Ur. 17. IltannenKntS'Bedimiungen; ■Jonnrtnrnt«• Preis ttSmimcranb«! »ierleljährl 8,30 ÜRf.. monatl. 1,10 MI., wöchenMch LS Pfg. frei Ins Haus. Einzelne Kummer 6 Pfg. EonniagS- nummet mit illustrierter eonntag«. Scilogt»Die Neu» Bell" 10 Pfg. Post. »ibonnement: 1,10 Marl pro Monat. Singelragen tn die Post.geilungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deuilchiand und Oesterreich Ungarn t Marl, für da« übrige«uSlan» » Marl pro Monat. ClMtlkt tJgllch auBcr n»uai. Derlinev Volltsblnkk. Ä3. Jahrg. Vit lnlttNoni-eedllvr betrögt für die fechSgefpaltene Kolouel- geile oder deren Raum«0 Pfg., für politifche und geiverlfchaftliche Verein«. und Berfammlungs-Rnzeigen LS Pfg. „Nietn, Hnieigen", das erste fsetl- gedrucktes Bort 10 Pfg., jedes weitere Bort s Pfg. Borte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Stummer müssen bis S Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben M erden Die Expedition ist an Wochentagen bt« 7 Uhr abend», an Sonn, und Festtagen bi» 8 Uhr bormittag» geäfsnel. relegrainm-tldresi«! «Z»»i»i«t»»llni IcrllB". Zentralorgan der fozialdetnokrati fchen Partei Deutfchlanda. Redaktion> BCQ. 68» Lindenetrasee 69. Sterntprerlift: Amt IV OTr. I«H* II Sonntag, den 21. Januar 1900. Expedition: 801. 68, Lindenetrasee 69. Kernsprrrlier: Elm» IV flr. ISSt. Segen Vetkskneehtung m Volksentreehtung. Proletarier? Parteigenossen? Der Tag ist gekommen, an dem Ihr durch eine macht- volle Kundgebung beweisen sollt, daß Ihr cS müde seid, für alle Ewigkeit die politische Helotenrolle zu erdulden, die der heutige Klassenstaat Euch zuertcilt hat. Aus Millionen Kehlen erschalle heute der Ruf: Nieder mit dem Dreiklassenwahlrecht, her mit dem allgemeiuen gleichen, direkten«nd geheimen Wahlrecht! Die Arbeiterklasse ist nicht nur die zahlreichste, sondern auch die gesellschaftlich wichtigste Klasse im Staate. Die ganze Pyramide der modernen Kultur ruht auf ihren Schultern. Die ungeheuren Reichtümer, die sich heute freilich nur als Besitz einer kleinen Kapitalistenschicht anhäufen, sind von dem Proletariat geschaffen worden; die ganzen Errungenschaften der Geisteskultur, die Triumphe der Wissenschaft, die Schöpfungen der Kunst, sie basieren im letzten Grunde auf der ökononiischen Kultur, die einzig von den schwieligen Händen der Arbeiterklasse hervorgezaubert worden ist. Aber die Arbeiterklasse verkörpert nicht etwa nur den bloßen Arbeits- Mechanismus, das ungeheuere Räderwerk der modernen Produktion, das gleich einer blinden Naturkraft, gebändigt und dirigiert durch eine höhere Intelligenz, Wunder- werke schafft— die Welt der proletarischen Arbeit ist ein beseelter, von eigenster Schaffens- kraft belebter Organismus, der sich seines Wesens und seines Wertes voll bewußt ist. Allgewaltig dehnt und reckt sich innerhalb des Proletariates der schöpferische Ge- staltungstrieb. Nahezu anderthalb Millionen von Arbeitern haben sich zu Gewerkschaftö- organisationen zusammengeschlossen, um den kulturividrigen, volksverderblichen Tendenzen des Kapitalismus entgegenzuwirken, das Proletariat auf eine höhere Stufe der Lebenshaltung und der Gesittung emporzuheben. Daß sich breite Schichten der Arbeiterklaffe aus den Niederungen des Elends, aus dem Schlamm des Alkoholismus und menschenunwürdiger Lebensgewohnheiten emporgerungen haben, ist in erster Linie das Verdienst der gewerkschaft- licheu Organisation, dieses ureigensten Gebildes des Proletariates. Und neben den Gewerkschafts- organisationen, neben den immer mehr erstarkenden genossenschaftlichen Organisationen, neben den Organisationen auf dem Gebiete des KrankenkassenwescnS hat sich die deutsche Arbeiter- klaffe eine politische Organisation geschaffen, der die bürgerliche Welt nichts auch nur annähernd Gleichartiges an die Seite zu stellen vermag. Was immer auf dem Gebiete der Sozialreform der widerstrebenden Bourgeoisie abgerungen worden ist, ist dem Drängen der politischen Organisation der Arbeiterklasse, der Sozialdemokratie zu danken, was ja selbst von einem Bismarck seinerzeit zugestanden worden ist. Die politische Organisation der Arbeiter- klaffe war nicht nur die stete Drängerin und Gelvisscnsmahnerin der besitzenden Klassen, sie ist auch die Erweckerin alles Idealismus und aller Menschenwürde unter den zahllosen Massen des Proletariats selbst gewesen! DaS Proletariat ist zum Selbstbewußtsein erwacht, es hat seine Menschenrechte erkannt Und heischt vollen Anteil an den ihm so lange schnöde vorenthaltenen materiellen und geistigen Kulturgütern! Als unerträgliche Schmach, als wundscheuernde Sklavenkette empfindet es da seine völlige Rechtlosigkeit in den deutschen Bundesstaaten mit reaktionärem Wahlrecht, in erster Linie in Prenßen, der Hochburg aller Reaktion! Annähernd 1'/« Millionen sozialdemokratischer Stimmen wurden bei der letzten Reichstagswahl in Preußen abgegeben— und nicht ein einziger Vertreter des arbeitenden Volkes sitzt im preußischen Landtag! Die wichtigsten, für das Proletariat einschneidendsten Fragen werden im preußischen Landtag entschieden: Das nach vielen Hnnderttausenden zählende Heer der staatlichen Arbeiter und Nnterbcanitrn ist auf Gnade und Ungnade der preußischen Geldsackvertretung ausgeliefert: einzig die Vertreter der Bourgeoisie haben über das Vereins- und Versammlungsrecht der Massen zu befinden; daS unter noch schlimmerer Fron als die industrielle Arbeiterschaft schmachtende ländliche Proletariat harrt vergebens auf daS Koalitionsrecht; die Justiz, das GefäiigniSwesen, die Polizeiangelegcnheiten— alles daS wird nach den Interessen der herrschenden Minderheit gestaltet, ohne daß ein Vertreter des Proletariats im Landtag auch nur ein Wort der Kritik äußern kann; das Schulwesen, diese für die Arbeiterklasse aus materiellen und ideellen Gründen so ungeheuer wichtige Angelegenheit, wird von einer juukcrlich-pfäffischcn Reaktion verschlechtert, ohne daß das dadurch betroffene Volk diesem Attentat auch nur den geringsten parlamentarischen Widerstand entgegenzusetzen vermag I Der Beseitigung dieser ungeheuerlichen Rechtlosigkeit gilt der proletarische Kampf. Das Proletariat kämpft allein, schmählich im Stich gelassen von all den bürgerlichen Parteien, die freiheitliche Forderungen wohl im Munde führen, die aber für den proletarischen Wahlrechts- kämpf jetzt nur Hohn und grimmige Schmähung übrig haben. Wohl hat der bayerische Thronfolger vor wenigen Tagen erklärt, daß„gekünstelte Wahlsysteme" wie daS preußische „dem Gerechtigkeitsgefühl der großen Masse der Bevölkerung widersprächen" und daß nur ein allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht ein getreues Bild von der Gesinnung der gesamten Bevölkerung gäbe, allein in Preußen denkt man anders— von den Spitzen herab bis zu den Kulis der„liberalen" Presse! Das Proletariat muß sich das demokratische Wahlrecht erkämpfen! Acngstliche Ge- müter haben sich eingebildet, dieser Kampf, zu dem am heutigen Sonntag die Arbeiterklasse aufgerufen ist, solle in blutigem Umsturz, in Barrikadenkämpfen, oder wenigstens in Straßenexzessen bestehen. Ruchlose Scharfmacher haben die Behörden aufgestachelt, die Flinte schießen«nd den Säbel hauen z» lassen! Und es sind denn auch groteske Vorbereitungen getroffen worden, überall ist das Militär bereitgestellt, in Berlin harrt ein ganzes Armeekorps deS Kommandowortes! Das Proletariat spottet dieser Kindereien! Es weiß, baß öS den Scharfmacher» keine« größeren Gefallen tun könnte, als Straßenumziige zu veranstalte«. Es verzichtet darauf, denn es hat bessere Waffen, um die hinter Bajonette sich verschanzende Reaktion nieder- zuwerfen. Sein unzerbrechliches Schwert ist der Gedanke, ist der Appell an die Vernunft, an das Gerechtigkeitsgefühl der Masse« Z In den zahllosen Versammlungen schwören heute viele Hunderttausende Proletarier, sich mit ihrer ganzen Kraft, ihrem ganzen Sein dem politischen Freiheitskampfe zu widmen. Noch stehen Millionen und Millionen unseren Organisationen, unseren Idealen fem. Es gilt, sie gleichfalls um das Banner der menschenbefteienden Sozialdemokratie zu scharen! Je zahlreichere Massen des Volkes hinter der Sozialdemokratie stehen, desto unwiderstehlicher wird unsere Wahlrechtsbewegung. Dann wird die Reaktion andere Saiten aufziehen, dann wird sie nicht mehr wähnen, in einem furchtbaren Blutbad die Forderungen des Volkes ersticken zu können! Deshalb sei die Parole: Jeder denkende Arbeiter werde zum Klassenstreiter, zum Werber für die Sozialdemokratie, für die Organisation deS Klassenkampfes! Wenn die ganze Arbeiterklasse das eherne Band der Klassensolidarität umschlingt, werde« die Zwingburgen deS Klassenunrechts and der Arbeiterknebelnng kläglich zusammenbrechen! Darum auf zu den Protestversammlungen, auf zur rastlosen Werbetätigkeit für dkn Klassenkampf, für Volksfreiheit und Volkswohlfahrt I! Fort mit dem Dreiklassenwahlrecht! Hoch das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht! Der blniige Svutttag von Petersburg und unser Wahlrechtskampf. Zu dc-m 18. März und dem 1. Mai hat sich nun der 22. Januar gesellt als dritter der grosicu Tage, an denen das Proletariat der ganzen Welt einmütig und mit voller Hin- gäbe die Revolution feiert. Und feiern wir aiu 18. März die Revolutionen der Vergangenheit, die uns die Bahn gebrochen zu der Höhe, die wir erreicht; feiern wir am 1. Mai die Revolution der Zukunft, die endliche Erlösung des Proletariats und damit der Menschheit von dem Fluche jeglicher Klassenherrschaft, so feiern wir nüt dem 22. Januar die Revolution der G e g e n w a r t, die Revolution, die wir selbst erleben, die Revolution, die Wohl zunächst nur eine russische ist, die aber auf die Proletarier aller Völker zurückwirkt; die Revolution, die der Befreiung von allen Fesseln gilt, welche die Proletarier noch in ihrem Emanzipationskampfe deengen, ihre Organisierung und Vorbereitung zur Eroberung aller ökonomischen und politischen Machtmittel des Kapitals hemmen. Und weil ivir mit dem blutigen Sonntage die Revolution der Gegenwart feiern, hat die internationale Demonstration an diesem Tage noch weit größere Bedeutung als die am 18. März und 1. Mai; hat sie nicht bloß propagandistischen, sondern direkt praktischen Wert als gewaltige Ermutigung unserer russischen Helden, die gegen den tückischsten und blut- gierigsten aller Feinde des Proletariats mit dem Aufgebot aller Kräfte kämpfen. Gerade jetzt hat die Sache der Revolution eine ernste Periode durchzumachen. Freilich, die Unkenrufe der Reaktionäre und leicht entmutigter Freunde der Freiheit, die uns den Zu- sammenbruch der revolutionären Bewegung verkünden, ver- raten nur eine oberflächliche Auffassung der Dinge. Die revolutionären Massen Rußlands sind geschlagen, aber nicht entmutigt. Sie rüsten sich zu neuen Kämpfen, sinnen ans neue Methoden der Kriegführung, um dem zähen Raubtier endlich den Todesstoß zu versetzen. Aber ihnen selbst sind schwere Wunden geschlagen, sie können Hülfe und Aufmunterung sehr wohl brauchen und es muß zu einer willkommenen Auf- niunterung und Ermutigung für sie werden, wenn das Proletariat der ganzen Welt ihnen zuruft, wie sehr es ihre Opfer zu schätzen, ihren Heroismus zu bewundern weiß, wie sehr dieses herrliche Beispiel allüberall zurückivirkt, jeglichen Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutung belebt und verschärft. Es ist in der Tat kein Zufall, sondern eine innere Not- wcndigkeit, wenn in Preußen und Sachsen die Feier dcS blutigen Sonntags zusammenfällt mit einer Belebung des Kampfes ums allgemeine Wahlrecht zu den Landtagen, und wenn diese Feier unter Umstünden vor sich geht, die die ganze große Disziplin und Besonnenheit unserer Genossen erfordern, soll nicht der Gedenktag des blutigen Sonntags von Peters- bürg selbst zu einem blutigen Sonntage werden. Der Kampf gegen das Drciklassenwahlrecht ist ein klassisches Beispiel dafür, daß große Volksbewegungen nicht künstlich gemacht werden können, ebenso wenig wie man sie nach Be- lieben zu verbieten vermag. Wie sehr hat man sich seit dem Beginn der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in unserer Partei bemüht, einen energischen Sturm gegen das preußische Landtagswahl- system zu entfesseln! Es wollte nie recht gelingen. Da bricht die Revolution in Rußland aus, da tritt das so getretene und schlecht organisierte russische Proletariat ein in den Kampf um eine Volksvertretung mit allgemeinem Wahlrecht— und sofort wird auch in den Nachbarländern die Wahlrechtsfrage akut. Das ungarische und österreichische Beispiel zum russischen gesellt, genügen, in den Proletariern Deutschlands, diesen kraftvollen, tvohlorganisierten Vorkänipfern des internationalen Proletariats, die Schaniröte aufsteigen zu lasscü ob ihrer politischen Rechtlosigkeit und ob ihrer Duldung dieser Rechtlosigkeit. Da erhüll der Wahlrcchtskampf ein ganz anderes Tenipo. Und nun kommen die herrschenden Klassen und ihre Regierungen, zeigen die ganze Angst und den ganzen Grimm, die der russische Brand in ihnen entfesselt, und arbeiten nun nach Leibeskräften, ihrerseits Ocl ins Feuer zu gießen durch Versuche, die Bewegung gewalttätig zu erdrücken. Sie sehen nicht, daß es ihnen höchstens gelingen kann, vorübergehend einzelne Formen freierer Regung des Proletariats unmöglich zu niachen, daß sie aber gerade dadurch die Gegensätze verschärfen, den Kampf energischer und erbitterter gestalten— die Opfer, aber auch den Preis des Kampfes erhöhen. Die Wahlrechtsbewegung ist da und läßt sich nicht unter- drücken. Wenn aber die Junker und Scharfmacher alles auf- bieten, um dem Proletariat aufs sinnenfälligste zu demon- strieren, daß sie den Kampf ums allgemeine Wahlrecht als einen Kampf um ihre Macht ansehen; ivenn sie ihn zu einem ebenso revolutionären Kampf stempeln wie in Rußland, wenn sie die Absicht bezeugen, ihre Widersacher mit russischen Mitteln niederzuschlagen— wenn sie immer wieder in dieser Weise demonstrieren, so wird ihnen gelingen, waS keine Straßendemonstration bewirkt hätte. Sie werden bewirken, daß die Masse des Volkes den Wahlrechtskampf, der einmal entbrannt ist und den jede llnterdrückungsmaßrcgel noch verstärken muß, immer mehr in notlvendigen Zusammen- hang mit einem Kampf gegen das gesamte Junker- und Scharf- niacherregiment bringt, und daß sie immer mehr von der Neberzeugung durchdrungen wird, ohne den Zusammenbruch dieses Regiments könne die Entrechtung des Volkes nicht auf- gehoben, könne die Grundlage zu seiner friedlichen und gesetz- lichen Befreiung nicht geschaffen werden. Es märe müßig, darüber nachzusinnen, welche Formen der Wahlrechtskanipf noch annehmen wird— als ob das von uns abhinge, als ob nicht bei jeder großen Massenbewegung die Forinen des Kampfes sich während desselben erst entwickelten als Mittel, den Schlägen der unterdrückenden Klassen zu be- gcgnen. Aber eines kann man heute schon sagen: So wie in Rußland, in Ungarn, in Oesterreich, wird es auch in Sachsen und Preußen keine Ruhe mehr geben, bis das allgemeine Wahlrecht erobert ist. Und welche besonderen Formen der Wahlrechts kämpf immer annehmen mag, er muß stets, unter allen Umständen zu einem Mittel werden, unsere Partei zu kräftigen. Tie Grundlage ihrer Macht bildet nicht das Wohl- wollen oder auch nur die Duldung von oben, sondern das Vertrauen der Masse des arbeitenden Volkes. Noch müssen wir aber dies Vertrauen mit anderen Parteien teilen, vor allem mit dem Zentrum. Der Wahlrechtskanipf ist wie kein anderes Mittel geeignet, die Verlogenheit und Hinterhältigkeit dieser falschen Arbeiterfreunde zu entlarven, der Volksmasse aufs deutlichste zu demonstrieren, wo ihre wirklichen Freunde sitzen und ivo diejenigen, die sie ausbeuten und verraten. Hat der Kampf gegen den Brotlvucher unsere Partei so gestärkt, daß sie den dritten Teil des deutsche, l Volkes darstellt, so kann der Kampf gegen die politische Rechtlosigkeit der großen Masse sie zur Mehrheit des politisch denkenden und sich betätigenden Teiles der Bevölkerung Deutschlands erheben, wie sie es in Sachsen bereits gewordeii ist. Für die Aussichten unseres Wahlrcchtskampfes konimt aber auch die allgemeine Situation und die Beschaffenheit der Regierung in Betracht, mit der wir zu tun haben. Diese ist sicher im Moment die stärkste Regierung Europas und in- sofern wird unsere Ausgabe eine äußerst schivierige. Aber diese stärkste Regierung spielt ein Spiel, wie es gewagter imd sinnloser nicht gedacht werden kann. Um Marokkos ivillcu, wo Deutschland nichts verlorei, und nichts zu gewinnen hat, treibt sie eine Politik, die alle Weltmächte abstößt, viele von ihnen provoziert, durch die sie sich völlig isoliert und die Nachbarn Deutschlands zu dessen Gegnern macht, durch die sie sogar die Möglichkeit eines Weltkrieges heraufbeschwört — sicher ohne einen solchen zu wollen, aber dadurch wird diese famose äußere Politik nicht um ein Quentchen sinnreicher. Im Gegenteil. Jedoch hiermit ist diese Regierung nicht zufrieden. In derselben Zeit, in der sie auf so gefährliche auswärtige Abenteuer ausgeht und im Nachbarreiche die Revolution auflodert, wo sie also alle Ursache hätte, die Volksniasse des eigenen Landes günstig zu stimmen, provoziert sie sie durch einen künstlich erzeugten Notstand, der nächstens durch die neuen Zölle und Zollkriege noch verstärkt iverden wird, eröffnet sie eine Aera der Verfolgungen gegen die stärkste Partei des Landes, erklärt sie ihre Entschlossenheit, die Recht- losigkeit der großen Mehrheit der Bevölkerung mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten, sucht sie durch den Schrecken jede Agitation dagegen zu lähmen, verkündet sie aller Welt, daß sie genötigt sei, die ganze Armee aufzubieten, um sich der Sozialdemokratie zu erwehren! Eine derartige Verbindung äußerer und innerer Politik kann gar nicht anders enden als mit einem elenden Bankerott, der wieder vor allem jene Partei in die Höhe schnellen und ihren nächstei, Forderungen Geltung verschaffen muß, die allein dieser Politik energische Opposition macht— die Sozial- demokratie. Endlich aber hängen die Aussichten unseres Wahlrechts- kampfes ab von den Erfolgen unserer Brüder in Rußland— nnd damit kommen wir zu unserem Ausgangspunkte zurück. Gelingt es der revolutionären Bewegung in Rußland, ein demokratisches Regime zu begründen, dann wird auch die Reaktion in Deutschland unhaltbar. Dann erhält die Wahl- rechtsbeivegnng von selbst eine solche Kraft, daß sie jeden Widerstand spielend hinwegfegt. So kämpfen unsere Genossen in Rußland nicht bloß für sich, sondern auch für uns, so ist ihr Sieg auch der unsere. Was Freiligrath im Silvester 1818 von den Ungarn sang, das gilt heute von den Russen: „Seht her doch, ihr nach Westen I Ein Volk noch in der Welt, Das trotzig mit der festen Stahlhand am Aufruhr hält! Im fernen, wüsten Osten, Der Freiheit Anßenposten, Die schlagen jetzt die Schlacht, Die, heitz zurück sich wälzend. Jedwede Fessel schmelzend, Auch euch zu Freien macht." Uits gilt die Schlacht ivie ihnen. Aber nicht Schulter an Schulter können wir derzeit mit ihnen kämpfen. Nur wenig vennögen wir heute für sie zu tun, nicht mehr als das Sanitätskorps hinter der Front, das die Wunden verbindet und die Zahl der Opfer mindert. Aber gerade weil das so wenig ist, müssen wir umsomehr dafür sorgen, daß das Wenige aufs ausgiebigste geschieht. Vergesse keiner sein Scherflein für die Opfer des russischen Freiheitskampfes. Der 21. Januar werde ein leuchtendes Beispiel internationaler Solidarität! poütifcke CkberFiebt. Berlin, den 20. Januar. Die Polizei liberaler als der Freisinn! Kaum je ist die unsägliche Jämmerlichkeit des Freisinns so kraß zuiage getreten, als während der Zeit der gegen- wärtigen Wahlrechtskämpfe. Während es der freisinnige Ab- geordnete Dr. Barth als eine„Schande für den Fr cisi nu" bezeichnete, wenn er die proletarische Wahl- rechtscampagne nicht nach Kräften unterstützte, übertrafen sich die freisinnigen Blätter gegenseitig in der Ver- unglimpfung der Sozialdemokratie. Und während wiederum Herr Barth die K l a s s e n j u st i z geißelte, die in Dresden Dutzende von harmlosen Radaumachern zu jahrelangen Gefängnisstrafen verurteilte und in Breslau gegen einen Redakteur wegen eines Wahlrechtsaufrufcs eine geradezu horrende Freiheitsstrafe verhängte, betrachtete es die freisinnige Presse als ihre Aufgabe, die Staatsauivälte erst recht gegen die augeblich zu gewaltsamem Umsturz und zu Straßenkämpfcn auffordernde sozialdemokratische Presse scharf zu machen! So schreibt z. B. heute wieder die freisinnig- volksparteiliche„Brest. Ztg.": „... wir möchten doch wissen, ob es nicht auch eine u n- geheuerliche Frivolität ist, wenn in der nichtverantwort- lichen, aber zweifellos sehr einflußreichen sozialdemokratischen Presse seit Monaten ein künstliches RevolntionSfieber erzeugt wird? Es ist im letzten Jahre in der sozialdemokratischen Presse'manches Wort gcschneben worden � dafür ließen sich sogar sozial- demokratische Abgeordnete als Zeugen anführen—. das, wenn Worte überhaupt einen Sinn haben, nur söge- deutet werden kann, daß die Arbeiter in eine erregte Stimmung hineingetrieben werden sollten, die sie zu russischcu Taten befähigt und geneigt macht. Die Herren, die in diesem Sinne geschrieben haben, wissen ebenso wie andere Leute, was dabei herauskommen würde und darum ist es eine Frivolität sonder- gleichen, so zu schreibe», wie es die sozialdemokratische Presse getan hat." Und das„Berliner Tageblatt" faselt in seiner heutigen Abendnummer: „Wäre es nach gewissen Großrednern unter den Sozialdemokraten gegangen, dann hätte sich der 21. Januar 190« zu einem Demonstrationssonutag allerer st er Ordnung entwickelt. Man wollte endlich einmal den ehernen Tritt der Arbeiterbataillone er- d r ö h n e n l a s s e n, um den Massen ein Bewußtsein ihrer un- widerstehlichen Kraft zu suggerieren, und u m d i e„ b ü r g e r- liche" Gesellschaft ein wenig einzuschüchtern. Allein die EntWickelung der öffentlichen Meinung in unserem Vater- lande hat zu einer ganz sichtlichen Ernüchterung der Urheber jener beabsichtigten Massen demon- st r a t i o n e n beigetragen. Es ist den Leiten: der im Grunde genommen recht naiven Bewegung klar geworden, daß die viel verspottete„bürgerliche" Gesellschaft bei uns in Deutsch- land nicht so leicht ängstlich zu machen ist wie beispielshalber in Frankreich. Unsere bürgerliche Gesellschaft pflegt angesichts der- artiger politischen Lärmankündigungen kaltblütig zu bleiben." Und das wagt das Blatt zu schreiben angesichts der von geradezu unglaublicher Nervosität zeugcndci Mobilmachung der Truppen, angesichts der täglichen skanda lösen Provokationen der Scharfmacherpresse! Wenn beim freisinnigen Bürgertum nicht längst die Scham zu den Hunden geflohen wäre, müßte es sich in Grund und Boden schämen vor der vernünftigen Einsicht, die selbst in Polizeikreisen noch anzutreffen ist. Hat sich doch nach der Mitteilung der„B- Z. ain Mittag" der Berliner Leiter der Exekutive der politischen Abteilung, Herr Dr. v. H e n n i n g e r, einem ihrer Mit- arbciter gegenüber folgendermaßen ausgesprochen: „Von besonderen Maßnahmen anläßlich der von der sozial- demokranschen Partei für morgen einberufenen Versammlungen ist mir nichts bekannt. Wir halten solche auch gar nicht für not- wendig, da unsere Berliner Polizei so gut organisiert ist, daß sie besondere Vorbereitungen gar nicht bedarf, falls wirklich Aus- schreilungen irgend welcher Art vorkommen sollten. Wir glauben auch nicht, daß sich.Ausschreitungen ereignen werden. Die Redner werden sicher so vorsich'ig sein, den überwachenden Beamten keinen Anlaß zur Auslösung e einer Versammlung zu geben. Die Haltung des ZeutralorganS� der sozialdemokratischen Partei war auch, im Gegensat« zu der! einiger bürgerlicher Zeitungen, bei Besprechung der SonntagS-h Protestversommlungen vernünftig und überaus maß- völl. Sollten Exzesse begangen werden, dann kann es sich jg bei diesen nur uni Elemente handeln, die mit den Sozialdemokraten nicht zu identifizieren sind.�, Wir Deutsche fürchten Gott..« Die preußisch- deutsche Sozialdemokratie ist doch zu dumm! Will am 21. Januar IL««„Revolution machen" und kündigt ihre Absicht wochenlang, monatelang vorher an. Mit Zittern und Zageiu sehen beamtete und nichtbeamtete Bangbüchsen dem heutigen Sonntag entgegen, und wer genügend Macht und hinreichend Mut hat, selbst eine Blamage nicht zu fürchten, der trifft Vorbereitungen, um der revolutionären Hydra wenigstens ein paar Köpfe abzuschlagen. Die Altonaer Polizei verbot— so meldet uns ein Privat- Telegramm— sämtliche zu heute angesetzten Versammlungen. Auf demselben Wege erfahren wir aus Jena, daß der dasige Gemeiudefürstand die für heute vormittag inS Volkshaus berufene Versammlung sSchvpflin sollte über die Freiheitskämpfe in Rußland referieren) verboten hat, mit Rücksicht darauf, daß nach der Ver- sammlung Straßeudemonstratioueii stattsiuden könnten! Diese Maßregel reiht sich würdig an dem gestern gemeldeten Verbote der Weimarer Regierung, welche die für Sonntag und Montag geplante» öffcntlicheu Aufzüge und Versammlungen unter freiem Himmel verbot. Grund? Das berühmte„öffentliche Wohl". Auch der Tarif für Zuwiderhandluiigeii wurde mitpubliziert: Geld- strafe bis 1ö« M., Haft bis zu« Wochen. Da hat das amtliche Organ, die„WeimaAsche Zeitung", also nicht umsonst gehetzt. Die Waschfrauen in Preußen-Dentschland haben gute Aussichten: Sie werden am Dienstag viel Unterhosen zur Reinigung bekommen. Die deutsche Renktion in englischem Spiegel. Aus London wird uns von unsereni Korrespondenten tclegraphisch gemeldet: Tie Wal)lrechtsagitation in Deutschland erregt hier viel Aufsehen. Tie„Daily News" leitartikeln über das Verhalten der Behörden, das zeige, wie unterdrückt das deutsche Volk sei. Die Bureaukratie erblicke in den Demonstrationen fast einen Akt der Rebellion. Man wolle das Volk in ein grau- sames und ungerechtes Joch zwingen. Die Bureaukratie sei blind, wenn sie ini 20. Jahrhundert einem aufgeklärten Volke das elenientarste Recht der Meinungsäußerung verbiete. Tie gepanzerte Faust des Imperialismus habe immer die härtesten Schläge für das eigene Volk. Aber das Licht werde kommen, trotz aller verrotteten Autokratie und Bureaukratie, *# » veutfckes Reich. Die Sehnsucht nach dein starken Mann. Die„K r e u z z e i t u n g" bekundet wieder einmal Sehnsucht nach dem bekannten dummen aber starken Manne. Die Wahlrechts- bewegung der Sozialdemokratie beweise wieder einmal, daß allerdings die Revolutionen meist von oben gemacht würden, nämlich durch das Zaudern und die S ch l a p p h c i t d e r R e g i e r n n g e n. Es müsse endlich etwas gegen das Anschwellen der Sozial- demokratie getan werden. Das„Wie" der Ausführung sei freilich„eine sehr schwierige und überaus ernste Frage," es fordere einen festen Entschluß, einen klaren Blick, eine starke Hand, stahlharte Nerven, die bis ans Ende aus hielten. Das Wahlrecht und das Koalitionsrecht— daS letztere, soweit eS nicht zu politischen Zwecken miSgenutzt werde—. könne man„zunächst" unangetastet lassen, aber man müsse das Soziali st engesetz mit den durch die neuesten Er- fahrungen gebotenen Aenderungen erneuern, unter B e- s e i t i g u n g der Preßbestimmuiig. unter Aufhebung der Ausweisungen und Jiiteruierung im Lande, welche durch die Ausweisungen über die Reichsgrenze ersetzt werden müßten. Wenn den Bebel, Singer, Arons sehr bald Gelegenheit gegeben wäre, an den„gastlichen Pforten der Themse oder den Schweis» Seen ihren Einzug zu halten," so wäre schon manches erreicht. Wenn der jetzige Reichstag ein solches Gesetz nicht an- nehme, so müsse er eben a u f g e l ö st werden, und wenn dann die Regierung eine energische und entschiedene Stellung einnehme, so sei es keineswegs ausgeschlossen, daß sie eine Mehrheit für ihren Plan erhalte. Erfüllt sich auch diese Hoffnung nicht, so müsse allerdings„in den Kampf getreten werden, wir er ähnlich vor fünfzig Jahren in Preußen geführt wurde." Es ist sehr hübsch, daß die„Kreuzzeitung" so offen mit dem Gedanken eines Staats st reiches von oben spiylt. Diese Aufreizung zum Umsturz der Verfassung, zur Etablieruug einer Säbeldiktatur beleuchtet in Verbindung mit den unlängst abgegebenen Erklärungen der Regiennigsvertreter, daß nian die Offiziere unter Androhung ihrer Entlassung zur Verletzung der Gesetze zwingt, sehr hübsch das Ge- zeter über die umstürzlerischcn Absichten der Sozialdemo- k r a ti e. Die Rechnung der„Kreuzzeitung" besitzt freilich mehrere empfindliche Fehler. Die stahlharten Nerven sind, wie die un- geheuerliche Nervosität gegenüber den Wahlrechtsversammlungcii beweist, zurzeit eine überaus seltene Erscheinung. Auch würde unter den heutigen Verhältnissen ein Staatsstreichversuch, wie ihn Preußen während des Verfassuiigskonfliktes unternahm, ein wenig energischerem und zäherem Widerstand begegnen, als ihn der bürgerliche Fortschritt damals zu leisten imstande war!— Zentrum und Wahlrechtskampf. Das Zentrum, das in Bayern— um Vorteile für s i ch s e l b st durchzusetzeil— für eine Demokratisierung b'eS Landtagswahlrechtes eintritt, unterstützt die Wahlrechts� � bewegung in Preußen dadurch, daß es auch am Vorabend der Berliner Wahlrechtsversammlungen die proletarische Wahl- rcchtsbewegung mit scharfmacherischem Gekeife anfällt! In ihrem Leitartikel behauptet die„Germania", daß das aller- letzte, worauf es die Sozialdemokraten bei den Wahlrechts- demonstrationen abgesehen hätten, die Wahlrechtsreform sei! Nicht auf die Erringung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts in Preußen komme es der Sozial- demokratie an, sondern nur auf ein„Parteigeschäft". Der Jahrestag der blutigen Vorgänge in Petersburg werde als günstige Gelegenheit angesehen. Agitation in großen? Stil Zu treiben und für die Propaganda auszunutzen! Etwas anderes fei gar nicht bezweckt. Höchstens gäbe es innerhalb der Partei Fanatiker, die durch die auf- reizende Schilderung der Vorgänge in Rußland die Köpfezu verwirren und in den Gehirnen der Arbeiter die Idee zu erzeugen suchten, soetwasseiauchbeiuns möglich und müsse daruni versucht werden. Bebel habe ja schon vor 10 Jahren den großen Kladderadatsch prophezeit. Liefen die Versammlungen am Sonntag ohne ernste Störung der Ordnung ab, so dürften sich am aller- wenigsten die Sozialdemokraten das Verdienst dafür zu- schreiben. Sie trügen im Gegenteil die volle V e r a n t- Wartung, wenn es zu Ausschreitungen und Blutvergießen kommen sollte. Man sieht, die„Germania" läuft beinahe Blättern vom Schlage der„Staatsbürgerzeitung" und der „Freien Deutschen Presse" den Rang in niederträchtiger Scharfmacherei und Denunziation ab! Auch an einer anderen Stelle, wo die„Germania" einen Beschluß des christlichen Gewerkschaftskartells von Berlin ab- druckt, den Protestvcrsammlungen fern zu bleiben, ergeht sie sich in blutigen Phantasien über die Möglichkeit von Exzessen. Der„Ausruhr in Köpenick", bei dem ein Gendarm erschossen worden sei, die„Februar-Krawalle", die Ausschreitungen bei den Ausständen der Straßenbahner und Omnibusangestellten hätten bewiesen, wie leicht sich Unschuldige blutige Köpfe, schwere Gefängnisstrafen zuziehen können. Die Rädels- f ü h r e r, denen das Zuchthaus drohe, pflegten sich ja zur rechten Zeit zu drücken. Auch die„Germania" hält es also für angebracht, die in gewissen Kreisen vor- handene Nervosität nach Kräften zu erhöhen!- Die Lockspitzelpressc an der Arbeit. Das bierblätterige Kleeblatt der Lockspitzelpresse: die„Berliner Neueste Nachrichten", die„Tägliche Rundschau", die„National- Zeitung" und die„Post" bringen auch heute loieder eine Reihe frech erlogener Mitteilungen über angebliche Absichten der Sozialdemo- kratie in den heute stattfindenden Versammlungen. Die gleich- lautenden Lügennotizen behaupten, daß in Besprechungen zwischen den Führern der Partei und den Referenten der Berliner Bolls- Versammlungen vereinbart lvorden sei, die Rede„autzerordent- lich scharf abzufassen und alles, was bisher an Hetzerei und Blutrünstigkeit geboten worden sei. zu übertreffen." Dann wird als die„vermutliche" Taktik der Partei erzählt: „Die Versammlungen werden so gestaltet werden, daß eine Auflösung nicht ausbleiben kann. ES wird nach Noten gehetzt, geschimpft. Beleidigungen gegen den Landtag sollen nur so hageln, bestehende Staätseinrichlnngen werden verächtlich gemacht werden, außerdem sollen noch nach den neueren Anord- nungen Frauen und Mädchen an de» Versammlungen teil- nehmen(ivelches Novum! Red. d. V.) und Verstöße gegen B e st i m m u n g c n des Versammlungsrechtes b e- geben, so daß die Polizei die Versammlungen schon deswegen auflösen soll. Nachdem so die Menge in die notivendige hitzige Stimmung gebracht ist, nachdem man„dem Volke bewiesen hat, daß ihm nicht einmal eine lumpige Aussprache über bestehende Mißstände mehr erlaubt wird", kann sich die Menge ans die Straße begeben. Seitens der Partei sind nun offizielle Demonstrationszüge verboten lvorden. Die Partei hat jede Verantlvortung für dieselben abgelehnt. Es liegt nun klar auf der Hand, daß die so bearbeitete Menge den Anordnungen der Polizei nicht allzu willig n ach kommen wird und in diesem Augenblick leicht Zwischenfälle eintreten könne n." Es versteht sich, daß alle diese Enthüllungen über die Taktik der Sozialdemokratie der schinutzigen Phantasie irgend eines Acht- groschenjungen entsprungen sind. Der offensichtliche Zweck dieser Provokationen ist eben der, sowohl die Arbeiterschaft als auch die Polizei aufzureizen und Z u s a ni m e n st ö ß e k ü n st l i ch hervor- zurufen. Helfen wird freilich alles nichts!— Zweierlei Maß. Dresden, 20. Januar.(Eig. Ber.) Das Klaffeiijustizdrama, das sich nach den Demonstra- tionen am 3. und 16. Dezember hier abspielte, hat einen vor- läufigen Abschluß gefunden. 22 Jahre Gefängnis sind, wie schon berichtet, dabei herausgesprungen. Das ist das furchtbare Ereignis einer in ihrer Art beispiellosen Klassenjustiz. Für Vergehen, die man sonst nur unter den groben Unfug- oder irgend eilten weniger strengen Para- graphen rechnet, wurden Jahre von Gefängnisstrafen in den einzelnen Fällen verhängt. Am drastischsten gab sich die Methode, nach der man verfahren ist, in einem der letzten Prozesse. Man müsse trotz der bisherigen Unbescholtenheit des Angeklagten, der ein paarmal geschimpft hatte, strenge strafen, um dadurch solchen Vorgängen vorzubeug e". Wen man gerade erwischte, gegen den werde eben in dieser Weise vorgegangen!— Plan ist noch weiter gegangen und hat gestrast, wo absolut nichts begangen war. Zum Beispiel: Ein Mann ist angeklagt, lediglich, weil er von einem Gendarmen in der Menge gesehen worden ist. Die beiden kannten sich persönlich. Der Mann sah sich ruhig den Vor- gang an. Als er bemerkt, daß ihn der Gendarm sieht, geht er ohne den Mund aufzutun und unaufgefordert seiner Wege. Dieser Sachverhalt wurde vor Gericht festgestellt. Ein Frei- spruch schien ganz selbstverständlich. Der Mann wird aber tocgen grobem Uiting zu der z ulässighöchstenStrase von 6 Wochen Haft verurteilt! Und der schlimmste von all den Fällen: Ein junger Mensch hat in der Menge, erregt durch das brutale Vorgehen der Gendarmen, auf diese geschimpft und bei der Arretur passiven Widerstand geleistet. Bei ihm wird ein dolchartiges Instrument gesunden, das zu gebrauchen er aber nicht einmal den Versuch gemacht hat. Urteil: 3 Jahre Gefängnis. Vor einigen Wochen wurde in Mittwcida ein Prozeß gegen einige Studenten des dortigen Technikums verhandelt. Tie Leute hatten in der Nacht zum 17. November einen f ö r m l i ch e ir Aufruhr organisiert. Es rotteten sich einige hundert Schüler des Technikums zusamnien zu deni ausgesprochenen Zweck, die Polizei zu verhauen. Am Tage zuvor waren Anschlägean die Plakatsäulen geklebt worden mit der Aufforde- r u n g an die Techniker, mit Spazier st öcken be- waffnet nachts 1 Uhr auf dem Platze in der Nähe des Technikums zu erscheinen. Außerdem waren Vereine mit brieflicher Aufforderung bedacht worden. Die Menge schwoll in jener Nacht an bis zu etwa 3000 P e r s o n e n, die schreiend, johlend und pfeifend dcmon- strierten. Die Polizei hatte einen schweren Stand. Sie wurde auch tatsächlich attackiert. MitSteinenwurdege- warfen. Fenster und Laternenscheiben wurden einge- schlagen. Als Verhaftungen erfolgten, wurden die Polizei- beamten niit Fußtritten, Püffen traktiert, Ver- hastete wurden losgerissen. Vier„Rädelsführer" wurden verhaftet und wegen Aufruhr, Gefangenenbefreiung, Widerstand usw. vor dem Schwurgericht angeklagt, das drei zu vier und fünf Wochen Gefängnis verurteilte, einen ganz freisprach. Welcher Kontrast zwischen Dresden und Mitt- Weida!— Russisches aus dem Kulturstaat Preußen. Zum drittenmal binnen ivenigen Monaten hatten sich die Gerichte in Köln mit der benachbarten Fürsorge-Erziehungs- an st alt Freimersdorf zu befassen. Wieder hatte sich eine Anzahl von Zöglingen an den Aufsehern vergriffen, um dann die Flucht zu ergreifen oder dem Gefängnis überliefert zu werden. Wie in den früheren„Meuterei"- Prozessen, die das Schwurgericht beschäftigten, so ergingen sich diesmal vor der Kölner Strafkammer die Ausbrecher in erbitterten Anklagen gegen die Gesellschaft im allgemeinen und die Beamten der Anstalt im besonderen. Die Sehnsucht der Zöglinge, die„Fürsorgeerziehung" mit dem Gefängnis zn ver- tauschen, war keine inhaltlose Redensart; denn sie kannten das Gefängnis ans eigener Anschauung und wußten, daß man dort nicht malträtiert und blutig geschlagen wird wie in Freimersdorf. Diese drei ZöglingSprozesie sind gleich Eiterbeulen am Körper der preußi- schcn Kultur. Was ihr Aufbrechen enthüllt, ist typisch für die Art, wie man in Preußen. Kultur- und Erziehungsaufgabcn erfüllt. Hier einige Streiflichter auf den umfangreichen Prozeß: Zn den Strafen, die bei Disziplinwidrigkeiten erteilt werden, ge- hören: Kostentziehung, Schlafen auf dem Boden mit einem Brett als Kopfuntcrlage, Zellenarrest, Stockhiebe in der Zahl von fünf bis zwanzig. Mit diesen Mitteln meint man die zertretene Menschenwürde wieder aufzurichten, glaubt man zu heilen, was an den Verwahrlosten gesündigt wurde. wähnt man zu ergänzen, was ihnen an Intellekt und sittlicher Erkenntnis mangelt. Diese Strafen sind aber nicht nur. sinn- und zwecklos, nicht nur kulturwidrig, sondern auch im- gesetzlich. Es sind ganz gewöhnliche Mißhandlungen im Sinne des Strafgesetzes; denn in dem Prozesse wurde festgestellt, daß das Strafreglement, das seit vier Jahren in Freiiners- dorf gehandhabt wird, der vorgeschriebenen ministeriellen Genehmigung entbehrt. So sieht es mit der Ueberwachung der Fürsorgeerziehung durch die Provinzial- Verwaltung und das Ministerium aus! Der Verteidiger fragte den Anstaltslehrer Klein: Fließt bei den Stockhieben Blut? Zeuge: Es dringt' etoas Blut durch. Verteidiger: Zerreißt die Haut? Zeuge: Sic leidet; jetzt werden die Kleider nicht mehr entfernt. Verteidiger: B.sher wurde das Gesäß entblößt, bis nach der Schwurgerichts- Verhandlung, die durch alle Blätter Deutschlands ging. Angeklagter Tebus: Er hat nrick eine halbe Stunde lang auf dem Bock liegen lassen nid jede Minute gab's einen Hieb. Angeklagter Schumacher: Lehrer K ein sagt, daß die Hiebe nur Risse geben; ich habe, wie auch der andere Zeuge gesagt hat, Narben, die ich mein Lebtag nicht verlirre; das ist ein Stück Mord I Angekl. Debus: Der Herr Lehrer Klein hat einen Zögling mißhandelt; das soll der Zeuge Bier aussagen. Präsident: Herr Klein ist nicht angeklagt; wir haben hier nur niit Ihnen zu tun. Angeklagter Schumacher: Der Gasstocher Faust ist Schlägermeister, der die Hiebe austeilt, der Henkersknecht. Lehrer Klein hat ihm gezeigt, wie geschlagen werden solle. Faust hat gesagt, er könne nicht so schlagen, wie Herr Klein eS wolle; dazu müsse er e r st besoffen sein Angeklagter Debus: Es wurde mir bei den Schlägen weiß vor den Augen und ich fiel in Ohnmacht. Ich sagte, ich sei auf den Geschlechtsteil geschlagen worden und wolle vorgeführt werden. Es standen drei Aufseher da, die sagten:„Ach, das ist einerlei, Ivohin die Schläge gehen."— Angeklagter Schumacher: Als ich geschlagen war, klebte mir das Hemde fest; aber eine Schüssel zum Loslösen wurde niir verweigert.— Aufseher Klinzmann: Schumacher ver- langte Wasser zum Kühlen, was ich verweigerte. Einer menicr Kollege» sagte mir: Nein, die Folgen müssen bestehen bleiben. Angeklagter: Bier Tage klebte es, und ich konnte es doch nicht losreißen. Gasstocher Wilhelm Faust: Die Züchtigung geschieht mit einem einen Zentimeter dicken Rohrstock auf das Gesäß; daß auf den Geschlechtsteil geschlagen wird, ist unmög- lich. Angeklagter Schumacher: Es ist für uns ein Bock besonders gemacht worden; da hängt der Kopf nach unten und der Leib zappelt in der Luft. Ich bin schwer in die Seite geschagcn worden. Präsident: Das kann wohl vorkommen. Staatsanwalt,: Das Daneben- schlagen geschieht, wenn der Delinquent sich bewegt. Angeklagter: Das ist zu natürlich, wenn man fast verrückt wird; ich glaube. wenn der Herr Richter zwanzig Stockhiebe be- käme... Präsident: Nun hören Sie aber auf I Jrrenanstaltsdirektor Fuchs hegt Zweifel an der ZurechnungS- fähigkeit des Angeklagten Debus, und er glaubt, daß eine Unter- suchung nötig sei; Debns leide an moralischem Blödsinn; indessen könne er ein abschließendes Urteil heute nicht abgeben. Allerdings würde eine Arbeit, bei der der Geist beschäftigt wird, besser auf einen solchen Menschen wirken als das eintönige Dütcn- kleben stvomit Debus in seiner Einzelzelle beschäftigt wurde!). Rechtsanwalt Weber stellt den Antrag auf geistige Beobachtung des D bus.— Dr. Fuchs erklärt später, daß er auch bezüglich dcS Angeklagten Schumacher Zweifel habe, ob er soweit geistig n i r ni a l sei, daß er die Folgen seiner Taten im ganzen Umfange ermessen könne. Ein Richter stellt die Frage auch bezüglich des dritten Angeklagten. Dr. Fuchs erwidert, daß er diesen nicht ge- nügend beobachtet habe. Das Gericht erklärte eine Beobachtung bei sämtlichen vier An- geklagten für„unnötig". Es verurteilte den an moralischem Blödsinn leidenden Debus zu e i n e m I a h r e, da er der An- stifter sei, den geistig verdächtigen Schumacher zu neun Monaten, den nicht genügend beobachteten Hoch zu sechs und den letzten Angeklagten, Luck. zu fünf Monaten Gefängnis, und zwar wegen Mißhandlung des AuffeherS Kessel. Die Anklage auf Meuterei hatte die Staatsanwaltschaft schon früher fallen lassen; andernfalls wäre das Schwurgericht zuständig gewesen. Den beiden ersten Angeklagten rechnete das Gericht als mildernd an, daß sie gemäß dem Gutachten der Sachverständigen geistig nicht normal seien. Antisemitischer Blödfinn. Trotzdem die Berliner Antisemiten pomphaft angekündigt hatten, daß das Vaterland ruhig sein könne, da sie nötigenfalls auf die Straße steigen und das sozialdemokratische Gelichter zu Paaren treiben würden, scheint die„Staatsbürger-Zeitung" selbst auf die Heldentaten ihrer Gesinnungsgenossen nicht allzu fest zu rechnen. Vielmehr malt sie bereits in düsteren Farben die furchtbaren Ge- fahren aus. denen am Sonntag die Berliner— Polizei entgegengehe. Das Blatt schreibt: „Eine schwere Aufgabe steht für morgen den behördlichen Sicherheitsorganen, insbesondere den Polizeioffizieren und Schutz- leuten bevor. Mönchlein, M ö n ch l e i n. du g e h st einen schweren Gang." Die Vorgänge in Hamburg zeigen, daß jeder, der morgen zum Dienst geht, nicht weiß, ob er gesund heimkehrt. Solche Erwägungen beeinträchtigen den preußischen Beamten natürlich nicht, man darf gewiß sein, daß jeder Beamte seinen Mann steht, daß er seinem Dienst mit Tat, Umsicht und Energie nachkommt." Die schon im voraus bemitleideten Berliner Polizeibeamten werden über diesen blödsinnigen Erguß sicher selbst am meisten lachen I—_ Das„tolerante" Zentrum. Stuttgart, 17. Januar.(Eig. Ber.)' Daß es dem Zentrum mit seinen Lex Heinze-Be» strebungen nicht nur um den Schutz dessen, was es unter Sittlichkeit versteht, sondern in vielleicht noch höherem Maße um die Bekämpfung alles dessen, was ihm politisch und g e i st i g unbequem ist, ankommt, hat es in schwachen Augenblicken schon häufig verraten. Es bleibt darum doch notwendig, auch alle neu auftauchenden Fälle zu registrieren, welche zur Beleuchtung der„Gewissensfreiheit" dienen, wie sie das Zentrum verstanden wissen will. In S ch w ä b i s ch- G m ü n d gibt in jedem Jahr ein Thcatcrcnsemble mehrere Monate lang Vorstellungen und erhält. damit seine Leistungen dadurch gesteigert werden, das Festhallcn- theater dafür eingeräumt und bekommt außerdem eine städtische Subvention. Am Dienstag voriger Woche wollte die Direktion das bekannte seiner Tendenz nach antiklerikale Stück„D i e Brüder von St. Bernhard" von Ohorn aufführen und hatte die Vorstellung bereits in der Zeitung angekündigt, als Plötz- lich dem Direktor„von maßgebender Seite" der Wunsch nahegelegt wurde, die Aufführung zu unterlassen. Der Direktor kam dem Wunsche nach. Wer war nun die„maß- gebende" Stelle für die in Gmünd zu pflegende dramatische Kunst? Das war der Herr Bü r g c r m e i st e r, der sich auf Veranlassung des katholischen Dekans den Direktor kommen ließ, um ihm zu sagen, man wolle die Ausführung dieses Stückes zwar nicht verbieten, aber schwerlich könne man im Falle ihrer Aufführung im nächsten Jahre der Direktion noch die städtische Subvention und das Festhallentheater zur Verfügung stellen. Dieser Wink mit dem Zaunpfahl hat begreiflicherweise ge» wirkt und das angekündigte Schauspiel wurde abbestellt. Die schönste Illustration zu dem Vorgehen der Stadiverwal- tung hat dann noch, vermutlich ohne Nebengedanken, der Herr Thcaterdirektor geliefert, indem er an Stelle der„Brüder von St. Bernhard"— den„Raub der Sabincrinnen" ankündigte. Da das ultramontane Stadtoberhaupt hiergegen„nichts zu erinnern" hatte, ist anzunehmen, daß ihm diese Posse salzlos genug und für seine Schäflein ungefährlich erschien.— Sndwcstafrika. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Feld» webcl Franz Siebert, geboren am 1. Februar 1876 zu Königs« aue, früher im Jnfanterie-Regimcnt Nr. 144, am 5. Januar ds. IS. in Otavi infolge ZerreißenS der Luftröhre. Halsschlagader und Bruch der Wirbelsäule durch K a m e l b i ß g e st o r b e n. Gefechte in Dentschostafrika. Gouverneur Graf von Götzen telegraphiert ans Dar es S a l a m folgendes: Der Major Johannes hat Süd-Ungoni durch Posten gesichert. Die 13. Kompagnie unter Oberleutnant von der Marwitz und die 8. Kompagnie unter Hauptmann von Kleist haben den nördlichen Teil des Bezirkes Ssongea besetzt. Der Häuptling Schabrnma ist dort noch die Seele des Ausstandes. In Süd-Ubena sichert der Bezirksamtmann von Langenburg Oberleutnant Albinns mit Polizeitrnppe die Missionsstation Kivugala. Südöstlich letzterer siel ani 6. Januar am Buhndjc-Fluß der Stabsarzt Wiehe mit elf farbigen Soldaten. Einzelheiten fehlen noch.— Hudland. Frankreich. Frankreichs Präsidenten. Seit in Sedan Napoleons Glück und Glanz erlosch, ist Frank- reich wieder Republik. Republik der Pfaffen, der Bourgeoisie, der Kapitalisten, aber immerhin doch Republik, ein Staatswesen, das sich nicht von einem Manne gängeln läßt, den der Zufall der Geburt ibni beschert, sondern das den Mann seines Vertrauens sich selber erkürt. Zuni neuntenmal ist die dritte Republik jetzt eben zur Präsidenten« wähl geschritten, den achten Präsidenten hat sie sich in Falliöres erwählt.(Grevy war zweimal gewählt worden.) Am 17. Februar 1871 war Monsieur Thiers unseligen Angedenkens einstimmig zum Chef der Staatsgewalt ernannt worden. Nach Thiers' Rücktritt wurde Marschall Mac Mahon am 24. Mai 1873 zum Präsidenten gewählt und legte gleichfalls seine Würde vor Ablauf der Periode in die Hände des französischen Volkes zurück. Am 36. Januar 1879 ward Jules Grevy gewählt, der erste Präsident. der bis zum Ablauf der siebenjährigen Periode in seinem Amte ver- blieb, der erste und bisher auch einzige französische Präsident, der nach Ablauf der ersten Periode am 28. Dezember 1835 ein zweites Mal gewählt wurde. Nun aber dankte der Achtzigjährige nach zweijähriger Tätigkeit ab und Sadi Carnot wurde am 3. Dezember 1887 zum Präsidenten der erwählt. Caserios Dolchstoß tötete Carnot in Lyon am 24. Juni 1864, und die Nationalversanimlung wählte zwei Tage darauf Casimir Pürier zum Oberhaupt. Nach halbjähriger Tätigkeit dankte Pürier ab, und am 17. Januar 1895 ward der frühere Gerbereibesitzer Felix Faure an seine Stelle gewählt. Durch einen plötzlichen Tod ward Fanre am 16, Februar 1899 in Lyon abberufen und Loubet am 13. Februar zum Oberhaupt der Republik gewählt, der zweite Präsident, der bis zum Ablauf seiner siebenjährigen Wahlperiode an der Spitze des Staatswesens verblieb und jetzt am 16. Januar durch Falliöres er- setzt wurde. Falliöres ist heute ein Mann im 65. Lebensjahre, hat Jura studiert, war Abgeordneter, Minister des Inneren, Justizministcr, dann Senator, sodann Präsident des Senats, als Loubet zum Ober- Haupt des Staates aufrückte. Falliöres ist also kein Neuling auf dein diplomatischen Parkett. Der Präsident der französischen Republik erhält jährlich 1 266 666 Fr„ arbeitet also bedeutend billiger als die meisten ge- krönten Häupter, Wir teilten bereits mit, daß Falliöres' Wahl im allgemeinen in ganz Frankreich mit Ruhe und Befriedigung ausgenommen worden ist. Wir verzeichnen heute noch eine Aeußernng Janrös, der in einer zusammenfassenden Betrachtung dieser Tage in der„Humnnitü" schrieb, es liege eine gewisse Größe in der Ruhe und Sicherheit, mit der sich im republikanischen Frankreich der Wechsel des Staatsober- Hauptes vollziehe, Allerdings! Während Frankreich seit 1871 neunmal Präsi- dentenwahl hatte, regiert in Deutschland der Nachfolger des Mannes, der 1871 zum Kaiser gekrönt wurde— die 166 Tage Friedrichs III. sind nicht mitzuzählen. Oesterrcich-Ungarn gar hat seit 1848 keinen Thronwechsel erlebt usw. Ja, diese Republikaner haben zu merkwürdige Gewohnheiten!— Bom Wettrüsten. Paris, 20 Januar.(SB. T. 83.) In den, Bericht des Depu- � � Kriec�sbud�et, der deninäclist in der Kammer ,(in Vortciliiiii, gerannen wird, wird die Wichtigkeit dieses Budgets »ir das Jahr 1900 hervorgehoben unter Hinweis darauf, dah Frank- reich, trotzdem cö den Frieden wünsche, auf alte Fälle gerüstet sein »uisie und unter dem weiteren Hinweise auf das neue Rekrutierungs- Rr biefcm Jahre zun, erstenmal zur Llnwenduna gelangt. ?. fuhrt ans, daß die Republik einen Grad von militärischer Macht meicht habe, der unter früheren Regierungen unbekannt gewesen sei. Obgleich das Parlament niemals eine für militärische'älvccke ae- forderte Geldsumme abgelehnt habe, hätten die auher- ordentlichen Ausgaben Deutschlands die Frank- r e, ch s, m I a h r e 1904 u m d a S D r e i f a ch e. 1905 um das Fünffache überstiegen. Klotz kritisiert das Vorhandensein eines Generalissimus in Fricdenszeiten und tadelt das System der Beförderung der Offiziere. Er prüft dann alle juristische» Fragen. dte dw Einführung der zweijährigen Dienstzeit nach sich ziehen kann. weiteren Verlaufe seines Berichtes geht Motz auf den eigentlichen veeresetat ein. der die Bewilligungen des Borjahres un, 30 Millionen übersteigt!— Jtalieu. Die italienische Partei für die r»ssische Revolution. .. Rom, 18. Januar.(Eig. Ber.) Wie in allen anderen Ländern werden auch in ganz Italien am Sonntag Volksversaninilungeii und Demonstrationen stattfinden, um den 22. Januar als den Beginn der akuten Phase der russischen Revolution zu feiern. Uebcrall, wo eine Partei-Organisasion be- steht, hat diese die Veranstaltnng in die Hand genommen; zweifellos wird das italienische Proletariat den Gedenktag zu einer imponierenden Kundgebung internationaler Solidarität gestalten. England. Die Wahl. Die Liberalem machen das Rennen. Von ihnen sind nach den letzten Meldungen 243 gewählt. Die Unionisten baben es auf 100, die Nationalisten i:uf 72 und die Arbeiter auf 3S Sitze gebracht.— Ter Mandatsgewimi beträgt daher zur Stunde: bei den Liberalen 133, bei den Unionisten 8, bei den Nationalisten 1 und bei den Arbeitern 28 Sitze.— Amerika. Gegen die Neger. Dah die Neger von den Weihen in den Ver- einigten Staaten als Menschen zweiter Klasse betrachtet werden, ist bekannt. Der Dankee weist jeden Versuch der Farbigen, sich eine soziale Gleichstellung niit den Weihen zu erringen, schroff zurück, besonders aber in den Südstaaten. Dort wird der Reger oft brutal unterdrückt, politisch entrechtet von einer Minderheit der Weihen, die allerorten die Herrschaft an sich gerissen haben. Dabei bemüht sich der Amerikaner sehr wenig, die Rcgerrasse kiiltiirell zu heben. Charakteristisch für die Beurteilung der Neger durch die Amerikaner ist die Botschaft des Gouverneurs Vardaman von Mississippi, die dieser Anfang Januar an die Staatslegislatur sandte. Dieser Gouverneur spricht sich entschieden dagegen aus, dah öffentliche Mittel für die Erziehung der Neger bewilligt werden. Er sagt unter anderem:„Die Negerrasse kommt moralisch jeden Tag weiter herab. Wir wissen alle, dah der Schwarze als freier Mann weil mehr Verbrechen begeht, denn als Sklave. Im Jahre 1890 gab eS ein Drittel mehr Verbrecher unter den Negern als im Jahre 1880. lind so geht eS iveitcr; im Süden und besonders in Missisippi wird eS immer schlimmer. Man kann kaum noch eine Zeitung ansehen, ohne dah man ans jene unnennbaren Verbrechen (gegen die Sittlichkeit) stöht, welche von diesen schwarzen Bestien verübt werden. Daran ist das Streben nach sozialer Gleichstellung mit den Weihen schuld, und es liegt im Charakter der bestehenden Erziehungsmethoden, dah dies Sweben gefördert Ivird. Soniit müssen die Weihen noch Tribut zahlen, wenn sie Gelder bewilligen für den Unterricht der Neger."— In den Nordstaaten lvcrden die Neger etwas liberaler behandelt. Als Roosevelt bei seinem ersten Aintsanlritt einen Neger, den Dr. Cruni, zum Hafeneinnehmer in Charlcston(im Staate Süd-Carolina) ernannte, gab eS ein allgemeines Aufsehen, und der Präsident muhte dem Senat fünfmal diese Ernennung vorschlagen, ehe dieser endlich seine Einwilligung gab! Jetzt ist Roosevelt anderer Meinung geworden und soll sich entschlossen haben, keinen Neger für ein Bundesamt zu ernennen; im Gegenteil, man hat bemerkt, dah er Neger gern ent- läht und Weihe an ihre Stelle setzt. Es ist dem Präsidenten darum zu tun, den politischen Beistand der Südstaaten zu gewinnen, und dazu hat er keine Aussichten, wenn er Sympathien für die Neger zeigt!— Ge�verKscKaftUcbes. Berlin und Clmgegend. Achtung, Metallarbeiter! Ter Streik in den Kammerischen Werken ist beendet, die Differenzen sind durch Verhandlungen bei- gelegt. Am Freitag mittag sind sämtliche Arbeiter wieder ein- gestellt. Die Sperre ist hiermit aufgehoben. Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Die HofvertranenSmänncr der Droschkenführer Berlins und Umgegend hielten am Freitagabend eine zahlreich besuchte Ver- fammlung im Apollo-Saal, Scbastianstratze, ab, um endgültig zur Lohnfragc Stellung zu nehmen. Nachdem der Referent die be- kannten Verhandlungen auf dem Gewerbegcricht noch einmal er- läutert und alle Bezirtsvcrsammlungen erklärt haben, an den zuerst aufgestellten Forderungen festhalten zu wollen, beschlossen die An- lvcscnden einstimmig gleichfalls demgemäh und erklärten, eine ab- wartende Stellung einzunehmen und alle Verhandlungen mit den Fuhrherren abzubrechen. Wenn dagegen die letzteren selber Ver- Handlungen anzubahnen wünschen, sollen diese auf der Basis der unter dem 29. November v. I. in den Jndustriesälen aufgestellten Bedingungen geführt werden; diese sind: Von l0 Mark Einnahme L Mark Grundlohn und 25 Proz. oder die Wagen waschen zu lassen, und bei einer Einnahme von 12 Mark 2 Mark Grundlohn und LS Proz. zu zahlen; Anschaffung verschllehbarer Räume zur Unter- bringung der Sachen und Versicherung der Livree gegen Brand- schaden; sowie Anerkennung des Vertrauensmannes. Auch eine Fuhrher renvcrsammlung nahm zu der- selben Zeit im„Prälaten" Stellung. Die Arbeitgcbermitgliedcr der Schlichtungskommission berichteten über das Ergebnis der Einigungskommissionssitzung mit den Kutschern. Auf dem Eint- grmgSamt war als äutzcrstcr Permittclnngsvorschlag von den Fuhr- Herren eine Zulage von 25 Pf. bei zehn Mark Einnahme vorbehaltlich der Zustimmung der Versammlung in Aussicht gestellt worden. Alle Redner der Versammlung sprachen sich gegen weitere Zugeständnisse ans. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen:„Die Schlichtungskommission der Arbeitgeber wird beauftragt, mit der Schlichtungskommission der Arbeitnehmer in Verhandlimgen zu treten, mit der Ermächtigung, den alten Vertrag vom 7. Juli 1904 zu erneuern, und zwar mit dem Zugeständnis der Feuerversicherung der Kutscherutcnsilien. Sollten die Kutscher hierauf nicht eingehen, so soll in Zukunft von einer Lohnzahlung abgesehen und ar. Stelle dessen den Kutschern 40 Proz. von der Tageseinnahme gezahlt wer- den. Für den Fall, dast die Kutscher ihre Forderungen durch partiell« Streiks auf einzelnen Fuhrhöfcn durchsetzen wollen, verpflichten sich sämtliche Fnhcherren, dies durch Aussperrung aller Kutscher zu bc- anttvorten."— Um dem infolge dieses Beschlusses in Aussicht stehen. den Lohnkampf yerüstet gegenüber zu stehen, wurde sofort in der Versammlung die Gründung eines„Strrikabwehrvcrbandes der Berliner Droschkenfuhrherren" vorgenommen. OcutUieB R((A. Im Ruhrgebiete muh etwas vor sich gehen! Unter vorstehender Spitzmarkc brachte der„Vorwärts" vor einigen Tagen die Mitteilung, dast am letzten Sonnabend in Königsberg in Ostprcuffeii 40 bis 50 Arbeiter, meist junge Leute, von Bergwerks agenten aus dem Ruhrgebict unter sehr verdächtigen Umständen angeworben seien. Wir sind in der Lage, Näheres über diese Anwerbung mitzuteilen. Die in Königsberg und Umgegend angeworbenen Arbeitslosen, 08 an der Zahl, wurden von drei„Agenten" zusaminengebracht. Unier dem Versprechen eines Tagelohncs von 3,50 bis 4 Mark bei dstündiger Schicht wurde ihnen Arbeit auf einer neu ins Leben gerufenen Fabrik zugesagt. Das war schon Schwindel, denn die Leute waren für das Bergwerk bestimmt. Nicht ein einziger von ihnen hatte je ein Bergwerk gesehen, viel weniger darin gc- arbeitet. Und es wäre sicher niemand auf die Leimrute gegangen, ivenn man den Leuten die Wahrheit gesagt hätte. Da die An- geworbenen sämtlich mittellos waren, so wurde ihnen beim Engagement versprochen, sobald sie im Eisenbahnzuge säßen, würden sie 15 Mark Vorschuß erhalten. Außerdem wurde ihnen Reiseverpflegung versprochen. Von alledem gab es nichts. Das ivar die erste Enttäuschung. Sonnabend nachts zwischen 12 und I Uhr fuhr der Transport aus Königsberg ab. Die ausgehungerten Arbeitslosen mußten sich dann aber bis Sonntag früh gedulden. In Schneide mühl bekam endlich jeder — 50 Pfennige l Ale dann einer der Unglücklichen sich den Mut faßte, in entschiedener Weise die versprochenen 15 Mark zu fordern, meinte der Transporlführcr:„Na. wartet nur, bis Ihr erst jenseits Berlin seid, dann>v erdet Ihr schon schlapp sein und gehorchen!"— Ach, die Armen waren schon schlapp, bevor sie überhaupt nach Berlin kamen, denn sie ge horchten auch jetzt schon, indem sie trotz der Verhöhnung in der Erwartung baldiger Arbeit still schwiegen und ohne jeden Pfennig weiterfuhren. In Spandau endlich gab es die versprochene Reiseverpflegung, nämlich— einen sauren Hering mit einem Brötchen dazull Wenn die Hungernden nun auch gerade keinen Sonntagsbraten erwartet hatten, so ging ihnen diese Art„Verpflegung" denn doch über die Hutschnur. Einige von ihnen wurden sogar buchstäblich„schlapp" nach dieser sogenannten Verpflegung.— Weiter ging es dann; nach drin gelobten Lande im Ruhrgebict hieß die Parole. Montag früh II Uhr endlick, nachdem die Opfer der Profitwut die zwei Nächte und einen Tag lange Tortur auf der Bahn überstanden hatten, gelangten sie in Duisburg- Ruhrort, ihrem Ziele, an. Nun ging es inS Quartier, nämlich nach der O v e r b r u ch- M e n a g e in Hain- dorn, der großen Gewerkschaft„Deutscher Kaiser" gehörig. (Hauptaktionär dieses Millionenwerkcs ist der bekannte Industrie- köntg Thyssen im benachbarten M ii l h e i m.) Daß nun bei Feststellung der Personalien und Abnahme der Papiere usw. erst noch wieder einige Leute vor Hunger ohnmächtig wurden, sei nur nebenbei erwähnt. Wenn nun aber die bcmitleidenswerien Opfer der kapitalistisch» göttlichen Weltordnung glaubicn, daß sie nun. am Ziele ihrer Reise, wenigstens ein einigermaßen annehmbares Arbeitsverhältnis vorfinden würden, so waren sie aufs neue schlvcr enttäuscht. Man mutete ihnen zu, mit einem Stück trockenen Brotes und etwas dunkelbrauner Flüssigkeit, die als Kaffee bezeichnet wurde, von morgens 0 Uhr biS mittags zu arbeiten, obwohl ihnen sowohl für Vormittag wie für den Nachmittag ein Brot mit Auflage versprochen war. Die„Auflage" gab es dann zwar am Montag- nachmittag, sowie den ganzen Dienstag und Mittwoch noch nicht, wohl aber am Mittwoch abend, nämlich in Gestalt don Ohr- f e i g e n(l!) Da die Arbeiter immer noch keinen Pfennig von dem versprochenen Vorschuß hatten, so riß ihnen am Mittwoch schließlich die Geduld und vier von ihnen verlangten ihre Papiere. Dies hatte zur Folge, daß jeder ganze 3 Mark erhielt, so daß sie sich wenigstens einmal ordentlich satt essen konnten, aber gleichzeitig wurden dir vier auch mit Hülfe der Polizei(!) aus dem Quartier verwiesen. Wenn man nun erwartet hatte, daß die Prügel und das forsche Auftreten der Polizei die Heloten stumin machen würde, so hatte man sich verrechnet. Das Vorgehen schlug ins Gegenteil um, indem nunmehr der ganze Transport in Gärung geriet.' Bis auf 5 Mann verlangten alle ihre Papiere wieder und Reisegeld, um retour zu fahren. Ein höhnisches Lachen war die Antwort. lind der Schlußeffekt? Etwa 30 Mann machten sich trotz ihrer verzweifelten Lage auf die Strümpfe, um zu versuchen, zu Fuß nach der Heimat zurückzu- pilgern oder unterwegs vielleicht Arbeit zu bekommen. 5 Mann ließen sich als Sklaven willenlos in das Joch tini Pannen und 29 meldeten sich schließlich als obdachlos bei der Polizeibehörde in Duisburg. Am Donnerstag früh wurden sie von gewcrk- schaftlichcr Seite belehrt, daß die Gemeinde Hamborn für den Rück- transport zu sorgen habe und daß die Gewerkschaft„Deutscher Kaiser" schadenersatzpflichtig fei. Das Uebrige wird sich dann an Gerichtsstelle finden. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß sich von den„Agenten" auS Königsberg zwei als Steiger vom Schacht III der Gewcrk- schaft„Deutscher Kaiser" entpuppten, während über die Person des dritten bis jetzt nichts bekannt ist. Achtung. Chirurgische Jnstrumentenmacher! Bei der Firma Evens u. Pistor in Kassel haben alle 42 dort beschäftigten Arbeiter die Arbeis niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. Deutscher Metallarbciterverband. Die streikenden Zeugdruckcr in Krefeld beschlossen am Donnerstag in geheimer Abstimmung mit allen gegen eine Stimme, den Streik fortzusetzen. Ter Fabrikantenverband hat damit die Antwort auf seine Provokation. Ob sie ihm gefallen wird, wagen wir zu bezweifeln. Am Sonnabend wird es sich herausstellen, wie- weit er seine Drohung mit der Massenkündigung wahr machen wird. Die Zeugdrucker zwingt die Situation, den Fehdehandschuh aufzu- nehmen. Die Stimmung unter einem großen Teile der nieder- rheinischen Textilarbcitcrschaft ist längst eine gereizte infolge der schlechten Lohnverhältnisse und der unerhörten Behandlung. Vom Magistrat der königlichen Haupt- und Residenzstadt Breslau erhalten wir folgende Zuschrift: Breslau, den 13. Januar 1906. Unter Bezugnahme auf 8 11 des Reichspreßgcsetzcs vom 7. Mai 1874 ersuchen wir Sie um Aufnahme folgender Berichtigung in die nächste Nummer des„Vorwärts". In dem Artikel„Unverschämtes Betragen" in der Nummer des „Vorwärts" vom 6. Januar 1906 wird behauptet, daß man dem entlassenen Arbeiter Reichelt„Unverschämtes Betragen" als Ent- lassungsgrund ins Zeugnis geschrieben habe. Dies ist tatsächlich falsch. Dem Rcichclt ist überhaupt kein EntlassungSgrund ins Zeugnis geschrieben worden. G. Bender. In der„Breslaucr VolkSwacht", der wir die tatsächlichen Be- hauptungcn unseres Artikels entnahmen, haben wir eine ähnliche Be- richtigung bisher nicht gefunden. Sollten wir dieselbe übersehen haben oder berichtigt Herr Bender in Breslau nicht? Interkonfessionelle Bekämpfung der freien Gewerkschastru. Das Eichsfcld ist zurzeit der Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen den beiden Richtungen in der christlichen GcwerkschastS» b c w c g u n g. Der von den interkonfessionellen christlichen Gclverk- schaftcn auf dem Eichsfelde unternommenen Agitation tritt die katholische Geistlichkeit des Eichsfeldes entschieden entgegen, obwohl die höchsten kirchlichen Würdenträger, darunter der Erzbischof von Köln und der Bischof von Paderborn, zu dessen Sprengel auch das Eichsfcld gehört, sich für die christlichen Gewerkschaften erklärt haben. Mit verschwindenden Ausnahmen unter- stützt die katholische Geistlichkeit hier die sogenannte„Berliner Rich- tung", d. h. die ta t h o l i s ch- t o n s e s� i o n e l le Arbeiterorganisation. In einer zu Worbis im Eichsfcld veranstalteten Versammlung der christlichen Gewerkschaften versuchte Kaplan Windolph-Worbis eine Brücke zum Frieden zu bauen, indem er vorschlug, daß diejenigen cichsseldischcii Arbeiter, welche in die Jndustriebczirke abwandern, dort den ckristbichcn Gewerkschaften beitreten, daß letztere aber dajür ihre weitere Agitation aus dem Eichsfelde einstellen. Ter Vorschlag fand indes keinen Beifall, die Versammlung stimmte vielmehr den Hauptrednern des Tages zu, loelchc ausführten, dah eine konfessionell« Trennung der auf christ- lichcm Boden stehenden Arbeiter ein Unding sei und nur der Sozial- dcmokratie zugute komme. Für die christlichen Gewerkschaften wurden trotz des Einspruches des Kaplans zahlreiche neue Anhänger gc- werben. Das ist um so bemerkenswerter, als der Einfluß des Klerus aus das Volt hier sonst ein sehr starker ist. Hafenarbeiterstreik in Köln. Ain� 18. Januar traten in Köln die Akkordarbciter im Betriebe der„Städtischen Werfthallc" wegen geringer Lohnforderungen in den Ausstand. Tie bis jetzt an- gebahnten Verhandlungen haben zu keinem befriedigenden Resultat geführt Zuzug ist strengstens fernzuhalten. Ein verurteilter Liebling deS Kapitals. Streikbrecher sind die bevorzugten Lieblinge des Kapitals, denen, wie die Erfahrung lehrt, mancher schlimme Streich durchgeht Im gegenwärtigen Fall ist es aber einem solchen Gesellen übel aufgestoßen, daß er sich als Messerheld produziert hat. Der Bergmann E. in Castrop, der beim letzten Bergarbeiter st reikden Streikbrecher machte,«rfreuie sich deswegen bei den Kameraden ganz erklärlicherweise leiner Beliebtheit. Nichtsdeito- tvcnigcr suchte er sich ihnen aufzudrängen. Bei einer solchen Gelegenheit wurde ihm in einer Wirtschaft von einem Kanicraden gesagt, daß man mit einem Streikbrecher nichts zu tun haben wolle. Diese Aeiitzorung versetzte den E. derart in Wut, d a ß« r a u f seinen Kameraden st ü r z t e und ihn zu- e r st m i t e i n e in B i e r s e i d e l u n d d a ii u n o ch in i t e i n c in Messer lebensgefährlich verletzte. Es ging nun wohl nicht anders, gegen E. mußte ein Strafverfahren eingeleitet werden. Die Tortmuiider Strafkaniincr verurteilte den Menschen zu der immerhin noch milden Strafe von sechs Monaten Ge, f ä n g n i S. Ob die Scharfmachcrprcsse von diesem Fall auch Notiz nehmen wird? Angriffe auf das Koalitionsrccht schwedischer Pnuaibahii- angestellten. Das am schlechtesten bezahlte Zug- und Station*- personal der von Upsala nach Gräfle führenden Eisciübahn, die ein Privatuntcrnchmen ist, reichten vor einiger Zeit Forderungen auf Lohnerhöhung ein. Statt den bescheidenen Wünschen entgegen zu kommen, veranstaltete die Direktion dann eine Untersuchung darüber, wer von den Angestellten organisiert ist, und drohte den Organisierten mit Entlassung oder Dcgrndierung. Die in Betracht kommende Abteilung des Schwedischen Eisenbahnervcrbandes richtete darauf am 17. Januar ein Schreiben an den Direktor der Bahn. worin vor allem die Anerkennung des Vcrcinigungsrechtcs verlangt und bei ablebnendcr Antwort andere Maßnahmen in Aussicht gestellt wurden. Der Vertrauensmann der Organisation wurde beim Direktor vorstellig. Dieser aber lehnte jede Verhandlung mit der Organisation ab und erklärte weiter, daß organisierte Angestellte nicht befördert werden sollten. Die niedrigen Lohne der Angestellten versuchte er mit den hohen AnlcgiuigSkostcn der Bahn zu cnl- schuldigen.— Es scheint, daß eS hier zu einem ernsten Kamps kommen wird. Das Personal dieser Bahn ist zu VO Proz. organMiCil. Das Lokomotivpersonal, das selbst keinen Anteil an der Lohn bcwegung hat und einer besonderen Organisation angehört, hat sich bereit erklärt, den Kampf nach besten Kräften zu unterstützen. Versammlungen. Potsdam-Osthavelland. Wir erhalten folgende Zuschrift: In Ihrem Bericht über die Generalversammluiig des ZcntralwablvercinS für Potsdam» Spandau-Osthavcllcmd in der Nr. 14 vom 18. Januar, 2. Beilage, sind zu mciiicii' Bedauern in dem letzten Teil, welcher damit be- ginnt:„Genosse S t a a b- Potsdam erstattet den Bericht der Preß- kominission der„Brandenburger Zeitung", Aeußerungen enthalten, welche vollständig unrichtig, ja auch ganz unlogisch sind, denn welches Unternehmen wird in seinem Jahresbericht von einem wöchentlichen Defizit sprechen, wie es in dem betreffenden Satze geschieht? Ich habe in meinem Bericht folgendes gesagt: „Nach dem letzten Jahresbericht hatte die„Brandenburger- Zeitung" einen Verlust von ungefähr 340 M. Dies ist jedoch nur ein scheinbarer. Er resultiert auS Anschaffung don Maschinen und bedeutenden Verbesserungen deS Betriebes. Da nun für die nächste Zeit derartige größere Ausgaben nicht zu machen sind, so ist der Stand des Geschäftes im ganzen ein günstiger. Die Preßkommission beschloß, um dem lang gefühlten Bedürfnis nach Anstellung eines zweiten Redakteurs abzuhelfen, die Stelle auszuschreiben. Die da- durch entstehenden Mehrausgaben werden wir durch Werben von neuen Abonnenten, Uebcrweisung von Truckarbciten und Inseraten zu decken suchen." Wilhelm Staad, Potsdam, Junkerstraße 75. Die Gemerbegerichtswahlen in Schönederg am gestrigen Tage zeitigten einen Sieg der zentral- organisierten Gewerkschaften. Es wurden bei den Wahlen der A r b e i t n e h in e r insgesamt 1829 Stimmen abgegeben. Davon erhielten die Kandidaten der Zentralorganisierten 1694 Stimmen, die der Lokalorganisicrten 186 Stimmen, und die Kandidaten einer bürgerlichen Gastwirtsvereinigung brachten es auf 29 Stimmen. Bei der Wahl der� Arbeitgeber erhielten die bürgerlichen Kandidaten 137, die Sozialdemokraten 31 Stimmen. Gegen die Wahl der Arbeitgeber ist aber verschiedener Unregcl- Mäßigkeiten halber Protest eingelegt worden. Letzte(Vacbnchten und Depeleben. In den Armen liegen sich... Rom, 29. Januar.(Privatdcpeschc des„Vorwärts".) Die Regierung hat alle für morgen geplanten Straßenumzüge zu Ehren der russischen Revolution verboten In Rom ist sogar die Volksversammlung untersagt. Diese findet jedoch statt_ Polizeiliche Fürsorge. Hamburg. 20. Januar.(W. T. B.) Laui Jti.auut. maclning müssen sämtliche Schank- und Speisewirtschaften. die in sieben in die Riederftraße einmündenden Straften velcgcn sind, von heute ab bis auf weiteres um 3 Uhr nachmittags geschlossen werden. Russischer Talles. Riga, 20. Jauuiu.(B. H.) Acht Bewaft»»-!« drangen in den Kamerakhof ein, bedrohten die Wächter mit dein Tode und raubten die feuerfesten Geldschränke, in denen sie iedoch nur«rrllose Doku- mente fanden. Zugentgleisung. Älifsingen, 20. Januar.(B. S.) Der Deutsche Eilzug Wesel- Vlissingcn ist in der Nähe von Vlifsingen entgleist. Mehrere Per- soncnwagcn wurden schwer beschädigt. Fünf Personen sind, soweit bis jetzt feststeht, mehr oder minder leicht verletzt worden. Erdrutsch. Genf, 20. Januar.(V. H.) Ein riesiger Erdrutsch fand heute bei Chamason statt, der bedeutenden Schaden anrichtete. Der Erdrutsch erstreckt sich aus über ein Kilometer Länge. Ein bctracht- sicher Waidkomplex wurde vollständig verschüttet, ebeos» rm großer Teil der Ortschaft._ Perantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlag: VorwärtsB>ichdr.u.BcrlagSanstaltPmiISingerLeCo.,Bcrlin8W. HirrzuSVeilagrn. ».17.21!*� 1, Stilajf des Jormirts" ßttlinct lliilliüMatt. Der 22. Januar 1905 in Petersburg. =300= Was raunt und rauscht und rollt und tost wie raschen Stromes Schollengang, Wie toller Brandung Wellenschlag, wie wilder Windsbraut Äochzeitssang? Bläst von der Bolotnaja her Ostfrost, der in den Lüften klingt, And überm breiten Newskydamm die unsichtbare Äarfe schwingt? Der Frost ist's nicht; melodischer tönt's, wenn die magischen Saiten schwirm, And seufzend über Petersburg des Liethers Eiskristalle klirrn. Dumpf braust es und das Pflaster dröhnt wie unter ratterndem Geschirr. Jetzt Hallt'S wie schwerer Massentritt, wie tausendfältig Stimmgewirr. And sieh', dort wälzt dem Keerwurm gleich, der zahllos flutet überS Land, Die Menge sich myriadenfach zur Winterburg am Newastrand. Sie füllt den gähnenden Prospekt und überspült den weiten Plan Vorm Zarenschloß und schwillt und wächst und bricht lawinengleich sich Bahn. Was tteibt das Volk zum Zarenschloß? Entstieg es endlich dem Verlies Der tausendjähr'gen Finsternis«nb zieht mit Flinte, Dolch und Spieß, Mit Bomben und mit Dynamit, den heil'gen Zorn im Angesicht, Zum Sttaßenkampf um Menschlichkeit, um Freiheit, Gleichheit, Recht und Licht? Was zaudert's noch und stürzt sich nicht in Rotten auf's KosakenkorpS, And schlägt mit scharfer Zimmreraxt in Splitter des Palastes Tor, And stürmt, ein lohend Flammenmeer, brandlegend durch das Riesenschloß And räuchert wie die Füchse aus den Zaren und den Zarensproß? Was zaudert's noch? Weh'n ihm voran die blutigroten Fahnen nicht, Die Banner der Erlösungsschlacht, die der Enterbten Ketten bricht? Grinst dort auf hoher Stange nicht mit wirrem, windzerzaustem Schopf, Der Rache schreckliches Symbol, ein abgeschlag'ner Schergentopf? Du irrst: Die Schar ist waffenlos und naht in frommer Prozession, Im Bittgang um Gerechtigkeit, demütig nur dem Zarenthron. Die Kirchenfahnen weh'n voran, nicht Freiheitsbanner rot und wild, And jenes abgeschlag'ne Äaupt ist ein geweihtes Äeil'genbild. Was aber soll vor dem Palast in dichten Reih'n der Leibkosak, Was Probraschenskys Grenadier, feldmarschgemäß mit Sack und Pack, Was beim gerichteten Geschütz der Grenadier im Schwarzlammpelz? Empfängt der Zar sein tteues Volk mit Bajonetten und Schrapnells? Der Zar empfängt sein treues Volk angstschlotternd nach Tyrannenart, Geborgen hinterm Pikenwall, von hundert Bütteln wohl bewahrt, Amhegt von Schranzen und Lakai'n, den Spottgeburten seiner Gunst, Amnebelt vom Zäsarenwahn und feiler Pfaffen Weihrauchdunst. Jetzt voreinander, Brust an Brust, steht Arbeitsmann und Grenadier, Es stockt der Masse zähe Flut vor dem lebendigen Spalier. Laut grollend ruft den Zaren man. Es knackt der Kahn am Flintenschloß And zur Attacke bäumt sich schon das schäumende Kosakenrvß. Da drängt sich auS der Menge vor ein Jüngling, zart und bleich und schmal, Ein halbverhungerter Student, und schreit hinauf zum Kaisersaal: „Kast du kein Ohr mehr für dein Volk in seiner fürchterlichsten Not, Verstockter Zar, so zeige dich und schieß es mit Kartätschen tot I" „Laß die Gewehre knattern, laß die donnemden Geschütze spei'n, And mäh' nach guter Schnitter Art, ein rascher Äenker, Reih'n um Reih'n! Doch pfusche nicht und laß unS nicht verstümmeln erst in langer Oual Durch klatschender Nagaiken Schlag und krummer Säbel schwanken Stahl!" Es hört's kein Zar. Der Leibkosak lacht in den Schnurrbart breit und kalt. Die Gier tierischer Grausamkeit schielt auS der Augen schiefem Spalt. Schon senkt die Lanze er zum Stoß, da sprengt heran ein Adjutant Vor der Kosaken lange Front und heischet barsch zum Volk gewandt: „Zurück, zurück, den Platz geräumt! Nur fünf Minuten habt ihr Zeit! Kein Widerspruch! Die Jnfant'rie steht auf Befehl zum Schuß bereit l Zurück, zurück, den Platz geräumt, bevor die erste Salve kracht, And auf des Zaren streng Geheiß der Prozession ein Ende macht I" Die Menge murrt und rührt sich nicht und auf die Kirchenfahne schwört Ein Arbeitsmann:„Wir weichen nicht, bevor uns nicht der Zar gehört! Wir fordern nur Gerechtigkeit, Gerechtigkeit und ttock'nes Brot. Schießt I Besser als der Kunger ist, der ewige, ein schneller Tod I" „Wir weichen nicht", murrt dumpf das Volk. Da winkt der Schergen General And ein Raketenschuß sprüht auf, der Mörder leuchtendes Signal: Daß überall in Petersburg, wo's Volk sich in den Sttaßen staut, Man's auf des Zaren Blutbefehl erschießt, zerstampft, zusammenhaut. Verzischt ist der Rakete Gischt. Es murrt das Volk und rührt sich nicht. Kommandoworte schwirr'n umher und plötzlich in die Kniee bricht Wie zum Gebet die Jnfant'rie und stemmt an's Kinn den Büchsenschaft. Die Salve kracht und Reih' um Reih' stürzt wie von Sensen hingerafft. Schuß folgt auf Schuß. Fünf Salven gab das Militär und zielte gut. Fünf Reihen wälzen röchelnd sich in Eis und Schnee und Schlamm und Blut. Fünf Reihen eng gepferchten Volks! Dem klafft die Brust, dem barst die Stirn, Dem quillt'S Gedärme aus dem Bauch, dem spritzt auf's Pflaster daS Gehim. Dem hänget schlapp am Stumpf das Bein, dem schoß zu Brei man Kand und Arm, Dem rieselt'S aus zerfloss'nem Aug' auf Bart und Wange klebrig warm. Dem schlug abprall'nder Kugel Wucht das Zahngehege aus dem Mund, Der liegt, gettoffen in das Kerz, sanft schlafend wie auf blumigem Grund. Fünf Salven gab das Militär. Kein Schreckschuß fiel, ein jeder traf. Zweitausend schoß zu Krüppeln man, zweitausend in den ew'gen Schlaf. Nicht weicht das Volk, zu Külfe eilt's den Brüdern, die man hingestreckt Wie auf der Kofjagd Kirsch und Reh, wo Tier an Tier den Rasen deckt. Zu Külfe eilt's den Wimmernden; doch wieder tönt Kommandowort And wieder ruft ein Offizier:„Zurück!" And schußbereit zum Mord Kebt der Soldat den Büchsenlauf und wieder gellt der Feuerschrei And wieder knattert Salv' auf Salv' und mähet wieder Reih' um Reih', Jetzt endlich weicht daS treue Volk, gehetzt vom Leibkosakenttoß, Der wütend die Nagaika schwingt herab vom strupp'gen Steppenroß, Das auf den toten Leibern tanzt und wild die blut'ge Masse stampft, Wo sterbend der Verwundete sich unterm Kuf zusammenkrampft. Achttausend blieben. Wann gab je, wo auf umstelltes Wild man schoß, So große Strecke eine Jagd, als diese Jagd vorm Winterschloß? Die Menschenjagd auf's tteue Volk, das bittend zu dem Zaren kam, And Kirchenfahn' und Keil'genbild mit auf den frommen Bittgang nahmt Der Zar sitzt noch am Frühstückstisch und schaukelt auf den Knien den Sohn. Da meldet ihm der Adjutant, daß unterdrückt die Rebellion, Daß sich das brave Militär geschlagen— einfach wunderbar— Mit blut'gen Köpfen heimgeschickt für immer der Empörer Schar. Inbrünstig dankend küßt der Zar gerührt sein Lieblingsheil'genbild And drückt die Kand dem Adjutant und schaut so ftoh, so kindlich mild. And weshalb nicht? Ist doch sein Kerz von drückend schwerer Last befreit. Gerettet ist der Zarenthron.„Sein Schutzherr, Gott, sei benedeit!" O lächle nur, du bleicher Zar. Du siehst nicht, wie sie sich erhebt Gespenstisch aus dem Leichenfeld und über's Land gespenstisch schwebt And riesengroß das ganze Reich mit Riesenfittichen überspannt Vom Eismeer bis zum Kaukasus, vom Amur bis zum Dünastrand l Du siehst nicht, wie sie riesengroß in fürchterlicher Majestät Aus der Gefall'nen dampf'gem Blut und eis'gem Todeshauch ersteht! Du siehst nicht, wie die Riesenhand sich krallt um deinen Zarenthron And ihn in tausend Trümmer schlägt— die russische Revolution! Riebard GDagna* Die Nevoltttion in Rntzland. Väterchen lobt seine Leibkosaken. In Zarskoje Sselo fand kürzlich eine Besichtigung der Leib- Garde-Kosaken durch den Zaren statt, nach der dieser an das Regiment folgende Ansprache hielt: „Leibkosaken I Im Laufe von 100 Jahren dient Ihr treu und ergeben Euren Zaren, Euren Chefs und dem Vater- lande sowohl zur Kriegszeit während der Feldzüge, als auch zu Friedcnszeiten; auch gegenwärtig, in den Tagen des Aufruhrs, die der Herr über Rußland verhängt hat, dient Ihr und das ganze Donische Heer mir und Nuhland ehrenhast, treu und ergeben. In Eurer Person danke ich den Donischen Kosaken, Ihr alle aber, meine treuen Kosaken, empfangt meinen herzlichen Dank für den Dienst. Meine Herren Offiziere, ich danke Ihnen von Herzen für Ihren aus- . gezeichneten und nnisterhasten Dienst. Als Zeichen meines Wohlwollens für das Heer und das Regiment zähle ich Ihren Regimentskoimnandeur meiner Suite zu, und- den Kommandierenden meiner Ssotnie ernenne ich zum Flügeladjutanten." Reiche Beute. Kiew, 20. Januar. sB. H.) Revolutionäre drangen un- bewaffnet in die Kanzlei des Gewehrdepots und eignete» fich dort Schlüssel und Passierscheine an. Zwei Personen, als Artilleristen verkleidet begaben sich hierauf»ach dem Gcmchrdcpot und wurde», da sie die Passierscheine vorwiesen, in das Gewehrniagazin ein- gelassen. Dort öffneten sie alle Schränke, holten Gewehre,' Munition und Explosionsstoffe heraus und beluden damit vor dem Depot haltende Wagen. Erst am andern Morgen wurde der Betrug cnt- deckt. Die Wache sagt, es wären so viele Explosionsstoffe fortgeführt worden, daß ganz Kiew damit in die Luft gesprengt werden könne. Bauernunruhen. Kiew, 20. Januar.(B. H.) Die Agrarunruhen in der Umgebung nehmen einen immer ernsthafteren Charakter an. In Tscherkassy wurden die Wälder und Gutshöfe mehrerer Gutsbesitzer in Brand gesteckt. Von Kiew aus wurden Truppeft dorthin beordert, um den Aufstand zu unterdrücken. Die Truppen wurden angewiesen, von der Todes- und Prügelstrafe den weitgehendsten Gebrauch zu machen. Mus der Partei. Der Wahrheit die Ehre! Die„National-Zeitung" schreibt zu unserer Feststellung, datz die — übrigens hanebüchen übertrieben geschilderten— Exzesse in Hamburg nicht von den Besuchern der Demonstiations- versanunlungen inszeniert, sondern von dem bei Sedaufeiern und ernsten Volksbewegungen gleich ausschreitnngswütigen Mob be- gangen wurden, folgendes: „Gesetzt den Fall, es hätten sich an den Ausschreitungen in Hamburg wirklich n u r Elemente des abenteuerlustigen Mobs, des rohen grotzslädlischen Gesindels beteiligt, wen will man den» im Ernst glauben machen, das seien spontane Exzesse gewesen, gänzlich unbeeinflußt von der sozialdemokralischen Hetzerei?" „Spontan" waren die Ausschreitungen allerdings nicht, sondern dadurch hervorgerufen, daß das in Betracht kommende berüchtigte Quartier völlig der gewohnten Polizeiaufsicht ent- b e h r t e, da man die Polizisten mit der Beaufsichtigung der sozialistischen Arbeiterschaft betraut hatte. Wie unvorsichtig die Hamburger Behörde vorging, mag schon daraus erhellen, daß man das Gesindel völlig in dem Besitze der Gerätschaften für seine Ausschreitungen, der auf der Straße stehenden Müll« und Ascheeimer, ließ. Die Berliner Polizei läßt bekanntlich vor jedem Sedaufest die dicke Papierlage von den Anschlagsäulen entfernen, die nach ihrer Er-- fahrung dem begeisterten Mob der Reichshauptstadt Gelegenheit zum Anzünden von Freudenfeuern gibt. Die Leitung der sozialdemokratischen Paxtei in Hamburg veröffentlicht gegen die Behauptungen der Polizei- behörde über die Urheberschaft der Ausschreitungen folgenden Protest: „Auf die wiederholte Behauptung der Polizeibehörde, das; Ausschreitungen„im Anschluß an die sozialdemokrati- scheu Versammlungen am 17. d. M." vorgekommen, erklären wir, daß dies n i ch t w a h r ist. Weder schlössen sich Exzesse an'unsere Versammlungen an, noch hat die sozialdcmo- kratische Partei etwas gemein mit Leuten, die in später Stunde am Fischmarkt, Schopcnstehl usw. Ausschreitungen begingen. Das sollte die Polizei, die uns kennt, wie sie auch die zu Ordnungsstörungcn gerichtsnotorischen Elemente, die sie seit Jahren überwacht, kennt, wissen und sie sollte der Wahrheit die Ehre gebe n."__ potizelliches, Ocrichtlichcs ufw. Zu dem ZeugniSzwangsvcrfahren in Halle Ichreibt man uns noch von dort: Als vor mehreren Jahren der Genosse Redakteur Mannigek als Verantwortlicher des„Volksblattes" und Genosse Thiele als vermutlicher Täter von dem Halleschen Landgerichk wegen Prcßbeleidigung mit angeklagt war, beantragte der Staatsanwalt gegen den vermutlichen Täter Genosse» Thiele 2 Jahre Gefängnis. Das Landgericht sprach aber Thiele damals nach einer Entscheidung des Reichsgerichts frei„ da eS nur den verantwort- lichen Redakteur Genossen Mannigel für haftbar erklärte. Unserer Meinung nach hat das Reichsgericht seine Ansicht bisher nicht geändert.* In, übrigen wird Genosse Thiele auf Grund seiner Immunität als Abgeordneter die Aussetzung des Verfahrens im Reichstage be- antragen; dann wird oas Verfahren vorläufig ruhen und Herr Suchsland mit„seiner Genugtuung" etwas warten müssen. Klus Industrie und Kandel. Jedem daS Seine. Früher, es ist schon lange her, brachte bekanntlich die Sonne alles an den Tag. Staatsanwälte und Richter sind ihr heute darin über.- Aber obwohl diese oft mehr, viel mehr beweisen, als was wahr ist und sich ereignete, konnte bisher der findigste der Staats- anwälte und der scharssinnigste der Richter noch nicht heraus- bringen, worin außer gelegentlichen Zwcckessen die nütz- liche— wir sagen nicht: produzierende Tätigkeit jener Leute besteht, die den schönen Titel„Aufsichtsräte" führen. Gewöhnlich besteht ihr ganzer„Rat" darin, das ergaben alle Pro- zesse, in denen Auffichtsräte als Zeugen oder Gutachter austraten, daß sie— raten, wie das ihrer Aufficht anvertraute Unternehmen finanziell sieht, wie eS verwaltet wird usw. Gewöhnlich werden be- sondere Fähigkeiten nicht verlangt, die Hauptsache ist ein bekamiter — wenn möglich etwas reaktionär, oder ä la Lasker anrüchiger, mindestens aber feudaler Name. Wenigstens hält man es so gern bei jungen Gesellschaften und Neugriindungen. Die„guten" Namen dienen als Lockmittel für das Kapitalistenpublikum. Die großen, alten Gesellschaften der Warenproduktion bedürfen natürlich solcher Repräsentanten nicht, diese suchen mit Vorliebe solche Leute in den Aufsichtsrat zu bekommeu, die bei der Regierung Einfluß haben und dadurch über in Aussicht stehende politische Maßnahmen unter« richtet werden. Auch bilden solche Personen die Brücke, über welche man große Aufträge hereinholt und über welche an maßgebender Stelle eine den Wünschen und Interessen der Gesellschaften dienliche Stinmmng vorbereitet wird. Im übrigen wählen sich die Großindustriellen und Bankiers gegenseitig zu Anfflchtsratsinitglicdern. Wie aufreibend die Jnanspruch- nähme solcher Leute ist, kann man schon daraus ermessen, daß es unter ihnen solche gibt, die im Nebenamt in 20—30 Gesell- schaften die Würde und Last eines AufsichtSrates tragen. Also das geschieht nicht für Gotteslohn. Die Herren Aufsichtsräte heimsen für ihre„schwere" Arbeit ganz respektable Sümmchen ein. Zur Illustration, wie verteilt wird, hier einige Angaben. Die Frank- furter Bank verteilte bei zehn Aufsichtsrälen pro 1904: 191761 M. Tantiemen, die Frankfurter Hypothekenbank bei neun Aussichtsräten 273 246 M. Tantiemen und Gratifikationen, der Frankfurter Kredit- verein bei sechs Aufsichtsräten 136 764 M. Tantiemen, die Deutsche Vereinsbank bei zwölf Aufsichtsräten 141 249 M. Tantiemen, die Deutsche Bank bei 27 Aufsichtsräten 2 443 012 M. Tantiemen und Gratifikationen, die Hamburg-Amerika Paketfahrtgesellschaft bei 6 Aufsichtsräten 376 344 M. Tantiemen, die Internationale Bau- gesellschaft Frankfurt bei 7 Aufsichtsräten 99 653 M. Tantiemen, die Allgemeine Elektrizitötsgesellschaft Berlin bei 12 Aufsichtsräten 258 000 M. Tantiemen, die Höchster Farbwerke bei 8 Aufsichtsräten 995 932 M. Tantiemen, die Badische Anilin- und Sodafabrik bei 8 Aufsichtsräten 1 033 948 M. Tantiemen, die Chemische Fabrik Griesheim bei 6 Aufsichtsräten 350 812 M. Tantiemen. Wie in der besten der Welten der Lohn„gerecht" ver- teilt wird, dafür noch folgende Zahlen. Der Durchschuittsjnhres- lohn der Bergarbeiter wird auf rund 1300 M. angegeben. Also hier eine angestrengte Tätigkeit das ganze Jahr hindurch, wobei der Bergmann in jeder Stunde dem Tode ins Auge schaut, oft schweren Schaden an Gesundheit und Leben niinmt, bei einer Tätigkeit, die ihn im Durchschnitt mit 40 Jahren zum Invaliden macht, 1300 M. Lohn, und jeder Aufsichtsrat erhält für ein paar Sitzungen im Jahre, in denen er gemütlich seine Zigarre schmauchen kann, bei der Gelsen- kirchener Gesellschaft 8380 M., bei der Harpener Gesellschaft 22 375 M., bei der Hiberuia 16 031 M. und bei der Vereinigten Königs- und Laurahütte 24 723 M. Bon der Börse. Die Börse ist auch in der vergangenen Woche, trotz verschiedener sonst in das Börscnleben tief eingreifender Er- eignisse, wenig aus der' Reserve herausgetreten. Das Schreckgespenst Algeciras lagert gleich einem Alp auf ihr. Selbst die Vcrstaat- lichungsnachricht des Kalibergwcrkcs„Hcrchnia", ein Moment, welches sonst mit einer durchgehenden Hausse festlich begangen worden wäre, ging beinahe unbcrücksichligt vorüber. Ebenso machte sich die für Deutschland immerhin günstige Wahl FalliereS zum Präsidenten der französischen Republik durch keinerlei Avancen be- merkbar. Die Wolken am Börsenhorizont sind eben noch nicht verscheucht und aus den bisher aus AlgeciraS eingetroffenen Nachrichten konnte man weiter nichts als bloße Höslichkeitsformen, wenn auch angenehm gewürzt mit den besten FriedenSvcrsicherungen, herauslesen. Inzwischen ist, nachdem man kaum das Gelb- und Weißbuch überstanden, schon wieder ein Blaubuch, diesmal von unseren eng- ltschen Vettern herrührend, aufgetaucht und kündigt die Neu- formation eines englischen Nordscc-Geschwadcrs an. Natürlich wittern die in der letzten Zeit schon übernervös gewordenen Börsen- macher hierin eine neue Gefahr für den Frieden und der Pcssi- mismuS zeitigt seine schönsten Blüten. Selbst als am Donnerstag die Reichsbank infolge der Flüssigkeit auf dem Geldmarkte den Diskont von 6 Proz. auf 5 Proz. sLonibard von 7 Proz. auf 6 Proz.) herabsetzte, wollten einige Finanziers etwas von einer bedenklichen Rede dcS llicichsbankpräsidcnten wissen. Jedenfalls wurde die Börse durch die Diskonterinnßigung von einem starken Drucke befreit und quittierte dies auch mit besseren Kursen. Der Reichsbankausweis ist dem der letzten Woche gegenüber entschieden günstig, der Goldbestand hat sich um 71 Millionen ver- mehrt, der Notenumlauf»in 141 Millionen reduziert. Während in der letzten Woche noch 152,7 Millionen in der Steuerpflicht blieben, verfügt die Reichsbank diesmal über eine steuerfreie Notenreserve von 77,6 Millionen. Der besseren Erläuterung dienen nachstehende Zahlen: Goldbestand........ 925 799 Mill. Bestand an Reichskassenschcinen. 22 190„ Bestand an Noten anderer Banken 32 404» gesetzlich steuerfreier Notenbetrag 470 000„ 1 450 393 Mill. Notenumlauf....... 1 372 715 Steuerfreie Notenreserve... 77 678 Mill. Die beiden letzten Tage brachten kleine Kursanfbcsscrungcn. Reichs- und Staatsanleihen zogen etwas an, ebenso SchiffahrtS- und Bankaktien. Auch der Jndustriemarkt zeigte teilweise Auf- besserungen. nur auf dem Terrainmarkt ist das Geschäft an- dauernd still. Die Dividenden steigen. Die Bremer Linolenmwerke, welche im vorigen Jahre 6% Dividende verteilten, wollen für dieses Fahr 16 0/0 ausschütten.— 17"2 0/0 Dividende gegen 153/4 0/0 im Vorjahre bringt die Baumwollspinnerei am Stadtvach in Augsburg zur Verteilung. Jagd auf höheren Gewinn. Die Vereinigung der deutschen Elektrizilätsfirmen beschloß anstatt 10 Proz ab 25. Februar 25 Proz. PreiSaiifsckstag für Dynamos eintreten zu lassen.— Die bedeutendsten deutschen Tonivarenwerke scblossen eine Konvention zu dem Ziveck der Einführung von Minimalpreisen. Soziales. Skandalöses Verfahren vor dem Schiedsgericht für Arbciterversicherung in Berlin. Als auf Grund der neuen Bestimmungen des Unfallversicherungs- gesetzes vom 30. Juni 1900 an Stelle der.berufsgenosseiischafttichen" Schiedsgerichte die„territorialen" Schiedsgerichw, einen Regierungs- bezirk oder einen bestimmten Stadtkreis umsasiend, in Kraft traten. erhofften manche, daß die Rechtsprechung i» Unfallsache» eine fach- gemäßere, dem Rechtsempfinden der Arbeiterklasse und der Gerechtig- keit entsprechendere werden würde. Insbesondere wurde aus der neue» Vorschrift in§ 69 Absatz 3 des Gesetzes vom 30. Juni er- wartet, daß sie dazu führen werde, die Rechte der Verletzten besser wie bisher zu ivahren. Diese Vorschrift gel» dahin: „Soll auf Grund eines ärztlichen Gutachlens die Bewilligung einer Entschädigung abgelehnt oder nur eine Teilrente festgestellt werden, so ist vorher der behandelnde Arzt zu höre». Steht dieser zu der Genossenschaft in einem Vertragsverhällnis, so ist auf Antrag ein anderer Arzt zu hören." Schon damals bei Beratung- dieser Vorschrift wurde betont, daß der Arbeiter nur dann Anssicht habe, nicht allzusehr in seinen Rechte» gekränkt zu werden, wenn es ihm wie jedem anderen auf Schadenersatz klagenden Kläger in jedem anderen Zivilprozeß freistehe, einen Arzt, zu dem er Vertrauen habe, zur Behandlung und Begutachtung heranzuziehen. Das Gutachten eines Arztes, dessen Behandlung er ohne sein Zutun unterworfen wird, werde häufig kein objektives, vielmehr ein dem Interesse der Bernfsgenossenschaft entsprechendes sein. Die Vorschrift des § 69 U.-V.-G. hat sich in der Praxis als völlig inizureichend zur Versolgiing der Rechte der Arbeiter erwiesen. Die Mangelhaftigkeit der zitierten Vorschrift des§ 69 wird durch feine Handhabung, die wir des öfteren illustriert haben, vermehrt. Seit etwa einem Jahre wird, insbesondere in Berlin, das Recht des llnfallverletzteu noch durch eine eigene Haudhabung einer anderen Beftimiiiliiig des Unfallgesetzes schwer beeinträchtigt, ß 8 des so- genannten'Mantelgesetzes schreibt vor: das Schiedsgericht wählt bei Beginn eines jede» Geschäftsjahres in seiner ersten Spruchsitzung(l« der Regel nach Anhörung der Aerztevertretung) aus der Zahl der am Sitze des Schiedsgerichts wohnenden approbierten Aerzte diejenigen aus, welche als Sachverständige bei dem Schiedsgericht in der Regel nach Bedarf zuzuziehen sind. Diese gut gemeinte Vorschrift ist durch die seitens der Bernfsgenossenschaft stark beeinflußten Praxis zu einer Handhabe geworden, unter der die Arbeiter schwer zu leiden haben. Die Berussgenossenschaften zeterten über die hohen Kosten, die Einzel- gutachten erforderten. Darauf wurde etwa Anfang 1905 von dem Schiedsgerichtsvorsitzenden in Köln der Vorschlag gemacht, statt die Aerzte zur Abgabe der kostspieligen Gutachten zu veranlasse», die- selben zu den Sitzungen mit hinzuzuziehen. Dadurch würden die Kosten sich ganz wesentlich verringern und andererseits könnte der Arzt dem Kollegium gleichsam als Berater dienen. Dieser Vorschlag ist leider auch ftir Berlin in die Wirklichkeit übersetzt. Schon früher stand die Rentenfestsctznng so unter dem Einfluß der Aerzte, daß das Gericht in fast allen Fällen nicht nacki dem sachverständigen Urteil der Arbeiter, die doch am besten ermessen können, inwieweit die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt ist. sondern nach dem Gutachten des Arztes die Höhe der Rente festsetzte. Jetzt, wo die Aerzte zu den mündlichen Verhandlinigsternnuen hinzugezogen werden, ist dies in noch weil höherem Maße der Fall. Die Wanumg des Präsidenten des Reichsversichermig-'aniles in seinem Rundschreiben vom 31. Dezember 1901 ist erfolglos geblieben. Das beachtenswerte Rund- schreiben lautete: „Es ist wiederholt, namentlich auch im Reichstage, zur Sprache gebracht worden, daß den über den Grad der Erwerbsnnfäh�gkeir eines Rentenbewerbers abgegebenen Aeußernngen der ärztliche» Sach- verständigen bei der Entscheidung der Fessitelluugsorgaue in Unfall- und Juvalidenaugelegenheiten mitunter ein zu weitgehender Einfluß eingeräumt»verde. Das Reichsversicherungsamt nimmt deshalb auf Anregung des Herrn Staatssekretär des Innern Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß die Aufgabe der ärztlichen Begutachtung im allgemeinen in der Feststellung der physiologischen Folgen des Unfalls oder der eine Invalidität begründenden Gebrechen ihre Begrenzung findet, dagegen die sonstigen ärztlichen Aeußernngen. insbesondere dar- über, welchen Einfluß der Befund auf die Erwerbsfähigkeit des RentenbelverberS ansübt, den in ihrer Entscheidung selbständigen Feststellnngsinstanzen zivar ivertvolle und bei inneren Krankheiten sogar oft unentbehrliche, aber keineswegs bindende Unterlagen für die Urteil«fi»duiig bieten, lzu vcrgl. Handbuch der Unfallversicherung, Anmerkung 34 am Schlüsse zu§ 5 des Unsallversicherungsgcsetzes). Hiernach würde es nnznlässig sein, wenn— was vorgekommen sein soll— die Feststellnngsinstanzen einfach den von dein Arzte angegebenen Prozentsatz der Erwerbsunfähigkeit ihrer Entscheidung zugrunde legten, obne die Frage nach dem Grade der Erwerbs- Unfähigkeit selbst geprüft zu haben. Ein derartiges Verfahren, durch das eine der wichtigslen Aufgaben der Festste lilmgsorgane zu einer mechanischen Wiederholung des Ergebnisses der ärztlichen Gutachten hcrabgedrücki iverden würde, entspricht nicht der Absicht des Geietzes. Hat im einzelnen Falle der in der Sache gebörte ärztliche Sach- verständige auf Er'nchcii oder ans freien Stücken auch eine Aeiißerung nibör den Grad der Erwerbsunfähigkeit eines Rcntenbewerbers abgegeben, so darf niemals außer acht gelassen werden, daß die Frage nach dem Grade der Erwerbsunfähigkeir an sich keine rein medizinische, und daß ihre Beantwortung nicht ausschließlich und in elfter Linie Sache des Arztes ist, sondern in der Hauptsache eine der vornehmsten Aufgaben der mit der Rcnteiifestsetznng betrauten Instanzen bildet." Der Inhalt des Rundschreibens entspricht der im Reichstage von fast allen Parteien und vom Staatssekretär für richtig erklärten Auslegung des Gesetzes. In der Praxis bleibt der Rnnderlaß aber so gut tvie unbeacytet. Die Behandlung und Erledigung derUnfall- fachen vor dem Berliner Schiedsgericht, ins- besondere sofern es sich um ärztliche B e g u t- a ck, t u ii g e u handelt, sind mit dem Worte„skandalös" milde kritisiert. Früher wurden 20 bis 25 Sachen an einem Tage zur Ver- handlnitg gebracht. Bei einer solchen Fülle bon Sachen kann von einer eingehenden Erörterung imd llntersuchung der Fälle nicht dis Rede fei». Die Zahl d e r F ä l l e für einen Sitzungstag ist aber noch er heblich gestiegen. Im Dezember 1905 wurden in den Verhandlnnassälen 42, 44, in einem Saal 56 Fälle verhandelt. In etwa 20 Fällen fand ärztliche Uiirersuchmig statt. Ter eine der Verletzten war nach nicht heraus, da ivar die nächste Sache fast schon zu Ende verhandelt. 'Dort wo sich der Verletzte zwecks Nuterfiichiing entkleiden inußts, fei es, daß er sich den Ober- oder den Ilnlerkörper entblößt hatte, er war noch nicht einmal notdürftig angekleidet und bereits stand der zweite Verletzte zum Teil entblößt da, um sich einer „Untersiichiiiig" und„Begutachtung" zu unterziehen. Ist das Ver- fahren mit dem sittlichen Empfinden im Einklang zu bringen? Ist der Verletzte verpflichtet sich in der Sitzung vor einer Anzahl Per- sonen zu entkleiden? Würden vor einem bürgerlichen Gericht die Kläger so malträtiert, wie durch dies Verfahren die im Betriebe verunglückten Arbeiter, so würde der Schrei der Entnistmig ein allgemeiner sein. Dies Durchpeitschen der lliifallsacheii vor dem Schiedsgericht und diese Art der Behandlung der_ Arbeiter fordert den schärfste» Protest heraus. Die söge- nannte„soziale Fürsorge" wird hier zur Karikatur, die Für- sorge für den Arbeiter zur Verhöhnung des Arbeiters. � Sind dein Reichsvcrsicherungsamt diese skandalösen Zustände bekannt, die im letzten Grunde auf die Klagen der Berufsgenossen- schaften über zu hohe Lasten ziirückzufübren sind? Ist daS Reichs- versicheriingZamt außer stände, diesen Mißständen ein Ziel zu setzen? Allgemeine Internationale Hygiene-Ansslellmig in Dresden. Im Jabre 1909 soll eine allgemeine iiiternatioiiale Hygione-AuSstellung in Dresden stnitünden. Bei derlei Ausstellungen pflegt angeführt zu werden, was alles aus diesem Gebiete schon geschehen sei, aber unterlassen, die Verhältnisse auzusührcn, deren Beseitigung oder Aeuderung dringend ncuivendig ist. Eine Borfiihiung z. V. der elenden BehaiisiingSverhälinisse ans dem Lande und in Tiädten, eine Darstellung der gcsmidheiisgcfährdenden Länge der Arbeiiszeit und BeschäftigiingSarl, der llntereruädrling von Millionen jtzinder und Erwachsener hat ein größeres öffentliches Interesse als die Eifiiidungen und Entdeckungen auf hygienischem Gebiet, die im wesenilichen der wohlhabenden Bevölkerung zugute kommen. Wenn die Dresdener und die sächsisch-stantlicheii' Bebörden z. B. daS ausstellen würden, was von städtischer oder slaailicher Seite zur Besemgiing der Kinder und Erwachsene vei elendende» Hemiarbeir geschehen ist. so brauchte sie keinen größeren Anssu-lluiigsvlatz als den, der den unbcdruckten Teil dieier Zeitungsuummer eiiminnut. Nach der Art der Jiiizenieruiig der AiiSstellnug ist leider anziiiiehmen, daß die Dresdener Aus- stellung sich mit pharisäerhaslem Spreizen mit dem, waS alles schönes geschehen sei, nicht aber mit den Dingen befassen wird, die dringend hygienischer Maßnahmen erforderten. Diesen und ihren Ursachen auf den Leib zu rücken heißt fteilich, die bestehende Unrechts- orlmung als das zu keimzeichiien was sie ist. Berliner Marktpreise. Ans dem amtlichen Bericht der städtischen Martlhallen-Diieklioii. Rindfleisch l» 62 65 pr. tOO Pfund. IIa 54-60, III« 48 52, IVa 38 46. Kalbsleiich la 82-90. IIa 65-80. lila 55 64, Hanuiielfleijch la 65 75, fla 56 64, Schweinefleisch 66—76. Rotwild Ppmd 0,30 0,50 Pf. Hasen Stück 2,90 3,20, mittel 2,00-2,80. Kaninchen Stück 0,85-t,—. Hühner pro Stück, alle t. 50-2.00. junge la 1,30—1,70, do. lla 0.00 0,00. Tauben, junge 0,60—0,65, alte 0,44—0,48. Enten junge 2,25—3,75. Gäiye pr. Pjd. la 0,60-0,65, IIa 0.55—0,58, russische 0,40 0,50 M Scheitsiiche 00-00 M.. Flunder 21-24 M. pro tOO Pjd. rte 107-110 M. Schleie unsortiert 00 00 M. Aale, groß 00—00, mittel 00, klein 0.00 M.. Plötzen 58 M., Karpfen uns. 00 M.. Vachs 0,00 M. Schottische Bollheringe lgeialzen) 40- 44 M. Eier. Schock 5,00, Butter pro im Psimd la m-U7, IIa 110-114, lila 105-110, abfallende 00 00. Kartosfclii pr. 100 Psd. rote 2,00—2,20, Rosen 0,00—0,00, blaue 0,00- 0,00, runde weiße 1,80- 2,00. Wirsingkohl pr. Schock 7,00-12, M. Weißkohl pr. IM Pfd., 2,75-3,25 Rollohl pr. Schock 6.M— 10, M, hol». 14—1? M. Saure Gurken, schock 8,00 M.. Pjessergurken 2,00 M. Sonntag, den 21. Januar 1906, mittags 12 Uhrs Urvtr st Versammlungen in folgenden Lokalen X tt � U V 1 t tt ♦ I. Wahlkreis: Armm-Hallen, Kommandantenstr. 20. Englischer Garten, Alexanderstr. 27e. II. Wahlkreis: berliner Kockbrauerei, TempelHofer Berg. Kliems Salon, Hasenheide 13. Niktoria-Srauerei, Lützowstr. 111/112. III. Wahlkreis: Huggenhagen, Moritzplatz. GeWerkIchaftshaus, Engel-Ufer 15. Möhring, Admiralftr. 180. Franke, Sebastianstr. 39. IV. Wahlkreis: Sanssonei, Kottbuserstr. 4s. Graumann, Z�aunynstr. 27. Süd-Ost, Waldemarstr. 75. Drachendurg� Am Schlesischen Tor. Dranerei Friedrichshain, Am Friedrichshain 16/23. Soecker, Weberstr. 17. KeUer, Koppenstr. 29. IV. Wahlkreis: Fitstn, Memelerstr. 67. Glystnm, Landsberger Allee 40. V. Wahlkreis: Altes Schiikenhaus, Linienstr. 5. Mustker-Sale, Kaiser Wilhelmstr. 18ffl. VI. Wahlkreis: Krauerei Königstadt, Schönhauser Allee 8/10 Fröbels Allerlei- Theater, Schönhauser Allee 148. Kensel, Jiwalidenstr. 1. Schmidts Gesellschaftshans, Gartenstr. 6. Kernhard Rade, Kolbergerstr. 23. Feldschlößchen, Müllerstr. 142. Norddeutsche Krauerei, Chausseestr. 58. Gesellschaftshaus, Swinemünderstr. 42. Moaditer Gesell schaftshaus Wiclefstr. 24 Moaditer Gesellschaftshaus T�Wiclesstr. 24 Kallschmieders Salon, Badstr. 16. Referenten sind die Genossen: Ar. Arons, Augustin, Södel. Cohen, Sietz-Hambucg, Ldert, Ziehsrll Tischer. Qehl, Ali. Jto/fmattn, Keine. ZZr. Kerzfeld, Kater. Koblenzer, Cedebour, Sitfin, Alanasse. Alassini, Aliehels-Marburg, Müller, f Oetzsch, Ad. Kitter, Ködert Schmidt, Schütte, Kr. Sil e jtein, Singer, Umrath, Wels, Werner, Kr. Wey!, Wiesenthal, Kr. Zadeh. Für den Wahlkreis Teltow-Keeskow-Charlottendnrg: �dlershcrf: Meißner, Bismarckstr. 10. Laumschtileniwee): Speers Festsäle, Baumschulenstr. 78. ürH:�: Kethge, Chausseestr. 39. Oharlolieiihurg: Kolkshaus, Rofinenstr. 3. „ Schulz, Kaiser Friedrichstraße. „ Wodrich, Spreestraße. �Lgze»Hivk: Stadt-Theater, Ringeltaube. iEiehwalde: W. Heinrich, Hantels Ablage. [Friedenau: Gesellschaftshaus, Rheinstr. 14. Oroß-Lichterf eSde: Kelsen, Chausseestr. 104. Krünau: Duchautfonr, Köpenickerstraße. Johannisthal: Halfelwerder, Hasselwerderstr. 3. SCetschendorf: Fliederhain. SConigs-Wusterhausen: Wedhorn, Altes Schützenhaus. t.ankwitze: Fink, Calandrellistr. 27. Iföariendort: Hugo Korgfeldt, Feldstr. 44. F. Schmidt. 99 99 liowawes: Kalksgarten, Priesterstraße. Rixdorf: Hoppes Festsäle, Hermannstr. 49. Thiels„ Bergstr. 151. Kruses„ Knesebeckstr. 131. ,, Heikaus„ Karlsgarten. Lehmargendorf: Wirtshaus Schmargendorf, Zehöneherg: Odsts Festsäle, Meiningerstr. 8. „ Klubhaus, Hauptstr. 5/6. Zteglite: Kirkenwäldchen, Schützenstraße. Tempelhof: Uoak, Berlinerstraße. Teltow: Pickenhagen. Trebbin: Gesellschaftshaus, Bahnhofftraße. Treptow: Fudwig, Köpenicker Landstr. 25. Wilmersdorf: Uelksgarten, Berlinerstr. 40. 2ehlendorf: Micklei, Potsdamerstr. 25. Bossen: Schimke, BarutHerstr. 51. Blttittenwalde: Referenten sind die Genossen: Kavidsohn, Kiesner, Sxncr, Tcndel, Frau Seelze, THedländer, Qiebel, Qebert, Qroger, Keidemann, Kildebrandt, L. Kofmann, Kirsch, Kall, Keller, 0. Koffmann, Säch, Kube, Metzger, Mohs, Mayer, Obst, Tageis, Strasser, Strobel, Steiniche, Tost, Ucho, Uthes, Vogt, Wollermann, Wollheim, Zubeil. Für den Wahlkreis Uieder-Karninr: Wernau: Glystum. Wiesdorf(3 Uhr). Wirkenwerder: Paradiesgarten(2 Uhr). Elorsigwalde: Körner, Schubartstraße. Buch: Kestaurant Golle, Bahnhofstraße(2 Uhr). Erkner: Degedrodts Gesellschaftshaus(3 Uhr). Franz.-Buchholz: Kähne, Berlinerstraße. Friedrichsfelde: Kude, Prinzen-Allee 30. Friedrichshagen: Karl Conrad, Friedrichstr. 137(3 Uhr). Ilerzfelde: Henze, Hauptstr. 57. ICarlshorst: Kupsch(Waldschänke), Treskow-Allee. Lichtenberg: Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee 5. „ Prachtsäle des Ostens, Franks. Allee 151/152. lAahlsdorf: Wernickes Saal. Nieder-Schönhausen: Findengarten, Lindenstr. 43. Oranienburg: Schumann, Schützenstr. 34. Pankow: Zum Kurfürsten, Berlinerstr. 102. Reinickendorf(Ost): Großmann, Provinzstr. 76. »(West): Frankes Familienheim» Eichborn- straße 18(1 Uhr). Rummelsburg: Cafs Kellevue. ,, Garges, Neue Prinz Albertstraße. Rüdersdorf(Ralkberge): Hermann Grelle(3 Uhr). Schöneiche und Umgebung: Kestaurant Waldschloß. Stralau: Alte Tönerne. Waidmannslust: Schweizerhiinschen. Weißensee: Schloß Weißen see. Wilhelmsberg(fioti.-SEillliausenj: Paradiesgarten, Berlinerstr. 68/69. Wilhelmsruh: Kader, Kronprinzenstr. 16. Tegel: Trapp, Bahnhofstraße. Ober»Schöneweide: Schloßpark Wilhelmineuhof. Referenten sind die Genossen: Socshc. Süchncr, Srüchncr, Kupont, Tülle, Oaida, drunwald, Kaah, Kelbig, Kinrichscn, Sacobsen, Katzenstein, Kotzhe, Kubig, Link. AiiethUe, Kr. Maurenbrecher, Metzhe, Kollstadt, Tinseier, Kühl. Sabath, Sassenbaeh, Schulzhi, Schumann, Sillier, Sonnenburg, Stadthagen, Stühmer, Taubmann, Umbreit. Tages-Ordnung Gegen Uolksentrechtung Uolksknechtung Parteigenossen und Genossinnen, erscheint insgesamt in diesen Versammlungen und agitiert für Massenbesuch. ____ I. A. der Einberufer: Eimen Ernst, Ackerstr. 62. Leräntwortlicher Redakteur: HanS Webers Berlin. Flie den verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck m Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei u. Verlagsanstalt Paul Singer Li Co., Berlin SV/. A. 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AtilM des.Wmiirls" Knlim vslktlslt. Zour.tllg, 21. Jaullar 19V6. Eue der frauenbewcö{ung. Frauen und Mädchen! Arbeiterinnen, Arbeiterfrauen! Besucht am Sonntag, den21. Januar, die Volks- Versammlungen, die von der sozialdemokratischen Partei ein- berufen sind. An diesem Tage müßt Ihr Euch von den ge- wohnten Pflichten und den Sorgen des Kochherdes frei machen. An diesem Tage hat nicht nur die Frau mit dem Manne zusammen, es haben alle erwachsenen Weib- lichenProletarierinnen die Versammlungen zu besuchen. Gilt es doch, zu protestieren gegen die Junkerherr- schaft, gegen ein raffiniert ausgeklügeltes Dreiklassen- wahlunrecht, welches den Vertretern des arbeitenden Volkes den Eingang in das Abgeordnetenhaus wehrt. Der volksfeindliche Einfluß dieses Gesehgebungskörpers zeigt sich täglich. Man braucht Euch Mütter nur daran zu erinnern, wie sehr man bestrebt ist, die Volksschulen zu verschlechtern, wie dies Parlament sich weigert, die preußische Gesindeordnung zu beseitigen. Mütter, Arbeiterinnen, Ihr habt in Preußen heute noch kern freies Vereins, und Versammlungsrecht, Ihr werdet mit Schülern und Lehrlingen auf eine Stufe gestellt! Mit den kleinlichsten Schikanen werdet Ihr durch die Handhabung der Gesetze oft der winzigen Brocken von Recht beraubt. Arbeiterinnen, Genossinnen! Diese Versammlungen gelten nicht nur dem Protest gegen das bestehende Klassen- Parlament, sondern der Forderung nach dem a l l g e- meinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrecht, für alle über 20 Jahre alten Staats- angehörigen ohne Unterschied des Geschlechts. Es ist eine Demonstration zugunsten des Wahlrechts für Männer und Frauen. In Massen müßt Ihr daher in den Versammlungen erscheinen. Zu einer gewaltigen, glänzenden Demonstration für unsere Forderungen müssen sich die Versammlungen ge- stalten. Es gilt M e n s ch e n r e ch t e zu erringen, zum Heile Eurer selbst und Eurer Kinder, zum Heile der Menschheit! Hört den Ruf, keine Proletarierin darf fern bleiben. Berein für Frauen und Mädchen dir Arbeiterklasse. Der für den 22. d. M. angesetzte Vortrag fällt aus, da Genosse Eduard Bern- stein für diesen Tag verhindert ist. Der Vortrag wird deshalb eine Woche später, am Montag, den 2S. d. M., stattfinden. Teltow. Der hiesige Frauen- und Mädchen-BildungSverein hält am Mittwoch, den 24. Januar, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Piekenhagen, Berlinerstratze, seine regelmäßige Versammlung ab. Fräulein Ida Baar referiert über:»Die Frau in der Ver- gangenheit". Sodann muß die Wahl der ersten Kassiererin statt- finden. Gäste willkommen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Borsigwalde- Tegel. Der hiesige Frauen- und Mädchen- Bildungsverein hält am Mittwoch, den 24. Januar, abends 8Vi Uhr, im Lokale von Äube, Ernststratze 8. in Borsigwalde seine rcgelmätzige Mitgliederversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vor- trag resp. Vorlesung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Das Thema wird in der Versammlung bekannt gegeben. Gäste haben Zutritt. Aufnahme neuer Mitglieder. Um rege Beteiligung er- sucht Der Vorstand. vharlottenburg. Der hiesige Frauen- und Miidchen-Bildungs- verein hält am Mittwoch, den 24. d. M., abends 8% Uhr, im Volkshaus, Rosinenstr. 3, seine regelmätzige Vereinsversammlung ab. Fräulein Regina Kraus wird einen Vortrag halten. Thema: ...Heinrich Heine". Anschliehend Diskussion und Verschiedenes. Das Erscheinen aller Mitglieder ist erwünscht. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Reinickendorf(Oft). Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen hält am Dienstag, den 23. d. M., abends 8zb Uhr, im bc- kannten Bereinslokal seine regelmätzige Mitgliederversammlung ab. S�err Hentzschel-Berlin spricht über:„Die Frau der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunst". ES ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, recht rege für diese Versammlung zu agitieren, damit auch neue Ritglieder für den Berein gewonnen werden. Der Borstand. GericKts-�eitimg. Niederträchtige Ausbeutung. Ein gemeingefährlicher Bursche wurde gestern aus dem Strafgefängnis zu Tegel der ersten Straf- kammer des Landgerichts I vorgeführt. Wegen versuchter Nötigung, Bedrohung und Körperverletzung war der eine Zeitlang als Fenster- Putzer beschäftigte Hermann B ehrend angeklagt. Der An- geschuldigte ist bereits wegen Nötigung, Kuppelei und Körper- Verletzung mit drei Jahren Gefängnis vorbestraft. Er hatte seiner- zeit an seine in Marienburg wohnhaste Schwester geschrieben, er habe in Berlin eine gute Stellung für sie und veranlatzte das Mädchen dadurch, nach Berlin zu kommen. Als das junge, unerfahrene Mädchen nach Berlin kam. mietete der An- geklagte eine Wohnung und zwang unter Schlägen seine eigene Schwester sich dem Laster in die Arme zu werfen. Nach Verbützung der dreijährigen Gefängnisstrafe machte der Angeklagte die Bekamilscbaft des Dienstmädchens Sch. Er verlobte sich mit dem Mädchen, obwohl er verheiratet und Familienvater ist. Nachdem er das ziemlich unerfahrene Mädchen durch die Verlobung sicher gemacht hatte, überredete er die Sch.. ihre bisherige Stellung aufzugeben. Sie könne als Kellnerin viel mehr Geld verdienen und führe dabei ein sehr freies und lustiges Leben. Die Sch. lieh sich verleiten, ihren Dienst aufzugeben und Kellnerin zu werden. Nunmehr lieh der Angeklagte seine Maske fallen und trat mit seiner wahren Ab- ficht hervor. Er erzählte der Sch., sie könne, wenn sie nicht dumm wäre, ein feines Leben führen, Lackstiefel und seidene Kleider tragen, sowie Sekt trinken, soviel sie wolle. Er selbst würde eine Wohnung mieten und genügend Kavaliere heranschaffen. Das junge Mädchen wies entrüstet das schamlose Anerbieten von sich und sagte sich zu- gleich von dem Angeklagten los, da sie erfahren hatte, datz er verheiratet ist. Behrend versuchte nun auf alle mögliche Weise die Sch. an sich zu fesseln und trat schlietzlich mit den schlimmsten Drohungen hervor. Er schrieb an die Sch. Karten, in welchen er drohte, sie über den Haufen zu schieben, wenn sie nicht wieder zu ihm zurückkomme und nicht seinem Willen gefügig wäre. Schlietzlich erstattete die Sch. Anzeige wegen Nötigung und Beleidigung. Der Angeklagte wurde wegen dieser Vergehen am 26. Oktober von der 1. Strafkammer zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Zwischen der Erstattung der Anzeige und der Verurteilung liegen nun die jetzt zur Anklage stehenden Vorgänge. Nach der ersten polizeilichen Vernehmung richtete der Angeklagte an die Sch. einen Brief, in welchem er ihr empfahl, die Anzeige zurückzunehmen, anderenfalls er erst sie und dann sich selbst„kalt machen" würde. Ihm wäre es gleich, ob er im Zuchthause oder aus dem Schafott endige. Als Fräulein Sch. infolge dieser Drohung nur mit Begleitung abends ihre Behausung aufsuchte, lieh sie der Angeklagte mehrere Tage unbelästigt. In der Nacht zum 5. September wurde Fräulein Sch. auf der Straße von dem Angeklagten angefallen. Sie rief einen Beamten der Wach- und Schließ- gesellschast zu ihrem Schutze herbei. Dieser konnte es jedoch nicht hindern, daß der Angeklagte sie am Halse packte und sie würgte. Erst als ihm selbst von Passanten die Kehle zugedrückt wurde, lösten sich seine Hände von dem Halse der Sch. ab.— Vor Gericht war Behrend geständig. Mit Rücksicht auf sein überaus brutales und gemeingefährliches Verhalten erkannte der Gerichtshof auf eine Gesamtstrafe von zweiJahren Gefängnis, unter Einziehung der bereits erkannten neun Monate Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte eine Zusatzstrafe von zwei Jahren Gefängnis beantragt. Die„Schreihähne" vor Gericht. Ein hartnäckiger Kampf auf wissenschaftlichem Gebiete entwickelte sich gestern vor der 4. Straf- kammer des Landgerichts I und zwar hatte ein kleines Kinderspiel- zeug die Beranlassuug dazu gegeben. Angeklagt waren der Rentier Theodor I e h r k e. als kausmännischer Leiter der seinen minorennen Stiefkindern gehörigen Metallwarenfabrik Julius Knappe und der �_v... �schuldigt, vorn----- Fabrikant Bruno Weber. Sie wurden beschuldigt, vorsätzlich Spiel- waren, sogenannte„Schreihähne" hergestellt zu haben, welche geeignet sind, die menschliche Gesundheit zu beschädigen und wissentlich solche Gegenstände verkaust zu haben. Diese Schreihähne bestehen aus einer bleihaltigen Legierung— 80 Teile Blei und 20 Teile Antimon— das Mundstück ist ans Blech. Die Anklage geht davon aus, datz die Schreihähne wegen des starken Bleigehaltes geeignet sind, beim Gedraueb als Spielzeug, das von den kleinen Kindern in den Mund gesteckt wird, die inenschliche Gesundheit zu schädigen. Die Sachverständigen waren geteilter Ansicht über die Gesundhelts- schädlickleit des Spielzeugs. Professor Sttatzmann und Juckenack bejahten, Jesetich und die Professoren Dr. Stevenhagen und Lieb- reich verneinten oie Möglichkeit einer Gefährdung der Gesundheit.— Der Staatsanwalt stellt sich auf den Standpunkt der Professoren Dr. S t r a tz m a n» und Dr. I u ck e n a ck; er hielt die Angeklagten unter Anziehung des vorsätzlichen Vergehens gegen die§§ 12, 15, 16 und 17 des Gesetzes vom 14. Mai 1879 für über- führt und beantragte je zwei Tage Gefängnis.— Der G e- r i ch t s h o f folgte dem Gutachten der Professoren Dr. Straß- mann und I u ck e n a ck. hielt r.ber nur eine Fahrlässigkeit der Angeklagten für vorliegend. Herr I e h r k e wurde zu 100 Mark, Herr Weber, der aus gleicher Ver anlassuno, schon einmal im Jahre 1904 verurteilt ist, zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt. „Arbeiter, mit denen nur eine tägliche Kündigungsfrist vereinbart wind, sind minderwertig. Wo intelligente und tüchtige Arbeiter eingestellt werden, wird auch eine vierzehntägige und längereKLndignngsfrist ver- e i n b a r t." Diese eigentümliche, mit den Tatsachen unvereinbare Behaup- tung stellte dieser Tage der Gewerbeinspektor für den Kreis Lieben- werdv-Schweinitz-Torgau-Wittenberg. Gewerberat Scheibe! als ge- richilicher Sachverständiger auf. Dieseir auffallende Ausspruch wurde in eircer Strafsache wegen„Hausfriedensbruches" gegen den Gauleiter Z e rn i ck e- Berlin vom Metallarbeiterverband abgegeben. Zernicke war vor mehreren Monaten auf einer Agitations- tour nach Lauch Hammer gekonunen, woselbst er einen ihm von früher bekannten Meister des Lauchhammer-Werks traf. Diesen bat er, da es gerade um die Mittagspause war, den Betrieb ein wenig besichtigen zu dürfen. Der Meister willigte ein und beide mackven eünen Rundgang durch? Werk. Was Zerni'cke dort an Be- triebsvnitzständen wahrnahm, schilderte er später in einem Auffatz, der in der„Metallarbeiter-ZeiMng" veröffentlicht wurde. Jenen Artikel bekam auch die Direktion des Lauchhammer-Werks zu Ge- ficht. Sie stellte Sttafantrag gegen Zernicke wegen Hausfriedens- bruchs, weil er widerrechtlich in das Werk eingedrungen sei, obwohl am Eingang ein Plakat„Unbefugten" das Betreten des Werks unter- sagt. DltfS Schöffengericht in Elsterwerda verurteilte Zernicke zu 100 M. Geldstrafe. Der Verurteilte legte durch Rechtsanwalt Dr. Heiuemann- Berlin Berufung ein, und dieser machte vor der Strafkammer in Torgan gellend, datz wenn ein Meister das Recht habe, Leute, die sich seinen Anordnungen nicht fügen, aus dem Betriebe hiwauszuweisen. so müsse er auch das Recht haben, jemand einzuführen. Die Annahme aber, batz der Angeklagte etwa erlauschte Betriebsgeheimnisse hätte verraten können, suchte der Ver- teidiaer dadurch zu entkräften, datz er auf den täglichen Arbeits- Wechsel Tausender von Arbeitern in den Großbetrieben hinwies, wo es doch schlietzlich auch Betriebsgeheimnisse gäbe und doch nichts über Verrat»erlaute. Hiergegen wurde vom Richtertische aus ein- gewandt, datz eS sich bei den täglich zu entlassenden Arbeitern, die ohne Kündigung eingestellt würden, vielleicht um minderwertige Leute handele, die Betriebsgeheimnisse gar nicht kennen lernten und deshalb auch nicht verraten könnten. Da nun der Gewerberat Scheibe! zufällig anwesend war, so wurde dieser als Sach- verständiger hierüber vernommen, und dabei entfloß den Lippen dieses Herrn dann oben festgenagelter Ausspruch von der Minderwertig- keit der Arbeiter, die tägliche Kündigung haben. Uebrigens bestätigte die Torgaucr Strafkamnier das erstinstanzliche Urteil, weil auch siie den Hausfriedensbruch als erwiesen ansah. Gegen das Urteil ist Revision angemeldet ivorden. Auffällig ist, wie ei»em Gewerberat entgehen konnte, datz das Bestreben der Arbeitgeber vieler Branchen seit Jahr- zehnten darauf gerichtet ist, die Kündigungsfrist völlig auszuschließen und datz diese Absicht in vielen Branchen auch erreicht ist. Ein Blick in die Gewerbeinspektorenberichte und in die Entstehungsgeschichte des jetzigen 8 122 der Gewerbeordnung hätte ihn hierüber belehren können. In der Strafsache selbst ist unerfindlich, woraus der An- geklagte hätte entnehmen sollen, datz er als ein„Unbefugter" erachtet werden sollte. Das Lauchhammer Werk hätte ausdrücken sollen, lven es für befugt erachte, insbesondere betonen sollen, datz von An- gestellten emschlietzlich der Direktoren eingeführte Besucher„Un- befugte" sein sollen. ES konnte auch den Weg nicht einschlagen, jedem den Zutritt zu versagen. Aber aus der saloppen Bekannt- machung konnte Angeklagter so wenig wie etwa ein von einem Direktor herumgeführter LondgerichtSrat entnehmen, datz er„wider- rechtlich"„sindringt", Iveon er unter Leitung eines Angestellten daS Werk besichtigt. Das Obnrlaiidesgericht würde wohl ein Erkenntnis aufheben, wenn dieses auf Verurteilung wegen„Hausfriedensbruchs" gegen den in Begleitung eines Direktors das Werk besichtigenden Landgerichtsrat lautete. Sollte gegen den Gauleiter Zernicke anders zu erkennen sein? Wegen Strrikvergrhens hatte sich dieser Tage die Arbeiterin F. vor deni Schöffengericht zu Charlottenburg zu verantworten. Sie wurde beschuldigt, anläßlich der Aussperrung in der Elektroindustrie zu einer Arbeitswilligen gesagt zu haben:„Schämen Sie sich, erst holen Sie sich eine Streikkarte, und dann gehen Sie zur Arbeit." Das Urteil lautete auf Freisprechung. Einmal, weil der§ 153 nicht in Anwendung kommen konnte, da es sich nicht um einen Streik, fondern um eine Aussperrung handelte, dann aber auch, weil das Gericht annahm, das; die Beschuldigte nur ihrem Aerger über die gekennzeichnete Handlungsweise der Arbeitswilligen Ausdruck gegeben habe, eS ihr aber nicht darum zu tun war, datz jene Person die Arbeit wieder niederlegen sollte.— Ebenfalls freigesprochen wurde der Mechaniker H., der auch einem Arbeitswillige» Vor- Haltungen darüber gemacht hatte, daß er arbeitete. Aiging![(arljurger ganger. Direktion: Karl Frick und Franz Kaache- Kraaae. " Vorzügl. Solis, lluetts u. •Ensarnbl. so»!« Sonnabenii dm 24. Febr. a. 21. MM Sonst alles beseht! Ceschbftsailresse: Karl Friek, Berlin SO. 18, Melchiorstr, 22. Telephon: Anit4 So.4807. Flor de Borneo, große, vorzügliche Zigarre, moderne Form, lieserl 300 Ät. 10,?0 M. franko Nachnahme. Zigarren- sabnt Bremer Schlüssel. 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Montag: Dicsewe Vorstellung. Neues. Ein Sonnnernachtstraum. Montag: Dieselbe Vorstellung. Westen. Schützenliesel. Nachmittag» 8 Uhr; Undine. Montag: Schützenliesel. Lessing. Und Pippa lanzt. Nachmittags 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Montag: Die Weber. Ansang 8 Uhr: Schiller«. iWallner.TbealerJ Ueber unsere Krast. I. Teil. Nachmittags 3 Uhr: Nora. Montag: Zapfenstreich. Schiller HI. lFricdrtch Wilhelm- städtisches Theater). Cyprienne. Nachm. 3 Uhr: Crainqucbille. Die Bäuerin. Abschied vom Regiment. Montag: Cyprienne. Kleines. Hidalla. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Ghetto. Koniische Oper. Der Corregidor. Nachmittags 3 Uhr: Hofsmanns Erzählungen. Montag: Hossmanns Erzählungen. Residenz. Der Prinzgemahl. Nachmittags 3 Uhr: Der Schlaf- wagenkontroleur. Montag: Der Prinzgemahl. tkrianon. Die Wettersahne. Nachmittags 3 Uhr: Die herbe Frucht. Montag: Die Wettersahne. LnstspirlhanS. Der Weg zur Hölle. Nachmittags 3 Uhr: In Behandlung. Montag: Der Weg zur Hölle. Thalin. Bis sriih um Fünse. Nachmittags 31/, Uhr: CharleyS Tante. Montag: Bis früh um Fünse. Carl Weist. Die lebende Brücke auf Kuba. Montag: Dieselbe Vorstellung. Zentral. Die Fledermaus. Ansang VI, Uhr. Nachmittags 3 Uhr: Die Geisha. Montag: Die Puppe. Luise». Pension Schöller. Nachmittags 3 Uhr: Die lustigen Weiber von Windfor. Montag: Der Störenfried.— Die Dienstboten. Deutsch-AmerikanischeS. Er und Ich. Nachm. 3 Uhr: Uebern großen Teich. Montag: Er und Ich. Slictropol. Auf ins Metropol. Kasino. Die goldene Brücke. Nachmittags 4 Uhr: Das Opferlamm. Montag: Die goldene Brücke. »ipollo. Prinzeß Rosine. Speziali- täten. btachmittag« 3 Uhr: Berliner Lust. Montag: Prinzeß Rosine. Spc- zialitäten. Hcrrnfeld. Familientag im Hause Prellstein. Belle-Alliance. Der grüne Teufel. Spezialitäten. Nachmittags 3 Uhr: Der grüne Teufet. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. Otto Neutier.— Spezialitäten. Walhalla. Nach Afrika, nach Ka- inerun. Montag: Dieselbe Vorstellung. Folies Gaprice. Nach dem Zapfenstreich. Der Bcheme. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ncichsdallcn. Stettiner Sanger. Passage. Spezialitäten. «r.iiiin. Tanvenstraste<8/4S. Abends 8 Uhr: Am Gols von Neapel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sternn-arte, Jnvalideustr. 57/82. Täglicv geöltnei von 7 MS 1 Uhr. Neues Theater. Ansang T/t Uhr. 8in Scmtnemaehtstrautn. Montag: Ein Sommernaehtstraum. Dienstag: Llsbesleute(Amants). Mittwoch, Donnerstag: Ein Sommer. nachtstraum._ Kleines Theater. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl« WcndS 8 Uhr: Hidalla. Montag- ttbetto. Berliner Theater. Nachmittags 21/, Uhr Vorstellung zu ermäßigten Preisen: Wilhelm Teil. Swcnds 7-/, Uhr: lZerMei8pzii8tigeii Zaiimung. Montag, Dienstag, Mittwoch: vor VicksrepSnaligon Zaiimung._ Lustspielhaus. Nachm. 3 Uhr: I» Behandlung, Abends« Uhr: Der Weg zur Hölle. Komische Buer. Friedrichstr. 104/ 104a. Sonntag, 21. Januar, nachm. 3 Uhr, bei ermäßigten Preisen: Hoffmanns Erzählungen. Abends 8 Uhr: Der Corregidor. Montag: Hottmanns Erzählungen. Zentral-Th eater (Operette). 3 Uhr: Die Qelsha. 7,/ä Uhr: Die Fledemian«. Moni,(halbe Preise): Die Duppe. T rianon=Theater. Ansang 8 Uhr. Die Wetterfahne. Sonntag nachm.: llis herbe Frucht. Residenz-Theater. Oirchtion: Richard Hlexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwank in 3 Akten von _ L.-kanros und I. ChnnccI. Sonntag nachm. 3 Uhr: Oer Schlak wagenkontrolleur._ Luisen-Theater. Nachmittags 3 Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor. Abends 8 Uhr: Pension Schotter. Montag: Der Störenfried. Die Dienstboten. Dienstag: Pension Schöller. Mittwoch: Die lustigen Weiber von Windsor. Donnerstag zum ersten Male: Der Verschwender. Freitag: Maria Stuart. Sonnabend: Kausmann o. Venedig. Sonntag nachm.: Pension Schöller. WcndS: Der Verschwender. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Helropol-Theater Anfang Vs® Uhr. -in's Große Jahresrevne mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Kauclien in all. Räumen gestattet. Apollo-Theater. Nachm. 3 Uhr ermäßigte Preise! Die erstklassige» Spezialitäten und Berliner Luft von E-liieke. Mends 8 Uhr: Prinzeft Rosine. Das erstklassige Spezialitäten- Programm mit XatsukumA ZtiyÄSdl Meister der Selbiiocrleidigungstehre •Hu-Jitsn. Otto Reutter. Klein-Familie, Kunstradfahrer. EmSt Perzina, dressierte Affen. Lola Hawthorne, amstkgae�che Elmo u. Recco, Yulian Familie, Akrobaten. Die drei Holloways, Suer." Gebrüder Schwarz, parodisten. Die Meininger, Hundepantomime. „In Schottland", DiveSment, Burke, Andrus u. Frisco Der Biograph„RDokkehrvomBall". Folies Caprice Budapester Possen• Theater 132 Linienstr. 132, Ecke FriedrichstraBe. Zum IÜ5. Male: Mach d. Zapfen«! reich. Vorher: Der Beheme u. d. auSgezeichn. Spezialilätenteil. Anlang 8 Uhr. Vorverk. tagt. b. Vlerthoim u. an der Theaterkasse von 10 Uhr vor- mittags an. Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbcater). Sonntag, nachm. 3 Uhr: Hiera. Schausp. in 3 Auszügen v. Henrik Ibsen, Sonntag, abends 8 Ubr: Richer«a«crc Kraft. I.Teil. Schauspiel in vier Akten von Björnstjerne Björnson. Montag, abends 3 Uhr: Zapfenstreich. Dienstag, abends 8 Ubr: RJeber unsere Kraft.(1 Teil) -Tli eater. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Sonntag, n a cki ni. 3 Uhr: Cralnqnehllle. Die Bäuerin. Abschied vom Regiment. Sonntag, abends 8 Uhr: Cyprienne. Lustspiel in 3 Aufzügen v. Victorien Sardou und E. de Najac. Montag, abends 8 Uhr: Cyprienne. Dienstag, abends 8 Uhr: Dan». XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. <•> jfroße Gala- Vor- Ol � Stellungen � I noohmittags 4, abends T'/jUhr. Nachmittags zahlen Kinder auf j allen Sitzplätzen halbe Preise.[ In beiden Vorstellungen: Der berühmte amerikanische j Pferdebändiger Mr. Vorton tüinlth u. d. vorzügl.Progr.-Nuramem.| Nachmittags 4 Uhr: Mexiko Gr. Ausstattunojs- Pantomime| aus d. mexik. Pflanzerleben. Abends 7'/, Uhr: Die neueste und g'rSBte Sehenswürdigkeit Berlins: ♦ Indien. ♦ Orig.-Pantom. des Zirk. Busch. I Besonders hervorzuheben: 1 Eine Tigerjagd in den Dschungeln| Indiens und Elefanten-Kämpfe. IJrauia U.VmV Abends 8 Uhr: Am Golf von Neapel Montag: Dieselbe Vorstellung. S t e r n w a rte'.""57,82 Gebrüder Herrnfeld- Th eater. Heute und folgende Tage die von der gesamten Berliner Presse als „der gröstte Schlager» ein- stimmig anerkannte drciaktige Komödie TMiÜeirtgg im Hause Pfeilslein mit AoIbd und Donat Herrnfeld in den Hauptrolle». Ans. 8 Uhr. Vorverk. 11—2 Uhr. ZHHkus Albert Schumann Heule Sonntag, den 2t. Januar, 1 nachm. 3'U Uhr und abends 7'/, Ubr: 2gr. brillante Gala-Vorstellungen Mufim. auf allen njn Pinif Plätzen o. Ausn. tili hlltli Jedes weitere Kind unter zehn !| Jahren halbe Preise(außer Gallcrie). I! In beiden Vorsteil., nachm. u. abends: ; Die Sensation des Tages! Novität k Direkt aus Nordamerika! Mi» A.hlc ülltchcll und ihre schwarzen Ofj Jenessee-Studenten � In beiden Vorstell, die phänomenale Jlltirza- Qoletn-Truppe. Die beliebte jugendliche Schulreilerin Frl. Dorn �c.hnnxtnn mit ihrem brill. Neitakt„L'Ocnyöre lumineuse". In beiden Vorstell, die großartigen! neuen Spezialttäten, sämtl. Clowns u. Auguste sowie Dir. Alb Sokunianns neue und moderne Dressuren. Nachmittags zum Schluß die reizende Sportpauiomime: Der Dag des Englischen Derby. AbendS zum Scklutz, noch nie da- gewesener Ersolg! Das diesjährige große Manegeiischauitück Femina, dn?« npno Frnnenrclch. Montag: Kala- Sport-V orstellung. 23 Tenessee-Stndenlen, Kirza Golem- Truppe. Fernlna. Berliner Aquarinm Unter den Linden 68a Eingang Schadow-Straße No. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis ;|gp~50 Pf.-HW Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. II Pastans Ip Panoptikum Friedrichstr. 165. Ohne Sxtra-Snlree. Bergbewohner ibessiniens. 65 Eingeborene Männer, Weiber und Kinder, sowie das Baby ,.Beralina". Eintritt 56 Pf. Kasino=Tiieater Lethriugcrstr. 37. Täglich 8 Uhr. Die goldene Briicke. Schniilpicl in 3 Akt. v. R. Slowronnck. Im Neuen Tbcater z. Z. m. sensatloii. Erfolg gegeben I Vorher: Das brill bunte Programm. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das Opferlamm.__ Carl Weiü-Tliealer. Kr. Jrantsnrtcrttr. 132. Täglich 8 Uhr: Die lebende Brücke auf Knba. Sensationelles amcrik. AuSstaliungS» stück mit Ges. u. Ballett in 7 Blldern von James Fox. Sonnabend, den 27. Januar, nachm. 4 Uhr KindervorsL: Der gestiet. Kater. Walhalla Theater Uach Afrikn, nach Kanterun. AuSstatlungsposse in C Bildern. Ansang'1,8 Uhr. Rauchen gestattet. W. Noacks Theater. Direktion; Rob. Olli. Briinnenltr. 16. Winterstürme ober; Der Klebe Macht. VolkSst. in 5 Alten v.Cb. Birch.Psciffer. Ans. 7 Uhr. Entrec �10 Ps. bis 1 M. Nach der Vorstellung: FamIIIenball. Montag: Dieselbe'Vorstellung. Arbeiter-Bildungsselmle Berlin. Sonntag, den 21. Januar, in„Kellers Festsälen", Koppenstr. 29: UM" 15. StiftungssPest. Festrede: Heinrich Wchnlz-Breraen.— Gesang: Oratorien- und Konzert- Sängerin Frau Klosscch-Müller(Alt): Konzerts äng-erm Fr, Elise Pfnender- Trlihe(Sopran); Herr Dr. Ceopold Hirschberg(Bariton).— Violin- virtuosin Miß Annle Enstenihurg.— Bogleitung: Herr Konzertmeister Frlt» Fnhrmclater. Battbescber Chor(zirka 100 Mitwirkende). Dirigent: Herr Max Battke. —— 1 Nachher: TaHZs UM- Eröffnung S Uhr. Beginn 7 Uhr. Billett 60 Pf. inklusive Pragramm. 1 OH Billett« in den bekannten Zahlstellen, in der Schule and an der Kaaae. Filiale Berlin. Sonnabend, den 27. Januar, In Ballschmicder« Kastanlenwüldchen, BadstraBe 16; Strandfest in Heringsdorf. Die geehrten Festteilnehmer werden höflichst gebeten, in Strand- oder Sommerkleiduiig zu erscheinen. 2026b Strandkarten a 60 Pf. lind zu haben bei den Kollegen Heeht, Greisen' hagenerslr. 77; Paetz, Tilsitcrstr. 30; Mählls, Tegeterstr. 32; Bauen Usedonistr. 5, und bei den Werkstattvertrauensleuten. Da« Komitee. Frlcdrlchsberg. 1 Frankfurter Fernsprecher Nr. 8. Chanssee 5. Jeden Sonntag: Gr. Ball Herrn 0. Bürger. Jeden Mittwoch: stamoristisehe Soiree der Willg VaMe-Slnger. Famillen-Kränzclien. x Donnerstag, den S5 Januar: Volks-Cabaret unter Leitung der KrtM'diva �srgsrele Mikolte. AM- Mitwirkende erste Kritfte.-WW Anfang 8'l2«Hr. 56582* Gebr. Arnhold. Passage-Theater. Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr.! Walter Steiner i Humorist. Acosta Krast-Jougleur. 1 nwwwwwwwwwwi�mwwww* Deutseh-Ämepikanisehes Thealer. Köpenlckerstr. 67/68. Jcd. Abd. 8 Uhr: pSBri- Gastsniel ftd Ph'linn ERundiCH buiuuag imciinuoiiig ci Uhr: Halbe Preise! „Ceber'n großen Teich". Sanssouei.S«" Dir. Wilhelm Reimer. Somit., Mom., Donnerst.: Helfmanns kolddöut8Lhö länget und fanzkränzeben. Sonnt. Bg.5, WocheuiBUHr Dienstag und Mittwoch Gastsp. b.'Lbwe-Ensembles. Mit vollen Segeln. Marie, die Tocht. d. Regts. Reichshallen. Heute: Stettiner Sänger Heute sowie jeden Sonntag 7 Uhr: Xenes Programm der Nachher: TanzkrätizcliEii. Befniiard Rose-Tlieatsr Gesundbrunnen, Badstraße 58. Nachmittags 3 Uhr: Abends 7 Uhr: Alriel Acosta. BIllett-Vorv erkauf vorm. v. 10 bIS 1 Uhr an der Theaterkasse. Morgen Montag: Große Extra- Beiiestz-Borstelliing für den Ober- regisseur ttelnrlcb Richter: Der Roland von L erlin. Schausp. i. 4 üttten nach hist. Quellen von Fr. Blleslus. Ans. 8 Uhr. Kassenerössnung 7 Uhr. 8IalII-TiisaIas MhW Alt-Moabit 47/49. Heute Sonntag, den 21. Januar: Gastspiel des Berliner Schau- und Lustspiel-Ensembles unter Leitung von Hans Vilain. Nie Lieder des Mufilmtttetr. Volksstück mit Ges. in 5 Akt.(7 Bild.) von R. Knetsel. Ansang 6 Uhr. Kasseneröffn. 5 Uhr. Nach der Vorstellung: Gr. Hall. Billett-Vorverkaus von 10—2 Uhr an der Theaterkasse. Jeden Montag: 8oiree der beliebten Fritz Steidl-Silngor. Riesen- j Neu! Die I : die kleinsten Sängeriuiien u. Vor- 1 | tragskünstler der Welt. Rissin! \ lloiia. 485 Pfd. schwer. Opullo, der I Mensch ohne Gefühl. Mne! Mno! Mnie! frei in der Lust schivebendc! Türkin. 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Habel's Brauerei zu Berlin. F. Happoldt zu Berlin. 16. Berliner Bierbrauerei Aktien-Gesellschaft, vormals F. W. Hilsebein, zu Berlin. 17 Klosterbrauerei Aktien-Gesellschaft zu Charlottenburg. 13. Brauerei Königstadt, Aktien-Gesellschaft zu Berlin. 19. Berliner Kronen-Brauerei, Aktien-Gesellschaft zu Berlin. 20. Löwenbrauerei Aktien-Gesellschaft zu Hohen-Schönhausen. 21. Münchener Brauhaus. Aktien-Gesellschaft zu Berlin. 22. Brauerei Pfefferberg, vormals Schneider& Hillig, Aktien-Gesellschaft zu Berlin. 23. AktiengesellschaftSchloßbrauereiSchönebergzuSchöneberg 24. Schultheiß' Brauerei, Aktien-Gesellschaft zu Berlin. 25. Brauerei Schweizergarten C. Schneider zu Berlin. 26. Spandauerberg-Brauerei, vorm. C. Bochmann, Aktien- Gesellschaft zu Berlin. 27. Berliner Unions-Brauerei zu Berlin. 28. Vereinsbrauerei zu Rixdorf. 29. Versuchs- und Lehrbrauerei zu Berlin. 30. Viktoria-Brauerei Aktien-Gesellschaft zu B?rlin. 31. Brauerei A. Werm, Aktien-Gesellschaft zu Berlin. 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Es ist gewiß kein Zufall, kein durch individuelle Veranlagung erklärliches Unglücksgeschrei, daß fast sämtliche wirtschaftliche Korporationen aus den Wetterzeichen kritische Jahre zweiter und sogar dritter Ordnung diagnoszieren. Rur weniger Ausnahmen gibls nach dieser Richtung. Die bis jetzt erschienenen Handelskamnierberichte sind ziemlich einig in dem Urteil: Unsere Volkswirtschaft geht unter der Aera der neuen Handelsvertragsverhältnisse schweren Zeiten entgegen. Allerdings in der Argumentation Über die Art der Einflüsse, in dem Urteil über die Intensität des wirtschaftlichen Druckes, über Wege und Pfade die aus dem Labyrinth hinausführen, gehen die Stimmen, aus- einander. Das ist erklärlich. Die Aussichten sind nicht für alle interessierten Gruppen gleich bedenklich und die oft direkt entgegen- stehenden Interessen brüten natürlick keine gleichen Eier aus. Bei den Vorschlägen zur Abwehr der Gefahren spricht jeder Jnteresient im Namen der„deutschen Volkswirtschaft und Industrie". Auf diese hohe Warte stellt sich jeder Rufer im Streit und mag sein Urteil noch so sehr von egoistischen, das Allgemeinintcresie negierenden Motiven beeinflnßt sein. Gerade den„Spezialisten" geht leicht der Weitblick für das Große, für das GesamtbcdürfniS verloren. Es entbehrt nicht eines ironischen Beigeschmacks, wenn sich jetzt die Vertreter der schweren Industrie als die lauteste» Kritiker unserer handelspolitischen Verhältnisse hervortun. Ihrer Mitwirkung, ihrem Wollen haben wir gerade die beklagten Zustände zu danken. Sie haben eigentlich am wenigsten Ursache, zu lamentieren, und ihre Vorschläge zur Abhülfe der Not gehen auch wieder nicht über den Rahmen der Sonderinteresien hinaus. Hören wir, was die Essener Handelskammer, das Sprachrohr der großen Werke, für ein Hell- träutlein in Petto hat. Sie sagt: „... Weiter wird schon jetzt ins Auge gefaßt werden müssen, daß für die vielfachen Erschwernisse, die unserer Gütererzeugung und unserem Güterabsatz auf zollpolitischem Gebiete bereitet sind, ein Ausgleich auf dem Gebiete des Verkehrswesens durch Gewährung besserer und billigerer Transportmöglichkeiten zugestanden werden muß... billigere Transportmöglichkciten durch Gewährung ermäßigter Gütertarife...." Tie Handelskammer treibt hier Zukunftspolitik, was selbst- versländlich an sich nicht nur durchaus einwandfrei, sondern für jeden Volkswirt dringend geboten ist. Es kommt nur darauf an, von welchen Voraussetzungen solche Politik ausgeht, und zu welchen Schlußfolgerungen sie zwingt. Bisher hat die Großeisen- und Kohlenproduktion in Deutschland einen glänzenden Aufschwung ge- nommen. Unsere Kohlengewinnung stieg von zirka 60 Mill. Tonnen im Jahre 1880 auf zirka 180 Mill. Tonnen im letzten Jahre, vor 10 Jahren hatten die deutschen Hochofenwerke ein Ausbringen von V 4(34 SOI Tonnen Roheisen, für 1S0S ist die Erzeugungsmenge auf zirka 11 Mill. Tonnen angewachsen. Und das finanzielle Ergebnis der Werke in der Montanindustrie ist nicht minder befriedigend, wie sich aus der zehnjährigen Dividende einer Reihe Gesellschaften ergibt. Mr machen darüber folgende Aufstellung. Es beträgt: A.-G. Höfch, Dortmund.... Bochumer Gvßstahl-Berein... Rhein. Stahlwerke...... Hibernia......... Kölner Bergwerk...... Gelfenktrchener....... ffler. Königs Laura Konsolidation Arenbcrg Bergbau..... Harpener......... Rote Erde, Lachen..... Schalker Gruben u. Hütten.. Die Transport« resp. Frachtkosten spielen nun bei den Selbst- kosten der industriellen Produktion eine sehr große Rolle. Deshalb geht ja auch ein Hauptbestreben dahin, die Verarbeitungswerke in der Nähe der Gewinnung der Rohmaterialien anzulegen. Das ist aber bei unseren geologiichen Verhältnissen nur bis zu einem gewissen Grade möglich, Erze und Kohlen wachsen in Deutschland nicht nahe beieinander. Zudem müssen wir bedeutende Mengen Erze vom Aus- lande hereinholen. Die Quote der Frachtkosten vom Preise der Produfte, bestimmt natürlich die Bedeutung der Tariffrage. Unter diesem Gesichtswinkel ist die Forderung der Essener Handelskammer zu bewerten. In Betracht käme dabei zunächst das finanzielle Interesse des Staates. Ausgeschlossen ist, daß die Eisenbahnverwallung der Industrie auf Kosten der Gesamtheit direkte Liebesgaben offerieren darf. Betrachtet man die Eisenbahn in erster Linie als Verkehrs- mittel, das die Anfgabe hat, Handel und Wandel zu fördern, dann kann man der erhobenen Forderung durchaus die Berechtigung nicht absprechen. Regierungsrat a. D. Lomnitz macht in der Zeitschrift„Glück- auf" sJahrgang 1903 Heft 43 und 44) folgende Berechnung auf: Bei der Güterbrwegung zwischen Rheinland-Westfalen und Lothringen- Luxemburg entfallen auf einen Güterzug von 800 Tonnen Lade- gewicht durchschnittlich folgende Frachtanteile: Hinfahrt: 77ö Tonnen Koks und 22 Tonnen Kohlen, Rückfahrt: 240 Tonnen Erz, 100 Tonnen Roheisen. 60 Tonnen Halbzeug mit nachstehenden Ein- uahnieil: Für Koks nach Ansnahmetarif 6046 Mark, für Kohle nach Rohstofftarif 207 Mark, für Erz nach Erz-Ausnahmetarif 1296 Mark, für Halbzeug nach Spezialtarif III 628 M., und für Roheisen nach Spezialtarif HI resp. nach Gießereiroheisen-Ailsnahme- tarif 810 M.; insgesamt 8800 M. Die Selbstkosten, die dieser Ein- nähme gegenüberstehen, belaufen sich aber auf nur 3800 M.. so daß der Bahn ein Ueberschuß von über 5000 M. verbleibt. Die Selbst- kosten sind berechnet nach einer Ausstellung der württembergischen Staatsbahnen. Bei Gewinnsätzen wie hier angegeben, ließe sich eine Herabsetzung der Tarife wohl rechtfertigen. Damit wäre ein Weg zur Herabnunderung der Selbstkosten gesunden. Die andere Frage ist die, ob damit dem Allgemeininteresse oder auch nur der Eisen- industrie überhaupt, bestimmt gedient ist! Diese Frage können wir durchaus nicht imbedingt mit„ja" beantworten. Die durch Tarif- Herabsetzung ausfallenden Einnahmen müssen natürlich ander- weitig gedeckt werden. Für die Verarbeitungsindustrie, die nur relativ geringe Quanten verftachtet, bei denen die Fracht- rate viel weniger ins Gewicht fällt, als bei den Massen- bezügen der Roheisen- und Halbzeugindustrie, würde eine Fracht- erinäßigung für Kohlen und Erze eine kaum nennenswerte Erleichterung bedeuten, wenn ihr nicht die Garantte geboten wird, daß die Ennäßigungen auch iu den Inlandspreisen für das von der Weiterverarbeitung benötigte Material zum Ausdruck kommt. Aber da liegt der Hase im Pfeffer I Es besteht die Gefahr, daß die Stahl- werke die durch günstigere Tarife erlangte Positition dazu benutzen, noch mehr wie bisher den Export von Rohmaterial und Halbzeug zu forcieren, und zwar auf Kosten der Weilerverarbeitung, indem gleichzeitig die Monopolpreise im Julande hoch gehalten werden. Schon unter den bestehenden Verhältnissen sind die betreffenden Exportziffern ganz gewaltig in die Höhe geschnellt, wie folgende Zusammenstellung ausweist. ES betrug unsere Ausfuhr(in Doppel- zentner): 1897 1904 Roh- und Btucheifen. Abfälle 1 283 866 3 159 946 Halbzeug....... 397 915 3 959 895 Walzprodutte...... 9 278139 15 678 563 Ein Hauptabnehmer deutschen Halbzeuges ist England und es ist aus dortigen industriellen Kreisen heraus schon anerkannt worden, daß die Preispolitik der deutschen tzalbzcugexporteure die beste Stütze ihrer Konkurrenzfähigkeit sei und deutsche Verbraucher von Halbzeug kauften mit Borteil deutsches Material im— Aus- lande. So ließen sich eine Menge von Unstimmigkeiten zuungunsten der deutschen Volkswirtschaft aufzählen. Die von der Großindustrie geforderte Reform könnte, wenn sie vorbehaltlos durchgeführt lvürde, das ungünstige Verhältnis noch lveiter in der bereits bcschrittenen Richtung verschieben. Es läge die Gefahr nahe, daß die schwere Industrie unter Aufrechterhaltung der JnlandSmonopolpreise die zu- gestandenen Frachtersparnisse lediglich dazu benutzt, durch reduzierte Preise auf dem Auslandsmarkt den Export in Rohmaterial und Halbzeug noch weiter zu fördern. Damit würde aber die deutsche Verarbeitungsindustrie, die ohnehin auf dem Außenmarkt, ja teillveise sogar im Jnlande selbst, unter den angezogenen widrigen Umständen schwer zu kämpfen hat, in ihrer Konkurrenzfähigkeit weiter geschwächt. Daß damit dein Gesamtinteresse nicht gedient rst, liegt auf der Hand und eine Tarispolitik, die solche EntWickelung förderte, kann nicht befürwortet werden. Trotzdem aber ist und bleibt die Forderung nach einer Reform der Tarife berechtigt. Aber mit Vorbehalt. Es könnte eine Klassiftkatton nach der Richtung vorgenommen werden, daß für exportterte Fertigerzeugnisie die nieorigsten Tarife verrechnet würden, während auf exportiertes Rohmaterial und Halbzeug der Normal- tarif, der übrigens immerhin niedrigere Sätze als die bisher geltenden enthalten könnte, in Anwendung kommen müßte. Damit wäre nicht einmal der Konzentratton der Industrie, dem Zusammenschluß zu geschlossenen Produktionen irgendwie der Weg erschwert, eine solche Politik stellte keineswegs einen Eingriff dar in den Konkurrenzkampf der Werke untereinander, sie reizte vielmehr nur dazu, das Schwergewicht auf den Export von Fertigerzeugnissen zu legen. Jeder Erfolg nach solcher Richtung bedeutet: Vermehrung der Arbeitsgelegenheit. Steigerung des Wertes der Ausfuhr, Vorteil ftir die Gesamtvollsivsrtschaft. D. Die Ausfuhrziffern in den Produkten, in denen die gennschten Werke unbedingt dominieren, haben in ganz aewalttgem Umfange zugenommen. Das rasche Vorrücken Deutschlands als Hauptlieferant von Halbzeug ergibt sich aus einer Zusammenstellung des Einsuhr- resp. ÄusftihruberschusseS in diesem Produtt. Danach hatte Belgien 1900 einen Einfuhrüberschuß von 18 731 Tonnen, 1904: 177 675 Tonnen und im ersten Viertel 1905: 49 998 Tonnen. Englands Einftihr- Überschuß in derselben Zeit stellte sich aus 164 174 resp. 617 362 resp. 199781 Tonneu. Frankreich balanziert mit einem AusfuhrpluS von 2649, resp. 146 647 resp. 61 480 Tonnen; dagegen entwickelte sich Deutsch- lands Export folgendermaßen: der Ausfuhrüberschutz von 30 849Tonnen im Jahre 1900 wurde 1904 um das Zwölffache überholt, er stieg auf<386 434 Tonnen und nach dem Ergebnis des ersten Viertel- jahres 1906 berechnet,— der Ausfuhrüberschuß für diese Zeit be- ziffert sich auf 144 156 Tonne«— verzeichnen wir gegen 1900 eine Steigerung von fast 200 Proz., ein Resultat. daL aber nach dem Ergebnis des ganzen JahreS. bei dein besonders in den letzten Monaten forzierten Export, noch llbertroffen werden wird. Veirmlcbtes. Humor in der Schule. In der„Straßb. Post" werden folgende Stellen aus Aufsatzheften der Oeffentlichkeit übergeben: Eine zehn- jährige Schülerin leistete sich bei der Beschreibung eines germanischen Gehöftes folgende ahnenstolze Bemerkung:„Die Germanen waren ein kräftiges Volk � sie hatten oben ein Loch, das Windauge genannt, um Sonne und Wind hereinzulassen." Eine andere schrieb folgenden geheimnisvollen Satz:„Als die Männer die Bärenpelze abgezogen hatten, da nahmen die Männer die Pelze und zogen sie an." In derselben Klasse erzählte ein Mädchen:„Siegfried stand am Linden- bronn und wartete auf seine Nachkommen." Aber auch die älteren, elf- und zwölfjährigen Kinder sorgen dafür, daß die Arbeit des Heft- verbesserns nicht zu öde werde. Bei der Schilderung des Jahr- marttcS ließ ein Mädchen die Henne krähen, ein anderes schrieb: „Dort standen Frauen mit Nähnadeln, Lampenschirme und Postkartenhändler; weiter unten, auf Stroh ausgebreitet, boten die Ge- schirrhändlcr ihre Ware feil." In einem Auffatz:„Ausritt zum Kreuzzug" fand sich die Stelle:„Die Kopfbedeckung der Ritter be- steht aus einem Eisenhut oder aus einer Ringclhaube, manche haben auch ein Nasenbein am Hute befestigt." Das Naseirband machte übrigens mancher aus der Klasse zu schaffen.„Einige haben ein Nasenband, andere haben Eisenhüte," schrieb ein Mädchcir. Und ein anderes gar:„Die Kreuzfahrer tragen auf dem Haupte Eisen- Hauben; einige sind mit Nasen versehen." lieber das Thema„Vom Grüßen" äußerte sich ein Kind wie folgt:„Gewöhnlich zieht man den Hut. Anders ist es, wenn die Herren eine schwache Kopf« bedeckung oder dünne Haare haben, dann ist es nicht unhöflich, wenn sie den Hut nicht ziehen. Die beste Art des GrützenS ist die mit dem Herabnicken des Kopfes," Hochbalmunglück. Aus Brooklyn wird vom 19. Januar tele. graphiert: Auf der Hochbahn entgleist« heute ein Zug, wobei der hinterste Wagen, der mit Fahrgästen dicht besetzt tvar, aus einer Höhe von 35 Fuß auf die Straße hinunterfiel und vollkommen zertrümmert wurde. Die Trümmer gerieten in Brand, doch gelang es die Fahrgäste zu retten, che sie den Flammen zum Opfer fielen. Bei dem Unfall sind zwölf Personen verletzt und eine getötet worden. X GeM-AnzUge Schwarze Hosen Weisse AnzDge Papierfaser-Anzüge Ball-Westen 70.- 80- 50,- 40.- 3«.- 27.- Auoh bunt£»• »troitt, 24.- 11.. 7- 6.- ertrn« Farben. Sehr haftbar, 8L- 8t- 4»- 3t- BAER SOHN gpeziaUHtus gr0«6ten Massstabes. Chausseestrasse 24a/25• 11 Brockenstrasse II» Gr, Frankfurterstr. 20, Singer Nähmaschinen. Ginfache.Handhabung! seeSL* «rohe Haltbarkeit! Hohe ArbettSleiftnilft l Wattausslalluno /"vt-einrl Weltausstellung Paris 1900� vjl allU t 1 IA. st touis 1904. St. Louis 1904. Dr. Schlinemann, Spezial-Arzt für Ilnnt- und Harnleiden, Francnkranlihelteu. 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Sozialdemokratisetor Mkmi» für den I.Berliner BeieUags-lahlhreis Ticnstag. den 83. Januar 1906, abends 8'/z Uhr: kenersl- Versammlung in dm„�rii,li»I>«llvi»�, Kommandantmstr. 20. Tages-Ordnung: 1. Vorstands- und Kassenbericht. 2. Neuwahl de? Gesamtvorstandes. S. Vortrag des Ncichstags-Abgeordnetc» Genossen über »Die englischen Wahlen". 4. Diskussion. S. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert.»»»���»» 800/3 236/1 Vollzähliges Erscheinen der Mitglieder erwartet Fdvi» Vorntaiid. Branehe der Korbmaeher Montag, den«8. Januar 1906, im„Gewerkschaftshaus", O'ngel-llfer IS(Saal 7): gST Versammlung TageS-Ordnung: 1. Vortrag über Arbeitszeit. 2. Bericht der Kommisston. 3. Wahl der Zentralkommission. 4. Branchenangelegenbeilen. 5. Verschiedenes.� Es ist Pflicht jedes Kollegen zu erscheinen I Die Kommission. Branche der Musikinsliumenten- Arbeiter! Montag, de» 32, Januar 1906, abends 8'l, Uhr: Sranclten- Mitgliederversammlung im„GewerkschastShans"(Saal 1), Engel-Ufer 15. Tages-Ordnung: 1. Bericht von der Konserenz der deutschen Klavicrarbeiter in Zeitz. 2. Diskussion. 3. Tätigkeitsbericht der Branchcnkommisston im Jahre 1906. 4. Diskussion und Neuwahl der Vranchenkommission. S. Der Streik bei der Firma G c n z. Bei der wichtigen Tagesordnung erwarten wir zahlreiches Erscheinen der Verbandskollcgen. iMT" Mitgliedsbuch legitimiert. Die Branchcnkommisston. tcl"M8! Stock- und Ceiluloid-Arbeiter! Es! Montag, den 22. Januar 1906, abends 8 Uhr: Versammlung der Stock- u. Geüuiold-Arbeiter im„Engliicheu Garten", Alexanderstr. 87o. Tages-Ordnung: 285/18' 1. Unsere Forderungen; wann legen wir dieselben vor? 2. Diskussion. Kollegen I Wir erwarten, dag niemand seblt. Die Branchenkomiiiissio» der Stockarbeiter. I. A.: Der Obmann, tz. Hübner. �vitg? Actltung! Mittivoch, den 25. Januar 1006, abends prözike S'/a Uhr, Brawchew-Vcrsaiiimluttg der Kammacher und aller in der Zelluloid- Kaarschmnchbranehe beschäftigt. Arbeiter und Arbciterihnen Bei Stanscli, Groszc Frankfurter str. 133. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Leopold über:„Die Kämpfe der Gewirk- schastsorganisationcn". 2. Diskusston. 3. Werkstattangelegenhciten. 4. Ver- schiedenes. Der sehr wichtigen Tagesordnung wegen ist eS Ehrenpflicht eines jede» Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Kommission. Branede der Jalousien- Arbeiter! Donnerstag, den 25. Januar 1906, piinklich 8'/, Uhr abends s Mitglieder-Uerjammlung Bei Ladewig, Alte Jabobftr. 83. T a g c s- O r d n u ii g: 1. Verbands- und Branchenangelegcnheite». 2. Neutvahl sämtlicher Kommissionsmiiglicder und des Bcitragsammlers. 3. Verschiedenes. Der Obmann. Bautisehler! i 23. Januar 1906, ab i Walter, Adalbertsir. 6 Sitzung. DienStag, den 23. Januar 1906, abends 8'/a Uhr» bei Walter, Adalbertstr. 62: Der Branchenleiter. IMW. MÄM-Wff. Montag, den 22. Januar 1906, abends S'/a Uhr, in Granmanns Festsälen, Nailuyilstr. 27: General-Versammlung. TageS-Ordnung: 141/2 1. Abrechnung von der Ilrania-Vorstcllung, vom Weihnachtsvergiiügen lind vom 4. Ouartal 1905. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Die Klavier- arbeiter-Konscrcnz des Holzarbeiter- Verbandes in Zeitz. 4. Vereins- angclegenheiten. Ln der Versammlung gelangt der Jahresbericht für 1905 an die Mitglieder zur Ausgabe.—-Mitgliedsbuch legitimiert. Tonnabend, 10. Februar, in TchnegelodergS Festsälen. Hasenheide 21 in allen Talen: Gkoßtl Mitiltr MdSlttllhstll.'NMri.�P� Billetts sind in den Zahlstellen und in der Versammlung zu haben. Kloi? Vorstand. Verband der Sattler. (Ortsverwaltung Berlin.) Mittwoch, den 24. Januar 1906, abends S'/a Uhr. in den„Arminhallen", Kommandauteustr. 20: General-Bersammluug. T a a e s- O r d n u ii g: 1. Geschästliches. 2. Bericht und Abrechnung vom 4. Ouartal 1905. S. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 4. Beratung der An- träge zur Gcneralucrsniiimluug. 5. Verschiedenes. OBT* Mitgliedsbuch legitimiert."TB® Kollegen I In Anbetracht dieser äusterst wichtigen Tagesordnung er» warten wir, daß sämtliche Kollegen diese Versanimluiig besuchen. 156/13 Die Ortsverwaltuug. Sonnabend, den 17. Februar 1906: Großes Kostam-Fest in den Gesaiuiräumen des Lswei'tocliaiuhaussz, Engel-User 1j. Slnsang 8'/, Uhr._ Eintritt 60 Pf. Um rege Beteiligung ersucht Das VergnügunBtt-Komilee. I An die baugeiverblichen Meiler Berlins und der Bororte! (Sinmrbetter, Dachdecker, Glaser» Klempner, Maler, Maurer, Putzer, Rohrleger, Ktemdttdhauer, Stemmetzen, Tischler, Zementierer, Zimmerer.) Mtiiitiig, den 22. Januar 1906, püuktlich 8 Zlhr abends: Versammlung aller im Baugewerbe beschäftigte« Arbeiter im großen Saale der„Neuen Welt�, Sasenheide. Tages-Ordnung: Der Kaiiarbeiterschiih, die steigriidt Zahl der Todes- und schweren Unfälle im Kw gemerbe««d die Nktition der baugemerblilljeu Arbeiter. Jiir die Bauarbeiterschutz-Kommission:«. i-in«. Im Austrage der Organisationen der baugewerblichen Arbeiter Berlins: ßölipnei' Lehmann H. Schultz C. Weitzel Joh. Plum E. ThSns H. Neumann Dachdecker. Einsetzer. Glaser. Klempner. Maler. Maurer. Putzer. A. Welker A. Geue 0. Krebs H. Sorg W. Witt Steinbildhaner. Steinmetz. Siuklaleur. Töpser. Zimmerer. Alle anderen Versammlungen haben am Montage zu unterbleiben. Karl Neiiiemann Bauarbeiter. Achtung! Achtung! Zentral-Berband der Maurer. (Zahlstelle Berlin.) Freitag, den 26. Januar, abends 8 Uhr, im Gewerkschastshanse(großer Saal): _ Außerordentliche IV IVlitglieder- Versammlung,-yg TageS-Ordnurig: II. Kassenbericht der Zahlstelle Berlin. 2. Slusstelliing der Delegierten zur Gau- konserenz. 3. Anträge zur Gankonserenz. 4. Neuwahl des schristsührerS. 5. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert.———. 136/4 Der Torstand. I. A.: Emil Thons. NB. Wir ersuchen die Kollegen, sich recht rege an der am Montag, den SS. Januar, abends 8«Hr. im grotzen Sale der„Neuen Welt", Hasenhcidc, Itattsindcndeii Versammlung alter im Bangewerbe bc- schäftigte» Arbeiter zu beteiligen. Tages- Ordnung: Der Bauarbeitcrichnh, die steigende Zahl der Todes-»ud schweren Unfälle im Baugewerbe und die Petition der baugewerblichen Arbeiter. i, bei Franke9 173/3 Montag, dell 22. Iaiiuar, ahends 8 Uhr, ... Sebastianstr. 39: General»Versammlung. TageS-Ordnung: 1, Bericht des Vorstandes. 2. Abrechnung vom 4. Quartal 1905, 3. Antrag auf An- stellung eines Kassierers. 4. Neuwahlen sämtlicher Funktionäre. — Eintritt nur gegen Vorzeigung deS Mitgliedsbuches. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Aeiiivngl Maler! üehtung! Montag, 22. Iaiinar, abeiids 8 illjt, in der Serliim Ressource, Kommandaiittnstr.57: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: Neuwahl für die ausscheidenden Mitglieder des Gehülfen-Ausschnsses, gemäß§ 41 des Jnmuigsstatuts. Abend« S Uhr! Tagesordnung: Wahl der Gehülfenbeisitzer zum Jnnungs-Schiedsgericht und Stellver- treter ftir das Jahr 1906. 1948b Der l�ehülfen-Zlusschuß. I. A.: Vf illrelni TVendol, ülltgchülse, Krcuzbergstr. 21. Verdanü äer 7apealerer. riUale»erlln. O.uartals- Versanlmluttg. Mittwoch, den 24. Januar, abends 8'/. Uhr, bei s n d t, Beuthstratze 20: Tages-Ordnung: l. Vorstnnds- und Kasscubericht. 2. DiS- kustion. 3. Xenwahl der OrtSverwaltung. 177/2 BW In Anbetracht der wilbtigcn Tagesordnung ist es unbedingte Pflicht eines jeden Kollegen zu erscheinen. _ Die Ortsverwaltang. WG Mitglied des Arbeiter-Radfahrer-Bundes„Solidarität". V Mittwocb, den 24. Januar er., abends>/s� 6hr,"MlZ im Lolale Andreas-Straße 81: Ordentl. General- Versammlung;. Die Tagesordini ng ist den Mitgliedern schon durch Zirkular bekannt gegeben.— Mitglieder werden ausgenommen. 11/4 F" Sonntag, den 28. Januar, ebenfalls Andreas-Straße 21;"MU Unterhaltungs«Abend bestehend aus Konzert. Borträgen tSäiiger und Tängerinnen) ssowie Borfsthrnngeii von sprechenden, singenden und anderen lebenden Photographie»(Biophon und Kinematograph). Nachdem: Dan-. Eintritt 20 Ps._ Ansang 6 Uhr. Sonnabend, den 24. Februar, i. d. Neuen Welt, Hasenheide 108/114: Großes Kostümfest(Ein Volksfest in llpiras) zur Zeit der Marokkokonferenz. Großartige Dekorationen. Marokkanische Tänzer und TBnzerinnen. Drei Orchester Kunst- und Reigenfahren vom Berliner Verein und Bundesverein Luckenwalde. Berliner Ulk-Trio. Rutschbahn. Allerhand Buden ic. eintritt 59 CL Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß von heute an Billetts zum Kosillinsest erhältlich sind und zwar bei sämtlichen Komitee- Mitgliedern, in obiger Versammlung sowie in der.Genosjenschast Oderberger- slräße 30. Der Borstand. über 3000 Exempl. verhauft Die Harnleiden Ihre Oefahren, Verbatung und Beseitigung van Dr. med. Sehn per, BERLIN-Preist Mark. Orts Krankenkasse der Kürschner und verwandten Bewerbe zu Berlin. Mittwoch, den 21. Januar 1906, abends 8';, Uhr, in der Brauerei Bötzow, Prenzlauer Allee 247: Aaßerordentllcli« General-Versammiung der Arbeitgeber-Delegierten. Tages-Ordnung: 1. Verlesung der Präsenzliste(Arbelb» geber). 2. Ersatzwahl eines Vorstands- Mitgliedes. 270/7 An demsewen Tage und in dem- sewen Lokale, abends 8'/, Uhr: Außerordentliche General- Versammlung sämtlicher Delegierten. TageS-Ordnung: 1. Verlesung derPräienzliste(Arbeit- nehmer) und des Protokolls. 2. Welche Stellung nimmt die Generalversammlung zur Geschüflssührung der Kasse und gegen die Restanten ein. Erscheinen aller Delegierten ist un» bedingt notwendig. Die zugesandte Karte legitimiert, ohne dieselbe kein Einlaß. Her Voretand. I. 31.: G. Seidenkranz, Vorsitzender. Krllnbtll- mld Zikrbrbasse atler gkwerbtichen Arbeitkr für Schönkberg u. Lertiu (E. H.-K. Nr. 115). General-Versammlung am Sonntag, den 28. Januar 1906, vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herrn Obst(Tunney, Mciningcrstr. 3. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Kassen- Bericht. 3. Antrag Liebig. 4. Neu- wähl deS gesamten Vorstandes. 5. Ver- schiedene Kassenangelegenheiien. Mitgliedsbuch legttlmiert. Um pünktliches Erscheinen der Mit- glieder ersucht 286/4» Der Borstand. Beglaubigte Wschrist. 1. v. dl. 21. 05. 56. In der Strafsache' gegen den Redakteur Paul Wilhelm Berihold Büttner in Berlin, ge» boren in Parchwitz am 3. Juli 1861, evangelisch, hat die zweite Strafkammer des Königlichen Landgerichts I in Berlin am 14. November 1905 für Recht erkannt: „Der Angeklagte wird wegen öffentlicher Beleidigung durch die Presse zu sünszig Marl Geldstrafe, an deren Stelle im Unvermögens- sall für je süns Mark ein Tag Ge« sängnis tritt, und in die Kosten de» Verfahrens verurteilt. Der Artikel„Ein Bild aus der Kaserne" ist aus allen Exemplaren der Nummer 244 der Zeitung„Vor- wärts" vom 16. Oktober 1904 sowie aus den zu ihrer Herstellung be- stimmten Platten und Formen un« brauchbar zu machen. Dem Hauptmann Denicke in Lahr wird die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung binnen vier Wochen ■ Abendblatt" durch einmalige Ein» rückung der Urteilssormel aus Kosten des Angeklagten bekannt zu machen." Die Richtigkeit der vorstehenden 31b» schrist der Urteilssormel wird be- glaubigt. Berlin, den 9. Dezember 1905. Jacob, L. 8. Gerichtsschrciber des Königlichen Landgerichts I, Straslammer II. (Obcrhttt, Unterbett. 2 Kissen) mit doppettgereinigten neuen Bett- ledern, bessere Betten 15. IS. 24 Alk.: I'/z schl. Betten 15, 20, 23, 29, 36 Ml. usw. Ä erfand geg. Nachnahme. Preis» liste, Proben. Verpackung kostenfrei. Gustav Lustig, L«rötzt. Kpezial-Selchäst Teuilchl. � General-Versammlung der Stcrbekassc ehemaliger Pflugscher Arbeiter (HetxelKchc Kasse) am Sonntag, den S8. Januar 1906, vormittags 10 llhr, in Wilkes Saal(früher Rümaiin, Brunnenstr. 188. TageS-Ordnung: 1. Borlesung des Protokolls der Generalversammlung vom 23. Juli 1905. 2. Kassenbericht des Rendanten pro 1905 und Bericht der Revisoren. 3. Verschiedene Kassciiaiigetegenheiten. 4. Wahl deS zweiten Vorsitzenden und ersten Schristsührcrs. 5. Wahl von drei Revisoren. 285/17 ?Ilt8rtledNkuel> Ic�ltiiaiert. Der Borstaud. I. A.: Otto Winkler. 79/8 Reinseidene Chine-Bluse lO.oo Nur 10 Tage Inventur-Verkanl mehrerer hundert seidener Blusen direkt an Private. Darunter: Reinseidene Blusen in aparten Streifen und effektvoUen Chines jetzt 10,00, 12,00, 15,00 etc., schicke Theater- und Gesellschakts- Blusen jeder Art jetzt 15,00, 17,50, 20,00 etc. Schwarze Seiden-Blusen in nur soliden Geweben jetzt 9,00, 12.00 15,00 etc. Vornehme Samt- Blusen 10,00, 12,00, 15,00 etc. Sämtliche Blusen sind ganz auf Futter gearbeitet, Aenderungen sofort. Maß-Anfertigung schnellstens. Adresse genau beachten. Sonntags geöffnet. 8 e i d e n-E n g r o s-H a u s Hermann Herzog, Berlin, jetzt nur Leipzigerstr. 79, 1 Tr., am Dörihoffplatz. Xelegr.-Adresse: Selden-Herzoff- Deutscher Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Mittwoch, den 34. Januar 1906, abends 8'/, tthr. im Etabliffement »Buggenhagen" am Moritzplab: Leneral-Versammlung. Tages-Ordnung: i. Geschäfts- und Kassenbericht 2. Wahl des dritten Angestellten� & Neuwahl der Verwaltung. 4. VcrbandsangelegenheUen und Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert, 23/5 Zahlreichen Besuch erwartet Die Lrtsverwaltung. II. IU'dvHsi' m Sängerbund Berlins und Umgegend. Sonntag, ii. fcbruar, vorm. pr'iz. 10 dbr, t. d. Brauerei friedrichoham; HP General- Uersammlung. IM Anträge. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Beratung des neuen Statuts. 3 Wahl des Vorstandes. Anträge sind bis 1. Februar an I u l. Meyer, Urbanstr. 131, einzusenden. 16/2 4. Eventuelle Die wichtige Tagesordnung macht es jedem Sänger zur Pflicht, pünktlich zu erscheinen. Bundeskarte legitimiert.-W>E __ Der Vorstand. Deutschlands.(Filiale Berlin.) Mittwoch, den 34. Januar er., abends 8'/, Uhr» iu Kellers grofiem Saal. Koppcnstr. 39: Kenerel-VerssvnnHung. TageS-Ordnung: 1. Berich' des Vorstandes. 2. Viertel- und Jahresbericht des Kassierers. S. Bericht der Arbeitsvermittler. 4. Neuwahl der örtlichen Verwaltung. 5. Anträge und Verschiedenes. - Mitgliedsbuch legitimiert.- Ohne dasselbe kein Einlasi. IMe Ortsvemaltnnj». M Wir erwarten, daß alle Heimarbeiterinnen in dieser wichtigen Versammlung erscheinen._* Unser diesjähriges Wintervergllügen findet am S. illSrs a. c. in den gesamten Räumen von O-ouis Kellers Festsälc», Koppen- ftraße 23, statt.— Die Frühjahrs-Borftelluug in der Urania findet am 35. März, mittags 1 Uhr, statt. (Ortsverwaltong Berlin.) Oircksenstr. 39 I. Amt III. 1813. DaS Lokal „Pracht-Säle des Ostens" Frankfurter Allee 151/152 Ist für organisierte Ciastwlrts- Gehülfen wegen anerktnnnng des liokenlosen Arbeitsnachweises Verbandes gesperrt. Die seitens des Ausschusses der Berliner Gewerrschaftskommission angebahnte Einigung ist, wie bereits im„Vorwärts" berichtet wurde, gescheitert. Der von uns für heute beabsichtigte Säulen- Anschlag liauck& Hartmann >ahlte Betrag zurückgegeben� Da es un Einwohnern Berlins ist von der Firma verweigert worden und der schon bezahlte Betrag zurückgegeben. Da es unS auf solche Weise unmöglich gemacht werden soll, den Die Verlobung unserer Tochter Clara mit Herrn Dipl.-Jngcnieur Gz-nla v. Rohonyi beehren sich ergebenst anzuzeigen 5831L Karl blallnomkl n°sst Frau Elisabeth geb. Schmidt. Clara Balinowshl Gynla v. Kohonyl Verlobte. Berlin 22. Januar 1906 Budapest. Nachricht zu geben, wo die zum Mit diesem ersuchen wir alle Vorstände und Komitees, I' ♦ soweit sie bei Herrn Cranz Versammlungen und Vergnügungen abgemacht haben, uns gefl. ihre Adressen anzugeben, damit wir m der Lage sind, über die Ursachen der Sperre die not- wendige Slufklärung zu geben. 236/8 I. A.: U. Braun. Austritt aus Kirche und Tempel nötigen Zirkulare und Anleitungen zu haben sind, beabsichtigen wir jetzt in ganz Berlin und Umgegend(ja eventuell in ganz Preußen) Ausgabestellen der Formulare(und eventuell Ausfüllung) zu errichten und solche durch Plakate an der Kadentür oder Schaufenster kenntlich zu machen. Geschäftsinhaber, welche im Interesse der guten Sache dazu bereit find, werden gebeten ihre Adressen einzusenden an Adelt Hoffmann, Berlin 0. 27, Blumen-Straße 14 I. Vor der Hand verweisen wir auf folgende Ausgabestellen: bei Bohne, Kopeuhagenerstr. IS, linker Seitenflügel I; Klsert, Grüner Weg 58 IV; JUntseh, Weidenweg 71; Raehhandlnng Vorwlirts, Lindenstr. 69; GewerkscEialts-Hnreaa, SC., Engel-Ufer 15; Volkshans Charl Ottenburg, Rosinenstr. 3; Parteispcilition Klxdorf, Prinz Handjerystr. 7; Karl Soholsr,, SO., Wrangeistr. 110, und in den Billettverkaufsstellen: Zigarrcngeschäfteu von W- Koerner, S., Ritterstr. 15; H. Robsien, S.. Koimnaiidaiitenstr. 62; G. iUenz, NW., WilhclmShavencrstr. 61; A. Rilller, Kremnienerstr. 3; H. Vogel, N., Demminerstr. 32, und H. Zieh in. N., Bernauerstr. 48; bei H. JPeege, O,, Riidcrsdorferstr. 48; M. Wemlt, NÖ., Greifswalderstr. 208; IV. Krause, N., Pappel-Allee 15/17; W. Schrollc, Landwehrstraße 3; in den Schankgcschäfte» von A. Kiebnrg. Adalbertstr. 86;?T. Rix, Skalitzerstr. 59; A. Wiede- niann, 0., Frankfurter Allee 47; O.Voigt, Koppenstr. 34; C. Rott, Straßmannstr. 29; C. Liindemann, Moritzstr. 9; R. Angnstin, Oranienstr. 103. Außerdem heute tu allen Protest-Versammlungen. Der Agitations-Ansschnst der Freireligiösen Gemeinde zu Berlin. Wahrheit und Reellität ist das Prinzip unseres Unternehmens. Wir haben von den größten und leistungsfähigsten Fabrikanten und Grossisten des In- und Auslandes Waren in Kommission, welche bei uns zu den nnglanblich billigsten Preisen zum Verkauf gelangen. 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Gin dreifaches Hoch! unserem Vcreinswirt und Ncndanten Hermann Kraatz zu seinem heutigen Wiegenfeste. •flÖT Sparverei»„Ebbe". iermit die traurige Nachricht, dasi mein lieber Mann, unser sorg- sanier Vater, der Dachdcckcr Wilhelm Juriseh infolge eines Sturzes vom Dache! am Donnerstag, den 18. Januar! verstorben ist. 2081b i Der Tag der Beerdigung wird j noch bekannt gemacht. Die trauernden Hinterbliebenen. Beutscber Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, datz der Kollege, Tischler AugusA Gätiig am 18. Januar verstorben ist. Ehre seinem Zlndenken k Die Beerdigung findet am Montagp den 22. Januar, nach- miitags 3'/. Uhr, von der Leichen- halle des Lüisen-Kirchhoss in Nix- darf, Hermannstratze, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 78/13 Die Ortsverwaltung. Zentral-ferliaiiil der Maurer DeiMaiitls. Zweig verein Berlin. Am 19. Januar verstarb unser i Mitglied Hermann Hagel im Alter von 47 Jahren ans Lnngcnleiden. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Montag, den 22. Januar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des neuen St. Johannis- Kirchhofs in Plötzensee ans statt. Rege Beteiligung wünscht 136/5 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme uild dieBlumenspcndcn an- lätzlich des HinscheidenS meines lieben Mannes Belnrlcb Hellmann sage ich allen Freunden, Bekannten lind Genossen, besonders den organi- siertcn Werkzeugmachern Berlins, den Genossen des 554. Bezirks des 6. B. R.-W.. den Mitgliedern deS Gesang- vercinS ,. Nordwacht", den Kollegen der Firnis F. F. A. Schulze, dem Deutsche» Metallarbeiter- Verbände, den Kollegen und Kolleginnen der A. E.- G., insbesondere denen vom Werkzeugbau Ackcrstrcktze, Saal I, Saal II, Kaltstanzerei, und Saal III meinen innigsten Dank. 2032b Die trauernde Vlltwe nebst Rindern. Keudümsteu. Blauer ober Giukhiiften der Kinder ist heilbar durch ReicM*„Cupressin" r60, � 85 Pf. Kristall Salz- und Pfefferstreuer 50, 75 pt Butterdosen, gepresst, klar weiss 25 Pf. Käseglocken, gepresst, klar weiss 33 Pf. Kuchenteller, gepresst, klar weiss 50 Pf- Kompotteller 5, 6, 8, 10 Pf. Kompottieren 8, 15, 20, 23, 35 pf. Panzer-Emaille braun abgetönt Wasserkessel 60, 70, 90 pf I10 Gaskochtöpfe 40, 55, 65, 80 pt Schmortöpfe 25, 35, 45, 55, 65 Pf. SchmOllÖpfe für Restaurateure 12 Ltr. I75 14 Ltr. 200 17 Ltr. 230 Maschinentöpfe 12, 15, 18, 24 vis 33 pf. f�udelpfannen 15, 20, 25, 35 bis 80 Pf. Bratpfannen 20, 25, 35 dt. 85 pf. Töpfe mit �usgnsa 20, 25, 32, 40 bis 75 Pf. Setzeierpfannen 30, 35, 40 bis 60«. Casserollen mit Ausrm 10, 12, 15, 20 ws 75 Pf. W i rtschafts- Arti kel Waschwannen Waschzober Wäscherollen Waschmaschinen Bügelbretter sauber bezogen Aermelbretter sauber bezogen Garderobenleisten Wachstuchtaschen 45 pi. Hosenstrecker 075 io50 1 250 875 HSV 1360 von 2500 bis 60°° statt 50,00 4250 250 295 50 pi 25 und 35 Pf. 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Daß der Applaus hier nicht als Gradmesser für die Stärke des unmittelbaren Ein. brück» zu nehmen war, zeigte sich schon nach dem ersten Aufzug, dem schwächsten, schlechthin wirkungslosen, der auch noch nicht die geringste Perspektive auf den»eiteren Gang der Dichtung erschloß, aber darum doch das Echo eines ungewöhnlich lauten und lang anhalten- den Klatschens weckte. In der Ehrung, die man dem neuen Werk bereitete, wollte man wohl für den berühmten Dichter, für die Ge- samtheit seines künstlerischen Schaffens demonstrieren. Achtungswert und sehr wohl begründet, wie diese Dankbarkeit ist. wird sie die un- befangene Wertung des Neuen darum nicht beirren dürfen. Ja gerade dann, wenn man aus Hauptmanns eigenem Schaffen den Maßstab nimmt, treten die schlimmen Unzulänglichkeiten des„Glas- hüttenmärchenS" mit um so krasserer Deutlichkeit hervor. Wie tiefsinnig war die Verschlingung von Märchenwelt und Wirklichkeit in seinem„Hannele", wie fügten sich die einzelnen Momente zu künstlerischer machtvoll ergreifender Einheit zusammenl Das klang nicht, wie die Wunder— reiche und wunderlich zerfahrene Pippa-Fabel am Schlüsse in ein Preislied auf die menschlichen Jammer ver- güldende Phantasie aus, man schaute diese Phantasie in ihrem lebendigen Wirken, wie sie mitten in das kahle Elend des Armen. Hauses den Himmel ihrer seligen Visionen auferbaut. Hier war Vollbringen, dort ist unsicheres Tasten. Und so unvergleichlich weit die„versunkene Glocke" hinter jenem wahrhaft genialen Wurfe zurücksteht, sie enthält doch, wie es der Titel schon ausspricht, ein der Einbildungskraft und der Erinnerung sich bedeutsam einprägen- des, das Ganze in sich zusammenfassendes Svmbol, während die Szenen, die von dem Schicksal der kleinen Pippa und ihres ver- träumten Liebsten berichten, in alle Winde zerflattern. Das Stoff- lichc des Märchens, das Hauptmann, sei es vom Volke übernommen oder selbst ersonnen hat, laust größtenteils ganz ohne innere orga- nische Beziehung neben dem Gedanken her. Bis zu dem letzten Akte tonnte kein Mensch erraten, nach welcher Richtung denn eigentlich der Weg gehen sollte. Realistisch hebt das Drama an. In einer verschneiten schle- fischen Gebirgsschenke sitzen Glashüttenarbeiter mit einem italienischen Kollegen beim Kartenspiel. Auch der Direktor ist er. schienen, er möchte Pippa, das schöne Kind des Italieners tanzen sehen. Der alte Huhn, ein ehemaliger Glasbläser, der außer seinem Waldmenschenaussehen gar nichts Geheimnisvolles hat, sich aber zu allgemeinem Ueberraschen später als Zauberdämon entpuppt, und ein verfrorener Handwerksbursch, der, kaum aufgetaut, lustig' von seinen hochfliegenden Plänen plaudert, kommen hinzu. Der sticht der Kleinen in die Augen, ihm zu Liebe tanzt sie; und der Wald- mensch akkompagniett mit täppischen Bewegungen. Der Italiener wird beim Falschspiel ertappt, er flieht, die anderen eilen hinter ihm her. Der verliebte Riese aber nutzt die Gelegenheit, packt das Mädchen auf die Schulter und jagt mit seinem Raub davon. In dem verfallenen Bau, wohin er sie geschleppt, wird sie von dem windigen Handtverksburschen entdeckt. Er hofft dort einen Unterschlupf zu finden und vergnügt sich zuerst in einem langen Selbstgespräche. Ganz unvermittelt schlägt hier der Stil ins Märchenhafte um. Micbel erzählt von Wunderdingen, die er in seinem Ränzel mit sich führt, indeß sein größter Stolz ist eine Okarina, ein unscheinbares Instrument, zu dessen Klängen Pippa tanzte. Für den letzten Taler hat er es in der Schenke erstanden. Er bläst, und Pippa, bei dem Ton aus ihrem Schlaf erwachend, steht plötzlich leibhaft vor ihm. Diese Szene, wie Michel den Verstand zu verlieren glaubt, ohne sich viel darüber zu härmen, dann durch den Kuß des Mädchens von der Wirklichkeit des Traumbildes überzeugt wird und nun entzückt vor Pippa seine Schätz« rühmt und sie beredet, mit ihm zusammen nach dem Süden zu ziehen, zu der sonnenbeglänzten marmornen Lagunenstadt, ist von liebenswürdigem Humor und frischem Farben- reiz. Michel Hellriegels Phantasien gemahnen in ihrem unge. stümen Lauf an des Jbsenschen„Peer Gynt" schwungvoll großartige Lügenkunst. Wieder ändert sich der Schauplatz, man sieht ein mit Fernröhren, Pergamenten. Schiffsmodellen seltsam ausstaffiertes Zimmer, in welchem Wann, eine„mythische Persönlichkeit" wie der Theater- zettel voraus verkündet, haust— ein mild denkender Forscher, der mit dem Teleskop Himmel und Erde durchspäht und in der Fülle seiner Weisheit sich auch aufs Wundertun versteht. Dem Direktor, der ihm seine Liebesqual um die verschwundene Pippa vorklagt, ver- spricht er Seelcnheilung. Er klatscht in die Hände, und sofort stürzt das Mädchen zur Tür herein, Hülfe rufend für ihren lieben Gesellen, den der Frost auf der Straße gelähmt hat. Der Rettungs- dienst, den der Direktor dem Erstarrten leistet, macht ihn selbst mit einem Schlage gesund. Michel aber, sobald er wieder zu sich ge- kommen, will mit dem Mädchen abermals im Sturm und Wetter dem großen Reiseziel entgegen. Wann hält die beiden zurück. Was Michel nie erreichen wird, die Wunderstadt, läßt er, dem Burschen eines seiner Zauberschiffchen in die Hände gebend, im Geiste sehen. Pippas verklärte Lieblichkeit schmeichelt sich in die Seele des Greises, ruft längst entschwundene Gefühle wach. Doch er überwindet sich und, ein treuer Wächter, streckt er den Waldmcnschen. der die ent- rissene Beute zurückholen will, durch Zauberkraft zu Boden. Die Kleine hat Mitleid mit den Schmerzen des Verfolgers. Lindernd legt sie die Hand auf seine Stirn, und der neidische Unhold lohnt ihr, indem er sie zu wildem, tödlichem Tanze lockt. Er habe, rühmt er von sich, ihr gläsernes Seelchen, das unbezwinglich lockende, im Glasofen geschaffen, er dürfe sein Gebild zerstören. Michel er- blindet, doch in um so klarerer Herrlichkeit wird die Stadt seiner Sehnsucht, wird Pippas leichte, erdentrückte Schönheit vor ihm schweben! Mit diesem Segensspruch entläßt ihn der Greis. Die Lobpreisung der Phantasie verliert sich so in ganz willkürliche Phantastik und. was der Dichter sonst etwa noch an Ideen hat ver- körpern wollen, geht in dem ungeordneten Wirrwarr der Begeben- hciten rettungslos verloren. Es würde nicht die Mühe lohnen, sich da aus Auslegungsversuche einzulassen, so vag, so leer oder, je nach- dem, auch so vieldeutig ist alles. Glänzend war Willy Grunwald in der Rolle des ver- träumten, unverwüstlich hoffnungsvollen Handwerksburschen, eine echte rechte Märchenfigur, voll eckiger Komik. Auch Fräulein Ida O r l o f f als kleine Pippa traf ganz vorzüglich diesen Märchenton. P a t r y spielte den Direktor, R i t t n e r den alten Huhn, Pracht- volle Momente hatte Sauer, der die Mystik der„mythischen Persönlichkeit" durch seine warme, tiefe Herzlichkeit belebte.—«lt. (SlocKeti- Spielplan der Berliner Cbeater. Opernhaus. Sonntag: Der Wildschütz Montag: Tannhäuser.(An- sang 7 Uhr.) Dienstag: Don Juan. Mittwoch: Der schwarze Domino. Donnerstag: Cosi fan tuttc. Freitag: Der Evangelimann. Sonnabend: Der lange Kerl. Mnsang 8 Uhr.) Sonntag: Die Zauberflöte: Montag: Der lange Kerl Slawische Brautwerbung. Schauspielhaus. Sonntag: Wilhelm Tell. Montag: Nathan der Weise. Dienstag: Das große Licht. Mittwoch: Der Schwur der Treue. Donnerstag: Götz von Berlichingen.(Ansang 7 Uhr.) Freitag: Gold- sische. Sonnabend: Prinz Friedrich von Homburg. Sonntag: Der Schwur der Treue. Montag: Die Journalisten. Neues Königl. Operntheater. Sonntag: Margarete. Montag bis Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Torquato Tasso. Montag: Ge- schlössen. Lesfing-Theater. Sonntag: Und Pippa tanzt. Nachmittag 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Montag: Die Weber. Dienstag: Und Pippa tanzt. Mittwoch: Stein unter Steinen. Donnerstag: Und Pippa tanzt. Freitag: Nora. Sonnabend: Und Pippa tanzt. Sonntag: Und Pippa tanzt. Nachmittag 3 Uhr: Traumulus. Montag: Elga. Deutsches Theater. Sonntag bis Dienstag: Der Kaufmann von Venedig. Mittwoch: DaS Käthchen von Heilbronn. Donnerstag bi» Sonntag: Der Kaujmann von Venedig. Montag: Das Käthchen von Heilbronn. Schiller- Theater O.(Wallner< Theater.) Sonntag: Ueber unsere Krast. Nachmittag 3 Uhr: Nora. Montag: Zapsenstreich. Dienstag: Ueber unsere Krast. Mittwoch und Donnerstag: Königsglaube. Freitag: Cypttenne. Sonnabend: Königsglaube. Sonntag: Flachsmann als Er» ziehcr.'Nachmittag 3 Uhr: Nora. Montag: Cvprienne. Schiller-Theater kV.(Friedttch-Wilhelmstädttsches Theater.) Sonntag: Chpricnne. Nachmittag 3 Uhr: Crainquebille. Montag: Cyprienne. Dienstag: Hans. Mittwoch: Cypttenne. Donnerstag: Die Logenbrüder. Freitag: Ueber unsere Krast. Sonnabend: Cypttenne. Sonntag: Ueber unsere Kraft. Nachmittag 3 Uhr: Crainquebille. Montag: Zapsenstreich. Berliner Theater. Sonntag: Der Widerspenstigen Zähmung. Nachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Montag bis Mittwoch: Der Wider- spcnstigen Zähmung. Donnerslag: Kean. Freitag: Wilhelm Tell. Sonn- abend: Kean. Sonntag: Der Widettpenstigen Zähmung. Nachmittag 2>/, Uhr: Die Jungsrau von Orleans. Montag: Unbestimmt Kleines Theater. Sonntag: Hidalla. Nachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Ghetto. Dienstag: Hidalla. Mittwoch: Nachtasyl. Donnerstag: Kinder der Sonne.(Ansang 7Y. Uhr.) Freitag bis Sonntag: Kinder der Sonne. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Unbestimmt. Lustspielhaus. Sonntag: Der Weg zur Hölle. Nachmittag 3 Uhr: In Behandlung. Montag bis Sonntag: Der Weg zur Hölle. Sonntag» nachmittag 3 Uhr: Jugend. Montag: Der Weg zur Hölle. Neues Theater. Sonntag und Montag: Ein Sommernachtstraum. Dienstag: Liebesleute. Mittwoch und Donnerstag: Ein Sommernachts- träum. Freitag: Liebesleute. Sonnabend bis Montag: Ein Sommer» nachtstraum. Luisen-Theater. Sonntag: Pension Schöller: Nachmittag 3 Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor. Montag: Der Störenstted. Die Dienst- boten. Dienstag: Pension Schöller. MUtwoch: Die luftigen Weiber von Windsor. Donnerstaq: Der Verschwender. Freitag: Matta Stuart. Sonnabend: Der Kaufmann von Venedig. Sonntag. Der Verschwender. Nachmittag 3 Uhr: Pension Schöller. Montag: Di- lustigen Weiber von Windsor. Komische Oper. Sonntag: Der Corregidor. Nachmittag 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Montag: HoffmannS Erzählungen. Dienstag: Die Bohsme. Mttwoch: Der Corregidor. Donnerstag und Freitag: Hoffmanns Erzählungen. Sonnabend: Die Bohöme. Sonntag: HoffmannS Erzählungen. Nachmittag 3 Uhr: Der Corregidor. Montag: Hossmanns Erzählungen. Theater deS Westens. Sonntag: Die Schützenliesel. Nach» mittag 3 Uhr: Undine. Moniag: Die Schützenliesel. Dienstag: Jsaoora Duncan.(Ansang 8 Ubr.) Mittwoch: Undine. Nachmittag 3 Uhr: Der Kurprinz von Brandenburg. Donnerstag: Herr der Hann. Freitag: Die Zauberstöte. Sonnabend und Sonntag: Die Schützenliesel. Sonntag» nachmittag 3 Uhr: Zar und Zimmermann. Montag: Die Schützenl>ejei. Trianon-Theater. Sonntag: Di» Wettersahne. Nachmittag 3 Uhr: Die herbe Frucht. Montag bis Sonnabend: Die Wettersahne. Sonntag: Die Wetterfahne. Nachmittag 3 Uhr: Di« herbe Frucht. Montag: Die Wetterfahne. Residenz-Theater. Sonntag: Der Prinzgemahl. Nachm. 3 Uhr: Der Schlaswagenkontrolleur. Montag und folgende Tage: Der Prinz» gemabl. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Hertulespillen. Carl Weist- Theater. Sonntag und folgende Tage: Die lebende Brücke aus Kuba.' Sonnabend, den 27., nachmittags t Uhr: Der gestieselte Kater. Zentral- Theater. Sonntag: Die Fledermaus.(Anfang 7'/2 Uhr.) Nachmittag 3 Uhr: Die Geisha. Montag: Die Puppe. Dienstag: Der Vogelhändler. Mittwoch: Die Glocken von Cornevill«. Donnerstag: Bender Sttaubingcr. Freitag: DaS süße Mädel. Sonnabend: Die Flcdcr- maus. Nachmittag 4 Uhr: Prinzeßchen Goldttaut. Sonntag: Der Zigeuner- bnron.(Ansang 7-/- Uhr.) Rachmittag 3 Uhr: DaS süße Mädel. Montag: Bruder Staubinger. Thalia-Theater. Allabendlich: Bi« früh um Fünfe. Sonntag» nachmittag 3 Uhr: Charicys Tante. Sonnabend, den 26., nachmittags 4 Uhr: Hansel und Grete!. Sonntag, den 27., nachmittags 3'/, Uhr: CharleyS Tante. � Deutsch-Amerikanisches Theater. Sonntag und solgende Tage: Er und Ich. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Uebeiin großen Teich. Sonntag, den 27., nachmittags 3 Uhr: Uebcr'n großen Teich. Walhalla-Theater. Sonntag und solgende Tage: Nach Afrika, nach Kamerun. Llnsang 8 Uhr. Gasino-Theater. Allabendlich: Die goldene Brücke. Sonntag- nachiniltag 4 Uhr: DaS Opferlamm. Sonntag, den 28., nachmittag» 4 Uhr: DaS Opferlamm. Apollo-Tbeater. Allabendlich: Prinzeß Rosine. Spezialitäte». Sonn» tagnachmittag 3 Uhr: Berliner Luft. Spezialitäten. Sonntag, den 28., tiachmiiiags 3 Uhr: Berliner Luft. Spezialitäten. Passage-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Gebr. Herrnfeld- Theater. Allabendlich: Der Familientag im Hause Prellstein. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen- Theater. Stctttner Sänger. Belle- Alliance» Theater. Allabendlich 3 Uhr: Der grüne Teusel. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der grüne Teusel. Spezialitäten,«onntag, den 28., nachmittags 3 Uhr: Der grüne Teusel. Spezialitäten. Folie« Caprice. Allabendlich: Der Boheme. Nach dem Zapfen» streich. ltranta-Theater. Am Golf von Neapel. Sonnabend bis Montag Taubenftraße 48/43. Sonntag bis Donnerstag: Freitag: Alpen- und Wüstenfahrten im Ballon. ; Am Golf von Neapel. Anfang 8 Uhr. W«»«»r,i»gsiibrrlilht vom 80. Januar 1906. morgen»» Uhr« Stationen £E ~ E h c a S?Ä B 2 8t Setter Frankf a M. 77I WIW j München!7K3W Wien|766 MB tfS» S» Im Stationen °s c 5 S>~ I« Swtnemde. 764 NW 3haw bd. 1 Havaranda> 752 N L lvotkenl—14 Hamburg 767 W 2 heiter t Petersburg 74t NNW 1 bedeckt— t Berlin 765 WNW 2 bedeckt 2 Scilly 779 NNO 3 heiter 7 2wolkig 2 Aberdeen 769 WSW 2bedcckt 4 2 bedeck»-1 Paris 774 N 4 bedeckt 3 2 bedeckt 2 Wetter-Prognose für Sonntag, den 2). Januar 1906. Zunächst kälter, vielsach heiter bei mäßigen nordwestlichen Winden z später wieder etwas Erwärmung mit zunehmender Bewölkung ohne erheb« iiche Niederschläge. Berliner Wetter du reau. Vetter » M« ti% S II w& ftleine /inzeigen, W au IS Buc/istaben zählen doppelt JB V Strasse 6 a_ ßlr die aichsim Anzeigen Nummer werdet. den Annahmestellen für Berlin >tsl bist Uhr. für die Vororte bis HUbr, der Hauptejcpeäitlon Linden Strasse 69 bis S Ubr angenommen. lehrt» werden jM Berlin fr. Jii. 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K'-Zj fr-S 5 rri C fr ..«2« t- KS toE ®2 TO« J5 ja o Ä2 Hfr- T.'«- »2 gfc G so- k-x a s*? i® := s. �41 CTO DC S5 �3o_ fr 2 2a' Se-sI�K ;,E»■o2£-"r • 2 3 � 0� 2*i ' COS E. c 2- L EEN a fr!« 3!- " CO-- K E»- 3 TO.2-32 " P frr 3 E■ E 71. p Q O* G ZOK®«® Z®".N ci � TO« W A�A ZAZ/ TO 3-2 W 2» es" e® th eo 2fr'" ioc'E to q TO--3« JS •gg OTO? 2AK g 5- v ;G*2 G e s S -fr. E E!© Q B � ö w ä ir**5! g-s t> TO SS5 22. frfi s t-o 2= © 2 r-- E TO B; a E£. a" ZZ* E5>> O TO K , 2�5® p.' 3 | fr-. c -2 Cä 3 .XSEO- C O o to E i®®s;- «-» «j» tk TO « B --r ja 00 TO TO � S TO -s p ® « 'S -O © is X 'S © - to fr--- E X41 fras�TO fr 4* i© � 4ZZ K, -TO � -T B. .TO� �Zfr '-Z2 EZ- A Z= «�©g S? MX s�i c? -2. � kO Jj G, P MH g52 I�S, s fa? ss MB K 50 P-u— 3- B 2 &- fa"Z *» o 0*3*0' Gfe-Ö G, » 6- B- P PS 6' ' itä -N TO 5 N hl s§2 §1" O» E£ ©2 ©Er |=s Ss »t Bö es � -r p V MX ca 0 «l' ö I e o c/J o Oi o p MO �ig- c G5 C MX P Ä O es gg-o 'A g Z! s §f"l ".�G.-L >p NN B P � o .= o t: Kss mx S--r Ss frf'fl . Z.E Z» � to a*5700 5® 23s>. •SS p"2f- • 2:« to„ '•-3"H>2 2*a °«Z®®.2 WNiSS 2='TO Vo E gZK th*�2 ko �"�7� iL. L�D - G �6? e MX P O P i S s» G G O öv «a s 22� er 2 r. o"0» c» 22 © BWjo •Z2— 3 2ZZ2 3 CD SZo§ " fr>0- q G(2/ 37' M O iP-MX G P ..Ii 2 ä 2 55 L.»ZA 3 ««CO-2.«-= Ig •Öü g 3-- <&! K01- Ol© 5 F' :sc MX*»Ü .-£.TOL»*?NZ §as|K.3 • g 2=> j?w> iSS5®iÄ iS IfA £»2! O G G � f-stä. �«5 2 WP P to C- Etüfri fr-fr k5�t— OJ kG C-P "�D'Z-G.P 5 | 5 to-�Sö o H"P g NAo ��GG-p Ä *lua-; t&|e| © 1 S w «.2 o S R,»? � � � S3 J2» 55� P B*££ä >») ft«a» � »— � W O:■■•■ 2 ?o © e ? W .- p s B » « & « D q ® JR o � V* § y cs. S= d» re 5 = 9B e■* 2 i- 5 S —» Z S. � I K � Ä K G K =«2.(5)? 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O t•• L c< ä3 CS e» C o'�7 o J2»c3 G" S ZZ2.K 0 � §?- N=p CC CT-.O OG's Ä isonn c -«g�s? g2?a a2 2i3 ?57'7- ra®1 ■CT � � c J2, CT rr C Ö. C « (??* CO «CT O' g V 5?= p' SS s & p s•a GS ®£ tl § O. SP Z? Z Iii » 3! 3 «z » 3 g Ä 3.sr 5 D J3i sgg 0 TO SV CS" i 5 3® ® s p B 3 I? I« n 3 52- © � sj s B P © 3 w K N Ä 5 «£ 3 x £•« • p ® « p ü? I -« Sl 9? 3" sag» " 3 O! ■65 P«-i n. 3-»'> Z s: pr -£ 53 e.® w 2. w-■ 3 TO«. ' ho c £3 CT i" o: a 3 3» ßl s 3 » o 69 ©: »«. N e «?'. ■ �. 2 03 s s• © TO � 3 t» «'KZ � r: 3 � ct* s L S- »Ks. ? g•* of 5- SB s P B SB S. © 3 es t3 s gs©§©«@gs© NN y ALZ K<3?-K y A ZNNgZ sy s TO ö-Ctoto. TO TO TO. 3 ö 3:_»a to' TO' q TO. ? re s-irs g- TO s--? 58 2 y y 3 g) � y-- /I-,SS°->»Q 3'-■ TO n Koto •es y PS §■ w k-© M» © ili©. 3 J3.TO•, SS 2»f a'So■ N a CT ög* gl®" 2.,K| sKM-K f 2 2- 58 P. CT C /S>P CT—' o C C3 � c 03 � Z-KZ3 TO. TO©g � - c � S W CT CO II Sa 5 2"■ C 3? 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XX-—TO. co �'«? TO 2. 5 af -K-ff ZK —.—. to- CP �nC C r© P-CT o CT> s-» n£5 � -f c, s C,»5. �«-x»>i; er R|"«■§•»« -3 sa c a IcoPr«?2 2 ff * �Rg«63 SfRR r«« -3'' O M- CT • dS 00 mc# P o S�c?(s) B*' B to-- Ce 3 � «99Er# — C P d rs to—«-r rs 3. 3' 3 C. o. a. 2 3 3 ff 3 TO ©SCRSgÖ 2 a 3 ff" to a„ff a" a S Aa.S2 3="ff ff! ff 2toO«to«icS2.<22S� r-i r-, ri—» CT CT r-i sfT*; ,«"• Cöff«3.««'S ,-.«0 .«S S a-3? KR?ff ?Sx" 4� r--. � 3 5�� P 3 � � TO- ßZR " LZ ff ff»' 3 68 a"\ �3 DC» [8 d«ö«)2?Z. --- r1 a-• iaei -.«Rff ff-TO£ _ TO ff_!- ff TO TO <8>' 3 T." 2®.- Co- i« Hff-wS s ff. 3 Irü' � gs p »■» s 3" ? 68 ff?®' -« n, TO* 2 bS-2, cp= S +; iÜ 2» 3' ff i « •a ©H 882 -AR ?A Äff xL y s «S 6S <» o » d gg©gl N©Vff)p S SSSS 2«'— R" S8-ct— c.to g) a CO 333« gffglaoRSff-ee'g 3�333° K a TO. TO-ff 3-5.2-2 a ff TO.-c TO TO TO ff 5KfS2�2 �3 S TO TO TO TO 3 � a-p 2 3.Z 3.S-«S3-S . Cd'-P�GkCT�oC felSPfll�t�llfl ffä f SG g�g�gg" �S-RR g)."« f1 j�S-.ffiffcroaJo g|«B;igi|K2«; «?S CT-CT o p G" o b? O: � P "-RffPwS-gg) P®-!? o< sAKZ'KpIZ© S-äS®§,Eg)Ss ~ Rö■'S 3- Q gS«2 ZZaKx- ? 0?• 3' i&Sg) "5.TO B ; ff! äff- s* p o 2 A CT te . Ö)3 P: «-! 3 CT- o�CT vg K 2 2.�2 5. Ii;« 1" TO« KZ� 3 TO S « s OJ K a O « s a s SKKK«f «2" S«?K2 TO A 58' 2-2 P �«-r*-{»£3S d- 55- xy CT C ri CS?® 2 2. sa �2.« SSSS. T P'ffi « TO � 2. TO » o a? a a ja a 3« 2-3. O'vQ* o � CT «"d? CT � � är TZ.sSTKp© Ä Äo�o•©- �??3Fc» ■ffp « R.» 2 p|tR-3 - ff.« s «K§ « 2 /ö)3, ff a-s" ■x"H>!S W g, CO S B © ts* ® s SB « B" e: « « B SB « B- « SS t x « B ®o S' « 3 ff A ps, CroS*< VP«0 I P CT- »®B »p® SiB SZ 0i «> 3 ff e> a «? S ©gl >-.s ©s 3>_, -"63 2 l-Z-N.«« Stil 9? S si TO* , ö A 60 3 O S£ t-B A H S1 g C* M .«"3 B a"® <§«3 «« Jt �_ K• a— c• ?B Ky I�B -2.» - B 3 A7B s-i» 2-2 2«.b- Ä5.£.#=■»£ s. ® ««.8 »? f4, |s B es». 3 f? r* sb «8 E® lg I? R'■ a" 2, 5 ®?>"UZ s1 ä=-® 5® H ff" !?«= ä■. 3 a o• 5 � B 63 SS » R Ol® ® S a x «? TO 2. 3 T 8« s- |ö||.: _. g© 2.-TO c-Ä, — A TO TO TO sg---- �g ff �■ oSito 2 SS orc iffTO ' 3 a- TO ff;— -. rt TO ff>•> 63- TO OB - 00 a®* ff g 00 S1 s ÖEff"Fs: CT' � 5 a g-K-.�'V-C-v g -l�CP � ■�S 2 2. ' Z 5:a< p• CT y- s» »® p:• ts tf N r (9) -tr p P P S R ® TO* Z « & »< M> « B" » ©• A K SS « te !• P" vs r* o ct'o? JA Redaktion und Expedition: Berlin, Cindcnltr. 69, fernlprecfier flml I?. 1983. j Nr. 17. Sonntag, den AI. Januar Z.906.| Inserate Sechsgelpaltene Kolonelzelle 20 Pfg. Bei größeren RuItrSgen entipredienden Rabatt. Partei Angelegenheiten. Die Lokal-Liste für Berlin und Umgegend Ist neu herausgegeben und der heutigen Nummer unseres Blattes beigefügt worden. Bei der Wichtigkeit der Lokalfrage erwächst den Parteigenossen die dringende Pflicht, die Lokal- Liste streng z>,u beachten. Den Saalabtreibereien und Verweigerungen gegenüber, die in Berlin teilweise noch versteckt, in den Vororten dagegen offen betrieben werden, bleibt uns kein anderes Mittel übrig als die Lokalfpcrrc; und diese dort, wo nötig, durchzuführen, muh das Bestreben aller Parteigenossen sein. Arbeiter, Partei» genossen, Gewerkschaften, Gesangvereine w., besucht daher bei Ausflügen. Vergnügungen ze. nur solche Lokalitäten, welche auf der Liste verzeichnet stehen I Vor allen Dingen erwächst aber den Vorständen von Arbeitervereinen die Pflicht, beim Abschluß von Festlichkeiten und Partien auf das strengste die neue Lokalliste zu beachten. Die Vorstände wollen in solchen Fällen auch darauf sehen, daß in den Verträgen mit den Wirten eine Klausel Platz findet, wonach für den Fall, daß das Lokal für Arbeiter- Versammlungen später verweigert werden sollte, der Vertrag seine Gültigkeit verliert. Verschiedene Vorkommnisse der letzten Zeit lassen eine Bestimmung dieser Art dringend ratsam erscheinen. Ebenso ist es Pflicht der Vorstände und Komitees, dafür nach Möglichkeit zu sorgen, daß bei Mehrbedarf an Bedienungspersonal der Stellennachweis des„Verbandes deutscher Gast- wirts-Gehülfen" fOrtsverwalrung Berlin), Dircksenstr. gg I, Telephon Amt 3 1813, Berücksichtigung findet. Tut ein jeder seine Pflicht, so kann der Erfolg nicht ausbleiben. Lokale, die keine Säle haben, sind frei. Die Parteigenossen werden bei Gelegenheit von Ausflügen darauf aufmerksam gemacht, daß die Lokalliste bei allen Mitgliedern der Lokalkommission jederzeit zu haben ist. _ Die Lokalkommission. Zur Lokalliste! Die Zentral-Äranken-undSterbe- Kasse der deutschen Wagenbauer, Bezirk IS, hält am Sonnabend, den 27. d. Mts. eine Ouartalsversammlung mit an- schließendem Tanzkränzchen im Lokal Rothacker, J»h. Wiv. Bein, Teltowerstr. 1—2, ab. Da das genannte Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht, sind alle dort arrangierten Veranstaltungen streng zu meiden. In H o h e n b i n d e, Station Erkner, steht das Lokal Haide- fchlößchen zuin Gutenberg, Jnh. A. Lehmann, der Arbeiterschaft zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Die Lokalkommission. Charlottenburg. Der 7. Bezirk des sozialdemokratischen Wahl- Vereins Charlottenburg veranstaltet heute Sonntag ein Bezirksvergnügen. Der Ueberschuß wird den rnssischen Freiheitskämpfern überwiesen. Es ladet ein Das Komitee. Friedenau. Die Wählerlisten liegen heute und am n ä ch st e n Sonntag von 9— 12 Uhr vormittags zur Einsicht aus. Ueber- zeuge sich jeder, ob er eingetragen ist! Zehlcudorf. Die Parteigenossen und ihre Frauen werden noch- malS aus die heute mittag 12 Uhr stattfindende Protestversammlung bei B. Mickley, Potsdamerstr 25, hingewiesen. Pünktliches Erscheinen ist absolut notiveudig. Die Genossen werden ersucht, sich den An- ordmnigen der durch rote Annbinden kenntlich gemachten Ordner unbedingt zu fügen. Ferner wird darauf hingewiesen, daß ein jeder Gemeindewahl- berechtigte die Wählerliste einsehen muß. Sie liegt aus vom 15. bis 39. Januar an den Wochentagen von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags im Gemeindebureau. Hauplstraße. Wer nicht in der Lage ist, selbst die Liste einzusehen, der wende sich a» folgende Genossen, die sich bereit erklärt haben, sich dieser Mühe zu unterziehen: I. RucliuS, Teltowerstr. 2(Konsumladen), O. Jäckel, FlenSbnrgerstr. 1, Herrn Schulz. Wilhelinstr. 30, Max Hecking, Rondelstr. 1, Ed. Schcler, Schillerstraße(Villa Rausch). Zoffeir> Unsere WahlvereinSvcrsamnilnng findet am Mittwoch, den 24. Januar, abends 8 Uhr, im Restaurant„Znr Flora" statt. »Der wichtige» Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Ge- Nossen, zu erscheinen._ Vorort- f4achr ichtcn. Charlottenburg. Ei» Unglücksfall, der auf den vorgestern herrschenden starken Sturm zurückzuführen ist. ereignete sich Freitag vormittag gegen 9 Uhr auf dem Güterbahnhof Westend. Dort waren inehrere Arbeiter der Mörtelwerke von Alfred Weidner in der Englischen Straße mit dem Ausladen der eingetroffenen Lowrics beschäftigt. Dabei öffnete sich infolge des Sturmes der schwere eiserne Deckel einer Loivry und schlug in demselben Augenblick ivieder zu. Der 44jährige Arbeiter Paul Lenzki aus der Englitchen Straße 24 erhielt dabei von dem Deckel einen derartigen Schlag, daß er eine schwere Onctschung des rechten Daumens davontrug und zur Erde stürzend sich eine eebeblichc Verletzung der Schtiller und der Rippe» zuzog. Der Verunglückte wurde sofort nach oem Bürgerhospital in der Sophie Charlottestraße gebracht, wo er den ersten Verband erhielt. Da er dem Mai er dortigen Aerzte, sich in ein Krankenhaus zu be- geben, nicht folgte, so sah er sich am Nachmittag, als eine Ver- schlimme« ung eintrat, gezwungen, die Unfallstation in der Hertz- straße aufzusuchen. Zu der am Montag, den 22. Januar, stattfindenden Flugblatt- Verbreitung zu den kommenden GrioerbegcrichtSninhlen ersuchen wir hiermit die Parteigenossen sowie sämtliche g e w e r k s ch a f t- I i ch orgaliisie r�t e n Arbeiter, sich am genannten Tage. abends 7'/., Uhr, in folgenden Bezirkslokalen einzufinden: 1. Bezirk: F. Pansche," Potsdamerstr. 44. 2. Bezirk: a> H. Bade, Nehring- slraße 25; b) A. Müller, Kant- und Windschcidstr-Ecke. 3. Bezirk: a> E. Müller, Rofinenstr. 3; b) E. Kai, Osnabrückerstr. 4; o) F. Lindstedt, EraSmuSstr. 5. 4. Bezirk: E. Dörre, Wallstr. 90. 5 Bezirk: A. Bartsch, Sescnheimerstr. 11. 6. Bezirk: Mertens, K unnnestr. 40. 7. B zirk: A. Graffunder, Wielandstr. 4; 8. Bezirk: W. CampowSki. Kleisistr. 15. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen erwartet Der Ausschuß der Charlottenburger Gewerks�af"skom Mission. Freie Volksbühne Charlottcnburg. Die nächste Vorstellung des Vereins findet am Donnerstag, den 25. Januar, abends 8'/z Uhr, im Volkshause, Rosinenstraße 3, statt. Zur Aufführung gesangt: „W i n t e r s ch l a f" Drama von Max Dreher, Für diese Vor- stellung gültige Neuanmeldungen müssen bis Montag, den 22., bei einer der Zahlstellen des Vereins bewirkt werden. Heute nachmittag 6 Uhr fand in einem Keller des Volks- Hauses, Rosinen st ratze 3, eine Gasexplosion statt. Zwei Hausdiener, Karl Amort und Robert Mischke, 25 Jahre alt, gingen aus einem erleuchteten Keller in einen dunklen, der nebenan lag, um einen heruntergefallenen Gashahn zu suchen. In dem Augenblick entzündete der Hausdiener Karl Amort ein Streichholz. Das GaS war jedoch zu sehr ausgeströmt und es erfolgte daraufhin die Explosion. Die Krllerfenster wurden zertrümmert. Der Haus- diener iwrl Amort wurde leicht im Gesicht verwundet, während der Mischke, der sich längere Zeit am Gashahn zu schaffen gemacht hatte. Brandwunden im Gesicht und an den Armen davontrug. Die Vor- letzten erhielten auf der Unfallstation in der Hertzstratze die erste Hülfe. 3iixdorf. Eine große Einbrecherbande hat in der gestrigen Nacht dem In- haber des Restaurants„Zur schönen Aussicht", Canner Chaussee 157/158, in Nixdorf einen Besuch abgestattet. Als der Besitzer gestern inorgen gegen zwei Uhr heimkehrte, vernahm er in der Vorhalle seines Lokals ein verdächtiges Poltern, was ihn veranlaßte, aus einem Revolver einen Alarmschuß abzugeben. Gemeinsam mit dem herbeieilenden Hauspersonal suchte nun der Gasttvirt das ganze Etablissement ab, doch war es den Einbrechern inzwischen gelungen, mit ihrer Beute -u entkommen. Sie hatten das Gastzimmer fast vollständig aus- geraubt. Erhebliche Vorräte an Lebensmitteln, Zigarren usw. hatten die dreisten Burschen in Säcke gepackt und einen derselben infolge des störenden Schreckschuffes zurückgelassen. Die Wachhunde hatten die Einbrecher vorher beseitigt, um ungestört„arbeiten" zu können. Pankow. Am Montag, den 15. d. Mts., fand eine öffentliche Versammlung im Lokale des Genossen Lange, Kaiser Friedrichstraße, statt. Genosse Kotzke-Berlin referierte über„Gemeindepolitik". Er kennzeichnete das Dreiklassenwahlrecht zu den Gemeindevertretungen und das Ver- halten der bürgerlichen Parteien, besonders der Freisinnigen. Er wies nach, wie dringend notwendig es ist, für die Wahl von Arbeiter- Vertretern zu wirken. In der Diskussion belegte Genosse Freiwaldt die Ausführungen des Referenten durch Vorgänge ans der hiesigen Gemeindevertretung. Wes Geistes Kinder die bürgerlichen Vertreter sind, beweise ihre reaktionäre Stellung zur Volks schule, zur Wohnungsfrage, zu Volksbädern usw. Die dritte Wählerklasse müsse, wenn wir über genügend Hausbesitzer verfügen, nur Sozialdemo- kraten in das Ortsparlament schicken. Der Vorsitzende machte auf die Auslegung der Wählerlisten aufmerksam, und Genosse Freiwaldt forderte die Anwesenden zu reger Teilnahme an der Protest- Versammlung am 21. im„Kurfürsten" auf. Ober- Schöneweide. Am Mittwoch, den 17. Januar, tagte bei Kaufhold eine gut be- suchte Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins. Genosse Hildebrand Hie0 einen Vortrag über Preußens Vergangen- heit. In großen Zügen schilderte der Referent die Reaktion unter Friedrich Wilhelm IV. und dessen Nachfolgern und wies nach, daß das Bürgc-tum noch niemals etwas für die arbeitende Bevölkerung getan habe. In der Diskussion war Genosse Petzier bezüglich einiger Ausführungen des Referenten anderer Meinung. Da die Zeit aber vorgeschritten war und die Diskussion eine ausgedehnte werden kann, so wurde dieselbe bis zur nächsten Mitgliederversamm- lung vertagt. Unter Vereinsangelegenheiten gab der Kassierer den Kassenbericht. Da das Lesebedürfnis der Genossen ein sehr reges ist, wurden auf Antrag 100 M. der Bibliothekskoinmission zur Neu- anschaffung von Büchern überwiesen. Zum Schlutz forderte Genosse Walter auf, für recht guten Besuch der am 21. Januar in Wilholrninenhof stattfindenden Versammlung Sorge zu tragen. Jeder Provokation, von welcher Seite sie auch kommen möge, solle Ruhe und Besonnenheit entgegengesetzt werden. Die diesjährige Gemeindewahl bringt wesentliche Verschiebungen in der Zusammensetzung der Wählerklassen mit sich. Während bei der letzten Wahl im Vorjahre z. B. in der zweiten Klasse 68 Wähler vorhanden waren, sind es jetzt 200. Die e r st e Klasse zählt 2 Wähler(die A. E.-G. und B. E.-W.), die dritte Klasse 2700 Wähler. Die Gesamtsteucrsumme, welche der Klassenberechnung zugrunde liegt, beträgt 530 249 M., gegen 325 143 M. im Vorjahre. In der zweiten Klasse wählt noch, wer 217,20 M. Gesamtsteuer zahlt. Auch findet zum ersten Male die Wahl inzweiBezirken statt. Der erste Bezirk umfaßt die Tabbert-, Siemens-, Nalepa-, Deul-, Watt-, Ohm-, Reuleaux-, H e l m h o l tz- und Edison st ratze, der zweite Bezirk die Frischen-, Laufener-, Marien-, Luisen-, Mathilden-, Klara-, Rathenau- und W i l h e l- minenhofstratze und den Ortsteil Ostend.— Im ersten Bezirk steht ein Unansässiger zur Wahl für Genossen Grunow, welcher ausscheidet. Der zweite Bezirk hat anläßlich der Vermehrung der Zahl der Vertreter auf zwölf für die dritte Klasse einen An- sässigen zu wählen. Dank der rigorosen Bestimmungen der Land- gemeindeordnung wird die Vermehrung für die dritte Klasse keinen Vorteil— in betreff Wahl eines Unansässigen— bringen. Sache der neuen Vertretung müßte es sein, angesichts der Eni- Wickelung der Gemeinde eine weitere Vermehrung der Vertreterzahl zu beschließen, jedoch sträuben sich hiergegen energisch die Fabrik- bcsitzer, und die geben in der Vertretung noch den Ton an. Marienfelde. In der am 18. Januar stattgefundenen Gemeindevertretersitzung wurde zuerst über die„Einführung elektrischer Kraft im hiesigen Ort" beraten. Es wurde hierzu eine Kommission, bestehend aus den Herren Heidmann, Lücke, Gericke und Fischer getvählt, welche mit den in Betracht kommenden Gesellschaften in Verbindung treten soll. Vom Gemeindcvorstand lag ein Antrag vor betreffs Einführung der Biersteuer. Genosse Greulich wandte sich gegen dieses Steuer- Projekt. Wenn behauptet werde, daß die Brauereien die Steuer tragen, so sei es an letzter Stelle schließlich der Konsument, welcher blechen müsse. Die Mehrheit war für die Einführung. Ilm sich über das eventuelle Ergebnis dieser Steuer näher zu informieren, wurde eine Kommission gewählt, welcher auch Genosse Greulich als Gegner angehört. Die Vorberatung über Abänderung der Hunde- steuer wurde gleichfalls dieser Kommission übertragen. Vom Ge- meindevor'tand war serner beantragt: Beschaffung der Jubiläums- ausgäbe für das deutsche Volk:„Deutschlands Kaiserpaar" als Schulprämie anläßlich der Silberhochzeitsfcicr. Der Antrag wurde vom Vorsteher damit begründet, daß jeder Vertreter doch für die patriotische Erziehung unserer Jugend eintreten müßte. Genosse Greulich trat dieser Auffassung ganz energisch entgegen und meinte: das Vorgehen des Gemeindevorstandes sei ganz unbegreiflich; erst werde ein Antrag gestellt, neue Steuern einzuführen, und nun wolle man Mittel bewilligen für Zwecke, mit denen die große Mehrheit der hiesigen Einwohner nichts zu tun haben wolle. Den Kindern werde in der Schule soviel Patriotismus cingebläut, daß sie daran vollständig genug haben. Wenn die Gemeinde Geldmittel übrig habe, dann möge man das Armenhaus ausbessern, damit es nicht einfalle. Gegen die Stimme des Genossen Greulich wurde be- schlössen, zwei Bilder a 5 M. anzukaufen und in der ersten und zweiten Klasse unterzubringen. Wegen zu geringer Jnanspruch- nähme der Schulbadeanstalt wurde noch beschlossen, die Badezeit zu verringern, und z'.var auf zwei Tage in der Woche: Mittwochs von 3 bis 8 Uhr für Frauen und SoMmbcnds von 3 bis 8 Uhr für Männer. Es wäre doch sehr zu wünschen, daß die hiesigen Ein- wohner von dieser nützlichen Einrichtung regen Gebrauch machen; sollte der Andrang größer werden, dann werden die Badetage wieder vermehrt. Friedersdorf(Kreis Becskow- Storkow). Am Sonntag fand hier bei Paetel eine gutbesuchte Volksver- sammlung statt, in welcher der Genosse Dr. Borchardt einen ein- stündigen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über die Notwendig- keit der politischen Organisation hielt. Er verwies auf die Tatsache, daß da, wo der Sozialdemokratie ein Saal zur Verfügung gestellt wird, die Behörde init allen Mitteln den Inhaber zur Zurück- ziehung seines Saales zu veranlassen sucht. So beschäftigte der Besitzer— F. Paetel— seit einiger Zeit mit Er- laubnis des Herrn Amlsvorstehers einen Mann, welcher auf der Trunkenboldliste verzeichnet ist. So lange derselbe nur bei den dort stattfindenden Vergnügungen der bürgerlichen Vereine Dienste verrichtete, hatte niemand etwas einzuwenden; als et aber dasselbe bei der vorigen sozialdemokratischen Versammlung tat, erhielt der Wirt ein Strafmandat über 15 M. Der Kricgerverein, dem Herr Parte! lange Jahre angehört, sucht mitzutun, indem er Herrn P. aus- schließt, ohne die eingezahlten Beiträge wieder heranSznzahlen. Auch mit Erteilung der Tanzerlaubnis werden Schwierigkeiten bereitet. Dr. Borchardt geißelte diese Verhältnisse in schärfster Weise. Die erschienenen Gegner besaßen nicht den Mut, den Ausführungen des Genossen Borchardt entgegenzutreten. Anschließend hieran machte Genosse Eberhard Mitteilungen über die Gründung eines sozial- demokratischen Wahlvereins für Friedersdorf und Umgegend, womit sich die Versammlung einverstanden erklärte. Eine große Anzahl Parteigenossen waren sofort bereit, demselben bei- zutreten. In' den provisorischen Vorstand wurden die Ge- nossen Schiller, Rubel und Rintisch gewählt. Unter Ver- schiedenem machte Gen. Klein auf die Wichtigkeit der im Frühjahr stattfindenden Gemeindevertreterwahlen aufmerksam und forderte die Anwesenden auf, die vom 15. bis 30. Januar im Amtsbureau ans- liegenden Wählerlisten einzusehen. Nachdem noch Dr. Borchardt auf unsere Parteipresse hingewiesen, wurde die Versammlung mit einem begeisterten dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Es geht auch in den ländlichen Orten langsam aber sicher vorwärts. Spandau. Die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, den 18. Januar, hatte nur eine kleine Tagesordnung zu erledigen. Es erfolgte zunächst die Einführung zweier neu gewählten Stadt- verordneten. Bei der Neuwahl der Ausschüsse wurden unter anderen von unseren Genossen gewählt: im 1. Ausschutz(Etatsausschutz) Genosse Stadtv. Piek, im 3. Ausschuß(Ausschuß für die Neu- anstellung und Pensionierung von besoldeten Gemeindebeamten) Ge- nosse Stadtv. Schmidt, im 4. Ausschutz(zur Vorbereitung der Wahlen der unbesoldeten Gemeindebeamtcn) Genosse Stadtv. Grieben, im 5. Ausschutz(Vorberatung von Nachbewilligungen, autzeretatsmäßigen Bewilligungen und Niederschlagung von Kur- kosten) Genosse Stadtv. Grieben und im 7. Ausschutz(Petitions- ausschuß) Genosse Stadtv. Hornig. In die gemeinschaftliche Kommission für Vorberatung der Angelegenheit betreffend An- stellung von Schulärzten wurde unter anderen Genosse Stadtv. Piek gewählt. Der eingebrachte Antrag L ü d i ck e: Die Stadtverordneten» Versammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, in ge- mischter Kommission, zu welcher die Stadtverordnetenversammlung sieben Mitglieder abordnet, darüber zu beraten, ob Rachbargemeinden bczw. auswärtige Gewerbetreibende, inshffondere Sternfeldc, zu den Kommunallasten in Spandau gemäß 8 63 des Kommunalab- gabengesetzes herangezogen lvcrden können, wurde einstimmig an- genommen. 2000 Mark aus dem Dispositionsfonds zu den Kosten der Vorarbeiten der Kleinbahn Spandau— Bötzow wurden bewilligt. Zur Ilmlegung der Be- und Entwässerungsanlagen unter der Eisen- bähnkrcuzung Stresow-Plantage wurden aus dem Reservefonds 11 500 Mark bewilligt. Ter Ankauf der alten Havelbrücke im Zuge der Berlin— Hamburger Eisenbahn wurde abgelehnt. Tic für den Ankauf geforderte Summe beträgt 5580 Mark. Gelegentlich der Magistratsvorlage: Festsetzung der Grundsteuer für 1903 auf 284,02 Prozent, für 1904 auf 271,73 Prozent, für 1905 auf 245,31 Prozent der staatlichen Grund- und Gebäudcsteuer, war es amüsant mit anzuhören, wie die Grundbesitzer jammerten und klagten über die Ungerechtigkeit dieser Steuer. In diesem Konzert zeichneten sich besonders die Herren Stadtvv. Sturm, Engelhardt und Baumert aus. Der Referent der Vorlage, Stadtv Sturm, meint, in Span darr sei eine große Strömung gegen die Hausbesitzer, auch ein gewisser Neid spreckie mit. Genosse Stadtv. Piek trat für die Beibehaltung der Grundsteuer ein. Diese sei eine gerechte. Die Mag'.stralSvorlage wurde angenommen. Freie Gemeinde. Ter Vortrag des Genossen Stern findet nicht, wie bekannt gemacht wurde, am Sonntag, den 21. d. M., statt, sondern am Sonntag, den 28. d. M., nachmittags 5 Uhr. Auch bei unserer Flugblattverbreitung wurden verschiehme Flugblattvcrtcilcr von der Polizei festgestellt bczw. nach der Wache sistiert. Zu diesem Zwecke lvaren eine ganze Anzahl Polizeibcamte auf den Beinen. Auffällig war, daß sämtliche Beamte sich im Zivil befanden. Potsdam. Für den Posten eine« Ersten Bürgermeisters von Potsdam haben sich über 50 Bewerber gemeldet. Dieser zahlreiche Erfolg der öffentlichen Ausschreibung ist um so auffallender, wenn wir uns daran erinnern, daß der ncuzubesetzendc Posten„der schwierigste in ganz Preußen"— sei» soll, wie ja seinerzeit im Pots- damer Stadtparlament erklärt wurde. Die„öffentliche Ausschreibung" Mrfte iikrigenS auch den gewünschten Ersotg haken und der nwciicii Residenzstadt den Mann zum Ersten Bürgermeister bringen, der als h ö h e r c r R e g i e r u n g s b e a m t e r sich des bekaimten ..besonderen Wohlwollens" erfreut... Und dieses Wohlwollens wird sich hoffentlich auch der Wahlausswusi würdig erweisen— schon aus Rücksicht aus den hier stark entwickelten und polizerlich gepflegten «Selbsl"verwaltnngstrieb. Die heutigen Proteswersammlungen finden statt: In Potsdam im Viktoria- Garten, nachmittags 4 Uhr. Referent: Genosse Dr. ZV. Liebknecht.— In B o r n i m- B o r n st e d t bei L a a, nachmittags 4 Uhr. Referent r Genosse B a r t s ch- Berlin.— In Eiche bei Rose, abends 7 Uhr. Referent: Genosse Dr. K. Lieb- t n e ch t.— In A e l t o iv nachniittags 4 Uhr. Referent: Genosse Lllfons Busse- Berlin. Die Genossen tverden ersucht, überall für zahlreichen und pünkt- lichen Besuch dieser Versammlungen durch die Müniier und Frauen des Werktätige» Volkes zu sorgen. Kerlmer I>sackrickten. Vor dem Januar. Ter WahlrcchtS-Sonntag und die schule Was geht unser Wahlrechts-Sonntag die Schule an'i Wir meinen: nichts 1 Es scheint aber, daß bei den Organen der Schule, den Lehrern und Lehrerinnen der höheren wie der niederen Anstalten, diese Ansicht nicht überall als die richtige angesehen wird. Uns toird gemeldet, dast in einzelnen Schulen die Kinder gewarnt worden seien, am heutigen Sonntag etwaigen Menschenansammlungen nachzulaufen oder überhaupt auf die Straße hinaus- zugehen. SKöglicherweise ist sogar in den meisten oder gar in allen Schulen eine solche Warnung an die Kinder gerichtet worden. Nun wird vielleicht mancher, der die Nervosität der Berliner Schutzleute kennt, es für in der Tat sehr wünschenswert halten, daß heute die Kinder den Straßen möglichst fernbleiben. Ob aber hierzu gleich die Lehrerschaft mobil gemacht zu tverden brauchte, das darf billig bezweifelt tverden. Tie Schule hätte es ruhig den einzelnen Fa- Milien überlassen können, lvie sie sich hierzu stellen wollten. Was geht unser Wahlrechts-Sonntag die Schule an? Wir wiederholen die Frage angesichts der argen Mißgriffe, zu denen der überflüssige Eifer der Lehrerschaft in einzelnen Fällen geführt zu haben scheint. Aus dem Biehhofsviertel wird uns mitgeteilt, daß tu einer S. Klasse der 258. Gemein de schule für Mädchen �in der Löwestraße) die Lehrerin Fräulein D. au die Kinder die Frage gerichtet habe, wessen Eltern denn an diesem Sonntag zur Versammlung gehen würden. Tie Zahl der Kinder, die da die Hand aufgehoben, soll nicht gering gewesen sein. Was die Lehrerin mit dieser wunderlichen Frage bezweckt haben kann, haben lveder die Eltern noch wir selber herauszubringen vermocht. Aus bloßer Neugier wird sie wahrscheinlich nicht gefragt haben. Wenn sie aber den Kindern irgendioelche Belehrungen über diesen ungewöhnlichen Unterrichtsstoff gegeben haben sollte, so können diese keinen besonders kiesen Eindruck gemacht haben. Wo wir uns erkundigten, da zeigte sich, daß nichts hängen geblieben war. Eine kräftigere Sprache als diese Lehrerin Fräulein D. scheint der Rektor der 258. Gemeindeschule, Herr G., zu lieben. Aus der- selben 8. Klasse ist die Nachricht nach Hause gebracht worden, der Herr Rektor sei am Freitag in das Klasseiizinimcr getreten und habe den Kindern gesagt, anr Sonntag sollten sie nicht auf die Straße gehen, da gebe es Krieg. Ob er sich wirklich so oder etwas iveniger kräftig ausgedrückt hat, können wir nicht wissen. Uns ist es bestätigt worden, aber vielleicht hat man ihn mißverstanden. Liegt hier tatsächlich ein Mßverstäiibnis vor, so wäre eS interessant, zu erfahren, was eigentlich der Herr Rektor gesagt hat. Vorsichtige Pädagogen lverden sich hüten, vor Kindern des siebenten Lebensjahres in solchen Uebertreibungeii zu sprechen. Unseres ErachtenS hat die Schule und die Lehrerschaft anderes und nötigeres zu tu», als sich in die Wahlrechtskund- gcbung des arbeitenden Volkes hi»einzumengen. Macht Euch in dieser Hinsicht keine Sorge um unsere Kinder und verschont sie mit Euren Beiehrungen l Uebrigens können solche und ähnliche Aeußerungen leicht eine ganz andere Wirkung haben, als die Schule sie erlvartet. ES gibt nämlich Kinder, die trotz allem Echuldrill das Teilten noch nicht verlernt haben. Solchen Kindern ivird manchmal durch eine einzige abfällige Bemerkung, die der Lehrer hinwirft, ganz plötzlich ein Licht aufgesteckt. Wird jetzt auch die Schule schon anfangen, die Köpfe zu revolutionieren? Tonn nur zu—. uns soll's recht�sein. Barritadenfurcht. Uns wird geschrieben: Wie iveit die Vengstlichkeit in gewissen Kreisen vor dem kommenden bereits gediehen ist, dürfte nachstehendes Geschichtchen beweisen, welches eines gewissen komischen Beigeschmacks licht entbehrt: Stehen da schon seit einiger Zeit quadratisch geformte 3 Meter hohe Steinhaufen vor den Häusern der Scharrn- Ecke Brüderstraße. die den Zugang zu den einzelnen Geschäften sehr behindern. Die Inhaber derselben haben wegen der damit verbundenen Beeinträchtigung ihres Geschäfts wiederholt vergebens auf Beseitigung dieser Stein. Haufen gedrungen, aber immer vergebens, denn die Firma Rudolph Hertzog läßt dort bauliche Veränderungen vornehmen. Jetzt aus einmal, zur Ueberraschung aller Anwohner, ist die schleunigste Entfernung der Steinhausen angeordnet worden, da sich dieselben wohl gar als Barrikade eignen würden. Die Freude der Ladeninhaber über die endliche Beseitigung dieler Verkehrshindernisse dürfte aber nur von kurzer Dauer sein, denn am Montag, 22. Jammr, wird das alte Leiden von neuem an- gehen, da alles wieder aufgebaut werden wird. » Polizei-Einquartierungen sollen, wie uns berichtet wird, morgen eine Anzahl Häuser am Landsberger Platz mit Genehmigung der Hauswirte erhalten. AlleS ganz überflüssige Maßregeln! � Schließlich wird auch noch über das„Mädchen für alles" be- richtet: Die Feuerwehr als OrdnuwgSstütze. Die Feuerwehr hat, wie wir erfahren, für die heutige Wahl- rechtsdmonstration eine aktive Rolle zugeteilt erhalten. So sind zu heute alle dienstfreien Mannschaften m den Depots zurück- behalten worden. Ter l8. Löschzug von der Hauptwache ist zum Schutze des Schlosses he ränge gen worden und wird von Mittag an Quartier im M a r st a l l beziehen. Die Theoterwache wird lediglich von dienstfreien Leuten versehen werden, um die einzelnen Wachen vollständig besetzt halten zu können. Wie dem auch sei: DaS Proletariat wird sich in seinem Kampfe um die Erringung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts wie in seinem Freiheitskampf überhaupt durch keinerlei Maßnahmen und Drohungen beeinträchtigen lassen. Würdig und besonnen wird es am Wahlrcchtssonntage sein Recht heischen und die Hofsiiungen der Gegner nach einem Aderlaß des arbeitenden Volkes gründlich zu Wasser machen. Die Oberzensurbehörde Nnuck u. Hartmann hat wieder mal eins ihrer berühmten Zensurstückchen geleistet. Der Agitations- ausschuß der freireligiösen Gemeinde hatte zu Sonntag einen An- schlag an den Säulen bestellt, auf dem die Adressen angegeben waren, wo Formulare für den A u s t r i t t a u s d e r K i r ch e unentgeltlich zu haben sind. Nach vielen Einwendungen und längeren Be- ratungcn wurde am Freitagabend der Anftrag angenommen, am Sonnabend früh jedoch erschien ein Beauftragter der Firma, brachte das Geld zurück und ein Schreiben, in welchem unter Berufung auf den 8 3 des„a l t e n" Preßgesetzes�vom 12. Mai_1851 der Advessen- anschlag unzulässig sei. Der Auftraggeber, Genosse Hoffmann, änderte nunmehr den Text des Anschlages dahin ab, daß er das Wort„unentgeltliche" strich und an dessen Stelle setzte: Preis pro Stück 1 Pfennig. Nun war die Ankündigung zweifelsohne eine Verkaussanzeige im Sinne des Gesetzes; aber auch diese fand nicht Gnade vor den Slugen der Oberzensoren. Eine halbe Stunde später erschien der Beauftragte das zweite Mal mit dem Golde und der Ablehnung beim Auftraggeber. Natürlich wird diese Maßnahme der Kirche nichts nützen; auch nicht ein Schäilein wird der Kirche mehr erhalten bleiben. Ter zensierte Agitationsausschuß weiß sich zu h.ljen. Er beabsichtigt, jetzt in Restaurationen und Zigarrengeschäften usw. Plakate dauernd aus- zuhängen und Ausgabestellen zu errichten und fordert im Inseraten» teil Interessenten zu Meldungen für solche Annahmestellen aus. Man wird also mit der Tatsache zu rechnen haben, daß man nun- mehr die Plakate täglich von„Angesicht zu Angesicht" sehen kann, und das hat mit ihrem Ueberoifer die Firma Nauck u. Hartmann getan. Nach dem Sturm. Gestern abend in der sechsten Stunde hat ltzer gewaltige Orkan, welcher nahezu 15 Stunden hindurch getobl hat, ein Ende genommen. Durch die großen Verwüstungen, welche er in den Forsten und Waldungen hervorgerufen hat, sind Schäden verursacht worden, Ivelche nie wieder gut zu machen sind. Leider hat das Unwetter auch ein junges Menschenleben gefordert. Bei Breitehorn in der Nähe von Gatow ertrant der Sohn eines dort vor Anker liegenden Schiffes. Ter Knabe hatte sich in dem Schiffskahn auf die windbewegten Fluten hinausgewagt, das Fahrzeug kam zum Kentern und bevor noch Rettung herbeikommen konnte, war er der» funke». Eine blutige Liebestragödie. die zwei Menschenleben kosten wird, spielte fich gestern früh kurz vor 8 Uhr im Scheunenviertel ab. In der Steinstr. 4 gab der 20 jährige Bäcker Johannes Orazinski vier Revolverschüsie auf seine Geliebte, die 27jährige Arbeiterin Ernestine Knaak, ab und richtete dann die Mordwaffe gegen sich selbst. Beide wurden zwar noch lebend nach dem Krankenhauie am Friedrichshain gebracht, doch wird an ihrem Aufkommen gezweifelt. Ueber die Bluttat er- fahren wir folgendes: Die am 9. April 1378 zu Schrimm fKreiS Posen) geborene Knaak war verheiratet, von ihrem Ehemanne aber verlassen worden. Sie wohnte bis zun> 6. Januar d. I. in der Mulackstr. 19 und verzog dann iiacd der Steinstr. 4. wo sie eine kleine Kellerwohnung im lechte» Seitenflügel gemietet hatte. Seit einiger Zeit hatte sie ein VerbältniS mit dem OrazinSki, der sie auch täglich in ihrer neuen Wohnung besuchte. Bei diesen Ziisammenküiiftett kam es oft zu Streitereien zwischen beiden, was jedoch von den übrigen Hausbewohnern nicht weiter beachtet wurde. Gestern früh fielen»un in dieser Wohnung kurz hintereinander vier Schüsse und lauie Hülserufe alarmterten die erschreckten Hausbewohner. Niemand wagte jedoch anfangs die Wohnung zu betreten. Als auch die kranke Hausverwalteriu BalzerowSky aui der Bildfläche erschien und ohne Besiiuien die Siubentür der Knaakschen Wohnung aufriß, fand sie die»ur mit dem Hemd bekleidete Frau blutüberströmt an die Wand gelehnt vor. Ohne sich um den Burschen zu kümmern, zog sie die verletzte Frau aus der Stube heraus und führte sie in ihre eigene Wohnung. Dann verriegelte sie daS Haustor, um dem Attentäler die Flucht unmöglich zu machen. Dieser hatte mittlerweile seinen Revolver neu geladen und schoß sich dann zwei Kugeln in de» Mund. Er gab nur noch schwache Lebenszeichen von sich, als einige Minuten später die Polizei am Tatorte erschien. Seine Geliebte hatte zwei Schüfie ins Herz und zioei weitere in den Kopf erhalten, befand sich aber noch bei vollem Bewußtsein. Die Tat scheint im gegenseitigen Eiilverständnisse verübt worden zu sein, denn auf dem Tische lagen zwei Abschiedsbriefe an die beiderseitigen Ber« wandten._ Fünf Arbeiter bei einem Giebelrtnsturz verunglückt. Durch den Sturm ist nachträglich noch eine schwere Katastrophe herbeigeführt worden. Gestern in der 12. Mittagsstunde stürzte auf dem Neubau Magaziitstr. 46, das von der Zementbau-Aktien- gesellichaft Berlitt-Hanttover errichtet wird, ein neu geschaffener Giebel ein. Die Trümmermassen stürzten auf fünf Arbeiter, die unten zu gleicher Erde tätig gewesen waren, hinab. Teilweise schwer verletzt, wurden die Verunglückten unter den Trümmern hervorgezogen. Einer der Arbeiter, der 24 jährige Josef Potschirach, Beussel-' straße wohnhaft, hat so schwere Verletzungen davongerragen, daß an seinem Auskommen gezweifelt wird. Der Schädel war dem Aermsten fast vollständig eingeschlagen worden. Er wurde nach Anlegung eines Notverbandes auf der Unfallstation VlU am Grünen Weg nach dem Kranketihaus Moabit gebracht. Auch der Zustand des 22jährigen Arbeiters Otto Ecker, Blumenstr. 50, ist bedenklich. Ihm ward ebenso wie den übrigen Verunglückten, von denen der Bau- arbeiter Stanislaus Klawecke aus der Waldstr. 44 am besten davongekommen ist, auf der Unfallstatton VIII die erste Hülse zuteil. Der Arbeiter Gabolstt wurde sofort in einer Droschke nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. Wie uns von dort mitgeteilt wird, gibt auch sein Zustand zu den größten Besorgnissen Anlaß. Die Katastrophe ist auf Grund der angestellten Untersuchungen hauptsächlich auf die Einwirkung deS gestrigen Sturmwetters zurück- zuführen. Wie angegeben wird, schwankte schon gestern der Giebel. Die stürmische Witterung hat dem Bauwerk, das sich in der Höhe der zweiten Etage befand, schließlich jeden Halt genommen. Ein tragisches Motiv liegt einem Selbstmordversuch zugrunde, welcher in der vergangenen Nacht in der Weißenburgerstraße 78 ausgeführt wurde. Tort wohnt der Maurer Heinrich mit seiner 62 jährigen Ehefrau, denen im Lause der letzten Jahre ihre beiden erwachsenen Töchter starben. Gestern vor einem Jahre wurde die älteste Tochter plötzlich durch den Tod dahingerasft. Seitdem wollte Frau H. vom Leben nichts mehr wissen. Sie hatte sich das Schicksal ihrer Kinder so zu Herzen genommen, daß sie be- schloß, ihneit in den Tod zu folgen. Gestern, am Todestage ihrer letzten Tochter, brachte die Unglückliche ihren Entschluß zur AuL- führung. Als der Maurer H. nachts nach Hause kam, fand er seine Frau aus dem Sofa bewußtlos liegend vor. Die Lebensmüde hatte Lysol getrunken und wurde in bedenklichen' Zustande nach dem Hedwig-Krankenhaus gebracht. Aus dem Tisch fand man einen letzten Brief mit folgenden Worten vor:„Meine lieben braven Kinder, ich folge euch jetzt nachl— Beerdigt mich doch neben meinen toten Rindern I" Der glimmende Steinkohlenhaufen auf den Borfigwerken in Tegel, dessen Löschung seit Monatsfrist vergeblich versucht wird, ist durch den gestrigen heftigen Sturm zu einem offenen Brandherd geworden. Di«: Flammen loderten an ver- schiedenen Stellen hoch empor und die glühenden Steinkohlen traten frei zutage.— Die LöschungSarbeiten selbst sind dadurch erschwert worden, doch konnte die Abtrennung des breniienden Haufen» von dem großen Steinkohlenlager erfolgen, so daß die größte Gefahr be- seitigt ist. denn der Brand ist dadurch aus den abgetrennten Kohlen- hausen lokalisiert und die Gefahr der Vergasung des ge- samten Steinkohlenlagers beseitigt. In der Um» gcgend des Borsigschen Hofes, besonders in den.Häusern der an» grenzenden Straßen wird über üble Belästigungen durch Geruch und Rauch lebhast Klage geführt und ist der Firma aufge- geben worden, möglichst viele Arbeiter zum Abtragen und Löschen der Kohlen heranzuziehen. Es wird dennoch nicht möglich sein, die Arbeiten vor Ablauf von zehn bis vierzehn Tage zu vollenden. Die Analphabeten im„Berliner Tageblatt" leisten stch in ihrer Himmelangst vor der heutigen Wahlrechtsdemoiistration deS Proletariats folgende Beletdigmig des preußischen Militärs: „Die Mannschaften bleiben in den Kasernen, doch ist vor« sorge getrosten, daß sie erforderlichenfalls augenblicklich aus« rucke ii können." Hoffenilich haben Herr M o s s e und Herr L e v y s o h n ebenfalls ihre Vorbereitungen zum Ausrücken getroffen! Ein Kind verbrannt. Von einem entsetzlichen Unglück ist gestern die 7jähnge Tochter Margarete des KaiiimannS L.. Kleine Andreasstr. 7, betroffen ivorden. Da die Mutter verreist ist. ivaren die drei tinerwartiseiien Kinder des L'scheu Ehepaares einer Pflegerin übergeben. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr verließ die Pflegerin mit dem älteren Knaben die Wohinntg. um die Einkäufe zu besorgen. Währenddessen machten fich die beiden zurückgelassenen Mädchen, ein Zwillingspaar. am Ofen zu schaffen, wobei die Kleider der Margot ew plötzlich Feuer fingen. Im Nu stand die Kleine in hellen Flammen und schreiend liefen nun die beiden Kinder rattoS in der Wohnung umber. Der Nachbar. ein Herr K. vernahm die Wehruse, er drang gewaltsam in die Woh- nung ein, erstickte die Flammen mit einem Tische und brachte das Kind nach der Unfallstation VIII am Giüneii Weg. Das bedauerns- Ivette Geschöpf war am ganzen Körper vollständig verbrannt. In Fetzen hingeii ihm die Kleidiiiigsstiicke vom Leibe herunter und die langen blonden Kopfhaare ivaren vollständig ein Raub der Flammen geworden. Nachdem ihm auf der llnfallstatio» Linderung verschafft ivorden, kam es in das Kraiikenhaus Am Friedrichshain. Der Zu- stand der Kleinen ist fast hoffnungslos. Der verwünschte Straßenbahnpfing. Mit dem Pflug, welchen die Große Berliner bei ihrer Ünterleituitg benützi. sind bisher recht dose Erfahrungen gemacht worden. Immer wieder fiilden durch die Pflugvorrichtungen Verkehrsstörungen statt und zumeist erfolgen die» selben auf dem unglücklichsten Verkehrspunkr Berlins, auf dem Potsdamer Platz. So auch geslern wieder in der Mittagsstunde, wodurch sie sich um so empfindlicher gestaltete. Der Motorwagen Nr. 2061 der Linie II sDönhoffplatz— Spandauerberg) hatte sich an der Einbiegung in die Potsdanierftraße mit dem Pflug in der Ünterleituitg festgefahren. Es währte nicht lange, so hatten sich Wagenburgen durch die ganze Leipzigerstraße hindurch bis zum Spitlelmarkt und durch die Pols- damer- bis zur Lüyowstraße angesammelt. Wohl oder übel mußten die Passagiere zum größten Teil in die übersüllien Omitibusse ein- steigen oder zu Fuß laufen. Erst nach etwa 20 Minuten konnte daö Verkehrshindernis beseitigt werden. Eine traurige Aufklärung hat daS Verschwinden des 23; ährigen Sohnes Otto des Gastwirts Rehden. Hohenzollernplatz 3, gefunden. Der Vermißte wurde gestern nachmittag von der Feuerwehr an der Teupitzerbrncke als Leiche aus dem Schiffahrtskanal gelandet. Wegen vorübergehender Arbeitslosigkeit hatte der junge Mann Selbstmord verübt. Zeugen gesucht. Personen, die gesehen Häven, wie sich am Sonntag gegen abend'ein Passant an der Köpenickerstraße und Man- teuffelsttaße an einem Schild die Kleider zerriß, werden um Angabe ihrer Adresse gebeten an Littmann. Köpenickerstr. 9b. Auf der Treptow-Sternwarte spricht Direktor Arche«» hold am Sonntag, den 21. Januar, nachmittags 5 Uhr, in einem mit zahlreichen Lichtbildern auSge- statteten Vortrag« über:„Die Bewohnbarkeit der Welten", abends 7 Uhr über:„Das Aufsachen der Sternbilder" mit praktischen Uebungen-, Montag, abends 9 Uhr, über:„Sonne anb Planeten". Mit dem großen Fernrohr wird während der ganzen Woche. nachmittags die Sonne, abends der Jupiter, und von 0 Uhr ab der Orionnebel beobachtet. Oeffentliche Bibliother>nd Lesehalle zu unentgeltlicher Nutzung für jebenmmn, SW., Sncranbrinenftr. 26. Geöffnet täglich von 5'/,— 10 Übt abenbä, an Sonn- unb geiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richliing auS. Arbeiter-Samariter-Kolonne. Heute abend finden folgende UebungS- stunben ftalt: Montag: I.Abteilung, SreSbcnerftr. 45, Frl. Dr. Profi; DomierSlag: 3. Abteilung in Schöneberg bei Obst, Meiningerstr. 8. Herr Dr Sommerselb über: Ertrinken— Erslicken— verschiedene Formen der Bewußtlosigkeit. Aach dem Vorwage prattiiche Uebungen. WiebcrbelebungZ- versuche sowie Borsiibrung deS SauerstoffatmungSaPparateS. Neue Mitgllebei können jederzeit eintreten. Gäste h oben einmaligen freien Zutritt. Ein- schreibegelb 25 Ps. Monatsbeittag 25 Ps. Bibliothek steht den Mitgliegcnt 'UV inriiucrcln Fichte. 1. Schülerabteilung: Sonntag, den 28. d. SR. HalbtagSpartie. Treffpunkt: Oberfreiarchen brücke 8 Uhr. 10 Pf. Sozialdemokratischer Dlskutierklub„Moabit". Montag, den 22. Januar, bei Bachstein, Salzwedelerstraße l6. Borwag. Ott» Schräder Uhrmacher Fnearichsberg— Berlin O. 7vaiiUfurter Chaussee Wo. 8 am Kahnhof Frankfurter Alice empfiehlt sein großes Lager in Uhren, Qotd-, Silber- und jUfenide- Waren. sosv* Eigene Werkstatt Wir Kepnraturen und Sicnarbelt. Fernsprecher; Amt Friedrichsberg, No. 191. Otto Bredow�SÄ? Wollwaren, Striimple, Trikotagen, Putz- und Jlodewureo.• lugusl Lucas,»""»rr- — a---------, Bergftr. 63, Woiiwaren, Strümpfe, Trikotagen Speziat-Geschäft. Gegr. 1875h_« JQincoll Riidor», äteinmebstr 9, » ulCaCll, älteste Retterhandlung. Grefte Auswahl in Herren- u. Dainen- st offen sowie fertiger Zinaben- und Arbeitergarberobe, Mäbcheuaiäiitetn, Koflüinröcken_ Oswald Scholz, Beirut. Krawatte», Handschuhe, Äälche, Regenschirme. Spazierstöcke. Scbirmreparaturen und Bezüge. Möbel Polsterwaren Sofas, Matratzen, Garnituren, RettKtellen. 312V* 6tto Dornbusch, BS,? 42 Itergntruli« 47. 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