuge Inspektor Wockenfuß sagt aus, daß am Sonntag früh mehrere polnische Arbeiter aufs Gut kamen und den Vorfall meldeten, der Herr war aber noch nicht zu sprechen. Gegen 7 Uhr morgens ging der Inspektor zur Pechhütte, er fand den Kilitsche� gefesselt a m Boden liegen, ließ ihn aber gebunden liegen. Auf Vorhalten des Vorsitzenden, warum er den Kilitscheck nicht befreit habe, oder doch wenigstens die Befreiung veranlaßt habe, wird Zeuge sehr verlegen und sagt dann, er habe zu den Arbeitern gesagt, sie sollten ihn losbinden. Er will den Vor- fall zweimal dem Herrn gemeldet haben, doch sei dieser nicht zu sprechen gewesen. Er habe es dann dem jungen Herrn gesagt, der nieinte, es würde schon wieder besser werden, auch die Polen hätten gesagt, K. würde schon morgen wieder zur Arbeit kommen. Am Freilag sei dann ein Brief vom Sonnewalder Arzt gekommen, daß der Kranke nach dem Krankenhause gebracht werden müsse. Der Zeuge wurde dann vereidigt. Die Angeklagten Kryso- waty und Romankiwicz wurden zu je l'/z Jahren, Zawadsky zu 1'/« Jahren Gefängnis verurteilt, Vetschowicz wurde freigesprochen. Die anderen Galizier waren schon in ihre Heimat abgereist. Die Roheit der ausländischen Arbeiter beruht auf dem furchtbaren sozialen Elende, unter dem sie leiden. Wie der Inspektor und öder „junge Herr" über daS Leben und die Gesundheit ihrer Arbeiter denken, zeigt der vorstehende, der„Märkischen Volksstimme" ent- nommene Bericht. Ob sie angeklagt werden oder ob der Staats- anwalt sich nur auf ihre Aussprache mit„ihrem Gott" verläßt? Ein anderes Beispiel zeigte eine Gerichtsverhandlung, die gleichfalls vor wenigen Tagen in der Mark stattfand. Vor der kottlhiser Strafkammer waren zwei Galizier angeklagt, die im Senftenberger Revier als Bergarbeiter von der Gruben- baronie beschäfligt wurden. Sie hatten schwere Sittlich keitS- verbrechen gegen Kinder von 10 bis IS Jahren begangen. Sie wurden zu 2 bezw. l'/e Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht zog als strafmildernd die denkbar ungünstigsten W o h n u n g s v er h ä l t ni s s e, sowie den Bildungsgrad der galizischen Arbeiter(die beiden Angeklagten haben gar keine Schule besucht) in Betracht. Die Grubenbarone und Groß- grundbesitzer Hand in Hand sind für die �schamlosen, in Wahrheit unsittlichen Wohnnngs- und Lohnverhältnisse verantwortlich, unter denen ihre Arbeiterschaft leidet. Sie find es aber, die sich dann als Sittlichkeitsapostel aufspielen. Feuerbestattung. Der Jenenser FeuerbestattiingSverein hat die Einäscherungsgebühr von 60 M. auf 40 M. ermäßigt und das Krematorium'schuldenfrei der Stadt übergeben. Hud Industrie und Kandel. Was geht vor? Seit zirka einem halben Jahre ist die Eisenindustrie in allen ihren Betrieben mit der vollen Leistungsfähigkeit be- schästigt. Von dieser Seite kann daher eine gesteigerte Nach- frage an den Kohlenmarlt kaum gestellt sein; über die volle Sättigung hinaus fehlt der Industrie doch jedes Bedürfnis. Andererseits hat die nach wenigen Frosttagen wieder einsetzende mllde Witterung den Verbrauch des Hausbrandes eingeschränkt. Danach könnte man Nachrichten von Abflaunngen der Nach- frage ganz natürlich finden, unnatürlich erscheint aber die fast plötzlich sich einstellende ungewöhnlich große, die uneingeschränkte Produktionsfähigkeit des Bergbaues noch weit übersteigende Nachfrage. Es handelt sich dabei aber nicht um einen Bedarf, der vielleicht durch große Auslandsengagements entstanden sein könnte. Wie wir gestern schon mitteilten, hat das Kohlensyndikat in England größere Verkäufe abgeschlossen, mit der Zweckbestinimung, dadurch den Export deutscher Kohlen einzuschränken und mit englischer Kohle die für den Außenmarkt eingegangenen Verpflichtungen einzulösen. Jetzt meldet Lafians Bureau, daß auch der Export englischer Kohle nach Deutschland ganz bedeutend wachse. Die Nachricht besagt: „Infolge großer deutscher Aufträge muß, dem„Daily Expreß" zufolge, in den Waliser Kohlenbergwerken mit Extraschichien ge- arbeitet werden. Die Kohlenausfuhr nach Deutschland ist auf mehrere tausend Tonnen wöciienilick, angewachsen." Es sind aber auch die Kohlengruben bei uns bis zur äußersten Grenze der Leistungsfähigkeit beschäftigt und das Kohlensyndikat drängt fortgesetzt zu Steigerungen der Förder- mengen. Es werden Ueberschichten eingelegt, die Vorrichtungsarbeiten eingeschränkt, alle technischen Einrichtungen, alle Kräfte in den Dienst der Kohlengewinnung gestellt, aber es kann innner noch nicht genug geleistet werden. Wie schon bemerkt, es erscheint ausgeschlossen, daß die ganz außerordentlich gesteigerte Fördermenge von dem direkten Konsum übernommen wird. Es handelt sich bei dieser ungewöhnlichen Nachfrage zweifellos vielmehr um ganz außer- gewöhnliche Ansammlung von Lagerbeständen. Ob da eventuell wirtschaftliche oder politische Spekulationen zugrunde liegen, entzieht sich natürlich unserer Kenntnis. Mit den eigenartigen Vorgängen darf man wohl in Zusammen- hang bringen die merkwürdige Nachricht, daß als Nachtrag auf die Tagesordnung der am 20. Januar stattfindenden Zecheubesitzerversammlung gesetzt sei: ein Antrag des Vor- standes, die Monate Oktober, November und Dezember 1905 aus der Jähresförderabrechnung auszuscheiden. Dieser Antrag hat wohl nur den Zweck, der Oeffentlich- keit die Kenntnisnahme der vollen Produktionshöhe vor- zuenthalten. Bis vor kurzer Zeit suggerierte man gern durch Bekanntgabe großer Fördcrziffern, jetzt auf einmal wird man nach der Richtung sehr bescheiden. Was ist des Treibens Zweck?._ Ein Sumpf. Zuweilen wird in Handels- und Jndustriekreisen ein Name ge- iiannt, der in der Geschichte der deutschen Industrie nicht übergangen werden kann. Stroußberg l Meist knüpft sich an die Erwähnung dieses Namens eine verächtliche, verui teilende Bemerkung. Aehnlich so, als wenn die Treberleute erwähnt werden. Manche, die an Stronßbergs— Glück glaubten, haben sich verspekuliert, sie verloren das in seine Gründungen hineingesteckte Geld, sie wurden als Beute- jäger bewogen. Trotzdem, Stroußberg war ein Genie. Dabei nicht mehr und nicht weniger Verbrecher als die LaSker, Miquel, Hansemann und Konsorten, nur der Kerl hatte Pech, und daS ist unverzeihlich. Wa-Z die Obergötter in der Industrie heute als Ideal industrieller Organisation verteidigen und preisen: die Zusammenfassung aller Produktionsphasen in einem Betriebe— kombinierte Werke— darauf richtete Stroußberg schon bor SO Jahren sein Augenmerk. Er hatte schon damals erkannt, daß die Un- abhängigleit von der Vorproduktion in letzter Linie allen Erfolg bestimmt, er suchte durch Erwerb der Dortmunder Hütte, der jetzigen Union, wenigstens teilweise Deckung für seinen Bedarf als Eisenbahn- Unternehmer. Hätte die Rumänische Eisenbahn ihm nicht den Hals gebrochen, Stroußberg hätte zweifellos auf die industrielle Ent- Wickelung noch nachhaltigen Einfluß ausgeübt und wir. wären vielleicht auch von einem der imerfrenlichsten SpekulationS- unternehmen, daS zirka 80 Millionen Mark verschlungen hat, ver- schont geblieben. Stroußberg mußte die Hütte verkaufen. Die Diskontobank war eS, welche sich durch Verkoppelung der von ihr weit über den Wert erstandenen Heinrichshütts mit der ebenfalls ihrer Kontrolle unterstehenden Dort- munder Hütte, der schließlich auch noch ein anderes unrentables Unternehmen, das Werk Neu-Schottland aufgepackt wurde, den Grundstein zu einem sehr unrühmlichen Denkmal legte. Später wurde der Hütte auch noch die Zeche Adolf v. Hansemann ausgehängt. Diese wechselte mehrmals den Besitz zwischen Hütte und den Hansemännern; die Hütte hat dabei keine Seide gesponnen. Hansemann, der Vater der Transaktionen, hatte Glück dabei, er rettete die gefährdete Bank auf Kosten der Aktienbesitzer der Hütte und hoch gestiegen ist sein Name im Rate der Ramscher. DaS neue Unternehmen war nicht nur überkapitalisiert, es hatte auch noch das Pech, fortgesetzt unter ungeschickter Leitung zu stehen— bis zum heutigen Tag. Die ungünstige Situation der drei räumlich getrennten, in Dorwiund, Steele und Hattingen belegenen Werke, wurde gesteigert durch gänzlich verkehrte technische und kaufmännische Dispositionen. Während guter Konjunkturen wurde ein großer Teil der eigenen Produktion zu Neuanlagen verwendet, deren Fertig- stellung in der Regel mit Ausbruch einer Krise zusammen- fiel, oder wenn da» nicht war, taugte sicher die An- läge nichts, und in nianchen Betrieben entspricht auch heute die Union durchaus nicht den Erfordernisscn der Bctriebstechnik, ganz zu schweigen von der Verwaltung. Wir können ruhig behaupten, um nur einen Punkt hcrauszugreifen: e-Z gibt keinen anderen Großbetrieb, in welchem die Arbeitskräfte so unpraktisch und unrentabel verwendet werden, wie das teilweise ans der Union geschieht. Daß may hier auch noch auf dem rückschritt- lichen Standpunkt steht, durch niedrige Löhne und lange Arbeits- zeiten billig zu produzieren, sei nur eu passaut erwähnt. Bei dem Zusammenwirken so vieler ungünstig-'r äußerer Faktoren und dem direkten Interesse, welches die Diskontobank jeder Finanztransaktion entgegenbrachte, kam es fortgesetzt zu Kapitalscrhöhungen und Zu- sammcnleguiig der Aktien. Auf diese Weise sind bis heute zirka achtzig Millionen Mark in dem Union» Sumpf ver- schwunden. Und wie es scheint, wird der alte Faden immer noch weiter gesponnen. Wie mitgeteilt wird, hat sich infolge bedeutender Aufwendungen für Neuanlagen und der Einstellung eines neuen Hochofens das Bedürsnis herausgestellt, das Aktienkapital durch Ausgabe weiterer Vorzugsaklien Lit. v zu er- höhen. Die Höhe der Emission soll 6 000 000 M. bettagen. Die letztere Veränderung des Aktienkapitals fand im Jahre 1902 statt; es wurden damals die Aktien Lit. C im Verhältnis von S: 3 auf 2S 200 000 M. zusaiimiciigelegt, und zugleich erging an di° Aktionäre die Anffordernng, auf vier alte Aktien eine neue Aktie Lit. v(im ganzen 10 800 000 M) zu pari zu zeichnen. Im Jahre 137S wurden die Aktien der im Jahre 1870/71 ge- gründeten Aktiengesellschaft Dortniiinder Hütte auf 400 M. abge- stempelt. Kurz darauf gelangten IS Millionen 6 prozentige Vorzugs- akticn zur Ausgabe, das heißt, sie wurden von der Diskoniobank übernommen für eine kontrahicrre Bankschuld. 1873 wurden die Stammaktien ans 300 Mark abgesteinpelt, dann mußten die Aktionäre ihre Papiere gegen Vorzugsaktien im Verhältnis von 1: 3 umtauschen. Und so giugs fort mit Grazie und s-Z wird wohl nicht anders werden mit der Union, wenn man nicht eine gründliche Sanierung parallel laufenläßt, den Beginn einer sachkundigen kaufmännischen und technischen Leitung und vor allem einer gründlichen Umgestaltung der erbännlichen Arbeitsverhältnisse. Stroußberg hat wenigstens etwas geschaffen, er ist mehr betrogen worden als er Betrüger war, die in der Union verpulverten Millionen also sind in die Taschen planmäßiger Beute- jägcr gelandet, sie haben der industriellen EntWickelung gar nichts gedient._ Finanzieller Skandal. Wir berichteten schon kurz über zwei Verhaftungen in Holland wegen bedeutender Unterschlagungen. Der eine der Helden, ein Feudaler, ist eine der Größen der holländischen liberalen Partei, Direktor von zwei großen finanziellen Unter- nehmimgen, die„Holländische Hypothekenbank" und die„Gesellschaft für Sicherheitsstellung für Beainte". Der zweite Direktor der Hypothekenbank, auch ein Feudaler, de Gcer, sollte arretiert werden, sprang aber unterwegs ans dem Zug und erreichte, obschon der- wundet, seine Villa in Hilvcrsum, wo er, nachdem er Gelegenheit gehabt hatte, konivromittierende Papiere zu vernichten, durch die Polizei festgenommen wurde. Man ließ ihn aber vorläufig unter Polizeiaufsicht zu Ham'e zur Pflege. Diese beiden noblen Herren haben zusammen Summen ge- stöhlen, deren Höhe noch nicht ganz feststeht, welche aber an oder über 4 Millionen Gulden betragen. Allein von der Gesell- schaft für Sicherheitsstellung sind t,4 Millionen verschwunden. Der Uufsichtsrat beider Gesellschaften besteht aus einigen der Allergrößten der liberalen Größen' des Landes. Es sind darunter: zwei Pro- Vinzial-Gouverneure, ein Mitglied des Hohen Rates und ein Staats- rat, ein Ex-Minister des Aeußeren, Mitglied der Zweiten Kammer und einige Parlamentsmitglieder. Der Unfug, daß politische Größen ihre Namen hergeben, um dem geldgebenden Publikum Vertrauen zu finanziellen Unternehmungen beizubringen, rächt sich hier wieder fürchterlich. Vornehmlich bei der„Sicherheitsstellung" verlieren Tausende von kleinen Leuten ihr bißchen Geld. Noch im Dezember hat Genosse Troelstra das Unwesen der niederländischen„Gesell- schaftcn mit beschränkter Haftung" in der Kammer besprochen und eine Resolution zur Gesetzesänderung beantragt. Natürlich macht der„feudale" Diebstahl großes Aufsehen. Die klerikale Presse würde wohl Mord und Brand schreien, wenn sie selbst nicht das Unglück hätte, daß auch einer ihrer Größen, auch einer der Edelsten der Nation, Bankier Van Asch van Wyk in Utrecht, mit einem Defizit von 1'/« Millionen Gulden seine Zahlungen eingestellt hätte. Die Nntionalbank in der Schweiz. Das S0 Artikel umfassende Nationalbankgesetz bestimmt ein Gründungskapital von 50 Millionen Frank, wovon 2/5 den Kantonen und>/z den Emissions-(Noten») Banken, die letzten 2/5 dein Privatkapital zur öffentlichen Zeichnung vorbehalten bleiben. Die Emissionsbanken find aber ebenfalls meistens Privatbanken. Das Direktorium der Bank hat seinen Sitz in Zürich, ihren rechtlichen und administrativen Sitz in Bern, wo auch die Generalversammlungen der Aktionäre abgehalten werden. Aon den 40 Mitgliedern des BankrateS wählen die Aktionäre 15. der Bundesrat 25. Die Bank ist steuerfrei und ihre Privilegien dauern zunächst 20 Jahre. Sie können dann wieder erneuert oder die Bank kann vom Bunde erworben werden, der heute von der finanziellen Beteiligung vollständig ausgeschaltet ist. Die tieue Bank wird zu einer neuen Domäne des Großkapitals, zu einer neuen wichtigen Position desselben im öffentlichen Leben und zu einer reichen Gewinnquelle für die reichen Aktionäre werden. Sie ist eine unverfälschte Schöpfung der den Bundesrat und die Bundesversammlung beherrschenden Geldsackspolitik, die durch die Verwerfung in der Volksabstimmung hätte vereitelt werden können. Die Abstinnnung hat aber keine Mehrheit gegen da§ Gesetz erbracht. Das Scheitern des ReserendumfeldzugeS gegen die neue Nationalbank setzt diese nicht sofort in Tätigkeit, sondern e§ soll noch lange dauern bis zu diesem Zeitpunkt, wahrscheinlich wird sie erst am 1. Januar 1908 ihre Funktionen beginnen. Die Geschäfts- leit.mg der sozialdemokratischen Partei konstatiert, daß nur in 297 von 3014 Gemeinden Unterschriften gesammelt wurden, daß die Genossen in der welschen Schweiz fast vollständig versagten, und sie appelliert energisch an die Parteigenossen, mit dem politischen In- differentismus zu brechen, um endlich aus dem Zustande der Stagnation und der Reaktion herauszukommen. Die Preise steigen. Das Roheisensyndikat hat die Preise ab II. Semester auf 82 M. für Hämalit- und auf 70 M. für Gießerei- Roheisen festgesetzt. Das bedeutet seit Oktober eine Steigerung von 10 respektive 3 M.— Das Lausitzer Kohlensyndat erhöhte die Preise um durchschnittlich 5 M. pro Doppelzentner. RegierungSrat a. D. Völker, Vertrauensmann der Regierung im Stahlverband, scheidet aus dieser Organisation aus. Betriebserweiterungen. Das Kohlensyndikat eröffnet Anfang März in Emden eine Brikettfabrik. Der Härder Verein erwarb die Ludwigsche Ringofenziegelei zum Preise von 200 000 M. Mit diesem Erwerb verfügt das Werk über eine Steinproduktion von 15 Millionen Stück._ ßua der frauenbcwcguncj. Heiteres aus der bürgerlichen Frauenbewegung. Die„fortschrittlichen" Damen fühlten sich im verflossenen Sommer bekanntlich wiederum berufen, ihren proletarlischen „Schwestern" eine neue„Heilswahrheit" zu verkünden. Nickst in Gewerkschaften, gemeinsam organisiert und gemeinsam kämpfend mit ihren männlichen Kollegen, könne das Jntereffe der gelvcrblich tätigen Frauen und Mädchen vertreten werden, sondern— in„Nur-Fraucn- organisationen", so dozierte Fräulein Lischnewsla, eifrigst unter- stützt von Else Lüders und anderen. In den Nrn. 2, 7 und 10 des XV. Jahrganges der„Sozialen Praxis" ist lebhaft das„Für" und„Wider" dieses Vorschlages von Damen und Herren diskutiert worden. Es ist nun keineswegs unsere Absicht, diese Diskussion hier zu rekapitulieren, um im einzelnen an den zum Teil recht seichten, den Kern der Frage absolut nicht erfassenden Auslassungen Kritik zu üben, vielmehr wollen wir einiges aus der Meinungsäußerung der Frau E. Gnauck-Kühne herausgreifen, um zu zeigen, wie in dem Hirn bürgerlicher Damen sich die Klassenkämpfe des Proletariats spiegeln. Frau Gnauck-Kühne, die übrigens gegen den Vorschlag der „Nur- Frauenorganisation" polemisiert und dieser ihrer Auffassung auch in der Broschüre über„Arbeiterinnenfrage" Ausdruck gegeben hat, entgegnet in Nr. 10 der„Sozialen Praxis" dem Herrn Dr. v. Wiese, der sich im Gegensatz zu ihr für reine Frauenorganisationen ausgesprochen hatte, unter anderen, folgendes: „Der verlockendere Plan gehört Dr. v. Wiese. Falls er mir ein einziges„Wenn" gestattet, trete ich ohne Besinnen auf seine Seite. Große, leistungsfähige, gut fundierte Frauengeiverkschaften— das ist ein schöner Gedanke. Haben wir die erst, so sind wir ein. gut Stück weiter. Ja, ich heg? die Zuversicht, daß— wofern nur erst diese Organisationen da sind— die wirtschaftlichen Kämpfe zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern so gut wie beseitigt sein werden. Die bekannte größere Geschmeidigkeit der Krau, ihre überragende List, von der die Dichter so viel zu sagen wissen, wird den rechten Augenblick und das rechte Mittel finden, um ohne G c w a l t m a ß r c g c l n von den Unternehmern zu erlangen, was diese den aufbegehrenden Männern verweigern. Und wirk- lich starke, leistungsfähige weibliche Organisationen werden durch ihre geschulten, selbstbewußten Mitglieder einen solchen Einfluß aus die gesainte Frauenwelt der Arbeiterklasse erlangen, daß sie durch diese auch die Männer in der Hand haben werden. Dann lvird die geeinte starke Frauenwelt, mit den Männern im Rücken, Reformen unschwer erlangen, nach denen die Männer allein vergeblich trachte- tcn. OdysscuS koinmt noch heute weiter als Ajax, Alles dies ist nicht nur möglich, sondern höchst wahrscheinlich, wenn— jetzt kommt das einzige„Wenn"—: wenn die Arbeiterinnen anders wären,> als sie sind. Mit abgehetzten, erschöpften, in geisttötendem Einerlei stumpf gewordenen Frauen(und das sind unsere Arbeiterinnen) läßt sich eine solche verlockend geplante Organisation nicht erreichen." So nun wißt Jhr's, Ihr männlichen Gewerkschaftler, warum Ihr mit Euren Forderungen in so manchen Fällen nicht durchge- drungen seid und immer aufs neue den Kampf für dieselben aus- nehmen mutztet: Ihr habt ein zu hitziges Temperament,„begehrt gleich auf!" Wäret Ihr etwas„geschmeidiger" und„schlauer", io hättet Ihr den Unternehmern längst„abgelistet", desscnwegen Ihr jetzt den Kampf führt. Ihr Toren, die Ihr bisher geglaubt, die Berücksichtigung und Anerkennung Eurer Forderungen hänge in erster Linie davon ab, welche realen Machrfaktoren hinter denselben stehen, müßt jetzt erkennen, daß es Euch nur an dem nötigen Quantum„Schläue" mangelte, um die tölpelhaften Unternehmer im rechten Augenblick hinters Licht zu führen I O, Du heiliger Bimbam l Welche Vorstellung von den tat- sächlichen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen und den in diesen wurzelnden Klassenkämpfen mag sich die fromme Dame machen? Freilich, sie protegiert die„christlichen" Gewerkschaften, und offiziell ist in diesen der Klassenkampf verpönt. Deren Gründer und Proteges wollten bekanntlich nichts weniger, als die„christlich?" Arbeiterschaft zum Klassenkampf scharen und schulen, bielmehr sie als Gegengewicht gegen die freien Gewerkschaftler aufmarschieren lassen. Aber die Macht der Verhältnisse zerstört immer mehr die fein ausgeklügelten, schlauen Berechnungen dieser„Arbciterfreunde"; sie treibt auch die„christlichen" Gewerkschaften immer mehr vor. wärts auf der Bahn— zum Klassenkampf. Ihre Proteges müssen täglich mehr und aufs neue erkennen, daß sie„die Geister, die sie riefen, nimmermehr los werden." Wenn auch tausendmal das Wort„Klassenkampf" verpönt ist in jenen Reihen, und diejenigen von uns, die frei und offen„das Kindlein beim rechten Namen nennend", die Massen da�u aufrufen, als„Hetzer" verschrieen werden, so arbeiten just jene, die uns heute am lautesten verlästern, mit daran,— wenn auch ungewollt und unbewußt— die Massen zum Klassenbewußtsein zu erziehen. Wer Arbeiter organisiert zu dem Zwecke, eine Hebung ihrer Lebenslage zu erwirken, der wird sie auch früher oder spater in den Kamps gegen VaS Unternehmertum führen müssen. Und solch ein Kampf, wo die Arbeiter die ganze Wucht der wirtschaftlichen Uebermacht der Unternehmer in der brutalsten Form zu fühlen bekommen, wo alle die organisierten Machtmittel des heutigen Klassenstaates: Polizei, Justiz, womöglich noch das Militär gegen sie mobil gemacht werden, o, solch ein Kampf, er wirkt riesig klärend, äugen- öffnend,„staarstechend", köpferevolutionierend l Da sind ganz andere „Hetzer" und„Aufwiegler" an der Arbeit, wogegen alle unsere Agitatoren, und wären sie noch so beredt und anfeuernd, elend« Stümper sind. Da wirkt„ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft," Da werden jene, die auszogen, den Klasscnkämpfern den Gar- aus zu machen, ihnen das Wasser abzugraben, plötzlich inne, daß sie selbst mitten im schönsten Klassenkampfe stehen. Und von denen, die bisher nur„vom dunklen Drange des rechten Weges sich be- wüßt", sie erkennen ihn jetzt plötzlich klar und deutlich vor- gezeichnet, und recht viele bekennen von da an sich auch frei und offen zur modernen Arbeiterbewegung. Weil sie von da an ein- sehen lernen, welch freventliches Spiel jene„Arbciterfreunde" treiben, die den Arbeiter lehren, er müsse sich, entsprechend seiner religiösen und politischen Anschauung auch in verschiedene GeWerk- schaftsorganisationen spalten, wo es dem mächtigen Kapital und all seiner Helfershelfer gegenüber nichts dringenderes bedarf, als der Zusammenfassung möglich st aller Ausge- beuteten ohne Rücksicht auf ihr religiöses und politisches Be- kenntnis. Weil sie einsehen, daß all diese„Arbeiterfreunde", die statt Einigkeit Zersplitterung und Feindschaft in die Reihen der Ar- beiter tragen, in Wirklichkeit die schlimmsten Arbeiterfeinde sind, die bewußt oder unbewußt— die Interessen des Kapitals vertreten. Jede Zersplitterung der gewerkschaftlich Orga- nisierten ist von diesem Gesichtswinkel aus zu bewerten. Und da sind wir wieder bei dem Vorschlag der„fortschritt- lichen" Damen angelangt. Nicht anders als Zersplitterung ist auch ihr Vorschlag der Gründung von„Nur-Frauenorgani- sationen" zu bewerten und deshalb scharf zu bekämpfen. Die Arbeiterin, als die vom Kapital doppelt Ausgebeutete, als die vom kapitalistischen Klassenstaat dreifach Entrechtete, zum B e- lrutztscin ihrer Klassen läge zu erziehen, ihr die Zu- sammenhänge der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, unter deren Druck sie so unsäglich leidet, begreiflich zu machen, sie als Glied, als Teil ihrer Klasse einzureihen in die eine gemeinsame Organisation, die alle jene umfaßt, die unter dem gleichen Drucke leidend, auch gemeinsam den Kampf zu führen haben gegen ihren gemeinsamen Feind, das Kapital, das ist unsere Pflicht. Wir als Sozialdemokraten betonen dann außerdem noch, daß mit dem gewerkschaftlichen Kampf um Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen die Pflicht der Proletarierin der Arbeiter- bewegung gegenüber keineswegs getan ist, sondern daß dazu, soll unsere Arbeit keine halbe bleiben, der Kampf auf politischem Gebiete um die Erringung der politischen Macht, zwecks Ueberwindung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung kommen muß. Und dazu bedürfen wir vor allem zielklarer Kämpferinnen. Aber selbst davon abgesehen, schon vom rein praktischen, g e- werkschastlichen Standpunkte aus betrachtet, heißt es, die Arbeiterinnen,— die selbst gegenwärtig, wo sie erst in verhält- msmäßig kleiner Zahl organisiert sind, doch in Gemeinschaft mit ihren männlichen G e w e r k s ch a f t s g e n o s s e n bereits eine Macht bilden— zur mindestens jahrelangen Ohnmacht verdammen, wolle man sie gesondert organisieren. Ganz davon abgesehen, daß ein solches Vorgehen wahrlich nichts weniger bedeutet als Stärkung des Solidaritätsempfindens. Im übrigen unierschreiben wir vollinhalilich, was Fräulein Helene Simon zu dieser Frage ausgeführt hat in Nr, 7 der„Sozialen Praxis". Die„fortschrittlichen" Damen, die extra eine„Zentralstelle für Arbcitcrinnenorganisationcn" innerhalb ihres Verbandes geschaffen haben, müssen sich jedenfalls mit dem Versuch, den immer inchr zur vollständigen Bedeutungslosigkeit herabsinkenden Gewcrkvevcinen Hirsch-Dunckerscher Richtung durch Gründung von Frauenorgani- sationen unter die Arme zu greifen, genügen lassen. Denn ein Versuch>vird es auf alle Fälle bleiben. Dort, wo die Hirsch- Dunckerschen bisher noch irgend welche Bedeutung hatten, da haben sie durch de» in letzter Zeit an mehreren Orten geübten Verrat bei wirtschaftlichen Kämpfen mehr und mehr sich arg verschofclt und auch das letzte Vertrauen eingebüßt, und dort, wo die moderne Arbeiterb«1vegu»ll doniüiiert, da werden unsere Genossen und Ge- nosfinnen teil Damen bei ihren ZcrsplitterungSversuchen energisch entgegentreten. Finge? wegl wovon Ihr nichts versteht! werden wir ihnen erklären. Wir müßten arge Rückschrittler sein, wollten wir Euren„fortschrittlichen" Ratschlägen folgen _ Louise Zieh. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Der für den 22. d. Mts, angesetzte Bortrag fällt ans, da Eduard Bernstein für diesen Tag verbindert ist. Der Vortrag lvird deshalb eine Woche später, also Montag, den 29. d. MtS,, stattfinden. Gerichts-Leitung. Schub der Arbeitswilligen. Jin Herbst 1904 war in der Metall- lvarcnfabrik von Zinn u, Glienicke, Luisenufer 34, ein Streik aus- gebrochen. Arbeiter und Arbeiterinnen, die sich dem Streik nicht angeschlossen hatten, wollen vor der Fabrik wiederholt belästigt bezw, mißhandelt sein, wenn sie die Fabrik betreten wollten oder sie ver- ließen. Tie Ehefrau des Reisenden Heinrich Knospe will gleich- falls belästigt sein und'ihr Ehemann ging am 5, November nach- mittags nach der Fabrik, um sie abzuholen und unter seinen Schutz zu nehmen. Er wurde von vor der Fabrik stehenden Männern und Frauen angehalten und von einer Anzahl Personen mißhandelt. Auf Grund ihrer Beteiligung an diesem Exzeß sind die Gürtler Burchardt und Müller bereits be st rast worden. Nachträg. l: ch ist aber noch gegen den Dreher Kaczerowski und fünf andere Arbeiter Anklage wegen Körperverletzung erhoben worden, weil sie verdächtigt wurden, bei jenem Vorfall gleichfalls auf Knospe losgeschlagen zu haben. Kaczerowsli gab zu, inft dem Schirm einmal zugeschlagen zu haben, behauptete aber, daß er ge- glaubt habe, angegriffen zu sein, zunml Knospe ein Messe r ge- zogen gehabt habe. Die übrigen Angeklagte ii bestritten ihre Beteiligung an der Schlägerei, während der Zeuge sie mit aller Bestimmtheit als solche Personen wiedererkennen wollte, die auf ihn losgeschlagen haben. Der Staatsanwalt brachte Strafen von einem Monat bis zu ciiter Woche in Vorschlag, Rechtsanwalt Dr. Karl L ö w e n t h a l, als Vertreter des Nebenklägers, beantragte noch eine Buße von 150 M.!— Die Rechtsanwälte Dr. H e i n e ma n n und Hugo Ca r o führten dagegen aus, daß die Täterschaft der einzelnen Angeklagten doch liicht genügend feststehe, um zu erner Verurteilung zu kommen, insbesondere sei durch die Beweisaufnahme festgestellt, daß einer der Angeklagteir, den der Zeuge gleichfalls be- schuldigte, gar nicht unter den Anwesenden sich befand bezw. nicht mitgeschlagen habe. Der Gerichtshof verurteilte nur den Kaczerowski zu einer Woche Gefängnis und einer mit den beiden früher Verurteilten gemeinsam zu zahlenden Buße von 150 M,� Sämtliche übrigen Angeklagten wurden freigesprochen, da der Gerichtshof an- nahm, daß bei einem solchen Tohuwabohu, wo eine Anzahl von Per» sonen auf den Zeugen einschlugen, dieser sich in seinen Wahr- nehmungen doch getäuscht haben konnte. Gegen die Angeklagten be- stehe zwar ein Verdacht, sie seien aber nicht mit genügender Sicher» heit überführt. Faule Eier. Eine eigenartige Abrechnung mit seinem Liefe- ranten hatte der Bäckermeister Joses Kuhn vorgenommen, der sich gestern unter der Anklage der Körperverletzung vor dem Schössen- gericht I verantworten mußte. Der Angeklagte ist seit längerer Zeit Inhaber eines gutgehenden Bäckereigeschäftes.� Die zu den Backwaren erforderlichen Eier bezog er von dem Eierhändler Selman Bienen- stöckl. Eines Tagcs kam es vor, daß sich unier den Eiern mehrere befanden, denen ein pcstilenzialischer Geruch entströmte und durch welche der ganze Teig verdorben wurde und weggeworfen werden mußte. Dieser Vorgang wiederholte sich des öfteren, wobei jedesmal die Gcruchsnerven der Anwesenden stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Angeklagte ärgerte sich über die vielen faulen Eier, die sich mittlerweile in seinem Geschäft aufsammelten, da er diese aufbewahrte, um von seinem Lieferanten Ersatz zu verlangen. Bienen- stöckl ließ sich indessen, vermutlich im vollen Bewußtsein seiner „ruchlosen" Tat, nicht mehr bei Kuhn sehen. Am 20. Oktober v. I. sah der Angeklagte zufällig den Eierhändler vorbeifahren. Er rief ihn in seinen Laden hinein. Als sich Bienenstöckl weigerte, die faule» Eier zurückzunehmen, schloß der Angeklagte die Ladentür ab, legte den schmächtigen und Keinen Bienenstöckl über das Knie und ließ einen Stock geraume Zeit auf ihm herumtanzen. Als er den armen Selman schließlich windelweich geprügelt hatte, setzte er ihn ziemlich unsanft an die frische Luft. Als Zeuge erklärte Bienenstöckl vor Gericht mit schmerzlich-erinnerungsvollem Lächeln: Wenigsten? zwanzig Minuten hat er auf mich losgedroschen.— Vor Gericht war Kuhn geständig und erklärte, nur im Aerger über die faulen Eier geschlagen zu haben. Der Gerichtshof gelangte zu einer Geldstrafe von 30 Mark, weil Prügel als Notwehr gegen faule Eier nicht anerkannt sind. Im Verkehr mit Schutzleuten. Der Kaufmann Schmidt war des groben Unfugs und des Widerstandes, der Kaufmann Klotting der öffentlichen Beleidigung beschuldigt. Herr Schmidt war am Abend des 2. Oktober etwas stark angetrunken, rempelte einige Passanten an, es kam zu einem Menschenauflauf und als zwei Schutzleute auf der Bildfläche erschienen, geriet er mit diesen in Konflikt und weigerte sich, zur Wache zu folgen. Die Schutzleute wandten nun Gewalt an und als sie den betrunkenen Mann im Sckmutz über die Straße schleiften, zeigte sich darüber bei der an- gesammelten Menge große Entrüstung. Auch der zweite Angeklagte entrüstete sich und soll nun gesagt haben:„Das ist ja eine Gemein- heit, eine Person so am Boden zu schleifen! Wir sind doch hier nicht in Rußland! Die Schutzleute sind mindestens besoffen!" Er mußte nun auch mit zur Wache und die Folge war die jetzige Anklage.— Er bestritt, solche beleidigenden Ausdrücke gebraucht zu haben. Er habe nur seiner Verwunderung Ausdruck gegeben, daß die Schutz» leute einen Mann am schmutzigen Boden schleiften, wobei er aller- dings gesagt habe:„Wir sind doch nicht in Rußland". Darauf habe ihn der eine Schutzmann sofort sehr schroff angefahren. Die Schutz- leute verblieben bei ihren Angaben, däsfoer Angeklagte sie beleidigt habe. Angeklagter Schmidt behauptete, daß er überhaupt von nichts wisse. Der Staatsanwalt beantragte gegen ihn 10 M., gegen K. 75 M. Geldstrafe. Der Gerichtshof sprach S. frei und ver- urteilte K. zu 40 M. Geldstrafe. S. wurde freigesprochen, weil seine Tat sinnloser Trunkenheit zuzuschreiben sei. Geschlossene Gesellschaften dürfen ohne polizeiliche Genehmigung lustig sein. Das mußte abermals durch die Arbeit von 12 gelehrten Juristen in hochnotpeinlichem Verfahren festgestellt werden. Wartenberg, der Vorsitzende der Zahlstelle Sayda des Deutschen Maurerverbandes, hatte mit Donko und Otto zusammen das Fest- komitee gebildet, welches das Stiftungsfest der Zahlstelle Pfingsten 1905 arrangierte. Daraufhin wurden sie angeklagt, eine öffentliche Tanzlustbarkeit ohne polizeiliche Erlaubnis veranstaltet zu haben. Das Landgericht Wittenberg sprach sie frei, weil die Feier, an der etwa 60 Personen teilgenommen hatten, welche sich durch die Ge- meinschaftlichkeit ihrer Interessen innerlich mit einander verbunden fühlen, zweifellos die Feier einer geschlossenen Gesellschaft darstelle, die ohne polizeiliche Erlaubnis lustig sein dürfe. Das K a m m e r» gericht bestätigte am Dienstag diesen Frcispruch. Bekanntlich hatten vor einigen Jahren die Herzfclder Zicglcr die grundsätzliche Anerkennung des Rechts, ohne polizeiliche Genehmigung und mit Frauen bei derlei Festen tanzen zu dürfen, durchgesetzt. Das Kammergericht hat inzwischen hin und wieder, so aus Anlaß des Tanzvergnügens, das der Staßfurter Thcatervcrein veranstaltet hatte, seine Praxis verlassen. Auch diesmal betonte es, daß von Fall zu Fall zu prüfen sei, ob die geschlossene Gesellschaft nicht durch Aneinanderreihen einiger juristisch klingenden Floskeln zu einer öffentlichen umkonstruiert werden könne. Anklagen sind in der Zeit nach 1848 wegen ungenehmigter Lustbarkeit auch gegen Nicht- arbeiter erhoben. Ein geheimer Ministerialrat aus dem Justiz- Ministerium z. B. wurde mitsamt seiner Tanzgesellschaft auf den Molkenmarkt im Jahre 1850 transportiert. Derlei Mittelchen er- zielten bei der Bourgeoisie, genau so wie jetzt bei der Arbeiterklasse. lediglich eine andere als die beabsichtigte Wirkung. Die Konstruktion „von Fall zu Fall" ermöglicht, die Klassenjustiz mit dem Schein un- parteiischer Erwägungen zu versehen. Dem Rechtsempfinden widerstreitet es aufs äußerste, geschlossene Gesellschaften, die von Arbeitervereinigungcn veranstaltet werden, überhaupt als öffcnt- liche Veranstaltungen erachten zu lassen. Die Begründung des kammergerichtlicken Urteils läßt erkennen, daß es auf dem Wege. des zweierlei Rechts auch auf diesem Gebiete sich, ohne es zu merken, befindet. �_ Verband der Frtseuraehülfen. Zweigverein Berlin und Vororte. Am t8. dZ, Mts,, abends 10 Uhr: Generalversammlung. Berichte und Neuwahl der gesamten OrtSverwaltung, Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Deutscher Rrbeiter-Abstinenten-Bnnd. Ortsgruppe Berlin. Bezirk IV,(Nordwest. Moabit, Charlottcnburg). Freitag, den 19, Januar, abends flz9 Uhr, bei Achilles, Wiclesslraße 24. Rcserent W. Miethkc über: „Was mutz der Proletarier von der Sllkoholjrage wissen?"— Gäste will» kommen. Zlrbcitcr Saniaritcr-Kolonne. Heute abend 4. Abteilung Lichte'.,. bcrg, Schariiweberstrabe 69, An herbem Freitagabend im GenosseuschastS. hause,' Stargardnstrahe 3: UebungSitundcn, Vortrag über: Verbrenn,»igen — Erfrieren— Hitzschlag— Blitzschlag— Beschädigung durch Elektrizität. — Nach dem Vortrage praktische Uebnngen. Reue Mitglieder könne» jeder- zeit eintreten. E giebt irgend einen Unterschied in der Qualität aller türkischen Cigaretten. Wenn sie uns jede der mannigfaltigen Sorten bringen würden, könnten wir Ihnen durch Vergleich mit Josetti- Cigaretten zeigen, in welcher besonderen Eigenschaft sie sich von einander unterscheiden. Einige sind zu stark; andere dagegen zu leicht. Die Stärke des feinsten türkischen Tabaks, welcher in der Herstellung von JOSETTI CIGARETTEN Verwendet wird, ist so vollkommen abgestimmt durch sachverständige Mischungen, dass diese Stärke zum auserlesensten köstlichsten Aroma wird. So vollkommen sind diese Mischungen, dass obwohl der volle Gehalt der Tabakblätter erhalten bleibt, Josetti- Cigaretten in angenehmer Milde unvergleichlich dastehen. Josetti- Cigaretten steben in der That halbwegs zwischen übertriebener Stärke und übertriebener Milde und stellen das Ergebnis langjähriger Bemühungen gerade den richtigen Punkt zu treffen dar. Dieser Punkt ist feine Qualität, die unterscheidende Eigentümlichkeit der Josetti- Cigaretten, Josetti Josetti Juno 10 St. 20 Pfg. 1. Allgem. Ortskrankenkaffe Spandau. Wir machen hierdurch bekannt, daß die Einzahlung der Beiträge, sowie das An- und Abmelden der Mitglieder vom Montag bis Freitag von 8-1 Uhr zu erfolgen hat. 270/6 Der Sonnabend ist lediglich zum Auszahlen des Krankengeldes bestimmt, jedoch erhalten Stranke, die im Laufe der Woche gesund geschrieben werden, dieses auch an demselben Tage auss gezahlt. Der Vorstand. A. Kleinert, Borsigender. Ehrenerklärung. Die Beleidigung, die ich gegen den Glasmacher Alegander Manz ausgesprochen habe, nehme ich hiermit zurüd und erkläre, daß an dem Ge rede tein wahres Wort ist. 19716 Franz Michaelis. Verlag G. Birk& Co., München. Neu erschienen: Ed. Bernstein: Die heutige Sozialdemokratie in Theorie und Praxis. Preis 1 Mk. Dr. med. G. Zepler: Radikalismus und Taktik. Gin wort zum Vorwärts"-Konflikt als Mahnwort an die Genossen. Preis 20 Pf. Ferner: Der Vorwärts"- Konflikt. Gesammelte Aftenstüde. 57082* Preis 30 Pf. 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Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Hr. 14. 23. Jahrgang. 2. Killige im„östiiiittü" Ktlinct Klliülilatt, Aonnerstag» 18. Jannar 1906. Hülfskaffen-Kongreß. Berlin, 17. Januar. Die Verhandlungen des Kongresses der eingeschriebenen freien Hülsskassen werden heute früh von Blume- Haneburg wieder- eröffnet und es erhält nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegen- heilen F r e n tz e l- Hainburg das Wort zur Vorlage der von der Redaktionskommission inzwischen ausgearbeiteten Resolution. Die Resolution hat unter Einschaltung eines von Z a f s k e be- antragten Zusatzes folgenden Wortlaut: Der am 18. und 17. Januar in Berlin inr GcwerkschaftShause zusammengetretene Kongreß der freien Hülfskassen, beschickt mit 213 Delegierten, die 291 Kassen mit 859 099 Mitgliedern vertreten, pro- testiert nach eingehender Erörterung des betreffenden Gesetzentwurfes der verbündeten Regierungen gegen die in diesem Entwurf geforderte Aufhebung des HiilfskassengesetzeS. Der Kongreß verurteilt zwar nicht minder energisch wie die verbündeten Regierungen es tun, jede unreelle Berwaltungspraxis. Er wünscht die Beseitigung des S ch w i n d e l k a s s e n w e s e n s, das tatsächlich hier und da sich geltend gemacht hat. Aber diese durch öffentliches Rechts- belvußtsein und staatliches Interesse gebotene Reform kann sehr leicht erreicht werden, ohne daß das Hiilfskassengesetz, das nach dem Zugeständnis der Regierungen sehr segensreich gewirkt hat, der Auf- hcbllng verfällt. Der Kongreß fordert für alle auf Grund des HülfSkassengesetzes bestehenden Kassen, die nicht erwiesenermaßen sich unerlaubter Geschäslspraxis schuldig machen, die ausdrückliche gesetzliche Anerkennung. In erster Linie sind die berechtigte» Interessen der Berufskassen ins Auge zu fassen, von denen die ver- liün deren Regierungen in den Motiven zu ihrem Gesetzentwurf selbst sagen:«daß sie eine einwandfreie Tätigkeit entfalten und den gehegten Erwartungen ent- sprachen haben". ES steht nach Erinessen deS Kongresses außer Zweifel, daß die Unterstellung der Hülfskassen unter das Privatversicherungsgesetz gleichbedeutend sein lvürde mit der Hin Wirkung auf die Beseitigung dieser Kassen überhaupt. Tie würden dadurch gegenüber den anderen Krankenkassen in die denkbar ungünstigste Existenzbedingung gestellt werden. Bor allem bleibt auch zu erwägen, daß durch den vorliegenden Gesetzentwurf eine in keiner Hinsicht zu rechtfertigende Schädigung der bisher in den Hülfskassen versicherten Personen be- wirkt würde. Und zwar in erster Linie derjenigen, die infolge ihres Alters oder einer nicht versicherungspflichtigen Beschäftigung ihre Aufnahme in eine andere Kasse nicht herbeiführen können. Aber abgesehen von all den schweren Schädigungen, die sich für die Hülfskassen aus der beabsichtigten Unterstellung unter dnS Privatversicherungsgesetz ergeben würden, ist zu berücksichligen, daß dem Prinzip der Selbstvertoaltung und Selb st be st im- urung auf diesem Gebiete die Gefahr der Ver- uichtung droht, wenn die Kassen rücksichtlich ihrer Eristenz- berechtigung dem willkürlichen Ermessen des ReichSaufstchtSamtes unterworfen werden. Auf Grund all dieser Erwägungen richtet der Kongreß an den Reichstag das dringende Ersuchen, de» angefochtenen Gesetzentwurf abzulehnen. Sollte der Reichstag indes wider Erwarten im Prinzip den, Entwurf der verbündeten Regierungen zustimmen und sich für Auf- Hebung des Hülfskassengesetzes. entscheiden, so erwartet der Kongreß, daß der Reichstag wenigstens folgende Bestimmungen in das Gesetz aufnimmt: ff 9 des Entwurfes einzuschalten, als: Absatz 2. Die im Absatz 1 bezeichneten Versicherungsvereine sind als„kleinere Bereine" in, Sinne des§ 63 Abs. 1 des Gesetzes über die privaten VersicherungS-Unternehmungeniikkofrage, die Vorgänge in Sachsen und den Fall Löbe. Zum Schluß kommt Redner auf den am Sonntag, den 21. Jannar geplanten LandtagSwahlrechts-Proiest zu sprechen. Folgende Resolution gelangte einstinunig zur Annahme: Die Getteralversammlung geißelt die freche Anmaßung unserer Diplomaten, über die Köpfe des deutsche» Volkes hinaus über Krieg und Frieden heimlich zu entscheiden. Sie geißelt die Be- strebungen einer reaktlouären Clique, aus Anlaß des Marokko- Konfliktes, der das deutsche Voll kühl bis ans Herz läßt, die europäische» Kulturvölker in einen brudormörderischen Krieg zu hetzen. Die Generalversammlung erklärt, daß diese Äriegstreibereieu nur dem Zweck dienen können und sollen, das revolutionäre Proletariat zu Boden zu Wersen, daS in erster Linie die Kosten eines Krieges zu tragen habe» tvürde. Die Generalversammlung spricht dem französischen Prole- tariat seine vollste brüderliche Sympathie aus uno bestätigt von neuem, daß die Interessen des internationalen Proletariats gegen- über einem Kriege und gegenüber der internationalen Neaktion eins sind. Genosse Staad- Potsdam erstattet den Bericht der Preß- kommissio» der„Brandenburger Zeitung". Die„Braiidenburger Zeitung" habe mit einem Defizit von 19 M. wöchentlich gearbeitet. welches aber durch die neuen technischen Einrichtungen wieder weit gemacht werde. Er, Redner, sowohl als auch sämtliche Preß- koinmissionS-Mitglieder feie» gegen die Stellungnahme der„Branden- burger Zeitung" im„Vorwärts"-Köiiflikt gewesen. Die Tagesordnung war hiermit erschöpft. Der Vorsitzende. Genosse Paris, schloß um 6'/, Uhr die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie. Versammlungen. Der sozialdemokratische Wahlverein für den 4. Berliner Reichs- tagswahlkreiS hielt für das K ö p e n i ck e r Viertel am 16. Januar in der„Drachenburg" vor dem Schlesischen Tor eine Versammlung ab. Nachdem der verstorbenen Mitglieder ehrend gedacht worden war, erledigte man verschiedene Partei- und Ver- einsangelegenheiten. Namentlich wurde, anknüpfend an die jetzt vollzogene Einteilung des Wahlvereins in fünf Agitationsbezirkc, eine möglichst intensive Agitation angeregt. Reichstagsabgeordneter« ch ö p f I i n hielt dann an Stelle des verhinderten Genossen Grunwald einen beifällig aufgenommenen Vortrag über„Reichsfinanzreform und Sozialdemokratie". Eine Diskussion fand nicht statt. Ein Vertreter des Verbandes der Gastwirtsgehülfen sprach den Wunsch aus, daß die Organisationen das Bestreben des Verbandes, den Kellnern angemessene Arbeitsbediltgungcn zu schaffen usw.. unterstützen möchten. Vierter Wahlkreis. Für das Görlitzcr Viertel fand am Dienstag im Lokal„Südost" in der Waldemarstrahe eine Vcrsamm- lung statt. Genosse I e n s ch hielt einen Vortrag über dos Thema: „Glaube des Proletariats". Der Redner stellte dem religiösen Glauben, der die eigentliche Bestimmung des Menschen ins Jenseits verlegt, die Anschauungen des modernen Proletariats gegenüber, welches an die Verwirklichung der höchsten Menschheitsideale in einer nicht zu fernen Zukunft glaubt. Der Vortrag fand lebhafte» Beifall. Im Sinne des Referenten sprach noch Genosse Stumpc. Die Versammlung endete mit der Aufforderung seitens des Vor- sitzenden und Referenten zum regen Bestich der am Sonntag statt- findenden Protestversammlungen und dem Ersuchen, sich am Sonn- tag, aller etwaigen Provokationen zum Trotz, ruhig und besonnen zu verhalten. Sechster Wahltreis.„Fnte�nationaliLinus und Sozialismus" war das Thema eines Vortrages, den Genosse Dr. Michels aus Marburg am Dienstag in einer gut besuchten Versammlung des Wahlvereins hielt, die im Swinemünder Gesell- schaftshaus stattfand. Ter Redner bemerkte einleitend, daß die größte Aufgabe, die Karl Marx erfüllt habe, die sei, mit den bürge r- liehen Vorurteilen aufgeräumt zu haben, und so habe er auch den Begriff des Staats auf seinen eigentlichen Wert zurückgeführt und erkannt, daß der Staat nie etwas anderes gewesen ist, als ein Aus- schuh der jetveilig herrschenden Klassen. Im Spraehgebrauch verstehe man nun allerdings unter„Vaterland" etwas anderes als unter dem Worte„Staat": praktisch meinten die Herrschenden jedoch mit dem Vaterland, das man lieben solle, den jetveilig bestehenden Staat. Der Redner wies hier auf die erzwungene Umkrempelung der„patriotischen Gefühle" hin, wie sie innerhalb Deutschlands be- sonders stark im Jahre 1866 bei der preußischen Annektierung zu- tage trat, und schilderte daniii den Internationalismus der herrschenden Klassen, die als Kaufleut« ihre Waren in dem Lairde einkaufen, wo sie am billigsten sind, und als Arbeitgeber ohne irgend welche nationalen Rücksichten die billigsten und willfährigsten Ar- beitskräfte heraitbolen. So seien die nationalen Gegensätze zwischen der Bourgeoisie der verschiedenen Länder nur scheinbar vorhanden, während überall eine scharfe Scheidung zwischen dem Proletariat und den Besitzenden hervorträte. Der Redner führte verschiedene Beweise dafür an, wie sich die Gegensätze der Lebensauffassung der beiden Klassen in der Moral, der Rechtspflege usw. geltend machen. Die selbstverständliche Pflicht des Proletariats sei eS, auch hier international zu sein: Das Baterland des Proletariats sei seine Klasse und in weiterem Sinne hie ganze Menschheit. Wohl könne auch der Proletarier im engexen Sinne des Wortes sein Vaterland lieben, und zwar insofern dieses allen eine gut« Mutter sei, die allen ihren Kindern die gleiche Fürsorge widme und Gerechtigkeit tvalten lasse. Hier handele da» Proletariat im Sinne der Worte Goethes aus dessen Gesprächen mit Eckermann:„Was heißt denn: sein Vaterland lieben, und was heißt es denn: patriotisch wirken? Wenn ei» Dichter lebenslänglich bemüht war, schädliche Vorurteile zu de- kämpfen, engherzige Ansichten zu beseitigen, den Geist seines Volles aufzuklären, dessen Geschmack zu reinigen und dessen Gesinnungs- und Denkweise zu veredeln: was soll er denn da besseres tun und wie soll er da patriotischer wirken?"— Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Zur Diskussion verlangte niemand das Wort. Der Vor- sitzende forderte zn eifriger Agitation für die Versammluiigeii am Sonntag auf und crmahnte die Genossem auf die ekelerregenden Hetzereien der Scharfmacherpresse vom Schlage der„Post" hin- weisend, allen Provokationsversuchcn entschieden entgegen zu treten. Die Arbeiter der Straße«ibah»-Hauptwerkstättei, befaßten sich am Dienstag im Bernhard Rose-Thcater erneut mit der jüngst er- folgten Maßregelung der Krankcukassei,-Dele- gierten. In dieser Angelegenheit war auf Beschluß der vorigen Versammlung eine Kommission beim Direktor Dr. Micke vorstellig geworden. Di« Antwort des H«rrn Direktors hat die Kommission allerdings nur wenig befriedigt; sie beschränkte sich lediglich auf einige nichtssagende Erklärungen, wie sie in einer Berichtigung, die von der Direktion auf den letzten Versammlungsbericht hin an die Presse versandt wurde, enthalten war. In der Berichtigung wurde nämlich bestritten, daß die Entlassung der Delegierten wegen ihrer Zugehörigkeit zur Organisation erfolgt sei; sie habe sich lediglich wegen der„verminderten Arbeitsgelegenheit" notwendig gemacht. Eine politische Maßregelung habe nicht stattgefunden, sie hätte auch keinen Sinn gehabt, da ja an Stelle der onsgeschiedenen Delegierten ihre Stellvertreter aufrücken, die ebenfalls vom Verbände ausgestellt worden seien. Andererseits aber könne die Direktion unter ihren Bediensteten nicht Leute dulden,„die agitieren und ihre Kameraden verhetzen".— Mit Recht wurde in der Versammlung betont, daß hier em Satz den anderen aufhebt. UebrigenS sei es auch falsch, daß Als D Güttner gewählt. 1 B. 30, Bei einer Explosion getötet. Aus Frankfurt a. M. wird gemeldet: ble Stellvertreter der Delegierten vom Verband aufgestellt feien;| Erhöhung der Beiträge für männliche Mitglieder von 30 auf 40 Pf. 1 dies seien im Gegenteil Leute des von der Direktion so liebevoll und für weibliche von 15 auf 20 Pf.; ferner ein Antrag, die jetzt Auf den Höchster Farbwerfen fand vorgestern eine Refselexplosion protegierten Vereins der Straßenbahnangestellten. Gerade darin, bei größeren Lohnkämpfen üblichen Ertrasteuermarken durch er- statt. Der Kessel flug mit furchtbarem Knall in die Luft. Ein Arbeiter daß diese Stellvertreter behalten und die Verbandsdelegierten ents höhte Beitragsmarken zu ersehen, und schließlich ein Antrag, der namens Pleines wurde getötet. lassen wurden, trägt die Entlassung eben den Charakter einer Maß- sich gegen die Heimarbeit und das Zwischenmeistersystem im Eingegangene Druckschriften. regelung, der durch alles Abstreiten nicht verwischt werden kann. Sürschnergewerbe richtet und die Mitglieder iuffordert, so viel wie Von der Versammlung wurde denn auch eine Resolution in diesem irgend möglich die Arbeit innerhalb der Fabriken vorzuziehen. Ein , La conférence d'Algésiras". Paris( bei Berger- Levrault Sinne einmütig angenommen. Antrag auf Einführung geregelter Reiseunterstützung wurde von u. Cie.) 224 Seiten und 8 starten. 5 Frank. der Generalversammlung abgelehnt. Monatsschrift für christliche Sozialreform. Abonnementspreis: HalbDie Filiale Berlin des Vergolderverbandes hielt am Montag Sodann gab der Vorsitzende Krause den Bericht der Orts- jahr 3,20 m. Einzelheft 80 Pfennig. Verlag Bäßler u. Drerler. Zürich im großen Saal der Arminhallen eine Generalversamm verwaltung, der sich fast nur auf die letzten zwei Monate des ver-( Schweiz). I ung ab. Der Kassierer E. Krüger erstattete den Kassenbericht flossenen Jahres erstreckte, in denen der Redner als Leiter der Klerifalismus und Laizismus. Das Laienelement im Ultramontafür das 4. Quartal 1905. Der Bestand vom 3. Quartal betrug Filiale tätig war. Er bemerkte unter anderem, daß der große nismus. Von Dr. Leopold Karl Gök, Frankfurt a. M. Neuer Frankfurter 240,75 M. Jm 4. Quartal wurden insgesamt 3792,45 M.( ein- Streit im verflossenen Jahre den wünschenswerten Erfolg nicht in Verlag. Preis 1,80 Mark. schließlich jenes Bestandes) eingenommen. Die Filialausgabe be= Briefkaften der Redaktion. trug 808,85 m., so daß 2983,60 m. blieben. Davon wurden 2703,77 bellem Maße gebracht habe. Jedes Mitglied müsse nun nach besten Kräften danach streben, das Versäumte wieder gut zu machen. Wettende 150. Wachsen nicht. Mark on die Haupttasse abgeliefert. Beim Beginn des neuen In der Diskussion berichtete der frühere Vorsitzende Dittmann 5. K. 1. 1. In derartigen Vierteljahres war demnach ein Bestand von 279,83 M. vorhanden. über die große Zahl von Versammlungen und Sigungen, die während Theatern werden fast nur Sachen scherzhaften und leichteren Genres aufDem Kassierer wurde Decharge erteilt. Den Jahresbericht des Vorstandes gab der Vorsitzende Oelert. Er fonnte über eine der Streitbewegung abgehalten wurden und von dem Eifer zeugen, geführt und fällt deshalb auch die Besprechung dementsprechend aus. Ein - Der Kassierer Dreiblatt Bergleich mit eigentlichen Theatern ernsten Charakters ist darum auch gar ganze Reihe von Plänkeleien mit dem Unternehmertum berichten. mit dem hierbei gearbeitet worden ist. allgemeinen Interesses entbehren, zur Zufriedenheit zu Zu größeren Differenzen tam es im verflossenen Jahre nicht. Der verlas sodann die Abrechnung vom 4. Quartal und die Jahres- nicht angängig. Gerade solche Anfragen, welche schon an sich jeden Mitgliederbestand blieb stabil. Diskutiert wurde nicht über die abrechnung. Im verflossenen Jahre beliefen sich die Einnahmen, erledigen machen durch zeitraubendes Nachschlagen die meisten Umstände, Berichte. Die Neuwahl der Filialfunktionäre nahm wenig Zeit in famt dem alten Bestand von 73,28 M., auf 13 788,93 M., die Aus- umjomehr als in diesem Fall die in betracht kommenden Genossen der Anspruch. Es wurden en bloc wiedergewählt der bisherige Borstand, gaben auf 13 335,68 M., so daß 453,25 M. übrig blieben. Für Redaktion nicht mehr zur Verfügung stehen. 2. Die erste Reichstagswahl Streifunterstützung wurden 7900 M. ausgegeben, für den Streit nach Festlegung der fünfjährigen Legislaturperiode fand 1890 statt. Begen die bisherigen Revisoren, die bisherigen Bibliothekare. Charlottenburg 16. Sie durften nur für Delegierte zur Gewerkschaftskommission wurden Hahn und in Markranstädt 400 M.; an die Hauptkasse gesandt 897,09 M. Die Nichtannahme der vom Bundesrat vorgelegten Militärvorlage wurde dieser Delert wiedergewählt. Auf Anregung aus der Versammlung Neuwahlen der Ortsverwaltung hatten folgendes Ergebnis: Erster Reichstag 1903 aufgelöst. R. R. 163. Im allgemeinen genügen die Volksschultenntnisse. wurde beschlossen, die Besoldungsfrage zu regeln. Man erhöhte das Vorsitzender Krause I, zweiter Vorsitzender Tunich, erster zwei Kandidaten stimmen. Gehalt des ersten Vorsitzenden auf 30 M. pro Monat. Nach wie vor Kassierer Dreiblatt, zweiter Kassierer Brennide, erster R. E., Moabit. Benden Sie sich an die Zentralkommiffion der KrankenSchriftführer Krause II, zweiter Schriftführer 3illmann, faffen, S.O. Engelufer 15. F. S. 92. Wilhelm Hinz, Prinzenstr. 66. sollen der erste Kassierer monatlich 30 M. und der zweite Kassierer Beisiger: Nischke, Hecht, Unterbusch, Poppi und Wette A. Sp. 123. Die Bären bilden eine eigene Gattung der Raubmonatlich 15 M. erhalten. Die Wahl von Delegierten zur A. M. 100. 1. Fragen Sie beim Charlottenburger ev. Berliner Neuer 2. 25 Pf. Generalversammlung des Verbandes, welche demnächst in Leipzig uskh. Als Revisoren wurden Tillmann, Stefflea und fiere. Einwohnermeldeamt( Polizeipräsidium) nach. stattfindet, betraf der nächste Punkt der Tagesordnung. Bei der Der Bericht des Delegierten der Gewerkschaftskommission Abonnent. Bitte Adreßbuch, 2. Band, Teil II nachsehen. Personenfrage kam es zu einer längeren Debatte, in der auch die wurde der vorgeschrittenen Zeit wegen vertagt, ebenso die Neuwahl Potsdam. Redaktion der„ Deutschen Fischerei- Zeitung", Stettin, Schulzen244 straße 25. G. G. 4. 1 X 12 lls- Gen." Lassen Sie sich Frage des Anschlusses an den Holzarbeiterverband erörtert wurde. das Bücherverzeichnis der Buchhandlung Vorwärts senden. 83. 1. Wenden Es war nämlich darauf verwiesen worden, daß bei der Urabstim= zu diesem Amt. Sie sich an die königliche Münze. 2. Bureau des Reichstags. 3. ,, Brennereimung sich vier Fünftel der Berliner Mitglieder für den Uebertritt Beitung", Bonn, Kaiserstr. 34. M. K. 15. Mitteilungen anderer Blätter zum Holzarbeiterverband erklärt hätten, und zugleich hatte man fönnen wir nicht auf Richtigkeit prüfen. J. K. Umsturzvorlage wurde angeregt, jeden Kandidaten zu einer Aeußerung über seine Stellung1894 eingebracht, 1895 verscharrt. nahme zu veranlassen, damit die Versammlung bei der Abstimmung Weihnachtspaketftatiftit 1905 im Reich. Der letzte Weihnachtsdarüber unterrichtet sei. Dieser Anregung gemäß wurde be- verkehr weist im Reiche noch mehr als in Berlin eine beträchtliche schlossen. Zu Delegierten wurden gewählt: Ambrosch, Steigerung auf. Nach einer soeben vom Reichspostamt aufgestellten Schulz- Rummelsburg, Hartmann, Krüger, Delert, Statistik wurden in den 69 Städten des Reichspoftgebietes, die nach Höpfner und Schulz- Rirdorf. Sämtliche Delegierte sind für der vorletzten Volkszählung über 50 000 Einwohner haben, Weihden Uebertritt zum Holzarbeiterverband. Darauf wurde über die nachten 1905 11 010 602 Pafete aufgegeben und bestellt. In BeAnträge zur Generalversammlung verhandelt. Der§ 72 des Ver- tracht gezogen sind überall die 14 Tage vom 12. bis zum 25. Debandsstatuts bestimmt jeßt:" Eine Auflösung des Verbandes kann zember einschließlich. Die 69 Städte hatten am 1. Dezember 1900 nur erfolgen, wenn dieselbe auf einer zu diesem Zwecke einberufenen zusammen 11 264 559 Einwohner, sodaß merkwürdigerweise ungefähr Generalversammlung mit Vierfünftel- Majorität beschlossen wird." gerade 1 Paket auf jeden Einwohner käme, wenn sich die Städte in Folgenden Zusatz beantragt der Hauptvorstand: Handelt es sich zwischen nicht erheblich vergrößert hätten. Weihnachten 1904 hatte die jedoch um den Uebertritt respektive Anschluß an eine größere Bahl der aufgegebenen und eingegangenen Patete 10 638 797 beOrganisation, so genügt es, wenn sich bei einer zu diesem Zweck tragen. Der Zuwachs gegen das Vorjahr beträgt also 371 805. borgenommenen Urabstimmung zwei Drittel aller Ab- Aufgegeben wurden 1905 6 082 213 oder 166 113 mehr als im Vorstimmenden dafür erklären, und ist jede ordentliche und außerordent- jahr. Der Eingang betrug im letzten Weihnachten 4 928 389 oder blaue 0,00-0,00, 7,00-12,00, Beißfohl pr. 100 Pfd., 2,75-3,25 Rotkohl pr. Schod 6,00-10,00, Der Gesamtverkehr ist nur liche Generalversammlung kompetent, den Uebertritt respektive An- 205 692 mehr als das Jahr vorher. 7 bon den 69 Städten um einige Hundert zurück- bol. 14-17 M. Saure Gurten, Schod 2,00 M., Pfeffergurten 2,00 m. schluß des Verbandes an eine größere Organisation zu beschließen." in Die Versammlung erklärte sich gegen vereinzelte Stimmen für gegangen und zwar in Dortmund um 136, in Braunschweig 1057, diesen Antrag. Unter den anderen Anträgen, welchen die Ver- Mülhausen i. E. 262, Meg 34, Frankfurt a. D. 352, Münchensammlung noch zustimmte, befindet sich auch der, daß der Haupt- Gladbach 696, Gleiwit 474. Jm einzelnen betrug der Gesamtvervorstand befugt sein soll, gemeinschaftlich mit dem Hauptausschuß fehr in Tausenden in Hamburg 627, Leipzig 738, Dresden 530, in besonderen Fällen Extrabeiträge zu erheben. Ein Unterantrag Breslau 373, Köln 392, Frankfurt a. M. 417, Hannover 273, Magde- Stationen aus der Versammlung, eine Grenze nach oben zu sehen, dahin, daß burg 177, Stettin 159, Chemniz 209, Düsseldorf 194, Königsberg Extrabeiträge nur bis zur Höhe von einer Mark pro Woche erhoben 171, Essen 97, Bremen 174, Altona 96, Duisburg 76, Elberfeld 154, Im Ver- Halle 134, Straßburg 155, Dortmund 92, Barmen 123, Mannheim werden dürften, wurde gegen 10 Stimmen abgelehnt. schiedenen" erledigte man eine Anzahl Vereinsangelegenheiten. 114, Danzig 104, Aachen 93, Gelsenkirchen 49, Braunschweig 121, Hamburg Beschlossen wurde, aus dem Lokalfonds 500 M. dem Vergnügungs- Stiel 132, Pofen 100, Krefeld 102, Staffel 114, Bochum 49, Karlsruhe Berlin fonds zu überweisen. 97, Mühlhausen 27, Wiesbaden 117, Erfurt 118, Mainz 84, Lübeck Franti.a.M. 763 SW Deutscher Kürschnerverband Die Filiale Berlin hielt am 71, Görlig 75, Mühlheim a. d. R. 30, Blauen 108, Metz 85, Darm- München Montag ihre Generalversammlung ab. Zunächst wurde die Wahl stadt 81, Boun 82, Münster 71, Bielefeld 93, Zwickau 55, Hagen 50, Bien des Delegierten zu dem bevorstehenden Verbandstag, der in Weißen Spandau 29, Frankfurt a. D. 53, Freiburg 69, Potsdam 82 Nemfels stattfindet, vorgenommen. Gewählt wurde Dittmann und scheid 51, München- Gladbach 41, Gera 52, Königshütte 13, Liegniz als Erfagmann Unterbusch. Sodann wurde über Anträge 52, Nostoc 54, Elbing 29, Gleiwit 25, Bromberg 48, Dsna, brück 50, Verbar stag beraten. Gutgeheißen wurde ein Antrag auf Beuthen 24, Deffau 97, Hannover 17, Offenbach 65. zum = Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Berantwortung. Theater. Donnerstag, den 18. Januar. Anfang 7%, Uhr: Opernhaus. Lohengrin.( Anfang 7 Uhr.) Berliner Theater. Abends 72 Uhr: Kean. Freitag: Edles Blut. Sonnabend: Der Widerspänstigen Zähmung. Sonntag nachm. 3 Uhr Vorstellung zu ermäßigt. Breisen: Wilhelm Tell. Abends 7%, Uhr: Der Widerspänstigen Zähmung. Neues Theater. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. Prinz Friedrich Ein Sommernachtstraum. von Homburg. Nenes Opern Theater. Ge 4 Freitag: Liebesleute( Amants). Sonnabend, Sonntag, Montag: Dentiches. Der Kaufmann von Ein Sommernachtstraum. schloffen. Venedig. Berliner. Kean. Neues. Ein Sommernachtstraum. Westen. Der Postillion von Longjumeaut. Lessing. Die Erziehung zur Ehe. Die sittliche Forderung. Anfang 8 Uhr: Schiller 0.( Wallner Theater.) Ueber unsere Straft.( I. Zeil.) Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Hans. Kleines. Hibella. Lustspielhaus. Der Weg zur Hölle, Komische Oper. Die Bohème. Residenz. Der Prinzgemahl. Trianon. Die Wetterfahne. Thalia. Bis früh um Fünfe. auf Ruba. Kleines Theater. Anfang 8 Uhr. Hidalla. Freitag: Ghetto. Zentral- Theater ( Operette). 8 Uhr: Vogelhändler. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Carl Weiß. Die lebende Brüde Der Störenfried. Zentral. Der Vogelhändler. Luisen. Der Störenfried. Dienstboten. Die Dentsch- Amerikanisches. Er und Ich. Metropol. Auf ins Metropol. Kasino. Die goldene Brücke. Apollo. Prinzeß Rofine. Spezialitäten. Herrnfeld. Familientag im Hause Prellstein. Belle Alliance. Der grüne Teufel. Spezialitäten. Wintergarten. Dtto Reutter. Spezialitäten. Walhalla. Nach Afrika, nach stamerun. Folies Caprice. Nach dem Zapfen streich. Der Beheme. Reichshallen. Die Dienstboten. Freitag zum erstenmal: Pension Schöller. Sonnabend: Die luftigen Weiber von Windsor. Sonntag nachmittag: Die lustigen Weiber von Windsor. Abends: Pension Schöller. Montag: Der Störenfried. Die Dienstboten. Walhalla Theater Nach Afrika, nach Kamerun. Ausst. Bosse mit Ges. u. Zanz in 6 Bild. Anf. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Stettiner Sänger. Schöneberger Wintergarten Passage. Spezialitäten. Urania. Zaubenstraße 48/49. Albends 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Golzstraße 9. Täglich Theater: und Spezialis tätenvorstellung. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Thesing: Sonntags 2 Borstellungen. Stann man die Abstammungslehre Nachmittags 4 Uhr zu halben Preisen. beweisen? Jede erwachsene Person hat ein Kind Sternwarte, Invalidenstr. 57/62. frei. Abends 7, Uhr Große Gala Die Direktion. Täglich geöffnet von 7 bis 1 libr.| Borstellung. Vermischtes. Schiller- Theater. Enten Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen- Direttion. Rindfleisch Ia 62-65 pr. 100 Pfund, IIa 54-60, IIIa 48-52, IVa 40-46. Kalbfleisch Ia 82-90, IIa 70-80, IIIa 56-68, Schweinefleisch 68-75. Rotwild Hammelfleisch) Ia 65-75, IIa 56-64. Bjund 0,40-0,50 Pi. Hafen Stüd 3,00-3,40, mittel 2,00-2,80. Staninchen 0,50. Tauben, junge 0,55-0,70, alte Stüd 0,90-0,95. Hühner pro Stüd, alte 1,50-2,50, junge Ta 0,70-0,90, do. Ila 0,00 0,00 0,40-0,55 m. Schellfische 26-28 M., Flunder 20-27 M. pro 100 Pfd. junge 2,00-2,30. Gänse pr. Pfd. Ia 0,60-0,68, IIa 0,00-0,00, russische echte 000-000 M. Schleie unsortiert 000-000. Aale, groß 00-00, mittel 000-000, Klein 0,00 2., Plögen 24-26 M., Starpfen uns. 0,00 M., Lachs 0,00 M. Schottische Vollheringe( gefalzen) 40-44 M. Gier, Schock 5,00. Butter pro IIa 110-114, IIIa 105-110, abfallende 100 Bjund Ia 114-117, Startoffeln pr. 100 Pjd. rote 2,00-2,20, Rojen 0,00-0,00, 00-00. runde weiße 1,80-2,00. Wirsingkohl pr. Schock Witterungsübersicht vom 17. Januar 1906, morgens 8 1hr. Barometer stand mm Wind. richtung Windstärke Better Temp. n. C. 5°. 4° R. Stationen Barometer. stand mm Wind. richtung Windstärke 746 S Swinemde. 757 SSW 6 bedeckt 753 SSW 8 Regen 771 S 4 Haparanda Better 6 bedeďt 8 Wilna 6 Scilly Aberdeen -1 Paris 769 S 763 744 S 764 S 1 wolkenl 4 wolkig 3 bededt 5 bedeckt Temp. n. E. 50.= 4° 9. 18939 761 WSW 3 Regen 4 bedeckt 2halb bd. 774 Still-Nebel Wetter: Prognose für Donnerstag, den 18. Januar 1906. Ein wenig kühler, zeitweise aufflarend, vorwiegend trübe mit Regens fällen und starten westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Zirkus XI. Berliner Saison. Schiller- Theater O.( Ballner- Theater). Schiller- Theater N.( Friedr. Albert Schumann Zirkus Busch. Hans. |( Friedr.- Wilh. Th.) Donnerstag, abends 8 Ubr: Donnerstag, abends8Uhr: Ueber unsere Kraft.( I. Teil.) Schauspiel von Björnstjerne Björnson. Freitag, abends 8 Uhr: Zwei glückliche Tage. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zwei glückliche Tage. Drama in 3 Aufz. von May Dreher. Freitag, abends 8 Uhr: Cyprienne. Heute abend präzise 72 Uhr: Elite- Abend. Gala- Programm. U. a.: Bum 3. Male: Eine wirkliche Sensatton! Direkt aus Nord Amerika! Absolute Novität! Sonnabend, abend 3 8Uhr: Miß Abie Mitchell und ihre Cyprienne. schwarzen CoO 20 20 Tenessee- Studenten 20 Freie Volksbühne. Donnerstag, den 25. Januar, abends 8, Uhr: General- Versammlung im Gewerkschaftshause. Tagesordnung: 1. Vortrag: Frau Lily Braun über: Goethe und die Jugenderziehung. 2 Geschäftsund Kassenbericht des Vorstandes. Bericht der Revisoren. 228/3 Diskussion und Verschiedenes. 6. Serie: im Carl Weiß- Theater: Ein Frühlingsopfer. Schauspiel in 5 Akten von E. Kaiserling. 7. Serie: im Metropol- Theater: Kater Lampe. Komödie in 4 Akten von Emil Rosenow. 13. Kunst- Abend im Rathaus Mittwoch, den 14. Februar zum Gedächtnis des Dichters Heinrich Heine. Sonntag, 21. Januar, nachmittags 2 Uhr: Metropol- Theater. 7./8. Abteilung Maria Magdalene. Carl Weiß- Theater. 16./17. Abteilung Amphitryon und Die Frage an das Schicksal. Der Vorstand. In Vertr. die Geschäftsstelle: G. Winkler. ooo Komische Oper. Friedrichstr. 104/ 104a. Donnerstag, 18. Jan., abends 8 Uhr: Die Bohème. Freitag: Der Corregidor. Sonnabend: Hoffmanns lungen. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Benefia f. d. Oberregiffeur A. Seelen: Winterſtürme oder: Der Liebe Macht. Erzäh- Schauspiel in 5 Aften von Charlotte Birch Pfeiffer. Sonntag nachmittag 3 Uhr bei ermäßigten Preisen: Hoffmanns Erzählungen. Abends 8 Uhr: Der Corregidor. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Nach der Vorstellung: Großer Benefiz- Ball. Ferner die großartigen neuen Spezialitäten und die phänomenale Zum 60. Male: Die neueste und größte Sehenswürdigkeit Berlins: Indien. Orig.- Pantom. des Zirk. Busch. Besonders hervorzuheben: Eine Tigerjagd in den Dschungeln Indiens und Elefanten- Kämpfe. Sensationell! Sensationell! Mr. Norton Smith, Amer. berühmtester Pferdebändiger. Unter anderem wird ein von Mirza- Golem- Truppe. Herrn Kroll, Soldinerstraße, Zum Schluß: Riefenerfolg! Die diesjährige große Ausstattungspantomime in 9 Abteilungen: Femina, angemeldetes Pferd vor den Augen des Publikums gezähmt werden, welches schlägt und beißt. das neue Frauenreich. Dentsch- Amerikanisches Theater. Sieben wunderbare Bilder, mit fich von Akt zu Aft steigernden Effekten und die märchenhaft schöne Köpenickerstr. 67/68. Jed. Abd. 8 Uhr: Gastsniel Ad. Philipp. Schluß- Apotheose. ER und ICH Folies Caprice Budapester Possen- Theater 132 Linienstr. 132, Ecke Friedrichstraße. Zum 123. Male: Nach d. Zapfenstreich. Borber: Der Beheme u. d. ausgezeichn. Spezialitätenteil. Anfang 8 Uhr. Borbert. tägl. b. Wertheim u. an der Theaterkaffe von 10 Uhr vor= mittags an. Residenz- Theater. Direktion: Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Sonntag nachmittag 3 Uhr: Halbe Preise! ,, Ueber'n großen Teich". Passage- Theater. Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. Walter Steiner Humorist. Acosta Kraft Jongleur. Der Prinzgemahl. Stadt- Theater Moabit Satirischer Schwank in 3 Aften von 2. Xanrof und J. Chancel. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Schlafwagenkontrolleur. Carl Weiß- Theater. Alt- Moabit 47/49. eute Donnerstag, 18. Januar cr.: Gastspiel des Bernh. Rose- Theaters Ihre Familie oder: Die Töchter des Arbeiters. Boltsstüd mit Gefang in 3 Aften von Stinde und Engels Gr. Frankfurterstr. 132. Täglich abends 8 Uhr Die lebende Brücke auf Kuba. Sensationelles amerit. Ausstattungsstück mit Ges. u. Ballett in 7 Bildern von James For. Sonnabend, den 20. Januar, nachmittag 4 Uhr Kindervorst.: Aschen- Anf. 8 Uhr. brödel. mit Gastspiel des Dir. Wilh. Richter vom Gebr. Richter- Theater. Kaffeneröffnung 7 Uhr. Vorzugskarten haben Gültigkeit. Urania TaubenAbends 8 Uhr: str. 48/49. Dritter Wahlkreis. Am Golf von Neapel. Sonnabend, den 20. Januar, in den Gesamträumen des Gewerkschaftshauses, Hörsaal 8 Uhr: Dr. Thesing: Kann man die Abstammungslehre beweisen? Sternwarte Invalidenstr. 57/62. astans Panoptikum Friedrichstr. 165. Ohne Extra- Entree. Heute und folgende Tage: Zum ersten Male in den Räumen der 1. Etage: Bergbewohner Abessiniens. 65 Eingeborene Männer, Weiber und Kinder. Eintritt 50 Pf. Trianon- Theater. Anfang 8 Uhr. Engel- Ufer 15: Fünfzehntes Stiftungsfest. Konzert ausgeführt von Zivilberufsmusikern. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schraubendreher Gesangsvorträge( Konzertfängerin Frau Klosseck- Müller, St. Elsa Sand, Konrad Höfler 240/ 1* Opernsänger Georg Ritter. Reigenfahren des Arbeiter- Radf.- Vereins Solidarität“. Großer Ball. serren, welche am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Anfang 8, Uhr. Rege Beteiligung erwartet Billett 30 Pf. Der Vorstand. Tabakarbeiter. Arbeiterinnen! Freitag, den 19. Januar, abends 8½ Uhr, in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstr. 35: Große öffentliche Versammlung. Zages Ordnung: 1. Die Stellungnahme der Parteien im Reichstage zur Tabakfieuer, mit besonderer Berück sichtigung der Zigarettenpapier- Steuer. Referent: Kollege Franz Schmidt. 2. Der von der Zentralfommission der Zabalarbeiter Deutschlands einberufene Kongreß und Wahl der Delegierten hierzu. Referent: Kollege Wilh. Börner. 187/2 Die Zentralfommission der Tabakarbeiter. 8. A: Karl Butry. WING BARTEN K Die Wetterfahne. Otto Reutter. Sonntag nahm.: Die herbe Frucht. Klein- Familie, Kunstradfahrer. Lola Hawthorne, amerikanische Apollo- Theater, Est Perzina, dressierte Affen bon Lincke. Sängerin. An die baugewerbl. Arbeiter Berlinsa. der Vororte! Montag, den 22. Januar 1906, pünktlich 8 Uhr abends: Große Verfammlung aller im 300/2 Baugewerbe befchäft. Arbeiter im großen Saale der ,, Neuen Welt", Hasenheide. Tages Ordnung: 5 am 14. b. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. Januar, nachmittags 2, Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses am Urban aus nach dem neuen Luisen- Kirchhof in Rigdorf, Hermannstraße, statt. Rege Beteiligung erwartet 110/20 Die Ortsverwaltung. Todes Anzeige. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Bater, der Tischler Emil Richter verstorben ist. 57952 Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag 1% Uhr von der Halle des Neuen LuisenKirchhofes am Fürstenbrunner Weg aus statt. Die trauernde Witwe nebst Kindern. Für die herzliche Teilnahme an dem Zobe meines geliebten Mannes sage ich hiermit dem Verband der Zim merer, den Genossen im 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis sowie allen Freunden und Bekannten meinen beften, Dant.. 19665 Witwe Maurer nebst Kindern. Danksagung. Für Beweise und bie tangſpembe bei ber Beerbie gung unseres geliebten Mannes, Sozialdemokratischer Wahlverein f.d.3.Berl.ReichstagsWahlkreis. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Genosse Ernst Herzog Maler, Josephftr. 8, verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 19. Januar, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des ZentralFriedhofs in Friedrichsfelde aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 240/2 Der Vorstand. Vereinigung der Maler, Lackierer, Auftreicher. ( Filiale Berlin.) Todes Anzeige. 9 Am 15. Januar 1806 verstarb unser Kollege und Mitglied Ernst Herzog am im Mter von 45 Jahren. 124/3 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 19. Januar, nach mittags 4 Uhr, von der Halle des Bentralfriedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Die Ortsverwaltung. Hülfskrankenkasse der Seifenheder Am 14. Januar verschied am Gehirnschlag unser ehemaliges Vorstandsmitglied Baters, Schiviegervaters und Groß Wilhelm Miesterfeld. vaters sprechen wir allen Bere wandten, Bekannten und Kollegen 37942 Emma König und Kinder. 8 ur: Prinzeß Rosine Elmo u. Recco, amerikanische Der Bauarbeiterschuh, die steigende Zahl der Todes- und den herzlichsten Dank aus Exzentriks. schweren Unfälle im Baugewerbe und die Petition der baugewerblichen Arbeiter. Hierauf die glänzenden Spezia- Yulian Familie, Akrobaten. litäten mit Katsukuma Higashi Die drei Holloways, Danstler. Meister der Selbstverteidigungslehre Gebrüder Schwarz, Parodisten. Für die Bauarbeiterschuh- Kommiffion: G. Link. Danksagung. Für die vielen Beweise der liebebollen Zeilnahme beim Hinscheiden meines lieben Mannes sage ich allen Jiu- Jitsu. Die Meininger, Hundepantomime. Im Auftr. der Organisationen der bangewerbl. Arbeiter Berlin: Reinidendorf und dem Mufikverein Sonntag nachm. 3 Uhr: Berliner Luft und Spezialitäten. ,, In BallettKarl Heidemann Höppner Lehmann Bauarbeiter. Dachdecker. ..In Schottland", Divertissement. Metropol- Theater Burke, Andrus u. Frisco in ihrer Joh. Plum Anfang 8 Uhr. ! Auf- in's Metropol! Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. 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Januar, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des GemeindeFriedhofes in Ober- Schöneweide aus statt. 286/3 Deutscher Metallarbeiter- Verband Berwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Ladierer Karl Jacob verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 111/1 Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Maschinisten a. Heizer sowie Berufsgenossen Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin u. Umg. Tobes Anzeige. Am Dienstag, den 16. ds. Mts. verstarb das Mitglied, Kollege am Sonntag, den 28. Januar 1906, Eduard Mehnert. bormittags 10 11hr, im Lokale des Herrn Obst( Tunnel), Meiningerstr. 8. Tages Drdnung: 1. Bericht des Borstandes. 2. Kaffen. bericht. 3. Antrag Liebig. 4. Neuwahl des gesamten Borstandes. 5. Ber. schiedene Staffenangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Um pünktliches Erscheinen der Mit glieder ersucht 286/ 4* Der Vorstand. Für Vereine! ant Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 19. 68. Mts., nach mittags 3 Uhr, von der LeichenHalle des Golgatha- Kirchhofes, Barfusstraße, auts statt. Um rege Beteiligung ersucht 138/3 Die Ortsverwaltung. Reichels UniversalMagenpulver Magenstärkend, Sonnabend, der 17. März, ist die Verdauung unterstützend, stark frei geworden und erster Osterfeier tag ist zu vergeben. Gr. appetitanregend. 57892* Stets prompt in seiner Wirkung. Buß' Salon, Frank Dofe M. 1.-, 8 Dofen M. 3.50 frt. Berf. 5furterst.85. Otto Reichel, Berlin 43, Eisenbahnstr. 4. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV 3353. Zur Beachtung! In nachstehenden Lokalen errichteten wir neue Zahlstellen, auf Im Restaurant Galle, Tilfiterfir. 12. bie kleinsten Sängerinnen u. BoRiesen- Januar- Programm. Kasino- Theater welche wir hiermit aufmerksam machen: Harburger Sänger.lona, 485 Bfb. fchwer. Opullo, ber Direktion: C. Frick und F. Kasche- Krause. Anfang 8 Uhr. 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Wir ersuchen die in Frage kommenden Bauarbeiter, uns in diesem Kampfe zu unterstützen und überall die Vorzeigung der grauen Berechtigungskarte zu verlangen. Die Starten müssen mit dem Stempel des Deutschen Holzarbeiter- Berbaudes ( Treppengeländerbrauche) versehen und auf der Rückseite im Monat Januar abgestempelt sein. Die Branchenkommission des Holzarbeiter- Verbandes. 78/7 In dem soeben beginnenden neuen Jahrgang der in unserem Verlage erscheinenden Wochenschrift In Freien Stunden" gelangt zum Abdruck: Der verlorene Sohn Roman von Hall Caine. Sllustriert von J. Damberger- München. Dieser Roman des schnell berühmt gewordenen Verfassers hat bei seinem ersten Erscheinen die allgemeine Aufmerksamkeit erregt. Es ist ein Familienroman im besten Sinne des Wortes, nicht nur Unterhaltung nach des Tages schwerer Arbeit bietend, sondern auch belehrend, ohne doch aufdringlich zu sein. Daneben veröffentlichen wir: Der Flüchtling Bon Robert Hartmann. Eine Novelle aus der Zeit der Revolutionstämpfe des Jahres 1848. Der Held ist ein junger, von den Schergen der Reaktion gehegter Rebell, der durch ein mutiges Mädchen vor seinen Verfolgern gerettet wird. Außerdem enthält jedes Seft eine kleine Skizze oder eine kurze Novelle, kleine unterhaltende oder belehrende Notizen und„ Wizz und Scherz". Die Parteigenossen sollten den Beginn des neuen Jahrgangs benutzen, um diese in weiten Kreisen bereits gekannten und beliebten Wochenhefte in ihrer Familie einzuführen. Den Arbeitern, ihren Frauen, den heranwachsenden Kindern bieten fie gediegenen Unterhaltungsstoff. Achtung! In jeder Woche erfcheint ein illuftriertes, 24 Seiten Starkes Heft für 10 Pfennig Jeder sollte sich ein Probe heft kommen lassen! RüdersdorferScheruchs Festsäle, Araße Br. 45. Buchhandlung Vorwärts, Berlin S. 68, Lindenstraße 69. Schnupfet , Kur: Prise" = ( D. R. G. M. 220 985) in Flaschen und Päckchen a 10 Pf. 204/ 5* zu haben in den Sonnabend, der 24. 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Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW32/7 Redaktion und Expedition: Berlin, Cindenftr. 69. Fernsprecher: Amt IV, 1983. Partei- Angelegenheiten. 1 Vorort Beilage des ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt Nr. 14. Donnerstag, den 18. Januar 1906. Wilmersdorf. Die Wählerliste liegt im Rathaus, Zimmer 21, bon 8 bis 3 Uhr aus. Gleichzeitig ist eine Abschrift der Liste beim Genoffen Fr. Kasler, Lauenburgerstr. 20, ausgelegt. Für den 6. Bezirk übernimmt die Einsicht im Bezirkslokal Fischer, Durlacherstr. 8 fowie Genosse Hentel, Halensee: W. Meuser, Westfälischestr. 55, sowie Koletzky, Westfälischestr. 60. Neuenhagen( Ostbahn). Die Gemeindewählerliste liegt vom 15. bis zum 30. d. Mts. im hiesigen Gemeindebureau Dorfstraße zur Einsichtnahme für die Stimmberechtigten aus. Da wir beabsichtigen, in diesem Jahre mit Nachdruck in die Wahlbewegung einzutreten, ist es Pflicht eines jeden Genossen die Liste einzusehen und eventuell seine Eintragung zu bewirken. Diejenigen, die verhindert sind die Liste persönlich einzusehen, wollen ihren Namen, Wohnung und Beruf bei einem der nachfolgenden Genoffen angeben: Otto Warttig, Bahnhof, Neuenhagener Allee; Julius Dallmann, Bahnhof, Wolterstraße; Richard Böhm, Detttstraße. Mahlsdorf. Die Wählerliste für die Gemeindevertretertwahl liegt von 8 bis 3 1hr an den Wochentagen und von 9 bis 10 Uhr vormittags an den Sonntagen im Gemeindebureau aus. Alt- Glienicke. Sozialdemokratischer Wahlverein. Am Sonnabend, den 20. Januar, abends 8 Uhr, findet die Generalversammlung bei Saß, Grünauerstraße, statt. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Bericht von der Kreis- Generalversammlung in Charlottenburg. 3. Bericht der Generalversammlung von Groß- Berlin. 4. Bericht der Gemeindevertreter. 5. Verschiedenes. Das Erscheinen aller Mitglieder ist dringend notwendig. Der Vorstand. Für Mariendorf ist Genosse Reichardt, Chausseestr. 16, und für Marienfelde Genosse Greulich, Berlinerstr. 78, bereit, für die jenigen, die verhindert sind, selbst die Wählerliste einzusehen, diese Mühe zu übernehmen. Vorort- Nachrichten. Gewerbegerichtswahlen in Schöneberg! ftraße 24-33, Schwäbischefstr. 14 und 15, Borbergstr. 2-15, Wartburgplak und Straße. Wahllotal: Restaurant von Arbeiter, Eisenacher ftraße 67 6. Bezirk: Barbaroffaftr. 1-10 und 59-70, Bülowstr. 1-7 und 101-108a, Frankenstr. 1-9 und 79-84, Gleditschstr. 1-20, Golgstr. 2-51, Habsburgerstraße, Hohenstaufenstr. 1-9 und 62-69, An der Zwölfapostel firche, Kyffhäuserstraße, Luitpoldstr. 1-7 und 45-48, Maaßenstr. 10-25, Mozstr. 74-93, Neue Winterfeldtstr. 1-11 und 41-50, Rollendorfplatz 5-9, Rollendorfstr. 1-20 und 23-42, Pallasstr. 21-23, Schwäbischestr. 9-13 und 16-21, Winterfeldtplatz, Winterfeldtstr. 18-21, 8ietenstr. 1-16. Wahllokal: Restaurant von Sander, Hohenstaufenstr. 63. Zu wählen sind im 1., 2., 3., 4. und 6. Bezirk je zwei und im 5. Bezirt drei Beifizer. Jeder hat sein Wahlrecht in dem jenigen Bezirke auszuüben, in welchem er am 20. Januar in Arbeit steht, oder in welchem er, falls er nicht in Schöneberg beschäftigt ist, wohnt. Stimmzettel mit den Namen der Kandidaten werden bor jedem Wahllofal verabfolgt. 1 વાળની Jnferate Sethsgelpaltene Kolonelzelle 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechenden Rabatt. Reinickendorf- Wilhelmsruh geleitet werden. Da bereits zwischen den Vertretern der Großen Berliner und der Straßenbaukommission der Bankower Gemeinde verhandelt worden und eine Uebereinstimmung über die grundlegenden Fragen erzielt ist, so ist der Abschluß als nahe bevorstehend zu bezeichnen. Maßgebend für das Vorgehen Bankows ist, daß man sich nicht unter allen Umständen daran binden fann, nichts ohne die Zustimmung Berlins und der Vororte zu unternehmen in bezug auf die Stonzeffionierung neuer Linien. Besonders wurde hervorgehoben, daß Berlin den Vororten nicht sehr entgegenkommend ist. Die Rigorosität der der Firma Siemens und Halske gehörigen Linie der Strecke Mittelstraße- Pankow hat in Pankow selbst den höchsten Grad von Erbitterung erzeugt und für bie Pläne der Großen Berliner geneigter gemacht. Wie Heinlich die Betriebsleitung ist, wollen wir hier furz an einem Beispiel illuftrieren. Die Gemeinde Bantow erhebt Beschwerde, weil der lezte, um 1½ 1hr nachts von der Mittelstraße fommende Wagen an der Schönholzerstraße den Anhänger abfoppelt, um die NiederSchönhausener Fahrgäste nach dort zu befördern. Den Pankower Ein Unglücksfall ereignete fich gestern vormittag gegen 11 Uhr Fahrgästen, welche die Strede noch weiter benutzen müssen, wird in der Fabrik von Siemens u. Schuckert in der Franklinstr. 29. bedeutet, daß sie so lange warten müßten, bis der Motorivagen voit Dort tam der 35jährige Schloffer Mag Langfeld aus der Rosinen- Schönhausen zurückkommt, ehe fie durch Bankow weiter befördert Straße 7 bei der Arbeit der Schmirgelscheibe zu nahe, die ihm eine werden. Nach Eingang der diesbezüglichen Beschwerde wird den etwa 12 Zentimeter große Rißwunde an der linken Kopffeite aufügte. Schaffnern beim Appell bedeutet, daß die Fahrt für die Bankower Die durch das Zerreißen der Schlagader der Schläfe hervorgerufene, start Fahrgäste an der Schönholzerstraße beendet set. Wer nachher noch blutende Wunde wurde durch den von der Unfallstation in der Herz- weiter fahren wolle, müsse ein neues Billet lösen. straße fofort herbeigeeilten Arzt Dr. Arlt verbunden, und der Ver legte auf Anordnung des inzwischen eingetroffenen Sanitätsrates Dr. Schmilinsky im Strantenwagen nach dem Krankenhaus Westend geschafft. Charlottenburg. Steglit. Oder follte die allerDer brave Mieterverein und die bösen Sozis. In der letzten Gemeindevertretersizung bemühte fich in Gemeinschaft mit Herren Am Donnerstag, den 11. Januar, fand im unteren Saale bes ber Mehrheit auch ein Vertreter des Mietervereins, Herr Volkshauses die erste Versammlung der Vereinigung der Maler, Hänete, um die Berechtigung der Vergeudung von GemeindeLackierer und Anstreicher im neuen Jahre statt. Wegen des aktuellen mitteln zu patriotischen Zweden zu beweisen. Das war fein gutes Themas:„ Die Lohnbewegung im Malergewerbe Berlins und den Recht. Wenn er aber am Schlusse seiner Ausführungen fagte:" Ich Bororten" hatte die Versammlung einen guten Besuch aufzuweisen. will nur noch bemerken, daß wir auf Angriffe von jener Seite" in Das Referat über diese Materie hielt der Kollege Flemming, ber der Presse und in Versammlungen, die ja nicht ausbleiben werden, an der Hand des an die Innungen Berlin, Charlottenburg, Rigdorf, nichts zu geben brauchen; die Herren haben auf unsere Einladung Groß- Lichterfelde und Lichtenberg- Rummelsburg bereits ein zur Schillerfeier mit einem groben Brief geantwortet und dadurch gereichten Lohntarifs, den er in allen seinen Positionen eingehend zu erkennen gegeben, baß sie es ablehnen, mit der Bürgerschaft erläuterte und dafür eintrat, diesen zur energischen Durchführung gemeinsame Feste zu feiern", so müssen wir doch fragen: Was be zu verhelfen. Betrachte man die hohen Lebensmittelpreise, Miets. 3Deckte Herr Hänete mit der ohne jebe Veranlassung inArbeiter, Parteigenossen! Am kommenden Sonn- preise u. dergl. mehr und die namentlich in den Wintermonaten genierten Anrempelung? Beabsichtigte er, den an gewiffen Stellen abend, den 20. Januar, sollen die Neuwahlen der Beisiger herrschende starte Arbeitslosigkeit, so muß man bekennen, daß unsere etwas in Mißkredit geratenen Mieterberein samt seinen Vertretern zum Gewerbegericht vollzogen werden. Zu wählen find hauptsächlichsten Forderungen, in ben Sommermonaten anstatt einer in patriotischer Beleuchtung erstrahlen zu lassen, um vielleicht wieder 13 Arbeitnehmer. Ein Blick auf die Wahlen der ftündigen eine 8% ½stündige Arbeitszeit mit einem Minimalstunden ein Bläschen an der Sonne zu erobern? früheren Jahre zeigt uns, daß unter der Arbeiterschaft in lohn von 70 Pf., nur mäßige zu nennen sind. Die borbenannten untertänigfte Opposition" den Herren der Mehrheit in empfehlende Innungen haben in ihrem engeren Ausschuß einen entgegengesetzten Erinnerung gebracht werden angesichts der bevorstehenden Wahlen? dieser Beziehung eine viel zu große Gleichgültig- Bohnbarif ausgearbeitet, in welchem nur 60 Pf. pro Stunde vor. Etwas anderes können wir nicht annehmen, weil Herr S. als Refeit Plat gegriffen hat. Wenn nun auch die organisierte gesehen sind und die neunstündige Arbeitszeit im Sommer bei- balteur eines Lokalblattes und Kommunalpolitiker ganz genau die Arbeiterschaft bisher mit ernsthaften Gegenkandidaten nicht behalten wird. Ein Bassus dieses famosen Gegentarifes befagt bie sozialbemokratische Arbeiterschaft habe kein Chrgefühl und füsse Gründe unseres Verhaltens kennen muß. Ober glaubt er etiva, zu rechnen hatte, so sollte es sich aber doch ein ferner, daß jeder Malergehülfe sich bei seinem Arbeitseintritt ohne jeder Arbeiter zur Ehrenpflicht machen, bei allen sich Aufforderung durch seinen Lehrbrief oder durch sonst ein beglaubigies nach Art gewisser bürgerlicher Kreise den Stiefel, der eben einen Da befindet er sich in einem schieren Tritt ausgeteilt hat? bietenden Gelegenheiten zum Vorteile der Arbeiter- Beugnis ausweisen soll, daß er ein gelernter Malergehülfe fei, wenn rrtum. Sollte aber wirklich die Differena zwischen bürgerlicher Klasse sein Wahlrecht auszuüben. Die bisherige Tätigkeit des nicht, so wird er mit dem Lohne eines Anstreichers, das heißt 5 Pfund sozialdemokratischer Moral so groß sein, daß Herr S. unfer hiesigen Gewerbegerichts hat den Beweis erbracht, wie außer- pro Stunde weniger, bezahlt. Redner meint, daß ein Kommentar Verhalten nicht verstehen kann, dann wollen wir ihm und allen ordentlich nußbringend die Mitwirkung der organisierten zu dem Innungstarif gänzlich überflüssig erscheine und daß das denen, die es angeht, hiermit deutlich fagen: Wir lehnen auch in Arbeiterschaft bei Streitigkeiten aus dem gewerblichen Arbeits. gange Verhalten der Herren Jnnungsmeister zeige, daß man auf gutunft jede Gemeinschaft ab sowohl mit Reuten, die uns in verhältnis gewesen ist. Mit der rapiden Entwickelung unseres babe. Demnach hätten wir unsere Tattit einzurichten. Es müßten Gemeindewesens wachsen auch die Aufgaben des Gewerbegerichts. Sollen die wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter schaft auf diesem Gebiete auch fernerhin gewahrt werden, so hat dieselbe alle Ursache, dafür zu sorgen, daß diese Wahlen auch in ihrem Sinne ausfallen. Es ist deshalb notwendig. daß jeder einzelne am Sonnabend zur Stelle ist und seine Stimme abgibt. 8 Uhr. Nur wer bis 8 Uhr im Wahllokale anwesend ist, wird zur Gewählt wird von nachmittags 4 Uhr bis abends Stimmabgabe zugelaffen. Die Wahl ist geheim und erfolgt durch Stimmzettel. Wahlberechtigt find alle diejenigen Arbeitnehmer, welche am Wahltage das 25. Lebensjahr vollendet haben und in Schöneberg wohnen oder daselbst beschäftigt find. Gewählt wird in folgenden Bezirken: 1. Bezirk: Aschaffenburgerstraße, Augsburgerftr. 68-62, Bambergerſtraße, Barbaroffaftr. 11-32 und 35-58, Berchtesgadenerfstraße nördlich ber Grunewaldstraße, Culmbacherstr. 1-8,' Elsenacherstr. 9-40 und 84-118, Frankenstr. 10-78, Freifingerstraße, Geisbergftr. 18 und 25-43, Goffom straße, Heilbronnerstraße, Hohenstaufenstr. 10-61, Landshuterstraße, Lindauerstraße, Luitpoloftr. 8-44, Martin Lutherstr. 1-23 und 64-89, Mokstr. 22-35 und 53-73, Münchenerstr. 1-23 und 34-55, Neue Ans. bacherstraße, Neue Bayreutherstraße, Neue Winterfeldtstr. 12-40, Nollendorfstraße 21-22, Passauerstr. 12-19, Regensburgerstr. 1-9 und 29-35, Rosenheimerstraße, Schwäbischestr. 1-8 und 22-30, Speyererstraße, Starn bergerstraße, Traunsteinerstraße, Viktoria Luife- Plak, Würzburgerstraße. Wahllokal: Restaurant von Bars, Neue Winterfeldtstr. 43. " zeichnen, als auch mit jenen, die solche Geschmadlosigkeiten mit öffentlichen Reden als„ Glende" und" baterlandslose Gesellen" bealle Anstrengungen gemacht werden, daß unsere bescheidenen For derungen zum Siege gelangen. Am Schlusse seiner beifällig auf. Beifallsgejohle aus weinfeuchten Stehlen begleiten. Möge man fich auf jener Seite" endlich daran gewöhnen, die Sozialdemokraten genommenen Ausführungen ermahnte Redner die Anwesenden, das auf jener Seite" endlich bavan gewöhnen, die Sozialdemokraten für Sorge zu tragen, daß auch der letzte Mann unter den Kollegen nicht mehr als Bürger zweiter Klasse zu behandeln! Solange dieses tannten alle Redner den Ernst der Situation an und traten dafür noch ausdrücklich, daß es uns noch heute mit Genugtuung erfüllt, der Organisation angehört. In der ausgedehnten Debatte er- geschieht, werden wir auch unsere Gegner so behandeln, wie es ihnen zwar nicht gefällt, aber wie sie es verdienen. Feststellen wollen wir ein, nicht ein Jota von den aufgestellten Forderungen abzulassen.burch unser Fernbleiben dem Schiller- Vol 18"-Feft zu einem Im Anschluß hieran wurden sieben Mitglieder in den Aktionsausschuß gewählt. Die nunmehr vollzogene Wahl eines Bezirks. großartigen Flasto verholfen zu haben. Soffentlich haben unsere und die des Bezirkskassierers auch wieder auf den Kollegen Franz lehnung bem verflossenen Schillerkomitee durch einen groben leiters für Charlottenburg fiel wiederum auf den Kollegen Flemming Gegner daraus gelernt, daß es mit dem Gimpelfang vorbei ist und daß das„ Volt" begriffen hat, wohin es gehört. Daß unsere AbDrömert. Der Wahl ging eine Berichterstattung über die umfassende Brief fundgegeben worden sei, scheint Herr Hänete nachträglich selbst Tätigkeit der beiden vorauf. Nach den vollzogenen Wahlen von elf als ebertreibung empfunden zu haben, denn in seiner werkschaftskommission die Kollegen Jost und Flemming ebenfalls eigenen Beitung läßt er nur von einer schroffen Ablehnung wiedergewählt. Ihr Tätigkeitsbericht wurde wegen borgerüdter Sfunde bis zur nächsten Versammlung zurückgestellt. Mit einem Groß- Lichterfelde. Appell, am Tage der Gewerbegerichtswahlen 20. Januar auf dem Posten zu sein und sich an den Wahlarbeiten zu beteiligen und mit einem Hoch auf die Malerbewegung schloß die Versammlung. Wilmersdorf. Ueber den politischen Massenstreit referierte in einer am 9. Januar im„ Boltsgarten" abgehaltenen " Boltsgarten" abgehaltenen gutbesuchten Boltsversammlung Genosse 8ubeil. In zweistündiger Rede legte Genoffe Zubell den Anwesenden die Bedeutung dieses Stampfmittels dar, in ein gehender Weise auf die Wahlrechtstämpfe in Belgien, Schweben und nicht zuletzt auf die große Bewegung in Rußland hinweisend. In der Distuffion forderte Genoffe Kiefer auf, an der Stärkung unserer Kampforganisationen fräftig mitzuarbeiten. berichten. Elektrischen Betrieb erhält die Dampfstraßenbahn Groß- Lichterfelbe- Stahnsdorf. Die königliche Eisenbahndirektion Berlin hat auf eine Beschwerde über Mißstände und unregelmäßigen Betrieb auf ber Dampfstraßenbahn folgenden Bescheid ergehen laffen:„ Auf die Eingabe vom 1. b. M. erwidern wir ergebenst, daß die auf der Dampfftraßenbahn Groß- Lichterfelde- Stahnsdorf vorhanden gea wefenen Mängel bereits früher von uns erkannt und von der Betriebsverwaltung auf unsere Aufforderung hin beseitigt wurden. Durch eine in Gemeinfchaft mit dem Herrn Landrat des Kreises Teltow am 28. v. M. ausgeführte Revisionsbereifung der Strede ist ferner festgestellt worden, baß gegenwärtig fowohl die Gleife und Betriebsmittel als auch die Betriebsführung feinen Anlaß zu begründeten Beschwerden geben. Im übrigen ist darauf hinzuweifen, dag nach erfolgtem Uebergang der Bahn in den Besitz des Kreises Teltow bie Ginführung bes elettrischen Betriebes in aussicht steht, was eine Außerbetriebfegung der alten Betriebsmittel zur Folge hat." Teltow. 2. Bezirk: Alazienstr. 1, Albertstraße, Bahnstraße, Bahnhof Groß görschenstraße( Wannseebahn), Colonnenstr. 1-10 und 56-66, Ebersstr. 1 bis 24 und 76-94, Eisenacherstr. 61 u. 62, Erdmannstraße, Feurigstr. 1 bis Als Vertrauensperson für Wilmersdorf wurde die Genoffin 40 und 48-72, Großgörschenſtr. 1-10, Grunewaldstr. 180. Zölle wiedergewählt. Ihrem Berichte ist zu entnehmen, daß drei und 102-153, Helmstraße, Herbertstraße, Kaiser Friedrichstraße, Staiser Wilhelm- Play, Neue Gulmftraße, Neue Steinmetzstraße, Bring Georgstraße, Voltsversammlungen stattgefunden haben. Un Einnahmen sind Stubenrauchstraße, Tempelhoferstr. 23, Borbergstr. 1 u. 16. Wahllokal: 154,80 m. zu verzeichnen, denen eine Ausgabe von 150,80 m. gegen Restaurant, Lindenpart", Hauptstr. 15. übersteht. Abgeführt wurden 110,55 M. Die in großer Bahl an Bederitraße, Begasitrage, Bennigfenſtr. 8-34, Canovaftraße, Gvanachstraße, organisieren. Bum Schluß verwies noch Genoffe Giebler barauf, bis zwölf polnische Arbeiter aufgeschlagen. Auf einem Grundstüde 3. Bezirk: Bahnhof Ebersstraße, Bahnhof Friedenau, Bahnhofstraße, wesenden Frauen wurden ermahnt, sich wenn irgend möglich zu Eine recht eigenartige Lagerstätte Hatten bergangene Nacht zehn Dürerplay, Ebers str. 25-75a, Feurigstr. 41-42, Fregestr. 1-24a und sich an den Parteiarbeiten rege zu beteiligen. Wir haben am 54-84, Friedenauer Brücke und Straße, Fris Reuterstraße, Gustav Freytag Orte ein Klaffenparlament reaktionärster Art und da bei den Wahlen auf der Kanalwiese bei der Kantine von Erdmann in der Zehlen ftrage, Guzlomstraße, Hähnelſtr. 3-18, Hauffftraße, Hauptstr. 51-101, Hedwigstr. 1-17, Sehlstraße, Holbeinstraße, nausstr. 1-5 und 9-15, im März eventuell fünf Mandate in Betracht kommen, ist es Pflicht dorferstraße lagen diese Leute in Deden gehüllt, um Nachtruhe zu Stoburgerstraße, Störnerstr. 46-48, Marstraße, Menzelstraße, Mühlenstr. 2 eines jeden, dafür zu wirken, daß uns die Mandate zufallen. Es balten. Ob die Leute in der Kantine teinen Blaz finden konnten bis 8a und 10-19, Peter Bischerstraße, Rembrandtftr. 4-45, Rubensstraße, ist das die letzte Wahl im Zeichen der Landgemeinde. Die Gemeinde- und deshalb bei der jeßigen Temperatur im Freien nächtigen mußten, Saarftr. 11-13, Sponholzstraße, Stierstraße, Tempelhoferstr. 1-22. wählerliste liegt im Rathaus, Bimnter Nr. 21, in den Stunden von lonnte nicht ermittelt werden. Thorwaldsenstraße, Wielandstraße. Wahllokal: Restaurant von 8-8 Uhr wochentags aus. Versäume niemand die Einsicht. Mittelstädt, Hauptstr. 93. 4. Bezirk: Berlängerte Baugenerstraße( Straße 20a), Brunhildstraße, Bankow. Gothenstraße, Großgörschenstr. 11-20b, Gustav Müllerstraße, Hauptwerkstatt Das Opfer einer Schlägerei ist der 54 Jahre alte Arbeiter Stanislaus Terristy von hier geworben. Er spielte vor einigen Tagen in Groß- Lichterfelde mit mehreren Galiziern Karten; diefelben fingen mit ihm Streit an, berfolgten ihn auf dem Nachhause. wege, to fie ihn so furchtbar mishandelten, daß er nach bem Krankenhause geschafft werden mußte. Dort ist er feinen Verlegungen Rigdorf. Cherusterstraße, Colonnenstraße 11-55, General Bapestraße, Geßlerstraße, Die Gemeinde Bankow wird sich an das Abkommen Berlins ber Anhalter Bahn am Schwarzen Beg, Hohenfriedbergstraße, Königsweg, und der Vororte gegenüber neuen Stongeffionserteilungen an die Striembildstraße, Leuthenstraße, Mariendorfer Weg, Monumentenstr. 1-14 Große Berliner Straßenbahn nicht halten. Angesichts des Umund 31-39, Brieftermeg, Brivatweg zwischen Colonnen- und Monumenten- standes, daß das Projekt einer Straßenbahnlinie über die Millionen. erlegen. straße, Roßbachstraße, Schwarzer Weg, Sedanstraße, Siegfriedstraße, brüde, durch die Bellermann- und Wollantstraße nach Bantom noch Straße 85, Tempelhofer Weg, Torgauerstraße. Wahllokal: Restaurant in weiter Ferne liegt, hat die Gemeinde Pantow mit der Berliner bon Staege mann, Kolonnenstr. 48/50. Straßenbahn Fühlung genommen über die Abzweigung einer Linie Bom Borstand des sozialdemokratischen Bereins in Rigdorf 5. Bezirk. Alazienstr. 2-29, Apostel Paulusstraße, Belzigerstraße, Berchtesgadenerstraße südlich der Grunewaldstraße, Eisenacherstr. 41-60 von der Berlinerstraße, die Mühlenstraße, Florastraße entlang bis geht uns folgende Buschrift auf die in der Sonnabend- Nummer abund 63-83, Erfurterstraße, Gleditschstr. 21, Golzftr. 1 und 52, Gothaer- aur Wollantstraße. Später soll die Linie, welche den Mittelpunkt gebrudte Notiz der Staatsbürger- Zeitung" au:" Auf die gehässige und straße, Grunewaldstr. 12-129, Seligstraße, Martin Lutherstr. 24-87 und der Stadt berührt und nach dem Westen führt, die Schulzestraße ent- berleumderische Notiz der Staatsbürger- 8tg." sehen wir uns ver9-68, Meiningeritrabe, Merseburgeritape, Mühlenftr. 8b- 9a, Münchener- lang über die neu zu erbauende Pantebrüde nach Schönholz und lanlaßt, folgende Erklärung abzugeben: " " " Berliner Nachrichten. Denkmäler allüberall. Der Vorstand des sozialdemokratischen Wahlvereins Rigdorf Schritt vorwärts zu tun, so hätten sie dies bei den lehten Stadt, nach der Unfallstation in der Badstraße gebracht, wo fofort der Magen trat vor zirka 14 Tagen mit der Anfrage an den Saalbefizer der verordnetenwahlen sehr gut befunden können. Sie blieben aber ausgepumpt wurde. Im Lazaruskrankenhause liegt die Bedauerns. Neuen Welt", Herrn Scholz, heran, ob sein Saal für den 21. Januar, entweder zu Hause oder stimmten für die Anhänger der Fleisch- werte fast hoffnungslos danieder. Der Grund zur Tat soll sein, mittags 12 11hr, frei wäre. Diese Frage wurde von dem Inhaber steuer. Es geschieht den Herren Fleischermeistern jetzt also ganz daß sie zu Unrecht beschuldigt wurde, mit ihrem Onkel ein intimes bejaht, aber eine direkte Busage an Herrn Scholz von recht, wenn sie die Folgen ihrer Wahltaktik am eigenen Leibe Verhältnis zu unterhalten. Wegen eines unheilbaren Nerven= feiten des Vorstandes wurde noch nicht gegeben. In zu spüren bekommen. Teidens ist gestern der Postschaffner Johann R. aus der Ererziereiner späteren Vorstandssitung wurden die Versammlungs straße in den Tod gegangen. R. mußte vor einiger Zeit der Krantangelegenheiten nochmals erörtert und man kam aus wohlerwogenen heit wegen seinen Dienst aufgeben. Gestern morgen verschwand er taktischen Gründen zu dem Entschluß, dieses Mal auf die„ Neue plötzlich aus der Wohnung. Nachmittags fand man ihn erhängt auf Belt" zu verzichten, wovon Herr Scholz verständigt wurde. Dieses dem Boden vor. R. hatte in einem Anfall von Nervenüberreizung ist der ganze Hergang der Angelegenheit. Wie die„ StaatsbürgerHand an sich gelegt.. Ein Selbstmord eines Berliners Zeitung" dazu kommt, eine derartige provokatorische und verlogene Das Riesenprojekt, durch dessen Ausführung eine geradlinige wird aus Stralsund berichtet. Dort wurde dieser Tage auf freiem Notiz zu bringen, ist uns unverständlich und ebenso Herrn Verbindung des Berliner Schlosses mit dem südlichen Teile von Felde die Leiche eines gut gekleideten Fremden aufgefunden, der sich, Scholz, welcher uns die Erklärung abgab, in feiner Weise im Westend, dem Grunewald und der Havel geschaffen werden soll, wird wie die nähere Untersuchung ergab, mittels Revolver eine Kugel Zusammenhang mit dieser Notiz der„ Staatsb.- 3tg." zu stehen und bis zur Vollendung der„ Heer- und Prachtstraße" noch Jahre er- in die rechte Schläfe gejagt hatte. Der Tote ist später als der auch von keinem Mitgliede des Wahlvereins in irgend einer Form fordern, obgleich die Verbreiterung der Bismarckstraße in Char- 24jährige Tischler Julius Bräutigam festgestellt worden. angegangen wurde, an die Partei einen Betrag von 50 M. zu lottenburg, eines der wichtigsten Glieder des großen Straßenzuges, bereits erfolgt ist. Die Hauptfrage für gewisse Streise besteht nun Einen frechen Einbruch verübten Schautastendiebe in dem be zahlen." Wir bringen diefe Notiz auf Wunsch zum Abdruck, obwohl wir darin: Mit welchen monumentalen Werfen soll die fünftige Bracht- fannten Herren- und Knabengarderoben- Geschäft von Hermann gleich bei Veröffentlichung der Staatsbürger- Zeitungs"-Notiz den straße" ausgestattet werden? Am Brandenburger Tor ist die Stillschwveig jr., Blücherstraße 6. Den Dieben gelang es, einen Schwindel festgenagelt haben. Straße schon von den Standbildern des Kaisers und der Kaiserin größeren Teil der ausgestellten Westen zu erbeuten. Von einem Rummelsburg. Friedrich eingefaßt, am Großen Stern werden auf den Jagdgruppen hinzukommenden Wächter wurden die Diebe verscheucht, und es der Büffel, Eber, Hase und Fuchs gehetzt. Aber hier, wo ehemals fonnten deshalb noch eine Anzahl im Schaukasten befindlicher Westen der bis in die Puppen" führende Wege endete, beginnt nunmehr gerettet werden. eine lange Strecke, die mit keinem Monument geschmückt" ist. Sobald der Wanderer das Weichbild Charlottenburgs betritt und mag er auch darüber hinaus bis zur Havel pilgern, ist auf dem weiten Wege kein einziges Denkmal mehr zu entdecken. Das ist ein„ Mangel", dem„ abgeholfen" werden muß! Man hat deshalb schon, wie verlautet, eine Verschönerung" der" Prachtstraße" angebahnt. " 1 Die hiesige Verkaufsstelle Türrschmidtstraße Nr. 6 des Berliner Konsumvereins" hatte im Dezember einen Umfaz von 9729 M. Eine stärkere Beteiligung der Borhagener Bevölkerung würde wohl geeignet sein, die Errichtung einer besonderen Verkaufsstelle für Borhagen zu beschleunigen. Schöneberg. Statistisches vom November. Die Zahl der Lebend geborenen war im Berichtsmonat niedriger als im Oktober, sie betrug 224( 252), darunter uneheliche 11 oder 4,91 Proz. Die auf das Jahr und Tausend berechnete Geburtenziffer stellte sich auf 19,42( 21,84). An Eheschließungen find 111( 208) zu verzeichnen, darunter 18( 40) Mischehen. Geringer als im Vormonat war auch die Zahl der Sterbefälle, fie belief sich auf 88( 107). -An Infektionstrantheiten starben 13( 14), insbesondere an Lungenschwindsucht 9( 11). Jm Alter bis zu 1 Jahr starben im ganzen 18( 29), d. i. 20,45 Proz. aller Sterbefälle des Berichtsmonats. Die Sterblichkeitsgiffer betrug demnach 7,63( 9,27). Zu- und Fortzüge brachten ein Mehr von 1030 und 29 Haushaltungen( 4070 bezt. 611). Der Austausch mit Berlin und seinen Vororten stellte sich derart, daß 227 zugezogenen 139 fortgezogene Haushaltungen gegenüberstehen( 1376 bezi. 955). Die Fluktuation der Bevölkerung war also im November eine minimale. Baugenehmigungen für Wohnhäuser wurden 22( 19) erteilt, gebrauchsfertig wurden 4( 0) Neubauten. Der Zugang an Wohnungen belief sich auf 3 mit 1 gimmer, 8 mit 2, 17 mit 3, 11 mit 4, 26 mit 5 und eine Wohnung mit 6 Bimmern, zufammen auf 69 Wohnungen. Der Grundstück swechsel erstreckte sich auf 8 bebaute und 20 unbebaute Grundstücke. Der Gesamtumsatz im Grundstücksverkehr jetzt sich aus 2710 000 m. für die bebauten und 1 836 400 m. für die unbebauten Grundstücke zusammen. Die Barunterſtüßungen aus der Armentaise beliefen fich auf 13 837 M. Die Zahl der unterstützten männlichen und weiblichen Personen betrug 272 beziv. 795, zusammen 1067. Die Bevölkerungsziffer hatte am 1. Dezember bekannt lich die Höhe von 140 932 Personen erreicht, hatte also gegen den Bormonat um 1200 zugenommen. leber das Gesundheitswesen ist zu berichten, daß Desinfektion erfolgte in 6 Fällen in der Anstalt und in 21 Fällen gleichzeitig in der Wohnung. Die beiden Rettungswachen ( Nollendorfstraße und Herbertstraße) wurden 238 mal in Anspruch genommen, darunter allein nur Verlegungen in 208 Fällen und von diesen wiederum waren 200 männliche. Beim Gewerbegericht anhängig gemacht wurden 72 Streitsachen, davon übernommen aus dem Bormonat 40. Erledigt wurden 98 und zurückgestellt 24. Dem Kaufmannsgericht lagen 23 Streitfälle vor, davon blieben unerledigt 6. Die Ortstrankenkasse hatte am 1. Dezember 19176 Mitglieder gegen 16 108 am gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. In welchem Maße die Volksküche von Monat zu Monat in Anspruch genommen werden muß, zeigt sich aus der steigenden Frequenz. Während im Oktober sich die Gesamtzahl der Portionen auf 11 829 belief, stieg sie im November auf 16 415. Geiviß auch ein Beweis von der überlaufenden Kompottschüssel! Friedenau. Am Donnerstagabend fand im Lokal Gesellschaftshaus in der Rheinstraße die erste ordentliche Generalversammlung des Konsumvereins Friedenau und Umgegend statt. Nach der furzen Uebersicht, die der Geschäftsführer Langosch über die Entwickelung des Vereins gab, ist der Mitgliederbestand bis heute auf 109 gestiegen. Leider Becken noch nicht alle Mitglieder ihren Bedarf in ihrem eigenen Geschäft, sonst würde der Umsatz höher sein. Dieser betrug in den ersten 19 Tagen seit Eröffnung des Geschäfts bis 31. Dezember 1092 M. Die bis dahin gemachten Einzahlungen auf Geschäftsanteile bezifferten fich auf 821 M., die Spareinlagen auf 1274 M. Sämtliche Einnahmen seit der Gründung der Genossenschaft 3274 M., jämtliche Ausgaben 2393. Im ganzen kann die bisherige Entwickelung als zufriedenstellend bezeichnet werden und berechtigt zu der Hoffnung, daß Friedenau einen guten Boden für das Konsumvereinswesen abgeben wird. Im Laufe der ziemlich lebhaften Diskussion wurden von den Versammelten eine Reihe Fragen, Wünsche und Anregungen vorgebracht, deren Erfüllung die Verwaltung nach Möglich feit zusagte. Waidmannsluft und Umgegend. In der letzten Wahlvereinsversammlung hielt Genosse Hermann Schulz- Berlin einen instruktiven Vortrag über Kommunalpolitik. Genosse Schulz legte an der Hand unseres kommunalpolitischen Programms unsere Aufgaben auf diesem Gebiete dar, die so unendlich mannigfaltiger Natur feien. Vieles gäbe es nach dieser Richtung hin zu arbeiten. In der Diskussion fanden die Ausführungen ungeteilte Zustimmung. Dann erstattete Genosse Kotterba den Bericht von der Verbandsversammlung für Groß- Berlin. Der Bericht des Kassierers ergibt, daß einer Einnahme von 338,90 M., eine Ausgabe von 262,85 m. gegenübersteht. Mit dem alten Bestand ist ein Betrag von 160,54 W. vorhanden. Zur Agitation wurden dem ersten Vorsitzenden 50 M. überwiesen. Zur Aufnahme hatten sich neun Genossen gemeldet. Potsdam. " Am Bahnhof Tiergarten wird die Straße durch die Stadtbahnüberführung überspannt; der wenig günstige Eindruck, der hierdurch hervorgerufen wird, soll später wieder verwischt werden durch die großartige" Wirkung, die man von der neu zu erbauenden Charlottenburger Brüde erwartet. Wie bekannt, ist das Projekt des Professors B. Schäde zur Ausführung bestimmt, das heißt der letzte der zahlreichen Entwürfe, die von Professor Schäde, ebenso wie von vielen anderen Architekten, eingereicht worden waren. Auch bei seinem neuesten Projekt hatte der Architekt verschiedenen aus Hoffreisen an ihn gerichteten Wünschen Rechnung tragen müffen. Die fünftige monumentale Charlottenburger Brücke dürfte freilich, wenn fie erst fertiggestellt ist, allgemeine Verwunderung erregen. Dort, an einer Stelle, an der ein enormer Verkehr eine breite, freigelegene Brücke als dringend notwendig erscheinen läßt, soll eine mit mo dernem" und doch recht altem Zierat überladene Brücke hergestellt werden. Man hört da von einem torartigen Ueberbau an der Oft seite der Brüde" Schwibbogen" scheinen nun einmal in Groß- Berlin an der Tagesordnung zu sein, von säulenartigen Aufbauten an der Westseite, von mächtigen Pylonen, die in der Mitte der Brücke errichtet und von Standbildern des Königs Friedrich I. und der Königin Sophie Charlotte flankiert werden sollen. Denkmäler über Denkmäler! Der weite Ausblid, den man wenigstens von der Station Tiergarten nach, Westen auf die„ Prachtftraße" haben würde, muß durch eine mit solchem Ballast beschwerte Brüde gehindert werden. Aber damit ist man noch nicht zufrieden. Auf der Höhe von Süd- Westend soll abermals die" Brachtstraße" durch ein hochragendes, gewaltiges Bauwerk, durch ein turmartiges Monument, das die" Germania" verherrlichen soll, unterbrochen werden. Wenn das Ende dem Anfang entspricht, wird die Brachtstraße nichts anderes werden als eine„ Siegesallee" in vergrößertem Maßstabe. Von einer Automobildroschke überfahren und schwer verlegt wurde gestern an der Ecke der Warschauerstraße und Frankfurter Allee der 34jährige Arbeiter Karl Richter, als er den Fahrdamm an der Straßenkreuzung überschreiten wollte. Der Automobilfahrer, dessen Gefährt eine bedeutende Fahrgeschwindigkeit hatte, gab zwar rechtzeitig das Warnungssignal, doch wurde N. durch dasselbe anscheinend verwirrt, denn statt nach dem Bürgersteig zurück zu eilen, lief er direkt gegen das Auto, dessen Räder ihm über die Brust hinweg gingen. Der Arbeiter, welcher schwere innere Verlegungen erlitt, wurde nach dem Krankenhause Friedrichshain gebracht. Die Gasautomatenplünderer. 3tvei geriebene etwa sechzehnjährige Burschen, die sich als Beamte der Imperial ContinentalGas- Association ausgaben, verübten in verschiedenen Häusern der Yorkstraße, Nr. 42, 49 und 50, große Schwindeleien. Während der eine von ihnen unten Schmiere stand, erschien der andere in den Wohnungen. Er stellte sich überall als Kontrolleur und Kassierer der Gasautomatengesellschaft vor, ließ sich eine Zange geben, um die Plombe an dem Geldkasten zu lösen, entnahm demselben die oft nicht unbeträchtlichen Beträge und notierte fich pro forma etwas in ein kleines Notizbuch mit grünem Umschlag. Yorkstraße 42 begann der Pseudobeamte mit dem„ Kassieren" und erkundigte sich, wer im Hause Gasautomaten befize. Als er in der Sch.'schen Wohnung, Yorkstraße 42, den Befizer selbst vorfand, wagte er es nicht, fich als" Kassierer" aufzuspielen. Er erklärte, daß er nur die Nummer des Automaten nachsehen wolle, da derselbe durch einen neuen ersetzt werden solle, und zog sich dann schleunigst zurück. Herr Sch. verfolgte ihn unauffällig und sah, wie er mit seinem unten stehenden Kompagnon eiligst davonlief. Der Kassierer" ist ein etwa 1,65 Meter großer und schmächtiger Bursche mit dunklem Haar, bekleidet mit schwarzem, steifen Hut, dunklem Sommerpaletot, Stragenschoner und Badstiefeln und trug an der einen Hand zwei Similibrillantringe. Die Firma ist sofort von dem Treiben der Schwindler telephonisch benachrichtigt worden. In trostlosem Zustande wurde gestern abend in der Turmstraße der zwölfjährige Schüler Paul Sch., Emdenerstraße 7 wohnhaft, von einen Schußmann aufgefunden und nach dem Polizeirevier gebracht. Der von der Unfallstation XIX hinzugezogene Arzt stellte eine schwere Alkoholvergiftung fest und hatte alle Mühe, einen drohenden Herzstillstand des Knaben vorzubeugen. Noch immer im bewußtlosen Zustande wurde Sch. schließlich nach dem Krankenhauſe in Moabit gebracht. Es stellte sich heraus, daß der Schüler mit mehreren Kameraden heimlich in einen Weinkeller eingedrungen war und sich an dem edlen Traubensaft bis zur völligen Bewußt= losigkeit betrunken hatte. Feuer tam am Dienstagmittag um 12% Uhr im Wintergarten bei einer Prüfung der sogenannten Alarmhuppenanlage aus. Es brannte in der Damengarderobe. Die Flammen waren durch einen Lichtbogen an einer Huppe und dadurch hervorgerufenen elektrischen Kurzschluß entstanden. Die Gefahr wurde sofort bemerkt und konnte Die Benußung der Alarmhuppenanlage bald beseitigt werden. wurde bis auf weiteres von der Feuerwehr inhibiert. Etwas später hatte die Feuerwehr in der Alten Leipzigerstraße 16 zu tun, wo im Dachgeschoß in einer Küche Feuer ausgekommen war. Gleichzeitig wurde die Feuerwehr nach der Waldstraße 6 gerufen, wo Teer auf dem Dache brannte. Weitere Alarme liefen dann noch aus der Pasteurstraße 18, Straußbergerstraße 40 und anderen Stellen ein. Vermischtes. Oberin und Lebedame. Vor kurzem ging eine Notiz durch die Blätter über den Zusammenbruch eines Schwesternheims im Osten Aus dem Zuge gestürzt. Ein furchtbares Schicksal hat geftern Berlins, und gleichzeitig wurde mitgeteilt, daß die Oberin dieses morgen eine russische Auswandererfamilie betroffen, die sich auf der " Zionsheims" infolge verfehlter Spekulationen und drückender Flucht von Rußland nach Deutschland im Schnellzuge 6 auf der Schulden geistestrant und in weiterer Folge einer Jrrenanstalt Strede Ziltendorf- Fintenherd befand. Während der Fahrt stürzte überwiesen wurde. Diese einigermaßen tragische Affäre hat eine ein etwa siebenjähriger Knabe zum Fenster hinaus. Da die Eltern fleine Vorgeschichte, die nicht eines pikanten Beigeschmades entbehrt. die Notsignaleinrichtung wahrscheinlich nicht kannten, verging geraume Margarete R. Hätte heute noch ihre Anstalt haben können, die fie Beit, bis der Zug zum Halten gebracht werden konnte. Der Knabe vor zwei Jahren unter günstigen Auspizien begründet hatte. Arbeit wurde aber nicht sofort gefunden und daher mußte der Schnellzug und Verdienst waren reichlich; sechzehn Schwestern verfahen den langsam bis zum nächsten Blockhause zurückfahren. Dort traf die Dienst, und in der ersten Zeit wurden Mieten und Gehälter pünktlich telephonische Meldung ein, den Knaben gefunden bezahlt. Aber da kam die Liebe- auch die Oberin einer Schwestern- und daß man ihn mit dem nächsten Zuge nach Frankfurt senden schaft ist nicht dagegen gefeit und nun begann der Absturz. werde. Hierauf fuhr der Schnellzug nach Frankfurt a. D. weiter, Margarete R. fand sich in dem Labyrinth der Leidenschaften nicht wurde aber durch ein zweites Notsignal gleich hinter der Station mehr zurecht. Nächtliche Streifzüge durch Berlin waren schließlich Buschmühle, etwa um 10,15 Uhr, wieder zum Halten veranlaßt. Es teine Seltenheit mehr in dem Leben der Oberin, und ebensowenig zeigte sich, daß soeben wieder ein Kind derfelben russischen Familie fehlten die„ Herrenbesuche" in dem Programm des Tages. Anfangs aus dem Fenster gestürzt sei. Man fand den etwa achtjährigen nahm die Oberin auf ihre nächtlichen Liebesfahrten Schwestern mit, Stnaben mit schweren Verlegungen am Kopfe. Gegen 10,30 Uhr die ihr ahnungslos folgten, bis sie durch den Tatbestand erkannten, traf der Zug mit größerer Verspätung auf dem Frankfurter Bahndaß sie Dinge mitansehen sollten, die nicht zu dem Wirkungskreis hofe ein, wo das lnglück, dessen Ursache noch nicht aufgeklärt einer Schwester gehören. Diese Schwestern verließen dann anderen werden konnte, bereits bekannt war. Ein Arzt konnte nur den Tod Tages den Dienst. Nach außen hin versuchte die Oberin lange Zeit des Knaben feststellen. Die verzweifelten Eltern blieben auf dem die Lebedame zu verleugnen. Das ging aber eben nur eine Zeit- Bahnhofe, um die Ankunft des anderen Kindes, über dessen lang. Dann sicherten allerhand Gerüchte durch; der Schwestern Befinden noch keine Nachrichten vorliegen, zu erwarten. Die gerichtwurden nun weniger; in der Anstalt und in der Nachbarschaft liche Untersuchung des bedauernswerten Zwischenfalles wird zeigen schüttelte man den Kopf über das tolle Treiben der Oberin. Schließ- müssen, auf welche Weise das Unglück entstanden ist. Da niemand lich fam, was fommen mußte: der Zusammenbruch. Das zügellose weiter mit der Familie im Wagenabteil saß, läßt sich noch nicht festLeben hatte die Gesundheit der Oberin untergraben; die drückenden stellen, ob fahrlässigkeit vorliegt oder ob eine geistige Störung der Schulden die Furcht vor Entdeckung trugen ebenfalls zu der all- Mutter an dem furchtbaren Unheil schuld ist. gemeinen Zerrüttung bei, und schließlich taten sich die Pforten der Irrenanstalt auf, um ein vernichtetes Leben aufzunehmen. Eduard Möller 307V* Ein folgenschwerer Zusammenstoß zweier Straßenbahnzüge fand gestern nachmittag gegen 5 Uhr in der Landsberger Allee statt. An der Ecke am Landsbergerplas hielt an der dortigen Haltestelle ein Straßenbahnzug der Linie 81, um Fahrgäste einzunehmen. Zu derfelben Zeit kam auf dem gleichen Gleise ein Zug der Hohen- Schönhaufener Straßenbahn- Gesellschaft( Hohen- Schönhausen- Waßmannstraße) herangefaust, dessen Führer den Zug nicht rechtzeitig zum Stehen bringen konnte. Der Motorwagen des anfahrenden Straßenbahntrains fuhr mit solcher Gewalt auf den Anhängewagen Vorzuges der Berliner des großen Straßenbahn, Daß Aeltestes konz. legteren die Hinterplattform zertrümmert wurde. Durch die Gewalt des Anpralls wurde auch die starke Bufferstange des Kraftwagens zerbrochen, die Plattform des anfahrenden Motor waggons eingedrückt und mehrere Scheiben zertrümmert. Von den Fahrgästen erlitten vier Personen leichte Verlegungen. Es meldeten fich als verunglüct Kaufmann Lorenz, Straßmannstr. 43, Frau Kämmerer, Kochhannſtr. 7, Frau Bauer, Landsberger Allee 13 und Wilmersdorferstr. 40 I. leibungsstüden 2c. Fräulein Kretschmar, Virchowstr. 4. Sämtliche Verunglüdte konnten sich ohne fremde Hülfe nach ihren Wohnungen begeben. Hüte, Mützen, Delzwaren Rixdorf, Bergstr. 24. ,, Das Auge, Arbeit und Beruf" lautet das Thema eines öffentlichen Vortrages, den der befannte Potsdamer am Donnerstag, Augenarzt Sanitätsrat Dr. Makrocki den an 18. Januar, abends 8½ Uhr, im Saale des Café Bismard, Waisenstraße 50, halten wird. Bei dem allgemeinen Interesse dieses janitären Vortrages, der auf Anregung der letzten Generalversamm lung der Allgemeinen Ortstrankenkasse zu Potsdam stattfindet, dürfte ein zahlreicher Besuch dieses Vortrages sowohl für Arbeit geber- wie Arbeitnehmermitglieder der genannten Kasse durchaus zu empfehlen sein. Der Eintritt ist unentgeltlich. dem Leihhaus Charlottenburg, Hohe Beleihung. Diskr. Sprechzimmer Leih- Haus Charlottenburg, Friedrich Karl- Plat 12, Berlin, Anflamer- Straße 2. Beleihung von Brillanten, Gold- und Silbersachen, Uhren, Büchern, Wäsche, Emil Hoegner Grunewaldstraße 108. Eine Nubholzsteuer statt der Schlachtsteuer empfehlen die Bots. Das unvorsichtige Umgehen mit Schußwaffen hat gestern wieder damer Fleischermeister. In einem Schreiben an Magistrat und Stadtverordnetenversammlung begründen sie diesen Borschlag da- einmal ein Opfer gefordert. Der zwölfjährige Sohn des Kaufmit, daß die vorgeschlagene Nubholzsteuer den kleinen Mann" bon mannes Knade, Wiesenstraße 29, hatte auf dem Schrank einen ge= ladenen Revolver feines Vaters entdeckt und wollte einmal nachsehen, der drückend empfundenen Fleischsteuer entlasten würde. Diese zu beseitigen sei eine Pflicht des Magistrats. Das ist alles ganz schön. ob die Waffe funktioniere und ob er ein guter Schüße sei. Kauni Und wenn ja auch ohne weiteres angenommen werden kann, daß der hatte der Knabe jedoch den Revolver heruntergenommen, so entlud sich mehr gutgemeinte als praftifable Vorschlag von den städtischen dieser plößlich und die Kugel brang dem Unvorsichtigen in die rechte Störperschaften unter den Tisch fallen gelassen wird, so fann man Hand bis tief in die Knöchel hinein. Nach Anlegung eines Notfich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Potsdamer Schlächter verbandes auf der Unfallstation XVII wurde der waghalsige Schüße meister hierbei mehr an sich selbst als an die arme Bevölkerung" nach der königlichen Klinik in der Ziegelstraße gebracht. denken. Denn wenn es ihnen ehrlich darum zu tun wäre, die un- Aus der Selbstmordchronik sind heute folgende Fälle zu melden: gerechte Fleischsteuer zu beseitigen und damit im Interesse der Ein bei Verwandten in der Adolfstraße 16 wohnendes junges minder bemittelten Bevölkerung der zweiten Residenzstadt einen Mädchen Elli A. trant Lysol und wurde in bewußtlosem Zustande Berantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Wäsche-, Weiß-, Woll- und Manufakturwaren. Vorgezeichnete und fertige Handarbeiten. Herren- Artikel. Mitglied von 8 Rabatt- u. Sparvereinen. 268V* 306V*