Nr. 18. BbonncmentS'B«dingung«n: «BonnemcntS. Preis titänumetonss! »ierteljährl. S,30 Mk. monatl 1.10 SRI., wSchenUich 28 Psg. frei WS Haus, Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- mimmei mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Weif 10 Psg. Post- Adonnement: 1,10 Marl t>ro Monat, Eingetragen w die Post- Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deullchland und Oesterreich. Ungarn » Malt, für da« übrige«uSIan» I Marl pr» Monat. Vschtll»»glich»Btr n»ta«t. Verltnev Volksblcrkk. Ä3. Jahrg. vle Inlertlons-eedllhr beträgt für die sechsgespaltcne Kolonci- zeile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewcrtschastliche Vereins- und Lersammlungs-ZInzeigen SS Psg. „kleine Snretgen", daS erste ssett- gedruckte) Wort lO Psg., jedes weitere Wort S Psg. Worte über IS Buchstabe» zählen für zwei Worte. Jnseraie sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmitlags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags gehsstict Delegramm- ildresse: ,.iul»l«>e«»lint Refill'*. Zcntralorgan der rozialdcmokrat» Tchen Partei Deutfchlanda. Redaktion: KÄl. 68, Lindcnatraasc 69. Spernfurrdirr: SImt IV. Wr. Iliwe. Der rote Sonntag und die herrschende Klasse! Die Stimmungen, die der Verlauf der gestrigen Wahl- echtsdemonstration innerhalb der besitzenden Klassen aus- gelöst hat, lassen sich im wesentlichen unter zwei Gruppen rubrizieren. Auf der einen Seite herrscht verbissene Wut. Erbitterung darüber, daß das Proletariat so per- lünftig gewesen ist, sich nicht vor die Säbel und scharf ge- »adenen Klinten des Militärs treiben zu lassen. Die libe- rllle Presse, die unverkennbar ebenfallsGewalttätigkeiten be- fürchtet hatte, atniet nunmehr auf wie von einem Alb befreit, vobei sie sich in den lächerlichsten Renommistereien über ihren angeblichen Mut ergeht. Daß die Scharfmacherpresse bestimmt auf Zu- , a m m e n st ö ß e rechnete, und init Freuden des Äugen- blicks harrte, wo es für das Militär etwas zu tun gäbe, kann angesichts der Preßäußerungen nicht bestritten werden. Wir brauchen gar nicht einmal die„Tägliche Rundschau" oder die „Post" zu zitieren. Es genügt schon, wenn man Scharf- nacherblätter minderenGrades heranzieht. So schreibt die„R h e i n i s ch- W e st f ä l i s ch e Zeitung" in ihrer Sonntagsnummer: „Der rote Sonntag ist da. Die Rollen sind ausgeteilt. Das Spiel kann beginnen. In zahlreichen Versamm- lungen vom Rhein bis zum Prcgel lvcrden wohleingepaukt« Redner dieselbe Phrase von Entrechtung, Knebelung und Aus- beutung des preußischen Volles erklingen lassen. Es ist ihnen die Aufgabe gestellt, derartig bestehende Einrichtungen verächtlich zu machen, den Landtag zu verhöhnen und zu beschimpfen, daß eine polizeiliche Auflösung erfolgen muß. Dadurch wird, so hoffen die Drahtzieher hinter den Kulissen, die Masse so auf- geregt und aufgebracht werden, daß man von ihrer Unüberlegt- heit und Leidenschaft alles erwarten kann.... Sollte es auch, wie in Hamburg, zu Plünderungen, Räubereien, Blutvergießen kommen, dann mögen die Täter und ihre Helfershelfer bintcrber nicht jammern und wchllagen; sie haben gewußt, was ihnen bc- vorstand und habeil sich die Folgen selbst zuzuschreiben." Die„Berliner Neueste Nachrichten" schreiben ebenfalls in ihrer Sonntagsnummer: „Daß Temonstrationszügc von den Parteiführern nicht empfohlen wurden, hat unter solchen Umständen wenig zu bedeuten. Denn diese Züge entstehen von selbst, wenn Tausende, Zehntausende mit erhitzten Köpfen heimgehen. In Berlin werden zudem, was die Parteiführer längst wußten, für das Ordensfest wichtige Straßen und Plätze abgesperrt, kein Wunder, wenn infolgedessen hier und da Zusammenstöße statt- finden. Die Hamburger Vorgänge vom letzten MitNvoch nehmen den Häuptlingen der Sozialdemokratie jeden Vorwand, zu er- klären, sie hätten die Warnung vor Exzesien für ausreichend ge- halten, sie zu vermeiden." Selbst in dem frommen„Reichsboten" stand in der Sonntagsnummer zu lesen: „Tic Masscnansamnilungcn sind durch die Versammlutigen gegeben; dorthin werden die Menschen gesammelt, und wenn sie, erfüllt von den hetzerischen Reden, die Säle verlassen, sind die Straßennnsammlungcn da, wer will dieselben dann dirigieren? Unseres Erachtens wäre es das richtige gewesen, die vielen Vcr- sammlungen nicht gleichzeitig stattfinden zu lassen." Diese Preßäußerungcn, die nur einige karge Stichproben dessen bilden, was in der ganzen rechtsstehenden Presse zu lesen stand, beweisen deutlich genug, daß man am Sonntag mit Zusammenstößen rechnete. Man war der festen Ueberzeugung, daß die Sozialdemokratie keine derartige Herrschaft über die Gemüter der Massen besitze, uni sie vor Unbesonnenheiten zu bewahren. Wenn man aber eine der- artige Ueberzeugung hegte, so tritt die Ungeheuerlichkeit der getroffenen Maßregeln um so krasser zutage? Der Polizei und den Truppen war die Weisung gegeben worden, nicht mit der flachen Klinge dreinzuschlagcn oder erst Schreckschüsse abzugeben, sondern gleich scharf zu feuern! Welche Jnstruk- tioncn im einzelnen an die Soldaten gegeben waren, verrät eine Mitteilung, die uns ans Brandenburg zugeht. Danach hielt dort ein Hauptmann an seine Leute eine An- spräche, worin er ihnen auseinandersetzte, wie sich die Truppen im Falle eines Znsammenstoßes zu verholten hätten. Bei einer Menschenansommlilng werde die Trommel gerührt, und, falls die Menge sich nicht zerstreue, sofort scharf ge- schössen werden. Diejenigen, die etwa über die Kopfe der Demonstranten hinweg schießen sollten, würden selbst von den Offizieren mit dem Revolver nie- dergeschossen werden! Es ist also kein Zweifel daran, daß die Drohungen der Scharfmachcrpresse durchaus ernst gemeint waren. Wäre es also in Berlin und in den anderen Städten wirklich zu Straßenaufläufen und zu Rci- Hungen mit der Polizei gekommen, so hätte ein Blutbad ent- stehen können, ja entstellen müssen, desseli Furchtbarkeit sich gar nicht ausdenken läßt. Die Sozialdemokratie, die genau wußte, was sie wollte und wie weit sie sich auf die Disziplin und Vernunft ihrer Anhänger verlassen konnte, durfte es trotzdem wagen, zum Massenbesuch der Versammlungen aufzu- fordern. Diejenigen jedoch, welche die kriegerischen Vor- bereitlingen billigten, obwohl sie fest daran glaubten, daß eS zu Zusammenstößen koininen werde, werden sich von der furcht- baren Verantwortnug niemals zu reiiiigcn vermögen?— Tie freisinnige Presse müht sich, nachdem die Sonntags- demonstrationen in der würdigsten Ruhe verlaufen sind, den Eindruck zu erwecken, als habe sie ihrerseits nie an die Mög- lichkeit von Zusammenstößen gedacht, und als hätten die Kriegsvorbereitungen der Militärbehörden von vornherein ihre schärfste Mißbilligung gefunden. So schlägt das„B e r- l i n e r Tageblatt" den Ton einer krampfhaften Lustig- keit an: „Ein homerisches Gelächter wird heute durch das ganze deutsche Volk und auch durch das kultivierte Ausland gehen. Unsere hochgeehrten Scharfmacher haben sich bereits so häufig blamiert, daß man schon aus Mitleid ihnen bei manchen Dumm- Heiken durch die Finger sieht; diesmal aber schreit doch ihr törichtes Beginnen zum Himmel. Denn auf ilichts anderes hatten sie es abgesehen und konnten sie es abgesehen haben, als auf die Provokation einer Revolution, bei der dann der Säbel hauen, die Flinte schießen, kurzum die Ordnung über das„re- volution äre Proletariat" triumphieren sollte. ... Der gestrige Tag sollte zu einem Siegestage der Reaktion werden; er hat ihr die empfindlichste Niedertage gebracht, die sich denken läßt." Und so Wagt das„Berliner Tageblatt" zu schreibe«, trotzdem es selbst noch am Sonnabend von den an- geblichen Absichten der Sozialdemokratie gesprochen hatte, in „Massendemonstrationen" den ehernen Marschtritt der Arbeiterbataillone erdröhnen zu lassen, „um die bürgerliche G e s e l l s ch a f t. ein wenig einzuschüchtern", ganz zu schweigen von der freisinnigen „ B r e s l. Z t g.", die gar von einem„künstlichen Revolutions- fieber" phantasierte, in das die Sozialdemokratie die Massen hineinzutreiben denke? Mag das„Berl. Tagebl." sich noch so sehr auf den Helden hinaitsspielen, es bleibt ihm von den Arbeitern un- vergessen, wie es wochenlang gegen die WaHlrechtsdemonstrationen der Arbeiterschaft gehetzt, sie den Behörden als Anfang der Revolution denunziert hat! Erst als dann die Armee mobilisiert und mit scharfen Patronen ausgerüstet wurde, erst als die Batterien kriegsbereit aufgefahren wurden, erwachte wiederum der liberale Mannesmut des Mosse-Freisinns I Die Reaktion kennt denn auch ihre Pappenheimer nur zu genau. So schreibt ahnungsvoll die„K 0 n f e r v. K 0 r r e f p.": „Natürlich werden jetzt wieder die weisen Leule vom Schlage de§„Berliner Tageblattes" kommen und salbadern, die Entfaltung der staatlichen Mnchtinittel sei gar nicht nötig ge- Wesen, die Sozialdeinolcaten dächten gar nicht daran, zu pulschen und ans die Straße zu gehen. So redet der selbstzufriedene P h i l i st e r, wenn er g l ü ck l i ch und ohne eigenes Zutun einer(eingebildeten— Anmerk. der Red. des„V."j Gefahr entgangen i st." Ebenso verächtlich wie die sich jetzt mit einem Löwenfell drapierende Feigheit des Mosse-Blattes wirkt seine unehrliche Herabsetzung der proletarischen Wahlrechtsagitation, wenn es schreibt: „Die Sozialdemokratie hatte eS durch ihre törichte Taktil glücklich fertig bekommen, daß sie sich in der Wahlrechts- frage— einer Frage, die das l i b e r ä l e V ü r g e r t u m seit Jahrzehnten immer wieder aufgeworfeil hatte, aber gcrade wegen der Judolcnj der Arbeiter nicht löse» tonnte — fast isoliert sah. Nu» suctite sie ihre Sckmmche nach dein Grundsatz zu verdecken: Die Masse muß cö bringen. So brachte sie denn alles auf die Beine, was nur krieche» taun, um möglichst„Ivuckitig" gegen die Dreiklassenivahl zu demoiistriere». Die innere Hohlheit dieses Massenaufgebots konnte keinem Ein- sichtigen verborgen sein." Es hieße die Leser wirklich beleidigen, wollten wir auf diese saustdickeu politischen Unwahrheiten und Unverschämt- Helten nach alledem, was wir über die historische Entlvickelung der Wahlrechtsfrage und die Haltung des Freisiims zu derselben seit den Konfliktsjahren ausgeführt und mit historischem Aktenmaterial belegt haben, noch einmal zurückkommen! Uebrigens liefert die., V 0 s s. Z t g.", das Organ der „Freisinnigen Volkspartei" den Beweis, daß der„männliche" Freisinn an politischer Nichtswürdigkeit es jederzeit mit dem Zeitungsgeschivister des„weiblichen" Freisinns aufzunehmen vermag. Sekundiert doch die„Voss. Ztg." dem„Berliner Tageblatt" folgenderinaßen: „Die V3 Wnhlrechtsversommlungen in Berlin und den Vor- orten find vorüber: auch außerhalb der Neichshanptsiadt und der Mark haben aus Anordnung der Sozialdeniolratie Masseiikunb- gebnnge» stattgefunden; Überall wurden mit prögrannnmäßiger Ciiistinnnigkeit die vorbereiteten Erklärungen aiigenvmmen. Und heute ist es, als ob gar nichts geschehen wäre. Kein Mensch denkt im Ernst daran, daß die Versainntlinigen und Beschlüsse aus die Regierung oder den Landtag einen nemieusiverleu Eindruck machen. Der Wahlreform ist man nicht um einen Schritt näher gekommen. Im Gegenteil, der To», worin die Sozialdemokratie von dem Abgeordnetenhause wie dem Herrenhause redet, und die gleichzeitige Verherrlichimg der russischen Revolution wird nur dazu beitragen, die herrschenden Parteien in der Aufrechterhallung des Drelklasjenwahlrechts zu bestärken. Wieviel Personen mögen wohl in Preußen oder Deutsch- land an den gestrigen Kundgebungen teilgenommen haben? Wir wissen es nicht. Aber das darf i»>t einiger Bestimmtheit behauptet werden, daß es sehr viel weniger sind, als bei der letzten ReichStagSivahl sozialdemokratisch gestimmt haben. Darauf war offenbar auch gerechnet worden. Denn beispielsweise Im vierte» Wahlkreise fanden nur in sieben Sälen Ver- sammlnnge» statt, ivähiend Ib03 Herr Singer in diesem Wahl- kreis V8 758 Stiininen erhalten hat. Daß nicht in jeder der Ver- sanimlimaen dinchschnitltich zehntausend Menschen ivaren, liegt aus der Hand. So viele große Säle gibt es gar nicht in Beilin. Also es bleibt dabei, daß gegen das Dreiklassen- Wahlrecht durch die gestrige Veranstaltung nichts mehr bewiesen ivird, als schon durch die Reichs- tagswahl bewiesen war." Expedition: 8CCl. 68, Lindenatraaac 69. Zleriiivrecki, r: 9lmf IV. Str. Herr Theodor Barth nannte es eine„Schande", wenn sich der Freisinn an der Wahlrechtsbewegung des Proletariates, dessen legitimierte Vertreterin die Sozialdemokratie sei, nicht beteilige. Der Freisinn männlicher und weiblicher Linie begeht, wie wir sehen, nicht nur die Schande, sich an der Wahlrechtsbewegung nicht zu beteiligen, sondern er über- bietet sich gegenseitig noch an herabsetzenveu Schmähungen der sozialdemokratischen Protestbewegung! Kann überhaupt noch ein schlagenderer Beweis geliefert werden, daß der Freisinn von einer Wahlreform nichts wissen will, daß er schon bei dem Gedanken zittert, die Massen- demonstrationen könnten am Ende doch Eindruck machen? l Denn daß der Freisinn weiß, daß er auf dem Wege des bloßen An- tragstellens im Dreiklasscnparlament nichts auszurichten vermag, selbst wenn es ihm mit seinen Anträgen heiligster Ernst wäre, steht außer Frage. Man könnte nun am Ende begreifen, daß er aus bourgeoiser Zimperlichkeit selbst nicht in allzu enge Bc- rührung mit den nach Schweiß und Arbeitsstaub riechenden Massen konimen möchte. Aber daß er gar die Massen- bewegung gegen das Dreiklassenwahlunrecht, die von der Sozialdemokratie allein organisiert wird, als aufreizend deimuziert, beschimpft und mit der widerwärtigsten Unehrlich- lichkeit zu verkleinern sucht, das beweist für jeden Menschen mit normalen Sinnen, daß der Freisinn genau so reaktionär, so wahlrechtsfeindlich ist, wie die konservativen Junker selbst! Mag er mit der reaktionären Meute sich auch ferner gegen die Sozialdemokratie heiser bellen: die Wahlrechts- bewegung nimmt ihren Fortgang auch ohne und gegen ihn! Die Revolution in Rntzland. Der 22. Januar ist in Petersburg anscheinend völlig ruhig verlaufen. Die Revolution sammelt gegenwärtig ihre Kräfte, um zu neuen Schlägen auszuholen: Petersburg, Lt. Januar. Der hiesige Stadthauptmann bezeichnet in einer Kundgebung, die an den Straßenecken angeschlagen ist, die Gerüchte über morgen zu erwartende Unruhen als grundlos. fordert jedoch die Bevölkerung auf. sich Ansammlungen fernzuhalten. damit bei der Bereitelmig etwaiger Versuche, die Ruhe zu stören kein Unbeteiligter zu Schade» komme. Moskau, Lt. Januar.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Der Generalgouverneur gibt bekaimt: Die von den Revolutionären verbreiteten Gerüchte, die Verwaltung und das Militär verübten Willfiirakte und jede Nacht würden friedliche Bürger außerhalb Moskaus erbarmungslos niedergeschossen, sind nur eine böswillige Erfindung, ebenso die Gerüchte über am 22. und 25. Januar bevorstehende Unruhen. Der General- gouvcrneur verbürgt sich dafür, daß sich Unruhen nicht wiederholen werden. Ans der Suche«ach Bomben. Petersburg, 22. Januar. Eine vom„Regierungsboten" gebrachte Mitteilung über die seit Anfang Dezember v. I. entpf.ckten geheimen Laboratorien und Boinbenwerkstätten und die dabei gefnndenen Materialien, Bonibe» inid Waffen jeder Art gibt ein Bild über den Unifang der revolutionären Borbercitungen. Jnsgcfaint wurden in Petersburg. Moskau, Rishny Nowgorod. Tula, Penfa, Rostow a.Don. JekateriiioSlaw, Odessa, Rikolajew, Kiew, DwinSk, Wilna und Riga entdeckt: acht Laboratorien und Bombenwerkstätten, 258 fertige und ungefüllte Bomben, gegen 2000 Pfund Pulver, über 400 Pfund Dynamit, ferner Patronen in großer Anzahl, davon auf dem Bahn- Hofe Moskau der MoSkau-Rjäsan-Bah» allein 100 000 Stück und in Jekaleriuoslaw zwei Waggons mit Patronen und Dynannt, ferner Gewehre, Revolver, blanke Waffen, eine Signalkanone und auf der Fabrik Prochorow in Moskau drei verbessette englische Maschinen- gewehre. Streik in Warschau und Lodz. Warschau, 22. Januar. Die hiesigen Fabrikarbeiter streiken heute. Die Mehrheit der Läden ist geschlossen. In den Mittagsstunden ivurden mit Hülfe von Infanterie- palronillen einige zum öffnen gezwungen. Die Zeiiungen bc- mühen sich, obwohl die Mehrheit der Setzer am Streik teilnimmt, Abendblätter herauszugeben, weil sie für den Fall des Nichterscheinens vom Kriegsgeneralgonverneur mit suspendierung bedroht sind. Der Straßenverkehr ist minimal. Auf dem Witkowskiplatze winden, als Demonstranten von Soldaten zerstreut wurden, zwei Personen durch Schüsse getötet, drei durch Schläge mit Gewehrkolben verwundet. In Lodz herrscht Generalstteik, alle Arbeit ruht, eS gibt keinen Berkehr, keine Verbindung mit Pabianice und Zgierz, wo auch Generalstreik ausgebrochen ist. poUtiCcbe deberHebt. Berlin, den 20. Januar. Furcht vor einer Wahlrechtsdcbatte! In der Scherl Presse wird gemeldet: „Wie uns miS unterrichteten parlamentarischen Kreisen mitgeteilt wird, dürfte die in der Thronrede an- gekündigte Wahliechtövorlagc das Abgeordnetenhaus in absehbarer Zeit nicht beschäftigen. Die Regierung würde dabei wohl in Uebereinstimmung mit der Mehrheit des Ab- geordnetenhauses handeln, da die Einbringung der Bor- tage im gegenwärtigen Augenblick zu einer nach Ansicht der MehrheitSparieien zwecklosen allgemeine» Debatte über die Walstrcchtsfrage in Preußen führen würde. Die Vorlage sollte sich bekanntlich auf die Aenderttng einiger übergroßer Wahlkreise und auf Reformierung einiger Desiimmimgen des Wahlverfahrens beschränken. Eine allgemeine grofjc Wahlrechtsdcbatte dürfte jedoch gerade im gegenwärtigen Augen- blick nieder der Regierung noch der Mehrheit des Hauses an- gebracht erscheinen." Die Reaktion fürchtet also, daß eine Wahlrechtsdebatte im preußischen Abgeordnetenhaus zurzeit einen allzu un- erwünschten Widerhall im Volke finden würde. Die unangenehme Frage soll deshalb lieber unerörtert bleiben. Wie sich Zentrum und Freisinn zu der Angelegen- heit stellen werden, bleibt abzuwarten. Gerade diese Parteien, die ja behaupten, das herrschende Wahlunrecht ebenfalls zu bekämpfen, aber der Ueberzeugung sein wollen, daß die Wahlrechtsfrage im Parlament s e l b st angeschnitten werden müsse, werden jetzt zu zeigen haben, wie ernsthaft sie diesen parlamentarischen Kampf aufzunehmen willens sind und was sie damit auszurichten vermögen!— Zentrumssorgen und Knappschaftswesen im Abgeordneten- Hause. Im Abgeordnetenhause füllte den ersten Teil der Sitzung vom Montag die Besprechung der Zeutrumsinterpellation über das angeblich gegen katholische Geistliche seitens unterer Ver- waltungsorgane geübte Spionage sy st em aus. Die Herren vom Zentrum sind darüber entrüstet, daß über katho- tische Geistliche geheime Akten angelegt werden. Dagegen, daß sich die Behörden um das außerdienstliche Verhalten anderer Sterbliche kümmern, daß sie z. B. geheime Kon- duitcnlistcn über Volksschullehrer führen, haben die Roeren und Genossen noch niemals Klage geführt, aber daß das Zentrum, das beste Bollwerk im Kanipfe gegen den Umsturz, auch unter preußischer Polizeiherrschaft zu leiden hat, ist un- erhört. So sehr wir auch mit Herrn Roeren das Spionage- system verurteilen, so müssen wir es doch auf das schärfste tadeln, daß dieser Vertreter der Partei, die angeblich auch für Wahrheit und Recht kämpft, lediglich die Auteressen seiner eigenen Parteifreunde, nicht aber, die der Gesamtheit wabr- nimmt und sich sogar bei dieser Gelegenheit der Regierug für den Kampf gegen die Sozialdemokratie in empfehlende Erinnerung bringen zu müssen glaubte. Die Debatte selbst lief aus wie das Hornberger Schießen, die Regierung stellte natllr- lich in Abrede, daß irgendwelche Verfügungen im Sinne der Interpellation ergangen sind. Nach Erledigung der Interpellation beriet das Haus in erster Linie die Novelle zum Berggesetz(R e f o r in des Knappschaftswesens). Nach unerheblicher Debatte, in der sich die Redner der beiden konservativen Parteien und der Nationalliberalen scharf gegen die in der Novelle vor- gesehene geheime Wahl wandten, da dadurch nur die groß- polnische und die sozialdemokratische Agitation gefördert würde, wurde die Vorlage einer Kommission von 21 Mit- gliedern überwiesen. Dem Redner der Polen, der die gegen seine Partei erhobenen Angriffe zurückweisen wollte,, schnitt die Mebrheit das Wort ab. Auch ein Beispiel für die im preußischen Landtage beliebte„ritterliche Kämpfesweise"! Am Dienstag beginnt die zweite Beratung des Etats. Neben kleineren Etats steht der der l a n d w i r t s ch a f t- lichen Verwaltung auf der Tagesordnung.— Frankreich und Venezuela. Die Regierung der französischen Republik hat den Geschäfts- träger von Venezuela, Herrn Menbonrguet, am 18. Januar ge- zlmrngen, den Boden Frankreichs zu verlassen. Genauer gesagt, sie hat ihn hinausgeworfen. Den» nicht eininal die üblichen vier Tage für die Reisevorbereitungen wurden ihn, gegönnt. Noch am selben Tage nmtzle er, in Begleitung eines Polizeikoinmisiars, sich über die belgische Grenze entfernen. Die Maßregel wird ihn schwerlich überrascht habe», vorausgesetzt— was bei südamerikanischen Diplomaten in Paris nicht immer ganz sicher ist— daß sich Herr Meubourguet überhaupt mit politischen und nicht lediglich mit weil vergnüglichere» Angelegenheiten besaht hat. Frankreich hat nach den Heraussorderungen, die der„Präsident" und in Wirklichkeit unumschränkte Herr von Venezuela, der wohlbekannt» Castro, ihm angetan hat. keine andere Wahl gehabt, und es ist jetzt in die Nolivendigkcit ver- setzt, für seine verletzten materielle» Interessen Schadloshaltung und Bürgschaften für die Zukunft zu verlangen. Castros Politik gegemiber dem Auslände ist von einer bedenken- lose» Dreistigkeit diktiert. Und nia» laiin nicht leiignen, dah die Ungeniertheit, mit der sich der emporgekommene Bandit aus den Anden über die feierlichen Umständlichkeilen der Diplomatie hinwegsetzt, einer erfrischenden Originalität nicht entbehrt. Im Jahre 1902 war sein Ailstreten derart, dah England, Denischlaitd und Italien die bekannte Flottendemonstration veranstalteten, um de» Diktator zu zwinge», sich bei der von ihm beliebten, in ihren Methoden so zweifelhaften Füllung seiner leeren Kassen auf die Bürger seines Landes zu beschränken. Die Expedition fiel nicht besonders imponierend ans, da die Vereinigten Staaten gemäh der Monroe-Doktrin schützend ihre Hand über Venezuela und seinen Serr» breiteten. Doch schien das im Jahre 1903 unterzeichnete Washingtoner Protokoll den in Venezuela interessierten Staaten eine gewisse Gewähr für die Zukunft zu bieten. Kaum aber war der Bertrag geschlossen, da fuhr Castro in seineu Uebergrifien fort. Nur kamen jetzt andere Staaten an die llieihe, erst Spanien, dann die Vereinigten Staaten und schliehlich Frankreich. Die Verpflichtung, die er den beiden letztgenamuen Mächten schuldete— Frankreich hatte die Teilnahme an der Flotten- venroustration abgelehnt— genierte ihn nickt im mindesten. Sein von keiner Erkenntnis der wirklichen Machtverhältnisse beschränkter Narrendünkel ist nachgerade ins Uninähige gestiegen. Die ihm er» geben« Presse s.ines Landes— und eine andere duldet er nicht— hat ihn als„Besicger Europas", als neuen Alexander, Cäsar, Bona- parte gefeiert, und nun scheint er sich von diesen, von ihm selber bezahlten Hymnen berauscht zu haben. Die Konflikte mit Spanien und den Vereinigten Staaten schienen in der Tat sein Glück zu bestätigen. Ihm war sogar ocr Triumph beschiedcn, dah ein Ultimatum Roosevelt? ohne Folgen blieb, trotzdem er es einfach ignorierte! In diesem Falle kam ihm die Spannung, die zwischen dem Senat der Union und dem Präsidenten besteht, zu Hülfe. Die amerikanische Asphaltgesellschaft, gegen welche die von Canro abhängigen venezuelischen Gerichte die dein Diktator erwünschte» Urteile gefällt haben, ist heute noch immer den gewalltätigen Praktiken der Regierung Castros ausgesetzt. Es handelt sich in diesen Streitigkeiten vornehmlich um Profil- gelegenheilen. Castro braucht Geld, um die vertragSmähigr» Schadl oshaltungen, die Zinsen der Staatsschuld und den Sold für seine Prätorianer zu zahlen, und findet keine anderen Hülfsquellen mehr, als Monopole zu erteilen ohne Rücksicht auf bestehende Ver- träge mit privaten Gesellschaften. In dem Handel, der zum Konflikt mit Frankreich geführt hat, ist übrigens die Rccktslage nicht so ganz klar gewesen. So gibt zum Beispiel„Gil Blas" zu. dag die Haltung der französischen Kabelgesellschaft, gegen die Castro Gewaltmittel angewendet hat, nickt einwandfrei gewesen sei. 1895 hat die Kabelgesellschaft ein Monopol für die telegraphischcn Verbindungen zwischen Venezuela, den Vereinigten Staaten und Frankreich erhalten. Castro begann damit, die Gesellschaft der Nicht- einhaltung der BertragSpflichicn zu bezichtigen. Hierbei scheute er sich allerdiiigs nicht, Argumente zu gebraucke» wie z. B. die Be- hauptuug. dah der telegraphischen Leitung der Charakter eines See- kabels dadurch verloren gehe, dah sie über die Insel Dominica (jehel Später erhob er die, wie es scheint, auf wirkliche Borkoninulisse gegrnndele Beschwerde, dah die Gesellschaft im letzten Bürgerkriege Telegramme eines auisiäiidischcit Führers befördert und so gegen die offizielle Regierung Partei genommen habe. Hieraus entstand ein-doppelter Prozeh, der sich natürlich zugunsten der Regierung wendete. Am 4. Anglist 1903 entschied die oberste Instanz von Venezuela, dah der Vertrag von 1903 null lind nichtig sei. Trotzdem in dem Urteil über das Recht der Gesellschaft, Kabel an die Küste Veiicziielas zu führen, und über das Recht, die telegraphischen Staiionen in Betrieb zu halten, nichts gesagt war, machte Castro auch in diesen Punkten Schwierigkeiten und lieh im September die TelegrapheiibiireauS, mit Ausnahme des von La Gnayra, schliehen. Der Geschäft-'träger der Gesellschaft, welcher Protest erhob, wurde einfach ausgewiesen! Nim nahm der Streit immer mehr den Charakter von In- jurien an. Arn 18. September lieh Castro durch seinen Minister des Auswärtigen dein französischen GeschäflKräger in Caracas, T a i g n y, der im Namen seiner Regierung Verwahrung gegen die Verletzung der französischen Interessen eingelegt hatte, mitteilen, dah er keine offiziellen Beziehungen mehr mit ihm miterhalte» wolle. Die französische Regierung veriangte die Zlirückziehuiig dieser Beleidigung, aber Castro antivortete nicht eimiial und fügte den neuen Schimpf Hinz», dah er Taigny nicht auf die Liste dcr zum Neujahrsempfaiig geladene» Diplomaten setzte. Dein Vertreter der Vereinigten Staaten, Rnssel, der für seinen Kollegen intervenierte nnd die venezuelische Regierung aufforderte, die Insulte wieder gut zu mache», lieh Castro lägen, er möge sich künftig nicht in die französiich-veiiezolaiiischen Beziehungen einmischen. Taigny verlieh hierauf das Land und ging nach Enrayao auf holländisches Gebiet. Nun lieh Castro das Kabel durchichiieiden, das über Venezuela dorthin führt! Als Taigny die ihm infolgedessen nicht übermittelten Depeschen seiner Reglerung in Caracas abholen wollte, verbot ihm die dortige Regierung, an Land zu gehe». Unter diesen Uinständen blieb dcr französischen Regierung, die in dieser Affäre mit anerkeiineuswerter Mähigung vorgegangen ist, kein friedlicher Verkehr mit Venezuela mehr übrig. Schon vor mehreren Tage» sind einige Kriegsschiffe von Gouadeloiipe nach der vem zolanischen Küsle abgegangen, andere werden folgen. Die Ab- schiebiuig des Panier Geichäftsirägers stellt eigentlich den Kriegs- zustand zwischen de» beide» Siaaien her. Ob es z» wirkliche» kriegerische» Ereignisse» kommen wird, werden die nächsten Tage lehren. Canro hat sich ivohl auf die Monroe- Doktrin Verlanen, die den Vereinigten Staaten die bewaffnete Ein- nlitchiliig einer europäischen Macht ans amerikaiiiichem Boden unerträglich encheiiien lassen werde. Allerdings isl iein Verhalten gegenüber der Union»ich! gerade geeignet, ihm dort Glinst und Schutz zu werbe». In der Tat zeigen die Nachrichten aus Amerika, dah man dort eine Zlichtigiing Castros, der jetzt sogar die Telegramme der Unions» regierung an ihren Bevollmächtigten in Venezuela auffängt, ziemlich allgemein für ratsam hält. Es steht allerdings noch nickt fest, ab die Veieiiiigten Staate» selbst aktiv eingreifen oder inil Frankreich eine Form der Aktion vereinbaren werden, die der Repiiblik ge- sialtel. sich selbst Geiiiiginung zu verschaffen. In Washington finden jetzt Verhandlniige» zwischen dem sranzvstichen Botichafter und dem Staatssekretär der auswärtigen Angelegenheiten statt. Leicht wird die Form des Eingreiiens ki-ineswegs zu finden sein. Handelte es sich nur um die Beleidigungen, so könnte sich Frankreich überhaupt darauf beschränken, so zu verfahren, wie Eng- land eS vor 30 Jahren Int, als der Präsident M e l g a r e j o von Bolivia den englische» Gesandten aus dem Lande treiben lieh. Eng- land begnügte sich damals damit, Bolivia einfach zu ignorieren nnd als ein„ivildeS Land" zu belrachten. mit dein man keine Be- ziehiingen luiterhält. In den, jetzigen Falle sind aber nicht nur kapitalistische Jnleressen im Spiel, sondern auch allgemeine Kultur- iilterefien, da es nickt in das Belieben eines Castro gelegt werden kann, Käbelverbiiidungen zu unterbrechen. Die Schlviengleiten einer Slrafexpedition liegen aber nicht nur ans politischem Gebiet— in der bisher aiierkaniiten Geltung der Monroe-Doktrin— sondern auch ans milimrischem. Castros Macht wäre niir durch die Eroberung von Caracas zu brechen. Dazu iväre aber eine stattliche Heeresniacht— 30 000 Man» niindestenS— erforderlich. Frankreich mühte also eiiicu wirklichen, grohen und nngemein kostspieligen Krieg führen, und es ist doch sehr die Frage, ob der ganze unangenehme Handel das wert ist. In jedem Falle inühle man gegen den Verslich protestieren, etwa Deulschlaiid mit Berufung auf die verpfändeten Zölle in die Angelegenheil zu ver- wickeln. Eine eriicute Auflage der Marokkoaffäre werden hoffentlich alle zurechiiuiigsfähigc» Leute von der Hand weisen. Washington, 22. Januar. sW. T. B.) Das Staatsdepartement hat dem französischen Botschafter Jlisserand die endgültige Ver- sichenmg gegeben, dah die Vereinigten Staaten eine Deinonstration von seilen Frankreichs in de» venezolanischen Gewässern nicht all! eine Verletzung der Monroe-Doktrin betrachten würden. veutfckes Reich. Vosksciltrechtung im Lande Schillers und Goethes. Nachdem bereits am Donnerstagabend in der„Weimarischen Zeitung" eine offiziöse„Belehrung" über das Verhallen der„Unter- tauen" zum 2l. und 22. Januar gegeben worden war, ist am Freitagabend in dem amtlichen Blatte auch noch eine Ministerial- bekanntinachllng erschienen. Dieselbe lautet: Ministerialbekaiintmachiulg. Da auch im Gebiete des GrohherzogtumS am 21. und 22. d. MtS. öffentliche Demonstrationen zur Berheri lichung der nissischen Revolutionäre geplant sind, so verordnen wir ans Grund des H t Ziffer 2 des Gesetzes vom 7. Januar 1854 über das Slrafandrohlliigsrecht der Polizeibehörde» was folgt: Für den 21. und 22. d. Mls. wird die Vcranstaltuiig ösicnilichcr Auszüge, sowie die Abl>nlt»»g von Vcrsiiiinuluugcn unter srciri» Hiunnel bei Vermeidung einer die Veranstalter ebenso wie die Teilnehmer treffenden Strafe an Geld bis zu 150 M. oder an Haft bis zu jechs Wochen hindurch untersagt. Aus den Bestiniinungen des Slrafyesetzbuches sich ergebende härtere Strafen bleiben vorbehalten. Die Geineindevorslände haben die vorstehende Verordnung sofort in ortsüblicher Weise innerhalb ihrer Gemeinden noch besonders zur öffentlichen KeiiiitniS zu briiige». Die Polizeibehörden habe» elivaige» Zuwiderhandlungen gegen vorstehendes Gebot nachdrücklichst entgegenzutreten. Weimar, den 18. Januar 1906. GroHHerzoglick Sächsisches Staatsministerium. Departement des Innern. Huniüus i. V. Nach dieser Bekanntmachung hätte man annehmen sollen, dah wenigstens Volksvertäminlungen in geschlossenen Räumen nichts in den Weg gelegt werden würde. Aber die kindische RevolittionSangst veranlaßte die Stadtbehörde in Jena, folgende Erklärung zu erlassen: Bekanntmachung. Auf landespolizeiliche Anordnung ivird die auf Soniilag, den 21. Januar 1906, vormittags 11 Uhr in das Volks ha us hier eiiiberi'feiie Veisammlung, in welcher über das Thema:„Die Freiheitskämpfe in Rahland" gesprochen loerden soll, mit Rücksicht ans die nach der Ver- s a m in l ii n g nicht ausgeschlossenen S t r a h e n- demonstrationen aus dringenden Gründen des vffcntlichen Wohls hiermit verboten. Zllwiderhandlungen werden auf Grund de? Z 4 Ziffer 2 der Miilistcrialvexordiiiliig vom 15. Juli 1874 nnt Geld bis zu 150 M. oder mit Hast bis zu sechs Wochen bestraft. Jena, den 20. Januar 1906. Der Gcmeindevorstand. Der II. Bürgermeister: Dr. W a g n e r. So wäre denn durch das hochwohlweise Walten deS Bürger« meisters der Staat gerettet worden I Und da versichert noch das „Berliner Tageblatt", dah sich das Bürgertum durch sozialdemo- kratische„Grohsprecherei" nicht nervös machen laste!— Bourgeoisjugeud von heute. Die Lorbeeren der Jenaer Studentenschast, die sich eine so schmähliche Denunziation der russischen Studenten an der dortigen Universität leisteten, weil diese es gewagt hatten, als Zuhörer den Verhandlungen des sozialdemokratischen Partei- tags beizuwohnen, lassen die Bourgeoissöhnchen anderer Hoch- schulen nicht schlafen. Vor uns liegt ein„Aufruf au die deutsche Stlidenteiischaft", der von der Darmstädter Burschenschaft„Germania" ausgeht und zu Sammlungen für die baltischen Flüchtlinge auffordert. In dem Aufruf heißt es: „Plötzlich und unaufhaltsam ist das Verderben über sie hereingebrochen. Und wir. die Volksgenossen! Sollen wir ruhig und untätig zusehen, wie dieses Jahrhunderte alte baltische Deutschtum von einem verhetzten und verdorbenen lettischen und e st h nischen Pöbel ausgerottet, von den alten Edel- sitzen und aus den deuischen Städten vertrieben ivird? Viel ist verloren an Leben und Gut. Aber schon beginnt die baltische Ritterschaft— noch mitten im Kamps— darüber nachzusinnen, wie das Zerstörte wieder aufzubauen ist, wie ohne Unterschied des Standes allen jenen geholfen werden kann, die während des Bürgerkrieges ihres Vermögens und ihrer Einkünste beraubt wurden... Deutsche Studenten! W-nn die sozialistische» Arkeiter Deuisch- lands sammeln, um die russische Revolution durch Geldbeträge zu uiitcrstüye»,— jene Revolution, die sich gegen Deutsche richtet und deren mühsam Errniigeiies in Hah und Habgier zerstört,— so ist es Zeit, dah alle nationalen Kräfte Denischlands ans Werk gehen, um diese Schnildc deS deutschen Namens iniszngleichc»." Wir nehmen es den Sprößlingen der deutschen Bourgeoisie nicht übel, tvenn sie aus Kiasseusolidarität für die baltischen Jlluker und Kapitalisten schwärnicn und zu Santmluugcn für sie auffordern. Nur hätten sie es doch lieber unterlassen sollen, sich in läppischen Schmähungeil gegen die Sozial- demokratie zu ergehen, die für die russische Revolution sympathisiert, wie seinerzeit die Schiller, K l o p st o ck, W i e l a n d und Herder mit der französischen Revolution sympathisiert haben! Beiläufig: Johann Gottfried Herder hat auch bereits vorahnend seine Sympathie mit der russischen Revolution bekliildet. In seiner Sammlung„Stimmen der Völker in Liedern" befindet sich folgendes Gedicht: Klage über die Tyrannen dcr Leibeigenen. Estbuisch. Tochter, ich flieh' nickt die Arbeit Fliehe uickt die Beereiisträucher, Fliehe nicht von Jaans Lande; Vor dem bösen Deutschen flieh' ich, Bor dem schrecklich bösen Herrn. Anne Baureil, an dem Pfosten Werden blutig sie gestrichen. Arme Baureii in den Eisen, Männer rasselten in Ketten, Weiber klopften vor den Türen, Brachten Eier in de» Händen, Hatten Eierschritt im Handschuh. llntcri» Arme schreit die Henne, Unlerin Aermel schreit die Graugans, Auf dem Wagen blölr daS Schäfchen. Unsre Hühner legen Eier Alle für des Deutschen Schüssel: Schäfchen setzt sein fleckig Lämmchen, Das auch für des Deuischen Bratspieß. Unsrer Kuh ihr erstes Oechsen, Das auch für des Deuischen Felder. Pferdche» setzt ein muntres Füllen, Das auch für des Deuischen Schlitten. Multer hat ein einzig Söhnche», Den auch an des Deutschen Pfosten. Fegefeuer ist unser Leben, Fegesener oder Hölle. Feurig Bröl ihl man am Hofe, Winselnd trinkt man seinen Becher. Feuerbrot mit Feuerbrailde, Funken in des Brotes Krume, Ruthen unter Brotes Rinde. Wenn ich los von Hofe komme, Komm ich aus der Hölle wieder, Komm zurück aus Wolfes Rachen, Konnn zurück aus Löwens Schlünde, Aus des Hechtes Hinterzähnen, Los vom Bih deS biliitcn Hundes, Los vom Bih des schwarzen HundeS. Ei I du sollst mich nicht mehr beihen, Buntes Hüudcheii, und du schivarzer! Brot' Hab' ich für euch, ihr Hunde, In der Hand hier für den sckivarzen, Unterm Ann hier für den grauen, In dem Busen für das Hündchen. Zu diesem Gedicht machte Herder die Anmerkung: „Wahrer Seufzer aus der nicht dichterisch, sondern wirklich gefühlten Situation eines ächzenden Volks, ganz wie er ist."- Die Zersetzung des Freisinns. Die„Freie Deutsche Presse" schreibt:„Der Ab- geordnete Sartorius hat kcider bisher weder sein Reichstags- mandat niedergelegt, noch mit der Parteileitung in der Frage irgend welches Eiiivernehinc» gesucht. Es ist zu hoffen, daß er sich möglichst bald zu jenem dringend notwendigen Schritte ent- schlicht." Auch die kolonialpolitischen Aspirationen des Abgeord- neten G o i l e r, der Hospitant der Freisinnigen Volkspariei ist, werden in dem Berliner Parteiorgan einer scharfen Kritik unter- zogen. Es heiht dort nämlich:„Ter Abgeordnete Tr. Gollcr scheint über die Rechte und Pflichten parlamenta- rischer Gastfreundschaft wenig orientiert zu sein. Bisher war es im Reichstag nicht üblich, dah ein Hospitant die Fraktion, die ihm Aufnahme gewährte, in solcher Weise angriff, wie dies am Tonerswg seitens des Abgeordneten Goller gegenüber der Freisinnigen Volkspariei geschehen ist, zu der er im Verhältnis eines Hospitanten steht." Um das schöne Bild der freisinnig-volksparteilichen Selbst- Zersetzung noch zu ergänzen, sei daran erinnert, daß neben Goller auch Herr Eickhoff gegen den Fraktionsredncr Lenzmann polemisierte I Und die Leutchen, in deren Fralttönchcn es selbst an allen Ecken und Enden kracht, spekulieren auf eine Zersetzung der deutschen Sozialdemo- jiy,»i(>I- Wahlmanöver des Zentrums. Bei der Reichstagsersatzwahl in Bonn-Rhein. dach sind die sozialdemokratischen Stimmen nur um ein geringes hinter der Stimnienzahl bei der Hauptwahl zurückgeblieben, trotz dcr schmählichen Kampfcsweise des Zentrums, trotz des Fehlens jeder Versammlungsgelegenheit und der Vergewaltigung unserer Flugblattverteiler. Wessen das'Zentrum sähig ist, dafür ein Bei- spiel, das wir unserem Kölner Parteiorgan, der„Rheinischen Zeitung" entnehmen: In Wesseling gingen die sozialdemo- kratischen Stimmen um 23 zurück, die des Zentrums stiegen um 40. Von der K a n z e l herab war die Wahl des Zentrumskandi- daten als die Pflicht jedes katholischen Mannes bezeichnet worden. Die Schulkinder rissen die sozialdemokratischen Plakate herunter; auf Befragen erklärten sie, sie handelten auf Geheitz des Kaplans. Das jemis des sozialdemokratischen Vertrauensmannes wurde mit Schmutz beworfen und mit Steinen bombardiert. Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses führten katholische Wähler einen indianerhaften Tang vor dem Hause auf. Die Kinder des Genossen dürfen sich nicht auf der Strahe blicken lassen. Dem Ge- nossen selber schreit Alt und Jung die schönsten Liebenswürdigleiten nach. Auch aus seiner Wohnung möchte man ihn vertreiben, weil man die Gewißheit hat, datz er eine andere Unterkunft in dem Orte nicht mehr finden würde. Am Tage vor der Wahl verbreitete man das Gerücht, der sozialdemokratische Vertrauensmann sei ver- haftet worden.— So sieht es mit den geistigen Waffen des Zentrums aus!— Der Milchring vor dem Reichsgericht. In den Prozessen der Milchzentrale gegen ihre ausgeschiedenen Genossenschafter hat nunmehr das Reichsgericht das entscheidende Wort ge- sprochen. Bekanntlich halte die Milchzcntrale kurze Zeit»ach Beginn des Milchkrieges, als sich ihre Frnanzlage verschlechterte, durch Generalversaniinlnngsbeschlutz den Genossenschaftern eine fort- laufende Abgabe von den Milchlieferungen nach Berlin und den Vororten Berlins auferlegt, die so lange erHobe» werden sollte, „bis die Uuterbilanz gedeckt ist". Ueber die Zulässigkeit dieser Ab- gäbe entstand sehr bald ein Streit zwischen der Milchzentrale und einem Teil der Genossenschaster, die Zahlungsleistung mit der Begründung verweigerten, datz eine solche Abgabe gegen die Grundlagen des Genossenschaftsrecht verstotze. Wöhrend daS Landgericht Berlin I in der überwiegenden Anzahl der Fälle die Abgabe für unzulässig erklärte, gingen die Entscheidungen des Kammergerichls über dies en Punkt auseinander. Nachdem zunächst die Milchzentrale den viel besprochenen Prozetz mit der Li l o st e r f e l d e r Milch- verwertungs-Genossenschaft verloren hatte, erfolgte die im Reichstag niedriger gehängte durchaus dem Recht lvider- sprechende Antwort des damalige» I usti z m i n i st e rs Dr. Schön- st e d t auf die ungeheuerliche Zumutung deS konservativen Abgeordneten Ring, die Richter zu veranlasien, nach seiner, des Abgeordneten Ring Ansicht zu entscheiden, das heitzt zuungunsten der Klein- dauern und zugunsten des von Herrn Ring und eine in wegen Erpressung und dergleichen be- st r a f t e n M i l ch r i n g l e i t e r s. Auch nach der silstiz- ministeriellen Rüffelung des Senats, der zugunsten der Klein- bauern entschieden hatte, entschied der 13. Zivilsenat des Kammergerichts noch im gleichen Sinne dahin, datz die streitige Abgabe nichtig sei, zwei andere Senate des Kammer- gerichts entschieden aber zugunsten der Milchzentrale. Auf die Revision der vom Kammergericht verurteilten Genossen hat jedoch jetzt das Reichsgericht am 20. Januar 1906 in zwei Sacke» die Unzulässigkeit der bezüglichen Provisions- abgäbe ausgesprochen. Auf die Revision wurden in den zwei Sachen der Rittergutsbesitzer Böhm und Zackcr gegen die Milchzentralc die Entscheidungen des Kammergerichts vom Reichsgericht aufgehoben, die Forderung der Milch- zentrale auf Bezahlung der fortlaufenden Abgaben für unzulässig erklärt und zugleich in der einen Sache, in ivelcher bereits Zahlung erfolgt ivar, die Milchzentrale zur Rückzahlung von 3386 Mark verurteilt.— Damit ist die im Reichstage von unseren Genossen verteidigte Rechtslage auch vom Reichsgericht als richtig anerkannt. Zugleich zeigt der Ausgang dieses Prozesses deutlich, wie recht die sozialdemokratischen Redner im Reichstag hatten, als sie darauf hinlviesen, die völlig haltlosen von Ring und Genossen vertretenen Ansprüche würden, sobald eine revisible Summe in Betracht käme, zurückgewiesen ivcrden, die Klein- bauern aber durch die Hinaufschraubung der Revisions- summe auf 2300 M. durch die gesetzgeberischen Machenschaften der Konservativen und des größten Teils des Zentrums ver- gewaltigt. Die Kleinbauern, die nach jenem Eingriff des Justiz- Ministers in die Rechtspflege vom Kannnergericht zu weniger als 2300 M. Zahlung verurteilt wurden, müssen diese Summe bezahlen, da ihnen die Revision abgeschnitten ist, während die Ritlerguts- besitzer bei absolut gleicher Rechtslage vor dem Reichs- gericht Schutz gegen Ring und Genossen finden konnten.— Hamburger Nachtbild. Der„Vossischen Zeitung" entnehmen wir folgendes, von einer Leserin ihr zur Verfügung gestelltes Nachtbild über das Walten der Polizei am letzten Mittwoch: „Ein Mensch flog an der Ecke vorbei, gleichsam als sei er schubweise von einer Faust zur nächsten gestoßen worden, und nun stürzten sich die nächsten 3— 6 Schutzleute über ihn, knufften ihn, pufften ihn, packten ihn, schüttelten ihn, warfen ihn zu Boden, zogen Guministäbe hervor, prügelten �mf ihn ein, rissen ihn wieder auf und ließen den mehrfach im Stratzenschmutz Umgewendeten taumelnd aus ihren Reihen den Ausweg suchen. Der Mitzhandcltc war ein gutgekleideter Herr, der ganze brutale Vorgang ging lautlos von statten, weder Frage, noch Befehl, noch Warnung, noch Wider- rede ward hörbar. Nach der Tat blickte einer der beteiligten Polizisten mit Befriedigung auf seinen Säbel, den er gezogen hatte und noch bloß in der Hand hielt, uns war freilich entgangen, ob er mit der blanken Waffe dreingehaucn hatte. Datz dieses zu den Gepflogenheiten dieser Nacht gehörte, erwies sich allerdings bald genug, als ein anderer, nach seinem Aeutzern ebenfalls guten Gesell- schaftskreiscn angehöriger Herr mit blutüberströmtem Kopf und Gesicht daherwankte. Vom Wirbel bis dicht ins Auge lief ihm eine breite Wunde und das strömende Blut wischte er vergeblich mit beiden Händen ab, Stirn und Hände waren völlig besudelt.„Der hat sein Teil", scheinen die Polizcileute zu denken, denn sie ließen ihn unbehelligt, keiner kümmerte sich um ihn. als er hülflos von einer Straße zur anderen irrte, offenbar noch halb betäubt von der Verwundung. Inzwischen war wieder ein Konflikt mit zwei Herren ausgebrochen, die sich die Behandlung drevi manu von der Schutzmannschaft nicht gefallen lasfen wollten. Ihre lauten Proteste wurden erhoben, während sie sich in kreisförmigen Drehungen unfreiwillig umherpuffcn lassen mutzten, sie retteten sich auf die Treppenstufen des Restaurants, und es erboten sich von den empörten Zusckxmern sofort mehrere zur Zeugenschaft für ihre Beschwerde über einen der Polizisten, dessen Nummer festgestellt wurde. Darüber wie über die immer lauteren Acutzerungen des Unwillens aus dem Publikum auf der Treppe erbost, verlangten die Schutzleute jetzt Räumung der Stufen, obwohl diese zweifellos dem Hausfrieden des Lokales und nicht der öffentlichen Straße zugebörten. Brutal ritz ein Gendarm eine Dame am Arm zwei Stufen herab und herrschte sie an, sie solle nach Hause gehen, und zwar tat er dies, während die Dame soeben in der höflichsten Form seinen Vorgesetzten befragte:„Herr Wachtmeister, wollen Sie mir angeben, auf welche Weise ich ungefährdet von hier fortkommen kann?" Der Wachtmeister tat nichts, um seinen Untergebenen auf diese Ungebühr aufmerksam zu machen, dessen Nummer wurde jedoch seitens der Beleidigten festgestellt unter energischem Protest gegen seine Tätlichkeiten. Nachdem auch diese Partei den Weg durch die Polizei nunmehr unbehelligt eingeschlagen hatte, suchte der Schutz- niann sich Gegenzeugen dafür zu schaffen, datz er„ihr nichts getan habe". Er fand aber wenig Gegenliebe bei den empörten Zuschauern, die, wie immer ihre Auffassung von StaatSraison und Staatsgewalt sein mochte, nunmehr ihren Heimweg zurücklegten, voll tiefer Er- bitterung über die sinnlose Anwendung derselben„gegen völlig ruhige Passanten". Diese Federzeichnung mögen sich die Scharfmacher allerlei Richtungen vor den Spiegel stecken. /iiiswticL Gedenkfeiern veranstalteten unsere Parteigenossen im Auslande. Es liegen uns folgende telegraphische Meldungen vor: Wien. In einer massenhaft besuchten Soimtagsvolksversammlung feierten die sozialdemokratischen Arbeiter Wiens den Jahrestag des Ausbruchs der russischen Revolution. Abg. Dr. Adler hielt die Gedenkrede. Sodann schilderte der russische Sozialist Petlolo die Vorgänge in Rußland, insbesondere den Aufstand in Moskau. Nach Beschließnng einer Sympathiekundgebung für die im Wahlrechtskampfe stehenden Arbeiter Deutschlands zogen zahlreiche Teilnehmer unter Vorantraguug großer Fahnen und unter Hochrufen durch die Maria- Hilferstraße. Paris. Die sozialistische Partei veranstaltete am Sonnabend- abend in Paris zahlreiche Versammlungen zur Erinnerung an den blutigen Sonntag in Petersburg. Dieselben verliefen ohne jeden Ztvischenfall. In allen Versammlungen wurde eine Sympathie- resolution angenommen._ England. Die Wahlen. Je mehr Resultate belannt iverden, desto mehr verschiebt sich das Bild zugunsten der Liberalen, die nach den letzten Meldungen bereits 262 Mandate besitzen und damit schon jetzt eine absolute Mehrheit von 16 Stimmen über alle anderen Parteien zusammen erzielten. Da sie bei den noch ausstehenden Wahlen weitere Sitze erobern werden, so ist ihnen im neuen Parlamente eine große Majorität sicher.— Die Unionisten haben es bis zur Stunde auf >14. die Nationalisten auf 79 und die Arbeiter auf 33 Mandate gebracht. Es haben bisher gewonnen: die Liberalen 146, die Unionisten 9, die Nationalisten 1, die Arbeiter 28 Mandate. Die Mitglieder der unabhängigen Arbeiterpartei haben be- schlössen, eine besondere Gruppe zu bilden und jede Identifizierung mit irgend einer Richtung der Liberalen oder Konservativen zu ver- meiden.— Dänemark. Die Erfolge der Sozialdemokratie bei den Stadtratswahlen. Die dänischen Stadtratswahlen wurden am Dienstag beendet. Von den 417 Mandaten, die zur Wahl standen, erhielten die Sozial- demokraten 135, dw Radikalen 80 und der reaktionäre Kuddel- muddcl 182. Es gnd im ganzen 50 Städte, in denen Sozial- demokraten gewählt wurden. Die Stadtratswahlen der allgemeinen Wählerklasse finden alle 6 Jahre statt, ebenso die der höchstbesteuerten Klasse. Alle 3 Jahre wird gewählt, das eine Mal von der allgemeinen, das andere Mal von der höchstbesteucrten Klasse. Jene Klasse hat stets einen Vertreter mehr zu wählen als diese, das heißt in den Städten; in den Landgemeinden ist das Verhältnis um- gekehrt. Das Wahlrecht in der allgemeinen Klasse hat jeder Mann, der zur Steuer eingeschätzt ist(was mit jedem geschieht) und das 25. Lebensjahr erreicht hat. Insofern ist also das Wahlrecht allgemein. Die Klasseneinteilung wird allerdings noch ungerechter dadurch, datz die Höchstbestcuerten nicht nur in ihrer, sondern auch in der allgeincinen Klasse wählen. Immerhin ist die Arbeiterschaft bei diesem Klasscnwahlrecht in der Lage, die Mehrheit in den Stadträten zu gewinnen, was bei diesen letzten Wahlen auch in einer Reihe von Städten gelungen ist. Selbst in den kleineren und kleinsten Städten ist die Sozialdemokratie in die Gemeinde- Vertretung eingedrungen. In den meisten Städten hatten unsere Parteigenossen dies- mal gemeinsame Kandidatenlisten mit den Radikalen aufgestellt. In 8 Städten hatten sie jedoch reine sozialdemokratische Listen, die in 6 dieser Städte siegten. In weiteren 6 Städten hatten sie zwar eigene Listen aufgestellt, jedoch einzelne radikale Kandidaten mit ausgeführt. Hier siegte überall die Liste der Sozialdemokratie. Wie gewaltig der Fortschritt der Sozialdemokratie ist, zeigt ein Vergleich mit den beiden letzten Stadtratswahlen der allgemeinen Wählerklasse. Im Jahre 1894 waren die Konservativen in den meisten Städten die herrschende Partei. Die Wahlen brachten der Sozialdemokratie in 8 Städten zusammen 10 Mandate. Im fol- genden allgemeinen Wahljahre, 1900, büßten die Konservativen ihre Mehrheit an Mandaten der allgemeinen Wählcrklasse ein und er- litten eine gründliche Niederlage. 208 Mandate fielen der alliierten Demokratie(der Linken und der Sozialdemokratie) zu. Davon kamen auf unsere Genossen 36 Mandate in 25 Städten. Und nun sind es, wie gesagt, 135 Mandate in 50 Städten, die der Sozial- demokratie gehören. Die schwerste Niederlage hat diesmal die Linken-Reformpartei erlitten, die ja 1901 zur Regierungspartei wurde und immer mehr in den Sumpf der Reaktion �hinabglitt. Sic hat in den Stadträten bei diesen Wahlen ihre Selbständigkeit vollständig ein- gebüßt. Wie viele von den 182 Mandaten der Reaktion ihr eigentlich gehören, läßt sich genau nicht feststellen, doch werden es kaum mehr als 50 sein, die sie mit konservativer, moderater und antisozialistischer Hülfe ergattert hat. Ihre politische Niederlage bei der Neuwahl des Folkethings im Juni dieses Jahres scheint ebenso unvermeidlich und naturnotwendig wie der Fortschritt der Sozialdemokratie.— Finnland. Finnland im Jahre 1W5. Unter allen Ländern, die zum russischen Reiche ge- hören, ist Finnland das einzige, das eine gewisse Selbständig- keit und eine Verfassung, ein Parlament hat. Allerdings ist es eine Verfassung, bei der die große Masse des Volkes durch ein ausgeklügeltes Zensus- und Pluralwahlsystein jast ganz rechtlos ist. Aber gleichwohl ist sie der russischen Despotie ein Dorn im Auge. Seit Finnland in, Jahre 1809 an Rußland kam, haben die verschiedenen Zaren die Rechte und Freiheiten des Landes beschworen und sie auch im all- genieinen bis zum Jahre 1890 respektiert. Danach kam je- doch bald eine Zeit der Verfassungsbrüche, die ihren Höhe- Punkt in der Wehrpflichtsordnung von 1901 erreichten. Nach dem alten Wehrpflichtsgesetz dienten die Finnländer nur drei Jahre und zwar, mit Ausnahme der zum finnischen Garderegiment in Petersburg Ausgebobenen, in Finnland selbst. Nun führten die russischen Gewalthaber, natürlich ohne Zustimmung der Stände, das r u s fische Wehrpflichts- system ein mit der fünfjährigen Dienstzeit und der Ver- schickung nach eineni beliebigen Teil des russischen Reiches. Alle Proteste gegen diesen Verfassungsbruch waren ebenso erfolglos wie die gegen die früheren Verfassungsbrüche. Man versuchte es mit einem Wehrpflichtsstreik, und außer- dem wanderten viele Tausend junger Männer aus, um der russischen Militärknute zu entgehen. Kein anderer Verfassungsbruch konnte die Masse des Volkes so empören wie dieser, der ja nicht nur die Wehr- Pflichtigen selbst, fondern in den meisten Fällen auch ihre Eltern und Familienangehörigen aufs schwerste schädigen mußte, zumal bei einem Volke, das— wie das finnische— zu vier Fünfteln Landwirtschaft betreibt, bei der ja vor allem junge kräftige Männer unentbehrlich sind. Das Unheil Rußlands im Kriege gegen Jq�in und die Vorbotey einer russischen Revolution gaben auch den Finn- ländern neue Hoffnung, ihre alten Rechte und Freiheiten wieder zu gewinnen und vielleicht noch etwas mehr zu er- reichen. Bereits in den letzten Tagen des Jahres 1904 hatten die Stände des Landtages eine Petition an den Zaren um Wiedereinführung der verfassungsmäßigen Ktaatsordnung gerichtet. Im Januar 1905 wurde dann eine Arbeitsein- stellung des Landtages beschlossen: Alle Arbeiten, die nicht mit jener Petition zusamnienhingen, sollten liegen bleiben, bis die Petition beantwortet war. Die Ausschüsse des Land- tages schloffen sich diesem Vorgehen an. � Anfang März richteten der Adels-, Bauern- und Bürgerstand des Landtages eine Petition an den Zaren, in der verlangt wurde, daß die Anwendung von Zwangsinitteln zur Durchführung der ver- fassungswidrigen Wehrpflichtsordnung sofort aufhören sollte. Inzwischen wurde der Senatsprokurator I o h n s o n, ein Finne von Geburt, aber ein Werkzeug der russischen Despotie, also ein Vaterlandsverräter, durch das Attentat des Pfarrers- sohnes Bennart Hohenthal beseitigt. Ein weiteres Attentat wurde im März, und zwar gegen den Wiborger Gouverneur Mjawjedow verübt. Endlich ließ sich denn auch die russische Regierung zu einigen Zugeständnissen herbei. Sie verfügte Ende März, daß die Aushebung der Wehrpflichtigen im laufenden Jahre nicht nach der Wehrpflichtsordnung von 1901 erfolgen, ferner, daß die Unabsetzbarkeit der Richter von neuem eingeführt werden sollte. Dieser Erfolg, der ja bei der wohlbekannten Wortbrüchigkeit der russischen Gewalthaber jederzest wieder rückgängig gemacht werden konnte, war natürlich nicht im- stände, die Volksbewegung zu dämpfen, die— nachdem die Landtagssession beendet war— immer mächtiger wurde. Gewaltige Volksversammlungen verlangten, daß alle russi- schen und finnischen Beamten in Finnland, die die Verfassung des Landes nicht beachteten, ihres Amtes entsetzt würden. Bei mehreren Gouverneuren wurden Bürgerdepntationen vor- stellig und forderten deren Anitsniederlegung. Aber Erfolg hatte die Bewegung erst, als am 1. No- vember der Generalstreik proklamiert wurde. Man hat diesen Streik einen„Nationalstreik" genannt, und es waren auch wesentlich nationale Forderungen, die durch ihn erfüllt wurden. Die russische. Gendarmerie und Polizei mußte das Land verlassen, die Vertreter der russischen Gewaltherrschaft, unter ihnen auch sinnische Vaterlandsverräter, die sich zu Zarenknechten erniedrigt hatten, wurden verdrängt, und selbst der Minister-Staatssekretär Linder mußte � seiner Wege gehen. Es kam ein neuer Senat ans Ruder, in den:»eben ehemals«landesverwiesenen finnischen Bürgern auch ein or- ganisierter Sozialdemokrat, der Volksschnllehrer Kari, einen Sitz erhielt. Aber die Forderung der Arbeiter nach pollti- scher Gleichberechtigung ist durch den Generalstreik nicht erfüllt...„,- s. x= In einem Zarenmanifest wurde jedoch eine durchaus demokratische Volksrepräsentation in Aussicht gestellt, und das neue Ministerium nahm vor allem diese Forderung in sein Programm auf. Für die Landtagswahlen hätte die Sozialdemokratie auf ihrem Parteitag in Tammersfors Wahlenthaltung beschlossen: unsere Parteigenossen ioollten keinen Teil mehr haben an dieser veralteten Ständevertretung. Sie fühlten sich stark genug, wenn es nötig werden sollte, durch einen neuen Massen- streik das allgemeine, gleiche Wahlrecht zu erringen, wie s i e es schließlich waren, die die Befreiung des Vaterlandes von der russischen Gewaltherrschaft erkämpften. Finnland ist in das Jahr 1906 mit den schönsten Hoff- nungen auf eine bessere Zukunft eingetreten. Und wenn durchs das zeitweilige Erstarken der russischen Gewaltherrschaft in Rußland selbst auch die sinnischen Freiheiten wieder in Ge- fahr kommen sollten, so findet doch das finnische Bürgertum. namentlich wenn es so klug sein sollte, schleunigst die politische Gleichberechtigung durchzuführen, im Kampfe für das Vater- land an der Arbeiterschaft einen Bundesgenossen, ja einen Führer, der das finnische Volk unüberwindlich macht.— Eue der Partei. polizeiliches. Ocricbtlichcs uto. Die„Wahrheit" vergeblich gesucht haben zwei Polizeibeainte, die in der Expedition der„Dortmunder Arbcitcrztg." nach der Flugschrift dieses Namens suchte». Das Freiligralhfchc Gedicht über die Nepolulion, in dem der Dichter ruft:„Sie ist nicht tot!"— hatte es den, Staatsanwalt angetan. Er wollte deswegen diele Wahrheit, die der lange tote Dichter als Prophet verkündet hatte, durch die Polizei hinter Schlotz und Riegel bringen lassen.— Man fand nur eine Anzahl ühcrflüssiger Flug- blätter; die„Wahrheit" konnte nicht konfisziert werden I Königsberg über Breslau. Ein P r i v a t t c i e g r a m m meldet aus Königsberg, 22. Januar. Genosse C ri s p i e n, der ver- antwortliche Redakteur der..Königsberger Volkszeitung", wurde soeben verhaftet wegen Abdrucks der Gerichtsverhandlung gegen den Genossen Lobe- Breslau. Die Viitteilung ist wieder echt königsbergisch! Offenbar hat Genosse C r i s p i e n zum' besseren Verständnis seiner Leser auch die Stellen abgedruckt, derentwegen Lobe verurteilt worden ist. Bei der herrschenden Judikalnr Ivar das vielleicht unvorsichtig, wenngleich selbst ei» Jurist iin Zweifel sein kann, ob ein solcher Abdruck zur Information die Absicht und das Bewußtsein der Beleidigung voraussetzen muß. Aber—)u»d das ist das wesentliche!— Genosse Lobe, der eigentliche Sünder im Sinuc der Justiz, wurde vor der Verhandlung gegen ihn nicht verhaftet. In Königsberg aber setzt man seinen unvorsichtigen Nachahmer(er ist es nicht einnial) völlig fest!—_ Wegen MajcstiitSbcleidiguug ist gegen den Genossen Marchionini von der„KönigSbergcr Volkszeitung" Anklage erhoben worden, wegen eines Zusatzes, den er zu einer Zuschrift aus Gumbinnen veröffentlicht hat. Auf 19 Jahre. 11 Monate Gefängnis und 37 Wochen Haft erkannten die Dresdener Gerichte in Verteidigung des jetzigen sächsi- scheu Wahlunrechles gegen 26. angebliche Demonstranten. Nur fünf von den 26 Angeklagten haben wirklich an DemonstrationSversamm- lnnge» teilgenominen. Die übrigen leugneten nicht nur dies, sondern sogar jede Gemeinschaft mit der Sozialdemokratie. Soziales. Was ist Heimarbeit? Ans Anlaß der Heimarbeit-Ausstellung findet eine Reihe von Vorträgen über die Heimarbeit statt. Den ersten dieser Vorträge hielt Professor Werner Sombart am Sonnabend in der Aula des Friedrich-Werdersche Gymnasiums vor einem zahlreichen, dem Anscheine nach fast ausschließlich bürger- lichen Publikum. Der Vortragende sprach über das Thema:„Was ist Heimarbeit?" Er sagte in der Hauptsache: Von Ilnbeginn war jede gewerbliche Arbeit Heimarbeit, denn sie wurde im Heim des Arbeiters angefertigt. Das ist aber nicht Heimarbeit in unserem Sinne. Früher wurden in der Familie die Bedarfsartikel für die- selbe hergestellt, dann entstand das Handlverk, das für andere ar- bcitete, teils auf Bestellung, teils, indem es seine Erzeugnisse im Hausierhandel verkaufte. Dann trat der kapttalistische Unternehme» auf. der den Vertrieb der Produkte übernahm, welche d!e Pro- � alten Arbeiterinnen, übertreten haben. Vegründend» wurde unter duzenten in seinem Auftrage anfertigte». Von diesem Zeitpunkt ab anderem ausgeführt: Der Teil deS Geschäfts, wo Zuloffe sortiert, existiert in der Geschichte die Heimarbeit. Sie drückt ein eigen- abgemessen, abgeschnitten, eingerichtet würden usw., stelle eine artige» soziales Verhältnis aus: Leiter der Produktion ist nicht mehr der Arbeiter, sondern der Kaufmann, der Verleger. Tie Ar- beir wird für den kapitalistischen Unternehmer gegen Lohn aus- geführt und zwar im Hause des Arbeiters. Diese Art der Heim- arbeit wurde verrichtet von Handwerkern, die keine selbständige ön f e k t i o n s w e r k st a t t im Sinne der Bundesrats- Verordnung dar. Zum gewerblichen Teil des Betriebes gehöre auch das ganze Abnahmegeschäft, denn erst mit der Abnahme sei das Produkt für den Verkauf re if- Also seien die Anprobierdamen gewerblich beschäftigt auch bei dem An- Existenz mehr führen konnten und namentlich von der ländlichen' probieren, soweit es den Zwecken der Abnahme diene. Nun gehöre Bevölkerung, die ihren Lebensunterhalt nicht mehr durch Ackerbau gewinnen konnte. Tic Heimarbeit trug zuerst einen ländlichen Charakter. Sie erstreckte sich hauptsächlich auf die Textil-, die Holz-, die Korbwaren-, die Klcineisen-, die Uhren- Industrie.— Durch das Aufkommen der mit Einführung der Dampfmaschine cnt- stehenden modernen Technik trat eine Umwälzung im Produktions- Prozeß ein. Für den Unternehmer war es vorteilhafter, sich nicht mehr der Heimarbeit zu bedienen, sondern die Produtte durch Maschinen in Fabriken herstellen zu lassen. Mit den Spinn- Maschinen und den mechanischen Webstühlen konnten die Hand spinnet und-Weber nicht mehr konkurrieren, infolgedessen starb die alte Art der.Heimarbeit allmählich ab. Es sind nur noch Reste der- selben vorhanden. Im letzten Menschenalter ist eine ganz neue Art der Heini arbeit entstanden. Das kapitalistische Interesse bemächtigte sich aufs neue dieser Produktionsform, welche bereits abgestorben sckien. Typisch für die neue Form der Heimarbeit ist die Konseltion. Diese .Heimarbeit basiert auf einem ganz anderen Arbeitermaterial als die frühere, die sich auf den Ueberfchuß der ländlichen Bevölkerung stützte. In der Neuzeit strömt der BcvölkerungSüberfchuß vom Lande nach der Großstadt. Hier gibt es infolgedessen Elemente in Massen, die keine Existenz haben. Noch eine andere Erscheinung liegt der modernen Heimarbeit zugrunde: Die Auflösung der historischen Familie. In früheren Zeiten verdiente die Frau ihren Unterhalt durch hauswirtschaftliche Arbeit. Dieser Zustand schtvand, je mehr die Familie auf einen engen Raum zusammengedrängt wurde, bis sie schließlich in der Großstadt in einem Zimmer endete. Da ist nicht mehr Raum und Gelegenheit für die Arbeit der Frau. Wenn der Mann nicht genug verdient, um die Frau zu erhalten, dann muß sie sich nach einer Erwerbsarbcit umsehen. und wenn sie nicht in die Fabrik gehen will, bleibt ihr nichts übrig, als eine Arbeit zu suchen, die sie im Hanse verrichten kann. Das ist die Wurzel der modernen Heimarbeit. Die neuen Zweige der Heimarbeit sind solche, wo die Fabrikarbeit dem Unternehmer keinen wesentlichen Vorteil vor der Heimarbeit bietet. In diesen Zweigen ist die Heimarbeit für den Unternehmer billiger als die Fabrik- arbeit, denn den Heimarbeitern mangelt der Zusammerkhalt, durch den sie sich vor Lohndruck schützen können. Die Heimarbeit ist auch beweglicher, sie bietet dem Unternehmer im höheren Maße wie die Fabrikarbeit die Möglichkeit, sich den Anforderungen der Saison an- zupassen. Nicht das Interesse des Arbeiters, zu Hause zu arbeiten, sondern das Interesse des kapitalistischen Unternehmers schafft die Heimarbeit. Die neuen Zweige der Heimarbeit werden nicht eher absterben, als bis Maschinen erfunden werden, welche die Fabrik- arbeit für den Unternehmer erheblich vorteilhafter gestalten als die Heimarbeit, wie es in der Textilindustrie der Fall ist. Es fragt sich nun, ob wir die Heimarbeit erhalten, oder Mittel und Wege suchen wollen, sie umznbringeir Entscheidend für diei«: Frage ist das Wohl und Wehe der Heimarbeiter. An sich ist weder die Fabrikarbcit besser als die Heimarbeit, noch umgekehrt. Ich bin — sagte der Redner— von meiner früheren Ablehnung der Heim- arbeil etwas abgekommen. Ich schätze den Zusammenhang der Familie außerordentlich hoch, denn in ihm liegt eine sittliche Potenz von großer Bedeutung. Wenn es möglich wäre, unter menschenwürdigen Verhältnissen in der Familie zu arbeiten, dam« toürde ich, namcntlicb für die Frauen, die Heimarbeit der Fabrik- »arbeit vorziehen Wenn die Heimarbeit nur unter mcnschenun- würdigen Verhältnissen möglich ist— was für viele Zweige der- selben zutrifft,— dann können die Uebel stände der Heimarbeit das sittliche Moment, welches in der Familicnzusainmcngehörigkeit liegt, aufheben. Falsch ist es, wenn man Heimarbeitcrpolitik nur vom Gesichtspunkt des Interesses der.Heimarbeiter betreiben wollte. ES muß vielmehr das Interesse aller Lohnarbeiter des betreffenden Produktionszweiges berücksichtigt loerden. Von diesem Gesichtspunkt kommen wir zu dem Ergebnis, daß die beiden wichtigsten Momente, welche die Hebung der Lohnarbeiterklassc bedingen: Arbcitcrschutz und Arbeiterorganisation, durch die Heimarbeit aufgehalten, ja auf- gehoben werden. Die Heimarbeit entzieht sich dem gesetzlichen Schutze, der staatlichen Regelung fast ganz. Sre cntziebt sich auch der Möglichkeit, die Arbeiter gcrnerfstchaftlich zu organisieren, und so wird das gemeinsame Vorgehen der Arbeiter, wodurch sie ihre Lage bessern können, zurückgehalten. Zum Schluß lvarf der Redner die Frage auf, welches Interesse das große Publikum an dieser Sache habe. Er beantwortete sie dahin: In erster Linie ein hygienisches Interesse, denn mit den Erzeugnissen der Heimarbeit könnten Krankheiten aus der Familie des Heimarbeiters auf die Konsumenten der Produkte übertragen werden. Ferner sollten sich auch die Frauen, die sich init Wäsche, Kleidern und anderen Erzeugnissen der Heimindustrie schmücken, sagen: An solchen Dingen, die aus Blut und Schweiß armer Ar- bciterinnen hergestellt sind, habe ich keine Freude. Und das große Publikum, die, welche heut auf dem Presseball oder dem Metropol- ball sind, sollten sich den Gedanken einprägen: Wir wollen keine Kultur, die auf dem Elend von Sklaven beruht. In diesen Kreisen mehr soziales Empfinden zu erwecken, dazu solle die Heimarbeit- Ausstellung beitragen: Daß an diesem Werke Leute aus dem bürgerlichen und dem prolctarisch-sozialdcmokralischcn Lager mit- gearbeitet haben, erfülle ihn, den Redner, heut„am Vorabend der sozialen Revolution"(Heiterkeit) mit besonderer Befriedigung. Unbeschadet der Idee des Klassenkampfes, der eine unvermeidlich: und segensreiche Erscheinung sei, könnte» sich bürgerliche und sozial- demokratische Elemente zu gewissen Werken zusammentun. Ein solches Werk sei die Frage der Heimarbeit und ihre Lösung.— Ter Vortrag fand lebhaften Beifall.» Koufcktionswerkstatt und Schuh der Probiermamsell. Herr K. betreibt in der Kurstraße eine„Dameninäiitelkonfekiion engroS". Er ist Kaufmann. Die Stoffe bezieht er aus Fabriken. Die Märnel werden außerhalb seines Geschäfts bei'200 Zwischemneistern angefertigt. In dem Geschäft gibt es jedoch eine Einrichterei. Dort werden die Stoffe sortiert, berechnet, abgemessen und abgeschnitten. Die Zwischenmeister bekommen sie dann mit zur Bearbeitung. In der Einrichterei sind Herren beschäftigt. Wen» die fertigen Mäntel von den Zwischen- meistern geliefert werden, dann unterliegen sie zum Zwecke der Abnahme der Nachprüfung eines KonfcltionärS. Hierbei treten die Anprobierdamen, die vorher irgendwie, z. B. mit Abbürsten der Mäntel beschäftigt werde», in ihrem eigentlichen Fach in Aktion. Sie müssen die gelieferten Mäntel überziehen, damit der Sitz und dergleichen gut geprüft werden kann. Stimmt alles, dann erfolgt die Abnahme der Mäntel, im anderen Falle müssen die Zwischenmeister sie wieder.mitnehmen. Bis 2 Uhr wirken so die An- probiermamsells bei der Abnahme mit, woraus sie zu Tisw gehen. Nach- dem müssen sie wieder anprobieren, jetzt aber vor den Kunden, denen die Vorteile des Schnitts, der fonnvollendende Sitz, die ethisch« ästhetische Gesnmlwirkung usw. gewissermaßen in Natura auf Taille durch die Vorführung des Kleidungsstücks auf dem Körper der An- probierdame» gezeigt werden soll. Das geht bis S Uhr abends, auch am Sonnabend.— Weil Herr K.. dessen Umsatz übrigens jährlich 3 Millionen Mark beträgt, die Anprobierdame M.(Gehalt 170 Äk. monatlich) am Sonnabend noch na ch ll Uhr abends mit Anprobieren vor den Kunden be- schästigt hatte, wurde er aus Grund der�KK l 37 und 146 der Gewerbe-Ordming in Verbiiidimg mit der für Konfektioiis- Ivcrkstätten erlassenen BundeSratöverordnuug vom Landgericht I iu einer Geldstrafe verurteilt. Die Verordnung sollte er außerdem durch unterlassene----- allerdings am Nachmittag und Abend das Anprobieren vor den Kauflustigen zu dem kaufmännischen Teil des BeiriebeS. Dessen- lingeachtet hätten die Bestiinmunaen der Konfekiionsordiiili w des Bnndesrats über die Arbeitszeit bezüglich der Anprobierdmum beachtet werden müssen, denn entscheidend sei die Art der über- wiegenden Beschäftigung. Da diese eine gewerbliche gewesen sei, so hätten die Damen als gewerbliche Arbeiterinnen angesehen werden und nach den Bestimmungen der erwähnten' BnndesratSverordnung behandelt werden müssen. Ueber die zulässige Oeutk-sses ReMi. Die Lohnbewegung der Buchbinder bei der Firma Fr. W. Ruhfus in Dortmund, die nun schon lO Wochen dauert, zeigt so recht die Moral der„Gcneralanzeigcr"-Millionäre. Herr Ruhfus ist nämlich Mitbesitzer des„Dortmunder Generalanzeigers" und hat sich nach eigener Aussage vom einfachen Nichts- Häver zum mehrfachen Millionär.hinaufgearbeitet", oder wohl richtiger: hinaufarbeiten lassen. Nun haben im Herbst IVOS die Buchbinder Dortmunds an die dortigen Arbeitgeber Forderungen eingereicht, die sich in bescheidenen Grenzen: 22,50 und 24 M. für Gehülfen, bewegen. Ohne jeden Konflikt wurden diese Forderungen von allen, selbst den kleinsten Unternehmern, bewilligt; nur der Millionär RuhfuS trieb seine Arbeiter in den Streik. Einzelne von diesen waren bis zu 18 Jahren in seinem Betrieb beschäftigt und machen zum Teil aus reinem Idealismus den Streik mit, da für manche derselben nach den gestellten Forderungen keine Verbesserung ihrer Lohnver- Hältnisse eintreten würde. Wie ganz anders sieht dagegen der Zeit hinaus wäre in dem Falle auch die Bescbäfligung der gewerb->„Idealismus" des Herrn Ruhfus aus. Er ist angeblich'T a r i f- lickien Arbeiterinnen im Handels teil des Geschäfts nicht ge-'gcmeinschaftsanhänger, die Anerkennung der For- �itet.. �____ � derungen seiner Arbeiter würde ihm bei 30 in Betracht kommenden Der erste Strafsenat des Kammergerichts hob auf die Revision des Angeklagten zwar das Urteil auf»nd verwies die Sache noch einmal an das Landgericht zurück, indessen nur deshalb, weil das Landgericht im Urleil von unterlassener Führung eines Verzeichnisses betreffend Ueberarbeit u n d Unterlassung eines Aushanges über die Ueberzeitarbeit gesprochen hatte. In Betracht komme nur ein Aushang gemäß ß 6 Abs. 3 der Bunde sratsver- ordnung vom 17. Februar 1904, der a n st e l l e des in der Bnndesralsverordnung vom 31. Mai 1807 erwähnten Verzeichnisses getreten sei. Nämlich eine Tafel solle aushängen, worauf jeder Tag. wo Ueberarbeit stattfindet, vor Beginn derselben einzutragen sei. Da das Landgericht hier mit zwei Unterlassungen(mangelndes Verzeichnis und fehlender Aushang) scheinbar rechne, so sei nicht ausgeschlossen, daß die» bei der Strafzumessung berück- sichtigt worden sei. Darum müsse das Landgericht noch einmal damit beschäftigt werden. Wenn dieser Punkt nicht im Vorderurteil bedenklich wäre, dann hätte, führte da» Kammergericht aus, die Revision zurückgewiesen werden müssen, denn in dem, was das Landgericht bezüglich deS Vorliegens einer Konfektions- Werkstatt in dem Geschäft usw. feststelle, sei kein Rechts- irrtum zu finden. Und die Frage, ob die TäÄgkeit der Anprobierdamen im wesentlichen eine gewerbliche oder im wesentlichen eine kaufmännische gewesen sei. wäre wesentlich tatsächlicher Natur. Was das Landgericht in der Beziehung festgestellt habe, sei auf Grund tätsächlicher Schlüsse erfolgt, deren Würdigung der Revisionsiiistanz nicht zustehe. Ausliülfsstelluug. Wird ein HandlungSgehülfe nur zu vor- übergehender Aushülfe angenommen, so finden die Vorschriften über die mindestens einmonatliche Kündigungsfrist der HandlungS- geHülsen nur dann Anwendung, wenn das Dienstverhältm» über die Zeit von drei Monaten hinan» fortgesetzt wird. Diese Vorschrift suchen, wie eine Reihe Prozesse erweise». Kaufleutc häufig zur Umgehung der gesetzlich vorgeschriebenen Kündigungsfriftcu, zu bc- nutzen. Das Kaufmannsgericht hat sich fast täglich mit Fällen zu befassen, m, denen Angestellte, die zur Aushülse engagiert wurden. das Gehalt bis zum Ablauf der gesetzlichen Kündiguilgöfrist ein- klagen, indem sie die sofortige Entlassung als zu Unrecht geschehen geltend machen.— Am Sonnabend standen zwei solcher Fälle zur Verhandlung, die das Rechtsverhältnis klarzulegen geeignet sind. Vor der 1. Kammer trat der Buchhalter D. als Kläger gegen eine Weinfirma mit einem Klageanspruch von 120 M. für zwei Monate auf. Die Beweisaufnahme ergab, daß D. tatsächlich mit Auf- arbeitung rückständiger Buchführung beschäftigt wurde. Da er im übrigen kommen und gehen konnte, wann er wollte, so war er nicht als festes Mitglied des Geschäftsbetriebe» anzusehen. DvS Kcrus- mannSgericht wies ihn daher mit seiner Klage ab.— Im zweiten Falle war der Kontorist B. von der BlusenkonfcktionSsirma S. am September vorigen Jahres als Aushülfsbuchhalter engagiert worden. Am 13. November ließ sich der Chef von diesem schriftlich bestätigen, daß er in eine weitere Aushülsstärigkeit bis zum 5. Dezember willige. An diesem Tage wurde D. dam, entlassen. Er machte nun einen Gchaltsanspruch für Dezember und Januar- geltend. Als Tatbestand wurde festgestellt, daß B. nicht mit der Aufarbeitung eine» bc stimmten Arbeitsreste», sondern mit den regulären B u ch h a l t c r a r be i t en be° schästigt wurde. Die 3. Kammer des KaufmannsgerichtS v e r- urteilte den Beklagten dein Antrage gemäß. Das vo» dem Buchhalter unterschriebene Bestätigungsschreiben sei rechts- ungültig, da es auf eine Umgehung des Gesetzes abziele. Die gesetzliche Kündigungsfrist trete nur dann außer Kraft, wenn bei einem Aiishül>s- Engagement auch eine wirk- lichc Aushülfstätigkeit vorliege. Untersagung deS Kleinhandels mit Bier. TaS OberverlvaltmigS- qcricht bestätigte am Tonnerstag die Entscheidung des BczirkSauS- scbusscs Merseburg, durch die aus Klage der Polizeiverwaltung Halle crkmiiit worden war. daß dem Matcrialwarcnhändler H. der Klein- Handel mit Bier zu untersagen sei. Es erachtete dies deshalb für gerechtfertigt, weil H. zweimal wegen unbefugter Ausübung der Schankwirtschast bestraft worden ist, einmal mit 5 Mark, das zweite Mal mit 13 Mark. Die erste Bestrafung war erfolgt, weil er es duldete, daß ein Schlosser in seinem Ladero drei Flaschen Bier aus- trank und daß zugleich dort noch andere Leute Bier tranken. Und im zweiten Fall' war durch eine Frau zur Kenntnis der Polizei gc- kommen, daß deren Mann öfter iu dem Geschäft das gekaufte Flaschenbier getrunken hat. Das OberverwaliungSgericht führte ncch begründend aus: Nach§ 35 der Gewerbeordnung könne der Kleinhandel mit Bier untersagt werden, wenn der Gewerberreiber>de wicdcrbolt wegen unbefugter Ausübung der Schankwirtschaft bc- straft sei. Das sei hier in zwei Fallen, also in mehreren Fällen geschehen Auch sei auS der Höhe der Strafen und den fest- gestellten Tatsachen zu entnehmen, daß es sich nicht bloß um sehr geringfügige Uebertretungen handelte. Ter Verwaltungsrichter habe deshalb allen Anlaß, von jener Bestimmung des 8 33. die den unbefugten Winkelschavk verhindern solle, Gebrauch zu machen.— GcwcrkfcbaftUcbca. Berlin tinä amgegen». Eilte PertrauenSm änner-Lcrsamml»ng der Stockarbeiter tagte am Sonnabend, um sich mit der Lohiibpwegung zu beschästigen. Hildebrandt gab den Bericht. Es wurden die Forderungen in acht Betrieben bewilligt, in denen 183 Kollegen beschäfiigt sind. Die anderen 14 Betriebe, in denen 290 Kollegen beschäftigt sind, sind der Freien Vereinigung der Holzindustriellen angeschlossen. Die zivischen dem Holzarbeiterverband und der Vereinigung be- stehende Schlichtungskoliimisston wurde seitens der Unteriiebmer ungerufen, worauf am Freitag voriger Woche zwischen der Kommission der Nnternebmer und der Kommission der Stock- arbeitet Verhandlungen eingeleitet wurden. Es wurde beschlossen, die Verhandlungen am Moniag vor der Schlichiungskommisfio» fort- zusetzen. Dem Vorschlag einzeliicr Vertrauensleute, daß man am Montag die Arbeit nicht wieder ausnehmen möge, wurde entgegen- getreten. Gleichzeitig gelangte ein Antrag zur eiiiitii»niigen Annahme, am Dienstag abend in einer Versammlung Bericht z» erstatten. Sollte es bis dahin nicht zur Einigung komme», so ivird der Versammlung empfohlen werden, am Mittwoch früh die Arbeit niederzulegen. Der Antrag wurde damit motiviert. daß die llnteriiehmer die Entscheidung durch Verhandlungen in die Länge ................ n|__________________ ziehe» wollten, um ihre eiligen Aufträge fertiggestellt zu bekommen. eines Berzcichiiisies und unterlassenen! Gelänge ihnen das, dann könnten sie elnem Streik für einige Woche» Nrbeftern im höchsten Falle jährlich 1000 M. an Mehrkosten ver- Ursachen: der Streik hat ihm, nach eigener Aussage, das Zehnfache ge.ft'stct, hilft aber alles nicht: Herr Ruhfus will überhaupt nicht» bcn'elligcn. Dieser..Generalanzeiger"-Millionär wird aber indirci, von einem Teil der Dortmunder Arbeiter unterstützt, indem sie aus sein.unparteiisches" Blatt abonnieren, das den Einsendungen der um i�r gutes Recht kämpfenden Dortmunder Buchbinder die Auf- nähme versagt. Doch Herr RuhfuS ist und bleibt trotz alledem in der bürgerlichen Gesellschaft nicht nur ein ehrenwerter, sondern auch ein gemeinnütziger Mann. Denn neben den vorzüglichen Eigen- schaften, die ihn al» Millionär und Lohndrücker zieren, verwendet er seine freie Zeit als nationallibcralcr Stadtverordneter und „opfert" fi»ch für das Wohl seiner Mitmenschen auf. Böse Menschen behaupten allerdings, Herr Ruhfus würde für diese„Aufopferung" durch die Zuwendung städtischer Arbeiten reichlich entschädigt und mache dabei noch ein recht gutes Geschäft. Von Vorstehendem bitten wir alle Buchbinder Notiz nehmen zu wollen bei Arbcitergcsuchen des Herrn Ruhfus. Tic Partcipressc ersuchen wir um Nachdruck. Mit der Aussperrung der Textilarbeiter am Nicdcrrhei» wird c» dieses Mal noch nichts; die Unternehmer haben den Rückzug an- getreten. Den streikenden Zeugdruckern war. wie schon berichtet, von dem Textilinduitriellen-Verbaild das Ultimatum gestellt worden, die Arbeit bedinglingslos aufzuuehnicii. widrigenfalls eine allgemeine Aussperrung erfolgen sollte. Längstens Freilag»ilttag vergangener Woche mußte die Entscheidung getroffen werden. Die Zeugdrucker bc- schlössen nun in geheimer Abstimmung, an der Forderung der l stägigen Kündigiiug festzuhalten, und wurde der Beschluß den Unter- nehmern mitgeteilt. Einen solche» Beschluß möge» dieselben wohl nichl erwartet haben, sie hofften wahrscheinlich, die Drohung mit der Aussperrung genügte schon, um die Streikenden kirre zu machen. In der Versammlung der Textilindustriellen. die am Soiinabend stattfand und hinter verschloffenen Türen tagte, hat man sich das Projekt der Aussperrung noch einmal gründlich überlegt; denn das Streikkomitee erhielt die Mitteilung, daß die Unternehmer zu Ver- Handlungen bereit wären. Da die Streikende» an ihrer Fordermig festhalten, werden die Untcrnebmer wohl nachgeben müssen, wenn sie die Wiederaufnahme der Arbeit wünschen. Dir Arbeiter der Staatseisenbahnwerkstätten in Sofia, an Zahl 330, sind in einen Streik getreten. Ihre Forderungen sind: Er- höhwng der Löhne um 5 Proz., Regulierung derselbe» und die Ein- führinig eines den Arbeitern günstigen Reglement». Da die Re- giermlg auswärtige Arbeiter heranziehen will, bitten die Streikenden. daß Zuzug nach Sosia fernaehalten wird. Die Löhne in Sofia sind sehr �niedrig. Deutsche Eiscubahnarbeiter seien deshalb gewarnt, nach Sofia zu gehen. Eingegangene Druchrdmften. P. Sic. Bohn. Die XYII. allgemeine Konferenz der deutschen Sittlich. keits-Bercine. 43 Seiten. Preis 59 Ps. Dr. vreuneke. Wie ist der Kamps gegen die GeschlechtslrantheUen zu führen?'25«eilen, Preis 59 Pf. Berlag.' Geschäftsstelle der deutschen Sittlichkeitsvereine, A. Dartsch. Berlin, Aorlitraße 99. Beownlf. Der deutsch- englische Krieg. Vision eineS Seefahrers. 123 Seilen, Vertag S. Balther. Berlin 81V. 19. Nußbaum, Rechtsanwalt Dr. jur.,»Der Polnaer Ritualmordprozeß. Mit einem Vorwort von Geh. Juftizrat Professor Dr. Franz von LiSzt. Gr. S°, Preis geh. 4,—. Berlag von A. W. Hayns Erben, Berlin 81V. 12. Letzte Nacbricbtcn und DcpcFcbcn. Tie Demonstration in Rom. Rom, 22. Januar.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die heutige Demonstration nahm einen imponierenden Ver lauf, lieber 20 000 Menschen strömten zu der von der Polizei verbotenen Versammlung. Das Polizeivcrbot wurde nach bc- gonnencr Versammlung zurückgezogen. In der Versammlung sprachen außer dem Genossen Gabrini ein Republikaner und ein Anarchist. Gin ungeheures Truppcnaufgcbot sollte dir Drnionstranten von der inneren Stadt absperren» die Truppenketten wurden jedoch durchbrochen. Die Arbritsruhe ist eine vollkommene. Die Trambahn fuhr unter Bedeckung von Schutzleuten. Es wurden mehrfach Kavallcrieangriffc auf die Demonstranten gemacht, aber nur einige Leicht- verwundete auf beiden Seiten sind zu verzeichnen. Auch im übrigen Italien wurden überall starkbesuchte Volksversamm- lungen abgehalten._ Ferawirkimg der Revolutionsfurcht Wien, 22. Januar.erseitö bemerke ich aber, dah eine Diskussion hierüber ziemlich zwecklos ist, wie schon der Abg. Momiiisen gesagt hat. In die gegenwärtige Vorlage sollte eine Höchstgrenze aufgenonimen werden, bis zu der die Baiiknoten ausgegeben werden können. Gegen eine Verminderung der Reichs- laffenscheine würden wir auf jeden Fall eintreten. Reichsschatzselretär Frhr. v. Stengel: Eine Verminderung der Reichskassenscheine ist nicht beabsichtigt. Es war nur die Rede davon, dah man die Reichötasse»scheine i»i Werte von 20 und 30 M. abschafft und statt dessen neue Reichskassenscheine im Werte vo» 10 M. schafft und die im Werte von 3 M. vermehrt. Abg. Mouimse» lfrs. Vgg.): Es ist unstatthaft, aus meiner privaten Stellung als Bankdirektor den Schluh zu ziehen, dah ich des- halb dem Reichsbaiikpräsideiilen zngestiiinnt habe. AuS meinem Berufe folgt lediglich, dah ich in. dieser Frage lrotz meiner jüngeren Jahre fach» limviger bin als Herrv.Äardorff. Ich muh diesemalsosolgendes erwidern: Die Bank von Frankreich hat mehr Gold als uiisere Reichsbank. Aber dafür läuft in Frankreich nur sehr wenig Gold durch die Hände des PiiblikinnS. Das eine bedingt das andere. Sie(zur Rechten gewandt) wollen uns durch Ihre Hinweise aus die Bauk von Frank- reich immer ivieder beweise», dah ein groher Goldvorrat auf der Bank das Alleinseliginachende ist. Aber dieser Hinweis war immer falsch iiiid lvird immer falsch bleibe».(Lebhafter Beifall links.) Abg. Morcour6. Jahr- gangeö zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: SerauS mit dem Fmuemoahirecht I— Esther Riskind. Von II. II.— in Ersolg jozialdemokratiichcr Kritik im Kampfe gegen Arbeilerinneneiend. Von-er.— Die Konsumgenostenichasl als'vlitichaslliches ErzicdungSmUtcl. Bon Simon Katzenstein.— An alle proletarischen Frauen und Mädchen (Alsenbergs und Umgegend. Von Kurt Kretjchmar.- Aus der Bewegung: Von der Agitation. Jahresbericht der Vertranensperion der Genossinnen von Ehemnitz-— Jahresbericht der Vertrauenspenon der Genossinnen von Köln.— Der vierte sozialdemokratische Provinzial.Pavteitag sür die Provinz Posen.— Ausrus für die sozialdemokrattsche Jugendkonserenz in Karlsruhe. — Politische Iiundschau. Von Q. L. Nolrzemeil■ Frauenstlmmrecht.— Vcrcinsrcchl der Frauen.— sozialistische Fraiiciibeiveguiig im Ausland.— Dieiiftboicnsrage.— Ouitiiiilg.— Feuilleton: Lebewohl I Ei» Schluß- tapitcl von Wilhelm Holzam.aer.— Der Schrei der Plage. Bon William Morris.(Gedichl.)- Das soziale Gewissen. Von Robett Michels. Für unsere Kinder: Spruch von Friedlich Rückert.— Die Schnecballenschlacht. Von Anton Fenbrich.- Die Käufer. Von Wolsgang Goethe.(Gedicht.)— Unsere Raben. Von Brand.— Der erste Schnee. Von Georg Daoidsohn.(Gedicht.)— Zwei Tannenbä-ime. Von Riwa Buchholz.— Die Schnecken. Von Egon Hugo Strasburgcr.(Gedicht.) Die„Gleichheit" erscheint alle>4 Zage einmal. Preis der Nunimer lv Pj., durch die Post bezogen belrägl der AbonnemcntSpreiS vierieljährlich ohne Bestellgeld 55 Ps.. unter Kreuzband 85 Pj. SahrcSabomicmcnt 2,60 M. Der„Wahre Jacob-' hat soeben die 2. Nummer seines 23. Jahrganges ericheinen lassen. Aus dein Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder„Die Konstitutionellen Lcriprechungen des Zaren" und „Ein Prediger in der Wüste", swme die Illustrationen„Der Heldenmut der Kosaken",„Träume in Zarskoje Sseio".„Illustrierte Hosnachncht", „Die größte Sorge".„Fröninilgteit".„Bai pari',„Die Ordnungsbuter in Elbsiorcnz"..Einsame«lraßc"..Grundsätzliche Bedenken" und.Beichtväter". Der textliche Teil der Nuinincr bringt die Gedichte„Der 22. Januar".„Die Slraßenschlucht in Mvslau".„Der Zauberer Spahn"(illustrlcrk)..Bismarck. wind",„Kennst du das Land.Winderabend»,„Soimenwendc". vvn Ludwig Lessen.„Der Sausteusel",„Stammtisch und Kegclklnb" und außer zabircicheren kleineren Beiträgen»och den Bries von„Jotthilj Nanke", „Eine Skizze von Paul Enderlmg. und zwei Nummern auS der Serie „Kulturbilder ans der deutschen Gcgcinvarl". Der Preis der 12 Seilen starken Nummer ist 10 Pi ff«»»r» ffiifinlt pftori»ng. �Keater. Dienslag, den 2?. Januar. ?»ilang?>/, Uhr: OlimilUiu'. Don Juan. Sch,»iil>iellio»s. Das grobe Licht Neues Oper»- Theater.. tsfrlcdrlch tt�ichelm- liädlilcheS idealer). Hanö. Kleine». L>idalla. Komische Lper. Die Boheme. Siriidenz. Der Prinzgemahl. Trimio». Die Welleiiatme. LiiFifiiii'llutii». De: Weg zur Hölle. Thalia. Bis snib um ftimse. Karl Z».»rih. Die lebende Brücke aus Kuba. Zentral. Der Vogelbändler. Lniie». Pension Schöller. Tcuisch.Zlinerikanisches. Er und ?ch. Nteiropol. Nils ins Metropol. Kasino. Die goldene Brücke. Ztpollo. Prinzeh Zlosine. Speziali- täten. Herrnseld. Famisientag im Hause Prell, lein. Belle-Zllliance. Der grüne Teuscl. Spezialitäten. Wiiiirrg.irtcn. Otto Rculter.— Spezialitäten. Walballn. Nach Asrika, nach Ka- mcrun. Foltes Kaprice. Nach dem Zapsen- streich. Der Bcheme. Nrichsliallrii. Steitincr Sänger. Passage, gspezlasitätcn. llraiiin. Taiinriisieahr NbcndS 8 Uhr: Nin©elf von Neapel. Hörsaal. SlbendZ 8 Uhr: Dr. M. v. Unruh: Der Itickstoss und die atmosphärische Lust. Btcruwartr. � Jnvalidenstr. 57/62. 2äglia> aeöltnei nnu 7 bjz| lihr. BerlineFTheäieK Abends 7'/, Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung. Mittwoch: Der Widerspänsligen Zähmung.— Donnerstag: Kein.— kfrcitag: Widerspänsligen Zähmung. Neues Theater. Zftlsang VI, Uhr. Liebeeleute (Amants). Mittlvoch, Donnerstag: ein Sommer- Michtstraum. Freitag: Liebesleuie fAmants). Kleines TheateK Zum 50, Male: Hidalla. Ansang 8 Uhr. Mittlvoch: Ztaelitasz'I. Zentral-Theatef (Operette). 8 Uhr: Der Vogelhändler. Liiisen-Theatet\ SlSendS 8 Uhr: pcnfionSchöllcr. Mittwoch: Die lustigen Weiber von Winds or. Donnerstag zum ersten Male: Der Verschwender. strcitag: Maria Tluart. Sonnabend: Kausmann v. Venedig. Sonntag nachm.: Pension Schöller. NbcndS: Der Verschwender. Montag: Die lustigen Wewer von Windior�__ Äpollo-Tiiealer. » uhr: Prinzeß Rosine von MncLo. Hieraus die glänzenden idlK'Titnl'ttlk«-,, mit KatsuUmna Klaashi Meister der SelbltverlridigungSlehre Sonnlag nachm. 8 Uhr: Berliner Luft und Tpezialititteu._ Melropol-Thealer if i Anfang 8 Uhr. »» Große Jahrcsrenue mit CieäMNg u Tan», in 9 Bildern v. ,Inl. Freund. Musik von Viktor Hollaonder. Hauclien in all. Käumen �ostattet. Carl Weiß-Thealer (Ät dirunlinrleistr. IXi. Täglich 8 Uhr: Die lelienbe BrülTr auf Kuba. SensylionellcZ ament. AuSstnltungS- stück mit Gei. n. Baliclt in 7 Bildern von JameS Aor. Sonnabend, den 27.. Januar, nachm. < Uhr KInderrorst.: Oer gesiiet. Klier. Kli'smi» I.!7,7r Abends 8 Uhr: üm Colt von keapel. Hörsaal 8 Uhr: Dr. kl. v. Unruh: Oer Siicktioit und die atmosphärische Luft. Stern varfe Seil 1 9 1 or-Tli ea ter* Schiller-Theater N.(Friedr.-Dilb TH.) DienStag. abends 8 Uhr: Sehlllsr-Theiter t).(Wallncr-Tbealcr) DienStag. abends 8 N d r: Ucber unwepe Kraft.(I. Teil) Schauspiel in Vier Allen Von Bjärnstjernc Björnson. VI s I t w o ch. a b e II d e 8 u b r: Zum erstenmal: Ki>ulL>»glnnbc. Lonncic-tag.abeudSdUhr: K«»» lgxgtaobe. »«n«. Drama in 3 Ausz. von Max Dreher. Millwoch. abendS 8 Uhr: C>prlcniic. Lonne iSlag.avendS8 Uhr: PJe l.ogenbrflder. astans f anoptikiSiü Prlodrlchatr. IRz ER»ndfCH oonn'.u.� tiaonnmtHg 3 Uhr: ünlbe Prclae! .Ucber n großen Teich". Folies Caprice Budapester Possen■ Theater >32 Linlonstr. 132, —" Ecke FrledrlchslraBe.— Zum 1X7. Male: Wach d. Xitpfcnntrclch. Borher: Der Beheme! u. b. auSgezeichli. Spezialilätenteil Anfang 8 Uhr. Vorwerk, tägl. 6. Werlhelm u. an| der Theaterkasse von 10 Uhr cor- miliags an. ff. Ntacks Thealer. Direklion: Hob. Olli, Brumieuftv. 16. Der Loder vom Lindhamerhof. VolkSstück in 4 Allen n. d. gleichnanr. „Gartel>laubr".Erzählung von Berel. Ansang 8 Uhr. Eniree 56 Ps. Mittwoch: Wiuterstürme. 2ütrk&fiS Albert Schumann Die Sensation des Tages! W» Allabendlich stürmischer, nie enden» wollend--r Brilall! OriSte klovitäl! Direkt von Nordennerika: kkllß Adle Bltcbcll und ibrr lgliLS5gL-8!iiljön!ö& �0 Dazu daS groge inlernationale Pro» gramm und die pdäiionrciiale Sfdvzn■ Golem-Truppe. Zum Schlutz: Das diesjährige grvge Manegenichaustnck fsBiin» da»»enc Uraacarclch, mit seinen pack, szenen u. leenhalten. hier noch nie gesehenen Esfaklon. Otto Reutter. Klein-FamtÜS, Kunstradfahrer. EfnSl Perzina, dressierte Affen. lola Hawthsine, Elmo u. Rtcco, Yulian Familie, Akrobaten. Die drei Holloways, S«®"' Gebrßder Schwarz, parodisten. Die Meininger, Hundepantomime „In Schottland", Divcnlssement. Burke, Ändrus u. Frisco ,szenree.r Der Biograph„Rückkehr vom Ball". Walhalla-Theater llndi Ifrihn, itfld) Hamrrun. AuSslatliiiigSposse In 6 Bildern. Ansang'1,8 Uhr. Rauchen gestattet. frödels illlerlei-Ttiealer Schönhauser Zlllee Str. I4M. Heule DienStag, den 23. Januar: Gastspiel des Bernh. Rose-Theaters. Der Koland vo» Lerliu. Schausp. in 4 Akten nach hist. Quellen und Benutzung des Romans von Willibald Merls von Fr. Slieslus. Ans. 8 Uhr. Kasseneröstnung 7 Uhr. f �— Passage-Tlieater. * Anlang d. Abendvorstellung 8 Uhr. i Walter Steiner 3 Humorist. Acosta K r a s t. I o n g l e u r UebrUdcr Herrnfeld- Theater. Heute und solgende Tage die von der gesamte» Berliner Presse als »der grilsite Sdtlager� etn< stimmig anerkannte dreiaktige Komödie Painiliealag im Raass Prellstein mit Anton und Donat Herrnteld in de» Hauptrollen. Ans. 8 Uhr. Vorwerk, lt-2 Uhr. mem norUapiatz. Dd g l ich W. in den nnrereu Tölen Qottsckglk-koniei't. Palast-Thealer Burgsir. 24, 2Min.v.BH.BörIe. TSgsich 8 Uhr. Entree S» Ps. DaS Ziiesen-Zsnusr-srogrsmm. U-a.:» Uzrieppc berliner Die" Bat HCl», Hoch, urner, «bemal Mitgl. d. 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Zimmer 1—5. Fernsprecher: Ami IV 9679. ArbeilSnnchweiS Zimmer 34. Ami IV 3353. Millwoch. den 24. Januar, abends 8'/, Uhr: MF' Versammlung"Wff der iu Ejstugt'tßkrkitn Lerlins uud Unrorte dtsdiiistigten lormr und Kerufsgenosseu im„Kolberger Salon«. Kolbergerftrasie 23. Tages«Ordnung: t. Vorlrag de? Genossen L i n k. 2. Diskussion 3 Arbeits- und Lohn» verbällnisse in den hiesigen Eisengießereien. 4. Verbaiidsangeiegeliheiien und VerichiedcneS. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Mittwoch, den 24. Januar, abends 8'/, Uhr: Brancheu-Versammlnng der Graveure unfi Ziseleure im Graphischen Aereinshanse. Alcxandrinenstr. 44. Tagcs-Ordnung: t. Vortrag des Kollegen Grog er über: Klassenkampf und Ethik. 2. Disknision. 3. Branchenangelegenheilen und Verschiedenes. Dqx- Alle Kollegen, auch Nichliniiglicdcr sind eingeladen.«ML Mittwoch, den 24. Januar, abendS S'l, Uhr s V e r s a m in l u n g der Gold- und Silbtrarbeittr nnd vem. Kernfsgenosstn im„Dresdener Garten«, Drcsdcuerstr. 45. TageS-Ordupng: I. Die statistischen Erhebungen über die Lohn- und ArbcitSvcrhälinisse der in der Gold und Silderwaren-Judustric Deutschlands bcschäsliglen Arbeiter und Arbeiterinnen und welche Schlüsse ziehen wir daraus? 2. Diskussion. 3. VerbandSaiigelcgenheiten. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. NB. Die Bros: hüren Uber die statistischen Erhebungen sind In der Versammlung zu haben. Sonnabend, den 24. Februar, in den Gesamträumen des GeWerk- schaftsliauses: VlinservergnUge» dar Gold- und Silberarboiter, bestehend in einem»Strandfest in Heringsdarf." Billetis sind in der Bersammluitg und den bekannten Stellen zu haben. BexiHe Ober- Scboneweide. Mittwoch, den 24 Januar kSOß, abends 6 Uhr: Bezirks-Versammlttng bei Kaushold, Wilheliniiicuhofstr. 48. Tages-Ordnung: 1. Bortrag:„Die Enlwicfrluug der Schisfahrt«. Referent, Herr Dr. Phil. Zimmermann. 2. Neuwahl der BezirlSleitmig. 3. Ver» schiedeneS. Regen Besuch für die Versammlung erwartet 111/6 Tie Ortsverwaltuug. Stock-Arbeiter! Dienstag, den 23. Januar, abends 8 Uhr, i» de» Zlndrcassälcn, Zlndreasstr. 21(grosicr Saal): Versammlüng der Stock- u. Gellüloid-Arbeiter Tages« O rdn un g: 4. Bericht über die Verhandlungen mit den Unternehmern vor der SchsichtuiigSkomillission. 2. Diskussion. 7reppsngeUtnäer- Srsnvl»e! Mittwoch, den 24. Januar, abends 8'/, Uhr, t» Fcncrstcln« FcMtsäicn, Alte Jafabstr. 75: 1�" Versammlung"WW nllfr i. d. Tltppengtiäudrrdrnlilijt btslijöstlickn Ardtiter als Ttschter,S:ellmachcr, Drechsler, Bildhauer, Maschineuarbcttcr zc. Tages-Ordnung: 1. Der Verrat der christlichen Organisationen in der Werkstatt von tos. Droehsler. 2. Diskussion. NB. Die Veriretcr der christlichen Organisationen sind zu dieser Ver- sammlung besonders geladen. Der Einbcrufer. SteUmacher Donnerstag, de» 25. Januar, abends 8'/, Ithr: Hrauchen-Uersu mmlung im Konenthakee»oP. llioseiithalerstr. 44/42. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht der Kommission. 2. Neuwahl der Kommission. 3. Brauch eil- augelegenheiten. 4. BerschiedeueS. 78/16_________ Die Kommission. WwiiilB Kwcigverein Uerlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Bezirk Rixdorf. Donnerstag, den 25. Januar 4»0K, abendS 8 Uhr: Kvzirlts-Versammlzrng in Fritz Hoppes Jettsälen. Hermannstr. 48/4». Tages-Ordnung: izg/g 1. Neuwahl des Obmanns und Bezirkskassierers. 2. Verschiedenes. NB. Die wichtige Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller Kollegen des Bezirks. Die Mitgliedsbücher werden am Eingang zum Lokal unter Vorzeigung der LegitiiualionSkarie an die Kollegen verabfolgt. _____ Oer Ohinnnn. Bordes Vereins- Bäte Slcne KUnig-tsu-aUe 7. 55822« Fahrverbindungen nach allen Stadtteilen.— empfehle meine Säte für Bersainmlnngeu, Gewerkschaftssiiliingen und fttr Bereinsfestlich. keile». Kulante Bedieuimg. Altotf vorSv. freie Vereinigung der Maurer Deutschlands. ——— Ortsverein Berlin.■■ M i t t tv o ch. den S4. Januar 1906, abends 8 Uhr, im Mufikcr-GesellschaftShaus, Kaiser Wilhelms� 18w:' Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Regelung mehrerer Anträge. 2. Wichtige VereinSaugelegenheitcn. t2I/3 vvi- Voi-stsnck. Kollegen! Auf Grund des sich in letzter Zeit angehäuften Materials mußten wir in dieser Bcr- sammlung von einem Bortrag Abstand nehmen, weil vor der ordentliche» Generalversammlung die Anträge erledigt werden mlissen; infolgedessen erwartet der Vorstand pünttliches und vollzähliges Erscheinen sämtlicher Mitglieder. D. O. Achtnng!"MD IM" Achtung! Gast- und Schankwirte Berlins u. Umgegend. Mittwoch, 24. Januar, nachm. 4 Uhr, im groBen Saale von L. Kellsr, Koppenstr. 29; = Oeffentliche Versammlung;= aller Qasts u. Schankwirte Berlins u. Umgegend. Tages-Ordnnng: »Tie neuen Tteuervorlagen und ihre Bedeutung für das Gastwirts-Gewerbe." Referenten: Reichstags-Abg.««z'er-Leivzig und ReichSlags-Abg�»«»«lv�t-Zlpolda. Kollegen l Erscheint in dieser Versammlung Mann für Mann. Niemand dars fehlen! Agitiere jeder! Bringe jeder seinen Nachbar mit I Tausendstimmig mutz der Protest ertönen! Wir ersuche» alle Kollegen, sich an der Verbreitung der Handzettel zu beteiligen; selbige sind bei sämtlichen Borstands- und Kommissionsmitgliedern erhältlich. Wie Asit'uUonitkomniliiMlon. [.«tIMJder, Engel" Ufer"l Tabak-Großhandlang u. Tabakfabrik. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten.~WI Vorteilhafteste Bezugsquelle für WiederverkSufer.* Größte Auawahl gelagerter Ziaarren in allen Prelalagen. | kanten Ma'r'en 2 1 0 H t 6 1 1 6 II �°ritzina.prei..n Amt 4, 3014. Bruch-Pollmann «mpfiehll sei» Lager i» Snichbaiuiagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensors sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Licser. s. Orts- u.HiilsS-Kraittenknfseii Uvrltn C., 564 SL' BO. Linikn-Straße 30. Alle Bruchbänder mit elastischen Be- loiten, angeiiebm».weich amKörver. Tischler. Aliitnng! I�öbelpolierer. Fsedverein äer 7iseMer Mittwoch, den LeHms und Umgegend. LS. Januar er. Köpenickerstr. abends 137 38» S'/a Uhr. bei Zölz, General« Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. Referent wird in der Versammlung belannl gemacht. 2. Diskulfion. 3. Bericht des Vorstandes, des Kassierers, des Ob- manncs der AgitatlonSlommission und des Ausschusses. 4. Ersatzwahlen. 5. Verschiedenes. 186/1 Das Erscheinen aller Kollegen ist notwendig."ML Mitgliedsbuch legitimiert. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Wer Vorstand. 0. Deutschlands.(Filiale Berlin.) Mittwoch, den 24. Januar 1906, abends 8'/. Uhr. tu Kellen grotzem Saal. Koppenstr. 29: General- Versammlung. Tag es«Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Viertel« und Jahresbericht deS KaliiererS. 3. Bericht der ArbeitSvermilller. 4. Neuwahl der örtlichen Verwaltung. S. Anträge und Verschiedenes._ Mitgliedsbuch legitimiert."VS Ohne dasselbe fem Einlag. Wie Orts%'erwaltnng. IW~ Wir erwarten, daß alle Heimarbeilcriiuie»» in dieser wichtigen Versamvilung erscheinen._• Unser diesjähriges Wintervergnügen findet am 3. ZTUr- a. e. in den gesamten Räumen oo» I.onls Kellt-ps Jestsälen, Koppen- strastc 2S, statt.— Die Frühjahrs-Borstellnng in der Vranla findet am LZ. März, mittags 1 Uhr, stall.___ Man achte auf Firma und Wort.. Medice''. Hat jemand Rüeumatismas, Wirbt. Wlicdcn eisten. Nerbeiltchmerzeii, Htifiwrh(Ischias). Hexenichust, Wesibwnltt sc. d-r psoranchs �laclt-ir-iikn"(Äcih Aikfcrnas-l, nur Nsichel's ,,L.!t!t,tI IPUill Äaldwollöii. EwtacheS>!. unichltdnchcs Nalurprodukt oon harter «mchareisender. wior» sÄmerzflillknder Wirtung. „Etootnlcum>' Ivirtl wicelefirisie, cnd„ut de» ieorper. lräsiigr wunderbar Süieder MW Nerven. Ueberiwchende tclo�e! Atan nehme nur.Elecirwvm. E» givr»iditS BeiiereS. FU M. I— und U—. Sic WIrturg wird noch erhbhi durch innerlichen lLedrauch von ttelctiei's Weerol- i der-Estrakt„Medice". FI. 75 Bf, M. 1.50 u,« 5« in' den Drogerien und Apotheken erhältlich u. zu beziehen j durch Otto Keichel, Berlin 43, Eisenbahnstr. 4. Achtung!!! Ausschneiden!!! Kleinste Wochenraten. 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Weiteres vom Roten Sonntage Es war schier unmöglich, die anschwellende Menge von Be- richten über den glanzvollen Verlauf derDemonstrationSveranstaltungen in den verschiedensten Orten des Reiches, auch nur im Auszuge in unserer Extraausgabe unterzubringen. Von den detaillierten, oft geradezu grotesken Sicherheitsmaßnahmen der Behörden, die manch- mal an Schilda erinnernden Generalproben der bewaffneten Mächle, von dem Verlauf der einzelnen Kundgebungen konnten wir meist nur summarisch Notiz nehmen, was leider aus räumlickien Rücksichten notwendig, aber doch zu bedauern ist, weil dadurch unsere Leser um manche vergnügte Stunde kommen. Nachfolgend unterrichten wir kurz noch über eine Anzahl Kundgebungen. Mahlsdorf. Die Protestversammlung war von etwa bOV Per sonen besucht und hatte einen guten Verlauf. Es war eine be- geisterte Stimmung, auch hat der hiesige Wahlverein einen reichlichen Zuwachs an Mitgliedern gewonnen. Buch. Die Versammlung war sehr gut besucht. Die Reso lutioncn wurden cinstcmmig angenommen. Wilhelmsruh. Hier hatten sich 200 Personen versammelt, ein im Verhältnis zur Größe der Kolonie sehr guter Besuch. Die lvirkungsvollcn Ausführungen des Genoffen Büchner fanden stürmischen Beifall. Einstimmig gelangten die Resolutionen zur Annahme. Geltow. Eine sehr gut besuchte Versammlung tagte in Geltow. Referent war Genosse B u s e- Lichtenberg, dessen Bortrag mit Begeisterung und stürmischem Beifall aufgenommen wurde.- In Eurtschlag referierte Genosse Stürmer; eS waren etwa 200 Personen anwesend. Genosse Thielen ergänzte die Aus- fuhrungen des Referenten, worauf die beiden Resolutionen ein- stimmig mit lautem Applaus angenommen wurden. Beelitz. Genosse Buhl- Berlin referierte. Der starke Beifall bewies, daß er den Versammelten aus dem Herzen gesprochen. Beide Resolutionen wurden von der stark besuchten Versammlung einstimmig angenommen. Zchdenick. Die Zahl der Versammlungsbesucher betrug zirka 1000. Referent war Genosse Kiesel- Berlin. Beim Verlesen der Resolution, und zwar beim letzten Absatz derselben forderte der überwachende Beamte den Vorsitzenden auf, dem Referenten das Wort zu entziehen(ein ungesetzliches Ver- langen lZ widrigenfalls e r die Versammlung auf- lösen würde. Um nun dem aus Prenzlau nach hier kommandierten Militär(40 Mann, 1 Offizier, 2 Unteroffiziere und 1 Sanitätsoffizier) keine Veranlassung zum Einschreiten zu geben, kam der Vorsitzende Genosse Äadler der Auf- forderung des Beamten nach, entzog dem Genossen Kiesel das Wort und ersuchte die Versammelten, sich ruhig nach Hause zu begeben, damit die nach hierher Kommandierten sich ruhig nach ihrem Gar- nijönort begeben, ohne eine Ruhmestat vollbracht zu haben.— Auch Kriegcrverein. Feuerwehr und Schützengilde sowie Sanitätskolonnc waren alarmiert. Nach getaner Agitqtionsarbeit wurden hier 138 Flugblätter auf Grund von Z 130 auf richterliche Anordnung mit Beschlag belegt, auch hatte die Behörde bei der Frau des Gen. Rentner(Lhchen) die Flugblätter beschlagnahmt. Die Frau wollte dieselben.licht herausgeben, da wurde ihr gedroht, den Schlosser holen zu lassen, um dieselben mit Gewalt sich anzueignen. Driesen. Unsere Versammlung war von zirka 000 Personen besucht. Referent war Genosse Wilhelm Gründe! aus Berlin. Die Resolutionen fanden einstimmige Annahme. Strasburg U.-M. Saal und Nebenräuine waren überfüllt. Mehr alö 400 Personen, Männer und Krauen, hörten den Aus- führungen des Genossen Franz Stusche- Berlin mit der größten Aufmerksamkeit zu. Begeisterte zustimmende Zwischenrufe und der Beifall am Schluß des Vortrages bewiesen, daß die Arbeiterschaft Strasburgs die Resolution, die einstimmig angenommen wurde, auch beherzigen werde. Die Polizei hatte aber auch alle? getan, um die Einwohner für die Versammlung zu interessieren. Aus der Um- gegend waren die Gendarmen herangezogen, auS Prenzlau der Polizeiwachtmeister, die Nachtwächter waren auf den Straßen postiert. Die Feuerwehr sowie der Kriegerverein, der Militärverein „Kamerad" hatten um 4 Uhr(dem Beginn der Versammlung) in ihren Vereinslokalen Versammlungen anberaumt. Schwedt a. O. Die von zirka bOO Personen besuchte Versamm lnng nahm nach einem Vortrage der Genossin Anna Mesch die Resolutionen mit großer Begeisterung einstimmig an. Lichterfelde bei Eberswalde. Die Versammlung war von über 200 Personen besucht. Das Referat des Genossen R e g g e wurde mit Begeisterung aufgenommen. Mit dem Appell an die Ver- sammelten, sich den gewerkschaftlichen sowie politischen Organisationen anzuschließen und die Arbeiterpreffe zu lesen, fchloß er seine Aus führungen. Beide Resolutionen wurden einstimmig angenommen. Neu-Ruppin. Der Saal war überfüllt, es mußten viele um- kehren. Der Referent Genosse Täterolv- Berlin erntete großen Beifall. Die Resolutionen fanden einstimmige Annahme. Unter einem brausenden Hoch auf das allgemeine gleiche und geheime Wahlrecht und unter Absingung der Aroeitermarseillaise fand die Versammlung ihren Schluß. In Hennigsdorf a. Havel folgten die zirka' 2ö0 Versammelten mit großer Aufmerksamkeit den Ausführungen des Referenten, Genossen R i e g e r- Berlin. Die beiden Resolutionen fanden ein- stimmige Annahme. Eine Anzahl Erklärungen des Austritts aus der Landeskirche sowie Beitrittserklärungeil für den Wahlverein waren der augenblickliche Erfolg der Versammlung. Der Ertrag der Teller- sammlnng mit 27,20. M. wurde dem RussenkondS überwiesen! Ketzin. Hier fand eine von zirka 300 Personen besuchte Protest- Versammlung statt. Der Saal war bis auf de» letzten Platz gefüllt. In der Stadt war das Gerücht verbreitet, Ulanen aus Potsdam würden am Sonntag einrücken und die Hauptstraße des Ortes besetzen. Den Spießbürgern war's unheimlich zumute. Die Arbeiter ließen sich aber von dem Besuch der Versammlung nicht abhalten. Gustav Bauer- Berlin referierte, oft von stürmischen Beifalls- kundgebnngen unterbrochen. Beide Resolutionen wurden einstimmig angenomnien. Pritzwalk. Die Versammlung war überfüllt. Anwesend waren etwa 500 Männer und Frauen. Referent war Albert Kohn- Berlin. Die Resolutionen fanden einstinimige Annahme. Bötzow bei Velten. Die Versammlung war von zirka 100 Per- sonen besucht. Der Vortrag wurde mit großem Beifall auf- genommen, speziell die Aufforderung, sich den Organisattonen anzu- schließen und die Parteipresse zu abonnieren. Sonneuburg i. d. Neumark. Die Versammlung war gut besucht. Die gesamte Arbeiterschaft toar fast vollzählig vertreten. Genosse F r e i w a l d t- Pankow referierte. Die Resolutionen wurden ein- stimmig angenommen. Nach Schluß der Versammlung traten eine Anzahl Landarbeiter dem sozialdemokratischen Landarbeiterverein. ebenso dem Wahlverein bei. In Dahme fand die Versammlung bei einem Besuch von etwa 500 Personen statt. Referent war L. B r e s l a u e r- Rixdorf. In begeisterter Stimmung ivnrden die Resoluttonen einstinunig an- genommen. Frauen durfte» nicht teilnehmen. Forst. In den beiden größten Sälen der Stadt sprachen Ida A l i ni a n n und Redakteur M a r k w a l d vor zusammen mehr als 8000 Personen. Viele Besucher mußten umkehren, da die Säle über- füllt waren. In beiden Versammlungen wurden ansehnliche Be- träge für die russischen Kämpfer gesammelt. Beide Resoluttonen wurden einsttmmig angenommen. Gusow- Plathkow. Tie Versammlung war von zirka 200 Männern and Frauen besucht. Nach dem Referat deS Genossen Emil gäbet wurde die Protestresolution einstimmig an- genommen. J Sprcmberg. Die Versammlung war stark besucht, zirka *900 Personen füllten den großen Saal des Ortes. Auch sehr viele I Frauen waren anwesend. Genosse G. Wiesner- Berlin hielt den beifällig aufgenommenen Vortrag. Die Resoluttonen wurden unter großer Begeisterung einstimmig angenommen. Guben. Die Parteidersammlung im Feldschlößchen war von 000 Personen besucht. Das Referat hielt Karl Hübsch aus Berlin. Eine zweite Versammlung tagte im Bellevue-Saale, 1200 Per sonen nahmen daran teil. Viele mußten umkehren. Starke Be teiligung der Frauen war zu verzeichnen. Einstimmig wurden die Resolutionen angenommen. Referent war Genosse Benno M a a ß- Berlin. Sarau. Bei einem Besuch von SOO— 1000 Personen wurde der Saal abgesperrt. Die Versammlung nahm einen überaus imposanten Verlauf und stimmte beiden Resolutionen einhellig zu. Eine Samm- lnng zugunsten der Opfer der russischen Revolutton wurde vor- genommen. Wriezen a. O. Saal und Vorräume waren überfüllt, eS mochten zirka 250 Personen anwesend sein. Der Referent, Gewerkschafts- sekretär E. D i t t m e r- Berlin, charakterisierte die Vorgänge in Rußland sowie die politische Rechtlosigkeit der Arbeiter, oftmals von lebhaftem Beifall unterbrochen. Berde Resolutionen wurden ohne weitere Diskussion einstimmig angenommen. Neuhardenberg(Oderbruch). Die größeren Lokale stehen den Arbeitern zu Versammlungen nicht zur Verfügung. In dem Lokal von Förster waren gegen 200 Personen, darunter eine Anzahl Frauen, erschienen, die den Saal sowie die anschließenden Räume bis auf den letzten Platz füllten. Nach dem Referat des Genossen Sickfeld, welches mit großem Beifall aufgenommen wurde, erfolgte die einstimmige Annahme der beiden Resolutionen. Oderberg. Da es den Genossen unmöglich gemacht worden war. eine politische Versammlung abzuhalten, so hatten sie eine öffentliche gewerkschaftliche Versammlung einberufen, die sich eines starken Besuches erfreute und einen dem Zweck der Demonstration ent- sprechenden Verlauf nahm. Schwiebus. Die Versammlung war überfüllt, zirka 450 Personen waren anwesend. Genosse Z e r n i ck e- Berlin referierte. Die Re solutionen wurden einstimmig angenommen. Kirchhain. Eine imposante Protestversammlung fand im hiesige» Schützenhanse statt. Ganz Kirchhain war auf den Beinen und ans Dobrilugk und den umliegenden Ortschaften waren die Arbeiter erschienen, so daß die ausgedehnten Räumlichkeiten des Etablissements bald überfüllt waren. Den aus dem Kreise zusammengezogenen Gendarmen, die auf dem Marktplatze stationiert waren, bolen sich keine Berührungspunkte mit der Versammlung. Genosse Schubert war Referent, Mit dem Gesang der Marseillaise schloß diese wirkungsvolle Demonstralion, Kottbus. Wenigstens 3000 Personen füllten den größten Saal der Stadl. Der Referent, Genosse Theodor Fischer« Berlin betonre, daß die Erringung des allgeineinen Wahlrechts in Preußen nur eine Eiappe im allgemeinen Befreiungskampfe des Proletariats bedeute. Die Resolutionen wurden einstinimig und mit Begeisterung angenommen. In Schmellwitz sprach am Nachmittag derselbe Redner. Auch hier war der Besuch, besonders der ländlichen Bevölkerung, sehr stark, Vetschau. Trotzdem die Behörden sich alle Mühe gaben, durch Saalobtreiben eine Versanimlung unmöglich zu machen, gelang es, außerhalb der Stadt ein Lokal zu gewinnen. Durch ein reichliches Gendarmerieanfgebot, sechs Hüter der Ordnung waren anwesend, wurde das Interesse der Bevölkerung wach gerufen. Die Aus- führungen des Referenten Genoffen Tornow- Berlin wurden von den zahlreich Erschienenen mit stürmischem Beifall entgegengenommen. Der Saal war bis aus den letzten Platz gefüllt, etwa 400 Personen waren erschienen. Die Resolutionen wurden einstimniig angenonimen. Fürstenberg a. O. Die Protestversammlung war von zirka 700 Personen besucht. Genossin Baader- Berlin hielt das Referat, welches großen Beifall hervorrief. Die Resoluttonen fanden ein- stimmige Annahme. Zcchi»(Oderbruch). Die Versammlung war von 350 Mäm«ern und Frauen, fast ausschließlich Landarbeitern, besucht. Referent war H. Weber- Berlin, Die Resolutionen wurden einstimmig an- genommen.— Die freiwillige Feuerwehr war in voller Stärke in einem benachbarten Lokal vertreten, um bei einem eventuellen revo- lutionären Feuerbrand hülfreich der Obrigkeit beizuspringen. Sie fand jedoch nichts als ihren eigenen Durst zu löschen. Finsterwalde. In der Versammlung waren gegen 1500 Personen, darunter etwa 200 Frauen, anwesend. Der große Saal und die Tribünen lvaren dicht besetzt. Die Versammlung wurde stimmungs- voll eingeleitet mit dem Liebe„Dem Lenz entgegen", das der Arbeiter-Gesangverein„Einigkeit" zum Vortrag brachte. Daun sprach Genosse Dr. Borchardt- Charlotlenbnrg. Nach dem begeistert aufgenommenen Vortrage wurden die beiden Resolutionen angenommen und die Versanimlung mit einem dreifachen Hoch auf das allgemeine gleiche Wahlrecht zum Landtage geschloffen. Lindow. Auch hier war die Protestversammlung überfüllt. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Landsberg a. d. Warthe. In vier überfüllten Versammlungen (die Menfchenmaffen standen bis auf die Straßen) referierten die Genossen Grauer, Kayser, Päch und Pätzel. In dem benachbarten Dorfe Kladow sprach im überfüllten Saale der Genosse B e h r e n d. Die Resolutionen wurden einstimmig an- genommen. Für unseren Schutz war seitens der Polizei und der Militär- behörde in aufmerksamster Weise gesorgt. Die Festung Küstrin hatte einen Teil ihrer 48er gesandt, um die hier garnisonierende Artillerie event. wirksamst zu unterstützen. Daß alle disponiblen Gendarmen mit ihren Karabinern bewaffnet nach hier beordert waren, braucht wohl nicht erst besonders hervorgehoben zu werden. Um einen zu starken Andrang zu den Versammlungen zu verhüten, waren die Kriegervereinler und Feuerwehr zum„Dienst" befohlen. Nach Schluß der Versammlungen erfreute uns eine Artillerie- Patrouille, die nach dem„Feind" ausspähte, durch ihren Anblick. Wolgast. Die Demonstration nahm einen würdigen Verlauf. Die Versammlung war überfüllt, über 700 Teilnehmer waren er- chienen, darunter viele Frauen. Otto Passehl referierte. Leide Resolutionen fanden einstimmige Annahme. Die Sammlung ür die russischen Freiheitskämpfer ergab den Betrag von 33 M. Die Polizei verhielt sich taktvoll. Köritz bei Neustadt a. D. Hier war am Sonntag alles in Be- wegung. In allen Orten und Gasthäusern nur das Gespräch:„Was wird werden?" Die Versammlung war sehr gut besucht. Die frei- willige Feuerwehr war zum Schutze der Polizei aufgeboten. Mit Begeisterung und spontanen Zustimmungskundgebungcn wurden die Ausführungen des Genossen Schulz ausgenommen. In Vehlefanz hatten sich trotz des schlechten Wetters und des äst unzugänglichen Weges 00 Personen in dem entlegenen Ber- ammlungslokale zusammengefunden. Genosse Artur Schmit- Berlin sprach unter lebhaftem Beifall über die russischen Zustände und geißelte vor allem das heute bestehende preußische Klassenwahl- unrecht. Pinnow. In einer gut besuchten Versammlung referierte Gen. K ü t c r- Schöneberg. Die Anwesende» erklärten ihre vollste Shmpathie mit den russischen Freiheitskämpfern. Einstimmig nahmen die Versammelten die vom Referenten verlesenen Resolu- tioncn an. Scnftenberg. Unter Feuerschein demonstrierten die Sensten- berger gegen daS Dreiklassen-Geldsackparlament. Das war eine Auf- regung: In der Nacht zum Sonntag schreckte schauerlich tönender Alarm viele Bravgesinnte auf aus behaglichem Spießerschlaf. Uud wirklich, ans Fenster eilend, sahen die vom weichen Psühl aufgeschreckten roten Feuerschein weithin in die Lande leuchten. Das ist Revolution I schon mordende, Zm Geiste sahen die Entrückten wohl brandstistende Banden sich heranwälzcn. Da stürnste in rasendem Lauf die Feuerwehr vorbei. Die Obrigkeit wacht, dachte der Spießer und halbgetröstet wattete er der Dinge, die da kommen sollen. Doch kein Kanonen- donner, kein Gewehrgeknatter gab Kunde von energischem Kampfe gegen die Revolutionäre— es waren nur ein paar alte Scheunen, die vielleicht unter vergnüglichem Schmunzeln der Besitzer nieder- brannten. Aber es schien, als hätten mit den Revolutionären die Elemente einen Pakt geschlossen. Den verwegensten Anstrengungen der Spritzemnänner trotzend, leuchteten noch am Sonntagabend die nicht niederzuzwingenden Flammen den von der DemonstrationS- Versammlung Zurückkehrenden auf den Heimweg, Und die Aengst- lichen ließen sich den Gedanken nicht ausreden, daß diese Feuers- gluten ein Vorspiel zu schrecklichen Begebenheiten seien. Mütter wiesen ihre Kinder an, am Tage der Revolution sich nicht hinauszuwagen auf die Straße, Und obwohl das Wetter durchaus nicht zu Ausflügen einlud, am frühen Morgen sah man verschiedene Honorationen hinausfahren— ins sichere„Ausland". Befteit von diesen tapferen Verleidigem des Vaterlandes Wohl und Herrlichkeit demonstrierte das Volk und Senftenberg ist nicht vom Erdboden verschwunden. Bezeichnend für die hiesigen Verhältnisse ist schon. daß, obwohl in der Stadt viele große Lokale vorhanden sind, das Volk dreiviertel Stunden von der Stadt entfernt in der Totzng- niühle seine Demonstrationsversammlung abhalten mußte. Und trotz deS unwirrlichen Wetters. obwohl die Demonstrierenden oft bis an den Knöchel durch den Schlamm waten mußten, von weit und breit strömte das Volk herbei. In überfüllte»! Lokale, das nicht alle Demonstranten fassen konnte, referierte Genosse Düwell über daS zur Tagesordnung stehende Thema. In drangvoll fürchterlicher Enge hielten die Anwesenden in muster- haster Ruhe stundenlang aus und stimmten den Ausführungen mit Beifall zu. Nach einstimmiger Annahme der Resolutionen schloß der Vorsitzende die prächtige, glanzvoll für Senftenberg imponierende Versammlung mit einem brausende Zustimmung auslösenden Hoch auf die internationale völkerbefreiende Sozialdemokratie. Dann in vollständiger Ruhe und Ordnung gingen die Versammelten aus- einander. Die zahlreich aufgebotene Sicherheitsmannschast fand nicht die geringste Gelegenheit sich staatSretteriich zu betätigen. Auch hier müssen die Spitzel und bestellten Hetzer beschämt erfahren: zu der Schmach über den bösen Willen, ernten sie nun noch den Hohn über ihre Ohnmacht! Marwitz. Die Versammlung war von über 200 Personen besucht. Genosse Funk referierte. Die Resolutionen wurden ein- stimmig angenommen. Auf Antrag des Referenten fand eine Teller- sammlnng für die Opfer des russischen Kampfes statt. Für den Wahlverein wurden zahlreiche Mitglieder gewonnen. Wittstvck. Die Versammlung war überfüllt. Nach dem Referat von C. Bruns und nach einstimmiger Annahme der Resolutionen wurde die Versammlung mit brausendem Hoch geschlossen. Auf der Straße waren Hunderte von Menschen sowie ein riesiges Aufgebot von Polizisten und Gendarmen, die jedoch nichts zu tun fanden. Bitterfeld. Die Protestversammlung ist großarttg verlaufen. Sie war von mindestens 80V Personen besucht; viele mußten wieder umkehren, da der Saal überfüllt war. Referiert hat Genosse Wilh. Wittig- Leipzig. Wittenberg. Die Protestversammlung war von 700 Männern und Frauen besucht. Nur ein Lokal steht den Genossen des ganzen Kreises zu öffentlichen Versammlungen zur Verfügung. Das Re- ferat über das Thema des Tages hielt Genosse F r i tz s ch- Berlin. Die Resolutionen wurden einstimmig angenommen. An der Diskussion beteiligte sich d r Geistliche des OrtcS. Er widersprach dem Referenten in seiner Aufforderung an die Anwesenden, um ihren Unwillen über die Macht der Kirche zum Ausdruck zu bringen, aus der Landeskirche auszutreten. Der Geistliche meinte, fromm naiv, wenn die An- wesenden der Aufforderung Folge leisteten, dann sei er am Orte brotlos gemacht; er könne dann sein Ranzel schnüren und aus- wandern. Im übttgen war der Herr recht offen, er gab zu, daß der Referent viel Gutes gesagt und daß tatsächlich vieles faul sei im Staate Dänemark, Im Kreise Wanzleden fanden acht Versammlungen statt, die sämtlich außerordentlich stark besucht waren. Die Referate hielten die Genossen Beims, Bender, Drechsler, Koch, Mösinger, Müller und Silberschmidt. Es war das erste Mal, daß in diesem kleinen Kreise in acht Lokalen Versammlungen abgehalten werden konnten. Die Begeisterung war eine sehr große und ist zu erwarten, daß diese agitatorische Aufrüttelung eine nachhaltige Wirkung ausüben wird. In Haimover 20 000 Versammlungsbesucher, in Hildesheim 1200. Sämtliche Schutzleute, Flurschlltzen und Nachtwächter lvaren auf- geboten, in den benachbarten Straßen der Versammlungslokale wimmelte es von Polizeihelmen. In allen Versammlungen herrschte helle Begeisterung für unsere Forderungen. In Göttingen 500, Einbeck 700, Uelzen 500, Münden 350, Bovenden 200, Peine 400, Walsrode 200, Rhüden 150, Gif- Horn 200, Seelze 100, Sarstedt 400 Versammlungsbesucher. Ueberall großer Zulauf, selbst in den kleinsten Orten, in denen demonstriert wurde. Nirgends gaben die behördlichen Sicherheitsorgane Anlaß zu Ruhestörungen, und so verliefen die Demoustrattonen rn Ivürdigcr Weise. Ueberraschend starker Besuch der Versammlungen wird aus den Harzorten gemeldet. In G o s l a r a. H. wies die Versammlung am Nachmittag einen kolossalen Besuch auf. Aus allen Dörfern der Umgegend strömten�die Arbeiter zusammen, sodaß nahezu 1000 Per- 'oncn gegen ihre politische Benachteiligung protestierten. Die Ge- nossen von Ostlutter a. H, mußten sich mrt ihrer Versammlung inS Brauiffchweigische flüchten. In diesen beiden Versammlungen am Harz sprach Genosse Leine rt. An der Unterweser fanden neun Versammlungen statt, so in Lehe, Geestemünde, Wulsdorf usw. Die meisten Lokale mußten wegen Ueberfüllung gesperrt werden. In Schönebeck(Elbe) demonstrierten über 2000 Personen, in Verden zirka 400. Vier Versammlungen in Osnabrück und nächster Umgebung wäret, überfüllt, zirka 3000 Protestler, darunter viele Landarbeiter, hatten sich eingefunden. Braunschweig. Drei gewaltige Versammlungen fanden hier statt. Trotz großen Polizei- und Militäraufgebots alles ruhig verlausen. Kassel. Im Agitationsbezirk Kassel fanden 21 durchweg über- .üllte Versammlungen statt, davon in den Reichstags- Wahlkreisen Kässel-Meliungen 11, Eschwege-Schmalkalden 5, Homburg-Ftttzlar 2 und Hofgeismar- Rintelen 3. Die Ausführungen der Referenten wurden überall mit lebhaftem Beifall begleitet. Eine besonders imposante Demonstration war die Versammlung im Gewerkschafts- hause zu Kassel, deren Teilnehmerzahl sich auf mindestens 1000 bezifferte. Die vier in Kassel garnisonierenden Regimenter waren den ganzen Tag in den Kasernen kon signiert; selbst die außerhalb der Kasernen wohnenden Chargierten lvaren zu Kasernenarrest vernrteilt. In fast allen Versammlungen, besonders in den Landgemeinden, waren Gendarmen und Polizei- Mannschaften in ausfälliger Zahl beordert, die i»in Teil mit dem Gewehr ausgerüstet waren. Alle diese Naßnahmen waren nattirlich nur geeignet, riesige Heiterkeit zu erregen. Selbstverständlich verliefen alle Versammlungen in musterhafter Ordnung. Die Sammlungen zugunsten der russischen Freiheitskämpfer ergaben fast allerorten nennenswerte Summen; iit einigen Lokalen wurden die Sammlungen verboten. Eine Versammlung würde in letzter Stunde ebenfalls verboten. Grund: Weil die Türen des Lokals nach innen schließen l Für die Parteipresse wurden einige Hundert neue «Bonnenten gewonnen: den Parteiorganisationen wurden zahl- reiche neue Mitglieder zugeführt. Erfurt. Die furchtbaren Borbereituiigen der Polizei und des Militärs für den„Erfurter blutigen Sonntag" hat die disziplinierte Arberterschaft glänzend der gebührenden Lächerlichkeit überantwortet. Die Polizei war im Scharfschießen eingeübt worden, die Säbel hatte man scharf schleifen lassen, das Militär wurde in Bereitschaft gehalten, ein Extrazug stand sogar bereit, um nach Mühlhausen ab- gelassen zu weroen, und der Polizeigewalthaber machte auf einem brennend roten Plakat bekannt, daß er dringend vor Beteiligung an den Kundgebungen warne. Der Erfurter Arbeiterschaft stand leider nur ein Lolal zur Verfügung, das von 2000 Personen besetzt war, und vor dem wegen Uebersüllung Hunderte wieder umkehren mußten. Eine Genossin hatte in der„Tribüne" aufgefordert, daß auch die Frauen die Protestversammlung zahlreich besuchen sollten. Darauf traf in der folgenden Nacht dieses liebliche Verbot ein: Nachdem in der heute abend erschienenen Nummer der „Tribüne" Frauen zum Besuch der am Sonntag, den 21. d. M. beabsichtigten Versammlungen aufgefordert worden sind, wird die Abhaltung der von Ihnen für den genannten Tag im„Tivoli" angenreldeten Versammlung verboten. Das Verbot wird zurückgenommen werden, wenn Sie bis Sonnabend, den 20. d. M., mittags 12 Uhr, den Nach- weis erbringen, daß durch öffentliche Bekanntgabe in aus- reichender Weise für die Fernhaltung von Frauen gesorgt ist, daß insbesondere in der morgen er- scheinenden Nummer der„Tribüne" eine entsprechende Bekannt- machung erlassen wird. Um die einzige Versammlung nicht unmöglich zu machen, wurde auf die Bedingung eingegangen, dafür aber sofort eine besondere Franenversammlung einberufen. Diese verfiel natürlich dem so- fortigen Verbot. Unter den Frauen herrscht helle Erbitterung. Die Stimmung der Versammlung war großartig. Aus der Umgebung ist ebenfalls zu berichten, daß alles vor- trefflich und in Ruhe und Würde verlief.— Als Kuriosa mag gelten, daß einzelne Lehrer den Kindern eingedrillt hatten, sie möchten den Eltern sagen, daß schon am Sonnabend alle Lebensmittel eingekauft werden möchten, weil Sonntag„Revolution" und dann nichts zu haben sei. Die Oberin einer Klosterschule hatte den Domprobst er- sucht,„zwei starke Männer zu ihrem persönlichen Schutz zu be- sorgen". Andere männliche und weibliche alte Jungfern hatten ihre abonnierten Theaterplätze abbestellt, da sie„am Tage der Revolution nicht über die Straße gingen". Auch in Lauterberg wurde die Versammlung verboten. Die Demonstranten unternahmen dafür einen Spaziergang, bei dem über 50 Mitglieder für den politischen Verein gewonnen wurden. Küstrin. Eine Versammlung wie die gestrige Protestversamm- lung hat Küstrin überhaupt noch nicht gesehen. 800—1000 Personen füllten das Lokal. Stadtv. B o r g m a n n- Berlin referierte, oft von minutenlangem Beifall unterbrochen. Störungen find nirgends vor- gekommen. Der rote Sonntag in Breslau und in Schlesien. Schon seit Beginn des neuen Jahres halte» Magistrat, Gerichls- nnd Polizeibehörden dafür gesorgt, daß der Demonslrationssonntag' in Breslau sich zu einer machlvollen, alle Schichten der Bevölkerung in Auf- regung versetzenden Kundgebung gegen das Dreiklassenwahlrecht gestalte. Die Maßregelung städtischer Arbeiter, die Verurteilung ver- schiedener Gewerkschafter wegen Streikvergehens, besonders aber daS Urleil gegen den Genossen Löbe, alles das halte schon lange im voraus die Erbitterung der Breslaüer Arberierschasl ganz gewaltig gesleigert, und um jede Säule bildeten sich Massenansaminlungen. Schon seit vielen Tagen mußten die Schutzleute sich im Schießen mit den neuangeschafften Revolvern übe», und für den Sonntag selbst war nach einer polizeioffiziösen Ver- laulbarung ein Aufgebot von 650 Schutzleuten und einigen 20 Berittenen vorgesehen. Hinter diesen aber waren zum sofortigen Ein greifen zwei Infanterie-, ein Kavallerieregiment und sechs Batlerien Artillerie,„in Summa nach Abzug der Kranken usw. rmid 4500 Maiin mit 88 Geschützen" bereit. Während so auf der einen Seite die bewaffnete Macht sich rüstete, die erwarteten Volksaufläufe niederzuschlagen, begann auf der anderen Seite bei verschiedenen Genossen,' so bei dem Bezirks- leiter des Melallarbeiterverbaudes, Genossen Schlegel, eine Suche nach angeblich verborgeugeyaltenen Waffen und Sprengstoffen. Wie das in Breslau selbstverständlich ist, hatte man auch den Versuch gemacht, durch Saalabtreiblingen die Demonstration zu vereiteln. Und dem Versuche wurde ein teilweiser Erfolg. Fünf Saalinhaber zogen im Laufe der letzten Tage ihre bereits fest gegebene Zusage zurück, unter den nichtigsten, zum Teil lächerlichen Vorwänden. Gegen 10 Uhr begann der Aufmarsch der S ch u tz ni a n n s ch a f t. Von allen Seiten, aus allen Revieren kamen die Kolonnen heran- gezogen mid nahmen auf den Plätzen und in den Straßen um das Gewerkschaftshaus herum Aufstellung, um den Leib das Koppel mit der Pistolentasche, die Schuppenkette über das Kinn gezogen. Freilich früher als die Polizei waren unsere Ordner, kemitlich au weißen Armbinden, zur Stelle. Und willig folgten die Massen ihren Anordnungen, so daß der Polizei nichts übrig blieb als die Llufrechterhaltuna der Ordnung unseren Genossen zu überlassen. Während im„Kühlenstrand zur Oder" Genosse Tu tz au er vor einer den verhältnismäßig kleinen Saal nicht fassenden Menschen- menge unter brausendem Beifall der Versainmelten das Wahl- unrecht zum preußischen Jnnkerparlament in scharfen Worten geißelte, sprach vor etwa 1800 Besuchern im Gewerkschaftshause zunächst Genosse Bernstein, indem er darauf hinwies, daß der „rote" Sonntag unter zwei Parolen stehe:„Laßt euch nicht provozieren!", aber auch:„Laßt euch nicht verblüffen I" Nachmittags sprach dann vor einer gleichen Besucherzahl im Gewerkschaftshause Genosse T n tz a u e r und abends wieder Genosse Bern st ein. In sämtlichen Versammlungen wurde unter stürmischen Zustimmungs- rufen eine Deinonstratious-Resolution einstimmig angenommen. Auch in der Provinz Schlesien trug der Verlauf der Demon- stration durchaus die Signatur ruhiger Entschiedenheit und Würde. Aus Neisse wird gemeldet, daß dort die Versammlung, in der vor 200 Personen Genosse Darf- Breslau sprach, ruhig und ohne Zwischenfall verlaufen ist. In F r e i b u r g war dos Ge- werkschaftshaus lange vor Beginn der Demonstration polizeilich abgesperrt. In Dittersbach bei Waldenburg waren 500 Berg- lente zusammengekommen. Im niederschlesischen Bergrevier verlief alles ruhig, so daß den von Breslau dorthin kommandierten Kürassieren keine Gelegenheit geboten war, kavallerislischeu Schneid zu deweisen. In O h l a u war es den konsigniert gehaltenen Husaren ebenfalls dank der mustergültigen Haltung der Demon- stranten verwehrt, in Aktion zu treten. Das Versammüings- lokal, das unter persönlicher Aufsicht des Amtsvorstehers unter Assistenz von vier Gendarmen stand, war wegen Ueberfüllung lange vor Beginn abgesperrt.— In F r e y h a n bei Militsch mußte die von 150 Personen besuchte Versammlung, in der Senk-Breslau sprach, ebenfalls vor Beginn abgesperrt werden: auch hier war der V-rlauf ein ruhiger, sodaß die im Dominium untergebrachten Ulanen nichts zu tun'bekamen.— Eine Versammlung unter freiem Himmel improvisierten die Genossen von Brieg, da ein Lokal nicht aufzutreiben war. Plötzlich tauchten einige Gendarmen und Schutzleute auf. die in einer Droschke angefahren kamen; bei ihrem Erscheinen gingen die Versammelten ruhig aus- einander, und die Polizei fand nichts mehr zu tun. — 1700 Denionstranten wurden in Lieg» i tz gezählt, Ivo zwei imposante Versammlungen stattfanden. Auch die Verstimm- lunq in Schweidnitz|Dat von 1000 Personen besucht, Hunderte mußten umkehren, das starke Polizeiaufgebot hatte keine Veran- lasslnig einzllgreifen.— Stark besucht war ebenfalls die Versamm- luna in L ö w e ii b e r g. Auch die Bersammlung in Neustadt hatte einen sehr starken Besuch zu verzeichnen, desgleichen in P a r ch- w i tz.— In Pro tz s ch bei Militsch referierte Genoffe P e i k e r t- Breslau vor überfülltem Auditorium. Das Lokal befand sich unter strenger Beaiifsichtigung der Gendarmerie und des Guts- Vorstandes. Im industriellen Schlesien, wo die ragenden Fabrikschlote von der Herrschaft des neuen Herm, des Kapitalismus, zeugen, wurden die DemoiistrationSversammlungen am Sonnabend in Langenbielan, dem Hauptsitz der schlesischen Textilindustrie, eingeleitet. Reichlich 800 Personen lauschten den Ausführungen unseres alten Genossen Kühn. Eine zweite Versammlung fand am Sonntag in Langenbielan statt. Auch diese Versammlung war sehr gut besucht, ganze Trupps konnten in dem Versammlinigssaal keinen Platz mehr finden und mußten umkehren. Das Referat hielt Kühn. Etwa 900 wetterharte Steinarbeiter waren zu der Versammlung am Sonntagvormittag in S t r i e g a u erschienen, so daß der Saal die Demonstranten nicht alle zu fassen vermochte. Genosse Feld- m a n n- Langenbielan hielt das Referat. Die Behörde hatte nutzlos große Maßnahmen getroffen. Laudrat, Bürgermeister, Amtsvorsteher, Gendarmen prominierten vor dem Versammlungslokal auf und ab; die Nachtwächter hatten sogar ihre Säbel schleifen lassen müsfen. Besonders stark war der Andrang zu der Versammlung, die am Sonntagnachmittag in der Militärstadt Schweidnitz tagte. Schon um 3 Uhr tvar der Saal polizeilich gesperrt. Der Saal, der reichlich 1000 Personen faßt, tvar bis auf den letzten Platz besetzt. Arbeit für das bereitgestellte Militär und die zahlreiche Schutzmann- schaft gab es nicht. Das Referat hielt Genosse F e l d m a n n- Langenbielan. Vor den Uhrenarbeitern und Bergarbeitern des Frei- burger resp. Waldenbnrger Bezirks sprach am Sonntag in Pols- nitz in zwei Versammlungen Reichstags-Abgeordneter Sachse. Der Versammlungsraum reichte bei weitem nicht aus, die Erschienenen zu fassen. In allen Versammlungen wurde die Protest- resolution gegen den Landtag und die Sympathieresolution für die russischen Kämpfer einstimmig angenommen. Die Redner fanden mit ihren Ausführungen demonstrativen Beifall. In Landeshüt war den Genossen das Ankleben der Ver- sammlimgsplakate verboten. Nichtsdestoweniger konnte die Versamm- lmig nicht alle Besucher fassen, viele mußten umkehren, viele Be- sucher ließen sich als Mitglieder des Wahlvereins einschreiben. In Weigelsdorf, Kreis Reichenbach i. Schl., war die Protestver- fammlung von gut 400 Personen besucht, auch landwirtschaftlich tätige Personen waren anwesend. In L i e g n i tz mußten früh und nachmittags je eine Versamm- lung stattfinden, da nur das Gewerkschaflshaus zur Verfügung stand. lieber 800 Personen waren in jeder Versammlung. Genosse Müller- Görlitz sprach.— In Goldberg konnten zirka 400 Per- sonen nicht Platz finden. Eine solche Begeisterung war selbst bei der letzten ReichstagSwahl nicht zu verzeichnen. In Görlitz koiinte keine Versammlung stattfinden, da die Saal- besitzer aus Furcht vor der Polizei für diesen Sonntag ihre Säle verweigerten. Dafür fand vor den Toren der Stadt in L e s ch w i tz eine Versammlung statt, die von 700 Personen besucht war. In Lau bau hörten 400 Personen mit Begeisterung dem Referate des Genossen Taubadel zu.— In Langenöls hatten sich 700 Personen, darunter Vertreter aus fast allen Orten der Umgebung eingefunden. Der Oberwachtnieister drohte zweimal mit Auflösung. Es kani aber nicht dazu. Auch hier referierte Genosse T a u b a d e l. — Für Seide n berg und Umgebung war in E b e r s d o r f in V ö h m e n eine Versanimlung geplant, der Gemeindevorsteher beeinflußte aber die Wirte und die Verstimnilimg konnte nicht stattfinden.— In R a u s ch a waren 220 Personen anwesend, konnten aber nicht alle Platz finden. Genosse Sa ll i n g sprach.— In Tiefenfurt waren zirka 320 Personen anwesend. Auch aus dem Saganer Kreise waren welche herübergekommen. Waldenburg i. Schl. Am Sonnabend und Sonntag fanden im Waldenburger Kreise fünf Protestversaiiiinliingen, zwei in Fried- l a n d und drei in P o l s n i tz statt, in denen unter lebhaftem Beifall die Resolutionen angenommen wurden. Eine Bergarbeiter- vorsanimlung in Dittersbach stimmte gleichfalls einer Resolution gegen das Dreiklassenwahlrecht lebhaft zu. Eine Zahl- stellenversammlung der Bergarbeiter in Neusalzbrunn wurde, als Sachse den neuen Entwurf zum Titel 7 des Berggesetzes besprach, vom Amtsvorsteher aufgelöst. Alle Versammlungen waren überfüllt, viele Personen mußten wieder umkehren. In Kattowiy fand eine deutsche und eine polnische Versammlung statt. In beiden Versammlungen herrschte begeisterte Stimmung i eine Sammlung für die russischen Freiheitskämpfer erbrachte ein glänzendes Resultat. Bromberg. Zu einer imposanten Kundgebung gestaltete sich hier die Protestversamnilung. Vor dem Versammlungslokal hatte sich eine Menge von weit über 2000 Personen, welche keinen Einlaß fanden, angesammelt und verblieb dort bis zum Schluß der Demonstration. Die ganze Polizei, die Bromberg aufzuweisen hatte, sowie die Fuß- und berittene Gendarmerie aus der Umgegend war auf den Beinen. Vor dem Versammlungslokal hatten etwa 30 Schutzleute und Gen- darme zu Fuß und zu Pferde Posta genommen. Jedoch wurde diesem ganzen Polizeiaufgebot keine Gelegenheit gegeben, irgendwo einzuschreiten. Bei der Flugblattverbreitnng am Sonnabend wurden 3 Genossen und 2 Genossinnen verhaftet und biS Sonntag in Polizeigewahrsam gehalten und dann dem Justizgefängnis zugeführt. Wird das wieder eine schwere Staatsaktion werden. Posen. In der Bersammlung, die von über 500 Personen be- sucht war, referierten Genosse S r e m s k i- Posen in deutscher und Genosse Podenski in polnischer Sprache. Die Ordnung war musterhaft. 600 Personen, die im Versammlungssaale keinen Platz fanden, umlagerten das Lokal. Die Demonstrationen in Ost- und Westpreußen sind großartig verlaufen. In Gumbinnen waren 700 Personen, meist Landarbeiter. anwesend. Ueberall große Begeisterung vorhanden und viel Sicher- heit. In Lotzen kam auf zwei Versammlungsbesucher ein Polizist. Infanterie stand schießbereit. In Rastenburg ist die Versanimliing ebenfalls glänzend unter starker Beteiligung verlaufen. In Danzig große sensationelle Demonftratton, riesige Menschenmengen auf den Straßen. Husaren ritten hin und her, als gelte es einen kühnen Ritt. Polizei war massenhaft, mit Revolvern versehen, aufgeboten. Verlauf der Versammlung ohne Zwischenfall. Marienwerder viele Gendarmen auf den Beinen und Pferden. Versammlung prächttg verlaufen; kein Zwischenfall ereignete sich. In anderen Provinz- städten tagten gleichfalls stark besuchte Versammlungen. Ueberall wurden die Resoluttonen angenommen. In Elbing fand schon Donnerstag riesige Demonstration statt. Königsberg wird heute in zwei Versammlungen demonstrieren. Militär liegt kamvfbereit in den Kasernen. Ein völliger Schlachtplan ist entworfen. Lieb Vater- land magst ruhig sein! Danzig. Die Versammlung war überfüllt. Tausende mußten vor dem Lokale umkehren. Es herrschte stürmische Begeisterung. Das Btilitär war konsigniert, 2 Schwadronen Husarin patrouillierten nachmittags fortgesetzt in den Straßen. Graudenz. In der überfüllten Versammlung, in die t underte keinen Einlaß mehr fanden, sprach Genosse B a r t e l- anzig. Die Polizei war mobil gemacht und auch zwei Berittene eingestellt. Trotz starker polizeilicher Nervosität gab es keinen Zwischenfall. Stralsund. Die in musterhafter Ordnung verlaufene von f800 Personen besuchte Versammlung hat die Angstmeier bitter enttäuscht. Die verlesene Resolutton gegen das Landtagswahlrecht wurde ein- stimmig angenommen. In Stettin fanden drei Versammlungen statt, die von über 3000 Personen besucht waren. Zwei Lokale mußten abgesperrt werden. Die Ruhe wurde nirgends gestört. Wilhelmsburg. Genosse Weinheber- Hamburg sprach vor 1500 Versammelten, während der Genosse E. K ö p k e-Harburg in Georgswerder sWilhelmsbiirg) vor 350 Personen sprach. Alles verlief in musterhafter Ordnung, trotz Unruhe bei der Polizei. In Neumünster hatten sich 2800 Personen zur Versammlung eingefunden. Militär und Gendarmerie im Masseiianfqebot fand keine Arbeit. Saal überfüllt, viele hunderte Menschen standen auf den Straßen. Leer(OstfrieSlaiid). Die Protestversammlung verlief anfs glänzendste. Der Neserent, Genosse R. Wagner aus Bant, geißelte mit wuchtigen Keillenschlägen das bestehende preußische Dreiklassen- Wahlsystem. Eine entsprechende Resolution fand einstimmige An- nähme. Köln. Am fteien deutschen Rhein hat sich die Polizeiherrschaft in einem Maße etabliert, wie es schlimmer in Ostelbien und Sachsen auch nicht sein kann. Es fragt sich sogar sehr, ob am Rhein od» ob in jenen Gebieten sprüchwortlicher Reaktion die Ausschreitungen der Gewalt zahlreicher nnd krasser sind. Diese Dinge sind die un- zertrennlichen Begleiter der erstarkenden sozialdemokratischen Kultur- bewegung. Haussuchungen, Beschlagnahmen, Vorführungen, Ver- Haftungen sind in unzählbarer Menge zu verzeichnen. lieber den Sonntag in Köln, der drittgrößten Stadt Preußens, wird uns geschrieben: Zehn überfüllte Massenvers am m- l u n g e n in Köln und Vororten legen Zeugnis davon ab, wie das Proletariat im deutschen Rom, am Sitze des ultramontanen Ge- »eralstabeS, über das elende Geldsackwahlrecht urteilt. So etwas hat Köln noch nie gesehen! In einer einzigen Straße nahe beieinander zu gleicher Zeit zwei von Tausenden besuchte Masseiiversamniluiigeii: eine im„Roten Löwen", die zweite im„Volkshaus", dem neuen Heim unserer Kölner Genossen, das mit dieser machtvollen Protestversammlung sein Saalgebäude in unvergleichlich würdiger Weise zum erstenmal der Benutzung übergab. Als Rednerin war Genossin Klara Zetkin, trotz ihrer gefährlichen Augenkrankheit, auf Einladung der Kölner Parteigenossen erschienen. Bei nächtlicher Eisenbahnfahrt war sie von Süddeuischland hergekommen, und sie mußte, die kranken Augen durch eine schwarze Brille geschützt, zur Rednertribüne geführt werden, allen ein erhebendes Beispiel von Aufopferung und Be- geisterung für die Sache des Sozialismus, der Völkerbefreiung. Ihre Rede, die mit dem dieser rastlosen Kämpferiii eigenen Feuer die russische Nevolution verherrlichte und den Absolutismus in Preußen niit seinem schmachvollen Wahlnnrecht brandniarkte, entfesselte Beifalls- stürme von elementarer Gewalt und minutenlanger Dauer. Während- dessen war in einem der Nebenhäuser, einer Volks- schule, eine zahlreiche Schutz mannSreserve bereit- gehalten, und draußen aus der Straße hielt eine lange Reihe von Schutzleuten, die Sturmkette unterm Kinn, die die sogenannte Ordnung auftecht. In dem Hofe der Schule wurde ein Zelle n wagen zum Transport der erhofften Gefangenen berefft gehalten. Als die Versammlung zu Endeging, marschierten mehrere Trupps Soldaten mit scharfgeladenem Gewehr daher. Aber Säbel und Flinte bekamen keine Gelegenheit, um an wehrlosen Menschen Triumphe zu feiern. Das zu den Versammlungen einladende Plakat war von dem Kölner Polizeipräsidenten verboten iv o r d e n, obwohl der strebsamste Staatsanwalt vergeblich auch nur nach dem'Schein einer Gesetzwidrigkeit darin suchen würde. Ferner hatte der Polizeipräsident eine Verfügung erlaffen, worin eS heißt,„daß eine Auflösung der Versaininlungen sofort ein- treten wird, wenn 1. Verstöße gegen das Vereinsgesetz vor- kommen, insbesondere in den Versammlungen Aufforderungen oder An- reizungen zu strafbaren Handlungen erfolgen sollten, 2. die Zahl der Versammlungsbesucher die für das Veriammlungslokal auf.... Personen festgesetzte Besucherzahl übersteigt und für die nötige Ord- iiung in dem VerianimlungSraum.... nicht ausreichend Sorge ge- tragen wird. Aufzüge und demonstrative Kundgebungen auf den Straßen..... werden unter keinen Umständen geduldet werden, und find die Exekutivbeamten angewiesen, Vorkommendenfalls mit aller Schärfe gegen Zuwiderhandelnde vorzugehen." An gutem Willen hat es zweifellos nicht gefehlt, aber die Geschultheit der Kölner Arbeiterschaft hat der Polizei ein Schnippchen geschlagen. Der einzige Erfolg all' der überspannten Polizeimaßnahmen war eine sich in weiten Kreisen des Bürgertums bemerkbar machende nervöse Angst. Hatte doch die„Kölnische V o l k s z e i t u n g" der Herren Bachem, die sonst ihre großen Lesefenster das ganze Jahr, Sonn- uud Feiertags sowohl als nachts offenhält, am Sonntag dicht mit den Roltiäden verschlossen. Das Gewissen der herrschenden Partei, des Zentrums, ist genau so schlecht tvie das der herrschenden Ge- walten. Düsseldorf. Das waren Versammlungen, wie sie Düsseldorf größer kaum je gesehen. DaS Gewerkschaftshaus war lange vor Beginn der Bersaminlung dicht besetzt, die beiden großen Säle waren überfüllt und polizeilich abgesperrt. Tausende mutzten umkehren,«in in den übrigen vier Versammlungslokalen den Versuch zu machen, ein Stehplätzchen zu ergattern. Auf den Straßen wogte es, schwarz von Menschen. Geivaltig, eindrucksvoll, ernst war der Protest. den die Düsseldorfer Arbeiterschaft gegen die Dreiklaffenwahlschmach erhoben hat. Die Ausführungen der Redner, die in scharfen Worten das herrschende Regime geißelten, fanden begeisterte Zilstinimung, die Resolutionen einhellige, stürmische Annahme. Ihre Verlesung ward von spontanen Beifalls- kiindgebunaen unterbrochen. Hunderte meldeten sich zum Eintritt in die politische Organisation, eine sehr beträchtliche Zahl neuer Abonnenten für das Parteiblatt ward gewonnen und für die Vor- kämpfer der russischen Revolution bedeckten sich die zirkulierenden Listen rasch mit Einzeichiiungen. Am Schluß der Versamnilungen brauste begeisternd die dritte Strophe der Arbeiiermarseillaise durch die Säle. Polizei und Staatsanwaltschaft hatten wirksam für uns agitiert. Ein Teil der für Düsseldorf bestimmten Auflage des Elberfelder Flugblattes tvar in Elberfeld beschlagnahmt ivorden. Den Niest, der in Düsseldorf auf dem Bahnhof lag, holten die Genossen unter den Augen der Polizei heraus und brachten ihn in sicheres Versteck. Darob großer Alarm und viel Gelaufe der Polizei uud vor allem eine große Anzahl von HauSsuchungeu bei den bekaunterenfGenossen.Die Aktion verlies ergebnislos, das Flugblatt wurde verteilt. Darauf stellten die Düsseldorfer Genossen ein zweites Flugblatt in größerer Auflage her, das bei Polizei und Staatsanwaltschaft noch größere Ausregung hervorrief. Wiederum große Aktion, die ebenso fruchtlos verlief wie die erste. Alle Haudsiicherei nutzte nichts. Auch daS zweite Flugblatt wurde prompt imler die Massen gebracht, die nicht einmal mit der Partei in Verbindung standen. Auch in Düsseldorf hatte man sich„auf alle Eventualitäten gewappnet", wie der Dezernent für das städtische Polizeiwesen ver- lauten ließ. Die Wachen in den Kasernen tvaren verstärkt, allenthalben hatte mau doppelte Wachen aufziehen lassen, in einzelnen Lokalitäten kleinere Trupps Soldaten mit scharfen Patronen postiert, die Polizei war vollzählig und marschbereit versammelt und Soldaten suchte man vergeblich aus den Straßen, sie waren in den Kasernen sestgehalten. Düren. In den VersammlungSsaal dursten nur 150 Personen nach polizeilicher Messung. Zirka 200 standen noch auf der Straße. lieber 20 Polizisten, in Zivil und uniformiert, waren zur Stelle. Einstimmig wurde die Resolutton angenommen. Die Resolutton beschlagnahmte der Polizeiinspektor nach Schluß der Versammlung. Auch der Rest der Flugblätter wurde beschlagnahmt. Aachen. Die Protestversammlung war von über 800 Personen besucht und mußte der Saal abgesperrt werden. Ein starkes Polizei- aufgebot war zur Stelle, jedoch verlief die Versammlung ohne Störung. Die bekannten Resolutionen wurden einstimmig ange- nominell. Unliebsame Zwiicventälle sind nicht vorgekommen. Elberfeld. Große Vorbereitungen zur Niederwerfung der Rc- volution hatte die hiesige Polizei getroffen. Die Arbeiter ver- eiterte» es, daß die Polizei� große Siegesnachrichten, über ge» spaltene Schädel, niedergeschossene Menschen oder verhaftete Hoch- Verräter nach Berlin melden konnte. Den Ruhm, etwas zur Rettung der Gesellschaft beigetragen zu haben, wollte die Polizei sich jedoch nicht nehmen lassen. Da keinerlei Gesetzesverletzung seitens der Arbeiter vorkamen, wurde ohne gesetzlichen Grund die Protestversamnilung aufgelöst. Genosse Molkenbuhr hatte un- beanstandet über beide Gegenstände der Tagesordnung gesprochen und noch immer fehlte dem aus der Zeit des Sozialistengesetzes her hinreichend bekanuten Kommissar Aschendorfer die Gelegenheit zum Einschreiten. Da forderte der Vorsitzende, Genosse Ullenbaum, die Versammelten auf, zu Ehren der Freiheitskämpfer, die im Kampf für die Freiheit ihr Leben geopfert haben, sich von den Sitzen zu erheben. Erheben von den Sitzen ist zwar keine straf- bare Handlung, zu welcher nach§ 5 des preußischen VereinsgesetzeZ aufgefordert werden muß, wenn ein gesetzlicher Grund zur Auf- lösuug vorliegen soll. Aber die Polizei nimmt es mit dem Vereins» gcsetz gerade so genau wie die Offiziere mit dem Duellparagraphen des Strafgesetzbuches. So fügte Kommissar Aschendorfer dem Ruhmeskranze, den er sich in der Zeit des Sozialistengesetzes c> Warben hat, cm neues Blatt hinzu. Er lieferte aber auch un- zeivollt ein Argument, welches beweist, wie dringend nötig es ist, datz in Preußen die Gesetzgebung an eine wirkliche Volksuertretmg übertragen wird. Erst eine wirkliche Volksvertretung wird Gesetze schaffen, welche die Polizeiwillkür unmöglich machen. Wiesbaden. Die Denlonstralionsvsrsammlnng war von zirka 8020 Personen, Frauen und Männern, besucht. Ebenso viel konnten keinen Einlas; erhalten. Die Menge verhielt sich musterhaft. Be- rittene Schutzleute und solche zu Fuß waren zahllos postiert. Nach Annahme einer entsprechenden Resolution, in welcher das allgemeine gleiche direkte und geheime Wahlrecht für alle Personen vom 20. Lebensjahre an gefordert lvird, wurde die imposante Versammlung, wie Wiesbaden wohl noch keine erlebt hat, geschlossen. Für die russischen Freihenshelden wurden durch Tellersammlung 28 M. erhoben.— Die Säbel waren für die Kay geschliffen. In D o tz h e i in, das immer noch wegen der Thphusepedemie für öffentliche Versammlungen gesperrt ist, demonstrierte eine Mit- glicdcrversanmstiing des sozialdemokratischen Wahlvereins. Von eindrucksvoller Wirkung waren 15 in Frankfurt a. M. abgehaltene Versaminlungen. 10 000 Demonstranten waren erschienen, 250 Mitglieder für die politische Organisation, 150 Abonnenten für die Parteipresse wurden gewonnen. Die zugunsten der russischen Genossen veranstaltete Sammlung erbrachte 700 M.— Bravo 1— In Frankfurt wie auch in der Umgegend verlief die ganze Ver- anstaltung ohne irgend welchen Awischeniall. In Hanau waren alle einberufenen Versammlungen überfüllt. Viele Mitglieder für die Organisationen und Abonnenten für die Parteipresse wurden gewonnen. Glanzvolle. Begeisterung weckende Versammlungen fanden statt in Hof i. V., Helmbrechts und S ch iv a r z e n b a ch. Vielfach waren auch Liberale anwesend, die aber auch ausnahmslos den Re- solutionen zustimmten. Dresden. Die Polizeibehörden haben auf Anweisung der Regierung— wie jetzt positiv feststeht— die geplanten Volksversammlungen u. a. mit der Begründung verboten, daß zu befürchten. stehe, die Versammlungsbesucher würden trotz der gegenteiligen An- Weisung der Parteiinstanzen nach den Versammlungen auf>-er Straße demonstrieren. Einen schönen Beweis von Disziplin halbe» aber heute die Dresdener Arbeiter geliefert: Niemand ließ sich in den Lokalen sehen, in denen verbotene Versammlungen anbercmmt waren. Der Tag verlief völlig ruhig. Die Polizei war ganz unnötig auf die Beine gebracht. In alle Lokale waren starke Polizeiaufgebote um die kritische Zeit kommandiert, die einträchtig neben iruseren zur„Auftechterhaltung der Ruhe und Ordnung" delegierten Geflossen der Dinge harrten, die da kommen sollten, aber nicht kamen.. Die betreffenden Wirte hatten Anweisung, die Säle geschlossen zu halten. Eine solche Maßregel konnte natürlich geeignet sein, die Wirte geschäftlich zu schädigen.— Das Militär war in den Kasernen konsigniert, nicht einen Soldaten sah man in den Straßen, nur von Beamten der politischen Polizei wimmelte es in der Nähe der Versammlungslokale. Die Polizei nahm sich sogar heraus, zu ge- wisser Zeit das Telephon der Saalwirte zu belegen. Mit den Bersammlungsverboten sind die Behörden beispiellos summarisch und rücksichtslos verfahren. Nicht nur für Sonntag, sondern auch für Sonnabend und Montag wurden die Bersamm- lungen verboten, und sogar geschlossene Mitglieder- und Gewerkschafts Versammlungen wurden im Dresdener Aaitatiöns- bezirke davon betroffen. In den Orten der Provinz draußen wirkt die Begründung des Verbotes geradezu komisch. Es stützt sich überall auf die§§ 5 und 12 des Versammlungsgesetzes (Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Ordnung; die Möglich- keit, zur gewaltsamen Störung der Staats- und Gesellschaftsord- nuna aufzufordern oder doch geneigt zu mach eist, und auf analoge Vorgänge der letzten Wochen. In der Provinz draußen ist aber auch nicht das geringste passiert, was ein solches Verbot nur einigermaßen plausibel erscheinen lassen könnte. So toird aus einem Städtchen vom Einberufer ironisch mitgeteilt, daß dort„Störungen" in einer Versammlung nur einmal durch Zwischenrufe eines Gen- darmen und eines mchtsozialdemokratischen Versammlungsbesuchers vorgekommen sind. Und so liegt es draußen in der Provinz überall. Wie aus den Aeußerungen eines hiesigen Gendarmen hervorzugehen scheint, ist die Behörde besonders scharf auf bekannte Sozialdemokraten. Auf sie„fahndet" man. Bei den Dresdener Demonstrationsprozessen hat sich ja zum größten Aerger der Gegner herausgestellt, daß man eigentliche Demon- stranten und bekannte Genossen nicht ans Messer liefern konnte. In wieder vorkommenden Fällen möchte man das möglichst nachholen. Wie ferner bekannt wird, sind die Gendarmen jetzt gehalten, an Tagen, an denen sie frei haben, von abends 7 Uhr ab in ihrer Wohnung anwesend zu sein. Chemnitz. Im ganzen oberen und mittleren Erzgebirge, das nach Chemnitz Beziehungen hat, wurden die meisten Versammlungen verboten. Die wenigen Versammlungen, die tagten, verliefen, so- weit Nachrichten vorliegen, ohne Störung. Im 16. sächsischen Reichstags- Wahlkreise waren wegen der Ersatzwahl Volksversammlungen einberufen worden mit der Tages- ordnung: Die bevorstehende Reichstagswahl und die politische Lage. Alle Versammlungen wurden verboten, weil die Polizei Hinweise auf die russische Revolution fürchtete. Unsere Genossen wareu auf die Verbote vorbereitet und beriefen sofort Wähler- Versammlungen ein, die nicht verboten werden können. Es tagte am Sonnabend eine Versammlung in dem Chemnitzer Vorort Hilbersdorf. Große Polizeikommandos standen bereit. Die Versammlung verlief ohne jede Störung. Am Sonntag- vormittag tagten in Chemnitz vier Versammlungen, zu denen der Andrang geradezu ungeheuer war. Alle Lokale wurden frühzeitig polizeilich abgesperrt. Es kam zu keinerlei Stö- rungen. Die Stimmung der Massen war eine vegeisterte. Vor» »nitlagS- Versammlungen fanden noch statt in Raben« stein und H a l b e r S d o r f. Auch dort war der Besuch ein sehr guter. Störungen durch die Polizei kamen nicht vor. Nachmittags tagten vier außerordentlich gut besuchte Ver- sammlnngen in Bernsdorf. Oberher mersdorf, Grüna und Markersdorf. Die Einleitung des Wahlkampfes war eine glänzende. Die Gegner der Sozialdemokratie sollen am 13. Februar ihr Wunder erleben. Crimmitschau. Die fürMontag geplante WahlrechtSdemonstrationS- Versammlung wurde bereits'/4 Stunden nach der Anmeldung ver- boten. Prompte Arbeit! Die Versammlung für Zwickau wurde verboten auf Grund der §§ 5 und 12 des sächsischen Juwels. Nach dem Aufrufe des„Sächs. Volksbl." in Nr. 13, der heftige Angriffe gegen Regierung und Justizbehörden enthalte, sei zu schließen, daß eine sachliche und ftied- !iSe Besprechung der Wahlrechtsfrage nicht zu erwarten sei. Das Verbot nimmt noch Bezug auf den Aufruf des Internationalen Bureaus, der zu Umzügen zur Feier des einjährigen Jahrestages der russischen Revolution auffordere. Da dieser Feier zweifellos auch die angemeldete Versammlung dienen solle, seien bei der hoch- gradigcn Erregung, die durch die revolutionäre Haltung der sozial- demokratischen Preffe hervorgerufen sei. Ausschreilungen, auch wenn sie die Parteileitung nicht wolle, nicht zu vermelden. Mittweida gehört zu den wenigen Städten im Sachsenlande, in denen die für Sonntag einberufenen Volksversammlungen nicht ver- boten warnt. Es hatten sich über 1000 Personen versammelt. Die Versammlung verlief na.ürlich in aller Ruhe, trotz mehrfacher Unterbrechungen des Redners seitens des überwachenden Beamten. Natürlich!-- In Gotha, Ohrdruf, Wölfis, Gräfenroda waren die Versamm- lungen besucht wie noch nie, von überall wird glänzender Verlauf der Demonstrationen gemeldet.— In Annaberg war das Ge- rächt verbreitet, da« dortige Schloß, auf dem sich die Unteroffizier- - orschnle befindet, sollte gestürmt, die beiden dort befindlichen alten K.lnourn erobert werden, um damit in der Gegend„Revolution" zu machen. Die Annaberger haben demonstriert, die alten faulen Grcten erfreuen sich noch ihrer beschaulichen Ruhe auf dem Schloßplatz. Eine überfüllte Versammlung, über 1300 Personen waren anwesend, tagte in Saalfeld. Hier und in anderen Versammlungen wurde das erste Thema:„Die Revolution in Rußland" verboten. In Rinteln waren nicht nur alle Sicherheitsorgane 1., 2. und 3. Garnitur aufgeboten, die Feuerwehr hatte auch noch Befehl erhalten, zu Hause zu bleiben und auf eventuelles Sturmläuten zur Reitung des Staates herbeizueilen. Die veranstaltete Versaminlung verlief großartig. Staatsretter hatten sich, von der Polizei nicht behindert, das Vergnügen gemacht, an den Plalatsäulen Aufrufe folgenden Wortlautes anzukleben:„Nieder mit den Sozialdemokraten. Schlagt die roten Hunde tot l" Von über 900 Demonstranten war die Versammlung in Anna- berg besucht, die einen ordnungsmäßigen Verlauf nahm. In Leuditz mußte die Versammlung mangels eines Lokals in einer Scheune stattfinden— aber es wurde demonstriert. Zirka 700 Personen bekundeten in Sangerhausen ihren Unwillen mit dem Dreiklassenwahlreckit. Im Großhcrzogtiim Hessen waren in den Hauptstädten und in den Jndust'.iedörfern Bersammlungen eiuberiifcn worden, die überall starken Besuch aufwiesen; in Offenbach, Darmstadt und noch einigen Landorten werden die Versammlungen am heutigen Montag statt- sindeii. Nirgends Zwischenfälle. Begeisterte Stimmung; die hessischen Proletarier sind wirklich mit dem Herzen bei den kämpfenden Brüdevn in Rußland und— Vorderrußland. Die preußische Junker- Politik hat der liberalen Politik des Hessenländchens wiederholt Steivie in den Weg geworfen, auch liegt offen zu tage, daß die reaktionären Elemente unter Führung des Frhrn. v. Heyl ans Hessen eiv. Klein-Preußen machen wollen. So ist der Wahlrechtskampf der preußischen Arbeiter höchst aktuell auch für die Hessen. Die Denionsirationsversaminluiigen klangen aus in einen Protest wider die Anmaßung der hessischen Standesherren und in die Forderung der vollen Volkssouveränität. Ueberal! wurde eiustimmig eine ent- sprechende Resolution angenommen. Mainz. In der Mainzer Stadthalle fand eine Volks- versaminlung statt, die von 0000 Personen besucht war. Die hessische Behörde hat der preußischen, sächsischen und hamburgiichen das Säbelrasseln nicht iiachgemacht, besondere Machtaufgebote unter- lassen. Reichstagsabgeordneter Genosse Dr. David sprach in zwei- stündigem eindrucksvollen Vortrage über die„ R e v o l u t i o n in Rußland und die politische Situation in Deutsch- l a ii d wobei er auch die Wahlrechtsreform in Hessen behandelte, die an dem Widerstande des hessischen„Herrenhauses" scheiterte. Eine Resolution, die den Willen der Masse zum Ausdruck bringt, fand einstimniige Annahme. Die imposante Versammlung verlief würdig, Straßeiidemonstrationen fanden nicht statt. In den nordbcihcrischcn Wahlkreisen fanden am Sonntag zahl- reiche Volksversanunlungen statt mit dem Thema:„Ruß- land und die Revolution". Bis zum Abgang dieses Be» richtes lagen Nachrichten vor aus Fürth, Zirndorf, M.- Bruck, Erlangen, Rollhoken, Weißenburg. Georgensgmiind. Katzwang, Pappenbeiin, Bamberg, Schucy-Lichtenfels, Bayreuth, Hof, Helmbrechts, Schwarzenbach a. S., Wnrzburg, Hcidiiigs- feld. Sämtliche Versammlnugen waren stark besucht, in den größeren Orten überfüllt. Angenehm aufgefallen ist, daß fast überall das weibliche Element ungewöhnlich stark vertreten war. Die Bersamm» lungen nahmen durchweg einen imposanten Verlauf, überall kam die Be- geisterung für den Freiheitskampf des russischen Volkes zum Durchbruch, die Resolution des Parteivorstandes wurde ciiistinlinig ailgenommen. Alles ging in Ruhe imd Ordnung vor sich, da die Polizei sich jeder Provokation enthielt und keine außerordentlichen Maßnahmeil ge- troffen hatte. Es kolinte allgemein beobachtet werden, daß die russische Revolution auch in den ländlichen Bezirken das höchste Interesse erweckt und ungemein agitatorisch wirkt. Auch das elsaß-lothriiigische Proletariat beteiligte sich an der Demoiistration zu Ehren der russischen Revolutionäre. Die Demonstration beschränkte sich mit Rücksicht auf die am 28. Januar stattzilfiildenden Wahlrechtsversamnililiigeii auf einige wenige Orte. Doch war die Demonstralion von nachhaltigster Wirkung. In Mül- Hausen sprach unter kolossalem Beifall Landlagsabgeordneter K o l b. In S ch i l t i g h e i m bei Straßbnrg referierte Genosic Dr. W e i l l, während in S t r a ß b u r g im größten städtischen Lokale, das schon vor Beginn der Versainiiilung polizeilich abgesperrt werden mußte, Genosse P i n o t e s das Referat hielt und stürmischen Beifall erhielt. Die vom Parteivorstand in Vorschlag gebrachte Resolution wurde allenthalben cinstiiiimig angenommen. Die vorgenommenen Samm- lungen ergaben ein recht hübsches Resultat. *** Durch Verbot der Versammlungen retteten den Staat und sorgten für anhaltendere Erregungen die resp. Behörden in Lucka (Alieiiblirg) und Greiz.— Im letzteren Orte konnte aber eine schleunigst hinterher anberauinte Versammlung mit der Tages- ordnung:„Die politische Rechtlosigkeit der Arbeiterklasse in Deutsch- land. unter besonderer Berücksichtigimg von Renß ä. L." nicht ver- bindert werden. Es wurde also doch protestiert. Ferner wurden Ver- sammlungen verboten in Lauterberg a. H. und Versammlungen ini Kreise Lehe, in Erfurt, Arnstadt, Flensburg usw. Und alles vergebens. Das Hetzen der Scharfmacher, das Toben der Söldlinge des Kapitals, das Säbelrasseln, Versammlungs- Verbote, nichts fruchtete. Das Volk ist erwacht, es ist zum Bewußt- sein gekommen, daß die bestehenden Verhältnisse seiner unwürdig sind. Gerechtigkeit und Volkswohlfahrt verlangt gebieterisch nach Reform, nach gründlicher, von Grund auf umstnrzeuder Aeuderung des Wahlrechts. Dafür demonstrierte man. Den Herrschenden zur Warmmg und den Volksfeinden zum Aerger vollzog sich die Demoustration in ruhiger, würdevoller Weise, trotz der großartigen Vorbereitungen für eine lustige Hätz auf Proletanerleiber. Versammlungen. Gegen die Tabaksteuervorlage protestierte am Freitag eine in Dräsels Saal abgehaltene sehr zahlreich besuchte Versammlung der Tabakarbeiter und-Arbeiterinnen. Der Referent Franz Schmidt beleuchtete die Stellung, welche die Parteien neulich im Reichstage der Vorlage gegenüber eingenommen haben. Dann kritisierte der Redner die Vorlage selbst und zeigte, daß, wenn sie Gesetz werden sollte, die Lage der in der Tabakinduftrie Beschäftigten schwer be- drückt würde.— Nach dem mit Beifall aufgenoinmcncn Vortrage nahm die Versammlung einstimmig folgende Resolution an: „Die Versammlung protestiert einmütig und mit aller Ent- schiedenhcit gegen jede Mehrbelastung des Tabaks, gleichviel, in welcher Form und Höhe dieselbe geplant sei. Die Versammlung protestiert auch besonders gegen die von der Rcichsregierung be- absichtigte Besteuerung des Zigarettenpapicrs, weil dieselbe einer völligen Vernichtung der Zigarettenindustric gleichkäme und zwei Drittel aller in derselben beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen brotlos machen würde und dadurch unsägliches Elend über Tausende von Arbeitern und deren Familien heraufbeschwören würde. Tie Versammlung fordert alle Reichstagsabgeordueten, welcher Partei sie auch angehören mögen, auf, sich ihrer Stellung als Volksvertreter bewußt zu sein und den Plänen der Regierung zur Besteuerung der Tabakindustrie die Annahme zu versagen." Hierauf sprach Börner über den von der Zcntralkommission der Tabakarbeiter zum 29. Januar einberufenen Kongreß, der zu der Steucrvorlagc Stellung nehmen soll. �— Als Delegierte der Berliner Tabakarbeiter zum Kongreß wählte die Versammlung Schmidt, Buhl und Ratrischak. Ter Verband der Dachdecker(Filiale Berlin) hielt am Donners» tag bei Feind in der Weinstraßc seine ordentliche Generalvcrsamm» hing ab. Die Abrechnung vom vierten Ouartal 1905 gab Pirk ich. Demnach belicf sich die Einnahme inklusive des früheren Bestandes auf 8257,97 M. und die Ausgabe auf 5311,33 M., so daß ein Kassen- bestand von 2946,64 M. verbleibt, lieber die Verwaltung des Streikfonds berichtete Höppner. Vereinnahmt waren 6041,80 Mark und verausgabt 1856,23 M. Das Gesamtdermögen beträgt 17 062 M. Tie sodann vorgenommenen Vorstandswahlen hatten folgendes Ergebnis: erster Vorsitzender Höppner, zweiter Vor» sitzender Rosenbaum, erster Kassierer Pirlich, zweiter Kassierer Zernsdorf, Schristsührer Mehrlein, Beisitzer T e i ck n e r und Kühn, Revisoren Rau, Küter und Stolzen- Hain. In den Ausschuß, der jetzt von Bremen nach Berlin ver- legt worden ist, wurden Görnitz, Hahn, Janell und Weißte gewählt. Von der Filiale Steglitz ist F r i e d e l in den Ausschuß gewählt worden.— Unter Verbandsangelegenheiten wurde zunächst dem Mitglied Ullrich durch Versammlungsbeschlnß loegen unkollegialischen Verhaltens auf einem Bau in Potsdam eine Rüge erteilt. Sodann wurde zu reger Beteiligung zu der am Dienstag, den 23. Januar, bei Feind stattfindenden Beisitzerwahl zum Jnnungsschiedsgericht aufgefordert. Beschlossen wurde ferner, fünf Prozent der Beitragseinnahme mehr an die Zentrale abzu» führen, um die Anstellung eines besoldeten Gauleiters für den Norden und Osten Deutschlands zu ermöglichen. Die Versamm. lung nahm alsdann die Mitteilung von dem Todessturz des Kollegen I u r i s ch von einem Rixdorser Bau entgegen und ehrte daS An» denken des Verunglückten durch Erheben von den Sitzen. Der Arbcitersäligerbund hielt am Sonntag seine letzte Ausschuß- sitzung in diesem Geschäftsjahre ab. Zur Aufnahme hatten sich folgende Vereine gemeldet:„Deutsche Buche" sBerlin),„Gips- und Zementbranche"(Berlin),„Lustige Sänger"(Nowawes-Neuen- darf),„Frisch Auf"(Schönwalde),„Maurer"(Berlin). Die drei crstgenanntcn Vereine wurden in den Bund aufgenommen. Die Vertreter von„Frisch Auf" und der„Maurer" waren nicht an- wesend, es mußte deren Aufnahme zurückgestellt werden. Den Be- richt der Statutenberatungskommission gab H u t h. Redner be- tonte, daß die Kommission bei der Beratung von drei Gesichtspunkten ausging, und zwar: 1. die finanzielle Frage; 2. die Vertretung in der Ausschußsitzung; 3. die Vertretung aus der Generalversammlung. Sodann besprach derselbe die Paragraphen der Vorlage, einzeln durchgehend, und erklärte bei den veränderten Paragraphen, welche Veranlassung zur Aeuderung die Kommission dabei gehabt habe. Redner betonte am Schlüsse seiner Ausführungen, daß die Kom- Mission alle Punkte in Betracht gezogen habe, die dem Bunde von Nutzen sein können und wünscht nun, daß sich die Vertreter in der ausgiebigsten Weise zum Statut äußern, um in der General- Versammlung ein klares Bild zu haben; allerdings könnten keine Beschlüsse gefaßt werden, sondern die Aussprach� könnte nur eine Belehrung sein. Zum 8 2 der Vorlage wurde«tellung gegen die Organisationszugehöriglcit sowie die hohe Zahl der Mitglieder der aufzunehmenden Vereine genommen. Nachdem noch Stellung gegen die Einführung der Kopfsteuer genommen war, gab der Kassierer des Bundes Bericht vom Stand der Kasse. Hierbei stellte derselbe fest, daß die Ausgaben mit den Einnahmen nicht in Einklang zu bringen sind, weshalb die Kommission zu den in der Vorlage ge- machten Entwürfen gekommen ist. Ha n s plädierte für die For- derungen der Kommission, da es jedem Sänger nach dem Bericht des Kassierers einleuchten müsse, daß die gestellten Forderungen gerechte seien. Jede Korporation müsse ihre Finanzen so stellen. daß dieselbe nicht mit Unterbilmiz arbeite; außerdem ist die Ein- sührung der Kopfsteuer die gerechteste, da alle Vereine dadurch gleich belroffen werden. Barowsky wünschte einige Punkte in das Statut aufgenommen zu haben. Entgegen dieser Ansicht waren mehrere Redner, da nicht alle persönlichen Fragen im Statut be» handelt werden könnten; dasselbe müsse klar und deutlich und so kurz wie möglich gefaßt sein, alle anderen Fragen gehörten in die Ausschußsitzmig, die darüber befinden könne. Auch gegen§ 6 wurden Bedenken erhoben und die alte Vertretung beizubehalten gewünscht. Hierbei bemerkte Nätebusch, daß auch Vereine, die mit höheren Beiträgen auf Grund ihrer Mitgliedcrzahl zum Bunde herangezogen toerden, ihre Rechte durch eine stärkere Vertreterzahl im Ausschuß wahren können. Durch die Einführung der Kopfsteuer ist auch die Einführung der gleichmäßigen Vertretung bedingt und auch gerechtfertigt. Beim§ 6 wurden dieselben Bedenken gehegt wie im§5. Meyer und Bartel wünschten, weil gerade in der von der Kommission vorgeschlagenen Vertretung das demokratische Gefühl berücksichtigt ist, den Beschlüssen der Kommission zuzu- stimmen. Zu§ 7 waren mehrere Redner der Meinung, an dem bisherigen Beschluß des Bundes festzuhalten. H u t h bemerkte, daß die Kommission deshalb den Vorschlag gemacht habe, um allen Streitigkeiten aus dem Wege zu gehen. Bei dieser Fassung ist eS jedem Verein überlassen, seine Stellung in dieser Frage zu wahren. In seinem Schlußwort erklärte H u t h, daß die Kommission alle Beschlüsse/ mit Ausnahme eines einzigen, einstimmig gefaßt habe. Die Vorschläge derselben seien den heutigen Bundesverhältnissen entsprechend gerechtere als bisher, und Redner hofft, daß die ganze Vorlage in der vorgeschlagenen Fassung von den Vereinen an- genommen werde. Redner wünschte noch, daß zur Generalversamm- lung jeder Verein sich einen Redner erwählt, der die Wünsche seines Vereins empfiehlt, um alle längeren Debatten zu vermeiden.— Der Vorsitzende machte bekannt, daß der Vorstand sich dahin einig geworden ist, zum 18. März einen Liederabend zu veranstalten. Es werden an diesem Tage Solisten auftreten. Größere Vereine werden vom Vorstand um ihre Mitwirkung ersucht und wird der- selbe sich diesbezüglich mit den betreffenden Vereinen in Ver- bindung setzen. Gewünscht wird jedoch, daß die Vereine dein Tage eiitspreckiende Lieder zum Vortrag bringen.— In der nächsten UcbungLstunde werden folgende Lieder geübt:„Gruß an den Mai", „Völkerfrühlingslied"..„Festgesang"(Uthmann),„Dem Lenz ent- gegen". Lrieftarten der Redafetfon. E. H. 1. Sind alle« nur andere Bezeichnungen für MalS. 8. Filr Norddeutschland hat Ihr.alter Herr" Recht. JurUtiTchtr Cell. Kt tntlftlfdic Spreihstiind« finde»»nnllrti mit ZlnSllalniie de» Sannabe»»« vl>» VI,' Hf U'l, Ndr abend» statt, tveösfnet: 7 II6r. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe nnd eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briestich, Antwort wird nicht erteilt. Ri. H. Sic können, falls Sic die Verhältnisse darlegen, auch ahn, Bcrzichtleistung des früheren Inhabers Konzession erhalten.— Bietoria 161. Der Vertrag ist für beide Teile, auch für Sie bindend. Eine Aenderung des Vertrages bedarf der Zustimmung beider Teile. Zu solcher können Sie die Gegenpartei nicht zwingen.— Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen.— 91. K. Sie sollten schleunigst mit Ihrem Kinde die Wohnung Ihres Peinigers verlosten, Strafanzeige erstatten, beim Amts- qertcht sühneversuch beantragen und dann Schritte zur BcwMgung des Armcnrechts zwecks Erhebung der ScheidungsNage tun. Wenn Sie länger zögern, verlieren Sie Ihre Rechte und machen sich völlig Widerstands- unsähig.— Z. O. Sic hätten nicht ziehen, sondern Rückkehr der Frau verlangen sollen und können das noch tun.— P. L. Lasten Sie es aus einen AuSweisungsbeschl ankommen. Gegen diesen würden Sie dann mit Erfolg Beschwerde und Klage im VcrwaltungSstrcilvcrsahren erheben rönnen.— ft, 12. Sie müssen einen notariellen oder gerichtlichen Vcrrrag schließen.— R.<8. 100. Ihre Kündigung ist um ciiicu Tag verspätet. Nicht daraus kommt es an, wann Sic die Kündigung abgeschickt haben, sonoern, wann der, dem gelündigt ist, die Kündigung erhalten hat.— H. 0. 1 u. 2. Invalidenrente kann entzogen werden, wenn nachgewiesen wird, datz die Erwcrbsunsähigkeit nicht mehr besteht. Eventuell wäre wieder zu kleben. 3. Beleidigungsklage wäre zwecklos. Karten Sie ab, ob in der Tat gegen Sie geklagt werden wird.— R. M. 26. 1 Unter Chiffre „Ewig Dein" beantwortet, 2. Der Mann hat auskömmlichen linterhalt zu gewähren. Ihnen steht das Recht aus Klage zu. Lassen Sie sich das Zlianenrechl bewilligen. 3. Ja, aber es ist wenig wahrscheinlich. 4. In vier Jahren: Watten Sic mit der Klage aus Unterhalt nicht. Die Höhe ist angeniesten vom Gericht festzusetzen.— A. B. 15. Nur aushülssweisc: in erster Reihe ist die Mutter verpflichtet.— K. 0. Ja.— 09. 3C. Nein. — Ewig Dein, R. 31 und andere Dienstmödchenfraaen. 1. Wei hnachtS» gcjch«nie an Dienstmädchen dürsen nach der sür Berlin und Altpreutzen noch gültigen Gesindeordlmng aus den Lohn angerechnet werden, wenn der Dienstvcrtrag im Lause des JahreS durch die Schuld des Ge- s i n d c s wieder ausgehoben wird. DaS Jahr bedeutet das Diciistjahr. Also wenn das Gesinde am 1. April 1905 angetreten ist, die Zeit bis zum 1. Slpttl 1900. Eine Besugnis zur R ü ck s o r d c r u n g des Geschenks oder Lohnes besteht nicht. Auch ist cS mindestens zweijethast, ob diese Vorschttst •Ud) da»» Aiiweniuug findet. «us uiik>cst!iniiite Zeit geschloss> wenn das Dicustvcihättiiis von vornherein lc» war. 2. KündiaungSsrist. Ist keine andeie-rrist vereinbart, lo besteht sitr beide Teile die sechZivöchentliche zum «enlartalserste». 3. Ein P r ü g e I r e ch t der Herrschast besteht nicht sZ 95 EinsuhnengSgesetz ziun Bürgerlichen Gesetzbuch). Aber die Rechtsprechung I rt f? t OlVtO 1 W. C ,*TV i___.'u.____ t V*» rr_ c r.::■:..... V y»»«»»-vm-yviiiu/i-u v�vit�uuuj;. üucl uic jituiiifictujumj laut emc sofortige Aushebung deS DjenstverhaltnisseS nur dann zu, wenn die Herrschaft das Gesinde.mit ansschweisender und ungewöhnlicher Härte behandelt"»der.durch Mltzhandlunge» in Gesahr des Lebens oder der Ge- /undhsit versetzt hat. Dem Dienstboten steht daS Recht und die mornlischc Pflicht der Notwehr zu. 4. Vertraglich kann vereinbart werden, daß die Gründe der Gewerbeordnung zur Aushebung des Vertrages berechtigen und daß den Eltem ein sederzeitiges.ftündigungsrrcht zusteht.-«. N. Rein. —•MJonfiie lltn aiMf /-i-t,>»..! — Moabit 100. Aus Antrag beim Polizeipräsidenten(nicht RegierungS. i, da Sie in Berlin wohnen— der Regierungspräsident ist sür Präsidenten,.... w,v...— u c._______,____,__ $om* iuständig) kann Ihnen die Genehmigung zürn Ramenswechsel m.ubS}u.®0'chc Genehmigung wird aber selten erteilt und kostet Mark. N«tf«m« ist es, Berichtigung Ihrer Papiere zu erwirken.— ®, W. 1871. Die Kinder können ihr Pslichttcll(d. t. zusammen sür den cmzelnen also des Nachlasses) durch Klage erlangen.— Heiiir. Marx. F. M., Jnvalidenrcntr Sä. Rein.— Ä. B. 18.>. Ja. -■ Rest,: eine Schadenersatzklage hätte Aussicht aus Ersolg.— N. 100. 1. Ihre Bestellung, aus Ersordcrn auch eine vom LormundschastSgericht Auszustellende Erbcslegitiination müssen Sie vorweisen, l!. Wenn lein Ichristlichcr Vertrag vorliegt, ja. Sonst müssen Sic klagen.— Zdriedcnau. AI« Armen Unterstützung wird die unentgeltliche Auftiahme, nicht die Nichtzahlung erachtet. Sie tun sich ein Unrecht, wenn Sie zahlen, da sie nach pmijjischem Siecht eine.Verpflichtung zur Zahlung nach rcichSgenchtlicher, in unteren Instanzen freilich oft nicht anerkannter Rechtsprechung nicht haben.— �peuick. R. Z!Z. Es ist unmöglich Fragen über .tiechte oder Pflichte n aus einem Vertrage ohne Ein- ficht in den Bertraa oder eine Vertragsabschrist zu beantworten.- Pauke 71. 1. 50 Pf. 2. Ja.— F. B. 100. sie tonnten diese Ausdehnung des ZeugniSinhaltS verlangen und eventuell klagend durchsetzen. Völlig sicher ist der Ausgang keiner Klage vorher zusage».— M. 6. Sie können Beschwerde an das Krillusminislerium lichten und eventuell aus Herausgabe der Sachen Ihrer Frau gegen die Eharitö Nagen. ..�70. 1. Die Einziehung usw. ist zulässig. 2. Ein Anspruch aus Heilbehandlung besteht leider nicht. Sie würden w Ihrem Falle gut tun, > btx Uber die Höhe usw. auseinanderzusetzen oder ein Gesuch dorthin zu richten.— St. Sö. Sie scheinen das Verbot der Ersitzung einer «?ch�k5'gcrechtigkeit im Auge zu haben:«lrtikel 1 und 12 des Gesetzes vom t�. Marz 1850. Ferner kommen in Betracht H 7311, 15 A. L. R. und <5i!chereigcletz vom 30. Mai 1874. Diese Gesetze finden Sie in der Gesetz» '«tnml.rng. Diese und auch sonstiges Material sinden Sie in jeder öffentlichen �bliolhck.— G. W. ZI. Lerder sind beide Ansprüche aussichtslos.— •.," ��6®- k. Nein. 2. Nein, aber aus Anzeige wegen unlauteren Aeltbewerbe« ivürde ein Geschäst verurteflt werden, das Waren zum An» Ivacu in das Schaufenster stellt, solche aber nicht oder nicht zu den auSge» lvor,ciicn Preisen verkaust. 3. Ja.- O. L.. H. M. 14. 4 bis 10 Mark und 1 Riark sür jeden Gang.— 2ch. A. 10. 1. Kreditauskunst u. dcrgl. erteilen wir nicht. 2. Ja. Ebelingstr. Z4. 1. und 3. Ja. 2. Nein.— iS. St. Lowalt 66. 1. Wenn Sie postlagernd unter Chiffre Zeugnis- abschrijten und Porto eingesandt haben, so sind Sie wahrscheinlich einem Schwindler, der aus das Porto spekulterte. zum Opscr geworden. Da ist Hopjen und Malz verloren. 2. Sie müssen die Bescheinigungen sich schleunigst ioreder verschaffen. Je länger Sie säumen, desto größer find die Scherereien später. Wenden sie sich zunächst an Ihre Bersicherungs- Ansialt. — R. B. Der Geburtsschein kann verlangt, es kann aber auch Be» schwerde eingelegt werden: ans dem Dienstbuch»tust sich das Alter ergeben. — St.®. 9. sie müssen zunächst vom BezirkSvorstcher sich einen Schein über Ihr Unvermögen zur Kostenbestreitung erbitten, sodann bei Gericht .. des ArrnenrechtS beantragen.— R.®. Sie können ein Zeugnis über die Art Ihrer Bcschästignng beanspruchen.— Starrk. 1. Ja. 2. Nein. 3. Landgerichtspräsident oder Amisgericht.— L. I. Eine Klage hat wenig Aussicht ans Erfolg, da ihr Ausgana vom Gutachten eines Sach- verständigen abhängt. Dieselbe Antwort ist Ihnen unter„L. 3" in der Nummer vom 20. Dezember erteilt.— E. F. 1880. 1. und 2. Nein. — V. E. 10 Jahre.- H. Br. Ihre«nsrage ist in Nr. 7 des .Vorwärts" beantwortet. Die neue Frage ist ohne nähere Darlegung und Vorzeigung des Statuts unverständlich. Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen.— Vormund. 1, 3., 5. Ja. 2., 4., ö Nein.•— T. 8. 8. Der Einwand steht Ihnen frei.— 91. N. 36,®. P. 104, 2000. Nein.— 20. Gadicke. 1. bis 3. Liegt eine seste Abmachung vor, so kann der Vertragschließende aus Einräumung des Saales und coentuellen Schadenersatz klagen. 4.-8. Wenn der Kreis kein geschlossener ist, so daß ein öffentliches Fest vorliegt, so bedarf dies polizeilicher Genehmigung Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen.— C- C. frankfurter 86. Tie Mietsstempelsteuer ist zu zahlen, sie wird von Januar zu Januar berechnet.- 20. Moabit. 1. Rein. 2. Ja. 3. llnoorstandlich. Jan. 06. 1- Die Kostenhöhe richtet sich nach der Höh» des Streitobjektes, die daS Gericht festsetzt. 2. 30 Jahre. 21. Pr. Die Entscheidung, ob Sie sür den durch Jhir Kind an- gerichteten Schaden zu basten haben, hängt davon ab, ob der Richter an- nehmen wird, daß der schaden bei gehöriger ZluSübung Ihrer AusstchtS» Pflicht nicht entstanden wäre.— Rixdorf 50. Die Hundesteuer, rdnungen sind in den verschiedenen Gemeinden verschieden. Den Inhalt können Sic aus dem Gemeindebui-rau erfahren oder sich an einen der Genossen wenden, die im Gemeindeparlament sitzen.— H. Z. 1906. Dem außerechelichen Kinde steht ein Erbrecht in den Nachlaß seines Vaters nicht zu. In Ihrem Falle sind alle Berbindlichkeiten erfüllt.- M. 40. 1849, Nein. - 100 Velten. 1. bis 6. Ja. 7. Unter Naturheilmetbode wird vcr- fchiedenartigeS oerftanden. ES gibt keinen Arzt, der nicht.Naturheilmeth e de" anwendet, sofern darunter die Methode gemeint ist, die nicht medikameiOöS ist. ES gibt auch Aerzte, die aus Meditamcnteverweiidung ganz oder hrst ganz verzichten. Eb die Naturheilmethode oder eine andere Heilmethode von Studierten oder Unstudicrtcn angewendet wird, ist für die Bezeichnung gleichgüllig. ES gibt aber auch sogenannte Raturheiltundigc, deren Vorzug in außerordentlichem Selbstbewußtsein in Verbindung mit einem Mangel der Erfahrung besteht, die ernste Forschung von Jahrtausenden darbietet. Daß gute Ernährung, Licht, Lust und Wasser Gegner von Leiden sind, hat noch niemals ein Arzt bestritten. Im übrigen lehnen wir es ab, ei» Urteil über bestimmte Arten von Heilmethoden zu sällcn. Wenden Sie sich an einen Arzt, zu dem Sie das Zutrauen haben, daß er Kenntnis und Ge- wiffenhastigkeit besitzt.— M. 3. 83. Soweit erfichllich. liegt kein Grund mr Ehescheidung vor, wohi aber können Sie gegen den Mißbrauch der che- .ichen Gewalt Ihres Mannes beim Vorinundschastsgericht mit Aussicht aus Erfolg vorgeben. Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen. — Georg Ai. Die im Armenrecht tlagende Partei ist vorläujig von Zahlung der Gerichtsloslen und der Kosten ihres'Anwalts hefreft, nicht aber von der Verpflichtung die gegnerischen Kosten sür den Fall d«S Unterliegens zu ersetzen.—(k. G. K. Sie leben in Gütertrennung. Gerichtlicher oder notarieller Vertrag ist zur Verwirklichung Ihrer Absicht zlveckinäßig. Die Höhe der Kosten richtet sich»ach der Höbe des Obj-tlS.— Die juristische Sprechstuilde steht jedem Abonnenten offen.— R. B. Kons bricht nicht Miete. Nur wenn daS Grundstück zwangsweise(Subhastalion) versteigert ist, kann der neue Erwerber vorzeitig, nämlich bis am dritte» Tage deS aus dem darauffolgenden OuarlatS, kündigen. Ist das Hau« im Januar bis 31 März erstanden, kann also biS am 3. April zum 30. Juni gekündigt werden.— X. Z. 38 1. Nein. 2. Zustellung erfolgt von Arntswegen. 3. Ja. 4. Nein. 5. Das hängt von der Ar! der Auslagen ab.— Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnent«» offen.— 91. B. Die An ficht, man könne einseitig von einem Vertrag innerhalb 24 Irrten, ist irrig.— H.(«. 6. Sie sind zum Ersatz de« durch Ihre uxsachten Schaben?, nicht aber zur Rückgabe de« Geschenkes verpflichtet. — 20. H.. 21. 2. 34. Ja.—«. P. 29. 1. In der Regel. 2. Ja. — D. 83. Sie töiinen, sallS eine nochmalige Kontrolle solches Resultat zeitigt, sür den Rest noch eingezogen werden.— H. 27. Der außereheliche Vatrr de« nach 1899 geborenen Kindes hat kein Recht aus Herausgabe dt« Kindes. Unterhalt hat er bis zum vollendeten 16. Lebensjahre de> Kindes zu zahlen.— 20. P. 1. 1. Landgericht, Zivilkammer. 2. 3 Marl.— Unfall 991. Wenden Sic sich an das Arbeitersekretariat, Engcl-User 15. — 2. 14. 1. und 2. Nein. Ihr« Anrechte halten Sie dadurch ausrecht, daß Sie sür je 2 Jahre mindestens 20 Marten als Wciterverstchercr tleben. — P. Tl>. 1886. In Ihrer Heimat.— Kranlenkasse, P. 2. 100. Nein.— B. 64. 1. und 4. Nein. 2. und 3. Sie müssen aus Gewährung deS Unterhalts beim Gericht llagcn.- C. F. 43. 1. 3000 M. 2. 1500 M. — B. H. 35. Wenn Sie Ausländer sind, müssen Sie der Aufforderung eniiprcchen.— R. 70. Leider ist eine Bestrafung möglich, wenn auch nicht wahrscheinlich.— Wilhelm M» Nein — G. 91», Wilmersdorf. Da die Frau ihr Wahlrecht, nach dem B. G.-B. zu erben, nicht ausgeübt hat. so steht ihr die Hälfte de« Gelamtvermögens z». Zum Vermögen gehören auch die Schulden. Die Forderung des Schwiegervaters ist unberechtigt. Er kann Auseinandersetzung, nichls weiter verlangen.— C. T. 1. Elwa 300 M. können begehrt werden. 2. Aus- landsurlaub ist beim Bezirkskommando nachzusuchen.— N. C. 4. 1 bis 3. Nein. 4. Ja. 5. Der Weg ist richtig, Kosten werden durch das Gericht sestgcsctzt, daS den Streitwert bestimmt. 6. Ein die Vorschrijten aus diesem Gebiete zusammeiisaffendes Buch gibt eS nicht.— Schmargendorf. Der Cousin kann seine Cousine heiraten, wenn sie ihn will.— O. M. 7. Ueber derlei Entscheidungen ist ja wiederholt im„Vorwärts" berichtet. Ein Buch, da§ ungerechte Entscheidungen hindert, gibt eS nicht. Ziveisellos steht Ihnen nach dem Gesetze daS Recht zu, als geschlossene Gescllschast Lustbarkeiten zu veraiistallcn.— M. I. 29. Wenden Sie sich an die Thcaterdirektion. eingegangene DruchPchnftcn. Von Professor Dr. Zllsrcd Philippso». WW...... Zweite neubearbcilcle Mit 144 Abbildungen im Text, 14 Kartenbeilagen und 22 Tafeln („Allgemeine Länderkunde", Verlag des Bibliographischen ötundea zurück� schuld vcr- Europa Auflage. in Holzschnitt, Aetzung und Farbendruck. VI. Teil.) In Halbleder gebunden 1? M. Instituts in Leipzig, Berlin und Wien. KSitternngSiiberstcht vorn 22. Januar 1906, morgens 8 Uhr. Stakt»nen *1 ü e ffs fes SV— .S 5 s s Willer vivincvldc 708 R Hamburg j"72 NNW Berlin 709 NNW Franff a M�SS N München>700 NW Wie»>764 WNW 4 Ivolkig 3 wölke»! 4 heiter 4 bedeckt 2 bedeckt 2 Nebel e»s- ---- 4 II Ii —3 — 1 stastonen ÖS --s. e I: i ö Ö ld Haparanda! 706 N Petersburg 760 DNW Scilly Aberdeen Pari» 775 NO 777 W 768 NO 2 heiter 1 Schnee 3 wolkig 3 wolkig 1 bedeckt > Weckter-Prognofe für Dienstag, den 23. Jannar 1906. Vorwiegend Hefter und trocken bei etwas strengerem Frost und llch frischen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterb Urea u ■——— MB— I III IIMÜI IWBWBWBP—■— gfBM— 1—18 -12 7 2 8 ziem- WlN-IISMSUl! Berlins und Umgegend. Todes-Auzelgen. Verstorben ist unser Bundes- Mitglied Ferdinand Gebauer vom Klub„Havana", NowaweS- Ncuendorf. Ehre feinem Ilndenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. Januar, nach. niittagS 4 Uhr, von der Leichen- halle deS Kirchhofs in NowaweS auS statt._ Ebenso verstarb unser BuiideS- Mitglied Leo Cielinski vom Klub„Tabak zur Asche". Ehre seinem 91»denkc» l Die Beerdigung findet am DicnStag, den 23. Januar, nach- mittags 4 Ubr. von der Leichen- halle deS LrüsenkirchhoscS in Charfottenburg aus statt. 286/10 l»«i» Vorntand. Am Sonnabend, den 20. d. M., starb nach langen schweren Leiden mein lieber Bruder und Schwager Viib. Scbepkovski. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. Januar, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Himmelsahrts- Kirch- hoseS, Nieder- Schönhause», au« statt. Um stille« Beileid bitten die trauernde Schwester und Schwager kgsl SaB und Frau. Für die zahlreiche und herzliche Teilnahme, die nnS anläßlich des iragischc» Todes unseres lieben Sohnes und guten Bruders, des V crsich erung« b eamten Gustav Mücke von Genossenschaften und Partei- genossen entgegengebracht wurde, sage hierdurch im Namen der trauernden Mutter und Geschwister besten Danl. (Der Termin der Beerdigung wurde im„Vorwärts" nicht bc- kannt gegeben, da er besonderer Umstände halber mit den Demonstrations- Versammlungen zusammen siel.) Im Namen der trauernden Hinterbliebene» Carl llüche, Fürbringerslr. 21 II. Zentral-Kranken-Unterstützungs- Verein der Schmiefle u. verwandten Gewerbe Oeutschl. Zahlstelle Berlin IV. Am 20. Jnnuar verstarb unser langjähriges Mitglied, der Schlosser «ermann Scbulze. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 23. Januar, nach- mittags 2 Uhr, vom Krankenhause am Urban aus nach den, SimconS-Kirchhofe. Mariendorjer Weg. statt. Die Ortsverwaltung. r- Berlins und Umgegend. Todes- Anseige. tur Nachricht, daß unser BundeS- glied Willi, Schepkowski au« Rauch-Klub„Pjälzer" per- swrben Ist. Ehre seinem Audeukeu! Die Beerdigung findet ain Mittwoch, den 24. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr von der Leichenhalle des Himmelsahrts- KlrchhoscS in Nieder- Schönhausen(Nordend) aus statt. ver Vorstand. Für biete« Dantsaguug. die herzliche Teilnahme mzspendcii bei der und Be. Kranzspenden crdigung meiner lieben Frau, sage üb allen Bekannten, insbesondere den Kollegen der A. E.-G., Abteilung des Meisters Haustein, meinen her,. tichste» Dank. 5839L Der trauernde Gatte I. Neudauer nebst Kindern. Rauchklub„Pfälzer". Mit|l. d. Arbeiter-Raucherbundes. Todes- Anzelee. Sonnabend, den 20. d. JB., starb nach langen, schweren Leiden unser treues Mitglied Wilhelm Schepkowski. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 24. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Himmel- sahrts- Kirchhofes in Nieder- Schönhapsen aus statt. 286/11 v|i Hygienische BedirlurtUlal. Neu««i. Katalog In. Kmpeehl.viel. Aerzto u Prof. grat.■■'«• H. ünge Berlin NW. ger, OammiwueBlabrlk , Friedrichairaso0" o» Am 19. b. JB., abend« 91/, Uhr. entschlics saust nach langen. schweren Leiden unser Sohn und Bruder 53402 Lnick. Die Beerdigung findet heule Dienstag, den 23. d. M., nach- nliltag« 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Rir.dorfer Kirchhofes, Mariendorscr Weg, auS statt. »aiiitlie Gebhard. R i x d o r f, Weisestt. 65/66. »ekliiiig! In der Treppengeländerfabrik Jos. Drechsler, Gubeiierstr. SS, find sämtliche Arbeiter ausgesperrt. Durch den Arbeitsnachweis der Gewerkschaft der gewerblichen Hülfsarbeitcr, des Verbandes der katholischen Arbeitervereine(Sitz Berlin. Kaiserstr. 37), werden der Firma neue Arbeitskräfte zugeführt. Wir ersuchen die in Frage kommenden Bauarbeiter, uns in diesem Kampfe zu unterstützen und überall die Vorzeigung der grauen Berechtigungskarte zu verlangen. Die Karten müssen mit dem Stempel des Deutschen Holzarbeiter-Verbaudes sTrepPengeländerbrauchej versehen und auf der Mckseite im Monat Januar abgestempelt sein. 78,17 Die Branchenkomtnission des Holzarbeiter-Verbandes. von 55992* Carl Ernst, Köpenlckevstr. 126, 1 Tr. Größte Auswahl! Billigste Preise t Vorzeiget- dieser Annonce erhält 10°/« Preisermäßig. Brauerei Ernst Engelhardt MI. ßcrlin- pankow. RrSpte Sfalz-Bier-firanerei in Msehland. Dr. Simmel, Spezinlaizl sür 29/14» Slsnt- und Sßaraleldea. 10—2,5—7. sonntags 10— 12» 2—4 Hoollomss Lxoziiktlbrilu: 52782" HaFermelil, in SOsähriger Erfahrung als bester Zusatz zur Kindermifch erprobt_ 1 Schnupfet„KUTa PriSC" (0. R. G. M. 220 985) 201,5» —— In Flaschen und PSckchen a 10 Pf.- Bester Qualltäts- Schnupftabak z�rr�schB�n JUaizbier vom gebraut aus echt Münchener Salvator-Malz. r* Gesetzlich geschützte Marke 54010.-H Vi-, V«-, Vi-Hektoliter-Gebinden. It iir 50 PI. Backware: 6 Stück 10 Pfennig in Albrechts Bäckerelen: Wrangelstr. 135, Krantstrahe 19, Fsalckeiifteinstr. 88, Sausitierstr. 8, Marltballe Pücklcrstr., Stand 222/23, Marlthallc Andreasstr., Stand 16/13, Zentrale! Poxhageuerstr. 13. Für Vereine! Sonnabend, der 17. März, ist frei geworden und erster Oftrrfeter- tag ist zu oergeben. 57S9L» SaiOllj?urters?.85. 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Ternlpredjer: flml II. 1983. Beilage des..VonvStts" Berliner Nr. 18. Dienstag, den A3. Januar 1933.| Inserate SeAsgefpaltene Rolonelzeile 20 Pfg. Bei«rOBtren Bultragen entsprechenden Rabatt. Zu den Gemeindevertreterwahlen. Im März dieses Jahres finden in einer Reihe von Ber- liner Vororten die Ergänzungswahlen zu den Gemeindever- tretungen statt. Die Kämpfe um die sreiwerdenden Mandate sind ebenso wie die Kämpfe um Reichstags- und Landtags- -nandate Klassenkämpfe im vollen Sinne des Wortes. Die Arbeiterklasse kämpft, um wenigstens so viel Sitze zu er- ringen, wie ihr unter dem Dreiklassenwahlsystem möglich ist, sie sucht Bresche zu legen in die Herrschaft der Besitzenden, denen das plutokratische reaktionäre Wahlgesetz die Kom- muncn auf Gnade und Ungnade ausgeliefert hat. Ja, noch deutlicher als bei den Wahlen zu den gesetzgebenden Körper- schaften kommt bei diesen Wahlen der Klassenkampfcharakter zum Ausdruck. Die besitzenden Klassen überbrücken hier viel- fach die Gegensätze, die sie sonst voneinander trennen, sie ver- bergen ihre wirtschaftspolitischen und politischen Anschau- ungen für einige Zeit und schmeißen sich zusammen, um ge- meinsam gegen den gemeinsamen Feind, die Arbeiterklasse, zu Felde zu ziehen. Wer praktisch im Kommunalwesen tätig ist. der wird. die Erfahrung gemacht haben, daß es irgendwelche tieferen Gegensätze zwischen den bürgerlichen Vertretern, soweit kom- munalpolitische Fragen in Betracht kommen, iiberhaupt nicht gibt. Um so größer ist die Kluft zwischen ihnen und den Vertretern der Arbeiterklasse. Auf der einen Seite die Bourgeoisie, die sich als Sachwalterin der Besitzenden fühlt, deren Interessen wahrnimint und ein ungesundes, gemein- gefährliches Cliquenwesen Richtet, auf der anderen Seite das aufstrebende Proletariat, dem das Wohl der Gesamtheit alles gilt, das jedem Cliquenwesen abhold ist und keinerlei Sonder- interesscn verfolgt. Unter den Berliner Vorortgemcinden befindet sich eine Reihe solcher Orte, die sich längst zu Industriezentren ent- wickelt haben, die mehr Einwohner zählen gls die meisten preußischen Städte, die aber trotzdem noch nicht die städtische Verfassung erlangt haben und infolgedessen gezwungen sind, unter einem Wahlsystem zu wählen, das noch plutokratischer ist als die berüchtigte preußische Städteordnung. Nach der Landgemeindeordnung von 1891 werden die Wähler ebenso wie nach der Städteordnung in drei Klassen geteilt, und zwar in der Art, daß auf jede Ab- teilung ein Drittel der Gesamtsumme der Steuerbeträge aller Wähler fällt. Jede Klasse wählt aus der Zahl der Stimm- berechtigten ein Drittel der Gemeindeverordneten, ohne dabei an die Wähler der Klasse gebunden zu sein. Mindestens zwei Drittel der Gemeindevertretung, und zwar nicht nur der Gemeindeverordneten, sondern der ganzen Gemeindevertretung einschließlich des Gemeindevorstehers und der Schössen, müssen Angesessene sein. Die Zahl der Gemeindeverordneten, welche hiernach aus der Mitte der Nichtangesessenen gewählt werden können, wird auf die drei Klassen verteilt. Angesessene dürfen zwar an Stelle der Nichtangesessenen gewählt werden, nicht aber umgekehrt Nicht- angesessene an Stelle der Angesessenen. Als Angesessene im Sinne des Gesetzes gelten die Ge- meindemitglieder, die im Gemeindebezirk ein Wohnhaus bc- sitzen oder Grundbesitz haben, der zu mindestens 3 M. Grund- und Gebäudesteuer veranlagt ist. sowie Forensen, die ein Grundstück oder eine gewerbliche Anlage von bestimmten Eigenschaften im Geineindebezirk haben, und deren Vertreter. Wird schon durch diese Bestimmungen das Eindringen von Sozialdemokraten in die Gemeindevertretungen erschwert. so noch mehr durch die Bestimmungen darüber, wem das Wahlrecht zusteht. Es ist bereits gesagt, daß die Wähler in drei Klassen geteilt werden. Um aber Wähler zu sein, muß man ganz bestimmte Anforderungen des Gesetzes erfüllen, man muß das G e m e i n d e r e ch t besitzen. Dies Gemeinderecht steht jedem selbständigen Gemeindcangehörigen zu, welcher 1. Angehöriger des Deutschen Reiches ist, 2. die bürgerlichen Ehrenrechte besitzt, 3. seit einem Jahre in dem Gemeindebezirk seinen Wohnsitz hat, 4. keine Armenunter- stützung aus öffentlichen Mitteln empfängt, 5. die auf ihn entfallenden Gemeindeabgaben bezahlt hat und außerdem 6. entweder ein Wohnhaus im Geineindebezirk besitzt, oder zu mindestens 3 M. Steuern von seinem innerhalb des Ge- meindebezirks belegenen Grundstück veranlagt ist, oder endlich zur Staatseinkommensteuer veranlagt ist bezw. zu den Ge- meindcabgaben nach einen, Jahreseinkommen von mehr als 669 M. herangezogen wird. Im einzelnen sei hierzu bemerkt, daß in, Gegensatz zu den Bestimmungen der Städteordnung auch diejenigen das Gemeinderecht besitzen, die— vorausgesetzt, daß die sonstigen Vorbedingungen erfüllt sind— die preußische Staatsangehörigkeit nicht erworben haben. Ein weiterer Gegensatz besteht darin, daß nach der Städteordnung vom Wahlrecht ausgeschlossen ist, wer in dem der Wahl vorhergehenden Jahre Armenunterstützung empfangen hat. während die Land- gemeindeordnung ausdrücklich von solchen redet, die Armen- Unterstützung aus öffentlichen Mitteln empfangen. Hierunter sind also Leute zu verstehen, die fortlaufend auf Kosten ihrer Gemeinde unterstützt werden. Die Gewährung von Renten oder von Kosten des Heilverfahrens auf Grund des Krankenversicherungs-, des Unfallversicherungs- oder des Jnvaliditäts- und AltersversicherungZgesetzes_ stellt eine Armenunterstützung nicht dar. Als selbständig im Sinne des Gesetzes wird nach vollendetem 24. Lebensjahre jeder männliche Einwohner betrachtet, welcher einen eigenen Hausstand hat, sofern ihm nicht das Verfügungsrecht über die Verwaltung seines Vermögens durch richterlichen Beschluß entzogen ist. Einen eigenen Hausstand hat nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes, wer Wirt- schaftlich selbständig ist und keinem fremden Hausstande an- gehört, also eine eigene, wenn auch mit Möbeln des Ver- mieters ausgestattete Wohnung hat. Schlafburschen gelten hiernach nicht als selbständig, sie haben kein Wahlrecht, wohl aber Chambregarnisten. Der Mitbesitzer eines Grundstücks, der auf diesem der Wirtschaft vorsteht, hat einen eigenen Hausstand auch dann, wenn seine Mutter dem gemeinsamen Hausstande angehört und eine Unterordnung unter sie aus Pietätsrücksichten stattfindet. Treffen die hier genannten Voraussetzungen zu. dann muß das Gemeindemitglied in die Wählerliste aufgenommen werden. Wahlberechtigt ist jedoch nur, wer in der Wähler- liste steht. Wer irrtümlicherweise nicht aufgenommen ist, hat sein Wahlrecht verwirkt, ganz gleich, ob er das Gemeinde- recht besitzt oder nicht. Oft genug ist es vorgekommen, daß namentlich Arbeiter sich nicht beizeiten darüber unterrichten, ob sie in die Wählerliste eingezeichnet sind, und daß sie dann am Tage der Wahl, wenn sie ihre Stimme abgeben wollen, zu ihrem Erstaunen hören, daß ihr Name nicht in der Liste steht und daß sie infolgedessen nicht zur Stimmabgabe zuge- lassen werden können. Es ist Pflicht eines jeden Arbeiters, inderZeit vom 15. bis 30. Januar, wo die Liste ausliegt, dieselbe einzusehen oder durch einen Dritten einsehen zu lassen, um nötigenfalls die nachträgliche Eintragung seines Namens zu bewirken. Wer diese Pflicht versäumt, der ver st ößtgegcndieJnteressenseiner Partei. Wir rufen daher zu Beginn des bevorstehenden Wahl- kampfes jedem Arbeiter zu: Seht die Wählerliste eini Sorgt dafür, daß Ihr nicht durch eigene Schuld Eures höchsten Rechtes verlustig geht! Diese Mahnung zu beherzigen, ist die erste Aufgabe eines jeden, dem daran liegt, daß der Alleinherrschaft der Besitzenden in den Kommunen ein Ende gemacht wird. partei-�ngelegenkeiten. Elve Volksversammlung findet am Freitag, den 26. Januar. abends S Uhr. im Kvlberger Salon, Kolbergerstr. 29. statt. Genosse Heinr. Schulz-Bremen spricht über.Erziehung und Sozialismus". Um rege Agitation für den Besuch dieser Versammlung ersuchen Die Vertrauenspersonen. Weißensee. Die Listen zur Gemeindevertreterwahl liegen in der Zeit vom 10. bis 80. Januar auf dem Gemeindebureau. Zimmer tb zur Einsichtnahme aus. Eine Abschrist der Listen kann beim Genofien W. Schmutz. Königstr. 38. eingesehen Iverden. Nvwawes-Neuendorf. Die Einsichtnahme der Wählerlisten kann bis zum 30. Januar in dem Gemeindebureau Nowawes sowie Neuendorf während den Dienststimden von 8—3 Uhr erfolgen. Wem es an Zeit fehlt, kann seine Adresse in den Lokalen von Karl Gruhl, Priesterstratze. Otto Hiencke Wallstraße. Paul Junger. Großbeeren- straße 100, abgeben. Tegel. Für Tegel liegen die Genleindewählerlisten in den Dienststunden von 9—1 Uhr im Gemeindebureau zur Einsichtnahme aus. Für diejenigen Wähler, welchen es an Zeit mangelt, haben sich zur Einsichtnahme folgende Genossen bereit erklärt: L. R o d e i ck e, Schlieperstr. 30. N o b. Schmidt. Schlieper- stratze 64. Schnhmachermeister K a r g i u s, Schlieperstr. 64. C. Drescher, Spandauerstr. 16. E. G u t s ch. Schlieperstr. 61. Barbier Ochs, Brunowstr. 16. Rudow. Der hiesige Wahlverein hielt am Sonntag, den 14. Januar, bei Palm seine Mitgliederversammlung ab, in welcher Genosse Pagels-Rixdorf einen Vortrag über den zweiten Teil des Partei- progroinnis hielt. Der Referent beleuchtete an der Hand eines reichen Materials eingehend die Forderungen der Sozialdemo- kratie und wit der jetzt aktuellen Wahlrcchtssrage seine bc- sondere Aufmerksamkeit. An der Diskussion beteiligten sich vier Genossen. Den Bericht von der Kreis-Generalversammlung er- statteten die Genossen Miers und Urbat. Der Vorsitzende, Genosse Nagott, wies auf die Gemeindevertreterlvahlen hin und sprach den Wunsch aus, daß sich die hiesigen Genossen auf alle Fälle cm der Wahl beteiligen möchten. Genosse Schneider konnte eine Be- teiligung nur befürworten, wenn es geläng«, einen geeigneten Kandidaten aufzustellen. Es wurde ferner betont, daß viele Ge- nossen ihres Wahlrechtes verlustig gegangen sind, und zwar dadurch, daß sie in eine niedrigere Steuerstuse eingeschätzt wurden als sonst. Der Vorsitzende machte sodann noch bekannt, daß bei der letzten Vertreterwahl der Gemeindevorsteher nicht ge- stattet habe, daß Wahlberechtigte für andere die Listen nachsahen. Durch dieses Verfahren hätten wir manche Stimnien eingebüßt, trotz alledem aber noch eine ganz respektable Zahl zusammen- gebracht. Es wurde beschlossen, sich an der Wahl zu beteiligen. Der Vorsitzende ermahnte noch, aus den Vorkommnissen der letzten Wahl eine Lehre zu ziehen und in der Zeit vom 16 bis 30. Januar die im Gemeindebureau ausliegende Wählerliste persönlich nach- zusehen. Zum Schlüsse forderte Genosse Nagott noch zur fleißigen Agitation für die Parteipresse auf. Teltow. Beim Nadfahren tödlich verunglückt ist am Sonnabendabend ein polnischer Arbeiter, dessen Name noch nicht bekannt ist. Vom Bahnhof Teltow kommend fuhr er gegen einen Chausseestein und stürzte so unglücklich, daß er schwere innere Verletzungen davontrug; er liegt in hoffnungslosem Zustande danieder. Spandau. Den Gewerkschaften zur Nachricht, daß alle Gelder, welche für das Geiverkschaftskartell bestimmt find, nur an den Genossen Reichard. PichelSdorferstr. 64, I zu zahlen sind. Vorort- l�admckten. Charlottenburg. Ein Zusammenstoß zwischen einem Automobil und einem Straßenbahikwagen ereignete sich am Sonntag nachmittag gegen 3 Uhr in der Kmrtstraße, m der Nähe der Kaiser Friedrichstraße. Dort befand sich in seinem von deni Chauffeur Karl Heinrich», Turmstraße 23 wohnhast, gelenkten Auwmobil der praktische Arzt Dr. Alfred Wolfs aus der Altonaerstraß« 7 auf der Fahrt zu einem Paiientrn. Der Cl)aufseur wollte seinen Wage» umlenken, übersah dabei einen in voller Fahrt daher sausenden Straßenbahn- wagen der Linie 80, und beide Wagen stießen mit voller Wucht gegen- einander. Im Augenblick war der vordere Teil des Automobils ein Trümmerhausen, aus deni die beiden Insassen vom Publikum hervorgeholt werden mußten. Beide hatten eine Gehirnerschütterung und starke Quetschungen davongetragen und niußten in bewußtlosem Zustande in einer Droschke nach der Rettungswache in der WilmerS- dorferstraße gefahren werden. Nachdem ihnen ein Notverband an- gelegt war, wurden sie im Krankenwagen nach ihrer Wohnung geschafft. Ei« schwerer Bauunfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 3 Uhr auf einem im früheren Wartenberglchen Part belegenen Neubau an der Ecke der Berlinerstraße und Lohmeyerstratze. Dort waren in der dritte» Etage mehrere Zimmerleute mit dem Legen der Balken beschästtgt. Dabei glitt der aus der nach der Straßen- feite zu aufgeführten Mauer stehende 40 jährige Zimmermann Franz Wolf aus der Rostockerstr. 47 ab und stürzte auf die unten lagernden Schlacken und Steine. Bei dem Falle zog er sich einen Schädelbruch und erhebliche innere Verletzungen zu. Seine Kollegen sorgten sofort für die Herbeischafsung eines Krankenwagens und begleiteten den Verunglückten nach dem Kranlenhause Westend, wo er Austiahme fand. Mühlenbeck. Einen schwereu Verlust hat die hiesige Beweg, mg durch den Tod de» Genossen Albert Neumann zu beklagen. Im besten Alter— Reumann war erst 30 Jahre— raffte ihn am Sonntag die Proletarierkran kheii dahin. Mit bewundernswerter Charatterfestig- keit und Konsequenz wußte er schon von frübester Jugend an die Prinzipien der Partei zu wahren und versuchte sie nach besten Kräften zu propagieren. Die Genossen von Mühlenbeck und Um- gegend werden ihm ei» ehrendes Andenken bewahren. Kerlmer ffaclrncktm Am 21. Januar. Motto: Polizei und Landgendarmeu Mag der Himmel sich erbarmen Ueber ihre große Zahl. Die als Motto vorgesetzten Zeilen bilden den Refrain eines kleinen Spottliedchens, das von unseren Genossen in der Zeit des Sozialistengesetzes sehr oft gesungen wurde. Machten damals eine Anzahl Parteigenossen einen Ausflug ins Freie oder fanden sie sich des Abends von einer Flugblatt- Verbreitung in den Landkreisen kommend, auf dem Heimwege, dann dauerte es nicht lange und man konnte neben anderen sozialistischen Liedern auch dieses, nach der Melodie:„Weißt Du, wie viel Sternlein stehen" gesungene Spottlied laut in die Nacht hinein schmettern hören. Diese damals so oft ge- hörten und mitgesungenen Strophen fielen uns wieder ein, als wir von dem großen Polizeiaufgebot vernahmen, das aus Anlaß unserer Wahlrochtsdemonstration am 21. Januar auf den Beinen war. Recht reichlich war die Polizei in einigen Lokalen vertreten, die dem Schlosse am nächsten gelegen waren. Im„Englischen Garten" wurde beispielsweise dem Referenten während seines Referats ein Zettel überreicht, in welchem die Polizei darauf aufmerksam machte, daß die Versammelten nach Schluß der Versammlung nicht in die rechts gelegenen Straßen abbiegen dürften. Es waren denn auch an den in Betracht kommenden Straßen dichte Schutzmannsketten ge- bildet, um einen solchen Versuch zu verhindern, im„Englischen Garten" selbst aber waren gegen 5v Beamte untergebracht. Daß das Königstor besonders reichlich mit Polizeibeamten ge- segnet war, haben wir schon berichtet, der Vollständigkeit wegen wollen wir noch erwähnen, daß im Versammlungslokale im Friedrichshain selbst unter der Bühne zwanzig Schutzleute versteckt gehalten worden sein sollten, um jedenfalls im ge- gebenen Moment hervorbrechen zu können. Eine ganze An- zahl Mitteilungen gehen uns zu. nach denen die Polizei viel- fach m Häusern versteckt gehalten wurde. Daß auch der „Lokal-Anzeiger" als Polizeiwache diente, dürfte bei den nahen Beziehungen, die zwischen Polizei und diesem Blatte bestehen, nicht weiter wundernehmen. In, „Lokal-Anzeiger" soll am Wahlrechtssonntage eine Wache von zwanzig Mann ihr Lager aufgeschlagen gehabt haben. Daß außer den Schutzleuten in Uniform am Sonntag auch die Kriminalpolizei stark herangezogen war, bedarf keiner Frage: wir gewahrten diese aber weniger in den Versammlungen als vor den Lokalen, wo sie dazu benutzt wurden, ans der Straße ihren Dienst auszuüben. Ueber starke Bewachung der Versammlungen in den Vor- orten haben wir auch schon kurz berichtet, auch darüber, daß die Gendarmen mit Karabinern ausgerüstet waren. Der Liebe Müh' war aber überall umsonst! Dank der Disziplin der sozialdemokratischen Arbeiterschaft verlief der 21. Januar würdig und seiner Bedeutung entsprechend. Aus den vielen Episode«, die pflichteifrige Genossen uns zur Veröffentlichung zur Verfügung stellen, verdient die folgende der Nachwelt erhalten zu werden, weil sie die Stim- mung in Bankkreisen lebhast illustriert. In einer An- zahl größerer Banken wurde am Sonnabend die Weisung auS- gegeben, daß alle Gelder zur Hauptkasse zu bringen seien. In den einzelnen Bankfilialen wurde weiter bestimmt, daß am Sonntag die eisernen Jalousien herunter- gelassen werden mWew .fitefe Anordnung in Verbindung mit dem großen Polizei- aufgebot und der Konsignierung des Militärs erinnert recht lebhaft an die Tage vor. dem 1. Mai 189(1. Damals beging das internationale Proletariat zum erstenmal seinen Welt- feiertag. Der Bourgeoisie fuhr der Schreck höllisch in die Glieder und so mancher Angehörige unter ihr brachte seine Moneten aus dem Hause. Die ganze Aufregung war aber unnötig, wie diesmal. Abends konnte der deutsche Philister sich ruhig schlafen legen und indem er die Bettdecke über den Kopf zog, einschlafend die Worte murmeln: Rube il't die erste Bürgerpflicht!_ Die Arbeiter-Samariterkolonne hatte am Sonntag in die einzelnen Versammlungen Mitglieder delegiert, um bei etwaigen Unfällen schnelle Hülfe leisten zu können; glücklicherweise war dies nur bei einigen leichten Fällen nötig. Noch einmal: Der WahlrechtS-Sonntag und die Schule. Die Furcht vor der„N e v o l u t i o n", die für den Wahlrechts- Sonntag von der nach einem Blutbad girrenden Scharfmacherpresse angekündigt worden � war, hat anscheinend ziemlich allgemein die Lehrerschaft veranlaßt, an den letzten Tagen der vorigen Woche sich über diesen Gegenstand zu äußern und den Kindern Ver- Haltungsmaßregeln zu geben. Wir vermuten, daß sogar„von oben herab" eine Weisung ergangen ist, die den Lehrern und Lehrerinnen das zur Pflicht gemacht hat. Wie sich einzelne der Lehrer bezw. Lehrerinnen dabei benommen haben, das haben wir in unserer Sonntagnummer gezeigt. Dabei konnte unsere Darstellung natürlich nur wiedergeben, was ein- faltiger Kinderverstand daheim berichtet hatte. Aber gerade hierauf kommt es an, wenn man sich ein Urteil über die möglichen Wirkungen dieser und ähnlicher„Belehrungen" bilden will. Ein noch schlimmeres Beispiel wird uns aus der Viktoria-Fortbildungsschule gemeldet. Dort soll eine Lehrerin L. sich über die Sozialdemokratie in Worten geäußert haben, die wir vorerst hier nicht wiedergeben wollen,>veil wir sie zunächst nicht für möglich halten. � Leider sind wir nicht in der Lage, eine größere Anzahl von Schülerinnen zu befragen, um festzustellen, ob die uns gemachten Angaben auf einem Mißverständnis beruhen oder den Tatsachen entsprechen. Die Frucht solcher gegen die Sozialdemokratie gerichteten Vor- träge hätte leicht die sein können, daß in manches Kinderherz Miß- trauen gegen die eigenen Eltern hineingesät worden wäre. Ein Vater teilt uns mit, seine Tochter habe die Nachricht nach Hause gebracht, von der Lehrerin sei den Schülerinnen erzählt worden, daß die Sozialdemokraten nicht arbeiten wollen, sondern faulenzen und plündern möchten. Wir glauben nicht, daß die Lehrerin sich so ausgedrückt hat, aber wir fragen: Welcher Art müssen die Reden gewesen sein, die diese Jugendbildnerin geführt hat, wenn solche Mißverständnisse möglich geworden sind? Können Eltern es dulden, daß durch Lehrpersonen, die in der Wahl ihrer Worte nicht vorsichtig zu sein wissen, die Eltern vor den Kindern herabgesetzt werden? Die Schule predigt den Kindern: Du sollst Deinen Vater und Deine Mutter ehrer.. Erwächst nicht hieraus jedem Lehrer und jeder Lehrerin die Pflicht, mit keinem Wort und keiner Silbe grundlos die Ehre der Eltern an- zutastcn, deren Kinder ihnen anvertraut sind? Die Wirkung solcher Rederei auf die Kinder hätte, so sagten wir, leicht eine Erregung von Mißtrauen gegen die Eltern sein können. Die tatsächliche Wirkung dürfte aber eine ganz andere gewesen sein. Der Verlauf des Wahlrechts-Sonntags wird manchem Kinde die Augen darüber geöffnet haben, was die Worte des Lehrers oder der Lehrerin wert waren. Wollen einzelne Organe der Schule bei ähnlichen Anlässen auf diesem Wege fortschreiten, so könnten sie nur zu bald die Früchte ihres Tuns ernten. Bei dieser Gelegenheit möchten wir eine Mahnung auch an die Eltern richten. Jeder Vater und jede Mutter haben für ihre Kinder die Lehrer und Lehrerinnen, die sie— die Eltern — verdienen. Wer nur die Faust in der Tasche ballt und nicht dazu beitragen will, daß eine Verfolgung solcher Ungehörig- keiten möglich wird, der darf sich nicht wundern, wenn ihm das nächste Mal sein Kind noch schlimmere Reden aus der Schule nach Hause bringt._ Der Berliner Magistrat und das Schuluntcrhaltungsgesetz. Der Magistrat von Berlin hat dem Abgeordnetenhause folgende Petition unterbreitet: Das Hohe Haus toolle dem ihm vorliegenden Entwürfe eines Gesetzes betreffend die Unterhaltung öffentlicher Volksschulen ferne verfassungsmäßige Zustimmung jedenfalls nur unter Abänderung derjenigen Bestimmungen erteilen, die sich gegen das Recht der kommunalen Selbstverwaltung des städtischen Volksschulwesens richten und durch die Zerstörung dieser seit fast einem Jahrhundert bewährten Grundlage das fernere Gedeihen des städtischen Volksschulwesens selbst auf das schwerste gefährdet.— Ter Petition, ist eine ausführliche Begründung beigegeben, in der es unter anderem heißt:„Unter diesen Umständen würde für die städtischen Behörden kaum mehr ein Anlaß, ja nicht einmal eine Rechtfertigung vorliegen, mit den Aufwendungen für die Besoldung der Rektoren und Lehrpersonen über das vorgeschriebene und event. zivangswcise durchzusetzende Mindestmaß hinauszugehen, da keinerlei Garantie dafür gegeben ist, daß diese Aufwendungen aus städtischen Mitteln auch im Interesse der städtischen Schulen wirk- same Äerwendung finden, der Stadt vielmehr jeder Einfluß auf die Auswahl des Lehrpersouals wie aus die Erhaltung und Be- förderuug geeigneter Kräfte entzogen wird." Aus ein>em Stadtbahnzuge heransgeslürzt. Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern auf der Stadt- und Ringbahn ereignet. Zwischen den Stationen Rummelsburg und Frankfurter Allee stürzte der 32jährige Kaufmann Karl Baginsti aus der Schlicper- ftroße 42 zu Tegel während der Fahrt aus einem Zuge heraus und wurde von einem vorüberkommenden Südringzug überfahren. Mit abgefahrenem Unterschenkel und einem schweren Schädelbruch wurde der Bedauernswerte später aufgefunden und nach dem Krankenhaus Am Friedrichshain gebracht. Gemeinsam in einer Gruft bestattet. Die betrübende Boots- kalastrophe auf dem Seddinsee hat am Sonntag ihren Abschluß ge- sunden. Auf dem Friedhof der Heilig Kreuz-Gemeinde in Mariendorf sind Sonntag mittag die 3 Opfer des Unglücks unter starker Be- teiligung von Leidtragenden zur letzten Ruhe bestattet worden. Sämtliche Mitglieder des Vereins„Spree-Ruder-Klub", dessen Mit- glieder die Ertrunkenen gewesen waren, gaben den Toten das letzte Geleit. Gemeinsam wurden die Toten dann in einer Gruft beerdigt. Bier Selbstmorde unld Selbstmordversuche werden uns vom gestrigen Tage gemeldet. In der Klosterstr. 10 vergiftete sich der 37jährige Kaufmann Max Auerbach. A. betreibt in dem erwähnten Hause� ein Frucht-Jmportgeschäft, während sich seine Wohnung in der Landsbergerstr. 109 befindet. Gestern mittag ging er in sein Bureau und nahm dort Morphium. Als man ihn später auffand, war er bereits tot.— In der Spree ertränkte sich der 2öjährige Arbeiter Konstantin Markus aus der Muskauerstr. 21. Angeblich wegen unglücklicher Liebe sprang der Lebensmüde an der Frucht- straße in die Spree. Seine Leiche wurde bald darauf gelandet und nach dem Schauhaus gebracht.— Aus Furcht vor der Geistes- trankheit nahm sich der KOjährige Handelsmann Wilhelm Voigt aus der Brunnenstr. 51 das Leben. Er jagte sich eine Rcvolverkugel in die Schläfe, und da das Geschoß nicht tödlich gewirkt hatte, erhängte er sich noch an der Tür. Die Leiche wurde gleichfalls dem Schau- hause zugeführt.— Ein tragischer Selbstmordversuch wird uns aus der Provinzstr. 127 gemeldet. Dort war der 27jährige Fuhrwerks- besitzer Otto Richter wegen GelddiffercnzeN mit seiner Mutter in Streit geraten und dabei so erregt worden, daß er plötzlich auf den Hof hinauslief und sich ein Messer tief in die Brust stieß. Be- wußtlos brach der Unglückliche zusammen. Ein sofort von der Unfallstation in der Badstraße hinzugerufener Arzt legte dem bis auf den Tod Verletzten einen Notverband an. Einem Neberfall ist in der Nacht zum gestrigen Sonntag der Arbeiter Peter Nowack, Sparrstr. 4 wohnhaft, zum Opfer gefallen. N. war kurz nach Mitternacht von einem Restaurant kommend auf dem Heimwege begriffen. An der Ecke der Sparr- und Burgsdorf- straße wurde er plötzlich meuchlings überfallen und niedergeschlagen. Nun wurde brutal auf den hülflos am Boden Liegenden eingestochen. Als ein Polizeibcamter nahte, ließen die Täter— es mutz sich zweifellos um mehrere handeln— von ihrem Opfer ab, entflohen und entkamen auch im Dunkel der Nacht. In bewußtlosem Zu- stände wurde der Ueberfallene von dem Schutzmann nach der Sanitätswache in der Lindowerstraße gebracht. N. hatte inzwischen enorme Blutverluste erlitten. Es wurde bei ihm eine Stichwunde vom Wirbel bis zur Stirn, ein Messerstich in der Stirn und eine Zerschneidung des Handtellers festgestellt. Nach Anlegung von Not- verbänden kam N. in das Lazaruskrankenhaus. Es ist ernste Gefahr vorhanden, daß durch die schweren Stirnverletzungen der Tod des Arbeiters herbeigeführt wird, lieber die Täter vermag der Ueberfallene seines Zustandcs wegen vorläufig noch keine An- gaben zu machen. Vermutlich handelt es sich um einen Racheakt. Gegen Bolksverdumiming, BolkSnebelung, BolkSauSbcutung, eine Broschüre, die zur Unterstützung des preußischen Wahlrechtskampfes bestimmt, aber noch garnicht ausgegeben ist, sollte gestern von der Polizei in der Buchhandlung Vorwärts beschlagnahmt werden. Der Polizei war bei der Haussuchung bei dem Genossen Prcczang ein Korrekturexemplar der Broschüre in die Hände ge- fallen, das von dem haussuchenden Beamten als Beweismittel für das inzwischen wieder freigegebene Flugblatt mit Beschlag belegt wurde. Eine verkaufte Gasse. Das Ende einer toten Gasse ist vom Stadtverordneten-Ausschusse beschlossen worden. Es handelt sich um die P r i n z e n- G a s s e, zwischen Schinkelplatz und Niederlag- straße. Sie hat ihren Nanien vom Freiherrn Friedrich Wilhelm von Prinzen, einem Geheimen Kriegsrat, der im Jahre 1738 noch Eigentümer des Grundstücks Schinkelplatz 3 war. Die in der Prinzen-Gasse belegenen Baulichkeiten gehören auch heute noch zu den anstoßenden Grundstücken Schinielplatz 1/2 bezw. 3., welche im Eigentum der„Bank für Handel und Industrie" stehen. Das nach Einziehung dieser toten Gasse freiwerdende Stratzenland— zirka 300 Quadratmeter— will nun die Bank behufs Vergrößerung ihrer Geschäftsräume von der Stadt ankaufen. Die Bank bietet 700 M. pro Quadratmeter= 210000 M. Im Ausschusse meinte man, daß 1230 M. als Einheitspreis nicht zu teuer sei und verlangte dementsprechend 3 0 0000 M. für das Gelände. Damit hat sich die Bank denn auch einverstanden erklärt. Verhaftung einer Einbrecher- und Hehlerbande. Durch die Umsicht eines hiesigen Geschäftsmannes ist es gestern gelungen, einer gefährlichen Einbrecher- und Hehlerbande das Handwerk zu legen. Kürzlich wurde in der Fabrik für photographische Apparate von Otto Spitzer, Gleditschstr. 47, ein großer Einbruch verübt, wobei den Dieben 24 photographische Apparat? im Werte von 2000 M. in die Hände fielen. Gestern nachniittag erschienen nun in dem Ge- schüft photographischer Apparate von Albert Grotzmann Nachf., In- Haber C. Grünberg, Mariannenufer 7, vier junge Leute und boten dem anwesenden Inhaber photographische Apparate zum Preise von insgesamt 160 M. an. HerrG., welche, von dem Einbruch Kenntnis erhalten hatte, bemerkte den Firmenstempel auf den Apparaten. Er schöpfte sofort Verdacht, versprach den jungen Leuten, die Apparate zu kaufen, zahlte ihnen«ine kleine Summe und bat sie, solange im Lagerraum? zu warten, bis er das übrige Geld aus der Wohnung geholt l)abe. Inzwischen benachrichtigte er die Polizei und hielt die vier Burschen mit allerhand Gesprächen auf. Bald erschienen mehrere Kriminalbeamte, welche die Ver- blüfften in Empfang nahmen und nach dem Polizeirevier 43 brachten. Dort stellte sich heraus, daß die Apparate aus dem Ein- bruchsdiebstahl herrührten. Der Hehler der Bande ist der erst 18jährige Willy Fcicszovski aus der Prcnzlauerstraße. Dir Freie Volksbühne erhält für ihre Mitglieder zur „M e u n i e r- A u s st e l l u n g" von Keller u. Reiner in der Pols- damerstraße Eintrittskarten zum halben Kassenpreis von 50 Pfennig pro Person und können diese in beschränkter Anzahl aus der Zahl- stelle 11 von Horsch am Engel-Ufer 15 bezogen werden. Die Russcnliste Nr. 7513 ist verloren gegangen. Gez�jchnet waren 11,35 M. Dieselbe ist abzugeben bei Hönisch, Wichertstr. 3. Orgelkonzert. Mittwoch, den 24. Januar, abends 7>/z Uhr, veranstaltet der kgl. Musikdirektor Bernh. Jrrgang in der St. Marien- Kirche als nächstes Orgelkonzert eine Mozart-Feier anläßlich des 150. Geburtstages Mozarts unter Mitwirkung des Soloquartetts (Frau Chart. Kimpel, Frl. Julia Michaels, Herr Ludw. Schubert. Herr Harzeu-Müller). des Herrn Alex. Altmann(Violine) und des Herrn Paul Sager(Bratsche). Es kommen nur Kompositionen von Mozart zum Vortrage. Der Eintritt ist frei. Gericdts-Teiuing. AgitationSkommission vor Gericht. Bekanntlich hatte das Schöffen- gericht den Genosse» Stadthagen von der Anklage, als Leiter des „Vereins" Agitationskomniission Anmeldungen unterlassen zu haben, freigesprochen und die Kosten, einschließlich der not- w e n d i g e n A u s I a g e n der Staatskasse auferlegt, da weder die Agitationskommission ein Verein, noch Stadthagen ihr Leiter ist. Gegen das Urteil war Berufung eingelegt. Diese gekangte gestern nach zweimaliger Vertagung zur Entscheidung. Vernommen wurden als Zeugen die Genossen Jansen. Davidsohn, Fischer und Dobrohlaw. Der Staatsanwalt beantragte 30 M. Geldstrafe. Der Angeklagte, dem Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld zur Seite stand, begehrte Verwerfung der Berufung und Ersatz auch der notwendigen Auslagen zweiter Instanz. Das Gericht entschied nach einstündiger Verhandlung dahin, daß die Berufung der Staatsanwaltschaft zu verwerfe» und die Kosten, nicht aber auch die notwendigen Auslagen zweiter In- stanz der Staaiskaffe aufzuerlegen find. Die AgitationSkommission sei nach Ansicht des Gerichts doch ein Verein, Stadthagen aber nicht ihr Leiter. Sollte die Staatsanwaltschaft abermals Revision ein- legen, so dürfte nunmehr auch kammergerichtlich festgestellt werden, daß die Kommission kein Verein, sondern lediglich ein Ausschuß von Vereinen ist. Der Trick einer Detektei hat Anlaß zu einer Anklage wegen Begünstigung gegeben, die gestern vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I gegen den früheren Kriminalkommissarius, jetzigen Inhaber einer Detektei Egon Grütz macher und den bei diesem angestellten Privatdetektiv Franz Dohm verhandelt wurde. Im März v. I. war dem Juwelier Stoß aus seinem Schaufenster am Hause Friedrichstraße 158 eine große Menge von Goldsachcn im Werte von mehreren tausend Mark gestohlen worden. Dem Bc- stohlenen war in erster Reihe an der Wiedererlangung des gestohlenen Gutes gelegen und er nahm zu diesem Bchufe die ihm angebotenen Dienste des Angeklagten Grützmachcr in Anspruch. Er traf mit ihm ein schriftliches Abkommen, wonach Gr. einen baren Vorschutz von 125 M. erhielt und ihm für Wiederbefchaffung der Sachen eine Prämie von 500 M. ausgesetzt wurde. Gr. veranlaßte darauf die Anbringung eines Plakats an den Anschlagsäulen fol- genden Inhalts:„Die gestohlenen Juwelen aus dem Schaukasten- einbruch Friedrichstratze 158 kauft die Detektei Grützmacher und Müller, ebenso wie in dem Falle des auf einer Bierreise in der Elsasserstraße ausgeraubten Herrn untervollerDiskretion zurück. Namen des Täters brauchen nicht genannt zu werden. Vertrauensleute derselben wollen sich wenden an die Detektei G. und M." Grützmacher teilte eines Tages Herrn Stötz mit, er sei den Dieben auf der Spur, eS würde wohl möglich sein, die „Sore" für 1000 M. zurückzukaufen und deshalb solle Herr Stöß an einem bestimmten Tage eine» Bevollmächtigten mit 1000 M. zum Lokal„Urkomischer Bendix" an der Spandauer Brücke schicken, dort würden auch die Agenten der Detektei sein. Die Sache fiel aber ins Wasser und Herr Stöß brach die Verbindung mit Gr. ab.— In dem zweiten in dem Plakat erwähnten Falle handelte es sich darum, daß n Opernsänger Sikolla, der iw Nebenberuf Guts- besitzer ist, auf c mer Bierreise in einer vergnügten Nacht in einem Lokale der Elsasserstraße gefleddert worden ist. Er hatte mit seinen wertvollen Brillantringen geprahlt und war eingeschlafen, während diese von einem Anwesenden prüfend auf die eigenen Finger gesetzt worden waren. Als er wieder erwachte, war der Mann mit den Ringen verschwunden. Der Bestohlene wandte sich an die Detektei Gr. und M. und mutzte einen Vorschuß von 150 M. zahlen und für Wiederbefchaffung der Ringe 300 M. zu zahlen sich verpflichten. Mit den Recherchen wurde der zweite Angeklagte Dohm betraut. Dieser ermittelte durch die Mtteilungen eines Musikers, daß der Dieb ein Mann war, der den Spitznamen„Ochsen-Karl" trägt. Im Cafe Mohr will er dann einen Freund des„Ochsen-Karl" kennen gelernt und durch diesen den einen der dem Sikolla gestohlenen Ringe und den Pfandschein über den anderen Ring erhalten und gegen 300 M. an Sikolla zurückgegeben haben. Er will dem„Ochsen- Karl" erst danach kennen gelernt haben. Dieser verbüßt zurzeit eine ihm wegen dieses Diebstahls zudiktierte einjährige Gefängnis-. strafe. Aus verschiedenen Ncbenumständen folgert die Staats- anwaltfchaft, daß Dohm nicht mit einem Freunde des„Ochsen- Karl", sondern mit diesem selbst verhandelt habe und bestrebt ge- Wesen sei, diesen als Täter aus dem Spiel zu lassen.— Beide Angeklagte bestritten entschieden� ihre Schuld. Der An- geklagte Grützmacher machte geltend, daß es ihm auf die Bc- schaffung der gestohlenen Sachen, sei es unter Festnahme der Täter oder ohne diese angekommen sei und daß er ja ein viel besseres Geschäft gemacht haben würde, wenn durch die gleichzeitige Fest- nähme der Täter das Geld zum Rückkauf der gestohlenen Sachen erspart worden wäre.— Staatsanwalt F i e g e n hielt beide An- geklagte der Begünstigung für schuldig. Das Geschäftsgebaren Grützmachers müsse geradezu Verbrecherkreise zu Diebstählen her- avsfordern, da ihnen Straflosigkeit und bequeme Verwertung des gestohlenen Gutes durch das Plakat ermöglicht werde. Gewiß werde es ihm in erster Reihe darauf ankommen, den Bestohlenen zu ihrem Eigentum zu verhelfen. Er könne diesen Zweck aber nur erreichen, wenn die Diebe auf seine Verschwiegenheit vertrauen können und deshalb sage er ihnen in dem Plakat vollste Diskretion und Ver- heimlichung der Namen der Täter zu. Neben der Absicht, die Sachen wieder zu erlangen, leite daher den Angeklagten gleichzeitig die Absicht, die Diebe vor Bestrafung zu schützen und ihnen die Vor- teile ihrer Tat zu sichern. Der Staatsanwalt beantragte gcgen Grütz macher 4 Monate, gegen Dohm 6 Monate Gefängnis.— Der Gerichtshof erkannte auf Frei- sprechung der beiden Angeklagten. Er hielt es nicht für dargetan, daß ihnen die Absicht inne gewohnt habe, die Diebe zu begünstigen eine solche Absicht gehöre aber neben dem Bewußtsein zur An- Wendung des Strafparagraphen. Abg. v. Dirksr» als Klüger. Weil in einem die Fleischnot be- leuchtenden Flugblatte, das im Kottbnfer Kreise verbreitet wurde, Herr v. Dirksen in scharfer Weise �alS mitverantwortlich für die Lebensmittelverteuerung hingestellt wurde, lief er zum Kadi. Der Staatsanwalt erhob darauf Beleidigungsklage im öffentlichen Interesse! Das Landgericht verurteilte am Sonnabend den Genossen Bind er-Forst als Verleger des Flugblattes zu einem Monat, den Genossen S ch a d o w- Kottbus als verantwortlichen Redakteur zu sechs Wochen Gefängnis und Genossen Krüger- Sprcmberg als Verbreiter zu 300 M. Geldstrafe. Re- Vision ist angemeldet.— Die ungeheuer hohen Strafen beseitigen die Tatsache nicht, daß die Fraktionen, der V. Dirksen angehört, die lebhaftesten Befürworter'der maßlosen Zölle auf notwendige Lebens- mittel waren._ Vermischtes. Großer Brand. Sonnabend in der dritten Morgenstunde brach in Bunzlau auf noch nicht aufgeklärte Weifestu der an der Haynauer Chaussee gelegenen großen Ziegelei der der Firma Lengers- dorff gehörigen Bunzlaucrwerke Feuer aus, daS, obwohl bald bemerkt, in kürzester Zeit eine große Ausdehnung gewann. Di- Feuerwehr und Feuerwehren der Umgegend konnten eine Ein- schränkung des mächtig angewachsenen Brandes nicht erzielen, zu- mal sich bald Wassermangel geltend machte. Das große Werk, in den, Kunstziegcln hergestellt wurden und das in der letzten Zeit durch Anschaffung der modernsten Maschinen und durch Erbauung eben- solcher Oefen möglichst vervollkommnet worden war, ist vollständig medergebrannt. Maschinen und Oefen wurden vernichtet, der Schaden ist sehr groß. Bei dem Brande ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Der in de? Ziegelei beschäftigte Heizer Ficbig aus Thomaswaldau, Bezirk Breslau, ging trotz Warnung in eine« bereits ausgebrannten Raum. In demselben Augenblick stürzte durch einen heftigen Windstoß eine Mauer zusammen m,d begrub den Mann. Von den alsbald zu Hülfe geeilten Mannschaften wurde die Leiche unter den Trümmern hervorgezogen. Der Mann war sofort erschlagen worden. Er war etwa 38 Jahre alt, ver- heiratet und Vater eines Kindes. 18 Tote— 40 Verletzte. Wie aus Philadelphia gekabelt wird, sind bei einem durch falschen Feuerlärm in der Sankt-PaulS Kirche der Baptiften-Neger-Gemeinde hervorgerufenen Entfetzen 18 Personen getötet und 40 verletzt worden. Die große Menge der zu Schaden gekommenen Personen erklärt sich daraus, daß beim Hinausdrangen von oben ein Treppengeländer brach und viele Personen die Treppe hinunterstürzten._ Deutkcher Arbeiter Zlbftinenten-Bund. Ortsgruppe Berlin Bezirk I. Mittwoch.'I-S Uhr, im GesellfchaslShauS„Ostend". Memeler- straße 67: Vortrag des' Genossen Dr. Davidsohn über„Massenstreik und Alkohol". Diskuision. Gäste willkommen. Ziozialdemokrattscher Lese- und Diskutierklub„SokrateS". Mittwoch, den 24. d. M.. abends'/,S Uhr. W-rschauerstr. 6l bei Zic0. Vortrag des Genossen Adols Stern über:„DaS Wesen der Religion". Gäste willkommen. «erltncr Marktpreise. AuS dem amtlichen Bericht der städtischeir ivtarlthallcn-Direllion. Rindsleisch la 62— 6ö pr. 100 Pjund, IIa 54—00, Uta 48— 52, IVa 38—46. Kaldsl-ssch la 82-90, Na 65-80. INa 55-64, Hanimclftcijch la 63— 75, Na 56—62. Schweineflcisch 66—76. Rotwild Pfund 0,30—0,50 Pj. Hasen Stück 2,90—3,35. mittel 2,00-2,80. Kaninchc,, Stück 1,—. Hühner pro Stück, alte 1,50—1,80, jungi. la 0,80—1,25, do. IIa 0,00—0,00. Tauben. junge 0,75, alte 0,00—0,00. Enten junge 0,00—0,00. Gänse pr. Pjd. la 0,60—0,63, Na 0,00—0,00, russische 0,30-0,50 M. Schellfische 00-00 M.. Flunder 20-26 M. pro 100 Psd. Hechte 105 M. Schleie unsortiert 00— OOM, Aale, groß 00—00, mittel 00—00, klein 0,00 M,, Plötzen CO M., Karpsen uns. 00 M., Lachs 0,00 M. Schottische Vollheringe(gesalzen) 40—44 M. Eier, Schock 5,00, Butler pro >00 Pjund la 114—117, IIa 110—114, lila 105—110, abjallcnde 00-00. Kartosseln pr. 100 Psd. rote 2,00—2,20, Rosen 0,00—0,00, blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock 7,00—12,00. Weißkohl pr. 100 Psd., 2.75—3,25 Rotkohl pr. Schock 6.00—10,00, Holl, 14—18 M. Saure Gurten, Schock 2,00 M., Psessergurlen 2,00 M. jUUestes Kon?. Leihhaus Oharlottcnbnrg, WilmersdorferstF. 40 1. Hohe Beleihung. Oiskr. Sprechzimmer Lelh-Haus Charlottenburg, Friedrich- Karl- Plan IS. Herlln, Anklainer-Stratze S Beleihung von Brillanten, Gold- und Silbersachen, Uhren, Büchern, Wäsche, Kleidungsstücken sc. 306V* Verantwortlicher Redakteur: HnnS Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Bnchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin