Nr. SS. RhniKmnft.RfdlngitfWD: HSonnrmcntä. Pieil pränumerando! «ierteljShrl. S.Z0 mf, monoll. 1,10 S», wöchentlich 28 Pfg. frei WZ Hau». Einzeln«»lumnier» Pf,, eonnlag». nummer mll Muslrierter Sonntag Z. Beilage.Die Reut Seit* 10 Pfg. Poll, «bonnemenl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post. Leitung Z. PreiZIisle. Unter Kreuzband fL, Deutichland und Oeslerreich. Ungarn •1 Marl, für da» übrige kluZlan» t Marl pro Monat. «to« Ogii» nlo Bmig». 83. Jahrg. DK InKrflonS'GtbSIr Betragt für die sechZgefpaltene Kolonel- zeile oder deien Raum«0 Pig., flir politische und gewerlsch-stlich« Berelns- und Sersammlung». Nnzeiqen 2» Psg. „Klein» Knrelgen". da» erste(seit- gedruSte)«ort 10 Psg., jede« weitere «ort 5 Psg.«orte über 16 Btichsiaden zahlen für zwei«orte. Inserat« siir die nüchsie Rümmer müssen bi» 6 Uhr nachmittag» Inder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Woche». tagen bi» 7 Uhr abend», an Tonn- nnd gestlagen bi» 8 Uhr vormittag» gevffiiel. Beelmev VolKsblnkk. Delegramm- itdresse: „i»»i»Iür»»IiNt Rrlltd" Zentratorgan der fozulckmokratl fchen parte» Dcutfchlands. Redaktion i 8 AI. 68» Lindenetraeae 69. Zprrnsp rechirr: Amt IV, Nr. l»Ka Streifzüge durch das neue Militär- pensionsgefetz. Der Entwurf des neuen Militärpensionsgesetzes wurde seinem Hauptinhalt nach schon im vorigen Jahre vom„Vor- ivärts" besprochen. Dieses Mal wollen wir einige im Ver- borgenen blühende Veilchen des geplanten Gesetzes an das Licht der Oesfentlichkeit ziehen. Sowohl das für die Offiziere als auch das für die Unteroffiziere und Mannschaften vorgesehene Gesetz räumt den Militärinvaliden das Betreten desRechtsweges gegen die Entscheidungen der Militärbehörden theoretisch ein. In den unmittelbar darauf folgenden Paragraphen aber (§ 40 des Gesetzes für Offiziere usw. und§ 43 des Gesetzes für Unteroffiziere usw.) wird das Klagerecht praktisch nutzlos gemacht und daniit indirekt beseitigt. Zum Be- weise dieser Behauptung müssen wir etwas weiter ausholen und dem Leser zuerst erklären, wo die entscheidenden Momente bei der Pensionierung von Militärpersonen liegen. Ist ein Offizier, der noch nicht 10 Jahre gedient hat oder sich in der momentan von ihm bekleideten Stelle noch nicht ein Jahr lang befindet, gezwungen, seinen Abschied aus sanitär-m Gründen zu nehmen, so kommt es in erster Linie aus die Frage an, ob sein Leiden die Folge des militärischen Dienstes ist, also eine Dienstbeschädigung vorliegt. Trifft dies nicht zu, so hat ein Offizier mit einer Dienstzeit von zehn Jahren überhaupt keinen Anspruch auf Pension, und ein Offizier, der sich noch nicht ein Jahr hindurch in seiner der- maligen Stellung befindet, kann nur die Pension erhalten, die ihm in seiner v 0 r i(j«1 Charge zustand. Ferner darf Offizieren, die keine Drenstbeschädigung erlitten und das 05. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, nach dem Wortlaute deS Gesetzes nur dann eine Pension gewährt werden, wenn sie d i e n st u n f ä h i g sind. In der Praxis sieht die Sache allerdings anders aus. Dies ist aber hier sür unS belanglos. Beansprucht ein Offizier eine Kriegszulage, so muß der Zusammenhang zwischen Krieg und Leiden festgestellt sein. Mannschaften sowie Unterosfiziere, die nicht über 18 Jahre gedient haben, erhalten eine Rente überhaupt nur im Falle einer Dienstbeschädigung. Kann eine solche nicht nachgewiesen werden, so verliert der Mann das Recht auf eine Rente. Ebenso verliert er es, wenn die Militärbehörde der Anschauung ist. daß der Invalide sich eine Tienstbe- schädigung durch grobe Fahrlässigkeit zugezogen habe- Die Bewilligung der Kriegszulage ist ebenso wie bei den Offizieren von dem Nachweise des ursächlichen Zusammen- Hanges zwischen Gesundheitsschädigung und Krieg abhängig. Und die Unteroffiziere mit mindestens ILjähriger Dienstzeit icönnen den Zivilversorgungsschein oder die monatliche Zu- läge von 12 Mark für seine Nichtbenlltzung nur dann er- halten, wenn sie zum Beamten für würdig erklärt werden. Wie selbstverständlich würde der Rechtsweg den invaliden Offizieren, Unteroffizieren usw. nur dann etwas Helsen, wenn in den oben angeführten entscheidenden Punkten die Gerichte das letzte Wort zu sprechen hätten. Wird den Gerichten die Entscheidung über die Kardinalfragen, ob eine Dienstbeschädigung, Dienswnfähigkeit, Kriegsbeschädigung usw. in Betracht kommt, entrückt, so ist das Recht zur Klagestellung nutzlos, denn just von diesen Fragen hangt es ab, ob der Invalide überhaupt eine Pension beanspruchen kann. Das neue Militärpensionsgesetz aber bestimmt ebenso wie daS bisherige, daß die Gerichte gerade in den bewußten Richtungen gar nichts zu sagen und die Entscheidung der obersten Militärbehörden, ob eine Dienstbeschädigung usw. vorliegt, einfach gehorsamst hinzunehmen haben. Mag ein Invalide auch Zeugnisse von den ersten medizinischen Autort- täten, die zu seinen Gunsten sprechen, aufweisen, sie Helsen ihm nichts, weil nur die Ansicht der Herren Militärärzte maß- gebend ist. Dadurch, daß den Invaliden der Weg zum Ge- richt auf diese Weise förmlich versperrt wurde und wird, sind die Militärärzte zu unbeschränkten Herrschern über das Wohl und Wehe der Invaliden geworden. Hat der Reichstag wirklich die Absicht, ein besseres Pensionsgesetz zu schaffen, so muß er die eingangs genannten Zß 40 und 43 st r e i ch e n und dadurch die letzte Entscheidung in die Hände der Gerichte legen. Wie notwendig dies wäre, kann nur derjenige be- urteilen, der in die Art und Weise, wie manchmal namentlich mit invaliden Unteroffizieren verfahren wird, einen Einblick erhalten hat. �. Hoffentlich wird der Reichstag auch den Versuch der Reichsleitung, die Pensionen der Generalleu t- nants und kommandierenden Generäle um Tausende aufzubessern, zurückweisen. Die hohe Obrigkeit hat nämlich zugunsten der genannten Generäle an dem bisherigen Pensionsgeseti eine sehr schlaue Korrektur vorgenommen, die recht belanglos aussieht. Es wurde die bisherige Bestinnnung, daß bei pensionsfähigen Dienst- cinkommen über 12 000 M. nur die Hälfte des diese Summe überschießenden Betrages auf das Einkommen anzurechnen ist, gestrichen und dafür festgesetzt, daß bei solchen Ein- kommen künftig„nur" mehr zwei Drittel der Dienstzulagcn über 900 M. in Anrechnung gebracht werden sollen. Durch diese Aenderung wird die Pension eines konunandierenden Generals um 2992 M- und jene eines Generalleutnants je nach seinem Dienstalter um rund 1500—2000 M. erhöht. Da ein kommandierender General jetzt schon 16 493 M. Pension jährlich bezieht und ein Generalleutnant je nach seinem Dienstalter 10 819—11 592 M. erhält, darf man gespannt sein, ob der Reichstag hier wirklich über den Stock springen wird. Im neuen Pensionsgesetz befindet sich auch die aus dem jetzt noch gültigen Gesetz herübergeschleppte Bestimmung, daß die Zeit einer Kriegsgefangenschaft aus die Dienstzeit nicht anzurechnen ist. Dieser geistreiche Paragraph setzt im Grunde eine Prämie auf baldiges Davonlaufen aus, denn der Offizier, der in der Schlacht oder im Gefecht Reiß- aus nimmt, sobald die Situation gefährlich wird, gerät nicht in Kriegsgefangenschaft. Dem Tapferen aber, der bis zum äußersten aushäk< kann es sehr leicht passieren, daß er um- zingelt wird und auf diese Weise dem Gegner in die Hände fällt. Auch können Verwundete und Kranke in Kriegsge- fangenschaft kommen. Wer aber wirklich feig ist und sich recht gern absichtlich fangen ließe, der wird durch die Aussicht auf den Verlust von zwei Dienstjahren auch nicht zum Helden gemacht. Allerdings kann der Kaiser den erwähnten Para- graphen unter besonderen Umständen außer Kraft setzen, aber damit wird die unverdiente Schande, die das Gesetz auf die Kriegsgefangenschaft überhaupt wirft, nicht aus der Welt geschafft und außerdem wird ehrenhaften Leuten zugemutet, um das, was eigentlich ihr wohlverdientes Recht ist, aller- untertänigst zu bitten. Erfreulich ist es. daß das neue Militärpensionsgesetz es dem Reichstag ermöglicht, wenigstens einem Teil der S 0 l- d a t e n s ch i n d e r an den Kragen zu gehen. Der§ 19 des für die Unterklassen und Mannschaften gültigen Entwurfes des Gesetzes verlangt nämlich, daß Kapitulanten der Zivil- Versorgungsschein oder die Entschädigung für seine Nichtbe- nutzung dann verweigert werden darf, wenn sie. infolge Bekundung einer ehrlosen Gesin- n u n g zum Beamten unwürdig sind. Möge der Reichstag dafür sorgen, daß die Militärverwaltung die Soldatenschinderei endlich einmal als ein Ausfluß einer ehrlosen Gesinnung beurteilt. Die Mißhandlung eines Wehr- losen ist doch gewiß eine ehrlose Tat. In der Begründung des Gesetzes sind einige Aeußerungen zu lesen, die sehr von den Reden abstechen, die die Herren Kriegsminister und ihre parlamentarische Anhängerschaft manchmal halten. Gewöhnlich wird behauptet, daß die Ossi- ziere aus reiner Begeisterung für des Reiches Herrlichkeit und Größe sich zum Kolonialdienst melden. Auf Seite 48 des Entwurfes des Gesetzes für die Offiziere usw- aber steht deutlich, daß die Erhöhung der Tropenzulage unbe- dingt nötig sei, um den Ersatz an Offizieren zu sichern. Ferner wird der„Rock des Königs" als das schönste Kleid des Mannes gepriesen. In der Begriindung � des neuen Pensionsgesetzes für die Unteroffiziere kann man hingegen lesen, daß diese durch die Aussicht auf den Zivilver- sorgungs schein zum Kapitulieren veranlaßt werden. Also nicht des„Königs Rock", sondern die Hoffnung auf einen hübschen Zivilposten veranlaßt die Leute zuni Weiterdienen. So muß der Herr Kriegsminister höchstselbst das landcs- übliche Phrasengedresch als Humbug entlarven. Die Revolution in Rußland. D-S II. Unip-Kosaken-Regiment in Sibirien veröffentlicht folgenden längeren„Auftlif". welcher, gekürzt, in den Hauptpunkten folgendermaßen lautet: „An alle Bürger Nnßlands! Bürger! Wir bringen unsere Angelegenheit an die Oeffentlich- keit, um dem ganzen russischen Bolle zu zeigen, wie sie gewesen war." Nun wird besprochen, daß die Kosaken treue Diener des Zaren und stets bereit sind, daö Vaterland bis zum letzten Blutstropfen zu schützen. Am 22. November 1904, zur Mobilisation während deS japanischen Krieges einberufen, wurden sie in Rußland gelassen. Polizeidienste auszuüben. Blindling» sind sie den Polizei- behörden gefolgt, haben selbstaufopfernd alle Befehle ausgeführt, haben das Volk mit Nagaiken geschlagen.mit Flintenkolben daS Volk auseinander- gejagt und unbewaffnete ruhige Bürger auf den Straßen nieder- geschossen, haben sie mit ihren Pferden niedergeritten, öffentliche Häuser bewacht und unter Befehl der Garodowois lSchutzleutes ge- standen..... Hungernd und frierend haben wir unseren Dienst ver- richtet, ohne Murren schwiegen wir. denn wir dachten, daß wir dem Wunsche des Zaren folgen. Als aber unser Zar am 17. Oktober dem russischen Volke die Freiheit gab und allen klar wurde, daß er das schwere Leben des armen Volkes erleichtern will, und als unser sibirienartiges Leben gar nicht erleichtert wurde, fingen wir an nachzudenken, woran dies alles liege." Die Kosaken beklagen sich weiter, daß eS ihnen untersagt wurde, sich zu versamnieln, um ihre Not zu besprechen und daß ihnen gedroht wurde, für ihre Klagen über schlechte Kost und schlechtes Pferde- fntter bestrast zu werden. Von nun an lehnte das Regiment alle Polizeidienste ab, weil solche Schergendienste ihrer Kosakcnehre nicht würdig seien; sie verließen JekaterinoSlaw. kehrten nach ihrem Gebiet zurück.„Wir", fahren die Kosaken fort,„wollen Frieden und Ruhe. Wir wollen daS Glück aller Bürger und verewigen unseren Ruf mit dem Ruf deS ganzen Rußlands: t. Unvermeidliche Einberufung der Reichsduma und Wahl derselben durch allgemeine direkte und geheime Stimmabgabe, da nur so eine Duma wi stände wäre, in unser vielgelittenes Vaterland Ruhe und Ordnung zu bringen; Expedition: 8tS„WMS" Knlim Uslksdllltt. Reichstag. 82. Sitzung v o in Mittwoch, den 31. Januar. »ach mittags 1 Uhr. Am BundeSratstische: Niemand I Die erste Beratung des vorn Abg. Grafen Hompesch sZ.) und Genossen beantragten Gesetzentwurfs über die Freiheit der Religionsübung(des T o l c r a n z a n t r a g e S) wird fort- gesetzt. Abg. Frhr. v Hertling(Z.): Ich mutz dem Abg. Schräder darin recht geben, dah meine politischen Freunde' von dem bisherigen Verlaufe der Diskussion wenig erfreut sind. Das liegt aber besonders an der Rede des Abg. Müller-Meiningen, der in einer so wichtigen Sache mit unkontrolliert baren Histörchen aufwarten zu können glaubte.«Beifall im Z.) Beichtstuhlgeschichten sollte man überhaupt nicht erzählen.(Heiterkeit links.) Die Frage, ob das Austragen liberaler Zeitungen eine Sünde sei oder nicht, will ich nicht beantworten(Heiterkeit links), da wir eine politische Körperschaft sind, die über dogmatische und kasuistische Fragen nicht entscheiden kann. Ich kann de» Abg. Müller-Meiningen nur bitten, darin fort- zufahren, durch den Lustgarten der katholischen Gebctbüchlei» zu wandeln und uns durch sein freilvilliges Polizistenamt zu helfen, vielleicht nnrd dann auch einmal ein Körnchen der Heilswahrheit in seine Seele fallen.(Beifall im Zentrum, Heiterkeit links.) Ernst- hafter sind die Slusführungen des Abg. Dr. David zu nehmen. Die Frage: ob ein Sozialdemokrat gläubiger Christ sein kann, ist durch das Erfurter Programm und Bebels spätere Erklärung im be- jahenden Sinne festgestellt worden. Umgekehrt aber steht für uns noch nicht fest, ob ein gläubiger Christ auch Sozialdemokrat sein kann. Wäre die Sozialdemokratie nichts als eine demokratische, soziale Reformpartei, die nur wirtschaftliche Gerechtigkeit will, so iväre es etwas anderes. Solange aber im sozialdemokratischen Programm der Klassenkampf gefordert wird, folange sollte kein Katholik Sozialdemokrat sein. Was nun den eigentlichen Inhalt unseres Antrages anlangt, so sind wir uns voll bewustt, dag wir mit veraltete» Theorien gebrochen haben. Sie dürfen uns diese alten Theorien also auch nicht vorhalten I Wir sind uns also auch bewustt, daß wir mit diesem An- trag auch für uns die moralische Verpflichtung der Toleranz gegen- über Aiidersgläubigen auf uns nehmen. Aber wir denken gar nicht daran, Staat und Kirche trennen zu wollen, wir denken gar nicht daran, unter die ganze Entwickelung der Staatskirche einen Strich zu setzen.(Beifall im Zentrum. Hört I hört! links.) Wir halten diese Dinge für so wichtig, daß wir unseren Antrag immer wieder einbringen müssen, es sei denn, daß Fürst Bnlow, dessen glückliche Hand wir auf anderen Gebieten bewundern, endlich hierin Wandel schafft.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Hoffinann-Berli»(Soz.): Ich will voraiisschickcn, daß ich namens meiner Fraktion den Antrag stelle, den Gesetzentwurf an eine Kommission von 21 Mit- gliedern zu verweisen. Dieser Antrag ist um so nötiger nach den Ausführungen der Herren Antragsteller und des lchtcu Herrn Vor- rednerS. Ilnserc prinzipielle Stellung hat ja Genosse David schon festgelegt. Wir wollen die Trennung von Staat und Kirche und damit auch die Trennung von Schule und Kirche. Ohne Durch- führung dieser Gedanken kann wahre religiöse Freiheit überhaupt niemals existieren. Während der Herr Vorredner gemeint hat, ein Christ könne niemals Sozialdemokrat sein, gibt es Geistliche, die darüber anderer Ansicht sind. Die Fassung des 8 4 ist einer der wesentlichsten Punkte, weshalb wir eine Koinmissionsberatung für notwendig halten. Waruni diese auf- fällige Acnderung gegenüber der Fassung, welche die frühere Vor- beratung gezeitigt hatte? Die Begriffe von Tyrannei und Gc- Ivlsscu. wie sie die Herren ZentruinSrediier anwenden, finden wir unverständlich. Es muh doch jedem unbenommen sein, seinen Kindern dort Religionsunterricht geben zu lassen, wo er will. Durch de» aufgezwungenen Religionsunterricht wird die ganze Schule zu einer Zwangsanstalt, zu einem Institut, auf dem die Freiheit, besonders die rcligiösc Freiheit, geknechtet wird. Das Zentrum gibt zu, seine Meinung über die Stellung von Kirche und Staat geändert zu haben. Es paßt sich also offenbar den modernen Grundsätzen an. Vielleicht wird auch einmal die Zeit kommen, wo auch für den Darwinismus mit einer Empfehlung des heiligen Vater» in Rom geschrieben werden darf.(Große Heiterkeit links.) Herr Dr. Bachem hat feierlich er- klärt, das Zentrum denke nicht mehr daran, Ketzerverbreimmigen vorzunehmen. Das ist die bekannte Sauretraubenfuchsgeschichte. (Heiterkeit.) Heute können Sie nicht niehr verbrennen, weil Sie nicht mehr die Macht haben. Hätten Sie diese noch, so würden Sie nicht ein Jota anders handeln als früher.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wir werden aus dem Gesetzentwurf annehmen, was uns irgend brauchbar erscheint. Daß unsere zun» Spott ge- wordene�„Religions- und Gewissensfreiheit" dringend der gesetz- lichcn Sanktionierung bedarf, ist selbstverständlich. Ich habe im vorigen Jahre gezeigt, lvie es bei uns damit steht. Ich erinnere daran, daß Berliner Lehrer und Lehrerinnen, wie Dr. Wille und Fräulein Allmann, ohne jedes gericht- liche Urteil auf administrativem Wege ins Gefängnis geworfen wurden, weil sie Moralunterricht erteilten, ohne an einen persönlichen Gott zu glauben. Wie viele Menschen würden sich wohl als.sittlich defekt" erweisen, ivenn man all' denen ins Herz sehen könnte, die heute heucheln müssen, ihrer Existenz, ihrer Stellung willen. jSchr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Heute werden d i e bestraft, die den Mut haben, auszusprechen, daß sie an Gott nicht mehr glauben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich zeigte ferner, wie man bei der Ausübung der Gewissens- freiheit unter Umstände» vom Kammergericht bestraft werden kann. iveil man so unvorsichtig ist, das Urteil dieser höchsten Richter für richtig zu halten. Es kann ja nicht Wunder nehmen. daß die Gerichtshöfe heule s o, morgen so— je nach der oben herrschenden Nichtimg— urteilen in einer Zeit, wo der höchste Beamte deS Reiches in der Duellangelegenheit einen Erlaß vorlesen läßt, der direkt zu Gesetzesverletzungeu anffordert.(Sehr richtig! im Zentrum.) Als Ehreninann soll man die Gesetze des Staates halten, das war bisher die allgemeine Ansicht. Jetzt sind Ivir eines andereii belehrt worden: ein solcher Mann ist unter Umständen ein Feigling und wird mit Schimpf und Schande aus dem Amte gejagt, ivcil er zu hohe Achtung vor den, Gesetze hat.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Da ist es nicht wunderbar, daß auch die Richter verschieden urteilen. Ein altes deutsches Sprichwort sagt:„Wie der Herr, so's Gescherr."(Heiterkeit.) So sehr wir jeder Erleichrerung auf diesem Gebiete zustimmen. so sehr haben wir alle Ursache, mißtrauisch zu sein, insbesondere gegen das Zentrum. Von dem Staate verlangt das Zentrum Toleranz, die katholische Kirche selbst denkt aber nicht daran, diese Toleranz zu gewähren. Herr Müller-Meiningen hat schon eine Reihe solcher Fälle vorgeführt. Er sprach auch von den StthnegotteSdicnste». Noch am 10. Dezember hat in München ein solcher SühnegotteSdienst stattgefunden als Protest gegen die Freisprechung deS Redakteurs Richter. Wir haben ja nichts dagegen, dann verlangen Sie(zum Zentrum) aber auch von uns nichl, daß wir die richterliche Autorität achten. An Schutz der Kirche durch die Staalsainvälte fehlt es doch wirklich nicht. Ich erinnere an den letzlen Thorna-Prozeß gegen den Ihnen sehr unbequemen„Sinchliciksinuls". Als Sachverständiger sollte Professor Forel vernommen werden, ein Mann, der sich nicht scheut, seine Meinung auszusprechen, und der offen erklärte, er sei religionslos. Da sagte der Siaatsanwalt: Ein Main,, der sich nichl scheue. in öffentlicher Verhandluiig Gott zu leugnen, besitze nicht die sittlichen Qualitäten, um in den, Falle ein Urteil abzugeben.(Hort! hört l bei den Sozialdeinolraten.) Der Staatsanwalt verdächtigte also Herrn Professor Forel gewissermaßen des Meineides. Als ob Meineid nicht auch bei Katholiken vor- kommt I Ich erinnere an den Pfarrer Geiser im Badischen, der in einem Wahlbeeinflussungs- Prozesse an ein« seiner Gemeinde- Mitglieder, das als Zeuge gegen ihn hätte dienen können, schrieb: er solle vor Gericht erklären, er habe auf das betreffende Wirtshansgespräch nicht geachtet.(Hört I hört! bei den Sozialdemolraten.) Sie sehen also— man kann ein frommer LMam, sein und trotzdem ein Schäflein der Herde zun, Meineid anstiften. Herr Müller-Meiningel, hat auch gezeigt, wie Sie vorgehen gegen politisch Andersdenkende. Ich erinnere daran. daß Pfarrer Schäfer einer Frau die Kommunion verweigerte, nicht etwa weil sie, sondern weil ihr Mann ein gegnerisches Blatt aus- trug.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) So lange Sie so handeln, können wir Ihren Ruf nach Toleranz nicht ernst nehmen. Wenn es sich darum handelt. Ihrer Kirche Vorteil zu verschaffen, sind Sie in den Mitteln nicht wählerisch. In Berlin hat ein katholischer Pfarrer gegen den Willen von Vater und Mutter ein Kind mit Hülfe der Großmutter gelaust. Als der Vater klagte, schrieb der Kirchenvorstaud der Hcrz-Jesu-Kirche an den Rechtsanwalt, daß er die Taufe unbeschadet der dogmalischen Wirkung als zivilrechtlich wirkungslos betrachte und auf alle Rechts- ansprüche aus derselben verzichte! Gewiß gibt es auch in der evan- gelischen Kirche Geistliche, die es nicht anders machen. Ich kenne einen Fall, wo der evangelische Pfarrer in Wittenberge ein der dortigen Anstalt zur Pflege überwiesenes Kind von Dissidenten gegen den Willen der Eltern hinterrücks taufen ließ. So etwas nennen wir pfarrherrliches Buschkleppertnm!(Große Heiterkeit links.) Das ist die„Toleranz", von der wir nichts wissen wollen, das ist das Losgehen und Hetzen, das wir bekämpfen! Ich erinnere daran, daß— als ein Pfarrer i» Bremen eine andere Taus- formel anwandte— der brennsche Senat anordnete, daß diese Taufe ungültig sei. Es fand also eine Wiedertanfe statt, leider waren aber einige Kinder schon gestorben. In diesem Falle also muß doch ivohl der liebe Herrgott im Himmel, falls er diese Amdlein bei sich aufgenommen hat, seine Meiiunig auf die Verord- innig des bremischen Senats hii« revidiert haben.(Große Heiterkeit links.) In der..Reformation", einen, Blatte, welches ivohl dem Abgeordneten Stöcker nahesteht, wird gegen einen evangelischen Pfarrer in Köln gezetert, weil er statt im Rainen des drcieinigen Gottes iin Namen der Wahrheit getaust hat. Ich gebe ja zu, daß es heutzutage ein großes Verbrechen ist, etwas in, Namen der Wahrheit zu tun, daS paßt nicht in unsere Zeit hinein.(Heiterkeit bei den Sozialdemokralen.) Aber bezeichnend ist. wie die„Refor- mation" sofort eine Untersuchung gegen diesen Pfarrer verlangte. Der Pfarrer Römer in Remscheid schrieb in einem Briese an den Pfarrer Dr. Schäfer, Vorstandsniitglied des Evangelischen Bundes, man möge ihn aus den Listen streichen, da er bei der gegenwärtigen Enlwickelniig der evangelischen Landeskirche die Heuchelei nicht mehr mitmachen könne, dein Evangelischen Bunde an- zligchümi, dessen Zweck es ist, dieselben Znsliinde innerhalb der katholischen Kirche zu bekämpfe». Da hören Sie also aus berufenem Munde die Bestätiginig, daß die evangelische Kirche ebenso intolerant ist tvie die. katholische. Man hält den Kindern sogar die besten Werke des deutsche» Volkes vor. In St. Johann hat ein Volks- freund Schillers Gedichte und Dramci, in der wirklich ganz un- schuldigen Volksausgabe allen Schulkindern des Ortes gestiftet. Aber der Rektor der katholischen Mädchenschule dachte anders und ver- weigerte die Verteilung. Er kann sich trösten: Deutscher Barde frei und groß, Seltsam siel dein LebenSlos: Angestaunt in deinem Streben Und der Armnt preisgegeben, Dumm gelobt und dumm getadelt lind zuletzt auch noch geadelt! O vergib de», Vaterland, Meister, seinen Unverstand.(Heiterkeit.) In Lüttgendortmund wurde ein Sozialdemokrat, als er ge- storben Ivar, nicht ans de», Friedhofe, sondern ans de», Schindanger begraben. Infolge Gerichtsbeschlusses mußte er wieder anSgegrabei, und feierlich bestattet werden. Der Zentmmsabgeordnete Brust aber erltärte öffentlich: Sozialdruiokrate» gehören auf den Schindanger (Hört! hört I links.) Das ist die„Toleranz", die wir bekämpfen. Auch in der Frage der Feuerbestattung haben sich Geistlille beider Konfessionen höchst intolerant erwiesen. Aber selbst in Sachsen soll ja jetzt die Feuerbestattung gestattet werde». Nur Preußen, das Deutschland vorangehen soll, ist auch hierin zurück. Dann erinnere ich an die Dreschflegel- Politik, wie sie vielfach in katholischen Gegenden gegen die Sozialdemokratie angewandt wird. In Stürzelburg rief der Pfarrer den Bauern zu:„Zeigt den Roten, daß Ihr treue Katholiken seid!" Die Folge ivar ein ungeheures Blutbad. Von der Lokalabtreibung, welche Geistliche vielfach gegen uns anwenden, will ich lein Wort sagen. Aber lvas soll man dazu sagen, wenn Sie sich gegen Ihre eigenen katholischen Brüder intolerant erweisen? Im Osten verhätscheln Sie die Polen: wenn aber in, Nuhrgebiet sich einige Polen öffentlich regen und zun, Beispiel nur daran denke», sich in den Kirchenvorstand wählen zu lassen, werden sie von Ihnen auf's bitterste bekämpft. Eine einzige Rede des Herrn KriegSministcrS, wie wir sie neulich gehört haben, wirkt agitatorischer für uns als alle unftre Reden. Ter Herr Kriegsminister erklärte: die Dnellfrage müsse jeder christliche Offizier mit seinem Herrgott abmachen. Wenn nun einmal ein Anarchist eine terroristische Tat begangen haben sollte, so könnte er sich ja auch auf seinen Herrgott berufen und erklären: seine Tat ginge niemand weiter etwas an.— Wie kann man weiter von Toleranz sprechen in einer Zeit, in der eö heißt: Nur ein guter Christ kann ein guter Soldat sein! Was sollen denn die zahlreichen Juden und Dissidenten, die tapfere Soldaten sind, dazu sagen? Streng genommen aber könnte ein guter Christ niemals ein guter Soldat icin: denn er müßte doch an daS fünfte Gebot denken, das da heißt: Du sollst nicht töten. (Staatssekretär Graf Posadowsky hat am BundeSratstische Platz genommen.) Der§ 4 in der Zentruinssassung schützt die Dissidenten nicht gegen Eingriffe in ihre Freiheit. In Küstrin sollte der Vater eineS zwölfjährigen Knaben sein Kind an de», Religionsuisierricht der dorligen Mittelschule teilnehmen lassen und sich erklären, für welchen Religionsunterricht einer anerkannten Religionsgemeinschaft er das Kind bestimme. Er erklärte sich für den jüdischen ReligionS- Unterricht. Da wurde sein Kind anZ der Mittelschule entlassen und sollte die Volksschule besuchen. Der Baker weigerte sich und erhielt ein Straftnandat. DaS Schöffengericht aber sprach ihn frei, daS Landgericht ebenfalls, die Revision des Staatsanwalts wurde zurückgezogen. Gestützt auf diese Gerichts- entscheidungei, wollte der Vater das Kind wieder in die Mittelschule schicken und cS am jüdischen Religionsunterricht teilnehinen lassen, aber der Magistrat ließ ihn wissen, daß er auf höhere Anordnung daS Kind von der Mittelschule ausschließe» müsse, bis sich der Vater für eine» christlichen Religionsunterricht entschieden habe. So wagt die Regierung, sich in offenkundigen Gegensatz zu den Eni- scheid,,»gen der Gerichte zu stellen. Ein anderer Fall hat sich in WaidinaimSlust zugetragen: Der Vater und die Mutter des Schulkindes waren beide Dissidenten. Ihr Kind war nicht getauft, mußte aber den Religionsunterricht der Schule über sich ergehen lassen. Run sollten die Eltern auch „och eine Bibel anschaffen. Als sie sich weigerten, wurde ohne gerichtliche Entscheidung gepfändet. Und zwar pfändete man einen Regnlalor. Das ist sehr hübsch. Wenn schon die Uhr durch eine Bibel ersetzt werden kann, dam, weiß kein Mensch mehr, waS die Glocke geschlagen hat.(Große Heiterkeit.) Wie gegen den 8 4 des Antrags in seiner jetzigen Fassung müssen wir auch gegen die Fassung deS 8 12 stimmen. Der Austritt aus der Landeskirche darf nicht erschwert werden, sondern muß er- leichtert iverden; dem, in einer Zeit, in der wir die preußische Schulgesetzgebung erleben, bildet der Massenaustritt aus der Landes- kirche das einzige wirksame Protestmittel. Selbst ei» frommer Mann, unser Parteigenosse Göhre, dem mau die Zugehörig- leit zum Christentum nicht absprechen darf, wenn er auch aus dcr Landeskirche ausgetreten ist, fordert jetzt öffentlich zum Austritt aus der Landeskirche auf. Wem, sich solche Leute dazu aufraffen, dann zeigt es doch, wie weit die Dinge gekommen sind. Auch die Bremische Lehrerschaft erklärt, daß die Gedankengänge synsch-arabischer Beduine» nicht das geeignete Lrhrmatenal für Kinder in de» erste» Schuljahren darstellen, und daß die Lust zu», Lernen den Kindern geraubt würde, wenn ihnen acht Jahre lang immer derselbe llnterrichtsstoff bei- gebracht werde. Sie erklärt sich also gegen den Religionsunterricht in der Schule. Ganz so frei kann sich d,e Berlinische Lehrerschaft nicht ausdrücken, da Berlin ja in Preußen liegt. Aber auch sie protestiert energisch gegen die Unterstellung der Schule unter die Kirche.— Die Geistlichen suchen vielfach de» Austritt aus der Landeskirche durch ungesetzliche Maßnahmen zu verhindern. So habe ich eine ganze Anzahl Alteste vor mir. aus denen hervorgeht.� daß Geistliche sich geweigert haben, Taufscheine auszustellen, die für den Akt des Austrittes gebraucht wurden. Die Leute mußten die Ausstellung des Taufscheines ans gerichtlichem Wege erztvingen, hatten also unnütze Kosten davon. Zusammenfassend muß ich sagen, daß man in religiösen Dingen nicht vorwärts schreitet, sondern zurück. Bor 100 Jahren urteilte ein Konsistorium viel freier als heute. Prinz Wilhelm, der als Preußens König später der Große benamst wurde, äußerte zu der Zeit, als er die Regentschaft antrat:„Eine der schwierigsten und zugleich zartesten Fragen ist die kirchliche, da auf diesem Gebiete in der letzten Zeit viel vergriffen worden ist. In beiden Kirchen muß mit allen. Ernste Bestrebungo!, entgegengetreten werden, die die Religion zum Deckmantel politischer Bestrebungen machen wollen. In die evangelische Kirche ist eine Orthodoxie ein- gekehrt, die mit ihren Grundanschanunaen nicht verträglich ist und Heuchelei im Gefolge hat. Alle«Scheinheiligkcit, Heuchelei, kurz— daS ganze Kirchenwesen, wenn es als Mittel zu politischen Zwecken dient, ist zu entlarvest." Diese Worte sind dann freilich später ersetzt worden durch den Satz, daß die Religion dem Bolle erhalten werden müsse. Aus Furcht vor der Sozialdemolratie ist der Staat zum Frieden mit der Kirche gekommen. Darum will er Wissenschast und Erkemittiis möglichst aus der Volksschule beseitigen. In, Gegen« sah zu dem. tvaS einst Alexander v. Humboldt sagte, daß wem, die Achtung vor der Einsicht in die Naturkräfte nichr alle Kreise des Volkes durchdringe, nnansbleiblich das ganze Volk von seiner kulturellen und wirtschaftlichen Höhe herabsinken müsse, will man jetzt an Stelle von Freiheit, Erkenntnis und Wissen in der Volksschule nur Religio», Religion und wieder Religion lehren und alle Fächer mit Religion durchtränken. Der Heiland. auf den Sie sich immer so gern berufen. ist ganz in den Hintergrund gedrängt. Sie sind intolerant gegen die Andersgläubige», intolerant gegen die eigenen NcligioitSangehörigen, ivenn sie Ihnen in den Weg treten.� Sie haben am allerwenigsten Ursache, sich auf den Heiland zu berufen. Er predigte Liebe und Freiheit und Gleichheit mit ernsten, Mund, Sie haben ihn drum gekreuzigt; er Ivar ihnen gar zu bunt. So kreuzigt man„och jeden, der von Freiheit und Gleich- heit spricht; Das konnten sie niemals vertragen, bertragen's noch immer nicht! (Heiterkeit und Beifall b. d. Soz.) Sie haben aus der Religio» eine Dienerin dcr herrschenden»nd besitzenden Klassen, ein Werkzeug gegen die Mühseligen und Beladenen gemacht.(Sehr gut! v. d. Soz. Lachen recihtS.) Das neue Volköiihillgesetz soll ja den Ge- meindei, noch mehr die Verfügung über die eigenen Schulgrnndstiicke und Schulgebände iiehiiie», un, die unbequeme Richtung auf religiösem Gebiete ganz abzuwürgen. Man will nur dulden, waS dcr jeweiligen Richtung angenehm ist. Die freireligiöse Gemeinde, die seit Anfang dcr 40er Jahre in Berlin besteht, hat in Preußen auch unter dem Bürgerlichen Gesetzbuch die Rechte der juristischen Persönlichkeit nicht erwerben können. So hat sie, weil für den Fall ihrer Auflösung daö Vermögen an eine Stiftung in Offenbach fallen soll, sich in Offen- dach ins Bcreinsrcgister müssen eintragen lassen und ist nun freireligiöse Gemeinde in Berlin mit dem«Sitz in Offcnbach am Main.(Große Heiterkeit.) Charakteristisch für die herrschende Feindschaft gegen die Gewissensfreiheit ist auch, daß in, neuen Schul- gesetz den Dissidenten dcr letzte Ausweg genommen Iverden soll, den sie bisher hatten, dcr: ihre Kinder am jüdischen Religionsunterricht teilnehmen zu lassen. In, Junkerparlament, in dem die Stimme des Volkes kein Gehör findet, will man verhindern, daß die Eltern — nicht etwa ans Begeisterung für die jüdische Religio», sondern nur um ihre Kinder möglichst wenig zu beladen— diesen Ausweg wählen. Im 8 12 des Volksschnlgesetzes läßt man die Kloster- schulen wieder aufleben I Welcher Geist in ihnen herrscht. zeigt die Antwort einer Lehrerin in einer kirchlichen Privatschule des schwärzesten Bayerns, der auch protestantische und jüdische Mädchen angehörten. Diese Lehrerin sagte, daß ii, den protestantischen Kirchen Gott nicht wohnen könne! In Hessen sind die Klerikalen drauf und dran, zu fordern, daß die Rcligionsprüfung vom Bischof allein vorgenommen und der Regierungsvertreter ausgeschaltet werden solle. Auch die Errichtung lonfessioneller Lehrerseminare wird dort gefordert. So will man mehr und mehr die Lehr- tätigkcit in die Klosterschulen einzwängen. Und all' dies angesichts dcr Tatsache, daß wir an Frankreich sehen, tvie gut es geht, ivenn die Schule von der Kirche getrennt ist. Der konfessionelle Religionsunterricht ist in Frankreich schon seit Jahren abgeschafft. Sratt religiöser Dogmen lehrt man dort die nenn- bis elfjährigen Kinder in der Elementarschule die Pflichte,, gegen Eltern und Groß- eltern, gegen Brüder und Schwestern, gegen Dienstboten, gegen das Vaterland, gegen sich selbst usw. Brüderlichkeit, Duldsamkeit. Achtung vor dein Glanben Andersdcnlender, das lehrt mau in Frankreich an Stelle des Religioiisimterrichts, und die Franzosen sind nicht schlecht dabei gefahren. Achtung und Liebe z» den Eltern, statt daß lvie bei uns enchfohlen wird, aus Vater und Mutter zu schießen. Nach den, Beispiel Franlreichs haben wir alle Ursache, ein Gesetz zu schaffen, welches verhindert, daß das wertvollste, unsere Jugend, der Ver- inuckerung, der Realtion, dcr Berdnmmuug ausgesetz, wird. Befreiung der Jugend, Befreiung der Schule von der Kirche, Befreiung des Staates von der kirchlichen Bevormundung, das sind die Forde- runge», die wir stellen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. Dr. Stöckcr(wirtsch. Vg.): ES ist schmerzlich, im deutschen Reichstag eine solche Rede hören zu müssen, nicht nur aus dein Gesichtspunkte der Religio», sondern auch der Bildung.(Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Daß die Gottesleugnung auf das ganze geistige Wesen verheerend wirken muß, darin kann uns diese Rede nur bestärken. Die Lehren vom Ausland können wir nichtgebrauche»,.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Warten Sie erst 20 Jahre ab. welche Wirkung die Trennung dcr Kirche vom Staat in Frankreich haben wird.— Daß man Dissidenten- linder nicht zwingen soll, am Religionsunterricht dcr Schule teilzu- nehmen, soweit er Glaubensnnterricht ist. habe ich stets betont; aber es wäre sehr bedauerlich, wenn den Kindern der Volksschule ein so wichtiges Stück historischer Bildung, wie eS die Religionsgeschichte bietet, genommen würde. Es wäre ein Rückschritt in die Barbarei, ivenn die Kinder de, Volksschule nichts von der Geschichte Jesu Christi, die das Neue Testament bringt, erfahren sollten. Der Herr Vorredner ha, von Darwinisinus gesprochen. Wissen Sie denn nicht, daß der Darwinismus von der Fachwissenschaft käntff aufgegeben ist?(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Den Eni- tvickeluiigsgedauke» hat man allein daoon aufgenommen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ja, Sie lesen wahrscheinlich die Welt- rütscl von Haeckel, das ist aber ein Buch, das die Fachpresse nicht achtet, wenn Sie auch vielleicht darauf schivoren.— Herr David sprach auch von den christlichen Gewerkschasten. Diese sind lediglich eine Folge der sozialdemokratischen Gottlosigkeit. Die christlichen Arbeiter werden ihren Glauben nicht aufgeben, nur um die Ehre zu haben, mit Ihnen(zu den Sozialdemokraten) gemeinsame Sache zn machen; dazu ist ihnen die Ehre nicht groß genug. (Heiterkeit rechts.) Was die Sache selbst anlangt, so bin ich stets für Freiheit in der Religionsübung eingetreten. NiickständigeS findet man hier und da auf beiden Seiten und sollte es möglichst bald beseitigen. Uns zuzumuten, alles innerhalb unserer Kirche anzuhören, was irgend ein_ miisiiger Geistlicher sich ausgedacht hat, würde eine Priesterherrschafl, eine geistliche Hierarchie konstituieren, an die wir nie gedacht haben.(Sehr gut! rechts.) Dem Abg. Bachem musi ich ganz entschieden bestreiten, datz die evangelische Kirche Hexen- Verbrennungen und dergleichen gebilligt hat. Selbst katholische Autoritäten haben anerkannt, dafj Luther wenn auch nicht, die für seine Zeit undenkbare völlige Glanbciisfreiheit gefordert, so doch den direkten Glaubenszwang entschieden abgelehnt hat.— Der Toleranzantrag selbst ist auf die katholische Kirche zugeschnitten und paßt nicht für die evangelische. So gut das Prinzip auch ist, wir können einer so intoleranten Kirche wie der katholischen nicht schrankenlose Freiheit einräumen. Die Zentrumspartei sollte doch bedenklich werden, wenn sie sieht, daß die Neligions- und Bekenntnisfeinde dem Entwurf zustimmen, die aber, die an der Kirche und dem evangelischen Glanben festhalten, ihn ablehnen. Vielleicht führt das Zentrum den Toleranzautrag zunächst in Bayern durch. Für ganz Deutschland ist dieser Gesetzentwurs für uns unannehmbar, doch würden wir einer Stesvlntion gern zustimmen, die Abstellung der kleinlichen Schikanen gegen alle unsere religiösen Mitbürger fordert. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Fürst Rndziwill(Pole): Die Rede des Abg. Stöcker war nach der vorhergehenden eine wahre Erquickung für uns. Wir, die wir auch unter den unberechtigten und ungerechten Nationalitäts- Vorurteilen leiden, werden mit besonderer Gcnngtnnng die Be« seitignng der Voreingenommenheit auf religiösem Gebiete begrüßen. (Beifall bei den Polen und im Zentruni.) Abg. von Gerlach(frs. Vg.): Daß eS nicht der Wille des Zentrums ist, Staat und Kirche zu trennen, glaube ich wohl. Dennoch bedeutet sein Antrag in Wirklichkeit einen ersten Schritt auf diesem Wege. I» Nordamerika befindet sich die katholische Kirche doch auch sehr wohl bei der Trennung. Ich freue mich sehr, daß das Zentrum jeht keinen Wert mehr auf den§ 166, den sogenannten Gottes- lasterungsparagraphen legt. Der Austritt ans der Laudeskirche sollte völlig kostenfrei sein. Eine Kirche, die etlvaS auf sich hält, sollte doch runnöglich Wert darauf legen, daß Leute äußerlich in ihrem iliahmen bleiben, die innerlich nicht mehr zn ihr gehören. Man sollte die Kirche doch nicht zu einer Zwangsiinnmg entwürdigen. (Sehr richtig! links.) Ich möchte, daß man aus dem Zentrums- antrag das darin enthaltene Gute heraussucht und eS der Negicrung als Gesetzentwurf empfiehlt.(Beifall links.) Abg. Oscl(Z.): Ich muß anerkennen, daß alle Gegner»nsercs Antrages Licht und Schatten bei der Kritik gleichmäßig verteilt haben mit Ausnahme des Herrn Müller-Meiningen. Insofern stand selbst Herr Abgeordneter Hoffmann auf einem höheren Niveau. Wenn im übrigen Herr, Hoffurnnn von der Intoleranz des Zentrums ge- sprvchen hat, so wird er doch nicht behaupten können, daß in der Sozialdemokratie etiva besondere Toleranz herrsche. Ihre Intoleranz auf dem Gebiete der Gelverksckiaftsbewegung spricht Bände.(Zurnf bei den Sozialdemokraten.) Sie sagen, das seien Einzelfälle, ich aber sage, wie Herr Hoffniann uns gegenüber, aus den Einzelfällen summiert sich unser Mißtrauen. In Ihrem Pro- grainin steht die Forderung: Religion ist Privatsache. Das hat aber Herrn Bebel nicht abgehalten, auf dem Parteitage in Hannover 180!) zn erklären: Wir tun gegen die Verfromniungsbestrebnngen nicht zu viel, sondern zu wenig.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Das ist Kampf gegen die Religiosität, also auch gegen die Religion. Hat sich doch Herr v. Vollmar verschiedene Male ver- anlaßt gesehen, sich gegen die Pfaffenfresserei und Kulturpaukerei niedrigster Art in den Reihen seiner Partei zu wenden. Freilich tut er es, damit Sie Ihre Anhänger nicht verlieren. Auf die Frage des Darwinismus gehe ich nicht ein aus dem Motiv: Man soll sich in fremde Familienverhältnisse nicht einmischen. (Große Heiterkeit im Z.) Wenn jemand glaubt, daß sein Urgroßvater ein Affe war— er muß es ja wissen.(Heiterkeit im Z.) Wir aber verwahren uns dagegen, in diese Verwandtschaft mit eingezogen zu werden.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Und das sagt ein Oesel! Große Heiterkeit.) Hch schreibe mich mit O, aber es gibt Lente, die sich mit E schreiben.(Stürmische Heiter- kcit.) Herr Müller- Meiningen weiß, warum er hier so gegen uns aufgetreten ist; ist er doch nur gewählt von evangelischen Bundesgnaden, aber er muß sich den Vorwurf gefallen lassen, daß er ein durchaus leichtfertiger Mann ist.(Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballcstrciu: Herr Abgeordneter, Sie dürfe» einen Kollegen im Reichstage nicht einen leichlsertigen Mann nennen. (Heiterkeit.)' Abg. Osel(fortfahrend): Es ist traurig, daß man eine Katze nicht eine Katze nennen darf.(Heiterkeit.) Herr Müller-Meininge» hat sich auf ein christliches Erbanungsbrich von einem Herrn.Pitschnau" berufen. Offenbar kannte er es aber gar nicht; denn der Verfasser schreibt sich nicht mit einem P, sondern mit einem B.(StürnnscheS Lachen links.) Abg. Schräder(frs. Vg.): Ich freue mich, daß die Herren vom Zentrum zugegeben haben, ihre Grundsätze hätten sich vielfach geändert. Hoffentlich werden die Taten diesen Worten entsprechen. dann wird endlich religiöser Friede in Deutschland eintreten. � Auch ich habe, wie mein Freund v. Gerlach, den Wunsch, daß auf religiösem Gebiete wie auf manche»: anderen das Reich gegen die Auswüchse der LandeSgesetzgebnngcn vorgehe. Ein Gesetz, wie nian es gegenlvärtig in Preußen auf dem Gebiet der Schule schaffen Ivill, sollte einfach unnröglich sein.— Was der Abgeordnete Stöckcr über den Protestantcnverein gesagt hat, trifft nicht zu. Seine Rede und die unfreundliche Erwiderung des Abgeordneten Osel gegen den Abgeordneten Dr. Müller-Meiningen können nicht dazu beitragen, deii religiösen Frieden zu fördern.(Beifall links.) Abg. Dr. Müller-Meiningen(frs. Bp.): Ich habe deshalb gegen den Klerikalismus gesprochen, weil das meiner innersten Jndividuali- tät entspricht, nicht etiva aus den Motiven, welche Sie, Herr Osel, ,nir unterzulegen beliebten. Vergnügen macht es nicht, es mit dem Zentrnnx dieser hier ausschlaggebenden Partei, zu verderben. Ich möchte die unfreiwillige Komi! der Ausführungen des Abgeord- ncten Osel nicht durch lange Ausführungen abschwächen. Meine grause Jmoleraiiz ist ja durch die Tatsache bewiesen, daß ich Pfarrer Pitschnau mit hartem statt mit weichem V gesprochen habe. Besonders übel hat er mir den in der Kampfeshitze gefallenen Ausdruck„grunzen" genommen. Aber für Ihr Verhalten gab es keinen parlamentarischen Ausdruck. Präsident Graf Balleftrem: Herr Abgeordneter, über die Grenzen der parlamentarischen Allsdrucksweise entscheide ich. Ich hätte hier z. B. gesagt:.Unartikulierte Laute ausstoßen".(Stürmische Heiterkeit.) Abg. Dr. Müller-Meiningen(fortfahrend): Ich zöge eigentlich „aniniali'chc Töne" vor.(Große Heiterkeit.) Die Zentrumspartei läßt sich die Unterstützung der Ilcrikalisierten Kirche und ihrer gewaltigen Orgaliisation gern gesallen, lehnt aber alle Verantwortung für die Folgen ab. Stimnieli«ie doch dem Antrage zu, der den Mißbrauch: das religiöse Amt znpolititcherBeeinfluilüngzubenutzen�- unter Strafestellt! In den letzten Tagen sind mir wieder ganze Stöße von Materialien über katholische Intoleranz zugegangen, in denen haarsträubeilde Dinge vorhanden sind, Dinge, die wahrhaft zum Himinel�schreien. (Vielfaches Oho! oho! im Zentrum). Meine Herren, wenn Sie mich reizen, to zwi>ige>i Sie mich, diese Dinge vorzubringen.(Enieute Rufe' Oho! oho! im Zentrum. Unruhe im ganzen Hanse.) Schon «- wieder dieser kannibalische Ton!(Erneuter Lärm im Zentrum. Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Balleftrem: Ich bitte, die Zwischenrufe zu unter- lassen. Sie verlängern dadurch nur die Verhandlniigen. Abg. Müller-Meiningen(fortfahrend) verliest den Brief eines katholischen Geistlichen an ein junges Mädchen. Der Geistliche warnt iir dem Briefe vor der Ehe mit einem Protestanten. Es heißt u.a.: „Setzen Sie nicht wegen des Sinneiikitzels Ihre ewige Seligkeit auf das Spiel".(Lärni und Unruhe im Zentrum.) Es scheint, das Wort„Sinnenkitzel" regt Sie(zum Zentrum) ans,(Große Heiterkeit links.) Wenn das Zentrum das noch nicht Intoleranz nennt, nun dann sprechen Ivir nicht mehr dieselbe Sprache, dann gibt es keine Möglichkeit mehr für Klerikale und Antiklerikale, sich zu verständigen.(Zustimmung links.) Herr v. Hertling erklärt: Wir Zentrnmsmäimer sind moderne Männer. Aber nicht das Zentrum, sondern ganz andere Instanzen entscheiden in der katholischen Kirche darüber, was vom„Modernen" geduldet werden darf und was nicht. ES fällt mir nicht ein. auf das 15. und 16. Jahrhundert zurückzugreifen. Aber nicht im 13., nicht im 16., nicht im 17. Jahr- hundert: in der zweiten Hälfte des 1V. Jahrhunderts haben der SyllabuS und jenes päpstliche Rundschreiben das Licht der Welt erblickt, in dem die Forderung der Gewissensfreiheit als„Verrückt- heil" bezeichnet lvird.(Vielfaches Hört! hört l links.) Abg..Helming(f.) stellt gegenüber unrichtigen Preßnachrichten fest, daß seine polilischen Freunde nicht nur den zweiten, sondern auch den ersten Teil deS Toleranzantrages als unannehmbar ab- lehnten. Damit schließt die Diskussion. TaS Schlußwort für die Antragsteller hat Abg. Dr. Spahn(Z., auf der Tribüne schwer verständlich): In die Diskussion sind verwirrende Momente hereingetragen worden. Wir ivollen den freien Kampf der Geister nicht beseitigen. Der Abg. Müller-Meniiiigen hat geiragt, Ivo die Strafgesetze gegen den Mißbrauch des Beichtstuhls bleiben. 1878 wurde ein Geistlicher bestraft, weil er einem Gemeindevorsteher wegen seines Verhaltens zu den Maigesetzen die Absolution verweigert hat.(Hört! hört! im Zentrum.) Das war der Höhepunkt und der Sturz des ganzen Kulturkampfes; denn da sah ganz Preußen ein, daß die Kulturkampf- gesetzgebung ins innerste Fleisch der katholischen Kirche ein- schneide. Und jetzt kommt ein Mitglied der Freisinnigen Partei und fordert ein solches Einschreiten des Staates. Ein solches Ver- halten muß ich vor ganz Deutschland kennzeichnen, kein anständiger Mensch wird es billigen.(Stürmische Zustimmung im Zentrum. Große Unruhe links.) Mag auch der Ton der Warnung vor der Mischehe nicht ganz treffend sein, in der Sache hat das von dein Abg. Müller-Meiningen verlesene Schreiben einen tiefen Eindruck ans mich und ans alle gläubigen Katholiken gemacht. Niemals wird sich das katholische Volk von der Führerschaft seiner Geistlichen trenne». (Stürmischer Beifall im Zentrum.) Hiermit schließt die Debatte. Persönlich bemerkt Abg. Dr. Müller-Meiningen(frs, Vp.): Nach den Ausführungen des Herrn Kollegen Dr. Spahn könnten meine Worte über das not- wendige Einschreiten des Staates in gewissen Fällen in einem ganz falschen Lichte erscheinen. Ich habe lediglich— nach dein stenographischen Berichte— an einen krassen Fall von Intoleranz anknüpfend gefragt: Wo blieb der Staat, der in einem solchen krassen Falle den_ Gewissenszwang auf einen Staatsbürger duldete?(Zivischenrnfe im Zentrum: Na also!) Leider habe ich in einer persönlichen Bemerkung nicht die Möglich- keit, ans die Konsequenzen aus Ihren Zwischenrufen einzugehen. Aehnlich habe ich mich an einer zweiten Stelle ansgedrückl. Ich stehe auf dein Standpunkt, daß ein Gewisieliszwang... Präsident Graf Balleftrem: Der Standpunkt, auf dem Sie stehen, gehört nicht in eine persönliche Bemerkung hinein.(Große Heiterkeit im Zeiitrum,) Hierauf wird der Antrag auf KomnnssioitSberatuiig gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Der Gesetzentwurf kommt also demnächst zur zweiten Beratung. Sodann vertagt sich da? Haus. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr: Beginn der zweiten Lesung des Etats, und zwar zynächt des Etats deS Reichstages und des R e i ch S a in t e s d e S I n n e r n. Schluß ö'/z Uhr. parlamentarifcdes. Die Btidgeikommissioi» des Reichstags fetzte gestern die Beratniig deS Etats für 51 a in e r u n fort. Abg. Dr. Müller- Sagau kritisierte das unleidliche, durch die Kolonialverivaltniig verschuldete Verhältnis, das zwischen ihr und der Bndgetkommission herrsche. Die Kolonialautokratie müsse beseitigt werden, denn sie sei eine schwere Gefahr. Redner forderte eine Denkschrift über die Be- ziehnngen der bekannten Arineeliefernngsfirma Tippelskirch zur Kolonialverivaltniig. Die HüUensteuer sei zu verwerfen, wie ihm (Redner) alte Praktiker in Afrika iviederholt erklärt haben; denn diese Steuer gefährde dauernd dm Frieden und diene lediglich der Regierung dazu, den Kolonialetat auszufrisiercn. Wahnsinnig sei auch die Art, wie Weiße in die Jagdgründe der Eingeborenen ein- fallen und da? Wild niederknalle», somit eines der Existenzmittel der Eingeborenen ernstlich bedrohen. ES müsse hierbei daran er- innert iverden, daß niit den Massenschlächtereien unter den Büffeln der nordamerikanischen Prärie das Aussterben der Indianer Schritt hielt. Dasselbe Schicksal den Negern zu bereiten, sei doch nicht zu enipfehlen, das müsse vielmehr verhütet werden. Geheimrat Dr. S e i tz bestreitet, daß der Etat mit den Erträgnissen der Hüttenstener frisiert werde. Eine Gefahr für den Wildreichtum bestehe nicht dank der Jagdschutz- gesetze. deren Erlaß der Regierung harte Angriffe eingebracht habe. Abg. Erzberger moniert den Zustand, daß heute jeder Unter- beamte in den Kolonien die Prügelstrafe verhängen könne. Aller- dingS iverde diese Strafe nicht in den Strastisten per- fügt. Die Siidkainerungesellschaft betrachte ihr Konzessions- gebiet als Eigentum und hebe die Handelsfreiheit auf. Ein G e- h e i m r a t bestreitet das. Die- Südkamernngesellschaft habe eine Landkonzession auf 19 Blöcke„herrenloses" Land a 5999 Hektar. Abg. Dr. S ü d e k u m weist daraus hin, daß ihni ans Kapstadt sehr schiverwiegende Klagen gegen den dortigen Generalkonsul v. Jakobsen und gegen einen Tierarzt Frank zugegangen sind—_ Beschwerden, die im Plenum zur Sprache kommen werden.— Die Kommission genehmigte den Etat und nahm die beiden gestern mitgeteilten Anträge an._ Zigarettenste» ervorlagr. Die Finanzreformkommission beschäftigte sich in ihrer gestrigen Sitzung mit der Zigarcttensteuervorlage. Nach dem Entwurf soll das zur Herstellung von Zigaretten bestimmte Papier einer in die Reichölasse fließende» Steuer unlerliegen und zwar gleichviel ob das Papier zur geiverbsmäßigen oder zur nicht- gewerbsmäßigen Anfertigung von Zigaretten verwendet wird. Nu- versteuertes Papier soll zur Herstellung von Zigaretten nicht mehr verioeiidet werden dürfen. Referent H e l o(natl.) hält die RegierungS- Vorschläge für unausführbar wegen der vielen damit verbundenen technischen tind wirtschaftlichen Schivicrigkeiten. Möglich wäre die Besteuerung des Papiers und die Berhindernng von Hinterziehungen nur. lvenn das Reich alleiniger Verkäufer desselben wäre. Empfehlenswerter aber erscheine ihm die Einstihrnng des Banderol- systems. Die Reichskasse brauche höhere Einnahmen, und die Zigarettenindnstrie werfe so hohe Gewinne ab, daß„wir es un- möglich dulden können, daß die Unternehmer solche R i e s e n s u m ni e n in die Tasche stecken" bei der großen Finanznot des Reiches I Bezüglich der ini Plenum geäußerten Besorgnisse, daß durch die Einsiihnmg einer Besteuerung der Zigaretten tausende von Zigarelteilarbeiterinnen brotlos würden. »iciiit der Referent, daß diese ja dann heiraten oder ihren Erwerb als Dieustniädchen suchen könnten, waS ihnen bei der großen Nach- frage nach weiblichem Dienstpersonal gewiß nicht schlver fallen würde. Der Korreferent Geyer erhebt zunächst scharfen Protest gegen die neuen Steuervorschläge, die Held in seiner Eigenschaft als Referent gemacht habe. ES sei�iricht Sache der Kommission, der Regierung Mittel und Wege zur Stenerfindung vorzuschlagen. Der erste Vorschlag betreffs des Papiermonopols sei um so weniger am Platze, als der Reichstag wiederholt die Monopolgelüste der Regierung zurückgewiesen habe. Was das Banderolensystem anbelangt, so stehe» diesem dieselben Schlvierigkeiten entgegen wie dem Papierbesieuerungs« system. Durch die Steuererhöhung für Zigaretten werde die Klein- sabrikotion vernichtet, die Löhne werden heruntergedrückt und tausende von Arbeiterinnen brotlos, die sich zu anderer schwerer Arbeit nicht eignen. In vielen Fällen werde die Existenz der Familien dadurch sogar erschwert, da die erwachsene Tochter mit ihrem Verdienst zur Erhaltung der Familie beitragen muß. Das sei un- möglich, wenn sie in Dienst gehe. Durch Annahme der Vorlage werden nicht nur schwere soziale und wirtschaftliche Schäden ver- iirsacht, sondern auch der Beamtenwillkür werde Tür und Tor ge- öffnet, darum: Nicht nur fort mit der Vorlage, sondern auch mit allen die Zigarettenstener befürwortenden Anträgen! Der Regiernngskominissar Geheiinrat Rhein boldt bemerkt zu dem vom Korreferenten vertretenen Standpunkt, daß eine Anzahl namhafter Berliner und Dresdener Zigarettenfabrikanten gestern noch in einer geineinschaftlichen Besprechung ihre Bereitwilligkeit, einen höheren Zoll auf sich zu nehmen erklärt hätten, welches Ent- gegenkomnien er auch den Zigarrenfabrikanten empfiehlt— was der Vorsitzende B ü s i n g als mit den Aufgaben der Kommission nicht vereinbar zurückweist.— Müller- Fulda hält auch vom Bande- rolensysiem nichts, ist vielmehr der Ansicht, daß es nur auf dem Wege eines Zuschlagszolles zn dem zur Anfertigung von Zigarretten benutzten feingeschnittenen Tabaks möglich sei, aus den Zigaretten einen Mehrertmg von zwei bis drei Millionen Mark herauszuholen. Diesem Vorschlage hält Genosse Molke nbuhr folgenden Satz aus der Begründung entgegen:„Der feingeschnitt?ne Pfeifen- tabak wird in seinen billigen Sorten die besondere Belastung nicht tragen können." Es lväre auch in hohem Matze ungerecht, ivenn dieser von dem gemeinen Manne gerauchte(oder gekaute) Pfeifen- tabak von der hauptsächlich für den Genuß von Luxnsfabrikaten deS Tabaks bestimmten Steuerauflage mit getroffen würde, während der Zigarrenverbranch frei bliebe. Die Regierung habe erkannt, daß eine Unterscheidung des feingeschnittenen Tabaks nach seiner späteren Verwendung nicht möglich sei, wie wolle Müller-Fulda dies unter« scheiden? Nachdem Molkenbuhr dann die ganze Regiernngsvorlage sowie die Vorschläge des Referenten als undurchführbar erwiesen und den Gedanken Heids, daß die Zigarettenarbeitcrinnen sich als Dienst- mädchen ernähren könnten, mit Hinweis auf die durch die Gesinde- ordnungen in den deutschen Bundesstaaten hervorgerufenen Zustände als weilig verlockend für die an eine gewisse Selbständigkeit ge- wöhnten Arbeiteriniien und auch aus son)ligen Gründe» nicht wohl möglich bezeichnete, ging er zu der Aeußerung des Referenten über, daß wir„nicht dulden dürsten", daß die Zigarettenfabrikanten solche großen Gewinne in die Tasche stecken. Für eine progressive Be- steuerung des Unternehmergeivinns von 5 Proz. an aufwärts wären allenfalls auch die Sozialdemokraten zu haben, aber nicht allein der bei der Zigarettenindnstrie in Betracht koniniendeu Unter» nehincr, sondern der Unternehmer aller Betriebe. Da würden die fehlenden Millionen spielend zusammenkommen. Sämtliche Vorschläge aber in bezug auf die Zigaretten würden dazu führen, die kleinen Unternehmer zugunsten der großen zu erdrosseln. Das sei auch der Grund, der die großen Unternehmer veranlasse. für die Erhöhung der Steuer einzutreten. So würden ihnen die zahlreichen kleinen Konkurrenten vom Halse geschafft und sie holen das Mehr aus den Arbeitslöhnen und der Erweiterung der Maschinen- fäbrikation heraus, würden eventuell auch die Fabriken aus den Städten nach dem Lande verlegen, wo sie Arbeitskräfte für niedrigere Löhne bekommen. Gegen die Vorlage wenden sich noch Dr. W i e m e r. Dr. Jäger und Schüler, letztere beiden für den Vorschlag Müllers plädierend. Dr. Becker ist der einzige, der für die Vorlage eintritt. Die Fortsetzung der Debatte wurde auf Donnerstag vertagt. Präfuiig der Wahl Lucas wider Hoch. W a h l p r ü f il n g s k o ni m i s s i o n. Im Wahlkreise Hanau- Gelnhausen wurden bei der Hauptlvahl abgegeben: für Hoch(Soz.) 15 479, für Lucas(natl.l 9762, für M ü l l e r- Fulda 4814, für K ü r n st e i n(frs.) 1865, für Hirsche!(Ant.) 517 Stimmen. Bei der Stichwahl für Lucas 17 867, für H o ch 16 548 Stimmen. Ein Wahlprotest behauptet, neben einigen anderen un- gesetzlichen Verstößen habe besonders die amtliche Wahl» beeinflussnng durch den Landrat von Beckerath im Kreise Hanau den Ausfall der Wahl zugunsten Lucas' gestaltet. Der Landrat habe bei der Aufstellnng der Kandidatur Lucas mitge- ivirkt, insbesondere habe er i» einer Versammlung des landwi rt- schaftlichen Kreisvereins die Kandidatur Lucas empfohlen und für diesen agitiert. Ueber die Protestbehanptnng entspann sich in der gestrigen Titzmig der WahlprüfungSkommission eine lange prinzipielle Diskussion, in der der Abg. Semler(natl.) die An- gaben des Protestes als sich widersprechende mid daher unerhebliche bezeichnet, während die Mehrheit der Kommission die Protesl- behauptung für beachtlich hält, die zur BeweiSerhsbung führen müsse. Indessen, nach Prüfung der weiteren Behauptungen und nach der Berechmnig der im Falle einer Beweis- erhebmig zu kassierenden Stimmen kommt die Mehrheit der Kommission zn der Ansicht, daß die amtliche Beein- flnssung durch den Landrat nicht so weit gereicht habe, daß die Majorität für Lucas erzielt sei, sie lehnte daher, unbeschadet der prinzipiellen Bestätigung der amtlichen Beeinflnffnng, Beweiserhebung ab und erklärte die Wcihl Lucas für gültig. Eigcnlüinlich— wenn einmal die Mehrheit das Bestehen einer Wahlbeeinflussnng zuungunsten eines Sozialdemokraten anzuerkennen gezwimgen ist, daß sie den Beamten so niedrig einschätzt, daß sein Einfluß„rechnerisch" nicht ausschlaggebend gewesen sei! Die Art der Behandlung sozialdemokratischer Wahlproteste durch die Korn» missionSmehrheit wirkt recht agitatorisch. Die Beschwerde eines deutschen Kolouisteil über das kaiserliche Gouveriieinent in Deutsch-Siidwcstafrika wegen Beschlagnahme eines DchsenwngenS nebst Gespan» gelangte am Mittwoch in der P e t i t i o n§ k o m in i s s i o n deS Reichstages zur Verhandlung. Der Petent, Tischler Ballanf in Windhuk mietete im September 1994 von dem Witboikapitän Isaak einen Wagen mit Ochsengespann um damit Güter nach Windhuk zu transportieren. Auf der Reise erregten die zur Begleitung des Wagens vom Kapitän Isaak mitgeschickten drei Witbois wegen des herrschenden Kriegszustandes großes Mißtrauen bei Ballanf. Auf Grund seiner Bedenken'wurden die drei Schwarzen von der Behörde festgenommen und Ballanf setzte mit anderen Be- gleitcrn die Fahrt fort. In Windhuk angekommeii, wurde der gc- mictete Wagen mit Gespann, weil sie als Eigentum eineS, mit der Regierung im Kriege bcsindlichen aufständischen Witbois betrachtet wurden, von der Verivaltnngsbehörde mit Beschlag belegt und Ballanf das BerfügungSrecht darüber abgesprochen. Dieser erhob nun bei der Regierung die Forderimg auf Schadenersatz in Höhe von 7886 M. für das konfiszierte Gespann und ihm entgangenen Gewinn. Seine Forderung wurde von der Regierung als unberechtigt abgewiesen und diese Abweisung mit dein zurzeit in Dcntjch-Sndwcstafrika herrschenden Kriegszustand begründet. In der Petitionökommission vertrat der anwesende Regicrnngs- koinniiffar diesen Standpunkt der Regierung, Er erklärte jedoch, daß die Regierung bereit sei, dem Ballanf für ihm entgangenen Gewinn im Bergleichswege eine Entschädigung von etwa 499 M. zu zahlen.' Wolle Petent auch ferner weitergehende An- spräche im Prozeßwege geltend machen, so lege die Regicrnng Wert daraus, daß er dies nicht in Afrika, sondern durch Klage bei einem deutschen Gerichte versuche. Die Petitionstoniinission beschloß, da der Prozeßlveg noch offen steht, der Jnstanzeniveg also noch nicht erschöpft ist, über die Petition zur Tagesordming überzugehen. /ius der Partei. Ethik und materialistische Geschichtsauffassung. Ein Versuch von Karl KautSly. Internationale Bibliothek, Band 38. Preis broschiert 1 M., gebunden 1,50 M. Unter dein angegebenen Titel ist soeben im Verlage von I. H. W. Dietz Nächst, in Stuttgart das neueste Werk von Karl Kautsky erschienen. Der Verfasser sagt in der Vorrede unter anderein:„Wie so manche andere Schrift des Marxismus ist auch diese eine Gelegenheitsarbeit, aus einer Polemik herausgewachsen. Die Kontroverse, die ich im September des vergangenen Jahres mit der damaligen Mehrheit der Redaktion des„Vorwärts" führte, veranlasste mich, auch deren„ethische Tendenzen" zu streifen. Meine Ausführungen darüber wurden aber auf der einen Seite so vielfach inihverstanden, sie trugen mir auf der anderen Seite so zahlreiche Aufforderungen ein. meine Auffassung der Ethik eingehender und systematischer darzulegen, daß ich mich veranlaßt fühlte, eine Ent- Wickelung der Ethik auf der Grundlage der ntaterialistischen Ge- schichtsauffasfung wenigstens kurz zu skizzieren. Ich fuße dabei auf jener materialistischen Philosophie, wie sie einerseits Marx und EitgelS, und in anderer Weise, aber in gleichem Sinne, Josef Dietzgen begründet haben. Für die Resultate, zu denen ich gelange, bin ich jedoch allein verantwortlich." Die Frage der Anstellung von Parteisekretären für Thüringen hat in einer am Sonntag stattgehabten Konferenz ihre Erledigung dahin gefunden, daß zwei Bezirke gebildet wurden. Der erste Bezirk umfaßt die Wahlkreise Weimar I und II, Meiningen I und II und SonderShansen, eventuell auch Koburg. Der zweite Bezirk umfaßt die Wabllreise Altenburg, Reutz ä. L., Reuß j. L., Weiniar III und eventuell Schwarzbnrg-Rndolstadt. Für den ersten Bezirk wurde der Reichslagsabgeordnete Genosse August B a u d er t- Apolda, für den zweiten Bezirk Genosse Hermann Leber- Jena gewählt. poUreilicbea. OmchtUchte uto. Auch die Magdeburger Justiz will im Kampfe gegen die den Flinten und Kanonen entgangene Sozialdemokratie tieue Lorbeeren -inheimsen. Der verantwortliche Redakteur Wittmaack der Magdeburger„Volksstimme" soll durch einen Artikel„Frei- Preußen" am Vorabend des Wahlrechtstages das Volk auf- gereizt haben.— Die hartgesottene„Volksstimme" erklärt, diesem Prozeß mit großer Gemütsruhe entgegenzusehen. Gibt's keinen Paragraphen, dieser Frechheit ein Ende zu bereiten? Halbwegs zwischen Berlin und Breslau. Das Landgericht Guben hat die Beschwerde des Ge- nassen P e r n e r von der„Märkischen Volksstimme" gegen seine Inhaftierung als„unbegründet" zurückgewiesen. Sein Antrag, ihn gegen Stellung einer Kaution freizulassen, wurde abgelehnt. Gegen diesen Entscheid sind von dein Genossen Heine als Verteidiger Pcrners weitere Schritte unter- uommen worden._ Der Kölner Polizeipräsident hat gegen unser dortiges Partei- organ, die„Rheinische Zeitung", Strafantrag gestellt, loeil er sich durch deren Kritik des Kölner Polizeiaufgebotes am roten Sonntag beleidigt fühlt. Genosse Dr. E r d m a n n ist bereits beim Untersuchungsrichter als Verantwortlicher vernommen worden. Der Polizeipräsident fühlt sich umsomehr gekränkt, als er glaubt, am 21. Januar nur daS„Allernötigste" getan zu haben. IZus der Frauenbewegung. Verein für Frauen und Mädchen der Ardeiterklasse. Da die Versammlung am letzten Montag mit dem Bortrag des Abgeordn. E. Bernstein über„Die materialistische Geschichtsauffassung und das moderne Geschlechtsleben" wegen irrtümlich falscher Anmeldung nicht stattfinden konnte, wird die Versammlung ain 5. Februar mit der- selben Tagesordnung bei Buggenhage», Moritzplad, abgehalten werden. Ferner ist es dem Verein gelungen, für seine Mitglieder einen Abend die Meunier-Ausstellung zu reservieren. Herr Dr. Osborn übernimmt die Führung. Das Datum wird an dieser Stelle noch bekannt gemacht. Karten a 20 Pf. sind für Mitglieder zu haben bei Klotzsch, Koppenstraße 81, Onergebäude IV, Petereit, Naunynstraße 5, Seitenflügel II. Am 18. Februar begeht der Verein sein Sliftungs- fest in den Arminhallen. Das Programm ist sehr gewählt und wird sicher Beifall finden. Billetts a 30 Pfennig sind runden bekannten Zahlstellen zu hadeir. Kinder haben keinen Zutritt. Reinickendorf Ost und Wilhelmsruh. Eine öffentliche Versammlung für die Frauen und Mädchen beider Orte, welche zum Sonntag, den 28. Januar, mittags, bei Benker, Provinzstraße, ein- berufen war, war trotz der ungünstigen Tageszeit zahlreich besucht; galt es doch, einem Referate des Genossen H. Schulz-Bremen über: „Erziehung und SozialisniuS" zu lauschen I Eingehend auf das Problem der Jugenderziehung in frühester Kindheit und weiter dann der Schulzeit, zeigte Redner in gediegener, bilderreicher Sprache, wie sehr sich die heutige Gesellschaft— als Folge der wirtschaftlichen Zustände— am Problem der Jugend- und Menschheitserziehung versündige. In der Diskussion, die dem mit reichem Beifall auf- genommenen Referate folgte, wurden Einzelerscheinungen unserer heutigen„Kultur" gekennzeichnet, die den Genossen Schulz veran- laßten, in seinem Schlußwort auch noch auf die bisher sehr vernach- lässigte Erziehung der reiferen Jugend zu denkenden Menschen, zu Sozialisten, einzugehen. Viel habe die Partei hier versäumt, doch hoffe er, daß ein künftiger Parteitag das Versäumte nachholen werde. — Bei der alsdann vorgenommenen Wahl einer weiblichen Ver- trauensperson für Wilhelmsruh wurde Frau Eigen brod ohne Widerspruch gewählt.— Von den zirka 100 Besuchern waren etwa 140 Frauen und Mädchen. Die Vorsitzende sowie die G e s ch ä f t s le i t e r i n des Vereins für die Interessen der Hausangestellten sind— wie bekannt— bei der Polizei wegen Verbreitung anstößiger Schriften denunziert worden. Es handelt sich um einen Artikel von Anna Pappritz. Um vor breitester Oeffentlichkeit darzulegen, aus ivelchen Gründen diese Aufklärungsarbeit unter den Dienenden geschieht, ist für Donnerstag, den 8. Februar abends Uhr in den Prachtsälen des Westens, Spichernstr. 3, eine öffentliche Versammlung einberufen, iir welcher Fräulein Anna Pappritz über:„Die Dienstboten und die Prostitution", Frau Reg ine Deutsch über:„Wie schützen wir die Dienstboten" sprechen werden. Eintritt frei für jedermann. Diskussion. Polytechnikum für Frauen. In Petersburg ist soeben das erste Polytechnikum für Frauen eröffnet worden, in dem bereits 225 Frauen aufgenommen sind. Versammlungen. Der Verband der Friscurgchülfcn fZiveigverein Berlin) hielt am Donnerstag eine Generalversammlung ab. W e r m k e gab einen Bericht des Vorstandes über das vergangene Jahr. Erwähnenswert fei die Lohnbewegung. Sie fei zum Teil durch die SolidarirätS- bezeugung der Arbeiter erfolgreich durchgeführt worden. Auch in diesem Jahre sei eine Lohnbeivegung in Aussicht genommen, weil notwendig. Aus den Ausführungen des Vorsitzenden war sonst noch bemerkens- wert die Angabe der großen Zahl von Arbeitslosen und die der Lehrlingszüchterei. Zirka 050 bis 700 Gehülfen seien in Berlin arbeitslos, eine Zahl, wie nie zuvor erreicht worden. Die Lehrlings- züchterei blühe aber. Eine Innung beschäftige mehr Lehrlinge als Gehülfen und selbst die Freie Vereinigung selbständiger Barbiere gehe von ihrem früheren Grundsatze ab und habe bald soviel Lehrlinge wie Gehülfen. Liere gab den Kassen- und Arbeitsnachweisbericht. Die Einnahmen betrugen 7370,00 M., die der Hauptkasse 4297,20 M., Ausgaben 0659,87 M., Bestand 710,73 M. Mitgliederbeweguug: 1. Januar 1905 251, zugereist und neu aufgenommen 750, ab- gemeldet und ausgetreten 449, bleibt ein Mitgliederbestand von 552. Auf dem Arbeitsnachweise waren 4520 Stellungen angemeldet, besetzt wurden 4479, davon 3897 Aushülfe-— Sonnabend und Sonntag— und 549 feste Stellungen. Durch die Lohnbewegung ist die Frequenz deS Arbeitsnachweises eine höhere geworden. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resnltat: 1. Vorsitzender� Adolf Schmidt, 2. Vorsitzender Stennvallcr, 1. Schriftführer Will, 2. Schrift- führer Romanowski. Revisoren: Werinke und Langner. Bibliothekar: Schrolle. Agitationskommiision: Schmidt(Obmann), Leuschner, Haase, Hahnisch und Scholz. Außerdem ist der Delegierte der Gewerkschastskommission, Bolljahn, zugehörig zum Vorstand und Agitationskominisstou. Der Zentralverbimd der Zimmerer(Zahlstelle Berlin) hielt am Sonntag seine regelmäßige Zahlstellenversammlung ab. ES wurde hauptsächlich der Vorstands- und Geschäftsbericht besprochen. Dem- selben ist zu entnehmen, daß die Mitglkederzahl in Berlin und Umgegend im verflossenen Jahre von 4088 auf 4413 gestiegen ist; es ist also eine Zunahme von 325 Mitgliedern zu ver- zeichnen. Auch das Barvermögen der Zahlstelle hat sich um über 23 000 M. erhöht. Bei einer Jahrescinnahnie von 143 677,76 M. und einer Ausgabe von 120 492,73 M. ist das Zahlstellen- vermögen von 74 450,33 M. auf 100 635,36 M. angewachsen. Nachdem der Bericht besprochen war, wurde mitgeteilt, daß mit den Mitgliedern des 13. Bezirks(Charlottenburg), die jüngst eine selb- ständige Verbandszahlstelle gründen Ivollten, ivieder eine Einigung erzielt worden ist. Die Charlottenburger Mitglieder bleiben also dem Zahlstellenbezirk Berlin nach wie vor angeschlossen. Hierauf erfolgten die Vorstandswahlen mit nachstehendeni Ergebnis: 1. Vorsitzender Witt, 2. Vorsitzender Licht, 1. Kassierer W e l l s o iv, 2. Kassierer Kube, 1. Schriftführer Heinrich Schultz, 2. Schriftführer Z i o r- k o w s k i, Revisoren Engelhardt und G e s ch k e, Kontrolleure M u ch a und D ö r i ch t. Als ständige Mitglieder der Achtzehner- kommission wurden gewählt: Büttner, Kirchhoff, Kube. Knüpfer und Witt. Als Stellvertreter fungieren Engelhardt, F r i tz s ch e, Freude nberg und G o l z e. In den Verbandsausschuß wurde K i r ch h o f f gewählt. Da die reichhaltige Tagesordnung der vor- gerückten Zeil halber nicht mehr völlig erledigt werdeir konnte, so erfolgte die Vertagung der Versau, niltmg bis zum 8. Februar. IX X Iii UM Lpo�isffiaus grössten Massetabes Chausseestrasse 24a/25• 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20. 1/ Stheumatisrnus Sicht-, Gliederreissen, Nervenschmerzen, Hü ttwehicocritSroinoen 6alB durch aufeerlitbfii(Bebruuch von R<'C"<'IN„Slectricum" («ciheiUches Kicfcrnavel. Wawwoll SU. Einfaches und unichädUcheS Staturprodukl v. flarler durcharcüen. der. fofon ichmer, füllender Wiriuna. Tanzenii» verdanken..Electrlcum'- ihre Gesundheit, Fl.,.— u.Z.—. TieWir» tinia wird nocii ortiiMu o. den inneren Erdrauch von ReidheNa Wacholder- Extrakt„vedico", flt. 75 Pf,, M. t.50, u. 2.50. Inden Orogerienu. Apotheken eichätilich und]u berieden durch ntln Rpiphpl BERLIN SO., 43. Ullü neitnei, Eisenbahnstr.4. Man achte auf Firma und Wort „Medice". 7iMe Sein Seit mit ueuen Gänsefedern k Ungerissen mit allen Daunen von 1,30 M. an „ gleich süllsertig„ 1.75,. Gerissene Federn..„ 2,00.„ Reelle Sedienung! Umtausch gestattet! 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Sohön- hauserstraßa. Wallstr. 14a, Ecke Nene Grünstr. Wienerstr. 22, Ecke Grünauerstr. Kisdorf; Bergstr. 146._ Für den Jnserateiireilverm�U?Gl»cke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Si Co.. Berlin SW Nr. 26. 23. Jahrgang. 2. ScilU Ks Jjraiirts" Snlintt NsllisdlM Donnerstag, 1. Febrnar 1906. Tabakarbeiter-Kongretz. Berlin, den 31. Januar. Bei Beginn der heutigen Sitzung wurde eine Resolution der Aabakarbeiter von Achim zur Debatte gestellt, welche unter Hinweis auf einen entsprechenden Beschlutz des Tabakarbeiterkongreffes vom Jahre 1893 verlangt, datz ein Zusammenschlutz des Tabakarbeiter- Verbandes und des Sortiererverbandcs in die Wege geleitet werde. Gerlach- Achim befürwortet den Antrag. Bcnsch- Bremen be- antragt die Absetzung des Antrages von der Tagesordnung, da die Frage der Einigung Sache der beiden Organisationen sei. Nachdem Deichmann als Vorfitzender des Deutschen Tabakarbeiterverbandes mitgeteilt hatte, datz die Vorstände der beiden Verbände sich schlüssig geworden seien, bald nach dem Kongretz in dieser Angelegenheit eine gemeinsame Sitzung abzuhalten, wird die Absetzung der Resolution von der Tagesordnung fast einstimmig beschlossen.� In der alsdann weitergeführten Debatte über dieLage der Tabakarbeiter bespricht ftnrl Müller- Ohlau i. Schl. die Verhältnisse in seiner Heimat, wo 1212 Tabakarbeiter, davon nur 86 männliche, beschäftigt seien. Die Organisation habe ganz gute Fortschritte gemacht. Der Ver- dienst der Zigarrenmacher betrage bei bb— 61 Stunden Arbeitszeit 6,50 M. pro Woche, für Wickelmachcr 6 M., für Sortierer 13,50 M. Laiigner- Ohlau ergänzt den Bericht. W»lf- Verden stellt richtig, datz der Verdienst 10— 30 M. pro Mille betrage und der W o ch e n v e r d i e n st für männliche Arbeiter nicht mehr als 16, für weibliche 8 M. pro Woche. Vom Gewerkverein der Tabakarbeitcr(Hirsch-Duncker) ist die Anzeige vom Ableben ihres Delegierten eingelaufen. Der Vorstand ersucht aber den Kongretz, trotz der infolgedessen fehlenden Ver- tretung des Gcwerkvereins, für dessen Mitglieder den Protest gegen die Tabaksteuer mitzuerheben.(Lebhaftes Bravo!) Brinkmann- Spenge: Fast in sedem Haushalt müssen die Frauen und Kinder mitarbeiten. Kinder, die noch nicht das schul- Pflichtige Alter erreicht haben, werden zum Abwickeln des Tabaks verwendet. Die Zustände seien sehr traurige und es wäre wünschenswert, datz sich der Kongretz in einer Resolution gegen die verderbenbringende Heimarbeit ausspreche. Zigarrenarbeiter Graupe- Delitzsch: In Delitzsch gebe es 1100 Tabakarbeiter, von denen aber nur 250 organisiert seien. Das zeige, wie schwer es sei, die Heimarbeiter in die Organisation zu bringen. Die Arbeitszeit habe sich überhaupt nicht feststellen lassen, nur so viel lasse sich mit Bestimmtheit sagen, datz die Tabakarbeiter den grötzten Petroleumverbrauch aufzuweisen haben. Bei an- gestrengtester Arbeit verdienen Mann, Frau und Kinder zusammen 15— 16 M. pro Woche. Noch eine ganze Reihe Redner verbreiten sich über die Mitz- stände in der Hausarbeit und die damit Hand in Hand gehende Ver- Wendung der Frauen, denen kaum Zeit zur Besorgung der Haus- arbeit bliebe, sowie der Kinder. Dabei kämen trotz Anspannung aller Kräfte so geringe Wochenverdienste heraus, datz es bei den heutigen hohen Lebensmittelpreisen, die auf dem Lande oft teuerer seien als in den Städten, nicht zum Unterhalt der Familie ausreiche. Ver- schiedene Redner belegen diese Darlegungen mit näheren Zahlen über Lebensmittel-, Wohnungspreise, Steuern usw. Es sind noch 57 Redner gemeldet, der Kongreß beschließt infolgedessen, die Redezeit auf 10 Minuten zu beschränken. Auch cyr großer Teil der nachfolgenden Berichte bringt nichts Neues mehr. Auf Vorschlag des Bureaus erhalten zunächst die Vertreter der Zigarcttenarbeiter das Wort. Es soll damit, wie der Vorsitzende Börner- Berlin ausführte, zum Ausdruck gebracht werden, datz die Tabakarbeiter sich mit den am schwersten bedrohten Arbeits- kollegen aus der Zigarcttenindustrie solidarisch fühlen. Frau Lang-Dresden: Die Zigarettenarbeiterinncn än Dresden seien so schlecht gestellt, datz sie nicht genug zum Lebensunterhalt verdienen. Das wüßten die Fabrikanten auch, denn sie müssen oft genug Vorschüsse leisten, von denen sie selten etwas zurückerhalten. Viele Arbeiterinnen würden der Prostitution zugetrieben, ver- heiratete Frauen seien genötigt, Sonntags durch Gästebedienen Nebenverdienst zu suchen.(Hört!) Die Arbeitszeit betrage in der Fabrik 8— 10 Stunden, dann aber habe die Arbeiterin noch zu Hause 2—3 Stunden mit Hülsenkleben zu tun, so daß sie sich den Schlaf verkürzen müsse, wenn sie ihren Haushalt in Ordnung halte» wolle. Lipcck- Hannover: Obwohl Hannover die besten Arbeitsver- Hältnisse habe, seien dieselben doch noch keineswegs befriedigende. Der Zigarettenarbeiter verdiene 18— 22 M., die Arbeiterin 13 bis 1« M. in der Woche. Redner beklagt den Dünkel mancher Zigarettenarbeiter, die sich für besser halten als die Tabakarbeiter. Die Redaktionskommission unterbreitet dem Kongreß folgende Resolution: Der am 26. Januar und folgende Tage in Berlin tagende bon 164 Delegierten aus 575 Orten beschickte Kongreß der Tabak- arbeitcr und Tabakarbeiterinncn Deutschlands protestiert auf das entschiedenste gegen jede Erhöhung der Tabaksteuer, des Tabak- zolles, sowie gegen jede Art der weiteren Besteuerung der Tabak- fabrikate und verurteilt aufs schärfste, daß die Reichsregierung es uuterließ, Regicruugsvertreter behufs näherer Information über die tvirtschafilickc Lage der Tabakarbeiter und Arbeiterinnen, soivic über die Verhältnisse des ganzen Tabakgewerbcs zu dem Kongreß zu entsenden. Der Tabak, welcher, wie die Begründung zu den Gesetzes- vorlagen betreffend die Erhöhung des Tabbakzolles und der Tabak- stcucr, sowie des Entwurfes einer Zigarettensteuer angibt, für den Konsumenten ein entbehrliches Genutzmittel sein soll, ist für die in der Tabakindustrie beschäftigten Arbeiter und Ar- bciterilincu der unentbehrliche Rohstoff des Gewerbes. Steuer- crhöhungcn, die eine Verteuerung dieses Genutzmittels un- zweifelhaft herbeiführen, haben eine Hcrabdrückung des Konsums zur Folge und bringen daher für die in der Tabakindustrie und deren Nebuigewerbcn Beschäftigten: Arbeitslosigkeit und unberechenbare Lohnabzüge. Die Tabakarbeitcr glauben umsomchr berechtigt zu sein zu einem Protest gegen jede weitere Stcuererhöhung. 1. weil in der Tabakindustrie sehr viele schwächliche und verkrüppelte Arbeiter Unterschlupf gefunden haben. die in keiner anderen Industrie sich zu ernähren imstande sind und bei der durch die Steuererhöhung bewirkten Arbeits- lojigkeit nur den Gemeinden zur Last fallen würden; 2. weil durch den am 1. März 1606 in Kraft tretenden Zolltarif eine weitere Herabdrückung der elenden Lebens- Haltung der Tabakarbeiter bewirkt wird; 3. weil die jetzige Steuergesetzgebung für die Tabak- industrie zur Folge hatte, datz die Tabakarbeiter, die vor dem Jahre 1876 mit zu den besser entlohnte» Arbeitern gehörten, jetzt nach der Lohnstatistik der Berufsgenossenschaften mit ihrem Jahrcsvcrdienst um 404 M. unter dem Durchschnittsverdienst der gegen Unfall versicherten Arbeiter stehen. Die alljährlichen enormen Einnahmen, welche das Reich durch die im Jahre 1876 erfolgte Erhöhung des Tabakzolles und der Tabaksteuer hat. lpcrden hauptsächlich getragen durch die in der Tabakindustrie und deren Nebengewerben beschäftigten Arbeitcr, in Form der damals in großem Umfange vorgenommenen Lohnreduktionen, die sie über sich ergeben lassen mußten auf Grund der durch das Sozialistengesetz herbeigeführten Wehrlosmachung der Arbeiter und durch die in erheblichem Maße betriebene Verlegung der Fabrikation aufs flache Land. Nennenswerte Lohnaufbesserungen konnten bis heute nicht errungen werden, weil durch die immer wiederkehrenden Be- nnruhigungen der Industrie, durch neue Stcuerprojekte solche Störungen verursacht wurden, die jeden ernsthaften Versuch, Lohnaufbesserungen zu erstreben, unmöglich machten. Eine neue Steuererhöhung würde eine weitere Ver- schlechterung der Lage der Tabakarbeiter herbeiführen. Da die Tabakarbeiter in 300 Arbeitstagen jetzt einen Durchschnitts- verdienst von 543 M. erzielen, würden sie durch vermehrte Arbeitslosigkeit und Lohnverschlechterungen zum Hungern ver- urteilt sein. Der Kongreß protestiert besonders gegen die geplante bei- spiellos hohe Zigarettensteuer. Durch Annahme dieser Steuer würden zweifellos tausende weiblicher Tabakarbeiter brotlos werden und dem Hunger preisgegeben oder der Prostitution in die Arme getrieben. Eine Steuer, die in manchen Fällen höher ist als der gegenwärtige Verkaufspreis der Zigaretten, wird eine völlige Revolution in der Zigarettenindustrie erzeugen. Die Zigarettenindustrie wird aus den Großstädten, wo sie jetzt ihre Fabriken hat, verlegt werden nach Gegenden mit billigeren Arbeitskräften und die arbeitslos gewordenen Arbeiterinnen in den Großstädten in hülfloser Lage zurücklassen. Um zu ver- hindern, datz tausende weiblicher Arbeiter dem Hunger oder der Prostitution preisgegeben werden, fordert der Kongreß von dem hohen Reichstage, dem Gesetzentwurfe betreffend die Einführung einer Zigarettensteuer seine Zustimmung zu versagen. Der Kongretz erwartet, datz die Regierung, nachdem die Steuerkommission des Reichstages e i n st i m m i g die Gesetzes- Vorlage wegen Aenderung des Tabaksteuergesetzes abgelehnt hat, schleunigst die Gesetzentwürfe zu höherer Belastung des Tabaks zurückzieht und bei künftigen Steuervorlagen die höhere Be- lastung des Tabaks ganz außer Frage läßt. Sollte dies nicht eintreten, so erwartet der Kongretz, datz der Reichstag ebenso einstimmig wie seine Kommission in erster Lesung das Schicksal der Vorlage durch ein ablehnendes Votum besiegeln wird. Als ein weiterer Vertreter der Berliner Zigarettenarbeiter sprach noch Franz Schmidt- Berlin. Er spricht die Vermutung aus, daß bei Annahme der Zigarettenpapiersteuer für die Industriellen so viele Scherereien erwachsen würden, datz schließlich von feiten der Industrie selbst der Ruf nach Abnahme der Betriebe durch ein Staatsmonopol erschallen würde. Deshalb seien alle Tabakarbeiter in gleichem Matze an der Ablehnung auch dieser Steuer interessiert. Unmöglich könne die Regierung das ungeheuere Anklagematerial, das der Kongretz beigebracht habe, unbeachtet lassen, es müsse denn ihre Absicht sein, eine blühende Industrie zu vernichten.(Lebhafter Beifall.) Gegen die Zigarettenfabrikanten müsse der Vorwurf er- hoben werden, datz sie aus reiner Profitwut und Verblendung der Regierung das Material geliefert hätten, das diese nun allerdings zu deren eigener Vernichtung verwende. Der ganze Entwurf sei im höchsten Maße liederlich und verfehlt. Von den 27 Paragraphen der Ausführungsbcstimmungen werde in 21 Punkten die Eni- scheidung und Ausführung dem Bundesrat übertragen. Auf die Widersprüche der Vorlage habe schon der Zentrumsabgeordnete Speck hingewiesen. In der Zigarettenindustrie sei man daran, eine Tarifvereinbarung durchzuführen. Komme das Gesetz, dann sei es vorbei mit allen diesen Bestrebungen und mit allen Hoffnungen auf Lohnerhöhungen. Das bsleuchte so recht den angeblichen sozialen Ausgleich. Die Arbeiter mögen nicht das Beispiel der Fabrikanten, die sich in ihrer Borniertheit und Dummheit gegenseitig zerfleischen, nachahmen, sondern geschlossen zusammenstehen.(Stürmischer Beifall.) Nachdem noch etwa 10 Berichte über die Lage der Tabakarbeiter in den einzelnen Distrikten entgegengenommen worden waren, stellte Thieme- Bremen einen S ch l u tz a n t r a g. Er glaube, daß der Kongreß genügend Material für Regierung und Reichstag gegen die Vorlage beigebracht habe. Zum Wort gemeldet sind noch 47 Redner. Der Schluß- antrag findet Annahme. Darauf wird die Resolution des Borstandes einstimmig angenommen. Der Beschluß soll der Reichs- regierung und den Reichstagsabgeordnetcn übermittelt werden. Das Protokoll des Kongresses soll als Agitationsbroschüre zu 10 Pf. das Stück verbreitet werden. Weiter wurde folgender Antrag an- genommen: „Der Kongreß beschließt, datz die auf dem Tabakarbeiter- kongretz von 1863 zur Abwehr etwaiger Tabaksteucrvorlagen ein- gesetzte Zentralkolnmrssion auch für die Zukunft mit dem gleichen Zweck bestehen bleiben und ihren Sitz in Berlin behalten soll." Zur Beschlutzfassung stehen noch die bereits mitgeteilten Anträge der Tabakarbeiter von Heiligrnstadt. Der eine davon ver- langt, daß bei Annähme der Tabaksteucrvorlage der Staat für die dadurch brotlos gewordenen Tabakarbeiter Sorge tragen möge. Thieme- Bremen spricht gegen den Antrag. Sie hätten keinen Anlaß, bei der heutigen Regierung betteln zu gehen.(Stürmischer Beifall.) Was das bedeute.„Arbeit nachweisen", könne man sich wohl denken. Von der heutigen Regierung hätten sie nichts zu erwarten. Wenn ihr nicht das Gefühl komme, datz sie tausende Arbeiter brotlos mache, dann werde sie auch keine Empfindung für eine derartige Verpflichtung haben.(Stürmischer Beifall.) Der Antrag wird gegen eine Stimme abgelehnt. Der zweite Antrag Heiligenstadt verlangt die Herausgabe eines Flugblattes mit den Namen der Abgeordneten, welche bei Annahme der Tabaksteuer dafür gestimmt haben. Dieser Antrag Heiligenstadt findet eine große Mehrheit. Es wird dann beantragt, festzustellen, wie viele Delegierte organisiert seien. Dem Antrage wird stattgegeben und es ergibt sich, datz sechs Delegierte keiner Organisation angehören. Kiesel- Berlin glaubt, daß der Kongretz den Herren v. Rhein- baben und Frhr. v. Stengel hinreichend gezeigt habe, wie es mit den Tabakarbeitern und deren Familien bestellt sei. Redner mahnt zur Einigkeit und schließt mit einem Hoch auf den Deutschen Tabak- arbciterverband. Mit stürmischem Bravo wird die an den Kongreß gelangte Mit- teilung aufgenommen, daß heute in der Tabaksteuer- k o m m i s s i o n f a st alle Abgeordneten— bis auf einige Nationalliberale— s i ch gegen die Zigaretten papier» fteuer erklärt hätten und daß morgen die Ablehnung der ganzen Steuervorlage zu erwarten sei. Teichmann- Bremen hält die Schlußrede: Wer die Ver- Handlungen verfolgt hat, Iver die Berichte der Delogierten angehört hat, wird, auch wenn er kein Tabakarbeitcr ist, zu der vollen lieber- zeugung gekonmien sein, datz unter den in der Tabakindustrie be- schäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen ein grenzenloses Elend existieren muß.(Stürmische Zustimmung.) Er wird hier zu der Ueberzeugung gekommen seln, datz dieses Elend dadurch hervor- gerufen worden ist, daß der deutsche Tabakarbeiter so außerordentlich unter der privatkapitalistischen Ausbeutung und den beunruhigenden finanzpolitischen Maßnahmen des Reichstages zu leiden hat. Privat- kapitalistische Ausbeutung und die Finanzpolitik der Reichsregierung tragen die Schuld daran, daß viele Tabakarbeiter kaum das liebe Brot auf dem Tische haben.(Sehr wahrl) Wenn die Tabak- arbeitcr an reichbesetzter Tafel sätzen und wenn man ihnen davon ein Stückchen Brot wegnehmen wollte, dann würden sie sich gewih nicht besonders aufregen. Aber hier handelt es sich darum, daß man ihnen das letzte Stückchen Brot, lnit dem sie und ihre Kinder sich sättigen wollen, wegnehmen will, und das von Leuten, die selbst an reicher Tafel sitzen. Da ist es begreiflich, daß die Tabakarbeitcr sich gegen solche Unverschämtheit aufregen.(Stürmischer Beifall.) Was hier aus allen Gauen vorgetragen wurde, war mehr als Glend. Da können wir sehen, wie wenig ernst es Regierung und bürgerlichen Parteien mit ihrem Schlagwort vom Schutz der nationalen Arbeit ist. Im Interesse der nationalen Arbeit liegt nicht die Verteuerung der Rohstoffe, sondern deren Lerbilligung. Aber als man bei dem Zolltarif von dem Schutz der nationalen Arbeit sprach, lvar es nichts weiter, als der breiten Masse Sand in die Augen zu streuen zu ihrer Plünderung und Ausraubung.(Stürmischer Beifall.) Noch ist die Gefahr für uns nicht vorüber. Die Reichsregierung braucht für ihre Flotten- und Weltpolitik Geld, und der Tabak ist von jeher das Lieblingssteuerobjekt der Staatssekretäre gewesen. Von der ersten Lesung in der Kommission bis zur zweiten Lesung im Plenum kann noch mancher Kuhhandel betrieben tvendem Darum dürfen wir nicht einschlafen. Gleich wenn wir heimkommen und Bericht erstatten, müssen wir die Massen auf die Gefahren hinweisen und sie aufrütteln. In dem Kampf gegen die Steuervarlage tvaren es der Tabakarbeiterverbcmd, der Sortiererverband und an ihrer Seite der Senefeldcrbund, welche die Führung hatten. Aber die so- genannten„Christlichen" haben eö nicht für nötig gehalten, sich an unsere Seite zu stellen, mit uns, ihren Mitausgcbeutetcn, gemeinsamen Protest zu erheben.(Zurufe.) Damit haben sie dazu bei- getragen, datz dieser Protest nicht als ganz vollgültig bezeichnet werden könnte. Es soll ihnen hier kein Vorwurf gemacht werden, aber gesagt mutz es ihnen werden, daß sie bei einer solchen Gefahr an unsere Seite gehören.(Lebhafte Zustimmung.) Gclöben wir weiter für unsere Organisationen zu wirken, dann tverden wir im- stände sein, künstig derartige Pläne noch leichter abzuschlagen und die Massen der Arbeiter zu besseren Lebensverhältnissen zu führen. (Stürmischer Beifall.) Hierauf schloß um Osch Uhr der Vorsitzende Wilh. DBrner den Kongreß mit einem Hoch auf den Deutschen Tabakarbeiter- verband. Berichtigung. In dem gestrigen Bericht mutz es heißen, datz Knaup-Grohhausen einen Brief vom Abg.'Frhr. v. Kehl zur Ver- lesung brachte.________ Hiid InduFtnc und Handel. Gin Gnadcnakt. Wie die„K. V. Ztg." berichtet, hat die Gewerkenversammlung der Zeche„Alte Haase", aus der Not eine Tugend machend, den Grubenvorstand ermächtigt, mit dem Kohlen- syndikat einen Vertrag abzuschließen, wodurch sich die Zeche„Alte Haase" verpflichtet, jährlich nur 125 000 Tonnen zu fördern und sich der jeweilig vom Syndikat vorgeschriebenen Fördereinschränkung zu unterwerfen. Das Syndikat bekämpft die Kohle von„Alte Haase" nicht mehr. Die Zeche kann ihre Kohlen zu beliebigen Preisen ver- kaufen und zahlt keine Umlage. Sie vertragen sich. Zwischen dem Eisenwerk Kraft in Stettin und dem Roheisensyndikat war es wegen Abschlüssen zu Differenzen gekommen. Wie die„Kölnische Zeitung" nun erfährt, ist das Ab- komnien zwischen dem kampflustigen Eisenwerk Kraft und dem Roh- eisensyndikat bis zum 1. April dieses Jahres verlängert worden. Unterdessen werden die Verhandlungen über die Erneuerung des Syndikats und die Regelung des Verhältnisses des Kraft-WerleS zu ihm fortgesetzt. Krach wegen der Zollfrage. Die„New Vork Tribüne" meldet aus Washington: Die Zollfrage droht eine Spaltung unter den Republikanern hervorzurufen. Im Kongreß find zahlreiche Ver- treter der westlichen Staaten lebhaft an dieser Frage interessiert, denn ihre Wahlkreise bestehen darauf, datz eine Verständigung irgend welcher Art herbeigeführt werde, um einen Zollkrieg zu vermeiden. Diese Abgeordneten hatten geglaubt, daß der Plan eines Maximal- und Minimaltarifs nur vorgebracht worden fei, um Deutschland zu erschrecken, sie finden aber jetzt, datz ernstlich die Absicht besteht, den Tarif um 25 Proz. zu erhöhen. Wenn der Plan, einen Maximal- taris aufzustellen, scheitert, wird man versuchen, eine Aenderung des Zollsystems zu erlangen, um einen dlockus vivendi mit Deutschland auf sechs Monate möglich zu machen. Die New Dorker Importeure dringen auf eine vollständige Reform des ZollwefenS, um den Handel mit dem Auslande zu ermutigen. Zollkonflitt. Die von uns bereit« angekündigte RegierungS- erklärung, derzufolge die serbische Anleihevorlage wegen dcS jetzigen Standes der Handelsbeziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien zurückgezogen wird, wurde am Dienstag in der Skupschtina verlesen. Zugleich wurde angekündigt, datz der Skupschtina bald Gesetzesvorlagen zur Lösung der Fragen der Be- waffnung und des Eisenbahnbaues unterbreitet werden würden. Ferner kam ein Utas des Königs zur Verlesung, durch den die Re- gierung ermächtigt wird, der Skupschtina die Handelsverträge mit Deutschland und Montenegro zu unterbreiten. Weiter Ivird aus Belgrad gemeldet: Die Regierung beschloß, von der Einbringung des serbisch-bulgarischen Handelsvertrages in der Skupschtina vor- läufig abzusehen. In Regierungskreiscn hält man dafür, daß in dein Konflikt mit Oesterreich-Ungarn bald eine günstige Wendung eintreten werde. Ausnutzung von Wasserkraft in Spanien. Eugenia und Agustin Arranz haben die Konzession erhalten, einen Wasserfall de« BacheS LaS BotijaS, im Bezirk CuevaS de Provanco(Segovia) unter Eni- nähme von 200 Liter Wasser pro Sekunde zur Erzeugung elektrischer Kraft zu benutzen.— Eugenia Moreno Sarräiz hat die Konzession erhalten, aus dem Flusse Tajo innerhalb der Bezirke Toledo und Moccjon bei niedrigem Wasserstande 25 Kubikmeter, bei hohem Wasserstande 157 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu Bewässerungs- zwecken und zur Erzeugung elektrischer Kraft entnehmen zu dürfen. (Auskunst über den Wohnort der Genannten wird in Segovia und in Toledo bei dem(Zodornador oivil zu erhalten sein.) Vom amerikanischen Stahltrust. Fast 120 Millionen Pfd. Sterl. Ueberschutz l Das ist das finanzielle Ergebnis des Trustes. Die Gewinne der letzten fünf Jahre betrugen(Pfund Sterling): 1901 1602 1603 1604 1606 84 787 580 133 308 680 106 171 130 73176 716 116 846 000 Nach Abzug der Vorzugsdividenden verbleiben noch 7 417 000 Pfd. Sterl. Auf die Commou Shares(gewöhnliche Anteilscheine, durch welche man die kleinen Leute auch zu Renten beziehende „Kapitalisten" machen wollte), wird keine Dividende verteilt. Die Amerikaner sind praktische Leute. Die Kleinen haben das Nachsehen. Große Summen wurden zu Neuanlagen usw. verwendet. Charlottenburger Wasserwerke. In der am Mttwoch statt- gefundenen Generalversammlung kamen die Gerüchte über den Stand des gegen die Stadt geführten Prozesses zur Erörterung. Der Bor- sitzende bemerkte dazu: die Verwaltung stehe den Gerüchten voll- ständig fern. Die Versammlung genehmigte hierauf den Abschluß für 1604/1906 und setzte die Dividende auf 15°/, Proz. fest. Werden die Junker lachen! Der Sekretär der deuffchen Bot- schaff in Washington Freiherr von dem Bussche-Haddenhausen er- klärte, wie die„Morning Post' aus Washington meldet, in einer Unterredung, diejenigen Blätter, welche die Ansicht vertreten, Deutsch- land werde in der Zollfrage nachgeben und den Maximaltarif gegen Amerika nicht einführen, seien falsch unterrichtet. Der neue deutsche Zolltarif trete im März ohne»veiteres von selbst in Kraft, falls Amerika nicht einen Gegenseitigkeitsvertrag mit Deutschland schließt, was indes nicht wahrscheinlich ist. Soziales. Rekord-Unfallziffer». Die rheinisch-westfälische Eisengroßindustri«. die Quelle rieseugrotzer Gewinne für daS Unternehnnrtum, die Liefe« rantin eiffiger Dreher am Schleifstein der Scharfmacher mid lautester Rufer gegen Arbeiterschutz, diese Industrie, au« der die beweglichsten Klagelieder ertönen über die Belastung durch die Sozialgesetze, und deren Vertreter zu den prinzipiellsten Verteidigern des Unternehmer- überhaupt 29,33 86,3 192 rheiuisch-westfälische Eisen- flcfähtlidhe Bergbau, dessen • obsolniiZnius gehören, hat auch den„Vorzug", mit den höchsten Un sallziffern glänzen zu dürfen. Bei der nächsten Publikation über die Wohlfahrtseinrichtunge» der Jndustriegrandcn werden die pp. Bio- graphen der Krupp, Thyssen und Genossen die folgende Ehren- und piuhinestafel hoffentlich nicht veraessen. Nach den RechnungSergcbnisseu der Berufsgenossenschaften ent- falle» im Jahre 1001 auf je 1000 Versicherte Unfälle: entschädigungZ Pflichtige ver sämtlichen Berufsgenossenschaften 6,85 bei sämtlichen Eisen- und Stahl- Berufsgenossenschaften... 11,25 bei der rheinisch-westfälischen Hütten- und Walzwcrk-Berufsgenossen- schaft......... 16,00 Mit diesen Unfallziffern steht die grogindustrie unerreicht da. Selbst der DD���D��M hohe Unfallzifiern Grauen hervorrufen, schon wiederholt die öffcnt- liche Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen, von verschiedenste» Seiten mit vollstcin Siecht die Forderung nach erhöhtem Schutz der Bergarbeiter laut werden ließen, muß auf dem Gebiete der Krüppelmachcrei hinter der Hütten- und Walzwerkindustrie zurück- stehe». Der Bergbau brachte cS ja„nur" auf 15,16 entschädigungZ- Pflichtige Unfälle pro lOOO Versicherte. Fast jeder fünfte Metallarbeiter im rheinisch-westfälischen Eldorado erleidet einmal im Jahre einen Unfall. Das Bildchen wird noch kräftiger koloriert, wenn man z. B. die Sektion Oberhausen— das Reich des Königs Thyssen, des deutschen Morgan— herausgreift. Hier entfallen auf je 1000 Versicherte 20 entschädigiuigspflichtige und 214 Unfälle überhaupt! In diesem Reiche hat also jeder vierte Arbeiter die verlockende Aussicht, den Segen der Plusmacherei durch einen Unfall auszukosten. Das Unternehmertum, dem solche Schreckcnszisfern natürlich kein Vergnügen bereiten, sucht durch aller- Hand Erklärungen für die Unfälle die Verantwortung für die in den angegebeneu Zahlen zum Ausdruck komniende Massenvernichtung und -Verlrüppeluug von Arbeiterknoche» von sich abzuwälzen. Daraus er- klärt sich, daß mau wohl mancherlei Scheingrüude zutage fördert, die Hanptursache der erschreckenden Unheilszissern aber mit keinem Wort erwähnt. Die barbarisch lange» Arbeitszeiten iir Verbindung mit der wildesten Arbeitsinleusivität speziell in den Feuerbetrieben, das sind die Uufallerzeuger. Die normale Arbeitszeit von 11—12 Stunden, bei der die Mahlzeiten meist während des Schaffens— in der einen Hand den Eßlöffel in der anderen die Feuerzange— eingenommen, richtiger verschlungen werden, erfährt durch Ueberstunden eine Verlängerung auf durchschnittlich 13—11 Stunden. Dvppelscknchten sind au der Tagesordnung, Leistungen von 36slll»biger ununterbrochener Arbeits- zeit gehören nicht zu den Seltenheiten I In einen» Monat»verde»» 30 Schichten gemacht, ja es gibt Leute, die es bis zu 10 Arbeits schichten in einem Monat bringen.„Sechs Tage sollst Du arbeiten— a m Sonntag 21 machen!" So lautet ein Bonmot, das mit einem gewissen Galgenhunior bei den Metall� arbeiteru zirkuliert. Die extensive und intensive Ausnutzung der Arbeitskraft schlvächt ganz selbstverständlich in ganz erheblicher Weise die Wider standskraft. Der völlig erschöpfte Arbeiter wird apatisch auch bezüglich deS Schutzes für Gesundheit und Leben. Das ausgemergelte Opfer der Beutegier loird unvorsichtig, weil ihm alle LebeuSenergie ausgepreßt ivurdc, der restlos Ans- gebeutete zahlt mit seiner Gesundheit, mit seinen Knochen für die Skrupellosigkeit in der ungezügeltei» Plünderei der Ärbeitskraft. Bei de»» geschilderten Unlständen kam» es nicht verwundern, daß auch der Gesundheitszustand der Fabrikarbeiter bejammernsivert ist. Durch- schuittlich entfallen bei allen reichsgesetzlichen Kraukenkassen auf je 100 Versicherte jährlich 31—36 Erkrankuugssnlle, die Fabrikkrauken- kassen der rheinisch-»vestfälischen Hütten- und Walziverksindustric zählen auf je 100 Versicherte 60—70 Erkranknngsfälle! So rächen sich die Sünden des Kapitals»vider die Arbeitskraft. Trotz dieser schandbaren, zuin Himmel schreieitden Zustände kann die Stcgierung, die sich bcniühte, das Volk mit dem Hungerzolltarif zu „beglücke»»", es durch wundervolle Steuerblütcn zu„crsrouen", sich inmier iloch nicht entschließen, einen Gesetzeutivurf vorzulegen, der ciiien achtstündigen Marimalarbeitstag und Arbeiterkontrolleure vor- ficht. Wie lange noch soll der Arbeiter Gesundheit und Leben schütz los dem Unternehmertum ausgeliefert bleiben? Schiviitdclkassc. Der Polizei-Präsident gibt bekannt, daß über das Vermögen der, ivie wir schon mitteilten, verkrachten Rheinischen Kraiikenversicherungskasse tEiugeschriebene Hilfskasse Nr. 87) zu Köln seitens des Amtsgerichts zu Köln au» 12. Januar d. I. das Konkurs- Verfahren eröffnet und der Rechtsanlvall Dr. Wirtz III zu Köln, Römerturm 10»vohnhaft, zum KonkurSverlvalter bestellt worden ist. Vertreter der Kasse für Berlin war der Agent Johann Goctz, Gollnow- straße 9. Bei den Gewcrbegcrichtsivahlen im Wuppertal wurden, wie ja zu erlvarten»oar, die Kandidaten des Gcwerkschaftskartells gewählt. Zuerst kam die Wahl in Elberfeld. Hier machten die Christ- lichen beider Konfessioneir, gelvissermaßen als Postludiuu» zu den Stadtverordnetenlvahlen, noch einmal einen riesigen Radau; hing ihnen auch die Siegestrompete hoch, so wollten sie doch recht viel Sti»»me>i bekommen, um damit die Notwendigkeit der Proportional- tvahl uachzuweisen. Diese halten sie ja überall da für nolivendig,»vo sie selber keine Aussicht auf Sieg haben. Die Kandidaten des Ge- Iverkschaflskartells erhielten 3357, die Christlichen 961, und die Hirsch-Dunckerschen 110 Stinunen.— In Barmen zogen es die Christlichen vor, von einer Wablbeteiligung Abstand zu nehincn, so daß das Gewerkschastslartell Gegner überhaupt nicht vorfand. GencKts-Deining. Unschuldig zwei Jahre in« Gefängnis. Der Schueidergesellc Schröder aus Papenburg, ein durchaus unbescholtener Mann, arbeitete bei cincin Meister in Wiemelhausen, in dessen Hause auch ein Uhrmacher»vohnte. Bei diesen» Ivurde ein schwerer Einbruch verübt. Ein anderer Schneidergeselle namens S e y b e r s, der»mt Schröder zusammen arbeitete, lenkte den Verdacht auf Schröder»md dieser lvurde trotz seiner Unschulds- beteuerungeu lediglich auf das alleinige Zeugnis des Seybers hin zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Räch der moralischen Qualität des Zeugen hielt man leider keine Stachforschung, die in diesen» Falle wohl am Platze war. Denn später wurde Seybers selb st wegen Straßenraubes zu zlveiJahrenZucht- Haus verurteilt. Dabei kan» auch aitS Licht, daß er ein alter Gewohnheitsverbrecher mit einen» großen Vor- st r a f e n k o n t o war. Nunmehr wurde im Falle Schröder das Wiederaufnahmeverfahren angeordnet und gleichzeitig gegen Seybers Anklage»vegen Meineides erhoben und Seybers dieserhalb zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Die forinelle Freisprechung des Schröder, der sofort eiitlassen wurde, steht danach unmittelbar bevor.— Ein Justizirrtum ist gewiß stets möglich, da irren menschlich ist. Aber daß der völlig unschuldige Schneidergeselle Schröder zu zioei Jahren Gefängnis»vegen vermeintlichen Einbruchs verurteilt lvurde, dürfte, wie viele andere Verurteilungen Unschuldiger, doch nicht allein auf die Unzulänglichkeit menschlicher Erkenntnis zurück- zuführen sein. In einen» Falle ivie den» Schröders tonnte und durfte keine Verurteilung stattfinden, wenn die Verhandlung mit der Gründ- lichkeit und Genauigkeit geführt wäre, die j e d e r� Strafprozeß fordert, die aber in so vielen Strafprozessen insbesondere gegen Arbeiter verinißt wird. Schiverlich hätte eine Verurteifting eintreten können, wenn hinreichende Aufmerksamkeit dein Vorleben des Zeugen geioidmet worden wäre. Einer solchen Aufmerksamkeit für Dinge, bei denen es sich um die Freiheit eines Arbeiters handelt, steht freilich die schcmatisch-forinale Gelvöhnung des Berufsjuristen und das von oben kommende Drängen auf Beschleunigung der Straf- Prozesse entgegen. Wahrnehmung berechtigter Interessen. Das Reichsgericht engt immer mehr den Kreis der Wahrnehmung berechtigter Interessen entgegen der Absicht des Z 193 des Strafgesetzbuchs und der Not- »veiidigkcit insbesondere freier Kritik ein. Dies beweist»vicder folgender am Dienstag vor dem Reichsgericht verhandelter Fall. Wegen Beleidigung durch die Presse sind am 25. März v. I. vom Landgericht F r e i b u r g i. S. der Schmied und Redakteur der in Haiuburg erscheinenden„Schiniede-Zeituirg", Zentralorgan aller zum Schmicdcgelverbe gehörenden Personen, Gustav Schreiber zu 10 M. und der Schmied August Hermann Schiffner in Döbeln zu 75 M. Geldstrafe verurteilt worden. Schi, ist gelernter Schmied und»var bei 3t. in Döbeln beschäftigt. Als Obniani» des Filial- Verbandes der deutschen Schmiedcarbeiter war er verpflichtet, jährlich einen Bericht über die Löhne der Schmiede in Döbeln zu verfassen und an Schreiber einzusenden. Auch 1901 hat er dies getan. Schr. hat den Artikel gelesen und am 21. Mai 1901 abgedruckt. Beiden Angeklagten war es darum zu tun, die Mitgliederzahl des Zcntralverbaiidcs zu vcrrnehren. Der Artikel wendet sich besonders gegen den bei R. angestellten Meister St., der die Löhne feftzustelleu und die Arbeiter anziuiehinen und zu entlassen hat. In dem Artikel»vird dieser als ein Despot bezeichnet, der die Löhne herunterdrücke und sie ganz»villkürlich an- setze. Erlaube sich ein Kollege, diese Verhältnisse zu rügen, so »verde er entlassen. Das Gericht hat diese Behariptungen als nicht erwiesen angesehen und eine Beleidigung deS Meisters R. festgestellt. Die von beiden Ängeklagtei» eingelegte Revision lvurde vom Sieichsgerichte v e r lv o r f e n. Begründetes Ablchiiiiiigsgcsuch. AuS eine»»» nngetvöhnlichen Grunde erfolgte gestern in einer hiesigen Straskaininer die Ab- lebnilng eines Siichters»vegen Befangenheit. Als der Verteidiger den Gerichtssaal betrat, hatte sich der Gerichtshof in der seinein „Fall" vorhergehende»» Sache zur Beratung zurückgezogen. Er be- nutzte die Zlvischenzeit, un», Ivie dies öfter vorkommt, die Akten in seiner Sache voin Gerichistische zu nehmen und sie einzusehen. Dabei bemerkte er, daß für seine erst zu verhandelnde Sache der Siefercnt bereits mit der schriftlichen Abfassung der Urteilsgründe begonnen und angefangen hatte, die Ergebnisse der Hauplver-' Handlung zu fixieren unter Bezugnahme auf die von Zeugen vor der Polizei abgegebene»» Erklärungen. Dies gab dem Verteidiger Veranlassung, diesen lliichter als befangen ab- zulehnc». Er begründete dies damit, daß das Urteil dieses Richters, das sich ja nach den, Gesetz erst in der Hauptverhandlung bilden dürfe, präokkupiert sei und die berechtigte Besorgnis der Befangen- hsit bestehe.— Der Gerichtshof erklärte nach kurzer Beratung das A b l e h n u n g s g e s i» ch für begründet, hielt einen Ersatz des betreffende»» Richters durch einen anderen für notivendig und vertagte aus diesem Grunde den Tennin.— Leider nennt der Berichterstatter den Namen des Richters nicht. Der Atome dürfte auch insofern unerheblich sein, als die Bildung eines Urteils lediglich auf Grund der gegen den Angeklagten zusainmengetragenen Akten schiverlich ein Ausnahntefall gerade bei den lllichtern ist, die gegen den Ersatz von Kammern,- die aus gelehrten Aiichtern gebildet sind, durch Schlourgerichte sind. Ilm ein Objekt von 90 Pfennigen handelt es sich in einein Strafprozeß, der bereits seit vier Jahren das Strafgericht beschäftigt. Wegen Betruges und schiverer Urkundeiisälschiiiig»var der aus der Haft vorgeführte Lieisende Siegfried Rittmeier vor der achten Strafkammer des Landgerichts I angeklagt.— Anfang Mai 1902 kam der damals 20jährige Angeschuldigte aus seiner Geburtsstadt Wien nach Berlin, um seine in Eharlotteuburg lvoh»>haste Mutler zu besuchen. Seine Mittel ivarcir erschöpft. Trotzdem»nietete er sich in einem kleinercu Hotel ein Ziminer in der Hoffnung, seine Mutter»vürde es am nächsten Tage bezahlen. In dem Hotel gab er air, er»väre erst angekonnneir,»vähreud er tatsächlich schon seit dein 3. Mai in Berlin»var. lim seine Angabe glaubhaft zu machen, übergab er dein Hotelportier den Gepäck anfliefcrlnigSt'chein,»velcher das Datum.13. Mai" trug,»vähreud ursprünglich auf diesem„3. Mai" gestanden hatte. Als der Hotel- Portier das Gepäck auf dein Bahnhof abholen»vollte, kam natürlich die Fälschung zur Entdeckimg. Der Angeklagte lvurde fest genomnien, bald aber»vieder auf freien Fuß gesetzt, nach- dem seine Mutter den Schaden wieder gutgemacht hatte. Gegen den Angeschuldigten Ivurde das vorliegende Strafverfahren anhängig gemacht. Er entzog sich jedoch der Bestrafung durch die Flucht nach Paris. Hier gelang es dem sehr besähigten jungen Manne, eine sehr gute Stellung zu finden. In Paris erreichte ihn jedoch der S t e ck b r�i e f der Berliner Staatsanivaltschaft. Er tvurde verhaftet und per«chub nach Berlin befördert, um hier wegen des Objektes von 90 Pfennigen sich vor dem Strafrichter zu veranUvorten. Da Gericht erkannte»vegen des B e t r u g e s auf Freisprechung, »vegen der Urkundenfälschung auf zwei Wochen Ge- f ä n g n i s, die durch die UsttersuchungShaft verbüßt erachtet wurden. Roheit und Alkohol. Ein besonders brutales Vorgehen eines Sohnes gegen seine Mutter beschäftigte gestern die 10. Straf- kaminer des Landgerichts I. Wegen Beleidigung. Freiheitsberaubung und versuchter Erpressung, begangen gegenüber seiner alten Mutter, »var der„Schlächtergeselle" Paul Schuck angeklagt. Der bereits mehrfach vorbestrafte Angeklagte ist seit mehreren Jahren dem Alkohol mehr zugetan als der Arbeit. Er gehörte auch längere Zeit zu jenen dunkelen Existenzen, die es fertig bringen, ohne zu arbeiten oder sonstivie Geld zu verdienen herrlich und in Freuden zu leben. Wenn dann diese Einnahmequellen versagten, fiel der Angeklagte seiner hochbetagten Mutter zur Last, die sich mühselig durch Ziinnrer- vermieten ernährte. Hier trat er roh und herrisch auf und miß- handelte die alte Frau»viederholt, wenn ihm das Essen nicht gut genug»var. Am 22. Dezcinber v. I. verlangte der Angeklagte von seiner Mutter Geld. Als diese ihm mitleilte, sie habe selbst nichts. lvurde sie von dem sauberen Herrn Sohn mit den Worten bedroht: „Alte S..,»venu Du mir nicht Geld gibst, kriegst Dt»,»vas Du brauchst!" Am Abend ka»n der Angeklagte angetrunken nach Hause und verlangte von seiner Mutter eine Mark für eine Droschke. Als diese sich weigerte, weil sie � tatsächlich kein Geld hatte, riegelte der Mustersohn die Tür zu und prang niit erhobenem Messer auf die alte Frau ein, die aiif den Knien um Schonung bat. Schließlich gelang es der Frau D., unter dem Vor- geben, sich bei Nachbarn Geld zu borgen, aus den» Zinnner zu flüchten. Während der Sohn seinen Rausch ausschlief, mußte die hochbetagte Frau die ganze Nacht auf der Treppe kampieren.— Der S t a a t's a i»»v a l t beantragte neun Monate Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte mit Rücksicht auf die unglaubliche Gefühls- roheit auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis sowie drei Jahre Ehrverlust. Versammlungen. Die Filiale Gross-Berlin des Verbandes der in Gemeinde- betrieben beschäftigen Arbeiter und Unterangestellten hielt am Mitt- woch in Dräsels Fcstsälen ihre Generalversammlung ab. Orts- sekretär E. Dittmer gab' in längeren- Ausführungen den Ge- schäftsbericht für das Jahr 1905, in welchein er alle bemerkcns- »vertcn Etappen der Bewegung im Berichtsjahre einer kritischen Würdigung unterwarf.— Der gedruckt vorgelegte und vom Kol- legen Hoffmann durch kurze Ausführungen ergänzte Kassenbericht für das vierte Quartal 1905 balanzicrt in Einnahme und Aus- gäbe mit 22 200,27 M. Die Ausgaben setzen sich wie folgt zu- saminen: Filial-Ilukosten 1312,55 M., Uebcrwcisung an die Ver- bandskasse 8271,30 M., an das Zweigbureau 159,65 M., an die Ge- werkschaftskominissiou 220,60 M.; mithin Bestand an, 31. De- zember 1905 8906.17 M. Der Gasarbeiter-Kampffonds beziffert sich jetzt auf 2785,95 M. Die Mitgliedcrzahl stieg gegen das vorige Quartal um 233 und beträgt insgesamt 5155.— Die Neuwahlen ergaben das nachstehende Resultat: Fiebig, Prenzloiv, Vorsitzende; Hoffinann, Kassierer; Ellenbeck, Masphul, Mehr, Paul Schulz, Bei- sitzer; Posseckart, Buch, Kerlvitz. Revisoren; für die Gewerkschafts- kommission Dittmer. Fiebig, Heinze, Strunk, Kerwitz, Wutzky.— Dem Antrage des FilialvorsiandcS und der crlvcitertcn Verwaltung auf probeweise Einführung(zunächst aus ein Vierteljahr) einer Notstandsuiltcrstützung stimmt die Versammlung zu. Auch die Herausgabe einer Broschüre, welche die Lohn- und Arbcitsvcrhält- nisse der städtische» Arbeiter in Groß-Bcrlin behandeln soll,»vird gutgeheißen.— Die vom Vorsitzenden Koll. Fiebig übermittelte Mitteilung, daß der Vcrbandsvorsitzende Poersch seinen Posten ver- lassen und lliedaktcur einer rheiiiischey Zeitung Hirsch-Tunckerschcr Kuleur geworden sei, beantwortet die Versainmlung durch nach- stehende gegen einige wenige Etiinmen zur Annahme gelangte Resolution: „Die Versaininlung begrüßt mit Genugtuung das Ausscheiden des bisherigen Verbandsvorsitzendcn Poersch, welcher sich seit langem im Gegensatz zur großen Mehrzahl der Berliner Verbandskollegcn befand. Tie Versammelten stehen nach ivie vor auf dem Bode»» der»noderiicn Arbeiterbciocgung uud halte»» das Hand-in-Haud-Arbeiten von Gciverkschaft und Partei für unbedingt erforderlich." Um 11 Uhr ivurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Bewegung und den Verband geschlossen. Der Fabrik-, Laird- und Hülfsarbciterverband(Zahlstelle Berlin) hielt am Sonntag seine stark besuchte G e n e r a l v e r s a»n n» l u n g ab. Im Vorstandsbcricht konnte Bruns»viederuin eine erfreuliche Weiterenrwickelung der Organisation koirstatieren. Die Zahlstelle hat in Berlin gegenlvärtig rund 3500 Mitglieder, darunter 275 weibliche. Hinzu komnien nock» zirka 1100 Mitglieder des Bezirks Schöneiveidc- Johannisthal, die sich zn Neujahr der Berliner Ortsverlvallung au- geschlossen haben, so daß mit einer Mitgliederzahl von rund 5000 zu rechne» ist. Der Bevollmächtigte hegte die Hoffnung, daß auch in den übrigen Zahlstellen der nächsten Berliner Umgebung die Einsicht von der Notivendigkeit des ZllsqminenschliisseS mit der Zahlstelle Berlin »vachien dürfte,»veil bei großen Lohnbewegungeir oder Aussperrungen die Einheitlichkeit des Vorgehens durch die bisherige Zersplitterung zu sehr beeinträchtigt»verde. Den besten Beweis hierfür habe die Aussperrung in der Elektroinduslrie geliefert. So»vie fast alle übrigen Verbände die Ziiinmmeufassung der Organisation über Groß- Berlin zustande gebracht haben, niüsse es auch der Fabrilarbeiter- Verband tun., Durch rastlose Agitation sei es gelungen, nicht nur i» den Gunnnisabriken, sondern auch in de» Anilin-, Cichorien-, Seiten-, Linoleuni-, Glühftrumpf- und chemischen Fabriken die Organisation bineinzulragen und zn befestigen. Freilich ist die Indifferenz der HülsSarbeiter immer noch eine sehr große, doch auch diese Schlvierigleiten dürsten nach und nach über- ivunden»Verden, je größer der«tamm derjenigen Personen»vird, die den Organisationsgedanken begriffen haben. Gerade in diesen Industrien biete sich der Berbandstätigkeit noch ein»veites Arbeitsfeld. Eine scharfe Kritik übte Bruns sodann an dem Verhallen deS Handels- und Transportarbeiterverbandes, dem er den Vorwurf »nachte, daß er Mitglieder aufnehme, die eigentlich nicht zu dem Be- rnfskreise gehören, für den der genannte Verband zuständig sei. Eine Resoliltim», die dieses Verhalten des TranSportarbeitcr-Verbandes auf das entschiedenste verwirft, gelangte hierauf einslimmig zur Annahme. Auch soll in dieser Angelegenheit bei der Gewerkschafts- komniission energisch Beschlverde geführt werden. In der Diskussion erklärten sich sämtliche Redner mit der Tätigkeit des Vor- siandes cinverstanden. Beinängelt wurde jedoch, daß der Vorstand die in» vorigen Vierteljahre fällige Generalver- sammlung eigenmächtig hatte ausfallen lassen,»vodurch den Mit- gliedern die Gelegenheit genommen»var. sich iin größere» Kreise über die Taktik und die Lehren bei der AuSsperrrmg in der Elektroindustrie auszusprechen.— Der Kassenbericht vo», zweiten Halbjahr 1905 »vics für die Hauptkasse eine Bilanzierung der Einnahinen und AuS- gaben in der Summe voi».23 212.15 M. nach. Die Einnahme der Lokalkasse belief sich auf 12 818,39 M., der eine Ausgabe ppn 1911.69 M. gegenübersteht. Es vervleibt ain Orte soinit ein Bestand von 7876,70 M. Da die lleberschüsse der ehemals örtlichen ArbeitS- losenunterstiitzungSkasse der Lokalkasse überwiesen find, so lvurde be- schlössen, allen Mitgliedern der Zahlstelle, die 52 Wochen dein Verbände angehören, aus lolalen Mitteln einen Zuschlag zur Streikunterstützung von zlvei Mark pro Woche zu zahlen.— Die'hierauf folgenden Vorstandswahlen ergaben nachstehendes Ergebnis: Llls Bevollmächtigte wurden Bruns, R ü h l e und B c n t i n wiedergewählt. Als Revisoren: Mielitz, Sevekolv und Weiße. Ii» die GewerkschaftSlommission: Schulz. Rausch- nick. O b i tz und Menzel: dazu koinmen noch B e r g e r— Schöiieweide und L u b a h n— Johainnsthal, die von den Mitgliedern des dortigen Bezirks geivählt»vordcn sind. Die Mitglieder des Gau- Vorstandes sollen bis zur nächsten Gaukonfercnz in ihrein Amt bleiben; ihre Neuwahl wurde bis dahin vertagt. 8lm»ilIemli>ii'»Mel' Wahlverein Köpenick. Den Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß der Genosse, Gast- Wirt Wilkelm vückert gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung smdet am Frei- tag, den 2. Februar er.,„ach. mittags S'/j Uhr, vom Trauerhauje Müggelheimerstr. 22 aus stall. Die Genossen werden ersucht, sich recht zahlreich daran zu belciligcn. 7/1»er Vorstand. Verein der Zimmerer Berlins u. Umgegend. Todes-Anzeige. Am Sonntag, den 28. Januar, verstarb unser braves Mitglied Karl Schöning. Ehre seinem Andcnlenl Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 1. Februar, nachmittags 2 Uhr. von dcr Leichcnhalle des städtisch. Zentral- Fricdhojcs in Fr-jedrichsjelde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 257/17 ver Vorstand. Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 30. Januar, morgens S'/j Uhr, verschied saust unser lieber Vater, der Tischler Peter Wedisweiier im 73. Lebensjahre. Die Beerdigung findet Freitag- nachniittag Ist. Uhr auj dem neuen Jakobi-Kirchhof statt. Um stille Teilnahme bitten 0io teauoenllen Hinterbliebenen. Danksagung. Allen Kollegen, Freunden und Bc< kannten sowie den Genossen des dritten Kreises für die Teilnahnie bei der Beerdigung»ncines Neben Mannes, unseres Vaters �tixusl; Steinke unseren herzlichsten Dank. Frau ttttllie Steinke 2310b liebst Kindern. Danksagung. Für die so zahlreichen Belveise herz- licher Teilnahme mid sür die herrlichen Kranzspenden anläßlich des Dahin« scheidens meines geliebten Mannes, unseres unvergeßlichen Väters.Sohnes, Schwiegersohnes, Bruders, SchivagcrS und Onlels, des Dachdeckers Gustav Gieitzmann sage ich hierdurch allen Kollegen, Freunden und Belannlen nicincn herzlichen Dank. 3L In» Alainen der Hinterbliebenen Frau Hara Gieitzmann nebst Kindern. J(eue Berliner Qenossensciiajis- Bäckerei (Eing.Genossenschaflin.bcschr.Hasipjl.), Reinickendorf, Wilkcslr. 62. Tounabcnd, 17. Februar 1906, abends Ö Uhr: General-Versammlung im Kontor der Bäckerei. Tagcs-Ordnung: 1. Bericht deS Vorstandes und Auf- sichtsrats. 2. Vorlegung der Bilanz. 3. Neuwahl des Vorstandes und Auj- sichtsrats. 1. Anträge. 5. Ver- schiedeneS. Anträge müssen bis zum 10. Fe» bruar 1906 eingereicht sein. Die Bilanz liegt in» Kontor. Wilkc. straße 62, zur Einsicht der Genossen aus. 105/7 »er Vorstand. Robert Engel. Karl Mörschel. * A A A A Variete Elysium KonnnnndantenstraRc 3/V. Um 91/, Uhr: Anftrelen deS Berühmten Stegreifdichters Paul Stelnitz, rwwwwwwwwwwwwwwwwwww R irür dcn Inlinli der Jiiicrnle liber»ii»»it die Redaktion den, Viiblitiim gc-iciiliber keinerlei Actn»livortu»löttigsglaubc. Schiller.�i.(Friedrich Wilbelni- illidiischcs Theater). Cypricnne. Kleines. Kinder der Sonne. Zentral. Der Bogelhändker. AKrtrovoi. Aus ins Metropol. Walhalla. Nach Afrika, nach Ka- incrun. Kölnische Oper. Der Corrcgidor. Residenz. Der Prinzgemahl. Triano». Loulou. iiustkpielhaus. Der Weg zur Hölle. Thalia. Bis srüh um Fünse. Carl Weist. Die lebende Brücke aus Kuba. � Luise». Ein Sommernachtstraum. Tentich-Atuerikauisches. Er und Üch- Kasino. Die goldene Brücke. Slpollo. Prinzeß Nosine. Speziali- täten. Herrnseld. Faniilienlag im Hause Prellstein. Aolies Gapricc. Nach den» Zapscn- streich. Der Beheme. Belle-Allianec. Der grüne Tcuscl. Spezialitäten. Wintergarten. Otto Rcultcr.— Sdezialitätcn. Rcichshallru. Stcttiner Sänger. Passage. Spezialitäten. >lr»ni». TauUruslraste Abends 3 Uhr: Am Gols von Neapel. Hörsaal. Abends öUhr: Dr.Thesing: Schutzsärbung. Stcrntvarre, Znvalidenstr. S7/S2. Täglicd geöfinei oon l bis 7 Uhr. Berliner Theater. Ansang Vit Uhr. DerWiderspänstigen Zähmung. Frestag: vor Widerspänstigen Zähmung. Sonnabend nachm. 2'lt Uhr: Schülcrvorstellung zu ermäst. Preisen: vis Räuber Abends 7'/, Uhr: vor Wderspänetigen Zähmung._ Heues Theater. Ansang V/t Uhr. Sin Scmmernachtstraum. Freitag: Ein Sommernachtstraum. Sonnabend: Salome.(Ans. 8 Uhr.) Sonntag, Montag: Ein Sommei'- rachtstraum. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Kiildkr der Srniiit. Morgen: Kinder der Tonne. Zentral-Theater (Operette). Abends 8 Uhr: Der Vogelhändler. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Benefiz A. Himer. Sin Scmmernachtstraum. Freitag: Der Kansmann v. Venedig. Sonnabend: Der Bcrschlvcnder. Sonntag nachm.: Der Verschwender. Abends: Ein Sommernachtstraum. Montag: Pension Schüller._ Urania Ii?.?;,: Abends 8 Uhr: Am Golf vou Neapel. Hörsaal 6 Uhr: Dr. The sing: SchutzrUrbung. Sternwarte T rianon=Theater. Ansang liOIllOll. 8 Uhr. Sonntag nachm.: Die herbe Eruohl. Komische Oper. Donnerstag, 1. Febr., abends 8 Uhr: Der Corregidor. Freitag zum 50. Male: Hotfmanm Erzählungen. Sonnabend: Oer Corregidor. Sonntag abend 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungein_ �_ Apollo-Theater. wr- Vollslänilig neues Progranim. Neue Spezialitäten und Gebert Bellitig; mit seinen vierbeinige» Komiker» Dazu: Dir Insel Dulipalan. Operette in l Alt o. Facq. Osienbach Im Vtriietten-Kabarett Pariser Nachtbild._ Metropoi-Tbealer Anfang 8 Uhr. » ♦ -I Große.Tabresrevne mit Gesang u. Tanz in 0 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Bauchen in all, iiäuuon gestattet Pastans V fanoptihum Frledrichstr. 165. Ohne 8xtra-8ntree. Bergbewohner Abessiniens. 65 Eingeborene Männer, Weiber und Kinder, sowie das Baby„Berolina". Eintritt 56 Pf. {SclBlller-Tlieater. Lustspielhaus. Täglich abends 8 Uhr: Der Pro inr Ijöllf. Residenz-Theater. Direktion: Richard Hlexander. Heute und solgcnde Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwant in:! Akten von L. Tanros und I. Ehaiicel. Sonntag, den 4. Febr., nachm. 3 Uhr: Tie Höhle des Löwen. Kasino-Tbeater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Die goldene Brücke. Schauspiel in 3 Alt. v. R. Slowronnck. Ii» Neuen Theater z. Z. tu. sensation. Erfolg gegeben! Vorher: Bas hrilk bunte Programm. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das Opferlamm._ Carl Weiß-Thealer. iLr. Fraiiksnrterftr. 132. Täglich 8 Uhr: Die lebeudc Brücke auf Kuba. IensatiancllcS amerik. SlnSstattungs- stück mit Ges. u. Ballett in 7 Bildern von JanieS Fox. Sonnabend, den 3. Februar, nachm. 4 Uhr Kindervorst.: Hänssl und Gretel. Folies Caprice Budapester Possen• Theater 132 Unienstr. 132, — Ecke FriodrichstraBe. Zum 136. Male: Vach d. Zaprcnntreich. Porher: Der Beheme! u. d. auSgezcichn. Spczialitäleiiteil. s Inlang 8 Uhr. Vorverk. lägl. b. Werthoirn u. a»\ der Theaterkasse von 1V Uhr vor- mittags an. Walhalla-Theater M Aftihli, und) Kattternn. SluSstattungSposse in 6 Bildern. Ans. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Stadt-Tlieater Moabit Alt-Moabit 47/49. Donnerstag, den 1. Februar! Gastspiel lies Bernh. Rose-Theaters. Das Gefängnis. Lustspiel in vier Auszügen von tliodcrich Bcncdix. Ansaug 8 Uhr. Kassenerössnung 7 Uhr. VorzugSkarten habe» Gültigkeit. Sonntag, den 4. Februar: Das Gefängnis. V. Noacks Theater. Dtreltiain Roh. Dill. Briinnenltr. 16. Extra-Elite-Vorstellung! Mit teilweise neuer Ausstattung: Die Räuber. Trauersp. in 5 Alten v. Fr. v. Schiller. Ansang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Poll. Freitag zum letzleninat: Der Loder. Sohiller-Thealer 0.(Wallncr-Theatcr). Doillierstag,abends8Uht: KönigHgliinbc. Freitag, abends 8 Uhr: liUnig«irInnbe. Sonnabend, nach m. 3 Uhr: Zum Besten des Laudcrholuugsheims deS„Jugendschich": Der Tmiiin ein Leben. Sonnabend, abends 8 U h r: Die l-ogenbrilder. Bobiller-Theater ki.(gricdr.-WilH. Th.) D o u» e r s t a g, a b c u d s 8 U h r: Lustspiel in 3 Aufzügen v. Victoricn Sardou und E. de Najac. Freitag, abends 8 Uhr: Der-Veiiebenfresser. Sonnabend, abends 8 Uhr: Heber unsere Kraft.(I. Teil.) Neues Programm. Otto Reutter- Charles Hera, Jongleur. Sutcliffe-Truppe, schottisch. Akrob. Stein-Eretlo, Handspringer. Robbins, Kunstradfahrer. Das„Motogirl". Tschin> Maa- Truppe Chinesische Gaukler und Zauberer. Mlstinguelte, Pariser Sängerin. Roccoco, Ballettszene. Clark u. Hamilton, musik. Eicontr. Japanische Garde, Damenensemble. mt BivgrnpTi. Freie Volksbühne. 13. Xutist'Hbend im Rathaus Mittwoch, den 14. Februar zum 50. Todestage des Dichters lleinricli Heine. Herr Wilhelm Holzhamer; Vortrag und Rezitation Klavier- und Gesangsvorträge Heinescher Lieder. Sonntag, 4 Fcbuar, nachmittags X1/, Ehr: Metropol-Theater. Carl WeiB-Theafer. 11./12. Abteilung 1. Abteilung Ein Frühlingsopfer •von E. Kciscrllnff. Meunier- nur für Mitglieder bei Horsch, Engel-Ufer Ko. 15. 228/5 Der Vorstand. In Yertr. die Geschäftsstelle: G. Winkler. Maria Magdalene. Einlaßkarten a SO Pf. Ausstellung Zirkus Albert Sehumann. Heute Donnerstag, den 1. Februar, abends präzise V/2 Uhr: AM" Vovitateu- Abend! ensationellc neue Dcbüis. U. a. zum ersten Male: ? Idre Lxielleiii Wlanjaretlia Fehim- Pascha? Zum ersten Male: The great Morgana-Family. Zum eisten Male: The Ergotti u. King Eonis Troupe. Zum erste» Male: Tiie great Qreard Troupe, 5 Personen, ikarische Spiele ans lebendem Picdeslal. M Ferner: Miß Able Mitchell und ihre /n. farbigen Studenten 20 und das vorzügliche Programm. Im» Schlusi: Die diesjährige graste Ausstattungs-Pantoutime: MUT" Fenunaj das neue Frauenreich. Brauerei friedriebsbain früher Lipps(Oekouom: E. Vlomann) am Königstor. Größter Konzertsaal Berlins llv Heute Donnerstag u. folg. Tage(a. kurze Zeit) arrangiert von dorn rühmlichst bekannten und populärem Eestwirt Schorsch Ehrengruber aus München mit seiner MM" Original-Oberland'ler Truppe."M Bedienung d. JiO Obcrbu.yr. Mad'ln in Nationaltracht. 'tnnidjchoir neue gelt. Im festlich dekorierten Rieseosaale — töglich: Großes Münchener Bockbierfestl Baron Muckl mit seiner Original® Oberbayrischen Bauernkapelie D Bollertauer Muckels Schlager für 1906 sind stauiionerregend. Bedienung durch 30 echte bayrische Madl'n in Nationaltracht. If. Bergschloß-Bockbier— Münchener Küche. Nürnberger KrutwurHt glück lein. Sensationelle Ueberraschungon. Anfang täglich 7 Uhr.— Entree M. 0,30. 32* j XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Kcnsutloncll! Zum I.Haie: ~ Die größte Sehenswürdigkeit der Jetztzeit~ Zum ersten Male in Europa. Noch nie dagewesen! pflT" Zum 74. Male; Die neueste und grollte Sehenswürdigkeit Berlins: In dien. � Außerdom das vorzügl. l'rogr. Gebrüder Heute und solgende Tage: Pamiiisütag im Hause Prelistein. Familienmitglieder: Fridolin Unterbatt Emmerich Unterbett Samuel S. Unterbett Frau Wolkenbruch Jonas Tischtuch Hannibal Sauerstoff Fredy Eiweiß Haurice Archimedes Flora Prellstein Kicky v. Kitzky Monika v. Kitzky Igel u. Kodak Stanislaus, Helene Schestak, RedMonsulent (Anton Herrnfeld) Esau Prellstein (Donat Herrnfeld). Auf. 8 Uhr. Vorverk. U— 2 Uhr. Passage-Theater. I Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. Das neue Februar-"rograintn. Therese Herzberg, dieö/M.Bcauts.] Karl Bernhard, der Humorist. 14 Nummern „und Pepi singt" (Pepl Weiß) die akinelle Berliner isoubrcltc. i Fribels Jltti-Mr. Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag und Mittwoch: Konzert, Theater, Spezialitäten, Tanz. Ans. Sonntags 6 Uhr, Wochcnt. 8 Uhr. Palast-Theater Burgsir. 24, 2Min. v.Bh.Börse Täglich 8 Uhr. Enlrcc 56 Pf. 6 /Vir. Xnxew 8 mit seinem V Werde �"iput-Zirkns � Astra and Cissy Norton, Magie- Bravour- Tänzerinne» Miß Axtre die zweite Lakarei. DM- Zum letztenmal:-WA Paulas Beichte, Familienkarten in Barbier«, Fviscui» und Zigarrengeschäsien uneutgeltiich. Deukeb-jliiierüiamebez Theater. Köpenickerstr. k?/ßg. Jed. Ahd. 8 Uhr: .flWP- Gastspiel Art. Philino Öonntag nachmittag 3 Uhr: Halbe Preise! ,Eebcr'n großen Teich". Reichshalken. Täglich: Stettincr Sänger (Meysel, Pictro, Britton, Böckmami, Böhme, Waiden, Seidel, R. n. O. Schräder). Ansang Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. 8siissouci.s.°"ß«4°a' Dir. Wilhelm Renner. Somit.. Mont., Donnerst.: Hofriiianiis Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sonnt. Bg. 5, Wocheut. 8U. Jeden Dicnslug, Mittwoch: Theater- Abend. Buggeuhagöii SÄ Heute sowie jeden Donnerstag; X Nachher: Iii r. Frei Tanz. Gustav Behrens /ipeziäliiäteu- Theater Frankfurier ___ Alice 85. Der grösste Schlager der Saison> Rentier M u d i ck e S Abentener auf dem Metropolbati odei: Die kleiiie» Mädchen von Berlin. Gr.Ausstaltungsposse m.(Äes. u.Tauz. Im zweiten Bilde: Die k schöne» Manolizigaretten. 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II; Schwarz, Wriezencrstr. 28; Mathesius, Gubenerstr. 53; Seidel, Dersflingerstr. 20; H. Neumann, Jahn- straste 18, I. Qucrg. TV; P. Kiehn, Waldstr. 16 Part, sowie bei den Mitgliedern A. Brunzel, WilSnackerstr. 62 und H. Schacht, Prenzlauer-Allee 209a im Milchgeschäft. 23396 Abendkasse findet nicht statt. Dan Komitee. | iS: Neueste Sehenswürdigkeit Beriius! Karl Gabriel» Volks- Museum. Frlcdrichatraßc II Sa. Am Oranienburger Tor. ca. 2000 Ausstellungsobjekte. Mechanische Kolossalgruvpcn in hier noch nicht UM" gesehener künstlerischer Bollendung. Volkukrankheiten u. deren Kckünipfüng. Anatomie und Samariterlebre etc. etc. Entree Täglich geöffnet von früh 9 Uhr bis abends 10 Uhr. ee 30 Pf-, Soldaten und Kinder 20 IT.— Für sämtliche Räume ohne Nachzahlung 60 Pf. 76/5* Der Kinders Nachmittag. Nächste Veranstaltung Sonntag, 4. Februar>906, im Palast-Theater, Burgslraße 22. Beginn nachm. 3 Uhr. Völlig neues Programm! Trojan. Marx Möller. Strasburger. ---- Liclitbildcr.-T|8Q____ 83/7 Eintritt für Groß und Klein Pf. Zentralverband der KCaurer Deutschlands. Zweisverein Berlin. Sektion der Gips- und Zemeutbranche._ Gruppe: Zementlcrcr. Donnerstag, de» 1. Februar 1906, abends 8 Uhr. Bei F. Wille. Brunnenstratze 188 t UM"" Mitglieder- Versammlung."WW Gruppe: Rabitzputzer und Hräger. Freitag, den L. Fel>>»ar 1906. abends 8 Uhr. im GewerkichaftShause. Engek-User 15. Saal I, DV Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung in beide» Bersauiuilungen: 1. Bericht und Neuwahl des Vorstandes. 2. Vorss ectt Kandidaten zur Sektionslei tung. 3. Verschiedenes. Ii Pflicht eines jeden in der Gruppe beschäftigten Kollegen ist eS, in dieser Versammlung zu erschewen. Die in Nr. 4 des.Grundstein" unter Versammlungsanzeigen bekannt gemachte Versammlung der Rabitzputzcr am Freitag, den 9. Februar 190«, findet nicht statt. ' souch od.............. Mitgliedsbuch oder Legitimationskarle legimitiert. Der Borktand. Zentralverbanil der Steinarbeiter. Berlin I. Donnerstag, den 1. Februar, abends 8 Uhr, in de»„Arminhallen", Kommandantenstr. 20: Mitglieder Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Der Verbandstag in Nürnberg.— Anträge dazu.— Ausstellung der Kandidaten. 2. Verschiedenes. Der sehr wichtigen Tages-Ordnung Halber muh jeder Kollege erscheinen. 172,5 Der Vorstand. I. A.: O. Hanschke. Restaurant Bellevue früher Rieck-Werder Woltersdorfer Schleuse, empfiehlt sich den geehrten Vereinen:c. zu kulantesten Bedingungen. yroßsr 5ssl für L00 Personen.'MW SS Vrenidenslininer. LNtöb" Arbeiter-Lildnngsschnle öerlin ZlentrsI-Veriisnil cker Zimmerer ZaMsteUe Berlin und Umgegend. Bureau: Engel-Ufer I.? v. III, Zimmer 3S. Fernsprecher: Amt 4 Nr. 2789. Sonnabend, den 3. Februar, in den festlich dekorierten Sälen der AKiien-Jranerei Fdedrichshain am Königstor: Großer Aiever ITlashcnball. Doppelte Musikkapellen unier Leitung des Kapellmeisters Herrn Raxiinilian Fischer. ÜBT Anfang präzise 8'/- Uhr. DM" Eintritt SO Pf. Unsere Mitglieder, deren'Angehörige sowie Freunde und Gönner find hiermit ergebenst eingeladen, doch bitten wir, unter allen Umständen fich vorher Billetts zu besorgen; dieselben sind bei allen Bezirkssührern, Bezirkskassierern und in den Verkehrslokalen sowie in unserem Verbandsbureau, Engel-User 15, zu haben. Das Komitee. Sonntag, den 4. d. M., abends 7 Uhr. im Gewerkschaftshause, Eugel-Ufer IS(Saal I): �0rkVUA des Genossen Freyer über AoNltU. Nach dem Vortrage: GeMÜtlichtS KtisllMMtUselll U. TllNZ. Eintritt 20 Pf., Garderobe frei. 4/6* Zentral-Krankenkasse der Maurer „Grundstein zur Einigkeit" Zahlstelle Sonnlag, 4. Februar, vorm. 10 Uhr, im Volkshaus, Rosinenstr. 3(Q. Saal)' General- Versammlungs Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 4.Ouartal 1905 und Jahresbericht. 2. Vorstandswahl. Mitgliedsbuch legitimiert. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung erwartet zahlreiches 149/2 Der Vor« tan einen der baiiOSWI Hin Freitag, den 2. Februar 1906. abends 8 Uhr t Mitglieder- Versammlung im Lokale von Bareinz, Brückenftrafte 7. Tages-Ordnung: 1. Die bevorstehende Lohnbewegung der Fliesenleger und unsere Stellungnahme.— Stellungnahme zu de« Firmen, welche bisher unseren Tarif nicht anerkannten. 2. Die Bertreterstyung. 3. Berschiedenes. 32/10 Ras Erseheinen aller Mitglieder Ist erforderlich! Ter �weigvereiusvorftand. Flor de Borneo, große, vorzügliche Zigarre, moderne Form, liefert 300 St. 10,80 M. franko Nachnahme. Zigarren- sabrik Bremer Schlüssel, Bremen IV. K ö p e n i c ks Echten alten Kottbnser Korn zu haben bei.4 n g. Tauchert, Gastwirt, Müggel» heimerstr. 4. 4522L' :hst# � 'erden rlln 'M ßüüZZKM fileine /Inzeigen. D r alt IS Bachstaben zählen docoelt. M* V Strasse e Anzeigen . den Annatimestellen für Berlin eis t Uhr. für die Vororte blstJUbr, der Hauptexpedltion Linden- Strasse 69 bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Berfallene Psandstücke, Betten- verkaus, Aussteuerwäsche. 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Eo., Annoncen-Bureau, Kopen- Hagem__» Packer für Nähmaschinen, dauernde Stellung. Adressen 0. D. 8131, Rudolf Masse, Franksurterstraße 33. 83/9 Arbeiter» Gesangverein Grünau sucht für Donnerstag Dirigenten. GcsälligeOfferten I. Bluhme, Grünau, Vittvriastraße 2. 1224K 10 Verleger der Steinholzbranche bei hohem Lohn gesucht Tempelhoser User 22� Berliner Steiiiholzwerke. Selbständige Schlosser aus Geld- schränke und MuseumSschränke werden verlangt Prenzlauer Allee 34. 83/6» Kesanglehrer Freitags gesucht. Offerten: Konditor, Brunnenstraße 30. "Packer siir hard. Goldlcistcn Max Leon- Schlesischoslraße 31. 16 100 Mamsells Knaben-Waschblusen, Rollsachen verlaugt Christbnrger- straße 23, HI._ 23276 Zeitungsfrauen, Männer sosort verlangt Kronenstraße 65. 2328b Arbeiterinnen aus Mnderkleidcr außcrm Hanse verlangt Born, Wal- dcnserftraße 20. 171» Orts-Kraukeukaffe der Gastwirte u. veno. Gewerbe zu Berlin. In der Orts-Krankenkaffe der Gast- wirle ic. soll die Stelle des Kaffen- rendanten wegen Krankheit des bis- herigen Rendanten am 1. April d. I., eventuell später, anderweitig besetzt werden. Das AnsangSgehalt beträgt 8000 M. pro Jahr. Geeignete Bewerber wollen Ihre Offerten gest. schrisllich bei dem Vor- sitzenden Herrn ii. Poppe, W. 35, Liitzowstr. 93, bis 1. März d. J. ein- enden. 270/8 Berlin, den 1. Februar 1906. Der Vorstand. veulsedei'»olisrdeüer- VerbWd. Wegen Streik und Differenzen ist Zipg frtnsuljttltcti von Pianomechanikarbeitern und -Arbeiterinnen von der Firma Gcnz u. Co., Blumenstr. 77; vonBilderrahmenmachern, Kreis-, fägeuschneidern und Tischlern von der Firma Beck u. Co., Neander« straße 4, und Schlesischestr. 42; von Treppengeländer- Arbeitern (Drechsler, Tischler, Stellmacher. Polierer, Maschinennrbeiter und Bildhauer) von derTrcppeugeländcr- sabrit Joseph Drechsler, Gubener- straße 33; von Drechslern von Panitsch, Brunnenstr. 79; von Stockarbeitern von Müller, Grenadierstr. 21; von Korbmachern von Knorr, Friedrichsberg, Franks. Chaussee 127; von Parkettbodenlegern von der Finna Timme und der Bau Höpffner, Grunewald, Königsmarkstrage und Hohenzollerndamm-Eckc. Die Ortsverwaltang. Acinungi Kürschner! Die Werkstatt des Hofkürschner- meisters Karl Salbach, Unter den Linden 07. ist wegen Maß- rcgclung sämtlicher organisterteu Kollegen und Kolleginnen gesperrt. Zuzug ist streng fernzuhalten! Der Vorstand deS Deutschen Küischnerverdandcs. Zahlstelle Berlin. Der Borstaud dkS Verbandes der Kürschner Berlins und Umgegend. 102/3 Spandau» m>n! Hfllzarbeiter! In der Bon tischleret von Gedr. F. u. 0. Heinicke Hpandan, Pichelsdorferstr. 12, befinden sich die Tischler-Maschinen- arbeiter nnd Einsetzer im Streik. Bau ÄmmerstraSe, Spandau, Itoinlolls, Bau iionnsnäamin, Siemens& Halske, Bau Siemens-Schuckert in Fürsten. Prunn. SEnsng fernzuhalten! 79/1* Die Ortsverwaltung. I.A.: Georg Hinze, Bevollmächtigter Rcdahtton und 6xpedition: Berlin, Clndenttr. 69. fernlprecter; Rmt IT. 1983. Nr. 26. Donnerstag, den 1. Februar 1906. Inferate Sctßsgelpaltene Kolonelzelle 20 Pfg. Bei prOBeren Hufträgen entsprechenden Rabatt, jj partci-Hngclcgcnbeitcn. Zur Lokallifie. Am Sonntag, den 4. Februar er., veranstaltet der Verein.Lustig" in Rolands Festsälen. Elsasserstr. 26.«in Vergnügen. Das genannte Lokal steht der Arbeiterschaft nicht zur Ver- fügung, man weise daher etwa angebotene Billetts zurück. Die Lolallom Mission. Vorort- l�admcbten. Eines Pastors Trost am Grabe. „Die Arbeiter holen trotz aller zur Schau getragenen Pfaffenfeindschaft immer noch in den meisten Fällen einen Geistlichen herbei, wenn sie den schweren Gang zum Friedhof tun müssen." So las nmn's kürzlich in einem bürgerlichen Blatt, das in einem Artikel über die Stellung der Arbeiter- klaffe zur Religion und zur Kirche kühl erklärte, die Los- lösung der Arbeiter vom Kirchentum sei nur eine äußerliche, und ein Massenaustritt aus der Landeskirche sei einstweilen nicht zu erwarten. Die Schilderung traf nicht ganz zu. Es sind zumeist nicht die Arbeiter, sondern ihre Frauen, die immer noch recht oft die Beteiligung eines Geistlichen für nötig halten, wenn sie„den schweren Gang zuni Friedhof tun müssen". Die Frauen sind es, die nach eines Pastors„Trostworten" ver- langen, wenn sie vor eineni offenen Grabe stehen. Die Pastoren kommen da mitunter in die Lage, ihre Grabreden auch solchen Toten halten zu müssen, die bei Lebzeiten jedem Pastor aus dem Wege gegangen sind. Dabei verwandeln dann die Trost- Worte, die das arglose Herz erwartete, sich nur zu leicht in eine Strafpredigt, die ganz und gar nicht erbaulich wirkt. Von einer Grabrede dieser Art wird uns aus der Mark Brandenburg berichtet. In C a l l i n ch e n war ein Ziegelei- arbeiter Müller gestorben, und auf Wunsch der Witwe sollte an seinem Grabe der Pfarrer Stier aus Motzen sprechen. Ueber die Predigt, durch die der Herr Pfarrer die Witwe trösten zu können glaubte, sind uns von verschiedenen Teilnehmern des Leichenbegängnisses, die sie mit angehört haben, übereinstimmende Mitteilungen gemacht worden. Wach den Angaben dieser Ohrenzeugen verlief die Sache etwa folgendermaßen: Zunächst erzählte der Pfarrer seinen erstaunt aufhorchenden Zuhörern, der Verstorbene sei so alt, wie er selber- Fleißig sei er gewesen, aber er habe getrunken. Vertrunken habe er täglich 1 M., daß mache im Jahre 300 M., in zehn Jahren 3000 M. Wieviel Kummer, so rief er aus, hätte damit gestillt werden können! Der Verstorbene habe getrunken, weil er trinken mußte, und getrunken, bis er nicht mehr konnte. Jede rettende Hand habe er von sich gewiesen. Die christliche Liebe habe Heilanstalten errichtet. Nur durch die christliche Liebe habe er gerettet werden können, aber er habe die Hand des Heilands von sich gestoßen. Doch so viel er auch gesündigt habe, auch er werde die Stimme des Sohnes Gottes hören und auferstehen am jüngsten Tage.— Das war der T r o st a m G r a b e, den Herr Pfarrer Stier der Witwe zu spenden hatte. Die Zeugen, die wir befragt haben, ver- sichern übrigens aufs bestimmteste, daß die Witwe samt ihren vier kleinen Kindern in der ganzen Rede gar nicht mal er- wähnt worden sei. Zur Erklärung dieser merkwürdigen Predigt sei hier gesagt, daß der verstorbene Ziegeleiarbciter Müller tatsächlich getrunken hat. Ob er„täglich 1 M. vertrunken" hat. läßt sich so genau wohl nicht feststellen. Man sagt uns, Müller habe zumeist die frisch gebrannten, noch glühenden Steine aus dem Brennofen herauskarren müssen. Das ist eine Arbeit, bei der auch der widerstandsfähigste Mensch, und wäre es selbst ein Pastor. Durst kriegen muß. Die Hitze, die sich da entwickelt, ist so furchtbar, daß manchmal nicht nur die Karre zu kohlen anfängt, sondern auch dem Arbeiter die Kleider und die Haare angesengt werden. Dazu kommt die un- menschlich lange Arbeitszeit, die den Arbeiter vom Morgen- grauen bis in die sinkende Nacht an seine Karre fesselt- Man kann darüber streiten, ob in solcher Lage der Genuß von alkoholischen Getränken, von Bier oder Schnaps, daö geeignete Mittel sei, dem erschlafften Körper neue Kraft zu geben. Aber in eine Leichenprcdigt gehört der Kampf gegen den Alkohol doch wohl nicht hinein? Uebrigens scheint Pastor Stier genau gewußt zu haben, warum der Verstorbene ge- trunken hatte. Herr Stier rechnet das Jahr zu nur 300 Tagen. Da hat er wohl nur die Arbeitstage gezählt, nur die Tage, an denen Müller in Höllenglut fronden mußte. Daß diese den Toten herabsetzende Strafpredigt, die der Pfarrer sicherlich für seine Pflicht und Schuldigkeit hielt, unter den Zuhörern starke ErregungundEntrüstung hervorrief, ist begreiflich. Frau Müller selber suchte hinterher den Pfarrer auf und hielt ihm eine Ansprache, die an Deut- lichkeit nichts zu wünschen übrig gelassen haben soll. Die be- leidigte Frau schloß:„Nun wollen Sie wohl auch noch Geld haben? Keinen Pfennig kriegen Sie für die Rede, die war für umsonst noch zu teuer!" Der Pfarrer erwiderte einge- schüchtert:„Liebe Frau Müller, ich habe ja noch nichts ver- langt." Der„Vorwärts" hat mehrfach darüber zu berichten ge- habt, daß bei Beerdigungen der Pastor den Hinterbliebenen nicht das war, was sie von ihm erwartet hatten. Wir haben da regelmäßig den Rat hinzugefügt: Lauft keinem Pastor nach! Auch hier können wir nur wiederholen: Lauft keiiieiil Pastor nach, wenn Ihr Euch vor solchen Auf- tritten sichern wollt! Lauft ihm vor allem dann nicht nach, wenn die Kirche dem Verstorbenen nichts gegolten hat. Was kann denn auch ein Pastor, der ihn gar nicht gekannt und ihn vielleicht nie gesehen hat, der am Ende auch Euch nicht mal kennt, Euch über den lieben Toten sagen, den Ihr der Erde übergeben müßt? Aber vielen ist es freilich nicht um„Trost" zu tun, son- dern nur um den„würdigen Eindruck", den ein Leichen- begräbnis m i t Pastor macht. Es„sieht besser aus", wenn ein Pastor dabei ist, da darf man nicht auf ihn verzichten. Der Pastor als Dekoration! Leute, die ihn hierzu be- nutzen wollen, dürfen sich nicht beklagen, wenn er nirbt als Tröster, sondern als Richter vor sie hintritt und ihrem Toten oder ihnen selber eine Strafpredigt hält. Zur Ncdcrnahmc der Trltower Kreisbahnen soll der am tO. Februar zusammentretende Kreistag des Teltower Kreises 2 690 000 SR. aus einer Anleihe, die zu 4 Proz. aufgenommen und bis 1944 getilgt werden soll, bewilligen. Wie schon mitgeteilt, will der Kreis Teltow die von der Firma Siemens u. Halske seit 1894 betriebene Straßenbahn Grotz-Lichterfelde— Steglitz— Lankwitz Südende für 1450 000 M. sowie die 1887 begründete Dampfstraßenbahn Groß- Lichterfelde— Seehof— Teltow— Stahnsdorf(Klein» Machnower Schleuse) für 850 000 M. ankaufen und vom 1. April 1906 ab selbst betreiben. Für die Verwaltung und Beaufsichtigung der Kreisbahnen wird ein„Bahnvcrwaltungsrat" eingesetzt, der auö dem Landrat und acht von den Gemeinden Lichterfelde, Steglitz, Lankwitz und Teltow zu wählenden Mitgliedern besieht. Der Dampfbahnbetrieb der Strecke Lichterfelde— Stahnsdorf soll sofort mit der Uebernahme durch den Kreis in elektrischen Betrieb umgewandelt werden, wozu 371 000 M. bereit gestellt sind. Die gegenwärtige» Betriebsmittel sind veraltet und nahezu verbraucht. Mit der Umwandlung in elektrischen Betrieb wird die letzte Dampf- straßenbahn aus der unmittelbaren Umgebung der Reichshauptstadt verschwinden. Die Kreisbehörde glaubt aus der Uebernahme der Bahnen eine finanzielle Belastung des Kreises nicht befürchten zu sollen. Man rechnet sogar auf Grund einer günstigen Weiter- entwickclung auf Mehreinnahmen. Die jetzige Dampfbahn soll später zweigleisig betrieben werden, die Straßenbahn Lichterfelde— Südende, die schmalspurig ist, Normalspur erhalten. sobald sie mit anderen Bahnen gemeinsam betrieben werden sollte. Nach dieser Richtung will man mit der Gemeinde Steglitz wegen der Grunewaldbahn eine Vereinbarung treffen. Sollte eine Gemeinde aus dem Kreisverbande einmal ausscheiden, so würde die Gemeinschaft der Vcrkehrsinteressen weiter fortbestehen._ Charlottenburg. Zu Heinrich HeinrS bO. Todestag haben sich auch die Vororte Berlins zu künstlerischer Huldiguiia deS viel gefeierten, aber mehr noch zu Unrecht geschmähten Dichters ent- schloffen. AlS erste erscheint wie stets die Stadt Charlottenburg auf dem Plan. Hier wird durch die Volkskunstkommission ani Sonn- tag, den 4. Februar, in der Kaiser Friedrich-Schule am Savignhplatz eine künstlerische Vorfeier abgehalten. Der Heraus- geber der bei Schuster u. Löffler erschienenen Sammlung„Dichter über Dichter", Dr. Paul R e m e r, hält den Festvortrag. Johanna Meyer rezitiert Lyrik und Ballade» Heines, vertonte Lyrik bringt die Altistin Ann! Bremer zu Gehör, während durch Robert Koppel Heines Humor und Satire in Wort und Ton zum Bortrag kommt. Karten a 0,50, numerierte Plätze a 1 Mark sind in allen Charlottenburger Buchhandlungen sowie im DürerhauS, Kronen- straße, und im Berein zur Förderung der Kunst, Genthinerftr. 17, zu haben. Pankow. Eine Waldschule soll Pankow erhalten. Ein Komitee hat sich ebildet, welches auf dem Wege der Privatwohltätigkeit ein solches fnstitut ins Leben rufen will. In einem Aufruf, in dem um Gaben gebeten loird und der unterzeichnet ist von denr Bürgerrneister Gott- schalk, dem Professor Mendel, dem Schularzt SanitätSrat Dr. Schäfer und andern bekannten Persönlichleiten in Pankow heißt eS über die Lage der Pankower Schulkinder: „Die ärztliche Ueberwachung der Gemeindeschulen hat auch hiesigen Ortes das Ergebnis gezeitigt, daß eine ganze Reihe von Knaben und namentlich von Mädchen infolge eines allgemeinen SchwächezuftandeS unfähig find, andauernd die Anstrengungen eines täglich vier- bis fünfstündigen Unterrichtes zu ertragen. Diese armen, zum größten Teile ungenügend ernährten und da- Heini in hygienisch mangelhasten Räumen wohnenden Kinder erlahmen sichtlich beim Unterrichte und können demselben nicht dasjenige Interesse entgegenbringen, daS dem ge- sunden»ind kräftigen Körper innewohnt; der Erfolg des Unter- richtes bleibt daher ungenügend und wird um so ungenügender, je häufiger ein solches Kind durch seine Schwäche gezwungen wird. der Schule tage- oder wochenlang ganz fern zu bleiben. Lehrer und Schüler haben an dem Erfolge eines solchen Unterrichts gleich geringe Freude. Als ein hervorragendes Hülfs- und Heilmittel hat sich für diese Kinder eine Institution bewährt, die die Stadt Charlotten- bürg im vorigen Jahre auf eigene Kosten eingeführt hat, die Waldschule. In dieser genießt eine kleine Anzahl von Kindern in jeder Klasse einen nur aus. kurze Tageszeiten beschränkten, infolge der geringen Schülerzahl aber auch bei weitem intensiveren Unterricht, während der überwiegend größte Teil des TageS dem Aufenthalte iir der frischen, erquickenden Waldluft gewidmet ist. Eine kräftige, dem kindlichen Organismus angepaßte Diät, reiche, dem jeweiligen Kräftezustande angepaßte Bewegung. Geselligkeit. Spiele zc., abwechselnd mit erquickender Ruhe, sorgen für die Kräftigung des geschwächten Körpers. Eine ebensolche Einrichtung ist auch für die schwächlichen Kinder unseres.OrteS ein dringendes Bedürfnis. ES hat bereits eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten unseres OrteS ihr Interesse für die Sache bekundet, so daß schon ein Grundstock für die Ausführung unserer von dem mitunterzeichneten hiesigen Schularzte SanitätSrat Dr. Schäfer angeregten Waldschule vor- handen ist. Aber von diesem Grundstock bis zur Eröffnung der Schule ist noch ein weiter Schritt; ihn zu vollenden bedarf es der werk- tätigen Mithülfe vieler." So anerkennenswert diese Bestrebungen zur Errichtung einer Waldschule sind, so verkehrt halten wir den Weg, der hier beschritten wird. Es darf nicht die Einrichrung eines solchen wichtigen Instituts der Privatwohltätigkeit überlassen werden, sondern es muß Sache der Gemeinde selbs erhalten. selbst sein, diese Waldschule einzurichten und zu Köpenick. Der vom GcwerkschaftSkartell am Sonntag, den 28. Januar in „Seidels GesellschastshauS" veranstaltete erste Kunstabend unter Leitung des Herrn Martin Hartwig. Mitglied des Schillertheaters Berlin, hatte sich eines sehr starten Zuspruchs zu erfreuen. Sämt« liche Vorträge wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen und somit ist der erste, eniste Versuch, die Arbeiterschaft auch auf diesem Gebiete einzuführen, voll und ganz gelungen. Der dritte Theater- abend findet am Donnerstag, den 22. März, statt. Zur Aufführung gelangt:„Der Biberpelz" von Gerhart Hauptmann. In der letzten Stadwerordnetensitzung erstattete Herr Bürger- mcistcr Dr. LangerhanS den Verwaltungsbericht pro 1905. AuS demselben geht hervor, daß die Kommune sich trotz der großen AuS- gaben für den Neubau der Kanalisation, für die Wasserleittmg und daS Elektrizitätswerk in gesunden Bahnen weiter entwickelt und daß die Steucrkraft sich auch im letzten Jahre wieder gehoben hat. Die Versammlung nahm mit Befriedigung Kenntnis von den Aus- fiihrungen des Bürgermeisters.— Zum Etat der Gasanstalt lag ein Antrag deS Etatsausschusses vor, den Preis des GaseS von 18 Pfennige auf 15 Pfennige herab- zusetzen und bei Koch- und Jndustriegas folgende Rabatt- sätze einzuführen: Bei Entnahme von 150 bis 500 Kubikmeter 14 Pf., bei 501 bis 750 Kubikmeter 13 Pf., bei 751 bis lOOOOKubil- meter 12 Pf. und bei über 10 000 Kubiknieter 11 Pf. pro Kubikmeter. Die Versammlung stimmte diesem Antrage zu; desgleichen dem Etat der Gasanstalt, welcher in Einnahme und Ausgabe mit 341 471,09 Mark abschließt.— Der Etat der Realschule wurde in Einnahme und Ausgabe auf 77 000 M. festgesetzt, der Zuschuß der Stadt be- trägt für 1906 42 250 M. Die Beratung des HauShaltSetats für 1906 ging nunmehr glatt von statten, da der EtatSausschuß gut vorgearbeitet hatte. Nur bei dem Titel«Geistliche Anstalten"' setzte noch eine scharfe Debatte ein, indem unsere Genossen Woick und Herbst die skandalösen Vor- gänge, welche sich bei den Beerdigungen, bei denen kein Geist- licher gewünscht wird, abspielen. Man ist soweit gegangen, einer Musikkapelle den Zutritt zum Kirchhof zu verwehren, trotzdem ein Geistlicher mitging. Vom Magistratstische wurde unseren Genossen erwidert, daß dagegen der Gcineindc-Kirchenrat nichts machen könne, das wären Verordnungen des Kultusministeriums. Derartige Klagen müßten im preußischen Landtag vorgebracht werden. Unsere Genossen legten dar, daß dank des elenden Wahl- systems die große Mehrzahl der Bevölkerung Preußens im Landtag nicht vertreten sei. Auch forderten unsere Genossen, daß endlich von der Stadt ein Kirchhof eingerichtet werde. Für die einzelnen Positionen sind im Etat folgende Summen festgesetzt: Die allgemeine Verwaltung erfordert eine Ausgabe von 141 000 M., die Polizeiverwastung 33 500 M., die Schulverwaltung 307 500 M.. die Forstverwaltnng 13 650 M, Armenpflege 42 800 M., Krankenhaus- Verwaltung 18 130 M. Für die Unterhaltung der Straßen, Brücken und Plätze sind 55 319 M. angesetzt. An Gemeinde-Einkommensteuer werden 180 Prozent Zuschlag zur Staatseinkommensteuer er- hoben(im vorigen Jahr 195 Prozent). An Grundwertsteuer 3 pro Mille, 250 Prozent zur Gewerbesteuer der Klassen I und U, und 100 Proz. für die Klassen lU und IV, Umsatzsteuer 1 Proz. des Wertes bei bebauten und l'/z Proz. bei unbebauten Grund- stücken. Der Gesamtetat schließt in Einnahme und Ausgabe mit 979 443,06 M. ab. Beim Punkt Festsetzung des Bebauungsplanes fiir das Kietzcr Feld zeigte sich wieder fo recht der unheilvolle Einfluß, welchen die ausbesitzermajorität im Stadtparlament ausübt. Ehe der Be- auungöplan von der Gemeindevertretung beraten und santtioniert war, also auch noch nicht öffentlich auSgelegen hatte, war derselbe schon durch ein„Mißverständnis" des Herrn Vorstehers Andersohn den Interessenten und An- liegern unterbreitet worden, auch lag der heuttgen Be- ratung schon ein Protest gegen die Festsetzung des Bebauungsplanes vor. Als nun die Namen der Protestunterzeichncr verleseil wurden, war einer der ersten der des V o r st e h e r s A n d e r s o h n. Bürger- nreister Dr. LangerhanS ersuchte nunmehr den Vorsteher uin LluS- kunft, wie eS komme, daß Leute, welche nicht Stadtverordnete seien. schon von dem Plane Kenntnis erlangt haben und dagegen protestieren. Der Vorsteher erklärte es für sein gutes Recht, den Plan, den ihin der Bürgermeister überlassen, den Interessenten vorzulegen, um deren Wohl und Wehe es sich handle. Nach längerer Diskussion erklärt Bürgermeister Dr. Langerhans, auf die eigentümliche Form, unter der andere Leute von dem Inhalt deS Planes Kenntnis er- langten, nicht weiter eingehen zu wollen. Nachdem nun einmal das„Mißverständnis" passiert sei. schlage er vor, in gemischter Kommission den Plan weiter zu beraten, welchem Vorschlag die Ver- sammlung auch zustimmte. Wilmersdorf. Dem Rechenschaftsbericht deS Gewerbcgerichts über seine Tätig. keit im Jahre 1905 ist folgendes zu entnehme»: Im ganzen wurden 256 Klagen anhängig gemacht. Von diesen sind durch Vergleich erledigt 56. durch Verurteilung 50. Versäumnisurteile wurden 38 gegen Beklagte und 3 gegen Kläger erlassen, durch Zurücknahme 52, abgewiesen wurden 46 Klagen, unerledigt blieben 5. Dem Kaufmannsgericht wurde 1 Fall überwiesen. Der Wert des Streit- gegenständes betrug bei 94 Klagen bis 20 M., bei 78 20—50 M., Bei 47 50—100 M. und in 37 Fällen über 100 M. Als EinigungS- amt trat das Gericht nicht zusammen. Das Kaufmannögericht hatte im ersten Jahre seines Bestehens 25 Klagen zu erledigen; davon unter 100 M. 12 Fälle, über 100 M. 13 Fälle.— Durch Vergleich wurden 8 Fälle erledigt, durch Ver- urteilung 3. abgewiesen 3. durch Zurücknahme 6. VersäunmiSurtcil gegen Beklagten erging 1. Unerledigt blieben 3 Fälle. Dem Gelverbegericht wurde 1 Fall überwiesen. Die Wilmersdorfer Gemeinderrchmmg schließt für daS EtsitSjahr 1904 der ordentlichen Verwaltung bei einer Einnahme von 4 003 644 Mark und einer Ausgabe von 3 377 822 M. mit einem Ueberschuß von 625 822 M. ab. Die Einnahme überstieg den Voranschlag von 3 275 000 M. um 728 644 M., bei den Ausgaben ist ein Mehr von 102 822!R. zu verzeichnen. Die außerordentliche Verwaltung schließt mit einer Einnahme von 3 003 677 M. und einer Ausgabe von 3 022 635 iR. ab. Die Mehrausgabe von rund 18 958 Vi. ivird im Rechnungsjahr 1905 gedeckt. Die Einnahmen für Kanalbauten brachten rund 8172162 M., verbraucht wurden 2185 420 M. Der Rest von 5 986 741 M. wird zur Fertigstellung der KanalisativnS- anlage Verwendung finden. Bauuufall. Beim Bau deS Wilmersdorfer Notauslasscs verunglückte gestern nachmittag der 26 jährige Zimmerpolier Heinrich Schauer aus der Galvamstr. 17 dadurch, daß ihm aus einer Höhe von 3 Metern ein Mauerstein auf den Kopf fiel. Er erlitt dadurch «fite 5 Zentimeter lange, bis auf den Knochen gehende Wunde am Hinterkopf und mußte sich, da die Wunde stark blutete, nach der Unfallstation in der Hcrtzstraße begeben, wo sie ihm verbunden wurde. Dann konnte er seine in der Nähe liegende Wohnung aufsuchen. Schöneberg. Perfekt geworden ist am Sonntag in einer Versammlung die „Unabhängige Vereinigung", die sich aus 27 bürgerlichen Stadtverordneten zusammensetzt. Die Herren haben sich ein nach außen schön klingendes„Programm" gegeben und könnten, wenn sie wollten, auf manche kommunalpolitischen Angelegenheiten einen gewissen Einfluß ausüben. Nach den bisherigen Erfahrungen scheint man aber selbst in den eigenen Reihen noch recht pessimistisch zu sein. Ein Fraktions zwang soll nämlich nur bei„wichtigen" Vor- lagen nach vorheriger Abstimmung ausgeübt werden, sonst— kann jeder machen, was er will. Grünau. Die ganze Herrlichkeit eines Submissionsbaues stürzte am der- gangenen Sonnabend mit donnerähnlichem Getöse zusammen, wobei beinahe noch fünf blühende Menschenleben verschüttet wurden, die mit Dichtungsarbeiten am Boden der Klärbassins oder Sand- sängen beschäftigt ivaren. Dieser Bau wurde von einem jeden Kon- struttionskenner als eine riesige runde Mausefalle von 15 Meter Durchmesser und 7 Meter Tiefe beurteilt, mit der Zweck- bestimmung, daß arbeitende Menschen sich dort hineinbegeben müssen und in Lebensgefahr kommen. Die Ueberdachung war von viel zu schwacher Konstruktion, und es wurden hunderte von Zentnern Erde darauf geschüttet. So ereignete sich der Zusammenbruch, bevor noch die Kanalisation in Betrieb gesetzt wurde. Nicht weniger denn 35 505 M. soll dieser Teil des Kanalisationsbauwerkes losten.— Wir haben aus die Mängel dieser ganzen Anlage schon mehrfach, zuletzt Mitte Dezember, hingewiesen, aber unsere damalige Kritik lvar noch viel zu gelinde, heute zeigt es sich, ime recht wir hatten. Unserer Rkeinung nach trifft die Hauptschuld das Univesen, dem niedrigsten Unternehmerangebot den Zuschlag zu er- teilen. Dos niedrigste Angebot kann nur auf Kosten der Arbeits- löhne«nd Verwendung mangelhaften Materials geschehen. Aus den Arbeitern soll dann alles herausgeholt werden, und da sich zu den von den Unternehmern gebotenen niedrigen Löhnen tüchtige Arbeiter schwerlich finden, müssen dann ausländische Arbeiter heran- geholt werden, die für ein Butterbrot die Arbeiten leisten. Es sind das dieselben Unternehmer, die sonst nicht genug über die Vaterlands- losen Sozialdemokraten schimpfen und vom Schutz der nationalen Arbeit faseln können. Reinickendorf-West. Eine kombinierte Mitgliederversammlung des Wahlvereins für Reinickendorf-West, Tegel und Borsigwalde tagte am 28. Januar bei Franke, Eichbornstraße. Für die Zeitungskomnnssion wurden Neu- wählen vorgenommen, aus denen für Tegel Messer und Meinike, für Reinickendorf-West Bobe und Neuhoff und für Borsigwalde Nudow und Voigt hervorgingen. Dem Spediteur wurde eine Zulage von 35 Mark bewilligt. Unter Verschiedenes wurden einige Beschwerden über zu späte Zustellung der Zeitung vorgetragen, moniert wurde auch die schwache Beteiligung. Rudow. Ein Fackelzug in Rudow wurde am Sonabend, den 27. Januar, aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers veranstaltet. Trotzdem die Straßen in Rudow am Sonnabend zu einem solchen Spaziergang des vorhandenen Morastes tvegen nicht gerade einluden, hatte eS sich eine größere Anzahl von„P atr ioten" nicht nehmen lasten, ihrer patriotischen Gesinnung durch einen von einer Musikkapelle begleiteten Fackelzug Ausdruck zu verleihen. Wirklich rührend war es mit- anzusehen, wie diese braven Männer mitten auf der Straße im Schlamm umherpatschten. Beteiligt waren an dieser edlen Tätigkeit: der Kriegerverein Rudolv, die freiwillige Feuerwehr, ein Gesang- verein, ein Turnverein, sowie ein reichstreuer„Arbeiter- verein", welch letzterer sich hin und wieder der Anwesenheit der bekannten Herren Hammer und Fe l i s ch zu erfreuen hat, durch deren Protektion diesen Leuten jährlich einmal Preßkohlen zu etwas herabgesetzten Preisen vermittelt werden. Als Entgeld haben die Mitglieder des Vereins auf eine eigene poli- tische Meinung zu verzichten, vor allen Dingen haben sie sich dem in Rudow bestehenden sozialdemokratischen Wahlverein fenu zuhalten. Auch die Angehörigen der freiwilligen Feuerwehr waren in ansehnlicher Zahl vertreten, um beim hellen Schein der brennen- den Fackeln den umherstehenden Neugierigen ihre Uniform zeigen zu können. Wir meinen allerdings, daß die Feuerwehr andere Aufgaben zu erfüllen hätte, als durch das Umherhantieren mit brennenden Fackeln und Abbrennen von Feuerwerkskörpern in einem Dorf die Feuersgefahr möglicherweise zu erhöhen. Auf einen unserer Parteigenossen, welcher sich am Sonnabend nach Rudow begeben hatte, um im dortigen Wahlverein einen Vortrag über das sozialdemokratische Parteiprogramm zu halten, machte die ganze Veranstaltung den Eindruck, als ob er sich in Moskau oder einer anderen russischen Stadt befinde, trelche durch Straßenschlachten und Feuersbrünste in Aufregung versetzt wurde. Frauen und kleine Kinder„patschten" ebenfalls bis an die Knöchel im Morast umher, ohne daß die Frauen auf die unzulängliche Bekleidung-der Kinder bei dem stürmischen und regnerischen Wetter achtgegeben hätten. In der Versammlung des Wahlvereins stellte sich heraus, daß die Wahlvereinsmitglieder fast vollzählig erschienen waren, uin sich über das Programm der Sozialdemokratie Klarheit zu verschaffen. Der Eindruck, der hierdurch erweckt wurde, hob alle unangenehmen auf der Straße empsangenen Eindrücke auf. Unser Genosse ließ es in der Versammlung auch nicht an der Aufmunterung fehlen, und so war trotz allen Feuerwerks und aller patriotischen Illumination der Verlauf der Versammlung ein solcher, der zu den besten Hoff- nungen berechtigt. In der Diskussion kam noch die Taffache zur Sprache, daß vor ettva Jahressrist in Rudow eine ganze Anzahl von Steuerzahlern, ohne daß sie gegen die Höhe der von ihnen ge, forderten Steuern reklamiert hatten, auf eine lveit niedrigere Steuerstufe gesetzt worden sind. Ein„Entgegenkommen", das man sonst nicht häufig antrifft. Da aber das Gemeindewahlrecht an einen Satz von 4 M. jährlicher Steuern gebunden ist, so sind alle diejenigen, denen man so viel Rücksicht angedeihen ließ, bei der dem- nächst stattfindenden Gemeindewahl nicht wahlberechtigt. Die Arbeiter können sich des Eindruckes nicht erwehren, daß die Herabsetzung in die niedrige Steuerstufe nur zu dem Zweck er- folgt ist, um sie vsn der Wahl fernhalte» zu kömwn. Teltow. Stadtverordneten- Bersammlungsbericht. Am Donnerstag fand die erste Stadtverordnetensitzung im neuen Jahre statt. Zunächst wurden die neu« resp. wiedergewählten Stadtverordneten in ihr Amt eingeMhrt. Unter diesen befand sich auch unser Parteigenosse Karl Gensert. Bei der Wahl zu den Deputationen kam es zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen unseren Genossen und der bürgerlichen Mehrheit. Die letzteren hatten in einer Vorbesprechung bereits alle wichtigen Deputationen besetzt und nur in die weniger wichtigen teilweise unsere Vertreter gnädigst zugelassen. Gegen dieses Verfahren lvandten sich unsere Genossen mit aller Schärfe. Die Kennzeichnung eines bürgerlichen Stadtverodneten und Inhaber des hiesigen Magistratsmoniteurs sowie überhaupt der ganzen Bierbankpolitik dieser Herren, trug dem Genossen Röder einen Ordnungsruf ein. Der Gekennzeichnete ver- anstaltete»nit seinein Anhang einen Lärm, daß der Vorsteher alle Mühe hatte, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Das Schlväiizeii der bürgerlichen Vertreter in den Kommissionen wurde vom Genossen Franke gebührend gegeißelt. Der Wstoßung einer Restschuld der freiwilligen Feuerwehr aus überschüssigen Umsatzsteuermitteln wurde debatteloS zugestimmt. Die Schuld war enfftanden durch die Anschaffung von Gerätschaften. Für diesen Zweck hatte zurzeit ein Lokalpatriot der Wehr in uneigen- nlltziger Weise zu 4'/zProz. Geld geliehen.— Hierauf erfolgte Kenntnisnahme und Genehmigung eines notariellen Vertragsabschlusses zwischen der Stadtgemeinde Teltow und der Teltower Kanalterrain- Aktien- gesellschast. Die Auswahl des der Gemeinde nach dem Vertrage zu- stehenden 2 Proz. Landes fiel auf ein Grundstück am Kanal, an der Zehlendorfer Chaussee gelegen. Der letzte Punkt der Tagesordnung betraf die Kautionsregelung der Teltower Boden-Aktiengesellschaft und Beschlutzfassung über den Vertragsentwurf. Letzterer wurde an- genommen und er soll noch einer juristischen Prüfung unterzogen werden. In nicht öffentlicher Sitzung wurde ein Antrag des Magistrats verhandelt, anläßlich der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares eine Wohltätigkeitsstiftung von 5000 M. zu gründen. Dieser Antrag, Segen den unsere Vertreter entschiedenen Protest einlegten, wurde hließlich gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Mariendorf. Am Sonnabend, de» 3. Februar, hält der Wahlverein für Mariendorf und Umgegend im Lokale des Genossen Borgfeldt, Mariendorf, Feldstr. 44. sein Stiftungsfest ab. Der Arbeiter-Turn- verein Tempelhof-Mariendorf, der Arbeiter-Radfahrverein Marien- dorf-Tempelhof sowie der Artistenverein„Stern", Mariendorf. haben sich bereit erklärt, das Fest verschönern zu helfen. Es kann daher den Genossen nur empfohlen werden, die Veranstaltung zu be- suchen. Mühlenbeck. Auf dem durch das milde Wetter schon recht morsch gewordenen Eise ist am Sonntag der zwölfjährige Sohn der Knappe'schen Ehe- leute in der benachbarten Mönchsmühle eingebrochen. Ehe man sichs versah, verschwand der Knabe im Wasser. Obgleich dieser Vorgang von dort beschäftigten Arbeitern sofort bemerkt wurde, vergingen doch zirka 9 Minuten, ehe man des Kleinen habhaft werden konnte. Nach großen Schwierigkeiten gelang es. ihn wieder ins Leben zurück- zurufen. Potsdam. Ein Todesfall in der Brandenvurgischcn Provinzialanstalt für Epileptische, die sich an der Saannunder Chaussee bei Potsdam be- findet, beschäftigte am Montag und Dienstag das Potsdamer Schwurgericht, vor dem sich der ehemalige Krankenwärter, jetzige Arbeiter Robert Grandt, wegen vorsätzlicher Körperverletzung, durch welche der Tod des Epileptikers Arbeiters Uhlig erfolgte, zu ver- antworten hatte. Letzterer befand sich seit einiger Zeit in der Anstalt und zwar nicht nur als Epileptiker, sondern auch als Idiot. In seinem geistesgestörten Zustand machte er den Wärtern viel zu schaffen, so daß er bei ihnen nicht sehr beliebt war. Anfang Mai vorigen Jahres sperrte G. und noch einige andere Wärter den An- geklagten hohnlachend in einer Krankenzelle ein und als am 15. Mai vorigen Jahres dem Angeklagte» gemeldet wurde, Uhlig habe seinen Kaffee in seinem Bett verschüttet, und er darauf zu ihm ging, wurde ihm von dem Kranken die Hand zerkratzt. Grandt holte sich darauf den Wärter Holz zur Hülfe herbei. Sie trafen Uhlig, der auf ärztliche Anordnung aus einem Strohsack an der Erde lag, wie er sich schlafend stellte. Der Angeklagte Grandt versetzte ihm darauf einen Fußtritt gegen die Seite. Uhlich schrie laut auf und wurde nun von Grandt und Holz gepackt, wobei beide auf ihm knieten, um ihm gewaltsam die Fingernägel zu verschneiden. Als einige Stunden später der Arzt Dr. Sprengel erschien, klagte Uhlig über Mißhandlungen und Schmerzen und der Arzt konstatierte einen Rippenbrnch auf der rechten Seite. Bald trat bei Uhlig Be- nommenheit und Erbrechen ein und am 13. Mai verstarb derselbe an Herzlähmung und Nierenerkrankung. Die beiden Wärter wurden nach der Tat sofort aus der Anstalt entlassen. Die ärztlichen Sach- verständigen Dr. Sprengel und Kreisarzt Dr. Meyer waren darüber gegenteiliger Ansicht, ob der Tod Uhligs in Zusammenhang mit dem durch den Fußtritt oder durch das Knieen auf ihm herbeigeführten Rippenbruch stehe. Die Geschworenen verneinten deshalb die Schuld- fragen, worauf der Angeklagte freigesprochen wurde. Eine böse Schwiegermutter. Unter der Anklage, seine Schwieger- mutier mit einer Bierflasche totgeschlagen zu haben, hatte sich am Dienstag vor dem Potsdamer Schwurgericht der Arbeiter Friedrich Wittig aus Vorwerk Massowburg bei Brandenburg a. H. zu ver- antworten. Der 33jährige Angeklagte ist ein ordentlicher Arbeiter, der mit seinen Schwiegereltern, dem Arbeiter Gröberschen Ehepaar. stets in einem Hause zusammen wohnte. Seine SOjährige Schwiegermutter war aber als zänkisch allgemein bekannt und so hetzte sie denn auch ständig ihre Tochter gegen den Ehemann auf, so daß dadurch der eheliche Friede häufig gestört wurde. Wittig bekam von seiner Frau und Schwiegermutter wiederholt die Worte zu hören: „Du Knecht hast gar nichts zu sagen." Er ärgerte sich umso mehr darüber, als er zum größten Teil der Ernährer der ganzen Familie war. Am 16. September vorigen Jahres machte er abends seiner Frau darüber Vorstellungen, daß sie von seinem Verdienst den Schwiegereltern Geld zur Miete gegeben, während die eigene Miete noch nicht beisammen sei. Darüber kam es zum Streit, bei dem Wittig, schon im Bett liegend, von seiner Frau und den Schwiegereltern überfallen wurde, wobei man ihm das Henid voin Leibe riß. Am Sonntag, den 17. September, entbrannte der Streit- aufs neue, weil Wittig seiner Frau darüber Vorhaltungen machte, daß sie den Trauring abgezogen habe. Frau Wittig»ahm eine leere Bierflasche, um damit zu schlagen, während deren Mutter auf Wittig mehrere Male mit einein Besenstiel einschlug. Dieser entriß nun seiner Frau die Bierflasche und schlug damit in der Not« wehr um sich. Hierbei was er seine Schwiegermutter gegen die rechte Schläfe, wodurch die Schädeldecke zertrümmert wurde und die alte Frau am 25. September im Krankenhause zu Brandenburg a. H. an den Folgen der Verletzung verstarb. Die Geschworenen ver- »einten sowohl die auf vorsätzliche Körperverletzung mit tödlichem Ausgang, wie die auf fahrlässige Körperverletzung lautenden Schuld- fragen. Der Angeklagte wurde denigemäß fteigesprochen. Kerlmer I�admcbtm Zeitvertreib. Während sich das Proletariat heiser schreit über die Teuerung der Lebensmittel, während ein großer Teil des- selben sich Sorge macht, wo es für die nächste Woche, vielfach für den nächsten Tag etwas zu Essen hernehmen soll, zcr- brechen sich die Angehörigen der besitzenden Klasse den Kopf. wie sie sich am besten die Zeit vertreiben. Eine Kategorie verfällt auf den Gedanken, auch in den Wintermonaten der Reichshauptstadt den Rücken zu kehren und im sonnigen Süden an der Riviera das Leben zu genießen: andere begeben sich nach Tirol, um sich an den Wintersportfesten zu ergötzen: wieder andere nehmen die„Saison" in Berlin wahr und rasen von einem Vergnügen zum anderen. Schließlich aber werden die Herrschaften übersättigt und es wird auf Abwechselung gesonnen, es muß etwas Neues sein: etwas Besonderes, was Abwechselung bietet. Ein solches Neues scheint jetzt daS- Musikreiten zu sein: uns wenigstens, die wir auf diesem Gebiete vollständig Laien sind, scheint das so. Ueber dieses Musikreiten finden wir in der„National-Zeitung" eine Schil- derung, die uns schon der Personen wegen, die ganz gut die notleidende Landwirtschaft präsentieren könnten, der Wieder- gäbe wert erscheint. In der Schilderung heißt es:„Die frequentiertesten Musikreiten finden in der Reitbahn am Brandenburger Tor Sonntag von 12 bis 1 und Mittwoch und Freitag von bis N/z abends statt, ferner bei Beermann, Hardenbergstraße am Bahnhof Zoologischer Garten Dienstag von 4i� bis 7 und im Luisentattersall, gegenüber der Wohnung des Reichs- tagspräsidenten, Schiffbauerdamm, Ecke Luisenstraße, und zwar Sonntag von 12 bis 1 und Mittwoch von 21/2 bis 4. Besonders am letztgenannten Tage gibt sich die gesamte HautevoleeBerlins und die Familien, die den Winter hier verleben, Rendezvous. Hier reiten Damen und Herren, Aristokratie und Diplomatie, Zivil und Militär. Hört man bei den diversen Begrüßungen all die Namen, so ist es, als ob ntan im G o t h a e r Hof- und Adels- k a l e n d e r blättern würde. Wir sehen hier„den Mecklen- burger" von den 2. Gardedragonern, wie der Major Adolf Friedrich Albrecht Heinrich Herzog zu Mecklenburg kurz ge- nannt wird, den Prinzen Edmund von Wrede von den 2. Gardeulanen, der sich erst im vorigen Winter von den bayerischen Ulanen aus Bamberg in die preußische Armee versetzen ließ, den Grafen von Beroldingen, Major beim Stabe desselben Regiments, den Grasen Roedern, Kommandeur der 1. Gardedragoner, der auch als Offizier des Gardekürassier- regiments schon ein häusiger Gast war, die Leutnants von Heyden, von Trotha, ebenfalls von den 1. Dragonern, Ober- leutnant von Schlick, der sckion vor seiner Versetzung zur Gardekavallerie als 4. Dragoner in Lüben auf dem Renn- platze als ganz junger Offizier Erfolge aufzuweisen hatte, ferner unter vielen anderen die Herren von Lübbecke, von Graevenitz, v. d. Heydt, von Kessel, Graf Kanitz, V. Wedel, v. Kleist zum Teil mit ihren Frauen, zum Teil mit ihren Schwestern oder auch allein. Aus Schlesien sehen wir die Grafen Saurma, Ballestrem, Schweinitz, Pfeil, Dolma, Sier- storpsf, die Herren von Sieres, Oheimb und Prittwitz. Ein Anrecht, hier genannt zu werden, verdienen auch die Ge- brllder Steensbeck und Herr von dein Knobelsdorf, die ihre Kräfte und langjährige Reitererfahrung ganz in den Dienst des Luisentattersalls gestellt haben und mit Recht zu den besten und elegantesten Schulreitern Berlins gehören. Gegen 1/24 werden Hürden aufgestellt, wodurch für Reiter und Zu- schauer ein neues interessantes Bild entsteht. Nach Schluß tverden die draußen ihrer Besitzer harrenden Equipagen und Automobils bestiegen oder es geht zu Fuß, um auch noch etwas für seine Bildung zu tun, in Schultes Kunst- salon, wo man gemeinsam sein Urteil über die neuesten Kunstwerke abgibt. Hierauf wird der üve o'clock eingenommen und dann heißt es schnell wieder Toilette machen für eine Wohltätigkeitsvorstellung oder ein Konzert, für Theater oder einen jour fixe." Es muß für diese Gesellschaftsschichten wirklich nicht leicht sein, die Zeit hinzubringen. Ja, ja. die Bourgeoisie hat's nicht leicht: sie ist wirklich nicht zu beneiden! Die Klassenftequeuz der Berliner Pflichffortbildungsschule. In der„Pädagogischen Zeitung" wird geklagt, daß in den neuen Pflichtfortbildungsschulen Berlins die Besetzung der Klassen zu hoch sei. Als Beispiel nennt das Blatt für die 31 Abteilungen einer dieser Fort- bildungsschulen die Frequenz aus einer Woche des laufenden Winterhalbjahres. Die Schülerzahl lag für 18 Abteilungen zwischen 30 und 40, für 6 Abteilungen unter 30 bis hinab zu 23, für 7 Abteilungen über 40 bis hinauf zu 50. Hauptsächlich aus solchen Frequenzen und der durch sie bedingten Erschwerung des Unterrichtes erkläre es sich, daß schon am Ende des ersten Semesters— die Berliner Pflichtfortbildungsschule steht jetzt erst in ihrem ziveiten Semester— so mancher Lehrer, der mit Begeisterung begonnen hatte, auf weitere Tätigkeit an dieser Stätte ver- zichtet habe.„Es ist", so schreibt das Lehrerblatt,„eine auf- fällige Erscheinung, daß eine bedeutende Anzahl von Lehrern so bald der Sache überdrüssig wurden in dem Gefühl, mit ihrer Kraft— namentlich mit ihrer Nervenkraft— den Anforderungen aus die Dauer nicht ge- wachsen zu sein, die die Fortbildungsschule an sie stellte. Und diese Zahl wird sich ganz sicher mit Ablauf des jetzigen Semesters er- höhen.... Die Ursache dieser Erscheinung mag ja wohl auch darin liegen, daß nicht jeder Lehrer sich zum FortbildungS- schullehrer eignet, und daß mancher seine Kraft und sein Geschick überschätzt hat. Sie liegt aber zum größten Teil in einem Mangel der Organisation: in der zu starken Besetzung der Klassen." Deni gegenüber wollen wir daran erinnern, daß im Herbst 1904. als die Stadtverordnetcnversamm- lung über die Einführung der Pflichtfortbildungsschule zu beraten hatte und ihre Beschlüsse faßte, die sozial- demokratische Fraktion vor zu hohen Klassen- srcquenzen gewarnt hat. Nur von mäßigen Klassenfrequenzen war der Erfolg zu erwarten, den sie der Pslichtfortbildungs- schule im Interesse der heranwachsenden Jugend wünschte. Damals wollten unsere Genossen zunächst nur versuchen, die Maximalfrequenz auf 40 hcrabzudrücken, aber selbst das war der freisinnigen Mehrheit der Stadt-. verordneten schon zu freigebig. Auf Antrag der Frattion des Herrn Cassel, des bekannten„Schulfreundes", beschloß die Mehr- heit, daß die Schülerzahl„ m ö g l i ch st" nicht über 40 betragen solle. Zur Begründung dieses eingeschobenen„möglichst" wurde ausdrücklich erklärt:„Damit die scharfe Grenze bezüglich der Zahl 40 auch einmal überschritten werden kann." Wie weit sie in einzelnen Klassen überschritten worden ist, das zeigen die oben angeführten Zahlen. Es ist nun mal das Schicksal all solcher kautschukartig dehnbaren Bestimmungen, daß die Dehnung bis zur äußersten Grenze des Möglichen ge- trieben wird, und das ist meist auch die Absicht derjenigen, die solche Bestimmungen anregen und durchzusetzen wissen. Die Lehrer sind übrigens die letzten, die ein Recht hätten, darüber zu klagen, daß es so gekommen ist. Gerade unter den Lehrern stecken sehr eifrige Schützer jenes Kommunal- liberalismus, der die EntWickelung unseres Schulwesens durch seine Schäbigkeit aufhält und bccinträchffgt. Die Lehrerschaft ist ja in Berlin die allergetreueste Schutztruppe des im Rat- Hause herrschenden Freisinns. Wir erwarten heute von der Berliner Lehrerschaft nichts mehr für den Kampf gegen den schulfeindlichen Kommunalliberalismus. Die Vermehrung der Selbstmorde in Berlin, die nach 1905 auf» fällig hervorgetreten war und dann einige Jahre hindurch angedauert hatte, schien im Jahre 1954 zum Stillstand kommen zu wolle». Für das Jahr 1955 ist aber jetzt eine erneute und bedeutende Zu- nähme festzustellen. Aus den Jahren 1951, 1952, 1953, 1904 waren 525. 564, 599, 612 Selbstmorde gemeldet worden, für das Jahr 1955 ergibt die Selbstmordstatistil 690 Fälle. Unter den einzelnen Mo- naten stand diesmal der Mai mit 72 Fällen obenan, während der ihm benachbarte Jnni mit nur 45 Fällen die geringste Selbstmord ziffer hatte. Wie immer, so war auch diesmal das männliche Ge schlecht weit stärker beteiligt als das weibliche. Von der männlichen Bevölkerung endeten 490 Personen durch Selbstmord, von der weib- lichen nur'290. Am stärksten waren die mittleren Altersklassen der treten, aber leider fehlte es auch nicht an jugendlichen Lebensmüden und selbst an solchen nicht, die noch im schulpflichtigen Alter standen. Zur Altersklasse 10—15 Jahre gehörten 5 Selbstmörder, zur Alters� klaffe 15—20 Jahre bereits 53. Ihr Gegenstück bilden jene anderen Lebensmüden, die im hohen Greisenalter, schon nahe dem Grabe, noch Hand an sich legten. Zur Altersklasse 70—80 Jahre gehörten noch 28 Selbstmörder, zur Altersklasse 80—90 Jahre noch 6. Tie Berliner GemeindebehSrden erwägen, wie die Fl.-Ztg." aus zuverlässiger Quelle erfährt, angesichts des Ausfalles, der an den Untersuchungsgebühren für das von auswärts ein- geführte, bereits amilich tierärztlich untersuchte Fleisch durch die Bestimmmgen des Fleisckcheschaugesetzes und des preußischen Aus- führungsgesetzes entstanden ist, die Einführung der Verpflichtung für die Fleischer und Fleischhändler, das«ingeführte Fleisch durch Plakate als solches kenntlich zu machen und getrennt von dem im Berliner Schlachthause geschlachteten feilzuhalten. Auch soll man mit dem Gedanken umgehen, die Berliner Markthallen dem von auswärts eingeführten Fleische zu verschließen, falls dieses Fleisch nicht freu willig der Untersuchung unterworfen wird. Die elektrische Hoch- und Untergrundiahn hat im Jahre 1995 nach vorläufiger Feststellung insgesamt 34 529 300 Personen be fördert. Nachdem am 16. Februar 1902 die Oststrecke, am 25. März die bis zum Zoologischen Garten und am 14. Dezember bis zum Knie eröffnet worden war, war das Jahr 1903 das erste des vollen Betriebes. 1903 wurden nun 29 623 463 Personen, 1904 dagegen 32 117 742 Personen befördert. Die Steigerung des Verkehrs betrug also im zweiten wie im letzten Jahre des vollen Betriebes etwa 2llh Millionen Personen, so daß die EntWickelung eine ganz stetige ist. Vom Hundert betrug der Zuwachs im zweiten Jahre 8,41, im letzten Jahre 7,51. Fast ebenso stetig ist die EntWickelung des Verkehrs auf der der Hochbahngesellschast gehörigen und von ihr betriebenen Straßenbahn Warschauer Brücke— Zentralviehhof. Diese hat im Jahre 1905 3 495 237 Personen befördert. 1904 betrug der Gesamtverkehr 3 102 673 Personen, 1903, ebenfalls dem ersten vollen Fahre des Betriebes, 2 507 649. Der Zuwachs betrug also im zweiten Jahre des Betriebes etwa 600 000, im dritten 400 000 Personen. DaS Polizeidienstgebäude am Alexanderplatz, der Dircksenstraße und Alexanderstr. 3/6 belegen, gehört der Stadt Berlin. Sie bezieht dafür 54 140 M. Miete für die Bureaus der I. Abteilung und für die Dienstwohnungen. Ferner erhält die Stadt 1720 M. für einen als Waffen- und Munitionszimmer benutzten Raum, sowie für zwei Zimmer, die dem Nahrungsmittel-Untersuchungsamt dienen. Außerdem noch 3600 M. für einen Saal und drei Zimmer im zweiten Stock und 300 M. für die Mitbenutzung des hiesigen Polizei gefängnisseS durch die Schöneberger und Rixdorfer Polizei, so daß jetzt rund 60 000 M. Meten von dem Grundstück einkommen, während die übrigen Räume dem Polizeipräsidium mietsftei über lassen worden sind. Die Ausrüstung von SchutzmannSpatrouillen mit Revolvern scheint demnächst zur Einführung zu kommen. Probeweise sind schon seit Wochen eine Anzahl von Polizeibeamten, die an den Außenbezirken Patrouillengänge tun, mit Schußwaffen versehen. Die Waffen iverden über den Mantel umgeschnallt getragen und stecken in einer Ledertasche an einem Leibriemen. Warum diese neue Matzregel getroffen werden soll, ist bis jetzt nach keiner Richtung hin begründet worden. Sollte dieselbe zur Sicherheit der Beamten geschehen, so sind uns wenigstens keinerlei Fälle bekannt geworden, aus denen gefolgert werden könnte, daß die bisherige Ausrüstung der Schutzleute nicht genügt hätte. Im Gegen. teil scheint eine derartige Anordnung nur geeignet, Beunruhigung unter dem Publikum hervorzurufen. Gibt man erst den Beamten Schußwaffen in die Hand, so ist auch ein Mtzbrauch keineswegs ausgeschloffen. Schließlich ist doch über Berlin noch nicht der Belagerungszustand verhängt. Für die Unterpstasterbahn Potsdamer Platz— Spittelmarkt, welche Teilstrecke bekanntlich nach Genehmigung des Vertrages zuerst in Angriff genommen werden soll, werden gegenwärtig— behufs Er- forschuna der Bodenverhältnisse— auf dem W i lh e Im s p l atz e Bohrversuche gemacht. In einer Tiefe von über 20 Metern fand man hier gestern noch ziemlich groben Sand. Ueber die tiefer ge- legencn Schichten dürften die weiteren Bohrungen noch Aufschluß aeben. Die bisherigen Resultate lassen immerhin schon darauf schließen, daß man einen leidlich günstigen Baugrund antreffen wird, ähnlich wie auf dem Leipziger Platz. Freilich wechselt die Bodenbeschaffenheit der unteren Schichten in der Stadt ziemlich oft. Die Baugrube der Unterpflasterbahn wird sich auf der südlichen Seite des Wilhelmsplatzes befinden, der, wie gemeldet, nach dem Plane des verstorbenen Tiergartendirektors G e i t n e r umgewandelt und dem Verkehr erschlossen werden soll. Nördlich und südlich der in der Mite verbleibenden Schmuckanlagen werden Fahrstraßen den Platz von Osten nach Westen— im Zuge der Mohren- und Voßstraße— durchqueren, ohne daß die mittleren Schmuckanlagen, die Denkmäler usw. davon berührt werden. Die königl. Eiscnbahndirektion schreibt uns:„In Nr. 19 Ihres Blattes vom 24. Januar d. I. ist auf eine für die Reisenden un- bequeme bauliche Aenderung im Bahnhof Alexanderplatz hingewiesen worden, die nach Ihrer Ansicht eine schärfere Trennung des Stadt- bahnverkehrs vom Fernverkehr bezwecken soll. Diese Annahme ist unzutreffend. Die Sperrung des Durchganges von der Vorhalle für den Stadtverkehr zu den Räumen für den Fernverkehr ist lediglich auf den von uns als berechtigt anerkannten Wunsch des Herrn Polizeipräsidenten erfplgt, um die Königstraße vor dem Eingang zur Vorhalle für den Stadtverkehr zu entlasten." Eine neue Spezialität von Einbrechern scheint es jetzt auf die Bureaus verschiedener Kaffenverwallungen abgesehen zu haben. Zu Pfingsten vorigen Jahres erfolgte ein Einbruch in das Verbands- bnieau der Buchdrucker, wo sie 30 000 M. erbeuteten. Kürzlich mußten wir von Einbrüchen in die Kassenräiime der Ortskrankenkaffe für die im Gastwirlsgewerbe beschäftigten Personen und das der Maler berichten. Jetzt wird wieder mitgeteilt, daß in der Nacht vom Dienslag zum Mittwoch Einbrecher das Bureau der OrtS- krankenkasse für das Buchdruckgewerbe, Alexandrinenstraße 44, heim- gesucht haben. Gestern früh wurde entdeckt, daß beide Geldschränke angebohrt waren. Den Einbrechern fielen 200 M. in die Hände; jedenfalls sind dieselben gestört worden, sonst würde die Beute größer gewesen sein. Strengere Vorschriften über die Abgabe von Lysol verlangt die Aerztekmnmer der Provinz Brandenburg. Der Lysolverkauf soll den Vorschriften betreffs Abgabe stark wirkender Arzneimittel unterliegen. In der Begründung des Antrages wurde besonders auf die leichte Erreichbarkeit dieses starken Giftes hingewiesen. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich am Montag nach- mittag auf den Siemens-Schuckertwerken am Nonnendamm. Dort war der 32jährige Mechaniker Max H e r b st ans Spandau mit Re- paraturarbeiten an eineni Lastenfahrstuhl beschnfrigt. Er stand in der zweiten Etage und hatte dort die zum Fahrstuhl führenden eisernen Türen herausgenommen. Um eine Schraube zu untersuchen, stieg er ans eine gegen die Seitenwand gelehnte Leiter. In dem Augenblick, wo er dem Fahrstuhlschacht den Rücken zuwandte, kam der mit Lasten und drei Personen besetzte Fahrstuhl nach oben gefahren und quetschte dem nichtsahnenden Mechaniker die Schädel' decke vom Kopfe ab. Auch die Insassen des Fahrstuhls hatten von dem traurigen Vorgang nur ein sonderbares Knirschen gehört und waren erstaunt und entsetzt, als ihnen bei ihrer Ankunft in der dritten Etage die Schädeldecke des Getöteten plötzlich zu ihren Füßen fiel. Der Körper des Verunglückten war in die Tiefe gestürzt. Die Leiche war bis gestern noch nicht von der Spandauer Polizei zur Beerdigung freigegeben. Der Verunglückte war der einzige Sohn und Ernährer seiner betagten Mutter. Bei einem Automobilunfall in der Friedrichstraße ist gestern der 52 Jahre alte Almosenempfänger Josef Bachnack schwer verunglückt. Der kränkliche Mann wollte an der Taubenstraße den Fahrdamm der Friedrichstraße überschreiten und wurde dabei von dem Auto mobil Nr. 2509 umgerissen und überfahren. Der Verunglückte wurde sofort nach der Unfallstatton in der Kronenstraße gebracht, wobei ihm außer Hautabschürfungen ein komplizierter Oberschenkelbruch fest gestellt wurde. Nach Anlegung von Notverbänden kam B. in das Krankenhaus Moabit. Unfall eines AbessinierS beim Fechten. In Castans Panoptikum, wo feit einiger Zeit Eingeborene Asiens auftreten, hat sich während der Vorstellung ein bedauernswerter Unfall zugetragen. Beim Fechten mit langen Messern versetzte einer der Schwarzen seinem Landesbruder mit der scharfen Mesierkante einen so wuchtigen Hieb ans die rechte Hand, daß der Gelenkknochen des Mittelfingers voU ständig durchgeschlagen wurde. Der Schwerverwundete erhielt die erste Hülfe auf der Rettungswache in der Mauerstraße. Einem Stadtdahnfledderer in die Hände gefallen ist in der gestrigen Nacht der Kaufmann H. aus Charlottenburg. Er hatte auf dem Schlesischen Bahnhof einen Stadtbahnzug bestiegen und war auf der Fahrt nach Westend eingeschlafen. Auf dem dortigen Bahnsteig machte H. die unangenehme Entdeckung, daß man ihn gefleddert hatte. Er vermißte seine Taschenuhr samt der Uhrkette, das Portemonnaie mit 5 M. 80 Pf. Inhalt und eine Wochenfahrkarte für die Stacke Wildau— Charlottenburg. Mit seinem Automobil verschwunden ist, wie seinerzeit gemeldet wurde, der Malermeister Drabandt, Kurfllrstendamm 241 wohnhaft, der am 16. November vorigen Jahres zur Jagd nach Spremberg fahren wollte. Er hatte auch seinen Jagdhund mitgenommen, doch kehrte das Tier am Abend desselben Tages allein nach Hause zurück. Ueber den Verbleib des Malermeisters und seines Automobils konnte bisher trotz polizeilicher Nachforschungen nichts festgestellt werden. D. lebte in durchaus geordneten Verhältnissen und ist daher kaum anzunehmen, daß er Selbstmord verübt hat oder sich absichtlich und bewußt seiner Wohnung fern hält. Durch einen jugendlichen Lebensretter ist gestern ein schwerer Unglücksfall verhütet worden. Auf einem Dampfersteg bei Heiligensee spielten gestern nachmittag mehrere Kinder, darunter ein fünfjähriges Mädchen, welches plötzlich das Gleichgewicht verlor und in die Havel stürzte. Da an der abgelegenen Stelle kein Verkehr herrscht, so schien die Kleine verloren zu sein. Der Unglücksfall war jedoch von einem etwa elffährigen Knaben beobachtet worden, der, ohne sich lange zu besinnen, in das Waffer sprang und mit wenigen Schwimm stoßen die Stelle erreichte, an welcher das Mädchen hineingestürzt war. ES gelang ihm auch, die Kleine sofort zu erfassen und nach dem Ufer zu schaffen. Das Mädchen hatte keinerlei Schaden ge nommen und konnte sofort den Eltern zugeführt werden. Berliner Adreßbuch. Der erste Nachtrag zum diesjährigen Adreß buch gelangt von heute ab zur Ausgaae. Derselbe enthält alle seit dem Erscheinen der Hauptausgabe angemeldeten Geschästseröffuungen, Wohnungsverlegungen. Zuzüge von außerhalb usw. und bildet somit eine wesentliche Ergänzung und Bereicherimg des Hauptbuches. Der Nachtrag wird in der Hauptexpeditton des„Berliner Lokal-Anzeigers" LW. 68, Zimmerstraße 37—41, und in dessen sämtlichen Filial expeditionen an die Besitzer der Hauptausgabe 1906 unentgeltlich verabfolgt. D.er zweite Nachttag, welcher die weiteren Veränderungen, Umzüge usw. berücksichtigen wird, erscheint anfangs Mai. Der„Berliner Lolal-Anzeiger" von de» Berliner Theaterdirektoren boykottiert! Infolge fortgesetzter unverhältnismäßig hoher Herauf' schraubung der Jnserttonsgebühren für die Anzeigen der Berliner Theater, deren Ankündigung im Interesse des theaterbesuchenden Publikums liegt, haben die Direttoren sämtlicher Berliner Theater einstimmig beschlossen, ab Donnerstag, den 1. Februar er., dem Berliner Lokal-Anzeiger" ihre Inserate zu entziehen. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" wird sich daraus wohl nicht allzu viel machen; er mag eher ohne die Anzeigen der Berliner Theater auskommen, als die Theater ohne seine Reklamen, die er bei Auf- gäbe von Inseraten für sie macht. Im Berein für volkstümliche Kurse von Berliner Hochschullehrern beginnt am Donnerstag, den 1. Februar d. I., abends 8'/a Uhr, Herr Professor Dr. E. F. Lehmann-Haupt seinen Vorttagskursus über„Schliemanns Ausgrabungen und ihre historische Bedeutung (die mhkenische Kultur)" im Hörsaal des Museums für Völkerkunde, LW., Königgrätzerstr. 120. Eintrittskarte» zum Preise von 1 M. (für alle 6 Abende) find zu haben in den bekannten Verkaufsstellen sowie am ersten Abend am Eingang zum Hörsaal. Einer der langgcsuchten Kupferdraht- und Zinkdicbe ist jetzt der- haftet worden. In einer der letzten Nächte machte ein Wächter auf dein Grundstück Alt-Boxhagen 13 die Warnehmung, daß dort ein Diebstahl verübt worden sei. Er unterzog die einzelnen Gebäude einer Kontrolle und entdeckte auf einem Boden im Heu versteckt eine verdächtige Manuesperson. In einer Ecke verborgen stand ein Sack mit etwa 8/i Zentner Zink, der aus der anliegenden Fabrik gestohlen war. Der Beamte nahm den überraschten Dieb fest und brachte ihn samt seiner Beute zur Polizei. Feucrwrhrbericht. Gestern früh um 4 Uhr entstand in einem Restaurant in der Elbingerstr. 87 ein Brand, der ein Orchestrion ergriff. Der Feuerwehr gelang es, die Flammen bald zu löschen.— In der Koppenstr. 77 kam in einem Pferdestall Feuer aus. Die Pferde blieben unverletzt.— Holz brannte im Keller Gollnowstr. 45, Papier usw. im Keller Linienstr. 213, Sttoh usw. in der Prenz- lauerstraße 58 und Gardine», Möbel usw. in der Oderbergerstr. 30, Dresdenerstr. 84, Plantagenstr. 2 und anderen Stellen.— Ferner hatte die Wehr in der Rosenthalerstr. 72 a zu tun, wo durch Kurz« chluß im Kabelkasten der Lichtleitung Feuer ausgekommen war. Am Mittwochnachmittag wurde die Feuerwehr dreimal hinter- einander nach der Puttfamerstr. 6 gerufen, wo im vierten Stock des Vorderhauses in einer Wohnung Feuer ausgekommen war und bei Ankunft der ersten Löschzüge Möbel, Portieren, Türen usw. brannten. Fenier hatte die Feuerwehr in der Sttaße 29a Nr. 2 zu tun. wo das Dach in Flanunen stand, und in der Anklamerstr. 30, wo Ruß usw. in Brand geraten war. Attentat im Gerichtssaal. In M ün che n wurde heute(31. Ja« nuar) Staatsanwalt Müller im Justtzpalaft während einer Ver- Handlung von einem Angeklagten, der einen als Beweisgegenstand vorliegenden eisernen Hammer nach ihm warf, schwer verletzt. Wen»„sich das Herz zum Herzen findet". König Alfons der Junge, der in Spanien Landesvater ist, hat es endlich erreicht. Lange genug war er in Europa umher- gereist, um Ausschau zu halten nach einer Prinzessin, die würdig Iväre, den Spaniern Landesmutter zu werden. Nun hat er die Würdige gefunden. Eine Battenbergerin ist es, die Prinzessin Viktoria Eugenie, die„Ena von Battenberg". Der frischgebackene Bräutigam hat schon eine lange Verloftungs- geschichte hinter sich— nicht mit seiner Ena, aber mit anderen,«chon als Kind wurde er durch Frau Fama verlobt: die Großfürstin Helene von Rußland, die Tochter Wladimirs, soll ihm bestimmt gewesen sein. Helene aber fühlte sich wohler unter den Offizieren Petersburgs als an dem Hofe, da Don Alfonso aufwuchs— und Alfonso ging leer aus. Auch die Prinzessin Luise von Orleans, die schon etwas angejahrte Schwester der Königin von Portugal, wurde den Erwartungen zum Trotz nicht seine Braut— ebenso wenig, wie all' die anderen Prinzessinnen, die nach ihr an die Reihe kamen. Das Gelingen der Verlobung mit der Prinzessin von Battenberg soll im wesentlichen das Werk der Exkaiserin Eugenie von Frankreich sein. Die alte Dame ist Enas Taufpatin. Sie habe— so behaupten bürgerliche Blätter, nicht wir— die Heirat erst dadurch ermöglicht, daß sie die Braut zu ihrer einstigen Haupt- erbin erklärte und ihr schon jetzt eine hohe Jahresrente aussetzte. Aber das ist wohl nicht wahr I? An Königshöfen gibt's doch wohl nur„Liebesheiraten"? Die glückliche Braut wird nächstens ihren Uebertritt zum Katholizismus vollziehen. Ein Glück für Don Alfonso, daß sie just in diesem Augenblick ihren wahren Glauben entdeckt hat. Denn sonst hätte er, der Katholik, sie nicht heiraten dürfen. Manchem mag dieser Glaubenswechsel etwas eilig erscheinen: aber wenn„sich das Herz zum Herzen findet", dann kommt auch in diesem Punkte die Erleuchtung schneller über ein liebebedürfttges Menschenttnd, als wir Ahnungslosen denken. Ena von Battenberg hat dem Papst bereits mitgeteilt, daß sie sich in den Schoß der katholischen Kirche, der allein selig machenden, flüchten will. Den Segen des heiligen Vaters hat sie— und Alfonso mit ihr. Zentralverband der Konditoren(Mitgliedschaft Berlin). Donners- tag, den 1. Februar, abends 8'/, Uhr, Rosenthalerstraße 57: Versammlung der Backgehulsen. 1.„Wie können die Konditoren die Abschaffung des Kost- und Logiswesens erzwingen?" Reserent: Genosse K. Hetzschold. 2. Wahl der Backgehülsenleitung._ Eingegangene Druchfdmften, „Reue Gesellschaft". Sozialistische Wochenschrist. Herausgeber: Dr. Heinrich Braun und Lilh Braun. Verlag: Berlin W. 15. Preis für das Einzelhest 10 Pf, pro Monat 40 Pf, pro Vierteljahr 1,20 M. Probeheste werden aus Verlangen kostenlos geliejert. Soeben ist das 5. Hest des zweiten Bandes erschienen. A. Spiest. Kritische Bemerkungen zum Entivurs eines Gesetzes bett. das Urbeberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie. 184 Seiten. Verlag Meisenbach, Riffarth u. Ko., Schöneberg-Berlin. Bilder aus der Heimarbeit in der Holzindustrie nach Berichten seiner Gauvorsteher für die Heimarbeiterausstellung im Jahre 1906. 63 Seiten. Herausgeber und Verlag Deutscher Holzarbciterverband Stuttgart. Leo Dolstoj. Das Ende emeS Zeitalters(Die bevorstehende Um- wälzung). Berechtigte Uebcrsctzung von Korfiz Holm. Preis 1 Ä. Verlag von Albert Langen in München. Dr. A. Dhomsen. Grundriß des deutschen Verbrechenbekämpfungs- rechtes. 104 Seiten. Preis 1 M. Verlag Struppe u. Winckler, Berlin, Potsdamerstt. 103. Kultur der Familie. Illustrierte Monatsschrift. Nr. 5. Herausgeber >. Pudor. Abomiement vierteljährlich 2,10 M. Verlag H. Pudor, Steglitz, orststr. 8._ Berliner Marktpreise.'Aus dem amilichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion. Rindfleisch la 62—65 pr. 100 Psund, Na 54—60, lila 48-52, lVa 38-46. Kalbfleisch la 80-88, IIa 63-78, via 53-63, tammelfleisch la 65—75, va 59—65. Schweinefleisch 66—76. Rotwild snnd 0,35—0,50, Damwild 0,45—0,55. Hasen Stück 3,40—3,85. Kaninchen Stück 1,00—1,10. Hühner pro Stück, alte 1,50—3,00, junge 1,20—1,50, do. IIa 0,00—0,00. Tauben, junge 0,70—0,72, alte 0,45—0,50. Enten junge 2,00. Gänse pr. Pjd. la 0,00—0,00, va 0,00—0,00, russische 0,40-0,60 M. Schellfische 22 M.. Flunder 12-18 M. pro 100 Psd. echte 1,00 M. Schleie, groß 104 M. Aale, groß 00—00, mittel 00—00, iötzcn 0,00 M., Karpfen 0,00, Rheinlachs 675, Seelachs 20—25 pr. 50 Ko. Schottische Vollheringe(gesalzen) 40—44 M. Eier, Schock 4,00. Butter pro 100 Psund la 116-118, va 112-116, via 103-112, obsallende 00—00. Kartoffeln pr. 100 Psd. rote 2,00-2,20, Rosen 0,00-0,00. blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80- 2,00. Wirsingkohl pr. Schock 7,00-12,00, Weißkohl pr. 100 Psd. 2,75-3,25. Rotkohl pr. Schock 6.00-10,00, Holl. 15—13 M. Saure Gurken, Schock 2,00 M., Psesscrgurlen 2,00 M. Vermiscktes. Auf eine schwimmende Mine gestoßen. Wie Generaldirektor Ballin mitteilt, ist der Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie „Silvia", der mit einem großen Transport russischer Truppen vor- gestern von Wladiwostok abgegangen ist, auf eine schwimmende Mine gestoßen und im sinkenden Zustande nach Wladiwostok zurückgekehrt, wo das Schiff auf Strand gesetzt worden ist, um den Untergang zu verhindern. Der erste Koch Ottomar Schwaibold hat bei dem Un- falle sein Leben verloren. Das Schiff war zu seinem vollen Werte gegen Minengefahr versichert. Lrlefkaften der Redaktion. H. B. 100 und B. W. 15. Wenden Sie sich an die Süstungs« deputatton des Magistrats.— Roland 8. 1. Geschäftsstelle des Turn- Vereins„Fichte", Berlin 0., Koppenstr. 24. Slrbciter-Schwimmerbmid E. Gerstmann, Ziixdors, Bergstt. 59. 2. Der SyllabuS ist die Zusammen- stellnng aller vom Papst verdammten Lehren.— O. R. 100. Im Jahre t893.— N. O. 4 und(4. B. 100. Wiederholen Sie Ihre Anfrage.— _ K. lOOO.„Freie Presse". Monatlich 1,35 M.„Vorwärts" gabs nicht. — Nicolas Litt. Bei I. Günther, Dresden-A., Ziegelstr. 24.— Maier und Overholt. 13. Juni 1886.— Th. R. Berlin, Simon Dachstr. 43. ■Jimltilcber C«U. Die jurtsttlive Spreihstiinde finde«»äaltch mit SlnSnahm« de» Eouiiadeiid» tum?>/, biS»'/. Illir abends fiat«. lficöfiiie«: 7 Ubr. Jeder Zlnfraae ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. P. H.. Therese 30. Ja.— R. K. 40. Darlehen verjähren erst in 30 Jahren.— F.®. 41. Die Abrede monatlicher Kündigung für Werk» meister ist gültig.— 3t. P 5. 1. und 2. Ja. 3. und 4. Nein.— W. ®ch.!i. Ohne Kenntnis Ihres Vertrages nicht zu beantworten. Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen.— A. T. 00. DaS ist nicht notivcndig: eS hängt von dem Entscheid der zuständigen Armen« kommission ab.— E. W. L8. 1. Wahrscheinlich. 2. Nein.— H. H. 10. Ihr Wirt ist im Recht: die Satzungen Ihres Vertrages sind maßgebend.— H. B. SO, A. M. 100, H. L. 0. Nein.— Delphi. Lehnen Sie ab. weil Sie zur Zahlung ohne Beeinträchtigung Ihrer sonstigen Verpflichtungen nicht im stände sind.— O. G. 04. Sic hätten den Pelz nicht heraus- geben sollen. Jetzt müssen Sie gegen den Arzt ltagen.— 3l. B. 1. In zwei Jahren nach Ablans des JahrcS, in dem sie entstanden sind, verjähren Anwaltsgcbührcii. 2. Ja. 3. Sie müssen von neuem»m Konzession einkommen.— Reinhold — A. Z. 141. Güterlrennung beftcbt aber ist eS, einen Ehevertrag notariell 005. 1. Ja. 2. Nein. ohne weiteres. Zweckmäßig oder gerichtlich zu schließe». «vittrriiiigSüderflelit vom 31. Januar 1000, niorgens« lly». Stationen Swinrnide Welter »« E?. H S iL 2 halb bd.-21 ~ M 8 leiicr gedeckt 8 erlin Franks a.M München Wien Wetter-Prognose für Donnerstag, den 1. Februar 1000. Ein wenig kälter, vielfach heiter, aber noch veränderlich mit geringe» Niederschlägen und mäßigen nordwestlichen Winden. B er lin er W e t t erb u r ea u. BZaflerstaiid am 30. Januar. Elbe bei Aussig-ff 1,23 Meier, bei Dresden— 1,13 Meter, bei Magdebing-ff 1,63 Meter.— 11 u st c u t bei Straußsurt-ff 1,50 Meter.— Oder bei Ratibor-ff 1,21 Meter, bef Breslau Oberpegel-ff 5,00 Meter, bei Breslau Unterpegel— 1,26 Meter, bei Frankfurt-ff 1,45 Meter.— Weichsel bei Brahemäud« -ff 3,50 Meter.— Warthe bei Posen-ff 1,30 Meter. r Dfe iDsertlonspböiir beträgt für die sechs gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 20 Pfennig. Inserate flirdienächsteNummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends gebffnet VORORT-ANZEIGEN Alt'Gllenlcket Reinhold Schulz, Rudowerstr. 83. BHtz» Hermann Schliebltz, Jahnstr. 2. Charlottenburg t Gust. Scharnberg, Sesenheimer- strasse I Ecke Ooethestr. vorn I. Dtsch.. Wilmersdorf: Georg Reese, Berlinerstrasse 46, Laden. Lichtenberg- Prledrlchsf elde.WIlhelmsberg. Boxhagen» Rummelsburg- Stralau: Otto Selkel, 0.112, Kronprinzenstrasse 501. Grünau: H. Muhme, Viktor! astr. 2. Rlxdort: M. Heinrich, Prinz Handjerystr. 7, im Laden; Conrad, liermannstr. 50. Schöneberg: Wilh. Bäumler, Martin Lutherstr. 51. Ober.Schönewelde: Julius Grunow, Edisonstr. 10 1. Annoncen- Annahmestellen: Nieder. Schöneweide: Bonakowskjr, Hassel» werderstr. I d. Johannistal: Franz Hünold, Bismarckstr. 7. Adlershot: Erich Steuer, Roonstr. 8 I. Königs» Wusterhausen: P. Körte, Berlinerstr. 19. Köpenick: Friedrich Woick, Orünstr. 29. Friedenau-Steglitz: H. Bernsee, Schlossstr. 115, Gartenhaus i, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 32, unif Fr. Schellhase, Ahornstr. 15a. Mariendort: Hermann Reichardt, Chausseestr 16. Baumschulenweg■ Stock, Ernstste. 2 II. Treptow: R. Voigt, Elsenstr. 37, vorn III. Tempelhof: M. Malier, Berlinerstr. 41—42. Neu.Welsaeasce: W. Reske, Sedanstr. 105, part Welssensee: Jul. Schiller, König-Chaussee 39a.- Reinickendorf(Ostf, Wilhelmsruh und Schön. holz: Paul Gursch, Provinzstr. 108 im Laden. Reinickendorf(West): Neuhoff, Eichbornstr. 54. Rummelsburg: 0 John, Karishorsterstr. 2. Tegel, Borsigwalde, Dalldorf und Waldmanns. last: Paul Klenast, Borsigwalde, Schubartstr.43. Pankow: G. Freiwaldt, Plorastr. 66. Elchwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels: Ablage: A. Grätz, Eichwalde. Kronprinzenstr.8211. Nowawes: Wilhelm Jappe, Friedrichstr, 1. Spandau: Köppen, Jagowstr. 9. Inseraten-Auflräge grösseren Umfangs nach besonderer Vereinbarung durch die Haupt-Expedition Lindenstrasse 69. von bis Donnerstag, 1. Februar Donnerstag, 8. Februar Weisse Jan. Sehenswerte Dekoration der Schaufenster und Innenräume meines Kaufhauses mit Weissen Waren aller Art, welche während dieser Zeit zu enorm billigen Preisen zum Verkauf kommen. Damen-Wäsche. 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