Nr. 47. Abonnements- Bedingungen: abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Ibonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost- Beitungs. Preisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Erideint täglich außer Montags. Vorort- Ausgabe Vorwärts Berliner Volksblaff. 23. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel. geile oder beren Raum 40 Pẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 25 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebruckte) Wort 10 Pfg. jedes weitere Wort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben sählen für zwei Borte. Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adreffe: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: 6. 68, Lindenstrasse 69. Fernfprecher: Amt IV. tr. 1988. Ein neues Stück Kuchen gefällig? Man schreibt uns: fie es auch nur, um den Knochen zu erhalten. Sonntag, den 25. Februar 1906. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernivrecher: Amt IV. 9r. 1984. " 8 aus. bergießens!" ruft die Narodnoje Chosiajstwo" Reinerlei Vergeltung für den Moskauer Aufstand, um so mehr fein Todesurteil das ist das äußerste Minimum, das selbst die gemäßigsten Vertreter der Gesellschaft, selbst die konservativsten Schichten fordern müssen." Das gleiche Leitmotiv anläßlich des Ein Schrei dringt aus der Brust: genug des Blutes, genug der Moskauer Gemegels finden wir in der„ Narodnaja Swoboda": Mordtaten!" Und weiter:„ Die Regierung muß unverzüglich ber Gesellschaft auf diese Fragen Antwort geben"( warum die Truppen die Hauptstadt in Trümmerhaufen verwandeln, die Bürger ausschlachten", usw. usw.). bie Wenn diese schwächlichen Aufforderungen, die an die blutdürftigen ber bürgerlichen Intelligens bilden, so müssen wir von den AusHelden des rufftich- japanischen Strieges und ihre Petersburger Leiter gerichtet sind, einfach naiv flingen und ein Symptom der Ohnmacht laffungen derselben Liberalen über die Moskauer Ereignisse sagen, daß fie vom blinden Klaffenegoismus diftiert sind und ein treffliches Benehmen der deutschen Delegierten auf der ersten Beugnis von der gänzlichen Unkenntnis jener Streise über das wahre Haager Friedenskonferenz im Jahre 1899 erzählt. Wesen der fich gegenwärtig abspielenden Revolution ablegen. In der„ Narodnaja Swoboda" lefen wir: Der deutsche Hauptdelegierte Graf Münster erklärte z. B. bei einem diplomatischen Frühstück den Kampf Unmöglichkeit des Streiks ist nicht nur und nicht so sehr durch das gegen Batterien und Mikroben für einen modernen Beispiels Petersburgs erwiesen, wie durch das Beispiel Mostaus. nicht, oder er verwandelt sich aus einem Mittel friedlichen Sumbug, Telegraph und Telephon bezeichnete er als in unmöglicher und doch erzwungener Streif gelingt entweder gar eines bewaffneten Aufeinen Fluch für die Beziehungen der Natio- Protestes in den blutigen" Brand nen. Gewiß ein reizender Repräsentant des Volkes der ftandes." Der Umstand, daß der allrussische Ausstand in Denker und Kritiker"! Die deutschen Delegierten benahmen sich einen Aufstand übergegangen ist, wird hier als Nationen empört waren. Lord Bauncefoote, der von Eng. Sier tritt das Unvermögen der bürgerlichen Ideologen, die Reauf dem Kongreß derart, daß die Vertreter der anderen für das Mißlingen und sogar die Unmöglichkeit desselben angeführt. land gesandt war, meinte zulett, Deutschland soll, falls es volution in ihrer dialektischen Entwickelung zu erfaffen, mit einer ihm nicht beliebt, sich uns anzuschließen, aus dem Kongreß Deutlichkeit zutage, die feinerlei Zweifeln mehr Raum läßt. Das, ausscheiden. Die angeblich so große Friedensliebe des offi- was nur ein bestimmtes Moment in der Entwickelung des revo lutionären Prozesses bildet, deutet der Liberale als etwas Ewiges, ziellen Deutschlands zeigte sich damals in ebenso zweifelhaftem Beständiges, ein für allemal Gegebenes, und wenn dies Ewige" für ihn plöglich seine Form ändert, beginnt er laut von der UnLichte wie beim Marokkohandel. möglichkeit" zu fchreien. zeugen fann, ob dabei die Richter ihre Pflichten erfüllen. Die Diplomaten in Algeciras aber, die nach Umständen über Leben und Gesundheit von Hunderttausenden und Die Regierer des Deutschen Reiches wünschen offenbar den Frieden eines ganzen Erdteils entscheiden, wieder ein Stück Kuchen", und zwar dieses Mal von Marokko. Bertreter kontrollieren. Die Nationen haben vielmehr hübsch wieder ein„ Stück Kuchen", und zwar dieses Mal von Marokko. tagen geheim. Keines der beteiligten Völker kann feine Anders ist das Vorgehen, das die deutschen Diplomaten in abzuwarten, was mit ihnen geschieht. Belieben die Herren Algeciras belieben, wirklich nicht zu erklären. Würde es Diplomaten einen friedlichen Ausgleich, so fönnen sie wie bisihnen lediglich auf die sogen. offene Tür ankommen, her weiterleben. Belieben die Herren es nicht, so haben die also auf die Wahrung der deutschen Handelsinteressen, so müßte ihnen eine Erklärung Frankreichs, daß es dem deutschen Völker sich aufeinander zu stürzen wie Meggerhunde, die man Handel in Marokko keine Hindernisse bereiten werde, gegegeneinander hetzt. nügen. Frankreich hat sich bis jetzt sehr loyal benommen, sicht durch die Deffentlichkeit bedürften, beweisen die Wie sehr speziell die deutschen Diplomaten der Aufes hat Delcassé und nunmehr auch seinen bisherigen Ge- Memoiren des bekannten früheren amerikanischen Botschafters Gesicht durch die Deffentlichkeit bedürften, fandten in Maroffo entfernt, so daß Deutschland ihm wohl in Berlin, Andrew D. White, der hier einiges von dem Vertrauen entgegenbringen könnte, wenn es nicht mehr will als die offene Tür. Und zum Strafeelen wäre immer noch Zeit gewesen, wenn Frankreich sein Versprechen, den deutschen Handel nicht zu belästigen, gebrochen hätte. Die Sorge um die Souveränität des Sultans von Marokko scheint also nur der Sorge, daß man von dieser in die Brüche gehenden Souveränität nicht selbst eine Portion erwischt, au entspringen. Raufen zwei Hunde um einen Knochen, so tun Die Pläne, die unsere Regierung in bezug auf Marokko hat, ahnt das deutsche Volk schon längst: Man möchte hat, ahnt das deutsche Volk schon längst: Man möchte da unten ebenfalls einen Platz an der Sonne, den man zu einem deutschen Gibraltar ausbauen ließe. Leider stehen diesem vom Kolonialfoller erzeugten Gedanken einige Hindernisse entgegen, die jeder normale Mensch sehen muß. Bären das Deutsche Reich und England durch eine feste Freundschaft verbunden, so tönnte an die Realisierung des Blanes allenfalls gedacht werden, weil die entscheidende Instanz darüber, ob Deutschland sich in Marokko festseßen kann, England ist. Auch deutsche Truppen sind vorläufig noch nicht so weit, daß sie fliegen fönnen, und darum sind sie auf den Wasserweg angewiesen, wenn sie nach Marokko wollen. Diesen Wafferweg beherrscht aber England, ohne deffen Zustimmung nicht einmal ein einziges deutsches Infanterie- Regiment in Marokko gelandet werden kann. Wie jedermann weiß, find aber die deutsch- englischen Beziehungen schon seit längerer Zeit nicht die besten, ja sie wurden durch das geradezu provokatorische Vorgehen Deutschlands in der Maroffoangelegenheit noch mehr verschlechtert, und infolge deffen sind für Deutschland die Ausfichten auf ein Stück vom marokkanischen Kuchen sehr schlecht. An der Tatsache, daß der Weg nach Marokko für das Deutsche Reich über London führt, würde auch ein fiegreicher deutscher Krieg gegen Frankreich nichts ändern. Ja, im Falle eines solchen Sieges würde England sich doppelt hüten, dem Deutschen Reich auch noch ein deutsches Gibraltar zuzugestehen. Am Marofforummel läßt fich, nebenbei bemerkt, die lächerliche Infonsequenz, die auch die auswärtige deutsche Politik negativ auszeichnet, trefflich studieren. Vor nicht langer Zeit bemühte Fürst Bülow sich um eine Befferung der deutsch- englischen Beziehungen. Sogar an die deutschen Wizblätter richtete er die Aufforderung, die englischen Gefühle zu schonen. Aber zickzack: durch das Vorgehen in der Marokkofrage hat die hohe Obrigkeit selbst das Verhältnis zu England wieder wesentlich verschlechtert. Die Revolution in Rußland. Die Pyrrhussiege der russischen Konterrevolution. Beweis Bis zur legten Zeit trug der allgemeine Ausstand den Charakter einer Demonstration und diente als Mittel politischen Protestes". Das mußte so lange dauern, als die Kraft des Proletariats nur dazu ausreichte, die administrative Maschine zu desorganisieren, nur Zur Beurteilung der gegenwärtigen Kämpfe in Rußland fcheinen nicht, fie zu vernichten. In diesem Stadium der Revolution uns folgende Betrachtungen eines ruffischen Revolutionärs", die hatten wir den Streit mit" gefreuzten Armen", der uns zur Verfügung gestellt werden, nicht ohne Bedeutung zu sein: eine desorganisierende Wirkung ausüben konnte. Nun aber machte Die russische Revolution ist in ein neues Stadium ihrer Ent- der Berseßungsprozeß der Selbstherrschaft solche Fortschritte, das widelung getreten: der allgemeine Ausstand ist in den bewaffneten Land geriet in ein so startes Wanken und die Organisation Aufstand übergegangen. Zwar sind Verfuche, eine Erhebung zustande des Proletariats erreichte eine so hohe Stufe der Entwickelung, daß zu bringen, bereits früher gemacht worden, wir brauchen uns nur die Möglichkeit gegeben war, den Versuch zu machen, die Regierung Sie Ereignisse von Lodz und Odessa ins Gedächtnis zurückzurufen. zu Boden zu werfen und der Streit ging in die„ bewaffnete Aber diese Versuche geschahen felten und fonnten, weil Empörung" über, die Revolution gebar in ihrer aggressiven Befie nur vereinzelt dastehende Ausnahmefälle bildeten, den wegung eine neue Form, welche jedem auch nur halbwegs aufallgemeinen Charakter des altruffischen Streits nicht ändern: merkiamen Beobachter feine Ueberraschung bieten konnte: Die Erimmer blieb dieser im ganzen nur ein Streit mit gefreuzten eignisse in Lodz, Odessa und anderen Städten hatten schon lange Armen", begleitet von den üblichen friedlichen" Rundgebungen. bor Dezember gezeigt, daß eine neue Form des Kampfes gegen die Erst zum Dezember sahen wir uns zum erstenmal jenseits des ver- Autokratie heranreifte. Der Dezemberaufstand hat eine Niederlage erlitten. Das ist hängnisvollen Wendepunktes der Revolution. Bum erstenmal feit der Zeit, da man der Regierung den Stampf erklärt hatte, wurde unvermeidlich gewesen, denn das Proletariat machte hier feine ersten das Wert der bewaffneten Erhebung in einem so aus Gehverfuche auf einem neuen Boden, der unglaubliche Schwieriggedehnten Maßstabe organisiert, daß die Frage, ob diefelbe über- feiten bietet. Bergegenwärtigen wir uns einmal die Geschichte des haupt möglich oder unmöglich sei, als prattisch gelöst angesehen allrussischen Streits. Nachdem er mit mißglückten Versuchen einwerden fann. gefegt hatte, legt er einen langen, überaus mühevollen Weg der Die Lösung dieser Frage haben wir vor allen Dingen Moskau Entwidelung zurüd, um in dem gewaltigen, von glänzenden Res zu berbanken. Mostau, die alte Hauptstadt des ruffifchen Reiches, sultaten getrönten Ottoberstreit seinen Abschluß zu finden. Im en Höhe hat den Beweis geliefert, daß ein Aufstand mit den Waffen in der Oktober erreicht der friedliche" allgemeine Streit Hand möglich ist, daß der Barrikadenkampf auch heute noch nicht als punkt feiner Entwickelung und erschöpft sich few, indem veraltet abgetan werden kann, daß in der Atmosphäre einer aftiv er hart vor dem bewaffneten Aufstand stehen blieb. Wer diesen betätigten Sympathie seitens der Bevölkerung die an Zahl verhältnis- lehrreichen Werdegang wohl durchdacht und seinen tiefen Sinnerfaßt mäßig geringen revolutionären Scharen der organisierten Macht der hat, den wird das Mißlingen des Dezemberaufstandes ebensowenig Was haben nun Fürst Bülow und seine Helfershelfer Regierung einen dauernden Widerstand entgegenzusetzen fähig find, entmutigen können, wie er durch die ersten fehlgeschlagenen Versuche in Algeciras bis jetzt erreicht? Vor allem haben sie Frankreich und daß der Sieg über die Autokratie im offenen Kampfe des allgemeinen Streits entmutigt zu ſein Veranlassung hatte. und England hübsch vereinigt und wenn nicht alles täuscht sich zur politischen Wirklichkeit zu gestalten beginnt. Moskau hat Ebenso wie dieser, an Gehalt und Tiefe fortwährend gewinnend, den Zusammenschluß der drei romanischen Mächte, Frankreich, ferner gezeigt, daß, wenn die Regierung auch über ungeheure Macht durch das die Welt in Erstaunen fezende Oktoberfinale gekrönt Spanien und Italien bedeutend gefördert. Eigentlich ist es aber mittel verfügt, dennoch die Zeit nicht mehr fern ist, wo sich ihre wurde, ebenso wird der bewaffnete Aufstand, mit jeder neuen Er doch nicht die Aufgabe deutscher Staatsmänner, Frankreich Hülfsquellen als gänzlich erschöpft herausstellen werden; daß eine hebung an Macht und Ausdehnung gewinnend, mit einem bis jetzt gute Freunde zu verschaffen. Das Streben nach einem Regierung, gegen die ein paar Häuflein schlecht bewaffneter Revolu- unerhörten Sturme enden, in dem das Regime des Wahnsinns und maroffanischen Kuchenstüd hat Deutschland wunderschön iso- tionäre in einer Stadt mit einer zahlreichen militärischen Befagung und der Schrecken spurlos untergehen wird. einer weit verzweigten Polizeiorganisation einen zehntägigen er Die russische Revolution ist gezwungen, sich ihre Bahn durch liert und damit hat der geniale vierte Kanzler des Deutschen bitterten Kampf aushalten können, die nur um den Preis einer völligen einen Wald von Hindernissen zu ebnen, von denen eins furchtbarer ist Reiches das fertig gebracht, was fein Gegner Delcaffé wollte. Bernichtung ganzer Stadtviertel durch ein fürchterliches Bombardement als das andere. Jeder ihrer Schritte wird um den Preis Tausender Das Reich hat jetzt schon Frankreich, England und Spanien der Bewegung Herr zu werden vermag, die sich der Möglichkeit be- von Menschenleben erkauft, und mit jedem Anprall der revolutionären gewiß gegen fich und wahrscheinlich auch Italien. Und ob raubt sieht, gegen die Revolutionäre die lokalen Truppen zu ver- Welle wächst dieser Preis in einer entseglichen Progression. Und man es in Rußland vergessen wird, daß seine Ohnmacht in wenden, sondern gezwungen ist, ihren legten Schutzwall, die nicht nur deswegen, weil sie es hier mit einer staatlichen Organisolcher Weise von der deutschen Diplomatie ausgenügt wird, Brätorianergarde, aufzubieten, die endlich nur dann die rasch er- fation zu tun hat, die sich in einer langen Reihe von Jahrhunderten ist auch sehr fraglich. Diese Konstellation ist aber für Deutsch- richteten Barrikaden zu stürmen bermag, wenn fie von ihren Ber- gebildet hat und erftarkt ist und eine erstaunliche Lebensland, auch wenn es einen Krieg mit Frankreich allein aus teidigern bereits verlassen sind, daß eine solche Regierung fich für fähigkeit zeigt, sondern auch beswegen, weil jedesmal, wenn der entscheidende Augenblick gekommen und die Regierung aufechten hätte, sehr ungünstig, denn Frankreich könnte seine bie Dauer nicht halten lann. Indes, wir wollen uns feinen Selbsttäuschungen hingeben: wenn aus ihren Hauptpofitionen verdrängt ist, die Bourgeoiste das Prole: Grenzen gegen Italien, Spanien und feine Küsten von es auch keinem Zweifel unterliegt, daß der endliche Sieg über die Re- tariat im Stiche läßt und durch ihren Verrat jene geſellſchaftlich. Truppen entblößen, und seine ganze Macht gegen das gierung nicht mehr fern ist, so ist nichtsdestoweniger ebenso un- psychologische Atmosphäre schafft, welche der Regierung erlaubt, die Deutsche Reich führen, während dieses für seinen Küstenschuß zweifelhaft, daß wir, bis diefer Zeitpunkt herantommt, noch eine lange Revolution auf ihrer ganzen Linie wieder anzugreifen und ohne und langes Ueberlegen das einzige Mittel, das noch in ihrer Hand ist, und die Deckung der russischen Grenze bedeutende Streit- Reihe schwerer Prüfungen zu bestehen haben werden, von denen fräfte zu reservieren hätte. Auch behandelt Preußen die Polen das tann man mit Bestimmtheit behaupten alles, was wir bis jetzt das Militär, gegen fie auszuspielen. Und wenn der Angriff des Die Proletariats unter gewaltigen Verlusten für dasselbe zurückgeschlagen so liebenswürdig, daß die Regierung es sich sehr überlegen erleben mußten, in den Schatten gestellt werden wird. wird, ob sie in den betreffenden Provinzen nicht große Garni- deutlich genug gezeigt, wozu das sterbende Regiment im Kampfe und vor aller Welt sich mit ihren Trophäen brüstet, dann treten die unmenschlich grausame Unterdrückung des Moskauer Aufstandes hat worden ist, wenn die Regierung wieder die Situation beherrscht fonen zurücklaffen muß. Dazu kommen noch die traurigen um feine Eristenz fähig ist, und alle Zeichen laffen darauf schließen, Vollstämpen aus dem Lager der Bourgeoisie vor und fällen ihr Urteil, politischen Zustände im Innern des Reiches, die bedenklich daß das Bandalentum der Regierung in Moskau sein legtes Wort über die Revolution und dieses Urteil lautet:" Diefe Revolution auf die Stimmung der mobilisierten Armee zurückwirken noch lange nicht gesprochen hat. ist geschlagen worden und es war auch nicht möglich, daß sie nicht würden. Läßt man am 21. Januar 1906 Infanterie, Ka- Ein gut Teil der Berantwortung für dieses Bandalentum fällt geschlagen würde. Sie war ein Wahnsinn". Fast dasselbe fagt ballerie und Artillerie gegen Reservisten und Land- der Bourgeoisie aur Last, welche durch ihre berräterische General Dubaffow in seinem Communiqué über die Unterdrüdung wehrleute, die nur ein gerechtes Wahlrecht fordern, auf- Politik gegenüber dem Proletariat und ihr schimpfliches Parlamen- der Moskauer Rebellion". Welch rührende Einmütigkeit! Die Revolution schreitet ihren sicheren Weg fort. Sie wird marschieren, so fann man nicht verlangen, daß die nämlichen tieren mit der Regierung dieser den Mut gibt, ihre beispiellosen Reservisten und Landwehrleute zwei Monate später mit Be- Greueltaten fortzufezen, und ihr hilft, am Ruder zu bleiben. Sogar flegen und vielleicht eher, als dies selbst ihre glühendsten Anhänger jetzt, angesichts der rauchenden Trümmer Moskaus, unter denen glauben. Sie wird siegen und lachen über den Unverstand derer, geisterung zu den Fahnen eilen". Wer dies dennoch an- taufende und abertausende Menschen begraben liegen, angesichts die in ihrer nüchternen Mäßigung und Pedanterie sie jetzt als nimmt, schäßt das deutsche Volk einfach als Trottel ein. der Bestialitäten in den Ostseeprovinzen, halten es die Wahnsinn" bezeichnen. Zum Schluß noch eine fleine Betrachtung, die die heutige Liberalen, und dazu noch die besten unter ihnen, für möglich, Schwindelzivilisation beleuchten soll. Wird in einem fogen. Stulturstaat ein des Mordes Verdächtiger abgeurteilt, so geschieht es in voller Deffentlichkeit, damit jedermann sich über" fich mit dem bloßen pathetischen Ausruf: Genug des Blutvergießens!" Warschau, 24. Februar.( W. T. B.) Der Generaldirektor ber au begnügen und beeilen sich, ihr ablehnendes Verhalten gegen den Weichseleisenbahnen Jwanow wurde heute auf der Straße erschossen; bewaffneten Aufstand offen zur Schau zu stellen. Genug des Blut- der Täter enttam " Sifltt, 23. Februar.(S?. 3". SP.) Die Hingebung von Riga wird durch eine Anzahl kleiner und größerer räuberischer Banden beunruhigt, die zahlreiche Urberfälle ausführen. Hclsingfors, 24. Februar.(93. T. B.) Der Gouvenieur lion Wasa, Bjiirnbcrg, ist zum Gehülfen des Ministerstaatssekretärs vou Finnland ernannt worden. « Eine fette Ente. Unter der seusationelleil Ueberschrift„Bebel in Rußland behauptet das Masse-Blatt, von zuverlässiger Seite erfahren zu haben, das; Bebel voin Z e n t r a l k v m i t c e der tonst i- t u t i o u e I l- d c ni o k r a t i s ch e n Partei in Rußland zu einer Reihe vou Vorträgen über die Agrarfrage eingeladen worden sei und diese Einladung aucki angenommen babe.' Wir können dieser Meldung gegenüber nur feststellen, daß das„Berliner Tageblatt" einer plumpen M y st i f i I a t i o n zum Opfer gefallen ist._ PoUtifchc(ZebersicKt. Berlin, den 24. Februar. Die deutsche Justiz ztvischen Spiestruten. Mer Sonnabend war ein Tag für die deutsche Klassen Justiz, auf den sie keinen Anlast hat, stolz zu sein. Nach einigen belanglosen Ausführungen des Freisinnigen D v v e und einer noch belangloseren Entgegnung des Staatssekretärs Dr. N i e b e r d i n g kam unser Genosse Stadthagen zum Wort. Scharf durchdrangen die schneidenden Anklagen unseres Redners das Haus. Er legte das Wesen der Klassen- Justiz dar. Von einem Vertrauen des Volkes zur Justiz kann keine Rede mehr sein, nachdem sich die Justiz als Instrument gegen die arbeitenden Klassen verwenden läßt. Schwindler entgleiten der deutschen Justiz, Arbeitern gegenüber, die für ihr Recht kämpfen, versagt dieses Instrument der herrschenden Klassen nie. Nach den klaren Bestimnumgen der Reichs- Verfassung mühte die gesamte deutsche Justiz dem Reichs- justizanit unterstellt sein, statt dessen erklärt der Staats- sekretär, datz es sich um die prcustische, sächsische usw. handle, auf die er keinen Einfluß habe. Der preußische Justiz- nünister hat keinen Zlveifel gelassen, daß er in politischen Prozessen schärfere Strafen erwarte. Die Aufgabe der Justiz ist es, das Recht zu schützen, das Koalitions- recht ist aber gerade durch die Justiz bcein- trächtigt worden. Nirgends erfreuen sich zweifelhafte Elemente wie Arbeitswillige einer größeren gesetzlichen Für- sorge als gerade bei uns. Wenn man natürlich auf deni Standpunkt steht, daß das Koalitionsrecht ein strafwürdiges Privilegium ist, dann versteht man diese Art der Rechtsprechung. In Altona spricht man Notzüchter frei, den Redakteur, der K ritik an dem Urteil übt.steckt man ans sechs Monate ins Gefängnis. In Markranstädt streiken Arbeiter, damit ein vereinbarter Vertrag erfüllt wird. Es entsteht beim Eingreifen der Polizei Tumult und die ehrlichen Arbeiter, die nichts als die Erfüllung eines gegebenen Versprechens ausweben, werden zu Ge- fängnis verurteilt. Die Justiz hat zwei Wagen, eine für die Reichen, eine für die Arnien. Sprechende Beweise für die Klassenjustiz, die den Richter in die Rolle des Rächers drängt, sind die Urteile in Breslau und in Leipzig. Da wie dort hat man nicht unterlassen die Tendenz mit in den Kreis der Betrachtungen zu ziehen. Das Wort Klassenkampf versetzt unsere Justiz in die höchste Aufregung, man versteht darunter einen blutigen Kampf, man sieht die bürgerliche Gesellschaft in Gefahr und fiihlt die Pflicht in sich, durch Antvendung der Justiz diese Gefahr zu beschwören. Die an dem Leipziger Oberstaatsanwalt Böhme geübte Kritik rief den Wächter des Reichstages, den Grafen Ballestrem, auf den Plan, der mit einem Ordnungsruf die bitteren Wahrheiten für den sächsischen Oberstaatsanwalt etwas abzuschwächen bemüht war.— Was habe die Justiz nicht allein aus dem sozialdemokratischen Landtagslvahlslugblatt herauslesen wollen. Man kann die Justiz ansehen, von welcher Seite man will, überall das gleiche trostlose Bild. Immer häufiger tauchen die Fälle des Zeugniszwanges gegen Redakteure auf, nicht genug dannt, man greift jetzt wie in Forst schon auf die Setzer über. Man will mit der Handhabe des Gesetzes ehrliche Leute zu einer ehrlosen Handlung zwingen. Ein Zwischenruf von der Rechten führte zu einer heftigen Szene. Stadthagen charakterisierte treffend, wie die Kon- servativen die Erzwingungen einer Ehrlosigkeit für richtig halten. Hier sprang der präsidierende Gras Stolberg auf, wütend die Glocke schwingend und Stadthagen zurufend:„Sie haben die preußischen Richter.. Stürmisch wurde dem Vizepräsidenten zugerufen, daß mit keinem Wort von preußischen Richtern die Rede war. Der konservative Schriftführer Himburg klärt den Grafen Stolberg auf, und nun fällt der Ordnungsruf wegen Beleidigung der Konservativen. Stadthagen replizierte scharf, Graf Stolberg schtvieg. Unser Redner tvies serner auf den bekannten Fall hin, wo ein Richter das Urteil bereits vor der Verhandlung fertig hatte. Wo soll da das Vertrauen zur Rechtspflege her- kommen? Der Staatssekretär Dr. Rieb er ding ist felsenfest davon überzeugt, daß der deutsche Richterstand keinerlei An- griffe zu fürchten habe. Der preußische Justizminister habe abgelehnt, auf die Richter einzuwirken— das ist die Auf- sassung. welche der Staatssekretär von den Aeußerungen des Herrn Dr. Beseler hat. Der sächsische Geheimrat Dr. Börner lehnte es ab, auf das Urteil in Leipzig einzugehen, so lange das Reichsgericht nicht entschieden habe. Schließlich glaubte er aber doch den Oberstaatsanwalt Böhme in seinen besonderen Schutz nehmen zu sollen.— Dr. Müller-Meiningen kritisierte nicht übel die Prüderie des Zentrums, das nicht niüde wird, nach einer neuen Lex Heinze zu suchen.— Abg. v. G e r I a ch verbreitete sich sodann ausfiihrlich über Zeugnis- zwang, bedingte Verurteilung und mangelnde Anwendung des tj 198 des Reichs-Strafgesetzbuchs bei Preßdelikten. Am nächsten Mittwoch wird die Exekution an der Klassen- Justiz fortgesetzt werden.__ Die Beratung des Kultnsctats. Die Oede des Dreiklassenparlaments, die in früheren Jahren»venigstcns durch die Beratung des Kultusetats, das Geplänkel zwischen den gottlosen Nationalliberalen und den frommen Zentrumslcuten, auf kurze Zeit unterbrochen zu wer- den pflegte, scheint in diesem Jahre in Permanenz erklärt zu sein. So langweilig wie am Sonnabend hat die General- debatte zum Kultusetat noch niemals eingesetzt. Die Herren schieden von vornherein alle die Fragen aus, die mit dem Ver- pfaffnngsgesetz in Verbindung stehen, und beschränkten sich darauf, einige unbedeutende Wünsche zur Sprache zu bringen. Auch die„Kulturkämpfer" scheinen sich diesnial hinter den Kulissen verständigt zu haben: das Zentrum verzichtete darauf, die bekannten endlosen Reden über die angebliche Zu- rücksetzung der Katholiken in Preußen zu wiederholen, und die Nationalliberalen hüteten sich, das allmächtige Zentrum zu reizen. Nur ein einziger nationalliberalcr Heißsporn, Abg. Dr. v. C o ni p e, tanzte aus der Reihe: er konnte es sich nicht verkneifen, gegen die katholischen Orden zu wettern, die es wagen, sich als Gesellschaften mit beschränkter Haftung ein- tragen zu lassen. Schon sieht er die Zeit gekommen, wo ein Dutzend Jesuiten sich als Berufsverein eintragen läßt, die Rechtsfähigkeit erwirbt und den preußischen Staat aus den Angeln hebt. Welch Glück für den Staat, daß Männer wie Herr v. Compc die Augen offen halten und rechtzeitig ihre Warnungsrufe ertönen lassen! Im Laufe der Debatte sahen sich einige freisinnige Red- ner genötigt, die Angriffe zurückzuweisen, die in reaktionären Blättern wider die Volksschullehrer aus Anlast ihrer Oppo- sition gegen den Schulgesetzcntwurf erhoben worden sind. Ob es angebracht war, daß der Abg. Ernst(stf. Vg.) bei dieser Gelegenheit die Lehrer gegen den Verdacht der Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie verwahrte oder daß der Abg. Eickhoff (frs. Vp.) dabei die nationale Gesinnung der Lehrer hervor- hob, bleiben dahingestellt. Ueber den Geschmack läßt sich be- kanntlich nicht streiten. An die Faschingszeit erinnerte die Rede des konservativen Pfarrers H e ck c n r o t h, der in demselben Atemzuge die Freiheit der Wissenschaft pries und davon sprach, daß die Kirche nicht ruhig zusehen könne, wie die Grundvesten ihrer Lehre erschüttert werden. Also Freiheit der Wissenslbaft, aber nur insoweit die freie wissenschaftliche Forschung nichts zutage fördert, was der christlichen Kirche ungenehm sein könnte! Wir wollen dem frommen Herrn seine Ausführungen nicht weiter verübeln, sondern sie auf das Konto seines nicht weiter verübeln. Hat sich doch dieser tapfere Vor- kämpfer für Volksverdummung noch nicht von den; Schreck er- holt, der ihn, in die Glieder gefahren ist, als er feststellte, daß in einem Seminar Höckels„Wclträtsel" das am meisten ge- lesene Buch sei! Wie können junge Leute, die so gottlose Bücher lesen, die Kinder zu gottesfürchtigen, patriotischen Männern erziehen?! Nack der üblichen Auseinandersetzung zwischen den Polen und d»r Regierung wurde die Debatte geschlossen und das Ge- halt des Ministers bewilligt. So schnell hat Herr Studt sich noch nie sein Gehalt verdient. Am Montag wird trotz des höfischen Festes eine Sitzung abgehalten. Man will erst noch einige Stunden über den Kultusetat reden, um sich in die nötige Stimmung zu ver- setzen._ Hinter den Kulissen. Im augenblicklichen Stadium der Verhandlungen über das Wohl und Wehe Marokkos fällt es der Mehrzahl der beteiligten Staaten schwer, einen festen Standpunkt zu finden, von dem aus sie die Situation zu betrachten haben. Vergleicht man die Stim- mungen, mit denen die einzelnen Mächte nach Zllgcciras gingen mit den Stimmungen, die sie jetzt beseelen, so wird man eine ganze Skala von Abweichungen von den ursprünglichen Gefühlen und Ansichten der einzelnen Interessenten feststellen können. So ist z. B. Amerika, von seinem Optimismus ganz zurück- gekommen. Während es sich anfangs eingebildet hatte, im schlimmsten Falle auftauchende Differenzen als„ehrlicher Makler" zu schlichten, scheint es inzwischen eingesehen zu haben, daß mit der deutschen Diplomatie noch schwerer umzugehen ist, als man im allgemeinen vor der Konferenz angenommen hatte. Jedenfalls aber hat die amerikanische Regierung einen Schritt getan, der— wenn sich die Wahrheit der betreffenden Meldung herausstellt— als außerordentlich vernünftig bezeichnet werden muß. Es wird nämlich gekabelt, sie habe es für nötig erachtet, ihre Vertreter in Algeciras zu benachrichtigen, daß sie es unter allen Umständen ablehne, als Regierung an irgend einer internationalen Polizei- oder Finanzkontrolle über Marokko teilzunehmen! Wenn Deutschland diesen Wink verstehen will, so könnte er ihm sagen: Wenn du klug bist, tust du das Gleiche wie Amerika und lässest die Finger von der brenzlichcn marokkanischen Polizei- und Finanzkontrolle. Interessant ist noch, daß man von irgend welcher Seite her auch Spanien in dem Sinne bearbeitet zu haben scheint: es solle seine Allianz mit Frankreich nicht allzu vertrauensvoll auffaffen; denn wenn es auch zu einer französisch-spanijchen Kontrolle in Marokko kommen sollte, so werde �natürlich doch Frankreich allein die gebietende und beherrschende Stellung einnehmen. Von ähnlichen„Bearbeitungen", die mehr oder minder nach Diplomatenrache riechen, wäre noch mehr zu melden. Genug für heute. Die nächste» Tage werden ja wohl zeigen müssen, ob wirklich in einer so ernsten Frage Ränkesucht und Intrigenspiel den Sieg davontragen darf über die Interessen vieler Millionen friedlicher Staatsbürger.—_ Die Adreftdebatte. London, 22. Februar. Der englische Liberalismus macht gegen- wärtig einen heroischen Versuch, seine fortschrittliche und versöhnende Kraft zu zeigen. Die Konservativen hinterließen ein besiegtes, aber gespaltenes und mürrisches Südafrika, ein kampfbereites Irland, eine rebellische Arbeiterklasse und ein hohes Budget. Durch Gewalt läßt sich dieses Erbe nicht beseitigen, wohl aber läßt sich manches davon durch einsichtsvolle staatsmännische Kunst, durch die beruhigende und konstruktive Kraft der Freiheit und der Demokratie mildern. Die Thronrede gibt Transvaal und der Oranjekolonie eine demokratische Verfassung und räumt somit das konstitutionelle Zwitterding hinweg, das die frühere Regierung sich auS Deutschland holte, um die Buren niederhalten zu können. Der Premierminister sagte hierüber im Unterhause:„... Nach unserer Ueberzeugung ist die öffentliche Meinung dafür, datz man den beiden Kolonien sofort die Selbst- regicrung gibt. Zwischenstufen haben sich nie bewährt. Die Ge- schichte unserer Kolonien zeigt, daß eS nicht gut ist, einem Lande ein Parlament zu geben, ohne ihm gleichzeitig wirkliche Macht ein- zuränmen. Wir haben mehreremal konstitutionelle Zwischenstufen einzuführen versucht, aber das Ergebnis war: Reibungen und Miß- Verständnisse zwischen Volk und Regierung. Man wird mir einwerfen, daß eine konstitutionelle Zwischenstufe nötig sei. um das Volk zur Selbst- regierung zn erziehen. Aber ich glaube, die beste politische Er- ziehung ist die Selbstrcgierung,— wo das Volk sich selbst durch das Parlament regiert:"(Beifall.) So werden nun die Buren viel freier sein, als das deutsche Volk. Ihre Presse und ihre Führer Dewet, Votha ic. sind hocherfreut über die Wendung der Dinge. An Irland gibt die Thronrede die Zusicherung des weiteren Ausbaues der selbständigen Lokalverwaltung und des Fortschreitens auf der von der letzten Regierung eingeschlagenen Reformbahn. Jr- land soll mehr und mehr nach irischen, und nicht nach englischen Ideen regiert werden. Die irischen Redner waren in der Debatte versöhnlich und vertrauensvoll. Ueberhaupt herrscht im Unterhause jetzt eine ftiedfertige Stimmung. Sogar Chamberlain, der in Ab- Wesenheit BalfourS die Konservativen— also die Opposition— führt, schlägt vorläufig einen milden Ton an. Die Arbeiter erhalten eine Gewerkschaftsvorlage, eine Verbesserung des UnfallentschädigungSgesetzeS und des Arbeitslosengesetzes. Die religiösen Sekten werden die gewünschte Verbesserung des Schulgesetzes haben. Dies ist die erste Debatte im englischen Unterhause, an der sich Arbeitervertreter beteiligten. In den letzten Jahren überließen es die Arbeiterabgeordncten den Liberalen, die Thronrede zu be- sprechen, auch dann, wenn es sich um Arbcitergesetze handelte. Jetzt ist dies anders. Nach Verlesen der Thronrede sprach H a r d i e im Namen seiner Partei und gab seiner Meinung über die Thronrede beredten Ausdruck. Seine Rede fand heftigen Widerspruch bei den Liberalen und lebhaften Beifall bei den Arbeitervertretern. Hardie legte gleichzeitig sein GlaiibensbckeimtniS ab in folgenden Worten:„... Wir von der Arbeiterpartei find hier, die soziale Frage in den Vordergrund zu stellen, die Rechte der Armen wahrzunehmen und die Menschenrechte der unter der britischen Flagge lebenden Eingeborenen von Afrika und Asien zu schützen. Unsere Gesetzgeber gehörten bis jetzt zum größten Teil der besitzenden Klasse an. Die Arbeiter wurden nur indirekt durch Männer vertreten, deren Interessen im diametralen Gegensatz zu denen der Arbeiter stehen(Protestrufe bei den Liberalen, Beifall bei den Arbeiter- Vertretern). Der Arbeiter kann sich nicht auf diejenigen verlassen, die auf Grund ihrer Wirtschaftlichen Interessen den Wunsch haben müssen, die Arbeiter in Armut zu halten.(Widerspruch bei den Liberalen.) Wenn die drei Seiten des Hanfes(Konservative, Liberale, Iren) von Männern eingenonnnen sind, die sich in einem Gegensatz zur Arbeiterklasse befinden, so war eS notwendig, eine Partei zu gründen, um diejenigen zu vertteten, die bis jetzt ohne Vertretung waren."(Beifall bei den Arbeiter- Vertretern.) Es sprachen noch Barnes und Walsh. Jener hielt eine längere Rede über die Notwendigkeit der Einführung von Alterspensionen. Walsh sprach über das Ucbcl der Ehincsencinfuhr in Transvaal. Die Vertreter der Arbeiter wurden mit Respett angehört. Nur der Premienninister leistete sich im Laufe der Debatte einen übrigens in recht freundlichem Tone gehaltenen Witz über die knallroten Hals- binden Keir Hardies und Macdonalds. Die Adreßdcbatte dauert gewöhnlich vierzehn Tage.— veutscdes Rdcb. Zentrum und Erbschaftssteuer. Die„Germania" teilt mit, daß sich die Zentrnmsfraktion des Reichstages in ihren letzten Sitzungen mit dem Erbschasissieuer- Projekt ihres Fraktionsmitglicdes Z e h n h off beschäftigt mid die Erb- schaftssteiler bei Erbfällen an Deszendenten und Ehegatten abgelehnt habe. Die„Germania" fügt hinzu, daß diese Ablehnung mit dem ausdrücklichen Zusätze:„für die vorgelegte Finanz- r e f o r m" erfolgt sei. daß also nicht eine prinzipielle Ent- scheidung, eine Entscheidung für alle Zeit damit gefällt worden sei. Das Zentrum hoffe nur, daß andere Steuerquellen erschlossen werden könnten, durch welche eine Besteuerung der Deszendenten und Ehegatten,„die immerhin in weiten Kreisen un- populär sei", unnötig werden würde. Diese faulen Ausreden können die nackte Tatsache nicht verschleiern, daß das Zentrum den w i ch t i g st e n Teil des Zehnhoffschen Antrages abgelehnt hat. Bei dem Einfluß, den die Kapitalistenkreise und speziell die rheinischen Zentrums- agrarier innerhalb des Zentrums besitzen, war das ja von voniherein nichts anders zu erwarten. Unter den„anderen Steuer- quellen" versteht das Zentrum beispielsweise die W e h r st e n e r. durch die das Proletariat zu allen indirekten Stenern auch noch mit einer empfindlichen direkten Steuer bedrückt werden soll!— Wenn Eisenbahner bitten wollen. Daß die Eisenbahnangestellten in Preußen Staatsbürger zweiter Klasse sind und auch nicht einen Schimmer von freiem Koalitions- und Versammlungsrecht besitzen, beleuchteten ja grell genug die jüngst bekannt gewordenen Machtsprück-e: das Essener Verbot der Teilnahme der Eisenbahner an den Protest- Versammlungen am 21. Januar und das Verbot der Zu- sammenkunft der Arbeiterausschüsse in Elberfeld. Diese ge- plante Zusammenkunft scheint den Machthabcrn der Eisenbahn besonders„gefährlich" erschienen zu sein, denn es ist überall den Arbeiterausschüssen untersagt worden, sich an der Elber- selber Konferenz zu beteiligen. Was Wunder, wenn die Aus- schüsse nun ihr bißchen Petitionsrecht wieder hervorsuchen, um etwas zur Verbesserung der Lage der unteren Angestellten zu versuchen. Das„Recht" zu bitten steht aber auch nur den einzelnen Arbeitern zu, während nian durch Sammlung von Unterschriften nicht bitten darf. Das scheinen hie und da die Arbeiterausschüsse vergessen zu haben, oder sie schienen sich auf die Versicherung Buddes zu verlassen,„die Arbeiter können sich bis an die höchsten Stellen wenden". In Erfurt hatten die Arbciterausschüsse die sträfliche Ueberzeugung, daß eine schmale Lohnaufbesserung der unteren Angestellten notwendig sei. Sie wollten sich direkt an den Minister wenden, was sie eigentlich gar nicht durften. Sie empfingen auch bald eine Belehrung. Am 2. Februar früh 10 Uhr ließ der Vorsteher der Eisenbahnbetriebswerkstätten „seine" Arbeiterausschiisse(11 Mann) zu sich befehlen. In hochoffiziellcm Autoritätsstil las er ihnen das Verbot vor, das gegen eine geplante Versammlung der ach so wenig„gefähr- lichen" Arbeiterausschüsse in Elberfeld von hoher Stelle er- lassen worden war. Nach Verlesung des Ukases befahl der Vorsteher, daß alle Mann ein Schriftstück unterschreiben, in welchem sie bestätigen, dieses Verbot gehört und verstanden zu haben. Ein Arbeiter erbat sich hierauf die Erlaubnis, eine Stelle aus der Rede seines„allerhöchsten" Vorgesetzten, des Minister v. Budde vorlesen zu dürfen, die dieser im prcußisckien Landtage im März 1905 gehalten hatte. Der Arbeiter las nun aus der Rede, deren Wortlaut er sich im Notizbuch sorg- fältig aufgehoben hatte, folgendes: v. Budde:„Geschieht einem Arbeiter Unrecht, so kann er sich bei den höchsten Stellen und bei mir be- schweren." Und weiter: v. Budde:„Ich muß verlangen, daß die Männer, die als Eisenbahnarbciter bei uns arbeiten, brave und ehrliche Männer sind, die frei heraussagen, waS sie wollen; dazu sind die Arbeiter- ausschüsse da." Abg. Goldschmidt:„Tann werden sie bestraft." v. Budde:„Nein, Herr Goldschmidt, dann werden die Arbeiter nicht bestraft." Nach diesen unerwarteten Feststellungen folgte zunächst ein peinliches Schweigen das der Betriebschef mit folgenden famosen„Erläuterungen" brach: „Ach was! In einer Rede sagt man wohl manches nnd sonst etwas, waS' einem nachher gereut, oder was man sich nicht gleich überlegt hat." Die Audienz war beendet, die Arbeiterausschüsse belehrt. Sie wissen nun. daß sie nicht nur wie bisher rechtlos in bezug auf freie oder gar wirtschaftliche Vereinigung sind, und daß sie nicht an öffentlichen Volksversammlungen teilnehmen dürfen, d. h. an solchen, die den Herren Vorgesetzten nicht passen, sie haben es jetzt auch bestätigt gehört, daß sie sich nicht bei den„höchsten Stellen" und„bei MIR" beschweren oder mit einer untertänigsten Bitte nahen dürfen! Die Preisgabe Buttkamers. Neuwied wohnen, wurde ein Beschluß des Landgerichts Koblenz zu- Gericht erkannte die Berechtigung der erhobenen Widerllage in vollem Auch die konservative Presse hält es für gut, nunmehr von gestellt, daß sie auf Antrag der Staatsanwaltschaft außer Verfolgung Umfange an. Mit welchen Gefühlen der Kläger die Stätte seines Buttfamer abzurüden. Eine Zeitungsforrespondenz erzählt, daß gefeßt seien; einerseits sei nicht genügend erwiesen, daß fie von Triumphes verließ, fann man sich ausmalen. Er muß auch 10 m, es Herrn Buttkamer bis jetzt nicht gelungen sei, die gegen ihn Inhalt, Zweck und Tragweite des Flugblattes genügend unterrichtet Strafe blechen, eventuell 2 Tage brummen, und trägt die Hälfte erhobenen Anklagen zu entfräften. Im Gegenteil häufe sich gewesen seien, andererseits entspreche die Art der Verbreitung der Kosten. das Anklagematerial immer mehr. Es könne schon bon Haus zu Haus Es könne schon von Haus zu Hausdem§ 43 der Gewerbeordnung. Die Kosten jebt als sicher gelten, daß der Gouverneur von Kamerun nicht wieder fallen der Staatskasse zur Last. auf seinen Posten zurücfehren werde. Zu gleicher Zeit veröffentlichen mehrere reaktionäre Blätter eine Stelle aus der Beschwerdeschrift der Dualahäuptlinge, die sich mit dem bekannten Ankauf zweier eingeborener Mädchen be= schäftigt, die bereits mit zwei jungen eingeborenen Männern verlobt waren. Diese Mädchen wurden von den zwei höchsten Justiz beamten der Kolonie angekauft, nämlich dem Regierungsrat v. Brauchitsch und dem Oberrichter Dr. Meher. Nach der Angabe der Beschwerdeschrift seien die Mädchen dann von diesen Beamten geheiratet" worden. Gs versteht sich wohl von selbst, daß diese" Heirat" ohne geistliche und standesamtliche Mitwirkung erfolgt ist. Eine solche„ Rassenmantscherei", um diesen schönen allteutschen Ausdruck zu gebrauchen, ist nur im Konkubinat zulässig.Aus dem sächsischen Landtag. Ausland. Dänemark. Lohnherabsehungsvorschläge der Sozialdemokratie. Soziales. Ueber Versicherungsgesetzgebung und Heimarbeit sprach Reichstags- Abgeordneter Molkenbuhr am Freitag im Einigungssaal des Berliner Gewerbegerichts. Er führte aus: Nicht nur im wirtschaftlichen Leben sei die Heimarbeit das Aschenbrödel, Die Mehrheit des Foltethingsausschusses hat sich für die un- sondern sie werde auch als solches da behandelt, wo die überlegte veränderte Annahme der Regierungsvorschläge über die Zivilliste Hand der Gesetzgebung eingreife, Wohltaten zu erweisen. Und des Königs, die Apanagen usw. entschieden. Die sozialdemokra- zwar sei die Gesetzgebung noch zu einer Zeit an der Heimarbeit tischen Ausschußmitglieder Harald Jensen und Klausen vorbeigegangen, von der man nicht behaupten könnte, das Elend der schlagen dagegen gründliche Aenderungen vor. Sie wünschen, daß Heimarbeit sei unbekannt gewesen. Sie sei Wege gewandelt, welche das Gehalt des Königs statt auf 1 Million auf 120 000 kronen, die Unternehmer geradezu anregten, sich auf das Gebiet der Heimdieselbe Summe, die der König bisher als Kronprinz bezogen hat, arbeit zurückzuziehen. Eine Reihe Gesetzgeber seien von einem festgesetzt werde. Was er darüber hinaus an Repräsentations- falschen Grundsatz geleitet gewesen, indem sie sagten, an geldern nötig hat, soll unabhängig vom Gehalt alljährlich im Staats- der Schwelle der Familie müsse der Gesetzgeber Halt machen. Die budget festgesetzt werden. Die Apanage des Kronprinzen soll nach Produktion mache doch nicht halt vor der Schwelle der Familie. dem Vorschlage unserer Genossen statt auf 120 000 auf 48 000 m Gegenteil. Oft komme es vor, daß das Familienheim herausKronen festgesetzt werden, und die Witwengelder der Kronprinzessin gekehrt werde aus der Wohnung, die Wohnung in die Werkstatt vers statt auf 60 000 auf 24 000 kronen. Die" Nadelgelder" sollen fort- wandelt werde, und daß von einem Familienleben nicht mehr die fallen und von den 8 Schlössern und Palais, die der Regierungs- wolle, tönne bei der Heimarbeit mancherlei Ersparnisse machen, Rede sein könne. Der Unternehmer, der billig produzieren vorschlag dem Könige zur Verfügung stellt, sollen 4 für allgemeine unter anderem rechne er auch mit der Ersparung der VersicherungsStaatszwede reserviert werden. beiträge, die er sonst zahlen müsse. Wenn man hieran anknüpfen wolle, fo frage man sich zunächst, warum man die elendesten und schlechtgestelltesten aller Arbeiter Heimarbeiter sei ein Mittelding von Unternehmer und Arbeiter. allenthalben ausgeschlossen habe. Man sage, der und unsere Gewerbeordnung im Absatz 4 des§ 154 mache es ebenso, 10, indem sie sage, die Schutzbestimmungen finden nicht auf die Werkstätten Anwendung, wo der Arbeitgeber ausschließlich zu seiner Familie gehörende Personen beschäftige. Damit habe man eine Freistatt für allerlei Uebelstände geschaffen, wohin der schüßende * besseres zu tun hätten, als mit den bürgerlichen Parteien herumMan müßte meinen, daß Sozialdemokraten eigentlich etwas zuschachern, ob der König, der Kronprinz, die königliche Witwe usw. eine Million oder 120 000, 120 000 oder 48 000, 60 000 oder 24 000 Kronen, 8 oder 4 Schlösser erhalten sollen. Das bekannte Wort: Diesem Syſtem feinen Mann und keinen Groschen! scheint noch nicht bis nach Dänemark gedrungen zu sein. Australien. Hus der Partei. Maifeier. beschloß im Vorjahre, vom Festzug abzusehen. Der ungünstige Ausfall der vorjährigen Maifeier hat bekanntlich Debatten gezeitigt, in welchen auch der Abschaffung des Festzuges ein Teil der Schuld an dem mangelhaften Verlaufe zugeschoben worden war. Es wurde deshalb in diesem Jahre aus Parteifreisen heraus der Antrag gestellt, den festzug wieder einzuführen. Dieser Antrag wurde, wie uns unterm 23. Februar geschrieben wird, in der gestrigen Kartellfizung mit 12000 gegen 6000 Stimmen es wurde nach der Stärke der Gewerkschaften abgestimmt- angenommen. Beim Kapitel Seminare und Volksschulwesen traten Abg. Goldstein und der freisinnige Abg. Günther lebhaft für Besserstellung der Volksschullehrer, Zulassung zum Universitätsstudium, Beseitigung der geistlichen Schulaufsicht und Abschaffung In Stuttgart wird die Maifeier in diesem Jahre des Schulgeldes, Beseitigung bezw. Reform des Religionsunter- wieder in der früher üblichen Weise begangen werden. Es wurde richts usw. ein. Goldstein nagelte besonders fest, daß man in früher regelmäßig ein Fest zug abgehalten, dem auch von den BeSachsen fortwährend sozialdemokratische Gemeinderatsmitglieder hörden nichts in den Weg gelegt wurde. Das Gewerkschaftskartell aus Schulvorständen hinausmaßregelt oder von vornherein nicht bestätigt. Der Regierungsvertreter hatte darauf nur die ebenso sonderbare als bezeichnende Antwort, daß Leute, die, wie die Sozialdemokraten, von der Kirche nicht viel wissen wollen, selbst verständlich auch in den Schu I vorständen nichts zu suchen hätten. Im übrigen nahmen die Vertreter der Mehrheitsparteien und der Regierung den Anregungen gegenüber in der Hauptsache eine ablehnende Haltung ein. Nur für Aufbesserung der Lehrergehälter erwärmte man sich in ziemlich zweideutiger Weise. Die Zulassung zum Hochschulstudium in größerem Umfange würde zur Verschärfung des anhaltenden Lehrermangels führen, erklärte der Regierungsvertreter. Aber auf Förderung des Musikunterrichtes in den Seminaren legte er großen Wert, denn dem deutschen Volte dürfe der Ruhm nicht verlustig gehen, ein musikalisches Volt zu sein. Ein konservativer Abgeordneter„ konstatierte" ausdrücklich, daß im sächsischen Schulwesen eine„ rückläufige Bewegung" nicht vorhanden sei. Wenn ein konservativer Agrarier das sagt, muß es natürlich wahr sein. bildeten. Dresden, 22. Februar. Heute gab es Kirchen- und Schuldebatten in der zweiten Kammer. Zur Tages ordnung standen die fraglichen Kapitel des Etats( Schlußberatung). Für die Kirche und Besserstellung der Geistlichen gingen die Konservativen tüchtig ins Zeug. Die Herren wissen, warum. Der Abg. Opitz sprach es überdies wieder einmal sehr unzweideutig aus: die engen und naheliegenden Beziehungen" der Kirche zum Staat, die geistige und sittliche Erziehung des Volkes durch die Kirche erheische es, daß man ihr das größte Interesse entgegenbringe, fie fördere so viel wie nur möglich. Gerade in der gegenwärtigen Zeit müsse das hervorgehoben werden. Die Kirche werde jederzeit ein wichtiger Faktor im Staate sein, und man dürfe erwarten, daß sie ebenso freudig ihre Aufgaben(!) gegen den Staat erfülle, wie das um= gefehrt geschehe. Der sozialdemokratische Abg. Goldstein betonte demgegenüber durchaus sachlich den Standpunkt der Sozial- Die englischen Wahlen mit ihren Erfolgen für die Arbeiter- Arm des Gesetzes nicht reiche. Jene vielfach von Juristen fordemokratie, zugleich für Beseitigung des Pfründenwesens ein- partei haben, wie überall, so auch in Australien die Aufmerksamkeit mulierte falsche Auffassung vom Wesen des Heimarbeiters und der tretend. Seine Ausführungen gaben dem„ linksliberalen" Abg. Der Arbeiterfreise in hohem Maße erregt. Man beglückwünscht das Heimarbeit bringe uns der Frage näher, weshalb denn die HeimSchulze, Dresdener Handelskammer- Sekretär, Veranlassung, Mutterland England zu den Siegen der Arbeiter und hofft, daß arbeit so sehr außer Acht gelassen sei. Man habe nämlich mit der ganz unmotiviert in der häßlichsten Weise über Goldstein herzu- damit die Bahn geebnet ist für eine Arbeiterpolitik zum Segen des Arbeiterversicherung keineswegs von vornherein eine große Ver fallen. Der Mann wollte offenbar seine staatserhaltende Gesinnung Landes." The Worker" in Brisbane( Queensland) vergleicht die sicherung schaffen wollen für alle, die es nötig hätten, sondern die beweisen. In demonstrativer Weise trat er für sämtliche Kirchlichen Lage der Arbeiterpartei in Australien mit der in England und sagt, Arbeiterversicherung sei vielmehr aus der Entwickelung der GroßEinrichtungen in Bausch und Bogen ein." Unsere" Arbeiterschaft daß die Arbeiter in Australien durch ihre politische Vertretung industrie hervorgegangen. Man habe gewisse Erscheinungen bewürde es als eine Lücke empfinden", wenn unsere" Geistlichkeit bereits parlamentarische Majoritäten zustande bringen, aber der seitigen oder mildern wollen, die sich im Laufe der Zeit herausnicht so i de al veranlagt wäre, wie sie es sei. Goldstein blieb eine australische Arbeiter werde ebenso ausgebeutet und der Kapitaliſt Redner gab eine eingehende Darstellung verschiedener scharfe, wie eine Bombe einschlagende Antwort nicht schuldig, wobei herrsche durch die Macht des Kapitals ebenso unbeschränkt wie in Seiten der rapiden großindustriellen Entwidelung, namentlich feit er diese Gesellschaft natürlich erst recht munter machte. Es ging England. Der Grund liege darin, daß die australischen Arbeiter den siebenziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. So legte er dar, recht stürmisch her. Der durch seine Wut gegen die Sozialdemokratie es noch nicht verstehen, flassenbewußte Politik zu treiben wie durch das Entstehen neuer großer Industriezentren, die ihren bekannte konservative Abg. UII rich erklärte kurz und bündig, und die Macht in ihren Händen auszunüßen. Die Erfolge in Bedarf an Hülfskräften nicht selbst decken konnten, ein großer daß man die Geistlichkeit brauche und benute als Sturmbod England stärken das Selbstgefühl der Arbeiter auch in Australien. Zufluß aus anderen Gegenden notwendig geworden sei, wie die zugegen die Sozialdemokratie. Die Herren der be- Man wolle die Situation in England aufmerksam verfolgen und nehmende Intensität der Arbeit u. a. eine gesteigerte Krankheitsfizenden Klasse wissen eben zu genau, was sie an der heutigen hoffe, aus der Entwickelung der englischen Verhältnisse manche gute und Unfallgefahr hervorrief, wodurch die Fälle, wo die ArStaatskirche haben! Gegen Goldsteins Stimme wurde alles be- Lehre ziehen zu können. beiter der Armenpflege anheimfielen, ungemein willigt. Gegen nach ihrer eigenen Meinung überflüssiges zu vermehrt wurden, und wie gerade deshalb wegen unserer Unters stimmen wagten auch Freifinnige nicht. stübungs wohnsiz- Geseze allerlei Komplikationen ent standen. Allermeist seien die Arbeiter in dem Ort, wo sie erfrankten oder durch Unfall zu Schaden tamen, nicht unterstützungsberechtigt gewesen. Die fremde" Gemeinde( die Betriebsgemeinde) habe vorläufig eingreifen müssen. Je mehr die Gemeinden im Osten Nachricht erhielten, daß ihre Leute wo anders krank geworden oder verleßt wären oder invalide geworden seien und daß fie die aufgewandten Kosten erstatten oder die Zurüdfehrenden verpflegen müßten, um so mehr sei der Gedanke aufgetaucht, ob es nicht ginge, das Unterstützungswohnsitz- Gesetz zu den Betriebsort. Die Möglichkeit dafür sei aber nicht gegeben ändern und die Unterstüßungslast vom Heimatsort abzuwälzen auf gewesen, denn diese schnell aufblühenden und emporschießenden Industrieorte hätten meist selbst große Lasten schon an sich zu tragen. Es wäre ja bekannt, daß die Industriegemeinden in Rheinland- Westfalen ungemein verschuldet feien. Andererseits wäre es der Industrie auch nicht angenehm gewesen, wenn die Heimatorte ihnen die vorübergehend Unterstützungsbedürftigen auf die Dauer entzogen hätten, indem sie sie zurücktransportieren ließen, um sie Fortschung der Aufreizung. Wie die Elberfelder Freie Presse" in eigene Fürsorge zu nehmen. Andere Auswege hätten gesucht erfährt, hat der Staatsanwalt gegen das freisprechende Urteil im werden müssen. Das habe wesentlich beim Zustandekommen unserer Aufreizungsprozeß Revision angemeldet. Wenn diese Aktion straf- Bersicherungsgesetzgebung mitgewirkt. Im Anschluß hieran ent rechtlich auch erfolglos sein dürfte, die Wirkung, daß sie in der Be- warf Redner ein großzügiges Bild von der Entwickelung der Vervölkerung weiter anfreizend wirkt, kann man ihr nicht absprechen. ficherungsgesetzgebung selbst. Was nun die Beteiligung der Heim arbeit bei dieser Gesetzgebung angehe, so gebe das KrankenDemonstration gegen die neudeutsche Zoll- und Steuerpolitit. versicherungsgeset zwar die Möglichkeit der Ausdehnung In drei außerordentlich stark besuchten, gemeinsam vom sozialdemo- der Versicherung auf die Heimarbeiter durch Ortsstatut. Davon 1900 habe man tratischen Berein und vom Gewerkschaftskartell arrangierten Ver- sei aber nicht viel Gebrauch gemacht worden. fammlungen, in denen die Genossen Frohme, David und Stücklen dann dem Bundesrat das Recht eingeräumt, für gewisse ArbeitsArbeiterschaft. In allen Versammlungen gelangte diese Resolution Arbeiterinnen gewesen. Belanglos fei aber auch das geblieben. referierten, demonstrierte in wirkungsvoller Weise die Frankfurter zweige die Krankenversicherung auf die Heimarbeiter auszudehnen. Die Ursache sei der große Streit der Konfektionsarbeiter und zur Annahme: Das Unfallversicherungsgesetz lasse die Heimarbeit gänzlich beiseite. Das Alters- und Invalidenversicherungsgeset gebe auch nur dem Bundesrat das Recht, die Invalidenversicherung auf Heimarbeiter auszudehnen. Er könne dann auch die Hälfte der Beiträge dem Unternehmer auferlegen. Davon habe er aber nicht Gebrauch gemacht. Er habe lediglich 1891 die Invalidenversicherungspflicht auf die Heimarbeiter der Textilindustrie ausgedehnt. Schon die Ausstellung beweise, daß man dadurch nur einen ganz geringen Bruchteil der Masse der Heimarbeiter getroffen habe. Man sehe drei Gesetze vor sich, die eigentlich dieselbe Materie behandelten und doch in vielem sehr verschieden seien. Gleich feien sie darin, daß die allgemeine Versicherungspflicht der Heimarbeiter fehle. Bei 10 Millionen Versicherten feien in einem Jahre 4134 000 Stranfheitsfälle vorgekommen. 583 965 Unfälle fielen ebenfalls auf 1 Jahr, davon 137 000 fo schwere, daß sie eine längere Arbeitsunfähigkeit zur Folge hatten. Verschärft werden diese verderblichen Wirkungen noch, wenn 8752 hatten den Tod, 1600 dauernde und völlige Erwerbsunfähigkeit die Steuervorlagen, die gegenwärtig bem Reichstage vorliegen, zur Folge. 140 922 Invalidenrenten mußten in einem Jahre gezahlt Gesetz werden. Denn mit Ausnahme der Erbschaftssteuer- werden. Gegenüber diesen Zeichen von Not und Krankheit frage man vorlage gehen diefelben wiederum darauf hinaus, blühende Industriezweige, wie die Brauerei und Tabakindustrie, aufs sich: Bedürfe denn der Heimarbeiter weniger der schwerste zu schädigen und viele Tausende von Arbeitern in Versicherung als der Fabritarbeiter? Wenn man denselben brotlos zu machen oder, wie die Fahrkarten- und von dem Gesichtspunkte ausgehe, daß die Versicherung dem Interesse Quittungssteuervorlage, eine Erschtverung und Berteuerung des der Arbeiter dienen sollte, die allen den Gefahren ausgesetzt seien Verkehrs herbeizuführen, die in erster Linie wieder die un- und die die Last nicht für sich allein tragen fönnten, so daß eine bemittelten Klassen treffen. Gegen die Milch und Fleischproduzenten richtet Abwälzung auf breitere Schichten eintreten müsse, dann seien die sich das Vorgehen des Konsumvereins in Tuttlingen, einem Die Versammelten protestieren gegen eine solche Politit Heimarbeiter nicht allein ebenso der Versicherung benötigt, wie die industriell hochentwickelten Ort mit zirka 14 000 Einwohnern. Ein schwerster Schädigung und Benachteiligung der arbeitenden anderen, sondern noch mehr. Man sehe aber an der ganzen EntAufschlag des Milchpreises war dort angekündigt, der den Konsus Klaffen und verlangen nachdrücklich, daß, wenn das Reich neue wickelung, daß auf die Arbeiter selbst am wenigsten Rücksicht geEinnahmen für seine Welt- und Kolonialpolitik braucht, sie die nommen sei, denn sonst hätte man bei den Heimarbeitern gründlich menten der Stadt ungerechtfertigt erschien. Eine außerordentlich besitzenden Klassen aufbringen müssen, welche eine solche Politit, eingreifen müssen. Die Krankheitsgefahr fei wohl sicher bei den start besuchte Versammlung des Konsumvereins beauftragte daher als in ihrem Klaffenintereffe liegend, unterstüßen. Diese Ein- Heimarbeitern größer, wie beim Fabritarbeiter. Staub, Dunst, den Vorstand vor furzem, ein größeres landwirtschaft= liches Anwesen anzukaufen. Auf diesem soll die Pronahmen müssen durch die Einführung einer Reichseinkommen Gintvirtung giftiger Stoffe, je nach der Arbeit, habe der Heimduktion von Milch und Fleisch nebst allen Nebenprodukten im Interund Vermögenssteuer neben der Reichserbschaftssteuer aufgebracht arbeiter gleich in seiner Wohnung, die ja der Arbeitsraum sei, und werden. effe der organisierten Konsumenten selbst in die Hand genommen zwar werde die ganze Familie mitbetroffen, so daß hier die Vers werden. Wenn der Geschäftsbetrieb fachkundig geleitet wird, was sicherungspflicht gleich die Familienversicherung mit umfassen müßte. Ueber die traurigen Ernährungsverhältnisse mit ihrer Wirkung auf in diesem Falle zu erhoffen ist, können die Betriebsergebnisse, die das Bürgertum? Es winselt und schreit: Hurra, hurra, Hurra! Rentabilitätsberechnung und das für die Konsumenten herausden Organismus sei auch schon genug geredet worden, ebenso über Betrübt zog er vondannen. Die Redaktion der Sonneberger den Einfluß der unendlich ausgedehnten Arbeitszeit des Heim. kommende Erdergebnis von großem, allgemeinem Interesse Beitung" in Saalfeld gab wiederholt Broben ihrer Vornehmheit und arbeiters. Genau so dringend geboten, wie die allgemeine KrankenOrdnungstreue durch wüste Ausfälle auf die Partei und ihre Organe versicherungspflicht für die Heimarbeiter, wäre für sie die Ver Das Ende einer Staatsaktion. Wegen Berbreitung des Wahl- allen, die aus seinem Born feufche germanische Tugenden fennen ficherungspflicht gegen Unfallschäden, wenn auch nicht die sensation= rechtsflugblattes hatte die Staatsanwaltschaft in Koblenz gegen lernen, fund und zu wissen. Als unser Genosse Zorn im Gaal- erregenden Unfälle vorfämen, wie im Bergbau, bei der Seeschiff36 Parteigenossen des dortigen Bezirks das Ermittelungsverfahren felder Volksblatt" den Helden gelegentlich mal eins auf das faubere fahrt usw. Betriebsunfälle gäbe es bei der Heimarbeit genug, wegen Vergehens gegen§ 130( Aufreizung zu Gewalttätigkeiten) Mündchen gab, lief man zum tadi. Und man hatte Erfolg. Weil namentlich wenn man den Begriff des Unfalls nicht so eng auf. und§ 131( Verächtlichmachung), sowie gegen§§ 10 und 41 des unser Genosse mit einem kleinen Stich in die Nuance des Ordnungs- faffe, wie es häufig entgegen dem Geist des Gesezes geschehe. Die Breßgefezes eingeleitet. Sie will sich aber jetzt mit zwei Opfern blattes geantwortet hatte, wurde er aus formalen Gründen zu Invalidenversicherungspflicht für die Heimarbeiter wäre um so begnügen, die" nur" wegen des§ 130 unter Anklage gestellt 10 M. Geldstrafe verurteilt. Er hatte aber dem Gericht Gelegenheit dringender, da ja die Invalidität eine lange ausgedehnte Krankheit worden find. Den übrigen 34, bon denen 20 in Streuznach, gegeben, sich aus 21 Nummern der Sonneberger Zeitung" ein Urteil fei. Man sollte nicht mehr davon reden, daß der Heimarbeiter 9 in Oberstein, 2 in Kirn und je einer in Koblenz, Neuenahr und über den Ton und die Qualität des Blattes zu bilden. Und das ein Mittelding awischen Unternehmer und Arbeiter sei. Sehr leicht Mittelstandsbewegung und Konsumenteninteresse. Stuttgart, 23. Februar.( Eig. Ber.) In einer Reihe Konflikten zwischen den enragierten Vertretern der besonderen Hand von württembergischen Städten ist es in letzter Zeit zu heftigen iverferinteressen und der in den Konsumvereinen organisierten Masse der Verbraucher gekommen. Besonders die Zunft der Metzger ist darauf aus, sich den Konsumenten gegenüber eine möglichst schrankenlose Monopolstellung zu wahren und auf solche Art jeder Beeinträchtigung ihres Profits vorzubeugen. Auf seinen Höhepunkt ist dieser wirtschaftliche Kampf augenblicklich in Gmünd angelangt. Die dortige Metzgergenossenschaft nahm plötzlich in ihre Statuten eine Bestimmung auf, wonach es den Mitgliedern verboten ist, in Zukunft noch Lieferant des Konsumvereins zu sein. Da nun ferner die Metzgergenossenschaft im Besitz des Schlachthauses ist, ftand eine Monopolisierung der Fleischversorgung für die gesamte Bevölkerung durch die Genossenschaft bevor, denn diese setzte zugleich fest, daß Nichtmitglieder, welche das Schlachthaus be= ruben, um bis zu 400 Pro 3. höhere Schlachtgebühren bezahlen sollten! Dagegen lehnte sich fast die gesamte Bevölkerung auf. Von den 3800 selbständigen Haushaltungen der Stadt unterzeichneten 3500 eine Protesteingabe gegen dieses Vorgehen und so hatte man sich gestern auf dem Gmünder Nathause mit der Angelegenheit zu befassen. Die bürgerlichen Kollegien zeigten sich dem übermütigen Egoismus der Meßger gegenüber nicht so gefällig, ale diese wohl erwartet hatten, denn sie nahmen eine Neurege= Iung der Schlachthausgebühren für Nichtmit= glieder der Genossenschaft bor, in welcher festgesetzt wurde, daß Nichtmitglieder den 1½fachen Betrag des Satzes für Mitglieder zu zahlen haben. Damit sind die Herrschaftsgelüfte der Metzgergenossenschaft vorläufig abgeschlagen. werden. Die Versammlung verurteilt auf das entschiedenste eine Bollpolitik, die nach dem Ausspruch des Reichskanzlers vom 1. Februar 1905 im Reichstage darauf gerichtet ist, die industrielle Entwickelung Deutschlands zu hemmen. Dieser Zweck soll besonders durch die am 1. März d. J. in Kraft tretenden Handelsverträge auf Kosten der Industrie und des Handels und insbesondere der in Industrie, Handel und Verkehr beschäftigten Arbeiter erreicht werden, eine Zollpolitik, die zugleich eine weitere Bereicherung der Großindustriellen, der Junker und Agrarier bedeutet. Die hierdurch herbeigeführte abermalige Verteuerung der notwendigsten Lebensmittel tritt zudem in einem Augenblick ein, in welchem voraussichtlich auch eine größere Arbeislosigkeit entsteht als Folge der durch die neue Boйpolitik erschwerten Ausfuhr von Industrieerzeugnissen. So tritt die Arbeiterschaft für Kultur und Fortschritt ein. Und ließe sich beweisen, daß Heimarbeiter wirkliche Arbeiter wären. Für die Unfall-, Kranken- und Invalidenversicherung sollte maß- gebend sein der Gedanke, daß Krankheit, Unfall und Invalidität möglichst bekämpft werden sollten und daß. wo sie unter Mcilschcii aufträten, die ihrer wirtschaftlichen Lage nach die Kosten nicht selbst decken könnten, diese auf breitere Schichten abgewälzt, also durch Versicherung aufgebracht wixrdem Auf dem Gebiete der Unfall- Versicherung sei man auf die Verhütung von Unfällen ausgegangen, indem man sich sage, die Verhütung werde bielfach billiger als e Renten. Von der Krankheit und Invalidität könnte man das gleiche sagen,. Würde man mit der Versicherung gegen Krankheit und In- Validität Vorschriften zur Verhütung von Krankheit und In- Validität verbinden und die derartig ausgestaltete Versicherung auf alle Arbeiter ausdehnen, dann würde dem größten Teil der Heimarbeit der Todesstoß versetzt werden. Redner verweist darauf, daß die erste Vorlage zum Jnvalidenversicherungsgesetz solche Mög- lichkeit zur Vorbeugung habe schaffen wollen, daß die Bestimmung herausgefallen sei und der Versuch der Sozialdemokraten, sie wieder hineinzübrüigen, gescheitert wäre an dem berühmten Grundsatz mancher Leute, die Gesetzgebung dürfte nicht in die Verhältnisse der Familie eindringen. Er meine, wo die Gesundheit geschützt werden solle, da müsse allein der Schutz der Gesundheit maßgebend sein. — Nachdem Redner einige Ausführungen zu den? Plan einer Waisen- und Witwenversicherung gemacht hatte, schloß er: Je weiter das VersicherungLtvcsen> sonst ausgedehnt und verbessert werde, je größer sei das Unrecht, das man den Heimarbeitern zu- füge, indem man sie ausschließe. Msin höre öfter, die Schlvachen sollten entlastet und geschützt werden.' Nun, Schwächere könne man nicht haben, als es die Hciinarbcitcr seien. Eswärediehöchste Zeit, das Unrecht dieser Aermsten der Armen zu beseitigen. Das„Wie?" der Ausführung zu finden, würde nicht schwer halten, wenn man nur erst wolle. Neuerdings spreche inan viel davon, zu helfen; aber es würde lange dauern, ehe es dazu komme, wenn nicht von allen Seiten dazu gddrängt werde. Säuglingssterblichkeit, Armenpflege und Novelle zum Untcrstübungs- wohnsttz-Gcsetz. Für mittellose Säuglinge sollen gesetzlich die Gemeinden ein- treten. Die kleinen Gemeinden scheuen diese Kosten in erklärlicher Weise und suchen dieser Pflicht auszuweichen. Daß hierdurch die EntWickelung der Säuglinge, ja oft ihr Leben gefährdet wird, ist klar, doch noch mehr; aus Furcht vor künftigen Lasten sucht man Säuglinge, die von ihren Müttern bei Bekannten in der Gemeinde untergebracht werden, möglichst zu vertreiben, weil sie vielleicht möglicherweise einmal arm werden könnten. So werden die un, erfahrenen Mütter gezwungen, ihre Kinder aus guten Pflegestellen wegzunehmen: ein solcher Pflegcwechsel, besonders im Sommer bei Säuglingen, kann aber von, verhängnisvoller Bedeutung sein. Im Jahrbuch der Fürsorge, herausgegeben von der Zentrale für private Fürsorge in Frankfurt a. M., werden jetzt als Beispiele solcher Gefährdung von Säuglingen durch das Verhalten dieser Be- Hörden drei Fälle angeführt, zu denen die ausführlichen Akten ab- gedruckt sind. Wir bringen von diesen einige Beispiele. Ein Bürgermeister bedrohte eine Mutter, die ganz regelmäßig ihr Pflegegeld zahlte, mit Ausweisung ihres Kindes, um sie so, ohne irgend einen rechtlichen Grund, zu zwingen, ihm 2000 M. Kaution zu stellen. Ein anderer verweigerte den Pflege. eitern die polizeiliche Erlaubnis zum Halten eines Pflegekindes, bis sie sich schriftlich verpflichteten, nötigenfalls die öffentliche Unter. stützung für das Kind aus ihrer Tasche zu bestreiten. Als das Kind nach längerer Zeit bedürftig ward, verweigerte er tatsächlich die U n t e r st ü tz u n g, bis er dazu gezwungen wurde. Wie ge- fährlich aber der heutige Zustand des Armenwesens ist, geht noch mehr aus den Atten eines dritten« Falles hervor. Einem Säugling von 6 Monaten, den die Pflegeeltern nicht ohne Entgelt behalten konnten und dessen Mutter arm war, wurde von der Ortsbehörde die Armenuntcrstützung verweigert und das Kind seinem Schicksal überlassen. Der Vormund beschwerte sich dagegen beim KreisauS- schuß. Dieser wollte zunächsti gar nicht eingreifen, weil der Be- dürftige leinen Antrag auf Armenhülfe gestellt habe— sage und schreibe, weil das halbjährige Kind keinen Antrag gestellt habe! Dieser behördliche, natürlich ganz ungesetzliche Einwand war nicht zu halten. Nach längerem Zögern fiel sclv l gar keine Entscheidung, weil die ganz unbeteiligte Armenverwaltung einer benachbarten Stadt sich des armen Wesens angenommen hatte. Nicht das ist so seltsam, daß derartige Zustände sehr häufig in unserem Staate vorkonimen, sondern daß sie seit Jahrzehnten von berufenster Seite öffentlich bloßgestellt werden, ohne daß irgend etwas zur Besserung geschieht. Die selbständigen Gutsbezirke müssen aufgehoben, den kleinen unfähigen Gemeinden muß die Armenpflege genommen und größeren Verbänden übergeben werden. In manchen kleinen Staaten ist das schon der Fall. In den großen bleibt aber alles beim Bösen. Von Reichs wegen sollte behufs sachgemäßer Ausführung des Unterstützungswohnsitz-Gesetzes den Staaten zur Pflicht gemacht werden, für eine Armenversorgung hülfsbedürftiger Säuglinge größere Armcnverbände zu bilden. Während der Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit so viel Teilnehmer findet, geht merk- würdigerweise die Novelle zum Unter st ützungswohn. sitz-Gesetz an dieser Frage ganz vorbei. Wird es im Reichstag gelingen, die hier dringende Ergänzung durchzusetzen? Klus Incluftrie und ftandd. Die Monopolisten marschieren! Die schon mehrfach erwähnten Monopolbestrebungen der StinneS und Thyssen, deren Plan dahin zielt, das ganze rheinisch-westfälische Industriegebiet von Düsseldorf bis Hamm mit elektrischer Energie zu versorgen. daS heißt all« Kommunen, Straßenbahnen, industriellen Unternehmen usw., soweit überhaupt Abnehmer elektrischer Kraft in Betracht kommen, von sich abhängig zu machen, sind auch von der Seite interessant, als sich im Verlaufe des entbrannten Kampfes zeigt, daß die Behörden usw. gegen das planmäßig vorgehende Kapital ziemlich ohnmächtig sind. Zunächst kam unter Leitung deS Landrats Gerstein eine Bewegung in Gang, die zur Durchkreuzung der Monopolpläne das Ziel im Auge hatte, ein großes kommunales Elektrizitätswerk für die Kreise Bockum. Gelsen- kirchcn, Dortmund. Hörde, Witten zu gründen. Der Plan fiel ins Wasser, weil die Monopolisten es verstanden, mit verschiedenen in Betracht kommenden Gemeinden und Industriellen auf Grundlage eines günstigen Angebotes Verträge abzuschließen. Auch in Düsiel» darf bekam man Angst vor StinneS und Thyssen. jedoch ehe man irgend welche Vorkehrungen getroffen hatte, uin deren Pläne zu durchkreuzen, wurde man überrascht durch die Nachricht: die Monopolisten haben die elektrische Bahn Duis- bürg— Kaiserlverth gekaust und sich durch Uebernahme von 15 Millionen Mark Aktien der rheinischen Bahngesellschaft Einfluß auf dieses Unternehmen gesichert. Nachdem von der Gegenseite die Gründung des geplanten großen Kommunalwerkes hintertrieben worden war, schränkte Landrat Gerstein sein Projekt insofern ein, daß er die Guinduug eines Werkes propagierte, das nur noch die Kreise Bochum, Gelsenkirchen und teilweise Recklinghausen mit elektrischer Kraft versorgen soll. Während man i» heißem Be- mühen, angeblich unter Assistenz der Regierung, das Projekt erörtert. bringen die Monopolisten die Bochum-Gelsenkirchenrr Straßenbahn unter ihre Kontrolle. Ob nun der Plan GersteinS nv'ch Aussicht auf Erfolg hat. erscheint fraglich; daS Zustandekommen des Monopols rückt in greifbare Nähe. Scheckverkehr. Man schreibt unS: Die jüngst veröffentlichten Umsätze unserer Clearinghäuser(Abrechnungsstellen) haben uns den Unterschied im Abrechnungsverkehr, der zwischen uns und an- deren, mit uns auf gleicher wirtschaftlicher Stufe stehenden Ländern besteht, so recht vor Augen geführt. Während unsere 1�' Clearing. Hausstädte im Jahre 10OS zusammen durchschnittlich tätlich 122,3 Millionen Mark abrechneten, kamen lSOö in New Dt'rk allein täglich 1277 Millionen Mark, in London 820 Millionen llllark zur Abrechnung: zu bemerken ist dabei, daß das Jahr lSOa für Teutschland Relordjahr ist. Die Reihenfolge der dem Clearingverkehr beiget ratenen Städte, der Höhe des Umsatzes nach geordnet, ist folgende: Hamburg, Berlin, Frankfurt a. M.. Dresden. Köln, Chemnitz, Leipzig, Bremen, Breslau, Stuttgart. Elberfeld, Dortmmiw. '.Dieser ganz enorme Zahlenunterschied im Abrechnungs- verkehr ist vor allem darauf zurückzuführen, daß unsere Geschäfts- weit zum. großen Teile dem Scheck pessimistisch gegenübersteht, lvährend»rnrn in England und Amerika diesen schon längst als bequemstes Zahlungsmittel erkannt hat. Gerade in letzter Zeit sind so verschiedene Vorschläge zur Reorganisation des Scheck- Verkehrs gemacht worden, die aber meistens keine Besserung vcr- sprachen, sondern teilweise sogar Vorteile des Schecks ganz illusorisch machten. Der Scheck muß ein bequemes, leicht in bares Geld umzusetzendes Zahlungsmittel sein, und zugleich den Vorteil haben, dem Geschäftsmann eventuell durch einige Tage Umlaufszeit einen kleinen Zinsgetoinn zu verschaffen. Nun ist vielfach Klage geführt worden, daß man nicht gleich über den Betrag verfügen könne, wenn der Scheck auf einen anderen Platz lautet, oder aber, daß beim Einzug Kvsten entstehen. Auch hierin würde eine allgemeine Einführung des Schecks Aenderung verschaffen. Je mehr sich der Verkehr vergrößert, um so mehr müßten und würden die Banken für ZahlungSstellen ihrer Schecks— selbstverständlich mit kostenloser Einlösung— SoiPe tragen. Der Geschäftsmann reicht dann täglich Schecks zum Inkasso ein und bekommt täglich früher eingereichte gutgeschrieben, so daß, wenn der Betrieb erst in vollem Gange ist, er täglich über Beträge aus Schecks verfügen kann. Das Uebel ist hierbei auch nur die Einführungsperiode, und Neuerungen steht man ja bei uns innner etwas skeptisch gegenüber, auch wenn diese Neuerungen wirkliche Erleichterungen sind. Hat sich der Scheck erst einmal, wie in England, wo man sogar seine Schuster- und Schneiderrcchnungen mit Schecks bezahlt, allgemein eingeführt, wird man ihn auch bald zu schätzen verstehen. Außerdem würde ein Emporblühen des Scheckverkehrs indirekt zur Hebung des Goldbestandes der Reichsbank beitragen und in- sofern von allgemeiner wirtschaftlicher Bedeutung sein. Keine Leistung, hohe Bezüge. In einer Sitzung des Vereins fiir Versicherungswissenschaft, die am 21. Februar im Abgeordnetenhause tagte, referierte Professor Dr. Warschauer über Aussichtsrats- wesen. Er führte u. a. aus:„Es sei ganz unmöglich, geschäftliche Unternehmungen, wie z. B. die Berliner Großbanken, nachzu- revidieren, auch vermag der Kontrolleur nicht, in den Geist solcher Unternehmungen einzudringen. Und wenn die Mög- lichkeit selbst gegeben wäre,' dann hätte der Aufsichtsrat nichts anderes zu tun, als auf jeden eigenen Berns Verzicht zu leisten. Was der Gesetzgeber in wohlwollender Absicht erreichen wollte, nämlich eine Konlrollbehörde zum Schutze der Aktionäre schaffen, bezw. dem Aktionär eine zweite Instanz seines Sicherheits- bewußtseins zu geben,, ist nicht erreicht worden."— Also eine Aufsicht bei einer großen Bank absorbierte, wenn sie ordnungsgemäß sein soll, eine volle Arbeitskraft. Es gibt aber Leute, die bei 30 und mehr Gesellschaften nebenamtlich Aufsicht markieren und dafür Riesensummen beziehen._ Gewerk fcbaftUcbcs. Berlin una Umgegend. Demonstration der Droschkenführer. Der Verein der Droschkenführcr Berlins beruft zum Montag- vormittag nach der Neuen Welt eine große Protestversamm- l u ng. Es handelt sich um eine Demonstration gegen die Polizei- Verordnung, welche den Potsdamerplatz für Droschken sperrt, sowie gegen die Innung der Fuhrwerksbesitzer, die in dieser Angelegenheit mit den Kutschern zusammengehen wollten, dann aber vor energischen Maßnahmen zurückschreckten. Geplant war seinerzeit ein gemein- sames Vorgehen derart, daß. falls die bezeichnete Polizeiverordnung nicht zurückgezogen wird, der gesamte Droschkenbetrieb in Berlin ruhen solle. Die Fuhrherren haben sich, wie gesagt, vor dem Kampfe zurückgezogen, obgleich die Voraussetzung desselben gegeben war. Jetzt werden die Droschkenführer den geplanten Kampf allein auf- nehmen. In dem Flugblatt, ivelches zur Versammlung einladet. heißt eS: Pflicht eines jeden Kollegen ist es, dafür zu sorgen, daß am Montag, den 26. Februar» von vormittags Iv Uhr bis zum 27. Fe- bruar, vormittags 16 Uhr» also 24 Stunden, keine Droschke i» den Straßen Berlins im Betrieb ist. Der Zeitpunkt ist für die Demonstration gut gewählt. Am Mon- tag beginnen nämlich die Hochzeitsfeierlichkeiten am Hofe, eine Ge- legenheit, bei der sich ein Streik der Droschkenführer recht fühlbar machen würde._ Zur Maßregelung der Straßenbahner macht ein Berichterstatter, der zur Straßenbahndirektion enge Be- ziehungen hat, der Presse Mitteilungen über die Verhandlungen, welche die Kommission der Angestellten am Sonnabend mit der Direktion hatte. Danach ist in der dreistündigen Unterredung nichts herausgekommen. Die Direktoren haben ihre Behauptung wieder- holt, daß die Gemaßregelten nicht wegen ihrer Zugehörigkeit zum Verbände, sondern wegen„beständiger Hetzereien" entlassen worden seien. Selbst wenn das allgemeine Verhalten der betreffenden nicht Grund genug zur Entlassung wäre, so wäre ihr Verbleiben im Dienst vollständig ausgeschlossen, nachdem sie einen Aufruf unter- zeichnet hätten, in dem die Direktion eine Reihe gehässiger Angriffe gegen die Verwaltung der Straßenbahn gefunden haben will. Bon einer Wiedereinstellung der Gemaßregelten könne keine Rede sein. So der Berichterstatter der Straßenbahndirektion. Da uns die Nachricht zu vorgerückter Abendstunde zugeht, können wir nicht mehr prüfen, ob sie den Inhalt der Unterredung zutreffend wiedergibt. Wir verweisen deshalb auf die Versammlung der Straßenbahner, die Montagabend stattfindet, um den Bericht der Kommission ent- gegenzunehmen._ Aussperrung in der Damenkonfektion. Bei dem Schneider- mcister Lösch, Landsbergcrstr. 113, sind Sonnabendabend samt- liche Arbeiter und Arbeiterinnen entlasten worden. Bekanntlich be- absichtigen die Arbeiter der Musterbranche nächstens in eine Lohn- bewcgung einzutreten. Es scheint, daß diese Aussperrung ein von den Unternehmern ins Werk gesetztes Vorspiel zu der Lohn- betvcgung ist. Kleber. Die vom Unternehmer Stendler, Katzbachstr. 3. auszuführenden Bauten: Katzbachstr. 19 und 21, sowie Prinz- regentenstr. 6 sind gesperrt. Die Achtzehner-Kommission. Die Lohnverhältniffe der städtischen Park- und Gartenarbeitcr sollen bekanntlich neu geregelt werden. Um den betreffenden Ar- beitern selbst Gelegenheit zu geben, zu der vom Magistrat geplanten Neuregelung Stellung zu nehmen, beruft der Allgemeine deutsche Gärtnerverein zum Dienstag, den 27. d. M., ein« öffentliche Ver- sammlung aller in städtischen Betrieben beschäftigten Gärtner und Gartenarbeiter nach den Arminhallen, Kommandantenstr. 20, ein. Aussperrung in AdlerShof. In der chemischen Fabrik von Kahlbaum in Adlershof haben sämtliche Arbeiter— es sind mehrere hundert— am Sonnabendabent» ihre Entlassung erhalten, weit die Fabrikleitung die Forderung einer Lohnerhöhung, welche die Arbeiter gestellt hatten, für unannehmbar erklärt. Also das brutalste Kampfmittel der Unternehmer, die allgemeine Aussperrung. als Antwort auf eine Forderung der Arbeiter, die noch gar nicht einmal an Streik dachten. Die Schneider Charlottenburgs, die sich in einer Lohnbewegung befinden, haben am Sonnabend ihren Arbesigebern die Forderungen eingereicht und erwarten bis zum 4. März Antwort. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Lohnkommisjion. Ter Ausstand in den Brennabor-Fahrradwerke« von Gebr. Reichstein in Brandenburg währt jetzt schon drei Wochen, ohne daß eine nennenswerte Aenderung eingetreten wäre. Eine Bekannt- machung, welche die Firma lürzlich erließ, um die Arbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen, hatte keinen Erfolg. Die Firma bemüht sich fortgesetzt. Arbeitswillige zu erhalten, aber auch diese Bemühungen sind erfolglos. Selbst in Berliner Herbergen läßt die Firma Reichstein Arbeitswillige für ihren Betrieb werben, aber auch an desen Stätten wird dafür gesorgt, daß die Arbeit- suchenden von Slreikbrecherdiensten zurückgehalten werden. Deutldie» Reitfi. Verleumdung streikender Arbeiter. Die bürgerliche Presse weiß bekanntlich bei jedem Streik allerlei Schauergeschichten von den Streikenden zu erzählen. Einen Beitrag zur Naturgeschichle solcher Schwindeleien lieferte eine Verhandlung vor dem Schöffengericht Kulmbach. Als im vergangenen Herbst dortsclbst die Böttcher streikten, hieß es plötzlich, die Streikenden hätten die Absicht, die Büttners che Faßsabrik anzu- zünden. Das Gerücht ging auch in die Presse über und führte dazu, daß sogar polizeiliche Recherchen eingeleitet wurden. Einer der Streikenden namens Betz wurde auf der Polizei verhört. Er erfuhr dann, daß dieses Gerücht von dem Plüschwcber Schübe! ausgegangen war, der dafür von dem Faßfabrikanten Büttner einen Taler und einige Zigarren bekommen hatte. Betz stellte Beleidigungsklage. Schübel wollte in der Ver. Handlung leugnen, wurde aber als Urheber überführt. Nur mit Rucksicht auf die persönlichen Verhältnisse nahm der Kläger den angebotenen Vergleich an, wonach jener die Behauptungen mit tiefem Bedauern zurücknimmt, alle Kosten trägt und 10 M. in die Streikkasse der Böttcher bezahlt. Aehnlichen Ursprung haben viele andere Räubergeschichten, die über kämpfende Arbeiter in die Welt gesetzt werden._ Auf den Deutschen Glaswerken in Jchendorf(Bez. Köln) be- finden sich die Glasmacher wegen Maßregelung von Verbandsmit- gliedern in Ausstand. Die„christlich" Organisierten verüben Streikbruch. Die Betriebsleitung gibt sich die größte Mühe, Arbeitswillige heranguziehen. Durch einen„Ehrist- lichen" ließ der Betriebsleiter einem Glasmacher in Kvln-Ehrcn- feld ein Schreiben bringen, worin er schrieb, er werde ihn selber in eigener Person„mit einem Gendarmen am Bahnhof erwarten, um eventuell beim Anhalten der von uns entlassenen Glasmacher zu intervenieren". Der Herr Direktor zeichnet„mit freundlichem Gruße achtungsvoll". Diese Leutseligkeit, die dem Herrn sonst nicht eigen ist, zeugt von der Verlegenheit, in der er sich befindet. DaS Liebeswerben war aber vergebens, und so erschienen Direktor und Gendarm umsonst am Bahnhof. 3u«i»»a. Dockarbciterstreik in Amsterdam. Im Hafen von Amsterdam. entwickelt sich eine Bewegung, die leicht zu einem allgemeinen Aus- stand der Dock- und Hafenarbeiter führen kann. Seit dem Aus- stand von 1903, aus dem sich der niederländische Generalstreit ent, wickelte, streben die Dock- und Hafenarbeiter vergebens nach An- erkennung ihrer Organisation� In letzter Zeit gaben die Arbeits» Verhältnisse im Hafen wieder Veranlassung zu mancherlei Be- schwerden. Aber alle Vermittelnngsversuche der Arbciterorganisa» tion wurden zurückgewiesen. Die Unternehmer versuchen nun, Arbeitsburschen in die Kolonnen der alten Arbeiter einzuschieben. Dagegen hat am 15. Februar eine Versammlung der Dock- und Hafenarbeiter einstimmig beschlossen, bei allen Unternehmern, die diesen Versuch machen, die Arbeit nieder zu legen. Däs ist bereits auf mehreren Plätzen geschehen, und der Streik wird sich, wenn die Unternehmer nicht nachgeben, wohl auf den ganzen Hafen aus- dehnen. Ein christliches Urteil über holländische Streikbrecher. Das holländische katholische Blatt„Huisgezin"(„Familie") schreibt: „Wir haben lürzlich den Vorzug genossen, mit einer Karawane nord- brabanter Arbeiter von Benlo nach Düsseldorf zu reisen. Es waren größtenteils Maurer und Bauhülfsarbeiter, die in Düsseldorf, wo ein Streik ausgebrochen war, Streikbrecherdienst verrichten wollten. Es machte den allertraurigstcn Eindruck, diese Menschen anzusehen und ihnen zuzuhören. Sie hatten offenbar ihren halben Hausrat mitgenommen, denn alle hatten große Packen auf dem Rücken. Die jungen Kerle wie die älteren waren total be, trunken. Und an der Grenzstation zu jlaltenkirchen, wo sie vor jedermann beteuerten, daß sie aus Holland kamen, hatten die Beamten schon ihre Not mit ihnen. Wir sahew dort einen Trupp dieser Leute um einen Polizeibcamten geschart. Und die erste und vornehmste Frage, die der Trupp an den Beamten richtete, war: ob sie auf der Station Kaltenkirchen auch Schnaps kriegen könnten.—„Die dummen Holländer" seufzte der Polizeibeamte. Und der deutsche Diener der Hermandad hatte recht, denn auch wir mußten erkennen, daß unsere holländischen Jungens hier wohl eine miserable Rolle spielten." Dies« armen verkommenen Menschen stammten aus einer Gegend Hollands, wo die katholische Geistlichkeit mit ganz besonderem Eifer für die„sittlich-religiöse" Erziehung des Polles sorgt und wo demgemäß nicht nur Streikbrecher, sondern auch Verbrecher besonders gut gedeihen. Letzte Nachrichten und Depefchen» Ein treffliches Gemeinde-Oberhaupt. Plauen(Vogtland), 24. Februar.(B. H.) Der ehemalige Gemeindevorsteher Guncchtel aus Morgenröte-Rautcnkranz wurde vom Schwurgericht wegen Unterschlagung von Gemeindegelder» iu Höhe von 14 000 M. zu zwei Jahren zwei Monaten Gefängnis ver- urteilt. Ein lahmer Protest. Budapest, 24. Februar.(W. T. B.) In der heutigen General- Versammlung der Stadtrepräsentanz verlas der königliche Kommissar Rndnay sein Ernennungsschreiben. Hierauf wurde ein von dem früheren Oberbürgenneister Markus gestellter Antrag, in dem gegen die Entsendung des königlichen Kommissars protcstrert wurde, ein» stimmig angenommen._ Eine indiskrete Frage. Stockholm. 24. Februar.(W. T. B.) In der Zweiten Kammer hat der Abgeordnete Kjcllin folgende Interpellation an den Minister des Aeußeren angekündigt: Gibt es in der Stellung unseres Landes zu den fremden Möchten irgend eine Abmachung oder ein anderes Hindernis solcher Natur, daß dadurch Schwedens Freiheit, Export- zoll aus sein Eisenerz zu legen, beschränkt werden könnte? Koloniale Unruhen. Amsterdam, 24. Februar.(W. T. B.) Wie den Blättern ans Batavia gemeldet wird, überfielen eine Anzahl Altchinesen eine niederländische Patrouille in ihrem Biwak, ein Leutnant fiel, flebcn Soldaten wurden verwundet. Die Duma-Wahlen. Petersburg, 24. Februar.(Meldung der„Petersburger Tele- >rk>Phen-Agentur".) Eine Zirkulardepesche des Ministers des tnnern ermächtigt die Gouverneure bekanntzugeben, daß mit den Wahlen der Delegierten für die Wahlen zur Duma am 5. März bcgoirne» werden kann, damit dieselben etwa am 23. März» wenn möglich, berndigt sind._ Dreifacher Mord und Selbstmord. New Vork, 24. Februar.(B. H.) Eine Frau Allen hat auf einer kurzen Seereise ihre drei Kinder ins Meer geworfen und sich dann selbst hineingestürzt. Der Kapitän bemerkte den Zwischenfall erst, als das Schiff sich schon zu weit von der Stelle entfernt hatte, so daß an Rettung nicht mehr zu denken war. Berantw. Redakteur: Hans Web.r, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer L Co., Berlin LW. Hierzu S Beilagen, 9t. i?. 28. mm i. DttlM des.Fsmiirts" Kerllüer DsIdsdlM � — MAmmm— im m mi imi m——mb�mwi— aaMin iwiniiiwiaaMM—— h——»h Reichstag. 52. Sitzung vom Sonnabend, den 24. Februar, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Dr. Rieb er ding. Die zweite Lesung de-Z R e i ch S j u st i z e t a t s wird fortgesetzt. Abg. Dove sfrs. Vg.): Daß die Regierung die Reform des Zivilprozesses zuerst bei den Amtsgerichten beginnen und erst all- mählich von unten nach oben damit fortschreiten will, billigen meine politischen Freunde. Die Reform des Strafprozesses kann nach unserem Dafürhalten nur in d e r Weise vollzogen iverden, daß die Berufung eingeführt und das Laienelement in stärkerem Maße herangezogen wird. Auch wir werden für die Resolution Ablaß stimmen, da wir die Aus- dehnung der Zuständigkeit der Schwurgerichte auf Preßdelikte dringend wünschen. Daß unsere Rechtspflege im allgemeinen eine Klassenjustiz sei, können wir durchaus nicht zugeben. Ich erinnere an die Haftpflicht- Prozesse, in denen auf die wirtschaftlich Schwachen besondere Rücksicht genommen wurde. Anders ist es freilich, wo politische Dinge iu Frage kommen. Die Presse fällt dann oft politischen Bornrteilrn zum Opfer. Als in den 99 Tagen eine gewisse Presse den damaligen Kaiser und die Kaiserin mit Schmähungen überhäufte und als ein freisinniges Blatt diese Schmähungen tiefer hängte und dagegen protestierte, da wurde nicht das Schmähblatt, sondern dieses frei- sinnige Blatt verurteilt.(Hört! hört! links.)— Wir fordern, daß auch in Norddeutschland der Presse das Privileg gewährt wird, von Schwurgerichten abgeurteilt zu werden.(Beifall links.) Staatssekretär Dr. Nicbcrdiug: Nach den Beschlüssen der Strafprozeßkommisfion sollen an die Stelle der Schwurgerichte große Schöffengerichte treten. Aber auch die Strafkammern werden in ihrer bisherigen Art nicht beibehalten werden. Es werden an ihre Stelle Gerichte treten, bei deren Urteils- sprechuna in sehr erheblichem Umfange auch Laien mitwirken. Auch das muß bei der Beurteilung des Antrages Ablaß lvohl ertvogen werden. In der Behandlung der Preßsachen wird also eine sehr erhebliche Aenderung vorgenommen, wenn die Beschlüsse der Strafprozeßkommission Zustimmung finden. Im übrigen kann ich eS nur lebhaft bedauern, daß der Abg. Dove im Namen seiner Partei dem Antrage Ablaß zugestimmt hat. Würde dieser Antrag eine Mehrheit finden der Art, daß wir damit rechnen müssen, daß auch weiterhin die Mehrheit des Hauses an der Grundauffassung des Antrages festhält, so würde ich aar keinen Anstand nehmen, den verbündeten Regieruirgen zu empfehlen, von der Reforn, der Strafprozeßordnung Abstand zu nehmen.(Unruhe links.) Wenn die verbündeten Regierungen einen Gesetzentwurf beziiglich des Schutzes der Bauhandwerker dem Hause zugehen lassen, so haben sie damit keineswegs alle Bedenken fallen lassen, die einer solchen gesetzlichen Regelung entgegenstehen. Es liegt die Frage so: ist der Zustand günstiger unter der Gesetzgebung, die wir jetzt haben, oder nach Maßgabe des Gesetzentwurfs, den wir m Aussicht genommen haben? Zur Beurteilung des Gesetzentwurfs wird noch genug Gelegenheit geboten werden. Der Abg. Dove hat dann gefragt, wie sich das Gesetz über die Entlastung des Reichsgerichts bewährt hat. Zurzeit ist ern abschließendes Ur- teil noch nicht zu treffen. Das Gesetz ist ja erst im Laufe des Sommers in Kraft getreten und nach dem Ablauf der Gcrichtsferien «virkfam geworden. Die praktische Wirkung wird sich also erst in diesem Jahr zeigen. Ich möchte aber doch betonen, daß die Wirkung des Entwurfs, soweit sie sich übersehen läßt, eine überaus giinstige zu werden verspricht. Es ist eine nennenswerte Erleichterung beim Reichsgericht eingetreten; auch in der Behandlung der Revisionen ist ein erheblicher Fortschritt festzustellen. Abg. Stadthage»(Soz.): Die Justiz hat hie Aufgabe, die Ruhe und Ordnung innerhalb der bestehenden Gesellschaft auftechtzuerhalten. Bei allen Versuchen, die Justiz zur Waffe im Kampfe gegen eine bestimmte Klasse zu verwenden, muß die persönliche Fretheit, die Ehre, das Eigentum des einzelnen mit untergraben werden, müssen sich die Folgen des Mißbrauches gegen die Klaffe selbst richten, die ihn treibt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn sie das dann»nerkt, dann sucht sie äußerlich an der Strafprozeßordnung herunizu- kurieren. Eigentum, persönliche Freihett und Arbeitskraft sollten als die Grundlagen der herrschenden Gesellschaft von ihr geschützt werden. Aber noch niemals waren sie so im Zustand der Unsicherheit wie jetzt. Die wirklichen Verbrecher könnet, nicht gefaßt werden, nicht wegen des bösen Willens des einzelnen, sondern wegen der ganzen bestehenden Gerichtsorganisation. Sie könnten uns zurufen: Ihr seid ja gar nicht der Ansicht, daß Gerechtigkeit geübt werden soll! Ihr wollt ja Klassenjustiz I Doch ginge es viel zu weit, die Richter als bewußte Elemente der Klassenjustiz anzusehen. Nein, in dem unbewußten Dienst der Klassenjustiz, in dem sie stehen, muß, da sie aus den herrschenden Klaffen hervorgehen, ihre Unabhängigkeit schwinden und damit auch ihr Vertrauen bet den herrschenden Klassen selbst. Konnte man früher noch von einem Rest des Vertrauens zun, Nichterstand reden, so muß man jetzt sagen: das Vertrauen ist ganz verschwunden! (Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Unruhe und Zurufe rechts.) Daß die Richter selbst manchmal zu sich Vertrauen haben, kann ja noch vorkommen.(Heiterkeit.) DaZ Volk aber hat nicht mehr das mindeste Vertrauen darauf, daß die Richter nach Verfassung und Gerechtigkeit ohne Ansehen der Person ihres Amtes walten. Im Gegenteil, ohne Ansehen der Tat. lediglich nach Personen und Tendenzen wird gcurteilt. Die bürgerlichen Klassen suchen das böse Gewissen, die Furcht und den Schrecken, den s i e haben, in Schrecken gegen die arbeitenden Klassen auszutoben. Es ist ja Tagesgespräch, daß ein Mörder niHt gefunden werden kann. Das ist nicht Zufall. Es ist bezeichnend für den Verfall der bürgerlichen Justiz, der eintreten muß, wenn sie sich von ihren eigentlichen Aufgaben abwendet.(Sehr wahr! bei den Soz.) Der Hennig war ein vielfach vorbestrafter Mann, der schließlich einen armen Kellner beschwindelt, beraubt und ermordet hat. Zunächst waren die Staatsbehörden garnicht in der Lage, zu entdecken, daß überhavr�- von den Verwandten behauptete Mord vorliegt. Wir waren schon ganz zufrieden, als sie endlich das Vorliegen eines Mordes feststellten.(Heiterkeit.) Nun beginnt man auf den Mörder zu fahnden. Er wird der Polizei namhaft gemacht. Aber er ist anständig gekleidet, nicht Arbeiter, nicht Redakteur eines Arbeiterblottes,(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) trägt einen noblen Zylinderhut, wird also mit allen Reverenzen be- handelt, und es gelingt ihm leicht, aus dem Gewahrsam zu ent- kommen. Vergleichen Sie damit, wie in demselben Bezirk gegen arme ehrliche Leute vorgegangen wird. Ein armer Teufel geht heraus nach der„Blanken Hölle", um frische Luft zu schnappen. Ihn saßt sofort die Polizei als vermeintlichen Verbrecher,(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) mißhandelt ihn, und weil er es öffentlich mitteilt, wird er noch obendrein wegen Beleidigung bestraft.(Hört! hört! links.) So untergräbt die Justiz, iocnn sie ihre wirkliche Aus- gäbe vergißt, die Sicherheil der bürgerlichen Gesellschaft. Erst jüngst hat sich die Regierung hier für ohnmächtig erklärt, die Kassen- schwindler zu fassen, die man ihr mit Händen zeigt. Ueber der Jagd nach kleinen Leuten ist es der Justiz unmöglich geworden. Schwindler. Dieb« und Betrüger zu fassen.(Sehr gut l bei den Sozialdemokraten.) Und die neue Strafprozeßreform soll die letzten Garantien einer einigermaßen unparteiischen Rechts- pflege nehmen und sie ganz zum Instrument der herrschenden Klaffen umgestalten. In der Dunkelkammer einer Kommission hat man den Plan auSgesonnen. Nicht ein einziger Vertreter der arbeitenden Klassen, sondern lediglich und ausschließlich Juristen, die dem praktischen Leben völlig fern standen, konnten diesen Entwurf ausarbeiten.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Nach Artikel 1 der Reichsverfaffmtg schließen die deutschen Fürsten einen ewigen Bund zum Schutze des innerhalb desselben gültigen Rechts und der Wohlfahrt des deutschen Volke?. In den Tatsachen sehen wir das Gegenteil erreicht. lieber die Klassenjustiz kamt kein Zweifel mehr sein, seitdem der preußische Jtistizmiuister im Abgcorduetenhause die Zumutung, auf die Richter einzuwirken, gegen eine bestimmte Klasse vorzugehen, nicht mit Entrüstung zurückgewiesen, sondern versprochen hat, daß gegen die Sozialdemokraten a l§ Sozialdemokraten besonders scharf vorgegangen lverden solle! Nie in der schlimmsten Reaktionsperiode sind die Richter so tief herabgesetzt worden(Lebhafte Zustimmung bei den Sozioldemokraten), nie hätten selbst Lippe, Kninptz und Schinaltz mit dieser Offenheit erklärt, daß die Richter dazu da seien, einem poltlische» Zweck, einer Tendenz zu dienen. Schon der vorige Juslizminister Schönstedt hatte mit dem Grundsatz:„Wenn zwei dasselbe tun, so ist das nicht dasselbe", die Ungerechtigkeit zum obersten Prinzip der heutigen Justiz erhoben. Seitdem hat eine Reihe von Urteilen klipp und klar atlsgesprochen, daß sich die Justiz nicht mehr als Richterin, sondern als Rächerin fühlt, und damit ist sie schlimmer geworden als der Henker, der Scharfrichter.(Zustimmuiig bei den Sozialdemokraten.) Da darf es uns nicht wundern, daß gegen alle Bestrebungen zugttitsten der Arbeiterklaffe und des Fortschritts die Justiz mobil gemacht wird. Die Justiz hätte die Aufgabe, das Koalitiouörecht zu schützen. Sie hat es beinahe vernichtet.(Vielfaches Sehr wahr! bei den Sozial- ventokraten.) Das gesetzlich garantierte Streikpostensteheii hat sie unmöglich gemacht. Das höchste preußische Gericht. daS Kammergericht, hat sich dem Schutzmann als höchste Autorität unter- geordnet. Nur er ist befugt, darüber zu entscheiden, ob die Ruhe und Ordnung gestört worden ist, die öffentliche Sicherheit gefährdet war. Verneint aber ein Schutzmann einmal diese Frage vor Gericht, wie jüngst, so fährt ihn der Vorsitzende in dem bekannten liebenswürdigen Tone an:„Wieso beurteilen Sie das so ganz anders als Ihr Vor- gesetzter?"(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten). Vielfach haben vor Gericht Hauptleute, Leutnants und Schutzleute ausgesagt, daß stets jeder weggewiesen werden sollte, der von dem gesetzlich garan- tierten Rechte des Streikpostenstehens Gebrauch macht. Aber anstatt die Staatsbeamten und Richter wegen Rechtsbruchs anzuklagen, hat man über die für Freiheit, Gleichheit und Wahrheit kämpfenden Arbeiter die höchsten Strafen verhängt, einfach, weil sie Arbeiter und nicht ivohlhabend sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten). Ein ideologischer bürgerlicher Redakteur ging ja einmal während eines Streiks in der Kochstraße ruhig auf und ab. Er wurde fortgewiesen und bestraft. Es ist ja auch tiner- hört, wenn sich ein gebildeter Mann davon überzeugeit will, ob uit- gesetzlich gegen Arbetter vorgegangen wird. Der Redakteur ist also dafür bestraft worden, weil er Zweifel in unsere Angaben gesetzt hat. (Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wenn es der Raubmörder Hennig wäre— den hätte man stehen lassen, der steht nicht Streik- Posten.(Große Heiterkeit links.) Eine ganze Reihe von Arbeits- willigen, von den„niitzlichsteit Elementen", sind ja ehemalige Zucht- Häusler. Wie in Rußland sich der Zarismus auf die ehemaligen Verbrecher, die Hooligans, die schwarzen Banden stützt, so sind ja auch in Deutschland Spitzbuben und Betrüger die Stützen der Gesell- schaft.(Sehr loahr! bei den Sozialdemokraten.) In der Auslegung der KZ 1S2 und 1ö3 der Gewerbeordnung ist die Rechtsprechung so weit gegangen, daß jede Ausübung des Koalitionsrechts bestraft wird. Wenn die Arbetter, tun das ihnen aus einem Tarifverträge zu- stehende Recht zu erlangen, mit dem gesetzlichen Mittel des Streiks drohen, so werden sie wegen Erpreffung bestrast. So ist der Vertragsbruch, über den Sie zetern, die Grundlage Ihrer Gesellschaft geworden.(Sehr wahr I bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts.) Die tendenziöse Willkür erreicht ihren höchsten Triumph in dem Ausspruch des Reichsgerichts:„Das Koalitionsrecht ist nur ein strafrechtliches Privilegium."(Bielfaches Hört! hört! links.) Wer von diesem Standpunkt ausgeht, muß allerdings zu der Auslegung kommen, den Vertragsbrecher zu schützen, aber die Arbeiter, die auf Jnnehaltung des Vertrages drängen, zu bestrafen, weil sie Arbeiter sind. Oder ist je ein Bürgerlicher be- straft worden, weil er verlangt hat, es sollten Gesetz und Vertrag innegehalten werden?(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Es ist uns auch niemals eingefallen, zu behaupten, daß die bestehenden Geschworenengerichte keine Klassengerichte feien. Sind sie doch aus siebenmal durchgesiebten Angehörigen der herrschenden Klaffe ge- bildet, um ausschließlich deren Jntereffen wahrzunehmen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Da darf sich der Abg. Basser- mann nicht wundern, wenn in Altona vorn Schwurgericht vier Angehörige der befitzenden Klasse nicht verurteilt worden sind, weil sie ja nur eine Arbeiterin vergewaltigt hatten. Wenn aber der Abg. Bassermann über diesen Altonaer Fall so denkt, wie beurteilt er es dann, daß die Redakteure bestrast worden sind, weil sie in etwas krasserer Weise, als es der Abg. Baffer- mann selbst getan hat, diesen Fall zur Sprache gebracht haben? Und diese Verurteilung geschah vor einer Strafkammer, also durch gelehrte Richter.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Ueber das vergewaltigte Mädchen urteilte ein Anwalt in Düsseldorf, der sich zur Zentrumspartei rechnet, abfällig: eS sei ja ein uneheliches Kind, also ein Kind der Sünde l(Hort I hört I bei den Sozial« demokraten.) Kommen irgendwo Unruhen vor, so wird sofort meine politische Partei dafür verantwortlich gemacht. ES heißt einfach: Wo Tumulte sind, da ist die Sozialdemokratie! Viel richtiger wäre es zu sagen: Wo Tumulte sind, da ist die Polizei I Oder noch besser: Wo die Polizei ist, da sind die Tumulte! �Heiterkeit und Beifall bei den Sozialdernokr..) Die Göttin der Gerechtigkeit scheint in Deutschland zwei Wagen zu handhaben, die eine, um die Rechte der Großen recht schwer zu befinden, und die andere, um die Rechte der Armen recht leicht zu erachten. Rein politische Tendenzprozesse entstanden in Menge, als der Justizminister Preußens einen dah inzielenden Wink gab. In Breslau lautete das Urteil gegen meinen Freund Läbe auf ein Jahr Gefängnis, weil er als verantwortlicher Redakteur einen Artikel verantwortlich gezeichnet hatte, in dem in der ruhigsten Weife zum Kampf für das allgemeine, gleiche. direkte und geheime Wahlrecht aufgefordert wurde. In diesem Urteil ist es direkt ausgesprochen, daß der Richter Rächer sein müsse, Rächer dafür, daß im Nachbarlande Plünderungen vorgekommen sind. Es wird nicht auf die Sache, sondern auf die Tendenz Rücksicht genommen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten). Früher hat daS Kammergericht erkannt, der Richter muffe immer nur die Handlungen, nicht vie politische Tendenz beachten. Jetzt ist eS gerade umgekehrt. Aus solchen Urteilen spricht das böse Gewissen der bürgerlichen Gesellschaft.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Urteile werden heute schon bor der Verhandlung gemacht.(Zuruf recht« I Beweise!) Ich sage nie etwas, was ich nicht beweisen kann.(Lachen rechts.) Nennen Sie mir einen Fall, in dem ich meine Behauptungen nicht bewiesen hätte. Mit der Logik: der Angeklagte wollte nicht zur Gewalt auf- reizen, aber es s e i e n verschiedene Klassen zur Gewalttätigkeit auf- gereizt, hat sich auch da« Reichsgericht befreundet. Es hat dieS in das Gebiet der„tatsächlichen Feststellung" verschoben.— In den Artikeln der„Leipziger BolkSzeitung", die unter Anklage gestellt worden sind, steht doch aber das Wort„Klaffeiikamps". So ein Staats- anwalt hat vom„Kampf" feit der Mtlitärzeit noch nichts gehört. Er weiß nicht, daß er bei einem Spaziergang durch Leipzig am hellen Tage mitten durch den Älassenkampf geht, daß noch kein der- ständiger Mann— ohne juristischen Verstand(Heiterkeit.)— Klaffenkampf je anders denn als geistigen und wirischaft» lichen Kampf aufgefaßt hat. Der Angeklagte schlägt vor: uns feindliche, aber sachverständige Männer zu hören. Das Gericht aber lehnte ab die Herren zu vernehmen, und nun wird ans dein Artikel etwas herausgedrechselt, was nicht drin stand und ivas ein Arbeiter nie hätte herauslesen können. Der Ober- staatsanivalt Böhme, der ein besonderer Freund der Nationalliberalen ist, bezeichnete in einem früheren Prozeß einen Angeklagten, meinen verstorbenen Freund, den ReichStagSabgeordneteu Schmidt, als einen gewohnheitSuiüßigen Verleumder, so daß der Rechtsanwalt, als das Gericht den Schutz gegen solche staatsanwaltlichen Beleidigungen ab- lehnte, erklärte: lvenn cS im Saals einen gewohnheitsmäßigen Berleumder gebe, so sei eS der, der dein An- geklagten gegenüberstände! Dieser selbe Staatsanwalt, der die„Leipziger VolkSzeitung" besonders im Magen zu haben scheint, tveil sie immer die Wahrheit sagt(Lachen rechts), fungierte auch in diesem Prozesse. Das Resultat war dementsprechend: sechs Monate für jeden Artikel und dann etwa? Rabattnachlaß.(Heiterkett.) Die brutale Macht der herrschenden Klassen zeigte sich auch darin, daß man im Urteil dem Angeklagten vorwarf, für den Fortschritt gekämpft zu haben. Dann müßten ja sehr viele der Mitglieder dieseS Hauses, auch außerhalb meiner Fraktton, bestraft werden, wenn der Fortschrittskampf strafbar ist. Alle Ihre Vorfahren müßten dann noch im Grabe bestraft lverden. weil sie die herrschende feudale Klasse beunruhigt haben. Und ebenso alle, die jemals für einen Kultnrfortschritt eingetreten sind, weil die Annahme besteht, daß alle herrschenden Klassen so brutal und ge- ivalttätig sind, daß sie dagegen zur Gewalt greifen. Eine tiefere Veriirteiliing der Schreckenslirteile, die Angst und böses Gewissen den herrschenden Klassen eingegeben haben, kann eS gar nicht geben. (Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Aber glauben Sie nickt, mit solchen Brutalisierungen und Drangsalierungen den Fortschritt der Sozialdemokratie aushalten zu können. Der Staats- anwalt Böhme hat seine Stellung zu niederträchtigen Schmähungen von Leuten mißbraucht, die außerhalb des Gerichtssaales standen... Präsident Graf Baileftrem: Ich habe Sie bisher ruhig weiter- sprechen lassen, weil Ihre Ansfiihrungen allgemeine Sachen betrafen. Jetzt aber haben Sie einen hochgestellten Justizbeamten beschimpft, und wegen Beleidigung des Oberstaatsanwalts Böhme rufe ich Sie zur Ordnung.(Bravo! rechts.) Abg. Stadthagcn(fortfahrend): Wenn ein Arbeiter sagte, der Staatsanwalt, der Oberstaatsanwalt, der Justizminister halten sich im Hintergründe, wie der Oberstaatsanwalt Böhme von den ihm unbekannten Redakteuren der„Leipziger VolkSzeitmilj" gesagt hat, ein Jahr Gefängnis wegen Beleidigung wäre das mindeste.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aber beim Oberstaatsanwalt ist das: berechtigte Ausübung seines Amtes. Diese ganze Beschimpfung durch den Staatsanwalt sollte nur bei den Richtern die politische Gegnerschaft gegen die Tendenz des Angeklagten Ivachrusen. Nicht weil der Angeklagte der und der Tat schuldig war, bat der Ober- staatSanwalt um eine hohe Strafe, sondern weil die Partei des An- geklagten die Anfrichiiakeit besitzt, alle die zu brandmarken, die unter dem Scheine der Gerechtigkeit Ungerechtigkeiten verüben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Aus der ganzen Art der Jagd, die überall auf unsere Flugblätter gemacht wurde, geht deutlich hervor, daß man nicht eine strafbare Handlung verfolgen, sondern nach der Erklärung de? preußischen Justizministers Sozialdemokraten verfolgen wollte, weil sie Sozialdemokraten sind. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Erst beinächtigte man sich der Flugblätter und nachher suchte man die strafbare Handlung zu konstruieren. Da Ivurde von dem einen Gericht Anklage erhoben wegen Aufteizung, von dem anderen wegen Beleidigung, von einem dritten wegen Verächtlichmachung von StaatSeinrichtungen, von dem vierten wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze, von dem fünften wegen Hochverrats, während dieses Flugblatt überall dasselbe war«Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten) und sich streng im Rahmen der Gesetzlichkeit hielt. Die bürger- lichen Politiker aber glaubten— wie kleine Kinder— an die Schreck- gespenster, die ihnen in allerlei Ammenmärchen vorerzählt wurden, Bei dem Prozeß, bei dem es sich um Verbreitung eines dieser sozialdemokratischen Flugblätter handelte, wurde all der Unsinn, all das Tendenziöse, das je in den Veröffentlichungen des Reichs- Verbandes zur Vckmnpfung der Sozialdemokratie gestanden hat, all das, was von Spitzeln und Dummköpfen je geschrieben wurde, vom Staatsanwalt vorgebracht, trotzdem der Anwalt mit Recht erklärte, daß nicht die Sozialdemokratie, sondern ein einzelner Mensch wegen n bestimmter Handlungen auf der Anllagebaul sitze. Das cht erklärte, ein Staatsanwalt dürfe das alles. Schließlich siegte aber doch der„juristische Verstand" des Gerichts. Der Angeklagte wurde freigesprochen, weil kein Atom des zum ß 139 gehörigen Tatbestandes darin zu finden war. Dasselbe Flugblatt kommt' vor ein anderes Gericht— in Stargard. Hier wird vom Gericht anerkannt, daß die betreffenden Austräger des Flugblattes dieses überhaupt gar nicht gelesen und daß die übrigen Gerichte diesen Umstand ganz übersehen haben. Trotzdem erfolyt Ver- urteilnng.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Ver- urteilung geschah eben einfach, loeil man gegen die Sozialdemokratie gerichtlich kämpfen zu müssen glaubt.(Sehr wahr! b. d. Soziald.) Vor länger als 199 Jahren schrieb ein preußischer König:„Es muß nach der Gerechtigkeit geurteilt werden, ohne alles Ansehen der Person." Jetzt geschieht gerade das Gegenteil: Man urteilt ohne alles Ansehen der Sache, lediglich nach der Person.(Sehr wahr! bei den Sozialdcmolraten.) Ans den preußischen Land- gerichten heraus schallt es: Wir verurteilen wegen der Tendenz! Das ist der Fortschritt, den Sie mit Ihrer bürger- lichen Gesellschaft gemacht haben. Besonders Vorurteils- voll ist man gegen die Redakteure von Arbeitcrblättern. Ich glaube, alle Parteien dieses Hauses, auch die der Rechten, sind darin einig, daß der Zeugniszwang dazu dient, den Redatteur zu einer Unehren- haften, unanständigen Handlung zu zwingen. Wieder kann ich an das Wort eines preußischen Königs erinnern. In der Kabinetts- order vom 29. Februar 1894 verordnete König Friedrich Wilhelm III.: „In dem Kampf gegen die Pflichtlvidrigkeitcit und den bösen Willen der unteren Behörden ist die Presse nach Möglichkeit zu unterstützen." (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das Reichsgericht aber hat in einem Prozeß, in dem man es auf diese KabinettSorder aus- merksam machte, erklärt, es kenne diese KabinettSorder nicht.(Hört! hört! links.) Jetzt handeln die Gerichte nach dem Grundsätze: Wenn die Presse Schandtaten aufdeckt, so macht sie sich dieser Schandtaten schuldig!— Als ein Blatt daS Verfahren eines Gemeindevorstehers als„skandalöse Weise" bezeichnet hatte, wurde es zunächst zwar freigesprochen, weil dem Gemeindevorsteher nach- gewiesen wurde, daß er sich nicht richtig benommen hatte. Das Reichsgericht aber hob dieses Urteil auf! Das heißt doch in der Tat. den Missetäter gegen die Presse in Schutz nehmen. In kurzer Zeit hintereinander sind eine Reihe von Zeugnis- zwangsverfahren gegen die Presse vorgekommen. So wird also ein Zivang ausgeübt, damit jemand eine ehrlose, unanständige Handlung begeht.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dabei behaupten die Herren der Rechten immer, es gebe keine Klassenjustiz. Ein Justizkollegium, das sich dazu hergibt, zu einer ruppigen, ehrlosen. gemeinen und unanständigen Handlung zu zwingen, soll kein Klaffen- kollegium sein? Von meinem Fraktionsgeuosseit Hofmann verlangt man sogar, daß er angeben soll, wer ihm die Mitteilungen gemacht hat, die er im Parlament verwandt hat.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist ja alles erklärlich, wenn man daran denkt, daß wir vor einiger Zeit vom preußischen Kriegsminister da» Geständnis gehört haben, daß es notwendig ist, Verbrechen, Duell- morde zu begehen. Hier werden also Strafen verhängt, weil man keine gemeine Handlung begeht. Den Redakteur der„Märkischen Volksstimme" Perner hat man verhaftet. Jetzt hat man ihn gegen Stellung einer Kaution freigelassen. Was geschieht? Da werden die Setzer verhaftet Z Und von diese» wird verlangt, daß sie die Ge- schäftSgeheimnisse verraten. Das ist doch aßer strafbar; eZ ist der boten»ach dein Gesetz betreffend den unlauteren Wettbewerb, zweitens sind sie ja Mittäterl Es gibt doch aber in der lzanzen Welt keinen Staat, der so kurios wäre, dasj er verlangte, dag ein Angeklagtem gegen sich selbst Zeugnis ablegt.(Sehr richtig! bei den Sozial deinokraten.) Die sozialdemokratischen Setzer haben selbstverständlich diese Luinpenhandlung zurückgewiesen. Darauf sind sie verhaftet, loeil ja die Gefängnisse sür ehrliche Leute da sein sollen. Welche Begriffe von Ehre müssen die Nichter haben, wenn sie sich zu einem solche» Vorgehen bestimmen lassen.(Gelächter und Zurufe rechts.) Wenn Sie snach rechts) ein solches Vorgeben für richtig halten, so zeigt das eben, welche Begriffe Sie über Ehre und Recht haben, daß Ihre Begriffe über Ehre und Recht abgrundtief sind I(Rufe rechts Unerhört I— Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident Graf Stolberg: Sie haben soeben geäußert, daß die preußischen Richter abgrundtief ständen.(Widerspruch des Ab- geordneten Stadthageu. Rufe bei den Sozialdemokraten: Sie haben gar nicht zugehört!) Ich rufe Sie wegen dieser Aeußerung zur Ordnung. Abg. Stadthagen(fortfahrend): Ich habe zu den Herren von der Rechten gesagt, daß ihr Begriff über Ehre abgrundtief sei. Nun- mehr ist hier unterstrichen, daß nach der Ansicht der herrschenden Klaffen ehrlos derjenige handelt, der keine ehrlose Handlung begeht, daß dagegen derjenige auf einem hohen Standpunkt steht und Lob verdient, der einen anderen zwingt, eine ehrlose Handlung zu be- gehen. Ich werde gegen diesen Ordnungsruf nicht das Urteil des Hauses anrufen, aber das Urteil der Oeffentlichkett. (Sehr gut! bei den Sozialdemolrateu.) Ich nehme atl notarn, daß cö zum Programm der konservativen Partei gehört, daß ehrlose Handlungen durch Zeugniszwaug und Staatsanwalt erzwungen werden müssen. So abgrundtief hat sich noch nie eine Partei ge- zeigt, wie diese Charakterisierung offenbart, die die Konservativen sich selbst gegeben haben. Da ist ja der ungefaßte Raubmörder Hennig noch erhaben über all jene, die selbst andere zwingen, straf- bare Handlungen zu unteruchmen. Wie die Gerichte das Publikum behandeln, dafür noch einige Bei spiele. In einem Orte bei Hannover mußte ein Schöffe nießen, da rief ihm ein Möbelhändler ans dem Zengenraum„Prost!" zu. Sofort lvurde er in eine Ordnungsstrafe von 10 M. genommen. Mir gegenüber ist bestritten worden, daß Richter schon vor der Verhandlung das Urteil fix und fertig hätten. Jetzt ist aber vor kurzem in Berlin von einem Verteidiger festgestellt, daß vor einer Verbandlung schon ein Urteil fertig war, in dem auch auf die Ergebnisse der Hauptvcrhandlung Bezug genommen wurde.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) So werden Urteile auf Grund der polizeilichen Akten ohne mündliche Verhandlung konstruiert. Das ist kein ein- zeliier Fall. Mir sind auch Fälle bekannt, in denen ein ehemaliger konservativer Abgeordneter, mit dem ich auch als Angeklagter zu tun gehabt habe, vor der Verhandlung über die Sache bis auf daS letzte Titelchcn das Urteil fertig hatte. Und wehe dem Kollegen, der ihm dann bei der Verhandlung widersprach! Die neue Slrafprozeßreform! die in der Dunkelkannner von den dazu berufenen Juristen gemacht ist, geht darauf hinaus, auch noch den Schein einer Verteidigung zu beseitigen. Wie tvar eS möglich, daß ein Richter tvie Blumenberg in Obcrschlesicn unter den» jetzigen Jnstizminister als seinem Vor- gesetzten jahrelang tätig sei» � und auch in politischen Prozessen fungieren konnte? Auf den Fall des Kammergerichtsrats Havenstein, der sich erlaubt hatte, nach bester Ueberzeugung Streikpostenklagen ins Wasser fallen zu lassen, will ich nicht eingehen; es genügt fest- zustellen, daß der KammergcrichtSrat Havenstein 1902„Urlaub" bekommen hat und— soviel ich weiß— heute noch„beurlaubt" ist. Was haben wir bei den Prozessen zwischen der Milchzentrale und ihren Genossenschaften erlebt? Neben Herrn Ring ist dort ein gewisser Krause Geschästsführer, der wegen schwerer Erpressung bestraft ist. Dieser und Herr Ring beschwerten sich und verlangen, daß daS Kammergericht angewiesen werde,„richtige" Urteile gegen sie zu machen. Der Justizminister hat auf die Angriffe, die ich gegen ihn richtete, weil er diesem Vorschlage nachkam, erklärt, er hätte nicht den Vorsitzenden rektifiziert, sondern den Referenten. Das ist doch vollständig genug.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Was kam danach? Es haben hintereinander eine ganze Anzahl Senate Urteile zugunsten der Zentrale gefällt. Erst daS Reichsgericht hat erklärt, daß eine solche Einwirkung gegen das Gesetz verstoße. Wo ist nun bekannt geworden, daß der Minister erklärt hat, er bedauere, daß er sich habe von Herrn Ring verleite» lassen?— Ich nenne dann weiter den Prozeß der Kammerfrau Mileivska, die in Kairo verhaftet wurde, weil sie einem Mitgliede der königlichen Familie einen Schmuck gestohlen haben sollte. In diesem Prozeß sind jetzt Vergleichsversnche gemacht. Der Staatsanwalt hat zwar erklärt, der Herzog habe den Vergleich abgelehnt. DaS ist aber nicht so. Es ist der Dame vielmehr gesagt worden, sie sollte 0000 M. erhalten, wenn sie gegen den Kammerherrn v. Blumen- thal, der die Verhaftung veranlaßt hat, nichts unternehmen würde, und wenn sie auch die Briefe, die sie von hochgestellten Persönlichkeiten habe, dem Herzog übergebe oder ihm wenigstens einen Einblick gewährte.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Dabei wollte diese Dame gar keine hohen Personen bloßstellen, sondern stand durchaus auf ordnungsparteilichem Standpunkt. (Heiterkeit.) Die Dame hatte auch erklärt, es sei ihr von einem Rechts- anwalt gesagt worden, wenn sie sich nicht einige, solle sie sich in die Situation hineindenken, daß sie ein Jahr Gefängnis bekomme. Der Rechtsanwalt hätte behauptet, der Herzog habe persönlich mit einem Richter gesprochen und dieser erklärt, wenn das Geringste nachgeiviesen würde, würde sie mindestens ein Jahr erhalten.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) Wenn daS wahr wäre, so iväre das un- geheuerlich l Aber der Herzog braucht ja leider nicht zum Gericht zu kommen, um Zeuge zu spielen, sondern wird in seiner Wohnung vernommen. Wir haben ja hier im Reichstage für ihn ein be- sonderes Gesetz gemacht. Bei Beratung dieses Gesetzes habe ich schon darauf verwiesen, daß man doch in dielen Prozeß nicht eingreifen dürfe. Wenn die Dame in der Verhandlung juristisch versiert gewesen wäre, würde sie nicht den Richter und den Staatsanwalt abgelehnt, sondern ver- langt haben, daß der Rechtsanwalt als Zeuge vernommen werde. Das Wolffsche Telegraphenbureau hat erklärt: an dem ganzen Vergleich sei kein wahres Wort. Warum sagt dann aber der Staatsanwalt, der Vergleich sei abgelehnt? Schon die Möglich- keit, daß die Gesellschafterin einer Prinzessin, eine Dame, die sich weigert, Briefe herauszugeben, die hochgestellte Personen bloßstellen, auf einen solchen Gedanken kommt. zeigt, wie wenig Vertrauen man unseren Richtern entgegenbringt. Unwürdig ist die Stellung, in die mau die Rechtsanwälte drängt. Sie sollen Gesinnunqsverrat üben und dürfen sich nicht mehr literarisch und politisch betätigen. Schreiben sie einmal eine künstlerisch hochstehende Novelle, in der sie die Organe der Rechts- pflege so hinstellen, wie sie sind, so wird ihnen gesagt, daß sie retouchieren müßten. Ein polnischer Rechtsanwalt in Danzig ist sogar wegen eines Artikels in einer Zeitung von der Anwalts- kammer aus der Liste der Anwälte gestrichen! Ein anderer Anwalt, der vom Gericht von der Beschuldigung einer Majestäts- beleidigunsj freigesprochen wurde, erhielt von der Anwalts- kammer eine Mißbilligung, weil er aus seiner ehrlichen Ueber- zeugung kein Hehl gemacht hatte.(Hört! hört! bei den Sozial- demokraten.) So ist unsere Justiz jetzt nicht ein Finder des Rechtes, sondern ein Mitfinder des Unrechtes. Die Richter und An- wälte sollen ihr Erstgeburtsrecht als Menschen, das Recht ihrer eigenen freien Ueberzeugung verkaufen, damit die Polizei sie gnädig behandelt. Pfui Teufel über solche Justitutioneni (Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Dr. Niebcrdiug: Der Abg. Stadthagen hat be- bauptet, daß das Verfahren in dem Prozesse der Kammerfrau VtilewSka gesetzlich unzulässig eingeleitet sei. Er hat dabei auch unter der Hand zu verstehen gegeben, es sei geschehen mit Rücksicht auf eine hochgestellte fürstliche Person. Ich werde dem Abg. Stadthagcn antworten, wenn der Prozeß beendigt ist; über einen schwebenden spreche ich nicht. Ich habe das Vertrauen in den deictschen Richterstand, daß alles, was bisher in der Sache geschehen ist, ihm nur zur Ehre gereichen wird. Der Vorredner hat sodann die Tätigkeit des preußi- schen Justizininisiers berührt; er hat eS in vorsichtiger Weise getan, aber doch in einer Art, daß diejenigen Kreise, die diesem Hause ferner stehen, verleitet werden könnten, anzunehmen, der preußische Justizminister habe sich bemüht, einen ungesetzlichen Einfluß ans die preußischen Richter auszuüben und zwar zuungunsten der sozial- demokratischen Partei. Diese Erklärung stützt sich auf eine Rede des preußischen Justizministers im Abgcordnetenhause.(Redner ver- liest die Rede Bcselers.) Was hat der Minister gesagt? Einmal: „Die Gerichte sind unabhängig. Ich lehne es ab, in die Entscheidung der Richter einzugreifen." Sodann:„Die Staatsanwaltschaft werde ich veranlassen, die notwendigen Anträge zu stellen." Der preußische Justizminister hat sich vollauf im Rahmen seiner Befugnisse gehalten. Ich weise deshalb jeden Verdacht zurück, der in den Worten des Vorredners gefunden werden könnte. Diesen einfachen Tatbestand stelle ich fest. Sächsischer Bundesratsbevollmächtigter Dr. Börner: Auf den Prozeß gegen die„Leipziger Volkszeitung" will ich nicht eingehen, da der Prozeß noch schwebt. Solange das Reichsgericht noch nicht gesprochen hat, kann niemand behaupten, daß das Urteil unrichtig sei. Ich bedauere, daß der Vorredner unter dein Schutze der Rede- freihcit Vorwürfe und Beleidigungen ausgesprochen hat. Ich danke dem Präsidenten, daß er diesen Schmähungen bereits entgegen- getreten ist. Den Verunglimpfungen des Staatsanwalts innß ich mit aller Entschiedenheit entgegentreten und gegen solche Augriffe auf diesen gewissenhaften Beamten Verwahrung einlegen. Abg. Dr. Müllcr-Meiningen(frs. Vp.): Im Hinblick auf die Erfahrungen im Rnhstratprozetz möchte ich die Verwendung der Stenographie im Gerichtsdienste, die sich in England, Oesterreich uslv. bewährt hat, empfehlen. In das Urteil des Abg. Bassermann über den sogenannten Thomaprozeß kann ich nicht einstimmen. Ich finde das Bedauerliche nicht in der Zulassung der Sachverständigen in diesem Prozeß, sondern in der Art, wie diese dort behandelt worden find. Weiter finde ich bedenklich die Art, wie die Richter durch die Einziehung des Flugblattes im sogenannten objek- liven Verfahren den Spruch der Geschworenen ignoriert haben. Diese Ignorierung halte ich juristisch für sehr anfechtbar.— Wenn über das Institut der Geschworenengerichte Klagen kommen, so resultieren sie meines Erachtens aus der Zusammensetzung der Ge- schworenenbank, bei der die Vermögensverhältnisse zu sehr Berück- sichtigung finden. Um dieses Institut lebensfähig zu erhalten, ist die Einführung von Diäten dringend notwendig. Nachdem sich schon der württembergische Landtag, der Meininger Landtag und vor kurzem auch die badische Regierung für die Einführung der Diäten aus- gesprochen haben, möchte ich die Angelegenheit unter keinen Um- ständen auf die lange Bank schieben. Die allgemeinen Angriffe StadthagenS gegen die deutschen Richter sind ilebcrtreibmige», die der berechtigten Kritik nur schade». Zu bedauern sind sviele Urteile. Ja, man kann noch lveiter gehen und sagen: sie sind ein allzu gutes Mittel zur Agi- tation. Eine kleine Reform deS Strafgesetzbuchs, die die größten Härten zunächst beseitigt, ist doch wichtiger als die fortgesetzten Ver- tröstimgeu. Vor kurzem ist eine Frau, die aus Not einen Eimer Kohlen aus einem verschlossenen Stalle nahm, zu 3 Monaten Ge- fängnis verurteilt worden. DaS ist das Strafminimum. Selbst der Staatsanwalt schämte sich der Härte des Gesetzes nnd beantragte die Begnadigung. Auf der anderen Seite steht das Urteil gegen den Fürsten Kalschubey, der den: Hotelportier einen solchen Stoß mit dem Fuße hinterlistig in feigster Art versetzte, daß er für sein Leben zu leiden haben wird. Das ist Prinzcnjustiz, wie der Verteidiger»m Recht ausführte. In dem Urleil, das auf eine Geldstrafe von IVOV M. lautete, wird gesagt: es sei von einer Gefängnisstrase abgesehen worden, weil der Prinz durch die ichamlosenArtiket des„Simpliziffimns" gereizt worden sei. Solche Urteile vermehren die Zahl der Mitläufer der Sozialdenrokratie um Zehnlausende. Ich möchte heute nur auf den Vorstoß des Abg. v. Dirksen zu prechen kommen. Herr v. Dirksen hat die Kämpfe vor einigen Jahren nicht mitgemacht, sonst würde er sich nicht nach einer neuen Lex Heinze sehnen. Es verrät einen Mangel an nationalem Takt, hier immer zu betonen, daß Deutschtand in der Welt in der Schmutzliteratur vorangeht. Das ist eine Unwahrheit und etzt uns im Auslande berab. Ich leugne indes keineswegs, daß viel Schmutz erzeugt wird, daß gewisse Witzblätter geradezu Ekel erregen. Es ist nachgewiesen, daß Lustmörder auf ihre Gedanken durch Preß- berichte gekommen sind. Hierin und in der Bekämpfung des Mädchen Handels und der Prostitution wollen wir zusammenarbeiten. Was mit§ 134 des Reichsstrafgesetzbuchs getroffen werden kann, niacht sich heute unter den Augen der Polizei breit, ohne daß die Polizei ein- chreitet. Das Donikapitel in Mainz hat eine Reihe von ernsten Kunstwerken beanstandet. Ich nenne nur Michel Angelas: „Tag und Nacht", den Borghesischen Fechter, Daneckers Ariadne auf dem Panther, die Kugelspielerin, der sterbende Gallier, die Venus von Milo, junge Liebe von Max Kruse, die wasserschöpfende Ntzmphe. Diese Kunstwerke werden als sogenannte Kunstprodnkte" bezeichnet, als„skandalös" und„unan- ständig!" Das Merkwürdige ist nur, daß das Original der„fkanda- lösen" Ntzmphe im Besitze des deutschen Kaisers ist. Ein großes Zeutrumsblatt in Südbaden schreibt: „Es ist unerhört, den JesuSknaden nackt darzustellen". „das göttliche Kind ohne jede Umhüllung vor den Menschen zu zeigen."(Heiterkeit.) Ein Straßburger Zeutrumsblatt fragt:„Wozu ?as Nackte! Es darf doch niemand ringestraft nackt gehen!"(Heiter- keit.) Die Bestrebungen zur Hebung der Kunst, auch bereits im Leben des Kindes, können durch derartige Angriffe nicht getroffen werden. Ich bitte das Reichsjustizamt, sich nicht auf juristische Abwege leiten zu lassen. Schließen möchte ich mit der ferneren Bitte, das Reichsjustizamt möge durch Heranziehung weiterer Kreise zur Recht- 'prechung das Vertrauen zur Rechtspflege stärken.(Beifall links.) Abg. v. Gcrlach(frs. Vg.): Vor zlvei Jahren erklärte die Re- gierung auf unsere Frage, daß die Fälle des Zeugniszwangsverfahrens ehr selten seien: in 24 Jahren waren nur 18 Fälle vorgekommen: das macht durchschnittlich noch nicht einen Fall auf das Jahr. Aber diese Fälle des unmoralischen Zioangsverfahrens mehren sich von Jahr zu Jahr: im Jahre 1003 waren es schon fünf Fälle, im Jahre 1904 waren es sogar sieben.(Hört! hört!) Auch aus dem Jahre 1905 ind mir wieder vier Fälle bekannt. Und lveswegen wurden solche Verfahren eröffnet? In Halle wurde der Redakteur Molkenbuhr zu 75 M. Geldstrafe verurteilt, weil er eine dem Herrn Suchsland un- bequeme Notiz in seinem Blatte gebracht hatte. � DaS Verfahren diente also lediglich der persönlichen Nachsucht dieses Herrn. Aus denselben Motiven heraus kain es in Hanau zur Verurteilung eines Redakteurs zu fünf Tagen Gefängnis. Der Staat hat um so weniger Interesse an dem Zeugniszwang, weil er so gut wie immer ergebnislos verläuft. ES gehört zu den schönsten Ehrenzeichen der der deutschen Presse. daß sich keine solche Lumpen finden, die den Gewährsmann preisgeben. Wozu aber etwas ausrecht erhallen, lvas abiolut zwecklos ist! Wie aber wird nun die Zeugniszwangshaft v o l l st r e ck t? Der Redakteur Stärke ist zweimal in der Zeuguiszwangshaft zelvesen. Ihm wurden, wie einem Strafgefangenen, alle Gegen- lände abgenommen: Schlüssel, Portemonnaie, Brieftasche, Messer, lleberzieher. Eine Beschwerde an den Staatsanwalt war nutzlos. Er wurde wie ein richtiger Strafgefangener behandelt, mußte niii diesen den vorgeschriebenen Spaziergang machen, wenn er frische Luft genießen ivollte; und wenn er mit Verwandten eine Unter- Haltung haben wollte, so wurde diese nur in Gegenwart eines Be- amten gestattet. Von den Gefängnisbeamten mutzte er sich höhnische Bemerkungen gefallen lassen, wie z. B. „Sie denken woll, Sie find bei Aschinger?" So lange noch die JeugniSzwangshaft besteht, sollte der Staats- fckretär wenigstens schleunigst dafür sorgen, daß ehrenhafte Leute, die in Zeugi'.iszwangshaft genommen werden, nicht wie Straf- gefangene behandelt werden. In der Strafprozeßkommission war die ZentrumSpartei durch 3 Juristen vertreten, aber die Sozialdemokratie, eine Partei, die bei den Wahlen mehr als 3 Millionen Stimmen erhalten hat, ist gar nicht darin vertreten gewesen. Die Regierung hätte sich doch gerade von dem Wunsche leiten lassen müssen, daß eine Reform wie die der Strafprozeßordnung, von den Sympathien der Bevölkerung ge- tragen werden muß. Von unseren Gerichten ist die Strafkammer das schlechteste, das Schöffengericht ist besser, und das beste ist das Schivurgericht. Beklagenswert ist die Fernhaltung der arbeitenden Klassen von den Aemtern der Schöffen und Geschworenen. Nach einer Statistik, die ich in meinem Wahlkreise über die Zusammensetzung der Schöffengerichte aufgestellt habe, ist dabei nicht ein Mann der ärmeren Klassen zugezogen worden Es kann auch nach dem Bekanntwerden der Verhältnisse, die in der Stadtverordnetenversammlung in Hannover zur Sprache gekommen sind, nicht bestritten werden, daß nach konfessionellen und engherzig politischen Gesichtspunkten bei der Auswahl von Schöffen ver- fahren wird. Sehr wichtig ist auch die Frage der bedingten Begnadigung und Verurteilung.� Wir wollen in.dieser Frage durchaus nicht warten, bis etlva die Strafprozeßreform uns vorgelegt wird. Die Kommission hat auch hier wieder nach formalislisch-juristiichen Gesichtspunkten, nicht nach denen des gesunden Menschenverstandes beschlossen. Denn dringend notwendig ist es, möglichst viele Leute vor der ersten Strafvollstreckung, die fast stets demoralisierend wirkt, zu bewahren Wir haben allerdings eine„bedingte Begnadigung", aber diese ist kein genügender Ersatz, sie findet nicht in alle» Einzelstaaten statt, sie kann jederzeit wieder aus der Well geschafft werden etwa auf Grund von Polizeiakten. Deshalb ist die„bedingte Verurteilung" dringend zu fordern: sie hat sich in Belgien und Frankreich usw. glänzend bewährt. Ich möchte deshalb den Staatssekretär dringend bitten, der„bedingten Verurteilung" zur Einführung zu verhelfen, da die„bedingte Verurteilung" ihre Siegeslanfbahn über die Erde antritt und selbst Japan, das sehr hellhörig ist in bezug ans kulturelle Fortschritte, sie einführen will. Will Deutschland selbst hinter Japan zurückbleiben? Ein Redakteur einer Berliner Zeitung wurde wegen Beleidigung des Berliner Magistrats in der Zeitung angellagt, weit er Maß- nahmen des Magistrats scharf kritisiert hatte. Der Schutz des 8 193 wurde ihm nicht zugebilligt, weil der Redakteur nicht Berliner Steuerzahler war! Nach dem Urteil des Gerichts hätte er als Steuerzahler die Maßnahmen des Magistrats soviel kritisieren können wie er wollte. Er wohnte aber in Schöneberg!— In Posen hatte ein Gutsbesitzer einen Knecht Koslowski entlassen: er kam aber dann zu der lieber- zeugung, daß er ihn noch brauchen könne, und er wandte sich an die Polizei mit dem Ersuchen, den Knecht zurückzuführen. Koslowski verlangte gerichtliche Entscheidung, er wurde freigesprochen, und der Verteidiger sagte zu Koslowski: Sie brauchen nicht zurück in den Dienst. Trotzdem wurde er auf Grund polizeilicher Anordnung verhaftet, und er ist fünf Tage festgehalten worden! Auf die Beschwerde über die Freiheitsberaubung erhob die Negierung den Kompetenzkonflikt, und das Gericht schloß sich diesem an, da der Polizei ein selbständiges Entschließungsrecht neben dem Gericht zustehe! Vom preußischen Abgeordnetenhause werden wir niemals eine Reform der Gesindeordnung zu erwarten haben. Ich bitte den Staatssekretär, dafür zu sorgen, daß durch die Reichs- gesetzgebung baldigst das alte Gesindeuurecht in ein modernes Gesinderecht umgewandelt lvird.(Beifall links.) Staatssekretär Dr. Nieberding: Ich möchte zunächst Auskunft über den Fall Koslowski geben, besonders deshalb, weil ich im vorigen Jahre dazu nicht in der Lage war. Der Tatbestand des Falles Koslowski liegt etwas anders, als er hier dargestellt ist. Die preußische Regierung ist in solchen Fällen berechtigt, die Kompetenzfrage zu erheben.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Leider!) Vor einen folchen Kompetenzgcrichtshof ist auch der Fall Koslowski gekommen. Das Reich kann sich da nicht hineinmischen, das scheint der Abgeordnete nicht gewußt zu haben. Der Zeugniszwang ist ein Recht der Gerichte. Der Herr Vor« redner kann von mir also nicht verlangen, daß ich gegen solche Fälle vorgehe, solange die gesetzliche Befugnis dazu besteht. Ich gebe aber zu. daß ich den Eindruck bekommen habe, daß es Wünschens- wert wäre, daß die Richter es sich sehr wohl überlegen müssen, ehe sie zu diesem Verfahren greifen. Nur in den allerdringeitdften Fälle» sollte ein solches Berfahren eingeschlagen werden. Denn daß öS nicht ganz zu entbehren ist. steht für mich persönlich fest. Ich hoffe, wir werden mit dem Reichstag noch zu einer Verständigung darüber komme», in welchen Fällen der Zeugniszwang anzuwenden ist und in welchen nicht. Mit der Presse freilich ist eine Einigung schwer zu erzielen, da Vertreter der Presse mir gegenüber geäußert haben, daß selbst in Fällen von Mord der Redakteur nicht zu Aus- sagen gezwungen werden dürfe. Daß die infolge Zeugniszwangs- Verfahrens inhaftierten Redakteure in einheitlicher und möglichst milder Weise behandelt werden müssen, ist auch meine Ansicht. Es ist von uns alles in dieser Richtung geschehen.(Zuruf des Abgeordneten v. Gerlach: Spazierengehen!) Das Spazierengehen in: Freien kann nur denjenigen Inhaftierten gestattet werden, die in sehr weiträumigen Anstalten untergebracht sind. Hier in den Berliner Anstalten dürfen sie nur in den Korridoren„spazieren- gehen". Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr. 1. Antrag Nißler(k.) auf Veteran enbeihülsen. 2. Antrag Bassermann betreffend Acnderung der Gewerbeordnung in bezug auf die Gehalts- zahlung a ir Angestellte. Schluß S'/z Uhr._ Gerichts-Zeitung. Schwcinewirtschaft im städtischen Armenhausc. Wegen Unterschlagung im Amte wurde am Donnerstag der frühere Inspektor K. des Königsberger Armenhauses von der dor- tigen Strafkammer zu der geringsten gesetzlich zulässigen Strafe von drei Monaten Gefängnis verurteilt. K. war früher Bezirks- feldwcbel und seit 1901 Inspektor des städtischen Armenhauses. Er bezog ein Gehalt von jährlich 2300 M. neben freier Wohnung, freiem Brennmaterial und Beleuchtung. Ihm war gestattet, von den Abfällen der Speiscwirtschaft Schweine zu mästen. Von dieser für eine Großstadt seltsamen Vergünstigung machte der Inspektor den ausgiebigsten Gebrauch. Als im November v. I. eine unver- hoffte Revision der Kasse stattfand, fehlten in derselben 1466,05 M. Dafür standen aber in den Ställen des Armenhauses 22 Schweine und 10 Ferkel, die K. der Stadt als Pfandobjekt zur Verfügung stellte. Am Tage darauf hatte K. denn auch den Fehlbetrag be» schafft und zahlte ihn auf der Stadthauptkasse ein. Am 19. November wurde er mit samt seinen Schweinen aus seinem Amte entlassen. In der Stadt der reinen Vernunft ist natürlich das Halten von Schweinen oder sonstigem Mastviehzeug ebenso wie in anderen Großstädten den Bürgern verboten. Nur für den Inspektor des städtischen Armenhauses gilt das Verbot nicht. Schon vor zwei Jahren veröffentlichte die„Königsberger Volkszeitung" eine Be- schwerdc der Einwohner der Nachbargrundstücke des Armenhauses wegen Verpestung der Luft, die durch die Schweinehaltung des Inspektors veranlaßt wurde. Darauf fand denn eine vorher an- gemeldete Untersuchung statt. Aber die Nasen der untersuchenden Beamten waren gegen den städtischen Schweineduft immun. Es wurde absolut nichts gerochen und die Schwcinewirtschaft wurde weiter betrieben. Bei der Verhandlung vor Gericht wurde übrigens auch fest- gestellt, daß der Magistrat es unterlassen hatte, für die Kassen- Verwaltung revisionsfähige Bücher einzuführen. Auch fand seit der Anstellung des Inspektors K. im Jahre 1901 bis Mai 1905 keine einzige Revision statt. In dieser Beziehung könnte man von einer Musterwirtschaft im städtischen Armenhause sprechen. Schweinereien. Ter während der ganzen Woche vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I verhandelte Prozeß gegen den Buchhändler Max Marcus wegen Verbreitung unzüchtiger Briefkaften der Redaktion. Schriften und Bilder ist gestern zu Ende gekommen. Das Urteil| Gericke vom Landgerichte I in Berlin am 8. Januar v. J. zu weil Frau Schellhaas in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend lautete auf 6 Monate Gefängnis und 1000 M. Geld- einer Geldstrafe von 10 m. verurteilt worden. Es handelt sich den Versuch gemacht hat, sich die Pulsadern durchzubeißen und stra fe event. noch 100 Tage Gefängnis. Der Gerichtshof ver- um die photographische Reproduktion eines in Paris ausgestellten infolge dieses Selbstmordversuches auf einige Tage verhandlungshängte gleichzeitig die Untersuchungshaft über den Angeklagten Delgemäldes. Dasselbe zeigt nie Weib, welches. wie es im Urteile unfähig ist. Die Verhandlungen werden Pienstag fortgesetzt wegen Fluchtverdachts mit der Maßgabe, daß die Haft gegen heißt, als einziges Kleidungsstück einen Morgenrod trägt. Dieser werden. Stellung einer Kaution von 15 000 M. wieder aufgehoben werden reicht nur bis knapp über die Scham und läßt in aufdringlicher Weise würde. Der Angeklagte erklärte, daß er die Bürgschaft nicht leisten, den übrigen Körper frei. Das Gesicht hat nach den Feststellungen sondern seine Strafe antreten wolle, da er doch nicht am Leben einen wollüstigen Ausdruck. Das Gericht spricht dem Bilde jeglichen bleiben würde. Bei den Schriften und Bildern, die zur Ver- künstlerischen Wert ab, da die etwaigen technischen Vorzüge des urteilung führten, handelt es sich im wesentlichen um jeglichen Originals auf der Photographie nicht zur Geltung kommen, auch an diesem Zage zu, also zur Veröffentlichung in der Sonnabend- Nummer Ober- Schöneweide. Ihre Anzeige zum Sonnabend ging uns erst Kunstwerts bare Schweinereien, die auch vor der Ler Heinze nicht geeignet sein würden, den schamber= strafbar waren, aber selten verfolgt wurden. Auch heute werden lehenden Charakter des Bildes zu beseitigen. weit mehr völlig unanstößige, fünstlerisch schöne Bilder usw., als Das Reichsgericht verwarf am Freitag die Revision. 3. B. die feit 1870 bereits strafbaren Annoncen in bürgerlichen Zeitungen verfolgt, die für Kinder und Jubelgreise verwirrende Dinge anpreisen. Kunstreproduktionen und der§ 184, 1 des B. G. B. Wegen öffentlicher Ausstellung einer unzüchtigen Abbildung in seinem Laden in der Friedrichstraße ist der Musikalienhändler Otto Zur filbernen Hochzeitsfeier des Jubelpaares Räder, Kassierer der Freireligiösen Gemeinde, am 26. Februar senden die herzlichsten Glückwünsche. Unserem Sangesbruder +128 Albert Räder nebst Frau zu ihrer silbernen Hochzeitsfeier am 26. d. M. die besten Wünsche und ein donnerndes Hoch. 3128 Männer- Chor d. Freidenker. Danksagung. Allen denen, die mir ihre Glückwünsche zu meinem Geburtstage übersandten, spreche ich auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank aus. 2382 A. Bebel. Sozialdemokratisch. Wahlverein für den 6. Berliner Reichstagswahlkreis. Am 23. ds. Mts. starb nach langem, schwerem Leiden unser langjähriges Mitglied, der Schneider Bernhard Last. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 27. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Freireligiösen Friedhofs in der Pappelallee aus statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Verband der Schneider und Schneiderinnen Todes- Anzeige. Den Mitgliedern geben wir hiermit bekannt, daß der Kollege Bernhard Last am 23. Februar im Alter von 34 Jahren verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag, den 27. februar, nachmittags 3 Uhr, auf dem Friedhofe der Freireligiösen Gemeinde, Pappel- Allee statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 162/11 Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband der Steinarbeiter. Berlin I. Am Donnerstag, den 22. b. M., verstarb unser Kollege, der Steinmeg Joh. Tröster. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntagnachmittag, vom Trauers house, Siegfriedftr. 54 in Niydorf, aus statt. Der Vorstand. 172/8 Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gießereiarbeiter Paul Baumgart verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 113/2 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratisch. Wahlverein Grünau. Am Freitag, den 23. d. Mts., starb nach furzem Strankenlager unser Mitglied, Genosse Karl Paeschke im 51. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montagnachmittag 4 Uhr von der Leichengalle des hiesigen Ge meinde- Friedhofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 202/4 Der Vorstand. Augusta- Bad, Kassenbäder jeder Art Köpenickerstr. 60.[ 17075* Am Donnerstag, den 22. d. M., verschied nach kurzem, schwerem Leiden unsere gute Mutter und Großmutter Sophie Wesenberg geb. Dürre. Die Beerdigung findet heute, Sonntag, nachmittags 22 Uhr, von der Leichenhalle des UrbanStrankenhauses aus nach dem Friedrich- WerderschenStirchhof statt. Die Hinterbliebenen. 2987b Deutscher Holzarbeiter- Verband Nachruf! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Modelltischler Karl Jonas am 5. Februar verstorben ist und am 9. Februar zur letzten Ruhe gebettet wurde. Ehre seinem Andenken! 81/6 O Die Ortsverwaltung. Invaliden- Unterstützungskasse d. Steindrucker u. Lithographen. Die Beerdigung des am 23. Februar verstorbenen Steindruckers oberbayerischen Schwurgericht tagenden Mordprozeß gegen das GheMordprozeß Schelhaas. In dem seit dem 16. d. M. vor dem paar Schellhaas wir berichteten über den Inhalt der Anklage am 17. d. M. follten nach achttägiger, die Anklage reichlich stützender Verhandlung gestern die Plaidoyers und das Urteil ge= sprochen werden. Dieser Plan hat aber aufgegeben werden müssen, zu spät. A. Wuthe. Ihre Frage läßt sich nicht in Kürze beantworten. Im internationalen Verkehr spielt die deutsche Sprache eine geringere Rolle als die englische. E. O. 100. Mit aufgelöstem Seleesalz bestreichen, dann . v. 100. Entspringt im Königreich Sachsen nahe der böhmischen Grenze mit einer Bürste unter Hinzufügung von Streideſtaub tüchtig bürsten. bei Gersdorf. Abonnent am Mühlendamm. 1. Nein. 2. Wenden Sie sich an die Organisation Ihres Kreises. Achtung! Arbeiter, Parteigenossen! Die Betriebskrankenkasse der Stadtgemeinde Berlin, Burgstraße, bleibt am Dienstag, den 27. Februar 1906 [ 270/17 Berl. Schneiderei- Genossenschaftung G. m. b. H. Brunnenstraße 185, im Laden, zwifchen Rofenthaler Tor und Invalidenstraße empfiehlt sich den werten Arbeitern und Parteigenossen zur Anfertigung von feinerer Herren- und Knaben- Garderobe fertig und nach Maß. Verkauf nur gegen bar! Streng feste Preise! Die Herstellung unserer Fabrikate erfolgt in eigenen Werkstätten unter den von der Organisation festgesezten Lohnbedingungen. Um geneigten Zuspruch bittend, zeichnet Hochachtungsvoll Hoffnung" 105/19 Berliner Schneiderei- Genossenschaft. Hermann Posemann Obige Genossenschaft ist gegründet von organisierten Schneidergehülfen Berlins findet statt am Dienstag, den 27. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gethse mane- Kirchhofes, Nordend. 196 Das Komitee. Danksagung. Für die zahlreiche Teilnahme und Blumenspenden bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Mannes und Baters Wilhelm Büttner sprechen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie dem Berein des 6. Berliner Wahlkreises, dem Beerdigungsverein der Maurer, dem Zentralverband der Puzer, dem Berliner Damen Chor Harmonie" und dem Vergnügungsverein„ Lustige Brüder" hiermit unseren aufrichtigsten Dant aus. 596 Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Allen werten Berwandten, Freunden und Bekannten, dem Herrn Chef der Firma Hermann Stiesling, sowie dem Gesangverein Rirdorfer Männer" or, welche meinem lieben Manne, dem Weber Paul Sorrer die letzte Ehre erwiesen haben, fage ich meinen innigsten Dank. 2402 Witwe Marie Sorrer geb. Neumann nebst Kindern. Blumen- und Kranzbinderei von Aug. Krause Wienerstraße 7. Bereinsfränze, Palmen- Arrangements, Guirlanden usw. liefere zu den billigsten Preisen. 59082* Verlag Max Richter Berlin W. 30 Speyererstr. 27, über 3000 Exempl. verkauft Die Harnleiden ibre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. Schaper, BERLIN Preis 1 Mark. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Speziatarzi jür 29/14 Haut- und Harnleiden. 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 2-1 Preise beliebige Teil. zahlung. InvalidenZahn- Klinik. Olga Jacobson, straße 145. + Hygienische Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m. Empfehl.viel Aerzte u Prof. grat. u.fr H. Unger, Gummiwarenfabrik Berlin NW.. 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" Stoff aus einem Zeitraum russischer Geschichte genommen, der dem Boden. Das Volk verehrt ihn als eine über die Schranken des von Schiller in seinem Demetriusfragment behandelten unmittelbar Menschlichen hinausgehobene höhere Natur. Und dieser schneidende vorangeht. Im ersten Teil der Trilogie ist" wan der Schreckliche", Kontrast von innerer Ohnmacht und äußerem Allmachtschein, von Berliner Theater. Gastspiel des Moskauerünt der im Kampf gegen die ererbte Macht der geistlichen und Adels- dem Darsteller so genial in jeder Wendung herausgearbeitet, verTerischen Theater"." Bar Feodor Joannowitsch." schichten, seinen Barenwillen als oberstes Gesetz dem Reiche auf- stärkt den Eindruck des Rührenden und Drolligen in der Gestalt. Tragödie in fieben Bildern von Alegej Tolstoj. Mit einem 81zwingen strebt und in wildem Größenwahn Verbrechen auf Ver- Seufzend, den Schweiß sich von der Stirne wischend, sizt er vor vollen Erfolge setzte das Gastspiel der berühmten Truppe am brechen häuft, der Held; das zweite, hier aufgeführte Stück entwirft den Papieren, die er unterschreiben soll, wie ein Schuljunge vor Freitagabend ein. Die Ruffen, die das Haus in allen Plägen in großen Zügen ein Gemälde feines in allen ihm so durchaus un- einem allzu schweren Benfum. Unfähig, in dem Streite der Parteien füllten, bereiteten ihren Landesgenossen auf der Bühne stürmische, ähnlichen Nachfolgers und Sohnes Feodor, unter dessen schwachem sich zu entscheiden, bricht er in jubelnde Freude aus, als sich die nicht endenwollende Ovationen; und ihr Stolz war wohl berechtigt. Megime der liftige weitschauende Boris Godunow, wie Jwan, ein Hoffnung auf die Versöhnung Godunows und Jwan Schujstis Das Künstlerische Theater" ist von den Herren Stanislawski Gegner des Adels und Verfechter des zaristischen Absolutismus, bietet, und fällt ihnen mit lauten schmaßenden Küssen um den und Dantschenko, die es noch gegenwärtig leiten, vor etwa 20 Jahren die Zügel der Herrschaft an sich reißt; den Abschluß bildet die Hals; und wie ein Kind an seiner Mutter, von der es sicher ist, gegründet und hat in raschem Aufschwung repräsentative Bedeutung Tragödie Bar Godunow", Glüd und Untergang des kühnen in jeder Kümmernis Mitleid und Troftesworte zu erhalten, hängt erlangt. Es steht in erster Reihe unter den russischen Bühnen und Emperkömmlings, der durch Demetrius, dem neuen Kronpräten er, der ältere, an seinem Weibe, schaut zu ihr Hülfe vereinigt in hoher Ausbildung die Tendenzen, die hier in Deutsch denten, besiegt, von allen verlassen einen ruhmlosen Tod stirbt. fuchend auf. Meisterhaft hält der Schauspieler in allem land in dem Brahmschen und dann dem Reinhardtschen Theater Die Intrigen, in denen Godunow und das adlige Geschlecht Wechsel der Affekte diesen Grundton des Kindlich- Kindischen festihre ausgeprägtefte Sondervertretung gefunden haben: den strengen der Schujski um die Macht ringen, haben gewiß nur mäßiges Inter- so in dem jähen Zorn, wenn er sich gegen Godunows überlegenen nach innen auf die intime schmudlos eratte Wiedergabe der seelischen esse. Aber die mit erstaunlicher Regiekunst inszenierten Bilder aus Willen plöglich auflehnt, in der maßlosen fußstampfenden Empörung, Ruancen gerichteten Naturalismus und das zu Phantasie und dem altrussischen Voltsleben und die wunderbar feine Charakter- als er dem Verschwörerplane, der ihn von der Gemahlin frennen Sinnen sprechende, malerisch dekorative Moment. Das Unter- studie, die Moskwin in der Rolle des Zaren dargab, boten selbst will, erfährt. Moskwin war der unvergleichlich stärkste Eindruck nehmen brach der modernen ausländischen wie heimischen drama- für die, denen nur das Bildliche, die Bewegungen, Gebärden und der des Abends, von den anderen Darstellern, die, soweit die Unbekannttischen Produktion in Rußland die Bahn, spielte Ibsen, Tschechow, Ton der Rede, nicht die Worte selbst etwa sagen konnten, veichlichen schaft mit der Sprache ein Urteil zuläßt, durchwog Gediegenes und Gorfi, Tolstojs lange Zeit verbotene Macht der Finsternis" und Ersak. Den ausgesprochenen Schwachsinn Feodors, von dem die Gutes, wenn auch nicht geradeswegs Ueberraschendes boten, sei hier fuchte ebenso in der Wiedergabe klassischer Werke nach neuen Bahnen. Geschichte berichtet, hat der Dichter in eine geistige Schwerfälligkeit nur noch Wisch newsfi in der Rolle des Godunows und Fräulein Die historische Trilogie des älteren, 1875 gestorbenen Grafen und Willensschwäche abgemildert, die in dem Spiel Mostwins durch Sawistaja, die der Figur der jungen Zarin eine stille herz-, Alerej Tolstoj, zu der Bar Feodor Joannowitsch" gehört, liegt nicht die überall durchschimmernde, naib gutmütige Kindlichkeit des Wesens liche Anmut verlieh, mit Namen erwähnt. Glänzend in Aufbau in Uebersezung vor, doch ermöglicht eine kurze Stizzierung des eine Art man kann fast sagen Verklärung erhält. In prunkvollen und an Ensemblewirkung waren die beiden großen Volksszenen, der Gesamtwerkes und ein sehr eingehendes Szenarium in dem Theater- brokainen Gewändern steht er vor uns, mit dem breiten schlaffen Aufzug von Jwan Schujstis neugierigen, armseligen Hinte chaffen heft auch dem deutschen Zuschauer, dem Gang der Handlung zu Gesichte und den flachigen glatt herunterfallenden Haaren, die in der Königsburg, die beim Anblide des Baren wie eine scheue folgen. Der Dichter, dessen Schöpfung, heißt es, von den Russen Finger barbarisch geschmalllos von Ringen überladen. Er wohnt Lämmerherde sich zusammendrängen, und im letzten A das Bild zu ihrer Klassischen Nationalliteratur gerechnet wird, hat seinen in goldenen Gemächern, und was ihm naht, wirft sich vor ihm zu der vor der alten Kathedrale versammelten Mass. ORIGINAL * SINGER Singer Nähmaschinen. 56682* Einfache Handhabung! Große Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleistung! Weltausstellung Weltausstellung Grand Prix St. Louis 1904. 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Wirtschaftlicher Wochenbericht. Mietspreife Genossenschaftswohnungen Privathäuser Border Sinter Vorder- Hinter haus haus haus haus Prozent Prozent Prozent Prozent bis 150 Mart 151-250 251-350 351-450 451-550 über 551 5,5 1,2 2,2 6,0 32,5 39,6 18,2 28,4 D 28,2 54,9 18,0 43,4 " 17,1 3,1 24,7 16,9 9,5 1,2 20,4 3,8 7,4 16,5 1,7 heran. So werden dann die Wohnungen teurer und die Konfumenten durch Bodentucher geplündert. Wie die Mieter durch die Grundrente betuchert werden, dafür liefert auch die Feststellung Berlin, den 24. Februar 1906. über die Baukosten einen beachtenswerten Beitrag. Auf je 100 M. Grundrente Lohnkosten- Mietspreise. Ertverbskosten entfallen in Ueber die Höhe der Bodenrente und der Lohnkosten für den Großstädten Mittelstädten Kleinstädten Landstädten Wohnungsbau liefert einen interessanten Beitrag die vom Reichsamt Baukosten 418 M. 570 M. 931 M. 1720 M. des Innern im Jahre 1904 veranstaltete Erhebung über WohnungsAber obwohl in den Großstädten die natürlich viel teureren wesen, betreffend die Verhältnisse in den mit Reichsunterstüßung Hochbauten aufgeführt werden, ist hier die auf den gleichen Anteil errichteten Genoffenschaftswohnungen, im Vergleich mit im freien Ver- Landkosten entfallende Lohnquote bedeutend geringer als im Verfehr hergestellten Mietshäusern. So bescheiden die Grenzen find, in hältnis zu Klein- und Landstädten. Nehmen wir für Großstädte denen sich die Erhebung bewegte, den Vorzug, daß diese nicht tendenziös vierstödige, für Kleinstädte zweistödige Häuser als normal an, bann gefärbt ist, zugunsten sozialistischer Argumentation, wird ihr fein gelangt man zu folgendem Resultat: Ein Quadratmeter bebaute Briefter der kapitalistischen Orthodogie absprechen können. Es handelt läche beansprucht in den Großstädten fast dreimal so viel fich nicht um fraffe Fälle, die man als Auswüchse bezeichnen könnte, Bautosten als in Kleinstädten, aber auf je 100 M. Grund- Bei den Preisen von 151 bis 350 M. tritt die Flucht in die nein, die Erhebung erstrecte sich über Verhältnisse, die lediglich gering foften entfallen in legteren 2 mal mehr Baukosten als in Hinterhauswohnungen markant in Erscheinung. Von den Genoffenbeeinflußt wurden durch die Art der Organisation und Verwaltung Großstädten! Also trog der so viel verschrienen an- fchaftswohnungen find 1831 im Vorderhaus, 164 im Hinterhaus be der ber Enquete zugrunde gelegten Objekte. Trogdem geblich für das Baugeschäft ruinösen hohen Löhne in den Groß- legen, bei den Wohnungen in Privathäusern find die Zahlen 1522 find die Ergebnisse der Erhebung, die unt dem Reichstädten ist hier der Lohnanteil an den gesamten Herstellungskosten und 183. Bei der ersteren Kategorie drängen sich die meisten Vordertage in einem starken Quartheft vorgelegt worden sind, wohl bedeutend geringer als in Kleinstädten, und in diesen ist die Lohn- Hauswohnungen auf die drei ersten Mietsklassen zusammen Der Beachtung wert. Zwed des Unternehmens war, den quote wieder noch erheblich niedriger als in Landstädten. Mit dieser 66 Proz. bei der anderen Wohnungskategorie liegen die Ver1laterschied der Mietspreise in Genossenschaftshäusern und in Tatsache ist das von Bodenwucherern, Hausagrariern und Baulöwen hältnisse umgekehrt. von privater Seite vermieteten Wohnräumen, sowie die Herstellungs- mit Borliebe folportierte Märchen, nach welchem die Höhe der Wietsklassen. -61 Broz. entfallen hier auf die drei höheren fosten bei diesen und jenen zu ermitteln. Da für die im freien Stundenlöhne von entscheidendem Einfluß auf die Mietspreise sein Berechnet man die Mietspreise nach dem Verhältnis pro einen Verkehr hergestellten Häuser die Kosten nicht ermittelt werden soll, gründlich abgetan und die Jeremiaden über die Verteuerung Quadratmeter Wohnfläche, dann ergibt sich folgendes Bild. Von fonnten, ist leider ein Vergleich der Baukosten bei den beiden der Bauten und der Mieten in den Großstädten als Folge von ge- 100 Borderhauswohnungen entfallen auf die angeführten MietsWohnungsarten nicht möglich. Die Zahl der vom Reiche beliehenen stiegenen Stundenlöhnen sind auf ihren wahren Wert zurückgeführt. tlassen: Säufer, die in die Erhebung einbezogen wurde, belief fich auf 417. Daß mit Lohnsteigerung auch die Arbeit rationeller wird, teils in Die für diese aufgewendeten Baulandkosten, einschließlich Straßen folge besserer Arbeitstechnik als auch durch intensivere Ausnußung fosten, beziffern sich auf 2 785 568 M., die Baukosten aber auf der Arbeitskraft, daß weiter die höheren Haustosten in den Groß13 234 656 M. Ein Quadratmeter Bauland kostete im Durchschnitt städten vorwiegend den wucherischen Landpreisen zu danken sind, 15 M., und auf je 100 M. Bodenkosten entfallen 475 M. Baukosten. lehrt folgende Zusammenstellung. Bei den in Frage kommenden Außerordentlich verschieden sind die Baukosten je nach Höhe der Genossenschaftshäusern entfallen auf 1 Quadratmeter Wohnfläche in Häuser resp. nach Anzahl der Stockwerke. Es wurden zum Beispiel Großstädten Mittelstädten Kleinstädten Landstädten ermittelt auf je einen Quadratmeter bebauter Fläche, Baukosten bei M. Mr. Häusern mit Stodwerke Mart • 1 • 2 70 85 3 4 5 158 224 346 94 W. 17 99 9 83 WT. 5 79 ( Jahresmiete für 1 Quadratmeter Wohnfläche) bis 3,49 m. 3,50-5,49 SP 5,50-7,49 7,50-9,49 " " int Genossenschaftshäusern in Privathäusern 6,3 1,18 54,0 22,0 27,9 36,2 10,9 26,4 0,76 18,2 mehr wie 9,50 Bodenkosten 22 Hier tritt ganz finnenfällig in Erscheinung, daß in den Ge Baukosten noffenschaftshäusern die Wohnungen billiger find als in Private Die Vorliebe für hohe oder niedrigere Häuser wird im allIn den Großstädten sind die Bautosten relativ also noch um häusern; bei über 62 Broz. aller baugenossenschaftlichen und nur bei gemeinen bestimmt von dem Verhältnis der Bodenpreise zu den 5 M. pro 1 Quadratmeter Wohnfläche niedriger als in Mittelstädten. rund 24 Proz. der von Privatunternehmern vermieteten Wohnungen Sirekten Baukosten. Je höher die Bodenpreise, desto mehr strebt Die Differenz zwischen den Bautosten in Großstädten gegenüber stellt sich die Jahresmiete für den Quadratmeter Wohnfläche So wenig erschöpfend das Material Bild gibt die Zusammenstellung der Landkosten nach Ortstlaffen. spielige Hochbauen. Es muß bei Würdigung vorstehender Zahlen der Bodenwucher ist die Haupttriebfraft bei den unaufhörlichen Miets Bild gibt die Zusammenstellung der Landkosten nach Ortsklassen. often; die höheren Baukosten verschuldet in der Hauptsache das tost- it, so eng der gezogene Kreis der Erhebung, jedenfalls das man bei den Bauten den Wolfen entgegen. Ein sehr interessantes Landorten ist nicht so groß, als die Spannung zwischen den Boden- auf unter 5,50 Mart. Urteil darf man aus den gewonnenen Resultaten ziehen: Es wurde nämlich gezahlt für ein Quadratmeter Bauland immer noch im Auge behalten werden, daß die Genossenschaften ihr Hauptaugenmert auf billigen Grundstückserwerb richten und steigerungen. Die Höhe der Stundenlöhne übt auf die Gesamtdaher folche Komplere wählen, die von der Spekulation noch bautosten nur einen minimalen Einfluß aus und kommt gegenüber nicht mit Beschlag belegt find oder wegen der örtlichen Lage art, welche von den Grundstückspreisen bestimmt wird, kaum in BeKosten der Grundstüde und denjenigen der Bauungsder normalen Preistendenz nicht folgen fönnen. Andererseits in Großstädten Mittelstädten Kleinstädten Landstädten • 9 W. 31 · 11 3 0,88 den D. find Genossenschaften in höherem Maße betrügerischen Manipulationen tracht. Weiter aber ergibt sich, daß die Genossenschaften, obwohl fie Der Grundbesizer, dem durch persönliche Verdienste" wie Erbschaft ausgefegt als der private Bauunternehmer, diefer kann billiger dem Bodenwucher sich nur wenig entziehen fönnen, doch billigere und dergl. ein Landtompler in einer Großstadt zufällt, der an dem bauen, als sich meist für Genossenschaften die Baukosten stellen. Wohnungen zur Verfügung stellen als der private Wohnungsmarkt. Aufschwung der Stadt, an deren Ausdehnung nicht den geringsten Daß dadurch die Mietspreise start beeinflußt werden, ist nicht zu Anteil hat, fact für i Quadratmeter Bauland 35 mal so biel ein, leugnen, da aber der Hausagrarier ausgeschaltet ist, können die Geals der Grundbesig veräußernde Landstädter. Daß der erworbene nossenschaften die Wohnungen doch zu niedrigeren Mietspreisen abBesitz kein Verdienst darstellt, sondern lediglich als kapitalistische Plünder- geben, als der private Vermieter verlangt. Um einen Vergleich der Wafferstand am 23. Februar. Ibe bei Auffig+0,74 Meter, bet beute zu bewerten ist, das bestreiten wohl nur diejenigen, Sie an solcher Mietspreise zu ermöglichen, hat das Reichsamt die bezüglichen Dresden- 0,95 Meter, bei Magdeburg+1,52 Meter. in strut bei Beutemacherei intereffiert sind. Auch für die an der Peripherie der Bahlen von 1995 Genossenschaftswohnungen und von 1705 Wohnungen, Breslau Oberpegel+5,04 Meter, bei Breslau Unterpegel Straußfurt+ 1,60 Meter. Dder bei Ratibor+1,38 Meter, bei Groß- und Induſtrieſtädte belegenen Grundstücke, die plöglich ohne die sich in Privatbesiz befinden, zusammengestellt. Die Mieter sind bei Frankfurt+1,40 Meter. Weichsel bei irgend welches Zutun der Besitzer aus Ackerland zu Bauland werden, in allen Fällen Postbeamten. Wie die von der Erhebung erfaßten+ 2,78 Meter. War the bei Posen+1,14 Meter. treibt man die Preife oft bis nahe an die höchste Durchschnittsgrenze Wohnungen fich nach Mietspreisen abstufen, zeigt diese Tabelle: Usch Meter. Einsegnungs- Anzüge Reichhaltigste Auswahl in den neuesten Moden und Webarten, Kammgarnen, Satins, Cheviots, Drapés, Meltons, Tuchen u. s. w. 33.- 30.- 27.24,-22, 20.- 18.16.- 14.- 12.50 M. Jeder Käufer eines Einsegnungs- Anzuges erhält reizende Beigaben umsonst. Wäsche, Hüte, Handschuhe u. s. 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Zahlreichen Besuch erwartet 238/ 9* Der Vorstand. III. Wahlkreis. Sonntag, den 25. Februar, abends 6 Uhr, in Voigts Ritter: Sälen", Ritterstr. 71/75: Geffentliche Versammlung für Männer und Frauen. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Stripp( Rezitation). Nach der Ber Gemütliches Beisammensein. jammlung: Entree inkl. Garderobe 20 Pf. Tanz frei. Bu recht zahlreichen Besuch ladet ein 240/ 8* Der Einberufer. 6.Wahlkreis Schönhauser Vorstadt. Sonntag, den 25. Februar, abends 6 Uhr: Oeffentliche Verfammlung für Männer und Frauenin den Berolinasälen, Schönhauser Allee Nr. 28. Zages Ordnung: 1. Vortrag der Genossin Frau Kiesel. 247/ 5* 2. Diskussion. Nach der Gemütliches Beisamme usein mit Tauz. Versammlung: Uhr, Hafenheide 108-114: Große öffentl. Protest- Versammlung. Tages- Ordnung: Die Steuerpolitik der Regierung und die geplante Postkarten- Steuer mit ihren Folgen für das graphische Gewerbe. Referent: Reichstags- Abgeordneter Richard Lipinski. 288/9 In Anbetracht der den graphischen Berufen drohenden Gefahren erwarten wir, daß alle Buchdrucker, Lithographeu, Steindrucker, Chemigraphen, Lichtdrucker, Kupferdrucker, Buchbinder, sowie alle beteiligten Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen, Postkartenmaler und Koloristen in Massen erscheinen. Im Auftrage der Ortsvorstände: Der Einberufer. Arbeiter Sängerbund Berlins und Umgegend. Sonntag, 4. März, vorm. 11 Uhr, in der Brauerei friedrichshain: Uebungs- Stunde. Lieder: Gruß an den Mai." ,, Völkerfrühlingslied." ( Uthmann) Dem Lenz entgegen". " Festgesang" Im Nebensaale: Husfchuß- Sitzung. vormittags präzise 10 Uhr: Tages- Ordnung: 16/3 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Bundesangelegenheiten. Die Vereine werden auf§ 5 des neuen Statuts aufmerksam gemacht; in demselben heißt es: bis je 30 attive Mitglieder ist ein Delegierter zu entsenden. Achtung! Putzerträger! Achtung! Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands. Montag, den 26. Februar 1906, abends 8 1hr, in Wernaus Festfälen, Schwedterstr. 23: Deutscher Holzarbeiter- Verband. Versammlung aler bei Putern beſhäftigten Kollegen. Möbelpolierer. Montag, den 26. Februar, abends 8½ Uhr, im Königstadt- Kasino, Holzmarktstraße 72: Branchen- Verfammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen W. Haak über: Moderne Beizen. 2. Disfuffion. 3. Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung wird zabreicher Besuch erwartet. Der Branchenleiter. Der jetzige Branchenleiter Oskar Dumke wohnt Stästrinerplatz 10. Adressen der Obleute: Bezirk O.: Franz Bollfraß, Am Ostbahnhof 7. n SO.: Albert Schreiber, Kottbuser- Damm 4. N.: Karl Kuß, Lorgingstr. 26. NB. Der diesjährige Maskenball findet am 24. März im Lokale Königsbank", Gr. Frankfurterstr. 117 statt. Es wird den Kollegen zur Pflicht gemacht, für regen Vertrieb der Billetts zu sorgen. Korbmacher. Montag, den 26. Februar, abends 8½ Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ulfer 15: Branchen- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht über die gegenwärtige Lohnbewegung. 2. Diskussion. 3. Branchen- Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Tages Ordnung: 1. Die Lage der Puzerträger im allgemeinen und wie ist dieselbe zu verbeffern? Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Disfuffion. 3. Verschiedenes. D Das Erscheinen aller Buzerträger ist erforderlich. Der Zweigvereins- Vorstand. 33/6 Der Vorstand. aller in der Berliner Parks und Gartenverwaltung tätigen Personen Tages- Ordnung: 1. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der bei der Stadt Berlin beschäf tigten Gärtner, Garten- und Partarbeiter und der Kampf der Gärtner und Gartenarbeiter der gewerblichen Gärtnerei um Verbesserung der Lebenslage. 2. Freie Aussprache. 3. Beschlußfassung über zu unter nehmende gemeinsame Schritte und über eine Eingabe an die Stadt verwaltung. Die Kollegen aus der gewerblichen Gärtnerei, Branche Landschaftsgärt. nerei, find zu dieser Versammlung gleichfalls eingeladen. Aus der städtischen Gärtnerei fehle niemand in dieser hochwichtigen Versammlung. Kronleuchter- Fabrik. Größte Auswahl. 100 Kronen $ für Gas und Petroleum von 10-300 Mark. Verkauf zu billigst. Fabrikpreisen an Private. Auf Wunsch kulante Zahlungsbedingungen ohne Preiserhöhung. Siegel& Co., Prinzenstraße No. 33. Droschkenführer Berlins u. Umgegend und sonstige Intereffenten des Droschkenfuhrgewerbes. ntag, ben 26. b. W., vormittags 11 Uhr, im Lokal„ Neue Welt“, d. Safenheide 108-114: Oeffentliche Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Die Gefährdung unserer Eristenz durch die polizeilichen Bestimmungen. 2. Was haben wir dagegen zu tun? Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung liegt es im Interesse eines jeden Berufsgenossen zu erscheinen. 30006 Der Vorstand des Vereins der Droschkenführer Berlins u. Umgegend. Verbandder Kürschner Arbeiter- Bildungsschule Berlin Berlins und Umgegend. Geschäftsstelle und Arbeitsnachweis jetzt Gollnowstraße 5. Mittwoch, den 28. Februar 1906, abends 8 Uhr, im„ Alten Schükenhause", Linienstr. 5: Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 102/7 1. Bortrag über:" Die Freie Vereinigung deutscher Gewerk schaften und der Emanzipationskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Genoffe F. Kater. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Delegierten zum VII. Stongreß der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften. 4. Gewerkschaftliches. Das Erscheinen aller Mitglieder erwartet Der Vorstand. Stukkateure! Donnerstag, den 1. März, abends 8, 1hr, pünktlich, bei Franke, Sebastian str. 39: Die Kommission. Außerordenti. Mitgliederversammlung der Gruppen A. n. B. Knopfmacher. Mittwoch, den 28. Februar 1906, abends 7 Uhr: Branchen- Versammlung der Tagesordnung: 1. Unsere Fensterfrage. 2. Fortseßung der Debatte über die Unterftützungseinrichtungen unserer Organisation; erster Redner Kollege M. Giebler. 3. Die vorgeschlagenen und anderweitigen Statutenänderungen. Da diesesmal, entgegen sonstigen Gepflogenheiten, der Donnerstag als Versammlungstag gilt, so erwartet trotzdem zahlreichen Besuch 173/ 7* Die Ortsverwaltung. Perlmutt, Horn- und Steinnuf Knopf- Arbeiter Zentral- Verband der Töpfer. und Arbeiterinnen im Gewerkschaftshanie, Engel- llfer 15, Saal 5. Tages- Ordnung: 1. Die Lage der Knopfarbeiter und wie verbessern wir dieselbe? Die Arbeitslosenunterstützung wird am Montag, Referent: Sollege R. Leopold. 2. Wahl von 2 Kommissionsmitgliedern. Den 26. d. M., von 12 bis 5 Uhr nachmittags im 3. Der Streit bei der Firma Abramowski. 4. Werkstatt- Angelegenheiten. 5. Verschiedenes. Der sehr wichtigen Tagesordnung wegen ist es Ehrenpflicht eines jeden Kollegen, zu erscheinen. Kollegen! Agitiert für regen Besuch. Der Obmann. Gewerkschaftsbaufe, Engel- fer 15 ( Saal 1 und 3), ausgezahlt. Diejenigen Kollegen, welche sich nicht zur Kontrolle gemeldet haben, sind laut Versammlungsbeschluß vom 21. d. M. Branche der Marqueteure Mosaikarbeiter.icht unterſtützungsberechtigt. 11. Montag, den 26. Februar, abends 8%, Uhr: Branchen- Versammlung im Gewerkschaftshause Engelser 15, Saal 2. Zages Ordnung: 1. Stellungnahme zum Tarif. 2. Anträge zum Verbandstag. 3. Berschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Kommission. NB. Die Kollegen der Firma Schwertle, Romintener. straße 12, find hiermit besonders eingeladen. Achtung! Einsetzer. Achtung! Mittwoch, den 28. Februar, abends 8 Uhr: Branchen- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engel- llfer 15, Saal 1. Tages- Ordnung: 1. Bericht vom Gautage. 2. Unser Bertrauensmänner System. 3. Branchen- Angelegenheiten. Zahlreichen Besuch erwartet 81/5 Der Obmann. Mittwoch, den 28. Februar 1906, abends 8%, lhr: Branchen- Versammlung der Modell- und Fabriktischler sowie der Modelldrechsler in Schmidts Gesellschaftshans, Gartenstraße 6. Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Tarnow: Die deutsche Revolution von 1848". 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Dle Branchenkommission. ( Siehe Versammlungsbericht in heutiger Nummer.) 195/12 Der Vorstand. werden kann! Lebens- Elixir ,, Manegold" ist ein außerordentlich wohlschmeckender und besonders magenstärkender, halbsüßer Likör. Es ist das wohlfeilste, bekömmlichste Genußmittel, welches bisher überhaupt auf dem Markte erschienen ist, dem kein zweites in ähnlicher Preislage zur Seite gestellt Sonntag, den 25. Februar, abends 7 Uhr, im ,, Königstadt- Kasino", Holzmarktstraße 72: Vortrag des Genossen Emil Dittmer über: ,, Darwinismus und Sozialismus“. 4/ 8* Nach dem Vortrag: Gemütliches Beisammensein u. Tanz. Eintritt 20 Pf. inkl. Garderobe. Achtung! Achtung! Den werten Vereinen sowie Gewerkschaften zur Kenntnis, daß in der Prachtsälen des Ostens ( Juhaber: Cranz) keine organisierten Musiker beschäftigt find. Wir bitten die werten Besteller, hiervon Kenntnis zu nehmen. 50/1 Der kostenlose Arbeitsnachweis des Zentralverbandes der Zivilmusiker Deutschlands befindet sich Brunnenstr. 188 bei Wilke. Der Vorstand des Zentralverbandes der Zivilmusiker Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Verband deutsch. Gastwirtsgehülfen ( Ortsverwaltung Berlin.) Dircksenstr. 39 1. Amt III. 1813. Das Lokal „ Pracht- Säle des Ostens" Gastwirt Granz Frankfurter Allee 151/152 ist, da auch die neuerdings am 14. Februar stattgefundenen Verhandlungen, an welchen der Vorstand des Zentral- Wahlvereins und der Ausschuss der Berliner Gewerkschaftskommission beteiligt waren, zu feiner Ginigung führten, 288/ 11* für organisierte Gastwirtsgehülfen gesperrt. NB. Bir erfuchen alle Vorstände und Komitees, soweit fie bei Herrn Cranz Versammlungen und Vergnügungen abgemacht haben, uns gefl. ihre Adressen anzugeben, damit wir in der Lage find, über die Ursachen der Sperre die notwendige Aufflärung zu geben. Betrifft das Preis- Ausschreiben über 1000 M. Da zur Prämiierung geeignete Versdichtungen zu den originellen Typen, die auf den Flaschen- Etikette meines vom Berliner Publikum mit so großem Beifall aufgenommenen Lebens- Elixir ,, Manegold" sich befinden, bisher in genügender Anzahl nicht eingegangen sind, so ist es nötig geworden, die Prämiierung bis zum 15. Oktober d. J. hinauszuschieben. Eine zweite Prolongation des Termins findet nicht statt und sind die verehrlichen Leser dieser Zeitung gebeten, bis dahin sich noch recht lebhaft an Preis- Versdichtungen zu beteiligen. Wie bereits früher mitgeteilt, werden die bis zum 15. Oktober d. J. bei der unterzeichneten Firma eingegangenen Verse seitens drei Berliner Schriftsteller gesichtet und nach deren Ermessen mit den bereits bekannt gegebenen Preisen prämiiert werden! Die 10 besten Versdichtungen werden s. Z. bekannt gemacht werden! Dampf- Likörfabrik F. W. Manegold, W., Geisbergstr. 29. Zu haben in allen Kolonialwaren- und Delikateß- Geschäften,-Literflasche 1,25 M Vegetabilien mit großer Sachkenntnis hergestellt, ,, Manegold" ist von ausgesucht magenstärkenden Eigenschaften in keinem Haushalte fehlen. achtet und sollte wegen seiner hervorragenden ist von ersten medizinischen Autoritäten begutLebens- Elixir„ Manegold" absolut fuselfrei und sehr bekömmlich! T WARENHAUS HERMANN TIETZ 8 Pf. 11 cm Kaffeetassen, Paar Kaffeetassen mit Goldrand Kaffeetassen, dekoriert Eierbecher mit Goldrand Saucièren Bratenplatten rund Bratenplatten oval 8 Pf. 12 Pf. Compotteller, 1 Reihe oliven 23 Pf. Käseglocken, geschliffen 3 Pf. 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Die Sektionsleitung. Sonntag, 25. Februar 1906. ordnung: 1. Vorstandsbericht; 2. Sassenbericht: 3. Vereins- Stüd 0,90-1,10. Hühner pro Stüd, alte 1,40-2,50, junge 0,80-1,40, Tauben, junge 0,50-0,70, alte 0,40-0,45. Enten, angelegenheiten; 4. Vorlesung. Es ist Pflicht eines jeden Mit- do. IIa 0,00-0,00. Stüd 1,40-2,25. Gänse pr. Pfd. Ia 0,00-0,00, IIa 0,00-0,00, russische gliedes, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. 0,30-0,50 M. Schellfische 28-32 M., Flunder 12-16 M. pro 100 Bfd. Hechte 112-117, Schleie, unfort. 120, Male, groß 00,00, mittel 00-00; Plößen 61-66, Karpfen 00,00, Rheinlachs 675, Seelachs 20-25 M. pr. 100 Pfd. Schottische Bollheringe( gesalzen) 40-44 M. Gier, Schod 3,30-3,60. Butter pro 100 Pfund Ia 121-123, IIa 118-120, IIIa 115-118, abfallende Kartoffeln pr. 100 ẞid. rote 2,00-2,20, Rosen 0,00-0,00, 00-00. blaue 0,00-0,00, runde weiße 1,80-2,00. Wirsingkohl pr. Schock 7,00-12,00, Beißfohl pr. 100 ẞfd. 4,25-4,50, Rotkohl pr. Schod 6,00-10,00, boll. 14-16 M. Saure Gurken, Schock 2,00 M., Pfeffergurfen 2,00 M. Friedenau. Am Dienstag, den 27. Februar, abends 1/29 Uhr, tagt bei Grube eine öffentliche Versammlung. In derselben hält Fräulein Baar einen Vortrag über: Welchen Wert hat die Bildung für die Arbeiterin?" Zugleich findet an dem Abend die Gründung eines Frauen und Mädchen- Bildungsvereins statt. Teltow. Am Mittwoch, den 28. Februar, abends 81 Uhr, hält Schöneberg. Der Verein für Frauen und Mädchen Schönebergs der hiesige Frauen und Mädchen- Bildungsverein im Lokale des Herrn und Umgegend hält am Montag, den 12. März die halbjährliche G. Bickenhagen seine Mitglieder Versammlung ab. Es ist Pflicht Generalversammlung in Weimanns Klubhaus, Hauptstr. 5/6, ab. eines jeden Mitglieds, zu erscheinen und für guten Besuch Agitation Einlaßkarten zu dem am 3. März in Obsts Festfälen stattfindenden zu entfalten. Gäste sind willkommen. Zahlreiches und pünktliches Maskenball find vorher bei folgenden Mitgliedern zu haben: Frau Erscheinen erwartet Der Vorstand. Arndt, Gothenstr. 35; Frau Lehnert, Prinz Georgstr. 4; Frau Wickert, Gustav Freytagstr. 8, und Frau Bäumler, Martin Lutherfraße 51; ferner in der Spedition des„ Vorwärts". Siehe Inserat in der heutigen Nummer des Vorwärts". An der Kasse werden Einlaßkarten nicht verabfolgt. Der Vorstand. " Rigdorf. Heute abend 6 Uhr, tagt im Lokale des Herrn A. Flick, Hermannstr. 170, eine öffentliche Frauenversammlung. Die Genoffinnen des 15. und 16. Kommunalwahlbezirkes sind hierzu besonders eingeladen. Zahlreichen Besuch erwartet Die Vertrauensperson. Gute Fortschritte. Die proletarische Frauenbewegung macht auch in Köln treffliche Fortschritte. Im Jahre 1903 hatte die Vertrauensperson eine Einnahme von nur 300 M., im Jahre 1904 waren es etwa 500 m., in ihrem Jahresbericht über 1905 aber konnte die Vertrauensperson eine Einnahme von 866 m. verzeichnen. Die Zahl der organisierten Frauen und der Abonnentinnen der" Gleichheit" ist in stetem Steigen begriffen. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen- Direftion. Rindfleisch Ia 63 66 pr. 100 Pfund, IIa 54-62, Reinickendorf( Dft). Der hiesige Bildungsverein für Frauen IIIa 49-53, IVa 39-47. Stalbfleisch Ia 80-88, IIa 63-75, IIIa 54-60, und Mädchen hält am Dienstag, den 27. d. Mts., abends 81% Uhr, Sammelfleisch Ia 62-73, IIa 56-62. Schweinefleisch 74-79. Rotwild im bekannten Vereinslokal seine Generalversammlung ab. Tages- Pfund 0,60-0,63, Damwild 0,00. Hafen Stück 0,00-0,00. Kaninchen Jedes Wort: 5. Pfennig. Das erste fettgedruckte Wort 10 Ptg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Witterungsübersicht vom 24. Februar 1906, morgens 8 1hr. Stationen Barometer stand mm Wind. richtung Windstärke Wetter Swinemde. 753 SSD 1Schnee Hamburg 753 ND Berlin 1 Schnee Frantj.a. M 752 N München 752 28 Wien Temp. n. C. Stationen Barometers land mm 0 Haparanda 777 M Wind richtung Windstärke Better Temp. n. C. Wo Do 2'wollen!-29 2 bedeckt 1 Petersburg 765 752 SO 1 Scilly 755 WNW 2 bedeckt 4 bedeckt O Aberdeen 0 Paris 4 heiter 6 bedeckt 752 WSW 1 heiter 756 N 3 bedeckt -12 7 -2 0 755 SD 1 wolfig Wetter- Prognose für Sonntag, den 25. Februar 1906. Etwas tälter, zunächst meist trübe mit leichten Schneefällen und mäßigen nordöstlichen Winden; später langsam auffklarend. Kleine Anzeigen. Teppiche!( fehlerhafte) in allen Größen für die Hälfte des Wertes im Teppichlager Brünn, Hadescher Markt 4, Bahnhof Börse. 254/ 12* Sofn, wie neu, 21,00. Meide, Große Hamburgerstraße 18/19. 256/20 Chaiselongue, Taschensofa, Trumeau, mahagoni, nußbaum, Ausziehtische, Kreuzverband, Bettstellen, einzelne Matrazen gang billig. Andreasftraße 57, vorn Steller, Lazarus. Damenhüte, spottbillig nur BappelAllee Nr. 140, Edhaus Schönhauser Allee. Gardinenrefte spottbillig. 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In Schlachtensee steht das Lokal von August Nüter( Neues Gesellschaftshaus), Eitel Frisstr. 12, der Arbeiterschaft zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung.. Die Lokalfommission. Achtung! Parteigenossen! Dem Wunsche der Parteigenossen folgend, hatte sich der Aftionsausschuß im Verein mit der Berliner Gewerkschafts. Tommission bemüht, die zwischen der Ortsverwaltung des Verbandes der Gastwirtsgehülfen und dem Restaurateur Grang ( Prachtsäle des Ditens) entstandenen Differenzen beizulegen, doch sind unsere Bemühungen ohne Erfolg gewesen. Wir nehmen daher Abstand, die Crankschen Brachtfäle des Ostens, Frankfurter Allee 151/152, zu Versammlungen oder Vergnügungen zu benutzen, bis die obschwebenden Differenzen geregelt find. Der Aktionsausschuß. Nieder- Schönhausen. Auf der Tagesordnung der am Dienstag, den 27. d. M., abends 8 Uhr, in Stephans Lindengarten" statt findenden Wahlvereinsbersammlung stehen: 1. Protokoll berlesen. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Da die fällige Versammlung Dinge zur Sprache bringen wird, die auf die bevorstehende Gemeindewahl Bezug nehmen, haben alle Mit glieder pünktlich zu erscheinen. Am Montag, den 26. Februar, abends Ober- Schöneweide. 8 Uhr, findet im Schloßpart Wilhelminenhof eine öffentliche Einwohnerversammlung statt. Tagesordnung: Bericht der Gemeinde vertreter über ihre Tätigkeit. Diskussion. Aufstellung der Kandidaten zur Neuwahl. Verschiedenes. Es ist Pflicht jedes Einwohners, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Nowawes- Neuendorf. Heute Sonntag werden in den bekannten Lokalen Beiträge entgegengenommen. Am Mittwoch, den 28. d. M., öffentliche Versammlung bei Schmidt, in welcher der Reichstagsabgeordnete Friz Zubeil über irrniffe der Weltpolitik" sprechen wird. Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildet die bevorstehende Gemeindewahl in Nowawes und Neuendorf. Reinickendorf- Oft. Am Dienstag, den 27. Februar, abends 8 Uhr, findet im Restaurant Kirsch, Martstraße 2/8, die Mitgliederversammlung statt. Da in dieser Versammlung die Kandidaten zur Gemeindevertreterwahl nominiert werden sollen, ist das Erscheinen sämtlicher Mitglieder Pflicht. Der Vorstand. Charlottenburg: 4. Bezirk. Dienstag, den 27. Februar 1906, abends 8 Uhr, Bezirksversammlung bei Bernide, Bismardstr. 84. Die Genossen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Der Bezirksleiter. Schmargendorf. Am Dienstag, den 27. Februar, abends 81, 1hr, findet im Restaurant Bum Lindenbaum", Röfenerstr. 7. Ede Spandauerstraße, eine Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt, zu welcher jeder Genosse pünktlich zu erscheinen hat. Der Vorstand. Marienborf. Dienstag, den 27. februar, abends 8 Uhr, findet beim Genossen Borgfeldt, Feldstr. 44, eine öffentliche Gemeinde wählerversammlung statt. Auf der Tagesordnung steht: Die Sozial demokratie und die Kommunalpolitit. Die Genossen werden ersucht, recht rege für den Besuch der Versammlung zu agitieren. Heute 8 Uhr: Flugblattverbreitung. Die Genossen treffen sich bei Reichardt, Chauffeeftr. 16. Vorort- Nachrichten. 1 Jnferate Sechsgefpaltene Kolonelzeile 20 Pfg. Bei größeren Aufträgen entsprechenden Rabatt. unserer Gemeinde.- Darauf gab Genoffe König bekannt, daß sich Detskrankenkasse und für die Gewerbegerichtswahlen. Durch Listender Vorstand und die Funktionäre mit der Kandidatenfrage befaßt fammlungen wurden drei große Streits unterstützt: der Bergarbeiterhaben. Sie schlagen der Mitgliederversammlung die Genossen streit, der Streit der Zigarettenarbeiter und der Arbeiter in der Gerisch und Karow als Kandidaten vor. Nach kurzer Dis. Elektroindustrie. Sein lebhaftes Bedauern spricht Redner darüber fussion wurden Genosse Gerisch einstimmig und Genosse aus, daß noch immer einige Gewerkschaften, darunter speziell die Karow mit allen gegen nur 4 Stimmen als Kandidaten auf- Buchbinder, in der Einsendung von Berichten und sonstigem notgeftellt. wendigen Material sehr läffig sind und erwartet in Zukunft Besserung. Die Wahlen zur Gemeindevertretung finden am 8. März in Den Bericht über die Bibliothek erstattet Bösenecker. Dieselbe werde der Zeit von 11 Uhr früh bis 7 Uhr abends im Lokal des Herrn nicht in genügender Weise in Anspruch genommen. Er halte aber Habermann( Neues Gesellschaftshaus) am Bahnhof Treptow statt. die Errichtung der Bibliothek für eine dankenswerte Tätigkeit der Die kurze Zeit, die uns von diesem Tage noch trennt, muß zu Stommiffion, weil die Benutzung von Jahr zu Jahr, wenn auch langfam, steige. Ein erfreulicheres Resultat weist der Bericht über energischer Agitation für uns ausgenutzt werden. berbreitung von den Bezirkslokalen aus statt. Ferner finden gegen das Borjahr Morgen, Montag abend 8 Uhr, findet eine Flugblatt. das Arbeiterfekretariat auf. Die Zahl der Auskünfte stieg um 87 Prozent, und die ber an diese Woche zwei öffentliche Versammlungen statt: am Dienstag, gefertigten Schriftstüde um 70 Prozent. Es wurden im Jahre 1905 den 27. d. Mts., in Treptow bei Craßmann, Ede Elsen- und 533 Auskünfte erteilt und 362 Schriftstücke angefertigt; persönliche Köpenicker Landstraße; am Mittwoch, den 28, b, Mts., in Baum. Vertretungen wurden vier übernommen, zwei vor dem Schiedsgericht schulenweg in Speers Festfälen. Die Tagesordnung beider Ver. und zwei vor dem Reichsversicherungsamt. Wenn auch Genosse fammlungen lautet: 1. Bericht der sozialdemokratischen Gemeinde. Böseneder als ständiger Mitarbeiter engagiert werden mußte, fo bertreter aus der Gemeindevertretung. 2. Ansprache der beiden erscheint es doch fraglich, ob bei der rapiden Entwickelung des Kandidaten. Die Genossen werden ersucht, für einen regen Besuch Sekretariats die Arbeiten in der notwendigen Weise unter den jegt dieser Versammlungen Sorge zu tragen. obwaltenden Verhältnissen erledigt werden können. Bezüglich des statistischen Auszuges verweist Redner auf den gedruckten Bericht. Soft- und Logiswefens berichtet über die Tätigkeit derfelben und Gebert als Vorsitzender der Kommission zur Bekämpfung des wünscht, daß der neue Ausschuß baldmöglichst eine gemischte Sigung mit der Kommission einberufen möge. Die Diskussion über die einzelnen Berichte wurde auf Antrag vertagt, bis der gebruďte Bericht vorliegt. In Wilmersdorf finden die Wahlen der 3. Abteilung an folgenden Tagen statt: Dienstag, den 6. März, Mittwoch, den 7., Donnerstag, den 8., und Freitag, den 9. März. Gewählt wird in der Zeit von vormittags 10-1 Uhr und von 3-6 Uhr nachmittags. Als Wahllokal ist der Bittoria- Garten, Wilhelmsaue 114, bor= gesehen. Zur Wahl stehen zwei Mandate, eins davon kann von einem Nichtangesessenen besetzt werden. Die zweite Abteilung Flemming teilt mit, daß der Bericht im Druck set, daß aber die wählt am 10. März und und die erste am Montag, den 12. März. Herausgabe desselben erst stattfinden könne, wenn die Adressentafel Am Dienstag, den 27. Februar, wird sich eine von unseren Partei fomplettiert sei. Beschlossen wurde, den Bericht in einer Auflage genoffen einberufene Boltsversammlung im„ Bolfsgarten", Berliner- von 2000 aun Breife bon 10 Bf. pro Exemplar herauszugeben. ftraße 40, mit der Gemeindewahl beschäftigen. In den Vorjahren Angesichts der Wichtigkeit desselben wird den einzelnen Gewerkwurde bis abends 8 Uhr gewählt. Da die Zeit diesmal für die schaften zur Pflicht gemacht, für regen Absatz Sorge zu tragen. Arbeiter ungünstiger liegt, ist es doppelt Pflicht, alles aufzubieten, damit ein anderer Geist in die Situngen der Gemeindevertretung regte eine lebhafte Debatte. Sämtliche Redner waren sich darin Die bevorstehende Arbeitslofenzählung am 24./25. Februar ereinzieht. einig, daß man nicht von den Zählern sowohl als von den ArbeitsDie Zehlendorfer Genoffen beschäftigten sich in einer nach dem lofen verlangen könne, nur dem Magistrat ftatistisches Material zu Ortsteil Schlachtenfee, einem der vornehmsten Billenorte in der liefern, sondern daß es endlich an der Zeit sei, die Zählung für die näheren Umgebung Berlins einberufenen Versammlung mit der Ge- Arbeitslosen fruchtbar zu machen. Einig war man sich darin, daß Gefür meindewahl. Das Lokal des Gastwirts Rüber stand uns zum ersten, für diesmal noch intensiv gezählt werden solle, daß man sich aber mal zur Verfügung. Zubeil legte die kommunalpolitischen Forde. Beschlüsse über die Beteiligung an fommenden Zählungen vorrungen dar. Der Genosse Köster zwang durch seine Ausführungen behalte, je nachdem die Antwort des Magistrats auf die Interüber das Verhalten der Gemeindevertretung zu Grundstücs. pellation der sozialdemokratischen Stadtverordnetenfraktion ausfalle. anfäufen, zur Armenhausfrage, zu Schulfragen usw. den an. Ein Antrag des Ausschusses, einen besoldeten Beamten anwesenden Vertreter der zweiten Klasse, Herrn Voigt, zum Reden. zustellen, wurde bis zur nächsten Sizung vertagt. Der Herr fonnte aber die Anwesenden nicht überzeugen. Als Der Antrag Gebert, die Vertretung der einzelnen Gewerkschaften Standidaten wurden die Genossen Paul Göhre und Eduard in der Kommission nach der Zahl der Mitglieder zu regeln, wird bei der Umarbeitung des Regulativs berücksichtigt werden. Scheller aufgestellt. Fortschritte der politischen Organisation in den Vororten. Der rote Sonntag brachte unseren Adlershofer Genoffen einen Zuwachs von 47 Mitgliedern. vermehrte in der letzten Bersammlung seinen Mitgliederbestand Der Wahlverein in Ertner um 31. In der Wahlvereinsversammlung für Treptow Baum schulenweg am 20. Februar hatten sich 30 Genoffen zur Auf nahme gemeldet, die von der Versammlung bestätigt wurde. Rigdorf. Hinsichtlich der praktischen Kurse für erfie Hülfeleistung bei Unglücksfällen, welche von dem Vorstand der Algemeinen Ortsfrankenkasse veranstaltet werden und an welchem eine Anzahl Betriebe und Gewerkschaften in Form von Delegationen teilnehmen, darin bestehe, etwas zu lernen, sondern das Gelernte in die Tat umweist Böseneder darauf hin, daß der Zwed dieser Kurse nicht nur feßen zu können. Er empfiehlt deshalb den einzelnen Gewerkschaften, die Forderung:" Bereithaltung von Verbandsmaterial auf Stoſten des Arbeitgebers" im Interesse der Verunglückten den sonstigen Forderungen hinzuzufügen. Die Handels- und Transportarbeiter unterhalten eine Ueberdorf durch ein wildgewordenes Omnibusgespann verursacht worden. Anwesenden, genannte Kommiffion nach Möglichkeit zu unterſtügen, Großes Unheil ist gestern nachmittag am Hermannplay in Rig wachungsfommission für die Sonntagsruhe, und ersucht Gebert die auf der Endhaltestelle war das Pferd des Omnibus Nr. 870 ber da es den Fuhrherren durch die hiesige Polizeiverwaltung fehr leicht Linie Hermannplay- Alexanderplatz während der Abwesenheit des gemacht werde, die Kutscher zur Sonntagsarbeit heranzuziehen. Kutschers und des Schaffners plöglich scheu geworden, und in dem Die vorgenommenen Wahlen ergaben folgendes Resultat: Augenblid, als eine Dame in dem Fuhrwerk Plaz genommen hatte, In den Ausschuß wurden gewählt: Jost, Maler; Flent ausgerüdt. In wilder Karriere rafte das Tier zum Entsetzen der ming, Staffenangestellter; Schade, Fabrikarbeiter; Bollen. Infassin mit dem Wagen führerlos davon, bog in die Kaiser thien, Transportarbeiter, und Scheible, Zimmerer. Zum DbFriedrichstraße, wo bor dem Grundstück Nr. 245 der mann der Kommission wurde Flemming wiedergewählt. Zu Zur Gemeindewahlbewegung. Steinfeger Reinhold Schlichting aus der Kopfstraße 58 emfig Revisoren wurden Bagel, Sandlungsgehülfe, und Busse, KaffenZur Gemeindewahl in Bankow haben außer unseren Partei- mit Reparaturarbeiten beschäftigt war. Bevor sich Sch. in Sicher angestellter, gewählt. Die Wahl eines Bibliothekars der gemeinsamen genossen noch keine Barteien Stellung genommen. Eine Einigungs. beit bringen konnte, hatte ihn schon der Omnibus erfaßt und über- Bibliothet fiel auf Nicolaus, Metallarbeiter. fommission sämtlicher bürgerlicher Vereine, welche gemeinsam fahren, Das Pferd rafte weiter und schleuderte an der nächsten Erkner. Standidaten gegen die Sozialdemokratie aufstellen soll, bemüht sich Straßenecke den Omnibus gegen einen Straßenbahnwagen. Das schon seit Monaten, dieses Ziel zu erreichen. Der eifrige Agitator Vorderrad des Omnibusses wurde dabei zertrümmert, und jetzt Im Lokale des Genossen Degebrodt referierte in einer Wahldes Reichsverbandes, Rechnungsrat Balzer, hat nun dem Zaubern fonnte man den Ausreißer zum Stehen bringen. Die Infassin hatte bereins- Bersammlung am 20. Februar der Genoffe Tourno über die ein Ende gemacht und durch seine Zatkraft sind nunmehr die bei der Fahrt wahre Todesängste ausstehen müssen. Der über 48 er Revolution. Dann berichtete Genoffe Degebrodt über die Kandidaten für die dritte Klasse nominiert worden. Da amt Orte fahrene Steinfeger Sch., welcher erhebliche Verlegungen erlitten hatte, Gemeindevertreter- Konferenz. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, zirka 700 Eisenbahnbeamte wohnen, so falfuliert dieser Herr, daß wurde von einem Schußmann in einer Droschte nach der Unfall- daß solche Konferenzen öfter stattfinden möchten. Die Genoffen man einen Eisenbahnbeamten aufstellen müsse und ernannte den station in der Steinmeßstraße gebracht. Raumann und Haufe wurden zur Kreissigung delegiert. Die Mai Materialienverwalter Heinze zum Standidaten, ohne denselben über Tegel. feier soll im Degebrodtschen Lokale stattfinden. haupt zu fragen. Heinze ist wie aus den Wolfen gefallen und protestiert in allen Tonarten gegen die Fr- eundlichkeit des Balzer. Durch das unvorsichtige Umgehen mit einem geladenen Revolver Ein ziveiter Kandidat für die dritte Klasse ist der Sentier, frühere ist gestern nachmittag in Tegel ein schwerer Unglüdsfall herbei. Butterhändler, Gause, welcher die Arbeiterwähler Bankows ver- geführt worden. Das 17jährige Dienstmädchen Anna B., das bei treten soll. Um das Maß voll zu machen, wollen wir noch kurz er- einer Herrschaft in der Berlinerstraße beschäftigt ist, hatte trop des wähnen, daß ein hiesiger Bürger, welcher an ein paar bekannte ausdrücklichen Verbotes seiner Herrin mit einem geladenen Revolver Genossen ein Haus verlaufte, gesellschaftlich bohtottiert wird; man gespielt. Die Waffe, die gesichert war, entlud fich plöglich und die Berlin, die Hauptstadt des Königreichs Preußen und des macht ihm die heftigsten Vorwürfe, weil er nur allein daran schuld tugel brang der unvorsichtigen B. tief in den Leib hinein. Schwer. Deutschen Reiches, friegt wieder einmal eine Reihe von sei, daß noch ein Sozialdemokrat mehr Aussicht hat, gewählt zu verlegt wurde das Mädchen in das Krankenhaus eingeliefert. Dbfchönen Lagen". In der Familie des Kaifers werden. Deffentliche Wählerversammlungen für die dritte Klasse es dem Leben erhalten bleibt, ist fraglich. werden ein paar Feste gefeiert selbstverständlich müssen die wollen die Herren Gegner nicht einberufen; man fürchtet eben die Charlottenburg. lieben Berliner das mitmachen". Sozialdemokratie. Als Kandidaten zur Gemeindewahl stellte die letzte Wahl bereinsversammlung die Genossen Eichler, Freiwaldt und Abendroth auf. Die Aufstellung eines Grundbefizerkandidaten soll später stattfinden. In Erfner wurden die Genossen Hensel und Gebhardt als Standidaten für die Gemeindewahl aufgestellt. Der Ablershofer Wahlverein nominierte die Genoffen Hilde brandt und Büttner als Kandidaten. Berliner Nachrichten. Hochzeitsrausch. Die Charlottenburger Gewerkschaftskommission hielt am Freitag, den 16. d. 22. ihre zweite diesjährige Sigung ab, zu welcher die Söhnen will nun auch der zweite in den Ehestand treten. Da gibt Der Kaiser ist jetzt 25 Jahre verheiratet, und von seinen Delegierten für 1906 sowie als Gäſte die vorjährigen Delegierten es also zu gleicher Zeit eine silberne Hochzeit und eine grüne. geladen waren. Bunächst erstattete Flemming Bericht über die Am 26. Februar wird die Braut eingeholt", am 27. Februar Tätigkeit des Ausschusses. Er fritisiert den starken Wechsel in der feiern der Kaiser und seine Gemahlin die Silberhochzeit, und Besetzung der Aemter, weil dadurch die Agitation beträchtlich ge- an demselben Tage oder an einem der nächsten( wir wissen's hemmt werde. Durch den Beitritt der Barbiere und der Ber- nicht so genau) schließt das junge Paar den Ehebund. Mit Gewerkschaften auf 24. Seine Unterſtügung widmete der Ausschuß all dem üblichen Drum und Dran, dem notwendigen Vorher Waltungsbeamten stieg die Zahl der zur Stommiſſion gehörenden auch dem Verein" Jugendlicher Arbeiter und Lehrlinge", der am und Nachher, der feierlichen Bewillkommnung und VerDie bevorstehenden Gemeindewahlen in Treptow bildeten den hiesigen Orte eine Agitationsversammlung abhielt, und dadurch seine abschiedung der Gäfte, dürfte das eine runde Woche von Festen Gegenstand der letzten Wahlvereinsversammlung. Genoffe König Mitgliederzahl um 38 vermehrte. Abgehalten wurden im Vorjahre ergeben. erörterte fura das Verhalten der bürgerlichen Parteien, die ge- vier öffentliche Versammlungen und zwar die zwei sehr gut be Für das bummelnde Berlin wird das ein Gaudium. meinsame Sache gegen uns machen. Er erwähnte speziell, daß zu suchten Maiversammlungen mit den Referenten Bernhardt und Ausschmückung der Straßen, Spalier von viel Militär und diesem Mischmasch sich dic Gastwirte gwei Kandidaten Flemming, eine Bersammlung, welche sich mit den Beschlüffen auch etlichem Zivil, Auffahrt von Galakutschen mit zwar extra geleistet haben, die hoffentlich einen ordentlichen Durchfall bes Stölner Stongreffes beschäftigen follte, aber so fchwach besucht unsichtbaren Insassen, war, daß das Referat des Genoffen in von der Tages. Illumination großer Geschäftshäuser von Hoflieferanten und aber besto sichtbareren Bakaien, Genoffe Hofmann nahm sich ebenfalls die Gegner vor und ordnung abgefeßt werden mußte und eine Bersammlung. folcher, die es werden möchten- nun, was will man noch meinte, die Gastwirte sehen wohl gern, wenn die Arbeiter ihr Geld die fich mit der Aufstellung der Kandidaten für bie bei ihnen verzehren, aber bei ber ersten besten Gelegenheit fallen Generalversammlung der Allgemeinen Ortskrankenkasse beschäftigte. mehr?! Schon die Vorbereitungen sind ein Genuß. Die fie der Arbeiterjajast in den Rüden. Genosse Sarow gibt in Gine rege Tätigkeit entfaltete die Stommiffion zu den Stadt unvorsichtigen Leute, die auf den Borivärts" abonniert sind, fängeren Ausführungen einen Rückblick über die ganze Entwidelung verordnetenwahlen, zu den Delegiertenwahlen für die Allgemeine erfahren wenig von dem was jezt in Berlin vorgeht. Aber crleiden werden. " in den Blättern der Scherl, Mosse, Ullstein und Konsorten Verkehrseinschränkungen und kein Ende. Der Polizeipräsident, einem Restaurateur für 10 Mt. erstanden. Diefer war durch einen ei, da wird gewissenhaft Tag für Tag darüber erläßt folgende nene Bekanntmachung: Aus Anlaß der anderen Kollegen in den Besitz des Gegenstandes gekommen. Ein berichtet, wie Berlin allmählich Toilette macht, wie Illumination am 27. d. M. erleidet der Fahrverkehr von 5 Uhr herumfahrender Sänger" hatte das Cello ebenfalls von einem Restaurateur erhalten und auch wieder an einen solchen verkauft. es fich in sein Festgewand kleidet, und so weiter: nachmittags ab folgende Einschränkungen: 1. Das Befahren der Straße Unter den Linden ist auf der Von den Dieben war das Instrument bei einem Hehler abgesetzt in einfacherem Deutsch: wie sie Unter den Linden aus Südseite nur in der Richtung nach Diten, auf der Nordseite nur in worden. Nach langen Irrfahrten ist es nun wieder in den Besitz Brettern und Stangen und Girlanden und Fahnen den orts- der Richtung nach Westen hin gestattet. seines ersten Herrn zurückgekommen. üblichen Flitter herrichten, wie die großen reklamekundigen Firmen die Fronten ihrer Geschäftshäuser mit breitspurigen Illuminationsförpern ausstaffieren. Apropos, Toilette! Auch das gehört zu den Vorfreuden dieser Festwoche, daß von der Toilette der Braut Teile( wir wissen nicht, welche) öffentlich ausgestellt werden, auf daß das staunende Auge aller Bürgerfrauen und Bürgerfräulein sich daran weide. 2. Die Breitestraße darf, wenn sie überhaupt freigegeben werden kann, nur in der Richtung nach der Gertraudtenstraße und dem Mühlendamm befahren werden. und Westen abgelenkt. Die Zentralfommission der Krankenkassen Berlins und der Vororte hat auch für dieses Jahr wiederum hygienische Vorträge veranstaltet, 3. Das Befahren der Schloßfreiheit ist nur von der Schloß- welche wie nachstehend aufgeführt stattfinden. Die Vorträge find für jedermann unentgeltlich. brüde her nach dem Schloßplage hin zulässig. Es werden im Laufe der nächsten Woche nachbenannte Herren bis zur Jüdenstraße, werden nur für Wagen in der Richtung nach Thema:„ Auge und Arbeit" sprechen: Am Donnerstag, den 1. März, 4. Die Kurfürstenbrücke und die Königstraße von der ersteren Werzte in den Aulen der städtischen Gemeindeschulen über das dem Alexanderplatz hin freigegeben. Entgegengesett fahrende Wagen Petersburgerstr. 4 Herr Dr. E. Jacobsohn, Waldenserstr. 25/26 Der Höhepunkt des Hochzeitsrausches, dem ganz werden nach Bedarf an der Klosterstraße, spätestens aber an der Herr Dr. G. Gutmann, Schönhauser Allee 166 a Herr Dr. M. RadzieBerlin"( was sich so nennt!) sich in diesen Tagen überlassen Jüdenstraße und dem Hohen Steinweg abgelenkt. jewski. will, dürfte der Einzug der Brant sein. Ein halbes Hundert 5. Nur einseitig dürfen ferner befahren werden: Die östliche Am Freitag, den 2. März über: Wie hält der Arbeiter Jungfrauen in Unschuldsweiß wird am Brandenburger Tor Spandauerstraße vom Moltenmarkt nach der Königstraße. Die Nase und Ohr gesund?" Gneisenaustr. 7: Herr Dr. Alfred Bruck, zu ihrem Empfange bereit stehen. Ob die Innungen diesmal Rathausstraße von der Spandauerstraße nach der Jüdenstraße. Die Tilsiterfir. 4/5: Herr Dr. M. Guthmann, Pankſtr. 8: Herr wieder Spalier bilden würden, diese hochwichtige Frage wurde östliche Heiligegeiſtſtraße von der König- nach der Kaiser Wilhelm- Dr. M. Levy. in der bürgerlichen Presse eine ganze Woche hindurch erörtert. Straße und die Poststraße von der Königstraße nach dem MühlenIn Schöneberg, Feurigstr. 61/62, Dienstag, den 27. b. M., damm hin. Es hat sie verdrossen, daß sie wieder nicht rechtzeitig genug über das Thema„ Auge und Arbeit" Herr Dr. Jacobsohn. 6. Die Burgstraße vom Mühlendamm bis zur Kaiser Wilhelmaufgefordert worden wareu. Aber sie werden kommen fie straße wird nach Bedarf gesperrt werden. In Borhagen Rummelsburg, Neue Volksschule, Wühlischstraße, am Dienstag, den 27. d. M. über das Thema„ Kochfind ja froh, daß sie' s dürfen. Bei welcher Gelegenheit 7. Das Befahren des Potsdamer Plazes ist in der Richtung funst und Verdauung" Herr Dr. A. Freudenthal. sollte denn sonst die Welt erfahren, daß es überhaupt noch nach Osten nur von der Potsdamerstraße her, in der Richtung nach In Rigdorf, Kaiser Friedrichstr. 4, am Donnerstag, den Innungen gibt?! Auch die Postillone werden wieder dabei Besten nur nach der Bellevuestraße hin zulässig. Die von Norden 1. März über das Thema„ Das Kind im ersten Lebensjahre" sein. Sie üben Tag für Tag das unvermeidliche„ Wir winden und Süden die Königgräßerstraße in der Richtung nach dem Pots- Herr Dr. Lubowski. dir den Jungfernfranz!", das sie als Ohrenschmaus zum damer Platz befahrenden Wagen werden nach Bedarf am Branden- In Lichtenberg, Kronprinzenstr. 10, am Donnerstag, den besten geben wollen. Es versteht sich von selber, daß auch burger Tor, an der Prinz Albrecht- und Dessauerstraße nach Osten 1. März cr. über das Thema:" Ursache und Verhütung der Schwindeine Deputation der städtischen Behörden sich wieder nach sucht", Herr Dr. Sorecht. Ich bitte dringend, allen im Interesse der Sicherheit des Verguter alter Sitte am Brandenburger Tor aufstellen wird, um kehrs ergehenden Anordnungen der Aufsichtsbeamten willig folge zu die Braut mit Krazfüßen und Kazbuckeln zu bewillkommnn.. leisten." Auf eine Sache freuen wir uns für den Einzugstag ganz besonders. Die Berliner Polizei hat sich in der legten Zeit böse herunterhunzen lassen müssen, weil sie den Hennig nicht zu kriegen vermochte. Am 26. Februar und folgenden Tagen wird sie ihren altbewährten Ruf der Schneidig fand gestern nachmittag auf einem Neubau in der Soldinerstraße feit wiederherstellen, da wird sie den Berlinern( dieser groß- statt. Das Gerüst war zur Erleichterung für die Bauarbeiten um schnäuzigen Menschensorte!) wieder mal zeigen, was sie kann. Die Mauern herumgelegt und brach teilweise plöblich zusammen. Den Hennig hat sie entwischen lassen, das ist wahr. Aber hat Drei Arbeiter wurden mit in die Tiefe gerissen und während zwei schon mal jemand erlebt, daß es einem Berliner gelungen derselben glücklicherweise mit leichteren äußeren Verlekungen davon wäre, in der Linden"-Gegend durch die Schußmanns- kamen, verunglückte der dritte, der 34 jährige Arbeiter Bernhard ketten hindurchzuschlüpfen, wenn dort etwas los war? Na Loſain so schwer, daß er nach der Unfallstation XVII nach der Badstraße, und nachdem ihm dort die erste Hülfe zuteil geworden, also! Das arbeitende Berlin wird ja wieder in das Krankenhaus Westend gebracht werden mußte. L. hatte mächtig schimpfen, daß so viele, die ihrem Erwerb auf der schwere innere Verlegungen und einen doppelten Snöchelbruch er Straße nachgehen müssen, durch solche Absperrungen beein- litten. Durch welche Ursache die Katastrophe herbeigeführt worden trächtigt und geschädigt werden. Aber das kann doch nicht ist, war bisher noch nicht zu ermitteln. maßgebend sein. Berlin ist eben nicht umsonst Hauptstadt des Königreichs Preußen und des Deutschen Reiches. Mag sein, daß es dem arbeitenden Berlin schwer wird, die Reihe der uns bevorstehenden schönen Tage" zu ertragen. Das bummelnde Berlin wird schon damit fertig zu werden wissen. Die Heimarbeiterausstellung ist nur noch heute geöffnet. Wer dieselbe noch nicht besichtigt hat, muß dies heute tun. Ein folgenschwerer Gerüsteinsturz Der Bahnhof Stralau- Rummelsburg unter Dach. Der Hochgelegene Teil des ausgedehnten Bahnhofes in Stralau- Rummelsburg war bisher im Gegensatz zu den anderen Vorortstationen ohne irgend welches Schutzdach. Infolgedessen waren die Passagiere dem Einfluß der Witterung ausgesetzt. Die Eisenbahnverwaltung hat nun auf den Bahnsteigen lange aus Eisenkonstruktionen hergestellte leberdachungen aufstellen lassen. Die Schußdächer werden in furzer 3eit vollendet sein. In Pankow, Grunotstraße, am Freitag, den 2. März über das Thema:" Die ansteckenden Krankheiten im Kindesalter". Herr Dr. H. Simon. In Weißensee, Langhansstr. 120, am Freitag, den 2. März, über das Thema:" Die geschlechtliche Ansteckung und ihre Folgen". Herr Dr. P. Meyerhardt. Die Russenliste Nr. 8693 ist verloren gegangen. Es wird ge beten, dieselbe bei Hönisch, Wichertstr. 3, abzugeben. Eine Heine- Abend im Gewerkschaftshaus, veranstaltet von Marie Holgers, findet heute abend 7 Uhr zur Feier des Es ist dies zugleich der letzte 50. Todestags des Dichters statt. volkstümliche Vortragsabend der Veranstalterin in dieser Saison. Das Programm enthält Heinesche Dichtungen von seiner ersten bis Die musikalische Mitwirkung zu seiner letten Schaffensperiode. haben Konzertfänger Eugen Brieger und Komponist Hans Hermann übernommen, der zwei feiner eigenen Stompofitionen spielen wird. Eintrittsfarten zu 30 Pf. Heute abend an der Kasse. Ein Muff blieb im Einigungssaal des Berliner Gewerbegerichts bei einem der Heimarbeitervorträge liegen. Er kann im Gebäude Portier. des Gewerbegerichts abgeholt werden. Man wende sich an den Am Freitagabend hat ein Holzarbeiter auf dem Wege von der Generalversammlung der Holzarbeiter Brauerei Friedrichshain durch den Friedrichshain ein Portemonnaie mit zirka 12 M. Inhalt verloren. Vielleicht gibt es der ehrliche Finder ab bei Paul Gnoerrlich, Kopernikusstr. 19, Quergebäude IV, links. Im Berliner Buchgewerbesaal, Friedrichstr. 231, find zurzeit zahlreiche Originalarbeiten des Berliner Malers und graphischen Zeichners Hans Schulze ausgestellt, bestehend in Titeln, Kalender Umrahmungen, Plafaten, Eglibris, Initialen und verschiedenartigen Akzidenzen, die sämtlich praktische Verwendung gefunden haben. Die ausgestellten Originale sind Eigentum bekannter Verlagsfirmen. Der Buchgewerbesaal ist täglich von 11-2 Uhr geöffnet. Der Ein tritt ist frei. Betriebsänderungen der Straßenbahn am Montag. Die Straßenbahn muß am Montag wegen der Einholung der Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg folgende Betriebsänderungen vornehmen. Einen Schädelbruch und innere Verlegungen zog sich der Arbeiter Der Opernplag wird von 3 Uhr an gesperrt. Die darüber fahrenden Lenke bei einem Absturz aus einer Höhe von zwei Etagen zu. Der Linien werden geteilt. 34 geht bis Behrenstraße und Kupfergraben, Berunglückte war auf dem Bau Heilbronnerstr. 16 mit dem Entladen 38, 40, 40E, 53, 54, 55 und III gehen bis Schinkelplatz und eines Fahrstuhls mit Steinen beschäftigt, bei welcher Gelegenheit Kastanientväldchen, 12, 12E und 13 bis Kanonierstraße und Kupfer ihm fein Holzpantinen fortrutschte. Bei dem Versuche, diesen festgraben. 39 und 42 fahren über den Spittelmarkt. Von der zuhalten, verlor er das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe. Der Friedrichsbrücke zum Kastanienwäldchen müssen die Wagen leer Schwerverleẞte wurde nach der Unfallstation und von dort nach dem fahren, umgekehrt dürfen Personen zusteigen. Sobald die Ab- Elisabeth- Krankenhause gebracht. Wie wir erfahren, soll die dritte Sperrung über die Mittelstraße vorrückt, sollen die Fahrgäste von 25, und vierte Etage des Baues nicht abgedeckt sein. 26, 32, 12 12E, 18 und 34 die Wagen schon zwischen Georgen- und Ein freches Diebesstückchen ist gestern am hellichten Tage in Dorotheenstraße verlassen. Zurück dürfen folche zuſteigen. Ferner dem Hause Kaiser Friedrichstr. 215 ausgeführt worden. Während sollen die Wagen zwischen dem Werderfchen Markt und dem Schinkelplatz die Wohnung des Kaufmannes Cierniad, die im Parterre liegt, in beiden Richtungen leer fahren. Außerdem wird beabsichtigt, zwischen für kurze Zeit unbeaufsichtigt war, brach ein Dieb vom Hof aus Hedwigskirche, Friedrichsbrücke und Dorotheenstraße die hintere Platt- durch das Fenster ein, entfernte aus dem Wohnzimmer einen großen form zu schließen, so daß die Wagen weder bestiegen, noch verlassen werden Trumeau samt einer Mahagonikonsole und reichte die schweren können. Ebenso dürfen die Fahrgäste der Linien 17, 60, 61, 63, 73, Möbelstüde einem Komplizen aus dem Fenster heraus. Mehrere 80 und 81 zwischen dem Werderschen Markt und dem Köllnischen Kinder schauten den beiden nun zu, wie sie ungehindert ihre Beute Fischmarkt oder dem Rathaus nicht bestiegen und verlassen werden. davon schleppten. An dem Hause Lenaustr. 27 wurde kurz darauf 6, 7, 9, 14, 15, 23 und 24 fahren durch die Sommers, Dorotheen, ein ganzer Schaukasten der Firma S. samt Inhalt abgehängt". Neue Wilhelm-, Luisen- und Karlstraße, 51, 52, 56 und 57 durch Auch in diesem Falle entkam der dreiste Dieb unbemerkt. die Luisen, Neue Wilhelms, Dorotheen, Sommerstraße, Reichstagsplag und Kronprinzenbrücke. 1, 7, 14 und 15 legen, vom Halleschen Das Schicksal eines Cellos im Werte von 500 m. hat jett Allgemeine Familien Sterbekasse. Heute: Zahltag Ackerstraße 123 Tor tommend, an der Köthenerstraße, 6 und 9, von Often fommend, eine seltsame Aufklärung gefunden. Im September v. J. berzog| bei Wiesenthal und Mariannenstr. 58 bei Liebehenschel von 3-6 Uhr. am Leipziger Platz um. 23, 24, 51, 52, 56 und 57 fahren die der Musikdirektor Sch. von Berlin nach der Feurigstr. 72 in Schöne Schleife Leipziger-, Charlotten-, Französische, Kanonier-, Mauer-, berg. Von dem Möbelwagen war damals ein dem Musikdirektor Leipzigerstraße. N, O und T werden vom Großen Stern durch die gehöriges Gello im Werte von 500 M. auf unerklärliche Weise abBrücken- Allee, Hansaplaz, Leffing-, Strom-, Turm-, Rathenower- handen gekommen. Gestern entdeckte die Kriminalpolizei das verstraße, Alt- Moabit, Königsplag und Dorotheenstraße nach dem Kupfer- schwundene Instrument in dem Besize einer durchziehenden graben umgeleitet. Zigeunerbande. Einer der„ Söhne der Pußta" hatte das Cello von Spandau- Fürftenhof! Wo gehen wir heute hin? Nach Karl Schwabe, Seegefelderstr. 54/55 Heute Sonntag: Großes Nasenfest. Für Damen: Extra- Ueberraschungen. Es ladet freundlichst ein Karl Schwabe, Seegefelderftr. 54/55. Emil Hoegner Grunewaldstraße 108. Wäsche-, Weiß-, Woll- und Manufakturwaren. Vorgezeichnete und fertige Handarbeiten. Herren- Artikel. Mitglied von 8 Rabatt- u. Sparvereinen. 268V* Otto Schrader Uhrmacher -O Friearichsberg Berlin O. Frankfurter Chaussee No. 8 am Bahnhof Frankfurter Allee empfiehlt sein großes Lager in Uhren, Gold, Silber und Alfenide- Waren. 308V* Eigene Werkstatt für Reparaturen und Nenarbeit. Arbeiter- Samariterkolonne. In dieser Woche finden folgende Vorträge und lebungsstunden statt: Montag, 2. Abteilung Herr Dr. Dybizbenski, Brunnenstr. 154. Donnerstag, 4. Abteilung Herr Dr. Nachtweh, Lichtenberg, Scharnweberstr. 69. Vortragsthema über gefahrdrohende Krankheitszustände. Daran anschließend praktische Uebungen. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten. Gäſte haben einmaligen freien Zutritt. Montag nach der Uebungsstunde: Sigung des Vorstandes und Komitees. Sonntag, den 4. März im Hörsaale des Pathologischen Muſeums, Eingang am Alexanderfer, Vortrag des Herrn Prof. Kaiserling über:" Schwindsucht der Lunge" mit Demonstrationen. Das Museum wird um 11 Uhr geöffnet. Lese- und Diskutierklub„ Wilhelm Liebknecht". Montag, Kopen bagenerstr. 29 bei Degener, Vortrag des Genossen Buhl über:„ Hausindustrie". Zentralverband der Konditoren( Mitgliedschaft Berlin). Sonntag, den 25. Februar, abends 6 Uhr: Mitgliederversammlung im„ Englischen Garten", Alleranderstr. 27c. Tagesordnung: 1. Anträge zum Verbandstage. 2. Verschiedenes. Nachdem: Gemütliches Beisammensein mit Zanz. Bis Mittwoch, den 28. Februar infl. gebe ich trok der an und für sich so enorm billigen Preise Doppelte Ferner Rabattmarken. Vereins- Säle Bruse's Ball- Salon. Rixdorf, nesebedstraße 113 ( 2 Min. v. Bahnhof Hermannstr.) Jeden Sonntag: 3220* Kavalier- Ball bei stark besetztem Drchester. 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