Nr. 30. Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m, monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Big. Boft. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 art, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Cricheint täglich außer Montage. Vorort- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblatt. 23. Jahrg. Die Infertions Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel. geile oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins, und Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedrudte) Bort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben sählen für zwei Worte. Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt LV. Nr. 1983. Die italienische Krise. Rom, 2. Februar 1906.( Eig. Ber.) " 1 Dienstag, den 6. Februar 1906. 17 Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. Die Revolution in Rußland. Regierungsbestialitäten in den Ostseeprovinzen. Man schreibt uns: In derselben Weise sind bereits Hunderte von wirklichen oder vermeintlichen Revolutionären hingemordet worden! Troßdem ist die Revolution noch keineswegs erstidt. So wird Petersburg vom 4. Februar gemeldet: aus Auf zweierlei Wegen hat der Minister dieses Ziel gesucht Db am Ministertische Sonnino oder ein anderer sitt Sund natürlich verfehlt. Erst hat er sich bemüht, die Sozialisten alle werden dem Intriguengeiste unterliegen. Unsere Partei aus einer Oppositionspartei zur Regierungspartei zu machen tut da wohl besser, keinerlei Zustimmung zu berheißen, und hat mit diesem hoffnungslosen Bemühen wenigstens den sondern abzuwarten, wie die herrschende Klasse ihren Augiasfür die herrschende Klasse nicht zu unterschäßenden Erfolg ge- stall selber ausmiſtet. Auch in der Politik gibt es Totgeburten: Das zweite habt, tiefen inneren Zwist in die Partei zu tragen. Als aber Ministerium Fortis war eine solche und verdient daher das Proletariat, der ewigen Versprechungen müde, das Spiel teinerlei Nachruf, nur eine möglichst schnelle und prunklose begriff, dem es zwei Jahre zum Opfer gefallen war, beBestattung. Aber Totgeburten haben eine große symptomatische schritt Giolitti den zweiten Weg, der ihn dahin ge Bedeutung. Wie geht es zu, daß die um Giolitti gefcharten führt hat, wo er heute steht: er verfiel auf die beAbgeordneten, deren Stimmen er Fortis leihweise überlassen rühmte Sonzentration der Ordnungsparteien Täglich werden Personen aus den Betten geholt und gefangen hatte, tein lebensfähiges Kabinett mehr zustande brachten? gegen den Um st ur z". Mit dieser Parole beraumte er im nach den Gefängnissen gebracht und sehr viele werden von den Am 30. Januar, als das Ministerium in der Kammer November 1904 die Wahlen an, besessen von der firen Idee, Kosaten und Dragonern entkleidet, beraubt und wenn sie cine so talte und feindliche Aufnahme fand, wie dies in der daß nur eine starte reaftionäre Masse im Parlamente das sich beschweren, werden sie mit Na gaiten bis aufs Blut ges Geschichte des italienischen Parlaments noch nie dagewesen ist, Land vor dem Umsturz bewahren könnte. Und eine reaktionäre peitit. So wurden mehrere Gefangene, weil sie verant einen Baum gefesselt, telegraphierten wir dem Vorwärts", daß der Fall des Mini Masse hat er denn auch zusammengebracht, nur hatte sie weigerten Auskunft zu erteilen, steriums abgemachte Sache sei und nichts Geringeres bedeute außerhalb der berühmten Formel keinerlei inneren Zu entfleidet, worauf die Nackten mit Nagaiken bis aufs Blut geals δας Ende der Aera Giolitti. Die fammenhalt! peitscht. Am schrecklichsten wurde ein Arbeiter in Windau gepeitscht. telegraphische 3ensur hat diese Konstatierung einer Nun hat aber eine herrschende Klasse, so lange wenigstens Am 18. Januar erschien eine Abteilung der Expedition des Generals Tatsache einfach unterdrückt! Mit einer Unverschämtheit, die noch nicht ihre letzte Stunde gekommen ist, doch andere Auf Drlow in der Nähe der Radenpoischen Station. Ein alles in Italien bisher lebliche übertrifft, hat die Zenfurgaben als gegen den Umsturz zu Felde zu ziehen, 25jähriger revolutionärer Bauer wurde an eine Kiefer gebunden, nachdem sie vom Korrespondenten die Autorisation eingeholt umsomehr, so lange dieser Umsturz ganz bescheiden und un- ein Sad wurde ihm über den Kopf gezogen und 12 Soldaten gaben hatte, ein Wort wegzulassen, wenn nicht das ganze scheinbar arbeitet an der politischen Erziehung und Aufklärung zwei Salven auf ihn ab. Die Eltern waren unter Jammern und Am 19. Januar Telegramm aufgehalten werden solle- die Berichte ihres Sinnes des Proletariats, an der Drganisation und Disziplinierung Tränen Zeugen des erschütternden Ereignisses. entkleidet. So hat sie die feindliche Aufnahme der Erklärungen der Massen. Ueber die anderen Aufgaben konnte es aber in wurden im Radenpoischen Walde vier Revolutionäre erder Regierung, die Empörung der Kammer gegen Tedesco, der Giolittischen Mehrheit nun und nimmer zu einer Ver- schossen. In Hinzenberg wurden 11 Personen erschossen, darunter die gegen den ausdrücklichen Antrag Fortis erfolgte Annahme ständigung kommen. Gewählt nach dem Prinzip, daß die Re- zwei Mädchen, weil sie eine rote Fahne trugen. Auch in dem des Schlusses der Diskussion und schließlich den fläglich ge- gierung überall den Ordnungskandidaten durchdrücken half, litauischen Städtchen Szaganen in der Nähe von Mitau wurden scheiterten Versuch Giolittis, durch Aufbietung all feiner der am meisten Chancen für den Erfolg hatte er sei nun vier Personen geprügelt und dann getötet. Autorität das Kabinett zu retten, einfach fortzustreichen geruht, liberal, konservativ oder klerikal ist die Stammer die buntum farblose, den offiziösen Berichten ähnliche Tele- schecktigste, die man je gesehen hat, ein Bündel der widergramme zu übermitteln, ohne auch nur den Anstand zu haben, strebendsten Interessen. Sie kann kein positives Programm die durch die Verstümmelung der Berichte dem Vorwärts" gemeinsam haben. unterschlagenen Gelber zurückzugeben. Zum Ab- Da aber die Bourgeoisie, wie tief ihre parlamentarische schied gibt so die scheidende Aera auch uns noch eine Vertretung auch auf den Hund gekommen sein mag, reale leine Probe ihres Geistes, der in der Politit nur eine Interessen zu vertreten hat, fann fie auf die Dauer nicht der Reihe fleinlicher Manipulationen sah und der glaubte, die Tat absoluten Untätigkeit ihres Parlaments zusehen. Wenn sich fachen zu beseitigen, indem er sie mundtot machte. Der Geist der Umsturz" in Putschpolitik gefallen hätte, wäre Giolitti jener schlauen, leisetretenden Politik wird in der Parlaments vielleicht noch recht lange Herr der Sitation geblieben. So geschichte Italiens Giolittische Politit" heißen, auch wenn der wie die Dinge aber lagen, wurde man denn doch der absoluten Staatsmann, der sie zeugte, endgültig vom Schauplatz abge Untätigkeit der Regierung, ihrer stereotypen Versprechungen, die sie ist ebenfalls im Wachstum begriffen. Es liegen folgende nicht einlösen fonnte, müde, und die Kammermehrheit wandte Meldungen vor: Wie kommt es, daß diese Politik, die noch bor 10 Monaten sich gegen Giolitti um so bitterer und brutaler, je serviler Petersburg, 4. Februar. Auch im Raukasus er. neuern sich die Unruhen. Die Stadt Samtredi, eine so feste Basis in der Kammer hatte, daß Giolitti es und feiger sie seine lange Herrschaft ertragen hatte. wagen fonnte ,, sich in Fortis einen Stellvertreter zu ernennen, In dieser Vorgeschichte liegt nicht nur die Charakteristik ein wichtiger Knotenpunkt der kaukasischen Eisenbahn, ist wie kommt es, daß diese Politit so schnell und katastrophisch der Strise, sondern auch die des Ausblicks, den sie eröffnet. bollständig niedergebrannt worden. Hierdurch zufammengebrochen ist? War wirklich das zweite Stabinett Als Nachfolger sind durch das Votum die Rechte und die ist die Entsendung von Truppenverstärkungen sehr erschwert. Fortis mit so großen Fehlern behaftet, daß eine so tolerante Sonninianer bezeichnet worden, in erster Linie Sonnino Die Brände in Stutais und Umgegend dauern fort. In Tiflis Gesellschaft, wie unsere Parlamentsmehrheit, es in einer Welle felbst, der durch Uebereinkunft und auf Grund einer und Elisabethpol erneuern sich die Massakers zwischen Moder Entrüftung fortspülen mußte? Wer die Diskussion vor Reihe in ihm vorausgesetzter Eigenschaften als Führer der hammedanern und Tataren. Aus Baku tommen ebenfalls Sonnino Dem Botum angehört hat, der konnte freilich glauben, daß konservativen Opposition gilt. mit vollem Meldungen über neue Unruhen. Paris, 5. Februar. Éclair" meldet aus Petersdie klerikale Vergangenheit des Ministers Malvezzi, Namen Baron Sidney Sonnino, israelitisch englischer Abder Antagonismus zwischen Tedesco und Carcano, stammung fann als ein zu einem gewissen Liberalismus burg: In amtlichen Streisen herrsche große Beunbie widerliche Strebergestalt de Marinis das bekehrter Scharfmacher gelten, der schon ob seines Rufes als ruhigung über die Fortschritte der Revolution Ministerium unmöglich gemacht haben. Aber woher Reaktionär die häufigen Entgleisungen nicht zu fürchten braucht, im Rautafus. Die Regierung hat beschlossen, gegen die hat denn die Mehrheit, die Fortis gestern mit tiefer wie sie Giolitti bei seinem liberalen Rufe zu fürchten hatte. Behörden vorzugehen, die durch ihr Vorgehen den Aufstand Fronie bisher so geduldig" nannte, auf einmal die empfind Sonnino hat eine umfassende volkswirtschaftliche Bildung, ist genährt haben. Aus diesem Grunde ist der Gouverneur von famen Nerven und den moralischen Brechreiz? Sie hat ein rechtschaffener Mann, aber ein jämmerlicher Redner und Stutais bereits feines Amtes enthoben worden. Ueber verittoni verbaut, dem ein nicht gerade appetitliches in seinem Aeußern sehr unsympathisch. Sicher hat er nicht das schiedene andere Beamte ist eine Untersuchung eingeleitet. Ctüdchen Gründervergangenheit" anhaftete, hat den einzig. Beug, sich etwa durch überragende Persönlichkeit eine GefolgFurcht vor der Bauernerhebung. artigen Stumpffinn eines Generals Pedotti vertragen, sich schaft zu erwerben. Wie will er mit dieser bisher nur durch Moskan, 4. Februar.( B. H.) Der Abelsmarschall vor der Gestalt des radikalen Kammerpräsidenten Marcora die Fuchtel einer Persönlichkeit zusammengehaltenen Fürst Trubektoi äußerte sich in einem Juterview, daß er für nicht geekelt! Wer sich so wenig wählerisch gezeigt hat, der Stammer auskommen? das Frühjahr eine Agrarbewegung schärfster Art muß besondere Gründe haben, wenn er auf einmal zum Kost Die neue Mehrheit, die gestern das Kabinett nieder erwarte, und daß es bei der Landverteilung zwischen den Bauern stimmte, besteht aus 20 Sozialisten, 12 Republikanern, 32 Ra- felbst zu blutigen Kämpfen kommen werde. Es sei daher bringend verächter wird. Wir nehmen die„ moralische Revolte" der Kammermehrheit difalen, 55 Liberalen, 52 Mitgliedern des Zentrums( vor- notwendig, daß die Reichsduma baldigst einberufen werde. nicht schwer. Sie hat gestern einen Herrn abgeschüttelt, hat wiegend Sonninianer und 2 Kleritale) und 88 Mitgliedern Biolitti einen Fußtritt gegeben, weil sie seiner Oberherrschaft, der Rechten. Wo bleibt die Mehrheit, wenn die 64 Stimmen bie sie längst in ihren Grundfesten erschüttert wußte, müde der äußersten Linken, die bei vollzähligem Erscheinen noch war. Ein Programm abgelehnt, ein neues formuliert um 20 steigen können, in Wegfall kommen? hat sie nicht! Der Avanti" tonstatiert heute, daß die Entscheidung treten ist. " 11 3 Die Lage in den baltischen Provinzen verschlimmert sich wieder zusehends. Bei Buffume fam es zwischen Truppen und Letten, unter denen fich auch Frauen befanden, zu einem Zusammenstoß, wobei es auf beiden Seiten zahlreiche Zote und Verwundete gab. Der Aufstand im Kaukasus " Politische Ueberficht. Berlin, den 5. Februar. Unser Dank an die Scharfmacher. So jäh das Ende den Außenstehenden erscheinen mußte, über das Leben des neuen Kabinetts bei der äußersten Genosse Stücklen hatte heute die dankbare Aufgabe, den so ist doch unverkennbar, daß die Aera Giolitti an Selbst- Linken steht, und er spricht von der„ eventuellen Zustimmung" vergiffung gestorben, also einem ganz natürlichen Tode dieser Fraktion. Aber diese Zustimmung( consenso) wird Schönfärbereien der Agenten des Kapitals ein wahrhaftes zum Opfer gefallen ist. nicht gegen bloße Wortversprechen geschenkt werden, sondern Bild von der Not der deutschen Arbeiter entgegenzustellen, Was bedeutete diese Aera für Italien? Ein Regime der als Entgelt, nicht allein für die Achtung der Freiheit, der den Verleumdungen und Verdrehungen der Scharfmacher aus Freiheit", so lautete die offizielle Phrase, ein Regime der politischen Volksrechte und des freien Gedankens, sondern auch allen Lagern den einfachen Bericht über die Absichten, AnHalbheit" sagen wir. Giolitti hat als Minister des gegen positive, materielle und moralische Vorteile, die schauungen und Taten unserer Partei vorzuhalten. Er Innern unter Zanardelli begriffen, was seit den Auf dem Lande gegeben werden: gegen die Neuordnung und den räumte gründlich mit all dem dichten Lügenschutt auf, den ständen in Sizilien( 1894) und seit den Maiaufständen in Ausbau der öffentlichen Dienste, gegen die Reform der Ab- die bürgerlichen Quacksalber rings um die sozialpolitische Gesetzgebung gehäuft haben, damit der Staub den Arbeitern Apulien, in der Lunigiano und in Mailand( 1898) die Tat gaben und Verwaltungen.... Um anderen Preis nicht." fachen mit Donnerstimme predigten: daß nämlich eine ge- Nicht ohne Verwunderung kann man diese Worte lesen. die flare Erkenntnis der Vorgänge unmöglich mache. So waltsame Repression der Arbeiterbewegung Das flingt mehr nach einem Anfang als nach einem Ende zertrümmerte Stücklen dem Zentrum die Legende von seiner unmöglich war! Er hat der politischen und wirt der Alera Giolitti. Kann die Partei glauben, daß irgend ein aufrichtigen und eifrigen sozialpolitischen Tätigkeit durch den des schaftlichen Organisation die Proletariats Bahn Ministerium, und wäre es die fleischgewordene politische Hinweis auf die Haltung des Zentrums zum Bergarbeiterfreigegeben und so, dem Lande. eine neue gemeinsame Weisheit und Rechtschaffenheit, mit diesem Partamente schutzgesetz. Massenbewegung erspart. Das ist sein Verdienst, das er anders zu regieren vermag, als durch Kompromisse, Halbübrigens mit seinem Vorgänger Saracco teilt. Aber heiten und Stuhhandel? Anders als nach dem Rezepte Giolitti hat vergessen, daß die Anerkennung einer geschicht- Giolittis? Wir meinen, nur zwei Auswege sind möglich: Entweder lichen Tatsache die Anerkennung ihrer Folgen einschließt. Er hat geglaubt, der Arbeiterbewegung die Bahn der Gesetz- fommt die italienische Politit nach der Aera Giolitti in eine lichkeit freigeben zu können und doch mit den Forderungen Art Fegefeuer, wo sie bei etwas milderen Methoden weiter dieser neuen politischen Macht nicht rechnen zu brauchen; er in der Glut der Intrigue gappeln muß, oder aber sie enthat sich dem Wahn hingegeben, was seine Vorgänger durch rinnt dem Unheil durch Ausstattung Sonninos mit der Mög( Bewalt nicht erreichten, durch politische Kniffe zu erreichen: lichkeit, die Kammer aufzulösen. Im heutigen Parlament die Unschädlich machung der sozialistischen wird der Geist Giolittischer Intrigue bis zum letzten Atemzuge Bewegung. Teben. Ferner widerlegte er dem Grafen Posadowsky seine Berufung auf die englische Arbeiterdeputation durch Feststellung der beiden Tatsachen, daß die Deputation auf Kosten der Unternehmer in Deutschland herumgereist und daß sie von Staatsstüße zu Staatsstüße, von einem Potemkimschen Dorf zum anderen herumgeschleppt an der Erkenntnis der wirtlichen Arbeiterverhältnisse in Deutschland gewaltsam gehindert worden ist. Daß in Wahrheit die Löhne viel weniger rasch gestiegen sind als Unternehmerprofite, Lebensmittelpreise und Mieten, daß das Lohnniveau der Arbeiter in weit ausgedehnten Gewerben noch tief unter dem Eristenzminimum steht, z. B.?n der Heimarbeit und in der Mühlenindustrie, daß auf dein Gebiet der Unfallverhütung noch fast alles zu tun übrig blieb, daß die Berufskrankheiten und allen voran die Prole- tarierkrankheit, die Tuberkulose, Jahr für Jahr mehr Opfer fordern, bewies der Redner durch reichhaltiges, meist amt- liches Material, besonders unter Berufung auf die Gewerbe- Jnspektionsberichte, deren Unzulänglichkeit er lebhaft kriti- sicrte. Gebührend geißelte er das unverschämte Verlangen der Scharfmacher: das Gesell über die RechtsfäNgkeit der Berufsvereine zu einer neuen Waffe gegen die Gewerkschaften, zu einem neuen Zuchthausgesetz gegen die Arbeiter zu machen. Tann ging er mit dein Abgeordneten Mugdan wegen seiner volksverräterischen Rede vom Sonnabend scharf ins Gericht. Die Infamien gegen die russischen Revolutionäre, deren nächstes Ziel doch nur die Durchsetzung liberaler Forde- rnngen ist, die Verguickung der ernsten politischen Arbeit der Sozialdemokratie mit den Ausschreitungen des gewöhnlich höchst patriotischen Straßenpöbels, die Empfehlung einer Blut- und Eiscnpolitik gegen die friedlichen Wahlrechts- dcmonstranten wurden dem Abgeordneten Mugdan mit dem festen Versprechen vergolten, bei der nächsten Reichstagswahl in Görlitz sein Treiben vor seinen Arbeiterwählern klar auf- zudecken. Zum Schluß aber sprach Genosse Stückten allen Scharfmachern unseren warmempfundenen Dank dafür aus, daß sie die Maske fallen ließen, durch die sie große Teile des arbeitenden Volkes noch immer getäuscht und von ihrer lvahren Interessenvertretung ferngehalten haben. Er sprach die wohlbegründetc Hoffnung aus, daß diese Debatten die Erkenntnis des Gegensatzes zwischen Kapital und Arbeit immer weiteren Prolctarierkreiscn verschaffen würden. Sonst brachte der Tag nur eins Reihe neuer Hetzereien gegen unsere Partei, verdeckt durch ein paar platonische Redensarten zu- gunsten der Sozialpolitik. Am wildesten gebürdete sich der Reichsparteiler v. Kardorfs, der den Arbeitern das Koalitions- recht— ebenso wie die Versicherungsrenten— kürzen will und am liebsten die christlichen Gewerkschaften mit den freien, die freien Gewerkschaften mit der Sozialdemokratie in einem Sack ertränken möchte. Nicht viel besser als dieser senile Schwachkopf trieben es der nationalliberale Bassermann und der Zentrumsäbgeördnete Erzbergcr, die über den Terroris- mus der Sozialdemokratie wehklagten und ihr aus der Feier der russischen Freiheitskämpfe einen Strick drehen wollten. Wenn auch öffentlich geleugnet, klang heimlich doch durch alle diese Reden die Sehnsucht nach einem neuen Sozialisten- gesell vernehmbar durch. Morgen wird die Debatte fortgesetzt. Vorher kommt unsere Anfrage an den Reichskanzler zur Erörterung: Warum gegen die an dem furchtbaren Unglück auf Zeche Borussia schuldige Verwaltung noch immer nicht strafrecht- lsch cingeschritteil worden ist. Eine WahlrechtSdcbatte im Dreiklnsienparlament. Wie wenig Fühlung die Bertreter des Gcldsacks mit dem Volke, welch' geringes Verständnis sie für die berechtigten Forderungen des Proletariats haben, das belvies die Sitzung des Abgeordnetenhauses vom Montag, in der aus Anlaß der Beratung des Etats des Winisterinms deS Innern neben hundert anderen Dingen aucki über die Wahlrechtsfrage geredet wurde. Im Volke herrscht die tieffte Empörung über die politische Rechtlosigkeit, unter der es in Preußen lebt, eine gewaltige Bewegung geht durch die Massen, die sich nicht länger mehr als politische Heloten behandeln lassen wollen, sondern entschlossen sind, das Joch abzuschütteln und sich den ihnen gebührenden Anteil an der Gesetzgebung zu erkämpfen. Diejenigen aber, die sich„Vertreter des Volkes" nennen, halten es nicht nur für unnötig, die Forderungen der Massen zu ertüüen, sie gehen sogar einer bloßen Erörterung der Wahlrechtsfrage ängstlich aus dein Wege! Der Vertreter der weiblichen Linie des Freisinns, der Abg. Brömel, übte in der Generaldebatte über den Etat des Ministeriums des Innern scharfe Kritik am Dreitlassenwahlsystem und forderte Ersatz durch das allgemeine gleiche direkte und geheime Wahlrecht. Das; er es sich bei dieser Gelegenheit nicht versagen konnte, sich abfällig über die Wahlrechisagltatton der Sozial- demokratie zu äußern, nehmen wir ihm nicht übel. Hier handelt cS sich um grundsätzliche Unterschiede. Die Sozial- deinokratie glaubt recht daran zu tun, wenn sie alle ihr zu Gebote stehenden gesetzlichen Mittel anwendet, um die Erfüllung ihrer Forderung herbeizuführen. Die Freifinnigen glauben: Wenn das Volk nur hübsch artig ist und fromm zur Regierung betet, wird diese ihm als Belohnung dafür srciluillig das Wahlrecht gewähren! lieber den Geschmack ist nun einmal nicht zu streiten, und die Zu- kunft wird ja lebrcn, wer recht behält. Zahmer als Herr Brömel benahm sich sein Zwillingsbruder, von der männlichen Linie, der Führer des Berliner Kommunalfreisinns. der Abg. Cassel, der zwar im Prinzip auch Anhänger des Reichs- tagSwahlrechts für die Wahlen zu den Einzellandtagen ist, sich aber in der Praxis mit den geringsten Abschlagszahlungen, z. B. einer anderweitigen Wahlkreiseinteiliing. begnügen will. Herr Cassel hat anscheinend gar kein Verständnis dafür, daß er im gegenwärtigen Moment mit seinem schwächlichen Nachgeben lediglich die Geschäfte der Reaktion besorgt. Nicht darauf kommt es an, daß dem elenden Dreiklassenwahlsystem hier»nd da ein Pflnsterchen aufgeklebt Ivird, mn seine allzu häßlichen Flecken zu verdecken, sondern auf eine grundsätzliche Bekämpfung dieses Systems kommt es an, auf eine Bekämpfung, die dessen völlige Beseitigung zum Ziel hat. Wer xm gegenwärtigen Moment der Regierung und den Konservatwen auch nur das geringste Entgegenkommen zeigt, der fördert die Wahl- rechtSbelvegung nicht, der schädigt sie. Welche Blöße sich die Freisinnigen nicht nur heute, sondern schon in früheren Jahren durch ihre Stellung zum Dreiklassenwahl- shstein gegeben haben, das führte ihnen in fein-sarkastischer Weise der Minister des Innern zu Gemüte. Herr v. Bethmann- Holl weg erklärte, daß er bei seinem Amtsantritt außer der Er- klärung seines Amtsvorgängers, daß er übergroße Wahlkreise teilen und erleichternde Vorschriften für das Wahlverfahren schaffen würde, einen liberalen Antrag vorgefundeit habe, der nicht etwa das allgemeine direkte gleiche, und geheime Wahlrecht fordere, sondern sehr bescheiden sei und sich mit der Abteilungs- bildung innerhalb der Gemeinden und mit dem Ersätze der Dritte- lung durch die Zwölstelung begnüge! Der Minister meinte damit den liberalen Kompromißantrag aus dem Jahre 1904, der selbst von einsichtigen Liberalen, tvie den, Abg. Dr. Barth, mit Hohn und Spott überschüttet wurde. Diese wahrhaft beschämende Abfuhr durch den Minister haben die Liberalen reichlich verdient. Im übrigen erklärte der Minister, daß von der Regierung statistisch« Erhebungen veranstaltet seien, um die Wirkungen einer Aenderung des Wahlgesetzes zu prüfen, daß aber die Beratungen des Stnatsministeriums noch nicht abgeschlossen wären. Die Neglerung Iverde später mit bestimmten Vorschlügen vor das HauS trete». Welcher Art diese Vorschläge sind, verriet er nicht. Es steht aber nach der Thronrede außer Zweifel, daß eS sich lediglich um eine Teilung einiger großer Wahlkreise handelt.— Für die Natioualliberalen war die Erklärung des Ministers em gefundenes Fressen; sie hatten infolgedessen nicht nötig, zu der Frage Stellung zu nehmen. Auch vom Zentrum sprach niemand zur Wahlreform. Die Redner der beiden konservativen Parteien hatten schon vorher eine Erörterung dieses Themas abgelehnt, um nicht den Sozialdemokraten Wasser auf ihre Mühlen zu gießen, wie sich der Oberscharfmacher Fchr. v. Zedlitz äußerte. Für den Augenblick mögen die Herren im Dreillassenparlament sich»och»m die Erörterung der Wahlrechtsfrage herumdrücken. Auf die Dauer aber werden sie das Versteckspiel nicht treiben können. Das Volk wird sie zwingen, Rede und Antwort zu stehen. Noch hat die Sozialdemokratie, auch wenn ihr der Landtag verschlossen ist, Mittel genug, um von außen einen Druck auf Parlament und Regierung ausztiiiben, und sie wird von diesen Mitteln den ihr passend erscheinenden Gebrauch machen._ Stengels Steuerbukett. Trüben Blickes muß des Reiches Schatzsekretär mitansehen, wie die Steuerkommission..des Reichstages pietätlos eine duftige Blüte nach der anderen aus seinem schönen Steuerstrauß zupft, den er nach allen Regeln der Kunst dem deutschen Volke gewunden hatte. Der Entwurf einer Brausteuererhöhung, durch den der Ertrag der Bierbesteuerung zum Wohle des Reichssäckels um ungefähr 67 Mill. Mark gesteigert werden sollte, ist von der Kommission derartig vcr- bessert worden, daßdie Mehreinnahme sich kaum aus mehr als 24 oder 25 Millionen Mark stellen wird; und eS erscheint nicht ausgeschlossen, daß sie im weiteren Verlaufe der Beratungen durch eine Veränderung der Staffelung«och um einige weitere Millionen zusammenschrumpft. Noch uiigünstiger stellen sich die Aussichten für die Tabalsteuererhöhung, deren Ertrag auf 28 Millionen Mark geschätzt wurde. Sie ist von der Kommission vorläufig auf ein Minimum reduziert worden, und wenn auch anzunehmen sein dürfte, daß schließlich doch der Zoll auf Jmportzigarren eine Erhöhung erfährt, so wird doch schwerlich der Mehrertrag auch nur ein Drittel der Summe liefern, die das Reichs- schatzamt herauszuschlagen hoffte. Bei der Zigarettensteuer werden voraussichtlich statt der vom Fiskus erwarteten 16 Millionen Mark nur ungefähr 6 Millionen herauskommen, und nicht minder werden die erivarteten Summen aus den Ouittuiigssteuern zusammen- schrumpfen. Die Besteuerung der Quittungen und Frachturkunden wird allem Anscheine nach völlig abgelehnt und die Fahrkarten- und Kraftwagensteuer derart verändert und beschnitten werden, daß auch aus diesen sich der veranschlagte Betrag von zirka 16 Millionen Mark nicht ergeben dürfte. Es ist demnach mit Sicherheit daraus zu rechnen, daß selbst im günstigsten Fall die Gcsamteinnahme aus den neuen Steuern um mindestens 190 Millionen Mark hinter den von der Regierung zur „Sanierungskur" der Rcichsfinanzen verlangten 230 Millionen Mark zurückbleibt. Leicht ließe sich der Fehlbetrag durch eine Erweiterung der geplanten Reichserbschaftssteuer aufbringen. Nach der Vorlage wird deren Ertrag auf 72 Millionen Mark, nach Abzug der Rück- Vergütung an die einzelnen Bundesstaaten auf 48 Millionen Mark berechnet. Die geplante Belastung beträgt also pro Kopf der Be- völkerung in Deutschland nur ungefähr 1,29 M. Dagegen stellten sich z. B. im Jahre 1991 die Erbschafts- und Schenkungssteuern in: Gesamtertrag Ertrag pro Kopf Großbritannien und Irland. 389 Millionen Mark 9,17 Mark Frankreich....... 169,7„„ 4,12„ Niederlande...... 19,5„„ 3,81„ Belgien........ 29,2„„ 3,92„ Würde die deutsche Reichserbschaftssteuer nur auf ein Drittel der Höhe bemessen werden, welche die wegen ihres„Krämergeistes" von den deutschen Nationalpatrioten so oft verspottete wohlhabende Bevölkerung des„perfiden Albions" alljährlich an Erbschaftssteuer zahlt, also aus 3 Mark pro Kopf, so ließe sich dadurch bequem der Fehlbetrag decken. Und sollte wirklich diese Summe noch nicht ganz ausreichen, so könnte leicht durch die Abschaffung oder Reduktion der Branntwein-Liebesgabe, die alljährlich den vaterländischen Schnaps- brennern ungefähr 45 Millionen Mark zur Stärkung ihrer sogenannten Kapitalskraft in den Schoß wirft, das Fehlende ergänzen. Doch so weit reicht die Begeisterung der deutschen nach Bildung und Besitz maßgebenden Klassen für Vaterland, Thron und Altar nicht, daß sie sich zzi entschließen vermöchten, diesem größere Steuer- opfer zu bringen. Die Junker sträuben sich bekanntlich im Gegen- teil mit aller ihnen zu Gebote stehenden Sophistik gegen den Vorschlag des Zentrums, die Erbschaftssteuer auch auf Aszendenten und Deszendenten auszudehnen, wenn der Wert der dem einzelnen Erben zufallenden Erbschaft über 199 999 M. beträgt. Notwendig braucht aber der Reichssäckel Geld— oder aber die Regierung muß auf die Durchführung ihrer Flotten- und HeereS- Vermehrungspläne teilweise verzichten und die einzelnen Bundes- staaten zur Zahlung erhöhter Matrikularbeiträge nötigen. Dazu ver- fpüren die Edelsten und Besten der Nation jedoch ebensowenig Nei- gung in ihrer patriotischen Brust, und so sind denn die Junker bei ihrer Suche nach einem Ausweg auf einige andere Steuervorschläge verfallen, welche die„Deutsche Tageszeitung" niitteilt und die „Kreuz-Zeitung" befriedigt akzeptiert. Zunächst meint sie, müsse die Börsensteuer erhöht, außerdem eine Reichs-Wehrstcuer erhoben und ferner ein Ausfuhrzoll auf Kali und Kohlen eingeführt werden. Mit einem gewissen llmgestüm fordert sie die Regierung auf. ungesäumt dem Reichstage die entsprechenden Vorlagen zu unterbreiten. „Gegen die genannten Ausfuhrzölle", meint das Blatt,„sind nirgends beachtenswerte Bedenken erhoben worden. Warum zaudert die Regierung? Will sie abwarten, wie der Hase in der Steuer- kommiffion läuft? Dam, bringt sie die Finanzreform kaum während der laufenden Tagung unter Dach. Will sie wirklich zweckmäßig handeln, dann muß sie die Vorlagen so beschleunigen, daß sie gegebenenfalls noch während der Beratung der Steuer- vorlagen in die Kommission gelangen. Das gleiche gilt von der Wehrsteuer. Die Bedenken. die hier und da auch von uns früher gehegt wurden, sind geschwunden oder abgeschwächt worden; die Regierung selbst ist nicht Gegnerin der Steuer. sondern möchte nur die Initiation des Reichstages abwarten. Wozu das? Sie sieht heute schon, daß ihr Steuerwunsch un- heimlich und grausam zerpflückt wird. Sorge sie sofort für besseren Ersatz!" Die Herren sind gescheidter, als sie aussehen. Sie möchten nicht nur die zur Durchführung ihrer Politik erforderliche stärkere Steuer- belastung von sich abwälzen, sondern nebenbei aus den neuen Steuern noch einen Extravorteil ziehen. Die Erhebung eines Ausfuhrzolls auf Kohlen und Kali würde zwar die Ausfuhr und zugleich die Produktion einschränken, sie würde ferner das Ausland dazu anteiben, selbst nach Kali zu bohren und die deutsche Kali- industrie vom Weltmarkt zu verdrängen; aber derartige Folgen be- kümmern den idealen Sinn der Kämpfer für König, Vaterland und hohe Profite nicht. Die Beschränkung der Kali-Ausfuhr würde vor- aussichtlich eine Ermäßigung der Inlandspreise dieses Düngungs- mittels zur Folge haben— darauf zielen diese Vorschläge ab. Ein feiner Plan!— Ocutrched Reich. Die Schweiger i Die sozialdemokratische Wahlrechtspetition wird von der libc- ralen und ultramontanen Presse entweder nur flüchtig erwähnt oder gar vollständig mit Schweigen übergangen. Diese Totschivcigctaktik ivird den Herren freilich jwenig helfen: die sozialdemokratisch« Agitation wird die beiden Parteien bald genug zwingen, sich mit ihren proletarischen Wählern auseinanderzusetzen I- Der Scherz, die Petttion des Parteivorstandes ihrer Form wegen für ungeeignet zur Erörterung im Plenum zu erklären, wie das heute im Abgeordneten- hause in Borschlag gebracht wurde, mag für die Junker gut genug sein, aber er befreit Freisinn und Zentrum nicht aus ihren Nöten. Der Freisinn hat sich ja heute im Abgeordnetenhause sogar von dein Mini st er des Innern, Herrn v. B e t h m a n n- H o l l w e g, den bitteren Spott gefallen lassen müssen, daß bis jetzt der Freisinn selbst keinerlei Verlangen nach einer wirklichen Reform des Dreiklassenwahlrechts knndgegeben habe. Er wird das Ver- säumte mit doppelter Energie nachholen müssen. Das Mundspitzen hilft nicht mehr, jetzt muß gepfiffen werden. Auch das Zentrum sollte sich ja nicht einbilden, sich mit ein paar Redensarten aus der Klemme ziehen zu können. Die Zentrumspresse ist sich jetzt ja in der Verurteilung des Dre�llassenwahlunrechts einig. So schreibt die„Köln. V o l ks z t g.": „Soll das ungerechte Dreiklassenwahlrecht durch ein bessere? Wahlrecht ersetzt werden, so kann diese Reform nicht von der Sozialdemokratie, sondern nur von ihren Gegnern durchgesetzt werden; diese freilich sollten die sozialdemo- kratischen Drohungen auch nicht zum V o r w a n d nehmen, um mit einem„Nun erst recht nicht jede Reform zu verweigern. Die Zentrumspartei wird jedenfalls weder von reaktionären noch von revolutionären Scharfmachern sich beeinflussen lassen und unbeirrt an ihrer Forderung festhalten, daß das preußische Landtagswahlrecht endlich einmal nach dem Grundsatze der sozialen Gerechtigkeit umgestaltet werde. Nur so kann v e r b i t t e r n d e n Kä m p fe n v o r g b e u g t werden." Das„unbeirrte Festhalten" an der Forderung der Beseitigung des Dreiklassenwahlrechts ist im Munde des Zentrums eine um so leichtfertigere Redensart, als ja bekanntlich das Zentrum seit 1874 niemals eine solche Forderung erhoben hat! Nicht„Festhalten" darf das Zentrum an seinem bisherigen Standpunkt, fondern es muß die Forderung der Wahlrechtsreform überhaupt erst erheben und energisch verfechten! Seine demagogischen Ausflüchte werden der sozialdemokratischen Volksaufrüttelung gegenüber schmählich ver- sagen!—_ Herr Mugdan. Der Flügelschlag seiner nach Ruhm dürstenden edlen Seele hat Herrn Mugdan immer mehr nach rechts getragen. Seine Rede am Sonnabend hätte ebenso gut auch Herr Liebermann von Sonnenberg, Herr v. Kardorff, der Laurahütten-Gründer, oder die feinste Blüte des Reichstages, Herr Ludwig Graf zu Reventlow halten können. Tatsächlich wird dem Freisinnskämpfer Mugdan denn auch von der Rechten das höchste Lob gezollt. Besonders fühlt sich die„Deutsche Tageszeitung", das Organ der Landbündler, zur Bewunderung des hehren Interpreten der Freisinnsdoktrin bewogen. „So schneidig hat sich wohl noch kein„freisinniger" Mann gegen die Sozialdemokratie ausgesprochen wie gestern Herr Mug- dan. Das wollen wir indessen noch so hingehen lassen. Daß aber ein Freisinniger die Maßnahmen der preußischen Regierung am „roten Sonntage" zur Verhinderung von Straßenunruhen unum- wunden billigte, das dürfte dem Redner den Hals brechen. Herr Pachnicke, der zarte, wurde leichenblaß. Seine Lippen bebten: „Frau Nachbarin, Euer Fläschchen!" Aber auch sonst enthielt die Mugdansche Rede manches, was ihr bleibenden Wert schaffen wird." Weniger entzückt fühlt sich die liberale Presse. Sie geht meist mit einigen das Gefühl der Unbehaglichkeit nur schlecht verdeckenden allgemeinen Redensarten über die Mugdansche Leistung hinweg— selbstverständlich mit Ausnahmen, unter denen sich natürlich' die „Freie Deutsche Presse" und die„Vossische Zeitung" befinden. Das Blatt des Herrn Müller-Sagan schreibt beispielsweise: „Redner charakterisierte schon hier das Gebaren der Sozial- demokraten, insbesondere eines Stadthagen, gegenüber politischen Gegnern. Der besondere Haß, mit dem die um Bebel und Stadt- Hägen den Abg. Dr. Mugdan verfolgen, äußerte sich auch heute wieder in allerhand Zwischenrufen. Nachdem Dr. Mugdan dann noch den Handwerkerfragen sich zugewandt und die bekannten Rezepte aus der Apotheke der„Mittelstands- freunde" in ihrer Wertlosigkeit beleuchtet hatte, ging er im letzten Abschnitt seiner Rede über zu einer scharfen Kritik des Treibens der Sozialdemokratie auf rein politischem Gebiet. Er zeigte unter lebhaftem Beifall des Hauses, wie die Gewerkschaften politisch für Zwecke der Sozialdemokratie ausgenutzt werden sollen, und wie neuerdings sozialdemokratischerseitö mit dem Feuer der Revolution unter Verherrlichung der russischen Revolution gespielt wird. Kraftstellen aus dem„Vorwärts" und der„Leipziger Volkszeittmg" dienten zur Illustration, und die Hiebe fielen hageldicht nieder auf die„Genossen", die da behaupten, die Arbeiterfreundlichkeit gepachtet zu haben." Weniger günstig kommt Herr Mugdan bei dem Hamburger FreisinnSorgan, dem„Hamb. Korrefp." weg. Dies Blatt schreibt: „Den Clou der heutigen Sitzung bildet die Rede des Herrn Dr. Mugdan. Dieser Parlamentarier ist immer interessant, weil er, w i e w i r u n s h e u t e e r st Iv i e d e r i m„ k l e i n e n Kürschner" vergewissert haben, der Freisinnigen Volks Partei angehört und dabei redet wie ein Freund des Herrn v. Kardorff. Von seiner zweiundeinhalbstündigen Ansprache war der weitaus größte Teil der oratorifchcn Ver- nichtung der Sozialdemokratie gewidmet. Wir wissen nicht, ob die bösen Leute recht haben, die dem Abgeordneten für Görlitz den Wunsch nachsagen, dem V a t e r l a n d e in einem Ministerium zu dienen,— ist eS der Fall, so sollte sich Fürst Bnlow diese Kraft nicht ent- gehen lassen. Sie würde ihm mit seiner Rhetorik und noch mehr mit seiner wohlgeordneten Sammlung sozial- demokratischer P r e ß st i m m e n in den Redeschlachten gegen Bebel und Genossen sehr wertvolle llnterstützung leisten können: Allerdings etwas mehr Geist wird Herr Mugdan doch noch prästieren müssen, denn so naiv wie er spekuliert man auch vom Regierungstische aus nicht auf die Lach muskeln der Rechten. Und wenn schon einmal die Gelegenheit vorhanden ist, dann muß sie auch gründlich ausgenutzt werden, denkt Herr Mugdan. Und er kritisiert, wozu eigentlich recht wenig Anlaß vorhanden ist. die russische Revolution und die Stellung, die die Sozialdemokratie zu dieser Bewegung eingenommen hat. DaS hängt nur lose zusammen mit dem Ressort des Grafen Posadowsky, aber es könnte doch nach mancher Richtung hin empsehlcn, ebenso wie eS gut ansteht, die nach- haltige Wirkung einer er st im späteren Mannes- alter vorgenommenen Taufe durch Beschwerden über die Entheiligung weihnachtlicher Gefühle durch die sozialdemokratische Presse zu beweisen." Hoffentlich entdeckt Herr Mugdan, so schwer auch heute schon die Unterscheidung zwischen beiden Fraktionen sein mag, daß er nicht zur Freisinnigen Volkspartei, sondern zu denen um Kardorff gehört. Er hat entschieden seinen Beruf bisher vcrfeblt; seine Talente weisen nach anderer Nichtung. Wie sagt doch Hebbel: Immer schien mir die Schlange der giftigste Wurm, doch noch schlimmer Ist der Kammer-Lakai, der die Karriere verfehlt.— Neuer Wahlrcchtsreformschwindel. Einen neuen Trick bringen die sächsischen Wahlrechtsräuber zur Anwendung, um die Wahlrechtsreform noch länger zu verschleppen. Nach einer vertraulichen Besprechung in der Zweiten Kanimcr des Landtages haben sie eine Deputation(Kommission) zur Beratung der vorliegenden Vorschläge anonymer Staatsretter niedergesetzt, in der alle Parteien vertreten sind. Ganz gegen ihre bisherige usnrpatorische Gewohnheit haben sie den einzigen sozialdemokratischen Abgeordneten G o l d st e i n in die Deputation gewählt. Das ist die Pointe des Streiches, die den faulen Zauber dieser Ver- schleppnngstaltik decken soll. Die Wahlentrechtler wissen es ja doch, daß Goldstein nur für das allgemeine gleiche direkte und geheime Wahlrecht in der Deputation plädieren und die Beratung von einem Dutzend realtionar-benMter WMrechtsborschläge für Zeit- Verschwendung erklären wird. Wozu plötzlich die Schwenkung, nachdem jahrzehntelang die sozialdemokratischen Abgeordneten von allen Deputationen ausgeschlossen worden sind? Die Arbeiterschaft be- trachtet sie nur als eine Verlegcnheitskonzession, die mit der Neben- absicht gemacht wurde, die Wahlrechtsbewegung zu stauen. Aber es kommt auf den Koni der Sache an. Die Konservativen haben im Landtag die Zweidrittelniehrhcit. Auf sie und nur auf sie kommt es an, ob, wie und wann eine Wahlrechtsreform zu stände kommt; sie werden jedoch nur im äußersten Notfalle und auch nur gezwungen auf eine Aenderung des Wahl- rechts eingehen, deshalb suchen sie mit allen Mitteln die Aenderung zu verschleppen. Wollten sie selbst jetzt ernstlich eine Aenderung, so müßten sie sich längst klar sein über das Wesen und den Umfang derselben, andernfalls wären sie geistig ja noch rückständiger als sie allgemein eingeschätzt werden. Denn um der schillernden Augen der Nationalliberalen willen sind sie nicht auf diese Deputationsmachen- schaft verfallen, obwohl sie damit die alte Methode verfolgen, die Nationalliberalen wieder für einen reaktionären Wechselbalg mit zu engagieren. Das konnten sie jedoch jederzeit ohne Deputations- komödie schon viel früher haben, denn die nationalliberale Wahl- rechtsräuberei ist von der konservativen nicht zu unterscheiden. Daß eine weitere Verschleppung beabsichtigt ist, geht auch ans der einfältigen Ankündigung hervor, es sei eine außerordentliche LandtagSsession für die Wahlrechtsänderung in Aussicht genommen. Das glaubt kein Mensch, denn das würde eine Extra- kampagne gegen die Wahlrechtsräuber hervorrufen. Und um dem neuen Minister Grafen Hohenthal recht bald ein parlamentarisches Debüt zu ermöglichen, beruft man auch keine Extrasession des Land- tages ein. Mit solchen Wippchen versucht man das betrogene und entrechtete Volk hinzuhalten, ein neuer Beweis, wie boden- los niedrig die herrschende Sippe denkt, die Staat und Volk ausbeutet und unterdrückt. Daß die Deputations- komödie den Minister Metzsch nicht davon entbindet, dem Landtage schleunigst eine Wahlrechtsreformvorlage zu unter- breiten, ist klar. Aber eS entspräche ganz dem Charakterbilde dieses Ministers, wenn er abginge, ohne diese Zusage eingelöst zu haben. Das Volk durchschaut auch den neuesten Wahlrechtsreformschwindel und wird ihn dem Konto der Wahlrechtsränber mit in Anrechnung bringen.—_ Die bayerische Wahlreform endgültig gesichert. München, den 5. Februar 1906.(Privatdepesche des „Vorwärts".) In der Plenarsitzung der Kammer der Reichs- röte vom 5. kam endlich die Wahlrechtsvorlage zur BeHand- lung. Die Generaldebatte eröffnete Prinz Ludwig, der im großen und ganzen seine bereits bekannten Ausführungen im Ausschuß wiederholte und den Reichsräten dringend einp- fahl, mit Rücksicht auf die kolossale Mehrheit, die sich bei den letzten Wahlen für die Wahlrcform ergeben habe, dem Bei- spiel der Abgeordnetenkammer zu folgen und der Vorlage einstimmig z u z u st i m m c n. Alle Wünsche in bczug auf Abänderung von Einzelheiten müsse mau jetzt zurückstellen vor der großen Frage, ob es gelingen werde, endlich ein Ge- fetz zustande zu bringen, das Ruhe im Lande schaffe. Es handele sich nicht darum, ein Gesetz für ewige Zeiten zu schaffen, sondern nur um das, was jetzt inöglich fei. Rcichsrat Freiherr von Würtzburg verbreitete sich über die Vorzüge einer berufs ständischen Vertretung, die er für die ideale Volksvertretung halte, erklärte sich aber berert, der Vorlage ebenfalls seine Zustimmung zu geben. Der liberale Reichs- rat v o n A u c r nahm seinen im Ausschuß schon abgelehnten Antrag wieder auf. Der Artikel 14 sei so zu fassen, daß im ersten Wahlgange statt der relativen die absolute Mehrheit und im zweiten Wahlgange die r e l a- t i v e Mehrheit entscheiden solle. Gegen diesen Antrag wandte sich entschieden der Minister des Innern, Graf von Feilitzsch, der geltend machte, daß dadurch das Zustandekommen des ganzen Ge- fetzes wiederum verhindert werden könne. Er betonte im übrigen, die Regierung lege ein Gewicht auf die Annahme dieser Vorlage, denn die Wahlrechtsfrage»verde nicht zur Ruhe kommen, aber es sei sehr zweifelhaft, ob man in Zu- k u n f t die K a u t e l e n erreichen werde, die jetzt im Gesetz enthalten seien, namentlich die Hinaufriickung des iv ahlfähigen Alters auf 25 Jahre, die ein- jährige Angehörigkcit und die Steuer- l e i st u n g. Der vorliegende Entwurf sei von k o n s e r- v a t i v e n Grundsätzen getragen. Es sei besser, die Wahlreform jetzt zu gewähren, als sie später sich ab-' zwingen zu lassen. In der weiteren Debatte wurde von mehreren Reichsräten noch behauptet, die Bedeutung der Wahlrcchtsfrage sei künstlich aufgebauscht worden. Der Reichsrat Freiherr von F e r d I i n g c n erklärte, die Vor- läge werde vielfach falsch gedeutet, man scheine doch anzu- nehmen, daß die Reform eine demokratische Tendenz zeige, während sie in Wirklichkeit von einer k o n s e r- vativen Tendenz getragen sei. Die Bewirtung der Entscheidung durch die relative Majorität im ersten Wahl- gange sei notwendig, um das Abschließen unmorali- scher Wahlbündnisse zu vermelden, wie man dies bei den letzten bayerischen Landtagswahlen und bei den badischen Wahlen gesehen habe. Die absolute Majorität fei nur für die Sozialdemokratie von Vorteil, die bei den Stichwahlen das Zünglein an der Wage bilde und dadurch größere Bedeutung gewinne, als ihr mit Rücksicht auf die Vorgänge in anderen Ländern gebühre. Es wäre nicht richtig, wenn man jetzt das Gesetz zu Fall bringe und die Frage der Wahlreform wieder in die Agitation werfe. In der Spezialberatung wurde dann der Antrag Auer mit großer Majorität abgelehnt, und schließlich kam die ganze Vorlage einstimmig zur Annahme. Damit ist die Wahlreform in Bayern endgültig gesichert. Noch eine Ausweisung ist aus dem rheinisch-westfälischcu Jndustrierevier zu melde». Ein österreichischer Genosse in Essenberg wurde vom Amtsgericht in Mörs wegen Nugblattverbreitung zu 5 Mark Geldstrafe verurteilt. Dann wurde er zur Polizei vor- geladen, wo ihm die Ausweisung mitgeteilt wurde. Er habe sich lästig gemacht, andere Gründe brauche man ihm nicht anzugeben. ivurde ihm gesagt. Es liegt System in der Sache. Alle Ausländer, die sich irgendwie in Partei und Gewerkschaft beteiligt habe», „erfreuen" sich einer scharfen Beobachtung durch die Polizei. Mögen sie auch noch so ruhige Leute sein, sie werden ausgewiesen. Weitere 757 Mann für Südwestasrika! Hamburg, S. Februar. Hier sind 57 Ofsizere und höhere Militärbeamte sowie 700 Unteroffiziere und Mannschaften mit 800 Pferden eingetroffen, die auf den Postdanrpferi!„Gertrud Woer- mann" und„Lulu Bohlen" nach Deutschsüdwestafrika eingeschifft werden sollen. Die Verabschiedung des Transportes erfolgt heute nach- mittag 4 Uhr durch den Brigadekommandeur Generalmajor von der Groeven. Die Abfahrt findet heute nacht um 12 Uhr statt Das„Verl. Tagebl." berechnet die Kosten des südwestafrikanischen Krieges bereits auf 350 Millionen Marl! Dabei bringt es dies„freisinnige" Blatt fertig, das General- stabswerk über diesen unsinnigen Kolonialkrieg zur Verbreitung in den Volksschulen zu empfehlen!— HiielancL Frankreich. Die Fromme»? Der Untersuchungsrichter hat am Sonnabend in Paris verschiedene Mitglieder des KleruS, welche an den Exzessen bei der Inventaraufnahme beteiligt waren, verhört. Zeugen bestätigten, daß mehrere der angeschuldigten Priester nicht nur den Widerstand organisiert, sondern auch selber Tätlichkeiten gegen die Vertreter der Behörden begangen hätten. Finnland. Ein Borbild! Die aus Helsingfors eingetroffenen Blätter ent- halten einen Entwurf für die neue finnische Volksvertretung. Da- nach soll der Landtag ans einer Kammer mit wahrscheinlich 200 Mit- gliedern bestehen. Die Mitglieder des Landtages sollen ans drei Jahre gewählt werden. Für die Wahlen sollen außer den im Wahl- gesetz festgelegten Bestimmungen noch folgende Regeln gelten: Wahl- berechtigt sind alle finnischen Bürger, sowohl Männer als auch Frauen, welche über 21 Jahre alt sind. Von der Wahl ausgeschlossen sind diejenigen Personen, die sich nicht im Besitz der bürgerlichen Rechte befinden. Wählbar sind alle Personen mit 2S Jahren, in Ausnahme- fällen mit vollendetem 24. Jahr. Ein Abgeordneter kann nur in dem Wahlkreis gewählt werden, zu dein er gehört. Strenge Maß- nahmen werden gegen Wahlbeeinflussung getroffen. Die Landtags- Mitglieder erhalten 1400 Mark Diäten jährlich. Während der laufen- den Periode gewählte Abgeordnete erhalten, wenn sie mindestens S0 Tage Abgeordnete waren, 5 Mark täglich.— Amerika. Ein Rcformgesctz für den Konsulardieitst in fremden Ländern wurde vom Kongreß angenommen. Es wird damit eine größere Auswahl unter den für den Konsulardienst Besähigten erreicht und diesem Dienste messen die Amerikaner große Wichtigkeit bei.— )Ziis dev Partei. Noch in Untersuchungshaft. Ueber die Beschwerde gegen den die Haftentlassung des Genossen Perner ablehnenden Beschluß deS Landgerichts ist noch nicht entschieden. Bei dieser Gelegenheit teilen wir mit, daß unsere der„Märkischen Volksstimme" entnommene An- gäbe unzutreffend war, daß die Weitergabe der Beschwerde vom Amtsgericht an das Landgericht der Strafprozeßordnung zuwider nicht innerhalb drei Tagen erfolgt sei. Genosse Cramer sendet uns folgende Zuschrift: „D a r m st a d t, den 4. Februar 1300. An der Tatsache, daß ich im Austrag des Vereins„Garten- vorstadt-Vereinigung am hohle» Weg" beim Großherzog war, ist selbstredend nichts zu ändern. Und dieses Schreiben soll auch nicht bestimmt sein, an dem bereits seitens des„Vorwärts" und einer Anzahl anderer Parteiblätter erfolgtem Urteil und wegen des in den nächsten Tagen erfolgenden Strafvollzugs irgend um Milderung nachzusuchen. Nur will ich an dem von Ihnen angezogenen Artikei des„Offenbacher Abendblatt" einiges richtig stellen. Außer dem„Offenbacher Abendblatt" hatte ich auch der„Frank- furtcr Volksstimme" in ziemlich demscll'en Wortlaut geschrieben. Letztere kam nach meinem Schreiben zu ganz anderen Schluß- folgerungen als das„Abendblatt". Es ist möglich, daß diese inein Schreiben mit dem ihr übersandten Manuskript eines diesbezüglichen Vortrages von Prof. Olbrich, den sie sicher nicht verstanden, zu- sammengemengt und so die Farben von Ruß und Blut erfunden, die das gräßliche Zerrbild, welches meine Hinrichtung darstellt, benötigte. Die Begegnung des„roten Ulrich" mit dem Großherzog ist bei dem Blatt eine Tat, die den ungeteilten Beifall der Genossen für sich hatte, dagegen die Entrüstung der Scharfmacher hervorrief. Der Gang Cramcrs zum Großherzog, der einen ganz bestimmten Auftrag seitens einer Anzahl Leute und eine eng begrenzte private und kommunale Sache umfaßte, die jeden Argwohn, als könne hier etwas zum Nachteil der Partei geschehen, ausschließt, ist die frevelhafteste Tat, deren sich ein Sozialdemokrat schuldig machen konnte. Und doch ist die Wirkung beider Handlungen so eng verwandt wie ein siamesisches Zwillingspaar. Keiner von unS hatte die persönliche Eitelkeit, mit dem Großherzog engere Bekanntschaft zu machen. Ulrich konnte die Einladung des Großherzogs, ich den Auftrag meiner Mitglieder ab- lehnen; beides wäre aber in den Augen dritter Personen lächerlich erschienen. Woher hat denn das„Offcnbacher Abendblatt" die Ent- dcckung, daß Prof. Olbrich mit ferner Idee so lange fabuliert hat, bis er die kleinen Besitzer damit angesteckt hatte? Wahrheit ist, daß diese Idee nahezu ein halbes Jahr Geheimnis der Mit- glieder lvar, bis Herr Olbrich als Sachverständiger zugezogen wurde. Tatsache ist, daß, wenn wir uns mit unserem Gartenvorstadt- Projekt nicht geregt hätten, demnächst in einem anderen, weniger günstigen Gebiet Darmstadts ein Bauquartrer nach altem Muster eröffnet und die Mittel der Stadt dort festgelegt worden wären. Daß wir mit unserem Projekt das Richtige getroffen, beweist die Aufregung der Hausbesitzer Darmstadts. Was soll aber nun da- mit gesagt sein, daß wir den Grotzherzog um Ein» schränk ung eines Stückes Selbstverwaltungs- recht der Gemeinde ersucht hätte»? Die Redaktion des„O. A.-B." sollte doch schonjo viel in Hessen gelernt haben, daß sie wissen müßte, daß eS Selb st Verwaltung der Gemeinden in Hessen so gut wie gar nicht gibt. Jede Anlegung oder Veränderung eines Bauquartiers, jedes neue Ortsstatut, jede Abweichung von der Allgemeinen Bauordnung und der Ortsbau- statute bedarf der endgültigen Genehmigung des Ministeriums und es ist nicht selten, daß Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Verwaltungen entstehen, wobei die Meinung des Großherzogs selten unberücksichtigt bleibt. Unsere Bauverwaltung bewegt sich meist in alten rückständigen Bahnen, wogegen der Großherzog fortschrittlichen Ideen huldigt. Und auf Fortschritt darf unser Gartenswdtprojckt sicher Anspruch erheben. Und dafür die Mitwirkung des Groß- Herzogs angerufen zu haben ist ein Verbrechen? Dann setzt den Scheiterhaufen zurccht. Ich bin mit meinem Gewissen darüber im Reinen. Was soll aber ein Appell an die Masse des werk- tätigen Volles in dieser Sache jetzt schon für einen Zweck haben? Das würde ich mir gefallen lassen, wenn das Projekt durch alle Instanzen abgelehnt ist. Ueber die Frage eines selbständigen kompromißfreien Vorgehens bei den nächsten Stadtverordnetenwahlen kann sich das „Offenbacher Abendblatt" beruhigen. Ein Kompromiß bei den nächsten Stadtverordnetenwahlen ist in Darmstadt vollständig aus- geschlossen. Ob die Partei dabei gut fahren wird, muß man ab- warten. Nun wäre ich im wichtigsten mit dem„Offenbacher Abendblatt" fertig, nur eine noble Tat muß ich ihm noch anmerken. Das rasche und harte Urteil, welches der„Vorwärts" in seiner letzten Nummer über mich gefällt hat, konnte nicht rasch genug im „Abendblatt" zum Abdruck kommen. Mit großen und fetten Buch- staben ist es den Genossen in Hessen bekannt gegeben worden. Das genügte aber noch nicht. Es mußte noch ein weiteres Scheit Holz auf den Stoß gelegt werden, indem dem schon vom„Vorwärts" an- gezogenen Beschluß der Reichstagssraktion die Teilnahme am Bureau des Reichstags betreffend die Tatsache zugefügt wird, daß ich auch nochdeu Besch lußderLa-rdtagsfraktion ignoriert hätte. Also:„Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie andere Leute, oder auch wie dieser Zöllner." Ich kann das„Offenbacher Abendblatt" beruhigen auch wegen der Aufforderung, daß jetzt die WahlkreiZörganisatiizn sprechen müsse, denn Ich habe mich bereits bei meinem ordentlichen Richter gemeldet. Balth. Cramer" Die Zuschrift wendet sich, wie unsere Leser sehen, in der Haupt-- fache gegen das„Offenbacher Abendblatt". Wir hätten den Genossen Cramer gebeten, sie diese m zu übersenden, wenn wir unser: Offcnbacher Parteiorgan nicht größtenteils als Quelle benutzt hatten. Die Notiz in der„Franksurtcr Volksstimme", die wir uberjehew. hatten, stellt sich kritisch allerdings auf einen andere» Standpunkt als wir und die Mehrzahl der Parteiblätter; ihr Taftachenmaterial entspricht durchaus dem, was unseren Lesern schon bekannt rst. Das„Offenbacher Abendblatt" sagt noch weiter, nachdem es unsere Kritik mitgeteilt hat: „Es ist noch ein anderer erschwerender Umstand nachzutragen. Cramer gehörte bis vor kurzein der sozialdemokratischen Fraktioir des Landtags an. Im neuen Landtag, dessen Mitglied Cramer freilich nicht mehr ist, Ivurde derselben Fraktion die bisher voir ihr innegehabte Vertretung im Kammerpräsidlum wider allen parlamentarischen Brauch verweigert, einzig deswegen, weil che, Kandidat Genosse Ulrich ablehnte, zu Hofe zu gehen. Crem, er hat sich daran nicht gestoßen— allerdings hat er als „Privatmann" so gehandelt. i, Als wir unseren Artikel schrieben, auf den sich anscheinend der„Vorwärts" stützt, drückten wir uns weniger scharf aus, wie es die Sache gebot: wir berücksichtigten nämlich immer noch, daß irgeitd ein Umstand uns entgangen sei, der mildernd wirke. Aber es kam keine Berichtigung. Und also muß alles wirklich sich so verhalten, wie wir es schilderten. Nun soll die Part ej- organisation des Wahlkreis e s Stellung nehmen. Nun noch ein paar Worte, welche uns die Zuschrift C r a m e r s au uns auszusprechen nötigt: Genosse Cramer erblickt darin für sein Vorgehen einen„mil- dernden Umstand", „daß es eine Selbstverwaltung der Gemeinde in Hessen so gut wie gar nicht gibt. Jede Anlegung oder Veränderung eines Bau» quartiers, jedes neue Ortsstatut, jede Abweichung von der all- gemeinen Bauordnung und der Ortsbaustatute bedarf der end» gültigen Genehmigung des Ministeriums...." Leider ist dieser Zustand kein spezifisch hessischer, sondern typisch für fast ganz Deutschland. Diese Beschränkung der Selbst- Verwaltung wird von allen unseren Genossen bedauert, die irgendtvo in der Gemeindeverwaltung tätig sind. Kann denn Cramer aber gar nicht einsehen, daß er mit seinem Gang zum Großhcrzog die Berechtigung dieses Systems anerkannte? Daß er ein Prinzip stützen half, das die Parteigenossen überall zu bekämpfen genötigt sind? Die Befreiung der Arbeiterklasse wird nur das Werk der Arbeiter selbst sein und die Beseitigung von öffentlichen Mißständen das Werk des aufgeklärten Volkes. Gegen das Geldsackprotzentnm der Bourgeoisie ruft die Sozialdemokratie nicht die Macht der Souveräne an, sondern sie weckt durch Schilderung der Mißwirtschast den Unmut der Massen. Entweder ist auch in Hessen die Sozialdemokratie ein not- wendiges Produkt der ökonomische» EntWickelung und der einzige Hebel, dem Proletariat die Türe zur politischen und ökonomischeil Freiheit zu öffnen— dann bedarf man des Grotzherzogs nicht. Oder aber in Hessen regelt der Großherzog alles zum Besten— dann braucht es keine Sozialdemokratie> Dann, Genosse Cramer, müßten wir ehrlicherweise abdanken und uns und dem ganzen Volke die Opfer und Lasten ersparen, die der Kampf zwischen deni andrängenden Neuen und dein sich verteidigendeu Althergebrachten naturnotwendig der Menschheit bringen muß. Wir sind aber überzeugt, daß dieser Kampf notwendig ist, weil dem Proletariat weder die politische noch die ökonomische Freiheit ohne Zutun als reife Frucht in den Schoß fallen tverdcn. Soziales. Die Entsetzung deS Borstandes der Remscheider Ortskrankenkasse und die Amtsenthebung des Kassengehiilfen Koch durch den Ober- bürgermeister ist ein Unikum unberechtigten Eingriffs in die Selbst- Verwaltung der Krankenkassen. Nach 8 45 des Kraiikenversichcrniigs- gesetzes überwacht die Aufsichtsbehörde die Befolgung der gesetzlichen und statutarischen Vorschriften und kann dieselbe durch Androhung, Festsetznng und Vollstreckung von Ordnungsstrafen gegen die Mitglieder des Kassenvorstandes erzwingen. Ferner besagt der achte Abschnitt des Kr.-V.-G.: So lange der Vorstand oder eine Gcneralversamm- lung nicht zustande kommt oder die Organe der Kasse die E r f ü l l u n g ihrer gesetzlichen oder statutenmäßigen Obliegen- heilen verweigern, kann die Aufsichtsbehörde die Befuguisse und Ob- liegenheiten der Kassenorgane selbst oder durch von ihr zu bestellende Vertreter auf Koste» der'Kasse wahrnehmen. Die Verfügung des Oberbürgermeisters, durch welche der Ober- bürgermeister von diesem Recht Gebrauch macht, ist sehr lang. Sie lautet: „Aus Anlaß des Ausscheidens der bei der Allgemeinen Orts- Kraitkcnkasse bis zum 30. September vorigen Jahres fest angestellt gewesenen Kassenärzte sind folgende, eine gesetzwidrige Geschäfts- sührung und grobe Unzuverlässigkeit der die Verwaltung der Kasse beherrschenden Mehrheit des Vorstandes criveisendc Tatsachen er- mittclt worden: 1. lim das die Aerzte in vollkommener Abhängigkeit von der Mehrheit des Kasscnvorstandes haltende System der so- genannten bemnteten Kassenärzte aufrecht zu erhalten und nach außen hin gerechtfertigt erscheinen zu lassen, hatte der Vorstand eine das Wohl der Kassenmitglieder hintansetzende Berbilligung der ärztlichen Versorgung dadurch zu erstreben gesucht, daß er möglichst lvenig Aerzte anstellte und diese durch Handhabung der Lmidmannschen Rezeptrevision zur Verschreibung möglichst billiger Heilmittel fortgesetzt drängte. Eine große Anzahl von Kassenmitgliedern hat sich deshalb namentlich wegen ungenügender ärztlicher Versorgung gezwungen gesehen, die hier frei praktizierenden Aerzte auf besondere eigene Kosten zu konsultieren und sich von diesen behandeln zu lassen- Dadurch ist das vielgerühmte System der beamteten Aerzte ciner großen Anzahl von Kassenmitglicdern sehr teuer zu stehen ge» kommen. 2. Um die unzureichende ärztliche Versorgung der Kassen- Mitglieder und die Ueberlastung der Kassenärzte der Aufsichts- behördc gegenüber zu verschleiern, hat der Vorstand, als an ihn am 3. März 1904 die Aufforderung erging, von den Kassenärzten die über ihre Tätigkeit geführten Listen der drei letzten Jahr- gänge einzuziehen und hier einzureickicn. in dem Schreiben vom 5. März 1904 die Angabc gemacht, die Aerzte hätten die Vor- lcgung der Kranken-Journale abgelehnt. Indessen ist festgestellt. daß die Aerzte sich teils einer derartigen Aufforderung des Vor- standes nicht erinnern können, teils haben sie ausdrücklich dem Unterzeichneten gegenüber erklärt, daß sie einer derartigen Auf- forderung des Borstandes Folge geleistet haben würden. 3. Der Anfsichtsbehörde gegenüber war der bei der Kasse angestellt gewesene Heildiener Clemens nur als Heilgehülfe bc- zeichnet worden, während er tatsächlich kranke Mitglieder zur seil ständigen Heilbehandlung überwiesen erhielt, obwohl die Kassen- Mitglieder geniäß§ 6 Nr. 1 des Krankenversicherungs-Gesetzes Anspruch aus ärztliche Behandlung haben. Clemens erhielt in der Hauptsache dafür, daß er einmal in der Wvche hier einen Nachmittag Sprechstunden abhielt, jährlich 3000 M., also für den Sprechnachmittag 00 M., eine Summe, deren Höhe in keinem Verhältnis schon zu der angeblichen Stellung des Clemens als Heilgehülfe stand. 4. Um weiterhin der Aufsichtsbehörde gegenüber die Tätig» keit des Clemens zu verschleiern, und weil das Krankengeld nur auf eine» von einem Arzt ausgestellte» Krankenschein gez»b»t durfte. Deutfches Reich. Die Arbeiter werden darf, hat der Vorstand es nicht gescheut, einen bestimmten, Aber die Verfügung ist aus einen anderen Grunde noch auf- Werkstatttarife und später einen Generaltarif, denn sonst würden die ihm gefügigen Arzt einfach zu kommandieren, die von Clemens fallender: Die Eintragung in die hebelisten lag Lohnerhöhungen illuforisch bleiben. Nach wiederholten Sizungen der bis auf die Unterschrift ausgefüllten Krankenscheine mit seiner überhaupt nicht Koch, sondern einem anderen gemeinsamen Kommission kam es am Freitag zu einer UnterUnterschrift zu versehen, obwohl der betreffende Arzt den Stranken Beamten ob. zeichnung des Vertrages und um alle Mißverständnisse zu vermeiden, gar nicht behandelt hatte, und den Schein nicht unterschreiben Nach alledem charakterisiert sich die Verfügung des freifinnigen wurde folgendes Protokoll aufgenommen.„ Es herrscht unter den Oberbürgermeisters als eine dem Gesez, der Selbstverwaltung und Parteien Einstimmigkeit darüber, daß mit der durchschnittlichen Lohn5. Zum Vorteil des Verwandten eines Vorstandsmitgliedes vor allem dem Interesse der Kassenmitglieder direkt wider erhöhung bis zu 10 Pro3. möglichst ein gleicher Arbeitsverdienst für ist dieser Berivandte auf Kosten der Stasse sowohl über die sprechende. die einzelnen Spezialarbeiten erzielt werden soll, sofern die Betriebsftatutenmäßige Zeit hinaus kassenärztlich behandelt und mit Heilund Arbeitsverhältnisse in den Werkstätten die gleichen sind. In mitteln der Masse versehen worden, als auch noch vom 2. Januar Unberechtigte Suspendierung( Ausschaltung) des Rheydter Kranken- feinem Falle dürfen diese Abmachungen Lohnabzüge zur Folge bis 18. Februar 1905 im hiesigen städtischen Strankenhause untassen Vorstandes durch die Aufsichtsbehörde. haben. Die anwesenden Arbeitgeber erklären für den Verband der rechtmäßig auf Kosten der Stasse behandelt und verpflegt worden. Ein interessanter Krankenkassenstreit fand durch ein für Berliner Stodfabrikanten, daß die Aufstellung der Tarife in gemeinWegen diefer rechtswidrigen Verwendung von Kaffengeldern Krankenkassen sehr wichtiges Urteil des preußischen Oberver- famer Beratung mit den Arbeitnehmern bis zum 5. Februar zum Nuzen des Verwandten eines Vorstandsmitgliedes ist die waltungsgerichts seine Erledigung. Beschlüsse des Vorstandes der beendet sein würden. Alle bis zum 5. Februar abends nicht erEinleitung des Strafverfahrens wegen Untreue in Gemäßheit Allgemeinen Ortstrankenkasse I zu Rheydt vom 7. Dezember und ledigten Differenzen sollen sofort der Schlichtungskommission zur des§ 42 des Krankenversicherungs- Gesezes, unabhängig von der 23. Dezember 1904, welche die Anstellung eines neuen Rendanten Beratung und Entscheidung unterbreitet werden.“ inzwischen erforderten und erfolgten Rückerstattung des Betrages an Stelle des ausscheidenden bisherigen, und die Anstellung eines Diese Feststelling war notwendig auch aus dem Grunde, weil an die Staffe, beantragt worden. Waffengehülfen, sowie die Festlegung der Anstellungsbedingungen einige Unternehmer der Ansicht waren, daß da, wo höhere Löhne 6. Obwohl der Vorstand für die pflichtmäßige Verwaltung betrafen, wurden auf Veranlassung des damaligen Vorsitzenden, des gezahlt werden, diese gekürzt werden könnten. Die Kommission erber Staffe haftet, hat es die Mehrheit desselben hiermit für ver- Arbeitgebers Bunge, vom Oberbürgermeister als Aufsichtsbehörde flärte aber, daß die Arbeiter eine Lohnbewegung nicht zu dem Zweck einbar gehalten, die Stellen der Stassenangestellten ohne Rücksicht beanstandet. Der Oberbürgermeister ging davon aus, daß die Be- führen, um sich zu verschlechtern. darauf zu besetzen, ob die betreffenden Persönlichkeiten den ihnen stimmungen des Statuts nicht genügend beachtet seien, z. B. hinsicht- In einer Resolution erklärt die Versammlung ihr Einverständnis obliegenden Arbeiten gewachsen sind oder nicht. Infolgedessen lich der Kaution, der Kündigungsfrist für den Rendanten usw. Am mit dem Vorgehen der Kommission und erwartet von der Schlichtungswerden zum Nachteil der Staffe mehr Stellen geschaffen, als bei 20. Januar 1905 fand dann eine Vorstandssigung statt, an der, da kommission die weitere Durchführung des Vertrages. Die auf zwei der lebertraging derselben an wirklich brauchbare und aus- inzwischen die damals in der Minorität gebliebenen Arbeitgeber im Jahre gewählte Schlichtungskommission besteht aus drei Unternehmern gebildete Arbeitskräfte nötig sind. Daß es fich für die Vorstands- Vorstande ihre Arbeit niedergelegt hatten, nur die sechs Arbeit- und ihren Stellvertretern, drei Arbeitern und ihren Stellvertretern, mehrheit dabei wesentlich nur um Schaffung von Versorgungs- nehmer als allein noch zu Recht bestehender Vorstand teilnahmen. und einem Unparteiischen als Vorsitzenden. Der Magistratsrat stellen für bewährte Mitglieder der sozialdemokratischen Bartei Ergänzungswahlen hatten noch nicht stattfinden können. In dieser Schulz ist ersucht worden, den Vorfiz zu übernehmen. Die Unterhandelt, geht auch aus den mit den Angestellten abgefchloffenen Zusammensetzung beschloß der Vorstand die Aufhebung der be- nehmer wählten Rezlaff, Brüdmann und Noa und als Verträgen hervor, wonach die Anstellung auf unbestimmte Zeit anstandeten Beschlüsse. Weiter beschloß der Vorstand u. a. ein- Stellvertreter Jacobi, Aron und Samuel. erfolgt und die Kündigungsfristen und Möglichkeiten so außer- stimmig die Wahl des Genossen heus gen- Krefeld zum Rens wählten Rüdert, Knoll, Wilsdorf und als Stellvertreter gewöhnlich günstig für die Angestellten festgesezt sind, daß eine banten.( Heusgen war schon im Dezember 1904 dazu gegen die Eichelberger, Glafer, Flugge. Kündigung überhaupt nur schwer erfolgen kann. Stimmen der Arbeitgeber ausersehen gewesen.) Ein Anstellungs- Interessant war der Bericht über den jezt geschlichteten Streif 7. Die Mehrheit des Vorstandes hat es fortgeset trok vertrag, der den Wünschen der Aufsichtsbehörde hinsichtlich Kaution, bei der Firma A. Müller. Dort traten am Mittwoch vor einer mehrfacher Erinnerungen der Aufsichtsbehörde geduldet, daß die Probezeit, Kündigungsfrist entsprach, wurde ausgearbeitet. Auf Woche elf Stodarbeiter in den Ausstand, davon waren sechs Kaffeneinrichtungen auch zu außerhalb der Kasse liegenden Beschluß des Vorstandes wurde Heusgen von dem Vorstandsmitgliede organisiert. Einer der letzteren, ein Russe, erhielt bald darauf Zwecken, namentlich zu sozialdemokratischen Parteizwecken, be- Meher, dem der Vorfiß im Vorstand an Stelle des ausgeschiedenen eine Order von der Polizei, als lästiger Ausländer den nutzt werden und angestellte Beamte für diese in den Dienst- Vorsitzenden Bungs zugefallen war, seine Wahl sogleich schriftlich Staat Preußen innerhalb vier Wochen zu verlassen.. Ob er als stunden umfangreich tätig find oder beurlaubt werden. mitgeteilt. Mitteilung von den Beschlüssen ging an die Aufsichts- Streifer oder politisch lästig war man weiß es nicht. Die 8. Die Folge dieser Auffassung der Mehrheit des Vorstandes behörde. Am felben Tage( 20. Januar) hatte nun der Vorstand Organisation nahm sich sofort seiner an und engagierte Karl Liebvon der ihm anvertrauten Verwaltung der Kasse ist, daß sich bei eine Anordnung des Oberbürgermeisters als Aufsichtsbehörde er- tnecht als Rechtsbeistand, wenn nötig; man wird versuchen, ihm den von der Aufsichtsbehörde vorgenommenen Revisionen der halten, worin der„ Ober" unter Bezugnahme auf die strittige An- außerhalb Preußens Stellung zu verschaffen, damit er nicht gerade Kaffe feit Jahren fortgefeßt eine ganz ungenügende Erledigung stellungsfrage und ihre Begleiterscheinungen, z. B. die Amtsnieder nach Rußland zurückzukehren braucht. Ein Antrag, den Verfolgten der dem Kaffenwefen zugrunde liegenden Dienstgeschäfte erlegung des bisherigen Vorjizenden Bungs aussprach:" Dem Vor- zu unterstügen, fand sofort die einstimmige Annahme der Vergeben hat. stande wird auf Grund des§ 45 Absatz 3 des Krankenversicherungs-| sammlung. gefeßes aufgegeben, bis auf weiteres alle Verhandlungen in der vorbezeichneten Angelegenheit, insonderheit auch alle Beschlüsse, be= Maler und Lackierer. Zuzug ist von Brandenburg a. H. streng vor zur Durchführung derselben Schritte unter fernzuhalten. Niemand darf sich durch einen Arbeitsnachweis für nom men werden, mir zur Einsichtnahme einzureichen."- die Firma Gebr. Reichstein( Fahrradwerke Brennabor") vermitteln Der Oberbürgermeister erklärte dann durch Verfügung vom oder durch einen Agenten dorthin verlocken lassen. 26. Januar, seiner Anordnung vom 20. Januar fei dadurch in einem wesentlichen Punkte zuwider gehandelt worden, daß der Vorsitzende Brünstige Hirsche. Meyer den Bewerber Heusgen von der auf ihn gefallenen Wahl zum Unser Nürnberger Parteiblatt erzählt: Stassierer benachrichtigt habe, denn dadurch habe bereits eine leberVorige Woche war Herr Gleichauf, einer der Berliner Hirschentragung der Klassenführerstelle an Heusgen zum Ausdruck gebracht Häuptlinge, in Nürnberg, um sich beim Gericht eine Blamage zu werden sollen. Es sei damit entgegen der Anordnung vom 20. Ja holen. Diese Gelegenheit benutzte er dazu, die hiesigen Hirsche ein nuar ein Schritt zur Ausführung eines der bezeichneten Beschlüsse wenig aufzuklären". In die Wirtschaft zum Oberbahnamt wurde unternommen worden, bevor der Beschluß der Aufsichtsbehörde ein- eine Versammlung einberufen, die Herr David Käser mit den gereicht gewesen sei. Deshalb feheer, der Oberbürger- Worten eröffnete: Verehrteste Gewerkschaftsgenossen, ich danke meister, fich veranlagt, nach§ 45 Abja 5 des für den zahlreichen Besuch, denn heute ist unser Kollege Gleichauf Krantenversicherungsgefezes die Befugnisse erschienen, der uns nicht allein in der Presse, sondern auch vor und Obliegenheiten des Vorstands bis auf Gericht zu vertreten weiß." Wahrscheinlich wollte Davidchen damit weiteres selbst zu übernehmen. Also Suspendierung auf den Prozeß Müller- Gleichauf anspielen, der eine Hirschdes Vorstands, kommissarische Verwaltung der Kasse. Der Vorstand Dunderſche Räubergeschichte enthüllt hat. Dann nahm Herr Gleichauf focht diese Verfügung durch Klage an. Nachdem er beim Bezirks- das Wort, um über den deutschen Metallarbeiter- Verband und die christausschuß zu Düsseldorf unterlegen war, legte er durch Rechtsanwalt lichen Arbeitervereine sein Urteil zu fällen. Die„ Nachteile" Wolfgang Heine beim Oberverwaltungsgericht dieser beiden Organisationen seien darin zu erblicken, daß die Revision ein, wo ihn Heine auch in der mündlichen Verhandlung politischen Führer Zwistigkeiten unter die Gewerkschaftsführer vertrat. Es wurde u. a. geltend gemacht: Nur so lange die Organe zu bringen suchen; nur seine Gewerkschaft stehe auf neutralem der Kaffe die Erfüllung ihrer gefeßlichen oder statutenmäßigen Ob- Boden, doch meißte auch sie jetzt eine andere Taltit einschlagen, liegenheiten verweigern, fönne die Aufsichtsbehörde die Befugnisse so lange sie aber nicht start genug sei, müsse sie sich einem und Obliegenheiten der Kassenorgane nach§ 45 Abfab 5 selbst oder Standidaten nähern, der durch Unterschrift verspreche, die Hirsch. durch Vertreter auf Kosten der Kasse wahrnehmen. Eine solche Weige- Dunderschen Wünsche in Reichs- und Landtag zu vertreten, rung des Vorstands liege hier nicht vor. Die anstoßerregenden Be- und da könnten nur Abgeordnete der Freisinnigen Volkspartei Und Die Länge der Verfügung steht in einem auffallenden Gegensatz schlüsse habe der Kaffenvorstand selbst wieder aufgehoben. Das Ver- mit allen ihnen Schattierungen" in Betracht kommen. zu dem Mangel jeglicher Substantiierung. Sie wirft dem Vorstand bot in der Anordnung vom 20. Januar, keine Schritte zur Aus- Die Jungliberalen", raunte ihm Davidchen ins Dhr. Konser der Ortskrankenkasse in erster Linie vor, daß er ein anderes Aerzte- führung der betreffenden Beschlüsse zu unternehmen, bevor nicht vative und Nationalliberale tönne man dazu nicht brauchen system für gut erachtet als der Oberbürgermeister: darin fann nie die Beschlüsse der Aufsichtsbehörde zur Einsichtnahme eingereicht und ein Sozialdemokrat würde sich nicht dazu verstehen, aus mals ein zur Amtsenthebung rechtfertigender Grund liegen. Die feien, wäre aber ungefeblich und hätte überhaupt nicht be- Furcht, hinausgeworfen zu werden. Ferner meinte er, der sozialfeinerzeit von der Ortsfrankenkasse gemachten Darlegungen betweisen achtet werden brauchen. Schon deshalb wäre die Ausschaltung des demokratische" Metallarbeiter- Verband sorge für das irdische und die überdies die völlige Saltlosigkeit der Anschauung des Herrn Dber Vorstands unberechtigt und die Verfügung müßte aufgehoben werden, Chriftlichen für das himmlische Wohl, für was die Hirschen bürgermeisters. Die unter Nr. 3 bis 5 aufgestellten Behauptungen, abgesehen von verschiedenen anderen Gründen. sorgen wollen, verriet er jedoch nicht, wahrscheinlich bekümmern fie insbesondere die Kommandierung eines Arztes" flingen unglaublich, Der dritte Senat des Oberverwaltungsgerichts gab am 1. de fich weder um das eine noch um das andere. Am Schluß aber auch wenn diese Behauptungen wahr wären, läge nach§ 45 bruar auch dem Rechtsmittel statt, hob das Urteil des Bezirksaus der Versammlung forderte Herr Gleichauf seine Hirschen auf, noch Abs. 1 Krankenversicherungsgefeß ein Grund zum Einschreiten, aber schusses auf und setzte die Verfügung auf Suspension des Kassenvor- ein Stündchen da zu bleiben, er habe noch etwas für sie in der nach Abs. 5§ 45 Krankenversicherungsgesetz tein Grund zur Ent- standes außer Kraft: Es fomme darauf an, ob eine Verweige- Taiche. Er erzählte den atemlos lauschenden Schäflein eine schöne hebung des Vorstandes vor. Die übrigen in der Verfügung rung der Erfüllung gefeßlicher oder statutenmäßiger Obliegenheiten erbauliche Geschichte. Eine nervöse Frau kam zum Arzt und sagte, hervorgehobenen Anschuldigungen find so allgemein gehalten, daß fie borliege. Der Oberbürgermeister behaupte, das wäre durch die Zu fie habe ein gwanzigmarkstück verschludt. Der Hausarzt fam schon deshalb nicht einmal zum Einschreiten auf Grund des Abs. 1 widerhandlung gegen die Anordnung vom 20. Januar geschehen. aber bald dahinter, daß es nur Einbildung war und gab des§ 45 nach geeignet erscheinen. Zur Anwendbarkeit des Abf. 5 jo frage es sich, ob diese Anordnung geseh- oder statutenmäßig fei. der Frau eine Medizin, die fie nehmen sollte. Dem Dienstdes§ 45 fehlt allen Punkten der abgedruckten Verfügung eine Im ersten Teil, soweit die Einreichung der Verhandlungen und Be- mädchen gab er ein 20- Markstück, das sollte sie in den Nachttopf tun. Verweigerung des Vorstandes, gefeglofe oder statuten- fchlüsse verlangt werde, sei fie zweifellos(§ 43 Abfab 3) gefeß- Dem Mädchen war aber das Goldstück zu schön, fie tat es mäßige Obliegenheiten wahrzunehmen. mäßig. In ihrem zweiten Teil, soweit sie verlange, es sollten teine daher in einzige die Sparbüchse und in den Nachttopf 6 Taler fubftantuirte Behauptung der Verfügung ist, daß die Hebeliſten am Schritte getan werden zur Durchführung der Beschlüsse, bevor sie und ein Zweimartstid. Die Frau erschrat nicht schlecht, als 23. Januar noch nicht die Januar- Ab- und Anmeldungen enthielten. nicht der Aufsichtsbehörde eingereicht seien, wäre sie aber weder fie die Befcheerung bemerfte; beinahe glaubte fie, sie hätte Aber in den meisten Buchführungen wird erst mit Ablauf des entscheidet fennt solche Anordnungen nicht, daß Beschlüsse des verschluckt. Der Arzt beruhigte sie mit den Worten:" Sie find gejet noch statutenmäßig. Das Gesetz und das außer dem Zwanzigmarkstück auch noch einen Geldwechsler Monats die Hebeliste" berichtigt. Die Amtsenthebung wird im Verwaltungsstreitverfahren sicher- Borstandes so lange nicht ausgeführt werden dürften, bis er etpa halt in den Wechseljahren. Die Geschichte gefiel den Hirschen das Bewußtsein bekommen habe, die Aufsichtsbehörde wolle teine fast besser als der Gleichaufsche Vortrag. lich aufgehoben werden. Hervorzuheben wäre, daß im Jahre 1905 Maßregeln dagegen ergreifen, oder bis eine gewisse Frist verstrichen abfchiedete, fagte er, wenn er wieder nach Nürnberg komme, die Regierung eine Revision bornahm; It a ch Es ist mehrtägiger Revision ging ihr Revisionsvotum fei. Da somit dieser zweite Teil der Anordnung nicht gefe- fchreibe er einen scharfen Artikel über„ den Müller". dahin: daß alles in bester Ordnung gefunden und der Verwaltung mäßig fei, so hätte der Vorstand wegen seiner Nichtbeachtung besonders wohlthatend, zu sehen, welch nüglicher Aufklärungseine lobende Anerkennung ausgesprochen wurde. Noch auffallender als überhaupt nicht suspendiert werden können. arbeiten" die Oberbonzen der Hirschen obliegen, im Gegensatz zu die Amtsenthebung des Vorstandes ist folgende an den Staffenden Gewerkschaftsfihrern, die„ nuglos in der Welt herumfahren und gehilfen Stoch gerichtete Verfügung vom 1. Februar: das Geld vertun". Husland. So sind vor allen die wichtigen Eintragungen in die HebeTisten stets längere Zeit rückständig befunden worden und die wieder holten Mahnungen der Aufsichtsbehörde an den Vorstand, die er forderlichen Maßnahmen zu der ihm obliegenden pflichtmäßigen Verwaltung der Kaffenangelegenheiten zu treffen, unbeachtet gelaffen. Auf die direkte auffordernde Verfügung der Aufsichtsbehörde vom 17. Juni v. J., endlich für eine ordentliche Führung der An- und Abmeldungsfristen Sorge zu tragen, bestritt der Vorstand in dem Schreiben vom 21. Juli v. J. sogar ausdrücklich die Befugnis der Aussichtsbehörde, diese Forderung stellen zu können. Ebenso auf eine weitere Verfügung vom 27. Juli v.. Seitdem haben sich weiter bei jeder Revision immer wieder fast dieselben Mängel ergeben. Nunmehr ist bei der am 23. d. M. erfolgten Revision wiederum festgestellt, daß in die Meldekarten die Abmeldungen seit dem 1. Jamuar 1906, alfo feit mehr als 3 Wochen, nicht eingetragen sind und ebenso auch seit dem 1. Januar 1906 nicht die An- und Abmeldungen in die Hebelisten eingetragen waren. Zu den vielen schweren Pflichtverletzungen, die sich der Vorstand nach dem unter Nr. 1 bis 7 aufgeführten hat zuschulden kommen laffen, tritt noch die sowohl in seinem Verhalten gegen die Verfügungen der Aufsichtsbehörde liegende, als auch ausdrücklich ausgesprochene Verweigerung der ihm gefeßlich obliegenden ordentlichen Verwaltung der Kasse. Die Aufsichtsbehörde macht deshalb nunmehr von der Bestimmung des§ 45 des Kranken- Versicherungsgefeßes Gebrauch, indem sie hier mit die Befugnisse und Obliegenheiten des Kassenvorstandes vom 1. Februar 1906 an selbst wahrnimmt. Der Vorstand hat sich deshalb bis auf weiteres der Verwaltung der Kasse zu enthalten." Die Gewerkschaftliches. Berlin und amgegend. Ats er sich ver" Es steht fest, daß Sie den Ihnen als Kaffengehülfe obliegenden Pflichten dauernd nicht nachkommen. Insbesondere haben Der Seemannsstreit in Triest. mehrfache Revisionen ergeben, daß Sie mit den Ihnen übertragenen Triest, 5. Februar. Der Statthalter sagte den Deputationen der Arbeiten bereits in den Jahren 1904 und 1905 unverhältnismäßig An die Tabakarbeiter Berlins und der Vororte. streikenden Heizer und Matrosen seine Vermittelung zu. Sodann im Rückstande waren. Bei einer am 23. Januar d. J. vorgenommenen Im Hinblick auf die Bekanntmachung des fand in Anwesenheit des Statthalters, des Präsidenten der SeeRevision endlich stellte es sich wiederum heraus, daß die von Ihnen Aktionsausschusses in der Nr. 29 des" Vorwärts" behörde und der Wertreter sämtlicher beteiligten Schiffahrtsgefellzu bewirkenden Eintragungen in die Hebelisten seit über drei Wochen vom 4. Februar betreffe der 24 großen öffentlichen schaften eine Besprechung statt, deren Ergebnis den Ausständigen nicht bewerkstelligt sind. Diese andauernd groben Verstöße gegen die von Ihnen zu er- Protest- Versammlungen, ersuchen wir die Tabat- mitgeteilt wurde. Der Streit war nur partiell. Die Zahl jämt licher Ausständigen betrug weniger als 500. Zwei Lloyddampfer füllenden Pflichten können im Interesse der Kaffe nicht länger ge- arbeiter Berlins und der Vororte, männliche gingen gestern mit Heizern von der Kriegsmarine ab. Ein Dampfer sowohl wie weibliche, sämtlich in diesen Versamm geht heute mit eigenen Heizern ab. Auch wird nur nach Ihrer Entfernung von der Kaffe ein allein lungen zu erscheinen. Es ist dieses umso notwendiger, a Is duldet werden. den Intereffen diefer dienendes Arbeiten möglich sein. Ich sehe mich die Tabaksteuervorlagen einen gewichtigen Letzte Nachrichten und Depefchen. deshalb in Wahrnehmung der von mir mit dem heutigen Tage in Teil der gesamten Steuervorlagen, welche den Gemäßheit des§ 45 des Krankenversicherungsgefeßes übernommenen deutschen Reichstag gegenwärtig beschäftigen, bilden. Es hat also Ausdehnung des Triester Streifs. Befugnisse des Kaffenvorstandes veranlaßt, Sie mit Empfang dieſes jeder am Plate zu sein, um seine Stimme mitzuerheben und reichischen Lloyd traten gestern an die Direktion mit der Fordering Trieft, 4. Februar.( W. T. B.) Auch die Matrosen des Defter Schreibens in Gemäßheit des§ 626 des Bürgerlichen Gesetzbuches gegen die Gefahr, welche unsere gesamte Industrie zu bereiner Lohnerhöhung um 25 Broz. und verschiedener dienstlicher Erverreichischen aus dem Dienstverhältnis der Staffe zu entlassen. Ge fei hierbei bemerkt, daß eine eingehende Prüfung dahin nichten droht, laut und vernehmlich Brotest zu erheben. Teichterungen heran. Der Generaldirektor antwortete den Abstattgefunden hat, ob etwa Ueberlastung oder ähnliche Verhältnisse Die Zentralfommission der Tabatarbeiter. gesandten, daß die Gesellschaft über die den Heizern versprochene Ihr Verfahren in einem milderen Lichte erscheinen ließen. Bei Ihrer J. A.: Karl Butry. Aufbesserung, die auch für die Matrofen beabsichtigt fei, nicht weitverzweigten Tätigkeit als Rechtskonsulent und namentlich in polihinausgehen und sie nur dann die Zusicherung aufrechterhalten tischen Angelegenheiten usw. fann jedoch hiervon keine Rede fein. Zur Lohnbewegung der Stodarbeiter. Die Stockarbeiter verönne, wenn alle Angestellten sofort die Arbeit wieder aufnähmen; Ich werde Anweisung ergehen lassen, daß das Ihnen bis zum sammelten sich am Sonntagvormittag in den Andreasfälen. Die anderenfalls müsse sich die Gesellschaft als nicht mehr gebunden er28. Februar 1906 zustehende Gehalt, bis zu welcher Zeit Ihre Verhandlungen mit den Unternehmern über den angenommenen achten. Funktionen durch einen städtischen Beamten wahrgenommen werden Vertrag( der am 25. Januar im„ Borwärts" veröffentlicht war) sollen, noch an Sie gezahlt wird, um Ihnen in Gemäßheit des standen zur Disfuffion. Berichterstatter Hildebrandt erklärte, daß Streitbeendigung. § 629 B. G.-B. die Möglichkeit zu erleichtern, während des Monats 11 oder 12 Firmen den Vertrag tros des flaren Wortlautes anders Fiume, 4. Februar.( B. H.) Da die von den Streifenden geFebruar ein anderes Dienstverhältnis aufzusuchen." ausgelegt hätten und erst einen Generaltarif für Berlin forderte Entlaffung eines mißliebigen Werkführers erfolgt ist, haben Wir bemerkten schon oben, daß die Eintragung in die Hebe- wünschten, ehe die Werkstatttarife eingeführt würden. Der die Ausständigen die Arbeit in der Torpedofabrik wieder aufliften erst nach Abschluß des Monats feineswegs ordmmgswidrig ist. Standpunkt der Arbeiter, ist gerade der entgegengefeßte: eist genommen. Berantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt Nr. 30. 23. mtm l. Ktllllge k$ Jormiltr Irtlinet iolMlatt. Reichstag« S5. Sitzung. Montag, den 5. Februar, 1 Uhr. Am Bundesratstische: Graf P o s a d o w s k y. Der Präsident kündigt die sozialdemokratische Interpellation Albrecht u. Gen. wegen des Unglücks auf der Kohlen zeche„B o r u s s i a" an. Sie werde demnächst auf die Tages ordnung gesetzt werden. Sodann wird beschlossen, das Strafversahren wegen Beleidigung gegen den Abg. Dr. Pott hoff(frs. Vg.) einzustellen. Hierauf wird die ziveite Beratung des Etats des Reichsamts des Innern fortgesetzt. Abg. v. Kardorff lRp.): Ich bin mit der Philippika des Herrn Kollegen Dr. Mugdan einverstanden, besonders gegen das geradezu blödsinnige Geschrei der sozialdemokratischen Presse nach Revolution. Ebenso bin ich mit ihm in der Verurteilung des Terrorismus der Sozialdemokratie im Krankenkassenwcsen einverstanden. Seinen positiven Vorschlägen kann ich aber incht zustimmen und habe deshalb das Wort ergriffen, damit es nicht heitzt: sZui tecet. consentire vicketur.(Wer schweigt, scheint damit seine Uebereinstimmung be künden zu wollen.) Durch Ausdehnung unseres Genossenschaftswesens mutzte geradezu die Energie in unserem ganzen Volke leiden. Eine Auszahlung der Invalidenrente bei einer Herabsetzung der Arbeits traft um 20 Proz. scheint mir unstatthaft zu sein. Ich kann mich auch nicht für die Rechtsfähigkeit der Berufs� vereine erwärmen, denn immer schwächer wird der Gegensatz zwischen den Berufsvereinen und der Sozialdemokratie. Christliche Gewerkschaften zu schassen Ivar gewiß eine schöne Idee. Aber bei allen S t r e i k s sind sie gerade so schlimm wie die sozial. demokratischen. Man denke an den Streik im Ruhrrevier I Herr Kirdorf hat eS oft ausgesprochen, daß er es viel lieber noch mit sozialdemokratischen als mit christlichen Gewerkschaften zu tun habe. CHörtl hörtl links. Unruhe inr Zentrum.) Die Heilmittel des Herrn Mugdan halte ich für sehr bedenklich und hoffe, daß die Regierung es sich 3, 4 mal überlegen wird, darauf einzugehen., dann 1895/96 und 1999 derartige Anträge eingebracht. In Ihrem Programm steht allerdings einfach„Verbot der Heimarbeit". Aber Ihr Parteigenosse von Elm hat kürzlich erklärt, ein solches Verbot läßt sich nicht durchführen. Auf dem Züricher internationalen Kongreß hat Herr Bebel die Trennung von Arbeits- und Schlafraum in der Heimarbeit für undurchführbar erklärt. Dagegen hat seine Fraktion im Jahre 1899 einen Antrag auf eine solche Trennung gestellt.(Heiterkeit im Zentrum.) Sie tonnen es den bürgerlichen Parteien nicht verdenke», tvcnn sie An. träge Ihrer Fraktion nickst für ernsthaft halten, die Herr Bebel selbst für undurchführbar erklärt hat. Wenn Ihre Majestät die Kaiserin in der Heimarbeit-Ausstellung sich mit Recht über die geradezu minimalen Arbeiterinnenlöhnc, die bis 1% Pf. für die Stunde her. abgehen, entrüstet hat, so werden diese Zustände nur durch Ein- führung der Registrierpflickst, wie wir sie fordern, beseitigt werden.— Das preutzische Bergarbeitevgesetz ist zwar nach meiner Nleinung nicht genügend, aber es ist doch immerhin ein Fortschritt. Wie können Sie dem Zentrum einen Vorwurf daraus machen, daß es für dieses Gesetz gestimmt hat? Ihre Partei dagegen hat schon wiederholt sozialpolitische Fortschritte verhindert. So lag es, als wir 1899/91 über die Getverbeordnung berieten, hauptsächlich au dem Abg. Bebel, daß wir nicht schon damals obligatorische Arbeiterausschüffe bekommen haben, während Zentrum und Nationalliberale dafür waren. Noch !994 haben die Sozialdemokraten nichts von Arbeiterausschüssen gesagt. Erst gerade vor einem Jahre bei Gelegenheit des Berg- acbeiterausstandes sind die Sozialdemokraten mit dieser Forderung herausgekommen. Das Schönste ist, daß jetzt, nachdem die Aus- schütze da sind, sie von den Sozialdemokraten bekämpft werden.— Ter Abg. Hitze hat auf sozialpolitischem Gebiete für die Arbeiter mehr getan als die ganze Sozialdemokratie, die gegen die sozialen Gesetze war. Ter Abg. Fischer hat diesem meinem Parteifreunde vorgeworfen, daß er in diesen Zeiten des Niederganges unseres Wirt- schastSlebens vor neuen Maßnahmen auf sozialem Gebiete gewarnt habe. In Wahrheit hat Hitze das Gegenteil gesagt. Im übrigen meine ich doch, daß auch die Sozialdemokraten es nicht verantworten könnten, den Arbeitern in Zeften des Niederganges Lasten aufzu- erlegen, z. B. für die Wittven- und Waisenversicherung. Die An- sichten des Abg. Fischer-Berlin stehen im krassesten Widerspruch zu den Ausführungen seines Namensvetters Fischer-Sachsen in seinem Aufsatz„Ein Vierteljahrhundert Kulturentwickelung". Dort erkennt Herr Fischer-Sachsen die Verdienste der bürgerlichen Parteien an als das Fundament einer guten Sozialpolitik. Zur Fabrikinspektion verlangen wir, daß jeder Betrieb wenigstens einmal im Jahre revidiert wird. Vorläufig sind lvir von diesem Ziele noch um 59 Proz. entfernt Besonders rückständig ist die Gewerbeinspektion im Reichslande. Wir fordern überall Einstellung weiblicher Inspekteure. Die Verhältnisse der Wanderarbeiter und der Bühneimngestellten sollten durch eine Enquete untersucht werden. Die Bühnenverträge sollten scharf kontrolliert werden. Ist es an- gängig, daß ein„jugendlicher Liebhaber mit eleganter Garderobe" nur 79 M. für den Monat erhält? Schließlich möchte ich nochmals um Schaffung eines Reichs-Handtverker-Blattes bitten, welches auch über die österreichischen Fortschritte regelmäßig zu berichten hätte. Möge der Herr Staatssekretär seine großen Verdienste dadurch er- höhen, daß er sich auch der Mittelstandsfrage ebenso warm annimmt wie der Arbeiterfrage.(Beifall im Zentrum.), Abg. Stückten(Soz.): Der Herr Abg. Erzberger hat eine Reihe von Fällen von sozial- demokratischem Terronsmus vorgebracht. Solchen Terrorismus können wir natürlich durchaus nicht billigen. Derartige'Fälle können aber vorkommen bei einer so großen Menge organisierter Arbeiter. Herr Erzberger hätte sich auch der Mühe unterziehen sollen, einmal die Gewerkschaftspresse durchzusehen, dann würde er gefunden haben, daß auch ans feiten der christlichen Arbeiter viel in dieser Beziehung gesündigt wird, da, wo sie die Mehrheit haben. In Köln lag die Sache so. daß die christlichen und die fteien Gewerkschaften gemeinsame Forderungen gestellt hatten, daß aber im entscheidenden Augenblick die christlichen abschwenkten und auch dafür sorgten.>daß Streikbrecher in größerer Zahl aus allen Teilen Deutschlands nach Köln herangezogen wurden. Wenn in dieser Weise von feiten der Christlichen vorgegangen wird, so brauchen Sie sich nicht zu wundern, wenn gelegentlich den sozial- demokratischen Arbeitern ob einer derartigen Verräterei die Galle übergeht. Herr Erzberger hätte auch auf den Terrorismus schlimmster Art hinweisen sollen, den Geistliche ausüben, indem sie christ- lichen Arbeitern die Vergebung der Sünden verweigern, wenn diese nicht der Organisation fern bleiben!— Weiter hat Herr Erzberger gefragt, wo unsere Vorschläge zur Verbesserung des Heiniarbeiterschutzes bleiben. Es ist ihm schon zugerufen worden. er solle sich etwas gedulden. In wenigen Tagen werden dem Reichs- tage die Vorschlage zugehen. Wenn er aber behauptet, daß das Bergarbeiterschutzgesetz'im Abgeordnetenhause einen Fortschritt bedeute, so kann ich ihm nur empfehlen, einmal einen kleinen Abstecher in das Ruhrgebiet zu machen und dort die christlichen Arbeiter zu ftagen, ob sie derselben Meinung sind. Wenn wir Arbeiter« ausschüssen gegenüber uns immer so kühl gehalten haben, so aus der einfachen Erwägung heraus, daß die Mitglieder dieser Aussckiütze ganz in den Händen der Kapitalisten sind und daß sie hänfig Gefahr laufen, wenn sie die Forderungen im Austrage der Arbeiter vertreten, ans der Arbeit geworfen zu werden. Nach- dem noch dazu das Bergarbeiterschutzgesetz die famose Bestimmung enthielt, daß niemand an den Ansschnßwahlen sich beteiligen dürfe, der nicht ein Jahr in Stellung ist, war damit der größte Teil auch der christlichen Bergarbeiter, soweit sie sich am Streik beteiligt hatten, von den Ausschußwahlen ausgeschlossen. Daher ist es gekommen, daß in manchen Gegenden fast niemand zur Wahl gegange» ist. Wenn Herrn Erzbergcr das Wohl der Bergarbeiter so außerordentlich am Herzen liegt, warum ist da? Zentrum dann in das preußische Abgeordnetenhaus geflüchtet, warum hat es nicht hier ün Hanse eine» derartigen Antrag eingebracht. Das Zentrum wollte aber au der einen Seite bei den Arbeitern den Anschein erwecken, als tue es etwas für sie und auf der anderen Seite den Grnbemnagnate» nicht gl große Opfer auferlegen. Das war im Abgeordnetenhause mög- ich. hier wäre es nicht gegangen. Wenn Herr Erzberger die Be fürchtung äußerte, hier wäre nichts zustande gekommen, weil wir doch prinzipiell dagegen gestimmt hätten, so steht fest, daß wir schon der reichsgesetzlichen Regelung wegen für einen solchen Antrag zu haben gewesen wären. Herr Erzberger brachte dann die alte Geschichte wieder vor, die Sozialdemokraten hätten gegen die sozialen Gesetze gestimmt. Er weiß doch ganz genau, daß wir damit nicht haben sagen wollen wir seien Gegner jeder Sozialpolitik, sondern uns gingen die Gesetze nicht weit genug I Bei der Abstimmung über den Zolltarif haben einige der Herren Agrarier gegen den Zolltarif gestimmt. Würde aber jemand deswegen behaupten, diese Agrarier wollten keine Zölle, 'o würde man ihn rundweg auslachen.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Herr Erzberger hat weiter auf den Antrag v. Galen hingeiviesen und stellte die Frage: Was haben denn die Soziah demokraten erreicht? Ja, wenn Sie alle sozialdemokratischen Air träge niederstimmen, teilweise nur deshalb, weil sie von Sozial demokraten gestellt werden,(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) und dann später derartige Anträge i» verwäsierter Form wieder ein- bringen, dann beantwortet sich diese Frage von selbst Herr v. Kardorff hat sich gegen die weitere Ausdehnung der ozialen Gesetzgebung erklärt, weil diese die Energie der Arbeiter im Kampfe ums Dasein lähme. Derartige Gründe sehen denn doch zu ehr nach Ausreden aus, wenn sie von Herren ausgehen, die auf der anderen Seite den Arbeitern das Brot verteuern.(Sehr richtig bei den Sozialdemokraten.) Wenn Sie übrigens der Meinung sind. daß Staalsunterstützungen in dieser Weise wirken, dann müßten Sie längst alle Energie verloren habe»; denn keinem Stande wird mehr zugewendet als gerade den Agrariern.(Sehr gut: bei den Sozialdemo� kraten.) Herr v. Kardorff hat sich auch gegen die kleinen Renten ausgesprochen. Denselben Standpunkt haben im Abgeordnetenhause auch der Zentrumsabgeordnete Schmedding und der Nationalliberale Dr. Schröder eingenommen. Dieser wollte, daß für verunglückte Kinder überhaupt keine Renten gewährt werden. Im Jahre 1994 sind in der Landwirtschaft 1919 Knaben und 454 Mädchen unter lü Jahren verunglückt.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Wen» Sie wollen, daß diese nicht entschädigt werden, so müßten Sie die Kinderarbeit in der Landwirtschast überhaupt verbieten. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Und wie wäre die inanzielle Wirkung. wenn Renten unter 29 Proz. nicht aus- zezahlt würden? Im Jahre 1994 wurden in der Landwirtschaft ' 1 189 999 Personen versichert und 35 411 999 M. Umlagen erhoben, d. h. auf den Kvpf der Versicherten pro Jahr 3,16 M., pro Tag IV« Pf. Wenn diese kleinen Renten wegfallen würden, so würden die Groß- grundbesitzer bald 259 M. jährlich sparen. Eine Jnteresscnharmonie von Kapital und Arbeit gibt eö nicht, da das Kapital stets einen möglichst großen Mehrwert aus den Arbeiten» herauspressen will. Man sieht ja, wieweit die Freisinnigen mit ihrer Predigt von Jnteressenharmonie gekommen sind. Die von Hirsch und Duncker geschaffenen Organisationen bestehen fteilich noch, aber sie haben nie einen Einfluß auf den Produktionsprozeß gewonnen. Man hält uns immer vor. daß Krupp als einfacher Arbeiter begonnen hat, aber stauben Sie denn, daß auch heute diese Möglichkeit besteht? Man ollte auf solche Ausnahmen, auf solche Leute, die eine besonders stinstige Konjunktur gehabt haben, überhaupt nicht eingehen. Heute liegt die Sache jedenfalls so, daß ein Arbeiter sein ganzes Leben lang Arbeiter bleibt, wenn er nicht etwa das Elend eines Klein- meffterS dafür eintauschen will. Der Abg. Patzig hat es für geschmackvoll befunden, auf die Millionen hinzuweisen, welche von den Unternehmern für die un- dankbaren Arbeiter für Versicherung ausgegeben werden. Aber die Regierung hat in einer anitlichen Denkschrift selbst festgestellt, daß die Unternehmer diese Millionen doch erst aus der Arbeit ihrer Angestellten herausziehen und sie als Betriebsunkosten betrachten müssen. Der Hinweis auf Frankreich war ganz verfehlt. Die Sozialdemokratie ist in Frankreich trotz Millerands Ministerschaft nicht so stark, um die sozialpolitischen Wünsche durchzusetzen. Der Staatssekretär Graf PosadowSky hat eS uns ja selber auseinander- gesetzt, daß Frankreichs Volkswirtschaft vorzugsweise aus der Landwirtschaft beruht. Daraus erklärt sich aber auch die sozialpolitische Rückständigkeit. Wenn die Nationalliberalen jetzt für sozialpolitische Gesetze eintreten, so tun sie daS nur so weit, als sie von den Wähler- massen dazu getrieben werden. Wer die Reden der Abgg. Patzig und Dr. Mugdan hier am Sonnabend gehört hat und sich daraus ein Urteil über die deutsche» Arbeiterverhältnisse bilden will, der müßte glauben, die Arbeiter hätten bei uns ein Paradies auf Erden. Wer sich aber die Mühe macht, die Berichte der Fabrikinspektoren durch- zusehen, der wird finden, daß die Sache ganz anders liegt. Mit dem Steigen der Gewinne der Industrie hat das Steigen der Löhne nicht gleichen Schritt gehalten. Vor allem bedenke man, daß— wenn die Löhne heute etwas höher sind als bor 39 Jahren— dies mehr als wettgemacht wird durch das Steigen der Lebensmittel- preise und der Wohnungsmieten.(Sehr richtig I bei den Sozial- demokraten.) An den Berichten der Gewerbeinspektoren ist leider die zu große Schablone zv rügen. Wenn ein Fabrikbesitzer irgendwo eine Bade- wanne aufftellt, so macht der Getverbeinspetto. davon ein großes Wesen. Weit besser wäre«s, wenn in den Berichten Monographien einzelner Gewerbe erscheinen würden, wü das früher wenigstens in Baden der Fall war. Aber man fürchtet wohl, der Eindruck würde dadurch ein zu düsterer werden.— ES war mir interessant, zu hören, daß die englische Arbciterdeputation auch bei» Grafen PosadowSky gewesen ist. Die Reise glich jener bekannten Reise der Kaiserin Katharina von Rußland. Man hat den englischen Deputierten nämlich Potemkin'sche Dörfer vorgespiegelt.(Heiterkeit und Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Leute wurden von einem Oberbürgermeister zum anderen, von einem höheren Verwaltungs- beamten zum anderen geschickt. Mit de" Arbeitern, speziell mit den Gewerkschaften, sind sie in gar keine Berührung gekommen. Schade, baß die Herren nicht nach Breslau gegangen sind, um sich dort vom „freisinnigen" Oberbürgermeister Bender erzählen zu lassen, wie man in Deutschland Arbeiter behandelt, die sich beschweren. Nun sind ja die englischen Arbeiter in der„Gsiftbude" zu Lewenhusen gewesen. Man hätte ihnen da aber einmal einen Brief vorlesen sollen, wie ihn die Unternehmer dort einem sich zur Arbeit meldenden Arbeiter zu schreiben pflegen:„Wir sind nicht abgeneigt, Sie ein- zustellen, wenn Sie zwischen 21 und 45 Jahren sind, von unserem Fabrikarzt als gesund bcftinden werden, und wenn Sie nicht Mit- glied einer Arbeitensrganisation oder ihrer Kasse sind."(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn man einen solchen Brief de» englischen Arbeitern vorgelegt hätte, so hätten diese gefragt, ob das Institut unter„Fabrik" oder unter„Zuchthaus" registriert würde. (Heiterkeit.) Die Deputation traf in Elberfeld einen Arbeiter und fragte ihn nach seinem Lohn. Dieser erzählte, der Lohn betrage 17— 18 M., und er beklagte sich, daß ein verheirateter Mcmit doch damit nicht auskommen könnte. Da sagten ihm diese Engländer: Ja, weshalb muß denn ein Mann mit einem so geringen Lohn auch noch heiraten?"(Heiterkeit.) Leute mit so geringem sozialpolitischem Verständnis schickt man auf eine solche Reise! Die Kosten dieser Reise sollen übrigens von englischen Arbeitgebern bezahlt worden sein. Wir bedauern es lebhaft, daß die Gelverbeinspettion den Einzel- staatcn überlassen worden ist. Auch sind die Bezirke des einzelnen Inspektors viel zu groß, als daß dieser mit den Arbeitern seines Bezirkes in Fühlung treten könnte. Im Jahre 1994 ist nur die Hälfte aller Betriebe in Deutschland revidiert worden. 198 999 Be- triebe sind nicht untersucht, und zwar waren das namentlich die kleinen Betriebe. Gerade in diesen aber pflegt die Arbeiterschutz- gesetzgebung am wenigsten gewissenhaft durchgeführt zu werden. So hat man sich z. B. in den Ziegeleien daran gewöhnt, das Gesetz überhaupt nicht zu beachten. Eine große Freigebigkeit entlvickcln die Gewerbeinspektoren in der Gewährung von Ueberstunden, besonders in Sachsen-Weimcrr und Schwarzburg-Rudolstadt und namentlich in der Textilindustrie. Die Fabrikinspektoren sollten angehalten werden, die Durchschnittslöhne in ihrem Bezirk festzustellen. Das wäre viel wichtiger als zu l Datieren:„In diesem Betrieb besteht eine Volksküche, in der man j«c 29 Pf. ein Gericht Reis kaufen kann" oder:„In jener Fabrik ist eine Badewanne aufgestellt worden" oder: „Jener Unternehmer hat- für seine Arbeiter ein Tanzkränzchen ver- anstaltet".(Große Heiterkeit links.) Wer aber auch nur die jetzigen Fabrikinspektionsberichte liest, der maß erkennen, daß die Lage der arbeitende� Klassen keineswegs so günstig ist, als sie der Finanz- minister von Rheinbaben geschildert hat, indem er behauptete, es sei gar incht wahr, daß ein so großer Bruchteil des Volkes weniger als 999 M. einnehme; die Steuerbehörden seien nur so liberal, alle solche Angaben ohne weitere Prüfung als richtig zu bezeichnen! Die Arbeiter können leine Steuern hinterziehen, da ihre Lohnbücher einen genauen Ausweis über ihre Einnahmen geben. Die Steuerhinter- zieher sind ganz anderswo zu finden. Ich glaube, wenn man all' die Summen, die den Eingelstaatcn durch wohlhabende Steuer- hinterzieher entgehen, dem Rcichsschatzsekretär Jrhrn. v. Stengel darbieten würde, so könnte er sein ganzes Steuergebäude auf Ab- bruch verkaufen.(Große Heiterkeit und Sehr richtig! links.) Herr v. Rheinbaben hat auch einen Vergleich angestellt zwischen dem, was die Arbeiter an den Staat und dem, was sie an die Gewcrt- schaften bezahlen. Das ist aber nicht auf eine Stufe zu stellen. Was der Arbeiter seiner Gewerkschaft leistet, erhält er wieder; er ist dutch ihre Einrichtungen einigermaßen gesichert in allen Wechselfällen des Lebens. Aber der Staat kauft für das Geld Kanonen, Gewehre, schafft neue Schiffe an, kurz— et verwendet das Geld zu Dingen, an denen die Arbeiter kein Interesse haben. Herr v. Rheinbaben hat auch das Haushaltungsbudget eines Arbeiters aus München verlesen und daraus den Schluß gezogen, daß die Lage der Arbeiter eine sehr günstige sei. Ich will Ihnen demgegenüber das Budget eines Arbeiters ans der Lausitz vortragen: Dieser Biann hat nach- gcwiesenermaßen eine jährliche Einnahme von, 559 M.; er gibt für Brot 124 M. aus, für Butter ebensoviel, für Mehl 29 M., fiir Fleisch im ganzen Jahre 18,29 M.,(Hört! hört! bei den Sozialdemokratcut für Kartoffeln 36 M. und im ganzen 635 M., so daß sich für ihn eiii Defizit von 85 M. ergibt. Wie soll ein'Arbeiter bei solchen Ein» künften gesund und arbeitsfähig bleiben? Die Rede des Herrn v. Rheinbaben beweist nicht, daß es den Arbeitern gut geht, sondern, daß er gar keine Ahnung hat, wie es in den Kreisen der Arbeiter aussieht.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Rede des Herrn v. Rheinbaben scheint übrigens für eine andere Stelle bestimmt gewesen zu sein; denn nach einige» Tagen hat der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie in einer Flug- schrist diese Rede abgedruckt.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.)! An der Spitze dieses Verbandes stehen bekanntlich Leute, die zu feige sind, selbst inS Land zu gehen und die sich AgitationStagc- löhner halten, die in Versammlungen für den Freisinnigen, für den Nationalliberalen oder auch für die Konservativen eintreten. Nur für das Zentrum nicht; denn wenn wir abgemurkst sind, dann soll das Zentrum an die Reihe kommen, wie der Geschäftsführer des Verbandes in seiner unglaublichen Beschränktheit offen vorausgesagt hat. Hoffentlich hält Herr v. Rheinbaben mit seinem Material auch in Zukunft nicht zurück; wir werden ihm jederzeit dienen können. Ich komme nun kurz aus die Unfälle. Die Verlustliste der industriellen Arbeiterschaft weist wiederum sehr bedenkliche Zahlen auf. Im Jahre l994 betrug die Zahl der Toten auf dem Schlacht- felde der Industrie 8752, die der Verwundeten 128 921. Das sind nur die ernsteren Unfälle. die Zahl der überhaupt aiigeineldeten Fälle betrug 4746 292. Und dabei wirft man den Arbeitern vor, sie imulierten zum Teil nur. um in den Genuß einer Rente zu kommen. Wer schon mit Rentensachen zu tun gehabt hat, wer weiß, wie die Berufsgenossenschaften es systematisch darauf abgesehen haben, das ganze Jahr hindurch zu prozessieren, immer neue Gutachten einzuholen, nur um mal 19 Proz. abziehen zu können, der wird zugeben, daß die Arbeiter dcrarttge Quengeleien nicht auf sich nehmen, bloß um einige Pfennige Rente zu erhalten. Die Menge der Unfälle ist eine Folge des tollen Hastens der Akkordarbeit, der Tag- und Nachtschichten. Be- 'anders im Ruhrgebiet stehen die Betriebe Tag und Nacht nicht still; höchstens an ganz hohen Feiertagen kann einmal die ganze Beleg- chaft sich der Ruhe hingeben. Sodann fehlt eS an genügenden Schutzvorrichtungen. Und ivie werden die Arbeiter behandelt I Ich wohnte in der Gegend eines Brannkohlenbergwerks. Wenn dort ein Arbeiter verunglückte, wurde er nicht etiva nach dem eine halbe Stunde entfernten Krankenhaus geschafft, sondern mit der Eisenbahn bis nach Halle transporttert, bloß weil dort die Berufsgenossenschaft etwas billiger wegkam.(Hörtl hörtl) Darin liegt umsomehr eine Rückfichtslvsigkeit ohne gleichen, wenn mo» bedenft daß Frauen und Ä auch die herrschenden Kreise gegen diese unangenehme Wahrheit In Hamburg Bonterecht ist doch auch Liberale, nämlich die die Ausführungen des Abg. Stücklen über den 21. Januar eingehen. Abg. Baffermann( natl.): Ich will nur mit einigen Worten auf Es ist einmal Tatsache, daß: je fefter die Regierung auftrat, desto weicher die Sozialdemokratie wurde.( Lachen bei den Sozialdemokraten.) Sie wollte ursprünglich nicht für das preußische Wahlrecht demonstrieren, sondern die russische Revolution feiern.( Lachen und Zurufe bei den Sozialdemokraten: haben wir auch getan.) Die zweifellos ursprünglich geplanten demokratischen Presse unterblieben.( Burufe bei den SozialdemoStraßenumzüge find trotz aller schwärmerischer Artikel der sozialfraten: Wer hat dafür geschwärmt?) 3. B. der Vorwärts" in vielen Artikeln.( zurufe bei den Sozialdemokraten: So lesen Sie doch einen vor!) Mit ihren Vorsichtsmaßregeln hat die Regierung nichts weiter als ihre Schuldigkeit getan, besonders angesichts der Vorgänge in Mitte, Lachen bei den Sozialdemokraten.) Hamburg und Dresden.( Lebhafte Zustimmung rechts und in der Mitte, Lachen bei den Sozialdemokraten.) Das Haus vertagt sich. Unfall in der Zeche" Borussia", Fortsetzung der Beratung des Etats Nächste Sigung: Dienstag 11 Uhr( Jnterpellation betreffend den des Reichsamts des Innern). Schluß 6 Uhr. Kinder nicht die Mittel haben, um den Mann zu besuchen. Die Unter- 1 Sozialdemokraten.) Wem Graf Posadowvsky jüngst das Anwachsen denn als einen Wit kann ich es doch nicht auffaffen, wenn er be= nehmer, die 10-12 Proz. Dividende erhalten, sollten soviel mensch- der Sozialdemokratie darauf zurückgeführt hat, daß in den unteren hauptete, daß es die Sozialdemokratie sei, die den Liberalismus liches Mitgefühl besigen, um selbst ein Krankenhaus zu bauen. Instanzen vielfach kleinliche Gesichtspunkte vorherrschten, so möge er daran hinderte, ein besseres Wahlrecht und andere Voltsrechte durch( Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Im Ruhrgebiete kommen doch einmal für ein gutes Reichs- Vereinsgefeß sorgen, das der klein- zusetzen. Die Freifinnigen sind wohl innerlich sehr froh darüber, im Reiche der Herren Thyssen und Stinnes am häufigsten Unglücks- lichen Polizeiwirtschaft gerade auf diesem Gebiete ein Ende macht. daß sie im preußischen Landtage nicht den Ausschlag geben; denn fälle vor. Dazu kommt das Heer der an Berufskrankheiten Leidenden, Auch der andere Grund, den Graf Posadowsky für das Anwachsen wo die Liberalen in den kommunen in der Mehrheit sind, da Das ziffernmäßig gar nicht festgestellt werden kann. Gegen die umsich der Sozialdemokratie anführte, die mangelhafte Opferwilligkeit der beweisen sie durch ihre Haltung, wie wenig ernst es ihnen mit der greifenden Bleierkrankungen ist man immer noch nicht zu einem Herrschenden Klaffen, war durchaus zutreffend, wie sehr sich Durchführung der Volksrechte ist. Berbot der Bleiverwendung vorgegangen. Die Tuberkulose rafft immer weitere Opfer fort. So sieht die nackte Wirklichkeit aus. gesträubt haben. Ich komme nun mit einigen Säßen noch auf den Nationalliberalen, die die Wahlentrechtung durchsetzen halfen. Was Dabei sind die Unternehmergewinne fortwährend im Steigen. Abg. Mugdan. Er behauptete am Sonnabend, bei einer Berliner Sie aber in einem anderen Parlamente machen, das trauen wir Jm Bergbau werden Dividenden bis zu 35 Proz. bezahlt. Krankenkasse sei ein Arzt nur deshalb angestellt worden, weil er ein Ihnen auch hier im Reichstage zu.( Widerspruch bei den Freifinnigen.) Die Wohlfahrtseinrichtungen, die gerade in den Betrieben sich Verwandter des Abg. Bernstein sei. Das ist nicht wahr! Der Der Abg. Mugdan hat gesagt, die Regierung solle die„ national" finden, wo die Löhne am niedrigsten sind, haben nur den Zweck, zu betreffende Arzt konnte sich durch vorzügliche Zeugnisse über seine gesinnten Arbeiter begünstigen. Aber auch die nationalen" Arbeiter verhindern, daß der Arbeiterwechsel ein zu großer ist. Ich erinnere hervorragende Tüchtigkeit ausweisen. Was Abg. Mugdan vor- streben z. B. den Marimalarbeitstag an! Herr v. Kardorff hat ferner an die schwarzen Listen. Der Arbeitgeberverband hat in einem brachte, stand schon besser in der Freien Deutschen Presse", wo man ihnen ja auch schon gesagt: fie feien fast noch schlimmer Rundschreiben unter anderem alle Mitglieder ersucht, sämtliche auch mit der deutschen Sprache etwas besser umzugehen versteht. als die sozialdemokratischen. Unter diesen Umständen kann es ja Hamburger Arbeiter, die mit Entlassungsscheinen vom 17. Januar, Es ist doch ganz selbstverständlich, daß die von Arbeitern nur eine Frage der Zeit sein, daß alle Arbeiter unter unserer dem Tage der Wahlrechtsdemonstration, tommen, nach§ 20 der verwalteten Kassen auch Sozialdemokraten als Beamte ans Fahne verfammelt sein werden. Nachdem Sie Ihre Art von PatrioSagungen nicht einzustellen.( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) stellten und sozialdemokratischen Buchdruckern und Buch- tismus den Arbeitern selbst ausgetrieben haben, werden Sie einen Wenn das Wort wahr wäre: Schwerste Strafe dem, der einen bindern die Arbeiten übertragen. Wollte der Abg. Mugdan daran nationalen" Arbeiter mit der Laterne suchen müssen. Auf der einen Arbeiter an freiwilliger Arbeit hindert", wir würden nicht genug Kritik üben, so müßte er beweisen, daß ihnen entweder höhere Löhne Seite die bunt zusammengewürfelte Masse der Reaktion, auf der Zuchthäuser haben, um diese Unternehmer unterzubringen.( Sehr gezahlt würden oder daß sie keine guten Leistungen aufwiesen. Da- anderen Seite die Sozialdemokratie und dazwischen eine tiefe gut! bei den Sozialdemokraten.) Das neueste Mittel in Sachsen ist von hat er nichts gefagt. Falls es vortame, würden ja auch die Kluft das ist das Ziel des großen Kampfes.( Lebhafter Beifall das gerichtliche Verbot von Versammlungen, in denen Beschwerden Aufsichtsbehörden einschreiten. Herr Mugdan ist für das Recht des bei den Sozialdemokraten.) der Arbeiter vorgebracht werden. Herr Geheimrat Fischer hat zwar Unternehmers auf Aussperrungen eingetreten. Aber die Aussperrung erklärt, er werde auf nichts mehr antworten, was aus Sachsen hier findet häufig in der Weise statt, daß wenn in einem Betrieb ein einer Versammlung in Glauchau ist nicht von der Verwaltung erSächsischer Bundesratsbevollmächtigter Dr. Fischer: Die Schließimg vorgebracht werde, aber keine Antwort ist auch eine Antwort, und fleiner Streit ausbricht Arbeitermassen in einem ganz anderen die Sache ist wichtig genug, um hier vorgebracht zu werden. In Betriebe ausgesperrt werden! Wenn in Greiz gestreift wird, wird folgt, sondern durch Gerichtsbeschluß. Der Vorredner hat sich beGlauchau waren Differenzen in einer Brauerei ausgebrochen, die in in Gera ausgesperrt; wenn die Färber in Meerane Forderungen sie sollen sich auch nicht wie ein französischer Roman lesen.( Heiterflagt über die Gleichförmigkeit der Fabrikinspektionsberichte. Aber einer Versammlung besprochen werden sollten. Das Amtsgericht stellen, werden die in Greiz ausgesperrt.( hört! hört! b. d. Sozial- teit rechts.) In der Ausgestaltung der Berichte über die einzelnen Glauchau hat nun bei Androhung einer Strafe von 500 M. einen demokraten.) Das ist Brutalität! Aber es ist in Unternehmerkreisen Gewerbe wird den Wünschen des Vorredners in Zukunft mehr RechEinhaltsbefehl gegen die Abhaltung der Versammlungen erlaffen, weil auch schon der Plan aufgetaucht, nach dem AVC auszusperren! Gewerbe wird den Wünschen des Vorredners in Zukunft mehr RechDer Unternehmer durch die Versammlung in seinen Interessen geschädigt Angesichts solcher Willkürherrschaft des Kapitals spielt sich Herr nung getragen werden. werde.( Hört! hört! bei den Soz.) Auf diese Weise könnte man allerdings Dr. Mugdan als Scharfmacher auf. Ich denke mir, das nächste Mal die Versammlungsfreiheit ganz aufheben. Im Ruhrgebiet geht man wird er( nach rechts weisend) dort drüben Platz nehmen.( Stürmische neuerdings mit der Ausweisung von ungarischen Arbeitern vor. So Seiterkeit, die dadurch noch gesteigert wird, daß der Abgeordnete ist einem Bergarbeiter mit sechs Kindern der Befehl zugeschickt Gamp( p.) zufällig zwischen den Freifinnigen Plaz genommen hat. worden: innerhalb 14 Tagen Breußen zu verlassen.( Hört! hört! Zurufe bei den Sozialdemokraten: Austausch!) Aber wir werden bei den Sozialdemokraten.) Politisch war der Mann gar nicht Ihnen diese Scharfmacherei bei der nächsten Reichstagswahl in Görlizz hervorgetreten, er war bloß gewerkschaftlich organisiert, hatte sich schon anstreichen! Die„ Metallarbeiter- Zeitung" hat die Gründe des an dem großen Streit beteiligt und in einer Bersammlung einmal Elektrizitätsstreits durchaus gebilligt, nur über die Taktik herrschte Erst holt man die Ausländer nach Meinungsverschiedenheit unter den Arbeitern. Auch über die Maifeier ist Deutschland hinein, und wenn sie sich dann weigern, Streifbrecher die Meinungsverschiedenheit durchaus nicht so groß wie Dr. Mugdan sagte. zu werden, weist man sie als lästige Ausländer wieder aus. Was wir tun können, um den russischen Absolutismus stürzen Bevor ich mich zu Herrn Mugdan wende, der jedenfalls schon zu helfen, das tun wir allerdings.( Hört! hört! rechts.) Denn es kann sehr darauf wartet( Heiterkeit), noch einiges über die Mühlenindustrie. Deutschland nicht gleichgültig sein, ob es einen zivilisierten oder einen Für Dampfmühlen und Mühlen mit regelmäßiger Wasserfraft ist unzivilisierten Staat als Nachbarn hat. Wo aber bleibt bei Ihnen, die Sonntagsarbeit im allgemeinen verboten. In der Tat aber Herr Dr. Mugdan, der Liberalismus? Der Liberalismus, der einst findet sie im weitesten Umfange statt. Die Behörden werden meistens rief:„ Wir färben mit Tyrannenblut?" Sie sind nichts als ein von den Mühlenbesitzern angelogen, indem diese vorschützen, das trauriger Epigone! Einem Liberalismus, wie Sie ihn vertreten, Getreide verderbe, oder es sei ein Streit ausgebrochen. Die sollte man einen Tritt geben, einen Tritt, den ich hier nicht mit dem Bundesratsverordnung gewährt den Mühlenarbeitern nicht ein- Ausdrucke bezeichnen kann, der mir vorschwebt.( Lachen bei den mal denselben Schutz wie den Bäckern, indem sie einen Sozialdemokraten.) Herr Dr. Mugdan meinte, wir seien für Attensechzehustündigen Arbeitstag festsetzt. Am meisten Unfug wird tate. Nun sind aber in Deutschland in den letzten Jahrzehnten nur getrieben mit der Definition„ regelmäßige Wasserkraft". Die Pleiße drei Attentate vorgekommen. Das erste war das des katholischen Arund die Saale gelten in, Sachsen- Altenburg, wo sie fleine Gewässer beiters Kullmann auf Bismarck, das dieser der Zentrumspartei vorwarf. sind, als regelmäßige Wasserkraft! Jm Königreiche Sachsen aber, Das zweite Attentat war das des Klempners Hödel, eines Parteiwo die Pleiße viel größer ist, wird sie von den fächsischen Behörden genossen des Abg. Dr. Stöcker( Große Heiterkeit); denn er rechnete nicht als regelmäßige Wasserkraft anerkannt.( Heiterfeit und hört! fich zur christlich- sozial- konservativen Partei. Der dritte Attentäter hört!) Es kommt vor, daß in einzelnen Mühlen 18 Stunden, bei war Nobiling, der noch kurz vor dem Attentat einen Vortrag im Wechselschichten bis zu 36 Stunden gearbeitet werden muß! Die nationalliberalen Verein in Dresden gehalten hatte. Da haben Sie fleinen und mittleren Mühlenbesitzer fordern eine progressive die drei Parteien, aus deren Reihen schon Attentäter aufgetreten Umsatzsteuer, damit nicht soviel Mehl erzeugt werde. Sie sind. Wir dagegen waren jederzeit Gegner solcher Anschläge in sollten lieber den Normalarbeitstag für Mühlen verlangen. Deutschland. Etwas ganz anderes ist es, wenn dergleichen in RußDann wäre mit einem Schlage der Heberproduktion ein Ende land geschieht, 100 es fein Barlament gibt, wo das bereitet. Vielfach herrscht auch große Unfauberkeit in den Mühlen. Volk überhaupt fein Recht hat, two man ohne -Noch einige Bemerkungen zur Heimarbeit: Früher galt die Heim- Recht Gesetz nach Sibirien verschickt wird. Wenn arbeit gewissen Kreisen als eine Art Idealzustand gegenüber der dann einer der Geknechteten zur Waffe greift, so ist das durchaus Veränderung am Wahlgefeß angekündigt. Es ist selbst von dieser Abg. Brömel( frs. Vg.): In der Thronrede wurde eine fleine Fabrikarbeit. Das hat sich jetzt geändert. Wer in der Ausstellung begreiflich. Niemand darf sagen, ein solcher Mann jei ein Mörder kleinen Reform stille geworden, obwohl das jetzt bestehende Landwar, wird sie nicht ohne eine Gefühl der Erschütterung verlassen Der Mann, der den Großfürsten Sergius getötet hat, wußte, daß tagswahlrecht völlig unhaltbar geworden ist. Zustimmung links.) haben, er hat sich jedenfalls nicht vorgestellt, daß solch eine Un- er damit sein eigenes Leben aufs Spiel fetzte. Er hatte keinerlei Namens des Zentrums hat der Kollege Herold auf das allerentschiedenste summe von Not und Elend in der Hausindustrie vorhanden sein materielle Vorteile von seiner Tat. Aber eine Revolution wird tann. Erst seitdem wir das noch sehr mangelhafte Kinderschußgefeß immer nach ihren Erfolgen beurteilt. Ist eine Revolution glücklich ge- gehoben. Die angekündigte Reform bezwedt aber keineswegs die Bedie völlige Unhaltbarkeit des bestehenden Landtagswahlrechts hervor haben, besteht die Möglichkeit, zu sehen, wie es in der Hausindustrie aussieht. wesen, dann schreiben sich alle Geschichtsschreiber die Finger wund, gehoben. Die angekündigte Reform bezweckt aber keineswegs die Be In Oberfranken verdienen Leute bei 12- bis 14ftündiger Arbeitszeit um zu beweisen, daß fie siegen mußte.( Buruf rechts: Sind Sie nicht indem sie nur ein paar allzusehr ins Auge springende Mißstände beseitigen seitigung, sondern vielmehr die Befestigung des Landtagswahlrechts, 4-7 M. Wochenlohn. Davon sollen Familien mit 7-8 Köpfen aus bald ausgeblutet? Heiterkeit rechts.) Herr Dr. Mugdan aber hielt tommen.( hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Bisher war feine Rede in einem Augenblick, wo in Rußland Massen von Un- will. Nichts liegt mir ferner, als die Agitationsweise der Sozialdemo das Elend versteckt, in den entlegenen Gegenden des Thüringer schuldigen von den Schergen der Tyrannei niedergemezelt wurden. Sonntag auch ruhig verlaufen sind, so mußten doch die blutrünstigen fratie zu billigen; wenn die Versammlungen am DemonstrationsWaldes und des Erzgebirges. Dort wohnen, schlafen und arbeiten Jim Berliner Lokal- Anzeiger", einem Blatte, das dem Abg. Artikel, die ihnen voraufgingen, auf alle ruhigen und verständigen Eltern und Kinder in einem Raum. In der Wahlzeit hat man sich Dr. Mugdan jedenfalls unverdächtig sein wird, wurde berichtet, daß Menschen höchst abstoßend wirken. Die Lust zu einschneidenden Reder armen Leute etwas angenommen und ihnen in das Lohnbuch fürzlich 26 Personen ohne weiteres von den Soldaten niedergemezelt formen ist durch das Vorgehen der Sozialdemokratie begreiflichereinen nationalliberalen Wahlzettel hineingelegt.( hört! hört! bei wurden, darunter zwei Knaben im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, weise nicht gewachsen. Aber derartige den Sozialdemokraten.) Stimmungen dürfen kein Hier und dort wurden dann auch einige die deshalb sterben mußten, weil ihre Väter aus dem Hinterhalt Hinderungsgrund für Reformen sein, deren zwingende Notwendigkeit Pfennige mehr Lohn gezahlt; nach den Wahlen mußte dann geschossen aber wochenlang gefeiert werden. In der Spielwarenindustrie haben glaubwürdige Augenzeugen bekundet, daß dort so lange alles gibt es 1 Pfennige Stundenlohn. Die Kinder der reichen ruhig war, bis das Militär mit seinen Schandtaten eingriff und die Leute, die mit diesen Sachen spielen, wiffen nichts davon, daß arme Bevölkerung auf das äußerste aufreiste. Herr Dr. Mugdan flagte ungeeignet zur Erörterung im Plenum Proletarierkinder bis" tief in die Nacht hinein für lumpige 2, 3 Bf. über den Weihnachtsartikel des Vorwärts" und hat einige aus dem Lohn an diesen Sachen gearbeitet haben. Gewiß, es wird schwer Zusammenhange geriffene Säge hier vorgebracht. Kein christliches erklären.- Die Unhaltbarkeit des Dreiklassenwahlrechts tritt jetzt in sein, da durchgreifende Aenderungen herbeizuführen, aber es muß Gemüt konnte sich durch diesen Artikel beleidigt fühlen, aber der greifbarster Deutlichkeit in Sachsen zutage, obwohl bei der Wahlrechtsgeschehen. Bei den schwierigen Spizenarbeiten und Stickereien in Verfasser hat zweifellos dabei nicht an Dr. Mugdan gedacht, denn verschlechterung von 1896 das sächsische Wahlgesetz nicht ohne einige Oberfranken werden bei 15 stündiger Arbeitszeit Löhne bis 1 M. für Dr. Mugdan hat das Christentum noch den Reiz der Neuheit. Verbesserungen das preußische kopierte und wenigstens die geheime verdient. Hochgradig lungenkranke Arbeiterinnen stellen diese Sachen( Heiterfeit.) Wahl beibehielt sowie einige plutokratische Härten milderte. her in Stuben, wo Kinder mit ansteckenden Krankheiten liegen. Schon Am 21. Jamuar wurde sowohl für das Wahlrecht als für die Ausstellungen, die man am Reichstagswahlrecht machen kann, wiegen die Gefahr der Krankheitsübertragung sollte die vornehmen Damen, welche ruffische Revolution demonstriert. Die Polizei und das Militär federleicht gegenüber den furchtbaren Mängeln des Klassenwahlrechts. diese Sachen tragen, veranlassen, dahin zu wirken, daß hiergegen etwas haben denn auch gewaltige Rüstungen veranstaltet, aber Unbedingt notwendig ist auch eine Aenderung der Wahlkreisgeschieht. Die Bezahlung der Kinder ist geradezu grauenhaft. Die leider blieben die Leute, die abgeschlachtet werden sollten, aus. Wo einteilung. Dagegen sträubt sich leider auch das Zentrum, dasselbe Löhne betragen pro Tag manchmal 10 Pf. Typisch für die Kinder- ist denn eigentlich bei uns der Graf Eberhard im Barte, der sein Zentrum, das in Bayern so entschieden für die Verteilung der arbeit ist das Königreich Sachsen, speziell das Erzgebirge. Der Haupt in den Schoß der eigenen Untertanen legen kann, wenn das Mandate nach genauem Bevölkerungsmaßstabe eintritt! sächsische Fabrikinspektionsbericht gibt fein ausreichendes Bild; es Militär gegen die eigenen Volfsgenossen aufgeboten wird? Daß die Stonservativen malen den Gottseibeiuns sozialdemokratischer Herrschaft mangelt dort der Gewerbeinspektion an ausreichendem Personal. Ruhe nicht gestört wurde, verdankt man einzig und allein unserer eisernen an die Wand für den Fall, daß in Preußen das Reichstagswahlrecht Borbildlich ist dagegen der württembergische Bericht. Dort wird Disziplin. Wir haben die Massen sogar im Ruhrgebiet in der eingeführt wird. Aber in Baden, in Bayern, in Württemberg festgestellt, daß Kinder von sechs bis acht Jahren, die bis Mitternacht Hand gehalten, obwohl sie dort durch den Zentrumsverrat bei der ist das Landtagswahlrecht dem Reichstagswahlrecht gleich oder gearbeitet haben, größtenteils morgens früh nüchtern zur Schule Bergarbeitergesetzgebung aufs äußerste gereizt waren. Wir bauen wird, binnen kurzem ihm gleich gemacht werden. Herrschen deshalb gehen müssen.( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) feine Barrikaden, wie Dr. Mugdan behauptet hat. Wir wissen noch in den dortigen Landtagsstuben die Sozialdemokraten?( Sehr gut! " hatten. Was anlangt, 10 Abgeordnetenbaus. 17. Sigung, Montag, den 5. Februar, bormittags 11 11 hr. Am Ministertisch: v. Bethmann. ministerin ms des Innern fortgesetzt. Die zweite Lesung des Etats wird beim Etat des Nach längerer Debatte über den Antrag Douglas: Schaffung eines Landeswohlfahrtsausschusses und Ueberweisung des Antrages an die Budgetfommission wird die Etatsberatung beim Titel Ministergehalt" fortgesetzt. Die Petition, die der nicht mehr weggeleugnet werden kann. Vorwärts gestern vorgeschlagen hat, wird keine geeignete Grundlage abgeben; ich fürchte, die Petitionsfommission wird sie für Alle Das Ueber die Stinderarbeit finden sich in den Berichten der sächsischen eine ganze Menge Mittel, um auf gesetzlichem Wege unsere links.) Und hat denn nicht in Sachsen das Experiment von 1896 Assistentinnen der Fabrikinspektion sehr interessante Mit- Forderungen durchzusehen. Wir sprechen aber nicht darüber; denn sich als schwerer Fehler erwiesen, der die sozialdemokratische Hochflut teilungen. Da wird gesagt, daß 3-4 M. Kinderverdienst pro Monat wir werden sie erst anwenden, wenn wir es für gut halten. Aber nicht gehemmt hat, sondern mächtig anschwellen ließ?( Bustimmung ein willkommener Zuschuß zum Gesamtverdienst der Arbeiterfamilie sei. die Scharfmacher find gerade deshalb so erbost, weil wir links und im Zentrum.) Jch richte an alle Parteien den Appell, Danach müssen die Einkommensverhältnisse doch die denkbar traurigsten immer gesetzlich vorgehen. Man hört davon ja alle Augenblicke im die notwendige Reform energisch in die Hand zu nehmen. sein. Die Assistentin für Chemnitz wirft die Frage auf, was das Abgeordnetenhause sprechen. Bentrum hat seine Bereitwilligkeit ausgesprochen; ich hoffe, Staatswesen an einer Industrie verliert, die nicht einmal bei drei- Nun hat sich Dr. Mugdan über den Mob lustig gemacht. In daß auch die Nationalliberalen nicht zurückbleiben werden. bis vierstündiger Ausnutzung der Kinderarbeit bestehen könne! Wenn jeder Großstadt gibt es tatilinarische Eristenzen, eine große Menge Sollen nicht schwere Gefahren entstehen, so muß das Wahlin einem der Berichte gesagt wird, daß von schädlichen Einflüssen von Leuten, die leben, man. weiß nicht wovon. Es sind das die recht geändert werden, che noch diese Legislaturperiode zu der Arbeit auf die Gefundheit der Kinder nicht allzu viel zu Parafiten der Straße, die gerade so unnüz sind wie die Parasiten Ende ist. Sachsen hat sich von der Unhaltbarkeit des Klaffenbemerken gewesen sei, und es drei Zeilen später in demselben Bericht der oberen Klaffen. Aber es sind das dieselben Leute, die den wahlrechts überzeugt. Wenn Preußen an diesem festhält, so wird es heißt, daß in den niedrigen Werkstätten oft blasse und elend aus herrschenden Klassen auch wieder sehr sympathisch sind, wenn sein Ansehen in der Welt nicht fördern und den letzten Arbeiter in fehende Kinder angetroffen würden, so verrät das aber doch eine zum Beispiel. an einem Wochentage die Straßen gesperrt die Arme der Sozialdemokratie treiben. Die Reform des Lands bemerkenswerte Unfähigkeit. Kinderarbeit wurde selbst in Lumpen- sind, um irgend einen erotischen Fürsten zu beglückwünschen, tagswahlrechts ist eine politische, soziale und sittliche Notwendigkeit! fortierereien und in Stellern beim Flaschenspülen angetroffen. Das dann werden dieselben Leute auch von der freisinnigen Preffe( Lebhafter Beifall links.) find entsegliche Zustände, die zu einer Degeneration der Jugend als festlich geschmückte, jubilierende Menge" bezeichnet. führen müssen.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Als der 21. Januar ruhig verlief, da war es gerade die konDhne Zweifel ist die Kinderarbeit ein nationales Uebel, fervative Bresse, die uns als Feiglinge bezeichnete. Unsere Disziplin und der heutige Staat zeigt bei der Schwächlichkeit ihrer hat jede Ruhestörung verhindert, so daß am Abend der neue General- Abg. Frhr. v. Zedlit( ft.): Ueber unsere Stellung zu einer Bekämpfung, daß ihm das Staatsinteresse weit hinter dem feldmarschall seinen Marschallstab ruhig wieder in das Futteral Reform des Wahlrechts haben wir uns bei der ersten Beratung des Interesse der Kapitalisten zurüdsteht.( Sehr richtig! bei den Sozial- steden konnte. Die Soldaten durften an diesem Tage nicht einmal Etats ausgesprochen. Wir können uns erst dann mit dieser Frage demokraten.) Ist doch außer einigen Bundesratsverordnungen in in die Kirche gehen. Ich denke, das Zentrum wird deshalb eine beschäftigen, wenn sich die völlige Erfolglosigkeit der sozialdemo= den letzten Jahren sozialpolitisch garnichts geschehen! Wir erwarten Interpellation einbringen, weil man die Soldaten an der Aus- kratischen Massendemonstrationen gezeigt haben wird. mit Spannung den Gefeßentivurf betr. die Rechtsfähigkeit der Berufs- ibung ihrer religiösen Pflichten gehindert hat. Freilich, worüber Abg. Cassel( frs. Vp.): In bezug auf das Wahlrecht kann ich mich bereine, aber hauptsächlich deshalb mit Spanung, weil die Scharf- sollte denn der Prediger ihnen den Text lesen? Etwa über das im großen und ganzen den Ausführungen des Abg. Brömel anschließen. macher Bestimmungen hineinschmuggeln wollen, die gegen die Streits, Wort:„ Du sollst nicht töten?" Oder: Liebe Deinen Nächsten, Auch wir wollen nicht, daß das Wahlrecht Gegenstand von Straßenbesonders die Massenstreits, gerichtet sind und den Unternehmer be- wie Dich selbst?" Aber das hätte man ja vielleicht geradezu als demonstrationen ist; aber die ungeeigneten Mittel der Sozialdemorechtigen, für„ frivole Streiks" Schadenersatz von den Gewerk- eine Aufforderung der Soldaten zum militärischen Ungehorsam an- fratie gestalten das unhaltbare Landtagswahlrecht nicht haltbarer. schaften zu fordern. Für den Unternehmer und das bürger gefehen.( Große Heiterfeit bei den Sozialdemokraten.) Oder Wir wünschen eine durchgreifende Reform des Wahlrechts; ist eine liche Gericht wäre natürlich jeder Streit frivol. Ein sollte der Pastor predigen:" Schieße jeden tot, der Dir solche aber in dieser Session nicht möglich, so werden wir an allen solcher Versuch, die Gewerkschaftskaffen zu sprengen, wäre fast in den Weg kommt?"- Es war mir ein eigenes Gefühl, als Berbesserungen mitarbeiten, die wenigstens die ärgsten Härten beschlimmer als die frühere Zuchthausvorlage.( Sehr richtig! bei den Abg. Dr. Mugdan zuletzt anfing, noch Wige zu machen; denn anders seitigen. Auf die Dauer werden Sie( nach rechts) nicht hindern Abg. Stroffer( f.): Ueber die Wahlrechtsfrage werde seine Partei sich in aller Ausführlichkeit äußern, sobald die von der Regierung angekündigte Vorlage vorliegen werde. etwas Geduld zu bitten.( Lebhafter Beifall rechts.) Bönnen, daß das Reichstagswahlrecht sich auch in Preußen Bahn 1 Bemerkenswert ist die Gleichgültigkeit, mit der die Bevölkerung erstere wäre unsinnig und undurchführbar, oder es müßte gleich bricht.( Zustimmung links.) im allgemeinen der Entwickelung der Dinge entgegensieht, eine zeitig der Selbstverbrauch im Lande um die sonst von Minister v. Bethmann: Ein paar Worte zur Wahlrechtsfrage. Gleichgültigkeit, die von dem Gefühl der Ueberlegenheit diftiert Deutschland verbrauchte Menge gesteigert werden. Das läßt sich Ich will hier nicht über das Wahlrecht selbst sprechen; denn eine wird und die gewisse deutsche Sachverständige", die von dem nicht auf Kommando machen und nicht im Handumdrehen. Speziell solche Betrachtung würde doch nur rein theoretisch sein. Als ich ins Jusmauſelochkriechen der Amerikaner fafeln, Lügen straft. Soweit Deutschland den Bezug erschweren, wäre bei den modernen HandelsAmt eintrat, fand ich den Plan meines Amtsvorgängers vor, die überhaupt ein ernstliches Interesse zu konstatieren ist, ist es mehr verhältnissen kaum durchführbar. Jedenfalls: jede Represalie auf Wahlkreiseinteilung im Sinne einer Teilung allzugroßer Wahlkreise für denn gegen einen Zollfrieg. Namentlich ist dies bei den diesem Gebiete würde die Bestrebungen, die durch die Manipulationen zu ändern sowie den bekannten Antrag der vereinigten liberalen mächtigen Baumwollwaren- und Eisen- und Stahl- Industriellen der Baumwollbörse ohnehin schon sehr fruchtbar beeinflußt sind, Parteien dieses Hauses. Dieser Antrag bezweckte, obwohl meines der Fall, die in dem Abschluß eines Handelsvertrages eine wir meinen jene auf eine Verschiebung in den Anteilen Wissens auch Herr Abg. Brömel ihn mit unterzeichnet hatte,( Hört! Bresche in dem Wall des Dingley- Tarifs erblicken. Nur die an der Produktion gerichteten Ziele, ganz außerordentlich hört! rechts) keineswegs die Einführung des uns heute Schuh- und Lederfabrikanten wünschen einen Handelsvertrag mit fördern. Alle Baumwolle erzeugenden Länder würden sich die wieder als Allheilmittel gepriesenen Reichstagswahlrechts, son- Deutschland und eine Revision des Dingley- Tarifs überhaupt. Ihre günstige Gelegenheit, ihren Anteil an der Weltproduktion zu dern sah die Zwölftelung, die Berechnung nach dem Haltung erklärt sich aus der Steigerung der Schuhwarenausfuhr steigern, sicher nicht entgehen lassen; das Kolonialfieber würde um Gemeindedurchschnitt usw. vor. Durch den Tod meines Amts- nach Deutschland. Befürworter eines Handelsvertrages mit Deutsch einige Grade steigen. Speziell die deutschen Kolonialschwärmer, vorgängers ist die Wahlrechtsfrage verzögert worden. Ich behalte land sind auch die Fleischerporteure und die Farmer. Allerdings hat welche für die Züchtung einer Baumwollfultur in unseren Stolonien indessen die Frage im Auge und behandle sie mit dem Ernst, den bei den Farmern das Sehnen nach einem Zollvertrag mit Deutsch mit Hülfe staatlicher Subvention eintreten, bekämen leichtes Spiel. sie erfordert und der ja auch hier allseitig betont worden ist. Die land in dem gleichen Maße abgenommen wie die Ausfuhr von Und wenn die klimatischen und geographischen Verhältnisse auch Schwierigkeit der Materie, der Umfang der notwendigen Er- Brotstoffen und Weizen. Während im Jahre 1902 noch fast längst nicht so günstige sind, als die Interessenten glauben zu machen, hebungen und die Grenzen, die meiner Arbeitskraft gesteckt sind, 20 Millionen Bushel Weizen nach Deutschland exportiert alles aufbieten, in der Not frißt der Teufel Fliegen. Hat man einnötigen mich, noch um wurden, ist die Quantität in 1905 auf rund 100 000 Bushel mal unter großen Opfern eine Kultur hoch gebracht, dann hat Amerifa zurückgegangen. Aehnlich liegt die Sache mit Weizenmehl. Im einen Markt für immer berloren. Daß Deutschland sich Jahre 1903 wurden 900 000 Faß nach Deutschland exportiert, in einfach auf Gnade und Ungnade einer amerikanischen Zolldiktatur Abg. Dr. Friedberg( natl.): Wir sind durchaus von der Not- 1905 aber nur noch 135 125 Faß. unterwerfen müßte, ist eine Ansicht, der auch jenseits des großen wendigkeit einer Reform des Wahlrechts überzeugt; wir erachten es Es bleibt noch die Stellungnahme der Arbeiter übrig. Wassers eine mit Opfern erkaufte andere Meinung folgen würde, aber nicht für angebracht, bei jeder Gelegenheit diese Frage anzu- Im Gegensatz zu seinem englischen Kollegen hat der amerikanische wollte man in rücksichtsloser Weise vorgehen. Verständigung, geschneiden. Der Minister nannte den Wahlrechtsantrag der vereinigten Arbeiter schutzöllnerische Neigungen. Ge war dies nicht ordnete Verhältnisse dienen den Interessen beider Länder, ein Zollliberalen Parteien vom Jahre 1904 bescheiden. Also wird er, hoffe immer so. Aber während der Präsidentschaftswahlkampagnen frieg wäre das zweischneidige Schwert, das nach jeder Seite verlegt. ich, einen weitergehenden Reformantrag vorlegen.( Heiterkeit und in den Jahren 1896 und 1900, als Bryan seitens der Beifall links.) Demokraten fandidierte, wurde den in wirtschaftspolitischen Aus der Braunkohlenindustrie. Die miserable Entlohnung in der Minister v. Bethmann: Ich habe den Wahlrechtsantrag der Fragen ziemlich unwissenden amerikanischen Arbeitern solange vor- Braunkohlenindustrie hat unter der Arbeiterschaft eine Bewegung liberalen Parteien„ bescheiden" nur in Hinblick auf die viel weiter erzählt, daß hoher Schutzoll gleichbedeutend mit einem full hervorgerufen, die anscheinend noch weitere Wellen werfen wird. gehenden Forderungen des Abg. Brömel genannt. Ueber das, was dinner pail( gefüllter Stullenkorb würde man wohl berlinisch Die glänzende Entwickelung der Braunkohlenindustrie macht die " liberal" ist und was nicht, sind die Ansichten sehr geteilt; wie die fagen) ist, bis sie es schließlich für bare Münze hielten. Einwände über mangelnde Rentabilität unmöglich. Wahlreform aussehen wird, wird sich erst zeigen, wenn sie vorliegt. Handelsabkommen wünschen, daß ein Zollkrieg Deutschland mehr thüringischen Braunkohlengruben und Brikettfabriken in beispiellos Wie eingangs angedeutet, betonen selbst solche Blätter, die ein Zurzeit sind, wie die Arbeitsmarkt- C." berichtet, die sächsischHierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Dienstag schadet So schreibt, unt Ir eine Stimme flotter Weise beschäftigt. Eine große Anzahl Gruben hat seit aus vielen anzuführen, der St. Louis Globe- Demokrat": Monaten regelmäßig Tag und Nachtschicht eingelegt, was dort seit Schluß 4 Uhr. Wir können eventuell neue Absatzgebiete für unsere Industrie- 1898/1900 noch nicht wieder vorkam. In den Revieren Zeizrohmaterialien und für unsere Nahrungsmittelprodukte finden, aber Weißenfels- Meuselwiß, dem hauptsächlichsten deutschen BraunkohlenDeutschland fann seine Baumwolle nicht von irgendwoher und zu gebiet, sind nach Mitteilungen der Verivaltungen die Werke derart irgend einem Preise beziehen. Die meisten Industrieerzeugnisse, die mit Aufträgen versehen, daß sie nur mit Ausnitzung aller Betriebswir von Deutschland bekomunen, können wir in England, Frankreich, fräfte die Besteller befriedigen können. Eine weitere Preiserhöhung Italien und Belgien kaufen und zwar ohne nennenswerten Verlust von 5-10 m. pro Doppelwaggon ist die Folge des geschäftlichen AufUeber die Haltung der Vereinigten Staaten in bezug auf die für uns." Gestaltung der zukünftigen Handelsbeziehungen mit Deutschland fchwunges. Die Belegschaften arbeiten in vielfach verlängerter Schicht; Und die Ziffern über den Handelsverkehr des Jahres 1905 von den Niebeckschen Wontanwerken und der Werschen- Weißenfelser A.-G. geht uns aus New York ein Bericht zu, dem wir als Stimmungsbild stützen diese Auffassung. Die Gesamtausfuhr der Vereinigten wird teilweise über Arbeitermangel geflagt. Trog der außer Raum geben, ohne alle Schlußfolgerungen uns zu eigen zu machen. Staaten nach Deutschland im vergangenen Jahre repräsentierte einen ordentlich forzierten Produktion lagern auf den Werken feine nennens Man schreibt uns: Wert von 194 Millionen Dollar. Davon entfallen 87 Millionen auf werten Vorräte. Die Arbeiter in den genannten Revieren haben Jezt wird es sich entscheiden, ob die Vereinigten Staaten oder Rohbaumwolle, die Deutschland aus den Vereinigten Staaten be- eine Konferenz abgehalten, wo beschlossen wurde, angesichts der ob Deutschland bei einem Zollfriege das meiste zu verlieren haben. ziehen muß. Andere bedeutende Ausfuhrartikel, auf die man in Teuerungsverhältnisse und der sehr günstigen Konjunktur Lohn So lautet der Grundton der Zeitungsartikel über die Situation, die Deutschland ebenfalls mehr oder weniger auf Amerifa angewiesen forderungen einzureichen. Dieser Bewegung werden sich wohl auch nach dem 1. März, d. i. nach Ablauf des deutsch- amerikanischen ist, find Kupfer( 14 Millionen) und Petroleum( 81 Millionen), die Arbeiter in den braunschweiger und Leipziger Braunkohlenbecken Handelsabkommens, entstehen wird. Daß ein neuer Handelsvertrag Schmalz figuriert mit 15 Millionen in der Zusammenstellung.- auschließen. Auch hier sind die Werke ohne Ausnahme voll be= oder auch nur ein Provisorium zu stande kommt, ist aus- Wir verkennen die günstige Position der Vereinigten Staaten schäftigt. Eifrig wird auch nach neuen Kohlenfeldern geschürft und geschlossen. In Washington hat man sich mit dem Aus- durchaus nicht, aber daß man so leichten Herzens einen so guten werden neue Schächte niedergebracht. Der Belegschaftsstand wird bruche eines Boultrieges abgefunden und trifft bereits die Kunden wie Deutschland verliert, als es den Anschein getvinnen ergänzt durch preußische, polnische, galizische und vereinzelt auch entsprechenden Maßnahmen. Schon in der allernächsten Zeit wird könnte, zu dem Glauben schwingen wir uns nicht auf. Dazu sind russische Arbeiter. dem Kongreß eine Vorlage über die Einführung eines Marimal- die Amerikaner doch zu fmarte Kaufleute. Gewiß, die amerikanische Mit diesen flucktuierenden Arbeiterelementen sucht man die Löhne und Minimaltarifs zugehen. Als Minimalsäge haben die hohen Baumwolle ist unserer Textilindustrie ein unentbehrliches Roh- und die sonstigen Arbeitsverhältnisse auf dem niedrigsten Niveau zu Zollraten des Dingley- Tarifs zu gelten; kommt der Marimaltarif material wenigstens vorläufig noch. Aber die Bäume halten, oder gar, trotz der glänzendsten Geschäftslage, auf einen in Anwendung, was bei dem Zollfrieg mit Deutschland der Fall wachsen nirgends int den Himmel. Schon jezt denkt tieferen Status herabzudrücken, was ja infolge der enormen Versein wird, so erfolgt ein Zuschlag von 25 Prozent. Parteioffiziös man daran, die Produktion einzuschränken, um die Preife treiben teuerung der Lebenshaltung bei gleichbleibenden Löhnen erreicht wird. wird aus Washington der hiesigen Tribüne" gemeldet, daß die zu können, die Erzeugung wächst schneller als der Verbrauch. Will Führer im Kongreß sich auf die schleunige Annahme der neuen Vor- man etwa Deutschland überhaupt keine Baumivolle mehr verlage, die auch die Zustimmung der Regierung hat, geeinigt haben. kaufen oder nur für Deutschland den Bezug erschweren? Das ( Heiterkeit und Beifall rechts.) 11 Uhr. Aus Induſtrie und Handel. Deutsch- amerikanische Handelsbeziehungen. " uns. " Dienstag, den 6. Februar, 8 Uhr abends Geffentliche 15/20 Protest- Versammlungen 0 Tages Ordnung: 1. Lebensmittel- Vertenerung und Steuervorlagen im Reichstage. 1. Wahlkreis: Armin- Hallen, Kommandantenstr. 20. 99 Spree- Hallen, Kirchstr. 13. II. Wahlkreis: Hofjäger- Palast, Hasenheide 52/53. " Bühlkes Salon, Dennewißftr. 13. III. Wahlkreis: Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. IV. Wahlkreis: Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. " Graumann, Naunynstr. 27. " Keller, Koppenſtr. 29. 99 Boeker, Weberstr. 17. Litfin, Memelerstr. 67. V. Wahlkreis: Altes Schützenhaus, Linienstr. 5. VI. Wahlkreis: Berolina- Säle, Schönhauser Allee 28. " Wernau, Schwedterstr. 23/24. VI. Wahlkreis: Hensel, Invalidenstr. 1a. Milbrodt, Müllerstr. 7. odbl 99 Wedekind( Schirm), Badstr. 19. 53. Kösliner Hof, Köslinerstr. 8. " Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. Swinemünder Gesellschaftshaus, 19 Swinemünderstr. 42. " Rixdorf: Hoppes Festfäle, Hermannstr. 49. Charlottenburg: Volkshaus, Rosinenstr. 3. Schöneberg: Obsts Festfäle, Meiningerstr. 8. hus Pankow: Roczyki, Kreuzstr. 3/4. Ober- Schöneweide: Schloßpark Wilhelminenhaf Lichtenberg: Göhrsch, Kronprinzengarten, Frankfurter Chauffee 86. Referenten sind Genossen: Albrecht, Borgmann, Düwell, Ebert, Fräßdorf, Dr. Gradnauer, Glocke, Grenz, Herbert, Kiesel, Kühn. Ledebour, Liebknecht, Lipinski, Molkenbuhr, Nitschke, Peus, Schmalfeldt, Robert Schmidt, Schöpflin, Sindermann, Stadthagen, Ströbel, Südekum, Zubeil. Das Erscheinen aller Genossen und Genossinnen ist Pflicht! Der Aktions- Ausschuk. Deutscher Holzarbeiter- Verband| Orts- Krankenkasse Ortsverwaltung Berlin. Mittwoch, 7. Februar, abends 8% Uhr: des Maurergewerbes. Vertrauensmännerversammlungen: Das Rassenlokal, Holzmarktstr. 48a, bleibt bei Wildner, Friedrich wegen Umzug den 8. Februar cr. geschlossen. Bezirk Oestliche Vororte: 11, Friedrichsberg. Vom 9. Februar ab befindet sich dasselbe Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Werkstattangelegenheiten. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Nordosten: bei Mann, Strausbergerstr. 3. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Wahl von Kommissionsmitgliedern. NB. In dieser Versammlung werden die neuen noch restlichen Ber trauensmännerfarten ausgegeben. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Mitgliedsbuch und Karte legitimiert. Osten I, Osten II: bei Litfin( Gesellschaftshaus„ Ostend"), Memelerstr. 67. Tagesordnung: 1. Bericht der Dbleute. 2. Werkstattangelegenheiten. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Kakuschke, Schänzle& Ottofülling, 79/12 NB. Bezirk Osten II. Zu dieser Versammlung find die Kollegen folgender Werkstätten hiermit eingeladen: Gerlach, Scholz. Sönigsbergerstr. 9. Kerschat, Gerlach, Engel, Stönigsbergerstraße 10. Knieschke& Co., Stänigsbergerstr. 7. Heinisch, Ziolkowski, Rüdersdorfer ftraße 47. Klotz, Noack, Reichelt, Träger, Posenerstr. 29. Eckart, Gubenerstr. 5. Tannhäuser, Gubenerstr. 10. Kakuschke, Springer, Gubenerstr. 59. Bähre, Memelerstr. 27. Kristupeit, Memelerstr. 22. E. Otto, Memelerstr. 29. Pertz& Liebenow, Memelerstr. 9. Beyer. Meltz, Mühlenstr. 38. M. Klee, Stralauer Allee 22. Südosten: bei Mass, Manteuffelstr. 95. 23975* Sophienstr. 6, rechts III. Hof. Der Vorftand. Zentral- Verband der Glaser Deutschlands Ortsverwaltung Berlin. Sektion der Bilderglaser( Einrahmer). Donnerstag, den 8. Februar 1906, abends 7 Uhr, im Gewerk. schaftshaus", Engel- Ufer 15, Saal 2: Versammlung. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, welcher in Rahmenfabriken( Bilderwerkstellen) arbeitet, unbedingt zu erscheinen. Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. 97/20 Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit der Kommission. 2. Berkftattangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung werden die Kollegen der Werkstatt Bökel, Mustauerstr. 20, ersucht zu erscheinen. Süden: bei Gliesing, Waffertorftr. 68. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Werkstattberichte. 3. Ber bandsangelegenheiten und Verschiedenes. Westen und Süd- Westen: bei Habel, Bergmannstr. 5-7. 0 Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstattkontrollfommission. 2. Bericht der Werkstatt Vertrauensleute. 3. Verbands- Angelegenheiten und Ver fchiedenes. .bei Wernau, Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstattkontrollkommission. 2. Werk statt- und Verbandsangelegenheiten. Rosenthaler u. Schönhauser Vorstadt: Schwedterſtr. 23. Wedding und Gesundbrunnen: bei G. Milbrodt, Müllerstraße 7. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission und der Vertrauensleute. 2. Verbands- und Werkstattangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Bautischler. Bezirk I: bei möhring, Admiralftr. 180. Bezirk II: bei Zitz, Warschauerstr. 61. Bezirk III: bei Hube, Kopenhagenerftr. 74. Bezirk IV: bei Fortanier, Tegelerstr. 56. Die Stollegen der Firma Tell, Malmöerstraße, sind zu dieser Versammlung geladen. Möbelpolierer.= Für Osten: bei Kubat, Blumenstr. 38. Für Süd- Osten: bei Schulz, Staltherstr. 22. Für Norden: bei Maaß, Brunnenstr. 96. Mitgliedsbuch und Karte legitimiert. Jede Wertstelle hat die Pflicht, vertreten zu sein. Der Obmann. Drechsler und Treppengeländerbranche. Osten: bei Montag, Roppenstraße 41. Norden: bei Bergmann, Brunnenstr. 79. Südosten und Westen: bei Stramm, Ritterstraße 123. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Verfrauensmänner. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Jebe Werkstatt muß vertreten sein; auch die in Tischlereien befchäftigten Drechsler haben einen Delegierten zu entsenden. Aus Treppengeländerwerkstellen ist aus jeder Branche ein Delegierter zu entsenden. Rudai Brande der Mufikinftrumentenarbeiter im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 5. Tagesordnung: 1. Rechte und Pflichten der Vertrauensmänner. 2. Werkstattdifferenzen. 3. Bericht der Kommission und Verschiedenes. Jeder Betrieb muß bertreten sein. Die Branchenkommission. Modell- u. Fabriktischler, Modelldrechsler bei Wiesenthal, Aderftr. 123. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Branchenangelegenheiten. Der Obmann. 3. Verschiedenes. Die Adresse des Dbmannes ist G. Köppen, Nord- llfer 13. Stellmacher= bei Wohlfahrt, Rosenthalerstraße 57. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Vertrauensleute. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Branche der Kistenmacher abgebei Baudach, Breslauerstr. 28. Jebe Werkstatt muß vertreten fein! Juande Bilderrahmenmacher= bei Nagler, Alexandrinenstr. 103. Die Kommission erscheint eine Stunde früher. Branche der Korbmacher bei Hoffmann, Koppenstr. 47. Jeder Vertrauensmann ist verpflichtet zu erscheinen. Der Obmann. = Bürstenmacher bei Wohlfahrt, Rosenthalerstr. 57. Jede. Werkstattmuß durch einen Kollegen vertreten sein. Arbeitsnachweis: Rimmer 34. Almit IV, 3353. Mittwoch, den 7. Februar 1906, abends 84, Uhr Bezirks- Versammlung für den Süden, Südosten und sentrum im ,, Gewerkschaftshaus", Engel- llfer 15, großer Saal. Zages Ordnung: 1. Der Stand der heutigen Krankenversicherung. Referent: Genosse Bauer. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der wichtigen aktuellen Tagesordnung wegen wird zahlreicher Besuch erwartet. Mittwoch, den 7. Februar 1906, abends 8%, Uhr Versammlung der Drahtarbeiter Berlins und Umgegend im ,, Gewerkschaftshaus", Engel- Ufer 15, Saal 7. Zages Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Pawlowitsch über: Kriminalrecht und Strafvollzug". 2. Distuffion. 3. Verbandsangelegenheiten. Kollegen! Es ist Eure Pflicht, für guten Besuch dieser Versammlung zut agitieren! 111/19 Die Ortsverwaltung. Zentralverband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche Gruppe der Rabitzspanner. Mittwoch, den 7. Februar, abends 8 Uhr, im Lokale von Jannascht, Inselstraße 10: Mitglieder- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht und Neuwahl des Gruppenvorstandes. 2. Aufstellung von Kandidaten zum Sektionsvorstand. 3. Verschiedenes. 136/14 Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert, daß alle Mitglieder der Gruppe in der Versammlung erscheinen. Der Vorstand. Achtung! Kleber. Achtung! Mittwoch, den 7. d. M., abends 8 Uhr, bei Augustin, Oranienstr. 103: IF Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Sander. 2. Diskussion. 3. Bereins angelegenheiten. Zahlreichen Besuch erwartet 177/4 Die Verbandsleitung. Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68 In unserem Verlage erschien: onntage eines großstädtischen Arbeiters S in der Natur mit einem 9 Don Curt Grottewitz, Borwort von Wilh. Bölsche Mit Buchschmuck und dem Portrait des Verfassers Broschiert 60 Pfennig Gebunden 1 Mark Wilhelm Bölsche schreibt in seinem Vorwort: .3ch glaube, daß es in der ganzen Literatur nicht leicht wieder so schlichte Naturschilderungen gibt, mit so scheinbar allereinfachsten Mitteln, wie in diesem Büchlein." I Hat jemand Rheumatismus, Man achte auf Firma und Wort ,, Medico". Gicht, Gliederreißen. Nervenschmerzen, Hüftweh( Jechiae), Hegenichuk, Geschwulit 2c. der gebrauche Electricum"( eth Stefernabelnur Reichel's 99 Waldwollöt). Ginfaches u. unschädliches Naturprodutt von starter. ourchareifender. forott schmerzftillenber Wirtung. Electricum wirft wie elektrifierend auf den Körper. 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Jahrgang. 2. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 6. februar 1906. Lehrer Nickel im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen. Hätte wenden tönnen, stellte der Verteidiger den Antrag, Beweis wesen sei.- Der Gerichtshof hielt eine weitere Beweisaufnahme 03 geflagte sich mit seiner Beschwerde an den Landwirtschaftsminister b. Dettingen gehabt, die Form des Artikels eine sehr maßvolle gebarüber zu erheben, daß der Angeklagte wieder nicht für nötig, da der Angeklagte der Mittäterschaft nicht überführt holt sich an das Ministerium beschwerdeführend erscheine. Das Gericht erkannte daher auf Freisprechung Der Trakehner Schulprozeß", der seit sechs Jahren die Deffent- ge to a ndt habe, daß seine Eingaben aber jedesmal unter Auferlegung der Kosten des Verfahrens auf die Staatskaffe. lichkeit beschäftigt, wurde heute wieder vor der 7. Straftammer des Bem Herrn v. Dettingen zur Berichterstattung zugesandt Damit ist nun endlich nach sechs Jahren der völlig schuldlose Landgerichts I verhandelt. Vor dieser stand abermals der Lehrer und dann auf Grund dieser Berichte erfolglos ge- Lehrer freigesprochen. Lebhaft zu bedauern bleibt, daß abgelehnt ist, Otto Nickel, früher in Trakehnen, jetzt in Berlin, blieben seien. Von besonderem Interesse war ein Beweis über die den Tiefstand unseres Volksschulwesens so tennzeichnenden wegen Beleidigung des Landstallmeisters von Dettingen. antrag, den Rechtsanwalt Sonnenfeld dahin vortrug: In der Trakehner Schulverhältniffe abermals Beweis zu erheben. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektors Dr. Menz, die An- Schula bteilung der Regierung Gumbinnen fizen In den früheren Verhandlungen wurde erwiesen, daß flage bertrat Staatsanwaltschaftsrat Dr. Nölting, die Ver- zwei Regierungs- Schulräte und ein juristischer Regierungsrat. Als der Landstallmeister von Dettingen Lehrern Fahrgelegenheit teidigung führte Rechtsanwalt Sonnenfeld. Es handelt fich, diefer beurlaubt oder versetzt und ein anderer zu feiner Vertretung verweigerte, in einigen Fällen ihnen Schweinewagen als wie bekannt, um dem verstorbenen Sanitätsrat einberufen war, sei auf Veranlassung des Herrn v. Dettingen ein Transportmittel anbot. Erwiesen wurde, daß Lehrer annahmen, Dr. Paalzow im Februar des Jahres 1900 in der Fachzeitschrift Bericht an das Landwirtschaftsministerium gegeben worden als er habe versprochen, er wolle sie zwiebeln und knechten. Erwiesen " Der Pferdefreund" beröffentlichten Artikel unter der Ueberschrift Unterlage für ein einzuleitendes Disziplinarverfahren. Der wurde, daß er nichtsozialdemokratische Lehrer als Sozialdemokraten " Graf Lehndorff und die preußische Gestütsverwaltung". Zu diesem Lehrer Nickel habe gerüchtweise davon gehört, auf seine bezeichnete. Erwiesen wurde, daß die Schullehrer- und ArbeiterArtikel, durch den sich der Landstallmeister v. Dettingen beleidigt Anfrage hätten aber die Schulräte dies für unmöglich erklärt, da sie wohnungen aus ungefunden Räumen bestanden. Erwiesen, daß die fühlte, hat der Angeklagte Nickel den Sanitätsrat Dr. Paalzow auf ja davon wissen müßten und nach ihrer Kenntnis ein Grund zu nötigsten Reparaturen nicht vorgenommen wurden, während für die dessen Anfragen einiges tatsächliches Material geliefert. Die Er- einem Disziplinarberfahren nicht vorliege. Dieser Bericht, so Behausungen der Pferde und höheren Pferdebeamten reichlich Geld öffnung des Hauptverfahrens datiert vom 23. Mai 1900. Lehrer wird in dem Beweisantrage behauptet, sei ohne wissen der vorhanden war. Dennoch hatte das Gericht in der Charakterisierung des Nickel behauptete, daß er Herrn Dr. B. zwar mündlich und Schulräte, gezeichnet von der Schulabteilung, an Verhaltens des Landstallmeisters, insbesondere in dem Vorwurf der schriftlich einige tatsächliche Daten geliefert, an der Form des das Ministerium gelangt. Als der Kultusminister Schifanierung eine Beleidigung erblickt. Da das Gericht den Lehrer Artikels selbst aber keinen Anteil, dieſen vielmehr erst nach seiner Ver- durch die reglementsmäßige Uebersendung der Nickel ohne weitere Beweisaufnahme für schuldfrei erachtete, ist leider öffentlichung gelesen habe. Der Staatsanwalt behauptete das Gegen- Abschrift des Berichtes davon Kenntnis er auch über die von der Verteidigung neuerdings behauptete Art einer teil und folgerte dies aus den Briefen und einem Korrekturbogen, halten, habe er gegen die Richtigkeit Mi- amtlichen Berichterstattung Beweis nicht erhoben. Die Tatsache, daß die bei einer bei dem Angeklagten vorgenommenen Haussuchung ge- trauen gehabt und deshalb die Driginalatten die Staatsanwaltschaft der Beweiserhebung hierüber widersprach, ist funden worden sind. Die 7. Straffammer des Landgerichts I ver- der sämtlichen in Frage tommenden Lehrer sich für unser Prozeßsystem bezeichnend. urteilte am 24. Oftober 1902 den Sanitätsrat Dr. P. wegen tommen lassen. Er habe darauf an die Regie- Der Trakehner Schulprozeß bedeutet in sozialer Beziehung eine Beleidigung zu 300 M., den Lehrer Nickel wegen Beihülfe zu rung geschrieben, daß der Bericht nicht in Ueber- Anklage und Verurteilung der preußischen Schulverhältnisse. In 200 M. Geldstrafe. Letzterer legte Revision ein und erzielte einstimmung mit den Atten stehe, daß er deshalb juristischer Beziehung zeigt er, wie schuylos die Kritik schwerer Mißbeim Reichsgericht am 26. Mai 1903 die Aufhebung des den Bericht für unrichtig erklären müsse und sich in stände in Preußen- Deutschland ist. Wenn Nickel schließlich 11rteils. Die Sache wurde dann am 8. April 1904 abermals Zukunft einen solchen Vorgang verbitten müsse. Trozz- 7 Instanzen freigesprochen ist, so verdankt er das dem Nachweis, berhandelt; Nickel wurde damals wieder zu 200 Mark Geld- dem fei längere Zeit nachher Herr von Dettingen mit diesem daß er für die Wahl der zur Kritik gebrauchten Worte nicht verstrafe verurteilt, diesmal aber nicht wegen Beihülfe, sondern wegen als unrichtig bezeichneten Berichte unter Verschweigung des Um- antwortlich ist. Also erst der Nachweis der völligen Unschuld hat gemeinschaftlicher Beleidigung. Der Angeklagte legte abermals standes, daß er aufgehoben fei, zu verschiedenen Zeitungsredaktionen den Freispruch gezeitigt. Revision ein, diese ist aber am 4. Oftober 1904 vom Reichs- gegangen, habe ihn dort vorgelegt und gesagt, daß nicht nur in der gericht verworfen worden und das auf 200 M. Geldstrafe landwirtschaftlichen Verwaltung, sondern auch in der Schulverwaltung lautende Urteil gegen Nickel wurde damit rechtskräftig. so über den Angeklagten Nickel gedacht werde. Der Verteidiger im Lotale Schillingstr. 24, eine Versammlung ab mit der Tagesordnung: Der Sparverein für Freidenker hält am Mittwoch, den 7. Februar, Lehrer Nidel beantragte Wiederaufnahme des Ver- beantragte in dieser Beziehung die Einholung einer Auskunft 1. Bericht über die neuesten Vorgänge auf dem Gebiete der Feuerbestattung. fahrens, wobei er sich auf eine eidesstattliche Ver- vom Kultusministerium und die Vernehmung des Herri 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Berschiedenes. sicherung des Lehrers Schiebeck stüßte. Dieser Antrag von Dettingen selbst. Staatsanwaltschaftsrat Deutscher Arbeiter- Abstinenten- Bund. Ortsgruppe Berlin. ivurde zunächst von der Straffammer verworfen. Auf die Dr. Noelting widersprach der Vornahme diefer Mittwoch, den 7. Februar, abends 29 Uhr, im Englischen Garten, Alexander fofort hiergegen eingelegte Beschwerde ordnete jedoch das Beweiserhebung, da nut eine Verfehlung auf Grund des straße 27c: Bersammlung. Kammergericht die Wiederaufnahme des Verfahrens an. Bu der§ 185 angenommen werde. Dem Angeklagten stehe der§ 193 nicht nach Witterungsübersicht vom 5. Februar 1906, morgens 8 1hr. Barometer. stand mm Wind. richtung Windstärke Wetter gestrigen Verhandlung waren nur vier Zeugen geladen. Als zur Seite, da die Form des Artikels die beleidigende Absicht deutlich Schreibsachverständiger wurde Dr. med. Felix Meyer vernommen. erkennen laffe. Im übrigen blieb der Staatsanwalt bei seiner Er bekundete, daß die Korrekturen auf dem bei Nickel vorgefundenen Ueberzeugung stehen, daß der Artikel von Dr. Paalzow und dem Fahnenabzug mit der größten Wahrscheinlichkeit nicht von der Angeklagten verfaßt worden sei und beantragte wiederum Stationen Hand des Lehrer Nickel herrühren, aber viele Eigenschaften 3 to eihundert Mart Geldstrafe event. 20 Tage Gefängnis. zeigen, die sich in der Schrift des verstorbenen Dr. P. vorfinden. Rechtsanwalt Sonnenfeld führte dagegen aus, daß sein Klient Lehrer Schiebeck bekundete, daß der Korrekturbogen erst nach dem Er- unter allen Umständen freigesprochen werden müsse. Er habe nicht scheinen des Artikels in die Hände des Angeklagten gelangt sei. mehr behauptet, als sich beweisen lasse und nichts sei in der Beweis- Swinemde. 764 DND 2heiter Denn er fei dabei gewesen, als Nickel den Brief, der den Fahnen- aufnahme für eine Beihülfe oder eine Mittäterschaft des Angeklagten Hamburg 764 NNW 3 bededt abzug enthielt, von der Post abholte. Nach Vernehmung der erbracht, keinerlei Beweise lägen dafür vor, daß Nickel an Zeugen stellte Rechtsanw. Sonnenfeld noch eine Reihe von der Formgebung des Artikels mitgewirkt habe. Die gegen München 760 Beweisanträgen, die im wesentlichen auf eine Wiederholung der teilige Ueberzeugung des Staatsanwalts schwebe völlig schwebe völlig in Bien 758 NNW gesamten Beweisaufnahme der ersten Verhandlung hinaus der Luft und habe feine reale Unterlage. Eventuell liefen, da dem Angeklagten daran liegen müsse, stehe aber dem Angeklagten der Schutz des§ 193 zur Seite, denn den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Da im die Erhebung der heute von ihm gestellten Beweisanträge werde er- erheblichen Niederschläge. Letzten Gerichtsurteile auch darauf hingewiesen war, daß der An- geben, daß angesichts der Erlebnisse, die der Angeklagte mit Herrn 763 NO Berlin Frantj.a.M. 762 2 bedeckt 2 wolkig 2 Schnee 2Schnee Temp. n. C. 5° C. 4° R. Stationen Barometer ftand mm richtung Wind Windstärke 0 Haparanda 764 N -0 Betersburg 764 DND -1 Scilly -Oberdeen -6 Paris 770 NND 769 SW Better Zemp. n. C. 2 bedeckt-11 3bedeckt 4 wollig 1 bedeckt 763 ND 4 heiter Wetter- Prognose für Dienstag, den 6. Februar 1906. Bielfach heiteres Frostwetter mit mäßigen nordöstlichen Winden; keine Berliner Wetterbureau. Aus der Provinz und dem Auslande sind wir von unseren Kunden ersucht worden, den Sonder- Verkauf noch nicht zu beenden. Endgiltiger Schluss unwiderruflich am Montag, den 12. Februar, abends 9 Uhr. Viele Hunderte Herren- Anzüge von 8 Mk. 65 an. Kempinski Die Räume des Erweiterungsbaues sind eröffnet. BERLIN W. 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Sonntags 10-12, 2-4 feine Leute geschickt wurden, war ich gezwungen meinen Bedarf anderweitig zu decken. Die im Auftrage des Verbandes der deutschen Gastwirtsgehülfen von Herrn F. Braun unterzeichneten, gegen mich gerichteten Annoncen beruhen auf groben unwahrheiten. Ergebenst 25006 Oscar Cranz,„ Prachtfäle des Offens". Brauerei Ernst Engelhardt Nachf. Berlin- Pankow. Größte Malz- Bier- Brauerei in Deutschland. Hochfeines Spezialbräu: 52782* Malzbier- Faß vom gebraut aus echt Münchener Salvator- Malz. Gesetzlich geschützte Marke 54940. R 1, 2, 4- Hektoliter- Gebinden. Sozialdemokratischer Wahlverein Steglitz. Den Parteigenossen die traurige Mitteilung, daß unser treues Mitglied, der Genosse Franz Bordych am Sonnabend an der Proletarierfrankheit im 30. Lebensjahre berstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des hiesigen Kirchhofes aus statt. Wir erwarten eine möglichst zahlreiche Beteiligung. 202/3 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Robert Blessing am 2. Februar nach langer Krantheit verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 6. Februar, nachmittags 32 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 79/13 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Otto Hebert am am 3. Februar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 6. Februar, nachmittags um 22 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Friedhojes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 79/14 Die Ortsverwaltung. Es s ist leicht genug türkische Cigaretten mit mildem Geschmack herzustellen. Dies kann am einfachsten durch Verwendung hoch aromatischer Tabakblätter von mildem Geschmack erreicht werden. Man wird jedoch auf diese Weise eine ganz befriedigende Cigarette von feinster Qualität nicht herstellen können. Indem man die kräftigsten und leichtesten Tabake, die zu bekommen sind, verwendet, wie dies bei der Herstellung von JOSETTI CIGARETTEN der Fall ist, kann man durch sachkundige Zusammenstellung harmonischer Mischungen es ermöglichen, Cigaretten zu erzeugen mit vollsaftigem bouquetreichen Aroma und doch mild und lieblich im Geschmack. Das Geheimnis liegt einzig und allein in der richtigen Zusammenstellung der Mischungen. Es ist unmöglich eine solche zu erreichen, wenn einem nur Erfahrungen, die sich nicht über den Durchschnitt erheben, zur Seite stehen. Wir verfügen über die vereinigten Erfahrungen mehrerer sachverständiger Fachleute, die ein Lebensalter hindurch die Behandlung und Verarbeitung feinster türkischer Tabake praktisch betrieben haben und denen fortwährend das sachkundige Urteil der besten Kenner feiner Cigaretten unschätzbare Fingerzeige gegeben hat. Josetti Juno 10 St. 20 Pfg. Josetti Griseldis 10 St. 30 Pfg. Joselli Zentralverband der Töpfer Todes Anzeige. Am 4. Februar verstarb nach langem Leiden der Kollege Franz Bordich im Alter von 30 Jahren an der Proletarierkrankheit. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Steglizer Kirchhofes, Bergstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 195/6 Der Vorstand. 1111 ינג Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nachricht, daß am Mittwoch unser Kollege Fritz Rabe am im Alter von 48 Jahren an Bauchfellentzündung plöglich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 7. Februar, nach mittags 3, Uhr, vom Schau hause, Hannoverscheſtraße, aus nach dem neuen Heiland- Kirchhof in Plößensee statt. Um recht rege Beteiligung ersucht 136/16 Der Vorstand. Am 4. Februar, abends 12 Uhr, verstarb nach schwerem Leiden unfer innig geliebter Sohn und Bruder Gustav Heyse. Um stilles Beileid bitten Die trauernde Mutter und Brüder. Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 3 Uhr vom Trauerhause Siemensstr. 17 nach Möbel- Fabrik " Stern" Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. diesjährige General- Versammlung findet am 4. März 1906, vormittags 9 Uhr, in unserem Geschäftslokal, Markus str. 18, statt. Tages Ordnung: 1. Abrechnung vom Geschäftsjahr 1905. 2. Wahl des Vorstandes und des Aufsichtsrats. 3. Verschiedenes. Die Bilanz liegt zur Einsichtnahme für die Genossen im Geschäftslotale aus. Der Vorstand. Felzer. Kornetth. 24815 Kranken UnterstütungsT u. Begräbnis- Verein dem Heilands- Kirchhofe in Plögen für bau- und gewerbliche see statt. Hierdurch sage ich allen Freunden und Kollegen für die herzliche Teilnahme und die schöne Kranzspende bei der Beerdigung meines lieben Mannes Hermann Pietz meinen innigsten Dank. 24955 HELPIN THOS • Hülfsarbeiter Berlins und Umgegend. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Adresse des 1. Kassierers folgende ist: Paul Schulz, Langeftr. 52, 2 Tr. Gleichzeitig machen wir bekannt, daß laut Beschluß der Generalversammlung vom 28. Januar d. J. der Beitrag vom 1. April d. J. ab um 5 Pf. Wwe, Berta Pietz. pro Woche erhöht wird, dafür aber die bis jetzt erhobene Extrasteuer in 37/2 Stempel: Fabrik Fortfall fommt.. von[ 56792* A.NECHT BERLI Robert Hecht, S.. Der Vorstand. 3. A. Paul Schulz. Craniener. 142. Das größte Brot für 50 Pf. liefert schnell und Sillig alle Arten Badware: 6 Stüd 10 Pfennig in Stempel Albrechts Bäckereien: in bester Wrangelstr. 135, Krautstrasse 19, Ausführung. 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Hiermit allen Arbeitern in der Zementbranche zur 9 Vorort Beilage des ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt Redaktion und Expedition: Berlin, Cindenitr. 69. Fernsprecher: Amt IV, 1983. Raubmord in Reinickendorf. Nr. 30. Dienstag, den 6. Februar 1906. Gordi in Reinickendorf, Oranienburger Chauffee 69/70, das Opfer m Sonnabendabend ist die Frau des Eiswerkbefizers Gustav eines Raubmordes geworden und unter dem Verdacht, die Tat berübt zu haben, wurde die Schwiegertochter der Getöteten, die 28 jährige Frau Martha Gordi geborene Nagel, in Friedrichsberg wohnhaft, verhaftet. Ihr Gatte, Mar G., der Sohn des Opfers, ist der Mitwisserschaft verdächtig. Ueber die Einzelheiten wird berichtet: Gustav Gordi wohnte mit seiner 1849 geborenen Ehefrau Jda feit 23 Jahren in Reinickendorf und feit zivei Jahren in dem Haufe des Gastwirts Lichtenstein, Dranienburger Chaussee 69/70. Sie hatten zwei Kinder, eine Tochter, welche in Reinickendorf verheiratet ist, und den zieiunddreißigjährigen Sohn Mag, der vor sechs Jahren die Ehe mit Martha Nagel einging. Der junge G., welcher bei seinem Bater als Arbeiter beschäftigt war, lebte mit seiner Frau nicht in bestem Einvernehmen. Vor etwa Jahresfrist verließ diese ihn und zog zu ihren Eltern nach Friedrichsberg. Nachdem es ihm aber ge= lungen war, mit seiner Frau sich wieder auszusöhnen, fand auch er vor kurzem bei ihr in der Wohnung seiner Schwiegereltern Aufnahme. Die junge Frau übte auf ihren Mann bedeutenden Einfluß aus und veranlaßte ihn wiederholt, bei seinen Eltern wegen Geldunterſtüßungen vorstellig zu werden. Der alte Gordi be Jnferate Sechsgeipaltene Kolonelzeile 20 Pfg. Bel größeren Aufträgen entsprechenden Rabatt. Wort zu sagen, wie notwendig der Besuch dieser Versamm zu zeigen, legte Rachow ein Zündhütchen auf die Diele und schlug mit lungen ist. In Massen muß das Proletariat in den heutigen dem Hammer darauf. Bei der Explosion sprizten ihm Teile des Versammlungen erscheinen und wuchtigen Protest erheben gegen Zündhütchens auf den linken Arm und brachten ihm eine hufeisenVolkes zugunsten einer kleinen Minderheit Besitzender. diesen permanenten Raubzug auf die Taschen des arbeitenden förmige Rißwunde am Ellenbogen bei. Infolge des starken BlutDie Versammlungen finden statt: 1. Wahlkreis: Arminhallen, Kommandantenstr. 20. Spreehallen, Kirchstr. 13. 2. Wahlkreis: Hofjäger- Palast, Hasenheide 52/53. Zühltes Salon, Dennewigstr. 13. 3. Wahlkreis: Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. 4. Wahlkreis: Sanssouci, Rottbuserstr. 4a. Graumann, Naunynstr. 27. Keller, Koppenstr. 29. Boefer, Weberstr. 17. Litfin, Memelerstr. 67. 5. Wahlkreis: Altes Schüßenhaus, Linienstr. 5. 6. Wahlkreis: Berolina Säle, Schönhauser Allee 28. Wernau, Schwedterstr. 23/24. Hensel, Invalidenstr. 1a. Wedekind( Schirm), Badstr. 19. Rösliner Hof, Röslinerstr. 8. Milbrodt, Müllerstr. 7. Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. verlustes mußte Rachow die Unfallstation in der Huttenstraße auffuchen, wo ihm die Wunde verbunden wurde. Reinickendorf. In der letzten Gemeindevertretersitung wurde, wie wir schon berichteten, auch ein Antrag verhandelt, nach dem die Gemeinde für angefertigte Pläne einer zu erbauenden Hochbahn einen Teil der Kosten tragen sollte. Die Pläne waren nicht von der Gemeinde bestellt, sondern von einem Komitee, welches aber keinerlei amtliche Legitimation besaß. Potsdam. Die Stadtverordnetenversammlung brachte in ihrer Sigung vom 2. Februar cr. eine vierstündige Redeleistung zustande. Trok dieses Rekords wurde die normale Tagesordnung aber doch nur zur Hälfte erledigt. Der qualitative Wert dieser vierten Sigung im neuen Jahre entsprach leider nicht ihrer Quantität. Denn der langen Reden kurzer Sinn war meistens der: es bleibt alles beim alten. Aus der Rede des Oberbürgermeisters find folgende Aeußerungen hervorzuheben: " Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünderstr. 42. vollzogen wird, wir auf Schritt und Tritt in der Ent Rigdorf: Hoppes Festsäle, Hermannstr. 49. Charlottenburg: Voltshaus, Rosinenstr. 3. Schöneberg: Obsts Festsäle, Meiningerstr. 8. Pankow: Noczyki, Kreuzstr. 3/4. Ober- Schöneweide: Schloßpark Wilhelminenhof. Lichtenberg: Göhrsch, Kronprinzen- Garten, Chauffee 86. Frankfurter Der Vorstand. Bon der Straßenbahn wissen wir, daß bevor nicht die Umwandelung der Bahn in eine elektrische widelung unserer Stadt gehemmt werden, und wir fönnen nur den Wunsch hegen, daß die Entscheidung in dieser hochwichtigen Angelegenheit recht bald erfolgen möge. Ich hoffe, daß der Mann, der Ihnen im nächsten Jahre den Etat für 1907 überreichen wird, Ihnen die Vollendung des Baues der elektrischen Straßenbahn mitteilen fann." Ganz hübsch gefagt! Aber, aber:" Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!" " figt etwa zehn Minuten von seiner Wohnung entfernt einen auf freiem Felde zwischen der Dranienburger Chaussee und der Kolonie Wilhelmsruh gelegenen Eisschuppen. Neben diesem hatte er einen ausrangierten Eisenbahnwagen aufstellen lassen, in welchem die Eheleute häufig übernachteten. Sie hatten den Wagen wohnlich hergerichtet und hielten sich dort im Winter, ständig auf, um sich gegen Diebstähle an ihren Eisgeräten zu schüßen. Sonne abendabend gegen 126 Uhr hatte sich Gordi( Water) nach Reinidendorf begeben, um dort Einkäufe zu machen und kehrte gegen 147 Uhr nach der Winterwohnung zurück. Als er die Tür öffnete, fand er seine Frau am Erdboden in einer großen Blutlache liegen; ihr Kopf tvar mit einem Beil vollständig zerschmettert. Das Geficht Aus dem sonstigen Inhalt des ziemlich rosagefärbten Jahresberichts war bis zur Unkenntlichkeit entstellt, Gehirn- Reinickendorf- Ost. Heute Dienstag, abends 81%, Uhr, findet im teile und Blutspritzer flebten an den Wänden und Möbeln. Restaurant üde, Residenzstraße, Ede Pantower ist zu erwähnen, daß der Stadthaushaltsetat für 1906 mit 4047000 7. G. lief sofort nach dem Lichtensteinschen Restaurant, von wo aus Allee, der Disfutierabend statt. Genosse Schumacher spricht bilanziert. Eine Erhöhung der Gemeinde steuern ist nur deshalb vermieden, weil man alte Ueberschüsse mit verwandt hat. die Reinidendorfer Amtsbehörde telephonisch von dem Verbrechen über die sozialpolitischen Geseze. Rege Beteiligung erwartet Und trotz der offenkundigen Finanzmifere, einer Schuldenlast benachrichtigt wurde. Wie durch die Untersuchung festgestellt ist, war Der Vorstand. von über 7 Millionen und der an allen Ecken und Enden rückdie Frau erst durch einen Schlag mit dem Hammer, der G. gehörte, Reinickendorf- West. Parteigenossen! Am Dienstag, den 6. Fe- ständigen städtischen Einrichtungen spricht der Bürgermeister von betäubt worden, dann hatte der Mörder oder die Mörderin ein vorgefundenes Beil ergriffen und durch mehrere wuchtige bruar, findet der Diskutierabend im Lokale von Franke, Eichborn einer gedeihlichen Entwickelung" der Stadt, bie in ihrem langsamen Wachstum dem Baume mit schwachen Jahresringen Schläge die wehrlose Frau getötet. Die blutbejubelte Mordwaffe Straße 18, statt. Bahlreiches Erscheinen erwartet gleiche, der bekanntlich festeres und brauchbareres Holz liefere. wie auch der Hammer Tagen neben der Leiche am Boden. Wie weiter festgestellt wurde, ist ein Taschentuch mit ungefähr 900 Mark Steglit. Die Versammlung des Wahlvereins am Mittwoch, den Der Bürgermeister folgerte dies daraus, daß sich in den letzten zehn in Gold, welches Frau G. an einer Schnur befestigt in 7. d. M. fällt aus; dafür findet am Mittwoch, den 14. Februar, Jahren der Einheitsfaz der Gemeinde- Einkommender Taille verborgen trug, gestohlen worden. Der Mörder muß eine öffentliche Versammlung mit dem Thema:" Kommunal- teuer auf 24 Proz. mit 616 000 m. erhöht hat. Der Einheitsfah der Gebäude steuer beträgt jest 237 000 m., was einer Steige das Versteck genau gefannt haben. Auf dem nach der Tür wahlen" statt. rung um 15,7 Broz. entspricht.( Die tatsächliche Steigerung führenden Lehmweg wurden fremde Fußspuren entdeckt, deren Tempelhof. Die regelmäßige Mitgliederversammlung des Wahl- der Mieten beträgt natürlich noch mehr.) Daß die Schlacht schmale Form auf einen Frauenfuß deutete. Der Verdacht, den vereins findet morgen, Mittwoch, bei Müller, Berlinerstr. 41/42 mit steuer trotz vermehrter Einwohnerzahl( 61 000) um 6000 M. Mord berübt zu haben, wurde von dem Sohne des Gastwirts folgender Tagesordnung statt: 1. Vortrag des Genossen Zubeil über zurückgegangen ist und auch die Biersteuer 1000 m. weniger Lichtenstein auf die Schwiegertochter der Gemordeten gelenkt. Die Kommunalpolitik". 2. Aufstellung eines Kandidaten zur Gemeinde- eingebracht hat als im Vorjahre, ist natürlich ebenso ein Zeichen der alte Frau Gordi hatte schon mehrfach sich Frau Lichtenstein gegen bertreterwahl. Diese beiden Punkte der Tagesordnung werden hoffent- gedeihlichen" Entwickelung, wie die Mehr belastung der über geäußert, daß sie vor der Schwiegertochter Furcht habe. Als lich jedes Mitglied veranlassen, zur Stelle zu sein. Armenverwaltung um 14 900 m. die G. am 1. d. M. die Miete bezahlte, sagte sie zu Frau 2.: Bon den auf die Etatsrede folgenden größeren Vor= " Ich muß doch wohl vorsichtig sein, weil ich meiner Schwiegertochter Tegel und Borsigwalde. Mittwoch, abends 8 Uhr, findet in Mittwoch, abends 8 Uhr, findet in Tagen nicht traue. Ich fürchte immer, daß sie sich mit einer Bande in Ver- Trapps Festsälen" eine öffentliche Versammlung statt. Reichstags- ag en interessiert besonders die Anrampung der Neuen Reichstags- Königstraße a 11 der it euent Glienider Brücke. bindung setzt, um mich berauben zu lassen." Noch am Sonnabendabend abgeordneter b. Elm spricht über das Thema„ Mehr Macht". Nach all den vielen Wenn und Aber, die hierzu bon fand eine Haussuchung in der Wohnung der jungen Frau G. statt und es ganzen Borsigwalde. Der Diskutierabend fällt Dienstag der Volts- einer Reihe von Stadtverordneten gegen Den wurden dabei ein Baar mit einer frischen Lehmkruste bedeckte Stiefel sowie versammlung wegen aus. Magistratsantrag erhoben wurden, darf das eine als sicher gelten: etwas über 900 m. in Gold in einem mit Blut besudelten TaschenDie Stadt muß Kein wieder gehörig blechen. tuch vorgefunden. Darauf erfolgte die sofortige Festnahme. Die under! Denn wo die Stadt mit der Strone und der Regierung zuBerliner Kriminalpolizei, die telegraphisch von dem Vorfall benach fammen für die Baukosten aufzukommen hat, zieht der städtische richtigt worden war, fandte noch in der Nacht mehrere Beamte nach Steuerfädel naturgemäß in Ioyaler" Weise den türzeren. dem Tatort und Sonntag morgen trafen noch zwei KriminalWeißensee. Heute abend 81 Uhr findet im Vereinshaus, Von den kleineren Vorlagen interessiert die Bewilligung kommissare ein, die nunmehr bestimmt feststellten, daß die in der Charlottenburgerstr. 150, eine öffentliche Kommunalwähler- Verfamm von 500 m. für die am Sonntag nach Pfingsten hier stattfindende Wohnung der Verdächtigen aufgefundenen Stiefel in die entdeckten lung statt. Das Referat hat Genosse Grauer Lichtenberg über- Sanitätstolonnenübung. Bei der patriotischen" BeFußspuren, die gegen die Witterungseinflüsse durch eine Decke aus nommen. Wir ersuchen die Genossen, recht zahlreich zu erscheinen, deutung dieser uniformierten Staatsstügen ist es selbstverständlich, Segeltuch geschützt worden waren, paßten. Die beschuldigte Frau da sämtliche bürgerlichen Gemeindevertreter und Schöffen schriftlich daß die Bewilligung anstandslos" erfolgte. Nach einer langen Martha Gordi wurde noch am Sonntagmittag an die Leiche geführt, zu dieser Versammlung geladen sind. Das Wahlkomitee. und unfruchtbaren Debatte mit vielen Wünschen und Beschwerden leugnet jedoch hartnäckig, den Mord begangen zu haben. Auch ihr zu dieser Versammlung geladen sind. Mann, der Sohn der Ermordeten, soll verhaftet worden sein. Brit- Bukow. Heute abend 8%, Uhr Wahlvereinsversammlung beim Etat der städtischen Straßenbahn, deren Einnahmen um 10 000 Mart höher mit 282 825 Mart eingestellt sind, Die weiteren Ermittelungen haben noch erhebliches Belastungs- im Restaurant Wosinski( Landhaus), Chauffeestraße 97. Tages werden zum Schluß der Dauersizung noch 60 000. für Pflastermaterial gegen den Sohn der Ermordeten, Max Gordi, ergeben. ordnung: 1. Vortrag des Genossen Adolf Stern über Kirche und steine bewilligt. Der„ zarte Wint" des Herrn Polizeidirektors, An seinem Ueberzieher wurden Blutflede aufgefunden, über Arbeiterschaft". 2. Distusfion. 3. Vereinsangelegenheiten. Pünkt- betreffend die Verbesserung der Potsdamer Straßen, hat also doch deren Herkunft der Verdächtige feine genügende Auskunft liches Erscheinen aller Mitglieder erwartet Der Vorstand. einigen Erfolg gehabt. Sorgen wir dafür, daß es auch in geben konnte. Aufgefallen ist ferner, daß er seine Stiefel Der Sozialdemokratische Wahlverein für Nieder- Schöneweide anderer Beziehung hier bald besser wird, denn der Segen kommt forgfältig mit Waffer gereinigt und diese Reinigung selbst auf die hält am Dienstag, den 6. be. Mts., abends 8 Uhr, im Lofal von nicht immer von oben"... Sohlen und Abfäße ausgedehnt hat. Am Sonnabendabend gegen 16 Uhr Julius Fischer, Berlinerstrafte 17b seine Mitgliederversammlung ab. wurde G. von Bekannten auf der Oranienburger Chauffee gesehen. Er hatte, Tagesordnung: 1. Warum wählen wir. 2. Diskussion. 3. Auf obwohl es zu dieser Zeit nicht schneite, den Schirm aufgespannt und stellung des Kandidaten zur Gemeindevertretung. 4. Verschiedenes. hielt denselben bei Annäherung von Personen derartig, daß man es ist Pflicht eines jeden Genossen, pünktlich in dieser Versammlung sein Gesicht nicht erkennen konnte. Die Polizei gewinnt immer zu erscheinen. Der Vorstand. mehr die Ueberzeugung, daß Gordi feine Mutter ermordet hat, während seine Frau Schmiere gestanden haben dürfte. Hierauf deutet auch der Fußabdrud, welcher nach dem Befunde des Stiefels der Frau G. von dieser herrühren dürfte. Als weiterer Belastungszeuge tritt neuerdings das vierjährige Söhnchen der jungen Gordischen Eheleute auf. Der Stnabe, ein intelligentes Kind, war, Beim Experimentieren verunglückte am Sonnabend der stud. chem. nachdem das Ehepaar fich Differenzen halber getrennt hatte, bei den Eltern des Mannes in Pflege. Eines Tages äußerte der Knabe: Baul Landauer aus der Leibnizstr. 21. Er stellte im chemischen Laboratorium in der Technischen Hochschule Versuche mit Brom an, „ Mutter hat gesagt, ich solle nur beten, daß Großmutter bald stirbt, aber Großmutter ist ja gut, ich weiß nicht, weshalb sie sterben soll" die Retorte platzte und die schwarze, sehr start äßende Flüssigkeit May Gordi hat den Knaben vor etwa acht Tagen von den Groß- prigte ihm über die rechte Hand und ins rechte Auge. Der Student eltern weggeholt und zu Verwandten in Pflege gegeben. Bemerkens- mußte sofort die Unfallstation in der Herzstraße aufsuchen, wo ihm wert ist, daß das junge Gordische Ehepaar vor etwa vier Jahren die Brundwunden verbunden wurden. Hermsdorf und Waidmannsluft. Donnerstag, abends 8 Uhr, findet im Forsthaus" eine Voltsversammlung statt. Reichstagsabgeordneter v. Elm spricht über das Thema„ Mehr Macht". Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Schöneberg. " " in seiner legten Generalversammlung befchloffen, feinen Namen in Der freisinnige Boltsverein von Schöneberg und Umgegend hat „ Liberaler Verein für Schöneberg" umzuändern, um, wie es in der Begründung heißt, eine Sammelstätte für alle Anhänger des entschiedenen Liberalismus zu schaffen, gleichgültig welcher Parteigruppe fie angehören. Uns will scheinen, als ob die Herren bei den letzten Stadtverordnetenwahlen ihre eigene Ohnmacht erkannt haben, weshalb sie den Streis ihrer Anhänger durch diese Namensänderung zu erweitern fuchen. Auf die weitere Entwickelung darf man wohl gespannt sein. 1966 Mart hat sich der Haus- und Grundbesigerverein die Befämpfung der sozialdemokratischen Kandidaten bei den diesmaligen Stadtverordnetenwahlen fosten lassen. Trotz alledem war aber der Erfolg dieses Kampfes gleich Null Beim Zerstören eines Feuermelders wurde in der gestrigen Nacht die jetzt Ermordete in ihrer Wohnung überfallen und ihr über Unfall beim Spiel. Am Sonntagnachmittag um 3 Uhr ver400 M. bares Geld abgenommen hat. Von diesem Gelde hat gnügten sich mehrere Knaben vor der Technischen Hochschule mit ein Student in Schöneberg überrascht. An der Ecke der Bahn- und Gustav Gordi etwa 200 M. zurückerhalten. Die Gerichtskommission dem Werfen von Schneebällen. Sehr bald artete jedoch ihr kind- Stubenrauchstraße beobachtete der Klempner D., Hauptstr. 7 wohnist am gestrigen Rachmittag um 3 Uhr am Tatorte eingetroffen. Partei- Angelegenheiten. Die Lebensmittelverteuerung und die Steuervorlagen im Reichstage liches Spiel aus und die jugendlichen Rangen bewarfen einander mit gefrorenen Erdstücken und großen Steinen. Dabei wurde der 14 jährige Laufburiche Gustav o cheifer aus der Gutenbergstr. 4 durch einen Steinwurf schwer am Stopf verlegt, sodaß er die Hülfe der Unfallstation in der Herzstraße in Anspruch nehmen mußte. Nach dem ihm hier eine 10 Zentimeter lange, bis auf den Knochen gehende Wunde am Hinterkopf berbunden war, konnte er bie elterliche Wohnung aufsuchen. haft, wie sich von vier jungen Leuten einer trennte, an den Feuermelder heranging und die Scheiben zertrümmerte. D. trat mun schleunigst hinzu und hinderte den Uebeltäter, der jedenfalls mutwilligerweise die Feuerwehr alarmieren Ivollte, an der den jungen Mann, der eine Studenten müße trug, durch einen Am Kaiser Wilhelmplag ließ er Ausübung weiteren Unfuges. Polizeibeamten feststellen. Der Vandale gab an, ein„ Vandale" zu fein, da er dem Korps Bandalia angehöre. Einer der Kommilitonen behauptete dem Schußmann gegenüber, er habe einen Bruder, welcher Polizeileutnant, und einen Ontel, welcher Polizeioberst jei. Durch diese Angaben ließ sich aber der Beamte keines wegs davon abschrecken, die Personalien des Doppel- Bandalen" ist das Thema, das heute abend in 24 großen Versammlungen Durch ein Zündhütchen verunglückte am Sonntag mittag der bei behandelt werden soll. Angesichts des Umstandes, daß die der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft beschäftigte Schloffer Mar erwerbstätige Bevölkerung die Wirkungen dieser von der Nacho w aus der Rostockerstr. 46. Seine Kinder hatten von SpielReichsregierung betriebenen Wirtschaftspolitik tagtäglich am genoffen mehrere Bündhütchen zum Geschenk erhalten und nach Hause eigenen Leibe verspüren muß, erscheint es überflüssig, noch ein I mitgebracht. Um ihnen die gefahrbringende Wirkung ihres Spielzeugs festzustellen. Johannisthal. Auch in unseren Ort hat das Modegift Einzug gehalten. Am Sonnabend abends 9 Uhr vergiftete sich der Arbeiter Otto Rostig an feinem 30. Geburtstage in angetrunkenem Zustande mit Lysol. Der Grund dieser Handlungsweise soll bei dem sonst fleißigen Arbeiter in Familienzwistigfeiten zu suchen sein. Rigdorf. die Hülferufe der verzweifelten Braut eilten Passanten hinzu, bei trat. Als die Frau das Blut abwischen wollte, erhielt fie ebenfalls deren Herannahen die Täter die Flucht ergriffen. Schwerverletzt rote Flecke an die Hände. Kurz darauf trat der Sohn ins Zimmer, wurde Sch. nach der Unfallstation in der Badstraße gebracht, wo am und als er an der Mutter das Blut bemerkte, glaubte er, sie sei vom Kopfe und im Gesicht eine ganze Reihe von Quetschwunden und Stiefvater mißhandelt und verlegt worden. Der junge Mensch andere blutige Verlegungen festgestellt wurden. Auf seinen Wunsch wollte die Mutter rächen, ergriff einen Revolver und schoß auf den wurde der Verlegte nach Anlegung von Notverbänden in die Woh Stiefvater. Die Kugel drang diesem in die Kniescheibe. Der Schwernung gebracht. Den gefährlichen Tätern ist man bereits auf der verwundete wurde nach der Unfallstation in der Lindowerstraße geSpur. bracht und gab dort an, er habe auch einen Schuß ins Gesicht bekommen, was jedoch nicht festgestellt werden konnte. Bis ins hohe Alter hinein ist bei uns für den Arbeiter gesorgt! Ein seltsamer Leichenfund wurde gestern auf dem Grundstück Richardstr. 80 in Rigdorf gemacht. In einer alten, verwitterten Droschke, die in einer Scheune untergebracht war, entdeckte man die Leiche eines bereits betagten Mannes. Ein hinzugezogener Arzt stellte fest, daß der Tod infolge eines Herzschlages eingetreten war. Die Polizei refognoszierte in dem Toten den am 4. Juni 1840 zu Falkenberg geborenen Gelegenheitsarbeiter Wilhelm Schulz. Vor Jahren war Sch. aus Rirdorf ausgewiesen worden und seitdem mußte er bis in sein hohes Alter hinein bettelnd in Rigdorf und in der Umgebung umherirren. Die Nächte verbrachte der Greis in irgend einem Schlupfwinkel. In der letzten Nacht hatte er in der Droschte Unterschlupf gefunden, wobei ihn ein plöglicher Tod von feinem traurigen Dasein erlöfte. Da Anverwandte des Verstorbenen nicht mehr eriftieren, so muß deffen Beerdigung auf Kosten der Armenverwaltung erfolgen. Nowawes Neuendorf. Die frei werdenden Mandate zur Neuendorfer Gemeinde- seiner Unterschrift und Verpfändung seines Sparkassenbuches hatte vertretung sind nach der kürzlich erfolgten Auslosung nunmehr endgültig festgestellt. Danach sind in diesem Jahre Wahlen vorzunehmen zur ersten Abteilung für die Herren Bitsch, Röhren und Dr. Rothe; zur zweiten Abteilung für die Herren Mienze, Meier und Häberer; zur dritten Abteilung für die Herren Delmann und Hönow; es sind demnach in der dritten Abteilung, welche für die Beteiligung der Arbeiterschaft allein in Betracht kommt, ein Hausbesitzer und ein Unansässiger zu wählen. Selbstverständlich sind die Vorarbeiten zu dieser Wahl bei den Sozialdemokraten wie bei den Gegnern in vollem Gange und es dürfte zu einem harten Kampfe kommen, der bei zusammensetzung der Neuendorfer Wähler nur dann zu einem Erfolge für die Sozialdemokratie führen kann, wenn jeder auf geklärte Arbeiter seine Pflicht und Schuldigkeit tut. Berliner Nachrichten. Die Schnljugend wird sich auf den 27. Februar freuen. An biesem Tage sollen aus Anlaß der Silberhochzeit des Kaiserpaares in allen Schulen Schulfeiern abgehalten werden; weder vor noch nach der Schulfeier soll an diesem Tage Unterricht erteilt werden. Die Zentralkommision der Krankenkassen macht hierdurch bekannt, daß sie vom 6. Februar bis 9. März 1906 mit Unterſtügung der Herren Professoren und Aerzte auch in diesem Jahre Hygienische Bortragsturje in den städtischen und Vororts- Gemeindeschulen abhalten läßt. Es werden im ganzen 12 solcher Kurse in verschiedenen Stadtgegenden Berlins und der Vororte abgehalten werden. Jeder Kursus wird fünf Vorträge unnfassen. Da nicht in allen Schulen dieselben Vorträge gehalten werden, findet ein Teil derselben an den Donnerstagen, der andere Teil an den Freitagen statt, damit jedem die Gelegenheit geboten ist, jedes Thema hören zu können. Die Vorträge beginnen präzise abends 8 Uhr. Im Anschluß an den etwa einstündigen Vortrag fann eine turze Disfuffion bezw. Fragestellung stattfinden. Die Vorträge resp. Diskussionen oder Fragestellungen müssen um 10 Uhr beendet sein. Die Teilnahme an diesen Kursen steht allen Krankenkassenmitgliedern von Berlin und Umgegend sowie deren Angehörigen unentgeltlich frei. Eine Legitimationsfarte ist zum Eintritt nicht erforderlich. Des Arbeiters höchstes Gut ist seine Gesundheit! Er muß wissen, wie er sie zu bewahren und zu erhöhen hat! Dies sollen ihn die Vorträge lehren. Durch einen regen Besuch mögen die Mitglieder der Krankenkassen und ihre Angehörigen unser Ziel erreichen helfen! Es werden im Laufe der nächsten Woche nachbenannte Herren Aerzte in den Aulen der städtischen Gemeindeschulen über das Thema:" Frauenkrankheiten und ihre Verhütung"( nur für Frauen) sprechen: am Donnerstag, den 8. Februar, Petersburgerstr. 4, Herr Dr. J. Zadel; Waldenserstr. 25/26, Herr Dr. Lohnstein; SchönHauser Allee 166a, Herr Dr. D. Backofen. Am Freitag, den 9. Februar, über:„ Erkältung und Abhärtung": Gneisenaustr. 7, Herr Dr. E. Schneider; Tilsiterstr. 4/5, Herr Dr. E. Adler; Pankstr. 8, Herr Dr. Th. Zlocisti. Herr Dr. A. Guthmann. 8. Februar, über das Thema: Verhütung", Herr Dr. L. Lilienthal. Gerichts- Zeitung. Preßprozeß. In einer Privatklage des Chefredakteurs der Braunschweigischen Landeszeitung", Dr. Eugen Sierte, gegen den Redakteur der Freien Deutschen Presse", B. Hüttchen, stand gestern Termin vor dem Schöffengericht an. In Anschluß an einige kritische Bemerkungen der Braunschweigischen Landeszeitung" über die Verhandlungen des Wiesbadener Parteitages der freisinnigen Volkspartei brachte die Freie Teutsche Presse" eine Briefkastennotiz über die Persönlichfeit des Dr. Sierke, durch die sich dieser beleidigt fühlte. Der Angeklagte erklärte gestern zu Protokoll sein Bedauern darüber, daß die Notiz infolge unrichtiger Information gebracht worden sei und erklärte weiter, daß die persönliche Integrität und der politische Entwickelungsgang des Dr. Sierke keinerlei Veranlassung zu Angriffen, wie sie in der Briefkastennotiz enthalten waren, geben. Die Klage wurde hierauf zurückgenommen und das Verfahren auf Kosten des Angeklagten eingestellt. Zwei entsehliche Brandunglücksfälle, die durch Fahrlässigkeit entstanden waren, kamen gestern vor dem Strafrichter zur Verhandlung. empfing, wie den Lesern wohl noch erinnerlich sein wird, der Der Mörder des Kellners Giernoth. Am 4. Dezember v. J. Eine furchtbare Ueberraschung wurde gestern morgen den Kindern 21 Jahre alte Hausdiener und Kellner August Giernoth, der bei der 47jährigen Witwe Ida W., Willibald Alerisſtr. 41, zuteil. Als seinem Bruder, dem Schneider Friz Giernoth in der Andreas- sie die Küche betraten, fanden sie die Mutter am Fensterkreuz straße Nr. 25 wohnte, den Besuch eines angeblichen Oberinspektors hängend als Leiche vor. Frühmorgens gegen 4 Uhr, als die Kinder Reimann aus Potsdam, der ihm auf sein Gesuch in der Zeitung noch im tiefen Schlafe lagen, hatte Frau W. heimlich das Bett vereine gute Stellung in einem vornehmen Restaurant in der Wannsee- laffen und sich in der Küche erhängt. Die Unglückliche war in gegend versprach, wenn er 500 M. Bürgschaft leisten könne. Der einem Anfall von Schwermut zu der Tat geschritten. Die Leiche ist junge Giernoth, der sich auf eine bessere Stellung freute, um seine polizeilich beschlagnahmt und in das Schauhaus eingeliefert worden. alte Mutter mehr unterstützen zu können, ging mit, nachdem er Wegen Liebeskummer hat sich gestern abend der 21jährige Ausweispapiere und ein Sparkassenbuch über 750 M. eingesteckt Kaufmannsgehülfe Paul R., der in der Müllerstr. 131 bei seinen hatte, und kam nicht wieder. Erst nachdem er bereits als Selbst- Eltern wohnte, das Leben genommen. Der junge Mensch trank in mörder beerdigt worden war, ergab sich, daß ein feiger Raubmörder, der Verzweiflung eine Flasche Lysol vollständig aus. dem er ahnungslos in die Falle gegangen war, ihn am Wannsee in der verschwiegenen Forst durch zwei Revolverschüsse in den Kopf niedergestreckt und der Papiere und des Sparkassenbuches beraubt hatte. Unter Benutzung der Papiere des Ermordeten, Fälschung sich der Mörder noch an dem folgenden Tage nachmittags um 5 Uhr von dem Geldvermittler Werner in der Friedrichstraße 22 auf Schuldschein und Wechsel unter dem Vorwande, daß er sofort in der Andreasstraße 71 eine Schankwirtschaft übernehmen wolle, ein Darlehn von 500 m. geben lassen. Erst dadurch, daß Werner am 11. Dezember durch einen Brief an die Fälligkeit des Wechsels erinnerte, und durch die nunmehr eingeleiteten Nachforschungen nach dem Vermißten kam die Ermordung des jungen Mannes an den Tag. Der Mörder hielt sich noch längere Zeit in der Gegend des Tatortes auf und erkundigte sich unter der Maste eines Vetters resp. Bruders des vermeintlichen Selbstmörders nach dessen Beerdigung bei der Frau des Gendarmen und dem Küster in KleinGlienicke. Dann verschwand er aus jener Gegend. Die Kriminalpolizei suchte zu ermitteln, wer hinter dem Oberinspektor Reimann stecke. Sie tam immer mehr zu der Ueberzeugung, daß der Mörder ein gewerbsmäßiger Verbrecher sein müßte, und richtete ihr be= sonderes Augenmerk auf die Kautions-, Sparkassenbuch- und Verfazschwindler. Beweise von Handschriften aus den Akten abgestrafter Verbrecher dieser und anderer Art wurden im Polizeipräsidium mit dem Schuldschein und dem Wechsel verglichen, auf die der 1. Wegen fahrlässiger Brandstiftung mit Todesfolge im Mörder unter dem Namen seines Opfers von Werner Geld erhalten Sinne des§ 309 Str.-G.-B. war der Handschuhwäscher Otto hatte. Eine Person nach der anderen schied aus, übrig blieb allein Drechsler, betreibt jedoch seit über 20 Jahren das Gewerbe eines der Lederarbeiter Karl Rudolf Hennig, ein gefährlicher, gewalttätiger Verbrecher, der schon schwere Gefängnis- und Handschuhwäschers. Zur Ausübung seines Berufes hatte er in dem Zuchthausstrafen verbüßt hat. Der Verbrecher hat zwei Schreib- Hause Großgörschenstraße 36 Räumlichkeiten gemietet, in denen er arten, er schreibt abwechselnd schräg und steil. Bu dem Hand- ſtändig größere Quantitäten Benzin aufbewahrte. Die Handschuhschriftenbeweis kommt hinzu, daß alle Leute, die den Oberinspektor wäsche selbst wurde von zwei Arbeiterinnen in der Weise vorReimann gesehen haben, ihn in dem Bildnis Hennigs sofort wieder genommen, daß die Handschuhe in großen Schüsseln mit Benzin erkannten, namentlich auch der Geldvermittler Werner, in dessen übergossen wurden. Infolge der sich entwickelnden Dämpfe, die Kontor sich der Mörder längere Zeit aufhielt. Daß Hennig ge- höchst explosibel sind, ist ein derartiger Betrieb äußerst gefährlich. sucht wurde, daß auf seine Ergreifung eine Belohnung von 500 M. Erst nach dem vorliegenden Unglücksfall wurde der Erlaß einer ausgeschrieben ist, war in Verbrecherkreisen schon bekannt, aber man Polizeiverordnung über bestimmte Vorsichtsmaßregeln in Betrieben, Eine derartige wußte bisher nicht, daß er wegen der Ermordung Giernoths ver- die mit Benzin arbeiten, in Erwägung gezogen. folgt wird. Jetzt ist auch dies Geheimnis fallen gelassen und es Polizeiverordnung ist nunmehr seit kurzer Zeit in Kraft. Am werden noch einmal alle Kräfte aufgeboten, um des Mörders hab- 19. Januar v. J. war das Dienstmädchen Radke und die Wäscherin haft zu werden. Hennig lebt jetzt vom Pfandscheinschivindel und Marie Gruner in der Küche mit dem Waschen von Handschuhen be= führt viele falsche Namen. Einmal nannte er sich auch Hennigs schäftigt. Der Angeklagte hätte hierbei bemerken müssen, daß eins und Kaulsdorf. Es steht fest, daß er am 13. v. Mts. in Nowawes, der Mädchen, trotz der offenen Benzinbehälter, die Küchenlampe am 17. in Strausberg, am 18. in Friedrichshagen und am 20. in angezündet hatte. Nach kurzer Zeit sollte sich diese Unterlassung in der schwersten Weise rächen. Die sich entwickelnden BenzinKarlshorst war. Er schwindelt mit gefälschten Pfandscheinen, die er sich auf den Namen Otto Kunze, Bernauerstraße 16, drucken ließ, dämpfe entzündeten sich mit lautem Knall an der Küchenlampe. dann nahm er den Namen Otto Wilfe, Schüßenstraße 9, an. Mit Im nächsten Augenblick stürzte das Dienstmädchen unter gellenden diesen Scheinen besucht er Schuhmacher unter der Maske eines Hülferufen mit brennenden Kleidern aus der Küche, während die Versicherungsagenten. Ein Versicherungsgeschäft kommt aber nie Gruner sofort so schwere Brandwunden erlitt, daß sie bewußtlos zustande. Im geeigneten Augenblick kommt Hennig vielmehr mit am Boden liegen blieb. Als der Angeklagte die Geistesgegenwart einem Pfandschein heraus. Der lautet über 10 M., die angeblich wiedererlangt hatte, trug er die am ganzen Leibe Brennende aus auf drei Felle gegerbtes Leder gegeben sind. Weil die Versicherung dem Flammenmeer heraus. Die Schwerverletzte verstarb jedoch auf 90 M. lautet, so muß das Unterpfand bedeutend mehr wert ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. sein, das darauf gegeben ist, und die Schuhmacher kaufen daher berücksichtigte, daß die größte Schuld an dem bedauerlichen Unglück dem erfolglosen Agenten auf sein Bitten gern die Scheine für die Verstorbene selbst trug, da diese die Lampe angezündet hatte, 10 M. ab. Erst wenn sie das Leder haben wollen, kommen sie und erkannte auf die niedrigst zulässige Strafe von einem Monat Gefängnis. hinter die Fälschung. Erst am Freitag will jemand den Mörder in Berlin gesehen haben. Wahrscheinlich wohnt er auch noch hier, natürlich unter einem falschen Namen. " Das Gericht 2. In der Wiege erstickt ist das kleine zweijährige Töchterchen der Seilersfrau Marie Reuscher, die sich gestern unter der Anklage der fahrlässigen Inbrandseßung eines Gebäudes, Der rote Sonntag" auf der Eselsburg" lautete ein Artikel, wodurch der Tod eines Menschen entstanden war, vor der 10. Strafden wir am 25. Januar veröffentlichten und in dem wir uns lustig kammer des Landgerichts I verantworten mußte. Die AnIn Schöneberg, Feurigstr. 61/62, Dienstag, den 6. Februar machten über die Maßnahmen, die der Chefredakteur der" Post" aus geklagte hatte am 3. November v. J.„ große Wäsche" und mehrere über das Thema:„ Wie hält der Arbeiter Nase und Ohr gesund?" Angst vor der„ roten Rotte" am 21. Januar zum Schuße der" Post" Windeln und sonstige Kinderwäsche zieds schnelleren Trocknens getroffen hatte. Wir hatten berichtet, daß zur Verteidigung des über den Kochherd auf einer Leine aufgehängt. In der Küche schlief In Borhagen Rummelsburg, Neue Volksschule, Frau R., Wühlischstraße, Dienstag, den 6. Februar über das Thema:„ Geschlechts- Beitungsunternehmens neun Angestellte der" Bost" nach dem Geschäft die kleine zweijährige Tochter in ihrem Kinderwagen. bestellt worden waren, um dasselbe im Falle eines Angriffs mit die von der Arbeit des Tages sehr müde war, hatte sich in einer frankheiten" Herr Dr. Abraham. Waffengewalt zu verteidigen. Nach Erscheinen unseres Artikels haben anderen Stube in eine Sofaede gesetzt und war eingeschlafen. Als In Rigdorf, Kaiser Friedrichstr. 4, am Donnerstag, den wir Tag für Tag fleißig die" Post" durchgesehen, ob die Mutige gegen 2 Uhr ihr als Schlafbursche bei ihr wohnhafter Schwager 8. Februar cr. über das Thema:„ Geschlechtskrankheiten", Herr einmal eine Antwort finden würde. Unsere Mühe wurde nicht be- heim kam, bemerkte er schon auf der Treppe starten Rauch. Nichts Dr. N. Silberstein. In Lichtenberg, Kronprinzenstr. 10, am Donnerstag, den lohnt und wir mußten uns refigniert in unser Schicksal ergeben. Der Gutes ahnend stürzte er sofort in die Küche, die er völlig mit Qualm Schreck vom 21. Januar mußte dem Herrn Chefredakteur doch zu angefüllt vorfand. Durch herausfallende Kohlenstückchen hatten Geschlechtliche Ansteckung. und ihre tief in die Glieder gefahren sein, als daß er hätte Worte finden sich die Wäschestücke und die im Kohlenkasten befindlichen Kohlen können. Aber eine andere Mitteilung ist uns zugegangen, um deren entzündet. Troz sofortiger Wiederbelebungsversuche durch den In Pankow, Grunowstraße, am Freitag, den 9. Februar Veröffentlichung wir gebeten werden, welcher Bitte entsprochen werden Dr. Oppenheim verstarb das unglückliche kleine Wesen an den über das Thema:" Die Hautpflege" ,. Herr Dr. Saalfeld. Folgen einer Kohlenorydvergiftung. Der Gerichtshof erIn Weißensee, Langhansstr. 120, am Freitag, den 9. Februar foll. Gin Stereotypeur schreibt: ,, 1. Es ist unwahr, daß mir bei der Bestellung zum Sonntag fannte auf Freisprechung, weil ein schadhafter Rost und die über das Thema:„ Kochkunst und Verdauung", Herr Dr. E. Singer. 6 Nummern der" Post" vom Chefredakteur vorgelegt worden sind. schlecht schließende Ofentüre die eigentliche Ursache des Brandes ge= Einen schweren Verlust hat der Verband der Maurer Im Gegenteil bin ich vom Faktor bestellt worden und ist die Be- wesen sein können. Die Staatsanwaltschaft hatte einen Monat durch das Hinscheiden des Maurers Friz Rabe erlitten. Rabe stellung eine solche gewesen, daß ich annehmen konnte, es liegt eine Gefängnis beantragt. gehörte zu denjenigen, die von der Pile auf ihre ganze Tätigkeit der Extraarbeit vor. 2. ist es unwahr, daß ich fünf Stunden mit dem Befreiung der Arbeiterklasse aus den Banden des Kapitals gewidmet Revolver gewartet habe. Ich bin die drei Stunden, welche ich im haben. Seit Gründung des Verbandes( 1891) stand Friz Rabe Geschäft war, nicht aus der Stereotypie herausgekommen; auch immer in den vordersten Reihen der Kämpfer; fein persön haben bei mir feine Differenzen, der Bezahlung wegen, bestanden, liches Opfer war ihm zu groß, um die Interessen sondern ich bin anstandslos nach dem Tarif entlohnt worden. feiner Kollegen zu wahren. Zu er R. Blume, Stereotypeur." allen Zeiten war bereit, mit aller Entschiedenheit für das Allgemeinwohl eint- Diese sogenante Berichtigung ist gottvoll, sie bestätigt in Wirtzutreten; allerdings war er auch häufig das Opfer der Maßregelung. lichkeit nur unsere Mitteilungen. Ob die Leute vom Faftor im In der Organisation bekleidete er das Amt eines Ausschußmitgliedes Auftrage des Chefs bestellt wurden oder vom Chef selbst, ist gänzund waltete in der selbstlosesten Weise seines Amtes. Noch vor lich unerheblich. Fest steht, daß sie zum Sonntag, den 21. Januar, einem Jahre war Rabe Vorsitzender der Sektion der Fliesenleger, nach der" Post" bestellt wurden und es wird niemand dem aber auch da noch als erster für die Intereffen dieser Gruppe tätig. Noch am Stereotypeur glauben, daß er als ahnungsloser Engel hinging, der Montag voriger Woche beriet er in einer Versammlung der Fliesenleger nicht wußte, warum. Daß keine Ertraausgabe, die sich übrigens die mit darüber, wie die Lohnbewegung der Gruppe zu führen sei. Im" Post" bei ihrem ständigen Dalles überhaupt nicht erlauben kann, Bertrauen auf das gute Gelingen der Sache ging Rabe am Dienstag geplant war, geht aus dem Umstande hervor, daß kein Seger und zur Arbeit, aber schon nach 11% stündiger Tätigkeit mußten ihn seine Redakteur anwesend war. Und diese Personen gehören eben dazu, Arbeitsgenossen nach Hause bringen, er war totfrank. Einen Tag später wenn eine Zeitung herausgegeben werden soll. Erfreulich ist, daß war er eine Leiche. Bis zum letzten Atemzug war unser Kollege die Arbeit" nach dem„ Tarif" bezahlt worden ist, daß aber für für unsere Sache tätig ,. uns allen ein Beispiel in der solche Arbeiten" ein„ Tarif" besteht, erfahren wir erst aus der ZuArbeiterbewegung, den Jüngeren ein Ansporn zu gleicher Tatkraft, schrift. den Aelteren ein Genoffe, auf dessen Wort und Tat fie jederzeit Eine Reparatur auszuführen, war gestern mittag der Rohrleger bauen konnten. Alle, die mit ihm in persönliche Berührung famen, werden seiner mit Wehmut, aber auch mit Stolz gedenken. An Krause nach der Buchholzerstr. 7 zu einem Tischlermeister Kühne be= seinen Grabe werden sich sich geloben, in seinem Sinne weiter zu stellt worden. An der Tür des Kühne Klingelte Strause, und als ihm wirken. Darin liegt für ihn die beste Ehrung. geöffnet wurde, trug er sein Anliegen vor. In diesem Augenblick schoß der Tischler mit einem Revolver auf den Rohrleger, traf aber " glüdlicherweise fehl. Hinzugerufene Schußleute überwältigten den Attentäter und brachten ihn nach der Wache, wo er später als irrfinnig erkannt wurde. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen- Direktion. Rindfleisch Ta 63-66 br. 100 Pfund, IIa 54-62, IIIa 49-53, IVa 39-47. Stalbfleisch Ia 82-90, IIa 65-80, IIIa 55-64, Schweinefleisch 69-79. Rotwild Hammelfleisch Ia 63-73, IIa 57-62. Bfund 0,40-0,50, Damwild 0,45-0,48. Hafen Stück 3,60-3,75. Kaninchen Stüd 0,95-1,10. Hühner pro Stüd, alte 1,60-2,80, junge 1,25-1,50, do. IIa 0,00-0,00. Tauben, junge 0,60-0,75, alte 0,50. Enten, Gänse pr. Pfd. Ia 0,00-0,00, IIa 0,00-0,00, russische junge 0,00. 0,40-0,60 M. Schellfische 00-00 M., Flunder 15-20 M. pro 100 vid. Schleie, groß 00,00 M. Male, groß 00,00, mittel 00,00, Hechte 00,00 M. Blößen 20-32 M., Karpfen 0,00, Rheinlachs 0,00, Seelachs 00,00 pr. 50 Sto. Schottische Vollberinge( gefalzen) 40-41 M. Gier, Schock 4,00. Butter pro 100 Pfund Ia 118-120, Ila 114-118, IIIa 110-114, abfallende 00-00. Kartoffeln pr. 100 Bfd. rote 2,00-2,20, Rojen 0,00-0,00, blaue 0,00-0,00, runde weiße 1,80-2,00. Wirfingfohl pr. Schoc 7,00-12,00, Weißfohl pr. 100 Bfb. 2,75-3,25, Rotkohl pr. Schock 6,00-10,00, holl. 14-16 m. Sauve Gurten, Schod 2,00 M., Pfeffergurten 2,00 m. Briefkaften der Redaktion. G. S. Senden Sie, bitte, einige Nummern der betreffenden Zeitung ein. Sie können eventuell ja auch gelegentlich persönlich in der Redaktion vorsprechen. Weihe. Fragen Sie bei der Zentralfommission der Krankenkassen, W. 2. 46. May Hennig, Kolbergerstr. 26. Engeluser 15, an. Aeltestes konz. August Lucas, Bergitr. 63, Wollwaren, Strimpfe, Trikotagen Leihhaus Ein schwerer Ueberfall ist in der Nacht zum vorgeftrigen Sonntag auf dem Gesundbrunnen ausgeführt worden. Der 23 jährige Kutscher Robert Sch., Gesellschaftsstr. 23 in Reinickendorf wohnhaft, war mit seiner Braut, einem hübschen jungen Mädchen, auf dem Heimivege begriffen. An der Weichbildgrenze in der Freienwalder Eine böse Revolveraffaire hat sich gestern abend in dem Hause ftraße tauchten plößlich mehrere verdächtige Gestalten auf. Sch. Uferstraße 12/13 abgespielt. Dort wohnt der 30jährige Chauffeur wurde von den Fremden angerempelt und als er sich dies verbat, Bruno Behms mit feiner Frau und seinem 142jährigen Stiefsohn. versuchten die dreiſten Gesellen, ihm die Braut vom Arme zu reißen. Geſtern abend kam B. in angetrunkenem Zuſtande na ule uge Als sich der Kutscher dagegen zur Wehr feyte, fielen die Burschen riet mit seiner Ehefrau in Streitigkeiten. B. stieß sich dabei in der Wilmersdorferstr. 40 I. Wollwaren, Strümpfe, Trikotagen, Charlottenburg, Spezial- Geschäft. Gegr. 1872. Otto Bredow, Hermannstr. 56. Rixdorf, Putz- und Modewaren. ie auf Stommando über ihn her und schlugen ihn zu Boden. Auf Erregung so heftig gegen den Kopf, daß Nasenbluten bei ihm ein- Hohe Beleihung. Diskr. Sprechzimmer Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.