w ur V»t-We ÜbonnMBfnfS'UfdlngnnaeB: B§[[ �AxAnJI I Dlt Inlertions- Gebühr nnemenM• 9i(ii pränumerando: Hl{ 9B| MM WW WW N» WM MU/»etrSgl Mr die sechSgespaltene Kolonel. 'teljührl. z,»0 Mkx monall. 1,10 Mk„ Sgl Jm«> W W k< W W W W W Wl«K~ �rHarT/»ei"«der deren Raum«o P«g. für kientlirh 2L Pfg. frei inA Haus. irWml HB HHt)BHH HH HUtsH W //»aimiche und g.werN»°f,Nch. BeremS. >?.-« Rummer S Pfg Sonntags- M lö» HB» L H H HH i�H I jL "»« m" iUustrier.-r Sonntag». HM» W H H H H. M H H H H H Bk mnt gedruckte,«ort 10«fg.. -ge.Die Reu. Welt» 10 Pfg. Pofl-■'EM I I BHII BH H MSk\|M\ W Wort K Pfg. Worte über tö Buchflaben nnement: 1,10 Marl pro Monat. W» j I I' WW�- �Wp»» RS y'/ FW zählen für zwei«orte. Inserate für zetrage» w dt» V-st- Zeitung». W» l �Hv Zf // WS die nächfie Nununer müff en bi» d Uhr „liste. Unter Kreuzband für—----/ ▼/ //!M nachuiitlag» in der Expediiion abgegeben irvifisf-.'SK � v 29?� Äi'Ätt-Ä » WirMrrt«onnt.\___ ✓ geistagen bi» 6 Uhr»ormitiag» geSffnet. �entraloroan cler so�iatctemokrati scken Partei Veuttcklancis. lttttstkrion: KM. 68,!.in9*4 Flottenvorlage brachte. Je mehr die Flottenrüstungen fort- schreiten, desto schwächer wird Deutschland. Es hatte Europa ohne Flotte beherrscht durch die Entzweiung der Kolonial- mächte unter einander. Seine Flottenrüstungen sind das Mittel geworden, diese Mächte zu einigen und sich selbst zu isolieren. Indes, so sehr diese Politik Deutschlands Positton ge- schwächt und das deutsche Volk geschädigt hat, so war sie doch begreiflich als Ausfluß einer Strömung, die alle modernen Großstaaten durchzieht. Nicht nur schädlich, sondern völlig unbegreiflich, auch vom Standpunkte der herrschen Klaffen, ist dagegen die Politik der Reichsregierimg im Marokkohandel. Das ist nicht mehr eine Fortsetzung der herkömmlichen Kolonialpolitik, sondern etwas ganz Unerhörtes. Alle Großmächte hatten in ihrer Kolonialpolitik der letzten Jahrzehnte stets darauf gehalten, keinen europäischen Krieg heraufzubeschwören, dessen Furchtbarkeit, vor allem aber dessen revoluttonäre Folgen sie alle fürchteten. Es ist das erste Mal seit dem russisch-türkischen Kriege, das erste Mal seit drei Jahrzehnten, daß eine europäische Macht monatelang ununter- brachen eine Politik verfolgt, die jeden Moment einen Krieg in Europa entzünden kann, und die nur deshalb noch zu keinem Kriege geführt hat, weil die andere dabei beteiligte Macht eine Friedfertigkeit und Klugheit an den Tag legt, die wahrhaft überraschend sind. Nun durfte man allerdings sich nie der Erwartung hin- geben, die Gegensätze, die die moderne Kolonialpolitik erzeugt, würden sich stets friedlich ausgleichen lassen. Man konnte wohl erwarten, früher oder später werde diese Politik in dem bisher so angstvoll vermiedenen Weltkrieg enden. Aber ebenso durfte man erwarten, dieser Weltkrieg werde um ein wert- volles Objekt entbrennen, ein Objekt, wie es z. B. das chinesische Reich darstellt. Vergebens sucht man aber nach irgend einem Grund, der es auch nur vom Standpunkt be- schränktester kapitalistischer Raubpolitik begreiflich machen könnte, daß die deutsche Diplomatte um Marokkos willen ur- plötzlich eine Polittk der bedrohlichsten Provokattonen Frank- reichs eingeschlagen hat. Deutschland hat dort nichts, absolut nichts verloren, gar nichts zu gewinnen und nichts kann uns gleichgültiger sein, als das Schicksal des Sultans von Marokko. Es ist dumm genug von den französischen Kolonial- polittkern, daß sie das Bedürfnis haben, ihren Einfluß in Marokko ausdehnen zu wollen. So friedlich dieser Prozeß auch gedacht werden mag, er muß, wie alle Erfahrungen zeigen, zu gewaltsanien Zusammenstößen mit der marokka- nischen Bevölkerung führen, einer Bevölkerung, die ebenso kriegerisch wie arm ist, die niederzuzwingen ungeheure Auf- Wendungen an Menschenleben und Geld kosten tvird, wofiir die Sieger in absehbarer Zeit keine Beute entschädigen kann. Gerade vom Standpunkt des heutigen Deutschland mußten es dessen Machthaber mit Freuden begrüßen, wenn Frankreich sich in einen so harten Brocken verbiß. Indes noch in anderer Weise drohte Marokko für Frank- reich verhängnisvoll zu werden. In dem' Lande ist zunächst nichts zu holen als Kämpfe mit den Eingeborenen; sobald es aber einer europäischen Macht gelingt, sich dort festzusetzen. muß sie auch mit anderen europäischen Mächten in Konflitt kommen. Mit Gibraltar zusammen beherrscht Marokko den Eingang zum Mittelmeer. Keine Macht, die im Mittelmeer Interessen hat. kann ruhig zusehen, wenn eine andere Macht in Marokko so festen Fuß faßt, daß sie seine Häfen beherrscht und befestigt. Allerdings haben Frankreich und England sich jetzt über Marokko geeinigt. Aber England tat das wohl nur in der Voraussicht, daß es Jahrzehnte dauern kann, bis Frankreich Marokko in der Tasche hat. Je weiter Frankreich dort vordringt, je sicherer es sich dort einnistet, desto näher sein Konflikt mit England. Angesichts alles deffen hätte Deutschland gar nichts Klügeres tun können, als Marokko sich selbst zu überlassen. Statt dessen versucht es jetzt nicht bloß Frankreich von Marokko fernzuhalten, nein, es erweckt den Verdacht, als ob es selbst sich dort festsetzen wollte. Und damit muß eS alle am Mittelmeer interessierten Mächte zu einer festen Phalanx gegen sich zusammenschweißen, dadurch macht es feine diplomattsche Niederlage unvermeidlich— dadurch rückt es aber auch den Krieg in bedrohliche Nähe. Nicht nur deshalb. weil jede Großmacht nur zu geneigt ist, eine diplomatische Niederlage durch die Entscheidung des Schwertes vergeffen zu machen, sondern auch deshalb, weil Deutschlands Forderungen Frankreich in eine Positton bringen können, die diesem weiteres Nachgeben unmöglich machen. Frankreich hat in Marokko nicht viel mehr verloren als Deutschland und eS könnte um des lieben Friedens willen sehr wohl darauf verzichten,» in Marokko gtößeren Einfluß zu gewinnen. Es würde damit seinen eigenen dauernden Interessen dienen. Was aber Frankreich unter den heuttgen Verhältnissen unter keinen Um- ständen zugeben kann, das ist irgend eine Form der Fest- setzung Deutschlands in Marokko. Es würde dadurch doppelt bedroht: einmal ebenso wie England. Spanien, Italien, als eine am Mittelmcer interessierte Macht, die nichit dulden kann, daß irgend ein Staat den Eingang zum Mittelmeer zu sperren vermag. Dann aber auch als Nachbar Marokkos m Algier, das von dein Grenzlaude aus immer leicht in Aufruhr versetzt werden kann. So sind wir in den letzten Wochen in eine Situation geraten. die einen Krieg mit Frankreich in bedrohliche Nähe ruckt, Es ist selbstverständlich, das; das Praletariat Deutschlands gegen eine Politik aufs energischste protestiert, die so gedanken- los oder stümperhaft mit dein Feuer spielt, mit dem sie einen so furchtbaren Brand entzünden kann. Aber noch sind wir nicht stark genug, der deutschen Regierung ihre Politik vorschreiben zu können. Ntitschuldig an dicscrPolitik istaber die dentscheBourgeoisie. Ihrer Feigheit und Erbärmlichkeit ist es zuzuschreiben, wenn heute in Deutschland eine kriegerische Politik unter Umständen und aus Motiven gemacht werden darf, die so völlig unbegreiflich sind, daß es scheint, als wäre eine Analogie dafür nicht in der Geschichte, sondern nur in der humoristischen Literatur über die erbärmlichste Periode des Absolutismus zu finden. Auch der Bourgeoisie muß angst und bange werden vor der jetzigen Marokkopolitik, die ohne irgendwelche erkennbare Ursache das Deutsche Reich den Gefahren eines Krieges aus- setzt, bei dem man ivohl weiß, wie er beginnt, keinenfalls aber, wie er endigen wird. Mag sie auch äste die unsäglichen Opfer und Leiden geringschätzen, die der Krieg den Massen des Volkes auferlegt, so wird sie um so angst- voller den Folgen entgegensehen, die seine Ver- Wüstungen für sie selbst und ihre Klassenlage mit sich zil bringen drohen. Gerade jetzt, in der Zeit der russischen Revolution, liegen derartige Erwägungen besonders nahe. Und doch schweigt die Bourgeoisie zu dein ebenso verwegenen wie sinnlosen Spiel der Diplomatie, das so Furchtbares grundlos entfesseln kann. Seit der französischen Revolution konnte in Europa kein Krieg geführt werden, der nicht in irgend einer Beziehung als ein Volkskrieg erschien, der nicht von dein Wollen und Drängen breiter Volksschichten ge- tragen wurde. Jetzt aber, am Anfange des 20. Jahrhunderts, darf die Regierung des Volkes der Dichter und Denker es der Gefahr eines vernichtenden Krieges aussetzen— weil ein französischer Diplomat dem Sultan von Marokko auf die Hühneraugen getreten! Und kein Protest von Belang wird laut in der ganzen bürgerlichen Welt. Sie duckt sich katzbuckelnd vor der Regierung und schrickt zurück vor dem Proletariat, mit dem sie zusammengehen müßte, wollte sie für den Weltfrieden eintreten. Dank ihr ist die äußere Politik des Deutschen Reiches heute ebenso sehr ein Monopol der Höflinge geworden, wie es die Politik Frankreichs zur Zeit der Schlacht von Roßbach war. Die deutsche Bourgeoisie hat politisch abgedankt. Von der Kraft des Proletariats hängt es allein ab, tvann der Ab- solutismus in der äußeren Politik ein Ende nimmt und Friede und Wohlfahrt des deutschen Volkes von ihm selbst abhängen und nicht von den Sultanslaunen des Kaisers von Marokko. Die Nevoltttio« in Rtchland. Der jüdische Arbeiterbund über die revolutionäre Taktik. Das Zentralkomitee des jüdischen Arbeiterbundes hat ein Flugblatt herausgegeben, in dem es zur Frage der Duma- Wahle» Stellung nimmt. Es wird unter anderem gesagt: „Nur in folgenden drei Fällen wäre es für die Arbeiter rat- sam, an den Wahlen teilzunehmen: 1. Wenn mit Sicherheit anzunehmen wäre, daß es möglich sein wird, die Duma von innen heraus zur Auslösung zu bringen und auf ihren Trümmern eine konstituierende National- Versammlung einzuberufen. 2. Wenn es bewiesen werden könnte, daß alle revolutionären Wege jetzt gesperrt sind, und daß der einzige Weg zu Rußlands Freiheit durch die Duma führt. 3. Wenn es tatsächlich möglich wäre, die Wahlen für eine große politische Agitation, für eine politische Schulung und Or- ganisation des Proletariats auszunutzen." Das Eintreten der ersten Bedingung, des Umsturzes!»er Duma von innen heraus, hält das Komitee in Anbetracht der augenblicklich auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens aus- geübte Repressalien für unmöglich. Derselben Ansicht ist es in bczug auf den dritten Punkt, wobei noch besonders betont wird, daß die Duma durch die Teilnahme der Arbeiter eine gewisse Autorität erhalten würde, die weder vorteilhaft noch wünschens- wert wäre." Ueber die Frage des zweiten Punktes äußert sich das Komitee folgendermaßen: „Daß die althergebrachte revolutionäre Taktik im Kainpfe gegen die Selbstherrschaft einen Bankrott erlitten hat und für die Zukunft nicht uiehr angewandt werden darf, das können nur die Liberalen behaupten, die einen tödlichen Haß gegen Streiks und bewaffnete Aufstände hegen— ihr Klasscn- instinkt niuß ihnen naturgemäß diesen Haß einflößen. Das liberale Bürgertum weist uns aüf den Moskauer Aufstand hin, in dem seiner Meinung nach die Regierung uns besiegt haben soll. In Wirklichkeit aber müssen wir den Moskauer Aufstand, als einen weiteren schritt in der Fortentwickelung der Revolution, als einen Uebergang zu einer höheren Kampfesfurm, und in diesem Sinne auch als einen Sieg der Revolution betrachten. Es ist aber kein Geheinnüs, daß die Stimmung der bürgerlichen Gesellschaft eine durchaus ungünstige für die Revolution ist. Da? Bürgertum ist durch die Massenstreiks und alle anderen gewaltsamen Störungen des normalen Lebensgangcs ermattet und bereit, in der Duma einen Erlöser zu sehen, der es von der Anarchie befreien wird, von der Anarchie, die ihm großen materiellen Schaden zu- gefügt und in der letzten Zeit sogar Menschenopfer gekostet hat. Der Regierung ist diese Stimmung der Gesellschaft wohl bekannt, und dies gibt ihr den Mut und die Entschlossen- hcit, das Land � zu den blutigen Zeiten Murawiows des Würgers zurückzuführen. Und sollte sich die bürgerliche Ge- scllschaft wirklich der Revolution entziehen, dann wäre es deni Proletariat unzweifelhaft bedeutend schwerer, seinen Heldenkampf zu führen, weil eine Revolution gegen den Willen bedeutender Schichten der bürgerlichen Gesellschaft durchzuführen selbstverständlich keine leichte Aufgabe ist. Glücklicherweise verstand die Regierung es nicht, die Umstim- mung der bürgerlichen Gesellschaft vernünftig auszunutzen, denn sie schreitet zu weit zurück. Damit aber treibt sie die bürgerlichen Liberalen in den Schoß derselben Revolution, gegen die das Bürgertum jetzt eine solche Abneigung gefaßt hat, und verstärkt auf diese Weise die Möglichkeit unseres Sieges." *'# Neue Gelüste. Noch sind die Gesellen des wortbrüchigen Nikolaus nicht ganz fertig mit ihrer Blutarbeit in den Ostsecprovinzen und dem Kaukasus. da kommt der alte Ssoworin in der„Nowoje Wremja" schon mit einem neuen Auftrage.— In den letzten Wochen konnte jeder Einheimische wieder so etwas � von der bekannten unter- irdischen Arbeit der russischen Negierung in Finnland verspüren: Auf den Straßen WhborgS sind wieder Massen- hast verdächtige Personen aufgetaucht, das Telephonnetz zwischen Petersburg und den finnischen Häfen ist an die Militär- Verwaltung übergeben worden und man hat beobachtet, daß seit geraumer Zeit russische Soldaten in Zivilkleidung nach HelsingforS und Sveaborg transportiert werden. In den letzten Tagen hat man sogar Haussuchungen in Wyborg vorgenommen und Waffen und revolutionäre Literatur beschlagnahmt. Die„Nowoje Wremja" deckt die Karten der Regierung teilweise auf. Sie schreibt in einer ihrer letzten Nummern:„Die Finnländer warten den Frühling ab, denn im Frühjahr werden überall in Nuß- land Bauernunruhen ausbrechen, cS werden auch neue Juden- kratvalle erwartet, auch auswärtige 5lomplikationen an den Grenzen des Reiches können eintreten. Finnland wird den geeigneten Augenblick abwarten und dann losschlagen, um seine historische Frage mit einem Schlage zu lösen, denn— exousez du peu!— Petersburg zu nehmen sei gar nicht so schwer". Es genüge dazu an einem Armeekorps, Dampfer ständen in Finnland iu hinreichender Zahl zur Verfügung und die russische Flotte würde diese Blokade ebenso verschlafen, wie sie Port Arthur verschlafen hätte. Außerdem würde die„rote Garde" aus Finnland sofort von der Petersburger„roten Infanterie", d. h. der Arbeiterschaft, unterstützt werden. Zum Schluß schlägt der alte Fuchs offenherzig vor Fiun- land inilitärisch zu okkupieren und die russische Besatzung daselbst so lange zu lassen bis— Ruhe eintrete. Man sollte nach dem Artikel meinen, auch Finnland sei im Aufruhr, dabei geht es aber nirgends ruhiger zu als in Finnland. Die Arbeiterpartei baut ihre Organisationen aus und befestigt auf Grund der„neu geschenkten" Freiheiten ihre Positionen." Ebenso war es in den Ostsecprovinzen nach dem 30. Oktober. Das genügte der„Düna-Zeitung" um Auf- rühr zu alarmieren. Denselben Zweck verfolgt jetzt' Finnland gegenüber die„Nowoje Wremja". Zuerst muß doch der bewaffnete Aufstand hervorgerufen werden, um darauf ihn blutig unter- drücken zn können! Jetzt haben aber die Oppositionsparteien an dem eigenen Leibe gespürt, was eS bedeutet, die Knute bei sich im Lande zu haben und haben die Freiheitszeit benutzt, um das Volk wenigstens teilweise zu be- waffnen. In welchem Grade das Volk bewaffnet ist, das müssen die russischen Agenten zuerst ausspionieren. Außerdem ist die ans Schweden und Alt-Finnen bestehende Bourgeoisie bei weitem nicht so reaktionär und zarentreu wie der deutsche Adel in den Ostsee- Provinzen. Die Hetzartikel der„Nowoje Wremja" haben sogar die Pläne des Generalgonverneurs von Finnland durchkreuzt, dessen Absichten mit denen der„Nowoje Wremja" sich zwar decken, der jedoch dieselben nicht vor dem Zusammentreten des außerordentlichen finnischen Landtages verraten wollte. Jetzt kann es eben dazu kommen, daß ein mißtrauisch gewordener Teil der Klein- bonrgeoisie sich der Arbeiterpartei anschließt. Daher das Auf- treten des Generalgouverneurs gegen die Artikel der „Nowoje Wremja". Die letztere ist etwas voreilig mit den Ratschlägen gewesen, sie hat aber Grund genug, die Reaktion zn mahnen, sich mit der Arbeit zu beeilen, weil das Frühjahr niit den Agrarunruhen vor der Türe st eht und die Armee der Arbeitslosen Dimensionen er- reicht hat, die die russische Bureaukratie im E r n st st u tz i g machen. Dieses sind die neuen Faktore, welche in der allernächsten Zukunft in der russischen Revolution eine wichtige Rolle spielen werden.— • Ein russischer Hunncnbefehl. Der Generalgouverneur der Bezirke Gori und Duschet des Gouvernements Tiflis, General Bauer, erließ am 13. Februar folgenden Befehl: „Ich fordere die Bevölkerung der Kreise Gori und Duschet noch- mals auf unverzüglich an ihre friedliche Tätigkeit zu schreiten und das Gesetz in seinem vollen Umfange genau zu befolgen. Ich erkläre, daß ich in Zukunft keine Repressivmaßrcgeln ergreifen, sondern be- stimmte Forderungen aufftellen lind Strafen auferlegen werde, deren Umgehung oder Nichterfüllung die Zerstörung und Vernichtung der schuldigen Dorfschaften, ohne Rücksicht auf die Schuld oder Unschuld der einzelnen, zur Folge haben wird. Zur Vermeidung einer falschen Auffassung dieses Erlasses, sowie unnützen Blut- vergießenS und Vernichtung der Dorfschaften, erläutere ich meinen Befehl durch einige Beispiele. Wenn eS sich nach Bekanntmachun z dieses Befe hlS erweisen sollte. daß in einer Dorfschaft auch nur ein einziger Revolver, Gewehr, Dolch oder irgend eine andere Waffe, nur ein einziger Verbrecher, nur ein einziger vom Gesetz nicht anerkannter Dorfältester nicht freiwillig ausgeliefert worden oder eine einzige Abgabe nicht freiwillig erstattet worden ist— so werde ich in eine solche Dorfschaft Truppen ent- senden, doch nicht um ein« Exekution oder Konfiskation der Waffen vornehmen zu lassen, sondern ausschließlich zu dem Zweck, die Dorsschaft dem Erdboden gleich zu machm. Ich betone, daß ich jeden Buchstaben dieses von mir unterzeichneten Befehls, ohne jede Abweichung, zur Ausführung bringen werde, und hoffe ich daher. daß der besonnene Teil der Bevölkerung alles, was in seinen Kräften steht, tun lvird, um das Land vor völliger Zerstörung und großem Blutvergießen zu bewahren." Nene Bcrhaftnnge». Petersburg, 17. Februar. In einem Hause am Newski-Prospekt wurden, wie„Nowoje Wremja" meldet, gestern sechs Sozial- revolutionäre verhaftet, wobei eine beträchtliche Menge Pulver, Patronen und mehrere Bomben gefunden wurden. Zwei der Per- hafteten wohnten bereits zwei Wochen in d'iesem Hause und beab- sichtigten heute nach Moskau abzureisen. Lemberg, 17. Februar. Nach Meldungen aus Warschau»wurden in letzter Zeit in Russisch-Polen mehr als 2000 Personen wegen Teilnahme an der großpolnischen Agitation verhastet. An die Auf- Hebung deS Belagerungszustandes ist Polen ist vorläufig noch nicht zu denken. Von der sozialrevolutionSren Partei erhalten wir folgende Zuschrift: Geehrte Genossen! Zu unserer großen Verwunderung erschien in Nr. 38 Ihres geschätzteu BlatteS eine mit„Zutvachs für unsere Partei" betitelte Zuschrift, in der von einer angeblichen Spaltnng innerhalb der„russischen sozialrevolutionärcn Partei" die Rede ist. Nach dieser Notiz wäre der größte Teil der Sozial-Revolutionäre zur russische» sozialdemokratischen Arbeiter- Partei übergegangen.... Gestatten Sie uns, Sie davon in Kenntnis zu setzen, daß all' dies auf freier Erfindung beruht und der Wirk- lichkeit in nichts entspricht. Im übrigen wird das in kurzer Zeit er- scheinende Protokoll des vor tvenigen Wochen in Rußland stattge- fundenen Parteitages der sozialrevolutionärcn Partei die erwähnten Gerüchte offenkundig widerlegen. poUtiscKe Ueberfiebt. Berlin, den 17. Februar. Sozialpolitische Klcingesechte. Vom Etat des Reichsamts des Innern wurden heute drei wichtige Kapitel im Reichstage beraten, das Gesnndheits- amt, das Patentamt und das Versicherungsamt. Die Debatte über den ersten Gegenstand leitete Genosse H u e durch eine Reihe sachverständiger Fragen über � die Bekämpfung der Wurinkrankheiten und der Genickstarre ein. Er nahm dann die Gelegenheit wahr, den Beumer, Prinz Schönaich-Carolath und Stöcker, die trotz ihrer vollkommenen Unkenntnis der Verhältnisse es gewagt hatten, seine auf reichliches Tatsachen- Material gegründete Tarstellung der Verhältnisse der Hütten- und Walzwerkarbeitcr als falsch zu bezeichnen, ganz gründ- lich heimzuleuchten. Gegenüber der oberflächlichen Manier seiner Gegner, die sich ausschließlich auf die Telegramme und Mitteilungen der Unternehmer gestützt hatten, konnte er auf Grund seiner eigenen langjährigen Prans als Metallarbeiter ihnen an zahllosen Fällen die Unmöglichkeit und Unsinnigkeit ihrer Behauptungen nachweisen. Der christlickn'oziale B u r ck- Hardt, der für die schwänzenden Sachwalter des Unter- nchmertuins in die Lücke sprang, gab denn auch alle tatsäch- lichen Angaben seines Intimus Stöcker preis und verteidigte ihn nur mit dem guten Glauben: Er sowohl wie Stöcker hätten, obwohl sie von Eisenarbeitern gewählt worden seien, nie etwas über die schlechte soziale und sanitäre Lage dieser großen Arbeiterschicht gehört. Um so schlimmer, daß sie blindlings auf die Notlügen der Unternehmer hereinfallen! Herr Burckhardt bewies denn auch den ganzen reaktionären Charakter seiner Parteirichtung durch den Antrag, die in Deutschland zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen nicht zugelassenen Bleilegierungen bei Waren, die für das Ausland bestimmt sind, zu erlauben. Genosse Singer wies diesen dreisten Ucberrumpelungsversuch. plötzlich inmitten der 2. Lesung bei der Spezialberatung mit einer Resolution her- vorzuspringen, die Deutschland in den Augen der ganzen Welt herabsehen muß. energisch zurück. Das hinderte indessen weder das Zentrum noch die Freisinnioen, sich für die Vergiftung der ausländischen Konsumenten zu begeistern, und auch die Nationalliberalen wagten weniostens nicht zu widersvrechen, da der christlichsoziale Arbeitervertreter Burckhardt ihnen init dem Zorn der Unternehmer des Westerwaldes gedroht hatte. Immerhin verhinderte Singers kräftiges Eingreifen den bürgerlichen Mischniasch, seinen erbärmlichen Streich schon heute auszuführen. Präsident Graf Ballestrem erkannte an, was der vorher amtierende Vizepräsident übersehen hatte, daß die Resolution geschäftsordnungsmäßig frühestens am Diens- tag zur Abstimmung gebracht werden könnte. Die anderen Resolutionen, die zu diesem Kapitel tx>r- lagen und sämtlich eine erhebliche Verschärfung des W e t n- g e s e tz e s forderten, wurden mit großer Mehrheit allesamt angenommen. Auch dem Banknotengesetz stimmte vorher dcbattelos in 3. Lesung die große Mehrheit des Hauses zu. Sonst sprach man beim Reichsgesundheitsamt noch über allerlei Kleinigkeiten: die Antisemiten wetterten gegen den Gewissenszwang des Jmpfens, die Freisinnigen gegen das Verbot der Inserate für Geheimmittelschwindel, da ihre „großen" Zeitungen sich neben den Heiratsmarktannoncen auch diese nicht entgehen lasten möchten. Der neue Präsident des Reichsgesundheitsamtes B u m m bewies sofort seine sozialpolitische Weisheit, indem er als bestes Mittel gegen die Wurmkrankheit das Aufhören mit der Grubenarbeit empfahl. Hoffentlich bringt die für die nächsten Tage angekündigte Denkschrift der Regierung über diese Frage etwas klügere Antworten. Das Patentamt wurde rasch erledigt. Die Beratung über das Reichsversicherungsamt leitete Genosse K ö r st e n mit einem scharfen Angriff auf die ebenso leicht- fertige wie arbeiterfeindliche Praris der Berufsgenossen- schaften ein, die in einer Sitzung über das Schicksal 56 unfall- verletzter Arbeiter zu entscheiden sich vermessen haben. An der Hand der zahllosen Fälle von Rechtsverweigerung und Rechtscrschwerung gegenüber den Arbeitern gewann erst die Forderung, die der Zeutrumsmann Schmedding im Landtage aufgestellt hat, Renten unter 25 Proz. nicht auszuzahlen, ihr wahrhaft erschreckend volksfeindliches Aussehen. In die un- dankbare Aufgabe der Mohreuwä'�e an den Berufsgenossen- schaften und ihren Agenten teilten sich der Nationalliberale Dr. W a l l a u, der Zentrumsabgeordnete Erzberger und der Staatssekretär Graf Posadowsky. Am Montag wird die Debatte fortgesetzt. Im Extra- ordinarium des Reichsamts des Innern dürfte besonders die Verschwendung öffentlicher Gelder für die Hohkönigsburg z u ausgedehnten Erörterungen Anlaß geben. Die Beratung des Justizetats. Die Beratung des Justizetats, die am Sonnabend im Abgeordnetcnhause begann, verlor sich in lauter Einzelheiten. Die„Vertreter" des preußischen Volkes sind in ihrer über- großen Mehrheit mit der Rechtspflege zufrieden. Wie kann man auch verlangen, daß ein Klassenparlament gegen Klassen- justiz protestiert, wie kann man verlangen, daß etwa die ge- schworenen Gegner der Sozialdemokratie Blnturtcile zur Sprache bringen, wie sie unter dem neuesten Kurs gefällt sind! Im Gegenteil, die Konservativen verlangen, daß die Justiz noch weit schärfer gegen die Sozialdemokratie vorgeht, sie fordern, daß gegen Ausschreitungen der Sozialdemokratie „mit voller Strenge des Gesetzes" verfahren wird, da die So- zialdemokraten als„Totfeinde unseres Staatslebens" keinen Anspruch auf milde Behandlung haben. Gewiß nicht! Wir haben auch niemals eine milde Behandlung verlangt. Wohl aber fordern wir Gerechtigkeit. Als gleichberechtigte Staats- bürger steht uns der Anspruch darauf zu, mit demselben Maße gemessen zu werden wie die Anhänger anderer Parteien. Mit vollem Rechte wies der Pole Dr. M i z e r s k i darauf hin. daß die Polizei in die Gerichtssäle eingedrungen sei und daß die. Richter sich oft bei der Verhängung von Urteilen von ihrer politischen Anschauung leiten ließen. Der polnische Ab- geordnete hätte aber besser getan, wenn er seine Klagen nicht auf seine polnischen Landsleute beschränkt hätte, sondern für die Allgemeinheit eingetreten wäre. Leider sind wir es ge- wöhnt, daß die polnische Fraktion des Abgeordnetenhauses stets nur die Interessen ihrer engeren Landsleute, niemals aber die der Gesamtheit wahrnimmt. Neben dem Kampfe gegen die Sozialdemokratie soll nach Ansicht der konservativ-klerikalen Mehrheit mit aller Energie der Kampf gegen den„Schmutz in Wort und Bild" aufge- nommen werden. Ein löbliches Vorhaben! Schade nur, daß das. was diese Gesellschaft unter Schmutz versteht, nach den Anschauungen der weitesten Kreise des Volkes alles andere eher denn Schmutz ist. Die Zeitschrift„Jugend" ist es ganz besonders, die es den Muckern angetan hat, gegen sie soll Polizei und Staatsanwaltschaft mobil gemacht werden, und der neue Justizminister scheint nicht abgeneigt zu seist, dieser Forderung zu entsprechen. Uns kann es nur recht sein: denn es ist nicht unsere Aufgabe, unsere Gegner zu warnen und sie vor Blamagen zu bewahren. Wenn die herrschenden Klassen in Preußen sich durchaus lächerlich machen wollen, so werden wir sie daran nicht hindern. Aus der weiteren Debatte ist die Erklärung des Ministers bemerkenswert, daß sein Amtsvoraänaer mit der Zurück- Arbeit Konkurrenz bereitet, sowie die einheitliche Unterstellung see-Prozeß nichts zu tun hatte, daß diese Maßnahme vielmehr durch den Staatsanwalt, der wohl seine guten Gründe dazu' gehabt habe, nach freiem Ermessen erfolgt sei. Im übrigen wurde von den verschiedensten Seiten— wie in früheren Jahren— auch diesmal wieder eine Einschränkung der Gefängnisarbeit, die durch ihre billigen Löhne der freien ziehung des Strafantrages gegen den„Vorwärts" im Plötzen- der Strafanstalten(die heute teils zur Justizverwaltung, teils zur Verwaltung des Ministeriums des Innern gehören) unter den Justizminister verlangt. Auch die s�rage der Straf- Prozeßreform wurde gestreift, doch ist die Debatte darüber kaum erwähnenswert. Am Montag wird das Provinzialabgabengesetz in 2. Lesung beraten._ Die hanbelspolitische Blamage der Regierung. Auch die liberale Presse gelangt immer mehr zur Erkenntnis, daß die deutsche Regierung bei ihrem Versuch, die Vereinigten Staaten von Amerika zur Abschlietzung eines neuen Handelsvertrages zu veranlassen, eine bedenkliche Schlappe erlitten hat und keinerlei Aussicht besteht, daß nach Ablauf des einjährigen Provisoriums dieses durch einen festen Vertrag ersetzt wird. Das„Berliner Tageblatt' schreibt z. B.: „Die Regierung entschuldigt sich wegen ihre? Mißerfolges, so gut oder so schlecht es gehen mag: sie erzählt, sie habe sich zu der bedingungslosen Gewährung des deutschen Vertragstariss an Amerika nur deshalb verstanden, weil ihr von Washington aus bedeutet worden sei, bei Gewährung des Provisoriums auch ohne amerikanische Gegenleistung hoffe die Unionsregierung noch während der Dauer des Provisoriums einen Tarifvertrag mit Deutschland im Kongreß durchsetzen zu können. DaS ließe sich hören; wenn die Wahrscheinlichkeit bestände, daß die Bundes- regierung in Washington dieses ihr angebliches Ziel in einem Jahre �— so lauge soll das Provisorium dauern— erreichte, so wäre es Wahnsinn gewesen, wenn die deutsche Ne- gierung sich gegen die Gewährung des Provisoriums gesperrt hätte. Leider aber liegen die Dinge so. daß es der Uuions- regierung schwer fallen dürfte, binnen einem Jahre durchzusetzen, was sie ui ein paar Jahren vielleicht durchsetzen wird: einen für uns annehmbaren ainerikauisch-deutschen Tarifvertrag. Sollte sich unsere Regierung wirklich darüber täuschen, daß binnen JahreS- frist noch kein Tarifvcrtragsentwnrf zwischen Deutichland und Amerika in Angriff genoinmen, geschweige denn vereinbart werden wird? Wir sind überzeugt: Im Reichsamt des Juneren weiß nran sehr genau, daß diesem Provisorium von lgl)6 noch eine Reihe Provisorien in den nächsten Jahren folgen werden.' Roch weit eritster beurteilt Theodor Barth in einem Artikel der„Franks. Ztg." das Meistbegiinstigungs-Provisorium. Er hält cS sogar noch keineswegs für sicher, daß die Aankees sich auch nur auf ein Provisorium einlassen werden: „Selbst das Meistbegünstigungsprovisorinm wird nicht ohne Schwierigkeiten zu erreichen sein, möglicherweise überhaupt nicht in Form einer Abmachung, sondern nur auf tatsächlichem Wege mit Hülfe sehr geivagter staatsrechtlicher Deduktionen. Das Abkontinen von 1900 hat bei strikter Auffassung alle früheren Rieistbegünstigungsverträge, die zwischen der Union und deutschen Einzelstaaten bestanden, aufgesogen, so daß mit dem Fortfall dieses Abkommens zwischen den beiden Ländern eigentlich gar kein handelspolitisches Vectragsverhältiiis mehr besteht. Nur ivenn man in beide» Ländern beide Augen zudrückt, läßt sich die Fiktoit aufrecht erhalten, wonach die früheren Meistbegünstigungs- Verträge nach Fortfall des Handelsabkommens von 1900 wieder aufgelebt seien. Die Auslegung dieser alten Meistbegünstigungs- Verträge hat aber ebenfalls von Zeit �u Zeit allerlei Reibereien hervorgerufen. Das Provisorium. das entstehen würde, wäre demnach sehr ungemütlich. Trotzdem wird man sich an den Gedanken eines solchen, wahrscheinlich nicht kurzen Proviso- r i u m s e r n st h a s t g e iv ö h n e n müssen. Der deutschen Reichsregierung kann man keinen berechtigten Vorwurf machen, Ivenn sie bei diesen Verhandlungen kein besseres Resultat erzielt. Sie st and vor einer unlösbaren Aufgabe. Einen Vorwurf kann man ihr nur daraus niachen, daß ihre gesamte Handels- und Zollpolitik so miserabel ist, daß sich derartige Miß- erfolge notivendigerweise ergeben mußten." Als es vor ungefähr anderthalb Jahren der deutschen Regierung gelang, dem in Ostasien geschlagenen Rußland einen neuen Handels- Vertrag abzunötigen, da spottete trotz der äußerst geringen Konzessionen, zu denen die Regierung des Zaren sich verstanden hatte, die offiziöse Presse über die Voraussage des„Vorwärts", der nach der wider- rechtlichen Änrchpeitschung deS neuen Zolltarifs in der Nacht des 13. Dezember 1902 geschrieben hatte, die deutsche Regierung werde mit diesem Tarif nie zur Abschließung br auchbarer Verträge mit Rußland und der nordamerikanischen Union gelangen. Mit Rußland ist allerdings unter dem Druck der japanischen Siege ein neuer Vertrag zustandegekommen— ob ein auch nur halbwegs brauchbarer, wird die Erfahrung lehren. Mit der Union aber ist das Erperiment vollständig mißglückt, so daß sich die deutsche Regierung gezwungen sieht, in Washington uni ein vorläufig ein- jähriges Provisorium zu betteln. Waö sagt nun die aus den Ministerien inspirierte Presse?— •• • Oeutrebee Reich. Auf der Steucrsuche. Das Studium der Berichte über die Verhandlungen der zur Prüfung der Steugelsche» ReichSsteuervorschlage eingesetzten Koni- Mission ist gerade keine interessante, aber eine höchst instruktive Be- schäftigung, denn es informiert besser über den Klassencharakter unserer heutigen Staatswirtschaft, als manche in den letzten Jahren erschienenen unifangrcichen theoretischen Schriften. In der von den herrschenden Parteien befolgten Steuerpolitik offenbaren sich am deutlichsten ihre Ktassenstellung und ihre Jntercsseuwirlschaft. Die von der Regierung vorgeschlagene Erhöhung der Bier-, Tabak- und Zigaretteusteuer hat die Steuerkominission teils ab- gelehnt, teils derartig eingeschränkt, daß der veranschlagte Mehr- ertrag von über 100 Millionen Mark voraussichtlich auf etwa 40 Millionen Mark zusammenschrumpfen wird, und ferner hat sie die Frachturkuiidensleuer, die dem ReichsfiLkus 41 Millionen Mark ein- bringen tollte, so weit ermäßigt, daß ihr Ertrag um ungefähr 30 Millionen Mark unter dieser Schätzung zurückbleiben dürfte. Schon bei diesen drei Steuern ergibt sich demnach ein Ausfall von 90 Millionen Mark. Die Vertreter der Mehrheitßparteien motivierten diese Reduktion der Borschläge meist mit der Belastung des Konsums— und tat« sächlich haben einige von ihnen, z. B. das Zentrum in der Tabak- steuerfrage, auf ihre kleingewerbliche Anhängerschaft eine gewisse Rücksicht zu nehmen; das Hauptmosiv des Widerstandes besteht aber in der Befürchtung, daß durch die höhere Belastung von Bier und Tabak sowie durch die Frachturkundensteucr die Ertragsfähigkeit der betroffenen Gewerbe, das heißt der Profit des Unternehmertums leiden könnte, weil eS nicht in allen Fällen gelingen würde, die neue Steuer auf die Massen der Konsumenten abzuwälzen. Aller- .dings in den Reden, mit denen die Vertreter der sogenannten staats- erhaltenden Parteien in der Kommission ihre Einschränkung der Regierungsforderungen begründeten, kam dieses Profitmotiv nicht voll zur Geltung. Die Herren haben ja in ihrer Argumentation nichtnur darauf zu achten, daß sie ihre Anhängerschaft in den ärmeren Volksschichten nicht direkt vor den Kopf stoßen, sondern daß sie auch der sozial- demokratischen Presse eine möglichst geringe Angriffsfläche bieten- Diese Rücksicht auf das Agitationsinteresse der Partei verhindert eine offene Aussprache. Um so deutlicher verraten aber die industriellen und kommerziellen Korporationen, besonders die Handelskammern, den Grund ihrer Bedenken gegen die genannten Steuerprojekte, in- dem sie aus die Erschwerung des Geschäfts, die Verminderung des Ertrages und die Unniöglichkeit einer vollen Abwälzung der neuen Geschäftsbelastung auf die Konsumenten hinweisen. Teilweise wird in den Resolutionen solcher Korporationen sogar offen zugestanden, daß sie gegen eine Steuererhöhung auf Bier und Tabak nichts einzuwenden haben würden, wenn sich die Aussicht böte, die Steuerlast auf die Verbraucher abzuwälzen. Die Leipziger Handelskammer gesteht zum Beispiel ganz frei- mütig in ihrer bereits vor einigen Tagen von uns mitgeteilten Resolution:„Sie hält in Uebereinstimmung mit der Reichssteuer- vorläge Vier und Tabak einschließlich Zigaretten für geeignete Steuerobjekte. Mit Rücksicht auf den angestrebten Erfolg der Steuer kann sie aber nur eine Art der Besteuerung empfehlen, die die Gefahr eines wesentlichen Rückganges des Bier- und Tabak- Verbrauchs sowie eine unbillige Schädigung aller mit der Her st eilung und dem Vertrieb der betroffenen Verbrauchsgegenstände befaßten Industrie- und Handelszweige ausschließt und die Abwälzung auf die Konsumenten ermöglicht."— Mit der Herabsetzung dieser von der Regierung vorgeschlagenen Steuerforderungen gedenken jedoch weder die Nationalliberalen, noch die Konservativen und Zentrumsparteiler auf die sogenannte Reichs- finanzreform, richtiger die Herbeischaffung neuer Mittel für die Aus- Weitung der Weltpolitik zu verzichten: selbst die Agrarkonservativen haben sich zu Bewunderern der„gräßlichen" Flotte entwickelt. Die Mittel für diese Politik müssen nach ihrer Ansicht unbedingt herbeigeschafft werden, und da sie fürchten, daß wenn es der Re- gierung überlassen bleibt, neue Steuerquellen zu erschließen, diese vielleicht zu solchen die großen PartemonnaicS in Anspruch nehmen- den Projekte, wie die Reichseinkommen- oder Reichsvcnnögeussteuer greifen konnte, so machen sich ihre Vertreter in der Steuerkommission selbst an die Steuersuche. Daher der höchst merkwürdige Eifer der Herren, neue Steuerobjekte zu entdecken. Voran geht dabei, sich seiner Pflicht als Regierungspartei be- wüßt, das Zentrum. Schon vor mehreren Tagen führte das Blatt der Berliner Zentrumsdiplomatie, die„Germ a n i a" aus, daß durch die Abstriche der Kommission an den Verbrauchs- und Verkehrs- steuern ein Fehlbetrag von mindestens 100 Millionen Mark entstanden sei, der notwendig durch andere Stenern gedeckt werden müsse, da eine Erweiterung der geplanten Reichserbschastssteuer in der länd- licheii Bevölkerung auf Widerspruch stoße. In seinem Eiser für die Deckung ging dann das Blatt sogar selbst daran, eine niedliche Liste neuer Steuerprojekte zusammenzustellen, darunter eine Wehr-, An- sichtspostkarten-, Tantiemen-, Kaliausfuhr-, Jagdpatronen-, Aktien- stempelsteuer usw. Im ganzen ein Ramsch von 82 Millionen Mark. Und die Vertreter des Zentrums in der Steuerkommission be- ginnen bereits diese Projekte zu verwirklichen. Ihrer Fürsorge ist es wesentlich zu danken, daß am Dienstag in der Kommission die Fahrkartensteuer weit über die Forderung der Regierung hinaus erhöht worden und gestern die Ansichtspostkartensteuer beschlossen worden ist. Die Steuerentdeckungsmanie des nationalliberal-konservativ- klerikalen Trifoliums in der Kommission hat also ihre guten Gründe. Das Motiv ist, zu verhindern, daß die Regierung nicht selbst auf die Steuersuche geht und dabei auf Objekte verfällt, die den für ihre Taschen besorgten Herren nicht passen. Unter diesen Umständen war eS von den Vertretern unserer Partei ein geschickter taktischer Schachzug, einen Erbschastssteuerantrag einzubringen, der das Prinzip einer progressiven Steigerung des Steuersatzes nach dem Wert der Nachlatzmasse aufstellt und z. B. von einer Erbschaftsmasse im Betrage von 100 000—200 000 M. eine Abgabe von 9 Proz., von einer Erbschaftsmasse im Werte von 1—5 Millionen Mark aber eine Abgabe von 14 Proz. fordert. Der Antrag bietet den Steuer- snchern der Kommission die günstigste Gelegenheit, ihrem Eifer Ge- nüge zu leisten und durch die Tat zu bekunden, wie weit ihre viel- gerühmte Opferwilligkeit für das teure Vaterland reicht.— Eine rasche Antwort. In dem Dorfe Limmer bei Hannover ist kürzlich ein Mit- glied des S ch u l v o r st a n d e s gestorben; dem mit ihm gewählten Ersatzniann hat jetzt die Regierung die Bestätigung versagt wegen Zugehörig keil zur sozialdemokratischen Partei. Da in Eisseudorf bei Harburg eine gleiche Nichtbestäti- gung den Austritt von zirka 50 Arbeitern aus der L a n d e s k i r ch e zur Folge gehabt, will die Limmer Arbeiterschaft — und das Dorf besteht zum größten Teil aus Arbeitern— die Verfügung der Regierung jetzt mit dem gleichen Vorgehen beantworten.—_ Es ist schwer, keine Satire zu schreiben! Vor wenigen Tagen veröffentlichten wir einen geheimen Erlaß des Finanzmiinsters an die Herren Provinzialsteuerdirektoren, den unser Kasseler Parteiblatt ans Tageslicht gezogen hatte. ES wird in dem Erlaß ersucht, die Amtsstellen möchten gegenüber einer be- stinnnten französischen Broschüre aus der gewohnten Rolle als Polizeivigilauten fallen und sich der Herbeiführung der gerichtlichen Beschlagnahme und eines sonstigen Einschreitens enthalte». Diese Hochherzigkeit wird empfohlen gegenüber einem Verbrecher, der andernfalls in Deutschland sich aufs schlimmste gefaßt mache» dürfte, gegenüber einem— Majestätsbcleidiger, dem Verfasser eines Werkes, das alle Karikaturen der Welt auf den deutschen Kaiser g e- s a m m e l t enthält I Auch die I u st i z- Behörden sind angelviescu worden, den argen Sünder laufen zu lassen! Man hätte annehmen können, daß unter solchen Umständen man auch über Majestätsbeleidigungsklagen gegen Reichsdeutsche weniger zu berichten haben würde, namentlich über solche mit den bekannten deprimierenden Begleiterscheinungen, mit Konstellationen, die dem Angeklagten die Strafe der Richter, dem oder den Zeugen aber die Verachtung aller redlich Denkenden eintragen.— Das scheint nicht der Fall zu sein. So schreibt man unS: Wegen Majestälsbelcidigung hatte sich am 15. d. M. der Maurer H o l z b a ch aus Obcrhausen vor der Strafkammer des Landgerichts Duisburg zu verantworten. Holzbach hatte im April 1904 bei einem„Kollegen" Krem er eine Familienfestlichkeit mitgemacht und bei dieser Gelegenheit auch über Organisations- angelegenheiten gesprochen. Insbesondere soll er, der bürgerlichen Berichterstattung zufolge, versucht haben, seinen Freund und Kollegen zum Eintritt in die politische Organisation zubewegen. Dieser jedoch habe als Antwort das:„Heil dir im Siegerkranz" angestimmi. Aus dem freundschaftlichen Schmause ist dann eine kleine Zänkerei entstanden und bei dieser Gelegenheit soll Holzbach einige despekticr- liche Aeußerungen getan haben, worauf er dann„freundsckiaftlichst" denunziert wurde I Er nmß nun sein Verbrechen mit drei Monaten Gefängnis büßen. Das Vorkommnis zeigt wieder einmal, wie vor- sichtig jedermann auch in sogenannten Freundeskreisen mit seinen Aeußerungen sein muß. Wer semer Worte nicht ganz sicher ist, sollte sich über fürstliche Persönlichkeiten überhaupt nicht äußern, auch in Freundeskreisen nicht. Der Majestätsbeleidigungsparagraph hat schon manchen Menschen zum Lumpen gemacht und wird es wohl noch weiter tun. Wir wissen nicht, wie der Verurteilte sich über den Kaiser geäußert hat. Aber wir wissen, daß auch nach Freigabe jener Karikaturen- sammlung, über jedem Kritiker des Kaisers das Schwert des MajcstätsbelcidigungSparagraphen hängt. Hoch die Disziplin! Aus Lübeck wird genieldet: Der Musketier G l e y, der den Leutnant Hcerlein auf dem Kasernenhofe mit dem Gewehrkolben niederschlug, wurde heute vom Kriegsgericht zu 7 Jahren 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Warum der Mann seinen Offizier niederschlug, geht auS der Notiz leider nicht hervor. Eine Erörterung darüber wäre vielleicht auch ein interessanter Beitrag zur Frage der Disziplin.— Gegen die Braustener haben die vereinigten schlesischen Brauerei- und Gastwirtschaftsvereinigungen in einer in Breslau abgehaltenen, aus allen Gegenden Schlesiens besuchten Versammlung Proiest erhoben. In der einstimmig angenommenen Resolution wird darauf hingewiesen, daß die Erhöhung auf die Konsumenten abgewälzt würde; hierdurch werde einerseits der Bicrkonsum wesent- lich beeinflußt werden, andererseits würde die Belastung im wesent- lichcn die wirtschaftlich schwache Bevölkerung treffen. Nicht ans der Welt zu schaffen! In der Sitzung des Reichstages vom Mittwoch kennzeichnete Genosse Bebel das Verhalten der Hamburger Bourgeoisie der Arbeiterschaft gegenüber mit folgenden Worten: „Bei der Cholera war die sozialdemokratische Organisation der Bürgerschaft sehr angeneh in. Die Bürgerschaft hatte die hygienischen Einrichtungen der Stadt in einer geradezu schandbaren Weise verwahrlost, so daß diese Seuche in so gefährlichem Maße um sich griff. Die reiche Bürgerschaft floh aus der Stadt hinaus. Als nun an die ärmere Bevölkerung 300 000 Flugblätter mit hygienischen Vorschriften verteilt werden sollten, war die Polizei hierzu nicht imstande, sondern nahm die Hülfe der sozialdemokratischen Orga- nisation in Anspruch. Diese Tatsache hätte doch der Bürgerschaft die Scham ins Gesicht treiben sollen, als sie vorhatte, der Arbeiterschaft das Wahlrecht zu verschlechtern. DaS ist der Dank der Hamburger Bourgeoisie!' Gegenüber diesen Ausführungen, welche für jeden im öffent- lichen Leben Stehenden bekannte Tatsachen enthielten, wagte Herr Senator Dr. Klügmann als Vertreter der so Apostrophierten aus- zuführen: „Der Herr Abgeordnete von Hamburg hat hiermit eine Acuße- rung getan, die er nicht verantworten kann." Diese Zurückweisung mußte bei der notorischen AuSreißerei der Pfeffersäcke durch ihre Freimütigkeit geradezu verblüffen. Jetzt stellt denn auch das„Hamburger Echo" fest, daß nicht nur Bebels Be- Häuptling richtig ist, sondern daß sich mich unter de» Wahlrechts- räubern in der Bürgerschaft solche Ausreißer befinden. Die Ham- burger Pfeffersäcke fürchten, wie alle guten Patrioten, die Cholera und die Sozialdemokratie. Das ist durch keine noch so bombastische Erklärung aus der Welt zu schaffen I— Der Wahlrechtskampf in Sachscn-Weimar. Wie wir gestern schon telegraphisch berichteten, fand am Frei- tag im weimarischen Landtag die zweite Lesung und Beschluß- fassung über den Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung des Wahlgesetzes für den Landtag, statt.— Ununterbrochen seit dem Jahre 1868, fast in jeder Landiagsscssion muß sich der „Getreue" mit dem Wahlgesetz befassen, da in Petitionen und An. trägen immer das Verlangen nach dem allgemeinen direk. ten Wahlsystem zum Ausdruck ka-m.— Diesmal handelte ti sich um eine Regierungsvorlage, die aber nur(I) eine organisch« Aenderung vorsieht. Es wird zunächst der größeren Bequem. lichkeit der Höchstbestcuerten Rechnung getragen. Sie brauchen in jedem Verwaltungsbezirke zur Wahl nicht mehr an eine m Orte zusammenzukommen, sondern sie sollen künftig innerhalb de» einzelnen Amtsgerichtsbezirke zusammenkommen und da die Wahl ihrer fünf Abgeordneten vollziehen. Ter andere Teil dieser orga- nischcn Aenderung besteht darin, daß für die sieben in- dustrie listen Kreise, die vorläufig in Betracht kommen. eine Abänderung der UrWahlbezirke stattfindet. Bei einer früheren Gelegenheit hat qnan offen erklärt, daß es dadurch möglich sein Werdv, erfolgreicher die Sozialdemokratie zu bekämpfen.— So war es erklärlich, daß diesmal die ganze Wahlrechtsfrage so ausführlich aufgerollt wurde wie noch nie vordem. Genosse B a u d e r t ging zunächst auf die EntWickelung des Wahlgesetzes ein und wies nach, daß die oft gehörte Behauptung, daß die weimarischc Regierung einmal liberaler als wie der Landtag gewesen sei. den Tatsachen nicht entspreche. Die weimarische Re- gierung sei immer reaktionär gewesen. Was ihr 1852, 1868, 1874 und 1876 vom Landtag nicht bewilligt wurde, das sei 1896 aus Furcht vor der Sozialdemokratie bewilligt worden, und jetzt sei es nicht das Prinzip der Ge- rechtigkeit, sondern das Prinzip der Macht, das auf eine weitere Verschlechterung des Wahlgesetzes dränge.— Unser Genosse Ba u d e r t ging dann auf die im Neustädtcr Kreise erfolgten Ver- saimnlungsvcrbote, die auf krankhafte Wahnvor- st e l l u n g e n des betreffenden Beamten schließen lassen,-in. Wenn die Herren auf der Rechten immer von der hetzerischen Tätigkeit der Sozialdemokratie sprechen, so verweise er auf die bodenlose Hetz- arbeit der Bündlcr, Arm in Arm mit den Antisemiten, im Eise- nacher Wahlkreis gelegentlich der ReichstagSnachwahl. Jetzt wären die Bündler nun sogar so unnobel, daß sie Schack niit seinen Wahl- schulden sitzen ließen, so daß er die Handrlsangcstellten anschnorren müsse. Genosse Hauwede ging auf den Eisenacher Wahl- k r a w a l l näher ein und wies die Darstellungen des dortigen Be- zirtsdirektors als der Wahrheit nickst entsprechend zurück.— Unter lautem Murren betonte der nationalliberale Abge- ordnete Appclius, daß er es für einen Fehler halte, wenn die Sozialdemokratie aus den Parlamenten verschwinde, denn sie habe das Vertrauen der Arbeiter und es sei notwendig, daß man auch in den Parlamenten die Stimme des Volkes höre. Er sei für das direkte, aber nicht für das allgemeine Wahlrecht. Der freisinnige Abgeordnete Meyer erklärte, daß er ja auch für das direkte Wahlrecht sei, aber so weit wie die Sozial- demokraten gehe er nicht. Der Staatsmini st er Rothe äußerte sich dahin, daß er schon 1896 kein Freund dieses Gesetzes gewesen sei. Aber jetzt sei nicht die Zeit, zweifelhafte Experimente zu machen. Tie Sozialdemokratie habe die ganze Bewegung nur aus agitatorischen Gründen entfacht. Nun wundere er sich, daß sogar bürgerliche Parteien in unserem Lande ebenfalls Protest Versammlungen gegen das Wahlgesetz veranstalteten. Die hätten doch gar keine Veranlassung dazu. Sie besorgten damit nur die Geschäfte der Sozialdemokratie. Die bürgerlichen Parteien sollten sich vielmehr gegen die Sozialdemo- kratie zusammenschließen, das halte er als das beste Mittel zu deren Bekämpfung, während er die V e r sa in m l u n g s v e r bo t c als ein"rechr ungeeignetes Kampfmittel halte. Nach vierundeinhalbstündiger Verhandlung, von der unsere Ge- Nossen den größten Teil ausfüllten, obwohl nach der Geschäftsordnung der Abgeordnete zu einem Punkt der Tagesordnung nur zweimal sprechen darf, während sich der größte Teil der Abgeordneten in Schweigen hüllte und die übrigen nur kurze Erklärungen abgaben. erfol/zte die Abstinimung. Für den sozialdemokratischen Antrag. das gleiche, geheime und direkte Wahlverfahren für jed/.n 20 Jahre alten Staatsbürger unter Berücksichtigung der Verhältniswahl einzuführen und. daß aus je 10 000 Einwohner des Landes e i n Abgeordneter gewählt wird, stimmten nur die zwei Sozialdemokraten. Für Beide hol» tu n g der Klassenwahl und für Einführuno der direkten Wahl für 23 Abgeordnete stimmten Frei- sinn, Nationalliberale und Zentrum, zusammen Ii Abgeordnete. Die Regierungsvorlage wurde mit IS S t i m m e n angenommen.«_ Die Nachwahl in Chemnitz. (Amtliches Resultat.) Bei der Ersatzwahl im 16. sächfischen ReichStagSwahlkreise am 13. Februar wurden 51 053 gültige Stimmen abgegeben. Davon entfallen 31 623 auf Redakteur NoSke-Chemmtz(Sog.), 10 397 auf Kommerzienrat Herinsdorf- Chemnitz(k.). 9056 auf Landtags abgeordneten Günther-Plauen(frs.). Noske ist somit gewählt.— Die Jämmerlichkeit des sächsischen Parlamentarismus trat in der Freitagsitzung der Zweiten sächsischen Kammer auf recht drastische Art zutage. Das Präsidium wollte den ganzen Kultusetat (Kirchen, Hochschulen, Gymnasien und Volksschulen) für Montag auf die Tagesordnung setzen, obwohl der umfangreiche Bericht der Finanzdeputaticm eben erst in die Hände der Abgeordneten gelangt war, so dah ein eingehendes Studium der schwierigen und kompli- zierten Materie gar nicht möglich war. Der Freisinnige Günther und Genosse G o l d st e i n erhoben dagegen Einspruch, indem sie be tonten, das Land habe ein Interesse daran, daß eine gründliche Be. ratuiig des Schuletats stattfinde. Der nationalliberale Vizepräsident Dr. Schill, der in Abwesenheit Mahnerts den Vorsitz führte, er- klärte darauf, die frühe Ansetzung des Kultusetats zur Plenar- bcratung habe sich nötig gemacht, weil die Regierung dessen Erledi- gung vor Antritt des neuen Kultusministers wünsche und der Ge- hcimrat�Wüntig Mittwoch mit dem Könrg nach Leipzig reise. Der reaktionärste Flügel der Konservativen wollte indes, wie aus den Ausführungen des Agrariers Hähnel hervorging, von einer Ver- schicbung des Tagesordnung nichts wissen, dagegen trat der Links- liberale Langhammer sehr energisch gegen die übereilte Be- ratung des Kultusetats auf und die nationalliberalen Parteifreunde des Vizepräsidenten Schill stimmten Langhmnmer zu. Jetzt kamen dem natinalliberalen Vizepräsidenten doch Bedenken. Was er aber unternahm, um den Forderungen der Linken entgegen zu kommen, shar geradezu jämmerlich, aber echt nationalliberal. Er erbat sich me Erlaubnis, die Sitzung unterbrechen zu dürfen, um mit dem Geheimrat Wüntig, der jetzt den erkrankten Kultusminister Se h d e w i tz vertritt, wegen Verschiebung der Tagesordnung Rück- spräche zu nehmen. Und so geschah es. Ter liberale Präsident machte sich auf die Strümpfe zu einem Bittgang zu dem Geheimrat, um ihn um die Zustimmnngj zur Abänderung der Tagesordnung zu ersuchen. Und der Landtag, der auch die Konstitution wahren soll und der das Recht hat, seine Beratungsgegenstände in beliebiger Reihenfolge zu erledigen, brach ob dieses Kanossaganges in kern Hohngelächter aus. Er wartete vielmehr geduldig, bis der Vizepräsident wiederkam und verkündete, er habe jetzt die Mög- lichkeit,— er hätte Wohl am liebsten gesagt, die Erlaubnis— den Kultusetat später beraten zu lassen. Und die Kammer brach noch immer in kein Hohngclächter ausl Die Liberalen trieben sogar die Selbstentmannung so weit, dast sie„Bravo I" riefen ob der Gnade des Geheimrats. Die angesetzte Tagesordnung wurde dann verschoben. Genosse G o l d st c i n erhielt schliesslich noch mit Mühe und Not das Wort zur Geschäftsordnung, um das Verfahren geiheln zu können. Er kennzeichnete den konstitutionellen Landtag, der er st einen Geheimrat bittet, eine Reise aufzuschieben, ehe er es wagt, von seinen, Rechte Gebrauch zu machen, die Tagesordnung so fest- zusetzen, dass eine gründliche Beratung möglich ist. Der liberale Vizepräsident stammelte etwas vom Geschäftsverfahren, das mit KonstitutionaliSmus nichts zu tun habe und schloss ubereilt die Sitzung, dem Genossen Goldstein das Wort abschneidend. Er entging nur so einer neuen moralischen Züchtigung durch unseren Genossen. Die Jämmerlichkeit des Zwischenfalls tritt aber auch ohne eine nochmalige Festnagelung offen genug zutage.~ HuaUnd. Ungarn. Die Flucht aus dem Lande. Im vergangenen Jähre find insgesamt nicht weniger als 113 631 Personen auS Ungarn nach Amerika ausgewandert. Der Ueberschuss der Geburten über die Todesfälle betrug im gleichen Jahre 150 970; eS verbleibt also im Lande ein Bevölkerungszuwachs von nicht ganz dritthalbtaufend Seelen auf fast 20 Millionen Ein- wohner.— Nichts kennzeichnet die elende wirtschaftliche Lage des Landes deutlicher, als diese Zahlen. Zum Teil sehen wir hier die Folgen der unheilvollen politischem Situation, der Verwirrung, die das Treiben der Koalitionspartcien über das Land gebracht hat. Eine kleine, aber einflussreiche Sippe regiert und knechtet durch ihre Stuhlrichter und das übrige Beamtenhcer die Bevölkerung und treibt viele aus dem Lande. Wer die Mittel zur Ueberfahrt auf- bringen kann, wandert aus, um in der Ferne ein neues, besseres Baterland zu suchen.— Frankreich. Nach deutschem Muster. Paris, 17. Februar.(W. T. B.) Der Jnstizminister teilte dem nationalistischen Deputierten Börry mit. daß er seine Interpellation über die letzten antimilitaristischen Anschlagzettel nicht annehmen könne, da die gerichtliche Untersuchung bereits eingeleitet sei.— Dänemark. Ungleiches Wahlrecht in Kopenhagen. Im Jahre 1900 wurden die drei Vororte Valby, Brönhoj und Sundby der Gemeinde Kopenhagen einve rleibt, aber das Zweiklassen- Wahlrecht, das für alle dänischen Kommunen ausserhalb der Hauptstadt besteht, wurde aufrechterhalten, sodass noch jetzt diese drei Stadtbezirke ihre Vertreter zum Genieinderat Kopenhag ens nach dem Zweiklassen- Wahlrecht wählen, während alle übrige»! Gemeindevertreter nach dem gleichen, allerdings an einen ZenßnS von 1000 Kronen ge- Vundeneil Wahlrecht gewählt werden. Das EiiigemeiiidlingSgeietz von 1900 bestimmt, dass innerhalb twn sechs Jahren eine Revision des Wahlrechts der drei Bezirk»? stattfiiiden soll. Da diese Frist nun bald abgelaufen ist, mocht sich in den Be- zirken eine immer stärkere Agitation für daS Kopenhaaener Wahlrecht geltend, und selbst der Magistrat und die Gemeinde- Vertretung Kopenhagens haben sich an die Regierung mit dem Er- suchen gewandt, dem unhaltbaren Zustande schü-unigst ein Ende zu machen, damit die drei Bezirke schon an den Koinmunalwahlen im März mit dem gleichen Wahlrecht teilnehmen können. Aber der„liberale" Minister des Innern, Berg, zeigt sich— wie die ganze Regierung bei allen demokratischen Reformen— auch hier höchst saumselig. Am Donnerstag wurde eine Deputatia» aus den eingemeindeten Bezirken samt den Folkethiugsabgeordneten der drei Bezirke, den Genossen Hyller, Klausen und Hörd.nm, bei Berg vorstellig. Der Minister aber erklärte. dass er dem Wunsche, die Wohlrechtsrevision schon in diesem Jahre durch- zuführen, nicht nachkommen könne, weil dadurch der grossen kommunalen Wahlrechtsreform Hindernisse in den Weg gelegt lverden würden. Er habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass diese Reform noch in diesem Jahre durchgeführt werde. Ausserdem hätte,, ihn neun Deputatiolien. darunter eine von ,Kopenhage»>s Linken- Verein"(den Antisozia listen) ersucht, mit der Revision noch zu warten!— Aehntich hat sich Berg kürzlich im F»'lkethi,>g geäussert. Er beharrte alich jetzt bei dieser Ablehnung,»rnchdem Klausen ihn auf die Nichtigkeit seiner Einwendungen aufmerlsa m ge« macht hatte. „Sozial-Demokraten" bemerkt, dass— wenn man in Dänemark «in MinisterverantwortlichkeitS- Gesetz und ein ordentliches Reichs- gericht hätte— Berg dieser seiner Haltung wegen angeklagt werben müsste.— Amerika. Porto Ries» verlangt eine Reorganisation der Knsularregierung. Der Bürgermeister Todd von San Juan war kürzlich in Washirtgton und erklärte einigen Kongreßmitgliedern, daß efcie bedauerliche Rcchtsverwirruug unter der Bevölkerung entstanden sei. Innerhalb der letzten sechs Jahre habe die Insel drei Gouverneure und fünf Generalanwälte gehabt, und ein jeder habe die Gesetze von Porto Rico anders ausgelegt. DaS Beamtenpersonal sei viel zu gross und sollte verringert werden.— Die Chefs der verschiedenen De- parteincnts der Verwaltung sind Amerikaner; sie richten alles ameri- kanisch ein stoßen aber bei ihren Untergebenen oft auf grosse Ver- ständnislosigkeit. Die Sprache bietet auch viele Hindernisse. Die Amerikaner sprechen nicht spanisch, und die Eingeborenen, eine Ab- art zwischen Spaniern und Negern, kein Englisch! Die Polizei be- steht, soweit die niederen Beamten in Betracht kommen, nur auS Eingeborenen.— Die Insel ist reich, und ihr Reichtum zieht immer mehr Amerikaner an. In amerikanischen Zeitungen liest man von den Schätzen und von der Schönheit der Insel Schilderungen, die sehr verlockend gehalten sind. Die Amerikaner haben seit der Ver- treibung der Spanier grosse Umwandlungen geschaffen. Grosse, moderne Städte sind entstanden, für Schulen und andere Bildungs- institutc ist gesorgt worden; man hat viele sanitäre Verbcsserungen eingerichtet. Die bedeutendsten Städte find San Juan und Ponce, erstere mit 40 000, letztere mit 30 000 Einwohnern. Es gibt schon grosse Hotels, moderne Kanalisation, Elektrizitätswerke, Geschäfts- � Häuser amerikanischer Art. Auch die Arbeiterbewegung macht von sich reden. Die American Föderation of Labour hat Gewerkschaften gegründet, die gut gedeihen und schon manchen Kanipf mit den kapitalistischen Ausbeutern ge- führt haben. Besonders schlecht gestellt sind die Plmitagcnarbciter. Kaffee, Zucker, Tabak wird in grossen Mengen produziert. Sehr ungern sehen die Kapitalisten die Organisation unter den Arbeitern, aber sie können es nicht verhindern, daß amerikanische GeWerk» schaften Agitatoren nach Porto Rico senden, um die eingeborenen Arbeiter aufzuklären. Diese Agitatoren haben natürlich auch den Widerstand der amerikanischen Behörden zu bekämpfen, die den Kapitalisten Polizei und Truppen gegen die Arbeiter zur Ver- fügung stellen. Wie die Polizisten, so sind auch die Soldaten Ein- geborene, von amerikanischen Offizieren geführt. Die Regierung liegt in den Händen des Gouverneurs, der ebenso wie daS Minister. kabinett vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt wird. Daneben besteht eine Legislatur, über deren Beschlüsse der Kongreß in Washington das Vetorecht befitzt.--- Der Mann hat sich seit jener Zeit genau so tadellos verhalten wie vordem. Jetzt aber gehört er mit zu den Gemassregelten. Es ist bezeichnend, daß den Entlassenen nicht einmal Gelegenheit zu einer Gegenäusserung gegeben wurde. Nur die Denunzianten wurden vernommen, nicht aber die Denunzierten. Gep?erksckaftlickes. Berlin una Orngegend. Reue Maßregelungen bei der„Großen Berliner". Erst kürzlich mußten wir berichten, dass in den Hauptwerkstätten der Grossen Berliner Straßenbahn eine Anzahl der neugewählten Krankenkaffendelegierten wegen ihrer Zugehörigkeit zur Organisation gemassregelt worden waren. Jetzt geht die Direktion mit neuen Massregelungen gegen das Fahrpersonal vor. Acht Angestellte erhielten dieser Tage folgendes Schreiben vom Hauptbureau der„Grossen": „Wir sehen uns veranlaßt, Ihnen unter sofortiger Enthebung von den Dienstgeschäften Ihre Stellung zum I. März d. I. zu kündigen. Nicht Ihre uns bekannte Zugehörigkeit zum Verbände der Handels- und Transportarbeiter ist Grund zu Ihrer Entlassung, sondern Ihre fortgesetzte Zuwiderhandlung gegen unser Verbot, durch Agitation oder Verhetzung Unzufriedenheit und Miss- stimmung unter unseren Bediensteten hervorzurufen. Infolge Ihres agitatorischen Auftretens suhlt sich ein Teil unserer An. gestellten belästigt und ist dagegen vorstellig geworden. Gleichzeitig ziehen wir die Ihnen erteilte Genehmigung, die Betriebsmittel der Grossen Berliner Straßenbahn zu Dienst- zwecken in Dienstkleidung unentgeltlich zu benutzen, zurück. Die Direktion." Wer soll denn daran glauben, dass die Zugehörigkeit zum Ver- bände nicht die wahre Ursache der Entlassung ist. Für die Oeffentlichkeit sieht es natürlich recht schön aus, wenn andere „Gründe" vorgespiegelt werden können. Die Tatsachen sprechen je- doch dafür, dass es sich hier um nichts anderes als um eine Mass- regeliing gewerkschaftlich organisierter Arbeiter handelt. Die Di- rektion der Grossen Berliner muss wissen, dass der weitaus grösste Teil des Fahrpersonals mit dem Transportarbeiterverbande sym- pathisiert, wenn auch die Fahrer und Schaffner nur in einer Minder. heit dieser Organisation angehören. Die Mehrheit der Angestellten gehört zwar, dem Zwange der Verhältnisse folgend, dem berüchtigten DirektionSverein an. Wie sie über denselben denken, das zeigte sich bei den letzten Wahlen der Vertrauensmänner und Krankenkassen» delegierten. Bei beiden Wahlen vereinigte die Liste des Transport- arbeiterverbandes grosse Majoritäten auf sich, sowohl an Stimmen als auch an Gewählten. Jetzt war die Direktion natürlich„baff", als sie sehen mutzte, wie die grosse Mehrheit„ihrer" Vereins- Mitglieder für die Verbandsliste gestimmt hatte. Da mutzte ein Exempel statuiert werden. Aber wie? Alle Verbandsangehörigen konnte man doch unmöglich auf die Strasse werfen. Zudem hatte auch noch Direktor Micke in der letzten Vertrauensmänner- Versammlung ausdrücklich erklärt, dass die Direktion keinem Mit- glicde des Transportarbeiterverbandes wegen seiner Zugehörigkeit zur Organisation etwas in den Weg legen würde. Was nun Herr Micke nicht machte und auf Grund seiner gegebenen Zusage auch nicht machen konnte, das machten dann die Direktoren Kühlewein und Meyer. Sie suchten sich auf den einzelnen Bahnhöfen verschiedene Verbandsangehörige heraus, die entlassen wurden. Und das soll keine Massregelung sein? Damit hierbei auch eine gewisse Form beobachtet wurde und nach aussen hin wenigstens ein blasser Schein von Berechtigung bei der rigorosen Entlassungsmatzregel gewahrt werden sollte, mutzten sich dann die nötigen„Vereins"mitglieder finden, die sich durch die Agitation der Verbändler„belästigt" fühlten. Am Leipziger Platz ist ein regelrechtes Denunziationsbureau eingerichtet worden, und hier machen die bravsten der„braven" Vereinler pflichtschuldigst Meldung, wenn sie von einem Verbandsangehörigen agitatorisch „belästigt" worden sind. Wie es mit diesen Belästigungen ans- sieht, geht zur Genüge aus folgendem Vorfall hervor: Einer der Entlassenen steht eines Morgens im Dienstraum des Bahnhofes und schreibt sich den Tagesdienst vom Brett ab. Da kommt ein Vereinsmitglied hinzu und schimpft wegen Dienstüber- lastung auf die Gesellschaft. Ruhig dreht sich der andere um und sagt zu dem schimpfenden Vercinler:„Weshalb sagst Du mir das olles, Du willst es doch nicht besser haben. Organisiere Dich, dann wird'S auch besser werden."— FlugS dreht sich darauf der so An- geredet« um, geht hin und denunziert das Verbandsmitglied wegen „Verhetzung". Die Folge war die sofortige Entlassung des BerbandSmitgliedeS. Ein anderer wurde entlassen, weil ihn ein Vereinler persönlich nicht leiden mochte. Die blosse Denunziation genügte aber zu seiner Entlassung.— So sehen die„Belästigungen" aus. Einer derjenigen, der jetzt wegen„Verhetzung" kurzerhand ent- lassen worden ist, hat erst im Juli v. I. ein Anerkennungsschreiben nebst silberner Taschenuhr von der Direktion bekommen. Zum Streik der Packer und Lagerarbeiter der Lanolinfabrik (Vereinigte chemische Werke) wird uns mitgeteilt, dass am Mitt- woch auch der Maschinist die Arbeit niedergelegt hat, so dass der Maschinenbetrieb infolgedessen still steht. Die vorhandenen Arbeitswilligen reichen bei weitem nicht aus, um den Betrieb völlig aufrecht- zuerhalten. Die Streikenden haben Aussicht, in einem neuen Be- triebe, der als Konkurrenzunternehmen in den nächsten Tagen er- öfsnet wird, eingestellt zu werden. Der Abschluß des FliesenlegerftreilS. Die Fliesenleger und Flicsenleger-Hülfsarbeiter vom Maurer- und vom Bauarbeiter- verband hielten am Freitag im Gewerkfchaftshause eine gemeinsame -Zuznvrpzg; zig' a z g o a T qun» � ß t z a gz rzg u»'qv Sun;mmvliZA männer der beiden Sektionen, über den Stand der Bewegung be- richteten. Wie Breiske mitteilte, arbeiten 75 Fliesenleger zu den neuen Bedingungen; streikende Fliesenleger meldeten sich noch 35 zur Kontrolle, die übrigen find grösstenteils wieder mauern ge- gangen. Mit Rücksicht darauf, daß unter den gegenwärtigen Um- ständen und bei dem Verhalten der Vereinigung der Fliesenleger weitere Erfolge kaum zu erzielen sind, bejchloss die Versammlung einstimmig, den Kampf abzubrechen. Die Tarisbcwegung der Potsdamer Schneider ist— wie man uns schreibt— in ein ernstes Stadium getreten. Die Unternehmer baben jede weitere Verhandlung mit der Lohnkommission abgelehnt. Die Jnnungsmeister wollen eben„Herren im Hause" bleiben. Der Anschluss der hiesigen Innung an den Berliner Arbeitgeberverband beweist ja mehr als alles andere die scharfmacherischen Tendenzen, die in den Kreisen der Potsdamer Schneidermeister Platz gegriffen haben. Einen schändlichen Bertrauensbruch hat ein Bezirkskassierer des Deutschen Mctallarbeiterverbandcs, der Rohrleger Alfred K l a m t, Steinmetzstratze 97 in Rixdorf, begangen. Er hat sich mit den einkassierten Geldern im Betrage von 3000 bis 4000 M. davon gemacht. Seit dem 13. d. M. ist der Elende, wie erst jetzt be. kanut wird, verschwunden. Oentfcl»«« Reick». Streit beim„Vulkan". Sämtliche Verstemmer beim„Vulkan" (Stettin) haben bis auf vier die Arbeit niedergelegt. Die Ursache des Streiks ist die Begünstigung einzelner Arbeiter hinsichtlich der Bezahlung, lieber die auch in anderen Abteilungen des„Vulkan" herrschende Günstlingswirtschast ist schon oft geklagt worden, ohne dass Abhülfe erfolgte. Die Breslauer Maßschneider stehen in einer Lohnbewegung. Sie fordern die Anerkennung des eingereichten Tarises als Minimal- tarif, Zuschläge für Ueberzeit- und Nachtarbeit. Zur Ueberwachung der Durchführung des Tarises soll eine paritätische Kommission eingesetzt werden. Antwort von den Arbeitgebern wird bis zum 20. Februar erwartet. Die Brauereiarbeiter in Heidingsfeld-Würzburg sind fast voll- ständig organisiert, welchem Umstände es auch zuzuschreiben ist, dass es ihnen gelang, die Unternehmer zur Anerkennung eines Tarif- Vertrages zu veranlassen, der folgendes enthält? Wesentliche Steige- rung der Lohnsätze. Abschaffung des.Kostwcscns, Verkürzung der Arbeitszeit um täglich IV2 Stunden Einhaltung der Sonntagsruhe, Gewährung eines Wohnungszuschusses für Verheiratete, Freigabe des 1. Mai, besondere Bezahlung der Ueberstunden und der Spnn- tagSjour, Anerkennung des{? 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches, Gewährung eines zwei- bis fünftägigen Urlaubs, Bevorzugung der organisierten Arbeiter bei Bedarf an Arbeitskräften. Die Monats- löhne der Bierfahrer, die bisher 60 bis SS Mark betrugen, werden in Wochenlöhne von 17 bis 20 Mark umgewandelt, für Landtourei, werden 50 Pf. bis 1 Mark extra bezahlt. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) HiMtand. Der Streik in Fiume beendet. Da die Schiffahrtsgesellschaften und die Direktion der Torpedosabrik sämtliche Forderungen der Streikenden angenommen haben, ist der Ausstand beendet und werden noch im Laufe des heutigen TageS(17. d. M.) die Schiffe nach Dalmatien wieder auslaufen. Letzte Nachrichten und Depeschen. DaS rate Gold. Gelsenkirchen, 17. Februar.(W. T. B.) Der AuffichtSrat der BergwerkSaktirngesellschaft Consolidatian beschloh, der auf den 24. März einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 23 Proz. für das Geschäftsjahr 1905 vorzuschlagen. DaS rote Blnt. Essen a. d. R.. 17. Februar.(W. T. B.) Aus dem Schacht „Catharina" der Zeche„Herkules" stürzten heute früh vier vrrglrnte in einen BrrmSschacht. Zwei von ihnen find tot» die beide« andere» schwer verletzt._ Die bevorstehende AnflSsung des ungarischen Reichstages. Budapest, 17. Februar.(W. T. B.) Der ehemalige Honved- minister Nyiri ist heute vormittag von Stuhlweitzcnburg, wo er in Garnison ist, hier eingetroffen und hat in der königlichen Burg Woh- nung bezogen. Nhiri ist als königlicher Kommissar designiert, uni in Bertretung des Königs die Schließung des Reichstags vorzu- nehmen. Wie verlautet, soll die Auslösung des Reichstags am Man- tag durch den königlichen Kommissar in der königlichen Burg kund- gemacht werden. Zu diesem Akte würden die Mitglieder des Reichs- tageS in die Osener Burg einberufen werden. Die„steie" Schweiz. Genf, 17. Februar.(55. Hl Der Bizepräfident der Gewerk- schaft der Schreiner, die gegenwärtig in Laufanne streiken, der Italiener Büni, wurde verhaftet und an die Grenze abgeführt. Er beschwerte sich bei der Berner italienischen Gesandtschaft. Russische Regierungstelegramme. Petersburg, 17. Februar. Die„Petersburger Telegraphen- agentur" verbreitet folgende Meldungen: Usman(Gouv. Tambow), 17. Februar. Gestern abend ver- schafften sich Räuber unter dem Vorgeben. Revisionsbeamte zu sein, Eingang in das Staatskassengebäud«, t ötete« drei Beamte und raubten 220 606 Rubel. Hierauf suchten sie das Weite. Riga, 17. Februar. Am hellen Tag« wurde gestern in der Alexanderstrasse der Laufbursche einer hiesigen Fabrik von sieben bewaffneten Räubern angegriffen und einer Summe von 11900 Rubel beraubt, die der Fabrik gehörten. Kiew, 17. Februar. Gestern abend drangen im Zentrum der Stadt acht bewaffnete Männer in die Wohnung einer Rentnerin ein. erbrachen ihren Geldschrank und raubten 800 Rubel und Schmuck- fachen. Es gelaug ihnen, sich und ihren Raub in Sicherheit zu bringen. Bjelostok, 17. Februar. In dem Laden eines Barbiers in der Lipovajastrasse platzte heute eine Bombe, ohne jemanden zu verletzen. Der Barbier wurde verhaftet. «erantw. Redakteur: HanS Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: VoUoärtSBuchdr.u.BerlagsanitÄt Paul Singer&. Co., SöttlinSW, Hierzu 5 Beilage«. Nr. 41. 23. Jahrgang. 1. ßfilittf i>»„Wwiirls" Mim MsM Zoantag, 18. Febrnar 1906. Reichstag» 4S. Sitzung vom Sonnabend, den 17. Februar, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStische: Graf Posadowsky. Das Gesetz betr. die Ausgabe von Reichsbanknoten zu 50 M. und 20 M. wird in dritter Lesung debatteloS e n d- güllig angenommen. Hieraus wird die Spezialberatung deS Etats für das Reichsamt des Innern fortgesetzt. Zum Kapitel Reichsgesundheitsamt nimmt das Wort Abg. Hue(Soz.): _ Ich möchte zunächst an die Herren vom ReichSgesundheitSamt viimge Fragen richten: Ist Ihnen bekannt, daß im Ruhrgebiet in den letzten Wochen die Genickstarre in vermehrten, Maße aufgetreten ist, und welche Maßregeln sind getroffen worden, um einer weiteren Verbreitmig der Seuche vorzubeugen? Ich bin der Anschauung, daß vor allem die Bevölkerung rechtzeitig über den Charakter der Krankheit und die notlvendigen Abwehrniaßregeln ausgeklärt werden müßte. Da ich ja nicht Hygieniker von Fdch bin, so kann ich nicht beurteilen. ob wirklich die Krankheit in schlechten Wohnungsverhältniffen und schlechter Ernährung den günstigsten Boden findet. Dann hätte sie sich ja allerdings gerade dort, wo sie eingesetzt hat. in Oberhausen, einen außerordentlich guten Nährboden ausgesucht; denn dort sind eine überaus große Zahl ostelbischer und ausländischer Arbeiter in unerhörter Weise in den Werkswohnungen zusammengepfercht worden. Ich frage also an, was das Reichs gesundheitsamt zur Abwehr der Genickstarre zu tun gedenkt. Ich möchte serner eine Auskunft darüber, ob eS nicht möglich ist, das Bakteriologische Institut in Gelsenkirchen aus den ReichSetat zu übernehmen und dadurch auf eine breitere Grundlage zu stellen. Ich halte es nicht für angängig, ein derartiges Jnstitul, daS in der kurzen Zeit seines Bestehens so vortreffliche Arbeit geleistet und so viel Aufklärung über die sanitären Zustände im Ruhrgebiet verbreitet hat. ausschließlich auf PrivaMnttel oder Kommunalbeihülfen anzu weisen. Für das Ruhrbecken mit seiner außerordentlich dichten Be> völkerung ist ein Institut dringend notwendig, das jederzeit in der Lage ist, das Trinkwasser und die Nahrungsmittel zu untersuchen. Weiß das ReichSgesundheitSamt, daß die Schutzvorschristen für ThomaS-Schlackmühlen nicht so befolgt werden, wie es für die Arbeiter bei dieser außerordentlich gefährlichen Arbeit wünschenswert wäre? Ich brauche den Herren als Sachverständigen die Einwirkung des SchlackenmehlstaubeS auf die Gesundheit nicht erst darzulegen Aber ich mache sie darauf aufmerksam, daß man in vielen Mühlen von einem Schutz gegen diesen gefährlichen Staub nichts weiß, und ich fordere sie auf, die bestehenden Berordnungen mit aller Ent- schiedenheit durchzuführen. Wie steht es mit der Erforschung der Wurmkrankheit? Obwohl man weder ein wirksames Heilmittel gefunden hat, soll nach den amtlichen Berichten die Krankheit bedeutend zurückgegangen sein, Wie ist das möglich, woher kommt da«? Nach deni freilich später von der Berussgcnofsenschaft korrigierten Bericht des Geheimen Medizinalrats Dr. Tennholt sollen ungefähr 80 Proz. aller Wurm tranken überhaupt nicht heilbar sein. Trotzdem soll nach neueren Mit teilungen die Wurmkraniheit so gut wie verschwunden sein. Professor Lambmet hat in einem Vortrage in Lütlich, dem ich beigewohnt habe, iu Uebereinstimmung mit anderen Forschern erklärt, daß die Larven des Wurmes nicht nur durch die Mundhöhle sondern auch durch die Haut ihren Weg in den Körper finden. DaS würde der Forschung ganz neue Wege weisen. Auf die Entgegnungen auf meine Rede aus der vorigen Woche über die Zustände in den Hütten- und Walzwerken kann ich heute nur soweit zurückkommen, als es sich um die sanitären Verhältnisse handelt. Prinz Schönaich-Carolath hat bestritten, daß in den schlesischen Zinkhütten Frauen in den Werkstätten beschäftigt würden Ich stelle fest, daß gerade auf der Silesia-Zinkhütte in sämtlichen Werkstätten Frauen und Mädchen in der furchtbaren Hitze und dein außerordentlichen Staube beschäftigt werden. rührt wurden.(Beifall.) Abg. Liebermann v. Sonnenberg(Antis.): Ich bin überzeugt. daß die Wissenschaft dazu führen wird, daß auch unsere Regierung einmal einen höheren Standpunkt einnimmt und den Impfzwang beseitigt. Präsident des Reichsgcsundheitsamtes Geheimrat Bumm macht nähere Mitteilungen über die Wurmkrankheit: Früher nahm man an, daß die Larve des Ankylostoma nur durch den Mund in den Körper gelange; es ist aber jetzt festgestellt, daß sie auch durch die Haut eindringt. Der Vorschlag, die Berieselung zu sistieren, hat sich als untunlich erwiesen, da die dadurch hervorgerufene Explosiv- gefahr weit größer ist als die Ansteckungsgefahr. Als bestes Mittel hat sich erwiesen: den erkrankten Arbeiter sofort von der Grube zu entfernen. Es ist zur Bekämpfung der Krankheit für Einrichtung tunlichst vieler Aborte, für die Beschaffung von Badegelegenheiten gesorgt worden. Die Arbeiter sind durch Flugschriften belehrt worden. Infolgedessen hat sich eine ganz merkliche Abnahme der Wurmkranlheit ergeben. Die Zahl der Erkrankungen ist z. B. in einer Grube von 36,1 Proz. auf 1,62 Proz. herabgegangen. Die Ergebnisse der sehr eingehenden Untersuchungen über die Gesundheitsschädlichkeit der Metallegierungen mit mehr als 10 Proz. Blei sind abgedruckt im 20./22. Bande der Arbeiten aus dem Kaiser- lichen Gesundheitsamt. Daß bei unseren hygienischen Gesetzen das Ausland anders als das Inland behandelt wird, war bei uns bisher nicht Sitte.— Was den Impfzwang betrifft, so hat die vom Reichs- tag 1896 beschlossene Kommission 1837 die Beibehaltung desselben beschlossen. Die Jmpfgegner haben sich an dieser Kommission nicht beteiligt.(Hört! hört!) Größte Reinlichkeit ist bei der Impfung die Hauptsache. Daher ist cs ein unverantwortliches Bor- offene Wunde sofort mit dem Munde auszusaugen oder nasse Erde darauf zu legen. Von keinem Freunde der Impfung ist behauptet worden, daß diese einen absoluten Schutz gegen die Pockenerkrankung bietet, aber die Gefahr wird jedenfalls durch die Impfung erheblich verringert. Abg. Frölich(Antis.): Gewissenhafte Aerzte werden den Ge« wiflenszwang der Impfung verwerfen. Abg. Paasche(natl.): Man beseitige doch endlich die unsinnige Geheinlmittelliste. bestrafe alle Anpreisung schädlicher und be- trügerischer Heilmittel und gebe die harmlosen frei. Es ist doch sinnlos, z. B. den Verkauf von Brandts Schweizerpillen den Apo- thekern zu gestatten, sie aber für jede Reklame dafür zu bestrafen. Staatssekretär Graf Posadowsky: Für das beste Mittel gegen die Geheimmittel halte ich den gesunden Menschenverstand des Publikums. Wenn aber festgestellt ist. daß Mittel angepriesen werden, deren Verkaufswert in auffallendem Mißverhältnis zu ihrem Herstellungswert steht, wenn ferner festgestellt ist, daß diese Geheimmittel gerade bei den untersten und ärmsten Volksklassen Absatz finden, die zu sparsam sind, einen vertrauenswürdigen Arzt zuzuziehen, so mußte doch etwas geschehen, und das Verfahren deS Bundesrats hat sich im großen und ganzen bewährt. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.): DaS preußische Handels- Ministerium hat es abgelehnt, zur Bekämpfung der Wurmkrankheit Versuche mit Schachtleitern zu inachen, bei denen die Arbeiter nicht mit den Händen an die Sprossen zu greifen brauchen, sondern an besondere Griffe. Ich bitte das ReichSgesundheitSamt um Angabe deS Grundes dieser Ablehnung. Präsident Bumm: Wenn diese Versuche noch nicht angestellt sind— worüber ich nicht unterrichtet bin—, so werden sie zweifel- los noch nachträglich angestellt werden. Abg. Dr. Semler(natl.) verlangt den DeklarationSzwana iüi Honig. «bg. Singer(Soz.): Es wäre sehr bedauerlich, wenn der deutsche Reichstag, der hier in der zweiten Lesung plötzlich mit der Resolution Burckhardt über« rumpelt worden ist, emen Beschluß faßte, der darauf hinausgeht: was in Deutschland als gesundheitsschädlich verboten ist, nach dem Auslande auszuführen. ES scheint mir das kein Mittel, die Bestrebungen zu einer internationalen Annäherung der Länder zu fördern. Welchen Eindruck müßte ein solcher Antrag namentlich wenn er zum Beschluß des Reichstages erhoben würde, im Auslande machen. Wir gestatten den Bertrieb derartiger Gegenstände mit Rücksicht darauf nicht, daß ihr Gebrauch gesund« heitsschädlich ist. Den Ausländern aber wollen wir die Sache hin- schicken! Das ist eine Art deS Konkurrenzkampfes, wie sie in modernen Staaten bisher nicht geübt worden ist: daS Ausland durch Gegenstände, die man ihm liefert, langsam abtöten zu wollen. (Heiterkeit.) Ich weiß nicht, aus welchen Gründen die Herren den Antrag gestellt haben. Aber er würde jedenfalls nicht dazu bei« tragen, den Ruf unserer Humanität zu vermehren. Man muß mit solchen Resolutionen, die man aus dem Aermel schüttelt, recht vorsichtig sein. Ich kann mir nicht denken, daß die Antrag- steller diese Wirkung ihrer Resolution gewollt haben. Jedenfalls ist sie ein untauglicher Versuch am untauglichen Objekt, und nieine Freunde verwahren sich dagegen, an solchen untauglichen Versuchen teilzunehmen. Vielleicht ziehen die Antragsteller den Antrag zurück, um sich die Ablehnung zu ersparen. Ich würde es sehr bedauern, wenn die Mehrheit des Reichstages einen Beschluß faßte, der aus- spricht, daß man die Gesundheit der eigenen Nation schützen will, dem Auslände gegenüber aber diese Pflicht nicht anerkennt.(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Präsident Graf Ballestrem: Nach einem Beschluß des Reichstags vom 12. Dezember 1893 bedürfen die zur zweiten Lesung deS Etats gestellten Resolutionen der Unterstützung von 15 Mitglieoern. Eine Abstimmung über sie darf frühestens drei Tage, nachdem sie gedruckt in de» Händen der Mitglieder find, stattfinden. Die in Rede stehende Resolution kann also heute nicht zur Abstimmung kommen. Abg. Licbermann von Sounenberg(Antis.): DaS Ausland ist uns gegenüber auch nicht so zartfühlend. Ich erinnere nur an den Chicagoer Schlachthof und das amerikanische Schweineschmalz. Abg. Burckhardt(Wirtsch. Lg.): Der Abgeordnete Singer war bei der Begründung meines Antrages gar nicht anwesend und ist über die Sache gar nicht informiert. Die fraglichen Gegenstände sind überhaupt nicht gesundheitsschädlich. Abg. Singer(Soz.): Ich glaube nicht, daß die Ansführungen der beiden Vorredner die Position der Antragsteller verbessert haben. Wenn der Abg. Liebermann sich darauf benef, daß auch das Aus- land uns gesundheitsschädliche Sachen hereinschickte— von denen eS wahrscheinlich glaubt, daß sie nicht gesundheitsschädlich sind— so ist daS noch kein genügender Grund für uns, Dinge hinzuschicken, die hier mit Rücksicht auf die Gesundheit verboten sind. Wenn ferner der Abg. Burckhardt sich bei der Begründung seines Antrages darauf berufen hat, daß im Auslände das Verbot nicht gelte, so könnte ja das Ausland gerade durch diese Verhandlungen auf die Gesundheitsschädlichkeit der Bleiwaren aufmerksam gemacht werden und iljre Einfuhr bcrBtchit. Dann fnfeen b« FaKrikanteil mit den Deckel», die sie auf die Ausführungen des Abg� Burckhardt hin ge-> mackt haben, fest. Vielleicht kauft sie ihnen dann der Abg. Burck- Hardt ab.(Heiterkeit.) Der Abg. Burckhardt meinte ferner, es zeige wieder einmal recht die Arbeiterfreundlichkeit der Sozialdemokratie, dah sie die Arbeiter auf dem Westerwald biotlos machen wolle. Meine Parteigenossen sind viel zu human, als dafj sie die Herstellung eines Produkts zulassen sollten, dah auf den Gebraucher schädlich wirkt. Das wäre eine schlechte Arbeiterklasse, die Gegen- stände herstellte, die die Gesundheit des Verzehrers schädigen. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. Burckhardt wird sich über die ablehnende Haltung der Nationalliberalen zu leiner Nesolntion ja mit diesen auseinandersetzen können. Aber vielleicht schätzen diesmal auch die Naiionalliberalen den Unter- nehmergewinn, der den Fabrikanten entgeht, nicht so hoch ein wie den Schaden, der i» der Anfertigung gesundheitsschädlicher Dinge liegt. Sollen doch die bleihaltige» Scharniere und Schrauben an Bierkriigen befestigt werden, so dag sie das Bier in gesundheils- schädigender Weise beeinflussen. Sind aber alle diese Gegenstände wirklich unschädlich, so liegt gar kein Grund vor, das Verbot nicht auch für Deutschland aufzuheben. Nur können wir nicht dafür stimmen» Inland und Ausland mit zweierlei Maß zu messen, wenn es sich um die Gesundheit, um Leib und Leben handelt. Eine solche Politik ist verwerflich, und wir können ihr auch nicht deshalb zu- stimmen, weil nur das Ausland dadurch betroffen wird. Hier gilt für uns das Wort:„Was du nicht willst, das man dir tu, das fug' auch keinem andern zu."(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo- kraten.) Abg. Lieber»««»» v. Sonucnbcrg(Antis.): Der Abg. Singer hat mir andere Motive untergeschoben, als ich vorgebracht habe. Ich weise das zurück. Abg. Dr. Miiller-Sagan(frf. Vp.): Eine Gefährdung der Ge- fundheit des Auslandes' ist ausgeschlossen, ivkan» kann das Bier doch nicht so lange abstehen lassen, bis es Metallgeschmack anniinmt, denn dann würde es längst nicht niehr schmecken. Das Kapitel wird beivilligr. Sämtliche den Wein betreffenden Nesolutionen ir erden angenommen. Beim Kapitel „Patentamt" bittet Abg. v. Oldenburg- Jantzschau(k.) um Berücksichtigung der Wünsche der expedierenden Sekretäre dieses Amtes. Abg. Lnttiuaii»(Antis.) fragt an, wie sich die Regierung zu den von den technisch-industriellen Beamten in einer Berliner Versamm- lung aufgestellten Forderungen einer Aendenuig des Patentgesetzes stelle, die dahin gingen, dasz den Erfindern nicht die Gewinne aus den Patenten durch ihre Firmen entzogen«verde» könnten. Staatssekretär Graf Posadowskh Das Patcntgesctz steht auf dem Grundsatz, dafi das Patent dem Anmelder gehört und dafi der eigentliche Erfinder sein Recht nur auf dem Wege der Klage oder des Einspruchs geltend machen darf. Ob sich hier eine Aeudernng des PalentgesetzeS empfiehlt,«nufz sehr eingehend erwogen werden. Das Kapitel wird beivilligt. Beim Kapitel Reichsversicherungsamt bespricht Abg. Körste»(Soz.) die Verjährungsfrist der Invalidenrenten und ein bor kurzem ge- fällteS Reichsgerichtsurteil, nach den« eine Vertragsklage auf Schaden- ersah von feiten der Arbeiter gegen die Arbeitgeber nicht angestrengt werden kann. In dein reichsgerichtlichen Urteil ist ausgeführt, dag eine privatrechtliche Verpflichtung des Arbeitgebers zum Marken- kleben nicht bestehe, die Verpflichtung vielmehr lediglich eine öffentlich rechtliche sei. Durch dieses Urteil ist eine Prämie für gcivisscnlose Arbeitgeber ausgesetzt. Der Versicherte«vird eine solche Recht- sprechung nicht verstehen. In der Praxis hat der Arbeitnehmer jetzt gar keine Möglichkeit, das Kleben zu kontrollieren. Auch in diese«» Jahre ist lvieder die soziale Gesetzgebung gelobt und den Arbeitern z» Geniüte geführt worden, daß für sie alles getan fei. Niemand hat aber davon gesprochen,«sie die Dinge in der Praxis stehen. Aus der Praxis heraus niuff ich Ihnen aber sagen, das; die Dinge ganz anders aussehen. Seit zwei Jahren ist es nicht besser geworden, sondern schlechter. Die ganze Art der Anlvendnng der Gesetze läßt viel zu wünschen übrig. Die Krankenkassen haben ihre Pflicht getan. Dagegen haben die Körperschafteit, die von den Arbeitgebern geleitet werden, es nicht getan. In den ersten 13 Wochen kommen fast gar keine Klagen vor, dann aber kommen die Klagen über die Genossenschaften. Von diesen werden Erhebungen nach allen Richtungen veranstaltet. Es macht den Eindruck, als ob die Berufsgenossenschaften den Verletzten die Gesetze verekeln wollten. Einige bessere Berussgenossenschasten geben noch einmal einen Vorschuj; von 20 und 30 M.; wenn dann aber jemand noch etwas haben will, wird er an die Armendirektiim verwiesen. (Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Angesichts dieser Tatsachen erscheint die Klage, daß die Arbeiter Snnulante» seien,«virklich auch für uns verständlich. Es kommt daher, das; die Arbeiter in die Berzlveiflung gelrieben werden. Glauben Sie, dah es für einen Arbeiter etlvas Angenehines ist, wenn man ihn, wo er Rechte hat, an die Armeudirektion weist? Daher kominen Neurasthenie. Gemütskrankheit uslv.(Sehr richtig I b. d. Sozialdein.) Autoritäten haben anerkannt, daß diese Begleiterscheinungen schlimmer sind als die Unfälle selbst. Es gibt aber auch noch andere Dinge, die der gewöhnliche Sterbliche nicht versteht. Viele glauben, daß, wenn jemand verunglückt, auch ein Unfall vorliegt. Da«vird dann aber geprüft, welche Betriebsart vorliegt, ob ein ursächlicher Zusammen- hang da ist, wie sich der Verletzte benoinmen hat usw.. Der Ver- letzte ist— namentlich bei Bauten— oft gar nicht in der Lage, nach- zuweisen, daß der Unfall passiert ist. Dann bekommt er keine Rente I Jeder Arbeiter müßte sich also eigentlich heute einen Zeugen mitnehmen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ich stige: eS ist ein Kunststück, festzustellen, lvas ein Unfall ist. Die Vergiftungen z. B. werden gewöhnlich nicht als Unfälle angesehen, sondern als GewerbekrankheUen. Alle solche Fälle«verde» auf die Invalidität verwiesen. Llber auch dort sieht es schlimm aus. Der Staatssekretär hat früher einpsohlen, den Vertrauensarzt nicht allein entscheiden zu lassen. Jetzt entscheidet aber allein der Ver- trauensarztl Seitdem die Praxis der Vertrauensärzte besteht, sind die Renten zurückgegangen, während die Beiträge stiegen! Vor 2 Jahren habe ich Klage geführt, daß die Schiedsgerichte 24 Fälle und«»ehr in einer Sitzung erledigten. Jetzt werden sogar 36, 42 und 56 Fälle abgehandelt.(HörtI hört l bei den Sozial- demolraten.) Von einer wirklichen Verhandlung ist gar keine Rede. Will der Verletzte reden, so fällt ihm der Vorsitzende sofort ins Wort:„Ach was. wir kennen ja die Akten!"(Hört I hört I bei den Sozialdemo. kraten.) Dadrirch, daß das Gericht von vornherein den Vertrauens- arzt der Berufsgenossenschaft als Gutachter zuzuziehen pflegt(Hört I hört I bei den Sozialdeinokraten). wird den Verletzten die Wohltat des Gesetzes aus§ 69 Absatz 3 entzogen. Man geht soweit, die Verletzten zu zwingen, sich in öffentlicher Gerichtssitzung zu ent- kleiden.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Das sollte einmal den Mitgliedern der bürgerlichen Gesellschaft vor dem Zivilgericht geboten«verde«!! Diese Zustände müssen endlich eimnal an die Oeffentlichkeit gebracht werden. Bei dem Reichsversicherungsamt haben die Beisitzer es sehr vernünftigerweise abgelehnt, mehr als fünfzehn Fälle in einer Sitzung zu erledigen, um wenigstens diese sorgfältig verhandeln zu können. Angesichts solcher Mißstände— ich könnte ihre Liste stundenlang fortsetzen— ist es doppelt bedauerlich, daß sich eine Partei gefunden hat die den Arbeitern die geivährleistete Rente noch kürzen will. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Der Zentrums- abgeordnete Schinedding hat im Abgeordnetenhause öffentlich ver- langt, daß die Renten unter 25 Proz. in Zukunft nicht ausgezahlt werden sollten— ans Sparsamkeitsrücksichten.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Sollen die 13 Millionen die man dadurch spart, auch noch für Schiffe und Kanonen ausgegeben und den Arbeitern entzogen werden?!(Sehr gut! bei den Soziaidemolraten.) Die Befürworter einer solchen Rentenkürzung wiisea gar nicht was die„kleinen Renten� bedeuten. Das Drittel nach oben bekonunt schon gesetzlich niemand. Nach der herrschenden höchst bedauerlichen Spruchpraxis ist aber auch das untere Zehntel abgeschnitten. Da läßt sich nun auch noch das Zentrum als Vorspann der Berussgenossenschasten gegen die Renten bis zu 26 Prozent gebrauchen.(Hört I hört! bei den Sozialdemo- kraten.) Die haben allerdings die Anschauung, daß der Arbeiter immer simuliert. Für ein Fingerglied«vird jetzt in Berlin solvieso schon nichts gezahlt.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Was aber müßte noch alles wegfallen, käme man den Plänen der Zentrumsvertretcr nach? Die 20 Prozent für einen Zeigefinger der linken Hand, die 25 Prozent für einen Zeigefinger der Rechten, die 20 Prozent für einen Knöchelbruch(Hört! hört! bei den Sozial- demokrate»), die 25 Prozent für einen Armbruch, die 25 Prozent für den Verlust eines Auges.(Vielfaches Hört! hört! bei den Sozial- demolraten.) Alles das sind kleine Renten, die künstig«vegfallen sollen. Das ist übrigens nur ein verdecktes Spiel. Wenn man den land- wirtschaftlichen Arbeitern die Renten kürzt, werden es auch bald die geivcrblichen Berufsgenosseiischaften tun.(Sehr richtig! bei den Soz.) Man benutzt wohl die Kinder zur Arbeit in der Landlvirtschaft. aber «vcnn sie verletzt werden,«vill man ihnen keine Rente geben! Wenn diese Rentenkürzung zur Tat wird, dann können die Arbeiter Ihre ganze soziale Gesetzgebung entbehren. Das Zentrum kann die Rede seines Mitgliedes im Landtage nicht ablvimmcln. Unsere Sache wird es sein, die Arbeiter aufzuklären, wer die wirklichen Arbeiterfreunde sind.(Bravo! bei den Soz.) Staatssekretär Graf Posadowskh: Die Aufgabe der Berufsgenossenschaften ist eine außerordentlich schwere. Sie verwalten fremde Gelder mrd müssen objektiv fest- stellen, ob wirklich ein entschädigungspflichtiger Unfall vorliegt oder nicht. Aktemnäßig festgestellt ist, daß es Rentennachsucher gibt, die ihr Leiden wesentlich übertreiben und darin unterstützt werden von sehr zlveiselhaften Elementen, die dies berufsmäßig betreiben. Einen Vertrauensarzt kann die Berufsgenossenschaft natürlich«licht ent- behren. aber dadurch ist in keiner Weise ansgescklossen, daß der Rentennachsucher anderweitige Atteste beibringen kann. In bezug auf die Ersatzpflicht von Arbeitgebern, die das Marken- kleben versäumen, hat das Reichsgericht entschieden, daß dies eine öffemlich-rechiliche Verpflichtung dem Staate gegenüber ist, nicht aber eine privatrechtliche dem Arbeiter gegenüber und daß daher ein Schadenersatzanspruch des Arbeiters auf das Invaliden- Versicherungsgesetz mit Erfolg nicht gegründet werden kann. Diese Enischeidmigen haben in der Presse den Irrtum hervorgerufen, als sei das Reichsgericht der Meinung, der Arbeiter habe in solchen Fällen überhaupt kein Recht auf Schadenersatz. Das Reichs- gericht hat aber wiederholt ausgesprochen, daß ein solcher Schadenersatzanspruch gegen den Arbeitgeber, der durch Nichtkleben der Marken einen Arbeiter um seine Rente bringt, wohl auf Grund der Bcstiinniungen des bürgerlichen Rechts möglich sei. Unter dem nenen Bürgerlichen Gesetzbuch sind solche Entscheidungen noch nicht ergangen. Sie könnten aber jetzt auf Grund des§ 822 erfolgen. Der Herr Vorredner hat auch behauptet, daß in Berlin das Schiedsgericht häufig bis 40 Fälle an einen, Tage entscheide. Nach den Ermittelungen des Reichsversicherungsamts werden im Durch- schilitt von de» Schiedsgerichten nicht mehr als 20 Fälle täglich ver- handelt. Abg. Erzberger(Z.): Das ReichStagszentrum kaim nicht für die Aeußerung eines einzelnen Zentrumsabgeordneten in einem Einzel- staate verantwortlich gemach« werden. Das ist doch bei Ihnen(zu den Sozialdemokraten) auch so. HerrGeck freut sich schon auf seinen Besuch beim Großherzog(Heiterkeit im Zentrum), während Herr Singer sich«veigert, zu Hofe zu gehen. Abg. Walla»(natl.): Daß vor dein Berliner Schiedsgericht bis 50 Fälle verhandelt werden, ist gewiß nicht zu entschuldigen. Aber die meisten Fälle lassen sich sehr rasch erledigen. Schließlich sind doch auch die Beisitzer aus den Arbciterkreiscn da; sie können dem Vorsitzenden in die Zügel fallen. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Montag 1 Uhr. Schluß ö'/z Uhr._ Hbgcordnctenbaus. Sonnabend, den 17. Februar, 10 Uhr vorm. -«m Ministertische: Beseler. Zum ehrenden Andenken des verstorbenen Abg. Zwick(frs. Vp.) erhoben sich die Anwesenden von den Sitzen. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung deS Justiz- etats. Beim Kapitel Einnahmen wünscht Abg. Eckert(freik.) nähere Angaben über die Einnahmen aus der Gefangenenarbeit. Der freien Arbeit darf keine vernichtende Konkurrenz gemacht werden. In Neu-Siuppin aber bestehen mehrere Firinen zur Herstellung der bekannten Bilderbogen. Für die eine Finna ist nun im Gefängnis eine förmliche Fabrik errichtet worden. Die geschädigte Konkurrenz hat sich vergeblich beschlvert. Abg. Witzmann(natl.): Nur ein kleiner Teil der Gefangenen wird mit Arbeiten für die Anstalten selber und für Sieichs- und Staatsbehörden beschäftigt. Andererseits ist z. B. in Breslau ein Buchbindermeister, der vorher für die Behörden arbeitete, einfach ruiniert worden, indem man diese Arbeiten plötzlich iin Gefängnis anfertigen ließ. Justizminister Beseler: Die Frage der Gefängnisarbeit ist un- geheuer schwierig. Der Fall in Neu-Ruppin ist in der Tat so be- denklich, daß Abhülfe geschaffen werden muß. Tagegen fällt die Beschäftigung der Gefangenen im Brcslauer Fall ganz in den Rahmen der vom Hause gewünschten Gefangenenarbeit. Auf Anregung des Abg. Dahlem(Zentr.) verspricht Justiz- minister Beseler eine baldige Reform des Armenrcchtes. Die Einnahmen«Verden bewilligt. Es folgt die Beratung über die Ausgaben. Zum Titel 1 (Ministergehalt) beklagt Abg. Strosser(k.) die laxe Rechtsprechung der Gerichte in der Handhabung der Paragraphen gegen die Verbreitung unzüchtiger Bilder und Schriften. Der Minister sollte dafür sorgen, daß die Gerichte nicht iinmer die von der Polizei beschlagnahmten Unzüchtig- leiten wieder freigeben!(Hört! hört! links.) Die Tatsache, daß im Verein christlicher Referendare in Breslau ein antisemitisches Tischlied gesungen worden ist, könne nur durch einen groben Ver- trauensbruch zur Kenntnis eines jüdischen Rechtsanwalts gelangt sein. Gegen den Verfasser des Liedes, den Landgerichtsrat Hoff- «nann, ist leider ein Disziplinarverfahren eingeleitet, allerdings dann bald wieder eingestellt«vorden. Der Landgerichtsrat Hoff- «nann ist Besitzer der Rettungsmedaille, weil er mit eigener Lebens- gefahr einen Knaben aus der Oder gerettet hat. Er hat sich also sehr große Verdienste erworbei«. Aber mehr: Der gerettete Knabe war jüdischen Glaubens!(Stürmische Heiterkeit rechts.) War daher das Disziplinarverfahren gegen den Herrn wirklich not- wendig?(Lebhaftes Bravo rechts.) Justizminister Beseler: Das Verhalten des Landgerichtsrats Hoffmann«var iminerhin nicht frei von Taktlosigkeit und Rücksichts- losigkeit. Die Sache mußte klargestellt werden. Daß das von ihm gerettete Kind ein jüdisches war, hat Herr Hoffmann doch wohl nicht vorher sehen können.(Heiterkeit und Beifall.) Abg. de Witt(Zentr.) wünscht die Gewährung von Diäten an Schöffen und Geschlvorene. Abg. Lüdicke(freik.) tritt für Vermehrung der Amtsgerichte ein. Redner kritisiert die Milde,«nit der in dein bekannten Plötzensec- Prozeh gegen die Sozialdemokratie verfahren ist, diesen »Todfeind unseres Gesellschaftslebens"! (Beifall rechts.) � � Abg. Keruth(frs. Vp.) tritt für eine Vermehrung der Richterstellen ein, da sonst die Prozesse zu sehr verschleppt würden. Abg. Mizerski(Pole) führt einige Fälle an, in denen polnische Redakteure bestraft sind, weil sie zur Pflege der Muttersprache und zum Festhalten an polnischer Art und Sitte aufgefordert haben. Justizminister Beseler: Der Plötzensee-Prozeß hat noch unter der Amtsführung meines Vorgängers stattgefunden. Mein Vor- gänger hat dem Oberstaaisanwalt freie Hand gelassen. Dieser wird schon seine Gründe gehabt haben, dafi er auf den Vergleich eingegangen ist. Abg. Brocmel(frs. Vg.): Die Art und Weise, wie heute viel- fach Zeugen vor Gericht behandelt werden, der Zustand der Räume, in denen man den Zeugen zumutet, oft stundenlang zu warten, schreit zum Himmel. (Beifall links.) Abg. Marx(Zentr.) ruft die Regierung zum Kampf wider die Unsittlichkeit auf. Wenn die Sache so weiter geht, werden wir bald für eine neue Lex Heinze reif werden, die nur etwas geschickter abgefaßt zu sein braucht als die vorige, un« eine Mehrheit zu finden. Justizminister Beseler: Die Klagen des Abg. Broemel über schlechte Behandlung und langes Warten der Zeugen sind nicht unberechtigt. Die Justizverwaltung ist bemüht, Besserung zu schaffen.(Beifall.) Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Montag 12 Uhr: Provinzial- abgabcngesep. Schluß: iVj Uhr. Hus der Partei. • Die„März-Zeitung" der Buchhandlung Vorwärts wird in diesem Jahre dem Gedächtnis Heinrich Heines gewidmet sein. Bekanntlich sind in diesen Tagen 50 Jahre seit dem Tode des Dichters verflossen, der in prächtigen Versen die Geißel seiner Satire über Reaktion und Philistertum salisen ließ. Noch heute wehren die Rücklvärtser aller Sorten dem Toten die marmorne Ehrung. So tritt anch hier die Arbeiterschaft auf den Plan, nach ihrer Weise den Sänger zu ehren, indem sie sein Leben und Wirlen weiten Volkskreisen nahe bringt. Das historische Bild wird Wilhelm Bios behandeln.— Hermann Wendel hat es übernommen, das Wesen und Wirken des Dichters in seiner charakteristischen Eigentümlichkeit zu schildern.— lieber die„Frauen im Leben Heines" schreibt A. Fendrich. Der Einfluß des Dichters auf die Agitation der Sozialdemokratie wird von Hermann Molkenbuhr skizziert werden.— Heinrich Schulz wird die„Heine-Ehruug" in Deutschland kennzeichnen, während die Prosaschriften des Dichters eine Betrachtung durch John S ch i k o w S k i erfahren.— Zahlreiche Porträts, von Heine selbst und denen, die ihm im Leben nahe standen, ui«d andere Illustrationen zieren das Heft, das auch charakteristische Zitate aus den Werken enthalten sowie ein Gedicht in der Handschrift des Dichters bringe» wird. Der Preis für die Nummer beträgt 20 Pf., Bestellungen müssen spätestens bis 25. Februar aufgegeben sein. Aus der Redaktiv« der Königsberg«„Bolkszeitung" scheidet der Genosse Borchardt aus. VoUreMck««», OerlchtlicheB üb», Das Wahlrechtsflugblatt hält auch in den Unterweserorte n, wie uns von dort geschrieben wird, Polizei, Staatsanwalt und Gerichte noch inimer voll in Atem. Man scheint sogar eine große Staats- aktion daraus machen zu wollen. Gegen den verantwortlichen Herausgeber des ain 14. Januar verteilten Flugblattes. Ge- Nossen Köhler, wurde zuerst Anklage auf Grund der§§ 130 und 131(Aufreizung zu Gewalttätigkeiten und Verächtlich- machung von Staatseinrichtungen) erhoben, doch ließ man das erstere Delikt dann wieder fallen und beschränkte sich auf Anklage wegen der verächtlich gemachten Staatseinrichtung- Diese Missetat soll unter anderein auch dadurch begangen sein, daß in dem Flugblatt das bekannte Wort Bismarcks, welches das Dreiklassenwahlsystem als das elendeste aller Wahlsysteme kennzeichnete, gebraucht worden war. Außer auf den Herausgeber erstreckte sich die Anklage nach und nach auf weit über 20 Genossen, welche man bei der Flugblattverbrci- tung als Mitwirkende ermittelt hat. Dainit hat der Staats- anwalt aber anscheinend noch nicht genug. Dieser Tage sind auch die Genossen Haverkamp und M e n tz e l, erstcrer als Firmenmitinhaber, letzterer als Geschäftsführer unseres Bremerhavener Parteigeschäfts, vor dein Untersuchungsrichter vernoinmen worden. Auch ihnen will man jetzt den Prozeß inachen.— Gleich nach der Konfiskation des ersten Flug- blattes, und zwar zwei Tage später, verteilten die Genossen an der Unterweser ein zweites Flugblatt, welches gleich- zeitig die Antwort auf die geschehene Konfiskation enthielt- Auch dieses Flugblatt scheint der heiligen Justiz heftige Kopf- schmerzen bereitet zu haben. Die Delikte der 88 130 und 131 hat man darin jedoch anscheinend selbst mit der schärfsten Lupe nicht entdecken können und so beschränkt man sich denn darauf, gegen den Herausgeber ein Versahren wegen angeb- licher Beleidigung der beiden Häuser des preußischen Landtages einzuleiten. Sollte dieses Verfahren wirklich zur Durchführung kommen, so würde das zweifellos ein Schauspiel für Götter zeitigen. Die Willkürherrschaft der preußischen Polizei hat durch einen Entscheid deS Regierungspräsidenten v. F i d l e r in Erfurt wieder einmal ihre behördliche Bestätigung gefunden. Die Erfurter Polizei„gestattete" die öffentliche Volksversammlung am 21. Jarmar nur unter der Bedingung, daß öffentlich in unserem Parteiblatt„Tribüne" bekannt gemacht wurde, daß Frauen und Mädchen vom Zutritt ausgeschlossen sind. Die Parteiinstanzen fügten sich zunächst dem ungesetzlichen Verlangen in der bestimmten Erwartung, daß eine Beschwerde bei der Re- gierung die Polizei in ihre gesetzlichen Schranken zurückweisen würde. Taffächlich»nußten anS der Versammlung die Frauen auch fernbleiben, da die Erlangung emes sofortigen Entscheides von der höheren Instanz«vegen Kürze der Zeit nicht mehr»«öglich war. Auf die dann ewige Tage später abgesandte Beschwerde ist nun folgender Entscheid bezw. Nichtcntscheid eingegangen: Aus die Beschwerde vom 27. v. Mts. erwidere ich Ihnen, daß ich es ablehnen muß, jetzt noch der Frage näher zu treten, ob die polizeiliche Anordnung wegen Fernhaltens der Frauen und Mädchen von der Bersnniiulung am 21. Januar d. I. im TivoNsaal aufzu« heben war oder nicht. Der Regieningsprästdent. v. Fidler. Demnach untersteht daS Erfurter Polizeiregiment tatsächlich keinerlei Nachprüfung durch die Regierung und kann sich nach Willkür und Laune austoben. Man könnte verinuten. daß der Herr Regierungs- Präsident eine Nachprüfung deshalb ablehnte, weil die Beschwerde erst einige Tage nach dem Verbot abgeschickt wurde; aber bekaniitlich besteht in Preußen noch keine gesetzliche Bestimmung, bis zu welcher Stunde nach dem polizeilichen Willkürakt etwaige Beschwerden zulässig sind. Da demnach diese Bernuitung unhaltbar ist, bleibt für den Machtbereich deS Erfurter Regierungspräsidenten die Tat» fache bestehen, daß die Polizei schalten und walten kann, wie es ihr keNebt. Sie braucht nur die eine Vorsicht zu üben, ihre Verbote und ungesetzlichen Beschränlungen s o kurze Zeit vor den betreffenden Veranstaltungen zu erlassen, daff eine Beschwerde vor dem Stattfinden nicht mehr entschieden werden kann; dann lehnt eS n a ch der Versammlung oder deren Termin der Regierungspräsident ab,„jetzt noch" der Frage näher zu treten und— die Gesetzesübertretung ist„gesetzlich" geworden, die Will- kürherrschaft sanktioniert. Gegen den Entscheid werden weitere Schritte unternommen werden. Sogar der Polizeipräsident von Königsberg, Herr v. Kannewurff, kennt immer noch nicht die Bestimmungen über das Vereins- und Versammlungsrecht. So hat er kurzerhand eine öffentliche Versammlung, die am Sonntag für jugendliche Arbeiter und Lehrlinge stattfinden sollte, verboten. Der Einberufer erhielt mit der Anmeldebescheinigung folgenden Bescheid: „Gleichzeitig wird Ihnen eröffnet, daß die Abhaltung dieser Versammlung, zu welcher Lehrlinge pp. eingeladen sind, hier- mitaufGrund des§8Abs. 3 desVereinsgesetzes vom 11. März 1850 untersagt wird." Damit hat der Polizeipräsident vor aller Welt bekundet, dasi er das Vereins- und Versamnilungsrecht nicht kennt. Denn der obige Paragraph verbietet die Teilnahme von Lehrlingen an Versamm- lungen politischer Vereine. Es sollte aber eine ö f f e n t- I i ch e, von einer Person einberufene Versammlung stattfinden. Aber selbst wenn es sich um eine politische Vereinsversannnlung handeln würde, so wäre das Verbot gleichfalls ungerechtfertigt, denn die Polizei kann in der Versammlung des politische» Vereins die Entfernung der vorhandenen Lehrlinge beantragen, nnd wenn dem nicht Folge geleistet wird, könnte sie die Versammlung auslösen. Eine Versammlung� kann in Preußen überhaupt nicht vorher ver- boten werden,� es sei denn, wenn dringende Gefahr für Leben und Gesundheit besteht Daß so etwas einem Leiter einer großstädtischen Polizei passiert, ist wirklich erstaunlich. Da darf man sich nicht mehr wundern, wenn ein ostelbischer Amtsvorsteher oder Gendarm voll GesetzcSunkenntnis strotzt. Dabei ist der Königsberger Polizei- Präsident so von seinen, Recht überzeugt, daß er sich von dem Einberufer der Versammlung gar nicht spreche», sondern ihm sagen ließ, daß es bei der Verfügung bleibe. Es ist sofort beim Regierungs- Präsidenten Beschwerde eingelegt worden. Die„KönigSbcrger Volkszeitung" erfreut sich nach wie vor der größten Aufmerksamkeit seitens der Staatsanwaltschaft. Gegen ihre Redakteure sind bis jetzt sieben Strafverfahren eingeleitet; dabei wurden zwei andere erst vor wenigen Wochen erledigt. In dieser Woche wurden die Genossen C r i s p i e n und Borchardt mit Anklagen bedacht. Der erstere soll den kommandierenden General des ersten Armeekorps durch die Notiz:„Die Leichtfoltcr" beleidigt haben. Es handelt sich um die bekannte Poleninterpellation betreffs der 19 polnischen Rekruten, die gefragt worden seien, ob sie polnisch gebeichtet hätten.— Dann hat man gegen Borchardt eine„alte" Sache hervorgeholt. Er soll durch den Artikel:„Die Ermordung eines Landarbeiters auf dem Gute Kutkehmen" in Nr. 20 des„Ostpreutzischen Landboten" einen Amtmann beleidigt haben. Aus cler frauenbeweguug. Treptow- Baumschulenweg. Eine große Volksver- sammlung für Frauen und Männer fand am 13. Februar in Speers Festsälen statt. An Stelle des erkrankten Genossen Strobel sprach Genosse Störmer über„Die Interessen bc& Proletaria t Der Referent führte etwa folgenbes auS: Am politischen Himmel steigen schwere Gewitter auf. kleberall sehen wir den Kampf der Unterdrückten gegen ihre Unterdrücker. Redner vergleicht die heutige Gesellschaft mit einer Pyramide.— Ganz unten das Fundament ist die breite Masse der Bevölkerung, es steigen die.Klassen immer mehr aufwärts, iiraner weniger lverdend bis ganz oben ein einziger übrig bleibt, der den ganzen Bau beherrschen will,— der Herrscher.— Von oben kommt der Druck, der immer stärker wird, und die am meisten gedrückten sind die Arbeiter, die ja den ganzen Bau erst stützen.— Ohne das Funda- ment, die Arbeiterschaft, wäre solcher Bau nicht möglich. Und doch lammern die oberen Klassen über ihre Lasten, die sie zu tragen hätten.— Redner geht dann näher auf die Lage der Arbeiterklasse ein. Er zeigt, in welch schreiendem Widerspruch die Bezahlung der Arbeiter mit ihren Arbeitsleistungen steht.— Speziell die Frauen werden als Lohndrücker verwandt und man behandelt sie schlechter als die männlichen Arbeiter.— Wie es mit dem Arbeitslohn usw. ist, so ist es auch mit der Arbeitszeit. Immer wird von den Unternehmern versucht, die Arbeitszeit zu verlängern. Das Sprichwort:„Gut gekaut ist halb verdaut", wird leider außer acht gelassen, und die Ar- bcitskraft des Arbeiters nimmt durch alle diese Ausbeutungsregeln schnell ab. Ebenso ist es mit den Wohnungsverhältnissen der Ar- beiter. Hier elende Hütten, Mietskasernen, dort lururiöse Villen und Paläste. Ilm dieser elenden Lage abzuhelfen, haben sich die Arbeiter organisiert, gewerkschaftlich und politisch I Die Arbeiterschaft muß versuchen, auf dem Wege der Gesetzgebung sich die Anerkennung zu verschaffen, die ihr gebührt.— Die Religion fpll dem Volke erhalten bleiben, sagen die Besitzenden. Ein Sprich- Wort sagt aber:„EhergehteinKameldurchein Nadel- ö h r. a l s e i n Reicher in den Himmel kommt." Unter großem Beifall schloß der Referent seinen Vorträg. In der Dis- kussion sprach Genosse Karow im Sinne des Referenten. An Er- cignissen der letzten Zeit zeigte er auch die 5llassengegensätze und wie inan speziell die Arbeiterklasse„klein in a ch e n" will. Genosse H o f m a n n fordert auf, die so leicht faßlich vorgetragenen Aus- führungen des Referenten zu beherzigen und danach zu handeln. Zunächst ist dringend notwendig, daß in jeder Familie der„Vor- wärts" gelesen iverde.— Die Hintertreppenromane, die speziell die Frauen gern lesen, und vor allen Dingen die sogenannten un- abhängigen Preßerzeugnisse, wie„Morgenpost",„Lokalanzeiger" usw. müssen verschwinden. Die Genossen Karow und König kenn- zeichnen dann noch scharf das Betragen unseres Amtsblattes, welches durch den„B o r w ä r t s" eine gehörige Abbürstung be- kommen habe, wonach es sich das zweite Mal nicht sehnen wird.— Genosse König forderte noch zum Austritt aus der Kirche auf.— Man müsse, da man doch innerlich mit der Kirche gebrochen, dies doch nun auch äußerlich tun. Man spart auch hierdurch die Kirchen- steuer. Ein massenhafter Austritt aus der Kirche ist auch die beste Kundgebung gegen die geplante Verpfaffung der Schule.— Zum zweiten Punkt der Tagesordnung:„Die Stellung der Frau in den politischen Kämpfen der Gegenwart", nahm die Kreisverirauensperson Genossin Thiel- T e m pe l h o f das Wort. Ihre wirkungsvollen Ausführungen waren kurz etwa folgende: Die Frauen wollen keine Sonderbestrebungen. Sie wissen, daß sie unter demseben System zu leiden haben wie die Männer, und folglich auch den gleichen Kampf kämpfen müssen.wie jenel Die Agitation unter den Frauen ist aber eine bedeutend schwierigere. Von Kindheit an werden sie dahin erzogen, dem Mmme unterwürfig zu sein.— Man bürdet den Frauen wohl Pflichten auf, aber Rechte haben sie nicht I Diese wollen sie sich erkämpfen. Vor allen Dingen müssen aber die Männer ihre Frauen über die gesellschaftlichen Ver- hältniffe aufklären, aber nicht die Frau daran hindern, ihren Pflichten als proletarische Kampferin nachzukommen. Hier werde aber noch sehr viel, auch von Parteigenossen, gesündigt I Rednerin bemerkt: Wie kann der Mann Indifferente organisieren wollen, wenn er nicht bei seiner eigenen Lebensgefährtin anfängt und sie aufklärt?! Die Frau ist gut genug, dem Staat Soldaten zu erziehen, aber sie soll nicht darüber mitbestimmen, wenn man ihre Kinder als Kanonenfutter irgendwo hinschickt! Wir wollen, daß unsere Kinder wahre Elternliebe hegen und nicht auf Bater und Mutter schießen.— An Stelle der Schund- literatur mutz das Organ der Frauen, die„Gleichheit", treten. Abonnementsbestellungen nimmt die Genossin Mewes, Baumschulenstraße 65, gern entgegen. Mit einem Hoch auf die internationale, völkerbefreiende Sozialdemokratie schloß Genossin Thiel die Ver- sammlung. Der Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse begeht heute in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20, sein 7. Stiftnngs- fest. Um den Mitgliedern und Gästen einige frohe und erhebende Stunden zu bereiten, ist bestens Sorge getragen. Ihre Mitwirkung haben zugesagt: Dr. Maurenbrecher, Festrede; Frl. Maria Holgers, Rezitation; Miß Annie Luxemburg, Violinsolo und ein Quartett von Herrn Maxim. Fischer. Beginn 6 Uhr. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Borstand. KB. Dienstag, den 20. Februar, abends S1/* Uhr, findet die Führung durch die Meunierausstellung, Potsdamerstr. 120, statt. Charlottendnrg. Der hiesige Frauen- und Mädchen-Bildungs- verein hält am Mittwoch, den 21. Februar, abends 8� Uhr, im Volkshaus. Rosinenstraße 3, seine regelmäßige Vereinsverl ammlung ab. Herr Winter wird referieren über„Das Genossenschaftswesen und dessen Bedeutung für die Frauen". Gäste haben Zutritt. Auf- nahnie neuer Mitglieder. Schöncberg. Der hiesige Frauen- und Mädchen-Bildungsverein besucht am Montag in oorxoro die Heimarbeit-Ausstcllung. Treff- punlt: Nachmittags l/z 3 Uhr am Brandenburger Tor. Einlaßkarten a 15 Pf. werden dort verabfolgt. Die Mitglieder sind gebeten, sich vollzählig anzuschließen. Karten zu dem am 3. März stattfindenden Maskenball sind zu haben bei: Frau Arndt, Gothenstraße 35, Frau Lehnert, Prinz Georgstraße 4, Frau Wickert, Gustav Freitagstraße 8 und Frau Bäumler, Martin Lutherstraße 51. Der Vorstand. Rcinickcndorf-Ost. Der hiesige Bildungsverein für Frauen und Mädchen hielt am Dienstag, den 13. Februar seine Vereins- Versammlung ab. Frl. Dr. Wygodzynski hielt einen Vortrag über „Aerzte, Publikum und Kurpfuscher". An die mit vielem Beifall aufgenommenen Ausführungen schloß sich eine kurze Diskussion an.°Die gut besuchte Versammlung erbrachte auch einige neue Mitglieder für den Verein, so daß die Mitgliederzahl, wenn auch langsam, aber ständig wächst. Die nächste Versammlung tagt am 27. Februar. Tcgcl-Borsigwalde. Der Frauen- und Mädchen-Bildungsverein hielt am Mittwoch in Tegel seine regelmäßige Mitgliederversannn- lung ab. Herr Ouade sprach unter großem Beifall über das Kranken- Versicherungsgesetz. Am 7. März tagt in Borsigwalde bei Kube die Generalversammlung des Vereins. Es ist Pflicht eines jeden Mit- gliedes, in dieser Versammlung, in der u. a. die Neuwahl deS Gesamtvorstandes auf der Tagesordnung steht und wichtige Vereinsange- legenhcilen zu erörtern sind, zu erscheinen. Nur Mitglieder haben Zuiritt. Das Mitgliedsbuch legitimiert. Auch auf das erste Stiftungsfest, das der Verein am 3. März in Tegel in Trapps Fest- sülen abhält, sei hiermit hingewiesen. Freunde und Gönner sind zu diesem Feste freundlichst eingeladen. Karten verabfolgen in Tegel: Frau Wiegand, Schlößstr. 21, Gartenhaus II; Frnu Mnaß, Berlinerstraße 89, Seitenflügel II; Frau Pega, Schönebergerstr. 62; Frau Holzhäuser, Brnnowstr. 20; Frau Kleineidam, Berlinerstr. 9 1; in Borsigwalde: Frau Glombig, Spandauerstr. 5; Frau Range, Räuschstr. 59; Frau Repke, Räuschstr. 48; Frau Jarius, Schabart- straße 54; Frl. Wegner. Räuschstr. 14.— Für einen genußreichen Abend ist bestens Sorge getragen. Rege Beteiligung erwünscht Der Vorstand. Pankow. Der Frauen- und Mädchen-Bildungsverein hält am Dienstag, den 20. Februar im„Feldschlößchen", Berlinerstraße, seine Mitgliederversammlung ab. Vortrag von Frau Dr. Berwig über „Kinderkrankheiten". Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird ersucht. Gerichts-Leitung. Ein edler Spanier namens Josö Ramonde de Cosa n ja wurde gestern aus dem Moabiter Untersuchungsgefängnis der zehnten Strafkammer des Landgerichts I vorgeführt. Der Spanier hatte in Berlin ein Gastspiel als Hoteldieb a la Manolescu gegeben, nachdem er wegen ähnlicher Hoteldiebereien in Hainburg zu 1'/« Jahren Ge- fängnis verurteilt worden war. Der Angeklagte, der kein Wort Deutsch versteht, kann nur mit Hülfe des vereidigten Dolmetschers der spanischen Sprache Dr. Kastan vernommen werden. Er gibt an, in Govija in der Provinz Castilien geboren und Antiquitätenhändler zu sein. Er kaufe m Deutsch- land, wo alter Schmuck sehr billig zu kaufen sei, alle möglichen Schmnckgegcnstände bei Juwelieren auf und übersende sie seinem in Madrid ansässigen Bruder, der einen schivunghasten Handel nach den Mittelmeerländern damit betreibe. Die nach dieser Richtung hin an- gestellten polizeilichen Ermittelungen bestätigten diese Angaben in- dessen keineswegs. Es scheint vielmehr, daß der Angeklagte Mitglied einer interiiationalen Gannerbande ist.— Im Juni 1904' wurde in dem„Hotel Fürstenhof" ein dreister Diebstahl verübt. In dem Zimmer 20 logierte der Dragoman der kaiserlichen Botschaft in Kairo, der Oberleutnant Edgar Anders.. Als dieser am Morgen des 10. Juni erwachte, vermißte er sofort seine Brieftasche mit 17 Hundertmarkscheinen, welche er am Abend vorher unter sein Köpfkissen gelegt hatte. Der Dieb mußte in der Nacht, während der Bestohlene schlief, sich in das Zimmer geschlichen und den Dieb- stahl verübt haben. In dem Hotel hatte sich am Tage vorher ein Spanier, der sich Manuelo Diaz nannte, einlogiert. Dieser ivar, als der Diebstahl entdeckt wurde, spurlos ver- schwunden. Nach Bekundung des Hotelportiers hatte der angebliche Diaz das. Hotel gegen fünf Uhr morgens verlassen. Die Kriminalpolizei setzte alle Hebel in Bewegung, um den verschwnn- denen Spanier zu ermitteln, jedoch ohne jeden Erfolg. Im Sommer vorigen Jahres wurden in einem Hotel in Hamburg ein fast gleichartiger Diebstahl verübt. Als Dieb wurde der An- geklagte Cajanga ermittelt und später zu einem � Jahr nnd drei Monaten Gefängnis verurteilt. Nunmehr er- innerte man sich des in Berlin verübten Diebstahls im Hotel „Fürstenhof". Der gerichtliche Schreibsachverständige Kanzleirat A t t r i ch t e r stellte durch Vergleich der Handschrift des Angeklagten niit zurückgelassenen Schriftstücken des angeblichen„Manuelo Diaz" fest, daß Casanja mit diesem identisch sei. Weitere Ermittelungen bestätigten dies, so daß die jetzige Anklage gegen C. erhoben werden konnte. In der Verhandlung erzählle der Angeklagte, er habe den spanisch-amerikanischen Krieg mitgemacht und es bis zum Offizier gebracht, sein Bruder bekleide heute noch den Posten eines Oberst in Kuba. Staatsanwalt Schreiber hielt den Angeschuldigte» durch die Belveisausnahme für völlig überführt. Mit Rücksicht darauf, daß man es anscheinend mit einem gewerbs- mäßigen internationalen Hoteldieb zu tun habe, beantragte der Staarsanwalt zwei Jahre Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte auf ein Jahr Gefängnis. Die Leidensgeschichte einer Waise. Vor der ziveiten Strafkammer des Dresdener Landgerichts wurden in eine,» Kindesmisj- handlungsprozefi gegen den Obcrlandesgerichtsdiätisten Lothar Arnim Bornowsky und dessen Ehefrau derart entsetzlich trübe Bilder aus der Leidensgeschichte einer Waise ausgerollt, wie sie sich die menschliche Phantasie kaum auszudenken vermag. Katharina Horn, so heißt jenes unglückliche Kind, ist die eheliche Tochter eines vor mehreren Jahren spurlos verschwundenen Fleischermeisters aus der Frcibergcr Gegend. In ihrem frühesten Alter— sie zählt jetzt 15 Jahre— verlor die Kleine die Mutter. Sie und noch eine Schwester wurden dem Großvater in Börnchen bei Dippoldiswalde „anvertraut", der sich aber in entsetzlicher Weise an seinen Schutz- befohlenen vergriff. Lange Zeit hindurch verübte der 71 jährige Unhold die schwersten Sittlichkeitsverbrechen an den unglücklichen Kindern, und das Landgericht Freiberg verurteilte ihn für seine Greueltaten im Fahre 1903 zu 21h Jahren Zuchthaus. Das miß- brauchte Kind ivar durch die ihm widerfahrene Behandlung moralisch vollständig ruiniert, und da es auch von der sogenannten englischen Krankheit heimgesucht wurde, blieb es in der körperlichen Entwickc- lung ebenfalls zurück. Nun kam das Kind im Jahre 1902 in die Familie des Diätisten Bornowsky. Es zeigte sich aber lügnerisch, diebisch und unsauber und soll einmal sogar versucht haben, das elterliche Haus in Brand zu stecken, um ins Gefängnis zu kommen, so. daß schon nach einem Jahre die Pflegeelrern es dem Rettungs- hause in Moritzburg übergeben mußten. Dort verblieb es bis Ostern 1905 und kehrte dann, anscheinend gebessert, zu den Pflegeeltern nach Dresden zurück. Einige Wochen hindurch ging auch alles gut, dann kehrte das Mädchen aber wieder seine schlechten� Seiten heraus, ging seiner Pflegemutter, wie diese behauptet, zu Leibe und verübte allerhand schlechte Dinge. Die Pflegeeltern zogen strenge Seite» auf, solle» aber bei der nunmehrigen scharfen Zucht das ihnen zu- stehende Züchtigungsrecht bei weitem überschritten und das Kind mit einem Stock, cineni Stiefelknecht und einer Rute mißhandelt und an der Gesundheit geschädigt haben. Der Zustand des Kindes war ein sehr schlechier, zusehends magerte es ab und schließlich benach- richtigten die Nachbarn die Polizei. Am 8. November v. I. brachte die letztere das Kind dem Armenarzt zur Untersuchung, die ein jämmerliches Bild ergab. Dem Arzte bot sich ein entsetzlicher An- blick, lieber und über war die Waise mit blauen, grünen und gelben Flecken, mit Striemen und Krabwunden bedeckt. Furchtbar war der Anblick der Füße. An den Zehen fehlte die Haut oder hing in Fetze» herab. Die Füße waren blntig, das Kind konnte kaum gehen und drei Wochen bedurfte es zur Heilung. Das Kind behauptete, die Pflegemutter habe es häufig mit den beschuhten Füßen auf die nackten Zehen getreten und die Verletzungen rührten von Schlägen mit Stock und Stiefelknecht her. Die Eltern bestritten jegliche Schuld und behaupteten, das Kind habe sich selbst die Verletzungen an den Zehen beigebracht. Wenngleich die Pflegeeltern vor Gericht stark belastet erschienen, so zog doch der Gerichtshof die moralische Ver- kommcnheit des jetzt 15 Jahre alten Mädchens in Berücksichtigung und nahm dessen Aussagen sehr vorsichtig auf. Gegen den Pflege- Vater wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung auf 30. Mark Geldstrafe, gegen die Pflegemutter auf Freisprechung erkannt. Die Strafsühne ist auffallend niedrig. Wenn das beklagens- werte Kind in der Tat„lügnerisch, diebisch und unsauber" sich gezeigt hat, so kann doch nicht das Kind, sondern lediglich die Gesellschafts- ordnung dafür verantwortlich gemacht werden, die einen Schutz dem so grausam mißhandelten und entehrten Kinde nicht hat verschaffen können. Eine Pflegemutter, die ein ihr anvertrautes Kind, das so traurige Erfahrungen gemacht hat, mit Schlägen behandelt, mag das, wie das Gericht angenommen hat, in der Absicht der Erziehung getan haben. Das angewendete Mittel ist aber unter allen Um- ständen ein völlig ungeeignetes und brutales. Auf die Anklagebank gehörten nicht nur die Pflegeeltern, sondern auch die, die ein be- sonderer Pflege bedürftiges Kind solcher Pflcgestclle anvertrauten. Stach den Resultaten, die„Rettungshäufer" nicht nur in diesem Falle zeitigten, muß leider angenommen werden, daß das Kind ftir die Zeit seines Lebens körperlich und moralisch zugrunde gerichtet ist— weil es das Unglück hat, eine Waise und von einem Wüstling nnßbraucht zu sein. Hat Teutschland kein Geld, um diesen fürchter- lichen Verwüstungen eines Atenschenlebens entgegenzutreten? Würde die Ehre Deutschlands nicht besser gewahrt, wenn solche unglücklichen Waisen geschützt werden, als wenn in Afrika und sonstwo in der Welt Waisen geschaffen werden? Zur Zeugeiipfiicht der Kassenärzte. Die Fälle, daß Krankenkassen- Mitglieder sich bei Streitigkeiten vor dem Kanfmannsgericht auf das Zeugnis des Kassenarztes beruse»' und dieser nun seiner Zeugnis- Pflicht vor Gericht genügen muß, sind nicht selten. Als Zeuge er- scheinen zu müssen, ist für Aerzte oft noch unbequemer als für andere Bürger. Es nimmt daher kein Wunder, daß Aerzte gegen die Erscheinnugspflicht Front machen. Ihre Zeugenauslagen be- schränken sie oft auf das notwendigste. Werden sie als Gutachter herangezogen, so sind ihre Gebühren höhere. In einer Steitsache, die vorgestern vor der dritten Kammer des Kaufmannsgerichts zum Austrag kommen sollte, erklärte der als Zeuge vorgeladene Dr. Ran auf die Frage, an welcher Krankheit er den Kläger behandelt hätte, seine Aussage verweigern zu müssen. Dr. R. fügte zur Erklärung hinzu: Ich habe eine ausgedehnte Kasseiipraxis und bin in dieser Woche schon das zweite Mal vor« geladen. Für eine Stunde Versäumnis wird mir als Zeuge nur 1 Mark vergütet, während ich den zehnfachen Schaden habe. Wenn das so weiter geht, so muß ich m e i n e K a s s e n p r a x i s g ä n z l i ch a u f- geben. Wenn Sie von mir eine Aussage wünschen, so bitte ich, mich als Gutachter zu vernehmen." Das Kanfmannsgericht beschloß darauf die Vernehmung des Arztes als Gutachter. Der Vorsitzende stellte im übrigen in Aus- ficht, daß in Zukunft von der Zeugenvorladung der Aerzte in den Fällen Abstand genommen werden solle, in denen eine Auskunfts- einholung bei der Krankenkasse genügt. Der Arzt hat kein Recht, sein Zeugnis zu verweigern, wenn es vom Patienten angerufen ist. In den allermeisten Fällen ist das in seiner Wissenschaft Gestellte aber nicht lediglich ein Zeugnis, sondern ein Gutachten. Der von dem Kanfmannsgericht eingeschlagene Weg dürfte in den meisten Fällen ein ausreichender Notbehelf gegen die Simnlationseinwendnngen und unnützen Be- streitunge» des beklagten. Chefs sein. Beharren die Beklagten bei ihrem Einivande, so wird sich eine Vernehmung des Arztes aber nach dem Gesetze kaum umgehen lassen. Dreiste Gaunerstreiche lagen einer Anklage zugrunde, die gestern die 10. Strafkammer beschäftigte. Wegen Diebstahls, Betruges und Unterschlagung waren der„Artist" Wilhelm Schleichert und die „Claquere" Willi Schmidt und Alfred B r e i t h o l z angeklagt. Eines Tages lernten die Angeklagten einen jungen Mann, eiiien biederen Sachsen, kennen. Ueber die Art wie er von Schleichert hinein- gelegt war, gab dieser vor Gericht folgende lakonische Darstellung: Schleichert wollte mir ein Gunstückchen zeigen und uff e Mal war er üben weg!"— Der- Angeklagte Schmidt hatte bei einem Be- kannten eine Schuld von 40 M. Er übergab seinem Gläubiger einen Pfandschein über eine goldene Uhr als Schuldausgleichung und veranlaßte ihm, die ziemlich teure Uhr einzulösen. Als sie später an einer Weinhandlung vorbeigingen, äußerte S. er könne die Uhr mit gutem Profit an den Geschäftsführer des Lokals ver- kaufen. Der Besitzer der Uhr gab diese ahnungslos hin und wartete sodann etwa eine Stunde auf das Wiedererscheinen des Angeklagten. Dieser war jedoch durch einen nach der anderen Straßenseite gelegenen Eingang des Eckhauses spurlos verschwunden. — Am 22. Dezember 1904 wurden die Angeklagten in dem Waren- Hanse von Werlheim abgefaßt, als sie seidene Cachenez„kauften". In den Taschen des Schleichert fand man für über 100 M. Cachenez, die, wie er harmlos zu erklären suchte,„aus Versehen beim Aus- suchen in seine Tasche gefallen seien". Em etwas unauf- geklärter Diebstahlsfall ist folgender. Eines Nachts wurde ein Mann, der sich„Kgl. Schauspieler Rudloff" nannte, von den drei Angeklagten in nicht mißzuverstehender Weise angesprochen. Nach gewissen Vorfällen will der angebliche R. von den Angeklagten um sein Portemonnaie bestohlen worden sein. In diesem Smne er- stattete R. auch Anzeige bei der Polizei. Jede Nachforschung nach dem Bestohlencn blieb jedoch erfolglos, weil dieser vermutlich einem Strafverfahren wegen Vergehens gegen ß 176 St.-G.-B. aus dem Wege gehen wollte und sich schon damals einen falschen Namen beigelegt hatte.— Der Staatsanwalt beantragte gegen Schleichert 2'/z Jahre, gegen Schmidt l'/z Jahre und gegen Breitholz sechs Monate Gefängnis. Der Gerichtshof erkannte gegen Schleichert auf sechs Monate und gegen Schmidt auf sieben Monate Gefängnis. Breitholz wurde mangels Be- weises freigesprochen. "1 GG Stangenspargel stark Vi Dose 1.75, V, Dos« 93 Pf. Stangenspargel la Vi Dos» 1 /?5, Vi Dose 73 Pt Stangenspargel II Vi Dose 1.20, Va Dose 65 Pf. Stangenspargel III Vi Dos« 80, Va Dose 45 Pf. Bruchspargel eitra 5,ark./l Do88l.20 Bruchspargel I-/, Dos« 65 pf. Strslssn Kolilrsdi Bruchspargel mi[ Kö1?fD0S. 70 pf. Kaiserschoten v, Dose 1.10 Extrafeine Schoten v. d. 90 pf. Feine Schoten v. Do«e52pf. Junge Schoten v.Dose 48 pf. Schoten v, dos« 38 pf. Schotenu-Karotten Dose 60 pf. Gemischtes Gemüse extrafein Vi Dose 1 ,25 Gemischtes Gemüse I Vi Dose 95, Va Dose 53 Pf. Gemischtes Gemüse Vi Dose 65, Va Dose 33 Pf. Wachsbohnen v.Dose 42 pc Grünkohl v.Dos« 35 pf. Wirsingkohl v.Dose 35 pf. Weisskohl v. Dose 35 pt Teltower Rübchen V. Dose 68, Va Dose 40 Pf. Rosenkohl v, dos» 70, v, dos» 40 pr Selleriei.scheiben v. d. 55, v. d. 33 pr PfefFerlinge v.Dose 48 pt Morcheln V, Dose 1.10, Va Dose 60 Pf. Champignons I V. Dos« 1.60, Va Dose 90 Pt Champignons II V, Dose 1.25, Vi I. a» 70 Pt T omaten ganz« Frucw Vi Dose 7 0, Vi Dose 40 Pf. Vj Dose Vi Dose 30 pf. 25 pf. Spinat Vi Dose 45 Pf, V, Dose 23 Pf. I�ota �üloan Vi Dose 35 pf., v, dos« 23 pf. Kaiserkirschen oim. stein« Vi Dose 1«k., Va Dose 55 Pt Kl'rSChen schwarz, mit Steinen V, Dos« 70, Va Dose 40 Pf. KirSChen rot, transparent Vi Dose 1.30, VaDose 70 Pt Reineclauden v. d. 7 5, v. d. 43 pt AprikOSen halbe Frucht V, Dose 1.20, VaDose 65 Pt Pfirsiche li«lbe Frucht V, Dose 1.30, VaDose 70 Pf. Melangefrüchte V.Dose 65, VaDose 46 Pf. Mirabellen v.Dos« 65 pt Ltachelbeeren v.dos« 65 pt Johannisbeeren Vi Dose 68, VaDose 40 Pf. Heidelbeeren V.Dose 58, VaDose 35 Pf. Preisseibeeren Vi Dose 7 0 Pt, VI, Pfd.-Dose 1.70 Mk. Dunstfrüchte Stachelbeeren, Johannisbeeren, Pflaumen halbe Frucht, Kirschen m, Steinen, RR Birnen, Heldelbeeren Glaa��Pf. Früchte in Gläsern In dünnem Zucker. Aprikosen, halbe Frucht, Pfirsiche, halbe Frucht, Reineclauden, Mirabellen, Melange, Johannisbeeren, Birnen, rot gefärbt. Kirschen rot, ohne Steine od. mit Steinen Vi Glas 1.15, Vz Glas 70pf. Kaliforn. Früchte Aprikosen, Pfirsiche, Birnen, Kirschen Vi Dose 1.80 Mk. Deutsche Marmelade Gemischte Marmelade in Eimern QPJ„ in Eimern Q oc Mb, ca. 3 Pfd. y*-' pf-' ca. 10 Pfd. Mk. Rheinisches Kraut �md. 45 pr. Bratheringe dos» 47 pt Bismarck-Heringe.. 47 pr. Heringe in Aspic.. 40 pt Delikatess-Heringe äjee"chied" V.Dose 83 Pt. Vi Dose 52Pt Aal in Gelee Russ. Sardinen Rollmops Dose 80 Pt u. Anchovis Glas 2 5 Pf. Dose 40 Pt Frames. Sardinen Marke„Amieux Freres" v.Dose 90 PtjVaDoS. 1.50, 5 Pf. Marke„Chancerelles Freres" V.Dose 85 pt, Vt Dose 1.40 Oelsardinen �ik?1"'/.dos« 65 pr Oelsardinen v.Dose 35 pt Echte Znaimer Gurkenous 1.20 Gewürzgurken ous 75pr. Schmorgurken v.do.« 90 pt Victoria Erbsen Kleine Erbsen Erbsen prim« glasiert Spalterbsen gen. Algiererbsen xA.» Grüne Erbsen Grosse Linsen Mittel Linsen Pfund 1 6 Pf. M 1 4 Pt .. 18 pr. .. 1 4 pt „ 28 pt .. 1 5 pt „ 36 pt ,, 32 pt Grosse Bohnen Mittel Bohnen Kleine Bohnen Flageolets Rangoon Reis Japan Reis Java Reis Pfund 24 pt „ 20 pt „ 1 8 pc „ 55 pt .. 16 pt „ 20 pc Pfund 24, 30 Pf. Mais-Puder Gemischtes Backobst pfund 35, 48, 65 Französ. Pflaumen pfund 35, 40, 50, 60 Hafermehl pak-t« ca.! pfund 38 Hafermehl Paket««-.v,.. 20 Grünkernmehl Wtoä,t„ 55 Grünkernmehl n 30 garantiert rein Vi kg Beutel 1 8 Pf., V2 kg Beutel pf. pr. pr. pt pt pi. Tapioca Pakete ca. Vi Pfd. 45 Pt Erbswurst Xs&nck,n stck. 28 pc Suppentafeln 4 ISpr Kartoffel, Reis, Grünkem, Erbsen gelb, Erbsen grün, Linsen, Tapioca- Julieon«, Reis Julienne, Eohnea, Gersten, Gries, Hafer* grülze, Hausmacher, KÖrbel, Rumlord, Sago Suppentafeln 4 24 pt Jul.enne Bouillon, Tapioca Bouillon. Moe- turtle, Krebs, Curry, Frühling, Ochsen- schweife, Filz, Königin, Tomaten, Wildpret 35 pr. Gebrannter Kaffee Mischung I n III IV VI VII Pfd. 80 Pf. 95 Pf, 1.10, 1.35, 1.50, 1.70, 1.90 Deutscher Kakao 90 pr,, I.15 Mk. Holländischer Kakao In Vi, Vi und Vi Pfd.-Packeten Pfd. 1.80, 2.10 Mk. Block-Schokolade 70 Pf. Haushalt-Schokolade pfd, 80 pf. Salamiwurst in Rinddarm Pfd. 1.20 Mk. Cervelatwurst m Rinddarm Pfd. 1.20 Mk. Plookwurst pm- I.iomk; Kassler Kammstücke pfd. 90pf. Apfelsinen otz. 40 u. 50 pf. Annnns p�. 68 pf. Citronen otz. 30 u.35 pt Alleinverkauf der Schokoladenfabrikate von Tobler A Co., Bern, Kerantwortlicher Redakteur: Hans Wrbr» Berlin. Für den Inseratenteil vermitw.:XH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanftalt Paul Singer& Co,. Berlin SW. Nr. 4!. 23. 2. Ktilatt 1» Jorwrts" Ktilinci Nilksbli». Soziales. In der Reihe der Vorträge über Heimarbeit, die aus Anlaß der Heimarbeiterausstellung veranstaltet sind, sprach am Freitag Fräulein Ida Altmann, Sekretärin bei der Generalkommission der Ge- werkschaften über:„Heimarbeiter am häuslichen Herd und im Ge- meinwesen". Einleitend verwies sie auf die Verstöße, die bisher zur Bekämpfung des Elends der Heimarbeit, dieser häßlichsten Form moderner Sklaverei, gemacht wurden, und verglich sie mit dem Kampf Garrisons und seiner Getreuen um die Sklavenbefreiung in Amerika, ber_ nach allerlei Verfolgungen der Vertreter freien Menschentums schließlich doch ihnen die SiegeSkrone erwarb. Natürlich zeigten die Wider- stände, getreu dem Wort:„Die Zeiten ändern sich und wir in ihnen", andere, mildere Formen. Als einzelne anfingen, sich gegen die Heimarbeit zu wehren, die die Löhne herabdrnckte und den Heim- arbeitern und-Arbeiterinnen selbst statt Brot und Lebensfreude nur Hunger und drückende Kümmernis eintrug; als dann anfangs der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die sozialdemokratische ReicbStagsfraktion zur Besserung Anregungen brachte: da sei das Gezeter losgegangen. Es hieß, man wolle frevelhaft eingreifen in das Heiligtum des Arbeiters, in sein eigenes Heim, in sein Familien- leben; man_ wolle in ganz unzulässiger Weise ihm vorschreiben. was er daheim tun und lassen dürfe. Was gewünscht wurde von den Vorkämpfern, wies man als gänzlich unberechtigt zurück. Nichts geschah seitens der Gesetzgebung, gar nichts. Selbst die Schilderungen des doch gewiß politisch ganz einwandsfreien deutschen Gelehrten Sax davon, wie es aussehe im„trauten Heim" des Arbeiters, wo die Heimarbeit heimisch sei, habe keinen Widerhall gefunden bei denen, die berufen gewesen wären, einzugreifen. An- lätzlich des geplanten Nähfadenzolles im Jahre 1885 sei die Frage wieder zur Sprache gekommen, weil die Heimarbeiterinnen bei aller elenden Entlohnung sich noch da? Garn selbst verschaffen müßten und in erster Linie unter einem solchen Zoll zu leiden hätten. Die Vertreter der Arbeiterschaft im Parlament wären ausgetreten und auch der in Berlin damals bestehende Arbeiterinnenverein, dem auch ein groß Teil Heimarbeiterinnen angehörten, habe seine Stimme erschallen lassen. Die Folge sei eigenartig gewesen, habe dem er- strebten Schutz der Aermsten ins Gesicht geschlagen. Der Verein verfiel der Auflösung; wegen der Schilderung der Mißstände bei Gelegenheit einer Zollftaae erklärte man ihn für politisch und Be- straftmgen einzelner Personen gab eZ dazu. Man habe gehandelt wie jener, der das Barometer zerschlage, wenn es schlecht Wetter anzeige. Der Streik von 1896. ein Ausbruch des Elends, das nicht mehr zu ertragen gewesen, habe endlich weitere Kreise aufmerksam gemacht. Zu gesetzlichen Matznahmen, die wirklich durchgegriffen hätten, sei es aber auch da noch nicht gekommen; was gesetzlich kam. sei ohne jeden Belang. Wesentliche Fortschritte zeige die Stünmung zugunsten des Heimarbeiterschutzes, seitdem die vor- geschrittene Arbeiterschaft 1902 auf dem Stuttgarter Gewerkschasts- kongreß auf den Plan getreten sei. wovon die erste Folge der Heim- arbeiter-Schutzkongreß vor zwei Jahren gewesen sei mit der da- maligen kleinen Ausstellung, und die weitere Folge die jetzige Ans- stellung sei, der solch reges Interesse entgegengebracht werde.— Wie verhalte sich denn nun die Wirklichkeit zu der Vorstellung eines ge- mütlichen Familienheims im Sinne der Idealisten, die davon sprächen; zu dem Helm, wo die Frau die Schafferin des Hauses, die Hüterin ihrer Kinder sei und wo beim Eintritt der Feierstiinde ffch herzliches Familien- leben entfalte I? Wo seien heute die Arbeiter zu finden, die soviel er- werben, um die Grundlage dafür zu bieten? Fast nirgends. Wie es im Heim der Konfektionsarbeiter und Arbeiterinnen aussehe, wie beim Tabakarbeiter, das sei unlängst eingehend in anderen Vor- trägen geschildert worden. Not, Krankheit. Elend, Schmutz, unvoll- kommeneS und eilig zwischendurch hergerichtetes Essen, lange Arbeits- zeit, oft bis in die späte Nacht hinein, das seien die Kennzeichen des WirkenS für den Unterhalt im eigenen Heim. Frau und Kinder ArbeitSttere. Dasselbe traurige Bild böten die Heimstätten, wo Dltten geklebt und Schachteln gemacht würden, bestimmt zum Teil zur Aufnahme von Näschereien.— Bei einer Maienwanderung im lieblichen Thüringen, dieser Perle unseres'Vaterlandes, hat Rednerin das Elend des ländlichen Heimarbeiters gesehen. Auf der Landstraße kommt ihr ein Wesen entgegen, von fern in seiner Unform erst nulit erkennbar. ES entpuppt sich beim Näherkommen als eine Frau, einen mächttgen Korb auf dem Rücken, darauf eine Platte mit einer Menge Porzellanfigürchen. Sie werden im eigenen Heim ge- formt, gegossen, die schon geformten bemalt, verputzt usw. Die Porzellanmasse wird in großen Körben aus der Fabrik abgeholt, die fertigen Produkte dahin abgeliefert. Im Heim dieser Frau, das Rednerin auffuchte, sitzen Mutter und Kinder über der Arbeit. Die Kinder schnitzeln Blumenstäbe. Porzellanstaub und Schmutz in allen Ecken, überall Späne und Schnitzel von der Arbeit der Kinder. Man nimmt sich kaum Zeit zum Herrichten und Einnehmen der Mahlzeit. Wochen vergehen, ehe ein Stück Fleisch auf den Tisch kommt. Der Mann arbeitet dreiviertel Stunden weit in der Fabrik, obwohl von den dort ansässigen Porzellanarbeitern genug ohne Stellung sind. Diese aber wollten 18 bis 20 Mark Lohn haben und jener arbeitet für 12 Mark, indem er sich darauf verläßt, daß auch Frau und Kinder die Finger regen.— So sehe eS aus, wo die Heimarbeit daheim sei. Frau und Kinder seien die Konkurrenten des Mannes und VaterS, er sei der Konkurrent seiner Kollegen. So werde die Häuslichkeit alles Zaubers entkleidet. Sie fei schmutzig und ungemütlich und höre auf, eine Heimstätte zu sein. ES werde eine klägliche HülfSarbeitsstätte.— Aus einem anderen Orte Thü ringcns berichtet Rednerin ähnliches. Dort handelt es sich um die Textilindustrie. Der ganze Sonntag wird von Frau und Kind zu Hülfe genommen, und trotzdem geringster Verdienst. Weiter verweist sie auf die Holzindustrie, die Strohflechterei im Schwarzwald, die Spielwarenindustrie im Sonneberger Bezirk usw. Die Bewohner der schönste» Gebiete Deutschlands hätten Heime, welche Stätten des Elends und Grauens seien. Wie in der Heimindustrie die Anforderungen an die Häuslichkeit und an ein Familienleben nicht erfüllt werden könnten, so blieben dort auch die Anforderungen des Gemeinwesens mehr oder weniger unerfüllt. Soweit Gemeinde und Staat in Betracht kämen, fei nur darauf verwiesen, daß z. B. im Sonneberger Heimindustriegebiet 50 Proz. aller Bewohner steucrftci wären, weil das Einkomiiien sich unter 600 Mark bewege, ja vielfach nur 300. 400 bis 500 Mark betrage. Ein krankes und schwächliches Geschlecht, waS auch nicht im Interesse von Gemeinde und Staat liege, wachse empor. Und wie wäre es nun mit den Anforderungen, die wir an die Arbeiterschaft stellten? Welcher Heimarbeiter sei fähig, für die Gesamtheit etwas zu tun; zunächst für die seines Berufs, dann für die Allgemeinheit im weitern Sinne? I Es lväre das immer noch ein äußerst kleiner Bruchteil nur. Die meisten hätten keine Zeit und auch keine Fähigkeit dazu, denn das GemeinsamkeitS- gefühl, das Gefühl der Znsammengehörigkeit, sei ertötet in ihnen durch die ganz« Art der Arbeitsweise. Die wirksamsten Mittel zur Abhülfe de« EkendS wäre die aänz- liche Abschaffung der Heimarbeit, die de» Menschen seiner Menschen- würde beraubt und ipn zum gedankenlosen Arbeitsvieh herabdrückt. Da würden die verschiedensten Bedenken erhoben. Ihrer Meiiuing nach seien diese zumeist gleichwertig mit dem Geschrei etwa. daSerhoben wurde, als der SonntagSladcuschluß zur Einführung kam. Aber die sofortige gänzliche Abschaffung werde nicht einmal verlangt. Wenn mit gesetzlichen Mitteln den schlimmsten Schäden abgeholfen werde, dann würde sich schließlich die Heimarbeit schon selbst abschaffen. Rednerin wiederholt die bekannten Vorschläge, die auf eine durchgreifende Konttolle, auf die Ausdehnung der Versicherungspflicht, auf die Sicherung eines Minimaleiukommens unter anderem hinzielen. Ver- cinbarungen mit dem Erfolge von Stundcnverdicilsten von acht und zehn Pfennigen könnten schon heute als unsittlich verboten werden. Wenn sich die Heimarbeiter und-Arbeiterinnen gegen ein derartiges gesetzliches Eingreifen zu ihrem Schutze sträuben sollten, so könne darauf so wenig gegeben werden als auf den Willen eines Unver- nünftigen, der sich durchaus vergiften wolle und dem man das Gift entziehe. Es sei nun gesagt worden, die Schwächlichen würden draußen bleiben, wenn die Unternehmer unter dem neuen Zustande zur Errichtung von Betriebswerkstätten übergingen. Ja, da müsse eben die Gemeinde eingreifen durch Errichtung von kommunalen Betriebswerkstätten, wo die Schwächlichen ihre Kraft noch möglichst verwenden könnten, so daß sie Almosenempfänger nicht werden brauchten, was jetzt oft genug der Fall wäre, bald in dieser, bald in jener Form._ Schwindelkasse„Bolkswohl". Am Donnerstag berichteten wir über einen großen Betrugs- Prozeß gegen den Kaufmann Ewald Lcy, der als Borsitzender des Vereins„Volkswohl" eine Reihe Unregelmäßigkeiten begangen haben soll. Das Gericht kam nach kurzen Erörterungen zu dem Beschlutz, die Verhandlungen zu vertagen, um den Geisteszustand des Vor- sitzenden zu untersuchen. Von dem Angeklagten Ewald Leb, Vorsitzender des Vereins „Volkswohl", erhalten wir eine eigentümliche Zuschrift. Wir er- wähnen dabei, daß wir wiederholt bedauert haben, daß nicht schon längst gegen die Gründer des„Volkswohl" vorgegangen ist, vor deren Beitritt als einer offenbaren Schwindelkasse wir wiederholt gewarnt hatten. Herr Ley, dessen Geisteszustand zurzeit das Gericht untersuchen läßt, sendet uns ein Schreiben zu. Die Vorderseite dieses Schreiben? ziert links in der Ecke eine Photographie des Richterschen Gemäldes der Königin Luise— genau dasselbe Bild ist auch auf den Aufrufen des„Volkswohl", auf die wir später kommen werden, enthalten. Auf der Zuschrift ist vorgedruckt als Zweck des Vereins: der Verein„Volkswohl" bezwecke durch geeignete Maßnahmen die Er- w er bs Möglichkeit und Arbeitsfähigkeit der Mit- glieder in j e d er Beziehung zu fördern, in besonderen Not- lagen dieselben wie ihre Familien vor Verhängnis- vollen wirtschaftlichen Gefahren und Schäden zu bewahren und zu schützen!! Als Mittel dieses nie und nimmer durch einen Verein erreichbaren Zwecks führt der Briefbogen sieben Abteilungen auf: kostenloser Stellen- und Beschäftigungsnachweis, Krankenkasse und Sterbekasse, llnterstützungskassc, Darlehnskasse, Rechtsschutz, Auskunftei, Vergünstigungen, Belehrung und offizielle Vereins- zeitung„Volkswohl". Die auf diesem schonen Bogen, dessen Inhalt jedem Nachdenkenden sofort klar machen sollte, daß hier ein Schwindel der allergröbsten Art vorliegt, uns gewidmete Zuschrift lautet wörtlich: „Berichtigung. Der Kaufmann Ewald Ley sendet uns folgende Berichtigung ein. In dem seit November 1904 gegen mich schwebenden Straf- verfahren handelt es sich ausschließlich nur um eine juristische Frage, die im Prinzip sich nicht allein gegen den Verein„Volks- wohl" und dessen Leitung richtet, sondern gegen sämtliche Unter- stützungsvereine Deutschlands. Es ist im besonderen unwahr, daß ich mir eine Reihe von Unregelmäßigkeiten habe zuschulden kommen lassen. Ferner ist es auch unwahr, daß mein Verteidiger Dr. Hol- länder einen Antrag auf Untersuchung meines Geisteszustandes ge- stellt hat. Sowohl ich selbst als auch mein Verteidiger stehen diesen Anträgen gänzlich fern. Weiter ist es unwahr, daß der Verein nur über 1000 Mitglieder stark ist. Der Verein„Volkswohl" zählt viel- mehr über 5000 Mitglieder. Den großen Zeugen- und Sachver- ständigenapparat zur Hauptverhandlung habe ich aufgeboten. Der Verein„Volkswohl" hat bereits drei verschiedenartige Prozesse, wo es sich im Prinzip um eine das Vereinswcsen betreffende Rechts frage handelte, mit großem Erfolg durchgeführt. Da das Verfahren seit November 1904 gegen mich schwebt, ich die Geschäfte des Vereins ununterbrochen fortführe, und mich beständig auf freiem Fuße be- finde, so kann wohl jeder daraus schließen, daß der Sache keine Bedeutung beizumessen ist und daß es sich hierbei ausschließlich um Vereinsfragen handelt." Ob dies Schreiben weniger für die GeisteSgcsundheit des Herrn Ley als für eine maßlose Dreistigkeit spricht, wollen wir nicht unter suchen. Wir wollen über diesen schönen Verein„Volkswohl", dessen bislang die Behörde nicht hat habhaft werden können, nur noch einiges mitteilen. In den Aufrufen des Vereins heißt es: „Der Verein„VolkSwohl" ist ein Wohltätigkeitöverein und ist zum Andenken an die hochselige Königin Luise von Preußen am 19. Juli 1903 ins Leben gerufen worden. Als Mittel zur Erreichung dieses Zweckes hat der Verein u. a. einen kostenlosen und gemeinnützigen Stellennachweis für weibliches Haus. personal eingerichtet, und zwar für Köchinnen, Hausmädchen, Mädchen für alles, Kindcrftäulein, Kindermädchen, Wirt. schafterinnen, Stützen, Waschfrauen, Reinmachefrauen, Aufwarte. frauen, Schneiderinnen, AuSbesterinnen, Plätteriimen, Aushülfen und so weiter." Der Berein hat„ordentliche" Mitglieder, wie Herr Ley behauptet, über 5000. Diese ordentlichen zahlen monatliche Beiträge von 60 Pf. bis 3,30 M. Als Gegenleistung steht ihnen ein Nichts gegenüber, es sei denn, der freie Rechtsschutz in eigenen be. rufliche» Angelegenheiten, die der Herr Vorsitzende selbst zu erteilen pflegt, sei mehr als nichts. Der Verein hat ferner außerordentliche Mitglieder. Sie nennen sich auch unterstützende Mitglieder. Diese unterstützenden Mitglieder haben einen jährlichen Mindestbctrag v o n 6 M. zu zahlen,„der jedoch", wie es in dem prächtigen Prospekt des Herrn Ewald Ley heißt,„im übrigen nach eigenem Ermessen von ihnen selbst höher festgesetzt werden kann." Diese außerordentlichen Mitglieder haben etwa?, nämlich die Versicherung,„daß Einschreibe. und Stellenvermiitelungögcbühr nicht erhoben wird." Es ist selbst verständlich, daß die unterstützenden Mitglieder, von denen wir nach. stehend einige Namen mitteilen, von Herrn Lcy ebenso geneppt sind, wie die ordentlichen. Ihre Namen werden als Reklamemittel zur Heranziehung von Dummen in dem von dem Herrn Ley versatzten Ausruf benutzt. Da stehen an erster Stelle zwei Exzellenzen, nämlich Frau Generalleutnant v. Dietrich und die Freifrau Wirkl. Geheime Rat v. Lentz. Ferner: Geh. Ober- bergrat Steinbrink, Graf v. Bernstorff, Kor» vettenkapitän a. D. Frau Baronin v. Obernitz, Geh. Oberbaurat v. Großheim, Stadtrat Ma r g g r a f f, Schrift- steller Dr. Leixner v. Grünberg, Geh. Sanitätsrat Dr. Becher, Frau Bürgermeister Dr. Reicke, Geh. Oberfiuanzrat Jvcgen usw. usw. Ob sie ihre Einwilligung znni Abdruck ihrer Namen unter den Aufruf gegeben haben, wissen wir nicht. Das ist aber für jeden, der auch nur oberflächlich daS Wesen von Schwindel- iassen kenicen gelernt hat, klar, daß der Berein„VolkSwohl" einer von den Vereinen ist, vor deren Beitritt Nichtwohlhabendc, die nicht durchaus eine Steuer für Dummheit und Ausnutzung der Dummheit zahlen wollen, zu warnen sind. Zurzeit will ja bekanntlich die Reichsregierung gegen Schwindel- kassen einschreiten. Weswegen ist bislang gegen diesen Verein „Volkswohl" noch nicht eingeschritten? Hat das AuffichtSamt für Privatversichcriing bis jetzt keine Kenntnis von diesem Verein? Ist dem Polizeiprästoiuni unbekannt, daß dieser Verein„VolkSwopl" auch mit den Vorschriften, die über Vermittelung von Etesindestellen gegeben sind, unvereinbar ist? Soll erst abgewartet werden, bis das Gericht sich überzeugt hat, ob der erste Vorsitzende dieses Vereins verrückt ist, bis gegen diesen Verein, vor dem wir bereits vor Jahren gewarnt haben, eingeschritten wird? Die ReichSrcgierung hat als Mittel zum Schutz gegen solche Schwindelkassen einen Gesetzentwurf vorgeschlagen, der die Erdrosselung von Hülsskassen zur Folge haben würde. Ist cS nicht ein viel einfacheres Mittel, wenn man solche Schwindclkasscn, die hier unter dem Namen Verein austreten, schließt, weil sie innerhalb ihres Aufrufes klaren, offenbaren und verbotenen Betrug begehen? äDder schützt das Bild der Königin Sviiely Sonntagnachmittag Nachmittags 3 Uhr: Sonntagnachmittag ÖKocbcn-Bpiclplan der Berliner Cbeater. Opernhaus. Sonntag: Mignon. Montag: Tristan und Isolde.(An- fang 7 Uhr) Dienstag: Bajazzi. Der lange Kerl. Mittwoch: Der Barbier von Sevilla. Donnerstag: Figaros Hochzeit. Freitag: Fidelio. Sonn- abend: Orpheus und Eurydile.(Ansang 3 Uhr.) Sonntag: Schwarze Domino. Montag: Lohcngrin.(Ansang 7 Uhr.) Schauspielhaus. Sonntag: Der Schwur der Treue. Montag: Julius Cäsar.' Dienstag: KömgHcinrich IV. I.Teil. Mittwoch: Wie die Alte» sungen. Donnerstag: Wilhelm Tell. Freitag: König Richard III. Sonn- abend: Der Schwur der Treue. Sonntag: Die Räuber.(Ans. 7 Uhr.) Montag: Götz von Berlichingcn.(Ansang 7 Uhr.) Neues Kiiuigl. Opernthcater. Sonntag bis Sonnabend: Geschlossen. Sonnlag: Faust. Montag: Geschlossen. Lcssilig- Theater. Sonntng: Und Pippa tanzt. Nachmittags 3 Uhr: Der Biberpelz. Montag: RoSmersholm.(Ansang 7st, Uhr.) Dienstag: Und Pippa tanzt. Mittwoch: Die Wildente.(Ansang 7'/, Uhr.) Donners- tag: Nosmersholm.(Ansang 7stz Uhr.) Freitag: Und Pippa tanzt. Sonn- abend: Der Rus des Lebens.(Äiisang 7st, Uhr.) Sonntag: Der Ru! dcS Lebens. Nachmittags 3 Uhr: Rosenmontag. Montag: RoSmersholm. (Ansang 7'/, Uhr.) Deutsches Theater. Sonnlag: Oedipus und die Sphinx. Montag: Der Kausmaim von Venedig. Dienstag: Oedipus und die Sphinx. Witt- ivoch: Der Kaufmann von Venedig. Donnerstag: Kabale und Liebe. Frei- tag: Der Kaufmann von Venedig. Sonnabend: Oedipus und die Sphinx. Sonntag: Der Kaufmann von Venedig. Montag: Oedipus und die Sphinx. Schiller-Theater O.(Wallner-Theater.) Sonntag: Zwei glückliche Tage. Nachmittags 3 Uhr: Nora. Montag: Ucber unsere Krast. l. Teil. Dienstag: Zapseiistreicb. Mittwoch: Der G'wissenswurm. Donnerstag: Uebcr unsere Krast. 1. Teil. Freitag: KönigSglaube. Sonnabend: Zwei glücklicheTage. Sonntag: Gyges und sein Ring. Nachmittags 3 Uhr: Nora. Montag: Ueber unsere Krast. 2. Teil.__ Schiller-Theater'S.(Friedrich-WllhelmstädtischeS Theater.) Sonntag: Flachsman» als Erzieher. Nachmittags 3 Uhr: Zapfenstreich. Montag, Dienstag, Mittwoch: Die Macht der Finsternis. Donnerstag: Cypttenne. Freitag: Der Vcilchensresser. Sonnabend: Die Macht der Finsternis. Sonn- tag: Hosgunst. Nachmittags 3 Uhr: Zapfenstreich. Montag: Die Macht berliner Theater. Sonnlag: Die Jüdin von Toledo. Nachmittags 2'/, Uhr: Maria Stuart. Montag: Der Widerspenstigen Zähmung. Dicns- tag: Kcan. Mittwoch: Der Widerspenstigen Zähmung. Donnerstag: Die Jüdin von Toledo. Freitag bis Sonntag: Feodor Jannowltsch. Nach- mittags 2'/, Uhr: Hamlet. Montag: Feodor Jannowitsch. Kleines Theater. Sonntag: Kinder der sonne. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. Montag bis Sonntag: Kinder der Sonne. 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Kinder der Sonne. Lnstspielhaus. Sonntag: Der Weg zur Hölle. Jugend. Montag bis Sonntag: Der Weg zur Hölle. 3 Uhr: Jugend. Montag: Der Weg zur Hölle. Neues Theater. Sonntag: Ein Sommcrnachtsttaum. Montag: Die Ncnvcrmählten. Salome. Dienstag, Mittwoch: Ein Somniernachtsttaum. Donnerstag: Die Neuvermählten. Salome. Freitag: Die Morgenröte. Sonnabend: Ein SommernachtStraum. Sonntag: Erdgeist. Montag: Die Neuverinählten. Salome. Luisen-Theater. Sonntag: Die Aima-Lise. Nachmittags 3 Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor. Montag: Die ANna-Lise. Dienstag: Die Karlsschülcr. Mittwoch: Man« Riagdaiene. Donnerstag: Em Somniernachtsttaum. Komische Oper. Sonntag: Don PaSguale. Nachmittags 3 Uhr: tossmanns Erzählungen. Montag: HossmannS Erzählungen. Dienstag: ie Boheme. Mittwoch: Der Corregidor. Donnerstag: Don Pasquaie. Ercitag: Hossmanns Erzählungen. Sonnabend: Don Pasquaie. Sonntag: ossmanns Erzählungen. Nachmittags 3 Uhr: HossmannS Erzählungen. Montag: Don PaSquale. - Theater des Westens. Sonntag: Die Schützenlicsel. Nachmittags 3 Uhr: Die Zauberflöte. Montag und Dienstag: Die Schüheniiescl. Mittwoch: Die Hugenotten. Donnerstag bis Sonnabend: Die Schütienliescl. Sonn- abendnachmittag 3 Uhr: Rabale und Liebe. Sonntag: Die Schützculiesel. Nachmittags 3 Uhr: Undine. Montag: Gasparone. Trianon-Tbeatcr. Sonntag: Lonlou. Nachmittag 3 Uhr: Die herbe Frucht. Montag bis Sonntag: Loulou. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die herbe Frucht. Montag: Louloit. Rejideiiz-Theater. Sonntag: Der Prinzgemahl. Nachmittags 3 Uhr: Denise. Montag bis Sonntag: Der Pttiizgemahl. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Schiaswagen-Konttolleur. Montag: Der Prinzgemahl. Carl Weift- Theater. Sonntag und solaende Tage: Die lebende Brücke aus Kuba. Sonnabend, den 24. Februar, nachmittags 4 Uhr: Rübezahl. Sonntag: Die lebende Brücke aus Kuba. Zentral-Thcater. Sonntag: Der Mikado.(Ansang 7'/, Uhr.) Nach- mittags 3 Uhr: Der Zigeuncrbaron. Montag: Die Fledermaus. Diens- tag: Der Vogelhändler. Mittwoch: Das süße Mädel. Donnerstag: Der Mikado. Freitag: Der Zigeunerbaron. Sonnabend: Der Mikado. Nach- mittags 4 Uhr: Prinzetzchen Goldtraut. Sonntag: Der Mikado,(Ansang 7'/, Uhr.) Nachmittags 3 Uhr: Die Geisha. Montag: Der Vogelhändler. Thnlia-Theater. Allabendlich: Bis früh um Fünse. Sonntag- nachmittag 3'/, Uhr: Charleys Tante. Sonntag, den 25. Februar, nach- mittags 3'/, Uhr: Charleys Tante. Dcutsch-Aiiierikantschcs Theater. Sonntag und folgende Tage: Er und Ich. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ueber'n grotzen Teich. Sonntag, den 25. Februar, nachmittag» 3 Uhr: UebcAn grossen Teich. Walhalla. Theater. Sonntag und folgende Tage: Nach Afrika, nach Kamerun. Ansang 8 Uhr. Casino-Tveater. Allabendlich: Die goldene Brücke. Sonntag» nachmiltag 4 Uhr: Hotel Klingebusch. Sonntag, den 25. Februar, nachmittags 4 Uhr: Das Opferlamm. Belle- iillliaure< Theater. Allabendlich 8 Uhr: Der grüne Teufel. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der grüne Teufel. Spezialitäten. Sonntag, den 23., nachmittags 3 Uhr: Der grüne Teufel. Spezialitäten. Folies Caprice. Allabendlich: Der Beheme. Nach dem Zapfen, streich. Apollo-Theater. Allabendlich: Die Insel Tulipatan. Im Grisette». Kabarett. Spezialitäten. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Berliner Lust. Spezialitäten. Sonntag, den 25. Februar, nachmittags 3 Uhr: Berliner Lust. Spezialitäten. Passage- Theater. Allabendlich: Spezialiiäten. Ansang 8 Uhr. Gebr. Herrnfeld- Theater. Allabendlich: Der Familimtag im Hause Prellstein. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Urania. Theater. Taubensttasse 48/4». Sonniaz, Montag, Mittwoch, Donnerstag, Sonnabend: Am Gols von Neapel. Dienstag und Freitag Die Fortschritte der drahtlosen Telegraphie, Ansang S Uhr. Sonnabend- nachmittag 4 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. LriefkAften der Redahtion* Juriktlseffer Cell. TIe turiftischc Eprechftniide finde« täglich mit Sliisnabme de» SonnadendS von?'/, bis»>t, Nlir abend? kiatt. Weüfinc«: 7 Übe. Jeder Anfrage ist -in Buchstabe n»d eine Zahl alS Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. K. SS. Mne derartige Anordnung ist allgemein üblich. Sie können aber mit einer Eingabe an das Kultusministerium und an den Magisttat sich wenden.— M. G. S0V. Die StrafanttagSsrist wäre gewahrt, die Klage kann also erhoben werden.— 100. Memclerstrafte. t. Versuche» Sie eS mit Klecfalz: 2. Wenn nicht ausdrücklich vereinbart ist, dass für den Fall nicht pünktlicher Zahlung einer Raie der Lottettespieler seines Rechtes verlustig gehe, so behält der Mtispicler seinen Anspruch.— Trübe 63. Klagen Sie und lassen Sie sich nicht an der Nase herum- zieh«- 7- P. St. 187«. Sie sind im Irrtum.- D. W. 8. Innerhalb 6 Monaten müsste die Scheidungsklage anhangig gemacht sein, nachdem man KcnnwiS von dem ScheidungSgrund erhalten hat. Die einer Bestrafung zu Grunde liegende Handlung kann eine Shelcheldung begründen, wenn sie als ehrloses oder unsittliches Verhalten sich charaklcrtsiert, das eine Ncse Zcr-rütlung ves Ehelcbcns nach sich gezogen bat. — M. 67. AnSschlaggcbeno ist lediglich der ltnhatt des Testament«. Liegt kein Testament vor, so würde, falls die Witwe nicht vorzieht, nach märkitchern Recht zu erben, die Witwe ein Viertel, die Kinder drei Viertel des Nachlasses erhalten. Im Falle der Teilung nach märkischem Recht erhält die Witwe die Hälfte von dem gemeinsamen Vermögen. Sind die Sparkassen- bücher etwa übergeben und auSdrücklichserklätt, dass fie den darin Benannten geschenkt sein sollen, so gehört die Sparkajsensordcruna nicht zum Nachlast. Ein Recht aus den Besitz der Sparkassenbücher hat die Mutter, soweit er- sichtlich, nicht.— O. B. 62, Wenn Sie darlegen, dast lediglich ein ge. schlosseneS Vergnügen vorlag, so würden Sie freigesprochen.— Gänserich. 1. Die Versicherungsanstalt ist berechtigt, aber nicht verpflichtet, Sie einer Heilanstalt zu überweisen. Wenden Sic sich an die Anstalt. 2. Durai Austritt aus der Landeskirche hat man keineswegs irgend welchen Nachteil, eS fei denn, man sieht als Nachteil an, dass man keine Kirchensteuern zu zahlen braucht. »fit den Julmlt der Inserate uberniiniiit die Nedattion dem Vnblitni» gc'.: Zapsenstrcich 10. Abteilung im Schiller-Theater 0.: Nora. Nachmittags 2'/. Uhr: 3. Mteilg. im Neuen Theater: Doppclsclbst- mard. K. Abteilung im Deutschen Theater: Eine Florentinische Tragödie. Die Neuvermählten. Der Herr Kommissär. Abends 8 Uhr in der kgl. Hoch. schule sür Musik: Heine- Gc- dächtnis-Feier. Ansang VI, Uhr: OPeimhauS. Mignon. Montag: Tristan und Isolde. (Ansang 7 Uhr.) Schanshielhans. Der Schwur der Treue. Montag: Julius Cäsar. Deutsches. OedipuS und die Sphinx. Montag: Der Kausmann von Venedig. Berliner. Die Jüdin von Toledo. Nachm. S'/j Uhr: Maria Stuart. Montag: Der Widerspensligen Zähmung. Neues. Ein Sommernachtstraum. Montag: Die Neuvermählten.— Salome. BLesle». Schützcnliesel. Nachmittags 3 Uhr: Die Zauber- jlote._ Montag: Schützcnliesel. Zentral. Der Mikado. Nachmittags 3 Uhr: Der Zigeuner- baron. Montag: Die Fledermaus.(An- 8 Uhr. Metronol. Ans in? Metropol. Montag: Dieselbe Lorstellung. Walhalla. Nach Afrika, nach Ka- nierun. Montag: Dieselbe Vorstellung. Anfang 8 Uhr: Schiller lWallner«Theater.) Zwei glückliche Tage. Nachm. 3 Uhr: Nora. Montag: Ueber unsere Kraft. (I. Teil.) Schiller IV.(Friedrich Wilhelm- städlischeS Theater). FlachSmann als Erzieher. Nachmittags 3 Uhr: Zapsenstrcich. Montag: Die Macht der Finsternis. Lrssliig. Und Pippa tanzt. Nachmittags 3 Uhr: Der Biberpelz. Montag: Rosmersholm.(Ansang VI, Uhr.) Kleines. Kinder der Sonne. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Kinder der Sonne. Komische LPer. Don Pasquale. Nachmittags 3 Uhr: Hosfmanns Erzählungen. Montag: HofsmannS Erzählungen. Residenz. Der Prinzgemahl. Nachmittags 3 Uhr: Denise. Montag: Der Prinzgemahl. Drianon. Loulou. Nachmittags 3 Uhr: Die herbe Frucht. Montag: Loulou. Luststiirlhaiis. Der Weg zur Hölle. Nachmittags 3 Uhr: Jugend. Montag: Der Weg zur Hölle. Thalia. Bis srüh um Fünse. Nachmittags 3>/, Uhr: Charleys Tante. Dtontag: Bis srüh um Fünse. Theater. Ansang lionlon. 8 Uhr. Sonntag nachm.: Die herbe Eruoht. Cari Weiß-Theater. Gr. Frankfurt erstr. 132. Täglich abends 8 Uhr: Die lebende Brücke auf Kuba. Großes amcrikan. sensationelles Aus- slattungsstück mit Gesang und Ballett in 7 Bildern von JameS Fox. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder- Vorstellung, kleine Preise: stubezahl und das lustige Schnelderlcin. Passage-Theater. Anfang d. Abendvorstellung 8 Uhr. Miß Gertrude, Tänzerin. Karl Bernhard, der Humorist. = Bierzeh» Nummern.— „Und Pepi singt" (Pepi Weiß). Apollo-Theater. Nachm. 3 Uhr I Bedeutend ermäßigte Preise 1 Dmlle Famiiien-Vorstelliing. Berliner Luft p eL;nckB und die erstklassigen Spezialitäten mit GuKisrt Beiling und Katsukuma Higaslii, Meister der Selbstverteidigungslehre. •Ila-dfU«». AbendS 8 Uhr: Nur neue Spezialitäten und„Die Insel Tulipatan", Operette. Metropol-Theater Anfaii j -in Anfang ll,S Uhr, •» Große Jahresrevuo mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen in all. Räumen gestattet. Walhalla-Theater Noch Afrika, noch Komtron. Ausstattungsvosse in 6 Bildern. Ans.'/.8 Uhr. Rauchen Überall gestattet. Polles Gaprice Budapester Possen- Theater 132 Linienstr. 132, Ecke FriedrichstraBe.—« Zum 154. Male: Stach d. Zapfenstreich. Vorher: Der Beheme u. d. ausgezeichn. Spezialitätenteil. Anfang 8 Uhr. Vorverk. tögl. b.«erthelm u. an der Theaterkasse von 1D Uhr vormittags an. Schiller-Theater 0.(Wallncr-Theatcr). Sonntag, nachm. 3 Uhr: Xnra. Schausp. in 3Aliszügen v.HenrikJbsen. Deutsch von Wilhelm Lange. Sonntag, abends 8 Ubr: Zwei xliiehNehe Tage. Lustspiel in 4 Akten von Franz v. Schönthan und Gustav Kadelburg. Montag, abends 8 Ubr: Uleher unsere Kraft.(I. Teil.) Dienstag, abends 8 Uhr: _ Zaplcnstreich._ Theater. Schiller-Theater M.(Friedr.-Wilh. Th.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Zapfenstreleh. Drama in 4 Akten von Franz Adam Beyerlein. Sonntag, abends 8 Ubr: k'Iaclisniann als Erzieher. Komödie in 3 Ausz. von Otto Ernst. Montag, abends 8 Ubr: IMe Macht der Finsternis. Dienstag, abends 8 Ubr: Die Macht der Finsternis. Zirkus Albert Schumann Heute Sonntag, den 18. Februar, nachm. S'/jUhr und abends 7'/, Ubr: r. auBe'rvrd. Gala-Vorstellungen A ein KM W!/ 9 I Plätzen o. Ausn. U Jedes weitere Kind unter zehn iU Jahren halbe Preise(außer Galerie). Abends jedoch volle Preise. In beiden Vorstellungen nachmittags und abcnoS: Die grofttc Novität k Ein Souper bei Maxim. Ees 7 PerezolT. Ihre E*z. Margaretha Fohim Pascha. Die phänomenale Morgana-Truppe. Die ausgezeichnete Ergotti und King Louis Troupe� Die beliebte jugendliche Schulreiterin Frl. Dora Schumann. Möns. Melas mit seinen dressierten Assen. Nachmittags zum Schluß die reizende Sportpantomime: Ter Tag deS Englischen Derby. Abends: Das größte Pracht- Manegenschaustück der Gegcnwmt FoiVlIMÄ ItfllC a tSBIIIlid Frauenreich. Montag: Gala-Sport-Vorstellung. Zum erstenmal in Berlin! Tschin-Maa's Chinesen-Truppe Außerdem Otto Reutter und das sensationelle Februar-Programm. tiebrllder itlte» Heute zum 104. Male: Der größte Herrnfeld- Scblager: TanuTientag Im Kause Prellstein. Komödie in drei Akten mit den Autoren A. u. D. Herrnseld in den Hauptrollen. Ans. 8 Uhr. Vorverk. 11-2 Uhr (Theaterkasse). Deutsch-Ämerikanisehes Thealer. KBpenickerstraBe 67/68. Heute nachm. 3 Uhr, halbe Preise; Eeber'n großen Teich**. Heute Abend 8 Uhr: Heßi Gastspiel Adolf Philipp ER und ICH. Morgen abend 8 Uhr: anläßlich des 25 jährigen Konstierjubiläums von ADOI.F FHII.IPP FEST-VORSTEI>L,CXG »?-|8r« 3ch Moritzplutz. Täglich � in den unteren Sälen Gottschalk-Konzert. Carl(«ubflcls Volks-Museum Friedrichstr. 112a, am Oranienh. Tor Zirka 2000 Ausstellungsobjekte! Entrce 30 Pf Sold.u.Kind.20Pf. Sämt.Räum.60Pf. Variete Elysium Kommandantenstraße S/4. Um O'/j Uhr: Austreten de? berühmten Stegreifdichters Paul Steinlt?. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. große Oala-Tor- O Stellungen � nachmittags 4, abends 7'/zHhr. N achmittags zahlen Kinder auf allen Sitzplätzen halbe Preise. In beiden Vorstellungen: Neu!-Mg SMT Sensationell! Der automatische Mensch. Zum ersten Male in Europa! Noch nie dagewesen!-ME Nachmittags 4 Uhr: Mexiko Gr. Ausstattungs- Pantomime aus d. mexik. Pflanzerleben. Abends 7'/, Uhr: Die neueste und gröBte Sehenswürdigkeit Berlins: O Indien. ♦ Origin.-Manege-Ausstattnngs- 1 stück des Zirk. Busch in 8 Bild. KasinosTheater Lothringcrstr. 37. Täglich 8 Uhr. Nnr«och bis l. Mär; inkl. Die goldene Brücke. Am 2. März zum erstenmal: Die Herren Söhne. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Hotel Ktingcbusch._ Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger (Meysel, Pietro, Britton, Böckmann, Böhme, Dalben, Seidel, R. u. O. Schräder). Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Bernharil Rose-Thealer Gesundbrunnen, Badstraße 58. Heute Sonntag, den 18. Februar, nachmittags 3 Uhr: Die Bluthochzeit. AbendS 7 Uhr: Billett-Vorverkaus von 10—1 Uhr an der Theaterkasse. Montag: Die zärtlichen Verwandten. Sladt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/49. Heute Sonntag, den 18. Februar: Gastspiel des Berliner Schau- and Lastspiel-Ensembles unter Leitung von Hans Vilaln. Der Hüttenbesitzer. Schausp. in 4 Ausz. v. Georges Ohnet. Ansang 6 Uhr. Kasseneröfsnung 5 Uhr. Billett-Vorverkaus vorm. v. 10 bis 1 Uhr an der Theaterkasse. Jeden Montag: Soiree der beliebten Frlt« Steldl-Sünger. SanssoueUrÄ: Dir. Wilhelm Reimer. Sonnt., Moni., Donnerst.: Hofftnaniis Norddeutsche Sänger, Sonnt. Bg. 5, Wochent. 8 U. Dienstag und Mittwoch: Gastsp. d. kowe-Enscmdles: Die Haubenlerche. Die Wogen des Glücks. Palast-Theater Burgstr. 24, 2 Min. v.Bh. Börse. Heute Vs8 Uhr. Entree 50 Ps. MHe. Eugenie Schulreiterin im tzerrensattel mit GoldsuchShengst Monte Christo. Li kelle tS"' Miß Astre Norton die zweite Saharet. La belle Leona ??? Die Herbstparade, Schwank von Alfred Schmasow. P"-" Otto Pritzkows 1 Berliner Abnormitäten-Theater MiinzHtr. 16. h e» k-M>> hcm k> Die Elite-Liliputaner- Truppe| die kleinsten BortragSkünstler und d Sterne der Liliputaner der Welt, d Die Fuß< Künstlerin Margarete Marjet. Hellseherin Armida, wahrsagende Wiinderdaine. Pluto, < Wunderhahn, geb. mit 4 Deine», p 4 2 Körpern, 1 Kopf, lebend, zc. ! Riesen, Zwerge, Phänomen, Fakire usw. Urania Jr«",: Abends 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sternwarte Tnll ßaslans V Panoptikum Friedi-lchütr. 165. Ohne Sxtra-Sntree. BergbcwoUnep Abessiniens. 65 Eingeborene Männer, Weiber und Kinder, sowie das Baby„Berolina". Eintritt 56 Pf. Berliner jltsuarium Unter den Linden 88a Eingang Sohadow-Straße No. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis P®- 50 Pf.-»I Reichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc._ wTNoacks Theater. Direktion: stob Dill. Br»»» enstr. 16. Der Walzerkönig. Posse mit Gesang in 3 Akten von W. Mnnnstädt. Ans. 7 Uhr. Entree 30 Ps. bis I M. Nach der Vorstellung: Famiiienbali. Montag: Dieselbe Borftellnng. Dienstag: Mit dem Strom._ Der iiniliitag Sonntag, 18. Febr., nachm. 3 Uhr. Palasl-tater, BurgslF. 22. Eintritt 10 Pf., numeriert 30 Pf. Fröbels Allerlei-Thealer Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag und Mittwoch: Koniicrt Theater, Spezialitäten, Tanz. Ans. Sonntags 6 Uhr, Mittwochs 8 Uhr. VAU- Sonnabeude sür sommer- feste sind noch frei. Gustav Behrens Speziaiitäteu- Tbealer Frankfurter Allee 85. Die größte Sensation des Ostens sind Dte kleinen Mädchen von Berlin. Im zweite» Bilde: Dir sechs schönen Manolizigarrtten. Außerdem X daS neue Februar-Programm. X KoabiT ßesellschaftshaus. Wiclefstr. 24. Inf).: H. Peters. Heute Sonntag: zGroBe Extra■ Soiree der Original- ftarburger Sänger Direktion: K. Frick u.Kasche-Krause. Ans. 6 Uhr. Entree 20 u. 50. Nachher sowie im Roll oberen Saale: LI"'». Anfang 4 Uhr. Jeun™sS0gch Drig.Barb. Sänger. Heute Sonntag, den 18. Febrnar 1966: 3 Lewer Tag des Original Jdütiehener Sockbierfestes. Arnold Scholz. Neue Welt Hasen- beide 108/114. Baron Muckl's Baacrnkapelle D'HolIertauer. Anfang 5 Uhr.• Bedienung durch 30 bayerische SEadl in Katlonaltracht. » Entree 50 Pf. Im Theatersaal: Im kleinen Saale: Großer Ball. Anlang 6 Uhr. Entree 50 Pf. Anfang 4 Uhr. Entree 30 Pf. Jeden Mittwoch: Bernhard Rose-Theater. ii Borsl's WIMM Anton 3oekers Ball-Salon, K: empfiehlt den geehrten Gewerkschaften und Vereinen seinen großen Saal zu Festlichkeiten und Versammlungen, auch sind noch zwei große Verrinszimmer einige Tage in der Woche zu vergeben. 1~ Jeden Sonntag:*—' Großer Sali. Hierzu ladet ergeben st ein 56752� Boeker, Weberstr. 17. Friedrichsberg. VJSLB? FranUftsrter- Fernsprecher Nr. 8. Chaussee 6. Rcstanrant und Feststtlc. geben Sonntag: Bali| Jeden Mittwoch: sinmoristisehe Soiree der Willz Waide-Sänger. ÄÄV Familien-Kränzchen, x"jtiXr 56582* Gebr. Arnhoid. Max Kliems Pestsäle Hasenheide 18—15. 5769s MU" Jeden Scnntag: Gp. Ball, Sonnabend, den 24. u. 31. März sowie 7. April alle Säle frei. Max Kllem. * eTtxzxxxzxaEtsxxxxggxxzsxxxxxssrsxssxxs!» lo � rächt- gäle des fastens. Frankfarter Allee 15 1/1 52. Inh.: O. Cranz. Heute sowie jeden Sonntag: ""•JZST* Gr. Slreieli- Konzerl"SKS"1 Nmideülsclieii Sänger. Hl," Tanz-Kränzctisn, Im weißen Tnnn Dniininn hei stark besetztem Saal: lilllA" ncUlllUll Orchentcr. Ansang 4 Uhr. Tägl.: Gr. nrfldeles Klockbler-Fest nach BHünchcncr 9lrt, geleitet»• Sergnügungsiat Axel Blirkner. Wagner-Konzert. äluofonanf Patzenholer, eelt Münebener u. Pilsener Dier. _ BRi Vorzüglit-hc Küche! BREUER8 Pestsäle r:,„Hur Königsbank"== Gr. Frankfurterstr. 117. X Inh. Curt Brener. X Amt Vits, 8142. Den geehrten Gewerkschasten, Vereinen, Klubs empfehle ich meine Gesamt- räuine zur Abhaltzzng von Bersammlnngen nnd Festlichkeiten jeder Art zu den kulantesten Bedingungen. Um recht regen Zuspruch bittet Gurt Breuer, Gastwirt. il (H r«. abends 7 mdantenstr. � Vortrags-Hbend � Heute. T o nn t a g, de» 18. Februar ct., abends 7 Uhr. in der Vvrlinvr Heasource, Kommandantenstr. 57: CK Voltsschriststellerln Frau Lina Leidl.— Rezitation eigener Dichtungen humoristischen Inhalts im oberbayerischen Dialctt. Nach dem Vortrage: TcSIH?» Eintritt 10 Pst Zahlreichen Besuch erwartet 120/51 Der Vorstand. Mitglied des Arbeiter-Radfahrer-Bundes„Solidarität'*. Sonnabend, den 24. Februar, tn den Ocsamträumen der Neuen Welt, Hasenheide 108/114: Großes Kostüm-Fest. Ein VolkscPest in Algeciras zur Zeit der Marokkokonferenz. Die Eäumlichfceiten werden dem Feste entsprechend auf das groß- artigste dekoriert. Rull bei vier Orchestern. Aultreten dos Berliner Llk-Trlo. Kunst- und Reigonfahren des Berliner Vereins (Vereinsriego) sowie des Luckenwalder Bundesvereins. Auftreten einer internationalen Tänzer- und Sänger-Gesellschaft. Zirkusvorstellung. Bänkelsänger, welche schaurige Moritaten vortragen. Rutschbahn. Schau-, Schieb- und Wilrfelbuden usw. 11/12 Anfang 9(Jhr. Eintritt 59 Pf. Wir machen darauf aufmerksam, daß kein Kostilmzwang herrscht, ein jeder erscheint, wie es ihm beliebt, sei es als Spanier, Franzose, Fischer oder Fischerin, Charlottenburger, Kusse, Berliner oder Eixdorfer, Italiener, Marokkaner, Rehberger, im Bratenrock oder Sommertoilette usw., ein jeder findet eine„offene Tür". Es ladet freundlichst ein Das Festkomilee. NB. Wir machen die Mitglieder aufmerksam, daß m den Abteilungsversammlungen sowie in der Genossenschaft, Oderberger- straße 30, Billetts zu haben sind. D. O. Soimtag, de» 18. Februar, i» de»„Anuinhallen", Komniandantenstraste SO: Aksxim Gorki- Abend. Vortrag des Herrn C. A. Stripp und Rezitation. Nachdem: Oeniiitllches Beiaaiiimensein u. Tanz. Anfang 6 Uhr. Eintritt SO Pf. Um zahlreichen Besuch bittet 283/2 Die Ortsgruppe Berlin des Arbeiter-Abstinenten-Bundes. r Louis Kellers Fest s Säle 1 «» a w..- G Koppen-Straße No. 29. Koppen-Straße No. 29. 1 Montag, den 19. Februar 1906, abends Ve? Uhr: XXX. Sinfonie-Konzert I IJVIozart-QIagiicr-Hbcnd 1 des auf 60 Künstler verstärkten Berliner Binfonie-Orcbeeters. Dirigent: Maximilian Fischer. Solist: Ilax Salzwedel(Violin-Virtuose). ®. Billetts im Vorverkauf a 40 Pf. sind in den Zahlstellen der Volksbühnen zu haben. 2618b* /•BKBCamKABHBKOKKaXOt«! i: l er* I | Voigts„Krampenburg" gegenüber von Schmöckwitz am Fusse der Müggelberge auf einer von Herrlichen Waldungen umgebenen Halbinsel am Langen- und Seddin-See und der Groste» Krampe gelegen. Vereinen und Gesellschaften bestens empfohlen, 2 Dampfer- anlegestellen, 3 große Säle, zirfa 30 V% x% r vN*/ � � V JANDORF Spittel markt Montag Dienstag Mittwoch Beile ASIiancestrasse Grosee Frankfurterstrassc Brunnenstrasse Wir hatten LEBENSMITTEL Gelegenheit Soweit der Vorrat reicht Verkauf nicht an Wieifrverkäufer Dosen Fruchtkonserven nur erstklassiges Fabrikat zu kaufen und offerieren EfdUbearami natura» Fmohfe vo-s v, Dose SS pf. Pflaomeini ■/a Dose pf. Oose S Pf. 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Jahrgang. 3. Keilap i>es Lamiiils" Lerliacr NsIksdlM Zomttllg, 18. Febraar IM. Versammlungen. Eine Protestversammlung sämtlicher Arbeiter der Englischen Gasanstalten fand am Freitag in der Berliner Ressource statt. Es waren wohl über 700 Personen anwesend, so daß der Saal die Menge kaum fassen konnte. Prenzlow berichtete über die neue Methode der Direktion, den Verband zu dezimieren, indem Ver- bandskollegen außer der Reihe entlassen werden, während Christlich- organisierte erst kürzlich neu eingestellt sind.— Als nun der Arbeiterausschuß dieserhalb vorstellig wurde, erklärten die Ver- treter der Direktion, man werde sich das Recht nicht nehmen lassen, zu entlassen, wen man wolle. Eine Versammlung der Arbeiter des Autzenbetriebes, von zirka 2S0 Kollegen besucht, wählte darauf am Mittwoch eine Kommission zwecks Wiedereinstellung der Gemäß- regelten, sie wurde aber nicht empfangen. Das hat nun ungeheuere Erbitterung in die Reihen der Arbeiter getragen, welche sich seitens der verschiedensten Diskussionsredner Luft machte.— Ortssekretär E. D i t t m e r legte in ausführlicher Weise das Matzregelungs- und Spitzelsystem der I. C. G. A. dar, wie es sich in den letzten Jahren gezeigt habe. Nachdem man sich nicht mehr so recht an die Vertrauensleute heranwage, wolle man anscheinend von unten die Maßregelungen versuchen. Hier müsse ein gebieterisches Halt seitens der Kollegen gesprochen werden, wenn nicht die ganze Organisationsarbeit gefährdet werden solle. Die oft von Beifall unterbrochenen Ausführungen gipfelten in nachstehender Resolution, welche von der Versammlung einstimmig angenommen wurde: „Die Arbeiter und Handwerker der Englischen Gasanstalten halten die letzten Entlassungen der Verbandskollegen des Außem einstellung derselben. Sie protestieren gegen diese Methode, �dcn hr. betriebes für offenkundige Maßregelungen und fordern die Wieder- ..... � 2................ Verband zu dezimieren, umfomehr, als noch in letzter Zeit Neu- cinstellungen von Arbeitern erfolgt sind, welche christlichen Vereinen usw. angehören. Die Versammelten erblicken in der Maßnahme der Direktion, die von sämtlichen Außenbetriebsarbeitern gewählte Kommission nicht zu empfangen, einen Herrenstandpunkt, welcher sich weder mit der vollen Koalitionsfreiheit dor Arbeiter vereinbaren läßt, noch im Interesse eines gedeihlichen Arbeitsverhältnisses liegen kann. Die versammelten Arbeiter und Handwerker verlangen kategorisch, daß bei Entlassungen nach dem Dienstalter verfahren werde und beauftragen die Kommission, noch einmal in dieser S bei der Direktion vorstellig zu werden. Sollte auch diesmal die Direktion bei ihrem ablehnenden Standpunkt verharren, so wird zu erwägen sein, ob der Verband die Sache in die Hand nimmt und gegebenenfalls durch Arbeitseinstellung das arbeiterfeindliche Ver- halten der Direktion beantwortet." Eine Anzahl Diskussionsredner waren zwar mit der Reso- lution einverstanden, hatten aber eine unmittelbare Ar- beitieinstellung auf sämtlichen Betrwben befürwortet. Der Arbeiter-Sängerbund hielt am 11. Februar seine General- vcxsammlung ab. Nachdem der.Kassierer einige Punkte des gc- druckten Rechenschaftsberichtes erläutert hatte, wurde ihm Decharge erteilt. Der Bund hatte eine Einnahme von 3370,15 M., dagegen eine Ausgabe von 2599,15 M., so daß ein Bestand von 771 M. verbleibt. Den Vorstandsbericht gab Meyer. Dem Bunde gehören jetzt 194 Vereine mit 7000 Mitgliedern an. Der Besuch der llebungsstunden ist im Verhältnis zum vorigen Jahre derselbe ge- blieben. Meyer besprach sodann die geplante Billett st euer, bei der alle Veranstaltungen der Vereine mit 10 Prozent besteuert werden sollen. Da der Bund, sowie dessen Vereine ihre Veran- staltungen nicht aus Ueberflutz treffen, sondern um das ideelle i Streben zu heben, bei dem die Kunst und das sittliche Empfinden .dem Volke immer mehr zugeführt werden soll, müssen wir gegen diese Maßnahme Protest erheben. Hochangesehene Männer der Musik haben gegen die Einführung dieser Steuer ihre Hand erhoben, auch haben sich größere Vereinigungen dagegen gewandt. Meyer schlägt vor, daß der Bund dem Magistrat eine Resolution überreicht, die Protest gegen die Einführung der geplanten Billettsteuer erhebt. Dießem Vorschlage wurde zugestimmt. Hierauf ging die Versamm- lung zur Statutenberatung über.§ 1 wurde in der Fassung der Vorlage angenommen. Ueber Z 2 entstand eine längere Debatte. In der Abstimmung wurde angenommen, die Organisationsfragc im Statut mit aufzunehmen, dagegen die Zahl von 25 Mitgliedern zu streichen. Gegen die Einführung der Kopfsteuer von 10 Pf. wurde ausgeführt, daß eine Kopfsteuer von 5 Pf. auch genügen würde, um den Bund lebensfähig zu halten. Andererseits wurde vorgeschlagen, die Köpfsteuer mit 5 Pf. zu berechnen, jedoch ein Mindestbetrag von 1,50 M. pro Quartal. Es wird nun die Fassung der Vorlage ange- nommen. Zu Z 4 stellt BarowSky den Zusatzantrag: Vorstands- Mitglieder, welche aus ihren Vereinen ausscheiden und sich nicht in vier Wochen einem anderen Verein angeschlossen haben, müssen ihr Amt niederlegen. Außerdem sprechen sich die Redner gegen die Wahl des Vorstandes in der Ausschußsitzung aus und befürworten, diese Wahl der Generalversammlung zu übertragen. In diesem Sinne, mit dem Zusatzantrag Barowsky, wird§ 4 angenommen. Zu§ 5, gegen Einführung des Delegiertensystems, sprechen sich vornehmlich die kleineren Vereine aus und möchten den alten Modus, also einen Delegierten zur Ausschuhsitzung zu entsenden, beibehalten haben. Angenommen wurde die Fassung der Vorlage, bis 30 Mit- glieder je ein Delegierter. Außerdem wurde der ganze Z 5, mit Ausnahme des Absatzes a, welcher besagt, daß der Ausschutz die Wahl des Vorstandes vorzunehmen hat, angenommen. Auch gegen die Fassung des§ 6, welcher besagt, daß bis 10 Mitglieder ein Delegierter zur Generalversammlung zu entsenden ist, werden Aus- führungen gemacht. Jedoch wird die Fassung der Vorlage ange- nommen. Der ganze§ 6 wird mit Einfügung, daß der Vor- stand von der Generalversammlung gewählt wird, ange- nommen. Die Zß 7, 8 und 9 fanden unverändert Annahme. Dann wurde das ganze Statut in seiner veränderten Fassung angenommen. Das Statut soll rückwirkend am 1. Januar 1906 in Kraft treten. Die Wahl des Vorstandes wird in einer noch einzuberufenden Gene- ralversammlung stattfinden. Der Ortsverein Berlin der Vereinigung der Fliesenleger hielt am Donnerstag im Neuen Klubhaus eine außerordentliche Mit- gliederversammlung ab, die hauptsächlich dazu bestimmt war, die Beschuldigungen der Fliesenleger des Maurervcrbandes gegen die Vereinigung zurückzuweisen. AIS Gäste waren mehrere Mitglieder des Maurer- und des Bauarbeiterverbandes anwesend, wogegen aus der Versammlung Einspruch erhoben wurde. Auf Wunsch des Vor- standes wurde jedoch darauf verzichtet, sie aus dem Saal zu weisen. Das Referat hielt H. P u t t l i tz. Seine Ausführungen entsprachen dem, was bereits in der in Nr. 35 des„Vorwärts" veröffentlichten Erklärung und ferner in einem von der Vereinigung herausge- gebenen Flugblatt gesagt wird. Auf Vorschlag des Vorstandes wurde es abgelehnt, über den Vortrag zu diskutieren. Hierauf verließen die Mitglieder der beiden Verbände, von denen sich mehrere zum Wort gemeldet hatten, den Saal. Dann wurde die Resolution ein- stimmig angenommen. Dieselbe sagt: Die Versammlung gibt auf die Darlegungen der Leitungen des Maurer- sowie des Bauarbeiter- Verbandes anläßlich des Versassens einzelner Arbeitsstellen von Mit- gliedern der genannten Verbände, folgende öffentliche Antwort: Die jetzigen Arbeitseinstellungen der Fliesenleger des Maurer- Verbandes können nach ihrer ganzen Inszenierung und auf Grund des Verhaltens der genannten Verbände während des Lohnkampfes der Fliesenleger und Hülfsarbeiter im Herbst 1905, sowie seit dem Abschluß der Einigungsverhandlungen vom Jahre r9V4 bis heute gegen unsere Vereinigung überhaupt, als ehrlich gemeinte Bewegung zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen im Fliesen- legergewerbe auf keinen Fall angesehen werden. Diese Arbeits- einstellnngen dienen, da sich die Mitglieder beider Abteilungen unserer Bereinigung infolge des Vertragsabschlusses von 1905 nicht daran beteiligen, andererseits aber auch nicht der Spiclhall einer Laune sein wollen, nur zur Verschärfung des Streites zwischen den Organi- sationen. Die Besetzung der Arbeitsplätze in unseren Vertrags- firmen als'Streikbruch zu bezeichnen, läßt sich nach moderner Auslegung der Tarifverträge nicht rechtfertigen. Wir weisen diese Be- Zeichnung zsirück. Die Versammelte« fühlen sich nach ivie vor mit allen ehrlich für die Hebung der geizigen wie materiellen Lage der Arbeiterklasse Kämpfenden solidarisch, verpflichten sich aber gleich- zeitig von rteuein, allen Vernichtungs- und Zersplitterungsversucheu gegen unsere Organisation init der größten Entschlossenheit entgegen zu treten, rstibekümmert um das Urteil Außenstcheuder. Darauf berichtete der Ausschußvorsitzendc Hupte über die Tätigkeit des Ausschusses, der verschiedene Differenzen zu schlichten hatte. In den neuen Ausschuß wurden Paul Schneider,.Hermann Jäntsch, Hermann Krause, Paul Pagcl und Krieg gewählt. Die in den Zentralverbanden organisierten Fliesenleger und Hülfsarbeiter nahmen in ihrer am Freitag abgehaltenen Persamm- lung eine Resolution an, die in ihren wesentlichsten Punkten sagt: Da nach der Annonce der Vereinigung der Fliesenleger in der Versammlung am Donnerstag der Sektion auf ihre Vorwürfe gegen die Vereinigung Antwort erteilt werden sollte, nahmen die Kollegen der Sektion an jener Versammlung terl und hörten die Vorwürfe mit an. ES war den Kollegen vom Verband nicht vergönnt, sich zu rechtfertigen, da der Vorstand der Vereinigung eine Resolution ein- brachte und ohne Diskusston darüber abstimmen ließ. Hieraus sieht die Oeffentlichkeit, daß man den Gegnern nicht das Wort zu ihrer Rechtfertigung gab: Der Vorstand der Vereinigung der Fliesenleger sendet uns eine Erwiderufig auf die Veröffentlichung der SeNionsleitung in Nr. 38 des„Vorwärts". Mit Bezug auf die veröffentlichte Kurte aus Bunzlau sagt der Vorstand der Vereinigung: Die Karte sei die Antwort auf einen Brief, worin ein Bunzlaner Sjvllege anfragst ob er auf Grund der Aufforderung der Firma Schpffcr, die mit der Vereinigung einen Vertrag geschlossen hätte, nach Berlin kommen könne. Als Antwort auf Baberschkes Karte Haide der Betreffende 10 M. Reisegeld gefordert, aber nicht erhalten. Der Vorstand der Vereinigung ist der Meinung, ihm sei mit diesen Briefe eine Falle gestellt worden. Mqlntag, den 19, Februar, ':rsir. 16. Heine-Abend. Lese- und Diskntierklub»Moabit�. abends 8's, Uhr: Sitzung bei Bachstein, Salzwebelerski (Rezitationen.) Sozialdemokratischer AgitationSverei» für den Wahlkreis Bromberg-Stadt und Sand. Sitzung Dienstag, den 29. Februar, bei Ostrowski, Schillingstratze 24: Vortrag des Gen. Stöfsel- Bromberg: Der Zweck unserer Organlsation". Die Mitglieder und Landsleute werden Ortsgruppe Berlin. WW TiMWWWWW» ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Deutscher Arbeiter- Abstinenten- BuKd. 3. Bezirk. Montag, den l9. Februar, abends'l.ß Uhr: Sicking bei Lehmann, Bülowstr. 59. Vortrag der Genossin Frau Dr. WcgMjeider-Zieglcr. 5. Bezirk. Montag, abends stzS Uhr, im„Roten Meer", Lychenerstr. 18: Bezirkssitzung. lteictlkaltigste Auswahl in den neuesten Moden und Webarten, Kammgarnen, Satins, Cheviots, Drapes, Meltons u.s.w. 33.- 30.- 27.- 4% jq 14.- 12.- 10- «rhtlt reizende Beigaben umaonat. «ö.üUWMs U. 8. W. zur Einsegnung zu sehr niedrigen Preleen. modsros, gemusterte Webarten, in Cheviots, Buckskins, Kammgarnen Anzüge u. e. w. allerneuester Geschmacksrichtungen 30- 25- 20.- 16.- 12.- 10m. 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Sonntags geötfnet 8—10 und 12—2. IL Wahlkreis. Dienstag, de» 30. Februar, abends SVa Uhr; Volks- Versammlung im Lokale des Herrn««Unmim, Kreuzbergstrasze 48. Tages-Ordnung: «•„Die Enwickrlung der Sozialpolitik im Reiche." Reserent: Reichstagsabgeordneter StÜCklCll* 2. Diskussion.• 238/7 Frauen haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Der Norftand. vi. Wahlkreis! Sonntag, de» 18. Februar, abends 6 Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergerftrafte Nr. SS: Oeffentl. Versammlung i für Männer n. Fronen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen«sei ii»tr»okolii: „Nach dem 31. Januar.* 2. Diskussion. Zu recht zahlreichem Besuche ladet ein Der Einberufer. Nach der Versammlung: 247/1 Gernihl Beisammensein mit Tanz. SoMkuiölMWer Mlihlorttlil str den Kezirk Fichttiilierg. Dienstag, de» 30. Februar 1000, abends pünktlich 8'/, Uhr: MgUecker- Versammlung in Gebr. SlrnholdS„Schwarzer Adler*, Frankfurter Chaussee 5/6 Tages-Ordnung: 14/2 1. Die Anfgaben der Gemeinden. S. Vereiinsangelegenheiten. »»»» Erscheinen aller Mitglieder ist dringend notwendig, mm Der Vorstand. Schotiebern. Dienstag, de» 30. Februar, abendS 8 Uhr: Wahlvereins-Versammlung in Obst's Fests.Vlen, Meiningerstrafte Nr 8. Tages-Ordnung: 15/3 1. Der preußische Landtag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes._ Der Vorstand. ir « in Achtung! Achtung! 8r anetaen-Versammlung««. Herrenkonfektion."WW Kollegen und Kolleginnen! Montag, den 19. Februar, abends 8'/, Uhr: Zwei öffentliche Versammlungen für Koiifektions-Schneider und-Selmeiderinnen für den Vörden bei Wernau, Schwedterstr. 23, für den«uten bei Haberecht, Gr. Frauksurlerstr. 30. Tages-Ordnung: 1. Welche Nubanwendung ziehen wir anS der Heimarbeit- Ausstellung? 2. Die Stellung der Detail-Konsektionäre zu unseren Forderungen. 3. Der Lohnkamps der Konsektionsschneider in Süddeutschland. Referenten: Kollegen Ullbe und Käming. Kein Kollege, keine Kollegin sehle in diesen wichtigen Versammlungen l Agitiere jeder jür zahlreichen Besuch. UM" Damenkonfektion."UW Sonntag, den 18. Februar, nachmittags 5» Uhr, bei Haberecht, Gr. Frauksurlerstr. 30, Montag, den 19. Februar, abends 8'/i Uhr, in Hilbrodt. Gesellschnftshans, Müllerstr. 7: Zwei öffentliche Versammlungen für alle in der Jamenkonleklion beschäftigten Kollegen und Kolleginnen! TageS-Ordnung: Vortrag des Herrn Dr. Rallln über:„Die Bedeutung der Kinderfürsorge und des Kinderschuhes für die Arbeiterschaft*. 162/10 Kollegen und Kolleginnen I Auf zu den Versammlungen! Erscheint pünktlich und zahlreich.— Nach Schlich der Sonntags- Versammlung: Gemütliches Beisammensein mit Tanz, Waslschurider»»> Moabit! Montag, 10. Febr., abends 8'/, Uhr. bei Zacharias. Stromstr. 86: Oeffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: Lahn- und ArbeitSberhiiltuisse in Moabit. Referent: Kollege Itltter. Kollegen! Erscheint in.Nassen zu dieser Versammlung. Zeigt, dag es Euch Ernst ist mit der Verbesserung Eurer Verhältnisse. l»ie Kinbernfer. Verein für f raue» u. JVIädcben der Hrbetterklasse. Montag, de» 10. Febrnar, abends 8'/z Uhr: Hssersammlung in de» �trixlnballe», Kommandaiiteuitr. 30. hoitrag llr. eoreiisech Die Führung durch die Meunier-SluSstellung, Potsdamerstr. 120, findet Dienstag, den 20. Februar, abends B'l, Uhr, pünktlich statt. 55/6 Aelitung! Aelitungl SoiiaMemokraiiseher Wahlverein für den 4. Berliner Reiclistags-Valilkreis. Dienstagz de» 20. Februar 1906, abends 8'/- Uhr: 8 graste Yersamtnhnigen: 1.|iii Mul Graumoun. Itnnnpllt. 27(miim nurtch. 8.„„ Drachenburg, Kur drill Jchlrs. Ter 112. 3.„„ P. Kitfin, Mniirirrstr. 67. 4.„„ Elysium, Llindsbrrsrr All» 16. 3.„„ Koeber, Mrdrrstr. 17. Tages-Ordnung in allen Versammlungen: 1- ��1� 2. Diskussion. 3. Verschiedenes Referenten sind die Genossen: �en Brückner, Ernst Brückner, 0. Büchner, P. Lillln, K. Wüsche. Gäste willkommen.> Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. LttarlottenburK. == Sozialdemokratischer Wahlverein.= Am Dienstag, den 30. Februar, abends»Vs Uhr, im Volkshause, Rosinenstraße S: TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS ArbeiteriekretärS Genossen Hittter über:„Die geplante Gesetzgebung in der Sozialpolitik." 2. Diskussion. 3. Bericht des Kassierers. 4. Wahl der Delegierten zur General-Versamm lung. S. Vereins-Angelegenheiten. Der Vorstand. 250/4 �cktong! Zweigverein Berlin. Putzer. Achtung! Am Mittwoch» den 21, Febrnar, abends 8 Uhr, finden in sämtlichen Berliner Bezirken und Bororten die Se�irks-V ersammlungen in den bekannten Lokalen statt. Auf der Tagesordnung in allen Verlammlungen steht: 1. Wahl deS Zweigvereinsvorstandes, Revisoren und Achtzehner-Kommission. 2. Wahl der Delegierten zur 9. Gaukonserenz am 4. März d. I. 3. Bericht über die bisher mit den Vertretern der Maurer gepflogenen Verhandlungen die Arbeitsbedingungen der Putzer betreffend, uno Verschiedenes. 133/12 S/tT' Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, pünktlich in seinem Bezirk zu dieser Versammlung zu erscheinen. Tie örtliche Verwaltung. I. A.: H. Neumann. Mciter und Hausfrauen! IParteigcnollen! Am Freitag, den SS. Februar, abends 8'/, Uhr, findet im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 18, eine öffentliche Versammlung statt, tn der Genosse H. Hoppe, Vertreter der Grofteinkaufsgefellschaft deutscher Konsumvereine (Hamburg) einen Vortrag halten wird über: Die Versälschnng der Waren in der Lebensmittelbranche und deren Bekämpsung durch die Konsumvereine. Arbeiter und Hausfrauen! Parteigenoffen! DieS Thema ist ein so Intereffante» und vielen die Verfälschung der Lebensmittel so unbelannt, daß ein volles Haus erwartet und erwünscht wird. Dellersammlung findet nicht statt. Der Einbernter. Arbeiter! Hausfrauen! Parteigenossen! Die gegenwärtige Heimarbeit- Ausstellung, deren Besuch warm empfohlen werden kann, entrollt unS ein Bild unsägliche» Elends und daher Psltcht jede» ehrlichen Sozialpolitikers,(Gewerkschaftlers und Parteigenossen nach Möglichkeit zur Bekämpfung der Heimarbeit beizutragen. Die wirksamste Bekämpfung geschieht allerdings durch die Gesetzgebung. Es kann aber heute schon jeder sein Teil zur Bekämpsung der Heimarbeit tun, wenn er sich genossenschaftlich organisiert, also den Konsumvereinen beitritt. Durch Maiieneintritt in die IKonfumvereine werden dieselben in die Lage gebracht, Genoffenschaftsbetriebe zu errichten, in denen Helmarbeit vollständig ansgeschlossen. bessere Löhne und kürzere Arbeitszeit, kurzum unbedingt die gewerkjchastlichen Forderungen von vornherein gewährt werden. Arbeiter n»d Hausfrauen: Parteigenoffen: Die Ihr noch nicht einem Konsumverein an- gehört, tretet unverzüglich bei, denn zögert Ihr erst mit dem Bestritt, dann ist die jetzige Begeisterung rasch verpufft und der Konsumverein kommt bald wieder in Vergessenheit, der Eure Unterstühung»otwendtg, aber auch zu verlangen hat. Ihr ober, die Ihr schon Mtglieder seid, werbet unermüdlich für Euren Verein, schafft in den Fabriken, Versammlungen, in Bekannten- und Freundeskreisen nciic Anhänger unserer Idee; solche Anhänger, die nicht nur uns Sympathie entgegenbringen, sondern durch sleiiiiges Kaufe» aller Waren, die wir sühren, auch tatkräftige Mitglieder unseres Vereins werden. Der Berliner Konsumverein Mst-ie: Kwnt/ir.?, hat 11 Geschälte, in denen die Ausnahme sofort vollzogen wird und nur das Eintrittsgeld von 50 Pf. zu zahlen ist. Die vorgelchriebinen 2 Geschäftsanteile a 10 M. köuueu durch allmähliche Abzüge von der Rückoergütung ausgespart werden: diesetben bleiben Eigentum des Mitgliedes. ierliDerGeiiiissEiiscIialts-BäeW Eingetragene Genossenschaft m. beschr. Haftpflicht. Nachtrag zur Bilanz vom SO. 0. 1008. Im Lause des Geschäslsjahres 1904/05 ist ein Genosse durch Aus- schluß ausgeschieden. 105/16 Es gehörlen am Schlüsse des Ge- schästsiahres der Genossenschatt>5 Ge- nossen an mit einer Gesamillast- summe von 1500 Mark und dem gleichen Geichäslsguthaben. Die Haft- summe hat sich um 100 M. verringert. Berlin, den 17. Februar 1906. Der Vorstand. A. Michaelis. Raul Lenz. s Karl piiflic Restaurant»»d Destillation Besselstrasie 33. Da speist man wie bei Muttern. Es wird nur wie im Haushalt gekocht. Frühstücks- und reichhaltiger Abend- tisch zu nur kleinen Preisen. 2806b Bürgerlicher Lliittagötisch mit Bier SO und«0 Pf. resa 138L Inventur- Ausnahmepreis Eine Partie imit rrPerser Teppiche Gebet- U.Dekorationsstücke, ftolten echter Perser von wunderbarer Farbenpracht auf beiden Seiten benutzbar. 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Referent: Kollege Lang hammer. 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Der sehr wichtigen Tagesordnung wegen ist es Ehrenpflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. vi« KommUsIon, Parkettbodenleger. Mittwoch, de« 31. Februar, abends 8 Uhr: Braucheu-Versammlung im GewerkschaftShanse. Engel-Ufer IS. Saal 4. 2. Branchenangelegen» TageS-Ordnung: I. Wie regeln wir unseren Arbeitsnachweis? hellen. 3. Verschiedenes. Der sichtigen Tagesordnung wegen ist jeder Kollege verpflichtet zu erscheinen. DI« Koiumiaslon. Achtung! Achtung! _ Einsetzer! Mittwoch, de« 31. Februar. abcndS 8 Uhr: Nkrtrlllitnsmiiiicr-Ncrsaiilillliiiig im Gewerkschaftshause. Engel-Ufer IS. Saal 3. �1«<1« Firma muß vertreten»ein. Karten werden in der Sitzung ausgestellt. Die Kommission wird gebeten, eine Stunde früher zu trscheinen. Der Obmann. Hutformentischler. Dienstag, de» 30. Februar, abeuds 8ll, Uhr: Branchen-Versammlung im Lokale des Herr« Hube, Kopenhagenerstrasse 74. DaS Erscheinen sämtlicher in der Branche beschästigten Kollegen ist Notwendig. KQchenmobelbranche Donnerstag, de» 22. Februar 1906, abends 8>/z Uhr: Braucheu-Versammlung im Englische« Garte«. Alcxandcrstr. 37«. Tages-Ordnung: I. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verbands- und Branchenangelegenheit. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zchlstelle Charlottenburg. Montag, den 19. Februar 190«. abends 8'/. Uhr,"WQ im Voikaban»«, Rofinenstr. 3: Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bortrag über:»Das Genossenschastswesen" 2. Wahl eines ersten Bevollmächtigten. 3. VerbandSangeicgenheiten. 4. GewerklchastlicheS und Verschiedenes. 80/15 - ES ist Pflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen.-MW Die Ort.verwaitnnzx. deutscher Kürschner-Verband Filiale Berlin. Montag, de« 19. Februar 1906. abendS 8'/, Uhr: Mitglieder-Versammlung i» Ad.*ErnftS GefellschaftShauS. Prenzlauerstrafte Nr. 41. TageS-Ordnung: 102,5 1. Vortrag deS Verbandsvorsitzenden E. Schubert< Hamburg über: .Unternelimervcrbände und Arbeiterorganisationen«. 2. Diskussion. i. Bericht und Neuwahl deS Delegierten zur GewerkschastSlommission. 1. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ersuchen wir, diese Ver- .ammlung recht zahlreich zu besuchen. Gäste habe« Zutritt k- Die Ortaverrvaitungt. ___ gegründet 1883 Arbeitsnachweis u. Bureau: Alte Leipzigerstraße I. Eing. RauleS Hof. Geöffnet von 8—6 Uhr. Sonntags geschlossen. Telephon: Amt I, 2632. Donnerstag, den 22. Februar, abends 9 Uhr, in den Zentral-Festsälen, Alte Jakobsttahe 32: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1 Ausnahme neuer Mitglieder. 2. Vortrag des Genossen Kotzke über: .Die neuen Steuervorlagen." 3. Diskussion. 4. Geschästliches. ZVB. Den Mitgliedern und Angehörigen sowie Freunden und Gönnern des Vereins teilen wir mit. dast am Sonnabend, den 17. März 190«. in den Gksamtränmen der Nene» Welt unser Ko.tämi'e.t: „Ein Winzerfest am Rhein" stattsindel Da wir weder Kosten noch Mühe gescheut haben, um den Mit- gliedern und Gästen etwas Besonderes zu bieten, Ersuchen wir um rege Scteiliguiig. [28Ü76J Der Vorstand. Zeniralverband der Handels-, Transport-, Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. > Verwaltungsstelle Berlin I.— GewerkschastShauS, Engel-User 15, II, Zimmer 13—17. Geöffnet von 8—6 Uhr. Sonn- und Feiertags geschlossen. Arbeitsnachwels: Telephon Amt 4, Nr. 3348. Bureau: Telephon Amt 4, Nr. 4747. Achtung! Kollegen und Kolleginnen! Achtung! Montag, den 19. Februar, abends ssN/s Uhr, bei Buggenhagen(am Morchplatz): Ordentliche General-Uerlammlung. TageS-Ordnung: 67/7 1. Mitteilungen. 2. Jahresberichte: a) Bericht des Vorstandes, d) Kassenbericht, c) Arbeitsnachweisbericht. d) Bericht des Bibliothekars. 3. Neuwahl der inneren Ortsoerwaltung und der Revisoren. 4. Anträge und Geschüstli�eS. Wer mit Mitgliedsbuch ist mitzubringen und am Eingang zur Versammlung vorzuzeigen. seinen Beiträge» über 10 Wochen im Rest ist, hat keinen Zutritt. NUT' In der Versammlung können Beiträge bezahlt werden."WA Mittwoch, den 81. Februar, abends S'/z Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 80: Große öffentliche Versammlung llller im Hllildtts-z Trnuspert- lllld VrrkthrsgelUklbe heschäftigtell personell. TaaeS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Panl Müller- Hamburg(Vorsitzender des Verbandes der Seeleute). 2. Diskussion. 3. GcschäsllichcS. Da beide Bersaiuiiilungen äußerst wichtig sind, so erwarten wir einen sehr zahlreichen Besuch."WC _ Die Ortsverwaltung. Freie Vereinigung d. Bauarbeiter Berlins u. Umgegend. Achtung! TÖpf ei�tPaffeP! �llchtung� Montag» den 10. Februar, abends 8 Uhr, bei Fritz Wilke, Brunnenstr. 188: Ocssciltl. Nrtfmhiiiis d. Mpskrtriiztr Arrlm«». lliugcpd. Tagcs-Ordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Zahlreichen Besuch erwartet__ Der Borstand. I. A.: 2345b ttormann Norgel. Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. Polsterer! Kleber! Mittwoch, den 31. Februar, abends 8'/, Uhr, bei Drüsel, Neue Friedrichstrasse 35: V ersam mlung. Tages-Ordnung: 1. Bortrag deS Genossen»Itter. DarifS vom I. März d. F. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist iS Pflicht eines jeden Kollegen zu erscheinen. sammlung wird pünktlich eröffnet. 2. Die Preiserhöhungen des Kleber- 177/7» Die Ver- Die Ortsverwaltung._ Richtig Deutsch sprechen und schreiben erlernen Sie ungeniert und spieicnd leicht sür den Preis von nur 5 M. durch den bries» lichen Unterricht der ktatulelsUissensM, tachblatt sür Kontor und Bureau, erlin, Prinzenstr. 26. Probcblatt gegen 50 Pf. Briefmarken. 00/5» J. Raer BS!!Str.26,Prin2CkAlle6 Herren- und Knaoen- Moden. Berufskleidung. «Elegante Einsegnungsanzüge. Großes Lager jin- und ausländischer Stoffe, zur Antortigung nach Maß. Allerbilligste, streng feste Preise.* oH xgien�öeäarisaist�kel Illnstr. Preist, frei. 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Vortrag des Genossen Stern:„Aus der EntwickelungSgeschichte des menschlichen Geisteslebens» Zweiter Vortrag:„Von Plato und Arlstoleles bis zur Auslösung der griechischen Philosephie w Neu- platonismuS«. 169/2 2. Diskussion. Die Ortsverwaltung. Verband der Sattler. (Ortsverwaltung Berlin.) Mittwoch, den 31. Februar, abendS 8'/, Uhr: Allgemeine Mitglieder-Versammlung in den Arminhallen. Kommand antenstr. 30. TageS-Ordnung: 156/7 1. Geschästliches. 2. Vortrag des Genossen Witzle über Konsum- und Baugenosseiischasten. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Kollegen I In Anbetracht dieser sür unser Wirtschastsleben so Wichligen Frage erwarten wir, dast die Versammlung recht zahlreich besucht wird. An die verheirateten Kollegen richten wir die Aussorderung, möglichst ihre Frauen zu dieser Versammlung mitzubringen. DI« Oi-tB-verwiiItiiiix. NB. Die ausgegebenen Fragezettel müssen unbedingt im Lause dieser Woche an uns zurückgegeben werden. 1 noiitag, den 10. Febrnar, abends 81/,(Ihr, in Graumanna Featnttlen, Kannynstr. 37: Mitgtikdtr-DttjWllltllllß. Tages-Ordnung: 1. Vortrag de» Herrn Engelbert Grat über „Die Geschichte der Ehe.« 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom Weih- nachls-Vergnügen. 4. VcreinSangelegenheiien. 141/4 UM- Gäste, ,auch Frauen willkommen. Zahlreiche» Besuch erwartet Der Vorntand Verein Berliner Heusdiener pnnitrr-ffbor„st. jirbnn 1878" Achtung! Achtung;! Den werten Vereinen sowie Gewerkschaften zur Kenntnis, dast in den ?rsLktsSlen des Ostens (Inhaber t Cranz) keine organisierten Jiiisiker beschäftigt sind.— Wir bitten die werten Besteller, hiervon Kenntnis zu nehme». 50/1 Der kostenlose Arbeitsnachweis deS Zentralberbandes der Zivilmusiker Deutschlands befindet sich Brunnenstr. 188 bei IVilke. Der Borstand des Zentralvrrbandcs der Zivilmiisiker Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. (Ortsverwaltnns Berlin.) Das Lokal Dircksenstr. 39 I. Amt III. 1813. (((Inhaber: Gastwirt Cranz) Frankfurter Allee 151/152 ist, da auch die neuerdings am 14. Februar stattgesundenen Verhandlungen. an welchen der Borstand des Zentral-WahlvereinS und der Ansschnsl der Berliner GewerkschastSkommisston beteiligt waren, zu keiner Einigung sührten, 283/4* für organisierte Gastwirtsgehülfen W gesperrt,-w Wir ersuchen alle Vorstände und Komitees, soweit sie- I � bei Herrn Cranz Versanunlungen und Verguiiguugen abgemacht haben, uns gefl. ihre Adressen anzugeben, damit wir in der Lage sind, über die Ursachen der Sperre die notwendige Auf- klärung zu geben. -- ist. ck. A.-S.-B.! tagt jetzt jeden Donnerstag von 0— II Uhr Oranienstrasse 103 bei AngiiHtin. 65/9 Stimmbcgabte Herren, besonders l. Tcuöre, herzlich willkommen. Reinseidene Chine-ßluse 10.°° Verkauf mehrerer hundert seidener Blusen direkt an Privr.te. 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Krausenst Kaiser Wilhelmstr. 19,Eck.Münzst Mark|;rafenstr. 17, Ecke Junkerstr Oramenstr. 30, Ecke Adalbertstr Potsdaniorstr 57/58, Eck. Bülowstr Prinzenstr. 91, Ecke Ritterstr. Rosenthalerstr. 48, Ecke N. Schön- hauserstraßo. Wallstr. 14a, Ecke Neue Grimstr. Wienerstr. 22, Ecke Grünauers tr. Rixdorf; Bergstf. 146. Achtung!!! Ausschneiden!!! Kleinste Wochenraten. Große Auswahl DÄrV Standuhren, Freischwinger, Regnlatcnrc, Broschen, Ringe, Ketten. Stücke, echte 1, MenzenhauerZIthern, Phonographen Plattensprechmaschinen, Polyphons, Harmonikas, Mandollnen, Geigen etc. Verkauf von Platten, echten Edison- und pa. 1 Hk.-Walzen. Juhre& König Warschauerstr. 72(nahe Bahnhof) und Relnickendorferstraße 57(naho Bahnhof Wedding). 54L» ßalvanophone J �WMMd'iligef -c SVt_ Zm und besser ah im S 4� V«3�:�Laden! »>.. HDUkerlinl -iPrenzlauersfr-�nHof EineMark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante fertige Herren-Garderoben. Ersatz für Maß. Anfertlgang nach TlaB. Tadellose Anaführang. 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Soweit es fich bei dem Begriff.Mittelstand" um den mittelalterlichen Handwerker- und Handelsstand handelt, erweisen sich die Anpreisungen der Retter als politisch demagogische Schwindeleien, oder, wenn die don» tids nicht verneint werden kann, um kindlich naive Sturmlänfe gegen die unerbittlich stahlbarte Entwickelung. Die relativ bedeutende Anzahl der Kramläden usw. widerspricht ja anscheinend dem Gesetz der Konzentration, der Berschlingung der Kleinen durch die Großen. Der erbitterte Kampf, den die Schichten di.s Detailhandels gegen die Wareiihänser und Konsumgenossen schasten führen, ist schon ein Beweis des Gegenteils. Das Bor handensein der großen Menge Detailgeschäste, die das wirkliche Be dürfnis weit übersteigt, erklärt sich teilweise aus wachsender Bequem lickikeit des kaufenden Publikums, teils durch die Eijisteiizmoglich leiten, die eine aufstrebende Industrie— z. B. die Fahrrad industrie— neu geschaffen hat; in der Hauptsache sind die Detailgeschäste aber Kinder, oder besser Krüppelkinder der sozialen Verhältnisse. Tausende Geschäfte werden gegründet, in der Absicht, damit zu dem Einkommen aus der eigentlichen Berufs- arbeit einen kleinen Zuwachs zu erlangen. Da, wo bei der Gründung im geheimen auch noch die Zukunftshoffnung genährt wurde, in dem Geschäft die Grundlage einer sicheren, auskömmlichen Existenz ge- schaffen zu haben, wird man solche kühne Gedanken in 99 von 100 Fälle» bald zu Grabe tragen und froh sein, wenn der Handel bei vieler Arbeit und manchem Aerger nur einen bescheidenen Gewinn ermöglicht, denn den Löwenanteil des Mehrerlöses schluckt dieGrundrente und dieLadenmiete.Vorweg sorgt der Grossist.der zwischen dem eigentlichen Großhandel und dem Detailisten steht, dafür, daß der Krämergewinn sich auf bescheidener Höhe hält. Ein erheblicher Prozentsatz der kleinen Krämer arbeitet gratis für das Großunternehmertum, mancher von jenen büßt in kurzer Zeit auch noch die ersparten Pfennige ein, er muß die Krämerschürze an den Nagel hängen, ein anderer tritt an seine Stelle, vielleicht sind eS gar zwei, die sich in die.fette Pfründe teilen um alsbald denselben Weg zu wandern. Diesen Elementen mit der Mittelstandspolitik eine MittelstandSexistenz verschaffen zu wollen, wäre ein Unterfangen, das stark ans Tollhaus erinnert. Auch unter den Detailgeschäften, die als Existenz des Inhabers betrieben werden, gibt es eine sehr, sehr große Fahl, die aus den angeführten Gründen keine über das proletarische Niveau sich erhebende Lebenshaltung gestatten. Da ober bei der Mehrzahl aller solcher Geschäfte die geleistete Arbeit als produktive nicht bewertet werden kann, andererseits der Existenz- kämpf ofk nicht drückend, sondern steigernd auf die Spannung zwischen Produktionskosten und Verkaufspreis wirkt, bilden sie tatsächlich Schmarotzer am Volkskörper. An einzelnen Fällen haben wir das bereits au dem in keiner Weise zu verteidigenden Verhältnis�der Arbeits- löhne zu den Differenzen zwischen Produktionskosten und Ladenpreis illustriert. An diese Ausführungen anschließend, stellen wir zur weiteren Aufklärung für eine Reihe von Artikeln aus dem von der Hcimarbeitausstellung herausgegebenen Katalog die betreffenden Ziffern zusammen.— Kein Mensch wird behaupten wollen, e-- sei ein vernünftiges, gerechtes, humanes und harmonisches Berhältnis, wenn der im Handel auf-einen Artikel gelegte Aufschlag oft das Bielfache von dem beträgt, was der Arbeiter für die Herstellung des Gegenstandes in langwieriger, mühevoller Tätigkeit als Lohn enipfing. Diese durch die Heimarbeitansstellung in Fluß gebrachte Frage beleuchtet der Arbeiterschaft die soziale Struktur, das Wesen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung von einer bisher»och weniger beachteten, aber sicher eminent eindrucksvoll wirkenden Seite. Wie die Aeußerungen des Grafen Posadowskh auf der Heimarbeit- Ausstellung vermuten lassen, beschäftigt sich imn auch die Regierung mit der Angelegenheit. Anscheinend spielt dabei allerdings wohl mehr da? fiskalische als das soziale Interesse die Hauptrolle. Der Handel, der als wirklicher Kulturträger planmäßig Nachfrage und Angebot auf deni Warenmärkte regelt, kann für die zweifellos vor- handenc» Schäden keine konservierenden Gefühle hegen. Moralische Faktoren jedoch wiegen im Wirtschaftsleben viel zu gering, um ihnen irgend welche Einwirkung zumessen zu können. Wirtschaftliche Kräfte bestimmen die Veränderungen iin Handels- gewerbe. Die zu beobachtenden Verschiebungen entsprechen an- scheinend auch wieder nicht allgemein dem Gesetz der Aiifsaugung des Kleinbetriebes durch den Großbetriebs bei näherem Znsehen findet man jedoch stets als Untergrund die von Marx analysierte kapitalistische Tendenz. Durch das Kohlensyndikat z. B. wurde der Großhandel als selbständige Existenz stark eingeschränkt, was aber für das Rleinhändlertnm lein Faktor der Einengung bildet. Ueberhaupt zeigt sich speziell in der Rohproduktion, wo nicht individueller Geschmack die Erzeugung bestimmt, aber die Qualitäten genau klassifiziert werden können, sehr stark das Bestreben, den gesamten Zwischenhandel einzuschränken. Das Instrument dazu sind die Syndikate»nd Verbände, welche den Verschleiß der Produktion möglichst init Umgehung des Handels organisieren oder aber die Großhändler als Abnehmer gewissermaßen zu Angestellten der Produzenten mache». Ebenso wie die Produzenten durch ihre Organisationen bei den großen Konsumenten als Selbstverkäuser auftreten, so beteiligen sich andererseits Großhändler vielfach durch »»mittelbare Lieferung an Konsumenten an der Ausschaltung des Kleinhandels, diesem bleibt nur noch die Bedienung der Abnehmer mit ganz kleinen Quanten. Auch die Bündler und das Zentrum, die Haoptspektakelmacher bei der Mittelslandsretterei. sorgen durch die ihrer Kontrolle unter- stehenden Organisationen für teilweise Ausichaltung des Handels. Die Warenhäuser und Konsumgenossenschaften machen für manche Artikel den Großhandel überflüssig, indem sie in direkte Beziehung zu den Fabrikanten trete», stärker wird ihr Einfluß cmpfilndeu als Macht, welche die Zweigbetriebe an die Wand drückt. Und während man gegen die Warenhäuser und Konsumgenossenschaften einen lächerlichen, boshaften, von Demagogie und selbstsüchtiger Skrupel- lofigkeit diktierten Kampf führt, obwohl im allgemeinen nur unproduktive� schuiarotzeude Existenzen in dem Konkurrenzkampf unter- liegen, die Regierung und die genannten Demagogen-Parteien sich aber sorgsam hüten, die für Warenhäuser und Konsumgenossen- schasten beliebten Dainiiichraliben auch gegenüber den Syndikaten zu verlangen, drängt die Entwickelung unserer ganzen Wirtschafts- und Steuerpolitik verstärkt auf den Versuch hin, die Handelsgewinne als Objekt für die Steuerquetsche zu betrachten. Die Zollpolitik der„ivärnisten" Mittelstandsretter, der Agrarier, hat die Budgets der arbeitenden Bevölkerung bis zur alleräußersten Grenze angeipannt, so daß an eine stärkere steuerliche Belastung der Arbeiter käu,» gedacht werden kann. Der greuliche Reichsdalles erfordert jetzt wieder mal dringend ei» kräftiges Anziehen der Steuerschraube. Aber jede.Rettung" auf diesem Gebiete ist nur eine solche auf kurze Frist, immer neue Steuerquellen müssen erschlossen werden, um die stets wachsenden Bedürfnisse des Reiches zu decken. Aber woher nehmen? Die ReichSbedürsniss« durch direkte Steuern, durch die Belastung der starken Schulter» zu befriedigen, dagegen wehren sich die „Schützer der nationalen Arbeit", die Agrarier, Industriellen und Kapitalisten mit Händen, Füßen— und mit ihren Parlamentssitzen. Die Regierung wird daher bei ihrer Steuerpolitik hauptsächlich den Handel ins Äuge fassen. Durch die QuittungS- und Frachtbrief. sreuer tritt das bereits deutlich in Erscheinung, aber auch in der Begründung der vorgeschlagenen Zigarrettensteuer wird schon aus die hohen Händlergewinne hingewiesen, die einen Abbruch, wie ihn die Steuer därstelw, gut vertragen könnten. Wir haben kein Interesse daran. Schiuarotzcrpflanzen den Nährboden zu erhalten, können e» aber ebensowenig gutheißen, daß eine reaktionäre Regierung hier eine neue Kraftquelle findet, aus der sie ihrer wankenden Gesundheit wieder kräftigendes Blut zuführt, zur Stütze der volksfeindlichen Agrar- und Jndustriefeudalherrschast. Die durch Reform des Handels bei Ausschaltung der Schmarotzer- existenzen gewonnenen wirtschaftlichen Kräfte und Säfte sollen dem Wohle der Gesamtheit, nicht der Stärkung der Reaktion, des Militarismus und der Klaffenherrschaft dienen. Löhne und Handelspreisaufschläg«. In der nachfolgenden Tabelle stellen wir für eine Reihe Arttkel die im HeimarveitausstellungSkatalog angegebenen Löhne und die Differenz zwischen Engros- und Ladenpreis zueinander in Vergleich. Es bleiben bei dieser Zusammenstellung mithin die Preisaufschläge. die das betreffende Produtt bereits durch den Groß- Handel erfahren hat, vollständig unberücksichtigt. Genaue Angaben darüber liegen auch nur für wenige Artikel vor, aus dem erklärlichen Grunde, weil die llniernehmer sich sorgsam hüten, die Materialkosten bekannt werden zu lasten. Wir glauben, unsere Znsammenstellung wird aber auch ohne vollständige Erfassung der Handelspreisauffchläge daS Urteil erzwingen und rechtfertigen: hier besteht ein Mißverhältnis, das in greller Beleuchtung die Kultur- Widrigkeit und Mderfinnigkeit der kapitalistischen WirtschaftS- weife zeigt. Nach unserer Zusammenstellung Gegenstand beträgt pro Stück der Lohn Pf. Christl. Keramarbeiter-Berband Porzellan-Nippessachen, Nr. S, 4.., Tonpfeifen, Nr. 7, 8....... Zigarrenspitzen, Nr. 17, 18..... Einkochkrug.......... Zentralverein Hut- u. Fikzwaren-Arveiter. Wollhutgarnitur......... Refaithut........... Verband der Porteseuiller. Schreibmappe, Wachsleder... Damengürtel, modefarbig... schwarz Leder.. Gestepptes Tresor, Juchtenl... „„ mit Zahlbrett. . flach.... Gewalktes Tresor...... Streichholzetuis....... Damentasche mit Haken.... Bisites, Ecrasö, Eisenrahmen.. ., Nietbügel... . Seehund...... Brieftasche mit Stepperei... Damentasche. Seehund.... Beutelportemonnaie..... Reiserolle, Leder...... Taschennecessaires...... Deutscher Holzarbeiter-Verband. Holzschnitzerei, Räucherniandel, Nr. 2....... Palmbäume, Sir. 8........ Engel aus Asche und Schlemmkreibe. Waschbrettchen......... Rechenmaschine Nr. 1....... Kuhstall........... Artillerie........... Kleiner Wagen Nr. 3....... Federkasten mit Bänder...... Kanonen........... Mühle Str. 1.......... Staffelei........... Arbeitsständer......... Kleiderbürste Nr. 6....... » Nr. S....... Verband der(ach. Arbeitervereine, Berlin. Krimmerplüsch(1 Meter)..... Krimmer, Ural(1 Meter)..... Tischdecke 100/100, kariert..... 120/120........ Iiinalingsanzug......... Bnrschenanzug......... Kindcranzug.......... Gr. Jackettanzug........ Burschenhose.......... Gr. Hose........... Burscheujoppe......... Burschenpaletot......... • Joppe........... Leinener Unterrock........ Schwarze Tändelschürze...... Dr. H. Wolff, Münch«». Häkelarbeit. Hutbesatz Nr. 559 sl Meter)... Nr. 4SI(1 Meter).., Nr. 449(1 Meter).., Nr. 455(1 Meter).., Sir. 575 st Meter)... Sir. 448 sl Meter)... Nr. 495 sl Meter)... Hutborte.......... Kons e k t i o n. Schal........... Bluseneinsatz......... Paletot........... Joppe, bessere Qualität..... „ H Qualität...... , m........ Verband der Schneider u. Schneiderinnen Konfektion. Gehrockanzug......... Männerhosen von Stoff..... Winterlodenjoppe....... Mädchenmante!........ Bluse........... Korsett........... Metallarbciier-Bcrtand. Holjznguht....... Gießkanne........ Petroleumkanne..... Stalllaterne....... Kaffeemaschine...... Schmierkännchcn... Kaffeedose....... Hauönh.wcrk....... % 2 l'/- 6°/« 110 160 1 4 2 4'/« 450 300 6'/. 7V5 die Spannung zwischen Engros- und Detailpreis 128'/« 5 i 4 1 1200 26% N/.-S'/a »'/« 25 320 450 5 20 3'/« 16% 1500 850 120 360-480 450 30 25 130 50 10 8 1200 v. Huö Induftne und Handel. Umwälzungen in der Maschinenindustrie. Auf der Hauptversammlung des Vereins deutscher Maschinen» bauanftalten wurde die gegenwärtige Geschäftslage der Maschinenindustrie besonders deshalb als unbefriedigend bezeichnet, weil sich fast auf allen Gebieten des Maschinenbaus die Neuerungen förmlich überstürzen. Noch vor ein paar Jahren bezweifelte man die . Brauchbarkeft der Dampfturbinen; heute machen sie den Kolben- dainpftnaschinen schon recht merklich Konkurrenz. Kraftanlagen aller Art, insbesondere die großen Kraftwerke der städtischen Be- triebe, Bergbau- und Fabrikbetriebe, die längst schon in der Zentralisierung der Ärafterzeugung ihren Vorteil erkannt haben, aber lvegen der Kostspieligkeit der bisherigen Dampfmaschine» Neuanlagen häusig vermeiden mutzten, haben nunmehr die Mög- lichkeit, mit den einsachen Dampfturbinen billige und vollkommene Kraftwerke zu schaffen. Besonders geeignet ist, wie die Erfahrungen schon gezeigt haben, die Dampfturbine als Schiffsmaschine. Selbst wenn jede Fabrik, die bisher Kolbendampfmaschinen baute, ohne weiteres zur Herstellung von Dampfturbinen übergehen könnte, würde in die Maschinen industrie eine große llnruho gebracht. Tatsächlich aber sind es relativ wenige große Betriebe, die sich auf den Bau von Dampfturbinen geworfen haben. Für sie ist der Dampfturbincnbau gewissermaßen ein Privilegimn. So sehen sich zahlreiche große, mittlere und kleine Maschinenfabriken durch die zunehmende Verwendung der Dampfturbine in ihrer Existenz bedroht, da ja gleichzeitig die Nachfrage nach Kolben- dampsmaschineil zurückgeht. Eine zweite Umwälzung vollzieht sich im Maschinengewerbe durch die steigende Verbreitung der Sauggasanlagen. Sie sind vor allem im Bergbau und Hüttenbetricb mit großem wirtschaftlichen Erfolg eingeführt worden. Auch sie schränken den Markt für Kolbendampfmafchinen nicht unerheblich ein. Die Konkurrenz der Großgasmasckinen sowie der Dampf- turbine spornt auch die großen Betriebe für Kolbendampfmaschinen an, die Leistungsfähigkeit der bisher übliche» Dampfmaschinen so zu steigern, daß sie dem neuen Wettbewerb gewachsen ist. Es hat denn auch die Konstruktion der Hcißdampfmaschinen solche Fort- schritte gemacht, daß z. B. Heißdampflokomobilen niit den SauggaS- anlagen nicht nur rivalisieren, sondern sie unter Umständen auch noch aus dem Felde schlagen können. Freilich die Steigerung der Leistungsfähigkeit hat für die Kochendampfmaschine eine Grenze: Der Dampfturbine ist sie unter keinen Umständen gewachsen. So gehen zweifellos zahlreiche Niaschinenfabriken einer recht Ungewissen und unruhigen Zukunft entgegen, da relativ wenige Großbetriebe die Erzeugung der wichtigsten Maschinen immer mehr bei sich konzentrieren und- jeden Wettbewerb unmöglich' machen. Um sich vor diesen Gefahren zu schützen, ruft man der SWaschmenindustric zu, sie solle sich enger zusammenschließen, bedentt aber nicht, daß die Interessen zu verschiedenartig sind, um ein« Einigung zustande kommen zu lasten. Man kann nicht die wenigen Großbetriebe, die Dampfturbinen baue», mit den Betrieben unter einen Hut bringen, die Kolbendampfmaschincn herstellen, letztere wieder nicht mit den Fabriken, die Gasmaschineu bauen, da schließlich jede Branche der schärfste Konkurrent der anderen ist. Aber selbst die Betrieb«.', die Kolbendampfmaschinen bauen, ihr Marktgebiet sich aber von Jahr zu Jahr verengern sehen, sind nicht reis für einen engeren Zu- sammenschlutz, da die gegensätzlichen Interessen stärker sind als die gern« irrsam«». Es ist gang bezeichnend für die gespannte Situation im Maschinengelvcrbe, daß trotz einer erheblichen Zunahme von Arbeitsgelegenheit die Preise nock äußerst schwankend sind. Bei Submissionen treten für gewöhnlich die stärksten Differenzen ein, und zwar werden die niedrigsten Preise nicht etloa von Pfuschern offeriert, fondern von orstklassigen Betrieben, die wegen ihrer tcch- nischen Leistungsfähigkeit eben relativ niedrige GestchungSkostrn haben. Man sieht an diesen Preisdifferenzen, daß eine Gleim- arttgkeit der Interessen loeniger denn je vorhanden ist, und daß darum alle Zusammeiischlußbestrebungeu vorläufig resultatloö verlaufen müssen. Es wird vielmehr in»ächstcr Zeit eine Verschärfung des Konkurrenzkampfes eintreten, durch de» die kleinen und mittleren Betriebe auS dem Produktionsprozeß mehr oder weniger rasch au-- geschaltet werden. Nach Abschluß dieses Kampfes erst ist im Masckincngewerbe an Kartellverbände zu denken. Daß von dieser Umwälzung auch der Arbeftsmarkt berührt wird, ist ganz klar. Auf der einen Seite geht die Zahl der kleineren Betriebe zurück: Arbeiter werden überflüssig. Auf der anderen Seit« wird aber die Zahl der Beschäftigten in den Großbetrieben vcrniehrt, ohne daß freilich diese Vermehrung die Verminderung ausgleichen würde. Die wachsende Produktivität in den Großbetrieben vermag mit einer geringeren Verausgabung menschlicher Arbeitskraft ein größeres Quantum Arbeit herzustellen, als es mittleren und kleinen Bc- trieben möglich ist. So bringt die technische Umwälzung nicht nur den Arbeftgebern, Unternehmern und Kapitalisten, sondern auch den Arbeftern große Gefahren._ TcuerungS-Dividende. In Anbetracht der teuren Brot-»iid Fleischpreise bringen die ineisten Gesellschaften_ höhere Dividenden zur Verteilung. Allerdings die Bergwerks gesell schalt Konsolidation überläßt die Papierarbeiter rücksichtslos dem Elend, sie verteilt nur 23 Proz. Dividende gegen 26 Proz, in, Vorjahre. Wenn die Arbeiter kein Einsehen haben und um Lohntürzuiig zugunsten der armen Aktionäre petitionieren, dann werden die Herren wohl hungern»rüsten. Gegen daS Rohrisensyiidikat. Vor einigen Tagen �wurde be- richtet, es sei die Gründung eines neuen Hochofenwerkes geplant. das in Emden errichtet werden soll. Auch hieß eS, die Re- gierung stehe dem Plane sympathisch gegenüber. Der„Deutschen Tageszeitung" wird nun aus den, rheinisch- westfälische» Industriegebiet geschrieben, eS handele sich um ein Projekt der reinen Walzwerke, mit dem Zweck, sich vom Roheisensyudikat unabhängig zu machen. Einden sei gewählt wegen seiner günstiaeii— Arbeitsve, hältniste und seiner vorteilhaften geographi- schen Lage als Anlaufhasen schwedischer und spanischer Eisenerze. Es soll ferner bereits die Frage der Gründung eines eigenen Stahl- werks ins Auge gefaßt worden sein, um auf den StahlwerkSverband einen Druck anSnben zu können. Schwere Arbeit. Die„Germanin" gräbt eine vor längerer Zeit im„B. T." veröffentlichte Zusammenstellung aus. die die enornre Arbeitskraft einzelner Personen in nebenamtlicher Tättgkeft als— AussichtSräte illustriert. Danach gibt eS 13 Personen, die bei 15 Gesellschaften Tanttemen einziehen, 7 Personen unterziehe» sich derselben schweren Arbeit bei 16 Gesellschaften, 17 mal als Aufsicktsrat figurieren 3 Leistungsfähige, ein Starker ist ISfacher Aufsichtsrat, je 2 Personen tragen bei 20 resp. 19 Gesellschufte» die Last als Tanliemenempfanger, 21n,al empfangen 3 Bielm-schästigte Tantiemen, je einer ist 23 resp. 24mal Aufsichtsrat, dieselbe Bürde tragen bei 25 Gesellschaften 3 Personen, einer beglückt 28 Unter- nehmen mit seinen Auft'ichtSratsdiensten. 2 Personen müssen bei 29 Gesellschaften Taiitiemell einstreichen, einer opfert sich in solcher Tätigkeit bei 33 Gejellschasteu und einer ist 35facher Aufsichtsrat. Wer die schwerwiegende Arbeit deS Tantteineneinstreichens nicht unterschätzt, knnn ermessen, welche Unsumme von nationaler Arbeft nöttg ist. um die Tanttemen herauszubringen. ZheAtcVc Schillcrthcatcr N. D j e Macht de r Finsternis." Schauspiel in fünf Alien von Leo Tolstoi.— Gleich düster wie Sotfte„Nachtasyl" sst Tolstois„Macht der Finsternis", in gleicher Weise von einem Strome wärmsten Mitgefühls durchflutet; aber in der Färbung desselben drückt sich ebenso auch einer der wesentlichen Unterschiede dieser beiden russischen Dichterinbividualitäten aus. Bei Gorii ist nicht»ur die Kunstform sondern auch die Lebensauffassung selbst naturalistisch, losgelöst von allen religiösen Ausblicken und Empfindungen; das Leiden der„Verlorenen", das er kennt und schildert, ruft unmittelbar in seinem Herzen machtvoll mit» schwingende Empfindungen der Sympathie wach, während Tolstojs barmherzige Gesinnung ihr besonderes Gepräge von seiner ethisch- religiösen, an sittliche Ideen des Urchristentums anknüpfende Denk- ort erhält. Nicht so sehr, was die Menschen durch die Natur, durch Schicksal und Gesellschaft, als was sie durch sich selbst, durch die Er- tötuug ihres besseren Bewußtseins, durch Schuld und Sünde in ihrer „gottgeschaffenen" Seele leiden, bewegt ihn, bestimmt den Punkt, um toelcheii seit Jahrzehnten sein ganzes Sinnen kreist. So kehrt bei ihm in immer neuen Formen das Problem der„Auferstehung", der Erhebung des Menschen aus selbstgewählter Erniedrigung, als Gegenstand und Vorwurf seines künstlerischen Schaffens wieder. Aus der Macht der Finsternis ringt sich, siegreich das Dunkel durch- brechend, der Wille zur Sühne, das opfermutige Geständnis des Sünders hervor. Das ist der Gipfelpunkt des Dramas, nicht nur vom Staudpunkt der Tendenz aus betrachtet, sondern ebenso in künstlerischer Hinsicht. Die naturalistische Kunst von Tolstojs Menschendarstcllung zeigt eben darin, daß sie die„Umkehr", in dem der christliche Glaube ein unbegreifliches Mysterium, eine Wirkung göttlicher Gnade erblickt, als ein mit voller überzeugender Not- toendigkeit aus den gegebenen Bedingungen and dem Charakter Hervorgehendes vor uns erscheinen läßt, ihre höchste Kraft.— Wie Wetter Wetter Stationen ShiKet' Nähmaschinen. Einfache Handliadiiiig! S6K8L* Graste Haltbarkeit Z Hohe Arbeitsleistung! Weltaussiollung dranfi Priv Weltausstellung Paris 1900:«UU fllA st. Louis 1904. Unentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunststickerei. Glettramotorc für Nähmaichinenbetrieb. Singer Co. ISabmascbimn Hct. 6es. Berlin W., Leipzigerstr. 92. Filialen in allen Stadtteilen Todes-Anzeige. Am Freitagvormittag 6 Uhr verstarb nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater (Köpenicker Viertel). Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, das; unser Genosse, dei Schankwirt Kathreiner im Alter von 58 Jahren. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. Februar, nach. mittags 3st,Uhr, von der Leichen- balle'dcZ neuen Luisen-Kirchoses, Charlotlenbnrg, Fürstenbrunner Weg, aus statt. Zl«K'Iv Solivnkelie geb. Böbm «4/5 nebst Kindern. «nr Kathreiner wohnhast Eorauerstr. 4, Stadt- bezirk 108a, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 3 Uhr von der Leichen- Halle des Emmaus- Kirchhofes aus statt. Der Vorstand. Kathreiners Malzkaffee ist der beste Malzkaffee I Das hat die Wissenschaft festgestellt. Darum will die Hausfrau beim Einkaufe nur den echten„Kathreiner" und nicht eine Nachahmung I ein- oder zweireihige, moderne schiolee Form, �hochelegant und tadellos sitzend. Beste Verarbeitung. Vollständiger Ersatz für Maßarbeit. Die Preise sind je nach Größe. MW'n Satin-Kammgarn IvM. Deshalb präge man fich genau em, Zahlstelle Charlottenburg. V«d«(s-.An�Ql{fe. Den Kollegen zur Nachricht, daß, unser Mitglied, der Arbeiter zuguzt Leliövielle am IL. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenkenl Die Beerdigung findet am Sonntag, den 18. Februar, nach. mittag 3Y, Uhr, von der Leichen» Halle de» neuen Luisen-Kirchhöses, Fürstenbrunner Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 01/4 Hie lZrtsver«altung. Die Vcrbandskollegen treffen sich»in 2 Uhr in dem Lokal von Baabe, Nehringstr. 25. wie der echte Kathreiner Malzkaffee l'odes-.A.nseoljxe. Am 15, d. Mts. verstarb unser altes Mitglied KsH Maer Zosscncrstr. 40. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 19. Februar, nachm 3 Uhr, von der Leichenhalle des alten Jnlobi-KirchhoseS, Rixdors, Berlinerstraße, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 238/0 Der Vorstand. MW" Iii!!, ßilüUljl gam-Cheviofc von'' an Mige|sSÄ=20x hmm inCorscrew-Kamm- 00 M. HluiliyC garn.... vonLüan Hölle pÄ-t""?5 nilLUlju Ripskammgam von an z in feinstem Tuch- nn P7 P Kammgarn od.hoch- all nlluUl}v elegantem TwiU von ÖUan AlS untrügliche Kennzeichen des echten Kathreiners Malzkaffee merke man sich vor allem: 1. Das fest verschlossene Paket in seiner bekannten Ausstattung. 3. Das Bild des Pfarrers Kneipp und 3. Die Unterschrist des Pfarrers Kneipp als Schutze marke. 4. Die Firma„Kathreiner's Malzkaffee-Fabriken". Metw Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Totles- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Schlosser Wintelin Castrop gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 19. Februar, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Moabitcr Krankenhauses, Birkenstraße, aus statt. Negc Lclciligmig wird erwartet. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Miiglied, der Drechsler KarB fölaei* gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Montag, den 19. Februar, nach- mitlags 5 Uhr, von der Leichen- Halle dcS allen Jakobi-Kirchhofcs, Klixdorf, Berlinerstraße, ans statt. Rege Beteiligung crlvartct 112/16 Die Ortsverwallung. Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 13. Februar, verstarb durch Uusall das Mit- gtied, der Dachdecker MMm Hamann. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 18. d. M., nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomäus- Kirchhofes in Weißensee, Falkenbergerstraße, aus statt. 54/5 Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsvcrwaltung. kür Herren. itriilffl v'on TwiU, Cheviot, von Tuch- Rips- oder Satinkaramgarn von hochf. Tuch- ock. Satin-Kammg., äußerst sauber, mit Seide abgefüttert Deutscher Holzarheiier-Verband. Xachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Der Verlianf findet nur gegen Barzahlung und zu«treng festen Preisen statt. Über sooo Czempl. verhouft Die Harnleiden ihre Oefahren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. Seh" per, BERLIN— Preis 1 Mark. = Fabrik für Herren- und Knaben-Garderobe. Berlin SO.|| Berlin W. Oranienstr. 166. Potsdanierstr.I13a Potsdam, Nauener-Str. 23. = Nach außerhalb sende Muster und Maßanleitung.--------- am 12. Februar verstorben ist und am 15. Februar zur letzten Ruhe gebettet wurde. Ehre seinem Andenke»: 80/16 Die OrlsveewalUing. All!}. Kranken- onil Sterbekasse der öeutsehen ßreeltsler u. Berufsgen. lE.H. 86, Hamburg). Bezirk C Den Mitgliedern zur Nachricht, daß daS Mitglied Karl Maer verstorben ist. 2799B Ehre seinem Andenken! Die Bccrdiguug findet am Montag, den 19. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Alten Jacobi-Kirchhoses am Rolllruz aus statt. Die Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme bei der Beerdigung meines innig geliebten Mannes sage ich allen Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. 2818b Jrau J�uise Schleehuber. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben, guten Mannes Dshar l-anfs sage ich allen Freunden und Bekannten, ins- besondere der Kreuzberger Harmonie, sswic dem zweiten Wahlverein sür die reiche Kranzspende meinen innigsten Dank. W05b Einllle Lianf». Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme und die herrlichen Kranz- spenden anläßlich der Beerdigung meines lieben Vaters, Schwieger- vaters und Großvaters, des Desttlla- teurs (Verwaltung Berlin.) Allen Kollegen die Nachricht, daß am 16. Februar unser altes Mitglied, der Steinbildhauer Josef Frey im 40. Lebensjahre verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 19. Februar, nachmittags 3 Uhr, von der Wohnung. Brist, Chausseeftr. 92 aus statt. Um zahlreiche BcteUigung ersucht 20/6 Der Vorstand. GardincnhauS Bernhard Schwartz Wallslr. iS9 Flur-öing. sage ich allen Verwandten, Freunden und B-kniiiiten im Namen der Hinlcrblicbcncii meine» imiigsten Dank. 2814b �Vlin Zeige. Nachruf. Allen Freunden und Bekannten sowie meinen werten Gästen hierdmch die traurige Nachricht, daß mein langjähriger Mitarbeiter, der 196L Tanzlelirer Korr Ksra Bsiaer na® kurzem aber schwerem Krankenlagcr am 15. Februar verstorben ist. Durch seine elsjährtge Tätigkeit in meinem Lokal hat er sich bei allen, die ihn keimen lertiten, sowie bei mir ein dauerndes Andenken gesichert.»„ �Vllhelm Giere. Etablissemenf„Süd-Ost", Waldemarstraße 75. Für die liebevolle Teilnahme bei der Krankheit sowie der Beerdigung meines lieben Mannes sage ällen meinen herzlichen Dank. 98726 Wn. Otto Eggert, ■flöhT u. Silberwaren Wecker-Uhren mit Absteller.... v. MSan Nickel-Remontoir-Uhren, 30 St-Werk. v. 2,65 an Echt silberne Remontair-U'nren.... v. 5,50 an Echt silberne Remontoir-Uhren, 6 Rubis v. 7,— an Echt gold. Oamenhalsk. m. Schieb., 130 cm L v. 1 1 ,50 an Echt goldene Ringe.......... 0,90 an 0®"" Versand gegen Nachnahme oder vorherige Einsendung des Betrages. Risiko ausgeschlossen, da bei Nichtgefall. Geld retour. Uhren aller Art Nickelwaren Julius Busse B E Rli IK C. 13 Grfinstraße 3/4 O. und liClpzigerotraße 77. Reich illustrierter Katalog über alle Arten von Uhren, Ketten, Gold-, rrrofle Silber-, Nickel- u. 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Dorlftraße 59, 2863b* Gravcurlehrling verlwigt Albert Wolter, Kommandantcnstraße 53, Handelsleute, auch Frauen, ver- langt: echte Hiensongessenz! Harzer- tee! Agnes Lstermann, Schönhauser- Allee 141,+54 Graveur> Lehrling verlangt Riegelsky, Prinzenstraße 25, 90/1 Kreissägenschneiber aus Leisten gesucht, Vorstellung auch Sonntag/. D. Meier, Kaslanien-Allee 79, 28126 Gesangverein sucht Dirsgcntcu, Donnerstag'/,7—>/,9. Gehalt erwünscht, Mahn, Restaurateur, Marien. darf, 2803h Seflerlchrling verlangl Slall- schreiberstraße 27,_ 2792b Mechaniker auf Paginierer »stieren und Teile Verarbeitiii wird verlangt H. Bernert, Charlottenburg, Bahnhos-saoignyplatz, Aieland- ftraße 42, 2764b Werkführer zur selbständigen Leitung einer Stock- und Schirmstock- sabrik gesucht, Offerlen unter v, 1 au die Expedition dieser Zeitung, W Schlvffet-Lehrling verlangt Froh- lich, Wasserthorstraße 30. 89/20 Gürtler- und Dreher. L-Htling gegen steigende Bcrgütung gesucht, (aake u. Millarg, Bronzcwaren« ffrbrik, O, Goßlerstraße 20. 27956* Nähmaschiucn- Reisende erhalten bis 35 Prozent für Verläufe, Offerten: Eä 1 all die Expedition dieser Zeitunz, Rahmenmacher. der auch perkell cinalaft. suchen O, Rohde u, Co, Gruner Weg 56, 90/12 Lehrling sofort oder später Lcder- Ivarensabril Andree, Ritterstraße 32, Sofort Herr einwohnen biMg, Gubenerstratze 12, Dröseier.+37 Schlafstelle sür Mädchen, Frieden- straße 74. Schmidt. Hos II.+37 Möblierte Schlasstelle, Herren. Witwe Suter, Weidenweg 5 III,+3? Möblierte Schlasstelle für zwei Herren, Moritzstraße 22, linier Seiten- flügel III, Sliwinsli. 234/2 Lehrmädchen aus Kleidchen mit Vergütung verlangt Marquardt, Muskauerstraße 2,+9 Blusenarbeiterin verlangtTschipke. Laufitzerstraße IL,_+9 Tüchtige Bluseii-Zulammcnfetzerin verlangt sofort Knoll, Kochhanniw. 3, Blusen- Zusammensetzerin, auch lernen, oerlangt Klee, Boxhagener- straße 31 a.__+36 Blusen-Arbeiterin auf Seide im Hause verlangt Kappel, Wittslocker- straße 8.+72 Jattettmamsells, einfache Sachen, gute Preise, Arbeit wird gebracht und geholt, Schkoll, Elbingerslraße 76, Ktuderkleidchcn-Arbeiterin ver- langt Dieslclhorst, Dieffeiibachstraße 63, Wäschenäherin. Ünterlaillen, ver" langt Franke, Bel/orlerslraße 16. parterre.+54* Mamsells aus Stanbmäntel vcr- laugt Max Warwar, Rvsenstraße 17 Jiluges Mädchen sür leichte Hans- arbeit gesucht, Hauptdedingung: Liebe zu Kindern. Meldungen Mou- tags bei Frau Swienty, Sedan- straße 57, III, Schöneberg. 1272K Bergoldrrinnen verlangt Ziasch-g, Köpeuickerstraße 37, 12S9K' i/z Uhr, in der„Grünen Ecke", Köpenickerstr. 88, seine Mit- gliederversammlung ab, in der Genosse Dr. Borchardt über„Unsere Volksschule" sprechen wird. Der Vorstand. Tegel. Die nächste Mitgliederversammlung des sozialdemo- kratischen Wahlvereins findet am Dienstag, den 20. d. M., abends 8 Uhr, bei Rodert Schmidt, Schlieperstr. 64, statt. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Gemcindevertreterwahl und Aufstellung des Kandi- daten zu derselben. 3. Vereinsmitteilungen. Um pünktliches Er- scheinen ersucht Der Vorstand. Oberschöneweide. Am Mittwoch, den 21. Februar, abends 8'/« Uhr findet dick Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahl- verein?, im Lokale von Starke, Siemensstrahe ö statt. Tagesordnung: Diskussion über den Vortrag: Die preutzische Reaktion in den Jahren 1850—60. Vereinsangelegenheiten, Verschiedenes. Der Vor- stand ist genötigt, die Versammlungen in einem grötzeren Saal ab- zuhalten, weil die Räume unseres alten Heims nicht mehr zureichen. Zeigt, Genossen, datz Ihr auch an diesem Platz zur Stelle seid. Der Vorstand. Schönebcrg. Der Wahlverein hält bereits am Dienstag, den 20. d. M., seine Mitgliederversammlung bei Obst, Meiningerstr. 8, ab. Die Tagesordnung lautet: 1. Derpreutzische Landtag. Referent: Genosse Benno Chajes. 2. Diskussion. 3. Ver- schiedenes. Alle Briefe, sowie Zusendungen für den Wahlverein sind an den Vorsitzenden Reinhold Küter, Prinz Georgstr. 4, zu richten. Der Vorstand. Nswawcs-Neuendorf. Am Dienstag, den 20. Februar, abends 8% Uhr, findet im Lokale des Herrn Paul Jünger, Neuendorf, Grotzbeerenstr. 100, eine öffentliche Versammlung des sozialdemo- kratischen Wahlvereins statt. Es ist Pflicht aller Genossen, für diese Versammlung rege zu agitieren. Am Mittwoch, den 2 8. Februar, soll eine Volks- Versammlung in Nowawes stattfinden. Die Gewerkschafts- sowie Vereinsvorstände wollen hiervon Kennwis nehmen. Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Der Wahlverein hält am Dienstag. den 20. Februar, abends 8V2 Uhr, in Speers Festsälen seine Mit- gliederversammlung ab. Autzer einem Vortrage des Genossen L. Hofmann stehen noch Aufstellung von Kandidaten zu der im März stattfindenden Gemeindevertreterwahl, sowie Wahl der Dele- gierten zur Kreisgeneralversammlung auf der Tagesordnung. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert das Erscheinen aller Mit- glieder. Der Vorstand. Wahlverein Bezirk Pankow. findet bei Roczycki, Kreuzstr. 3— 4, eine sammlung statt. Tagesordnung: 1. Gemeindepolitik und Sozial- demokratie. Referent: Genosse Freiwaldt. 2. Bericht der bis- herigen Gcmeindevertreter. 3. Aufstellung der neuen Kandidaten. 4. Verschiedenes.— Franz.-Buchholz: Am Dienstag, den 20. Februar, abends 8)4 Uhr, findet in Kühnes Festsälen die Sitzung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Sozialdemo- kratie und Gemeindcpolitik und Bericht von der Gemeindevertreter- Konferenz zu Lichtenberg. Referent: Genosse Kubig- Pankow. 2. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Die Genossen werden auf- gefordert, für den Besuch dieser Versammlungen rege zu agitieren. Der Vorstand. Adlershof. Am Dienstag, den 20. d. M., abends 8)4 Uhr, findet in Kauls Restaurant, Bismarckstr. 16, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht: Bericht der Gemeindevertreter über ihre Tätigkeit im Gemeinderat und Auf- stellung der Kandidaten zur Gemeinderatswahl. Da die Tages- ordnung eine äutzerst wichtige ist, ist das Erscheinen aller Mit- glieder dringend notwendig. Der Vorstand. Erkner. Dienstag, den 20. Februar, findet die Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dourno über:„Die deutsche Revolution im Jahre 1848". 2. Dis- kussion. 3. Aufstellung der Kandidaten zur Gemeinderatswahl. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 5. Bericht von der Gemeinde- vcrtreterkonfcrcnz. 6. Verschiedenes. Der Vorstand. Karlshorst. Am 20. Februar, abends 8)4 Uhr, findet im Lokal Kupsch, Treskow-Allce, eine öffentliche G e m e i n d e w ä h l c r- Versammlung statt. Tagesordnung: l. Bericht über die Ge- mciudevertretung. Referent: Genosse Pinselcr. 2. Freie Dis- kussion. 3. Verschiedenes. Sonntag, den 18. Februar, vormittags 8)4 Uhr: Flugblattverbreitung. Zusammenkunft bei Kupsch. Tie Genossen mögen vollzählig erscheinen. Am Montag, den 19. Februar. öffentliche Wählerver- Vorort- l�acbricbten. Die Wünsche der Bororte und die Eiscnbahnvcrwaltung. Der Präsident der Eisenbahndirektion Berlin, Herr Behrend, empfing gestern drei Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes des Berliner Vorortvereins, um mit ihnen einige allgemeine Wünsche, die in der Eingabe für den Soinmerfabrplan 1906 enthalten waren, zu besprechen. Die Einrichtung von Abteilen für Reisende mit Trag- lasten in sämtlichen Stadt-, Ringbahn- und Vorortzügen glaubte der Präsident ablehnen zu müssen. Ebenso wurde die erbetene Einrichtung von Frauen abteilen abgelehnt, ferner die Ausgabe von Halbmonatskarten, für die eine Notwendigkeit nicht anerkannt wurde. Die wiederholt erbetene Einrichtung von Aborten in sä mt- lichen Vorortzügen wurde dahin eingeschränkt, datz diese Einrichtung in denjenigen Zügen getroffen wird, die von und zwischen entfernten Vororten und in längeren Zugfolgen verkehren. Der Wunsch der Vorortvertreter bezüglich der Verbreiterung der oberen Trittbretter an den Wagen wird insoweit erfüllt werden, als die Verbreiterung dort angebracht werden soll, wo erhöhte Bahn« steige vorhanden sind. Die in früheren Eingaben erbetene Aus- dehnung der Gültigkeit der Fahrradkarten auf den gesamten Vorort- verkehr dürfte bewilligt werden, doch steht die endgültige Ent- schlietzung des Ministers noch aus. Charlottenburg. Die Charlottenburger„Neue Zeit", das Organ des liberalen Bürgertums, dessen dumme und erlogene Nachrichten über die sozial- demokratische Partei wir wiederholt tiefer gehängt haben, ergeht sich wieder einmal in niederträchtigen Angriffen gegen unsere Ver- treter im Stadtparlament. Im Anschlutz an einen in der letzten Stadtverordnetenversammlung beratenen Antrag über die Akustik im Sitzungssaale verdächtigt es die sozialdemokratische Fraktion, datz in ihr einige Stadtverordnete vorhanden seien, die nur zu reden scheinen, um sich immer aufs neue zu blamieren. In bekannter Wahrheitsliebe behauptet es, datz, wenn diese Genossen reden, die Stadwerordneten schleunigst flüchten oder Privatgespräche führen, während die armen Berichterstatter die armseligen Kannegietzereicn redewütiger Bierbankpolitiker geduldig über sich ergehen lassen müssen, um charakteristische Proben des göttlichen Unsinns fcstzu- legen, damit sie der Oeffentlichkeit zeigen, in welcher Weise im Stadtparlament häufig die Zeit der Mitglieder der städtischen Be- Hörden und der Zuhörer verschwendet wird. So gleichgültig an sich diese Behauptung eines Blattes ist, in dem der bekannte Sozialisten- töter Bürger-Fränkel sein Unwesen treibt, und so sehr wir es ab- lehnen müssen, auf diesen Unsinn zu erwidern, so geben wir die Notiz doch wieder, damit die Arbeiter sehen, wie das Blatt, das sich nur infolge der Abonnements aus Arbeiterkreiscn halten kann, ihre Vertreter beschimpft. Die Arbeiter sollten endlich einsehen, datz sie gegen das Interesse ihrer Klasse handeln, wenn sie anstatt das Organ der Sozialdemokratie das ihrer Gegner unterstützen. Eine Polizei-Kampagne gegen die Charlottenburger Volksbühne! Die Polizeibehörde hiesiger Haupt- und Residenzstadt, die auf dem unerquicklichen Gebiet des Mörderfangs bekanntlich nicht immer eine glückliche Hand bewiesen hat, scheint den Schwerpunkt ihrer Opera- tionen nunmehr in die anmutigeren Regionen der Kunst verlegen zu wollen. Des Hennig vermag man nicht habhaft zu werden, aber der Freien Volksbühne Charlottenburg ist man gott- lob gründlich auf die Schliche gekommen. Der Verein, der das ge- meingefährliche Ziel verfolgt, das Verständnis für Kunst und Kunst- werke im Volk«, und besonders in der Arbeiterklaffe, zu wecken und zu fördern, hatte bekanntlich für seine nächste Theatervorstellung eine Aufführung des Kampf scheu Revolutionsdramas„Am Vor- abend" beschlossen. Die Aufführung sollte genau unter denselben, durch die polizeilich genehmigten Statuten festgelegten Bedingungen stattfinden, wie alle früheren Veranstaltungen, und der Zutritt nur den Mitgliedern der Freien Volksbühne Charlottenburg gestattet sein. Die besonders mühevollen und kostspieligen Vorbereitungen zu der Aufführung waren unter der persönlichen Leitung des Dichters fast abgeschloffen, als— unterm 15. Februar— ein Ukas des Poli- zeipräsidente» Steifensand erfolgte, der dem Vorsitzenden der Volks- bühne die Enthüllung machte, die Vorstellung werde diesmal polizei- licherseits als eine„öffentliche" betrachtet werden und es sei dem- gemätz zunächst bei der Zcnsurbchörde die Erlaubnis zur Aufführung des Kampffchcn Dramas einzuholen. Sollte der Verein diese Be- dingung nicht erfüllen, so werde die Aufführung am 23. Februar polizeilich inhibiert werden!„Aus Zeitungsnotizen", so hciht es in dein merkwürdigen Dokument, habe die Obrigkeit ihre Wissenschaft geschöpft. Wir sind daraufhin die ge. samte Berliner und Charlottenburger Presse der letzten Tage durch- gegangen, ohne eine Notiz zu finden, tue auf die dem Verein unter- stellten polizeiwidrigen Pläne auch nur im entferntesten hindeutet. Aber selbst wenn sich eine solche Notiz irgendwo gefunden hätte, wie in aller Welt— fragen wir— könnte man daraus dem Verein einen Strick drehen? Es brauchte dann ja in Zukunft nur irgend eine Spitzelseele eine erlogene Mitteilung in die Presse zu lanzieren, um der Polizei die Handhabe zu bieten, jede Vereinsvorstellung als öffentlich zu bezeichnen! Für die Volksbühne verbindlich und für die Polizei matzgebend können selbstverständlich nur die offiziellen Mitteilungen des Vorstands sein, die regelmähig in einer Berliner und einer Charlottenburger Zeitung erfolgen. Datz eine öffentliche Aufführung nicht geplant war. davon hätte sich der Herr Polizei- Präsident Steifensand selber leichr überzeugen können. Hätte er, der, so viel wir wissen, nicht Mitglied der Charlottenburger Volks. bühne ist, den Wunsch gehabt, der Vorstellung des auch für deutsche Polizeibeamte sehr interessanten und lehrreichen Kampfschen Dramas beizuwohnen, so würde er erfahren haben, datz ihm der Zutritt erst nach Erlangung der Mitgliedschaft gestattet worden wäre, d. h. nur auf seinen durch die Zahlstelle an den Vorstand zu richtenden und von diesem nach statuten» gemäßer Prüfung der persönlichen Verhältnisse usw. genehmigten Antrag. Indessen, wir leben in einem Polizeistaat, und so bleibt dem Verein jjor der Hand nicht anderes übrig, als an Stelle des Kampfschen Schauspiels am 23. Februar Halbes„Jugend" in Szene gehen zu lassen. Das in Berlin, Hamburg usw. verboten« Drama „Am Vorabend" aber wird, sobald die polizeilichen Bedenken sich ge- klärt haben, als nächste Vcreinsvorstcllung der Freien Volksbühne Charlottenburg gegeben werden, und zwar, wir wie schon heute mit- teilen können, am V 0 r aben d de s 18. März. Tie Automobil-Katastrophe am Kurfllrstcudamm, bei welcher der Chauffeur Hummel tmdurch seinen Tod fand, datz sich das Automobil vollständig überschlug, wobei dem H. der Kopf zerschmettert wurde, wird noch gegen die Stadtgemeinde Charlottenburg ein ge- richtliches Nachspiel haben. Wie die Untersuchung ergeben hat, ist das Unglück durch den unwürdigen Zustand des Stratzenpflastcrs herbeigeführt worden. Das Pflaster hat sich an jener Stelle um etwa 7 Zentimeter gesenkt, so datz das Auto..wbil bei eirer nicht gleichmätzigen Belastung umschlage»! mutzte. Die fragliche Stelle wird von Kutschern, welche häufiger den Kurfürstendamm durch- fahren, derartig gefürchtet, datz sie in einem Bog-n um dieselbe herumfahren. Der Chauffeur Hummel ka,..lt« lle gefährliche Ver- tiefung nicht, und konnte auch den schadhaften Zustand des Pflasters in der Dunkelheit nicht erkennen. Bemerkenswert ist, datz diese Ver- tiefung, wie versichert wird, schon seit Monaten vorhanden sein und zu verschiedemm Unfällen Veranlassung gegeben haben soll. Rixdorf. Lysol und keine Ende. Mit Gewalt mutzte man dem Restaurateur Eugen M. aus der Alten Jakobstratze den Giftbehälter aus der Hand reitzen. M. hatte gestern seine Schwester in der Kaiser Friedrich- stratze in Rixdorf aufgesucht und war mit ihr in Streit geraten. Er verfiel dabei" in eine solche Aufregung, datz er plötzliH eine Flasche Lysol aus der Tasche zog und daraus trank. Gewaltsam ritz man dem Lebensmüden das Gift vom Munde weg und holte einen Arzt herbei. Als dieser erschien, war M. spurlos verschwunden. Wo er sich hingewandt bat, konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Der peufionicrtc 39 jährige Postschaffner Paul Hiltmann, Weise« stratze, vergiftete sich gestern morgen mit Lysol. Er wurde nach dem Krankenhause gebracht, wo er sehr schwer darnieder liegt. H. hatte vor 4 Jahren einen nicht unerheblichen Teil des grotzen Loses ge« Wonnen, aber das Geld durchgebracht. Er litt an hochgradiger Ner- vosttät. Steglitz. Die Gemeindevertreterschuug mutzte am Freitag 35 000 M. für Volksschulbaracken bewilligen. Ein herrliches Zeugnis der Fürsorge unserer Gemeindeverwaltung für die Kinder des Volkes. Es hat sich herausgestellt, datz schon zum April die Schulräume nicht mehr ausreichen, es sollen deshalb zwei Klassen in Baracken untergebracht werden; zum Oktober rechnet man auf einen Zuwachs von weiteren vier Klassen. An der Ring- und Albrechtstratzen-Ecke sollen sich die„Prachtbauten" erheben. Es tvird also jeder- mann Gelegenheit haben zu Vergleichen zwischen der Für- sorge der Gemeinde für Volks- und höhere Schulen, da in unmittelbarer Nachbarschaft die neuerbaute Oberrealschule liegt. Ueber den Neubau dieses Schulhauses, den Umbau de? Gymnasiums, der Errichtung der höheren Töchterschule und den Bau der Grunewaldbahn, zu welchem man für eine Volks- badeanstalt bestimmte 200 000 Mark verwendete, scheint unsere Gemeindeverwaltung die Bedürmisse der Volksschule ganz ver- gessen zu haben. Jetzt müssen es die Steuerzahler mit 35 000 Mark biitzen I Die Silberhochzeit des Kaiserpaares stellt immer neue Anforderungen an die Gemeinde. Es wurden abermals 200 M. gefordert und bewilligt zur Anschaffung einer F e st s ch r i f t, die an Bolksschiiler verteilt werden soll zwecks Erweckung patriotischen Sinnes.— Der Liebe Mühe wird umsonst sein; die Eltern der Schüler werden dafür sorgen, datz dies»„autzerordentlich ziveckmätzige Festschrift" die richtige Würdigung seitens der Kinder erfährt.— Von zehn Einsprüchen gegen die Gemein de wählerli st e wurden acht anerkannt, zwei abgeiviesen; eine davon zu unrecht, wovon sich der Bürgerineister durch Nachfrage auf dem Meldeamt überführen kann. Der betreffende Ivohnt nicht erst seit 25. März 1905, sondern bereits seit September 1904 in Steglitz. Durch unrichtige Jnfonnation des Bürgermeisters wird also ein Bürger des Wahl- rechts für verluftig erklärt. Hoffentlich wird das Versehen noch gut- gemacht I Die Wahltermiur für die Gemeindewahlen sind wie folgt fest- gesetzt worden: für die Wähler des 1. B e z i r k s der III. K l a s s e auf Montag, den 5. März d. I., nachmittags von ll'/z— 8 Uhr, Wahllokal: grotzer Saal des Restaurants„Albrechtshof", hier; für die Wähler des 2. Bezirks der III. Klasse auf Montag, den 5. März d. I., nachmittags von 3'/z— 8 Uhr, Wahllokal: Turnhalle des Gymnasiums m der Heesestratze(Eingang Südcndstratze) hier; für die Wähler der II. Klasse auf Dienstag, den 6. März d. I., nachmittags von 4—7 Uhr, Wahllokal: großer Sitzungssaal des Rat- hauseS Hierselbst; für die Wähler der I. Klasse: auf Mittwoch, den 7. März d. I., nachmittags von 6—7 Uhr, Wahllokal: kleiner Sitzungssaal des Rathauses Hierselbst. Die zu wählenden 13 Genieindeverordneten verteilen sich auf die einzelnen Klassen wie folgt: III. Klasse 1. Bezirk— 2, 2. Bezirk— 2. II. Klasse(einschl. Ersatzmann)- 5. I. Klasse— 4. Von den in der I. und II. Klasse zu Wählenden können je 2, von den im 1. Bezirk der III. Klasse zu Wählenden kann 1 Nicht. angesessener sein. Die übrigen zu Wählenden müssen gemäß§ 52 der Landgemeindeordnung Angesessene sei». Ober- Schöneweide. In welcher Weise die Bekämpfung der Sozialdemokratie schon in der Schule geübt wird, davon gibt ein Vorfall in der hiesigen katholischen Schule interessanten Aufschluß. Nachdem schon des öfteren im katholischen Religionsunterricht weidlich Über die bösen Sozialdemokraten geschimpft lourde, erzählte man neulich den Kindern, in der letzten Volksversammlung in Oberschöneweide sei ein Katholik mit Stühlen aus dem Saale gehauen worden. Diese dreiste Lüge bezieht sich wohl auf die harmlose Tatsache, daß in der letzten Versammlung nach den Ausführungen des Ge- ncssen Ebert über das Zentrum ein antvcsender Katholik— Macher im hiesigen katholischen Volksvcrein— durch Zwischenrufe zum Reden verrmlaht werden sollte, es aber vorzog, unter allgeinciner Heiterkeit den Saal zu verlassen. M«n steht, kein Mittel ist zu schäbig. Kerlmer l�acdricdten. Dir Droschkcnfuhrhcrru weichen mutig zurück. Die Droschken an einem bestimmten Tage aus dem öffentlichen Verkehr zu ziehen, um gegen die Verfügungen des Pollzeipräsidenten wegen Sperrung des Potsdamer Platzes und andere Erschwerungen des DroschkenbctriebeS wirksam zu protestieren, hatten kürzlich die Vorstände sämtlicher Fachvereine der Droschkenfuhrherrn von Grotz- Berlin sowie der Berliner Lohnfnhrwerksinnung beschlossen und zlvar einstimmig beschlossen. Die Vertrauensmänner der Droschken- sichrer gaben in einer am 13. Februar abgehaltenen Bersamuilung hierzu ihre Zustimmung unter der Bedingung, datz bis zum 20. Februar Antwort eingehen müsse und der erste Beschlutz aufrecht erhalten»verde. Die Herren FuhrtverkSbesitzer scheinen aber keine Freunde davon zu sein, einmal Beschlossenes auch ernsthaft auszuführen, denn in der letzten Nummer ihres Organs erschien folgende Notiz: ,®fl sehr wir die erbittertmg in den Kreisen der Droschkenbefitzer vnd Führer verstehen und es geradezu Mangel an Entgegenkvmmen zu benennen ist, daß die Behörden leine Antworl geben, um so dringender müssen wir aber von dem leider zu oft gehörten Wort ei»es„General- streils" abraten und empfehlen, ruhigen Bluts sich des rechten Wegs bewußt zu bleiben I Die Scharmacher der„Betriebseiustellungs- idee" verstehen denn doch das Scbiverwiegeude eines solchen Beschlusses nicht, verstehen unsere veränderten Verkehrsverhältnisse nicht und können wohl auch kaum erfassen, daß mit einer Betriebs« einstellung— ohne einen Pfennig Hinterhalt und ohne jede Unter- stützung im Publikum— denn doch absolut nichts erreicht wird und nur diejenigen sich ins Fäustlein lachen, die— wie immer im Trüben ihre Fische fangen I Also, die Behörde erweist etwas Eni- gegenkommen und grabe der berechtigten Erbitterung das Wasser ab— daS ist der Weg, der beschritten werden muß, bei objektivster Erwägung aller Utnstände aber auch gangbar bleibt." Nun gings mit dem Mute der Fuhrherren recht schnell abwärts. In einer erneuten Sitzung wurde mitgeteilt, daß sich gegen den am 7. Februar gefaßten Beschluß eine Gegenströmung geltend gemacht habe und als die Präsenzliste verleien wurde, ergab sich, daß der Obermeister der Personen-Lohnfuhrwerks-Jnnung gar nicht er- schienen war. Andere Herren vom Vorstande der Innung ei klärten auch, daß der Herr auch ablehne, eine Beschwerde zu unierzeichnen. Nach diesem Verhalten des Borsitzenden der Innung konnte von einem einheitlichen Vorgehen keine Rede mehr sein. Dazu kam Weiter, daß m der Beichwerdeschrift der PasfuS, daß man bis C20. Februar Antwort erwarte, nicht enthalten war. Unter diesen tänden erklärten die Vertreter der Droschkensührer, daß sie die Beschwerdeschrift nicht unterzeichnen würden, da sie sich sonst mit dem von der Versammlung gefaßten Beschluß in Widerspruch setzen würden. Damit ist die so pomphaft angekündigte Aktion ins Wasser ge- fallen. Die Herren wollten„oben" nicht anstoßen und sind schließlich auch froh, mit den Droschkenführern nicht mehr verhandeln zu brauchen._ Schweningers Nachfolger im KreiSkrankenhause in Groß- Lichterfelde. Der dirigierende Arzt deS KreiSirankenhauseS in Britz, Sanitätsrat Dr. Riese ist an Stelle des am 1. Juli zurücktretenden Geheimen Medizinalrates Professor Dr. Schweninger zum diri- gierenden Arzt de? Kreiskrankenhauses in Groß-Lichterfelde be- rufen worden. Zum ärztlichen Leiter des KreiSkrankenhauseS in Britz an Stelle des Sanitätsrates Dr. Riese ist der praktische Arzt und Spezialarzt sür Chirurgie, Dr. Viktor Schneider in Schöneberg auSersehen worden. Dr. Schneider war Assistenzarzt Profestor Czernys in Heidelberg und dann Assistent an der chirurgischen Ab- tnlung des städtischen Krankenhauses Am Urban unter Geheimrat Profestor Dr. Körte. AuS dem Straßengetriebe. Ein wüstes ChaoS entstand gestern abend am Zoologischen Garten durch die Karambolage zwischen einem Straßenbahnwagen der Linie O, einem Rollfuhrwerk und drei Droschken, wobei ein Pferd getötet und beträchtlicher Material- schaden herbeigeführt wurde. Der Rollwagen, welcher an dem Treffpunkt der Kurfürstenstrahe und des Kurfürstendammes die Gleise kreuzte, war von dem Motorwagen hinten erfaßt und weg- geschleudert worden. Der schlvere Lastwagen wurde gegen drei aus dem Standplatz haltende Droschken geworfen, und zwar mit solcher Gewalt, daß die ein« der Droschken sNr. 7221) demoliert und das Pserd derselben getötet wurde. Auch die beiden anderen Droschken wurden durch den Anprall beschädigt. Personen find glücklicherweise nicht verunglückt. Ei« tödlicher Straßenbahnunfa« ereignete sich gestern nawmfttag gegen 2 Uhr an der Ecke der Straße Alt-Moabit und Lüneburger- straße. Der 42iSbrige Kaufmaun Otto Löp aus Elberfeld, welcher sich geschäftlich in Berlin aiishielt, wollte zur geuauntn, Zeit an der bezeichneten Straßenecke den Fahrdamm überschreiten, als der Straßen- bahnwaaen Nr. 2241 der Linie 9 sSchlefischer Bahnhof— Moabit) herannahte. Der Wagenführer gab vorschriftsgemäß das Warnungssignal. da? jedoch von L. nicht beachtet wurde. Letzterer versuchte unmittelbar vor dem Waggon die Gleise zu kreuzen, wurde von de, Vorder- Plattform erfaßt und zu Boden gerissen. Der aufmerksame Fahrer gab sofort Gegenstrom, und es gelang ihm auch, den Waggon auf eine Entfernung von drei Metern zum Stehen zu bringen. Löp, der unter die Vorderplattform geraten war, wurde in besinnungslosem Zustande unter dem Wagen hervorgezogen und nach dem Kranken« Hause Moabit gebracht, wo et kurze Zeit nach seiner Einlieferung an den Folgen einer schweren innere» Verletzung verstarb. Ein fast gleichartiger, ebenfalls sehr schwerer Unglücksfall ereignete sich in der Leipziaerstratze vor dem Hause des Kriegs- Ministeriums. Dort geriet die 45jährige Frau Ella van der Holtz, Wrangelstr. S in Steglitz wohnhaft, beim Ueberschreiten de« Fahr- dammeS unter einen Wagen der Linie 6(Moabtt-Küstriner Platz) und wurde zur Seite geschleudert. Sie erlitt eine schwere Gehirn- crschütterung und wurde in besinnungslosem Zustande mittels Krankenwagens nach dem Krankenhause am Urban gebracht. EI» heftiger Zusammenstoß zwischen einem Automobilomnibus und einem beladenen Mehlwagen ereignete sich gestern abend gegen 7 Uhr an der Ecke der Schützen- und Friedrich>traße. Der Mehl- wagen kam von der Mauerstraße her die Schützenstraße entlang und wollte die Friedrichstraße kreuzen. Im selben Augenblick nahte sich der Autoomnibus Nr. 130S der Linie HallescheS Tor— Chausteestraße. Der Führer glaubte noch vor dem Mehlwagen vorbeizukommen Der Kutscher deS Wagens war aber der würde ihn erst durchlassen, und hielt deshalb kam also zu einen, heftigen Zusammenstoß Gefährten, wobei die Scheiben des Autos in Personen find aber glücklicherweise nicht zu und fuhr scharf zu. Meinung, das Auto auch nicht an. Es zwischen den beiden Trümmer gingen. Schaden gekommen. AuS Buddes Reich. Einen toten Fahrgast hat fünf Wochen lang der Eisenbahnwagen Nr. 1105 auf seinen Reisen mitgenommen. Der Wagen befand fich gestern w dem Zuge, der auS Sachsen um 2 Uhr 35 Minuten auf dem hiesigen Anhalter Bahnhofe ein- trifft. Unterweg» hatten Fahrgäste vergeblich sich bemüht, die Tür des Aborts, den er enthält, zu öffnen. Erst glaubte jeder, dieser sei vorübergehend gerade besetzt, aber alle Leffnungsveriuch« blieben auch aus die Dauer erfolglos. Nach der Ankunft in Berlin veranlaßle daher der Fohrbeamte, der den Zug begleitet hatte, die gewaltsame Ocffnung. Das Rätsel der Sperrung fand nun eine überraschende Lösung. Ein Selbstmörder hatte sich vor seinem fteiwilligen Ende eingeriegelt. Der Mann hing mit einem Strick an dem in dem Aborlraum angebrachten Kleiderhalter. Die Leiche, die sich in halb sitzender Stellung befand, sah bereits mumienartig aus. Der Bahnarzt, der zur Begutachtung der Todesursache geruien wurde, stellte dann auch fest, daß der Mann schon sehr lange tot sein müßte. Nähere Aufklärung gaben die Papiere und Schriftstücke, die man in de» Kleidertaschen fand, nachdem die BahnhosSpolizei die Leiche einstweilen in einem Raum des Stationsgebäudes ge- borgen hatte. Der Selbsimärder wurde festgestellt als der 45 Jahre alte Gastwirt Alber» Vollond aus der Waldstraße 80 zu Leipzig. Eine Fahrkarte und ein Abschiedsbrief, den Volland für seine Familie in Leipzig geschrieben, aber nicht abgesandt hatte, zeigen, daß er sich am 8. Januar d. I. in Berlin aufhielt und sich dann aus der Fahrt von hier nach Wittenberg das Leben nahm. Seitdem hing die Leiche auf dem Abott des Abteils dritter Klaffe. Die Leiche wurde auf Veranlassung der Bahnhofswache nach dem Schauhause gebracht. Was den Mann zum Selbstmord veranlaßle. steht noch nicht fest. Man sollte ein derartiges Vorkommnis kaum für möglich halten. Der Wagen muß doch in dieser ganzen Zeit gar keiner Reinigung unterzogen worden fem, denn in diesem Falle hätte man den Toten doch finden müssen._ Eine umfangreiche Tätigkeit entwickelt zurzeit im Süden der Stadl eine Bande Geldschrankknacker, die mit Vorliebe Fabrikgeschäfte und GeiioslensckaftSbureauS heimsucht. Nicht weniger als vier der- artige Einbruchsdiebstähle werden aus dem Hause Dresdener Straße 80 gemeldet, woselbst die Bande dem Bureau deS Vereins der Deutschen Kaufleute, der Eisenbettstellenfabrik von Förster u. Schulz, sowie der Kunstschlofferei von Gustav Ouolke Besuche abstatteten. Zuerst drangen die Einbrecher in das Kontor von Förster u. Schulz. Nm dorthin zu gelangen, mußten sie nicht weniger als fünf verichlossene Türen gewaltsam öffnen. Hier bohrten sie daS Schloß des Geldschrankes aus, öffneten dann die Riegel und erbrachen die Tresors mit Stemmeisen. Sie mochten zwar nur wenig Beute, richteten jedoch einen Schaden von mehr als 300 M. an. Die Türen der Fabrikräume und des Kontors wurden mit neuen Schlössern versehen und durch besondere Eisenriegel ver- sichert. Dennoch kehrte die Bande wenige Rächte später nochmals zurück. zertrümmerte sämtliche Schlön'er, zerbrach in dem Kontor die Zylinderbureaus, mußte jedoch auch bei dem zweiten Einbruch mit geringer Beute abziehen. Der nächste DiebeSzug galt dem Geschäftslokal deS Vereins deutscher Kaufleute, wo der Geldschrank ebenfalls in der oben geschilderten Weise erbrochen wurde und die Verbrecher 1650 M. erbeuteten. Weniger Erfolg hatten diese jedoch bei dem vierten Diebstahl in dem Kontor der Firma Ouolke. wo sie nur wenige Mark vorfanden. Der Fabrikant hatte das Geld vorfichtigerweise nicht im Geldschrank aufbewahrt. Einige Tage später fand der bereits gemeldete Diebstahl in dem Bureau der Internationale,! Arttsten« Genoffenschast, Neue Jakob- straße 8, statt, woselbst den Einbrechern 4000 M. in die Hände fielen. Rätselhaftes Verschwinde» eincS Kindes. Am 23. Januar d. I. inserierte eine Nähcrm B. auS der Kleinen Frankfurterftraße. daß sie ihr zwei Wochen alte» Kind verschenken wolle. An demselben Abend gegen lIS Uhr kam«in« unbekannte Frauensperson in die Wohnung der B., um sich daS Kind anzusehen. Da ihr daS Kind gefiel, wollte sie es gleich mitiiehme», wozu auch die Mutter des Kindes ihre Einwilligung gab. Die Frauensperson gab an, Frau Söll zu heißen und Ritterstr. S zu wohnen. Die B. ging auch mit dem Kinde und der unbekannten Frau aus dem Hause hinaus, worauf die Frauensperson mit einer Droschke, in die noch eine andere un- bekannte Frau mit einstieg, davon fuhr. Seit dem Tage ist das Kind verschwunden. Als am nächsten Tage die Mutter fich nach dem Verbleib des Kinde» in dem Hause Ritterstr. ö erkundigen wollte, stellte es fich heraus, daß die unbekannte Frauensperson ihr das Kind unter falschen Vorspiegelungen abgeschwindelt hatte. Es wohnt zwar in dem Hause eine Familie Söll, jedoch ist die Frau mit der obengenannten nicht identisch. CS ist sestgestellt, daß daS Haus Ritterstraße S einen Durchgang nach der Prinzessinnenstr. 25 hat, und ist anzu- nehme», daß die unbekannte Frauensperson diese Gegend resp. die Häuser genau kennt, event. auch in der Gegend wohn» und das Haus Ritterstr. 6 nur zum Durchgehen benutzt hat. Die Frau wird wie folgt beschrieben: Etwa 39 Jahre alt, 1,63 Meter groß, dunkle Haare, blasses, mageres Geficht, etwas rot geränderte Augen, schlank. Bekleidet war sie mit schwarzem Alpakkarock, schwarzseidener Bluse, schwarz- und rot kariertem Umhang, kleinem graue» Kapotthut, un- gewöhnlich dickem breiten Trauring. Wer zur Aufklärung des Falles irgend welche Mitteilungen machen kann, wolle diese zur J.-Nr. 563 Iv. 9. 06 im Zimmer 824 deS kgl. Polizeipräsidiums einsenden. vollständig ausgeplündert wurde durch Einbrecher der Laden des Zigarrenhändlers Max Probst, Limenstraße 8. Tie Diebe drangen durch die von dem Hausflur aus nach den Geschäftsräumen führende Tür in den Laden und stahlen aus den Regalen den ge- samten nicht unbeträchtlichen Zigarrenvorrat. Den Transport der Beute müssen mehrere Personen bewerkstelligt haben, falls sich die Einbrecher nicht zur Wegschaffung derselben eines Handwagens bedient haben sollten. Der Laden des Zigarrenhändlers ist so gründlich ausgeräumt worden, daß er, um nicht sein Geschäft zu schließen, sich von Geschäftsfreunden Ware derschafsen mußte. Zeitungskioske mit Tekephonautomaten. An Stell« der alten häßlichen Holzbuden, in denen bisher die Zeitungen und Zeitschriften aus den verschiedenen Straßen und Plätzen feilgehalten wurden werden bekairntlich jetzt überall die äußerst hübschen schwedischen Zeitungskioske errichtet, von welchen einer am Leipziger Platz bereits seit einiger Zeit im Bee.ieb ist. Da diese Kiosle den Straßen und Plötz.» wirklich zur Zierde s"eichen, so hat der Unternehmer die Erlaubnis erhalten auch dort KioSle ausstellen zu dürs>, wo bis jetzt keine Zeitungsbudcn standen, z. B. am Belleallianceplatz und an der Charlotten- und Franzöfischenstraßen-Ecke. In einer Grund- eigentüin.'rversmnmlung wurde im Verkehrsinteresse beschlossen, die Reichspostbehörde zu ersuchen, im Anschluß an diese Kioske Telephon- mttoniaten nach Art der in den schwedischen Hauptstädten bereits überall eingeführten Stratzenautomaten, zur Aufstellung zu bringen. Die Zentralkommisfion der Krantentasfen Berlins und der Vororte bat auch für dieses Jahr wiederum hygienische Vortrags- lurse veranstaltet, welche, wie nachstehend aufgeführt, stattfinden. Die Bcrträge sind für jedermann unentgeltlich. Es werden im Laufe der nächsten Woche nachbenannte Herren Aerzte in den Aulen der städtischen Gemeindeschulen über das Th mo:„Das Kind im ersten Lebensjahre" sprechen: Am Donners. tag. den 22. d. M., Petersburgcrstraße 4 Herr Dr. L. Hirschfeld; Waldenserftraße 25/26 Herr Dr. R. Auerbach; Schönhauser Allee 166-, Herr Dr. Th. Zlocisti. Am Freitag, den 23. d. M.. über:„Frauenkrankheiten und ihre Verhütung"(nur jür Frauen) Gneisenauftratze 7 Herr Dr. Siefart; Tilsiterstraße 4/5 Herr Dr. P. Christeller; Pankjtraße 8 Herr Dr. Toendler. In Schöneberg, Feurigstraße 61/62. Dienstag, den 20. d. M., über das Thema:„Kö rperbeschaff enhett und Berufswahl" Herr Dr. Radziejewskl. In Boxhagen. Rummelsburg, Neue Volksschule, Wühlischstratze, am Dienstag, den 20. d. M., über das Thema: „Frauenkranlheiten und ihre Verhütung" snur für Frauen) Herr Dr. P. Chrifteller. In R i x d o r s, Kaiser Friedrichstraße 4, am Donnerstag, den 22. d. M., über das Thema:„Auge und Arbeit" Herr Dr. E. Berger. In Lichtenberg, Kronprinzenstraße 10, am Tonnerstag, den 22. d. M., über das Thema:„Bekämpfung und Heilung der Krcbskrankheiten" Herr Dr. M. Joseph. In Pankow, Grunowstraße, am Freitag, den 23. d. M., über das Thema:„Bekämpfung und Heilung der Krebskrankheiten" Herr Dr. M. Litthaucr. In Weißensee, LanghanSstraße 120, am Freitag, den 23. d. M.. über das Thema:„Der Kampf gegen die JnfektionSkrcmk- heiten" Herr Dr. Jungmann. vermißt. Der Bildhauer Julius Szekely, 29 Jahre alt, hat sich am 3. Januar d. I. aus seiner Wohnung, Schillingsbrücke 1, entfernt und ist seitdem nicht wieder zurückgekehrt. Szekely ist an dein fraglichen Tage von verschiedenen Personen gesehen worden, und zwar in der Gegend der Schlesischen Brücke. Er soll ein auf. geregtes und verstörtes Wesen gezeigt haben. Es wird vermutet, daß Szekely Selbstmord verübt hat.— Ein Hut, welcher angeblich den, S. gehören soll, ist am 15. Januar b. I. im Landwehrkanal an der Schlesischen Brücke gefunden worden.— Der Vermißte ist 1,70 Meter groß, blond, trägt blonden Vollbart, hat vollständige Zähne, längliches Geficht, gesunde Farbe, spricht deutsch und un- garisch. Bekleidet war er mit weichem, schwarzen Hut, grauem Jackettanzug, schwarzen Schnürstieseln und buntem Oberhemd.— Zweckdienliche Angaben über den Verbleib des Vermißten werden in jedem Polizeirevier zu Nr. 259 IV/46 06 oder im Polizei- Präsidium. Zimmer 324, entgegengenommen. Bon einem schweren Berluft ist eine Arbeiterin betroffen worden, die am Sonnabend gegen abend auf dem Wege der Wilhelmstraße über das Hällefche Tor nach der Zosienerstraße ihren ganzen Wochen- verdienst verlor. Derselbe— etwas über 12 M.— war in einem schwarzen Wirtschaftsportemonnaie mit blankem Beschlag enthalten. Der ehrliche Finder wird um Abgabe gebeten Zoffenerstr. 42 vorn eine Treppe links. Ein« halbstündige Betriebsstörung verursachte gestern abend gegen 8 Uhr an der Holzmarkt- und Alexanderstraßen-Ecke der Zusammenstoß zweier Straßenbahnwagen der Linien 27 und 36 mit einem Lastwagen. Die beiden Wagen fuhren an der Straßen- kreuzung mit voller Wucht in einen Mödelwagen der Firma Ludwig Schulze, Reichenbergerstraße, hinein. Der Möbelwagen wurde von den beiden Straßenbahnwagen zertrümmert, von den letztere« wurden die Borderplattsormen eingedrückt. Personen, die am 8. Januar, abends, bor dem Krankenhause Bethanien Zeugen waren, wie sich eine Frau über die Behandlung ihres Kindes abfällig äußerte, werden ersucht, ihr« Adreffen unter Wosilk« m der Zeitungsspedition am Lausitzer Platz bei Paul Böhm abzugeben. Die Ruflenlist, Nr. 7523 ist verloren gegangen,»S wird gebeten, dieselbe bei Hönisch. Wichertstr. 3 abzugeben. Ter Kindernachmittag findet heute, Sonntag, den 18. Februar, nachmittags 3 Uhr, im Palasttheater, Buvgstraße 23, statt. lSiehe Inserat.) Es wirken u. a. Cabams, SttaSburger, Frieda Fischer, Ellen Gut und Elise Fröhlich mit. Außerdem sollen wieder lebende Bilder dargestellt werden. Der Eintrittspreis bettägt 10 Pf. Brbeitersamariterkolonne. Es finden in dieser Woche folgende Vorträge und UebungSstunden statt: Montag: 1. Abteilung, Dresdenerstmße 45, Fräulein Dr. Prosc; Donnerstag: S. Abteilung, in Schöneberg bei Obst, Meiningersttahe 8, Herr Dr. Großmann. VortragSthcma über:„Gefahrdrohende KranlheitSzustände". Daran anschließend praktische Uebungen. Neue Mitglieder können jederzeit» eintreten. Gäste haben einmaligen freien Zutritt. Rixdorf. Sozialdemokratischer Wahlvereiu. DienStag, 20. Februar, abcndS 8'/z Uhr, bei Thiel, Bergftr. 151/152: MitaUeder-Versammltmg. TageS-Ordnung: 1. Ausnahme neuer Mitglieder. 2.„Der politische Massenstreit' Reserent: ofse»Uwell. 3. DiSliission. 4. Vereln«angelegenhilten, Wahl Delegierten zur KreiS-Gencralversammlung und Verschiedenes. Genosse der Delegierten zur.. Gäste, auch siraue» haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Do« Vorstand. Emil Hoegnep Grunewaidsiraße 108. Wüsche-, H eiü-, Woll- und nanurakturwnreii. Vorgescichnete and rertige Hisndni'beUen. Otto Schräder Uhrmacher Fnearichsberg— Berlin O. Frankfurter Chaussee Ko. 8 am Bahnhof Prankfui-ter Allee empflehlt sein großes Lnger in Uhren» Gold-» Silber- und£lfenide-Wareti. aoav» RIgene Werkstatt für Reparntm-ea nnd Aenarboit. Fernspreeher: Amt FriedriohsberB, N#. 191. Herren-Artikel. JviitgUed von S Rabatt- u. Sparvereinen. 268V» Oswald Scholz, �BsfuV Krawallen. Haudichuhe. Wäsche, Regenschirme, Gpazlerstöcke. mmm Schirmreparaluren und Bezüge. 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