Nr. 35. nMonementt'lledlnQniwn: Abonnements■ Preis pränumeranbo: «irrteljShrl. 3,30 SKf, ntonofl. 1,10 Ml. «vichenllich as fffl. frei WS Haus. Cinjdnt Nummer 6 vf«. EonntagS. inmimer mit illusir, erler EonntagS- Beilage.Die Neue Welt' tv Pjg. Post- Sibonnement:>,1» Marl pro Monat. Eingetragen w die Post- ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 3 Marl, sür da« übrige«uSIand t Marl pro Monat. SS. Jahrg. enchtl»« agil» ssitk«Sil,». Berliner Volksblnkk. Bit Inltrtlons-GrtOljr », trügt für die sechSgesdallene Nolonel- ,«ile oder deren Raum 40 Pfg.. für politische und gewerlschaftliche Vereins- und SersammlungS. Anzeigen 2i Psg. „Aieine Hnreigen". da» erste sselt- gedruckte)«ort lo Psg., jedes weitere Wo« 6 Psg. Worte über IS Buchstabe» Sühlen sür zwei«orte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Weltlagen bis ä Uhr dormillags»eöksnet. Telegramm. Adresse- „S«tiiM(»lini Sskii»". Zentralorgan der rozialdemokratt leben parte» Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68, Lindenetraesc 69. Zhernsprccüer:«int IV. 9lr. ItlRa Expedition: SM. 68» Lindenetrasse 69. »eniftircrtier:«in» IV. Wr. lüSt. Der Massenmord in den baltischen Ostseeprovinzen. DaS, was soeben in den Ostseeprovinzen vorgeht, hat bisher noch kein Winkel des blutenden Zarenreiches in solchem Maße erlebt. Die Massenmorde im Kaukasus, in Odessa, St. Petersburg, Moskau und anderwärts, ebenso die vielen Judenmassakres verbleichen vor den gegenwärtigen Greuel taten der russischen Regierung in den baltischen Ostsee Provinzen. Nicht selten liest man jetzt in der bürgerlichen deutschen Presse das Klage- und Jammergeschrei der baltischen Junker und der junkerhaften deutschen Fahnenträger des russischen Absolutismus. Da liest man von„roten Ereig nissen", die nur in den Köpfen dieser Helden, aber nicht»n der Wirklichkeit eristieren und die stets in den unverschäm testen Lug- und Trugbildern aufgetischt werden. In Nr. 216 des„Vorwärts" vom vorigen Jahre brachten wir im Leitartikel ein kleines Bild von den sozialpolitischen Zuständen in den baltischen Ostseeprovinzen, worauf die deutsche reaktionäre Presse, besonders natürlich die baltische, ein empörtes Wutgeheul anhub. Was nun in Wahrheit die Revolution in den baltischen Provinzen anbelangt, so war sie im Gegensatz zu der all russischen Revolution bis zum November 1905 eine friedliche. Die Gemeindeverwaltungen erklärten sich nach einem Kongresse der Volksvertreter in Dorpat und Riga un- abhängig von der russischen Regierung, indem sie ein neues Verwaltungspersonal jvähltei?, in den Volksschulen die Landessprache einführten und Kommunalabgaben nach einer Proportionaltaxe zu zahlen beschlossen. Es wurde auch pro jektiert, den Gutsbesitzern ihre Güter mit Hülfe der Kom munalkassen abzukaufen, um sie an das Volk zu verteilen. Außerdem waren noch diese und jene Spezialfragen, die keine besondere Bedeutung haben, in Erörterung. Was die Einäscherung einiger Güter und Q gebäude betrifft, so waren das ausschließlich die Taten der von den Junkern gepeinigten Deputanten und böswilliger Individuen, mit denen die Revolution und das Volk im all gemeinen nichts �u schaffen hat. Weder diese noch jene wirb liche Revolutronspartei war bei den Brandstiftungen der Gutsgebäude tätig. In den meisten Fällen— wie sich . jetzt herausgestellt hat— haben die Gutsbesitzer selbst die Brandstiftungen bewirken lassen, um dadurch aus den Kassen der Versicherungsgesellschaften große Summen zu erhalten und alles auf die Revolutionäre wälzen zu können. Es wären hier eine ganze Menge solcher Fälle anzuführen. Es sei nur der Fall des Herrn B. v. Roth in Runa(bei Werro) erwähnt. dessen Häuschen kaum 400 Rubel wert war. Als eS dann aber abbrannte, erhielt er 1000 Rubel von der Versicheru gesellschaft ausgezahlt. Auch die Herren Hammer in Tolama. v. Sievers in Livland, Baron Mcdem in Kurland sollen sich ähnlich bereichert haben, und nachher schreien sie:„Diese ver- fluchten Revolutionäre haben unser Vermögen vevnichtetl" Dieses Junkertum nahm die friedliche Revolution des Esten- und Lettenvolkes zum Vorwande, um samt den russischen Reaktionären mit Gewalt in die Bewegung ein- zugreifen. Es ist allgemein bekannt, daß die gräßlichen Bluthunde der russischen Autokratie aus dem baltischen Junkertum stammen. General von Wahl, Baron Medem, Baron Stackelberg, die Polizeihunde von Plehwe, Baron Nolken, ja selbst Graf Witte an der Spitze, das sind alles Personen, in deren Adern baltisches Jiinkerblut fließt. Und die Mordbuben jetzt in den baltischen Ostseeprovinzen: Baron Korff, die Offiziere v. Stein und Baron KaulbarS usw. sind baltische Deutsche. Der gräßliche Massenmord in diesen Provinzen ist nur den provozierenden deutschen Junkern zu- zuschreiben, die sich damit aber auch das Grab ihrer Herrlich- keit geschaufelt haben. Durch die Provozierung der entsetz- lichen Blutszenen haben sie sich selbst die Schlinge um den Hals geworfen. Ihre Politik in Rußland ist gerichtet auf immer— das scheint sicher.— Nun zu den Schauderszenen, deren Augenzeuge Schreiber dieses war: Einige Tage vor Weihnachten kam ich nach der Stadt Walk, wo ich einen Auftrag zu erfüllen hatte. Man sagte inir in Lanemetz, nicht weit von der Stadt soll der Offizier Baron Korff einen meiner Bekannten, den Volksschullehrer Eichenbaum, verhaftet haben: gerade seien die Soldaten mit ihm da. Ich ahnte Schlimmes— und begab mich sofort nach Lanemetz. Dort angekominen, hörte ich, daß Baron Korff Herrn Eichenbaum, den Küster der russischen Kirche und den neu erwählten Gemeindeältestcn zum Tode ver- urteilt habe. Beim Gerichtshause angelangt, sehe ich eine Szene, so gräßlich, wie ich sie nie im Leben gesehen habe: Die drei erwähnten Personen werden unter den Hieben der be- soffenen Soldaten zum Tclephonpfostcn geführt, dort ange- Kunden und auf den Befebl des besoffenen Leutnants Baron Korff erschossen! Man erschoß sie alle drei nur deswegen, weil der Gutsbesitzer sie dem Offizier als Sozialdemokraten genannt hatte! Es wurde kein Zeuge verhört, kein Protokoll geschrieben, sondern ganz einfach gemordet. Der Küster wollte noch, als er bereits an den Pfosten gebunden war, das Abend- mahl haben, worauf Baron Korff aber stolz erwiderte:„Wird nicht gestattet, weil Du ein Revolutionär bist!" Von den drei Erschossenen war aber keiner als Revolutionär tätig gewesen. Nur zwei von ihnen gehörten zu den Sozialdemokraten. Ge- nosse Eichenbaum sprach noch vor der Erschießung mit lauter I Stimme:„Genossen und Freunde! Ich habe nur still, ohne I aktiv aufzutreten, gegen die Raubpolitik des Zarismus ge- wirkt, und man will mich dafür hinrichten. Ich sterbe, aber Ihr sollt rächen! Ich sterbe an den mörderischen Kugeln des Zarisinus, aber meine Idee lebt weiter, und mein Schatten wird diese Henker erschießen. Jeder Tropfen unschuldigen Volksblutes erzeugt Hunderte von Rächern. Hoch lebe die Freiheit und das Recht des Volkes! Hoch lebe die Sozial- demokratiel Lebt wohl, Ihr teuren Freunde und Genossen! Gebt Feuer, Ihr Halunken!" Feierliche Stille herrschte nach diesen laut gesprochenen Worten. Alle Anwesenden fielen wie im Gebet auf die Knie. Die Salven der Soldaten knallten, und die Opfer auf dem Altar der Freiheit ließen ihre Köpfe sinken: sie waren tot. Die Anwesenden erhoben ihre Hände wie zum Racheschwur und entfernten sich vom gräßlichen Schauplatze. Eine noch weit gräßlichere Mordgeschichte ereignete sich am 9. und 10. Januar zu Fcllin in Livland. Hinter der Stadt wurde ein großes Grab gegraben, und auf den Rand dieses Grabes wurden immer je zehn Personen geführt, auf die Knie niedergedrückt und erschossen. Ihre Leichen fielen selbst ins Grab, und es wurden wieder neue aus dem Ge- fängnisse geführt und ebenso erschosien. Man sagte mir, daß nicht wenige von den Erschossenen noch am Leben waren und im Grabe stöhnten, als die Soldaten auf Befehl der Obrigkeit (worunter auch die bedeutendsten Junker waren) die Erde aufschütteten. Noch viel abscheulicher waren die Fälle, in denen Frauen samt ihren Kindern erschossen wurden, weil sie nicht wußten, wohin der Mann, der Vater vor den Mördern geflohen war? Solcher Fälle sind mir mehr als zwanzig in Estland. Liv- land und Kurlandbekannt. In Ob erprahlen wurden drei Frauen, deren Männer geflüchtet waren, vergewaltigt, aneinander- gebunden und dann erschossen. Bei Fellin sind mir 35 Fa- milien bekannt, die erbarmungslos erschossen wurden und deren Vermögen von den Soldaten und Offizieren geraubt wurde. In Fellin wurde der Redakteur einer estnischen Zeitung so lange gepeitscht, bis er starb. In Estland hat ein junger Offizier— Herr von Stein— alle diejenigen er- schießen lassen, die von den Gutsbesitzern als Revolutionäre angezeigt waren.„Wir erschießen nach der Liste," hat er selbst gesagt. In einer Bauerngemeinde erscheint so ein Mordbube mit seinen Soldaten und verlangt die Ausliefe- rung der Leute, die von den Baronen in die Liste eingetragen sind. Weiß der Gemcindeälteste von denselben nichts zu sagen, so wird den Soldaten der Befehl gegeben, das Bauern- gesindel zu plündern. Dann wird bombardiert und alles angezündet. Die am Leben gebliebenen obdachlosen Familien werden auf Verordnung des Generalgouverneurs verhaftet und weit nach dem nördlichen Rußland verbannt! Bei Goldingen und Libau ließ der Generalgouverneur von Beckmann ganze Dörfer verwüsten und abschlachten. Nicht selten waren die Fälle, daß von einem Offizier alte Weiber auf der Straße erschossen wurden, weil sie ihn nicht militärisch grüßten! Bei Narva wurde ein alter Mann mit seinem Sohn inmitten des Weges auf den Befehl des Offiziers erschossen, weil der Sohn— ein Gymnasiast— ihm als Revolutionär verdächtig erschien. Nachdem sie von zwei Salven noch nicht tot liegen blieben, ließ der Offizier sie mit dem Säbel erstechen. Die Leichen der erschossenen oder erhängten Weiber und Kinder wurden gewöhnlich von den Mördern liegen gelassen. Aber es war auch möglich, die Herren Mörder zu bestechen. Nicht wenige Dörfer haben sich mit Geld und Wodka das Leben erkauft. Meine Familie rettete ihr Leben mit einigen hundert Rubeln, aber auf wie lange Zeit? Das ist un- bestimmt. Ich weiß hundert Fälle, in denen Leute sich mit 20 bis 50 Rubeln das Leben erkauften. Die Offiziere. Gene rale, Gouverneure, Polizeibeamten, Richter, Junker, mit einem Wort, die ganze machthabende Bande in den baltischen Provinzen ist käuflich und bestechlich, räuberisch und mörderisch veranlagt. Es sind einfach keine Menschen, sondern Bestien in Menschenhäuten. Ich habe persönlich mit diesen bestia- tischen Offizieren gesprochen und mich erkundigt, wie sie so etwas fertig bringen. Sie haben mir alle von ihren Weiber- und Kinderhinrichtungen als von wichtigen Heldentaten ge- sprachen! Sie haben eine gewisse Freude an diesen Henker- taten gehabt, und sie erzählten, wie sie auf dem Gute vor den Hinrichtungen mit den Gutsbesitzern gesoffen und Karten ge- pielt, und wie der Plan der Erschießungen gemeinschaftlich mit den Herren Baronen besprochen wurde! Es �raut einem, die Erzählungen dieser Schandbuben zu hören, die in der Mandschurei in den Sanitätswaggons mit den Prosti- tuierten soffen und praßten, während die Soldaten Hungers tarben. Einer von ihnen berichtete sogar, wie viele ! grauen und Mädchen in den Ostseeprovinzen er noch schnell vor der Erschießung vergewaltigt, und welche Genüsse er dabei empfunden habe! Es brannte in mir vor Wut, so daß ich ihn gern auf der Stelle erschossen hätte: aber ich hatte noch wich- igere Missionen zu erfüllen, so daß ich mich beherrschen mußte. Das sind alles nur einzelne Tatsachen aus der unendlichen Menge derartiger Morde und Schandtaten, die in den baltischen Provinzen vom russischen Militär und dem baltischen Adel verübt ivurden. Und nun schreien sie in die Welt hinaus: Die Rebellen, die Brandstifter und Verbrecher l Wir werden sie beruhigen l" Ich habe in der deutschen reaktionären irgend eines anderen derartigen Henkers habe da ober dort „die Ruhe hergestellt". Also die Kinder- und Weiber- Erschießung ist bei der deutschen Presse„Herstellung der Ruhe" I Die adligen baltischen Damen sagten mit lebhafter Freude:„Dank dem strengen Vorgehen des Militärs wird es bald ruhig werden." Nach ihrer Kirchenmoral ist die Schändung und Erschießung einer Esten- und Lettensrau nur ein„strenges Vorgehen". Ich sage aber: Die baltischen Provinzen waren bisher friedlich revolutionierte Teile des Zarenreiches. Nun sind sie vom Adel und von den russischen Truppen zum Kampf herausgefordert und es wird ein Kampf um Leben und Tod werden. Ich habe augenblicklich nicht Zeit, die Schandtaten ausführlicher zu beschreiben. Ich werde in England und in Amerika alle Details meiner Erlebnisse veröffentlichen. Die baltischen Mörder boten dem, der mich ihnen ausliefert, 15000 Rubel. Ich werde mich ihnen persönlich zur richtigen Zeit vorstellen. J. N. Die Revolution in Rußland. Der jüdische Bund und die Duma-Wahle«. Das Odessaer Komitee des„Bundes" verbreitet ein Flug- blatt, in dem die Frage der Wahlbeteiligung besprochen wird. Die Stellung der Partei zu diesem wichtigen Problem wird durch die folgenden Stellen beleuchtet. „Die Gossudarstwennaja Duma ist für niemand notwendig. nur für die zarische Regierung. Der Absolutismus, erschüttert durch die Revolution und geschwächt durch die Beivegung des ganzen Volkes, braucht eine Stütze, er braucht Geld. Witte beruft die Duma und schickt sich an, die Komödie einer Volks- Vertretung zu spielen, um damit das Vertrauen der aus- ländischen Börsen wieder zu gewinnen und eine neue Anleihe abschließen zu können. Auf die Bulyginsche Duma antwortete das Volk durch Verachtung und Boykott. Ebenso muß es auf die neue Duma antworten. Man lasse sich nicht durch die Wahlen beruhigen. Man lasse sich nicht von den Feinden des Volkes führen." „Das Volk muß der Duma einen absoluten, bedingungs- losen und rücksichtslosen Boykott entgegensetzen. Sie darf nicht zustande kommen. Es ist kein Platz für sie im revolutionären Volke. Und die schmachvolle Duma ist kein geeigneter Platz für das revolutionäre Volk!" „Wir dürfen und wir können nicht in die Duma ein- treten. Wir dürfen nicht jemand in der betrügerischen Duma die Rolle des Volksvertreters spielen lassen. Denen, die sich an den Wahlen beteiligen und die der Duma beitreten wollen, müssen wir sagen: Fort! Ihr seid Verräter! Ihr helft dem Absolutismus das revoluttonäre Volk zu bändigen! Ihr verkauft die Volksfreiheit für eine elende Ge- walt über das Volk! Verräter seid Ihr!" Bombeuattentat i« Petersburg. PeterSdur,, 9. Februar.(Meldung der Petersburger Telegrapheu-Agentur.) Heute wurde gegen ein« in einer Vorstadt gelegcnr Wirtschaft eine Bombe geworfen» wodurch daS Haus zerstört sowie zwei Personen getötet und 17 verletzt«nrden. Vach der Explofisn wnrden mehrere Schüsse abgegeben; Polizei und Truppen umstellten de» Ort. Anschlag auf«dmiral Tschuknin. Sewastopol, 9. Februar.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Der Oberbefehlshaber der Schwarzmeerflotte Sldmiral Tschuknin wurde heute in seinem Kabinett von einer unbekannten Frau durch vier Schüsse schwer verwundet. Die Täterin, die. wie angestellte Ermittelungen ergaben, von auswärt» hier eingetroffen und in einem Hotel abgestiegen war.»vnrde von dem Wachtposten getötet. Zu« Anfstavd in der Mandschurei. Ein Telegramm des Generals Linewitsch meldet: Am 2. Februar wurden in Ts-Vita 81 Soldaten deS Eisenbahn- bataillonS, die sich den Aufständischen angeschlossen hatten, ver- haftet. In der Zeit vom S. bis b. dieses Monats lieferten die Be- wohner der Stadt und die Eiscnbahnbeamtrn eine grotze Menge von Waffen ab. In den Werkstätten der Bahn fanden die Truppen blanke Waffen und Schußwaffen aller Art sowie Bomben in verschiedenen Formen, Hölleiimaschincn und 100 Pud Schießbaumwolle. Zwanzig Führer der«usständischen und lS0 Aufständische wurden verhaftet. Die Zeitungen, welche die Einwohner zur Empörung aufgefordert und auirllhrerische Pro- klamationen veröffentlicht hatten, sind verboten, ihre Leiter verhaftet und ihre Druckereien geschlossen worden. Der Post- und Telegraphen- betrieb ist nicht gestört. So ist in Tschita die Ruhe ohne Blut- vergießen wiederhergestellt worden. General Mitschenko meldet au» Wladiwostok, daß dort alles ruhig ist. Die kaukasische Polizei. Die letzten Nachrichten vom Kaukasus weisen darauf hin, daß zwischen der muselmäniiischen und christlichen Bevölkerung wiederum Reibereien bestehen, die leicht in ernste Konflikte aus- arten können, da die Anzahl der nach dem Kaukasus ent- sandten Truppen viel zu gering ist und die kaukasische Polizei nach wie vor ihr Unwesen«reibt. Diese kaukasische Polizei scheint über- Haupt die Ursache alle« dortige» Unheils zu sein. Den» das, was der mit der llutecsuchung der Unruhen im Kaukasus betraute Senator Preffe jetzt öfter gelesen, die Abteilung von Orlow oder, Kusmiilskij dem russischen Ministerrat über die kaukasische Polizei verMe».«vertrifft aveS Dagewefens. Danach soll die kaulasische Polizei auf emem geradezu unerhört niedrigen Niveau stehen. Be- stechungen und Erpressungen aller Art sind die Hauptfaktoren, mit denen sie arbeitet. ES findet sich kaum eine Person unter der gesamten kaukasischen Polizei, die solcher Vergehen nicht schuldig - J*- unterschied besteht nur in gröberer Gewandtheit und Raffiniertheit beim Ausklügeln neuer Mittel und Wege, sich auf diese verbrecherische Art zu bereichern. ES gibt, sagt Senator KusminSkij xetne Möglichkeit mit der kaukasischen Polizei in Berührung zu kommen, ohne daß man ein Opfer ihrer Erpressung wird." politiscke(lebersicbt. Berlin, den 10. Februar. Die Regierung obstruiert. Die Besprechung der„Borussia"- Interpellation, der die Regierung am Dienstag infolge der schwachen Besetzung des ganzen Hauses noch glücklicherweise entgangen war, fand heute nun trotzdem statt. Graf Posadowsky wiederholte nicht nur die Erklärung, daß es sich bei dem Grubenunglück auf„Borussia" um die Befolgung oder Nichtbefolgung des preußischen Berggesetzes handle, sondern fügte auch noch hinzu, daß für die Uebertrewng irgend welcher Reichsgesetze sich bisher keinerlei Anhalt ergeben habe, und verließ danach demonstrativ den Saal. Ihm folgte die ge- famte Rechte, weniger aus prinzipiellen Gründen als deshalb, weil von den Herren auch nicht ein einziger ge- tmgendes Interesse für das Schicksal der deutschen Bergarbeiter aufzubringen vermochte, um mitzuhelfen an der Untersuchung der Frage, wie in Zukunft so entsetzliche Unglücksfälle ver- mieden werden könnten. Genosse Bömelburg gab eine eingehende Darstellung all der Verfehlungen gegen die bergpolizeilichen Bestimmungen, die das Unglück ermöglicht und ihm zu der großen Aus- dehnung verholfen haben. Die veralteten Petroleumlampen waren im elendesten Zustande; der Füllort, an dem sie ge- brannt wurden, weder an sich genügend gegen Feuer gesichert noch jemals genügend bewässert; die Hydranten entweder gar nicht vorhanden oder doch so ungeschickt angelegt, daß sie im Bedarfsfalle nicht aufgefunden werden konnten: die Rettungs- apparate fehlten und mußten erst von benachbarten Gruben geholt werden: alles Zustände, die eine sorgfältige In- spektion längst hätte feststellen müssen, und die zu erkunden unisomehr Veranlassung vorlag, als wenige Wochen vorher unter ähnlichen Umständen an der gleichen Stelle schon ein größerer Grubenbrand ausgebrochen war. Die An- stellung von Arbeiterinspektoren, eine uralte Forderung unserer Partei, würde ein so entsetzliches Unglück wie dieses un- möglich gemacht haben, während sich jetzt Regierung und Grubenverwaltung mit den hinter diesen stehenden kapital- mächtigen Banken in die Verantwortung für den Tod der 39 braven Bergleute teilen. Dem gewichtigen Beweismaterial, das Genosse Bömelburg vorgebracht hatte, konnten sich auch die bürgerlichen Parteien nicht ganz entziehen. Die Zentrumsleute Giesberts und Erzberger, der Freisinnige L e n z m a n n und der Pole Kulerski schlössen sich, wenn auch niit geringerer Entschiedenheit, unserer Auffassung von den Gründen dieser jüngsten Grubenkatastrophe an. Herr Lenzmann bestätigte die Mitteilungen des Genossen Bönielburg über die elende Behandlung der Arbeiter auf der„Borussia" durch die Erfahrung, die er selbst bei einem Aufruhr- Prozeß gegen Arbeiter dieser Grube gemacht hatte: daß dieselbe Unglücksgrube, die so frivol mit Leben und Gesundheit ihrer Arbeiter gespielt hat, sich durch betrügerisches Wagennullen und heimliches Einschieben größerer Besörderungs- gefäße auch der schlimmsten Ausbeutung ihrer Arbeiter schuldig gemacht hat. Trotzdem besaß ein Angestellter der Unternehmer Rheinland- Westfalens, der nationalliberale Abgeordnete B c u m e r, den Mut, die Zechenverwaltung der„Borussia" durch den Hinweis auf die schlechten finanziellen Verhältnisse der Gewerkschaft zu entschuldigen. Großes Ge- wicht legte er auch aus die Tatsache, daß nach dein Unglück die Grubenverivaltung den Hinterbliebenen der Opfer ihres verbrecherischen Leichtsinns 40000 M. zur Verfügung gestellt habe, als ob man die Witwen und Waisen mit einem kleinen Geldgeschenk für den Tod ihres Vaters und Gatten ent- schädigen könnte. Genosse H u e ließ es sich denn auch nicht nehmen, den Agenten der Kapitalisten auf die Ursachen der jetzigen geringen Erträgnisse der„Borussia" hinzuweisen. Im Gründungsfieber der 70er Jahre hat man einen Raubbau an Menschen und Mineralien getrieben und übermäßige hohe Dividenden herausgeschunden— und jetzt muß man nun für die alten Sünden büßen. Genosse Hue wies noch einmal eindrucksvoll darauf hin, daß in den sieben Monaten, die seit dem Grubenbrand verflossen sind, weder durch Anklage der Schuldigen, noch durch einen der beliebten Beleidigungsprozesse gegen die„Bergarbeiter-Zeitung" Licht in die Schuldfrage gebracht worden sei. Die Rcgicrmig, die Aufsichtsbehörde fühlt sich solidarisch mitschuldig mit der Grubenverwaltung. Er weitete dann die Debatte zu einer allgemeinen Kritik der Rückständigkcit der preußischen Gesetzgebung und Rechtsprechung in den Fragen des Bergbaues aus. Er zählte die zahllosen Fälle, in denen durch schwere Schuld der Grubenherren Bergarbeiter um Leben und Gesundheit gekommen sind, ohne daß die Gerichte eingeschritten wären, unter stets wachsender Aufmerksamkeit des gesamten Hauses auf; er rechnete mit dem rhinozerosfellbehafteten Reichskanzler ab. der auf keinem Festmahl der Nimmersatten Agrariersippe fehlt, aber seine Gleichgültigkeit gegen das LoS der 600000 Bergarbeiter auch angesichts dieses traurigen E alles zur Schau trägt. Nicht ohne Grund sprach Hue die offnung aus, daß diese Brüskierung der Arbeitermassen wie des Reichstages im Lande ein lautes Echo finden werde. So endete die Besprechung der Katastrophe auf„Borussia" ganz anders als im Dreiklassenparlament, wo Regierung und Mehrheit sich in der Versicherung von der Schuldlosigkeit aller Schuldigen überboten und beinahe, trotzdem noch 25 Bergmannsleichen ungeborgen tief auf dem Grunde der Grube ruhen, auch hier zu dem selbstgefälligen Ergebnis kamen: Borussia in Preußen voran! Am Montag wird die Generaldebatte über den Etat des Reichsamts des Innern fortgesetzt. Die Handelskammern und die Reichssteuer-Vorlagen. Höchst interessant und zugleich lehrreich ist die Stellung, die in letzter Zeit eine Reihe deutscher Handelskammern zu den Stengelschen Stcucrgcsetzentlviirfcn eingenommen hat. Durchweg erklärten sie sich im Prinzip mit der Erhöhung der Steuern und Zölle auf Bier und Tabak einverstanden und fanden nur an einzelnen Bestinimungen der Lorlage dieses und jenes zu tadeln. Lediglich die Onittungs>- steuern gingen ihnen gegen de» Strich, und zwar hatten sie weniger' gegen die Besteuerung der Eisenbahnfahrkarten einzuwenden, als gegen die Besteuerung der Frachtürkunden und der Quittungen. Charakteristisch dafür ist der nachfolgende Beschlutz der Handelskammer in Oppeln. Sie erklärt sich mit der Erhöhung der Steuern und Zölle auf Bier und Tabakfabrikate, cinschlietzlich Zigaretten, ein- verstanden: dagegen kann sie einer erhöhten Verzollung des Roh- tabaks auf der Basis deS bisherigen GewichtssystemS nicht zu- stimmen. In bezug auf Bier soll sich die Erhöhung in solchen Grenzen halten, dah eine Schädigung des Braugewerbes tunlichst vermieden und dah der Gefahr einer Vermehrung des Branntwein- genusses vorgebeugt wird. Der vorgeschlagenen Steuer auf Kraft- fahrzeuge, sowie insbesondere der Beteiligung des Reiches an einer Erbschaftssteuer stimmt sie zu, ebenso der Besteuerung des Personen- Verkehrs auf Eisenbahnen und Dampfschiffen, jedoch wünscht sie, datz die vierte Klasse von der Besteuerung siei bleibt. Auss energischste aber mutz nach ihrer Ansicht der vorgeschlagenen Einführung von Steuern auf Frachturkuuden aller Art und auf Quittungen wider- sprachen werden. Die„Freie Deutsche Presse" ist mit diesem„Handel und Gewerbe schädigenden" Verhalten der Handelskammern nicht ein- verstanden. Sie meint: Ueber ihrem Bestreben, gesetzgeberische Arbeit zu verrichten, haben einzelne Handelskammern die Erfüllung der ihnen wirklich obliegenden Pflichten versäumt und anstatt, wie es das Gesetz will, den Gesetzgeber in der Förderung von Handel und Gewerbe zu unterstützen, in fast uir begreiflicher Weise die weitere Schädigung von Handel und Gewerbe befürwortet. Die überwiegende Anzahl derer, die den falschen Weg gegangen sind, haben sich— von der Begeisterung für die Erbschaftssteuer mit Heranziehung der Deszendenten und Ehegatten ganz abgesehen— für die Erhöhung der Tabak- und Biersteuer oder doch eine dieser beiden ausgesprochen. Wären diese Steuern lediglich, ihrer ursprünglichen steuervolitischen Bestimmung gemätz. Konsumsteuern, so lietz es sich ver- stehen, datz eine Handelskammer nicht gegen sie Stellung nimmt — nicht auch, datz sie durch ihre Billigung die Mehrbelastung des Massenverbrauchs gut heihtl—; ein näheres Studium der Steuern und eine eingehende Beratung mit den zunächst inter- essierten Gewerben hätte aber die betreffenden Kammern zu der Erkenntnis fiihren müssen, datz diese Steuererhöhungen auf Sondergewerbesteuern hinauslaufen, was namentlich bei der Brausteuererhöhuug in der grotzbetriebsfeind- licheit progressiven Belastung der Produzenten je nach dem Um- fange des Malzverbrauchs ganz deutlich zum Ausdruck kommt, von ihren Anhängern auch durch die Hinweise auf die angeblich so hohen Gewinne der norddeutschen Brauer und Gastwirte offen zugegeben wird. Wie ist eS möglich, dah Kauflente als solche für Sondergewerbesteucrn ein- treten. Vergessen sie denn ganz, welche Bedeutung derartige „Schritte vom Wege" haben, datz, was heute den Bier- und Tabakinteressenten geschieht, ein andermal den Interessenten jeder anderen Branche widerfahren kann? Wenn nicht die pflichtmähige Rücksicht auf die betroffenen Erwerbsstände, so hätte doch das Gebot einfachster Logik eine Stellungnahme wie die gekenn- zeichnete unmöglich machen müssen. Aber der Drang, sich politisch zu betätigen, hat noch andere unmögliche Dinge möglich gemacht: einzelne Kammern haben sich auch für einen Teil der Stempelsteuern erklärt, und die Handclskainincr von Osnabrück hat es sogar fertig bekommen, den Ouittnngs- stempel bei Empfangsbescheinigungen grötzerer Beträge zu befürworten. Wir leben, scheint eS, in einer ver- kehrten Welt: wir haben Handelsverträge, die Verträge gegen Handel und Gewerbe sind, und wir habeit Handels- kammern, die für Handel und Gewerbe belastende Matznahmen eintreten I Zu den Handelsvertretungen, deren Haltung als eine absolut verfehlte zu erachten ist, hat sich auch der Ausschutz deS von Vertretern der deutschen Handelskammern gebildeten deutschen Handelstages gesellt, der, allerdings nur mit wenigen Stimmen Mehrheit, die Erbschaftssteuer„befürwortet", sich mit einer Erhöhung der Steuern und Zölle auf Bier, Tabak und Tabakfabrikate einschlietzlich Zigaretten„einverstanden erklärt", die Steuer auf Kraftfahrzeuge„zugestanden" und gegen die Steuer auf Personenfahrkarten„leinen Einspruch erhoben" hat. Die„Freie Deutsche Presse" findet das Verhalten der Handels« kammern„unbegreiflich"; wir nicht. Im Gegenteil, nach unserer Ansicht verfahren die Handelskammern weit konsequenter, als die Herren Müller-Sagan, Eickhoff und Genossen. Sie sagen sich einfach, datz Flottenvermehrungen Ausgaben verursachen, also neue Geldmittel beschafft werden müssen. Von ihrem Jntcressenstandpunkt erscheint ihnen aber die Aufbringung solcher Mittel durch eine weitere Besteuerung des Kon- fumS der grotzen Volksmasse immerhin noch vorteilhafter als die Beschaffung durch OuittungSsteuern, die vornehmlich von ihren Mitgliedern getragen werden mützten. Zudem aber fürchten die meist in den Handelskammern den Ton angebenden Grotzhändler und-Fabrikanten, datz die Regierung, wenn die von ihr einge- brachten Steuergesetzentwiirfe rundweg abgelehnt werden, zum Vor- schlage einer Reichseinkommen- oder Reichsvermögenssteuer greifen könnte— und solcher Eventualität möchten sie sich nicht gern aus- setzen. Weit höher als das Interesse von Handel und Gewerbe steht ihnen denn doch daS ihrer eigenen Tasche.— sorgt schon das Zentrum, das allen ernsthasten Reformverfuchen bisher mit einer hinterhaltigen Politik und mit den faulsten dilatorischen Ausreden begegnet ist. Auch dem Zentrum müssen durch eine energische Volksbewegung die Bände erst noch ganz anders angetrieben werden, ehe es sein rejormatorisches Herz entdeckt." Datz durch Petitionen der herrschenden Klique im preuhischen Junkerstaaie Wahlrechtsreformen nicht abgezwungen werden können, wcitz auch die Sozialdemokratie— und sie gibt sich denn auch über die Wirkung der von den sechs preutzischen Mitgliedern des Partei- Vorstandes an den preutzischen Landtag gerichteten Eingabe keinen Illusionen hin; zur Klärung der Situation und zur Einleitung iveitcrer Aktionen oder,, wie Barth sich ausdrückt,„agitatorischer Taten" war dieser Schritt jedoch notwendig. Es mutz zunächst konstatiert werden, wie weit auch heute noch, unter veränderten Verhältnissen, Freisinn und Zentrum im Kampfe für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht versagen und die von ihnen in Programmen und Parteitagsresolutioncn erhobene Forderung der Einführung dieses Wahlrechts in Preutzeir ernst genomnien wird. veutlcdes Reich. Zum Kampf gegen das Dreiktassenwahlrecht. In der heute erschienenen„Nation" bespricht Herr Theodor Barth unter dem Titel„Wahlrechtsreformen" den von der sozialdemokratischen Partei gegen das preutzische Dreiklassenwahlrccht aufgenommenen Kampf. Die Eingabe der preutzischen Mitglieder deS Parteivorstandes an die beiden Häuser des preutzischen Land- tageS betrachtet er als eine Aktion, gegen die„an sich nichts zu erinnern" sei; doch könne der damit beschrittene Weg erst dann zum Ziele führen, wenn die Agitation gegen das elendeste aller Wahlsysteme ganz andere Dimensionen annehme, als bisher. Die Petition sei nur ein erster, schwacher Axthieb,„der nicht einmal durch die äutzere Rinde geht". Weitere agitatorische Taten mützten folgen: „Mit solchen Demonstrationen geht eS wie mit ZeiwngS- reklamen: Ihre suggestive Kraft hängt von der Hartnäckigkeit ab. mit der sie von Zeit zu Zeit unter veränderten Formen wiederholt werden. Jede einschneidende Kritik des Dreiklassenwahlsystemö ist den Nutznietzern des Klassenwahl- rechts in hohem Grade unbequem, und deswegen suchen sie die Meinung zu verbreiten, datz sich die preutzischen Gesetzgeber durch eme Volksbewegung nichts abzwingen lietzen: wenn man von ihnen etwas erreichen wolle, müsse man in bescheidenem Bittgeivande zu ihnen kommen. Diese Argumentation ist der reine Schwindel. Von einer privilegierten Kaste kann»tan durch bescheidene Gesuche vielleicht ein Almosen, aber kein Recht erlangen, das der Privilegienwirtschaft ein Ende machen soll. Dies Spiel kann die Demokratie nur gewinnen, wenn sie sich nicht scheut, auch die höch st en Trümpfe der populären Agitation aus« zuspielen. Eine Verhandlung über eine Wahlrechtsreform hat zurzeit im preutzischen Abgeordnetenhaufe nur agitatorischen Wert. Es wäre zivar sehr zu wünschen, datz sich im Abgeorduetenhausc jemand fände, der im Stil des Zolaschen„ck'accuss!'' das Dreillasscuwahlsystem parlamentarisch an den Pranger stellte, aber mit Aussicht auf parla- mentarischen Erfolg wird das gegenwärtig nicht geschehen, dafür Landtagöwahl in Schwarzburg-Rudolstadt. R u d o l st a d t, den 9. Februar.(Eig. Ber.) Unser Ländchcn befindet sich gegenwärtig in einer grotzen Aus- regung. Am nächsten Freitag, den 16, Februar, finden die Landtags- Wahlen statt und da die staatserhaltcnden Parteien trachten, um keinen Preis den„schimpflichen Z u st a n d" wieder Tatsache werden zu lassen, datz, wie im letzten aufgelösten Landtage, die Hälfte der Landtags-Abgeordneten Sozial- demokraten sind, so lätzt sich diese Nervosität begreifen. Datz aber auch wiederum unsere Genossen nicht mlltzig find und alles daran setzen, ihren früheren Besitzstand zu erreichen, ist für jeden erklärlich. Die Wahlparole ist für uns die denkvar günstigste. Bekanntlich löste die Regierung den Landtag auf, weil dieser eine Aufbesserung der heute 268 000 M. betragenden fürstlichen Kameralrentc ablehnte. Die Mehrforderung betrug pro Jahr 32 009 M,, an sich ja eine Lappalie, aber für einen Lilipntstaat, wie den unseren, immerhin eine Summe! Und wie in der in solch kleinen Staaten mit einzelnen Tausenden gerechnet werden mutz, be- weist ja, datz wir nns noch heute der vorsintflutlichen Einrichtung des ChaussecgeldeS erfreuen und ferner bereits Einkommen mit 350 M. zur E i n k o m m e n st e u e r herangezogen werden. Während man aber die kleinsten und mittleren Einkommen fast doppelt so hoch, als in Preutzeu und anderen Staaten zur Staatssteuer heranzieht, kommen die höchsten Einkommen hier besser weg, denn die Pro- gression endet bereits bei 3,6 Proz. Bei dem herrschenden Streite einer Neufestsetzung der Kameralrente des Fürsten spielen nun die Meinungsverschiedenheiten die Hauptrolle, die über die Auslegung der bezüglichen Ver- saffungSbestiinmungen bestehen. Während die Regierung und ihre Siachläufer es als das Recht des Fürsten bezeichnen, die Höhe der Kameralrente nach eigenem Ermessen zu bestimmen, stehen unsere Genossen auf dem Standpunkte, datz ein solches Recht nicht besteht. Und die Geschichte gibt ihnen recht: denn seit 1854, dem Geburtsjahre des Lerfassungsgesetzes, ist die Kameralrente stets unter Zustimmung des Landtags festgesetzt und einige Male auch erhöht worden. Was die thüringischen Duodezstaaten für ihre Fürsten aufbringen müssen, ist überhaupt unglaublich! Während in Preutzeu seitens der Bevölkerung etwa 46 Pf. pro Kopf für die AuShaltuug der Krone aufzubringen sind, beträgt diese Summe bei uns— 3 M. 58 Pf., denn zu dem an die Hofhaltung bar gezahltem Betrage von 268000 M. kommen noch 36000 M. an Äpauagc», solvie viele Taufende für Erhaltung und Versicherung der fürstlichen Schlösser, in Summa 240 000 M.— bei 95 000 Einwohnern. Das nmcht die be- stehende Finanzkalanrität erklärlich und verhindert einegenügendcÄerück- sichtigung der Volksschule. Auf diesem Gebiete existieren noch die unglaublichsten, geradez'u ostpreutzischcn Verhältnisse. Nicht selten werden noch 100, 125, ja 150 Kinder in einer Klasse unterrichtet. — Wie gesagt, wohin man sieht: Rück ständigkeit und infolge- dessen Unzufriedenheit. Sächsischer WahlrechtSreformschwindel. Die nach vertraulichen Verhandlungen zwischen Konservativen und Nationalliberalen von der Zweiten Kammer des Landtages niedergesetzte Kommission zur Beratung der eingegangenen Wahlrechts- resormvorschläge findet eine nette Arbeit vor. Eingegangen sind nicht weniger als 23 Vorschläge, die von 16 konservativen, 6 national- liberalen. 1 reformparteilichen und 1 freisinnigen Abgeordneten stammen. Am weitesten geht nach Mitteilung der„Zittauer Morgenztg." der Vorschlag der freisinnigen Abgeordneten Günther und Bär. Sie verlangen das ReichStagswahlrccht oder Rückkehr zum 1868er Landtagswahlrecht unter Verniehrung der Wahlkreise, Aushebung des Unterschiedes von Stadt und Land und Einführung von Stichwahlen. Dagegen haben die konservativen Abgeordneten, in dem Be- streben, ihrer Partei unter allen Umständen die Herrschaft zu sichern, geradezu lächerliche Vorschläge auSgetiftelt. Der konservative Abgeordnete SanitätSrat Dr. Brückner sLeipzig-Gohlis) leistet sich z. B. folgende„Reform". Er stellt die Forderung, datz daS Mindest- alter für die Wahlberechtigten auf 30 Jahre festgesetzt sowie die öffentliche Wahl und der Wahlzwang eingeführt werden. Wahl- berechtigt soll nur sein, wer über 7 M. StaatSsleuer zahlt. Nutzer- dem fordert Abg. Dr. Brückner Klassenwahl bei 20 Abgeordneten in 80 Wahlkreisen. Jeder Wahlkreis wählt in 4 Abteilungen je einen Abgeordneten: 1. Abteilung von über 7 bis 46 M. Einkommensteuer 2.„„„ 46„ 105„,„ 3.„„„ 105„ 200„ 4.„„„ 200 M. Das grotzartigste auf diesem Gebiete aber leistet der Antisemit Baumeister Encke-Leipzig. Er wartet mit einem Berufswahlsystem auf und schlägt Proportioual-sListen-jWahl vor. Im einzelnen hat er folgenden Vorschlag zusammengebaut: Gruppe 1 umfatzt alle Lohnarbeiter, diese sind zu wählen in 5 Kreisen, nämlich in jeder Kreishauptmannschaft als einem Wahlkreise. 1. Kreis: 2... 3-„ 4.„ S.„ Dresden... 3 Abgeordnete Leipzig.... 3„ zusammen Chemnitz... 2„. 12 Zwickau.... 2„ Abgeordnete. Bautzen.... 2„ Gruppe 2, alle Beamten des Staates, der Gemeinden, de Privaten, einschlietzlich der Lehrer. bis 2500 M. Einkonimen 5 Abgeordnete) zusammen b) über 2500„„ 5„ j 10 Abgeordnete. Gruppe 3, alle selbständigen Landwirte, in 5 Wahlkreisen (KreiShauptmannschaften) zu wählen. 1. Kreis: Dresden... 6 Abgeordnete 2., Leipzig.... 6„ zusammen! 3.„ Chemnitz... 4„ 25 4.„ Zwickau.... 6„ Abgeordnete. 5. r, Bautzen.... 4, Gruppe 4, alle übrigen Wähler sGelvcrbe, Kauflente, Industrie, Aerzte, Rechtsanwälte usw., Rentner, zu wählen in 4 Grotzstadt- Wahlkreisen und in 5 Landwahlkreiseu(Kreishanptmannschasten ohne die Großstädte). 1. Kreis: Stadt Dresden.. �. 5 Abgeordnete Leipzig....... 5 Chemnitz....... 2 „„ Plauen....... 1 , Kreishauptmannschaft Dresden, 6 (ohne die Stadt) m Kreishauptmannschnft Leipzig., 6 (ohne die Stadt) v Kreishauptinannschaft Chemnitz. 4 (ohne die Stadt) » Kreishauptmannschaft Zwickau, 4 (ohne die Stadt Plauen) Kreishauptmannschaft Bautzen. 4 Zusammen 84 Abgeordnete�_ s CT Ein seltsamer Stenervorschlag. Gegen die Stengelschen Steuer- vorlagen sind von Mitte Dezember Vongen Jahres bis Ende Januar dieses Jahres weitere 1ö2 Petitionen beim Reichstage eingelaufen. die teils eine Ablehnung der gesamten vorgeschlagenen Steuern aus- schließlich der Erbschaftssteuer, teils die Ablehnung und Abänderung einzelner Steuergesetzentwürfe fordern. Unter den Petenten befinden sich aber auch Leute, die sich be- rufen fühlen, die„richtigen" Steuern zu entdecken. Den Vogel ab- geschossen hat dabei eine Buchhalterin in Königsberg i. Pr. Sie verlangt eine Steuer auf den Bevölkerungszuwachs, was so zu ver- stehen ist. daß kinderreiche Familienväter eine Extrasteuer bezahlen sollen. Die Erfinderin dürfte eine alte Jungfer sein, die wegen ihrer Vernachlässigung Rache brütet.— Aus dem württembergischen Landtag. Stuttgart, 9. Februar.(Eig. Ber.) Ter Landtag beschäftigte sich nach Abschluß der Verfassungs- tevision mit der gesetzlichen Regelung des bei den Landtagstuahlen neu zur Einführung gelangenden Proportionalwahlver- f a h r e n s. Nach dem System, das der Landtag beschlossen hat, ist der Wähler nicht an die von den Parteien herausgegebenen Stimmzettel gebunden. Er kann sie mischen(p a na chi e r e n), in- dem er sich einen eigenen Zettel aus den Kandidaten verschiedener Parteien zusammenstellt. Er kann ferner Gebrauch von dem Per- fahren der„ ft u m u l i e r u n g" machen, b. h. er ist nicht ge- nötigt, einen Zettel mit 17 Namen(soviel Abgeordnete sind auf dem Wege des Landesproporzes zu wählen) abzugeben, sondern er kann einem Kandidaten dadurch, daß er seinem Namen eine Zahl beifügt oder ihn mehrmals Hinschreibt, mehrere Stimmen zu- führen. Diese Bestimmungen sind sämtlich getroffen, um die „Wahlfreiheit" des einzelnen Wühlers zu schützen, um ihn nicht gebunden der Parole der Parteileitungen, welche die Stimmzettel herausgeben, auszuliefern. Durch diese Bestimmungen wird aber die Feststellung des Wahlresultats sehr kompliziert, ohne daß man diese Umständlichkeit als besonders notwendig bezeichnen kann. Wenn Gemeindewahlen auch zuweilen einen mehr unpolitischen Charakter, besonders in kleineren Gemeinden, tragen, so ist das doch von den Landtagswahlen keineswegs zu sagen. Hier ist der Wähler bei den Bezirkswahlen von jeher gewöhnt gewesen, bei der Stimmabgabe parteipolitisch Stellung zu nehmen, und seine Auswahl nur unter den Kandidaten der politischen Parteien zu treffen. Es hätte also auch bei dem Proportionalwahlverfahren der parteipolitische Charakter der Wahl ruhig anerkannt und das System der gebundenen Listen eingeführt werden können. In diesem Sinne sprach sich auch für die Sozialdemokratie der Abgeordnete Keil aus; ein diesbezüglicher Antrag wurde jedoch abgelehnt. DeL weitercni nahm der Landtag eine Novelle zum Berg- g e s e tz an, durch welche das Schürfen nach Steinsalz und auf derselben Lagerstätte vorkommenden anderen Salzen dem Staat oder einer staatlich konzessionierten Gesellschaft vorbehalten bleiben soll. Nur in Württemberg besteht noch die Freiheit des Salzschürfens, alle umliegenden Siaaten haben die Salzgewinnung rnonopolisiert, so daß sich, da Württemberg sehr salzreich ist, die Gefahr einer Ueberschwemmung des Landes mit salzbohrenden Gesellschaften ergeben hat. Die Sozialdemokratie stimmte dem Ge- setze natürlich zu, nur bemängelte ihr Redner, Abgeordneter Hildenbrand, daß sich die Vorlage auf das Salz beschränke und nicht auch die Gewinnung von Kohle und Eisen verstaut- lichcn wolle._ Personentarifrcform. Nach einer Meldung der„Köln. Ztg." aus Karlsruhe ist die Denkschrift über die Reform der Personentarife, die dem in vierzehn Tagen zusammentretenden Eisenbahnrat zur Beratung vorgelegt wird, fertiggestellt. Die badische Regierung hält nach wie vor an dem Gedanken der von den deutschen Regierungen mit Staatsbahnbesitz vereinbarten Reform der Personen- tarife im allgemeinen fest. Im Hinblick jedoch auf die Wendung, welche die Verhandlungen über die BetriebSmittelgemcinschaft genommen haben, hat die badischc Regierung sich entschlossen, auf die Einsiihrung der vierten Wagenklasse zu verzichten und statt dessen, in Uebcreinstimmung mit den bayerischen Vorschlägen, die lieber- nähme des Zweipfennigtarifs für die dritte Klasse in den Personen- zügen in Aussicht zu nehmen._ Zeugnis-Zwangsverfahren. AuS Sachsen-Meiningen wird uns berichtet: Ein ungesetzliches Verfahren ist gegenwärtig gegen unseren Genossen Artur Hofmann im Gange. Dieser brachte im Dezember vorigen Jahres in seiner Eigenschaft als Landtags- abgeordneter eine Beschwerde über Mißstände im Hildburghauser Gymnasium im Landtage zur Sprache, über die die Regierung nicht gerade sehr erbaut war, und ihrerseits das Vorhandensein von Mißständen ohne weiteres in Abrede stellte. Da lief kurz vor Landtagsschluß eine Petition beim Landtage ein, die sich ebenfalls mit den Mißständen am Hildburghauser Gymnasium beschäftigte, aber eine so wenig sachliche Form hatte, daß die Regierung bei der Staatsanwaltschaft die Strafverfolgung des Verfassers der Petition beantragte. Unterschrieben war die Petition mit„Eckardt", einem Pseudonym. In den» Verfahren gegen den unbekannten Verfasser jener Petition nun ist unser Genosse Hofmann als Zeuge geladen worden, um denjenigen zu nennen, der ihm die Unterlagen zu seinen Beschwerden über angeblich am Hildburghauser Gymnasium bestehende Mißstände gab, da die Regierung vermutet, daß dieser der Verfasser der erwähnten Petition ist. Natürlich hat es unser Genosse abgelehnt, diesen Vertrauens- bruch zu begehen, umsomehr, da die von ihm im Landtage gemachten Angaben ja gar nicht den Gegenstand des Verfahrens bilden, sondern nur die unfaire Form der von unbekannter Hand an den Landtag gesandten Petition. Es wäre ja nicht übel, wenn man auf diese Weise die Immunität der Abgeordnete» beiseite schieben könnte. Genosse Hofmann wird selbstverständlich gegen die ihm wegen Zeugnisvcrweigerung angedrohte Strafe Einspruch erheben und werden wir dann sehen, ob in der Tat ein deutsches Gericht sich finden wird, das gegen den klare» Wortlaut' der gesetzlichen Be- stimmungen betreffend die Immunität der Abgeordneten vor alle ni wegen einer im Landtag selbst gemachten A e u ß e r u n g ein Verfahren zwecks Erzwingung einer Aus- sage für zulässig erachtet.—_ Amtliche Meldung. Berlin, 10. Februar. Mit Isaak Witboi, dem Sohne und Nachfolger Hendriks, haben sich, wie nunmehr festgestellt ist, 76 Leute, darunter 4v Männer mit 19 Gewehren, gestellt. Die Gesamtzahl der Kriegsgefangenen betrug am 5. Februar 13049 Köpfe. davon 10 677 Hereros, worunter 2720' Männer, und 2300 Hottentotten, worunter 730 Männer. In Walfischbai schifften sich am 29, Januar 198 Hereros, darunter Kapitän Michael von Omaruru mit 82 Männern, ein. Sie sind als Minenarbeiter nach Kapstadt angeworben. Der Abtransport der zurzeit in Gibeon und Keetmanshoop be- findlichen. am Kriege beteiligt gewesenen Witbois und Veldschoen- drager nach Wiudhuk hat begonnen. Die Ueberführung dieser Hotten- tottenstämme nach dem Norden ist aus politischen Gründen, Haupt- sächlich aber wegen der im Süden bestehenden Verpflegungsschwierig- leiten erforderlich.— . Hueland Frankreich. Ein Vorspiel zu den Wahlen. Paris, 9. Februar.(Eig. Ber.) Eine interessante Wahl, deren Ausgang nicht ohne Vorbedeutung für die allgemeinen Kammer- wählen sein wird, findet am Sonntag in L i m o g e s statt. Dort ist vor einiger Zeit fast der gesammte Gcmeinderat zurückgetreten. Dieser Schritt war das Ergebnis eines Konflikts, der die bekannten Ereignisse des vorigen Jahres zum Ausgangspunkt hat. Der Bürgermeister von Limoges, der sozialistische Deputierte Labussisre, sah sich nämlich veranlaßt, abzudanken, als die 20 Mitglieder zählende sozialistische Gemeindevertreter- Majorität den Posten für die lokale Polizei aus dem Gemeindebudget strich. Er hielt diesen Entschluß auch nach einem Vertrauens- Votum aufrecht, worauf die sozialistischen Gemeinderäte und ihnen folgend 13 radikalsozialistische ihre Mandate niederlegten. Da nur noch— außer Labussisre— 6 Radikalsozialisten im Gemeinderat verblieben, wurde eine Nachwahl für 33 Mandate vor- genommen. Sie fand am letzten Sonntag statt. Es standen drei Listen einander gegenüber: Die der vereinigten Sozialisten, eine radikalsozialistische und eine gemäßigte. Das Wahlresultat war überrascheud. Die Sozialisten und Gemäßigten erhielten beide rund 6000 Stimmen— die Sozialisten haben 200 Stimmen mehr als ihre Gegner— die Nadikalsozialisten dagegen, die in der Gemeindeverwaltung von der Zeit ihrer Herrschaft her die einflußreichsten Posten behalten haben und die überdies die ausgiebigste Unterstützung der Staatsbehörden genossen. nur etwa 2500 Summen, trotzdem sie als„unabhängige Sozialisten" aufgetreten waren. Es hat sich also ganz deutlich eine politische Scheidung der Klassen vollzogen. Die Arbeiterschaft, mir Ausnahnie der terrorisierten Gemeindearbeiter, wählt sozialistisch, die Bourgeoisie reaktionär. Indessen haben bei der Stichwahl am 11. Februar die radikal-sozialistischen Wähler den Ausschlag zu geben. Zehn von den radikal-sozialistischen Kandidaten sind zugunsten der Sozialisten zurückgetreten, und der Sieg unserer Genossen ist sicher, wenn die demokratischen Bourgeoiswähler der Parole der„republikanischen Solidarität" folgen. Ob sie dies aber tun werden, das ist immer- hin fraglich, und so wird der Ausfall der Wahl eine Einwirkung auf die Auffassung ausüben, die die sozialistischen Wähler bei den Stich- wählen im Mai von dem Zusammengehen mit den bürgerlichen Radikalen gegen die Reaktionäre haben dürfen.— England. Der Kampf in der konservativen Partei. London, 3. Februar.(Eig. Ber.) Die Presse veröffentlicht heute eiu Manifest Chanibcrlains über die Ansichten der Tarifreformer(Schutzzölluer) in bezug auf die zu- künftige Haltung der Partei. Das Manifest ist ziemlich lang, aber sein Sinn läßt sich in wenigen Worten zu- sanunenfassen. Chanrberlain stellt Balfour vor die Wahl: Entweder Annahme der Grundsätze der Tarifreform, in welche»! Falle die Partei einheitlich unter BalfourS Führung vorgehen wird, oder Verwerfung der Tarifreforin, in welche,» Falle Chamberlain und feine Anhänger eine besondere Partei bilden werden, um den Kampf gegen die liberale Regierung zu führen. Nächste Woche wird die konservative Partei zu einer Konferenz zusammentreten, um der Krise ein Ende zu machen. Ebenso wird Balfour nächsten Montagabend in der City(inneren Stadt) sprechen; man erwartet, daß er bei dieser Gelegenheit auf Chambcrlains Moni- fest antworten wird. In den Kreisen der Tarifreformer herrscht die Meinung vor, es sei höchste Zeit, die konservative Partei von den alten Adclsfamilien zu befreien und aus ihr eine sozialimpcrialistische Partei zu machen. Anstatt der Aristokraten sollen in den Vorständen der konservativen Wahlvereine auch Arbeiter und Kleinbauern sitzen und harmonisch mit den Parteiführern arbeiten I— Norwegen. Haakons Krönung und die Sozialdemokratie. Der neue norwegische König will nicht auf die altmodische Zeremonie der Krönung verzichten, die— wie die Verfassung be- stimmt— in Trondhjem ausgeführt werden soll. Der Gemeindernt dieser Stadt hat bereits ein Krönungskomitee gewählt, aber die sechs sozialdemokratischen Gemeindevertrcter gaben bei der Komitee- wähl weiße Stimmzettel ab. Sie wollen in keiner Weise mitwirken an dieser Krönung, die unser Trondhjemer Bruderorgan„Rh Tid" treffend als einen„närrischen Karnevalszug" bezeichnet und als den„Kanossagang der republikanischen Monarchisten". Haben doch diese neugebackenen Monarchisten, die sich jetzt in Loyalität für den neuen König zu überbieten suchen, vor der Königswahl erklärt: Wenn Nortoegen nicht Republik werde, bleibe für die ehrlichen Republikaner nichts anderes übrig als nach Amerika auszuwandern! Jetzt machen dieselben Leute unseren Parteigenossen im Gcmeinderat ihre Stimmenthaltung zum Vorwurf und behaupten, das sei eine gesetztvidrige Handlung. Ironisch macht„Ny Tid" den Vorschlag. die sechs Gcmeindevertreter und die ganze Arbeiterpartei Trondhjems während der Dauer der Krönung hinter Schloß und Riegel zu setzen.— Amerika. Die Eiscnbahngcscllschaften machen große Anstrengungen, der drohenden Gefahr einer Kontrolle durch die Bundesbehörden zu ent- gehen, und sie verlassen sich dabei ganz auf den Senat. Die große Majorität, mit der iin Rcpräsentantenhause beschlossen wurde, die einheitliche Regelung der Eisenbahnfrackitarten der zwischenstaatlichen Handelskommission zu übertragen, hatiinSenat aber viel Beunruhigung hervorgerufen. Hier standen 346 gegen 7(republikanische) Stinnnen. Die Vorlage gilt praktisch als angenommen nnd gesichert. Der Widerstand im Senat richtet sich nun gegen eine Bestimmung im Gesetz, ohne die es wertlos wäre. Es�wird den Eisenbahngesellschaften nicht erlaubt, die Bestimmungen der Handelskommission erst vor die Gerichte zur Entscheidung zu bringen. Es ist eine alte, oft erprobte Taktik der großen Gesellschaften, daß sie unbequeme Gesetze durch die Gerichte als null und nichtig erklären lassen. Bald wird von den Richtern gefunden, daß hier ein Eingriff in die freien Rechte der Bürger, dort ein Verstoß gegen die Konstitution vorliegt, bald werden andere Gründe aus- findig gemacht; fast inimer erreichen die Gesellschaften ihren Zweck: daß die Gesetze, die ihren Interessen widerstreiten, nicht zur Geltung kommen.— Den Eisenbahngesellschaften ist hier durch eine Be- stimmung in der Vorlage ein Riegel vorgeschoben, und dagegen kämpfen sie jetzt mit aller Macht; viele republikanische Senatoren sind gewonnen worden, gegen eine solche Bestimmung anfzntreten.— Die „Leipziger Bolkszeitu»»g" vor Gericht. Plaidoyers der Verteidiger. Nach der Rede des Oberstaatsanwalts ergreifen die Verteidiger das Wort. Vert. R.-A. Dr. H ü b l e r: Der Oberstaatsanwalt hat heute im Gegensatz zur Anklage behauptet, daß der Tatbestand des§ 130 in jedem eir-zelnen Artikel erfüllt sei, und wenig Gewicht gelegt auf den in der Anklage behaupteten Zusammenhang der einzelnen Artikel. Aber den Nachweis für die Behauptung hat er nicht er- bracht; er hat sich nur in allgemeinen Sentiments ergangen. Die Konstruierung einer Fortsetzung und eines Zusammenhangs ist juristisch unmöglich; jeder einzelne Artikel wird auf den Tatbestand des§ 130 hin zu prüfen sein. Dem Angeklagten müssen, wenn die Tendenz der„Leipziger Volkszeitung" eine Rolle spielen solle, alle, auch die von uns angeführten Entlastungsartikel zugute kommen. Auch auf den Sprachgebrauch kommt es an. Die Ausdrücke„Revolution" und„Klassenkampf" stehen in der wissenschaftlichen Literatur und werden in ihr keineswegs in gewalttätigem Sin.ne gebraucht. Es geht auch nicht an, die einzelnen Aeußerungen erst aus dem Zu- sammenhang zu reißen und dann wieder untereinander in Zu- sammenhang zu bringen. Die inkriminierten Artikel zerfallen in vier Gruppen: Die eine Gruppe befaßt sich mit allgemeinen soziali- stischen Erörterungen, der Theorie des Sozialismus, die zweite mit der russischen Revolution, die dritte mit der sächsischen Landespolitik, die vierte mit den Wahl- rechtsdemoustrationeu. Der Verteidiger geht auf den Inhalt einzelner Artikel ein und weist nach, daß die„Leipziger Volkszeitung" den Massenstreik propagiere. Der M a s s e n st r e i k sei aber keine Gewalttätigkeit und seine Propagierung nicht strafbar. Der Artikel des Pro- fessors Pannekoek ist ein rein theoretischer Artikel, der keine Auf- reizung zu Gewalttätigkeiten enthält, wenn man seinem Sinn nicht direkt Gewalt antun will. Die„Leipziger Volkszeitung" redet gern Fraktur, gern in Superlativen.— Es liegt gar kein Grund vor anzunehmen, daß in der Hyperbel„das Volk wird sich erheben" irgend eine Andeutung auf den Weg der Gewalt enthalten ist. Die zweite Gruppe der Artikel behandelt die russische Revolution. I st es denn strafbar, seine Sympathie für die russische Revolution zu bekunden? Zudem ist auch in einem dieser Artikel ausdrücklich gesagt, daß der Massenstreik die eigentliche Waffe des russischen Proletariats sei und nicht der Barrikadenkampf. Der Artikel kann nur entlastend wirken. Zu der gleichen Ueberzeugung, daß sie den Angeklagten entlasten, haben mich auch andere Artikel gebracht, in denen heißt es ausdrücklich:„Wir brauchen uns unsere Köpfe nicht an der Mauer einzurenne n." Es wird also direkt von Gewalttätigkeiten abgeraten. Ein weiterer Artikel greift die Regierung lebhaft an, aber Aus- reizungen gegen Regierungen fallen nicht unter den Begriff der Aufreizung zu Gewalttätigkeiten verschiedener Klassen gegen ein- ander. In einem weiteren Artikel heißt es:„Die Schlacht muß ent- brennen." Unter Schlacht braucht man aber keineswegs nur eine Gewalttat zu verstehen. Auch in den übrigen Artikeln sind oft Bilder gebraucht worden, die keineswegs als. Hinweise auf Gewalt gedeutet zu werden brauchen. Den Hauptanlatz zur Erhebung der Anklage haben wohl die Artikel über die Straßen- und Wahlrechts- demonstrationen gegeben. Aber auch in ihnen ist von einer Aufreizung zu Gewalttätigkeiten von Klasse zu Klasse nicht die Rede. Das Blutvergießen wird ja gerade der Polizei zum Vorwurf gemacht, es ist lediglich von einem Blutvergießen der Polizei die Rede. Die Artikel besprechen die Vorgänge in Dresden. Das Arbeitsfeld der„Leipziger Volks- zeitung" ist Leipzig. Der Angeklagte konnte nicht damit rechnen, daß die Besprechung der Dresdener Vorgänge in Leipzig Stimmung für Gewalttätigkeiten machen könnte. Der Grundton der„Leip- ziger Volkszeitung" ist das Motto: Gewalttätigkeiten begehen wir nicht, schon aus Rücksichten der Klugheit nicht. Die ultima ratio ist der Massenstreik, auf den der Staatsanwalt mit keiner Silbe eingegangen ist. Der Massenstreik ist aber ein durchaus friedliches Mittel. Bebel, der Führer der Partei, hat in Jena von der be- wunderungswürdigen Ruhe der Bergarbeiter beim letzten Massen- streik gesprochen; das heißt doch, die Ruhe zur Nachahmung empfehlen. Mein Antrag geht dahin, den Angeklagten freizu- sprechen. Ueber den Artikel„Witte in Sachsen" äußere ich mich nicht, da mir die prozessuale Form nicht gewahrt scheint. Der zweite Verteidiger Dr. Drucker behandelt die all- gemeinen Ausführungen des Oberstaatsanwalts und vertritt eben- falls die Ansicht, daß der Artikel„Witte in Sachsen" ausscheiden müsse, da er erst nachträglich in die Anklage einbezogen worden sei. Sodann poleinisierte er gegen die allgemeinen Ausführungen des Oberstaatsanwalts, die sich dahin zusammenfassen ließen. Da der Angeklagte wegen Vergehens gegen§ 130 angeklagt sei und dieser Paragraph nun einmal im Strafgesetzbuch stehe, müßten doch auch seine Tatbestandsmerkmale erfüllt sein. Das sei aber in den inkriminierten Artikeln keineswegs der Fall. Der Ober- staatsanwalt habe auch gar nicht den Versuch unternommen, das Vorliegen der Tatbestandsmerkmale des §130 juristisch nachzuweisen. Dagegen habe er Notiz genommen von Dingen, die ganz außerhalb des Rahmens der Verhandlungen liegen. Er habe davon gesprochen, daß die„Leipziger Volkszeitung" ihn persönlich nach Einleitung des Strafverfahrens beleidigt habe. Ich bin kein regelmäßiger Leser der„Leipziger Volkszeitung" und weiß nicht, ob die„Leipziger Volkszeitung" das getan hat. Jedenfalls gehört das absolut nicht zur heutigen Ver- Handlung und es hat mich in meinen! Gefühl als Organ der Rechispflege verletzt, daß derOberstaatsanwalt diese persönlichen Dinge hier ini Gerichtssaale vorgetragen hat. Die Staatsanwaltschaft hat dem in den Artikeln gebrauchten Worte „Klassenkampf" ständig einen gewalttätigen Sinn unterlegt. Wer aber irgend einmal ein nationalökonomisches Kolleg gehört hat, weiß, daß das Wort„Klassenkampf" als Begriff für eine gewisse sozialistische Lehre gebraucht wird und so in den Sprachgebrauch übergegangen ist, daß es nicht nur im Programm der sozialdemokratischen Partei selbst steht, sondern auch fortgesetzt von Politikern anderer Parteien in dem von Karl Marx gegebenen Sinne gebraucht wird. Jeder Professor der Nationalöloiiomie trägt das seinen Hörern vor. Ich selbst besitze ein K o l l e g i e n h e f t mit der Ueberschrift: D e r K l a s s e n k a nr p f. Ich habe mir nicht träumen lassen, daß ich Gefahr laufe, eine strafbare Handlung zu begehen, Ivenn ich etwa mein Kollegienheft einmal im öffentlichen Druck erscheinen lasse. Der Verteidiger weist an weiteren auch in den Artikeln gebrauchten Ausdrücken nach, daß die Tendenz keines der inkriminierten Artikel dahin gehe, ber- schiede»? Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten gegen ein- ander aufzureizen. Er schließt mit den Worten: Ich bitte' den hohen Gerichtshof, den Angeklagten freizusprechen und ihm dasselbe Schicksal zuteil werden zu lassen, das vor Jahrzehnten einem Größeren, Ferdinand Lassalle, der wegen Hochverrats angeklagt war, zuteil geworden ist. Oberstaatsanwalt B o e h m e: Trotzdem der zweite Herr Ver- teidiger init seinem juristischen und nationalökonomischen Wissen „geprunkt" hat, hat er mich nicht überzeugt. Ich bleibe dabei, daß jeder einzelne Artikel den Tatbestand des 8 130 so zweifellos enthält, daß nähere Darlegungen darüber eigentlich überflüssig sind und daß es hauptsächlich auf die Straf- zumessung ankommt. Den juristischen Inhalt deS§ 130 habe ich mir längst„an den Schuhsohlen abgelaufen". Daß der Herr Verteidiger sagt, mein Begriff der Aufreizung zu Gewalttätigkeiten steht mit dem Strafgesetzbuch in Widerspruch, der- bitte ich mir.... Vorsitzender(unterbrechend): Ich habe nicht gehört, daß der Herr Verteidiger eine derartige Aeußerung getan hat. Oberstaatsamvalt B o e h m e(fortfahrend): Ich habe jedenfalls die Aeußerung des Herrn Verteidigers so aufgefaßt.(Verteidiger Dr. Drucker schüttelt mit dem Kopfe.) Wenn ich mich geirrt habe, so entfällt natürlich meine Gegenbemerkung.(Der Vorsitzende nickt znstiinmend mit dem Kopfe.) Ob Ferdinand Lassalle wegen Hochverrats freigesprochen worden ist. ist ganz gleichgültig. Hier handelt es sich um den angeklagten Redakteur der„Leipziger Volkszeitung", und den bitte ich mit einer schweren Gefängnisstrafe zu treffen.— Wie wir bereits gestern mitgeteilt haben, soll am Montag der Angeklagte das Schlußwort erhalten und dann das Urteil gefällt werden. *•• Im Anschluß an diesen Prozeßbcricht und die seltsame Auf- fassung des königlich sächsischen Staatsanwalts Dr. Boehme ber- öffentlichen wir nachstehend folgenden Brief, der zeigt, welchen Eindruck die'Anklage auf einen Mann gemacht hat, der als hoher Staatsbeamter dem vorurteilslosesten Zweige der WissMschnft, der Mathematik dient. Professor Dr. Ponncfoe!, Professor der Mathematik an der Universität Lehden, schreibt an einen der Herren Verteidiger: - Lehden, 4. Februar IVOS. Geehrter Herr! Neulich erfuhr ich. dass wegen eines von mir verfaßten und in der„Leipziger Voltszeitung" aufgenommenen Aufsatzes(über» schrieben mit„Klassenkampf") diese Zeitung wegen Ausreizung zu Gewalttätigkeit unter Anllage gestellt wurde. Dies konimt mir so sonderbar vor, daß ich mich verpflichtet fühle, Ihnen darüber zu schreiben. Schon die Tatsache, daß ich, ein Staatsbeamter, der im Dienste der holländischen Regierung ern wissenschaftliches Amt an der hiesigen Universität bekleidet(Observator an der UnivcrsitätS- Sternwarte), diesen Aufsatz unter metnen Namen veröffentlicht habe, sollt« doch jedem klar machen, daß der Herr Staatsamvalt in den Artikel einen Sinn gelegt hat. der diesem Artikel durchaus fremd ist. Sie werden verstehen können, daß ich wirklich indigniert bin über diese Zumutung, ich hätte zu Gewalttätigkeiten aufgereizt. Ich kann dem gegenüber mit Bestimmtheit versichern, daß der Artikel einen ganz anderen Sinn hat. Wenn ich, ein Ausländer, für diese Zeitung Artikel schreibe, so hat dies nur den Zweck, durch populär-wissenschaftlich« Ausführungen auf politisch-ökonomischem und philosophischem Gebiete den Lesern das Verständnis der politi- sehen und sozialen Vorgänge zu erleichtern. Wer den beanstandeten Artikel ganz liest, wird daraus ersehen, daß es sich nur darum hcmdelt. die Bedeutung der Argumente, die gegen das allgemeine Wahlrecht angeführt werden könnten, festzustellen und um den Nachweis ihher Hinfälligkeit zu führen. Man wird in dem ganzen Artikel kein Wort finden können, aus dem, sogar wenn es aus seinem Zusammenhang gerissen wird, eine Aufreizung zu Gewalt- tätigkeit zu lesen wäre. Ich muß deshalb energisch protestieren gegen ein« solche Beschuldigung, die mit meiner Stellung als wissen- schaftlicher Person und als akademischer Staatsbeamter in unverein- barem Widerspruch steht. Und schließlich muß ich mich auch als Anhänger der sozial- demokratischen Ansichten dagegen verwahren, weil eine solche Auf- reizung zu Gewalttätigkeit dem ganzen Geiste der sozialdemo- kratischen Lehren fernliegt. Als Kenner dieser Lehren und ihrer Schriften kann ich auf das bestimmteste erklären, daß darin immer das Nachstreben einer anderen Gesellschaftsordnung mittels g e s e tz- lich erlaubter Mittel, mittels'Benutzung derjenigen bürgerlichen Rechte, die in allen zivilisierten Ländern bestehen, empfohlen wird. Ich freue mich um so mehr, Ihnen den Nachweis vorlegen zu können, daß der Herr Staaisanwalt sich in diesem Artikel geirrt hat, weil es dadurch schon einigermaßen wahrscheinlich wird, daß er sich auch in dem Sinn der anderen von ihm verklagten Artikel der„Leipziger Volkszeitung" geirrt hat. Indem ich bitte, von diesem Schreiben denjenigen Gebrauch zu machen, der Ihnen im Interesse der Sache am angemessensten erscheint, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Ant. Pannekoek, Observator der Univcrsitäts-Sternwarte zu Lehden. Wir zweifeln nicht, daß dasselbe Urteil, das der Professor der Astronomie und Mathematik über die Anklage fällt, jeder Mensch fällen wird, dem nicht durch klassenjustizielles Handwerk politische Voreingenommenheit und Mangel an den Erfahrungen de? werk- tätigen Lebens der Sinn für Logik, Recktscmpfinden und Ge- rechtigkeitsgcfühl verschlossen ist. Die Ausführungen des Oberstaatsanwalts in der Verhandlung können das Urteil des Herrn Professors Pmmekoek nur verstärken. Es sind Klassenjustiz und Wissenschast unvereinbar.— Gewerk febaftUebes. Schwarze Listen für„unbotmäßige" Lehrlinge. Auch in Königsberg hat sich der Gedanke der O r g a n i» s a t t o n unter den Lehrlingen und jugendlichen Arbeitern Bahn gebrochen. Am Sonntag, den 11. Februar. soll eine öffentliche Versammlung für die Lehrlinge und jugend- lichen Arbeiter stattfinden. Es soll über das Thema:„Was tut den Lehrlingen und jugendlichen Arbeitern not?" referiert »Verden. Allein durch die Tatsache, daß eine solche Versamm- luug stattfinden soll, sind die Jnnungskrauter so anf die Beine gebracht worden, daß sie folgenden Aufruf an die Arbeitgeber der Schlosserbranche versandt haben: Königsberg, den 7. Februar ISlZS. An die Herren Jnnungsmeister und Arbeitgeber des Schlosser» und verwandten Gewerbes. Hierdurch machen wir Sie höfl. darauf aufmerksam, daß Sonutag, den 11. d. M, seitens einer sozialdemokratischen Gruppe alle Lehrlinge zu einer Versammlung nach Cafs LudwigShof(siehe umstehend)(Auf der Rückseite ist nämlich der Text des Handzettels, den die Lehrlinge zu ihrer Versammlung verbreitet haben, zum Abdruck gebracht) dringend eingeladen worden sind. Das zu behandelnde Thema soll natürlich die jungen Leute aus den wahrscheinlich statt» findenden Streik(die Schlosser stehen in einer Lohn- bewegung) gehörig vorbereiten, bezw. dieselben nach Kräften bearbeiten. Wir fordern Sie daher dringend und höflich auf. Ihren Lehr» Nngeii und Laufburschen bei Androhung sofortiger Entlassung diese Versa in nilung zu Verbietens!) Die Befolguitg dieses Verbotes unier Mitwirkung der Eltern und Vormünder auch möglichst zu kontrollieren und etwaige Entlassungen, welche hierdurch haben folgen müssen, dem linterzeichneten Herrn Alb. Bchr gefl. zur Kenntnis zu bringen. Mit Hochachtung Der Ausschuß der vereinigten Arbeitgeber der Eisen» und Meiallbranche zu Königsberg. Schröter. Alb. Vehr. Gust. Allzeit. Hoppe. L. Neumann. Sander. Wonneberg. Das Zirkular ist ohne Frage der Versuch einer Nötigung und enthält eine Aufforderung zum Kontraktbruch— Handlungen, welche die Unternehmer sonst zu verabscheuen vorgeben. Die Lehrlinge, die in die Versammlung gehen. sollen auf schwarze Listen gesetzt werden. Dabei ist die Leibeigenschaft auch in Ostprentzen längst aufgehoben und kein blindwiitiger Scharfmacher hat sich darum zu kümmern, wo die Lehrlinge ivährend ihrer freien Zeit bleiben. VerUn und amaegen«. Achtung, Tatzeziererl Die Firma MaxSchmidt, Bernauer- straße 80, ist gesperrt. Am 2. Februar fand seitens einer Unter- koimmssion der Achtzehner-Kommission«in« Verhandlung mit Herrn Schmidt statt, in der sich derselbe verpflichtete, die alten Preise weiter zu zahlen und auch sämtliche Leute wieder einzustellen. Als dieselben Montag früh zur Arbeit erschienen, war in der Werkstatt ein Plakat angeschlagen des Inhalts, daß jeder, der seinen«Nord fertig hat, nach dem Kontor kommen möge. Der erste mußte mich gleich wegen Mangels an Arbeit aussetzen. Als Montag abend ein Vertreter" bei dem Gesckstiftsinhaber zur Regelung der Sache er- schien, empfing ihn Herr Schmidt in einer wenig freundlichen Weise, verwies ihm die Tür und verharrte anf seinem Standpunkt. Er sei Herr im eigenen Hause. Ein treffliches Beispiel dafür, wie manche Unternehmer ihr Wort halten. Selbstverständlich ist unsere brave Polizei fnfo'-t aus dem Posten, um den Streikposten das Leben so saiier wie möglich zu machen. Vielleicht hat dieselbe schon darauf verzichtet, den Mörder H e n n i g zu saugen, sonst würde sie wohl die Schutzleute besser dazu verwenden.— Der Betrieb ist streng zu meiden. Achtung, Kleber! Wegen Tarifbruchs ist die Firma Haube nreißer, Zorndorferstraße, gesperrt. In Bei rächt kommen folgende Bauten: R i x d o r f, Allerstraße, Berlin, Mialplaquetsiraßc, Stolpischestraße Bau Maah. Die Achizehner-Kommission. In der Spritfabrik von Eisermann in der Mühlenstr. S sind Lohndiffercnzen ausgebrochen, welche zur Arbeitsniederlegung führten.— Zuzug ist fernzuhalten. Der Vorstand des Verbandes der Fabrik-, Land- und HülfSarbeiier. Erklärung. Zu dem Bericht über die Versammlung der Fliesenlegerseltion des MaurerverbandcS in Nr. 34 des„Vorwärts", der schwere Angriffe gegen die Bereinigung der Fliesenleger Deutschlands enihält, haben wir folgendes zu erklären: Da der von der Sektion den Unternehmern vorgelegte Vertrag keineswegs höheren Lohn oder kürzere Arbeitszeit soroert, wie der zwischen unserer Vereinigung von den Fliesengcschäslen Berlins im Sep- tember 190{> vor dem Gewerbegericht geschlossene Vertrag enthält— die übrigen Forderungen der Sektion sind lediglich Aufputz—, so wäre die jetzige Bewegung der. Sektion hinfällig, wenn nicht damit bcabsichligt wäre, die Seition zur Anerkennung zu bringen. Wenn der Bericht jagt, daß die Firmen, die nicht unterschrieben haben, leicht zu belvcgcn wären, den„neuen" Tarif zu unterzeichnen. wenn sich unsere Vereinigung neutral verhalten würde, so soll damit nur die öffentliche Meinung düpiert werden. Die Firmen, welche imterschrieben haben, sind bis auf eine— Bielski— Subunternehmer, von denen mehrere fast gar nicht in Betracht kommen, weil die Jnbabcr oft allein die gmize Belegschaft der Firma bilden. Dagegen beschäftigt die größte Firma, die nicht unterschrieb, ständig mehr Leger, wie die, wclcl)e ihre Unterschrift gaben, zusammen- genommen. Das Stärkeverhältnis der Seltion zu unseren Mit- gliedern war folgendes: Rosenfeld u. Ko. 117 von uns, 3 Sektio- nisten; Billcroy u. Boch 6b von uns, Sektion—; Ende 30 von uns, Sektion 2; Fromm u. Hans 18 von uns, Sektion—. Außer bei den Firmen Gebr. Vogel und R. Schäfer bildeten unsere Mitglieder überall die große Mehrheit und bei obigen Firmen kamen sie gar nicht in Betracht. Sollten wir dort nun mitstrciten um Forde- rungen, die wir seit September 190b bewilligt erhielten? Breiske hat recht,„daß der unglückselige Bruderkamps den Unternehmern das Rückgrat steift"; aber warum hat die Sektion bei den Einigungs- Verhandlungen sich der Majorität nicht gefügt? Gerade die Sektion hat bisher den Unternehmern als Borwaud bei der Ablehnung unserer Forderungen gedient. Wenn sie glaubt, durch einen kühnen Handstreich jetzt den Firmen Gelegenheit geben zu können, gegen uns wegen Vertragsbruchs vorgehen zu können, so irrt sie. Wir halten unseren geschlossenen Verlrag wie der Maurervcrband, und lassen uns durch keine Hetze davon abbringen. Daß Nürnberger Kollegen— außer vielleicht von der dortigen Sektion, was wir nicht wissen können— jetzt hier arbeiten, ist unwahr. Dresdener Kollegen arbeiten schon seit dem vorigen Herbst hier. Etliche Münchener Kollegen arbeiten jetzt hier, selbstverständlich bei Firmen, die mit der übergroßen Mehrheit der Berliner Fliesenleger im lllertragsverhälinis stehen. Diese Kollegen haben, gezwungen durch einen ihnen seitens der Unternehmer aufgedrängten Streit ihre Vaterstadt verlassen, und ist es unsinnig, dieselben Streikbrecher heißen zu wollen. Zu den Ausführungen des Sektionsleiters der Hülssarbeiter wollen wir bemerken, daß die Sektion ihren Mit- gliedern sogar ausdrücklich gestattet hat, bei sogenannten gesperrten Firmen weiter zu arbeiten. Wie der Mann etwas dagegen haben kann, wenn andere Hülfsarbeiter nun dort arbeiten, ist uns un- begreiflich. Die Bereinigung der Fliesenleger Deutschlands wird, wie jede andere Organisarion, die Tarifverträge abschließt, die Ver- pflichtungen, die ihr durch diesen Abschluß entstanden sind, inne- halten und nach dem Ablauf des bestehenden Vertrages von neuem versuchen, die Lohn- und Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder zu verbessern. Der Vorstand der Vereinigung der Fliesenleger Deutschlands. Tarifbewegung der Potsdamer Schneider. Die hier seit langem verbesserungsbedürftigen Zustände in der Bekleidungsindustrie haben endlich dazu geführt, daß die beiden hier vertretenen Gehüifen- organisationen(Verband und Gewerkverein) sich zusammengcian haben, um gemeinsam mit den Unternehmern eine Regelung der BerufSverhältnisse herbeizuführen. Der nunmehr der Innung vor- gelegte Tarif sieht neben der einheitlichen Festsetzung der Akkord- lohnsätzc in vier Klassen die zehnstündige Arbeitszeit sowie einen Minimalstundenlohn von 30— 40 Pf. vor. Bei der früher den Gchülkenvertretern gegenüber geäußerten Geneigtheit der hiesigen Schneidermeister zu gemeinsamer Regelung der Lohn- und Arbeits- Verbältnisse steht zu erwarten, daß die bescheidenen und bei den heutigen Zeiwerhältnissen durckuniS notwendigen Forderungen der Gehülfensckmst auf friedlichem Wege erfüllt werden. Ein« Verständi- gung von Organisation zu Organisation liegt ja im Interesse aller Berufsangehörigen und wird hoffentlich auch bei der Innung die nötige Unterstützung finden. Tie Arbeitnehmer in Potsdam sowohl wie in Nowawes usw., wo H e i t m an n- Berlin re- ferierte, haben in mehreren öffentlichen Versammlungen bereits allgemein ihre Zustimmiing zn dem neuen Tarif ausgesprochen und sind bereit, auch für die eventuellen Konseauenzen ihres Vorgehens einzutreten.— Am Montag, den 12. Januar er., abends 8 Uhr. findet nun im„Cafä Bismarck" zu Potsdam abermals eine öffentliche Schneiderversammlung statt, die den Bericht der Lohnkommission und die Antwort der Innung auf den neuen Tarif entgegennehmen und zu der Tariffraye definitiv Stellung nehmen wird. veurfch«» Kelch. 34 Xengräb« auf dem Tonwert„Merkur" zu Jatznick(Pommern) befinden sich seit drei Wochen wegen Lohndifferenzen im Streik. Der Unternehmer versucht, durch Stcllenvermittler von Italien aus Leute heranzuziehen. Der Stellenvermittler Hugo Geikow, Berlin 17., Gartenstraße 105. hatte 50 Mann für Jatznick engagiert unter dem Vorwand, die Fabrik sei vergrößert, gestreikt würde nicht. Den Leuten wurde kontrakllich«in Lohn von 2 Mark 50 Pfennig pro Tag und im Akkord S Mark zugesagt. In Jatznick angekommen, bot ihnen der Unternehmer 1.60 resp. 1.80 M. Tage- lohn. Die Leute waren aber schon durch die Streikposten unterrichtet und fingen nicht an zu arbeiten, sondern fuhren wieder nach Berlin, zum großen Leidwesen des Unternehmers, der gerade auf dem Bahnhof war, als die 50 Mann wieder abdampften. Selbst- verständlich werden die Arbeiter, besonders die organisierten, gegen den Stellenvermittler anf gerichtlichem Wege vorgehen— Vor Zuzug, auch von anderen Orten, sei gewarnt. Achtung, Glasarbeiter! Bei der Firma Leopold Peill u. Sohn in Düren(Rheinland) haben Maßregelungen organisierter Glas- Hüttenarbeiter stattgefunden. Tie Arbeiter stammen meistens au» Oesterreich und haben sich in letzter Zeit fast alle dem Verbände angeschlossen. Als sie sich eine Verschlechterung des ohnehin ge- ringen Lohns nicht gefallen ließen, warf die Firma eine Anzahl aufs Pflaster.— ES wird vor Zuzug dringend getvaritt. Auf dem Stahlwerk Gebr. van der Zypen und Wissener Hütte in Köln. Deutz befinden sich die Kesselwärter. Heizer und Kohlenfahrer in Lohndifferenzen. Noch ein„ordnungsliebender Arbeiter". Die Arbeitswilligen. die den Fränkischen Schuhfabriken in Nürnberg beim letzten Streik auS der Patsche helfen mußten, scheint sich jetzt nach und nach der Staatsanwalt einfangen zu wollen. Nachdem bereits zwei dieser Helden wegen Raubmordes in Untersuchung sitzen, ist jetzt� auch der Streilbrechcr Kejl verhaftet worden. Als aus Anlaß des Raubmordes die Polizei bei den Trödlern und im Leihhause nach geraubten Pretioscn suchte, fand sie eine Menge neuer Stiefel aus den Fränkischen Schuhfabriken, was ihr verdächtig vorkam Nach- forschungen ergaben, daß Keil die Stiefel gleich en gros aus der Fabrik gestohlen und verkauft oder versetzt hatte. Die Direktion der Fränkischen Schuhfabriken wird vielleicht schon jetzt zu der Ein- sielst gekommen sein, daß es für den Betrieb vorteilhafter gewesen wäre, lvenn sie sich bei dem Streik friedlich mit ihren Arbeitern geeinigt und sich nicht zu sehr auf den Herrenstandpunkt gestellt fliiBtand Streikende von Gendarmen massakriert. Paris, 9. Februar.(Eig. Bei.) In Cueron bei Nantes kam es gestern»ach einer Versammlung zu einem Zusammenstoß zwischen streikenden Arbeitern und der Gendarmerie. Die Arbeiter demonstrierten vor den Wohnungen der Streikbrecher, wobei.'inige Fenster eingeschlagen wurden. Daraufhin ritten 50 Gendarmen wild in die Menge hinein. Es entstand eine furchtbare Panik, bielc Personen wurden niedergeworfen. Nicht genug daran, die Gendarmen zogen auch vom Leder, angeblich, weil Steine geworfen wurden, wogegen die S'.rcikenden behaupten, die Siriwvürfe seien erst dem brutalen Angriff gefolgt. Vier Arbeiter wurden schwer b e r w u n d e t vom Platz getragen, zwei davon mit schweren Säbelhieben, die beiden andercn mit inneren Ver- letzungen, die von den Gendarmeriepferden verursacht worden sind. Das Massaker von Cueron gibt einen Vorgeschmack von der� neuen berittenen Streikpolizei, die nunmehr das Militär ersetzen soll, da man es der Arbeiterschaft doch nicht allzu offen zeigen will, welchen Hauptberus die Armee in den kapitalistischen Staaten hat. Hiiö der frauenbexvegung. Sckiönrberg. Der Frauen- und Mädchen-Bildungsverein zu Schöncberg und Umgegend hält am Montag, den iL. Februar seine regelmäßige Vcreinsversammlung in Wdmanns Klubhaus, Hauptstrahe 5/6, ab. Tagesordnung: Vortrag von Frl. Dr. Springer über„Was ist unserem Körper in gesundheitlicher Hinsicht am dien- lichsten?" Die Mitglieder werden gebeten, pünktlich zu erscheinen. Gäste. Herren und Damen, willkommen. Reinickendorf(Ost). Der hiesige Bildungsverein für Frauen und Mädchen läßt am Dienstag, den 13. Februar, abends 8% Uhr. im bekannten Lokale seine regelmäßige Vereinsversammlung statt- finden. Tagesordnung: 1. Vortrag von Frl. Dr. Wygobzinski über „Aerzie, Publikum und Kurpfuscher". 2. Diskussion. Gäste will- kommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Regen Besuch erwartet Der Vorstand. Tegel-Borstgwalde. Der Frauen- und Mädchen-Bildungsverein hält Mittwoch, den 14. Februar, abends Shh Uhr, in Tegel im Lokale von Schmidt, Schlieperstr. 64, seine regelmäßige Vereinsversamm- lung ab. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vortrag des Herrn Ouade über„Das KrankenvcrsicherungSgesetz". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste sind willkommen. Aufnahme neuer Mit- glieder. Um recht rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Achtung! Pankow! Am Dienstag, den 13. d. M., besichtigen die Mitglieder des hiesigen Frauen- und Mädchen-Bildungsverein» gemeinsam die Heimarbeit- Ausstellung. Treffpunkt pünktlich SM Uhr nachmittags Unter den Linden 38(vor der Ausstellung). Einlaßkarten a 1b Pf. werden dort verausgabt. Zahlreiche Teil- nähme wünscht_ Der Vorstand. Versammlungen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. Die von den Filialverwaltungen Berlins und Umgegend einberufene gut besuchte Versammlung nahm am Sonntag in dm Germaniasälen Stellung zu dem Gesetzentwurf betreffs Aushebung der freien HülfS- kasien. Warnst referierte und schloß mit dem Appell an die Ver- sammelten, durch die Wahl geeigneter Volksvertreter dafür zu sorgen, daß die Rechte der Arbeiter nicht noch weiter verkümmert werde». Nachstehende Resolution fand einstimmige Annahme: Die am 4. Februar er. in den Germania-Sälen, Chaussee- straße 103, tagende Versammlung, welche von Mitgliedern der Allgemeinen Kranken- und Sterbeiaffe der Metallarbeiter(E. H. 29, Hamburg) zahlreich besucht war, erklärt sich mit der auf dem Kongreß der Hülfskasien angenommenen Resolution durchaus ein- verstanden. Sie erwartet, daß der hohe Reichstag dem vor- gelegten Entwurf eines Gesetzes über die steten Hülfskassen seine Zustimmung versagen wird aus den in der Resolution dargelegten Gründen. Der deutsche Buchbinderverbanb hielt am 1. Februar die Fori- setzung der ordentlichen Generalversammlung vom 24. Januar ab. B y i o m s k i gibt zunächst den Kassenbericht. Die Zentralkasse hat eine Einnahme von 99 585,»8 M. und eine Ausgabe von 67 725,08 M. Obgleich die Einnahmen für die Zentralkassc bedeutend gestiegeil sind, konnte an die Verbandskasse nicht viel mehr abgesandt werden als im vorigen Jahre, da die Ausgaben für Arbeitslosenunterstützungen horrend angewachsen sind, wurden doch dafür allein 27 606,55 M. verausgabt gegen 12 700,45 M. im vorigen Jahre. Der Vermögens- bestand der Lokalkasse beziffert sich auf 23 54734 M. Einige Mankos der Beamten werden von der Versammlung niedergeschlagen, des- gleichen die Summe von 163,50 M., die beim Luxuspapicrarbeitcr- streik als MietSvorschutz gegeben wurde, jedoch als Ausgabe bereiiö gebucht war. Den beiden Schriftführern werden pro Quartal je 5 M. und den Revisoren Sitzungsgelder bewilligt. Zum 2. Kassierer wird R ü g e r bestätigt. Als Beisitzer zur OrtSvcrwaltung wählt die Versammlung Karl Friedrich, Fiebke, Maaß, Hartmann und Frau Schmidt. Die Hülfskafsiercr werden auf ein Jahr wieder bestätigt, neu hinzugewählt wird Jurrk. Für zwei ausgeschiedene Revisoren werden neu gewählt D r i e m e r und Conrad. Auf Antrag der alten Verwaltung wird der Buchbinder Otto Klemm wegen Unehrlichkeit, die er sich hat als Ver- waltungsmitglied zuschulden kommen lassen, aus dem Verband aus- geschlossen. Dem Arbeitsnachweisbericht, der gedruckt vorliegt, ist folgendes zu entnehmen: Im vergangenen Jahre wurden ein- geschrieben 2461 männliche und 2127 weibliche, insgesamt 4588 Per- sonen. Verlangt wurden inkl. Aushülfen 2133 männliche und 3319 weibliche, insgesamt 5457 Personen. Besetzt wurden 3566 Stellen durch 1745 männliche und 1821 weibliche Personen. Daraus ist zu ersehen, daß die Nachfrage nach weiblichen Kräften bedeutend höher ist als das Angebot. Die Bibliothek wurde im vergangenen Jahre 3282mal benutzt. Nach Erledigung des Geschäfts- und Kassenberichte» wurden noch einige interne VerbandLaugclcgenhciten geregelt. Letzte Nachrichten und Depefchen. Bomben-Attentat. Warschau, 10. Februar.(Von einem besonderen Korrespon- denten.) In der Zgodastraße wurde gegen vier Gendarmen eine Bomb« geworfen, wobei sie schwer verwundet wurde«. Der TSter entkam. Tie Fenster der umliegenten Häuser wurden zertrümmert. Rationalitätcn-Lämpfe. Belgrad, 10. Februar.(B. H.) AuS Jpek in Altserbien sind Nachrichten eingetroffen, welch« die Zustünde daselbst als trostlos schildern. In der Stadt selbst, sowie in der Umgebung, find sämt- liche Läden geschloffen, da mehrere serbische Kaufleute ermordet und deren Geschäfte geplündert wurden. In der Umgebung wur' mehrere Dörfer von Albancsen geplündert und eingeäschert. Lerantw. Redakteur: Hau» Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Ttz. Glocke. Berlin. Druck u.Verlag: VorwäctSBuchdr.u.Verlageaustalt Paul Singer Sc Co., Berlin 2VV> HierzuSBrilagrn. Nr. 35. 23. Jahrgang. 1. jkilnp Ks Jiraitts" Knlim J DllisMstt. Sanntag. 11. Febrnar 1906. Reichstag 40. Sitzung vom Sonnabend, den 10. Februar, nachmittags 1 Uhr. Am Bundcsratstische: Graf Posadowslh. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Interpellation Tinger(Soz.) und Genossen, die folgenden Wortlaut hat: „Ist dem Herrn Reichskanzler bekanni.daß durch Außeracht lassung der rcichsgesetzlichen Arbeiterschutzbcstimmungen am 10. Juli ILOZ auf der Kohlenzeche„Borussia" bei Dort- mund ein Schachtbrand eingetreten ist, durch den 30 Arbeiter getötet worden sind? Was gedenkt der Reichskanzler zu tun, damit ähnlichen Grubenunglücksfällen vorgebeugt wird? Auf die Anfrage deö Präsidenten, ob und wann der Reichs- kanzlcr bereit fei, die Interpellation zu beantworten, erklärt Staatssekretär Gras Posadvwsly: Ter Reichskanzler lehnt die Beantworrung der Interpellation ab, weil die bisherigen Unter- suchungen nicht den geringsten Anhalt dafür geliefert haben, daß irgend welche Verletzung reichsgcsetzlicher Vorschriften Anlaß zu dem bedauerlich» Unglücksfall gegeben hat. Abg� Singer(Soz.) beantragt auf Grund der Geschäftsordnung trotz Ablehnung der Beantwortung Besprechung der Interpellation. Für Besprechung der Interpellation, für die eine Unterstützung durch 50 Abgeordnete erforderlich ist, stimmen das Zentrum, die freisinnigen Parteien, die Sozialdemokraten und der dänisch Ab- geordnete. (Staatssekretär Graf Posadowsky hat den Saal wiederum verlassen). Zur Begründung der Interpellation erhält das Wort Wg. Bömelburg(Soz.): Ani 10. Juli v. I. ging durch Deutschlands Gaue die Schreckens. künde, daß die Zeche„Borussia", im Landkreis Dortmund, in Brand stehe und das Leben des größten Teils der Belegschaft in Gefahr sei. Glücklichrweise hat sich später herausgestellt, daß die Zahl der Verunglückten kleiner war als angenommen wurde, aber immer- hin war die Zahl groß genug: 30 brave Bergleute, darunter 18 Familienväter, lvarcn ein Opfer ihres Berufes geworden. Von diesen 30 Verunglückten sind nach wenigen Tagen 14 Leichn gc. borgen worden, während 25 heute noch in der Grube liegen,(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten) und ob sie jemals ein anderes Grab bekommen werden, wer vermag das Herne zu sagen? An- gesichts dieser ticftraurigen Tatsach und im Hinblick auf die Witwen und Waisen vornehmlich derjenigen, deren Gatten und Väter ein ordentlichs Grab nich gefunden haben, im Hinblick auf die vielen hundert Mütter und Kinder, die an jenem Tage viele Stunden der Angst und Sorge um den Gatten und Vater verlebt haben, sowie iveiter im Hinblick auf die 600 000 Bcrufsgenossen dieser Berg- leute, hat es nach außen hin nicht angenehm berührt, daß der Reichs. lanzler am letzten Dienstag und auch heute wieder die Bcant- Wartung der Interpellation ablehnte und dabei einzig und allein Kompetenzfragen vorschützte.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozial. dcmokraten.) Die Herren von der nationalliberalen und von der konservativen Partei, die am letzten Dienstag durch ihr Sitzen- bleiben die Besprechung der Interpellation unmöglich machten, haben sich jedenfalls dadurch keine neue Perle für ihren Ruhmeskranz er- warben. lSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es ist richtig, daß die Grube„Borussia" der Aufsicht des preußischen Staates untersteht, aber es kommen bei der Beurteilung der Frage doch auch ReichSgcsetzc in Betracht; denn für die Hinterbliebenen z. B. kommen die Bestimmungen des ReichS-llnfallversicherungsgesetzeS in Anwendung. Leider hat die Knappfchafts-BerufSgenofsenschaft bis heute Unfallverhüwngövorschriften nicht erlassen.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Das RcichSamt des Innern hat wieder- holt versucht, die KnappschaftS-Berufsgenossenschaft dazu zu be- wegen, aber alle diese Versuche sind an dem Widerstande der Berg- baubesitzer gescheitert;(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) sie haben sich dabei auf die Bestimmungen der preußischen Berg- Polizeiverordnung berufene Es kommen aber noch andere Reichs- gesetze in Frage. Unsere Gewerbeinspektion stützt sich auf die Ge- tverbeordnung, also auf ein Reichsgcsetz. Der Reichstag hat sich ausdrücklich in der Gewerbeordnung die Kontrolle über die Ge- Iverbeinspektoren vorbehalten. ES ist auch ausdrücklich in der Gewerbeordnung bestimmt, daß dem Bundesrat und dem Reichstag über die Tätigkeit der Gewerbeinspektoren Bericht zu erstatten ist. Endlich verweise ich noch darauf, daß hier auch das Strafgesetz in Frage kommt, das doch nicht eine Sache Preußens, sondern des Reiches ist. Wenn nm, nicht geschehen ist. was auf Grund des Strafgesetz. bucheö geschehen mußte, so hat doch der Reichstag das Recht, ein ernstes Wort in dieser Frage mitzusprechen. Aber selbst voraus- gesetzt, es kämen Reichsgesetze gar nicht in Frage, dann wäre eS irotzdem die Pflicht der Regierung gelvesen, hier Antivort zu stehen. ES ist überhaupt tragisch, daß man deswegen noch fragen mutz. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Bei solchen Ereignissen sollte die Regiermig se l b st Rede und Antwort stehen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nicht nur das preußische Volk, sondern die gesamte Reichsbevölkerung kann verlangen, daß über solche Dinge Aufklärung geschaffen, imrd.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Man hat uns vorgeworfen, wir hatten diesen Fall agitatorisch ausgenützt. Das ist uns nicht eingefallen. Hätten wir es tun wollen, so hätten wir nicht bis heute geloartct.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Heute sind schon sieben Monate seit dem Unfall vergangen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Di«„Bergcrrbester-Zcitung" hat die StaatSanlvaltschaft auf- gefordert, gegen sie Anklage zu erheben, dmnit sie auf diese Weise die Möglichkeit habe, den Beweis der Wahrheit anzutreten. Erst als dies auch nichts nützte, sagten wir uns, es bestehe Gcsahr, daß auch diese Angelegenheit mit dem Mantel der Liebe zugedeckt würde, und deshalb war es unsere Pflicht, hier die Frage an die Reichs- regierung zu stellen. Geschadet hat es unserer Sache nicht, daß die Regierung die Beantwortung zuerst abgelehnt hat und die An- gelegenhcit im prcußisckzen Landtage zur Sprache gekommen ist. Dadurch sind wir erst recht zu der Ueberzeugung gekommen, daß recht vieles„faul ist im Staate Dänemark", in diesem Falle aus der Zeche„Borussia". Die Bergbehörde hat sich ausgeschlviegen. Warum? Darüber bin ich mir jetzt vollkommen klar.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Und die Staatsanwaltschaft? Es ist höchst sonderbar. Am 7. August— also vier Wochen nach dem Unfall— sind die Akten der Staatsanwaltschaft zugegangen. Am 21. August l>at dann die Staatsanwaltschaft 34 Fragen an das Oberbergamt gestellt.(Hört! hört! b. d. Soz.) Das Oberbergamt hat am 23. August wegen dieser 34 Fragen Ermittelungen angeordnet. Am 23. September sind dann der Staatsanwa lt s chaft seitens des Obcrbergamteö die Akten wieder zugesandt worden. Und am 23. September hat dann auch das Oberbergamt mit der Zu- sendung der Akten ausgesprochen, daß seines Erachtcns ein Verstoß gegen K 41 der Bergpolizeiverordnung vorliege und der Staats- anivaltschaft anheim gegeben werde, Anklage zu erheben. Tann hat die Staatsanwaltschaft am 5. Oktober gegen den Bctriebsführer Rüther ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Seit Einleitung dieses Verfahrens sind nunmehr wieder volle vier Monate vergangen, ohne daß man weiß, was auS der Sache geworden ist.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dabei hat in diesen vier Monaten die Staatsantvaltschast gar keine Zeit ge- fundcn, die Arbeiter zu vernehmen. Wenn die Arbeiter nicht bald vernonuncn werden, wird nie Licht in d«S Dunkel kommen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Mühlen der Gerechtigkeit mahlen in diesem Falle sehr ] langsam.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Aber nicht »immer mahlen sie so langsam. Sie können es uns nicht ver- denken, wenn wir in dieser Beziehung Vergleiche anstellen. Die Arbeiter sagen: nach dem Bergarbeiterstreik wäre viel schneller gearbeitet worden.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Soll ich Sie erinnern an die schnelle Justiz, die in Sachsen nach dem 21. Januar geübt ist?(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Hat dort nicht der sächsische Justizminister selbst aufgefordert, schnell zu arbeiten?(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die„Bergarbeiter-Zcitung" hat sofort die Beschuldigung erhoben, daß die Beamten die Schuld träfe. Trotzdem ist teure Airklage gegen sie erhoben. Wenn ich auf den Vorfall selbst eingehe, so stütze ich mich dabei auf die Schilderungen der Arbeiter, die Dar- srellung der„Bergarbeiter-Zeitung" und des Ministers Dr. Delbrück. Nach der Darstellung der Zechenverwaltung ist der Brand auf der 5. Sohle durch die Explosion einer Petroleumlampe am Füllort entstanden. Als die Arbeiter morgens die Arbeit beginnen wollten, mußten sie einen großen Holzstapel beseitigen, und dabei ist das Unglück geschehen Die Lampe war in vollständig ungeordneten, Zustande.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Das Gehäuse hatte keine einzige ganze Scheibe.(Hört! hört! bei den Sozial- dcmokraten.) Darauf haben die Bergboamten wohl niemals ge- achtet. Nach den Ausführungen des Hcmdclsininisters im Ab- geordnetenhause durfte am Füllort gar� keine Petroleumlampe brennen, wenn er nicht feuerdicht abgeschlossen toar. Das traf hier nicht zu.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In Wirklichkeit hatten wir es mit einem Füllort zn tun, der rings von Holz um- kleidet war.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Berg- beamten haben offenbar auch nichts davon gewußt, daß schon einmal an derselben Stelle ein Brand stattgefunden hatte. Daß das Feuer rasend schnell um sich griff, ist natürlich, denn es fand genügend Nahrung an dem vielen Holz. Ja, noch mehr, es ist am Füllort auch gar kerne Löschcinrichtung vorhanden gewesen. Ter Herr Minister sagte, sie konnte in der Eile nicht gefunden werden!(Hört! hörtl bei den Sozialdemo- kraten.) Tie Arbeiter behaupten, die Hydranten waren überhaupt nicht vorhanden, auch der stellvertretende Betriebsführer Haust- mann hat von ihrem Vorhandensein nichts gcwustt.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Schacht soll nach den Vorschriften ständig in feuchtem Zustande sein. Eine Beriefelungsanlage war da, aber die Arbeiter konstatieren, dast sie seit Monaten nicht in Funktion gewesen ist!(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Der Minister Delbrück hat— gestützt auf. eine Mitteilung deö Oberbergomts Dortmund— behauptet, daß die Berieselung nur wenige Stunden infolge von Reparaturen außer Betrieb war; tvenn diese Angabe wahr wäre, hätte sich das Feuer unmöglich so schnell ausbreiten köimcn.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das Unglück ist also durch Außerachtlassung der notwendigsten Sichcrheitsmaßrcgeln herbeigeführt. Etz wäre verhütet worden, wenn die Beamten auf dem Posten gewesen wären. Doch es ist noch mehr versehen worden. Es fehlte sogar an den notwendigen Rettungsapparaten. Diese mußten erst von einer Nackchargrube herbeigeholt werden.(Hört! hörtl) Herr Minister Delbrück frei- lich meinte, es wäre nicht Vorschrift gelvesen, daß auf jeder Grube Rettungsapparate vorhanden seien. Ein trauriges Zeichen für unsere Sozialpolitik, toenn ein Minister so ctlvas sagen kann. (Sehr lvahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Fahrlvcge, durch welche die Arbeiter sich retten mußten, befanden sich in unglaub- lichem Zustand. Die Sprossen waren zum Teil verfault, fehlten zum Teil überhaupt, die Leikcrn schwankten hin und her. Die „Bergarbeiter-Zeitung" schrieb eine Woche nach dem Unglück, schon seit 4 Jahren sei der Schacht in unvorschriftSmästigem Zustande ge- wesen. Was jetzt als Zusammentreffen unglücklicher Zufälle er- scheint, sei in Wahrheit nur die Folge einer jahrelangen Lodderwirtschaft. Die Bergbehörde hat hierauf nicht geantwortet und die Staats anwaltschaft auch nicht! Ter Direktor der Grube„Borussia" scheint ein sehr spar samer Mann zu sein. Als er einmal die Schachtberieselung in Funktion sah. meinte er: Ihr glaubt wohl, daß das Ruhrwasser kein Geld kostet?(Hört! hört!) Die„Bergarbeiter-Zeitung" hat berichtet, daß man die obere Bergbehörde getäuscht hat, indem man die Gruben nicht mit Leitungswasser berieselte, sondern mit Gruben Wasser. Es wurde ein Rohr nach dem Wasserreservoir angelegt, und wenn dies leer war, ließ man es wieder voll Grubenwasser laufen, nm damit die Grube zu berieseln.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Eine Bcrichtigunig dieser Behauptung ist nicht erfolgt. Sie mutz also wohl auf Wahrheit beruhen. Zu alledem kommt, daß die Arbeiter auf der Grube„Borussia sich eine besonders niederträchtige Behandlung gefallen lassen mußten. DaS Gedinge wurde einfach willkürlich be- stimmt, und wenn die Arbeiter es nicht anerkennen wollten, wurden sie mit Entlassung bedroht.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Die Zahl der Abkehrungcn ist auf der Grube sehr groß. Seit 1002 hat die Grube nicht weniger als 4 Bctriebsführer auf- zuweisen.(Hört! hört!) ES müssen also dort schreckliche Zustände bestehen. Wer hat nun eigentlich die Schuld an diesem Unglück? Der Arbeiter, der das Stück Holz hinter sich warf? Er war aber dazu gewissermaßen gezwungen; denn wenn er sich noch in Ruhe um- gesehen hätte, was daraus wurde, so lief er Gefahr, ohne weiteres entlassen zu werden, da die Vorschrift bestand, daß im Fördern nicht die geringste Pause gemacht werden dürfe.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Daß ihm' keine Schuld trifft, geht auch daraus hervor, daß die Staatsanwaltschaft nicht gegen ihn ein- geschritten ist. Wer hat die Schuld? Wenn hier im Hohen Hause Feuer aus- bräche, würde auch eine große Verwirrung entstehen. Gegen den Inspektor Rüther ist das Verfahren eröffnet. Die„Bergwerks- Zeitung", das Organ der Unternehmer hat zwei Tage nach dem Unfall erklärt, die Behörde habe festgestellt, daß die Bergwerksver- Wallung keine Schuld treffe.(Hörtl hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Wenn nur die Hälfte von dem, was ich angeführt habe, wahr ist, so genügt es, um gegen die Betriebsbeamten und die ver» antwortlichen staatlichen Aufsichtsbeamten in der schärfsten Weise vorzugehen.(Sehr lvahr! bei den Sozialdemokraten.) Will die Regierung eine solche Lodderwirtschaft aufrecht erhalten? Wie kann Abhülfe geschaffen werden? Ter Kontrollapparat ist viel zu klein. 222 Beamte einschließlich der Bureaubeamten können nicht 2163 Betriebe kontrollieren. Gegen die Teilnahme der Arbeiter an der Kontrolle hat sich im Abgeordnetenhause der Bergwerksdirektor Hilbck erklärt. Es trifft sickx gut, daß gerade in diesen Tagen ein Arbeitgeber aus dem Baugewerbe auch als Referent im württem- bergischen Landtag erklärt bat, die Heranziehung von Arbeiter- kontrolleuren habe sich bewährt. Von 1384— 1004 sind nicht weniger als 120 000 Tote auf dem Schlachtfeld der Industrie und der Arbeit geblieben. Hier sollt« das Reich eingreifen. Wenn die Besitzer der Zeche„Borussia" von der Regierung gezwungen worden wären. Geld für Schntzmaßregeln anfzutvcnden, so wäre der Brand vermieden worden, und es wären die Hunderttausende, ja vielleicht Millionen gespart worden, die für die Wiederinbetriebsetzung der Zeche aufgewendet werden müssen. Graf Posadowsky wirft uns vor, wir erkennen nicht an. Was Regierung und bürgerliche Parteien auf dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung geleistet haben, Wir haben stet? den Wert der Gewerbegerichte, der Unfallversicherung und der Krankenversicherung anerkannt. Die Regierung sollte aber endlich einen wirklichen Arbciterschntz schaifen, dann werden die Arbeiter auch in der Lage sein, ein anerkennendes Wort zu sprechen; denn damit wäre den Interessen des ArbeiterstandeS wirklich gedient.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Giesbcrts(Z.): Der Abg. Hue hat mir gestern vorgeworfen, daß ich in der Dienstagssitzung, in der diese Interpellation ursprünglich besprochen werden sollte, nicht anwesend gewesen bin. Ich halte zuerst einen Vormundschaftstermin und außerdem eine Vorstandssitzung des Ver- sichcruugsvcreins für Westfalen. Also war mein Fernbleiben von der Sitzung wohl entschuldbarer als die blamable Tatsache, daß die Sozialdemokraten am Tage, wo ihre eigene Interpellation auf der Tagesordnung stand, keine 50 Mann zur Stelle hatten.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Das Zentrum wollte die Angelegenheit im Abgeordnetenhause ursprünglich erst beim Bcrgctat zur Sprache bringen; nachdem aber hier die sozialdemokratische Interpellation eingebracht wurde, haben auch wir im Landtage interpelliert. Ich bin nicht Fachmann, aber nach den Ausführungen der Abgg. Brust und Trimborn und des Herrn Vorredners muß ich sagen: Sind denn die Petroleumlampen im Bergbau bei unserer moderneu Technik nicht zu vermeiden? Vielfach sind es zweifellos Spar- samkcitsrücksichten am unrechten Orte, welche die Gruben davon abhalten, moderne Lampen einzuführen.(Hört! hört! bei den Soz.) Wenn die Angaben der„Bergarbeiter-Zcitung" richtig sind, liegen ganz grobe Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften vor. Wenn die Staatsanwaltschaft gegen diese Veröffentlichungen nicht vor- gegangen ist, liegt die Vermutung nahe, daß hier recht viel faul ist im Staate Dänemark und daß man sich gescheut hat, auf die Sache näher einzugehen, weil man fürchtete, daß doch allzu viel schmutzige Wäsche dabei zutage kommen würde. Ein Hauptmittel, um solche Unglücksfälle zu vermeiden, ist zweifellos, daß man die sachkundigen Arbeiter zn der Inspektion hinzuzieht. Wenn das heute nicht geschieht, so liegt das daran, daß gerade unter den Grubenmagnaten das Herreninenschrntum besonders stark vertreten ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es wird nichts helfen, die Zustände werden nicht besser werden, als bis ein Rcichsbcrggcsetz geschaffen sein wird, damit hier im Reichstage eine Instanz geschaffen wird. von der aus die Zustände kontrolliert werden können. Ich hoffe, das beklagenswerte Unglück wird ein warnendes Zeichen für uns sein, weiter in der Arbeiterschutzgesetzgebung fortzufahren; denn die Gesamtheit und das Wohl der Arbeiter sind die Grundlage der gesamten nationalen Produktion.(Lebhafter Beifall im Zentrum und links.) Abg. Bcumcr(natl.): Meine politischen Freunde haben im Abgcordnctenhause schon alles Notwendige gesagt.(Zwischenrufe bei den Soz.) Herr Abg. Hoffmann, wenn ich in Ihrer Sprache sprechen würde, würde ich sagen: Ich bitte, mir nicht zu unter- brechen.(Zwischenruf des Abg. Adolf Hoffmann: Wenn ich so lange die Schulbänke gedrückt hätte wie Sie, würde ich ebenso gutes Deutsch sprechen und nur halb so dumm sein wie Sie.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Präsident Graf Ballestrcm: Herr Abg. Hoffmann, Sie haben soeben die Acußerungen eines Kollegen als dumm bezeichnet. Ich rufe Sie zur Ordnung.(Zwischenruf des Abg. Hoffmann: Das habe ich gar nicht gesagt.) Abg. Beumer(natl.)(fortfahrend): Ich bedauere, daß die Mitteilungen der Regierung nicht früher veröffentlicht wurden, schon damit die Darstellungen einer gewissen Presse zurückgewiesen werden konnten. Die Bewässerungsanlcmen der Grube„Borussia" sind an sich gut, sie wird seit 1003 mit Ruhrwasscr bewässert. Ter Schacht ist nicht mit Steinen, sondern mit Holz ausgebaut. Das liegt an den finanziellen Verhältnissen der Grube, die mit Zubuße gearbeitet hat. Die beteiligten Gewerke haben seit Jahrzehnten ohne Reute große Opfer gebracht. Die Arbeiter haben ihren Lohn erhalten. Ein Stillegungsangebot haben die Gewerke abgelehnt. Hätten sie das nicht getan, so wäre zweifellos ein großes Geschrei darüber erhoben worden. Sofort, als der Geldmangel für die Zeche beseitigt war, ist sie dazu übergegangen, einen ganz modernen Schacht zu errichten, der leider noch nicht fertig war, als das Unglück eintrat. Den bergpolizcilichen Vorschriften muß die Grube trotzdem jederzeit entsprochen haben, denn MonitaS bei der Revision sind nie erfolgt! Jetzt ist ein Unterstützungsfonds von 40 000 M. für die Hinterbliebenen der Verunglückten von der Zechenverwaltung gc- gründet, auf dessen Verteilung aber die Verwaltung keinen Einfluß mehr hat. Noch ein Wort über die Arbeiter als Grubenkontrolleure. Würden wir nnS von dieser Anstellung eine Verminderung der Gefahren des Betriebes versprechen, so wären wir sicher die ersten. die Arbcitcrkontrollenre anstellten; die Unternehmer haben doch am wenigsten ein Interesse daran, daß etwa jeden Tag eine Explosion stattfindet.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Der Grubenarbeiter kennt sicher sehr genau seine eigene Grube; ob er aber befähigt ist, die Verhältnisse eines größeren Komplexes von Gruben zu beurteilen, bezweifle ich; dazu gehören technische und chemische Kenntnisse. Abg. Lenzmann(frs. Vp.): Auch wir unterstützen die Jnter- pcllation aus dem Gefühl der Gerechtigkeit, der Humanität und weil sie geradezu empörende Zustünde in unseren westfälischen Olrubeu aufgedeckt hat.(Sehr richtig! links.) Das Verhalten der Regierung ist geradezu unqualifizierbar.) (Sehr wahr! links.) Graf Posadowsky befindet sich nicht in Ueber- cinstimmung mit Dr. Delbrück, denn dieser hat erklärt, daß er nicht glaube, daß das Verfahren eingestellt werde, daß er ferner das Material nicht veröffentlicht habe, weil es ihn nicht zutreffend erscheine. Wie kann da Graf Posadowsky behaupten, daß die Sach- läge klar sei und reichsgefetzliche Bestimmungen nicht verletzt seien? Demgemäß hat Graf Posadowsky seinen eigenen Kollegen in Preußen desavouiert. Daß er den Sitzungssaal verlasse» hat, zeigt nicht bloß eine Mistachtung der Arbeiter, sondern auch des Reichstags. Ich bedauere, daß uns die Geschäftsordnung kein Mittel gibt, die Beratung auszusetzen und den Reichskanzler zu zwingen, hier Rede und Antwort zu stehen. Mir ist mitgeteilt worden, daß seit Monaten auf der Zeche„Borussia" nicht revidiert sei. Ist etwa die letzte Revision von dem Beamten vorgenommen, der dem Handels- minister den Bericht geliefert hat und selbst vielleicht nicht un- schuldig ist? Ich will gewiß meine Kollegen von der Staats- anwaltschaft und Justiz nicht denunzieren, aber 7 Monate sind für eine solche Untersuchung nicht nötig. Ich habe einmal in einer Sache verteidigt, da waren 68 Bergleute unter Anklage gestellt, die revoltiert hatten, weil die Zeche heimlich falsche Fördergcfäße für das Nullen untergeschoben hatte. Ta war in wenigen Tagen die Anklage da!(Hört! hört! links.) Wie hieß diese Zeche? Es war die Zeche„Borussia"!(Bewegung.) Ich will dem Abg. Beumer gegenüber nicht auf die„Bergarbeiterztg." verweisen, sondern auf ein Blatt, das ihm nahe steht, die„Rheinisch-Westfälische Zeitung".(Abg. Dr. Beumer: Die steht mir gar nicht nahe!) Dieses Blatt hat sich sehr scharf über die Unternehmer geäußert. Nicht aus agitatorischen Gründen, sondern im Gefühl der höchsten Empörung über die Unterlassungen sprechen wir unsere Freude über die Einbringung der Interpellation aus. In Parenthese will ich bemerken, daß ich mit dem Abg. Giesbcrts für Zulassung von Arbeiterkontrolleurcn bin im Gegensatz zum preußischen Berggesetz, das den?lrbeitern statt Brot Steine gibt.(Beifall links.) Slbg. KulerSki(Pole): Die Interpellation ist durchaus gerecht- fertigt. AuS den Ausführungen des preußischen Handelsministers geht hervor, daß das Unglück entstanden ist infolge der unzu- reichenden Tätigkeit der Ueberwachungsbeamtcn und infolge der Gewissenlosigkeit der Grubenbesitzer. Nach den Schilderungen, die wir hier gehört haben, waren die Zustände auf der Grube unter aller Kritik. Wenn statt der Menschen Tiere in der Grube gewesen wären, deren Beschaffung Kosten verursacht hätte, so wären die Verhältnisse wohl verbessert worden. Aber es handelt sich ja nur um Menschen, die leicht zu ersetzen sind. Es wäre Pflicht der Rc- gicrung gewesen, nach der Katastrophe schnellstens eine amtliche Darstellung zu veröffentlichen. Der Bcteiligimg der Arbeiter an der Grubenkontrolle sind die nationalliberalcn Redner im Ab- geordnetenhause aus politischen Gründen schroff entgegengetreten. DaS Ist das Charakteristische dieser Partei, die ja hauptsächlich das Interesse der Kohlenprotzen vertritt, dah sie hier von politischen Gründen spricht, wo es sich um Leben und Gesundheit der Arbeiter handelt. Der Handelsminister hat anerkannt, dah die Beteiligung der Arbeiter an der Grubenkontrolle in England sich bewährt habe. Aber leider kümmert sich ja die preußische Regierung nicht um das Wohl der Arbeiter. Vizepräsident Dr. Paasche erklärt eine derartige Aeufjerung für nnznlässig!! Abg. Knlerski(fortfahrend): Dann will ich sagen, daß die preußische Regierung sich z u wenig um das Wohl der Arbeiter kümmert, sonst würde sie doch da, wo viele Polen beschäftigt sind, dafür sorgen, daß die Schutzvorschriften auch in polnischer Sprache hergestellt werden. Die preußische Regierung schützt nur die Mäch- tigen, nicht aber die Schwachen. Wir können eine Besserung der Verhältnisse nur von einer Reichsgesetzgebung erwarten.(Beifall be» den Polen und Sozialdemokraten.) Abg. Hue(Soz.): Zur Beruhigung des Abgeordneten Giesberts kann ich ihm mitteilen, daß ich bereits eine Erklärung in die Presse gegeben habe, daß das Fehlen des Abg. Giesberts entschuldigt war. Ter Abg. Beumer kennt die Grube„Borussia" gar nicht, er ist meines Wissens niemals da gewesen. Er hat eine Skizze über die angebliche Bewässerung der„Borussia" auf den Tisch des Hauses niedergelegt, aber diese beweist gar nichts. Mg. Beumer weist darauf hin. es stände auf der Skizze: Hier wird mit Ruhr- Wasser bewässert. Tos kommt mir vor, als wenn ein Kind auf einer Schiefertafel irgend etwas einkritzelt und dazu schreibt:„Das ist ein Mann!"(Heiterkeit!) Abg. Beumer behauptet, seit 1890 sei kern Sumpfwasser mehr verwendet worden. Als ich aber im vorigen Jahre darauf hinwies, es werde in der„Borussia" Sumpf- tvasser verwendet und das sei gefährlich wegen der Wurmkrankheit. da schrieb das nationnlliberale„Rheinisch-Westfälische Tageblatt": Ja, es wird dort Sumpfwasser verwendet, das ist aber nichts Be- sonderes.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Damit sind dre Erklärungen des Herrn Kollegen Beumer widerlegt. lBeifall be, den Sozialdemokraten.) Der Abg. Beumer hat erzählt von dem beabsichtigten Neubau eines Schachtes. Aber bei diesem Schacht handelt es sich gar nicht um die„Borussia", sondern um die bcnach- barte neue Zeche„Oespel".(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Gewiß hat die Zeche„Borussia" viel Zubuße erfordert. Aber 1870 bis 1874 hat dieselbe Zeche 12— 14 Proz. Dividende gezahlt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In der Zeit des Gründungs- fiebers, des Gründungsschwindels hat man dort eben mit Menschen und Mineralien Raubbau getrieben.„Nach uns die Sintflut." Und jetzt, wo die Sintflut gekommen ist, wo die Ausbeuter nicht mehr bezahlt werden können, will man damit entschuldigen, daß man in frivolster Weise Bergarbeiterleben gefährdet hat?(Sehr gut bei den Sozialdemokraten.)— Der Abg. Beumer sprach von einer Berichtigung, die der„Bergarbeiterzeitung" zugegangen sei. Es ist wahr, daß wir einen nicht unterschriebenen Zettel bekommen haben, in dem uns mitgeteilt wurde, daß die Verwaltung für die Hinter- bliebenen 40 090, nicht 30 000 M.. bereitgestellt habe. Wir forschten nach dem Urheber dieser Benachrichtigung, und siehe da, sie kam nich, von der Zechenverwaltung, sondern von dem königlichen Landrats- amt.(Vielfaches lebh. Hört! hört! links.) Vielleicht werden wir noch bei anderem Anlaß Gelegenheit haben, die Identität des Land- ratsamtes mit der Zeche„Borussia" ausgiebig zu erörtern. Die Erklärung des Ministers Delbrück hat mich insofern sympathisch berührt, als er nicht— wie es früher oft von seinem Platze aus geschehen ist— die armen Opfer noch obendrein beschimpft hat. Aber der Minister hat erklärt, daß alle Vorsichtsmatzregeln getroffen, alle Verordnungen innegehalten waren. Soll das die Vorbereitung zur Einstellung des Strafverfahrens sein oder wofür will man noch die Betriebsleitung bestrafen, wenn alles doch in Ordnung war? Daß die Regierung leider nicht vertreten ist, könnte uns, wenn wir agitatorisch wirken wollten, nur lieb sein. Die einfache Tatsache, daß die Regierung so gleichgültig gegenüber dem Tode von 39 Bergleuten ist, daß auch nicht ein einziger Regierungskommissar hier im Hause weilt, wird im Laude draußen ein brausendes Echo wecken.(Lebh. Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Ich behaupte, daß der Minister in wesentlichen Punkten falsch unterrichtet worden ist, und ich will das auch anficrhalb des Hauses vertreten. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das, was in der„Berg- arbeiterzcitung" gestanden hat, habe ich 3 Wochen nach dem Unglück in einer von Hunderten von Bergarbeitern besuchten Versammlung dicht neben der Zeche„Borussia" wiederholt in Gegenwart eines Polizeivertreters, der sich außerdem noch einen Stenographen mit- brachte, aber es ist nichts darauf erfolgt. Wir haben durch den Vater eines der getöteten Arbeiter einen Strafantrag bei dem Staatsanwalt eingereicht gegen die Grubcnverwaltung, alles ist vergeblich gewesen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nichts ist geschehen, um das ungeheure Unglück zu erklären. Ich habe alles getan, um die Herren zum Reden zu bringen, sie haben geschwiegen, und sie wissen warum. Ich habe hier erklärt, es wären Verbrechen über Verbrechen be- gangen, und ich werde den Nachweis bringen, daß man alle Ursache hatte, die Frage„Borussia" nicht vom RegicrungStische zu beant- Worten. So unsympathisch mir der Betriebsführer Rüther ist, so kann ich doch nicht zugeben, dah er der Schuldige ist. Zu mir sind Beamte, sogar höhere Beamte gekommen und haben nur erklärt, es wäre gar kein Wunder, wenn derartiges vorkäme;(Hört! hört!) denn die Unterbcamten bis zum Betriebsführer hinauf werden gerade so drangsaliert und schikaniert wie die Arbeiter. Es wird von ihnen eine bestimmte Fördermenge verlangt, die Aufsichtsräte und Aktionäre dringen darauf, daß die Selbstkosten so viel wie möglich heruntergedrückt werden.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- katen.) Die Beamten düxfen— ich spreche nicht nur von„Borussia" — nicht einmal das ihnen notwendig erscheinende Holz zum Ver- zimmern der gefährdeten Strecken anwenden. Sie sind nicht die Schuldigen. Höher hinauf müssen wir gehen. Die armen Steiger werden auch gejagt von Pontius zu Pilatus. Nicht einmal der Direktor ist der eigentlich Schuldige, nein, die eigentlich Schuldigen sitzen in den Bureaus der großen Bank- Häuser von Berlin, Frankfurt, Köln. Von dort auS wird über Leben und Tod Hunderttausender von Berg- arbeitcrn verfügt. Tie Herren haben dort keine Kenntnis von den Verhältnissen, weder berufliche noch lokale; sie verlangen einfach eine entsprechende Dividende, und nun, Bergmann, nun. Beamter. schinde sie heraus, wie es geht. Darin erblicke ich die Ursache der Verschleppung dieser Affäre, daß— wenn man den wahren Schuldigen treffen will— man hoch hinauf in die Kreise der Geld- aristokratie im Ruhrgcbiet fassen inufi. Im Aufsichtsrat sitzen Herren, die zu gleicher Zeit eine maßgebende Rolle spielen in der Essener Kreditanstalt, dem Hauptbankgeschäft für die.Montan- industrie im Ruhrgebict. Die Namen der Herren kann man her- ausfinden, wenn man beobachtet, welche Herren am meisten Auf- sichtsrats- und Verwaltungsstellen im Bergwerks- und Hütten- betriebe einnehmen! Wenn Sie die Affäre„Borussia" wirklich ver- stehen wollen, so müssen Sie den Einfluß der reinen Finanziers auf die Industrie in Betracht ziehen. Das Gefühl der Barzahlung ist das einzige, was diese Leute mit den Beamten und Arbeitern in der Industrie verbindet.— Bömclburg hat schon darauf hingewiesen, daß die Zeche„Borussia" 1902— 1904 vier Betriebsführcr gehabt hat. Mit Recht heißt es auch, die Beamten haben ihr Quartier auf Möbelwagen usw. Der Herr Minister sagte, bei den Nettungs- arbeiten habe es sich herausgestellt, daß die Handhabung der Rettungsapparate eine sehr schwierige Sache ist. Auf der Weltaus- stellung aber funktionierten die Apparate doch ausgezeichnet! Der Minister meinte demgegenüber, es fehle an der nötigen Schulung in der Handhabung. Ja, warum fehlt es denn an der nötigen Schulung? Auf der Zeche„Shamrock" ist die Arbeiterschaft vor- füglich in der Handhabung der Rettungsapparate geschult. In den preußischen Gewerbeinspcktionsberichten von 1893 können Sie nach- lesen, daß damals schon die Einrichtung von Rettungsapparaten als dringend notwendig bezeichnet worden ist. Am 4. November fand nämlich auf derselben Zeche„Borussia" ein schlagendes Wetter statt, durch das 7 Menschen getötet wurden, und auf der Zeche«Zollern" hatte sich ein ähnliches Unglück ereignet. Da hieß es in dem amt- lichen Berichte:„Beide Unglücksfälle weisen darauf hin, daß es ein dringendes Bedürfnis ist, Rettungswerke zu schaffen."— Jetzt aber— im Jahre 1905— sind keine Rettungsapparate geschaffen worden.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Minister weiter erklärte, es sei eine Berieselungs- anlage vorhanden gewesen, und noch zwei Tage vor dem Unglück sei berieselt worden so hat mein Genosse Bömclburg schon mit Recht darauf hingewiesen, daß dann von einer solchen Trockenheit der Zeche, daß jener Brand entstehen konnte, gar keine Rede hätte sein können. Zur Sicherheit habe ich mir aber noch von meinen Freunden. die selbst in der Zeche gearbeitet haben, heute ein Telegramm schicken lassen, welches lautet: Monatelang nicht berieselt. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Es heißt weiter in dem Telegramm: Die Arbeiter mußten beim Ein- und Ausfahren Mund und Nase schließen, so stark war der Kohlenstaub.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ist das ein Beweis dafür, daß Berieselungs anlagen vorhanden waren? Ferner funktionierte der Alarmapparat ganz ungenügend. Nachdem 6,20 Uhr der Brand ausgebrochen war, wurden noch 6,30 Uhr Arbeiter in die Baue hineingcschickt, um dort Kohlen zu holen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Nur teilweise wurden die Arbeiter alarmiert. Alle Arbeiter erklärten übereinstimmend, daß von einer rechtmäßigen Meldung ihnen nichts bekannt geworden ist. Nach dem Unglück von 1898 schrieb ich einen Artikel in der „Bergarheiterzeitung", in dem ich schwere Mißstände feststellte. Da- mals erhielt ich eine Anklage, und die Verhandlung ergab außer- ordentlich schwere Verfehlungen gegen die Schutzbestimmungen. Alle meine Anklagen wurden als sachlich richtig nachgewiesen.(Vielf. Hört! hört!) Darum also hat man diesmal gegen mich keine Anklage erhoben. In jener Verhandlung sagte der Rcvicrbcamte des dortigen Bezirks, königlicher Bergrat Scharf, als vereidigter Sachverständiger aus, die Zeche„Borussia" habe freiwillig die Be- rieselung eingeführt; ich konnte ihm sofort nachweisen, daß er sie seihst anbefohlen hatte. Zum Lohne wurde er bald darauf zum Oberbergrat hefördert.( Heiterkeit und hört! hört!) Aber ist denn der Fall„Borussia" der einzige dunkle Punkt in der Geschichte des preußischen Bergbaus? Im Jahre 1897 raffte das schreckliche Unglück auf der Grube„Paulinenglück" 116 Bergleute mit einem Schlage hinweg. (Bewegung.) Ich wünschte, die Herren, die im Borjahr so heftige Reden über die kontraktbrüchigen» aufsässigen Bergarbeiter gehalten haben, ich wünschte, der Freiherr v. Burgsdorff wäre einmal mit mir die lange Reihe der Toten abgeschritten, dann wollte ich mit ihm weiter über das unerträgliche Los der Bergarbeiter diskutieren. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich habe damals in der „Bergarbeiterzeitung" festgestellt, daß auf der Grube keine Be- rieselung, keine Ventilation vorhanden war, daß die Schächte viel- fach so niedrig waren, daß man auf dem Bauche kriechen mutzte. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich habe eine ganze Reihe sehr schwerer Anklagen erhoben: noch heute warte ich auf die An- klage, obwohl ich mich selbst dem Staatsanwalt angeboten habe. Gegen meine Kollegen von der Presse geht man in der simpelsten Beleidigungssache mit dem Zeugniszwang vor, zu uns kommt in diesen schweren Fällen kein Staatsanwalt.(Sehr wahr! links.) Auf der Zeche„Obcrhausen" hatte man in der frivolsten Weise einen sehr gefährlichen Ort verschlagen, kurz bevor die oberste Be- fahrungskommission die Grube inspizierte, und als die Unter- suchungskommission weg war, arbeitete man da lustig weiter.(Viel- faches hört! hört!) Kurz danach kamen durch eine Explosion an dieser Stelle zwei Bergarbeiter zu Tode. Und wiederum: wir warten noch heute auf die Anklage.(Hört! hört!) Geradezu un- glaublich war der Schachteinsturz in Zeche„Gustav" bei Oberhausen 1898. 6 Tote! Die..Bergarbeiterzeitung", die Herr Beumer so gern alS unkontrollierbares Organ bezeichnet, hat damals außer- ordentlich schwere Verfehlungen gegen die bergpolizeilichcn Vor- schriften festgestellt. Die Bergbehörde schickte nicht an sie. wohl aber an die„Köln. Volksztg." eine Berichtigung, daß die Gefähr- lichkeit des Schachtes sich erst wenige Tage vor dem Unfall her- ausgestellt häkle. Ich kann der„Köln. Volksztg." versichern, daß sie in der schäbigsten Weise beschwindelt worden ist. Ich lege den urkundlichen Beweis dafür, wie in Preußen mit dem Leben der Bergarbeiter gespielt wird, auf den Tisch des Hauses nieder. Der verantwortliche Obersteiger auf Zeche„Gustav" hat bereits Monate vor dem Unglück an den verantwortlichen Revier- beamten Bergassessor Schulzc-Wellinghausen folgenden Brief ge- richtet:„Bei der Abtäufung des neuen Schachtes hat man mir sogar zugemutet, statt teurer Eichenbretter init Tannenholz zu verschlagen." Der pflichttreue Beamte will das Verbrechen eben nicht mitmachen. „Es gab manchen unliebsamen Auftritt. Schon 1897, als ich zu dieser Grube kam. war der Schacht in einer Verfassung, die aller Beschreibung spottet.?!och heute ist es mir unbegreiflich, wie es ohne besondere Unglücksfälle hat abgehen können.(Vielfaches Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Bei meinem Eintrittjjabe ich erst durch ununterbrochene Arbeit von 24, 36 und 48 Stunden den Schacht wieder in einen erträglichen Zustand gebracht. Ich begreife nicht, wie mein Vorganger, der heute wieder die Leitung des Schachtes hat, es zu solchen Zuständen hat kommen lassen können. Unter den Stützhölzern sind solche, die man init bloher Hand zcr- drücken kann, wovon die königliche Bergbehörde sich noch heute auf der ersten Sohle überzeugen kann."(Die Verlesung des Briefes ruft im ganzen Hause lebhafteste Belvegung hervor und wird von der Linken mit vielfachem Hört! hört! begleitet.)� Die Bergbehörde hat nicht darauf reagiert— im August ist der Schacht zusammen- gebrochen.(Vielfaches lebhaftes Hört! hört! links.) An diesen Fall schloß sich eine Gerichtsverhandlung, in der von der Grubenverwaltung Schachthölzer vorgelegt wurden, von denen die Bergarbeiter in öffentlicher Versammlung erklärten, daß diese Hölzer niemals im Schacht gewesen seien!(Lebhaftes Hört! hört! bei den Sozialdeinokraten.) Es ist noch nichts geschehen in der Sache; weder die„Aergarbeiterzeitung". die das berichtet hatte, noch die Arbeiter haben eine Anklage erhalten, sie sind nicht einmal vernommen worden, und der Betriebsführer wurde freigesprochen. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich will mit der Er- wähnung derartiger Fälle»ur bezwecken, die Aufmerksamkeit der Oeffcntlichkeit auf diese Zustände zu lenken, damit wir von Kata- strophen bewahrt bleiben, die Hunderten und Aberhunderten von Menschen Leben und Gesundheit kosten. Auf der Zeche„Herkules" verunglückte 1900 ein Arbeiter, der nach dem llntcrsuchungsprotokoll der Bergbehörde verbotswidrig eine gefährliche Stelle betreten haben soll. Ein Arbeiter wies aber im„Essener Beobachter" nach, daß jener nicht verbotswidrig dahin gegangen sei, sondern auf Veranlassung des Steigers. Der Steiger wollte erst einen erfahrenen Bergmann an die gefährliche Stelle schicken, dieser aber weigerte sich, dahin zu gehen! In einer von dem verunglückten Bergarbeiter beantragten Untersuchung durch die Bergbehörde hat sich die Wahr- heit seiner Behauptungen herausgestellt. Weitere Folgen hat das weder für die Zechenverwaltung noch für den Arbeiter gehabt. Auf einer anderen Grube stürzte ein Artzeiter ab, und gleich nachher wurde an derselben Stelle eine Sichcrheitsstange angebracht. Die Bergbehörde berichtete, die Stange sei schon immer dagewesen! (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wir stellten aber den Tatbestand fest und erklärten, die Bergbehörde sei beschwindelt worden. Aber bis heute warten wir noch auf eine Anklage wegen Beleidigung und auf eine Vernehmung in dieser Sache. Es ist sehr erfreulich, dah die Abgg. Lenzniann, Giesberts und Kulerski sich der Forderung nach Arbeiterkontrolleurcn angeschlossen haben. Daß der Abg. Beumer dagegen ist, wundert uns ja weiter nicht. Zur Charakterisierung der Gesellschaft, die ihm nahe steht und die sich nicht genug darin tun kann, ihren angeblichen Patriotismus an den Tag zu legen, möchte ich folgendes bemerken: Als das Unglück auf der Zeche„Karolinenglück" passiert war, er- klärte der damalige Minister Brefeld, �nach seiner Ansicht wäre cS gut, Arbeiterkontrolleure einzustellen. Sofort aber erhob sich in der nationalliberalen Zechenpresse ein großes Geschrei, und den noch gar nicht eingeführten Arbeiterkontrolleurcn wurde das Wort: „Grubcngendarmen" an den Kopf geworfen. Die Kontrollcure wurden dann nicht eingeführt, und der Minister Brefeld legte im Abgcordnetenhausc das Geständnis ab, er habe die Einführung unterlassen, weil er fürchtete, die Bergwerksbesitzer würden die Arbeiterkontrolleure maßregeln.(Hört! hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Der Abg. Beumer war ia wohl selbst in England, jedenfalls wird er wissen, daß in England die Arbeiterorganisationen die Kon- trolleure stellen. Wenn der Abg. Beumer also angab, daß die in- spizierenden Beamten in England nicht so zahlreich sind wie in Deutschland, so hätte er die Pflicht gehabt, hinzuzusetzen, daß in- folge der Arheiterkontrolleure nicht so viel inspizierende Beamte notwendig sind. Aber nicht nur in England haben sich die Arbeiter- kontrolleure bewährt, sondern auch in Frankreich und Belgien. �Wenn Sie diesen Tatsachen gegenüber immer noch das abgenutzte, gänzlich verbrauchte Steckenpferd von der sozialdemokratischen Agitation gebrauchen, so mutz man wirklich sagen, es ist den Herren ganz gleichgültig, ob Hunderte oder Tausende von Arbeitern verunglücken. Es ist sehr bedauerlich, daß die Herren von der Regierung und die Abgeordneten von der Rechten nicht hier sind; denn ich möchte ihnen sagen, daß allerdings in den letzten Jahren eine autzerordent- liche Abwanderung von Arbeitskräften aus dem Osten nach dem Westen stattgefunden hat. Aber nur deshalb, weil die Zechenver- waltungen des Ruhrgebietes ihre Agenten nach Ostpreußen, West- Preußen, Schlesien und auch nach Galizien schicken, die durch schwindclhafte Versprechungen und direkte Lügen die Arbeiter nach dem Westen holen und so ins Unglück schicken. (Hört! hört! bei den Sozialdenwkraten.) Ganze Trupps landwirt- schaftlicher Arbeiter sind von der Firma Stinnes im Osten an- geworben worden und zwar unter der Vorspiegelung: sie würden in einer Fabrik beschäftigt, nicht in einem Bergwerke. Unterwegs mußten sie Hunger leiden, und als sie an Ort und Stelle waren und nicht unter Tag arbeiten wollten, da wurden Gendarmen gegen sie aufgeboten. Wir haben im Ruhrgebict vollständig ausreichende Arbeitskräfte. Aber die Zechenverwaltungen holen immer neue landwirtschaftliche Arbeiter herbei, damit sie eine industrielle Reservearmee haben, die sie zur Lohndrückern benutzen können. Ans der Statistik der Knappschaftsvereine vom Jahre 1904 ergibt sich, daß von 275 000 Bergarbeitern 88 700 �anS dem östlichen Deutschland stammen(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) und beinahe 18 000 ans dem Auslande. Wenn Sie wissen wollen, wie diese Leute behandelt, wie sie bezahlt werden, so machen Sie eine Reise nach dem Ruhrgebiet— allerdings nicht ivie die berühmte Untersuchungskommission des preußischen Abgeordnetenhauses. Kommen Sie auf das Bureau unseres Verbandes, wir stellen Ihnen alle Hilfsmittel zur Verfügung, uiir Ihnen einen klaren Ein- blick in die Verhältnisse zu ermöglichen. Man holt die Leute aus Ostelbien und dem Auslande in ihr Unglück hinein. Das ergibt sich aus der Kranken- und Unfallstatistik. Auf 100 einheiinische Berg- arbeiter entfielen 47 Kranke, aus 100 ausländische 65.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auf 100 Einheimische waren 1905: 15 Ver- letzte, auf 100 Oftelbischc 19 und auf 100 Ausländer 26 Verunglückte. Von einer Kontrolle der Zufuhr fremder Arbeiter ist keine Rede. Trotz entgegenstehender Vorschriften steckt man die Leute so schnell wie möglich in die gefährlichsten Arbeiten, um sie ganz ausnutzen zu können. Im Abgeordnetenhause hat der Fraktionskollege des Herrn Beumer, Herr Hilbck, gesagt, die Zahl der Unfälle sei nicht gestiegen. Wie das Herr Hilbck, der doch ein Fachmann ist, sagen kann, begreife ich nicht. Im Jahre 1836 kamen in Deutsch- laud auf 1000 Bergarbeiter 6,59 Schwerverletzte und Tote. im Jahre 1904: 15,44.(Hört! hört! bei den Soz.). Von 1835 bis 1904 sind in Deutschland nicht weniger als 102 252 schwere Verletzungen und Todesfälle im Bergbau vor- gekommen.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Allein 19 407 Todesfälle, also über 1000 Tote pro Jahr. Wenn Sie einmal mit mir hineingehen wollten in die Wohnung einer Bergarbeitersamilie mit der Nachricht: der Vater, der Bruder, der Sohn ist eben in der Grube erschlagen worden— ich glaube, unter diesem Eindruck würde ein jeder von Ihnen mit mir darin übereinstimmen, daß es absolut notwendig ist, mit dem bisherigen System zu brechen. Herr Beumer hat uns unterstellt, wir wären der Ansicht, daß die Unternehmer froh wären, wenn jeden Tag sich ein neuer Unglücksfall ereignete. Kein Mensch hat das behauptet, im Gegen- leil haben wir darauf hingewiesen, daß eine verbesserte Aufsicht auch im finanziellen Interesse der Unternehmer liegt. Die Anstellung von Arbeitern als Grubenkontrollenre hätte für die Unternehmer 1904 eine Ersparnis von 800 000 M. an Unfallentschädigung bedeutet.— Die Ausführungen, die>vir hier gehört haben, werden im Lande ein lautes Echo finden. Die Bergarbeiter draußen werden es wohl zu würdigen wissen, daß der Herr Reichskanzler zwar zu den Festivitäten der Laudwirtschaftsbiindler geht, aber sich nicht einfindet, wo eS sich handelt um die Erörterung eines so gräßlichen Unglücksfalles.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich fordere von der Gesetzgebung Menschlichkeit. Gedenken Sie der Unglücklichen, die Tag für Tag in den Schacht hineinsteigen müssen, der Witwen und Waisen, die allzufrüh ihren Ernährer verlieren, gedenken Sic, die immer das Christentum betonen, des Wortes: Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst. Schützen Sie die Hunderttausende von Bergarbeitern. Möge das heutige Präludium für die kommende Reichsgesetzgebung auf diesem Gebiete die Gemüter so gestimmt haben, daß aucki das Finale. der Abschluß dieser Gesetzgebung, ein guter wird.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Erzberger(Z.): Die Kompctenzbedenken des Reichskanzlers sind vollständig haltlos. DaS Bergrecht ist nicht mehr rein Landes- recht. Ich möchte den Abg. Hue bitten, künftighin nicht persönliche Vorwürfe gegen den Abg. Giesberts zu richten. Es ist keine Popnlaritätshascherei, wenn ivir die Einführung von Arbeiter- konirollenren fordern. Die Arbeiter sind doch auch Sachverständige. In Bayern hat man einen Arbeiter als Assistenten, der sich gut be- währt hat.(Beifall im Zentrum.) Damit schließt die Besprechung. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr. (Dritte Beratung der Novelle zum Gesetz betr. die freiwillige Gerichts- barkeit, Eiat des Reichsamts des Innern.) Schluß 5'/« Uhr. /Zus Indufmc und Handel Das teuere Vaterland. Wir Deutsche haben das doppelte Vergnügen, dem Kapital vaterländischen Tribut in Form von Zinsen zahlen zu dürfen. Nicht nur die respektive» Vaterländer, auch das Reich noch besonders stecken bis über die Ohren in Schulden. Natürlich schlägt Preußen den Rekord mit einer Schuldenlast von rund 7% Milliarden Mark, dann folgt Bayern mit über l�/z Milliarden, Württemberg hat eS auf 532,5 Millionen Mark gebracht, Baden auf 442,72 Millionen, Hessen folgt init 376,81 Millionen Mark. Sachsen paradiert mit 941,27 Millionen Mark, Hamburg glänzt mit 513,30 Millionen Mark Schulden. Insgesamt beläuft sich die Schuldenlast der Einzelstaaten auf Uber 12 Milliarde» Mark. Dazu treten noch die Neichsschulden init 3�/z Milliarden Mark, so daß sich die Gesamtschuldenlast auf fast 16 Milliarden Marl beläuft. Der Uebel größte sind die Schulden, dicweil man Zinsen zahlen muß. Der Zinsendienst erfordert einen JahreSauflvand von rund 616 Millionen Mark. Auf den Kopf der Bevölkerung belauft sich die Schuldenlast einschließlich Zinsendienstpflicht in den einzelnen Vaterländern— zuzüglich der ReichSschnld— auf folgende hübsche Sümmchen: Im Durchschnitt entfällt auf jeden Reichsangehörigen eine Schuldenlast von rund 264 M. Die jährlich für Zinsen und Schuldentilgung aufzubringende Summe pro Kopf— ohne Unterschied des Alters und Geschlechts— stellt sich im Reichsdurchschnitt auf 10,24 M. Ach du mein— teures Vaterland! Das Staatsangebot akzeptiert. Die Generalversammlung der Genossenschast Hercynia genehmigte das Kaufangebot des Staates. In der Versammlung richtete ein Gewerke heftige Angriffe gegen die Verwaltung, weil Eingeweihte Gelegenheit gefunden haben, feine Geschäfte zu machen. So habe das Bankhaus Sal. Oppenheim in Köln einige Tage vor der Veröffentlichung der Staatsofferte zirka 40 Kuxe zu 23—26 000 Mark aufgekauft. Wie der Borsitzende mitteilte, haben die Aktionäre bisher insgesamt 22 845 000 Mark Ausbeute eingeheimst, bei der Lage auf dem Kuxenmarkt sei für die Folge solche glänzende Rentabilität kaum noch zu erwarten. Der Handel in Setzmaschinen. Der Verband amerikanischer Verlagsbuchhändler verlangt zollsteie Einfuhr von Setzmaschinen. Der gegenwärtige Zoll beträgt 45 Prozent vom Wert, was der Aus- schlieffung der Konkurrenz gleichkommt. In Amerika beherrscht die „Mergenthaler Linotype Co." den Markt vollständig. Sie kaust alle Patente auf, um das Monopol zu sichern. Die Buchhändler be- haupten, daß die Gesellschaft 600 Patente gekaust habe, aber nur 50 benutze, um den ungeheuer groffen Profit nicht zu schmälern. Während der Herstellungspreis einer Maschine 500 Dollar beträgt, ist der Verkaufspreis 3000— 3600 Dollar. Im letzten Rechnungsjahr, vom 30. September 1604 bis 30. September 1905, wurden 863 Setz- Maschinen verkauft und 447 ausgeliehen. Der Profit war mehr als zwei Millionen Dollar.(Nebenbei bemerkt, starb der Erfinder Mergenthaler in Annut und an der Schwindsucht.) Das Grundkapital der Gesellschaft wird auf 11 Millionen Dollar angegeben; davon sind 6 Millionen„Masse". Auf das gesamte Kapital werden 14—20 Proz Dividende herausgeschlagen. Um noch sicherer vor künftiger Kon- kurrenz zu sein, hat die Mergenthaler Gesellschaft den Fabrikanten in Europa und Kanada eine Teilung dcS Weltmarktes vorgeschlagen und für sich die Vereinigten Staaten, Zentral- und Südamerika aus- bedungen. Gctreidestatistik. Der auswärtige Handel des deutschen Zoll- gebietes mit Getreide zeigt nach den Zusammenstellungen des Statistischen Amts folgende Ziffern: Gesamt-Einfuhr 1. August bis 31. Januar 1605/6 1604/5 Doppelzentner Weizen..... 15 842 345 11 263 959 Roggen..... 4 657 165 2 245 913 Hafer..... 7 068 219 3 376 303 Gerste.....'11637 621 9 240 559 Mais..... 5 023 265 4 632 724 Weizenmehl... 155 661 118117 Roggenniehl... 9911 8250 Gesamt-Ausfuhr 1. August bis 31. Januar 1905 6 1904/5 Weizen........ 1 587 257 2 154 529 Roggen......... 877 920 2 441 852 Haser.......... 748 893 1287 247 Gerste.......... 179 085 292 831 Mais.......... 216 065 240 635 Weizenmehl........ 374 493 431 168 Roggenmehl........ 464 294 715 363 Bei Weizen ist die Einfuhr um 42/g Millionen Doppelzentner gestiegen, die Ausfuhr um 567 272 Doppelzentner zurückgegangen, bei Roggen beträgt das Einfuhrmehr 2� Millionen Doppelzentner, das Ausfuhrminus über l'/a Millionen Doppelzentner. Gegen die Bnnderolensteuer für Zigaretten nimmt der Verein deutscher Zigarettenfabrikanten in einer Zuschrift Stellung, der wir folgendes entnehmen: Der durch die Banderole bewirkte Verpackungszwang würde noch über die Lasten, die die neue Steuer der Jiidnstrie auferlegen soll, Herstellung und Vertrieb in weit höherem Masze verlangsamen und verteuern, als dies bei irgend einem anderen Steucrvorschlage der Fall wäre. Herstellung lind Verpackung von 1000 Zigaretten be- dingen gegenwärtig 10 Kartons per 100 Stück. In den großen SpezialHandlungen werden sogar mit Vorliebe aus Ersparmsrück- sichten 2 Schachteln ä 500 Stück genommen. Wenn in Zukunft Ver- Packungen zu 5 Stück die Regel bilden müssen, so würde dies in Zukunft an Arbeitsmaterial, Zeit und Verpackung das 3—10 fache kosten. Schon allein aus diesen Erwägungen heraus mufi der Reichstag der Banderolebesteuerung in jedem Falle die Zustimmung versagen. Der englische Außenhandel im Jahre 1900. Die Handelsstatistik für Januar 1906 zeigt in Ein- und Ausfuhr eine erhebliche Zunahme. Die Einfuhr belief sich auf 53 475 830 Pfd. Sterl., die Ausfuhr 30 774 811 Pfd. Sterl. Ein Vergleich mit den zwei vorhergegangenen Jahren ergibt folgende Tabelle: Einfuhr für Januar (einschließlich Fracht und Versicherung, in Millionen Pfd. Sterl.) 1904 1905 1906 Nahrungsmittel, Tabak.. 18,1 18,7 19,7 Rohstoffe....... 17,7 17,6 20,4 Fabrikwaren...... 10,1 11,2 13,1 Verschiedenes..... 0,2 0,2 0,2 zusammen 46,1 47,7 58,4 Ausfuhr für Januar (ausschließlich Fracht und Versicherung, in Millionen Pfd. Sterl.) 1904 1905 1906 Nahrungsmittel, Tabak.. 1,2 1,3 1,5 Rohstoffe....... 2.7 2,8 3,3 Fabrikwaren...... 19,8 20,6 25,6 Verschiedenes...... 0,3 0,3 0,4 Rückausfuhr zusammen 24,0 25,0 80,8 ..,. 6,7 6,1 7,4 zusammen 29,7 31,1 38,2 Wasserstand am 9. Februar. Elbe bei Aussig+ 0,07 Meter, bei DrcSdc»— 1,25 Meter, bei Magdeburg 1,68 Meter.— U» st r u t bei StrauMrt-j- 1,50 Meter.— Od er bei Ratibor-ff 0,95 Meter, bei Breslau Oberpegel-ff 4,99 Meter, bei Breslau Unterpegel— 1,20 Meter, bei Fraiiksnrt-ff 1,71 Meter.— Weichsel bei Brahemünde -ff 3,38 Meter.— Warthe bei Posen-ff 1,82 Meter.— Netze bei Usch-.- Meter. Beulseliek' I Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, I daß der Kollege, Einsetzer WilKelm Hamme am 8. Februar am Schlagfluß | plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Nndeuken! Die Beerdigung findet am I Sonntag, den 11. Februar, nach- | mittags um 2 Uhr, vom Trauer« j Hause, Gcscllschastsstraße 17 in Neinickendorf, nach dem Gemeinde- | Frledhos in Reinickendorf aus statt. Um rege Beteiligung ersucht f 80/1 01» Ortsverwaltung. Deutscher I Holzarbeiter-Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, | daß der Kollege, Tischler Otto Itainxer j am 9. Februar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Montag, den 12. Februar, nach- I mittags um 3'/, Uhr, von der I Leichenhalle des Markus-Kirch- | hoseS in WikhelmSberg ans statt. Um rege Beteiligung ersucht f 79/20 Die Crtsverwaltung. Deutscher I Holzarbeiter- Verband! Den Mitgliedern zur Nachricht, I | daß der Kollege, Klavierarbciter /Udert Platzeck am 8. Februar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 11. Februar, nach- mittags um 4 Uhr, von der Leichenhalle des katholischen Kirch- hoses Mariendorser Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 79/t9 Oi» Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Berwaltiingsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Friiz Hamann verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 112/7 Ol» Ortsverwastung. Kereilllgung der Mnlkr, Fnlidem, Anflrkilljtr. (Filiale Berlin.)----- Slm 7. Februar verstarb nach langem Leiden der Kollege Albert Wolff an der Proletarierkraiikhcit. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 12. Februar, vormittags 9 Uhr, von dem Sankt Hedwigs- Krankenhause, Ham- burgcrstratze, aus nach dem SI.Scbastian-KirchhofinNeinickeii- dors statt. Um rege Beteiligung ersucht 124/8 Oi» Ortsverwallung. DkllMÄ Berlin. Todes• Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, | daß unser Verbandsmitglied Wilbelm Melz am Freitag, den 9. d. M.. ver- starben ist. Ehre seinem An denken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13, d. M., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle der Freireligiösen Gemeinde, Pappel-Allee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 195/8 Oer filialverstaml. Am Freitag, de» 9. Februar, morgens 7 Uhr, starb mein lieber Mann, der Töpfer 2S48b VVilheim Melz nach langem schweren Leiden an Herzlähmung. Die Beerdigung findet ani Dienstagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Friedhofes der Freireligiösen Gemeinde, Pappel-Allee, auS statt. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Minna Melz geb. Jaenich. n Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung ineiucr lieben Frau, Mutter und Tochter sagen wir alle», insbesondere dem Gesangverein „Frisch aus", dem Kegelklub„Lustiges Bordereck", sowie meinen Kollegen der Firma A. Knappe, Nieder- Schöneweide, unseren tiesgesühltesten Dank. 2665b Kart Günzel. Erich GDnzel, Sohn. _ Frau Pohlmann, Mutter. Danksagnttg. Für die herzliche Tellnahme bei der Beerdigung meines innigst ge- liebten unvergeßlichen Mannes Paul Kart sage ich den Herren Kollegen der Eisengießerei Oberschöneweide, Niles werke. Freunden, Bekannten, Ver wandten und der Frauenabteilung der Finna Stelzncr für die reichen Kranzspenden den tiesgesühltesten Dank. 147L Die trauernde Witwe Hedwig Gast. neuerlcheinungen im lanuar Derpolitif(])eliIaf(en{treik und die Sozialdemokratie Separatabdruck der Verhandlung aus dem Parteitage in Jena. Preis 20 Pf. ein katholischer Pfarrer als Sozialdemokrat Aus dem Holländischen des Dr. I. van den Brink, römisch-katholischer Priester in Brede in Holland. Preis 10 Ps. Kommunaie Schulpolitik von Max O u a r ck. Ein Führer durch die Gemeinde- tätigkeit aus dem Gebiete der Volksschule. Preis 1 Mark. Agitafions-Ausgabe PreiS 50 Pf. W8- 1789- 1905 Eine Schilderung d. Ursachen und der Wirkungen der Re° volutionen jener Zeit. Reich illustriert. Preis 20 Ps. Rußland and nie Revolution von A d o I s Braun. Preis 20 Ps. Die ruffifche Revolution von L. Frank. Preis 20 Ps. Die heutige Sozialdemokratie in Cheorie u.Praxis von Ed. Bernstein. Preis 1 Mark. Die ddyffee des„Knjäs Potcrokin" Tagebilchbkäiker eines Beteiligten und eine Einleitung: Schilderung des Dramas. Preis 4 Mark. Rrbeit und Kultur Von R. F r o h m e. Eine Kombination naturwissen- schastlichcr, anthropologischer, kulurgcschichtlicher, Volkswirt- schastiicher u. sozialpolitischer Studien. Geb. 3 Mark. Cthik und materialistische Geichichtsauffaifung Von K. KautsCh. Preis 1 Marl, geb. 1,50 Mark. Diichhandtung Doruiärts, Berlin S.A. 08 Clndenstraße 69. Jl Danksagung. Für die vielen Beweise aufiichtiger Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Maurers Fritz Rabe sowie für die reichen Kranzspenden, gewidmet von dem Zciitralvcrbande der Maurer, Fticsenlrger, der Firma Gebr. B-ogei, desLotterie- vereins„Frohe Ziiknnft" und den Parteigenofie» des 652.«. 654. Bezirks, sageich allen Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. 2670b Fll«e linke und Kinder. rerlz? IMiffr'?er"n w, z» " �peyereratr. 27. Oder 3000 ezempl. verhaust Die Harnleiden Ihre Oefahrcn, Verhütung und Beseitigung von med. Sfh'iper, BERLIN— Preis 1 Mark. 4» Hygienische »eatrisartikel. Neuott. Katalog Ol. Empfehl.viel Aerzte u Prof. grat. u& H. Dngar, Gnmmiwaiealatoik Berlin NW.. Friednchsirass�" Sie schaden sich selbsty wen» Sw b« ikiön, Katarrhen der Lunge u. 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Abänderung am Montag- de» lS.Februar l99K in Kraft tritt und dieselbe den Mitgliedern nach erfolgter Drucklegung zugestellt werden wird. 270/14 I>cr Vorstand. 2400 M. Netto Ueberschuß! verkaufe Haus im Zentrum wegen Todessall. Preis 78000 M.. Anzahlung 10 000 M. Näheres 3. L 316 Postamt 55. Alten Gold» und endetall. Kottbnser engros. fißfroj empfiehlt H. Urose, Naunyn- straste 67. Amt IV, 3444.» Ol. Schlinemann, Spezial-Arzt für* Bant- and Harnleiden, Frauenkrankheiten. Jetzt: Friedrichsfr. 203 soiMraB». 10-a, 5-7, Sonnt. 10-1, a Uhr. Dr. Simmel, �nz4eIn; Speziatarzl für 29/14» Bant» and Harnleiden. 10— 2,5— 7. Soililtags 10—12, 2— 4 Ww Dem Zeit mit neuen Gänsefedern! Ungerissen mit allen Daunen von 1,30 M, an „ gleich füllfertig„ 1,75.. Gerissene Federn,.„ 2,00„. Reelle Bedienung! Umtausch gestatten Paul Paegelow, Bettfedcrn-txroUliandlans Wviczen, Overbruch. von 5599L* Carl Ernst, Köpenickerstr. 126, 1 Tr. Grofite Auswahl! Billigste Preise! 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Die AmtZentsetzmiii des Vorstandes der Remscheider Orts krankenlaste sowie die Amtsentsetzung de-Z Kassengehülfen Koch durch den Oberbürgermeister zu Remscheid stellt sich immer mehr als ein nach keiner Richtung hin irgendwie berechtigter Eingriff des Ober- bürgermeisters heraus. Das Vorgehen des Oberbürgermeisters der- ftöfft platterdings noch allen Richtungen hin gegen den klaren Wortlaut der m Betracht kommenden geschlichen Bestimmungen. An der Hand des uns vorliegenden Materials lästt sich die Annahme nicht abweisen, das; die sogenannte AufsichtS- behörde in einer Weise vorgegangen ist, die nicht nur vom Oberverwaltungsgericht mit Sicherheit als rechtswidrig erachtet lverden wird, sondern die auch alle Merlmale deS objektiven Tatbestandes eines Amtsmistbrauches enthält. Das Vorgehen gegen die Remscheider Ortskrankenkasse ist geradezu typisch für die Terrorisier ung, denen sich vorzüglich geleitete Ortskrankenkasten unterwerfen mästen, weil Behörden sich verleiten lassen, den Einflüsterungen von Aerzten und politischen Gruppen nachzugeben, die sich zusammcngetan haben, um rechts- widrigeVermögensvorteile mitHlllfe derBehörden von Krankenkassen zu erhalten. Der Gemeindebehörde in Remscheid gehören u. a. zwei sozialdemokratische Äassenbeamte als Stadtverordnete an, die durch ihr energisches Eintreten für die Interessen der Arbeiter� den Zorn des Klüngels auf sich geladen haben mögen. Jetzt ist durch die in unserer DienStagSimmmer wörtlich zum Abdruck gebrachten Verfügungen in einer Weise vom Oberbürgermeister vorgegangen, die bei flüchtiger Betrachmng viel- leicht den Anschein erwecken könnte, als ob irgend etwas nicht in Ordnung wäre. Das genaue Gegenteil ist aber der Fall. Der Oberbürgermeister stellte sich in einer von ihm eigens ein- berufenen Generalversammlung vom 3. Februar in Remscheid auf den Standpunkt, datz er die Generalversammlung nur einberufen habe, um seinerseits zu sprechen, nicht aber um eine Kritik sich gefallen zu lassen. Er erklärte:„auf eine Debatte lasse ich mrch nicht ein/ Darauf erklärte die Versammlung mit vollem Recht unter Protest gegen diese unerhörte Brutalisierung einer Selbstverwaltung, daß sie dann auch den Ober bürgermeister nicht hören wolle und schlost die Versammlung. Am Donnerstagabend wurde dann der Gewaltstreich gegen das Selbstverwaltungsrecht der Remschcider Krankenkasse von einer überaus stark besuchten Mitgliederversammlung der Kasse in Remscheid besprochen. Die Versammlung nahm nachstehende Re solution einstimmig an: „Die heule, den 8. Februar 190«, in der Konzerthalle„Ger mania" tagende von Mitgliedern sehr stark besuchte Versammlung der Allgemeinen Ortskrankenkasse zu Remscheid erblickt in der Ver- fügung der Aufsichtsbehörde dem Vorstande der Allgemeinen Orrs- Irankenkasse gegenüber eine Handlung, welche nicht durch den � 45 des Krankenversicherungs-Gesetzes gerechtfertigt i st. Sie weist die einseitig, ohne Anhörung des Vor- standes. aufgestellten Beschuldigungen, welche terls ten denziös entstellt, teils, insbesondere der Vor Wurf der Untreue, direkt unwahr sind, in schärfster und entschieden st er Weise zurück. Sie versichert dem Vorstande der Allgemeinen Ortskrankenkasse nach wie vor das vollste Vertrauen und ist überzeugt, dast der Vorstand stets bestrebt war die Interessen der Mitglieder zu wahren. Ist es doch Tatsache, dast die Allgemeine Ortskrankenkasse sich unter der Leitung deS Vorstandes zu einer der leistungsfähigsten Kasten Deutschlands sowohl in bezug auf die Leistungen wie der Beiträge entwickelt hat und dies erst jetzt, nach dem. unter Kontraktbruch der früher beamteten Aerzte, mit Hülfe der Aufsichtsbehörde die freie Arztwahl eingeführt wurde, die Kasse ihre Leistungen zu ermästigen und die Beiträge zu erhöhen ge zwungen war. Die Versammlung protestiert ferner gegen die Entlassung des Kassenbeamten Wilh. Koch, den sie als einen der tüchtig st en und Pflicht- eifrig st en Beamten kennen gelernt hat, durch den Oberbürgermeister. daS umsomehr, da angebliche Mängel, welche einem anderen, wenn sie wirklich solche wären, zur Last fallen würden, benutzt worden sind, um die Entlassung zu rechtfertigen. Die Versammlung erblickt hinter dem Borgehen der Aufsichtsbehörde einmal als Haupttriebfeder einige der früher beamteten Aerzte, welche wegen ihres Betragens vom Vor stände wiederholt rektifiziert werden muhen, das andere Mal eine Handlung, u»u unbequemer politischer Gegner sich zu entledigen, welcher Um st and bei der Beratung deS KrankenversicherungsgesetzeS im deutschen Reichs- tage, insbesondere deS Z 42, geradezu vermieden werden sollte. DaS Vorgehen der Aufsichtsbehörde charakterisiert sich daher als ein Mistbrauch ihres AufsichtsrechteS, weshalb die Versammlung dem Vorstande aufgibt, unverzüglich das Ver- waltungS st reitverfahre u nach§ 24 des Krankenversiche- rungSgesetzes in die Wege zu leiten, falls die Aufsichtsbehörde eS nicht vorziehen sollte, ihre unberechtigten Verfügungen unverzüglich rückgängig zu machen/ Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben einmütig in der General- Versammlung, einmütig in der Mitgliederversammlung und, wie wir»ach unseren Jnfonnationen hinzufügen dürfen, einmütig in der gesamten Stadt sich gegen den unerhörten Mistbrauch der Aufsicht gewendet. Welches ist der Sachverhalt? Im Jahre 1898 wurde in Remscheid das System der beamteten Kassenärzte bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse infolge eines damals vom Zaune gebrochenen Aerztestreiks eingeführt. Das Aerztesystem beivährte sich in Rem scheid vorzüglich. Uebrigeiis standen auch bei diesen, Aerztesystem die Aerzte selbst gut da. Sie erhielten Honorare von 790(1 bis 8000 M. Es wurden kortwährend Versuche unternommen, die Aerzte zum VertragSvuch zu bewegen. Das gelang schliestlich mit Hülse des über Deutschland verbreiteten Bundes der Aerzte zur Ausbeutung der Kronkenkassen. Am 1. Okiober musttc infolge Koniraktvruchs der Aerzte in Remscheid die freie Arztwahl eingeführt werden, die sowohl der Kasse, wie den Kastenmitgliedern ungeheure Nachteile zugefügt hat. Die Verfügung des Oberbürgermeisters vom 1. Februar ist von uns in ihrer Allgemeinheit bereits am Dienstag charakterisiert. Je mehr man die Einzelheiten priist und je mehr man an der Hand der Jahresrechnungen den Stand der Kasse prüft, desto mehr steigert sich die Empörung darüber, dast ein O b e r b ü r g e r- nr ei st er. so haltlose Behauptungen in die Welt hinauszuposaunen sich unterfängt, wie dies der mit dem freisinnigen Abgeordneten Eickhoff sehr gut be« kannte Remscheider Oberbürgermeister getan hat. Die bürger- liche Presse, selbstverständlich die freisinnige mit der übrigen scharfmacherischen Ann in Arm, stimmt ein Freudengeheul darüber an. dast»un», ehr die„Mistwirtschaft" einer„sozialdemokratisch ge- leiteten" Ortskrankenkasse enrhiillt fei. Wir werden abwarten, ob sie den Rest des Schamgefühls haben wird, die Tatsachen, die ihren Behauptungen ins Gesicht schlagen, ihre» Lesern mitzuteilen. Nach Nr. b der prenstiichen AuSführungSanweisung vom 10. Juli 1892 in Verbindung mit§ 44 deS Krankcnversicherungs- gesetzes ist die Gemeindebehörde die zuständige Anfsichts- behörde, daS ist nach der von unS seinerzeit veröffentlichten Eni- scheidung deS Oberverwaltungsgerichts in Sachen der Neuen Maschinenbauer-Krankenlnsse gegen de» Berliner Kommissar nicht eine einzelne Person, sondern nur der G e s a m t m a g i st r a t. Formell ist also der Oberbürgermeister überhaupt nicht berechtigt, als Auffichtsbehörde zu fungieren. Indes legen wir auf diesen formelle» Punkt das allergeringste Gewicht, weil die Rechtsunkenntnis bei Behörden entschuldbar ist. Die Verfügung des Oberbürgermeisters führt acht Punkte auf, die eine„gesetzwidrige Geschäftsführung und eine grobe Unzuverlässigkeit der die Verwaltung der Kasse beherrschenden Mehrheit deS Vor- standeS" erweisen sollen. Selbst wenn diese Punkte erwiesen wären, würde die Verfügung, wie in der Dienstagnummer bereits dar- gelegt, im schroffen Widerspruch mit ß 45 des Krankenversicherungs- gesetzeS stehen, der nur dann eine Amtsentsetzung zulästt,„wenn Organe der Kaste die Erfüllung ihrer gesetzlichen und statutenmästigen Obligenheiten verweigern". Der Oberbürgermeister spricht von einer die Verwaltung der Kasse beherrschenden Mehrheit. Ihm kann aber nicht unbekannt sein, dast die Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Remscheider Kasse stets in gutem Einvernehmen gewesen sind. Die Vertreter der Arbeitgeber, Jnnungsmeister und Grostindustrielle, haben auS- drücklich bestätigt, dast sie mit den Arbeitern stets harmonisch zusammengearbeitet haben. Dem Oberbügermerster konnte diese Tatsache umsoweniger unbekannt sein, als er am ersten Februar, kurz vor Mitteilung des in Gestalt einer Verfügung verübten GewaltstreicheS, einige Arbeitgebervertreter vergeblich ersucht hat, ihm das Zugeständnis zu machen, dast sie von denArbeitnehmern majorisiert seien, dast aber die Arbeitgeber ihm erklärt haben, dast stets ein gutes Zusammenarbeiten mit den Arbeitnehmern zu verzeichnen ge wefen sei. Unter Punkt 1 behauptet der Obergürgermeister, das Aerztesystem, das sieben Jahre zur vollen Zufriedenheit der Mitglieder und der Behörde bestanden hatte, stelle eine gesetzwidrige Geschäftsführung und grobe Unzuver lässigkeit dar! Unter Punkt 2 beklagt sich der Oberbürgermeister, daß die ärztlichen Krankenjournale ihm nicht übergeben seien. Das Verlangen des Oberbürgermeisters ist ein gesetzwidriges, gegen daS Aerzte sich mit Recht wenden. Unter Punkt 3 behauptet der Oberbürgermeister, der Heilgehülfe Clemens habe kranke Mitglieder zur selbständigen Behandlung überwiesen erhalten und habe während er in der Woche einen Nachmittag Sprechstunden abhielt jährlich 3090 M., für den Sprechnachm'lttag also die Summe von 69 Mark erhalten. Clemens war tatsächlich unter der Ober- aufsicht des Magistrates und des Oberbürger- n, ei st erszehn Jahrelang inderKassetätig. ES ist niemals sein durchaus angemessenes Honorar moniert worden. CleinenS behandelte seit 45 Jahren zur vollen Zufriedenheit der Leidenden Beinschäden, nicht als Arzt, sondern als Heilgehülfe. Er wird auch von anderen Kassen in Anspruch genommen. Er hatte jede Woche durchschnittlich 109 bis 120 Konsultationen, hatte auch teilweise Verbandsmaterial selbst zu stellen. Statt der ursprüngliche» Honorierung für jeden Einzelfall wurde einPauschalevon3009M.fiirdas Jahr festgesetzt. Jetzt nach 19 Jahren fällt dem Oberbürgermeister ein. vor der Oeffentlichkeit zu behaupten: es seien 60 M. für einen Sprechnachmittag hingegeben: Seine Behauptung widerspricht der Wahrheit. Ebenso unw ahr ist die fernere Behauptung des Oberbürger- meisterS, der Vorstand habe sich nicht gescheut, einen bestimmten ihm gefügigen Arzt zu kommandieren, die von Clemens ausgefüllten Krankenscheine mit seiner tlnterschrift zu versehen. Als schweres Geschütz für die Verfügung vom 1. Februar 1906 führt der Oberbürgermeister aus: Zum Vorteil des Verwandten eines Vorstandsmitgliedes sei dieser Verwandte auf Kosten der Kasse be handelt und vom 2. Januar bis 18. Februar 1995 im Krankenhaus aufgenommen. Wahr ist hieran lediglich, dast der, nebenbei nicht sozialdemokratische. Rendant nach Ablauf der Unterstützungszeit die Garantie der Krankenhauskosten auf die Kaste übernommen hat, damit sich der Betreffente nicht an die Armenvcrwaltung zu wenden brauchte. Das Geld ist von dem Verpflegten an die Kaste zurück- gezahlt, bevor die Kasse die Pflegekosten einzahlte. Der Einleitung eines vom Stadtobersten angekündigten Strafverfahrens sehen natürlich die Beteiligten mit der Ruhe deS guten Gelvistens entgegen. Dem Oberbürgermeister gefällt die Besetzung der Kasten angestellten nicht. Mag sein, denn es sind durchweg tüchtige Beamte, die stets mit Zustimmung der Arbeitgeber gewählt worden sind Nie sind erhebliche Meinungsverschiedenheiten aufgetaucht. ES sollen zuviel Beamte angestellt sein. Die Remscheider Kasse hat bei 11 509 Mitgliedern einschließlich des Kassenkontrolleurs nur sieben Beamte. Dabei hat Remscheid das Karlensystem, das be kanntlich mehr Arbeitskräfte erfordert. Auf je 1090 Mitglieder wird im Durchschnitt ein Beamter gerechnet. Zum Vergleich sei angeführt, dast die von der Stadtverwaltung Düsseldorf verwalteten Kassen mit 24 990 Mitgliedern 2l Beamte haben, wiewohl dort kein Karten systeni besteht, keine Reformen durchgeführt werden, vielmehr alles schablonenhaft durchgeführt wird. Die persönlich'en Verwaltungskosten sind bei der Remscheider Kasse so niedrige, wie sie selten bei einer Kasse sich finden. Sie betragen pro Kopf des Mit- gliedes 1,31 Wlatl Zum Vergleich diene nachstehende Tabelle: Die persönlichen Verwaltungskosten pro Kops des Mitgliedes betragen: 1. Allgemeine Ortskrankenkasse Remscheid l,Zl M. 2. Metall- und Fabrikarbeiter-Ortskrankenkasse Düsseldorf.......... 1,35„ 3. Vereinigte Ortskrankenkassen Kottbus.. 1,47„ 4. Allgemeine Ortskrankenkasse Pforzheim. 1,52„ 5. Allgemeine Ortskrankenkasse Berlin... 1,63„ 6. Allgemeine Ortskrankenkasse Bremen.. 1,66„ 7. Allgemeine Ortskrankenkasse Hamburg.. 1,89„ 8. Gemeinsame Ortskrankenkasse Wiesbaden. 2,22„ 9. Stehende Gewerbe Köln...... 2,33„ 10. Ortskasse für Handelsbetriebe Mannheim 2,36„ 11. Ortskrankenkasse Hanau....... 2,44„ 12. Ortskrankenkasse für Handwerker.... 2,53„ 13. Allgemeine Ortskrankenkasse Leipzig... 2,58„ 14. Allgemeine Ortskrankenkasse Dresden.. 2,62„ 15. Ortskasse für Handwerker Köln.... 2,69„ Die Kastenverhältnisse sind vorzüglich und beweisen eine geradezu hervorragend gute Verwaltung. Am Schluß des Jahre« 1994 betrug das Kassenvermögen 315 217 M., ohne Erhebung von Extra- beitrügen hat die Kasse bei einem Beitragssatze von 2Vg Proz. deS durchschnittlichen Tagelohnes eine wohl ausgebaute Familienversiche- rung. Die vier Jahre 1990 bis 1904 haben einen Ueberschust von 129009 M. ergeben. Deshalb wurde vom 1. Januar 1904 ab beschlossen, das Krankengeld in Höhe von 57 Proz., das Sterbegeld im 25 fachen Betrage des durchschnittlichen TagelohneS 'eftzusetzen und ferner als Familien unter stütz ung unter anderem zu gewähren: freie ärztliche Behandlung llr alle im Haushalte eines Mitgliedes lebende Angehönge», Leihülfe zu den Krankenhauspflegekosten, 75 Pf. iir Erwachsene, 60 Pf. für Kinder, freie Arznei, freie Geburtshülfe und Impfen. Ferner wurden Atteste, Gutachten. Totenscheine usw. unentgeltlich ausgestellt.� Diese Urknndenfreiheit mustte vom 1. Oktober 1905 ab infolge deS ärztlichen Vertragsbruches wieder abgeschafft werden. Den Haupteffekt glaubt der Oberbürgermeister wohl durch olgende Behauptung zu erreichen: «Die Mehrheit des Vorstandes hat es fortgesetzt trotz mehr- acher Erinnerungen der Aufsichtsbehörde geduldet, daß die Kasten- eiiirichttingen auch zu austerhalb der Kasse liegenden Zivecken. namentlich zu sozialdemokratischen Parteizwecken, benutzt werden und angestellte Beamte für diese in den Dienststunden umfangreich tätig sind oder beurlaubt werden." Diese Behauptung ist völlig unwahr. Gewiß haben die Beamten während ihres vertragsmäßigen Urlaubs auch andere als Kasten- arbeiten verrichtet. Das war ihr gutes Recht. Aber eins muß zugestanden werden: der Kassenbeamte Koch hat vor zwei Jahren ein furchtbares Verbrechen begangen. Er hat während der Mittags- pause ein Schriftstück, das für die Polizeibehörde bestimmt war, aber nicht Kassenangelegenheiten betraf, auf der Schreibmaschine der Kaste angefertigt I Es scheint der Oberbürgermeister diese Benutzung, die übrigens gerüffelt ist, als eine Benutzung zu sozialdemokratischen Parteizweckcn anzusehen. Soviel für heute. Soeben hören wir, daß auch die Kasse in Münster drangsaliert wird. Es scheint Rheinland-Westfalen als besonderes Operationsfeld für Begehrlichkeit nach Arbeitergroschen durch Aerztestreiks ausersehen zu sein. Es ist erfreulich, dast die Remscheider Kassenmitglieder gegen jene gemeingefährliche» Versuche mit Entschiedenheit vorgehen. deren Ziel' ist: Die Selbstverwaltung der Krankenkassen vollends zu vernichten, um die Arbeitergroschen zu- gunsten lediglich von Aerzten und Beamten zu verwenden. Eue der Partei. Reichstags- Wahlkreis Niederbarnim. Am Montag, den 12. Februar, nachmittags 2 Uhr. findet im Lokale„Zum schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee, eine Gemeindevertreter- Konferenz für den Wahlkreis Niederbarnim statt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Kommunale Schulpolitik. Referent: Genosse AronS. 2. Etatsfragen und unsere grundsätzliche Stellung zu den Ge- meinde-EtatS. 3. Kommunale Steuerpolitik. Sämtliche sozialdemokratischen Gemeindevertreter und Stadt- verordneten des Kreises werden ersucht, zu erscheinen. Gemeindevertreter andererKreise sind als Gäste willkommen. I. A.: Georg Freiwaldt, Pankow, Florastr. 66. Die Ernte deS roten Sonntags. Wie überall zeigen sich die Erfolge, die der Partei die Wahlrechtsbewegung eingebracht hat, auch recht deutlich in Erfurt. Die„Tribüne" schrieb damals, dast am 21. Januar in Erfurt„mehrere Hundert" neuer Kämpfer in die Reihen der Sozialdemokratie eingereiht wurden— man lächelte über diesen Ueberschwang, zumal nur eine einzige Versammlung an, Nachmittag erlaubt wurde, während die Abcndversammlung dem Verbot anheimfiel. Jetzt berichtet der Vorstand, dast tatsächlich 215 neue Parteimitglieder gewonnen wurden, davon 130 in der Versammlung selbst. Einen ungeahnten Aufschwung nahm auch die „Tribüne". Vom 21. Januar bis 1. Februar wurden 1062»eueAbonnrnte« gewonnen, davon der größte Teil in den Landorten des VerbreitungS- gebietes. Die nunmehr einsetzende Wahlrechtsbewegung in, Groß- Herzogtum Sachsen-Weimar— es finden am Montag, 12. Februar, im ganzen Ländchen Versammlungen statt— sorgt für weitere Steigerung. Am 21. Januar schloß die Polizei die Frauen durch ein Machtwort aus der Protestversanmsiung auS, worauf dielFrauen in einer besonderen Versammlung die Antwort gaben. Ueber 49 Genossinnen schloffen sich der Frauenorganisation an. Der Vorstand deS fozialdemo- kratischen Vereins staltete in der letzten Versammlung der Polizei für ihr die Partei fördendes Verhalten den besten Dank ab und quittierte durch die Mitteilung, dast der Verein jetzt 1020 Mitglieder zähle. Die Polizei soll leben I__ AuS der sozialistischen Partei. Paris, 7. Februar.(Eig. Bericht.) Die„Hmnanitö" veröffentlicht heute die Liste der 34 Kandidaten, die die Wahlkreis- organifationen deS Seine-Departcments der Seine-Föderation unter- breitet haben. Von den 50 Wahlkreisen sind also nur noch 16 nicht definitiv besetzt. Indessen sind auch in einigen von diesen schon die Kandidaten bestimmt und harren nur der Bestätigung der Föderatton. Wieder aufgestellt find die bisherigen Abgeordneten Chauvisre, Sembat, Rouanct, Dejeante, Vaillant in Paris und Veber und Meslier im Arrondissemcnt von St. Denis. Von weiteren Kandidaturen sind zu erwähnen die LafargueS im 1. Bezirk des 12. ArrondissementS gegen M i l l e r a n d, die des Genossen Marius A n d r ö gegen den „parlamentarischen" Sozialisten Paschal G r o u s s e t im 2. Bezirk desselben ArrondissementS. Im 1. Bezirk deS 19. ArrondistementS, der jetzt vom„parlamentarischen" Sozialisten CloviS HugueS ver« treten wird, kandidiert Andrü D u b o i S. Im 1. Bezirk deS 11. ArrondissementS ist Jean Allemane Kandidat der Partei. Auch in der Provinz wird eifrig an den Wahlvorbereitungen gearbeitet. In G renoble ist gegen den vielgewanderten Zövaös Genosse Greffier aufgestellt. Ein strategischer Rückzug. Vom Garnisonkommando Nürnberg ist an die dortige» Wirte, deren Etablissements mit Militärverbot belegt find, ein Schreiben ergangen mit dem merkwürdigen Betreff:„Sozial- demokratische Umtriebe in der Armee". Zunächst erfährt man auS dem Schreibebrief, daß die Militärverbote auf Grund von Mit- teilungen der politischen Polizei, die in Nürnberg in den Händen eines freisinnigen Stadtmagistrats liegt, erfolgt sind. Dann wird den Adressaten eröffnet, dast von einem dauernden Militärverbot von nun an abgesehen und dieses nur aus jene Tage be- schränkt werde, an denen sozialdemokratische Zusammenkünfte in den betreffenden Lokalitäten stattfinden. Die Aufhebung des dauernden Verbots wird nur davon abhängig gemacht. dast die Wirte die Verpflichtung übernehmen, dem Garnisonkommando von jeder in ihren Wirtschaftsräumen stattfindenden sozialden,okrati- schen Parteiversamnilung rechtzeitig Anzeige zu machen, so daß das Verbot noch für den betreffenden Tag verhängt werden kann. Zu- widerHandlung hätte die Berhängung des dauernden Militärverbots zur Folge. Man fängt also an einzusehen, dast der militärische Boykott gänzlich wirkungslos ist. und man wird wohl auch noch zu der weiteren Einsicht gelangen, daß diese mildere Form des Boykotts ebensowenig geeignet ist, das Heer dauernd vom Volke, auS dem jenes hervorgeht, fernzuhalten. «»«»»ernnasaberftcht vom 10. Februar>906. morgen««Uhr. Seiler SwlNemde Hamburg Berlin granksa.R. 758 SA München j7S()W Wie» 1 758 ffi 751 WSW 753 WSW 75153 a 5; A II M& -2 — 1 —2 —5 Slattomn Ii et« M avaranda 748 SSW ercrsiurg 752 sO Scilly idcrticen Paris 747 735 SsO 758 SSW 2 bedeckt 3 bedeckt 6 bedeckt 4 bedeckt 3bedcckt 4 bedeckt 3 bald bd. 2bedeckt 2 bedeckt 4 Schnee 4 Schnee Wetter-Prognose für Tonntag. den 11. Februar 1»yg. Etwas wärmer, vo, herrschend wolkig mit geringen Niederfchläge» und ziemlich lebhajtcn jüdwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. »euer dri cS. Ä I) Svi MS, —5 —2 8 L 0 Riit den Juhnlt der Jnieraie uberiiinimt die Nedntlio» dem vublitiii» aegciiiiber keinerlei Bcraiiiwortnng. HKearer. Sonntag, den 11. Februar. Freie Volksbühne. Sonntag, 11. Februar, nachm. S-/, Uhr: 13./14. Ableilung im Metropol-Theater: Maria Magdalene. 2.13. Abteilung im Carl Weiß-Theater: Ein Frühlingsopjer. Akeue freie Volksbiihne. Sonntag, den 11. Februar, nachm. 3 Uhr: Extra-Vorstellung im Schillcr-Thealcr di.: Don Carlos. V. Ableitung im Schiller-Theater O.: Nora. Nachmittags 2'/, Uhr: 12. Nbteilg. im Neuen Theater: Morgenröte. b. Abteilung im Deutschen Theater: Eine Florentinische Tragödie. Die Neuvermählten. Der Herr Kommissär. Abends 7'/, Uhr in der tgl. Hoch- schule für Musit: RezitationS. Sibend(Pros. Dr. Emil Milan). Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Robert der Teufel. (Ansang 7 Uhr.) Montag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Schanspietbaus. Wilhelm Tcll. Montag: König Richard der Zweite. Deutsches. Oedipus und die Sphinx. Montag: Der Kausmann von Venedig. Weste», schützenlicsel. Nachmittags 3 Uhr: Der Trou» badour. Montag: Undine. Berliner. Die Jüdin von Toledo. Nachm. 2'la Uhr: Stenn. Montag: Hans in allen Gassen. Bieiropol. Aus ins Metropol. Montag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla. Nach Asrika, nach Ka- merun. Montag: Dieselbe Vorstellung. Zentral. Der Mitado. Nachmittags 3 Uhr: Die Fleder» maus. Montag; Orpheus in der Unter- weit. Lessing. RoSmerSholm. Nachmittags 3 Uhr: Die Weber. Montag: Und Pippa tanzt.(Ansang 8 Uhr.) Neues. Ein ZommernachtStraum. Montag: Dieselbe Vorstellung. Altsalig 8 Uhr: Schiller O.(Wallner«Thealer.) Hosgunst. Nachm. 3 Uhr: Nora. Montag: KönigSglaube. Schiller Äi.(Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Zapfenstreich. Nachmittags 3 Uhr: Don Carlos. Montag: Chpricnne. Kleines. Kinder der Sonne. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Kinder der Sonne. Komische Oper. HoffmannS Erzählungen. Nachmittags 3 Uhr: Die Bohdmc. Montag: Hosfmanns Erzählungen. Residenz. Der Prinzgemahl. Nachmittags 3 Uhr: Die Höhle des Lölven. Montag: Der Prinzgemahl. Drinnvn. Loulou. Nachmittags 3 Uhr: Die herbe Frucht. Monlag: Loulou. Lustspielhaiis. Der Weg zur Hölle. Nachmittags 3 Uhr: In Behandlung. Monlag- Der Weg zur Hölle. Thalia. Bis früh um Füuse. NachmtttagS 3>/, Uhr: Der Hoch- tourist. Montag: Bis srüh um Fünsc. Carl Weist. Die lebende Brücke aus Kuba. Montag: Dieselbe Vorstellung. Luisen. Ein SommernachtStraum. Nachm. 3 llhr: Maria Stuart. Montag: Ein SommernachtSlraum. Tcnrsch-Amerikauisches. Er und Ich. Nachm. 3 Uhr: Uebern groben Teich. Montag: Er rntd Ich. Kasino. Die goldene Brücke. Nachmittags 4 Uhr: Das Opfer« lanim. Montag: Die goldene Brücke. Apollo. Insel Tulipatan. Im Gri- settcn-Kabarctt. Spezialitäten. Nachmittags 3 Uhr: Berliner Lust. Montag: Insel Tulipatan. Im Gri- setten-Kabarctt. Spezialitäten. Hcrrnseld. Familienlag im Hause Prellstein. Montag: Dieselbe Vorstellung. Foliee Capricc. Nach dem Zapsen- streich. Der Beheme. Montag: Dieselbe Vorstellung. Belle-Zlllianee. Der grüne Teusel. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. Otto Rcuiter.— Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Nieichshalle». Stettiner Sanger. Passage. Spezialitäten. Ilriinia. Tiinvenftraste 4R/I9. Abends 8 Uhr: Am Golj von Neapel. Montag: Dieselbe Borstellung. Sternivarte. Jnvalidenstr. 57/62. Täglia, geöliiiti»nn 1 bis 7 llhr. Berliner Theater. Nachm. 2'/, Uhr zu ermäßigt. Preisen: Kean, WeudS VI, Uhr: Die Jüdin von Toledo. Montag: Hans in allen Gassen. Dienstag: Die Jüdin yon Toledo. Lustspielhaus. Nachmittag 3 Uhr: In Behandlung. " Abends 8 Uhr: Der Mrg{«r Hölle. Neues Theater. Anfang VI, Uhr: Lin Scnitnernachtstrautn. Montag, Dienstag: Sin SommernachtStraum- Mittwoch: Salome. Ans. 8 Uhr. Kleines Theater. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Kiiider der Sonnf. Montag: Kinder der Sonne. Komische Oper. Sonntag, 11. Februar, nachm. 3 Uhr, bei ermähigten Preisen: VI« Zioheiue. Abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Montag: Hottmanns Erzählungen. Zentral-Theater (Operette.) 3 Uhr, halbe Preise: IZie t'l«dei-maii5s. Abends T'/a Uhr: Der Hihndo. Luisen-Theater. Nachmittags: Maria Stuart. Abends: Sin Sommernachtstraum. Montag: Ein SommernachtStraum. Dienstag: Die Amia-Lise. Mittwoch: Die instigen Weiber von Windsor. Donnerstag: Die lustigen Weiber von Windsor. Resiljeitt-Iliesles. Direktion: Richard Hieran der. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwan! in 3 Akten von L. Zanrvs und F. Chancel. Sonntag, den 11. Febr., nachm. 3 Uhr: Tie Höhle des Löwen. T rianon=Theater. Ansang liOllIOll. 8 Uhr. Sonntag nachm.: Hie derbe Erueht. Passage-Theater. ( < < Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. j | Miß Qertrude, < Tänzerin. | Karl Bernhard, ( der Humorist. <= Nierzeh» Nninmern.= 1„Und Pepi singt" Melropol-Theater lang'/s® Uhr. in'!! Itr Große Jahresrevuo mit Gesang u. Tanz in 9 Bildorn v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaendor. Rauchen in all. Räumen gestattet. Apollo-Tlieater. Nachm. 3 Uhr! Ermäßigte Preiset Cnille Farailien-Vorstelluiiö. Berliner Lnft p.Äe. Dazu die vollständig neuen Spezialitäten it. Katsukuma Higashi, Meister der SelbstverteidigungSlehrc Jiu-litsu. Gebert Gelting mit seinen Komilern. AbendS 8 Uhr: Hur neue Spezialitäten. Die Insel Tulipatan, Operette. Carl Weiß-Tliealer. l«r. Frankfiirterstr. 132. Täglich abends 8 Uhr: Die lebende Brücke auf Kuba. Großes amerikan. sensationelles Aus- staltuugSslück mit Gesang und Ballett in 7 Bildern von JamcS Fox. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Kilbe- zahl und das lustige Sebneiderleln. KasinosTheater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Die goldene Brücke. Schauspiel in 3 Akt. v. R. Skowronnek. Im Neuen Theater z. Z. m. sensation. Ersolg gegeben I Vorher: Gas brist bunte Programm. «onntag nachmittag 3 Uhr: Gas Gpterlamm.___ Walhalla Theater Uch AfriKu, und) fintiifrun. AuSstaltuiigSposse in 6 Bildern. Ans.'/, 8 Ubr. Rauchen überall gestattet. rat noritBplutx. Täglich <> in den«utereu Sälen � Gottschalk-Konzert. Ncli iller-Tlieater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Sonntag, nachm. 3 Uhr: Nora. Schausp. in SAuszügen v.HenrikFbsen. Deutsch von Wilhelm Lange. Sonntag, abendS 8 Uhr: Ilofjxmiivt. Lustsp. in 4 Ausz. von Thilo v. Trotha. Montag, abends 8 Uhr: I4G>iI{;s>slankc. Dienstag, abends 8 Uhr: Cyprienne. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Don l/arlo«. Dramatisches Gedicht v. Fr. Schiller. Sonntag, abends 8 Uhr: Taplciiatrolcli. Drama in 4 Akten von Franz Adam Beyerlein. Montag, abends 8Uhr: Cyprienne. Dienstag, abends 8 Uhr: IJebcp unsere Kraft.(I. Seil.) Urania Iri" Abends 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sternwarte S!!" eumer Lebenswerk darunter Monument der A rheit Januar bis 21. Februar 1906.— Eintritt 1,00 Mark Für Abonnenten des Künstsalons Keller& Reiner 50 Pf, Geöffnet Wochentags 10—8, Sonntags 11—7 Uhr, Keller& Reiner, Potsdamerstr.120 B Einzel-Eintrittskarten ausser an der Kasse der Mennier- Ausstellung auch im ■ Kunstsalon Keller& Reiner sowie bei A. Wertheim und im Invalidendank. Zirkus Albert Schumann Heute Sonntag, den 11. Februar, nachm. 3'/, Uhr und abends 7'/, Uhr: 2gr. außerord. Gala-Vorstellungen A Ä"'.»" eis IM frei! 7 Jedes weitere Kind unter zehn Jahren halbe Preise(außer Galerie). Abends jedoch volle Preise. In beiden Verstell., naebm. u. abends; DaS Rätsel des Morgenlandes Ihre Exzellenz Margaretha 1« h i in Pascha The great Horgana Family, The Ergotti und King Louis Troupe. The great Crfrard Troupe, In beiden Vorstellungen nachmittags und abends: Berlins gröstte Sensation! TlUi Ahle Mitchell und Ihre 20 Studenten 20 Die beliebte jugendliche Schulreiterin Frl. Dorn(Achnniann, sämtliche Spezialitäten, Clowns und Auguste. Nachmittags zum Schluß die reizende Sportpantomime: Ter Tag des Englischen Derby. Abends: Zum Schluß: Die dies jäbrige große Ausstattungspantomime FchmSirm das neue iremUBia Franenreich. Zirka 400 Mitwirkende, 2 Musikkorps. _ Monlag: Gala-Sport-Vorstellung. Neues Programm. Otto Reutter. Charles Hera, Jongleur. Sutcliffc-Truppe, scnottisch. Akrob. Stein-Erelto, Handspringer. Robbins, Kunstradfahrer. Das„Motogirl".'9(3 Tschin- Maa-Truppe Chinesische Gaukler und Zauberer. Mistinguette, Pariser Sängerin. Rococo, Ballettszene. Clark u. Hamilton, musik. Excontr. Japanische Garde, Damenensemble. Itiograph."Tpß_ Polles Caprice Budapester Possen• Theater 132 Llnlcnstr. 132, Ecke Friedrichslraße. Zum 146. Male: Biach d. Kupfcnnitrelch. 1 Vorher: Der Beheme u. d. auSgczcichn. Spczialitätenteil. Antang 3 Uhr. Vorverk. tügl. b. Vtertheim u. an der Theaterkasse von 10 Uhr vor- 1 mittags an. Deiitseii-Ämerikaniselies Äeater. KäpenickerstraBe 67/68. Joden Abend 8 Uhr: Gastspiel Adolf Philipp 51. Male 8r« Zeh Sonntag nchmittags 3 Uhr: „Ueber'n �roUcu Toirh". Montag, 19. Feliruar, ahends 8 Ulir: FcHt- Vorstellung anläßlich des 25 jährigen Künstlerjubiläums von Adolf Philipp. Billette sind jetzt zu haben. " Otto Pritzkows .„.Jiier Äbnormitäten-Tieater nunzatr. Iß. | Xcu!-VKS SOT Ken t |Die Elite-Liliputaner-Truppe die kleinsten Vortragskünstler und Sterne der Liliputaner der Welt. Die Fuß- Künstlerin Margarete Marjot. Hellseherin Armida, wahrsagende Williderdame. Pluto, Wunderhahn, geb. mit 4 Beinen, 2 Körpern, 1 Kops, lebend, zc. J Riesen, Zwerge, Phäuomcu, Z Fakire usw. wwwwwwwwwwwwwwwwww XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. »B große<>ttla-Vor- 0 1 ™ Stellungen � I nachmittags 4, abends 7,/2Uhr. j Nachmittags zahlen Kinder auf| allen Sitzplätzen halbe Preise. In beiden Vorstellungen: Neu!-ms SSW Sensationell!! Der automatische Mensch. I Zum ersten Male in Europa. JJ�-'Noch nie dagewesen!"91 In beiden Vorstellungen; Herr Ernst Schumann j Neu- j dressuren. Schulreitenn Sign. I Natalina Rossi. Zwergclown 1 Francois mit dem Zwergpferd.| Nachmittags 4 Uhr: Mexiko Gr. Ausstatturms- Pantomime| aus d. mexik. Pfianzerleben. Abends 7'/» Uhr: Die neueste und grdBte Sehenswürdigkeit Berlins: ♦ Indfeii. � Origin.-Manego-Ausstattunes- 1 stück des Zirk. Busch in 8 Bild.| Besonders hervorzuheben: Eine Witwenverbrennung. palast-Theater Burgstr. 24, 2Min.v.BH.BSrse. Heute'/jS Uhr. Entree 50 Pf. Mlle. Eugenie Schulreiterin im Herreusattcl mit Goldjuchshengst Monte Christo. ha belle Leona Gelenkphantastin. RflEß Norton die zweite Sayaret. DI Bello Die Hcrbstparade. _ Schwank in 1 Akt. UebriMicr Heute sowie folgende Tage: Der größle Hemifeld- Scblager: Jamliientag Im Kanse Prellstein. Komödie in drei Slkten mit den Autoren A. und D. Herrnseld in den Hauptrollen. Ans. 8 Uhr. Vorverk. 11-2 Uhr (Theaterkasse). Mittwoch, den 14. Februar 1306: Jubelfeier der huiidertstcu Ausführung. V. Noacks Theater. Direktion: Rob. Olli. Briiiinenstr. 16. Mit dem Strom! oder: Auf Wogen des Glücks. Vollsstück in 4 Alt. v. OSkar Walther. Ans. 7 Uhr. Entrce 30 Pj. bis 1 M. Nach der Vorstellung: Familienball. Montag: Mit dem Strom. 8»llS80llel.8hÄ Dir. Wilhelm Reimer. Sonnt.. Moni., Donnerst.: II o Um a ni,!, Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sonnt. Bg. 5, Wochen!. 8 U. Dienstag und Mittwoch: Jlariit 8tuart. Der Ciohlbuuer. Variete Elysium KommandantciiHtraße 3/4. des Ilm D'/j Uhr: Austreten berühmten Stegreifdichters im Panoptikum Frlcdrichstr. 165. Ohne Sxfra-Etttree. Bergbewohner Abessiniens. 65 Einscborene Männer, Weiber und Kinder, U sowie das Baby ,.Beralina". 1 Eintritt 56 PI*. Fiels Silerlei-ieateT Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag und Mittwoch: Konzert, Theater, Spezialitäten, Tanz, Ans. sonntags 6 Uhr, Wochcnt. 8 Uhr. Reichshallen. Täglich: Stettiuer Sänger (Meysel, Pictro. Britron, Böckmann, Böhme, Waiden. Seidel, R. u. O. Schräder). Antang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Kür U ereine! Grster Osterfetertag ist noch frei. Auch sind noch einige Sonnabende im April zu oergeben. 143Ü* Büß' Salon, furteS Stadt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/49. Heute Sonntag, den 11. Februar: Eostspiel des Berliner Schau- und Lustspiel-Ensembles unter Leitung von Hans Vilain. Des alten Dessauer Jupiehe. Historisches Lustspiel in 5 Auszügen von Hersch. Ansang 6 Uhr. Kasscneröffn. 5 Uhr. Billett-Vorv erkauf vorm. v. 19 bis 1 Uhr an der Theaterkasse. Jeden Montag: Soiree der beliebten i'Vit� Bernhard Bose-Thealer Gesundbrunnen, Badstraße 58. Heute Sonntag, den 11. Februar, nachmittags 3 Uhr: M Leieraiann und sein FllegeMfliL AbendS 7 Uhr: Das Gefängnis. Billett-Vorverkauj von IG— 1 Uhr an der Theaterkasse. Morgen Montag: Extra- Benefiz- Vorstellung s. Emmx Behrends-Carlsen Die Binthochzeit. Gustav Behrens Spezialitäten- Theater Frankfurter Allee 85. Die größte Sensation des Ostens find Die klsineu liiehen von Berlin. Im zweite» Bilde: Die sechs schönen Manotizigaretten. Außerdem X das neue Fcbruar-Programm. X Carl Gabriels Volks-Museum Fricdrichslr. 112a, am Oranienb. Tor Zirka 2000 Ausstellungsobjekte I Entree 30 Pf. Sold.n. Kind. 20Pf. Sämt.Räum. 60 Pf. Arnold Scholz. Neue Well Hasen- belde 108/114. Sonutaz;, den 11. Februar 1966: i n i i s Bae�on Mucki's Oberbayerische Bauernkapeüe D'Hollerlauer. i S Bedienung durch 30 echte daxer. Madl in Nationaltracht. 0 Anfang 5 Uhr.«••• Kntree 56 Pf. Im Theatersaal: Rorsl's öasrtEllsipr. Anfang 6 Uhr. Entree 50 Pf. Im kleinen Saale; Großer Ball. Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf. «I fSSXXJXZZTZZZr-SXSXSXXZZXXXZXSXXSZTrn« |Sraeht:gäle des fastews. Frankfurter Alice 151/153. Inh.; O.Cranz. Heute Howic Jeden Monntag: 3m/J:äcrt" Gr. Slreicli- Konzert Norddeutschen Sänger, 1"�: Tanz-Kränzchen. Im weißen Naiininil«tnrh besetztem Saal: InixL nClilliull<»rehe»»ter. Ansang 4 Uhr. Tägl.: t»r. urfideleH lioehbler l'e�t nach Münchener Art, geleitet v. BerguügungSrat Auel Bürkner. Wagner-Konzert. 9l"�anr Palzenhofer, echt Miinehener u. Pilseger Bier. IWS- Vorzügliche Küche!-WS• «zxxsszsszsszssszasxzsszzsssssssgga Louis Kellers Fest=Säle Koppen-StraBe No. 29. qj Koppen-Straße No, Montag, den 19. Februar 1906, abends Vs' Uhr; XXX. öinfomc-Konzcrt Pozart-�Iagner-Mbcnd| des auf 60 Künstler verstärkten ßerüner 8inf ome-Orcbcüterö. Dirigent; Maximilian Fischer. Solist: Hax Salzweilel(Violin-Virtuose). Billetts izn Vorverkauf a 40 Pf. sind in den ZahlsteUen der® Volksbühnen zu haben. 2618b*| [»IgWgO)— Paul Steinstz. Friedrichsberg. V Frank fnrter- 1 Fernsprecher Nr. 8. Chanssee 5. Bestanrant und FestslUe. Jeden Sonntag: Of. Bali llontag, den IS. Februar: Auf vielseitigen Wunsch VotUs-KabareH unter Leitung der Brettl-Diva Margarete Walkotto. > 56582* Gebr. Arnhold. Treireligiöse Gemeinde, Berlin.' Sonnabend, den 17. Februar 1906, in den Andreas Festsiilen, Audreasstraße 21: Großer Wiener Maskenball. Billetts a 50 Pf. sind bei folgenden Komiteemitgliedern zu haben: O. Jänioke, Schöneberg, Goltzstr. 4, Hot IV: fvrau-Kolilliaeelt, Alernndrinenstr� 21, vorn IV; C. Clieistens, Miihlenstr� 49, vorn III: G. Bohne, Kopenhagenerstr. 15, Hof I; W. Bohne, Hochmeisterstr. 28, Hof IV; P. Halhaner, Krautstr. 36, Onergeb, III; P. Knhirte. Jmmanuelkirchstr. 15, rechter Seitenflügel IV; Th. Jerwin, Urbanstr. 6, Hot rechts IV; H. 8ul«l. Kreutzigerstr. 21, vorn IV; A. Koivalszyk, Dalldorferstr. 5, Laden; B. Schröder, Passauerstr, 3 und in unseren Billett- stellen: W. Bo'erner, Niiterstr, 15; H. Bobslen, Kommandantenstr. 62; G. Illenz, WilhelmS- havenerftr. 61; B. Voxel, Demniinerstr, 32; B. ILiehni, Bervauerstr. 48; ZU. Ustema, Elbingeistr. 19; ZU. Wendt, Greifswaiderstr 208, Hof IV; Vi'. Bi'anse, Pappel-Nllce 15/17; W. Sehrolle, Landwebrstr. 3; A. Kiehnrg, Adalberlstr, 86; ZU Mix, Skalitzerstr. 59; J. Wiedeniann, Frankfurter Allee 47;as Komitee. �ernn-Mlsi Chaussee- Straße 103. Arnold Scholz Nachf. Karl Richter. Jeden Sonntag und Mittwoch: tcÄefFainilien-Kränzebfii! mbZ 5 i¥rna1?aI Großer Ball. ®oÄttta8: Militär- Konzert d. Garde-Füfilicr-Kapelle. Vorzugs- farten u.'Passepartouts Mittwochs und Donnerstags gültig. 5732L» �.Ibsmbf» Wallncr-Theaterstraszc 15.' Großer Bell decken Sonntag: Grobes Orchester. Ansang Sonntags 5 Uhr. A. Kameitat. IHlni | Frankfurter Allee 53:55. % Oelonom: 11. Franke. Jede» Sonntag: yrojZer Ball. Ansang 5 Uhr. Entree inkl. Garderobe 30 Pf. Empfehle meine Säle zu Ver» sammlnngen und Festiichkeitke. 575tL* Richard Franen. ooooeoooaoQooo—# Pankstraße Ecke Turneysserstr. Platz am neuen Amtsgericht umschlossene elektrisch• konzentrische Eröffnung heute, Sonntagnachmittag S Uhr. Geöffnet an Wochentagen von 5—10 Uhr. Sonntags 3—10 Uhr. Jeden Mittwoch von 4—7 Uhr Gr. Kinderfest. Jedes Kind erhält eine Ueber- raschung gratis. Ca f® Dresdener- ey er 'Straße 128/29. Kaffee idu. 16, Bier, hellirdnnk., tOPf. ca. 60 Leitungen; 2 Billards SId. 40 Pf. Zahlstelle der Freien Volksbühne.* Restaurant zum Stehkragen. Landsberger Allee 30. Zahlstelle des Bezirkes 18Sa des 4. Berliner ReichStagS- Wnhlkreises. Stelle den pienossen meine Räume jederzeit zur Bersügung. 2L0Sb Willi Hesse genannt Zimmerma»». Monatlich .- 10 Mark— liefere Slnziige, Paletots nach Map.* Per Kasse anch billigste Preise. J.Tomporewski, PrmjÄr.° s». 31 redil Programm: Mitglied des Arbelter-Radtahrer-Bundes„Solidarität'1. Sonnabend, den 24. Februar, in den Gesamträumen der Neuen Welt, Hasenbeide 108/114: Großes Kostüm-Fest. Bin VolkssFest in Algeciras zur Zeit der Marokkokonferenz. Ball in drei Sälen bei vier Orchestern. Äuf- _ treten des Berliner IJIk- Trio. Kunst- und Reigenfahren des Berliner Vereins(Vereinsriege) sowie des Luckenwalder Bundesvereins. Auftreten einer internationalen Tänzer- und Sänger-Gesellschaft. Zirkus- Vorstellung. Rutschbahn. Schau- und WQrfelbuden usw. 11/10 Anfang 9 Uhr. Eintritt 50 Pf. Wir machen darauf aufmerksam, daß kein Kastilmzwang herrscht, ein jeder erscheint, wie es ihm beliebt, sei es als Spanier, Franzose, Fischer oder Fisoherin, Charlottenburger, Russe, Berliner oder Rixdorfer, Italiener, Marokkaner, Relibergor, im Bratenrock oder Sommertoilette usw., ein jeder findet eine„offene Tür". Bs ladet freundlichst ein Das Festkomitee. NB. Wir machen die Mitglieder aufmerksam, daß in den Ab- teilungsversaramlungen sowie in der Genosserschaft, Oderberger- straße 30, Billetts zu haben sind. D, O. Zentral-Verband deutscher Textilarbeiter Filiale Berlin, Sektion der Sticker. Sonnabend, den 17. Februar, in Scherucbs Festsälen, Rüdersdorferstr. 45: Großes Kostümfest „Ein Sommerfest im Riesengebirge." XX Zum Besten der Unterstfitrangskasse der Sektion. XX Großartige Saaldekoration! Mandolinen-Konzert! Kein Kostümzwang! 197/1 Reise-Billett 50 Pf. Anfang 9 Uhr. Hierzu ladet freundlichst ein Das Komitee. Allgemeiner Deutscher Gärtner-Verein Ortsverwaltmig Groß- Berlin. Sonntag, 11. Februar 1906, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-User 15: Fsmilten-�tbenü I. TEIL: Lichtbildervortrag: Wunderwerke der Natur und Kunst. II. TEIL: Bezitation. 287/15 === Gemütliches Beisammeniein mit Tanz.- r= Einlnttspreis 20 Pf. Käste herzlich willkommen. Der Vorstand. Veber- 8tr. 17. Mn Zocker' ZAZslon. empstehlt den geehrten Gewerlschasten und Vereinen seinen grossen Taal zu Festlichteiten und Versammlungen, auch sind noch zwei grosse Vereinszimmcr einige Tage in der Woche zu oergeben. Jeden Sonntag: Bdll. Hierzu ladet ergebenst ein 66752� Alltoil ISoeker, Weberstr. 17. -WW Straße 162 U Plötzensee. Bnsel-flestaurant, s*1 Äi*1 _ Heute Sonnlag, den II. Februar 1906: 1462_ * Großes Schlacht- fest« ♦ Jeden Sonntag von 4 Uhr ab: Saal und Bereinszimmer von 30—300 Personen stehen dem geehrten Publikum zur Verfügung.— Der 10000 Personen fassende Konzertgarten ist zu Pfingsten z. Frühfonzerl noch zu vergeb. ♦ C n dem| :nde|| J BREUER5 Pestsäle ■„Zur KöufgsbanU". Gr. Frankfurferstr. 117. X Juh. Cnrt Breuer. X Amt Vlla, 8142. Den gcehrlen Gewerlschasten, Vereinen, Klubs empsehle ich meine-Gesamt- räume zur'Rbhallung von Bersauiinlungen und Jestlichkeitc» jeder Art zu den tulanlciten Bedingungen. Gurt Breuer, Gastwirt. Um recht regen Luspruch bittet Lieferanten de. Rai,att-Ss»arvereiii>«„IVBBOEZs" Kaufhaus BERLIN n., Invalidenstraße 134 Ecke Gartenstrabe, 2 Minut. vom Stettiner Bahnhof. Unser seit dem Jahre 1884 bestehendes Gesehäft muß, da es sich wieder als viel zu klein erwies, vollständig umgebaut und bedeutend vergrößert werden. Seit Anfang Januar wird ununterbrochen in den oberen Räumen gearbeitet, um diese so schnell als möglich fertig zu stellen, damit wir während des Umbaues der unteren Räume die in der ersten Etage befindlichen, interimistisch beziehen können. Die Notwendigkeit zwingt uns, den kürzlich begonneuen Ausverkauf fortzusetzen. Um die Waren vor Staub und Schmutz zu bewahren und um das Lager während des Umbaues so klein als möglich zu gestalten, haben wir alle Waren ganz bedeutend im Preise ermäßigt. Daß diese Angaben auf Wahrheit beruhen, dafür bürgt der Ruf unseres seit 22 Jahren bestehenden Geschäfts. Alle im Preise ermäßigten Waren hier aufzuführen, ist des beschränkten Raumes wegen nicht möglich. Wir zählen nur einige Artikel auf, woraus jeder ersehen kann, welche großen Vorteile ihm erwachsen, wenn er seine Einkäufe jetzt bei uns besorgt. Dalier scheue selbst der entferntest Wohnende nicht den Weg zu unserem Ausverkauf während des Umbaues. Des großen Andranges wegen, welcher stets bei unseren nur seltenen Ausverkäufen herrscht, empfiehlt es sich, möglichst vormittags die Einkäufe zu besorgen. Jeder, der in absehbarer Zeit Einkäufe zu besorgen hat, soll diese Gelegenheit wahrnehmen, da sich derartige Ulllmo'Plt>sS6V\f\i'0 selten wiederholen und können wir sowohl zur Ein- /UlyCCJOlC segnnng als anch speziell den Brantienten zur Anschaffung von Ausstatinngsgegenständcn unseren Ansverkunf während des (Jmbanes angelegentlichst empfehlen. Schwarze, halb- u. reinwollene Kleiderstoffe Große Gelegenheitskäufe in Seidenstoffen Schwarze glatte Kleiderstoffe Mtr. 38 u. 45 Pf. Schwarze Mohair-Matlasse... Meter 62 Pf. Schwarze reinw. Kleiderstoffe, glatt Mtr. 72 Pf. Schwarze eleg. glatte Kostümstoffe Mtr, 08 Pf. Schwarze broschierte Kleiderstoffe Meter 1.23 Schwarze halbseidene und Mohairkleider- I CR Stoffe.......... 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Tkieater des Westens. �..Der Herr der Hann". Die sogenannten Sicbcnbürger Sachsen, b. h. rheinländische Deutsche, die im 12, Jahrhundert nach Siebenbürgen gekommen waren, be° saßen früher mehr als jetzt eine große Selbständigkeit. Das Dorf oder die Hundertschaft war autonom; der Vorsteher dieser„Hann" hatte zum Teil unbeschränktes Recht der Richterschaft. Natürlich gab dies Anlaß zu Reibereien mit der Regierung, mit deni Militär und mit umwohnenden Nationen� Bis heute haben sich jene „Sachsen", wenn auch nicht mehr politische Freiheit, so doch ein gut tonservatives eigenartiges Wesen bewahrt. Mit einem solchen Wesen ist allerdings«ich eine gewisse Primitivheit der Lebensverhältnisse verbunden. Auf einem derartigen Boden geht man nun auch begreistiäierwcise m lünsilcriischcn Dingen nicht voran. Entsteht aus solchen Verhältnissen heraus beispielsiveise eine Oper, so kann man ziemlich sicher sein, daß der Komponist nicht in die Tiefen der gegenwärtigen Stimmführungskunst Hit eingreift, daß er den Sängern und Spielern teinc neuen Aufgaden zumutet, und der- gleichen mehr. Hermann Kirchner dürfte für diese Situation der richtige Mann sein. Man dark ihn nicht verwechseln mit dem genialen Klcinmeister Theodor Kirchner, noch auch mit dem kleinen ungenialen Gesellen Fritz Kirchner. Geboren 1861 in Thüringen. in Berlin längere Zeit tätig, wirkt er seit 13 Jahren unter den Siebenbürger Sachsen in Hermannftadt. Er pflegt dort nationale und lokale Musik und scheint namentlich durch Volkslieder die Liebe der Bevölkerung errungen zu haben. Von zwei dort und in Klagen- furt erfolgreichen musikalischen Bühnenwerken wird„Der Herr der Hann" alljährlich sozusagen als Volksfest aufgeführt. Ter Komponist gehört nicht zu denjenigen Menschen, die es verstehen, von allen Dingen die rauhest« Seile nach oben zu kehren und sich an den Schwierigkeiten dieser rauhen Fläche abzuarbeiten. Er geht bequeme Wege; doch er geht sie mit solidem und markantem Schritt. Auf reife de in schein Boden war er bisher so gut wie nicht bekannt. Jetzt Hai sich seiner das Theater des Westens angenommen. anscheinend infolge der Verwendung des Dramaturgen und Re- gisseurs Dr. Bruno Tecker, der dem Werk einige sympathische er- klärende Begleitworte mitgibt. Vorgestern(Freitag) fand diese Uraufführung statt. Man könnte sich bei einem aus so plausiblen. leicht ins Bewußtsein eingehenden Bestandteilen zusammengesetzten Werk etwas anderes als einen rauschenden Erfolg gar nicht recht denken. Der Text ist vom Komponisten selber. Der unter jenem Titel auftretende Dorfschulze hat nicht nur eine sehr eifrige Gattin, sondern natürlich auch ein Töchterchcn, dem selbstverständlich ein dummer, reicher Bauernsohn aufgedrängt wird, während sie viel- mehr mit dem jungen Knechte Hans das Liebespaar bildet. Unter den episodischen Erscheinungen befinden sich auch eine gerade nicht sehr lvaschechte Zigeunerin mit dem von ihr herumgezogenen Burschen, ein kroatischer Leutnant und ein deutscher General. Nach einem für den Herrn veranstalteten Pfingslfeste wird nächtlicher- weile das Liebespaar irregeführt durch den Leutnant und die Zigeunerin. Die im Dunkel geschehene Verwechselung führt dazu, daß der Herr als Richter den Leutnant, die Zigeunerin und den Burschen zu den schwersten Strafen verurteilt. Inzwischen aber hat der General die beiden Liebhaber des Töchterchens ins Militär gesteckt. Schließlich tauschen der Richter und der General die Ver- urteilten und die Rekruten aus, und alles löst sich in Frieden. Natürlich gab es inzwischen auch Gewitter und Mondschein. Nacht- Wächter, Hirt, Hund usw. An Theatermache fehlt's nicht, an dem vielberufencn Hcimatsgcruch auch nicht. Die Komposition selber gibt sich, wie schon angedeutet, keinerlei Mühe, die sie für den künftigen Musilhistoriker zu einem Re- Präsentanten unserer Zeit machen würde. Zwar sind nicht etwa „Nummern" durch Dialoge getrennt; aber der fortlaufende Gesang hat seine Hauptstärke doch in einem an Weber und Macschner er- innernden Melodicnbukett. Die schönsten Blumen in diesem Bukett sind zärtliche Duette und ganz besonders Zankquartette und der- gleichen mehr. Die Sangbarkeit ist ganz prächtig; das Orchester singt auch viel, sinkt aber auch häufig zur berühmten Gitarre hinab. Jedenfalls sollen unsere Worte nicht verwechselt werden mit dem Ach und Krach, durch das wir manchmal über die Mittelmäßigkeit einer Sommcroperette freundlich hinwegzusehen suchen. An ernster musikalischer Qualität fehlt es nicht; nur wollen wir nickst vergessen, daß es sich doch mehr um eine kulturhistorische Kuriosität, als um ein Kunstwerk handelt, an dem wir uns die Zähne ausbeihen. An Ort und Stelle wirken bei dieser siebenbürgischen National- oper deutsche Bauern selber als Choristen mit, und zwar in ihrer Originaltracht. Diese wurde nun eigens leihweise nacl; Charlotten- bürg gesendet und kann den Kostünifreund vielleicht noch mehr inter- essieren, als die Musik den Musikfreund interessiert. Dazu kam eine Aufführung, die zwar manchmal die Harmlosigkeit des Stückes noch steigerte, sonst aber namentlich durch den frischen Gesang der hauptsächlichen Künstler viel Freude bereitete. Aus der Titelrolle ist nicht viel zu machen; doch sei der Bassist Kornelius Äarck mit Anerkennung genannt. In Spiel und Sang trat wohl am günstigsten William Haxthausen als der Liebhabertenor hervor. Besser als dessen Geliebte, dargestellt von Paula Hahne, sang die Darstellerin der Zigeunerin, Thekla Hanig. Ettvas mehr als eine Salonzigeunerin hätte diese immerhin geben können; im übrigen spielten beide Damen recht sympathisch. Noch sei Marie Recke erwähnt, die als„Hännin" eine übersprudelnde Gesanglcistung zu geben hatte und damit vortrefflich zurecht kam, namentlich was die deutliche Aussprache betrifft. So scheint das Theater des Westens abermals einen Treffer gefunden zu haben. Hoffentlich rechnet es niemand dem königlichen Opernhaus zum Verdienst an. daß es sich sagt: lieber nichts Ordent- liches als etwas Halbordentliches l— sz. ßHefbaften der Redabtfon* �urfttifdier Cell. Sie fitTlfliflUe Svretfiftiiiive finde««SnUrti mlt Zlnsnahmedes Sonnndeiid» von 7'l, biS U'/i Uhr«beiibS ftntt.(«oöffiie«: 7 llbr. Jeder Anfraae«st ei»«klnchftabe nnd eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. A. K., Zehdeniekerstraste. 1. Je Z M. 2. Der Einwand des ehemaligen Vormundes trifft nicht zu. Wenden Sie sich an das Vormundschastsgericht. — 91. F. 13. In 30 Jahren.— M. 13. 1. Ja. 2. Nein, erst nach zwei Jahren.— H. ff. 74. Sie müssen das Kind adoptieren. Erforderlich ist Zustimmung der Mutter und des Vormundes, sowie Genehmigung des Gerichts und Dispens von dem Altersersordernis. Haben Sie eheliche Kinder, so ist die Adoption unzulässig.— W. P. 30. P.®. 76, E. F. 21, G. H. 29, Gubenrrstr.. 9l. K. Nein.- Abonnent 71. Ob eine Verpflichtung besteht, ist recht zweiseihast. Wenden Sie sich an den Magistrat.- Karl 30. P. B. 100. W. B. 100. Ja.— Ramler. straffe 17. Sie mühten mit der Landesversicherung eine Vereinbarung treffen, sonst kann die Einziehung erfolgen.— W. M. 20. 1—3. Nein. — I. H. 23. Ihnen steht als auherehelichem Kind das volle Erbrecht an dem Nachlah Ihrer Mutter zu. Sie tönnen sich an das Amtsgericht wenden. — F. B. 39. 1. Sie müssen sich an den Schiedsmann wenden. 2. Das Ausgebot hat hier zu erfolgen. 3. Da gibt es keine allgemeine Regel.— Pankow 108. 1. Nein, falls Sie die Abende nachweisen. 2. und 3. Suchen Sie Einigung in Güte zu erreichen.— G. I. 30. 1. DaS ist verschieden: ivcnden Sie sich an die Fabrik. 2. In Berlin ja.— E. 52. 102. Sie müssen zahlen.— M. K. 8. 1. und 2. Ja.— R., Zossen. 100. Leider gibt es da leinen Rat.— Spandau 62. Ein Strasantrag hätte kaum noch Ersolg.— A. 39. Wiederholen sie die Anfrage.— 3006. 1. Nein, Btann und Kind sind Erben. 2. Ja, aber der Lohn ist nicht deshalb psändbar.— Schweiz. 1. Das kann zu Streitigkeiten führen. 2. Treffen Sie mit dem Kassenvorstand und der Invalidenversicherung eineVereinbarung. — Bogel 73». Falls sie mehr als 1500 M. Einkommen hat: ja. — O. N. 33. Charito und Staatsanwaltschaft wären zuständig, die Kosten dürsten etwa 50 M. betragen— P. I. 06. Die getroffene Vereinbarung ist gültig.— M. Sch. 13. 1. Nur wenn veränderte(verschlechterte) Ver- hältuisse vorliegen, hätte ein neuer Antrag an die Genossenschaft Aussicht aus Ersolg. 2. u. 3. Nein.— H. B. 49. Eine Erhöhung der Alters- oder Jnvalideurente ist nicht möglich.— E. W. 6. 1. Nur das Unpsändbare dürsen Sie mitnehmen, sonst machen Sie sich strasbar. Jni Streitsall ent- scheidet dal Gericht, ob ein Gegenstand unpsändbar ist. 2. Der Hauswirt geht vor. — 1906. Nach dem Reichsgesetz vom 14. Juli 1S04 ist der Anspruch aus Entschädigung wegen unschuldig erlittener Untersuchungshast innerhalb sechs Monaten nach Zustellung des ven Anspruch anerkennenden Beschlusses bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts zu verfolgen, in dessen Bezirk das Verfahren in erster Instanz anhängig war. Gegen die(von dem Justiz« nnnisterium zu treffende) Entscheidung ist innerhalb drei Monaten der Rechtsweg zulässig. Ihren gesamten Nachteil können Sie geltend machen. — Warschauerstraffe und Suter. Das Gesetz über Entschädigung wegen unschuldig erlittener Strashast datiert vom 20. Mai 1898, das"wegen un- schuldig erlittener Untersuchungshast vom 14. Juli 1904. Beides sind Reichsgesetze und in dem in jeder öffentlichen Bibliothek vorhandenen Reichsgesetzblatt abgedruckt.— W. Z. 907. Sie sind im Unrecht. — 30. Ja.— F. W. 20. Wenden Sie sich an einen der Arbeiter- Vertreter des Vorstandes, diese treten seit Jahren energisch sür die Rechte der Arbeiter ein.— Chauffeur 28. 1. u. 4. Nein. 2. u. 3. Ja. Sie tönnen aus Berichtigung des Zeugnisses und Schadenersatz klagen. Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen.— Ii. K. 128. t. Am Sonntag. 2. Ja. Sie können auch direkt an die Spedition, Linden- straye ö9, schreiben. 3. Breitestr. 5. 4. Nein. 5. In der Regel(es ist örtlich verschieden) bis 1500 Meter. Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen.— H. H. 39. 1. Nein, aber die Praxis schwantt. 2. Ja. — K. F. 14. Leider ja. Sie hätten die Wohnung besichtigen sollen. Eine arglistige Täuschung entbände Sie von dem Vertrage, ist aber schwer zu beweisen, da Ihnen die Beweislast obliegt. 2. Nein.— I. B. Der ae- werbsmätzige Betrieb ist dem dortigen Magistrat zu melden.— P. L. 41. Da er Handlungsgehülse ist, in der Regel ja.— N. R. 99. 1. u. 2. Ja. — G. K. 44. 1. Wenn Maschinenbekiteb vorliegt, ja. 2. Bei Fahrlässigkeit. 3. Von Beginn an. 4. Ja.— Burmeifter. 1. Wenn Maschinenbetrieb vorliegt, ja. 2. Nein. Wenden Sie sich an eine freie Hülsskasse.— P. B., Trier. Die Berusung hätte für die Frau keine Aussicht aus Ersolg.— Willi. 1, Nein. 2.-4. Psändung konnte stattfinden. Beschwerde und Jnterventtonsklage hätte aber Aussicht aus Ersolg. 5. Es ist in der Zeit von 9 Uhr abends bis 4 Uhr morgens, vom I. Zlpril bis 30, September bis 6 Uhr morgens in der anderen Jahreshälfte, und an Sonn- oder Feiertagen nur mit richterlicher Erlaubnis zu pfänden. 6. Schwerlich. 7. In vier Jahren, also mit Ablauf des Jahres 1909 verjähren im Jahre 1905 erwachsene Gerichtskosten. — fllugust N. 1. New. 2. Mit Genehmigung des Rektors.— M. K. 90. Gewisj.— Johannisthal. 1. Nein, es sei denn, daß die Summe von 450 M. jährlich überstiegen wurde. 2. DaS Bett ist unpsändbar.— F. G. Im „Vorwärts" vom 7. Februar, 2. Beilage, ist ausführlich dargelegt, wie man aus der Kirche austritt, welche Kosten entstehen und von wann ab man die Steuern spart.— Küsiriner Plaff. 1. Nein. 2. Ja. Adoption kostet 50 M. Dispens von dem Adoptivalter(50 Jahre) kann vom Amtsgericht erteilt werden. 3. Vorladung erfolgt nicht: aussührliche Darlegung finden Sie in der 2. Beilage des„Vorivärts" vom 7. Februar.— Partei- genösse 13. 1. Militärpapiere und Geburtsurkunde. 2. Standesamt. 3. Wir können keine Ausnahme machen.— F. B. 1. Nach der Volks- Zählung vom 1. Dezember 1900 betrug die Bevölkerungszahl in Deutschland 56 367 178, die Ergebnisse der Zählung vom 1. Dezember 1905 werden in etwa einem halben Jahre bekannt gemacht werden. 2. Wenden Sie sich an das Standesamt event. an das Gericht. �nxvktemiilidier Schluss des Aufteilen erregenden Sonder-Verkaufs Monlap, den 12. Februar abends 9 Ulir. Viele Merte liMN'/lllM Viele Hundetie H6IT6n~H0SBI) Viele Hunderte Herren-Westen 36.- 18.- 8.- 5.- 4.- 2.- 27.- Q 12.- 0 Mk. 65 4.- 2 Mk, 25 3- 1 i.5o| Mk. Die Preise sind beispiellos billig, teil- weise bis unter die Hälfte herabgesetzt. Baer Sohn Speziai-Haus grössten Massstabes. Chausseestrasse 24a/25» 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20. Zur einscgnung grosse Neu=Eingänge reichhaltiger Sortimente / in Reinwollenen KanrnigarnMen schwarz und farbig in den Preislagen per Meter: I» 1*25 1*50 1*78 2. 2*50 2.80 3.- M. '•25 mir erstklassige Fabrikate! Julius Haack Manufakturwaren und Konfektion BERLIN N., Brunnenstraße 198 am Rosenthaler Tor. 8—10 und 12—2. ji Sonntags geöffnet ® QreWnsen's dreisslsilhrlses SescMfisfiestelien. 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Dieselben sind in der ersten Etage zur Besichtigung ausgestellt Ferner veranstalten wir aus obigem Anlass ein PREISAUSSCHREIBEN Die Aufgabe, deren sechs beste Ausführungen wir mit endstehenden schönen und wertvollen Preisen belohnen, ist nur für Kinder bestimmt und soll lauten: 99 In Auf Die einlaufenden Aufsätze werden sofort den von uns gewonnenen Preisrichtern vorgelegt und von diesen die sechs besten Arbeiten ausgewählt Ueber das Resultat berichten wir s. Zt. in den Tageszeitungen. Erster Preis; 1 complelfe elegante Zweiter Preis; Dritter Preis: Küchen-Einrichtung DM im Werte von Mk. WßHM V Wüsche- Ausstattung ISA im Werte von Mk. jlww 100 1 eleganter Teppicli, 2 Steppdecken%sXd" 1 elegante Spachtel-Garnitur ira Werte�n Vierter Preis; hieg.Tatelserviceu.I Tischlampe"fR ■ im Werte von Mk.£ �0 Fünfter Preis; 1 Mses �lü mit Rahmen s..hL RA i.. im Werte von Mk. Vw Sechster Preis; 1 Grammephen mit Platten Jj im Werte von Mk. ie Preise sind in unseren Scliaufenstern ausgestellt. Bedineim; 1. An dem Wettbewerb kann jedes Kind teilnehmen, welches im Besitze eines Kaufbons für Waren in Höhe von 3 Mark ist, die vom 12. bis 20. Februar gekauft worden sind. Die Bons werden an der Kasse gestempelt(Einsendungen, denen dieser Kaufbon fehlt, können nicht berücksichtigt werden). 2. Die Couverts sollen genau wie hier angeführt geschrieben werden. Preis- Ausschreiben! Jin die Firma H. Greifenhagen Nachf. Brunnenstrasse I7'I8 Veteranenstrasse 1-2. 3. Die Briefe müssen genaue Adresse und Alter des Kindes aufweisen. 4. Die Briefe müssen spätestens am 25. Februar in unserem Besitz sein. 5. Die Arbeiten müssen völlige Selbstanfertigung erkennen lassen. Greifenhosen Hochf. Inhaber Eduard Morris. J LEIPZIG ER STRASSE ALEXANDERPLATZ Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Lebensmittel Soweit der Vorrat reicht. Cemfise-Konserven Dose Vi Vz Pa. Stangenspargel I55 83 pl Pa. Stangenspargel I40 75 pl Pa. Stangenspargel 60 Pf. Pa. Stangenspargel 0°°� 78 44 pl Pa. Brechspargel 70 pl Pa. Brechspargel k1� 1°° 53 pv Pa. Brechspargel � 80 45 pl Pa. Brechspargel 60 35 pl Pa. Brechspargel � 55 33 pl Junge Schoten, siebung 1 80 45pl Junge Schoten, siebung n 50 30 pl Gemüse-Schoten siebung 1 36 23pl Leipziger Allerlei 70 40 PL Leipziger Allerlei 1 50 30 PL Pariser Carotten 65 38 pl Junge Carotten 48 29 pl Junge Carotten geschnitten 32 21 pl Früdi'e-Konserven Fleischwaren Braunschw. ger. Rotwurst ph. 55 pl FrischeThür. Fleischwurst pä 75 pl Hallesche Zwiebelleberw. Pfd. 60 pl Cervelat- u. Salamiwurst pfd. I20 Westf. Knochenschinken 120 zum Rohessen, im ganzen, Pfd.' Corned Beet* DoZ: 2 Pfund-Dose I55 Strassburger Gänseleber-Pasteten in Terrinen 90 Pf. 1"� bis 5� n ee h ü h n erstückl i o Obst und Südfruchte Apfelsinen st. 40, 50, öOpl Citronen sä. 30, 40, 50 pl Schalmandeln Pfd. 68 pl Trauben-Rosinen PidSOpf. 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Nachdruck verbolen. 396 403 605 1032 49 95 127 216 2030 539 683 88 808 977 i 2001 3003 344 48 505 943 73 4017 323 37 404 19 97 73,0 860 986 5162 75 565 652 761 80 6057 112 648 836 997 7038 132 450 65 809 15001 970 801Ü 239 588 817 9439 523 76 993 16019 27 212 568 I3U00] 725 815 38 94 988 11043 104 81 249 349 842 7U 12212[2001 332 411 13163 238 847 14350 491 1200] 645 795[3001 15120 367 411 674 1 6038[2001 46 181 415 723 37 916 1 7015 43 82 385 487 929 1 8131 53 245 483 864[200] 19055 64 115 39 688 860 995 20246 69 99 333 462 611 826 38 2 2001 220 308 54 496 529 997 2 3000 34[2001 51 275 568 663 24175 249 368 475 82 572 656 931 2 5220 49 385 680[500 1 865 937 26124 200 16 56 389 423[4001 638 740 864 2 7509 10 949 73 80[3001 28128 265 462 548 716 808 78 79 2 9036 96 295 680 727 842 36058 175[ 2001 267 447 585 814 21 927 3 1012 53 469 517 689 3 2187[3001 277 343 409 523 96 697 716 44 915 3 3008 355 981 3 4273 78 312 430 586 649 51 931 35162 228 388 505 622 715 10 942 3 6140 354 12001 945 3 7005 363 73 402 510 655 12001 38137 387[200] 449 52 65 523 730 3 9035 45 243 650 77 786 96 40040 12001 53 234 418 710 82 808 901 4 1073 136 399 472 564 4 2189 239 381 825 913 43144 368 533 57 600 69 89 973 44189 322 45 479 520 937 4 5205 301 25 502[200] 925 46104[ 2001 44 257 79 411 640 878 921 47060 76 554 878 870 48133 94 350 479 541 721[2001 941 49089 130 65 79 261 310 26 609 51 762[200] 830 70 12001 92 50015 202 322 409 542 645 882 966 5 1530 755 822 90 5 2089 156 212 37 332 443 70 643 1 2001 69[200] 790 92 887 5 3333 476 527 662 705 817 5 4293 1 2001 378 453 73 572 628 890 982 55406 637 745 93 833 1 4001 56117 43 259 87 350 623 28 34 12001 84 5 7207 392 530 86 678 842 5 8037 252 458 688 700 51 829[3001 987 5 9051 571 79 784 904 25 66 . 60425 753 803 88 944 6 1 004 249 319[3001 73 435 [2001 598 6oI 704 9 6 2055 128 271 375 454 535 937 63015 99 378 470 519 48 662 6 4099 219 48 723 62 982 65082 427 927 66089 369 567 607 20 6 7071[200] 83 12001 364 498 550 62 738 50 998 68191 875[200] 928 69055 216 429[ 3001 727 808 . 70071 407 818 906 71111 607 904 72085 139 73 78 383 584 7 3217 55 313 73 400 89 550 95 848 7 4085 144[2001 70 547 691 726 7 5226 43 325 81 627 7 6251 94 588 7 7014 17 105 200 28 12001 46 52« 80 792 817 79 78032 Ol 465 89 1200] 715 79006 265 379[200] 89 438 601 807 31 986 80256 301 582 644 731 882 81144 507[3001 82198 524 629 736 819[3001 960 8 3077 103 899 974 84085 623 85113 71 75[200] 310 912 86123 425 609 932 8 7012 100 297 353 747 98 851 88034 187 221 301 29 443 89019 U7 29 602 873 81 90086 571 663 826 60 9 1006 394 444 665 864 92065 174 204 63 344 45 422 78 855 9 3274 3.53 502 8 73 791 12001 94026 319 419 50 744 12001 95171 88 514 617 [2001 756 801 87 93 946 9 6319 436 12001 793 914 91 97088 94 139 4.53 690«08 73 79 99 9 8215 541 858 905 49 9 9018 68 102 70 420 509 786 971 100005 166 260 302 451 583 885 1 0 1077 144 206 550 91 622 62[10001 85 766 905(2001 1O2043 180 332 71 480 559 947 55 1 03242 369 596 887 1 04101 522 720 71 88 832 78 996 98 1 05279 578 606 92 94 875 1 06177 [3001 754 70 1 07199 239 1300] 59 363 93 108031 211 451 Wl 656 845 1 0920« 44« 107 39 939 110459 674 831 111010 103 33 062(2001 713 50 959 IIS 3"67 367 14? 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Februar, vor* mittags, lies 164 223 statt 161212 2. Ziehung 2. KI. 214. KgL Preuss. Lotterie, Ziehung vom 10. Februar 1906, nacbmitlags. Nut die Gewinne Uber 96 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. 2 78 94 172 221 429 565 683 821 30 1108 65[200] 273 488 540 987 97 2010 271 385 467 79 558 3005 96 363 5u8 03 806 958 13001 4154[2001 532 662 710 862 5352 404 91 606 I2Ü0J 700 981 88 6283 368 110 000 1 847 949 81 7067 87 128 40 216 409 17 86 557 652 55 8299 392 598 882 9172 254[200] 99 348 478 501 15 80 12001 653 907 10106 363 436 706 34 94 910 11096 379 706 846 12052 178 263 592 966 1 3306 495 527 642 725 999 14919 54 1 5060 62 116 14001 520[500] 30 37 44 66 [3001 91 637 796 935 1 6012( 2001 73 600 807 1 7027 45 125 37 525 7.58 1 8056 167 281 330 95 655 770 827 934 19166 370 408 534 75 783 810 20088 III 347 413 552 6.56 953 74 2 1080 212[2001 624 71 73 798 22187 225 91 338 410 56 508 689 725 38 60 811 59 904 2 3263 363 511 24065 r2001 217 375 959 25127 94 505 619 899 2 6047 137 88 274 85 368 448 599 644 747 55 953 2 7379 582 92 751 88 941 12UOI 69 28134 278 499[2001 579[400] 782 802 966 69 29114 29 38 296 522 657 710 84 821 30000 152[2i)0] 387 522 907 20 3 1 002-68 170 201 333 533 881 3 2205 399 512 75 622 3 3290 655 911 34175 233 467 681 909 55 73 3 5083[500] 281 364 85 587 613 42 78 3 6084 170 580 645[3001 50 92 949 3 7360 462 538 687 38101 433 54 638 65 99 3 9020 189[200] 265 481 525 827 40140 365 452 624 98 932 4 1082 293 665 765 820 932 4 2089 229 319 403 537 38 95 720 945 1 200] 47 43429 511 50 4 4078 105 477 564 81 620 831 60(2001 45151 321 46231 524 630 47 1300] 757 973 47134 246 373 82 443 764 884 48177[2001 264 380 443 563 70 79 [400] 668 4 9062 199 256 426 59 800 918 50287 12001 607 97 894 5 1080 89 204 46 737 842 947 52118 344 496 832 80 53194 445 617 29[3001 840 78 88 983[2001 54149 253 859 55112 267 358 485 72 586 5 6277 762 57103 10 29 53 79 Ä 496 808 35 58171 691 907( 2001 59200 64 312 450 841 54|5O01 60079 210 12 18 58 645 819 48 89 6 1 066 207 529 611 38 90 892 924 62025 77 330[400] 611 10 721 803 920 63608[200J 827 971 64121 416 38 534 859 98 65223 304 475 529 95 99 613 81 743 66352 618 67158( 2901 80 791 844 6 8296 24[2001 313 46 500 629 69123 479 877 968 71 70128 310 490 596 810 71195 319 925 72192 99 693 791 830 37 7 3047 477 534 45 75 896 968 7 4033 230 790 854 991 75057 218 631 842 7 6004 203[2001 310 597 668 94 828 60 926[4001 43[200! 77076 497 616 700 87 9.54 7 8036 198 799 7 9018 43 308 43 771 80148 340 89 745 46 845 952 81118 442 575 614 [2001 46 57 763 866 951 82X)3 822 8 3529 625 76d 84127 454 559 735 875 977 8 5032 35. 3001 319 432 583 625 62 736 881 916 86142 81[3001 341 63 65 76 615 820 54 933 8 7953 192 284 605 75 767 118330 928 89108 380 416 52.506 817 953 73 90022 292 372 91 408 749 814 960 91'62 76 305 1200) 20 701 92334 4SI 72 569 743 73 9 32j2 447 57 609 807 943 941,50 70 206 448 90 566 605 737( 200 95541 44 869 985 0614« 2.51 93 487 538 623 33 9 7054 101 281 340( 2001 63 67 9 8095 127 210 99167 272 386 SS 452 647 750 849 65 995 100054 55 303[2001 92 452 511 30 639 78 811 39 10 1085 197 281 302 498 558 819 943 58 102164 235 468 92 581 839 931 103363 580 949 1 04,173 233 317 34 420 518 52 621 29 736 307 59 987 1 059 2 23 115 43 247 314 564 97 715 53 924 1 06321 92 46 1 700 107005 29 159 235 345 400 10 42 108081 88.582 644 704 109038 360 84 531 08 762 2-» 110793 12001 914 76 111053 9» 781 907 112432 672 784 113119. 414 26[2U0I 46 114140 SO 272 339 821 988 115117 207 305 60 724 9l 117064 225 37[21)01 423 80 524 989 f______... 70 12001 72?65 660 722 90 930 63 11902640 66»»U 819 37 79[2001 120064 306 22 121185 252 61 759 95 122022 57 300 453 664 737 870[4001 123164 429 679 1 24055 Gl 81 281 323 14001 47 723 821 125133 584 95 700 806 914 24 54[2001 W 126074 442 507 827[300] 84 127106 35 475 844 56 921 128060 100 206[300] 25 436 526 798 804 73 998 1 29177 250 130683 724 816 920 21 13 1 970 496[4001 99 607 99 132015 34 74 681 983 133.167[3001 454 611 33 655 752 60 866 1 341.7 29 78 90 612 40 713 905 26 135213 390 527 52[2001 618 836 999 1 36012 128 260 1 37318 98 466 509 709 821 53 984 1 38042 353 454 70« 139144 64 79 391[2001 439 773 946 57 140058 723 26 141233 309 90 735 904 142290 346 77 470 583 673 1 43224 52 89 98 377 461 666 70 902 6 1 44132 37 48 357 566 745 988 1 4 5039 108 296 401 43 551 744[2001 59 1 46003 206 50 438 571 147110 261 418 569 600 718 49 77 877 906 1 48116 39 [2001 391 400 806 1 49079 440 695 623 13001 734 834 76 150123 703 823 962 15 1278 344 46 631 48 969 152354 418 21 607 153117 3-3 635 724 154086 292 323 721 830 52 1 55209 447 86 655 856 969 156042 117 79 380[4001 497 510 721 47[200] 895 157069 479 570 938 158392 440 159120 05 474 539 85 697 973 160181 248 487 744 804 41[2001 43 975 1 6 1 909 162149 242 631 87 926 163026 798 803 93 903 164392 1200] 453 519 785 1 65126 428 41 42 536 91 619 1 66090 283 410 509 648[3000] 779[400] 979 167011 304 487 702 958 1 68005 343 519 35 1 69544 099 722 94 848 55 88 908 98 170018 304 48 522 40 859 907 171022 20 33 503 823 1 7 2070 661 859 97 1 73035 135 98 566 608 68 748 174-287 359 81 479 87 94 633 763 817 33 1 75149 438 601 863[2001 008 1 76117 210 44 311 579[200] 769 806 82[3001 001 177090 213 310 27 683 864 66 904 87 178094 159 750[4001 956 1 79060 150 462 712 180088 487 768 804 1 8 1062 271 783 97 810 926 84 182731 908 183094 97 198 215 184221 335 537 185017 532 786 1 86243 472 850 65 66 922 1 87071 305 82[2001 552 858 71 923 1 88312 450[2001 763 86 814 47 1 89044[200] 215 92 319 401 15[2001 689 850 904[200] 6S 190298 373 4SI 191107[200] 226 79 96 422 732 192201 418 642[5001 701 73 894 1 9 3232 85 302 35 918 39[3001 60 1 94170 362 688 1 95107 9 25 26 150 OOOI 234 366 438 42 93 583 675 888 1 96010 112 387 462 543 58 759 87 850 90 1 97244 584 791 856 58 93[10001 198104 236 433 825 1 99323 45 427 674 200209 928 201060 91 233 81 91 347 603 39 969 202129 298 356 486 5!W 2 03102 313 54 57[5001 496 582 715 942(2001 204002 153 273 918 205632 208195 215 378 805 207635 403[2001 28 667 719 800 924 30 8001 176 433 97 731 806 2 0 9061 88 164 720 961 86 210072 520[3001 657 60 95 746 49 211198 335 .505 930[2001 2 1 208.5 150 390 846 943 63 2 1 3077 284 389 495 553 68 704 812 70 2 1 4010[400] 394 484 089 834 2 1 5113 512 21 703 804 2 1 6261 490[200] 513 799 2 1 7215 378 474 823 2 1 8048 299 009 743 98 875 912 2 19359 519 646 701 220296 369 554 741 892 221121 62 289[2001 478 518 90 664 702 36 222419 605 946 223333 602 44 48 737 847 53 224021 13001 75 639 /70 225507 650 341 226085[2001 139 68 332 58 648 883 2 2 7234 408 54 22 8242 426 694 722 2 29107 368 530 38 52 780 [2001 939 2301:16 86 349 75 444 720«40 231145 65 569 657 2 3 2132 296 335 92 414 595[3001 811 66 233566 831(400! 07 903 16 2 3 4031 332 37 86 486 733 836 37 42 927 235118 629 742 236129 269 237022 87 421 35 601 2 13000 1 49 2 38197 373 415 47 77 97 561 841 239537 855 919 80 240124 551 98 759 77 883 91 987 24 10.55 77 89 179.504 44 824 35 917[2001 242623 700 243164 69 620 890 921 244195 401 840 943 70 2 4 5069 952 55 246124 92 461 741 93 812 247022 85 106 39 305[200] 81 483 619 27 739 Die Ziehung der 3. Klasse der 214. Königlich Preusslschen Klassenlolierio findet statt am S. und 10. Hirz im Sozialdemokrafiselter Verein im S. Berliner Beiehstags-VHahthreise. Dienstag, den 13. Februar 190«, abends»Ve Uhr, im„Alten Schützenhause", Linienstraste 5: General-Versammlttng. Tages-Ordnung: 1. Vorstands- und Kassenbericht. 2. Wabl des Vorstandes und der Revisoren. 3. Soll der Boykott über die aufgehoben werde»? 4. Partei- und Vereinsangclegenljeiten. 5. Verschiedenes. 215/4' oar- Mitgliedsbuch legitimiert. -jpaZ Erscheinen aller Mitglieder erivartet_ Der Vorstanil. VI. Kreis. SchötchanjerUorstadt Sonntag, den 11. Februar, abends 6 Uhr, in den Serolina-Sälen, Schönhauser Allee 28: V ersammluns M für Männer und Frauen, Tages-Ordnung: 216/19* Her mit dem Wahlrecht für die Frau. Reserent: Genosse Paul John. Nach der Versammlung: lZeMÜtl. SelSaMMenSeW. Montag, den 12.«cbruar. abends 81/. Uhr, im Saale der Witwe IV, Igel. Türrschmidtftr. 48: Uolüs Uersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Bericht der sozialdemokratischen Gemeindevertreter über ihre Tätig- teit im Rathause. 2. Diskussion. 2S63b Alle Gemeindcwähkcr und auch die Frauen sind hierzu eingeladen. Um recht regen Besuch ersucht Das Wahlkoniitce. Wer Holl Montag, den 12. Februar, abends 8Va Uhr: 8ezirh-VersamtoIttngeu Westen und Südwestern td Habel,«ergmannstr. 5-7. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstags. Abgeordneten L c s ch e über: Die Bedeutung der Konsumvereine sür die Arbeiterklasse. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Bcitragsammlcrs. 1. VcrbandSangelcgenheiten und Ver- schiedencs. 79/18 gWg- Da NichtMitglieder und Frauen Zutritt haben, werden die Be- suchcr gebeten, ihre Frauen mitzubringen. Erwünscht ist recht zahlreiches Erscheinen. , Die Versammlung wird pünktlich crössnet.— Oeslliche Vororte: Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Eugen Brückner über: Invalidenversicherung. 2. Diskussion. 3. Wahl dcS SchristsührerS, ferner Wahl von zwei GcwcrkschastSdelcgierten und Ausstellung emes Beisitzers zum Gewerbegcricht. 1. Verschiedenes. MF- Wegen der reichhaltigen Tagesordnung ist es Pflicht, daß alle Kollegen Mit ihren Frauen erscheinen. Süden u. Südosten i a»« r r» f r Montag, 12. Februar, Sy2 Uhr. im Swinemünder CeseUschaJtshause, Swinemünderstraße 42: Versammlung. Tages-Ordnung: 1. von Frau K.\aVa WCyl über „Welchtg Interesse haben die Franen an der städtischen Verivaltuiig 2. Diskussion Gäste willkommen__ 55/1 Achtung! Ach tut Nutzer, Murer Erlaube mir hierdurch die werte» Gcnosien aufmerksam zu machen, dag ich Pubgeschirr, Neibebrettcr, Kartätschen usw. anfertige. 5sul Arndt, PuNschabtoiien- Fabrik Lcbivelbeinerolr. 5, Gegenüber Babnbos 115L Schönhauser Allee. Achtung 1 I blga Preise- beliebige Teil» zahlung. tgl!IZb8lZN. Ii Sektion der putzer-Crager! Sonntag, den 11. Februar, mittags IS Uhr, in Wernaus Festsülen, Schwedlerstras.e S8: Sektions-Versammlnug. Tagesordnung wird in der Bcrsammlung bekannt gemacht. Sektion der Cöpf er- Cräger! Montag, den IS. Februar, abends 8 Uhr, im Rosenthaler Verrinshaus. Rosenthalerstraste 87: Sektions-Bersammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Vertretcrsitzung. 2. Wahl der Seltionsleitung. 3. VerbandSangelegcuheitcn. Zohlreichen Besuch dieser Versammlungen erwartet 32/17 Der Zweigvereins-Vorstand. « Damen-Konfektion. Zwei öffenlMe Versammlmgen für alle in der äamen-XonfeUtion beschäftigten Kollegen und Kolleginnen! Sonntag, den 11. Februar,»achmiltags 5 Uhr, im Swinemündrr Geselischaftshaiis, Swincmiiudcrstr. 42. Montag, den 12. Februar liKXi, abends M/z Uhr, bei Granmann, Naunynstraße 27. Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. B a 1 1 i n über: Die Be- deutung der Kiuderfürsorge und des Kinderschuhes für die Arbeiter- schaft.— Kollegen und Kolleginnen l Auf zu den Versaininlungen! Er» scheint pünktlich und zahlreich. Ter Einberufer. Nach Schlich der Sonntagsversammlung: IZemiitlicbeo Beioammenoein mit Tanz. 162/0 Verband der an Holzbearbeitungsmaschinen beschäftigt. Arbeiter Berlins und Umgegend. Hontag, den 12. Februar, abends S'/z Uhr, im Gewerkschaftshause, Eugel-User 15: Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Genossin Fra» Tieh über:„Welche» Jnieresse haben die Frauen an bei GewerkschastSbewcgung?- 2. Diskussion. Z.Mitteilungen und Gewerkschastiiches. Zahlreiches Erscheinen, nainentlich der Frauen unserer Kollegen, erwartet 75/1 Der Vorstand. Am Sonnabend, den S4. Februar er.: Mtaslleiidiill«-kamtNme»| von Koppen- str. 29. Am Sonnabend, den 17. März er.: Mackpnhall im Swinemünder Gesellschaftshause, 1*1 wOIl. villvICwll©minemünbcrftraüc 42. D. 5 D. O. Zentral-Krankenkasse der Maurer .tirundsteln zur Einigkeit". Sonntag, den 18. Februar, vorm. 10 Uhr, im GewerkschastLhause, Engel-User 15: Mitglieder- Versammlung. TagcS-Ordnung: 1. Kassen- und RcvisionSbericht. 2. Wahl deS ersten Kassierers, zweiten Bevollmächtigten, zweiten SchristsührerS und zweier Revisoren. 3. Ber- schiedeneS. Mitgliedsbuch legitimiert.——■ 119/3 Die örtliche Ortsverwaltung. Lackierer. Montag, 158. d. M., abends 8>/z Uhr, im»Englischen Garten", Alexanderstr. 27a(großer Saal): Oeffentliehe Versammlung aller in Lackierereien befchäftigten Perfonen Berlins und Umgegend. TageS-Ordnung: 1. Die Lage der Lackierer Berlins. Referent: Arbeitersekretär Kollege Link. 2. Diskussion. MM- Kollegen, Kolleginnen und sonstigen Mitarbeiter! Erscheint alle w der Versammlung, damit wir eingehend beraten können, wle wir unsere schlechte Lage verbessern. Niemand darf fehlen! 107/3 Die Sektion der Eaeklerer Berlins. Verband der Venoaltungsbeainten der Krankenkassen und Berufsgenossensehaften Deutschlands. Bczirksgruppe: Itei-Iln-Itrandenburg u. Mecklenburg. Montag, den IS. Februar lOOK. abends 8 Uhr, bei Mlcgcl, _ Stralauerstrahe 87: MF* Bezirkstag in Berlin."Wß Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Religion und Kunst". Referent: Herr Schrist- steller tidotk S een 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheitcn. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. .Achtung! Beiträge für die freie Hülfskasie Nr. 103 werden in dieser Versammlung angciioiimicn._ Achtung! Achtung! Den werte» Vereinen sowie Gewcrlschasten zur Kenntnis, daß in den frachtsäten des Ostens (Inhaber: Cranz) keine organisierten Musiker beschäftigt sind.— Wir bitten die werten Besteller, hiervon Kenntnis zu nehmen. 50/1 MM- Ter kosiculofr Arbeitsnachweis des Zeiitralberbandes der Zibitiuusiker Teutschlands befindet sich Brniinenstr. 88 bei bVllko. Der Vorstand des Zcutralocrbandes der Zivilmusikcr Tcntschlnnds. Ortsverwaltung Berlin._ (Ortsverwaltung Berlin.) Oircksenstr. 39 I. Amt III. 1813. Das Lokal „Pracht-Säle des Ostens�im Frankfurter Allee 151/152 ist für organisierte Gastwirts- Gehiilfen wegen iÜdjt5 llnerkellllliug des Mnilaffn ArbkitsuadMises Verbandes gesperrt. Die seitens des Ansschiisseö der Berliner(Sewcrkschaftskommisfion angebahnte Einigung ist, wie bereits im„Vorwärts- berichtet wurde, IW gescheitert."WW �s Ätit diesem ersuchen wir alle Vorstände und Komitees, I soweit sie bei Herm Cranz Versammlungen und Vergnügungen abgemacht haben, uns gefl. ihre Abreisen anzugeben, damit wir in der Lage sind, über die Ursachen der Sperre die not- wendige Aufklärung zu geben. 287/11* I. A.: F. Braun. E mw*'• m i M Mark Verdienst pro Tag und inohr erzielen Sie mit meiner Strickmaschine„Triumph" Alle Arbelt nehme ich ab. A F. Siebert, Berlin W. 15, QUäseldorferotP. 103, Berliner" Hausinduatrio für Strickwaren u. Siat-chinenhandlung. Pff ÄUDtlill M dkl jilklijk wird für alle entschieden freiheitlich gesinnten Glieder unseres Volles immer niehr zu einer dringenden Gewissens- und Bürgerpflicht. Die Erregung in Preußen gegenüber der geplanten V e r k i r ch- lichung der Volksschule zeigt wieder, dag in weiten Kreisen ein elementares Empfinden für die Gefahr der Kirchenübermacht im Staatsleben vorhanden ist. Aber die Millionen Väter und Mütter, die zornig wider die konfessionelle Einengung und Absonderung ihrer Kinder protestieren, haben zumeist selbst schon die wehrlosen Neu- geborenen der Konfession als Opfer dargebracht durch die kirchliche Taufe, die das Kind aus einem„blofien" Menschen zum HimnielS-Kandidaten macht. Dieselben Millionen Eltern geletten die schulentlassene Jugend wieder zur Konfirmation, damit sie ein Bekenntnis wider alle Vernunft und Natur ausspreche. Dieselben Millionen bekennen sich selbst lebenslang zum konfessionellen Glauben. dafi der Himmel wichtiger als die Erde, Gottes-Gnade besser als Menschenrecht sei usw. Ein Boll, das trotz der Bekenntnisfreiheit im modernen Staate aus zäh-konservativer Gewohnheit zn 99 Prozent dein Mittelalter- lickien Konfessionsglauben anhängt. drückt sich damit selbst den offiziell gültigen geistig-reaktionären Stempel auf; ein solches Boll setzt sich selber als Fundament und Pfeiler des StaatstircheutumS ein und darf sich über das Wachstum der Kirchenmacht nicht wundern. Ukbt ellkr Gtallbensrecht, ihr FrtidcnMkn! Wenn für neue Volksrcchte heiß gestritten wird, ist dann nicht er st recht die Anwendung läng st bestehender Bürger- undMenschenrechte die heilig st ePflicht?— Das Glaubeus-Wahlrccht ist frei und gleich für Männer, Frauen und Halberwachsene vom 14. Lebensjahre an; die Eltern üben es sogar für die kleinsten Kinder; es ist so umfassend, wie sonst keines; es ist die einzige Waffe, um die Ueber macht der Kirche sofort zu erschüttern. Und gerade da« wollt ihr blind mißachten, ja gegen eure eigene Ueberzcugung mißbrauchen k Tretet aus den Konfessionen aus, ihr Freidcnkcndcn, und organisiert euch in freie» religiösen Vereinigungen! Dann könnt ihr euren Kindern schon heut einen Ersatz-Unterricht für die Religionsstunden in der Schule verschaffen, wie das die freien Gemeinden beweisen— auch in Preußen! Frauen und Männer, ihr habt die Mahl in der Hand! Gebt eurer zleberzeugung die Ehre, ihr Freidenbenden! Ick Stimmt Bit! Man meldet seinen KirckienauStritt schriftlich beim Amtsgericht an und bestätigt ihn genau 1 bis 6 Wochen später persönlich durch Unterschrist vor dem Amtsrichter, auch ohne besonders vorgeladen zu sein. 65/5 Der Vorstand des Bundes Der Borstand freier religiöser Gemeinden deS deutschen Freidenker- Deutschlands. Bundes. I. A.: G. Tschirn, Breslau, Feldstr. 10g. verantwortlicher Redakteur: Hans SScber, Berlin." Kür den Inseratenteil verantlö.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: BorwärtsBuchdruckerei u. BerlagSanstält Paul Singer Sc Co.. Berlin LW Nr. 85. 23. Jahrgang. 4 ßcilnjf iw JorniätlD"|ittlinrt Hollislilntl. Souvtag. 11. Februar 1906. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 10. Februar 1906. Der kritische Termin! Wenn zwei Juristen über eine Sache streiten, hört inan mindestens drei Meinungen. Bei den Volkswirten ist's nicht viel— schlimmer. Hier ist aber nicht Fachsimpelei. sondern gewöhnlich ein ganz realer Faktor, das persönliche Interesse der Anffassungsregnlator. Seht die streitenden„Balksfreunde" in den Gesetzgebungskörperschaften und ihr habt des Beweises Unterpfand, datz bürgerliche Nationalökonomie sich die Begriffe„Gerechtigkeit",„Volkswohlfahrt" usw., von des eigenen Portemonnaies wohlverstandenem Interesse inter- pretieren lätzt. Liebesgaben werden des nationalen Wohl- ergehens sichere Grundpfeiler, Monopolmitzwirtschast der nationalen Arbeit Flammeiischwert gerüsteter Schutzengel, Arbeiterschutz des Reiches Herrlichkeit bedrohende Um- slürzeleien, Klassenjustiz hehrster Gerechtigkeit hellleuchiende Krone. „Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage!" Dieses Dichter- wort findet kaum je berechtigtere Anwendung als in bezug auf politische Nationalökonomie. Aber so scharf die Ausichlen— wenigstens die nach außen vertretenen— in Auffassung der Schutzzollpolitik sich gegeniiberstehen, der wildesten agrarischen Raub- gier unentwegte Fctiichdiener sowohl als der industnefeudaleii Moiiopolzoll heiligsprechenden Kapuziner im Ordensverband der Scharfmacher beschleicht in bangen Stunden doch wohl ein leises Granen vor den Folgen der Tat der denkwürdigen Dezembernacht, in der unter Verfassungsbruch der neue Schutz-Messtas, christlich ge- tauft„Zolltarif", geboren wurde. Offen oder mindestens im stillen Käminerlein macht jeder sich das Bekenntnis: der l. März 1906 bedeutet einen Wendepunkt in der deutschen Volkswirtschaft, einen Wendepunkt— nach rückwärts! Datz die neuen Handelsverträge dem deutschen geloerblichen Leben Wunden schlagen werden, datz sie in ihrer Tendenz des deutsche» Proletariats soziale Loge bedrohen, darüber bestehen Zweifel kaum noch, nur über die Qualitäten und Quantitäten jener Einwirkungen gehen die An- sichten auseinander. Allerdings, iver sich wirtschaftliche und soziale Verschiebungen als mechanische Vorgänge vorstellt, die sichtbar und fühlbar in Erscheinung treten, sobald die Antriebskrast im Organisnius in Wirksamkeit gesetzt wird, dürfte sich vielleicht bald zu denen be- kennen, die von der neuen Reichsschutzzollpolitik einschneidende Folgen nicht beftirchten. Das Voraussagen ist ein undankbares Gc- schüft— ausgenommen natürlich für diejenigen, die aus Kaffeesatz und verschniierten Karten trauernden Witwen und sonstigen Herz- kranken Blicke in die Zukunft tun lassen ganz besonders auf dein Gebiete des beweglichen, anpassungsfähigen, vielgestaltigen Wirt- schaftölebens. Trotzdem lassen sich mit ziemlicher Sicherheit doch einige Prognosen stellen über die Folgen, die das Inkrafttreten der neuen Handelsverträge zeitigen wird. Unbestritten ist der augenblicklich noch anhaltende relativ starke Export zu erheblichem Teile be- einflutzt von dem Bestreben, noch möglichst viel Waren zu den niedrigen Zöllen nach dem Auslände abzustohen, resp. ausländische In, porteure komplettieren ihre Läger, um mit den zu niedrigen Zöllen hereingeholten Waren nach Inkrafttreten der höheren Zölle einen„anständigen" Rebbach zu machen. Das gilt für jene Exportindustrien, die durch die neuen Verträge un- 1 günstiger gestellt sind. Für sie geht die Saison nun zu Ende. Soweit man es erreichen konnte, inländische Auf- träge zurückzustellen, können erhebliche Störungen im Betriebe vermieden werden, man hat noch eine gewisse Uebergangsperiode, die sich ausnutzen lätzt, man hat Zeit, sich in den veränderten Ver- Hältnissen zurechtzufinden durch Aufnahme neuer Produktionen, Ver- vollkommnung der technischen Einrichtungen und Berbilligung der Produktion usw. Für diejenigen Unternehmen, welche nicht mehr über einen Reservearbeitsstock verfügen, werden Stockungen und größere Störungen unausbleiblich sein. Manche Werke werden er- hebliche Embutze erleiden, die nur teilweise wieder auszugleichen ist. Es sind die Opfer, dargebracht auf dem Altar der preutzischen Gottheit Agrariertum I Im Laufe der Zeit werden sich von den am meisten betroffenen Unternehmen allerdings auch wieder einige aufraffen, ihre Existenz unter den verschlechterten Verhältnissen behaupten. Aber die sich allmählich vollziehende Konsolidierung kann doch nicht alle Lücken auf dem Arbeitsmarkte ausfüllen, an wirtschaftlichen Leichen- begängnissen wird es nicht fehlen. Für die in Betracht kommenden Arbeiter vollzieht sich eine Verschiebung auf dem Arbeitsmarft, das Angebot steigt, flauer wird die Nachfrage. Aber, wie schon bemerkt, selbst in der am meisten in Mitleidenschaft gezogenen Eyportmdustrie wird sich aus den verschiedensten Gründen nicht mit einem Male des Unheils Fülle einstellen. Noch weniger treten die Wirkungen der neuen Handelsverträge sofort mit dem Inkrafttreten bei der Grotzindustrie in Erscheinung; diese fühlt sich teilweise sogar relativ wohl bei den neuen Ver» Hältnissen, darf sie doch hoffen, die Schäden in grandioser Freigebig- keit— auf andere Schultern abladen zu können. Aber auch davon abgesehen, erfreut sich die Grotzindustrie einer ziemlich günstigen Situation. Die starke Nachftage auf dem Welttnarkt nach Roh- Materialien und Halbzeug hat eine anscheinend die Bedürfnisse über» holende Deckungssucht hervorgerufen, die den Arbeitsstolz der Hochöfen- und Stahlwerke ganz enorm anschwellen ließ. Auf Monate hinaus, vielfach bis in den Herbst hinein, sind die Hüttenwerke mit Aufträgen und zwar zu hohen Preisen gedeckt. Für verschiedene Auftraggeber können die Aufträge allerdings zu Nägeln an der Totenkiste werden, aber die grotzindustriellen Werke sind vorläufig gedeckt. Ein be- sonders günstiges Moment für sie ist der Umstand, datz die Re- gierunge» vielfach gerade kurz vor dem kritischen Termin mit grotzen Aufträgen für Eisenbahnen usw. an den Markt kamen und Kunjunktur- preise bewilligten. Auch durch Bestellungen seitens vieler Konnmmal» Verwaltungen ist der Arbeitsmarkt für die nächsten Monate günstig beeinflutzt. Datz die Regierung die Vergebung umfassender Ordres gerade jetzt vornimmt, ist vom politischen Stand- Punkt betrachtet, zweifellos gar nicht unübcl gewählt, jedenfalls wird durch solche Politik verhindert, die Folgen der Hoch- schutzzollpolitik unvermittelt in Erscheinung treten zu lasse». Man arbeitet nach dem alten Muster, dem Hunde den Schwanz stückweise abzuhacken, damit es nicht so weh tut. Diese schlaue Prozedur kostet das Volk allerdings wieder viele Millionen Mark, weil die Unter- nehmer bei der Geniepolitik der Regierung Konjunkturpreise ein- heimsen, die nicht lange mehr zu halten sein werden. In Amerika knistert's bereits im Wirtschaftsbau. Noch vor wenigen Tagen war des Jubelns kein Ende, wegen des Riesenhungers an Roheisen. Auf ein Jahr und länger sollten die Werke mit Aufträgen versehen sein. Wie eine Bonibe aus heiterem Himmel mutz da die Nachricht tvirken, datz nun plötzlich ganz unvermittelt die Preffe nachgeben muffen. Abgesehen von den Wolken, die sich da drohend zusannnenziehen, darf unsere Grotzindustrie sich auch noch insofern ins Fäustchen lachen, als die neuen Handels- Verträge, so intensiv agrarisch gefärbt sie sind, trotzdem doch noch nebenbei auf Kosten der Weiterverarbeitung, grotzindustrielle Inter- essen wahrnehmen. Der hohe Roheisenschutzzoll sichert den konlbinierten Werken auf dem Inlandsmarkt fast das unbestrittene Monopol für Rohmaterial und Halbzeug. Man wird die„Waffe" nicht einrosten lassen I Aber trotz der relativ günstigen Position in der sich die Grotzindustrie befindet, scheint auch in deren Kreisen die Erkenntnis sich Bahn gebrochen zu haben: Bei dem Pakt mit den Junkern waren wir mehr die Bettogenen als die Betrüger!— Nicht Reue und Leid über die Sünden wider die Volkswohlfahrt — so was gibt es nicht für ein nervenstarkes, urwüchsig skrupelloses Unteruehmerherz—, lediglich um denjenigen Industriellen und Gewerbetreibenden, deren Interesse man selbstsüchtig preisgab, Sand in die Augen zu streuen, agieren die Scharfntacherpfaffen nun auf einmal wieder extrem agrarfeindlich. Abgeordneter Bueck hielt auf der im Sommer stattgefundenen Generalversammlung des Scharfmackierorthodoxenbundes eine Butz- und Sttafpredigt wider daS Uragrariertum und das Füchslein richtete an alle Industriellen die freundliche Einladung: kommt her zu uns— damit wir euch fressen. Jetzt wollen die Beumer, Bueck. Hilbck und Konsorten, die den Junkern auf Tod und Teufel verschworenen Bundesgenossen bei der Ein- Holling deS nach Ränbermanier in Sicherheit gebrachten Wucher- tarifes, unschuldig sein an der ganzen Kardorfferei. Man sollte lachen, wenn es nicht eine Komödie zum heulen wäre. Die industriellen Schleppenträger der Junker merken, datz die Grotz- industrie auch etwas an dem Strick baumeln wird, den man in blindem Egoismus, in ungezügeltem Hätz gegen die Arbeiterschaft, gegen welche man neue Ausnahmegesetze mit junkerlicher Hülfe zurechtschmieden will, hat drehen helfen. Man sieht ein, datz. die Gier des Junkertums schier unersättlich ist und diesem alle anderen Interessen vollständig Wurst sind. Und die Regierung tanzt, wie die preutzischen Ostelbier pfeifen. Das holde Dreigestirn: Bülow, Pod und Ballestrem tafelte dieser Tage bei den Repräsentanten der Notleidenden, die ihren geflickten Stohdächern und mit kattunenen Röckchen notdürftig bekleideten Damen entflohen, in deS Reiches Metropole, die daniederliegende Landwirt- schaft um— zu toasten, versammelt ivaren. Und Bülotv sprach, und Pod quickte und Ballestrem echote: Mehr Junkerschutz! Und den Junkern, die den Erfordernissen und Klagen des Volkes gegenüber schon längst sich mit einer Elefantenhaut gc- panzert haben, empfahl der glattgezüngte, gesürstete Bernhard, sich fauch noch eine Rhinozeroshaut anzulegen. Ob das eine zarte An- piegelung sein sollte auf die„Tierchen", die man bei denZalltarifkänipfen für den Kardorff-Coup eingefangen hatte? Die Satire wäre nicht übel. Datz der RegiernngskurS der nächsten Zukunft vollständig vom agrarischen Winde bestimmt ist, der Ueberzeugung können sich jeden- falls nur politisch Blinde verschlietzen. Daher bald das ängstliche Ducken gegenüber agrarischem Uebernmt, bald das Theatergedonner gegen Ueberagrariertum— hinter verschlossenen Türen. Die deutsche Industrie, die deutsche Arbeiterschaft geht unter den Wirkungen der neuen Handelsverträge und der Herrschaft des zu wildester Beute- gier aufgestachelten AgrariertumS sicherlich bösen Zeiten entgegen. v. Sinxer Nähmaschinen. Einfache Hnndbabuna! 56682* Graste Haltbarkeit! Hohe Arveitsleistung! Weltausstellung Cifanti Dfi-v Weltausstellung Paris 1900: vJlclIIU rriA rl Lnui« mni St. Louis 1904. Unentgeltlicher Unterricht» auch in moderner Kunststickerei. Elektromotore für Nähmaschiuenbetrieb. Singer Co. Mkmasckinen Hct. Ges. Berlin W., Leipzijerstr. 92. Filialen in allen Stadtteilen O m■ seEfost zu V ImUlTl bereiten■ Reichels Jamalka-Rum-Bxtrakt Keine künstliche Essenz, sondern ein direktes Produkt deS echten lantailca- Rum, in höchst konzentrintcr Form, hocharomatisch. Nur in Originalflaschen a 75 Pf.. Extra OualitS*** 1.85 M. 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Sie repräsentieren nicht allein den besten türkischen Tabak, welchen wir zu kaufen wissen, und nicht nur die sachverständigste Fürsorge in der Behandlung desselben, die man obwalten lassen kann, sondern auch sachkundig zusammengestellte und daher vollkommene Mischungen, die nur durch unermüdliche Aufmerksamkeit verbunden mit kritischer Beurteilung erreicht werden können. Es sind die Mischungen, welche den Josetti-Cigaretten ihren eigentümlichen, hochfeinen, qualitätvollen �__! */// Geschmack geben. Joselti Juno 10 St. 20 Pfg. Joselti Griseldis 10 St. 30 Pfg. .'£M.j Tii'� T'ü-J'h |MM� «MZ Y /' � I & "N Zug mit für Josetti-Cigaretten besümmlem Tabak beladener Packtiere. £aehen und Jrohsinn schafft man sich und seinen Gästen durch Scherzarttkel,5fiasken,?,NSrrMon Kopfbedeckungen, Schneebälle, Knallbonbons, Orden, Artikel fürBockbierfosfe, Dekorationen, Damenspenden, die zu auXSor- gewöhnl. bill. Preisen in hervorrag. 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Raschig, 5Iöpnickerstrafte 37. 24654 Schürzennäheriiinen. noch mehrere, nur welche die besten Resormschürzen nähen, wollen sich melden Schürzen- sabrik Brüdersttafte 39. 2616b Wäfchenäherin verlangt gegen hohen Lohn im Haufe, Fahrgeld wird vergütet. Groß- Görschensttafte 1, Hos IV. 260 lb Geübte Mamsells auf glatte Paletots verlangt Bernauerstrafte14I. Zeitungsfrauen finden lohnende Beschästtgung, Tour Friedrichstrafte am Belle-Mmncevlatz, schützensttafte 22. Kartonageuarbciterlnnen für Postlarton« verlang» Kartonsabrtt Jmmanuelkirchstrafte 3/4 25656* 100 Mamsells aus Paletots ver langt Wichert, Rhinowerftrafte 12, Ecke Gleimsttaftc.+53* Mamsells auf Paletots, welche viel liesern. Schaal, Kopenhagener. strafte 42. Sm«rdettsmar« durch »efonderen Druck hervorgehoben, »»»«»««» tosten 40 Pf.»»« Zeit«. Für das neu zu errichtende Gewerkschaftshaus zu Frankfurt a. O. wird ein tüchtiger, sachkundiger Vekonom gesucht.— Meldungen find an den Geschäftsführer Ott» Müller, Frankfurt a. O., Odcrstr. S. II. zu richten. 105/8* CewerkscliallsliaDs Franklurt Oder) Gcsellschast mit beschränkter Haftung. -OB Für unsere Putzabteilung suchen wir per sofort event später tüchtige Gamiererinnen und Zuarbeiterinnen. Meldungen mittags 1—2 oder abends 8—9 Uhr. i. Jandorf& Co., Bronnen-Straße 19/21. Orts-Krankenkasse der Schlosser vnd verwandten Gewerbe zu Berlin. Der Kajjenvorstand hat die Nenanstellung svclcr Sowmtcn be- schlössen. Im Schreiben und Rechnen gewandte Bewerber wollen schriftlich« Offerten bis zum 16. dieses Monats an den unterzeichneten Vorsitzenden einsenden. Mitglieder unserer Kasse werden bei der Mahl bevorzugt. vvf Vorstiuid. 270/11 I. A.: p. Heiittieb, Vorsitzender, Berlin NW, Neue Wilhelmltr. 12 1 Tischler als Kompagnon sür hiesige Möbel« sabrik gesucht. Offerten unter I. U. 4218 mit Angabe der Einlage befördert Rudolf Rosse, Berlin SW, Achtung! Achtung! Kauhandwerker! Seit Donnerstag, den 1. d. Mts., befinden sich die Fliesenleger des Maurerverbandes in einer Lohn- bewegung. 136/19 Sämtliche Bauten folgender Firmen sind gespeei-t: R. Ichäfser, Warnebold u. Raffe, Schmalisch u. Below, Fromm u. Hanns. Karsch. Lehman». A. Pick, Gohlke, Rosenfeld, Ende, Billeroy u. Boch, O. Rebolofsky- Perino u. Co., Gebr. Bogel. Su�ug Ist fernzuhalten! Wir ersuchen die Bauhandwerker um strenge Beachtung obiger Sperr- notiz. Die Firmen: F.Keller.F. Pslüger, M. Zander, I. Töscher, Bilski, g H. Schaisran, Kudlank, Körner, J Wolf, Werber, Ramin haben unsere Forderungen unterschristlich anerkannt. Die bei diesen Firmen arbeitenden Fliesenleger müssen sich durch eine gelbe Arbeitslarle aus- weisen. ZentralvEiiiand der Maurer. FUr die Streikleitung: F. A.: Felix Krofske. KWI Deutscher Holzarbeiter- Verband. Wegen Streik und Differenzen ist Zutiig fctiimbnltfu oonBilderrahmenmachcru.Kreis- sägenschncider» und Tischlern von der Finna Beck u. Co., Neander- sttafte 4, und Schlefischcstt. 42; von Treppengeländer- Arbeitern (Drechsler, Tischler, Stellmacher, Polierer, Maschinenarbeiter und Bildhauer) von derTreppengeländer- sabrik Joseph Drechsler, Gubener- sttafte 33; von Drechslern von Panitsch, Brunnenstt. 79; von Korbmachern von Knorr, Friedrichsberg, Franks. Chaussee 127; von Perlmuttarbeitrr» u. Knopf- machern oon der Firma Mramowski u. Steiner, Köpenickerstr. 33; von Einsefter» vom Bau Gerhardt in Halcnsce, Schlveidnitzerstt. 6 und 7, und Bau Gonnannsttafte(Ecke Lolhrmgerslxafte); von Stockarbeiter» und Zelluloid- arbeiter» von König u. Ausrecht, Jmmanuellirchftt. 6; von Ebers Möbeltischlerei. Man» teufielstt. 22. Die Ortsverwaltong. Achtung Korbmacher! Di« Werkstatt Knorr in Fried- richsfelde ist gesperrt._ BMV~ Zuzug ist fernzuhalten I-WW 78/14 Die Ortsverwaltung. Spandaus «-wf-! Holzarbeiter! In der Bauttschleret von Vehr. F. u. 0. Reinieke Spandau, Pichelsdorferttr. 12, befinden sichdieTischler-Maschiuen» arbeitet und Einsetzer im Streik. Bau 2!mmerstrsSe, Spandau, lieinleke, Bau llonnendamm, Siemen» ck llalake, Bau Siemena-Sokuvkert in FUriten- drunn. Zuzug fernzuhalten t 79/1* Die Ortsverwaltung. I. A.: Georg Hwze, Bevollmächtigter Kürschner! Die Werkstatt de« Hofkurschner- meistere liarl bialhaeh. Unter den Linden«7, ist wegen Maß« regelung sämtlicher organisierten Kollegen und Kolleginnen gesperrt. Zuzug ist streng fernzuhalten; Der Vorstand des Deutschen KürschncrvcrvandcS. Zahlstelle Berlin. Der Borstand deS Verbandes dcrKiirschncrBcrliiiö und Umgegend. 102 I! W'M»! In der Ktasschttiftrei oon ?ra»z Weber m Firma Karrunkel& Wolf Neue Königstr. 6 haben sämtliche Kollege« wegen Tarifbruchs die Arbeit nieder- gelegt. Znzug streng fernhalten. Die Ortsverwailung Berlin des deutschen Glasarbeiter-Verbandes Achtung t Hausdiener, Packer und Bsrufsgenossen! Im Bettiebe von II- �»�>ius, Alexandrineuftt. Jt>(Mestlnahos) haben alle Hausdiener wegen Maß- regelung deS äliesten Kollegen, die Arbett niedergelegt. 260Sb Sämtliche Beius-genoffen ersuchen wir, Solidarität zu üben und den Betrieb streng zu meiden. iterein Kerlillkr Hausdituer. Lcranttvortlicher Redakteur; Hans Weber, Äerlw. Fü; den Lnferaiente� v-icantwJ Th. Glockc, Äcrli». Arucl u. Berlag: Vorwärts Buchdni.'eroi u.»'erlag-ansralt vi Swger& Co., BeUin S\V, Vellage des„Vorwärts" Berliner Redaktion und 6xpcdtt!on: 1 Nr. 35» Sitttnt«, i, de» Keltf»«,,' I Ktbtt l Inserate Zechszelpallene«olonel»»» Z0 Ng. Berlin, Llndenttr. b?. fernlprecher- Umt ls, l?8Z. I' 00« Z.Z.. �evl-ttar Z.�V. � kel gröLeren Nutträgen entsprechenden kadstt. Der?ahlabenÄ für Kerlin und Vororte findet nächsten littwoch statt. Partei-Hncfclegenbciten. Zur Lokalliste! Am Sonnabend, den 17. d. M., hält der Rauchklub„Geselligkeit' in, Lokale von Leder. Reinicken- d o r f, Residenzsiraße, einen Maskenball ab. Da das genannte Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht, weise man etwa angebotene Billetts entschieden zurüek. Die Lokalkommission. Johannisthal. Am Dienstag, den 13. Februar, abends 8>/z Uhr, findet im„Lindenhof', Friedricbstr. 61, eine Versammlung des Wahl- verein- statt, in der Schriftsteller A. Stern über„Christentum und Wahrheit' sprechen wird. Ferner steht auf der Tagesordnung: „Wie werden die Steuer« der Einwohner Johannisthals der- wandt?' Es folgen dann Berichte und Vercinsangelegenheiten. Die Genossen werden ersucht, rege für den Besuch der Versammlung zu agitieren, ebenso auch die Frauen einzuladen. Rixdorf. Denjenigen Parteigenossen, welche an dem Lehr- k u r s n s über National-Oekonomie teilnehmen, zur Nach- richt, daß die Fortsetzung desselben am Dienstag, den 13. Februar cr. stattfindet. Eine Verlegung ist, nach Mitteilung des Genossen Grun- Wald, augenblicklich nicht möglich. Wilmersdorf. Mittwoch, den 14. d. M., findet im Volksgarten, Berlinerstr. 46 lgrofier Saals die Generalversammlung des sozial- demokratischen Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht des Vor- standes und Neuwahl desselben. Ausstellung der Kandidaten zur Gemeindewahl. Da es sich um wichtige Aenderungen in der Hand- habung der Geschäfte in Zukunft handelt, ist Erscheinen sämtlicher Mitglieder geboten. Sozialdemokratischer Wahlverein Groß- Lichterfelde— Lankwitz. Mittlvoch, den 14. Februar, abends 8 Uhr', Chausseestr. 104: Vereinsversammlung. Tagesordnung: Vortrag des Ge- uosfen M. Schütte über Heinrich Heine. Aufstellung der Kandidaten zur Gemeindewahl. Die Versammlung findet im Saale statt. Der Vorstand. Nieder-Schönhanse». Am Dienstag, den 13. Februar, findet bei Stephan, Lindenstr. 43, abends S'/a Uhr. eine öffentliche Versamm- lung statt. Genosse Stadtverordneter Koblenzer spricht über: „Kommnnal-Politik'. Vollzähliges Erscheinen ist dringend er- forderlich! Schmargendorf. Am Dienstag, den 13. Februar, abends 8'/z Uhr, findet im Restaurant„Cafe Pein", Hnbertusbaader- Allee 8, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Ans der Tages- ordnung steht: 1. Vortrag über Alters- und JnvaliditätSversicherung. (Genosse Brückner-Berlin.) 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste, auch Frauen, willkommen. Der Vorstand. Tempelhof. Morgen Montag, abends 7'/g Uhr: Flugblatt- Verbreitung von Noack, Berlinerstr. 9, und Müller, Berlinerstr. 41/42 aus. Jeder Parteigenosse ist verpflichtet, an dieser Arbeit teil- zunehmen. Treptow-Baninschulenweg. An, Dienstag, den 13. Februar. abends 8'/z Uhr, findet in Speers Festsälen eine von der weiblichen Vertrauensperson einberufene Bollsversammlung für Frauen und Männer statt, in welcher Genosse Ströbel über den politischen Massenstreik sprechen wird. Bei der eminent wichtigen Tages- ordnung darf loohl erwartet werden, daß die Parteigenossen mit ihren Frauen recht zahlreich erscheinen. Trebbin. Sonnabend, den 17. Februar 1906 hält der Wahl- verein seine Monatsversammlung ab. Tagesordnung: 1. Protokoll- Verlesung. 2. Zlbrechnuug vom vorigen Quartal. 3. Vortrag des Genossen G r o g e r- Rixdorf über Zwecke und Ziele der Sozial- demokratie. 4. Vereinsmitteilungen. 5. Verschiedenes.— ES wird darauf hingewiesen, in Rücksicht auf den Referenten, pünktlich und vollzählig(alle 110 Mann) um 8 Uhr zu erscheinen. Spandau. Wir verweisen hiermit nochmals auf die am DienS- tag, den 13. Februar bei Restanrateur Schwabe(Fürstenhof), Sege- feldeistraste stattfindende Generalversammlung des Wahlvereins und erwarten zahlreiche Beteiligung der Genossen. Der Vorstand. Vorort- f�admebten. Charlottenburg. Straßcmiufall. Gestern nachmittag wollte der 13 jährige Rad- fahrer Max Sochaschewski aus der Straßmaunstraste 16 aus seinem Zweirad aus der Passauerstraste im scharfen Tempo kommend, die Taueuzienstrasze kreuzen. Daher achtete er nicht auf einen daher- fahrenden Straßenbahnwagen, stieß gegen ihn und flog in weitem Bogen auf das Pflaster. Blutüberströmt wurde der besinnungslos daliegende junge Mann von Passauten nach der Unfallstation Zoologischer Garten gebracht, wo ihm eine fünfmarkstückgroße, stern- förmig verlaufende Kopstvunde verbunden wurde. Nachdem der Ver- letzte sich erholt hatte, wurde er, da er die ihm empfohlene Auf- „ahme in ein Krankenhaus ablehnte, in einer Droschke nach der elterlichen Wohnung geschafft. Schöneberg. Aus Anlaß des am 17. Februar wiederkehrenden 30. Todestages de? Dichters Heine, findet am Sonntag, den 11. Februar, abends VoS Uhr im Saale des Hohenzollerit-GymnasiumS, Ecke Eisenacher und Belzigerstraße ein vom Verein zur Förderung der Kunst arran- aierter Heineabend statt, wozu Einlaßkarten in unserer Partei- spedition beim Genossen Bäumler, Martin Lutherstraße 31 zum Preise von 30 Pf. zu haben find. Rixdorf. Eine volkstümliche Sondervorstellung findet am Montag, den 12. Februar im Rixdorfer Theater, das unter Julius Türks Leitung im Gröplerschen Theatersaal spielt und von der Stadt subventioniert ivird, statt Anzengrubers„Pfarrer von Kirchfeld" gelangt zur Auf- sührung. Die Preise der Plätze sind allgemein auf 30 Pf. festgesetzt und werden die letzteren am Eingang ausgelost, so wie es in der „Freien Volksbühne" üblich ist. Eine» Fluchtversuch unternahm gestern ein schwerer Einbrecher, der ehemalige Rohrleger Ferdinand Steinborn, der bekanntlich bei der„Arbeit" in Rixdorf überrascht und verhastet wurde. Gestern sollte St. im Amtsgericht wegen eines anderen Diebstals verurteilt werden. Er erhielt drei Monate Gefängnis. Als ihn der Gerichts- dieuer Sch. wieder in das Gefängnis zurückführte, ging St. anfangs auch willig mit. Am eisernen Gesängnistor riß er sich jedoch plötzlich in dem Augenblick, als der Transporteur die Türglocke zog, blitz- schnell von dem Beamten los, versetzte diesem einen wuchtigen Stoß gegen die Brust und raste davon. Der Flüchtling eilte durch das zufällig geöffnete Hauptportal der Kaiser Friedrichstraße zu. Hier hatte er jedoch das Pech, einem Polizeibeamten direkt in die Arme zu laufen. Der Gerichtsdiener, der den Gefangenen verfolgt hatte, konnte ihn dann von dem Schutzmann wieder in Empfang nehmen. Unter dem zahlreichen Publikum, das sich bald angesammelt hatte, war natürlich das Gerücht entstanden, daß es sich bei der Jagd um die Festnahme des Raubmörders Hennig handle. Es war aber auch diesnial wieder nichts. Lichtenderg. Das hiesige Käseblättchen, das sich stolz„Volkszeitung" schimpft, erdreistet sich, den Anschein erwecken zu wollen, als ob unter der Leitung unserer Genossen bei der hiesigen Ortskrankenkasse die Kor- ruption Orgien feiere. Allerdings die in der gleichen Qualität sehr Tngendreiche schießt ihre Giftpfeile feig versteckt aus dem Hinterhalte ab. Wir fordern das Käseblättchen auf, für seine Unterstellung irgend eine Tatsache anzusühre», andernfalls es sich gefallen lassen muß. der böswilligen, niederträchtigen Verleumdung bezichtigt zu werden. Weißens«. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich am Freitagvormittag gegen 10 Uhr in der Holzbearbeitnngsfabrik in der Friedrichstraße. Durch Explosion am Motor wurde der Maschinenmeister Kamrad sowie der Arbeiter Luther derartig scknver an de» Beinen und am Leibe verletzt, daß beide nach dem hiesigen Auguste Vikloria-Kranken- hause übergeführt werden mußten. Die Ursache der Explosion konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Die Wahlbewegung zu den bevorstehenden Gemeindevcrtreter- wählen ist jetzt in vollem Gange. Bei dieser Agitation tntt besonders der Umstand in die Erscheinung, daß die Arbeiterschaft in öffentlichen Versammlnngen zu derselben Stellung nimmt, während der Hans- und Grundbesitzervereiii im geheimen unter seinen Mitgliedern agitiert. Auch die Papierstimmen der Zensiten werden diesmal eine große Rolle spielen; die Gegner sollen bereits 80 solcher Stimmen in den Händen haben. Die Einigkeit unter den Haus- und Grund- besitzern ist noch nicht so fest, wie es anfänglich schien. Die Kandidatenfrage spielt hier eine wesentliche Rolle. Der HauSbesitzerverei» beansprucht die Hälfte der Sitze, während der Grundbcsitzerverein von leinem Besitzstand nichts ablassen will. In einer demnächst abzuhaltenden außerordentlichen Versammlung, wo natürlich nur Mitglieder Zutritt haben, wird nochmals eine Aus- spräche stattfinde». In der dritten Wählerabtei lnng scheinen die Herren keine großen Hoffnungen zu haben, jeder Versuch wäre auch zwecklos. Unsere Genossen sind vielmehr stärk dabei, die zweite Wählerabteilung zu erobern, und wenn unsere Genossen am Platze sind, ist der Erfolg nicht un- sicher; blieben wir doch vor Jahresfrist bei einer Nachwahl nur mit vier Stinimen in der Minorität. Die übrige Bürgerschaft, soweit sie nicht dem Haus- und Grmidbesitzerverbande angehört, steht der Wahl passiv gegenüber; anstatt von ihrem Recht Gebrauch zu machen, Nichthansbesitzer zn wählen, bleibt sie der Wahl fern, um nachdem ani Biertisch weidlich über die miserablen Verhältnisse im Ort zu diskutieren und abfällige Kritik an den Gemeindevertreter- Verhandlungen und deren Beschlüssen zu üben. Tempelhof. In der am 7. Februar stattgefundenen, außerordentlich stark be- sucht gewesenen Mitgliederversammlung hielt Genosse Zubeil einen mit großem Beifall aufgenommenen 1'/, stündigen Vortrag über Kommunalpolitik. In der darauf folgenden Diskussion sprach Genosse Franz über die Behandlung des vom Wahlverein an die Gemeinde- Vertretung gestellten SchulbäderantrageS. Danach wurde Genosse Klempnermeister Max Schmidt einstimmig als Kandidat zur Gemeinde- Vertreterwahl proklamiert. Beschlossen wurde»och, die Zahlabende von jetzt ab bei Noack und bei Müller abzuhalten. Aufgenommen wurden 11 neue Mitglieder. Mariendorf. Von einem schweren Unglück sind gestern zwei hiesige Familien betroffen worden. Zwei Knaben im Alter von fünf Jahren betraten gestern die sehr dünne Eisdecke eines an der Großbeercnftraße be- legenen PfublS. Diese konnte aber die Last nicht tragen, und die beiden Kinder brachen ein. Erst nach mehreren Minuten wurden Passanten darauf aufmerksam und zogen die Kleinen heraus. Es wurden Wiederbelebungsversuche angestellt, die aber leider erfolglos blieben, die Kinder waren schon tot. Die Mühlenbesitzerseheleute Gärtner und der Kutscher Pitar verlieren ihre einzigen Kinder. Trebbin. Oeffentliche Stadtvetwrdnetensihung vom 8. Februar 1906. An- wesend 13 Herren.— Ersatzwahl eines Vorstandsmitgliedes des Nutheschau-Verbandes. Der Beigeordnete Hagen, welcher das Amt bis jetzt zur Zufriedenheit ausgeführt hat, wird mit 12 Stimmen wiedergewählt.— Beschlußfassung über die weitere Verpachtung des Marktstandgeldes an Herrn Korbmachermeister Wolter. Nach Aussage einzelner Stadtverordneter hat der bisherige Pächter sein Aint gut verwaltet, und da er schon 13 Jahre gewirkt hat, wird von der Versammlung dem Antrage gemäß(jährlich 830 M. auf drei Jahre) zugestimmt.— Der Bürgermeister. Herr Baudach, ver- liest eine Petition betreffend die Ablehnung des Schulgesetzentwurfs, welche von der Stadt Trebbin dem Abgeordnetenhaus überreicht werden soll. Dieselbe fand allseitige Zustimmung und wurde von den Stadtverordneten unterschrieben. Spandau Franz Gryga, den der Angeklagte am 25. Juni v. F. Streikbrecher geschimpft haben soll. Gryga hatte erst noch einen anderen, den Arbeiter Zadow, bezichtigt, ihn geschinipft und bedroht zu haben. Zadow wies aber nach, daß er sich zu jener Zeit gar nicht auf diesem Bau oder in dessen Nähe befunden habe. Er drehte nunmehr den Spieß um und stellte Strafantrag gegen Gryga wegen falscher Anschuldigung. Die Anklagebehörde lehnte aber ein Einschreiten gegen Grpga ab, da derselbe als geisteskrank bekannt sei. Diese Angelegenheit brachte der Verteidiger in der Verhandlung zur Sprache. Gryga wurde nach dem Antrage des Anitsanwaltes nicht vereidigt, trotzdem beantragte letzterer eine Gefängnisstrafe von einer Woche.' Das Gericht erkannte auf Freisprechung. Freie Gemeinde. Am Sonntag, den 11. Februar 1906, findet bei Teßnow, Hakenselde, ein großer öffentlicher Vortrag für Männer und Frauen statt.— Schriftsteller A. Stern- Berlin spricht über das Thema: Freie Gemeinde und Freiinaurertum.j Bernau. In der Stadtverordnetenversammlung vom 9. Februar 1906 gab der Stadtverordiietenvorsteher einen Bericht über den brandeil- burgischen Städtetag. Dann wurde ein Gesuch des evangelischen Jünglingsvereins um Ueberlassung von geeigneten Räumlichkeiten zur Abhaltung seiner Versammlungen von der Versammlung ab- gelehnt, da geeignete Räumlichkeiten nicht vorhanden seien, im anderen Falle aber anderen Vereinen das gleiche Rocht znflehe. Die Silberhochzeit des Kaiserpaares bereitete unfern Bürgerlichen viel Kopfschmerzen. Gegenüber anderen Gemeinden, welche Tausende von Mark Steuergelder zur Bekundung ihres Patriotisinus opfern, ist Bernau infolge seiner Finanznot nicht in der gleichen Lage, sich auch nur in annäherndem Matze zu beteiligen. Von den bürger- lichen Vertretern wurde empfohlen, für die Armen der Stadt 300 M. auszuwerfen, welche am 27. Februar zur Auszahlung ge- langen sollen. Das wurde angenommen. Nach diesem„hoch- herzigen" Akte erfolgte die Genehmigung zweier projektierter Straßen. Die Besprechung über den Stadtetat pro 1906 und die beantragten Gehaltserhöhungen wurden für eine spätere geheime Sitzung aufgehoben._ Berliner JVfacbricbten. Genosse Fritz Kunert» hat gestern nachmittag die Redaiteurheimstätte in Tegel verlassen, in der er drei Monate zugebracht hat. Diese Strafe war ihm be- kanntlich zudiktiert worden, Iveil er sich in einer öffentlichen Ver- sammlung über die Taten unserer Chinakämpfer despektierlich ge- äußert haben sollte. Es war sein Verbrechen, daß er es durchaus nicht über sich gewinnen konnte, den Chinafeldzug als eine glorreiche Epoche in unserer Kulturperiode zu feiern. Das mußte gerochen werden und Kunert mußte deshalb ins Loch. Drei Monate bekam er Zeit, über sein Verbrechen nachdenken zu müssen; allein ohne be- kehrt zu werden, kehrt der hartgesottene Sünder in die Freiheit zurück. Den Umständen nach hat Genosse Kunert die Zeit ganz gut überstanden, auch in Punkts Behandlung liegt zu Klagen kein Anlaß vor. Wir heißen unseren Genossen in der Freiheit herzlich willkommen und gedenken ihn bald wieder in den Reihen der kämpfenden Genossen wie früher auf dem Posten zu sehen. Vom Pastor, der als Dekoration dienen soll. Die Abbestellung einer Leiche»predigt hat dieser Tage ans dem Friedhof der Emmansgemeinde zu einer etwas stürmischen Szene geführt. In der Griinauerstraße war einem Glasschleifer W. seine Ehefrau in ihrem ersten Wochenbett gestorben. Da das Paar auf die kirchliche Einsegnung der Ehe verzichtet hatte, so war es' nur folgerichtig, daß jetzt bei der Beerdigung der verstorbenen Fran gleichfalls kein Pastor bemüht wurde. So war es ailch die Absicht des Mannes, aber durch die Familie des Verstorbenen ließ er sich bewegen, zur Hinzuziehung eines Pastors seine EinwiNigmig zu geben. Nicht von ihm, sondern von dieser Familie wurde der Pastor um eine Leichenpredigt gebeten. Hinterher wurde aber Herrn W. klar, daß doch wohl e r darüber zu bestimme» habe, wie seine Frau zu beerdigen sei. Er setzte sich hin und schrieb dem Pastor, er ver- zichte auf die Predigt. Gleichzeitig benachrichtigte er noch vor der Beerdigung seine Schwiegermutter, eine in der Liegmtzerstraße wohnende Frau P., daß er die Predigt abbestellt habe. Das scheint nun die Familie P. und ihren Bekanntenkreis, der au der Beerdigung� teilnehmen wollte, arg verschnupft zu haben. Was Wunder, daß die Parteien auf dem Friedhof zusammeir- gerieten! Anfangs bekam dort der Ehemann nur einige Stichelreden zn hören. Nachdem aber die Leiche der Erde übergeben worden war. traktierte man ihn mit Schimpflvortcn und stellte ihm eine Tracht Prügel in Aussicht. Eine der Frauen, die in Begleitung der Familie � P. gekommen war, machte Miene, sofort haud- grciflich zu werden, und schwank drohend ihren Schirm gegen den Pastorenfeind. Die Bertreterinnen des schwachen Ge- fchlechts taten sich überhaupt durch besonderen Eifer hervor, so daß selbst die Friedhofsarbeiter mißbilligend den Kopf schüttelten. Alles das spielte sich ab in ziemlicher Nähe der noch halb offenen Gruft. Der angegriffene Ehemann begnügte sich damit, die Pastoren- freundliche Gegenpartei aufzufordern, sie möge doch bedenken, an welcher Stätte man sich befinde. der Stein- Anklage Akkordmaurers Sic selber hat nämlich, als sie vor einigen Jahren zu», zweitenmal he, ratete, gleichfalls keinen Pastor dazugeholt und noch heute fehlt ihr für diese Ehe der kirchliche Segen. Was kann solchen Leuten, d,e sonst vom Pastor nichts wissen mögen. eine Leichenpredigt sem? Kann ihnen der Pastor, den sie bemühen, mehr als eine bloße Dekoration bedeuten? Doch auch der Witwer spielt in diesem Schauspiel keine vorteilhafte Rolle. Was ist das säe ein Mann, der sich, so den Pastor auf den Hals schicken läßt, wiewohl er ihn nicht mag! Er erklärt das aus der not- gedrungenen Rücksicht auf das neugeborene, mutterlos geivordene Kind, für das er bis auf weiteres die Hülfe der Schwiegermutter gebraucht habe. Diese Hoffnung hat sich ihm nicht mal erfüllt. Noch auf dem Friedhofe rief ihm die entrüstete Schwiegermutter zu. bis um S Uhr abends müsse er sich das Kind von ihr abgeholt haben, und so geschah's den» auch. Es muß doch ein ganz eigenartiges Gefühl sein, mit dem ein Pastor vor eine Trauerversanimlung hintritt, um ihr seinen Trost z» spenden. Wir taxieren, dasi er in neun von zehn Fällen daraus rechnen darf, zu Leuten sprechen zu müssen, die sonst den Teufel was nach ihm fragen und ihn heute nur als Dekoration be- nutzen wollen. Wir beneiden ihn nicht um die Rolle, die er da spielt. Aber wir gönne» ihm seine„Gläubigen". Am die Kosten für Feuerbestattung herabzumindern, hat sich vor einiger Zeit ein Sparverein für Freidenier gebildet. Mit- glieder und deren Angehörige zahlen die Mindestpreise, Nicht- Mitglieder die gewöhnlichen Preise, auch werden die erforderlichen Gänge besorgt. Redner und Sänger bestellt. Die Geschäftsstelle ist bei dem Vorsitzenden W. Lehmann, Gleimstr.' sS, II. Fertigstellung des Teltowkanals. Ueber die Fertigstellung des Teltowkanals berichtet jetzt die Banverwaltnng an den Kreis, dafc der Kanal bis auf wenige Stellen als vollendet bezeichnet werden kann. Die Strecke bis zur Schleuse und darüber hinaus bis zum Teltowsee ist in allen Teilen betriebsfertig vollendet und mit den Einrichtungen für elektrische Treidele! versehen. Die Schleuse hat bereits während längerer Zeit betrieben Iverden können. Alle elek- irischen Einrichtungen usw. sind fertiggestellt. Das Gehöft mit seinen Nebenanlagen, innerer Ausstattung, gärtnerischem Schmuck usw. ist gleichfalls vollendet und zum gröstten Teile bezogen. Das Elektrizitäistverl ist Vollständig hergestellt und seit mehreren Monate» im Betriebe. Im Teltowser wurde der Norddamm vollständig durchgeschüttet und die Paggerung in ganzer Länge zu Ende geführt, so daß hier nur noch die llferregnlierung fehlt. Auch die Strecke bis zur Giesensdorfer Straste ist bis auf Kleinigkeiten als fertig zu bezeichnen. Auf der Oslstrecke pon der ParlftraKe bis Grünau fehle» nur noch einige Arbeiten an den kreuzenden Bahnen und Straßen. Bon den 42 Brücken des Haupttanals wurden im letzten Jahre 17 vollendet und bis auf die Parkstraßenbrücke dem Betrieb übergeben. An Brücken wurde» nach- träglich ausgeführt je eine für Fußgänger und für Fuhrwerke und drei für de» Leinpfad. An Erde wurden im letzte» Jahre noch über zwei Millionen Kubikmeter ausgehoben. Einer vollständigen Fertigstellung der großartigen Anlagen standen lediglich die un- gewöhnlich schwierigen Terrainverhältnisse im Wege mU ihren fortwährenden Auflrcibnngen und Tammrutschungeii. Bis auf eine kurze Strecke von 7—800 Meter in Lichterselde wird der Kanal auf beiden Seiten in wenigen Wochen betriebsfertig sein. Gegen die Lustbarkeitsstrucr hat der Verein derSaal- ibesitzer von Berlin und Umgegend gestern Stellung ge- nonimen. Der Verein beschloß sich dem Vorgehen des Protest- komitceS anzuschließen.— Die Frage, ob Lustbarkeiteu am Palm- sonntag abgehalten werden dürfen, kann noch immer nicht zur Ruhe kommen. Das Kammergericht hat ausdrücklich entschieden, daß der Palmsonntag nicht zur Karwoche gehört und daß deshalb anstands- los am Palmsonntag öffentlicher Tanz stattfinden darf, wofern dies nicht direkt dinch eine Polizeiverorbnung verboten ist. Ein Jahr lang blieb der Palmsonntag frei, dann aber machte sich das Polizei- Präsidium diese Entscheidung zuuutze und verbot in einer neuen Ver- ordnung ausdrücklich das Tanzen am Palmsonntag. Die Saal- besitzer sind entschlossen, absichtlich dies Perbot zu übertreten und einen Fall durch alle Instanzen durchzuführen, um die Gesetzmäßig- eit dieses Verbotes nachprüfen zu lassen. Weil er einen Fluchtversuch bei seiner Arretierung gemacht haben sollte, war kürzlich der Dragoner PeterS vom 2. Garde-Dragoner- Rcgiment durch zwei Schüsse schiver verletzt worden. Das Befinden des Dragoners Peters, der im Tenipelhofer Garnisonlazaret» daniederliegt, gibt noch immer zu ernster Besorgnis Anlaß. Die Schüsie haben die Leber gestteist und den Beckenknochen zersplittert. Sollte P., der trotz seiner schweren Verwundung bei vollem Bewußt- sein ist, mit dem Leben davonkommen, so wird er doch zeitlebens an den Folgen der Verletzung zu tragen haben. Bei einem Trepprneiustnrz, der gestern kurz vor Feierabend an der Ecke der Oder- und Gürtelstraße erfolgte, sind zwei Arbeiter ver- unglückt. Auf dem erwähnten Grundstück ist ei» Neubau bereits bis zum Dach vollendet. Ivähreud a» den Treppenaufgängen noch ge- arbeilet wird. Einer derselben stürzte gestern abend plötzllch aus bisher noch nicht festgestellter Ursache ein und zwei Arbeiter wurde» unter den Bantrüiumeru begraben. Während der eine mit leichten äußeren Verwundungen davonkam, mußte der andere schwerverletzt in einem Krankenwagen dem Krankenhause Fnedrichshain zugeführt werden. Die Jagd«ach Hennig geh« weiter. Kein Tag vergeht, ohne daß Sislicrungen des vermeintlichen Hennig vorgenvmmen werden. uni schließlich zu erkennen, daß der richtige Hennig nickt darunter ist. Es ist schon eine wahre Epidemie ausgebrochen, überall hat man ganz bestimmt den Hemug gesehen. Besonders verdächtig waren Leute, die grüne Latschen trugen. Jetzt rechnet man damit, daß er die grünen Latschen mit anderer Fußbekleidung vertauscht haben tonnte, so daß die Besitzer grüner Latschen weniger der Gefahr ausgesetzt sind, für Hennig gehalten zu werden. Von den vielen Nachrichten, die über die Hennigincke verbreitet werden, geben wir nur einige ivenige wieder. Gestern ualtnnittag erschien em vertrauenerweckender Mann auf dem Polizei- Präsidium und meldete, daß er vor etwa zwei Stunden dem ge- suchten Raubmörder auf der Hohenzollernbriicke in der Näbe der Stralaner Allee begegnet sei. Ein Irrtum sei auSgeichlosie». weil er mit dem Hennig längere Zeit aus einem Eis- werke gearbeitet' habe mid ihn sonnt ganz genau kenne. Lediglich die Furcht davor, daß er etwa inedergeschoffeu werden würde, habe ihn abgehalten, ihn zu fassen, zumal auch keme Passanten in der Nähe waren. Der Mörder scheine ihn auch imeder- erkannt zu haben, denn er habe sich schleunigst nach der Lauben- kolonie hin entfernt. Die Kriminalpolizei maß dieser Meldung ganz besondere Bedeutung zu und alarmierte sofort ihre sämtliche Beamten zu einem Kessellreibe». Hennig hat,»vie der Zeuge angibt, sich den Schnurrbart abgenommen, doch zeigt sein Kinn so große Bart- stoppeln, als wäre eS seit 14 Tagen nicht rasiert. Er trug eine» dnnllen, punktierten Ueberzieher, der ihm viel zu groß war und dessen Aermel umgeschlagen waren,«ine dunkle, sogenannte Spessart- mutze mit Klapprand und gelbe Schuhe mit lange» Spitzen. Bei e> n e r H c n n i g-J agd bestohlen wurde der Kaufmann Michaelis, Jvslystr. 9. Vorgestern abend bemerkle eine Frau in dem ge- nannten Hanse einen fremden, ihr verdächtig erscheinenden Mann, in welchem sie den Raubmörder Hennig zu erkennen glaubte, und benach- richligte hiervon das lS. Polizeirevier. Sofort wurde eine Abteilimg Schutzleute abgesandt, welche das Gebäude vom Keller bis zum Dache durchsuchten, jedoch keinen Verdächtigen vorfanden. Natürlich hatte die Hennig-Jagd eine größere Menschenansammlung zur Folge, die auch noch lange nach dem Fortgange der Schutzleute, das „Ereignis" besprechend, vor dem Hanse ausharrte. Diese Gelegen- heit wurde von Spitzbuben benutzt, welche in den verschlossenen Keller des Hauses Jostystr. 9 eindrangen, eine Anzahl Verschlüge er- brachen und zwei derselben, darunter denjenigen des Kaufmanns M.. ausräninten. Die Diebe erbeuteten einen Posten Wein, eingemachte Früchte verschiedener Art, Betten und andere Gegenstände im Werte von mehreren hundert Mark und entkamen, ohne daß von dem Vorfalle etwas bemerkt wurde. Erst gestern früh ist der Diebstahl von Hausbewohnern entdeckt worden. Eine neue Spur Hennigs ist gestern in Schöneberg anfgefunden worden. In den Laden des Schlächtermeisters K. in der Bahn- straße 43 trat ein etwa SOjähriger junger Mensch in dem Augenblick ein. als sich kein Kund« darin befand. Er verlangte Winstabfälle. Der Fremde hatte nur die Frau des Schlächtermeisters hinterm Ladenttich bemerkt, dagegen nicht den Schlächtermeister selbst, welcher hinter der Ladentiire saß. K. konnte den Mann genau beobachten und will.be- schwören", daß eS der langgesuchte Mörder sei. Der Verdächtige trug ein Lodenjackett und niedrigen duiillen Hut. Die Haare hinge» ihm etwas in das Gesicht hinein. Als er den Schlächtermeister be- merkte, lies er mit den Warten„Sie haben ja doch keinen Absall". aus dem Laden heraus und eilte davon. K., der durch seine Eni- deckung in große Erregung verletzt worden war. verfolgte den Flüchtling unausgesetzt. Die Jagd ging durch die Bahnstraße über die Sicgfriedbriicke und schließlich durch die Monumenienstraße. Dort schlössen sich Eisenbahner der Verfolgung an. Plötzlich war der Flüchtling den Blicken seiner Verfolger entschwunden. Der Schlächtermeister begab sich nun sofort aus das Polizeibureau und von dort wurden mehrere Beamte ausgeschickt, die den Jnselstadtteil absuchten. Die Streife war jedoch erfolglos. „Flcbbenmacher", wie die„Fabrikanten" falscher LegitimationS- Papiere in der Verbrecherwelt genannt werden, haben ihre Hand bei einem Einbruch im Spiel gehabt, der nachts auf dein Grundstück an der Ecke des Wildenbriichplatzes und der Finowstraße verübt wurde. Dort wurde die Baubude eines Neubaues geivaltsam erbrochen, eine heillose Verwüstung dann augerichtet und schließlich nur fünfzig Jnvaliditäts- und Altersversichevungsmarken gestohlen. Von den Täter» fehlt bisher jede Spur. Als Ringlicppcr und Schlafftellendieb treibt gegenwärtig ein unbekannter, etwa 23—30 jähriger Mann im Norden der Stadt sein Unwesen. Der Schwindler mietet eine Schlafstelle in einem Hanse, in dem sich auch eine Gastwirtschast befindet und erklärt, die Schlaf- stelle noch an demselben Tage beziehen zu wollen. Dom, begibt er sich»ach der Gastwirtschast, verzehrt dort eine ttleinigkett und erzählt dem Wirt, daß er im Hause eine Schlafstelle gemietet habe. aber sich augenblicklich in Geldverlegenheit befinde und bittet um ein Darlehen von einigen Mark, um seine bei der alten Schlaiwirtin befindlichen Sachen auslösen zu können. Als Sicherheit gibt er einen Siegelring, ein„wertvolles Erbstück." Natürlich besteht der Ring nur aus wertlosem Metall und ist so- genannte Nepperware. Glückt dem Schwindler das Geschäft, so sucht er wieder die gemietete Schlafstelle aus. um eine Diebstahls- gelegenheit auSzubaldowern und dann zu oer'chwtnden. So ver- inchte der Betrüger auch in dem Hause Ruheplatzstr 18 das Schwindelmanöver auszuführen. Bei dem Bemühen, den Ring zu verpsänden, wurde jedoch das angebliche Wertstück als Jinitation erkannt und der entlarvte Verbrecher ergriff schleunigst die Flucht. Die Zentralkommlsfion de» Krankenkassen Berlin? und der Vororte hat auch für diese» Jahr wiederum hygienische VartragSkursc veranstaltet, welche, wie nachstehend ausgeführt, statt- finden. Dir Vorträge sind iür jedermann unentgeltlich frei. Am DienSlag, den 13. Februar, abends 8 Uhr, wird Herr Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Brieger sprechen im Hör- saal der Hydrotherapeulischen Universitätsanstalt in der Ziegel- straße l8/tv über:„Die Bedeutimg der Hydrotherapie". Ferner werden im Laufe der nächsten Woche nachbenannte Herren Aerzte in den Aulen der städtischen Gemeindeschulen über das Thema:„Kochkunst u»d Verdauung" sprechen: Am Donnerstag. den Ib. Februar er.. Petersburgerstr. 4, Herr Dr. O. Slulz: Waldeuserstr. 2ä,26, Herr Dr. L. Ratkowski; Schönhauser Allee 166a, Herr Dr. B. Müllerheim. Am Freilag, den l6. Februar er., über:.Ursache und Berhüwng der Schwindsucht". Gueiseuaustr. 7, Herr Dr. A. Bernstein. Titsitei- straße 4/b, Herr Dr. K. Kolllvitz, Pantstr. 8, Herr Professor Dr. Th. Sominerseld. I» Schöneberg. Feurigstr. 61/62, Dienstag, den l». Februar er., über das Thema:„Die geschlechtliche Ansteckung und ihre Folgen" Herr Dr. M. Joseph. In Boxhagen- Rummelsburg. Neue Bollsschule. Wühlischstraße, am Dienstag, den 13. Februar er., über das Thema: „Körperbeickaffeiiheit und Berufswahl� Herr Dr.«. Lubowski. In Rixdorf, Kaiser Friedrichstr. 4, am Donnerölag. den 15. Februar er., über das Thema:„Erkältung und Abhärtung" Herr Dr.<5. Donik«. In Lichtenberg. Kronprinzenstr. 10. am Donnerstag, den 16. Februar er., über das Thema:„Verhütung von verdauungskrank- heilen" Herr Dr. Albu. In Pankow. Grunowstraße. am Freitag, den 16. Februar er.. über das Thema:„Schwangerschaft und Wochenbett" snursür Frauen) Herr Dr. Manasse. In Weißensee. LanghanSstr. 120, am Freitag. 16. Februar cr., über das Thema:„Ursache und Verhütung der Schwindsucht" Herr Dr. I. Friedeberg. Personen, die Zeugen waren, wie am Montag, den 6. Februar, nachmittag« ein die Kottbnser Brücke mit einem Rade pasfierender Arbeiter von einein OnmibuS überfahren und iiisolgedesseu nach der Unfallstation gebracht wurde, werde» gebeten, ihre Adresse an Eichler, Tischler. Rixdorf. Emserstr. 76. gelange» zu lassen. Arbeitcr-Samariterkolonue. In dieser Woche finden folgende Vorträge und Uebimgsstunden statt: Dienstag: 2. Abteilung, Brunnenstr. 154, Fräulein Dr. Wygodczinski; Donnerstag: 4. Ab- teilung in Lichtenberg, Scharnweberstr. 69. Herr Dr. Nackiiweh über Vergiftungen. Nach den Vorträgen praktische Uebungen. Neue Mitglieder tonnen jederzeit eintreten. Gäste haben einmaligen freien Zrstrstt. Sericbts-�eitung. Angemessen hohe Konventionalstrafe? Bei Milch-Bolle, wo er als Kutscher eintrat, mußte B. ein Sparkassenbuch über 100 M. als 5taution hinterlegen. B. unterschrieb einen Revers, wonach die Kaution als Konventionalstrafe dienen und in voller Höhe ver- fallen sollte, wenn der Inhaber sich eines Betrugs,°iner Unter- schlagung oder dergleichen schuldig mache. Eines Tags hatte B. nicht genug Vollmilch auf dem Wagen, er vermischte deshalb un- gefähr zwei Liter Vollmilch mit Magermilch, wodurch die be- treffenden Kunden geschädigt waren. Das trug dem Kutscher wegen Betrugs eine Geldstrafe von 20 M. ein. Tie Firma Bolle bestand nun ihrerseits auf ihrem Schein und nahm die Kaution als oerfallen in Besitz. Beim Gewerbegericht beantragte der Kutscher, Bolle zu verurteilen, ihn die Kaution herauszugeben. Er machte gellend, daß er ja nicht die Firma geschädigt hätte und schon durch die Kriminalstrafe hart genug getroffen sei. Der fromme Herr Bolle könnte doch unmöglich ihn nun noch um die 100 M. bringen wollen, dieersichsoäußerst schwer zusammen» gestümpert hätte.— Ter Vorsitzende der Kammer 6. Ge- werberichter Dr. Wölbling, versuchte, einen Vergleich herbeizuführen. Richtig sei, meinte er, daß in einem so großen Betriebe, der ein � Voltsnahrungsmittel wie die Milch in Verkehr bringe, mit großer Strenge darauf geachtet werden müsse, daß die Angestellten keine Verfälschungen vornähmen. Wenn der Arbeitgeber dies nicht täte, würde er frivol handeln, gerade weil ein Volksnahrungsmittel in Betracht komme. Andererseits wäre aber doch zu erwägen, ob nicht hier die Schädigung de» Klägers durch den Verlust der 100 M. eine sehr schwere wäre, ob nicht möglicherweise Familienangehörige darunter leiden müßten.— Der Vertreter der Firma Bolle lehnte a b e r mit einem kalten:„Nein, das tun wir prinzipiell nicht I" jeden Vergleich ab.— Die Klage wurde mit folgender Begründung am Sonnabend abgewiesen: Es stehe fest, daß Kläger Bollmilch mit Magermilch vermischt habe und des- hals rechtskräftig wegen Betrugs zu einer Geldstrafe von 20 M. verurteilt worden sei. Gerade für solche Fälle aber sei die Kon- ventionalstrafe vertraglich vorgesehen gewesen. Es frage sich, ob die Konventionalstrafe eine unverhältnismäßig hohe sei. Dabei komme es nicht auf das Quantum der vermischten Milch an, sondern darauf, wie die Handlungsweise selbst wirke. Ihre Wirkung sei aber eine schwer schädigende für die Firma, da dadurch deren Ruf schwer untergraben werden könne, wenn verplanschte Milch für gute Milch verkauft werde, und es trete dann auch eine große materielle Schädigung der Firma eiu.— Das Gericht habe n i ch t zu prüfen, ob die Konventionalstrafe eine angemessene gewesen sei, sondern es könne nur fragen, ob sie etwa absolut unangemessen wäre. Diese Feststellung habe nun nicht getroffen werden können. Somit sei im vorliegenden Falle die Kaution als Konventionalstrafe vertragsgemäß verfallen.— Dies« Entscheidung dürfte mit Z 843 des Bürgerlichen Gesetzbuchs nicht vereinbar sein. Danach Kinn das Gericht, wenn eine verwirkte Strafe„unverhältnismäßig hoch" ist, dies« auf Antrag des Schuldners„auf einen angemessenen Be- trag herabsetzen". Die unverhältnismätzige Höhe ist nach dem Nutzen des Klägers, insbesondere nach dessen Gehalt und nach der Höhe des Schadens zu bemessen. 100 M. als Ersatz für etwa 10 Pf. Schaden ist unverhältnismäßig hoch. Abschneidung des Wahrheitsbeweises. Wegen Beleidigung des Charlottenburger Armeukommissionsmitgliedcs Konditors Hübner hatte das Schöffengericht seinerzeit den Schriftsteller Rud. Plack in Charlottenburg zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Den Strafantrag hatte der Magistrat von Charlottenburg gestellt. Die Beleidigung war in einem Briefe erfolgt, in welchem"eine Reihe von Tatsachen und Behauptungen aufgestellt worden waren, die Herrn Hübner beleidigen mußten. In der Berufungsinstanz erhöhte die Strafkammer des Landgerichts II die Strafe auf 2 Monate Gefängnis. Aus die vom Angeklagten eingelegte Revision hob gester» der 2. Strafsenat des Kammergerichts das Urteil der Straf- kammer auf und wies die Sache au die Berufungsinstanz zurück, weil die Strafkammer sich auf eine Prüfung, ob und inwieweit die in dem Briefe behauptete:» Tatsachen wahr sind, gar nicht ein- gelassen habe, diese Prüfung aber von Einfluß auf das Strafmaß sein müsse. Bim kiudlichen Spiel in de« Tsd. Der neunjährige Schul- knabe Fctiing, der einzige Sohn seiner in Sllt-Boxhagen in Rummelsburg wohnhasten Eltern, bat eines Tages seine Mutter, ihn auf kurze Zeit auf die Straße gehen zu lassen, um dort seinen neuen Reifen auszuprobieren. Frau F. verweigerte dies zuerst, ertaubte ihm aber schließlich, auf einige Zeit herunterzugehen. Im jugendlichen Nebermut tollte der Knabe mit seinem Reifen aus dem Haustor heraus aus die Straße, achtete aber im Spieleifer nicht darauf, daß von der linken Straßenseite her ein Wagen in dem bekannten unsinnigen Tempo, welches viele Kutscher immernoch einschlagen, daherkam. Im nächsten Moment ertönte ein Eni- setzensichrei der zahlreichen Augenzeugen. Der eben noch lustig umherspringende Knabe war von dem Wagen erfaßt worden. Als man ihn aufhob, war er bereits tot. Ter Kutscher war weiter- gefahren. Er wurde später in der Person des nun angcllagten Wilhelm St. ermittelt. Vor fZericht gab er zu, allerdings etwas schnell gefahren zu sein, er habe das Unglück nicht verhüten können, da ihm der Knabe direkt i» den Wage» hineingelaufen sei. Den G e r i ch t s.h o f nahm indessen eine Fahrtässiglcit, begangen durch das zu schnelle Fahren, an, und erkannte auf«ine Woche Ge- f ä n g n i s, in Anbetracht der bisherigen Unbescholtenheit des An- geklagten. >-- Allgemeine Familien-Sterbekaffe. Heute: Zahltag Ackerstraße 123 bei WIesenthgl von 3-6 Uhr. Sozialdemokratischer Zentral-Waklverein für den Reichstags- Wahlkreis Ziitlicho«. Schwiebus< tf rosse«- Sommerfeld.(Orts- verem Berlin? Dienstag, den«3. Februar, abends 81/, Uhr; Ber- (ammlung bei Patt, Draaone'.str. 15. Tagesoldniing: t. Vortrag tc» Genoisen Kunzel über: Die demokratischen Forderungen deS Ersurtcr Parteiprogiainm« 2. Diskussion. 3. Bericht aus oem»rrcise. 4. Auf- uabiuc neuer Mitglieder und BrAchicdciies. In Anbetracht der wichtigen Tagesordiinna werden die Genotte» aus dem Kreise ersucht, zahlreich zu erscheuitti. Der Vorstand. ULI Wo gehen wir des Sonntag« tanzen? Fn YH'oni'i«»>>*<•«- ««>!».« Ii»fti»l>nu>. Rixdorf. Kirchhossti. 41. Jeden Sonulag ab 4 Uhr: Lrssriitlicher Ball. Monat Mmz sind noch zwei Sonn- nbende frei. 32IB" Brüse s Ball-Salon. llixdopf, Knesebeckstraße 113, (2 Min. o. Bahn hos �ermaiinstr.) i Jeden Sonntag: 322'iH KavaliersBall bei stark besetztem Lrchcfter. Saal(600 PeifJ mit Bühne und, Restanrnnt besten» cmvsohlen. -gquzgv.ihtt6 m Iwck)oHanuji,v,«M gWlUJflt®■uaija®'U,