Nr. 40. RbcnntmentS'Redlngaiwn: HJonnfmenlä• PreiZ prSnumerand»: Viert-Ijährl. 3,30 MI, monatl. 1,10 MI,. WSchtnllich 28 Psg, frei inS Hau». Binjelnf Nummer B Pfg. EonnlagS, Nummer mit illustrierter EonntagZ. »etlage„Die Neue Welt' 10 Psg� Post» Abonnement: 1,10 Mark vro Monat. «ingetragen in die Post. Zeitung». Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da» übrige AuSiant 8 Start pro Monat. 33. Jahrg. Mchilil tigllch auBrr inontagt. Verlinev Volksblatt. Die Tnttrflons'GebOtr betrügt für die sechSgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum«0 Pfg,. für dolimche und gewertschaftliche Lerein». und LerfammlungS, Anzeigen 2B Pfg. „Kleine Bnecigcn", das erste fsett- gedrucklel Wort 10 Psg,, jede» loeilere Wort B Pfg, Worte über 15 Buchstaben , tchlen für zwei«orte, Inserate für die nächste Stummer müssen bis B Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- imd FesUagen bi» 3 Uhr vormittag» geSstnet relegramm. Adresse: „i»8»ISew»Mt»eeil ii". Tentralorgan äer roziatdemokratirchen Partei Deutfchlands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasac 69. Zhernivrertter:«mt IV. Wr. IHWI. Expedition: öd. 68» Lindenetrasac 69. fhenifltrertirr: Amt IV. Wr. I11H4. Heinrich Heine. Die fünfzigste Wiederkehr des Tages, an dem Heinrich Heine im Exile starb, wird von der bürgerlichen Presse mit großem Geräusch begangen. Nicht von der ganzen bürgeo lichen Presse. Die konservativen und ultramontanen Kreise hassen den Dichter, dessen rosenumwundene Klinge unter den Nückschrittlern und Finsterlingen so furchtbar aufräumte, noch heute mit dem wohlverdienten stupid-ehrlichen Haß wie nur jemals. Ihnen ist der genialste Satiriker und größte Lyriker der deutschen Literatur ein sittenloser Jude, ein frecher Umstürzler, ein frivoler Lästerer von Thron und Altar, ein charakterloses Individuum, das leider einen jugend betörenden, volksverderbenden Einfluß dadurch erlangte, daß es das Talent besaß, seine Zynismen in eine stilistisch blendende, epigrammatische Prosa oder in graziöse, geistreiche Verse zu kleiden. Aber diese seit Wolfgana Menzels Tagen allbekannten, längst stereotyp gewordenen Schmähungen der reaktionären Presse werden lärmend übertönt durch die Lobes- Hymnen der eigentlichen Bourgeoispresse, Diese liberale Presse begnügt sich nicht mit ein paar Jubiläumsartikeln: schon wochenlang genießt der tote Dichter journalistische Ehren, wie sie freigiediger kaum der meistgenannten lebenden Tagesgrös dem Raubmörder Hennig, zuteil geworden sind. Trotz all dieses LobeSgeschnatters will es uns freilich dünken, als ob der verbohrte, aber aufrichtige Haß unserer Reaktionäre dem Dichter zu weit höherem Ruhm gereicht als die unverschämt gönnerhasten Elogen, die die Mosse und Konsorten dem poetischen Revolutionär darbringen lassen. So wenig Heine mit den uckerniärkischen Granden, mit den Stöcker oder Bachem gemein hat, so wenig Seelen- gemeinschast verbindet ihn doch auch mit dem liberalen Geld- protzentum in Berlin W. Diese„aristokrätzigen" Nachfahren des Marchese Gumpelino, die in dem ihnen von Herrn Mosse servierten Leibblatt mit patriotisch erglühendem Stolze lesen, daß wieder einmal einer von ihren Leuten courfähig geworden ist oder daß die deutsche Prostitution der französischen in Monte Carlo merklich Konkurrenz zu machen beginne— diese öden Geld- und Genußmenschen stehen Heinrich Heine ebenso tveltenfern wie das kümmerlichste Hetzkaplänchen. Man soll sich durch den Begeisterungsschwindel der Bourgeoisiepresse nicht irre machen lassen; die Gemeinde der wirklichen Heine-Verehrer ist unter den bürgerlichen Schichten in den letzten Jahrzehnten eher kleiner als größer geworden. Zu dieser Gemeinde rechnen wir natürlich nicht die journalistischen Kunsthandwerker, die täglich ihr Kapitel Heine lesen, uni dem Dichter die stilistischen Handgriffe abzulernen und einem un- wissenden Publikum dann durch das aufdringliche Funkeln unechter Stilbrillanten zu imponieren. Noch weniger rechnen wir dazu die unsauberen Gesellen, die sich ans Heines Poesie die paar Pikanterien herausklauben, um vor ihresgleichen den Literaturkenner und Schiverenöter zugleich spielen zu können. Diesem Gelichter widmet ja der Dichter selbst den Spottvers: Selten habt Ihr mich verstanden, Selten auch verstand ich Euch, Nur wenn ivir im Kot uns fanden, Dann verstanden wir uns gleich. Die Gemeinde der wirklichen Heine-Verehrer innerhalb deS Bürgertums besteht aus den jugendlichen Schwärmern, deren geistige Spannkraft sich durch den herkömmlichen Bildungsdrill nicht unterkriegen ließ und deren Idealismus nicht in der gemeinen Streberei unserer Tage erstickte. Sie besteht aus den Elementen, die gegen die langweiligen Sprachexerzitien unserer„humanistischen" Bildungsanstalten rebellieren, weil sie nach den Erkeuntuisschätzen des klassischen Altertums hungert und in ihrer Phantasie das Ideal antiker Geistesharnionie lebt. Ihnen erklingt sofort eine verwandte Suite, wenn Heine in seiner Harzreise über den„engen trockenen Notizenstolz der hochgelahrten Georgia Augusta" spottet, Sie besteht aus denjenigen, die jeden Freiheitskampf der Geschichte mit pochenden Pulsen miterlebt haben, die beim Bastillesturm zugegen und mit dabei waren, als Robert Blum unter dem Standrechtsblei auf der Vrigittenau dahinsank— und die sich in dieser wunderlichen Zeit des Reserveleutnants und der Hohenzollcrn- dcrgötzung nicht zurechtfinden können. Der elektrisierende Trommelwirbel des Monsieur le Grand, von dem Heine so rührend erzählt, der Marseille! Marsch und das Qa ira,?a ira vibriert auch in ihren Herzen. Sie besteht endlich aus denjenigen, denen die Befriedigung ihrer erotischen Bedürfnisse nicht ein glattes Handelsgeschäft ist. denen sich die Liebe vielmehr als Mysterium offenbart, das Lebensrätsel und Weltanschauungs- kämpfe in sich schließt. Diese sentimental-unpraktischen Köpfe pflegen dann in den melancholischen Gewässern der Heineschen Erotik zu schwelgen, sie gewahren dann die furchtbare, scheinbar unüberbiiiäbare Weltanschauungskluft, die sich zwischen den Naza renern und Hellenen austut. Es wäre sonderbar, wenn es nicht auch noch im heusigen Bürgertum solche Idealisten gäbe, ivenn sie auch nicht allzu zahlreich sein nwgen. Aber dieser Idealismus verfliegt nur zu rasch mit den Jahren. Nichts bleibt von ihm zurück als eine romautische Jugenderinnerung. Man hat sich mit dem Bestehenden ausgesöhnt. Daß unser heutiges Bilduugswesen keine Vollmenicheu schafft, daß es kein hannisches Bitdungs- ideal kennt, ist ja richtig— aber, je nun, die Schule soll auch keif � lente b''den,«ondern brauchbare Staatsbürger rn'ehen. 1 Die höheren Schulen Beamte und dergleichen, die Volksschule am , spruchslose Proletarier, die sich in die Verhältnisse schicken. Ein - MenschvonharmonischerGeistesbildungmöchtesich ja zum Künstler ganz gut eignen, aber er wäre ganz undenkbar als Staats- anwalt oder als Straßenkehrer. Und die Freiheit ist ja auch etwas sehr Schönes— aber sie darf schließlich nicht schranken- los sein. Sonst könnte es ja dem Proletarier einfallen, die gleichen Rechte und Lebensgenüsse zu verlangen, wie ein akademisch Gebildeter! Und hat es denn nicht seit jeher Arme und Reiche gegeben? Deshalb: zwar entschieden liberal, aber ob nicht das Dreiklassenwahlrecht ein notwendiges Bollwerk gegen die Massen ist und ob es nicht am Ende ganz gut wäre, wenn dem Volke etwas Religion erhalten bliebe, ist noch eine andere Frage.— Und har nicht Heine selber die romantische Liebesschwärmerei als„blöde Jugend eselei" verspottet? Daß der Mensch ein Asket sei, verlangt ja auch kein vernünftiger Mensch. Der Mann kann sich ja amüsieren, soweit es sein Portemonnaie gestattet. Haben wir diese„freie Liebe" nicht schon jetzt? Freilich, die Ehe darf nicht angetastet werden und von dem„anständigen" Weibe mutz nun einmal verlangt werden, daß es„rein" bleibt. So denkt selbst das Gros derer, die einmal für und mit Heine geschwärmt haben— unendlich viel größer aber ist die Zahl derer, die von des Dichters Geist niemals auch nur einen Hauch verspürt haben. Wer an Heine nur die künstlerischen Vorzüge schätzt, in ihm den feinen Verskünftler und den eleganten Stilisten verehrt, wird dem Dichter niemals gerecht. Nachdrücklichst hat Heine selbst— man vergleiche den an anderer Stelle unserer heutigen Nummer enthaltenen Artikel über„Heines Weltanschauung"— betont, daß seinem ganzen Schaffen eine bestimmte, polemisch zugespitzte Weltanschauung zu gründe liege. Und es war durchaus keine Koketterie, wenn Heine ein andermal sagte, daß man, wie immer man auch seine Poesie be- urteilen möge, ihm den Ruhm nicht streitig machen könne, ein braver Soldat im Befreiungskämpfe der Menschheit gewesen zu sein. Heine war es mit seinem Kampfe gegen politische und soziale Knechtung, gegen pfäffische Verdummung und sexuelle Heuchelei bitterer Ernst, das Ideal einer steten, glücklichen, frohem Lebensgenuß ergebenen Gesellschaft„gleich- beseligter Götter" war ihm ein hehres und heiliges. Dieser psychischen und sozialen Grundstimmung entsprang seine ganze Poesie, auf diesem Fundament ruht die ganze Pyramide seiner Philosophie und Aestthetik. Wer also von Heines Welt- anschauung abstrahieren zu können glaubt, um Heine als „reinen Künstler" genießen zu können, der sündigt nicht nur an dem Dichter, sondern auch an dem Denker Heine. Wer aber überlegen auf Heine als Denker herabblicken zu können wähnt, der ist jedenfalls um seinen Geschmack nicht zu beneide». So zweifellos es ist, daß Heine heute moderner, lebendiger wirkt, als irgend ein anderer deutscher Dichter, so ist es doch nicht minder zweifellos, daß er als lebendige Kraft nur zu wirken vermag im modernen Proletariat, zu dem ja auch der Dichter selbst sich aus geistiger Wahlverwandtschast hingezogen fühlte. Zuweilen fteilich spukte in Heines Vorstellung noch der Wahn von den modernen Barbaren, dem schönhcits- und kulturfeindlichen Charakter der proletarischen Klasscnbewegung. Aber der Dichter überzeugte sich, daß die kunst- und schönheits- feindlichen Tendenzen nur im Wesen des älteren Konimu- nismus lagen, daß jedoch das moderne Proletariat ebenso nach Schönheit und Wissen Hüngert, wie nach Brot und Freiheit. Und er begriff, daß die Menschheitserlösung nur vom Sozia- lismus zu erwarten sei. Und der Vorkämpfer der Geistes- steiheit, der Hohepriester des Kultus der Schönheit wurde auch zum Messias des Sozialismus! Die Bourgeoisie denkt nicht daran, auch nur eines der Ideale Heinrich Heines zu verwirklichen. Sie schätzt ihn als den geistreichen Spötter, als Bundesgenossen gegen die An- maßungen des Feudalismus und der Kirche. Seine vcr- nichtende Kritik der Gesellschaft existiert für sie nicht. Seine positiven Ideale vollends sind ihr unsympathisch und be- kämpfenswert. Desto rückhaltsloser kann sich das moderne Proletariat zu dem wirklichen, dem echten, dem ganzen Heine bekennen. Hat auch das Proletariat dank seiner großen Lehrer Marx und Engels gelernt, in der Religion nicht die Ursache, sondern das Produkt der sozialen Verhältnisse zu erkennen, und erblickt es deshalb auch im ökonomisch-politischen Kampfe das wirksamste Mittel zur Ent> wurzelnng der der Kapitalistenklasse so genehmen nazarenisch- welffetndlichen Weltanschauung— die Weltanschauung Heines ist gleichwohl die des modernen Proletariates I Gleich Heine glaubt es, daß alle Menschen, gleichgeboren, ein adliges Ge- schlecht sind, und daß es hienieden nicht nur Brot, sondern auch Schönheit und Lust genug für alle Menschenkinder gibt l So ist Heine dem Proletariat wert als Kämpfer und Künstler, er ist ihm Schwert und Flamme. Auf Heine und seine poetische Mission speziell für das sozialistische Proletariat paßt am besten die Charakteristik, die er selbst einmal von sich gegeben: Ich bin das Schwert, ich bin die Flamme. Ich habe Euch erleuchtet in der Dunkelheit, und als die Schlacht begann, focht ich voran, in der ersten Reihe. Rund um mich her liegen die Leichen meiner Freunde, aber wir haben gesiegt. Wir haben gesiegt, aber rund umher liegen die Leichen meiner Freunde. In die jauchzenden Triumphgesänge tönen die Choräle der Totenfeier. Wir haben aber weder Zeit zur Freude noch zur Trauer. Aufs neue erklingen die Drommeten, es gilt ueuen Kampf.— Ich bin das Schwert, ich bin die Flamme l Große poUtiscke CUbcrficbt. Berlin, den 16. Februar. Wewderedelmtg und Weinsteuer. Quantitäten edlen Rebenstoffes führen große Quantitäten des edelsten Metalles in die Taschen- der Wein- bergs besitzet oder Händler, selten oder nie in die des weinproduzierenden Weinbergsarbeiters. Die Wandelung des Weins in Gold hat aber auch Grenzen, auch die Vermehrung des Urstoffes durch Streckungen mit allerhand unangenehmen „Verschönerungsmitteln". So ist es erklärlich, daß die mit der gesetzgeberischen Toga bekleideten Weinbauern des Reichs- tags— just wie einst Sartörius— in heiliger Entrüstung die Hülfe des Staates dagegen anrufen, daß die Chemie minder gute Sorten dehne, strecke, ändere— natürlich nur bei anderen, beim Nachbar oder beim Händler. Den Unistand, daß guter Wein reines Gold dem glücklichen Besitzer des sonnig gelegenen Weinberges schafft und daß Wein ein ganz be- sonderer Saft, will der junkerliche Protektor der notleidenden Großwinzer zur Einführung einer Weinsteuer benutzen. Es klingt so hübsch populär, von einer Weinsteuer zu reden. Dann vergißt so mancher, daß die gerechteste Steuer allein die nach der Höhe des Einkommens und Vermögens bemessene ist. Die Herren Agrarier meinen: verhängt über den Wein fiskalischen Bann, legt ihm eine Steuer auf und bestellt den Steuerexekutor als Wächter der Ehrlichkeit und Reinlichkeit. Dieser Vorschlag könnte auf die so beglückten Weinbauern schlimmer wirken als der sauerste Wein. Diese Folgen setzte Genosse David den Andächtigen der späten Nachmittags- stunde auseinander und fand dabei zornigen Widerspruch der Agrarier und ihrer Helfershelfer, besonders als er charakteri- sierte, wie die Zoll- und Steuersucht der Agrarier dem Volke allgemach alle edlen Genüsse verekle und die notwendigen einschränke. Etwas voreilig erividerte darauf der Zentrumsmann Dr. Jäger, diese Zollpolitik habe Segen für Industrie und Landtvirtschaft zur Folge, denn— die Wirkung des Zoll- Wuchers setze erst mit dem 1. März dieses Jahres ein, wenn die neuen Handelsverträge in Kraft treten. Und was in- zwischen die famose Reichsfinanzreformkomniission noch für ein Steuerkompositum zusammenpantschen wird, dürfte erst recht den„Segen" deS Zollwuchers in die Seele des Volkes brennen, wenn auch der Abg. H u g, Zentrum, der gegen eine Weinsteuer plädierte, die Meinung hat, in der Steuerkommission sei keine Neigung für eine Weinsteuer vorhanden. Bis ans späte Ende des Beratungstages pendelte die Redelust zwischen den Stückfässern reinen und unreinen Weines hin und her. Schlechter Wein scheint sehr dauerhaft zu sein. Die Qualen, die schlechter Wein dem Magen zufügen kann, wußte der Mund des für reinen Wein Schivärmenden immer wieder und ivieder auf den Zuhörer in wenig einladender Weise abzuladen. Morgen soll beim Titel„Gesundheitsamt" über andere Dinge geredet werden._ Kein Ausbau der Gewcrbcinspektion in Preußen. Auch unter dem neuen Handelsminister ist ein Ausbau der Gewerbeinspektion in Preußen nicht zu erwarten. Darüber hat die ani Freitag beendete Beratung des Handelsetats keinen Zweifel gelassen. Der Abg. G 0 l d s ch m i d t(frs. Vp.) trat für eine Vermehrung der Zahl der Gewerbeaufsichtsbeamten, für die Hinzuziehung von Aerzten und Arbeitern und für die Ausdehnung der Gcwerbeinspektion auf die Heimindustrie ein. In ähnlichem Sinne sprachen sich einige Redner des Zentrums aus, die insbesondere noch die weitere Anstellung Weib- l ich er Gewerbeaufsichtsbeamten befürworteten. Von alledem will Minister Delbrück nichts wissen. Ganz naiv erklärte er, er begreife nicht, was Arbeitervertreter bei der Gewerbeaufsicht eigentlich sollen! Entweder müßten die Ar- bester zu Polizeibeamten gemacht lverden, und dann wären es keine Vertrauensleute der Arbeiter, oder sie hätten das Vertrauen der Arbeiter, und dann würden sie sich hüten, Ver- fehlungen von Arbeitern zu melden; die beamteten Arbeiter könnten sehr leicht nur Beamte der sozialdemokratischen Organisationen sein usw. Auch eine Ausdehnung der Gcwerbeinspektion auf die Heimindustrie hält Herr Delbrück nicht für nötig; er verspricht sich eine Beseitigung der Schäden der Heimarbeit bereits von einer guten Wohnungshygiene. Aller- dings könnte auf diese Weise manches gebessert werden, schade nur. daß auch eine Wohnungsgesetzgebung im Interesse der minderbemittelten Volksklassen von dieser Regierung nicht erhofft werden kann. Ebenso wie der Minister bekämpfte natürlich auch der konservative Abg. v. P a p p e n h e i m die Hinzuziehung von Arbeitern zur Gewerbeinspektion mit dem Hinweis darauf, daß diese Maßnahme nur der Sozialdemokratie zugute kommen würde. Die Furcht vor der Sozialdemokratie ist überhaupt der Vorwand, der bei jeder Gelegenheit für alles Mögliche und Unmögliche im Preußischen Landtage förmlich an den Haaren herbeigezogen wird. Aus Furcht vor der Sozialdemokratie »mkerbleibt angeblich jede auch noch so geringfügige Reform. während in Wirklichkeit ohne Sozialdemokratie noch nicht einmal die bescheidensten Anfänge einer Sozialpolitik vorhanden wären.— Fahrkartensteuer. Unter den schönen Blnten des Stengelschen StenerstrauheS be- findet sich bekanntlich anch die Fahrkartensteucr. Nach dem Vor- schlage des Reichsschatzamtes sollen von allen Personenfahrkarten mit AnSnahme der Arbeiterfahrkarten— die über 2 M kosten, Reichsstempelgebnhren erhoben werden, und zwar für Fahrkarten der ersten Wagenklasse ohne Unterschied der Entfernung 40, der zweiten Wagenklasse 20, der dritten 10 und der vierten ö Pf. Die Steuerloiumissiou des Reichstages hat, wie bereits berichtet worden ist, diesen Vorschlag des Reichsschatzsekretärs abgelehnt, und an dessen Stelle eine andere Form der Stempelerhebung beschlossen. durch welche die Abgabe nicht vermindert, sondern um das Vierfache erhöht wird, von ungefähr 13 Millionen Mark jährlich auf zirka 66 Millionen Mark. In ihrer Besorgnis, dag die Regierung, wenn sie nicht die geforderten Mittel für ihre Flotten- und HeereSvermehrungspläne erhält, zu Sleuervorlagen greifen könne, Ivelche die Portemonnaies der Wohlhabenden weit mehr in Anspruch nehmen als eine Fahrkartensteuer, brachten nämlich die uationalliberalen, konservativen und klerikalen Mitglieder der Steuer- kommission einen Antrag auf Erhebung der Stempelgebühr nach Matzgabe der Entfernung, d. h. der Kilometerzahl ein, und setzten trotz des Widerspruches deS ReichsschatzsekretärS und mehrerer Bundesratsvertreter schlietzlich die Annahme dieses Antrages mit 14 gegen 11 Stimmen durch, die unsere Parteigenossen, die Freisinnigen, Polen und die Wirtschaftliche Vereinigung stellten. Nach diesem Vorschlag sollen erhoben werden von Fahrkarten und sonstigen Ausweisen über die erfolgte Zahlung des Personenfahrgeldes im Eisenbahnverkehr für die: I. Wagenklasse, pro Kilonieter 1 Pf. „„„ V*2 n ni.„ V«„ Die vierte Klasse soll keine Stempelabgabe zahlen. Die Fahr- scheine von Stratzen- und ähnlichen Bahnen, sowie von Dampfschiffen auf inländischen Wasserstratzen sollen, falls verschiedene Klassen nicht vorhanden sind, wie Eisenbahn fahrkarten dritter Klasse behandelt werden. Bei der Erhebung der Abgabe sollen alle Stempelbeträge bis zu 6 Ps. unberücksichtigt bleiben, höhere Beträge aber nach oben auf 10 Pf. abgerundet werden. Bei Fahrkarten dritter Klasse tritt demnach die Besteilerung erst ein, wenn die Fahrstrecke 20 Kilometer (23/b Meilen) übersteigt. Der Kommissionsbeschlutz bedeutet eine geradezu enorme Be- lastimg des Personenverkehrs. Seine Annahme ist— abgesehen von der Feindschaft der agrarischen Elemente des Zentrums und der Konservativen gegen den„Wandertrieb"— nur erklärlich auS der vom einseitigsten Selbstinteresse diktierten Steuerpolitik der ge- nannten reaktionären Parteien: aus der Befürchtung, datz wenn nicht auf diese Weise die Mittel für die so- genannte ReichSfinanzreform geschafft würden, schlietzlich die Regierung niit einer wesentlichen Erhöhung der geplanten Reichserbschafts st euer oder gar mit einerReichSeinkoiumensteuer kommen könnte. Durch derartige Steuenr aber die Mittel für die von ihnen propagierte Kolonial- und Flottenpolitik selbst aufzubringen, verspüren aber trotz ihres Renommierens mit ihrer patriotischen Opferwilligkeit die Herren keine Lust. In welchem Matze die Eisenbahnfahrpreise durch den Vorschlag der Kommissionsmehrheit gesteigert werden, zeigt folgende Be- rechnnng. Der Fahrpreis für Personenzüge auf den preutzischen Staatsbahnen beträgt für die dritte Wagenklasse 4 Pf., für die zweite 6 Pf. pro Kilometer; demnach stellt sich für die dritte Wagen- klaffe der Zuschlag auf O'/«. für die zweite auf 3'/, Proz. Der Fahrpreis dritter Klaffe von Berlin nach Dresden beträgt z. B. zur- zeit 7,20 M., der Zuschlag würde sich, da die Entfernung sich auf 102 Kilometer beläuft, auf 50 Pf. stellen, der künftige Gesamtspreis also auf 7,70 M. Von Berlin nach Hamburg kostete das Billett dritter Klasse bisher 11,60 M., die Entfernung bettägt 286 Kilo- meter; der Fahrpreis würde sich also um 60 Pf. auf 12,30 M. er» höhen. Prozentuell noch weit mehr steigen aber die Preise der Rückfahrt- karten. Der Preis der Rückfahrtkarte nach Hamburg, der jetzt 17,40 M. beträgt, würde sich beispielsweise auf 13,00 M., der Heines Weltanschauung. Schellenfroh aus seinen Nestern, D'riu es lichtscheu sich verkrochen, Schreckte er da« nachtverliebte Fledermausgezücht der Vorzeit, Und sein blutender Messias War das dreimal heil'ge Recht! Ja. Hosianna I rief er jubelnd, Seine Hymnen präludierten Den Befreiungskrieg der Menschheit, Und in seinem Herzen schliefe» Schon des neuen Weltprogramms Gold'ne Zukunflsparagraphen. Arno Holz. Um keinen Dichter haben Liebe und Haß so gestritten, wie um Heinrich Heine. Keiner ist Gegenstand so fanatischer Verehrung, aber auch so fanatischer Veiunglimpfung gewesen. Das macht: Heine ist nicht nur ein Dichter von ungemeiner Eigenart, sondern ein schneidiger Vorkämpfer für politischen und sozialen Fortschritt, für Geistesfreiheit und Freiheit der Lebensführung. Er ist sozusagen ein Programm, das für den einen ein verehrungswürdiges Vermächtnis ist, für den anderen Gegenstand des Abscheus. Der Lyriker Heine war zwar der letzte Romantiker aber zugleich modernster sozialer Poet. Und dieser Doppel- charakter ist der ganzen litterarischen Persönlichkeit des Dichters eigen. Mit Recht hebt er in der Vorrede zur zweiten Auf- läge des„Buches der Lieder" hervor, daß seine poetischen so gut wie seine politischen und philosophischen Schriften einem und denselben Gedanken entsprossen seien und daß man die einen nicht verdammen dürfe, ohne den anderen allen Beifall zu entziehen. Im übrigen ist es gar nichts Unerhörtes, daß bei Heine romantische und modernste Ideen so dicht bei einander wohnten, ja sich miteinander verschmolzen. War doch die Romantik ursprünglich nichts als die Flucht ans der jannuervollen Wirklichkeit der Zustände in ein Reich der Phantasie, des Ideals. Die deutsche Romantik war eine urspriinglich durchaus natürliche und gesunde Reaktion gegen die Misere der polittschen und sozialen Zustände am Ausgange des 18. Jahrhunderts, die allem Philistertum den Krieg er- klärte. In ihrem ersten Sturm und Drang schwärmten die Tieck und Novalis nicht minder für die französische Revolution, wie die Klopstock und Stolberg. Romantik und religiöser Mystizismus waren keineswegs von Anfang an identische Be-� griffe. Die romantische Phantasiewelt war anfangs überhaupt, nichts Einheitliches, ihr barock zusaum'eugetvürselter Stil zeigt' Preis der Rückfahrtkarte Berlin-�Köln von 34,80 auf 37,40 M. erhöhen. Ganz besonders würde aber der Vorortsverkehr der grotzen Städte durch die geplanten Stempelzuschläge belastet werden. Es kostet z. B. die Fahrt, dritter Klasse, von Verlin: jetzt künftig Stettiner Bahnhof nach Oranienburg. 66 Pf. 66 Pf. ,. Bernau.. 40„ 50„ Görlitzer„„ Zenihen.. 60„ 60„ Anhalter„„ Zossen... 70„ 80„ Potsdamer„„ Potsdam.. 60„ 60„ Der Beschluß der reaktionären Mehrheit der Steuerkommission ist nicht nur so verkehrsfeindlich, sondern auch technisch so um- ständlich und für die Eisenbahne» in finanzieller Hinsicht so bedenklich, datz er voraussichtlich keine Gesetzeskraft erlangen wird, wenigstens nicht in der heutige» Form: als Charaktcristikum der engherzigen, von dem kleinlichsten Eigenintcresse geleiteten Steuer- Politik unserer nach Besitz, wenn auch nicht nach Bildung matz- gebenden Klaffen ist er aber dennoch von höchster Bedeutung; denn er zeigt, wie wenig diese Klassen geneigt sind, die Kosten ihrer eigenen Politik zu tragen. Ihre Presse verkündet alltäglich, datz sie bereit sind, ihr Blut für des Vaterlands Größe zu opfern; sobald es aber an das Zahlen geht, geht die ganze Opferwilligleit flöten.— Von Wohlgemut bis Stephany! Zürich, 13. Februar(Eig. Ber.) Zum zweitenmal ist in der Schweiz ein deutscher Polizei- kommissar verhaftet worden, aber freilich aus verschiedenen Ursachen und unter verschiedenen Umständen. Der Mülhausener Polizei- kommissar Wohlgemut kam 1888 in die Schweiz, nach Rheinfelden, um zu spitzeln und den Vätern des Sozialistengesetzes neue Hand- haben zu neuen Verfolgungen zu bieten.„Wühlen Sie nur lustig drauf los I" hatte er unserem Genossen Lutz in Basel geschrieben, der mit ihm unter Zustimmung der dortigen Parteigenossen in Ver- bindung getreten war und ihm scheinbar Spitzeldienste leistete. In seinem Eifer für die gute Sache der Sozialistenveruichtung ging er blindlings nach Rheinfelden in die ihm gelegte Falle, wurde aber dort von der Schweizer Behörde verhaftet und aus der Schweiz ausgewiesen. Bismarck und seine Polizei schäumten vor Wut über den Streich, den die Schweiz der deutschen Reaktion gespielt hatte. Das Wort Herbert Bismarcks von dem„wilden Lande" ist noch un- vergessen. Nun kommt 13 Jahre später der Stratzburger Polizeikommissar Stephany steiwillig, oder besser gesagt, als Flüchtling in die Schweiz, um das Köller-Regiment in Elsatz-Lothringen zu beleuchte». Er macht Enthüllungen über die herrschenden Kreise in den Reichslanden, die diesen sehr unangenehm sind und in ihnen den dringenden Wunsch erwecken, den Urheber in ihre Hände zu bekommen. Die Züricher Polizei verhaftet darauf Stephany, noch ehe von deutscher Seite ein Gesuch darum gestellt wurde. Der junge Polizeioberleutnant Becher, Sohn des demokratischen Regierungsrats Becher, dessen Karriere an das bekannte Sprüchlein erinnert, datz man leicht Kardinal werden kann, wenn man den Papst zuin Vetter hat, leistete als dienst- eifriger Polizist Deutschland den Gefälligkeitsdienst. Der simple Polizeioberleutnant dürite jedoch kaum aus eigener Initiative ge« handelt haben; wahrscheinlich führte er nur die Order des Züricher Justiz- und Polizeidirektors Regierungsrat Nägeli aus. Die Verhaftung Stephanys ist ein äußerst bedenklicher Akt der Liebedienerei; doch trotzdem ist es nicht richtig, darin ein besonderes Symptom dafür zu erblicken, datz in der Schweiz eine neue Reaktion eingesetzt habe. Vielmehr ist jener Akt nur ein weiteres Glied in der langen Kette von Heldentaten der schweizerischen Reaktion, die sie seit mehr als einem halben Jahrhundert vollbracht hat. Schon im Jahre 1860 wurden 16 deutsche Arbeitervereine aufgelöst und ihre 660 Mitglieder, darunter auch Liebknecht, aus der Schweiz ausgewiesen. Die Berner Regierung löste ferner den patriotischen Grütliverein auf. Als 1378 das deutsche Sozialistengesetz in Kraft trat, beeilte sich das eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement in Bern, durch Kreisschreiben den Kantonsregierungen die Namen der aus Berlin und anderen Städten ausgewiesenen Sozialdemokraten bekannt zu geben und sie ihrer vollsten Aufmerksamkeit und Berück« sichtigung zu empfehlen. Dann folgte 1883 die Unterdrückung deS „Sozialdemokrat" in Zürich und die Ausweisung der vier Genoffen Motteler. Bernstein, Schlüter und Tauscher, die Gründung der Bundesanwaltschaft und der politischen Polizei, die Schaffung des neben gotischem Pfeilerwerk schlanke jonische Säulen in- mitten indischer Tempelruinen. Erst allmählich wandelt sich der seltsame Bau in einen gotischen Dom, durch dessen bunte Scheiben mystisch gedänipftes Licht auf eine verzückte Beter- schar herniederflutet. Die Romantik hatte mit sehnsüchtigen Exkursionen nach unbekannten Welten begonnen, sie schiveifte in das alte Hellas, sie tauchte in das deutsche Mittelalter, sie versenkte sich in das geheinunsvolle Wunderland Indien, um im Katholizismus und in politischer Reaktion zu enden. Die heiße, wundersüchtige, schönheitstrunkene Sehnsucht lebte auch in Heines Seele. Der romantischen Losung: „Krieg den Philistern l" folgte er all sein Leben lang. Aber um gleich den Poeten der romantischen Schule in religiösem Mystizismus zu enden, dazu besaß er nicht nur eine viel zu starke satirische Ader, sondern dazu waren auch die ganzen Zeit- und Lebensumstände nicht angetan. Heine war ein Kind des 19. Jahrhunderts, und zwar seiner ersten revolutionären Hälfte. Und obendrein ein Kind des vorgeschrittenen, durch die französische Revolutton und Invasion mit modernen Ideen infizierten Rheinlandes! Aber Heine wurde mehr als ein politischer Dichter, mehr als ein liberaler oder demokratischer Teudenzpoet. Vor einer solchen Verflachung behütete ihn schon der romantische Urquell seiner Poesie. Aber auch noch ein anderes. Seit 1830 hatte Heine in Paris seinen ständigen Aufenthalt genommen. Die sozialistischen Gedaukenkeime,' denen wir schon in früheren Schriften begegnen, fanden hier kräftige Nahrung; der Einfluß der Fourierschen und St. Simonistischen Schule tritt immer unverkennbarer hervor. Der Enthusiasmus dieser Dichterseele konnte sich in der engen Philisterwelt der Bourgeoisie nicht heimisch fühlen, die romantische Sehnsucht mußte sich an den kommunisttschen Menschheitsidealen entzünden. So war es ganz natürlich, daß Heine die Revolutton nicht im Sinne der bürgerlichen polittschen Revolutton auffaßte, sondern als Re- volutton des sog. vierten Standes, als soziale Revolution. Und diesem Gedanken der sozialen Revolutton ist Heine trotz mancher ideologischen Seitensprünge und individualisttsch- aristokratischer Kaprizen bis an sein Ende treu geblieben, für ihn hat er unablässig mit seinen glänzenden Geisteswaffen gestritten! Heines Weltanschauung finden wir am klarsten entwickelt in seiner Schrift:„Zur Geschichte der Religion und Philo- sophie in Deutschland", in der er den Franzosen den Verlauf der deutschen Freiheitsenttvickeluug klar zu machen sucht. Vier Männer waren es seiner Meinung nach, die als Vorkämpfer dieser Freiheitsentivickelung genannt werden uuissen. weil sie das Christentum geistig überwanden: Luther. Lesjing. Kant und Hegel. Luther habe schweizerischen AnarchistengesetzeS usw. Im Jahre 1893, zurzeit der Mailänder Unruhen, lieferte die Schweiz 260 italienische Arbeiter ihren Henkern in die Hände. Dazwischen liegen zahllose Anarchisten- und Sozialisten- Ausweisungen. Trotzdem konnte das scheußliche Attentat des Luccini auf die Kaiserin von Oesterreich nicht verhindert werden. Nun soll der Polizeikommissar Stephany ebenfalls ausgeliefert werden. Die deutsche Regierung hat das Auslieferungsbegehren gestellt. Da er dagegen protestiert, wird das Bundesgericht zu entscheiden haben. Zur Beurteilung der Praxis dieses Gerichts kann folgender Fall dienen: Vor mehreren Jahren wurde in Neuenburg der italienische Anarchist Taffai unter der Beschuldigung der Be- teiligung an der Ermordung des Königs Humbcrt verhaftet. Taffai bestritt jede Schuld und protestierte gegen seine Auslieferung an Italien. Allein es half alles nichts; das Bundesgericht beschloß seine Auslieferung und, wie ein wildes Tier gebunden, lieferte man ihn in die Hände der italienischen Polizei. Nachdem er dann einige Zeit in Untersuchungshaft gesessen, mutzte er wegen völliger Schuld- losigkeit wieder freigelassen werden. Für Stephany ist die Situatton durchaus günstig. Er soll ausgeliefert werden wegen Unterschlagung amtlicher Aktenstücke. Das ist jedoch ein Delikt, welches das Züricher Strafgesetz nicht kennt. Zudem ist klar, daß Stephanys Auslieferung aus rein politischen Gründen verlangt wird, und die von ihm bestrittene Akten-Unter- schlagung nur ein Vorwand ist, um seine Auslieferung wegen eines gemeinen Vergehen? verlangen zu können, da der deutsch-schweize- rische Auslieferungsvertrag die Auslieferung wegen politischer Ver- gehen nicht kennt. Doch trotzdem kann man nicht von einem Niedergang, von einer neuen schweizerischen Reaktion sprechen. Was heute die schweizerischen Behörden gegenüber dem Auslände an Liebedienerei leisten, ist alte und gut radikale Politik— so alt, wie die Verfolgungen der Arbeiter- bewcgung. Neu ist nur das eine: Heute würde in der Schweiz kein Spitzelzüchtcr Wohlgemut mehr verhaftet und ausgewiesen werden. Insofern ist die Schweiz seit 1888 als„Kulturstaat" fort- geschtttten und darum in den Augen der ausländischen Herrschaften kein»wildes Land" mehr.— � Dcutrcheö Reich. Ein unerhörter Zwang zur Unehrenhaftigkeit wird jetzt durch die Behörden in F o r st in der Lausitz auf Männer ausgeübt, die bisher auf ein untadelhaftes ehrliches Leben zurückblicken können. Tort ist der verantwortliche Redakteur P e r n e r der„Märkisckjen Volksstimme" wegen angeblicher Aufreizung zum Klassenhaß in Untersuchungshaft gezogen worden und die Staatsanwaltschaft wendet nun das Zeugniszwangsverfahren im allerweitesten Umfange an, um den V e r f a s s e r des fraglichen Artikels auch noch ans Messer liefern zu können. Schon berichteten wir davon, daß auch gegen einige Setzer des Blattes zwangsweise vorgegangen und ihnen eine Geldstrafe von je L0 Mark angedroht worden ist. Jetzt berichtet uns der Telegraph: Forst(Lausitz), 16. Februar.(Privattelegramm des„Vorwärts".) In der Untersuchungssache gegen den Redal- teur P e r n e r von der„Märkischen Volkssttmme" sind heute vier Setzer in ZeugniszwangShaft genommen, die in der Druckerei beschäftigt sind, in welcher die„Volksstimme" hergestellt wird. Mit rauher Hand reißt hier die Staatsamvaltschaft die Fetzen herunter, welche die angeblich ideale Gestalt der deutschen Preßfreiheit verhüllen und wir erblicken ein scheuß- liches Fratzenbild!— Ist es denn nicht genug, daß das deutsche Preßgesetz die Redakteure rechtlich noch unter die Räuber und Spitzbuben stellt, daß es die Zeitungen zwingt, durch Angabe eiiles sogeuannteit„verantwortlichen" Redak- teurs der Justiz unter allen U in ständen ein Opfer zu übermitteln, während man bei allen Kriminal- vergehen dem Täter seine Schuld nachweisen muß? Um darüber hinaus außer der Person, die freiwillig die Verant» wortlichkeit für andere übernommen hat, dennoch den eigent- lichen Täter mitfassen zu können, sperrt man außerdem hier noch Leute aus dem technischen Personal ein, die einen schweren Vertrauensbruch begehen würden, wollten sie sich ihre Freiheit durch die Angaben erkaufen, welche die uns von der Tradition befreit und die Bibel zur alleinigen Quelle der Wahrheit erhoben. Freilich sei nun daraus ein papierner Papst entstanden, ein starrer Wortdienst, und der Buchstabe der Bibel habe ebenso tyrannisch ge- herrscht, wie einst die Traditton. Lessing erst habe uns von der Tyrannei des Buchstabens befreit. Mit dem Buchstaben sei nach Lessings Meinung die l e tz t e Hülle des Christen- tums gefallen gewesen, so daß sein Geist rein hervor- zutreten vermocht habe. Aber damit war nach Heine nur halbe Arbeit getan.„Denn", sagt Heine,„dieser Geist ist nichs anderes, als das, was die Wolfsche Philo- sophie zu demonstrieren gedacht. was die Philan- thropen in ihrem Gemüte gefühlt. was Mendels- söhn im Mosaismus gefunden, was die Poeten gepfiffen, was sich damals in Deutschland unter allen Fonnen geltend machte: der reine Deismus". Dieser Deismus, dieser Glaube an ein zwar nicht geoffenbartes, aber außer- halb der Welt stehendes höchstes Vernuuftwesen, habe eben- falls überwunden werden müssen. Er sei überwunden worden durch Kant. Der Königsberger Philosoph habe in seiner „Kritik der reinen Vernunft" gezeigt,„daß wir von Gott nichts ivissen können, daß sogar jede künfttge Beweisführung seiner Existenz unmöglich sei." Freilich habe Kant hinterher durch das Hinterpförtchen der„praktischen Vernunft" den Deismus wieder eingeschmuggelt: „Immanuel Kant... hat den Himmel gestürmt, er hat die ganze Besatzung über die Klinge springen lassen, der Oberherr- der Welt schwimmt unbewiesen in seinem Blute, eS gibt keine All- barniherzigkeit mehr, keine Vatergüte, keine jenseilige Belohinmg für diesseitige Enthaltsamkeit, die Unsterblichkeit der Seele liegt in den letzten Zügen— das röchelt, das stöhnt— und der alte Lampe steht dabei mit seinem Regenschirm unterin Arm. als betrübter Zuschauer, und Angstschweiß und Tränen rinnen ihm vom Gesicht. Da erbarmt sich Immanuel Kant und zeigt, datz er nicht bloß ein großer Philosoph, sondern auch ein guter Mensch ist, und halb gutmütig und halb ironisch spricht er:„Der alte Lampe mutz einen Gott haben, sonst kann der anne Mensch nicht glücklich sein. Der Mensch soll aber auf der Welt glücklich sein, das sagt die praktische Vernunft— meinetwegen, so mag auch die praktische Vernunft die Existenz Gottes verbürgen." Gleichviel, Kant habe durch seine Kritik der reinen Ver- nunft die Unniöglichkeit des Beweises der Existenz Gottes dargetan. Den Schlußstein der Jdeenrevolution bilde aber Hegel, der den Pantheismus verkündigt habe,„die Heiligung der Natur, die Wiedereinsetzung des Menschen in seine Gottes- rechte". Gott lebe nun nicht mehr außerhalb der Natilr. er lebe in der Natur, er sei identisch mit den Erscheinungs- formen des Alls. Heine hat diesen Pantheismus dichterisch in den Versen ausgesprochen: Maalsanwaltschaft von ihnen verlangt! Es ist bezeichnend für unsere deutschen Zustände, daß eine Behörde mit der- artigen Zumutungen an freie Staatsbürger herantreten kann, ohne einen Sturm der Entrüstung hervorzurufen, der die beamteten Akteure in diesem Kulturdrama aus ihren Stellungen hinwegfegt!_ Zollkrieg oder Handelsprovisorium. Die deutsche Regierung ist tatsächlich, wie wir gestern aus- führten, mit ihrer den Bereinigten Staaten von Amerika gegenüber befolgten Handelspolitik in eine Sackgasse geraten. Die von einigen offiziösen Blättern ausgesprochene Zuversicht, daß es gelingen wird, während des von der deutschen Regierung vorgeschlagenen ein- jährigen Provisoriums mit der Union zu einer für Deutschland vor- teilhasten Verständigung über einen neuen Vertrag zu gelangen, entbehrt jeglicher Begründung. Das Festhalten der deutschen Unter- Händler an den Agrarzöllen des neuen Vertragstarifs hat jede Aus- ficht auf die Abschließung eines Reziprozitätsvertrages zerstört— nicht nur für jetzt, sondern auch für die nächstfolg-nden Jahre. Das gesteht auch der Korrespondent des„Hamb. Korresp." zu, indem er seinem Blatt telegraphiert: „Aus hier eingetroffenen Berliner Meldungen geht hervor, eS walte dort die Annahme vor, daß während des Bestehens eines einjährigen Provisoriums der Handelsvertrag abgeschlossen werden könnte. Dies ist absolut irrig. Der Kongreß dürfte im nächsten Winter die gleiche Stellung einnehmen wie heute, und die Verteidiger des Dingleytarifs erklärten nach dem Äuftauckien der Nachricht von einem neuen Abkommen mit Deutschland, sie hätten dies von vornherein gewußt, weil Deutsch- land es auf einen Zollkrieg nicht werde ankommen lassen können. Alle Einflüsse, die hier zugunsten des künftigen Handelsvertrags wirken, werden drüben gewaltig überschätzt. Sowohl die New Jork Merchants Association wie die Handelskammer sind Privatgesellschaften, deren Einfluß nicht weiter reicht als etwa der des �Vereins der Textilfabrikanten in Deutsch- land. Daran ändert die Tatsache nichts, daß solche Gesellschaften von dem in solchen Fällen ebenfalls macht- losen Präsidenten empfangen werden. Auch vom künftigen Kongreß sollte lieber nichts erhofft werden. Die gegenwärtige Regierung betrachtet als ihre vornehmste Aufgabe, vor der alle anderen zurücktreten müßten,. die Erhaltung des republikanischen Regimes auch für die Zukunft. Das wird ihr gelingen und für die nächsten zehn Jahre werden die„Standpotters"(die am Dingley- Tarif Festhaltenden) im Kongreß die Oberhand haben." Das Bemühen der Reichsregierung, mit der nordamerikanischen Union ein provisorisches Abkommen zu treffen und für dieses die Zustimmimg des Reichstages zu gewinnen, bedeutet unter diesen Umständen nichts anderes als ein Manöver zur Verdeckung der erlittenen Schlappe und des Rückzuges. Wie das Handels- Provisorium mit England, so wird auch das mit den Vereinigten Staaten immer wieder erneuert werden müssen— bis der jetzige handelspolitische Kurs der deutschen Re- gierung in andere Bahnen einlenkt. Die agrarische Begünstigungspolitik hat es tatsächlich fertig gebracht, daß das deutsche Volk heute vor der Entscheidung steht: Langandauern- des Provisorium oder Zollkrieg!— Zum Ausfall der Ersatzwahl in Chemnitz schreibt man uns aus dem Kreise selbst in einer Weise, die durchaus unser gestriges eigenes Urteil unterstützt und dasselbe durch An- führung von Tatsachen illustriert. Diese Zuschrift lautet: Der Ausfall der Ersatzwahl im Chemnitzer Wahlkreise hat lebhafte Erörterungen in einem Teile der Parteipresse zur Folge gehabt. In zum Teil heftiger Form ist nach den Ursachen gefragt worden, auf die der Rückgang an sozialdemokratischen Stimmen zurückzuführen ist. Es liegt wirklich kein Anlaß zur Erregung vor. Bei ruhiger Beurteilung ist gar k e i n anderer Schluß möglich, als der, daß die Sozialdemokratie begründeten Anlaß hat, mit dem Wahlresultat zufrieden zu sein. Alte Parteigenossen, die seit Jahrzehnten den Chemnitzer Kreis kennen und ihn be- arbeiteten, sind durch den Ausfall der Wahl angenehm überrascht.— Daß die Mandatsniederlegung des Genossen Schippe! im Wahlkreise nicht freudige Ueberraschung hervorgerufen hat, braucht kaum betont zu werden. Auf diesen Felsen bauen wir Die Kirche von dem dritten, Dem dritten neuen Testament; DaS Leid ist ausgelitten. Vernichtet ist das Zweierlei, Das uns so lang betöret; Die dumme Leiberquälerei Hat endlich aufgehöret. Hörst du den Gott im finstern Meer? Mit tausend Stimmen spricht er. Und siehst du über itnserm Haupt - Die tausend Gotteslichler? Der heilge Geist, der ist im Licht, Wie in de» Finsternissen; Und Gott ist alles, was da ist; Er ist in unsern Küssen. In der erwähnten Schrift„Zur Geschichte" usw. sagt Heine:„Gott ist identisch mit der Welt. Er manifestiert sich in den Pflanzen, die ohne Bewußtsein ein kosmisch-magnetisches Leben führen. Er manifestiert sich in den Tieren, die in ihrem sinnlichen Traumleben eine mehr oder minder dumpfe Existenz empfinden. Aber am herrlichsten manifestiert er sich in dem Menschen, der zugleich fühlt und denkt, der sich selbst individuell zu unterscheiden weiß von der objektiven Natur, und schon in der Vernunft die Ideen trägt, die sich ihm in der Erscheinungs- Welt kundgeben.... „Es ist eine irrige Meinung, daß diese Religion, der Pantheismus, die Menschen zum Jndifferentismus führe. Im Gegenreil, das Beivußtsein seiner Göttlichkeit wird den Menschen auch zur.Kundgebung derselben begeistern, und jetzt erst iverden die wahren Großtaten des wahren Heroentums diese Erde verherrlichen. „Die politische Revolution, die sich auf die Prinzipien des französischen Materialismus stützt, wird in den Pantheisten keine Gegner finden, sondern Gehülfen, aber Gehülfen, die ihre Ueberzeugungen aus einer tieferen Quelle, aus einer religiösen Synthese, geschöpft haben. Wir befördern das Wohlsein der Materie, das materielle Glück der Völker, nicht weil wir gleich den Materialisten den Geist mißachten, sondern weil wir wissen, daß die Göttlichkeit des Menschen sich auch in seiner leiblichen Erscheinung kundgibt, und das Elend den Leib, das Bild Gottes, zerstört oder avilwrt(herabwürdigt) und der Geist da- durch ebenfalls zugrunde geht____ Wir kämpfen nicht für die Menschenrechte des Volks, sondern für die Gottesrechte des Menschen...." Dieser Pantheismus ist, wie Heine ausführt, der schroffste Gegensatz des Christentums. Das Christentum ist ja dualistisch, es unterscheidet zwischen Gott und der Welt, zwischen dem S ch i p ß e l ist in Chemnitz geboren und herangewachsen, hat 15 Jahre lang das Mandat innegehabt und erhielt bis in die letzte Zeit hinein Vertrauensvoten mit sehrgroßer Majorität. Die Differenzen, die wegen der neuen Kandidatur in unseren Reihen bestanden, haben bekanntlich eine äußerst rasche Erledigung gefunden und haben auf das Wahl- ergebnis keineswegs ungünstig eingewirkt. Aber der neue Abgeordnete des Kreises, Genosse N o s k e, war, da er noch nicht ganz vier Jahre im Kreise wohnt, trotz einer sehr regen Agitationstätigkeit, über den Kreis der Leute hinaus, die Volksversammlungen besuchen, nicht besonders bekannt. Dagegen war der Name des freisinnigen Kandidaten Günther durch seine Tätigkeit als Abgeordneter im säch- fischen Landtage im Kreise recht geläufig. Bei der Wahl im Jahre 1903 war die Zahl der sozial- demokratischen Stimmen um 10 OVO in die Höhe geschnellt. Der Steuerzuschlag, die Hofskandale, die Nachwirkungen der Zollkämpfe usw. müssen wesentlich dazu beigetragen haben, daß diese gewaltige Zunahme an Stimmen zu verzeichnen war. Es hat seit der Hauptwaht nicht an der Arbeit ge- fehlt, die geleistet werden mußte, um die neu gewonnenen Wähler zu festen Sozialdemokraten zu machen. Die Zahl der organisierten Genossen ist erheblich g e st i e g e n, auch die Verbreitung unserer Parteipresse hat erfreulich z u- genommen. Daß ein frischer Zug durch die Reihen der Chemnitzer Arbeiterschaft geht, das haben die imposanten Straßcndcmonstrationen gelehrt; der amtliche Polizei- berich't gab die Zahl der Demonstranten auf lOOOO an. Es bedarf keines besseren Beweises dafür, daß von einer Flau- macherei im Kreise keine Rede sein kann. Auch die Wahl- bewegung war eine flotte. Wenn auch nicht über 100 Ver- sammlungen im Kreise stattgefunden habet», wie ein frei- sinniges Blatt flunkert, so ist doch unser Kandidat wochenlang eifrig im Kreise tätig gewesen und neben ihm andere Redner. Alle Versainmlungen waren ausgezeichnet besucht, viele»vurden polizeilich abgesperrt. Zu einem äußerst inrposanten, geradezu riesenhaften Aufmarsch des Proletariats gestalteten sich die beiden Versammlungen, in denen Bebel sprach. In den sozialde in akratischen Wählermassen kann gar kein besserer Geist herrschen, als er in allen Orten des Chemnitzer Wahlkreises zu beobachten war. Wenn trotzdem die Wahl- beteiligung geringer»var und die Zahl der sozialdemo- kratischen Stimmen etivas abnahm, so ist das nur ein Beweis dafür, daß nicht alle Wähler, die 1903 sozialdemo- kratische Stimmzettel abgaben, Sozialdemokraten waren. � Gewiß, die Freisinnigen haben tüchtig agitiert. In der Wahl ihrer Kampfesmittel waren sie unanständiger als die Kartellparteien. Aber damit konnten sie S o z i a l d e n» o- traten nicht gewinnen. In vielen Kreisen haben sich unsere Gegner ruppiger gezeigt und konnten doch der Sozial- demokratie keinen Abbruch tun. Rund heraus gesagt: Tic Straßendemonstrationcn, ans die die Chemnitzer Arbeiter nach »vie vor stolz sein werden� haben eine Anzahl kleinbürgerlicher Wähler nnd unsicherer 5lantonistcn aus der Arbeiterschaft kopfscheu gemacht. Das Hauptargument unserer Gegner gegen die Sozialdemokratie war der Hinweis auf die in letzter Zeit schärfer hervorgetretenen revolutionären Tendenzen unserer Partei. Der einzige nennenswerte„Vorwurf", den die Kartellparteien gegen unseren Kandidaten erhoben, war der, er sei der Urheber der Chemnitzer Straßendeinon- strationen. Die Staatsanwaltschaft hatte den Wahlkampf damit eingeleitet, daß sie gegen den Genossen N o s k e wegen der Straßendemonstrationen ein Strafverfahren ein- leitete. Dasselbe ist wieder eingestellt worden; aber das Agitations mittel ließen sich die Gegner nicht ent- gehen. Wir würden uns selbst täuschen, wenn wir die Augen vor der Tatsache verschließen wollten, daß solche bürgerliche Schichten, die bisher mit der Sozialdemokratie kokettierten, durch die Straßendemonstrationen abgeschreckt»norden sind. Die Geschäftsleute in den Stadtteilen, die an zwei Sonntagen von den demonstrierenden Massen durchwogt wurden, sind ä n g st l i ch geworden oder w ü t e»i d. Man muß die Gesichter der Spießer gesehen haben, als sie a n g st- Geist und den sinnlichen Erscheinungen. Dem Christentum ist das Weltliche das Böse, das Geistige. Weltflüchttge das Gute. Die Erde ist nicht dazu, sich wohnlich einzurichten, sondern nur eine Vorbereitungsstätte für das Jenseits.„Dem guten Christus steht der böse Satan entgegen; die Welt der Geister wird durch Christus, die Welt der Materie durch Satan repräsentiert; jenem gehört die Seele, diesem unser Leib; und die ganze Erscheinungswelt, die Natur, ist deinnach ursprüng- lich böse, und Satan, der Fürst der Finsternis, will uns da- mit ins Verderben locken, und es gilt allen sinnlichen Freuden des Lebens zu entsagen, unseren Leib, das Lehen Satans, zu peinigen, damit die Seele sich desto herrlicher empor- schwinge in dem lichten Himmel, in das strahlende Reich Christi". Heine weiß übrigens auch sehr gut,»voher dieser weit- flüchtige, den Lebensgenuß verpönende Geist des Christen- tunis stammt: er wurde geboren in einein Zeitalter furcht- barer Weltentvehen. Angesichts des ungeheuren Elends, das der Verwesungsprozeß der antiken Gesellschaft erzeugte, nnlßte jede Freude als Uebermut, jeder Genuß als Frivolität er- scheinen. Auch an den mittelalterlichen christlich-koinmunistischen Sekten ist dieser Hang zum Trübsinn, zur Askese zu beobachten. Und daß die psychische Disposition, die ihrerseits »viederum auf die materiellen Verhältnisse zurückzufiihren ist, nicht nur im Leben der Völker, sondern auch in dem des Individuums der Religion gegenüber die ausschlaggebende Rolle spielt, hat Heine im Vorwort zum„Romanzero" mit den Worten ausgesprochen:„Das endliche Schicksal des Christentums ist davon abhängig, ob»vir dessen noch bedürfen." Heine war der begeisterte Prophet und Hohepriester der Freiheit und Schönheit. Er»vollte die Menschheit von der politischen Tyrannei, von den Fesseln der sozialen Knechtschaft befreit sehen. Aber sie sollte auch von dem dumpfen, selbst- quälerischen Wahn des Christentums befreit werden. Er»vollte die heitere, schöne Sinnlichkeit wieder in ihre Rechte einsetzen, die sie im alten Hellas besessen, er predigte die Emanzipation des Fleisches: „Einst, wenn die Menschheit ihre völlige Gesundheit wieder- erlangt, wenn der Friede zlvischen Leib und Seele»vieder hergestellt, und sie wieder in ursprünglicher Harmonie sich durchdringen, dann wird man den künstliche» Hader, den das Christentum zwischen beiden gestiftet, kaum begreifen können. Die glücklichere» und schöneren Generationen, die, erzeugt durch freie Wahlumarmnng, iu einer Religion der Freude emporblühen, werde» wehmütig lächeln über ihre armen Vorfahren, die sich aller Genüsse dieser schönen Erde trübsinnig enthielten, und durch Abtötung der warmen, farbigen Sinnlichkeit fast zu kalten Gespenstern verblichen sind. Ja, ich sage es bestimmt, unsere Nachkommen werden schöner und glücklicher sein, als wir. Denn ich glaube an de» erfüllt die Rolläd'etk an ihren Schaufenstern herunter- rasseln ließen. Allen ängstlichen Gemütern, die aber trotzdem von den reaktionären Kartellparteien nichts wissen wollen, war der freisinnige Oppositionsmann Günther der rechte Kandidat. Der Mann hat seit ein paar Jahren im sächsischen Landtage gezeigt, daß er der Regierung gegenüber Haare auf den Zähnen hat, ist aber nicht so gefährlich, wie ein Sozialdemokrat. Lediglich aus diesem Gedankengang der Wähler heraus kann die Z u n a h m e der freisinnigen Stimmen um 5000 erklärt werden. Die Masse der Arbeiter hat die Probe glänzend bestanden; sie brachte zum Ausdruck, daß sie aus vollem Herzen die Taktik der Sozialdemokratie billigt und als die allein richtige und Erfolg ver- heißende ansieht. Insofern kann der Ausfall der Chemnitzer Ersatzwahl uns wohl mit Befriedigung erfüllen. Daß die Parteigenossen im Kreise verstehen werden, aus dem Wahlergebnis zu lernen, wo»mit er n e u t mit der Arbeit einzusetzen ist, kann als selbstverständlich betrachtet werden. Die„Voss. Ztg." sagt zu unserer gestrigen Bewertung des Wahlausfalles in Chemnitz: „Es ist zweifellos richtig, daß Noske nicht verstand, die Mit- läufcr so zu bezaubern wie Schippel. Die„politische Erregung" wird die Sozialdemokratie voraussichtlich auch noch anderswo die gleichen Erfahrungen wie in Chemnitz machen lassen. Die Wahl- rechtstumulte und die Verherrlichung der russischen Revolution haben manchem Arbeiter und Kleinbürger die Augen geöffnet. Die werbende Kraft des Liberalismus läßt sich andererseits nicht vernichten. Wohl kann sie durch widrige Umstände gemindert toerden, nie aber lvird sie ihre Wirkung verfehlen, wenn sie durch Männer, die von ihr erfüllt sind, ins Volk getragen wird. Und das geschieht jetzt in Sachsen." Was die alte Tante in der Breitenstraße da über die Wirkung der„Wahlrechtstumulte" und der„Verherrlichung der russischen Revolution" auf das Bürgertum sagt, ist ja richtig, zeigt aber eben, wie oberfaul es seit den schönen Tagen des„Extrablatt der Freude" mit unserem Bürgertum geworden ist. Die„lverbende Kraft des Liberalisinus" vermag nicht einmal mehr, aus„Vossischcn Zeitungs"- Redakteuren wirkliche Liberale zu machen.— Ein Ansiedelungs-Experiment. Das Kolonialamt gedenkt eine Anzahl deutsch-russischer Rück- Ivandererfamilien aus dem Kaukasus in Deutsch-Ostafrika an- zusiedeln. Es stellt zu diesem Ziveck vorläufig 50 solcher Familien je 50 Hektar Land kostenlos zur Verfügung; ferner sind den An- siedlern insgesamt 100 000 M. aus der Wohlfahrtslotterie bewilligt »vorden. In einem Artikel der„Kol.-Ztg." äußert sich zu diesem Projekt der Hauptmann a. D. Leue: „Grade diese bescheidenen, an ein eutbehrungsvolles und arbeit- sames Leben gewöhnten Kleinbauern, die in der Heimat bedrängt. froh sein werden, wenn sie ein sicheres Plätzchen finden, Ivo sie in Ruhe ihren Kohl bauen können, werden uns in Deutsch-Ostafrika von größtem Nutzen sein. Was uns dort fehlt, sind Menschen, die Werte schaffen. Ein glückliches Moment ist dabei, daß diese Deutsch-Rusien Ackerbauer und nicht Viehzüchter sind, da eine intensive Landivirtschast der Kolonie zum größeren Nutzen gereicht. als eine extensive. Auch daß das Ansehen des Weißen auf Grund körperlicher Arbeit in den Augen der Farbigen herabsänke, ist nicht der Fall. Mit dem Prestige der»oeißen Raffe ist es wegen der vielen anderen hellfarbigen Menschen in Ostafrika nicht lvcit her, und wenn der Deutsche dort eine gewisie Achtung genießt, dann verdankt er das ganz anderen Eigenschaften, als seiner lveißeu Hautfarbe." Die armen Teufel, die gezwungen sind, sich in den Fieber- gegenden Deutsch-Ostafrikas eine neue Heimat zu gründen, tun unS leid. Es ist ein gefährliches Experiment, das mit ihnen vorge- nommen wird.—_ Tie Reise-Stipendiaten de? Norddeutschen Lloytz Wie sich herausstellt, hat der Norddeutsche Lloyd keineswegs die zwanzig Freibillets für die Studienfahrt von Reichstagsabgeordneten nach Ostasien ganz freiwillig geliefert. In dem Schreiben des Nord» deutschen Lloyd an den Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg heißt es nämlich: „Wie Eiv. Hoheit aus dem Programm ersehen wolle», haben wir uns bemüht, den Wünschen Ew. Hoheit für die Ausführung dieser Studienreise nach Möglichkeit Rechnung zu tragen, und stellen wir nunmehr Ew. Hoheit 20 Plätze an Bord der in dem Programm genannten Dampfer zur Verfügung. Sollten Ew. Fortschritt, ich glaube, die Menschheit ist zur Glückseligkeit bestimmt, und ich hege also eine größere Meinung von der Gottheit, als jene frommen Leute, die da»vähnen, sie habe die Menschen nur zum Leiden erschaffen. Schon hier auf Erden möchte ich durch die Segnungen freier politischer und industrieller Institutionen jene Seligkeit etablieren, die nach Meinung der Frommen erst am jüngsten Tage im Himmel stattfinden soll." Das schrieb Heine 1834. Zehn Jahre später sagte er an einer anderen Stelle: Die Vernichtung des Glaubens an ven Himmel hat nicht bloß eine moralische, sondern auch eine politische Wichtigkeit:' ie Massen tragen nicht mehr mit christlicher Geduld ihr irdisches Elend, und lechzen nach Glückseligkeit auf Erden. Der K o m« munismus ist eine natürliche Folge dieser Weltanschauung. und er verbreitet sich über ganz Deutschland. Es ist eine ebenso natürliche Erscheimmg, daß die Proletarier tu ihrem Ankampf gegen das Bestehende die fortgeschritten- sten Geister, die Philosophen der großen Schule als Führer besitzen; diese gehen über von der Doktrin zu Taten, dem letzten Zweck alles Denkens, und formulieren das Programm. Wie lautet es? Ich Hab' es längst geträumt und ausgesprochen in den Worten:„Wir wollen keine SanSkulotten sein, keine frugalen Bürger, keine wohlfeilen Präsidenten; wir stiften eine Demokratie gleichherrlicher, gleichheiliger, gleichbeseliger Götter. Ihr verlangt einsame Trachten, enthaltsame Sitten und un- gewürzte Genüsse; wir hingegen verlangen Nektar und Ambrosia, Purpurmäntel, kostbare Wohlgerüche. Wollust und Pracht, lachenden Nyniphentanz, Musik und Komödien." In der Tat, das ist, poetisch formuliert, das Programm des Kommunismus, des modernen Sozialismus I Mag sich die gegnerische Heuchlersippe in Entrüswngs- krämpfen winden ob solcher„Frivolität". Heine selbst hat das Gelichter schon heimgeschickt mit den Versen: Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, Ich kenne die Herren Verfasser; Ich weiß, sie tranken heimlich Wein Und predigten öffentlich Wasser. Das alte Geschlecht der Heuchelei Verschwindet, Gott sei Dank, heut, Es sinkt allmählich ins Grab, es stirbt An seiner Lügenkrankheit. Es wächst heran ein neues Geschlecht Ganz ohne Schminke und Sünden, Mit steten Gedanken,.mit freier Lust— Dein werde ich alles verkünden. Schon knospet die Jugend, welche versteht Des Dichters Stolz und Güte, Und sich an seinem Herzen erlvärmt, An seinem Sonnengemüte. fcoljcit noch weitere Plätze wüiischci», so werden wir gern bereit tragen Wün,chcn, soweit der Platz reicht. Rechnung zu - der Direktion des Norddeutschen Lloyd irgend welche Wuniche in Bezug auf die Änzayl der Plätze ausgesprochen worden sein. es schon ohnehin für einen charaktervollen Menschen peinlich, derartige Gefälligkeiten von einem fremden Privaten an- zunehinen, so erst recht, wenn er weist, dast das Anerbieten kein frei- williges ist. Trotzdem werden sich sicher genug Steichsboten zur Mit- tahrt finden, selbst solche, die sich derartige Studicnfahrten bequem aus eigenen Mitteln leisten könnten. Die Diätenzahlunq aus Reichs- miltein erscheint ihnen als eine Verletzung der Würde des Reichs- 'c>g«s. die Annahme von Freibillets aus den Mitteln einer Aktien- gesellschaft dagegen als etwas ganz Unbedenkliches.— Zur Wahlrechtsreform in Sachsen-Wrimar. Weimar, 16. Februar.(Privatdepesche.) Der Landtag nahm nach langer Sitzung und zweistündigen Ausführungen des Abgeordneten Genosse Laudert die Wahlgesetz- änderung mit 19 gegen 14 Stiminen an. Der sozialdemokratische Antrag, die allgemeine, gleiche und direkte Wahl eiiizuflihreil, wurde von allen bürgerlichen Parteien einschliestlich des Freisinns abgelehnt. Der StaatSminister Rothe hält VersanimluiigSverbote als ungeeignet zur Bekämpfung der Sozialdemokratie und empstehlt den Zusammen- schlust aller bürgerlichen Parteien.— Reue Opfer der Kolonialpolitik. Am 7. Februar sind im Patrouillengefecht bei Eendoorn nach amtlicher Meldung gefallen: Leutnant Erich Bender, geboren am 16. 4- 77 zu Voerde, früher im Füsilier-Regimcnt Nr. S9, Schust Kopf, linke Seite. Gefreiter Walter von Tanten, geboren am 26. 2. 80 zu Glashagen, früher im Jnfanterie-Regiment Nr. 41, Kopf- und Rückcnschust. Reiter AloyS Fcldmcier, geboren am 13. 5. 83 zu Lengthal, früher im Königlich Bayerischen 3. dhevau- leger-Regiment. Verwundet: Reiter Karl Gerold, geboren am 1. 7. 82 zu Giengen, früher im Königlich Württcmbcrgischen In- fantcrie-Rcgimcnt Nr. 120. Gefreiter Andreas Pfeifer, geboren am 20. 7. 82 zu Tauberscheckenbach, früher im Königlich Bayerischen 13. Jnfanterie-Regimcnt, am 12. Februar d. I. in Otjosondu am Typhus und Ruhr gestorben. An die Gewehre! In der gestrigen Nummer der„Münchener Post" veröffenUicht der Landesvorstand der sozialdemokratischen Partei Bayerns einen Aufruf zu den Landtagswahlen. Die bayerischen Genossen rüsten sich beizeiten, die Wahlen stehen etlva im Mai 1907 erst zu erwarten. Aber sie wissen, weshalb sie sich diesmal so früh an die Wähler wenden. Werden die Bayern dock? von nun an unterm System des direkten Wahlrechtes zu kämpfen haben. Und vor allen Dingen kommt eins in Betracht: „Zum ersten Male wird dann die Sozialdemokratie in Bayern in der Lag« sein, vermittels des direkten Wahlrechtes die Stimmen ihrer Landtagswähler genau zu zählen" — so heistt es im Aufruf. Und die erfreuliche Konsequenz daraus ist, dast für die bayerischen Genossen nunmehr keinerlei Per- anlassung vorliegt, Wahlabkommen mit bürgerlichen Parteien zu treffen. Billig selbständig beabsichtigen sie in den Wahlkampf zu ziehen. Die Genossen werden schließlich auch aus technischen Gründen so zeitig auf die Wahlen vorbereitet; denn nach guter alter sozial- demokratischer Tradition heistt es nun, s o f o r t in die Vorarbeiten eintreten: Agitation entfalten zur Erwerbung der bayerischen Staatsangehörigkeit usw. Ihre Rührigkeit ehrt die bayerische Sozialdemokratie. Bei solcher Kampfbereitschaft können und werden die Erfolge nicht aus- bleiben. Möge das Beispiel der Bayern da— wo's noch nötig sein sollte in unseren Reihen— Nachahmung wecken. Mögen die Gc- nassen der Staaten, die sich nicht des allgemeinen Wahlrechtes er- freuen, bald in gleicher Weife wie die bayerischen Genossen zum Kampfe unter einem unser-' modernen Kultur würdigen Wahl- system aufrufen können I— HuelancL Ungarn. Mau soll den Teufel nicht an die Wand male». Budapest, 16. Februar. sB. H.) Da es nunmehr bestimmt ist, daß am Montag das ungarische Abgeordnetenhaus aufgelöst werden soll, ist die Stimmung in der Koalition eine äusterst erregte. ES werden Stimme» laut, sich der Auflösung mit Gewalt zu wider- setzen. Der Präsident de? Abgeordnetenhauses, Justh, erklärte gegen- über einem Journalisten, dast er erst dann a» die Auflösung des ungarischen Reichstages glaube, wenn das HauS von Truppen besetzt und die Abgeordneten durch Bajonetts aus dem SitznngSsaale ver- trieben werden. Frankreich. Dubost Senatspräsident. Mit 241 von 246 abgegebenen Stimmen wurde gestern (Freitag) Antonin Dubost zum Präsidenten des Senats er- nannt. Dubost gehört nach seiner Parteistellung zu den Republikaner». Er ist ini Jahre 1844 geboren>md steht seit 1870 im öffentlichen Leben. ... Ihr tötet nicht den Geist! Paris, 16. Februar.l>ung der Entlassenen und Anerkennung eines Lohn, und Arbeitstar'fteS. Tie Firma reagierte hierauf nicht, weshalb die obengenannte' An- zahl am 16. einmütig die Arbeit einstellte. Um Fernhaltung, deS Zuzugs wird ersucht. Sie weichen mutig zurück, die Leute vom christlichen Gelwerk- verein der Bergarbeiter, von denen wir gestern berichteten,, dast gegen eine Versammlung, die sie in Hayingen im lothringischen Erzrevier abhielten, eine Abteilung Husaren mobil gemacht worden ist. Wie wir aus der„Bergarbeiter-Zeitung" sehen, hat das.Er- scheinen der Husaren in Hayingen den ursprünglich zur Schau.gc- tragenen Mut der christlichen Gewerkvercinl« so herabgestimint, daß sie an eine ernsthaste Durchsetzung ihrer Forderungen gar nicht mehr denke». Anstatt zu fordern, verlegen sie sich auf untertäniges Bitte». Sic möchten den Bürgermeister veranlassen, beim Gruben- Magnaten de Wendel ein gutes Wort sür die Arbeiter einzulegen, und sie suchen ihren Bitten dadurch Nachdruck zu geben, daß sie aus die fürchterliche Möglichkeit ausmerksam machen, die Arbeiter könnten, wenn ihre Forderungen abgelehnt werden, Sozialdemolratcn werden. Helfen wird den christlichen Gewerkvereinlern all ihr Flehen nicht, denn der Bürgermeister eines kleinen Ortes, wo der Grubenbesitzer der Allgewaltige ist, wird sich wohl hüten, einen so kinfluhrcichen Mann durch Vorstellungen zugunsten der Arbeiter zu verstimmen. So haben die Husaren allerdings ihre Schuldigkeit getan. Sie haben durch ihr bloßes Erscheinen die Christlichen noch vor dem Beginn ihrer Vorbereitungen zum Kampf vollständig eingeschüchtert. Die christlichen Gewerkvereinl« werden, wie das ihrem Wesen ent- spricht, sich dann fügen, daß sie nichts erreichen, und sie werden, wie gewöhnlich, dazu beitragen, daß Unternehmer, Polizei und Geist- lichkeit die freie Gewerkschaftsbewegung nach Kräften unterdrücken können, so daß die Unternehmer Ruhe haben vor denen, die allein die Interessen der Arbeit« mit Nachdruck vertreten. Lederarbeiter. Die Thüringer Lederwcrke in Schmölln(Sachsen-Altenburg), Inhaber Ernst Burkhardt, sind wegen Maßregelung gesperrt. Zuzug von Lohgerbern ist fern- zuhalten. Desgleichen nach den Blankenburg« Lederwerken bei Berlin, Firma G. Roeseler._ Der Zcntralvorstand Mit fünf Monaten Gefängnis bebachte die Straflamm« in Elberfeld einen Arbciter, der be- schuldigt war, einem Streikbrecher einen Stockhieb versetzt zu haben. Trotz eines großen Aufgebotes von Belastungszeugen lvar die Schuld des Angeklagten so lvenig erwiesen, dast selbst der S t a a t s- anwalt die Freisprechung beantragte. Das Gericht erkannte aber auf die angegebene ungenrein hohe Strafe. D« Angeklagte war eben ein streikender Arbeiter. Letzte Nachrichten und Depefchen. Die Laodtagswahl in Schwarzburg-Rudolstadt. t Rudolstadt, 16. Februar.(Privatdcpesche des„Vor- wärts".) Bei der heutigen Abgeordnetenwahl im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt wurden 7 Sozialdemokraten und 8 aegucrische Vertreter gewählt. Ein Sozialdemokrat steht in Stichwahl. Im vorigen Landtag waren wir durch 8 Genossen vertreten. Ter Wahlkamps wurde sehr erbittert geführt, aus beiden Seiten ist eine große Stimmenzunahme zn verzeichnen. Geisteskranker Rendant des Landesdirektoriums zn Hannover. Lüneburg. 16. Februar.(Privatdcpesche des„Vorwärts".) In der heutigen Schwurgerichtsverhandluna gegen den Bureauassistente» Thiele wurde dieser wegen Unterschlagung im Amte zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte 4000 M. unterschlagen. Bei den Kassenrevisionen wurde nichts entdeckt. Der Direktor Soell be- kündete, dast der Rendant des LandeSdirektoriumL von Hannover Hugo bereits ein Jahr vor setner Beurlaubung geisteskrank war. Die Mehrheit deS Landes- direktoriumS wollte aber auf feine Dienste nich t verzichten._ Ein Marokko-Zwischenfall. Köln. 16. Februar. Die„Kölnische Zeitung" veröffentlicht fol- gende Meldung aus Melilla: Als der sranzSsischc Dampfer „Zentth" weitere Waren bei der Faktorei Mar Chica ausschiffen wollte, lief der sultanische Dampser„Turki" von Melilla auS, hinter' ihm der französische Dampser„Lalande". D«„Turki" be- schoß die Faktorei, die mit Schnellfruergeschüden autwortete. Das Feuer von beiden Seiten blieb ohne Erfolg. Der„Turki" verfolgte dann den„Zenith", doch schnitt„Lalande" dem sultanischen Dampf« den Weg ab. Beide Schiff« ankerten daraus bei den Chafarinen. Der Befehlshaber des„Turki" beschwerte sich bei dem Komman- danten des„Lalande" über sein Verhalten und das ungesetzliche Versahren des„Zenith". Ter Kommandant antwortete, daß er die Angelegenheit mit dem Kapitän dcS„Zenith" regele, aber keine weitere Beschießung der Faktorei dulden würde, so lange französische Untertanen dort weilten, sonst würde er den„Turki" in den Grund bohren. Die marokkanischen Behörden telegraphierten an Moham- med el TorreS, damit er die Angelegenheit zur Kenntnis der Kon- ferenz in Algeciras brächte._ Generalstreik in Finme. Fiume, 16. Februar.(W. T. B.) Der Ausstand hat sich all- aemem verbreitet. In sämtlichen Gewerben rnht die Arbeit und die Zahl der Streikenden beträgt über 7000. Die Ausständigen er- zwangen die Schließung der Läden. Die ungarisch- kroatische Schiffahrtsgesellschaft bewilligte den Ausständigen die geforderten Löhne, doch weigern sich diese, die Arbeit aufzunehmen, ehe der im- beliebte Leiter der Schiffswerft entlassen ist. Die Fabriken werden militärisch bewacht._ Die„erstickte" Revolution. Petersburg. 16. Februar.(B. H.) Dem.Rußkoje Skowa" gehen aus Wladiwostok höchst ungünstige Rachrichten zu. Die Stadt gleiche einem Vulkan, dessen Ausbruch nahe bevorsteht. Die.Rowoje Wremja" meldet, daß in den Ostfeeprovinzen Ruhe eingetreten ist, doch ist die Möglichkeit eines abermaligen AusftandeS nicht ausgeschlossen. Das Feuer deS Ausbruches lodere noch unter drr Asche. Die Bevölkerung liefere nur die schlechten Waffen auS, die guten vergrabe fir. Bon Agitatoren seien 40 000 Gewehre»erteilt worden. Drr Bluthund Gouverneur deS Kaukasus. Petersburg, 16. Februar.(B. H.) An Stelle des Grafen Woronzow Daschkow, welcher nun definitiv von seinem Posten als Gonverncur des Kaukasus zurücktritt, soll der rhrmaligr Gouverneur von Petersburg und jetzige Palastkommandant deS Zaren. General v. Trepo«, unter gleichzeitiger Beförderung zum General- adjutanten deS Zaren zum Statthalter des Kaukasus mit außer- ordentlichen Bollwachten ernannt werden. Eine Wagenladung Sprengstoffe. Petersburg, lg. Februar.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Auf dem Güterbahnhofe der Rikolaeifenbahn fiel beim Abladen eines Wagens eine von Wladiwostok gekommene Kiste zu Boden. Es erfolgte eine Exvlofion; mehrere Personen wurden verletzt. Der Wagen geriet in Brand, doch wurde das Feuer bald gelöscht. Bei einer hierauf angestellten Untersuchung zeigte sich, daß der Wagen vollständig mit Sprengstoffe» gefüllt war. Berantlv. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Xß.Gl-cke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagscmstalt Paul Singer L-Eo.. Berlin SW. Hierzu ZBeilagen u. UnterhaltungSbl»« 9..40. k*, i. WIM des JorniW Kerlim NsIksUM Reichdtag. 4b. Sitzung vom Freitag, den 16. Februar, nachmittags 1 Uhr. Am BundesratStische: Gras Posado wskh. Die Spezialdebatte des Etats des Reichsamts t»«S Innern wird beim Kapitel„Gesundheitsamt" und zwar bei der W e i n- F r a g e sortgesetzt. Abg. Dr. Dahlem spricht sich nainenS seiner sämtlichen politischen Freunde gegen eine ReichSweinsteuer auS. Ein gesetzlicher Zwang aus genaue Buchführung würde viel Gutes Urirfen. Ohne das luim das Gericht dein Fälscher nicht auf seinen verschlungenen Pfaden folgen, sondern dieser lann jedem Kontrolleur ein Schnippchen schlagen. In der Budgetkommission ist es heute zur Sprache ge- kommen dah die Kolo'nialverwaltung für die kranken Soldaten den Wein nicht bei den Produzenten an, Rhein, an der Nahe oder Ahr eingekauft hat, sondern den Einkauf durch den umständlichen Weg der Berliner Handelskaninier besorglbat, unter deren Sachverständigen sich Kausleute befanden, die hervorragend an den Lieferungen beteiligt waren. sHört l hört l rechts.) Staatssekretär Graf Posndowsky: Der Herr Vorredner hat mich in bezua auf aus meine Stellung zur Kellerkontrolle mißverstanden. Ich habe ausdrücklich ausgeführt, daß eine Kontrolle durch selbst- ständige Beamte einer ehrenamtlichen Kontrolle bei weitem vorzu- ziehen sei, habe aber dann hinzugefügt, daß Preußen, nachdem eS nun einmal die ehrenamtliche Kontrolle eingeführt habe, nicht so leicht geneigt sein werde, dies System gleich wieder abzuschaffen. Ja. Herr Abgeordneter, ich bitte mich nicht immer mit Preußen zu identifizieren. �Heiterkeit.) Ich vertrete 26 verbündete Regierungen, und diese sind keineswegs immer alle derselben Ansicht. Abg. Blankcnhorn snatl.): Ich freue mich, daß der Herr Staats- sekretär die ehrenamtliche Kontrolle, wie fte jetzt in Preußen besteht, als nicht geeignet anerkannt hat. Chemiker, Apotheker und Drogisten sind in der Tat nicht die geeigneten Kontrolleure. Gegen die Wein« steuer haben wir verfassungsrechtliche und andere Gründe. In den Einzelstaaten, wo sie eingeführt ist, hat sie sich nicht beivährt. Mau hat von dem Zurückgehen des Weinkonsums gesprochen. Zum Teil liegt das ficher auch an der um sich greifenden Tempcrenz- bewegung. Im Ädgeordnetcnhause und vielfach auch bei uns im Reichstage sieht man die Kollegen Mittag essen, ohne etwas dazu zu trinken, höchstens mal eine Flasche Selterwasser. Ja, meine Herren, Wo soll das hinführen. lGroße Heiterkeit.) Abg. Schmidt-Elberfeld sfrs. Bp.>: Eine Buchkontrolle halten wir für zu weitgehend. Eine Deklarationspflicht einzuführen hätte nur dann einen Sinn, wenn man— was unmöglich ist— nachweisen könnte, ob ein Wein Verschnittwein ist oder nicht. Inzwischen ist folgende Resolution Jäger, Naumann und Genossen(Z.) eingegangen: „Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage noch in dieser Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach dem bis zur einheitlichen reichsgesetzlichen Regelung der Beaufsichtigung des Verkehrs mit NabrungS- und Genußmitteln einstweilen zur Ausführung des WeingesetzeS in jedem Bundesstaate besondere Beamte im Hauptamtefür kleinere Bezirke angestellt werden sollen." Abg. Bogt-CrailSheim(Wirtsch. Ver.) hält daS bestehende Wein- gesetz nicht für ausreichend, um die Weinfälschuugen zu verhindern und befürwortet die Resolutionen. Abg. Dr. David sSoz.): Graf Kanitz hat das Gespenst der Wcinsteuer lvieder lebendig gemacht und sich dabei auf das Prinzip der Gerechtigkeit berufen, weil za Bier und Branntwein auch besteuert sind, und iveil der Wem vorzugsweise ein LuxuSgetränk ist. Wenn der Wein ein LuxuSgetränk wirklich sein sollte, so find es doch Apfelwein und Beerenwein ebenfalls. Warum die nicht besteuern? Aber in den eigentlichen Weinländern und Weingegenden ist der Wein durchaus nicht nur LuxuSgetränk. Bor allem aber würde die Weinsteuer die Masse der kleinen Weinbauern treffen. Die große Masse der Weinbauern und Weinhändler würde sich gegen die Reichs- Iveinsteuer wie ein Mann erheben. Wir haben ja in Hessen erst vor wenigen Jahren. als eine LandeSweinsteuer kommen sollte, diese Erfahrung gemacht. In zweiter Linie aber würde der Weinkonsument getroffen werden, und zwar natürlich derjenige am stärksten, dessen Geldbeutel nicht erlaubt, sich die beste Quelle zum Kaufe auszusuchen. Graf Kanitz meinte, man müßte den Staat durch eine Weinsteuer dafür interessieren, daß er eine scharfe Kontrolle ausübt. Aber man sollte dem Staate, bei dem immer da» fiskalische Interesse am größten ist, nicht den kleinen Finger geben: denn hat er einmal Blut geleckt, so will er mehr.(Heiterkeit.) Natürlich wird man jetzt lvieder sagen: die Sozialdemokraten wollen den LuxuS nicht besteuern. lZuruf rechts: Sie wollen überhaupt keine Steuer l) Ich werde Ihnen gleich sagen, loelche Steuern wir wollen, aber die wollen S i e nicht 1 Wenn wir prinzipiell die Weinsteuer ablehnen, so tun wir daS zunächst deshalb, Werl keine Möglichkeit besteht, den Luxuswein von dem Massengetränk streng zu trennen, und weil bei allen indirekten Steuern der Staat immer möglichst in den Massen- konsum hineingreift, da nur dadurch die Steuer einträglich wird. Will man aber eine Luxussteuer, so mutz man doch allen Luxus treffen. Warum nur den Weintrinker besteuern wollen und nicht auch denjenigen, der sein Geld in Oelgemälden anlegt oder in alten Porzellanen oder in kostbaren Teppichen, güldenem Geichmeide lind Edelsteinen? Warum den steuerfrei lassen, der sein Ver- mögen in Rennpferden anlegt? Würde man aber all' diesen Luxus bejtci'ern, so würde man die Kirche ins Dorf tragen.(Heiterkeit.) Warum will man den LuxuS erst dann besteuern, wenn sein Besitzer im Begriffe ist, sich etwas für sein Geld zu kaufen? Besteuern Sie doch lieber den LuxuS, solange er noch hübsch zusammen ist: im Portemonnaie,(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) und dann lassen Sie ihn für den Rest seine» Geldes kaufen, wa» er will. Mag er eS im Rennstall anlegen oder im Ballett.(Heiterkeit.) Deshalb treten wir also für progressive Tinkommen-, Vermögens- und Erbschaftssteuer ein.(Unruhe rechts.) Da haben Sie die Steuern, die wir wollen, aber wie ich schon sagte, Sie wollen diese Steuern nicht.(Heiterkeit.) Wenn Graf Kanitz bei seinem Gerechtigkeitsgefühl eS unangenehm cnlpstndel, daß Bier und Branntwein besteuert werden und der Wein iiichr, so genügt eS ja, um die Gleichmäßigkeit herzustellen, die Steuern aus Bier und Branntwein zu beseitigen und dann mit dem schönen Gerechtigkeitsgesühl zun, Ausgleich auf die von uns vor- geschlakenen Steuern einzugehen.(Sehr wahrl bei den Sozial- denlokraten.) Ich habe schon gezeigt, daß die Gründe, die dafür angeführt werden, daß die Weinsteuer»ölig sei, um den Staat an der Kon- trolle zu interessieren, hinfällig sind. Der Staat kann ja auch ohne fiskalisches Interesse ganz ausgezeichnet kontrollieren, wie man das so oft beobachlen kann, wenn einem Redakteur in der Empörung über unsere erbärmliche» Zustände die Feder ausgleitet oder ein ehr- sicher Arbeiter einem Streikbrecher ein böses Wort sagt. Der Re- gierung fehlt nur der ernste Wille, zu kontrollieren, obwohl eS sich hier mn eine Sache der Volksgesnndheit handelt. Die Konservativen könnten einmal ihre Macht in Preußen ge- brauchen, um zu zeigen, daß sie auch in dieler Sache etwas leisten können. Aber ihnen stehen eben die Interessen der Großgrund- besitzer im Osten höher als die Interessen der kleinen Winzer im Westen de« Reiches. Einmütig klagt Süddeutschland über die mangelhafte Wein- kontrolle in Preußen. Es ist ja auch ein reiner Widersinn, Apotheker und Geschäftsleute aller Art. die in eiigster wirtschaftlicher Beziehung zu den Wcinhändlern stehen, im Nebenberuf zu Kontrolleuren zu machen. Das häufige Vorkommen der Weinprozesse in Bayern, Baden und Hessen beweist nur, daß dort ernsthafter kontrolliert wird. [Man hat nnS vorgeworfen, daß wir für das amerikanische Büchsenfleisch eingetreten sind, obgleich dieses angeblich auch gesundheitsschädlich sei. Der Beweis dafür, daß eS sich hier um eine Agitation gegen ein wertvolles ausländisches Produkt handelt, wird dadurch gegeben, daß die Marineverwaltung zur Proviantierung unserer Kriegsschiffe große Massen von diesem Büchsenfleisch in Amerika einkauft. Auf jeden Fall ist dieses Büchsenfleisch viel ein- wandsreier, als dasjenige Fleijch, welches auf den Freibänlen den Proletariern verlaust wird. Man hat meinem Parteigenossen Ehrhart entgegengehalten, daß man den Haustrunk nicht zu kon- trollieren brauche, da die Regierung nichts dagegen haben könne, wenn einer selbst gern den gefälschten Wein trinkt. Dieser Einwand wäre aber nur dann richtig, wenn der Haustrunk ausschließlich von dem Verfertiger selbst getrunken würde. In Wirklichkeit aber wird er auch dem Gesinde und den Arbeitern vom Arbeitgeber vor- gesetzt, bedeutet hier also sozusagen einen Teil der Entlohnung. Deshalb muß auch ihm gegenüber die Kontrolle verschärft werden. Wenn wir auch sonst für die Kunst eintreten, von den Kunstweinen wollen wir nichts hören.(Heiterkeit.) Jede Anwendung von Kunst und Wissenschaft zur Verfälschung von NahrungS- und Genußmitteln ist verwerflich. Wir sind also bereit, den Anträgen auf Verschärfung der Weinkontrolle zuzustimmen. Denn die Weinfälschung ist nur eine Unterart der Fälschung von Eenußmitteln überhaupt, und diese wiederum ist nur eine Unterart des Betrugs im allgemeinen. Wir sind, so will ich mich zusammenfassen, für Verschärfung der Weinkontrolle, aber gegen jede Weinsteuer, weil diese leine Forderung der Gerechtigkeit, sondern ein Ausfluß der Ungerechtigkeit sein würde. (Lebhaiter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Jäger(Z.) tritt für seine Resolution ein. Abg. Preiß(Eis.): Die Anträge gehen mir nicht weit genug. Für eine mäßige Weinsteuer würden wir zum Zwecke der Einführung einer einheitlichen Kontrolle zu haben sein. Abg. Dr. Wolff(Wirlsch. Ver.): Ebenso gefährlich für den Wein- bau wie die ganze Weinpantscherei sind die Caprivischen Handels- Verträge gewesen, als deren Stütze die Partei des Herrn Dr. David galt.'Umsomehr freue ich mich, daß die Herren von der äußersten Linken für eine schärfere Weinkontrolle eintreten wollen. Abg. Hug(Z.) polemisiert gegen den Abg. Kanitz wegen seines Vorscklages der ReichSweinsteuer. Damit schließt die Debatte über die Weinresolutionen. Die Ab- stimmung über dieselben wird verschoben. DaS Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Sonnabend 1 Uhr. (Dritte Lesung des Gesetzes betreffs Ausgabe von Banknoten. Fortsetzung der Debatte über das Reichsamt des Innern. Schluß ö'/t Uhr. « Berichtigung. In dem Bericht über die Mittwochsitzung des Reichstages (Sozialdemokratischer WahlrechtSantrag) ist in der Rede des Abg. Büsing dem Genossen Bebel em Zwischenruf zugeschrieben worden, den er tatsächlich nicht gemacht hat. ES handelt sich um einen Hörfehler des Berichterstatters. �bgeorcinetenkaus. 24. Sitzung. Freitag, den 16. Februar, vormittags 10 Uhr. Am Ministertisch: Dr. Delbrück. Die zweite Beratung des Etats der Handels- und Ge» Werbeverwaltung wird fortgesetzt. Auf eine Anregung dös Abg. Krause-Dawillen(k.) erklart Gehcimrat v. Bartsch, daß Verhandlungen über die Ausnahme der Seelotsen in die Klasse der Subalternbecunten schwebten. Abg. Goldschmidt(frs. Vp.) fordert Heranziehung von Aerzten und Arbeitern zu den Fabrikinspeltioncn und Ausdehnung der Fabnkinspeltion auf die Heimarbeit. Minister Dr. Delbrück: Tie Hygiene der Heimarbeit wird am besten durch eine Wohuungsreform gebessert. Die Arbeiter würden in der Fabrikinspcltion cnttveder Beamte des Staates oder der sozialistischen Propaganda sein. Im ersten Falle würden sie über- flüssig, im letzten schädlich sein.(Sehr wahrl rechts.) Gegen die Anstellung der Aerzte bin ich, weil ich meine, man soll nicht immer neue Beamte schassen, die ohne Fühlung mit den übrigen regieren. (Beifall rechts.) Abg. v. Pappenheim(!.): Von der Heranziehung von Arbeitern zur Favrikinspektion kann für uns keine Rede sein. Die Abgg. Hitze(Z.) und Goldschmidt(frs. Vp.) treten für Heranziehung der Arbeiter zu den Fabrisinspektionen ein. Nsinister Dr. Delbrück: Vielleicht läßt sich die Berufung von Arbeitern zu Subalternbeamten, die als Gehülfcn der Inspektoren fungieren, ermöglichen. Bei einer Reform der VersicherungSgesctze werden wir erwägen müssen, ob wir nicht die Organe der Kassen, die von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gewählt sind, zu den Be- sichtigungen heranziehen können. Abg. Fclisch(k.) mahnt, nicht immer neue soziale Ver- sicherungsgesctze zu schaffen, da die Industrie sonst mit dem Auslände nicht konkurrieren könne. Abg. Dr. Schröder-Kassel(natl.) tritt für Verschmelzung der Kranken, und Invalidenversicherung ein mit Schaffung besonderer Rentenstellen, welche die Arbeit verrichten, die jetzt von den Land- ratsämtcrn geleistet würde. Abg. Trimborn(Z.): Wenn man die kleinen Unfallrenten in der Landwirtschaft beseitigt, dann kommen die Haftpflicht und die Prozesse I Es gibt aber auf dem Lande nichts ErsreulichereS als einen Prozeß.(Heiterkeit.) Dabei geht aber leicht die Kuh, die Ziege und vielleicht auch das kleine Landwcjen aufl Abg. Grrschcl(frs. Vp.) bedauert, daß die Kunstgewerbeschulen mit der Industrie nicht genügend Hand in Hand gegangen seien und kritisiert das Bestreben, einen ganz besonderen deutschnationalen Stil im Kunstgewerbe zu schaffen. Abg. Ernst(frs. Bg.) tritt für den obligawrischen Fortbildung?. schulunterricht ein. Abg. Kindler(frs. Vp.): Der Kölner Handwerkertag hat das erfreuliche Ergebnis gehabt, klarzustellen, daß die böse Gewerbe. freiheit nicht die Schuld an der teilweise mißlichen Lage de» Hand- Werks trägt. Darüber spreche ich meine Freude auS. DaS Ordinariuni wird bewilligt. Beim Extraordinarium, Ausgabetitel„Zur Beförderung größerer Mcisterkurse" führt Abg. JakobSlötter(k.) auS: Ich habe mich stet» gegen die großen Meisterklirfe ausgesprochen. Sie sind zu teuer.(Redner sucht das statistisch nachzuweisen.) Die Fragen, welche durch die Heimarbeitausstellung auf» geworfen sind, sind so schwierig, daß jeder davon bleiben soll, der sie nicht genau versteht. Geradezu niederschmetternd war es für mich, zu sehen, daß auch für die Beamtennniformen io niedrige Löhne gezahlt sind, z. B. für Reithosen, an denen ein Mann neun bis zehn Stunden arbeitet, 1.25 M. Könnte man nicht nach dem Beispiel Württembergs solche Arbeiten von Staatswegen vergeben?(Beifall.) Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Trimborn(Z.) und Kindler(frs. Vp.) wird der Etat bewilligt. DaS Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Sonnabend, 10 Uhr vormittags.(Etat der Justizverwaltung.) «chluß: 4% Uhr, parlamentanlcbed. Die Steuenmfsuchnngsksmmisfion stimmt einer Anfichtspostkarten- stencr zu. Die Finan.irefornrkommission kam in der gestrigen Sitzung über den von uns schon mitgeteilten Antrag Nacken— Versteuerung der Ansichtspostckorten mit 2 Pf. pro Stück— nicht hinaus. Nach Eröffiiung der SrtzmrA verliest der Vorsitzende Dr. Büsing ein Telegramm, enthaltend einen Protest der Generalversammlung des Verbandes mitteldeutscher Papicrsabrikantenvereine in Leipzig, gegen die vor- geschlagene Steuer, weil dadurch die Papierindustrie, die jährlich zu 1800 Millionen Ansichtspostkarten daS Material liefert, ganz erheblich gelchädigt werde» wurde.. Der Antragsteller hält die Ansichtspostkarte, die in weitaus überwiegendem Rkaße ein Luxusartikel sei, der vielfach zur Be- frreoigung der Eitelkeit diene, für ein vorzügliche? Steuerobjekt. Da die ReichSpost alljährlich zirka 500 Millionen solcher Karten befördere, würde die Steuer einen Ertrag von zirka 10 Millionen Mar! ergeben. Das Zentrum sei bei Stellung des Antrages von dem Gedanken ausgegangen, wenn die notwendigsten NahrungS- und Genuffinittel mit Stenern belastet würden, könne auch die Ansichts- karte eine so geringe Belastung wohl vertrage«. Das erscheine um to gerechter, wenn man sich vergegenwärtige, welche Beschwerden und welche Arbeit die Postbeamten gerade von den Ansichtskarten hätten. Die Arbeiter kämen dabei gar nicht oder doch nur in sehr geringem Maße in Frage, da sie, nach den ihm geworbenen Mit- teilui-.gen von christlichen Arbeitersekretären nur sehr wenig Gebrauch von den Ansichtskarten machten. Der Staatssekretär des Reichspostamts K r a e t k e vermißt m dem Antrage sowohl, wie in der Begründung NackenS eine bestimmte Definition des Begriffs Ansichtspostkarte und frägt, unter Vorzeigung einer Karte, auf der rechts oben ein kleines Sträußchen eingepreßt ist. wo der Absender ein:„Mein liebes" vorgesetzt hat, ob dieS eine stempelpflichtige Ansichtskarte sei im Sinne der An- tragsteller. Es muß absolut sicher festgestellt werden, was als stempelsteuerpflichtige Karte gelten soll und zwar so deutlich, daß sich sämtliche 100000 Postbeamte darüber klar würden. Der Antrag rufe die schwersten verkehrstechnischen Bedenken wach. Die Post- Verwaltung könne unmöglich die Garantie für den Eingang dieser S-teuer übernehmen, wie eS die Ergänzungsanträge zu dem Antrage Nacken fordern. UebrigenS würde sich der Ertrag, den die Antragsteller herausgerechnet haben, nicht ergeben, denn die Einführung der Steuer würde sofort ein Rückgang in den Portoeinnahmen eintreten, und toemx dieser Rückgang sich auch nur auf l'/i Millionen Postkarten(von den 500 Millionen) belaufen würde, so käme nur ein Reinertrag aus der Steuer von 3/4 Millionen heraus. Einen Maßstab dafür ergäbe ein postalisches Experiment der italienischen Postverwaltung mit Er- höhung des Portos für Ansichtskarten, wo sich alsbald ein Ausfall '.»vir 50 Proz. der Portoeinnahmen ergeben habe. Er ersucht die Kommission, diese Bedenken mit in Erwägung zu ziehen. Genosse L i p i n s k i tritt der Ansicht Nackens entschieden ent- gegen, daß die Ansichtskarte ein Luxusartikel sei, und mißt daran den Grad der Sachkenntnis der Antragsteller. Nicht nur reiche Leute, sondern auch arme und namentlich Arbeiter bediene» sich dieseö ebenso bequemen wie angenehmen Mittels, ihren Lieben daheim Grüße aus der Ferne von dem zeitweiligen Aufenthaltsort zu geben. Sodann zergliedert er den ganzen Produktionsprozeß. um zu zeigen, wie viel verschiedene Industrien daran beteiligt sind, wie viel Tausende von Arbeitern darin beschäftigt sind, die mehr oder minder schwer durch die Einführung der Steuer in Mitleiden- schaft gezogen werden würden. Aus seinem reichen Material über diese Frage bringt er die Mitteilungen eines Fabrikanten zur Ver- lesung, aus denen hervorgeht, daß die deutsche Postkartenindnstrie schon ohnehin durch den Zolltarif und die neuen Handels- Verträge schwer getroffen würde, und wenn nun der Absatz ihrer Produkte durch die vorgeschlagene Steuer noch mehr geschädigt würde, so würde die Folge sein, daß T a u s e n d e von Arbeitern brotlos würden. Auf die verkehrstechnischen Schwierigkeiten übergehend, richtet er an die Antragsteller die Frage, wer denn die Steuer für unfrankierte oder auch frankierte, aber nicht gestempelte in öffentliche Briefkästen geworfene stempelpflichtige Ansichtskarten bezahlen solle, wenn der Adressat die Annahme verweigere. Alles in allein genommen, sei der Antrag unannehmbar. Auf den gleichen Standpunkt stellt sich Dr. W i e m e r(frs.) Müller- Fulda(Z.) erkennt, lveder die Bedenken des Staatssekretärs noch die der Vorredner als erheblich an und behauptet von der Durchführbarkeit und Ertragsfähigkeit des Vorschlage? überzeugt zu sein. Genosse Singer hat den Antrag, als er davon zuerst Kennt- nis erhalten, als einen Scherz betrachtet, bis er ihm gedruckt vorlag. Ohne Zweifel würde die deutsche Postkartenfabrikätion, die den Siegcszug durch die Welt gemacht, ganz erheblich geschädigt und die Konkurrenz des Auslandes dadurch wesentlich gestärkt werden. Durch den sicher zu erwartenden Ausfall an Portoeinnahmen würde der finanzielle Erfolg auf 0 heruntergedrückt, aber eine ganz ungeheure Beschwerung der Postverwaltung herbeigeführt werden. Und nun die Hinterziehungen, die dadurch sehr leicht seien, daß der Absender die Karte nicht als Postkarte, sondern als Drucksache im Kuvert versende. Im Interesse der An- tragsteller läge es, dem Antrage hier in der Kommission gleich heute ein stilles Begräbnis zuteil werden zu lassen, damit sich nicht erst die Oeffentlichkeit damit zu befassen habe, womit schon eme gewisse Beunruhigung der in Frage kommenden Industrien verknüpft sei. Während Held(natl.) erklärt, heute für den Antrag stimmen, ihn aber bis zur zweiten Lesung noch einer näheren Prüfung unter- ziehen zu wollen, bekennt sich Dr. Wolff(Wirtsch. Vg.) als Gegner, nachdem er ihn bisher für annehmbar gehalten habe. Da Nacken(Z.) und später auch noch Gröber(Z.) sich darüber beschwerten, daß der Regierungsvertreter nicht mit beiden Händen zugleich nach dem fetten Steuerbissen gegriffen, sondern so schwere Bedenken gegen die Durchführbarkeit geäußert habe, erklärt der also angerempelte Staatssekretär, daß er eS für seine Pflicht als Vertreter des Bundesrats halte, alle Bedenken, die bei Erörterung eines gesetzgeberischen Vorschlage« obwalten, in den Vordergrund zu stellen. Gegenüber B o k e l m a n n(Rp.), der da meinte, daß durch die Ausführungsverordnungen des Bundesrats alle postalischen Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt werden könnten, bemerkt der Staatssekretär, daß dies nicht angangig sei; alle Schwierigkeiten müßten durch den klaren Wortlaut des Gesetzes gehoben werden und zwar in solcher Klarheit, daß jeder Unterbeamte der Reichspost daraus klug werde» könne. Die Genossen ReißhauS und LipinSki hoben auch noch den belehrenden Charakter der Ansichtspostkarten hervor, darauf veriveisend, wie sehr sie zur Verbreitung der Kenntnis der Werke klassischer und moderner Kunst und Künstler beigetragen haben. Genosse ReißhauS zieht einen Vergleich zwischen den freiwilligen Steuersuchern und der Berliner Polizei mit ihrer Suche nach dem Mörder Hennig. Beide gleich un- glücklich: sie hauen immer daneben, fassen Unschuldige und lassen Schuldige laufen. Einer progressiven Einionunen- steuer, die die Wohlhabenden treffen wolle, ja schon einer ver- nünstigeck Erbschaftssteuer weiche man aus und suche überall umher. ob man nicht nnter dem Scheine der Gerechtigkeit Verkehrs- Hemmnisse schaffen und Besteuerungen des Fleißes, wie ste die verschiedenen Arten der Gewerbesteuer darstellen. Steuer gegen Unglückliche(Krüppclsteuer unter dem Namen Wehr- steuer) usw. durchsetzen könne. Ist eS denn Überhaupt die Aufgabe der Kommission, nach neuen SIeuerobjekten zu suchen? — Der ReichSsckiatz sekretär erwiderte, daß er eS wiederum auch nicht als Aufgabe der Kommission betrachten könne, daß sie alle seine Borlagen ablehne.— Nachdem auch noch Graf v. B r u d» zewo-Mielzynski(Pole) vom Standpunkte der Künstler- Maler und Zeichner, und zum Schlüsse Genosse Thiele gegen den ..Nackenschlag" gesprochen, erfolgte die Abstimmung, die als Resultat die Annahme der Postkartensteuer mit 14 gegen 12 Stimmen (Sozialdemokraten. Freisinnige, Pole, Wirtschaftliche Vereinigung und Büsing von den Nationalliberalen) ergibt. Da der Vorsitzende erklärt, daß bisher noch keine weiteren An- träge für Ersatzstcuern eingegangen seien und somit nun die Be- ratnng der Erbschaftssteuervorlage in der nächsten Sitzung beginnen müsse, meldet sich Müller- Fulda(Z.), der einen Antrag betr. Wehrsteuer ankündigt. Ivorauf Genosse Singer sofort eine fertig- gestellte Resolution auf Einbringung eines Gesetzentwurfs betr. Reichseinkommens- und ReichsvermögenSstener überreicht. Dr. W ie in er(frs.) kündigt einen Antrag auf Aufhebung der Brannt- Weinliebesgabe an. Die nächste am Dienstag stattfindende Sitzung wird über die Reihenfolge der Behandlung dieser Anträge ent- scheiden._ Hinter die Kulisse» des LieferungswcsenS für Expeditionen i» den Kolonien wurde gestern in der Budgetkommission des Reichs- tages hineingeleuchtet. Zur Bekämpfung des bei den Truppen in Güdwestafrika ausgebrochenen Typhus machte sich die Lieferung von kttotwein notwendig, der seines Tanningehaltcs wegen gegen Typhus angewendet wird. ES wnrden erst 90 000 Liter, später mehr ge- liefert. In der Kommission wurde nun nachgewiesen, daß der gellieferte Wein minderwertiges Zeug war, Verschnittweine, die ihren Zweck gar nicht erfüllen konnten. Als Wein- sachd erstäudige_ fungierten Vertreter konkurrierender Firmen. die ihre Tätigkeit als Sachverständiger auch gleichzeitig dazu benutzten, ihre„edlen" Weine bei der'Kolonialverwaltung ab- zusetzen. Die Regierung gab zu, daß Fehler vorgekommen sind, die aber durch die Eile, mit der geliefert werden mußte, und durch die damals noch ungenügende Organisation ihre Entschuldigung fänden. Gerügt Würbe auch, daß die Lieserung nur großen Berliner und Bremer Firmen übertragen seien, die deutschen Winzcrvercine habe man gar nicht beachtet. Weiter wurde der Kontrakt be- Krochen, den die Kolonialverwaltung mit der bekannten Firma v. Tippelskirch abgeschlossen hat. Der Kom- Mission ist der Bertrag im Wortlaut vorgelegt worden. Der Abg. Erzberger meinte, daß der Vertrag bis 1911 abgeschlossen worden ist. Die Verwaltung zahle für viele Gegenstände dieser Firma mehr, als sie bei gleicher Qualität bei der Firma Jordan be- zahlen müßte. Die Preisdifferenz betrage 17 und mehr Prozent. DaS Monopol der Firma v. Tippelskirch sei schließlich nur daraus zu erklären, daß hinter dieser Firma hohe Herren stehen; wie ja seinerzeit auch ei» höherer Äolonialbeamter(es werde der Name Bnmiller genannt� mit 120 000 M. an dieser Firma beteiligt ge- Wesen ist. Bon sozialdemokratischer Seite wurde aus die merkwürdige Tatsache aufmerksam gemacht, daß der stühere Kolonialdirektor Stuebel den gegen ihn erhobenen Vorwurf, finanziell an der Firma v. Tippelskirch beteiligt zu sein. als eine Beleidigung auffaßte und klagbar geworden ist, während der p r e u ß i s ch e L a n d w i r t s ch a f t s m i n i st e r v. Podb ielski den gleichen Vorwurf ruhig eingesteckt habe. Es müsse gefordert werden, daß Personen in so einflußreicher und hoher Stellung wie die eines Ministers stehen, entweder ihre geschäftlichen. Be- Ziehungen zu Firmen, die für den Staat so große Lieferungen ausführen, lösen oder ans ihre amtliche Stellung verzichten. Auch in den Gemeinden werde verlangt, daß Stadträte und Stadt- verordnete nicht an Lioserungen für die Kommune beteiligt sind. Es sei hier zu beachten, daß die Firma jeden Monat für rund 000 000 M. Ausrüstungsgegenstände allein für Südwestafrika liefert. Erbprinz v. Hohenlohe betonte, daß der Minister v. Podbielski gar keinen Einfluß auf die Aufträge und Geschästsgebarung der Kolonialverwaltung habe, sein eventuelles finanzielles Verhältnis zur Firma v. Tippelskirch daher nicht zu beanstanden sei. Diese Anschauung wurde sowohl von konservativen wie national- liberalen und Zentrumsrednern durchaus gebilligt; während von sozialdemokratischer Seite abermals da» Unzulässige geschäst- licher Beziehungen hoher amtlicher Persönlichkeiten zu Lieferanten für den Staat energisch betont wurde.— Dienstag Fortsetzung der Beratung. Soziales. Gärtnerei-Statistik am 2. Mai 1900. Durch gemeinsamen Erlaß des Minist. r� für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, des Ministers des Innern und des Ministers für Handel und Gewerbe vom 17. Dezember 190ö ist für das Gebiet des Königreichs Preußen eine gärtnereistatistischs Erhebung ange- ordnet worden, deren Durchführung unv Bearbeitung dem Statistischen Landesamte in Berlin übertragen worden ist. Als Zweck der Zählung bezeichnet der Erlaß die Gewinnung statistischer Unterlagen „zu den Vorarbeiten für die gesetzliche Regelung der gelverbe- und arbeitsrechtlichen Verhältnisse des Gärtnereigewerves". Als„Gärtnerei" im Sinne dieser Erhebung sind nach- stehende Arten oder Sonderarten dieses Berufes(Gewerbes) zu be- trachten: Baumschulgärtnerei, Obstgärwerei, Handelsrebschulen, Obst-, Wein- und Fruchttreiberei, Gemüsegärtnerei, Blumentreiberei, Gemüsetreiberei, Samenzüchterei, Samenhandlung(sofern sie mit irgend einer Art von Gärtnerei verbunden ist, oder gärtnerische Er- zeugnisse zum Beispiel Blumenzwiebeln, Blumensamen, Blumenerde und dergleichen vertrieben werden), Freilaudblumengärtnerci. Kranz- und Blumenbinderei, Blumenhandlung(auch im Umherziehen), Pflanzen- Handlung(auch im Umherziehen), Pflanzengärterei, Topfpflanzen- gärtnerei, Schnittblumengärtnerei(allgemein: Blumen- und Zier- Pflanzengärtnerei, Kunst- und Handelsgärtnerei), Landschaftsgärtnerei. Dekorationsgärtnerei, GutSgärtnerei, Schloßgärtncrei, Hofgärtnerei, Herrschaftsgärtnerei, Villengärlncrei, Gärtnerei der politischen und der Kirchengemeinden und öffentlichen Korporationen, Gärtuerei in staatlichen Betrieben und Anstalten usw., Gärtnerei bei Stiftungen, Friedhofsgärtnerei, Gärtnerei in Versuchs-, botanischen, zoologischen Gärten, in Theater-, VergnügungS-, Wirtschaftsgärten, Gärtnerei von Verschönerungs- und dergl. Vereinen, von Unterrichts-, Erziehnngs-, Heil- und sonstigen Anstalten und sonstige Arten der Gärtnerei. Es »nacht für diese Erhebung keinen Unterschied, ob die Gärtnereien ihre Erzengnisse v erkaufen oder nicht. Nicht zur„Gärtnerei" gehört im Sinne dieser Er- Hebung: der f e l d m ä ß i g betriebene Gemüse-, Pflanzen-, Kräuter- bau u. dergl.(Feldgärtnerei).— Ausgeschlossen von der Erhebung bleibt selbstverständlich auch alle Gärtnerei, die im wesentlichen bloß aus Liebhaberei, zur Erholung u. dergl. und ohne gärtnerisches Personal und ohne gärtnerische Vorrichtungen betrieben wird(z. B. die Gärtnerei in kleinen Hausgärten u. dergl.). Die Zählung ist am 2. Mai 1900 auszuführen; die Angaben haben sich auf den Stand von diesem Tage zu beziehen. An Zählpapieren kommen für die Erhebung zur An- Wendung: 1. ein Fragebogen über GärtnereibetriebcsGe- s ch ä f t e) bezw. für selbständige Gärwerei-Unternehmer (Geschäftsinhaber, Leiter) und 2. eine Zählkarte für Unternehmer, für gelernte oder angelernte Gärtner und Gärtnerlehrlinge. Der Fragebogen ist von den Unternehniern, Betriebsleitern. Arbeitgebern im Gärtnereibetriebe und zwar für den Betrieb als solchen(das Geschäft) auSzu- füllen. Um das Wesen der Gärtnerei in ihrer Eigenart und deren verschiedenen Verästelungen zu erfassen, sind eine erhebliche Zahl von Fragen und Unterstagen notwendig.� Das Ministerium hatte sich zu dein Zwecke auch mit den Organisationen der Gärtnerei- Unternehmer und der Gärtnereiarbeiter ins Benehmen gesetzt, denen im Juli 1904 der erste Entwurf der Zählpapiere zur Begutachtung übersandt worden war. Die gegenwärtig für die Erhebung aus- gegebenen Zählpapiere stagen den damit erlangten Verbesscrungs- Vorschlägen Rechnung und sind ein Ergebnis dieser Mitarbeit. Der Fragebogen zur Erforschung der Betriebs- Verhältnisse verlangt ausführliche Angaben über die Art oder Sonderart des Betriebes, ob Inhaber den Betrieb für eigene oder fremde Rechnung bewirtschaftet, ob auf einer eigenen, erpachteten oder fremden Fläche Landes, Größe dieser Flächen, oder ob Gärtnerei- arbeit nur für Kundschaft verrichtet wird(Landschasts- gärtnerei im Werkvertrage); Anzahl der Gewächshäuser(Warm- und Kalthäuser) und deren Grundfläche in Quadratmetern; Anzahl der Mistbeet- und Kastenanlagen und deren Grundfläche; wieviel und welche Arten von Be- und Entwässerungsanlagen, Samen- darren, Trocknungsvorrichtungen, Samenreinigiingsmaschiiien u. dgl., Kühl-, Aetherisierungsvorrichtungen, Vorrichtungen für Ver- Wendung elektrischen Lichts zur Unterstützung der Pflanzen- kultur und ähnliche Einrichtungen der gärtnerischen Ncutechnik; Wind-, Wasser-, Dampf-, elektrische oder sonstige Kraftanlagen; Arbeitsmaschinen: Dampikessel für Heiz- und Kochzwecke ohne Kraft- Übertragung; ob gewerbsmäßig betriebene Verkanfsläden zum Absatz der Erzeugnisse unterhalten werden und zwar, ob im engen örtlichen Zusanimenhange mit der Gärtnerei, ob davon getrennt in der Stadt oder an einem anderen Orte und wo; oder ob überhaupt nur Ladengeschäst, Lager, Magazin. Markthallenstand und dergl ohne Gartenbaubetrieb; oder ob selbständiger Straßen- oder Hausierhandel mit Blumen und Pflanzen betrieben wird. Ob, wenn ausschließlich als EriverbSunternehmen betrieben, nur selbstgewonnene Erzeugnisse zum Verkauf gelangen, oder ob ein Zulauf von Roh-, halb- und gnnzfertigen Erzeugnissen, Pflanzen und dergleichen statt- findet; ob in der Gärtnerei auch ohne Ladengeschäst eine Ver- arbeitung gärtnerischer Erzeugnisse stattfindet, wie z. B. Blumen- und Kranzbinderei. Oder ob die Gärtnerei vorzugsweise zur Gewinnung und Behandlung gärtnerischer Erzeugniffe für den eigenen Haushalt, Park usw.(z. B. bei Schloß-, Hof-, Guts-, Herrschafts- und Villengärtnerei) betrieben wird; ob da noch neben- her Verkauf oder Verarbeitung von gärtnerischen Erzeugnissen statt- findet und ob für letzteren Zweck Roh-, halb- oder ganzfertige Er- zeugnisse hinziigekanft werden. Wieviel gelernte und sogenannte an- gelernte Gärtner(Spezialisten, angelernte Teilarbeiter) und Lehrlinge am Tage der Zählung, in der Regel und im Durchschnitte während der Monate des vollen oder überwiegend vollen Betriebes beschäftigt werden und in welchen Monaten voller oder überwiegend voller Betrieb statlfindet. Wie viel gelernte Gärtner als Ver- waltnngs- und Gsschäftspersonal, als Verkäufer, Zeichner, Blumen- und Pflanzenpacker und dergleichen beschäftigt werden; wie viel nicht gärtnerisch ausgebildetes kanfniännisches, Geschäfts- und sonstiges Verwaltungspersonal beschäftigt wird, desgleichen Blumen- und Kranzbinder und-Binderinnen, Manschettenmacher, Schleifendrucker und dergleichen. Wie viel gärtnerisch ungelernte Lohn- und Tage- arbeiter, Kutscher, Heizer und ähnliche Hülfspersonen; wie viel schulpflichtige Kinder darnntcr. Alle diese Fragen dienen also der Ermittelung der Bestiebs- Verhältnisse. Zu dem BetriebSfragebogen kommt nun noch eine Z ä h l k a rte, die von jeder im Gärtnereigewerbe tätigen Person auszufüllen ist, die in irgend einer Sonderart der Gärtnerei(siebe oben) als Unternehmer, Arbeitgeber, Betriebsleiter oder als gelernter und angelernter Gärtner, Gärtner- gehiilfe, Gärtnerlehrling, gleichviel ob mann- lichen oder weiblichen Geschlechts, in einem Gärtnereibetriebe lGesiväst) berufstätig ist, d. h. ihren Erwerb ganz oder teil- weise— Haupt- oder nebenberuflich— in der Gärtnerei findet. Dabei sind die bloß angelernten Gärtner(Spezialisten u. dergl.) genau ebenso wie die gelernten zu behandeln; ingleichen solche gelernten oder angelernten Gärtner, die zurzeit der Erhebung oder in der Regel lediglich in der Geschäftsstube(Kontor), in einem Arbeitsraum oder als Verkäufer usw. beschäftigt sind.— Dagegen ist keine Zählkarte aufzustellen: für gärtnerisch ungelernte Hand- und Tagesarbeiter, nicht gärtnerisch ausgebildete Packer, Kutscher und ähnliches Hülfs- personal, ferner für Verkäufer und Verkäuferinnen ohne gärtnerische Vorbildung, für kaufmännisches Geschäfts- und Verwalwngspersonal, soweit es keine gärtnerische Vorbildung besitzt, überhaupt für gärtnerei-technischeS, nicht gärtnerisch gelerntes oder angelerntes Personal. Von diesem letzteren Personal wird nur die Zahl und zwar, wie oben ersichtlich, in dem Betriebs-Fragebogen festgestellt. lieber das angelernte und gelernte Gärtnereipersonal sollen durch die Zählkarte folgende Verhältnisse ermittelt werden: Stellung im Betriebe(Unternehmer, Gehülfe, angelernter Gärtner, Lehrling); das Alter; beim Arbeitgeber Wohnung und volle Kost? Wohnung und teilweise Beköstigung? Nur Wohnung? Nur Beköstigung? Eine vertragsmäßige, nicht gärtnerische Nebenbeschäftigung(z. B. als Diener, Jäger usw.)? Ob eine ordentliche Lehrzeit zurückgelegt oder ob noch in der Lehre? In welcher Sonderart der Gärtnerei Haupt- sächlich ausgebildet? Wo die Ausbildung erhalten? Wie lange ge- lernt bezw. wie lange soll die Lehrzeit dauern; ob eine Aladeinie, Gärttierlehranstalt, Gartenbanschnle, Fach- oder Fortbildungsschule besucht, wo und welche. Wenn keine ordentliche Lehrzeit zurückgelegt. als was oder in welcher besonderen gärtnerischen Fertigkeit wenigstens angelernt. ES ist zuzugeben, daß die ans dem Fragebogen und auf der Zählkarte enthaltenen Fragen ausreichend sind für den Zweck der Statistik. Weniger wahrscheinlich ist allerdings, daß die Beantwortung durchgchends wahrheitsgemäß und so erfolgen wird, daß die Antworten ein wirklich klares Bild der Verhältnisse zeitigen werden. Es steht nämlich zu befürchten, daß eine erhebliche Änzahl von Unternehmern, vornehmlich die von Großbetrieben, b e- stimmte Verhältnisse verschleiern tv erden. So werden aller Voraussicht nach die meisten„angelernten" Gärtner, Spezialisten, die ursprünglich als gewöhnliche Arbeiter in den Bettieb eintraten und sich dort für bestimmte Teilarbeiten ausgebildet haben. die also dasselbe Personal hier darstellen wie in Fabriken die Tcilarbeiter, entgegen dem Willen der Statistik, zumeist unter den ungelernten Tagearbeitern verschwinden. Und ebenso steht zu befürchten, daß die technischen Einrichtungen viel kleiner und m geringerer Zahl erscheinen werden als sie in Wirklichkeit vorhanden sind. Uno das alles um damit zu be- weisen, daß die Gärtnerei in arbeitS- und gewerberechtlicher Beziehung nicht in Gemäßheit der Gewerbeordnung zu behandeln sei, sondern der Landwirtschaft gleich- gestellt werden müsse. In dieser Beziehung sind die Gärtnerei- Unternehmer schon mehr wie ein Jahrzehnt durch ihre Organisation vorbereitet worden. Da eine Nachprüfung, etwa durch paritätische Kommissionen von Gärtnereisachverständigen(Unternehmern und An- gestellten) nicht erfolgt, so werden derart tendenziöse Entstellungen leider als Bild zum Schaden der Arbeitnehmerintcressen verunstalten. Einen weiteren schweren Mangel enthält die Personal-Zählkarte in der Frage:„In welcher Art oder Sonderart der Gärtnerei sind oder werden Sie hauptsächlich ausgebildet?" Dazu heißt es in einer Fußnote:„Auf der Rückseite ist eine Uebersicht über die Haupt- sächlichsten Gärtnereiarten abgedruckt." Und zwar stehen auf der Rück- seite aufgeführt:„Baumschul-, Obstgärtnerei. Rcbschulen, Obst-, Wein-, Fruchtgärtnerei, Gemüsegärtnerei, Gemüsetreiberei, Samenzüchterei, Freilandblumengärtnerei, Blumentreiberei. Pflanzengärtnerei, Stauden- züchterei, Rosenschulen, Topfpflanzengärtnerei, Schnittblumengärlnerei, Landschaftsgärtnerei, Dekorationsgärtnerei. Blumen- und Kranzbinderei. Blumenhandel, Pflanzenhandel, Samenhandel, sonstige Gärtnerei aller Art." Die Zählkarte enthält für die Antwort einen so kleinen Raum, daß nur eine solche Gärtnereiart angeführt werden kann; es ist aber unmöglich, damit die Ausbildung der Gehülscn zu charakterisieren: für die Regel sind die gelernten Gärtner in etwa der Hälfte aller aufgezählten Arten gleichmäßig ausgebildet, und nur die„angelernten" Spezialisten vermögen präzis eine Art anzugeben. Wie hier also sich ein klares Bild er- geben soll, ist unerfiiidlich. Im ersten Entwurf der Zählpapiere (Juli 1904) war das weit zweckdienlicher eingerichtet, dort hieß es: „Unterstreichen Sie die Sonderarten, die für Sie in Frage kommen". Ursprünglich war die Gärtnereistatistik für 1905 geplant; dann sollte sie zugeich mit der ReichSberuss- und Gewerbezählung 1907 statt- finden und sich über das ganze Deutsche Reich erstrecken. Nun ist sie zum 2. Mai 1906 und nur für das Königreich Preußen aus- geschrieben worden. Weshalb man nicht noch das eine Jahr gewartet hat und dann gleich das ganze Reich berücksichtigte, ist nicht erficht- lich. Von einer Seite, die bielleicht nicht ganz nminterrichtet ist, wird behauptet, die preußische Regierung trage sich zurzeit mit dem Gedanken, die gewerbliche und die nichtgewerbliche Gärtnerei als ein geschlossenes Wirtschaftsgebiet zu be- handeln und die arbeits- und gewerberechtlichen Verhältnisse durch eine Landes-Sondergesetzgebung, analog dem Bergrecht, zu regeln. Einem solchem Bestreben müßte mit allerEntschiedenheitentgegengewirkt werden, weil hierdurch die Arbeitnehmer außerhalb des Reichs- rechts gestellt würden, dem sie, wie wir wiederholt dargelegt haben, zum großen Teil schon heute unterstellt sind. Eine partikular- rechtliche Regelung würde die Verwirrung, die auf dem Rechtsprechungs- gebiet über die Rechtsverhältnisse der Gärtner herrscht, lediglich ver- mehren und die Gärtnereiangestellten in ihremKoalitionsrecht noch mehr wie heute gefährden. Die Unterstellung der Rechtsverhältnisse der Gärtnereigehülfen ist überdies auch mit der Reichsgesetzgebnng un- vereinbar. Gewerbliche Gärtnereien sind der Gewerbeordnung unter- stehende Betriebe. Eine Beseittgung des von uns wiederholt ge« schilderten Wirrwarrs auf dem Gebiete der Rechtsstellung der Gärtnereigehülfen kann nur eine reichsgesetzliche Regelung bringen. Für eine solche haben sich auch wiederholt Petitionen aus Gärtnerlreisen und Redner im Reichstage erklärt. £liis Industrie und Handel. Friede int Kalisyndikat. Viel Geschrei und wenig Wolle kann man auch in bezug auf den Streit im Kalisyndikat sagen. Der Syndikatsvorstand, der gegenüber einigen neuen Werken sehr forsch auftrat, hat sich anscheinend zu der Ueberzeugung aufgeschwungen, daß Konsequenz und Mut vielleicht eine schöne Sache, die Anpassung unter Umständen die viel wertvollere Tugend, nämlich die der Taschen füllenden sei. In seiner letzten Sitzung hat der Anfsichtsrat sich im wesentlichen auf die Ouotenforderungen der in Betracht kommenden Werke verpflichtet. Damit erscheint der Bestand des Kalisyndikats gesichert, der Preiskampf vermieden. Es wird nun noch mehr Kapital im Kalibergbau spekulativ angelegt, die Konsumenten und die Arbeiter zahlen die Kosten. Güterandrang an der russischen Grenze. Die in Erwartung des Inkrafttretens der neuen Zolltarife eingetretene Steigerung des Ein- und Ausfuhrverkehrs auf den Bahnen macht sich bereits un- liebsam fühlbar. Die Station Wirballen verweigert wegen Platz- mangel infolge enormen Güterandranges die weitere Annahme deutscher Güterzüge, und es stehen augenblicklich in Eydtkuhnen nicht weniger als 401 versandbereite Waggons mit für Rußland bestimmten Waren, die zur Ueberführung nach Wirballen aufgegeben sind und infolge der Annahmeverweigerung seitens dieser Statten nicht dorthin überführt werden können. Wenn jetzt bereits, einen vollen halben Monat vor dem Jnkrast- treten des neuen russischen Tarifs, solche Stockungen eintreten können, so ist die ernstliche Befürchtung am Platze, daß auch frühzeittg ab« gesandte Waren nicht mehr vor Inkrafttreten des neuen Zolltarifs über die Grenze gebracht werden. Der Handelsvertragsverein bittet alle Interessenten, seiner Geschästsstelle, Berlin W. 9, Köthener« straße 28/29, unverzüglich Mitteilung zukommen zu lasten, wenn an anderen Grenzpläyen etwa ähnliche Kalamitäten hervortreten, damit so schnell wie möglich Versuche zur Abhülfe gemacht werden können._ Versorgung des Weltmarktes mit Baumwolle im Jahre 1905/06. Zu Beginn des Erntejahres 190S/0S, am 1. September 1905, war der Vorrat amerikanischer Baumwolle in den Märkten und Spinnereien der Welt erheblich größer als im Anfang früherer Ernte- jähre; derselbe berechnete sich auf ziemlich 3.1 Millionen Ballen. Der verfügbare Vorrat und der Verbrauch amerikanischer Baumwolle dürfte sich für das Jahr bis zum 31. August 1900 folgendermaßen stellen: Am 1. September 1905: Ballen Sichtbarer Vorrat...... I � � � 1 594 000 Vorräte in amerikanischen Spinnereien... 034 000 Vorräte in europäischen Spinnereien..���8140 000 Gesamtvorrat(außer der in den Farmen be- findlichen Menge)........ 3 068 000 Ernte vom Jahre 1905(geschätzt).......■ 10 600 000 Verfügbarer Borrat für 1905/06.... 13 568 000 Weltverbrauch amerikanischer Baumwolle 1905/06 (Schätzung)............ 11 368 000 Restbestand am 31. August 1906... 2 200 000 Die Versendung indischer Baumwolle erreichte vom 1. Sep- tember 1905 bis 19. Januar 1906 im Vergleich zum Borjahre folgenden Umfang: Ballen 1905/06 1904/05 Nach Großbritannien.... 31000 15000 Nach dem europäischen Kontinent 362 000 141 000 Zusammen. 393 000 166 000 Die ägypttsche Baumwollenernte wird nach offiziellen Angaben ungefähr 60 000 Ballen mehr als im Vorjahr für den Markt liefern. Diese Ballenzahl kommt, da der ägyptische Ballen 750 Pfund wiegt, rund 90 000 amerikanischen Ballen gleich. Die Mehrernte wird voraussichtlich von den englischen Spinnereien aufgenommen werden. da in Großbritannien 1906 rund 2 Millionen mehr Spindeln als 1905 zur Verfügung stehen, die hauptsächlich zur Erzeugung feiner Garne aus ägyptischer Faser bestimmt sind. _(Nach Manufacturers Record.) NeueS Elektrizitätsprojekt. Um den Thhffenschen Monopol- Plänen in der Versorgung mit elektrischer Energie zu begegnen, hatte der Landrat Gerstein in Bochum die Gründung eines kommunalen Elektrizitätswerkes für eine Reihe von Städten und Gemeinden angeregt. Das Projekt zerschlug sich. Wie jetzt ge- meldet wird, plant Gerstein nun die Gründung eines kommunalen Elektrizitätswerkes für die Kreise Bochum-Stadt und Land, Gelsenkirchen-Land und einen Teil von Recklinghausen. Es soll eine Aktiengesellschaft gebildet werden, an der die Kommunen, industriellen Werke und Finanzleute sich be- teiligen können. Den Kommunen soll eine vorläufige Beteiligung von 35 Prozent und das Recht des Erwerbes sämtlicher Aktien innerhalb zwei Jahren eingeräumt werden. Als Kraftquelle gedenkt man industrielle Abgase zu verwenden. Da die industriellen Werke dem Plan angeblich sympathisch gegenüberstehen, so hält man seine Verwirklichung für wahrscheinlich. An die Verwirklichung des Projektes glauben wir noch nicht. Es mögen industrielle Werke dem Plane Sympathie entgegenbringen, aber die in Bettacht kommenden Werke haben für ihre Abgase ge- nügend Selbstverwendung. Sie würden jedenfalls nur unter der Bedingung, ausschlaggebenden Einfluß zu erhalten, sich beteiligen. Die Kommunen kämen dann in dieselbe Situation, der sie sich gegenüber den Thhffenschen Plänen erwehren wollen. Handelsvertrag mit Serbien. Die Skupschttna hat heute den Handelsverttag mit dem Deutschen Reiche endgültig angenommen. Die nächste Sitzung ist auf den 26. Februar anberaumt._ Der deutsche Kartoffelhandel mit dem Auslände hat sich in den letzten Jahren gewalttg verschoben. Im Jahre 1905 ist einmal die Einfuhr von Kartoffeln um nicht weniger als 427 000 Doppelzentner oder um zirka 14 Proz. gegen das Jahr 1904 gestiegen, sodann ist die Kartoffelaussuhr Deutschlands um 951 000 Doppelzentner oder mehr als 40 Proz. zurückgegangen! Bis zum Jahre 1903 war seit 1898 mit Ausnahme des Jahres 1899 der Kartoffelerport immer größer als die Einfuhr; in den beiden letzten Jahren aber ging die Einfuhr ganz bedeutend über die Ausfuhr hinaus. Seit dem Jahre 1900 stellten sich nämlich Ein- und Ausfuhr von Kartoffeln in Tonnen wie folgt? Einfuhr Ausfuhr 1000..... 177 683 180 815 1901..... 140 763 224 410 1902..... 158 800 197 291 1903..... 179 469 272 940 1904..... 311403 243 896 1905..... 354110 148 748 ®ie gewaltige Einfuhrsteigerung verteilt sich auf fast alle im- portierenden Länder. Nu der Spitze steht nach wie vor Holland, das ein Drittel zur Gesamteinfuhr liefert; die kräftigste Aus- dehnnng im Laufe der Jahre aber zeigt der Kartoffelhaudel mit Belgien. Im letzten Jahre führte Belgien niehr als dreimal so viel Kartoffeln ein wie im Jahre 1900. Allerdings hat auch die deutsche Landwirtschaft ihr Absatzgebiet in Belgien stark ver- größert; ihre Kartoffelansfuhr ging von 50 009' Doppelzentner im Jahre 1900 auf 309 853 im Jahre 1905 hinauf. Eine bedeutende Zunahme gegenüber 1900 hat noch der Kartoffelimport ans Rustland erfahren; im Vergleich zum Jahre 1904 war er allerdings etivas eingeschränkt. Sehr verschiedenartig entwickelte sich die Nachfrage des Auslandes nach deutschen Kartoffeln. So stand noch im Jahre 1904, wie schon 1900, Großbritannien an erster Stelle; es bezog rund 921 630 Doppelzentner von Deutschland. Im letzten Jahre nun ging der Import Englands ganz unverhältnismäßig zurück; es führte nur noch 23 367 Doppelzentner aus Deutschland ein. Dafür eroberte sich aber die deutsche Landwirtschaft neuerdings Holland als Absatzgebiet für Kartoffeln. Kein Entgegenkommen. Das rigorose Vorgehen amerikanischer Zollabfertigungsstellen bildet einen Hauptklagepunkt der Importeure und Exporteure. Anscheinend soll an den bestehenden Zuständen auch nichts geändert werden. Es wird gemeldet: In einer Kon- ferenz zwischen dem Präsidenten Roosevelt, Kaufleuten und Zoll- beamten wurde das Gesuch der Importeure um Einführung öffent- licher Verhöre in Fälle», in denen sich Meinungsverschiedeuheilen über die Wertabschatzung von Waren ergeben, abgewiesen. Auch deutsche Jnrporteure hatten das Gesuch unterstützt. )Zus der fraiienbcwcgung. Schöneberg. Am Ilbutag, den 12. Februar, hielt der hiesige Frauen- und Mädchenverein im Klubhause seine regelmäßige Ver- cinsversainmlung ab. Fräulein Dr. Springer hielt einen Vortrag über:„Was ist unserem Körper in gesundheitlicher Hinsicht dienlich." Ter sehr lehrreiche Vortrag fand beifällige Aufnahme. Es entspann sich eine rege Diskussion. Unter Vereinsangelegenheiten wurde be- kannt gegeben, daß am 3. März ein Maskenball in Obsts Festsälcn stattfindet. Programm: Jahrmarktsrummel und Zigeunerzug I Auf- genommen wurden im vergangenen Monat 29 Mitglieder. Sodann ivurde bekannt gegeben, daß jedes dem Verein angehörende Mitglied beim Ableben durch Kranzspende und Nachruf im„Vorwärts" vom Verein geehrt wird. Lichtenberg. Ter hiesig« Frauen- und Mädchen-Bildungsverein hält Montag, den 19. Februar, abends 81b Uhr. im Lokale der Gc- brüder Arnholdt, Frankfurter Chaussee 5, seine Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vortrag von Herrn Dr. Schwerin über„Frauenkrankheiten". 2. Diskussion. 3. Bericht der Vor- sitzenden und der Kassiererin. 4. Neuwahlen des Vorstandes. 5.' Vereinsangelegenheiten. Aufnahme neuer Mitglieder. Recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen verlangt die wichtige Tages- ordnung. Frauen als Gäste willkommen. Der Vorstand. Weißens«. Einen glänzenden Verlauf nahm die am 13. d. M. im Prälaten von der örtlichen Vertrauensperson einberufene öffent- liche Versammlung. Eine den Saal füllende Menge nahm das Re- ferat des Genossen Wehrle-Berlin, der an Stelle des verhinderten Genossen A. Hoffmann erschienen war, entgegen. Redner erklärte den ganzen Werdegang der Kirche, ihre verdummende und ein- schüchternde Tendenz, mit dem bezweckten Resultat, das arbeitende Volk zu einem gefügigen Werkzeug der herrschenden Klasse zu machen. Zum Schlüsse forderte Redner zum Austritt aus der Landeskirche auf. Auch die sämtlichen Diskussionsredner, die zum Teil noch die Schule und die Kirchensteuern in den Bereich der Er- örtcrung zogen und einen Vergleich der Religion mit der Wissenschaft zogen, stimmten dem Referenten bei. Vor dem Vortrage gab die Vertrauenspcrson, Genossin Neu- mann, ihren Tätigkeits- und Kassenbericht während der letzten beiden Jahre. Auch dieser Bericht gab Veranlassung zu einer ausgedehnten Diskussion. Die Frauen wurden aufgefordert, den Hintertreppen- und Schundzeitungsromanen keine Aufmerksamkeit zu schenken. sondern anstatt dessen belehrende und aufklärende Zeitungen und Schriften zu lesen. Hierfür kämen einzig und allein nur die „Gleichheit", welche alle vierzehn Tage erscheint und pro Nummer 10 Pf. kostet, sotvie der„Vorwärts" in Betracht. Die Lektüre allein genüge aber nicht, die Frauen hätten doch ein gutes Beispiel an den Organisationen ihrer Männer; auch sie müssen sich den bereits be- stehenden Frauenbildungsvereinen, sowie, so weit sie gelverblich tätig sind, den Gewerkschaften anschließen. Als örtliche Vertrauensperson wurde die Genossin Teuber be- stimmt. Auf Antrag der Revisorinnen wurde der Genossin Neumann für ihre Tätigkeit seitens der Versammlung Decharge erteilt. Adlershof. Ter Verein für Frauen und Mädchen in AdlerShof hielt am Montag, den 12. Februar 1906, abends 8% Uhr, im Lokale von Herrn Wöllstein, Bismarckstraße 24, seine Generalversammlung ab. Es fand ine Vorlesung über„Ernährung und Wohnungsfrage" statt. Nachdem die Vorsitzende und die Kassiererin Bericht gegeben hatten, wurde die Neuwahl der Verwaltung vorgenommen. Frau Ulbrecht blieb erste, Frau Klinger zweite Vorsitzende, Frau Hilde- brandt ging als Kassiererin, Frau Kaufhold Frau Rümer und Frau Neumann als Rcvisorinnen aus der Wahl hervor. Aufgenommen wurden drei neue Mitglieder. Der Vorstand. Serickts-�eirung. „AlS wahr unterstellt." Zu einer der beliebtesten und für den Angeklagten wie für die Erforschung der Wahrheit gefährlichsten Beschränkung der Verteidigung gehört die Floskel, das Gericht lehnt den Verteidigungsantrag ab, weil es die behauptete Tatsache als wahr unterstellt. Es ist dies unter allen Umständen eine Be- schränknng der Verteidigung, weil das Urteil nach dem Grundsatz der Strafprozeßordnung auf dem Inbegriff der aus der mündlichen Verhandlung geschöpften Ueberzeugung berufen soll. Dieser Grundsatz der Strafprozeßordnung wird in der Praxis recht häufig mißachtet. Unsere Leser entsinnen sich, daß vor kurzem fest- gestellt werden konnte, daß ein Urteil auf Grund der gegen den Angeklagten zusammengetragenen Akten fix und fertig vor Beginn der mündlichen Verhandlung vorlag. Und derartige V o r— Urteile sind leider nicht einzeln dastehende Erslbeimmgen. Das Reichs- gericht hat dieser Mißachtung des in der Strafprozeßordnung zum Ausdruck gelangten Grundsatzes der Mündlichkeit und Unniittel» barkeit des Verfahrens leider durch seine Rechtsprechung erheb- lichen Vorschub geleistet. So hat es die Unterstellung einer Be- Häuptling als wahr für zulässig erachtet. In vielen Prozessen haben Gerichte nun diese Formel benutzt, um die vom Angeklagten über erhebliche Punkte angetretenen Beweise abzulehnen. Aus Anlaß eines speziellen Falles hat das Reichsgericht diese der Eruierung der Wahrheit ungünstige Judikatur in einer am Donnerstag getroffenen Entscheidung in etivas, freilich auch nur in etwas eingeschränkt. Der Fall lag wie folgt: Wegen Beleidigung des Landgerichts E i s e n a ch ist am 24. Juni vorigen Jahres vom Landgerichte Weimar der Kaufmann Georg H e i n e ck e in E i s e n a ch zu einer Geldstrafe von 150 M. verurteilt worden, nachdem ein früheres Urteil, welches auf 200 M. lautete, vom Reichsgericht auf feine Revision aufgehoben worden war. In einem früheren Prozesse vor dem Landgericht Eifeuach war ein ge- wiffer K. als Zeuge geladen. Im Wartezimmer soll der Augeklagte diesem und anderen gegenüber die inkriniinierte Aeußerung getan haben. In der Hauptverhandlung am 24. Juni vorigen Jahres hatte nun der Augeklagte den Antrag gestellt. K. als Zeugen zu vernehmen. Das Gericht hatte diesen Antrag aber mit der Begründung abgelehnt, es unter st elle die Wahrheit dessen, was der Zeuge nach der Behauptung des Angeklagten aussagen solle. Im Urteile wurde dann aber die zu erwarten gewesene Aussage des K. etwas anders dargestellt. Hierin erblickte der An- geklagte eine Beschränkung seiner Verteidigung und er führte dies in seuier Revision, die er persönlich vor dem Reichsgerichte ver- trat, eingehend aus. Das Reichsgericht trat der Ansicht bei, daß die Vorinstanz die Bedeutung des Beweisantrages verkannt und da- durch den Angeklagten in seiner Verteidigung beschränkt habe. Es hob deshalb das Urteil auf und verwies die Sache an daS Land- gericht zurück. Boshafter Frevel. Eine Anklage wegen einer besonders boshaften Sachbeschädigung führte gestern den Bootsmann Franz Schütz vor die Schranken der siebenten Strafkammer des Land- gerichts I. Der Angeklagte war auf einem Oderkahne des Schiffs- eigners Andreas Wasserstraß als Bootsmann angestellt. Eine ihm gewordene Zurechtweisung regte ihn so auf, daß er seinem Arbeit- geber grollte und darauf sann, wie er diesem einen empfindlichen Schaden zufügen könnte. Er kam zu den, Entschluß, es zu versuchen, den Kahn zum Sinken zu bringen. Hier im Nordhafen führte er seinen Plan aus. Als er sich eines Tages auf dem mit Weizen be- ladenen Kahne allein befand, schlug er mit einem Beil einen daumendicken Spalt in den Boden des Kahnes, so daß das Wasser ungehindert einströmen konnte, und verließ alsdann das Fahrzeug. Das Waffer hatte schon einen nicht unbeträchtlichen Teil des KahneS angefüllt, als die Gefahr bemerkt und der schließlich wohl in Aus- ficht stehende Untergang des Schiffes durch energisch eingreifende Hülfe vereitelt wurde. Der Schiffseigner hat durch die Frevellhat des Angeklagten einen Schaden von 6—700 Mark erlitten.— Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auf die vom Angeklagten be- wiesenen Bösartigkeit gegen diesen eine Strafe von 1 Jahr 3 Mo- naten Gefängnis. Das Gericht erkannte auf sechs Monate G c- f ä n g n i s. Mmzaäaai Q E !Z>° MZWZSSESW- Zur Einsegnung Kleiderstoffe, schwarz und farbig CheviOtS reine Wolle, 95—110 cm breit.. Satintuche reine Wolle, 95-110 cm breit Mtr. 85, 110, 160 Fl. Mtr. 135, 175, 200 pi. reine Wolle, 100 bis 110 cm breit AipaccasMohair 93-115 cm breit Kammgarnstoffe no cm breit... Mtr. 125, 175, 200 pi m«. 125, 175, 200 pi. KaSChmir reine Wolle, 100—110 cm breit... Mtr. 140, 200, 225 Ff. VOÜe reine Walle, 95— 110 cm breit....... Mtr. 110, 145, 185 Pf. Wolle mit Seide zirka 100 cm breit.. Mtr. 135, 175, 225 Ff. Gemusterte Stoffe zirka 100 cm breit Mtr. 80, 100, 120 Ff 1 Posten waschechte Zephirs in modernen Streifen und Karos............ Meter 25 p. 30 Pf. und 35 Pf. Sonder»Angebot für Sonnabend, den 17. 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Berlin SO» S Admiralstr. 32, Köpeniokeratr. 144, Mtukaaentr. 18, Neanderstr. 37, Oranienstr, 1, Reichenbergerstr. 123, Wrangelstr. 23, Wrangelstr. 54. Berlin O»» Andreasstr. 57, Boxliagenerstr. 14/15, Ebertystr. 48, Frankfurter Allee 51, Frankfurter Allee 71, Grüner Weg 41, Gubeneratr. 49, Krautstr. 48b, Königsbergerstr. 31, Petersburgeratr. 81, Richthofenstraße 15, Stralauer Allee 23 b, Zomdorferstr. 48. Berlin]XO»• Gollnowstr. II, Greifswalderstr. 1, Landsberger Allee 29, Lippinerstr. 29. Berlin C»» Alte Lebönbauserstr. 30, Kaiser Wilhelmstr. 20. Charlottenburg S Augsburgerstr. 59/60, Berliners tr. 98, Berlinerstraße 125, Dankelmannstr. 60, Holtzendorfstr. 4, Kantetr. 149, Kleiststraße 19, Nehringstr. 1, Pestalozzistr. 9a, Pestalozzistr. 29, Kaiser Friedrichstr. 57, Tauenzienstr. 19, Spandauerstr. 28, Uhlandstr. 32 Wihnersdorferstr. 126, Wilmersdorferstr. 148. Boxhagen-RmnmelHbnrg: Ait-Boxhagen 4/5. Benteeh- Wilmersdorf: Beriinentr. isi. Friedenau: Rhemstr. 10. Friedrichsberg: Frankfurter Chaussee 7. Friedriclisfelde: Berlmerstr. 45. Lichtenberg: Frankfurter Allee 171. Weissensee-Berlin: König-Chaussee 32. Panhow: Breitestr. 24a. Keinickendorf-West: schamweberstr. 16. Ost: Residenzstr. 107. Rlxdorf: Bermannstr. 40, Kaiser Friedrichstr. 242, Steinmetzstr. 116. Rnmmelsbnrg: schiiwr. 12. Schmargendorf: Breitestr. 22a. SchÖUeherg: Colonnenstr. 66, Goltzstr. 36, Hanpistr. 139, Tempel hoferstr. 21, Neue Wintorfcldtstr. 44. Steglitz: Schloßstr. 85. Tegel: Berliners tr. 9. Tempelhof: Berlinerstr. 15. Adlershof: Bismarckstr. 14a. Nowawes; Friedrichstr. 15. Oher-Schönewefde: Wühelminenhofstr. 41. Potsdam: Brandenburgers tr. 20, Naueners tr. 38. Spandan: Breitestr. 49, Jägerstr. 1, Neuendorferstr. 6, Potsdamoretr. la, Schönwalderstr. 87. Treptow: Baumschulenwog 19/20. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckcrei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. 40. 23. Jahrgang. 2. KcilW des.Hmärls" Knlim NsIIlsdlÄ Sonnabend, 17. Febrnar lWK. Die Revolution in Rußland. Das Schreckensregiment in den Ostsee-Prolnnzen wird uns noch von einem nissischen Flüchtling wie folgt ge- schildert: Sämtliche esthnische und lettische sozialdemokratisch und radikal gesinnte Schriftsteller, Redakteure, Volksschullehrer und Arbeiter wurden verhaftet und erschossen oder flüchteten. Von mehr als 20 Redaktionen der esthnischen und lettischen Zeitungen und Zeitschriften sind nur zwei oder drei von den reaktionärsten noch am Leben geblieben. Der Redakteur Pect in Fellin, ein alter Mann von 70 Jahren, wurde auf den Vorschlag des Baron Ungern»Sternberg und auf den Befehl des russischen Generals unmenschlich so lange mit den Nagaiken geschlagen, bis er besinnungslos wurde. Ob er noch am Leben ist, ist unbekannt. In Walk wurden die Schriftsteller und Buchhändler K a r I s o n und R a n d s e p p verhaftet und so lange mit den Knuten geschlagen, bis sie über und über blutig waren. �u Werro wurde der esthnische Schriftsteller U n st a l u im Gefängnis mit dem Gewehrkolben geschlagen, weil er die Marseillaise ins Esthnische übersetzt und veröffentlicht hatte. In Wesenberg wurde der Schriftsteller R e u d o r f auf die Verordnung des Kreischefs erschossen, weil er ein Sozial- dcmokrat sei! In Reval wollte man alle esthnische Schriftsteller hängen; sie konnten sich nur durch die Flucht retten. Das ganze Stadt- amt in Reval war radikal gesinnt und alle seine Mitglieder mußten flüchten. Die reaktionären Deutschen und Junker haben in Reval alles aufgeboten, um die Stadtamtsmitglieder zu verhaften. Wenn das russische Militär mit seinen Mordabsichten in die baltischen Provinzen einrückte, so veranstalteten die deutschen Junker ihnen überall einen festlichen Empfang und ihre Güter verwandelten sich zu Saufanstalten, wo die Offiziere mit den Soldaten soffen und praßten, und dann nach den Vorschriften der Barone das schutzlose Volk aus- plünderten und beraubten. Auf dem Gute Mosikatz in Livland waren der Polizei- offizier I w a n o f und der Besitzer Baron N o l k e n völlig betrunkein als sie den Soldaten Befehl gaben, auf das fried- liche Volk zu schießen. Dieser selbe Baron hieß auch seine Viehställe anzünden, um das als Brandstiftung der Revolu- tionäre zu stempeln. Ein gewisser Baron Trausche hat dasselbe mit seinem Gute gemacht. In Esthland haben die meisten von den Junkern ihre Gutsgebäude, besonders die alten, anzünden lassen, um von der Versicherungsgesellschaft viel größere Summen zu be- kommen, als die Gebäude wert waren. So hat das nach Aus- sage von Zeugen Baron Renne getan. Man hört auch, daß die deutschen Junker noch etliche Millionen Schadenersatz von der russischen Regierung erhalten, weil ihre finanzielle Lage nicht allzu glänzend sei. Sie be- kamen schon vor eineni Jcchre für ihre Krüge und Sauflokale von der Krone umsonst einige Millionen, obgleich ihnen für ihre Sauflokale jetzt ebenso viel Pacht bezahlt wird als vor der Einführung des Brauntzveiumouopols. Nun sammelt man auch in Deutschland noch für sie und die baltischen Barone können angenehm als„polittsche Märtyrer" im Auslande leben. Der lettische Redakteur Dr. Walter erzählte unserem Gewährsmann, daß in Kurland die Barone und Junker den Kosaken und Soldaten Verhaltungsvorschriften den Bauern und Volksschullehrern gegeuiiber gaben, die nach ihrer Meinung erschossen werden sollten. Wo der Betreffende nicht zu ergreife» wer. da erschoß man gewöhnlich seine ganze Familie und verbrannte sein Hans! Die Frau unseres Gewährsmannes erkaufte sich und ihren Kindern das Leben durch Hergabe von Geld und Branntwein. Ihr wurde gesagt, ihr Mann gehöre zu denen, welche die russische Regierung hängen wolle: 15 000 Rubel seien auf seinen Kopf gesetzt, weil er früher— eine sozialdemokratische Zeitung herausgab(!) und politische Reden hielt! Nach ungefähren Schätzungen sind vom Militär in den baltischen Provinzen 700 bis 800 unschuldige Menschen, meist Weiber und Kinder, erschossen oder gehängt worden. Fast in jedem Dorfe sieht man Ruinen von verbrannten Häusern. Ueberall Huben die Kosaken und Soldaten mit ihren Offizieren das Volk geplündert. Der Schrecken war nur ge- mildert durch die unter dem gegenwärtigen Regiment unaus- rortbare russische Korruption. Sogar die Generäle haben gegen gewisse Bezahlung dm zum Tode Verurteilten Leben und Vermögm gelassen. Die Reaktion an der Arbeit. Die„Russische Korrespondenz" erhält auS Petersburg folgende Depesche vom 16. Februar: Täglich wächst die Ueber- zeummg, daß die RegienmgSreaktion keine vorübergehende Er- scheinung ist. Die Regierung meint Herr der Lage geworden zu sein, und verfolgt offen eine antikonstitutionelle Politik. Das Grundgesetz, das in kurzer Zeit veröffentlicht wird, entzieht eine gniize Reihe von Fragen der Kompetenz der Duma. DaS Grundgesetz selbst wird ebenfalls nicht der Beratung der Duma unterliegen. In der scknvierigste» aller Fragen, in der Agrarfrage, stellt sich die Regierung auf einen Standpunkt, der reaktionärer ist als der Standpunkt der konser- vativcn Großgrundbesitzer. Der Vertreter der letzteren, Graf Ouvaroff, schlug die Enteignung des Güterbesitzes über 1000 Deßjatinen vor. Die Regierung lehnte aber jede Idee einer Eni- eigmmg rundweg ab, und proklamierte das Prinzip absoluter Un- antastbarkeit des Privateigentums. Damit ist jede Möglichkeit einer friedlichen Lösung der Agrarfrage au>?geschlosien. und eS ist ein neuer Ausbruch von Agrarunruhe» im Frühjahr zu erwarten. Alle anderen vom Reichsrat in diesen Tagen formulierten und zu erwartenden Gesetze über Presse, Versammlungen, Verbände verfolgen ganz offen den Zweck, oppositionellen Elementen die Tätigkeit unmöglich zu machen. Dieser Zweck wird in den Reden der ReichSratSmitglieder gar nicht verheimlicht. Im ReichSrat sitzt jetzt eine ungewöhnlich große Zahl von Mitgliedern. Die Hälfte sind alte Generale, die früher nie erschienen: sie sprechen kein Wort, stimmen aber immer ,nit D u r n o w o. Aus guter Quelle erfahre ich, es existiere äugen- blicklich der Plan, die Duma Ende April zu berufen. Diese Duma werde aber nur Fragen über Organisation ihrer Arbeiten besprechen und sich dann nach einigen Tagen bis Herbst vertagen. Die Regierung meint, ein nichtssagender Schein einer Volksvertretung werde genügen, um Europa von der eingetretenen Beruhigung zu überzeugen und(das ist schließlich in Rußland immer die Haupt- fache I) eine Anleihe möglich zu machen. Gesetzliehe Erpressung. So wenig wie Rußland bsi seiner jetzigen Lage das ausländische Publikum zur Hergabe von STtitteln zu begeistern vermag, kann die Regierung die eigenen Landeslknder dazu bringen, ihre letzten Rubel, die ihnen Kosaken und Hoolig,ans ließen, auf dem Altar der Re- aktion zu opfern. Der russisckie Finanzminister befindet sich des- wegen auf der Suche nach eimem Gesetz oder wenigstens einem Paragraphen, der die Bevölkeriuag zum Opfersinn zu zwingen vermag. Er hat nämlich gefunden, daß in den Forderungen des Publikums, seine Einlagen aus der Staatsbank zurückzuerhalten und die Annahme des Papiergeldes zu ver- weigern, eine schwere Beleidigung für die russische Regierung liege. Daher hat sich Finanzmtznister S ch i p o w an den russischen Justizminister Akimow mit der Bitte gewandt, ihm anzugeben, welcher Paragraph des russisch« Strafgesetzes auf die Handtungs- weise eventuell bezogen werde» könnte. Ist ein solcher nicht vor- handen, so wird man natürlich das Volk durch ein neues Gesetz zur pekuniären Betätigung seines Patriotismus zu zwingen versuchen. » Und weitore Finanznot. Den Blättern zufolge hat ZMrnolvo den Gouverneuren befohlen, die rückständigen Semstwosteuern mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zwangsweise beizutreibsn. Die Rückstände betrugen schon im Jahre 1S02 20 Millionen Rubel und sind gegenwärtig dermaßen angewachsen, daß den Semstwos finanzielle Zerrüttung droht. Riga, 15. Febrnar. Die Polizei entdeckte in dem Keller eines Hauses in» Zentrum der Stadt 14 Boinben, von denen acht gefüllt und sechs leer waren. Rofiom a. Don. 16. Februar. Ein aus 14 Personen be- stehendes revolutionäres Komitee ist in einer Privatwohnung verhaftet worden. Eue der Partei. Wie eine Reminiszenz aus den Tagen des Sozialistengesetzes liest sich ein Bericht, den unser Banter Parteiorgan aus Delmenhorst bringt. Wir lesen dort: „Genosse E. Bermeiren hat am gestrigen Tage unsere Stadt und damit den Machtbereich der Herren Bürgermeister Koch und Syndikus Lueken unfreiwillig verlassen. Bescheiden wie immer wollte unser braver Genosse in aller Stille von hier Abschied nehmen. Einige seiner bisherigen Mitarbeite� bekamen jedoch Kenntnis von dem Zeitpunkt der Abreise und bald lagen alle Bauten der Bauunternehmer C. Twisterling und G. Vosteen still. Fast alle Handwerker und Arbeiter dieser benannten Firmen hatten sicki eingefunden, um den allgeinein beliebten und gerechten Mitarbeiter und Klassengenossen ein Stück Weges zu begleiten. Um 2 Uhr nachmitttagS hatten sich etwa 200 Personen eingefundei», die durch Freunde und Bekannte des Ausgewiesenen immer mehr verstärkt wurden. Ein stattlicher Zng von Demonstranten holte den Genossen Bermeiren von seiner Wohnung ab und begab sich zunächst nach der Zentralhalle. Hier wurde vom Borsitzenden des Bau- hülfsarbeiter-VerbandeS, dein Genossen Joh. Flach, eine kernige Aw spräche gehalten. Auch der Genosse Bermeiren dankte in belvegten Worten für die ihm bewiesene Syinpathie. Hierauf ordneten sich die Bersamwelten wieder zn einem DemonstrationSzuge und bewegten sich durch die Luisenstraße, Langenstraße, über den Marktplatz, durch die BiSmarckstraße und Parkstraße nach Menkens Hotel. In der Park- straße vor dem Hause des Bürgermeisters Koch und der Wohnung des Syndikus Lnekcn standen Polizeiposten, ohne Ge legenheit zum Einschreiten zu bcloiumen. In Menkens Hotel hielt Genosse Aug. Meyer eine ergreifende Ansprache und geißelte das jämmerliche Verhalten unseres Magistrats in betreff der Auslveisungspolitik. Durch die Deklaination eines selbstverfahten Prologs auf B er meirenS Ausweisung durch den Genossen Münch fand die Zusammenkunft in MenkcnS Hotel ihren Abschluß. Dan» gaben ein paar Hundert Teil nehmcr dem ausgewiesenen Genossen Bermeiren das Geleit bis zum Bahnhof Heidkrug, unterwegs beim Wirt Zirus, der halbmast geflaggt hatte, eine kurze Rast machend. In Heidkrug hielt Genosse A. Kerrl die Abschiedsrede, schilderte die Verfolgungen unserer Genossen in den letzten 40 Jahren und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Arbeiter bewegung. Bald nahte der Zug und unser Genosse Bermeiren fuhr mit dcinselbei», seine Familie vorläufig zurücklassend, aus dem Kreise seiner Freunde und Genoffen in die Welt, um sich aberinals eine Heimat zu suchen. Vergebens ruft sein kleines Kind das Wort Papa,— er kehrt nicht, er darf nicht zurückkehren... Unser Chemnitzer Parteiorgan, die„Volksstimme", bringt in einer ihrer letzten Nummern auf der Vorderseite ein Bild deS neu- gewählten sozialdemokratischen Vertreters. Die Parteipresse sollte der bürgerlichen Presse diese Art von PersoneirkultuS überlassen. polirelllebe». OerfebtUebea ulve. Die Aufreizungsklagen-Spidemle hat nun auch noch den Halleschen Staatsanwalt gepackt. Er fehlte gerade noch in dem großen Ans- rcizungSkonzert. Neben seinem Staatsanwaltskollegen von Torgan, der das Wahlrechtsflugblatt„aufreizend" findet, hat er sich eine»» ain 3. Februar im„Volksblatt" unter der Spitzmarke„Hamburgs Fall" von dein Redakteur Genoffen D ä um ig veröffentlichten Leitartikel ausgesucht/ der ihm nicht in den Kram paß». Me könnte auch der Hallesche Staatsanwalt in diesem Wettbewerbe zurückstehen, wenn cm Torgauer Staatsanwalt seinen Arm nach dem Halleschen Flngblattzeichner ausstreckt. Genosse Dännng lvurde vor den Untersuchungsrichter, den ver- floffenen Reichstagslandidaten der Ordnungspartei, Amisgerichtsrat Dr. Bindsetl, geladen, wo man ihm klarzumachen versuchte, daß es aufreizend sei, wenn in dem Artikel ausgeführt werde, daß die liberalen Krämer Hamburgs hätten ihren Wahl- rechtsraub deshalb ausführen können, weil die gepanzerte preußische Macht hinter ihiren st and und weil sie sich zum letzten Ende aus die preußischen Bajonette verlassen konnte»». Aufreizend ivlrke auch die Schlußfolgerung, daß unser Kawpf gegen die preußische Reaktion im verschärften Maße als Angriffskrieg geführt»Verden müsse, ehe er zum Verteidigungskrieg»verde. Aber am aufreizend st en eine weitere Steigerung ist nicht mehr»nöglich— ist nach der Meinung des Staatsanwalts das am Schlüsse"des Artikels stcheitde Zitat aus den» Reiterliede Schillers aus Wallensteins Lager: Und setzet Ihr»»ich» Euer Leben ein,' Nie wird Euch das Leben gewonnen sein. Seit dem 21. Januar hat man hier schon viel erlebt. Wei»i» diese Geneigtheit der Staatsanwaltschaft und Polizei so weiter geht, dann ivird man fragen müssen,»vaS dann eigentlich ilicht mehr aufreizt. Schließlich iiimint man unseren Schulbuben noch die Klassiker lveg, und füttert die Jungens niit„geistiger reizloser Kost" aus dem Hause des Staatsanwalts.— Wenn man in g,ewiffen Kreisen so mifgeregt»st, dann sollte mai» eS einmal mit vegeta- bilycher Kost vamchen. Gerichts-Zeitung. Ein Silvesterulk hat für den Schlossermeister Wilhelm Posch sehr»inangenehme Folgen gehabt. Wegen groben Unfugs ui»d Schießens in der Nähe belvohnter Gebä»lde mußte sich P. gestern vor dem Schöffengericht I verantworten.— Am Silvejterabend des vergangenen Jahres saß P. vergnügt und guter Dinge inmitten seiner Familie beirn Glase Punsch. Dieser schien»vohl etwas zu stark gebraut gelvesen zu sein, denn der sonst ruhige Mann ver- übte allerlei Allotria und stand bald völlig im Banne des Alkohols. Der Zufall»vollte es, daß dem An- geschnldigtei» eine alte verrostete Pistole in die Hand fiel, mit der er sofort einen„riesigen Spaß" machen wollte. Dieser „Spaß" bestand darin, daß er»»nter vielen Mühen den altertüin- lichen Schießprügel mit einer gehörigen Pulverladung versah und damit das Herannahen des neuen Jahres erloartele. Kurz vor 12 Uhr begab sich P. auf die Straße. Un» das neue Jahr»nit einem Freudenböller zu begrüßen, drückte P. ab und erzielte dainit den Erfolg, daß eS einerseits einen Krach gab, daß sämtliche Fenster der Uingegend erzitterten und schwachnervige Menschen vom Stuhle fielen und andererseits, daß ihn ein Schutzmann am Kragen packte ni»d z»ir Polizei- ivache brachte. Die Folge war ein Strafmandat über eine Woche Haft wegen groben Unfugs und unbefugten Schießens. Gegen diese en,pfindliche Strafe legte Posch, der Familienvater ist, durch de»» Rechtsanwalt Grünspach Berufung ein. Vor dem Schöffen- gericht machte der Verteidiger geltend, daß mit dem Vorgehen mit exemplarischen Strafen gegen Leute, die in der Silvesternacht Unfug stiften, doch wohl nicht Personen getroffen werden sollen, die wie der Angeklagte in vom Alkohol angeregter karnevalistischer Stimmung einmal einen dummen Slrcich verüben. Der Gerichtshof änderte den Strafbefehl in zehn Mark Geldstrafe um. Schadenersatzklage gegen einen Gerichtshof. Der Pfarrer P. Herr- mann und der ehemalige Zahlineisteraspirant W. Herrmann haben gemeinschaftlich Grundbesitz in Steglitz. Wegen Ermäßigung der ihnen abverlangten Grundsteuern für die Jahre 1396 bis 1901 führten sie regelmäßig Prozesie im Berivaltungsstreitverfahren, die von» zweiten Senat des Oberverwaltui»gsgerichts in letzter Instanz erledigt wurden. Ihren Anträgen lvurde mir teilweise stattgegeben. Der eii»e_ der Prozesse hatte im ersten Rechtsgange den e r st e n Senat des Oberverivaltungsgerichts beschäftigt. Es »vor Zurückverweisung in die Vorinstanz erfolgt. Infolge cilter anderlveitigen Geschäftsverteilung kan» er sin ziveiten Reckiisgange an den z iv e i t e n Senat, der dann Ivie schon gesagt, in allen Pro- zessen der Kläger das letzte Wort sprach.— Vergeblich versnäiten nun die Kläger, durch Klage in» Wiederanfnahmeversahren die rechts- kräftigen Urteile insoweit anzufechtei», als sie zu ihren Ungunsten ausgefallen»varen. Schließlich klagten sie gegen sänltliche Mit- glieder des zweiten Senats des Oberverwaltlingsgerichts beim Ober- Verwaltungsgericht auf Schadenersatz, vertreten durch ihren Bater als ihren Generalbevollmächtigten, einen Herrn, der auf dem Oberverwaltungsgericht häufiger Gast ist. Es lvurde vom Vertreter der Kläger behauptet, die Mitglieder deL zweiten Senats hätten nicht richtig gehandelt, indem sie n a ck» Meinung des Herrn nicht die Grundsätze beachtet hätten, welche der e r st e Senat seinerzeit bei der erlvähnten Zurückverweisung der einen Sache an die Vorinstanz»in ersten Rechtsgange aufgestellt habe.- Natürlich mutzte die Klage vom Oberverloaltungsgericht als »mzulässig abgewiesen werden, lveit das Oberverlvaltnngsgericht nicht zuständig ist dafür, daß ein Richter und der Staat für»virkliche Versehen seiner Beamten veranttvortlich geinacht tverde, und zwar von dem ordentlichen Gerichte, tritt die Sozila- demokratie eiir. Derartige Klagen aber, wie die vor-- stehend beschriebene, machen den Eindruck als ob sie von S uten angestelll sind, die da glanbei», ihre Rechtsansicht sei die Achse der Weltbegebenheiten: für solche Ansprüche fehlt jeder Boden. Die Berfolguilg solcher abstrusen Forderungen hat mit der sozial- demokratischen Forderung des Schadenersatzanspruches gegen FiskllS und Beamte iiicht das geringste genrein. Preußische Richter könne» auch milde urteilen! Bor de»' Straf- kamnier des Landgerichts in Duisburg hatte sich am 12. d. M. der Gefangenen-Aufseher Meyer vom GerichtSgefängnis in R u h r v r t wegen»nehrfacher Verbrechen im A in t e zu verantworten, nämlich»vegen 1. Gefangenemnitzhandlung, 2. wegen Bedrohung des ersten Gefangenen-AufseherS, 3. Unterschlagung in» Anite, 4. Annahme von Geschenken»md 5.»vegen Diebstahls zun» Nachteile des FisknS. Die Zeugenvernehmung siel derart belastend gegen den Angeklagten ans, daß der Staatsanlvalt»vegen der Delikte unter 1, 2, 3»md 6 die Verurteilung be- antragte, nämlich wegen Mißhandlung in vier Fällen je drei Wochen Gefängnis, wegen Bedrohnng 6 Tage Gefängnis, wegen der Unter- schlagung in drei Fällen je 3 Monate Gefängnis,»vegen Betruges in zlvei Fällen je 3 Tage GcfäirgniS und»vegen Diebstahls in zivei Fällen je 3 Tage Gefängnis.— Das überraschendste»var nun, daß das Gericht zlvar die Delikte unter 1, 2 und 3 als erlviesen annahn», die Gefangenenmißhandlung sogar in vier Fällen, daß es aber> deirnoch bei einer gelinden Geld st rase von 70 M. blieb. Wegen des D i e b st a h l s zlim Nachteile des Fisftis gab eS ferner— 3 Tage Gefängnis. Auffallend war, daß der GefänaniSinspektor Stahl den An- geklagten als etile»» ehrlichen, sehr zuverlässigen»»nd tüchtigen Beamten schilderte. Da weiß man»virklich nicht, »vorüber man sich mehr wundern soll, ob über das Urteil selbst oder über das Zeuynis des Gesängnisinspektors oder über den Mut deS Meyer, der mlt den, Urteile nicht zufrieden ist»nid Revision bean- tragen will. Es scheint allerdings, als ob im Ruhrorter Gerichts- gefangnis etwas eigenartige Zustände herrschen. Möglich, daß von dort noch Verschiedenes an die Oeffentlichkeit gezogen»verde»» mutz. Die auffallende Milde deS Urteils muß geradezu verblüffen. Ei» eigentümlicher Mordprozcß. Vor dem oberbaherischen Schwur- gericht in München steht seit gestern das Ehepaar Schellhaas unter der Anklage des Raubmordes, der Oberschaffner Marder unter der Anklage der Urkundenfälschung und Hehlerei. Der Prozeß zeichnet sich dadurch aus, daß der vermeintlich Ermordete— ein im Jahre 1831 in Hamburg geborener früherer Bcainter C r a m m— trotz vieler Nachforschungen»veder lebend noch als Leiche hat aufgeftlnden»ver' en können. Die Angeklagten SchellhaL lebten»nit Cramn», einem»vohl- habenden alten Sonderling, zilsammen. Damals waren sie noch nicht verheiratet. Die jetzige Frau Schellhas soll beiden Männern gefällig getvesen sein. Als das frühere Dienstmädchen der erst»»ach den» Verichtvinden des Crainin standesamtlich verehelichten Schellhasschen Eheleute auf 14 Tage verreist »var und nach ihrer Rückkehr nach den,„alten Onkel", so wurde Tramm genannt, ftagle,»vnrde ihr als Antwort zuteil. Cran»m sei verreist. Das war vor zlvei Jahren. Die eifrigsten Nachforschungen seiner Verlvandten und der Behörden haben serldem eine Spur deS Tramm nicht entdecken können. Nach dem Verschlvinden haben die Schellhaasschen Eheleute Schulden bezahlt und vielerlei An- schaffuiigen gemacht. Tramm hatte ctiva 80 000 Mark in Wertpapieren besessen. Diese Wertpapiere sind dein dritten Mitangeklagten, Marder, von den Schellhaasschen Eheleuten angeblich zur Aufbeivahrung übergeben. Er hat dann versucht, die Wertpapiere in Geld»imzusetzen. Durch diese»»»ißglückten Versuche »vurdc der Verdacht cii»cr E r»n o r d u n g de« Cramm durch das SchellhaaSsche Ehepaar so rege, daß sie in Untersuchungshast ge- nomine» lvnrdcn. Die Anklage nimmt alS lvahrscheinlich an, daß Schellhaas, der sich nach dein Verschlvinden Cramn»? ein Automobil zugelegt hatte, die Leiche»Nittels des Aiitomobils weiter bcsöi'dcrt habe. Ueber den Ausgang des Prozesses, dessen Daner aus mehrere Tage berechnet ist, werde» wir berichte,!. Ein Strafprozeß auZ China beschäftigte vorgestern dciS Reichsgericht. Vom Konsulargerichte in Tschifu ist am 3. Mai V. I. der deutsche Reichsangehörige Gastwirt Fritz Augsburg wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 300 M. verurteilt worden. Die gleiche Strafe hat seine Ehefrau Adele Augsburg wegen Körperverletzung und Beleidigung erhalten. Beide haben den Kapitän Edler gemisthandelt, er hat ihn mit einem Knüttel ge- schlagen, sie hat ihn an der Kehle gewürgt.— Die nur von dem Ehemann eingelegte Berufung wurde vom ersten Strafsenate des Reichsgerichts, der Berufungsinstanz für Konsulargerichtsurteile. als unbegründet verworfen. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be> Nutzung für jedermann, SW., Alexnndrwenstr. 26. Geöffnet täglich von und Feiertagen von g— 1 und 3—6 Uhr. 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art 5'/,— 10 Uhr abends, an Sonn In den Lefcfälen liegen zurzeit und Richtung aus. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 18. Februar, vormittags S'l, Uhr, im Nathaufe, Saal 109, Eingang Jüdcnstrahe: Versammlung. .Freireligiöse Vorlesung".— Um 10»/, Uhr vormittags in der Schul-Aula, Kl. Frankfurterstr. 6: Vortrag deS Herrn Dr. Bruno Wille:„WaS bedeutet Weltanschauung"? Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Nietallarbeiter. iE. H. 29) Filiale 3. Sonnabend, den 17. Februar, abends S'l, Uhr, bei Kahscr, Reichenbergerstr. 57: Mitgliederversammlung.— Filiale Berlin 4. Heute abend bei Merkowsli, Andreasstr. 26: Mitgliederversammlung. BHekKatten der Redaktion. WaidmannSluft. Unentgeltlich? Niemand. Im Gegenteil, das kostet einen gehörigen Batzen.— R. H. Wenden Sie sich mal an da«»Deutsche Theater", Berlin.— Moabiter Bierhalle. Bestimmter Fall ist uns nicht bekannt. Wahrscheinlich, weil er allgemein als zu liberal taxiert wurde.— E.»t. S. In Sachsen und Preußen bis 1858. 110 Psd.— P. G. lvv. Derartige durch Reklame angepriesene. Heilmittel beruhen sehr oft aus Schwindel, meistenteils ist deren Wirkung weit übertrieben.— Schnauder. Versuchen Sie es mit einer Mischung von halb Wasser und halb Spiritus. �lurikvikcher Ceti. Sie jurtfttsche Eprechstiiudc findet täglich mit Zlnsnabme de» S-„»nd-nd» iiber»in»nt die Stedaktion de», Publik»», gegenüber keinerlei Aernunvorrnttg. Theater, Sonnabend, den 17. Februar Ansang 7'/, Uhr: Opcrnhans. Die Hugenoiten. Schauspielhaus. Die Räuber. Anf. 7 Uhr. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Berliner. Hans in allen Gaffen. Neues. Ein sommernachtstraum. Lrssing. Rosmersholm. Ansang 8 Uhr: Schiller«». lWallner-Tbeater.) lieber unsere Kraft.(I. Teil.) Schiller.V.(Friedrich Willielm- slädlilwes Thealer). Die Macht der Finsternis. Weste». Schützenliesel. Nachmittags 3 Uhr: Der Königs- leulnant. Kleines. Kinder der Sonne. Komische Oper. HoffmannS Er- Zählungen. Residenz. Der Prinzgemahl. Driauo». Loulou. Lnstspielhaus. Der Weg zur Hölle. Nachmittags S'l, Uhr: Die Juden. Thalia. Vis früh um Füuse. Zentral. Die Glocken von Corne- ville. Nachmittags 4 Uhr: Schneeweißchen und Rosenrot. Meiriival, Aus ins Metropol. Walhalla. Nach Asrika, nach Kamerun. Carl Weist. Die lebende Brücke aus Kuba. Nachmittags 4 Uhr: Rübezahl und das lustige Schneiderlein. Luise». Der Störenfried. Die Dienst- boten. Dcu»sch-3linerika»ischeS. Er und » r�- Stastuo. Die goldene Brücke. 31 Polle. Insel Tulipatan. Im Gri- sctten-Kabarett. Spezialitäten. Herrnseld. Familieutag im Hause Prellstein. Folies Caprice. Nach dem Zapfen- streich. Der Bcheme. Wintergarten. Tschin- MawS Chinesen-Truppe.— Otto Rculier. Re clishaileu. Stettiner Sänger. Passage. Spezialitäten. Iii..»,«. Taiidrustraste Ibi/lO. Abends 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Nachmittags 4 Uhr: Im Lande der Urania fr«;.": Nachmittags 4 Uhr: Im Lande der Mitternacbtssonne. Abends 8 Uhr: km Golf von Hörsaal 8 Uhr: Dr. Donath: Elektrisches licht. Sternwarte TÄ; Pastans w faaeptika» Ehriedrichstr. 165. Ohne 6xtra-8ntree., Bergbewohner Äbessiniens. 65 Eingeborene Männer, Weiber und Kinder, Baby„Berolina". 1 Hf. sowie das Eintritt 56 Milteruackissoune. Hörsaal 8 Uhr: Dr. irisches Licht. Donath: Elek tomisede Oper. Sonnabend, 17. Febr., abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag nachm. 3 Uhr zu ermäßigt. Preisen: lioitmanns Erzählungen. Abends 8 Uhr: Oon Pasquale. Montag: Holtmanns Erzählungen. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Der Störenfried. Die Dienstböten. Sonntag nachmittag: Die lustigen Weiber von Windsor. Abends: Die Anna-Lise. Montag: Die Anna-Lise. Mittwoch: Gastspiel der königlichen Schauspielerin Frau Luile Willig und Dr. Max Pohl: Maria Magdalene Sternivarre. Juvalidenstr. 57/62. Tägliw geöffnet oon l bis 7 Uhr. Oerliner Theater. Abend» 7'/, Uhr: ffans in allen Gassen. Sonntag nachm. 21/s Uhr zu ermäßigten Preisen: Maria Stuart. Abends 7'/, Uhr: Oie Jüdin von Toledo. Neues Theater. Ansang 71/j Uhr: Sin Scmmernaehtstraum. Sonntag: Ein Sommernachtstraum. Montag: Die Neuvermählten. Hieraus: Salome._ Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Kiildn im Sliiillk. �onnlag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 3 Uhr: Kinder der Sonne. Lustspielhaus. Nachm. S'l, Uhr: Wohltätigleits-Vor< stellung: l>ie In, Ion. Abends 8 Uhr: Der Weg zur Hölle. Apollo-Thealer. Nur neue Spezialitäten und Gobert Belling mit seinen vierbeiuiaen Komikern. liatanitn»,* IIIgaHhi, der Meister d. Selbstverteidigungslehre. .I>»-,litKn. Vorher: Die Insel Tulipatan, Operette. Sonntag, den 18. Februar, nachm. 3 Uhr: Grelle Familienvorstellung; Berliner Luft und Spezialitäten. Residenz-Ttieater, Direktion: Richard Hiexander. Heule und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwank in 3 Akle» von L. Xanros und I. Chancel. «onntag nachm. 3 Uhr: Penise. WalhaliaTheater llntl) Ifrilw, nach Kamerun. AuSstalluugspojse in 6 Bildern. Anf. ö Uhr. Rauche» überall gestattet. £tab H I er-Tli eater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Thealer). Sonnabend, abends 8 Uhr: Ueber unsere Kraft. Schauspiel in 4 Akten v. Björnstjerne Björnson. Sonntag, nachm. 3 Uhr: kVora. Sonntag. abendSSUbr: Zwei jxliickliche Tage. Montag, abends 8 Uhr: Kleber unsere Kraft. Schiller-Theater N.(Fricdr.-Wilh. Th.) Sonnabend, abends 8 U b r: Ilie stacht der Finsternis. Schauspiel in 5 Akten v. Leo N. Tolstoj. Uebersetzt von Raphael Löwenseld. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Zapfenstreich. Sonntag, abends 8 Uhr: Flachsmunn als Erzieher. Montag, abends 8 Ubr: Die Stacht der Finsternis. Zirkus Albert Schumann Heute abend Präzise 71/a Uhr: XXII. Grande Soirde High Life. Gala-Programm. U. a.: Zum 2. Male I Gritstte Novität! Ein Souper bei Maxim. Neu! l-.es 7 PerezoflT. Riesenpotpourri von Schul-, Freiheifs- und Springpferden. Sämtl. Originaldressuren des Dir. Albert Schumann. Ihre Exz. Margaretha Fehim Pascha, das Rätsel des Orients. Die ausgezeichnete Crsard Troupe. Die phänomenale Ergotti und King Louis Troupe. Frl. Dora Schumann aus dem Vollblut- hengst„Czitt". Die vorzügliche Morgana Troupe. Ferner die neu engagierten Spezialitäten. Zum Schluß: Das größte Pracht- Manegenschaustück der Gcgenwait keMIUS �auenreich. Sonnlag: 2 Gala-Vorstell., nachm. S'l, Uhr(ein Kind frei) und abends V], Uhr. In beiden Vorstellungen das Sensations- Programm. Zum 57. Male Femina. Melropol-Theater Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Hauchen in all. Räumen gestattet. Deutsch-Amenkanisebes Theater. _ KöpenickerstraBe 67/68. DIU" Jeden Abend 8 Uhr: Gastspiel Adolf Philipp «I-ISrsJeh Sonntag nachmittags 3 Uhr: „lieber»«retten Teich". Montag. 19. Februar, abends 8 Uhr: Keest• V oi*k tc 1 1 ii uff anläßlich des 25 jährigen Künstlerjubiläums von Adolf Hhilinp. Billetts sind jetzt zu haben. Folies Caprice Budapester Possen• Theater 132 Linienstr. 132, Ecko Friedrichstraße.• Zum 153. Male: .Vtich d. Kaiifenfttreich.! Vorher: Der Beheme u. d. ausgczeichn. Spezialitätentcil. /tnlang 8 Uhr. Vorverk. tägl. b. Wlorthoim u. an| der Theatertasse von Ist Uhr mittags an. T rianon=Theater. Allfang liOlllOU. 8 Uhr. Soimtag nachm.;. Die herbe Frucht. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. tiaia- Abend."TBIQ Neu! TBjS Sensationell! Der automatische Mensch. Zum ersten Wale in Europa! JPF" Noch nie dagewesen!"Tm Zwergclown Frangois, Dackelpferd. Hr. Burkhardt-Footfit etc. Zum Schluß(um ä'l, Uhr): Die neueste und größte Sehenswürdigkeit Berlins: + Indien. ♦ Origin.-Manege- Ausstattungsstück des Zirk, Busch in 8 Bild. Avis I Morgen 2 gr. Vorstellungen. nachm. 4 Uhr u. abends Tl, Öhr. In beiden Vorst.: Der automat. Mensch. Nachmittags; Mexiko. Abends: Indien. "Carl Weiß- IlieaierT Gr. Franksnrterstr. 132. Nachmittags! Uhr Kinder-Vorstelluug. Kleine Preise. Rübezahl und das lustige Schneiderlein. __ Abends 8 Uhr: fMU Die lebende Brücke auf Kuba. Morgen und folgende Tage: Die lebende Brücke auf Kuba. Zum erstenmal in Berlin! Tschin-Maa's Chinesen-Truppe Außerdem Otto Reutter und das sensationelle Februar-Propnun. KasinosTheater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr Hur noch bis 1. Mörz inkl. Die goldene Briide. Am 2. März zum erstenmal: Die Herren Söhne. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Hotel Klingebusch._ W. Noacks Theater. Direktion: Roh. Dill. Brunnen str. 16. Maskenball der Wligruboutr Mzirb X.) An den Sonnabenden finden bis auf weilereS keine Vorstellungen statt. Sonntag: Der Walzerkönig. Anfang 7 Uhr. Enlrce 30 Pf. Ball. Fröbels Allerlei-Thealer Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag und Mittwoch: HUB Konzert"MtzZ Theater, Spezialitäten, Tanz. Ans. Sonntags 6 Uhr, Mittwochs 8 Uhr tHf Sonnabende für Sommer- feste sind noch frei. Bernliarii Rose-Tlieater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Morgen Sonntag, den 13. Februar, nachmittags 3 Uhr.: Die Bluthochzeit. Abends 7 Uhr: Her i,eiei'nianniiniiseinT!ieMii. Billett-Vorverkaus Sonntag von 10 bis 1 Uhr an der Theaterkasjc. Montag: Die zärtlichen Verwandten Iteickskaiean. Täglich: Stettiner Sänger (Meysel, Pietro, Britton, Böckmann, Böhme, Waiden, Seidel, R. u. O. Schräder). Vlntang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Sanssouci.sVÄ � Dil. Wilhelm Reimer. tssonnt., Munt., Donnerst.: HofTninniiM Norddeutsche Sänger, Sonnt. Bg. 5, Wochenl. 8 II. DienSt., Millw.: Theat-Ab. Anmeld. f. d.�r. Thealersaal und die kl. säle z. nächsten Eaifon w. schon jetzt entg. palast- Theater Sitrgstr.24, 2Min. v.BH. Börse. Heute 8 Uhr. Entree 56 Ps. Mlle. Eugetiie Schnlreilerin im Herrensattel mit Goldfuchshengst Monte Christo. hi Bello�tT Miß Astre Norton die zweite Saharet. La belle Leona Gelenkphantastin. Die Herbstparade. Schwank. Familienkarten in Barbier-, Friseur- und Zigarrengeschäften uneutgellüch. Canl fiiabriols Volks-Museum friedrichstr. 112a, ■imOranienb.Tor" /.irka 2000 Ausstellungsobjekte! Entrae 30 Pf. Sold. u. Kind. 20Pf. Sämt.Räum.60Pf. Passage-Theater. Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. Miß Qertrude, Tänzerin. Karl Bernhard, der Humorist. — Bierzehn Nummern.— „Und Pepi singt" (Pepi Wo III). d » 6 » » h 8 6 » I > > » t » t » v r.) Gebrüder In. Heute zum 103. Male: Der größte Hermfeld- Scblager: Mientag Im ftanse frellslein. Komödie in drei Akten mit den Autoren A. u. D. Herrnseld in den Hauptrollen. Anf. 8 Uhr. Vorverk. 11-2 Uhr (Theaterkasse). GU8lSV Behrens Spezialitäten- Theater Frankfurter Allee 85. Die größte Sensation des Ostens sind Die kleinen Mädchen von Berlin. Im zweiten Bilde: Die sechs schönen Manotizigaretten. Außerdem X das neue Februar-Programm. X [Beriii > Hasenheide 108-114 Arnold Scholz gy L>cizte Woche! Großes Bock- Bier- Fest. 31 n c k I' n Ttanernkapellc. Bedienung durch MT' 3v bayerische Madl. Anfang 7 Uhr. Entree 30 Otto Pritzkows iner Ahnormitäten-Theater ikliiiiXMtr. 16. Xen!~3nH UM" Neu! ÜDie Elite-Liliputaner- Trappe 4 die kleinsten Vo: iragskünstler und 5«lerne der Liliputaner der Welt. Die Fuß- Künstler!» Margarete � Marjot. Hellseherin Armida, wahr- g sagende Wnnderdame. Pluto, � Wnnderhah», geb. mit 4 Beinen. t 2 Körpern, 1 Kops, lebend, zc. ! Riesen, Zwerge, Phänomen, g Fakire usw. Eine8¥lark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante fertige Herren-Garlleroben. Ersatz für Maß. Anfertigung nach SlaQ. Tadellose Ansfährnug. Julius Fabian, Schneidermeistor, Große Frankfurter Str. 31, Ii, Eingang StrauBberger Platz.* C w www wwwww w Restaurant„Zum Prälaten"' ttt� Rummelsburg. Jnh.: Sersgk.» CI Sonnabend, 17. Februar: '�arburger Sänger. Direktoren: C. Frick und Fr. Kasche-Krause. Neues hochkam. Progr. Ans. 8 Uhr. Entree 30 Ps. Vorzugskarte» gelten. Nachher: l'sricr.. Sonntags- Speziäiiiaien-Vorstelliiif Variete Elysium KonimandantcnütraBe 3/4. Um S'/z Uhr: Austreten des berühmten Stegreifdichters PäiiS Steinitz. Hoi-itzplatz. Täglich � in den unteren Sälen � Gottschalk-Konzert. Orts- Krankenkasse der Schmiede und verwandten Gewerb e.Z Am Montag, den 8K. Februar findet im Lokal von Merkowski, Slndreasstr. 26, die Wahl der Deltgierteu für 1306 statt. 1. Abends Vl2 Uhr: Wahl von 0 Delegierten seitens der Herren Arbeitgeber, 2. Abends 8'/, Uhr: Wahl von 19 Delegierten seitens der Herren Arbeitnehmer. Wahlberechtigt und wählbar find nur diejenigen Kassenmitglicder, die großjährig und im Besitze der bürger« lichen Ehrenrechte sind.(§ 47.) Der Borstand. 270/16 Ad. Pilgrim, Vors., Admiralstr. 24. Anläßlich des 50* Todestages Heinrich Beine s empsehlcn wir unseren Lesern die Werke dieses beliebten deutschen Dichters zur Anschaffung: 233/8* Atta Xroll-Dentschland 60 Pf. und 1,— M. Die Harzreise..... 60 Ps. Neue Gedichte..... 1,— M. Romanzero...... 60 Ps. lind 1— M. Buch der Lieder.... 80 Ps. mit Goldschnitt.... 1,20«. und l,80M. Auswahl aus seinen Werke» 1 Bd. illustriert.... 3,— M. Sämtliche Werke in 1 Bd....... 3,— M. in 2 Bd. illustriert... 4.-M. in 4 Bd. leinen.... 6,— M. in 4 Bd. hlbsrz.... 9.60 W. Expedition des„Vorwärts" Berlin SW. 68, Llndenstr. 69, Laden. r Zigarren! g ! 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Her Einberuter. Automobilfahrer! Jedermann wird mit. fachmännischer Leitung schnellstens zu erstklassigem Chautteur ausgebildet. Prospekte frei. Antoinolnl-Techniknin „Berlin", Spichernstr. 11(12. der Sektion der Brunnenbauer. Sonntag, den 18. Februar, vormittags 10 Nhr, im Lokal von 4.nsi>.tln, Oranicnstr. 103: Versammlung der im Bnmnenbaufach beschäftigten Arbeiter. Tages-Ordnung: 1. Unser Vorgehen in diesem Jahre. 2. Die Vertretersitzung. 3. Verschiedenes. Sektion der Kunstsondstem-Arkeiter. Sonntag, 18. Februar, nachmittags 3 Uhr, im Gewerkschaftshaus. Engel-User 15, Saal 7: Sektions-Verkarnrnlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über Gewerbegerichtliches. Reserent: Kollege Noacb. 2. Diskusston. 3. Die Vertrctersitzung. 4. Verschiedenes. Achtung i Vororts'Sezirke.: Diejenigen Vorortsbezirke, deren Versammlungen regelmäßig am Sonntag nach dem 15. eines jeden Monats stattfinden, machen wir daraus auf- merksam, daß am Sonntag, den 18. Februar, dieselben in den bekannten Lokalen und der üblichen Zeit stattfinden. Regen Besuch der Versammlungen erwartet 32/19 Der Zwelgverelns- Vorstand. Stukkateure! Moutag, dku 19. Ifbninr, abends piinbttich 8 Zlhr, in den Mufikersäten C., Kaiser IVilhelinstr. 18m i,(»ich t bei Franke): Versammlung-l°r Berlin TageS-Ordnung: 1. Die Unterstützungseinrichtungen in unserer Organisation. Referent Kollege tili. Qdentlial-Hamburg 173/6 2. Diskussion. 3. Die vorgeschlagenen anderweitigen Statutenänderungen. I Erscheint alle in dieser hochwichtigen Versammlung, in der JvLlLlxLjtU. es gilt, maßgebende Beschlüsse für die Zukunft zu fassen. Ille OrtMvcrn-altung. Zentralverband feAspy teure, Pappdachdecker und Hiilfsarbeiter (Ortsversvaltnng Berlin). Sonntag, de» 18. Februar, vormittags 10 Uhr, im GcwcrkschaftShause (Saal 3), Engel-llfer 15: General-Versammliiiig. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht. 2. Kassenbericht. 3. Neuwahl der OrtSvcrwaltungs vorstände. 4. Verbandsaugelegenhciten. 288/5 Mitgliedsbuch legitimiert.—— l»le Ortsverwaltnng. Ganswinds jetzt seit. Flugmaschiue (s. Adreßb.) zu besicht. täglich von 10 vis 6. Um ll'/a, 4 u. S'/j kurze Erklärung mit Anlassen des Motors. Eintr. 1 u. 2 M. Nur kurze Zeit. 205/9" KkgPNtoNwein FurBlufarme Kranke ärztlich enpFihlen Fi. 1,50 iu.ZM. 1 überall ■ zu »abui In Apotheken, jüi u0'eii- u. Uelika- tessenpesoh., steht unter ständiger Kontrolle d. ehem. Laboratoriums Dr. C. BischofD_ Nathan Mand 12» Skaliiierftr. 129.- Verband der Sattler. (Ortsverwaltung Berlin.) Mittwoch, den 21. Februar, avciids 8'/, Uhr: Allgemeine Mitglieder- Versammlung in den Arminhallen. Kommandautenstr. 20. Tages-Ordnung: 1. Gelchästliches. 2. Vortrag des Genossen «lizke iibcr Konsum- und Baugcno(senschasten. 3. Diskussion. 4. Ver- schiedeucs. 156/7 Kollegen! In Anbetracht dieser für unser WirischasiSIeben so wichiigen Frage erwarten wir, daß die Vermmmlung recht zahlreich besucht wird. An die verbeiraleten Kollegen richten wir die Aufforderung, möglichst ihre Frauen zu dieser Versammlung mitzubringen, Die Ortsverwattuiig. KD. Die ausgegebenen Fragczettcl müssen unbedingt im Lause dieser Woche an uns zurückgegeben werden._ Restaurant Schleuse Nkn-Muhtk ich Könips-Wiijtcrhiiiistii L! Empfehle den geehrten Vereinen, Gesellschaften mein herrlich gelegenes Etablissement.— Dampferftation.— Grosser Saal für 800 Personen. Otto Itallinäller. Die schönsten 112S' Herren-Sommer-Paletots und Anzüge{ot& ßdoiiats-Garderobej vonKaoalicren getragene Sache», I sast neu, für jede Figur passend,! speziell Bauchanzüge sind in> großer Auswahl stets zu staunend I billigen Preisen zu haben. Nathan Mand _ 12» Skalttscrftr. 12». r wchbahnstatio» KotlbuserTor. itle aus Hausnummer zu achten I Verla? l legnng und Genehmigung der Bilanz 4. Bcschlußsassung über Gemimt: und Vcilustverieilung. 5. Revisionsbericht. 6. Ersatzwahien des Vorstandes und Aussichtsrates. 7. Anträge. 8. Gcnossenschastiichcs. Das Erscheinen eines jeden Genossen ist Pflicht.— Die Bilanz liegt zur Einsicht bei dem Genossen Langner, Pankstr. 32d, aus. Der Vorstand. Paul Liere. Julius Langner. 105/14 Dcntschlands. Vcrwaltiingssfclle Berlin nnd IJnigcgend. Sonntag, de» 18. Februar, nachmittags 4 Uhr, bei Voigt, Ritterftr. 75: Wff" Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Beratung über die Anträge zu der General- versanmünng in Mannheim. 2.' Verschiedenes. 3. Fragekasten. 4. Aus- nähme neuer Mitglieder. 138/6 Die Ortsverwaltung. Zweigverein Berlin, Sektion 1(Brauer). Geschäftsstelle Berlind. 54, Linienstr. 19 I. Fernspr. VII, 2340. Sonntag, den 18. Februar, nachm. 2i;2 Uhr. im Gewerkschaftshause, Engel-User 15(Saal IJ: |g: Vereins�lfersammlung. � Tages-Ordnung: 41/4 1. Vhrlrag des Verbandsvorsitzcnden Kall. Georg Bauer-Sannvver über: Die Gewerkschastsvewegtuig im allgemeinen und die der Brauerei- arbeiter im besonderen. 2. Innere Bereinsan�clegenheiten. 3. Verschiedenes. pünktliches Erscheinen wird erwartet. Zahlreiches und Der Borstand. Achtung! Achtung! Zentral-Kranken- und Sterbekasse derlischler und anderer gewerblicher Arbeiter.®i"Ne�:f(|"mS.tn''c Unserem Zahlkudiker 276M Richard I-ehniann zum 34. Geburtstage ein donnerndes Hoch! Die Genossen des 147. Bezirks. " Dicker, haste hell oder dunkel? Unserem Parteigenossen Albert Hinz zum 38. Wiegenfeste ritt dmschts Hsth! 27786 Der 506. Bezirk. Berlin G. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß die Zahlstelle von Baberschkc, Petersburgerstraße 81, nach der Straffmannstrasie 29 bei Bett verlegt worden ist. Die Ortsverwaltung. lleulgeder Luedblrtllör-VerwllH. Zahlstelle Berlin. Am 14. Februar verstarb nach langem Leiden unser langjähriges Mitglied, der Buchbinder Ml« Eggert im 33. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 17. d. M., nachm. 2 Uhr, in Fricdrichsselde aus dem Gemcindesriedhof statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verhanö Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Ernst Kost am 15. Februar verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am g Sonntag, den 18. Februar, nachmittags um 4 Uhr, von der Leichenhalle des Friedens-Kirch- Hofes in Nieder- schönhause» (Nordend) statt. Um rege Beteiligung ersucht 80/13 Oie Ortsverwaltung. Hisarlieiter Deutsehlamis. Bezirk Friedrichsberg. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege EM Schrinner am 15. Februar verstorben ist. �Die Beerdigung sindet ami Sonntag, den 18. d. M., nach- mittags 1*1, Ubr, vom Trauerhause Scharnwcberstraße 73 aus statt. 32/18 j Um rege Beteiligung ersucht Der Zweigvereinsvorstand. Tanzlehrer- Verein „Solidarität"(geir.lü). Todes-Anzelge. ilermit die traurige Nachricht, daß unser aiteS treues Mitglied Karl Maer im Alier von 45 Jahren ge- sterben ist. 200/t Wir werden ihm dauernd ein ehrendes Andenken bewahren. Der Verstand. I. A.: Richard Heinrich, Bors. Donnerstag früh 3 Uhr enl schlief sanft nach langen schweren Leiden mein lieber Man» nnd der Nestau- 2768b herzensguter Vater, rateur Wilhelm Seefeld im Alter von 53 Jahren. Dies zeigen ticfbetrübt an Wwo. Berta Seefeld geb. Marzahn nebst Sohn. Berlin, den 15. Februar 1906. Sorauerstr. 4. A Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. Februar, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhau/e nach dem Elnmaus-Kirchhos statt, Am Donnerstag, nachts 2 Uhr, cnlsdilies sanft nach kurzem, aber gualvollem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, der Tanzlehrer 2763b Karl Maer im 44. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Mon- tag, den 19. Febr., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des alten Jakobi-Kirchhoscs, Rixdors, Ber- Imerslraße, aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Alten lieben Bekannten, Kollegen I und Parteigenossen die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Danline am 14. d, M. an Herzlähmung verstorben ist Um stilles Beileid bitten Karl Bindseil, 2762b Schriftsetzer, _ nebst Kindern._ Dr. Simmel, Spczialarzl für 29/14« Haut- und Harnleiden. 10—2,5—7. Sonntag» 10—12, 2—4 „Pracht-Säle des Ostens� GaM cranz) Frankfurter Allee 151/152 ist, da auch die neuerdings am 14. Februar stattgesundenen Verhandlungen, an welchen der Vorstand deS Zentral-WahlveretnS und der Ausschiif, der Berliner Gewerkschaftskommission beteiligt waren, zu keiner Einigung sührten, 238/4" für organisierte Gastwirtsgehülfen gesperrt. Wir ersuchen alle Vorstände und Komitees, soweit sie l"*-'* bei Herrn Cranz Versammlungen und Vergnügungen abgemacht haben, uns gefl. ihre Adressen anzugeben, damit wir in der Lage sind, über die Ursachen der Sperre die notwendige Auf- llärung zu geben. Eine Hark wöchentl. Teilzahlung hefere alsgante. fertig« Kerren-Htoden., Ersatz für UlaB. 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Sharpe Rundschleismaschine arbeiten kann, wird verlangt. öölIinöll'sSri8ion,"�7°aRMd. Kürschner! Die Werkstatt deS Hoftürschner- meifters Hart Salbach, Unter den Linden K7, ist wegen Maß- regelung sämtlicher organisierten Kollegen und Kolleginnen gesperrt. Zuzug ist streng fernzuhalten! Der Vorstand des Deutschen KürschnerverdaudeS. Zahlstelle Berlin. Der Borstand des Verbandes der Kürschner Berlins und Umgegend. 102/3 Hauswart zum 1. Marz Fünf Ausgänge. Wohnung und vier zehn Mark monatlich. Ondcnarder straße 37 I. 2740b Rentenempfängertn. trete sssoip nung, verlangt, Soldm erstraße 106. Schmach. t97 TO« Mamsells aus Paletots. Futter. röcke, Sportröcke, in lmd außen» Sause, verlangt Wichert, Rhinomer. straße 12. Ecke Gletmsiraße.+55» Junge Mädchen, welche im Rechnen geübl smd.persosortgesucht. Meldungen mit Handschrislprobe 1—2 oder 8—9 Uhr. A. Jandor1u.Co.,Belle-Alliance. straße 1/2._ 1264St« Zst« ArdettSinartt durch besaaderen Druck herborgehode», An zeige» tosten 40 Bf. p», Zelle. 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Aus der Liste der taristreuen Geschäfte sind gestrichen worden: It. Filebniun», Kaiser Wilhclmstr. 16. Außerdem sind nicht tariftreu: Berlagsdrnckeret„Merkur", Köpenickerstr. 43/49; A. n. Brodarjs, Ritterstr. 7s. Fischer, Zehiendors. Verbandsmitglieder haben in diesen Geschästen nicht anzufangen. VorKonditionsannahme in derBuchdruckereilkrlngäle Fahrenkolz! haben unsere Mitglieder Erkiliidigimgen ans dem Vereinsbureau, Ritter- slraße 88, einzuziehen, da die Firma sortgeietzt BerbandSmitglieder maßregelt. el, tV,, Speuerstraffe 4, ist zur Zufriedenheit beider Teile erledigt. 36/6 Der Gauvorftand. veulzever Uoiisrdetter- Vsrvsllll. Wegen Streik und Differenzen ist ZllsUls fttllsllhslttN vonBilderrahmenmachern, Kreis- sägeuschueidern und Tischlern von der Firma Beck u. Co., Reander- straße 4, und Schlesischestr. 42; von Treppengeländer- Arbeitern (Drechsler, Tischler, Stellmacher, Polierer, Alaschinenarbeiter und Bildhauer) von der Treppengeländer» sabrik Joseph Drechsler, Gubener- straße 33; von Drechslern von Panitsch, Brunnenstr. 79; von Korbmacher» von Stnorr, Friedrichsberg, Franks, Chaussee 127; von Perlmuttarbeitern, Horn- u. Hülfsarbettern von der Firma Abramowski u. Steiner, Köpenickcr« straße 33; von Ginsetzern vom Bau Gerhardt in Halensee,-schweidnitzerstr. 6 und 7, und Bau Kramer, Croffenersw. 27 und Tischlern von Ebers Möbel- tischleret. Manteuffclswaße 22, mid von Parkettbodenlegern vom Bau Schossow, Giescbrcchtstr. 12. l>ic Ortsverwaltnng;. Achtung! Achtung! Kauhandwerker! Seit Donnerstag, den 1. d. MiS., befinden sich die Fliesenleger des Maurerverbandes in einer Lohn- bewegung. 137/17 Sämtliche Bauten folgender Firmen sind gesperrt: R. Schäffer, Warnebold u. Rasse, Schmalisch u. Below, Fromm u. Hann», S! nrsch, Lehmann. A. Pick, Gohtte. Nofenfeld, Ende, Billeroy u. Boch, C. Rebolofsky, Perm» n. Co., Gebr. Bogel. Llutvug Ast rcrnauhaltci»! Wir ersuchen die Bauhandwerker um strenge Beachtung obiger Sperr- notiz. Die Firmen: F. Keller, F. Pflüger, M. Zander, I. DSscher, Bilski, . Schasfran, Kublauk. Körner, Zolf, Werber, Ramiu haben unsere Forderungen unterschristltch anerkannt. Die bei diesen Firmen arbeitenden Fliesenleger müssen sich durch eine gelbe Arbeitskarte aus- weisen. ?öi!t!'slvei'hk!!!!j ßöi' Maw. Für die Stroiklertung: I. II: Felix Brciske.. Partei-Hngclegcnheitcn. Steglitz. Heute, Sonnabend, abends 9 Uhr, Mitglieder-Ver- jammlung des Wahlvereins bei Schellbase. Tagesordnung: 1. Auf- nähme neuer Mitglieder. 2. Aufstellung der Kandidaten zur Vemeindewahl. 3. Abrechnung vom Kunstabend. Reger Besuch wird uw artet. Friedenau. Sonntag früh 8 Uhr wollen sich die Genosien recht zahlreich zur Flugblattverbreitung einfinden. Mahlsdorf. Sonntag, den 18. Februar, nachmittags 5 Uhr, indet im Lokal von Wernecke, Hönowerstr. 6, eine Volksversammlung tatt. Schriftsteller Adolf Stern wird über„Christentum und Wahrheit" .eferieren. Nieder-Schönhausen. Der Wahlverein veranstaltet heute abend a Stephans Lindengarten, Lindenstr. 43, sein Winterfest. freunde und Bekannte find hiermit eingeladen. Da weder Mühe loch Kosten gescheut wurden, wird auf guten Besuch des Festes ,«rechnet. Dus Komitee. Zehlendorf. Eine Flugblattverireitnng findet am Somttag früh «om Lokal Mickley, Potsdamerstr. 2S, aus statt. Da mit diesem Flugblatt der diesjährige Gemeindewahlkampf von unserer Seite er- iffnet wird, so ist es Pflicht aller Parteigenossen, pünktlich um 7 Uhr n oben genanntem Lokal anzutreten. Vorort- I�ackrickten. Charlottendurg. Neuerung auf dem Gebiete der elektrischen Beleuchtung. Von Sem städtischen Elektrizitätswerk werden gegenwärtig Verfitche bei oer Stratzenbeleuchtung angestellt, die darauf abzielen, ein helleres and ruhigeres Licht zu erlangen. Die Versuche geschehen nicht wie sonst üblich mit Drehstrom, sondern mit Gleichstrom, und zwar mit sehr hoher Spannung. Zu diesem Zweck sind seit Mittwoch abend sechs Lampen auf der Strecke des Kursürftendammes zwischen JoachimStbalerstratze und Fasanenstratze aufgehängt, die so hell brennen, daß fast das Tageslicht ersetzt wird. Der Strom wird vorläufig von der Straßenbahn genommen. Sollte sich die Anlage weiter wie biSber bewähren, so werden zukünftig alle Lampen auf dem Kurfürstenoamm mit Gleichstrom gespeist werden, der von der Zentrale»der einer der Unterstationen geliefert wird. Lichtenberg. Die hiesigen Grundbesitzer vor der Ringbahn haben den sehnlichsten Wunsch, den westlichen Ortsteil von der Gemeinde abzu« trennen und Berlin einzuverleiben. Bietet fich irgendwie Gelegen- heit, für diese LieblingSidee zu wirken, so find diese Herren auf dem Plan. Eine solche Gelegenheit wurde in der letzten Sitzung der Ge- nieindevertretung von dem„geistigen Nährvater" der Grundbesitzer- vereine beim Schöpfe gefaßt und dem Gemeindevorsteher begreiflich zu machen versucht, daß die Einwohnerschaft alias Grundbesitzer des OrtSteilS vor der Ringbahn ein großes Interesse daran haben, alle außerordentlichen Ausgaben, die die Gemeinde macht, von dem Gesichtspunkt der Einverleibung des 25 000 Seelen zählenden westlichen Ortsteils in Berlin zu prüfen. Die im westlichen Ortsteil wohnenden Gemeindeverordneten(Grund- befitzer, würden in einer der nächste» Sitzungen einen Antrag ein- bringen, der die Gemeindevertretung zwinge, klipp und klar Stellung zu nehmen und Farbe zu bekennen. Gleichzeitig wurde von dem- selben Herrn der Gemeindevorsteher ersucht, nun vom Minister endlich auf den vor Jahr und Tag gestellten Antrag um Verleihung der Stadtrechte eine Antwort zu verlangen. Daß diese schwebenden Fragen nur den Vorwand abgeben müssen, die Inangriffnahme der ichon lauge als notwendig anerkannten Einrichtungen hintenan zu halten, ergibt sich aus der Jnteressenpolitik unserer„Herren vom Besitz" von selbst. ES läge wirklich im Interesse der Gemeinde, wenn durch eine klare Antwort deS Ministers dem Ränkefpiel endlich ein Ende gemacht würde. Rummelsburg. Aus der Gemeindevertretung. Die fortschreitende Erweiterung deS Realgymnasiums macht auf dem Gebiete der Naturwissenschaft die Gründung einer neuen Oberlehrerstelle notwendig. Die Gründung wird beschlossen. Die Turnhalle in der Prinz Albertstraße soll eine Vergrößerung erfahren, die hierfür veranschlagten Kosten von l3 000 Mark werden bewilligt. Eine längere Debatte zeitigte die Neupflasterung der Markt- und Sadowastraße, da in diesen beiden Straßen, welche zugleich den größten Fuhrverkehr haben, die drei höheren Schulen, Gymnasium. Mittelschule, höhere Töchterschule, sowie die katholische Schule und eine vierundzwanzigklassige Bollsschule in Kürze erbaut werden sollen: da außerdem noch das neue Rathaus hier seinen Platz finden wird, so mutz auf ein möglichst geräuschloses Pflaster Bedacht genommen werden. In Vorschlag werden Asphalt, Granit, Schlackensteine l. Güte und Zementpflaster gebracht. Recht komisch berührte der Antrag des Beigeordneten Assessor Köhler, dre beiden Straßen teilweise mit Asphalt und Granit zu pflastern. Be- schlössen wird Schlackensteinepflaster I- Güte zu nehmen. Kostenpunkt 65 000 M. Das außerordentliche schnelle Wachs- tum der Bevölkerungszahl von Voxhagen-Nummelsburg und Ober- Schöneweide sowte das Aufblühen der in beiden Gemeinden betriebenen induswiellen Unternehmungen macht eine» weitreichenden Ausbau des zurzeit an der Grenze der Leistungs- fähigkeit stehenden Gemeindewasseriverks notwendig. Nach dem vor- gelegten Entwurf soll die Erweiterung des Wasserwerks so vorgenommen werden, daß es noch bei einer Bevölkerungszahl von 120 000— es sind für Boxhagen-Rummelsburg 95 000, zurzeit Z5 000 und für Ober-Schöneweide 25 000 Einwohner gerechnet— genügend Wasser liefern kann. Der Kostenvoranschlag hierfür beläuft sich auf 525 000 Mark, welche Summe durch eine Anleihe gedeckt werden soll. Die Genehmigung erfolgt einstimmig. Um dem in der letzten Sitzung bom Bürger- ineister ausgesprochenen Wunsche, die Verleihung der Stadtrechte bei der Regierung zu beantragen, näher zu lommen, beschließt die Ge- ineindevertretung, eine Konimission von neun Vertretern für die Vorberatuug und zur Ausarbeitung einer Denkschrift zur Stadt- toerdungsfrage zu wählen. Von unserer Partei gehören die Genossen Ritter und Teiiipel dieser Kommission an. Tegel. Ein schwerer BetriedSunfall ereignete sich gestern in der vorsigschen Fabrik in Tegel. Dort war der 33 Jahre alte Schlosser Nagel damit beschäftigt, in eine auf einem Bock ruhende Lokomotiv- achse den Kurbelzapsen einzupressen. Die Presse erfaßte jedoch statt des Zapfens die Achse und schob diese von ihrem Lager. Das etwa zehn Zentner schwere Eisenstück stürzte infolgedessen auf den Boden und traf N. derartig, daß ihm beide Ober- und Unterschenkel stark gequetscht wurden. Der Verunglückte erhielt durch die Fabrik-Unfall- station einen Notverband, der jedoch infolge der fortschreitenden Schwellung der verletzten Gliedmaßen gesprengt wurde. Der Schlosser mußte nach einem Krankenhause übergeführt werden. Köpenick. Menschenleben in Gefahr! Dieser Alarmruf brachte in der ver- gangenen Nacht bald ganz Köpenick auf die Beine. Dicht am Bahn- Hof wütete em gewaltiger Dachstuhlbraud. Auf bisher noch nicht ermiltelte Ursache war auf dem Boden des dem Bäckermeister Rötzler in der Bahnhofstr. 2 gehörigen Hauses Feuer ausgebrochen. Das ver heerende Element hatte sich mil einer solchen Schnelligkeit verbreitet, daß zwei in der Dachkammer schlafende Bäckergesellen in größter Lebens- gefahr schwebten. Der Rückweg war den Bedrohten fast vollständig abgeschnitten. Wollten die beiden ihr Leben retten, so mußten sie an der Außenseite des Hauses von Etage zu Etage klettern Nur mit dem Hemde bekleidet, unternahmen sie das gefährliche Wagnis und es glückte ihnen auch. Als sie unten angekommen waren, bemerkte der eine der Gesellen, daß er in der Kammer sein Portemonnaie mit 35 M. hatte liegen lassen Schnell eilte der Leichtsinnige noch einmal die Treppe hinauf. Ver- geblich wartete man jedoch auf seine Rückkehr. Ein Feuerwehrmann, welcher mit dem Rauchschutzhelm angetan vordrang, fand den jungen Mann besinnungslos ans der Treppe vor. Durch Anwendung des Sauerstoffapparates wurde der Erkrankte wieder ins Leben zurück- gerufen. Auf den gewaltigen Feuerschein hin waren außer der Köpeuicker Wehr die Löschmanuschasten aus sämtlichen Orten der Umgebung herbeigeeilt. Der Dachstuhl war jedoch nicht mehr zu retten; er lvurde ein Raub der Flammen. Der entstandene Schaden ist bedeutend. Oranienburg. Das rätselhafte Verschwinden des 13jährigen Schülers Löffler aus Oranienburg hat nunmehr seine Aufklärung gefunden. Die Befürchtung, daß der Knabe das Opfer eines Verbrechens geworden sein könnte, hat sich danach erfreulicherweise nicht bestätigt. Der Bursche ist von einer„unüberwindlichen Reiselust" befallen worden und aus diesem Grunde zu Verwandten nach Breslau gefahren, die erst durch die Bekanntmachung in den Zeitungen davon erfuhren, daß der Knabe heimlich den Besuch abgestattet hatte. Groft- Lichterfelde. Der sozialdemokratische Wahlverein Groß-Lichterfelde-Lankwitz hielt am Mittwoch seine sehr gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Der für den Bortrag über Heinrich Heine ausersehene Referent war leider om Erscheinen verhindert und übernahm es an dessen Stelle Genosse Eisner, der Versammlung in großen Zügen das Lebensbild des volkstümlichen und beliebten Dichters vor Augen zu führen. Einige Rezitationen aus den poetischen Schätzen Heines wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Auf Beschluß der Ver- sammlung findet nunmehr jeden Monat auch in Lankwitz eine Versammlung des Wahlvereins statt. Dadurch sollen die Partei- genossen dieses Ortes mehr herangezogen und auch eine eiftigere Propaganda für die politische Orgamsatioii entwickelt werden. Für die im März stattfiiideuden Kommunalwahlen wurden als Kandidaten nominiert für Llchterfelde-Ost: Genosse Eisner, für Lichterfelde-West: S enst und Wenzel, für Lank- witz: Boxheime r. Zur Kreis- Generalversammlung wurden delegiert: EiSner, Schindler und Wenzel. R a d e ck e sprach sodann über die bekannte„Borussia"-Angelegen heit und bedauerte, daß die Fraktion nicht in genügender Stärke vertreten getvesen sei, um ihre eigene Interpellation gcschäfts- ordnungsmäßig zur Verhandlung bringen zu köinieu. In ähnlichem Sinne sprach sich Genosse Wenzel aus, während E i s n e r hervor- hob, daß lediglich ein— allerdings grobes— Versehen insofern vorlag, als die Abgeordneten nicht telegraphisch gerufen wurden.— 79 Genossen meldeten sich zur Ausnahme in den Wahlverein. Nowawcc Die am Mittwoch abgehaltene Gemeindevertretersitzung in Nowawes beschäftigte sich nach Genehmigung einiger unwesentlicher Etats- Überschreitungen mit den Wahlen zu den Karialisatiouskommissionen In die Kommission, welche mit den Neuendorfern Vertretern über die mit dieser Gemeinde genieinsam auszuführenden Anlagen und Bauten zu beschließen hat, wurden der Gemeindevorsteher, Schöffe Richter, sowie die Gemelndevertreter Nathan, Hauicke und Gruhl(Soz.) delegiert. Die Koimnissiou, welche die Arbeiten für die Kanalisation in NowaweS zu bewältigen hat, wurde durch die Wahl der Herren Mieleuz und Gorgas verstärkt.— Durch die früher beschlossene Vermehrung der Schöffen von vier auf fünf war eine Neuwahl notwendig geworden. Die bürgerlicheu Vertreter vereinigten mit einer Ausnahme ihre Stimmen aus Herrn Gemeindevertreter Nathan, die Sozialdemo- traten gaben weiße Zettel ab.— Ferner lag noch ein Antrag vor. den Schultindem aus Anlaß des oiesjährigen Silberhochzeitstages des Kaiscrpaares eine Büchcrspende zu überweisen. Dieser Antrag basierte auf einem dringenden Gesuche des Ministers an den Ge- rneindevorstaild. Namens der sozialdemokratischen Vertreter gab Genosse Gruhl die Erklärung ab, daß diese eine solche Forderung rundweg ablehnen. Natürlich ließen sich unsere bürgerlichen Ver- treter diese Gelegenheit, auf Kosten der Gemeinde ihren'Patriotismns leuchten zu lassen, nicht entgehen und bewilligten zu diesem Zwecke 200 Mark. Tempelhof. Der Kampf um den drittklassigen Gemeindevertretersitz hat be- gönnen. Nachdem am Montag von unseren Genossen ca. 2000 Flug- blätter verbreitet worden sind, wurde am Mittwoch, den 14. Februar bei Noack eine öffentliche Wählerversammlung abgehalten, die von ca. 120 Personen, also relativ gut besucht war. Der vorgesehene Referent, Genoffe Hoffniann-Treptow war nicht erschienen, es ging aber auch sehr gut ohne ihn. Zuerst sprach Genosse Thiel über die Veranlassung, die uns an dem Wahlkampf teilnehmen läßt. Dann entwickelte der Kandidat der Sozialdemokratie, Genosse Klempnermeister Max Schmidt sein Programm und legte dar, für welche Forderungen er im Falle seiner Wahl zunächst eintreten würde. An der' Debatte beteiligten sich die Genossen Jänle, Frmitz und Küter, welche über die Tempelhofer Schulverhältnisse und über die Behandlung der von sozialdemo- iratijcher Seite gestellten Anträge durch die jetzige Gemeindevertretung sprachen, sowie ferner der Genosse Bussas, welcher die Äurzsichligkeit unserer Gemeindevertretung bezüglich des Parks und der anderen Erbolungsplätze geißelte. 10 Minuten nach Eintritt der Polizeistunde wurde die Versammlung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Der Gendarm hatte wieder den Auftrag, die Versammlung um 10 Uhr, trotz der Mietung des Lokals durch den Vorsitzenden, zur Auflösung zu bringen. Steglitz. Ueber die bevorstehenden Gcmeindewahleu referierte am Mitt- wochabend Genosse Lembach in einer stark besuchten Versammlung. Nach einer Erläuterung und Kritik des Gemeindewahlrechts führte der Redner den Anwesenden vor Augen, welche Interessen der Arbeiterschaft bei den Gemeindewahlen auf dem Spiele stehen, zeigte an der Hand der Beschlüsse der jetzigen Gemeindevertretung, daß es die herrschende Grundbesitzerpartei sehr gut versteht, ihre Interessen zu wahren, und folgerte daraus, daß auch in der Gemeindevertretung die Interessen der Minderbemittelten nur durch die Sozialdemokratie wirksam wahrgenommen werden können. Mit einem Appell an die Versammelten, die kurze Zeit, die uns noch von der Wahl trennt, zu intensiver Agitation zu benutzen, den Wahlausschuß kräftig zn unterstützen und am Tage der Wahl(5. März) ihre Schuldigkeit zu tun, schloß der Redner unter dem Beifall der Zuhörer.— An der Aussprache beteiligten sich eine ganze Anzahl Genossen. Der Vorsitzende, Genosse Krause, gab bekannt, daß am Sonnabend, den 17. Februar, bei Schellhase eine außerordentliche Versammlung deS Wahlvereins stattfinde, in der die Kandidatenaufstellung vorgenommen werde. Er bittet um zahlreichen Besuch.— Einige Mitteilungen aus der Diskussion verdienen der weiteren Oeffentlichkeit bekannt zu werden. Ein Genosse führte aus, daß der Flottenverein Frauen angestellt habe, welche gegen ein Entgelt von 4 Pf. pro Na in en Unterschristen für die berüchtigte Resolution sammeln müssen. Von anderer Seite wurde berichtet, daß der M i e t e r V e r e i u schon seit langem ein ähnliches Verfahren übe, indem er Agenten zum Mitgliederwerben gegen eine Gebühr von 25 Pf. pro geangeltes Mitglied angestellt habe. Auch die staatsretterische Tätigkeit des Rektors He in icke in der hiesigen Fortbildungsschule wurde in das rechte Licht gerückt. Diesem Herrn ist der aufstrebende Lehr- l i n g s v e r e i n ein Dorn im Auge und er sucht seine Schüler zum Austritt zu bewegen, allerdings erfolglos. Dem Rektor wurde enipsohlen, seinen Tatendrang auf die Verbesserung des Unterrichts zu verwenden.— Ein anderer Genoffe konnte noch mitteilen, daß sich unsere Gemeindebehörde am„Roten Sonntag" in be- sondere Unkosten gestürzt habe. Die zum Sicherheitsdienst heran- gezogenen Nachwächter usw. wurden mittags im Ratskeller mit Gänsebraten regaliert. Wie man sich erzählt, wünschen sich die Be- treffenden öfter einen„roten" Sonntag, der ihnen zu solch opulentem Mahle verhalf, das sie sich bei den niedrigen Gehältern sonst nicht leisten können.— Wer die Kosten bezahlt hat, konnte niemand beantworten. Karlshorst. Der Arbciter-Gcsangverein„Waldesrauschen"(M. d. A.-S.-B.) hält am 17. Februar seinen Maskenball in dem renovierten Lokal von Kupsch(„Waldschänke") ab und bittet um Unterstützung der Parteigenossen. Herzfelde. Eine öffentliche Kommunalwählerversammlung fand hier am 11. Februar statt, in der die beiden Gemeindevertreter Otto Schröder und Stoff über ihre Tätigkeit berichteten. Sie bemerkten, daß hier ein ElekrrizitätSwerk errichtet werden solle, das ihrer Ansicht nach viel zu kostspielig sei und sich nicht genügend rentieren würde. Biel notwendiger sei der Bau einer neuen Schule, aber da heiße es, es sei kein Geld da. Wie traurig es mit unseren Schulverhältnissen bestellt sei, beweise die Talsache, daß selbst die Regierung von der Gemeinde die Anstellung zweier neuen Lehrkräfte gefordert habe. Sieben Lehrer unterrichten 560 Kinder, es kommen also auf einen Lehrer 80 Kinder. Trotzdem hatte ein Vertreter der ersten Klasse den Mut zu sagen, das seidoch nicht viel. Die beiden gefordertcnLehrkräfte wurden einfach abgelehnt. Der Gemeindevorsteher wurde beauftragt, bei der Regierung nochmals anzuftagen, ob die Anstellung durchaus notwendig wäre und ob männliches oder weibliches Lchrpersoual eingestellt werden solle. Und das nennt sich Selbstverwaltung! Ferner war die Gemeinde von der Gesundheitskommission aufgefordert worden, die Schulräume zweimal in der Woche naß auf- zuwischen und alle Tage zu kehren. Gibt's nicht, kostet zu viel Geld. Ztveimal in der Woche ist genug. Als die Herren noch unter sich waren, fanden die Sitzungen um 3 Uhr statt, seit unsere Genossen aber diesen trauten Zirkel stören, werden die Sitzungen um fünf Uhr anberaumt. Auf den Antrag unserer Genossen, die Sitzung um 8 Uhr anzufangen, erwiderte der Gemeindevorsteher, daß er nach reiflicher Uebcrlegung die Sitzung auf 5 Uhr anberaumt habe, seine Gründe zu sagen habe er nicht nötig. In der Diskussion meldete sich ein Kaufmann Schley, ein Vertreter der dritten Klasse, der aber zum Frühjahr ausscheidet. Der Herr gab die Kritik unserer Genosien als berechtigt zu, brachte sich aber dabei in empfehlende Erinnerung. Er bedauerte, von unserem Genossen Gründler au- gegriffen zu werden. Die Politik wollte er aus der Gemeinde- Vertretung entfernt wissen. Der vorgerückten Stunde wegen kam cS noch nicht zur Aufstellung eines Kandidaten, in einer spateren Vor- ammlung soll diese vorgenommen Iverden. Königs- Wusterhausen. Im sozialdemokratischen Wahlverein referierte am Sonntag, den 11. Februar, im Hermannschen Lokale in Niederlehme Genosse B ö s k e- Rixdorf über die Bedeutung und Zusammensetzung der Parteien im deutschen Reichstag. In der Diskussion nahm Genosse wrnig auf die Interpellation betreffend das Grubenunglück auf der cche„Borussia" Bezug und wünschte Auskunft über die be- remdende Talsache, daß so wenig Abgeordnete anwesend waren, daß die Interpellation am ersten Tage nicht zur Verhandlung kommen konnte. Genosse Lorenz kam auf den Fall Schippe! zu sprechen und meinte, daß eS so kommen mußte, daran seien einzelne Parteigenossen schuld; ein Vertrauensvotum hätte auch er als Wähler des 16. sächsischen Wahlkreises Schippel nicht ausgestellt. Genoffe Kaiser rügt auch, daß die Fraktion nur durch 15 Mitglieder vertreten gewesen sei, als die Unterstützungsfrage für Beratung der Interpellation gestellt wurde, während Genosse Gebhardt betont, daß die Sache nicht so schlimm sei. Die Interpellation sei doch zur Ver- Handlung gekommen. Die Reden BömelburgS und HneS hätten so vielleicht noch mehr nach außen gewirkt. Genosse BvSke meint, daß wir von unseren Abgeordneten eine Antwort verlangen und auch erhalten würden, aber mau solle nicht vorher urteilen, ehe man die Umstände kenne. Uebrigevs hätten unsere Abgeordneten auch in den Kommissionen und Gewerkschaften tätig zu fem. auch habe eiue Ber« schiebung der Tagesordnung stattgefunden. Ivurde Genosse Bauinann gelvählt. Ms ZeitungSspeditelir Johannisthal. Am Dienstag, den 13. Februar, kielt der Wahlverein eine gut besuchte Versammlung im Lindeiihos ab, in der G-nosie Schriftsteller Stern über Christentum und Wahrheit sprach. Der mit reichein Beifall aufgenvnimene Vortrag klang dahin aus, sich frei zu machen von allem religiösen Glauben und Merglauben, sich einer freien modernen Weltaiischauung anzuschliehen und mit der Kirche zu brechen. Der Vorsitzende Genosse Diesner brachte folgende Resolution ein, welche einstimmig angenommen wurde: Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und ist der� Meinung, daß der Protest gegen das vorbereitete Schul- verpfaffungs-Gesetz und für die Trennung der Kirche vom Staat der Massenaustritt aus der Landeskirche sei. Der Vorstand wird beauftragt, eine dahingehende Agitation zu entfalten und erwartet von allen Genossen, daß sie sich dem Protest anschließen. Dann kritisierte Genosse Diesner. daß der Nachtwächter des Ortes am 2t. Januar im Nachbarorte zum Schutze des Staates verwandt wurde, auch die Illumination des Schulhauses am 27. Januar war Gegenstand der Kritik. Die Gemeindevertreter Mteu in der letzten Sitzung in dieser Sache den Vorsteher inter- .'elliert, aber ohne besondere Erklärung darüber zu erhalten. Die Lersanrmelten nehmen einen Beschluß an, daß unsere Vertreter noch 'inmal im Dorfparlament energisch gegen eine derartige Ver- vendung der Steuergroschen protestieren sollen. Zum Kandidaten >ur Gemeindevertretung stellte die Versammlung den Genossen Dühring wiederuni auf. berliner I�admcKten. Großstadtelend. Die kapitalistische Gesellschaftsform zeitigt Zustände, die geradezu an Wahnsinn grenzen. Auf der einen Seite werden immer größere Reichtümer aufgehäuft, während auf der anderen Seite Tausende und Abertausende am Hungertuche nagen müssen und im Elend verkommen. Während unsere Bourgeoisie sich in ihren weichen Betten wälzt in Sorge, in welcher Weise der Luxus und der Genuß noch gesteigert werden können, und alles daran setzt, um auf diesem Gebiete die Bourgeoisie anderer Länder zu überbieten, wissen Tausende nicht, wo sie etwas zu essen hernehmen, wo sie für eine Nacht ihr Haupt hinlegen sollen. Wir reproduzierten dieser Tage ein Bild von dem Luxus und der Genußsucht der Bourgeoisie, heute möchten wir die Kehrseite dieses Bildes zeigen. Einen kleinen Einblick in das Massenelend der Großstadt gibt uns der Jahresbericht des Asylvereins für Obdachlose. Es wird da berichtet, daß dieser Berein in den 37 Jahren seines Be- stehens 5 630 021 obdachlosen Personen Unterkunft gewährt hat. Zugleich lvurden diesen Armen Abend- und Morgen- inahlzeit, auch Bäder verabreicht. Allein im abgelaufenen Jahre nächtigten in den Anstalten dieses Vereins(Männer- ashl in der Wiesenstraße und Frauenasyf in der Füsilierstraße) 309 359 Personen, darunter 253 641 Meinner, 55453 Frauen und Kinder und 265 Säuglinge. Welches namenlose Elend spricht aus diesen trockenen Zahlen! Und dabei zeigt sich bei näherem Nachsehen, daß sich die größte Zahl dieser Arinen und Elenden in den besten Jahren befindet. Beim männlichen Geschlecht hatten die kräftigsten Altersstrifen von 20 bis 40 Jahren, bei den Frauen die Altersklassen 40 bis 60 Jahren die höchsten Frequeirzziffern aufzurveisen. Wie bei uns für Leute„bis ins höchste Alter hinein" gesorgt ist, ivird durch die Tatsache charakterisiert, daß 777 Greisinnen ini Alter zwischen 70 und 30 Jahren das Obdach aufsuchen mußten. Wohl- gemerkt, wir reden hier nur von der Anstalt des Asyl- Vereins für Obdachlose. Die Unterkunftsuchenden im städtischen Obdach in der Fröbelstraße bleiben hier außer An- xechnung. Der Verein ist jetzt genötigt, das in der Füsilier- slraße befindliche Frauenasyl durch die in Angriff genommene Niederlegung des Schennenviertels aufzugeben und ein neues Heim zu schaffen. Das neue Frauenasyl wird aus dem zwischen dem Männerasyl und der Panke belegenen Hinter- lande errichtet. Einen lvelteren Beitrag zu dem Großstadtelend liefert uns der folgende statistische Bericht: Im Monat Dezember 1905 wurde» in Berlin 1468 Personen wegen Bettelei ergriffen und an die Polizeirevierbureaus eingeliefert. Darunter befanden sich 1387 Männer, 67 Frauen und 14 Kinder. Von den Arretierten wurden 853 zur Haft eingeliefert, 382 entlassen und angezeigt und 223 verlvarnt und entlassen. Beim Amtsgericht I(Alexandcrplatz) wurden verurteilt: wegen Bettelei 668 Personen(653 Männer, 13 Frauen); »vegen Obdachlosigkeit 500(486 Männer, 14 Frauen); wegen sittenpolizeilicher Kontravention 523 weibliche Personen. Wieviel Personen außerdem wegen derselben„Vergehen" von der Abteilung des Amtsgerichts in Moabit verurteilt wurden, darüber liegen keine Zahlen vor. Eine Gesellschaftsordnung, die derartige Zustände zeitigt, ist des Unterganges wert. Die organisierte Arbeiterklasse hat dieser„Ordnung", die in Wirklichkeit die größte Unordnung ist, die Fehde geschworen, sie wird nicht eher rasten, bis sie ihr Ziel erreicht und das Bollwerk der kapitalistischen Gesell- schast niedergeworfen hat. Tie Frequenz der Berliner Pflicht-Fortbildnngsschule ist in diesem Winterhalbjahr, nach dem Stand vom November, auf 7639 gestiegen. Diese Zahl verteilt sich auf v i e r F o r t- b i ld u n g s s ch u l kr e i s e. Es kommen 2022 auf den ersten Schulkreis(Nordwesten, Westen, Südwesten), 2561 auf den zweiten Schulkreis(Süden, Südosten, Osten), 1401 auf den dritten Schulkreis(Zentrum, Nordosten), 1653 auf den vierten Schulkreis(Norden). Die gewerblichen Gruppen sind naturgemäß sehr ungleich beteiligt. Die stärkste Gruppe bilden die„Ge- iverblichen Arbeiter"(ohne nähere Angabe), von denen in den vier Schulen samt Filialen allein 2227 gezählt wurden. Tan» folgen die Gruppen„Metallarbeiter" mit 1730 Schülern,„Kauflmte" mit 1127,„Klinstgewerbler" mit 970, „Bauhandwerker" mit 960. Am schwächsten sind die Gruppen „Nahrnngsmittclgewerbler" mit nur 262 Schülern,„Be- tleidungsgetverbler" mit 216,„Barbiere, Friseure usw." mit 145. Hierbei ist zu beachten, daß für manche Gewerbe die Fachschule als Ersatz der Pflicht-FortbildnngSschule gilt, so daß die Lehrlinge dieser Gewerbe für die Pflicht-Fortbildungs- schule wenig oder gar nicht in Betracht kommen. In den ein- zeknen Schulkreisen ist übrigens die Stärke der einzelnen Gruppen sehr verschieden. Im vierten Schulkreis stehen die „Metallarbeiter" mit allein 569 Schülern an der Spitze, während die Gruppe„Gewerbliche Arbeiter" hier 483 Schüler hat. Im zweiten Kreis ist die Gruppe„Metallarbeiter" zwar noch stärker als im vierten, da sie hier sogar 640 Schüler hat, aber im zweiten Kreis besteht die Gruppe„Gewerbliche Ar- beiter" aus 749 Schülern, so daß sie hier an der Spitze steht. Verhältnismäßig zahlreich sind in diesem Schulkreis die „Knnstgewerbler". Zu ihnen gehören hier 496 Schüler, die Hälfte der„Knnstgewerbler" aller vier Kreise. Zahlreich sind im zweiten Kreis auch die„Bauhandwerker", 371 Schüler. Dagegen sind die„Kaufleute" besonders stark im ersten und im dritten Schulkreis vertreten, dort mit 366, hier mit 378. Im dritten Kreis stehen sie sogar an der Spitze, da sie dort noch zahlreicher als die Gruppe„Gewerbliche Arbeiter" sind. Die Gesamtzahl 7639 umfaßt bei weitem noch nicht alle, die die Pflicht-Fortbildungsschule zu besuchen hätten. Es bleibt da noch ein sehr großer Rest, derbisherderEin- s ch u l u n g entgangen i st. Diese Schwänzerei dürfte nicht selten dem verehrlichen Arbeitgeber noch erwünschter sein als seinen Lehrlingen und jugendlichen Arbeitern. Die Er- Mittelung derjenigen Jugendlichen, die ihrer Pflicht zum Besuch einer Fortbildungsschule sich entziehen bezw. entzogen werden, wird mit Hülfe der Krankenkassen und der Handels- kammer vorgenommen. Es fehlen dann aber immer noch die- jenigen Knaben, die nach Vollendung des 14. Lebensjahres und Entlassung aus der Volksschule usw. noch keine Lehr- oder Arbeitsstelle gefunden oder angenommen haben. Die Gastwirte Berlins hatten vor einiger Zeit sich gegen einige sie beleidigende Aeußerungen des Ministerialdirektors Dr. Thiel mobil gemacht. Vor einiger Zeit hatten sie sich sogar deswegen an den Kaiser gewandt. Der ZeMralausschuß der vereinigten Jnnungsverbande Deutschlands hat jetzt vom Landwirtschaftsminister v. Podbielski und dem Handelsminister Delbrück nachstehenden Bescheid erhalten:„Die Immediateingabe des Zentralausschusses be- treffend eine Beschwerde über den Ministerialdirektor Dr. Thiel ist uns zur Prüfung und Verfügung übergeben worden. Die Prüfung hat ergeben, daß der Ministerialdirektor Dr. Thiel in seiner Eröffnungsrede in der Vereinigung für staatswisiensckxiftliche Fortbildung irgendwelche Aeußerungen, welche den Handwerker- stand in der öffentlichen Meinung herabsetzen oder als Ausdrück« der Geringschätzung und der Nichtachtung gedeutet werden könnten, nicht getan hat. Wir bedauern, daß durch unzutreffende Wieder- gäbe einiger aus dem Zusammenhange gelösten Sätze dieser Rede in der Presse eine irrige Auffassung über den Inhalt und die Tendenz der Ausführungen des Ministerialdirektors Dr. Thiel hat entstehen können und sehen durch diese Feststellung die Beschwerde als erledigt an." Der Landtags-Abgeordnete Schnlrat Dr. Zwick ist gestorben. Zwick bat sich um die Einführung des Haushaliungsunterrichts an den Berliner Gcmeinde-Mädchenschulen verdient gemacht; in poli- tischer Beziehung war er ein recht verknöcherter Freisinniger, der in dem letzten Reiihstagswahlkampf im fünften Berliner Wahlkreise nicht gerade eine ruhmvolle Rolle gespielt hat. Ein Irrsinniger im Soldatenrock. Vor einigen Tagen war aus der Garnison Spandau der Gardejäger Slowa fahnenflüchtig geworden. In der gestrigen Nacht wurde S. aus dem Bahnhos in Ebcrswalde wieder festgenommen. Er war im Wartesaal zweiter Klasse durch seine wirren Reden aufgefallen, und da man keinen Urlaubspaß bei ihm fand, wurde S. nach der Polizei gebracht. Dort tobte der Deserteur wie ein Rasender. Es hat de» Anschein, ab ob S. in einem Anfall von Irrsinn fahnenflüchtig geworden sei. Er ist jetzt wieder nach Spandau zurückgebracht worden. Opfer ihres Berufes. Bei drei Unglücksfällen sind die Be- teiligten schwer verletzt worden. In den Eisenwerken von Bender u Schneevogcl in der Trebbinerstraße verunglückte der 10jährige Schlosser Jinelli, Pankstraße 20 wohnhaft. I. stürzte von einer Eisenkonstruktion herab und wurde mit schweren inneren Verletzungen in das Elisabethkrankenhaus eingeliefert.— Auf dem Rangier bahnhof der 53. Bahnmeisterei kam der 19jährige Eisenbahnarbeiter Gustav Stephan aus der Bergstraße 13 schwer zu Schaden. Ter junge Man» geriet beim Rangieren zwischen zwei Waggons und Ivurde so schwer verletzt, daß er in das Elisabethkrankenhaus ein- geliefert werden mußte.— Beim Abladen von Mehlsäcken ver- unglückte in der Schönhauser Allee der Kutscher Friedrich. Schwer- verletzt und in bewußtlosem Zustande wurde F. dem Krankenhaus am Friedrichshain zugesührt. Opfer der Straßenbahn. Im Jahre 1905 wurden im Betriebe der Großen Berliner Straßenbahn 1686 Personen verletzt und 18 getötet. Bei 159 Personen werden die Verletzungen als schwere be- zeichnet._ Zu der Tragödie in der Reinickendarferstraße wird noch folgendes berichtet: Die polizeilichen Ermittelungen haben bisher noch keinen Anhalt dafür gegeben, daß Mord und Selbstmord vorliegt. Da Frau Hennig außerordentlich lebenslustig war, so ist wohl kauui anzunehmen, daß sie freiwillig aus dem Leben ge- schieden ist. Hennig war sowohl eifersüchtig als auch jähzornig. Das Ehepaar lebte sehr zurückgezogen, doch hin und wieder vernahm man in der Wohnung erregte Auseinandersetzungen. Es hat sich wohl jedesmal um Eifcrsuchtsszcneii gehandelt. Sowohl von den Mietern über als auch unter der Wohnung des Ehepaares wurde in der Nacht zum Dienstag in dem H.'schen Schlafzimmer das Fallen eines schweren Körpers vernommen. Die Tochter des im Hause Reinickcndorferstraße 64 wohnhaften Nestaurateurs M. hatte in der gleichen Nacht ein jämmerliches Stöhnen vernommen. Als gestern abend ein Klempner der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschast, bei welcher Hennig zuletzt tälig gewesen war, in der Wohnung ver- geblich Einlaß begehrte, um sich über das Fernbleiben seines Arbeitskollegen zu erkundigen, schöpfte man Verdacht und benach- richtigte die Polizei. Bei der Korridortür, die jetzt gewaltsam auf- gebrochen wurde, war auch die Sicherheitskette vorgehängt. Ehe die beiden Eheleute am Montagabend in ihre Wohnung hinauf- gingen, hatten sie noch Einkäufe besorgt und waren dann im M.'scheu Lokale eingekehrt. Während Frau H. ein fröhliches Wesen zur Schau trug, war H. etwas gedrückt. Daß die Ehefrau schon jetzt geahnt hat, daß sie dem Tode entgegengehe, ist kaum anzunehmen. Im Lauf« des gestrigen Morgens fand in der H.'schen Wohnung durch die Ilntersuchungsbehörde ein Termin statt. In der Frühstückspause verunglückte gestern vormittag auf einem Neubau am Bahnhof Tiergarten der 56jShrige Maurer August Münz aus der Pestalozzistr. 29 dadurch, daß er beim Uebersteigen eines Ballens ausglitt und mit dem Kopfe auf einen eisernen Träger schlug. Bei dem Fall zog er sich eine acht Zentimeter große Wunde am Kopfe zu, die ihm der Arzt der Unfallstation Zoologi- scher Garten verband. Der Berliner Ardeiter-Turnverei»„Fichte" hat im Jahre 1905, über das er jetzt seinen Geschäftsbericht veröffentlicht, die Wirkung der D r a n g s a l i e r u n g e n zu spüren gekriegt, die die staatliche Schulaufsichtsbehörde im Herbst 1904 gegen ihn begonnen hatte. Die Turnhallensperre, die damals über seine Schülerabteilungen verhängt wurde, ist noch in frischer Erinnerung. Der Verein„Fichte" wurde durch diese Aktion plötzlich in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Die Schulaufsichtsbehörde hatte ihn in den Ruf der Staatsgefährlichkeit gebracht und die bürgerliche Presse aller Schattierungen reihte ihn in die„sozialdemokratischen Vereine" ei». Hier wie dort hoffte man ihm durch die„Brandmarkung" Abbruch zu tun. Doch diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Der„Erfolg" jener Drangsalierungen war mindestens für die Abteilungen der Erwachsenen derartig, daß der Arbeiter-Turn- verein„Fichte" mit ihm zufrieden sein kann. Vom Jahresanfang bis zum Jahresende stieg die Mit gliederzahl bei den drei- zehn Männerabteiliingen von 977 auf 1078, bei den zwei Damen- abteilungen von 202 auf 207, also bei den fünfzehn Abteilungen der Erwachsenen von 1179 auf 1285. Dagegen weisen die Abteilungen der Jugendlichen allerdings einen Rückgang auf. Die Mt« gliederzahl sank bei den zwölf Lehrlingsabteilungen von 662 auf 645, bei den vier Schülerabteilungen von 628 auf 533, also bei den sechzehn Abteilungen der Jugendlichen von 1290 auf 1178. Bei den Lehrlingsabteilungen ist ja der Rückgang nur ganz gering, sehr be- deutend ist er dagegen bei den Schülerabteilungen. Den Schülerabteilungen dürfte die Warnung vor den„sozial- demokratischen Jugendverstihrern" keinen nennenswerten Schaden ge- bracht haben, aber hier scheint doch die T u r n h a l l e n s p e r r e nicht ganz ohne die erhoffte Wirkung geblieben zu sein. Der Arbeiter- Turnverein„Fichte" läßt seit der Verhängung jener Sperre seine aus den städtischen Turnhallen ausgewiesenen Schüler- abteilungen in privaten Sälen turnen, die er mit eigenen Geräten ausgestattet hat. Man turnt da nicht schlechter als in den Hallen der Gemeindeschulen. Aber die Auswahl der Säle bereitet mancherlei Schwierigkeiten, und nicht immer kann dabei vermieden werden, daß diesem und jenem Schüler ein weiterer Weg als bisher zugemutet wird. Wir wünschen und hoffen, daß eS dem Verein„Fichte" gelingen möge, seine Schülerabteilnngen ebenso wie seine Lehrlingsabteilungen wieder auf die frühere Mitgliederzahl und darüber hinaus zu bringen. Der Umstand, daß den Schülerabteilungen immer noch über 500 Knaben erhalten geblieben sind, zeigt mit erfreulicher Deutlichkeit, daß durch jene kleinliche Maßregelung schließlich doch nur sehr wenig erreicht worden ist. Die Bemühungen des Arbeiter- Turnvereins„Fichte", auch die noch schulpslichtigeJugend durch Pflege des Turnens und des Schwimmens, der Spiele und der Wanderungen zu fördern, verdienen alle Unterstützung. Den Eltern seien sie hiermit erneut zur Beachtung empfohlen. Ueber das Thema der Heimarbeit werden in den nächsten Tagen folgende Vorträge gehalten: Am Montag, den 19. Februar, abends 8 Uhr, im Friedrich Werderschc» Gymnasium, Dorotheenstr. 14. spricht Frl. Marg. Behm über:„Was kann die Organisation für die Heimarbeiterinnen leisten?" Am Dienstag, den 20. Februar, abends 8 Uhr, im Gewerbegericht, Zimmerstr. 90, spricht Paul Göhre über: „Die Heimarbeit im Erzgebirge." Eintrittspreis 25 Pf. Für Gewerk- schafts- und Vereinsmitglieder 10 Pf. Die Heimarbeit-Ausslellung selbst Unter den Linden 33 ist von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends geöffnet. Maxim(Korkt, dem russischen Freiheitsdichter, ist der Unter- Haltungsabend gewidmet, den die Ortsgruppe Berlin des„Deutschen Arbeiter-AbstinenlenbundeS" am Somuagabend 6 Uhr in den Arminhallen, Kommandantcnstr. 20 veranstaltet. Genosse Stripp wird einen Bortrag über das Leben des Dichters halten und aus seinen Werken vorlesen. Gemütliches Beisainmensein und Tanz- kränzchen wird den Abend beschließen. In Anbetracht deS niedrigen Eintrittsgeldes von 20 Pf. wird auf zahlreichen Besuch gerechnet. Vernufebtea. zu besriedigen, verfolgende interessante Um die Toilettenschmerzeu der Frauen der sogenannten„guten Gesellschaft" schickt eine Berliner Firma einen Katalog, der Angaben über Toilettenlünste enthält mit der Versicherung, jede moderne Frau habe das nötig. Man höre nur, was da alles an» geboten wird: 1. Fix-Fix. gesetzlich geschützt, zur Erlangung lieblicher Körper- fülle; 2. Lawendel-Komposition, gesetzlich geschützt, um die Büste fest zu gestalten; 3. Tee-Purin, gesetzlich geschützt, um schlanke, graziöse Formen zu geben; 4. Waschpulver, gesetzlich geschützt, um die Haut stets glatt, zart, weich und weiß zu halten; 5. Wasch- und Badepulver, gesetzlich geschützt, um dem Körper einen feinen leichten Duft zu verleihen; 6. Toilette-Essig. gesetzlich geschützt, um den Körper wunderbar zu erfrischen; 7. Rouge-Jeunesfe, gesetzlich ge- schützt, um der Haut einen zarten, natürlichen, nicht abwischbarea Rosenhauch zu verleihen; 8. Sonnnersprossen-Crsme, gesetzlich ge» schützt, und«ommersprossen-Wasser, gesetzlich geschützt; 9. Nero, gesetzlich geschützt, um die Augenbrauen und Wimpern unschädlich und haltbar zu färben; 10. Toilette-Puder, gesetzlich geschützt, um dem Teint Schutz bei kalter und heißer Witterung zu verleihen; 11. Lippenrot, gesetzlich geschützt, um die Farbe der Lippen zu einer künstlerisch schönen zu mache»; 12. Pasta-Divina, gesetzlich geschützt, gestattet den Teint frisch und blühend wie den eines Kindes; 13. KoS» metisches Papier, gesetzlich geschützt, zum Trockne» und Abwischen der Haut bei Transpiratton; 14. Jugend-CrSme, gesetzlich geschützt. macht alle Hautfehler vollkommen unsichtbar; 15.'Nagel-Email. gesetzlich geschützt, gibt den Nägeln zauberhaften Glanz; 16. Augen- brauensaft, gesetzlich geschützt, verleiht Schwung und Glanz und be- fördert das Wachstum; 17. Amollin, gesetzlich geschützt, vertreibt jegliche Naseröte; 18. Kinnbinde, gesetzlich geschützt, beseitigt unter Garantie das Doppclkinn, hebt die gesunkenen Mundwinkel; 19. Stirnbinde, gesetzlich geschützt, aus Zephirleder und Battist, macht die Stirn blendend weiß, gibt den Augenbrauen eine schöne Form usw. Wo nehmen die Frauen der„guten Gesellschaft' bloß die Zeit dazu her. um ihre Toilette modern zu gestalten, denn sie müssen doch auch dem Vergnügen obliegen. Aber schließlich haben sie ja sich um weiter nichts zu sorgen, als um zu gefallen. Die Arbeiter- frau kennt diese Toilettenkünste nicht, ihre Sorge gilt lediglich dem Kampfe ums tägliche Brot. Berliner Marktpreise. An» dem amilichen Bericht der städtischen Markihallen-Direktion. Riiidsleisch la 63-66 pr. 100 Psnnd, IIa 54—62, lila 49 53, IVa 39-47. Kalbfleisch la 82-90, IIa 65-80, lila 55-64, Hammelfleisch la 62—73, IIa 56—62. Schweinefleisch 73—78. Rvtwüd Psnnd 0,50—0,58, Damwild 0,50—0,62. Hasen Stück 3,85—4,00. Kaninchen Stück 0,90—1,10. Hühner pro Stück, aste 1,20-3,00, junge 0,80-1,60, de. IIa 0,00—0,00. Tauben, junge 0,50—0,60, alle 0,45—0,50. Eulen, Stück 1,75—3,50. Gänse pr. Psd. la 0,00—0,00, IIa 0,00—0,00, russische 0,30—0,50 M. Schellfische 38 91., Flunder 13—21 M. pro 100 Psd. Hechte 100—113, Schleie, uns ort. 00,00. Aale, gros; 00,00, mittel 00,00; Plötze" 55—56, Karpfen 00,00, Nhcinlachs 0,00, Seelachs 00-00 pr. 100 Psd. Schottische Vollhcringe(gesalzen) 40—44 M. Eier, Schock 3,50—3,80. Butter pro 100 Psnnd la 120-121, IIa 116-119, lila 115-116, abfallende 00—00. Kartoffeln pr. 100 Psd. rote 2,00—2,20. Rosen 0,00—0,00, blaue 0,00—0,00, runde weisic 1,80- 2,00. Wirsingkohl pr. Schock 7,00—12,00, Weißkohl pr. 100 Psd. 3,25-3,75, Rotkohl pr. Schock 6.00— 10,00, Holl. 14—16 M. Saure Gurken, Schock 2,00 M., Pjcssergurken 2,00 M. «v»t»rr>i»gSüberNck>t vom IS. Februar INNS, morgens»«Ihr. Wetter-Prognose für Sonnabend, den 17. Februar ISSS. Ziemlich trübe mit geringe» Niederschlägen, schwachen südlichen Winden und langsam steigender Temperatur. Berliner Wetterbureau. bei bei bei Wasserstand am 15. Februar. Elbe bei ülusfig+ 0,06 Meter, Dresden— 1,43 Meter, bei Magdeburg+ 1,38 Meter.— U„ st r u t Strailjjsnrt-s- 1,45 Meter.— O d e r bei Ratibor-s- 1,01 Meter, Bieslan Obcrpegcl 4.88 Meter, bei Breslau Unterpegel— 1,50 Meter, bei Fraiiksiirt-j- 1,55 Meter.— Weichsel bei Brahcinünde 2,90 Meter.— Warthe bei Posen+ 1;14 Meter.— Netze bei Usch-r 1,28 Meter. Verantwortlicher Redakteur: Hain» Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsansialt Paul Singer& Co.. Berlin SW.