Nr. 87. BbwnemmlS'BMIngungen: nsmiementS» PreiK prSnumsrand»\ «erteli»»,!. 8,80®!t., monall. 1,10 8W., wöchentlich SB Pffl, frei ins Haus, Einzelne Nummer S Pfg, Konntagk. nunimer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Well' 10 Psg, Post» «bonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn S Marl, für da» übrige Ausland 8 Marl pro Monat. ClIPtllt ttgiich luBtr Olsotigt. Verlinev Volksblslk. S3. Jahrg. Sie lnltiNonz-eebllhp de trügt für die sechSgespaltcne Kolonsl. geile oder deren Baum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlung», Anzeigen 26 Psg. „Kleine Hnieigen", da» erste(feil. gedruckte) Äort 10 Pfg., jede» weitere «ort b Pfg.«orte über 1« Puchslaben zählen für zwei«orte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi» 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen» tagen bis 7 Uhr abends, an Eotiti. lind Festlagen bis S Uhr dormtttag» geSstuct. Telegramm. Adresse: „SulildeiBsknt Rerll»". Zentralorgan der rozialdemokratirchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 8/h8 Uhr. Mittagspause Ish Stunden. Max Wunderlich, .. Amtsstr. l. Zunächst möchten wir die Gewerkschaftskartelle auf diese Vermittelungsfirina aufmerksam machen, da sie dauernd Arbeiter sucht für Betriebe, in denen noch nie- mals.(?) gestreikt worden ist. Verdächtig ist, daß für die Fabriken, in denen es so kulant zugchen soll, derart die Werbe- trommel gerührt werden muß. Auch am Rhein gibt es Ar- beitskräfte genügend, und wenn es in den Fabriken anständig zugehen würde, brauchte man nicht Arbeiter aus Ost- Preußen zu holen. ES ist auch bezeichnend, daß nicht der Name und Ort der Fabrik geiiannt wird. Daß die Arbeiter nicht einmal deii Hirsch-Dunckcrschen Verbänden und den Hiilfskassen angeboren sollen, ist zu toll. Ebenso, daß man den Arbeitern gnädigst gestatten will, nacheinigerZeit ihre Familie nachkominen zu lassen. Weiter ist noch zu be- rücksichtigen, daß die Arbeiter die Reisekosten auslegen müssen, werden sie aber vom Arzt als nicht tauglich be- funden, was geschieht dann mit ihnen? Lasse sich kein Arbeiter auf solche Dinge ein. Birlin una amqegend. Dir Arbeiter der TreppengclSnderbranche(Holzarbeiter-Vcrband) befaßten sich am Montag im„Köiiigstadt-Kasino" mit dem Ergebnis der nochmaligen Verhandlungen zwischen den Kommissionen der Arbeitnehmer und Arbeilgeber betreffs der in dem neuen Tarif- v. r t r a g vorgesehenen prozentualen Lohnerhöhung. Heraus- gekommen ist bei d.n Verhandlungen nicht mehr viel. ES bleibt im Prinzip bei der Lohnerhöhung von 4 Prozent, so wie sie vom EinigmigSamt vorgeschlagen ivar, jedoch soll die Schlichtungskom- Mission befugt sein, diesen Satz für diejenigen Geschäfte zu erhöhe», die mit ihren Löhnen bisher noch unter den in der Branche üblichen Durch- schnittslöhnen geblieben sind, so patz auch hier der Durchschnitt erreicht wird. Eine generelle Lohnerhöhimg auf 6 Proz. wurde von den Unternehmern dagegen unter Berufung auf den Borschlag des Einigungsamtes abgelehnt. Demnach enthält der neue Tarif jetzt folgende Hauplbestimmungen: Die Arbeitszeit beträgt 22 Stunden. Der Mindest» lohn in der Werkstatt beträgt pro Stimde b7>/z Pf., bisher 65 Pf. Dieser Lohn ist an jeden Arbeiter zu zahlen, der noch nicht in der Treppengeländerbranche gearbeitet hat. Für die durch Unfall, Alter »dir Invalidität minderleistimgssiihigen Gesellen, soivie für die Junggesellen im erste» Gesellenjahr unierliegt die Festsetzung des Lohnes der freien Vereinbarung, Diejenigen»eu eingetretenen gelernten Arbeiter, welche vier Wochen in derselben Werkstatt gearbeitet haben, erhalten einen Mindestlohn von 02'/, PH pro Stunde. Alle anderen Arbeiter haben entsprechend ihrer Fähigkeit höhere Löhne zu verlangen. Die znr Zeit gezahlten Löhne sind um 4 Proz. zu erhöhen. Jeder auf dem Bau beschäftigle Lohnarbeiter erhält bei vollem Arbeitstag 00 Pf,, bei nur stundenweiser Be- schäftigung 10 Pf. pro Stunde Zuschlag. Die Äbrechimng erfolgt von Fr-iiag zu Freitag. Die Auszahlung erfolgt an, Sonnabend gleich nach Arbeitsschluß. Das Reinigen der Maschinen am Sonnabend mutz vor Arbeitsschluß beendet sein. In denjenigen Betrieben, in denen günstigere Lohn- und Arbeits- Bedingungen für Arbeiter bestehen, als in diesem Vertrage festgelegt sind, bleiben dieselben während der Veitragsdauer in Geltung. Differenzen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, ivelche sich aus diesen» Vertrage ergeben, sollen von der S ch l i ch t u n g S- kom Mission der H o l z i n d u st r i e geschlichtet werden. Dieser Pertrag gilt vom 1. Febnwr 1906 bis 1. Februar 1907. Die Festsetzung der Akkordpreise erfolgt von der SchlichtniigSkommission unter Zugrundelegung der im Tarif vereinbarte» Lohnsätze. Die Korbmacher sind in eine Lohnbewegung eingetreten. So fordern die G r ii u a r b e i t e r eine Verkürzung der Arbeitszeit von drei Stunden in der Woche. Die bisherige Arbeitszeit beträgt für diesen Zeitraum 58 Stunden. Autzerdem fordern sie eine Lohn- crhöhung von 5—10 Proz. Drei Unternehmer haben die Forderungen ihrer Lcute bewilligt. In vier Werkstätten befinden sich die Arbeiter im Streik. In der R o h r b r a n ch e befinden sich die Arbeiter der Firma H a b i tz, Lausitzcrstr. 12 in einer Lohnbewegung. Die Geschotzkörbeatbeiter der Firma A n c i o n u. Co. erzielten eine Lohnerhöhung von 6 Pfennigen pro Korb.— Es wird vor Zuzug, namentlich bei der Finna Habitz gewarnt. Die Differenzen bei der Firma Schwidetzkh, Holz- bcarbeitungsfabrik und Lagerplätze, sind in allen drei Betrieben, Berlin, Schöneberg und Wilmersdorf, durch Verhandlungen zur beiderseitigen Zufriedenheit beigelegt. Ein Tarif ist abgeschlossen, der bis zum 1. Mai 1907 läuft. Nach dem Tarif ist die Arbeitszeit eine lOstündigc, Uebcrstunden dürfen nur an den ersten fünf Tagen der Woche gemacht werden und sino mit einem Aufschlage von iDPf. zu bezahlen. Der Anfangslohn für Platz- und Hülfsarbeiter be- trägt pro Stunde 40 Pf. und steigt nach 13 Wochen auf 42 Pf. Löhne, die jetzt schon höher sind(für Schlosser, Heizer und Maschinisten) werden um 2 Pf., nach 13 Wochen um weitere 3 Pf. erhöht. Ein schöner Erfolg der Lohnbewegung ist eS, daß jetzt alle Ar- beiter der Firma dem Verbände der Fabrik-, Land- und Hülfs- arbciter angehören, während vor der Bewegung keiner derselben organisiert war. Achtung. Kleber! Wegen Tarifbruchs sind die Bauten des Unternehmers Marianowsky. LudwigSkirchstratze IIa, ge- sperrt; in Betracht kommen die Bauten Mommsenstratze 16 und 76. — Ferner die Bauten der Firma Nowack, Richthofenstratze 11; die Baute» sind Eisenacherstrahe 26 und 27. Die Sperre über die Firma Haubenreitzer, Zorndorfer- stratze, ist aufgehoben. Die Achtzehnerkommission. Arbeiter, Parteigenossen! Mr haben schon mehrfach darauf aufmerksam gemacht, daß die Barbiergeschäftc der Firma Max- Gros u. Co. gesperrt sind. Die betreffende Firma hat sich bisher in Verhandlungen noch nicht eingelassen, trotzdem aber verteilt sie in Berlin Reklamezettel mit der Inschrift:„Die Forderungen der Gehülfcn sind in unserem Geschäft be- Willigt." Es habei, nur diejenigen Geschäfte bewilligt, wo die weitz-gritne Kontrollkarte sichtbar am Spiegel ange- bracht und die laufende Woche abgestempelt ist. Dieselben werden durch den Nachweisvorsteher Baumgart von 10 bis 11 Uhr auf dem Nachweis, Schilliugstratze 15/16, ausgegeben. Telephon: Amt 7 Nr. 2324. Die Geschäfte der gesperrten Firma Max Gros u. Co. befinden sich: Alcxanderplatz 2, Neue Königstratze 62, Stallschreiber- stratze 63, Nostizstratze 14, Gneiseuvustratze 69, Bergmann- stratze 112, Manfteinstratze 2, Ackerstratze 32, Schöneberg, Colonnen- stratze 54, Steglitz, Schiitzcnstratze 54. Verbünd deutscher Barbier-, Friseur- und Perückenmacher. gehülfen. DoutrdttB Rc(d>. Die Arbeiter und Arbeiterinnen- der Leipziger Baiimwoll- sptnnerei befinden sich in einer Bewegung zur Erreichung des Zehn- stundentages. Der von den Arbeitern eingesetzten Kommission so- wie dem Ärbeiterausschutz, Ivelche mit dem Direktor verhandelten, er- klärte dieser, daß die zehnstündige Arbeitszeit tticht eingeführt verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: werden könne. Ohne Grund wurden plötzlich innerhalb einiger Tage 11 Personen entlassen. Di« Entlassenen sind sämtlich Familienväter und waren jahrelang bei der Firma beschäftigt. Eine Versammlung der Textilarbeiter beschlotz. die Sperre über die Leipziger Baun,- Wollspinnerei zu verhängen. Die Firma hat Streikbrecheragenten nach allen Orten gesandt, um Arbeitswillige nach Leipzig zu holen. Arbeiter und Arbeiterinnen, übt Solidarität, haltet den Zuzug fern.— Die Leipziger Baumwollspinnerei erzielte im vorigen Jahre einen Ueberschutz von 1 603 177 M. 480 000 M. wurden als 16prozentige Dividende an die Aktionäre verteilt, das übrige für Reserven, Amortisation, Rückstellungen und Abschreibungen ver- wandt. Bei einigem gute» Willen kann die Firma recht gut den Ar- beitern und Arbeiterinnen entgegenkommen. Arbeiter und Arbeite- rinnen, wir bitten um moralische Unterstützung. Mitteilungen und Briefe wolle man an den Untcrzeickmcten senden. Tie Textilarbeiter Leipzigs. I. A.: Moritz Hcrmsdorf, Windmühlenstratze III. Streik der Textilarbeiter in Bramsche bei Osnabrück. Die Weber, Weberinnen und Spulerinnen der Firma I. B. Sanders und Söhne sind am Donnerstag in den Streik getreten. Die Firmen Gebr. Sanders und Heune u. Co. werden Sonnabend folgen. Die Zugeständnisse der Unternehmer sind äußerst minimal. Der eine bewilligt annähernd 0,2 Proz., ein anderer zirka 2l,b Proz. Unter diesen Uniständen waren die Arbeiter gezwungen, in den Streik zu treten. Daß die Entlohnung der Bramschcr Arbeiter und Arbeite- rinnen durchaus ungenügend ist, haben die Unternehmer jetzt selbst bestätigt. In einem„Aufklärung" überschriebenen Inserat in den Lokalblättern geben sie folgendes bekannt: Der Durchschnittslohn betrug in den Jahren 1903, 1904 und 1905 pro Tag und Kopf bei der Firma Heune u, Co. 2,29. 2,52, 2,64 M., bei Gcbr, Sanders 2,34, 2,46, 2,60 M.. bei I. B. Sanders u. Söhne 2,11, 2,15, 2.23 M. Tie von den Unternehmern veröffentlichten Zahlen beweisen, dah es wahre Hungerlöhnc sind, die hier gezahlt werden. Sie beweisen ferner die Notwendigkeit der Lohnbewegung. Zuzug ist streng fern- zuhalten._ Textilarbeiteraussperrung in Mülhausen i. Elf. Seit längerer Zeit versuchen die Textilarbeiter in Mülhausen im Elsatz die Fabrikanten zu bescheidenen Verbesserungen des Arbeitsverhältnisses zu bewegen. Alle derartige Bemühungen scheiterten jedoch an dem ablehnenden Verhalten der Unternehmer. Ein erneuter Versuch dieser Art ist wieder im Januar dieses Jahres gemacht worden. Die Arbciter schickten allen Fabrikanten ihre Forderungen zu und ersuchten um mündliche Verhandlungen. Ge- fordert wird hauptsächlich der lOstündige Arbeitstag und eine Lohn- erhöhung um 15 Proz.— Die Unternehmer haben teils ablehnend, teils gar nicht auf das Ersuchen der Arbeiter geantwortet. Am 7. d. M. haben die Arbeiter und Arbeiterinnen der Baumwoll- spinnerei von Fretz u. Co. gekündigt, weil alle ihre Anträge auf Vcr- besierung des Arbeitsverhältnisses abgelehnt worden sind. Darauf hat der Fabrikautenverein beschlossen, daß die Arbeiter in sämtliche» Betrieben ausgesperrt werden, falls die Kündigung bei Frey u. Co. nicht zurückgezogen wird. Tie Arbeiter sind entschlossen, ihre Kündigung aufrechtzuerhalten, die am 21. d. M. abläuft. Für diesen Tag ist also, wenn die Unternehmer ihren Beschlutz durch- führen, die allgemeine Aussperrung aller Textilarbeiter Mülhausens zu erwarten. Es wird ersucht, den Zuzug fernzu- halten._ Tie Brauer von Nürnberg, Fürth und Umgebung haben be- schlössen, eine Bewegung einzuleiten, um ein« Reihe von Verbesse- rungen des bestehenden Tarifvertrages, der demnächst abläuft und bei dem sich mancherlei Mängel herausstellten, zu erzielen. In der Maschinenfabrik von Ewald in Pritzwalk sind Differenzen ausgebrochen. Zuzug von Metallarbeitern aller Branchen ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung des Metallarbeitcrverbandcs. 5lu»t»nd. Die Tüllarbeitcr i» Lyon beschlossen den Gesamtausstand. Sie verlangen eine Lohnerhöhung, den Zehnstundentag und die Auf- Hebung der Nachtarbeit._ Lohnbewegung der Schneider in Dänemark. In den dänischen Provinzstädten besteht im Schneidergewerbe eine eigentümliche Einrichtung zur größeren Ausbeutung der Ar« beiter. In allen diesen Städten, mit Ausnahme von Aarhus, wo größtenteils noch die Heimarbeit herrscht, arbeiten die Schneider- gesellen in den Werkstätten der Meister, müssen aber dafür 5 Proz. von ihrem Arbeitsverdienst an den Meister abgeben und autzerdem müssen sie noch die Furnituren bezahlen, so daß sie jede Woche mit einem Abzug von 1,50 Kr. von ihrem kaum 14 bis 15 Kr. betragenden Verdienst zu rechnen haben. In den letzten Wochen haben nun Ver- Handlungen zwischen dem Dänischen Schneidervcrband und dem Zentralverein dänischer Schneidermeister stattgefunden, wobei es sich hauptsächlich darum handelte, daß die Meister ihre Werkstätten unentgeltlich zur Verfügung stellen sollen, daß die Heimarbeit, so- weit sie noch besteht, abgeschafft werde und die Meister die Furni- turen bezahlen sollen. Autzerdem wird eine Erhöhung des Lohnes für die feineren Arbeiten um 7 Proz. und die Verkürzung der Arbeitszeit von 12 auf 10 Stunden verlangt. BiS jetzt haben die Verhandlungen noch zu keinem Ergebnis geführt, sie werden jedoch fortgesetzt._ Ein Gewerkschaftshaus in Paris. Die Pariser Syndikate tragen sich mit der AbsicU, sich auf eigene Füße zu stellen, das heißt, ein eigenes Gewerkschaftshaus zu gründen. Die Schikanen und Vc. lästigungen, denen die in der„Bourse de Travail" untergebrachten Arbeiterorganisationen von Magistrat, Polizei und Regierung fort- während ausgesetzt sind, bilden die Veranlassung zu diesem Ent- schlutz. Bekanntlich haben zurzeit eine Reihe Gewerkschaften die „Bourse de Travail", zu deren Unterhalt Subventionen aus öffent« lichen Mitteln hergegeben werden und in deren Verwaltung des. wegen die Behörden auch Eimnischungsrechte haben, toegen Streitig. keilen mit den letzteren bereits verlassen. Gerichts-Teitung. Zur Blutklecken-Untersuchung. Von der hohen Wichtigkeit und Be- deiitniig nicht nur des Nachweises von Menschenblut an sich, sondern auch der wissenschastlichen Würdigung der am Tatorte eines Ver- brechens gefundenen Blutflecken geben zwei in neuester Zeit durch da» Geständnis der wegen Mordes zum Tode verurteilten Verbrecher nachträglich klar gestellte Fälle einen auch weitere Kreise inter- essiereiiden drastischen Beweis. In beiden Fällen hat der durch seine Blutuntersuchungen bekannte Gerichtschemikcr Dr. I e s e r i ch- Berlin zu einer Zeit, als weder durch die Voruntersuchung noch durch das Geständnis der An- geklagten oder durch Zeugenaussagen Anhaltspunkte über Ort und Art des Mordes gegeben waren, lediglich nach seiner Unter- suchung auS der Form und Lage der Blutflecken folgernd, den Vor- gang beim Morde genau bestimmt und ist dieser durch das spätere Geständnis vollständig bestätigt worden: Im erste» Falle war die Dienstmngd Tenges in Mannheim von dem Arbeiter Georg Becker im Etzzmnner ihrer Herrschaft in rohester Weise erschlagen worden. Gegen Becker sprach zunächst nur, daß er kurz vor der Tat in Gesellschaft der Ermordeten und in der Nähe deS Mordhnuses gesehen worden war. Er bestritt die Tat auf das allerentschiedenste. Es wurde vr, Jeserich sofort nach dem Morde telegraphisch nach Mannheim berufen. Dort am Tatorte folgerte er genau anS den Blutspritzern in dem Zimmer, an welchen Stellen die ersten Schläge gegen das Opfer geführt worden waren und wie eS, aus der Tür fliehend, an dieser zusammengebrochen war und am Boden liegend, die letzten Schläge erhalten hatte. Aus einem an der Wand gefundenen Ab- TD. Glocke, Berlin. Druck n, Verlag: VorwärtSBuchdr.u. Verlagsanstalt druck konnte wiederum die Art der Mordwaffe erkannt werden. Schließlich führte Dr. I. aus Fingerabdrücken sPapillarien), die sich an der Tür befanden, den Nachweis, datz diese von den blutigen ersten beiden Fingern der linken Hand des Becker stammtcn. Der Verdächtige gestand nunmehr zunächst zu, am Tatorte gewesen zu sein. Nach seiner Verurteilung zum Tode durch das Schwurgericht in Mannheim gestand er dann weiter zu, die Tat allein und zwar genau in derselben Weise, wie sie von Dr. I. vor- her beschrieben worden war, ausgeführt zu haben. Der zweite Fall lag so, datz bei einem zu Chrzan bei Ostrowo an dem Altsitzer Filipiak von einem gewissen Walczak verübten Morde zunächst auS Zeugenaussagen und sonstigen Umständen als feststehend angenommen werden konnte, datz die Tat im Stalle des Walczak ausgeführt worden war. Aus mehreren an einem Wngeubrett gefundenen Blutflecken und-spritzerir folgerte Dr. I. jedoch im Gegensatz zu der ersten Annahme, datz Filipiak am rechten Vorderrad eines Wagens auf dem Hofe erschlagen sein müsse. Nach dem hierauf gesprochenen Todesurteil und nachdem die gegen dasselbe eingelegte Revision vom Reichsgericht verworfen war. legte auch hier der Verurteilte ein offenes Geitändnis ab und erllärte, daß er tatsächlich den Filipiak nicht im Stalle, sondern am rechten Vorderrad des Wagens auf dem Hofe ermordet habe. Ein unerheblicher Automobilimfall hatte gestern ein Nachspiel vor dem Schöffengericht l. Wegen Stratzenpolizeikonftavemion ivar der Kraftdroschkcnführer Emil Kotzte angeklagt. Der Angeschuldigte ist Führer der Automobildroschke Nr. 7689 und kam mit dieser am 19. Oktober v. I. gegen 5 Uhr nachmittags über die Kaiser Wilhelm- brücke von der Burgslratze her nach den Linden zu gefahren. Um die gleiche Zeit wurde die Anfahrt des Kaisers erwartet, der im Automobil vom Brandenburger Tor her nach dem Schlosse fuhr. Am Lustgarten waren deshalb durch drei Schutzleute AbsperrungSmatzregeln getroffen. DaS dem Angeklagten von dem Schutzmann Hahn gegebene Zeichen zum Halten beachtete dieser»icbt, sondern fuhr in ziemlich scharfem Tempo weiter. In demselben Moment kam das Automobil des Kaisers über die Schlotzbrücke gefahren. Beide Fahrzeuge ioi.nten sich nicht mehr ausbiegen, im nächsten Augenblick erfolgte ein Au- prall, dessen Wucht nur durch die Geistesgegenwart der Fahrzeug- führer abgeschwächt wurde, so datz es bei einigen Schrammen und einem gebrochenen Kotflügel blieb.— Gegen den Angetlagten wurde durch amtsgerichtliche Verfügung ein Stratbesehl über 40 Mark erlassen, weil er das Haltezeichen des Schutzmanns unbeachtet gelassen und gleichzeitig sich dadurch einer Uebertrcrüng der Stratzeupolizeiverordnung schuldig gemacht habe, indem er bei Ab- sperrungen, die aus besouderen Anlässen entstanden sind, in einer anderen als in der von den Ordnungsbeamren angeordneten Weise gefahren sei. Außerdem sollte K. eiuige Tage später am 30. Oktober vorigen Jahres in übermäßig schnellem Tempo die Stratze Unter den Linden nach dem Platz am Opcrnhauie zu entlang ge- fahren sein. Gegen das Strafmandat stellte K. den An- trag auf richterliche Entscheidung. In dem zweiten Punkte des Strasbefehls gelang es, den Nachweis zu führen, datz der Angeschuldigte um die fraglicheZeit, in der er die Linden zu schnell entlang gefahren sein soll, infolge eines Reife ndefekts in Lichten- berg festgelegen hatte. Bezüglich de? Zusammeustotzes mit dem Automobil des Kaisers nahm das Gericht einen Verstoß gegen das Stratzenpolizeireglement an, ermäßigte jedoch den Srrafbefehl auf zwanzig Mark Geldstrafe. Mißglückte Justizaktionen. Am Montag standen wieder einmal in Breslau zwei Prozesse gegen„terrorisierende" Arbeiter an. In beiden Fällen erlitt die Staatsaulvaltschaft, die durch ihren Vertreter jedesmal Gefängnisstrafe beantragt hatte, ein glänzendes Fiasko. Sämtliche Sünder wurden freigesprochen; im ersten Falle, wo christliche Arbeiter von Gewerkschaftlern sich bedroht fühlten, von der dritten Strafkammer; im zweiten vom Schöffengericht; bier handelte es sich darum, daß wieder einmal zwei Arbeiter, der Letter des Fabrikarbeiterverbandes und ein Lithograph, den Arbeitgeber durch Androhung von«treik zur Anerkennung eines Tarifs zu be- wegen versucht haben sollen. Das Gericht schloß sich der Anschauung des NechtSanwalis Genossen Simon an, datz§ 153 G.-O. nicht diese Auslegung zulasse._ Die Nachwahl im 16. sächsischen Wahlkreis, die sich durch die Mandatsniederlegung des Genossen Schippel notwendig machte, war ein glänzender Sieg unserer Partei. Wie uns eine Privatdepesche meldet, erhielt, bisher Genosse Redakteur Noske 31 828 Stimmen, der Kartellkandidat Hermsdors 10 390 Stimmen und der Freisinnige Günther 9052 Stimmen. Bei der Hauptwahl im Jahre 1903 wurden für Genossen Schippel 34 266 Stimmen ab- gegeben. Von den Gegnern erhielten die Nationalliberalcn 13 078, die Freisinnige Volkspartei 3703 und das Zentrum 188 Stimmen. Trotz der außerordentlich heftigen Anstrengungen der Gegner ist aus den bis jetzt vorliegenden Ziffern zu ersehen daß der Sieg unser ist.� Chemnitz, 18. Febniar.(®. T. B.) Bei der heute stattgehabten Ersatzwahl für den 16. sächsischen ReichstagswahlireiS wurden bis 9'/z Uhr abends gezählt für Hermsdorf(k.) 10 395, Günther jfts. Vp.) 9639 und Noske sSoz.) 31 730 Stimmen. l�et�re Nacbrichten und Depefchcn. Antisemitische Umgangsformen. Wien, 13. Februar.(©. H.) In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses kam es zu unerhörten Skandalszenen anläßlich der von den Alldeutschen eingebrachten Dringlichkeits- antrage, Ministerpräsident von Gantsch hatte den Alldeutschen den Vorwurf gemacht, datz sie die Anträge nur eingebracht hätten, um die Beratung der Wahlreform zu verhindern. Dieser Bemerkung folgte ein ungeheurer Tumult. Man schrie dem Minister entgegen: Dieb. Schurke, Lügner! Die Worte des Ministers vrrhallten in dem Lärm, man sah nur noch seine Gestiku- laiionen; schließlicki erklärte Gautsch, er werde unter keinen Uinftänden die von den Alldeutschen gewünschte Vorlage über die Trennung der Armee vorlegen. sNenerlicher Tumult.) Der Alldeutsche«tri» wendet sich in seiner Antwort in erster Reihe gegen die Aeußernng Gauifch', daß die Alldeutschen die Dringlichkeitsanträge nur zum Zwecke der Obstruktion gegen die Wablreform eingebracht hätten. Die Erklärung des Ministers sei ebenso frech wie dumm.(Rufe: Meineidiger Drmagog. Gautsch Abzug!) Die autimilitaristische Propaganda. Paris, 13. Februar. W.-T.-B. Der Jnstizminister hat be- schlössen, die Urheber des neuen antimilitaristischen Aufrufs straf- rechtlich verfolge» zu lassen. Es beißt, daß die Staatsanwaltschaft gegen dieselben die Anklage auf Grund deS AnarchistengesetzeS erheben wolle, um sie vor das Zuchtpolizeigericht stellen zu können. Eine Bomde. Wilna, 13, Februar, sB, H.) Ans einer Straße im Mittelpunkte der Stadt explodierte eine Bombe, wobei acht Personen schwer verletzt wurden. ianl Singer LcCo., Berlin SW. Hierzu 4 Beilagen u. Unterhaltung-'' ä?. 23. gaNmig. j DtülilZt des.Fllrlvlirts" Kerliner NglksdlM»«w.ch.lt.M-m.lW. lere ihm zugesichert sind. Ich möchte nur auf die vielgestaltige» Klagen aus dieser Session über Ausweisung von sogenannten„lästigen" Arbeitern eingehen: Zwei Arbeiter in Oberhansen erfsielte» den Bescheid von der Polizei, sie seien aus- gewiesen, weil sie dem Glasarbeiterverbande angehörten(Hört! hört! bei den Sozialdemokrale») und Sozialdemokraten seien; Sozialdemokraten habe man in Deutschland genug. Diese Antwort beweist, wie es mit den„Rechtsgarantien" in Deutschland aussieht. Man sollte doch den Arbeitern, die inan vom Ausland heranholt, vorher sagen, datz sie in Deutschland das Recht nicht haben, ihre Interessen zu ver- treten.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Trimborn(Z.): Herr Sachse hat behauptet, die Familie Trimborn, der die Grube„Fortuna" gehören„soll", scheine sich um das Wohl ihrer Arbeiter nicht zu kümmern. Ich stelle fest, datz ich mit der Grube nicht das geringste zu tun habe; eS hat lediglich einer meiner vielen Brüder(Heiterkeit) ein paar Kuxe dieser Grube. Dieser Bruder ist Herrn Sachse natürlich ganz gleich- gültig, und da man an mich nicht herankann, spricht man von der„Familie" Trimborn. Um diese Kampfesweise zu charakteri- sieren, fehlt mir der parlamentarische Ausdruck. Der Abg. Sachse ist gar nicht wert, datz ich mir ihm zu Liebe emen Ordnungsruf zu- ziehe.(Heiterkeit rechts und im Zentrum.) Es sind aber autzerdem Flugblätter autzerhalb dieses Hauses verteilt worden. Ihre Ver- fasier stehen wahrscheinlich auch autzerhalb dieses Hauses. Deshalb kann ich mich diesen Flugblättern gegenüber deutlicher ausdrücken. (Heiterkeit rechts und im Zentrum.) Ich erkläre also: die in diesen Flugblättern eingeschlagene Kampfesweise als eine vollständig unanständige und hätzliche Methode.(Beifall im Zentrum.) In den Flugblättern heitzt es immer in Fettdruck: Familie Trimborn, Streik, Aussperrung. DaS soll dann der Leser zusammenreimen.(Heiterkeit rechts und im Zentrum.) Autzerdem ist noch von einer Zuckerfabrik die Rede. Da habe ich in der Tat Aktie» geerbt. Man kann doch schlietzlich nichts dafür, wenn man so etlvas erbt.(Heiterkeit im Zentrum.) In dieser Zuckerfabrik hat nie ein Streik stattgefunden. Es ist eine ganz unschuldige ländliche Sicderei. Im Flugblatt aber hietz eS: In dieser Fabrik ivcrdeu die Arbeiter ganz in derselben Weise ausgebeutet wie in allen Fabriken. Aver jedenfalls „Familie Trimborn, Ausbeutung". (Heiterkeit rechts und im Zentrum. Mit gehobener Stimme): Wie soll man nun aber denjenigen bezeichnen, der diese Methode hierher ins HauS verpflanzt? Ich kann nichts anderes tun, als ihn den Gefühlen preisgeben, welche Sie alle wohl darüber haben werden. (Lebhafter Beifall im Zentrum und rechts.) Abg. Merten(frs. Bp.) kommt auf die vom Abg. Bargmann an- geregte Frage des Vogelschutzes zurück.— Vom Vogelschutz komme ich auf den Kinderschutz. An den Glasperlen, die für ein Spottgeld gekauft werden, hängen unzählige Kindertränen. Wenn ein Käufer unter den weitzen Perlen Plötzlich schwarze entdeckt, dann sollte ihm das ein Symbol der Kindertränen sei»! Das Kinderschutzgesetz, das doch seit dem 1. Januar 1001 gelten soll, steht nur auf dem Papier. ES besitzt eine Achillesferse, nämlich den§ 3. welcher einen Unter- schied zwischen„eigenen" und„fremden" Kindern macht. Erfreulich aber ist, datz einzelne Staaten wie Württemberg und Hessen schärfere Bestimmungen erlassen haben. Der beste Kinderschutz ist das einfache Verbot der Kinderarbeit. Wer die Kinder gesehen hat, wie sie für 2l/i Pf. dir Stunde Tag für Tag ohne Erholung künstliche Blumen fertigen, der wird sich für diese Produkte der Kinderausbeutung bedanken. Fraglich ist. ob die Polizisten und Gewerbe-Jnspettoren im stände sind, die Durch- führuug deS Kinderschutzes zu garantieren. Wir fordern also, datz die Lehrer und Aerzte zur Kontrolle hinzugezogen werden. Ein Artikel in der Münchener„Medizinischen Wochenschrift" hat aus- gezeichnetes Material dafür beigebracht, wie notwendig die ärztliche Kontrolle der Kinderarbeit ist.(Beiiall links.) Abg. v. Gerlach(frs. Bg.) polemisiert gegen den Abg. Rogalla v. Bieberstein und den Abg. v. Oldenburg. Letzterer erzählte von der alten Frau mit den Talern im Unterrock. Wenn eine Frau in 10 Jahren 1500 M. erspart hat, so bedeutet dgS nur, datz sie jährlich 30 M. gespart hat. DaS ist kein Beweis für allzu hohe Löhne. Die heutige Regelung der Armenpflege auf dem Lande ist gänzlich ungenügend. In einem Armenhause, das nur aus einem Raum bestand, ivaren drei verschiedene Parteien untergebracht, darunter ein alter idiotischer Mann und ein halbwüchsiges Mädchen, das den greulichsten Attentaten von feiten dieses Mannes ausgesetzt war.(Hört! hört I links.) Redner geht näher auf die auf den ostelbifchen Gütern gezahlten niedrigen Gehälter und Löhne ein: Ein Schäfer erhält 600 M. Gehalt, davon nur etwa 100 M. in bar. Will er einmal Urlaub haben, so mutz er seinen Vertreter bezahlen; jeden Tag kann er entlassen werden, tvährend er an eine lange Kündigungsfrist ge- buiiden ist. Abg. Rogalla v. Bieberstein nannte die Löhne in feinem Wahlkreise kolossal gestiegen. Sie betragen jetzt für den männlichen Arbeiter 360 M.. für den weiblichen 210 M. jährlich.(Hört! hört k links.) Wie müssen sie dann erst früher gewesen sein!(Sehr richtig l links.) Dabei ist die Gesindeordnung derart, datz ein Knecht nicht einmal seinen Dienst berlassen darf, wenn ihn sein Dienstherr mit der Peitsche traktiert hat(Lachen rechts.) Ja, Sie haben gut lachen, Sie stehen nicht unter der Gesindeordnung I(Zuruf bei den Sozial- demokraten: Leiderl Zuruf rechts: Sie ja auch nicht I) Nein, aber ich habe das nötige Gerechtigkeitsgefühl.(Zuruf des Abg. Rogalla von Bieberstein: Ich auch!) Nun, wenn Sie das haben, dann iverden Sie auch in den Kampf gegen die Gesindeordnung eintreten. Da sich auch die polnische Fraktion, obgleich sie vorwiegend auS Landwirten besteht, für Beseitigung der Gesindrordnung ausgesprochen hat, und da auch das Zentrum in dem Abgeordneten GieSbertS nach den Ausführungen, die er leider nur autzerhalb dieses Hauses gemacht hat. einen Lorkämpfer gegen die Gesindeordnung gefunden hat, so wird dieses alte Bollwerk unter Unterstützung deS Gerechtigkeitsgefühls des Herrn Rogalla(Heiterkeit) doch endlich fallen.(Beifall links.) Abg. v. Massoiv(k.): Herr v. Gerlach hat mich neulich in der stärksten Weise persönlich angegriffen. Seine Kritik war unter aller Kritik. Während ich hier ganz ruhig auf meiner Bank sitze,(Heiter- keit.) fängt Herr v. Gerlach eine Rede an, die mit Hungerlöhnen anfängt und mit der Bemerkung schlietzt: Dieser Kreis wird ver- treten von dem cchtkonservativen Herrn v. Massow. Auf Herrn v. Gerlach wirken diese beiden Worte wie das rote Tuch auf gewisse Tiere.(Heiterkeit rechts.) Dieser junge Mann, der als Junge noch mit dem Hemdzipfel hinten'raus'rumlief,(Stürmische Heiterkeit rechts) als ich bereits mehrere Feldzüge hinter mir hatte. scheint eine schlechte Erziehung genossen zu haben, datz er einen alten 63jährigen Mann in dieser Weise angreift.(Lachen linkö.) Herr v. Gerlach hat einen schriftlichen Kontrakt eines Schäfers vor- gelegt; er zieht aber wissentlich nur solche Sachen heraus, die er für feine Hetzereien gebrauchen kann. Im allgemeinen schließen wir gar keine schriftlichen Kontrakte. In diesem Falle ist der Äertrag schriftlich abgeschlossen, weil der betreffende Gutsbesitzer sich an einen Agentcn gewendet hat. Herr v. Gerlach behauptete, Landarbeiter kämen mit ihren Bezügen auf höchstens 600 M. Ich habe hier die Berechnung eines Sozialdemokraten. Der rechnet für sich 1770 M. heraus.(Hört! hört l rechts.) Ich habe hier einen Kontrakt von vor 20 Jahre». Damals erhielt ein Arbeiter bei mir mit Deputat 833 M., und seit- dem sind die Verhältnisse wesentlich andere geworden. Ich will Ihnen hier aus einer Zeitung vorlesen, ivie man über Herrn v. Gerlach denkt. Da wird geschrieben, kein Mensch nehme ihn politisch enfft- hast, er wechsele seine Farbe häufiger als das Chamäleon, er hetze auch die Dienstmädchen gegen die Herrschaften aus. Präsident Graf Ballestrem: Herr Abgeordneter, Sie dürfen nicht sagen— Abg. v. Massow: DaS steht in der Zeitung.(Stürmische Heiterkeit.) Präsident Graf Ballestrem: Auch dann dürfen Sie das nicht von einem Abgeordneten sagen. Abg. v. Massow: Herr Mehring, der Herrn v. Gerlach sehr nahe steht, nennt ihn einen„politischen Leichenfledderer".(Stürmisches Gelächter rechts.) Präsident Graf Ballestrem: Wenn Sie mit diesen Vorlesungen nicht aufhören, mutz ich Sie zur Ordnung rufen. Abg. Schöpflin(Soz.): Die Braunkohlenindustrie im Königreich Sachsen lvcist höhere KrankheitS- und Unfallsziffcrn auf als die Steiukohlenindustrie so- wohl in Sachsen wie in fast allen anderen Revieren, obwohl die Arbeit sich meist über Tage oder bei höchstens 10—12 Meter Tiefe vollzieht. Von Jahr zu Jahr sind KrankheitS- und Unfallsziffern ständig gestiegen. Der Staatssekretär sollte daher seine Aufmerksam» keit mehr als bisher der Braunkohlenindustrie zuwenden, zumal der sächsische Berginspektor über diese empörende Situation mit ein paar gleichgültige» Worten hier weggeht. Kollege Huc, der infolge seiner lang- jährigen Tätigkeit im Bergbau wohl Erfahrung besitzt, hat kürzlich dieses Gebiet bereist und erklärt, datz die Lage der Braunkohlenarbeitcr tatsächlich noch schlechter sei als die der übrigen Bergarbeiter. Dabei ist der Abbau der Braunkohlengrubeu von Jahr zu Jahr lohnender ge- worden, so datz die Industrie die Kosten für einen wirksamen Arbeiterschutz wohl tragen könnte. Sollte in nächster Zeit nichts Ernsthaftes auf diesem Gebiet geschehen, so werde ich später noch ausführlicher darauf zurückkommen. Der Abg. Hageinann hat sich heute darin gefallen, eine Leporelloliste von Angestellten in der Arbeiterbewegung vorzutragen, die Geld unterschlagen hätten. Wir haben keine Ursache zu leugnen, datz unter den 4 Millionen Sozialdemokraten und Gewerkschaftlern in Einzelfällen wohl auch Unredlichkeiten vorkommen. Wer der Abg. Hagemann sollte doch nicht nutzer acht lassen, datz zum grotzen Teile die Leute durch ökonomische Verhältnisse, durch die Schikane der Unternehmer gerade gegen die in der Arbeiterbewegung Tätigen zu ihrer Tat gedrängt worden sind. Jedenfalls könnten wir Ihnen von Spitzbuben aus den staatserhaltenden Parteien hier wesentlich längere Listen vorlesen. Von waschechten Natronalliberalen allein würde ich mich verpflichten, nur auS dem letzten Jahre das Doppelte von Fällen anzuführen. Ich gestehe ganz offen, datz ich naiv genug war, dem Abg. Hagemann mehr Geschmack zuzutrauen. Ich hätte mir aber sagen sollen, datz er ein Nationalliberaler ist; und wie tief ein Nationalliberaler sinken kann, hat uns ja seit zwei Jahren der Abg. Lehmann zur Genüge gezeigt.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Förster(Soz.): Der Abg. Lehmann ist bei seiner Schilderung der Aussperrung der sächsisch-thüringischen Textilarbeiter noch über die Denkschrift des Unternehmerverbandeö hinausgegangen und hat sich damit sicherlich den Dank seiner Auftraggeber verdient.(Sehr gut I bei den Sozial« demokraten.) Soweit er Taffachen anführte, war die Darstellung ganz einseitig und falsch; im allgemeinen hat er sich deshalb mit den Redensarten von„Terrorismus" und„Agitatorenhetze" begnügt. Aber von allen polizeilichen Sistierungen während des StrelkS ist auch nicht eine einzige vom Gericht als gerechtfertigt anerkannt worden.(Hört! Hort! bei den Sozialdemokratcr..) Hingegen mutzte gegen den Terrorismus der Arbeitswilligen in zw« Fällen sowohl vom Gericht wie nach dem Streik von den Unternehmer» selbst eingeschritten werden.(Erneutes Hört! hört!) Uebrr die Einkommeusverhältnisse der Textilarbeiter in Greiz gibt die amtliche Steuerstatistik viel objektiver Auskunft als die Mitteilungen von Unternehmerseite, auf die sich der Abg. Lehmann gestützt hat. Da- nach hatten im Jahre 1004 unter 400 M. Einkommen 2493 Zensit-n (Vielfaches Hört! hört! links.), von 401 bis 600 M. 3280 Zenstten, von 601 bis 900 M. 1786 Zenstten.(Erneutes Hört! hört! links.) Dabei geben die Unternehmer selbst der Steuerbehörde an. was die Arbeiter verdienen, und spielen noch die freiwilligen Exekutoren. Und die Leute mit diesem fabelhaft geringen Einkommen werden noch zu den Kommunallasten herangezogen. Die Einkommen Eis zu 400 M. tragen 1,75 bis 4,38, die Ein kommen bis 600 M. 4,38 bis 7 M. Kommnnalsteuer.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Textilarbeiter werden ja allerdings nicht nur in Greiz, sondern überhaupt außerordentlich schlecht bezahlt(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten), und es ist außerordentlich charakteristisch, daß gerade die höchst entwickelte Industrie Deutschlands die längste Arbeitszeit und die allerschlechteste Entlohnung hat. Die„unbilligen" Forderungen der Arbeiter gingen auf eine zehnstündige Arbeitszeit und eine zehnprozentige Lohnerhöhung. Die„Humanität" der Unternehmer bestand darin, selbst diese Forderungen abzulehnen. Das„Entgegenkommen" der Unternehmer zeigte sich im Ablehnen aller Verhandlungen. Dabei gestanden sie sich unter einander zu, daß die Textilindustrie sehr wohl höhere Löhne zahlen könne, und daß sie sich für nächstes Früh jähr auf eine Lohnerhöhung vorbereiten müßten, solle der ktanckarä ok life(gewöhnliche Lebenshaltung) der Textilarbeiter gesichert werden.(Hört! hört! bei den Soz.) So hat nach Ausweis ihres eigenen Protokolls ein Unteruehmer selbst erklärt, daß die jetzigen Löhne den Arbeitern einen genügenden Lebensunterhalt nicht sicherten Aber die Herren Fabrikanten erklären, daß sie allein das Recht haben, die Höhe der Löhne zu bestimmen. Da wären die Arbeiter allerdings schlecht daran; denn wenn man die Herren Unternehmer hört, so gewinnt man den Eindruck, als wenn sie die allerärniste» wären. Die Herren Großgrundbesitzer bezeichnen sich ja auch immer als die Notleidenden. Die Herren Fabrikanten verhandelten nun darüber, ob man die Zugeständnisse an die Arbeiter veröffentlichen solle. DaS wurde aber abgelehnt mit der Motivierung, daß man ja später die Preisaufschläge gegenüber den Ab »ehmern mit diesen Zugeständnissen motivieren müsse. Die Zugeständnisse schienen also den Herren selbst für diesen Zweck zu gering. Herr Lehniann führte auS, welch' widerhaarige Racker die Textilarbeiter gewesen sind. Er hat uns erzählt, daß die Tcxtilindustriellen in Unterhandlungen eintreten wollten, aber es ab- lehnten, mit dem Verbände zu verhandeln. Wenn aber Tarif- Verträge abgeschlossen werden, so muß doch eine Macht dahinter stecken; daher werden solche Tarifverträge immer von Organisation zu Organisation abgeschlossen. Aber, verehrter Herr Abgeordneter, warum waren Sie nicht so ehrlich, auch bekannt zu geben, daß die Arbeiter schließlich sich sogar dazu bereit erklärt haben, da ihnen die Ausbesserungen der Existenzbedingungen der Arbeiter höher als Formalitäten ständen, trotz dieses Verlangens mit den Unternehmern in Verhandlung zu treten. Aber die Unternehmer stellten auch darauf- hin einfach das Ultimatum: Das und das bewilligen wir. Wenn ihr wollt, gut; wenn nicht, so finden keine Verhandlungen mehr statt I (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In Greiz haben die Textil- industriellen sich eine christliche Organisation geschaffen, aber ent- gegen ihren Erwartungen machten diese christlichen Arbeiter— zu rhrer Ehre sei es gesagt— wenigstens im Anfange vollständig ge- »»einsame Sache mit den anderen Arbeitern. Als die Fabrikanten sahen, wie die Sache lief, machten sie bekannt: Wir öffnen jetzt unsere Fabriken für diese Zeit. Es kamen aber nur sehr wenige Arbeiter: von 35 000 nur etwas über 3000. Darauf wurden die Fabriken wieder geschloffen und die Arbeit?- willigen von den Fabrikanten unterstützt. Schließlich ging der Kamps zuungunsten der Arbeiter zu Ende. Aber sobald sie sich wieder erholt haben, wird die elende Lage dieser Arbeiter und Arbeiterinnen sie zwingen, den Kampf von neuem zu versuchen. Die Unternehmer haben zmn Frühjahr einige Aufbesserungen versprochen. Ob sie aber ihr Versprechen einhalten werden, scheint i»ir sehr zweifelhaft.— Herr Lehniann sprach vom Terrorismus der Arbeiter. Ja, die Herren Textilindustriellen sehen einen Terrorismus schon darin, wenn die Arbeiter für ihren Verband Propaganda machen! Mit Ihrem Geschrei vom Terrorismus werden Sie im Lande keinen Erfolg haben. Sie können uns nur dadurch bekämpfen, daß Sie die Forderungen der Arbeiter erfüllen.(Bravo! bei den Sozial- demokraten.) Hiernrit schließt die Debatte. Persönlich bemerkt Abg. v. Gcrlach(Frs. Vg.): In der Rede deS Abg. b. Massow befindet sich eine einzige unbestreitbare Tatsache, nämlich daß er älter an Jahren ist als ich. Weil sich in dem Namen eines Ortes, den ich neulich erwähnte, ein Druckfehler befand, hat der Abgeord- nete v. Massow angedeutet, ich hätte mir die Geschichte aus den Fingen» gesogen. Wenn er das jetzt leugnet, so besitzt er nicht die Fähigkeit, seine Worte und seine Gedanken initeinander in Einklang zu bringen.(Beifall links.) Als Herr v. Massow dann mit seinem eigenen Geist zu Ende war, was ziemlich rasch ging— Präsident Graf Ballcstrcm: Das ist keine persönliche Bc- merkung. Abg. v. Gcrlach(fortfahrend) hat er eine Zeitung herausgezogen und hat sich den Inhalt des schmutzigen Pamphlets von einem ehemaligen Ahlwardljünger zueigen gemacht oder hat jedenfalls nicht versucht, den Eindruck, als ob er ihn sich zueigen machte, zu der- wischen. Auch Herrn Dr. Mehring hat er als Kronzeugen gegen »nich angeführt. Ich möchte zum Schluß noch den Wahlspruch der Familie v. Massow anführen.— Präsident Graf Ballcstrcm: Selbst wenn Sie der Familie v. Massow angehören würden, dürften Sie in einer persönlichen Bemerkung diesen Wahlspruch hier nicht zitieren.(Stürmische Heiterkeit.) Abg. v. Gcrlach(fortfahrend): Die ganze Rede des Herrn v. Massow war durchaus würdig des Pamphlets, das er vorlas. (Beifall links.) Abg. Lehmann(natl.): Die Arbeiter haben in der Tat stets ab- gelehnt, ohne Verband mit den Unternehmern zu verhandeln. Sonst habe ich der Rede des Abg. Förster nichts hinzuzufügen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Hierauf wird das Gehalt deS Staatssekretärs uns Titel 7(Fortdauernde Ausgaben für das Reichsamt deS Innern) bewilligt.— Gegen die Stimmen der Rechten wird eine Resolution Albrecht und Genossen(Soz.) angenomme,«, welche lautet: „Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, daß eine eingehende Untersuchung der Arbeitsverhältnisse der Arbeiter in der Groß- cisenindnstrie eingeleitet werde. Die Untersuchung wäre unter anderem auf folgende Punkte zu erstrecken: 1. über die Dauer der täglichen Arbeitszeit oder die Dauer der Arbeitsschichten; 2. über die Ueberstunden und Ueberschichten unter Berück- sichtigung der Zahl der Ueberarbeit leistenden Arbeiter für jedes einzelne Werk sowie der auf jeden Arbeiter entfallenden durch- schniltlichen Zahl der Arbeitsstunden; 3. über die Einwirkung der Arbeitszeit sowie der Nacht- und Ueberarbeit auf die Unfallhäufigkeit und die CrkrankmigZgefahr für die Arbeiter; 4. über die Durchführung und die Wirkung der bis jetzt erlassenen Schutzbestimmungen für die Arbeiter; 5. über die von den Werksleitungen getroffenen Einrichtungen, wie Waschgelegenheit, Badecinrichtungen, Räume zum Einnehmen von Mahlzeiten usw." Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen Initiativanträge. Zunächst Fort- setzung der Beratung des Antrages A l b r e ch t und Genossen de- treffend Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Reichstagswahlrechts in sämtlichen Bundesstaaten. Dann der Antrag Nießler(k.) und Genossen betreffend die Gewährung von Beihiilfen an Kriegsveteranen. Schluß 6 Uhr._ Parlamcntanlcbea. Die freiwilligen Steucrsiichcr bei der Arbeit. Die Finanzreform- Kommission beschäftigte gestern die Frage der Besteuerung der Personeiifohrkarten. Die Porlage schlägt eine Fixstenipelsteuer für Fahrkarten im Eisenbahnverkehr auf inländischen Bahiilinien I. Wagenklaffe 40 Pf.. II. 20 Pf.. HI. 10 Pf. und IV. 5 Pf. vor. Fahrkarten von Klein- und Straßenbahnen, die verschiedene Wagen- klaffen nicht führen, gleich der III. Klaffe, und ebenso für den Dampfschiffsverkehr, ausgenommen diejenigen Dampfschiffe, die mehrere Fahrklassen führe», wofür alsdann eine Stempelgebühr von 20 Pf. zu entrichten sein soll. Befreit von der Stempelgebühr sollen sein Zeitkarten, deren taxmäßiger Fahrpreis den Betrag von 2 M. nicht übersteigt, sowie Militär- und Arbeiterfahrkarten. Dazu liegt ein von den Nationalliberalen vorbereiteter Antrag vor, der außer von Dr. Becker und We st ermann auch unter- zeichnet ist von Bokelmann, Kardorff und Müller-Fulda. Dieser lautet: „») Fahrkarten, Fahrscheine und sonstige Ausweise über die erfolgte Zahlung des Personenfahrgeldes im Eisenbahnverkehr auf inländischen Bahnlinien, wenn sie berechtigen zur Fahrt 1. in der I. Wagenklasse 1 Pf. pro Kilometer. 2.„„ H.„ Ve«»* 3.„„ HI. ff /< ,»„ /. Fahrkarten von Straßen- und ähnlichen Bahnen, welche getrennte Wagenklassen nicht führen, werden wie Fahrkarten IH. Klasse behandelt. b) Fahrkarten usw. im Dampfschiffsverkehr auf inländischen Wasserstraßen V« Pf. Wenn das Dampfschiff verschiedene Klassen führt, gilt der Satz von V« Pf- für die niedrigste Fahrklasse. Für die höheren Fahrklassen beträgt in diesem Falle die Stempelabgabe gleichmäßig'/s Pf. pro Kilometer. Bei Fahrkarten von und»ach ansländischen Orten ist die Abgabe nur für die im Jnlande zurück- gelegte Strecke zu entrichten. Stempelbeträge bis zu 5 Pf. bleiben unberücksichtigt, höhere Beträge werden bis auf 10 Pf. abgerundet. Befreit sind 1. Fahrkarten der Hl. Wagenklaffe, soweit iur Eisen- bahnverkchr eine IV. Wagenklasse nicht geführt wird und der Fahr- preis der IH. Wagenklaffe den Satz von 2 Pf. für das Kiloineter nicht übersteigt; 2. die zu ermäßigten Preisen ausgegebenen Militär- und Arbeiterfahrkarten." Der Referent West ermann tadelt an dem RegierungS- entwurf, daß er den sogenannten kleinen Verkehr genau so belasten will wie den großen. Demgegenüber seien er und seine Freunde zu der Ansicht gelangt, daß es gerechter sei, den großen Verkehr schwerer zu treffen. Dadurch würde auch ein bedeutend höherer finanzieller Erfolg erzielt, denn nach der Berechnung der Antragsteller brächte die Steuer nach ihrem Vorschlage mindestens 45 Millionen, während sich die Regierungsvorschläge auf eine Einnahme von 13>/4 Millionen beschränken. Durch diese Art der Besteuerung würde auch der Auslands- oder Fremdenverkehr mitgetroffen, und trage er aus diesen Gründen kein Bedenken', den Antrag zur An- nähme zu empfehlen und die Regierungsvorlage abzulehnen. Dr. Wiemer als Korreferent ist der gleichen Ansicht in bezug auf die Regierungsvorlage, aber entgegengesetzter Ansicht bezüglich des Antrages Becker und Genossen und beantragt beide abzulehnen. ES sei eine merkwürdige Erscheinung zu einer Zeit, wo die weit- gehendsten Versicherungen in bezug auf die Tarifreform im Eisew bahnverkehr gegebe» seien, mit einer Steuervorlage zu kommen� die den Verkehr versteuere und erschwere. Die Folge könne nur eine Belastung des Handels und Verkehrs sein. Die Ertrags berechiiung der Antragsteller entbehre jeder realen Grundlage und sei ins Blaue hinein gemacht. Der Regierungsrat Dr. v. d. Lehden aus dem preußi- schen Eisenbahnministcrium erklärte, daß die Eisenbahn- Verwaltung die schwerwiegendsten Bedenken gegen den Antrag habe. Es sei ihr ohnehin schon nicht leicht gefallen, der Regierungsvorlage zuzustimmen, weil sie einen Rückgang der Einnahmen befürchte, aber dieser Antrag geht noch weit darüber hinaus. An der Hand sorg- fältiger Berechnungen sucht er den Antragstellern klar zu machen, daß durch die der Verwaltung dadurch aufgebundenen Schwierig- leiten, die eine erhebliche Vermehrung des Beamtenheeres erfordern würden, durch die Verschiebung der Einnahmen für Fahrkarten H. statt L und HI. statt II. Klasse bei einem so erheblichen Zuschlage die Mehraufwendungen und Mindereinnahmen auf mindestens 26 Millionen zu berechnen seien. Nach den Berechnungen der Verwaltung würde der finanzielle Effekt mit der Belastung und Erschwerung des Verkehrs in gar keinem Ver- hältnis stehen. Auf Antrag des Genossen Singer wird die Erklärung deS Regierungskommissars im Protokoll festgelegt. M ü l l e r- Fulda als Mitunterzeichner des Antrages hält die Erklärungen und Berechnungen der Regierungskommissare nicht für zutreffend, zumal sie mit de» Fahrpreisen gerechnet haben, die die Tarifreform erst bringen soll, während die Antragsteller mit den gegenwärtig gültigen Fahrpreisen gerechnet haben. Wenn durch Annahme deS Antrages die Tarifreforin beschleunigt würde, so könne das nicht schaden. Der Antrag treffe mit dem Kilo- meterzuschlag das richtige Prinzip, eS sei eine Art ausgleichender Gerechtigkeit, die auch den großen Fremdenverkehr mit treffe, die große breite Masse des Volkes aber schone. Die preußische Eisen- vahnverwaltung huldige überhaupt eigenartigen Prinzipien. So sei ihm z. B. unbegreiflich, weshalb sie Sonntags- fahrkarten billiger abgebe wie Wochen fahr- karten. Die Sonntagsfahrten seien doch meist >» ur Vergnügungsfahrten, also ein Luxus. Hinzu komme das Moment, daß die Arbeiter für SonntagSarbeit höhere Bezahlung verlangten. Zun, Schlüsse beklagt er sich bitter, daß die Beniühungen der frei- willigen Stcuersucher nicht einmal von der Regierung gewürdigt würden. Die BundeSratSvertrcter vonBayern, Sachsen, Württem- b e r g und Mecklenburg geben nach der Reihe die Erklärung ab, daß der Antrag für ihre Regierungen unannehmbar sei. Der sächsische Vertreter Dr. R ü g e r fügt hinzu, daß man in Sachsen seit der geringen Verteuerung der Fahrkarten für die Wagenklasse von I bis HI schlimme Erfahrungen gemacht habe. Der Uebergang von der HI. zur IV. Wagenklasse sei ein ganz enormer gewesen und ebenso der von der H. zur HI. Klasse. Genosse Singer kennzeichnet die Antragsteller als reaktionärer wie die Regierung, in deren Vorlage ein weniger verkehrsfeindlicher und hindernder Standpunkt zum Ausdruck komme als in dem An- trage. Im Namen seiner Freunde erklärt er sich sodann gegen beide Vorschläge. Er glossierte die aus den geplanten Verkehrssteuern erwachsenden Schranken als im Widerspruch stehend mit den Worten: wir stehe» im Zeichen des Verkehrs. Die ganzen Steuervorlagen sind ein Ausfluß der Flotten« und Weltpolitik und wir lehnen die Ver- antwortiing dasür ab. Gegen M ü l l e r- Fulda polcmisierend.be- dauert er. daß das Eisenbahiiministerium nicht die Konsequenzen aus seiner Auffassung gezogen und jede Beschränkung des Verkehrs ab- gelehnt habe. Entschieden richtiger aber seien die Ansichten der Regierungsvertreter gegenüber Müllers rückständiger Auffassung. Ganz besonders würde durch Annahme des Antrages der Kleinhahn- verkehr beeinträchtigt werden, den zu fördern und zu hebe» eine Notwendigkeit ist. Dieser wird durch größtinöglichste Billigkeit ge- hoben und ausgedehnt. Wenn man, wie die Antragsteller, namentlich aber Müller besonders gern die Fremden treffen wolle, so sei das ein Zeichen von besonderer Rückständigkeit. Dann könne man ja ehrlicherweise soweit zurückgehen, daß man wieder eine Fremden- stcner einführe nnd das zu einer Zeit, wo man sich in den verschiedensten BevölkerungSkreisen um eine internationale Verbrüderung, namentlich zwischen Deutschland und England, so emsig bemühe. Welche gewaltigen Summen führt nicht der Fremdenverkehr dem Jnlande zu, vermehre den National- reichtum. Und nun gar die Ansicht Müllers, als Mitglied des Zentrums den erholungsbedürftigen Arbeitern und kleinen Leuten die Sonntagsausfahrt zu verteuern, das Bedürfnis nach frischer reiner Luft als Luxusfahrt mit einer besonderen Steuer zu be- legen. DaS kennzeichne die Arbeiter-, die Mittelstandsfreundlichkeit der Herren vom Zentrum. Der Redner weist dann Herrn Müller !»och einige Unrichtigkeiten in seinen Behauptungen über Eingaben 1 vom Borstaude des Handelstages und der Kölner Handelskammer nach. die Schlußerklärung abgebend, daß wir gegen Vorlage unt Antrag stinimen, aber bereit seien, uns bei der Erbschaftssteuer« Vorlage entgegenkommender zu zeigen. Da K ä r'd o r f f sich verwundert darüber zeigt. daß auch der Vertreter für Mecklenburg, seinem Geburtslande, sich gegen den Antrag erklärt, trotzdem die Fahrpreise in Mecklenburg höher seien wie»n Preußen, antwortet ihm dieser kurz:„Ja, gerade des- halb sind wir gegen weitere Versteuerung durch Ihren Antrag." Nachdem auch der Pole. Graf Brudzew o-Mielzynski sich gegen Vorlage und Antrag erklärt, weil in letzter Linie immer der kleine Brauereigewerbetreibende am schwersten dadurch belastet werde, sucht sich Müller-Fulda gegen die Abfertigung durch Singer zu verteidigen, wählt dazu aber ein untaugliches Mittel, Er eremplifiziert auf Frankreich, wo eine Fahrkartensteuer besteht und" sucht die Sache so darzustellen, als ob diese Steuer von unseren dortigen sozialistischen Genossen beschlossen und ein» geführt sei. welch' falfcher Hieb von Singer sofort pariert wird mit der Bemerkung, daß diese Steuer in Frankreich eingeführt worden ist. als es noch keine Sozialisten in der Kammer gab und wenn dies wirklich der Fall wäre, so sei das immer noch nicht maßgebend für Deutschland und für uns. Der Reichsschatzsekretär hält seine Lage dadurch für erschwert, daß er nun zwischen zwei Feuern sitzt. Denn die Kom- Mission, die bisher alle Vorschläge der Regierung abgelehnt und die Forderungen auf ein Minimum heruntergedrückt habe,_ bringe ihm jetzt eine größere Steuer dar, als die Regierung sie wünscht, dem- gegenüber aber erklären die Vertreter mehrerer Regierungen, daß sie diese Steuer nicht akzeptieren können. Er bittet zum Schluß die Regierungsvorlage in dieser ersten Lesung anzunehmen und bis zur zweiten eine Verständigung anzubahnen., Nachdem sich dann noch Dr. W o l f f von der Wirtschaftlichen Vereinigung gegen, D i e d r i ch für den Antrag ausgesprochen, wird derselbe mit 14(Konservative. Zentrum. Nationalliberale) angenommen. gegen 11 Stimmen(Sozialdemokraten. Freisinnige, Polen und Wirt- schaftliche Vereinigung).,„-. Damit ist auch diese Regierungsvorlage gefallen, aber eme noch höhere Besteuerung gutgeheißen.„ �. Am Mittwoch kommt die Automobil- und OurttungS- steuer zur Beratung. HnlfSkasscngesetz-Novelle. Die Kommission zur Vorberatung der Hülfskassengesev-Novelle hielt gestern vormittag eine mehrstündige Sitzung ab. DaS Resultat derselben war ein an die Regierung ge- richteteS Ersuchen, der Kommission Material zur Verfügung zu stellen, das ersichtlich mache, weshalb man Schwindelkassen nicht habe ent- gegentreten können, ob man diesen ohne Aushebung, vielleicht durch einige Aenderungen deS Hülfskasfengesetzes entgegentreten könne. ob es möglich sei, objektive Merkmale für das Vor- handensein einer Schwindelkasse festzulegen und welche Maß- regeln zum Schutz der fteien Hülfskassen möglich und zweckmäßig seien. Die nächste Sitzung findet am 23. Feburar statt. Außerordentlicher Parteitag der schweizerischen Sozialdemokratie. Alten, 11. Februar.(Eig. Bei.)1 In überfülltem Saale begann heute morgen die Beratung der Militärfragc. Der Referent, Genosse Greulich, behandelte Punkt für Punkt die vom Parteikomitce hierzu gestellten Anträge. Ohne eigenlliche Debatte fand These 1 Annahme. Sie lautet: „Die sozialdemokratische Partei der Schweiz erstrebt im Bunde mit den sozialdemokratischen Parteien der anderen Länder die Abschaffung aller KriegSmöglichkeiten und Kriegsmittel unter den zivilisierten Völkern. Sie verlangt die Erledigung inter- nationaler Konflikte durch Schiedsgerichte." Eingehender verbreitete sich Greulich über These 2: „So lange dieser Zustand nicht unter den Völkern Mittel. europas hergestellt ist, anerkennt sie ein Volksheer mit der ausschließlichen Bestimmung der Verteidigung des Landes gegen An. griffe von außen."„. Greulich stellte die demokratische» Einrichtungen der Schweiz sowie ihr« wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse den Verhält- nissen anderer Länder gegenüber, um zu dem'Schlüsse zu kommen. daß der Schweizer doch immerhin etwas zu verteidigen habe! Schützcnfestenthusiasten. Hurrapatrioten und Chauvinisten' wollen wir allerdings nicht sein. Aufs schärft'te verurteilte er die Umtriebe der Antimilitaristen". die Gewerkschaften irrezuführen und sie zum Anschluß an ihre Liga zu verleiten. Sagen wir es nur offen heraus: Die verrückten und unreifen Bestrebungen der Antimilitaristen find ein Ausfluß utopistisch-anarchistischer Anschauungen... Nicht verschwommen und schwankend wie die Anttmili- taristen'sondern klar und entschieden wollen wir in unseren An- schauungcn und Bestrebungen sein» Und da dürfen wir vor allem nicht die nationale Gemeinschaft mit unsercin Volke ablehnen, und da wollen wir uns erinnern an den Wahlspruch der alten Inter- nationale: Gleiche Pflichten und gleiche Rechte, und ihn auch heute anerkennen und jederzeit befolgend Wir weisen mit aller Ent- schiedenheit die anarchisttsch-antimilitaristischen Bestrebungen zurück und fordern ein demokratisch organisiertes Bolksheer, dos unser Land verteidigt. In französischer Sprache referierte in ähnlichem Sinne Ge- nosse Dr. R a p i n- Lausanne. Als Vertreter der Antimilitaristen wandte sich zuerst gegen Greulich und gegen die These 2 der Züricher Anarchosozialist Dr. med. Brubpacher: Die Demokratie sei ja eine schöne Sache. aber sich für sie totschießen zu lassen, so viel sei sie nicht wert. Brubpachers hocktrabend« Erklärung, in Zürich die Arbeiters.chaft hinter sich zu haben, löste den lauten Widerspruch der Delc- gierten aus. In der weiteren lebhaften Diskussion betonte Genosse Lang die grundsätzliche taktische Verschiedenheit zwischen Sozialisten und Aiiarchisten. Gegen die Nntlmilitaristen> sich wendend, nannte er ihre Bestrebungen die ärgste Ideologie, für deren Förderung sie die Herrschaft der Phrase aufgerichtet haben. Demgegenüber stellte er die Tatsache fest, daß das Tchweizervolk mit Einschluß der Sozialisten für seine nationale Unabhängigkeit einstehe und daß ein auswärtiger Angriff auf sie alle Schweizer einig finden würde. Ein Voll, das für seine nationale Selbständigkeit nicht mehr einsteht, ist von Grund aus faul und auch nicht mehr aufnahmefähig für den Gedanken des Sozialismus. In der Abstimmung wurde These 2 mit 204 gegen 35 Stimmen angenommen. Greulich referierte nun über These 3, welche lautet: „Die Partei protestiert gegen die Verwendung von Wehr- männern zugunsten des Unternehmertums bei Streiks. Da dieser Mißbrauch in den letzten Jahren tatsächlich vorgekommen ist, ver- langt sie Garantien gegen dessen Wiederholung. Die Partei fordert ihre Mitglieder auf, bei Militäraufgeboten in Streik. fällen sich ihrer Solidarität mit den streikenden Arbeitern bewußt zu sein und deren verfassungsmäßiges Streik- und Vcrsamm- lungsrccht nicht verletzen zu lassen. Sie hält dafür, daß die beste Garantie gegen die Verwendung der Truppen in Streikfällen in der Verstärkung ihrer politischen Macht in Staat und.Gemeinde liege." Greulich führte aus, daß die hierzu gestellten Anträge der Ge- »offen verschiedener Orte, betreffend die Aufforderung zur Gehör- samsverweigerung, für die Partei unannehmbar seien; denn ihre Befolgung hänge rein von der individuellen Auffassung und Betäti- guna ab. Verweigere der einzelne den Gehorsam, so werde freilich die Arbeiterschaft für ihn eintreten, wie seinerzeit die Unterstützung der verurteilten 17 Genfer Dienstverweigerer mit 10 000 Frank ge- zeigt habe. In der Diskussion vertrat zunächst Wirz-Zürich den Antrag auf Gehorsamsverweigerung, ebenso Pfister-Zürick, Dr. Tobler- Zürich, Zinner-Winterthur, Thias-Bern, Oberholzer-St. Gallen und andere. Kein einziger Redner befürwortete die These 31 Sehr wkrkungSbo? redete Genosse Lang, de� die Militäraufgedote gegen streikende Arbeiter als verfassungswidrig erllärte und insbesondere gegen die Worte vom„inneren Feind" im ersten Artikel der mili- tärischen Dienstordnung protestierte. Die meisten Redner empfahlen den Berner Antrag, der lautet: „Die Schweizer sozialdemokratische Partei protestiert gegen den Mißbrauch von Wchrmännern bei Streiks. Da dieser Miß- brauch in den letzten Jahren tatsächlich vorgekommen ist, verlangt sie Garantien gegen dessen Wiederholung. So lange sie ihr nicht gegeben sind, rät sie den Soldaten, wenn diesen befohlen wird, streikende Arbeiter anzugreifen oder gegen sie die Waffen zu ge- brauchen, den Gehorsam zu verweigern. Die sozialdemokratische Partei wird in solchen Fällen nach Möglichkeit die finanziellen Folgen, die den einzelnen und seine Familie treffen, zu erleichtern suchen und sich zu diesem Zweck mit der gewerkschaftlichen Organi. sation in Verbindung setzen. Die beste Gewähr, daß keine Ge- Walt gegen die im Streik stehenden Genossen gebraucht wird, liegt in der Verstärkung der politischen Macht der Arbeiterschaft in Gemeinde und Staat." In der Abstimmung wurde die These 3 abgelehnt und der vor. stehende Antrag mit großer Mdhrheit angenommen. Mit 86 gegen 47 Stimmen wurde ferner beschlossen, eine Widerstandskasse znr Unterstützung von Soldaten, welche wegen Gehorsamsverweigerung verurteilt werden, zu gründen. Das Parteikomitce und das Bundes. komitee des Gewerkschaftsbundes sollen dabei Hand in Hand gehen. Debattelos Annahnic fand These 4: „Die Partei verlangt eine auf der allgemeinen Wehrpflicht aufgebaute Organisation des Wehrwesens. die mit den demokra- ilschen Einrichlungen im Einklang steht und der verfassungs- maßigen Rechtsgleichheit nicht widerspricht. Sie verlangt eine Verminderung der Militärausgaben und bekämpft alle Auf- Wendungen, die nicht unbedingt durch die Zwecke der Landes- Verteidigung geboten sind." dazu gestellter Antrag: die sozialdemokratischen Vertreter tn der Bundesversammlung zu verpflichten, gegen das Militärbudget zu stinrmen, wurde abgelehnt. Um eVs Uhr abends schloß der Präsident. Genosse Reimann, Mtt eurer kurzen Ansprache den Parteitag. Huö der Partei. Das Ende der Cramer-Affäre. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag hat Genosse Gramer in Darmstadt seine Mandate als Reichstags- abgeordneter und als Stadtverordneter niedergelegt. Diesem Entschluß ging eine stark besuchte, ernste und lange dauernde Parteiversammlung voraus, die mit allen gegen 5 Stimmen folgende Resolution annabm: „Die Parteiversammlung vom 10. Februar spricht dem Genossen Cramer für seinen Gang zum Großherzog und für seine heute abgegebene Erklärung:„Er widerrufe unter keinen Um- ständen! ihre entschiedene Mißbilligung aus. Die Versammlung erwartet von dem Genossen Cramer, daß er, entgegen seiner Er- klärung, zugibt, einen Fehler gemacht zu haben und daß er sich verpflichtet, diesen Fehler durch eine intensive Arbeit für die gesamte Arbeiterbewegung so weit wie möglich wieder gut zu machen." � Merkwürdig war die Verteidigungsmethode C r a m e r s. Hinblick auf den Besuch der Versammlung meinte er: „Man könnte heute an die Worte Cromwells denken, die er bei seinem Einzüge in London aussprach, als er auf die Zuschauer- maffen aufmerksam gemacht wurde: Wenn ich gehenkt werde. werden ebcnsoviclc da sein!" Dann führte er etwa folgendes aus: „Es ist ein herrliches, paradiesisches Stückchen Erde am hohlen Weg, wo auch ich ein kleines Besitztum habe. Die Stadt dehnte sich bisher in anderen Gegenden aus und wird sich auch zukünftig, wie der Antrag des Stadtv. Heinrich Müller in der Stadt- verordnetenversammlung beweist, dorthin sich ausdehnen. Allein konnte ich mit meinem Projekt für den hohlen Weg nicht fertig werden und ich habe mich deshalb mit den anderen Besitzern in Verbindung gesetzt. Man mag das nun eine Spekulanten- Vereinigung oder Bodenwucher nennen, Ausdrücke, die sich in letzter Zeit haufenweise in der Parteipresse gefunden, fest steht aber, daß wir keine geschlossenen Häuserreihen dahinstellen wollen, wobei wir auf alle Fälle besser gefahren wären, sondern Häuser zum Allein- bewohnen, jedes mit einem Stückchen Garten versehen.... Mit einem Erlös von 10— 12 Mark für den Quadratmeter bei voll- ständig freier Abtretung des Geländes für Straßen und Plätze an die Stadt wollen wir uns begnügen, ob die Preise späterhin nicht steigen, läßt sich allerdings nicht sagen. Man kann mir doch nicht zumuten, auf einen Erlös aus meinem Garten zu ver» zichten, dazu bin ich nicht in der Lage, im Gegenteil, ich bin ge. zwungen, einem Erwerb nachzugehen. Dabei habe ich seither keine Spekulation getrieben und habe beim Bauen keine Reich- tümer erworben, höcbstens einen angenehmen Unterhalt. Wir sind nun an den Großhcrzog gegangen, der nicht nur als B e- s i tz e r in jener Gegend, sondern auch als Kunstfreund in Frage kam. Doch wir wollen ein näheres Eingehen auf diesen Punkt heute besser unterlassen. Ich lvill nicht den Anschein erwecken, daß ich mich vor einem Schritt zu fürchten hätte, den ich getan. Ich habe es getan und widerrufe es nicht..,. Nach dem„Abendblatt" hätte ich mich nun nicht an den Grotzherzog, sondern an große öffentliche Versammlungen wenden sollen. Was hätten Sie aber gesagt, wenn ich zu Ihnen mit dem Gartenstadt-Projekt gekommen wäre. Sic hätten mich zur Türe hinausgeworfen. Und daß die Stadt dort billige Wohnungen bauen sollte, daran ist gar nicht zp denken. Es handelt sich um eine rein private Sache, für die die Allgemeinheit mobil zu machen kein Grund vorlag." Cramer schloß: „... Ich habe getan, was ich mit meiner Uebcrzeugung ver- einbaren kann und ich bitte nicht um Gnade. Aber warum hat die Presse vorher den Stab über mich gebrochen, che die beteiligten Organisationen gesprochsn. Dadurch ist die Situation nunmehr so, daß Sie das Urteil der Presse annehmen müssen. Fällen Sie das Urteil, wie die Presse es gesprochen, dann wird Ruhe ein- treten. Ist �hr Urtesl ein anderes, wird es eine» Parteistandal geben. Es gibt nur drei Wege, die Sie gehen können. 1. Sie machen das Urteil, wie es die Parteiprcsse gesprochen, zu dem Ihrigen; 2. oder Sie sprechen mir ein Mißtrauensvotum auS; 3. oder Sie sckiließcn mich aus der Gemeinschaft, der ich 36 Jahre angehört, aus. Ich bitte durch ein freisprechendes Urteil nicht zur weiteren Fortsetzung des Skandals beizutragen. Lassen wir es jetzt zur Neuwahl kommen. Der Stab über mich ist bereits gebrochen." Auf eine Anfrage des Genossen Wolf, ob das Garten- stadtprojekt vor der Audienz der Stadtverwaltung vorgelegt worden sei, erklärt Genosse Cramer, daß dies ungefähr drei Tage später geschehen. Hierauf verließ C r a m c r das Versammlungslokal, um die Genossen in ihrem Urteil nicht zu bceinflusien. Sämtliche Diskussionsredner mißbilligten dann sein Verhalten und die Abstininiung über die vorgelegte Resolution brachte das oben mitgeteilte Resultat. Mangelnder Mut an Verantwortlichkeit war es. den Herr Oberstaatsanwalt Böhme im Heinig. Prozeß den politischen Redakteuren der„Leipziger Volkszeitung" vorioarf. Die Geiiossen Franz Mehring. Paul Lensch und K o n r a d Hönisch veröffentlichen nun als Antloort darauf eine würdige Erklärung, die sie persönlich unterzeichnen und die nur am Schluß — offenbar absichtlich— in der Form gegen den§ 185 des Strafgesetzbuchs leise verstößt. Herrn Oberstaatsanwalt Böhme find nun zwei Möglichkeiten gegeben: Er kann seinen Mut der Verantwortlichkeit zeigen, in- dem er entweder die erhobene Anschuldigung b e w e i st oder aber sie zurückzieht. Er kann auch sein Selbstporträt vollenden, indem er gegen die in die breiteste Oeffentlichkeit Getretenen aus sicherem Hinterhalte die Paragraphenschlinge wirft. „Der arme Teufel" bringt in seiner neuesten Nummer das Porträt von Curt E i s n e r.. Genosse Erdmann in Köln tritt Ende Juni aus der Redaktion der„Rheinischen Zeitung" aus, bleibt aber als Mitarbeiter weiter für das Blatt tälig._ Ein wirklicher Demokrat. In Chikago verschied am 25. Januar der in weiten Kreisen des Westens der Vereinigten Staaten bekannte Reftaurateur Philipp H enrici, nicht ganz 66 Jahre alt. Henrici war ein ungewöhnlich austichtiger und hochherziger bürgerlicher Demokrat. Mit der sozialistischen Arbeiterbewegung hat er stets sympathisiert und sie wiederholt durch nanihafte Summen unterstützt. Namentlich aber werden die Arbeiter ChilagoS nicht vergessen, daß Philipp Henrici im Jahre des Bombenwurfes, 1886, öffentlich für die ein- gekerkerten Arbeiterführer Partei ergriff und diesen Vielverleugneten, ungeachtet geschäftlicher Schädigung, monatelang das Effen unent- geltlich aus seinem Restaurant ins Gefängnis schickte. poUreittck,«». vericdrlicde» ulW. Eine große StaatSaktion scheint die Koblenzer Staatsanwalt- schaft in bezug auf das zur Einleitung der Agitativu zur Aenderung des preußischen Landtagswahlrechts verbreiteten Flugblattes vorzu- bereiten. Im Laufe vergangener Woche wurden in dieser Angelegen- heit in Koblenz. Kreuznach. Kirn, Oberstein und Ahrweiler insgesamt 33 Genossen vor den Untersuchungsiichter zitiert und vernommen, Es wird Vergehen gegen die§§ 136 und 131 des Strafgesetzbuches als vorliegend erachtet. Vernommen wurden lediglich Personen, von denen man zum Teil weiß, zum Teil annimiiit, daß sie bei der Verbreitung des Flugblattes beteiligt waren. Als Genvffe H o f r i ch t e r, der das Flugblatt als Verleger zeichnete, sich be- schiverdeiührend an die Koblenzer Staatsanwaltschaft wandte, weil ihm weder von der erfolgten Beschlagnahme des Flugblattes, noch von der gerichtlichen Bestätigung desselben Mitteilung gemacht wurde, erhielt er unter Beifügung des landgerichtlichcn Beschlusses in der Angelegenheit den Bescheid, die entsprechenden Mitteilungen seien lediglich den direkt Beteiligten zugestellt worden, für eine Zuslefhuig an ihn habe um so weniger Anlaß vorgelegen, als gegen ihn keinerlei Verfahren emgeleitet sei. Ausgewiesen! Er soll„lästig" geivorden sein. Abermals wird nnS die Ausweisung eines Arbeiters aus dem Rnbrgebiete gemeldet, die in krasser Weise zeigt, mit wie kleinlichen Mitteln ein großes Slaatsweien gegen die Arbeiterbewegung kämpft. Der 36 Jahre alte holländische Staatsangehörige Chr. van Jserlos lebte seit zirka sechs Jahren in Duisburg-Meiderich. Der Mann ging seiner Arbeit nach, zahlte seine Steuern und tat niemand etwas zu leide. Umsomehr war er nun überrascht, als ihm vor einigen Tagen von der Polizei- Verwaltung in D.- Meiderich eine Ausweisungsverfügung zuging. wonach er als„ l ä st i g e r Ausländer" bis spöleslens zum 12. d. M. das preußische Staatsgebiet zu verlassen hat. Da man ihm auf seine Vorstellungen polizeilicherieits jede Auskunft über den Grund der Ausweisung verweigerte, wandte sich der angeblich„lästige Ausländer" an den holländischen Konsul in Ruhrort. einen gewissen Herrn M i l ch s a ck. Anstatt indes den sein Recht nachsuchenden Arbeiter Auskunft über den Grund der Ausweisung zu geben, meinte der Herr Konsul, es müsse dem Ausgewiesenen genügen, zu wissen, daß die Berftigung von der zur Ausweisung berechtigten Regierung er- lassen sei. Der Grund des Lästigfallens brauche nicht näher er- örtert zu werden! UebrigenS werde er sder ausgewiesene Arbeiter) den Grund seiner Ausweimng schon kennen. Da nun der Ausgewiesene sich nicht im geringsten Maße eine? Verstoßes gegen irgend welche gesetzliche Bestiminungen bewußt ist, noch nie eine Stunde Strafe erlitten bat, und seinen büigerlichen Pflichten in jeder Weise gerecht geworden ist, so kann nur ein Grund für die Ausweisung in Frage kommen, nämlich der. daß v. I. als ausgeklärter Arbeiter sich der gewerkschaftlichen und politischen Organisation angeschl ossen hatte. Das allerdings ist in den Auge» mancher sogenaniiter Staaisslützen ein größeres Verbrechen, als wenn jemand den Unterschied zwischen Mein und Dein verwechselt. Aber es ist nun mal halt so! Brave, anständige und ehrliche Arbeiter weist man ans. insosern sie ihrer Pflicht als klassenbewußte Arbeiter nach- kommen, russische Spitzel und ugents Provokateurs oder großfürstliche Rüpel bittet num gehorsamst, nach Belieben im Lande der Dichter und Denker zu schalten und walten. Hud Industrie und Handel Mehr Leistung. Trotz des enormen Ausfalles, den der große Bergarbeiterstreik in der Kohlenförderung hervorrief, ist die vorjährige Kohlen- Produktion doch noch etwas größer als die des Jahres 1664. Nach der jetzt im„Reichs-Anzeiger" veröffentlichten Uebersicht über die Ergebnisse des Steinkohlenbergbaues in Preußen waren im Jahre 1965 276 Werke im Betriebe gegen 269 im Jahre 1964. Bon ihnen wurden insgesamt 112 999 716 Tonnen gefördert, das ist 244 694 Tonnen oder 6,22 Proz. mehr als im Borjahre. Der Absatz an Steinkohlen belief sich auf 167 654 229 Tonnen, wodurch der vorjährige Absatz um 1 643 328 Tonnen oder um 6,98 Proz. über- troffen wurde. Die Belegschastszahl war mit 456 134 Köpfen um 3676 höher als im Jahre 1964. Braunkohlenbergbau wurde in 356 <1964: 354) Werken betrieben, von denen insgesamt 44 237 266 <41 156 897) Tonnen gefördert und 34 346 854<31 932 465) Tonnen abgesetzt wurden. Förderung und Absatz waren also beide um 7,5 Proz. höher als im Vorjahre. Die Belegschaflsziffer betrug 44 564 Köpfe, d. i. 1264 mehr als im Jahre 1964. Im Jahresdurchschnitt wurde beim Steinkohlenbergbau fast dieselbe Leistung pro Kops erzielt als im Jahre vorher, das heißt, die ans den einzelnen entfalleiiden Streikschichren sind in der Förde- rung fast vollständig wieder eingeholt; beim Braunkohlenbergbau ging die ketztjährige Jahresleistung weit über die Durchschnitts« fördennenge des Jahres 1964 hinaus. Hierzu folgende Zusammen- stellung: ES betrug die Jahresleistung pro Kopf der Beschäftigten 1964 1965 in Tonnen Steinkohlenbergbau.. 252,2 251 Braunkohlenbergbau.. 952 994 Schon diese Ziffern illustrieren den Wert des Geschreies über Lohnsteigerungen. WaS eS mit diesen auf sich hat, tritt aber noch deutlicher in Erscheinung, wenn man die Ergebnisse der einzelnen Quauale im Sireikgebiet mit einander vergleicht. Das Resultat ist diese»: Die Leistung pro Kopf der Beschäftigten im Oberberg- amtsbezirk Dortmund betrug nämlich in den letzten drei Quartalen 1964... 187,5 Tonnen 1965... 194,7.. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß im letzten Quartale die Förde- rung durch den Wagenmangel, der vielfaches Einlegen von Feier- schichten veranlaßte, stark beeiuträchügt wurde. Zieht man weiter in Betracht, daß auch die Kokserzeugung und die Gewinnung von Nebenprodukten erheblich gestiegen ist, dann ergibt sich für die Berg- arbeiterschaft im verflossenen Jahre eine erhebliche Steigerung der Leistung._ Im Verein der rheiuisch-wcstfälischen Bcrgherrcn kriselt rS. Berg- Meister Engel, geschäftsführendcs Vorstandsmitglied des Bergbau- Vereins, wurde auf Mehrheitsbeschluß des Vorstandes vorläufig vom Amte suspendiert. Hierzu erfährt die„Rheinisch- Wests. Ztg.", daß im Vorstände Meinmigsverschiedeiiheiten darüber bestanden, ob der mit der Geschäftsführnng betraute Beamte dem Vorstande angehören solle oder nicht; die Mehrheit des Vorstandes habe nun den Bergmeister Engel zum Verzicht auf die Vorstandsmitgliedschaft aufgefordert und beschlossen, ihn im Falle der Ablehnung vom Amte zu suspendiercir. Die Aufforderung sei abgelehnt worden und die Suspendierung erfolgt. Mit diesem Vorgange im Zusammenhang stehe der soeben erfolgte Anstritt des Geheimrats Kirdorf aus dem Vorstande und Ausschuß des Bergbauvereins.— Bergmeister Engel war es. der beim letzten Streik den ausgeprägtesten Scharfmacherstandpunkt vertrat. Wahrscheinlich wird die Unstimmigkeit im Bergbauverein auch nicht ohne Folgen auf das Kohlensyndikat bleiben. Tadak-Handel»nd-Verbrauch. Die wachsende Bedeutung des Tabakgewerbes während der letzten sechs Jahre kommt in der steigenden Rohstoffversorgung deutlich zum Ausdruck. Nicht nur wächst die Verarbeitung deutschen Tabaks, sondern vor allem auch die Einfuhr überseeischer Tabake. Besonders im letzten Jahre hat die Rohstoffversorgung aus dem Auslande einen krästtgen Auf- schwung genommen. Sie hat sich im Jahre 1965 gegenüber dem Jahre 1899 um nicht weniger als 224 666 Doppelzentner oder 46 Prozent erhöht. Die Einfuhr von unbearbeiteten Tabakblättern stieg von 631 491 Doppelzentnern im Jahre 1964 ans 791 363 Doppelzentner im Jahre 1965. Von dieser um- fangreiche» Eindeckung mit Rohstoffen, die noch nicht durch höhere Zölle belastet war, dürsten jedoch nur geringe Mengen in das Jahr 1966 mit hinübergenommen sein. Einmal waren Ende 1965 die Vorräte in Bremen, dem Zentrum des Tabakhandels, ganz er- heblich niedriger als zur selben Zeit des Jahres 1964, sodann war aber auch die Intensität der Verarbeitung stärker als 1964. Das ganze Jahr 1965 hindurch war der Beschäftigungsgrad gut. für die Weihnachtssaisou wurde lebhafter als 1964 gearbeitet. Vielfach herrschte sogar Mangel an Arbeitskrästen und zahlrriche Ueberstunden mußten gemacht werden. Sowohl die Ausirahmefähigkeit des inländischen Marktes als auch der Absatz in« Ausland ist kräftig gewachsen. Allein von 1964 aus 1965 hat der Zigarettcnimport um 36 Proz. zugenommen gegen- über einer Importsteigerung bei Zigarren um 6 Proz. Im Jahre 1898 war die Zigaretteneinfuhr noch geringer als die Einfuhr von Zigarren. Von da ab nahm dann die Nachfrage nach Zigaretten rapid zu, jetzt ist der Zigarettcnimport mehr als doppelt so größ wie der von Zigarren. Betrachtet man da« neue agrarisch diktierte Steuerbukett, dann kann man zu der Meinung kommen, der Regierung sei die doch gewiß erfreuliche Entwickelung ein Greuel, und all ihr Sinnen und Trachten konzentriert sich auf den Wunsch, die Weiterentwickelnng auf jeden Fall zu hemmen. Wenn das der Zweck der Steuerpläne ist, dann darf man sagen: Bravo, Stengel, gut gemacht!— Keine DiSkontherMetziing. In der am Dienstag stattgefundenen Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank, zerstörte der Präsident die Hoffnung auf eine weitere Diskontherabsetzung. Die Bank sei inimer noch stark angespannt, zudem sei_ zu befürchten, daß die Höhe der fremden Wechselkurse bei einer Diskontherabsetzung unserem Goldbestände gefährlich werden könnte. Wertziiwachsstener. Zu den„ehrlich" erworbenen Vermögen gehören nach der kapitalistischen Ordnung auch diejenigen, welche den Besitzern von Grundstücken infolge des Anwachsens der Bevölkerung und industrieller Entwickelung mühelos in den Schoß fallen. Der Verkanfswert eines Grundstückes wächst oft innerhalb ganz kurzer Zeit um das 16-, 26-, ja 166fache. Obwohl dabei von individuellen Verdiensten gar keine Rede sein kann— Dummheit und Faulheit schützen nicht vor der Wertsteigerung eines Grundstückes— reklamieren die Grund» eigeiuüiner den Wertzuwachs als heiliges, unverletzliches Eigentum. Und der Bund der Berliner Grundbesitzervereine fühlte sich an seiner empfindlichsten Stelle getroffen: durch die Forderung einer Wertzuwachostciier. Er ließ solgenden Protest vom Stapel laufen: „Der Bund legt entschieden Verwahrung gegen die mit der neuen Stenervorlage beabsichtigte Einkührung einer Wertzuivachs- steirer neben der erst seit noch nicht zwei Jahren verdoppelten Umsatz» steuer ein und wird die ungerechtfertigten Bestiminungen der neuen Steuervorlage baldigst in ausführlicher Darlegung beleuchten." Hoffentlich bat der„Deutsche Oekonomist" das Richtige getroffen, indem er schreibt: „Die Herren vom„Bund" werden es sich gefallen lassen müssen, daß ihr„Protest" unter den Tisch fällt, denn die Wertzuwachssteuer ist reii und läßt sich nicht länger abweisen." Wenn man dem armen Teufel alles verteuert, was er durch seine Arbeitskraft erwirbt, dann braucht man wahrlich nicht über die Berechtigung einer Steuer auf Gewinne streilen, für welche die Ein- sacker gar nichts leiste»._ Zentralverband der Konditoren fMitgliedschast Berlin). Donners- tag. den 15. Februar, abends 8'/, Uhr: Mitgliederversammlung im Englischen Garten, Alexandersw. 27c. Tagesordnung: 1. Unsere Arbeitgeber und die Lohnbewegung. 2. ErgänzungSwahlcn. 3. Verschiedenes. Die Lokalverwaltimg. Sozialdemokratischer Zentral.Wahlverein für den Reichstags- Wahlkreis Kalau-Luckan. Ortsverein Berlin. Donnerstag, den 15. d. M., abends 8'/, Uhr: Monatsversammlung bei Weinacht, Grün- straße 21._ Eingegangene Druchfchnftoi. Nr. 4 des„Süddeutschen Pviiillon" gcdcnlt des unsterblichen Heine in einem Gedicht„Zu Heines 59. TodeSlag" und einem der besten Bild- nisse Heines E. Kl. gibt eine Anzahl bestdurchdachtcr Heine-Aphorismen. Dem farbigen Titelbild„Die englischen Parlaments mahlen" steht als voll- farbiges Schlnßbild:„Die Marokkokons erenz" gegenüber. Der rote Sonniag in Berlin, Gedicht wom scheint von Bremen. M. 3anselow aeisclt iir 9 kritischen Bildern PodblelSkiS völkcrbeglückeiide AbHülse der Fleischnot und oicl anderes mehr. Der„Süddeutsche Pojtillon" ist ei» ersrischcndcs Kamps- mittel, das mit seinen Witz»nd Humor uns neu belebt und lrästigt. Zu beziehen durch unS und alle Buchhandlungen sür 65 Ps. vierteljährlich. Neue Gesellschaft. Sozialistische Wochenschrist. Herausgeber Dr. Heinrich Braun und Lily Braun. Soeben ist das 7. Heft des 2. Bandes erschienen. „Mutterschutz-. Zeitschrift zur Reform der sexuellen Ethik.(Publikatsons- organ des Bundes sür Mutterschutz.) Herausgegeben von Dr. phil. Helene Stöcker. Preis halbjährlich<6 Hcste) 3 M.; Einzclhcsl 60 Pf. Franksutt a. M. I. D. Saucriändcrs Verlag. GrunowS Grammatisches Nachschlagebuch. 396 Seiten. Preis 2,50 M. geb. Verlag Fr. W. Grunow. Leipzig. FerrovinriuS, Fort mit der Eisen bahnreform. 51 Selten. Preis 80 Pf Heidelberger VerlagSanstalt(Hörning u. Berkenbusch), Heidelberg. G. Welker, Schulrevolution gegen Schulrcaktion. 20 Seiten. Preis 25 Ps. Neuer Franksurter Verlag iii Frankfurt a. M. Weber, Ntartnnnc,„Berus und Ehe"—„Die Beteiligung der Frau an der Wissenschaft". 40 Pf.— Spiro, Dr. med. Karl, Arzt und Krantenkasseti. mit Vorwort von D. Fr. Naumann. 25 Pf. Buchverlag der „Hisse", Schöncdcrg. Berlin. Dr. Th. Wyder, Die Ursachen des Kindbetssiebers und ihre Ent- deckung durch I. PH. Scmmelweis. 40 Seiten. Preis 1 M. Verlag I. Springer, Berlin X 24. W. Füllmer, Die deutschen Kolonien. Monatsschrift. Bezugs- preis jährlich 6 M. Einzelhest 60 Ps. Veilaz W. Süsscrott, Berlin W. 30. Prof. Dr. E. Frauke. Soziale Praxis. Zentralblatt sür Sozial- Politik Nr. 19. Erscheint jeden Donnerstag. Preis vierteljährlich 2,50 M. Verlag Duncker n. Humblot, Leipzig. Grosistadt-Tokumente. Band 23, Dr. W. Hammer, Zehn Lebens» laufe Berliner Kontrollmädchen. 1 M. Band 21, Dr. Fr. Hoenigcr» Berliner Gcrichic. 1 M. Band 25, Spectator, Berliner Klubs. 1 M Verlag H. Seemann Aachs., Berlin L)V. u. K M in 0,75 50 Pf. Wadenetutzen, Loden- hüte, Ledergürtel, Hosenträger, Schmuckfedern, Krawatten, Hemden u. w. sehr billig.: BaerSohn Spezialhaus gröseten Massstabes Chausseestrasse 24a/25 o 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20. \ � Beste Bettenfüllong� ftnd die vorzllglich füllenden, sehr «lastifchen, echt chinefilchrir �ljNWlllZliNKII ks«se»r aeschüht) Pfund Mr. 2.8». L—« Pfund genügen ,, gt. Ober bei». Serf, geg. Nachnahme. Verpackung frei. Sustsv Lustig Berlins» Prinronstr. 46 > ÄtöfjtcS Vettsedern-Tpezials Destschlandi. Nervöse, Blnt- ormr, Bleichsüchetgr usw. crziclcn überraschende Erfolge durch IVIatseisenpulver !>Ie schlich blutbildend, schwache«erden stärkend u. enorm Appetit anregend. Wirkt bei Kindern Wunder! l-ofc chff. 1.25, UcBi. 8 Tosen»».3.75 hier frei baue. 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Berlin O»• Andrcasstr. 57, Boxhagenerstr. 14/15, Ebertystr. 48, Frankfurter Allee 51, Frankfurter Allee 71, Grüner Wog 41, Gubenerstr. 49, Krautstr. 48 b, Königs b orgers tr. 31, Petersburgcrstr. 81, Richthofen- straße 15, Stralauer Allee 23 b, Zomdorforstr. 48. Berlin KO»S Gollnowstr. 11, Greifswalderstr. 1, Landsberger Allee 29, Lippinerstr. 29. Berlin O»• Alte ScbSnbauserstr. 30, Kaiser Wübelmstr. 20. dmrlotlenlunrßf S Augeburgorstr. 59/60, Berliners tr. 98. Berliner- ------------7-------- r-,-r------------ j 32, Wilmersdorf erstr. 126, Wilmersdorforstr. 148. Boxliagen-Rnmmelsbnrg: Ait-Boxhagen 4/5. Ben tseh- Wilmersdorf: Berikcrstr. 131. Friedenan: Rbemstr. 10. Frledriehsberg: Frankfurter Chaussee 7. FriedricllNfelde• Berlinerstr. 45. Idlehtenberg: Frankfurter Allee 171. Weissensee-Berlin: Kenig-Chaussee 32. FankOW• Breites tr. 24a. Beinlebendorf W est: Sehamweberstr. 16s „ Ost» Residenzstr, 107. Bixdorf: Bermannstr. 40, Kaiser Friedrichstr. 242, Steiametrstz, 116. Bnmmelsbnrg: schmerstr. 12. �ehmargendorf: ßreitestr. 22a. Schöneberg: Colonnenstr. 66, Goltzstr. 86, Hanptstr. 139, Tempel befers tr. 21, Neue Winterfeldtstr. 44. Steglitz: Scbloßstr. 35. Tegel• Berlinerstr. 9. Tempelbof: Berlinerstr. 15. Adlersbof: Bismareks tr. 14a. Nowawes: Friedrichstr. 15. Ober-Schönewelde: wuheiminenhofstr. 41. Potsdam S Brandenburgers tr. 20, Nauenentr. 88. Spandau: Breitestr. 49, Jägerstr. 1, Neuendorferstr. 6, Potsdamerstr. la, Schönwalderstr. 87. TreptOW: Baumsohulenweg 19/20. ißcraniwortiichcr Redakteur: Hans Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Gloifc, Beelin� T ruck u. Verlag: Vorwärts Buchdruiferci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 37. 23. Iahrglmg. 2. ßtiljp des Jormürto" Kerlim WlisdlM Mittwoch,\L Februar 1906. Kemeindevertreter Konfere«; des Kreises Uiederbarnim. Am Montag nachmittag tagte im„Schwarzen Adler" zu Lichten- berg eine Konferenz von Gemcindcvertretern des Kreises Nieder- barnim.— Genosse Grauer- Lichtenberg eröffnete die Konferenz, indem er im Namen der Lichtcnbcrger Genossen und des Zentral- ivahlvereins für Niederbarnim die Erschienenen begrüßte. Die Zahl der hier Anwesenden sei größer als die Zahl der Besucher der 1398 abgehaltenen Konferenz von Gemcindevertretcrn der ganzen Provinz Brandenburg war. Das sei ein erfreuliches Zeichen dafür, daß sich die Zahl unserer Gemeindevcrtretcr seit 1899 bedeutend vermehrt und die Arbeiterbewegung auf allen Gebieten fortgeschritten sei. Der Redner spricht die Erwartung aus, daß die heutige Konferenz von Erfolg gekrönt sein werde. Hoffentlich werde dieser ersten Konferenz des Kreises bald eine zweite folgen und die Gemeindevertreter- Konferenzen zu einer ständig«, Einrichtung des Kreises werden. In das Bursau wurden gewählt: F r c i w a ld t- Pairlow, Grauer- Lichtenberg, Sonnenburg- Frieda chshagen. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: Kommunale Schulpolitik erhielt Arons das Wort. Der Redner behandelte das Thema an der Hand des Schulprogramms, welches die Gemeindevertreter- Konferenz der Provinz Brandenburg im Jahre 1893 aufgestellt hat. Tie erste- Forderung dieses Programms: Weltlichkeit der Schule, richte sich in erster Linie an den Staat, doch auch in der Gemeinde soll nach dieser Richtung gewirkt werden, indem unsere Vertreter gegen die Errichtung konfessioneller Schulen Front machen. Wo noch die preußische Schulsozierät bestehe, müsse auf deren Beseiti- gung und Uebernahme der Schulkosten durch die Gemeinde hinge- wirkt werden. Ferner sei der unmittelbare Einfluß der Geistlich- tcit auf die Schule dadurch zu bekämpfen, daß größere Schulsysteme mit mindestens drei Lehrern eingerichtet werden, wodurch der Geist- liche als Ortsschulinspeltor ausgeschaltet werde. Auch darauf sei hinzuwirken, daß die Lehrer von den Arbeiten des Kirchendieners befreit werden.— Ter zweite Punkt unseres Schulprogramms: obligatorischer Besuch der Volksschule, das heißt, daß alle Kinder zunächst die Volksschule zu besuchen haben, sei in den Gemeinden in- sofern zu berücksichtigen, als bei Errichtung von höheren Lehran- stalten durch die Gemeinden die Vorschule abgeschafft werde.— Ferner sei dahin zu wirken, daß die für höhere Schulen bestehenden Freistellen nicht den Kindern der Besitzenden, sondern fähigen Ar- beiterkindcrn gegeben werden. Ungleich wichtiger sei jedoch unsere Forderung der unentgeltlichen Lieferung der Lehrmittel, ohne daß erst die Bedürftigkeit des Schülers nachgewiesen werden brauche. Auch für die Einrichtung von Schulkantinen, besonders aber für die Anstellung von Schulärzten hätten unsere Gemcindevertreter ein- zutreten.— Die auf jede Klasse entfallende Schülerzahl sei so weit herabzusetzen, daß ein gedeihlicher Unterricht möglich ist. Der ge- nieinsame Unterricht der Knaben und Mädchen sei nicht nur aus pädagogischen Gründen zu fordern, sondern auch deshalb, weil man so leichter zu einem mehrklassigen Schulsystem kommen könne. Wenn beispielsweise in einem Orte ein dreiklafsiges System, also je drei Knaben- und Mädchenklasscn bestehen, so ließe sich für etwa dieselben Kosten ein sechsklassiges System einrichten, wenn beide Geschlechter gemeinsam unterrichtet werden. Für diese Forderung»verde man besonders in solchen kleinen Orten eintreten müssen, die eine Ent- Wickelung vor sich haben. Hier»verde die Forderung leichter durch- zuführen sein, weil man ja in kleinen Orten mit einklassiger Schule von jeher an den gemeinsamen Unterricht beider Geschlechter ge wöhni sei.— Besondere Schulklassen für Minderbefähigte sollte man in Orten mit 4999 und»nehr Einwohnern als eine unabtveisbare Nottvendigkeit fordern. Schließlich besprach der Redner noch unsere Forderungen, betreffend Verbot der Erwerbsarbeit von Schulkindern, sowie Errichtung obligatorischer Fortbildungsschulen. Ferner bc fürwortete er im Interesse der Reinlichkeit und Gesundheitspflege die Einrichtung von Schulbrausebädern. Unsere Genossen sollten auch eintrten für die Errichtung von Kinderhorten, wo die Kinder solcher Eltern, die beide auf Arbeit gehen, sich tagsüber aufhalten »önnen.— Auf die Frage der Lchrcrbesoldung eingehend, sagte der Redner, unsere Genossen müßten sich bemühen, die Hebung des Be- rufs der Lehrer zu betreibe»». Die Lehrer würden heut bielfach als untergeordirete Leute angesehen. In einer zukünftigen besseren Ge- sellschaft würden die Lehrer als die ersten Beamte»» gelten. Unsere Gcmeindcvcrtreter und unsere Parteigenossen inüßten den Lehrern zeigen, daß sie vor deren Beruf einen großen Respekt haben, und daß es ihnen darauf ankonnne, die Lage der Lehrer zu heben. Dem Referat folgte eine ausgiebige Diskussion. Zunächst wurde ein Punkt behandelt, den der Referent miterwähnt hatte. Er be- zeichnete es als nicht zu billigen, daß die Gemeinde Rummelsburg nur für die im Orte lvohnenden jungen Leute den Besuch der dortigen Fortbildungsschule obligatorisch gemacht habe. Man hätte das Obligatorium auch für die in Ruminelsburg Arbeitenden aber auswärts Wohnenden einführen sollen. Hierauf bemerkte Ritter- Ruinmelsburg: Wenn die obligatorische Fortbild»»ngsschulpflicht auch auf die in Rummelsburg arbeitenden jungen Leute erstreckt»verde, dann würden die betreffenden, um sich der Schulpflicht zu ent- ziehen, anderstvo Arbeit nehmen, wo der Fortbildungsschulbesuch nicht obligatorisch ist. Eine Maßnahme gegen Berlin fei durch die Rummelsburger Einrichtung nicht beabsichtigt.— In ähnlichem Sinne sprachen auch die Vertreter von Friedrichsfeldc uird Weißen- fce hinsichtlich des Fortbildungsschulbesuches. Die Untcruehmer halten solche jungen Leute, die in Weißensce fortbildungsschulpflichtig waren, nicht u»ehr beschäftigt. w onnenburg- Fricdrichshagen führt unter anderem auS, daß Fricdrichshage» schon«her wie Berlin ciirei» Schularzt angestellt habe. Die erste Untersuchung der Kinder habe ergeben, daß unter etwa 2999 Schulpflichtigen 83 Minderbegabte tvarcn. Ken» n i tz. Wilhelmsruh: In Rosenthal,»velches mit Wil- hekmsruh eine Gemeinde bildet, bestehe die Schulsozietät nicht mehr. die Gemeinde trage die Schulkosten, aber die von der Schulsozietät her bestehenden Hctusvätervcrsammlungen würden noch abgehalten. In diesen hätten unsere Genossen die Mehrheit und ihrem Einfluß sei es gelungen, in den Echul»>crhälti,issen Besserungen einzuführen, so sei die Anstellung einer weiblichen Lehrkraft dem Einfluß der Arbeiter in der HauSvatervcrsammlung zu danken. Unter solchen Ilmständen könne man sich doch nicht unbedingt für Beseitigung der Schulsozietät aussprechen. Weise- Mahlsdorf: Wir haben mit der Schulsozietät keine schlechten Erfahrungen gemacht. Früher waren bei uns die Schul- zustände nicht besser wie die in Trakehncn. Dadurch, daß wir in der Hausväterversammlung die Mehrheit bekamen, war es möglich, erheblich bessere Verhältnisse zu schaffen. Wart ig- Neuen Hagen: In fast allen Orten unseres Bezirks hcstchcn noch die Hausvätcrvcrsaniinlungcn, jedoch werde,» sie am Tage abgehalten, so daß die Arbeiter nicht daran teilnehmen können. Die Schillzustände sind bei uns sehr»naugelhaft. Rcuenhagen be- steht aus drei getrennten Ortsteilen, für die nur eine gemeinsame Sckiule vorhanden ist. Die»» dem entlegensten Oristcil wohn-eiid-ii Kinder müssen eine Stunde laufen, um die Schule zu erreichen. Sie tönnen zu Mittag nicht nach Hause geben und verweilen deshalb bis zum Beginn des Nachmittagsunterrichts auf der Straße. Eine Schultantine, wo die Kinder die Wartezeit verbringen könnten, wäre hier eine Nottvendigkeit. In PeterShagen werden 180 Kinder in drei Abteilungen von einem einzigen Lehrer unterrichtet. Grau er« Lichtenberg: Die hier ongefiihrten Beispiele und andere mir bekannte Tatsachen zeigen, daß die Schulzustände in unserem Kreise noch viel zu wünschen übrig lassen und daß es des. halb unsere Aufgabe sein muß, für Verbesserung der Volksschule einzutreten Wo wir es getan haben, da wurde von anderer Seite gesagt, die östlichen Vorortgcmcinden hätten gar nicht die Mittel, ihre Volksschule zu verbessern. Run ist aber in Lichtenberg die Einrichtung einer Mieren Schule geplant. Zur Unterhaltung der- selben soll die Gemeinde einen jährlichen Zuschuß Vau 69 900 M., später sogar 75 999 M. zahlen. Wo so große Suminen für höhere Schulen ausgegeben werden, die doch»vescntlich den Besitzenden zu- gute kommen, da müssen auch Mittel für die Verbesserung der Volks- schule vorhanden sein. In» lveiteren Verlauf der Debatte, an der sich noch einige Redner mit Mitteilungen über örtliche Verhältnisse beteiligten, be- merkte Welk- Lichtenberg, bei nassem Wetter kämen die Kinder mit durchnäßten Schuhen in die Schule. Erkälluiigskrankheitcn könnten die Folge sein, wenn die Kinder mit nassen Füßen stundeii- lang sitzen müssen. Deshalb sei aus gesundheitlichen Gründen die Forderung angebracht, daß seitens der Gemeinde für solche Fälle Schuhe zum wechseln bereit gehalten würden, damit die nassen Schuhe während der Schulstunden getrocknet»verden könnten. Arons erhielt das Schlußwort. Bezugnehmend auf eine Aeußerung in der Debatte bemerkte er, wie er sich inzwischen über- zeugt habe, scheine keine positive Berechtigung dafür zu bestehen, daß der geistliche Ortsschulinspettor durch den Hauptlehrer ersetzt»verden müsse, es scheine vielmehr, daß dies vom Belieben der Behörde ab- hängt. Da wir in Preußen noch immer kein einheitliches Schul- gesetz haben, so werden diese Dinge durch Verordnungen geregelt. In der Debatte sei auch angeregt worden, für höhere Schulen nicht eher cttvas zu betvilligen, ehe nicht die Volksschulen verbessert »verden. Diesen Standpunkt habe schon Retzerau auf der ersten preußischen Gemeindevertretcr-Konfcrenz vertreten. Singer habe sich aber mit Recht dagegen gewandt, weil wir nicht den Anschein er- loccken dürfen, als ob»vir der Verbreitung höherer Schulbildung den Weg vertreten. Hinsichtlich der Schulsozietäten lassen sich, wie die Debatte gezeigt habe, keine für alle Fälle geltenden Normen auf- stellen. Es»verde also hier von Fall zu Fall zu entscheiden sein, lvie sich- unsere Vertreter dazu stellen sollen. Für die gänzliche Auf- Hebung der Schulsozietäten spreche der Umstand, da sie konfessionell gerichtet sind, daß,»vo sie bestehen, die Schullasten nicht mitgerechnet werden, tvenn die Steuern für Aufstellung der Wählerlisten berechnet werden, und daß die Forensen nicht zu den Lasten der Schulsozietät herangezogen tverden. Ein anderer Zustand sei der, daß die Gc- meinde die Schnllosten übernimint, ohne die Sozietät aufzuheben. Gewiß könnten unter diesem Zustande durch den Einfluß der Ar- bester in der Hausväterversammlung Verbesserungen eingeführt werden, es frage sich nur, wie weit das möglich sei und ob die Arbeiter ihren Einfluß auch für die Zukunft behalten. Jedenfalls müßten derartige Angelegenheiten immer iiach den Verhältnissen des Ortes geregelt werden. Damit ist der erste Punkt der Tagesordnung erledigt.— Die Feststellung der Anwesenheitsliste ergibt, daß 3 Stadtverordnete aus Bernau und 37 Gemeindevertreter aus folgenden Landgemeinden antvesend sind: Lichtenberg, Reinickendorf, Weißensce, Mahlsdorf, Tegel, Kl.-Schönebcck, Hohen-Schönhansen, Nieder-Schönhausen, Ober-Schönetveide, Wilhelmsruh, Pankow, Kaulsdorf, Nenenhagen, Herzfelde, Friedrichsfelde, Rummelsburg. Mnhlenbeck, Schönfließ, Erkner, Friedrichshagen.— Aus sieben Orten sind zehn für die bevorstehenden Gemeindetvahlen aufgestellte Kandidaten anwesend. Der ztvcite Punkt der Tagesordnung lautet: Unsere grundsätzliche Stellung zu den Gemeindeetats. Der Referent Freiwaldt- Pankow erörterte zunächst die gesetzlichen Be- stimmungen über das Etatsrecht der Gemeinden. Die Grundsätze, nach denen unsere Genossen bei der Ausstellung des Etats zu ver- fahren haben, sind die: In erster Linie komint es darauf an, keine Ausgaben zu bewilligen, wovon nur eine Gruppe von Interessenten Nutzen hat. Wir haben immer das Interesse der Allgemeinheit zu beobachten. Wir sind grundsätzliche Gegner der indirekten Steuern und müssen deshalb auch gegen die von den Gemeinden erhobenen indirekten Steuern austreten, mag sie nun Biersteuer, Lustbarkeits- steuer oder Mahl- und Schlachtsteuer heißen. Die Umsatzsteuer für Grundstücke, obtvohl auch sie eine indirekte Steuer ist, können»vir dagegen billigen. Sie brachte in Pankow 135 999 M., tvährend die Bier-, die Bergnügungs- und die Hundesteuer zusannnen nur 37 999 Mark brachte»». Wir»verden bei den Etatsberatungen auch das all- gemeine Wahlrecht für die Gemeinden fordern, tvenn es sich hier auch nur um eine platonische Forderung handelt. Weiter müssen wir dahin wirken, daß die gemeinnützigen Anstalten sowie die Verkehrs- mittel in den Besitz der Gemeinde übernommen werden. Da in den Gemeindeetats auch Ausgaben vorhanden sind, die»vir nicht billigen können, wie die Parochiallasten, das Gehalt des Gemeindevorstehers, der als Amtsvorstcher dock» Staatsbeamter ist und deshalb voin Staate besoldet tverden müßte, so haben wir den Etat iin ganzen abzulehnen, wenn wir auch bei den einzelnen Positionen, die wir billigen, für dieselben eiittreten. Auf eine gründliche Beratung des Etats muß unter allen Umständen hingewirkt werden. G ra u e r- Lichtenberg: Die Etatsbcratungen gehören zu den wichtigsten Aufgaben der Gemeinden. Bei dieser Gelegenheit müssen unsere Genoffen stets unsere prinzipiellen Forderungen geltend»nachen. Sie werden ja von der bürgerlichen Mehrheit ver- lacht und abgelehnt, um nach längerer Zeit schließlich als Zlnträge von bürgerlicher Seite lvieder zu erscheinen, wie es schon manchnial geschehen ist. Besonders haben wir die Forderung des allgemeinen Geincindewahlrechts zu erheben und Petitionen um die Einführung desselben zu verlangen. Von großer Wichtigkeit sind unsere Forderungen hinsichtlich des Schultvesens, die wir auch bei den Etatß- beratungen stellen müssen. Wir»nüsscn auch bemüht sein, in den Kommissionen mitzuarbeiten. In Lichtenberg ist es uns, dank dem Verhalten der freisinnigen Gemeindcvertreter, nicht möglich, in die Schulkommission zu kommen. Die Freisinnigen wählen uns nicht, sie sagen im Hinblick auf das Berliner Beispiel: Ihr lvcrdet ja doch nicht bestätigt.— Wie schon der Referent sagte, haben wir auch in der Gemeindevertretung immer zu bedenken, daß wir Sozial- deinokraten sind. Wir müssen deshalb in der Gemeinde unsere prinzipiellen Forderungen erheben, wo sich nur eine Gelegenheit dazu bietet. Besonders»vichtig ist gerade»n dieser Zeit unserer Wahlrcchtsbctvcgung, daß wir die Einführung des allgemeinen, gleichen, direttcn, geheimen GeincindelvahlrechtS für beide Geschlechter fordern. Arons nimmt Bezug auf Ausfühungcn der Vorredner über Steuerfragcn. Wenn wir auch die Einkommensteuer für die einzig richtige Form der Besteuerung halten, so köitien wir doch in der Gemeinde unter Umständen gegen die Erhö�ing des Gemeinde- Zuschlages für die Eiiikommcnsteucc sein. Erstens deshalb, weil bei einem Zuschlage von»nehr als 199 Proz. der Etat von der Staatsbehörde genehmigt werden muß, also das Selbstverwaltungs- recht noch weiter beschränkt würde.� Ferner ist auch zu bedenken, daß bei hohen Einkommensteuerzuschlägen die Reichen ii» solchen Orten Wohnung iiehmen,»vo die Steuerzuschläge niedriger sind und sie vielleicht sogar noch besser wohnen— Weiter befürworict der Redner die Besteuerung der Grundstücke»»ach dein gemeinen Wert und die Wertzulvachsstcucr, wie sie in Berlin geplant ist. Diese beiden Steucrarten haben gerade für die Berliner Vororte mit den großen Mengen von an Wert ständig wachsend»» Grund- stücken eine große Bedeutung und sollten von unseren Gcuosscn in den Gemeinde», befürwortet werden.— Die vou» Genossen Freilvaldt empfohlene Ablehnung des GesamtetatS sei als Ausdruck unserer arundsätzlichen Stellung zu befürworten, wenn das auch auf daS Schicksal des Etats selbst tcüie Bedeutung habe. Grauer: Di« Ablehnung des Etats unsererseits komme für Landgemeinden nicht in Frage, da hier eine Abstimmung über den ganzen Etat nicht vorgenommen werde. Ter Redner empfiehlt den Zusammentritt von Gemeinden zu Zweckverbänden für die Anlage von gemeinnützigen Anlagen. ES müsse unter allen Umständen ver- hindert werden, daß Anlagen wie Gas» und Wafsertverke, Verkehrs- cinrichtungen und dergleichen den Privatunternehmern zur Aus- Nutzung überlassen»verden. Taubmann- Weißensce: Grauer rügte, daß in einem Vor- ort ein Elektrizitätswerk eingerichtet sei, aber nicht in Regie der Gemeinde. Damit hat er»vohl Weißensce gemeint. Wir sind für Regiebetrieb des Werkes eingetreten, konnten sie aber der bürgcr- licken Mehrheit. gegenüber nicht durchsetzen. Es gelang uns aber, die Vcrtragsdauer um fünf Jahre geringer anzusetzen als die Unternehmer forderten. Tie Vcrtragsdauer ist jetzt zehn Jahre, wie in Berlin. Da»vir den Regiebetrieb nicht durchsetzen Ion», tot, glaubten wir aber, die Errichtung des Werkes, die doch cineu großen Fortschritt darstellt, nicht ablehnen zu sollen.— Weiter tritt der Redner dafür ein, daß die Gemeindevertrctcr der verschiedenen Orte die Etats miteinander austauschen, um gegenseitig über die Verhältnisse informiert zu sein. O e r t e l- Mahlsdorf fragt an, wie das ermöglicht»verden solle. In Mahlsdorf belomme kein Gemeindevertrctcr den Etat in die Hände. Grauer: Es gibt in der Tat verschiedene Landgemeinden, »vo der Etat nur in einem Exemplar im Bureau vorhanden ist. Die Genossen, die in solchen Orten Gemeindevertreter sind, sollten die Vervielfältigung des Etats vom Gemeindevorsteher verlangen. Dazu seien sie berechtigt. Barth- Friedrichshagen kann sich nicht für die Ablehnung des Gesamtetats erklären. Wir sollten iinr diejenigen Positionen ablehnen, die»vir nicht billigen können. Die Genossen in Friedrichs- Hägen haben dem Gesainietat zugestimmt, weil er nur in einzelnen Posittonen von uns nicht gebilligt werden könne. S on n e n b u r g- Fricdrichshagen: Unser Gcmcindectat ent- spricht zu neun Zehnteln unseren Forderungen, er ist in vielen Bc- zichungen, namentlich in sozialer Hinsicht,»veit voraus vor den Etats anderer Gemeinden. Unter anderem gilt bei uns die Bestimmung, daß bei allen Gemeindearbeiten die gewerkschaftlichen Löhne bezahlt »verden müssen Sollten wir nun, weil ein Zehntel des Etats nicht unseren Forderungen entspricht, denselben ablehnen? Das wäre eine Kurzsichtigkeit, die wir nicht verantworten können. Grauer: Ich bin nach»vie vor der Meinung, daß wir den Gesamtetat abzulehnen haben, Iveil er ausgestellt ist im Interesse der herrschenden Gesellschaft und weil er deshalb unseren grund- sätzlichcn Forderungen nicht entspricht, wenn er auch im einzelnen — wie dies von Friedrichshagcn gesagt»vird— unseren Wünschen entgegenkommt. Die Diskussion ist erschöpft. Freiwaldt befürwortet im Schlnßlvort die gegenseitige Bc- kanntgabe der Etats. Er tritt nochmals für die Geltendmachung unserer grundsätzlich«! Forderungen bei den Etatsberatungen ein und empfiehlt den in den Gemeiridevertretungen sitzenden Genossen, dahin zu»virken, daß namentlich in den Arinenkommissioncn auch Frauen zur Mitarbeit herangezogen iverden. Der dritte Punkt der Tagesordnung: Kommunale Steuerpolitik, wurde erledigt durch die Annahme deS folgenden Antrages: „Die Konferenz der Gemeindevertreter des Kreises Nieder- barnim beschließt: Die kommunale Steuerpolitik auf den einzu- berufenden preußischen Gemeindevertretertag als besonderen Punkt auf die Tagesordnung zu setzen. Die Versammlung ersucht den Aktionsausschuß Berlins, bei der Einberufung des nächsten Preußentages gleichzeitig einen Gemeindevertretertag für Preußen anzustreben und einzuberufen." Freiwaldt schließt die Konferenz mit einem Hinweis auf die bevorstehenden Gemeindetvahlen und mit dem Wunsche, daß dieser ersten Konferenz für Ricderbarnim, die allen Teilnehmern mancherlei Anregungen gebracht habe, vielleicht in Jahresfrist eine ztveite folgen werde._ Hua der frauenbewecrunq. Lug und Trug. Die Heimarbeit- Ausstellung scheint den beteiligten Unter» nehmcrn, sowie den Arbeitgcberorganen schlver in dem Magen zu liegen, sie zetern und schimpfen über Irreführung des Publikums, über lügenhafte Angaben betreffend Lohn und Arbeitszeit usw. Hervorragend arbeitet man in diesem Genre in der Redaktion„Die Modistin". Sie räsonniert gegen alle Blätter, die über die Loge der Heimarbeiter so tendenziöse und konfuse Berichte in die Oeffentlich- teit gebracht haben; besonders an einem Artikel in Nr. 36 des „Berliner Tageblattes" läßt die keifende Dame ihre Wut aus. Der E. I. gezeichnete Artikel schildert die miserablen Lohn- und Arbeitsbedingungen, die in der Blumen- und Putzfedernindustrie vorherrschend sind, er gibt ein sch»vaches Bild von den Leiden der Arbeiterinnen. Die Redaktion läßt flugs einige Vertreter der Blumen- und Putzfcdcrnfabrikatio» aufmarschieren, die in schönen, warmen Worten die Unternehmer verteidigen. Danach sind die Löhne gut— sehr gut sogar. Der Unternehmer tut, loas irgend möglich ist, aber er will doch auch leben. Die Angaben auf der HeimaiBeit-Aus- stcllung werden als Lug und Trug bezeichnet. Man solle in erster Linie den— Arbeitgeber hören.—■ Der Vertreter der Putzfedern- iudustrie bläst dasselbe Horn, danach betragen die Tagelöhne in der Fabrik gar 3,60— 4,50 M. Die Heimarbeit dieses Industriezweiges habe für Tausende Arbeit geschaffen und daher scgenbringcnd ge- wirkt. Nach Fleiß und Geschicklichkeit richte sich der Verdienst der Arbeiterinnen. Daher(!) sind die Preisnotierungen auf der Heim- arbcit-Ausstellung falsch. Durch derartige Angaben werde die Blunccnindustrie in der öffentlichen Meinung herabgesetzt.— Durch die Schundlöhne natürlich nicht!-- Der Vertreter einer Berliner Kinderhut- und-Mützenfabrik reinigt sich von dem Vorlvurf— Hungcrlöhne zu zahlen. Nach seiner Behauptung sind die Löhne in der Seimarbcit-Ausstcllung um 159 Proz. zu niedrig angegeben. Er schreibt u. a.»»och: „Auch die angegebene Arbeitszeit für diese Artikel stimmt nicht; die solches behaupten, sind nur diejenigen, die nicht arbcitcii »vollen. Die ganze Ausstellung hat lvcitcr keinen Zweck, als das große Publikum irrezuführen und böses Blut zu machen." Hochachtend Loclvy u. Tauber. In hämisch- scharfmacherischer Weise bemerkt„Die Modistin", mit dem Worte Sozialpolitik»verde ein ungeheuerer Mißbrauch gc- trieben, der u,»bedingt zum Widerspruch reize. Sie ergeht sich in folgender Drohung: „Daher dürfte die Heimarbeit-Ausstcllung einen Erfolg hoben, der von den Veranstaltern derselben gewiß nicht beabsichtigt worden ist. Manche Fabrikanten werden finden, daß sie für eine ganze Reihe von Artikeln unverhältnismäßig hohe Löhne(?!!) bezahlen, und sie werden infolgedessen danach ihre Maßnahmen treffen, denn einen Miniinallohn für die Heimarbeitcr gibt es vorläufig noch nicht, solange noch Angebot und Nachfrage den gc- schäftlichen Verkehr regeln. Will man den Lohn gesetzlich fest- legen, so fesselt man gleichzeitig den Handel, ein Experiment, vor dessen Konsequenzen die Gesetzgeber doch»vohl zurückschrecken." Dieser Weisheit Schluß ist Ivahrlich des Hohnes höchster Gipset. Hört ihr's alle, viel zu hoch noch sii»d die Jamiiierlöhne? Das ist eine neue Melodie zu dem alten Liebe von der Harmonie der Interessen. Allerdings, in diesem Falle dürfte der scharfmacherische Ausfall wohl das Gegenteil des Beabsichtigten erzielen. Die üffenU liche Meinung ist auf die enormen Schaden der Heimarbeit auf- merksam gemacht und»vohl oder übel muß die Gesetzgebung ein- schreiten, Wandel schaffen. Den Arbeiterinnen der Heimindustrie raten »vir dringend, sich ungesäumt ihren Branchen- organisationen anz»lschlicßcn, um durch starkk Organisationen den EindruckderAuS st eilung zu ergänzen, die moralisch eroberte Position durch eine Kampforganisntion zu behaupten. Achtung, Köpenick. Mittwoch, den 14. d. M.. hält der hiesige grauen- und Mädchcn-Bildungsvcrcin bei Moll, Schönerlindcr- strasie 1, seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Genosse Etoermer halt einen Vortrag über:„Genossenschaftswesen". Zahl- reichen Besuch erbittet Der Vorstand. Serickts-Leitung. Kammerfrau und Herzog Günther. Einen eigentümlichen Verlauf twhm gestern der bekannte Prozeß gegen die ehemalige Kamnierfran der verstorbenen Prinzessin Amalie von Schleswig- Holstein. die 31 jährige unverehelichte Anna Johanna Milewski. Der Staats- anwalt berichtigte falsche Nachrichten, die in einigen Blättern, wie dem„Berliner Tageblatt",„Lokal- Anzeiger" lind dergleichen, über einen angeblichen Vergleich gestanden hatten, der gesamte Gerichtshof wurde abgelehnt, die Verhandlung vertagt. Die der Inhalt der gestrigen Verhandlung der an eigentünilichen Vorfällen reichen Gc- richtsverhandlung gegen die Gesellschafterin einer Verwandten der deutschen Kaiserin. Der Angeklagten wirft die Anklage Diebstahl vor: sie soll in den Jahren 1893 bis 1991 der Prinzessin Amalie von SchleSwig-Holstein Schmucksachen entwendet haben. Sie bestreitet die Anschuldigung und hat ihrerseits Jivilprozesse gegen den Herzog geführt. In die Zivil- Prozesse griff die Reichsgesetzgebung insofern ein, als sie sich leider mit Erfolg beeilte, den Herzog von der Verpflichtung, vor Gericht seine Aussagen so wie andere Bürger zu machen und zu beeidigen, befreite. Die Angeklagte trat im September 1898 bei der Prinzessin Amalie als Kammerjungfer ein und wurde von dieser zur Gesell- schafterin erhoben. Im Jahre 1991 befand sie sich mit der Prinzessin Amalie in Kairo. Den Angehörigen der Prinzessin gefiel der intime Verkehr dieser mit ihrer Gesellschafterin nicht. Da die Angeklagte nicht freiwillig ihren Vertrag mit ihrer Prinzessin brechen wollte, wurde sie— gewaltsam in Kairo fe st genommen und n ach Deutschland transportiert. Dieser schwere an einer Reichsdeutschen begangene Rechtsbruch ist nach unwiderlegtcr Darstellung der Angeklagteu auf Veranlassung des Kammerherrn des Herzogs Günther, Herrn v. Blnmcnthal erfolgt. Schutz ist ihr seitens der Reichs- behvrdcn nicht geworden. Die früher wohlhabende Angeklagte ist fast völlig verarmt. Sie soll einen unechten Schmuck der Prinzessin entwendet haben. Zweifellos trug sie diesen Schmuck bereits bei ihrem Aufenthalt in Kairo. In dem Termin am 27. September 1994 wurde die Verhandlung vertagt und beschlossen, dem Antrage der Angeklagten auf Veriiehnnmg des Herzogs Ernst Günther und eines in Algier wohnenden Zeugen stattzugeben. Die Angeklagte lvurde damals in Untersuchungshaft g e n o m m e n I Nach kurzer Zeit wurde sie auf freien Fuß gesetzt. Die gestrige Verhandlung leitete wiederum Landgerichtsdirektor Geheimer Justizrat G a r tz, die Anklage vertritt Staatsanwalt S ch w e i ch l e r. Es sind etwa 25 Zeugen geladen. Nach Änsrnf der Zeligen und Sachverständigen nimmt der Staatsanwalt das Wort: Gestern abend ist in einigen Zeitungen eine längere Notiz erschienen de? Inhalts, daß das Strafverfahren inhaltlich erledigt sei durch einen Vergleich zwischen der Angeklagten und deni Herzog Ernst Günther, der die Schmucksachcit betreffe, von denen ein?eil an die Angeklagte herausgegeben worden sei. DicscNoliz ist unrichtig. Tatsache ist. daß Vergleichs- Verhandlungen im Zivilprozeß von feiten der Angeklagten— nicht vom Herrog Ernst Günther— angebahnt worden sind. Der Herzog ist auf solche Verhandlungen eingegangen. ES ist nicht meines Amtes, die Motive des Herzogs hier näher klarzulegen, jedenfalls kann festgestellt werden, daß der Herzog dies nicht etwa deshalb getan hat, ivcil er glaubte, daß die Angeklagte irgend welche bc- rcchtigten Ansprüche habe. In den VerglcichSvcrhandlnngcn, die gescheitert sind, handelt eS sich nur um Gelder, die Schmucksachen find ausdrücklich ausgenomnieii worden.— Angekl. Milewski: Im Anschluß an diese Erklärung des Staatsanwalts lehne ich den ganzen Gerichtshof als befangen ab. Der Gerichtshof hat, wie ich erfahren habe, schon vor längerer Zeit das Urteil gegen mich gefällt und zwar soll ich danach zu einem Jahre Gefängnis verurteilt werden. Wie mir mein Rechtsanwalt G r a e f e mitgeteilt hat, hat Herzog Ernst G ü n t h er inir sagen lassen, daß, wenn ich den inir von ihm(nicht von mir) angebotenen Vcr- gleich nicht annähme, ich zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahre verurteilt werden würde; das habe ihm(dem Herzog) der Richter, mit dem er gesprochen, gesagt.— Präs.: Sie sind sich doch klar, daß der Antrag eine Vertagung zur Folge haben muß?— Angekl.: ES kann vielleicht doch verhandelt werden.— Präs.: Das gebt doch nicht, wenn ein Antrag auf Ablehnung dcS Gerichtshofes vorliegt.— Angekl.: Herr Rechtsanwalt Graefe wohnt in der Potsdam er st raße und könnte doch bald vernommen werden. Ich nmß aber auch den Staatsanwalt Schweichlcr ablehnen...— Präs.: DaS ist im- zulässig.— Angekl.: Der Staatsanwalt hat...— Präs. lunterbrechend): Das ist unzulässig; ich kann Ihnen dazu das Wort nicht geben.— Der Gerichtshof beschließt mit Rücksicht auf den vor- liegenden Ablehnungsantrag den Termin zu vertagen. Diese Verhandlung ist recht merkwürdig. Die Ablehnung �ineS gesamten Gerichtshofes ist nach Ansicht deS Reichsgerichts unzulässig: es können nur die einzelnen Mitglieder des Gerichts abgelehnt werden. Die Ablehnung cineS StaatSanivaltS wegen Befangenheit ist unzulässig, weil das Gesetz die Unbefangenheit eines Staats- aiiivaltS keineswegs voraussetzt. Das kann die juristisch nicht vorgebildete Angeklagte nicht wissen. Ihr kam eS offenbar darauf an, über die von ihr aufgestellte Behauptung Beweis erheben zu lassen, die insbesondere gegenüber dem be- treffenden Vorsitzenden Gartz unglaublich klingt. Weshalb gaffen die Ver- leidiger(Rechtsanwälte LubSzynsli und Wronker) dieses Verlangen der Angeklagten nickil in die juristische Form eines Beiveisantrages. überließen die Angeklagte vielmehr ihrer juristischen Unbeholfenheit? Weshalb nahm die Staatsanwaltschaft Veranlassung, eine, wie die Angeklagte darlegte, in einem wesentlichen Punkte unrichtige Be- richtigung einiger TagcSblätter zu geben, unterließ es aber, den Bciveisautrag zu formulieren, den die Darlegungen der Angeklagte» erforderlich inachen? Ist es gleichgültig, ob in der Tat der An- geklagten mitgeteilt ist, ihre Verurteilung hänge davon ab, ob sie einen Vergleich in einem Zivilprozetz eingehe? Weshalb endlich hatte die Verteidigung den Rechtsanwalt Graefe nicht geladen? Die Oeffentlichkeit und die durch die Handhabung der Strafjustiz insbesondere in letzter Zeit schwer erschütterte Rechts- sichcrheit fordern dringend endliche Aufklärung in dieser Angelegenheit. Unberechtigte Verhaftung in Kairo— unberechtigter Transport nach Deutschland— auffallende Behinderung an der Wahrnehmung der Rechte der Angeklagten: das ist die Quintessenz der jetzt 5 Jahre lang hingezögerten Aktion wegen eines unechten Halsbandes. Wolffs Telegraphisches Bureau teilt bei Schluß der Redaktion mit, es sei zu der Erklärung ermächtigt, daß der Herzog zu SchlcStvig-Holstein keinerlei Beziehungen irgend welcher Art zu den Richtern in der Strafsache Milewski gehabt hat. und daß diese Herren dem Herzog gänzlich unbekannt sind. Wichtiger als diese Erklärung wäre eine Vernehmung des von der Angeflagten be- nannten Zeugen, um klarzustellen, ivclche Thatsachen sie zu der von ihr vorgetragenen Behauptung veranlaßt haben. Vermiscdres. Ein schwerer Eisenbahuunfall. Aus Köln wird gemeldet: Gestern abend nach 8 Uhr stieß auf dem Oberländer Ufer in einer Weiche ein aus drei Wagen bestehender Zug der Köln— Bonner Ufcrbahn mit einem Zuge der Kölner Straßenbahn in voller Fahrt zusammen. Bei dem Zusammenstoß wurden die Vorderfllire der beiden aufeinanderfahreudcn Triebwagen zertrümmert. Wie die „Kölnische Zeitung" mitteilt, wurden acht Personen schwer, mehrere leicht verletzt. Einer der beiden Wagenführer ist bereits gestorben. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht festgestellt. Wenn der Herr Kaplan auf Reisen geht... In der Erzählung „Der gastfreie Pastor" gibt Erich Hartleben eine köstliche Satire auf tvirkliche und markierte Naivität. Von Naivität nicht behindert, in der Befriedigung deS Wissensdranges war ein Kaplan, dessen Reise- abentcuer die„Arb.-Ztg." in Dortmund also erzählt:„Ein Kaplan ans einem Städtchen im Müusterlande war nach Dortmund gekommen und hatte in einigen nicht ganz einwandfreien Kneipen sich ergötzt. Endlich mietete er eine Droichke und ließ sich nach einer Straße bringen, die erst vor kurzem den Namen geivcchselt hat. Don mag es ihm gefallen haben, denn er blieb vier Tage hier in Dortinund. Er fuhr wiederholt nach der Straße mit dem neuen Namen, bis ihn eines schönen Morgens ein Droschkenkutscher, von Hut und Ueberzieher entblößt, vorfand. Ebenso hatte er die Uhr dort gelassen. Der Kutscher be- förderte ihn zur Stadt, wo der fromme Mann nicht bezahlen konnte. Es stellte sich heraus, daß er in einem Hause in der W.-Straße eine beträchtliche Zeche schuldig geblieben war. Er ging dann noch in eine Wirtschaft am Burgtor, gab inehrere Kognaks aus und konnte auch da nicht bezahlen. Schließlich wurde er von einem Polizisten mitgenommen, aber bald darauf wieder gesehen. Vielleicht steht der Herr Sonnlag auf der Kanzel und predigt gegen Unsitl- lichkeit und Völlerei." Für de» Juhnti ocr Jnlerate «beriiimi»» dle Redoktio» dem Pnvlikni» gegeniiver keinerlei Zterfl»n»orn>»fl. €hcatcr. Mittwoch, den 14. Februar. Aiisnug 71/, Uhr: OPeruhanS. Fra Diovolo. Schauspielhaus. Othello, der Mohr von Venedig. Dentfches. Der Kausinann von Venedig. Weste»,«chützenliefel. Berliner� Hans in allen Gaffen. Neues. Salome. Ansang 8 Uhr: Schiller«». tWallner-Theater.) Königsglaubc. Schiller(Friedrich Wilbelm- slädlischcS Theater). WanjuschlnS Kinder. Sessiug. lind Pippa tanzt. Kleines. Kinder der Sonne. Komische Oper. Der Corregidor. Residenz. Der Prinzgemahl. Trianv». Loulou. Lnstipiclhans. Der Weg zur Hölle. Thalia. Bis früh um Fünse. Zentral.. Bruder Straubmger. Uileiropol.'Aus ins Mctropol. Walhalla. Nach Asrita, nach Ka- merun. Carl Weist. Dle lebende Brücke aus Kuba. Lniie». Die lustigen Weiber von Windsor. Teniich Zliuerikauisches. Er und Ich- Kasino. Die goldene Brücke. Zlpollo. Insel Tnlipatan. Im Erl- scttcn-Knbarett. Spezialitäten. Hcrrnfeld. Familientag im Hause Prellstein. Folics Caprice. Nach dem Zapsen- streich. Der Bcheme. Bellc-Alliancc. Der grüne Teufel. Spezialitäten. Wiiitergarien. Otto Ncutler.— Spezialitäten. Neichshaltrn. Stettincr Sänger. Passage. Spezialitäten. llriinin. Tanbruftraste 48/49. Abends 8 Uhr: Am Gols von Neapel. Stermvarte, Jnvalideiisw.. 57/62. Zöftliw neölinei mm I bis 7 Udr. Berliner Theater. Abends 7'/, Uhr: Hans in allen Gassen. Donnerstag: Oer Widerspenstigen Zähmung. Freitag: Die Jüdin von Tolede. Sonnabend: Hans in allen Gassen. Heues Thealer. Ansang 8 Uhr: Salome. Donnerstag: Ein Sommernachts- kraiim. Freiing: Boubouroche. Die Neuvermählten._ Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Kjiidtr der Sflimt. Donnerstag: Kmdcr im Sniuit. Urania 1,;%;: Abends 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Sternwarte ITÄ Hch Iiier Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbeater) Mittwoch, abends 8 Uhr: littlllLNjpIauIlQ. Ein biblisches Drama in 5 Auszügen von Hermann Städte. Donnerstag. ade» ds3 Uhr: Ctyprleiin«. Freitag, abend» 8 Uhr: Z?apkon»>tr<-koki._ Tlieater. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Mittwoch, abends 8 Uhr: �VnrijiiNolilnR Kindor. Drama in 4 Akten v.®. A. Naidionow. Deutsch v. Hans Kausmann u. M. Lie. DonnersIag.abeiidS8Uhr: Heber an.crc Kraft. Freitag, abend» 8 Uhr: Zum erstenmal: IHe Klacht der nnHterni.. Frledrichstr. 165. Ohne 8xtra-8ntree. Bergbewohner Abessiniens. 65 Eingeborene Männer, Weiber und Kinder, sowie das Baby„Berolina"®' Eintritt 5V Pf, Komische OpeK Mittwoch, 14. Februar, abends 8 Uhr: Der Corregidor. Donnerstag und Freitag: Don Pasquale. Sonnabend; Hollmanna Erzählungen. Sonntag nachm. 3 Uhr: HeHmanns Erzählungen. Abends 8 Uhr: Don Pasquale_ Lulsen-Thealer. Abends 8 Uhr: Die lustip Weiber von Windsor. Donnerstag: Die lustigen Weiber von Windsor. Freilag Benefiz sür Hrn. Waid: Die KariSschülcr. Sonnabend: Der Störenfried. Die Dienstboten. Sonntag nachmittag: Die lustigen Weiber von Windsor. Abends: Die Anna-Äse. Montag: Die Annc-Lise. LustspieShaus, Allabendlich abends 8 Uhr; Der Weg m Hölle. Melropol-Theaier u i ; Anfang 8 Ulir. Große Ja)iresreTTier mit Gosnng ii. Tanz in 9 Bildern v..Tnl. Freund. Musik von Viktor Hollaendor. Rauchen in all. Räumen gestattet. JffoabiUesßllsßhiftshaus. Wielefstr. 24. Jnh.: H. Peters. Jeden Mittwoch: Original Ziardurger 8llnger Direktion: K. Frlck u.Kasehe-Krause. Auf. 8 Uhr. Entrec 20 Pf. Vorzugskarten gelten. Nachher: l'a NZK» n lkeuericheimmgen im fanuar m DerpolitifdKtnanenftrelk und die Sozialdemokratie Separatabdruck der Ver. Handlung aus dem Parteitage in Jena. 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Februar, alienOs 8 Dbr; Fest-Vorntcl lang anläjjich des 25 jährigen Künstlerjubiläums von Adolf Philipp. Billetts sind jetzt zn haben. Walhalla Theater llod) Afrika, titidj fwinrmn. Ausstatlunaspoffe in 6 Bildern. Ans. 6 Uhr. Rauchen überall gestattet. Rrties Caprice Budapester Possen• Theater 132 Linlenstr. 132, Ecke FriedrichstraBe.— Zum 140. Male: Xacb d. Kapfcneitrclcb. Vorher: Der Beheme u. d. ausgezeichn. Spezialitätenteil. Antang 8 Uhr. Borverk. tagt. b. Werthelm u. an der Theaterkasse von 19 Uhr vor- mittags an. taQS-IilöStA.[ Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr.* Miß Gertruds,» Tänzerin. Karl Bernhard, der Humorist. = Vierzehn Nummern.--- nUnil Pepi singt" (Pepi KasinosTheater Leihringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Nur noih bis l. März inkl. Die goldene Brülke. Am 2. März zum erstenmal: Die Herren Tähne. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Hotel Klingebusch. XI. Berliner Saison. Zirkus Büsch. Neu!~Wt Böf Sensationell! Der automatische Mensch. Zum ersten Male in Europa. Noch nie dagewesen!"9g Herr Ernst Schumann, 6 neudressierte arabische Vollblut- hongste. Zum Schluß /um SP/, Uhr): Zum 87. Male Die neueste und grdCte Sehenswürdigkeit Berlins: + Indien. � Origin.-Mnnego-Äusstattunga- stück des Zirk. Busch in 8 Bild. Besonders hervorzuheben: Eine Wilwenverbrcnnung. Carl WelO-Thealer. Gr. Fmiiffuitcrstr. 132. Täglich abends 8 Uhr: Die lebende Brücke auf Kuba. Großes ameritan. sensatianelleZ AuS- staltungsstück mit Gesang und Ballett in 7 BUdern von James gor. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Hübe- zahl und das lustige Schneiderloin. Residenz-Theater. Oirehtion: Riehard Hieran der. Heute und folgende Tage 3 Uhr: Der Prinzgemahl. Saiirlscher Schwant in 3 Akten van L. Taiirof und I. Chaneel. Sonntag nachm. 3 Uhr:•eniie. palast- Theater Burgstr. 24, 2 Min. v.BH. Börse. Täglich 8 Uhr. Entree 56 Pf. Luxenie Schiilreiterin im Herrensatlel mit GoldsuchShengst Monte Chriltc. Ol hello"iSr Miß Astre Norton die zweite Dastaret. La belle Leona GelenkpHantastin. 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Der Leiermann ondseiDPllegekiiiil. Original-Pallsstück in 4 Auizügen von Charlotte Birch-Pfeiffer. Anfang 8 Uhr. Kaffeneröffniing 7 Uhr Vorzugslarlen haben Gültigkeit. Apollo-Theater. Nur neue Spezialitäten und Kodsni mit Iciiien vierbeinisicn Komikern. listsnleiinii» der Meister ScIbstvertcidlgungSlchre> Vorher: vis Insel Tulixalsn, Operette. Sonntag, den 18, Februar, nachm, 3 Ubr: L.-oöo sssmilienvoritellung: öoellnee l.u HlHnsstr. KS., \'cn! m SMT* Wen!> Die Elite-Liliputaner-Truppe| die kleinsten VorlragSkünfller und i Sterne der Liliputaner der Welt. Die Fug- Künstlerin»argarate Marjot. Heilseherin Armida, wahr-| sagende Wundcrdame. Pluto,, Wunderhahn, geb. mit 4 Beinen, 2 Körpern, 1 Kops, lebend.:c. Riesen, Zwerge, Phänomen,[ Fakire usw. Vwww Gustav Behrens Spezialitäten- Theater Frankfurter Allee 85. Die größte Sensation des Ostens sind Die kleinen Mäitehen von Berlin. Im zweite» Bilde: Die sechs schönen Manolizigaretten. Auherdem X daS neue Februar-Programm. X Horitzplutz. Täglich � tu den untere» Sälen � liottZchalli-Konxert. Arnold Scholz_____ LM- Täglich: Bock- Biei* Hasenheide 108-114 Baron 31 a c k 1' s Baacrn- kapclle. 30 bayerische Madl' Anfang 7 Uhr. Enttee 30 Ps. Voriötö Elvsinm lioinniandaiitonKtratS« 3/4. Um O1/. Uhr; Austreten deS berühmten Stegreifdichters Paul Steinitz. Ganswinds jetzt fert. Flugmaschine ls. Adregb.) zu besicht. Inglich von 10 biS ö. Um 11'/a, 4 u. b1/. kurze Erklärung mit Anlassen des MotorS. Eiutt. 1 u. 2 M. NurkurzcZeit. 205/9* tiilmiiodilfzlises! Jedermann wird unt. jachmännischer Leitung schnellstens zu erstllassigein Chautteur ausgebildet. Prospelte frei. �.iitoniol»»I-'?'O«'I>niIi,,»> »Perliu-, Spichernstr. iijiS. Verein für f rauen u. �ladchcn der Arbeiterklasse. Sonntag,!! 18. Febr., abends 6 Uhr. in den Arniinhallen,Koniniandnntenstr.20: & 7. Stiftnngs-Tesi& Mitwirkende: Festrede: Dr. Jlanrcnbrecher. Rezitation: Frl. ITInrln Holgors. Violin-Virtuosin; Biß Annic liuxcmbnrg und ein Quartett von Herrn Kapellmeister Baxii». Fischer. 55/5 SV Billetts a 30 Pf. bei: Jordan. Lübeckerstr. 43; KDhnemann, Müllerftr. 160; Kulicke, Prinzeustr. 102; Deutschmann, Zorndorserstr. 11; Matschke, Wolgasterstr. 8; Lleinkopt, Schwedterstr. 34; Xlotzsch.Koppcnstr. 81. Gäste willkommen.— Kinder haben keinen Zutritt. Frledrictisderg. Fernsprecher Nr. 8. Frankfurter- Chaassee 5. Jeden Sountag: Or. Bali""'�Bütfer?� öeden /dtttsvoch: humoristische Soiree der Willn Waide-Säuger. Vollung- Familien- Rräözchen. 56582* Gebr. Arnhold. v Bous haben A Gültigkeit. Niauliach Iffnr?"b 1. 4. 1 Wohnung 36,50 M.. und 1 Wohnung 0, m i iimhm 22 M. mon.. d. Stock I Et............ freireligiöse Gemeinde, Berlin. Sonnabend, den 17. Fcbrnar 1906, in den Andreas-Festsälen, Andreasstraße 21: Großer Wiener Maskenball. Billetts a 50 Pf. sind bei folgenden Komiteemitgliedern zu haben: O. Jiinicke, Schöneberg, Goltzstr. 4, Hof IV; Frau Bai, lliar�t, Alexandrinenstr. 21. vorn IV; v. Okrlateaa, Mühlenstr. 49, vorn IH; Bohne, Kopenhaaenerstr. 15, Hof I; W. Bohne, Hochmcisterstr. 26, Hof IV; P. Halbaner, Krautstr. 36, Quergeb. LH; P- Knhirte, Immaiiuclkirchstr. 15, rechter Seitenflügel IV; Th. Jerwin, Urbaustr. 6, Hot rechts IV; B. 8nl«l. Kreutzigerstr. 21, vorn IV A. Kowalsz.yk, Dalldorferstr. 5, Laden; B. Schröder, Passauerstr. 3 und in unseren Billett- stellen: W. Boerner, Rittcrstr. 15; H. Bohsien, Kommandantenstr. 62; G. Dien«, Wilhelms havenerstr. 61; B. Vogel, Demniinerstr. 32; H. Ziehm. Bernauerstr. 43; M. Intemn Elbingeistr. 19; ZU Wendt, GreifSwalderstr. 208, Hof IV; W. Krause, Pavpel-Allee 15/17; W. Schrolle, Landtvehrstr. 3; A. Kiehurg, Adalvertstr. 86; M. Mix, Skalitzerstr. 59; J. Wiedemann, Frankfurter Allee 47;€. Rott, Straszmaiinstr. 29; C. Voigt, Koppenstr. 34 und bei unserem Kasienboten A. Bäder, Cremmenerstr. 3. 65/7 Anfang S'/s Uhr. Bas Komitee. Achtung! Achtung! Oerband der Arbeiter u. Arbeiterinnen der Näsche- und Krawattenbrancbe. Mittwoch, den 14. Febrnar 1906, finden abends 71/3 Uhr, 12 A�itationss Versammlungen aller Arbeiter, Heimarbeiter und'Arbeiterinnen der Wäschebranche in nachstehenden Lokalen statt: Wernau, Schwedterstr. 23—121, kl. Saal. Buchholz u. Co. Berolina, Schönhauser Allee 28, gr. Saal. Wolfs u. Gtaserscld. Berolina, Schönhauser Allee 28» kl. Saal, 1 Tr. Nürnberg, Cohn u. Ellenburg, Frontheim, Cohn u. Samuel, Behrendt, Schwerin, Plaut u. Zöllner, Filiale Sternberg, Filiale Wolfs u. Glaserselo. Germania-Säle, Gftaufseeftr. 103. Gebr. Ritter, Filiale Stcrnbera, Filiale van Laak. llebcrholz, Linienstr. 10, Lothringerstr. 400. M. Rietz, Bohmhammel, Zwanzig, Friedländer u. Rappaport, Blume, Rix u. Wegener. Borde, Reue Königftr. 7, kl. Saal. I. Eichcnbcrg, Wolfsrad u. Wolfs. Borde, Neue Königstr. 7, gr..Saal. P. Berner, Hauser, Sickermann, van Laak, Schmitz u. Eltschig, Blumenau u. Sohn. Schühenhaus» Linienstr. Stcrnberg jun., Rose u. Stern, Meyer sen., Kraft u. Jacoby, Gebr. Borchardt, A. R. Freyer. Horstmann, früh. Becker, Frankfurter Allee 127. E. Grünbaum. Buft Ballsalon, Gr. Frankfurterstr. 83. Besatz u. Rosenthal, Jacoby Nächst., Karpe, Gebr. Köhler, Gottheim, Fritze u. Botz> Philippsohn u. Lcschziner. Plättcisen, Schillingstr. 30. Stein Söhne, Mautner u. Cronheim, Gabriel, Graudt, Anschel u. Co., I. Jacoby, Wohl u. Heymann, WitthauS, Arndt. Ladewig, Alte Jakobstr. 83. Müller u. Sutzmann, Moste, Ehrmann u. Co., Bnkoszer, W. Lewin, Isaak, Sulinger. TageS-Ordnung: 1. Wie stellen wir uns zu den allgemeinen Frage» bei unseren Tarifen? Welche Normen schaffen wir für Lohnarbeiter? 2. Diskussion. Kollegen und Kolleginnen! NM- Erscheint in Massen in diesen Versammlungen, gilt es doch Klarheit zu schaffen über alle Fragen. Da nun einige Unternehmer versuchen, von der allgemeinen BafiS abzugehen, die meisten eS bis heute nicht für nötig befimde» haben, trotzdem ihnen die Tarife schon wochenlang unterbreitet sind, mit ihrer Arbeiter- schast zu verhandeln, haben wir alle Veranlassung, jetzt selbst Hand anzulegen. Lange genug sind wir geduldig gewesen, genug Worte sind gefallen, nun wollen wir endlich Taten sehen. Auch müssen wir für die Hcinmrbeitcr die gleiche Bezahlung wie in der Fabrik verlangen, da wir sonst Gesahr lausen, daS Zwischenmeistersystem weiter auszubauen. Aber auch die Kollegen, die im Lohn stehen, müssen berücksichtigt werden, auch sie haben für die Ver- besserung unserer Verhällnisse mit unS Schulter an Schulter gekämpft, darum lasten wir sie jetzt nicht im Stich. Lausen wir doch Gefahr, selbst darunter leiden zu müssen. I» den Fabriken, wo die Tarife schon festgelegt sind, ist noch manches versäumt worden, desHall müsten auch diese Kollegen und Kolleginnen in den Versammlungen erscheinen. Der 1. März ist bald da, waS dann geschieht, kann heute niemand sagen.. Darum Kollegen und Kolleginnen, Heimarbeiter und-Arbeitennnen, organisierte und unorganisierte, erschewt zahlreich in diesen Versammlungen."Beweist durch Euere Beteiligung, datz die Siebener-Kommisston, die Euere Interessen vertreten mutz und soll, einen festen Rückhalt an Euch hat. Die Heimarbeiterinnen und die Unorganisierten sind ganz besonders eingeladen. Die Heimarbeiterinnen, ebenso die Arbeiter und Arbeiterinnen gehen nach den Versammlungen, wo ihre Firmen, bei dcucn sie arbeiten, ausgeführt sind. Die. Plätterinnen werden ersucht, an diesem Tage pünktlich Feierabend»« machen, da die Versammlungen um 7>/, Uhr ihren Ansang nehmen. Parteigenossen l Entsendet Euere Frauen und Töchter in diese Bersammlunge«. ———————: Um weiteste Verbreitung wird gebeten. 252/2 Der VorBtand. Die SlebenorkommlBBion. »S»»»« Verl asTn T ellus-Zivaretten __.. 58342» a a garantiert Handarbeit Mit peiniiehster Sorgfalt von bestbezahlten Zigaretten-Arbeitern hergestellt!4 JÄ. Sutze, Orientalische Zigaretten-?abrife„Tellu s". Serlln W. 54. Ual-fM t MM Deitsi Donnerstag, den 15. Februar, abends SlU llhr: Außerordeutl. Generalversaiuinlung iu den Residenz-Sälen, LandSbergerstr. 31. TagcS-Ordnung: I. Wahl des zweiten Bevollmächtigten. 2. Bericht und Neuwahl der Beschwerdckommission. 3. Bericht und Neuwahl der Vertreter der Gcwerk« schasts-Äommission. 4. Verschiedenes. SV Mitgliedsbuch legitimiert. MOS Die Ortsverwaltnng. Sonnabend, den 17. Februar, findet im Schweizergarten am Königstor der Idaskenbnll statt.— Billetts zu 50 Pf. sind im Bureau, bei den Vertrauensleuten und in den Zahlstellen zu haben._ 169/1 a Achtung! Küchenmöbel-Branche! Am Donnerstag, de» 15. Februar, abends 8>/., Uhr, im„Englischen Garten", Alcxandersiraße 27 c: Vertrauensmänner'Versammlung für Tischler, Maler und Maschinenarbcitcr dieser Branche. TagcS-Ordnung: 80/2 1. Bericht der Kommission. 2. Branchcnangelcgenheiten. 3. Verschiedenes. ifV' Auch die Werkstätten von Rixdorj und Weitzensec werden ersucht, vcrttelen zu sein. DleKomniistslon. ia Hirt Deutschlands.(Zahlstelle Berlin.) Freitag, de« 16. Februar 1906, nachmittags 5 Uhr, beim Kollegen Funke» Triftstrafte 11: W Versammlung-WZ Tages-Ordnung: 69/6 1. Wie stellen sich die Kollegen zur Gründung einer EiiikausS-Gcnosscn- schast. 2. Ausnahme neuer Mitglieder. 3. Vcrbandsangclcgenheiten. _ Die Ortwverwaltnng. ZnhlstcUe SchUnebcrg. Donnerstag, den 15. Februar, abends 8'/« llhr, bei Obst, Metilingerstrasse 8: Mitglieder- Uerjannntnng. Tages-Ordnung: 1. Wahl eines stellvertretenden zweiten Bevollmächtigten. 2. Durch« be ratung der Anträge zum Gautage. 3. Vcrbandsangelcgcnhciten und Ver- schtedencS. ES ist Pflicht jedes Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. 80/4 Die Ortsverwaltung. VeremipngderFiieseßleger Deutschlends,(Ortsverein Berlin. Abt. I u. II.) Donnerstag, 13. Februar, abends 8'/, llhr, im„Renen Klubhaus". Konimnndantensir. 72: Außerordentl. Mitgliederversammlung. TageS-Ordnung: i- Unsere Antwort auf die fortgesetzten Angriffe deS Maurerverbandes gegen unsere Organisation. 2. Diskussion. 3. Tätigkeitsbericht deS Ausschusses der Wt. I und Neuwahl dersclle». Zahlreichen Besuch erwartet 287/18«__ Der Vorstand. I. A.: Alhort Schacht. HergoEder! (Filiale Berlin.) Montag, den 19. Februar, abends präz. 8 llhr, in de» Arminhallen, Kommandantenstratze 20(grotzcr Saal): Mitglieder' Uerjammillllg. TageS-Ordnung: 1. Idehtbndervoi'tciig.„Die Entstehung des LebenS aus der Erde". Vortragender: Herr Ducge. 2. Diskussion. 225/4 3. Anträge zur Generalversammlung. 4. Verschiedenes. ES wird ersucht, pünktlich 8 llhr zu erscheinen. Der Vocstand. Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkeftrsarbelter Deutschlands. Ortsverwaltung Charlottenburg. W""»' GkiilOn unb(5fiiof|inncn. �h"is! Montag, den IS. Februar, abends 9 llhr, im Bolkshause, Rosinenstr. 3(gr. Saal): Großer �idiltltlher- Hortröjj des Genossen Ingenieur örkliipö über: Nussische Kultnrznstände u. jüngste Borkommnisse. Einttitt a Person 20 Ps. Um recht zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Der event. Ueberschutz soll den russischen FreiheitSkämPsern überwiesen werden. 67/6 D. O. 20 Mark Belohnung. Im Hause Äl?r|tgTlr» 13 ist ein Paket, enthaltend drei Zeichenbücher»nd ein Orderbuch verloren worden. Wieder- bringern obige Belohnung. Abzugeben Lippehnerstr. 12, 2 Tr. rechtS. 88/19 Vollcsksttee una Speisewirtschaft Prlnzenstr. 78, neben der Turnhalle. 1582« Mittags- und Abendtisch, Speise» von 20 Pf. an in grotzcr Auswahl. Bouillon und Kaffee zu jeder Tageszeit. GrotzcS Vereins- zimmer, empsichlt Heinrich Hoppe, srühcr Ackerstr. 21. Zentraberband der Maurer Beulsehlands. -jweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Freitag, den 16. Februar 1906, abends 8 Uhr: General- Versammlung. W im Gei-verKIcKaktsKaure, Sngel-vlfer9 T.-O.: 1. Bericht der Kommission über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern. 2. Diskussion hierzu.— Alle LandschastSgehülsen und Garten- arbeiter haben pünktlich zu erscheinen. vi» Lohnkommission. ü» Diesenpsten 130 cm breite bunte JVfocket vornehm, haltbarer Möbelstofi fiiintpersisebe Blmueninuster inyfthr- pj 85 pr. Meter tJP Wert 750 Extragreis Bei Abnahme K 15 m Klst« ganz. Stücke«*51. P ul». Teppicb-Spezialhaas EmilLefevre Be�a 0ranienslp.!58. KJede: Vort: <• Ptg. uchitabt £-10 fCleine /inzeigen. lählen do�\ fi jHHlnB rA für die Anzeigen Numme Mtg0druckt§ I* Ptg» Worts mit mehr en zählen doppeU Verkäufe. Jnveutur-Ausoerkaus. Gardinen 10 Prozent Rabatt. Fenster kz.vei Schals) 140, 185, 225. 285. 350, 485, 575, 665 usw. 120lSl+ Angeschmutzte 1, 3, 3 Pressen. 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In der Leisten- u. Bllderrabmen- fabril von S»i«n»nnd L'elgl in Lieben in Böhmen, welche in Berlin Arbeitskräfte sucht, befinden sich die Kollegen im Streik. Zuzug ist sernzubalten! 80/3_ Die Ortsverwaltuug. Achtung! Achtung! Daichandwerker! Seit Donnerstag, den 1. d. Mts., befinden sich die Fliesenleger de» Maurerverbandes in einer Lohn- bewegung. 137/13 Sämtliche Bauten folgender Firmen find ge«p«rrt: R. Schässer, Warnebold u. Nasse, Schmalisch u. Below, Fromm u. Hann»,»arsch. Lehmann. A. Pick. Gohlke. Rosenfrld, Ende, Btlleroy u. Boch, C. Rcbolossky, Pcrino u. Eo.. Gedr. Bogel. Xuzug Ist fernzuhalten! Wir ersuchen die Bauhandwerkcr um strenge Beachtung obiger Sperr» nottz. Die Firmen: F. Keller. F. Pflüger, M. Zander, I. Döfcher, Bilski, H. Schassran, Kublank, Körner, Wolf. Werber, Ramin haben unsere Forderungen. miierschristlich anerkannt. Die bei diesen Firmen arbeitenden Fliesenleger müssen sich durch eine gelbe Arbeitskarte ausweisen. Zeotralverliaiiil der Maurer. FOr die Streikleitung: g. A.: Felix Breiske. Kürschner! Die Werkstatt des Hofkurschuer- meifterS Karl Malbach, Unter den Linden 07, ist wegen Mast- regelung sämtlicher organisterlen Kollegen und Kolleginnen gesperrt. Zuzug ist streng fernzulialte«! Der Borstaud deS Deutschen Sürschnerverbandes. Zahlstelle Berlin. Der Borstaud des Verbandes dcrKiirschncr Berlins und Umgegend. 102/3 veulseder»oliardetter» Verbaiid. Wegen Streik und Differenzen ist Zliiiill fnaDhalte« vonBilderrahmeninnchern. KreiS sägenschneidern und Dischlern von der Firma Beck u. Eo., Reander- straße 4, und Schlefischeftr. 42; von Dreppengeländer- Arbeit«« (Drechsler. Dischler, Stellmacher. Polierer, Maschineuarbeiter und Bildhauer) von derTreppengeländer- fabril Joseph Drechsler, Gubener- straste 33; von Drechslern von Pauitsch, Brunnenstr. 79; von Korbmachern von Knorr, FriedrichSberg, Franks. Chaussee 127; von Perlmuttarbeitern u. Knopf- machern von der Firma Abramowski u. 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Jnvalidenstr. 124. lV»rda'«At«n: Karl Anders, Galzwedelerstr. S. Südwesten: Werner, Mittenwalderstr. 30. Schröder, Kreuzbergstr. 15. Süden: St. Fritz, Prinzenstr. 3l. F. Gutschmidt, Kottbuscr Damm 8. iöüdosten: Paul Böhm. Laulitzer Platz 14/15. P. Horsch, Engel-Uier 15. Ohnrlettenhiirg: G. Scharnberg. Sesenheimcrstr. 1. Frledrlehsherg: O. Seikel, 5kronprinzenstr. 50. Bixdnrf: M. Heinrich. Prinz HandjerHstr. 7. Eonrad, Hermannstr. 50. �chvnvherg: Wilh.Bäumler, Martin Lutherstr. 51. HVeMense«: W. ReSke.«edanstr. 105. Jul. Schillert, König-Chauffee 89», Beinlckenderf: P. Gnrsch. Provwzstr. 108. Äerantlvortlicher Redatteur: Kans Weber« Berlin, Zur den Inseratenteil veraritw.l TH. Glocke, Berlin. Krück u. Verlag: BorwärtsBuchdruckerei u. Vcrlagsanstalt Paul Singer Lc Co.. Berlin S\V. 9t. 37. 23 Mr«. Z. WM KtS.FljliUllS" Ktllllltl WlllSdlllt». mmil' 14'M. Preußischer Bergarbeiter- Delegierteutag. Essen, den 12. Februar 1906. 2. Verhandlungstag. Borsitzender K ö st e r eröffnet kurz noch S Uhr die Verhandlung. Die Regierungen in Arnsberg, Münster und Düsseldorf sind durch Bezirkskommissare vertreten. Auf der Tagesordnung steht heute zunächst die Frage deS ReichsüerggrsetzeS. Referent Reichstagsabgeordneter Sachse begründet folgende Resolution: Die am 12. Februar in Essen tagende, von allen wichtigen Bergrevieren beschickte Konferenz der organisierten Bergarbeiter aller Richtungen, hält nach wie vor daran fest, dah ein Berggesetz fürs ganze Reich geschaffen wird, damit neben der Regelung bergrechtlicher Fragen auch für die Arbeiter im ganzen Reich genügender Schutz geschaffen und auch das leidige Knappichastswesen in dem Sinne reformiert und einheitlich geregelt wird, wie es im März 1965 der preußische Bergarbeitertag beschloß. Sollte jedoch die hohe Reichsregierung noch abgeneigt sein, zur- zeit ein einheitliches Reichsberggcsetz zu schaffen, so ersuchen wir dieselbe und den hohen Reichstag dringend, die Gewerbeordnung noch in dieser Session zu ändern, daß zum Schutze der Bergarbeiter folgende Borschriften eingefügt werden: 1.») Die Schichtzeit darf in Bergwerken, Salinen und Brüchen 8 Stunden nicht übersteigen. Die Ein- und Ausfahrt einschließlich der Seilfahrt, ist in die Schichtzeit mit einzu- rechnen. b) Vor Betriebspunkten, welche über 22 Grad Celfius Wärme aufweisen, darf die Schichtzeit nicht über 7 Stunden und «) vor solchen Betriebspunkten von über 28 Grad Wärme oder wo zu große Nässe sich vorfindet, 6 Stunden nicht über- steigen. 2. DaS Verfahren von Heber- und Rebenschichten, soweit solche nicht zur Rettung von Menschenleben und bei außerordent- lichen Betriebsstörungen erforderlich find, ist bei Strafe ver- boten. 3. DaS Nullen der Förderwagen ist verboten. Der Lohn für die geförderten Mineralien ist in Zeitlohn oder nach Gewicht zu berechnen. Die Fördergefäße müssen aber in bezug auf ihren Rauminhalt, als auch ihr Leergewicht amtlich geeicht fein. Der Rauminhalt und Leergewicht müssen stets deutlich sichtbar an jedem Fördergefäß angebracht sein. Den Arbeitern ist es gestattet, zum Zwecke der Wagenkontrolle, mittelst geheimer Wahl, jede Schicht für sich, einen Vertrauensmann aus ihrer Mitte zu wählen. Den Lohn hat der Arbeitgeber vorschußweise zu zahlen, er hat ihn am Lohntage vom Lohne der beteiligten Arbeitern wieder in Abzug zu bringen. 4. Die Gesamtstrafen in einem Monat dürfen für den einzelnen Arbeiter einen einfachen Tagesdurchschnittsverdienst nicht über» steigen. Strafen, welche höher als eine Mark für den einzelnen Arbeiter im Einzelfalle sind, können nur nach Anhörung und Zu- ftmimung des Arbeiterausschusses festgesetzt werden. S. Wird in Betrieben von Bergwerken der Lohn nach Gedinge «Akkord, Stücklohns berechnet, so hat der Arbeiter, falls keine Vereinbarung über die Höhe des Lohnes vor Beginn der Arbeit zustande kommt, unbeschadet der Anwendung deS§ 316 des Bürgerlichen Gesetzbuches einen Mindestanspruch auf den durch- ichnittlicheu Tagesarbeitsverdienst, der für gleichartige Arbeit gezahlt wird. 6. Sofern in Bergwerken Einrichtungen bestehen, zu denen die Arbeiter Beiträge leisten, find von den beteiligten großjährigen Arbeitern in geheimer Wahl gewählte Vertreter oder der ständige Arbeiterausschuß entsprechend den Beiträgen, mindestens aber ebenso stark zu beteiligen als die Bergwerlsbesiyer. 7. Im Falle der Auflösung des Arbeitsverhältnisse» muß dem Arbeitnehmer auf fein Verlangen die ihm überlasiene Wohnung bis zum Schlüsse des der Kündigung der Wohnung folgenden Monats, gegen Erstattung der bisherigen Miete, belassen werden. Eni- gegenstehende Vereinbarungen find rechtsungültig. 8. Zum Zwecke der Sicherung von Leben und Gesundheit der Arbeiter wählen die in Bergwerken. Salinen, Aufbereitungs- anstalten und unterirdisch betriebenen Brüchen oder Gruben beschäftigten volljährigen Arbeiter in unmittelbarer und ge- heimer Wahl Grubenkontrolleure als HülfSbeamte der Berg- auffichtsbeamten. Dieselben haben die Gruben- und Tages- anlagen in bezug auf die Sicherheit zu befahren und auf Beseitigung vorgefundener Mißstände zu dringen, sowie sich über die daselbst vorgefundenen Unfälle zu unterrichten. Die näheren Bestimmungen über die Zahl der Gruben- kontrolleure und über ihre Befugnisse trifft die höhere Ber» waltiingsbehörde. Die Kosten für die Grubenkontrolleure wägt das Reich. 9. Für alle Bergwerke. Salinen, AufbereitungSanstalten und unterirdisch betriebenen Brüche oder Gruben, auf welchen in der Regel mindestens 20 Arbeiter beschäftigt werden, muß ein Arbeiter- ausschutz vorhanden sein. Derselbe wird von den volljährigen Arbeitern in unmittelbarer, geheimer Wahl auf Grund der Ver- hältniswahl aus ihrer Mitte gewählt. Die zu Wählenden müssen cht Jahr auf der Grube beschäftigt und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sein. Der Arbeiterausschuß ist vor Erlaß oder einer Aeuderung der Arbeitsordnung zu hören. Er hat alle Wünsche und Beschwerden der Arbeiter zur Kenntnis des BergwerkSvesitzers zu bringen. Er kann auch selbständige Aitträge zur Beseitigung von Mißständen stellen. Bei Differenzen wegen ungenügender Bezahlung im Ge- dinge oder ungerechter oder zu hoher Bestrafung, kann der Arbeiterausschuß zur Vcrmittelung und Beilegung der Differenzen angerufen werden. Er hat. falls leine besonderen Arbeitervertreter hierzu gewählt sind, die UuterstützungSkasse, in welche alle Straf- gelder fließen müssen, zu verwalten. Die Grundsätze über Verwendung und Verwaltung der Straf- gelber, ebenso an sich zulässige, aber von den gesetzlichen Vor- schriften abweichende oder diese ergänzende Bestimmungen der Arbeitsordnung bedürfen seiner Zustimmung. Er hat das Recht, die Gruben zu kontrollieren und auf Be° scitiguug vorgefundener Mißstände zu dringen, falls von Ar- bcitcrn aus ihrer Mitte gewählte Gnibenkontrolleure nicht vor- Händen sind. 10. Dem Bergwerksbesitzer und seinen Angestellten ist unter- sagt, die Arbeiter in der Uebernahme oder Ausübung eitles in Geniäßbeit obiger Vorschriften ihnen übertragenen Amtes zu be- schränken. VertragSbestimniungen, welche diesem Verbot zuwider- laufen, haben keine rechtliche Wirkung. 11. Mitglieder der Arbeiterausschiisse, Gruben- und Wagen- kontrolleure dürfen während ihrer Amtszeit nur dann gekündigt und entlassen werden, wenn sie sich Verfehlungen zuschulden kontmen lassen, die zu ihrer sofortigen Entlassung nach§ 123 oder 124it der Gewerbeordnung berechtigen. Des weiteren bitten wir die ReichSregierung und den Reichs- tag. auch recht bald einheitliche Bestimmungen und Reformen für das Knappschaftswescn herbeiführen zu wollen, wodurch die so- genannte Uuständigkeit beseitigt und den Kasseimsitgliedern ihre erworbenen Anrechte in allen Fällen gesichert, beziehungsweise die Rückerstattung der Beiträge garantiert wird, damit sie die volle Freizügigkeit genießen, von der sie heute meist nur bei Verlust ihrer Peusionsrechte Gebrauch machen können. Für Beamte mit über 2060 Mark Gehalt find besondere Peusiouskafle» zu schaffen. Desgleichen ist die Verlreterwahl der Arbeiter auf Grund direkter, geheimer Wahl gesetzlich vorzuschreiben und allen groß- jährigen, aktiven, invaliden und freiwilligen Knappschaftsmitgliedern das passive und aktive Wahlrecht zu garantieren. Schließlich muß auch die gleiche Beitragshöhe für Arbeitgeber und Arbeiter, ebenso das gleiche Verwaltungsrecht gesetzlich vor- geschrieben und ein besonderes Schiedsgericht für Streitigkeiten eingeführt werden, welches in jeder Sitzung mit je zwei Beisitzern aus den Kreisen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer besetzt sein muß. Die Beisitzer müssen ebenfalls aus direkten, geheimen Wahlen hervorgehen. Desgleichen bitten wir auch eine Berufs- inslanz mit vorzusehen. Schließlich bitten wir noch, gesetzliche Vorschriften zu schaffen, daß alle Bergwerke, Salinen, Gruben, Brüche und Hütten ge- nügende Brausebäder flir ihre Arbeiter zu beschaffen haben. In der Diskussion werden lange Reihen von Klagen über die Zersplitterung des Knappschaftsweseus, die hohen Geldstrafen. den Zwang zum Verfahren von Uebcrschichten usw. vorgebracht. So sollen auf den Zechen„Großer Fritz" und„Bismarck" die Arbeiter eine ganze Woche lang genötigt worden sein, täglich Schichten zu verfahren. Auch über das willkürliche Einschmuggeln größerer Förderwagen,„Gardewagen" genannt, durch die Ber- waltung wird heftig Beschwerde geführt. L ö f f l e r- Gelsenkirchen jA. V.) zitiert als volkstümliche Bergarbeiterweise: „Größere Wagen, kleiisire Löhne, Ack>! für uns arme Bergmannssöhne Wird dock immer schlimmer die Not." Lebhasten Widerspruch beim christlichen Gewerkverein ruft Aufderstraße- Essen(A. V.) durch die Wendung hervor, daß die Arbeiterausschüsie. von einer lächerlich kleinen Minderheit gewählt, die Rechte der Mehrheit der Bergarbeiter nicht verträten, sondern vertrampelten. Die Erregung hält lange an, obwohl der Redner sofort erklärt, daß er nicht die gewählten Ge- werkvereinler, sondern die in den Ausschüssen sitzenden Streik- brecher geineint habe.— Zur Sache erklären O l m e r t- Härten und Görke- Osterfeld vom christlichen Gewerkverein, daß die Arbeiter- ausschüsse zwar noch lange nicht genug Sicherheit und Rechte hätten, aber doch so viel, daß sie in der Unterstützungskasse wie bei der Aussicht über die Jnnehaltung des neuen Berggesetzes einiges Gute für die Arbeiter leisten könnten. Auch wollen sie im Strafwesen einen wenn auch sehr geringen Fortschritt darin sehen, daß wenigstens die früher übliche Doppelbestrafnng durch Nullen und Geldstrafe weggefallen ist.— Einen neuen Zusammenstoß zwischen dem A. V. und" den Christlichen ruft die Behauptung von B e r a(A. V.) hervor, daß für die Verlängerung der Arbeitszeit auf 11 Stunden in den lothringischen Vinettegruben auch die vom christl. Gewerkverein auf- gestellten Arbeiterausschußmitglieder gestimmt hätten. H ü s k e S, der dortige Gauleiter des christlichen Verbandes bezeichnet die Mit- teilung als grobe Unwahrheit und verbittet sich für den Fall, daß der A. B. weiter mit ihnen zusammentagen wollte, solche An- rempeleicn und Flegeleien.(Große Unruhe beim Alten Verband. Stürmische Rufe: Zur Ordnung!> Berg hält seine Mitteilungen voll aufrecht und Vors. Sachse erklärt, daß auch auf die Bemerkung eines Redners von den Christlichen, manche Verbändler drängten sich zur Ueberschicht- und Sonntags- arbeit, der A.-V. nicht mit„Flegelei" geantwortet habe.(Stur- mischer Beifall beim A. V.) Kein Verband könne eben für jedes einzelne Mitglied aufkommen. H ü S k e's- Saarbrücken bleibt dabei, daß der ganze christliche Verband als solcher angerempelt worden sei. Bors. K ö st e r bittet sich doch nicht untereinander mit persönlichen Bemerkunaen die Köpfe einzurennen.(Heiterkeit.) Bei der Abstimmung bleibt die Entscheidung über einen Antrag A u f d e r st r a ß e, für die Wählbarkeit zum ArbeiterauSschntz das Erfordernis einjähriger Arbeitsdauer auf der Grube fallen zu lassen. zuerst zweifelhaft. Vors. Köster bittet den Antrag ztirückzuziehcn. Es sei doch kindisch, auf Anträgen zu bestehen, die die Bergarbeiter zersplittern müßten. Aufderstraße widerspricht. Bei Neu- anlegung eines Schachtes würde«ine derartige Bestimmung, die auch Bayern nicht habe, sinnlos sein. Der Antrag wird gegen die Stimmen des Christi. Verbandes angenommen und darauf etnstintinig die gesamte Resolution. Nach der Mittagspause wird in die Beratung der Lohnfrage eingetreten. Referent Effert, der Vorsitzende der Siebenerkommission, schlägt folgende R e s o l u t i o n vor: Die ans Vertretern der Bergarbeiterorganisationen Deutschlands bestehende Bergarbeiterkonferenz fordert für die sämtlichen Berg- arbeiter im Steinkohlen- und Erzbergbau eine sofortige, den günstigen Verhältnissen im Bergbau entsprechende Lohnerhöhung. Diese Forderung ist um so gerechtfertigter, als auf der einen Seite die bisher gezahlten Löhne zum Lebensunterhalt der Berg- arbeiter mit ihren Familien nickt ausreichen, dagegen auf der anderen Seite die Werte zmn Teil sogar uitgehenre Ueberfchüsse abwerfen, welche sich in Zukunft infolge der Preissteigerung auf dem Kohlen- und Metallmarkte noch erhöhen werden, ivährend die Er- nährnng eines großen Teiles der Bevölkerung zurückgeht. Die Konferenz appelliert an die öffenttiche�Meinung bezw. an die anderen Gesellschaftskreise, sowie an die Staats- und Reichs- regicrung, mit dahin wirken zu wollen, daß diese, das allgemeine Volkswohl schädigenden Zustände beseitigt werden und den deutschen Bergarbeitern ein Lohn gezahlt werde, der dem heutigen Werte der geleisteten Arbeit entspricht." Von Aufderstraße- Essen und P o k o r n y-Zwickau(A. V.) wird der Konferenz folgende Gegenresolution unterbreitet: „Die Konferenz der organisierten Bergarbeiter Deutschlands fordert für sämtliche im Bergbaubetriebe beschäftigten Arbeiter eine soforsige, den günstigen Verhälinissen entsprechende Lohn- erhöhung. Die Forderung rechtfertigt sich durch die glänzende Geschäftslage der Bergbauinduslric, welche in Verbindung mit einer Preis- steigerung die Werksgewinne zu einer bisher ungekannten Höhe gebracht hat. während eine bessere Entlohining der Arbeits- leistung nicht stattfand. Die Arbeiter leiden infolge der eingetretenen und durch die demnächst in Kraft tretenden Zollgcsetze sich noch steigernde Verteuerung der Lebensmittel, an Unterernährnng. Dieser gesundheitswidrige Zustand wird durch Ver- fahren zahlreicher Ueberschichten noch verschlimmert. Die Konferenz appelliert an die öffentliche Meinung, Staats- und ReichSregierung und gesetzgebenden Körperschaften, mit dahin wirken ztt wollen, daß diese, das allgemeine Volkswohl schädigenden Zustände beseitigt werden. Den Bergarbeitern der einzelnen Reviere empfiehlt sie die An- strebung eines Minimallohncs und zur Erreichung desselben als wirk- samstes Mittel die Stärkung der Organisation." Schließlich beantragt B e r g e r- Steele(christl. Gewerkverein) folgenden Znsatz; „Die Arbeiterausschiisse werden beauftragt, bei den Zechen- berwaltungen vorstellig zu iverden und eine allgemeine Lohn- erhöhung mit dem Hinweis ans die gute Prosperität des Bergbaues und die gegenwärtige allgemeine Teuerung zu begrirnden. Bei Zechen, ans welchen Arbciternnsschüsse nicht bestehen, werden die Kameraden attfgcfordert. in Bclcgschaftsversanintltmgen besondere Kommissionen zu wählen und sie mit dieser Mission zu beanstragcn." Referent Effert gibt ein reiches Zahlenmaterial: Durch das Sinken der Löhne seit 1900 habe jeder Bergmann 349 M. verloren, die Walzwerk- und Hüttenarbeiter allein durch den Lohnrückgang 1903/64 jeder 122 M. Was besagten demgegenüber die 19 Millionen ArbeitslohnauSsall durch den großen Streik.(Sehr gut!) Fleisch mid Wohnung vcrlangicn jetzt im Vergleich zu 1960 eine Mehr- anSgabc von 116 M. pro Familie. rHort! hört.') Ter Fleischlonsuin sei infolge dessen stark zurückgegangen, die Unterernährung allgemein geworden. 13 Zechen des Ruhrbezirks, von ihm wahllos heraus- gegriffen, hätten 1964 3 Millionen mehr Ueberschutz gehabt als 1903. Deshalb sei es jetzt an der Zeit, daß überall die Arbeiterdelegierten vorstellig würden.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion werden fast durchgehends nur die Beschwerden der einzelnen Reviere vorgebracht. Sonst schiebt noch P o k o r n i- Zwickau in der Begründung seiner Resolution die Haupt- schuld an der gegenwärtigen Teuerung der Zoll- und Grenzsperrepolitik zu, und macht auf die Wichtigkeit der Minimallohnforderung auf- merksam. Bartels- Dortmund fordert die Bergarbeiter auf, auch in den Reichstag keine Lebensmittelverteurer mehr zu schicken. (Unruhe b. d. Christl.) V e e l k e n- Bottrop(christl. Gew.): Auch die Bodenrente verteuert den Lebensunterhalt, ebenso wie die Zölle. (Hört! hört! b. A. V.) Eifriger wird über die Zweck- Mäßigkeit der Anrufung der Arbeiterausschiisse gestritten. Für sie wird ihre gesetzliche Haltung, die guten Ersahrungen in Sachsen und die praktische Zweckmäßigkeit, gegen sie der geringe ihnen gesetz- lich zustehende Konipetenzenkreis und vor allem die Gefahr der Maß- regelnng ihrer Mitglieder sowie ihre vielfache Besetzung mit Uit- organisierten und Arbeitswilligen angeführt. Schließlich wird der Antrag Berger gegen die Stiinmen der Christlichen, der meisten Hirsch-Dunckerschen und des oberschlesischen Polen abgelehnt. Doch behalten die einzelnen Verbände Freiheit des Handelns.'— Inzwischen ist von einer einstimmig gewählten Kommission, der Hne(A. V.j, Behrend(Christl.), Schmidt(Hirsch- Duncker) und zwei Polen angehören, die Resolution Effert durch den Satz ergänzt worden:„Dagegen geht die Ernährung eines großen Teils der Bevölkerung durch die infolge Ursachen verschie- denster Ratur eingetretene außerordentliche Teuerung zurück." Im Schlußsatz wird dann noch die Bedeutung des Mmimallohnes und der Organisattonen betont. In dieser Form wird die Resolution Effert ein st immig angenommen. Eine Resolution zum Brand auf„Borussia" fordert volle Auf- klärung der Schuldfrage. Die Siebenerkommission wird erneut von der Konferenz als Vertretung der preußischen und deutschen Berg- leute anerkannt. Ein Antrag der Zahlstelle Herne des Verbandes, die bestehenden Verbände zu verschmelzen, wird den Organisationen zur Erwägung überwiesen. Im Schlußwort feiert Vorsitzender Sachse die trotz kleiner taktischer Differenzen stets hochgehaltene Einigkeit in den für die Bergarbeiterschaft prinzipiellen Fragen. Mit dreimaligem Glück auf l schließt die Konferenz._ Versammlungen. Die Rohrleger und Helfer hielten am Donnerstag bei Keller tn der Koppenstraße eine zahlreich besuchte Versammlang ab. Sie begann mit einem Vortrage des Schriftstellers Adolf Stern über den Austritt aus der Landeskirche. Der Vortrag fand leb- hasten Beifall. Hierauf folgte der Bericht der Schlichtungskom- missioni, aus dem besonders die Differenzen bei der Firma K r a s s e l t erwähnenswert sind. Dieser Unternehmer war der Meinung, er brauche Arbeitern, die noch nichi als Helfer gearbeitet haben, nicht den Tariflohn zu zahlen. Durch die Schlichtungs- kommission wurde er scheinbar eines Besseren belehrt. Acht Tage vor Weihnachten versuchte er es dann unter dem Vorwande, es solle Inventur gemacht werden, mit einer Aussperrung. Bor der Schlich- ttutgskommission erklärte er sich jedoch schließlich bereit, alle Aus- gesperrten bis auf einen wieder einzustellen, und in dieser Weise wurde die Angelegenheit geregelt. An den Bericht schloß sich eine längere Diskussion. Wiesenthal berichtete ausführlich über die Differenzen bei der Firma G o r k a in Pankow, die in Tegel eine Filiale hat und sich deswegen nicht verpflichtet glaubte, den Rohr- legern und Helfern an einem Bau in Tegel Vergntung für Fahr- geld und Fahrzeit zu zahlen. Nachdem sich der Unternehmer mh der Entscheidung der Schlichtungskommission nicht zufrieden gab, hat die Sache oas Gewerbegericht in Pankow beschäftigt. Hier wurden der Klage der Arbeitnehmer, außerordentliche Schwierig- leiten in, den Weg gelegt. Das Pankower Gcwerbcgericht verlangte schriftlichen Bericht der Schlichtungskommission, sandte diesen aber nach Verlauf von 4 Wochen zurück, weil die Unterschriften erst polizeflich beglaubigt werden sollten. Als dann endlich tiact, weiteren Scherereien der Termin stattfand, erklärte der Ingenieur Prinz als Vertreter der angeklagten Firma, daß er, da es sich um eine prinzipielle Frage handle, die Sache hinziehen wolle, bis der Tarifvertrag abgelaufen fei. Das Resultat der Verhandlung war, daß Prinz aufgefordert wurde, die, Einwendung der Firma gegen die Klage schriftlich niederzulegen.— Im Anschluß an seinen Bericht forderte der Redner die Anwesenden auf, in allen Fällen. von den Unternehmern das zu verlangen, was sie auf Grund des Tarifs zu fordern haben. Sodann wurde über die Entscheidung des Schiedsgerichts bc- richtet, das zur Schlichtung der Differenzen zwischen der Ber- waltung und der Rohrlegerkommission eingesetzt wurde. Beide Fragen, die dem Schiedsgericht vorlagen, wurden zugunsten der Kommission entschieden. Die erste Frage: ob die Verwaltung bc- rcchtigt ist, im„Vorwärts" eine offene Rüge zu erteilen, ohne die Beteiligten gehört zu haben, wurde mit„nein" beantwortet, die zweite: ob die Rohrleger das Recht haben, in Mitgliederversamm- lungen ihre Angelegenheiten zu vertreten, mit ja.— Im Laufe der Debatte, die sich an diesen Bericht anschloß, bemächtigte sich der Versammlung eine solche Erregung, daß der überwachende Beamte sie auflöste._ W>tssersta»d am 12. Februar. Elve bei Aussig— Meier, hei Dresden— Meter, bei Magdeburg— Meier.— U„ st r n l bei Straiihfurt— Meier.— Oder bei Raiibor ff- 0,90 Meier, bei Sicslnn Oberpegel+5,12 Meter, bei Breslau Unierpegel—1,42 Meier, bei Frnntfnrt+ 1,68 Meier.— Weichsel bei Brahemiiiide + 3,24 Meier.— Warthe bei Posen+ 1,85 Meter.— Netze bei Usch Meter._ Briefhaften der Redahtion. Dunckerftrahc. Ihre Zuschrift enthält nichts Neues, was nichi«Ich durch die Heimarbeitansstellung weiteren Kreisen zugänglich gemacht ist. Jurlltikchei' Cell. Svsähriger Abonnent. 1. Nein. 2. Ja, aber in der Reget wird vorder Entscheidung der srühere Gatte gcsragt, ob er zustimme. DaS DiSpenS- gesuch ist bei dem Scheldungsgericht einzureichen.— P. L. Adlershof, L. M. SV. Ja.— H. P. In einem Jahr.— H. K. 1». Ja, das wäre aber bei dem jetzigen Stande derartiger Anstalten und wegen der Kostenhöhe unrecht.— I. C. ISO. Leider nein.— F. 100. Nur aus Verlangen.— A. 100. Trotz alledem würden wir nicht zur Swasanzcige raten.— A. R. Rixdorf. Die Kasse ist im Unrecht, da ß 2 nur vom Beitritt und§ 5 nur vom Verlust aus anderen Gründen spricht.— <5. K. ZV. 1. Nein. 2. Wenn die Reise nach Ansicht der Schutbcbörde nicht vorhanden ist.— M. W. 34. 1—3 und 5. Nein. 4. Wird geöffnet. P. F. 33. Der betreffende hat Unterstützung zu verlangen.— B. B. 18. 1. Die Eingabe ist zulässig. 2. Wenden Sie sich an die Offenbacher Kranlenkasse. — 1414. Unverständlich: Sie müssen den Sie betteffendcn Fall darlegen und an diese Darlegung die Frage knüpscn.-- Die juristische Sprechstuude licht jedem Abonnenten offen.— 21. 2. tili. 1. Keineswegs. 2. Das ist lein EhcscheidungSgrund. 3. Nein. 4. Ja.— 2l. L. 15. DaS hängt von dcr Höhe der Rente ab.— A. B. vv. Fingierte Forderungen und Psändungcn wegen derselben können sich als strafbarer Betrug quatijizieren.— S8. Ausländer(Nichtdeutschc) können sich behufS Naturalisation an den Polizei- Präsidenten(in der Provinz an den Regierungspräsidenten) wenden. Ein Recht aus Natmalisation steht ihnen jedoch nicht zu. Die NaturalisationS- Urkunde kostet 50 M.— M. 17. Inwieweit die Ausgleichungspflicht reicht, hängt davon ab. ob und inwieweit die Ausgabe jür Vorbildung die Ver. iilögeiiSverhäitttisse überstieg. Die schrisiliche Abmachung(Unicrichrist) ist aber diudcud.— BS. D. 35. 1. und 2. Nein. 3. Deutscher sozialdemo» kralijcher Lejellub, Paris, Rue Lamartf 87. .............................. iiliiiiiiMaiitaMUMjyij>, ,y "s�S� .) x JT JjN/ iJj IW>"W! U�JßuOxAM� iÄ�I •mJj*) i J,'' j' � iiMlffll Wenn Sie uns fragen würden, warum wir selbst am liebsten Josetti= Cigaretten rauchen, würden wir kurz antworten: „>Vegen des würzigen Aromas und des milden, feinen Geschmacks, die ihnen eigen sind". Diese Qualitäts-Eigentümlichkeiten werden selten vereinigt in türkischen Cigaretten gefunden und in keiner Sorte so vollkommen als in JOSETTI CIGARETTEN "X Wir haben viele türkische Cigaretten mit ausgesprochenem würzigen Aroma geraucht, aber die Stärke derselben war für dauerndes Rauchen unerwünscht. Es sind die bei der Herstellung von Josetti-Cigaretten verwendeten geschickten Mischungen, die das bouquetreiche Aroma der reifsten besten türkischen Tabake vereinigt mit mildem, lieblichem und doch vollsaftigen Geschmack bewahren. Dies kann nur mit absolut harmonisch zusammengestellten Mischungen erreicht werden. Dieses Ziel zu erlangen, ist uns stets als wichtigste Aufgabe in unserer langjährigen Praxis erschienen, und nur durch unermüdliche Bestrebungen ist es uns gelungen, Josetti-Cigaretten zu ihrer jetzigen Vervollkommnung zu bringen und uns den hervorragenden Platz, den wir in unserer Branche einnehmen, zu gewinnen. � Josetti Juno 10 St. 20 Ffg. Josetti Griseidis 10 St. 30 Pfg. ZusAmmenstelluQg der Tabakblätter für Josctti-Cigarettca zum Verpacken in Ballen. «EülHüi Meiler, Parteigenossen! Wir gestatten uns, den politisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeitern Berlins Hierdurch ergcbenst mitzuteilen, daß wir unter dem Namen: „Hoffnung" berliner Schneider- Genoffenschaft, G.!». m. H. sitn Schueidcrgcschäft— für Maßarbeit und fertige Konfektion— eröffnet haben. Unsere Geschäftsräume befinden sich: Brunnenstratze 183 parterre zwischen ftosenthaler Tor und Snvalidenstraße. Nerkanf nur gegen bar! 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Chorinerslr. 32. 287/1 Am Montag verstarb nach langen. schweren Leiden meine liebe Frau, unsere gute Pflegemutter Martha freude geb. Fischer. Die Beerdigung sindct am Donncrstagnachmiltag 4'/, Uhr von der Leichenhalle des'Fried- Hofes der Freireligiösen Gemeinde in der Pappcl-Allce auS statt. tUbert Freude, 27036 Klara Schulze. Charlotte Müller, Lichtcnbergcrslr. 20. Herl Kraiikeu-Unierstütziiiiis- mi BegrähnisyereinlilrFrauen und Mädchen. Am Montag, den 12. d. M. starb unser langjähriges Mitglied Frau �Isrtlin Eretide im Alter von 50 Jahren. Ehre ihrem Andenken'. Der Vorhand. I. A.: Karl Müller, Daldcmarstr.43. Augusta-Sadjassenhäder jeder Art Köpenjckerstr.«0. st 707b» veul§cher kolzardeiter-VerdAnd. Xaohrnf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Franz Jüiz am 7. Februar verstorben ist und am Sonntag, den 10. Februar, zur letzten Ruhe gebettet wurde. Ehre seinem Andenken! 80/5 Die Ortsverwaltung. Zentral-ferhand der Maurer Zwelgrerein Berlin. Am 11. Februar verstarb unser Kollege Franz Krimckvi im Alter von 54 Jahren an Nervenleiden. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause t�artpiistr. 62 ans nach dem Sebastian- Kirchhos in Reinickendorf, Berlinerstratze, statt. Rege Beteiligung wünscht >37/4 Ben'Vorstnixl. Deutscher Metaliarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler .Artkur Joko! am 10 d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. Februar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofes in Rixdors, Hermann- strafie, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 112/13 Oie Ortsverwaltung. Nach kurzem, doch schwerem Leiden entschlief Dienstag früh o'j, Uhr mein lieber Vater, Schwiegervater und Großvater, der Destillateur Wilkelm Zeige (Schönhauser Allee 136) im 63. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bittend, zeichnen IVlIIi Zeige und Frau. Günther Zeige als Enkel. Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Gethsemane-Kirch- hoscs in Nicder-Schönhauscn aus statt. 2715b Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, dag der Kollege, Tischler kriedrick Haase am 10. Februar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindct am Mittwoch, den 14. Februar, nachmittags um 4'/. Uhr, von der Leichenhalle der AndrcaSgcmcindc in üLilbelmsbera aus statt. in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 80/6 Oie Ortsverwaltung Am Sonntag, den 11. Februar starb nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau �apie Schulze geb. Breltncr im 37. Lebensjahre. Die Beerdigung findet Mitt- woch, 14. Februar, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Sebastian- Kirchhoss, Reinickendorf, statt. Dies zeigt ttcjbctrübt an Der trauernde Gatte Otto Schulze, Licbenwaldcrstr. 30. Dr. Schünemann9 Spezial-Arzt für- Bant- und Harnleiden. Francnkrankheiten. Jetzt: Friedrichstr. 203 schnuetUe, 10—3, 5-7, Sonnt. 10-13 Uhr. New-Departure-Freilauf-Bremsnabe Die beste der Welt FahTrr«dh»snrdinnS Millionen im Gebrauch erhältlich. mehl Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei und leiden nicht an Verdauungsstörung. 5601L* "be�Sh�bei0 Brechdurchfall, Darmkatarrh, Diarrhöe etc. Verantwortlicher' Redakteur: Hans Weber, Berlin. Zur den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Redaktion und Expedition:| Nr. 87. Mittwoch, bei! 14. Kebruar 1906. 1 1" Fe rate Sttftsgcfpaltene Kolonelzcllf 20 Pf«. Berlin, Ondenftr. 69. ferntpredier: Bmt IT, I9SZ. I J Vf{ Bei größeren HuftrSgen entsprechenden Rabatt. Der Zaljlabend für Berlin und Vororte findet heute Mwoch statt. Partei-)Znge!egenkeiten. Znr Loklillistc! Iii Charlottenburg steht daS Lolal der Witwe Bauer, Berlincrstr 86a, der Arbeiterschaft zu den bekannten Be« dingungen zur Verfügung. In Sadowa ist das Restaurant„Waldschänke" gesperrt. Die Lokalkoinmission. Pankow. Wir fordern alle diejenigen Genossen, welche ihre Mitgliedsbücher noch nicht an die Bezirksfiihrer abgegeben haben, auf, dieselben zum heutigen Zahlabend mitzubringen. Die bereits abgegebenen Bücher werden heute wieder verausgabt. Der Borstand. Tempelhof. Zu der heute abend 8 Uhr bei Noack, Berliner- straße, stattfindenden Wählerversammlung erwarten wir. daß nicht nur jeder Parteigenosse erscheint, sondern daß auch alle bekannten Wähler der dritten Klasse eingeladen und mitgebracht werden. Ebenso ist es Pflicht der parteigenössischen Frauen, an dieser Ver- sammlung teilzunehmen. Der Borstand. Britz. Am Donnerstag, den 15. d. Mts., abends 8>/z Uhr, fnidet bei Weniger, Werderstr. 27, eine Volksversammlung statt. Schriftsteller Stürmer spricht über:„Die Frau in der heutigen Gesellschaftsordmnig und der Klassenkampf". Ferner steht auf der Tagesordnung: Bericht und Neuwahl der Vertrauensperson. Zahl- reichen Besuch erwartet Die Einberuferin. Treptow-Baiimschulenwcg. Heute abend findet in allen Bezirke» in den bekannten Lokalen Zahlabend statt, zu welchem das Erscheinen der Parteigenossen unbedingt notwendig ist. Ferner diene denjenigen Parteigenossen, welche an dem Lehrkursus des Genossen Grunwald teilnehmen, zur Nachricht, daß die Fortsetzung desselben morgen, Donnerstag abend stattfindet. Vorort- I�ackrickten. Das Schicksal des Botanischen Gartens. Die gemischte Deputation für die Erhaltung des Botanischen Gartens hat vorgestern seit langer Zeit wieder unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters getagt. Bekanntlich will der preußische Fiskus, nachdem der Botanische Garten seit Jahrhunderten eine Erholungs- stätte für die Berliner Bürgerschaft gewesen, dieses Terrain der Bauspekulation ausliefern. Trotz des Widerspruchs der Stadt- gemeinde ist die Regierung bereit, sich die Kosten der Verlegung des Botanischen Gartens und de» Neubau der C Harste durch die Aus- schlachtung des Terrains zu ersetzen. Der preußische Finanzminister glaubt 16 Millionen Mark auS dem Verkauf zu erzielen. Aber der Fiskus fühlt doch ein menschlich Rühren und bietet der Stadt an, gegen Zahlung von zwei Millionen Mark, Verzicht auf die Festsetzung von Fluchtlinien, Hergabe eines der Stadt gehörigen, vor dem Terrain liegenden Landstreifens und Verpflichtung, einen Teil des vom Fiskus baufrei zu lassenden Terrains als Park einzurichten und dauernd zu erhalten. Man sieht, der Fiskus verkennt nicht die Bedeutung von Park- anlagen, er erhöht den Wert des zu verkaufenden Grund und Bodens dadurch, daß er das Innere des Baublocks— sonst bezeichnet man solches Land als„Hinterland"— für Parkanlagen frei läßt, sich dabei aber einige Millionen dafür bezahlen lassen will. Ueber dieses Angebot des Fiskus hat vorgestern die städtische ge- mischte Deputation verhandelt. In der eingehenden Erörterung fanden sich alle Redner in der Ansicht zusammen, daß die be- absichtigte Parkanlage in weit höherem Matze der Bevölkerung Schönebergs zugute kommen wird als der Berliner Bürgerschaft, tvcil der künftige Park, an�der Grenze des Berliner Weichbildes gelegen, mehr Zustrom von Schöneberg als von Berlin haben wird. Die Deputation einigte sich dahin, dem Magistrat zu empfehlen, mit der Gemeinde Schöneberg in Verbindung zu treten, um mit ihr das Projekt und ihre Beteiligung an demselben zu erörtern. Ob die Stadt Berlin dazu berufen ist, dem Fiskus Terrain- ausschlachtungen dadurch zu erleichtern, daß sie Millionen für Her- stellung und Erhaltung von inmitten fiskalischen Grundbesitzes liegenden Parkanlagen aufwendet, wird noch weiter zu erörtern sein. Auch über den Rcgierungsentschluß, den bisherigen Botanischen Garten der ösfentlichen Benutzung zu entziehen und nur einen Teil für diesen Zweck freizulassen, wird noch ein Wort zu reden sein. Jedenfalls beweist sich hier wieder, daß der preußische Fiskus seinem Geldhunger alle Rücksichten auf Erhaltung alter durch jahrhundert- langes Gewohnheitsrecht erworbener hygienischer Einrichtungen und Gesundh'eitsanlagen unterordnet. Ob Magistrat und Stadtverordnete von Berlin sich trotz Be- bauung der größeren Hälfte des bisherigen Botanischen Gartens dazu verstehen sollen, sich mit mehreren Millionen die Erlaubnis, einen ringsum bebauten Park erwerben und erhalten zu dürfen, zu er- kaufen— darf ernstlich bezweifelt werden. Will die Regierung eine althistorische Stätte der Belehrung und Erholung einer Mandel Millionen zuliebe preisgeben— so sollte ihr die Verantwortung hierfür nicht erleichtert werden.— Chartottenburg. Um für unsere politische Organisation wirksamer und intensiver Propaganda treiben zu können, werden am hiesigen Orte bezirks- weise Versammlungen abgehalten. Eine solche fand am 7. Februar im Lokale von Graffiinder. Wielandstr. 4, statt. Genosse Dr. Borchardt referierte und richtete an die Genossen eine» warmen Appell zun» Anschluß an die Organisation und forderte zum Lesen der Arbeiter- presse auf. An der Diskusston beteiligten sich mehrere Genossen. Mit Sublimat ihrem Leben ein Ende zu bereiten suchte gestem nachmittag gegen 5 Uhr die etwa 21 Jahre alte Tochter der Witwe Fränkel, Bismarckstratzc 5a. Sie war schon längere Zeit nerven- leidend und hatte deshalb bereits»lehrere Kuren unternommen, die indessen nicht von dem gewünschten Erfolge begleitet waren. Gestern nahm die Tochter in Abwesenheit der Mutter eine ein Gramm ent- haltende Snblimatpastille. Schwerleidend wurde sie von der Mutter aufgefunden. Mehrere sofort herbeigerufene Aerzte pumpten ihr den Magen aus. Leider besteht wenig Hoffnung auf Erhaltung ihres Lebens. Schöueberg. In der letzten Stadtverordnekensitzung erfolgte zunächst die Ein- führung des Rechtsanwalts Gottschalk. Das Kollegium ist nunmehr wieder vollzählig. Der nächste Punkt der Tagesordnung brachte eine lebhafte Fleischnotdebatte. Der Magistrat hatte beantragt,„die Auf- gäbe der in Angelegenheiten der Fleischteuerung eingesetzten ge- mischten Deputation infolge des Vorgehens des deutschen Städte- tages als erledigt anzusehen". Dieser Magistratsantrag veranlasste Genossen F r i tz s ch, auf die Angelegenheit des Näheren einzugehen. Mit dem lahmen Protest des Städtetages könne die Sache für die gesamte Bevölkerung und speziell'auch die Schönebergs keineswegs erledigt angesehen werden. Von der Regierung sei auch nicht das geringste zur Linderung dieses Notstandes geschehen, im Gegenteil seien die Preise noch gestiegen und mit dem Inkrafttreten der Zoll- gesetze müßten weite Schichten der Bevölkerung die Fleischnahrung noch weiter einschränken. Die hiesige Kommune könne, wenn sie wolle, auch aktiv etwas tun, sie könne die Nicselgüter selbst bewirt- schaften und wenigstens auf dem Gebiete der Milchproduktion voran- gehen. Sei es den bürgerlichen Vertretern Ernst mit ihrer so oft gerühmten Volksfreundlichkeit, so müßten sie sich diesem Verlangen anschließen und den Magistrat um eine diesbezügliche Vorlage ersuchen. Der Stadtverordnete v. Frankenberg glaubte etwas Besonderes tun zu müssen, indem er unter Berufung auf seine landwirtschasilichen Kenntnisse— der Herr ist Landmesser— den Versuch»lachte, die Uurentabilität einer eigenen Bewirffchastung der Rieselgüter nachzu weisen, mußte sich aber von seinen eigenen Gesinnungsfreunden auf die Unrichtigkeit seiner Behauptungen aufmerksam machen lassen. Nach seiner Meinung bringt die Zollerhöhung der Landwirtschaft keinen Vorteil! Der weiteren Besprechung machte die Mehrheit durch einen Schlußantrag ein Ende. Gegen die neun sozialdemo- kratischen Stimmen gelangte der Magistratsantrag zur Annahme und die sozialdemokratischen Vorschläge zur Ablehnung. Ein weiterer Tagesordnungsplmkt bezog sich auf die Errichtung einer Freibank. Obwohl die Polizei auf die Errichtung drängt, wurde die Vorlage einem Ausschuß überwiesen, der sich mit der Kostenfrage näher beschäftigen soll.— Der Gesellschaft„Berolina" sollen Plc vermietet werden zur Aufstellung von Trinkhallen. Für eine Halle soll 606 Mark erhoben werden; der Vertrag wird auf fünf Jahre abgeschlossen. Die Errichtung eines Kuratoriums für die Fortbildungsschule wird nnt 22 gegen 21 Stimmen abgelehnt. Die nächste Versammlung wird sich mit einer Petition der Schulärzte um Erhöhung ihres GehalteS von 1000 auf 1206 M. zu beschäftigen haben. Rixdorf. In Rixdorf sind in letzter Zeit wiederholt Beschädigungen der am Rixdorfer Schiffahrtskanal angebrachten Rettungsgegenstände vorgekommen. Der dortige Magistrat hat sich deshalb veranlaßt gesehen, dagegen einzuschreiten. Er erläßt eine Bekanntmachung, in der er für die Ermittelung der Unfugstifter eine Belohmuig von 15 M. aussetzt. Lichtenberg. DaS hiesige bedruckte Papier ist indigniert, weil wir es Käseblatt nannten. Wir fühlen und bekennen uns schuldig. Der Wahrheit die Ehre gebend sei konstatiert, daß die„Volks-Zeitung" doch so etlvas ivie ein modernes, großstädtisches— Weltblatt ist. Wie für viele hundert andere Wcltblätter desselben Kalibers, wird auch für die „Volks-Zeitung" die„innere" Weisheit und— Meinung, die dem Leser auf der zweiten und dritten Seite der respektiven Blätter verzapft wird, in einer Berliner Zentrale her- gestellt. Der„Volk§-Zeitungs"-Redaktion bleibt dann noch die schwere Aufgabe, die vierte Seite geschickt mit Füllinseraten zu schmücken. Da hierbei der vorhandene Geist ver- spritzt wird, kann davon ganz selbstverständlich für die erste Seite, welche weltblatlmäßig den Dorfereignissen reserviert bleibt, nichts niehr verlangt werden. Höchstens langts noch für ein— Wurstblatt. Wohl in Erwartung unserer loyalen Anerkennung der„Volks-Zeitung" Fähigkeiten stellt daS Blatt an uns die Anftage, ob es— zu unserer Erheiterung— nochmals die Wirtschaft in der hiesigen Ortskrankenkasse beleuchten solle? Obwohl wir nicht ver- kennen, an die Geisteskraft der Redaktion horrende Ansprüche zu stellen, können wir e§ uns doch nicht versagen, das fteundliche Angebot zu akzeptieren. Es fällt uns zu schwer, auf den Genuß zu verzichten, den uns der Wiederabdruck der geist-reichen Elaborate bereiten wird. Als Entgelt wünschen wir der Redaktion, daß sie trotz der Riescnleistung das für die nächste Zusamnienstellung der Füll« inserate, Viehinarktberichle und dergleichen geistanspannende Tätig- leiten erforderliche Hirnschmalz noch zur Verfügung hat. Jedenfalls erwarten wir bald nochmals die Artikel„Unser Oswald" und „Affäre Weißfluck" im modernen— Wurstblättchen zu lesen. Steglitz. Die behördliche Bestätigung erhalten hat nunmehr der im November von unserer Gemeindevertretung gefaßte Beschluß, den Gemeindevorstand um ein Mitglied zü verstärken und dementsprechend die Zahl der Gemeindeverordaeten zu erhöhen. Vom 1. April d. I. ab besteht also die Gemeiiidevertretung aus dem Gemeindevorsteher, 6 Schöffen und 24 Gemeindeverordneten. Bisher verwalteten die Schöffen ihr Amt ehrenaintlich, auch hierin tritt eine Aenderung in- sofern ein, als nach dem neuen Ortsstntut zwei Schöffen be- s o l d e t sein können. Vorläufig wird zum 1. April e i n besoldeter Schöffe angestellt. Einige der zur engeren Wahl gestellten Bewerber um diese Stelle haben sich der Gemeindevertretung bereits vor- gestellt; die Wahl dürfte in nächster Zeit erfolgen.— Von der Vergrößerung der Zahl der Gemeindevertreter haben lediglich die Grundbesitzer den Vorteil. Nach der Landgemeindeordnnng mutz be- kanntlich die Gemeindevertretung(inkl. Gemeindevorsteher) zu zwei Dritteln aus„Angesessenen" bestehen, während ein Drittel die .Nichtangesessenen"(Mieter) stellen können. Der neue» Gemeinde- Vertretung können also zehn Mieter angehören. Nun zählt aber der Gemeindevorstand in seinen Reihen bereits drei Mieter, wozu noch der neu zu wählende besoldete Schöffe hinzukommt. Diese vier Personen verringern also die Zahl zehn auf sechs, so daß auf jede der drei Wählerabteilungen nur noch zwei Nichtangesessene entfallen — ebensoviel wie bisher. In der dritten Abteilung wird von den beiden Mietcrmandaten nur eins frei, die große Zahl der Mieter kann also bei der bevorstehenden Wahl nur ein einziges Mandat mit einem Manne aus den eigenen Reihen be- setzen, während drei weitere Mandate Grundbesitzern über- tragen werden niüssen. Wenn nun auch für die Sozialdemokratie der Unterschied zwischen Mieter und Hausbesitzer insofern nicht ins Gewicht fällt, weil unsere Gemeindevertreter keine speziellen Mieter- interessen, sondern die Forderungen unseres Kominuualprograinms überhaupt zu vertreten haben, so wiegt andererseits der Mangel an geeigneten Kandidaten um so schwerer für uns. Wir werden jedoch hoffentlich in der Lage sein, auch diese Klippe zu umschiffen. An unseren Parteigenossen wird es dann liegen, mit reger persönlicher Agitation den Wahlausschuß zu unterstützen, dann, aber auch nur dann, wird es uns möglich sein, eine Niederlage wie vor zwei Jahren zu vermeiden. Also frisch ans Werk, tue jeder seine Pflicht! Groß- Lichterfelde. Marokkanische Wcltpolitik. Ueber dieses Thema sprach am Mittwoch in G r o ß- L i ch t e r f c I d e vor einer äußerst stark be- suchten Versammlung Genosse Kurt E i s n e r. Zu dieser Ver« sammlung waren eingeladen der Flottenverein, der konservative Verein und der Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, Ortsgruppe Lichterfelde. Abgesagt hatten der konservative Verein und der Reichsverband, letzterer mit der Motivierung, daß ein an- geblich unobjektiver Bericht im„Vorwärts" über die frühere Pavillon- Versammlung ihn dazu veranlasse. Der Vorsitzende Genosse Wenzel rückte diesen Entschuldigungszettel in humorvolle Beleuchtung, indem er erklärte, daß die Herren vom Reichsverband in jener Versamm- lung eine böse schlappe erlitten, sich noch im Genesungsstadium befänden und durch einen Rückfall ihren Zustand nicht verschlimmern wollten. Der angeblich»»objektive Bericht jm„Vorwärts" sei nur das Mittel, sich den Rückzug zil decken. Sodann nah»» Genosse E i s n e r das Wort zu seinem Vortrage und führte etwa folgendes aus: Während in Deutschland im Sommer vorigen Jahres dynastische Freudenfeste gefeiert wurden, sei ganz Frankreich in äußerst erregter Stimmung gelvesen und habe die Kaiserreise nach Marokko in schärfster Weise verurteilt. Nach den vertraulichen Mit- tcilungcn französischer Parteigenossen, die wohl informiert gewesen, stand Europa tatsächlich vor einem Abgrund, Deutschland und Frank- reich vorm Kriege. Man müsse sich unwillkürlich fragen: Wie sei es möglich, daß solche kriegerische Aktionen vorbereitet und zum Abschluß gebracht werden konnten, ohne daß ein Volk von Bildung und Kultur wie das deutsche davon unterrichtet sei, ja nicht einmal eine Ahnung davon habe? Diese politische Indifferenz hänge mit der ganzen politischen Entwicklung Preußen-Deutschlands und seinen vor« märzlichen Zuständen zusammen. Wohl habe in inneren Fragen das deutsche Volk durch seine parlainentarische Vertretung einigen Einfluß— die auswärtige Politik jedoch sei die persönliche Angelegenheit herrschender Familien und die diplomatische Note entscheide den Krieg. Während in Deutschland die nationale Phrase vorherrsche und das Volk von der auswärtigen Politik so gut wie gar nichts wisse, sei in Frankreich die Bourgeoisie durch die große Revolution zu einer politischen Stellung gelangt, die es ihr ermög- liche, sich über alles zu unterrichten. Wenn dieser unheilvolle Krieg damals verhindert worden, so sei dies ein Verdienst unserer fran- zösischen Genossen, speziell des Genossen Jaurös. Die politische Ver- lotterung Deutschlands sei zum großen Teil der Korruption der bürgerlichen Presse zuzuschreiben, die ihre Informationen aus dem auswärtigen Amt bezieht und natürlich dort nichts erfährt als gleichgültige Dinge und Unsinn. Das französische Gelbbuch— Redner ist im Besitz desselben— sei ein Sittenbuch über die deutsche Weltpolitik, die s o t i e f stehe, daß sie von keiner Kritik erreicht werden könne. Und nun zur Hauptsache: Was gehe uns Marokko an? In detaillierten Ausführungen schildert Redner imter gespannter Aufmerksamkeit des Auditoriums die Geschichte, politischen und kulturellen Zustände des Landes� die Bestialitäten, die von den Herrschenden des Landes verübt werden unter dem Regime eines unbeschränkten Absolutismus, der die Ideale unserer Junker in der denkbar vollkommensten Form noch übertreffe. Die Madrider Konvention vom Jahre 1880 bilde den Rechtsboden für die beteiligten Mächte. Die Verdienste um Marokko gebührten einzig und allein Frankreich. Die herrschende Klasse FrankreichS-be- treibe diese Reformen natürlich nicht aus idealen Gründen; diese dienten eben den kapitalistischen Interessen. Zudem sei Frankreich durch seinen Grenzstaat Algier besonders an dieser Frage interessiert. An der Hand deS französischen Gelbbuches und des deutschen Weiß- buche« schilderte Redner den diplomatischen Notenaustausch zwischen beiden Regierungen, die Reise des Kaisers nach Tanger, den schließ- lichen Sturz des französischen Ministers Delcasss— ein Verdienst der französischen Genossen, besonders Jaurss. Natürlich habe diesen Sturz Delcassss die bürgerliche Presse als einen Sieg Bttlows ge- feiert. Delcassö mußte von den Sozialdemokraten bekämpft werden, aber es sei festgestellt. daß D e l c a s s v gegenüber Deuffchland sich nichts habe zuschulden koimnen lassen. Bezügtich der nun ein« berufenen Konferenz sei— Ronvier Sieger, Frankreich bevorrechtet geblieben, und die Staatskunst Bülowö habe eine Niederlage erlitte». Von der ganzen Aktion sei weiter nichts als das schöne„Wort" Konferenz geblieben. ES werde bei derselben nichts herauskommen. Doch wäre es verkehrt, wolle man glauben, daß alle Gefahren be« seitigt seien. Deutschland habe bei allen Staaten das größte Mißtrauen erweckt und dieses noch durch seine fortdauernden militärischen und inaritimen Rüstunden gestetgert. Deutschland feiere nun seine zehnjährige„Wektpolitik" deren Bilanz sehr trübe sei. Die ungeheuren Kosten dieser unfruchtbaren und kostspieligen Politik würden nunmehr dein deutschen Volke in Form neuer und drückender indirekter Stenern präsentiert. Um solch ge- fährliche Abenteuer wie die marokkanischen zu verhüte», sei die politische Mitwirkung des ganzen Volke« nötig. Aber auch in dieser Beziehung könne man nur auf eine aufftrebende Klasse, das Proletariat und dessen politische Vertretung, die Sozialdemokratie seine ganze Hoffnung setzen.— Lebhafter Beifall lohnte den Redner für seine zweieinhalb- kündigen interessanten Ausführungen. Zur Diskussion meldete sich niemand. Nachdem der Vorsitzende die Anwesenden zum Anschluß an die Sozialdemokratie, zum Beitritt in den Wahlvcrein auf- gefordert und auf die kommenden Gcineindewahlen hingewiesen, erfolgte Schluß der imposanten Versammlung. Neuenhagen(Ostbahn). In der letzten Generalversammlung bcS Wahlvcreins wurden 24�GenoiÜUi als Mitglieder aufgenommeir Nach Erstattung des Jahresbericht durch Genossen Wartig berichtete der Kassierer über die finanziellen Verhältnisse. Eingenommen wurden 430,53 M., eiusgegeben 292,22 M., so daß ein Bestand von 138,31 M. verbleibt. Tie Mitglicderzahl betrug S3 am Schluß des Vorjahres, jetzt 150. Nach Berufen setzt sick die Mitgliederzahl wie folgt zusammen: Anschläger 2, Arbeiter 52, Buchbinder 1, Barbier 1, Bäckermeister 1, Böttcher 1, Einsetzer 1, Former 1, Gastwirt 1, Gürtler 2. Heizer 1. Isolierer 1, Kaufmann 1, Malermeister 1, Maurer 30, Sattler 3, Schleifcrmeister 1, Schlosser 5, Schlossermeister 1, Schneider 3, Echriftgießcr 1, Tischler 10, Töpfer 24, Zimmerer 4. Die Neu- wähl des Vorstandes ergab die Wiederwahl der bisherigen Inhaber : außer dem Schriftführer Genossen Böhm, welcher seinen Posten niederlegte, da er im Gcwerkschaftskartcll und als Bevollmächtigter der Zahlstelle der Tischler genügend zu tun hat. Für diesen wurde der Genosse Henkel einstimmig gewählt. Zu Nevtsorcn wurden gewählt die Genossen Manitzki und Fidicke, zu Bezirksführern Genosse: Faber für Eggersdorf, Genosse Jädicke für Bruchmühle, Akt-Landsberg und Radcbrück, für Petershagen und Fredersdorf Genosse Jansen, für VogelSdorf, Bollersdorf und Bahnhof Neuen- Hagen Genosse August Schmücke und für Dorf Neuenhagen Genosse Hübscher. Die Zahl der aus der Landeskirche Ausscheidenden hat sich von 21 auf 20 vermehrt. Gerügt wurde in der Versammlung, daß der Gemeindevorsteher einem Genossen verbot, beim Einschen der Gemeindcwählerliste sich Notizen zu machen, während das einem bürgerlichen Herren gestattet wurde. Zum Schluß wurde noch auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Partcipresse zu lesen. An die Genossen, die den hiesigen Ort besuchen, wird die dringende Bitte gerichtet, die Lokallistc strenz zu beachten, da wir schwer mit der Lokalfrage zu kämpfen haben. Unser Verkehrslokal ist bei Wünsche, Bahnhofstraße, zwei Minuten von der Bahn. Mahlsdorf. In der am Sonnabend, den 10. Februar, abgehaltenen Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvcreins referierten die Genossen Oertel und Weiß eingehend über sozialdemokratische Gcmeindepolitik. In der Diskussion wurde die Tätigleit der Mnbls- dorser Gemeindevertretung einer scharfen Kritik unterzogen. Gemeindevertreter Genosse Trappe führte aus, daß die Mehrheit der Gemeindevertretung alle Anträge, die von den Sozialdemokraten gestellt werden, ablehnt, dagegen aber in nianche» Fällen dieselben Anträge anninimt, wenn sie von bürgerlichen Vertretern komnien. Der Antrag, den unsere Genossen schon wiederholt gestellt, die Sitzung nicht. wie bisher um 4 Uhr sondern erst um 0 Uhr abends beginnen zu lassen, wird stets, ohne Angabe von Gründen, ohne weiteres gegen die Stimmen unserer Genossen abgelehnt. Nachdem bann noch das Verhalten des vor euiy r Zeit gegründeteii liberalen Bürgervereins kritisiert und seine Taliik in bezug aus die Gemeinde- Wahlen ins rechte Licht gerückt worden war. wurde der Genosse Robert Oertel als Kandidat für die zweite Abteilung und der Ge- nosse Hugo Weiß als Kandidat für die dritte Abteilung einstimmig gewählt. Für KaulSd orf wurden die Genossen Maurer Graßme und Tischler Colditz als Kandidaten für die drilte Abteilung aufgestellt Wie wir»och erfahren, findet die Wahl zur Gemeiudeverlrelung am Dienstag, den 13. März statt. Ober»Schönelveide. Großes Aufsehen verursachte in O b e r- S ch ö n e w e i d e die Festnahme des 25 jährigen Eisendrehers H. ans der Wilhelmmcnhof- straße. Gestern mittag ist H. unter dem schweren Verdacht, den Msidchenmord in Poppitz bei Rochlitz im Königreich Sachsen verübt 'zn haben, verhastet worden. Vor einiger Zeit wurde bei de», genannten Orte in einem stehenden Gewässer die Leiche eines jungen Mädchens, die mit Steinen beschwert war. ans Tageslicht gefordert Dje.Uutersnchiiiig ergab, daß es sich hier um einen Maro handelte. Ein kleiner Verdacht, das Verbrechen begangen zu haben, lenkte sich schon seinerzeit auf den in Poppitz aiisäsfigen Eisendreher Ernst H.. er reichte jedoch nicht dazu hin.»m zu einer Berhaftimg schrciien zu können. Vor etwa vier Wochen siedelte der junge Mann nach Ober-Schyneiveide über. Inzwischen haben sich nun durch die Uittersuchllna die Verdachtsmomente gegen H. derartig verstärkt, daß zu seiner Festiiahme geschritten wurde. Gestern mittag Ivirrde H., welcher in einem Eisenwerk in Ober-Schöncweide beschäftigt war. mitten aus der Arbeit heraus verhaftet und in das Niilersussiuiigsgefängitis eingeliefert. Das Verbrechen war seinerzeit tili Walde bei Poppitz alisgefübrt worden, nnd»m die Spuren der Tat zu verwiichen, hatte der Mörder die Leiche seines Opfers nach einem nahen Tümpel geschleift, init Steinen schwer belastet und in das Gewässer geworfen. Erst als das Mädchen vermißt wurde, ent- deckt« man bei einer genauen Durchsuchung der Umgebung von Poppitz das schauerliche Verbrechen. Wilmersdorf. Der Kreismisschnß hat den Auseinandersetzungsvertrag, dessen Jrihalt wir mitteilten, genehmigt. Potsdam. Soldaten— Arbeitswillige. Bor einiger Zeit brachten wir eine Notiz über die Beschäftigung von Reservisten als Maler beim Potsdamer Garnifonlazarett. Heute können wir einen andere» Fall mitteilen, der wieder etnmal beweist, daß die militärische Drenslzeit noch viel zu lang ist. Denn sonst würde man die Soldaten doch nicht mit Arbeiten beschäfligen, die mit der Hniliiärischen Ausbildung wenig oder nichts zu tun haben. Direkt gesetz- widrig. aber handeln die betreffenden Vorgesetzten, ivenn sie Soldaten als Arbeilsiüillige„beuilauben". damit sie ihren Zivilarbeiislaineraden bei Lohnitreiiigkeiten in den Rücken fallen können. Das ist der Fall aus dein Regierungs neubau in Potsdam. Hier be- finden sich die T a p e z i e r e r seit kni zem im Ausstände, weil ihnen die bisherigen Lohne ganz bedentend gekürzt werden sollten. Der Ilnternehiner, Tapeziere, ineister Günther ans der Hoditzstraße in Potsdam, hat von der Bauleitung natürlich das weiteste Enigegen- lmnmeu gesunden und versucht nun mit einigen Streikbrechern weiter zu arbeiten. Ausfallenderweise gehört nun zu den Arbeitswilligen auch der eigene Sohn des Herrn Günther. der seiner Militärdienstpssicht bei dem 35. Jnsanterie-Regiment genügen— soll, talsächlich aber jetzt in Potsdam als Tapezierer arbeitet. Und zwar ist die? bereits der zweite Arbeitsnrlaub. Der Verband der Tapezierer hat sich bereits an das betr. Kommando gewandt. Hoffentlich ivird dieses ohne weiteres dem Arbeitswilligeit- idpll des Günther bald ein Ende bereiten. ES gibt genügend Zivil- Arbeitskräste am Orte, die als Steuerzahler ein Recht ans Arbeit haben. Und die Bauleitung de? Pol-damer RegieruiigsgebändeS tollte nicht dazu beitragen, die hiesigen Arbeiter brotlos zu machen. berliner I�acknckten. Aus dem Gebiete deö Luxus und deS Genusses scheint der deutsche Bourgeois den französischer Abkunft aus dem Felde schlagen zu sollen. In einer kleinen Plänkelei mit dem „Journal amüsant" wird im„Berliner Tageblatt" unter der Ueber- schrift:„Berlin an der Reviera" ein Bild gezeichnet, das zur Bc- leuchtling unserer gesellschaftlichen Zustände uns der Wiedergabe wert erscheint. Es heißt da: „Die Franzosen wissen recht gut. daß sich bei uns manches geändert hat, und daß der industrielle Aufschwung, in dem Deutschland sich befindet, bei uns gesellschaftliche Zustände und Gewohnheiten z» zeitigen beginnt, die allmählich Frankreich aus der tonangebenden Rolle ans dem Ge- biete dcS LuxnS und der genußreichen Lebens- f ü h r n u g in den Ritt des Altmodischen drängen könnten. Darin» ist an die Stelle des SpotteS der Aerger getreten, und s» den Blättern, die ständige. Chroniken von der„EStc d'Aznr" Verantworilichcr Redakteur: HanS Weber, Berlim Für d« bringen, wird es zur immer wiederkehrenden Klage, daß die Deutschen jetzt alllointerlich diesen gesegneten Himmelsstrich in solchen Massen überschwemmen, daß sich ein richtiger Pariser dort gar nicht mehr zu Hause fühlen könne. Und dabei stand es- doch fest, daß die französische Mittelmeerkiiste vom lieben Gott nur zu dem Zwecke in so verschwenderischer Geberlaune ausgestattet wurde, um blasierten Parisern Abwechselung und Er- ftischung zu bieten. Jeder, der auf der Promenade des Angkais in Nizza die heiße Sonne aus sich herabstrahlen ließ oder in Monaco am Trente-ct- Quarente-Tische mit zweifelhaftem Glücke eine Gasttolle gab, hat in der Tat mehr deutsche Laute an sein Ohr schlagen hören als andere. Und jeder hat sich plötzlich unerwarteten Be- kannten gegeiiüberbesimden, von denen er vielleicht erst vor einigen Wochen daheim Abschied nahm. Um diese Jahreszeit ist es nun beinahe, als hätte sich Berlin, das Berlin des Tiergartenviertels, an der Riviera Rendezvous gegeben. Sieht man die Fremdenlisten durch, so begegnet man fast auf jeder Zeile wohl- bekannten Namen. Es ist Mode geworden für den. der etwas auf sicki hält, wenigstens vierzehn Tage lang alljährlich im Winter Berlin gerade zur Zeit der sogenan'inen Saison den Rücken zu kehren, sei es auch nur. um nachher täisig im Gcipräche erwähnen zu können, welche Toilette die Olero und die Juniori bei der Föle-des-Fleurs in Nizza trugen, und wie hoch der Großfürst Michael oder Nikolaus am Roulette ppintierte Denn dieses eigentümliche Gemisch von echtem Glänze und unzweidelitigstem Talini ist eS ja. was vielen die Riviera so anziehend macht. Selbst den solidesten Haus- stauen, die zu Hause in ihrem Salon nicht das leiseste zweideutige Wort dulden ivürden. Fängt doch die Riviera sogar schon an. als Ziel der Hochzeitsreisenden des Berlin W. gewaltig in Mode zu koinmen. Venedig ist trivial, spießbürgerlich geworden und erscheint, verglichen mit Monte Carlo iwer in Berlin nicht einfach „Monte" sagt, ist ein Prolet). ungefähr wie ein Roman von Henry Gröville. den»tan in der Pension übersetzen mußte, neben einem Bande Maiipast'aiit. der einem konfisziert wurde. Wo die g u t e G e s e l l s ch a f t ihr Banner aufpflanzt, da nistet sich auch alsbald die Halbwelt ein. Die deutsche bereitet der Frankreichs an der azurnen Küste schon eine sehr ernstliche Konkiirreiiz, aber man kann kaum behaupten, daß die leichte, tändelnde Grazie, die dem Leben an der Riviera«igen ist. dadurch eine sonderliche V< ifeinerung ersahren hätte. Im Gegen- teil. Seien wir aber froh, daß Frankreich auf diesem Felde nun einmal nicht zu schlagen ist... Schrankenloser Genuß und aufs höchste gesteigerter LuxuS ist das Kennzeichen unserer besitzenden Klasse. Das Proleiariat muh standen, alle Werte schaffen, ohne an den Kulturgütern teilzunehmen. Wie lange noch?_ Gcwichtsrevisioncn. Der Polizeipräsident erläßt folgende Bc- kanntwachung: Aus Grund der von den Herren Ministern des Innern und für Handel und Gewerbe erlassenen Bestimmungen über die Ausführung der periodisch zu wiederholenden polizeilichen Maß- und Gewichtsrevisionen bringe ich zur öffentlichen Kenntnis, daß die unter Zuziehung eincS Eichmeisters stattfindenden technischen Revisionen am hiesigen Orte im laufenden Jahre mit dem 5. April be- ginnen. Zur Vermeidung von Bestrafungen aus ß 10 der Maß- und GewicktSordnuna und§ 309 Nr. 2 des Strafgesetzbuches werden die Gewerbetreibenden hierdurch ausgefordert, ihre Maße usw., so- weit deren fortdauernde Richtigleft zweifelhaft erscheint, zuvor eich- amtlich prüfen zu lassen. AutomobilomiiibuSvrrkchr bei der„Großen Berliner". In der gestrigen Aussichlsratssitznug der Großen Berliner Straßenbahn- gesellschast wurde belchlosien, der Generalversonimlung eine AnS- dehnung des GesellschafiszweckeS aus den Betrieb von Kraft- fahrzeugen vorzuschlagen. Der Antrag bezweckt neben der Er- richtnug einiger selbständiger Veilehrsverbindungen in einzelnen Straßenzügen die Herslellling von ErgäuzuNgS- und. Zubringerlinien siir den Straßenbahnverkehr. Man mutz eS der„Großen Berliner" lassen, sie arbeitet schnell. Im Aiischiliß an obige» Beichluß des Aufsichlsrats wird berichtet: „Die Große Berliner Straßenbahn hat in AuS- führnng des gestrigen AilfsichtsratsbeickilnsseS bereits die polizeiliche Konzession für die Einrtckilung von füns AutomobilomnibuSlinien nachgesucht. Es sind dies folgende Linien: 1. Potsdanierstraße00 Psmid 1a 120-121. IIa 115-118, lila 110-115, absalleiidc 00 00»attosseln pr. 100 Psd rote 2.10-2,35, Rosen 2,00-2.20, blaue 0,00— 0,00, runde weiße 1,80- 2,00. Wirsiiiglobl pr. Schock 7.00-12,00, Weißkohl pr. 100 Psd. 3.25- 3.75. Rottobl pr. Schock 6.00-10.00. holt. 14—16 M. Saure Gurten. Schock 2,00 M., Pscssergurlen 2,00 M. omeninasntinrnitit aom 18. Februar 1906. morgens» Uhr. Wetter.Prognose für Mittwoch, den 14.»ebnmr 1906. Zeitweise nebelig, sonst ziemlich heiter, nachts leichter Frost, am Mittag mild« bei lebhasien südliche» Winden: lein« erheblichen Niederschläge. Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co., Berlin SW.