|tr. 20. flbonnfmrntS'Redinjunscn: ObonnenientS• Preis vrSnumeianda; «int-IZSHrl. 3,30 Ml,, monatl. 1.10 Ml. wöchentlich 23 Pfg. frei inj Haus. Siiijelne Nummer 5 Pfz. Eonnlazt. nummer mit illusliiertcr Sonntags, Beilage„Die Neue Welt- lO Big Poll. ilbonnement: 1,1» Mark pro Monat. Eingetragen in die Post.Zeitung«. Preisliste. Unter Kreuzband tili Deutschland und velierreich- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland I Mark pro Monat. 23. Jahrg. CrtMst a,u» ifiöir Dtsttfli, %*y r-, Derlinev VolKsblÄtks Die Internons-GebQlir »«trügt für die sechsgespaltene ikolonel. zeile oder deren Nartm.0 Psg., für politische und gewerlschastliche BereinS- und BecsamuiltingS. Anzeigen 2ü Psg. „Steine Anreizen", da« erste sselt- zedrulktes«ort>0 Psg., jede« weiter« «ort 5 Psg. Worte über 1b Buchstaben zählen für zwei Worte. Jirjerale sür die nächste Nummer mit Isen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen, tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlag«» bi» 3 Uhr vormittags geöflnet. Telegramm-«dreff«: „SsiUldtnokrit leHl»". Zentralorgan der Ibzialdemohrati fchen parte» Deutfcbtands. Rcdalttion: 601. 68, Llndenotraasc 69. SHrrnlVrfdier:«ml IV. Skr. I»MI« Em verdrehtes und verdeuteltes Prinzenwort. «Wie auf Verabredung und nach einem bestimmten Plane haben die Redner in den Berliner Temonstrations- Versammlungen, die Bebel, Singer, Heine, den Prinzen Ludwig von Bayern wegen seiner Lobsprüche aus das allgemeine und gleiche Wahlrecht mit Anerkennung und Schmeicheleien ilberhäuft." So hebt„Die Post" am Dienstagabend ihr ver- ärgertes Gekeife darüber an. daß ein leibhaftiger deutscher Prinz der Sozialdemokratie zu ihrem schweren Geschütz gegen das Dreiklassenwahlrecht ein kleines Kinder-Pistol hinzu- geliefert hat. Fürwahr I Wir bemitleiden allmählich unsere politischen Gegner, deren Stumpfsinn keinen Anlaß zu töricht erachtet, keine Gelegenheit als unpassend anerkennt, der Sozialdemo- kratie etwas am Zeuge zu flicken. Wir können der„Post" und ihrem Bruder„Reichsbote", der in dieselbe Kerbe haut, ein großes Geheimnis verraten: Nicht nur die Bebel, die Singer, die Heine haben am Sonntag den„Genossen" Prinz Ludwig von Bayern als Gegner des preußischen Wahlrechts aufmarschieren lassen, nein— unter den vielen hundert sozialdemokratischen Rednern des Tages werden sicherlich sehr wenige gewesen sein, die sich das gleiche Argument in ihren Ausführungen entgehen ließen I Allerdings bedurften sie dazu weder einer„Verabredung" noch eines„bestimmten Planes"— das lag sozusagen in der Lust. Zudem ergeht eS den Agitatoren der Sozialdemokratie nicht so wie gewissen anderen guten Leutchen, die stets eines oder inehrerer„Esel"- Treiber bedürfen, um ihr kümmerliches I— a herausstoßen zu können. Kurz und gut: Prinz Ludwig war der Held des Tages! Sind wir gerade dabei,„Post".„Reichsbote" und Kon- sorten ein wenig zu katechisieren. so wollen wir ihnen auch gleich noch verraten, weshalb der gute Bayern-Prinz von den Sozis plötzlich dermaßen„mit Anerkennung und Schmeicheleien überhäuft" ward. Unsere Redner haben sich — prägnant ausgedrückt— in allen ihren Agitationsreden vornehmlich zweier Aufgaben zu erledigen: Einmol ihrer Zu- Hörerschaft positiv Aufklärungsstoss zu bieten. Gehirn und Gemüt anzuregen. Denk- und Tiskutiermaterial zur weiteren Verarbeitung mit auf den Weg, in die Werkstätten, die Fabriken, die Kontors zu geben. Dann aber liegt ihnen eine zweite— mehr negative— Aufgabe ob. Eine große Zahl Ardeiter ist zwar schon zum Klassenbewußtsein erwacht. aber sie hat noch schwer mit Hemmungen zu kämpfen, die ihr tagtäglich in der Familie, im Gespräch mit„Vorgesetzten". mit zurückgebliebenen Klassen- und Arbeitsgenossen zu schaffen machen. Da tauchen manchmal Einwände auf, die von Ungeübten, Unbewanderten, Unbelcsenen nicht schnell und ohne weiteres in ihrer Haltlosigkeit durchschaut, geschweige denn widerlegt werden können. Mit Rücksicht aus diese Ge- fahr haben unsere Redner immer wieder und wieder nicht nur daS eigene Rüstzeug zu untersuchen, sondern auch die vergifteten Waffen unserer Gegner auf ihre heinitückische Ge- fährlichkeit zu prüfen. Und darum müssen wir wohl oder iibel nur zu häufig auf Vorkommnisse. Erörterungen, neben- sächliche Fragen eingehen, mit denen wir uns am liebsten überhaupt nicht beschäftigten! �„ Wir hätten das nicht nötig, wenn„Post",„Reichsbote usw. gewohnt wären, der Wahrheit die zu geben und gelegentlich auch ihre politischen Antipoden zu Worte kommen, deren Erörterungen ohne Verdrehung, ohne Entfärbung passieren zu lassen. So— wissenschaftlich gesinnt ist aber unsere gegnerische Presse nicht, und darum haben w> r von Zeit zu Zeit uns der Aufgabe zu unterziehen, ihr einen Teil der Arbeit abzunehmeii, den sie— allzu denkfaul und allzu gewissenlos— sich meisterlich vom Leibe zu halten weiß. Das konservative Zeitungs-Konventikel hätte z. B. die ver- dämmte Pflicht und Schuldigkeit gehabt, über die Wahlrechts- freundlichen Aeußerungen des bayerischen Thronfolgers so- fort herzufallen, sie zu zerfetzen, zu zerzausen, daß es eine Lust gewesen wäre. Tat's das? Keine Spur! Es überließ den Bebel, den Singer, den Heine die Mühe, am Gedenk- und Wahlrechts-Sonntag zu den Versanimelten also zu sprechen: Wir Sozialdemokraten bewerten zwar ein gutes Wort nicht nach dem Kittel oder den, Titel dessen, der das Wort ge- sprachen hat. Aber es gibt in allen Landen Menschen, die das Wort eineö königlichen Wickelkindes höher einschätzen als die Rede eines gereiften Bürgers in schlichter Lebensstelluiig. Und ferner: Wir Sozialdemokraten haben die wuchtige Macht der Logik und der Gerechtigkeit für uns. wenn wir„das elendeste aller Wahlsysteme" in den schwärzesten Höllenschlund verwünschen. W i r brauchen also keine neuen Schwur- zeugen gegen das Sechsjahrzehnte-Unrecht der preußischen Treiklassenschmach. Aber!! Es gibt in Deutschland eine pfäffisch-junkerliche Reaktionssippe, die erstens ein Prinzen- wort, wenn's ihr in den Kram paßt, gar höher wertet als Gott'eswort. Die zweitens die reizende Angewohnheit hat. ihren Lesern, ihren Hörern, ihren Anhängern, ihren Gegnern Tag für Tag dieselbe Litanei bis zum Ueberdruß vorzu- käuen sobald sie ihren Geschäften frommt. Die aber ver- hehlt.' totschweigt, was Licht in die von ihr erzeugte und künstlich konservierte Finsternis zu bringen geeignet wäre. Wenn diese Gesellschaft euch eines Tage» sagt: Die Leute von Bildung und Besitz müssen mehr Einfluß bei Parlaments- wählen haben als ihr ungebildeten, bettelarmen Proleten, dann schleudert ihnen die Antwort entgegen: Prinz Ludwig von Bayern. Bein von eurem Bein, Blut von eurem Blut, Fleisch von eurem Fleisch, hat in der Reichsratskaminer das von euch bekälnpfte allgemeine, gleiche, direkte, geheinie Wahl- recht„vom Gcrechtigkcitsstniidpunkte aus" gefordert. Nun seht zu, wie ihr euch mit ihm auseinandersetzen könnt. » Da das scharfmacherische Bewitzeln und Bespitzeln nicht den ersehnten Erfolg gezeitigt hat. so häuft das konservative Preß-Gelichter Lüge auf Lüge, um sich den Groll der Ent- täuschung von der Seele zu baden. Oder ist's keine Lüge, wenn„Die Post" sagt, die Bebel, die Singer, die Heine hätten den bayerischen Thronfolger„mit Anerkennung und Schmeicheleien" überhäuft? Warum zitiert Herr Dr. Wilhelm Kronsbein jene„Schmeicheleien" nicht? Allerdings. wenn's schon als Schmeichelei gilt, einem Gegner zuzuge- stehen, daß er einmal ein verständiges Wort geredet hat, dann haben die Bebel, die Singer, die Heine geschmeichelt! Dann ist aber der biedere Kronsbeil, der letzte, als sachver- ständiger Beurteiler fungieren zu können: denn er hat wohl allzu selten das Zeugnis erhalten: etwas Verständiges ge- sprachen zu haben. Man braucht sicb ja nur sein Prinzenwort- Entrefilet anzusehen. Welcher Blödsinn! Da heißt es z. B.: ......... Die Aeußerung des Prinzen ist ad« vom spezifisch bayerischen Siandpunkt und inner, halb des spezifisch bayerischen Gesichts, k r e i s e s getan. Bayern ist im Verhältnis zu Preußen und Norddcutschland industriell so gut wie gar nicht entwiaelt und zum überwiegendsten Teil Agrarland. Da spielt natürlich die Sozialdemokratie der Kahl»ach im Lande nur eine sehr geringe Rolle, lieber die katholische Landbevölkerung herrscht mit gc wältig« und unerschütterlicher Majorität das Zentrum, das in Bayern so agrarisch ist, daß hier dem„Bund der Landwirte" wirklich nichts zu wünschen übrig bliebe. Hi« wirkt natürlich gerade das allgemeine und gleiche Wahlrecht im agrarischen Sinne und darum„reaktionär", um im Jargon unserer liberalen und demokratischen Presse zu sprechen, die vekauntlich mit Vorliebe Bayern in seinen katholischen und agrarischen Bestandteilen als das„schwärzeste Deuischland" zu bezeichnen beliebt......." Die Herren, die da gegen ihre sonstige Gewohnheit ur plötzlich an einem Fiirstenworte drehen und deuteln, über sehen in ihrer Wut, daß der Bayernprinz ganz allgemein dem Dreiklassenwahlrecht den Text gelesen und daß er an einigen Stellen Worte gebraucht hat, die wider die Absicht des Redners unschwer auch gegen den von katholischen Prie- stern geübten Gewissenszwang bei Wahlen ins Feld geführt werden können! Nach dem Gesagten brauchen wir uns mit dem„Reichs boten", der natürlich ins..Post"-Horn stößt, nicht weiter beschäftigen. Er geigt dieselbe Melodie, natürlich noch viel ungeschickter und stümperhafter. So z. 33.: „Ter„Borwiirts". der gewiss sonst Fürsten nicht schmeichelt. macht diesmal eine glänzende Ausnahme. Er macht dem Prinzen folgende Komplimente." Und nun zitiert er aus dem„Vorwärts" 26 Zeilen, in denen nicht die geringste Spur einer Schmeichelei oder eines Kompliments zu finden ist, das wir dem Prinzen übrigens nachträglich zu machen gern bereit sind, wenn„Der Reichsbote" daran seine Freude hat. Geradezu köstlich ist der Schluß des Artikelchens. Da es dem..Reichsboten" nämlich nicht gelungen ist, die preußische Sozialdemokratie vor dem 21. Januar einzuschüchtern, so versucht er sein Scharfmacher- Glück bei dem bayerischen Prinzen, den er folgendermaßen apostrophiert �d�it eB sich um die Sache all« deutschen Monarchien, und die baperische soll fi» nur nicht einreden, dass das Schicksal. daS der„Vorwärts" den anderen zuschreibt, an ihr vorüliergehen wird!" Auch Kronsbein hat Pech mit seinem Schlußpassus. Der gute Mann endet seine Salbaderei nämlich mit folgender geistreichen Hypothese:. „Wen,, Prinz Ludwig Bürgermeister von Nürnberg oder König von Preußen wäre, hätte er seine Wahlrechts«»« vermutlich anders gehalten." Die gute„Post"— sie ahnt nicht, wie recht sie hat! S o recht, daß man ihren genialen Satz sogar umwenden kann, ohne daß er an Richtigkeit einbüßt: Wenn der König von Preußen Thronfolger in Bayern wäre, hätte er seine Wahlrechtsrede vermutlich anders gehalten. Es lebe die Vernunft der— Unvernünftigeni Die Revolntion in Nnftfond. Meuternde Truppen. Petersburg, 24. Januar. Die Nachrichten au» dem Kaiiwsus lauten andauernd ungünstig. In W l a d i k a w k a S töteten die Soldaten einen Polizei-Kommissar. welcher in die Kaserne gekommen war, um eine Untersuchung über die Ermordung zweier Prostituierten einzuleiten. Die Soldaten erließen alsdann einen Aufruf an die Bevölkerung, nirnterten gegen ihre Vorgesetzten und griffen die treu gebliebenen Truppen an, wobei eS zu einem wahren Blntbade kam. Darauf wurde in der Stadt geplündert. Die Lage der ganzen Gegend ist äußerst enist. Bombenangriff gegen Gendarmen. Odessa, 24. Januar. Die Revolutionäre haben mittelst Bomben eine Gmdarmeriestation in die Luft gesprengt. Die Zahl der Opfer Cxpedirion: 8vll. 68, Lindenstraese 69. Rrrnfprorttor: ülrn, IV. Wr. 10*4. ist noch unbekannt. Den Tätern gelang eS zu entkommen. Bei der eingeleiteten Untersuchung entdeckte die Polizei ein Bombendepot, SS Personen wurden verhastet. Ferner wurde in Odessa der Vor- itzeude der nationalen Bereinigung von Matrosen der russischen Handelsflotte verhaftet. Eine brennende Stadt. Tiflis, 24. Jamiar. Der zur Säuberung des Tunnels bei Gnram abgelassene Militärzug fuhr bis zur Bahnstation Rion, etwa 10 Kilometer von Kutais. Bei K w i r i l y fand ein Zusammen- stoß von Truppen und Aufständischen statt, wobei viele getötet wurden. Kwirtly steht in Flammen. » Aufruf deS Zentralkomitees des Allgemeinen Jüdischen Arbeiter- bund in Littaue«, Polen und Rußland. An alle freien Bürger. Ein Sturm der große» Revolution hat sich über Rußland ent- laden und hol das ganze unermeßliche Land von einem Ende bis zmn anderen erkwütiert. Und diesem gewaltigen Sturme folgt auf dem Fuße der Wirbelwind eines blutigen und schonungslosen Bürger- lriegcS. wie ihn nur die finsteren reaktionäre» Kräfte eines rückständigen Landes, das so lange in den eisernen Fesseln der Selbstherrschast geschmachtet hat. hervorrufen konnten. Die Reaktion mobilisiert alle ihre Kräfte. Das sterbende Regime hat einen festen Bund mit dem Abschaum der Gesellschaft gc- schloffen. Sie hat diese finstere Macht gesammelt, sie organisiert und bewaffnet, und diese Armee, die ihrer Führer würdig ist. zu einem blutigen Kriege, voll endloser Schrecke» und tierischer Greuel ausgerüstet. Maschinengewehre krachen in den Straßen der russischen Städte: es falle» Opfer ohne Zahl, das Blut fließt in Strömen. DaS alle bewährte Mittel ist wieder in Gang gesetzt: die Judenmetzeleien flammen in so unermeßlichen Dnnenfläuen aus. daß vor ihnen alle bisherigen Schrecken der zahllosen Verbrechen üeS Zarismus erbleichen und in ein Nichts zusammensinken. llnter dem Schutze des Militärs und der Mitwirkung der Behörden. unter der Oberleitung TrrpowS. nach einem einheitlichen Plane, bewußt und kallblülig. morden die„schivarzen Hunderte" der Regierung die jüdische Bevölkerung Rußlands zu Tausenden dahin. Ganze Viertel werden ausgeschlachtet. Ganze Städte stehen in Klammen. Anarchie und Schrecken herrschen in Rußland. Das Werk der Befreiung ist in Gefahr. Wir. die Vertreter der kämpfenden jüdischen Atbeilermassen. des Proletariats jener Nation, die unter eu Bedrückten die am meisten bedrückte ist. haben längst unseren revolutionären Kampfes gestanden, und auf sie fielen stets die schivelften Schläge des schonungslosen Feindes; und gegenwärtig, wo diese Schläge mit unglaublicher Wucht auf sie niederfallen, er- steht die Aufgabe der Selbstverteidigung mit nie dagewesener Schärfe und Dringlichkeit vor ihnen. Indem sie sich zur Wehr setzen, dienen sie den Jntcressen der Revolution. Ihr Kampf um das Leben ist der Kampf für die Sache der Freiheit, lind alle, denen diese Sache teuer ist, müssen ihnen zu Hülfe kommen. Die russische Revolution ist gekommen. Wir haben den Sieg gesehen. Mag cS ein Sieg für einen Augenblick geivesen sein— es ist dennoch ein Sieg gewesen. Wir sahen die Morgenröte eines neuen Lebens hell aufleuchten, wir haben die Luft der Freiheit ein- geatmet,'und das. was wir durch Tausende von Opfern erkauft haben, wir werden eS uuS um keinen Preis entreiße» lassen. Unsere Losung lautet: Tod oder Sieg I Wir erwarten den Sieg, wir glauben fest an den Triumph unserer Sache, und Ivir rufen alle, die gleich und den Triumph der Freiheit wünschen, uns in dieser schweren Stund« zu Hülse zu kommen. DaS Zentralkomitee des lvundeS. » Der schachernde Liberalismus und das kämpfende Proletariat. Rußland durchlebt jetzt einen wichtigen und ernsten Augenblick. Der Kampf ivird von Stunde zu Stunde gewaltiger, und die Ent- scheidnng rückt immer näher. Sowohl das Proletariat als auch die Rrgierung führen alle ihnen zu Gebote stehenden Hülfslräste ins teld. Auf beiden Seiten wird ein erbitterter Kampf auf Leben und od geführt: es kämpfen und ringen mit einander das alte Rußland mit allen seinen finsteren Bundesgenossen und das neue, frciheitdnrslende Rußland. Und von den Kräften der Revolution hängt e» ab. wie sich die künftigen Geschicke unseres Baterlandes gestalten werden. Und da. in diesem entscheidende» Augenblicke, lassen unsere Liberalen, die bis jetzt zwischen zwei Stühlen gesessen haben, die heilige Sache der Freiheit im Stich und reichen der Regierung die Hand zum Frenndschaftsbunde. Sic habe» es abgelehnt, mit dem Bolle znlammenzuaehen und sind zur feindlichen Fahne über- geganacn. Sie haben sich von der Revolution lvSgeiagt und mit der Reaktton Friede» geschlossen. Sie beeilen sich, ihre bevor« rechtete Lage auszunutzen und mit dem Zaren Verträge zu schließen. Aber diele Taltil ist siir uns nichts Neues. Wir haben sie schon einmal, Ende der 70er Jahre, gesehen, als die Autolratie. durch die heldenhaften und wuchtigen Schläge der„Narodnaia Wolia" in tödliche Angst versetzt, sich quasi zu Reformen entschloß und von einer VoUsvertretung zu sprechen begann'. Damals ließen sich die kurzsichtigen Liberalen irreleiten und verschafften der Regierung die Möglichkeit, einen mühelosen und blutigen Sieg davonzutragen. Und jedesmal, wenn in die stickende politische Atmosphäre ein er- lösender FrühlingShauch dringt, falle» unsere Liberalen ihrem „geliebten Monarchen" z>> Füßen und liefern iljm einen Beweis der „allernniertänigsten Gefühle", von denen sie beseelt sind. Jedesmal, wenn für die Autokratie kritische Momente eintreten, sehen eS die Liberalen als ihre vornehmste Pflichi an. der Autokratie in ihrer Bedrängnis Luft zu schaffen. So haben sie während des Krieges gehandelt, indem sie die Regierung mit ihrer sittlichen Autorität und den letzte» Groschen deS Volkes, an denen sein Herzblm haftet, unterstützten. So handeln sie auch im gegenwärtigen Augenblicke. Der blutige S./22. Januar ist der Anfang einer schweren Zeit für die Selbstherrschaft gewesen. Von diesem Tage an sehen wir, wie die Revolution das unermeßliche Land an alle» Ecken und Enden erfafet. Tin»nächtiger Strom von Arbeiterbewegung und Bauern- revolten wälzt sich unaufhaltsam durch das ganze Land. Allgemeine Ausstände, bewaffnete Demonstrationen folgen einander in miunter- brochener Reihenfolge. Die Straffen de» Städte hallen unaufhörlich voin Krachen der Bomben und der Schüsse wieder. Der rote Feuerschein brennender Güter flammt drohend in Ost und West an» Himinel auf. Die Erregung in den Reihen der Marine und des Landheeres nimmt von Tag zu Tag immer größere und bedrohlichere AuS- dehnung an. Die Autokratie fühlt das Messer an der Kehle sitzen und sucht einen Äustveg aus dieser Gefahr, die sie zu vernichten droht. Und da nimmt sie Zuflucht zu den alten bekannten Mitteln. In einem Zuge wird über ganz Ruffland der Kriegszustand ver- hängt und zugleich eine„Boltsvertretung" ins Leben ge- rufen. In den Straffen fließt das Blut unzähliger Märtyrer: wohin das entsetzte Auge blickt, begegnet es Kanonenmündungcn und Galgen: die Gerichte— willfährige Schergen der Regierung— ver- urteilen: Hunderte blühender Menscheuleben zum Tode— und zur selben Zeit unterzeichnet der blutbesudelte Zar ein Manifest, das dem beglückten Volke eine„Volksvertretung" feierlich verheißt. Mit der einen Hand erstickt der Zar die Revolution in ihren» Blute, mit der andere» fährt er der Gesellschaft schmeichelnd um den Bart und sucht ihre Sinne»nid dem gleißenden Trugbilde eines Parlamentes zu blenden. Um keines Haares Breite von ihren Prinzipien abweichend, hofft die Autokratie unsere„liberale Opposition" mit leeren Ver- sprcchuugen abzuspeisen— und das gelingt ihr nur zu gut. Zwar kam! man nicht behaupten, unsere Liberalen seien in dem Maße borniert, daß sie nicht den Hokuspokus der Regierung durchschauten. O nein, in» Gegenteil: sie wissen sehr wohl, daß alle diese pompösen Ver« heißungen der Regierung keinen Pfifferling wert find— ober die Hinunetangst vor der bösen Revolution treibt sie in die Arme der Reaktion. Sie fürchten den Sieg des Proletariats, und diese Furcht ist der Gruitd, weshalb sie der Regierung die Hand zmn trauten Bunde reichen. � Wie wahre Verräter vergessen die Liberalen gänzlich, daß die Reformen, die die Regierung ihnen beivilligt, nicht ihrer Hände Werk sind, daß man diese Reformen nur der Furcht vor dem Helden- hast kämpfenden Proletariat zu verdanken hat: und sie besitzen die Frechheit, an einer Volksvertretung teilzunehmen, in der das Volt, das für eben diese Volksvertretung die Straßen mit seinem edlen Blute rotgefärbt hat, nicht vertreten sein wird. Aber da? Proletariat ist nicht gesonnen, ein solches schändliches Spiel mit sich treibe» zu lassen. Es wird sich nicht von der Regie- rung und den Liberalen ersticken lassen. Es wird nicht die einmal erhobene Waffe sinken lassen, und eS wird nicht aufhören, unter Daronsetzuna aller seiner Kräfte den Kampf fortzuführen, bis eine freie demokratische Republik auf den Trümmern des alten Sklavenreiches errichtet worden ist. Wir werden im ganzen Laude das heilige Feuer des offenen Aufstandes anzünden und ehe wir uns die vollen menschlichen und bürgerlichen Rechte errungen haben, soll es in Rußland weder Ruhe noch Ord- nung geben. Genoffen! So laßt uns denn zu neuen, noch gewaltigeren Kämpfen rüsten. Laßt uns unsere Reihen festigen, alle unsere Kräfte vereinen und, vereint und gestärkt, den tötlichen Streich gegen unseren verhaßten Feind führen I Nicht verhehlen wollen wir es uns: schiver ist der Kampf, den es jetzt auSzufechten gilt! Aber der Sieg wird unser sein— daran Zweifel zu hegen, ist jetzt nicht mehr möglich!... Arbeiter und Arbeiterinnen Wilnas I Wir sind die ersten ge- Wesen, die unser„Ghetto" zum politischen Leben erweckt haben: die ersten, i» deren Herzen die heilige sozialistische Lehre freudigen Widerhall gefunden hat— und nun, in diesem hochbedeutenden Augenblick, sollen wir hinter unseren Brüdern zurückstehen? Soll unser Play nur in den letzten Reihen der großen revolutionären Armee sein? Genossen I Wohlan, scharen wir uns um die heilige rote Fahne I f inaus zum Kampf in den Straßen, dort winkt uns das höchste, die reihest l Nieder mit der Reichsduma I Nieder mit den Volksverrätern l Es lebe die konstituierende Versammlung auf der Grundlage des allgemeinen gleichen direkten und geheimen Wahl- rechts! Es lebe das kämpfende Proletariat! ES lebe der Sozialismus! DaS Wilnacr Komitee des Bunde». poUülcbe Gcberficbt. Berlin, den 24. Januar. Zwei Blamagen des Zentrums. Der Reichstag nahm heute den Initiativantrag auf Ge- Währung von Diäten an die Reichstagsabgeordneten in dritter Lesung endgültig an. Genosse Adolf Hoffmann benutzte die Gelegenheit, um ein in der zweiten Lesung von mehreren bürgerlichen Rednern verbreitetes Märchen zu zerstören, als hätte er sich in einer Rede in Chemnitz gegen die Diäten- zahlung ausgesprochen. In Wahrheit hat er nur die Partei» genossen davor gewarnt, gescheiterten bürgerlichen Existenzen zu schneller Karriere in der Partei zu verhelfen, zumat die Gewährung von Diäten sie zur Aufführung von Extratänzen »ir Reichstage veranlassen könnte. Das sollte natürlich weder für uns noch für unsere Gegner einen Grund oder Vortvand zu längerer Diätenveriveigermig bieten. Aber ebenso wenig wie hier macht das Zentrum als regierende Partei beim Toleranzantrag einen ern st haften Versuch, seine Anschauungen, die von der großen Mehrheit des Hauses unterstützt werden, gesetzgeberisch durchzusetzen. Obwohl die Reichsregierung ans den im Sommer I9Ü2 vom Reichstage angenommenen Toleranzantrag überhaupt noch keine AnUvort erteilt hat, denkt das Zentrum, wie ihm unser Parteigenosse David heute bei der erneuten Beratung des Toleranzantrages mit Recht vorhielt, gar nicht daran, seine parlamentarischen Machtmittel gegen die widerspenstige Reichs- regierung anzuwenden. Im Gegenteil. Herr Bachem, der heute für das Zentrum den Autrag begründete, sprach sanfter als sonst. Gegen den Verdacht, als ob die Ultramontauen unter der Flagge der Toleranz dem Zeitalter der Ketzer- Verbrennungen wieder zustreben, verteidigte er sich mit der bekannten Juristenlogik: Erstens hat die katholische Kirche nie Keyer verbrannt, zweitens hat es die evangelische Kirche auch getan. Als er erwähnte, daß auch in Branden- bürg nach einer Verordnung von 1582 die Ketzer verbrannt werden sollten, warf— in Erinnerung an die Berliner Kirchen- und Schulkonflikte— der Zwischenruf eines unserer Genofsen die Frage auf, ob jene Verordnung von 1582 auch schon formell aufgehoben sei, sonst könnte die Regierung noch viel- leicht auf den Gedanken kommen, sie praktisch anzuwenden. Der Demokrat Blume nthal entgegnete dann freilich später, daß heute, im Zeitalter des Kohlensyndikates, bei der Massenhaftigkeit der„Ketzer" ihre Verbrennung zu teuer kommen würde. Daß ober das Zentrum es mit seiner Toleranz nicht ernst nimmt, wies Genosse David in seiner Rede aufs schlagendste nach. Hat es doch noch anläßlich der Umsturzvorlage den Antrag gestellt, daß jeder, der öffentlich oder vor mehreren das Dasein Gottes oder die Unsterblichkeit der Seele leugnet, mit Gefängnis bis zu zivei Jahren bestraft werde I Wie ivenig es au eine ehrliche Trennung von Kirche und Staat den«, beweist es ja auch jetzt durch seine Forderung nach Klerikalifierimg der Staatsschule in Preußen. Nicht Freiheit �für jede Religionsüdung, sondern nur eine vorteil- haftere Schankkonzession für seine geistigen Getränke fordert das Zentrum. Die Liberalen, Dr. Müller- Meiningen und Blumen- t h a l brachten eine ganze Reihe neuer Belege für die Un- duldsamkeit und volksverhetzende Tätigkeit katholischer Geist- licher bei, die in einem vom Papste selbst geiveihten Buche der Sozialdeinokratie den Vers unterschieben: „Wein, Weib und alle guten Gaben Sollen die Menschen genieillsam haben." Nur, daß die liberalen Redner nicht den Mut fanden, wie Genosse David es tat, dem Scheine der Duldsamkeit die wahre Neutralität der Sozialdemokratie auf religiösem Gebiete gegenüberzusetzen, sondern daß sie mit den Fehlern der anderen ihre eigenen Sünden zu entschuldigen suchten. Die Konservativen Henning und Ä a r d o r f f und der nationalliberale Volksentrechter Hehl zu Herrnsheim lehnten jeden Gedanken an Toleranz rnndiveg ab. Sie ver- traten die Anschauimg, daß die Kirche ohne Beihülfe der Staatsautoritüt im freien Geisteskampf unterliegen müsse, und da sie ja der Kirche näher stehen als wir, werden sie es schon richtig beurteilen. Im Namen der Regierung gab Graf Posadowsky nur eine kurze ausweichende Erklärung ab.— Die Debatte über den Gesetzentwurf wird am nächsten Schwerinstag, vermutlich in acht Tagen, fortgesetzt. Morgen stehen neben der dritten Lesung kleinere Entwürfe, die Gesetze über das Maß- und Gewichrsivesen, das Urheberrecht an Werken der Photographie und bildenden Kunst, der Be- fähigungsnachweiS für Bauhandwerker und die Hülfskassen zur ersten Beratung._ Volksrecht und freisinniges FraktionSinterefse. Freisinnige Blätter sind anfs böckiste darüber erregt, daß die Regierung der Meldung des Scherlblattes, die preußische„Wahl- rechtsnovelle" werde von der Regierung dem Landtage nicht vor- gelegt werden, in der„N o r d d. A l l g. Z t g." nur ein sehr lahmes Dementi gegeben hat. DaS offiziöse Organ beschränkte sich nämlich am die Erklärung, daß endgültige Entschließungen von der Staats- regierung weder nach der einen»och nach der anderen Seite gefaßt worden seien. Die FreisinnSpresie wirst der Regierung, falls sie in der Tat zu der Entschließung gelangen solle, die Wahlrechtsnovelle nicht vorzulegen, schnöden Wortbruch vor. Sei doch in der am £>. Dezember 1905 verkündeten Thronrede wörtlich gesagt worden: „Zur Abstellung der in früheren Sessionen mehrfach erörterten Klagen über die übermäßige Größe einiger Wahl- bezirke für die Wahle» zum Hause der Abgeordneten und über einzelne Borschristen des Wahlversahrens sind Vorarbeiten eingeleitet und ihrem Abschluß nahegeführt worden." Man sieht, wie sehr sich der Freisinn gleich zu erregen vermag, wenn eS sich um Korrekturen des bestehende» Wahlunrechts bandelt. die dem Freisinn s e l b st zugut: kominen würden, so entloickelt der Freisinn einen Eifer, den er bei der Vertretung allgemeiner Bolksrechte völlig vermissen läßt. An einer Neueinteilnng der Wahlbezirke(die offizielle Bezeichnung der Landtagswahlkreise) hat der Freisinn das größte Interesse. Da die Einteilung der Wahl- bezirke vor zirka 40 Jahren vorgenonnneu worden ist, haben sich inzwischen die gewaltigsten Unterschiede der Bevölkerungsziffer der einzelnen Wahlbezirke ergeben. Da durchschnittlich zirka 80 900 Seelen auf einen Wahlbezirk entfallen, würde z. B. Berlin Anspruch auf 26 Landtagsmandate haben, während es heute nur 9 Abgeordnete zu wählen hat. Aehnlich liegen die Verhältnisse in den anderen Städten, in denen der Freisinn in den beiden ersten Wählerklassen dominiert: in Breslau, Stettin, Königsberg. Frankfurt a. M., Wiesbaden je. Erfolgte eine Neueinteilung der Wahlbezirke, so würde der Freisinn allein durch die Beherrschung dieser Städte die Zahl seiner Landtagsmandate zu verdoppeln vermögen. Für den Freisinn ist also die in Aussicht gestellte Neileinteilung der Wahl- bezirke von ganz erheblicher Bedeutung. Freilich auch nur für den Freisinn. Das arbeitende Volk würde trotz einer Neneinieilung der Wahlkreise nach wie vor durch die Dreiklasienwahl und die ösiemliche Stimmabgabe vollständig eilt- rechtet bleiben. Das kümniert aber den Freisinn nicht, wenn nur sein Parteiinteresie gewahrt wird. Im Grunde beginge die Regierung eine Torheit, wenn sie wirtlich ihr Versprechen nicht einlösen wollte. Durch die Konzession an den Freisiii», die allerdings auf Kosten des Junkertum» ginge, würde sie der ohnehin so schivächlichen Opposition des Freisinns gegen das Dreiklasienwahlrecht völlig die Spitze abbrechen. Andererseits freilich hat die Regierung auch so diese freisiimige Opposition so wenig zu fürchten, daß sie getrost in der bisherigen Weise weiter- wursteln kann, bis— die proletarische Wahlrechtsbewegung zu einer gründlichen Wahlrechtsreform zwingt.— . OeutfcKes Reich. Ein Vorschlag zur Güte. Herr Max Bewer. seines Zeichens belletristischer Bismarck- schivärmer, preisgekrönter Gelegenheitsdichter und General- konfufionariu», hat sich nunmehr auch unter die Erfinder begeben. Im„Tag" macht er die sensationelle Mitteilung, daß er ein neues Wahlrecht erfunden habe, auf das sich die sächsische und preußiiche Regierung schleunigst ein Patent geben lassen solle. Dem sächsische» Minister von M e tz s ch habe er seine Erfindung bereits mitgeteilt: der preußischen Regierung mache er davon durch den vorliegenden Artikel Mitteilung. Do schon Bismarck da» preußische Dreiklasienwahlrecht da» elendeste aller Wahlsysteme genannt hat. kann begreiflicherweise auch sein Anbeter Bewer nicht gut dafür schwärmen. Die Privilegierung nach dem Besitz findet er mit Recht erbitternd. Aber auch die Privilegierung der Bildung habe ihren Haken. Es gäbe leider allzuwenig Gebildete. Befänden sich unter den 700 000 sächsischen Wahlberechtigten doch nur 9800 akademisch Gebildete und mir 25000 zun, einjährigen Dienst Berechtigte: es müßte also ebenfalls er- bittern, wolle man den 35 000 Gebildeten ein politisches Ueber- gewicht über 885 000 Ungebildete«inräuinen. Das von ihm er- fundene Origiiiallvahlrecht hingegen habe etwas„Versöhnendes und Beruhigendes", so elioas„tiessiimig Weisheitsvolles". Er schlage nämlich vor, die Wähler in drei AlterSllassen zu teilen, und empfehle eS sich, de» Wählern vom 25.— 40. Lebensjahr eine. denen zwischen dem 40. und 55. Lebensjahre zwei und den über 55 Jahre alten Wählern drei Wahlstiinmen einzuräumen. An sich verdient dieser famose Pliiralwablsystem-Vorschlag keinerlei ernste Beachtung: allein Herr Bewer erzählt dann über die Motive seines Vorschlages und dessen Aufnahme das Folgende: „Der sächsische Ministerpräsident hat in Anregung dieses Gedanlens statistische Erhebungen darüber an- stellen lassen, irnvieiveit das zunehinende Alter einen national lo o h l t ä t i g e>» Einfluß auf die Sliiuinabgabe erkennen lasse. Ein Gesuch an die preußische Rgierung, in zwölf preußischen, den sächsischen Verhältnissen sehr ähnlich liegenden LandtagSwahlbezirlen, wo die Wahl belannt- lich öffentlich ist, Ermittelungen vorzunehmen, erga? folgendes überraschende Resultat: Es stimmten von 100 Urwählern(im 25.— 30. Jahr) sozialdemokr. 54,44 Proz. 100,(„ 30.-40.„)„ 29 100(„ 50.-60.,). 14. 100.<„ 80.— 70.„). 7. 100„(mehr als 70„ 1„ 8, Nach diesen sehr dankenswerten Erhebungen kann man den Satz ausspreche»: Die Sozialdeinokratie ist wahltechnisch nichts anderes als die Terrorisierung der besonnenen und lebenserfahrcnen Bevölkerungsklassen durch die Jugend. Denn während die 25- bis 30jährigen Wähler mit einer absoluten Mehrheit von 54 Proz. sozialdemokratisch stimmen, sinkt schon in der nächsten Altersklasse das revolutionäre Element ans 29 Proz. Herr Bewer behauptet also, daß sein Vorschlag bereits die ernste Beachtimg der sächsischen und preußischen Regierung gefunden habe. AuS diesem Grunde ist eS denn doch angebracht, den angeblich so „versöhnenden",„weisheitsvollen" und gar nicht nach einer Privi- legierung des Geldsacks schmeckenden Borschlag ein wenig unter die Lupe zu nehmen. Zunächst behauptet Herr Bewer auf Grund der obigen Statistik, die wir nicht nachprüfen können und ohne weiteres als richtig an- nehmen wollen, daß diese Stichprobe beweise, daß die Sozialdemo- krarie durch die Jugend das besonnene ec. Alter„terrorisiere". Er nimmt also an, daß die Sozialdemokratie sich überhanvt aus über- wiegend jugendlichen Elementen zusammensetze. Statistiken, die von der Partei selbst über das Lebensalter der politisch Organisierten aufgenommen worden sind, haben diese Auffassung keineswegs b e st ä t i g t. Es müssen also andere Umstände vorliegen, die das obige Ergebnis bedingen. Welche sind das? Zunächst ist zu berücksichtigen, daß die Wahl eine öffentliche war, daß also ein gewisser Mut dazu gehörte, für die sozialdemo- kratischen Wahlmänner zu stimmen. Emen solchen Mut, eventuell die Existenz oder mindestens die derzeitige Arbeits stellung aufs Spiel zu setzen, besitzen naturgemäß vorwiegend die j u g e n d- lichen Arbeiter. Ein jugendlicher Arbeiter kann schon deshalb mehr aufs Spiel setzen, weil er entweder noch unverheiratet ist oder aber doch nur für eine minder zahlreiche Familie aufzukommen hat. Der ältere Arbeiter muß leider— bei dem TerrorismuS der kapitalistischen Sklavenhalter!— aus Rücksicht für seine zahlreichere Familie auch noch ans das klägliche Reilchen von Wahlrecht verzichten, das ihm das Dreiklasienwahlrecht formell zugesteht. Aber diese Unistände erklären nur z u m T e i l die Abnahme der sozialdemokratische» Wahlstiinmen in den höheren Altersklassen. Der zweite Grund ist der, daß die Arbeiterschaft, aus der sich die ungeheuere Mehrheit der sozialdemokratischen Wähler rekrutiert, überhaupt unter den höheren Alters» klassen viel schwächer vertreten ist, als unter den jugendlichen Klaffen. Die Sache ist einfach die, daß die Sozialdemokraten als Proletarier meist gar nicht das höhere Lebensalter erreichen! Für die Wisienschast ist das eine längst bekannte Tatsache. Nach den Unter- suchungen des Engländers O g l e war die Sterblichkeit der Arbeiter eineinhalb bis viermal so groß als z. B. die der G e i st l i ch e n. Nach den Untersuchungen de» Franzosen B e n o i st o n betrug die Sterblichkeit der Reiche» der Arme« vom 30.-35. Jahr« 0.85 1,43 . 35.-40.. 1.20 1.85 . 40.-45., 0.85 1.87 . 45.-59.. 1.6* 2,3» , 59.-55.. 1,81 2,68 , 55.— 60.. 2,68 4,60 , 80.-65.„ 8,06 5,76 . 65.— 70.., 4,81 9,25 Nach einer statistischen Berechnung de» Dr. P. Nathan betrug 1880 in Berlin die Sterblichkeit pro Mille im Tiergartenviertel 17,94; in den Arbeitervierteln dagegen bi» zu 91,81 Der Bericht über die Berliner Volkszählung vorigen Jahres spricht fich denn auch offen dahin auS: „Die Wohlhabenheit ist da? erste und vomehmste, der auf die Gestaltung der SterblichkeitSverhältniffe einwirkenden Momente. Nach alledem ist eS geradezu eine Frivolität, zu behaupten, die Zahlen der preußischen Landtagswahlstatistik bewiesen, daß die Sozial- demokratie vermittelst der Jugend das reife Alter terrorisiere. Zugleich zeigt sich, daß das Pluralwahlsystem nach dem Lebens- alter nur das alte Privileg des Geldsacks in neuer Form darstellt l Für einen vernünftigen Menschen ist eS ohnehin ein Rätsel, warum ein Fünfzigjähriger ohne weitere» eine größere polirische Reife besitzen soll, als der Dreißigjährige. Zahllose früh verstorbene Genies, wir nennen nur Raphael. Mozart. Byron. Shelley. Franz Schubert, haben schon in ihrer Jngend Unsterbliches geleistet. Auf dem Gebiete der Politik liegt es nicht anders. Zudem ist es gerade Aufgabe der Prolet arischen Jugend, dafür zu sorgen, daß der Proletarier nicht um Jahrzehnte seines Lebens durch die kapitalistische Ausbeutung bestohl«, wird! Schreibt doch selbst Professor Heinrich Herl n er: „Während in den Berechnungen der Unternehmer die Ab- nutzuilgsguote der Maschinen ein entscheidendes Item bildet, denkt kaum jemand daran, die Abnutzung, welcher die Arbeitskraft unserer Arbeiterbevölker ung heute ausgesetzt ist, in An- schlag zu bringen. Mit der Arbeitskrast der Bevölkerung kann Raubbau getrieben, sie kann im tollen Konliirreiizkampf durch Hungerlöhne und übermäßige Arbeitszeit verschleudert und verschwendet werden." Das ist das sozial„Versöhnende" der Bewerschen Wahlrechtserfindung. Etwas„tiefsinnig WeisheitS- volles" liegt in der Tat in ihr, nämlich vom Standpunkt des heuchlerisch verhüllten Ausbeuterinteresses aus! Freisinniges Prrßknotentmn. Die journalistischen RowdieS der steifimiigen».BreSl. Ztg." schreiben: „Wenn man die roten Blätter mit ihren Fanfaren über den verfehlten SonntagSrummel liest, so muß maii in der Tat den Eindruck gewinne», als ob diese Leute sich in geistiger Be- t r u>, k e i, h e i t befände». So besteht ein mit riesiger Plakat- Überschrift:„Der erste Anstunn gegen das Dreiklassenwablrecht" n» die Spitze des„Vorwärts" gestellter Artikel aus lauter b l u t r ü n st i g e n Phrasen, wie man sie von animierten Leuten, die nachts taumelnd die Destillationen verlassen, gelegentlich hervargurgel» hört." Dieser niedrigen Sprache entspricht die Pöbelhastigkeit der politischen Gefimimig. Das Blatt schreibt weiter: „Kann denn in Deutschland eine politische Situation immer nur von einer Minderheit ruhig und klar beurteilt werden? Wir dächten, die Situation läge einigermaße» einfach. Die roten Ge- nosscn wollten ei» bißchen Revolution a la Rußland spielen. Diese Suppe wurde ihnen aber durch prompte Gcgcnmaßrcgeln versalzen, ehe sie auf den Tisch kam: man stand also von dem Borhaben noch rechtzeitig ab. Die Sicherheitsorgane aber waren zu mehrerer Vorsicht zur rechten Zeit zur rechten Stelle, um immerhin mög- liche» Zufälligkeiten entgegenwirken zu können, und so verlief alles glatt und in vollster Ordnung." Bekanntlich will sich demnächst die. S t a atS b ü r g e r- Z tg." mit der„Post" verschnielze». Vielleicht macht das Breslauer Freisinnsorgan das edle Trifolium vollständig.— Die BerfafiungSreviji»» im Württemicrgischen Landtag. 1 Stuttgart, den 24. Januar. tPrivattelegramm des.Vorwärts".) Heute hatte der Halbmondsaal seinen großen Tag. Bei voll- besetztem Hause, vollzähliger Besetzung des Regierungstisches und ausverkauften Tribünen begann die zweite Lesung der Verfassnngs- reviston. Der Kommisstonsberichterstatter, Abgeordneter Friedrich Hautzmann, erstattete ein ausführliches Referat. Er empfahl die Kommissionsvorlage und sprach den Wunsch aus, daß die Wer- fassungsreform diesmal gelingen und alle Schichten der Bevölkerung befriedigen möge. Nach ihm sprach der Mini st erpräsident V. Breitling und wendete sich gegen den Beschluß der Kommission, die aus- scheidenden 23 Privilegierten, 13 Vertreter des Ritterschaftsadels, K evangelische Prälaten, 3 Vertreter der katholischen Kirche und einen Vertreter der Universität Tübingen durch 17 weitere Abgeordnete zu ersetzen, welche auf Grund des allgemeinen Wahlrechts mittels des Proporzes zu wählen sind Ein solcher Ersatz führe zu einer zu wert gehenden Radikalisierung der zweiten Kammer. Wer aber auf einen Ersatz der Privilegierten im k o n- servativen Sinne hinwirken wolle, der möge die Axt a n die Wurzel des allgemeinen Wahlrechts legen und damit könne die Regrerung nicht beginnen. Wohl bemerkt,„beginnen" sagte der Ministerpräsident! Es scheint also, daß die Regierung nur nicht das Odium der Verfälschung des allgemeinen Wahlrechts auf sich nehmen will, sich aber vorbehält. Anträgen in dieser Richtung, falls sie Aussicht auf Annahme hätten, z u z u- st r ni m e n. Nach dem Ministerpräsidenten sprach unser Parteigenosse Keil und begründete in ausführlicher Rede den sozialdemokratischen Antrag, wonach die Zweite Kammer aus S3 Abgeordneten, au Grund des ollgemeinen Wahlrechts auf dem Wege des Proporzes gewählt, bestehen sollte. Er wies auf die gegenwärtige Wahlkreis- cinteilung hin und erwähnte, daß ja Baden und Bayern bei ihren neueren Wahlreformen Ungerechtigkeiten der bestehenden Wahlkreis- einteilung beseitigt hätten. Dagegen sprach der Nationalliberale Hieber, nach dessen Meinung ans Rücksicht auf die Tradition an den bis- hcrigen Wahlkreisen, die mit den Oberanitsbezirkcn übereinstinrmten, festgehalten werden müsse. Das gleiche sagte der Minister v. Pischek, während das Zentrum und die Volkspartei sich ausschwiegen! Bei der Abstimmung wurde unser Antrag mit allen gegen die sechs sozialdemokratischen Stimmen abgelehnt. Zur Annahine ge- langte sodann die Bestimmung, daß die Zweite Kammer bestehen solle aus je einem Abgeordneten eines jeden Oberamtsbezirkes, das sind gegenwärtig 75. Bei der weiteren Bestimmung, wonach die Stadt Stuttgart sechs Abgeordnete erhält, beantragte unsere Partei, daß mit Rücksicht auf die Bevölkerungszahl a ch t Abgeordnete bewilligt würden. Der Antrag wurde abgelehnt. Ebenso ein weiterer Antrag, daS Vorrecht der Stadt Ellwangen, einer der sieben so- genannten guten Städte, auf einen besonderen Abgeordneten zu streichen, da sie nur 3000 Einwohner habe. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt. Das Zentrum hat beantragt, die ausscheidenden Privilegierten, die in Zukunft ihren Sitz in der E r st e n Kanimer haben sollen, zu ersetzen durch elf Abgeordnete der Landwirtschaft, elf Ab- geordneten von Industrie und Handel und drei Abgeord- neten der freien Berufe und des öffentlichen Dienstes und der übrige» nicht unter den ersten und zweiten Grad fallenden Berufe. Ferner beantragt es für diese berufsständischen Ver- treter sowie für die aus den allgemeinen Wahlen in den Ober- amtsbezirken hervorgehenden Abgeordneten das Pcoportional- wahlsystem einzuführen. Ueber diese» Versuch, durch berufsständische Vertreter das, Prinzip des allgemeinen Wahlrechts zu verfälsche», wird morgen verhandelt werden.— Arbeiter als Geschworene. Im bayerischen Landtag hat die sozialdemokratische Fraktion seit Jahren schon darauf hingewiesen, daß Arbeiter von Schöffen- und Geschworenendienst systematisch ferngehalten und diese Aemter eigentlich nur ein Vorrecht der Unternehmer und der besitzenden Klassen geworden seien; einer derartigen Klassenjustiz könnten die Arbeiter nie und nimmer Vertrauen entgegenbringen. Aus diese Anzapfungen hin hatte der Justizministcr erklärt, daß er jede Rücksicht- nähme auf Standes- und Parteiunterschiede bei der Festsetzung der Geschworenen- und Schöffcnlisten für un- gesetzlich halte und daß er einen diesbezüglichen Erlaß ergehen lassen werde. Jnstiziniiiister v. Miltner hat dieses dem Landtage gegebene Versprechen eingelöst, und so kam eS, daß in München Heuer zum erstenmal zirka 40 Arbeiter als Schöffen ausgelost wurden. Bei der nunmehr am Dienstag erfolgten Auslosung der Geschworenen für die zweite Schwurgerichtsperiode am Land- gericht München I wurden zum erstenmal auch zwei Arbeiter, ein Drechsler und ein Tapezierer, als Geschworene ausgelost.— Die fortgesetzten Anbohrungen der sozialdemokrattschen Abgeordneten haben also ihren Zweck erfüllt.— Auch eine Folge der russischen Revolution? In Ober-Schlesien soll denmächst� der Waffe»schein zwang eingeführt werde». Jeder Waffenhändler soll verpflichtet werden, ein Kontrollbuch über die Käufer seiner Waffen zu führen, während der Käufer selbst sich dem Händler gegenüber durch einen polizeilichen Waffenschein aus- zuweisen hat. Als Grund dafür werden ausdrücklich die«vielen Attentate" bezeichnet, die in letzter Zeit mit Schußwaffen verübt wurden. Nach der„Schles. Volkszrg." sollen verschiedene oderschlesische Landräte bereits dahin geltende Verordnungen erlassen haben.—- Lieber schmählichstes Unrecht als„Schwäche". An eine Vorlauf igeFreilassung derAk w a- I c u t e, die nach ihrer Verurteilung zu horrenden Gefängnis- strafen durch die unterste Instanz gleich eingesteckt worden sind, denkt die Äolonialverwaltung nicht, weil sie das Gouver- nement den Eingeborenen gegenüber„nicht diskredi- Heren" will. Entsprechend den jüngsten Ausführungen der Kolonialverwaltung im stteichstage betont ein offiziöser Artikel der„K ö l n. Z e i t u n g", man brauche sicher aller- dings nicht für einen größeren Aufstand in Kamerun zurzeit Besorgnis zu hegen,„aber imnierhin ist es bedenklich, von hier aus Maßnahmen anzuordnen, welche die Eingeborenen uns als Schwäche auslegen könnten. Die Unter- snchung der ganzen Angelegenheit wird ja nun rasch von statten gehen. Irgend ein genügender Grund zur Verur- tcilung überhaupt muß doch vorgelegen haben, sonst könnte doch nicht auf so abnorm hohe Strafe erkannt worden sein. Wenn man daher, nachdem die Strafe gemildert oder im Gnadenwege ganz aufgehoben ist, die Häuptlinge aus der Haft entläßt, wird das auch noch früh genug s e i n." Ein famoser Standpunkt! Wenn, woran nicht zu zweifeln ist, das unerhörte Urteil gegen die Kameruner Häuptlinge demnächst doch kassiert wird— wie will dann die Negierung ihre jetzige Rechtfertigimg des schmählichen Justiz» urechts beschönigend Dann ist nicht nur die Kameruner Puttkamerei und der Assessorismus blamiert, sondern die ganze Kolonial- Verwaltung des Deutschen Reichs!-- Eine Schlappe in Deutsch-Ostafrika. Gouverneur Graf von Götzen telegraphiert auS DareS- f a l a m folgendes: Hauptmann N i g m a n n meldet den Ueberfall einer Abteilung des Likiuinda-Postens aus dem Hinterhalt. Ein Effendi und elf Askari fielen tapfer kämpfend. Nach Eintreffen von Hülfe unter Oberleutnant von Krieg floh der Feind nach der Ulanga-Ebene zurück. Kolonne Wangenheim und Grawert marschiert, da Ulanga und Luwegu unpassierbar, auf passierbarem Uebergang über den Ruaha zwischen Kilosfa und Jringa. Die Unter- Iverfung des Kilwabeziries schreitet gut fort. Berlin, Z4. Januar. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 17. Januar sind an Typhus gestorben: Reiter Theodor Schölten, geboren am 18. 8. 77 zu Wesel, in Deichabis bei Hasiiur. Reiter Joseph Vetter, geboren am 17. 4.83 zu Jüyenbach, im Feldlazarett Hasuur. Reiter Franz Görtz, ge- boren ani 25. 10. 83 zu Mülheim(Ruhr), im Lazarett Warmbad. Außerdem: Gefreiter Richard Angermann, geboren am 22. 9. 79 zu Dresden, am 20. Januar im Lazarett Kub an Malaria gestorben. Sanisätsunteroffizier Wilhelm Witt, geboren am 15 1. 82 zu Sandberg, am 20. Januar bei Schlangen- köpf im Fischfluß ertrunken. Reiter Wilhelm M angle r, geboren am S. 7. 82 zu Loffenau, am 10. Januar an Herzlähmung g e st o r b e n, Gefreiter Thomas Rihm, geboren am 17. 12. 78. zu Berg, am 9. Januar in Gegend Alurisfontein verwundet, Fleisllis'chnß linken Fuß. Nachträglich gemeldet: Reiter Karl Broer, geboren am 4. 7 81 zu Ottenberg. ain 13. November 190S bei Deutsche-Erde leicht verwundet, Fleischschuß beide Oberschenkel. £liisUnd. Die Sympathie- und Solidaritätskundgebungen der schweizerischen Arbeiterschaft für die russische Revolution fanden am Sonntag und Montag in den meisten größeren Orlen statt. In Zürich beteiligten sich am Sonntag am Demonstrationsnmzug 6000 Personen und ebensoviele an den beiden Versammlungen, in denen die Genossen Manz und Lang deutsch, ein italienischer Genosse in seiner Mutter- spräche über den blutigen Petersburger Sonntag vom 22. Januar 1906 und über den bisherigen Gang der russischen Revolution sowie über ihre weiteren Aussichten referierten. Der scharfmacherische „Bürgerverband", dessen Organ die Berliner„Post" sein könnte, halte die Stadt- und Staatsbehörden zum Verbot des Umzuges aufgefordert, diese waren indes klug genug, auf diese wahnsinnige provozierende Scharfmacherei nicht zu reagieren. In Basel, Bern, Winterthnr und anderen Orten wurden eben- falls Umzüge mit Tausenden von Teilnehmern— in Basel zirka 4000— veranstallet, denen sich Versammlungen mit Referaten anschlössen. An den meisten Orten fanden die Versammlungen an» Montagabend statt. Der Gedanke der internationalen Arbeiter- solidarität und Völkerverbrüderung hat durch diese imposanten und eindrucksvollen Kundgebungen auch in der Schweiz eine Stärkung erfahren. Der Gedenktag des Ausbruches der russischen Revolution wurde von den Abteilungen der sozialdemokratische» Arbeiterpartei Hollands in einer großen Anzahl von Plätzen gefeiert. Aenßerst stark besuchte Versammlungen fanden überall slatl. teils am Sonntag, teils am Montagabend.— Auch die„Frei- Sozialisten" und die Anarchisten hielten Versammlungen ab. Die Föderation der neun Amsterdamer Abteilungen der sozialdemokratischen Arbeiterpartei halte Montagabend die zwei'Säle von Bellevue voll besetzt, während die Frei-Sozialisten ihre Versammlung im halbgesüllien Saale des Palais von Volksvlyt hielten. Die Feier hatte überall einen ruhigen Verlauf. Nur konnte die Amsterdamer Polizei wiederum ihre geivohnte Provokation nicht unterlassen, indem sie wieder vom Meeting im Palais zurückkehrende und sozialistische Lieder singende Gruppen mit dem Polizeistock aus- einandertrieb. #»# Die Sozialdemokratie Schwedens hat am Sonntag im ganzen Lande in großen Tenionstrationen und Versammlungen ihre Sym- pathie für den Freiheitskampf des russischen Volkes knndgetcm. In Stockholm fand die Versammlung auf dem altbekannten Demon- strationsfelde„Lill-Jans" statt, Ivo sich trotz der durchdringenden Kälte gegen 10 000 Personen versammelt hatten, die dem Vortrage des Genossen C a rl e s o n lauschten und der vom Vorstand der schwedischen Sozialdemokratie vorgeschlagenen Resolution begeistert zustimmten. Tann wurde ein Zug gebildet, der in fünf Abteilungen mit eben so vielen Musikchören durch die Stadt marschierte. Voran wurde die große rote Fahne mit der Inschrift„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" getragen und unmittelbar hinter der Fahne mar- schierten ungefähr 100 russische Genossinnen und Genossen, die durch die Verfolgungen nach der schwedischen.Hauptstadt verschlagen sind. Tie Demonstration verlief ohne jede Störung. Aus vielen anderen Städten Schlvedens liegen Berichte von großartigen Demonstrationsversammlungen vor. Besonders be- merkenswert ist, daß die Arbeiterschaft in Norrköping nach ihrer Versammlung im Volkspark trotz Polizeiverbotö einen Demonstrationszug veranstaltete. Die Polizei verhielt sich neutral. Tie Arbeiter vermieden es allerdings, nach dem Zentrum der Stadt zu marschieren. Die ganze Polizeimannschaft der Stadt war mobil gemacht, um dies zu verhindern. *» » Auch in Norwegen haben unsere Parteigenossen große Demon. sirntionsversammlungcn veranstaltet. In Kristiania fand die Ver- sammlung am Sonntag in„Arbeiiersamfundets" Saal statt. Sic wurde mit einer Ansprache des Partcivorsitzenden Hornsrud eröffnet. Dann sprach der Genosse Gaardcr, der in Rußland aufgewachsen, dort jahrelang in der Bewegung tälig war und selbst die Schrecken der Pcter-Paulsfestung kennen gelernt hat. Nach ihm sprach Geimsse S e m an ow i cz, einer der Leiter der jüdischen Arbeiterbewegung Rußlands, der sich zurzeit in Kristiania aufhält; ferner Genosse K r i n g e n. Tic Versammlung nahm einstimmig eine Resolution an, in der es heißt:„Euer Kampf ist unser Kampf! Euer Sieg ist unser Sieg! Nieder mit den Tyrannen, den pvli- tischen wie den ökonomischen!" *r» • Dänemark. Zur Erinnerung an den blutigen Sonntag hatten die Arbeiter Kopenhagens am Montag eine Versammlung im Fest- saale ihres alten Hauses in der Romersgade veranstaltet. Ter Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach einer Begrützungs- rede des Genossen P. Knuds«», schilderte Genosse A. C. Meyer die EntWickelung der russischen Revolution und die furchtbaren Ereig- nisse vom 22. Januar 1905. Danach erhielten noch einige andere Redner das Wort, unter ihnen auch zwei russische Genossen. Mit Begeisterung stinimte die Versammlung der Syinpathiercsolution für den Kamps des russischen Proletariats zu, Belgien. Kongostaatliches. Auch die katholische Presse Belgiens hat sich nach langem Sträuben endlich zu der Einsicht bekehrt, daß es faul, sehr faul im besten aller Staaten, dem Kongostaate, steht. Dabei verschweigt der Bericht der UntersuchnngSkoininission viele empörende Einzelheiten und geht so schonend wie möglich mit der schuldigen Admini- ilrativii um. Die katholische wie ein gewisser Teil der Presse überhaupt, hat sich bemüht, die Agitation gegen das System des Kongostaates als den Ausfluß religiöser Propaganda zugunsten der protestantischen Missionen oder als politische Jntrignen der englischen Regierung oder endlich als der Eifersucht der Liverpooler Kautschnckhändler entstammend darzustellen. Heute muß sie eingestehen, daß das System der Verwaliung des Kongos die schlimmsten Schäden in sich birgt und den' greulichsten Mißbräuchcn Tür und Tor geöffnet hat. Die„Voix du Rvdempteur", das Organ der Redemptoristen. schreibt u. a.:.Das große Uebel, unter dem der Kongo leidet, ist die Unmoralität der Weißen. Ihre Unmoralität. die sich nach allen Richrungen ausbreitet, verursacht erschreckenden Schaden unter den Eingeborenen, sowohl in moralischer wie in physischer Beziehung, und bildet das größte Hindernis für die Zivilisation und die materielle EntWickelung des Landes." Von den Beamten deS Staates sprechend, fährt das Blatt fort:„Diese Mandarinen überlassen sich, sobald sie in ihren ertragreichen Stellungen gesichert sind, den allergrößten Mißbränchen." Schließlich klagt es die Kommission an, daß sie über die schlimmsten aller Kongoskandale Schweigen beobachtet habe. Ein anderes katholisches Blatt,„L c Bien Public" kommt zu ähnlichen Erwägungen:„Wenn es wahr ist, daß die Kommission mit keiner Silbe der eiternden Wunde der Unmoralität erwähnt, welche der weiße Mann in den Falten der Kongoflagge unter die Ein- geborenen getragen hat, so gibt es andere Mißbräuche— solche, die dem S y st e m selbst innewohnen— über die die Kommission nicht geschwiegen hat. Zwar sagt man, daß der Bericht eher den Eindruck einer Berleidigung des Staates niache, daß er die Schäden mit Samthandschnhen berührt, statt sie mit eiserner Faust hervor» zureißen. Aber wer den Bericht mit Sorgsalt liest und ihn wiederliest, der erkennt, daß gerade in seiner Zurückhaltung ein Berdammungsnrteil des Systems enthalten ist." Der„Mouvement des Missions Cath oliqueS" kritisiert die Zusamminensetzung der famosen neuen, jetzt in Brüssel im Verfolg der Ergebnisse der ersten Untersuchung tagenden Kommission; er erwähnt mit Bitterkeit die Abwesenheit unparteiischer Personen in dieser Kommission, die sich zusammensetzte aus den „geschlossenen Reihen der Beamten des Staates und der großen Konzeisionsgesellschaften". Zum Schluß heißt es:„Zu einer Zeit, die sich als glücklich oder als beklagenswert in unserer Geschichte ausweisen mag, war es geboten, nach Gebühr eine Politik zu charakterisieren, die diejenigen zu Schiedsricktern ernannte, welche niemals die Schwelle dieses ReformgcrichteS hätten überschreiten dürfen, und die systematisch die- jenigen davon ausschließt, welche Mitglieder desselben hätten sein sollen." Unser Bruderblatt, der„Peuple". der das verbrecherische System immer vergeblich belämpit hatte, fragt jetzt mit Recht:„Warum haben die Katholiken so lange gezögert, bis sie ihre Stimme er- hoben?—"... Unsere deutsche„Nationak-Zeitung" hat noch immer die Stirn, das Kongosystem zu verteidigen.(Beiblatt vom 10. Januar.) Natürlich ist ihr dies nur dadurch möglich, daß sie die Tatsachen einfach auf den Kopf stellt. Kein Wunder I Wer selber in seinem Vaterlande alle Begleit- erscheinungen unserer greulichen Kolonisiererei gutheißt, der hat ein Interesse daran, das belgische, holländische, englische, französische Kolonialsystem— Fleisch von seinem Fleische— nicht allzuscharf mit der Lupe untersuchen zu lassen.— England. Die Wahlen. Unendlich lange— wir»lachten schon zu Anfang darauf auf« merksam— ziehen sich die englischen Wahlen hin. Noch eine Woche etwa dürfte es dauern, bis die letzten Resultate bekannt sind und die Möglichkeit gegeben ist, die neue Gruppierung der Fraktionen eingehend zu würdigen. Bis jetzt sind gewählt: 296 Liberale, 125 Umornsten, 80 Nationalisten. 36 Arbeitervertreter. Damit haben zur Stunde ge- wonncn: die Liberalen 158, die Unionisten 12, die Nationalisten 3, die Arbeiter 29 Mandate. Die Liberalen sitzen fest im Sattel. Darum wagen sie es allmählich schon, Dinge verlauten zu lassen, die sie vor den Wahlen nicht gan.� so deutlich aussprachen. Schatzkanzlcr Asquith z. B. hielt am Dienstag in Kingsbarns(Schottland) eine Rede, in der er aus- führte: So sehr er sich auch angelegen sein lasse, die Ausgaben zu vernnndern, habe er doch wenig Hoffnung, daß dies im laufenden Jahre möglich sein werde!— Soziales. Ueber die Geschichte der Heimarbeit in Deutschland sprach Professor S ch m o l l e r am Dienstag in der Aula des Friedrich- Werderschen Gymnasiums. Soweit der Redner auf die Entstehung und die» EntWickelung der Heimarbeit in früheren Zeiten Bezug nahm, decken sich seine Ausführungen mtt denen, welche Professor Sombart cnn Sonnabend an derselben Stelle gemacht hat. Im übrigen führte er aus: Die Entstehung der alten Heimindustrie habe einen großen Fortschritt in Handel und Gewerbe bedeutet, sie habe in ganzen Bezirken ein blühendes Erwerbsleben hervorgerufen. Infolgedessen habe man auch im 17. Jahrhundert die Kaufleute, welche die Produkte der Heimarbeiter vertrieben, als die Wohl- täter der Menschheit betrachtet. Daim trat nach 100 bis 160 Jahren der Blütezeit ein Rückschlag ein. Der Absatz der Produkte ist den Schlvankungen deS Marktes unterworfen: Absatzstockungen brachsten deshalb Arbeitslosigkeit für die Heimarbeiter mit sich. Mit dem ersten Rückgang der Konjunktur aus dem Weltmarkt setzte das Elend der Heimarbeiter ein.— Zunächst trafen die Zeiten ab- steigender Konjunktur die Heimarbeiter nicht so schwer, denn damals trieb jeder.Heimarbeiter noch Ackerbau auf einem eigenen kleinen Anwesen. Äit dem Ertrage des Ackerbaues konnte sich die Heim- arbeitcrfamilic selbst bei länger anhaltender Arbeitslosigkeit not- dürftig durchschlagen. Die aussteigende Konjunktur ermöglichte dann wieder eine erhöhte Lebenshaltung. Aber sie hatte auch die Folge, daß sich Leute ohne Besitz, die nur auf die gewerbliche Arbeit cnigcwieseu waren, der Heimarbeit zuwandten. Diese Leute mußten in Zeiten absteigender Konjunktur langsam verhungern. Man hat dann versucht, den aus diesen Verhälttnssen entspringenden ilebelständcn zu steuern, indem man Organisationen der Heim. arbcitcr herzustellen suchte, auch erließen die Regierungen Re- glcments für die Hausindustrie, welche denselben Zweck verfolgten, wie die Zunftgesetze und die heutigen Arbeiterschutzgesetze. Man wollte durch diese Maßnahmen ein erträgliches Verhältnis zwischen Verlegern und Arbeitern herstellen und die Produktion der je- weiligen Marttlage anpassen. Das gelang auch soweit, daß einem wirklichen Elend der Heimarbeiter vorgebeugt wurde. Als aber die moderne Technik auskam, konnte sich die Heimarbeit nicht mehr halten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts in England und Frank- reich, in Deutschland erst zu Ansang des 19. Jahrhunderts fielen die zum Schutze der Heimarbeit erlassenen Reglements. Damit begann eine Zeit furchtbaren Elends für die Heimarbeiter. Von 1815 bis in die fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts stieg das Elend der Heimarbeiter in den deutschen Mittelgebirgen, be- sonders in der Leinenindustrie in Schlesien. Die Verhältnisse waren so schlimm, daß das heuttge Elend in der Konfektton das reine Kinderspiel dagegen ist. In den vierziger Jahren gab es in Schlesien Tansende von Spinnern, die täglich nur 1 bis IVi Silbergroschen verdienten. An eine regelmäßige Ernährung war unter solchen Umständen nicht zu denken. Der Hungertyphus raffte die Heimarbeiter in großer Zahl hinweg. Nachdem diese Vcrhälttttsse ein halbes Jahrhundert gedauert hatten und die alten Haus» industrien in die Fabrikindustrie übergegangen waren, konnte man glauben, die Heimarbeit habe ihre Tage gehabt. Dem ist aber nicht so. Einige Heimindustrien, die heut noch lebensfähig sind, haben sich erhalten, so der Geigenbau in manchen Gebirgsgegenden. Auch bestehen noch Reste älterer Heimindustrien. In der Neuzeit sind dagegen andere Arten der Heimarbeit entstanden. Handwerker, die ihre Selbständigkeit nicht mehr behaupten konnten, sind herab- gesunken zu Heimarbeitern der Magazine. Noch ein anderes Moment bedingt die neue Heimarbeit, nämlich der hohe Ueberschuß besonders an weiblichen Arbeltskräften in den Großstädten. Soweit es sich bei der heutigen Hausindustrie um Männerarbeit handelt, sind die Verhältnisse nicht so schlimm, ein Ueber- gang zur Fabrikarbeit ist hier verhältnismäßig leicht. Das schlimmste ist das Uebermaß an weiblichen Arbeitskräften und deren j flechte Bezahlung. Wollte man die Heimarbeit gänzlich verbieten, so wäre das eine Härte, die niemand verantworten kann. Das wesentlichste ist ja, daß die heimarbeikndcn Frauen ihre Häuslichkeit nicht verlassen können. Sie können nicht in die Fabrik gehen. Wir müssen natürlich Reformen und Schutzvorschriitcn für die Heimarbeit-ju erlangen suchen so viel wir können. Wie die Heimarbeit zurückgegangen ist in de» Ländern mit der höchsten Kultur und der dichtesten Bevölkerung, so wird sie auch in Deutsch- land zurückgehen. Die GewerbcZählung zeigt bereits einen Rück- gang der Heimarbeit in Deutschland. Wir haben die Hoffnung, daß mit dem Rückgang der Heimarbeit die Zustände nach und nach besser werden. Aber sie sind doch noch so schlimm, daß sie die ernsteste Beachtung verdienen. An ihrer Verbesserung müssen wir arbeiten. Gewer k fchaftUcbca. Kongreß der Tabakarbeiter Deutschlands. An sämtliche Delegierten, welche ihre Annieldung zu dem am 2 3. Januar, vormittags 9 Uhr, im Ge- toerkschaftshause, Engel ufcr 15 zu Berlin, stattfindenden Kongreß, nach hier gesandt haben, sind die Mandatssormulare unsererseits versendet worden: bis heute, Donnerstag abend, sind alle eingegangenen Meldungen erledigt. Diejenigen Delegierten, welche noch mit ihrer Anmeldung im Rückstände sind, ersuchen wir, diese sofort nachzuholen. Auch diejenigen, welche mit der Anzeige, daß sie Logis wünschen, noch im Rückstände sind, bitten wir in ihrem eigenen Interesse, diesbezügliche Wünsche an uns zu senden. Das Bureau des Kongresses ist von Sonntag, den 28. Januar, vorinittags 8 Uhr, an geöffnet und befindet sich im Gewerkschastshause, Saal 5. Zum Empfang der Delegierten sind Kollegen an den einzelnen Bahnhöfen durch rote Schleifen kenntlich, beordert. Die Verhandlungen des Kongresses sind öffentlich und hat jedermann freien Zutritt. Kollegen Deutschlands! Sollten noch einzelne Orte mit der Wahl der Delegierten im Rückstände sein, so ersuchen wir dringend, diese Wahlen zu beschleunigen. Tie noch zu wählen- den Delegierten mögen sich dann von dem Bureau der öffent- lichen Versammlung eine Bescheinigung ausstellen lassen, daß ihre Wahl ordnungsgeniäß vollzogen worden ist und diese Bescheinigung dann mit nach Berlin bringen. Kein Säumen mehr! Die Zentralkommission. I. A.: E. Butry, Stralsunderstraße 41. Berlin und(Imgegeiid. An die organisierte Arrbciterkchaft! Die Forderungen der Barbiergehiilfen sind noch bewilligt bei H e r z b e r g, Friedenstr.«0: Oder-Schüucweide-Füll, Siemens- straße 16; Si u h w a l d. Edisonstr. S7; B r e m m e l. Frischenstr. 1, und Krüger, Wilhelminenhofstr. 52. Achtet aus die weißgrüue Kontrollkarte als Ausweis dessen, daß die Forderungen bewilligt sind und untenstehenden Titel mit der Unterschrist des Vorsitzenden tragen. Verband der Friscurgehülfen, Zweigverein Berlin und Vororte. Der Vorstand. I. A.: Paul Liere. Tarifbewcgung der Berliner Schlosser. Nachdem die im Dlciall- arbciterverbande organifierien Schlosser jüngst die Kündigung ihres zum 1. April abloufeuden Tarifs beschlone» hatten, befaßte sich am Dienstag in Kellers Saal eine stark besuchte Bersamuilnng der Branche mit den an die Arbeitgeber zu stellenden Reuforderungen. Auf Grund einer kürzlich aufgenommenen Lohnstalistik hat sich nun ergeben, daß Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Berliner Schlosser zwar etwas besser geworden sind, als lvie sie vor Abschluß des alten Tarifs toaren, jedoch entspreche» dieselben noch keineswegs den jetzige» Zeitverhältnissen. Etwa 96 Proz. der Schlosser arbeiten zu Löhnen, die sich zwischen 40 und 60 Pf. pro Stunde bewegen. Die übrigen haben teils einen höheren, teils einen niedrig««» Lohn. Infolgedessen ist auch in der von den Vertrauensleuten aus- gearbeiteten neuen Tarifvorlage die Festsetzung des Miudest- lohneö auf 50 Pf. pro Stunde vorgeschlagen»vordem der vom zweiten Jahre nach beendeter Lehrzeit ab auf 55 Pf. erhöht werden soll.enn er nicht drei Monate vorher gekündigt wird. Als Vertragschließende gelten für die Arbeitgeber die Freie Vereinigung der Holzindustriellen zu Berlin und für die Arbeitnehmer(der Stockbranch«) der Deutsche Holzarbeiter- Verband, Zahlstelle Berlin.— Dieser Verl rag fand die allgemeine Zustimmung der Versammlung, und es gilt als sicher, daß die Unternehmer ihn ebenfalls annehmen werden, denn sie würden durch einen Kamps bei der gegenwärtigen günstigen Geschäftslage den größten Schaden erleiden. Nur bei der Firma Müller, wo un- leidliche Zustände herrschen, wird es notwendig sein, scharfe Maßregeln zu ergreifen, und ein Streik kann schon i» den nächsten Tagen erfolgen. ES wurde in der Diskussion noch daraus bezug genommen, daß es notwendig sei, für die Heiniarbeiter einzutreten, schon aus Sclbstinteresse, denn die Hausarbeit bildet einen woßer. Schaden in der Stockbranche. veutkche» Re(e». Der Streik der Bergarbeiter in Zipfciidorf bei Zeitz ist beendet. Am Montag wnrde die Arbeit wieder aukgenoiinnen, nachdem die Verwoltilng mit dem Arbeiterausschuß verhandelt hat. Von zivei gematzregelten Arbeitern wurde der eine wieder an seine alte Arbeit gestellt, de», zweiten wurde ein Wochenlohn gezahlt, womit derselbe sich einverstanden erklärte. Dir Einstelliiiig dieses Mannes sollte deshalb nicht wieder geschehen, weil derselbe in einem Streit mit dem Inspektor diesem derb die Wahrheit gesagt hat. Der kurze Streik hat dem Verbände der Bergarbeiter 40 neue Mitglieder ge- bracht, im ganzen Revier Zeitz-Weißenfels und Meuselwitz nimmt die Organisation starken Aufschwung. Wer hat Sie aufgehetzt? Wie kamen Sie dazu? Mit diesen Worten redete der Vo, sitzende vor der Strafkammer Halle den tvjährigen Arbeiter R i ch. M e i n h a r d t an, der eines Tageö den Arbeitswilligen Haase. der zum Streikbrecher geworden war, miß- handelt hatte. Die.Aufhetzung" war einfach darin begründet, daß Haase an einem Bau arbeitete, der von anderen durch Streik ge- mieden wurde. Die Richter scheinen nicht beg, eisen zu können, daß bei solchem Tn» eine persönliche„Aufhetzung" gar nicht erfolgt zu sein braucht. Der SiaatSanwait beantragte gegen den bisher un- bestraften Angeklagten wegen Vergehens gegen§ 163 der Gewerbeordnung in Verbindnng mit Körperverletzung und Beleidigung zwei Wochen Geiängniö. Das Gericht war der Meinung, daß der An- geklagte einen„ordentlichen Denkzettel" verdiene und erkannte aus vier Wochen Gefängnis. In der Tapetenfabrik von Flammersheim u. Stemmann in Köln sind die jugendlichen Arbeiter wegen Lohnforderungen in den Ausstand getreten. Sämtliche Beteiligte sind noch nicht sechzehn Jahre alt und daher unorganisiert. Ter liebevolle Pava? Wie unartige Kinder schlagen die„christlichen GeWerk- schasten" und die„katholischen Focho.btcilungen" sich gegen- wärtig herum.„Die Dummen gehören uns!" ruft inai, Hab- gierig auf beiden Seiten und beruft sich dabei nach Art der Kleinen, denen eigene Gründe zu fehlen pflegen, auf das Ur- teil Größerer. In der letzten Zeit hatten die Fachabteilungen das Glück, der katholischen Welt ihre Notwendigkeit in der denkbar eindringlichsten Weise dadurch nahelegen zu können. daß sie sich auf daö Urteil des P a p st e S beriefen. Der„Osservatore Romano" veröffentlicht nun folgende offizielle Note: „In dir deutschet katholischen Presse ist den letzten Tagen eine heftige Polemik über die Frage entstanden, welcher von den beiden Institutionen,„christliche Gewerkschaften" oder„katholische Arbe iter-Fackabteilungen", der Vorzug vor anderen zu geben sei. Da nun einige sich auf die Autorität d cS P a p st e ö be- rufen haben, als ob dieser die Fachabteilungen in, Gegensatz zu den Gewerkschaften gelobt und erinutigt hätte, sind wir er- mächtigt, zu erklären, daß der Papst mit gleichem Wohlwollen die einen wie die andere» lobt und ermutigt, da er sehr wohl weiß, daß die besonderen Bedürfnisse der verschiedenen Diözesen und Provinzen Deutschlands dahin bestimmend wirken können, den Gewerkschaften vor den Fachabtcilungen den Borzug zu geben." Mit anderen Worten:„Ihr seid mir alle gleich liebe Kinderl" Je nach den„besonderen Bedürfnissen der verschiedenen Diözesen und Provinzen Teutschlands" können nun die Ge- werkschaften und die Fachabteilungen sich auf den Segen des Papstes berufen. Tun werden es beide und der Kampf wird heftiger als bisher entbrennen. Wie glücklich stehen die freien Gewerkschaften da, die der Fürsorge eines liebenden Papas enthoben sind und dabei rote Backen und pralle Lenden bekommen!* Bunland. Das Wiedererwachen der„passiven Reflftenz"? Wegen der Entlassung von 13 Wagenrangierenr. die die Eni- fern, mg eines mißliebigen Rangier», eisterS gefordert hatten, sind in Trieft sämtliche Rangierer und Verlader, zusammen 600 Mann, »vieder zur„passiven Resistenz' übergegangen. Bergarbeiterstreik. Die etwa 1000 Mann zählende Belegschaft de» Theresiensck'nchteS der Wittkowitzer Werke i» Polnifch-Osttau ist in den Ausstand getreten, weil ein Arbeiter gemaßregelt ivurde._ Die englischen Wahlen. Er schilderte zunächst die Grundlagen und die geschichtliche Ent- Wickelung des Wahlrechts und des Parlamentarismus in England und wies dabei besonders auf die Wahlrechtsreformen von 1867 und 1884 hin, die eine Folge der großen Volksbewegungen waren. Daö Wahlrecht, bemerkte der Redner unter anderem, werde in England immer noch als ein Privileg aufgefaß,. das aber von den»virl- lichen Grundbesitzern zunächst äuf die HmiSmieter, dann auch auf die Aftermieter, soweit sie mindestens 200 M. JahrcSmiete zahlen, ausgedehnt wnrde. Obwohl England bei 42 Millionen Einivohnern nur 7 Millionen Wähler habe und, wenn man das deutsche Reichs- tagsivablrecht ans England übertragen würde, ungefähr !>/,, Millionen Wähler mehr haben»nißte, könnte die englische Arbeiterschaft doch bei diesem Wahlrecht die ausschlaggebende Partei bilde,». Auch habe die englische Wahlstinime em ganz anderes Gewicht als die deulsche. Während man in Deutschland Abgeordnete ivöhle, die das Volk der Regierung gegenüber vertreten sollren, stimme der englische Wähler für die Partei, die nach seinem Willen regieren solle. Der Redner gab ferner eine Ilebersicht über die Eiinvickelmig der englisctien Parieien und bemerkte unter anderem, daß die Ansichten über Bolksrechle und Soziawolitik in der liberale» und konservativen Partei Englands sich so stark von denen in de» bürgerlichen Parteien TentichlaudS unterscheiden, daß sogar manche englische Konservative sich icheuen würden, einer Partei wie der freisinnigen DentschlandS beizutreten, weil ihnen diese viel zu reaktionär»väre. Nachdem der Redner die Politik der 1895 zur Herrschaft gelominenen konservativen Partei geschildert hatte, g,ng er aus die Bedeutung der gegenioärligen Parlamentswahleii ein und bemerkte unter andere»,, daß die englischen Liberalen, im Gegensatz zu unseren deutschen, klug genug ivarei,. sich zu sagen, daß, wenn sie das Vertrauen der Arbeiierwäbler ein- büßten, ihre Partei überhaupt verloren sei. Ei», Meisterstück der Liberalen sc» es, daß sie den in Arbeiterkreisen allgemein be- liebte» John BurnS in! Ministerium für Gemeindealigelegenheiten beriefen. Das habe zwar die Agitation unserer Genossen erschwert. gleichwohl aber träte zum erstenmal eine sozialistische Fraklion. aus Arbeitern der verschiedensten Berufe bestehend, in das englische Parlament, und dies sei die wichtigste Erscheinung bei diesen Wahlen. Außerdem bedeute aber auch der Sieg der nun mehr als srüher demokratisch gefärbten Liberalen einen Zug nach links. Diese Parlei werde sich genötigt sehen, ihre Versprechungen zu halten oder bei den nächsten Wahlen ihre Macht tvieder einbüßen. Eine Gefahr für die demokratische Politik Englands könne aber erwachse», wen» das Land von onßen bedroht werde, und darum hätte» auch wir in Deutschtand unser Teil dazu beizutragen, daß daS nicht geschähe. Der Redner wies ans die polinichen Fortschritte hin, die sich, wie in England, in verschiedenen anderen Ländern vollziehen. nnd auf den Slillstand in Preußen und im Deutschen Reime. Er schloß mir den Worte», daß die am Sonntag begoimeiie Agitation nicht ruhen dürfe, bis endlich daö Dreiklassenivahlrecht beseitigt sei. — Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Zur Diskussion meldete sich nie», and. Unter Verschiedenem wurde ein Antrag des Genossen Schulz verlesen, der sich dagegen wendet, daß einzelne Gewerkschaften trotz der bekannten Vereinbarungen immer„och Bersammlungen an den für die Partei reservierte» Tagen abhalten. Ans Wunsch deS Antragstellers wurde der Antrag den, Vorstand überwiesen. ZUt2te IVacbnchten und Depefcben. Die Beratung der Hamburger Wahlrechtsvorlagc. Hamburg, 21. Januar.(Privatdcpcscho des„Vorwärts".) In der heutigen Sitzung der Bürgerschaft wurde die Ler- Handlung der Wahlrechtsvorlage fortgesetzt. Saal und Tribünen sehr stark besetzt. Mehrere Senatskommissare find erschienen. Int Rathause befindet sich ein starkes Polizei- aufgebot. Die Straßen bieten das gewöhnliche Bild. Senator Oswald lveist auf die Vorgange am vorigen Mittwoch hin. Tie Urheber der Demonstration haben die volle Verantwortung auf sich geladen für das, was nach- folgte.(Ledhafte Unterbrechungen. Zuruf:' Wahlrechts- räubcr.) Der Senat will eine starke Vertretung der Arbeiter, deshalb möge man die Vorlage annehme».(Heiterkeit.) Er appelliert an Schwankende, der Vorlage zuzustimmen, gerade jetzt nach den Exzessen. Warburg(Rechte), Groß- bankier: Es sei schwer, objektiv zu bleibe» gegenüber einer Partei, die ihre Mitglieder zu Koutraktbruch und Straßen- klindgrbungen verleitet, trotzdem sei er gegen die Vorlage. Redner verlangt andere Bestimmungen. Bcrufsständischo Wahlen seien daö beste. Klassen- und Proportionalwahleu eignen sich nicht für Hamburg, sie seien zu kompliziert. Stolteu(Soz.) weist die Vorwürfe Oswalds energisch zurück. Schuld am Radau sei die Polizei, sie sei taktisch ungeschickt, weil sie die übelberüchtigte Gegend entblößte und Beamte dort postierte, wo sie überflüssig waren. Redner wendet sich scharf gegen die Ausschußphantasien. zerzaust die Staatszwecktheorie und Statistik, die nur berechnet zu dein Zweck, die Bourgeoisie gruselig zu machen. Wie in Hamburg der Wind wehr, zeige das Verbot der Versammlungen der Gegner der Vorlage, auch die Liberale» dürfen nicht tagen, während gestern die Wahlrechtsräuber, so der Reichstags- wahlverein von 1881, tagen durften. Die Arbeiterschaft werde sich ans die Daner nicht russisch behandeln lassen und sich den ihr gebührenden politischen Einfluß zu erkämpfen wissen. Der Redner spricht weiter. Der nächste Redner ist der Hauptmacher der Vorlage. Dr. Mocnckeberg, Bruder des zweiten Bürgermeisters. Textilarbeiterstreik. Bramsche bei Osnabrück, 24. Januar.(Privatdepesche deS„Vor- wärts".) Die Weber und Spulerin»«» einer hiesigen Fabrik haben wegen Differenzen den Streik beschlossen. Die anderen Fabrikr» folgen am Sonnabend.__ Henkersknechte. Petersbiirg, 24. Januar.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Nachrichten aus Livland zufolg« hat ein Teil der dortigen Bevölkerung, eingeschüchtert durch das energische Vorgehen der Truppen, die Waisen niedergelegt und die Führer aus- geliefert. Letzter« werden erschossen. Ein anderer Teil der Bevölkerung flüchtet« in die Wälder. Am 22. Januar wurden in Fettin 45 im kriegsgerichtlichen Verfnhrrn zum Tode verurteilte Personen erschossen._ Neue Angriffe. Riga, 24. Januar.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Gestern abend wurde im Zentrum der Stadt eine Patrouille mit Revolverschüssen angegriffen. Zwei Soldaten wurden verwundet. In der Moskauer Vorstadt wurde«ine Polizei- abteilung, welche einen politischen Gefangenen mit sich führte, an- gegrifsrn. Ter Angriff wurde jedoch zurückgeschlagen. Die An- greiser suchten das Weit«.____ Der Ausstand in Livland. ZKitan, 24. Januar.(Meldung der Petersburger TelvHraphen- Agentur.) Aussländische aus Livland überschritten die Düna und gelangten nach TomSdorf, wo sie die Kasse der Verwaltung beraubten und die amtlichen Schriftstücke verbrannten. Sie zerrissen ferner Bilder des Kaisers, die sie vorfanden und nahmen die Vcrlvaitungs- stunpel mit sich Verantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: VorwärtSBuchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer 6cCo., Berlin Hierzu 3 Bellagen u.UnlerhaliungSblatt Versammlungen. Erster Wahlkreis. Der sozialdemokratische Wahlverein hielt am Dienstag in den Arminballen seine Generalversammlung ab. Dem Vorstandsbericht, den Genosse Strehl gab, ist zu entnehmen, daß die Tätigkeit deS Vereins im letzten Halbjahr haupisächlich der Agitation für die Stadtverordnetenwahlen gewidniet war, die zwar nicht zum Sieg« führten, aber doch von dem mächtigen Fortschritt der Partei Ii» Kreise zeugten. Der Redner erwähnte, daß die Ge- „ossen mit einzelnen Ausnahmen vollauf ihre Pflicht bei der Agitation getan haben, und sprach außerdem den Genossen aus dem sechsten Kreise für ihre tatkräftige Hülfe Dank aus. Sodann wies der Redner auf � die Neugestaltung der Berliner Parteiorganisation hin. die ein besseres Zusammen- wirken möglich mache. Der Vorstand deS Wahlvereins hat fünf Sitzungen abgehalten. Beschwerden sind nicht eingelaufen.— Den Kassenbericht verlas Genosse Bittner. Die Einnahmen betrugen samt dem alten Bestände von 402.88 M. 1679.99 M.; die Ausgaben, darunter 450 M. für Agitation. 798.15 M.: der übriggebliebene Bestand belauft sich also ans 788,84 M. Der Kassierer verlas außerdem die Abrechnung vom Herbstfeste 1904, daS 24 55 M., und vom Herbst» feste 1905. das 57.60 M. � Ueberschuß ergeben hat. Die General- versammlnng erteilte dem Kassierer«instinlinig Decharge. Hierauf fanden die VorstaiidSwahlen statt und zwar mit folgendem Ergebnis: 1. Vorsitzender: Oppel, 2.: WolderSki; 1. Kassierer: Bittner, 2.: Weihnacht: 1. Schriftführer: Strehl, 2.: Winkel; Bei- fitzer: Hahn. Als Revisoren wurden Fischer. Hansen und Strehlow gewählt. Dann hielt Genosse Ed. Bernstein! einen Vortrag über:* i 9r.20. 23. Wrjtij. 1.|lf 11(1� Reichstag. 27. Sitzung vom Mittwoch, den 24. Januar. nachmittags 1 II Hr. Am Bundesratstische: Ein Kommissar. Hiinnchst wird der Antrag Gras Hompesch sZ.) und Genossen betreffend Abänderung des Artikels 32 der Reichs» Verfassung und Genossen betreffend die Freiheit der Re- ligionSübung. Abg. Bachem(F.)' Der erste Teil unseres Antrages wurde schon einmal vom Hause angenommen, und zwar mit großer Mehrheit. Er ist einmal im Juni 1ö02 in dritter Lesung mit lvö gegen 60 Stiminen an- genommen. Der hohe Bundesrat hat beliebt, überhaupt leine Stellung dazu zu nehmen.(Hört! hört I) Augen- blicklich sehe ich einen einsamen Herrn am BundeSratstische. (Heiterkeit.) Ich weiß nicht, ob er Auftrag hat, uns über die Stellung aufzuklären, die der Bundesrat nunmehr einnimmt. (Heiterkeit.) Zeit genug, sich zu dem vom Hause mit so großer Mehrheit angenommenen Antrage zu stellen, hat ja der Bundesrat gehabt.— In Mecklenburg sind, wie wir dankbar anerkennen, in den letzten Zeiten Besserungen in der gesetzlichen Stellung der »atholilen eingetreten; einige ganz kleine Fortschritte sind auch in Braunschweig zu verzeichnen! doch kann man sich hier nicht ent- schließen, mrt dem rntoleranten Geist der engherzigen Gesetzgebung über die katholische Kirche gründlich zubrechen. Die anderen Bundes- stauten, über die wir Klage zu führen hatten, haben sich überhaupt nicht gerührt.(Hört I hört!) Damit werden die wiederlegt, die uns aus unsere Klagen und Beschwerden mit dem Hinweis auf die iandeSgesetzliche Regelung antworteten. Außerdem würde eine solche landesgefetzliche Regelung die Möglichkeiten nicht beseitigen, zu deren Beseitigung wir eben die reichsgesetzliche Ordnung dieser Materie verlangen.(Sehr richtig! im Zentrum.)— Auch in der Praxis sind wenige oder gar keine Fortschritte zu verzeichnen. Namentlich in Braunschweig werden die Katholiken auf das rigoroseste behandelt.— Redner zählt eine Anzahl Fälle auf, die Wolfenbüttel, Borgsdorf, Velpke usw. sich ereignet haben. Bei der Erzählung eines Falles— eS handelt sich um die Verweigerung der Errichtung einer katholischen Schule—7 erschallen Pfuirufe im Zentrum.— Die Entrüstung über die Intoleranz der braunschweigischen Regierung reicht bis tief in lutherische Kreise. In allen Handels- und SchiffabrtSverträgen mit überseeischen Staaten hat das Deutsche Reich gegenseitige voll- ständige Religionsfreiheit ausgemacht; eS sind die Verträge mit San Salvador von 1871, Costa Rica von 1876, mit Tonga von 1876, mit Hawai von 1879, mit San Domingo von 1876, mit Sansibar von 1836, mit Guatemala von 1887, mit Honduras von 1887, mit Kolunibien von 1892, mit Nicaragua von 1896 und mit Japan von 1896.(Heiterkeit). Wenn also katholische Salvadorer, Costaricaner, Tonganer, Hawaesen usw. nach Braunschweig kommen, so haben sie dort vollständige Religionsfreiheit.(Heiterkeit.) Denn Rcichsrecht bricht Landesrecht. Wenn aber katholische Bayer», Preußen usw. nach Braunschweig gehen, wird ihre Religionsübung beschränkt. Aber weiter! Auch die Mohammedaner von Sansibar, die Buddhisten aus Japan, die sich etwa auf der technischen Hoch- schule zu Braunschweig in größerer Zahl aufhalten könnten, würden dort eine größere RellgionSfreiheit genießen, als die Einheimischen! Der vorliegende Entwurf ist wiederholt als ein Wechselbalg bezeichnet worden insofern als der Katholizismus keine religiöse, dogmatische Toleranz kenne. Das ist richtig, für unS hat der Begriff der religiösen Toleranz nur einen Sinn auf st a a t S- bürgerlichem Gebiete.— Man hat die Befürchtung geäußert, daß bei Inkrafttreten unseres Antrages die Ketzerverbrennuugen lvieder ausleben würden.(Heiterkeit im Zentrum.) Nun. die Ketzer- Verbrennungen waren keine Einrichtungen der katholischen Kirche, sondern sie waren ermöglicht durch die damalige staatliche Gesetz- gebung. Uebrigens will ich nicht unerwähnt lassen, daß auch Protestanten vielfach Ketzer verbrannt haben unter ausdrücklicher Billigung der Reformatoren. In der HalögerichtSordnung des protestantischen Kurfürsten Wilhelm von Brandenburg vom Jahre 1582 wurde ausdrücklich bestimmt, daß. wer von der Geistlichkeit als Ketzer bezeichnet wurde, verbrannt werde.(Hört! hört! im Zentrum.— Zuruf bei den Sozialdemokraten: Ist sie schon auf- gehoben?(Große Heiterkeit.)) Wenn man übrigens immer über die Ketzerverbrennungen der spanischen Inquisition her- fällt, so verweise ich nur auf die doch sicher ebenso verwerflichen Hexenverbrennungen in den prote st antischen Ländern. Von solchen Angstgefühlen also soll man sich bei der Beurteilung unseres Antrages nicht leiten lassen. (Graf PosadowSky betritt den Saal.) Eine Kommissions- beramng unseres Antrages halten wir nicht für nötig, da unser An- trag bereits von einer Komnrission dieses selbe» Reichstages ein» gehend durchberaten worden ist. Wir hoffen zuversichtlich, daß der Antrag wie i» der Kommission, so auch in diesem hohen Hause in der zweiten Lesimg mit großer Mehrheit angenommen werden wird. (Lebhaster Beifall un Zentrum.) Abg. Dr. David(Soz.): Wir stimmen wie auch früher ver Vorlage im allgemeinen zu. Auch verkennen wir nicht, daß die Kommissioiisberatiiiig des vorigei, Jahres wesentliche Veibesiernngen zutage gefördert hat, die die Amraasteller nunmehr in ihrem Antrag aufgeiio«»men haben. Diese Verbesieruiigen rühren wohl daher, daß die Herren von der Reckten sich an de» Kounnissionsarbeilen nicht beteiligt haben. Trotzdem haben wir auch jetzt noch schwere Bedenken 1» einzelnen Pmikten. Für uns wird es kaum möglich sein, aus eine Koli»»iisiousberatui>g zu verzichten, wenn nicht unsere Bedenken in dieser Debatte noch vollkommen zerstreut wurden. Eines der wesentlichslen Bedenken haben wir gegen den§ 4, der von der T e i i n a hm e am Religionsunterricht handelt. Die frühere Fassung dieses Paragraphen schloß es nicht auS, daß die Tiifideiilen weilcihin gezwungen werden konnten. ihre Kinder dem ReligiouSnnterricht der Schule zu überantivorten. Die Komniiision hatte diese Bedenken vollkommen zerstreut, indem sie dem K 4 folgende Fassung gab: Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten darf ein Kind nicht zur Teil- „ahme an einem Religio nSuntcrricht oder Gottes- d i e n st angehalten werden. Dieser Fassung konuien wir ohne weiteres zustimmen. Eö war damit das Recht der Dissidenten gewahrt, aber auch aller derjenigen, die formell zwar noch einer Kirche angehören, aber dessen ungeachtet nicht gewillt siird, ihr Kind Ks Lmärls" KM dem Religionsunterricht der Schule zu überweisen. Nun hat das Zentrum in dem jetzigen Antrag die Fassung der Kommission nicht aufrechterhalten.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) ES hat eine neue Fassung gewählt, die unS die größten Bedenken einflößt, weil man ihren Wortlaut miß- brauchen kann. Es heißt jetzt:„Zur Teilnahme an einem Religioiisunlerricht oder Gottesdienst, welcher der religiösen lieber- zeugung der Erziehungsberechtigten nicht entspricht, kann ein Kind gegen de» ausdrücklichen Willen der Erziehungsberechtigten nicht an« gehalten werden." Das würde die Dissidenten wohl schützen, aber nickt die zweite Kategorie, die ich anführte. Man könnte aus dieser Fassimg folgern: Wenn jemand noch nicht f 0 r m e i l das Band mit seiner Kirche gelöst hat, dann ist diese formelle Zugehörig- keit zugleich eine formelle Erklärung, daß er mit dem Religions- uiiterncht seiner Kirche einversiimdeu ist. Einer solchen Auf- sasiiina könnten wir unter keinen Umständen zustimmen. Man kann noch in wesentlichen Punkten auf dem Boden der Kirche stehen und doch der M. inung sein, daß der Religionsunterricht, wie er jetzt in der Schule gelehrt wird eine pädagogische Quälerei für die Kinder ist. Ibsen hat die Wirkung diese» Religionsunterrichts sehr gut charakterisiert in dem Verse: MitSchlägen aufsGehirn betäubt, lernt e S daSKind, bis das eS glaubt. Ferner kommt in Betracht, daß das Kind im Religionsunterricht ganz andere Wahrheilen lernt, als zum Beispiel in der Naturkunde. Es gewöhnt sich so daran, diese Widersprüche neben einander lagern zu lassen, sein Wahrheitsgewissen ist im späteren Leben daher durchaus korrupt und der Mensch gewöhnt sich mit den schreiendste» Widersprüchen einherzulaufen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Es gibt aber doch eine ganze Menge Eltern, die eS in ihrer öffentliche» Stellung als Beamte nicht wage» dürfen, das Band mit der Kirche zu durchschneiden, ohne sich die schwersten wirtschaftlichen Schädigungen zuzuziehen. Warum haben nun die Antragsteller den Kommissionsbeschluß nicht einfach akzeptiert? Das muß doch einen Grund haben, und Sie müssen es uns nicht übel nehmen, wenn wir gerade bei dieser An« gelegenheil Ihnen gegenüber außerordentlich vor- sichtig sind.— Im Zusammenhang damit sieben mehrere Be- denken gegen den§ 12, woiiach religiöse Genossenschaften, Gesell- schaften und Vereine aller Art zu ihrer Gründung. Niederlassung und Tätigkeil innerhalb des Reichsgebietes keiner Genehmigung des Staates oder der politischen Gemeinden bedürfen. Gewiß ver- urteilen auch wir jede Einschränkung der Verein»- und Bewegungs- sreiheit der Religions- und sonstigen Gemeinschaften, soweit sie nicht gegen da» Strafgesetzbuch verstößt. Aber wir müssen fragen: Be- äbsichtigen die Amragansteller mit diesem Paragraphen etwa gewissen religiösen Genossenschaften und Gemeinschaften das Recht der Etablicrung von Privatschulen zuzusprechen, deren Besuch den der öffentlichen Schulen aufhebt, beabsichtigen Sie auf diese Weise Klostcrschiilcn und derartiges auch in Deutschland in größerem Maß- stabe zu errichten? Die Möglichkeit liegt nach der Fassung vor. und wir haben allen Grund zu dem Verdacht, daß Sie(zum Zentrum) daran denken. Deshalb werden Sie es unS nicht übel nehmen können, wenn wir auf diesen Leim nicht gehen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir auch für die Trennung von Kirche und Staat eintreten, so sind wir doch nicht für die Ueberlieferung der Schule an die Kirche, sondern wünschen, daß die Schulen unter der Aussicht des bürgerlichen Staates stehen. Wie berechtigt unsere Bedenken sind, ergibt sich ja auch aus den Vorgängen im preußischen Abgeordurtenhause. Dort suchen Sie(zum Zentrum) in Gemeinschaft mit de» Konservativen und Nationalliberalen die KonfefsiouSschulr al» die allein berechtigte Unterrichtsanstalt zu etabliere» und die Simultanschule auf den Aussterbeetat zu bringen. Da Ihnen dies voraussichtlich gelingen wird, müssen wir um so mehr daran festhalten, daß niemand ge- zwungen Iverden darf, seine Kinder dem Religionsunterricht der Schule zu überantivorten. Eine solche Bestimmung würde immerhin ein bedeutendes Gegengewicht gegen Ihre reaktionäre Schulpolitik im preußischen Landtag bedeuten. Ihr Eintreten für die Konfessionsschule steht mit diesem ganzen Toleranzantrag im schroffen Widerspruch. Die Konsefsiolisschule ist dir Pflanzschule der Julolcraiiz.(Lebhafter Widerspruch im Zentrum. Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Es liegt auf der Hand, daß, wenn man das kleine Kind schon von seinen Altersgenossen trennt, es in allen Wissensgebieten gesondert erzieht und sie alle eintaucht in eine kon- iessionell-religiöse Beleuchtung, daß da ein Geistesleben entstehen muß, welches ein anderes Geistesleben nicht verstehen kann, ihm von vornherein nnßtrauisch und feindselig gegenübersteht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Sie sagen sich jedenfalls: wenn wir schon in die Kinder diese Gegensätze einpflanzen, dann wird eS uns um so leichter, die erwachsenen Menschen nach ihrem konfessionellen Be- kenntuis auseinanderzuhalten, dann wird es uns leichter, christliche Gewerkschaften zu errichten.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Solche Bestrebungen laufen aber auf eine schwere Schädigung der Arbeitersache hinaus, indem sie ihre Kräfte zersplittern. Im Ab- geordnetenhause hat man gesagt: die große Mehrheit des Volke» wolle eine konfessionelle Erziehung.(Sehr richtig l im Ztr.) Wie wollen Sie diese Behauptung beweisen? Im preußischen Land- tag kommt doch die große Mehrheit deS Volkes garnicht zu Worte. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Dort wurde auch be- hauptet, der konfessionelle Unterricht sei notwendig, damit dem Volke die Moral erhallen werde. Die Kriminalstatistik aber weist gerade in Ostpreußen, Schlesien, Posen, wo der Religions- Unterricht ganz in Ihrem Sinne erteilt wird, die hjö ch st e n Prozentsätze der Straffälligen auf. Sie brauchen freilich den kon- sessionellen Unterricht, um dem Volke die Moral einzuprägen, die es nach Ihrem Herze» haben soll, die Untertanenmoral. die eS als GotteSordnuna anerkennt, daß eS in der Welt Herren und Knechte, Arme und Rerche in Ewigkeit gibt. Eine derartige Moral zu be» gründen auf dem Boden einer Religion, die sich nicht in den Dienst einer jeweilig herrschenden Gesellschaft stellt, lvürde Ihnen sehr schwer werdeir. Daher stammt ja der Widerspruch der Konservativen ßegen das Gesetz, die gerade wünschen, daß die Kirche durchaus abhängig von den staatlichen Gewalten bleibt und unter ihrem Einfluß diese Uiiabhängigkeitslehre den breiten Massen de« armen Volkes bei- bringt. Von der welllichen Autorität wird natürlich dieser Stand- Punkt auch geteilt, und daher wird das Verhalten des Bundesrates Ihrem A>>trag gegenüber das gleiche bleiben. Ich muß zugestehen, daß die schweren Bedenken, die wir früher gegen den zweiten Teil dieses Antrages hatten, durch die Um- gestaltung des betteffenden Paragraphen im wesentlichen gehoben werden. Früher war nur den anerkannten Religioiisgemein- schaften die Freiheit der Religionsübnng gestattet, nach der neuen Fassung wird diese Freiheit allen ReliglonSgemeinschaften, deren Lehret' und Satzungen den Rrichsstrafgesetzen nicht zuividerlausen, gewährt. Diese Verbesserung wird dem Antrage wohl die letzten Sympathien auf der rechten Seite des HaufeS genommen haben. Zweifellos wird die Kirche durch ihre Abhängigleit vom Staate durch und durch korrnnipiert. Jeder Versuch einzelner Geistlicher, sich der Unterdrückten anzunehmen, ist stets erstickt worden. Ich begreife es daher, auch vom Stand- Punkt der Geistlichen selbst, daß die Kirche aus dieser Umstrickung durch den Staat hinauszukommen sucht. Aber eS fehlt jede Kraft, jede Energie. Darin, daß man nock nicht verzichten zu köniieii glaubt auf die Hülfe des Staates, zeigt sich die ungeheuere innere Schwäche der Kirche. Sie glaubt nicht an die überzeugende Kraft ihrer Ideen. Es ist das größte Armutszeugnis sslr ven Protestan- tiSiims, daß er sich so dagegen sträubt, der katholischen Kirche Be- wegungSfreiheit zu geben. Dieselben Leute, die singen: Und wenn die Welt voll Teufel war' Und wollt' uns gar verschlingen, So fürchten wir unS nicht so sehr, ES muß uns doch gelingen— DMklstllg. 25. IlMllr 1906. haben die größte Furcht vor den Jesuiten. Aber auch die katholische Kirche verläßt sich nicht allein auf die Kraft ihres Glaubens, und wagt es nicht, sich vom Staate unabhängig zu machen. So lange sie das nicht tut, werden auch immer noch die Briese an die Bischöfe ergehen, wie an den Erzbischos Florian von StableivSki, daß sie den praktischen Interessen der herrschenden Gesellschaft zu dienen hätte. Wenn Sie wirklich Unabhängigkeit dem Staate gegenüber wollten, müßten Sie das Tischtuch zwischen ihm und der Kirche ganz durchschneiden. Das Wort von der privaten und staatsrechtlichen Toleranz ist wieder hin und her geworfen worden, aber trotz Herrn Bachem bin ich mir nicht klar darüber geworden, wo die dogmatische Toleranz aushört und die staatliche anfängt. Wir haben keinerlei Garantie, daß nicht auch die Katholiken die Staatsautoritäl in Anspruch nehmen, um auf feindliche religiöse oder andere Weltanschauungen einen Druck auszuüben. Tntsache ist ja. daß das Zentrum den§ 166 des Strafgesetzbuches — Gotteslästerung— aufrecht erhält. Herr Bachem schwor nun, Sie dächten nicht mehr an Ketzerverbrennung. Dagegen würden wir uns auch zu wehren wissen. Aber aus sich selbst heraus ist die Kirche nicht zum Verzicht aus die Ketzerverbrennung gekommen, sondern durch die wellliche, von Ihnen so sehr geschmähte Forschung und Wissenschaft.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Dann aber hat das Zentrum- anläßlich der Umsturzvorlage einen Autrag zu ß 130 gestellt, wonach zu Gefängnis bis zu zwei Jahre» verurteilt werden sollte, wer öffentlich oder vor mehreren das Dasein Gottes oder die Unsterblichkeit der Seele leugnet.(Hört! hört! links. Unruhe im Zentrum.) Das heißt, wenn auch nickt die Ketzer verbrenne», so sie doch entsäßlich quälen, gesundheitlich schädigen und ihre Existenz zertrümmern wollen. Wenn die staatliche Toleranz auch derartige Maßregeln zuläßt, so ist es die schlimmste Intoleranz.(Sehr gut! links.) Schließlich wird im Arbeiter- kateckismus der Jesuiten Hammerstein und Kathrein gefordert, daß der Staat die Verbreitung der atheistischen Grundsätze bestrafe, nicht nur wen» sie von Sozialdemokraten, sondern auch wenn sie von liberalen Redakteuren oder ungläubigen Professoren aus dem Katheder ausgeht.(Hört! hört! linkst Zuruf im Zentrum: Privatarbeit!) Aber der Antrag Ihrer Fraktion zur Umsturzvorlage war doch wohl nicht Privatarbeit. Und wenn eine Broschüre, die Ihre Parteipresse verbreitet, Ihren Grundsätzen der staatlichen Toleranz widerspricht. so müßten Sie doch sie öffentlich dementieren und verleugnen. Ich erwarte ja auch, daß das geschieht.(Heiterkeit.) Wir wollen der freien Bewegung der Geister keinerlei Schranken setzen und fürchten uns auch vor den Jesuiten nicht, weil wir auch gegen sie unsere guten Waffen im Geisteskampf und im Wirtschaft- lichen Kampf haben. Ich hatte bei der vorjährigen Beratung de? Gesetzentwurfs die Hoffnung ausgesprochen, daß das Zentrum diese unsere gerechte und neutrale Stellung nun auch anerkennen werde. Aber schlimmere Verdächtigungen als je sind de» damaliaen Verhandlungen auf dem Fuße gefolgt. So schrieb oas „Mainzer Journal", daß die Sozialdemokratie die Religion ver- tilgen wolle und auf religiösem Gebiet den Atheismus erstrebe. Sie berief sich auf eine Erklärung Bebels aus dem Jahre 1831. Ich könnte dem entgegenhalten, daß der offizielle Standpunkt der Partei unter Zustimmung Bebels im Erfurter Programm: Religion ist Privatsache, festgelegt sei und die religiöse Anschauung des ein- zelnen die Partei uicht tangiere. Aber ich kann mich auf Bebel selbst berufen, der doch in der jüngsten Religlonsdebatte in der Partei auf dem Münchener Parteitage 1902 ausführte:»Jeder Parteigenosse mag glauben was er will. Er mag privatim katho- lischer Christ. Materialist oder Atheist sein, in der Partei geht das keinen Menschen etwas an. Wir lvollen den Staat als rem weltlichen Staat und die Religionsgesellschaften als reine Privat- gesellschasten. Aber in den religiösen Glaubensfragen haben wir Neutralität und nichts als Neutralität zu beobachten." (Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Im Interesse eines ehrlrchen GcisteSkampfe» wäre es wünschenswert, wenn das Zentrum diesen unseren Standpunkt endlich richtig wiedergäbe und nach dem Gebot handelte: Du sollst nicht falsch ZeugniS reden iv i d e r d e i n e n Nächsten. Wenn es sich daran ge- wöhnte, den rein geistigen Kampf, den wir im Vertrauen auf die Klarheit der wissenschaftlichen Forschung und die hohe Gerechtigkeit unserer wirtschaftlichen Forderungen zu führen bereit sind, uns nicht ständig mit Verleumdungen und Unwahrheiten an den Hals zu springen, so wäre daS ein kleiner Erfolg des Toleranz- antrageS, denn einen anderen Erfolg wird er wohl nicht haben. DaS liegt zum Teil an der ablehnenden Haftung des Bundesrats und der Konservativen, hauptsächlich aber am Zentrum selbst. Sie denken gar nicht daran, um bei einem so wichtigen Pnnkte den Volkswillen durchzusetzen, von ihrer parlamentarischen Macht Gebrauch zu machen.(Lachen und Wider- spruch im Zentrum.) Verweigern Sie doch einmal der Regierung das Budget oder den Hauptschuldigen Ministem das Gehalt.(Lachen im Zentrum). Ja, eS ist Ihnen eben nicht voller Emst mit der Durchkämpftmg Ihrer Grundsätze.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Sie wollen mit der Regiemng nicht brechen, weil daS gute VerhälttiiS zu ihr gar manche schönen und guten Dinge einbringt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten. Wider- spruch im Zentrum). DaS ist das innere Verhältnis dieses An- trageS. Dw einzigen, die nicht schuld daran sind, daß er nicht durchgesetzt wird, sind wir Sozialdemokraten. Gehen Si» nur auf unsere Vorschläge ein, und Sie haben den Erfolg in der Hand. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Graf PosadowSky: ES ist verschiedentlich bedauert worden, daß der Bundesrat bisher noch keine Erklärung über seine Stellung zu dem Reichstagsbeschluß vom 21. Juni 1906, dem so- genannten Toleranzantrag, abgegeben hat. Auf die Erwartungen, die sich daran geknüpft haben, daß im letzten Nachweis der Bundesratsentschließungen ein Beschluß über diesen Antrag nicht enthaften ist, muß ich erklären: Von dem Antrag des Abgeordneten Lieber-Montabaur betreffend die Religionsfreiheit der Reichs- augehörigen und die Freiheit der Religionsgemeinschaften wurde nach der Kommissionsberatung der zlveite Teil,§§ 5 bis 10, zurückgezogen. der andere in acht Paragraphen mit 103 gegen 60 Stimmen auch im Plenum angenommen. In dem Nachweis der BiindeSratsbeschlüsie von, Januar 1904 war die Erklärung abgegeben, daß der Bundesrat sich bis dahin über diesen Antrag noch nicht schlüssig geworden war.— Inzwischen ivnrde im Jahre 1903 der neue Reichstag gewählt und der Antrag Lieber in seinen beiden Teilen wieder eingebracht. Der erste Teil,§§ 1—8, wurde in der Komniisfion wiederum angenommen, KZ 9—14 wesent- lich verändert, aber gleichfalls votiert. Im Plenum gelangten die Kommissionsbeschlüsle infolge des Sessionsschlusses nicht mehr zur Verabschiedung.— Jetzt in der laufenden Session sind die Kom- missionSbeschlusse— nur unter Abänderung des K 4— als Antrag Graf Hompesch dem Haust wieder vorgelegt worden. AuS dieser Geschichte des ToleranzantrageS geht unzweifelhaft hervor, daß sich feit der Beratung des ersten Antrages Lieber die Auffassung der Antragsteller, der Kommisston und oeö Hauses geändert hat. Nun war sich bis zum Januar 1904 der Bundesrat über den ersten Antrag Lieber noch nicht schlüssig geworden. Formell lag nach der bisherigen Praxis de» Bundesrats keinerlei Ver- aiilasiung vor, eine neue Erklärung abzugeben, solange sich nicht elwaS an der im letzen Nachweise bekundeten Stellungnahme ge- ändert hat. Aber auch materiell sind wir doch in einer schwierigen Lage. Solle» wir noch jetzt über eine» Antrag deS vorigen Reichstages Beschluß fassen, nachdem der Reichstag seine» damaligen Antrag wesentlich verändert hat? Der Bundesrat hat also weder sachlich noch fonnell Anlaß gehabt, sich in dem letzten Nachweise über seine Stellung zu dem Toleranzantrag zu äußern. Nur bitte ich Sie, daraus keineswegs zu folgern, daß der Bundesrat die Sache aus den Augen gelassen hat und nicht etwa doch noch nachträglich zu einem Ent- schlich gelangt. Ich Hove diese Ausführungen nur gemacht, um Ihnen die Ueber�eugung beizubringen, daß hier kein Versehen des Bundesrats und keine Veruachlässigung der ReichStagsbeschlüsse vor- liegt, sondern der Bundesrat nur nach seiner bisherigen Geschäfts- ordnung verfahren ist.(Bravo! rechts.) Abg. Hcyl v. Herrnsheim(natl.): Der Abg. Dr. David hat sich in seiner Rede nicht nur gegen den staatlichen Religionsunterricht, sondern gegen den christliche» Religionsunterricht schlechthin gewandt, indem er ihn als im Widerspruch init den Ergebnissen der modernen Naturwissenschaften stehend schilderte. Die logische Folgerung solcher Ausführungen ist. daß die kirchlichen Gcnieinschaften, einerlei ob katholisch oder protestantisch, keine Stelle in einem sozialdemokrati- scheu Staatswesen finden könnten.(Lachen und Widerspruch b. d. Soz.) Die Uurerstiitznng, die die Sozialdemokraten dem Ieutrumsautrag zu teil werden lagen, muß also vom Zentrum selbst als wertlos angesehen werde». Meine Fraktion ist für Beseitigung aller be- stehenden Härten: diesen Antrag aber lehne» wir ab und ivir werden auch gegen eine KonnnissionSberatung stünmen.(Beifall bei den Nationnlliberalen lind rechts.) Abg. Hcmiing(k.) polemisiert zunächst gegen den Abg. David. Unsere Bolksichule steht unvergleichlich hoch da.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wir alle kennen das Wort von dem Schulmeister. der die Schlacht bei Sadowa gewonnen bat.(Die weiteren Ans- führnngen des Redners bleiben zum großen Teil auf der Tribüne unverständlich.) Die Antragsteller sollten doch bedenken und aus den Ausführungen des Dr. David aufs neue lernen, daß der Staat und die christlichen Kirchen ein gemeinsanreS Interesse haben, gegen die negativen, zerstörenden Kräfte zusammenzuhalten und die heiligsten Güter zu verteidigen. Der Amrag des Zentrums macht den Austritt aus den Landeskirchen. außerordentlich leicht. Diesen Stoß könnte unsere Kirche nicht ertragen.(Hört! hört! links.) Abg. Dr. Miillcr-Meiningeil(frs. Vp.): Ich habe zunächst eine kurze Erklärung meiner Fraktion abzugeben. Meine politischen Freunde stehen dem ersten Teile des Antrages im allgemeinen sympathisch gegenüber; sie behalten sich aber vor, im Laufe der zweiten Lasung einige Aenderungen zu beantragen. Wir lehnen dagegen einmütig den zweiten Teil der Vorlage ab. Abg. Bachem hat gewiß mit Recht die Politik kleinlicher Nadelstiche gegen die 5katholiken gegeißelt. Aber das Zentrum steht auf dem Boden einer höchst intoleranten Weltanschauung, wie von den verschicdeusten Seiten durch unwiderli�liche Tatsachen nachgewiesen worden ist. Ich achte durchaus jede religiöse Meinung! ich bin auch weit davon entfernt, zu bestreiten, daß auch auf protestantischer Seite die ärgsten Fälle von Unduldsamkeit vorkommen. Aber ist es niwt eine merkwürdige Art von Toleranz, wenn Zentrumsblätter Erdbeben mit un« bequemen Wahlergebnisse», Todesfälle von polilischen Gegnern mit deren politischer Stellmig in Zusammenhang bringen?(Sehr richtig! links. Unruhe im Zentrum. Zuruf des Abg. Oset: So etwas kommt auch auf protestantischer Seite vor!) Das habe ich nie be- stritte», Herr Kollege; vielmehr eben erst ausdrücklich hervorgehoben, daß Intoleranz auch aus protestantischer Seite vorkomnit und dort natürlich ebenso zu verurteilen ist. Aber dadurch werden jci»e Proben von Zentrnmsintoleranz um kein Haar besser. Ist etwa die gewerbsmäßige Hetze gegen liberale, ja, über- Haupt alle Nicht'-Zentrumsblntter ein Zeichen von Toleranz? Der Pfarrer Oskar Witz im Hechingenschen hat sogar das Austragen des unparteiischen Amtsblattes für ein? Sünde erklärt.(Hört! hört! links. Lärm iiü Ztr.) In Elsaß-Lothringe» erklärte ein Pfarrer: wer einen katholischen Geistlichen vor ein weltlichesGericht zieht, begeht eine Todsünde und verfällt dem Kirchenbann.(Hört! hört! links.)— In Baden hat ein Pfarrer wegen AuStragens eines liberalen Blattes die Kommunion verweigert. Gegen diesen Pfarrer ist man allerdings auch von kirchlicher Seite vorgegangen: er hatte die Sache auch gar zu dunmi angefangen.(Große Hciierk.) Ebenfalls wurde dein Austräger der„Wormser Volks- eitung" die Kommunion verweigert. lHört! hört!) orgen Sie(zum Zentrum) dafür, daß in Zukunft ein solcher erbärmlicher Gesinnuiigsdruck unterbleibt. Sie sind sich das selbst schuldig, wenn Sie hier einen Toleranzantrag einbringen. Redner verliest einige Kraftstellen aus dem Erbauungsbuche eines Paters P i t s ch n a u. Gemischte Ehen werden als„tierisch-politische Gc- schlechtsvereinignngcn"(Große Heiterkeit) bezeichnet. Die Zivilehe wird das Werl des Satans, des Mörders von Anbeginn, genannt. Eine schlimmere Verächtlichmachung von StaatSeinrichtungen ist kaum denkbar; ich möchte keiner Partei der Linken raten, eine derartige Sprache gegen eine Staatsinstitution zu führen, da würde der Staatsanwalt flugs zur Stelle sein. Die Herren vom Zentrum sollten doch erst einmal ihre bürgerliche Toleranz beweisen, ehe man sich auf ihre Anträge einlassen kann. So, wie Sie eS machen, macht mau Würste, aber keine Gesetz- entwürfe. Wenn die Kirche den Staat so liebt, wie Herr Bachem sagte, dann wäre es doppelt Zeit, daß diese Ehe zwischen Kirche und Staat sofort geschieden wird, denn sonst wird die Kirche den Staat völlig bestricken.(Heiterkeit links.) Gerade in einer Zeit, in der das Schulwesen des größten deutschen Staates dem krassesten Konfessionalismus ausgeliesert wird, kann ich Sie nur bitten, doppelt vorsichtig zu sein. Lehnen Sie den zweiten Teil des Entwurfes möglichst schnell ab. Wir können nicht flir die Zeutrumstoleranz stimme», wir sind für allgemeine Toleranz und allgemeine Freiheit. (Lebhafter Beifall links.) Abg. v. Kardorff(Rp.j: Die bisherige Diskussion hat gezeigt, wie recht diejenigen Evangelischen gehabt haben, welche infolge dieses Antrage» eine allgemeine Aufregung aller Landeskirchen fürchten. Wir werden den Antrag einfach ablehnen.(Beifall bei der Reichspartei.) Abg, Schräder(frs. Vg.); Die vielen kleinen Quälereien gegen Katholiken, ivie sie namentlich auch in meinem engeren Vatcrlande Braunschweig vorkommen, sind natürlich von jedem liberalen Manne aufs schärfste zu verurteilen. Ihr Antrag geht aber nicht auf allgemeine Religionsfreiheit, sondern ist ein Gesetzentwurf zur Verbesserung der Stellung der katholischen Kirche in Deutschland.(Sehr richtig l links und rechts.) Wenn Sie Ihre Sätze allgemeiner ausdrücken, so liegt das nur daran, daß Sie gern auch andere Leute auf Ihrer Seite haben. Aber wenn der Entwurf Gesetz werden sollte, werden Sie dies ausschließlich zur Stärkung der katholischen Kirche anwenden. Schneidet man diese Materie einmal an, so soll man gründliche Arbeit machen und Staat und Kirche vollständig, auch finanziell trennen.(Hört I hört! rechts. Beifall links.) Aber wir wollen nilvt so radikal vorgehen uud den bestehenden Zustand abschaffen, ehe man eine neue bessere Grundlage geschaffen hat. Das läßt sich so ein» fach aber nicht machen. Niemand in diesem hohen Hause be- sitzt die Kenntnisse, um alle Wirkungen solcher Bestimmungen, wie sie der zweite Teil des Antrages enthält, vorauszusehen. Deshalb müsse» wir diesen zweite» Teil ablehnen. Ich rate den Herren vom Zentrum, ihn vorläufig überhaupt zurückzuziehen und zu anderer Zeit und in anderer Form wiederzubringen.(Beifall links.) Abg. Blumrnthal(südd. Vp.): Der vorliegende Entwurf enthält neben ausgezeichneten Bestimmungen auch solche Anreguugen. die erst für später in Betracht kommen können. Ich begrüße die allerdings noch verschämt, aber zweifellos darin ausgedrückte Idee, daß die vollständige Trenninig von Kirche und Staat das letzte Ziel der staatskirchlichen Entioickeluug ist. Ich danke dem Zentrum, welches zweifellos nicht auf diesem Stand- punkte steht, daß es hier eine sehr beherzigenswerte Anleitung gegeben hat, wie wir es später einmal machen können.(Heiterkeil links, Unruhe im Zentrum.)� Ich sehe in dem Zentrunisantrag nichts Staatsgefährliches. Wir können unsere Stellung zu ihm nicht von der Beäntivortung der Frage abhängig machen, ob die katholische Kirche, sollte sie einmal wieder mächtig werden, wieder Ketzer verbrennen wird oder nicht.(Heiterkeil links.) Es kann das übrigens auch eine wirtschaftliche Frage werden, den» bei der Masscnhafligkeit der Ketzer und den teuere» Preisen für Brennmaterialien mag die Ketzerverbrennung auf technische Schwierigkeiten stoßen.(Stürmische Heiterkeit.) Man hat dem Zentrum schon den_ Gvttcslästerungsparagraphen vorgehalten. Es mag einem Atheisten allerdings sehr problematisch vor- kommen, wie er jemand, von dessen Existenz er überhaupt nicht überzeugt ist, lästern könne.(Sehr wahr I und Heiterkeit links!) Aber der Staat hat sich immerhin schon einen Borteil vor der Kirche ge- sichert, denn die Majestätsbeleidigung wird schärfer bestraft als die Gotteslästerung.(Schallende Heiterkeil! links.) Abg. Bachem bat von dem„sogenannten Inloleranzanirag" ge- sprachen. Das ist das beste Wort in seiner Rede.(Große Heiterkeit!) Ich würde den Entwurf nennen: Gesetz betreffend die Neuregelung des slaatSkirrblichen Konzessioiiswesens.(Sehr richtig! und Heiterkeit links.) Sehen Sie die älteste Tochter der katholischen Kirche an l Da bat man erkannt, daß am Schluß der Entwickcliing Trennung von Kirche »nd Staat erfolgen muß und hat schließlich den Weg gesunden. Die Franzosen haben uns das voraus, daß sie nicht Jnhrbimderte zu grübeln pflegen, sondern auch in die Tat alles umsetzen Damit sind sie uns um ein bedeutendes Stück vornnsgegaiigen. Wir Iverden auch dahin kommen, wenn das Zeiimun jetzt schon darin vorausgeht.(Heiterkeit.) Ich stimme dem Antrag zu. soweit er freie Religiousübung fordert. Für die elastische» Bestimmungen der §§ 9 und 11 kann ich aber nicht stimmen. Was heißt denn freie Religiousübung? Da könnte ja ein Baplislenverei» öffentlich tmifen wollen.(Heiterkeit.) Wie toll denn da cnffchieden werden? Denke» Sie doch an Leo Taxil und M>ß W mg hau(Heiterkeit), die sich viel schlimmer als die armen Leute haben hineinlegen lassen.(Bei- fall links) Hierauf vertagt sich das Hans. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Dr. David(Soz): Abg. Frhr. v. Hehl hat ans meinen Ausführungen herausgehört, daß wir. wenn wir die Macht hätten. den Religionsunterricht verbieten würden. Zu dieser Unterstellung habe ich' ihm nicht den geringsten Grund gegeben. Ich habe mich nur dagegen gewandt, daß mau Eltern zwingt, ihre Kinder dem Religionsmiterricht der öffentlichen Schulen zu überweisen. Abg. Freiherr Hehl zu Herrnsheim(natl.): Ich habe lediglich behauptet, daß aus seiner Kritik des christlichen RcligiouSimterrichtes der Herr Abg. David mit Nouveiidigkeit dazu gelangen niüßie, ün Zilkuiiftsstaate den christlichen Religionsimterricht aus erzieherischen Gründen zu verbieten. Abg. Dr. David(Soz.): Ich habe nicht von christlichem Religions- Unterricht im allgemeinen, sondern von dem christlichen Unterricht, der heute in gewissen Schulen erteilt wird, gesprochen und für die Eltern das Recht verlangt, von diesem Religionsunterricht, wenn sie ihn nicht billigen, ihre Kinder fernzuhalten. Alles andere ist eine Unterstellung. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr. Tagesordnung: 1. Schleuniger Antrag Alb recht(S.) auf Einstelliing eines Strafverfahrens gegen den Abg. Legien. 2. Dritte Lesung des Entivnrfs über die Statistik des Warenverkehrs. 3. Forlsetzung der Beratung der Maß- und Ge- wichtsordnuiig. 4. Erste Lesung des Urheberrechts an Werken der Photographie und der bildende» Künste. 6. Novelle zur Gewerde- ordnung(BrfäbiguttgSuachiveis für das Baugewerbe) u. a. m. Schluß 6'/« Uhr. parlamentarifckes. Dir Budgctkommission deS Reichstages führte gestern die Beratung über den Gesetzentlvurf betreffend den Reichs- I n v a l i d e ii f o n d S zu Ende, und erledigte im Anschluß daran den Etat dieses Fonds sowie den Etat des Allgemeinen Pensions- sondS und deS ReichsschayamteS. Der Abg. Erzberger wieder- holte seine vorgestrige Anregung, den Kriegsschatz im Juliusturm anfzilheben, was umso leichter sein werde, weil ja jetzt eine Aenderung im Wesen der Reichskassenickeine vorgenommen werde, für die der Scbatz im Juliusturm eine Art Sicherheit biete, wenn das auch geietzlich nicht ausgesprochen sei. Schatzsekretär v. Stengel sagte eine Erloägung der Anregung z». glaubt aber nicht, daß das Ergebnis im Sinne des Abg. Erzberger ausfallen werde. Weiter teilte der Reichsschatzsekrctär mit, daß beabsichtigt sei. dem Reichstage eine Vorlage zu unterbreiten, die die Einziehung der 29- und öv Mark- Scheine und die Ausgabe von 5- und 10 Mark- Scheiiieu in genügender Zahl bezivecke.— Abg. Dr. Arendt hofft, daß eine W e h r st e u e r zur Eiusührnng gelange, deren Erträgnis dem Reichs- Jnvalidenfouds zugeführt werden kann.— Es sei hier bemerkt, daß nach Angabe der Regierung der ReichS-Jnvalideufouds infolge der Inanspruchnahme durch Pcusioiien und Beihiilfen, die im Grunde genommen gar nicht auS diesem Fonds zu decken sind, arg zusamineiigeschmolzcn ist. Der Fonds war ursprünglich mit 561 Millionen Mark dotiert, ist gegenwärtig auf 137 Millionen Mark zusamniengeschinolzen, so daß er ohne gesetzgeberisches Ein- greisen in, Jahre lglll erschöpft sein würde. Der Rrgierungsentwurf verlangt deshalb, daß die Bezieher von Unterstützungen bezw. Bei- hülfen»nd Pensionen aus diesem Fonds beschränkt werden auf: a) Invaliden, die durch ihre Teilnahme am Kriege l87v in ihrer Eriverbsfähigkeit beschränkt worden sind; b> Beihiilfen an Hinter- bliebene im Kriege Gefallener, oder infolge Krieasbeschädigung Ver- starbener. Alle anderen Ansprüche und Beihiilfen sollen aus dem Etat befriedigt bezw. gewährt werden. Unterstantssekreiär T w e l e gab bekannt, daß im Jahre 1905 etivas über 14 Millionen Mark für Beihülfen zur Verfügung standen, die 1!6 666 Veteranen zugute kamen. Am 1. Januar 1906 werden jedoch 3664 Vetcraiien vor- Händen sein, deren Berechtigung zum Bezug der Bei- hülsen a n e r k a» u t sei. die aber nichts erhalten können, weil keine Mittel zur Berfiiiinng stehen. Bis zum 31. März l. I. werden laut Schätzung der Bundes- regiermigen etwa 10 000 Veteranen vorhanden sein, die wegen Mangel an Mitteln keine Bei hülfe erhalten. In' den Etat für 1906 sind deshalb 16.6 Millionen Mark ftür Veteranen ein- gestellt, eine Summe, die für 133 000 Veteranen ausreichen werde. Abg. Erzberger regte an, die Regierung möge durch einen Nachtragsetat den Veteranen zu Hülfe komme», die jetzt nichts er- dalren. In vielen Petitionen werde eine Art Ehrensold für alle Veteranen ohne Rücksicht auf Stellung und Vermögen gefordert. Demgegenüber müsse erklärt werden, daß der Reichstag nie- inals einem Ehrensold seine Zustimmung geben werde. Schatz- sekretär v. S t e n g e l ist persönlich flir einen Nachlragsetal. der aber erst der Zustimmung des Bundesrats bedürfe. Abg. Singer konstatiert mit Geiiugtliuag. daß seit Jahressrist die Klagen von Veteranen, die mit dem Anspruch auf Gewährung von Beihülfen abgeiviesen worden sind, sich stark vermindert haben. Hier habe sich der Reichsschatzsekretär ein Verdienst erworben durch die Verordnung. den Veteranen in weitgehender Weise emgegeiiz» kommen. Er (Redner) freue sich, daß Herr v. Stengel sich darin sehr vorteilhaft von seinem Amtsvorgänger unterscheide. Von der Gewährung eines EhrensoldS könne natürlich keine Rede sein. Schatzsekretär v. Stengel gibt kurz den Inhalt der vom Abg. Singer lobend erwähnten Ver- ordnung bekannt, in der ausdrücklich bcftuniilt wird, daß das p o li ti sch e Verhalten eines Gcsiichstellcrs auf keinen Fall ein Hindernis für die Gewährung der Rente bilden dürfe. Redner betonte auch, daß die vorjährige Debatte im Reichstag über das Vcrsahren bei der Gewährung von BeibiUscn wei entlich zu der Aenderung beigetragen habe. Die Koiimiission stimmte den, Gesetzentwurf zu, genehmigte die erwähnte» Etats»nd nahm einstimmig eine Resolution des Grafen O r i o l a an, die die Regierung ans- fordert, durch einen Nachtragsetat die Snmmen zu fordern, die not- wendig sind, um allen anspruchsberechtigten Veteranen die Beihülfe von 120 Mark pro Jahr geben zu können.— Heute: Beratung der Aftikabah» nach den Maiiengubabergen. In der Finanzreforinkommisfii»! ivurde gestern die Debatte über den§ 3a der Vorlage zu Ende geführt. Die dreistündige Diskussion drehte sich fast ausschließlich um die in der vorhergehenden Sitzung von Büsing benutzten statistischen Tabelle» über den horrende» Verdienst der norddeutschen Gastivirte gegenüber den süddeinschen. Sowohl die Redner der Freisinnigen, Lenz mann und Dr. Müller- Sagau, wie auch unsere Genossen Znbeil, Nitschte, Stolle und S ü d e k u m bestritleit die Richtigkeit der mitgeteilten Zahlen namentlich mit Bezug auf die Spannung zwischen den Gante- und den Ausschankpreisen, die sich nach jenen Tabellen in Norddeulschlanh zwischen 40—60 Mark, in Bayern aber nur zwischen 6—7 Mark betragen soll, woran Büsing dann die Bemerkung kurz geknüpft hatte: Wenn die bayrischen Schankwirte mit einem so geringen Verdienst auskommen, müßten es auch die norddeuischen. Sehr energisch ivurde verlaugt, daß diese statistischeu Nachiveffe, die Büsing vom Reichsschatzamt zur Verfügung gestellt waren, sämtlichen Kominissionsmitgliedern zngäugig gemacht werden, mit genauer Angabe, wie sie zustande gekommen, msbcsondere auf Grund welcher Erhebungen das Material gesammelt worden ist. Aus dem Um- stände, daß dies noch nicht geschehen, trotzdem das Verlangen danach schon in der vorigen Sitzung allgemein geäußert worden ist. �ogeu sämtliche Redner die Schlußfolgerung, daß die Veröffentlichung der Regierung unbequem zu sein scheine. Verstärkt tvnrde diese Annahme durch die ge- winideiie Erklärung des Direktors im Reichsschatzamt Kühn, daß jenes Material bei Ausarbeiiimg der Vorlage noch nicht vorgelegen nnd die Bercchiiuugeii unabbängig von diesen Zahlen stnltgesmiden haben. Sebr ausführlich schilderte nanieivlich Znbeil die uu- günstigen Berhäliiiisse im Gastivirtsgewerbe in Berlin und der Provinz Brandenburg soivie die Abbäugigkeit der überwiegenden Mehrzahl der Wirte von den Brauereien. Sämtliche ge- naimten Redner zogen auch das Konzeisionswesen in den Bereich ihrer Erörterungen. Sie wiien nach, daß die Äonzessioliserleilung vielfach abhäna'g gemacht werde von der politischen Gesinnung oder Paneizngehörig- kcit des darum Nachsucheiidcu und daß die Behörden weniger Gerechtigkeit»nd Billigkeit als Willkür walten lasten. Nichl allein von den sozialdeinokratiichen und kreisiiinige» Rednern, sondern auch von dem Antisemiten Raab wiirde die Vorlage als eine Extra- geiverbestener tür Brauereien»nd Wirte oder eine Ko»iuiii>teuer be- zeichnet, die unter keinen Umständen angenommen werden töante. Zu einem scharre» Zusammenstoß lam es zwischen den Frei- sinnigen und dem ReichSschayiekreiär v. Stengel, weil dieser in einer Erwiderung ans Lenziiianils Hinweis, da» die Vorlage mit dem K 6 des FlottnigesetzeS in striktem Widerspruch stehe und des- halb abgelehnt werden müsse, die Meiiiiing kund gab eine Panei, die das ganze Flotteugesetz von 1900 abgelebnt haöe. nichl berechtigt sei, sich auf den 8 6 dieses Gesetzes zu berufeu. Dr. Müller- Sagau, der es sich verbal, daß sich der Schatzsekretär so etwas „herausnimmt', wurde vom Vorsitzenden dahin belehrt, daß ein solcher Ausdruck dein Schatz'ekretär gegenüber nicht zulässig sei. Darauf lenkte der freisinnige Redner ein-und versicherte, daß er und seine Partei so wie bisher stets bereit sei» würde,„die Konsequenzen zn ziehen' und sich„auf den Boden der vollendeten Talsachen' zu stellen. Der Vorsitzende suchte mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln die Bceiidiguug der Debatte herbciziifübren. um in dieser Sitzung noch die Abstimmung vornebmen zu können. Ans den Einwand, daß die Abstimmung unmöglich vor dem Eingange des vom Direktor Kühn veriprocheiien statistijchen Materials, das die Grundlage der bentigen Diskussion gebildet hatte, stattfinden könne, erfolgte das Versprechen, daß es so schnell wie irgend möglich, jedensallS vor Beginn der zweiten Lesung verteilt werden würde. Nunmehr kam es zur Abstinlinung. Der Antrag Dr. Müller-Lenzmann: Ablehnung der ganzen Vorlage, wurde gegen 9 Slimmen abgelehnt. Dafür stimmten die Sozialdemokraten, die Freisinnigen und der Pole. Raab, der für Ablehnung plädiert halte, stimmte dagegen. Dasselbe Resultat er- gab die Abstimmung über den Antrag derselben Antragsteller auf Ablehnung des 8 8a der Vorlage mitsamt den dazu geltelllen Ab» änderuiigsailträgen Reltig(kons.) und Speck(Z.). Der 8 3» der Regierungsvorlage wurde einstimmig abgelehnt. Nach Zurückziehung deS Antrages der Konservativen wurde der Anttag des Zentrums zu 8 8a mit 16 gegen 11 Stimmen angenommen. Dafür stimmten das Zentrum, die Konservativen und die Nationalliberalen. Heute begiiuit die Beratung über den§ 1 der Vorlage. Wahlprüfinigskommission. Die Kommisston befaßte sich in ihrer ersten ArbeitSsiyung mir der Neuvrüsung der durch den schnellen Schluß der vorigen Session im Plenum nicht zur Verhandlung ge» langten, aber in der Kommission bis zur Berichterstattung erledigten Wahlen. Die Neuprüfung ergab die Anerkennung der Beschlüsie der Kommission aus der vorigen Session. Danach wurden die Bericht» festgestellt für die folgenden Wahlen: Prü schenk v. Lindenhofen(konservativ. Wahlkreis Torgan-Liebenwerda, Reg.-Bez. Merseburg). Bei der Haupiwahl er- hielt derselbe 7298 Stimmen, der Sozialdemokrat Räude 6027, Dr. Bernstein(frcis.) 4963. Eine Reihe von Verstößen: Verteilung konservativer Stinunzettel in den Wahllokalen. Konttollierung der Wäbler, Stimmzettelverbreitung durch Amtspersonen sowie das Fehlen von Jsolierräumen veranlaßten die Kommission, die Wahl zu beanstanden und zu beanttagen. daß Beweiserhebungen über die behaupteten Verstöße angestellt werden, weil eventuell Dr. Bernstein hätte in die Stichwahl gelangen können. S ch e r r e(fteikonservativ, Wahlkreis Sangerhausen-EckartSberga, Reg-Bez. Merseburg). Die Wahl wird beanstandet und Beweis- erhebungen beschlossen über ähnliche Verstöße wie bei der oben bezeichneten. Auch ist für Scherre ein Flugblatt, unterzeichnet von Beamten, verbreitet worden, das jedoch wieder eingesammelt worden' sein soll. Wessel(nationaMberal, Wahlkreis Bernburg- Köthen Anhalt 2). Die Kommission beantragt Gültigkeitserklärung der Wahl. R e r t i ch(koilservattv. Wahlkreis Hagcnow. Mecklenburg. Schwerin). In der Stichwahl erhielt Rettich 8975 Stimmen: Bartels(Soz.) 7337. Die Kommission beantragt Gültigleits- erklärung der Wahl. Dr. Wallau(nationalliberal. Wahlkreis Alsfeld-Lautervach, Heffen 3). In bcr Stichwahl erhielt Wallau 8l21 Stimmen gegen 7039 für den Autiiemiten Bindewald abgegebene. Bürgermeister, Gemeindevorsteher sc. haben ein Flugblatt für Wallau unterzeichnet. Die Agitation durch den Beamtenapparat ließ überhaupt' die Kandidatur Wallaus als eine offizielle erscheinen Es wird be- stritten, daß die Bürgermeister zc. polizeiliche Gewalt besitzen, daß darum ihr Eiugreffen in die Wahl nicht den gesetzlichen Be- stimmungen widerspreche. Die Kommission hat beschlossen. Er- Hebungen darüber anzustellen, welche Polizeilichen B-fuqnisse die Bürgermeister und Gememdevorsteher in Heffen besitzen Die Wahl wird beanstandet. Raab(Antisemit, Wahlkreis E s ch w e g e). Der Gegenkandidat Raabs in der Stichwahl war Hugo, Sozialdemokrat, der angeblich Armeuunterstützungsrinpfänger gewesen, weil Frau und Kind HugoS im Landkraukenhause verpflegt worden sind und Hugo darum nicht wahlberechtigt und � bei der Stichwahl auszuscheiden gewesen sei. Die Kommission beschloß. Beweiserhebungen darüber anzustellen, ob Hugo Arinenunterslützung empfange» und ob und wann er sie zurück- gezahlt habe. Die Wahl wird b e a n st a n d e t. Die BertencriiNg deS Brotes, wie sie der am 1. März d. I. i» Kraft tretende neue Zolltarif mit Sicherheit bringen wird, geht unseren Zollwüterichen noch lange nicht weit genug. Auch die Steuern, welche eine Verteuerung des Brotes zur Folge haben, sollen erhöht, neue Steuern eingeführt werden. Gegenwärtig liegt dem Reichstage wieder eine Petition vor— ausgehend von den Herren Michel und Genossen in Düien(Rhein- land)— welche— angeblich zum Schutze der kleinen Mühlenbesitzer — die Einführung einer Umsatzsteuer für Großmühlen fordert. ES sollen also die Brotkoiisiiiiienten iveiter geschröpft werden im Jntelesse einer volksfeindlichen MittelstandSretterei. Die Petition gelangte am Mitttvoch in der Petitionskommission zur Verhanoliing. Der Resercnt Abg. v. Saldern(k.) beantragte dieselbe den, Reichskanzler als Material zu überweilen. Dieser?ln- trag wurde von den Abgg. Thieleme und Fluten. Nur der Verkehr mit dem Süden wurde gestöri durch den Ausbruch deS gelben Fiebers in New Orleans. Die Gesamteinnahmen der amerikanischen Bahngesellschaften werden für das vergangene Jahr auf 1754 296 828 Dollar berechnet. Im Jahre 1904 betrugen die Einnahmen 1625 349 993 Dollar. Große Neubestellungen für Wagen und Lokomotiven wurden von allen Gesellschaften gemacht, denn es zeigte sich wieder, wie schon seit Jahren, daß bei starkem Geschäftsgange wie zur Zeit der Ernte, empfindlicher Wagenmangel herrscht. Steigender Gewinn. Die A-G.„KönigSborn" fiir Bergbau und Salinenbetrieb erzielte im 4. Quartal 1995 einen Ueberschuß von 699 634 M. Das ist gegen die beiden vorhergehenden Quartale ein Mehr von 159 248 resp. 58 318 M. Transporwerbilligunz. Nach einem Bericht der„K.-Ztg." hat das bedeutendste Kaffee-Einfuhrhaus A. Brothers in New Jork mit Erfolg den Versuch unternommen. aus Brasilien Kaffee anstatt in der üblichen Verpackung in Jutesäcken lose zu verfrachten und ähnlich wie Getreide zu verladen. Die erste oerartige Sendung, etwa 59 999 Sack entsprechend, kam gestern hier an und wurde an dem Dock der Firma in Brooklyn mit elektrischem Hebewerk aus dem Schiffsräume gehoben und dann minelst eiserner Röhren oder Schütten nach den Lagerräumen übergeführt. Die Kaffeebörse in SantoS hatte sich der Kontrolle wegen gegen die Einführung der neuen Verfrachtungsart gesträubt, der Widerstand wurde jedoch über- wunden, und da für den Massenversand das Fortfallen der Säcke einen wesentlichen Punkt bildet, wird für das überseeische Geschäft die neue Verfrachtung wahrscheinlich allgeincin werden. Ncu� Aulagen. Die Harpener Bergbau-Gesellschaft, welche dem- nächst einen fünften Schacht abteufen läßt, errichtet in Buer eine Koksofenbatterie von 89 Oefen, sowie eine Anlage zur Gewinnung von Nebenprodukten.— Angeblich im Auftrage der Bergwerks- Gesellschaft Trier wurden im Kreise Hamm 399 Morgen für rund 499 999 M. angekauft.__ Bus der Frauenbewegung. Schule und SuzialiöimiS. Seit einiger Zeit hat der Gedanke der Erziehung der Jugend zum Sozialismus in der Partei stärker Eingang gefunden. Uebcrall läßt man eS sich angelegen sein, Aufklärung unter die jugendlichcu Arbeiter und Arbeiterinnen zu tragen. Wie notwendig es ist, so früh wie möglich mit dieser Aufklärungsarbeit zu beginnen, zeigen die sich von Jahr zu Jahr wiederholenden und mehrenden Soldaten- Mißhandlungen. Unwissenheit läßt die jungen Leute das erdulden, was nur durch Zufall, oft durch Selbstmord oder Selbstmordversuche an die Oeffentlichkeit gelangt. Unsere Volksschulen tragen ein gutes Teil der Schuld daran, daß die jungen Leute ohne jede Kenntnis des öffentlichen Lebens in die Welt hinmisg-'hcn. Das jugendliche Verbrechertum ist fast ausschließlich aus das Konto der schlechten oder ungenügenden Erziehung in Schule und Haus zu setzen. Man glaubt, wenn man recht viel Religionsunterricht er- teilt, genug für die weitere Entwickclung der jungen Meiisttyen getan zu haben. Daß dadurch häusig das Gegenteil von dem erzielt wird, was der Jugend frommt und was durch gründlichen Moral- nntcmcht erreicht werden kann, wollen viele Leute nicht einsehen. Ist man doch dabei, der Kirche immer mehr Einfluß auf die Volts- schule einzuräumen.— Auch die Eltern fyzben es gar oft noch nicht begriffen, wie notwendig es ist, frühzeitig den Gedanken des Sozialismus bei der Jugend zu wecken, den Blick der Kinder für die reale Welt zu schärfen. Deshalb ist erforderlich, vor allen Dingen bei den Fratien das Verständnis für unsere Ziele und Be- strebungcn zu wecken, denn in erster Linie ist die Erziehung der Zunder Aufgabe der Frau. Zu diesem Zweck wird von den Berliner Genossinnen am Frciwg, den 26. Januar, abends 8 Uhr, bei R a a b e, K o l b c r g e r st r. 23, eine öffentliche Versammlung einberufen, wo der Genosse H. Schulz-Bremen den Vortrag über „Erziehung und Sozialismus" halten wird. Zahlreichen Besuch von Frauen und Männern erwarten _ Die Vertrauenspersonen. Her mit dem Frauenwahlrccht! Ob auch Fanatiker wüten, ob auch Philister höhnen, mit der- selben Begeisterung, derselben Energie und Enffchlossenheit, mit der unsere Genossen den Kamps fübren um das Männerwahlrecht in den einzelnen Bundesstaaten, führen sie ihn auch gleichzeitig um das Frauenwahlrecht. Wahrlich nicht aus Galanterie und Ritterlichkeit, sondern ent. sprechend dein innersten Wesen unserer Bewegung und mit Rücksicht auf die praktischen Interessen der Arbeiterklasse. Dem Wesen unserer Bewegung entspricht es, daß wir nicht nur unsere KampfeSsceudigkeit und Siegessicherheit schöpfen aus der Erkenntnis und dein Studium der ökonomischen Entwickelung, der ihr innewohnenden Gesetze und treibenden Kräfte, die die objektive Vorbedingung unseres endgültigen Sieges schaffen, daß vielmehr diese Erkenntnis gleichzeitig unsere TaÜik bestimmt, und die Richt- lmien weist für unseren Kampf, wie sie unL auch die Waffen liefert fiir denselben. Schon ein flüchtiger Blick auf die �ökonomische Entwickelung — und wie viel mehr ein eingehe! des Studium derselben— belehrt uns, wie von Grund aus die wirtschaftliche Stellung der Frau durch sie levolutioniert wird, sodatz die Verleihung politischer Rechte an dieselbe nur eine rechtliche Anerkennung dieser ver- änderten Stellung bedeutet. Es bedarf deshalb heute wahrlich nicht mehr des Seherblickes eines genialen Denkers, um vorauszusagen, daß die Zeit„einmal kommen" wird, die die Gewährung des Wahlrechtes an die Frauen bringt, diese Gewährung ist vielmehr zu einer zwingenden Not- wendigkeit geworden. Das Frauenwahlrecht hängt als überreife Frucht am Baume der ökonomischen Eniwickelung und harrt nur des Gepflücktwerdens. Denn t".lich mehrt sich die Zahl der Frauen, Heren Arbeits- kraft ein wichtiger Faktor im Erwerbsleben bildet, die durch Waren- erzeugung zur Erhaltung der Gelellschaft genau so für deren Be- stand und Weiterentwickelung tätig sind wie die Männer. Mögen sie als Fabrikarbeiterin, als Land- oder Bauarbeiterin für lärg- lieben Lohn fronen, mögen sie in den sogenannten liberalen Be- rufen als Lehrerin oder Beamtin schaffen, als selbständig Er- werbende ein eigenes Geschäft versehen, oder mögen sie auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft das Erbe der Kultur erhalten und mehren helfen. Dazu kommt noch, daß durch Zahlung indirekter Steuern und bei selbständig Erwerbenden auch direkter Steuern, dw Schultern des weiblichen Teiles der Bevölkerung genau so an den Stckatslasten zu tragen haben, wie die des männlichen Teiles. Was aber der Mann an Diensten dem Gemeinwesen leistet durch Erfüllmrg der Militärpflicht, wird mehr denn weit gemacht durch den viel höher zu bemessenden Dienst, den das Weib der Gesellschaft leistet durch Erhaltung und Fortpflanzung der Art, durch die Opfer und die Sorge um die k..eende Generation. .Hat also die Frau durch treuliche Erfüllung ihrer Pflichten, einerlei ob ihr dieselben von der Natur oder infolge der veränderten Produktionsweise und der modernen Steuerpolitik aufgebürdet wurden, sich ein vollgültiges Anrecht erworben auf politische Gleichberechtigung, so ist auch gleichzeitig ihr politisches Verständnis durch diese Pflichterfüllung wachgerufen. Sind es doch tausend Fäden, die das Interesse des WeibeS auf das engste verknüpfen mit der Politik, mit dem ganzen öffentlichen Leben. Jeder Beschluß der gesetzgebenden, jede Ausführung der verw-altenden Körperschaften, er greift mit rauher Hand hinein in das Leben des Weibes, damit ihr Interesse geradezu aufpeitschend, ihre Verständnis weckend und stärkend. Wenn Herr v. Stengel z. B. ein großes, wunderbar schön ge- bundenes Steuerbukett überreicht, so weiß sie, daß bei dessen An- nähme ihr Portemonnaie genau so gerupft wird, wie dasjenige des Maimes. Wird die so dringend notwendige Weiterführung der Soz!.:'gcsetzgebung abgelehnt mit dem Hinweis: die Kompottschüssel der Arbeiterschaft sei voll zum Ueberlmifen, so hat die Erfahrung sie gelehrt, daß auch sie diese Stellungnahme büßen muß mit um so größerer Not und Entbehrung, falls sie von Krankheit, Unfall oder Invalidität heimgesucht wird. Beweise dafür, wie fadenscheinig der Einwand jener Philister ist, die nicht laut genug Ivarneu können vor der politischen Gleich- stellung der Frau, mit dem Hinweis auf ihre politische Unreift. Zudem dürfen wir nicht vergessen, daß das Wahlrecht nicht eine Anerkennung und Belohnung sein soll für politische Einsicht und Wohlverhalten, sondern ein Mittel zur politischen Erziehung und zur politischen Machtentfaltung. Denn erst das Frauenwahlrecht ermöglicht die unbeschränkte Teilnahme der Frau am politischen Kampfe und fördert somit un- gemein ihre politische Aufklärung, macht dieke zur zwingenden Notwendigkeit. Die Gewährung des Frauenwahlrechtes bedeutet aber auch die Auslieferung eines politischen 5 chtmittelS an die Frauen. Und just darum gebiete es das praktisch: Interesse der Arbeiterklasse. daß die Sozialdemokratie dasselbe energisch fordert und darum kämpft. Als schneidige Waffe im proletarischen Klassenkampf darf es der einen Hälfte der Klassenkämpfer nicht vorenthalten werden. Die Sozia�j-mokratie hat um so mehr alle Ursache auch in bezug auf diese Frage die äußersten Konsequenzen des demokratischen Prinzips zu ziehen, angesichts des heißen Bemühens der politischen Finsterlinge, das politische Kampfesfeld immer mehr einzuengen. Das Vorgehen der Hamburger und Lübecker Wahlrechtsräuber. das hartnäckige Festhalten der sächsischen und preußischen Reaktionäre am Dreiklassenwahlunreckst, die Giesebrechtereien und Manteuffeleien gegen das Reichstagsmahlrecht sind hierfür Beweis genug. Wir aber wollen nicht Einengung, sondern möglichste Er- Weiterung des politischen Kampffeldes, und darum heißt es für uns: Heranziehung aller bisher unbenutzten Reserven in den Kamp f. Tritt Herr v. Äardorf, der Gründer der Lanrahütte, für daS Frauenwahlrccht ein, um ein verfälschtes Recht, ein Damenvor- recht den Frauen seiner Klasse zu verschaffen, tritt das Zentrum ein fürs Frauenwahlrecht mit dem Hinteraedanken, die politisch indifferente Frau gegen den intelligenteren Mann ihrer Klasse aus- zuspielen, so tritt die Sozialdemokratie ein fürs Frauenwahlrecht, um die Proletarierin einzureihen in das Heer der Klasientämpfer, damit sie gleichberechtigt, gleichgerüsiet den Stampf zu führen vermöge gegen die kapitalistische Wirtsri-aftSordnuiig, zur Befreiung ihrer Klasse und damit ihrer selbst. Deshalb auf zum Kampfe für das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht für Mann und Fraul Luise Zietz. Ter Verein für Fronen und Mädchen der Arbeiterklasse hält am Montag, den 29. d. M., in den„Arminhallen", Kommandanten, straße 29, eine Versammlung ab. Vortrag von Genossen Eduard Bernstein über:„Materialistische Geschichtsauffassung und das moderne Geschlechtsleben". Gäste� willkommen. In der Berfamm- lung sind Billetts zum Stiftungsfest, das am 13. Februar in den „Arminballen" stattfindet, zu haben. Schönebcrg. Ter hiesige Frauen- und Mädchen-Bildungsverein veranstaltet am Sonntag, den 28. Januar, in Weimanns Klubhaus, Hauptstu 5/6, ein gemütliches Beisammensein der Mitglieder, wozu auch Gäste und Gönner des Vereins freundlichst eingeladen werden. Das Eintrittsgeld beträgt für Tanzen 19 Pf., für Herren 29 Pf. i einschließlich Tanz. Anfang 5 Uhr. Für gute und humorvolle > Unterhaltung wird ebenfalls gesorgt werden. Der Vorstand. Versammlungen. Mehr Banarbeiterschntz i Seit Jahren betreiben die Zentralverbände der baugewerblichen Arbeiter eine energische Propaganda fiir einen vermehrlen Bau- arbeiierschntz. Dieser Propaganda diente auch eine Versammlung, die am Montag in der„Neuen Welt" abgehalten wurde. ES mochten etwa 2599 Arbeiter sämtlicher im Baugewerbe täligen Berufs- gruppen erschienen sein, wie Maurer, Zimmerer, Baubülfsarbeiter, Dachdecker, Glaser. Klempner. Maler, Putzer, Rohrleger, Stein- bildhauer, Steinmetzen, Tischler und Zementierer. DaS Referat hielt der Ai bcitersekretär G. Link. An der Hand eines reichhaltigen Tatsachenmaterials wieS er nach, wie die Zahl der schweren und tätlichen Unfälle sich von Jahr zu Jahr im Bau- berufe steigert. Besonders in dem Bannkreise� der Nordöstlichen Baugewerks-BernfSgeiiosseiischaft haben sich die Unfälle erheblich ver- mehrt. Nun sind zwar zu wiederbolten Malen Petitionen an den preußischen Landtag gerichtet worden mit der Forderung um landesgesetzliche Maßnahmen zur Durchführung eiues besseren Bau- arbeiterschntzes, jedoch ohne Erfolg. Was aber von Gemeinde- wegen auf diesem Gebiet geschieht, ist keineswegs ausreichend, weil das Unternehmertum lieber eine geringe Geldstrafe wegen Ueber- treumg der Scbiitzbestimmimgen bezahlt, als sich durch Jnnehaltung der baupolizeilichen Vorschriften seinen Profit schmälern zu lassen. Do nun vom preußischen Landtage, dieser Domäne des Junkertums und der industriellen Scvarsmacher. eine Besierung der Zustände nicht zu erwarten ist. so hat die Zeutralkoinmission für Bauarbeiter- schütz von neuem eine Petition an den Reichstag eingereicht, um eine reichsgesetzliche Förderung des BaiiarbeiterschutzeS herbeizuführen. In der Pension wurden gleichzeitig Vorschläge gemacht für verbesserte Einrichtungen der Baubetriebe, der UnterkrnfftZ- räume, der Bedürfnisanstalten sowie für zweckentsprechende Unfallverhütiingsvorschriften und eine schärfere Bautenkontrolle, an deren Ausübung außer technisch gebildeten Beamten auch die Mitwirkung von Ar beiterkon trolle uren gefordert wird. Redner widmete alsdann einer von dem Arbeitgeberbund on den Reichstag gerichteten in echt scharstnacherischem Geiste ge« haltenen G e g e n p e ti t i o n einige kritische Betrachtungen und wies auch hier nach, wie das Unternehmertum ikrupetlos mit Ent« stellungeu und»mvahren Behnnplungeii operiert, um sich seiner selbstverständlichen Pflicht, die Bauarbeiter nach Möglichkeit vor der Unfallgefahr zu sct, ätzen, zu entziehen sucht. Der Vortrag fand lebhaflen Beifall. Ohne Debatte wurde sodann folgende Resolution einstimmig angenommen: In Erwägung, daß der derzeitige Stand der Unfallstatistik der BangeiverkS-Beriifsgenosseiischnften und dieKranken- und Sterbe- statistiken der Krankenkassen den Beweis erbracht haben, daß die von der Reicbsregierimg und von den Regicriiiigen der Bundes- staaten innerhalb der letzten Jahre durchgeführten Maßnahmen zur Erweiterung der Unfallverliütung und des sittlicki-iauitären Schutzes der Arbeiter bei Bauausführungen in keiner Weife genügen und den Forderniigeii eines wicklichen Arbeiterschntzes nicht entsprechen; in weiterer Erwägung, daß auch die geringfügigen behörd- lichen und berufSgenosscnschasllichen Schutzvorschrifteu bei der Un- zulänglichkeit der üblichen amtliche!� Ileberwachung der Bau- auSführungen nicht zur Geltung kommen können. und in endlicher Erwägung, daß die behördlichen Maßnahmen von dem willkürlichen Ermessen der Regierungen und der Ge- meinden abhängig find, fordert die heutige Berfamm- lung von der Reich Sregierung, ein Bmiarbciterschiitz- geketz entsprechend de» in der Petision der„Zeutralkoinmission für Bauarbeiterschutz" von 1995 gemachten Vorschlägen erlassen zu wollen.'_ Verrmfcbtco. Zu dem rätselhaften Vorfall auf der Ostbahn, woselbst zwei Kinder in der Nähe von Frankfurt a O. aus dem Pesener Schnell- zuge stürzten, wird mitgeteilt, daß trotz der kriminalpolizeilichen Nachforschungen der traurige Vorgang noch keine volle Aufklärung gefunden hat. Die Jungen haben im Wagenabteil herumgespielt und eS ist nicht unmöglich, daß sie hierbei den Drücker der Wagen- tür geöffnet haben. Nachdem der eine Knabe ans dem Coups herausgefallen war, wurde der Train bekanntlich zum Stehen ge- bracht. Es ist nun leicht möglich, daß in der herrschenden all« gemeinen Aufregung die Wagentür nicht ordentlich geschlossen wurde und infolgedessen auch der andere Knabe, als er sich eine halbe Stunde später, von den Eltern unbeachtet, an die Coupötür lehnte, hinausstürzte. Die Untersuchung muß mit dieser Annahme ab- geschlossen werden. Der Fall Crnmm-BurgSdorff. Ueber die Einstellung des Verfahrens gegen die Baronin v. ÄonigSioarier in der Wechsel- angelegenheit des früheren braunschweigischen Gesandten v. Cranim- BnrgSdorff wird aus Hannover berichtet, daß die Untersuchung keinen Anhalt dafür ergeben habe, daß Frau v. KönigSwarter die ihr von v. Cramm übergebenen Blankoakzepte mit höheren Summen ausgestellt habe, als zivischen ihr und Baron v. Cramm-Burgsdorff vereinbart worden war. Eine neue Dampferkatastrophe. Ein großer Dampfer ist bei Kap Beale(Westküste der Insel Vaneouver, Britisch-Kolumbien) gescheitert. Gegen 190 Personen sind dabei ums Leben gekommen. Sechs Ueberlebende von dem Dampfer retteten sich zu dem Leuchthause bei Kap Beale. Der Name des Dampfers ist noch nicht genau bekannt er soll„Veneta" lauten. Der Herr Abbö auf der Flucht. Ein pikantes Histörchen macht gegemvärtig in Metz viel von sich reden. Gegen den Abbü Paulus, der dort bis vor kurzem Oberbibliothekar war. wurde plötzlich ein Untersuchuiigsverfahren eröffnet. Er sollte gegen die ominösen Paragraphen 174 und 176 deS Strafgesetzbuches verstoßen haben. Der Herr Abbö hat indessen den Verlauf der Untersuchung nicht erst abgewartet, sondern ist nach Frankreich geflüchtet, allwo er hofft, vor den Nachforschungen der Behörden sicher zu sein. Wie uns aus Metz geschrieben wird, soll der geistliche Herr mit seinen Piitzfrauen in den Räumen der Stadtbibliothek unsittliche Handlungen begangen haben. Ein Schweinepriefter I Die ungewöhnlichen Metterverhältnisse in dm Bereinigten Staaten dauern fort. In PittSburg wurde die Temperatur auf der Straße auf 89 Grad Fahrenheit festgestellt. Es kamen zahlreiche Hitzschläge vor und eine Anzahl Stahlwerke und Glasfabriken mußten den Be- trieb einstelle». In Saraioga im Adirondack- Gebirge, wo bis Temperatur im Januar gewöhnlich unter Null beträgt, wurden Sonntag 56 Grad Fahrenheit gemessen. Die Hitzewelle reicht bis nach St. Louis. Am Sonntag war es so warm, daß viele Leute im offenen Ozean badeten. Demgegenüber wird das südlich gelegene Texas von schweren Schlieestürmen, die von Gewittern begleitet sind, heimgesucht._____ llvttiernnnSüderNcht von, 24. Januar morgen»«tlh». Stationen Swlnemde Hamburg Berlin LS. �_ � S«= S 5«. I ü: c xT s= i a e ic S-* I« Setter 77SSSW 777 WSW 777 ! J granti a M 779 NO München>778 NO 8 bedeckt Üwolkenl I Schnee 2 ivolleiil 3 heiter 3 bedeckt ö« L» Mife Stationen s s tu ß Wilna >777 Still —4 Petersburg 774 W —MK,-»,» 777 SSW Vetter t-isi c S, » n ß-4 w?« Li bedeckt'—10 1 bedeckt—18 1 bedeckt I 8 4 bedeck« i 7 2wolkeill—7 ÄSeilly — 71.'ibci'dcen 764 SSW —18; Pari» 777 NO 1 Wien! 777 NB 3 bedeck»-bj Iii Wetter Prognose für Donnerstag, den LS. Januar 1996. Ein wenig wärmer, vorherrschend wolkig mit geringen Nkdeffchliigm und schwachen südwestlichen Windeii. Berliner Wctterbureau. Berliner 8oek-8rauerei Aktien-Gesellschaft Tempelhoferberg u. Chausseestr. 58 Eröffnung der HS. Qr« Bockbier'Saison 1006 VW am Sonnabend, den 27. 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Die Drechslerei von Panitsch. Bnumenstraße 79, ist bis aus weiteres gesperrt. Ble Kommwelon. «°w!,z! NßMbgjfSs! In dem Betriebe von BUIIcr, Grenadterstraste ZI, befinden sich die Kollegen im Streik. Zuzug streng fernhalteu! Her Obmanu. I, BQrslenmaclier! Die Arbeiter der Werkstätten Vogul- mann, Annenftraße und BBtting, Wasserthorstraße, befinden(ich im streif. SW" Zuzug ist fernzuhalten. Achtnag, Kauhandwerktr! Bau tzoepffuee, Gruuewald, Königs- marlstraße und Hohenzollcrndamm- Ecke ist gesperrt, weil die dort de- schästiglen Bodenleger der Firma Timme unter dem Taris arbeiten. Zuzug ist seruzuhaltcu! nie'*. Ortsverwal tnng. Verantwortlicher� Siedakleur: Hans Weber» Berlin. Für den" Inseratenteil vcrantw.: ThTGlockeVBerlin. Druck u. Verlag i vorwärts BuchdruckerciuT'Vcrlazöanftalt Paul'singer& Co.. Berlin SW. |lr. 20. 28. Jahrgang. 2. SrilM des„Wmiirls" Kcrlim NslksM Donnerstag, 23. Januar 1006. Nachlese von der Wahlrechts- demonftration. AuS den noch fortgelegt einlaufenden Berichten über die Demonstrationen und Beglelterscheinungen greifen wir noch die folgenden Mitteilungen heraus. Militär- und Polizeiaufgebot. Fn Köln sind, wie sich jetzt herausstellt, am Sonntag nicht nur die Truppen in Köln— Kürassiere, Artillerie und Infanterie— konsigniert gewesen, sondern auf zwei Bahnhöfen standen auch mehrere Züge abfahrtbcieit, um auf Erfordern sofort daS Kölner Milimr ins Ruhr gebiet und in den Kreis Solingen zu schaffen. Die Artillerie war mit Geschossen versehen worden und jeder Jnfanteriesoldat hatte 50 scharfe Patronen empfangen. Ein Leutnant des Infanterieregiment Nr. 65 hat den Soldaten in der JnstruktiouSstunde gesagt, wenn es ihnen besohlen würde, sollten sie nicht über die Köpfe schießen, sonst würden sie selber erschossen.(!) Die Kölner Polizei hatte in der Nähe des Volks« Hauses in einer stillen Straße zwanzig Droschken, die von ihr gemietet waren, stehen, um die Verwundeten wegzuschaffen i und nicht, wie gemeldet, e i n großer Gefangeneuwagen des kgl. Gefäng- nisses stand in der Nähe des Volkshauses bereit, sondern deren zwei. Den ersten hatte man nämlich schon mit einem ganzen Gefangenen, einem anarchistischen Flugblattverteiler, abziehen lassen, nachdem tnan erkannt hatte, daß Beute nicht zu erwarten sei. Ebenfalls stand ein solcher Zelleitwagen im Vororte Ehrenfeld bereit, wo auch daS SchutzmannSaufgebot besonders zahlreich war. Auch in Altenburg und E i s e n a ch waren die Soldaten in der Kaserne kon signiert. Auf dem Bahnhofe in Eiienach stand ein Extrazug bereit, um nach Bedarf eine Kompagnie nach außerhalb zu senden. Die Posten und Wachen ivaren verstärkt und mit scharfen Patronen und strengsten Instruktionen versehen. Gendarmeriepatrouillen mit Gewehr durchzogen die Stadt. Auch daS„Militär in den benachbarten Gar« uisonen war in Bereitschaft und erhielt daher keinen Urlaub. Die Wachen in Weimar waren verstärkt". Der Landrat von Perlcberg leistete sich folgende Bekannt- machung! Perleberg, den 20. Januar IVOS. ES liegt die Möglichkeit vor, daß am Sonntage in Witten- berge der Staatsgewalt Widerstand geleistet wird. Dann haben die Gendarmen nötigenfalls vom Karabiner Ge° brauch zu machen. Daher warne ich Neugierige vor jeder Annäherung. Der Landrat. Jagow. DaS klingt ja gerade wie eine Warnung vor— tollen Hunden. Die Staatsgewalt ist vor jeder Annäherung verschont geblieben und geknallt hat nix. Die Jagd«ach staatSgefährlichen Flugblättern. Eine rührend eifrige Aktion haben die Behörden in Rhein- eand-Weftfalen entwiikelt. Unser Korrespondent aus dem Ruhrrevier schreibt uns darüber: DaS Ende einer Staatsaktion! Was haben die WahlrechtSflttg- blätter den berufsmäßigen„StaatSrettern" doch für Kopfschmerzen und Arbeit gemacht. Am meisten Bewunderung abzwingend war tvohl die StaatSretlerei im rheinisch-westfälischen Jndustrierevier. Sonnabend wurden sämtlicheStaatsan walte des Ruhrrevier S telegraphisch zu einer Konferenz nach Hamm berufen. Dort wurde die Konfiskation beschlossen. Damt spielten wieder Telegraph und Telephon. Die samt- lichen Polizeibehörden wurden per Draht ver- ständigt, Jagd auf die Flugblattverteiler zu in a ch e n und die Flugblätter zu beschlagnahmen. Damit die Konfiskation allen Rechtens erfolge, traten Sonntag früh die Amtsgerichte zusammen und faßten entsprechende Beschlüsse. lind dann ging die Jagd loS— von Hamm durchs Industriegebiet über Köln bis Trier. Der Staat war„gerettet". Hurra! hurra! hurra! lind in der folgenden Woche regnete es förmlich amts- gerichtliche Beschlüsse, die Konfiskation der in der Dortmunder ..Arbeiterzeitung" hergestellten Flugblätter betreffend. Da Wasen Beschlüsse ein von de» Amtsgerichten in Hamm, Dort- in und, War st ein, Gummersbach, Trier usw. In dem Tnerschen Beschluß steht zu lesen, man habe esaufdenge- Iv altsame n llmsturz der bestehenden Ordnung ab- gesehen. Hui---- Die Flugblätter predigten Mord und Brand und Plünderung!— Fürchter- l i ch I— Bis jetzt sind neun Beschlüsse eingewoffen. Und das Ende? Ein Beschluß des Amtsgerichts Trier lautet also: Die B e- schlag nähme wird aufgehoben, die Flugblätter lo erden freigegeben! Ein Beschluß vom Amtsgericht Gummersbach lautet ebenfalls: Die Beschlagnahme wird aus- gehoben, die Flugblätter werden freigegeben l Run werden die andern Gerichte auch wohl nicht anders mehr können, womit die ganze schöne Staatsaktion für die K atz war. Aber uns hat sie genützt. Die Behörden haben durch ihr Borgehen unserer Sache zehnmal mehr Nutzen gestiftet, als es durch das Flugblatt allein ge- 'chehen konnte-- und nun werden sie auch noch verbreitet. Da soll noch ein Mensch Staatsanwalt sein und das Baterland retten. Recht lustig gestaltete sich die Jagd nach den Flugblättern in Trier. Darüber wird uns berichtet: Am Montag, den 15. Januar erschienen im GewerkschaftShause, beauftragt von der kgl Staats« anwaltschaft Trier, ein Kriminalkommissar, ein Kriminalwachtmeister, ein weiterer Kriminalbeamter, etliche uniformierte Schutzleute mit noch zwei Schlossern, zwecks Konfiskatton der Flugblätter. Die Schlosser sollten eventuell dazu ge— braucht werden, mittels An- Wendung von Gewalt durch Einbruch in verschlossene Behälter fremde, bewegliche Sachen fortzunehmen. Zunächst bekamen unsere Genossen eine Probe von der Allwissenheit der Polizei— und der Zuverlässigkeit der Post. Die Beamten forderten die Herausgabe der 37 Kilogramm schweren Sendung Flugblätter. DaS ganze Haus wurde mit Schutzmannsposten von unten bis oben besetzt. Dann begann ein Suchen in allen Ecken und Winkeln. Sogar ein Säugling in der Wiege wurde unnützerweise von der Polizei be- last igt, denn er hatte nichts verbotenes„Gedrucktes" unter sich. In der Wohnung des Kreisverlrauensmannes, des Genoffen Betty, der im Gewerkichastsbause wohnt, fand man endlich etwa 150V Stück der Blätter. Mittlerweile gelang eS unseren Genossen zirka 2000 Exeinplare trog der vielen Polizeiaugen zu verstecken. Auf eine Beschwerde des Genoffen Betty hi» wurden die Flugblätter nicht etwa freigegeben. fondern man sandte dein obengenaiinteir Genossen einen gerichtlichen Beschluß, wonach die Beschlagnahme erfolgt sei„wegen der gewaltigen Menge, in der die Männer und Frauen zu den Bersaminlungen erscheinen und demonstrieren sollen. Wunderbare Logik!— Feiner wurde einem Genoffen bei der protolollariiche» Bernehimmg Bestrafung in Aussicht gestellt. Auch eine„freiwillige Polizei" trat i» Aktion. Lin Dienstag den 16. Januar wurde ein Geuoss« bei der Flugblatwerbreitung in einer Wirtschast von dem betreffenden Mtt. dessen Sohn und einem Nachbarwirt im WirtschaftS- lokal eingesperrt, bis ein herbeigerufener Schutzmann die vor- handenen Flugblätter in Besitz genommen und die Personalien nottcrt hatte. Selbstverständlich wurde sofort Strafaittrag wegen Freiheiisbcraubuna eingereicht. Die Verfolgungen hörten mit der großen Aktion noch nicht auf. Fortwährend wurden die Flugblatt- Verbreiter noch belästigt. Und alle Mühe bringt schließlich nur Blamage und Spott ein. Bei der Flugblattverbreitung in Waldenburg am 14. Januar sind größere Störungen nicht vorgekommen. Es sind von den SV 000 Flugblättern insgesamt etwa 1000 an drei Orten des Kreises von der Polizei den Verbreitern abgenommen, aus eine Beschwerde beim Landrat jedoch bald wieder zurückgegeben worden. Versammlungen. Die Parieiversammltmg in Trier, in welcher Genosse Erd- mann referierte, war außerordentlich stark besucht. Zehn Betoaffnete vermehrten das Gedränge. In Perleberg hatten sich zirka 900 Demonstranten eingefunden, hier sprach Genossin Hedwig Kiesel. Die übcrvorsichtige Polizei verwahrte Sckirme und Stöcke. In S t o l p nahmen 600 Personen an der Demonstration teil, viele Hunderte mußten wegen Ueberfüllung des Lokals umkehren. Vor zirka 80„Umstürzlern" sprach in R e i n f e l d G. Schwartz- Lübeck, in Re Horst vor über 30„Staatsgefährlichen" Genosse Löwig. In Grünhof wohnten 250 Perionen der Versammlung bei, in Hanewarde 70. In Pulsnitz fanden zwei Versammlungen statt, in F r t e d l a n d eine. Sämtliche stark besucht. Als Bergarbeiterversammlungen, in denen Gen. Sachse iprach, waren die Demonstrattonsveranstaltungen in Dittersbach und Neu-Salzbrunn einberufen. Auch hier faßten die Säle die Zuströmenden nicht alle. Stark besuchte Versammlungen fanden ferner statt in Eisen berg, Schmölln, Gößnitz und Meuselwitz. In Eisenberg, woselbst die Versammlung auf l2 Uhr mittag festgesetzt war, gaben die Unternehmer den Arbeitern bis 3 Uhr frei, um der Versammlung beiwohne» zu können. In Eisen ach fanden am Sonntag drei Versammlungen statt. Weitere Versammlungen wurden in LengSfeld, Mosbach und Etter- winden abgehalten. Im Bezirk des westliche« Westfalen finden nächsten Sonntag wiederum eine größere Zahl DemoiiiirationSversammlungen statt, da am letzten Sonntag viele Taufende wieder nach Hause gehen mußten, weil sie in den überfüllten Lokalen keinen Einlaß mehr finden konnten, In manchen Otten konnten letzten Sonntag keine Versammtungcit abgehalten werden, weil sämtliche rednerischen Kräfte vergriffen waren. In Krefeld war eS nicht möglich gewesen, gemeinsam mit den Genossen in Preußen am 21. Januar zu demonstrieren, weil ihnen an dein Tage kein Lokal zur Verfügung stand. Sie hatten aber zu der Protestversammlung, die am 23. Januar stattfand, den größten Saal der Stadt genommen und doch konnte das Lokal nicht alle Personen fassen, die Einlaß begehrten. Die.Stadthalle" war von zirka 2500 Personen besucht, aber eS standen noch mindestens 500 Personen auf der Straße. Genossin Zietz sprach in einer gutbestichten Versammlung in Bürgel, Genossin Köhler in Versammlungen in Auma und Blankenhain. Ueberall gelangten die Resolutionen ohne Wider- spruch zur Annahme. Ruhestörungen kamen nicht vor. In Württemberg waren die DeinoiistrattonSversantmliingen zugunsten der Revolution, wie uns geschrieben wird, sämtlich sehr stark belitcht. In den Landorten sauden sie meist am Sonntag, in Stuttgart, Cann- statt, Eßlingen am Montag statt. Die angenommenen Resolutionen enthielten eine Syntpathieerklänmg für die russischen Freiheitskämpfer und nahmen Stellung zu den Wahlrechtobewegungen in Preußen, Sachse» und Hamburg. In Stuttgart und Cannstatt wurden noch Zusätze betreffs der wütttembergischeii VerfosiungSrevision gemacht, da da§ Zentrum im Begriff ist, das in der Revisionsvorlage vorgesehene allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht durch Einschmuggelung sogenannter berufsständischer Vertreter zu verfälschen. Neu war in Württemberg noch, daß sämtliche Versammlungen. waS seit vielen Jahren nicht mehr der Fall war. polizeilich überwacht wurden. Nach allem, was man hört, ist die Initiative hierzu nicht von einer wütttembergischen Verwaltungsstelle, sondern von Berlin aus- gegangen. Die württembergische Regierung wird aber im Landtage darüber befragt werden, wte sie dazu kam, sich von Berlin aus in eine Angelegenheit landespolitischer Natur hineinreden und beein- slussen zu lassen. Aus Striißburg schreibt man unS: Am Montag fanden in Straßburg und Schiltigh«im. Dienstag in Mülhausen zahlreich be- suchte Versammlungen zum Andenken an den Beginn der russischen Revolution statt. In Straßbnrg hatte sich eine mehr als tausend- köpfige Menge eingefunden. Ueberall wurde die Resolution unter großer Begeisterung der Anwesenden angenommen. Für den 28. Januar, also den nächsten Sonntag, hat der Landesvorstand der sozialdemokratischen Partei Elsaß-LoihringenS 28 Wahlrechtsversammlungen mit dem Thema„das allgemeine Wahlrecht und der LandeSauSschuß" vorgesehen. In Straßbnrg selbst finden drei, in Mülhausen zwei Versammlungen statt. Daß die Partei im Reichsland so viel Versammlungen mit insgesamt 34 Rednern organisieren kann, ist ein glänzender Beweis für die erfreuliche Eniwickelung und iür die völlige Festigung unserer Bewegung in der Südweftecke des Reiches. VersammlungSmiflösungen und-Verbote. Aus Gründen, die man kennt, aber nicht nennt, wurden an- gesetzte Versammlungen verboten: in Luchta, in KittelShal, Kreuzburg, HengSfeld, Neustadt a. O. Nicht, wie eS wohl infolge eines dem Draht zu dankenden Irrtums in der telegraphischen Meldung heißt, in„Köln und Nippes", sondern nur in Aöln-NippeS wurde die Versammlung polizeilich aufgelöst, weil der Redner angeblich aufgereizt habe» soll. Heimarbeit-Altsftellung. Spielwareu-Jndustrie. Unüberbietbares Elend ruft uns die Spielwarenabteilung der Heimarbeit-AuSftellung entgegen. In allen Bezirken des licbcn deutschen Vaterlandes, wo Spielwaren erzeugt werden, ist das Elend das gleiche. Ob in Thüringen, im sächsischen Erzgebirge oder in Nürnberg, wo Zinnsoldaten gemacht werden— Hungerlüh ae werden überall gezahlt. Würde es nicht durch Tatsachen vorgeführt, so könnte es unglaublich scheinen, daß die Arbeiter sich mit Stundenlöhnen von 2'/» bis 35 Pf. durchschlagen müssen. Durchschnittlich bewegen sich die Stundenlöhne zwischen 12 bis 18 Pf. Der Stundenlohn von 35 Pf. ist als ganz ausnahmsweise hoher Lohn bezeichnet. Trotz dieser minimalen Bezahlung ist die Leistungsfähigkeit sowie die Vielfältigkeit eine erstaunliche. Die Ausstellung bietet hier viel, aber kann dennoch bei weitem kein erschöpfendes Bild von der nie versagenden Erfindungsgabe der Hansindustriellen und Heimarbeiter geben, die fortwährend neue Muster schafft. In Thüringen ist das Meiningcr Oberland(Sonneberger Kreis) der �auplprodukiionSbezirk. Im Gothaischcn Lande sind eS die an Sonneberg angrenzenden Ortschaften und WalterShausen. In letzterem Orte sind die Löhne durchschnittlich höher als im Meininger Oberland. Die Ausstellung zeigt unS, bis auf wenige Stücke, nur geringe Artikel. Die bcfferen teuren Artikel werden meistens in der Stadt Sonneberg auch durch Hausindustrie und Heimarbeit hergestellt. Aber auch die teureren Artikel sind für die Arbeiter, oder wie sie jich nennen,„Fabrikanten"— dies sind Hausindustrielle, welche allein oder mit fremder Arbeitskraft für den Exporteur arbeiten—. nicht lohnend. In elenden Wohnräumen, welche nur zu häufig zugleich Arbeitsstätte find, fristen diese sogenannten Fabrikanten cm kümmerliches Dasein. Lohnend sind die Spielwaren für die Verleger und Exporteure. Die Sonncberuer Prozentburgen, genannt „Villen", welche der Stadt ein wohlhabendes äuherliches Gepräge geben, legen beredtes Zeugnis für die Rentabilität des Großlauf« mannsbetriebes in Spielwaren ab. Einzelne dieser Herren haben sich auch redliche Mühe gegeben, die Hergabe von Ausstellungs» objckten zu verhindern. Die Ausstellung selbst mochte noch sein. Aber daß aller Welt gezeigt werden sollte, welcher gewaltige Unterschied zwischen der Entlohnung für den Erzeuger und den Verleger der Arbeitsprodukte herrscht, war ihnen nicht recht. Auf der Seite der Heimarbeiter und Hausindustriellen hohe Intelligenz, großer Fleiß, täglich durchschnittlich 14- bis Ibstündige Arbeitszeit, schlechte Wohn- und S ch l a f r ä u m e, Weib und Kinder mit im täglichen Joch fronend, und trotz aller Mühsal und Qual ein Ver- dienst, der zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig ist! Wahrlich ein Bild de- Jammers! Auf der Seite der Großkaufleute, Exporteure usw. dagegen angenehme, luxuriöse Existenzbedingungen, wie sie nur der Reichtum bieten kann. Einzelne Beispiele aus dem Leben mögen dazu beitragen, daS Bild zu vervollständigen. Die Drücker— Arbeiter, welche Tierkörper, Puppeukörper, Glieder, Köpfe und Scherzartikcl aus Papiermache au- fertigen—, gehören neben den Maskenarbeitern und Holz- schnitzern zu den am schlechtesten bezahlten Arbeitern. Aus ihrer Arbeitsstätte führt uns die Ausstellung z. B. Katzen und Elefanten vor. Das Dutzend dieser Tiere wird mit 45 Pf. bezahlt.. Zwei Arbeiter fertigen 50 Dutzend wöchentlich an gleich 2 2,50 M. pro Woche. Von diesem Betrage ist für Roh- material und andere Unkosten folgendes abzurechnen: Einnahme 22,50 M. Mehl...... 1.50 M. Masse..... 1,80„ Papier...... 1,—„ Zement.....—,30„ Heizung und Oel.. 4,50, Liefern..... 1,40„— AuSg ave. 10,50„ ergibt 12,— W. oder pro Person und Woche SM. Verdienst bei einer täglichen Arbeitszeit von 16 Stunden, oder 6% Pf. pro Stunde. Ein anderer Drücker, welcher Kickclhähne drückt, gibt die wöchentliche Produktion auf 100 Dutzend a 18 Pf.— 13 M. für 2 erwachsene Personen und 3 Kinder an. Die Unkosten betragen 8,50 M., bleibt ein Verdien st für 2>,h Personen von 9, 5 0 M. bei einer täglichen 1 6 st ü n d i g c n Arbeitszeit, also pro Person und Woche 3. 80 M. oder kaum 4 Pf. pro Stunde. Ein Gelenktäufling(unbekleidete Gliederpuppe)-Drücker, eine Familie von drei erwachsenen Personen und zwei Kindern, welche sämtlich im Geschäft tätig sind, gibt seinen Verdienst pro Woche mit 27,20 M. an, d. h. 3'ch Personen verdienen a Person und Woche 7,89 M. Die Arbeit der Drücker ist eine sehr anstrengende und un- gesunde. Pctroleumgeruch vereinigt sich mit den keineswegs an- genehmen anderen Materialgerüchen. Ist der Arbeitsartikel ge- drückt(fertig geformt), so mutz er schnell trocknen. Da aber meistens ein Trockcnraum fehlt, so muß das Trocknen in der Wohnung resp. Arbeitsstube vorgenommen werden. Der Schlaf- räum ist häufig nur durch eine Gardine vom Ärbeitsraum getrennt. Unerträgliche Hitze, Sommer wie Winter, schlechte Lüftung, weil die Wärme erhalten bleiben muß, viele Personen im kleinen Arbeitsraum verschlechtern die Luft derartig, daß es lein Wunder nimmt, wenn die Tuberkulose leichten Einzug hat und reiche Ernte hält. Das Elend der M a s l e n a r b e i t e r ist nahezu sprich- wörtlich. Es ist nichts außergewöhnliches, daß der Verdienst für eine Person wöchentlich 3 M. bei 14— 1 5 st ü n- diger täglicher Arbeitszeit beträgt. Z. B.: Eine er- wächsern Person fertigt wöchentlich 10 Gros Kinder- oder Frauenmasken an. Um ein solches Quantum fertig zu bringen. mutz der Arbeiter von moraenS 6 bis abends 10, ja 11 Uhr a r v e i t e n. Gezahlt wird für das Gros 7 0 P f. in- klusive Material— 7 M. Für Material geht pro 10 Gros 3, 3 5 M. ab, es verbleibt ihm also ein Nettoverdienst von 3, 6 5 M. p r o Woche oder ein Stundenlohn von 4 Pf. Nicht viel besser werden die Löhne für größere MaSken angegeben, als seltener Höchstverdicnst wird ein Stundenlohn von 1636 Pf. angeführt. Die Maler der Masken tvcrden nicht besser bezahlt. Auch hier sind für Kinder- und Mädchenmasken Wochcnlöhne von 3,10, 3,91, 4 und 5 M. Die größeren Masken bringen etwas mehr ein, aber leider betragen die besser bezahlten Masken nur zirka 12— 15 P r o z. der Produktion. Mit Stolz ver- zeichnet der Handelskammerbcricht für Sonneberg 1904: daß für 73 000 M. Masken exportiert sind. Welche Unsumme von Elend ist in dieser Ziffer enthalten!, Derselbe Handelskammerbericht gibt den Wochenverdicnst der Mastenarbciter in Fabriken auf 15— 22 M.. für weibliche 7—12 M., für jugendliche 6—9 M. an. Sind diese Löhne wirklich regelmäßige Durchschnittslöhne, so sind sie ein schlagender Beweis für die scheußliche Ausbeutung der Heimarbeit. Tie Holzschnitzer—»erfertiger von Tieren, Puppen- arme und-bciue und sonstigen Holzjpielwaren— können eben- falls ein Elendslicd singe». Auch hier sind Stundenlöhne von 5— 16 Pf. die Regel, höhere Stundenlöhne die AuL- nähme. Diesen Aermsten wird der Verdienst durch die Art gc- schmälert, wie ihnen das notwendigste Rohmaterial, das Holz, welches sie zugeben müssen, durch die Forstet verteuert wird. Meistens sind sie steuerfrei, weil sie ein Einkommen unter 600 M. haben, aber trotzdem liefern sie eine ganz erkleckliche Summe für die Staatskasse infolge der enormen Holzpreisc. Wiederholt haben sich der Meininger Landtag und der Reichstag mit dieser fürchter- lichen Ausbeutung des Elends beschäftigt. Die Puppe n-Arbeiter und- H a u S i n d u st r i e l l e n stehen sich ein wenig besser. Für diesen Artikel werden Löhne von 10— 2 5 Pf. pro Stunde angegeben. Durchschnittlich mögen etwa 18 Pf. herauskommen. Das gleiche kann man von den Lauschaer Glaswarcn. Christbaumschmuck, Puppen- und Tieraugenmachern sagen. Guido Müller aus Lauscha hat eine hübsche Kollektion ausgestellt. Auch in diesen Artikeln geben die AuSkunstszettel bekannt: Schlechte Wohnungen, geringer, kaum zu aller notwendigsten Bedürfnissen genügender Verdienst bei un- gemessen langer Arbeitszeit. Wahrlich, die Ausstellung erreicht sinnfällig die Richtigkeit der so oft bestrittenen Behauptungen der Schriftsteller Sax. Stillich, Schoenlank und Rausch. Ein Gang durch die Ausstellung erklärt uns, weshalb im Sonneberger Bezirk 50 Proz. der Erwachsenen wegen einer GesamtjahrcSeinnahme unter 600 M. nicht zur Steuer herangezogen werden können. 67 Proz. der Einwohner haben ein Einkommen bis zu 600 M. pro Jahr. Die wenigsten Menschen haben eine Ahnung von dem grenzen- losen Elend und Jammer, der in den Hütten der Spielwaren- Heimarbeiter zu finden ist. Ausbeutung der Kinder von frühester Jugend, Unterernährung und U e b c r a r b e i 1 u>, g im allgemeinen erzeugen eine Degeneration, die sich in hohen SterblichkeitSziffern bemerkbar macht. ES gibt kaum einen zweiten Bezirk Deutschlands, wo die Tuberkulose so reiche Ernte hält wie in dem herrlichen Thüringen. Meininger Oberlande. Während die Sterblichkeit durchschnittlich in Deutschland 10— 12 pro Tausend beträgt, ist sie im Sonneberger Kreise über 19 pro Tausend. Angesichts solcher Zustände darf mit Recht gesagt werden: Heimarbeit— Rvrdarbeit. Ein preußischer Richter als Verbrecher. Vor dem oberschlesischen Landgericht Benthe» spielt sich gegen- Wärtig das Lebensdrama eines preußischen Richters ab, ein Drama, das zugleich ein scharfes Bild sozialer Verhältnisse unseres trefflichen GegenIvartSstaates gibt. Die mehrtägigen Prozeßverkand- lungen drehen sich um schwere Verbrechen eines hohen richterlichen Beamten, der in schwer bedrängter Finanzlage sich nicht nur er- uiedrigte, zu den gewöhnlichsten betrügerischen Manipulationen Zu- flucht zu nehmen, sondern auch sein loichtiges und hohes Amt in verbrecherischer Weise dazu benutzte, für sich matenelle Vorteile zu erzielen. Die Verhandlung ergab bisher folgendes: Der Landgerichtsrat Alfred Blume nberg in Beuthen hat sich bor dem dortigen Landgericht zu verantworten auf die Anklage des Amtsverbrechens in fünf Fällen, des Betruges und der Unter- schlagung in 21 Fällen sowie des wiederholten Arrestbruchs. Der 1851 in Breslau als Sohn eines dortigen evangelischen Geistlichen geborene Angeklagte mußte, als sein Vater starb, das Gymnasium verlassen, da ihm die Mittel zum weiteren Besuche desselben fehlten. Er war dann fünf Jahre lang als Kaufmann tätig, machle es darauf unter große» Entbehrungen aber doch möglich. Rechtsivissen- schaft zu studieren. Mit 30 Jahren wurde er Referendar, seine An- stellung als Amtsrichter erzielte er aber erst ll Jahre später, im Jahre 1892. Er begann seine richterliche Laufbahn mit mehreren tausend Mark Schulden, die sich um 8000 M. erhöhten, weil Blumen« berg für einen Jugendfreund, den Amtsrichter Plaumann, Bürgschaften in dieser Höhe übernahm. Dieser Freund machte Blumenberg dann auch mit„Geldgebern", berüchtigten Wucherern, bekannt, von welchen Bl. reichlich Geld auf Wechsel zc. nahm, um bald völlig in den Klauen dieser Blutsauger zu sein. Er lebte nun in einer für einen Mann in seiner Verantwortlichen Lebensstellung und seinem vor- geschrittenen Alter unbegreiflich leichtsinnigen Weise, kaufte sich kost- bare Wohnungseinrichtungen, trieb großen Luxus in Kleidung, Schmucksachen machte kostspielige Badereisen und lebte in den Tag hinein. Wenn Schulden fällig waren, suchte Bl. Verlängerung der Zahlungstermine zu erzielen. gab neue Wechsel über höhere Summen, zahlte immense Provisionen und Wucher- zinsen und machte den Frauen seiner„Geschäftsfreunde" ze. kostbare Geschenke. So schenkte er einer dieser„Damen" einen Pelz im Werte von 500 M. Es stieg seine Schuldenlast im Laufe der Jahre nach seiner eigenen Angabe auf 60 000 M.. nach Annahme der Anklage auf mindestens 80000 M., bis endlich im März>905 die Katastrophe hereinbrach, indem zunächst eine Disziplinarunter- fuchuug gegen den überschuldeten Richter eingeleitet wurde, die mit seiner Suspension vom Dienste vorläufig endete. Daran schloß sich bann die B e r h a f t u n g des Richters, da sich herausstellte, daß Blumenberg, um sich noch über Wasser zu halten, zu den verwerf- lichsten, im Strafgesetzbuch mit schwerer Zucbtbausstrafe bedrohten Mitteln gegriffen hatte. Dem endlichen Zusammenbruch dieser richterliche» Größe, die auch in politischen Prozessen gegen Parteigenossen in Oberschlesien sowohl als Vorsitzender wie als Beisitzer in der Beuthener Strafkammer eine Rolle spielte, waren im Laute der Jahre zahlreiche gerichtliche Klagen und Zwangsvollstreckungen vorausgegangen, das Treiben des Herrn Landgerichtsrals, sein fort- dauernder intimer Verkehr mit im Jndustriebezirk allgemein bekannten sehr fragwürdigen Geschäftsleuten waren tn der nicht großen Stadt Beuthen seit langem öffentliches Geheimnis. Um so auf- fälliger, erschien es, daß dieser Mann un- angefochten viele Jahre lang in dem angesehenen und verantwortungsvollen Amte eines Richters verbleiben konnte. Als Blumenberg von allen Seiten hart bedrängt wurde und die Agenten und Geldgeber nicht niehr herausrücken ivollten, weil sie den nahen Krach witterten, griff der Richter, der selbst täglich zu Gericht zu sitzen und schwere Strafen über die armen Sünder gegen das heilige Eigentum auszusprechen hatte, zu betrügerischen Manipulationen, wie sie dem ersten besten Spitzbuben und Beutelschneider eigen zu sein pflegen. Er kaufte kostbare Gold- und Silbersachen, Juwelen, Kunstgegenstände. ganze Wohmmgseinrich- tuugen usw., ohne sie zu bezahlen, lediglich auf den ails seinen Namen bezw. seine hohe aintliche Stellung basierenden Kredit, und verkaufte, versetzte und verpfändete dann nach kürzerer oder längerer Zeit diese Gegenstände nieist zu wahren Spottpreisen.• Ein erheblicher Teil der auf diese Weise erzielten Geldsummen ging als Ver» gütung in die Taschen der den Verkauf oder die Verpfändung be- borgenden Mittelspersonen über und oft kümmerte sich Bl. nicht ein- inal um den Verbleib der Pfuudscheine. Wie er in dieser Richtung wirtschaftete, zeigt u. a. die Tatsache, daß er vom Hoflieferanten Felsing in Berlin eine astrouoinische Taschenuhr zum Preise von 2000 M. ohne Bezahlung kaufte, diese bei einem oberschlesischen Pfaudleiher für 180 M., später bei einem anderen für 300 M. versetzte. Eine besondere Spezialität dieses preußischen Gesetzeswächters war es, seine noch nicht bezahlten Wohnungseinrichtungen an alle mögliche» zahlungsfähigen Leute zu verlaufen in der Werse, daß er mit den Käufern einen Vertrag abschloß,»ach welchem er die Ein- richtnng in seiner Wohnung behalten durfte. So verkaufte er die Einrichtungen oft an mehrere Leute nacheinander. Durch solche Betrügereien kam eine alte, schwer kranke Frau um ihre ♦ ganzen Ersparnisse im Betrage von 600 Mark. Als dann besonder? ungestüme Gläubiger die Gerichtsvollzieher Herrn Blumenberg auf den Hals schickten und diese ihre Siegel an die kostbaren Einrichtungsstücke legten, genierte sich der Herr Land- gerichtkrat durchaus nicht, trotz der amtlichen Zeichen an den Gegen- ständen diese schnell zu Spottpreisen zu„verkloppen". Er hat sich daher auch wegen Arrestbruchs zu verantworten. Dieser berufene Hüter des Privateigentums verletzte auch den 332 deS Reichs-Strafgesetzbuchs, der den Beamten, er feine Amtspflichten materieller Vorteile halber verabsäuntt, mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren bedroht. In dieser Beziehung ergab die sehr gründlich geführte Beweisaufnahme vor dem Beuthener Landgericht folgendes: Eine Geldgeberiu des Blumenberg, Frau Klehr, oar an dem Ausgang eineS Grundslückprozesses zugunsten des Klägers Wagner stark interessiert. Dieser Prozeß wurde vor der Zivilkammer geführt, in der LandgerichtSrat Blnmenberg den Vorsitz führte. AuS einem bei der Klehr beschlagnahmten Briefe des Blumenberg an diese geht nun hervor, daß Blumenberg dieser zwecks Informierung des Klägers Wagner Mitteilungen aus der Beratung des Gerichts und aus den Akten machte und den Wagner unterrichtete, in ivelcher Weise die vom Gericht unter Blumenbergs Vorsitz erfolgte Ablehnung einiger von Wagner vor- geschlagener Zeugen doch noch geladen werden könnten. Am Schlüsse des Briefes hieß es dann:„Ich bitte aber um Diskretton.— Morgen hoffe ich notwendig auf Geld. Ich habe keins mehr. Bin nachmittag zu Hause." Der also vom Vorsitzenden des Gerichts heimlich instmierte Kläger ist eine in sehr üblem Rufe stehende. wiederholt bestrafte Person. DaS Wertobjekt in diesem Prozesse be- trug rund 33 000 M. Schwer belastet wird Blumenberg noch durch andere bei der Klehr beschlagnahmte Briefe von seiner Hand. In einem wideren von der Klehr selbst gesührten Prozesse vor der von Blumenbcrg geleiteten Zivilkammer soll Blumenberg wiederholt und monatelang die Entscheidung hinausgeschleppt haben, wie er der Frau Klehr selbst in seinem Briefe versichert. Ebenso gab er Ratschläge, wie der Anwalt der Frau Klehr iveiter vorgehen solle. In allen diesen Briefen aber erbittet Bl. die Vermittelling der Klehr in seinen Geld- nötcn und bittet, dafür sorgen zu wollen, daß eine Anzahl Gläubiger, darunter die Polnische Volksbank, sich mit der Erfüllung ihrer For- derungen gedulden sollten. Ein besonders schweres Amtsverbrechen des Blumenberg ergab die Verhandlung in folgendem: Der Zi-geleibesitzer Goldstein m Königshütte führte einen Prozeß gegen den Berg- fiskus um Entschädigung wegen abgebauter Grundstücke in Königs- Hütte. ES handelte sich dabei um ein Wertobjekt von 100 000 M. Der Kläger Goldstcin und sein Schwiegersohn Fedor Zcrnik in Kattowitz wandleil sich nun durch Vermittelung einer Frau Provinzial- sleuerrat Grantzow in Breslau an Blumenberg um Einflußnahme auf jenen wichtige» Prozeß. Bstnnenberg war in den Händen der Frau Steuerrat, der er über 20 000 M. schuldete, ebenso hatte er auch schon von Zernik ein Darlehen von 500 M. erhalten. Blumenberg wurde nun in Aussicht gestellt, daß wenn der Prozeß gewonnen oder zum günstigen Vergleich geführt werden würde, er 10 000 bis 20000„Darlehen" zur Sanierung seiner Lage erhalten solle. Eine Anzahl sehr gravierender Briefe des Blumcuberg an die Frau Steuerrat Grantzow, die bei dieser beschlagnahmt wurden, gaben Ausluuft über Blumeubergs Tätigkeit in dieser Sache, Da er als Ricvtcr in dem Prozeß nicht tätig war, verschaffte er sich unter Mißbrauch seiner Amtsgewalt die Prozeßakten, studierte dieselben, machte Auszüge, Abschriften usw. und informierte Zcrnik schriftlich.� gab Winke und Gutachtertermine an und anderes mehr. In dieser Zeit empfing Blumenberg von Zernik mehrfach kleinere Beträge als Darlehen, zusammen etwa 200 M. In seinen Hoffnungen auf Erzielung der in Aussicht ge- stellten großen Summen sah Blumenberg sich jedoch getäuscht, er tonnte den Prozeß— der übrigens heute noch nicht entschieden ist— nicht den Erwartungen entsprechend fördern und stellte einige Zeit vor seiner Verhaftung die darauf gerichtete Tätigkeit ein. Der Angeklagte gesteht im allgemeinen seine Schuld zu. will in einzelnen Fällen jedoch nicht schuldig sein. Bei der Feststellung der von ihm begangenen Anrtsverbrechen bricht er in Tränen aus. Er erklärt, immer noch die Hoffnung gehegl zu haben, er könne durch eine reiche Heirat seine Verhältnisse ändern. Die Beweisaufnahme ergibt denn auch, daß von ihm selbst, von Heiratsvermittler» wie von um ihr Geld besorgten Wucherern eiftige Tätigkeit nach dieser Richtung entfaltet wurde. Wiederholt schien auch Erfolg zu winken. aber es war doch zu schwer. dem mehr als fünfzigjährigen, keineswegs mit äußeren Vorzügen, dagegen mit einer gewalligen Schuldenlast ausgestatteten Laudgerichisrat eine liebende Gattin mit den nötigen Moneten und gewisse» gesell- schaftlich unerläßlichen Vorbediiignngen zu verschaffen. Von der skandalösen Bewucherung des Angeklagten, neben dem noch zwei jüdische„Kansleute" als Werkzeuge und Mithelfer sich zu veramworten haben, ist in dieser Verhandlung nicht die Rede. Diese Seite wird vielmehr in besonderen Wucherprozessen, in der die Frauen mehrerer Staatsbeanuen eine wenig rühmliche Rolle spielen. demnächst näher eröitert. Die Verhandlung, in der etwa 50 Zeuge» figurieren, und für die ursprünglich drei Tage angesetzt waren, dauert noch fort und das Urteil dürfte kaum vor Freitag dieser Woche ergehen._ Hua der Partei. Erklärung. Ich lese in einem Teil der bürgerlichen Presse einen Bericht über ein Interview, das ich angeblich einem Vertreter unseres Brüsseler Parteiorgans, des„Peiiple". gewährt haben soll. Ich erkläre, daß ich dem betreffenden Parteigenossen ein Interview ausdrücklich verweigerte und meine Ver- wundernng darüber aussprach, daß ein Parteiblatt einen Interviewer zu einem Mitglied des internattonalen sozialistischen Bureaus sende, um ihn über seine Stellung zu einer Frage, die erst in der nächsten Sitzung des internationalen Bureaus verhandelt werden soll, auszufragen. Ich sprach weiter die Erivartung aus, daß er das, was ich ihm gegenüber privatim äußere, unter keinen Umständen veröffentlichen werde. Wie berechtigt diese meine Haltung war, ersehe ich aus dem Bericht, den nach den bürgerlichen Zeitungen der be- treffende Parteigenosse an den„Penple" eingesandt hat. Derselbe berichtet zum Teil Aeußerungen von mir, die er sich geradezu aus den Fingern gesogen hat, und was er aus der Unterhaltung richtig wiedergibt, ist aus dem Zusammen- hang gerissen und erscheint dadurch in einem durchaus falschen Lichte. Ich betrachte das Verhalten des betreffenden Partei- genossen als eine illoyale Handlung und bedauere, daß der „Peuple" einer solchen Berichterstattung zum Opfer gefallen ist. Berlin, den 24. Januar 1906. A. Bebel. Der weiße Schrecke» in Preußen! Wegen eines an der Spitze der SonnlagSnmnmer stehenden Aufrufs an die preußische Arbeiterschaft«wurde der verantwortliche Redakteur der„Märlifchen Volksstimme" in Forst, der Genosse P e r n e r, gestern vormittag verhastet. Der Auftuf fordert auf zum Hochverrat gegen Rußland, nachdem er ausgeführt hat, daß im Königsberger Prozeß das höchste deutsche Gericht festgestellt habe, daß es in Deutschland erlaubt ist, hochverräterische Handlungen gegen Rußland zu begehen.— Dann fährt der Aufruf fort: „Ist das Zarat erst ausgerottet, so wird man nicht wagen, an Euren Rechten zu rütteln I Mit Hülfe Eurer gesetz- lichen Rechte könnt Ihr aber erzwingen, daß Ihr künftig nicht mehr so schamlos und gemein, so ftivol und infam miß- handelt werdet, wie es jetzt durch das beschimpfenswerte preußische Dreiklajsenschandgesetz aeschiebt, das sogar der Junker Bismarck daS elendeste tmd erbärm» nchstr aller Wahlgesetze nannte." Man sieht, der Gedankengang dieses Aufrufes ist ganz und gar kein verbrecherischer. Er weist im Eingange nach, daß ein Vorgehen gegen die jetzige Regierungsfonn in Rußland nicht verboten sei, und fordert fiir Preußen auf. die gesetzlichen Rechte wahr- zunehmen!— Weswegen also die Verhaftung? Die blutrünstigen Vorbereitungen für den Wahlrechtssonntag haben das Proletariat nicht vennocht, von der Forderung seiner Rechte abzustehen. Will man den weißen Schrecken durch Staats- anwalt und Gerichte arbeiten lassen? Die Namen Löbe, Crispien und P e r n e r laffen'S vermuten I Herr Rexhäuser und der WahlrechtSkamps. Während überall in Deutschland— und nicht hier allein— daS Proletariat den Kampf ftir die Beseitigung des Wahlunrechts und eine Erweiterung des Wahlrechts ausgenommen hat, stößt Herr Rexhäuser im„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker" in der folgenden eigenartigen Weise ins Nachlwächterhorn: „Unsere des öfter» ausgesprochene Meinung, daß derarttge Demonstrationen— worunter auch der politische Masienstreik in- begriffen ist— durch solche unsauberen Elemente, die durch die Spitzel noch eine Ermunterung finden, aus das ärgste gefährdet werden und Repressalien im Gefolge haben, die allgemein auf die Arbeiterschaft lähmend wirken, hat sich schon an dieser angeblich erstmalige» Probe des politischen Massenstreiks bewahrheitet. Die Polizeiverwaltung in Hamburg hat nämlich neben anderen scharfen Maßnahmen alle für den 21. und 22. Januar geplanten öffentlichen Versammlungen und Aufzüge verboten, des- gleichen Versammlungen an den Tagen, an welchen über die Wahlrechtsvorlage in der Bürgerschaft verhandelt wird; überhaupt sollen öffentliche Versammlungen in der nächsten Zeit nur in be- sonderen Fällen gestattet'werden, eine Versammlung des Metallarbeilerverbandes ist infolgedessen bereits verboten worden. In acht bestimmten Straßen müssen außerdem die Wirtschaften bis auf weiteres um 6 Uhr abends Schluß machen. Das„Hamburger Echo" verurteilt diese Ausschreitungen ganz entschieden und im„Vorwärts" werden als die Verüber dieser „Pöbelexzeffe" die„Radaubrüder", der„Mob", der„Janhagel" bezeichnet— gewiß nicht mit Unrecht. Deshalb hegen wir die starke Hoffnung, daß, wenn die Gerichte über diese Heldentaten zu befinden haben, diese räudigen Elemeitte nicht als„Opfer der Straßendemonstrattonen vom 17. Januar" in denselben Blättern ihre Wiederauferstehung feiern werden!" Wir wollen diese Ausführungen durch sich selbst wirken lassen! Nur das möchten wir noch bemerken: Als Referenten für die zahllosen imposanten Berliner Versammlungen am Sonntag wirkten in der Mehrzahl die an der Spitze der Gewerkschafts- bewegung tätigen Genossen mit, und die begeisterte Masse in den Sälen und auf der Straße halfen die Buch- druck er nicht an letzter Stelle mit vermehren!— Herr Rexhäuser sollte an diesen Tatsachen erkennen, daß er unmerklich immer weiter mit seinen Kampf- und Klasse, igenossen auseinanderrückt. Die Feuerspritzen vor dem Stadwerordneten-Kollegium. Unsere Parteigenosien in Halle haben zu der zum nächsten Montag anberaumten Sladlverordneteusitzung folgende Juterpellalion ein- gebracht: „Ist dem Magistrat bekannt, welche Unterbindung oes fteien Straßenverkehrs durch die polizeilichen Maßnahmen am letzten Somriage bewirkt worden ist und daß das Verhalten der Polizei geeignet war, einen gewaltsamen Zusammenstoß herbeizufübren? Gedenkt der Magistrat, Vorkehrungen zu treffen, daß derartige Gefährdungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung durch die Polizei in Zukunft unmöglich gemacht werden? Oberbürgernieister Staude hat sich berat erklärt, die Interpellation zu beaulworteu. Ueber seine Antwort darf man nicht zweifelhaft sein. Ist er doch derjenige Herr, der zurzeit gi oß Ar« beitSlosigkeit die unvergeßliche Aenßerung tat:„Unter den hiesigen Arbeitern befinden sich 1500 Lntlcher."(Bummler.) Sericbts-Leitung. Charlottenburger Kommunalfreisinn vor Gericht Die heftigen kommunalpolitischen Aäiup'c. die in Charlotten» bürg zur Zeit der Amtstätigkeit des früheren Stadtverori neteuvor» stchers Karl Ströhler tobten, bilb.'n die Umerlnge eines um, fangrcichen Preßprozesses, dessen Verhandlung heute vor der 2. Strafkammer des Landgerichts II seinen An'ang nahm. Wegen Beleidigung des Herrn Ströhler sind cmgMagt: der verantwortliche Redakteur der„Eharlottenburger iiteuen Zeit" Walter Große, der verantwortliche Redakteur des„Berliner Tageblatt" Arno Arndt, der Ehef-edakteu'- der„Vossischen Ze mrig" Her» mann Bach m a n n und der Chefredakteur der„W l> am Montag" Dr. Georg Korn. Den Vorsitz im Gerichtshof, fuhrt Landgerichts- direkror P u i ch, die Anklage vertritt Staarsamvalt Brüning, die Verteidigung führen Justizrat Michaelis, Rechtsanwalt Masse und Rechtsanwalt Dr. L ö w e n st e i n. Vertreter des Nebenklägers ist Justizrat Dr. von G o r d o n. Das Verfahren richtet sich mich gegen den Rentier E I l e n b v r g in Charlotten» bürg; die Verhandlung gegen diesen ist jedoch wegen Erkrankung des- selben ausgesetzt worden.— Es sind u»gejähr 50 Zeugen geladen. — Die der Anklage zugrunde li.geueen Vorgänge sind im allgemeinen folgende: Der frühere Eiseubvh»Direktor Karl Ströhler wurde am 1. Januar 1895 zum steliv r retcnden Vorsteher und nach dem im Frühfahr 1901 erfolgten Rück ritt des Dr. Jaffe zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt. Im Jahre 1902 wurden gegen ihn sowohl von Mitgliedern deS Kollegiums als anch von dritter Seite und insbcsonidcre in der..Charlotte- burger Neuen Zeit" Vor- würfe erhoben, die in der Bebauptuug gipfelten, daß Herr Ströhler die Wahl zu komniunalen Aemtcin von der Betei.ignuig an einer von ihm ins Leben gerufenen Zeitung, der„Charlottenburger Tageszeitung" abhängig mache. Am 25. Juni 1902 brachte der Stadtverordnet- Dr. Crüger in der Stadtverordnetenversammlung die NichtWiederwahl deS Stadtrats C a s s> r e r mit dessen Nichtbereiliguug au jenem Zeitungsunternehinen in Zusmnmenhaug. An Stelle der Stadt- räte Cassircr, Gertz und Stegemauu wurden die Herren Beringer, Wiukelmam, und Börner neu gewählt. Cassircr hatte eine Be- tciligung an der Zeitung abgelehnt, während Beringer und Winkel- irrmin beide einen größeren Betrag gezeichnet batteu.— Die Angriffe, die von Herrn Ströhler und seinen Anfängern in der Stadt- verordneteuversammlung als unbegründet bezeichnet wurden, wieder» holten sich anläßlich der Neuwahlen zur Stadtverordneteuoersamm» lung im Ilovember 1903. Zu den damals zur Wiedcrwah stehenden Herren gehörte der Stadtverordnete Elle» bürg, ein Mitglied der freien Vereinigung und daher Parteigänger Ströhlers. Gegen Ellenburg machte sich dann eine Strömung geltend, er wurde in der Sitzung des Wahlausschusses vom 11. Oktober 1903 von der Kandi» datenliste abgesetzt. Er sah darin eine?Nache des Kcrrn Ströhler und schrieb an diesen einen längeren Brief, in welchem er seinen Austritt aus dem„Kvmmunalverein" und der„Freien Vereini» gung" erklärte und u. o. folgendes schrieb:„Ich persönlich batis keine Lust, mein Geld der totgeborenen ZeitungSspielcrei nachzu» werfen, ganz besonders aber, weil ich cs verabscheue, daß die Be- setzung der Stellen in den„Städtischen ftöroerichaften" von dem Erwerbe von Anteilscheinen der Charlottenburger Tageszeitung abhängig sein soll."- Die„Charlottenburger Neue Zeit" rcprodu. zierte dieses Ellenburgsche Schreiben in einem in Nr. 267 vom 13. November 1903 enthaltenen Artikel unier der lleberschrist: „Differenzen in der Fraktion Ströhler". In diesem Artikel wurde gleichzeitig auf eine Aenßerung deS Stadtverordneten Dr. Crüger von, 25. Fun, 1902 Bezug genommen, wonach die Wiederwahl des Stadtrats Casstrrr deshalb nicht erfolgt sei, weil er sich an dem Ströhlerschei. Zeiwngsunternehuren nicht beteiligt habe. In Nr. 270 der„Charlottenburger Neue Zeit" wurden diese Dinge wiederholt. Esjtomnien in diesem Artikel Wendungen vor wie: „Dieser.Herr�(»ströhler) drücke iich stets um den Kernpunkt einer Sache herum",„er habe falsche Behauptungen aufgestellt", und es Ivird von den„geradezu jämmerlichen Verhättniffen des Ströhlerschcn Organs" gesprochen, die„dem Finanzgviiie des Stadt. verordneteuvorstehers ein recht unrühmliches Zeugnis ausstellen" — In einem anderen Artikel wird ausgeführt, daß selbst der Druck. fehlerteufel sich anscheinend gegen Ströbler verschworen habe, indem Verhandlungen über die Wahl eines S'adtrats versebe tlich unter der Rubrik„Verpachtungen" wiedergegeben seien. In einem Ar- tikel„Herr Ströhler auf dem Rückzüge" wird Herr Ströhler wiederum in Verfolg einer Prcßpoieinik mit der„Charlottenburger Tageszeitung" migegriffen. Bei der Wahl der Stadtrate Beringer und Winkelmann, welche sich mit 1000 und 3000 M. an der Zeitung beteiligt lättcn. habe ein durchsichtiges Manöver vor. gelegen und es wird von einer„Stcöhlerschen Mißwirtschaft" ge- sprachen.— In einem weiteren Artikel wird wieder von„Cliquen- Wesen" und der„Ströhlerschcn Mßwirt'chast", von Kommunal- Skandalaffaren" gesprochen. Dasselbe wiedercholt sich in einen» weiteren Artikel, in welchem eine gegen Stiöhler geachtete scharfe Erklärung der Stadtverordneten Professor Tr von Liszt und Dr. Crüger abgedruckt wurde. Es wird in dem Artikel noch hervor- gehoben, daß bei Beeidigung von Zeugen vor Gericht eS ohne Zweifel noch zu recht uitcrcssanten Enthüllung.» kommen werde. Endlich lmrd in einem Artikel vom 6. Deaembcr 1903 unter dem Titel„Jin Koimmmalverein für die östlich» Stadtbe-irkc" u a der Ausdruck„Ströhlersche Sippe" gebraucht und ausgeführt- Herr Ströhler werde sich hüten, zu klagen, da er die Enthüllungen vor Gericht über die Gründung der Zeitungsgescllschaft und Wahl zu kommunalen Aemtern zu fürchen habe.— Angeklagter Große erklärte auf Vorhalt, daß die inkriminierten Artikel den Zweck ge- habt hätten, Mistitän-de in der Kommunalverwaltung Cbarlottcn- burgs klar zu legen und gegen die Diktatur d s Herrn Ströhler, die dieser in ganz irng- wohnlichem Maße ausübte, anzukämpfen. Die in dem Artlkel gegen Herrn Ströbler erhobenen Ansd?uldi- gungen seien schyi 1902 erhoben worden, zu dem ausgesprochnen Zweck, ihn zu einer Klage zu zwingen. Da Herr Ströhler'/, Jahre darauf nicht reagiert habe, so babe man kaum daran zweifeln können, daß der damals allmächtige Herr Ströbler, der nur zu be» fehlen brauchte, nicht nur die Gesinnung der Wahlkandidaten, sondern auch ihre Beiträge zu seinem Zeitungsunternehmen als Prüfstein für ihre Tüchtiikeii benutzte. Wenn der erste städtische Beamte in dieser Weise die städtischen Interessen mit den Interessen eines Zeituugsuntcrncbnieus verquicke, so sei dies eine Erscheinung, die den lebhaftesten Widerspruch hervorrufen müsse. Aus diesem Gesichspunlte heraus seien die Artikel geschrieben. Was speziell den Abd�ick der Erklärung der Herren Professor Dr. Liszt und Dr. Ccüger betrifft, jo seien diese illustren Namen für ihn Garantie genug gewesen, daß aus dem Abdruck kein Strick für ihn gedreht werden könne. Gegen den Angeklagten B a ch m a n n stehen drei Artikel der „Vossischen Zeitung" zur Anklage, in denen aus Anlaß der Stadt- verordnetenwahlen Miststände in der Charlottenburger Stadwer- ordnetenversammlung besprochen werden und an der Tätigkeit des Herrn Ströhler und sein Vergeben kommunaler Ehrenämter kritisiert wird.— Der Angeklagte verweist darauf, datz diese fach- lich gehaltenen Artikel auf Mitteilungen zuverlässiger Gewährs- männer beruhen und den Zweck gehabt hätten, eine Kritik offenbarer Miststände und der kommunalen Simonie zu liefern, die in Char- lottenburg eingerissen zu sein schien. Für alle in den Artikeln enthaltenen Tatsachen glaube er, den Wahrheitsbeweis erbringen zu können. Auch das„Berliner Tageblatt" erörterte in vier Artikeln diese kommunalen Verhältnisse in Charlottenburg. Ter Angeklagte Arndt legte die betreffenden Zcitungsnunimern vor und erklärte, dah er allerdings mehrere gegen Herrn Ströhler gerichtete und die Charlottenburger Verhältnisse besprechende Artikel verantwortlich gezeichnet habe, dast dies aber— wie der Augenschein lehre— gerade bei den hier inkriminierten Artikeln nicht der Fall gewesen sei. Er sei also zu Unrecht auf die Anklagebank gebracht worden. Der Angeklagte Dr. Korn endlich hat einen unter Anklage gestellten Artikel der„Welt am Montag" unter dem Titel„Ter Charlottenburger Aemterschacher" zu vertreten. In dem Artikel wurde ausgeführt, dast sich aus dem eigenen Lager des Vorstehers Ströhler der Vorwurf der Korruption erhebe.„Wer in Char- lottenburg Stadtrat von Ströhlers Gnaden werden wolle, müsse eine gröstere Summe für die Tageszeitung zeichnen oder zeichnen lassen, sonst falle er unbannherzig durch".— Dr. Kor» erklärt, dast der Inhalt des Artikels auf Mitteilungen aus zuverlässiger Quelle beruhe und der Arftkel im öffentlichen Interesse veröffentlicht worden sei. Hustizrat Dr. v. G or d on tritt namens des Nebenklägers verschiedenen Ausführungen des Angeklagten Große gegenüber: Schon 1902 seien die Behauptungen des Dr. Crüger öffentlich als falsch bezeichnet worden und die ietzige Beweisaufnahme werde er- geben, dast sämtlich? Verdächtigungen der Person des Herrn Ströhler keinerlei tatsächliche Unterlage haben. Es überreicht Rechtsanwalt Masse die Nummern des„Tage- blattes", aus welchen hervorgeht, dast der Angeklagte Arndt für die inkriminierten Artikel nicht verantwortlich gezeichnet hat. Der Verteidiger macht sich zum Träger dieser„Bewcislast", indem er den schweren und sehr dicken Folianten zum Richtertisch trägt. Der Staatsanwalt beantragt infolgedessen die Freisprechung des Angeklagten Arndt. Rechtsanwalt Mosse beantragt, auch die Kosten der Verteidigung der Staatskasse aufzuerlegen. Diesem Antrage widersprich! Justizrat Dr. v. G o r d o n. indem er darauf hinweist, datz der Angeklagte bei seiner ersten verantwortlichen Vernehmung die Verantwortlichkeit nicht bestritten habe.— Angeklagter Arndt: Ich bin nur im allgemeinen auf„Artikel in der Affäre Ströhler" hingewiesen worden, ohne dast mir die einzelnen Artikel vorgelegt worden wären. Da ich nun auch einige Artikel in dieser Affäre gezeichnet hatte, so hatte ich meine Verantwortlichkeit nicht ab- gelehnt. Ich hatte mir nicht denken können, datz eine preußische Behörde Anklage gegen jemand erhebt, dem gar keine Verantwort- lichkeit innewohnt.— Der Gerichtshof erkennt auf Freisprechung des Angeklagten Arndt und legt die ihn betreffenden Kosten(aus- schließlich der Kosten der Verteidigung) der Staatskasse auf.— Rechtsanwalt Dr. Löwenstein stellt den auch von den übrigen Verteidigern unterstützten Antrag, die Verhandlung zu vertagen und den Rentner Alfred E l l e n b u r g als Zeugen über die volle Wahrheit der Behauptung zu laden, datz Wahlen zum Stadtrat usw. von der Beteiligung an der«Charlottenburger Tageszeitung" ab- hängig gemacht worden seien. Die Vernehmung des Herrn Ellen- bürg als Zeuge in dieser Sache sei zulässig, da seine eigene Straf- fache ja abgetrennt sei. Die Verteidigung würde aus keinen Fall auf das Zeugnis dieses Herrn verzichten, dessen Zeugenvernehmung zurzeit durch seine Krankheit verhindert werde.— Vertreter des Nebenklägers, Justizrat Dr. v. Gordon, beantragt die kommissarische Vernehmung des Herrn Ellenburg. Die Erledigung dieser Straf- fache sei doch dringlich und eilig. Sein Mandant sei infolge aller dieser schweren Angriffe körperlich zusammengebrochen und es wäre ihm zu wünschen, daß er die Rechtfertigung, die ihm die gericht- liche Verhandlung bringen müsse, noch erlebte. Der Staatsanwalt tritt dem Antrage aus kommissarische Vernehmung bei, empfiehlt aber auch die kommissarische Vernehmung des gleichfalls durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Zeugen Kommerzienrats Beringer. Ter Gerichtshof beschlietzt, beide Vernehmungen im Laufe des Nachmittags vorzunehmen und vertagt die weitere Ver- Handlung auf Donnerstag 914 Uhr. Uziter den vorgeladenen Zeugen befinden sich Eisenbahndircktor a. Dp Ströhler, Oberbürger- mcister Schustehrus, Bürgermeister Matbing, Stadtrat Samter. Stadtrat Moll, Geh. Justizrat Prof. Dr. V. Liszl, Genossenschafts- Anwalt Dr. Crüger, Justizrat Buka. Stadtrat Boerner. Fabrik- besitzer Cassirer. Kommerzienral Henncberg, Gymnasialdirektor Dr. Hubatsch. Justizrat Rosenberg. Oberstleutnant a. D. Stein u. a. Der Pommernbankprozeß beschäftigte nun auch noch das Reichs- gericht. Bekanntlich hat jener Prozeß jahrelang die Gerichte be- schäftigt. Nachdem die lange Voruntersuchung eine Verhandlung im Jahre 1993 herbeigeführt, die aber abgebrochen wurde, fand eine wochenlange Verhandlung im Jahre 1994 mit der vom Land- gericht Berlin I am I. Juli erfolgten Verurteilung der angeklagten Direktoren Schultz und R o m e i ck ihren Abschluß. Diese beiden Angeklagten wurden wegen Untreue und Bilanzverschleierung ver- urteilt. Schultz zu 3 Jahren 6 Monaten Gefängnis und 30 909 M. Geldstrafe, Romeick zu 3 Jahren Gefängnis und 6999 M. Geld- strafe. Die Details jenes Prozesses, welcher auch den sensationellen Zwischenfall Mirbach zeitigte, und wodurch bekannt wurde, dast die Pommernbank zur„Hofbank der Kaiserin" ernannt war. sind wohl genügend bekannt. Den Angeklagten war zur Last gelegt, dast sie gemeinschaftlich seit 1899 zum Nachteil der Pommernbank gehandelt und die Bilanzen dieser Bank gefälscht haben. Gegen das Urteil hatten die Angeklagten Revision beim Reichsgericht eingelegt. Nachdem diese Verhandlung heute den II. Strafsenat des höchsten Gerichtshofes beschäftigt, wobei Herr Justizrat Dr. Scllo im Namen der Angeklagten auftrat, beantragte der Vertreter der Rcichsanwaltschaft die Revision als unbegründet zu verwerfen. Die Publikation des Urteils hat das Reichsgericht auf den 25. Ja- nuar verschoben._ Vcrfammluncfen. Der Bäckerverband(Mitgliedschaft Grotz-Berlin) hielt am Dien?- tag in den„Svphiensälen" seine gnlbcsuchte Generalversammlung ab. Zunächst ehrte die Versammlung das Andenken sieben verstorbener Kollegen durch Erheben von den Sitzen. Alsdann gab Schneider den Vorstandsbericht. Es ist eine rührige Agitationstäligkeit in und um Berlin entfaltet worden. Dadurch war es möglich, auch in Frankfurt a. O., Potsdam. Fürstenwaldc und Luckenwalde neue Zahlstellen zu gründen. In Berlin ist die Fluktuation allerdings nach wie vor eine sehr große. Während des verflossenen JahreS ließen sich 1454 Gesellen in den Verband aufnehmen: wegen restierender Bei- träge mußten jedoch 1397 aus der Mitgliederliste gestrichen werden. Am Schlüsse des Jahres waren dennoch 1329 Mitglieder vorhanden, ein Mehr von rund 290 gegenüber dem Vorjahre. Versamnrlungen und Sitzungen wurden insgesamt 199 abgehalten. Außerdem sind 311 Kontrollen von Bäckercibetrieben vorgenommen worden. Zu Differenzen mit den Arbeitgeber» kam eS in 33 Fällen, die füs auf drei zugunsten der Gesellen geregelt wurden. Es waren dies alles größere Bäckereien, die 8 bis 50 Gesellen beschäftigen. Bemängelt wurde, dast sich ein erheblicher Teil der Kollegen, darunter auch organisierte, nicht genügend gegen die Wiedereinführung des Kost- und Logiswesens in verschiedenen Betrieben zur Wehr gesetzt haben. Nicht nur den Praktiken der Bäckermeister, sondern auch der Laschheit der eigenen Kollegen ist eS zuzuschreiben, daß die Erfolge deS letzten Streiks teilweise lviedcr verloren gegangen sind. Mitgeteilt wurde noch, dast der Abschluß eines neuen Tarifvertrages mit der allen Genoffenschafisbäckerei demnächst erfolgen dürfte.— Den Kassenbericht erläuterte Barth. Demnach belänft sich die Jahreseinnahme aus 43 594.54 M. und die Ausgabe inkl. der Leistungen an die Hauptkasse 42 551,5(3 M., so daß ein Kassenbestand von 1942,98 M. verbleibt. An Arbeitslosen-, Kranken- und Neiseunterslützung wurden 9579 M. ausgezahlt.— Die hierauf vorgenommenen Vorstandsmahlen hatten folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Schneider; 2. Vorsitzender Ehners; Kassierer Barth; 1. Schriftführer H o e r; 2. Schrift- füvrer Hanisch; als Obleute Janert(Norden), H. Schütz (Osten), Richter(Süden), Krüger(Westen), für die Brotbäckcr Gutknecht, Stellvertreter Grams; Revisoren Galling er, Weist, Rost, Lievländer und B ä n n i ck e. Als zum Vor- stände gehörig wird auch wie bisher der Gauleiter H e tz s ch o l d betrachtet. Barth ennahnte die Mitglieder dringend zum Anschluß an die Partei und zum Abonnement auf den„Vorwärts" mit dem Hinweis darauf, daß es von allen Arbeiterkatcgorien gerade die Bäcker seien, die bei Lohnbewegungen ic. in erster Linie auf die talkräftige Unterstützung der Parteigenossen angewiesen seien. Diese Tatsache allein schon müsse jedem Bäcker Veranlassung genug sein, sich der einzigen Partei anzuschließen, von der er Hülfe zu erwarten hat.— Zum Schluß wurden noch einige innere Angelegenheiten erledigt._ ßHefbaften der Redabtion. lunftlfcher Cell. Tie kiirlftlschc Spr.chftniidc findci lägll» mi« SlttSiialnne de? Soiniabeiw» bo»?>/, bN>»'I, Ildr abends itat». iSeijgnct! 7 Uhr. Jeder Anfraae ist ein Buchsiabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufüac». Briefliche Zlntwort wird nicht erteilt. P. St. 100. Nachzukleben Ist nicht möglich. Ihre Ansprüche sind er- loschen und können erst wieder ausleben, wenn von neuem 290 Marken ge- kleb! sind.— 44. In der Regel: nein.— stz. ft. 77. Die Höhe ist uns nicht im Gedächtnis. Gesetzliche Festlegung ist erfolgt.— M. S. 1890. Soweit ersichtlich, sind Sie nicht Mitglied der Kasse, weil Sic auswärts wohnen. Klagen Sic bei der Gcwerbedepulation Stralauerstr. 1—3 aus Anerkennung, datz Sie Kassenmilglied sind, eventuell aus Rückzahlung der gezahlten Beiträge.— Orgeldingen. Ja, er mutz Ihnen aber Gelegenheit zum Besichtigenlassen geben. Sie können daraus eventuell ans Schadcneriatz tlagen. B. L. 200. Es ist nicht gut möglich, aus Grund der. Angabe, die Sie machen, Ihnen einen anderen Rat zu erteilen, als sich nochmals an da? Vormund schnftSgenchi und an die verschiedenen Polizeibehörden zu Wendel?. LabeS ist eine Stadt in Pommern. Möglicherweise ist Grabow Vorwerl eines in der Nähe liegenden Gutes. Labis oder Lahnsch sind uns nicht bekannt.— 91. Th. Eine Klage aus Unterhalt gegen Ihren früheren Ehe- mann hätte Aussicht aus Erfolg. Zu welchem Zwecke eine Pflegschaft ein» gesetzt ist. ergibt die Bestallung und können Sie aus dem Gericht erfahren. — Z. 100. 1. Nein. 2. Sie lehnen den Eintritt ohne Vegic'tuna des Wirtes ab.— M. St. Aus Grund Ihres Vertrages wäre nur Selbsthülfe unier Zuziehung eines Kammerjägers möglich.— H. 4. Wer ein ihm gehöriges Geldstück durchlocht oder einschneidet und dergleichen, begeht eine törichte, aber keine strafbare Handlung.— I. H. 1. Soweit ersichtlich, sind Ihre Ansprüche minder berÄhtigt. 2. Ja. Ffnt den Inhal« der Jnieraie übernimmt die Nedaktio» dem Atudtituin gegenüber keinerlei Bcranitvortnng. Zheater. Donnerstag, den 24. Januar. Ansang T'/j Uhr: Opcrnbans. Oosi fan tutta. Schaiispicr'hans. Götz v. Berlichingen mit der eisernen Hand. Ansang 7 Uhr. Neues Oper»- Dheater. Ge- schlössen. Deutichcs. Der Kaustnann von Venedig. Berliner. Kean. Neues. Ein Son?mernachtStraum. Westen. Schützenliefek. Kleines. Kinder der Sonne. Ansang 8 Uhr: Lessing. Und Pippa tanzt. Schiller<>.(SSnflun. Thealer) KönigSglanbe. Schiller\.(Friedrich Wilhelm- slädlüches Theater). Die Logen- b rüder. Kölnische Oper. HossmannS Er- Zählungen. Residenz. Der Prinzgemahl. Trinnon. Die Wettersahne. Lnftspield»»«. Der Weg zur Hölle. Thalia. Bis früh um Fünse. Carl Weist. Die lebende Brücke aus Kuba. Zenirnl. Bruder Straubinger. Luiie». Der Verschwender. De«tsch-9lmerika»iiches. Er und Ich. Ntriropol. Aus ins Metropol. Kasino. Die goldene Brücke. Slpollo. Prinzeß Rosine. Spezialitäten. Hcrrufrld. Familientag im Hanse Prellstein. Der grüne Teufel. Belle-Zllliance. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Walhalla. Nach nieruit. Folies Caprice. streich. Der Bcheme. Rcillisliiilieil.«telttner Passage. Spezialitäten. >lr»ii,a. T»»l>e»i>rnste 48/40. Abends 8 Uhr: Am Gols von Neapel. Hörsaal. Abends 8 Uhr! Die Darwinsche Theorie. Sternwarte. Juoalidenstr. 57/92. Täglich gcösiiiri non 7 bis 1 Uhr. Otto Reulter.— Afrika, nach Ka- ?Zach dem Zapfen- Sänger. M-Ikslök Moabit Alt-Moabit 47/49. Große E*tra- Vomtellnng. Caslspie! lies Benili. Rose-Theaters. Der Roland von Kerliu. Schaust), in 4 Akten nach hist. Quellen und Benutzung des Romans von Willibald AlcriS von?i*. Silesius. Ans. 8 Uhr. Kasscncrvssnung 7 Uhr. VorziigskaAen haben Gülllgkcst. veeliner Theater. Abends 71/, Uhr: Kean. Freit.: Der Wlderspanstigen Zähmung. — Sonnabend: Kean.— Sonnlag nachm. 21/j Uhr zu crmätz Preisen: Die lungkrau von Orleans. Ab. 7'/, Uhr: 0er Wderspanstigen Zähmung. Neues Thealer. Ansang 7'/, Uhr. Lin 5ommkNlse!lt5trsum. Freitag: Liebesleule(Amants). Sonnabend. Sonntag, Montag: Ein Sommernachtstraum. Kleines Theater. Zum e r st e n m a l: Kinder der Sonne. Drama in 4 Akten von Aiaxim Gorki. Ansang T/, Uhr. Freitag: Kinder der Sonne. Zentral-Theater (Operette). 8 Uhr: Bruder Straubinger. "Operette in drei Akten von Eisler. Uiiseu-Theater. Abends 8 Uhr: Zum«rftcn Mal«! Der Verschwender. treitag: Maria Stuart. onnabend: Kaufmann v. Venedig. Sonntag nachm.: Pension Schöller. Abends: Der Verschwender. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor.._ Apollo-Theater. 8 uhr: Prinzeß Rosine von Ijlnckc. tieraus die glänzenden mit Katsukuma tfigashi Meister der Seibstverteidigungslehre Jin-Jltsn. Sonntag nachm. 3 Uhr: Berliner Luft und Spezialitäten.__ ! Buggenhagen SÄ ' Jeden Donnerstag und Freitag: Neue« Programm. Fritz Steil- Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeateri. Donnerstag, abends8Uhr: KHnlg-Hglaabe. Est» biblisches Drama in ö Aufzügen von Hermann Stobte. Freitag, abends 8 Uhr: Cyprleune. Sonnabend, abends SUhr: >i»>iiS«Klauke._ Tlieaiter. Schiiler-Thealer N.(Friedr.-Wilh. Th.) Lonne rStag.adendSSUHr: IMe I-oBcnbrüder. Schwank in 3 Akten von Karl Laufs und Kurt Kraatz. Freitag, abends 8 Uhr: Ueder onnere Kraft.(L Teil.) Sonnabend, abends 8 Uhr: _ Cjpplcnne. Freie Volksbühne. I Honte abend S'l2 Uhr: deneral-Versammlung Im Gcwerhscbaftslianse. Tagesordnung; 1. Vortrag: Frau I-Ily Brann über: Goethe nnd die Jnecnaorzlchiing:. 2. Geschäftsund Kassenbericht des Vorstandes. Bericht der Revisoren. Diskussion und Verschiedenes. 228/4 8. Serie: im Carl Welll-Theater: Ein Frühlingsopfer. Schauspiel in 5 Akten von G. Kaiserling. 7. Serie: im Hetropol-Theater: Kater Lampe. Komödie in 4 Akten von Emil Rosenow. 13. Kunst-ilbetid im Rathaus nittwocb, den 14. Pebraar zum 50. Todestage des Dichters Ileinricli Heine. Sonntag, S8. Januar, nachmittags ä'l2 Uhr: Carl Weiß-Theater. 18. Abteilung Atnphitryon und Die Frage an das Schicksal. Einlaßkarten a SO Rk. zur iVleillliei*' Ausstellung bei Der Vorstand. In Verlr. die Geschäftsstelle: G. Winkler. Metropol-Theater. 9./10. Abteilung Maria Magdalene. Residenz-Theater. Direktion: Richard JJUjcandcr Heule und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwank in 3 Akte» von L. Ziänros und I. Chancek. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Herkuiespilten. KasinosTheater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Die goldene Brücke. Schauspiel in 3 AN. v. R. Skowronnek. Im Neuen Theater z. Z. m. seusation. Ersolg gegeben! Borher: Oos drill duale Programm. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das Opferlamm. Zirkus Albert Schumann Heute abend präzise 71/, Uhr: F, Ute- Abend. Gala-Programm, u.a.: Berlins! grBDte Sensation! Eine wirklich sehenswerte Novität! MIß Ablc Mitchell und ihre 20 StuSn 20 einschlietzlich Topsy, Henry Williams, Willy Yeger, die ausgezeichneten sandtanzer. Ferner die phänomenale Wr?s-yolsm-7ruppe und die § rostartigen neuen Spezialitäten. um Schlutz: Die diesjährige große Ausstattungspantomime Femina das neue Frauenreich. Sieben wunderbare Akte und die seenhaste Schlutz-Apotheose. Komische Oper. Friedrichsir. 104/10ia. Donnerstag, den 25., abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Freitag; Hoffmanns Erzählungen. Sonnabend: Die Bohtme. Sonntag nachm. 3 Uhr bei«nnätz. Preisen: Oer Oerregider. Abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Folies Caprice Budapester Possen- Theater 132 Linienstr. 132, Ecke Friedrichstraße.— Zum 1�9. Male: 97acb d. Zup Ten streich. Vorher: Der Beheme u. d. auSgezcichn. Spczialitätentcil. Anfang 8 Uhr. Vorverk. tögl. b. Northeim u. an der Theaterkasse von 10 Uhr vor- mittags an. Mctropol-Theatcr Anfang 8 Uhr. M- m ietropol! Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Hauchen in all. Räumen gestattet. Walhalla Theater lltuij Aftilin, und) Kamerun. Ausstattungsposse in 6 Bildern. Ans. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. DM- Zum 07. Male: TBO Die neueste und größte Sehenswürdigkeit Berlins: ♦ Indien. � Orig.-Pantom. des Zirk. Busch. Besonders hervorzuheben: Eine Tigerjagd in den Dschungeln Indiens und Elefanten-Kämpfe. Außerdem: Mr. Hagedorns Transformations-Grotta. Sensationell! Sensationoll! Mr. Norton Smith, Amor. berühmtester Pferdebändiger. T rianon=Theater, Anfang 8 Uhr. Die Wetterfahne. Sonntag nachm.: Die herbe Eruchl. OöM-lMMWüw Tlieater. Köpenickerstr 67/68. Jed. Abd. 8 Uhr: pngF" Gaslsniel Ad. Philipp-TKtzjJ Sonntag nacamiciag 3 Uhr: Halbe Preise! „Ueber'n großea Teich", Carl Weiß-Tliealer. Gr. Frankinrtcistr. 132. Täglich 8 Uhr: Die lebende Brücke nuf Kuba. Sensationelles amcrik. illusstaitungs» stück mit Ges. u. Ballett in 7 Bildern von James Fox. Sonnabend, den 27. Januar, nachm. 4 Uhr Kindervorst.: Oorgesliei. Kater, W. Noacks Tlieafer. Direktion: Roh. DIU. Brnnuenitr. 16. Extrn-Elite-Borstrllnng: Onkel Brästq. Lebensbild in 5 Akten n. d. Reutcrschcn Roman..Ut mine Sbromtid- v. Seelen. Ansang 8 Uhr. Entree litt Ps. Ball. Freitag: koder vom lindhamerhol. palast-Thealer Burgstr. 24, 2Min.v.BH.Börse. Heute 8 Uhr. Entree SV Ps. Benefiz der Berliner Hoclifuruer Die 3 Härders. Einmaliges Gastspiel großer Attraktionen der Variste-kükne. Nach der Vorstellung Van« ohn« Nachzahlung. Urania Im Die Tauben- str. 48/49. Abeuds S Uir: Golf von Neapel. Hörsaal 8 Uhr: Darwinnclie Theorie. Sternwarte lnti,,lden «tr.57;62. Castans fanoptihnm Frledriclistr. 105. Ohne Lxtrs Sntree. Bergbewohner ibessiniens. 05 Eingeborene MBnner, Weiber und Kinder, sowie das Baby ,.6arollna". Eintritt 50 Pf. Otto Reutter. Klein-Familie, Kunstradfahrer. Emst Perzina, dressierte ASen. lola Hawthorne, �sÄrinche Elmo li. Recco, �feÄhe Yuiian Familie, Akrobaten. Die drei Holloways, Gebrüder Schwarz, Parodisten. Die Meim'nger, HuRdepantemlme. „In Schottland", ßurke, Andrns u. Frisco"slnT Oer Biograph„ROekkehrvofflBall". OcbrUder Heute und folgende Tage: famlllentag im Hause Prellstein. FaiiiiHcnniltjrlledcr: Fridolin Unterbett Emmerich Unterbett Samuel S. Unterbett Frau Wolkenbruch Jonas Titchtuch Hannibal Sauerstoff Fredy EiwciS Maurice Archimede* Flora Prellstein Kicky v. Kltzky Monika v. Kltzky Igel u. Kodak Stanislaus, Helene Schestak, NechtSlonfulent Anton Horrnfold) Esau Prellstein (Donat Herrnfeld). Auf. 8 Uhr. SBomvI. U-2 Uhr. Reichshallen. Heute: Stettiner Sänger SanssoucUÄ' Dir. Wilhelm Reimor. Donn eräf., Freit., 5 ounaB.: Hoffmanns Nordd. Sänger und Tanzkränzchen. Sonnt. Bg. 5, Wochcnt. SU. Dienst., Mittw.: Tneat.-Ab. (Sastsp. b. Ldwe-Ensembles, Anmeld. f. b. gr.Tdeaterfaal u. d. tl. Säle nächst. Saif. w. schon jesz! cntgegeiigen. ZeutrsI-VerdMl der lopfer. _____ iTiilalo Kdhi»|ln._____ M# Filiale Berlin. Frellng, den 26. lonnot 1906, abends 6 Hr, Engel-Ufer 15, Saal I: im K an vertrau ensm iumer-Kitznng. Die Tagesordnung wird in der Sitzung bekannt gemacht. ---—-- 195/2 Da in dieser Sitzung die geknickten NechenschaflSb�erichte des Vorstände? zur Verteilung gelangen, inust jeder Bau vertreten seim____ Per Vorntand. Lustspielhaus. Täglich abends 8 Uhr: Der Weg;»r Hölle. Passage-Theater. nfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. Walter Steiner Humorist. Aco�ta Kraft-Jongleur. WWWWWWWWWW. Elysium __ f Landsberger Allee Nr..10-41. Jnh. C. Eisermann. Irden Donnerstag: Brlginnl- Hai-bm-ger Slinger Direktion: C. Frick und F. Kasche-Krause. AnFang 8 Ehr. S»tree 10 Pf. Nach der Soiree:' tXWmXm AvisI Dienstag,«.Februar: Famtlien- Maskenball. Gustav Behrens SpezialitäteD- Tbeater Frankfurter _ Allee HS. Der grötzie Schlager der Saison I Rentier M u d i ck e S Abenteuer auf dem Metropalball odei: Die lleinen Mädchen von Berlin. Gr.AnSslattungspofse m. Ges. u.Tanz. Im zweiten Bilde: Dir 6 schönen Manolizigaretten. Außerdem: IS SPezialitiite». Seböneberger Wintergorten Goltz straße 9. Täglich Theater- und Speziali- tätenvorsteliiinq. Sonntags L Vorstellungen. Nachmittag» 4 Uhr zu halben Preisen. Jede erwachsene Person Hai ein Kind srei.— Abend» 7'/.Uhr Große Gata- Vorstellung. Tie Tirektlo». Otto pritrkows Berliüer Abnoriüitäteii-Ibeater ntiuxMtr. IU. Rlesen-Weilmaclils■ Programm! Neu! Die Ellte-Liltputaner-Truppe, Sic[Icmftcu Sängerinnen u. Vor« tragSfmistler der Welt. Riesln Ilona. 485 Psd. schwer. Upulle, der Mensch ohne Gesähl. Mne! Mno! Mnle! srei in der Lust schwebende I Türkin. Hellseherin Armida, wahr» ['agcndc Wunderdame. Pluto, Wunderhahn, geb. mit 4 Beinen. 2 Körpern, 1 Kops, lebend, zc. gggyj llloi-itsplntz. Täglich � in den untere» Säten � (Zottschalk-Ronztert. >!>...................... Variete Elysium KoniinandantenHtraße 8/4. Um 9'/, Uhr: Austreten des Berühmten Stegreisdichters Paul Steiuitz. (iewerkscbaltsbaus, SO., Engel-Ufer 15. Monntag, dun 28� Januar lOOO, abenda 7 Ehr: Marie igers.1: i Musikalische Mitwirkung: Christian Hansen vom Theater-des i Westens(Tenor), Herr Kapollmeister Lippitz, Herr Ernst ScliauS )(Ilarmoniuni). 286/9 1 Eintrittskarten a 30 Pf. in den Zigarronbandlungen boi H o rs c h, | Engel-Ufer 15 und Qottfr. Schulz, Ädiniralstr.-lOa und in allen durch Plakate kenntlich gemachten Goschüften.) 4H>»— 4 tejD-rfiÄiMas' M Neueste Sehenswürdigkeit Berlins!% Karl Gabrier« Volks- Museum. PrledpIchatraDe lJ8a. Am Oranlenburicer Tor. ca. 2000 Attsstellungsobiektfl. a�T* Mechanische Aolossatgruppen in Hier noch nicht SM- gesehener tüuftlerischer Vollendung.-W« S�FoIhnltranlthsItoa■. deren Bebampfdnc.'�Ml SMf Anatomie und 8aiaarlterlehre etc. etc. Täglich freöffnot von früh 9 Uhr bis abends 10 Uhr Entree 30 PI., Soldaten und Kinder 20 Pf.— Für sämtliche Räume ohne Nachzahlung 80 Pf. 76/5* ii Deutscher Holzarbeiter-Verband. Möbelpolierep. Tonntag, den 38. Januar 1906, nachmittags 4 Uhr. im Gelverkschaftshause. Engel-User 15(Saal 1): Branche»»- Bersammlung. Toges-Ordnung: 1..Fragen der Kindererziehung-. Referent: Genosse P. Gähre. 2. Disfussion. 3. Wahl der Branchenleitung. 4 Verschiedenes. Nach Schluß der Versammlung: Gemütliches Beisammen� sein mit Tanz.— In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht der Kollegen, nebst Freuen in dieser Versammlung zu erscheinen. Mittwoch, 81. Januar, abemds 8'/, Uhr, bei Kuba», Blumenstr. 88: Branchen- Kommissious- Sitzung. 781 TS* Der Branchenleiter. Achtung! Achtnnc! ProduktenhändleLd-Händlerinnen! Dannerstag. den 85. Januar 1906, adendS 9 /, Uhr, jm Lotale des Herrn lllcrhotvnltl. Andreasstr.£6: Oeffentliche Uersammlnng aller �roduktentzäudler u.-Händlerinnen. Tages. Ordnung: t. vortWig deS Herrn Rechlsanwalt NattcrndorF. 2. Disfussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. 21160- Oer Vorntand. Arnold Scholz. Neue Weit. Hasen- beide 108/114. Im festlich dekorierten Rlesensaaie vom 28. Januar bis 18. Februar: Großes Münchener Bockbierfest Baron Muekl mit seiner Original Oberbayrischen Bauernkapelle D'Hollertaoer; Bedienung durch£0 echte bayritche Madl'n in Nationaltracht. H. Bergschloß-Bockbier— Müncheoer Köche. Sensationelle Deberrasohungen. Sonntags 2 Kapellen. E8412* i Anfang 7 Uhr, Sonntags 5 Uhr.— Enlree M. 0,80. Friedricbsberg. Fernsprecher Nr. 8. Fraokfttrter- Chauttsee 5. Heute. TounerStag, den 25. Januar» VOLKS-CABARET unter Leitung der Brettl. Diva Mcghlttt MllÜillttt. Mitwirkende: «cor* Bamberg/er vom Wolzogen-Ueberbrettl.— Erwin 86ttner vom Llnden-Cabaret.— Pros. Scblcrmana, Kom- pofitiontn.— Fr. Härtung, Konzeri-Sängenn.— ßt. Zizold vom Tabaret Roland.— Hr. Staege vom Klimperfasien. Anfang 8'f, Uhr. Entree 60 PI. Im Vorverkauf 40 Pf. Gebr. Arnhold. Sozialdemokratisch. Wahhereiii für den MerlinerReieiislagswahlkreis. Todes- Anzeige. Am 22. b. M. verstarb unser Mitglied, der Güitler niilioir Seliuli Oranienstraße 186. Ghre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 2o. d. M., nachmittags 3 Uhr. von der Halle des Thomas-KirchhoseS, Hermann. Ilraße, auS statt. 238/1 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Ter Borttand. Scziölilemgki'slizehei' MveMllZ-OerlMchstogs- Wahikreis. Den Mitgliedern zur Nachrichl, daß der Genosse >ViIlielm alinisdi Köpenlckerstt. 44, verstorben Ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 26. yamiar, nachmittags 3 Uhr. von der Halle des Thomas- Friedhofes'Hermannslraße, Rix- dors, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 246/3 Her Vorstand. MveMderDaehdeeker Cttsücrttmltmig Berlin. Todea- Anzeige. Am Donnertag, den 18. Januar, oerslarb durch Unfall(Sturz vom Dache) unser Mitglied, der Dach. decket Willielm Jurisch. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 26. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas- KlrchboseS, Rixdorf, Hermann- straße 79—83, auS statt. Um reg« Beteiligung ersucht 54/2 Ter Vorstand. ir-nv Berlins und Todes- Anzeige. Verstorben ist unser Bundes- Mitglied Ernst Liebe vom Klub„Blauer Rwg-. Ehre seinem Andenke» f Die Beerdigung findet am Donnerstag, 25. Januar, nach- mittags 3'L Uhr, von der Leichen- halle deS Lussen-KitchhoseZ.Fürsten- brunner Weg, aus statt. Her Vorstand. Die Beerdigunl ManneS, des Da« meines lieben zdecketS VVilkelm»Jirnsdi findet am Freitag, den 26. d. M., nachmittags 3 Uhr, von derLeichen- halle des ThomaS-KirchhoseS(Rix- dors, Hennannstraße) aus statt. Ll5tb Die trauernde Witwe. Dp. Sviztalarzl sllr Bant- and Barulcldon. 10— 2,5— 7. Sonntags 10—12, 2—4 Prinzen» Str. 41, 29/14» Lane& Ney Friedricbstr. 43. Täglich obonds 8 Uhr; Enthüllungen. 20916" Spiritismus. □ Gedankenlesen. große, vorzüglich« Zigarre, moderne Form, liefert 300 St. 10,80 M. franko Nachnahme. Zigarren- sabrik Bremer Schlüssel. Bremen IV. Gelegenheitskauf! Schlaft In Wolle, extra schwer 350, 450, 500, ßOO M Pfprdflecken 250, 350, 450, 55« M ReiSeifecken Tigor-Mnster ä485, gO«, gOO, IQO« M Versand p. Xaehnahme. Emil Lefevre tt%T Oranienstraße 158. Fehlerhafte Dechen «Ed- spottbillig!"WU 672312» SozialdemokratisehJahlverein Reinickendorf-Ost. Am 16. Januar verunglückte unser Genosse Wllketm Meier Schönhotz Nr. 15 in der Arnheimschen Geldschrank- sabrik und verstarb kurze Zeit darauf. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 4'/, Uhr aus dem Schönholzer Kirchhose statt. Rege Beteiligung erwartet 222/3 Der Vorstand. SozialdemokratisehJahlverein Ireptow-Bauoisctiuleuwej. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied 202/1 Paul Leder im Alter oon 37 Jahren an der ProletariertrankHeit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frei- tag. den 26. Januar, nachmittag« 1 Uhr, von der Leichenhalle des GenieindesriedhoseS, Neue Krug- Allee aus statt. Um rege BeteUigung ersucht Her Vorstand. Tumvereii! Jahr Treptow. Todes- Anzeige. Allen Turngenossen hiermit die traurige Nachricht, daß unser lang- jähriger Turngenosse und Vor- sitzender 286/14 ?«»>> Leder im Atter von 37 Jahren ver- storben ist. Ehre feinem«nhenken! Die Beerdtauug findet am Frei- tag, den 26. Januar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Treptower Gemetndesriedhoss auS statt. Um rege Betelllgmig ersucht Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz. spenden bei der Beerdigung meweS lieben ManneS sage ich allen Ber- wandten und Betannten, insbesondere den Parteigenossen des 481. Bezirkes des VI. Kreises, sowie den Mit- gliedern deS Radsahrerverein»»Frei- heit" meinen herzlichsten Dank. vis trauernde Witwe, 2150b Mcrtha HSBner nebst Sohn. Danksagung. Für die zahlreiche Teilnahme bei her Beerdigung meine« lieben ManneS sage lch all«: Bekannten und Freunden, insbesondere den Kolonisten von.Wildamerika' meinen herzlichsten Dank. Die trauernde Gattin Klara Borctaardt 232/15 geb. Loy. Danksagung. Herzlichen Dank allen sür die über» aus zahlreiche Beteiligung sowie für die benlichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau. unserer guten Mutler. 5849V Besonders dem Gesangverein Rir- dorser Männerchor, den Mitgliedenr des Seneselder-BundeS, deS Spar« Vereins Ameise. sowie meinen Kollege» und Mtarbeiterinne» der Firma Karl Kühn u. Söhne. Karl 8Iammwltz nebst Kindern. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau MatWIde Griese sage ich allen Verwandten. Freunden und Bekannten meinen berzlichstell Dank. tiastav Griese, 2135b Gastwirt. Expedition des Vorwärts Sertin SM. 68, Lindtnotr. 69, Laden. Von den letzten Weihnachts- Prämien foite fleiiters sämtliche Werke illustrierte Ausgabe in zwei eleganten Bänden preis Jßk. 8,- und Der gesundheitssehntz in Staat, Gemeiude u. Familie von Smanuel Wurm Preis JTtU. L— sind noch eine Anzahl am Lager. die wir, seweit der Borrat reicht, zu obigen Preisen abgeben. Szepeditlon des Vorwärts. Verantwortlicher Redakteur: Hand Weber» Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Redaktion und Expedition: Berlin, Cindenitr. 69. fcrniprrtijer: Amt IT. 1985. | N-. SV. Donnerstag, den 25. Januar 11)06.]"."S, Vorort-JVacbrlcb ten. Parteigenossen Z Seht die Wählerlisten zur Gemeinde- Wahl, die bis zum 30. Januar auslicgen, ein oder beauftragt mit der Einsichtnahme einen der schon bekannt gegebenen Genossen am Orte! Weisiensee. In welcher Weise es die hiesigen Hausbesitzer verstanden haben, sich Vorteile auf Kosten der Gemeinde zuzuschanzen, kam in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung recht kraß zum Ausdruck, Es ist nämlich jetzt die Entdeckung gemacht worden, daß bei der bis- herigen sseslsetzung der einmaligen Kanalisatiousbeiträge die Gemeinde um verschiedene tausend Taler zugunsten der Hausbesitzer geschädigt worden ist. Nach einem OrtSstatut werden die Besitzer neu zu erbauender Häuser mit einem einmaligen Beitrag zu den Unkosten der Kanalisation herangezogen, welche bisher pro laufenden Meter IS M, betrugen. Nach nunmehr angestellten Berechnungen ist aber der Selbstkostenpreis der Gemeinde 46,50 M. Um die Differenz zwischen 15 M. und 46,50 M.— 31,50 M. pro laufenden Meter ist die Gemeinde von denjenigen Hausbesitzern geschädigt worden, welche seit Besteben der Kanalisation im Jahre 18S3 neue Häuser hier errichtet haben. Als unsere Genossen in der Gemeinde- Vertretung diese Wirtschaft kritisierten, waren die Herren Hausbesitzer sehr kleinlaut und zurückhaltend i gar kläglich klang ihre Verteidigung. Am gescheitesten machte es der Vorsitzende des Hansbesitzervereins, Herr Postsekretär und Grundstücksmakler Mewes; seine Aus- rede war:„WaS wollen Sie denn, ich sitze doch erst seit zwei Jahren in der Gemeindevertretung, und wenn uns nicht mehr abgefordert worden ist. dann können wir auch nicht mehr zahlen". Die Herren Direktoren Könitz und Rathmann nahmen sich ihrer angegriffenen Baugesellschaften warm an und fast schien die Debatte erledigt, aber die Alt- Weißenseer Vertreter legten sich noch in Harnisch. Mit Alt-Weißensee ist seinerzeit der Eingemciudungsvertrag so abgeschlossen worden. daß die zu errichtende Kanalisation für den alten Ortsteil nach dem bestehenden OrtsstaMt zu geschehen habe. Unter keinen Umständen werden sie einer Verteuerung zustimmen, sie erheben denselben An- spruch wie ehemals Neu-Weißensee. Gegen die Stimmen der Alt- Weißenseer wurde der Beschluß gefaßt, daß bis zum Erlaß eines dies- bezüglichen Ortsstatuts iin Wege der Privatvereinbarung ein ein- maliger Beitrag von 50 M. pro Meter festgesetzt und erhoben werden soll. Durch diesen Beschluß werden der Gemeinde mit einem Schlage 3000 M. zugeführt, da der Gemeindevorsteher die bis dahin vor- liegenden Baugesuche zurückgehalten hat. Die hiesigen Ortsblätter haben von dieser Verhandlung nur sehr kurz berichtet, während sonst für HauSbesttzer-Jntereffen ganze Spalten zur Verfügung stehen; natürlich muß jetzt vor der Wahl jeder Anstoß vermieden werden. Reiuickendorf-Ost. Die Beerdigung unseres Genoffen Wilhelm Meter, Schönholz 15. der am 16. d. M. in der Geldschrankfabrik von Arnheim tödlich ver- unglückte, findet heute, Donnerstagnachmittag 4'L Uhr, auf dem Schönholzer Kirchhof statt. Recht rege Beteiligung der Genossen er- wartet Der Vorstand. Köpenick. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern vormittag in Marienheim bei Köpenick in der Bolleschen Meierei. Ein dort be- schästigler Knecht ivar an einer Trcidelmaschine mit Häckselschneiden beschäftigt. Dabei rutschte er aus und geriet mit dem rechten Fuß zwischen Welle und Kammrad, wobei ihm der Fuß total zermalmt wurde. Der Bedauernswerte wurde dann auf einen Arbeits- wagen zum Arzt und von da nach Anlegung eines Notverbandes nach dem Lazarus-Krankenhause in Britz gebracht. An dem Brtriebe sollen Schutzvorrichtungen nicht vorhanden gewesen sein. Charlottenburg. Freie Volksbühne Charlottenburg. Auf die heute abend 3'/, Uhr im Volkshause. Rosinenstr. 3, stattfindende Vorstellung des Dramas „Winterschlaf" von Max Dre her wird noch einmal hin- gewiesen. Feuer in einem Warenkaufhause. Gestern vormittag gegen 10 Uhr kam in der Schlüierstr. 16, Ecke der Pestalozzistraße, in dem Lagerkeller des Warenkaufhauses von Julius Elias ein größerer Brand auS. Als die Feuerwehr aus der Ostwache in der Ranke- straße eintraf, standen Tuche, Kleider und allerhand andere Waren in Flammen. Brandinspektor v. L e u p o l d t ließ sofort energisch Wasser geben, wodurch eS gelang, innerhalb einer Stunde die Gefahr zu beseitigen, lieber die EnistehungSursache ist noch, nichts ermittelt. Auch die Höhe deZ entstandenen Schadens lonnte noch nicht festgestellt werden. Wilmersdorf.-- Am Fahrstuhl verunglückt. In dem neuerbauten, den, RegierungS- banmeister a. D. Hans Töbelmann gehörigen, in der Kaiserallee 23 belegenen Hanse sollte gestern die Prüfung der Hausbewohner an dem selbstlätige» Fahrstuhl stattsind«». Um ein sicheres Fuiiklionieren des Mechanismus herbeizuführen, bestieg der bereits geprüfte 35jährigc Portier deS Hauses Karl Seddin das Dach des Fahrstuhls und ölte die Schrauben, nachdem er den Fahrstuhl gesichert hatte.' Auf unerklärliche Weise versagte die Sicherung. Der Fahrstuhl ging in die Höhe und Herrn Seddin wurde der Brustkorb eingedrückt. Mit schweren inneren Verletzungen wurde der Verunglückte auf An- ordnung eines von der. Unfallstation Zoologischer Garten herbei- gerufenen Arztes im Automobiikrankenlvagen nach dem Krankenhause Lichterfelde geschafft. Schöneberg. Eine brutale Vergewaltigung erlaubte sich die bürgerliche Mehrheit der Schönebcrger Stadtverordnetenver. sammlung in ihrer letzten Sitzung gegenüber den Ver- tretern der Arbeiterschaft. Durch das Ausscheiden einiger bürgerlicher Stadtverordneten waren die von ihnen inue- gehabten Stellen in mehreren Deputationen frei geworden und sollten in der Sitzung neu besetzt werden. Die sozialdeinokratischc Fraktion, die in den meisten dieser Deputationen bisher nick)4 vertreten war, erhob jetzt den nach dem Verhältnis ihrer Stärke ihr zukommenden Anspruch auf je einen Sitz in diesen Ausschüffen. Was tat nun aver die schon ganz unter dem Einfluß der Sch,rf. macher deS Haus- und Grundbcsitzervereins stehende bürgerliche Mehrheit? Getreu ihrem Grundsatz«:.MachtgehtvorRecht" lehnten sie diese Forderung kurzweg ab. Kaum ein halbes Dutzend Stadtverordnete aus den bürgerlichen Reihen ließen sich herbei, für die sozialdemokratischen Vorschläge zu stimmen; aber nicht ein einziger fand sich, der auch nur mit kurzen Worten dafür ein» getreten wäre. Dieselbe bürgerliche Mehrheit, die vor wenigen Tagen sich nicht genug tun konnte, in hochtönenden Worten gegen die Untergrabung der Selbstverwalmng zu Felde zu ziehen, als es sich um ein takt- loses Vorgehen einiger ihrer Kollege« handelte, die gegen einen ihnen nicht genehmen Beschluß der Stadtverordnetenversammlung Beschwerde beim Regierungspräsidenten einlegten, diese selbe Mehr- heit also tritt so das Selb st verwaltungsrecht mit Füßen. Wirklich nette Verteidiger der Selbstverwaltung! Die sozialdemokratischen Stadtverordneten werden d'ese will. kürliche Rechtlosmachung keineswegs ruhig über sich ergehen lassen. Sie werden den ihnen von bürgerlicher Seite aufgedrungenen Kampf aufnehmen und dann abwarten, wer daraus als Sieger hervorgehen wird. So viel steht fest: sollte die ordnungsmäßige Erledigung der Geschäfte der Stadtverordnetenversammlung darunter zu leiden haben, so trägt einzig und allein die bürgerliche Viehrheit daran die Schuld. Der Zweck des Hinausdrängens der sozialdemokratischen Stadt- verordneten aus den betreffenden Deputationen leuchtet zu deutlich hervor, als daß er nicht von jedem erkannt werden sollte. Man will eben hübsch unter sich bleiben und nach eigenem Ermessen schalten und walten, ohne der Kritik und Mitwirkung der sozial- demokratischen Stadtverordneten ausgesetzt zu sein. Wie notwendig eine Vertretung der Sozialdemokratie vor allen Dingen in denjenigen Deputationen ist. welche über das Wohl und Wehe der städtischen Arbeiter zu entscheiden haben, wird-bei. spielsweise durch folgenden Fall beleuchtet: Im Juli vorigen Jahres wandten sich die städtischen Arbeiter mit der Bitte an den Magistrat um Errichtung eines A r b e i t e r a u s s ch u s s e s. In ihrer Ein- gäbe wiesen die städtischen Arbeiter auf die guten Erfahrungen hin, die andere Städte mit diesen Ausschüssen gemacht haben und prä. zisierten ihren Wunsch dahin, daß dieser Arbeiterausschutz aus Ver- tretern sämtlicher Betriebe bestehen soll und alle in den Gemeinde- betrieben beschäftigten über 21 Jahre alten P rsonen beiderlei Ge- schlechts das Wahlrecht dazu erhalten. Der Magistrat überwies dieses Gesuch zur Begutachtung den in Betracht kommenden De- pnwtionen. Wie wir nun erfahren haben, ist in diesen Dcputa- tionen die Notwendigkeit des Arbeiterausschusses zum Teil gar nicht anerkannt worden ober es sind allerhand Bedingungen daran ge- knüpft. Heute, nach einem halben Jahre also, scheint mau sich noch nicht über diese ganz selbstverständliche Forderung klar geworden zu sein.— Das beweist, von wie großem Interesse für die Arbeiter- schaft die Zusammensetzung der Deputationen ist. Ihre Vertreter iverben alles daran setzen, um einen gesunden Zustand herbeizu- führen. Pankow. I« Dienst schwer verunglückt ist der Rangierer Otto vastubbe auS Französisch-Buchholz, welcher auf dem Bahnhof Pankow beschäftigt wurde. Er geriet beim Abkoppeln estteS Wagens unter dessen Räder, wobei ihm der rechte Unterschenkel zermalmt wurde. Der Verunglückte wurde nach dem LazaruS-Kraukeuhause geschafft. wo sofort zu einer Amputation deS rechten Beines geschritten werden mußte. Potsdam. Ein Konflikt ist in der Potsdamer Fleifcher-Jnnung dadurch entstanden, daß der Obermeister Picht über die Köpfe der Jnnungs- Mitglieder hinweg an die Potsdamer städtischen Behörden namens der Innung das Ersuchen richtete, die städtische Schlachtsteuer auf- zuHeben und dafür eine Nutzholzsteuer einzuführen. Als dieser Antrag in der Stadtverordneten« Versammlung verlesen wurde, erregte er große Heiterkeit. Jetzt haben nun sieben Mitglieder der Fleischer-Jnnung, meistens Inhaber größerer Fleischergeschäfte, an den Obermeister Picht das Ersuchen gerichtet, die Angelegenheit auf die Tagesordnung der nächsten Jnnungssitzung zu setzen. Die hölzerne Notbrücke über die Havel bei Klein-Glienicke, welche während bes Neubaues der Glienicker Brücke den Verkehr vennittelt, hat jetzt Beleuchtung durch sechs elektrische Bogenlampen, die von dem Potsdamer städtischen Elektrizitätswerk gespeist werden, erhalten. Der Wasserweg nach Sacrow-ivioorlake ist wegen der Anhöhung des Briickengeländes für Fuhrwerke jeder Art noch immer gesperrt, dürfte aber Ansang Februar wieder freigegeben werden. Auch der Tunnel, welcher als Aequivalent dafür, daß Prinz Friedrich Leopold einen Teil seines Parkes zum Neubau der Glienicker Brücke abgetreten hat, zwischen den beiden Parkleilen unter der Berlin-PotSdamer Chaussee hinweg angelegt wurde, ist nahezu vollendet. Der neue Stndtbaushaltsetat für 1906 schließt in seinem jetzt im Rathause ausliegenden Voranschläge in Einnahme und Ausgabe mit rund 4 162 475 M. ab. Gegen den vorjährige» Etat<3 982 952 M.) ist das ein Mehr von 179 523 M. Die Gemeindeabgoben find 36 400 M. höher als vorjährig angesetzt und mit 1 746 000 M. eingestellt. Die Mehreinnahmen setzen sich aus folgenden Posten zusammen: Bauwesen 14 300 M., Gasgesellschaft 2000 M., Friebhof 3200 M., Realgymiiasium 3500 M., Auguste Viktoria-Kraukenhaus 2400 M., Eiseuhartsche Heilanstalt 1900 M.. Wasserwerke 9700 M., Schlachthaus 3000 M.. Elektrizitätswerk 44 110 M., Straßenbahn 6230 M., Ueber« schüsie auS den Vorjahren 40 000 M, Verschiedenes 36 677 M.— Mindereinnahmen zeigen u. a.: Straßeubahntiberschüsse 5000 M., Krankenhausverwallung 2300 M.— Die Mehrausgaben betragen z. B. bei Pensionen 6900 M., Bauten 53 300 M., höhere Schulen 16 428 M.. gewerbliche Fortbildungsschule 43 191 Mark. Krankenhausverwaltung 7940 M.. Säuglingsfürsorgevir iin Kampfe für König und Vaterland nach jeder Richtung hin unseren Mann stehen. Und nun ging unser Oberscharfmacher an die Arbeit. Er rief die Getreuen seines Betriebes. auf die er sich glaubte Verlaffen zu können, zu- sammen und führte ihnen die am Sonntag drohende Gefahr vor Augen, indem er ihnen die letzten sechs Nummern des von ihm in seiner Eigenschaft als Chefredakteur redigierten Blattes aushändigte. Es gälte die Verteidigung des Vater- landes mit Gut und Blut; jeder wahrhaft Deutsche müsse da auf dem Posten sein. Eine Truppe von neun Mann wurde gebildet und entsprechend ausgerüstet; einer mit einem Karabiner, die anderen mit Revolvern. Die Truppe bestand aus dem Faktor als dem Kommandeur, einem Obermaschinenmeister, einem Ober-Stereotypeur, zwei Stereotypeur-Hülfsarbeitern und vier Mann vom Expeditionspersonal. Setzer und Re- dakteure waren unter dieser Kolonne nicht vertreten. Damit die Sache klappte, hatte sich der Kommandierende der Truppe, der Faktor, vorher im Schießen geübt, er soll aber auf diesem Gebiete keine Lorbeeren geerntet haben. Die gesamte Truppe ivurde nun zum Sonntag vormittag nach der„Eselsburg" be- stellt, um den Dienst anzutreten. Ob die Leute zu Hause erst Abschied nehmen mußten, wissen wir nicht. ist aber nach den Anordnungen des Oberbefehlshabers sehr wahrscheinlich. Zunächst wurde die Parole ausgegeben. Ein Bote wurde mit dem Telephon vertraut gemacht und ihm die Telephonnummern des Polizeipräsidiums und der teuerwehr genau eingeschärft. Die Befehle lauteten:„Die vre sind fest zu schließen, damit die rote Kohorte nicht ohne weiteres eindringen und etwa die Maschinen vernichten kann. Lassen sich an dem Tore Leute sehen, ist sofort zu schießen!" Und nun begann das Warten auf den Feind. Doch die Zeit verrann und er ließ sich nicht blicken, so oft man auch nach ihm spähte. Schließlich wußten unsere Vaterlandsverteidiger nichts anderes anzufangen, als nach alter Landsknechtsart sich mit Spiel und.Trunk die Zeit zu vertreiben, indes der Anführer der armen Falstaffgarde, den geladenen Revolver vor sich auf dem Tische liegend, der Dinge harrte, die da kommen sollten. Der Chefkommandeur aber, dem wohl infolge anonymer Androhungen die Laternen- Pfeiler als Galgenpfähle erschienen sein mögen— hatte der Tapferkeit besseres Teil erwählt und war seit Sonnabend abend— verduftet, so daß der„wütende Mob" nicht einmal in seiner Privatioohnung seiner hätte habhast werden können. Nachdem unsere„tapfere" Schar so fünf bange Stunden vergeblich gelauert, ergab sie sich; sie ließ die geladenen Revolver liegen und machte sich aus den Heimweg. Die .Arbeit" war vollbracht und unseram Montag wiedergekehrter Oberscharftnacher konnte in der Montagsausgabe seines Blattes in einem neuen Artikel zum soundsovielten Male beweisen, daß nur mit Mut und Entschlossenheit der Sozialdemo- kratie der Garaus werden könne. Damit könnte nun die Sache erledigt sein, aber sie ist es noch nicht. Wie wir hören, bestehen noch Zweifel darüber, wie hoch diese„Sonntagsleistung" bewertet wird. Der Herr Cheftedakteur hat die Absicht, die Tapferen mit je 3 M. zu entschädigen; die„Söldner" aber scheinen ihre„Arbeit" höher zu bewerte... Wie die Sache noch enden wird, steht dahin, daß aber der Herr Chef diese Verteidigertätigkeit so niedrig bewertet, ist unseres Erachtens nur zuzuschreiben dem ständigen Dalles, in dem sich das Blatt befindet. Zu dieser ganzen„Attion" noch ein Wort der Kritik zu sagen, hieße nur die Wirkung derselben abschwächen. Sie zeigt aber, wie sich in den Köpfen unserer Scharfmacher die Arbeiterbewegung widerspiegelt und bei manchen Leuten geradezu zum hellen Wahnsinn führt. Wer der Arrangeur dieser ganzen wahren Geschichte ist und wo sie sich zugetragen. dürften unsere Leser schon erraten haben: Der Oberst- konimandierende ist niemand anderes als der Chefredakteur der„Post" und die getroffenen Maßnahmen geschahen zun: Schutze dieses Zeitungsunternehmens. Da die„Post" selbst von ihrem hier bewiesenen Mut ihren Lesern Mitteilung nich gemacht hat. wollten wir das Versäumte nachholen und glauben der„Post" damit einen Gefallen zu erweisen. Die MaSkenverlelher werden von folgender Bekanntmachung des Polizeipräsidenten nicht sehr erbaut sein:„Der Polizeipräsident macht bekannt, daß die Gefahr besteht, daß mit Gesichts- masken Krantheitskeime. namentlich solche der Tuber- tulose. von einer Person auf die andere übertragen werden können. Der Herr Polizeipräsident warnt daher, auS Maskengeschäften gebrauchte Gesichtsmasken zu entleihen." Eine Explosion, bei welcher 3 Personen mehr oder weniger erheblich verletzt wurden, hat gestern gegen Abend in der„Elektro- motor" G. m. b. H. am Schiffbauerdamm 21 stattgefunden. Iii: Arbeitssaale waren einige Angestellte bei einer Beschäftigung, bei der eine Benzinlainpe benötigt wurde. Einer der jungen Leute soll sich «tgegen der Vorschrift den BenzinLehälter an einer brennenden Lampe angezündet haben, wodurch das Bassin plötzlich zur Explosion kam. Durch die mächtigen Stichflammen wurden drei in uninittel- barer Nähe stehende Personen verletzt. Es waren dies der 20 jährige Schlosser Karl Brunikowski, HennigSdorferstr. 10, der 16 jährige Lehrling Paul Steger, Kottbnserdamm 18/19 und der Ingenieur Paul Massow, Friedrichstr. 36 wohnhaft. Die drei hatten Brand- Wunden am Kopf, im Gesicht und an den Händen erlitten, und wurden in einer Droschke nach der nahen Charit« gebracht, wo sie die ersten Notverbände erhielten. Auf ihren Wunsch' kamen die Ver- letzten sodann in ihre Wohnung. Genosse Bebel schreibt uns: Ich lese zu meiner grossen Ueberraschung heute im„Vorwärts", daß die Berliner Schlächtermeister gegen mich eine Entrnstungs- dcmonstration in Szene setzen werden, weil ich in meiner Rede anr Sonntag im Moabiter GesellschaftShaus den Namen des Hof- fchlächtermeisters Hefter in Verbindung mit Bordellwirten genannt hätte. Ich habe in meiner Rede den Namen Hefter nicht über die Lippen gebracht, ich habe von einem sehr bekannten Berliner Schlächtermeister gesprochen, der nebst verschiedenen Bordellwirten Wähler erster Klasse gewesen sei, was im Jahre 1903 keinem der preussischen Minister passiert wäre. Der Berichterstatter eines bürger liche» Blattes hat alsdann aus eignem den Namen Hefter in seinen Bericht aufgenommen, wofür sich der Herr bei diesem bedanken mag, vorausgesetzt, datz die Ehre, als Wähler erster Klasse bezeichnet zu werden, ihn kränkt. Ein grellc-Z Schlaglicht auf unsere sozialen Zustände wirst folgende trockene Lokalnotiz: Verhungert. Von einem furchtbaren Schicksal ist der wohnungslose Schlächter Micke aus Berlin ereilt worden. M. wurde schon seit mehreren Tagen vermisst und vergeblich gesucht. Gestern fand man in einer unbewohnten Kammer eines Hinterhauses der Buggenhagenstrasss in Lichtenberg die Leiche eines unbekannten ManneS in liegender Stellung. In dem Toten wurde der vermihte M. erkannt. Nach Aussage des Arztes ist die Todesursache auf Entkrüftuug zurückzuführen. Die Leiche hatte bereits seit mehreren Tagen in der Kammer gelegen. Nichtsdestoweniger werden unsere gesellschaftlichen Einrichtungen über den grünen Klee gelobt; behaupten doch unsere Gegner stets, dah nirgends so für die Arbeiter gesorgt ist, wie in Deutschland, den, Staate der Sozialreform. Die nackten Tatsachen zeigen das Kehrbild der Medaille. Eine Unsitte mit dem Tode gebüßt. Der immer von neuem gerügte Leichtsinn von Schulkindern, sich an Fuhrwerke anzuhängen, hat gestern wieder einmal ein junges Menschenleben gefordert. In der Badstrasse hatte sich der 7jährige Schüler Stephan G. aus der Prinzeu-Allee 57 an ein Automobil angehängt und war während der Fahrt auf die Strasse gestürzt. Ein hinterdrein kommender Lastwagen fuhr nun über den Leichtsinnigen hinweg und schwer- verletzt wurde G. unter den Rädern hervorgezogen. Das rechte Bein war schon vollständig zerrissen und am linken Fuss die Zehen abgefahren worden. Auch schwere innere Verletzungen hatte der Knabe erlitten. Noch lebend wurde er in das Krankenhaus Moabit gebracht, Ivo ihn der Tod von seinen furchtbaren Qualen nachmittags erlöste. Durch KohlenoxydgaS schwer betäubt wurden gestern nachmittag die Arbeiter Otto K r ü g e r aus der Rigaerstr. 110 und Wilhelm S t a V e n o w aus der Turmstrasse 54 iu der Fabrik von Siemens u. Halske in der Franklinstrahc. Dem herbeigeeilten Kassenarzt ge- lang es vermittels des Sanerstoff-Apparates die beiden Arbeiter ins Leben zurückzurufen. Dann wurden sie in einem von der Firma gestellten Automobil nach dem Krankenhaus Moabit geschafft. Verloren hat gestern in der Gegend der Schützenstrasse ein Droschkenkutscher eine Brieftasche, enthaltend sein Wahlvereinsbuch. Aufnahmescheine für Wahlvereine und den Verein für Droschken- kutscher. Ausserdem befanden sich noch eine Anzahl Billetts zu einem Kabarettabend in Weißensee und einige wertvolle Notizen darin. Der Finder wird gebeten, die Tasche im Vereinsbureau der Droschken- kutscher, Schützeustrasse 58, abzugeben. Vom Schafott ins Zuchthaus. Zu lebenslänglichem Zuchthaus ist jetzt der Heilgehülfe Hugo Walter, der, wie erinnerlich, vor zwei Jahren wegen Ermordung seiner Frau vom Schwurgericht zum Tode verurteilt wurde, begnadigt worden. Einstweilen ist er jedoch in die Irrenanstalt Herzberge gebracht worden. Seine Ver- urteilung erregte damals in weiten Kreisen Aufsehen, weil schon während der Gerichtsverhandlung Momente zutage traten, die Zweifel an der vollen Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten auf- konimen ließen. Es wurde ihm zur Last gelegt, datz er seine von ihm getrennt lebende Frau bei Dallgow erdrosselt und dann auf- gehängt habe. Wenn anfangs nach Auffindung der Leiche auch mit einem Selbstmorde gerechnet wurde, so ermittelte die Kriminal- Polizei doch bald, datz sich Walter an den, Mordtage in Begleitung seiner Frau in jener Gegend aufgehalten habe. Er war seinerzeit von Holland nach Berlin gekommen und nnt seiner Frau nach Dallgow hinausgefahren. Walter behauptete, er habe sich mit seiner Frau wieder vertragen wollen, sie aber ihres Benehmens wegen in Dallgow verlassen. Dort müsse sie sich selbst das Leben ge- nommen haben. Andererseits aber wurde angenommen, Walter habe seine Frau ermordet, um eine andere heiraten zu können. Die Geschworenen hatten ihn schuldig gesprochen. Erstarrt aufgefunden wurde gestern morgen in der Nähe von Hennigsdorf im königlichen Forst eine etlva 40jährige Frau, welche aus Bötzow an der Kremmener Bahn stammen soll. Die Frau hatte sich allem Anscheine nach ermüdet im Walde hingesetzt und war dort eingeschlafen. Als die Unglückliche von Arbeitern gefunden wurde, war sie bereits völlig erstarrt und besinnungslos. Man brachte die Erkankte nach Hennigsdorf, wo es einem Arzte gelang, sie wieder ins Leben zurückzurufen. Trotzdem ist der Zustand der Frau ein derartig ungünstiger, datz sie nach einem Krankenhause gebracht werden mutzte, woselbst sie hoffnungslos darmederlicgt. Arbeiter Samariter-Kolonne. Heute abend 9 Uhr, 3. Abteilung, in Schönebcrg bei Obst, Meiningerstr. 8: Vortrag über Ertrinken— Ersticken— verschiedene Formen der Bewuhtlosigkeit. Nach dem Vortrage praktische Uebnngen und Wiederbelebungsversuche. Vorführung des Sauerstoff- atmungsapparates. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten. Gäste h aben einmaligen freien Zutritt. Zentral-Kranken- und Begräbniskasse der Sattler und Berufs- gcnofse» Deutschlands„Hoffnung"(E. H. 64 zu Berlin). Sonnabend, den 27. Januar 1906, abends 9 Uhr, im Restaurant G. Weihnacht, Grün- straffe 21, Ouartalsversammlung. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Mnrkthallcn-Direktion. Rindfleisch la 62—65 pr. 100 Psund, Ha 54— 60, lila 48-52, IVa 38-46, Kalbfleisch la 82-90, Ha 65-80, lila 55- 64, Hammelfleisch la 63—75, IIa 56—62. Schweinefleisch 66—76. Rotwild Psimd 0,40 0,52 Ps. Hasen Stück 3,00-3,40, mittel 2,00- 2.80. Kaninchen Stück 1,-1,20. Hühner pro stück, alte 1,50-3,25, junge la 1,30—1,60, do. IIa 0,00—0,00. Tauben. junge 0,75, alte 0,00—0,00. Enten junge 0,00—0,00. Gänse pr. Psd. la 0,60—0,68, IIa 0,55—0,58, russische 0,40-0,55 M. Schellfische 00-00 M.. Flunder 15-24 M. pro 100 Psd. Hechte 102— 110 M. Schleie unsortiert 00— 00M. Aale, groff 00— 00, mittel 103-107, klein 0,00 M., Plötzen 00 SR., Karpfen uns. 77 M.. Lachs 0,00 M. Schottische Vollheringe(gesalzen) 40—44 M. Eier, Schock 4,50. Butter pro <00 Pfund la 114—117, lla 110—114, Illa 105-110, absallcndc 00-00. Kartoffeln pr. 100 Psd. rote 2,00—2,20, Rosen 0,00-0,00, blaue 0,00—0,00, runde weiffe 1,80- 2,00. Wirsingkohl pr. Schock 7.90-12.00, Weißkohl pr. 100 Psd., 2,75-3,25 Rotkohl pr. Schock 6.00-10,00, Holl. 14—18 M. saure Gurken, Schock 2.00 M., Pfeffergurken 2,00 M. Wasserstand am 83. Januar. Elbe bei Ausstg+0,70 Meter, bei Dresden— 0,62 Meter, bei Magdeburg+ 2,21 Meter.— U n st r u t bei Stranffsurt+ 2,00 Meier.— Oder bei Ratibor+ 1,00 Meter, bei Breslau Oberpegel+ 5,04 Meter, bei Breslau Unterpegel— 1,00 Meter, bei Frantsurt+ 1,84 Meter,— Weichsel bei Brahemünde + 3,78 Meter,— Warthe bei Posen+ 1,78 Meter,— Netze bei Usch— Meter._ ßriefkaften der Redaktion. D. 100. Volksheilstättenverein vom Roten Kreuz verpflegt Lungen» kranke in Heilstätten und unterstützt eventuell auch die Familien der Kranken. Geschäftsstelle: Charlottenburg, Knescbcckstr. 29.— log. Angaben nur für Berlin: Ansangsgehalt 2400 M., Höchstgehalt 4000 M., zu erreichen in 20 Dienstjahren mit 8 Steigungen Ob die Lausbahn zu empfehlen ist? Fragt sich, was S i e von ihr erwarten,— Smart. Berliner Waisenverwaltüng zahlt sür ihre in Familienpflege gegebenen Waisen» linder monatlich: an hiesige Familie» für Kinder im l, Lebensjahr 21 M., im 2, Lebensjahr 18 M., im 3.-6. Lebensjahr 12 M., für Knaben im 7.-14. Lebensjahr 12 M,, sür Mädchen im 7.-15. Lebensjahr 9 M.! au Familien näherer Vororte dieselben Beträge; an Familien fernerer Orte etwas niedrigere Beträge,— Stammtisch W. 1. Der von Ihnen Ge- nannte gilt dafür. 2. Nein.— H. T. 20. Nein.— Thaler 300. Fragen -sie in der königl. Münze an.— G. S. 45. Jean Holze, Hamburg, Drehbahn 45.— 400 Luckenwalde. Fragen Sie einen Arzt.— H. R-, Johannisthal. Wenden Sie sich an den Ruderverein„Vorwärts", Stralau, Tunnelstr. 17. Streitenberger. Ja.— Dnnckerstr. 11. Davon ist uns nichts bc- kannt.— B. 17. Dies erfahren Sie im Auskunstsbureau Bahnhos Aleranderplatz und Potsdamer Bahnhof.— Wette 100. Durchweg 100 Prozent.— H. N. Geschäfte empfehlen wir grundsätzlich nicht.— K. 52. 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