Nr. 33. Bbonnemcnts-Bedinguintn: MdonnementS• Preis pränumeranda: Vierteljährl. 320 TOI., monoH. 1,10 TOI., wöchentlich 28 Psg. frei in» Hau». »inzelne Nummer 5 Psg. Sonnt-»«. nummer mit illullrterter Sonntags. Beilage.Die Neu« Seit' 10 Psg. Poll. Abonnement: 1,10 TOarl pro Monat. Stngetrageu in die Post. Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn I TOarl, für da» übrige Ausland » TOarl pro TOonat. SS. Jahrg. CrMitit tilg»» auBer montag», Vevlinev Volllsblntk. DK TnKrtlonS'GebQbr betrögt für die sechSgelballene koloncl, geilt oder deren Raum SO Psg.. für politische und gewerlschastliche Vereins. und BerlammlungS-Anzeigin 2ö Psg. „Ateine Hnreigcn", das erste(Jett- gedruckte) Wort 10 Psg., jede» weitere «ort b Psg. Worte über I» Buchsiaben gShien sür zwei Worte. Inserate silr die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werde». Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr donnittag» geöffnet. llelegramm. Adresse: „SalaMtASkrat Rtrlli" Zcntralorgan der Cozialdemokrati fehen Partei Deutfchlandd. Redaktion: 801. 68, Lindenetraeac 69. Fernlvrecher- Elm» IV. Sie. IMHA Donnerstag, den 8. Februar Expedition: 801. 68, Lindcnetraeae 69. JHrrnHirfrtjcr: Elm» IV. Nr. IWSt. Das Echo des roten Sonntags. Die Wahlrechtsdemonstration des preußischen Proletariats fand heute im R e i ch s t a g e ein vernehmliches Echo in der Verhandlung über den sozialdemokratischen Antrag, der für alle deutschen Bundesstaaten eine Ausdehnung des geheimen und direkten Wahlrechts auf alle AI Jahre alten Reichs- angehörigen ohne Unterschied des Geschlechts verlangt. ES ist zweifellos: ohne die energische Wahlrechtsagitation der Sozialdemokratie würde dieser Antrag von den Parteien kurzerhand abgetan worden sein, während ihm die Regierung überhaupt keine Beachtung geschenkt haben würde. In der durch die sozialdemokratische Wahlrechtspropaganda geschaffenen kritischen Situation wagte man nicht so leichthin mit dem Antrag umzuspringen. Zwar gab— gleich den Parteien der Rechten— auch das Zentrum die Erklärung ab, daß es aus verfassungsrechtlichen Gründen, da die Wahlrechtsfrage der Bundesstaaten nicht zur Kompetenz der Reichsgesetzgebung gehöre, auf den Antrag nicht näher einzugehen vermöge, allein es sah sich in seiner Erklärung doch zu einer Ver- urteilung des bestehenden Dreiklassenwahlrechts genötigt. Namentlich aber hielten es die beiden freisinnigen Parteien für geboten, sich insofern wenigstens der sozialdemokratischen Forderung anzuschließen, daß sie die Einführung des Reichstagswahlrechts auch für die Bundesstaaten forderten, ein Postulat, dem sich übrigens auch der polnische und der elsässische Redner anschlössen. Ein gewisies Aufsehen vollends erregte eS. daß diesmal auch die Negierung sich nicht in Schweigen hüllen zu dürfen glaubte, sondern durch den Mund des Grafen Posadowsky Stellung zu dem Antrag nahm. Diese Beachtung, die die Regierung dem sozialdemokratischen Antrag schenkte, empörte das christlich-reaktionäre Gemüt des Herrn Arendt derart, daß er dem Grafen Posadowsky allerhöchst seine Mißbilligung über diese Konzession an die roten Unruhestifter ausdrückte, ein Bevormundungsversuch, den Posadowsky freilich kurz und schroff ablehnte. Es ist also kein Zweifel: der rote Sonntag hat heute im Reichstag sein Echo gefunden. Ein noch dünneS Echo zwar. aber doch immerhin eine Resonanz. Aufgabe der Arbeiterklasse und ihrer Vertreterin, der Sozialdemokratie, ist es, dafür zu sorgen, daß das Echo immer vernehmlicher wird und zum Sturme anwächst, der die keifenden und höhnenden Stimmen der Reaktion verschlingt! Die offenen und heimlichen Verfechter der Dreiklassen- schmach boten natürlich alles auf, die Wahlrechtsagitation des Proletariats zu verspotten und zu verunglimpfen. Nicht nur die Herren Arendt und Graf R e v e n t l 0 w variierten den junkerlichen Trutzruf:„Nun erst recht nicht", sondern auch der Vertreter der Nationalliberalen, Herr Bassermann. leierte wieder das abgeschmackte Sprüchlein herunter, daß die Sozialdemokratie durch ihre ungestüme Agitation jede Wahl- rechtsreform, die sonst wohl die herrschende Klasse dem Prole- tariat gnädigst gewähren würde, vereitle, ja, daß der Ham- burger Wahlrechtsraub die direkte Antwort auf Jena gewesen sei. So sei die Sozialdemokratie in Wirklichkeit der„Schritt- macher der Reaktion". So etwas wagt ein Parlamentarier von Ruf Leuten gegenüber zu behaupten, die doch das letzte halbe Jahrhundert nicht etwa iin Monde, sondern in Preußen- Deutschland verlebt haben! Als ob nicht die moderne Klaffen- bcwegung des Proletariats, seine Loslösung von den bürger- licheii Parteien, gerade darauf zurückzufuhren wäre, daß die Arbeiter von den herrschenden Klaffen bisher stets als Heloten behandelt wurden I Diesem lächerlichen Gerede, dem man freilich in den letzten Wochen gerade auch in der frei- finnigen Preffe begegnete, trat denn selbst der freisinnige Abgeordnete Schräder entgegen. Sehr treffend warf er die' Frage auf. woher denn eigentlich die Sozial- demokratie komme! Die Sozialdemokratie sei doch gerade deshalb entstanden und so mächtig geworden, weil man die Arbeiter fortgesetzt schlecht und ungerecht behandelt habe. Es sei deshalb auch eine klägliche Ausrede, daß man mit der Gewährung des Wahlrechts an die Arbeiter erst warten müsse, bis diese sich von der Sozialdemokratie abgewendet hätten. Durch eine solche Taktik führe man der Sozialdemokratie gerade immer neue Anhänger zu! Die Begründung des sozialdemokratischen Antrages hatte Genosse B e r n st e i n übernommen, der die historische Ent- Wickelung und neuere Gestaltung des Wahlrechts in den Bundesstaaten eindringend beleuchtete. Bernstein sagte dabei auch dem Zentruni und dem Freisinn wegen ihrer zwei- deutigen uno schwächlichen Haltung in der Wahlrcchtssrage allerlei unangenehme Wahrheiten. Die Konservativen seien zu der Zeit, als der Fortschritt im Abgeordnetenhause dominierte, von dem Dreillassenwahlrecht keineswegs erbaut gewesen. Bismarck habe dies Wahlrecht ja damals das un- sinnigste und elendeste aller Wahlsysteme genannt. Nachdem aber dies so gebrandmarkte System allmählich zugunsten des Junkertums ausgeschlagen sei, habe man sich völlig daniit ausgesöhnt. Das sei bei dem brutalen Klassenegoismus der Junker begreillich. Weniger begreiflich fei es, daß das Zentrum seit den Jahren des Kulturkampfes keinen Ver- such mehr gemacht habe, diesem System schmählichster Volks- entrechtung zu Leibe zu gehen. Auch der Freisinn habe es an Energie in bedauerlicher Weise fehlen lassen. Ganz un- verständlich sei es ihm, daß der Freisinn sich nicht geschämt habe, die Vorteile dieses Systems für sich auszubeuten, indem er in Berlin alle neun Mandate für sich eingeheimst habe, ohne der Sozialdemokratie, die doppelt soviel Stimmen auf- gebracht habe, auch nur zu einem einzigen Mandat zu ver- helfen. Der englische Liberalismus sei eines so illoyalen Verfahrens unfähig! Er selbst gelte als Ver- trcter des Revisionismus, jener Richtung in der Partei, die den Gedanken der friedlichen Reform vertrete. Wie könne er aber mit gutem Gewissen diesen Gedanken in seiner Partei vertreten, wenn sich die herrschende Klasse in Deutschland auf den brutalen Vi acht st andp unkt stelle und der Arbeiter- schaft die elementarsten politischen Rechte hartnäckig verweigere! Nachdem ein Vertreter der Psefiersackrepubliken, Senator Klügmann, sich als durch Senilität geniilderter Scharf- macher Mugdanschen Schlages produziert und Stürme von Heiterkeit entfesselt hatte, nahm, nach den schon erwähnten Erllärungen der Rechten und des Zentrums und nach einer Rede des freisinnig-volksparteilichen Abgeordneten Träger, Graf Posadowsky das Wort. Daß man den Staatssekretär des Innern mit der Mission betraut hatte, bewies, daß die Regierung es für opportun hielt, diesmal statt einer Scharfmacherrede eine Flaumacherrede halten zu lassen. Graf Posa- dowsky brachte es denn auch diesmal fertig, eine Rede zu halten, die nicht Fleisch, nicht Fisch war. die bald das Zw geständnis enthielt, daß das Klassenwahlrecht der Bundes� staaten eine schrille Dissonanz zu dem Reichstagswahlrecht bilde und die Regierungen in eine schiefe Stellung bringe, bald darauf hinauslief, daß das Reichstagswahlrecht die in es gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt habe und sich für ein autoritätsloses Volk wie das deutsche eigentlich nicht schicke. Bismarck habe durch die Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts das Vorbild Napoleons III. nachgeahmt, der gerade durch das Plebiszit seine Stellung damals befestigt habe. Er habe durch das allgemeine, gleiche Wahlrecht den Freisinn mattsetzen zu können gehofft, gegen den er noch von der Konfliktszeit her erbittert gewesen sei. Leider hätten sich Bismarcks Hoffnungen, daß die Massen stets militär- bewilligungsfreundlich sein würden, nicht erfüllt. Die ver- bündeten Regierungen dächten gleichwohl nicht daran, das Reichstagswahlrecht anzutasten. Da die Arbeiterklasse nun sozialdemokratisch, also offen republikanisch sei, könne sie es doch der preußischen Dynastie, die Preußen durch die beispiellose staatsmännische Tüchtigkeit ihrer Glieder zu seinem gegenwärtigen Glanz emporgehoben habe, wirklich nicht zumuten, daß sie ihr, dieser antidynastischen Arbeiterklasse, auch in Preußen das allgemeine gleiche dirette und geheime Wahlrecht einräume. Stur die allerdümmsten Kälber wählten ihre Metzger selber! Graf Posadowsky stellt also erst dann Zugeständnisse in Aussicht, wenn die Arbeiterklasse sich zum Byzantinismus und Hurrapatriotismus durchgemausert hat! Diese kindliche Zu- mutung kann die Arbeiterklasse leider nicht erfüllen. Ebenso- wenig kann sie den Nationalliberalen und den» Zentrum den Gefallen tun, sich solange in Ruhe und Geduld zu fasseu, bis diese Parteien geruhen, den Zeitpunkt für die Durchführung einer Wahlreform für gekommen zu erachten. Das Proletariat hat denn doch zu viel aus der Geschichte, und speziell aus der Geschichte dieser Parteien gelernt, um sich in naive Vertrauens- seligkeit einwiegen zu lassen. Im Gegenteil: die Arbeiterklasse wird nun erst recht fort- fahren, die Dreiklassenschmach zu geißeln und diejenigen Par- teicn, die sie direkt oder indirekt aufrechterhalten, vor der breitesten Ocffeutlichkeit an den Pranger zu stellen! Am nächsten Mittivoch werden die sozialdemokratischen Redner der Regierung und den bürgerlichen Parteien die gebührende Antwort er- teilen. Ihre Kritik wird in alle Winkel der Heuchelei hinein- leuchten und alle Ausflüchte verlegen! Aber damit wird die sozialdemokratische Aktion nicht erschöpft sein. Das klaffen- bewußte Proletariat wird nicht nur Worte, sondern Taten heischen. Wenn daS Zentrum sich im Reichstag hinter Ver- sassungSbedenken verkriecht, so wird eS im preußischen Landtag offen Farbe bekennen müssen l Die Wahlrechtsfrage ist im Rollen und wird nicht wieder zur Ruhe kommen. Getreu den Lehren LassalleS wird die Sozialdemokratie das Bürgertum vorwärts treiben oder im Vernichtungskampf aufreiben. Mag die Bourgeoisie ihre Sorgen auch verhehlen— sie vermag ihre Unbehaglichkeit schon heute nicht mehr zu verbergen, das bewies die heutige Reichstagssitzung l. Die Revolution in Rußland. Von der„PazifizieruugSarbcit" in den Ostseeprovinze«. Das Morden und Brennen der„Strafexpedition" will immer noch kein Ende nehmen. Das wirtschaftliche Leben stockt vollständig. Die Volksschule» sind ohne Lehrer, weil wenigstens fünfzig im Laufe der letzten Wochen erschossen worden sind und die übrige» sich geflüchtet haben. Da die„Kreuz-Zeitung" sich in einer ihrer neuesten Nuiiunern wieder einmal aufregt, daß der„Vorwärts" die im Dienste Väterchens stehenden baltischen Junker(welche die Strafexpeditionen jetzt in den Oftseeprovinzen leiten) mit dem richtigen Namen be- zeichnet hat, so müffen wir unsrerseits der„Kreuz-Zeitung" wieder- um einmal mit einigen Tatsachen aus der allerletzten Tätigkeit dieser Edelhunnen dienen: Am 31. Januar wurden in P r e e k u l n (bei Libau) nach der„Libauer Zeitung" 12 Bauern erschossen und der Revolutionär Strauß an einem Telephonpfostcn aufge- hängt. In Dubenalken wurden mehrere Gehöfte nieder- gebrannt und der Sattler S. und Tischler I. erschossen. Die Expedition in dieser Gegend leitet Baron G. von Schröder mit zwei Dragoneroffizieren. In Schrunden und Frauenburg, mordete der KreischefSgehülfe Broe brich; in der Umgegend von Tukum Baron v. Li a a d e u. Am 20. Januar traf eine Dragonerbande unter Führung des Baron v. Drachenfels sogar in Blieben ein. wo die ganze Zeit Ruhe geherrscht hatte, durchsuchte daS Schul- und Gemeindehaus, verhaftete die Lehrer und den Gemeindeschreiber und erschoß e i n e n P a s s a n t e n, der auf die Frage:„Wer bist Du?" geantwortet hatte:„Ich bin ein Mensch." In Tarvasta ließ am 23. Januar Baron v. S i e v e r S sechs Menschen er- schießen, in Fell in— 24 Personen, trotzdem diese weinend be- teuerten, daß sie unschuldig find, in Tarvasta bekamen S Bauern auf Geheiß dieses HenkerhäuptlingS 2S bis 200 Rutenhiebe. In Kl. SaliSbury mordeten und brannten die Dragoner am23. Januar unter Leitung der Barone Kietinghof und Engelhardt, in E ck a u(bei Mitau) der junge KreischefSgehülfe v. Erzdorf- Kupfer. In D u r b e n hat man einen Müllerburschen er- schössen, der aus Furcht vor den Dragonern sich flüchtete. In Leegen sollten drei Knechte erschossen werden; da die Jnfanteriesoldaten zauderten, auf die an den Bäumen ge- bundenen Bauern zuschießen, so besorgten diese HenkerS» arbeit die adeligen Begleiter.— In den allerletzten Tagen hat die Henkerwirtschast auch in Riga ihre blutige Arbeit begonnen. In der Maschinenfabrik von Klein haben die Dragoner so gehaust, daß noch nach einigen Tagen blutige Spuren an den Wänden und Dielen zu sehen waren. Die Zeitung„DarbS" berichtet, daß täglich bewaffnete Patrouillen arretierte Arbeiter zum Matthias-Kirchhof hinausführen und hier erschießen. Nachher findet man nur die Leichen, von welchen die„Düna- Zeitung" nicht weiß, woher sie rühren, und oft diese Opfer auf Rechnung der Revolutionäre setzt. Von den am 29. Januar befreiten fünf Genossen erzählten alle, daß sie im Polizeiburean fürchterlich gepeinigt worden sind: Den Mund hat man allen mit feuchten Handtüchern verbunden, darauf die Genoffe» so- lange geschlagen, bis daS Blut aus Mund und?kase geströmt ist. Als sie auch hierauf nichts aussagten, hat man sie mit Nadeln hinter den Fingernägeln gestochen. Die übrigen in der Hast gebliebenen Genossen sind(mit AuSnahnie von einem, der sich im letzten Augenblick geflüchtet hat) am nächsten Abend auS der Stadt hinausgeführt und erschossen worden. Anstelle dcS Polizei- meisterS Gertik kommt der Baron v. G r 0 t h u ß. Libau, 6. Februar.(W. T. B.) I» Wainoden sind zwölf Personen vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden; daS Urteil wurde an zehn Verurteilten vollstreckt, den beiden anderen war es gelungen zu entkommen. Gärung in Petersburg. Petersburg, 7. Febr.(B. H.) In den hiesigen Schulen beginnen aufs neue die Unruhen. Das Larinsche Gymnasium mußte gestern ge- schloffen werden, weil die Schüler in gewaltsamer Weise die Wieder- aufnähme der entlassenen Lehrer und die Wiederaufnahme der ausgeschlossenen Kameraden verlangten. Zu den Militärrevolte» in Oftasien. Petersburg, 7. Februar.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) General Lencivitsch tele- graphiert ans Charbin unter dem 6. Februar: General Rennenkamps rückte am 5. Februar in Tschita ein, ohne daß es nötig war, Blm zn vergießen. Die Stadtbewohner sind entwaffnet worden; die Arbeit ist tvieder aufgenomnien. Etwa 290 Revolutionäre wurden festgenon, nien, inehrere Agitatoren sind geflohen. General Cholschtewnikow lvurde wegen Un- tätigkeit seines Postens enthoben und durch Syschewsky ersetzt. Nach dem Bericht des Generals Rennenkampf sichern die von den Generalen Polkownikow und Syschewsky getroffenen Maßnahmen die schnelle Beruhigung der Transbaikal-Gegend. In Wladi- ivostok und Charbin ist bei den Truppen alles ruhig. General Artamanoff berichtet aus Wladiwostok, daß Agitatoren sich auf Dampfern verbergen, eS herrsche völlige Ruhe. DaS dänische Kabel sei in einer Entfernung von 199 Meilen von Wladiwostok beschädigt. und die Verbindung mit Nagasaki sei unterbrochen. politilcke Qebcrncbt. Berlin, den 7. Februar. Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus verweigerte am Mittwoch, ent- sprechend dem Antrage seiner Geschäftsordnungskommission. die Ermächtigung zur strafrechtlichen Verfolgung des verant- wortlichen Redakteurs der Erfurter„Tribüne" wegen Be- leidigung des Hauses und beendete sodaim die Beratung des Etats des Ministeriums des Innern. In der Debatte klagten die verschiedensten Redner über den Mangel an Schutz- leuten in Großstädten, über die Unsicherheit in manchen Straßen und über die Behandlung des Publikums durch Organe der Polizei. Es sind das Klagen, die alljährlich wiederkehren und die wohl erst dann verschwinden werden, wenn mit dem jetzigen S y st e m völlig gebrochen wird. Zu cineiil heftigen Zusammenstoß kam eS zwischen dem polnischen Abgeordneten K 0 r f a n t y, der sich über die politische Polizei in den polnischen Landesteilen beschwerte, und dem Minister des Innern. Auch hier handelt es sich um Beschwerden, die seit Jahren unter den verschiedensten Ministerien vorgebracht wurden, ohne daß eine Aenderung eintritt, Beschwerden, die durch die eigenartige„Germani- sierungspolitik" der Regierung gezeitigt werden. Das Vor- gehen der Regierung stärkt lediglich die großpolnische Agi- fatlon un5 erreicht— wie alle Gewaltmaßregeln öas Gegenteil von dem. was es beabsichtigt. Die übrige Etatsdebatte war belanglos. Es wurden sämtliche Forderungen, darunter auch die 300 000 M. für ge- beime Ausgaben im Interesse der Polizei bewilligt. Ein- spruch gegen diesen Posten wurde auch in diesem Jahre von keiner Seite erhoben. Am Donnerstag wird sich das Haus aus Anlaß einer Zcntrums-Jnterpellation über das Unglück auf der Zeche „Borussia" unterhalten. Das Zentrum hat dem Reichskanzler den Gefallen getan und diese Angelegenheit vor das Forum des preußischen Landtages geschleppt, dessen Zusammensetzung dafür bürgt, daß die Wahren Ursachen des Unglücks hübsch verschwiegen werden. Nach Erledigung der Interpellation soll der Etat der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung bc- raten werden._ Zur Charakteristik des Flottenpatriotismus. Der Deutsche Flottenverein wendet sich wieder in einem seiner bekannten pathetischen, durch ihr Phraseniibermaß zum Spott heraus- fordernden Aufrufe an das deutsche Volk. ES dünkt den Leitern dieses Vereins in ihrer alldeutschen Bescheidenheit eine Pflicht- vergesienheit der Regierung, daß diese vorläufig nur pro Jahr 70 Millionen Mark mehr, als durch das Flottengesetz von 1899 fest- gesetzt worden ist, zum Ausbau der Flotte fordert. Zwar schivellen ohnehin die Ausgaben für die Marine enorm an und werden lohne die Neuforderungen) bereits für 190S auf 233, für 1996 auf 252 und für 1997 auf 274 Millionen Mark veranschlagt; doch so geringe Jahressümmchen imponieren den Flottenfexen nicht; sie verlangen, daß mindestens alljährlich doppelt so viele Kriegsschiffe erbaut und vom Stapel gelassen werden, als die Regierung vorschlägt. Deshalb fordern sie das deutsche Volk auf, ?urch Masseneingaben die Regierung zu bewegen, ihre unbegreifliche Bescheidenheit aufzugeben und mehr zu verlangen. In dem geschwollenen Opus heißt es: Wir alle haben von den verbündeten Regierungen, die uns verantwortlich leiten, von dem Reichstage, der uns vertritt, zu fordern, daß sie dem Reiche, für das wir unser Leben dahin- zugeben bereit sind, sofort, ehe es zu spat wird,, diejenige Kriegs- flotte schaffen, auf die wir alle zu unserer»nd des Reiches Sicher- heit Anspruch haben. Die jetzt vorliegende Flottenvorlage schafft uns diese Sicherheit nicht. Der Untergang der russische» Flotte lehrt uns vielmehr, daß wir vor allen Dingen die in unserer Flotte noch vorhandenen unbrauchbaren, ver- alteten Schiffe sofort durch vollwertige, gauz moderne Kampfschiffe zil ersetzen gezwungen sind, wenn wir nicht 9999 deutsche Seeleute im Kriegsfalle nutzlos in den sichern Tod senden wollen, wie die Russen bei Tmschiina. Diesen Ersatz, diese Sicherung von 9999 unsererDSeeleme, mußte uns die Flottenvorlage unbedingt bringen. Die neue Flottenvorlaae hat jedoch dies unbegreiflicher- weise nicht gebracht. Die Aufhebung des Gleichgewichts der See- mächte, die durch die Ereignisse des letzten Soinmers bewiesene Angriffslust unserer westliche» Nachbar»; die Verdoppelmig der italienischen Flotte bis 1999; der Umstand, daß 1999 die Er- Neuerung des Dreibundvertrages und feine Erweiterung auf jeden Angriffsfall, nach dem Muster anderer Bündnisse, brennend ivird: alle diese Umstände schreien geradezu danach, alle dem deiltschen Volke innewohnenden Riesenkräfte anzuspannen, damit ihm spätestens bis 1999 die starke Flotte, die cS braucht, geschaffen werde. Die Leitung unserer Marine hat auch 1999 erklärt:.Linienschiffe müssen den Kern der Flotte bilden." Der russisch-japanische Seekrieg hat dies bestätigt. Die Minderwertigkeit unseres gesamten Materials an großen Schiffen, nameutlich Linienschiffen, ist weltkuudig. Und dieselbe Marineleitung tritt heute vor den Reichstag und fordert; nicht den Kern, sondern die Schale, nichts als die Schale, Panzerkreuzer und Torpedoboote. Die Stimmung des gesamten deutschen Volkes endlich zeigt, daß es sich des Ernstes der Zeit, den die Thronrede vom 28. November und die Kanzler- rede vom 6. Dezember 1995 atmen, bewußt und fest entschlossen ist, ohne Rücksicht auf Parteiintcressen bedingungslos alles für die Flotte herzugeben, was von ihm verlangt wird. Die verbündeten Regierungen haben unterlassen, es zu verlangen; sie haben diese Stimmung nicht ausgenutzt. Alls alle» diesen Gründen muß das deutsche Volk selber aufstehen und daS Versäumte nachfordern: den sofortigen Ersatz der minderwertigen Schisse durch vollwertige Kampfschiffe allererster Ordnung. D i e doppelte Zahl von Linienschiffen und Panzer- kreuzern muß jährlich auf Stapel gelegt und die Bauzeit auf das kürze st e mögliche Maß be- schränkt werden. Der Weg, dies zu erreichen, ist: Masseneingaben an den Deutschen Reichstag mit der Er- klärung des Anschlusses an diesen Aufruf. Wer jetzt noch nicht einsieht, daß wir unsere Flotte nur zum Schutz und nicht zum Angriff bauen, der will es nicht einsehen— da hilft alles Reden und Versichern nichts! Und haben wir es denn in der Hand, daß unsere Feinde, lvenn wir nicht mehr Schiffe baue», als die Regierungsvorlage fordert, nicht losschlagen werden? Eine stärkere Kriegsflotte fordert nicht einmal größere Opfer, als man jetzt von uns verlangt, wenn der Hlo des Zolltarifgesetzes vom 25. Dezember 1992 a u f- gehoben lvürde, der uns alljährlich Dutzende von Millionen Mark auf Vorrat festlegen soll für eine künftige Witwen- und Waisen- Versicherung. Diese Millionen brauchen wir bitter nötig jetzt jedes Jahr, um zu verhüten, daß nicht sehr bald vielleicht durch einen Krieg Zehntausende zu Witwen, Hunderttausende zu Waisen werden! Dann nützen ihnen die Millionen nichts, dann preßt sie uns der Feind als Kriegs- entschädigung ab! Zuerst das Leben und Brot der arbeitenden. verdienenden Männer sichern, das ist das Wichtigere!... Und kein Opfer ist zu groß da, wo es sich um den Bestand der Macht- stellung von Reich und Nasion handelt: lieber früh genug, im Frieden, freiwillig dem Vaterlande daS Letzte hingeben als, wie so oft schon, nach unglücklichem Kriege gezwungen dem Feinde! Verweigerten wir heute dem Vaterlande die Groschen, io würde uns vielleicht eines TageS der Feind zeigen, wo uns die Tal er locker sitzen!.Wenn es zum Kriege kommt, entscheidet nicht der kürzeste Steuerzettel, sondern der längste Spieß!" Daß die Herren sich, teils im eingebildeten Interesse des beut- fchen Seehandels und der Seeschiffahrt, teils im Interesse der beut- schen Stahl- und Geschützfabrikation, für die Schaffung einer beut- schen Riesenflotte begeistern, ist allenfalls begreiflich; gerade wider- lich erscheint aber, wie sie die Frage der Kostenaufbringung behandeln, Verständlich wäre eS, wenn sie die Forderung stellten, diejenigen, in deren speziellem Interesse die Floltenvermehrnng er- folgt, sollten auch die Mittel aufbringen. Für ein solches Ansinnen sind aber, wie die Erfahrung zeigt, die patriotischen Flottenphanrasten nicht zu haben. Alle bisher zu Gunsten des Schiffsbaufonds vorgenommenen öffentlichen Sammlungen haben geradezu klägliche Resultate geliefert, selbst in den Metropolen der Handelsschiffahrt und der Stahlindustrie. Und ebenso wenig sind die Flottenpatrioten geneigt, die erforderlichen Mittel zum Äriegsschiffbau durch Steuern aufzubringen, die ihre Taschen erleichtern, wie der Widerstand gegen die Reichserbschafts- und Reichseinkommensteuer in jenen Kreisen C 0 1 � t Kriegsschiffe will nun aber der Flottenverein unbedingt haben— und so verfällt er denn auf den seine„idealen Bestrebungen" trefflich charakterisierenden Vorschlag, daß das Geld zum Flottenbau den Witwen und Waisen abgezwackt werden soll. Aus ihnen, den Aermsten der Armen, sollen die Mittel für die phantastische Riesenflotte herausgeschlagen werden, damit die großen Reeder, Handelsherren. Industriellen und Großgrundbesitzer nicht zu blechen brauchen. Zur Zeit der Zolltarifberatungen im Reichs- tage ist bekanntlich durch das Zentrum und die Sozialdemokratie ein Paragraph in das Zollgesetz vom Dezember 1992 hineingebracht worden, wonach die Mehrerträge aus den Getreidezöllen nicht für die Ausgaben des Reiches verwendet, sondern zur Ansammlung eines Fonds für die Witwen- und Waisenversorgung dienen sollen. Diesen Paragraphen möchten die Leiter des Flotlenvercins gestrichen wissen. ES ist nach ihren Begriffen gleichgültig, ob die Witwen und Waisen versorgt werden, wenn nur das Deutsche Reich neue schöne Schlacht- schiffe erhält. Die Forderung charakterisiert besser, als lange Aus- einandersetzungen vermöchten, den Geist unseres modernen Flotten- Patriotismus.—_ Hexenkünste.' Wir lesen in freisinnigen Zeitungen: Freisinnige Jugendmeinc,»ach dem Vorbilde der national- liberalen Organisationen dieser Art, sollen in Deutschland, zunächst in Berlin, ins Leben gerufen werden, um der freisinnigen Volks- Partei einen größeren Einfluß auf die heranwachsende Jugend zu sichern, das politische Interesse bei den jungen Leuten wach- zurufen und für einen freisinnigen Nachwuchs zu sorgen. Der Bezirksverein des Kövenicker Stadlviertels, der. unter Leitung des Landtags- Abgeordneten und Stadtverordneten Rosenow steht, will als erster den Versuch machen, eine Jugend- abteilung zu schaffen. In der gestrigen Versammlung des Vereins wurde darüber Klage geführt, daß die Jugend sich von den frei- sinnigen Grundsätzen abwende, ein Teil schivenke aus Strebertum »ach rechts, ein anderer aus niißvcrstandenem Idealismus, doch auch aus materiellen Gründen nach links zu den Sozialdemolraten ab. Hierin müsse Wandel geschaffen werden. Für die Versammlung zur Konstituierung einer freisinnigen Jiigendabteilnng hat Reichstags- abgeordneter Albert Träger das Referat übernommen. Der gute Träger ist fast 76 Jahre alt. Er-selber könnte eine Verjiingung recht gut brauchen und soll nun die kranken Schößlinge des siechen Liberalismus verjüngen helfen!?— Die Geschichte erinnert uns an die Tätigkeit der mythischen auberin Medea: Die gab vor. den greisen Pelms mit Hammel- lut verjüngen zu wollen. Indes starb der alte Knabe bei der fatalen Hexenprozedur. Aehnlich könnte es schließlich dem siechen Liberalisnms bei seinen quacksalberischen Verjüngungskuren ergehen. DeiitscKes Reich. Erbschaftssteuer und Familiensinn. Ten Konservativen ist es höchst unangenehm, daß im Reichs- tage die Stimmung für die Erweiterung der Erbschaftssteuer wächst und der Vorschlag des Zentrums, die Stcuerpflicht auch auf Kinder und Ehegatten auszudehnen, wenn die dem einzelnen Erben zu- fallende Erbschaft den Wert von 199 999 M. übersteigt, immer mehr Aussicht auf Annahme gewinnt. Augenscheinlich fürchtet man in den Kreisen der Hochagrarier, daß auch die Regierung, da sie aus der Tabak-, Bier- und Ouittungssteuer nicht die verlangten Erträge her- auszuholen vermag, diesem Vorschlag zustimmen wird; sie versuchen deshalb nochmals in ihrer Presse einen Vorstoß gegen die Reichs- erbschaftssteucr. Die„Kreuzztg.", die dabei die Führung über- nommen hat, schreibt: „Wir haben bereits an anderer Stelle dargelegt, daß unser Entgegenkommen eine Grenze hat und daß diese Grenze über- schritten werden würde wenn jene Steuer eine Ausgestaltung erhielte, bei der sie sich als eine Art Konfiskation des Eigentums darstellt oder der Erwerb des Eigentums als mit einem sittlichen Makel behaftet erscheint. Unter diesem Gesichtspunkte müssen auch wir iinseren Wderstand gegen die Besteuerung der Kinder . und Ehegatten aufrechterhalten. Dabei kommt dreierlei in Be- tracht. Erstens sind diese in den zahlreichen Fällen, in denen sie mit dem Vater und Ehegatten den Ernährer verloren haben, auf die Erträge des etwa ererbten Vermögens angewiesen. Zweitens sind die Fälle nicht selten, in denen sie zum Erwerbe des ererbten Vermögens beigetragen haben, dieses also mehr die Eigenschaft eines Familiengutes als die des hinterlassencn Vermögens hat. Drittens würde die Zahl der Fälle, in denen die Aufstellung eines Vermögensverzeichnisses zum Zwecke der Festsetzung der Steuer und damit ein Eindringen in Privatverhältnisse crfordcr- lich wird, sich gewaltig steigern, und in der Mehrzahl dieser Fälle würde die damit verbundene Arbeit und Beunruhigung der Familie zu dem Ertrage der Steuer in keinem richtigen Verhält- »isse stehen. Kurz und gut, der Familiensinn würde in bedenk- licher Weise untergraben werden, ganz abgesehen von den Schwierigkeiten, die gerade in dem gebildeten Mittelstande die Er- nährung und Erziehung der Kinder nach Verlust des Ernährers selbst bei dem Vorhandensein eines mäßigen Vermögens bereitet." Wenn in England und Frankreich, trotz der weit höheren Sätze, die Erbschaftssteuer dem„Familiensinn" nicht geschadet hat, wird sie ihn wohl auch in Deutschland nicht untergraben— oder sollte vielleicht die„Kreuzztg." der Ansicht sein, daß bei den oft- ethischen Junkern der Familiensinn viel schwächlicherer Natur ist, als in England oder Frankreich?— Eine Hochstapelei vor dem Kommandanturgericht. Am Montag verhandelte das Spandauer Kommandantur- gericht unter Ausschluß der Lesscntlichkcit gegen den Oberleutnant Wilhelm Schütze vom 2. Rheinischen Husarcn-Rcgimcnt Nr. 9. der seit einigen Monaten zum 3. Spandaucr Train-Bataillon ab- kommandiert ist. Schütz« tvar in die Netze der Hochstaplcrin Frau von Gräfe geraten, die schon im Sternberg-Prozetz eine nicht ganz unbedcnk- liche Rolle gespielt hat. Die adlige Dame wollte und sollte dem Herrn Oberleutnant das obligate Millionen-Bräutchen besorgen. Es entspannen sich zunächst verwickelte Beziehungen pekuniärer Natur, bei denen Bürgschaften, Schuld- und Depotscheine die Haupt- rolle spielten. Die Schwindeleien kamen schließlich heraus, und die Gräfe, die es verstanden hatte, inzwischen zur Beobachtung ihres Geisteszustandes nach Herzberge zu kommen, behauptete, Leutnant Schütze habe den betrügerischen Charakter der Finanz- operationcn gekannt! Es erfolgte daraufhin Anklage gegen ihn wegen schwerer Urkundenfälschung und versuchten Betruges. Das Urteil des Kommandanturgcrichts lautete: Der Gerichts- hos hat auf Grund der Beweisaufnahme die Ueberzeugung ge- Wonnen, daß Frau v. Gräfe eine hysterische und völlig unglaub- würdige Person ist. Auch durch die weitere Beweisaufnahme hat der Gerichtshof die Ueberzeugung von der Unschuld des An- geklagten erlangt, obwohl er sich nicht verhehlen kann, daß der An- geklagte leichtfertig gehandelt hat. Ter Gerichtshof hat daher den Angeklagten freigesprochen und die Kosten des Verfahrens der Staatskasse auferlegt.—_ Das Zentrum und die Kunst. Stuttgart. 4. Februar. fEig. Ber.) Vom württembergischen Landtag ist vor kurzem für den Wieder- aufbau deS vor einigen Jahren niedergebrannten Stuttgarter Hoftheaters eine entsprechende Summe bewilligt worden. Da sich daS Stuttgarter Hoftheater einer vorurteilsfreien Leitung erfreut— im Spielplan figurierten Tolstois„Macht der Finsternis", Gorkis„Nachtasyl". BjörnsonS„lieber unsere Kraft", ll. Teil»ftv.— hatte man vom Zentrum in dieser Debatte einen Vorstoß in kunst- politischer Hinsicht erwartet, der aber wider Erwarten ausblieb. Bielleicht hatte sich daS Zentrum vor den politisch wichtigeren Debatten über die VerfassungSreform nicht unpopulär machen wollen. Nachträglich scheint eS dies zu bereuen. In Gestalt einer auS der schtväbischen Vendöe sOberschwaben) erhaltenen Korrespondenz reibt sich jetzt das hiesige Zentrnmsorgan an der Intendantur, welche soeben AnzcngruberS Bauernkomödie „Die Kreuzelschreiber* tn deit Spielplan aufgenommen hat. Eine„derbe Verspottung de? Wallfahrtswesens",„Verhöhnung eines religiösen Gebrauchs" wirft es dem Stück vor.„Dabei sind", heißt es in der Korrespondenz,„diejenigen, welche an Wallfahrten, Pilgerreisen nach Einsiedeln, Lourdes oder ins heilige Land sich bc- teiligen, ruhige und friedliche Steuerzahler. In dem Institut aber, das sie mit ihrem Steucrbetrag müssen aufrichten helfen, in ihren religiösen Gebräuchen dem Gelächter der Zuschauer und dem Spotte preisgegeben zu werden, muß sie notwendig verbittern." So grollr und schmollt dieser schwäbische Kapuziner. Geschieht ihm ganz recht! Warum geht er auch in eine Anzengrubersche Bauernkomödie? Die ist nicht für Tröpfe seines Schlages, sondern nur für Leute mit Sinn für Humor! Im Anschluß daran sei noch erwähnt, daß gegen einen hiesigen Kunstverlag, wie vor einigen Tagen bekannt wurde, bei der hiesigen Staatsanwaltschaft eine Denunziation vom„Kölner Mäitnerbund zur Hebung der Sittlichkeit" einlief. Der Verlag hat ein Werk mit A k t st u d i e n herausgegeben, durch das sich die Kölner SittlichkeitSwächler in ihrem Schamgefühl ver- letzt fühlten. Wir haben die Studien gesehen und müssen gestehen, daß uns etwas Lächerlicheres als diese Denunziation noch nicht vor- gekommen ist. Im„Kölner Männerbnnd usw." hat man vermutlich gar keine Vorstellung davon, wozu solche Werke eigentlich heraus- gegeben werden! Doch nicht zum Begaffen durch Kerle, wie die Kölner Demnizianten. Wer aber schon mal das Elend der Kunstproletarier miterlebt hat, die oft nichts zu beißen, geschweige denn Geld zun. Bezahlen guter, wirklich schöner Modelle haben, die aber den figürlichen Teil ihrer Bilder schlechterdings nicht auS der Phantasie komponieren können— es ist eben nicht jeder ein Böcklin!— der weiß auch, wozu solche Aktstudien auf der Welt sind. Sie sind dem Künstler einfach ein Stück Handwerkszeug, daS er nicht entbehren kann. In diesem Falle ist eS jedoch tröstlich zu konstatieren, daß die Stuttgarter Staatsanwaltschaft die sittlich entrüsteten Kölner Denunzianten mit Glanz abblitzen ließ.— Minister-Genie. Dresden, 7. Februar.(Privatdepesche des„Vorwärts".) In der zweiten Kammer im sächsischen Landtag wurde heute die Interpellation behandelt, die der sozialdemokratische Ab- geordnete Goldstein einbrachte. Die Interpellation fragt die Regierung, ob von ihr in bezug ans die Versammlungsverbote am 21. und 22. Januar eine Weisung an die Behörden er- gangen sei. Der Minister von Metzsch antwortete, daß die Re- gierung keine derartige Anweisung gegeben habe, daß die Rc- gierung aber die Behörden auf die Kundgebung des inter- nationalen Bureaus aufmerksam gemacht habe. Und so etwas nennt sich„Antwort"! Der gute Herr von Metzsch wird uns schließlich noch einreden wollen, er mache seine Beamten prinzipiell auf die Kundgebungen des internationalen Sozialisten-Bureaus aufmerksam. Natürlich nicht um die Behörden dadurch zu allerlei Handlungen zu ver- leiten, sondern um sie etwa— mit dem internationalen Sozia- lismus vertraut zu inachen.__ Gaedie wieder bierehrlich. Oberst a. D. Gaedie kämpft bekanntlich seit längerer Zeit um die Ungülsigkeitserklärnug jener Ehrengeriöhtscntslheidnng und der durch fte hervorgerufenen Kabinettsorder vom 27. Februar 1994, die ihm das Recht absprach. Unifonn zu tragen. Die Militärbehörde befand sich dem ungewöhnlichen Widerstände Gaedkes gegenüber von vornherein in einer kläglicki nnhallbaren Situation.— Trotzdem verharrte die Staatsanwaltschaft bis zuletzt bei ihrer dem„Auge- klagten" Gaedke ungünstigen Auslegung, der schließlich das Ver- fahren gegen sich selber beantragt hätte. Dem StaarSanwalt haben sicher die Vorwürfe gegen den Oberst a. D. sehr imponiert i Soll Gaedke doch nicht nur in einem Zeitungsartikel Ansichten über die Pflichten de§ OffizierstandcS vertreten haben, die mit dem Treueide des Offiziers unvereinbar seien, sondern sogar „auf ein von einer trs-Sozialdeinokratie herausgegebenes Buch in empfehlender Weise hingewiesen" haben!! Kurz und gut, der Staats- anwalt wollte den„Verbrecher" zu vier Wochen Haft verkuart wissen, weil er entgegen den Bestimmungen des Reichsstrafgcsetzbuches Z 369, Ziffer 8 unbefugt einen Titel angenommen habe! Das mit dieser Haupt- und Staatsaktion beschäftigte Schössen- gericht vermochte sich nicht zu der genügenden Erkenntnis von der Verbrechernatur des„Angeklagten" anfznschivingen. Es sprach den Obersten nach kurzer Beratung frei. Es vertrat den Standpunkt: Gaedke unterstehe nicht inchr der Militärgerichtsbarkeit, auch nicht dem militärischen Ehrengericht; daher könne ihm auch sein Titel nicht auf Grund eines ehrengerichtlichen Spruches einzogen werden. Was zu beweisen war. Einstiveilen wenigstens!— GcschäftspatriotismuS. Ein Stückchen G e s ch ä f t s p a t r i o t i s m u s, wie er wider- licher kaum zu denken ist, wird uns aus Oberhausen berichtet. Die dortige„Kmistanstalt Joseph Kolk" versendet nämlich ein Zirkular folgenden Inhalts: „Ich gestatte mir hierdurch crgebenst, Sie auf eine große Neuheit� aufmerksam zu machen; Ein hochelegant ausgeführtes Bild zur Silberhochzeit unseres KaiserpaareS nach dem Entwurf von P. Göhl, sowie in modernster Ausstattung in Füiiffarben- druck entworfen von dem Künstler Hugo Steiner in Prag. Umgeben von duftigen in Silbcrblüten strahlenden Myrtenkranze, bietet uns das Kunstblatt in der Mitte ein Bild unseres lieben HerrfcherpaareS. Der Kaiser mit ernstem Blick weit hinansichauend unter dem Adlerhelm der Gardedukorps- Uniform(!), die Kaiserin mit Anmut und Milde, mit Diadem und Schleier geziert. Ueber dem Paare schweben zwei Engel mit deutschen und preußischen Farben dekoriert. Sie halten die Krone des Deutschen Reiches empor, unter welchem in einem Bande der Glückwunsch angebracht ist: „Heil unserem Kaiserpaar im Silbcrkranz." Unter dem Bilde leuchtet zwischen Myrten und flatternden Wimpeln der 27. Februar 188t— 1996 hervor. Das deutsche und preußische Wappen bilden links und rechts die Marksteine, zwischen denen ein vierblätteriges Kleeblatt, daS Sinnbild des Glückes, IV. und A. V. trägt, angebracht. Das ganze Bild ans starkem Glanz- Tonkarton hat eine Größe von 48 X 64 Zentimeter. Und kostet ohne Nahmen in Ausfübriing I 1,99 M„ II l.89 M.. Hl 3.89 M. Letzteres ist nach dem Entwurf des Künstlers Hugo Steiner in Prag ausgeführt. Rahmen zu obigen Bildern liefern fertig inkl. Einrahmung zu 1,89 M„ 2,25 M,. 2,45 M„ 2.79 M., 3,99 M„ 4.25 M. und höher. Bei größeren Abnahmen ent- sprechend billiger, netto Kasse ab Oberhausen. Die Zeit ist kurz, deswegen dürfte es für Sick lohnend sein, wenn Sie sich jetzt schon mit dem Verkauf desselben befassen wollten. Da das Geschäft nur kurzeZeit gemacht werden kann und es bis jetzt auch noch keineKonkurrenz darin gibt, wollen Sie die Gelegenheit ohne langes Ueber- legen ergreiffen eh' Ihnen Andere zuvor kommen. Zeit ist Geld I Für den hiesigen Bezirk und Umgegend habe ich den Alleinvertrieb übernommen. Indem Ihre gefl. Bestellung gerne entgegen sehe, zeichne hochachtend Kunst- Anstalt Joseph Kolk." Herr Joseph Kolk ist demnach, wenn auch nicht in der Grammarik und Orthographie, so doch in der Gcschäftsinache. wohl erfahren. Doch seien wir gerecht: schließlich ist sein„Patriotismus" nicht schteckiter w i e der der Schlotbarone und Krautjunker. Und wie diesen wird vorauSsichtlicki auch Herrn Joseph Kolk bei seiner patriotischen Spekulation das Glück lächeln, denn leider gibl's im Rnhrrevier noch Dumme in Masse. Vielleicht wird Herr Kolk ob feiner Verdienste sogar noch mal Hoflieferant.— Huetand. England. Äctr Hardle über die Politik der Arbeiterpartei. London, ö. Februar.(Eig. Bcr.) Seinen Artikel in der„National Revieiv" beginnt Hardie mit der Erklärung, warum das Wahlresultat eine solche Bestürzung in Kapitalistenkreisen hervorgerufen habe. Die Erklärung lautet etwa solgendermahen: Die Presse ist schuld daran, da sie die ganze Ar- beiterbewegung boykottiert hatte. Die Haltung der Presse gegen- über den liberalen Arbeiterführern und der neuen Arbeiterpartei erinnert an die Haltung der südafrikanischen Presse während des Burenkrieges: die baiicls-nfvpsr-Bnren, d. h. diejenigen, die sich frühzeiiig unterworfen und gegen ihre Brüder kämpften, wurden bis in den Himmel gelobt, während die„Rebellen", die bis zum bitteren Ende für die Sache ihres Volkes fochten, mit einigen Verleumdungen abgetan wurden. Die Folge der Taktik der Presse war, dost die Nation von den wirklichen Vorgängeil nichts wuszte, und deshalb vor dem plötzlichen Erscheinen der neuen Partei in Schrecken geriet. Uebrigens ist dieser Schrecken nicht ganz ungerechtfertigt. Eine Arbeiterpartei, vor der das Kapital sich nicht fürchtet, ist des Platzes nicht wert, den sie im Parlament einninnnt, denn eine Partei, wie die unserige, die mit L-ozialiSmus durchsetzt ist, muh die Vorrechte und Monopole der Bürger von Mayfair und Park Lane lden reichsten Vierteln Londons) bedrohen. Hardie erzählt sodann in kurzen Zügen die Geschichte und Be- deutung der Partei, der Vorbereitungen zu den Wahlen und der Resultate, bespricht auch die verschiedenen Arbeiter- und sozialistischen Elemente, die sich an den letzten Wahlen beteiligten. Von den Liberal-Labour-Men(den liberalen Arbeiterführern) sagt er:„Sie gehören einer Zeit an, die im rasche» Verschwinden begriffen ist. Sie sind erfüllt mit dem alten Radikalismus der Manchesterschule und können nicht begreifen, daß ihre Lehren längst von neuen Bc- dingungen und neuen Gedanken überholt sind."— Was die Politik der Partei betrifft, so meint Hardie, dah sie eine oppositionelle sein wird. Die Liberal-Labour-Men werden tvahrscheinlich mit der liberalen Partei(der gegenwärtigen Regierungspartei) sitzen, aber die Vertreter der Arbeiter- Partei können gar nicht anders handeln, als auf den O p p o- sitionSbänken zu sitzen. Jede Regierungsvorlage wird auf ihren Wert untersucht werden. Bis jetzt gab es in England nur eine konservative und eine liberale Meinung; eine Arbciternieinung kannte das politische Leben Englands nicht i nicht einmal eine grohc Tages- zeitung haben die Arbeiter, in der sie ihre Ansichten über die sie interessierenden Fragen äußern könnten. Und die herrschenden Klassen Englands kennen auch nicht die Lage der Arbeiter. „Trotz des immer wachsenden Außenhandels und National- einkoinmens wird die Existenz der Arbeiter immer sorgenvoller. Die Arbeit ist unregelmäßiger, die Perioden der Arbeitslosigkeit sind häufiger, während die Arbeit selber innner auf- reibender wird. Die Kapitalanhäufungen vollziehen sich mit einer Schnelligkeit, von der nur wenige Menschen einen Begriff haben; die Fortschritte der maschinellen Technik verringern die Nachfrage nach Arbeitern und vermehren die Aus- beute an Gütern."— Hardie gibt sodann eine Reihe von näheren Erläuterungen und meint: Diese Erscheinungen seien in allen kapitalistische» Ländern zu finden— ganz gleich, ob sie frei- händlerisch oder schutzzöllnerisch sind. Die Partei wird die Wieder- Herstellung des alten Gewerkschaftsrechtes fordern, ferner Arbeits- losengesetze, Alterspenstonen. Sie wird auch gegen den Militarismus kämpfen und zusammengehen mit den französischen Sozialisten unter Jaurös und mit den deutschen Sozialisten unter Bebel.— Die Führerschaft der konservative» Partei. London, 5. Febr.(Eig. Ber.) Die geschlagene konservative Partei befindet sich gegenwärtig in einem inneren Kampfe um die Ernennung eines Führers. In den letzten fünfzehn Jahren wurde sie im Unterhause von A. I. Balfour geleitet. Aber infolge der Spaltung in der Zollfrage, der Niederlage BalfourS in seinem Wahlkreise und des glänzenden Sieges von Ehamberlain in Birmingham, schließlich infolge des Zusammenbruches der Partei ist in der letzten Woche die Führerfrage akut geworden. Sie ist indes viel weniger persönlicher als sachlicher Natur. Es handelt sich um die Frage: Soll die konservative Partei die Politik Chamberlains lTarifreform im schntzzöllncrifchen Sinne) an- nehmen, oder soll sie sich für Balfonrs R c t a l i a t i o n s p o l i t i k — unter Beibehaltung der freien LebenSnütteleinfuhr— erklären? Ge- wählt sind 158 Konservative: davon erklären sich etwa 100 für Chamber- lain, etwa 50 für Balfour und der Rest für Freihandel. Die hundert Tarifreformer wollen, daß Ehamberlain die Partei führt: aber er lehnt die Führerschaft ab, da er bereits im 70. Lebensjahre stehe, infolge seiner radikalen Vergangenheit den aristokratischen Tory- familien nicht genehm sei und auf deren rückhaltlose Unterstützung nicht rechnen könne. Ehamberlain will deshalb, daß Balfour, der doch im Innern mit den Freihandelslehren zerfallen sei, die Politik der schütz- zöllnerischen Tarifreforrn annehmen und auch fernerhin diePartci führen solle. Allein Balfour erklärt, er müsse bei seiner Politik der Retalialion verharren und Kornzölle ablehnen. Die Partei bleibt also gespalten und würde einer auch nur einigermaßen loirkungSvollen Opposition unfähig sein, wenn die Tarifteformer eine eigene Partei bilden sollten. Beim Zusammentritt des Parlaments wird deshalb eine Konferenz der konservativen Abgeordneten und Lords stattfinden, um über die Zukunft der Partei zu beschließen. Vorläufig soll eine minder hervorragende Persöillichkeit an die Spitze der Partei treten, bis eine Lösung'der Krise erfolgt ist. Um Balfour einen Sitz im Parlamente zu verschaffen, legte Alban Gibbs, einer der konservativ-schutzzöllnerischen Abgeordneten der City, sein Mandat nieder, und Balfour wurde dort zum Kau- didaten ernannt. Ob er einen Gegenkandidaten haben wird, ist noch nicht bekannt.— Dänemark. Für die Reform der Rechtspflege. Es war im Dezember des Jahres 1902, als das dänische Folkething die Reform des gänzlich veralteten Gerichtswesens be- schloß, durch die vor allem Ocffentlichkeit und Mündlichkeit des Ver- fahrens, Trennung der Anklagebehörde vom Richteramte und Laien- gerichte eingeführt werden sollten. Der Entwurf, eine Arbeit, die über IlXW Pmagraphen umfaßt, wurde damals von, Folkething gegen nur eine Stimme angenommen. Aber das LandSthing brachte es fertig, diese so dringend notwendige Reform bis jetzt zu hinter- treiben.' Sie schlummert zurzeit in einem gemeinsamen Ausschuß beider Kammern des Reichstages. Empörende Justizskandale, die unser Bcuderorgan„Social-Demokraten" enthüllt hatte, waren da- inals die Veranlassung zur Ausarbeitnng des Entwurfes nnd führten auch dazu, daß nur ein einziger Ävnieroativer im Folkething dagegen zu stimmen wagte. Nun hat„Social-Demokraten" kürzlich einen neuen Justizslandal aufgedeckt. Der Fall selbst liegt schon mehrere Jahre zurück, die Unschuld des Verurteilten ist jedoch erst jetzt— vor tvenigen Wochen— dadurch klar bewiesen worden, daß der Schuldige, ge- trieben durch Not, Hunger und Kälte, sich selbst anzeigte. Ein Kopenhagener Unrersuchungsrichter hatte seinerzeit einen armen brustkranken Bauernknecht durch das übliche Jnguisitionssystem ge- zwltttgen, sich der Brandstiftung schuldig zu erklären. 13 Monate hatte er ihn in Untersuchungshaft sitze» lassen, obwohl kein anderer LerdachtSgrund gegen ihn vorlag, als daß er bei dem Brande zu- „egcil lvar und zu retten suchte, was von dem Gute seines Dienst- Herrn zu retten war. Er wurde vom Gericht zu Zuchlhaus verurteilt, aber dann von der höheren Instanz wegen Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen: die Untersuchungshaft hatte rhn geisteskrank gemacht. Nachdem nun seine Unschuld durch einen Zufall be- lviesen worden war, suchte ihn jener Untersuchungsrichter mit ganzen 100 Kronen Entschädigung abzuspeisen. Aber„Social- Demokraten" hatte auch in dieser Hinsicht schon Vorsorge getroffen. so daß dem Manne eine angemessene Entschädigung zuteil wurde. Ferner brachten unsere Parteigenossen im Folkething sofort einen Gesetzentwurf zur Reform der Bestimmungen über die Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft ein. Um die Reform der Rechtspflege nun endlich dorlvärt-zu- drängen, hat der Sozialdemokratische Verband in Kopenhagen am 2. Februar drei große Volksversammlungen einberufen, die so stark besucht waren, daß Hunderte keinen Platz mehr finden konnten. In einer einstimmig angenommenen Resolution wurden die Haupt- grundsätze der geforderten Reform dargelegt und außerdem die Re- gierung aufgefordert, falls die Reform in diesem Jahre abermals an dem Widerstande des Landsthings scheitern sollte, die ver- fassungsinäßigen Mittel zu gebrauchen, um diesen Widerstand zu brechen.— Finnland. Ein Bluthund des Zaren als„Vertrauensmann" Finnlands. Zum finnischen Ministerstaatssekretär in St. Petersburg ist am 5. Februar der Generalmajor Lang ho ff ernannt worden, ein Finne von Geburt, der aber in Rußland seine Karriere gemacht und sich auch beim Petersburger Blutbad am 22. Januar 1305 als ein willfähriger Büttel des Zaren gezeigt hat. Dieser gänzlich russifiziertc Finne hat nun die Aufgabe, die Rechte Finnlands in Petersburg zu vertreten! Die Ernennung Langhoffs ist ein harter Schlag gegen den finnischen Senat wie gegen das ganze finnische Volk.' Der Senat hatte einstimmig einen konstitutionell gesinnten Mann, den Gouverneur Björnberg in Vasa, für das Amt empfohlen, und»»an gab sich allgemein der Hoffnung hin, diesen Wunsch erfüllt zu sehen. Aber die russischen Gewalthaber fühlen sich gegenwärtig wohl wieder stark genug, um auch gegen das finnische Volk mit altgewohnter Brutalität vorzugehen. Rumänien. Enthüllungen eines ehemaligen Ministers. In welcher Weise in manchen Balkanstaatcn StaatSgelder zum Zwecke der Belohnung politischer Anhänger und Freunde vergeudet iverden, hat der ehemalige rumänische Fianzminister Costinescu in einer parlamentarischen Rede, die jetzt im Buchhandel erschienen ist, nachgewiesen. Costinescu lvar Finanzminister der Liberale»», die bis vor etwa einem Jahre die Regierung führten. Infolge innerer Parteidifferenzen mußte das liberale Ministerinin unter Bratianu demissionieren, um einein konservativen unter Cantacucino Platz zu inachen. Der Finanzminister des letzteren, ein ehemaliger Advokat namens Take Jonescu, hat nun derartig gewirlschaftet, daß die Deputiertenkaimner in Bukarest sein Geschäftsverfahren einer gründ- lichen Kritik unterzog. Bei dieser Gelegenheit eben deckte der er- wähnte Costinescu unter anderem auch folgendes auf: Im Laufe von zehn Monaten wurden iin Finanzministerium 1220 Beamtenernennungen vorgenommen, ivährend 661 alte, bewährte, im Dienst ergraute Staatsdicuer, die zun» Teil eine 17— 26jährige Dienstzeit hinter sich hatten, den» Hunger preisgegeben wurden. Die Sorg- losigkeit in der Auswahl der neuen Beamten ging soweit, daß technische Beamte für die Erdöl- und Weingeistfabriken einfach durch Zeitungsrcporter ersetzt wurden! Wie nun diese Beamten gearbeitet haben, beweisen die neu ernanuten Stencrcinschätzniigskoininissare. die es fertigbrachten, den Bauern für seinen Grundbesitz mit 60 Lei sl Lei— 0,80 M.) pro Hektar zu veranlagen, während der Groß- grundbesitzer nur mit 10 Lei pro Hektar herangezogen wird. Begründung: Der Großgrundbesitzer kann die Bewirlschaftuna seiner Ländereien nicht ohne fremde Hülfe durchführen, wohl aber der Bauer. Tablean! Zwei konservative Zeitungen erhielten als Belohnung je 7000 Lei, eine politische Korrespondenz für daS Ausland mußte sich init 5000 Lei begnügen. Auch sonst war man ziemlich erfinderisch, die Parteifreunde zu belohnen. Ein ehemaliger Wahlagent bekam für eine wertlose Schilderung des SteuerwesenS in Frankreich 2000 Lei; einem andern wies man für eine durchaus nutzlose Zu- sammenstcllung der Mängel im Sparkaffenwesen 1000 Lei an. In dieser Weise ließen sich die Zahlen um ein Beliebiges verinehren. Es kam nus nur darauf an zu zeigen, auf welche Art hier Steuer- erträgnisse Verwendung finden. Ob ähnliches— abgesehen von Rußland und der Türkei— auch außerhalb des Balkans vorkommt? Wer weiß?I Amerika. Im Kongreß ging eS in der letzten Zeit sehr lebhaft her. Der Kampf zwischen dem Präsidenten und seiner eigenen Partei wurde sowohl in versteckter wie in offener Weife fortgeführt. Ob Rooscvelt auf die Hülfe der Demokraten rechnen konnte, war zweifelhaft, und darum erregte eine Rede des demokratischen Senators Patters on von Colorado Sensation, als er Roosevelt über alle Maßen lobte und erklärte, der Präsident führe einen Kanrpf gegen die Geldmächte in Amerika»md verdiene die Unterstützung aller Demokraten, wenn die Republikaner ihm Opposition »nachen.— Es handelt sich besonders um zwei Vorlagen, die durchzubringen der Präsident mit aller Kraft versucht. Eine größere Bundesaufsicht über die Eisenbahnen mit einheitlicher Regelung der Frachtraten und die Ratifikation des Vertrages mit San Domingo. Die Bahngesellschaften machen heftige Opposition gegen jede Eininischung in ihre Gefichäste, aber der Ruf nach einer Regelung der Verhältnisse im zwischenstaatlichen Handelsverkehr ist so allgemein und fo dringend geworden, daß der Kongreß in dieser Sache etwas tun»nuß. um so mehr als im Herbst dieses Jahres Neuwahlen stattfinden. Roosevelt hat die Festsetzung der Eisenbahn- frackitraten durch die zwischenstaatliche Handelskommission vor- geschlagen. Damit würden die Bahngesellschaften der Bundes- lontrolie unterstellt: denn die Handelskonimission, die durch eine solche Befugnis eine große Macht über die Gesellschaften gewinnt, wird vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt.— Für seinen Plan gewann Roosevelt die Stinimen vieler Deinokraten im Rc- präsentantenhanfe, und die Vorlage wurde vom Hause angenommen. Der Kamps muß aber auch noch im Senat ausgefochten werden.— Noch schwerer ist die Erledigung der Angelegenheit mit San Domingo. Trotzdem werden viele Stimmen laut, die Roosevelts Sieg voraussagen. Er ist ein Politiker, der die einen mit Ver- sprechungen, die anderen mit Drohungen für sich zu gewinnen lveiß und seine Macht auszunützen versteht. Die Nolle, ivelche die demokratische Partei im Kongreß spielt, gefällt den Parteihäuptliiigen gar nicht. Sie»niissen zusehen, wie die Verwirrung in den Reihen der Demokraten immer größer wird: man weiß überhailpt nicht niehr, wodurch sick» die Demokraten noch von den Republikanern unterscheiden. Die Häuptlinge riefen ihre Mannen zu sich und es wurden Veratnngen gepflogen und Beschlüsse gefaßt, um ein einheitliches Handeln durchzusetzen, aber es wird nicht viel helfen. Immer schwächer und bedeutungsloser wird die einst mächtige Partei, die jetzt zum großen Teil geneigt ist, sich dem republikanischen Präsidenten zur Verfügung zu stellen, wenn er sie braucht.— Soziales. Die Bekämpfung des SchwiysvstemS durch genossenschaftliche Organisation. In der Reihe der Vorträge, die aus Anlaß der Heimarbeit- Ausstellung abgehalten werden, folgte an» Dienstag ein Vortrag des Genossen Katzen st ein über die Bekämpfung des Schwitz- systcms durch die genossenschaftliche Organisation.— Bei der Bekämpfung der Schäden der Heimarbeit— sagte der Redner— handle es sich nicht nur um die Interessen der Arbeiter, sondern auch um die Interessen der Konsumenten und des Gemeinwohls. Es gebe verschiedene Wege, um das Schwitzsystem zu bekämpfen. Die erste Stelle nehme der Weg der Gesetzgebung ein. Auch die Konsumenten könnten zur Bekämpfung der schädliche» Heimarbeit beitragen, aber das Kvnsumcnteninteresse habe sich in dieser Hinsicht nicht rege genug erwiesen. Die Gesetzgebung könne zwar izz weit größerem Umfange eingreifen wie die Konsumenten, es frage sich nur, ob sie es tun werde. Als im Jahre 1897 die Konfektions- arbeiterschutz-Verordnung erlassen wurde, die eine Frucht des großen Konfektionsarbeiterstrciks des vorhergegangenen Jahres war, da l>abc sich gezeigt, daß die Verordnung gerade vor der Heimarbeit Halt machte. Auch das Kinderschutzgejetz von 1903 biete den eigenen Kindern einen erheblich geringeren Schutz als den fremden. Von den in Staat und Gesellschaft herrschenden Faktoren seien durch, greifende Schutzmaßnahmen nicht zu erwarten, höchste»? kleine Verbesserungen der jetzigen Zustände. Also müßten wir prüfen, ob neben der Gesetzgebung nicht andere Mittel zur Bekämpfung der Schäden der Heimarbeit vorhanden wären. Das Wesen der Heim- arbeit bestehe darin, daß der übermäßigen Ausbeutung durch den kapitalistischen Unternehmer ein widerstandsunfähiges Proletariat zur Verfügung stehe. Wenn inan an die Stelle des Unternehmers, der ein Interesse an übermäßiger Ausbeutung des Arbeiters hat, einen anderen setzen kömie, der ein solches Interesse nicht habe, so wäre die Möglichkeit der Besserung gegeben. Tie genossenschaftliche Organisation habe sich als geeignet erwiesen, nicht nur den Intcr- essen der Konsumenten, sondern auch den Interessen der�Arbeiter zu dienen. Wo die Organisation der Konsumenten als Sache der Lohnarbeiter erklärt werde, da sei die Möglichkeit gegeben, daß der Bedarf der organisierten Konsumenten durch eigene Produktion ge- deckt werde, wodurch die parasitischen Zwischenglieder aus der Pro- duktiou ausgeschaltet werden. Die Ausbeutung falle weg, wenn der Arbeiter sein eigener Unternehmer geworden sei. In Deutschland hätten die Konsumgenossenschaften schon einen großen Einfluß in der Warcnvcrtcilung. Ihren Einfluß auf Verbesserung der Arbeits- bcdiugungen köimten sie dadurch geltend machen, daß sie entweder in eigenen Betrieben produzieren oder, wo das nicht durchführbar, in der Hausindustrie günstigere Arbeitsbedingungen gewähren als sonst in der betreffenden Branche üblich sind. Der Verband deutscher Produktiv- und Konsumgenossenschaften verfolge das Ziel, daß die ihm angeschlossenen Genossenschaften bei der Deckung ihres Bedarfs nur solche Unternehmer berücksichtigen, welche den von ihnen bc- schäftigtcn Arbeitern die gewerkschaftlichen Lohn- und Arbeits- bedingungen gewähren. Dem Verbände seien zlvei Drittel aller Genossenschaften angeschlossen. Sie zählen 570 000 Mitglieder, haben einen Jahresumsatz von 200 Millionen Mark und beschäftigen 0000 Personen. Eine eigene Seifenfabrik, deren Einrichtung lange Zeit auf den Widerstar-d der Behörden gestoßen sei, werde bald er- öffnet werden. Im Jahre 1904 hätten die Berbands-Genossen- schaften für 640 000 M. Waren aus genossenschaftlichen Quellen bezogen, und zivar kämcii hier nur solche Produktiv-Gcnossenschaftcn in Frage, in deren Bcrufszweigen die Heimarbeit herrsche. Der Redner führte diese Genossenschaften der Reihe nach an nnd gab eine Uebersicht über ihre geschäftliche Lage. Es find dies: Die Offcnbacher Konsum- und Produktiv-Genossenschaft, welche Bürsten- waren herstellt nnd damit 6 Arbeiter beschäftigt. Eine Genossen- jchaft im Bezirk der obcrfränkischcn Korbwaren-Hausindustrie, die jährlich für 38 000 M. selbsterzeugter Korbwaren absetzt. Die Ge- uossenfchaftswcbere» in Cuncwalde. Eine Genossenschaft in Sachsen- Altenburg, welche Arbeiter-Fußbckleidung herstellt. Die Schneiderei- Genossenschaft in Dresden und Seifhennersdorf, die 40 bis 45 Arbeiter beschäftigt und eine Produktiv-Genossenschaft der Schneider in Jena mit 15 Arbeitern. Alle diese Produktiv-Genossenschaften arbeiten für die Konsumvereine und gewähren durchweg bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen wie in den Privatbetrieben der be- treffenden Branche am Orte üblich sind. DaS Ziel sei, die Pro- duktiv-Genossenschaften in organische Verbindung mit den Konsum- vereinen zu bringen. Mustergültig sei in dieser Hinsicht die Tabak- arbciter-Genosscnschoft in Hamburg. Ter größte Teil ihrer Ge- schäftSanteile gehöre der Grotzeiukaufs-Genossenschaft der Konsumvereine, so daß die Tabakarbeitcr-Genossenschaft tatsächlich ein den organisierten Konsumenten gehöriger Betrieb sei. Sie beschäftige 233 Arbeiter, und zwar nur in Fabriken. Heimarbeit werde grundsätzlich abgelehnt. Dabei zahle die Tabakarbeiter-Genossenschast um 33 Proz. höhere Löhl>e, als sonst in der Tabakindustrie gezahlt werden. Die Genossenschaft liefere jährlich etwa 9 Millionen Zigarren, das sind 60 Proz. des ganzen Ilmsatzes, an Konsum- vereine. Bis jetzt habe noch keiner der deutschen Konsumvereine eigene Betriebswcrkstätten eingerichtet. Selbst der größie und kapital- kräftigste, der Leipzig-Plagwitzer Verein, sei noch nicht dazu über- gegangen. Diese Zurückhaltung sei zu bedauern. Im ganzei» seien die Erfolge der genossenschaftlichen Organ»- satioi» in Teutschland noch recht bescheiden. Viel größer seien sie in Englmid. Dort könne man sehen, was durch genossenschaftlichen Zusamincnschluß erreicht werden kann. In Deutschland sei diese Bewegung noch jung, init der Zeit werde sie auch die Erfolge er- laugen, die England heute schon aufzuweisen hat. Daß es dahin komme, dazu müßten die Gewerkschaften und alle ernsten Sozial- Politiker mitwirken.— Wenn es Aufgabe der Gewerkschaften sei, Höhere Löhne durchzusetzen, so hätten die Genossenschaften die Auf- gäbe, für billige Lebensmittel zu sorgen und so die Kaufkraft des Lohnes zu erhöhen. Das gemeinsam! Wirken dieser Organi- sationcn würde dahin führen, daß der Satz: Es ist das Brot so teuer und so wohlfeil Fleisch und Blut, ein Satz, auf dem das Elend der Heimarbeit beruhe, seine Bedeutung verliere.— Gewerk rchaftlicbca. DaS Koalitionsrecht existiert auch noch für Breslau! Weil er eine Sperrnotiz gegen eine Breslauer Holzbild- haucrfirma abgedruckt hatte, war Genosse K l ü h s als ver- antwortlicher Redakteur der Breslauer„Volkswacht" aus 8 153 G.-O. voni Schöffengericht zu einem Tage Gefängnis verurteilt worden. Die Begründung stützte sich auf das be- kannte Reichsgerichtsurteil vom Jahre 1903, wonach der§ 153 auch so zu verstehen sei, daß Arbeitgeber gegen den von Arbei- tcrn ausgehenden Zivang geschützt werden sollen. In der Be- rufungsinstanz, die sich mit der Berufung des Angeklagten und der des Staatsanwalts, dem ein Tag Gefängnis zu wenig war, zu befassen hatte— es war die durch Lobes Ver- urteilung bekannt gewordene zweite Strafkammer— wies Genosse Wolfgang Heine als Verteidiger darauf hin, daß eine solche Auffassung des 8 153 den Absichten des Gesetzgebers und den bestimmten Erklärungen der Regierung vollständig wider- spreche, daß aber es auch unmöglich sei, die Anwendung eines im ß 152 erlaubten Mittels im 8 1�3 unter Strafe zu stellen. Während die Staatsanwaltschaft die Höhe der Strafe auf eine Woche festzusetzen beantragte, schloß sich das Gericht den Grün- den des Verteidigers in vollem Umfange an und sprach K l ü h s von der Anklage des Vergehens gegen 8 153 G.-O- frei._ BtrKn und dmgcgtnd. Achtung, Schlosser! Im Betriebe der Firma U r s u m, Boeckh» straße, haben die Kollegen die Arbeit niedergelegt. Wir ersuchen den Betrieb z»»neiden. Desgleichen ersuchen wir die Bauarbeiter des von der Firma ausgefübrten Baue? Leibnizstroße 58, uns zu unterstützen durch Mit- teilung an die etwa auf dem Bau anfangeiidei» Schlosser. Deutscher Metallarbeiter-Verband. OrtSverwalNiiig Berlin. Zur Lohnbewegung der Konfektionsschneider in Südlvest- Deutschland wird uns»uitgeteilt, daß hier in Berlin Strcikarbeit angefertigt wird. Wir ersuchen die Kollegen, sofern ihnen nach der Richtung etwas Verdächtiges vorioinmen sollte, uns unverzüglich davon in Kenntnis zu setzen. Es ist Pflicht jedes Kollegen, hier volle Solidarität zu üben. Verband der Schneider. Filialle Berlin. Oeulkd,»» Rcfdi. 2500 Metallarbeiter in Brandenburg a. H. ausgesperrt. Bei der bekannten Fahrradfirma Gebr. R e i ch st e i n in Brandenburg, den„Brcn>»abor"-Wcrken, find am Tonnerstag voriger Woche 218?lrbeitcr in den Streik getreten, um eine Er- höhuug des Stundenlohnes um 10 Proz. durchzusetzen. Am Montag traten weitere 200 Arbeiter und Arbr�erinnen in den Streik, Daraufhin erließ die Fabrikleitung folgeüdv Bekanntmachung? Infolge der Arbcitsciustellung verschiedener Abteilungen unserer Fabrik sehen wir uns leider gezwungen, den gesamten Betrieb von heute ab zu schlichen. Brandenburg a. H., den S. Februar 1906. Gebr. Reichstein. Durch diese Aussperrung werden SSOO Arbeiter und Arbeiterinnen brotlos, weil eine Millionenfirma ihre unzulänglichen Löhne nicht erhöhen will. Ter Fabrikantcnverein hat sich mit der Firma Reichstem solidarisch erklärt. Erziehung zum Klafsenkampf. In E u p e n, einer rheinischen Favrikstadt, streiken in der Eisengießerei von Wintzens seit Wochen die Former um Einführung des zehnstündigen Arbeitstages, der in allen anderen Betrieben der Metallindustrie EupenS schon besteht. Die Ausständigen gehören sämtlich dem„christlich- sozialen Metallarbeiterverbande" an. Cupen ist eine durch und durch katholische Stadt: Behörden und Unter- nehmertum sind durchweg ultramontan. Sozialdemokraten gibt es dort so gut wie gar nicht— also in jeder Beziehung ein Ort, wo eitel Nächstenliebe, ausgleichende Gerechtigkeit, Harmonie und wie all die schönen Sachen heißen, herrschen müßte. Hören wir aber, waS der Aachener„Volksfreund", ein Zentrumsblatt, aus der erzkatholischen Stadt berichtet: Alle Versuche von beteiligter und unbeteiligter Seite, Frieden zu schließen,„scheiterten an dem hart- närkigen Standpunkt des Herrn Wintgens, der nicht mehr mit seinen früheren Arbeitern zusammenarbeiten will." Weiter berichtet daS Blatt, daß den Formern von der Polizei das Streikp osten- ftehen verboten wurde. Den Leuten wurde bedeutet, der Bürgermeister habe dies angeordnet, und jeder, der nicht Folge leiste, werde protokolliert und fest- g e n o m m e n. Das Blatt betont, daß durch die Sweikcnden ein Anlaß zu diesen Maßnahmen nicht gegeben lvorden sei.— Harte Lehren müssen die christlichen Gewerkschaften kosten, die in der Theorie den Klassenkampf leugnen, aber Tag für Tag ihn am eigenen Körper spüren. In Leer sind die Metallaebeiter ausgesperrt. ES wird von dort gemeldet: Den in den drei hiesigen Eisengießereien(Boekhoff n. Co., A. Schreiber u. Co. und I. Meese u. Gnom) beschäftigten Mitgliedern des Metallarbeiterverbandes, etwa 300 Schlossern und Formern, ist am Sonnabend die Arbeit zum 17. d. MtS. gekündigt worden. Die Kündigung erfolgte, weil in der Eisengießerei in Norden alle Arbeiter die Arbeit niedergelegt haben. Zwei Arbeitswillige als Mörder überführt. Bon welcher Qualität mitunter die der bürgerlichen Gesellschaft so sehr am Herzen liegenden Arbeitswilligen sind, beweist folgendes: In Nürnberg ist vor einigen Wochen die alleinstehende Wirtswitwe Bittermann in ihrer Wohnung ermordet und beraubt worden. Als Mörder sind jetzt die„Arbeiter" Bodechtel, Kreutzer und W e i ß k o p f überführt worden. Die Namen der beiden erstere» er- iiinern an einen Streik, der vor anderthalb Jahren im Betriebe der Fränkischen Schuhfabriken ausgebrochen war. Damals hatte die Firma alles ins Werk gesetzt, um Streikbrecher zu bekommen, die von der Polizei besonders liebevoll gehütet wurden, damit sie nicht wieder abwendig gemacht werden konnten. Unter den Streikbrechern befanden sich auch Bodechtel und Kreutzer, die gegen die Streikenden ein besonders aggressives Benehmen an den Tag legten und dafür Lob als brave Arbeiter ernteten.— Wie man sieht, haben sie ihren Protektoren alle Ehre gemacht._ Die christlichen Gewerkschaften haben sich von Anfang an eines groben Zahle nschtvindels bezüglich ihrer Mitgliederstärke schuldig gemacht, indein sie alle mög- lichen Vereinigungen als„christliche Gewerkschaften" bezeichneten und sich zuzählten, die weder solche waren, noch mit diesen etwas zu tun haben wollten, so z. B. der„Verein zur gegenseitigen Hülfe" in Oberschlesien mit 13 000 Mitgliedern, sowie eine Anzahl Post- und Eisenbahnbeamlenverbände und dergleichen mit insgesamt etwa 100 000 Mitgliedern. Wir haben diesen Zahlenhumbug wiederholt gekennzeichnet. Jetzt endlich geben die Christlichen� selber zu, daß sie geschwindelt haben. In dem Bericht des Ausschusses des Gesamt- Verbandes der christlichen Gewerkschaften Deutschlands über da§ Jahr 1905 heißt eS: „Die Gewerkschaftsftatisiik wird in ein i g en I a h r e n( I) eilte Aenderung erfahren, indem dann über die Verbände, die sich dem Geiamlverband nicht anschließen, nach ihrem Statut und ihrer Wirksamkeit aber als christliche Berufsvereine zu betrachten sind, nicht mehr berichtet wird." Einige Jahre lang soll die Oeffentlichkeit also doch noch getäuscht werden. Im übrigen zählt man heule auch viele Tansende Berufs- vereinler mit, die„nach ihrem Statut und ihrer Wirksamkeit" alles andere eher als Gewerkschaften, nämlich ganz gewöhnliche Unter- stützungSvereine sind. Hualand- Auf dem Austria-Schacht zu Kaditz in Böhmen sind wegen Eirt- lassung mehrerer Arbeiter die Bergleute in den Ausstand getreten. Schornsteinfegerftreik i« Kristiania. Seit einigen Wochen haben die Schornsteinfeger Kristianias mit ihren Arbeitgebern über einen neuen Tarifvertrag verhandelt, iedoch ohne daß eine Einigung er- zielt wurde. Sie legten daraus am Sonnabend die Arbeit nieder. Die Unternehmer bemühen sich eifrig, Streikbrecher heranzuziehen, haben aber bis jetzt nur einzelne ungeschickte und unzuverlässige Leute gefunden, die die für sie selbst lebensgefährliche Arbeit wohl so ausführen werden, daß die Hausbewohner sich auf Schornstein- brände gefaßt machen müssen. Versammlungen. Reingefallene GewrrkschaftSgegncr. Den Berliner Bäckermeistern, besonders natürlich den Innungen, siegt der letzte erfolgreiche Streik der Gesellen noch schwer im Magen. Nichts ist daher natürlicher, als daß sie nach einem Mittel um- schauen, welches den Bestrebungen deS BäckerverbandeS entgegen- wirken könnte. Einige Bäckcrgesellenvereine, die vom Verbände nichts wissen wollen und ihre Zeit mit mehr oder minder harmlosen Ver- gnügungen verbringen, gibt es schon seit Jahren i» Berlin. In diesen glauben die führenden JnnungSmeister ein Gegengewicht gegen die gewerkschaftlichen Bestrebungen der Bäckergesellen gefunden zu haben. Ein solche» Gegengewicht ist den Meistern gerade jetzt um so erwünschter, als der Verband sich bereits wieder zu einer neuen Lohnbewegung in Berlin rüstet. DaS Werben der Innung?- ,ne ister um die Gefolgschaft der indifferenten Gesellenvereine ist nicht vergebens geivesen. DaS Häuflein der unentwegt meistertreuen Gesellen ist aber noch klein. ES galt also eine Agitation größeren Stils zu entfalten, um wenigstens die noch nicht organisierten Ge- sellen don dem Wege abzulenken, der zum Verbände führt, und sich so eine größere Zahl von verläßlichen Streikbrechern für alle Fälle zu sichern. Zwei dieser Gesellenvereine hatten, anscheinend auf Veranlassung oder doch mindestens unter täliger Mitivirkung der Jminngösührer. am Dienstagnachmittag eine Versammlung aller in Berlin und den Vororten arbeitenden Bäckergeselle» einberufen. Als Versammlungs- lokal hatte man den für klassenbewußte Arbeiter gesperrten Saal von Keller in der Köpenickerstraße gewählt in der Erwartung, daß man dadurch die Verbandsmitglieder von vornherein fernhalten könne. Diese Rechnung ivar jedoch falsch. Die Verbandsmitglieder erschienen in großer Zahl, sie bildeten in dem vollbesetzte», polizeilich k abgesperrten Saale die große Mehrheit, verschmähten aver !das Bier, welches dort verzapft wird. Die Anhänger der Ge- sellenvereine stellten nur eine kleine Minderheit. Anwesend waren aber auch eine Anzahl von Bäckermeistern, an ihrer Spitze die Ober- meister beider Innungen. Die Veranstalter der Versammlung sahen wohl, daß ihre Absicht vereitelt war. W i s ch n e w s k i, der Führer der meistertreuen Ge- sellenvereine, eröffnete die Versammlung und verlas eine strenge Gcswäftsordiiuiig, womit er wohl glaubte, trotz der ihm entgegen- stehenden Mehrheit die Situation beherrschen zu können. Aber ver- gebenS. H e tz s ch o ld vom Bäckerverband nimmt das Wort. Er erklärt, die Versaminlung sei eine öffentliche, die verlesene Geschäfts- ordnung sei nicht maßgebend, er verlange die Wahl eines Bureaus, das, obgleich die Verbandsmitglieder in der Mehrheit seien, zur Hälfte von Anhängern der Einberufer besetzt werden solle.— Wischnewski macht allerlei Winkelzüge gegen diesen Antrag. Die Versammlung sei keine öffentliche. Wenn man sie zu einer solchen macken wolle, dann— und der Redner warf dem überwachenden Beamten einen verständnisvollen Blick zu— werde der Herr Wachtmeister die Ver- sammlung wohl auflösen.—„Wenn es nur daran liegt, dann kann geholfen werden." sagte Klamm eck vom Bäckerverband, zeigte dem überwachende» Beamten eine polizeilicke Bescheinigung darüber, daß er zu derselben Zeit wie die Gesellenvereine und nach demselben Sale eine öffentliche Versamnilung einberufen hat. Während sich Meister und Gesellenvereinler verdutzt anschauten und sich in der neuen Situation nicht zurechtfinden konnten, tritt der Einberufer Klamm eck an den Vorstandstisch, eröffnet die von ihm einberilfene Versammlung und läßt ein Bureau wählen, daS ohne Widerspruch nur aus VerbandSmitgliedem zusammengesetzt wird. Wie begoflene Pudel ziehen die Borstände der Gesellen- vereine nach dem Hintergrunde der Bühne.— K l a m m e ck, der jetzt den Vorsitz führt, will die von den Gesellenvereine» aufgestellte Tagesordnung erledigen lassen. Er erteilt dem aufgestellten Referenten W i s ch n e w s k i daS Wort: dieser fühlt sich aber so niedergeschlagen, daß er verzichtet. Nachdem man ihm volle Rede- freiheit und parlamentarische Diskussion zugesagt und das Bureau durch drei seiner Anhänger velstärkt hatte, hielt Wischnews ki eine Rede. Das ursprüngliche Konzept war ihm jedoch verdorben. Er beschränkte sich auf eine Verteidigung des von ihm geleiteten Vereins gegen Angriffe im Organ des Verbandes und meinte, auch sein Berein wolle die Berufsinteressen der Gesellen wahren, aber ohne den Kleinmeistern zu schaden.— Der zweite Referent wollte durchaus nicht reden. Der dritte Referent empfahl die von ihm vertretene katholische Bäckervereinigung. Da von den anwesenden Meistern keiner reden wollte, so erhielt H e tz s ch o l d als erster Diskussionsredner daS Wort. Unter An- führmig vieler Tatsachen kennzeichnete er das den Interessen der Arbeiter widersprechende Verhalten der von den Meistern bc- güiistigtcn Gesellenvereine. Die wirklichen Leiter dieser Vereine seien die Jnnungsführer, die Vorsteher der Vereine seien nur die Geschobenen. Das werde schon dadurch bewiesen, daß die Ein- ladungen zu der heutigen Versammlung von den Innungen versandt worden seien. Die Beiträge zu diesen Vereinen würden in einer Weise eingezogen, die einer Erpressung sehr ähnlich sehe. Viele ge- gehören den Gesellenvereinen nur deshalb an. weil sie wissen, daß ihr Meister sie entläßt, wenn sie nicht Vcreinsmitglieder wären.— Auch die Meister, soweit sie arbeiterfeindliche Bestrebungen betätigen, unterzog der Redner einer scharfen Kritik, um schließlich den Verband zu empfehlen als die einzige Organisation, welche die Interessen der Bäckorgesellen vertritt. Die Debatte zog sich noch mehrere Stunden ohne sonderliche Erregung und unter Beteiligung von Rednern von beiden Seiten hin. Tie Bäckermeister Vogler und Wolf redeten dem Zu- sammengehen aller Gesellen mit den Meistern daS Wort, damit Frieden im Geiverbe herrsche.— Schließlich nahm die Versammlung eine Resolution an, die sich scharf gegen die von den Meistern be- güiistigtcn Gesellenvereine ausspricht und ebenso entschieden den Verband als die einzige wahre Interessenvertretung der Bäckerei- arbeiter bezeichnet. Die Bäckermeister und ihre Schützlinge haben sich vergebens in Unkosten gestürzt. Ihre Versammlung, die geplant war, den Ver- baild zu bekämpfen, ist zu einer imposanten Agitationsversammlung für den Verband geworden._ Der AerztrauSschuß und die Mitglieder der Krankenkasse der Allgemeinen Elekt'rizitätSgesellschast. Eine Mitgliederversammlung der Betriebskrankenkasse der A. E.-G., die enn Sonntag im großen Saale der Brauerei Friedrichs- Hain stattfand, beschäftigte sich mit dem seinerzeit auch im„Vorwärts" kritisierten Verhalten oes AcrzteauSschusses der Kasse während der Aussperrung in der Elektrizitätsindustrie. Zunächst hielt jedoch Dr. E. Burchard einen Vortrag über:„Die häufigsten und gefähr- lichsten Krankheiten, denen die Fabrikarbeiter und Arbeitermnen ausgesetzt sind, und wie schützen wir uns vor diesen Krankheiten?" In klarer, allgemein verständlicher Weise schilderte der Arzt diese Krankheitsgesahren und die wichtigsten Vorbeugungs- und Heilmittel: frische Luft, Bäder, ausreichende Bewegung des ganzen Körpers, Ab- trechselung in der Stellung bei der Arbeit, so daß die meistens stehenden Arbeiter Gelegenheit zum Sitzen, die meistens sitzenden Gelegenheit zum Stehen erhalten, sowie ein längeres Aussetzen der Arbeit durch Erholungsurlaub. Ferner machte der Redner auch darauf aufmerksam, daß die Pflege geistiger Interessen von großem Wert für die Erhaltung der Gesundheit ist und erwähnte im An- schluß dcrran auch die Meunier-Ausstellung bei Keller und Rainer. — Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Der Redner hatte sich kurz gefaßt, um Gelegenheit zu fruchtbarer Diskussion zu geben, und er- reichte auch diesen Zweck in vollein Matze. Eine große Anzahl von Rednern meldete sich zum. Wort. Die Aussprache ergab, daß fast allcö, was der Arzt im Interesse der Gesundheit der Arbeiter und Arbeiterinnen für iiotivendig erachtete, in den Betrieben der A. E.-G. fehlt oder doch, wie z. B. die Badeeinrichtungcn, nur sehr mangelhaft vorlxtnden ist Unter anderem wurde auch über das Ueberstunden- unwefen geklagt. Ein Zwang soll ja angeblich in dieser Hinsicht nicht ausgeübt werden; nach dem, lvas verschiedene Redner ausführten, muß jedoch der, der sich weigert, Ileberzeitarbeit zu leisten, mit Eni- lasiung rechnen.— Die Versammlung faßte zu diesem Punkt ein- stimmig folgenden Beschluß: „Die heute, am 4. Februar, bei Lipps versammelten Mitglieder der?l. E.-G.-Betriebskranlenkassc sehen ein, daß bei der jetzigen intensiven Arbeitsweise die Körperkräfte der Arbeiterschaft in geradezu fahrlässiger Weise verbraucht werden, so daß die Zahl der Krauken und frühzeitig Invaliden ständig steigt. Da diese Ge- fahren durch lange Arbeitszeit und Ueberstunden noch vergrößert werden, so beschließt die heutige Versammlung, mit aller Macht dahin zu streben, daß jede Ueberstunde vermieden, ebenfalls die lange Arbeitszeit verkürzt wird, damit die Arbeiterschaft Zeit genug behält, sich nach der Arbeit so zu erholen, daß Krankheiten vermindert werden und vorzeitige Invalidität nicht eintreten tanii." Da die Zeit inzwischen sehr weit vorgesehritten war, konnte die Diskussion über den zweiten Punkt: Das Verhalten des Aergteausschusses bei der großen Aussperrung, nur kurz sein. Der Vorsitzende deS Aerzteausschusses, Dr. Beutlet, war hierzu eingeladen worden, erklärte jedoch in einem Brief, daß er nicht erscheinen könnte, weil er erstens Soimtags vormittags absolut keine Zeit habe, und zweitens, weil er kontraktlich verpflichtet fei, in allen die Acrzte betreffenden Angelegenheiten nur mit dem Vorstand der Krankenkasse in Verbindung zu treten. Im übrigen sei er auch der Meinung, daß sich die fragliche Sache besser in der gemeinsamen Vorstandssitzung als in einer großen Versammlung regeln lasse. Diese Antwort erregte großes Mißfallen in der Versammlung. Es handelt sieb bei der Angelegenheit darum, daß der Aerzteausschuß bei der Massenaussperrung in der Elektrizitäts- industrie ohne Wissen und Billigung des Vorstandes die Kassenärzte durch ein Rundschreiben aufforderte, bei Krankmeldungen mit„ganz besonderer Vorsicht" zu verfahren, um einer außergewöhnlichen Be- lastung der Krankenkasse vorzubeugen. Die Arbeitnehmervertreter des Kassenvorstandes haben damals im„Vorwärts" diese Maß- nähme Ks Aerzteausschusses schon als einen ungesetzlichen und un- gerechtfertigten Uebcrgriff bezeichnet und die Erwartung aus- gesprochen, daß das Rundschreiben in keiner Weise von den Kassen- ärzte» beachtet werden möge, was leider keinen Erfolg hatte. Auch jetzt ist diese Angelegenheit noch nicht geklärt. Manche Arbeiter und Arbefterinnen sind durch die„besondere Vorsicht" der Aerzte im Interesse des Unternehmertums geschädigt worden. Die Versammlung faßte hierzu einstimmig folgenden Beschlutz: „Da durch das vom Aerzteausschuß der A. E.-G.-Betriebs- krankenkasse während der Elektro-Aussperrung 1905 an die Herren Aerzte dieser Kasse versandte Zirkular mit aller Deutlichkeit be- wiesen ist, daß die Mitglieder des Aerzteausschusses ihre Kunst lieber dem Unternehmertum zu Füßen legen, statt sie der leidenden Arbeiterschaft zur Verfügung zu stellen, beschließt die Versamm- lung als Antwort auf die Maßnahmen des Aerzteausschusses, diese Herren in keiner Weise mehr hülfernfend zu belästigen.— Die Anwesenden erachten es als eine Ehrenpflicht, die Maßnahmen dieser Herren in allen Werkstattbesprechungen der A. E.-G. bekannt zu geben."._ Energischer Protest der Gastwirtsgchülfen. Am Dienstagnach- mittag hielten die Gastwirtsgehülfen in Mendts Jndustriesälen eine öffentliche Versammlung ab, die von tausend Personen besucht war. „Ter neueste Beutezug der Berliner Gastwirte-Jnnung auf die Taschen der Gehülfenschaft", so lautet die Tagesordnung. Referent war Hugo Poetzsch, der mit scharfer Kritik die„Segnungen" und „Wohlfahrtseinrichtungen", welche die Gastwirte-Jnnung der Ge- hülsenschast beschert, wirkungsvoll beleuchtete. Da ist das Jnnungs- schiedsgericht mit seinen vielen Nachteilen gegenüber dem Gewerbe- gericht. Wie leicht bei dem ersteren der Unternehmerstandpunkt zur Geltung kommt, zeigte der Redner an Beispielen. Dem Innung-- schiedsgerickt gegenüber können die Gehülfen sich eines tiefen Miß- trauens nicht erwehren. Eine anders Einrichtung zum Schaden der Gehülfenschaft ist die Jnnungskrankenkasse, eine sehr billige und sehr schlechte Kasse, was die Leistungen gegenüber der Ortskranken- lasse anbetrifft. Hierbei deckte der Redner das Geheimnis auf, woher die Innung' so viele Mitglieder habe. Es ist der oft sehr große materielle Vorteil, der den JnnungSmeistern dadurch geboten wirb, daß sie ihre Angestellten bei der billigen Jnnungskrankenkasse anmelden können. Die Gehülfen werden schwer dadurch benach- teiligt, denn die Ortskrankenkasse verdient in jeder Beziehung den Borzug, sowohl wegen der höheren Unterstützung als auch wegen der besseren Behandlung der Kranken. An einigen Beispielen, die all- gemeine Empörung wachriefen, konnte der Referent auch hier seine Behauptungen erhärten.— Von dem Wohltätigkeitssinn der Jnnungsmeister sollen z. B. die Weihnachtsgaben für arme Witwen zeugen. Dafür wurden 1400 M. ausgegeben, zu denen die Ge- hülfen aber 800 M. beigesteuert hatte». Während man nun den Witwen der Gastwirte die Gaben diskret per Post zusandte, wurden die Witwen der Gehülfen von den Herren Wohltäter:, in breiter Oeffentlichkeit geladen.— Eine Einrichtung, auf welche die Ge- hülfen nicht den mindesten Wert legen, trotz aller Prahlereien der Jnnungsmeister, ist der Arbeitsnachweis der Innung. Dieser ist beinahe bedeutungslos gegenüber den vielen Stellender- mittelungsbureaus im Gastwirtsgewerbe, und die Jnnungs- meister selbst benutzen ihren eigenen Nachweis nur zu einem kleinen Teil; sie gehen zu den Kommissionären, wo die Ge- hülfen schamlos ausgebeutet werden. Die Innung sagt, sie könne ihre Mitglieder nicht verpflichten, den eigenen Arveitsnachweis in Anspruch zu nehmen. Das Personal soll aber gezwungen sein, dafür Beiträge zu leisten. Der neueste Plan der Innung besteht nun dann, die Gebühren zu erhöhen, so daß die Gchülfen für die ..Wohlfahrtseinrichtung" der Innung die Kosten zu tragen haben. Für jede feste Stellung sollen 3 M.(bisher 1 M.), für jede Aus- hülfcstellung 25 Pf.(bisher 20 Pf.) bezahlt werden. In dem Arbeitsnachweis hat sich ein Defizit von 8000 M. gezeigt(seit dem Jahre 1898), welches die Jnnungsmeister leicht beseitigen könnten. wenn sie die Eintrittsgelder zur Innung wieder einführen würden oder nur 2 M. pro Person und Jahr für ihre„Wohlfahrtscinrichtung" bezahlen möchten. Der Redner meinte, er würde sofort einen Boykott des Arbeitsnachweises der Innung empfehlen, wenn die Ge- hülfen in einer großen Organisation vereinigt wären; bei der be- stehenden Zersplitterung bleibt aber nur als Mittel übrig, daß der Gehülfenausschuß der Jimung bei der Behörde Protest gegen die Absicht der Meister erhebt, denn die Zustimmung der Aufsichts- behörde ist nach dem Gesetze notwendig. Es wurde mitgeteilt, daß der Gehülfenausschuß einen energischen Protest bereits erhoben habe.— Einstimmig nahm die Versammlung eine Resolution an. die sich scharf gegen die geplante Matzregel der Innung wendet. Die C a f e- A n g c st e l l t e n sind in eine Bewegung zur Verbesserung ihrer Lage und speziell gegen die Stellcnvermlttelunas- bnreauS eingetreten. Ein Vertreter des Verbandes der Cafe» Kellner wandte sich an die Versammlung mit einem Appell um Unterstützung dadurch, daß sich die Gastwirtsgehülfen solidarisch zeigen und nicht ohne Einverständnis des Verbandes in einem Cafe Stellung nehmen. Die Stellenvermittelung, wie sie jetzt besteht, ist eine schändliche Ausbeutung der Kellner und muß bekämpft werden. Die Versammlung spmch den Cafe-Kellnern ihre volle Sympathie auS; die verlangte Unterstützung wird als selbstverständlich angesehen. Arbeitervertretung in der Malerinnung. In einer Versamm- lung am 22. Januar wurden in den Gehülfenausschuß der Innung Wesidel und Weise und als deren Ersatzmänner Stolz und Stein gewählt. Als dann unter dem Vorsitz des Altgchülfen Wendel die Wahl von Beisitzern zum Jnnungöschiedsgericht vor- genommen werden sollte, entstand ein von lotalorganisierten Ge- hülfen verursachter Tumult, der die vorzeitige Schließung der Ver- sammlung nötig machte. Am Montag, 5. d. M., fand eine neue Versammlung zum Zweck der Wahl statt. Sowohl von zentraler wie von lokaler Sette war eine Kandidatenliste aufgestellt. In der Ab- stimmung wurden die von der Zentralorganisation aufgestellten Kandidaten mit 530 gegen 112 Stimmen gewählt. Beisitzer zum JnnungSschiedSgericht find demnach:Rostin, T e u b e r, Klotz. Stein; Stellvertreter: Luckow, TerSke» Zimmer und Stolz. Letzte I�acbrlcbtcn und Depefcbcn. Gründe werden nicht angegeben. Offenbach, 7. Februar.(B.H.) Der Kreisausschuß für die Stadt Offenbach am Main hat die Wahl des Beigeordneten Peter Zahn, der Sozialdemokrat in Mülheim ist, beanstandet. Gründe für die Beanstandung wurden nicht angegeben. Tie bestehende StaatS„vrdnvng„. Odessa, 7. Februar.(Bon einem besonderen Korrespondenten.) Vor dem Sebastopoler Kriegsgericht begann heute der Prozeß gegen drei Offiziere und siebzig Matrosen von dem Panzer„Potemtin", die beschuldigt werden, an einem offenen Aufstande teilgenommen un� den Versuch gemacht zu haben, die bestehende Staatsordnung umzustürzen. Auf Befehl aus Petersburg hat der Stadthauptmann den zweiten Bürgermeister verhaften lassen, der während des letzten Aus- standeS der Postbeamten der Stadtverwaltung den Vorschlag ge» macht hatte, zur Unterstützung der Ausständigen 1000 Rubel zu ver- teilen. verantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.; Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag; Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer LcCo.. Berlin SW. Hirrzn 3 Be"agen u. vnterbal�voott-lt it.32. 23. z°hW» l. fifiliiijc kß JortDü#' Iftlinet lollislildtt. s. ith«« im Reid)9ta� 87. Sitzung vom Mittwoch, den 7. Februar. nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStische: Niemand. Erster Punkt der Tagesordnung ist der Antrag A l b r e ch t sSoz.) und Genossen, welcher dahin geht, dem Artikel 3 der deutschen Reichs- Verfassung folgenden Zusatz anzufügen: In jeden» Bundesstaat und in Elsaß-Lothringen muh eine auf Grund des allgemeinen gleicken direkten und geheimen Wahl- rechtes gewählte Vertretung bestehen. Das Recht zu wählen und gewählt zu werden, haben alle über 20 Jahre alten Reichs- angehörigen ohne Unterschied des Geschlechtes»n dem Bundesstaate, in dem sie ihren Wohnsitz haben. Die Zustimmung dieser Vertretung ist zu jedem Landesgesetz und zur Feststellung des Staatshaushalts-Etats erforderlich. Abg. Bernstein sSoz.): Der Antrag, den wir heute dem Hause vorlegen, ist kein neuer. Er ist schon elf Jahre alt und in Form eines Amendements ist er sogar schon 21 Jahre alt. Er wird also in diesem Jahre mündig. (Heiterkeit.) Das allgemeine Prinzip dieses und ähnlicher Anträge, dah nämlich das Reich die Konipelenz hat, in den Einzelstaaten Parlamente einzusetze», ist so alt wie der deutswe Reichstag. Schon im Jahre 1870 wurde nämlich der Antrag Büsing hier verhandelt und es war damals namentlich der auf der Rechten des HauM sehr beliebte Abg. v. Treitschke, welcher lebhaft für den Antrag ein- trat. Der Antrag ivurde mit 183 gegen 88 Stimmen angenommen. Im wesentlichen war nur das damals sehr föderalistische Zentrum gegen den Antrag. Im Jahre 1385 brachte die sozial- demokratische Partei ein Aniendement zu diesem Antrage ein, welches jedoch ohne Verhandlung abgelehnt wurde. Damals sprachen auch die Abgg. Miguel und v. Kardorff sehr lebhaft für das allgemeine Prinzip der Kompetenz des Reiches in dieser Angelegenheit. Der Abg. v. Kordorff meinte nämlich, ohne die Durchführung dieses Antrags hätten nicht alle deutschen ReichSbürgcr das gleiche Recht. (Hört! hört I links.) Im Jahre 18ö4/S5 brachte dann die sozial- demokratische Partei den gegenwärtige» Antrag ein, die freisinnige Volkspartei einen ähnlich lautenden Antrag Anker und die freisinnige Vereinigung den Antrag Pachnicke, der nur im allgemeinen die Ein- richtung von Parlamenten in allen Bundesstaaten forderte. Unser Antrag wird nicht verschwinde», bis Sie ihm Genüge ge- leistet haben, da er keiner Willkür, sondern einem Bedürfnisse cnt- spricht.. Das ganze Leben in Deutschland entwickelt sich im Sinne einer größeren Vereinheitlichung. Deshalb hat schon vor Jahren mein Kollege Bebel darauf hingewiesen, daß sich auch die Sozial- demokratie dieser EntWickelung angeschlossen hat, indem sie, die dem Reichsgedanken zuerst mißtrauisch gegenüberstand, später dazu über- gegangen ist, Anträge auf Kompetenzerweiterung des Reiches gegen- über den Einzelstaaten zu stellen. Nehmen Sie nur die Versichcrungs- gefetze l Wie tief greifen sie in die Verwaltung der Einzelstaaten ein. Selbst vom Zentrin ist der Abg. Jäger jetzt Mitglied eines Vereins, der ein Reichswohnungsgesetz anstrebt. Der Bundes- rat aber steht allen diesen Bestrebungen unfreundlich gegenüber. Man sieht es ja heute wieder: Die Bundesratstische sind vollkommen leer. Soweit eS also auf die Regierung ankommt, müssen ivir unseren Antrag hier vor Holz und nicht vor lebendigen Menschen verhandeln.(Sehr Ivahr! bei den Sozialdemokraten.) ES ist ja aber auch ein offenes Geheimnis, welcher Bundesstaat an all dem schuld ist: und das ist kein Wunder, wenn man sich die große Ver- schiedenheit der Wahlgesetze in Preußen und im Reiche ansieht. Wenn Sie eine Musterkarte all der verschiedenen Wahlgesetze inner- halb des Deutschen Reiches einem Ausländer vorlegen, so wird' er sich an den Kopf fassen und sagen: Wie ist es denn nur möglich, daß innerhalb einer einzigen Nation eine solche Verschiedenheit existiert I Ich will Sie nicht mit einer Aufzählung der ver- schiedenen Wahlsysteme aufhalten, aber eine Gruppierung wird Ihnen zeigen, wie verschieden die Systeme in den einzelnen Staaten sind. Da gibt cS zunächst Staaten, in denen da? Wahlrecht dem Reichstagswahlrecht entweder homogen ist oder sich doch wenigstens nähert. Bade» hat das direkte Wahl- recht, Württemberg, welches das allgemeine direkte Wahlrecht schon hatte, beseitigt jetzt aus der Volksvertretung den Rest der Stände- Vertreter. Bayern modernisiert in diesen Tagen sein Wahlrecht. An der Spitze der Bewegung steht bekanntlich Prinz Ludwig, dem diese Wahlresorm noch nicht modern genug ist. Auch von den'thüringischen Kleinstaaten haben Sachsen-Meiningen, Schwarzburg-Rudolstadt und Reuß j. L. direkte Wahl, die aber dort entweder mit einem Zem'uS- sq stein verkuppelt, oder durch eine besondere Vertretung der Höchst- besteuerten oder Ständeherren verfälscht ist, so daß in vielen Fällen die Stimme der Wählerschaft vollkommen neutralisiert ist. Ueber- Haupt finden wir in den thüringischen Staaten alle möglichen Arten von Kombination zwischen allgemeinem Wahlrecht und besonderer Klassenvertretung. In Sachsen-Altenburg z. B. hat die erste und zweite Klasse mrt 21 Abgeordneten stets die Mehrheit über die dritte und vierte mit 14 Abgeordneten. In Elsaß-Lotbringen schließlich wird auf ganz koniplizierte Weise der LandcSausschuß auS dreimal gesiebten Delegierten der Kreise. Gemeinden und Bezirke gebildet. In allen diesen Ländern hat sich nun die Entwickelung in zwei verschiedenen Strömungen vollzogen. In Süddeutschland ist die Entwickelung zum allgemeinen Wahlrecht siegreich vorwärts ge- gangen, in Norddeutschland dagegen wird rückwärts revidiert. Sachsen ging hierin voran. Dort wurde da« Wahlrecht zuerst an den Zensus von 3 M. direkter Staatssteuern geknüpft: das wirkte so stark, daß mindestens ein Drittel der Reichstagswähler oder die Hälfte der Bevölkerung von dem Landtagswahlrecht aus- geschlossen wurde. Verstärkend kam noch eine das Land sehr bevorzugende Wahlkreiseinteilung hinzu. Aber auch dies Wahlsystem schien der reaktionären Mehrheit in Sachsen noch zu radikal, es waren immerhin noch einige Sozialdemokraten gewählt und so führte man daS preußische Dreiklassenwahlsystem auch in Sachsen ein, nur daß statt der öffentlichen die geheime Stinimabgabe eingeführt wurde. Dieser Vorteil hat aber gar keinen Zweck, da die Stimmen der dritten Klasse doch nicht zur Geltung kommen. Gegen diese Wahlrechtsänderung in Sachsen haben sogar Fabrikanten und Jntelleklnelle von Ruf Stellung genommen. Aber alle Proteste haben nichts genutzt, sondern man hat sich auf den brutalen Macht- standpmikt gestellt. In den Reichstag hat Sachsen vor dem Wahl- rechiSraub 7, nach ihm 22 Sozialdemokraten unter 23 Abgeordneten geschickt. Im sächsischen Landtage finden Sie»mter 82 Abgeordneten einen einzigen Sozialdemokraten.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Das sächsische Beispiel fand Nachahmung in Lübeck. Hier war das Wahlrecht an den Erwerb des Bürgerrechts geknüpft, aber die wenigen Sozialdemokraten, die trotzdem gewählt wurden, waren dem lübifchen Senat noch zu viel, und er schuf ein Klassenwahlrecht. wonach den Arbeitern von 120 Mandaten nur Ib eingeräumt wurden. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch dort wurde gegen alle Proteste mit brutaler Macht die Wahleutrechtung durch- geführt. Nach Lübeck kam die besitzende Klasse Hamburgs und führte mit einer Frivolität und Brutalität sondergleichen eine Wahlentrechtuug durch, die den Protest jedes Gerechtdeukeudcn hervorrufen müßte.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Während Hamburg für den Reichstag über 200 000 Wähler zählt, hat es für die Bürgerschaft sowieso nur 50 000. Die übrigen 150 000 gehörten natürlich den arbeitenden Klassen an. Und trotzdem diese unerhörte weitere Wahlrechtöverschlechierung l Unter den allergünstigsten Verhältnissen hätte die Sozialdemokratie 50 gegen 110 Stimmen be- kommen könne». Und dieses System war den Herren noch zu modern I Die Grundbesitzer haben von vornherein 40 Sitze in der Bürgerschaft. Tatsächlich aber kann es kommen, daß sieben Achtel aller Vertreter Grundbesitzer sind. Nun aber erkundigen Sie sich einmal danach, was in Hamburg alles geschehen ist! Die Stadt I hat häufig bei Gnuidbesitzerwerbungen das Dreifache und Vierfache lvon dem bezahlen müssen, was sie bezahlt hätte, wenn sie nicht die schmähliche Vertretung gehabt hätte. (Graf Posadowsky hat am BundeSratStische Platz genommen.) Durch daS gesiebte Wahlsystem war schon dafür gesorgt, daß nur ganz allnmhlich moderne, vernünftige Gedanken in die Vertreter- schafl hineingekommen wären. Und dieses System wurde noch rück- wärtS revidiert! Die Arbeiter haben alle gesetzlichen Mittel an- gewandt, um die Stimme des Protestes zu erheben. Und als es dann zu den Dentonstrationen auf der Straße kani, niußten wir hier von der Rechten und Linken die verständnisloseste Beurteilung hören. Und nun in Preußen I Hier ist allerdings von einem Rückwärts- revidieren nicht die Rede geivesen, einfach auS dem Grunde, weil das nicht mehr möglich iväre! Das preußische Wahlrecht ist ohnehin das schlechteste in ganz Deutschland. Ich will nicht davon sprechen, daß dieses Wahlsystem überhaupt ein mit Gewalt von oben statt eines schon bestehenden besseren aufoktroyiertes ist. Das„Wahlrecht" wurde damals damit begründet, daß der Besitz auch die größere Intelligenz dar- stelle. Man schämte sich offenbar, offen die nackte Gewalt im Interesse des Besitzes zu proklamieren. Gewiß gab es danials noch eilte größere Zahl von Analphabeten in Preußen. Den Charakter aber, de» das Wahlrecht mittlerweile angenommen hat, belaß eS damals noch nicht. Trotzdem war es schon damals der Ausfiliß einer Reaktion gegen eine vorhergehende Revolution. Die Geister waren sehr erregt. Man ivolltc erst ihre Beschwichtigung abwarten. Aber daß man jene« Wahlrecht dann über ein halbes Jahrhundert aufrechterhalten hat. das ist unbegreiflich. Es tvar so ausgeklügelt, daß man den Wählern das Wahlrecht geradezu verekeln wollte. Da ist die Ungleichheit der Stimmen! Da ist die offene Stimmabgabe, die alle abhängigen Existenzen, alle Beamten zwingt, entweder überhaupt nicht oder sür die Regierungspartei zu stimmen. Alles das führt dazu, die wahre Stimmung des Landes zu fälschen. Selten wählen mehr als 20 Proz. der Wähler. Die kleinen Abänderungen, die man ein- geführt hat oder einführen wollte, dienen nur dazu, die Ungerechtig- keiten zu befestigen oder sie sogar noch zu verstärken. Wenn in einer einzigen Stadt Wähler mit demselben Einkommen hier in der ersten und dort iir der dritten Klasse wählen, so ließe sich das ja durch eine Flickarbeit beseitigen. Aber dann wird immer noch die Un- gerechtigkeit bestehen bleiben, daß in verschiedenen Städten Leute gleichen Einkommens in verschiedenen Klassen wählen. Es bleibt immer so, daß die dritte Klasse erdrückt ivird. In der KonfliktSzeit ertönte der Jammer über das Dreiklasseuioahlrecht von feiten des Prcußenvereins; denn damals wurde die erste Klasse von der zweiten und dritte» erdrückt. Da war es Fürst Bismarck, der dieses Wahlrecht als das elendeste und widersinnigste be- zeichnete. Mit der Zeit ist es nun das Bollwerk der Konservative» geworden, vor allem dank der veralteten Wahl- kreiSeiuteiliing, die noch aus der Zeit stammt, in der Bismarck jenes Wort sprach. Seitdem hat Preuße» die größte wirtschaftliche Umwälzung durchgemacht, aber an der Wahlkreiseintcilung ist nichts geändert. Wir haben Wahlkreise, wo auf einen Abgeordnelen 370 000 Einwohner, und andere, wo auf einen Abgeordneten noch nicht 40 000 Einwohner fallen. Also nicht eine Spur von Gerechtigkeit zeigt diese Wahlkreiscinteiluitg. ES herrscht die Plutokratie: sie hat das Recht, und sie will es behalten. Die arbeitenden Stünde aber haben sich kulturell ungeheuer gehoben. Wie können Sie jetzt ein Wahlrecht beibehalten, das in einer Zeit geschaffen wurde, in der die Arbeiterklasse noch unentwickelt war! Und Sie, meine Herren Konservativen, nennen sich eine Partei der„historischen" Rücksicht- nähme! Sehen wir einmal, wie das Wahlrecht das letzte Mal gewirkt hat. Von den 1300000 Stimmen sind 350000 für die Sozialdemokratie abgegeben worden. Dabei hat sie sich nur in einem Teil der Wahl- kreise beteiligt. Bei der Reichstagswahl fielen 28 Proz. der Mandate in Preuße» auf die Sozialdemokratie. Nach der Stärke im Lande berechnet, müßten also über 80 Mandate des preußischen Landtags der Sozialdemokratie zufallen. 5Zn der Tat aber vertritt nicht ein einziger Abgeordneter die l'/a Millionen sozialdemokratischer Wähler im preußischen Landtag— können«-ie, meine Herren Konservativen, das mit guiem Gewissen alö erhört bezeichnen?(Ruf rechts: Ja I Heiterkeit rechts, Unruhe links.) Das ist eben das Schlimme, daß die Konservativen in Preußen— anders als die Äönscrvativen in anderen Staaten— nicht einmal das Gefühl haben, daß dieser Zustand dein Deutschen Reiche, dem preußischen Staate im höchsten Grade zur Unehre gereicht; daS kennzeichnet die konservative Partei in Preußen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Im dritten Berliner Wahlkreise waren eS nur die rein pluto- kratischen Stimmen der ersten Klasse, welche die Wahl der Sozial- demokraten verhinderten. Die Liberalen sollten in solchen Fällen freiwillig zurücktreten.(Lachen rechts.) Das ist nichts so Uuerhörles. Bei den englischen Wahlen waren cS die Liberalen, die vielfach zugunsten von Arbeitervertretern zurückgetreten sind. Aber selbst die Konservativen sollten die Hand bieren, um daS Wahlrecht zu refornneren. Statt dessen acht man im preußischen Landtage noch daran, das Unrecht zu befestigen. Sie wolle» nur die allergrößten Wahlkreise, die mit den vielen sozialdemokratischen Wahlmännern Ihnen über den Kopf zu wachsen drohen, in mehrere zerlegen. Bei Gelegenheit des TolcranzantrageS rief der Zentrums- Vertreter Frhr. v. Hertling auö: Ueberstimmen Sie uns nicht! Machen Sie die Frage nicht zu einer reine» Machtfrage I Nun wohl I Jetzt ist der Moment da, wo das Zentrum Farbe bekennen könnte! Ihre staatsrechllichen Bedenken sind längst nicht mehr stichhaltig. Verstecken Sie sich nicht I(Lachen im Zentrum.) Bei der Gründung deS Reiches handelte eS sich darum, die kleinen Staaten gegen die Uebermacht Preußens zu schützen, deshalb wurde die Kompetenz des Reiches vorläufig in ziemlich engen Grenzen festgestellt. Heute aber handelt es sich darum, das, was die kleinen Staaten bereits erreicht haben, dem größten Bundesstaate aufzuzwingen. Auch Ihr Toleranzantrag griff in die Gesetzgebung der Bundes- staaten ein. Also staatSrechiliche Bedenken bestehen nicht. Wo ein Wille, ist ein Weg. Sie niüssen um so eher unserem Antrage zu- stimmen, da Sie genau wiffen, daß trotz aller Proteste die Re- gierungen der betreffenden Einzelstaaten zu durchgreifenden Aeuderungen nicht zu bewegen sind. Die Sozialdemokratie hat es ja an Demonstrationen nicht fehlen lassen. Ich muß gegenüber den Angriffen auf diese Demonstrationen doch noch einiges sagen. DaS Recht, die Straße zu De- monstrationen zu benutzen. ist ein selbstverständliches. Wem gehört denn die Straße? Doch nicht einer Klasse, sondern der Gesamtheit. Von Zeit zu Zeit werden solche Straßendemonstrationen zur Notwendigkeit. In England ist die Straßendemonstration ein selbstverständliches Recht. Die Polizei macht lediglich bekannt, durch welche Straßen der Umzug geht, und verbietet den Wagenverkehr für einige Zeit Die Polizei und die Parteivertreter sorgen dann gemeinschaftlich für die Ordnung. Bisweilen hat man auch Scherze gemacht wie: den Minister in gkfigis zu hängen u. Vgl. Das hat dem Minister nicht ivehe getan I(Herterkeit links.) Bei unS aber ist die Straßendemonstration noch viel wichtiger, weil das Mittel der Lokalabtreibungen gegen uns in größtem Maßstäbe geübt wird. In meinem Wahlweise Breslau ist es mir nur ein einziges Mal möglich gewesen, in einem kleinen Saale in der Stadt zu meinen Wählern zu sprechen.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Nur daS Gewerkschnflshaus im Osten der Stadt steht uns zur Verfügung. Da brauchen wir die Straße, um auf die Neutralen einen im- pouierenden Eindruck zu machen. Ich hätte eS niemals sür möglich gehalten, daß der Redner einer bürgerlichen liberalen Partei gegen die Beivcgung, die jetzt im russischen Volke gegen den Zarismus stattfindet, solche Worte ge- brauchen könnte, wie es hier kürzlich der Abg. Dr. Mugdan getan hat.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das war ja nur eine Emp- feblungSrede!) Es handelt sich um eine allgemeine Volksbewegung, bei der auch ein großer Teil der Besitzenden und der Jmellektuellen beteiligt ist. Unseren Freunden in Rußland ist es ganz klar, daß diese Revolution zunächt dem Bürgertum zugute kommen wird, aber sie ist in Ruß- land eine Notwendigkeit geworden. Vom Regierungstisch hörten wir von der„großen" französischen Revolution sprechen, und ein Frei- sinniger macht höhnende Bemerkungen über den„Mob"! Haben Sie (zu den Freisinnigen) denn die letzten Wochen und Monate ver- schlafen? Wissen Sie nicht, daß in Odessa, Kiew, Wohilew und anderen Städten die organisierten Arbeiter durch ihre„Selbstwehr" die Angehörigen auch der bürgerlichen Klassen gegen die Brutalitäten der von der Regierung bestochenen Banden geschützt haben? Solche Taten haben den Anspruch auf Anerkennung bei allen Kulturvölkern, soweit sie nicht vollkommen versumpft und verrottet sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wir werden in dem Kampfe für das allgemeine gleiche Wahlrecht nicht erlahmen; es ist für unser Volk ein Kampf ums Recht. Graf Posadowsky sprach gestern davon, daß die Arbeiter nicht die Wohl- taten der sozialen Gesetzgebung anerkennten. Ich will dazu nur das eine sagen: ES kommt doch bei allen Zugeständnisic» darauf an. unter ivelchen Formen und Umständen sie gewährt werden. Daß die Arbeiter durchaus nicht unerkenntlich sind für Leistungen von anderer Seite, hat Professor Abbse, der kein Sozialdemokrat war, erfahren. Aber diejenigen kennen die deutschen Ar- beiter schlecht, die glauben, daß sie jemals das Streben nach gleichem Recht im Staate, nach demokratischen Einrichtungen aufgeben ivürden. weil ihnen irgend welche wirtschaftlichen Vorteile geboten werden. Wenn Sie die Arbeiter fragen würden: Wir wollen Euch den Acht- stundentog und zahlreiche andere materielle Vorteile geben, aber ver- zichtet dafür auf Euer Wahlrecht. Ich bin fest überzeugt: Die Arbeiter werden rufe»: Nein! Denn auch wir sagen, wie das Zentrum:„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein." Es ist hier oft im Reichstage von den Gegensätzen zwischen den sogenannte» Revisionisten und den Radikalen in unserer Partei die Rede. Die Tribüne des Reichstages ist nicht der Ort, darauf näher einzugehen. Das eine aber kann ich Ihnen sagen: Wenn Sie von irgendjemand innerhalb der Sozialdemokratie erwarten, daß er seinen Partei- genossen gegenüber für striktes Festhalten deS reinen Reformstandpunktes und gegen alle revolutionären Gedanken eintreten soll, wie können Sie eö da ihm, wie können Sie eS mir zumuten, ich sollte für Reformen sprechen, wenn ich sehen nmß, daß man sich einfach aus den Stand- Punkt der bsati possidentes(glücklichen Besitzer) stellt und nicht reformieren will? Unser Antrag bietet Ihnen den Weg, kundzutun, daß Sie gewillt sind, das Unrecht zu beseitigen.(Mit erhobener Stimme): In Ihrer Hand liegt eS. dafür zu sorgen, daß unser Antrag diesmal eine andere Autwort bekommt als die Antwort, die wir bisher gehört haben. Ich glaube, wenn Sie sich der Verant- Wartung bewußt sein werden, die auf Ihnen lastet, so werden Sie unseren Antrag annehmen müssen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hanseatischer BundcSratsbevollmächtigter Dr. Klügmann: Ich weiß, daß ich in diesem Hause mit ineinen Ausführungen keinen Eindruck niachen werde. Aber außerhalb des HauseS wird man cS nicht verstehen können, wie hier im Reichstage gegen die legislative Körperschaft eines Bundesstaates Ausdrücke wie „Brutaliät",„Frivolität" fallen können.(Lachen bei den Sozial- demokraten.) Die Ausdrücke wurde» von dem Redner langsam herausgedrückt, herauSgequält, sind also offenbar mit der Absicht gesprochen worden, uns zu beleidigen.(Mit erhobener Stimme): Ist das Freiheit?(Zuruf bei den Sozialdemokraten: DaS ist die Wahrheit!) Mit lauterer Stimme): Ist das die Gleichheit? (Lauteres Rufe» bei den Sozialdemokraten: Das ist die Wahrheit I) (Mit ganz starker Stimme): Ist da« die Brüderlichkeit?(Immer erneutes Rufen bei den Sozialdemokraten: Es ist nur die Wahr- heit!— Glocke des Präsidenten.) ES mutz doch einer mal im Reichs- rage dagegen auflreten.(Sehr gut! rechts. Heiterkeit bei den Sozialdenrokratcn.) Auf der anderen Seite hat es mich gewundert. daß der Herr Abgeordnete auf seine Partei die Brutalitäten über- nommen hat(Lachen und Widerspruch bei den Sozialdemokraten), die bei de»— ivie soll ich sagen— Unruhen in Hamburg ent- standen sind. Er sprach bloß vom Fenster einwerfen, er sollte aber doch wohl ivissen, daß dieses Einwerfen mit der Absicht geschehen ist. zu stehlen.(Stürmische Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Jawohl, die Läden sind hinterher ausgeplündert worden. Die sozial- demokratische Partei in Hamburg hat dagegen protestiert, daß man diese Taten ihr vorgeworfen hat. Der heutige Redner aber hat sie auf seine Partei übernommen und sie als selbstverständliche und lächerlich kleine Aeußcrungen der Volksaufregung bezeichnet. Der Abgeordnete Dr. Mugdan hat in seinen sonst ja mehr konservativ gestimmten Aeußerungen doch für Erweiterung des Wahlrechts gesprochen, weil in einein Bolksparlamente die Arbeiter viel leichter die Wünsche, die sie angeblich haben, zun» Ausdruck bringen können. Eine solche Situation lag aber in Ham- bürg nicht vor, wenigstens nicht nach der Ueberzeugung der gesetz- gebende» Körperschaften. Ob diese Ueberzeugung richtig tvar,»st hier nicht diskutabel.(Lachen und lauter Widerspruch bei den Sozial« demokraten.) Der Reichstag hat absolut nicht die Kompetenz, an der Richtigkeit der Beschlüsse der einzelstaatlichen Regierungen und Volksvertretungen Kritik zu üben.(Immer erneute Zurufe bei den Sozial- demokraten: Doch! doch! Wir haben das Recht!)(Mit starker Stimme): Der Reichstag ist dazu in keiner Weise legitimiert.(Immer erneuter Widerspruch bei den Sozialdemokraten. Große Bewegung im Hause. Glocke deS Präsidenten.) Denn sonst wären alle Einzel- staaten schutzlos den wechselnden Majoritäten des Reichstages preis- gegeben.(Rufe rechts: Sehr gut! Stimmen b. d. Soz.: Wie schrecklich!) Es lag die Gefahr vor, daß die Sozialdemokratie eine auöschlag- gebende Stellung in der städtischen Vertretung erhielt. Dem haben wir vorgebeugt und zwar deshalb, weil wir der Ueberzeugung sind. daß wir die Aufgaben, welche uns die Geschichte, unsere Entwickelung (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Als Republikaner l Heiterkeit), unsere geographische Lage in Deutschland stellt und denen wir bisher mit äußerster Anstrengung obgelegen haben(Zuruf bei den Sozial- demokraten: Cholera I Große Heiterkeit), nickt weiter erfüllen können, wenn die sozialdemokratische Partei in Hamburg die Macht hat, welche prinzipiell den Handelsbetrieb bekämpft.(Lautes Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Jawohl, im Zukuuftsstaat soll es keinen Handelsbetrieb gebe».(Andauerndes Gelächter bei den Sozial« demokraten.) Wir können es nicht zulassen, daß die sozialdemokratische Partei, die cS absichtlich und wiederholt betont hat, daß sie nur für die Interesse» und ausschließlich für die Interessen der Handarbeiter eintritt(Lebhafte Zurufe bei den Sozialdemokraten), an die Spitze einer Handelsstadt konnirt.(Lachen und Zurufe bei den Sozialdemokraten.) Auf Ihre Drohungen gebe ich nichts.(Lachen bei den Sozialdemokraten. Rufe: Wer droht denn?) Wer zuletzt lacht, lacht am besten.(Heiterkeit.) Wir konnten dieser Gefahr nicht entgegensehe», ohne das zu tun. was unserer Ueberzeugung nach allein wirksam war. ohne das Recht der Arbeiter ganz aufzuheben.(Gelächter bei den Sozialdemokraten.) In Lübeck übrigens war bisher in der bürgerlichen Vertretung überhaupt kein Sozialdemokrat, erst infolge des Gesetzes, das der Herr Vorredner angriff, sind dort die Sozial- demokraten überhaupt eingedrungen.(Zurufe bei den Sozialdeino- kraten.) Durch Drohen mit Unruhen lassen wir unS nicht schrecken, wir werden sie abwarten. Kommen sie, so werden wir uns da- gegen zu schützen wissen. Als Männer tragen wir unser Haupt hoch. (Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Abg. Graf Hompesch(Z.) verliest folgende Erklärung:„Meine politischen Freunde halten in Uebereinstimmung init früheren Er- kläruugen an der Auffassung fest, daß die Gestaltung des Wahl- rechts m den Einzelstaaten zur Zuständigkeit dieser letzteren gehört und der des Reiches, abgesehen von Elsaß-Lothringen. entzogen ist. Andererseits aber dringt die EntWickelung der politischen Verhältnisse immer deutlicher die Tatsache zum Bewubtsein, daß das Wohl und Wehe des Deutschen Reiches auf die Dauer von einer harmonischen Entfaltung des Verfassungslebens in den Einzelstaaten nicht getrennt werden kann. In einem Staatswesen, in welchem die Grundsätze der allgemeinen Schulpflicht, der allgemeinen Wehrpflicht und der allgemeinen Steuerpflicht zur Durchfiihrung gelangt sind, erscheint cS als ein Widerspruch, wenn einzelne Teile der Bevölkerung von einer wirksamen, verfassungsmäßigen Vertretung ihrer Rechte und Interessen ausgeschlossen sind. Was das Reich seinen Bürgern durch der Gewährung des allgemeinen, gleichen, geheimen und immittel» baren Wahlrechts gewährt hat, wird auf die Dauer auch in den Einzelstaaten den Bürgern in entsprechender Weise gewährt werden müssen. Eine Frage von so großer Bedeutung und' Tragweite kann aber, wie die Erfahrung aller Zeiten lehrt, eine befriedigende Lösung nur finden, wenn sie in Zeiten der Ruhe und des Friedens in Angriff genommen wird. Nach Artikel 23 der Reichsverfassung ist der Reichstag nicht in der Lage, die Initiative nach dieser Seite zu ergreifen. Wenn aber die verbündeten Regierungen nach Maßgabe der Reichsverfassung dem Reichstage einen Gesetzentwurs zugehen lassen, in welchem unter Erweiterung der Zuständigkeit des Reiches die Einführung des gleichen, allgemeinen, geheimen und unmittelbaren Wahlrechts in den Eiuzelstaaten in Vorschlag gebracht wird, so sind wir bereit, demselben unsere Zustimmung zu erteilen. WaS Elsaß-Lathringen betrifft, so liegt die Zuständigkeit des Reichs- tage? unbestritten vor, aber der vorgeschlagene Gesetzentwurf bietet in seinen Einzelheiten keine annehmbare Regelung." DaS ist das, waS wir zu diesem Antrage zu sagen haben, wir werden unS auf eine weitere Debatte nicht einlassen.(Bravo I im Zentrum.) Abg. v. Normann(k.): Ich habe namens meiner politischen Freunde zu erklären, daß wir der Auffassung sind, daß der Reichstag nicht das Recht hat, in die Verfassung der Einzelstaaten einzugreifen. Der Herr Redner der sozialdemokratischen Partei hat das bestritten, aber nicht bewiesen. Seine Ausführungen sind nicht in der Lage, unsere Ueberzeugung zu erschiittern. Wir wünschen nicht, daß an die Reichsverfassung irgend etwas geändert wird, was sich auf das Verhältnis des Reichs zu den Einzelstaaten bezieht. Daher lehnen wir den vorliegenden Antrag mir aller Entschiedenheit ab.(Bravo I rechts.) Abg. Basseruiann(natl.): Meine Freunde lehnen den Antrag der Sozialdemokraten ab zunächst aus formalen staatsrechtlichen Gründen. Gewiß sind viele cinzelstaatliche Wahlgesetze reformbedürftig. Der Staat, der die Kraft zum Niederschlagen revolutionärer Bewegungen hat, sollte auch die haben, zeitgemäße Reformen durchzuführen. Diesen Standpunkt haben meine politischen Freunde in Preußen und Sachsen, in Mecklenburg wie in den süddeutschen Staaten stets ein- genommen. Ueberall sind sie der Stinime ihres Gewissens gefolgt und haben auf die besonderen Verhältnisse des Landes Rücksicht ge- nommen. Ein Bundesstaat mit überwiegender ländlicher Bevölkerung kann natürlich ein ganz anderes Wahliystem haben als etwa Ham- bürg, Bremen und Lübeck, in denen die Einführung des Reichstags- Wahlrechts die Errichtung der fozialdemokrati'che» Herrschaft bedeuten würde. Dazu werden wir die Hand niemals bieten.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Nach den Erklärungen der Mehrheitsparteien wird ja der sozialdemokratische Antrag abgelehnt werden. Das liegt zum Teil auch an der Mißstimmung des Bürgertums über die Sozialdemokratie.(Sehr wahr! rechts und bei den National- liberalen.) In dieser Beziehung gibt cS für eine vernünftige Wahlreform kein größeres Hindernis als die Sozialdemokratie.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ein angesehenes Mitglied der Hamburger Bürgerschaft, das gegen die Wahlreformvorlage gestimmt hat, hat mir gesagt: Wohl«st eS ein miserables Gesetz, aber die notwendige Folge von Jena.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) In Süddeutschland hält Herr v. Vollmar von Zeil zu Zeit noch leidlich patriotische Reden, für die sich der brave Bürger und der Student, der alles rosenrot sieht, begeistert. Da findet Herr Cramer den Weg zum Großherzog und äußert der sozialdemokratische Vize- Präsident de» badischen Landtages, wie uns telegraphisch heute über- mittelt wird, eine geradezu schmerzliche Sehnsucht, bei Hofe empfangen zu werden. Vielleicht ist die Sozialdemokratie dort nicht weniger gefährlich, aber sie ist jedenfalls iveniger brutal. Auch die Verquickung der Wahlrechtsfrage mit der nissischen Revolution hat uns übel berührt, hat doch auch in Rußland die Sozialdemokratie durch ihre Streik» das Inkrafttreten einer annehm- baren Verfassung gehindert. Ebenso die Slraßenrevolten in Sachsen, die Straßcnszenen in Hamburg, die man vielleicht nicht » direkt der Sozialdemokratie auf das Konto schreiben kann, ?u denen die erste Anregung aber jedenfalls aus der ozialdemokratischen Presse stammt.(Unruhe bei den Sozialdemo- kraten.) Die Demonstrationen vom 21. Januar können das Bürger- tum auch nicht gerade zu weilgehenden Konzessionen veranlassen. Der beste Schrittmacher für das Scharfmachertum Deutschlands bleibt eben die Sozialdemolratie.(Lautes Lachen bei den Sozial- demolraten.) Lesen Sie einmal einen solchen Artikel wie den Mehrings zum 21. Januar„Der Tiger als Affe."(Der Redner verliest den bereits vom Abgeordneten Mngdan früher ver- lesenen Artikel noch einmal. Die Schilderung derBlnlgierderReaktionäre wird von der Sozialdemokratie mit lebhaften Zustimmungskundgebungen begleitet.) Ein so grenzenlose r Wutausbrnch war ja natürlich bei Ihrer grenzenlosen Enttäuschung darüber, daß Sie den Staat bei der Hand und gerüstet fanden.(Lachen bei den Sozialdemokraten, Sehr richtig I rechts.) Wir danken dafür, uns von Ihnen ins Schlepptau nehmen zu lassen. Auf diesem Wege gehen wir nicht mit.(Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Träger(frs. Vp.): Der Antrag auf Einführung einer Ver- fastung in allen Einzelstaaten ist im konstituierenden Reichstag schon 1871 gestellt worden, als Zusatzantrag zu Art. 3 der Reichs- Verfassung, von unserem Parteifreunde JuliuS Wiggert. Aehnliche Anträge wurden später namens der gesamten nationalliberalen Partei vom Kollegen Büsing gestellt und damals mit imposanter Mehr- heit angenommen.(Hört I hört! links.) Alle liberalen Parteien hielten eS damals sür unerträglich, daß inmitten des deutschen Verfassungs- staateS ein Land wie Mecklenburg ohne Verfassung sei. W i r haben den damals eingenommenen Standpunkt nicht verlasseil und in unserem Programm von 1834 ausdrücklich ausgesprochen, daß wir mit allen Mitteln die Ausdehnung des geheimen direkten Wahlrechts auf alle Bundesstaaten erstreben.(Sehr gut I links.) Dem jetzigen sozial- demokratischen Antrag können wir leider deshalb nicht zustimmen. weil er das Wahlrecht auch für die Frauen und alle Personen zwischen 20 und 2S Jahren fordert; aber in die Forderung des allgemeinen Wahlrechts für alle Bundesstaaten stimmen wir durchaus ein. Im übrigen sollte auch daS Zentrum für Einführung des allgemeinen gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts in den Einzelstaaten ein- treten; denn der Abg. Windthorst hat seinerzeit erklärt, die Worte der Reichsverfasfung:„Aus Wahlen hervorgehende Volksvertreter" könnten nicht anders gedeutet werden, als daß man darunter daS allgemeine und direkte Wahlrecht versteht; denn indirekte Wahlen feien überhaupt keine Wahlen der Bevölkerung, sondern Wahlen einzelner Privilegierter. Schärfer, als eS hier der Abg. Windthorst getan hat, kann man das preußische Wahlrecht überhaupt nicht be« kämpfen. Man bedenke aber auch folgendes: Es ist doch keine plötzlich aufwallende Bewegung, die jetzt durch das deutsche Volk geht, sondern es ist ein Wunsch, den alle liberalen und modernen Kreise seit der Gründung des Reiches gehabt haben und von dem man jetzt nur glaubt, daß er endlich spruchreif sei. Der Abg. Bern- stein hat schon auf das bekannte Wort des Fürsten Bismarck hin- gewiesen. Ich kann diesen Hinweis dadurch vervollständigen, daß Fürst Bismarck sogar noch in seinen„Erinnerungen", also nach seiner Entlassung geschrieben hat:„Außerdem halte ich noch jetzt das allgemeine gleiche Wahlrecht nickt nur theoretisch. »andern auch praktisch für ein berechtigtes Prinzip".(Hört! hört! links.) Auch hat der Kaiser von Oesterreich. den Sie doch gewiß für keinen Umstürzler halten werden, erst noch kürzlich geäußert, das allgemeine Wahlrecht sei das gerechteste System. Ebenso hat sich der Prinz Ludwig von Bayern wiederholt in diesem Sinne ausgesprochen. Auch prinzipielle Gründe kann man noch dafür anführen: der wichtigste Grundsatz aller modernen Staaten ist der. daß alle Bürger vor dem Gesetze gleich sein sollen. Auch das Wahlrecht ist nun ein Gesetz. Folglich müssen auch vor dem Wahlgesetze alle Bürger gleich sein. Wir bekommen oder haben das allgemeine Wahlrecht in Bayern, in Baden und selbst in Württemberg, wo bisher sogar noch Privi- legierte, die überhaupt ans keiner Wahl hervorgingen, saßen. Ich fürchte, wir werden eine neue Mainlinie bekommen. Aber auch in Oldenburg wird das allgemeine Wahlrecht in kurzer Zeit kommen. Nach meiner Ansicht ist dagegen das jetzt in Hamburg einge- führte Wahlrecht schlimmer als das preußische. Ich muß dem Herrn Bevollmächtigten entschieden darin widersprechen, daß der Reichstag nicht das Recht haben solle, die Verhältnisse der Einzel- staaten zu kritisieren. Wenn diese Kritik nicht immer schonend aussällt, so liegt das eben an den Zuständen in den Eiuzelstaaten. Auch die Konservativen sollten bedenken, daß unbedingtes Festhalten an ver- rotteten Zuständen nicht konservativ, sondern reaktionär ist, wie Gras Posadowsky einmal ausgeführt hat. Daß das Reich kompetent ist, in die WahlrechtSverbältnisse der Einzelstaaten einzugreisen, geht schon daraus hervor, daß das Reich den Mililärperionen das Wahlrecht entzogen hat, während sie eS früher in vielen Einzelstaaten besessen haben! Wir sind unbedingte Gegner des in Preußen bestebenden Wahlrechts, welches nach unserer Meinung keinerlei Schonung verdient. Herr Bernstein rief uns zu, wir hätten bei der letzten Landtagswahl hier in Berlin sreiwillig auf einen Sitz zugunsten der Sozial- demokraten verzichten sollen. DaS wäre allerdings edel von unS gewesen, ich muß aber bemerken, daß wir keinerlei diktatorische Gewalt über unsere Wähler ausüben.(Sehr richtig I bei den Freisinnige»), und daß serner der Kampf der Herren Sozial- demokraten gegen uns so heftig war, wie kaum gegen irgend eine andere Partei. WaS den nervösen Sonntag anlangt, so will ich über die Frage, ob es nötig war, daß die Regierung die ganze ultima ratio rsxis(letztes Mittel des Königs) ausbot. unentschieden lassen. Ich für meine Person halte die Siraßendemonstration für ein nicht zu leugnendes Recht des Volkes.(Beifall links.) Ich halte sie für die ultima ratio plsbis(letztes Mittel des Volkes). Es ist das keine Prinzipienfrage, sondern eine Frage der Taktik oder des Taktes. Wenn Herr Bernstein ans England verwiesen hat, so er- innere ich daran, daß die Engländer seit Jahrhunderten an Straßen- demonstrationen gewöhnt sind. Bei uns aber können solche Demonstrasionen nur falsch verstanden werden und anstatt der Sache zu dienen, ihr vielleicht noch mehr schaden.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Was die russische Revolution betrifft, so gebe ich zu. daß sie auf unsere Zustände wirkt und»ach der einen oder anderen Seite eine mehr oder weniger heilsame Warnung Und Mahnung zur Aufmerksamkeit ist.(Sehr richtig! links.) ES wird auch kein Einsichtiger bestreiten, daß der Druck i» Rußland auf das Volt unerträglich und ungrrechtsrrtigt ist. Und man wird auch zu- geben, daß Druck Gegendruck erzengt. Aber daS alles hat keine Bedeutung für die Frage deS Wahlrechts. Warum daS allgemeine Wahlrecht nicht in den Einzclstaaien eingeführt werden soll, dafür läßt sich absolut kein Grund einsehen, lind wenn auch der vor- liegende Antrag keinen praklilchen Erfolg hat, so ist er doch eine sehr werlvolle Anregung gewesen. Wenn der Herr Präsident getrennte Abstimmung zuläßt, so werden wir für den von mir nicht bean- standeten. vielmehr lebhaft befürworteten Teil stimmen. Dagegen können wir nicht stimmen für die Herabsetzung des Wahlrechts- Beginnes auf das 20. Jahr und auf Frauen. Ich bin gewiß leb- Haft interessiert sür alle Bestrebungen der Frauen, mehr Rechte zu erlangen. Aber ein Schritt bis zum letzten Ziel, bis zum Wahl« recht zum Deutsche» Reichstag erscheint mir heute als em Sprung, vielleicht ein Salto mortale. Die Frauen sind gewiß den Männern vollkommen ebenbürtig au Pflichttreue. Scharfsinn und auch an Be- redtsamkeit(Heilerkeit) und vielleicht haben wir noch einmal die ~ ide, daß ini Deutschen Reichstag bunte Reihe gemacht werden >.(Heiterkeit.) Aber zurzeit glaube ich, sind wir noch nicht soweit. Das passive und aktive Wahlrecht für Frauen halte ich sür die Krönung deS Gebäudes; ober solange seine Fundamente noch so wenig festgelagert sind, trage ich now Bedenken, jetzt schon auf das schwankende Gebäude die Krone zu setzen.(Lebhafter Beifall bei den Freisinnigen.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Ich möchte mir zu dem Antrag und den Ausführungen dazu einiges über die psychologische Entstehung des allgemeinen Wahl- rechts im Deutschen Reiche zu sagen gestatten. Man kann wohl sagen, daß Fürst Bismarck der Schöpfer dieses allgemeinen Wahl- rechts im Deutschen Reiche ist. Fürst Bismarck halte eS in Frankreich kennen gelernt während seiner Tätigkeit als Gesandter in Paris. Die Napoleonische Herrschaft, die sich auf dem Plebiszit ausbaute, war damals im Zenith ihres Ruhmes und ihrer Stärke. Unter diesen Ver« hältuissen hat Fürst Bismarck die Wirkungen des allgemeinen Wahlrechts kennen gelernt. Fürst Bismarck bat bei der Beurteilung der Anwendung des allgemeinen Wahlrecht» durch das deutsche und das französische Volk einen Rechenfehler gemawt. Eine Regierung Deutschlands, selbst wenn sie das volle Vertrauen der Bevöllerung hat. wird nie in der Weise von der Bevölkerung unterstützt werden, wie das in Frankreich und England der Fall ist. Als Fürst Bismarck das all- gemeine Wahlrecht in Deutschland einführte, glaubte er. gestützt auf die Erfahrungen, die man in Frankreich mit dem allgemeinen Wahl- recht gemacht hatte, daß der Reichstag immer von einer Bevölkerung gewählt werden würde, die für die Zwecke der Landesverteidigung unter allen Umständen die notwendigen Mittel beivilligen würde In dieser Beziehung sind die Hoffnungen, die Fürst Bismarck an daS allgemeine Wahlrecht geknüpft hat, nicht eingetroffen; denn in diesem Hause hat sich eine Partei, die ihre Organisation auf Grund des allgemeinen Wahlrechts ausgebildet hat, wiederholt und bei den verschiedensten Gelegenheiten in der schärfften Opposition gegen die Forderungen sür die Landesverteidigung gefunden.(Zuruf des Ab- geordneten Bebel: DaS Zentrum I Stürmische Heiterkeit.) Nachdem Fürst Bismarck sein Amt aufgegeben hatte, hat er bekanntlich die Aeußerung getan: Wenn das deutsche Volk für den Fall, daß sich daS allgemeine Wahlrecht nicht bewährte, nicht die Kraft hätte, eS zu beseitigen, so hätte er sich getäuscht, als er sagte: Er brauche das deutsche Volk nur in den Sattel zu setzen, reiten werde es schon allein können. Aber das möchte ich einmal im deutschen Reichstag betonen: Es liegt keine urkundliche Aeußerung des Fürsten Bismarck dafür vor. daß er die Absicht gehabt hätte, das allgemeine Wahlrecht für den Reichstag zu ändern. Nun, meine Herren, nennen Sie das preußische Dreiklassenwahlrecht brutal, aber ich selbst habe mit dem verstorbenen Reichskanzler Fürsten Hohenlohe im Kaiserhof in der dritten Wählerklasse zum preußischen Ab- geordnetenhause gewählt und mich dadurch nicht im mindesten degradiert gefühlt.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Besitz ist keine Tugend, auch meistens kein Verdienst, aber jedenfalls eine sehr angenehme Tatsache.(Stürmische Heiterkeit.) Eins gebe ich gern zu. Es liegt eine gewisse Dissonanz darin, daß im Deutschen Reiche ein anderes Wahlrecht besteht als in der Präsidialmacht Preußen. Nun kann in keinem konstitutionellen Staate die Regierung fortgesetzt gegen eine Majorität geführt werden. Man kann, wenn man glaubt, daß die Majorität nicht leistet, waS zur Erhaltung des Staates notwendig ist, das Haus wiederholt auflösen, es mag auch Regierungen geben, die in solchen Fällen fchließlich— wir haben ja Beispiele dafür in der Geschichte— zum Staatsstreich greifen oder, wenn sie das nicht wollen, sich schließlich unterwürfig zeigen. WaS aber ein solcher Staatsstreich bedeutet, das bitte ich alle, namentlich die Vertreter der Rechten, die niit solchen Gedanken ziemlich leicht spielen, aus der denk- würdigen Denkschrift des verstorbenen Ministers v. Manteuffel zu ersehen. Nun liegt die Dissonanz darin, daß die Regierung in Preußen mit einem aus einem ganz anderen Wahlsystem hervorgegangenen Par- lament zu rechnen hat als im Reich.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) Gewiß, meine Herren, ich gehe sogar weiter. Eine solche Verschiedenheit hat sogar die Wirkung— ich habe manchmal den Eindruck, der vielleicht irrtümlich ist—. daß dieselben Parteien in ihrer Haltung nicht ganz konsequent sind in dem einen Hause und im anderen.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten.) Es machen sich da merkbare Unterschiede in der politischen Ausfassung geltend.— WaS nun das allgemeine Wahlrecht angeht, so liegen meine Bedenken dagegen nicht darin, daß ick befürchte, es könnte jemals eine Partei im deutschen Reichstage die Mehrheit erwerben, die auf dem Standpunkt der äußersten Linken steht. Ich halte die Grundlage, auf der die Sozialdemokratie ihre ganze Agitation und ihr ganzes poli- tischcs System ausbaut, für polittsch und staatsrechtlich viel zu schwach, als daß sie jemals soweit kommen könnte. Aber meine Be- denken gegen das allgemeine Wahlrecht entspringen seiner Wirkung auf die bürgerlichen Parteien. Man muß heut- zutage, wenn man von der Masse gewählt werden will, mit großen Effekten arbeiten. Darin liegt, wie jüngst ein konservativer Redner ausgesprochen hat, die allerdings ziemlich große Gefahr für die bürgerlichen Poliicker, daß sie sich den Wünschen der Masse fügen, wenn sie nicht über ein großes Maß von Selbständig- keit des Charakters verfügen, statt sie zu leiten. Das preußische Wahlrecht— ich vertrete nämlich das preußische Wahlrecht(Heiler- keit), aber erkenne seine sehr schweren Mängel wohl an— soll, wie man ihm vorwirft, der Intelligenz keine Rechnung tragen. Da er- laube ich mir nur die ganz bescheidene Frage, ob denn das allgemeine Wahlrecht der Intelligenz Rechnung trägt, oder ob es der Intelligenz auch nur mehr Rechnung trägt als das preußische Wahlsystem.(Rufe: Doch I bei den Sozialdemokraten.) Aber, meine Herren, wollen Sie es denn theoretisch verteidigen, daß der hochgebildete Mann der Wissenschaft nicht mehr Intelligenz für die politischen Notwendigkeilen des Deutschen Reiches haben soll als ein Mann, der Tag sür Tag nur dieselbe Handarbeit leistet?(Un- ruhe bei den Sozialdemokraten.) Steht die polnische Intelligenz, die der Herr Abg. Bebel für sich beansprucht, nicht unendlich viel höher als die eines beliebigen Handarbeiters und trägt ihr das all- gemeine Wahlrecht mehr Rechnung als das Dreiklassenwahlsystem? Das glaube ich in der Tat nicht; d e n Vorwurf gegen das preußische Dreiklasseuwablsystem müssen Sie fallen lassen. Das allgemeine Wahl- recht hat wenig offene aber sehr viel geheime Gegner. Was der GOgeordnete Menck gesagt hat— ich bewundere den Mut deS Mannes— fühlen sehr viele im Inneren ihres Herzens. Das Wahlrecht, wie wir es sür den Reichstag haben, ist das radi- kalste, welches auf der Welt existiert. Ich kann das positiv be- Haupte», da ich mir eine Liste sämtlicher Wahlrechte zusammenstellen ließ. Deshalb kann auch das Wahlrecht, welches jetzt die süd- deutschen Staaten einführen oder eingefiihrt haben, nicht mit dem ReichStagswahlrecht verglichen werden, weil dieses an keine Aufenthalts- frist und an keinen Besitz geknüpft ist. Zum Reichstag wählt jeder, der sich in die Listen hat eintragen lassen, und in diese Listen kann sich jeder eintragen lassen, der nachweist, daß er ein Deutscher ist. Infolgedessen ist eS_ möglich, daß ein und dieselbe Perlon bei einer Wahl an verschiedenen Orten wählt. Eine Kontrolle, ob derselbe Name in verschiedenen Wahllisten erscheint, ist nicht möglich. Dagegen verlangt z. B. daS bayerische Wahlrecht eine ganz bestimmte Aufenthaltsfrist. Nun zur staatsrechtlichen Frage: Nach der deutschen Reichs- Verfassung besteht das Reicv aus einem Bunde, den die deutschen Fürsten mit einander geschlossen haben und der durch d.ie Gesetz- gebung der einzelnen Staaten sanktioniert wurde. Das Reich wurde konstituiert„zum Schutze de« Bundesgebiets und der innerhalb des- selben gültigen Bestimmungen". Das Reich ist also von den ver- bündeten Staaten geschaffen worden und nicht umgekehrt. Eine Ausnahme von dieiem Prinzip macht nur der ß 4 der Reichs- versassnng, in welchem die jkompetenz des Reiches gegenüber den Einzelstaaten festgesetzt wird. Sie aber wollen den Spieß umkehren. Während das Reich ein Produkt der föderierten Staaten ist, wollen Sie umgekehrt die Bundesstaaten vom Willen des Reichs abhängig machen. Dies steht dem Prinzip des Föderalismus schnurstracks entgegen. Gewundert habe ich mich über die Ausführungen des Abg. Bernstein in betreff der Straßendemonstrationen. In der sozialdemokratischen Presse habe ich stets gelesen, daß sich die Sozial- demokratie nicht durch physische Gewalt, sondern allein durch die Macht des Gedankens durchsetzen will. Run scheinen mir aber Straßendemonsttationen nicht Demonstrationen der Macht deS Ge- dankens zu sein, sondern der physischen Gewalt. Was der Abg. Bernstein über das Reckt der Straßendemonstrotionen in England gesagt hat, war zum Teil irrtümlich. Als nämlich die Arbeits- losen eine Demonstration veranstalten wollten, wurde ihnen das von der Polizei verboten. Er sprach dann noch davon, daß man drüben die Minister in sksiAis zu hängen pflege. Wenn man aber erst einnial anfängt, einen Minister in efflgie zu hängen, so sieht das doch immer aus wie eine Demonstration dafür, daß«nan den Minister in Wirklichkeit hängen möchte. Die verbündeten Regierungen stehen fest auf dem Boden des allgemeinen Wahlrechts für das Reich(Beifall links und in der Mitte), und sie lassen sich durch keine Agitation von links oder von reckts davon abbringen. In Preußen liegt die Sache ganz anders. Ihr(zu den Sozialdemokraten) Ziel geht dahin, den bürgerlichen Staat zu beseitigen. Sie haben sich oft als Republikaner bekannt. Sie dulden den bestehenden Staat sozusagen nur auf Kündigung. Nun verlangen Sie, daß da« Wahl- recht in der Weise geändert werde. daß Sie die Stellung im preußischen Abgeordnetenhause bekommen, die Sie im Reichstage haben. Der preußische Staat hat sich auf einem unfruchtbaren Boden und in einem ungünstigen Klima entwickelt unter einer Herrscherfamilie, die so viele Staatsmänner hervorgebracht hat wie wohl kein anderes europäisches Fürstengcschlecht. Der preußische Staat hat sich, wie man gesagt hat, großgehungert unter seiner Dynastie. Und nun verlangen Sie, daß eine Dynastie. die diesen Staat gegründet und sich die Bewunderung der Welt damit errungen hat, ihn den Leuten ausliefern solle, die sich offen als Republikaner bezeichnen.� Ich für meine Person bedauere es, daß nicht Arbeitervertreter\w genügender Zahl im preußischen Land- tage sind. Ich gehe sckgar noch weiter, ich bekenne offen, daß ich die Politik, die manche Abgeordnete im preußischen Landtage betreiben und die mit meinen Anschauungen absolut nicht übereinstimmt, aus das tiefste bedauere. Wenn Sie aber hoffen, das preußische Wahlgesetz in einer Form geändert werde, daß auch die Arbeitervertreter hineingewählt werden können, dann müssen die Arbeiter noch politisch unendlich viel reifer werden, als sie es sind. Sie müssen die bestehende Gesellschaftsordnung an- erkennen und müssen Männer in die Volksvertretung schicken, die diese Anerkennung auch aussprechen. Wenn Sie aber unter den jetzigen Verhältnissen verlangen, daß die preußische Regierung die preußische Dynastie, dieses wunderbare Gebilde, eins der wunder- barsten, welches die Geschichte kennt, ihren ausgesprochenen Gegnern »ans pbra8o ausliefern solle, so findet das Wort Anwendung: Nur die allergrößten Kälber wählen ihren Schlächter selber.(Stürmische Heiterkeit und Beifall rechts.)� Abg. Arendt(Rp.): sozialdemokratische Anttag stellt sich lediglich als ein Agitationsmittel dar, da die Sozialdemokraten ja im voraus wissen, daß er von allen Parteien abgelehnt werden würde. Ich muß aber zur Ehre des preußischen Volkes sagen, daß auch nach Einführung des RcichStagswahlrcckts im preußischen Landtage nicht annähernd so viele Sozialdemokraten sitzen würden wie hier im Reichstage. Ich betone: keine Partei rüttelt am Wahlrecht des Reiches mit Ausnahme der Sozialdemokratie selbst, welche die Herabsetzung des Wahlalters und das Frauen- stimmreckt fordert, also das Wahlrecht der gegenwärtigen Reichstags- Wähler beschränken will.(Heiterkeit links.) Wenn der Abg. Bern- stein erklärt hat, seine Partei würde nicht rasten, bis ihr Antrag angenommen wird, so kann er ruhig mit Methusalem in die Schranken treten!(Heiterkeit rechts.) Da der Staatssekretär heute mit dem Prinzip gebrochen hat, bei Initiativanträgen nicht zu erscheinen, so will ich hoffen, daß er auch bei dem konservativen Initiativantrag erscheinen wird. Hält etwa die Sozialdemokratie einen Staatsstreich zugunsten des Wahlrechts für angebracht? Dann müßte sie auch die Berechtigung des Staatsstreichs gegen das Wahlrecht anerkennen. Der sozial- demokratische Antrag ist in seinen Konsequenzen gar nicht durchdacht, er dient nur Agitatioiiszioecken, wir werden uns daher an der Debatte über die Wahlrechtsfrage im einzelnen nicht beteili�n. (Bravo! rechts.) StaatSsesretär Graf Pisadowsky: Der Herr Abg. Arendt hat e> für angebracht gehalten, mir eine Art von Lektion zu lesen, weil ich beute das Wort ergriffen habe. Er befindet sich vollkommen im In tum. Fürst Bismarck hatte den Grundsatz aufgestellt, daff die Verbündeten Regierungen sich bei Initiativanträgen hier nur ver- treten lassen sollten, wenn es im Interesse der Regierung liegt. Wenn ich heute zu diesem Initiativanträge das Wort genommen habe, so lag es gegenüber den Agitationen, von denen Sie alle Zeugen ge- Wesen sind, im dringenden Interesse der Reichsregierung, ihre Stellung zu dieier Frage klarzulegen. Herr Arendt ist mich vollkommen im Irrtum, wenn er annimmt. die Regierung habe sich bei Jnitiativant'ägen noch nie vertreten lassen. Ich erinnere nur an die Erklärung, die ich namens des Herrn Reichskanzlers bei der Beratung des Gesetzes über die Aufhebung des ß 2 des Jesuitengesetzes abgegeben habe, Im übrigen wird die Regierung selbst ermessen, wann sie eS für gut hält, hier das Wort zu ergreifen; darüber lätzt sie sich von keinem Abgeordnelen Vorschriften machen.(Bravo! links,) Abg, Schräder(fr, Vg.): Ich danke dem Herrn Staatssekretär, daß er beule an der Beratung teilgenommen und sich nicht daran ge» stoßen hat, daß es von der Sozialdemokratie ausgeht. Die Ans- dehnung des Wahlrechts ist eine einlache Forderung der Gerechtig- keit, und die Gerechtigkeit darf nicht aus Furcht vor einer etwaigen sozialdemokratischen Hcrrschakt verringert werden. Die Gerechtigkeit erfordert, daß alle Staatsbürger die gleiche Mög- lichkeit haben, ihre Interessen zur Geltung zu bringen,(Sehr richtig! links.) Warum ist die Reichsgesetzgebung oft so unfruchtbar? Weil die Ausführung der Reichsgesetzgebung in der Hand der Einzel« staaten liegt, deren oft reaktionäre Landtage allerhand Schwierig- leiten machen.(Sehr richtig! links,) Daß' man den Arbeitern die Gleichberechtigung versagt hat und oft noch versagt, ist es, was die Sozialdemokratie groß gemacht hat und ihr noch immer neue An- hängerschare» zuführt. In Süddeutschland, wo das Scharfinachertum weniger mächtig ist, trägt die Sozialdemokratie einen weit weniger radikalen Charakter. Die Sozialdemokratie kann nicht verlangen, daß die bürgerlichen Parteien ihr zur Herrschaft verhelfen, sie hat aber Anspruch darauf, behandelt zu werden als große, angesehene Partei. Die Nationalliberalen in Baden haben danach gehandelt und durch ein Wahlbündnis mit der Sozialdemokratie die drohende Ge- fahr einer klerikal-konservativen Mehrheit abgewandt. Auch in Preußen können die Dinge sich doch noch in gleicher Richtung entwickeln. Wir werden, wenn der Antrag, wie wir wünschen, zur zweiten Lesung gelangt, zu den Einzelheiten Stellung nehmen.(Beifall links.) Abg. Kulcrski(Pole): Der Autrag ist uns im Prinzip angenehm. ES ist ja erklärlich, daß die Herren von der national- liberalen Partei bald so. bald so sagen.(Heiterkeit.) Jedenfalls ist das preußische Dreiklassenwahlsystem das infamste Wahlsystem— (Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballestrem: Wenn auch das Zitat deS Fürsten Bismarck der Geschichte angehört, so rechtfertigt das doch nicht, daß Sie Einrichtungen eines Bundesstaates in ähnlicher Weise charat- terisieren. Abg. Kulerski(fortfahrend): Dann will ich es ausnahmsweise mit dem Fürsten Bismarck halten und dies Wahlsystem das elendeste nennen.(Heilerkeit.) Bielleickt kommt Preußen auch zu einem besseren Wahlsystem, wenn die Duma die gleiche geheime und direkte Wahl hat. Abg. Graf Reventlow(Wirtsch. Vg,): Die Stimme der Ver- nunft, wie Abgeordneter Bernstein es nannte, ist hier in so umfang- reicher Weise aus dem Hause ertönt(Heiterkeit rechts), daß mir nur wenig zu sagen übrig bleibt. Ich bitte, den Antrag abzuweisen, weil seine Tendenz darauf abzielt, die föderativen Grundlagen des Reiches zu beseitigen. Aber man kann den Antrag begrüßen, weil er gute Gelegenheit zur Kritik der Vorgänge in Hamburg und am „roten Sonntag- bietet. Ein OffiziosnS hat in der„Norddeutschen Allgemeinen"' die bewundernswerte Disziplin der Sozialdemokratie gelobt, die Unruhen verhindert habe. Jedenfalls trifft dann auch das in Hamburg und Dresden geflossene Blut die sozialdemokratischen Führer, da sie dort die Diszipun hervorzuheben nlcht für gut be- fanden.(Lachen bei de» Sozialdemokraten.) Unter den„zerbrochenen Fensterscheiben" des Abg, Bernstein sind auch einige halbtotgeschlagene Schutzleute. Aber das geniert ja die Kreise nicht, die de» Blaukoller als gesundes Lebensprinzip ansehen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Gewiß ist das preußische Wahlrecht nicht auf dem Gipfel der Boll- kommenheit. Aber so ziellose Anträge werden im preußischen Land- tag nicht gestellt und nicht so lange BegründnngSreden mit so wenig Geist gewürzt. Das Zentrum hat ja eme siefe Verbeugung vor der Bolksstimmung gemacht. Wir aber lehnen den Antrag in jeder Form und für alle Zukunft ab. Ich gehe noch weiter als Dr. Arendt und sage: Selbst wenn der„Genosse" Bernstein mit seinem„Genossen" AhaSverus die Jahrtausende in die Schranken fordern wollt«, so würde er die Verwirklichung seines Antrages nicht erleben.(Heiterkeit rechts.) Abg. Delfor(Eis.): Ich muß aus meinen Erfahrungen die Herabsetzung der Wahlmiindigkeit auf das 20. Jahr ablehnen. Daß die Welt schlechter regiert werden würde, wenn die Frauen mitzu- wählen hätten, glaube ich ja nicht. Bei dem Wahlrechtskamps haben sich diese als tapferer gegenüber dem offiziösen Druck erwiesen, als die Männer. Schließlich stimmen auch viele Männer doch nur so, wie die Frau eS will.(Heiterkeit.) Im Elsaß bilden die roten Frauen übrigens nur eine verschwindende Minorität, die Sozial- demokraten sind also sehr uneigennützig, wenn sie trotzdem das Wahlrecht für die Frauen verlangen.(Abg. Singer: So sind sie immer! Große Heiterkeit.) Hierauf vertagt sich das Haus. Persönlich bemerkt Abg. Bernstein(Soz.): Der Honseatische Bundcsratsbevoll- mächtigtc hat gegen mich polemisiert, weil ich die Worte„Frivolität" und„Brutalität" auf die Hamburger Wahlentrechtung angewandt habe. Ich hoffe aber, daß jedesmal, wenn eine derartige brutale Wahlentrcchtung vor sich geht, sich Stimmen im Reichstage finden werden, die das richtig« Wort darüber sagen. Wenn der Bevoll- mächtigte ferner gesagt hat, ich hätte die Hamburger Aus- schrritungen, das Fenstereinschlagen auf unsere Partei genommen, so erwidere ich ihm,.. Präsident Graf Ballestrem: Sie dürfen nicht erwidern, sondern nur richtigstellen.(Heiterkeit rechts.) Abg, Bernstein(fortfahrend): so stelle ich richtig daß ich ge- sagt habe, es sei verständlich� wenn andere Element«, nicht die sozialdemokratischen Arbeiter, sich kleine Ausschreitungen zu schulden kommen ließen.— Dem Abg. Arendt bemerke ich, daß ich nichts davon gesagt habe, daß das preußische Wahlrecht durch einen Staats- streich beseitigt werden solle. Wohl aber ist es durch einen Staats» streich geschaffen worden. Wenn schließlich der Abg, Reventlow mich in Beziehung mit dem ewigen Juden gebracht hat, so bemerke ich ihm, daß ich lieber mein ganzes Leben lang in Gemeinschaft mit dem ewigen Juden für das allgemein« Wahlrecht kämpfen werde, als wie Bilcams Esel zwischen den verschiedenen Ansichten hin. und herschwankcn.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Präsident Graf Ballestrem: Wenn ich gehört hätte, daß der Abg, Reventlow das Bild vom ewigen Juden auf einen bestimmten Abgeordneten dieses hohen HauseS angewandt hat, so hätte ich ihn zur Ordnung gerufen, Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr.(Fortsetzung der Debatte über den Etat des Reichsamts des Innern.) Schluß 6% Uhr.__ parlamcntanfchca» Interpellation Die sozialdemokratische Fraktion hat im Reichstage folgende Interpellation über das Grubenunglück„Borussia" eingebracht: „Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, durch Außerachtlassung welcher Arbeit-'rschutzbestiiiiiiinngen am 10, Juli 190b auf der Kohlenzeche.Borussia'' bei Dortmund ein Schachtbrand eingetreten ist, durch den SS Arbeiter getötet worden sind?~ WaS gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, damit ähnlichen Gnlbenunglücksfällen vorgebeugt wird?"— Diese Interpellation kommt voraussichtlich am Freitag zur Besprechung._ Arbeitsverhältnisse in der Großcisenindustrie. Die sozialdemo- kratische Fraktion hat zum Reicksamt des Innern eine Resolution eingebracht, die den Reichskanzler ersucht, eine eingehende Unter- suchung der Arbeitsverhältnisse der Arbeiter der Großeiseniudustrie einzuleiten, die insbesondere auf folgende Punkte sich erstrecken soll: Feststellung der Dauer der täglichen normalen Arbeitszeit und Arbeitsschichten, Feststellung der Ueber stunden und Ueber- schichten unter Berücksichtigung der Zahl der Ueberzeitarbeit leistenden Arbeiter siir jedes einzelne Werk, sowie der auf sie ent- fallenden durchschnittlichen Summen der Ueberzeitarbeit, Unter- suckung über die Einwirkung der langen Arbeitszeit, der Nacht- und Ueberzeitarbeit aus die U n f a l l h ä u f i g k e i t und die Erkrankungsgefahr der Arbeiter, Feiistellimg über die Durchführung und Anwendung der bis jetzt erlassenen gesetzlichen S ch u tz b e st i m m u n g e n für die Arbeiter, Feststellung über die von den Werksleitungen getroffenen sanitären Ein- r i ch t u n g e n, wie Waschgelegenheit und Badeeinrichtnngen für die Arbeiter, über Beschassung von Räumen zur Aufbewahrung der Kleider und zur Einnahme des Mittagessens, Kantinen und dergl. DaS Zigarrttensteuergesetz, das nach dem Antrage der koasierten Steuerfexe mit der Banderolcsteuer belastet worden ist, gab bei der tortsetzung der Beratung in der Kommission auch gestern wieder ielegenheit, die Unlertigkeit und den Widersinn der einzelnen Paragravben festzustellen. Nach§ 2 wird die Steuer nach dem Kleinkaufsprcise berechnet, nach§ 3 soll aber die Steuer vom H e r st e l l e r der Ware entrichtet werden, der also die Kleinkaufspreise zu bestimmen hätte. Abg. v. E l m bezeichnete dies als eine ungeheuerliche Jnkoniequenz und beantragte statt„Hersteller" zu sagen:„Verkäufer", welch' letzterer sich ja an den einznrichlenden Verkaufsstellen die Banderole kan'en könne. Abg. Geyer(Soz.) behauptete. durch diese Bestimmung werde den großen Unternehmern das Preismonopol in die Hände gespielt. Abgeorbneler Raab(Antisemit) hielt dies für vorteilhaft, weil damit der Schleuderkonkurrenz begegnet werde. Dem widerstritt Geyer, der nnsdieKonkunenzwirtschafi des amerikanischen Zigaretten- trnsteS in seinen deutschen Fabriken hinwies. Die Abgg Förster. Kaden und Schmalfeldt(Soz.) wiesen nach, wie dadurch der Klein- betrieb geschädigt werde, und polemisierten scharf gegen die Tendenz der Vorlage: die wichtigen. das ganze Geschäftsleben berührenden slusführungsbestimmungen dem Bundes- rate zu überlassen, der damit freie Hand bekoinme für mono- polistische Bestrebungen. Der Antrag v. Elnis wurde abgelehnt und s 3 nach der Vorlage angenommen. Bei ß S forderte G e y e r Aueknnft. ob mit der Bestimmung, daß Zigaretten nur in„voll- ständig geschlossenen Packungeii" verkauft werden dürfen, der Verkauf einzelner Zigaretten ans dem Palei untersagt werden solle. Die Antrag- fteller konnten darüber keine Auskunst geben, kennen alio die Trag- weite ihres Sndelwerkes gar nickt. Erst nach wiederholter Ans- fordernng gab der Direktor Kühn die Erklärung ab. daß die BundeSratsvorichriften darüber befinden würden. Geyer und E l m forderten darauf eine Aenderung im Geieg. weil sonst der Rückgang im Konsunl noch größer werde: auch dürfe der Reichstag keine legislatorischen Reckte aus der Hand geben und den Bundesrat nicht so wichtige gesetzliche Bestinimungen allein treffen lassen. Jedoch— eS fruchtete nichts,§ 5 wurde nach der Vorlage angenommen. Ein Antrag v. Elms, in dieiem Paragraphen die Bestimmung zu streichen, nach der auf jeder Packung auch der Name und Sitz der Firma des Händlers angebracht sein muß. wurde abgelehnt. Feiner wurde» von sozialdemokratiicher Seite die 8, lO und 12 angefochten, welche Belästigung und Beeinträchlignng der Kleinbeiriebe brächten. Bei§ 8 wnrde eingewendet, daß er den„schwarzen krausen Tabak" mit lreffe, der ausgepfundet und wegen seines FenchttgkeitSgehaltS gar nicht in Pakete verpackt, sonder» in tönernen Kruken gehalten werde. Die Antrag- steller der Mehrheit lehnten jede Aenderung ab. wollen aber den „schwarzen Krnsen" von der Steuer ausnehmen. Durch 8 13 wird die ganze Rnuchtabakindustrie, die feingeschnittenen Tabak herstellt. in Mitleidenschaft gezogen und der polizeimäßigen Aufsicht unter- worfen, wie der Abg. Geyer feststellte, sodaß das Gesetz einen Ein- bruch in die Tabakindustne niacht. Aber es war alles m den Wind gesprochen— die Mehrheit ist von einer wahren Seuche befallen, die Zigarettenindustrie schwer zu belasten ohne Rücksichtnahme auf das ganze geschäftliche Getriebe. Den Antisemiten wnrde mehrfach der Vorwurf gemacht, daß sie durch ihre Verteidigung des Ent- wurfeS gerade die Kleinbetriebe schädigen, die sie sonst zu schützen vorgeben. Nach unveränderter Annahme deS ß 13 wurde die Beratung vertagt. Die sozialdemokratischen Abgeordneten haben folgenden Antrag eingebracht: „Die Kommission wolle beschließen: Den, Gesetz über die Zigarettensteuer folgende Bestimmungen �"*§ 27 a. Personen, die als Arbeiter oder Arbeiterin in der Zigarettenindustrie gearbeitet haben und nach Inkrafttreten des Zigarettensteuergesetzes arbeitslos werden durch Einschränkung der Produktion oder durch Verlegung der Fabriken aus den Groß- städten auf das platte Land oder durch Uebergang vom Hand- betrieb zur Fabrikation vermittelst Maschinen, erhalten Ent- schädigung und zwar: a) Wenn sie zur Zeit deS Eintritts der Arbeitslosigkeit mindestens ein Jahr, aber nickt länger als zwei Jahre sich als Zigaretten- arbciter ernährt haben, den Betrag eines JahresarbeitS- Verdienstes, mindestens aber 500 M.: b) wenn der Arbeiter oder die Arbeiterin sich länger als zwei Jahre, aber weniger als zehn Jahre als Zigarettenarbeiter ernährt hat. den dreifachen Betrag des Jahresarbeitsverdienstes, mindestens aber 1500 M.: o) wenn der Arbeiter oder die Arbeiterin sich länger als zehn Jahre als Zigarettenarbeiter ernährt hat. den fünffachen Be- trag des Jahresarbeilsverdienstes, mindestens aber 2500 M." Gegen diesen Antrag haben die Antisemiten Raab und Wolf einen Antrag eingebracht, nach welchem die arbeitslos Gewordenen den Nachweis zu liefern haben, daß sie auch anderwärts keine ent- sprechende Arbeit haben finden können I Wir werden diesen arbeiter« semdlichen Antrag dem Wortlaut nach veröffentlichen, wenn er ge- druckt vorliegt. Ter Etat für Ostafrika stand gestern in der Budgetkommission des Reichstags zur Beratung. Die Gesamtausgaben sind auf 11 717 208 M. veranschlagt: die Gesamteinnahmen auf 4 637 881 Mark, so daß ein Reichszuschuß von 7 059 327 M. notwendig ist. Bei den Einnahmen sind die Zölle auf 1 707 200 M. veranschlagt. die Häuser- und Hüttcnsteuer mit 1,3 Millionen Mark, die Gelverbesteuer mit 169 000 M., die Salzverbrauchsabgabe mit 68 000 M., die Erbschaftssteuer mit 20 000 M.— In der Generaldebatte wurde hauptsächlich das heutige Verwaltungssystem kritisiert. Die von einigen Lokalbehörden verfügte(die Regierung sagt be- scheidenerweise nur„angeregte") Zwangsarbeit Eingeborener, die mit zum Nnfstand beigetragen hat, ist dergestalt erfolgt, daß Ein- geborene zu 24 Tagen Zwangsarbett beim Bebauen der Felder ge- zwnngen worden sind. Sic erhielten dafür ein Drittel des ver- dienten Lohnes,«in Drittel steckte die Gouverncmentskasse ein und daS letzte Drittel der Torfhäuptlingl Weiter teilte ein G e h e i.n r a t mit, daß der den Weißen durch den Aufstand zugefügte Schaden sich auf 150 000 M. belaufe. Der Gouverrieur prüfe jetzt, ob der Schaden ersetzt werden solle, aber mit der Maßgabe, daß die Eingeborenen die Entschädigungs- summ« wieder mifzubringen haben. Daß ein solches Verfahren wieder neue und große Nnzufriedenhett unter den Eingeborenen erregen muß, scheint von der Regierung für wenig beachtlich ge- halten zu werden.— Gefordert wurde aus der Kommission heraus, daß den Offizieren und Beamten, die in die Kolonien geschickt werden, klar gemacht wird, sie seien m Pen Kolonien nicht kleine Potentaten, sondern die Beschützer der Bebölkerung. Angeregt wurde auch, die Beamten speziell für den Kolonialdiensi vorzubilden. DaS Zentrum gab sich die erdenklichste Mühe, den Missionaren, die angeblich die natürlichei' Vormünder der Eingeborenen sind, größeren Einfluß und größere Macht in den Lokal- und Bezirksverwaltungen zu sichern, natürlich in erster Linie in der Absicht, spezifisch katholisch- kirchlichen Zwecken zu dienen. Berücksichtigte die Regierung die Zentrumswünsche, dann werden die Zcntrumsredner in ganz kurzer Zeit die Verhältnisse in den Kolonien als ganz vorzügliche erachten. Donnerstag Fortsetzung der Beratung.— Berggesetz-Kommission. Die Kommission deS Abgeordnetenhauses zur Vorberatung der Berggesetznovelle, welche das Knapp« schaftskassenwesen regelt, begann DienStag abend ihre Be- ratungen. Eine Generaldiskussion wurde nicht beliebt. Bei dem grund- legenden Paragraphen 165, der die Bergleute unter die KnappschaftS- vereine stellt, wnrde von freisinniger Seite angeregt, ein Nornialstatut für die Knappschafiskassen herauszugeben, um die allzu großen Unterschiede in den Beiträgen und Leistungen in einen gewissen Aus- gleich zu bringen. Der allgemeine Knappschaftsverband könne vielleicht auch noch einen besonderen Ausgleichsfonds bilden. Die heute bestehenden erheblichen Unterschiede in den Kassenleiswngen böten vielfach Anlaß zur Abwanderung aus den Gebieten mit schlechter gestellten Knappschaft;- vereinen in die Gebiete der Knappschaftsvereine mit höheren Leistungen. Die Kommission erkannte die Bedeutung dieser An- regung an, wünschte aber, daß die Frage nach Beendigung der ersten Lesung der Vorlage weiter erörtert werde. Bei§ 166, der bestimmt, daß die bestehenden Knappschastsvereine und KnappschastSkassen wirk- sam bleiben, wurde von freisinniger Seite eine Aufhebung dieser Bestimmung angeregt. Hiergegen wurde aber geltend gemacht, daß namentlich in Clausthal und in Schlesien diese Kassen sich sehr bewährt hätten. In Westfalen. wo die Arbeiterschaft von besonderen Krankenkassen nichts wissen wolle, werde man so wie so zu einer Einführung derselben nicht kommen. § 166 wurde unverändert angenommen. Im Z 168, wonach jeder Knappschaslsverein den Mitgliedern Krankengeld und Unterstützungen an die arbeitsunfähig gewordenen Mitglieder gewähren darf, wurde auf Antrag der Nationalliberalen das Wort„Unterstüüung" in .Leistungen" umgewandelt, weil die Arbeiter einen Rechts- a n s p r u ch hätten und mit dem Wort„Unterstützung" das Odium der Wohltätigkeit verbunden sei. Eine lebhafte Debatte knüpfte sich an einen Antrag der Freikonservativen: die Krankenhäuser und Heil- anstalten der Änappsckaftskassen für öffentliche Anstalten zu erklären. damit sie bei Verträgen von der Stempelsteuer befreit blieben. Der Antrag wnrde aber schließlich abgelehnt. Angenommen wurde ein Antrag der Nationalliberalen: die in der Vorlage für die Einreichung der Satzungen vorgesehene Frist von 3 Monaten auf 6 Monate zu verlängern. Eingehende Erörterungen knüpften sich an Z 170 a, insbesondere an die Frage, ob in gemischt- sprackigcn Landesteilen den Bergarbeitern, die der deutschen Sprache nicht mächtig seien, die Knappschaftestatuten mich in ihrer Mutter- spräche zu geben seien. Von polnischer Seite wurde behauptet, daß gegen 80 Proz. der oberschlesischen Arbeiter der deutschen Sprache nicht mächtig seien, während von nationalliberaler Seite dieser Prozentsatz nur auf 5 Proz. angegeben wurde. Der Antrag wnrde'von der Mehrheit abgelehnt.— Die nächste Sitzung soll in der nächsten Woche stattfinden._ „Borussia"-J»terpellation. Vom Mg. B r u st(Z) ist mit Unterstützung der ZentrumSpartel im Abgeordneten hause folgende Interpellation ein« gebracht worden: „Da von dem Ergebnis der amtlichen Untersuchung über die Ursachen des Grubenunglücks vom 10. Juni 1905 auf der Kohlen- Srude„Borussia" bei Dortmund noch nichts bekannt geivorden ist, :agen wir den Minister für Handel und Gewerbe an, ob 1. etwa an dem Grubenunglück schuldige Personen zur Per» antwortung gezogen worden sind. 2. Hält der Minister die seitens der königl. Bergbehörde nach dem Unglück getroffenen Maßnahmen für ausreichend, um ähnlichen Unglücken vorzubeugen?" Die Interpellation wird bereits heute, Donnerstag, zur Wer« Handlung kommen.—________ Hud der Partei. Reichstags- Wahlkreis Niederbarnim. Am Montag, den 12. Februar. nachmittags 2 Uhr, findet im Lokale„Zmn schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee, eme Gcmeindevertrctcr- Konferenz für den Wahlkreis Niederbarnim statt. Aul der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Kommunale Schulpolitik. Referent: Genosse AronS. 2. Etatsfragen und unsere grundsätzliche Stellung zu den Ge- meinde-EtatS. 3. Kommtinale Steuerpolitik. Sämtliche sozialdemokratischen Geineindevertreter und Stadt- verordneten des Kreises werden ersucht, zu erscheinen. Gemeindevertreter andererKreise sind als Gäste willkommen. I.«.: Georg Freiwaldt, Pankow, Florastr. 66. DaS furchtbare Urteil gegen den Genossen Löbe hat der Partei im BerbreitungSbezirke des Blattes, für das unser Genosse verurteilt wurde, einen gewaltigen Ruck nach vorwärts gegeben. Während die Abonnentenzahl der Breslauer„Volkswacht" und der „Wahrheit" im Januar 1905 noch 16 650 betrug, ist sie Ende Januar auf 25 700 gestiegen. Seit der Verurteilung unseres Genossen Löbe zu einem Jahre Gefängnis betrug die Zunahme der Ab onne nie»zahl 3264! Unter allen Parteiblättern steht jetzt die Breslauer„Volkswacht" an der sechsten Stelle.— In der Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins zu Breslau, in der diese Mitleilungen gemacht wurden, teilte Genosse Löbe noch mit, er habe die Revision in seiner Ein-Jahr-Sache zurückgezogen! Er werde daher in der allernächsten Zeit seine Strafe antreten. Grund zu seiner Entschließung war die Ansicht seines Verteidigers, des Genossen Heine, daß seine Revision, juristisch beurteilt, wenig Aussicht auf Erfolg habe. Wir bedauern, daß sich Genosse Löbe von solchen Gründen rein technischer Natur bestimmen ließ. Seine Verurteilung hat doch nicht nur eine juristische, sondern eine diese weit überragende politische Bedeutung. Er hätte deswegen mehr als die juristische die politische Wirkung seines Entschlusses prüfen sollen. Und da muß man sagen: Urteile, die so wie dies dem Empfinden deS Volkes ins Gesicht schlagen, müssen schon deS- halb bis in die höchste Instanz verfolgt werden, um an ihnen als einem Prüfstein den, Volke den Wert unserer Rechtspflege im ganzen Umfange ad oculos zu demonstrieren. Dazu kommt, daß die un- geheure Aufregung, die dieses Urteil hervorgerufen hat und die starke politische Wirkung dieser Aufregung in jeder Instanz neu ge- weckt wird. Die Breslauer Genossen sehen an ihren eigenen Er- folgen. waS daS bedeutet. Politische Prozesse darf man eben nicht rein vom juristischen Standpunkt bewerten. Ein sozialistischer Sieg über die Kirche. Nachdem unsere bayerischen Genossen bei den LandtagSwahlen mit Hülfe des ZentruniS die Liberalen besiegt haben, besiegen sie jetz umgekehrt das Zentrum mit Hülfe der Liberalen, indem sie sich m» diesen vereinigen zu— Kirchenwahle nl Aeudestrahlend teilt die.Mllnchener Post' mit: Die Besetzung der Kirchenverwaltungen brachte in Send- fing und Schwabing eine Ueberraschung. Die Sozialdemo lraten und Liberalen beteiligten sich in beiden Pforrbezirken ge mcinsam an den Wahlen� In Schwabing hat die biö herige Kirchenverwaltuna die Einführung eine Kirchensteuer in die Wege geleitet und in Sendling bezahlt man bereits IS Sßroz. Kirchenumlage. In Schwabing wurden in die Kirchcnverwaltung gewählt: Magistratsrat Ansprenger. Schreinermeister Diet- rich. Gemeinde- Bevollmächtigter Fischer ssämilich liberalZ, Eiiendreher Niederberger und Schreiner Rieth- müller/z Uhr. im Swinemünder Gesellschaftshaus. Swinemünderstr. 42 statt.— Billetts zum Stiftungsfest des Vereins am Sonnlag, den 13. Februar, sind noch zu haben, bei: Jordan, Lübeckerstr. 43. Deutschmann. Zorndorferstr. 11. Kulicke, Prinzen- straße 102, Klotzsch. Koppenstr. 81. Kühnemann. Müllerstr. 160. Frmien-Bildungsvrrei» von Treptow-Baumschulenweg. Heute abend 9 Uhr findet bei Mohlau, Kielholzstr. 85, eine Versammlung statt. Alle Frauen von Treptow find dringend eingeladen. Sericbts Leitung. Ein Streit um die Feuchtigkeit seines Hauses hat den Drze- fcldwcbel a. D. Krüger in Spandau in eine so hochgradige und dauernde Aufregung versetzt, daß er sich einen Strafprozeß wegen Beleidigung des Spandauer Oberbürgermeisters, sowie mehrere:: städtischer Baubeamten von Spandau und Charlottenburg zugezogen hat. Krüger war Eigemiimer eines Hauses in Spandau. Dasselbe hatte, nachdem in der Nähe die Rieselfelder der Charlottenburger Kanalisation angelegt und der Wasserstand eines am Hause vorbci- fließenden Grabens dadurch gestiegen rvar. unter hochgradiger Feuchtigkeit zu leiden. Aus diesem Anlaß hat Krüger im Jahre 1902 eine Schadenersatzklage gegen die Stadt Charlottenburg ein- geleitet. Eine große Rolle in diesem Zivrlprozeß spulen die Aus- sagen zweier Bauräte, die das Krügersche Haus auf Feuchtigkeit hin zu untersuchen hatten und ihren Befund unter Eid dem Zivilgericht vortrugen.— Krüger, der anscheinend durch diesen nicht zu seinen Gunsten ausgefallenen Rechtsstreit stark erbittert und erregt ist, hat in Eingaben an die Spandauer Sradtverordnetenversamnrlung sowie an die dortige Amtsanivaltschaft die beiden Bauräte des Mein- eides beschuldigt, ebenso einen anderen Baubeamten, der auch in dem Rechtsstreit Zeugnis abgelegt hatte. Krüger ist nämlich der Meinung, daß die Feuchtigkeit seines Hauses viel größer sei, als die Zeugen angegeben haben und daraus schließt er, daß sie absicht- lich die Unwahrheit gesagt hätten. Weiter hat Krüger den Ober- bürgermeistec von Spandau der Betrügerei beschuldigt, weil ihn, — dem Krüger— ein höherer Schulgeldbctrag abgefordert wurde, als er zu zahlen hatte.— Wegen dieser Behcnrptungen ist Krüger vom Spanbauer Schöffengericht, welches Beleidigung in vier Fällen annahm, z« einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Er legte Berufung ein, infolgedessen hatte sich am Mittwoch die vierte Straf- kammcr des Landgerichts II mit der Angelegenheit zu beschäftigen. Der Angeklagte wollte den Wahrheitsbeweis antreten, es waren auch zu diesem Zweck 16 Zeugen geladen. Nachdem drei Zeugen vernommen waren, stellte sich heraus, daß der den Baubeamten ge- macht« Vorwurf des Meineides durchaus nicht erioiesen werden konnte. Hinsichtlich der Beschuldigung, der Oberbürgermeister habe Betrügerei verübt, handelte es sich um eine irrtümliche Berechnung durch euren Beamten. Der Angeklagte verzichtete selbst auf eine Beweiserhebung über diesen Punkt. Hiernach erkannte das Gericht, daß die Berufung des Angeklagten zu verwerfen sei. Wie die germanische Kultur verbreitet wird. Vor der Beuthener Strafkammer hatte sich kürzlich der Redakteur Nowakowski von, „Katolic" zu verantworten. In einem Artikel„Aus Obcrschlesieu" hatte er die Eltern aufgefordert, ihre Kinder polnisch lesen und schreiben zu lehren. Außerdem wurden in dem Artikel die Lehrer. die mit besonderem Eifer ihrer Germamsierungskunst obliegen, ins Lächerliche gezogen, und alle die Kinder, die bei Erlernung der deutschen Sprache ihren Lehrern mit Trotz begegnen, wurden als treue Kinder ihres unglücklichen Vaterlandes gepriesen. Für alle diese„Verbrecher", die, wären sie von einem Deutschen um des Deutschtums willen geschehen, als Heldentaten verherrlicht würden, beantragte der Staatsanwalt zwei Monate Gefängnis. Das Ge- richt erkannte auf 590 M. Geldstrafe. Zur Steuerveranlagung von Ehefrauen. Um die Besteuerung eines berühmten Kammersängerpaares handelte es sich bei einem vom Ober-Vcrwaltungsgcricht erledigten Streitverfahren. Der Kammersänger Kaiisch hat in Wiesbaden Engagement und verlebt infolgedessen mit feiner Gattin gemeinsam alljährlich nur wenige Monate in ihrer Villa zu Grunewald bei Berlin. Die Frau ist die dekaunte Sängerin Lilli Lehmann, deren persönliches Ein- kommen das des Mannes mehrfach überteffen dürfte. Kalisch war nun unter Berücksichtigung des 8 11 des Einkommensteuergesetzes, Absatz 1, zur Steuer herangezogen worden. Danach war behufs der Steuerveranlagung seinem Einkommen das Einkommen serner Ehefrau Lilli Lehmann-Kalisch zugerechnet worden. Auf dieser Grundlage hatten gemäß dem Kommunal. Abgabengesetz nun so- wohl Wiesbaden als Grunewald Herrn Kalisch in einer Werse besteuert, daß er sich veranlaßt sah, SteucrverteUung zu be- antragen. Ter Bezirksausschuß Wiesbaden als dazu bestellte Be- Hörde nahm die Verteilung vor, indem er zur Besteuerung in Wiesbaden auch daS Einkommen der Kammer- sängerin Lilli Lehmann anteilig überwies. Da- gegen remonstrierte Herr Kalisch. Er berief sich namentlich auf der, Absatz 3 Nummer 1 deS 8 11 des Einkommensteuergesetzes, wonach selbständig zu veranlagen sind: Ehefrauen, wenn sie d a u e r n d von dem Ehemann g e t r e n n t I e b cir. ES wäre ein dauerndes Gctrenntlebcn, wenn er nur einige Monate im Jahre mit seiner Frau gemeinsam verlebe, nämlich außerhalb der Zeit seiner beruflichen Fesselung an Wiesbaden. Seine Frau hätte deshalb selbständig staatlich veranlagt werden müssen und, zumal sie nicht in Wiesbaden lebe, lämc somit für die kommunale Besteuerung i n Wiesbaden ihr Einkommen überhaupt nicht in Betracht. Der Bezirksausschuß erklärte aber in mündlicher Verhandlung seinen Beschluß für richtig und das Ober-VerwaltungSgericht be- stötigte am Dienstag dies Urteil mit folgender Begründung: Unter einem d a u c r n d c n Getrenntlebc» im Sinne des 8 11 dcS Ein- kominensteuergefetzeS könnte man allerdings auch verstehen, daß die Eheleute längere Zeit getrennt von einander leben. DaS sei aber hier nicht der Fall, weil mehrere Monate im Jahre Scrr Kalisck in Grunewald gemeinsam mit seiner Frau verbringe. Somit wäre die Art der Verteilung gerechtfertigt. eingegangene Dnickfarnkten. „III»tolre de la d�rnoeratie et dn•oclallsrac on Kclglque dcpni» 1880"(„Geschichte der Demokratie und des Sozialismus in Belgien seit 1SÄ)") von Louis Bertrand.(4. Lieferung.) Brüssel bei Dechen»« u. Cic. „gplie National Hcrlew"(Februar-Nummer) enthält u. a.: I. Keir HardicS Artikel„The Lahoor Party: Its aims and policy" („Die Arbeiterpartei: ihre Ziele und ihr« Politik'). I. Sponheimer. Das WobnungSelend der Großstädte und fein« Abwendung durch Setbsthülse. 72 Seiten. Preis 1 M. Verlag Lebens- reform, Berlin 0. 54. Aclitung! lieier Achtnnff! iims! Sonntag, 11» �ebrnar, vorm. 10 Uhr, im Volkshaus, Rosinenstr. 3: Protest-Versammlung. Tages-Ordnung:.Die Entwirteiung»er Krankenkasse» im Deutschen Reiche, und was ver.n.latzt die Regierung, das Hntsskasscugesen vom Jahre l87v aufzuheden MF" Mitglieder, erlcheiiil zahlreich in der Versammlung und legt energisch Protest ein gegen die von der Regierung geplante Verstümmeluiig der selbstveriuaUuiia. 287/10 Mitgtiedsbiich tegitimiert.__ Dia Orttvarwaltungen. - Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Jnseratentcflverantw.rTh. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SWT" Nr. 82. 23. Jahrgang. 2. SkilM des Jonötte" Sttlintr öolWInlt Donnerstag, 8. Februar lM. VermifcKtes. Dem Verdienst seinen Adler. Eine ganze Reihe von Amerikanern, die sich um den Erfolg der St. Louis'er Weltausstellung verdient gemacht haben, sind jetzt vom deutschen Kaiser durch Ordens- dekorationen ausgezeichnet worden. So hat der Ausstellungspräsident, David R. Francis den Kronenorden erster, der Bierbrauer Adolf Busch den gleichen Orden zweiter. John Schrörs, einer der Besitzer der„Westlichen Post" den roten Adlerorden dritter Klasse er- halten, usw. Die„Arbeitskraft" der Besitzenden. Die Verteidiger der kapita- listischen Ordnung sagen: Das Privateigentum ist heilig, heilig als ersparter, im Schweiße des Angesichts erarbeiteter Besitz. Wenn man sich aber nur die Riesenvermögen vorstellt, die einzelne Leute, nicht durch Arbeit, sondern durch Einstreichung von Zinsen ansammeln konnten, ?ann wird die Verlogenheit von der Rechtmäßigkeit des Privat- ngentums ohne weiteres klar. Daß ein einzelner Mensch nicht für Milliarden Werte schafft, bedarf gar keiner weiteren Darlegung: I wenn es trotzdem Milliardäre gibt, so müssen die Reichtümer von l anderen geschaffen sein, denen sie vorenthalten wurden. Und Riesenschätze sind es, die sich in wenigen Händen zu- sammenhäufen. Bisher galt als reichster Mann der Welt John D. Rockefeller. Wie die New Iorker„World" mitteilt. hat Alfred Beit, der Besitzer von Gold- und Diamantengruben in Südafrika, doch noch etwas mehr als Rockefeller— erspart. Sein Vermögen wird nämlich auf 20000000000 Mark, sein jährliches Einkommen auf 105 000 000 Mark geschätzt. Das ist soviel Einkommen aus dem Kapital, als zirka 105 000 gut bezahlte Arbeiter im Jahre verdienen. Ob die Arbeitsleistung eines Beit wohl die von über 100000 Lohnarbeitern aufwiegt? Ucber einen neuen Ausbruch des Vesuvs wird aus Neapel berichtet: Lavamassen haben die Vesuvbahn an drei Stellen auf fast je 100 Meter überschwemmt. Im Laufe des Abends war noch eine vierte Stelle durch einen neuen Lavastrom bedroht, wodurch auch der Bahnhof der Drahtseilbahn in Gefahr geriet: die Lavamassen kamen jedoch zum Stehen. Für die Umgebung des Vesuvs besteht keine Gefahr. Arbeiter. Tamariter-Kolonne. Heute abend 9 Uhr- 3. Abteilung in Schöncberg bei Obst, Meiningerstr. 8. Herr Dr. Großmann über Ver- giftungcn, daran anschließend praktische Hebungen. Mitglieder können jeder- zeit eintreten. Gäste haben einmaligen freien Zutritt. Auf Beranlassung des Deutschen Vereins für Bolkshygiene, Ortsgruppe Berlin e. V., spricht Freitag, den 9. Februar, abends 8 Uhr, im Bürgersaal des Rathauses Herr Geheimer Medizinalrat Prosessor Dr. Hoffa über„Bewegungsspiele und Muskelübungen in ihrer Bedeutung für die Gesundheit". Der Zutritt steht jedermann unentgeltlich frei. Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. Zweigverein Berlin. Heute abend lv Uhr: Versammlung. Roscnthalerstr. 11/12.— Zweigoerein Rixdors. Heute abend 10 Uhr: Versammlung bei Schmidt, Berlinerstr. 14. Wasserstand am 6. Februar. Elbe bei Aussig+0,19 Meter, bei Dresden— 1,13 Meter, bei Magdeburg+ 1,96 Meter.— U n st r u t bei Strautzfurt+ 1,60 Meter.- Oder bei Ratibor— 1.06 Meter, bei Breslau Oberpegel+ 5,00 Meter, bei Breslau Unterpegcl— 1,02 Meter. bei Franksurt+ 1,77 Meter.— Weichsel bei Brahemünde + 3,40 Meter.— Warthe bei Posen+ 1,88 Meter. >11". t.M 'MWl Bessere Cigaretten als Josetti=Cigaretten sind niemals gemacht worden. Wir können diese Behauptung mit voller Ueher- zeugung aussprechen, weil uns langjährige Erfahrung zur Seite steht: und wir sagen ohne jeden Ruckhalt, dass JOSETTI CIGARETTEN heute weit erhaben über dem höchsten unserer früheren Erfolge stehen. Wenn wir nicht wüssten, dass diese Behauptung wahr wäre und erwiesener- massen wahr auf Grund des Urteils der besten Kritiker der Welt, würden wir unseren guten Ruf, den wir durch langjährige harte Arbeit erworben haben, leichtsinnig aufs Spiel setzen. Josettl-Cigaretten übertreffen alle türkischen Cigaretten durch ihr köstliches Aroma und milde Qualität Dies sind die beiden Eigenschaften, welche am meisten in feinen türkischen Cigaretten gesucht werden und niemals so vollkommen und in so vollkommene� Verbindung gefunden worden sind als in JosettüCigaretten, Josetti Juno 10 51. 20 PTg. Josetti Griseldis 10 51. 30 Pfg. rt �_ Da» Aufreiheo(Orkiacber TabakbUtter fbr Joseiti-CSgarette». Di« auigesuthttn Bluter werden an Standen aufgereiht um in der Sonne ?, nachzureifen. i>, Die Möbel-Fabrik von A. SchlllZi 5 Reichenbergerstr. 59042» empfiehlt Wohnungs-Einrichtungen von»40-10 000 M. in nur anerkannt gediegener Auüjührung in jeder Holz- und Stilart sowie auch Polsterwarcn eigener Fabrikation zu äußerst billigen Preisen. Streng reelle und gewissenhafte Be- dienung. Kulanteste Zahlungsbedingungen. Tel. Amt IV 6377. Voigts«Zirsmpendurg" gegenüber von Scbmöckwitz am Fusse der Möggelberge aus einer von herrlichen Waldungen umgebenen Halbinsel am Langen- und Seddin-Iee und der Grosten Krampe gelegen. Vereinen und Gesellschaften bestens empfohlen, 2 Dampscr- anlegestellen, 3 große Säle, zirka 3000 Personen sasscnd, schöne Restaurationsräume. Veranden. Terrasien, 35 Meter hoher AuSjichts- wrm mit Elektrischem Fahrstuhl, Kegelbahnen, kafiecküchc. Ruderboote, prachtige-Spielplätze im schönsten Hochwald, Boltsbelustigungen aller . zur Verfügung, gute Bewirtung(mich WcißbicrauSschank) zu soliden Preisen.— Zwecks?lbschlüfle sur Sommcrpartietl ersuche grosere Vereine. Fabriken usw. um baldigste Rücksprache in meinem Berliner Lokal R. Voigts Rtttersäle, S., Ritterstrafte 75. ---- Robert Voigt. Carl Gabriels Volks-Museum Frieririchstp. t13a, am Oranionb. Tor Zirka 2000 Ausstellungsobjekte! Entree 30 PI. Sold.n.Kmd.ZOPf. Sämt.Räum. 60Pf. in üorltzplatz. Täglich den unteren Säle« Gottschslk-Konzert. Inventur- Reichgestiekte /ff dlL abgepaßte ganze Dekoration (bestehend aus 2 Flügeln und 1 Querbehang) in schwer, Wollserge 385(� inViktofiatuch. 485Srt inleinenplOsch 685 N sifd�nart, Empire 108S�oo) Eine Partie Wallportieren mit allerliebster Blumenkante per Meter...... 68 Pf. (Wort 1,25 Mk.) Teppich-Spezialbaus Emil Lefevre Bel!ln Oranienstr. 158. Wach auswärts per Nachnahme. Inventur-Eitratiste u.i mit ca. 600 1 Illustrat.' 1 gratis ' und franko. Achtung! Dr. Sinimel, s™' SpczialarzI für 29/14« Haut- nnd Harnleiden, | 10—2, 5—7. SuiiutagS>0—12, 2—4 Achtung! Sozialdemokratisclier Agitationsverein für den Vahlkreis ArnswaldesFriedeberg Sonntag, 11. Februar, In Lltf Ins Gesellschaftsbaus, Memelerstr. 67* I. STIFTUNGSFEST. Konsert. Auftreten der Berliner Volhasttneor. Ge.ellscbaft GnOrlch-Balze und BALL. Programm 30 Pf. Programm 30 Pf. Zu haben bei Thimm, Tilsiterstr. 79; p. Nebatz, Khinowor- straße 8; H. Kurzbein, Grunewaldstr. 39. ogv/g ' Es ladet f' indl-w ei- Oer Toratand. New-Departure-Preilauf-Bremsnabe Die beste der Welt In jeder besseren FahrradbandluBK erhältlich. Millionen im Gebrauch j¥iir de» Jnlialt der Juieraie über»i»i»it die Redaktion de», Publik»!!, ncflciiiibcr keinerlei Acriiiitwortmig. Theater. Donnerstag, den 8. Februar. Ansang VI, Uhr: Opernhaus. Tannhäuser und der Sängerkrieg aus Wartburg. Schauspielhaus. König Heinrich der Vierte.(I. Teil.) Deutsches. Oedipus und die Sphinx. Westen. Schützcnliesel. Berliner. Der Widerspenstigen Zähmung. Neues. Ein Sommernachtstraum. Ansang 8 Uhr: Schiller Q.(Wallner«Theater.j Cypriemle. Schiller!V.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Ueber unsere Kraft.(I. Teil.) Lessing. Und Pippa tanzt. Zentral. Orpheus in der Unterwelt. Walhalla. Nach Asrika, nach Ka< merun. Kleines. Kinder der Sonne. Komische Oper. HoffmannZ Erzählungen. Residenz. Der Prinzgemahl. Trianon. Loulou. Lnstspiclhans. Der Weg zur Hölle. Thalia. Bis früh um Fünse. Metropol. Aus ins Melropol. Carl SKJeih. Die lebende Brücke aus Kuba. ckuise». Die Anna-Liese. Deutsch-Amerikauisches. Er und Ich. Kasino. Die goldene Brücke. Apollo. Insel Tulipatan. Im Grh setten-Kabarett. Spezialitäten. Herrnfeld. Familientag im Hause Prellstein. Aolies Capriee. Nach dem Zapsen- streich. Der Behcme. Belle-Alliniicr. Der grüne Teufel. Spezialitäten. Witttergarie». Otto Remter.— Spezialitäten. Rr Ichshallen. Stettiner Sänger. Passage. Spezialitäten. Ilraiiia. Tai>l>r»str»ste 48/19. Abends 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Hörsaal 3 Uhr: Dr. Thesing: Tier und Pflanze als Freund und Feind. Sternlvarte, Jiivalidenstr. 57/62. Täglich geSssne! von l bis 7 Uhr. Berliner Theater. Anfang VI, Uhr. Der Widerspenstigen Zähmung. Freitag: Die JDdln van Toledo. Sonnabend nachm. 2'/, Uhr: Schüler- oorstellung z. ermäh. Preis.: Die Räuber. VI, Uhr: Der Widerspenst. Zähmung. Neues Theater. Ansang VI, Uhr. Litl Sonunernachtstrautn. Freitag: Ein Sommernachtstraum. Sonnabend: Salome.(Ans. 8 Uhr.) Sonntag: Ein Sommernachtstraum. Montag: Liehesleute(Amanta). Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Kilider der Sonne. Morgen: Kinder der Sonne. Zentral-Theater (Operette). Abends 8 Uhr: Orpheus in der Unterwelt. Operette in drei Akten. Luisen-Theater. Zum erstenmal: Die Hnna-Life. Ansang 8 Uhr. Freitag: Pension Schöller. Sonnabend: So sind sie alle. Sonntag nachmittag: Maria Swart. Abends: Ein Sommernachtstraum. Montag: Ein Sommernachtstraum. Komische Oper. Donnerstag, 8. Febr., abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Fi eitag, Sonnabend und Sonntag abend: Holtmanns Errählungen. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäg. Preisen: Die Bohdme. Montag zum ersten Male: Don pasquaie._ Apollo-Theater. mr Vollstämlig neues Progranun. Nur neue Spezialitäten und Qobert Belling. Dazu: Tulipatan. Operette. Grisetten-Kabarett, Paris. Nachtbild. Sonntag, den 11. Februar, nach- nftltags 3 Uhr: Berliner Lu« und Spezialltälen. Bedeut.-rmäsi. Preise! Hetropoi-Tbeater Anfang 8 Uhr. iroße Jahresrevue mit Gesang u. 'anz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. tauchen in all. Bäumen gestattet. Urania J,"',",; Abends 8 Uhr: Am Golf roll Neapel. Hörsaal S Uhr: Dr. Thesing: Tier und Pflanze als Freund und Feind._ Sternwarte Ä: Pastans V Panoptikum Frledrlchstr. 105. Ohne 8xtra-8nfree. Bergbewohner Abessiniens. 65 Eingeborene Männer, Weiber und Kinder, sowie das Baby„Berolina". Eintritt SO Pf. 8cli 1 1 1 er-Th ea ter. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Donnerstag. abends8 Uhr: Cyprienne. Lustspiel in 3 Aufzügen v. Vietorien Sardou und E. de Najac. Freitag, abends 8 Udr: Ein Wintermarchen. Sonnabend, abends 8 U h r: Cyprienne. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Donnerstag, adendSSUbr: lieber nnsere Kraft.(I. Teil.) Schauspiel von Björnstjerne Björnson. Freitag, abends 8 Uhr: Cyprienne. Sonnabend, abends 8 Uhr: Slwei gliickliehe Tage. Freie Volksbühne. 13. Kuttst'�bend im Bathaus I Mittwoch, den 14. Ecbrnar zum 50. Todestage des Dichters Heinrich Heine. S Herr Wilhelm Holzamer: Vortrag und Rezitation Klavier- und Gesangsvorträge Heinescher Lieder. Sonntag, 11. Februar, nachmittags S'l, Uhr: T rianon=Theater. Ansang Itonlon. 8 Uhr. Sonntag nachm.: Die herbe Eruchl. Lustspielhaus. Täglich abends 8 Uhr: Der Weg;nr Hölle. Deutsch-Jinierikaiiisehes Theater. KöpenickerstraBe 67/68. Jed. Abend 8 Uhr sowie Sonnabend Gastsniel Adolf Philipp «hISnJch Sonntag nehm. 3 Uhr, halbe Preise! „Ccber'n großen Teich". Montag, 19. Felimar, ahends 8 Uhr; Fest-Vorstellung anläßlich des 25jährigen Künstlerjubiläums von Adolf Philipp. Billetts sind jetzt zu haben. Residenz-Tliealer. Direktion- Richard Hlcxander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwank in 3 Akten von L. Zkanrof und I. Chance!. Sonntag, den 11. Febr., nachm. 3 Uhr: Die Höhle des Löwen. Polles Laprice Budapester Possen- Theater 132 Linienstr. 132, — Ecke FriedrlchelraBe.— Zum 143. Male: Vach d. Zapfenstreich. Vorher: Der Beheme u. d. auSgezeichn. Spezialitätenteil. Aniang 8 Uhr. Vorverk. tägl. b. Wertheim u. an der Theaterkasse von 10 Uhr vor- mittags an. Lsii Weiß-Theater. Gr. Franksurterstr. 132. Die lebende Brücke auf Kuba. Großes amerikan. sensationelles Aus- stattungsstück mit Gesang und Ballett in 7 Bildern von James Fox. Ansang 8 Uhr. Morgen u. folg. Tage: Dies. Vorstell. Sonnabend 4 Uhr: iiänsel u. Bretel W. Noacks Theater. Direktion: Hob. Dill. Brunnenitr. 16. Benefiz für den Regisseur Karl Kelch: Mit dem Strom! oder: Auf Wogen des Glücks. Schauspiel in 4 Alt. v. Oskar Walther. Ansang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Nach der Vorstellung: Benelir-Ball. KasinosTheater Lothringersir. 37. Täglich 8 Uhr. Die goldene Brücke. Schauspiel in 3 Akt. v. R. Skowronnek. Im Neuen Theater z. Z. m. fensation. Erfolg gegeben! Vorher: Das drill bunte Programm. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das Opferlamm. Walhalla-Theater Nach Afrika, nach Kamrrnu. Ausstattungsposse in 6 Bildern. Ans. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Mz Urlel-fttr. Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag und Mittwoch: Konxert, Msr, Spezialitäten, Tanz. Ans. Sonntags 6 Uhr, Wochent. 8 Uhr. Sanssouci. sKÄe.r Dir. Wilhelm Reimer. Sonntag, Moni., Donnerst.: tiottmanas Nordd. Sänger und Tanzkränechen. Morgen Freitag: Die Waise aus Lowood. Sonnt. Bg. 5, Wochent. 8 Uhr. Dienstag und Mittwoch: Theater-Abend. I Carl Weiß-Theater. 2.13. Abteilung Ein Frilingsopfer von E. Kayserling. Einlaß harten a 50 zur MidllliCl'- A««crcd-AllaaMn. nur für Mitglieder bei Horsch, /VUbaieilUIlg Engel-Ufer No. 15. 228/6 Der Vorstand. In Vertr. die Geschäftsstelle: G. Winkler. Metropol-Theafer, 13 /14. Abteilung Maria Magdalene, Zirkus Albert Schumann. Heute Donnerstag, den 8. Februar: Achtung! w Nur einmal! W Match (bis zur Entscheidung) zwischen dem japanischen �lu-Alutsu-�inxer l(stsukuma Hixaski und dem amerikanischen Boxer und Ringkämpfer Mr. R. Fitzsimmons. Mr. Fitzsimmons bat behauptet, das) das Jiu-Jiutsn-Ringen nichts Neues sei und seine Hülssmittel im freien Ringkampf(catch-as- caich-can) längst enthalten sind. Herr Higaehi behauptet hingegen, das; sein tiu-liutsu-Ringen eine eigenartige japanische Kunst sei. Der Kamps ist dazu bestimmt, der Oefsentlichkeit bezüglich dieser hochinteressanten Frage den Beweis zu liefern, welche der beiden Behauptungen richtig, und wird bis zur absoluten Entscheidung gekämpft. Zu diesem nur MF~~ einmaligen Kampf"WD ist der Zirkus Schumann gewählt. Porher: Gala-Programin, sämtliche Spezialitäten und zum Schlug: Tie diesjährige graste iwliR Fcsmin».""30? Ausstattungs-Pantoiinme: reiBlSilctB vBS* Erhöhte Preise: Fremdenlogensitz 8,50 M. Logensitz 7,50 M. Sperrsitz und Tribüne 4,50 M. Ballon 3,— M. Erster Platz 2,25 M. Zweiter Platz 1,50 M. Galerie 1 M. Passepartouts, Gutscheine, Kinder- billetts haben keine Gülttgkeft. I Arnold Scholz, Neue Weit. Hasenheide 108/114. Im größten und schönsten Saale Berlins und Umgegend. Täglich: Großes Miinchener Bockbierfest Baron Muckl's oberbayrische Bauernkapelle D'Hollertauer. Bedienung durch 30 echte bayrische Madl'n. aap Ulk Uber Ulk. ISg Anfang täglich 7 Uhr.— Entree M. 0,30. Sg11 Prämiierung des kleinsten Damentußes. Preise: 60 M., 4« M., TO M. 711,* Gustav Behrens Spezialitäteu- Theater Frankfurter Allee 85. Die größte Sensation des Oftens find Die kleinen Mädchen von Berlin. Im zweiten Bilde: Die sechs schönen Manolizigaretten. Außerdem X das neue Februar-Programm. X Pslast-Thealer *■ Burgstr.24, 22Rin.B.Sb.Söiic. Täglich 8 Uhr. Entree 50 Pf. Mlle. Eugenie Schulreiterin im Herrensattel mit Goidsuchshengst Monte Christo. Li Beüo«r La belle Leona Gelenkphantastin. Miß Astre IVorton, die zweite Saharet. Die Herbstparade, Schwank. Familienkarten in Barbier-, Friseur- UN» Zigarrenzeschästcn unentgeltlich. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Neu! Sensationell! Der automatische Mensch.| Zum ersten Male in Europa. Noch nie dagewesen! Herr Burkhardt-Fooftft, Schulreiter, die Kunst- und Sohul- reiterin Sign. Natalina Rossi usw. Zum Schluß(um 91/. Uhr): Die neueste und größte Sehenswürdigkeit Berlins: ♦ liidlen. � Origin.-Manege-Ausstattungs- stück des Zirk Busch in 8 Blick Stadt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/49. Heute Donnerstag, den 8. Februar: Gsstspl des ßernh. Rose-Theaters. Der Leiermann und sein Pflegekind. Original-Volksstück in 3 Abteilungen von Charlotte Birch-Pseiffer. Ansang 8 Uhr. Kassenerosfnung 7 Uhr. Vorzugskarten haben Gültigkeit. In Vorbereitung: Die Bluthochzeit. dlebriider Heute und folgende Tage: kamlllentag im Hause Prellstein. Familienmitglieder: Fridolin Unterbett Emmerich Unterbett Samuel S Unterbett Frau Wolkenbruch Jonas Tischtuch Hannibal Sauerstoff Fredy Eiweiß Maurice Archimedes Flora Prellstein Kicky v. Kitzky Monika v. Kitzky Igel u. Kodak Stanislaus. Helene Schestak, Rechtskonsulent (Anton Herrnfeld) Esau Prellstein (Donat Herrnfeld), Ans. 8 Uhr. Vorverl. 11-2 Uhr. Neues Programm. Otto Reutter. Charles Hera, Jongleur. Sutcliffe-Truppe, schottisch. Akrob. Slein-Eretto, Handspringer. Robbins, Kunstradfahrer. Das„Motogirl". Tschin- Maa-Truppe Chinesische Gaukler und Zauberer. Mistinguette, Pariser Sängerin. Rococo, Ballettszene. Clark u. Hamilton, musik. Excentr. Japanische Garde, Daraenensemble. Biograph. Passage-Theater. Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. Miß Qertrude, Tänzerin. Karl Bernhard, der Humorist. = Bierzehn Nummern.— „Und Pepi singt" (Pepl Weiß). Reichshaläen. Täglich: Stettiner Sänger (Mehsel, Pietro, Britton, Böckmann, Böhme, Walden, Seidel, R. u. O. Schräder). Anfang Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. 5° ! vlta Pritzkows erliner Äbnorniitäten-Iheatep l Tliinzeitr. 16. h Vcn!-ma Wen! Die Elite-Liliputaner-Truppe� die kleinsten Vortragskünstler und i - Sterne der Liliputaner der Welt. 0 i Die Fusi- Künstlerin Margarete* Marjot. Hellseherin Armida, wahr« g sagende Wunderdame. Pluto, g Wunderhahn, geb. mit 4 Beinen, h 2 Körpern, 1 Kopf, lebend, zc.» Riesen, Zwerge, Phänomen,![ Fakire usw. h KljsZiUM Landsberger Allee Nr. 40-41. Jnh. C. Eisermann. Jeden Donnerstag: Originul- [Harburger Sänger Direktion: C. Frick und F. Kasche-Krause. Anfang 8(ihr. Entree 10 Pf. Vorzugskarten gelten. Nachher: Tan». Avis! Montag. 19. Februar: Elite- Maskenball der Harburger Sänger. Buggeubageii■-Ioritzp1-- Kaisersaal. Heute sowie jeden Donnerstag; Fi Sil- r. X Nachher: Frel-Tanz. X Variete Elysium Kommandantenstralie 3/4. Um 9'/, Uhr: Austreten des berühmten Stegreifdichters Paul Steinitz. chf. K-OreifenhagenK Brunnenstr. 17-18 Veteranenstr. 1-2 Während der jlassteBer- Woche geben wir trotz der hervorragend billigen Preise Donnerstag, Freitag uns Sonnabend doppelte Rabatt-irtarken. Es bietet sich somit eine ganz besonders günstige Gelegenheit zu billigen Einkäufen. *) Mit Ausnahme einiger weniger Artikel. Achtung! Achtung! Zweigverein Berlin. Freitag, den 9. Februar, abends SVa Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29: Genei'al-Vei'GÄlnmliinK. Tages-Ordnung: 1. Diskussion über die vorgeschlagenen Kandidaten des Zweigvereinsvorstandes. 2. Diskussion über die vorgeschlagenen Delegierten zur neunten Gaukonferenz. 3. Verschiedenes. 13S/2& Der wichtigen Tagesordnung wegen ist eS nötig, dah alle Kollegen erscheinen. Der Zweigvereinstiorstaud. ÄntrsI-VerkiwI ier Wer. -- Filiale Berlin.■* Freitag, den 9. Februar, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer IS Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung� 1. Beschluhfassung über die neuen Arbeitsnachweis-Statuten. 2. Wie stellen wir uns zur Einführung einer Arbeitslosen- eventuell Not-Unterstützung. Um zahlreiches Erscheinen ersucht ,95/7 Der Vor«taii(l. r Berlins null llmgegenii. Todes- Anzeige. Zur Nachricht, daßunserBundes- Mitglied �uxust keeko�v aus Rauch-Mub.Freie Männerl'- Friedenau verstorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Bcerdigmlg findet heute Donnerstag, den 8. b. Mts., nach. mittags 3>/z Uhr, von der Leichen. Halle zu Steglitz aus statt. 287/17 Der Vorstand. SJeutscHc Itfetallarheiter-�eiperksehaft r Berlins und ümgegend. Todes- Anzeige. Verstorben ist unser Bundes- Mitglied rneilriek Ledelziuz vom Klub„Gemütlichkeit VI"- Eharlottenburg. 287/8 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 11. d. M.> nachmittags I Uhr, aus dem Friedhof zu Westend statt. Der Vorstand. Verwaltungsstelle Berlin Bureau u. Arbeitsnachweis Rosenthalerstr, 57(2. Eingang: Gormannftr. 28). Geöffnet von 9'/2—2 und 4—8 Uhr. Telephon: HI, Nr. 1296. Sonntag, den 11. Februar 1906, vormittags 9'l, Uhr, im„Rosen thaler Hof", Rosenthalerstr. 11/1!®; General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Kassierers und der Revisoren. 2. Stellungnahme zum 7. Kongreß der„Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften' und event. Wahl der Delegierten. 3. Bericht der Bibliothclskommission. 4. Gewerk- jchastliches. Wegen Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht jedes Mitgliedes, pünktlich zu erscheinen.— Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Sonntag, den 18. Februar er., nachmittags 5 Uhr, im„Englischen Garten--, Alexanderstr. S7c: (Honatsvcrlammlung mit grauen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag: MNklsl selig— Wissen macht frei."©cnoTÄger, 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches.- Nachdem: Geselliges Beisammensein und Tanz. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kollege ttugo Schmidt verstorben ist. Die Beerdigung findet ani Donnerstag, den 8. Februar, nachmittags 3 Uhr, aus dem Markus-Kirchhof in Wilhelmsberg statt. 177/5 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Tanksagitng. Für die vielen Beivelie der Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Otto Hebert sage ich allen Freunden, Bekannten und Verwandten, den Kollegen und dem Chef der Firma Th. Becker sowie dem Deutschen Holzarbeiter- Verbände meinen herzlichsten Dank. 2532b Ulitwe Th. Hebert nebst Kindern. Sonntag, den 8. April cr., vormittags 9 Uhr -O l.! 11lllg1.Il.sc.. /VortragS-Ansang 10 Uhr), Tanbenstr. 48/49: Urania- Vorstellung."WD Im Ejande der /mtternachtssonne von Dr. Schwahn. Billetts inkl. Garderobe 76 Pf. sind bei den bekannten Kollegen erhältlich. Zahlreiche Beteiligung an den Veranstaltungen erwartet 286/4 Die Ortsverwaltnng. Achtung! Achtung! Jftetallarbeiter Ittenbergs! Freitag, den 9. Februar, abends 6 Uhr, Danksagung. Herzlichen Dank allen Freunden und Kollegen für die zahlreichen Kranz- spenden und Teilnahme bei der Beer- digung meiner lieben Frau und meiner Mutter. Insbesondere den Sangesbrüdern„Neu-Erwacht" sowie der Modellsabril Lukas und dem Personal der Firma Schneidermeister Johrinann. 2543b iPranz Tlüllcr und Sohn, Modelltischler. Danksagung. Für die vielen Beweise innigster Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Tischlers Bobert Blesslng sage ich allen Freunden und Be- kannten sowie den Genossen des sechsten Kreises und den Mitgliedern des Holzarbeiter- Verbandes meinen herzlichsten Dank. 2542b Wwe. Klara Blesslng. Danksagung. Herzlichen Dank allen Beteiligten für die große Teilnahme, die uns beim Tode nicines lieben Mannes, unseres guten Vaters und Bruders, des Schlossers August BolT- niann, erwiesen wurde. 25456 Witwe Ernestine Hoftmann. Artur und Erna Hoffmann. Friedrich Hoffmann. Danksagung. Sage allen denen, die meinem lieben Mann, unicrem guten Vater das letzte Geleit gegeben haben, der Firma Schäffer u. Hauschner, den Kollegen der FirmaPreibisch und dem Deutschen Metallarbeiter-Verband für die Kranz- spenden meinen besten Tank. 2537b W'we. Ziegler nebst Kindern. im großen Saale des Hiebwarzen Adler(Gebr. Arnhold), Frankfurter Chaussee 4/5: i!t Tagesordnung: 1. Die bevorstehende Wahl der Brisiver zum Gewerbcgcricht. Reserent: Kollege Buse. 2. Diskussion. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Kollege» geboten. 112/2 Der Einbernfer. »M Fliesenleger. Donnerstag, den 8. Februar er., abends 6 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraße 26: Versammlung der Sektion der Fliesenleger des Maurerverbandes. Tages-Ordnung: 1. Der Stand uiiserer Bewegung. 2. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung müssen alle Kollegen gleich von der Arbeit er- scheinen. Kein Kollege darf in dieser Versammlung fehlen. 136/18 --- Mitgliedsbuch legitimirrt, Der Sektiousvorstnud. I. A.: Felix llreislte. TKesealeger-Kölfsarbeiter. der WIMM!» M!»!» UCIll Donnerstag, den 8. Februar, abends 6 Uhr Sektions Uersnmmlnng der Hesenleger und JfälJsarbeiter in den ArminKsNen, Kommandantenstraße 20. Tages-Ordnung: I. Der Stand der Bewegung. 2. Verschiedenes. 32/15 DM- Wir ersuchen alle Kollegen, sofort bo» der Arbeit nach dem Bersaminlungslokal zu gehen. Die Nebtlonsleltiing. Kaiser's Malz- Kaffee imübertrofren, das Pfund nur 25 Pfg. Kaiser's Kaffee- Europas größter Kaffee-Rösterei-Betrieb. Berlin• Ackerstr. 23/26, Brunnenstr. 81, Brunnenstr. 151, Brunnenstraße 185, Badstr. 18, Chausseestr. 28, Chorinerstr. 20a, Danziger- straße 90, Dalldorferstr. 23, Fennstr. 52, Franseckistr. 50, Invalidenstraße 144, Müllerstr. 166, Putbuserstr. 41, Reinickendorferstr. 10, Swinemünderstr. 87, Schwedterstr. 245a, Tresckowstr. 18, Usedomstraße 17, Weinbergsweg 5, Wollinerstr. 42, Prinzen-Allee 31, Prinz Eugenstr. 20, Pappel-Allee 4. Berllll-V Wr• S Bredows tr. 43, Beusselstr. 29, Heidestr. 15/16, Huttenstraße 4, Lübeckerstr. 20, Luisenstr. 43/44, Alt-Moabit 112, Melanchton- straße 1, Stephanstr. 42, Turmstr. 30, Turmstr. 47a, Wilsnackerstr. 30. Berllll W« S Culmstr. 1, Uentbinerstr. 26, Gleditschstr. 48, Lützow- straße 83, Steinmetzstr. 41. Berlin S W»» Bergmannstr, 93, Zossenerslr. 22. Berlin S« S Gräfestr. 25, Sebastianstr. 88. Berllll SO« S Admiralstr. 32, Köpenickerstr. 144, Muskauerstr. 13, Neanderstr. 37, Oranienstr, 1, Reichenbergerstr. 123, Wrangelstr. 23, Wrangelstr. 54. Berllll O« S Andreasstr. 57, Boxhagenerstr. 14/15, Ebertystr. 48, Frankfurter Allee 51, Frankfurter Allee 71, Grüner Weg 41, Gubeners tr. 49, Krautstr. 48 b, Königsbergerstr. 31, Petersburgers tr. 81, Richthofenstraße 15, Stralauer Allee 23 b, Zomdorferstr. 48. Berllll Bio. 2 Gollnowstr. 11, Greifswaläerstr. 1, Landeberger Allee 29, Lippinerstr. 29. Berllll C« 2 Alte Sobönhauserstr. 30, Haieer Wilhelnistr. 20. dlfirloltenhnrg 2 Augsburgers tr. 59/60, Berliners tr. 98, Berlinerstraße 125, Dankelmannstr. 60, Holtzendorfstr. 4, Kantstr. 149, Kleiststraße 19, Nehringstr. 1, Pestalozzistr. 9a, Pestalozzistr. 29, Kaiser Friedrichstr. 57, Tauenzienstr. 19, Spandauerstr. 28, Uhlandstr. 32 Wilmersdorferstr. 126, Wihnersdorferstr. 148. Boxliag'en-Rnmmelsbnrg� Ait-Boxhagen 4/3. Bentscll-Wllmersdorf 2 Berlinerstr. 131. Friedenan 2 Rhemstr. 10. Friedriclisherg2 Frankfurter Chaussee 7. Friedrlclisfelde; Berlinerstr. 45. Lilclitenherg 2 Frankfurter Allee 171. Welssensee-Berlin2 König-Chaussee 32. PanliOW 2 Breitestr. 24a. Reiniekendorf-We§t2 Schamweberstr. i6. Osf 2 Residenzstr. 107. Rlxdorf 2 Hermannstr. 40, Kaiser Friedrichstr. 242, Steinmetzstr. 116. Rnmnielsburgs2 Schiüerstr. 12. 8ebmargendorf2 Breitestr. 22a. Schoneberg 2 Colonnenstr. 66, Goltzstr. 36, Hauptstr. 139, Tempel hoferstr. 21, Neue Winterfeldtstr. 44. Steglitz 2 Schloßstr. 85. Tegel 2 Berlinerstr. 9. Ten»l»elboL2 Berlinerstr. 15. �dlersbok 2 Bismarekstr. 14a. NowaweS2 Friedrichstr. 15. Ober-Schöne weide 2 wnheiminenhofstr. 41. /Potsdam 2 Brandenburgerstr. 20, Naueners tr. 38. Spandau 2 Breitestr. 49, Jägerstr. 1, Neuendorferstr. 6, Potsdamers tr. la, Schönwalderstr. 87. Treptow 2 Baumschulenweg 19/20. Klichhanälulig Vonvärts, Berlin SA. 63 In unserem Verlage erschien: omtsge eines pj)- städtisehen Arbeiters in der Katur eon Curt Grottewitz, B°«°.7'BonAIIH. Kölsche Mit Buchschmuck und dem Portrait des Verfassers Broacblert 60 Pfennig Gebunden t Marh Cattbelm Böledic schreibt in seinem Vorwort: I .Ich glaube, daß-S in der ganzen Literatur nicht leicht wieder so schlichte Naturschilderungen gibt, mit so scheinbar allereinfachsten Mitteln, wie in diesem Büchlein.» I Brauerei F. Happoldt Berlin S. Hasenbeide§2-38 empfiehlt ihr Lager» 0 Münchner»|5JgJ* Tip»Top» in Flaschen und Gehinden. Telephon: Amt IV. Ko. 9115. 5635L* Klotordroschken nach Polizeivorsohrift, beste erprobte französische Harke, in 6 bis 8 Wochen bestimmt lioferbar. 83/8* Anfragen befördert Rudolf Mosse, Berlin SW., unter J. A. 7459. Restaurant Bellevue früher Rieck-Werder Wollersdorfer ScSIeuse, w.eÄÄr enchsiehlt sich den geehrten Beieinen-c. zu kulantesten Bedingungen. - atoßer Saal für 800 Personen. 35 Fremdenzimmer. 23356 "Wtte* WaUscMfehen,«ichmlde. Empfehle allen Vereinen nnd Gewerlschaslen zu Ausflügen und Partien mein herrlich am BSnld geleg>eneö Lokal. 3 Minute« vom Bahnhof. Broker Saal. X Beiisttiger Batten. X 2 flsgeldshiusn. X Ausspannung. Sommsrwolinungen und Zimmer. 25346 von 55992* Carl Ernst, Köpenickerftr. 126, 1 Tr. Gröftte Auswahl! Billigste Preise l Vorzeiger dieser Annonce erhält 10"/j Preisexmäßig. Flor de Bornes, große, vorzügliche Zigarre, moderne Form, liefert 3 St. 10,80 M. franko Nachnahme. Zigarren- sabrik Bremer Schlüssel, Brenicn IV. «ri »UStBN, Bsisorlteit ivnlen »«kobelsi llllslvlltroplvllj überraschend »vhuoll und sicher. Nur eent. wenn| mit Marke „Medice' oench offen. itunwrSOVf ErdSlllich in den Drogerien und bei attcnsich»I,S«ri!nSl> 4Z Eiserbahnst.4 Alten Kottbnser engros. Gold» und endetail. empfiehlt H. 31 rose, Nauuyn- ftraste 67. Slmt IV, 3444,• Tülle Sein Bett mit neuen Gänsefedern! Ungerissen mit allen Daunen von l,30 M. an . gleich süllsertig.. 1.75.. Gerissene Federn..„ 2,00„, Reelle Bedienung! Umtausch gestattet! Paul Paegelow, Bettfedern-Grotthandlang: Wriezen. Oderbruch. �Hygienische HcaansaruKei.>eu est. Katalog m. Exnpfohl. viel Aerzte u.Prof. grat. uiC» H. ünger, Gummiwaienlabrik Berlin NW.. Friednchsirass�-'"O® jtleine /Lnzeigen. M V als IS Buchstaben iihhn dnr.�u M* r Strasse Anzeigen Z�'rVX, in den Annahmestellen fär Berlin üi bis! Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, der Hauptexpedition Linden Strasse 69 bis 3 Uhr angenommen. hste erden rlin M Verkäufe. Juventur-Zlusverkaus. Gardinen 30 Prozent Rabatt. Fenster(zwei Schals) 140. 185. 225. 285, 350, 485. 575, 665 usw.____ 1201S.+ Angeschmutzte Gardinen für 1, 2. 3 Fenster zu spottbilligen Preisen.__ 1202H* Stores 10 Prozent Rabatt. 185, 225, 295, 350, 425, 550, 675 usw.* Erbstüllstorcs, nur so lmige Borrai, Stück 435. Weißenbergs Teppichhaus,- Große Frankfurter- straße 125.___ 1217K* Inventur- Ausverkauf. Borzleh- Gardinen mit überraschend schöner Stickerei, creme, lvciß, Fenster 135, 165. 210, 255. 285, 325, 425. usw.. goldfarbig und rot Fenster 265, 285, 325, 450 usw._ 120411* Tüllbettdecken, weiß, creme, für große Betten ausreichend, 195, 225, 285, 375, 450-790. Weißenbergs Teppichhaus, Große Frankfurter- straße 125._ 1205«* Jnventiirpreis. Steppdecken, Simili, L>eide, rot, grün, oliv, blau, zirla 160 breit, 200 lang, Hand- arbeit(Wert 10,50) jetzt Stück"5,85. Steppdecken, Gelegenheitskauf, nur so lange Vorrai. 285, 365, 425, 585, 675, 785 usiv. Weißenbergs Teppich- bltus, Große Franlsurterstraße 125.* G n rd i u e» b a n s Kroß« Franklnrier- ftraß« 9, parierre. Isi Teppjeiie! Größen für die im Tcppichlager Babuhl Mar« 4. in allen älfie bti Wertes rün». Hackclcher ahnhos Börse. 254/12� Grammophoiiplatten und Repa- ratureu. Rothenburg, Prenzlauer- straße 42. 2. Hof. ll71Ä Sofa, wie neu, 21,00. Meide, Große Hamburgerftraße 18/19. 256/20 Leihhaus Küstrinerplatz 7, billige EinkausSauelle für Waren aller Art, großes Lager in Wäsche, Betten, Uhren, Goldsachcii, Teppichen, Stepp- decken, Gardinen, Hosen, Anzügen ic.* Chaiselongue, Taschensosa, Trn- meau, Mahagoni, Nußbaum, Auszieh- tische, Kreuzverband, Bettstellen, ein- zelnc Matratzen ganz billig. Andreas- straße 57, vorn Keller, Lazarus. Steppdecke» billigst Fadril Große Frautsurierstraße 9, parterre. sil Gelegenheitskäufe: Palctols.An- züge, Hosen, Köster, Revolver, Teschings, Uhren. Goldsachen, Kessel, spottbillig. Lücke, Oranienstraße 131. Tnvcutur- Ausverkauf. Tuchtisch- decken mit«einen Stickschlern in alle» Farben, Größen, 1,85, 2,25, 2,75, 3,50. 4.35 usiv._ 1208S1* Plüschtifchdecke», Gclegenheits- kclif, mit«einen Stsckfehlern, nur so lauge Vorrat. 4,85, 5,65, 6,35, 7,50, . 8.45, 9,65, 10,85. 1209Ä» Möbelftoffreste in Wolle und ' buntem Plüsch, zu Sosabezügen ans- reichend, in allen Preislagen. Weißen- bergs Teppichhaus, Große Frankfurter- slraße 325.___ 121011* Inventur- Ausverkauf. Absall- �epviche in allen Größe» zu Spott- ijen. prer 1211M* Bettvorleger, echter Plüsch, ein Posten. Wert 5,63, jetzt Stück 4,35; ein Posten Wert 4,85, jetzt Stück 3,65. '.Peißenbergs Tcppichhaus, Große Frautsurierstraße 125.__ 1212SI* Läüferrefte tu Wolle und Plüsch (Zimmerlänge) enorm billig. 1213X1.* Teppiche, imitiert Fäpaner und Perser. 2 Meter lang,- nur 3,25. Meißcnbcrgs Teppichhaus, Große Frantsurtersiraße 125._ 1214K* Inventur-Preis. Portieren(zivei Shawls, ein Lambrequin) Garnitur 4.85, in allen Farben._ 121551* Einzelne Plüsch- und Tuchgarni- iure» enorm billig. WcißcnbergS Teppichhans, Große Frankfurter. stoße 125._____ 12m* Gardinen, Stores. Bettdecken, enorm billig Reste 1 bis 3 Fenster Cxlraermäßiguug. Gardincn-Vcrsand- Haus Jerusalemerstraße ll/12. 122151* Teppiche miiFarbeiijehleru Fabril- Niederlage Große Fraiitjurierstraße 9, parterre.-fl IVO Nähmajchmen, ohne Au- zahlung. Woche 1,00. Hahn, Prenz- lanerslraße 22. 73/4* Damenhüte, spottbillig nurPappel- Allee Nr. 140, Eckhaus Schönhauser Allee.* Kanaricnhähne mit Hohl, und Kltngelrolle, und Weibchen verkaust Prinzessinnenstraße 12. III links. Nu» abends und Sonntags_ 22165 Kauartenhähne. Neueste Gesangs. richtung. 1905 höchsten Ehrenpreis, goldene Medaille. Erstklassiges Zucht- malerial. Große Auswahl. Vertäust Krebs, KöpenickerjU'aßc 151a. 112251* Verantwortlicher Redalteur Retsrgläser, Operngläser, Reiß zeuge, Regulatoren, Freischwlnger, Harmonila», Geigen, Zithern, Betten. Tcppiche, spottbillig. Lücke, Orauien- straße 131._ 24796* Gutgehendes Plättgeschäst krank. hcitshalbcr sosort billig verkäuflich Osten. Voigt stoße 12._+1291 Moiiatsaiiziige üiid Wiuter- paletols von 5,00 an, Joppen von 4,50 an, Hosen von 1,50 an. Geh- rockanzüge von 12,00 an, Fracks von 2,50 an, jowle für korpulente Neue Garderobe zu staunend billigen Preisen, aus Pfand- leihen verfallene Sachen kaust mau am vorteilhastestcu bei Naß, Mulack- straße 14._______ 25156* Bronzegastrouen! dreiftaminig 6,00, GnSziiglampcn 9,00 I SalongaS- krönen 15,001 Schauseiisterlicht! GaS- lnren 1'/,! Zweilochgasiocher 3,00! GaSbügelabparat I GaSplätteifen spott- billig! Wohlauer, Wallnerthcater- straße 32(GaSkocherhaus!) 1229K* Möhclsuchende, Braulleute, empfehle meine Möbeltischlerei für Wohnungs- Einrichtungen sowie einzelne Möbel. Bunte Küche. Eng- tische Scklaszimmcr. Große Auswahl. Kein Laden. Nur Keller und Hintcr- röume. Teilzahlung. Harnack. Tischler- meistcr, Dresdenerstraße 124. 113051* IVVtt neue Nähmaschinen gebe auf Abzahlung, ohne Anzahlung. Lang- schiff, hocharmig, komplett, mit alle» Apparaten. Elegante Ausstattung, drei Jahre reelle Garantie. Bcllmann, Gollnowstraße 26, nahe derLandsbergerftraße. Alte Maschinen nehme in Zahlung. 1133K* dtustbaumsPinde.Vertiko räumungS- halber sehr billig abzugeben. Ma----- straffe 18 b, Hos parierre rechts. Strickmaschinen. Nähmaschinen. auch Tellzahlung. Bredereck, Engel- User 20.«3/3* Elegante Tuchtostüme, lange Jacke aus Seide, Schnciderarbeit, 45 Mark. Spezialatelier Blumenstraße 9, H. Scidenbliisen, gesircisle, 9 Mark. Wollblusen 4 Mark, Blumenflraße 9. Nähmaschinen- Släuser lernen gratis Blusennähen. Röckenähen. Zu- schneiden Blumenstraße 9 II. 84/10* Kosiümröcke. ladellos sitzend, eigenes Fabrikat, zu Fabrikpreiien s?Naßanfertigung). Spezialfabrit Blumenstraße 9._■ 84/11* Rinderwage», Äinderbettstellen. Sportwagen, gebrauchte, zurückgesetzte spottbillig. Schneider. Kurfürsten- straße 172._ 28356« Prtvatzüchterei. Sciferthähne. Weibchen, Greisswalderstraße 31, Re- siaurant, und Wcißensec,- König- Ehaussec 24». Hulhmann.+123 Nähmaschinen, ohne Geld, Woche 1,00, Uhr GrattSzugabe, gebrauchte 12,00 mi. Küpenickerstraße 60/61, Große Franksurlerstraße 43, Prcnz- ----+89* lauerstraße 59/60. Nähmaschine«. Zahle bis 10,00, wer Tellzahlung kaust oder nach- weist. Sämtliche Systeme. Woche 1,00. Ohne Anzahlung. Postkarte. Brauser, Tllsiierftraße 90._+33* Nähmaschinen ohne Anzahlung, brauchte spottbillig. Frankfurter Allee Hagen 4. sämtlicher Systeme Woche 1,00. GePostkarte genügt. 10 und Alt-Boy- +129* Nähmaschine» ohne Anzahlung Woche 1,00, Käufer erhält 10 Mark, Nachweisung 15,00. Reell(Postkarte). Lewandowsti, Neanderstraße ll. Steppdecken. Gelegenheitskauf. (Setdenkloth) statt 8 Mark durchweg 3,75. Posten hocheleganter Jacketts, Kostümröcke, teils auf seid«, durchweg 9 Mark. Julius Neumann, Belle- Alliancestraße 105. 1236K' Milchgeschäftseinrichtunge», Milchkübel, Kannen, Maße. Milch- siebe, Wiegeschale», Bultermaschinenzc. billigst. Jordan, Michaelkirchstraße 21. Nähmaschine», alle Fabrikate, ohne Anzahlung, wöchentlich 1,00, ge- brauchte 12,00, Postkarte genügt. Wienerstraße 6, Ackerstraße 113. 2538b Restauration mit Vereinszimmer, große Fabrik, im Südosten, wegen anderer Unternehmung sofort zu ver. kaufen unter 17. L. 5060, Partei- speditton. Lausitzer Platz 14/15.* '�Restaurant, gutgehend, in der Hauptstraße gelegen, ist wegen TodeS- falls zu verkausen. Zu erfragen bei Schillert, Weißensee, Konig. Ehausice 39».+138 Heute spottbilligst Wintergarderobe, Betten verkauf, Schmucksachen, Ver- schiedenes. PfandleihhauS. Weidenweg neunzehn. i®** Herrenanzüge, Winterpaletots, wenig getrageneMonatSgarderobe von 5 Atarf an. große Auswahl, für jede Figur, auch neue, elegante, nicht ab- geholte Maßsacheu laust man am biNigsien aus erster Quell« direkt nur beim SchneidermeifterFürftenzelt, Rojenthalerstraße l5 nur 3 Treppen. Fernsprecher III. 3016. 260,7* Ältöbelvrrtanf in meiner Möbel- sabrik Wallstraße 80/81, nahe Spitiel- mar«. Jnsolge dcS großen Umzugs beflnden sich am Lager viele zurück- gesetzte und verlieben gewesene Möbel, je wie neu sind, Kleiderspind, B-rliko 28.00, Ausziehtisch 16. Muschel. bciisiclle niil Fcdcnnairatze und Kciikisicn 36, Taschensola 50, Paneel- sofa 70. Waschloilelle 20, Ruhe- bett 25, ganze Eiurichlmige» billigst. Transport frei. 85/15* Schöne 20 Mark. ll lintS. Federbetten, Stand resdenerstraße 38, vorn 85/16* Junge Frau muß oerkaufen sechs Zimmer Möbel, wie neu, elegantes Pliischsosa 44,00, Pancelsosa 70,00, Salongarnilur, Salonbilder 3,00, Gas kröne, Frcischwinger 13,00, Tru- meau, Steppdecken, Stores, Perser- tcppich 5,00, Gardinen, Verschiedenes, jeden Preis. Landsbergerstraße 42, ll. Spottbillig Teppiche, Betten, Gar- dinen, Portieren, Steppdecken, GaS- krönen, Tischdecken, Remontoiruhren, Uhrketten, Regulatoren, Spiegel, Bilder spottbillig Leihhaus Grüner- Weg 113. Teilzahlungen gestattet.* Kinderbettjlellc. neu, billig, ver» käuflich.«Uttel, Grüner Weg 50/61, Hof I. 85/18 Chauffeurschule des Automobil« technikums„Berlin*, Spich« rn- straße 11/12, bildet jedermann kür�estenS zu erfttlasfigem Automobll- sührer auS. Prospekte frei. 2992b* Psondleihr, Prinzenslcaße 63, täglich 8—8, Sonntags bis 2. 83/5 KnnJftoPferet von Tharlottenburg. �" ei von Frau Kotosky, Goethestraße 84, I.* Altes Kleiderspind, Kommode, Schiassiosa taust Eschert, Pallisaden- straße 95. 85/11* Aufpolsterung: Matratzen 4,00, Sofa 5,0t*. Meicke, Große Hamburgerstraße 18) 19. 260/5' Saal! Sonnabende, 24. März, 28 April frei. Klubhaus, Annen- straße 16._ 85/12* Aufpolstern. Matratze 3,00, Sofa 57)0.(Poj.Varte) Besuch sosort. Grenda, Steinmctzshratze 43. �'+103» Haarefchrben. 100, unschädlich. elegant, sosart. Nawrwaschecht. Auch aufferm Hanse. Sommerfeld, Masseur, Ackerstraße 5.7. 2523* Zahnärztliche Polillinik, Wein- bergsweg 11, 1—3 Uhr. Zahnziehen mit Zahnfleischbetäubung umsonst. Künstliche Zäbnc a 1 Mark, Gold- und Porzcllanfüllnng 2 Mark._* Pfandleihe Markusstraße 27. Platin«, alt» Zahngebisse, aller- höchste Tagespreis«. Ackerstraße 174, II. nicht Laden. 2469b* Wer stosi hat! Fertig« Anzüge nach Maß 18, 20 Mark. Tadelloser Sitz, haltbare Futtersachen. Franke, Ackerftraße 143, Ecke Jnvalidenstoße. Pan kroll), straße 40. Köpenick. Müggelheimer. 2530b Beretnsztmmor zu vergeben, 20 bis 60 Personen. Schulz, Skalitzer- straße 22.+7 Vermietungen. Wartheftraste 1/12. Nähe Bahnhos Hermannstratze. 2 Stuben mit und ohne Bad. 1 Stube nebst vielem Zubehör. Ferner Läden mil und ohne Wohnung sosort preiswert. Näheres Warthestraße 41 und 71. Wodaaaxsii. Kleinwohnungen. Zimmer 9, Zimmer. Küche 16, Zweizimmer, Küche 20, Rixdorf, Wanzlickstraße 12 (Hcrmaiinplatz), sofort, April. 286/6* Hermannstraste 62, Rixdorf, neues HauS, Wohnungen von 2 und 1 Zimmer, Balkon, Zubehör, sofort billigst zu vermieten._ 1223K» Gottschalkftraste 5/6 in Pankow. Rur Vorderwohmmgen von 2 Stuben eventuell Bad, Ballon, zum l. 4. eventuell früher zu beziehen. Näheres beim Verwalter. 2372b* Oudenarderstrafte 36, 37, 38, billige Wohnungen sofort und später. Näheres Wirt 37. 2472b* Mietsgesachsb Möbliertes Zimmer sucht junger, solider Mann Nähe Straußbergerplatz. Offerten unter S. 25 Parteispeditton Wicienstraße 41/43. +80* Arbeitsmarkt. Stellengesuclie. Schweitzer, Max, Stettin er- straße 57.+7* Gnörich» Emil, Fennstraße 1~ Balzs, Henry, Manteuffelstraße 41. Melfeaangeboto. Redegewandte Leute, auch Frauen. finden sofortigen guten Verdienst! Schönhauser Allee 141, AgneS Oster- +54 Klavierspieler verlangt Skalitzerstratze 22, Lokal. Schulz. Zusammensetzer aus Perlmutter Aangt CrosinSty, Verl stoße 154. öpenickcr 2546b* Lederarbeiter äüf Tresors— naturelle, eingefaßte und ordinäre Sachen, verlangt JuliuS Schloß, Köpenickerftraße 55._ 25406 Korbmacher langt Frunzke, ür Geichoßkörbe ve» galdemarstratze 44. Einen 14jährigen Arbeitsburschen verlangt.Heinrich Lewy, Ritterftraße 45. Mamsells aus Paletots, welche viel liesern. Schaal, Kopenhagencr- stoße 42._+94 Lehrfritnlein sucht Marie Sold- wisch, Schneiderin, Stralsmiderstraße3. Arbeiterinneu aus einfache Sackas verlangt Buchholz, Pankstraße 5.+80 WSschenäherin aus Einsatz-Knie- ...........:langt Liebe beinkleidcr(gestrichen) verlangt Oudenarderstraße 43. tiebell, +80 Mädchen, nachmittag« beiKindern verlangt Bednarz, Memelerstraße 40, Quergeböude HI._+34 "Junges Mädchen für leichte Näh- arbeit, Echirrmeifter, Lothringer- straße 67._ 25336 Geübte Barock» Vergolderinnen verlangt Werkmeister, Brunnen- straße 194._ 25416 100 Mamsells aus Jacketts ver- langt Niewc, Ebertystraße 9. 2478b* 100 Mamsells aus PaletotS ver- langt Mchert, Rhinowerftraße 12, Ecke Kleimstraße._+53* "Arbeiterinnen aus Damensackos verlangt Klaing, Dunckersttaße 83.* Im«rdettsmarkt durch Mfsnberett Druck hervorgehoben« ■aicigc« kosten 40 Pf. pro Zeile. Redakteur für den lokalen oder provinziellen Teil der„Volksstimme* zum 1. April gesucht. Bewerber, die schon ewige Jahre redakttonell erfolgreich ge- arbeitet haben, erhalten den Vorzug. Ucbersendung einzelner Artikel er- wünscht. Bedingungen des Vereins Arbeiterpresse voll anerkannt. Bewerbungen sind bis zum 15. Fe- bruar an A. Fabian, Magdeburg, Jakobstraße 49 zu richten. Arbeiterinnen gute Knabenanzüge und außerm Hause. Baumann, Fricdrichstr. 58 III. Verschiedenes. Patentanwalt Wessel, Gitschiner- straße 94a. 1792b* AuS der Liste der tarijtreuen Geschäfte sind gestrichen worden: »Ivb. StabnOrpol, NW., Spenersrr. 4; B. lilebmann, Kaiser Wilhelm str. 16. Außerdem sind nicht taristreu: Bertagsdruckerei„Merkur". Köpenickerftr. 48/49; A. Bl. Brodarz, Ritterstr. 78. Verbmidsinitglieder haben!» diesen Geschäfte» nicht anzusaugen. 36/4* Ter Gauvorstand. Achtnngx! Achtnng! Kauhandwerker! Seit Donnerstag, den 1. d. MtK.. befinden sich die Fliesenleger des Maurcrverbandes in einer Lohn- bewegung. 136/19 Sämtliche Bauten folgender Firmen sind g:«spvrrt: R. Schässer. Warnebold u. Nasse, Schmalisch u. Below. Fromm n. Hanns. Rarsch. Lehmann. A. Pick. Gohlke. Rosenfeld. Ende. Billeroy u. Boch, O. Rebolofsky, Perino u. Co. Zuzug ist fernBohalten t Wir ersuchen die Bauhandwerker um strenge Beachtung obiger Sperr- nottz. Die Firmen: Gebrüder Bogel, F. Keller, F. Pflüger, M.Zander. I. Döscher, Bilskt. H. Schaffran. Wolf, Werber. Ramin haben unsere Forderungen unterschrisllich anerkannt. Die bei diesen Firmen arbeitenden Fliesenleger müsse» sich durch eme gelbe Arbeitskarte auS- weisen. ZeMeriiaiiii der Maurer. FOr die Streikleitung: I. A.: Felix Brelske. �llrsedllsr! Die Werkstatt des Hofkürschner- Meisters Barl Salbach, Unter den Linde» 07. ist wegen Maß- regelung sämtlicher organisierten Kollegen und Kolleginnen gesperrt. Zuzug ist streng fernzuhalte«! Der Aorftand deS Deutschen Kiirschncrverdlmdes. Zahlstelle Berlin. Der Borstand des Verbandes der Kürschner Berlins und Umgegend. 102/3 oeulseder Soliarbetter- Verband. Wegen Streik und Differenzen ist Ziljilg fernpiMbn vonBilderraftmenmachern, Kreis sägenschneidern und Tischten von der Firma Beck u. Co.. Reandcr straße 4, und Schlefischestr. 42: von Treppengeländer- Arbeiter» (Drechsler, Tischler. Stellmacher. Polierer, Maschineimrbetter und Bildhauer) oo» der Treppengeländer sabrik Joseph Drechsler, Gubenci stoße 33: von Drechslern von Paniffch Brunnenftr. 79; von Korbmacher» von Knorr Friedrichsberg, Franks. Ehausice 127 von Pcrlmuttarbeitern u. Knopf. machcrn von der Firma Abramowski u. Sicmcr, Köpenickerftr. 33; von Einsetzern vom Bau Gerhard! in Halensce, Schweidnitzerstr. 6 und 7. Ble Brtsvem-altnngs. Tpsnißsu. j°j!üüs!»allgsbeites! In der Bantischlerei von Gebr. F. u. 0. Reinieke Spandau, Pichelsdorferslr. 13, bemrden sichdieTischler-Maschincii. arbeitet und Einsetzer tut Streik. SauZirnrnerstraSe, Spandau, Reinieke, Bau Nonnendamm, Siemens& Halske. Bau Siemens-Schuckert in Fürsten- brunn. Zuzug fernzuhalten! 79/1* Die Ortsverwattung. I. A.: Georg Hinze, Bevollmächtigter Haus Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdrnckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Redaktion und Expedition: Berlin, Cindenftr. 64. ferntprecber: Amt IT, 1483. Nr. Bä. Donnerstag, den 8. Februar IBOB. Inserate Sedjsgelpaltene Kolonelzeile 20 Ptg. Bei grSBeren Huftragen enlfpreAenden Rabatt. partei-Hnofelcgcnbciten. Zur Lokulliste! In Heiligensee steht das Lokal von Schröder ver Arbeiterschaft zur Verfügung, alle anderen Lokale sind gesperrt. In Radebrück bei Alt-Landsberg ist das Restaurant„Zur Wilhelms� ruh". Jnh. Schulz, frei. Die L o ka l k o m m i ss i o n. Mahlsdorf. Sonnabend, den 10. d. M.. abends gl/, Uhr, findet im Lokale von Werneke, Hönowerstr. 6. eine Wahlvereins-Versamm- lung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag über sozialdemokratische Ge- »neindepolitik. 2. Diskussion. 3. Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindevertretung. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder er> sucht Der Vor st and. Den Genossen von Treptow-Baumschulenweg, Nieder-Schöncweide- Johannisthal zur Mitteilung, dah der 2. Abend des Lehrkursus wegen plötzlicher Erkrankung des Genossen Grunwald heute ausfällt._ Vorort-)Vachncbten. Betreffs Uebernahme der Kreisbahnen qat der nächste Teltower Kreistag 2 690 000 M. auS einer Anleihe zu bewilligen, die mit 4 Proz. aufgenommen wird und bis 1944 zu tilgen ist. Siemens u. Halske erhalten für ihre Bahnen in Süd- ende, Lankwitz, Steglitz und Lichterfelde 1450000 M. Abfindung, Bachstein für seine Dampfstrafienbahn Groß-Lichterfelde— Teltow- Stahnsdorf— Machnower Schleuse 350 000 M. Beide Bahnen sollen am 1. April 1906 auf den Kreis übergehen. Der Kreis hofft mit den Bahnen bessere Geschäfte zu machen wie die Privatgesellschaften. da er sie gleichmäßig ausbauen und sie noch erweitern will. So sollen die SiemenS-Bahnen Vollspurbreite erhalten, die Dampf- strahenbahn soll elektrisch werden lKostenpunkt 371 000 M.), und nach Fertigstellung dieser Arbeiten will der Kreis sodann die Bahnen zu einer Linie mit Nebenabzweigungen ausbauen. Die Hauptlinie würde demnach werden die Linie: Machnower Schleuse— Teltow— Lichterfelde—Lankwitz— Südende— Steglitz. Die bestehenden Nebenlinien innerhalb der Orte bleiben erhalten, neue erstehen z. B. Mariendorf— Südende— Steglitz und falls sich die Gemeinde Steglitz dazu versteht, entweder durch Ver- kauf der Grunewaldbahn an den Kreis oder durch die Erlaubnis. die Gleise der Grunewaldbahn mitbenutzen zu lassen, eine Linie im Anschluß daran über Steglitz und Dahlem nach Kolonie Grunewald über Schmargendorf einerseits, nach der neuen Stadt Wilmersdorf durch den sogenannten Rheingau andererseits; kommen diese Projekte zur Ausführung, so würde ein Anschluß an die Berliner Straßen- bahnen erreicht und man könnte dann mit einmaligem Umsteigen in Wilmersdorf sich daS Vergnügen leisten, vom Berliner Rat» hause über Wilmersdorf, Steglitz, Lichterfeld«, Teltow nach der Machnower Schleuse elektrisch zu fahren. Allerdings wird bis dahin noch einige Zeit vergehen. Eharlottendurg. Ein schwerer Bauunfall ereignete sich gestern vormittag auf dem Neubau zturfürstendamm, Ecke Fasanenstrahe. Dort führt die Firma Boswau und Knauer ein Gebäude auf, das bis zur ersten Etage gediehen ist. Gestern vormittag mn 10 Uhr trug der 45jährige Steinträger Walter N a t u s ch aus der Soldinerstr. 18, auf dem Rücken in einem Tragekastei: Mauersteine nach oben. Hier« be' kam er, entgegen dem ausdrücklichen Verbot, in die Nähe des Lastenfahrstuhls. Als Natusch im Begriff war, den Kasten abzu. werfen, wurden die Tragebänder vom Fahrstuhl, der sich nach unten in Bewegung setzte, erfaßt und Natusch rücklings mit in die Tiefe gezogen. Auf seine Hülferufe stellten seine Kollegen sofort den Fahrstuhl ab und brachten ihn mit vieler Mühe wieder in die Höhe. Natusch war zwischen die Mauersteine und den Fahrstuhl geraten und hatte sich eine schwere Brnstquetschung und eine Ver- letzung der inneren Ovgane zugezogen. Ter Verunglückte wurde im bewußtlosen Zustande in einer Droschke nach der Unfallstation Zoo- logischer Garten und von dort nach Anlegung eines Notverbandes im Swadeschen Krankenwagen nach dem Krankenhaus« Westend geschafft. Rixdorf. Zwei Raubanfälle sind gestern in Rixdorf durch jugendliche Täter verübt worden. NackimittagS war das sechsjährige Töchterchen Margarete deS Schriftsetzers Ernst Schölkopf, Steinmetzstr. 122, fort- geschickt worden, um Einkäufe zu besorgen. Zwischen der Falk- und Lessingstraße trat plötzlich ein größeres Schulmädchen an die Kleine heran und richtete in barschem Tone die Frage an sie:„Wo hast du das Geld r Schlagfertig antwortete das Kind:«Ich habe ja ?ar kein's" und eilte davon. Die jugendliche Wegelagerin atte es aber bald wieder eingeholt, hielt es fest und zog ihm nun gewaltsam die goldenen Ohrringe aus. Sodann lief die Täterin mit ihrer Beute davon. Da erwachsene Leute nicht in der Nähe waren, entkam sie auch.— Der zweite Raubansall erfolgte in der Steinmetzstraße. Der sechs- jährige Friedrich Klein aus der Steinmetzstraße 43/44 hatte von seiner Mutter ein Zweimarkstück mit dem Auftrage erhalten, elivas vom Kaufmann zu holen. Aus der Treppe begegnete dem Knaben ei» halbwüchsiger, unbekannter Bursche, der das Geld in der Hand des K. bemerkte. Er ergriff plötzlich die Hand des Kindes, raubte das Zweimarkstück und entfloh. Bisher fehlt von dem jugendlichen Räuber noch jede Spur. Durch das Dazwischentreten eines Schutzmanns ist gestern am Hermannplatz großes Unheil verhütet worden. In der Hermann- straße in Rixdorf waren die Pferde eines Geschäftsfuhrwerks scheu geworden und durchgegangen. In wildein Tempo rasten die Tiere die Straß« hinunter uui) wollten dam nach dem Hermannplatz ein- biegen. Bei dem großen Verkehr, welcher an diesem Kreuzungs. punkt herrscht, schwebten die Passanten in diesem Augenblick in großer Lebensgefahr, und es wäre auch zweifellos zu einer Kata- strophe gekommen. Ivenn nicht noch rechtzeitig der auf Posten stehend« Schutzmann Perschke, sein eigenes Leben aufs Spiel setzend, den rasenden Tieren in die Zügel gefallen wäre und daS Gespann zum Stehen gebracht hätte. Groh- Lichterfelde. Die Groß-Lichterfelder Gemeindevertretung hielt am Montag eine Sitzung ab. der nachgerühmt werden mutz, daß die— wie üblich— wenigen Punkte der Tagesordnung, die für die Oeffentlichkeit bestimmt waren, mit knapper Not auckj vor diesem Forum ihre Erledigung fanden. Wohl in kemer Geineinde- Vertretung dürfte die Unsitte der.nichtöffentlichen" Ver- Handlung wicktiger Gemeindeangelegenheiten so im Schwange sein als in der unsengen. So kommt es, daß regelmäßig die Tages- ordnung dieser geheimen Sitzungen von einem solchen Um- fange sind, daß daneben die sogenannten öffentlichen Sitzungen den Eindruck erwecken, als ob fie nur pro forma arrangiert seien. Und beginnt sich ja einmal in der öffentlichen Sitzung eine Diskussion von einiger Bedeutung anzuspinnen, so erscheint immer noch rechtzeitig genug der Antrag auf Absetzung des Gegenstandes von der Tagesordnung der öffentlichen Sitzung, der dann auch in 99 Fällen von 100 Annahme findet. Gegen dieses systematische Bestreben, möglichst hinter ver- schlossenen Türen wichtige und einschneidende Fragen der Gemeinde zu verhandeln und zu entscheiden muß entschieden Protest eingelegt werden. Die Gemeindeangehörigen und Steuerzahler, die an allen die Gemeinde berührenden Angelegenheiten ideell und materiell interessiert sind, haben einen Anspruch au vollste Oeffentlichkeit der Verhandlungen, die nur in den un- umgänglich notwendigsten Fällen und ausnahmsweise eine Einschränkung erfahren sollte. Die Ausgemeindung eines Teiles des Botanischen Gartens be« schäftigte wiederum die Gemeindevertretung. Da eS sich um ein Areal von 21 Hektar handelt und durch die Ausgemeindung Lichter selbe einen Schaden von zirka 2000 M. hätte, wurde dieselbe a b- gelehnt. Einen auf wurde der Kanalisation den Grundbesitzern mit 12 Marl pro laufenden Meter zu berechnen. Ein paar geschäftskundige Grundbesitzer hatten imn ein Erkenntnis des Oberverwaltungs gerichts aufgespürt, nach welchem diese Kosten bezw. Beiträge jähr- lich von der Gemeindevertretung festgesetzt werden müssen. Diesen Umstand benutzten nun drei unserer begütertsten„Mitbürger", um sich von ihrer Zahlungspflicht zu drücken. Infolge des auS dieser Situation entstandenen Prozesses verlangte die Aufsichtsbehörde, daß die Gemeindevertretung einen dies bezüglichen Beschluß mit rückwirkender Kraft für die Jahre 1M4 und 1905 fassen solle. Die ganze Sachlage ist ziem lich unklar und der Gemeindevorstand schien mit der Sprache nicht recht herausrücken zu wollen. Ist der Beschluß vom Jahre 1903 ohne Zeitbegrenzung seiner Wirksamkeit gesaßt worden, so besteht er doch rechtlich jedenfalls so lange, bis er entweder abgeändert oder aufgehoben wird. Lautet jener Beschluß jedoch nur für das Jabr 1903, so dürste eine jetzige nachträgliche Festsetzung für 1904/05 rechtlich wohl kaum in Frage kommen.— Gemeindevorsteher Schulz erklärte, daß, wenn ein solcher Be- schluß nicht gefaßt würde, die Prozesse für die Gemeinde wahrscheinlich verloren würden. Gemeindevertreter L e n z n e r spricht sich gegen einen solchen nachträglichen Beschluß aus; Gemeindevertreter S a e g er läßt durchblicken, daß ein Versehen seitens des Gemeindevorstandes vorliegen könnte.— Die Gemeindevertretung beschloß, 12 M. pro Meter auch für 1904/05 zu erheben. Es war charakteristisch, daß ein Mitglied des Gemeindevorstandes sich zu dem Vertreter einer bürgerlichen Zeiwng begab und ihn ersuchte, über diesen Punkt nichts zu bringen, da ans dem— wir wählen höflicherweise einen anderen Ausdruck—„Gerede" kein Mensch klug werden könne!— Dem Verein für Jugendspiele wird ein Areal an der Ecke Danke- und Mühlenstraße widerruflich zur Benützung als Spielplatz über- lassen. Zum Schluß erfolgten noch die Auslosungen der Gemeinde- Vertreter. Ausgelost wurden die GemeindeveNreter Dr. I a e g e r und Fischer. Ordnungsgemäß haben auszuscheiden die Gemeinde- Vertreter Friebno, Wullenweber. Greßmann, Raeke, Schulz und Lehmann.— Die dritte Abteilung der Gemeinde- Wähler hat im März drei Kandidaten zu wählen. Wilmersdorf. Die Gemeindevertrewng war am Montag zu zwei öffentlichen Sitzungen zusammenberufen worden. In den VerbaildsauSschuß des KanalisationsverbandcS wurden die Herren Weber, Ramrath. Geffers und Haßlacher gewählt. Die Vertretung genehmigte die Voranschläge für 1906 betreffend die Schillverwaltung, wonach die Gehaltsskala der Rektoren der höheren Schulen eine Aufbesserung erfährt. Für die fünfte Gemeindeschule ist eine Rektorstelle vor- gesehen. In den Armenetat sind 50 000 Mk. eingesetzt. Die Ge- bührenordnnng der Friedhöfe wurde genehmigt. Zwischen der Ge- meinde und dem Provinzial-Schulkollegium ist ein Abkommen ge- troffen worden, nach dem der Grund und Boden des Schulgrund- stückes, wenn es nicht mehr zu Schulzwecken benutzt wird, wieder Eigentum der Gemeinde wird. Aus Anlaß der Silberhochzeit des Kmserpaares wurden 500 M. Zuschuß bewilligt zu dem Zwecke, am 26. Februar in Wilmersdorf einen Fackelzug zu veranstalten. Die Räume des Mariannenhauses werden auf drei Jahre zu einem Mietspreis von jährlich 6500 M. zu Schulzwecken gepachtet. Beschlossen wird eine Betriebskasse zu errichten.— Das Grundstück Volksgarten geht zum 1. April in Besitz der Gemeinde über und wird zum Spielplatz der Goetheschule benutzt werden. Unser Versammlungslokal wird zu einer Turnhalle umgebaut. Die erforderliche» Mittel von 1279 M. wurden genehmigt. Damit werden wir wieder obdachlos und müssen den Kampf um ein VersammlungS- lokal wieder aufnehmen. Zum 1. April scheiden folgende Gemeindevertreter turnusmäßig auS: Hovestadt. Klönne, Eichmann; aus der III. Klasse Nachstädt. Vier Abgeordnete wurden ausgelost: in der HI. Klasse fiel das Los auf Geffers. Für uns kommen demnach zum März zwei Man- d a t e in Frage. Die Parteigenossen an. Ort müssen alles aufbieten. um diese Mandate zu erobern.— Für bessere Beleuchtung einiger Sttaßenzüge wurden 3000 M. bewilligt. Lichtenberg. Durch die Tätigkeit eines Brandstifters Bewohner des Vorortes Lichtenberg Vorgestern abend entstand auf dem Grundstück Schaniweberstt. 5 ein Dachstuhlbrand, der jedoch, im Entstehen entdeckt, durch die Lichtenberger Feuerwehr nach kurzer Zeit gelöscht loerden konnte. Wie festgestellt wurde, war das Feuer durch Brandstiftung verursacht worden. Als die Wehr im Begriffe war, nach dem Depot ab- zurücken. wurde aus dem Hause Schaniweberstr. 3 ei» Dachboden- brand gemeldet. Auch hier gelang es den Loschman»schasten, das Feuer nach verhälNiismätzig kurzer Zett zu dämpfen, obwohl die Flammen bereits mehrere Verschlage ergriffen hatte». Nach den Ermittelungen der Feuerwehr dürste auch in diesem Falle Brand- stiftung vorliegen. Johannisthal. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung wurde zunächst über den von der Bodenbaugesellschaft eingereichten Bebauungsplan werden gegenwärtig die tn lebhafte Unruhe versetzt. beraten. Den Bemühungen unserer Vertreter gelang eS, die Ver- breiterung der gesamten Straßen um 1 bis 2 Meter durchzusetzen, so dah die Gesamtbreite 23 bezw. 24 Meter beträgt.- Eine Anfrage unserer Genossen, wann die Bebauung vor sich gehen solle, um die Inhaber von Lauben und Gärten vor Nachteilen zu schützen, wurde von dem Vertreter der Gesellschaft dahin beantwortet, daß sich der Zeitpunkt des Beginns bis in den Nachsommer hinziehen werde. Mit der Annahme dieses Planes ist die Hoffnung so manchen Lauben- bcsitzers dieser nunmehr schon dreijährigen Kolonie zerstört und eine große Anzahl armer Teufel dürfte Mühe und Opfer umsonst gebracht haben. Als Abschlagszahlung für den von dem Architekten Rausch auf- zuführenden Gemeindehausbau wurden dem Herrn 1100 M. be- willigt. Ueber den Vorschlag der Gemeindehausbaukommission, auf diesem Grundstück auch eine Waschküche, eine Wohnung für den Pförtner, zwei Arrestzellen und eine Freibank vorzusehen, wurde lebhaft gestritten, schließlich aber dem Vorschlag zugestimmt bis auf die Errichtung der Freibank. Dieses Projekt wurde abgelehnt.— Die Biersteuer soll nicht wie bisher von den Brauereien, sondern von den Gastwirten erhoben werden. Ein Antrag unserer Genossen um Gewährung einer TeuerungS- zulage an Lehrer, Beamte und sonstige Angestellte, und zwar an die- jenigen mit einem Gehalt oder Lohn bis 2000 M. 60 M. auszuzahlen, fand keine große Gegenliebe be» den bürgerlichen Ver- tretern. Herr v. Trützschler meinte, aus demselben Grunde müßten dann auch Offiziere und Untcrofsiziere der Armee einen höheren Sold erhalten. Herr Rehbein erklärte, das Bürgertum habe auch keine Erhöhung seiner Einnahmen und im übrigen sei auch nur eine Erhöhung der Fleischprcise eingetreten, wohingegen die Kartoffeln bedeutend billiger geworden seien. Unseren Parteigenossen war es ein leichtes, diese Scheingründe zu zerpflücken. Der Antrag wurde schließlich zum zweiten Male vertagt mit der Begründung, noch nicht genügend informiert zu sein. Des weiteren wurde von unseren Vertretern angefragt, ob die Kosten für Illumination der Schule aus Gemeindemitteln getragen würden. Selbst einer der bürger- lichen Vertreter fand es angezeigt, einen Beschluß der Gemeinde- Vertretung in dieser Sache nachträglich herbeizuführen. Der Ge- meindcvorsteher Herr Kober war jedoch anderer Meinung; er hielt eine Abstimmung darüber für überflüssig, da ja ein Fonds für der- artige Zwecke vorhanden sei. Im übrigen erklärte Herr Kober, daß wir stolz darauf seien, unseres Kaisers Geburtstag zu feiern. Unsere Parteigenossen gaben ihm den Rat, dann aber auch die Kosten persönlich zu tragen und nicht aus öffentlichen Mitteln zu decken. Die Verwendung von Schulkindern als Fackelträger beim Krieger- umzug am 26. Januar unterzogen unsere Genossen einer Kritik. Auch der Unfug des Schießens und Abbrenncns von Feuerwcrls- körpern durch Schulkinder war Gegenstand der Besprechung. Passanten und Fuhrwerke würden durch diese Unsitte in Gefahr gebracht; auch ein bürgerlicher Vertreter schloß sich dieser Kritik an. Schließlich führten unsere Genossen Beschwerde über die Ver- Wendung des Nachtwächters Röling beim Sicherheitsdienst in den Nachbarorten bei Gelegenheit der Wahlrechtsdemonstrationen am 21. Januar. Der Gemeindevorsteher beantwortete diese Beschwerde dahin, daß der Nachtwächter der Polizeibehörde unterstehe und die Ortsverwaltung keine Befugnis über ihn habe. Die Antwort auf die Frage, wer die Kosten dieser Sache trägt, blieb der Gemeindevor- steher schuldig. Zehlendorf. Die kommende» Wochen werden im Zeichen der Geineindewahl- bewegung stehen. Unsere Gegner scheinen ihre Vorbereitungen in aller Stille zu tteffen, denn an die Abhaltung einer öffentlichen Gemeindewählerversammlung haben sie sich nicht herangewagt. Nach de» Erfahrungen der letzten Jahre dürsten sie wohl nicht allzngrvtzc Hoffnungen hegen, die arbeitende Bevölkerung für ihre Sonder- interessen einzusangen. Vor vier Jahreil machte man uns noch das Anerbieten, auch etnen Arbeitervertreter auf die Kandidatenlifte zur Gemeindevcrtreterwahl zu setzen; vor zwei Jahren ist man nicht mehr auf diesen Gedanken gekommen. Natürlich hätte dieser Arbeiter um Himmelswillen kein Sozi sein dürfen, sondern ein sogenannter Paradearbeiter, der in der Gemeindevertretung mit den doini- liierenden Herren durch dick und dünn geht. DaS wäre so eilte Arbeitervertretung nach dem Herzen unserer Gegner. Nun, wir ziehen es vor uns auf eigene Füße zu stelle» und da wissen wir, daß, wollen wir etwas erreichen, wir für unsere Forderungen kämpfen müssen. Und in diesent Kampfe muß jeder Arbeiter sich auf unsere Seite stellen. Wenn die Arbeiter unseres OrteS, folveit sie gewerkschaftlich organistert sind, am Tage der Wahl ihre Pflicht tun, so ist uns der Erfolg sicher. Ein sichere« Nüttel, die gewert- schastlich organisietten Arbeiter aufzuklären und für den politischen Besreiuiigskampi zu gewinnen, besteht darin, daß dieselben sich dem sozialdemolratischen Wahlverein anschließen. Hinein in die politische Organisation! Hinein in den frischen, fröhlichen Wahlkampf 1 Zeigen wir, daß wir für unsere Ziele mit allem Nachdruck eintreten. Wir sind die Kraft, Wir hämmern jung das alte, morsche Ding, den Staat; Die wir von GotteS Zorne sind, Wir, das Proletariat! Zossen. Wie bereits im vorigen WahlvereinSbericht erwähnt, konnte» wir erst am Sonntag in öffentlicher Versammlung Protest gegen da? preußische Dreiklassenwahlrecht einlegen, da uns unser früheres Lokal wieder zur Verfügung stand. Genosse A. Stürmer- Berlin hielt das von den Anwesenden beifällig aufgenommene Referat, das er mit den Worten schloß:„Siieder mit dem preußischen Dreiklassen- Wahlsystem! Hoch das allgemeine gleiche Landtagswahlrecht!" Nach Empfehlung der bekannten Resolution wurde dieselbe einstimmig angenommen. Eine Tellersaminlung für unsere russischen Brüder ergab den Betraa von 13,20 M. Noch zu erwähnen ist. daß nach Schluß der Versammlung mehrere Aufnahmen in den Wahlverein vorgenommen wurden. Potsdam. DaS Gewerkschaftskartell hielt am 31. v. MtS. feine erst« Sitzung im Jahre ab. die gut besucht war und eine lange Tages- ordnung erledigte.— Der Vorsitzende Kurkau macht die Vor» lande einzelner Gewerksckiaften darauf aufmerksam, daß ihre Tele- zierten die Mandate nicht genügend ausübten. Würden die Organi- ationen selbst mehr darauf achten, daß die Kartellvcrtrcter ordnungs. mätzig Bericht erstatteten, so würden diese auch ihre Pflicht besser erfüllen; eventuell müßten eben andere Mitglieder delegiert werden. Dies sei z. B. bei den Steinsetzern, Tabakarbcitern u. a. notwendig. — Durch die Aufnahme der Schmiede und der schon vorher neu angeschlossenen Gelverkschaften hat sich das Kartell auf 25 Organi- fationen mit 2000 Mitgliedern vermehrt, die durch 42 Delegierte bertretcn werden.— Ans dem Bericht der Delegierten K u r k a u> Keine Erhöhung der KurkostensäNe für nichtortSangehörige Kranke. und Wesen berg über die Verhandlungen derKonferenzvon Die Vorlage, die der Magistrat auf Wunsch der Stadtverordneten- Vertretern der Gewer tschastskartrlle der Re- gicrnncfsbezirke Potsdain und Frankfurt a. Oder, abgehalten am 11. Dezember ö. I. zu Berlin, ist zu erwähnen, daß 31 Kartelle durch !M! Delegierte vertreten waren. Nur wenige Orte fehlten. Die durch die Konferenz angenommene Regelung der Unkostenfrag« der zu Konferenzen einberufenen Beisitzer an den Schiedsgerichten für Arbciterversicherung wird gutgeheißen. Ter Kartellkassierer W e s e n b e r g weist dabei darauf hin� daß wir zwar auch diese neue Ausgabe noch zu tragen vermögen, über kurz oder lang werde es aber doch notwendig werden, den jetzigen, verhältnismäßig niedrigen Kartellbeitrag zu erhöhen, um allen Anforderungen an die Kartellkasse genügen zu können. Ferner weist der Kassierer auf die Restanten hin; zur Aufstellung der Jahresrechnung sei baldig« Zahlung der fälligen Beiträge nötig. Kurkau hebt dann noch die Wichtigkeit richtiger Angabe der Mitgliederzahl hervor. Unrichtige Angaben würden wohl die Lokalkassen der Organisationen wie auch das Kartell selbst schädigen, da der abzuführende Beitrag für die Koston der genannten Konferenz nach der Kopfzahl, festgesetzt werde. Diese statistischen Angaben fehlen noch von den Buchbindern, Steinmetzen, Töpfern und Steinsetzern. Die Zweckmäßigkeit der Weisitzerzusammenkünfte wird zum Schluß der hierüber gepflogenen Debatte allgemein anerkannt.— Eine weitere kurze Aussprache zeitigte die I n n u n g s- A r b e i t e r k a m m e r. Von dsn beiden Beisitzern könne der Klempner Hannemann wiedergewählt werden; für den Maurer Bell sei wegen Verzugs die Aufstellung eines neuen Kandidaten notwendig.— Hierauf folgten, eine Reihe ge- schäftlicher Mitteilungen über Vorträge u. dergl. Mit Frau Margarete Walkotte soll wegen Abhaltung eines Volks- .Kabarettabc nds in Unterhandlung getreten werden.— Von der Tarifkündigung der Töpfer zum 1. April er. wird Kenntnis genommen; mehrere andere Berufe planen ebenfalls Tarifbewegungen. Mit besonderem Interesse wird nunmehr der Bericht F l o h r s über seine Teilnahme am Tabakarbeiter- kongretz in Berlin entgegengenommen.— Für den Russen- fonds sind beim Kartell 120 M. eingegangen. Kurkau er- klärt hierzu, daß einzelne Gewerkschaften nicht auf die Listen ge- zeichnet, sondern größere Beträge ohne Vermittelung der lokalen Sammelstelle direkt an den Parteikassierer oder die Parteizeitungen gesandt hätten, das sei nicht richtig. Besser und übersichtlicher wäre � es, wenn alle für einen bestimmten Zweck gesammelten Gelder eines Ortes auch durch diesen insgesamt abgeführt würden. Wesen- berg erwidert darauf, daß bei dem gerügten Verfahren keine Nebenabsicht obgewaltet habe. In Zukunft müsse die Sache besser bekannt gemacht resp. organisiert werdem— Einen hierauf folgenden Hinweis Dreschers auf die Wichtigkeit der Diskussion über den Generalstreik beantwortet Pruschiuski, der aus- führt, daß der Wahlvereinsvorstand sich ebenfalls schon mit diesem für die moderne Arbeiterbewegung bedeutungsvollen Thema bcschäf- tigt habe und in nächster Zeit in Verbindung mit dem Kartell einen Bortrag über den«Generalstreik arrangieren werde.— Den Schluß der interessanten Sitzung bilden ausführliche Erörterungen über unsere Partcipresse, von der eine entsprechende Berücksichti- gung auch der gewerkschaftlich allgemein interessierenden Vorgänge in der zweiten Residenzstadt gewünscht wird. Die Veranlassung zu diesen Beschwerden bot ein vom Genossen Staab vorgelesener Ar- tikel in Nr. 14 des„Potsdamer Jntelligenzblattes", der von einer angeblichen„T e r r o r i s i e r u n g" der Mitglieder des„Evang. Arbeitervereins" durch die freien Gewerkschaften Schauer- geschichtcn in die Welt setzt, ohne die Spur eines Beweises zu bringen.— Die demnächst stattfindende, auf der Kreis-General- Versammlung in Spandan beschlossene Konferenz von Vertretern des„Vorwärts" mit denjenigen der Parteiorganisationen in den Berliner Vororten wird hoffentlich auch wohl diesen etwas mehr „Raum" bewilligen. Tatsächlich fordern auch die eigenartigen sozialen wie politischen Verhältnisse Potsdams, ebenso wie die- jenigen Spandaus, eine größere Berücksichtigung durch die Partei. presse: dazu gehört aber auch eine vermehrt« Unterstützung durch die organisierte Arbeiterschaft. Diese trägt selbst einen großen Teil der Schuld, daß die Dunkelmänner der hier stark protegierten Filiale des„Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie" ihre lichtscheuen Praktiken so ungeniert ausüben. ArbeiterbildungSschule in Potsdam. Wieder em neuer Verein, aber diesmal ein guter... Nach dem Vorbild der Berliner Arbciterbildungsschule hat sich auch hier vor kurzem ein Verein konstituiert, der die gleichen Ziele verfolgt. Dem neuen Bildungsverein haben sich sofort eine größere Zahl von Mitgliedern der hiesigen organisierten Arbeiter schaft angeschlossen. Ebenso hat sich der Wahlverein wie auch das Gewerkschaftskartell bereit erklärt, das neue linternehmen in jeder Beziehung zu unterstützen und zu fördern. Der Vorstand des„Vereins Arbeiterbildungsschule für Potsdam" setzt sich zusammen aus dem Vorsitzenden L a n d a h l(Maler), dein Kassierer G r u n n a ck(Maler) und dem Schriftführer Grimm(Tischler).— Aufnahmen finden an den Zahlabende« im Restaurant Ladenthin statt. Mitglied des Vereins kann jede Person werden.— An der Arbeiterschaft Potsdams und der Umgegend liegt eS nun, die neugegründete Bildungsstätte lebensfähig zu machen und sie lebens kräftig zu gestalten. Mögen sie alle die Gelegenheit benutzen, ihr Wissen und ihre Erkenntnis über das Wesen von Staat und Gesellschaft zu bereichern und auszubilden— sich selbst und der modernen Arbeiterbewegung zum Vorteil. Infolge eines Formfehlers bei Abfassung eines Testaments ist die Stadt Potsdam um ein großes Legat gekommen. Ein kürzlich verstorbenes Fräulein Stöpcl hatte der Stadt für Wohltätigkeits- zwecke eine bedeutende Summe vermacht, welche die nicht glänzend dastehende zweite Residenz recht gut hätte gebrauchen können. Nun ist aber das Testament von dem Vollstrecker angegriffen worden, weil Fräulein Stöpcl dasselbe handschriftlich niedergeschrieben und es richtig zu datieren vergessen hatte. Es lautet:„Potsdam, im Januar 1304" und bei diesem unbestimmten Datum muß die Stadt Pots- dam auf die glückliche Erbschaft Verzicht leisten, während einige ent- fcrnte Verwandte nun die lachenden Erben sind. Die Stadtver- ordnetenversammlung nahm die Mitteilung von dieser Sachlage am Freitag mit Bedauern entgegen. Serlmer j�ackrickten. Mit einem schwedische» fahrbaren StraßrnreinigungSapparat, zu dessen Bedienung nur ein Mann gebraucht wird, werden jetzt hier Versuche gemacht. Der Apparat besteht aus einem verschlossenen Zylinder, der auf zwei hohen Rädern ruht. Der Verschlußdeckel ist so konstruiert, daß er leicht mit einem Hebel zur Erde niedergelassen werden kann. Alsdann dient er dazu, den Pferdemist aufzuuehmen. Der Straßenreiuiger tritt, sobald der Deckel, der wie eine Schaufel geformt ist, gefüllt ist, aus den Hebel und fast automatisch entleert sich der Deckel durch Schließen des Zylinders. Dieser Apparat bezw. Karren soll ein schnelleres und besseres Reinigen der Straßen vom Mist usw. ermöglichen. Ei» Fegen und Zusammenschieben des Un- iats auf weite Dammflächen scheint durch den Apparat vermieden zu werden, so daß er besonders bei trockenem Wetter der lästigen Staub- entwickelung entgegenwirkt. Dir Rettuugsgeräte an den hiesigen öffentlichen Wasserläufen sind im Jahre IVOS in 28 Fällen zur Rettung Ertrinkender in An- wendnng gekommen und zlvar 18mal mit und Ivmal ohne Erfolg. Außerdem sind die Geräte. neumnal zur Bergung von im Wasser treibenden Leichen Ertrunkener benutzt worden. Versammlung bezüglich der Erhöhung der Kurkostensätze für nicht in Berlin wohnende Kranke bei der Unterbringung in Berliner Kranken- Häusern eingebracht hatte, ist von dem Ausschuß der Stadtverordnetem Versammlung mit großer Mehrheit abgelehnt worden. Die Mehrheit de? Ausschusses stellte sich auf den Standpunkt, daß der finanzielle Effekt der Erhöhung der Kurkosten für Berlin nicht ins Gewicht falle, und daß man die Vororte liberal und entgegenkoinmend behandeln müsse. Zum Berichterstatter wurde der Stadtverordnete Singer gewählt._ Die Nachricht von der Ergreifung des Mörders Hennig war eine verfrühte, sie hat sich nicht bestätigt. Eine ganze Anzahl Perlenen wurden als der mutniaßliche Hennig sistiert, aber der richtige Hennig erfreut sich noch der goldenen Freiheit. Es erregt in allen'Kreisen Staunen und Verwunderung, daß es Hennig nach seiner Ergreifung gelang, tpieder zu entwischen, und wenn man die Berichte über die verwegene Flucht liest, glaubt man ein Kapitel aus dem tollsten Hintertreppenroman vor sich zu haben. � Die Kriminalpolizei kannte schon seit einiger Zeit den Mörder des Kellners Giernoth, sie war ihm auf der Spur, da glaubte sie es besonders geschickt anzufangen, daß sie Steckbrief und Bild in einigen Zeitungen veröffentlichte. Eine Zeitung, der„Lokalanzeiger", tat dies schon am Sonntag, und wie gestern von der Kriminalpolizei erklärt wurde, gegen getroffene Abrede. Natürlich bildete diese Veröffentlichung nur eine Warnung für Hennig. Aus den Montags- zcitungen erfuhr Hennig zuerst, daß er nicht bloß als vielseitiger Schwindler, sondern auch als der Mörder des Kellners Giernoth gesucht wurde. In der richtigen Voraussetzung, daß er überall auf die Polizei' stoßen werde, sobald er Berlin verlasse, blieb er noch hier. Er kaufte sich alle Montagsblätter mit seinem Bildnis, las sie und schloß sie dann in seinen Koffer ein. Für geraten hielt er es, rasch seine Wohnung zu wechseln. Um die neue wenigstens die ersten Tage nicht verlaßen zu brauchen, nahm er in seinem Koffer einige Lebensmittel: Brot, Wurst und Zwiebeln dorthin mit. Inzwischen wurde die Verfolgung Hennigs fortgesetzt. Die ganze Nacht hindurch erhielt die Kriminalpolizei wieder Meldungen, nach denen der Verfolgte, wenigstens ein Mann in Hemdsärmeln und Mütze, bald hier bald da gesehen worden sein sollte. Die meisten Anzeigen kamen aus Tempelhof. Alle Spuren wurden sofort ver- folgt, aber noch keine führte bisher zum Ziel. Gestern früh teilte nun ein Schulfreund Hennigs, der ihn genau kennt, mit. daß er ihn in anderer Kleidung in der Kopernikusftraße gesehen habe. Hiernach trägt Hennig jetzt nocb kein Jackett, aber bereits einen Ueberzicher und dazu noch die Mütze und die Latschen des Schuhmachers Krause. Wenn der ehemalige Schulfreund recht gesehen hat, so muß der Verfolgte in der Tat im Laufe der Nacht auch in Tempelhof gewesen sein; denn eine Meldung von dort gibt genau dieselbe Beschreibung an. Daß er sich nach der Kopcrnikus- stratze gewandt hätte, wäre nicht zu verwundern, weil er jene Gegend von seinen Stelldicheins und anderen Schlvindeluntcrnchmungen genau kennt. Als er seinen Schulfreund sah und erkannte, kehrte er sofort um und entfernte sich eilig nach dem Laubengelände an der Kopernikusstrahe hin. Sein Bekannter hielt es für zwecklos, ihm dorthin zu folgen, benachrichtigte vielmehr die Polizei von seinen Wahrnehmungen. Es ist wahrscheinlich, daß Hennig einmal mit neuer Kleidung versehen, versuchen wird, zu Fuß aus Berlin heraus nach den Vororten zu konnnen. Er besitzt von der Umgegend Berlins gute Karten und kennt nicht nur die großen Verkehrsstraßen, sondern auch die Feldwege und verborgenen Stege. Darauf wird man in den Vororten zu achten haben. Unterdessen' zeigt die Sichtung der Briefschaften und Schrift- stücke, die Hennigs Kofferchen und Tasche enthielten, den gefährlichen Verbrecher immer noch von neuen Gesichtspunkten. In der letzten Zeit hat er auch die Erpressungen, in denen er sich vor Jahren schon versuchte, wieder ausgenommen, wenigstens sich dazu angeschickt. Während er sich aber früher mit kleinen Leuten begnügte, lassen die hochklingenden Namen, die er sich in solchen Schriftstücken jetzt bei- legte, darauf schließen, daß er jetzt höhere Kreise vornahm oder vor- nehmen wollte. Die Verbrecherjagd an der Kopernikusstratze ist erfolglos ge- blieben. Das ganze Land und alle Lauben, ebenso die Neubauten gegenüber wurden gründlich durchsucht, aber nirgends fand man eine Spur von Hennig. Daß in mehreren Lauben Leute genächtigt hatten, war zu sehen, aber das kommt sehr oft vor. Jetzt sucht man mit einem größeren Aufgebot in Weitzensee. Dort ist, wie hierher mitgeteilt wurde, ein Mann gestern vormittag gesehen worden, auf den die Beschreibung des Verfolgten paßt. Er trug Latschen und Mütze und ging in Hemdsärmeln mit dem Ueberzieher auf dem Arm. Es wird vermutet, daß sich Hennig dem waldreichen Teil der Umgebung Berlins zuwendet._ Die Tragödie an der Auschlagsäule.„Liebes gutes Trudchen, komm doch sofort, alles in Ordnung. Dein Paul und dein Vater I" Diesen Aufruf konnte man gestern und heute an den Anschlagsäulen lesen. Ein ganzes Drama verbirgt sich unter diesen wenigen Worten. Es handelt sich lvohl jedenfalls um ein junges Mädchen, eine Braut, die ihren Verlobten und ihren allen Vater verlassen hat. Vergeblich harren die Angehörigen auf die Rückkehr oder auch nur auf ein Lebenszeichen der Verschwundenen. Vielleicht ist sie in der Absicht davongegangen, sich das Leben zu nehmen. Ob der rote Zettel an der Anschlagsäule früh genug erschienen ist? Oder war es schon zu spät? Zum Raubmord in Reinickendorf. Die gerichtsärztliche Unter- suchung in Reimckendorf. die gestern nachmittag Kreisarzt Dr. Schulz in Gegenwart der Vertreter des Gerichts, der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei an der Leiche der Frau Gordh ausführte, hat ergeben, daß die alte Frau nicht, wie von anderer Seite berichtet wurde, mit einem Hammer oder einer Eishacke, sondern mit einem scharfen Werkzeug, dem Beil, das in dem.Küchenraum lag. nieder- geschlagen und getötet worden ist. Wie schon die Besichtigung der Leiche zeigte, war der erste wuchtige Schlag von der rechten Kopf- scite, der die Schädeldecke zertrümmerte und das Gehirn bloßlegte, sofort tödlich. Die anderen wurden auch nach dem Befunde der Obduktion dem Opfer wahrscheinlich erst beigebracht, als es schon am Boden lag. Max Gordh wurde gestern unter dem dringenden Verdacht, seine Mutter ermordet und beraubt zu haben, der Staats- anwaltschaft beim Landgericht II vorgeführt. Er bestreitet zwar nach wie vor die grausige Tat, kann aber die schon mitgeteilten Verdachtsgründe nicht entkräften und fein Alibi für die Zeit von 2 bis 1 Uhr nachmittags nicht beweisen. Die Selbstmordchronik von gestern ist wieder sehr reichhaltig. Eine tragische Aufklärung hat das rätselhafte Verschwinden der 72 Jahre alten, unverheirateten Näherin Mathilde Brennmehl ge- fanden. Vor einigen Wochen entfernte sich die Greisin heimlich aus ihrer Wohnmtg in der Wasscrtorstraße 60. Die Bedauerns- werte hatte vor ihrem Verschwinden geglaubt, sie werde stets von Mördern verfolgt. Sie hatte einen Brief zurückgelassen, in welchem sie schrieb, sie gehe lieber freiwillig in den Tod, als daß sie sich von einem anderen Menschen umbringen lasse. Kürzlich wurde nun aus der Spree an der Charlottenburger Brücke die Leiche einer älteren Frauensperson gelandet. Die Tote war bereits derartig ent- stellt, daß es nicht gelingen wollte, ihre Persönlichkeit festzustellen. Erst jetzt vermochte man dies auf Grund eines bei der Leiche vor- gefundenen Hausschlüssels. Es handelte sich um die verschwundene Greisin. Die wahnsinnige Furcht vor dem Gedanken, sie könne er- mordet werden, hatte die Unglückliche in den Tod getrieben.— Einen doppelten Selb st Mordversuch unternahm die 19jährige Alwin« E. Das junge Mädchen hatte bei einer Familie B. in der Oranienstraße 143 gewohnt. Gestern nachmittag schloß sie sich in ihr Zimmer ein und vergiftet« sich mit einem großen Quantum Normalschlaspulver. Als hierdurch der ersehnt« Tod nicht herbeigeführt wurde, schnitt sich die junge Selbstmordkandidatin auch noch die Pulsadern auf. Bewußtlos fand man die Lebensmüde später am Fußboden liegen. Sie wurde sofort in das städtische Krankenhaus in der Gitschinerstraße gebracht. Ihr Zustand ist fast hoffnungslos. Das Motiv der Tat ist angeblich auf unglückliche Liebe zurückzuführen.— Aus Verzweiflung über ein unheilbares Lungenleiden Selbstmord verübt hat gestern der 38jährige Arbeiter Max Schwabe aus der Juliusstratzc 27. Schon seit langer Zeit war der Bedauernswerte lungenleidend und in den letzten Wochen mußte«r so furchtbare Oualen erdulden, daß er be- schloß, seinem Leben ein schnelles Ende zu bereiten. Während seine Frau abwesend war, jagte sich Sch. eine Revolverkugel in die rechte Schläfe. Der Tod trat auf der Stelle ein. Für Unterhaltung. Für 10 Pfennig wöchentlich kann jeder Parteigenosse für sich und seine Familie eine gute und lehr- reiche Unterhaltungslektüre erhalten, wenn er die im Verlage der Buchhandlung Vorwärts erscheinende illustrierte Zeitschrift„In Freien Stunden" bestellt. Der im Januar begonnene Roman„Der verlorene Sohn" ist einer der besten Romane der Neuzeit, der auch sicherlich den allgemeinen Beifall der Lefxr finden wird. Wir empfehlen daher allen Lesern das Abonnement auf„In Freien Stunden", wenigstens sollte sich jeder ein Probeheft kommen lassen, das der Verlag und alle Parteibuchhandlnngen, Partei- spediteure und Kolporteure gratis zur Ansicht zustellen. GencKts-Leitung. Mord? Vor dem Schwurgericht stand gestern die 38 Jahre alte Uhrmacherfrau Elisabeth Howritscheff geborene Weber unter der Beschuldigling, durch Lysol am 30. November ihre sechs- jährige Tochter Ekaterina vorsätzlich, aber ohne Ueberlegung getötet und ihren sieben Jahre alten Sohn Meleti zu töten versucht zu haben. Die Verhandlung entrollte ein unsäglich trübes Familien- bild. Die Frau hatte unter der Roheit ihres Mannes unendlich zu leiden. Sie faßte den Entschluß zu sterben und ihre Kinder durch Tod vor einem ähnlichen Schicksat zu bewahren, wie sie es gehabt hatte. Der Staatsanwalt plädierte ans schuldig. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Oskar Korn legte den Geschworenen mit warme» Worten nahe, ob eine Frau, die derartige Schicksale hinter sich habe und schließlich in der Verzweiflung einen un- überlegten Schritt unternehme, nicht doch in einer Bewußtseins- t r ü b u n g gehandelt habe, die einen vorübergehenden Ausschluß der freien Willensbestimmung zur Folge hatte. Ihre ganze Handlungsweise erscheine von vornherein vernunftwidrig und könne nur daraus erklärt werden, daß sie in einem vorüber- gehenden Zustande einer krankhaften Störung der Geistes- tätigkeit gehandelt habe. Die an Leib und Seele gebrochene und durch die vielen Schicksalsschläge innerlich zerrüttete Frau habe eben vor der Tat jede Entschlußfähigkeit verloren und die Tat in einem solchen Augenblick begangen. Die G e- schworenen kamen nach längerer Beratung zu einer Ver- ncinnng sämtlicher Schuldfragen. Die Angeklagte wurde deshalb auf Kosten der Staatskasse freigesprochen und ihre Ent- l a s s u n g aus der Uiitersuchiliigshaft angeordnet. Zu be- dauern ist, daß der rohe Ehemann nicht wegen intellektueller Veranlassung der Familientragödie angeklagt ist. BHefKarten der Redahtfon. A.®. Fürsorgeftellen für Lungenkranke sollen Unbemittelten dienen. WaS die Recherche bezweckte? Fragt sich, waS Sie von ber Fürsorgestelle erbeten habem— Else. Unterricht im Französischen bei gute m Lehrer ist besser als Selbstunterricht nach Unierrichlsbricscn.— E. E. 7. Stadtrat Krugs Testament oermacht der Stadt Berlin rund 1 Million Mark zu Wohltätigteitszwecken, z. B. MterSversorgungsanstalt. Krugs Verwandtschast kennen wir nicht.— K. L. IVO. Hohcnlychcn, Heilanstalt für skrophulöse und tuberkulöse Kinder. 2 M. pro Tag. Keine Freibetten. Eventuell zahlt die Armenverwalwng. Meldung: Universitätsllinik für Orthopädie, Am ZirluS S._ Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion. Rindfleisch la 63—66 pr. 100 Pfund, Ha 54—62, [IIa 49—53, IVa 39— 47. Kalbfleisch la 82— 90, IIa 65— 80, lila 55— 64, Hammelfleisch la 63—73, Ha 57—62. Schweinefleisch 74—80. Rotwild Psimd 0,40—0,52, Damwild 0,45—0,60. Hasen Stück 3,70—3,80. Kaninchen Stück 1,00—1,15. Hühner pro Stück, alte 1,60—3,00, junge 1,25—1,50, do. IIa 0,00—0,00. Tauben, junge 0,50— 0,75, alte 0,45—0,50. Enten. junge 0,00. Gänse pr. Psd. la 0,00—0,00, Aa 0,00—0,00, russisciic 0,40—0,60 M. Schellfische 00—00 M., Flunder 10—18 M. pro 100 Pfd. Hechte 111—112 M. Schleie, unsort. 117 M. Aale, groß 00,00, mittel 00,00, Plötzen 42—44 M., Karpsen 0,00, Rheinlachs 0,00, Seelachs 00,00 pr. 50 Ko. Schottische Vollheringe(gesalzen) 40— 44 M. Eier, Schock 4— 4,25. Bulter pro 100 Pfund la 118—120, IIa 114—118, lila 110—114, abfallende 00—00. Kartoffeln pr. 100 Psd. rote 2,00—2,20, Rosen 0,00—0,00, blaue 0,00—0,00, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock 7,00-12.00. Weißkohl pr. 100 Psd. 2,75-3,25, Rotkohl pr. Schock 6.00-10.00. Holl. IS— IS M. Saure Gurken, Schock 2,00 M., Pjestergurken 2,00 M. «vitteruunSiiderftciit vom 7. Februar>906, morgen« 8 Uhr. Slastonen Q~ c 3 8)— 5 H a« «eller Swinemde. Hamburg Berlin Fraukj.a.M. 766N München>765 NW Wien!761W 764W 766 SW 765 NW 1 bedeckt 3 wolkig 2 bedeckt 1 bedeckt 3 Schnee 2 Schnee i»SZ e S- ä II w S- — 0 1 — 1 0 —4 — 0 Stationen o 2 tr 5 a— Haparanda 1 752 SSW Petersburg 767 S Sdlll) 723 NNO Aberdeen 765 W Paris 769 NNO «Bettet tos c% Ä(1 f* w s> 4 bedeckt 2 Regen? 2halbbd. 1 halb bd. 1 bedeckt — 1 -8 7 8 -2 Wetter-Prognose für Donnerstag, den 8. Februar 1»««. Vorherrschend wolkig mit Schneefällen und mäßigen nordwestlichen Winden; Temperatur wenig verändert. Berliner Wetterbureau. 807 V Eduard Möller Rute, JVlützen, pdzwaren Rirdors, Kergstr. 84. Leih-Haus Charlotten bürg, Friedrich- Karl> Plai, 12, Iterlin, Auklamer-Straste 8. Beleihung von Brillanten, Gold- und Siwersachen. Uhren, Büchern, Wäsche, Kleidungsstücken-c. 3S4V Aeltesies kons. Leihhaus Charlottenbnre, WilmersdOFferslr. 40 1. Hohe Beleihung. Oiskr. Sprechzimmer Emil Hoegner CranewaldsMe 108. Wüsche-, Weiß-, Woll- und nannfaktnrtvaren. Torgezeichnete nnd fertige Hundarbelten. Herren«Artikel. Mitglied von 8 Rabatt- u. Sparvereinen. 268V* Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für de» Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: VorwärtsBuchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.