Nr. 63. nbonntmfntS'Bedinsangen: Momiemcnl?> Preis prSnumerando? VierleljShrl. Z.Z0 Mr., monall. 1,10 Mr., wöchentlich A Pfg. frei inS Hau-Z» »nzelne Nummer» Pfg. Sonni-wi« conjjelragcn in di« Post-Zeitunfls- PrciSIiste. Unter Kreuzband für Dculschland und Oesterreich. Ungarn L Mart, für ba-S übrige Nusland S Mar! pro Monat. Postabonnementö nehmen an: Belg'en, Däneinar!, Holland. Italien, Luremburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, ClttKlat tSglldi nOer montags. 33. Jahrg. Vevlinev Volksblcrkt. Z�entralorgan cler fosialäemokratifcken Partei Veutfcklancls. Vit itisertionz-Ledtthk beträgt für die sechggespaliene Kolonel- gelle oder deren Raum SO Pfg., für holitische und gewerlschastliche Vereins- und Verfammlungs-Anzcigcn 30 Pfg. „6l«ln« Knrelgen", das erste tfcit- gcdruckie) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuch» und Schlaf- siellen-Anzeigcn das crsic Wort lO Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächst« Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Erpcd ilion abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abbnds geöffnet. Telegramm-ildresse: „SoalalKnioknt tUrlla". Redaktion: 881. 68, Lindenatrasac 69. sfernsprerber: Mint IV. Wr. 1983. Sonntag, den 4. März 1906. Expedition: 881. 68, Lindcnstrasee 69, Kernsbrecher: Amt IV. Nr. 1984. Selbstkritik. Die bürgerliche Presse druckt wieder einmal mit Der- gnügen die Auslassungen eines Parteigenossen ab, von denen sie annimmt, daß sie höchst peinliche Selbstbekenntnisse der Sozialdemokratie darstellten. Diese Freude ist den Scharf- machen: von dem Genossen August Müller, Redakteur an der„Magdeburger Volksstimme", bereitet worden. Und zwar durch einen Artikel„Sprechende Zahlen", der den Stimmenverlust der Sozialdemokratie bei den seit den letzten Hauptwahlen notwendig gewordenen Reichstagsnachwahlen aus gewissen ungesunden Zuständen unseres inneren Partei- lebens zu erklären sucht. Genosse Müller konstatiert zunächst, daß die Sozial- demokratie seit den Hauptwahlen an 22 Nachwahlen beteiligt war, aber nur in fünf Wahlkreisen eine Stimmenzunahme, dagegen in 17 Wahlkreisen einen Stimmenverlust zu verzeichnen hatte: während die bürgerlichen Parteien nur in lieben Wahlkreisen eine Einbuße an Stimmen erlitten, sich dagegen in 15 Wahlkreisen einer Stimmenzunahme erfreuen dursten. Speziell in den 13 Wahlkreisen, in denen die Sozial- demokratie Stimmen verlor, während die bürgerlichen Parteien Stimmen gewannen, betrug der Verlust der Sozialdemokratie 14 933 Stimmen, während sich der Gewinnst der bürgerlichen Parteien auf 17 807 Stimmen bezifferte. Und dies beispiellos ungünstige Wahlergebnis fei eingetreten trotz des Königsberger Hochverratsprozesses, trotz des Berg- arbettcrstreiks, trotz Crimmitschau, trotz der Scharfmacherreden im Abgeordneten- und Herrenhaus, trotz der Fleischnot. trotz der allgemeinen Teuerung, trotz der russischen Revolution, des Hamburger WahlrechtSraubes usw. Es sei verkehrt, etwa in Wahlmüdigkeit oder lokalen Verhältnissen eine Erklärung für diesen betrübenden Stimmenrückgang zu suchen, da�u sei er ein zu allgemeiner. Ebenso verkehrt sei es. dem Revistonismus und seiner angeblich die Tatenlust der Arbeiter erstickenden unprinzipiellen Agitation, die Verantwortung dafür aufzubürden, fei der Stimmenrückgang doch auch da hervorgetreten,„wo waschecht radikale Blätter die Arbeiter vor der Versumpfung bewahrten". Die Gründe der Stimmenverluste seien ganz wo anders zu suchen. „Es ist der kleinliche, persönliche Gehässigkeit gegen die eigenen Parteigenossen mit Vorliebe pflegende Geist intoleranten starren Dogmatismus, der unser ganze» Parteileben vergiftet und an die Stelle fach licher Bl" sönltch wir W�W verdanken wir Dresden, ihm verdanken wir die Perioden der Selb st zerfleischung, die mit der Negel» Mäßigkeit, mit dem Mondwechsel, von Zeit zu Zeit in unseren Reihen ausbrechen. Diese Borgänge bilden das Arsenal, als dem unsere Gegner ihre Waffen holen, und ste wirken so ausgezeichnet, daß all' das Wasser, das Regierung und Partei freiwillig aus unsere Müblen leiten, nicht ausreicht, um das Rad zu drehen." Der Dresdener Parteitag habe die Periode der Selbst- zerfleischung eingeleitet, deren verhängnisvolle Folgen sich eben m dem Stimmenrückgang offenbarten. Es sei aber nicht nur nötig, diese Gründe an sich festzu- stellen, eS lohne auch, zu untersuchen, auf welcheWähler- kreise die unangenehmen Erscheinungen des PartcilebenS am stärksten wirtten. Im„Archiv für Sozialwissenschaft" habe Blank die Zahl der für die Sozialdemokrat� abgegebenen Stimmen aus bürgerlichen Kreisen auf 564 000 berechnet. Diese Zahl sei wahrscheinlich noch zu niedrig gegriffen, da die Zahl der politisch indifferenten Arbeiter noch viel größer sei, als gewöhnlich angenommen werde. Am w e n i g st e n nun würden der Arbeiterklasse angehöriae Wähler durch Vorgänge a la Dresden abgeschreckt. Der Verlauf des„Vor- wärts"-Konfliktes liefere dafür den besten Beweis. Ste miß- billigten zwar den unerquicklichen Partethader, weil er den Gegnern Wasser auf die Mühle liefere, allein in der Regel ließen sie sich dadurch an der Partei selbst nicht irre machen. Wei5 empfindlicher seien die dem Bürgertum entstammenden Wähler, die sogenannten Mitläufer, die aus dem Gefühl all- gemeiner Unzufriedenheit für die Sozialdemokratie gestimmt hätten. Die Unzufriedenheit selbst könne doch angesichts der ganzen politischen Lage nicht geringer geworden sein— folglich müßten es moralische Umstände sein, die sie zum Abfall getrieben hätten: „ES aibt nämlich auch Mitläufer, die der Sozialdemokratie ihre Nnlerstiitzung leihen, weil sie da» Ziel lockt, das wir erstreben, weil sie soziale Gerechtigkeit verwirliichen wollen, weil sie. ohne direkt materiell unter der kapita- listischen Mißwirtschaft zu leiden, doch die ganze Unkultur des KapiwliSmuS erkennen. Mit einem Worte: Die Sozialdemokratie als K u l t u r p a r t e i zieht sie an und ideelle Beweggründe sind es, die sie leiten. Daß diese bürgerlichen Elemente abgeschreckt werden durch die Diffonaiizen. die seit einigen fahren im Chore der deutschen Sozialdemokratie ertönen, ist leider nur zu begreiflich, denn nichtdaSB» st reden, dteeigene materielleLagezuverbessern. sondern menschlich schöne ideale Motive haben sie zu unS geführt, und die vertrauen allerdings manches nicht, was der robuster Veranlagte mit in den Kauf nimmt, weil er mehr mit dem Verstand, al» mit dem Gefühle bei der Sache ist.... »Ich verlange nicht, daß die Partei auch mir um Haare«- breite a»S Rücksicht auf diese Anhänger von dem Grundsatz« ab- weicht, eine Partei zu sei», die di« Interessen der Arbeiter ver- tritt. Das braucht sie um deswillen nicht, weil Lrbetterüiteressen und Anforderungen der kulturellen EntWickelung restlos ineinander ausgehen. Immerhin liegt die Gefahr vor, daß eine p o l i t i- schen Interessen sich entfremdende Stimmung weite Kreise erfaßt, wenn die einzige Partei in Deutsch- land, die— ich gebrauche mit Absicht das verpönte Wort— noch Ideale besitzt, ihre eigenen Ideale nicht gelten läßt, sobald deren Befolgung irgendwie sich schwierig gestaltet. Wir sollen diese Kreise nicht abschrecken, sondern heranziehen, und wir können daS, wem: wir immer, auch bei inneren Differenzen das sind, waS wir vorgeben zu seinl" Dies der Gedankengang des Genossen Müller. Es würde zu weit führen, zu untersilchen, ob sich für den Stimmen- rückgang bei den Nachwahlen nicht doch auch wesentlich andere Gründe finden ließen. Wir wollen vielmehr zugeben, daß der innere Parteizwist nicht ohne Einfluß auf den Ausfall dieser Wahlen geblieben ist. Ebenso wenig wollen wir untersuchen, ob Genosse Müller de/i Prozentsatz bürgerlicher Stimmen unter den drei Millionen sozialdemokratischer Wähler nicht doch zu hoch einschätzt. Wir geben ihm vielmehr auch das zu. daß ein wesentlicher Teil der abgesprungenen Wähler aus bürgerlichen Mitläufern bestand, wenn wir auch nicht so weit gehen wollen zu behaupten, daß diese Ab- trünnigen nur aus bürgerlichen Elementen bestanden. Sicher- IT Aufforderung! Bei unserer Geschäftsstelle liegen zur Abholung Ztaeilnmdept fflark welche am 24. Februar bezw. Z. März von dem Kriminal- beamten MW- Gustav jVeumann Oldenburgcrftraßc Ita IV zwecks Verrat« von Parteigenossen und Pattekbeschlllssen gezahlt wurden. Diese 200 Mar? können— nach vorheriger Mitteilung über die Zeit der Abholung— von der politischen Polizei nach Ausweis über die Identität der Persönlichkeit de« Abholer« und seines amtlichen Charakters gegen Quittung von unserer Geschäftsstelle: Lindenstraße 6S, 2. Ävf Ii, ab- geholt werden. „Vorwärts"* �_ Ji (ich befinden sich unter ihnen auch Arbeiter, die vom Wesen des Sozialismus noch so wenig begriffen hatten, daß sie sich durch die gegnerische Hetze verwirren ließen. Endlich können wir dem Genossen Müller auch darin beipflichten, daß die „kleine persönliche Gehässigkeit" beim Austrag von inneren Meinungsdifferenzen ein Fehler ist, der die Partei schädigt und deshalb künftig aus dem Parteileben v e-r- schwinden sollte. In allen übrigen Punkten können wir freilich den: Genossen Müller ganz und gar nicht zustimmen! Zunächst verrät es eine beispiellos ideologische Auffassung vom Wesen der bürgerlichen Mitläufer, den- selben zuzutrauen, daß sie nur deshalb für die Sozialdemo- kratie stimmten, weil sie„soziale Gerechtigkeit" verwirklichen wollten, ohne die Verbesserung ihrer materiellen Lage zu er- streben. Gewiß existieren auch solche Idealisten, aber sie sind nur eine Hand voll an Zahl. Die übergroße Masse der bürgerlichen Mitläufer besteht aus Angehörtgen des unter- gehenden, durch die kapttalisttsche Konkurrenz sich bedrückt fühlenden Mittelstandes, aus kleinen Beamten usw., die nur zum Teil die Richtigkeit und Notwendigkeit des sozialdemo- statischen Programms begriffen haben, zum anderen Teil aber nur deshalb für die Sozialdemokratie stimmen, weil diese die extremste Oppositionspartei darstellt. Dieser letztere Teil bildet begreiflicherweise einen sehr unsicheren Bestandteil der sozialdemokratischen Anhänger- schaft und läßt sich am leichtesten durch die gegnerische VerleumdungSkampagne abspenstig machen, zumal ihm ja nicht gleich dem Proletariate selbst der soziale und politische Arbeitertrutz unlöslich an die Partei fesselt. Nicht ein größerer Idealismus, ein feineres mora- lisches Empfinden ist es also.>vaS diese kleinbürger- lichen Mitläufer seit Dresden der Parte: entfremdet hat, sondern die geringere soziale Interessen- solidarität mit dem Proletariate und der Mangel an politischer Einsicht, der diese Elemente hinderte. daS Wesen der inneren Partetdifferenzen zu bc- greifen. Freilich, wie sollte man bei diesen Mitläufern auch ein tieferes Verständnis für daS innere Parteilebe,: und für Partei- differcnzen erwarten dürfen, da doch selbst ein sozialdemokta- tischer Redakteur wie Genosse Müller ein solches in so be- dauerlichem Maße vermissen läßt. ES ist seltsam: gerade der Genosse, der den bürgerlichen Mitläufern ein Höchstmaß von AltrurömuS nachrühmt und behauptet, nicht ökonomische Beweggründe, sondern„menschlich schöne ideale Motive" hätten sie zur Partei geführt, ist in der Beurteilung der eigenen Parteigenossen ein so arger Pessimist, daß er wähnt, die ganze Partcipolemik seit Dresden sei auf„ k l e i n l t i ch e persönliche G e- h ä s s: g k e t t", auf„den G e i st intoleranten starren Dogmatismus" zurückzuführen! Und der Mann, der einer großen Zahl in erster Reihe kämpfender Parteigenossen skrupellos einen solchen moralischen und intellektuellen Makel anheftet, fühlt sich dann noch obendrein berufen, die Parte: daran zu erinnern, daß sie doch auch„Ideale" besitze! Aber wir wollen nicht Gleiches mit Gleichem vergelten. Wir wollen annehmen, daß Genosse Müller in gut gemeinten: Eifer gar nicht gemerkt hat, daß er die Parte: durch seine Anschuldigungen der ungeheuerlichsten Korruption beschuldigt. Sein Mangel an parteipolitischer Einsicht ist freilich um so unbegreiflicher. So wenig wir leugnen wollen, daß in der Form de» Außtrages der Meinungsdifferenzen in und seit Dresden vielfach gesündigt Ivorden ist, so felsenfest steht doch für jeden objektiv Urteilenden die Tatsache, daß all die von Müller so beklagten Parteipolemikcn der Ausfluß von Meinungsdifferenzcn waren, die der klärenden Aussprache sowohl in der Partei- presse als auf den Parteitage» bedurften. Mochte es sich, >vie in Dresden, um die Frage der Mitarbeiterschaft an bürgerlichen Blättern und die Vizepräsidialfrage, oder, ivie in Bremen, um den Fall Schippel, oder, wie in Jena, um die Frage des politischen Massenstreiks und der Maifeier handeln — jedesmal drehte eS sich um w i ch t t g st e F r a g c n der Parteitaktik und Parteidiszipltn, über die die Meinungen innerhalb der Partei soweit allseinandergingen, daß die Festlegung einer Richtungslinie absolut notwendig war. sollte nicht eine arge Zerfahrenheit um sich greifen. Wodurch aber wurde bei diesen unvermeidlichen Debatten hauptfächlich die Erbitterung hervorgerufen, die sich dann in persönlichen Verunglimpfungen entlud? Durch das Bestreben, einer Diskussion auszuweichen, die ab- weichenden Ansichten zu verschleiern, durch den Versuch, die Anhänger der alten Taktik der Partei als Ketzer» richter, als unduldsame, bornierte Dogmatiker hinzustellen! Diese unredliche Taktik erzeugte dam: die Er- bitterung, die zu den peinlichen Szenen führte, die von den Gegnern so weidlich ausgeschlachtet iverden konnten. Auch wir sind der Ansicht, daß solche Szenen künftig vermieden werden können und vermieden werden müssen. Sie sind aber nicht dadurch zu vermeiden, daß man notwendigen Parteidißstissioncn ängstlich aus dem Wege geht und der grundverkehrten Anschauung huldigt, daß in der Partei jeder nach seiner eigenen Fasson selig werden könne. Es ist richtig, daß die Partei nicht jeden Gcnosten, der in dieser oder jener Frage eine Auffassimg vertritt, die von der offiziellen Auf- fassung der Partei abweicht, gleich zu exkommunizieren braucht. Und diese Genossen haben auch daS selbstverständliche Recht, ihre Ansichten zu propagieren, um die Partei für ihren ver- meintlich richtigen Standpunkt zu gewinnen. Aber ebensogut haben die Vertreter der Mehrheitsansichten das Recht und die Pflicht, diese Ansichten zu bekämpfen, um die Partei vor Schaden zu bewahren. Diese geistigen Kämpfe, die an sich nur der Erhöhung der geistigen Spannkraft der Partei und der so wünschens- werten Schulung der Genossen, namentlich aber auch der Mitläufer, dienen können, vermögen in aller Ruhe und in den loyalsten Formen ausgetragen zu werden, sofern nur jede Richtung ehrlich und offen ihren Standpunkt vertritt. Geschieht daö nicht, sucht man zu vertuschen, vor- handene Risse zu überkleislen:, gefällt man sich wiederum in einem Zetern über Intoleranz und Ketzerrichterei, so ist leider auch die viel beklagte persönliche Gehässigkeit unvermeidlich! Wenn also die Partei wirklich eine Lehre ans den Kämpfen der Vergangenheit und den sprechenden Zahlen der letzten Wahlergebnisse ziehen kann, so ist es die, daß man endlich einmal aufhören sollte, da Person- lichc Gehässigkeit zu erblicken, wo fach- liche Meinung Sdifferenzen und politische Strömungen vorhanden sind, deren Aus- trag im Interesse der gesunden Fort- entwickelung der Partei geboten ist. Gerade weil der in persönliche Jnvektiven ausartende Kampf der Partei schadet, weil er die Diskussion prinzipieller und taktischer Fragen den der Schulung so bedürftigen Wählcrmassen ver- leidet, gerade weil es noch so zahlreiche indifferente Proletarier u gewinnen gilt, sollte man endlich mit den persönlichen Ver- chttgungen aufhören und im energischen und redlichen Kampf der Geister— in erster Linie dem Gegner gegenüber, aber, soweit das unvermeidlich, auch innerhalb der eigenen Reihen— beweisen, daß die Sozialdemokratie die Partei der Kultur und de» Idealismus ist! Die Nevolntion in Nntzland. Der Fall Gapon. Die Ocffentlichkeit beschäftigt sich jetzt auf das eifrigste mit Enthüllungen, die ein Mitglied des Zentralkomitees der Gaponschcn Organisationen. Petroff, in der„Ruß" machte. Auf seilte Behauptuiigcil erfolgte seitens des genannten Zen- irnlfomitceä eine Antwort, die wiederum eine Entgegnung des Petroff veronlaßte. Ein endgültiges Urteil über das in Wirklichkeit Vor- gefallene ist auf Grund des bis jetzt zutage geförderten Ma- tcrials unmöglich. Die in Aussicht gestellte Untersuchung durch ein Schiedsgericht wird hoffentlich die Sache vollständig aufklären. Bis jetzt scheint uns folgendes festzustehen: 1. Gapon hatte Unterhandlungen mit Witte, deren Gegen- stand aber bis jetzt unbekannt ist. 2. Witte„empfahl" dem Finanzminisker Timirjaseff, einem Mitgliede der Gaponschen Organisationen 3CKKX> Rubel zu übermitteln. 3. Gapoii machte über diesen Vorfall nur seinen nächsten Freunden in der Organisation Mitteilung. 4. 7000 Rubel wurden der Organisation zugeführt, mit den übrigen 23 000 Rubel brannte der Unterhändler Matju- schensky durch.(Er wurde inzwischen angehalten, und es wurden noch 21 000 Rubel bei ihm vorgefunden.) 5. Das Geld wurde von Gapon als Entschädigung für den durch die Auflösiing seiner Organisation verursachter: Schaden gefordert und als solche wenigstens formell ausgehändigt. Es bleibt die Veröffentlichung des weiteren aufblärenden Materials über den Fall abzuwarten. In zwei Wochen er- scheint in Petersburg ein Buch, das sich speziell mit der gaponistischen Bewegung beschäftigt und auch über die Be- Ziehungen Gapons zur Regierung ausführlich sprechen wird. Der Verfasser behauptet, im Besitz sehr wichtigen Materials zu sein._ Politische CUbcrficbt. Berlin, den 3. März. Kehraus! Am Eirde der Woche kam auch die Beratung über Titel 1 des Justizetats:„Gehalt des Staatssekretärs" zu Ende. Sie erschöpfte sich in einer Poleniik, bei der allerdings auch neue Momente und neue bszeichnende Einzelfälle in der oppositio- nellen Kritik der Justizentgleisungen hervortraten. Genosse Stadthagen sezierte mit dialektischer Schärfe noch einmal die Ursachen der politischen Tendenz- Prozesse, die das Prototyp der Klassenjustiz sind und hinüber in dys Polizcigebiet streifen. Kein Wort seiner früheren Kritik nahm er zurück, vervollständigte vielmehr seine Anklagen durch den neuesten Tendenzprozcst gegen die„Leipziger Volks- zeitung", in dem einer ihrer Redakteure wegen angeblicher Majestätsbeleidigung zu einem halben Jahre Gefängnis der- urteilt worden ist. Weder der Staatssekretär noch der sächsische Bundesrats- bevollmächtigte konnten die neuen Anklagen entkräften, aber sie gaben Stadthagen Veranlassung, in einer Schlußrede den Herren ein Privatissiinuni zu lesen, wie das Ansehen der Justiz durch die Justiz systematisch selbst untergraben wird. Dazu dränge sie die kapitalistische Ausbeutung der Arbeiter- klasse, die im Interesse der herrschenden Klasse erfolgt und alles korrumpiert, was dieser Ausbeutung. und ihrer Ver- teidiguug dient. In gleich scharfer Weise hatte Genosse Heine auf die gereizte Erwiderung Nieberdings repliziert und erzeugte da- nüt eine bewegliche Klage des Staatssekretärs über eine an- geblickre Herabsetzung der deutschen Justiz vor dem Auslande. Der Staatssekretär blieb aber die Antwort schuldig auf die Aufforderung Heines, ein Land zu nennen, in deni die politischen Tendenzprozcsse typisch seien, wie in Deutschland, wie er auch auf die Schlußrede Stadthagens nur resigniert bemerkte, er werde sich in den Schmollwiirkel des Schweigens zurückziehen. Auch die packenden Fälle, die Genosse Her- b e r t insbesondere aus den Landarbeiterleiden angeführt hatte, vcranlaßten ihn zu keiner Remonstrierung. Als freiwilliger Regierungskommissar stellte sich abermals der Abgeordnete v. D i r k s e w dem Staatssekretär zur Seite. In ebenso holperiger wie selbstgefälliger Weise kramte er aus der„Post" allerlei Phrasen zusammen. Wer sah, wie schwer es ihm wurde, die sorgsam vorgelesene Rede vom Stapel zu lassen, verstand es, weshalb dieser Mann zeugen- eidlich bekunden konnte, er wisse nicht nrehr, was er in seinen Wahlreden geredet habe. Nebenher wurde die Lex Heinzeliteratur von einigen Rednern kritischer Sondierung gewürdigt. Der Stöcker zeterte in einer Sonntagsnachmittagspredigt über die sittliche Verderbnis, die durch eine obszöne Literatur und Kunst gefördert werde, worauf ihnr Genosse Heine plausibel machte, daß es nicht die arbeitenden Klassen seien, die Geld und Zeit für die Erzeugnisse dieser Literatur zu verschwenden (Nnchdvuck verbot«!.) „Genosse."*) Ein Märchen von Maxim Gorki. Autorisierte Uebersetzung von Olga Alt mann. In dieser Stadt war alles seltsam, alles unverständlich. Eine Menge Kirckien erhoben ihre bunten, leuchtenden Hänpter zum Himmel, aber die Mauern und Schlote der Fabriken ragten noch höher als die Kirchtnnne. und die Dome, erdrückt von den mächtigen Fasiaden der Hairdelshäuser, verloren sich in dem schweigenden Labyrinth steinerner Mauern wie abenteuerliche Blumen zloischen dem Staub und Moder alter Ruinen. Und lvcnn die Kirchenglocken zum Gebete riefen, so kroch der Schall ihrer ehernen Stimmen an den eisernen Dächern entlang, um von da kraftlos zur Erde zu gleiten und kraftlos in den engen Spalten der Hänserreihen zu vertone»., c. Die Häuser waren riesenhaft und oft hübsch, dre Menschen waren hätzlich und immer atmielig. Vom Morgen bis zum Abend liefen sie eilig, wie graue Mäuie. die engen, krummen Stratzen der Stadt auf und ab und suchten mit gierigen Augen nach Brot oder nach Vergnügungen, während wieder andere mit feindlichen, scharfen Blicken darüber wachte», daß die Schwachen sich ohne Widerrede den Starken fügten. Unter den Starken verstand man die Reiche».»md alle glaiibten, daß nur das Geld dem Mensche» Macht und Freiheit verleiht. Alle strebten nach Macht: denn alle waren Sklaven. Der Luxus der Reichen entzündete den Neid und den Haß der Armen. Keiner kannte eine schönere Musik als den Klang des GoldeS, und so war jeder der Feind des anderen, und die Beherrscherin aller war— die Grausamkeit I Manchmal strahlte über der Stadt auch die Sonne: aber das Leben blieb immer trübe, und die Menschen glichen Schatten. Nachts «itzündelen sie viele fröhliche Feuer, aber dann schlichen auf den Straßen die hungernden Weiber, um für Geld ihre Liebe zu ver- kaufen; überall quoll der Dust fetter und saftiger Speisen hervor, *) Diese Dichiung ist ans speziellen Wunsch Gorkis vom B ü h n e Ii- n u d Buchverlag russischer Autoren, I. L a d y s ch n i k o Iv, Berlin W. 15, in autorisierter Uebersetzung dem„Vorwärts" überlassen worden. hätten und daß dergleichen Sittenpredigten an die oberen Kreise gerichtet werden müssen. Dann neigte die Beratung zu ihrem Ende. Wegen zu schwacher Besetzung des Hauses setzte der Präsident die Ab- stimmung über die zu diesem Etat vorgelegten Resolutionen aus. Aber die einzelnen Titel des Etats und damit auch das Gehalt des Staatssekretärs wurden bewilligt. Montag: Interpellation Gothcin und Ge- nossen über Verkehrsbcschwernissc an der russischen Grenze infolge der Wirkungen des neuen Zolltarifs. Lehrer- und Pfarrergehälter. Das preußische Abgeordnetenhaus nahm am Sonnabend trotz des entschiedenen Widerspruchs der Regierung einen freikonservativen Antrag an, wonach in den nächsten Etat 2 Millionen mehr zur Erhöhung des Mindestbetrages der Dienstalterszulagen der Volksschullehrer eingestellt werden sollen. Dagegen lehnte es einen freisinnigen Antrag, der die 2 Millionen auch zur Erhöhung von Mindestgehältern verwendet wissen wollte, ab. Die Annahme des freikonscr- vativen Antrages war nur dem Zufalle zu danken: die Kon- servativen und das Zentrum, die ja die große Mehrheit des Hauses bilden, schimmten geschlossen dagegen: sie waren aber nur in geringer Zahl anwesend. Bei vollbesetztem Hause wäre der Antrag abgelehnt worden. Aus der Debatte ist nur die interessante Rede des Mini- sterialdirektors Schwartzkopff zu erwähnen, mit der dieser Herr die Lehrer für das Attentat der Regierung auf die Volksschule zu ködern suchte. Der Ministerialdirektor erkannte yämlich die Notwendigkeit einer Revision des Lehrerbesol- dungsgesetzes unumwunden an, erklärte aber, daß diese Re- Vision erst nach Verabschiedung des gegenwärtig zur Bera- tung' stehenden Schulunterhaltungsgesetzentwurfs erfolgen könne. Wenn den Lehrern also an einer Revision der Besol-, düngen liege, dann müßten sie für das Zustandekoinmen des Verpfakfungsgesetzes stimmen. Mit anderen Worten: der Regierungsvertreter stellt an die Lehrer die beleidigende Zu- mutung, sie sollten um persönlicher materieller Vorteile willen die geistigen Güter des Volkes opfern. Hoffentlich wird die Antwort der Lehrer nicht ausbleiben. Im Verlauf der weiteren Beratung des Kultusetats be- willigte das Haus unter anderem die Ostmarkcnzulagen für die Lehrer in Westpreußen und Posen. Einige Redner forderten, daß auch die Lehrer in Oberschlesien und in Ost- Preußen aus diesem Korruptionsfonds gespeist werden sollten, doch verhielt sich die Regierung aus formellen Gründen dieser Forderung gegenüber ablehnend. Der Rest der Sitzung wurde durch Klagelieder über die schlechte Lage der Geistlichen ausgefüllt. Obwohl allein das Kapitel„Kultus und Unterricht" gemeinsam über 18 Millionen für kirchliche Zwecke aussetzt, soll der Staat doch immer noch weitere Summen hierfür hergeben. Tic Kirche hat eben einen zu guten Magen. Daß gegen die Verwendung staatlicher Mittel für konfessionelle Zwecke von keiner Seite grundsätz- licher Widerspruch erhoben wurde, erklärt sich bei der Zu- sammcnsetzung des Hauses von selbst. Am Montag soll der Kultusetat— eventl. unter Zu- hülfenahme einer Abendsitzung— zu Ende beraten werden. Nach zehn Jahren. Aus Sachsen wird uns geschrieben: Ein Dezennium ist ins Land gegangen, seitdem in Sachsen der brutalste Wahlrechts raub der neueren Zeit vollzogen wurde und das dem sächsischen Volke damals aufoktroyiierte Drei- lasseiiwahlrecht Gesetzeskraft erhielt. Mit einem Schlage wurde ein ganzes Volk völlig entreckitet zugunsten einer kleinen Klique Be- sitzender. Von 1868 bis 1896 hat in Sachsen ein LandtagSwahlrccht bestanden, das jedem ein gleiches Mitrederecht durch den Stimm- zcttel sicherte, der 3 Mark direkte Staatssteuern zahlte. Natürlich konnte uns dieses Zensuswahlrecht nicht befriedigen, aber es war doch möglich geworden, nach und nach 15 sozialdemokratischen Vertretern in der sächsischen LandtagSstnbe Eingang zu verschaffen. Aerger über den frischen Lustzug, der dadurch in die Zweite Kammer kam. und Angst var weiterer Verstärkung des sozialdemokratischen Besitzstandes hatte den dunklen Plan einer Wahlentrechtung bei der Hofratsklique gezeitigt, die damals in Sachsen hinter den Kuliffen alle Anschläge vorbereitete. Dazu kam noch die Besorgnis, die bisherige konservativ-agrarische Jnteressenherrschaft könnte beeinträchtigt und der alte Trott im sächsischen Landhause. dre alle Bedürstüsse geflissentlich ignorierte. gestört werden. Die Regierung, besonders der Minister des Innern, Herr von M e tz s ch, ging bereitwilligst auf den konservativen Plan ein. Und dieselbe Regierung, die sonst alles jahrelang erwägen mutz, ohne daß und überall funkelten, schweigend und gierig, die bösen Augen der Hungernden, während über der Stadt leise das unterdrückte Gestöhn des Unglücks klang, das nicht die Kraft hat, laut zu schreien. Alle lebten traurig und unruhig, alle waren Feinde und Schuldige: nur wenige fühlten sich als Gerechte, aber sie waren grausam wie Tiere, und dies waren die Bösartigsten von allen. Alle wollten leben und keiner konnte, keiner verstand es, geradeaus auf dem Wege nach seinen Wünschen zu schreiten: jeder Schritt in die Zukunft zwang jeden unwillkürlich, sich nach dem Gegenwärtigen zurückzuwenden, und die Gegenwart hielt den Menschen inil dein gebieterischen sesten Griff eines gefräßigen Ungeheuers auf seinem Wege an. um sich in verderbenbringender Umarmung an ihm festzusaugen. Mit Zweifeln und Zagen stand der Mensch vor dem grausam entstellte» Antlitz des Lebens, das ihm mit tausend hilflos traurigen Augen ins Herz blickte und um etwas zu bitten schien— und dann erloschen in seiner Seele die lichten Zukunftsbilder, und das Stöhnen der Ohnmacht des Menschen ging unter in den, miß- tönenden Chor der Klagen und des Jammers der vom Leben Zer- tretenen, Unglücklichen. Immer ivar es traurig, immer unruhig, manchmal auch schreck- sich, und ringS stand unbeweglich— wie ein Gefängnis, das die Strahlen der Sonne aufhielt— jene finstere, traurige Stadt, in deren widerlich regelmäßigen Stcinmasscn die Dome versanken. Und die Musik des Lebens bildeten die unterdrückten Rufe des Schnierzes und der Wut, das leise Flüstern verhaltenen HaffeS, das drohende Bellen der Grausamkeit und das wollüstige Winseln der Gewalttat... Inmitten der finsteren Unruhe deS Unglücks und GramS. deS krampfhaften Kampfes zwischen Not und Habgier, des Schlammes erbännlicher Eigenliebe schritten unbemerkt durch die Kellergeschosse, in denen die Armut hauste— jene Armut, die doch vien Reichtum der Stadt schuf— einsame Träumer, in denen der Glaube an den Menschcn lebte. Träumer, allen fremd und fern, Prediger der Enipörung. aüsrührerische Funken vom fernen Feuer der Wahrheit. Sie trugen heimlich mit sich in diese Kellergeschosse frucht- briiigende kleine Samenkörner einer schlichten großen Lehre, und bald rauh, mit kaltem Glanz in den Augen, bald liebevoll, weich säeten sie jene klare, brennende Wahrheit in die dunklen Herzen der Menschen-Sklaven. die durch die Gewalt der sie sich zu einer Tat enischließt, hatte nach einigen Wochen einen Gesetzentwurf zur VolkScntrcchtung fertig, der trotz aller Proteste und Hunderttausende» von Unterschriften, die die Wahlrechtspetitionen fanden, in unglaublich kurzer Zeit in beiden Kammern angeuommen wurde. Wie gründlich dadurch die Volksentrechtung durchgeführt wordxn war, offenbarte schon die Tatsache, daß bei den nächsten Wahlen kein sozialdemokratischerKandidat mehr geivählt wurde und nach und nach der Wunsch des Herrn v. Metzsch, die Kammer von Sozialdemokraten zu eliminieren, in Erfüllung ging. Klassenteilung der Wähler in Verbindung mit indirekter Wahl war das Mittel der Entrechtung. Nach einer RegierungSstalistik über die Landtagswahl von 1963 wurde die Wählermasse nach der Größe des GeldsackeS bezw. nach der Hohe des Einkommens in folgender Weise in drei Klassen geteilt: l. Wählerklasse 22 664 oder 3,44 Proz. Wahlberechtigte 2.„ 163 878„ 15.82„ 3.„ 530 168„ 86,74„ Da jede Klaffe strotz der großen Unterschiede in der Wählerzahl die gleiche Anzahl Wahlmnitner hat und die erste und zweite Ab- teilung in der Regel zusammengingen, tverden, was die Regierung später selbst festgestellt hat, die 86,74 Proz. der Wähler, die dem Massen st all der dritten Wählerklasse angehören, völlig aussichtslos. Ihr Wahlrecht ist nur ein wertloses Scheiurecht. Auf diese Weise„festigte" die Ordnungsklique in Sachsen ihre Macht. Die Konservativen brachten es zur absoluten Mehrheit in der Zweiten Kammer. Die zehn Jahre Dreiklassen- wahlunrecht find gleichbedeutend mit 16 Jahren unbeschränkter konservativer Herrschaft, die zugleich namentlich infolge einer veralteten Wahlkreiseinteilimg eine agrarische wurde. So wurde in dem industriell entwickeltsten Lande Deutschlands der Feudalisnius politisch noch einmal zur Herr- schaft gebracht. Die Folgen der nun noch mehr umsich- greifenden einseitigen Jnteressenpolitik machten sich bald bemerkbar: Die Volksrechte wurden noch mehr beschnitten, so u. a. das Ver- sammlungsrecht mit der Minderjährigenbestimmung beglückt; für die Volksgesundheit wichtige Gesctzeövorlagen, wie das Rindertubcrkulose- Gesetz, wanderten in den Papierkorb. Steuerreformen wurden abgelehnt. Alles das, weil die Agrarier davon Nachteile befürchteten. Dennoch wirtschafteten sie aus dem Vollen und als der Etat nicht mehr ins Gleichgewicht zu bringen war, schob man laufende Ausgaben auf den Etat ab. Diese staatserhaltende konservative Finanzpolitik führte zu einer maßlosen Schuldenwirtschaft und schließ- sich zu einem Defizit von 56 Millionen, das 1962 als Folge konservativer Politik festgestellt wurde. Ein Steuer- Zuschlag in Höhe von 25 Prozent wurde nötig und die normalen Erträge der Einkommensteuer wurden allein von den Schuldzinsen aufgezehrt. Denn man hatte es bereits auf eine Milliarde Staatsschulden gebracht. Bei alledem wurden die wichtigsten Kulttiraufgaben, wie die Volksschnlen, vernachlässigt! Dagegen laufen sie seit Jahren Sturm gegen die Arbeiter- Konsumvereine, die sie durch eine U n, s a tz st e u e r knebeln möchten, während die landwirtschaftlichen Genossenschaften fünf Millionen Staatsbeihiilfen von denselben Konservativen bewilligt erhielten. Die ein- seitigsten Polizeimaßnahmen gegen die Arbeiter, lvie die unerhörte Drangsalierung der streikenden Bergarbeiter und die Säbelherrschaft zur Zeit der Aussperrung in Crimmitschau fanden die ausdrückliche Billigung der herrschenden Konservativen. Bald machte sich aber eine tiefe Unzufriedenheit im sächsischen Volke über die Wahlentrechtung und die konservative Mißwirtschaft bemerkbar. Und bei der Reichstagswahl iin Jahre 1963 kam der Groll zuin Ausbruch. Es ist sehr diesen sächsischen Zuständen mit zu danken, daß 1963 die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen in Sachsen von 299 190 auf 441 764 stieg und 59 Proz. aller Wähler sozialdemokratisch stimmten. Zur Feier des zehnjährigen Bestehens der Wahlrechtsschmach von 1896 werden in ganz Sachsen Massenversammlungen mit der Tagesordnung:„Zehn Jahre Wahlunrecht" ab- gehalten. Hoffentlich bekommen dadurch die Konservativen abermals eine gebührende Antwort auf ihre Wirtschaft und ihren WahlrechtSraub. Zehn Jahre hat die konservative Alleinherrschaft bestanden, und jetzt ist sie im Zusammenbrechen. Es bröckelt im Innern der Partei und von außen erschüttert die Stellung der Reaktion das Volk. Der Vater des Dreiklassenwahlrechts, Herr v. Metzsch, ist im Begriff zu gehen, er hat vor den demonstrierenden V o l k s m a sff e n kapitulieren m n s s e n. Wenn die sächsische Arbeiterschaft auch fernerhin die Situation ausnutzt wie bisher, wird man bald auch mit den Konservativen auf- Habgierigen, den Willen der Grausamen zu blinden und stummen Werkzeugen des Erwerbes geworden waren. Und diese»manfgeklärten. ausgesaugten Sklaven lauschten un- gläubig der Musik dieser neuen Worte, einer Musik, der unbewußt schon lange ihr krankes Herz entgegen geharrt, und allmählich er- hoben sie das Haupt und zerrissen die Maschen des Lügeugeivebes, mit denen die gewalttätigen und unersättlichen Herren sie um- spönnen hatten. In ihr Leben, das voll dumpfen, unterdrückten Hasses war, in ihre durch viele bittere Kränkungen vergifteten Herzen, in ihr durch die bunte Lüge der Gewalthaber getrübtes Bewußtsein, in dieses ganze � trübselige, schwere Leben, das mit der Bitternis erlittener Demütigungen durchtränkt war, leuchtete die Klarheit eines einfachen. lichten Wortes: — G c iiofse,... Es war ihnen nicht neu, sie hatten cS gehört und selber ge- braucht, eS klang bis dahin genau so leer und inhaltslos wie all die anderen bekannte», abgenutzten Worte, die n>a» vergessen kann— und man hat nichts verloren. Aber jetzt hatte es einen ganz anderen Klang, klar und fest: es tönte darin eine andere Seele, es war hart und leuchtend und fein- geschliffen wie ein Diamant. Sie nahmen e? auf und sprachen es vorsichtig, sorgsam, den Klang in ihrer Seele wiegend, lvie eine Mutter ihr neugeborenes Kind liebevoll in der Wiege schaukelt. llnd je tiefer sie in die Seele des Wortes eindrangen, um so lichter, bedentmigsvoller, strahlender erschien eö ihnen. — Genosse! sagten sie. Und sie fühlten, daß dieS Wort gekommen sei, um die ganze Welt zu einen, alle Menschen auf die Höhe der Freiheit empor- znheben und sie mit neuen Banden zu verknüpfen, mit den starken Banden der gegenseitigen Achtung, der Achtung vor der Freiheit des Menschen um feiner Freiheit willen. Als dieses Wort die Seelen der Sklaven und der Geknechteten durchdrungen hatte, da hörten sie auf, Sklaven und Geknechtete zu sein, und eines Tages verkündeten sie der Stadt und allen Macht- habern derselben das große nienschliche Wort: „Ich will nichtl" Da stockte alles Leben: denn die bewegende Kraft des Lebens waren ja sie und nictnänd sonst. Es stockte der Lauf des Wassers, es crloich das Licht, die Stadt ivar in Finsternis gehüllt, und die Starken wurden schwach wie Kinder. Entsetzen ergriff die Seelen der Unterdrücker, und— j» dem üblen Geruch ihrer Niedrigkeiten erstickend— verbargen sie den rZumen. Ja, der Kampf um em besseres Wahlrecht muß in Sachsen in der Hauptsache ein Kampf gegen die Kon- servativen sein. Daß dieses Ringen von der Arbeiterschaft Sachsens unverzagt fortgesetzt wird, trotz Klassenjustiz und Polizei- Verfolgungen, zeigen die Veranstaltungen zur Feier des zehnjährigen Bestehens des Dreiklassen-Wahlrcchts. Algeeiras. ES scheint, als ob sich jetzt in Algeeiras ein Kam pro»riß vorbereitet. ES heißt, daß Frankreich in der Banlfrage nachgeben will, wenn Deutschland in der Polizeifrage Zugeständnisse macht. Aus Algeeiras berichtet die A g e n c e H a v a s:„Das Redaltionskomitee hielt eine Sitzung ab. die zwei Stunden dauerte. Die Beratung erstreckte sich auf die Punkte des Bank- entwurfs, bei denen ein Einvernehmen leicht ist. Die Beratung der anderen Punkte wird nachmittags aufgenommen loerdeu. Ilm nicht das Spiel des ständigen Zurnckweichens fortzusetzen, wurde beschlossen, diejenigen Artikel, deren Redaktion festgesetzt ist, von denen ab- zusondern, die reserviert bleiben werde». Gegenwärtig sind sechs P u n k t e z u r ü ck g e st e l l t, die Verteilung des Kapitals, Sitz der Gesellschaft, Aufsichtsrat oder Baukkommifsare, Gerichtsbarkeit, Vcr- hältnis der Bank zum Maghzen, Verhältnis zur Spezialkasse. lieber die anderen Punkte scheint ein Einvernehme» leicht zu sein." In dem unter dem Vorsitz des Königs abgehaltenen spanischen M i n i st e r r a t e sprach Ministerpräsident Moret von den Schwierig- leiten, die sich auf der Konferenz in Algeeiras ans Anlaß der Bank- frage und der Polizeifrage erhoben hätten, und sprach die Zuver- ficht aus, daß Deutschland und Frankreich vermöge wechselseitiger Zugeständnisse zu eincin E i n v e r- nehmen kommen werden.— *• » Dcutrcheo Reich. Stupid! Einer Scharfmacherkorrespondenz entnimnit die freisinnige „Voss. Ztg." folgendes„Material" zur Sozialistcnbekämpfung: „Von Erpresserkünsten weiß die„Leipz. Volksztg." zu erzählen: Oschatz. Ein Agitator des Bnndes der Landwirte entfaltet hier in der Umgegend— für IS M. Tagegelder— eine geradezu gemeingefährliche Tätigkeit. Da die Üeberreduugs- künste des ehemaligen Stallschweizers nichts fruchten, ver- sucht er es mit E rp r e s s e r k ü n st e n. So hat er, als als der Gastwirt Kirhach(Saalhausen) der Aufforderung zum Beitritt nicht entsprach, die ländliche Bevölkerung zu einem Boykott der Kirchbachschen Wirtschast aufgefordert. DaS ist die Art, wie der Bund der Landwirte hier um Mitglieder wirbt. Wie ein Räuber aus dem Busch tritt so ein Agitator an die Leute, die er glaubt schädigen zu können, heran und„bist dn nicht willig, so brauch ich Gewalt" ist seine Parole... Daß sich hier ein Staatsanwalt finden lviirde, der dem Boykott» eifrigen Agitator der Brotwucherer das Handwerk auf Grund des Grobenunfugparagraphen legte, ist natürlich aus- geschlossen. In der in Dortmund erscheinenden sozialdemokratischen „Arbeiterzeitung" las man andererseits: 19. Januar 1996: NuHrort-Hamborn. Das Gewerkschaftskartell beschloß, über den Wirt Nießen, der sich fortgesetzt weigert. sein Lokal fiir Versammlungen herzugeben, den Boykott zu verhängen. Es ist eine Pflicht aller Arbeiter, der Parole des Kartells Folge zu leisten.— 29. Januar: Brackel. Den aufgeklärten Kameraden bringen wir in Erinnerung, daß die Wirtschaft Klutsch boykottiert ist. Wie Hohn klingt es, wenn ein Arbeiterwirt angibt, die Verbaudszeitung sei ihm zu teuer I — 26. Februar. Kirchderne. Noch immer verweigert die Witwe Slbock das Lokal. Der Boykott hat„och Geltung.— Oespel. Achtung, Parteigenossen I Der bestehende Boykott über die Wirtschaft Bitte wird fortgesetzt. Alle Arbeiter haben die Wirt- schaft so lange zu meiden, bis der Wirt einsehen gelernt hat, daß er uuseren Wünschen Rechnung tragen muß. Die Kommission wird strenge Kontrolle ausüben, jedes dort verkehrende Partei- Mitglied dem Parteivorstand zur Meldung zu bringen, der dann die Streichung veranlaßt. Die Boykottkommission. Die niederrheinisch- we st fälischen Genossen mögen sich in acht nehmen, daß sie nicht von Sachsen aus als Erpresser und Räuber geächtet»Verden. Oder sollte sich die„Leipziger Volkszeitung" zu dem schönen Grundsatze be- kennen, daß es nicht ünmer dasselbe sei,»venu zlvei das- selbe tun?" Selbst die freisinnige Presse ist also so stupid, daß sie den Unterschied nicht zu kapieren vermag, der zwischen dein Er- pressungsversuch des bündlerischen Agitators und dem Boykott der Arbeiterschaft besteht. Der Agitator wollte den Wirt zur Mitgliedschaft zur Bundesorganisation pressen und boykottierte, als der Umworbene keine Gegenliebe zeigte, den Wirt. Ein solcher Boykott, der wegen der p r i v a t e n Gesinnung eines Wirtes verhängt wird, ist allerdings ein unerhörter Erpressungsversuch! Zorn über die Empörer unter der Angst und dem Schrecken vor deren Kraft. Das Gespenst des HungerS erstand vor ihnen, und ihre Kinder weinten kläglich im Dunkeln. Die Häuser und Kirchen, von der Finsternis verschlungen, schmolzen zu einem seelenlosen Chaos von Stein und Eisen zu- sammeu, ein drohendes Schweigen ergoß sich in dumpfer Strömung durch die Straßen, das Leben trstarb, da die schaffende Kraft des Sklaven», enscheu zu», Bewußtsein erwacht lvar, da er das unbesieg- bare Zauberlvort seines Willens gefunden hatte, das Joch abwarf und mit sehenden Augen seine Kraft erkannte— die Kraft des Schöpfers. Die Tage Ivaren für die Starken, die sich bisher als Herren des Lebens betrachtet hatten, Tage des Bangens, und die Näckste waren jede wie eine tausendfache Nacht— so dicht und un- durchdringlich war die Finsternis, so arniselig schüchtern und kärglich leuchlewn die Lichter der toten Stadt. Und dieses im Laufe von Jahrhunderten erbaute Ungeheuer, das sich vom Blute der Menschen nährte, erschien ihnen jetzt in seiner ganzen, abstoßend häßlichen Nichtigkeit ein armseliger Haufen von Steinen. Holz und Eisen. Kalt und finster schauten die Häuser mit ihren blinden Fenstern auf die Straßen, und auf den Straßen schritten freudig die wahren Herren des Lebens. Wohl waren auch sie hungrig, und mehr als die anderen: aber der Hunger war ihnen nicht frenid, und ihr körperliches Leiden war nicht so schmerzhaft loie das Leiden der bisherigen Herren des Lebens, und es vermochte nicht das Feuer ihrer Seelen zu löschen. Das Bewußtsein ihrer Kraft brannte in ihnen, das Vorgefühl des Sieges leuchtete aus ihren Augen. Sie gingen auf den Straßen der Stadt, ihres finsteren und engen Gefängnisses, wo man sie mit Verachtung überschüttet, ihre Seele mit bitteren Kränkungen verletzt hatte, und sie sahen die große Bedeutung ihrer Arbeit, und diese Erkenntnis führte sie zun, Bewußtsein ihres heiligen Rechtes: Herren des Lebens zu sein. Gesetzgeber und Schöpfer desselben. Und ivieder erstand vor ihnen mir neuer Gewalt, mit blendender Klarheit jenes lebcnfchaffende, einigende Wort: '— G e n o f s e I Inmitten der lügnerischen Worte der Gegenwart erschien es wie eine frohe Znkunftsbotschaft, wie die Mär von einen, neuen Leben, das für alle gleich offen stand— fern oder nah! Sie fühlten, daß es in ihren'Willen gegeben war. daß sie sich selber der Freiheit näherten und nur selber ihr Kommen hindern konnte». Ganz anders steht es mit den Boykotts durch die Arbeiter- schaft. Diese verlangt kcinestvegs, daß der Inhaber eines öffentlichen Lokals sich zu den politischen An- schauungen des Proletariats bekennt, sondern sie begegnet, nur dem Druck der gegnerischen Parteien und Behörden durch Gegendruck, um den Wirt zur Her- gäbe seines Lokals zu veranlassen. Kein Wirt wäre so borniert, der Arbeiterschaft sein Lokal zu verweigern,»venn ihn nicht Behörden und bürgerliche Parteien ihrerseits mit Boykott, früherer Ansetzung der Polizeistunde, Tanzverboten und dergl. mehr bedrohten. Auf diesez, Boykott anüvortet dann die Arbeiterschaft gleichfalls mit dem Boykott. Das ist durchaus in der Ordnung und nichts als gebotene Not>v ehr! Man halte uns auch nicht entgegen, daß in Brackel eine Gewerkschaft einen Wirt boykottiert habe, nur Iveil er sich ge- »veigert habe, das Berbaudsorgau auszulegen. Auch dadurch sollte der Wirt in seiner privaten Gesinnung durchaus nicht vergclvaltigt werden— wie das doch der Bündle r tat!— sondern er sollte nur die für einen Wirt eigentlich selbstverständliche Coulanz zeigen, seinen Gästen die Lektüre zu bieten, die sie zu leseu»vünschten. Daß sich der Wirt lveigerte, lvar sein gutes Recht, daß aber die Mitglieder des Verbandes nun ihrerseits auf den Besuch seines ungastlichen Lokals verzichteten, war nicht minder ihr gutes Recht. Es verrät wirklich einen hohen Grad von Einsichts- losigkeit, daß selbst freisinnige Blätter einen so einfachen Sach- verhalt nicht zu begreifen vermögen!— Der zielbewußte Flottciwcrein. Auf das von, bayerischen Landesverband des Deutschen Flotte»Vereins an den Kaiser gerichtete Glück- Wunschtelegramm zur silbernen Hochzeitsfcicr ist an den ersten Vor- sitzenden Frhrn. v. Würtzburg folgende Antwort eingelaufen: „Se. Majestät der Kaiser und König haben die treuen Glück- wünsche des bayerischen Landesverbandes des Deutschen Flotten- Vereins huldvollst entgegengenommen und mich zu beauftragen ge- ruht, dem Verbände für diese freundliche Aufnierksamkeit und zugleich für seine zielbewußte und verständnisvolle Tätig- k e i t allerhöchst ihren Dank auszusprechen. Auf allerhöchsten Befehl der Geheime Kabinettsrat'v. Lucanus." Ultramontane Prcßsittcii. Daß die Bemühungen deS ultra- montanen Zeitimgsverlegervereins, die Umgangsformen in der schwarzen Presse zu verbessern, von besonderen, Erfolge begleitet sind, lvird kau», behauptet werden können,»venn man in der„Westd. Volksztg.", dem Organ des bekannten Zentrnmsführers Fusangel, des ultramontanen Scherl, in einer Polemik gegen ein anderes allein seligmachcndcs Blatt folgendem Erguß begegnet: „Des billigen ZentrumsjakobS in Hamm, wenn auch erfolg- lose, so doch darum nicht lvcnigcr schäbige KonknrVenzmanöver haben unS endlich den Gcduldfadcn reißen lassen. Wir haben daher gegen den Verlag deS„Westdeutschen VolkSfrennd" wegen unlaiitercu Wettbewerbs, Betriigsversuchs, Krebitschädiguiig und vcrlciinidcrischcr Beleidigung Strasantrag bei der königlichen Staats- anlvaltschaft, wenn auch nur nach langer Neberlegung gestellt, denn wer möchte sich mit solchen gewerbsmäßigen Aboimeiiteiifleddercr» gern abgeben? Inzwischen können die Aboniieuten sich selbst helfen. Eine energische Oeffnung der HauStür, eine elegante Hebung der Stiefrlspitie zu jenem Körperteile des Eindringlings, Ivo auch beim gescheitesten Menschen keineswegs der Sitz des Ver- standeS gesucht wird, und man ist des Nugczirscrs lcdig. Jeder mache den Versuch; es wird niemand gereuen." Die Geschichte hat„un noch einen sehr pikanten Beigeschmack. In christlicher Liebe verklagte der„Westdeutsche VolkSfrennd" seinen Bruder in Christo, den Redakteur des Fusangelschen Blattes. Dieser, eine unrühmliche Ausnahme im Jouriinlistenstande, lehnte die Ber- aiittvortung ab, nannte als Verfasser der Notiz den Zentrums- Häuptling Fusangel, der den Artikel ohne Vorwissen der Redaktion ins Blatt gegeben habe.— Fusangel machte es aber gerade wie andere ultramoniane Verleger, er behandelte den Redakteur als Strohniann, als Kuli. Wenn aber ultramontane Redakteure sich als Prügeljungen und Packesel gebrauchen lassen, dann sollten sie auch die Konseguenzen tragen und unter allen Umständen daS Redaktionsgeheimnis wahren._ A»S Dentsch-Oftafrika. Der Gouverneur Gras v. Götzen depeschiert aus Dar eS Slam: Die allgemeine Lage bessert sich andauernd, wenn auch langsam. Major Johannes meldet unter dem 19. Februar aus Ssongea, daß die Bergländer Upangwa und Ubena noch unruhig seien. Die dortigen Missionen sind durch die achte Kompagnie gesichert. Die 13. Kompagnie unterwirft, �urch Hülfs- völker unterstützt, Nord-Ungoni. Die Kolonnen Freiherr v. W a n g e n h e i m, Gralvcrt und Nigmann operieren auf M a h e n g e, das jetzt außer Gefahr. Die Abteilung des Sergeanten Pietsch von der Kolonne Nigmann zersprengte an, 6. Februar 799 Rebellen. Eine Kolonne unter Obcrleutiianl Gras Scyboltstorf mit 7S Soldaten ging am 23. Februar von Killva ab, um Mahenge auch mit Killva zu verbinden. Das Bezirksamt Langenburg meldet, daß dort die Ruhe ungestört sei. Die Dirne, die noch am Abend vorher wie ein halbverhungertes Tier blöde auf der Straße gelauert hatte, daß jemand komme und für kleine Münze roh ihre unfreiwilligen Zärtlichkeiten kaufe, auch sie hörte das Wort; aber verlegen lächelnd traute sie sich nicht es selber zu wiederholen. Da kam ein Manu auf sie zu, wie sie bis zu den. Tage noch keinen gesehen hatte, legte die Hand auf ihre Schulter und sprach mit der Stimme des Nächsten: — Genossin! Und sie lachte leise und verschämt, um nicht vor Freude zu »vcinen, ergriffen durch eine zun, ersten Male von diesen, getretenen Herzen empfundene Freude. In ihre» Augen, die noch gesten, frech und hungrig, mit tierisch-stinnpfem Blick auf die Welt gelchaut hatten, glänzten die Tränen eines ersten, reinen Glückes. Dieses Glück der Zugehörigkeit aller Ausgcstoßenen zur großen Faniilie der Arbeitenden aus aller Welt leuchtete überall auf den Straßen der Stadt— und die trüben Augen der Häuser starrten immer drohender und kälter herab. Der Bettler, den, man gestern, um ihn loszuwerden, einen armseligen Groschen, den Tribut des Mitleids der Satten, hinge- ivorfen hatte, auch er vernahm das Wort, und es war ihm daS erste Almosen, das in seinem elenden, durch Armut zerfressenen Herzen ein dankbares Zucken erweckte. Ein Droschkenkutscher, ein kölnischer Kanz. den seine Fahrgäste in de» Rücken stießen, damit er diesen Schlag seinem hungrigen, müden Gaule weitergäbe, dieser oft geschlagene Mensch, der vom Rattern der Räder auf dem Straßenpflaster stumpf geworden war, sah mit breitem Lächeln einen Vorübergehenden an und fragte: „Soll ich fahren?... Genosse..." Sprach es und erschrak. Schnell ergriff er die Zügel, um fort- zufahren, und sah den Vorübergehenden an. nicht imstande, von seinem breiten, roten Gesicht das freudige Lächeln zu verscheuchen. Der Vorübergehende blickte mit freundlichen Augen auf und antwortete, ihm zunickend: „Danke, Genosse! Ich hab's nicht weit." „Ach, Dn mein liebes Mütterlein!" rief der Droschkenkutscher beseelt, sprang auf den Bock und, lustig mit den Augen zwinkernd, fuhr er mit Peitschenknall und Hallo davon. Die Leute gingen in dichten Gruppen auf den Bllrgersteigen der Straßen. und lvie ein Funke tauchte immer hänsiger jenes Wort zlvische» ihnen auf, das bestimmt lvar, die ganze Welt zu einigen: — Genosse! Ein tvichtig und ernst dreinblickender Polizist mit großem Schilurrbart näherte sich einer Menge, die sich an einer Straßenecke Huetand. Schweiz. Militarismus und Antimilitarismus in der Schweiz. Zürich, 28. Februar.(Eig. Ber.) Die Verhandlungen des vor 14 Tagen in Ölten abgehaltenen außerordentlichen Parteitages der schwerzerischen Sozialdemokratie und feine Beschlüsse haben an der Haltung der Bürgerlichen Ivenig geändert. Anerkennen mußten und müssen sie nach diesen offiziellen Kundgebungen nun freilich, daß eS der schweizerischen Sozialdemokratie nicht im Traume einfällt, das Vaterland zu ver- leugnen, zu verraten, zu verkaufen, daß sie im Gegen- teil an seiner Unabhängigkeit und Selbständigkeit festhält. Sie hat daher auch nicht die Abschaffung des Militärs beschlossen, sondern sich für die Erhaltung der allgemeinen Wehrpflicht und des Volksheeres ausgesprochen, das allerdings viel demokratischer organi- siert»verde» soll, als es heute der Fall' ist. Der Parteitag hat sich aber auch gegen die mißbräuchliche Verwendung des Militärs gegen streikende Arbeiter ausgesprochen und zur Verhinderung der Niederinetzelung derselben die Aufforderung zur Ge- h orsamsverweigerung beschlossen. Dieser Beschluß ist in den Augen der Gegner ein neues Verbrechen der Sozial- demolratie; denn er gefährde die bestehende bürgerliche Rechts- Ordnung. Das mag sein, aber»venu diese„Rechlsordnllng" entartet,»venn mit der Staatsgeivalt von den herrschenden Mächten zu- gunstcn einer Interessengruppe, des Unternehmertums, Mißbrauch getrieben wird zum Nachteil einer anderen großen Interessengruppe, wenn der legale Weg zur Verhütung dieses Mißbrauchcs versagt, dann»niiß eben zur Selbsthülfe geschritten werben. Die Gegner sehen— lvie immer— nur den Splitter iin Auge der Sozialdemokratie, den Balken im eigenen Auge bemerken sie nicht. Kein Bürgerlicher hat die ernsten Gründe, die zu dem Oltener Beschlüsse geführt haben, eingehend untersucht und kritisch getvürdigt. In oberflächlicher Weise werden die mißbräuchlichen und frivolen Militäraufgebote dainit zu rechtfertigen und zi» be- schönigen versucht, daß man sagt, sie seien nicht gegen die Streikenden, fondern„nur" gegen„tinnultierende-Elemente" aufgeboten worden. Dainit wird der Wahrheit frech ins Gesicht geschlagen und die Situation nicht verbessert, sondern im Gegenteil noch iveitcrverschlechtcrt. Umsomehr als eben jener Mißbrauch die tiefe Eliipörung in den Arbeiter- kreisen, die antimilitaristische Strömung mitähren verschiedenen Bcglcit- erscheinungen nnd schließlich auch die Gründung der antimilitaristischen Liga verursacht hat. Die Gegner haben nicht den Mut, der Wahrheit die Ehre zu geben, den Mißbrauch zuzugestehen nnd den Behörden den dringenden Rat z» erteilen, diesen Mißbrauch in Zukilnft ein- für allemal zu unterlassen, um den tiefen Spalt im Volke wieder zil beseitigen. Die Behörden selbst, vorab der Bundesrat, kommen nun wieder mit dem Universalheilmittel des bürgerlichen Staates, mit der Polizei: Ausländer sollen nach dem bezüglichen Beschlüsse des Bundesrats aus der Schweiz ausgewiesen werden, sobald sie sich an der antimilitaristischen Agitation, insbesondere an der Aufforderung beteiligen, die Erfüllung der Wehrpflicht wie den Gehorsam zu ver- weigern. Gegen die s ch w e i z e r i s ch e n Autimilitaristen soll da? vor drei Jahren in der Volksabstinlmuug mit großer Mehrheit ver« worfene Maulkorbgesetz lvicder hervorgeholt und mit ihm ein neuer Versuch zur Beschränkung der Freiheit der Meinungs- änßcrung, insbesondere der Kritik an den Mißständen im Heere, gemacht werden. Die Zustimmung der BuudeSversanunlung zu einem solchen reaktionären Wechsclbalg mag der Bundesrat schon erlangen, aber in der nachfolgenden Volksabstimmung wird er aber- mals verlvorfen werden. Klüger und staatSmännisch lväre ei» Be- schluß des BuudeSrats geweicn: angesichts der Empörung des arbeitenden Volkes kein Militär mehr gegen streikende Arbeiter aufzubieten bezw. durch die KantonSregieruiigen nicht mehr aufbieten zu lassen, sondern die Sorge für die Aufrechterhaltung der Ordnung bei Streiks einzig den Streikenden selbst und allenfalls noch der Polizei zu überlassen. Vernlag die Polizeiaktion des Bundesrates gegen die Stimmung und Entschlossenheit der Arbeiterschaft nichts auszurichten, da an deren Ursachen nichts geändert lvird, so hat der Bundesrat noch weiter Wasser auf die Mühle der Antimilitaristell geleitet durch seine neuen Militärforderunge» von 13 592 999 Fr. für Vermehrnng der Muiijtionsbestände aller Truppeugattungen und für AnschasfiulK neuen Materials für die Gebirgsartillerie und Infanterie. Da die Zoll- einnahmen iin verflossenen Jahre um 9VzMillione>i Frank mehr betrugen und dcmeiltsprccheiid die Staatsrcchiillug mit einem lleberschuß abschließt, so hat man den Eindruck, daß die ganze Sunune und noch 4 Millionen dazu für militärische Zivecke verlvendet»verde» sollen. Damit steigt das eidgenössische Militärbudget für 1996 auf 46,39 Millionen gegen 31 Millionen im. Jahre 1995, 29 Millionen in 1994, 28,6 Millionen in 1993 und 28,7 Millionen in 1992. Mit ihrer provozierenden Trutz- nnd Gewaltpolitik lvird die herrschende Bourgeoisie, deren GeschäftsauSschuß der Bundesrat ist, die Spannung nur noch steigern und einer Krise entgegentreiben. Das ist die Politik des„starken Mannes", als den sich der bourgeoise Bundesrat den Arbeitern gegenüber seit jeher fühlt. Staats- mänuifch klug ist aber diese Politik nicht. DaS lvird die Zukunft zeigen.— England. Der englische Flottcnctat. L»»dol», 1. März.(Eig. Ber.) Die Admiralität veröffentlichte gestern den Flotteuctat für daS Finanzjahr 1996/97. Verglichen mit dem des Vorjahres zeigt er eine um einen greisen Redner drängte, hörte seine Rede mit an und sprach bedächtig: „Straßenversammlungen sind nicht gestattet; bitte auseinander- zugehen, nieine Herren.. schlvieg einen Augenblick, senkte die Augen zu Boden und fügte leiser hinzu: „... Genossen. �." Auf den Gesichtern derer, die dieses Wort in ihren Herzen hinausgetragen hatten, die ihr Fleisch und Blut hineinlegten und ihm den Klang eines Aufrufes zur Einigkeit gaben, aus ihren Ge« sichtern Icuchtere das stolze Belvußtseiu jngcndkräftiger Schöpfer, und es lvar klar, daß die Gewalt, die sie in dieses lebendige Wort legten, unaustilgbar, unbesiegbar, unvergänglich war. Schon aber sanlineltcn sich irgendwo gegen sie graue, blinde Massen bewaffneter Leute, die sich schweigend in Reils und Glied richteten; das waren die Vorbereitungen der Gewalttäter, um die heranbrausende Welle der Gerechtigkeit zurückzuschlagen. Aber in den engen, schmalen Straßen der Ricsenstadt, inmitten der von unbekannten Schöpferhänden errichteten schweigenden kalten Mauern wuchs und reifte der Glaube der Menschen an die Ver- brüderung aller mit allen. — Genossel Bald hier, bald da flammte ein Fünkche» auf, bestimmt, zn einer mächtigen Lohe zu wachsen, die die ganze Erde ergreifen wird im lodernden Bewußtsein der Zusannncngehörigkeit aller Menschen. Die ganze Erde wird diese Flamme ergreifen, und in ihren Gluten wird alles Böse, aller Haß und alle Grausamkeit, die unser Leben entstellen, zu Asche verbrennen. Unsere Herzen wird die Flamme ergreifen und wird sie in ein einziges großes Weltherz zusammen- schmelzen, die Herzen aller wahrhaftigen, edle» Menichen zu un- lösbarem Frenndschaftsbunde verknüpfeil, zur großen Faniilie der freien Arbeiter. In dc>l Straßen der toten Stadt, die von Sklaven erbaut lvar, in den Straßen der Stadt, wo die Grausamkeit geherrscht hatte, wuchs und gedieh der Glaube an den Menschen, der Glaube an seinen endlichen Sieg über sich und über das Böse in der Welt. Und in dem trüben Chaos deS unruhigen, freudlosen Daseins strahlte als heller Stern, als Leuchtfeuer der Zukunft das schlichte Wort, tief wie eine Seele:— Genosse! «Vnayme um 1520000 Pfund Sterling(---80400000 M.) Noch bedeutcilder ist die Al'ttcihmo, wenn mnn den Flottenetat des Finanz- jahreZ 1904/05 zum Vergleiche heranzieht. Die drei Flottenetats stellen sich wie folgt; Jahr Pfund Sterling Mannschaften 1904/05..... 86 850 681 130 490 1005/00..... 83 889 500 129 000 1006/07..... 31 869 500 129 000 Diese Verringerung der Flottenausgaven ist selbstredend nicht die Folge einer etwaigen Bekehrung Englands zum Friedens- gcdanken. Sie ist vielmehr die Wirkung der letzten weltpolitischen Ereignisse und einer geschickten Diplomatie. Die Ausweudungeu für Kriegsmittel stehen ja in enger Beziehung zur Diplomatie. Bis zum Jahre 1904 hatte England mit einer möglichen Kombination Nlist- land-Frankreich-Deutschland zu rechnen und muhte demgemätz seinen KriegSetat einrichten. Inzwischen wurde aber Ruhland aus der Liste der Seemächte gestrichen. Dann darf England nunmehr auch eventuell auf eine Vereinigung mit der französischen Flotte rechnen. und dieser Umschwung hat die Hcrabsetzung des Flottenetats möglich gemacht. Auch die Nenverteilling der Flotte wurde auf Grund der letzten diplomatischen Vorgänge vollzogen. Die Geschwader um die Nordsee wurden erheblich verstärkt, während die Geschwader im West-Atlantischen, im Mitrelmeer und im Stillen Ozean verringert wurden. Von demselben Gesichtspunkt ist auch der Bau des neuen Kriegshafens im Finh of Förth, im Nordwesten der Nordsee, zu octrachten. Im Finanzjahre 1905/6 wurden vollendet: 3 Schlachtschiffe. 8 Panzerkreuzer. 1 Kreuzer zweiter Klasse. 3 ScoutS fKundschafter). 16 Zerstörer. 13 Unterseeboote. 1 Kohlenschiff. Im Bau befinden sich gegenwärtig 6 Schlachtschiffe. 10 Panzer» Keuzer. 18 Zerstörer. 15 Unterseeboote. .... An Neubauten werden vorgeschlagen: 4 Panzerkreuzer. 17 Zer« storer. 12 Unterseeboote. An Beiträgen zu den Flottenausgaben zahlen die Kolonien: Australien..... 200 000 Pfund Sterling Indien...... 103 400, Neuseeland.... 40000,„ Kaplolonie.... 50000„, Natal...... 36 000, Neufundland... 3 000 Insgesamt 431400 Pfund Sterling. Kanada verweigert jeden Beitrag zur Reichsflotte, da es sich auf oen Schutz der amerikanischen Flotte vcrläht; es stellt sich unter den Schutz der Monroe-Doktrin. die den Besitzstand aller amerikanischen Staatengebilde gegen Europa gewährleistet.-» Huö der partei. Gewerkschaften Staffage? Unsere Leser kennen die unfaire Haltung des Redakteurs Rexhäufer gegenüber unserem Leipziger Brudervlatt in dessen schiveren Kämpfen mit der Staatsgewalt. Unsere Leipziger Kollegen sind in diesem Kampfe ja unterlegen, 1'/« Jahre Gefängnis lautet daS Verdikt der Sieger. Und das wäscht kein Wasser ab, die Richter, die solches Urteil fällen, lönuen sich für ihre Argumente auf daS Zeugnis— RexhäuserS berufen. Dah nach dem Prozeh die„Leipziger VolkSzeituna" in gebührender Form für den Liebesdienst quittierte, ist menichlich ivirklich nur zu erklärlich, auch dah Rexhäuser sich zu verteidigen suchte, ist ganz natürlich und verständlich, aber— fast unverständlich ist die Haltung deS«KorrespondcnzblatteS der Generalkommission". Ohne den Lesern das Borspiel näher mitzuteilen, schreibt daS Blatt in seiner neuesten Nummer: „Gegen die eigentümliche Kampfesweise der„Leipziger Volks- zeitnng" sieht sich der Verbandsvorstand der Buchdrucker gezwungen. Stellung zu nehmen. Das fragliche Blatt benutzt die Bericht- crstattung über ihren Prozeh. in dem ihr verantwortlicher Redalleur zu 1 Jahr 9 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, zu einem un- erhörten Ausfall auf den Redakteur des Buchdrucker-„Korrespondent". Stexhänser. ES bezeichnet ihn als Kronzeugen deS Staats- anwaltS, welcher sich aber„geschämt" habe,„seinen Namen in den Mund zu nehmen". Der Verbandsvorstand der Buch- drncker, der feiner Redaktion empfohlen hatte, für die Folge auf die Anrempelungen der„Leipziger Volkszeitung" nicht einzugehen. erklärt jetzt, dah gegen eine derartige Ehrabschneiderei, wie sie der „Leipziger Volkszcitung" beliebt, nicht polemisiert werden kann: eS genüge festzustellen, dah Rexhäufer nicht zum„eigenen'Lager" der „Leipziger VolkSzeitung" gehört, dah also die betreffenden Auf- tläruuaen deS Staatsanwalts, die die„Leipziger VolkSzeitung" für ihren Angriff benutzt, gar nicht auf Rexhäuser bezogen werden können, sondern dah es sich vielmehr bei den diesbezüglichen Aus- führungen deS Staatsanwalts lediglich um die in der Tat vor» handenen Meinungsverschiedenheiten in der Sozialdemokratie be- treffend die Taktik handeln könne." Als RedaktionSmeinung folgt dann dieS: „Wir begnügen uns damit, die Angelegenheit hier zu registrieren. Zu bemerken ist. dah Rexbäuser genau wie jeder andere Gewerk- schaftsredakteur von dem Verbandstage seiner Organisation auf seinen Posten gestellt worden ist. also durch das Vertrauen der Mitglieder und der zuständigen Vertretung hierzu berufen wurde. Das mühte eigeittlich selbst der„Leipziger Äolkszeitung" zu denken geben, dah die Art, wie sie eS beliebt, eine Verrrauensperson der Gewerkschafts- bewegung ohne jegliche tatsächliche Unterlage deS erbärmlichsten Verrats zu bezichtigen, der in der Arbeiterbewegung denkbar ist. den Gewerlschafte» selbst, in erster Linie dem Buchdruckerverbande, ein Schlag ins Gesicht bedeutet. Mit einer derartigen Kampfesweise dient man nicht der Sache der Arbeiterbewegung, sondern man liefert gerade dem Gegner die besten Waffen im selben Mähe, wie man in den eigenen Reihen nur persönliche Bitterkeit erzeugt." Wen die Staatsanwaltschaft zum„eigenen Lager" der„Volks- zeitung" rechnet oder nicht rechnet, wird sie dem Verbandsvorstand wohl kaum verraten haben. Ein mehr als starkes Stück ist es aber. wenn das„Korrespondcnzblatt" sich damit„begnügt" zu diktieren: der.Volkszeitung" fehlt sede tatsächliche Unterlage zu ihrem Angriff auf Rcxhäuser, und die Gewerlschaften haben die Be- leidignng eines ihrer Vertrauensmänner als Schlag ins Gesicht zu empfinden I Mit Verlaub: Wenn ein Gewerkschafts- beamter wegen persönlicher Handlungen zur Rede gestellt, vielleicht sogar zu Unrecht beleidigt wirb, dann kann dem entgegen die Gc- werkschaft ihrem Beamten ein Vertrauensvotum ausstellen, aber die persönlichen Auseinandersetzungen werden damit doch leine Gewerk- schaftSongelegenheit. Soll das doch sein, dann macht man au» den Gewerkschaften eine Dekoration als Folie für die Beamten. Wir schätzen die Gewerkschafien höher ein. wir betrachten eS als Unfug. die Gewerkschaften mit einzelnen Leuten zu identifizieren, sie als Nachtwächter zu bestellen für einzelne Beamte, wenn diese von anderer Seite wegen persönlicher Taten sich auf die Hühneraugen getreten fühlen. Nicht die Gewerkschaften sind angegriffen, sondern lediglich die Person Rexhäuser, ob mit Recht oder Unrecht kann sogar ganz ausgeschaltet werden. Wenn man wegen solcher Angriffe die Gewerkschaften zum Kampfe aufrust, dann mutet man ihnen eine unwürdige Nolle zu. erweckt den Anschein, als ob man die Gewerk» schaften nur als Staffage für die Beamten betrachtet. Zwei Textilbarone soll Genosse Heinig als Verantwortlicher der „Leipziger VolkSzeitung" beleidigt haben, weil er deren WohlfahrtS- einrichtungen abfällig kritisiert hatte. Der fliegende Gerichtszustand zitierte den Sünder vor da» Gericht in Altenbura. Dort wurde seine Kenntnis über Wohlfahrt bereichert; ISO M. Geldstrafe ist die Sühne für sein Bergehen._ Hu9 Industrie und ftandel Von der Börse. Die Rede des Kaisers am Montag, in der die Eventualität eines Krieges nur angedeutet wurde, brachte eine der , artige Baisse, wie sie der Tag der Eröffnioig des ruffisch-fapanischen Krieges nicht viel schlimmer sab. Schmerz bereiten die Russen. Mit Bangen sieht man den offiziös angekündigten„extremen Finanzmahnahmen" entgegen. Ob sich diese in Gestalt einer neuen Anleihe mit Spezialsicherhciten oder in eiwer starken Zinsherabsetzung der alten Anleihen zeigen werden, darüber ist man sich noch nicht so recht klar. Klar ist nur— in Ruhlend, dah unbedingt etwas zur Sanierung der Finanzen geschehen muh und das natür- lich auf Kosten der ausländischen Gläubiger. Unsere Liebe zum heiligen russischen Reiche wird der deutsche Geldbeutel ordentlich zu spüren bekommen. Deutsches Kapital wird dazu herhalten, der russischen Reaktion die letzten Tage zu erleichtern. Dafür rächen wir uns an andere. Ungarische Renten und chinesische Anleihen sind sehr in Mihkredit geraten. Die veröffentlichten Umsatzzahlen der„Vereinigten Königs- und Laurahütte" gaben Veranlassung, über die pessimistische Lage der Montanindustrie hinwegzutäuschen. Die bisher erschienenen mit gewaltigen Zahlen protzenden Bankbilanzen haben nicht so recht befriedigt. Als bedenkliches Zeichen gilt das Anschwellen der Effcktcnbestände und des Kon- sortialbesitzes. ES zeigt sich darin, dah die Banken in den letzten Tagen des verflossenen Jahres durch starke Engagements die Kurse künstlich hochgehalten haben. Man muh doch gute Abschlüsse er- zielen! Auf dem Markte der Reichsanlcihcn haben die Mahnahmen zur Hebung der Kurse auch nicht viel genützt, denn der Preis bewegt sich schon wieder nach unten, und die in Aussicht stehenden Neu- emissioncn werden die 5wrse weiter herabdrückcn. Lohnanteil. Die Gewerkschaft Moni Eenis erzielte für ab- gesetzte Produkte pro Januar 630 504,97 M. Die verausgabte Summe für Löhne und Gehälter belauft sich auf 327 230,14 M., mithin rund 50 Proz. vom Erlöse, da bleibt für die Papierarbeiter ein netter Batzen übrig. Die Bescherung beginnt! Die Bäckermeister in Wiesbaden baben mit Berufung auf die Wirkungen des neuen Zolltarifs den Brotpreis um 4 Pf. per Laib erhöht. Der Preis der Milch soll von 20 auf 22 Ps. heraufgesetzt werden. Dah die„angenehmen" öe- suhle, die solche Borgänge auslösen und noch sehr, sehr oft in ver» stärktem Mahe vorkommen, dafür haben die Agrarier»üt Hülse der Regierung gesorgt.„Ach. du mein„teures" Vaterland," wird aus- zurufen sich noch oft Gelegenheit finden. Dah dabei der Patriotismus gestärkt ivird, wagen wir zu bezweifeln. Die Dnrmstädter Bank schloh das letzte Geschäftsjahr ab mit einem Bruttogewinn von 22 588 726,71 M. Der Reingewinn, nach Abzug der Handliingsnnkostcn, Steuer», Tantiemen usw. bcläuft sich auf 13 044 539,95 M. Zur Verteilung gelangt eine Dividende von 8 Proz., wozu 12 320 000 M. erforderlich sind. (3ewerksckaft:Uckes. Ein Beruf, für den eS keine Gewerkschaft gibt. Die Idee der modernen Arbeiterbclvcgimg hat in ihrem Sieges- laufe die entlegensten Winkel der Kulturwelt längst erreicht, in alle Kreise der Arbeiter ist sie eingedrungen, tagtäglich gewiimt sie neue Anhänger. Dah es heutigen Tages noch eine Berufsgruppe gibt, für die keine gewcrksckwftliche Organisation besteht, das sollte man nicht für möglich holten, und doch ist dem so. Es ist die ehrsame Zunft der S ch o r n st e i n f c g e r, wo die Unternehmer ganz nach Belieben die Arbeiter ausbeuten können, ohne daß sie fürchten mühten, auf den Widerstand einer Gewcrksckzaft zu stohem Tie Arbeiterausbeutung wird denn auch im Schornsteinfegergewerbe in eiiwr Weise betrieben, die nur in wenigen rückständigen Berufen ihresgleichen findet. Ein Sclwrnsteinfegergesclle in Berlin, der vom Meister Kost und Logis bekonmit, erhält dazu einen Lohn von 5 M. Ohne Kost und Logis gibt es 15 bis höchstens 20 W. Wochen- lohn. Die Berliner Schonssteinfegenneister dagegen rechnen mit Jahreseinkommen von 10 000 bis 30 000 M. Sie könnten also sehr gut höhere Löhne zahlen, aber warum sollten sie denn, wenn keine Organisation da ist, welche bessere Verhältnisse fordert. In den Kreisen der Schornsteinfegergesellen regt sich nichts, und die Meister sind natürlich ängstlich bemüht, alles von den Gesellen fern- zuhalten, was dies« zum Bewuhtsein ihrer Klassen läge bringen könnte. So passierte es kürzlich, dah ein Geselle, der die Schornsteinfeger-Fachschule besucht, ein ZcitungSblatt in der Hand hielt. Der unterrichtende Meister stürzte darauf los und lieh sich daS Blatt aushändigen. Es war der„Vorwärts". Der Geselle, der es gewagt hatte" den„Vorwärts" bei sich zu führen, wurde aus der Fachschule ausgewiesen. So sichert sich die ehrsame Schornstein- fegerziinst vor sozialdemokratischer Versäuchung ihrer Gesellen. Wann», muh man fragen, organisieren sich die Schornstein» fegergesellen nicht? Warum folgen sie nickst dem Beispiel der Ar- beiter in andere» Berufen? Ein Schornsteinfegergeselle, der sich an uns wandt» und uns die mihliche Lage seiner Berufsgenossen schilderte, beantwortete die Frage dahin: Ein jeder Geselle denkt einmal Meister zu werden. Wenn er dies Ziel erreichen will, dann muh er die Gesinnung zur Schau tragen, die bei allen OrdnungS- stützen als die einzig richtige gilt. Weh« dem, der sich in den Ver» dacht bringt, den Ideen der modernen Arbeiterbewegung zu huldigen. Der kann nie daran denken, eine Meisterstelle zu bekommen, denn diese hängt von einer behördlichen Konzessson, von Prüfungen durch die Handwerkskammer usw. ab. So schielen also die elend cnt- lohnten Schornsteinfegergesellen nach den fetten Mcisterstellen und vergessen dabei, dah auch in, Schornsteinfegcrberuf nicht jeder Geselle Meister werden kann, selbst wenn er eine noch so waschechte Ge- sinnung zur Schau trägt. Wenn das Strebertum unter den Schornsteinfegergesellen wirklich so allgemein verbreitet sein sollte, wie uns unser GewährS« mann versichert, dm,,, erklärt es sich ja, dah es keine Gewerkschaft der Schornsteinfeger gibt. Wer auf eine Meisterstelle mit fettem Einkommen hofft, von dem ist kein Interesse für die Bestrebungen der Arbeiter zu erwarten. In die Reihen der modernen Arbeiter- belvegung werden denn mich wohl nur die Schornsteinfegergesellen eintreten, welche die Meisterschaftshoisrningen aufgegeben haben und in einen anderen Beruf eingetreten sind. OrarMt«« Rdefe- Die Konfektlonsschneidcr im Rhein- und Maingau haben bekanntlich vor kurzem ihren Streik beendet, wobei vereinbart wnrde, dah ein für den ganzen dortigen Jndustriebezirk geltender Lohntarif abgeschlossen werden sollte. Wie die Frankfurter„Volksstimme" be» richtet, kam dieser Tage vor dem Vorsitzenden deS GewerbegerichtS nach«ingehender Beratung ein Tarifvertrag zur endgültigen Regelung der Loh»verhält»isse der m der Konfektionsindustrie SüddentschlandS beschäitigten Heim- und Werkstattarbeiter zustande, der die Städte Frankfurt a. M.. Mainz. Darmstadt, Heidelberg. Mannheim. Speyer und Worms umsaht. Durch die Bestimmungen dieses Tarifvertrages sind nunmehr die in dieser Branche zu zahlenden Mindestlöhne, für die bisher eine allgemeine Regelung fehlte, auf eine Reche von Jahren, mindestens bis znm 1. Januar 1910, festgelegt. Außerdem ist u. a. vorgesehen, dah behufs Verhütung� von Streiks und Aus- sperr, ingen etwa entstehende Differenzen zunächst durch die beteiligten beiderseitigen Organisationen zu schlichten sind und falls eine Emi- gung nickt gelingt, das Geiverbegericht anzurufen ist Der Tarif tritt am IV. März d. I. in Kraft. Zur Frage der Maifeier nahm in seiner letzten Sitzung da« Samburger Gewerkschaftskartell, dem nunmehr mtliche Mitgliedschaften der Zentralverbände angehören, Stellung. Im Namen der Kartellkowmission führte Genosse H e n s e u. a. auS. er dürfe wohl, ohne Widerspruch zu begegnen, der Meinung Ausdruck verleihen, dah die übergroße Mehrheit der Delegierten des Hamburg- Altonaer Gewerkschastskartell» sowie der Gewerkfchaftsvorstände auf den, Boden der auf dem Jenaer Parteitage entwickelten Anschauungen stände, die wesentlich abtvichen von der Behandlung der Maifeier- frage auf dSR Kölner Gewerkschaftskongreß, wie auch die Gewerk- schaftsmitglieder in ihrer großen Majorität wesentlich and.'rer Meinung seien, als die Mehrheit der Delegierten zun, Kölner Kon- greh.(Lebhafte Zustimmung.) Nur ein Redner der von über 200 Personen besuchten Zusammenkunft verteidigte die Stellung- »ahme des Kölner Kongresses.— Wie in den Vorjahren, wird auch in diesem Jahre ein großer Temonstrationszug am 1. Mai statt- finden. Die endgültige Beschlußfassung in dieser Frage steht der kombinierten Mitgliederversammlung der Parteivereine zu. vhrifilich-gewcrkschaftliche Quertreibereien. Wenn sich in irgend einem Orte, wo bisher die freien Gewerk- schaften das Feld behaupteten und die Interessen der Arbeiter mit Entschiedenheit vertraten, eine Organisation unter der Firma einer christlichen Gewerkschaft auftut, dann kann man mit Sicherheit darauf rechnen, daß die Leute von der christlichen Richtung sich den Unternehmern als liebe Kinder in Erinnerung zu bringen suchen, die nicht daran denken, den Unternehmern irgendwie zu nahe zu treten oder gar mit Forderungen zu kommen, welche d,e Lage der Arbeiter wirklich zu verbessern geeignet sind. Wie könnte es auch anders sein. Werden doch die Interessen der Arbeiter durch die freie Gewerkschaft in befriedigender Weise vertreten. Tie christliche Organisation muh deshalbb ihre Existenzberechtigung dadurch er- weisen, dah sie den Bestrebungen der freien Gewerkschaften ent- gcgcnarbeitet. Ein Beispiel dafür wird unL- aus Essen mitgeteilt. Tort hatten die der freien Gewerkschaft angehörenden Maler beschlossen. den Abschluß eines Tarifs zu fordern, der ihnen vom 1. April ab die lOstündige Arbeitszeit gewährt, sowie einen Stundenlohn von 52 Pf., der sich nach einem Jahre auf 54 Pf. erhöhen sollte. Kaum war dieser Besckluh bekannt geworden, so traten die christlich- organisierten Maler— ganze 30 Mann— auf den Plan und zeigten den Unternehmern, dah sie es billiger machen können als die freie Gewerkschaft. Die christlichen Maler reichten also einen Tarif ein, der für junge Gehülfen 43 und 47 Pf. und für ältere Gehülfen 50 Pf. Stundenlohn fordert. Diese von den christlich-organisierten Malern in Essen befolgte Taktik erinnert uns an einen fast ganz gleich beschaffenen Vorgang, der sich vor noch nicht allzulanger Zeit in Berlin abspielte. Htcr waren es die christlichen Gärtner, welche einen Erfolg der freien Gewerkjichaft dieses Berufes dadurch vereitelten, dah sie mit den Unternehüiern einen Tarif abschlössen, der erheblich ungünstiger war als tue von der freien Gewerkschaft aufgestellten Forderungen. Durch den Tarifabschluh und dadurch, dah die christlichen Gärtner unter Berufung auf ihren Tarif bereit waren, Streikbruch zu be- treiben, falls die Gärtner von der freien Organisation in den Streik eingetreten wären, ist die Lohnbewegung der letzteren tatsächlich so stark beeinträchtigt worden, dah das erstrebte Ziel nicht erreicht werden konnte. Der Führer der christlichen Gärtnerorganisation in Berlin war Herr Behren«, der jetzt als Angestellter des Gewerk- verein» christlicher Bergarbeiter in Essen weilt. Die von den christlichen Malern in Essen beliebte Taktik sieht dem Arbeiterverrat der christlicheU Gärtner in Berlin so ähnlich, daß man wohl annehmen kann. Herr Behrens will in Essen dieselben Quertreibereien ausüben, mit denen er in Berlin die Interessen der Unternehmer förderte und die Interessen der Arbeiter schädigte. Erfreulicherweise liegen aber die Verhältnisse in Essen so, dah der von christlicher Seite rn« Werk gesetzte Arbeiterverrat dort keinen Erfolg haben wird. Letzte Naebnebten und Depefcben. Unser Kolonialkrieg. Berlin. 3. Marz.(W. T. B.) Wie ein Telegramm des Gouverneur« von Linoequist aus Windhuk meldet, drahtet der Be- zirkSamtmann in Keetmannshop folgendes: Cornelius, von Haupt- mann VoNmann hartnäckig verfolgt, hat sich demselben mit alle» seinen Leuten ergeben. Waffen und Pferde sind abgenominen. Sanfter Nachdruck. Budapest. 3. März. Nichter von meiner Seite liegen soll, vermag ich nicht einzusehen. Herr Stadthagen ist dann auf den allerneuesten Leipziget Majestätsbeleidigungsprozeß eingegangen. Vorgestern erst hat d» mündliche Verhandlung stattgefunden, und zurzeit liegen noch fehl wenig sichere Nachrichten vor; daS Urteil ist noch nicht ausgefertigt. Es sind nur mündliche Entscheidungsgründe erwähnt worden. Ter .Herr Abgeordnete weiß so gut wie ich, daß der Schwerpunkt in de» schriftlichen UrteilSgründen liegt. Das hindert ihn nicht, schon jetzt in seiner Weise zu kritisieren. Von einer sachlichen Erörterung kann dabei keine Siede sein. Er hat sich dmm darüber beschwert. daß die Oeffentlichleit in dein Prozeß ausgeschlossen worden sei. In dieser Beziehung liegt ein Gerichtsbeschluß vor; darüber soll ich mich nun äußern I Weiter ist.Herr Stadthagen darauf gekommen, daß ich gesagt habe, der Oberstaatsanwalt Böhme habe nur seine Pflicht getan. Herr Böhm« ist allerdings einmal vor 14 Jahren wegen eines un- zulässigen Ausdruckes von der sächsischen Justizbehörde korrigiert worden. Herr Böhme hat im Prozeß gegen die„Leipziger Volks- zeitung" nicht gesagt: die Redakteure hielten sich im Hinterhalt, sie seien Feiglinge. Der in dem Prozeß Angeklagt« lvar erwiesener- maßen nicht der Verfasser der unter Anklage gestellten Artikel, er deckte nur deren Inhalt mit seiiwn Namen. Im Volke versteht man es schlechterdings nicht, daß wieder und wieder ein solcher Mann unter Umständen mit hohen Strafen belegt tvird, während die cigentlickien Verfasser, die so ziemlich jeder kennt und die doch nicht zu fassen sind, straffrei ausgehen. Wenn der Staatsanwalt, der sich um den wirklichen Täter zu kümmern liat, einmal unter diesen Umständen die Situation beleuchtet und seine Ansicht zum Ausdruck bringt, wo nach seiner Meinung die wirklichen Täter sitzen, so kann das nicht wundernehmen. Ter Oberstaatsantvalt hat so- dann nicht gesagt, die Redaktcure wären feige, sondern nur: sie liebten die Vercmtwortlichleit nickt und hielten die Vorsicht für den besseren Teil der Tapferkeit.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das ist doch dasselbe l) Damit hat er nur der Gott sei Tank noch Iveit verbreiteten Auffassung Ausdruck gegeben: daß man auch dann gu seinem Worte zu stehen hat, weim es einen mit dem Strasrichter in Konflikt bringt, und daß es nicht recht und billig ist, einen anderen für sich büß«» zu lassen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Preß- gesetzt) Das Preßgesctz verlangt nur einen verantwortlichen Re- daktcur, dabei bleibt doch aber der Grundsatz bestehen, daß der- jenigc, der die Artikel verfaßt hat, auch zu feinen Ausführungen zu stehen hat, Der Herr Abg. Müller-Meiningen hat dann noch wenig freund- liche Bemerkungen an das Dresdener Urteil gegen den Fürsten Kotschuveh geknüpft und es in Vergleich gestellt mit einem Urteil gegen die „Dresdener Rundschau". Die Berechtigung dieser Gleichstellung kann ich nicht mierkcnnen. Es liegt mir vollständig fern, Herrn Kotschubey irgendlvie entschuldigen zu wollen. Aber konstatiert muß doch lverdcn, daß der Fürst in starkem Affekt gehandelt hat. Die Nummer des„Simplicissimus", die ihm der Portier gab, enthielt nock, viel Aergcrcs als daS, was Herr Müller-Meiningen hier mit- geteilt hat. Mit Rücksicht aus den Affekt des Fürsten glaubte das Schöffengericht nur auf Geldstrafe erkennen zu sollen. Ich will nicht urteilen, ob das richtig ist. Es ist auf 1000 M. erkannt und im Urteil ausdrücklich hervorgehoben worden, daß es bedauerlich sei, daß das Gesetz die Höckstsirafe bei einer Beleidigung auf 1000 M. beziffert. Nebenbei will ich bemerken, daß" das Befinden des Ver- letzten jetzt in der Besserung begriffen ist. Der Artikel der„Dres- dener Rundschau" hat in grob entstellender und verletzender Weise eine Anordnung der Obrigkeit verächtlich gemacht. Auf Milde konnte der Verfasser da keinen Anspruch machen. Abg. Stöcker kWirt. Ver.): Ter Fall der Freisprechung des „Simplicissimus" durch die Münchcncr Geschworenen ist für mich ein dunkler Fall.(Lachen linls.) Ich glaube, daß die Geschworenen unter der Suggestion der üffentlickc» Meinung und der Gutachten der sogenannten Sachverständigen gestanden haben. Der Licentiat Bahn, der vom„Simplidssimus" fortwährend angegriffen wird, hat Nicht gesagt, die Deutschen seien ein verhurtcs'Volk. Er hat nur in der Sprache der Bibel gesagt, daß die Deutschen gegen ihren Gott Hurerei trieben, d. h. gegen Gottes Gebot handelten. Es ist nicht wahr, dah das„S!Niplicissimus"-Flugblatt erst gemacht worden ist, nach dem der Licentiat Bohn„Jugend",„Simplicissimus" und Shphilis zusammengebracht hat. Das Flugblatt ist vielmehr vor dem Magdeburger Kongresse hergestellt worden. Wir von der Sittlichkeitsbewegung sind es also, die in der Verteidigung gegen die zügellose Sitten- Verderbnis stehen. Wenn im„Simplicissimus" hin und wieder'mal ein gut gezeichnetes Bild ist, so ist das noch schlimmer! Das sind die Lockmittel der Sünde! Wir stehen auf dem Standpunkte, daß nur auf dem Boden der Ehe ein geschlechtliches Leben erlaubt sei. (Heiterkeit links.) Wenn jetzt Frauen im Lande herumreisen und die freie Liebe und die Emanzipation des Fleisches predigen(Zuruf rechts: Anita Augspurg! Lachen rechts), wenn Leute, die im Konkubinat leben, das noch durch ein Zeitungsinserat ankündigen (Zuruf rechts: Roda Roda! Lachen rechts), so kann doch selbst der verworfenste Mensch das nicht billigen!(Heiterkeit links.) In der „Jugend" wurde eine Frau, die gegen die Ehe aufgetreten war, mit den Worten gefeiert: Tu sprachst das Wort, nach dem wir alle lechzen, Die alte Lüge ward von dir gerichtet. Ich erkenn� es dankbar an, daß„Jugend" und„Simplicissimus" jetzt keine Schmutzannoncen mehr bringen. Aber oft ist das Wort noch schlimmer als das Bild. Warum trifft das Deutsche Reich nicht mit Frankreich, Oestcrreich-Ungarn usw. internationale Schutz- maßregeln gegen die Verseuchung mit Perversitäten? Auch andere Länder haben doch ein Interesse daran, daß ihre Bürger nicht ihres zeitlichen und ewigen Heils verlustig gehen. Fort mit dem Schmutz, Ivie er auch in„Jugend" und„Simplicissimus" verbreitet wird! Fort mit aller Gemeinheit! Das walte Gott!(Stürmischer Bei- fall rechts und im Zentrum.) Abg. v. Gerlach(frs. Vg.): Was Dr. Stöcker gegen Schweine- reien gesagt hat, unterschreiben wir von der Linken. Wenn er aber am Schlüsse wieder„Jugend" und„Simplicissimus" in einem Atem damit gebracht hat, so muß das uns immer wieder stutzig machen: ob wir dem Zentrum und den Konservativen irgend eine neue gesetz- liche Handhabe geben können in ihrem Kampfe gegen die„Un- züchtigkeit". Die gesetzlichen Bestimmungen genügen. Redner polemisiert gegen den Abg. v. Dirksen in bezug auf die Dienstbotenfrage. Wir haben absolut keine Bestimmungen über die Länge der Arbeitszeit und die Sonntagsruhe. Der Abg. Dr. Mugdan bat mir erst jetzt noch einen Fall erzählt, in dem ein Großknecht ein Strafmandat über 3 M. erhalten hat, weil er Sonntag abends ohne Erlaubnis der Herrschaft zum Tanz gegangen war. Ein Dienst- böte darf den Dienst nicht verlassen, selbst wenn er Prügel bekommt. Er darf den Dienst nur verlassen, wenn Leben und Gesundheit in Gefahr sind. Abg. v. Brockhausen(k.) wendet sich scharf gegen die gestrigen Ausführungen des Abg. Krösell. Abg. Herbert(Soz.): Ich stimme dem Abg. v. Gcrlach zu, wenn er ausführt, daß eine Aenderung der Gesindeordttung dringend notwendig sei. Ebenso fordere ich mit ihm die Schaffung der Koalitionsfreiheit für die ländlichen Arbeiter. Man braucht nur wenige Paragraphen der Gesindeordnung durchzulesen, um zu sehen, wie rechtlos die ländlichen Arbeiter sind. Da wird z. B. be- straft, wenn ein Arbeiter nicht die rechte Ehrerbietung und Be- scheidenheit gegen die Herrschaft gezeigt hat. Solche„Vergehen" des Gesindes können mit Gefängnis bis zu 14 Tagen geahndet werden! Derartige Fälle kommen außerordentlich häufig vor. In meiner Heimat, der Provinz Pommern, gibt es eine große Zahl von Ur- teilen, die selbst von freisinnigen Rednern als Klassenjustiz be- zeichnet sind. Das gilt insbesondere auch von dem Stargarder Urteil wegen der Flugblattverteilung. Man bezeichnet Pommern als Puttkamerun. In der Tat ist die Rechtsprechung dort ganz ähnlich wie die gegen die Schwarzen in Kamerun.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Am 21. Januar wurde unser Flug- dlatt verbreitet, am 20. Februar erfolgte bereits die Verurteilung. Wie schnell ist in diesem Prozeß von der Justiz gearbeitet worden. Wie langsam arbeitet dagegen die Justiz in anderen Prozessen. Die Vernehmungen über die Wahl in Kolberg-Köslin, wo Dr. Barth unterlegen ist, hat jahrelang gedauert. In einem anderen Prozeß hat man auch für die Nachprüfung der Wahl zwei Jahre gebraucht, um Zeugen zu vernehmen. Das ist die berühmte Rechtsgleichheit! In dem schon erwähnten Stargarder Flugblattverteilungsprozeß hat der Staatsanwalt in Stargard in seiner Rede sich offen darauf berufen, daß der Ministerpräsident Graf Bülow eine Bestrafung solcher Handlungen in seiner Herrenhausrede verlangt habe! Nach- denr es Mode geworden ist, daß die Staatsanwälte in �höhere Richterstellen berufen werden, ist es ja begreiflich, daß ein Staats- anwalt eine solche Mahnung sofort beherzigt. Das vorgeschlagene Strafmaß von 4 Wochen Gefängnis wurde vom Staatsanwalt wiederum damit begründet, daß die Angeklagten die Führer der Sozialdemokraten seien. Während nun der Staatsanwalt trotz der Beeinflussung durch den Fürsten Bülow 4 Wochen für ausreichend hielt, hat das Gericht auf 3 Monate erkannt. Dabei ist nicht der geringste Beweis erbracht. Der Staatsanwalt hat die Beweislast umgedreht, indem er verlangte, daß die Angeklagten nachweisen sollten, daß sie unschuldig seien. Obwohl die Angeklagten be- haupteten, sie hätten den Inhalt der Pakete nicht gekannt, hat trotz- dem das Gericht„festgestellt", daß sie Kenntnis davon gehabt hätten. Es beklagen sich übrigens ja auch in Pommern nicht bloß die Sozial- dcmokraten, sondern auch die Freisinnigen und Antisemiten. In Pommern ist es eben üblich, daß jeder, der nicht der konserativen Richtung angehört, drangsaliert und schikaniert wird. Es gibt auch noch andere Urteile, die für unsere Justiz bezeichnend sind: Ein Wirt hatte uns sein Lokal vertragsmäßig für eine Versammlung zur Verfügung gestellt, bei Vermeidung einer Konventionalstrafe. Er zog seine Zusage nachträglich zurück. In erster Instanz ist er auch verurteilt, in zweiter ist die Klage aber abgewiesen, weil ein solcher Vertrag nicht rechtsgültig sei, sondern gegen die guten Sitten verstoße! In einem anderen Falle erhob ein. Sozialdemokrat gegen ein polizeiliches Strafmandat wegen des Verteilens von Flug- blättern Widerspruch und beantragte richterliche Entscheidung. Da erhielt er 3 Tage Gefängnis! In aller Erinnerung ist noch der Prozeß, den ein Polizeikommissar wegen Beleidigung führte, weil behauptet war, daß er zum Zwecke der Erpressung eines Geständ- nisses einen Schüler mißhandelt habe. Obwohl drei Zeugen be- stätigten, daß die Angaben des Angeklagten richtig seien und daß auch ein anderer Schüler mißhandelt sei, erachtete das Gericht den Beweis der Wahrheit nicht für erbracht, hauptsächlich wohl, weil der Polizeikommissar, der natürlich ein schwaches Gedächtnis hatte, sich der Angelegenheit nicht mehr erinnern konnte und nur auf eindringliche Mahnung des Vorsitzenden zugab, daß er vielleicht einmal mit einem Lineal geschlagen habe. Ich will nicht erörtern, ob der Polizeikommissar einen Meineid geleistet hat oder nicht, meine aber, es hätte doch mindestens Anklage gegen ihn erhoben werden müssen wegen Erpressung eines Geständnisses.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In einem anderen Falle— in der Nähe von Stettin— war ein Arbeiter, der sich weigerte, den unberechtigten Anordnungen eines Gutsinspektors Folge zu leisten, von diesem erschlagen worden. Trotzdem der Inspektor sich noch in Begleitung von vier anderen Leuten befunden hatte, also fünf gegen einen standen, behauptete der Staatsanwalt, jener habe in Notwehr gehandelt, und auch der Richter erkannte nur» auf 2 Monats Gefängnis. So wird der Totschlag eines Arbeiters in Hinterpommern gesühng. Solche Fälle können das Vertrauen zur Justiz nicht erhöhen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Zum Schluß noch ein Wort über die Behandlung vor Gericht, namentlich Arbeitern gegenüber: Sie werden in einer Weise angc- fahren, daß sie gar nicht zu Worte kommen. Immer und immer wieder hört man die Kk?ge:„Ja, ich habe gar nicht reden dürfen." Ich habe es selbst erlebt, wie der Vorsitzende einen Arbeiter wiederholt anschnauzte und mit Haftstrafen bedrohte, wenn er nicht reines Hochdeutsch spreche! In einem anderen Falle wurde ein an- geklagter Arbeiter, weil er sich nicht auf einen Vergleich einlassen wollte, von dem Vorsitzenden in einer Weise angeschnauzt, wie man es nur auf dem Kasernenhofe hört. Die einzigen Gerichte, die im Volke Vertrauen haben, sind die Gewerbegerichte. Aber gerade gegen sie wird von den Unternehmern Sturm gelaufen. Ich bin feit über zehn Jahren Gewerbegcrichts- Beisitzer und erkläre, daß auch die bürgerlichen Beisitzer stets init peinlichster Gewissenhaftigkeit Recht gesucht und gesprochen haben. Daher müßten wir bestrebt sein, die Gewcrbegerichte immer iveiter auszubauen. In der Umgegend von Stettin aber Iveigert man sich vielfach, solche Gewerbegerichte«inzurichten, weil der Landrat für den Bestand seiner Willkürherrschaft fürchtet.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) ?lbg. Heine(Soz.): Herr Dr. Nieberding hat sich beklagt, daß ich seine Ausführungen über das mögliche Scheitern der Strafprozeßreform als Drohung bezeichnet habe. Vom Chef der Justizverwaltung im Deutschen Reiche und dem hervorragenden Juristen konnte ich doch erwarten, daß er meine Worte juristisch auffaßte. Er weiß, daß man nach der herrschenden Definition unter Drohung versteht: die Ankündigung eines Uebels, das der Ankündigende selbst oder durch andere zu ver- wirklichen imstande ist. Wenn also Herr Nieberding uns ankündigt, daß. die Regierungen die Prozetzreform würden scheitern lassen, so ist das im juristischen Sinne eine Drohung, und anders war es nicht gemeint. Im übrigen haben meine Herren Gegner die alte Methode be- folgt, das zu bestreiten, was ich gar nicht gesagt hatte. Eine An- zahl Herren aus dem Hause, Richter ihrem Berufe nach, sind auf- getreten und haben meine Angriffe auf den gesamten Richterstand zurückgewiesen. Wenn die Herren den stenographischen Bericht nach- lesen, werden sie finden, daß ich nicht mit einem Worte den gesamten Richterstand angegriffen, sondern eine gewisse Sorte politischer Justiz kritisiert habe, die über die Gesinnung des Gegners zu Gericht sitzt. Daß es eine solche Sorte politischer Justiz gibt, haben alle die Herren anerkannt, die nach mir gesprochen haben, Herr Müller wie Herr Spahn, Herr Roeren wie Herr Lenzmann, und alle zusammen haben sich gegen eine Jdentifizieung mit solcher Justiz verwahrt. Ich habe den Herren nie nachgesagt, daß s i e etwa eine solche Justiz ge- übt hätten oder schuld daran wären. Die Herren sagen nun alle: Ja, aber das sind Ausnahmen, bei uns im Westen und Süden, da gibt es so'was nicht! Ich bin auch nach Westen gekommen, ich bin in Dortmund gewesen, das nicht so gar weit von der Gegend des Herrn Lenzmann entfernt ist, und habe genau dieselbe Erfahrung gemacht, daß man dem Angeklagten in einem politischen Beleidigungsprozeß jeden Beweis abschneiden wollte und daß der Erfolg, den wir errungen haben, nur dadurch möglich war, weil wir Geld hatten, die Zeugen direkt zu laden. Im übrigen habe ich selbst anerkar.nr und betont— die Gerechtigkeit und mein Gewissen zwingen mich dazu—, daß es glücklicherweise nicht überall so ist. Ich habe zum Beispiel auf den Prozeß gegen den Bergmann Krämer hingewiesen und das Vorgehen der Strafkammer als mustcr- Haft bezeichnet. Gewiß, es gibt auch in politischen Prozessen Richter, die sich von politischer Leidenschaft freihalten, ich will sogar zugeben, daß es eine große Anzahl solcher Fälle gibt. Aber wenn die politischen Leidenschaften erregt werden, wie in> den letzten Wochen und Monaten durch eine gewisse Hetzpresse oder zur Zeit des Zucht- Hausgesetzes durch gewisse agitatorische Bestrebungen von Scharf- machern, dann merkt man, wie diese Strömung auch auf die Richter wirkt und wie ganz andere Urteile herauskommen als zu anderen Zeiten. Und bei gewissen Gerichten, die in einem besonderen Rufe stehen, wie das Breslauer zum Beispiel, da sind derartige Urteile gang und gäbe. Aber es gibt andere. Ich habe mich absichtlich nicht über die Berliner Justiz in politischen Sachen ausgesprochen, weil ich mit diesen Gerichten viel zu tun habe. Aber da ich herausgefordert bin, muß ich sagen: Auch in Berlin habe ich im großen und ganzen — abgesehen von einzelnen Kammern— günstige Erfahrungen gemacht. Und ich glaube, deshalb geht ja jetzt die Justiz auf die Dörfer, und man klagt die Verfasser in Magdeburg und Star- gard und ähnlichen Zentralen der juristischen Wissenschaft an. (Heiterkeit links.) Es gibt, wie gesagt, gute Urteile. auch in poli- tischer Beziehung, und ich habe Ihnen gleich eins mitgebracht, das Urteil einer Strafkammer— übrigens auch im Westen, in Köln— über das Streikpostcnstehen. Das Gericht stellt fest, daß der An» geklagte weder die öffentliche Ruhe gestört noch den Verkehr ge- hindert, noch sonst irgend etwas Ungebührliches getan, sondern stets ruhig dagestanden und beobachtet habe. Es stellt fest, daß die Polizei einen begründeten Anlaß zur Auffvrderung an den Auge- klagten, aus dem Wege zu gehen, nicht hatte. Es erkennt weiter an, daß durch ein solches Vorgehen der Polizei das gesetzlich gewähr- leistete Recht gewerblicher Arbeiter an Bedeutung verliert und geradezu hinfällig wird. Das Gericht sagt: es hätte unbedenklich bei seinen Erwägungen zur Freisprechung kommen müssen und wäre auch dazu gekommen, wenn nicht dem Richter die Nachprüfung der Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit polizeilicher Maßnahmen nach ständiger Rechtsprechung des Kamniergerichts entzogen wäre.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Damit also das Kammergerichk das Urteil nicht aufhebt, entschließt sich das Gericht, die Angeklagten zur ge- ringsten gesetzlich zulässigen Strafe von I M. zu verurteilen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Und wie das Äammergericht, so ist auch das Reichsgericht immer noch dazu dagewesen, politische Frei- sprechungen in ihr Gegenteil zu verkehre». Ihm ist die maßlose Ausdehnung des«dolus eventualis zu verdanken, ihm die vielen Majestätsbeleidigungsprozesse, die Verurteilungen nach Z 130 und unzählige andere Fälle. Ter Herr Staatssekretär hat sich dann darüber erregt, daß ich gesagt hätte, es würde in der Verhandlung politischer Anklagen vor Gericht unehrlich verfahren. Das habe ich nicht gesagt. Gesagt habe ich: Die Justiz beansprucht von uns, wir sollten die Ehrlichkeit ihrer Gesinnung anerkennen, dann möge aber die Justiz damit anfangen, daß auch sie politischen Angeklagten gegenüber ail die Ehrlichkeit der Ucberzeugung glaubt. Herr Roeren hat gesagt: Wenn auch nur etil Zehntel von dem wahr wäre, was ich gesagt habe, so würde er als Richter sich schämen. hier zu sprechen. Er hat aber nicht gesagt, was von dem von mir Gesagten wahr ist. Was ich tatsächlich gesagt habe, ist richtig. Mögen Sie meine Urteile bekänipfen. Ich kann nicht verlangen, daß Sie meiner Ueberzeugung sind, wohl aber kann ich beanspruchen, daß Sie das was ich unter Einsetzung meiner Persönlichkeit Tatsäch- liche s behaupte, auch glauben. Ich sage Ihnen noch einmal, ich weiß, was ich sage. Und wenn ich eilten derartigen Fall so anführe und mich seihst als Zeugen mibiete. dann ist es Ivahrl(Rai Nal rechts.) Wenn ich aber nur ein Zehntel von dcm gesagt hätte, was Herr Roeren und Herr Dr. Nieberding mir unterschieben, so würde — das weiß ich— der hochverehrte Herr Präsident mich unter- brachen haben. Dort, auf dem Tisch vor der Rednertribüne, liegt das Urteil gegen Löbe. Bitte, überzeugen Sie sich, daß das. was ich darüber gesagt habe, richtig ist. Ueber den Stargarder Fall berufe ich mich auf die mündlich publizierten Gründe, die ich richtig zitiert habe. Hinsichtlich der Vorkommnisse beim Protokollieren und bei der Absetzung von Urteilen har man mir vorgeworfen, ich hätte mich auf lauter Tote berufen. Ich habe die Leute aber nicht umgebracht. (Heiterkeit.) Es leben noch genug Personen aus jener Zeit. Fragen Sie doch einmal herum bei den Herren, die mit mir zusammen beim Kammergericht gewesen sind, ob das, was ich gesagt habe, nicht richtig ist. Ich habe gester» und heute noch mit einer ganzen Anzahl Kollegen darüber gesprock�n. Die Justizverwaltung hat ja die Personalakten, sie kennt die Personen, möge sie sich erkundigen! Und der Fall Freitag in Breslau ist damals öffentlich in der ganzen Presse besprocheil worden. Wer will bestreiten, daß das Urteil be- raten und diktiert war, che Freitag die Zeugen vernommen hatte? Wer will bestreiten, daß er die Treppe hinausgefallen ist zum Ober- landesgericht und Reichsgericht? Ich hätte alles dies auch nicht erwähnt, wenn nicht die Prozeßkommission so spöttisch über die Urteile der Schwurgerichte hergefallen wäre. Der Fall, den der Abg. Stadthagen neulich erwähnte, spielte in Berlin; er ist durch alle Zeitungen gegangen. Ich weiß von den Augenzeugen, daß er sich wirklich so ereignet hat. Das ist auch amtlich festgestellt; denn der Anwalt lehnte den Richter, der die Urteilsgründe vorher abgefaßt hatte, ab. Das Gericht crtlärte auch den Ablchnuiigsantrag für be- gründet. Auch das halte ich aufrecht, was ich aus meiner Referendar- zeit erzählt habe: daß ich nämlich als junger Referendar beim Amts- gericht Protokolle niachen sollie, che die Vernehmung der Zeugen begonnen hatte. Der Amtsrichter, den Herr Roeren sc charak- terisierte, ivar auch kein„Verbrecher", er wollte einfach schnell fertig Iverdeit. Selbstverständlich wollte er auch nicht etwas protokollieren lassen, was falsch sei, sondern er ging von der Voraussetzung aus, daß die Zeugen so aussagen würden wie bei ihrer polizeilichen Ver- nehmung. Das ist eben der Krebsschaden des Verfahrens, daß das mündliche und unmittelbare Verfahren zu einem schriftlichen mittel- baren gemacht und der Schwerpunkt in das Ermittelungsvcrfahrcn verlegt wird. Ich bitte Sie also, seien Sie ein anderes Mal vor- sichtiger darin, meine tatsächlichen Angaben in Zweifel zu ziehen. Noch ein paar Worte über die Kommissionsbcratung. Herr Roeren sagte, wir sollen erst darüber urteilen, wenn wir über die Verhandlungen der Strafprozeßlommission etwas gehört hätten. Ich habe hier die Berichte.(Redner zeigt zwei dicke Bände.) Wenn jemand so dicke Werke veröffentlicht, wie hier, dann unterwirft er sich der öffentlichen Kritik, dann wissen wir gerade genug. Ich Hab« lediglich aus diesen Berichten zitiert, während Herrn Lenzmann sein Gedächtnis oft im Stiche läßt und er seine Anträge mit den Be- schlüsselt cer Kommission verwechselt. Herr Stöcker hat mich apostrophiert. Ich muß ihm dcshaltz auf das Gebiet der Literatur folgen. Die Frage der unsittlichen Schriften und Bilder ist wahr- hastig nicht leicht zu nehmen. Meine Parteigenossen nehmen sie auch nicht leicht. Ich kann daran erinnern, daß die sozialdemokra- tische Presse sich nicht nur von unzüchtigen Novellen, sondern auch von allen irgendwie verfänglichen Annoncen freihält. Herr Stöcker hat die Sache an den verschiedensten Enden angefaßt und eine Phi- lippika gehalten. Es gibt sehr viele Frauen, die durchaus ehrbar erscheinen und doch vor der Moral nicht bestehen können. Ebenso gibt es aber auch viele Frauen, die theoretisch für die freie Liebe eintreten und doch unainastbar sind. Was an Druckschriften hier vorgelegt ist, ist sicherlich ganz unflätiges Machwerk, aber um diese Tinge zu bekämpfen, braucht man kein neues Strafgesetz. Bei Be- ratung der Lex Hcinze hat man gesagt: Je dehnbarer, desto besser. Wir sagen: Es könnte nichts schaden, wenn die Strafgesetze hier verschärft würden, wenn wir nur die Sicherheit hätten, daß sie ver- nunftgcmätz angewendet würden. Diese Sicherheit haben wir aber nicht nach der Deduktion des Reichsgerichts, nach der bei den in Wahrheit wissenschaftlichen und künstlerischen Interessen dienenden Werken nach der'Auffassung des Publikums gefragt wird. Wer ist es denn, der solche unzüchtigen Schriften kauft? Die Arbeiter- jugend hat nicht das Geld dazu und die Kinder von Kleinbürgern und Beamten auch nicht! Es ist ausnahmslos die„goldene Jugend", es sind die unerzogenen und verzogenen Kinder der reichen Leute. von denen allerdings viele über 20 Jahre hinaus sind. Tic einzige unzüchtige Photographie, die ich einmal bekommen habe, habe ich von einem Mitschüler erhalten, der aus einer sehr aristokratischen Familie stammte, und diesem hatte sie sein Onkel von der Welt- ausstellung in Paris mitgebracht.(Heiterkeit.) Fragen Sie doch einmal in Ihren Kreisen nach, wer Vergnügen cm obszönen Photo- graphien findet? Sie sind ja alle ernste Männer, aber in Ihren Kreisen, unter Ihren Standesgenossen, können Sie genug Erfahrungen sammeln. Gelegentlich des Kotzeskmtdals ging auch die Nachricht durch die Presse, daß da auch gewisse geradezu unglaubliche Photo- graphien eine Rolle gespielt hätten. Welche Kreise waren es deim. die diese Bilder gekauft hatten? Die unzüchtige„Literatur" und „Kunst" ist seh.r ekelhaft, und die Beispiele können uns anwidern, aber übertreiben wir es nicht! Vergiftet»verde» nicht die breiten Massen des Volkes, sondern die höheren Stände, die mit ihren Hauslehrern und Gouverncmten die Mittel haben, ihre Kinder zu behüten, Ivenn sie es»cur wollen. Der Arbeiterknabe, dessen Cftsi». in die Fabrik gehen müssen und der vielleicht selb st mit 14 Jahren in die Fabrik geht, ist scheinbar viel exponierter, in Wahrheit aber nicht so betroffen wie die bürgerlichen Kitabcn; diese aber könnten von ihren Eltern sehr gut geschützt werden. Auch dazu bedarf eS meines Erachtens eines neuen Gesetzes nicht.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere an die Dinge, die neulich der Abg. Dr. Müller auS einem Zeitungsartikel vorgelesen hat, worin eine„keusche" Seele durch das nackte Jesuskind aufgeregt worden ist. In den schönsten der Weltkunst angehörigen Werken der alten katholischen Zeit hat dieses Blatt eine Schweinerei gesehen! Leider hat Herr Dr. Müller unterlassen, anzugeben, was das für ein Blatt ist. Ich vermute, daß es nicht weit vom Zentrum zu suchen ist.(Sehr wahr! links.) Nun bin ich weit davon entfernt, die hier anlvefenden Zentruins- abgeordneten persönlich für diesen Unfug verantwortlich zu machen. Aber ich mutz hier doch auch sagen: Was Dr. Müller vorgelesen hat, waren die Eingebungen einer innerlich unreinen Natur, die Aeußerungen einer verschuldeten oder unverschuldeten Perversität-- empfindung.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Und solche Ergüsse werden dem Volke— ich glaube de in katholischen Volke— als„Sittlichkeit" vorgeführt. Ueberlegen Sie sich einmal, wie das wirken mutz. Wer schon das nackte Jesuskind nicht sehen kann, ohne über Unzüchtigkeit zu ergrimmen, dem ist nicht zu helfen, für den existiert unsere ganze Kultur nicht. Solchen Leuten müssen»vir »nit aller Schärfe entgegentreten. Ich bedauere, daß die Herren von der Zentrumspartci, die in der Sittlichkeitsfrage zu Felde ge- zogen sind, nicht wenigstens diese Geschichte von sich abgeschüttelt haben. Auch auf dem Gebiete des Schutzes der Jugend vor Un- züchtigkeit ist ein scharfer reiner Wind das beste, nicht das Ein» wickeln in Decken. Die Binde vor den Augen, damit man um Gottcswillcn nichts Nacktes sehen soll, schützt niemand. Im Gegen- teil, wer von Jugend auf das Auge an den Anblick nackter keuscher Schönheit gewöhnt hat, der wird sich an den Bildern, die Dr. Müller hier vorgezeichnct hat. nicht aufregen und sich von den Bildern, die Dr. Rören vorgelegt hat. mit Ekel abivendcn. Meine Partei ist schon durch ihre Volksbildungs- und Jugendbildungsbestrebungen genötigt, der Verseuchung der Jugend mit unzüchtiger Literatur entgegenzuwirken. Sie tut das ihrige, wenn sie ihre eigene Presse vom Schinutz freihält und der Jugend besseren Lesestoff gibt. Aber freilich, tun wir das, dann heißt es von der Gegenseite auch wieder, wir verdürben die Jugend, indem wir sie in den sozialdemokratischen Gedankenkreis. hineinziehen. Herr Stöckcr hat gesagt, man sollte der Jugend Ideale einpflanzen. Da möchte ich ihn daran erinnern, daß auch unsere Ideale Ideale sind. Und wenn wir sie der Jugend übermitteln, halten wir die Jugend frei von Schmutz.(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Dr. Nieberding: Der Vorredner hat mich er» mahnt vorsichtig in der Bekämpfung seiner Fraktion zu sein, da er wisse, was er behaupte. Ich bin vollkommen überzeugt, daß man den Herrn Vorredner sehr vorsichtig nehmen muß.(Sehr gut! rechts.) Er weiß Ivirklich, was er sagt; er hat das groß« Talent, seine Worte so zu wählen, daß sie hier im Hause nicht zu be- anstanden sind, die aber draußen eine ganz andere Wirkung haben. (Sehr wahr! rechts.) Ich glaube an die Richtigkeit der Fälle, ich glaube es, daß die jungen Referendare damals verleitet wurden, Urteile vorher zu schreiben, ich glaube daran, daß Richter die Urteile fertig in der Tasche mitgebracht haben, ich glaube es, daß einer von diesen, ein besonders Strenger, ins Reichsgericht gekommen— daß er deswegen, weil er so streng war. ins Reichsgerüfst gekommen, hat der Vorredner nicht behauptet.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Es stimmt aber so!) Ich glaube alles daS, ich tadele die Richter deswegen, ich finde sie verwerflich. Aber es ist vor 20 Jahren geschehen! Weisen Sie einen Fall aus der letzten Zeit nach! Allerdings ist auch vor kurzer Zeit ein Richter hier in Berlin dabei abgefaßt worden(Zuruf links: Na also!), daß er das Urteil zu schreiben begonnen hat, bevor die Verhandlung statt- und-(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Was wollen Sie denn also?) Der Richter ist mit Recht als befangen abgelehnt worden. Ich freue mich über diese Ablehnung. Ich erkenne es dankbar an, daß der Herr Vorredner seine Aus- fichrungen eingeschränkt hat, daß er auch einige Fälle angeführt hat, die ihm anerkennenswert schienen. Ich freue mich, daß der Herr Vorredner heute nicht verallgemeinert. Aber aus seiner Rede neulich habe ich eine Verallgemeinerung herausgehört.(Zuruf rechts: Wir auch!) Ich freue mich ferner, daß der Herr Vorredner den Richtern keinen subjektiven Vorwurf daraus macht, wenn sie politisch einseitig urteilen; ich freue mich darüber, obgleich ich per- sönlich ihnen doch einen Vorwurf daraus, machen würde, wenn sie es wirklich tun. Ich nenne jeden Richter einen Schuft, der leicht- fertig urteilt, und der Abgeordnete sollte den Mut haben, die Richter mit Namen zu nennen, die er so charakterisiert hat, daß wir sie als Schufte bezeichnen müssen. Ich ermahne die Richter ent- schieden, jede Leichtfertigkeit, jede Unvorsichtigkeit, jede Blöße zu vermeiden. Sie sollten sich bewußt sein, daß sie heutzutage von der öffentlichen Memung mit Argusaugen bewacht werden.(Zuruf bei den Sozialdcmockratcn: Das ist ja sehr gut!) Jede kleine Schwäche wird ihnen heutzutage vorgeworfen.(Zu- ruf links: Mit Recht!) Deshalb sollen sie sich hüten, irgend etwas zu tun, was ihnen mißdeutet werden könnte. Denn, wie die Stim- mung jetzt rst, wird alles mißdeutet. Deshalb warne ich die Richter! (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Warnen Sie auch die Justiz- minister!) Ich begreife nicht, daß gerade in Deutschland die kleinen Verstöße der Justiz(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Kleinen?) jedes Jahr von neuem hier aufgebausckst werden. In anderen Ländern aber haben die Parlamentarier zu viel Achtung vor der Würde der Nation, als daß sie in ihrer Kritik die Grenzen über- Schritten.(Widerspruch und Lachen bei den Sozialdemokraten. Bei- all rechts.) Abg. v. Tirksen(Rp.) bestreitet, den Staatsanwalt denuuziert zu haben, der ein Bündnis mit den Sozialdemokraten befürwortet habe. Er habe nur eine bereits veröffentlichte Tatsache hier zur Sprache gebracht.— Der Abg. Heine hat mir vorgeworfen, daß ich ein Freund politischer Anklagen und Verurteilungen bin. Ich bin nur für starke Strafen bei Ehrentränkung eingetreten. Wir werden von der Sozialdemokratie so mit Ehrenkränkungen, Verleumdungen und Beschimpfungen überschüttet, daß wir gezwungen sind, die Richter in Anspruch zu nehmen.(Sehr richtig! rechts.) So habe ich gegen drei Sozialdemokraten, die sich in meinem Wahlkreise mit Ehr- abschneidungen beschäftigen,(Sehr gut! rechts.) Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Herr Heine wundert sich, daß ich den Straf- antrag nicht zurückgezogen habe. Nun, man weiß es ja: Sobald man zugreift, sind die Leute unschuldige Lämmer.(Sehr richtig! rechts.) Wenn man da immer den Strafantrag zurückziehen wollte, dann wäre man ein großer Tor!(Sehr richtig! rechts. Zuruf bei den Sozialdemokraten: Ist man so auch! Heiterkeit links.) In meinem Wahlkreise ist in der stillen Sommerzeit ein hetzerisches Flugblatt gegen mich verbreitet worden, in dem ich als der„Vater der Fleisch- not" bezeichnet werde.(Heiterkeit links.) Dieses Flugblatt war ursprünglich im Wahlkampfe gegen den Kollegen Bassermann ver- breitet worden. Tann ist einfach mein Name an Stelle des Namens Bassermann gesetzt worden.(Heiterkeit rechts.) Das ist gedanken- los, spricht aber für eine gewisse Niedertracht, und solch gewissenlose Burschen müssen verurteilt werden! Ich werde immer zugreifen, so oft ich angegriffen werde. Es ist schamlos von Ihnen(zu den Sozialdemokraten), zu behaupten, daß von uns politische. Schars- machereien ausgehen. Meinen Sie denn, wir läsen nicht die„Leipz. Volksztg.", die„Märkische Volksstimme" und wie all die Blätter heißen, in denen Herr Stadthagen und Rosa Luxemburg ihre januncr- vollen literarischen Produkte niederlegen?(Bravol rechts.) Herrn Heine blieb es heute vorbehalten, in der Frage der Be- kämpfiing des sittlichen Schmutzes, worin wir das ganze Haus für einig hielten, den Klassenunterschied herauszudrechseln. Er meinte, die Kinder der Arbeiter hätten kein Geld, sich diese schmutzigen Bilder zu kaufen. Aber diese Produkte sind sehr billig, und wenn die Kinder der Arbeiter kein Geld dafür habe», so vielleicht deshalb, weil die Väter so enorme Opfer für die Partei bringen müssen.(Sehr gut? rechts. Lachen bei den Sozialdemokraten.) Abg. Ortel(natl.) protestiert gegen die Tarstellung des Abg. Lenzmann, als seien die Laien- oder Bcrufsrichter im Osten gegen- über denen des Westens minderwertig. Abg. Krösell(Antis.) polemisiert gegen die Darstellung V. Brockhausens über den Zusammenbruch der Pyritzer Genossenschaft. Abg. Hein»(Soz.): Der Abg. v. Dirisen bestreitet, ein Freund Von politischen Prozessen zu sein; er sei nur ein Freund von Be- leidigungsprozessen.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Dem- gegenüber muß ich betonen, daß neun Zehntel aller Beleidigungs- Prozesse einen politischen Hintergrund haben. Er behauptet ferner, daß die Sozialdemokraten Verleumdungen aussprechen. Das tut derselbe Herr, der den sozialdemokratischen Führern vorzuwerfen meint, daß sie die Groschen der Arbeiter bei Dressel verjubeln und da- durch die Kinder der Arbeiter verhindern, sich pornographische Bilder anzuschaffen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich habe in meiner heutigen Rede durchaus nichts zurückgenommen, was ich neu- lich gesagt habe, ich habe mich nur dagegen verwahrt, daß meine Rede falsch gedeutet wird. Ich stelle also fest, daß die Fälle über politische Voreingenommenheit von Richtern, die ich augeführt habe, durchaus nicht typisch sind für die ganze deutsche Justiz, namentlich nicht für den Zivilprozeß, wohl aber sind die Fälle typisch für gewisse politische Prozesse, in denen man dem Angeklagten nichts glaubt, aber ihm alles zutraut. Weiter ist mir vorgeworfen worden, daß ich das Volk gegen die Justiz aufreize. Davon ist gar keine Rede. Im Gegenteil, in unzähligen Fällen bin ich derjenige, welcher bei allzu großem Mßtrauen gegen die Justiz abwiegeln muß. Für das, was ich gesprochen habe,' habe ich aber meine sehr guten Gründe. Mir liegt auch das Ansehen der deutschen Justiz im Auslände außerordentlich am Herzen.(Lachen rechts.) Ich will noch mehr sagen: Obwohl ich selbst Rechtsanwalt bin, schätze ich den richterlichen Beruf so hoch, daß ich unumwunden zugebe, er steht höher als der meinige. Aber gerade deshalb wünsche ich, daß er in allen Fällen so ausgeübt werde. wie eS dieser hohen Stellung entspricht. Gerade deshalb verlange ich vom Richter, daß er seine Leidenschaften und Vorneteile in Zaum und Zügel hält. Deshalb verlangen wir, daß es nicht vorkomme, daß, wie es in Sachsen vorgekommen ist, ein sozialdemokratischer Angeklagter nur wegen seiner politischen lleberzeugung als minderen Rechtes erklärt worden ist. Nicht unsere Schuld ist eS, ivenn die Justiz so oft parteiisch erscheint. Wir wollen gerade, daß der Richter nicht Parteimann sei.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Fragen Sie doch, ob in anderen Ländern ähnliche politische Prozesse mög- lich sind.(Zuruf bei den Nationalliberalen: Dreifnsprozeß I) Gewiß in Frankreich kommt leider hin und wieder auch einmal ei» poli- tischer Prozeß vor. in England aber nicht. Und in England ge- , ließen alle Bürger eine Freiheit der Ausdrucksweife, daß solche politischen Prozesse wie bei uns dort gar nicht möglich wären. Im Auslände sieht man die deutsche Justiz spöttisch an. (Zuruf rechts: Pfui!) Aber wer ist denn schuld daran? Fragen Sie nur, was man im Auslande gesagt hat, als der alte Liebknecht mit Hülfe des dolus eventualis verurteilt worden ist. Gehöhnt und geschimpft hat man im Auslande auf die deutsche Justiz. Schuld daran sind diejenigen, die solch ein Urteil fabriziert haben. Wollen Sie das Ansehen der deutschen Justiz vor aller Welt befestigen, dann beseitigen Sie die politischen Prozesse.(Beifall bei den Sozial- demokraten.) Abg. Stadthagen(Soz.): Der Abgeordnete v. Dirkscn hat be- hauptet, er und seine Freunde würden von Sozialdemokraten mit Beschimpfungen überhäuft und müßten deshalb Strafantrag stellen. Zugleich hat er hier gegen die Sozialdemokratie eine Fülle von Wendungen und Anwürfen aus der„Post" vorgetragen. Auch gegen mich. Aber ich stehe viel zu hoch, um dagegen Strafantrag zu stellen.(Gelächter rechts.) Sie können außerhalb des HauseS noch viel mehr Flegeleien begehen, schimpfen Sie nur immer weiter... Präsident Graf Ballcstrcm: Es ist unstatthaft, einem Abgeordneten Flegeleien vorzuwerfen, selbst wenn eS in dieser Umschreibung geschieht. Abg. Stadthagen(Soz.): Dann darf ich wohl sagen:„Jainmer- volle Erzeugnisse"...(der Präsident erhebt sich), denn als der Abgeordnete v. Dirksen diesen Ausdruck auf meine Arbeiten an-' gewandt hat, ist der Präsident nicht eingeschritten.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ihre„jammervolle Erzenguisse" also (Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten) können Sie innerhalb und außerhalb deS Hauses soviel gegen mich vorbringen, wie Sie wollen, ich werde leinen Strafautrag stellen. Mich ehrt Ihr Schimpfen. Dr. Nieberding hat meine Ansführimgen über die Milchzentrale als unzutreffend bezeichnet. Bekanntlich hat Herr Ring, als das Kamniergeiicht für die Klein- und Großbauern zuungunsten der Milchzeutrale entschieden hatte, sich an den Justizminister mit der Bitte gewandt, einzugreifen, und der Justizminister hat diese Ein- Wirkung unternommen, lieber den Erfolg des Schrittes äußerte sich Herr Ring, der ehemalige konservative Abgeordnete, selbst:„Ich habe mich au den Justizmiuister Dr. Schönstedt gewandt, und der schuldige Präsident hat bereits seinen Abschied nehmen müssen." (Hört! hört! links. Lachen rechts.)„Nun dürfen wir hoffen, da der Justizminister andere verständige Richter mit unseren Prozessen betraut bat, alle unsere Prozesse zu gewinnen, wie es nnser Recht ist."t! hört! links.) Nun konnte man ja noch immer an- nehme», der ehemalige konservative Abgeordnete habe sich geirrt. Was aber sagte der Justizminister selbst im Abgeordnetenhause? „Ich habe eine Aeußerung des Kammergerichtspräsideuten ein- gezogen, und daraus hat sich zu meinem lebhaften Bedauern er- geben, daß die prozessualen Beschwerden der Milchzeutrale der Be- gründuug nicht entbehrten. Es war nicht nur, obwohl in den beiden unteren Instanzen die Milchzentrale als Genossenschaft mit beschränkter Haftung bezeichnet worden war, diese im Urteile des Kammergerichts als Gesellschaft mit beschränkter Haftung be- zeichnet"(in Wahrheit handelt es sich um einen ganz gleiwgültigen Schreibfehler, da in den in Betracht kommenden Bestimmungen dje beiden Gesetze gleich sind)„sondern es finden sich auch in der Wieder- gäbe des Sachverhaltes nicht unwesentliche Fehler."(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.)„Ich habe den Kammergerichtspräsidenten ersucht, den Senat darauf aufmerksam zu machen."— Später hat allerdings— darin hat Dr. Nieberding recht— die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" berichtigt, das! nicht der Senat, sondern nur der Referent zurechtgewiesen worden sei. In der Sache ist das genau dasselbe. Aber selbst dieser einzige Irrtum in meiner Rede war nicht ein Irrtum von mir, sondern ein Irrtum des preußischen Justizministers über seinen eigenen Handlungen. Die von mir mitgeteilten Tat- fachen waren zutreffend, unzutreffend war nur. daß auch nur ein Joia von meinen Behanplnugen unzutreffend war.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Möge der Staats- fekretär doch erkläre», ivas ich unrichtiges gesagt habe.— Das Empörende aber ist, daß auf eine zweite Eingabe an den Justizministcr hin jetzt Kammern des Kaminergerichts sich gefunden haben, die Kleinbauern und Großbauern verurteilt haben, während das Reichsgericht sich jetzt in einem Urteil ganz auf unseren Stand- punkt gestellt hat. So wird den Bauern eine Extrastcner auferlegt und den Gerichten, die Ring und Krause ablvciscn, der größte Rüffel erteilt, der einem Gerichte erteilt werden kann. Dabei hat das Reichsgericht selbst in seinem Urteil festgestellt, daß das, was der Justizmiuister gerüffelt hat, schon früher von ihm für recht erklärt ist! Und der ganze Anlaß zu einem solchen Vorgehen war die Tatsache, daß in dem Tatbestand statt „Genossenschaft" infolge eines Schreibfehlers„Gesellschaft" gestanden hat. Jetzt nennen Sie mir ein Kulturland, in dem je zu Ungunsten der Kleinen eine solche Einwirkung auf die Justiz geübt ward. Selbst in Amerika und England ist es nicht vorgekommen, daß ein schwerbestrafter Mensch sich an den Justizmiuister wendet mit der Bitte einzuschreiten und daß der Minister ihm dann nicht sagt: Was fällt Ihnen ein, gehen Sie fort l Solange ein Richter einer Rüffelimg im Dreiklnssenparlameut unterliegt, weil er zugunsten von Kleinbauern richtig geurieilt hat. kann es nicht besser werden. Die Abhängigkeit von den herrschenden Klassen, hier von der agrarischen Klasse, zeigt sich in dem Ringprozetz so evident wie sonst nur in Strafprozessen. Auf den Milewskaprozeß will ich nur mit wenigen Worten zurückkommen und nochmals hervorheben, daß von einer Dame ans ordnungsparteilichen Kreisen behauptet ist, daß von Herzog Ernst Günther ein Eingriff in die Rechtsprechung versucht wurde. Ich habe umsomehr Grund, das hier klarzustellen,' als ich seinerzeit das Sondergesetz für den Herzog Ernst Gunther bekämpft habe. Der Staatssekretär sagt, er könne nichts dafür, wenn jemand im Auslände Unrecht geschehe. Weiß denn der Staatssekretär gar nicht, daß die Verhaftung auf Requisition des.Kammerherrn v. Blnmenthal im Auftrage des Herzogs Ernst Günther in rechtswidriger Weise erfolgt ist? Reicht denn die preußische Justiz und die Macht des Reiches nicht so weit, um eine ungerechte Verhaftung im Auslände verhindern zu können? Von der sächsischen Justiz will ich garnicht reden. In Sachsen werden ja die Versämmluugen ver- boten, damit man die Wahrheit nicht hört; dort hat man auch eine Majestätsbelcidigung in einem Artikel gefunden, der den sächsischen König garnicht erwähnte. Durch eine'Hetze, wie sie jetzt in den Zeitungen betrieben wird, mußte der letzte Rest von Unparteilichkeit den Richtern genommen werden. Es sind nicht Einzelheiten, über die wir uns beklagen, sondern eS ist das System, die nottvendige Folge des Klassenregiments.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Staatssekretär Nieberding: Ich muß erklären, daß ich von meinen Ausführungen über den Prozeß der Milchzeutrale nichts zurückzunehmen habe. Was ich gesagt habe, beruht auf einem Auszug der Akten, welcher im Reichsjustizamt ohne jede Ver- Mittelung des angegriffenen Richters hergestellt wurde. Es geht daraus hervor, daß der preußische Herr Justizminister nichts getan hat, als lvozu er durch seine Befugnisse innerhalb der Verwaltung gezwungen war. Niemand hat eS gewagt, nach meiner Klarstellung des Sachverhalts im vorigen Jahre noch die Anklage gegen den Herrn Justizniinister zu erheben, er habe eine Be- einflussnng auf ein Gericht ausgeübt. Wenn Herr Stadthagen noch einmal darauf zurückkommen sollte, werde ich nicht darauf ant- Worten.(Bravo I rechts.) Abg. v. Brockhausen(k.) bestreitet die Richtigkeit der Ausführungen des Abg. Krösell. Hiermit schließt die Debatte. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Dr. Müller- Meiningen(frs. Vp.) nennt als Quelle für seine Mitteilungen über den nackten Jesusknaben die„Freie Stimme" in Radolfszell,' und wird, da er weitere Quellen angeben will, vom Präsidenten daran verhindert. Abg. v. Gcrlach(frs. Bg.): Herr v. Dirksen hat mir die Kollegcnschaft angeboten. Ich muß das zurückweisen. Abg. Herbert(Soz.): Herr v. Dirksen hat gesagt, ich hätte auf den Sack geschlagen und den Esel gemeint. Er hat mich falsch verstanden. Ich habe ihn nicht genannt.(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Präsident Graf Ballcstrcm: Das war zwar keine persönliche, aber eine sehr wenig höfliche Bemerkung.(Heiterkeit.) Abg. Stadthagrn(Soz.): Nicht auf das schon abgeschlossene Kaminergerichtsurteil, wie das der Herr Staatssekretär als meine Be- haiiptung hinstellt, hat der Justizmiuister eingewirkt— das wäre unmöglich gcivesen.— Wohl aber hat der Jnstizminister auf die Haltung der Richter in allen künftigen Prozessen eingewirkt durch seine öffentliche Rüffelei.(Sehr Ivahr! bei den Sozialdemokraten.) Präsident Graf Ballcstrci»(stenndlich lächelnd): Herr Ab- geordneter, wie war doch Jdr letztes Wort? Abg. Stadthageu: Rüffelei! Präsident Graf Ballestrem(kalt und streng): Dafür rufe ich Sie jetzt zur Ordninig.(Große Heiterkeit.) Das Gehalt des Staatssekretärs und der Rest des Etats für das ReichSjustizamt wird angenommen. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr. Dritte Lesung deS Hypothckengesctzes, Interpellation Gothen,(frs. Vg.s. Semler<»atl.) und Dr. M ü l l e r- Sagau (frs. Vp.) wegen der Zollschwierigkeiten in Stußland, Postetat. Schluß 7 Uhr. parlamentarilckes. Erbschaftssteuer. Der Finanzreformkomnnssion lag gestern ein vom Dr. am Z e h n h o f f eingereickiter und von sämtlichen dem Zentrum, den Konservativen und den Nationalliberalen angehörenden Rommissions- Mitgliedern unterzeichneter Kompromißantrag vor, der zu § 12 eine andere Klassifizierung der Erben und eine andere Staffelung wie die Regierungsvorlage vorschlägt. Danach soll der niedrig sie Satz, die Grundtaxe, vier von, Hundert nur gelten für leibliche Eltern, voll- und halbblütige Geschwister oder deren Abkömmlinge im ersten Grade, sechs von, Hundert für Großeltern, Schwieger- und Stiefeltern und S«nt 20 Pf. T eller flach oder tief 8 Pf- Salatsohüsseln satz« stack 85?,. Salatschüsseln 8»tz7stnck 1.25 Majolikateller«rose 25«. Speisenäpfe blau Zwiebelmneter 48«. Spucknäpfe iiajoUkamit Iriohtor 50 Pf. Wasserkannen dm.t.grosseForm 75«. Salatschüsseln 1.55 Blumentöpfe 85?. Tafelservice für 6 Personen, blau Zwiebelmuster 8.75 Waschgarnituren 4teilig, Druckmuster, complet 1.95 Waschgarnituren 4,e"i0'DruekToJ;:2o".,., 2.45 Waschgarnituren»"""pÄneow 8.75 Küchen-Garnitur„HERTHA" Vorratstonnen bunt 53«. Gewürztönnchen s»tz• stuck 1.40 Salz- oder Mehlmesten 1.65 Essigflaschen Oelflaschen Milchtöpfe 5 8 pf. 5 8 pf. Satz• Btttek 2.75 Kristall-Weinglas- Garnituren Blumen- oder Sternschliff Rotweingläser Rheinweingläser Bierbecher 3 8 pa 38 pf. 33«. Portweingläser Likörgläser Champagnergläser Lampen Küchenlampen 45, 53.75, 90« Tischlampen SÄ- 1.35, 1.75 Tischlampen SniÄ 1.95, 2.45 Säulenlampen sÄ 8.50,9.75 Glühstrümpfe 22, 28,35«. Cylinder«r o« dm 63 1.10 30 pf. 25 pa 38 pt Emaille Eimer«ortierte Fwben 65, 75, 85 Pf. Schmortöpfe££ 55, 70. 95«. Casserollen nenbu» 25, 30, 35«. Wasserkessel A, 70, 85, 93 pt Maschinentöpfe 38. 48, 60«. Milchtöpfe 38, 48«. Waschtöpfe 1.35, 1.65, 1.85 Oonsole mit Msafs 48, 55 Pt Kinderbecher 10. 12, 15pf. Leuchter 25, 38, 42« Siebe 15, 20, 25« Waschgarniturensteu.2 65,2.95 Waschgarnituren 6.50 Waschgarnituren*«3® 8.50 Toiletteneimer weiss 3.25 Seifennäpfe tar di« Leitung 12, 15pt Schüsseln ext» gross 40, 42«. Sand-Seife-Soda-Garnit. 98« Teller weis« 10, 15, 20« Tassen weis. 8. 10, 12« Durchschläge 55, 70«. Eimer dekvriertm. veokel 2.25, 2.75 Dcdsutend unter Preis! ■panzer- »o Casserollen| Schmortöpfe�r, = SchmortöpfeKT� Wasserkessel Wirtschafts= Artikel Waschwannen 8-75,11-,13-50 Zink mit Walst Waschwannen 7-75,10-, 12-50 Zink mit Dr&bteiuUge Scheuertücher 9, 13, 16 k- Plätteisen 1.55,1.65,1.85 PIätteisennlvcteit2.25, 2.35 2.45 Plättbretter bezöge« 1.95,2.10 Aermelplättbretter tesogen 43*L Klammern schock 10, 20" Küchenbänke 1.10,1.25,1.35 Küchenschemel 70, 85, 95" Leitern stufe 35"• Blumenbretter 1.15 Kohlenkasten 1.45,1.95,2.45 Holz Eierschränke 45, 85"• Fleischbretter 23, 25, 38 ft Gewürz-Etageren 48, 75, 95pf- Putzschränke 2.65, 4.50 Quirl-Garnitur 95" 1-95 Zeitungshalter 48 pt Streichholzständer 42 pt Brotkörbe 38,65,90"- Weinkühler verniokeit 1.55 Tee-Eier Messing vernlekelt 25 Pt Tischmesser Tischgabeln Teelöffel Aipncc« ESSlÖffel hlpnocn Teelöffel Bruwniu ESSlöffel Britnnsis Gaskocher 15 pt 15«. etttok 15 Pt Stack 33« Dutsend 6 5 Pf Dutzend 1. 25 60, 85, 1.05 Waschständer rund 48, 75,95« Waschständer 2.25,2 85,3.50 eckig Waschtische ee4c0uÄ'üt 16.50 Frühstückskasten 95« Wäschetrockner 98« Markttasche 95« Küchen wagen 1.85, 2.45 mit Erhitzer Fleischhackmasehineini 2.S5, 4.75 Borstenwaren Borstenbesen 48, 80, 95« Borstenhandfeger 33, 42, 55« Rosshaarbesen 1.35,1 65,1 95 Rosshaarhandfeger48,65,85pt Teppichbürsten 33, 42, 43«. Scheuerbürsten Schrubber Möbelpinsel Kleiderbürsten Teppichklopfer 8, 10,12« 20, 25, 28 pt 8,10,15« 48, 65, 85 pt 10, 25, 35« Elm®psplirad 8.95, 10.85 f�ücheniffäsch 6.45, 7.95 Für den Inseratenteil veranitv.: TH. Gtockr, Berlin, Druck u. Verlag: VorwärtZÄuchdruckerei u. BcrlagKansralt Paul Tingci: Co., Berlin. Nr. 53. 23. Jahrgang. 2. KkilU drs.Amiick" Kcrlim WllisM Sonntag, 4. Mar; M6. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 3. März 1903. Zoll-, Steuer-PreiserhShungen. Zoll-, Steuer-Preiserhöhuxgen, das sind die Zeichen unter denen Einser Wirtschaftsleben steht. Es ist gerade so, als sei eine Epidemie ausgebrochen. Die Regierung als Trägerin deS Systems ist wahr- lich nicht die mütterlich sorgende, Brot austeilende Lotte, sie ist sür das Proletariat die hartherzige, bösartige Stiefmutter. Wie die Zollbclastung die Lebenshaltung erschwert, die Haus- halwngsbudgets belastet, ist ja schon wiederholt dargelegt. Dazu treten erhöhte Steuerlasten! Was stch aus der Unmasse von Steuervorschlägen zu Gesetzen verdickten wird, ist noch nicht bestimmt, aber bei der parlamentarischen Zu- sammensetznng, wie wir sie leider haben, ist gar nicht darauf zu rechnen, dast die arbeitende Bevölkerung von neuen Steuerlasten befreit bleibt; im Gegenteil, mit Ansnahyre der Erbschaftssteuer zeigen alle bisher ernsthaft erörterten Steuerprojekte mehr oder weniger offen den Charakter einer Äonsumentenbesleuerung. Bier- und Tabaksteuern, Fahrkartensteuern usw., werden von der breiten Bolksmasse getragen,'sie erhöhen die durch die Zolllasten hervorgerufene Ersckwerung der Lebenshaltung. l'ticht minder gefährlich für die deutsche Volkswirtschaft und für die Erwerbsmöglichkeilen der Arbeiter sind die fortgesetzten Preis- steigerungen für Rohmaterialien; die naturgemäh alle Erze»ignisse in der Weiterverarbeitung verteuern. Bei den fertig aus der Natur übernommenen Rohprodukten Kohle, Erze, Holz usw. fängt es au, und wie ein Keil den anderen treibt, begleitet die preis- steigende Tendenz, progressiv wirkend, da? Erzeugnis durch alle Produktionsphasen. Eine ganz korrekte Berechnung darüber, in welcher Weise die Preissteigerung den Konsum belastet, lästt sich kaum aufstellen. Die Preissteigerung auf das Vorprodukt kommt in Erzeugnissen jeder folgenden Phase der Weiterverarbeitung erneut in Erscheinung: man dürfte daher nur diejenigen Summen einstellen, die den Quanten ensprechen. die von oen einzelnen Erzeugnissen direkt in den Konsum übergeführt werden. Im Rahmen dieses Artikels begnügen wir uns damit, an Hand der beiden Hauptprodukte der Industrie, Kohle und Eisen, die Be- deuhing der Preissteigerung als Konjnnktursaktor und als Last für den Konsum darzustellen. Nach den statistischen Ergebnissen betrug 190S Deutschlands Gesamtproduktion an Kohle rund HJ'/z Mill. Tonnen. Für Kokserzeugung und für die sonst in der Roheisen- erzeugung verbrauchten Kohlen sind in Abzug zu bringen rund 2372 Mill. Tonnen. Es bleiben mithin für den direkten Verbranch ISv'Mill. Tonnen. Die für das April 1903 beginnende Betriebs- jähr der preußischen Eisenbahn geltenden, mit dem rheinisch-west- fälischen Kohlenshndikat vertraglich festgelegten Kohlenpreise erheben sich durchschnittlich um 69 Pf. pro Tonne über die für das lausende Jahr geltenden Sätze. Legt man für das ganze Reich eine Preissteigerung von nur S0 Pf. zugrunde, so ergibt sich bereits eine Konsumbelastung von 7ö Millionen Mark. Veranschlagen ivir die durch den Groß- unv Kleinhandel sckon vorgenommenen und noch zu erwartenden Preiszuschläge nur auf die Hälfte des den Grubenbesitzern zufließenden Plus, so haben wir schon mit einer jährlichen Belastung des Konsums allein durch Kohlcnpreissteigerung von rund 119 Millionen Mark zu rechnen. Diese Summe wird aber durch die tatsächliche Belastung wohl noch erheblich überschritten. Nach den Plänen der verschiedenen Verbände von Händlern und Produzenten ist für das laufende Jahr noch eine weitere Preisheraufsetzung für Brennmaterialien im Kleinha ndel von 1—2 M. per Tonne zu erwarten. DaS würde allein für HanS- hrond eine Verteuerung von 29—39 Millionen Mark ergeben. Die erhebliche Preissteigerung für Koks macht, abgesehen von dem Ver- brauch der Roheisenproduzenten, sür den übrigen Konsum auch noch etliche Millionen Mark aus. Sodann wird der Konsum durch die Preissteigerung für Roheisen ganz bedeutend beschlvert. Unsere vor- jährige Gesamterzeugung beziffert sich auf rund 11 Millionen Tonnen. Unter Berücksichtigung des Außenhandels ergibt sich ein Jnlandskonsum von 7'/, Millionen Tonnen. Für die Preisberechnung nehmen wir die Notierungen der Börse zu Düsseldorf als Grundlage. Danach ergeben sich folgende Differenzen: Spiegeleisen..... Weißstrahliges Oualitäts- Puddeleisen.... Stahleisen...... Deutsches Bessemereisen. Thomaseisen frei Ver-s biauchsstelle....1 Puddeleisen ab Luxem-! bürg.......] Deutsches Gießereieisen I Hämatit...... Die Preissteigerung schwankt bei den verschiedenen Sorten zwischen 7,29 bis 16 M. Von der Gesamtproduktion entfallen zirka % auf ThomaSeisen und fast Vs ist Gießereiroheise». Wir legen deS- halb eine durchschnittliche Steigerung von 19 M. pro Tonne zu Grunde, was jedenfalls als minimal zu betrachten ist.. Dann be- rechnet sich die Gesamtverteuerung ans Roheisen für den deutschen Konsum auf 75 Millionen Mark. Es wird mithin unserer Volks- Wirtschaft allein durch Verteuerung der beiden Rohmaterialien— Kohle und Eisen— eine Last von zirka 299 Millionen Mark stir das laufende Jahr auferlegt. Wenn dieses Mehr den Konsumenten in Gestakt von höheren Löhnen wieder zufließt, dann ist die Veränderung nicht weiter gefährlich. der Konsum wird dann nicht weiter unterbunden. Je kleiner aber der Kreis ist, auf den sich das Plus verteilt, desto mehr wird die Konsumkraft deS Volkes herabgemindert. Das bedenkliche Mißverhältnis zwischen Produktion und Konsum wirkt verschärft und zeugt die Konstellation, die vulgär mit Ueberproduktion bezeichnet wird, aber doch nichts anderes ist, als Untcrkonsum. Unter den für die nächste Zukunft bestimmenden Verhältnissen erscheint die Preissteigerung ans Roh- Produkte besonders bedenklich. Die Verteuerung der Lebensmittel bedingt eine Herabsetzung der Position für sonstige Bedürfnisse, Erzeugnisse der Industrie usw., im Haushaltbudgct der breiten Masse. Tritt zu den geringeren zur Verfügung stehenden Mitteln noch eine Verteuerung der Produkte, dann nimmt graduell mit beiden Fakloren der Konsum ab. dieser bleibt erheblich hinter der Erzeugung zurück, die„Ueberproduktion" tritt in Erscheinung. Ver- schärft wirkt die Preissteigerung, weil infolge der Weltmarkt- konkurrenz und besonders auch wegen der Veränderung in unseren Auslandshandelsbeziehunge» die Weiterverarbeitung meist nicht in der Lage sein wird, den Preissteigerungen der Rohmaterialien mit den eigenen Verkaufspreisen vollständig zu folgen. Die wenigen Rohproduzenten, denen die Preiserhöhungen die Säckel füllen, können nicht durch entsprechende Steigerung des eigenen Konsums die ge- schwächte Konsumkraft der großen Masse ausgleichen und die Ver- arbcitsindustrie wird sich mit allen Kräften dagegen wehren, die Konsumsäbigkeit der Arbeiter durch ausreichende Lohnzuschläge zu heben. So wird die Preissteigerung bei den Rohmaterialien— nicht nur bei Kohle und Eisen— zu einem schweren Hemmnis für die Arbeiterschaft in dem Bestreben, durck Einkommensteigerung die wirtschaftliche Lage zu verbessern. Jede weitere Preistreiberei steigert die Gefähr des wirtschaftlichen Debacles. Die Lust zu weiteren Preiserhöhungen ist leider noch an manchen Stellen vorhanden, obwohl nian an dem Ergebnis der SpiriluSzentrale, die auch mit der Preisschraube den Konsum abgedreht hat, ein ab- schreckendes Muster nehmen könnte. Für die deutsche Volkswirtschaft, für den deutschen Arbeiter bedeutet die fortgesetzte Preissteigerung der Rohmaterialien eine gaiiz enorme Verschlechterung der schon durch Zoll- und Steuerpolisik äußerst ungünstig beeinflußten Gesamt- Position. Die santtäre Grenzmauer. . Wie wirksam die Grenzsperre funktioniert, die stch— verschämt „Gesundheitsmaßnahmen zum Schutze des nationalen Viehes" firmiert, zeigt die Statistik über die Vieheinfuhr. Trotz der Fleisch- not und der Pod-Preise ist im vergangenen Jahre die Einfuhr nur um 14 749 Stück gestiegen. Im einzelnen stellte sich die Einstlhr an . ebendcm Vieh im Jahre 1995 wie folgt: Schwewe Kühe.. Stiere. Ochsen. Jungvieh Kälber. 69 363 123 329 9 663 74 695 197 979 16 961 gegen 1994 mehr-s- weniger -s- 889 4- 19 914 4- 155 — 17 658 4- 12133 4- 106 Stück Nach den Berechnungen deS kaiserlich statistischen Amtes ergeben sich folgende Werte: Wert der Wert der Einftihr« Einfuhr Ausfuhr Ueberschuß M. M. M. 1996... �. 121452 999 8 319 990 118133 900 1994..... 121319 000 11 966 900 109 844 000 1903..... 127 700 000 13 267 000 114 523 000 1902..... 109 058 000 0 315 000 99 743 000 Die Agrarier dürfen mit den Erfolgen ihrer— Gesundheits« Politik zufrieden sein. Ihre zarte Rücksicht geht allerdings nicht über daS Vieh hinaus. Obivohl durch ausländische Arbeiter schon mehr- fach Krankheiten eingeschleppt wurden, z.B. auch dieso vcrherend wirkende WurmkrankheitunterderBergaibeiterschast.wird eS ihnen nicht einfallen, ihre beim Vieh so erfolgreiche Praxis auch gegenüber billigem Menschenfleisch zu verlangen. Im Gegenteil, die Agrarier schätzen daS Menschenfleisch hoch und höher je niedriger es für sie im Preise steht. Aus diesem Grunde hegen sie auch sehnsüchtiges Verlangen nach einer Grenzsperre nicht gegen, sondern für billiges Menschen- fleisch, eine Sperre, die das Abwandern ländlicher Arbeiter ver- hindern soll. Alles zum Schutze des— agrarischen Geldbeutels. v. Leipzigerstr. 35„ r ftolftti amIo � Po. Königstraße 46 and KSnigstr. 46 Ciiarlottenstraße W I IIB Oll« W*9%&= and Leipzigerstr. 85 Ecke Roher Steinweg Simtlicbe Gegenstände sind mit deutlichen Verkaufspreisen versehen. Nlcbtgefallendes wird bereitwilligst umgelauscht. Bei uns gekaufte Brillanten werden zum vollen Kaufpreis in Zahlung genommen. Unser Pracbtkatalog in 4• Farbendruck enthält zirka 200 Kunsttafeln mit vielen tausend Illustrationen von JuweleOi Uhren, Gold- und Silberwaren. Speziallisten gratis u. fr. Juweliere, Gold- und Silberschmiede. Ateliers für SuwelenschmueU und Kunstarbeiten. 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Zigarettenspitze, 71/, Echt Silber, 800/1000 gesetzl.. von beiden Seiten echt Bernstein, M. 8,—, desgl. für Zigarren M. 8,—. Ii cm. gest. No. 10172. Zahnstooher,'/, natürl. Größe, echt Silber, 800/ 1000 gesetzl. gestempelt, M. 0.75. No. 10182. Kavalier- Kette, 14 kar. Rolled Gold, von echt Gold nicht zu unterscheiden. Fünfjährige schriftl. Garantie, M. 5,—. No. 10174. Tatclienkamm,'/, natürl. Größe, i.div. Mustern. EchtSilb, 800/1000 gesetzl. gestemp., M. 8—, desgl. als Taschenmesser m. fein. Stahlkling. M. 3,—, desgl. als Bart- bürste in feinem Lederotui M.8,—. Lange moderne Damen-Ührketten mit eleganten Schiebern, in 14 kar, Rolled Gold. M. 4,—, 6,—, 8,— usw. 14kar. goldene Herren-Ketten 588/100» gesetzl. gest., solide Panzerform inkl. Fasson, per Gramm M. 2,_. Das Gewicht ist auf jedem Etikett _ aufgedruckt. Manche Händler versuchen, an Stelle der gewünschte« M a g g i-Würze etwas anderes z« verkaufen» woran fie mehr zu verdiene» glauben. Man verlange deshalb beim Einkauf ausdrücklich > AliiW Würze mitdemXrettzstent, und lasse diese nur in M a g g ft-Fläschchen nachfüllen fifile den Inhalt der Inserate überniinint die Medatiion dein Vnbliknin geacniidcr keinerlei Aernulwortnng. HKsater. Sonntag, den 4. März. Freie Volksbühne. Sonntag, 4. März, nachmittags Ä'/i Uhr: 1.12. Abteilung im Metropol-Theater: Kater Lampe. S./9. Abteilung im Carl Weiß«Theater: Ein FrühImgSopser. Neue freie Sjolksbiihne. Sonn- tag, den 3. März, nachmittags 3 llhr: 10, Abteilung im Schiller-Theater X.: Zapfenstreich. 12. Abteilung im Schiller-Theater 0.: Nora. Nachmittags 2'/, Uhr: 5. Abteiig. im Neuen Theater: Doppelfelbst- mvrd. 8. Abteilung im Deutschen Theater: Eine Florentinifche Tragödie. Die Neuvermählten. Der Herr Kommissär. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Die Meistersinger von Nürnberg. Auf. 7 Uhr. Montag: Mignon. TchanspielhanS. Julius Cäsar. Montag: Der Schwur der Treue. Neues Operntheater. Der Schwur der Treue. Deutsches. LedipuZ und die Sphinx. Montag: Der Kaufmann von Venedig. Neues. Ein Sommernachtstraum. Montag: Dieselbe Vorstellung. Westen. SchützcnIIesel. Nachmittags 3 Uhr: Die Zauber- flöte. Montag: Die Afrikanerin. Berliner. Nachtasyl. Nachm. 3 Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung. Montag: Zar Feodor Joannowitsch. Zentral. Der Mikado. Nachmittags 3 Uhr: Der Zigeuner- baron. Montag: Der Bettelstudent.(Ans. 8 Uhr.) Meiropol. Aus ins Mctropol. Montag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla. Heinrich Hejne. Die Ballhaus-'Anna. Montag: Dieselbe Borstellung. Ans. 8 Uhr. Ansang 8 Uhr: Schiller O. tWallncr-Thealer.) Der Vogel im Käfig. Nachm. 3 Uhr: Nora. Montag: Die Macht der FlnsternIS. Tchiller X.(Friedrich Wilvelin- slädlisches Tdcatcr). Der Psarrer von Kirchscld. Nachmittags 3 Uhr: Zapfenstreich. Mcmta��Ueber unsere Krast. Lessiiig. Der Ruf deS Lebens. Nachmittags 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Montag: Die Frau vom Meere. (Ansang 7% Uhr.) Kleines. Kinder der Sonne. Montag: Kinder der Sonne. Kölnische Oper. HoflmannS Er- Zählungen. Nachmittags 3 Uhr: Don PaSquale. Montag: HoffmannS Erzählungen. Neside»». Der Prinzgemahl. Nachmittags 3 Uhr: Der Schlas» wagenkontrockeur. Montag: Der Prinzgemahl. Driaiion. Loulou. Nachmittags 3 Uhr: Die herbe Frucht. Montag: Loulou. Earl Weih. Die lebende Brücke aus Kuba. Montag: Diesewe Vorstellung. Vustsvielbmis. Der Weg zur Hölle. Nachmittags 3 Uhr: Jahrmarlt in Pulsnitz. Montag: Der Weg zur Hölle. Dhalia. Bis srllh um Fünse. Nachmittags 3'/, Uhr: CharlehS Tante. Montag: Bis früh um Fünfe. Luisen. Gras Essex. Nachmittags 3 Uhr: Ein Sommer« uachtStraum. Montag: Die Waise aus Lowood. Deutsch Zlincrikanisches. Er und Ich. Nachm. 8 Uhr: Nebern großen Teich. Montag: Er und Ich. Kasino. Die Herren Söhne. Nachmittags 3 Uhr: Hotel Klinge- busch. Montag: Dieselbe Vorstellung. »Ipollo. Insel Tulipatan. Spezia- litäten. Nachmittags 3 Uhr: Berliner Lust. Montag: Insel Tulipatan. Jiu- Jilsu. Spezialitäten. Herriifrld. Familientag im Hause Prellstein. Montag: Dieselbe Vorstellung. Nolles Caprice. Nach dem Japsen« streich. Der Beheme. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. Saharet:.Die Kaiserin der Sahara'.— Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Belle-Zllliance. Der grüne Teusel. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Reittishallen. Stettiner Sanger. Passage. Spezialitäten. ltraiiin. Daudenstras,, 4!>j/4a. 8 Uhr: Am Gols von Neapel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Tter»»varte, Jnvalidenstr. 57/62. Täglich geöfsnei von l bis 7 Uhr. Berliner Theater. Abends 7-,- Uhr: Gastspiel deS Koeltiiuer i/z Uhr und abends 7'/2 Uhr: 2gr. auöerord. Gaia-Vorslellungen A ÄnrÄeinWIreüV �edeä lueitcvc Kind unter zehn Jahren halbe Preise(außer Galerie). In beiden Vorstellungen nachmittags und abends: Der gröfttc und sensationellste Dressurakt der Gegenwart, vorgeführt von einer DUMO» Herrn Julius Seeths wunderbar dressierte Eisbären, vv�U" Luise Mary. Ein Souper bei Maxim. I.es 7 FerezolTs. Nachmittags zum Schluß die reizende Äporipantomimc: Der Dag des Ettglifchen Derby. Abends: Das größte Pracht-Manegen- schaustück der Gegenwai t z. 77. Male: C*— das neue ■"liH iBncl Fraiieureich. Folies Caprice Budapester Possen• Theater 132 Linienslr. 132, Ecke FriedrichstraSe.*» Zum 168. Male: \noli d. Zapfenstreich. Vorher: Der Beheme u. d. auSgezeichn. Spezialitätellteil. Jlnlang 8 Uhr. Vvrverk. tägl. b. Werlheim u. an der Theaterkasse von 10 Uhr vor- mittags an. Cari Weiß-Theaier. Gr. Frantsurterstr. 132. Täglich abends 8 Uhr: Sonnabend nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung(kleine Preise): IHax und Jloritz. Neues Programm. Saharet in der Burleske „Die Kaiserin der Sahara." Alonzo Braeco- Truppe, spanische Akrobaten. Madame Lo, lebende Bilder. Franco Piper, Banjo-Virtuose. „Rokoko"-Ballett v. d. John Tiller- Co., London. Newhouse und Ward, kom. Radfahr. Alexia, Pariser Tänzerin. Die 4 Rassos, Luftgymnastiier. Gabriele Modi, Soubrette. De BiCre, Zauberkünstler. Emil Sondermann. Der Biograph._ Walhalla Theater Heinrich Keine. Lustspiet in S Sltfcn von 21. MelS. Hieraus: Die 3aUhaus-jUma. Posse m. Ges. i. 2 Akt. v. Daun u. Haskel. Ans.'Iß Uhr. Rauchen überall gestattet. Kasitio-I'heater Lolbringerstr. 37. Täglich 8 llhr. Die Herren Söhne. Voiksslück in drei Ätsten von Watter u. l-vtein. �das°" neue hunle lärzprograniffl. Sonntag 4 Uhr: Hotel Klingebusch. Fiebi-Uder Letzter Monat diesjähriger Spielsaiso«! Zum 118. Male: fsmiiientsg 1 im Kause Prellstein. Komödie in drei Asten mit den Autoren A. u D Herrnseld in den Hauptrollen. 2lns. 8 Uhr. Vorverk. 11-2 Uhr. Sonntag, den 1. April: AWedo-Uorstellung = im alten Hause!!=■ XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. 2 große Vorstellungen 2 1 nachmittags 4, abends l'/.Uhr. I Nachmittags zahlen Kinder auf| allen Sitzplätzen halbe Preise. In beiden Vorstellungen: Xeu! Dressierte Xeiill 70 Eisbären 70j unter persönlicher Vorführung des' Herrn llagenbcck. 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Tie Revisions- lommission soll künftig sieben statt bisher fünf Mitglieder haben. Der Verbandstag soll lünstig im Mai statt im Februar ab- gehalten werden. Es folgt die Beratung eines neuen Streikreglements. Es werden folgende Bestimmungen neu eingefügt: Alle Lohn- bewcgungen(bisher Angriffsstreiks) bedürfen der Genehmigung des Hauptvorstandes; die Mitteilung davon muß dem Vorstande mindestens einen Monat zuvor gemacht werden. Abstiminungen über Angriffsstreiks, die ohne Zustimmung des Hauptvorstandes er- folgen, sind ungültig. Tie Slreikunterstützung lvird auch für Un- verheiratete auf 12 M. pro Woche(bisher 10 M.) festgesetzt. Die Dauer der Maßregelungsunterstützung soll 13 Wochen nicht über- steigen: lvcitere lliuerstützungen bedürfen der Genehmigung des HanptvorstandeS. Für d-ie ersten drei Tage wird Streikunterstützung nicht gewährt, llebersteigen die Kosten für Streiks 20 000 M., so hat jedes Mitglied eine Extramarke zu öO Pf. zu entnehmen, bei den zweiten 20 000 M. wiederum 60 Pf. usw. Falls bei einem Streik inr Binnenschiffahrtsgewerbe Kollegen in die Heimat reisen müssen, soll ihnen das erforderliche Reisegeld zur einfachen Bahn- fahrt vierter Klasse von der Hauptkasse vergütet lverden. Die Binnenschiffer sind verpflichtet, wenn ein Streik bei ihnen ausbricht, solange am Orte zu bleiben, bis die Leitung ihnen die Heimreise gestattet. Zum Punkt„Press e" wird noch nachträglich beschlossen, das wöchentliche Erscheinen des„Hafenarbeiter" soll am 1. Januar 1907 beginnen, während sonst das neue Statut am 1. April 1906 in Kraft treten soll. Die Anstellung zweier neuer Beamten im Hauptvorstand wird mit allen gegen eine Stimme angc- nommen. Zum nächsten Kongreß der Maschinisten und Heizer wird ein Delegierter entsandt, damit ihr Verband Neu- einrichtungen treffe, die den in der Binnenschiffahrt beschäftigten Maschinisten und Heizern angepaßt sind. Es folgen die Wahlen. In den Zentralvorstmid werden wiedergewählt: Döring als erster Vorsitzender, Warlich als zweiter Vorsitzender und Heitmann als Kassierer. Auch Görlitz wird einstimmig als Redakteur wiedergewählt; ebenso wird die An- stellung S ch i k o r r s- Tanzig, Schlüters- Duisburg und Seidels- Mannheim als BezirkSlcitcr und Schar kowskiS als Schriftführer bestätigt. Der nächste Verbcmdstag findet 1008 in Hamburg statt. Damit sind die Arbeiten des VcrbandStages erledigt. UnOdortrczffeno, vollendete Auewahl in aparten, reich- haltigaL Sortimenten. Viele Tissende Ex emplire oeuesler Frflhlalirs- Moden. 60.-, 45.-, 40.-, 36.—, 33,-, 30.—, 27.-, 24.-, 21.-, 18.- 15.- Mk. Z Vielseitigste Ausmusterungen vornehmster Moden und Fassons. 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TageS-Ordnung: Goethes„Z�aust" und der Sozialismus. Referent: Genosse Stvro. 2. Diskussion. Um zahlreiches Erscheinen bittet VeutscKev /Zrbciter-/Zbstmenten-Kunck Ortsgruppe Berlin. 2. 3. 4. 3. 6. Arminhallett. K-wmandante»str. SO: Vortrag des Genossen vaviasokn. Statutenberatung. Aofjiiger Palast. Hasenheide 33-33: Vortrag des Genossen Strobeh Statutenberawng. Gewerkschaftshans. Gngel-Ufer 13: Statutenberatung. Keller, Koppeustr. 30: Bericht der Vertrauensleute vom Jahre 1905. Stawtenberawng. Altes Kchuhenhaus, Kiuieustraße 3: Statutenberatung. Moaklter Gesellschaftshans, MM. Vortrag des Genossen Molkenbuhr. Statutenberawng. --------- lMItglfcdsbucb legitimiert!-— Zahlreiches Erscheinen erwarten Die Vereinsvorstände. Kleber! Mittwoch, 7. März, abends 8 Uhr, bei Augustin, Oranicnstr. 103: Vonssmmlung» Tages-Ordnung: 1. Ist die Tariferhöhung überall durch- geführt? 2. Diskussion. 177/10 Pflicht eines jeden Kollegen ist es, zu erscheinen. _____ Die Verbandsleitung. Zentral-Krankenkasse der Maurer „Grandstein zur Einigkeit" Sonntag, den 11. März 1906, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engcl-Uscr 15: 143/5 Antzerordentl. Mitgliederversammlung. Tages-Ordnung: 1. Der Beschlusi der letzten Mitglieder-Ver- sammlung, eventuell Neuwahl des ersten Bevollmächtigten. 2. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Die örtliche Verwaltung. Rixdorfs u. Umgegend. Dienstag, den 6. Mörz 1906, nachmittag. _, imittags 5 Uhr, Hoppcs Ecstslilcn, Rlxdorf, Uermannstr. 49: Oeffentliche Protestversammlung gegen die Lusibarkeitssteuer statt. Referent: Stadtverordneter E. Wntzky.— Sämtliche Gast- und Schankwirte sowie Schausteller sind hiennit eingeladen. 69/7 Lackierer. Mittwoch, deo 7. März 1906, abends 8V3 Uhr,-W> in Driisels Festsälen, Neue Friedrichstp.'SS: Versammlung d. Sektion der Sackierer der Vereinigung der Maler, Lackierer etc.(Filiale Berlin). Tages-Ordnuug: 1. Unsere Beweg Wegen der Wick HS. Die!. Die Scktlonsleltnnx. Holzbildhauer! Montag, de» 3. März, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 13, Saal 1: M ßrancbcn-Hbetid. � Tages-Ordnung: 1. Bericht der Kommission und Neuwahl. 2. Wie stellen wir uns zu der ständig hohen Zahl unserer arbeitslosen Kollegen? 20/7 Vollzähliges Erscheinen der Kollegen notwendig._ Die Agitationskommission. Achtung! Achtung! Brunnenbauer und Hulfsarbeiter. Verband d. baugewerbl. HiiBfsarbeiter Deutschi. Montag, den 3. März, abends 8 Uhr, im Lokale von Augustin, Oranienstr. 103: Versammlung-�g aller im Brunnenbaufach beschäftigten Arbeiter. TageS-Ordnung: 1.„Die Lebenshaltung der Vruunenbauarbeiter und wie ist dieselbe zu verbessern?" Reserenl: Kollege K. Ucidemann. 2. Diskussion. 3. Ausstellung eines Lohntariss für 1906, 4 Verschiedenes. 03/3 Kollegen! In Anbetracht der so wichtigen Tages-Ordnung ist daS Erscheine» aller im Brunnenbaufach beschäftigten'Arbeiter erforderlich. Keiner darf fehlen. Der Zweigvercinsvorftand. fieuteeher Kolzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Die Wahl der Delegierten zum Verbandstage findet Sonntag, den 4. März, von 10— IS Uhr vormittags in folgenden Lokalen statt: Derussia- Säle, Ackerstraße 6/7. Stecherts Festsäle, Andreasstraße 21. Graumann, Naunynstraße 27. Arminhallen, Kommandantenstraße 20. Jeder Kollege kann in dem Lokal wählen, welches für ihn am bequemsten zu erreichen ist. Mitgliedsbuch legitimiert. M?- Ohne JVlltgliedöbuch kein Zutritt.-WZ Die Vertrauensleute werden ersucht, ihren Werkstattkollegen die Mitglieds- bücher zum Sonntag zu übermitteln. 81/9 Die Ortsverwaltung. CharBottenburg. Sozialdemokratischer Wahl verein. Dienstag, B. März, abends 8% Uhr, im VolhshaUS, Rosinenstr. 8: NF General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag über:„DaS neue Schulgesetz und dos Proletariat". Rescrcnt: Genosse«tci-n. 2 Diskussion. 3. Stalutenderatung von Grog- Berlin und des Kreises Teltow- Beeskow- Eharlotieuburg. 4. Vereiiisangelegenheiten. 250/5 Um pünktliches Erscheinen ersucht �-er Vorstand. ?:v. In dieser Versammlung findet auch die Billettausgabe zu der am IS. März stattfindenden Festlichkeit statt. IoxstagenZummstsIiurg Dienstag, den 6. März, abends S'/a Uhr, im Saale der Witwe Vlelgsl, Türrschmidtstraße 45: Wähler- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bortrag: Jie AltfgllbtN der SoMldenwkratie in der Gemkittdevertretlinz". �fneut: s«- Alle Wähler und auch die Frauen sind eingeladen. Um recht rege Beteiligung ersucht o.o Das sozialdemokratische Wahlkoniitee Genosse Lunnenburg-Fnedrillsshagt«. 2. Aufstellung der Kandidaten. Zur Beachtung! Da 21 Delegierte zum Verbandslag zu wählen sind, so dürfen die Stimmzettel— die am Eingang der Lokale zur Verteilung kommen— nicht mehr wie Äl Namen enthalten. IM- Stimmzettel, die mehr als 31 Namen enthalten, sind ungültig. Stimmzettel mit weniger Name» sind gültig. Zimmerer. Jeutral-Kranktn- u. Kterbe- drr Zimmerer (Eingeschr. Hülsskasse Nr. 2. Hamburg). OertUche Verwaltung Berlin. Donnerstag. den 8/ März 1306, abends 8 Uhr, im Gewerkschastshauje, Engel-User 15, Saal 7: Wlglieller-Verzämmlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom IV. Quartal 1905. 2. Wahl der Revisoren. 3. Anträge zur Generalversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. 253/4 Her Vorstand. Hygienische Bedarfsartikel. Billigste Preise. Beeile Bedienung. Angabe worüber Katalog gewünscht wird. KicliardJüditli, Berlin 0. 34/2. Uorlincr Arbeiter-Kadfahrer-Vercin. Mitglied deS Arbeiter- Radialirer- Bundes.Solidarität" Donnerstag, de» 8. März, abends S'/s Uhr bei F. W i I k e, Brunnenstrasie 188 austerordentliche Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung über die Sammlung für den verstorbenen Genossen Pürschel. 2. Abrechnung über daS letzte VereinSvergnügen. 3. Beratung über Gau» und Bundesanträge. Wir bitten die Bundesgenossen ihre Mitgliedskarte mitzubringen. Die Versammlung wird pünlllich ciöfsnet. I.A.: Der Vorstand. Rohrer! Mittwoch, den 7. März, abends 8 Uhr. im„Englischen Garten-, Alexanderstr. 5J7c; Oeffentliche Versammlung sämtlicher Rohrer Berlins und Umgegend. .-.. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Genossen Fritz Kater. 2. Diskussion. 3. Wie stellen sich die Rohrer zu dem Tarif der 9! ohrdcckcn-Fabri kanten Berlins und Umgegend._ 145/3 NB. Es ist Pflicht aller Kollegen, für diese Versammlung zu agitieren. Die Fachkommission. Rlxdorf. Sozialdemokratischer Wahlferein. Montag, den 5. März 1906, abends 8V2 Uhr, im Lokal von Hoppe, Hermannstr. 49: RußcrordcntUche Gcncral-Vcrfainttilung* Tages-Ordnung: 1. Aufnahme neuer Äiiglieder. 2. Beratung deZ Statuts de? Sozial- demokratischen KreiswahlvercmS. 3. Beratung des Organisationsplanes des Zentralwahlvereins für Tcltow-Beeskow-Charlottenburg. 4. Vereinsange- legenheit und Verschiedenes. NW-- Mitgliedsbiich legitimiert!"W> Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet 239/6_ Der Vorstand. Landsberg-Soidiner Wahlkreis. Mittwoch, 7. ds. Mts., abends 8 Uhr, im Lokal„Andreasgarten", Andreasstrahe 26: __ Mitglieder des obigen Vereins, sowie Parteigenossen dieses Kreises, welche m Berlin beschäftigt sind, find hierzu dringend eingeladen. Aus zahlreichen Besuch rechnet 289/2 »er Einbernfer:®. Zimmer. 8W" Unser Vereinslokal befindet sich bei A n n a B t c d a, Skalitzer- strafie 142. Sitzungen finden jeden dritten Freitag im Monat statt_ Montag, den 6. März 1906, abends 8'l, Uhr, bei tVernan, Sch>..... Ktsirkg-Nttlmküsiumm-NtchmliW für Rosenthaler und Schönhauser Vorstadt. Tages-Ordnung: Bericht der Kommission. Verbands-Angelegenhetten. Verschiedenes. Montag, den S. März 1996, abends 8'/, Uhr, bei HValter, Adalbertstr. 62: Kommissions- Sitzung der Bautischler. Die BezirkS-Sitznngen fallen an diesem Tage auS. Her Branchenleiter. Bi]derral)menmacl)er! Mittwoch, den 7. Mörz 1906, abends 8'/, Uhr, bei Magier, Alexandrtnenstr. 103: Vertrauensmänner• Versammlung. Die Kommission erscheint«m 6'/, Uhr. 81/12 Treppengeländerbranche. Am Mittwoch, den 7. März 1906, abends 8>/« Uhr, in Feuersteins Festsäle», Alte Jakobstraße 75, oberer Saal: Venlung aller in TreppennelänilerfalirikeD besebältigten Arbeiter als: Tischler, Stellmacher. Drechsler, Bildhauer usw. Tages-Ordnung: Bericht über die Verhandlungen in der SchlichtungSkommission und AuSgabe der Akkordtarise _: Verwaltnngastelle Berlin. Haupt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV 3353. Montag, den 5. März 1906, abends S'/a Uhr: Allgmkttte Nechumltmg aller in der Schwarzblechbranche beschäftigten Arbeiter im Engiisehen Garten, Alcxanderftrasie 27c. TageS-Ordnung: 1. Die Bedeutung des neuen Elhlosscr-TartfS, und wie stellen sich die Arbeiter der(-chwarzblechvetrirbe zu demselben? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. In Iiibetracht der wichtigen Tagesordnung muh ein jeder Arbeiter aiiwsseud sein. Mittwoch, den 7. März, abends 8'/- Uhr: Versatmnhmg Mtarbeiter Berlins und Umgegend im Gcverhsehaftshanse, Engel-Ufer 15, Saal 7. TaaeS-Ordnung: 1. Neuwahl der Brauchenleiter, der Agitationskommission und SchlichtungSkommission. 2. Berbandsangelegenheiten. 113/12 Kollegen I In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist eS Pflicht eines jeden Kollegen, pünktlich und vollzählig zu erscheinen. _ Die Ortsverwaltnng. V« stcinl)olzleger! MM! Mittwoch, de» 7. März 1906. abends 8'/, Uhr: Mitglieder-Versammlung im Lokale des Herrn Karl Patt, Dragonerftr. 15. TageS-Ordnung: 1.„Die Mißstände in unserem Berufe und wie sind dieselben zu beben? Rcserent: 5lollcgc ä. Aesipdsl. 2. Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. Kollegen, sorgt dasür, daß in dieser Versammlung kein Steinholzlegcr Berlin» und Umgegend sehlt I_ Ter Vorstand. Möbel u Polsterwaren reell, zu soliden Preisen, empfiehlt 279L' H. Strelow, TiscliIermeisleF, Rixdorf, Rlchardstr. 116, am Denkmal. === Eigene Werlstatt im Hause. Gegründet 1830.= Mn-OMiilzugs-Bniil der tteider. Donnerstag, 8. März, abends 8'/. Uhr. im Gewerkschaftshanse(Saal III), Engcl-ltfer 15: §Sr Versammlung."HW Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal. 2. Antrag der Ortsverwaltung aus Gehaltserhöhung der Angestellten. 3. Kasscnangelegcnheiten. 185b Die Ortsverwaltnng. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes 25SL Sermana Posemann sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere den Gesang- vereinen„Bruderbund" und„Glocken- klang", sowie den Kollegen der Firma Kutzner u. Berger unseren herzlichsten Dank. Die trauernde Witwe llmillo Posemann und Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes 173d Karl Oerlach, sagen wir allen Verwandten. Freunden und Bekannten, insbesondere den Kollegen derFinna Siemens u.HalSke, dem Metallarbeiter-Verbande, dem Wahwerein Schönederg, den Sanges- und Klubbrüdeni unser» herzlichsten Dank. Witwe E. Gerlach »ebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise so edler Teilnahme anläizlich des Ablebens meines so inniggeliebten Manne, allen aus diesem Wege meinen innigsten Dank. 3b8L Frau Llise Brose. Danksagang. 183b Für die bewiesene Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Bruders, Schwagers und Freundes, des Schriftsetzers vsksr Qiristopk lagen den herzlichsten Dank. Besonders danken den Chcjs der Buchdruckcrei Riesenstahl, Zumpe u. Co., dem Per- sonal der Firma, ferner dem Wahl- verein des VI. Berliner Wahlkreises. st. Pörster o. Frau Minna, geb. Christoph. Kundermann und Frau. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unseres unvergetzlichen Sohnes, Bruders, Schwagers und Bräutigams Otistav Otto sagen wir allen Verwandten und Be- kannten sowie den Kollegen des Kabel- Werls„Oberspree"(Abteilung Teil- presserei) und dem Radfahrcrverein „Vorwärts" unseren herzlichsten Dank. Die tiesbetrübten Angehörigen nebst Braut. 3101- Martha Adler, Adlershof. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters und Bruders fmi Ongerberg sagen wir allen herzlichen Dank. Marie Ungerherg, geb. Hinze. Frieda Ungerherg. Marie Nütz, geb. Ungerherg. Dr. Simmel, Svezililmzl für 29/14* Hunt- nnd Harnleiden. 10— 2, 5— 7. SoiilitagS 10— 12, 2— 4 Dr. Schlinemann, Spezial-Arzt für Hant- und ilurnlciden, Frauenkrankheiten. 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Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet am Montag, den 5. März, nachmittags 4 Uhr, von der LcichcnhaV.e des Emmaus-Kirchhoses in Ntxdors, Hermannstrahe, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 75/6 Der Verstand. Zentral-Kranken- und Sterfie- kasse der Tischler. Ortsverwaltung Berlin H. Hierdurch zur Nachricht, bah unser Mitglied, der Maschinen- arbeiter i�uxust.Jonetat am Freitag, den 2. März, ge- starben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 5. d. M., nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Enimaus-Kirchhoss in Rixdors auS statt. Um rege Beteiligung bittet Die OrtSverwaltnng. Zentral-Verband der Maurer! Deutschlands. Zweigverein Berlin, Unseren Mitgliedern zur Ruch- richt, daß unser Kollege Lrnst Pe\z gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DlenStagnachmitlag 4 Uhr von der Leichenhalle des Andreas- Kirchhofes aus statt. Um recht rege Beteiligung- ersucht 0er VorMand. Köpenicks Die Beerdigung des Kollegen Otto Qohdes Textilarbeiter findet heute Sonntag, 4. März, nachnr 2 Uhr. von der Ltlisenstr. 14 aus statt. 197/3 Der Vorstand. tedlm-g! Mefigr, farteigenossen! Berl. Sehneiderei- Genossensehall G. m. b. H. 3runnenstraJ)e 185, im Lacken. zwifcbcn RofcntbaUr Hör und Invalidenstraße empfiehlt sich den werten Arbeitern und Parteigenossen zur Anfertigung von seinerer Herren- und Mnaben-Larderobe fertig und nach Stiaß. Nerlmuf nur gegen bar! Ktreng feste Preise! Die Herstellung unserer Fabrikate erfolgt in eigenen Werkstätten� unter den von der Organisation festgesetzten Lohnbedingungen � Um geneigten Zuspruch bittend, zeichnet Hochachtungsvoll Kerliner Kchneiderei-Genostenschast. Obige Genossenschaft ist gegründet von organisierten Schneidet gehülfen Berlins 105/19 veutsedo Bterbrmierei A.=G. (Gesamtabsatz 1904/05 unserer Interesseageffleinscbaft 415 I 14 Hektoliter) empfiehlt ihre aus bestem Malz und Hopfen hergestellten Biere 5636L* WM- in Fässern und Flaschen."WF Adresse für Faßbier; Alt Doahlt 00. Telephon: Amt H, 1615 u. 1616. Adresse für Flascheubier: Kaiserin Angnsta- Allee 15/10. Telephon: Amt H, 3066. Todes-Anzeize. Allen Freunden und Befatmteu die traurige Nachricht, das; mein lieber Mann, der Wcrtzcugmachcr Heinrich Jung im 30. Lebensjahre nach langem, schweren Krankenlager seinen Ver- lctzungen erlegt» ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. März, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Luisen-KirchhoseS in Westend. Fürstenbrunner Weg, aus statt. 215b Witwe Jung. SozialdenißkratiSEherWalilversin Charlottenburg. Todes-An zeige. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Heinrich dunx (3o. Bezirk) am 28. Februar verstorben ist. Ehre seinem'Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, de» 4. d. M., nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle deS LustenlirchhoseS Westend, Fürstenbrunner Weg, auS statt. Ziege Beteilignug erwünscht. 250/6 Oer Vorstand. Exua Todes-Anzeige. Allen Kollegen die traurige Mitteilung,'daß unser Arbeits- kollege, der Werkzeugmacher Heinrich Jung nach laiigem Krankenlager seinen schweren Verletzungen erlegen ist. Wir verlieren in ihm einen Kollegen, der jederzeit für die Interessen der Arbeiter eingetreten war. Ruhe sanft! Die Beerdigung findet am � -Sonntag, den 4. März, nachmittags 5 Uhr, von der Leicht/.,. halle des Luisen-KirchhoseS, W est- end, Fürstenbrunner Wog, auS hwtt. Die Werkzeugmacher der£. E. G. Huttenstraße. 216& Deutscher Metallarbeiter-Verband! Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dah� unser Mitglied, der Werkzeug. macher Heinrich Jung� am 2. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am t Sonntag, den 4. März, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- balle de? Luisen- Kirchhofes, Westend, Fürstenbruiiner Wer ans statt. Um rege Beteiligung ersucht 113/13 Die Orfsverwaltung., Branebe der Werkzerpacber (D. A. A. V.) Den Kollegen zur Nachricht, dah unser lieber Kollege und Mit- kämpser Heinrich Jung am Mittwoch srixh l'/j Uhr fcitim schweren Verletzungen und hinzu- getretener Proletarterkrankheil er- legen ist. Ehre seinem Andenken I Wir erwarten von unsere» Kol- legen, dah sie sich vollzählig an der Beerdigung, welche am Sonn- tag, den 4. März, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Luisen-Kirchhoses, in Westend, Fürstenbrunner Weg, aus stait- findet, beteiligen. 217b Oie Branchenleitung. Invaliden- Ontarstiitzungskasse d.''' Die Beerdigung des am 1. März verstorbenen Lithographen Hermatm Scheiter findet statt ain Sonntag, de» 4. März, nachmittags 4'l2 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Jakobi- Kirchhofes, Hermannstrahe. 209b Das Komitee. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeigc. Den Kollegen zur Nachricht, dah unser Mitglied, der Metall- dreher Ernst Schmiedchen am 1. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. März, nach- mittags 3'/, Uhr, von bei Leichenhalle des Georgen- Kirchhofes in der Landsberger Allee aus statt. Rege Beteiligung erwartet 113/14 Die Ortsverwaltung. für die KMMlWg. so gohen Sie rechtzeitis in uu.su; Spezial• Haus. Dort ünden Sie eine überraäoüend uroase Auswahl Neuheiten; Teppiche v- Gardinen v- Portieren T- �-6> 6-7B- U.Sfl U9W 9. sowie Steppdecken, Tisch- u Diwan- decken, Läufer- und Möbelstoffe etc. z? Zum diesmaligen Umzöge Bteil<>o wir grosee Partie-Posten zu wirklieben Ansnahme Preisen zum Verkauf worauf besonders anlmerbsam maonen. m Teppich- y(ü)(D0L SMM ) 1 ■3t Königstrasse 20-21, WMMWW a<1. Jllaonstr. mcic Q3D Möbel-Halle J{arry f|oldschiCTidt Moritzplatz 59. Nicht zu vergleichen mit ibzahlungs-Geschäftcn welche auch Konfektion Ulli führen. 85L+ jeb««öpenickerstr. 60.[1707hr- [Eine Mark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante fertige Herfen-Garderoben. Ersatz für Maß. Anfcrtlgang nach 3IaB. Tadellose Ansführung. 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Es will gegen die Barbarei des Straf- Vollzugs, die jede bessere Regung in den Sträflingen vernichten mutz, gegen die furchtbare Gefühls- und Gedankenlosigkeit einer Justiz, die ihre Aufgabe in der schablonenhaften Massenfabrikation strenger Verurteilungen erblickt und den Angeklagten nur noch als eine möglichst rasch zu erledigende Nummer ihres Tagespensums einschätzt, zum Protest ausrufen. Hierin, in dem ehrlichen Zorn, dein menschlich warmen Mitgefühl, liegt das Verdienst des Stückes, um destenwillen man sich des starken demonstrativen Beifalls, den es beim Publikum gefunden, freuen mutz. Der junge Wiener Dichter kennt die Verhältnisse aus eigener unmittelbarer An- schauung.„Ich habe mich," schreibt er in der interessanten, im Bühnenheft des Schiller-Theaters mitgeteilten biographischen Notiz, „bis zu meinem 25. Lebensjahre in Wien, Berlin, Paris, Brüssel durchgehungert, und verdanke diesen Jahren scheinbaren Nichtstuns alles Gute, was etwa in mir steckt. Dann wurde ich tugendhaft, bekam Geschmack an der Arbeit, Freude am Weltverändern. Ich begann kleine Geschichten zu schreiben, ich wurde Redakteur an der „Wiener Arbeiterzeitung", und meine Hauptbeschäftigung war es, die Anonymität des Gerichtswesens zu zerstören und der Be- völkerung beizubringen, datz jeder Richter für sein Urteil persönlich genau so verantwortlich ist, wie ein Schriftsteller für seine Auf- sätze, mindestens wie ein Schauspieler für seine Darstellung. Gerichtssaalkritik... war lange meine journalistische Haupt- beschäftigung. Dann wurde mir vom Minister Körber gestattet, meine Kritiken auch auf die österreichischen Zuchthäuser auszu- dehnen, die ich während zweier Jahre, durch ganz Oesterreich reisend, besichtigt habe.. Im Anschlutz an die so gewonnenen Eindrücke und Erfahrungen, entstand das Drama. Der humane Gefängnisverwalter, den Grotzmann hier als Idealfigur dem brutalen Schablonenwesen gegenüberstellt, hat„sein Vorbild in der Wirklichkeit". Hätte Grotzmann für die Darstellung der Handlung und die um sie herum gruppierte Milieuschilderung die ihm geläufige Form der novellistischen Skizze gewählt, so wäre zweifellos ein Gebilde von ganz anderem künstlerischem Range zustande gekommen. Den Forderungen dramatischer Gestaltung hat er in diesem Erstling nicht zu genügen vermocht. Man merkt die Schwierigkeiten, die ihm das szenische Gefüge bereitet, auf Schritt und Tritt. Um das ungewohnte Schema auszufüllen, werden possenhafte, dem Kern der Sache fremde Momente breit ausgesponncn(in der Figur des schwindelhaftcn Sträflings Pfeifer), andere seelisch wichtige Par- tien, die, wenn der Autor erzählen dürfte, gevjitz individualisierende Vertiefung gewonnen haben würden(so die Figur der barmherzigen ZuchthausdirektorStochter), werden nur ganz konventionell mit blassem Stifte angedeutet; erst am Schlüsse des dritten Aktes tritt der Umritz einer Handlung deutlicher hervor, und der Haupt- charakter, der Sträfling Schindler, ist so wortkarg und verschlossen, datz das Ausdrucksmittel des Dramas, der Dialog, ihn nur da und dort mit Scheinwerfern beleuchten, nicht in seiner Gesamtstruktur ihn unserem Auge durchsichtig machen kann. Ein immenser Abstand trennt dies Schauspiel von der dramatischen Wucht und Schlag- kraft, mit der Brieur in seiner„Roten Robe", dem besten Kampf- stücke der letzten Jahre, eine wahlverwandte gegen die Justiz gc- richtete Tendenz vertreten hat. Eine jähzornige Reizbarkeit, die ihm im Augenblicke des Affektes jede Besinnung raubt, hat Schindler ins Zuchthaus gebracht. Der �.Direktor empfängt den Zug der neuen Sträflinge wie ein Wut- l schnaubender Despot. Sie sollen vor ihm zittern. Für den kleinsten Ungehorsam droht er furchtbare Strafen an. Der Verwalter sucht mit tröstendem liebevollen Zuspruch die armen Burschen, von denen mancher noch zu retten wäre, aufzurichten. Die Tochter des Direktors unterstützt die menschenfreundlichen Bemühungen, sie schenkt Schindler ihren blinden Star und bittet ihn, für das Tierchen zu sorgen. Doch was ihn erfreuen sollte, wird zur Quelle neuen Unglücks. Ein boshaft neidischer Mitgefangener— diese Szenen aus dem Zuchthausinterieur zusammen mit der Gerichts- Verhandlung des vierten Aktes sind die weitaus wirksamsten des Stückes— öffnet den Käfig und läht den Vogel davonfliegen. So tückisch dieses letzten bitzchen Glückes beraubt, schlägt Schindler in blinder Empörung den hämischen Patron zu Boden und verletzt den Wärter. Das denkbar beste Zeugnis, das der Verwalter ihm ausstellt, die eindringlichsten Reden seines Advokaten, der die Richter bittet, sich nur einmal in die Seele des Angeklagten zu versetzen, nützen nichts. Der Herr Staatsanwalt will ein Exemftel statuieren, und der Herr Vorsitzende hat Eile: Drei Jahre Haft, so lautet der Spruch. In dumpfer Betäubung nimmt ihn Schindler entgegen, nun ist alles eins. Mit bitterem Sohnlachen weist a* den Verwalter und das Fräulein von sich, feindselig starr krampst sich sein Herz gegen jedes menschliche Wesen zusammen. Jetzt kann er wirklich zum Verbrecher werden. Doch ein rascher Selbstmord, ein Sprung von der Treppe, erlöst den Armen von der Qual und von den Taten, die die ausweglose Verzweiflung in ihm reifen lassen würde. Die Aufführung war, ohne besonders interessante Einzel- leistungen zu bieten, im ganzen wohlgerundet. Herr S ch m a s o w in der Rolle Pfeifers nutzte die Gelegenheit, die possenhaften Züge doppelt und dreifach zu unterstreichen.— gr. H119 der fraucnbcwccfung. Der Berein für Frauen und Mädchen der Arveiterklasse hält am Montag, den 5. März, in den Arminhallen, Kommandanten- stratze 20. seine Generalversammlung ab. Tagesordnung: 1. Be- richt des Vorstandes, der Kassiererin und Bibliothekarin, Diskussion. 2. Neuwahl des Vorstandes. Verband der Wäsche- und Krawattenarbeiter. Heim- arbeiterinnen der Wäsche-, Krawatten-, Schürzen-, Blusen-, Neglige- brauche usw.! Am Montag, den 5. März, abends 3 Uhr, findet eine Besprechung bei Kröhn, Reinickendorferstratze 23, statt. Kollege Trinis wird über:„Märzgedanken" sprechen. Wir bitten die Parteigenossen, ihre Frauen und Töchter ganz besonders auf diese Besprechung aufmerksam zu machen. Die Sektionsleitung. Rixdorf. Am Mittwoch, den 7. März, abends L'ch Uhr, hält der Verein gewerblich tätiger Frauen und Mädchen im Lokal von Thiel. Bergstratze. seine Mitgliederversanunlung ab. Schriftsteller Störmer spricht über:„Moses oder Darwin?". Recht zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Reinickendorf(Ost). Der hiesige Bildungsverein für Frauen und Mädchen hielt am Dienstag, den 27. Februar, eine gut besuchte Generalversammlimg ab. Zum ersten Punkt der Tagesordnung gab die Vorsitzende Frau Lorenz den Vorstandsbericht, nach welchem seit Gründung des Vereins 15 Mitgliederversammlungen, eine autzer- ordentliche Generalversammlung und eine öffentlich« Versammlung stattfanden. Der Kassenbericht ergab die Einnahme von 7g.g7 M., bei einer Ausgabe von 35.20 M., verbleibt ein Bestand von 13,77 Mark. Der Kassiererin Frau Wiegand wurde einstimmig Techarge erteilt. Nach Erledigung anderer Vereinsangelegenheiten hielt die Vorsitzende eine Vorlesung über:„Die Autorität der Eltern". Eine lebhafte Diskussion folgte. Zwei Gäste meldeten sich zur Mitglied. schaft. Tie nächste Versammlung findet Dienstag, den 13. d. M., statt. Der Vorstand. Zchlendorf. Heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr, findet im Lokale des Herrn Mickley, Polsdamerstratze 23, eine öffentliche Versammlung für Frauen nnd Männer statt. Herr Emil Eichler spricht über:„Weshalb braucht die Frau Bildung?" Sodann Gründung eines Frauen- und Mädchen-BildungSvereins. Recht zahl» reicher Besuch wird erwartet. Die Einberuferm. Versammlungen. Die Zigarettenindustrie unter der neuen Steuerschraube. Mit den Beschlüssen der Reichsfinanzkonrmission über die Banderolensteuer für die Zigarettenindustrie beschäftigte sich am Freitag bei Wilke in der Brunnenstratze eine öffentliche Versammlung der Berliner Tabakarbeitcr und- Arbeiterinnen. Reichstagsabgeordneter Förster übte in seinem 1s-h stündigen Referat eine herbe Kritik an diesem Steuerprojekt und beleuchtete besonders die schädlichen Folgen desselben fsir die Tabakarbciter. Er warnte auch davor, sich etwa in Sicherheit zu wiegen, datz eine höhere Besteuerung des Tabaks infolge des ablehnenden Beschlusses der Steuerkonimission nicht eintreten werde. Räch dem Stande der Dinge sei es gar nicht ausgeschlossen, datz die Kommission in zweiter Lesung noch durch ein Kompromih eine erhöhte Tabaksteuer zustande bringe. Die Arbeiterschaft habe demnach alle Ursache, ivachsam zu sein und sich gegen jede Mehrbelastung des Tabaks zu tochrcn. Fol- gende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die Versammlung protestiert gegen jede weitere Belastung des Tabaks, gleichviel in welcher Form sie vor sich gehen soll und gleichviel, ob sie Zigarren oder Zigaretten betrifft. Die Versamm- lung erklärt, datz der Tabak seit 37 Jahren in kolossaler Weise be- steuert worden ist, datz die Tabakindustrie sich bis heute noch nicht von dem damals ihr versetzten Schlage hat erholen können. Die Lage der deutschen Tabakarbeitcr ist seitdem auf das denkbar niedrigste Niveau herabgedrückt worden. Eine lveitere Erhöhung der Tabak- steuer würde daher unabsehbares Elend für die Tabakarbeitcr und -Arbeiterinnen im Gefolge haben. Aus diesen Gründen fordert die Versammlung von den gesetzgebenden Faktoren, datz sie von einer ferneren Belastung des Tabaks Abstand nehmen." ES wurde sodann zur Sprache gebracht, datz die Firmen „Garbat h" und„Manoli" aus Patriotismus ihre Arbeiter und Arbeiterinnen am Tage der kaiser- lichen Silberhochzeit wo HI haben feiern lassen, ihnen aber auch den Lohn für diesen Tag ver- weigert haben, obwohl kein Arbeiter und keine Arbeiterin den Tag freiwillig feiern wollte. Die hiesigen Arbeiter und Ar- beiterinnen werden die Firmen natürlich beim Gcwerbegericht verklagen. Für eine Anzahl Ausländer aber dürfte jener Lohn ver- loren sein, Iveil die Ausländer aus begreiflicher Besorgnis vor nach- träglichen Unannehmlichkeiten die Beschreitung des Klagcweges ver- meiden. Das Verhalten beider Firmen wurde von der ganzen Ver- sammlung auf das entschiedenste gemitzbilligt. Zum Schluh erstattete Buhl noch den Bericht vom letzten Tabakarbeiterkongretz. llMMeiillSMsw�etiijiieliei'g der i Stadt Pom Montag, den 12. März l9<>6 ab besindet sich daS Kafsenlokal in unserem GeschästShause Grüne- »valdftratze SS, Hos 1 Tr. 270/10«_ Der Vorstand. "Billige Rolilabake. Max Jacoby, Slrelitzeretr. B2. Bob-Tabak Sumatra-Uecken- jUriall a Pfd. m. 1.00 sehr billig. Berlin O., Magazinetr. 14. Bob-Tabak Oett-Oeeke Nr. 5477»Pfd. M. 1,30 verzollt. W. Hermann Müller, Berlin 0., Magazin- StraDe 14. Heinrich Franck Berlin N., BrunnenstraBe 185. 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Znm Philharmonie-Boykott Ichickt nn? der A7tionsau§schutz folgende Erklörnng: Zu dem gestrigen Bericht über die Generalversommluttg der „Neuen freie» Volksbühne" bemerken wir folgendes: SSir müsse» eS unbedingt ablehnen, mit autzerhakb der Partei« vrganisation stehendn Leuten wie den Herren Doknoren Eltlinger und Bruno Wille uns darüber auseinanderznsetzei«, in welcher Weise die einzelnen Kreise Grost-BerlinS ihre Entichlüsie vorzunehmen hnbeir Wenn die Herren in der Organisation ständen, so würden sie wissen, dah beispielsweise der zweite Wahlkreis, in welchem die Philh.ninonie liegt und der daher besonders interessiert ist. die Eni- scheidung seinen Bezirken am Iahlabende überlassen hat. Bon 133 in Frage kommenden Stellen haben sich nur 15 für Aufhebung des BostlottS ausgesprochen, 123 aber dagegen. Im vierten Kreise hat sich der Gesamtvorstand einstimmig gegen Aufhebung ausgesprochen, in der Generalversammlung des fünften Kreises waren bei zirka 100 Anwesenden nur 11 fier den Antrag der Volksbühne zu haben, und im sechsten Kreise haben sich nach An- hörung der Bezirke fast alle Bezirkskührer, Fnnktionäre und die äirtivUitung gegen Aufhebung des Boykotts erklärt. Die kühne Be- hauptung der beiden, Herren Doktoren, die Angaben des AktionS- ausschusses entsprächen nicht der Wahrheit, charakterisiert sich also, wie aus den obigen Darlegungen hervorgeht, als eine freie Er» findung der Herren. Die Philharmonie hat unseren Gegnern öfter zur Per fügung gestanden Freifinnige und Konservative haben in den Räumen dieses Lokals mehrfach getagt. Der Flottenverein hielt Versammlungen ab, die Deutsche landwirtschaftliche Gesellschaft kam in der Philharmonie zusammen, Ist den beiden Herren der politische Charakter dieser Vereinigungen ewtgangen, so ist das im Interesse der sozialdemokratisch denkenden Altglieder der Bühne recht sehr zu bedauern. Waruni erst beim Aktionsausschüsse der Antrag gestellt wird. den Boykott aufzuheben, wenn man sich eii*m gegenteiligen Be» schlusse doch nicht fügen will, ist uns völlig unverständlich, Will Herr Dr. Wille ein Flugblatt verbneiten, um die Rechte der politisch und gewerkschaftlich organisierten Mitglieder der Volks« bühne zu wahren, so erachten wir einen miherhalb der politischen und gewerkschaftlichen Organisation stehenden Herrn hierzu als wenig geeignet. Allen„DrumherumredenS" entkleidet, stekht die Sache so: Die Philharmonie steht der sozialdemokratischen Partei nicht zur Ver« fügung lind ist daher für Veranstaltungen, bei deren Festsetzung Parteigenossen in größerer Zahl mit zu entscheiden haben, zu meiden. Die Ehre der Partei erfordert dieS unbedingt. Wer fich sozial minderwertiger einschätzen lassen will als die Gegner, mag sein« Veranstaltungen dort arrangieren; wir aber, als Vertreter der orga nisierten Parteigenossen Grotz-BerlinS. lehnen es ab. Der Aktionsausschuß. Partei-Angelegenheiten. Zur Lokallistek Laut Fabrikanschlag der Firma Pintsch, Filiale Fürstenwalde, fmdet am 17. d. Mts. „auf Wunsch verschiedener hiesiger Arbeiter" im Gesellschaftshaus in Fürstenwalde ein Gesangsabend mit an schließendem Tanzkränzchen statt, arrangiert von der Gesangs abteilung der Firma Pintsch, Berlin, unter „gütiger" Mitwirkung der Fürstenwalder lllanenkapelle. Da das genannte Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht, sind alle etwa angebotenen Billetts zu obigem Vergnügen entschieden zurückzuweisen. Ter„Verein der Kutscher usw." veranstaltet am 17. d. Mts. in den gesperrten Räumen der Philharmonie ein Kostümfest. Da man versucht, hauptsächlich in Arbeiterkrcisen Billetts umzusetzen, ist allen diesbezüglichen Angeboten entschieden entgegen zu treten. In Ladeburg bei Bernau steht das Lokal von Wilhelm Mendt der Arbeiterschaft zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung, desgleichen in Plötzensee das Restaurant Eisschlößchen. Die Lokalkommission. Am Dienstag, den 0. März, 8 Uhr abends, finden in Groß-Berlin die Generalversammlnngen der Wahlvereine statt, welche fich mit dem Rormalstatnt«nd de« Satzange» für die Gnzclkreise beschäftigen. Wie bitten Partei and Gewerkschaften, an diesem Tage keine anderen Veranstaltungen z« treffen. Der AktionS-AuSschnß. Rciniikendorf-West. Parteigenoffeni Am Dienstag, den 0. März, abends 8'/j Uhr, DiStutierabend bei Franke, Eichborn- straße 13. Erscheinen notwendig. Der Vorstand. Reinickendorf-Ost. Der DiSkutierabend findet am SDienS- tag, den 0. März 1S0S, abends 8'/, Uhr. im Restaurant Lücke, Residenzstr, N2. Ecke Pankow er Alle«, statt. Genofie G u r s ch spricht über„General st reik und Soziclldemo« k r a t i e". In Anbetracht dieses wichtigen Themas ist daS Erscheinen sämtlicher Mitglieder Pflicht. Lankwitz. Montag, den S. März, abends 8% Uhr, im Nestau« rant Link, Calandrellistraße 27/2S, Versammlung. Stellungnahme zur Gcmeindevertrcterwahl, Da bereits Mittwoch die dritte Wähler« klaffe wählt, und zwar zwischen 5 und 8 Uhr. ist es Pflicht der Ge. nossen, die kurz« Zeit noch gut auszunutzen und zahlreich in der Versammlung zu erscheinen. Spandau. Am Dienstag, den 6. März, findet der gahlabend statt. ES ist dringend erwünscht, daß sich die Genossen recht zahl. reich beteiligen. Ter Vorstand. Friedrichssclde. Am Dienstag, den S. März, abends 314 Uhr. findet bei G. Schulz. Wilhelmstrahe 11, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht«in Vortrag des Genossen Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld über„Kommunalpolitik". Montag, den ö. März, abends 31? Uhr, ist bei G. Kubsch, Karlshorst. Treskow-Allee. Zahlabend. Pflicht der Genoffen ist es. soloohl in der Versammlung als auch im Zahlabend zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Johannisthal. Am Dienstag, den 6. März, abends 81b Uhr, findet im Lokal von Krüger, Friedrichstraß« 10, die allgemeine Ver« sammlung deS Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht: Be- richt der Gemeindevertreter. Vereinsangelegenheiten, Wahl der Tele- gierten zur Generalversammlung des Kreikes, Beratung des Statuts des Kreises und Verschiedenes. Die Wichtigkeit der Tagesordnung macht das Erscheinen aller Genossen unbedingt oorwendig. Der Vorstand. Rixdorf. Der Wahlverein hält am Montag, den S. März, abends 8% Uhr, im Lokal von Hoppe, Hermcmnstraße 40, eine außerordentliche Genetalversammlung ab. Der wichtigen Tages- ordnung wegen ist zahlreiches Erscheinen der Mitglieder notwendig, Mitgliedsbuch legiiimiert. Der Vorstand. Britz-Buckow. Dienstag, den 6. Mprg. abends 81b Uhr. Wahl bereinsversammlung bei Genossen Weniger, Werderstraße 27. Tagesordnung: 1. Vckrtrag des Genoffen Händel über„Goineindc- ivahl und Gemeindepolitik". 2, Diskussion. 3. Aufstellung der Kandidaten zu den Gemeindewahlen. 4. Vereinsangetegenheiten. 5. Verschiedenes. Pünktliches Erscheinen aller Mitglieder erwartet Der Vorstand, Königswusterhausen. Dienstag, den 0. März, Mitgl.ederver sammlung deS sozialdemokratischen Wahlvereins, abends 8 Uhr, im Lokal von Wedhorn/z Millionen höher als im Vorjahre. Neu hinzu- gekommen sind der Wohlfahrtsetat und der Etat für das neue Krankenhaus. Die einzelnen Etats schließen in Ueberschüssen ab: Stcueretat mit 4 451 510 M. s3 354 880 M.), Verkehrsetat mit 59 383 M.<46 135 M.). Friedhofsetat 30 496 M.<28 930 M.), Grundstücksetat 15 300 M.<14 800 M.).' An Zuschüssen sind er- forderlich: für den Etat der allgemeinen Verwaltung 1 275 118 M. die Alterszulage 250 M. beträgt. Ter wichtigste Antrag, nämlich das vorhandene sechsklassige Schul- system zum siebcnklassigen zu erweitern und das alte Schulhans durch Umbau zu einer vierzehnklassigen Schule zu vergrößern, entfesselte eine lebhaftc Debatte; schließlich wurde der erste Teil, nämlich der Ausbau zum Siebenklassensystcm einstimmig angenommen. Der zweite Teil des Antrages, betreffend den Erweiterungsbau der alten Schutze, wurde abgelehnt; dagegen beschloß man ein neues modernes Schulgebäude im größten Ortsteile Wilhelmsruh zu errichten. Mo- tiviert ist dieser Beschluß damit, daß die überaus größte Menge der Kinder, nämlich etwa 300, in Wilhelmsruh wohnen und nur 70 in Rosenthal. Man kann nun nicht verlangen, daß die größte Zahl der Kinder in oft größtem Schmutze und Regenwetter zirka eine halb« Stunde auf schiechtem, Uberaus aufgeweichtem, über das freie Feld führendem Wege die Schule aufsuchen fall. Der Schulvorsteher glaubt, daß die Aufsichtsbehörde den Beschluß zurückweisen wird.— Jedenfalls wird sich die Mehrheit der HauSväte� dagegen wehren. Teltow. In Lebensgefahr gerieten am Freitag früh der Sohn des Partei. spediteurs Hermann Krüger, ein Heizer der Papierfabrik und der Bäckerlehrling des Bäckermeisters Reibe aus Zehlendorf. Der letztere fährt jeden Morgen nach HauS-Schönow und hatte die beiden anderen mitgenommen. Unterwegs wurde aber das Pferd wild und warf den Wagen um. Krüger sprang noch im letzten Augenblick schnell ab, während die anderen beiden mit unter den Wagen gerieten. Der Heizer hatte vom Pferd einen wuchtigen Schlag mit dem Hufe er- halten, während der Lehrling mit einer leichten Verletzung davonkam. Spandau. Die am 1. März stattgefundene Stadtverordnetenversammlung genehmigte zunächst das Ortsstatut für die gewerbliche Fortbildungs- schule mit unbedeutenden Abänderungen. Die Aufhebung des§ 3 des Vertrages mit dem Militärfiskus, welcher die Stadt verpflichtet, als Zuführung zu dem Wasserübungsplatz für die Pioniere einen Wcgstreisen von 15 Meter Breite von der Strutstraßc nach Wilhelms. ruh als öffentlichen Weg zur Verfügung zu stellen, wurde ohne Debatte angenommen. Zur Vertretung der Stadt auf der 26. Jahres- Versammlung des Deutschen Vereins siir Armenpflege und Wohl- tätigkeit am 3. März in Berlin wurde der Stadtv. Lüdicke delegiert. Es folgte alsdann die Beratung des Pslasterungsplancs für 1906. Genosse Stadtv. Piek bemängelte bei dieser Gelegenheit, daß der letzte Teil der Pichelsdorfcrstraße noch immer ungepflastert ist. Es scheine ihm, als würde die Straße deshalb nicht gepflastert, weil die Besitzer des Straßenteiles ihre Vorgärten nicht unentgeltlich ab- treten wollen und der Magistrat deshalb einen Trumpf ausspiele. Man möge aber bedenken, baß die Stadt für Unfälle, die durch die schlechte Beschaffenheit der Straßen entstehen, schadenersatzpflichtig sei. Auch wurde von anderen Rednern noch ans die miserable Be- schaffenheit der Mittelstraße, Kurzstraße, Feldstraße und Charlotten- burger Chaussee hingewiesen. Ter Referent Stadtv. Bender be- antragt, den Pflasterungsplmi an die Kommission zurückzuverweisen und in einer neuen Vorlage die Charlottenburger Chaussee in den Plan aufzunehmen. Aus einige Anregungen des Baurates wurde der Antrag des Referenten mit einem Zusatzantrag angenommen, wonach zugleich die Matcrialliesernngen ausgeschrieben werden sollen. Zu dem Abschluß des Antrages über die Regulierung der Straße A im Stadtteil Spelte, einer Berbindungsstraßc zwischen dem Secge» selber Stadtteil und dem 5lirchhof in den Kisseln, gab die Ver- sammlung ihre Genehmigung. Uebcr die Vorlage, die Erwerbung von 423 Quadratmeter Straßenland in der Konkordia- und Wilhelm- straßc betreffend, hat der Magistrat beschlossen, über den geplanten Grnnderwerb erst nach Regulierung der Konkordiastraße Beschluß zu fassen. Nach längerer Debatte gelangt schließlich die Magistrat». Vorlage zur Annahme. Eine lebhafte Auseinandersetzung entspann sich über die städtischen Reisekosten. Dieselben betrugen ün Jahre 1903 3200 M.. 1904 2700 M. und 1905 5 0 83 M. Genosse Piek betonte, daß von sciten der sozialdemokratischen Fraktion schon öfter darauf hingewiesen worden sei, die Reiselust etlvas zu mäßigen. Von gegnerischer Seite tat sich der Stadtv. Dr. Kommert hervor, dessen Ausführungen einen allgemeinen Lacherfolg hatten. Jeden- falls wird er von seinen eigenen Kollegen nicht ernst genommen, — Es folgte alsdann geheime Sitzung. berliner I�acdrickten. Das Andreas-Rcalgpmnasium und das Friedrichs-Realgymna- sium werden in den nächsten Wochen in die neu errichteten Schul» räume in der Koppenstraße 75/76 und Mittcnwalderstraße 34/37 übersiedeln. Das Friebrichs-Gymnasium wird dann in die frei werdenden Räume Albrechtstraße 26 verlegt werden, so daß zu Ostern die Schulhäusxr Friedrichstratze 126, Langestraße 31 und Warrburgstratze 12 für andere Zwecke frei werden. Für das Friedrich Werdersche Gymnasium sollen in der Bremerstaße in Moabit Baracken aufgeführt werden, zur Aufnahme der unteren Klassen. Das Schulhaus Friedrichstraße 126 wird für eine Fortbildungsschule eingerichtet. Aiisstcllungömedaillcnschwindel. Gegen den AuSstelluiigSschwinde� richtet sich eine neue Anordnung der Regierung an die Verwaltungs- behörden. In letzter Zeit sind zahlreiche Fälle von Medaillen- schwinde! zur Kenntnis der Regierung gelangt. Besonders wird dieser bei ausländischen Ausstellungen betrieben. Von berufs- mäßigen Agenten, die ausschließlich oder vornehmlich Erwerbszwecke verfolgen, werden Gewerbetreibende für Ausstellungen gewonnen, denen keinerlei allgemeine Bedeutung zukommt. Die Gewerbe- treibenden werden verpflichtet, die Ausstellung zu beschicken und für die in Aussicht gestellte Auszeichnung einen hohen Geldbetrag, meist mehrere hundert Mark, a» den Agenten zu zahlen. In der Regel wird eine goldene Medaille zugesagt. Der Agent verzichtet seiner- seitS auf jeden Ersatz von Kosten und Auslagen für die Vertretung. wenn die versprochene Auszeichnung nicht verliehen wird. Dieses Verfahren wird besonders von einem gewissen Agenten in Brüssel ausgeübt. Aus Oesterreick gebürtig, hat dieser früber in Budapest und Fraiiksurt a. M. das Gewerbe eines Vermittlers für Beschickung von Ausstellungen und für Verleihung von Medaillen betrieben. Er ist bereits in der Schrift des Freiherrn von Bönigk„Die Unlauter- keit im Ansstellungswesen" als Ausstellungsagent erwähnt. Die öffentliche Reklame mit dem Besitze von Auszeichnungen, die von Veranstaltern schwindelhafter Ausstellungen gegen Entgelt verliehen sind, ohne daß ein ernsthafter Wettbewerb vor der Oeffentlichkeit vorausgegangen ist, kann den Tatbestand einer strafbaren Handlung, insbesondere des unlauteren Wettbewerbes, darstellen. Die Ver- waltungsorgane sollen deöhalb die Gewerbetreibenden von der Ver- Wertung derartiger Ausstellungsmedaillen warnen, die sie der Gefahr aussetzen würde, ans Grund des Gesetzes über den unlauteren Wett« bewerb verfolgt zu werden. Bei einem Automobilunfall schwer verletzt wurde gestern Abend der Hauseigentümer Paul Freifcz aus der Calvinstr. 7. F. fuhr auf einem Rade den Kurfürstendamm entlang und wurde in der Nähe der Kaiser Wilhelm-Gcdächtniskirche von der Automobil- droschkc Nr. 1185 umgerannt und überfahren. Mit erheblichen Ver- letzungen brockte man den Verunglückten nach der Unfallstation XX, wo ihm die ersten Notverbände angelegt wurden. Das Rad ist bei der Karambolage vollständig demoliert worden. Paletotmarder in den Schulen. In den südöstlichen Stadtteilen sowie in Rixdorf sind seit kurzem Paletotmarder aufgetaucht, die ihr Arbeitsfeld hauptsächlich in die Schnlgcbäude verlegt haben. Wieder- holt wurden in der Gemeindeschule am Herzbergplatz Mäntel- diebstähle ausgeführt und die betroffenen Schüler waren dann stets gezwungen, ohne Paletot bei der Kälte heimzukehren. Auch die Insassen des Realgymnasiums in der Kaiser Friedrichstraße in Rix- dorf haben unter dem Treiben der Palctotmarder zu leiden. Er- leichtert werden diese Diebstähle allerdings durch den Mangel jeder Aufsicht auf den Korridoren und durch den Umstand, daß jedermann zu den Schulgebäudcn Zutritt hat. Ein bedauerlicher Unglücksfall hat sich gestern Nachmittag auf dem Grundstück des Hertzogschcn Kaufhauses in der Brüderstraß« zugetragen. Der dort angestellte Kutscher Priese wollte einen Teppichwagen auf die Straße hinausführen und als er an dem zur- zeit im Bau befindlichen Maschinenhaus vorüberkam, stürzte ihm ein etwa 15 Zentner schwerer Eisenträger auf den rechten Fuß und zerschmetterte diesen vollständig. AuS der Selbstmordchronik. Zu dem Modegift Lysol hat der 50 Jahre alte Schlosser Franz W. aus der Hermannstr. 225 in der Verzweiflung seine Zuflucht genommen. W. kränkelte stets und dies hat ihn denn auch zu dem Selbstmord veranlaßt. Er trank ein großes Quantum Lysol und starb bald nach seiner Einlieferung im städtischen Krankcnhause.— Aus dem Tegeler See wurde gestern bei der Dampferanlage Nr. 1 die Leiche des seit einiger Zeit ver- schwundenen Dienstmädchens Pauline Behrendt gelandet. Es liegt zweifellos ein Selbstmord vor und es dürste das Motiv auf Schwer- mut zurückzuführen sein. Am in den Tod zu gehen hat sich der Hausdiener Emil Gerlich aus seiner Wohnung in der Sophie Charlottestraße 109 entfernt. Der Verschwundene hatte mit einem jungen Mädchen ein Liebes. Verhältnis unterhalten, doch stellten sich einer ehelichen Verbindung firoge(ScfittnarigTcilcn in den Weg. In einem Unterlassenen Schreiben teilte der junge Mann mit, daß er sich das Leben nehmen werde, weil er sich Von dem Mädchen trennen müsse. Der Unglück- liche dürfte seinen Plan schon zur Ausführung gebracht haben. In dem Scheunenviertel sind nunmehr sechs Häuser, und zwar drei in der Amalien-, eins in der Wehdinger- und zwei in der Koblankstraße niedergelegt, wodurch 81 Mietsparteien mit insgesamt zirka S Köpfen(einschließlich Aftermieter. Schlafburschen usw.) genötigt waren, andere Wohnungen aufzusuchen. Die nächsten Abbruchstermine sind auf den 1. April und 1. Juli festgesetzt. Es kann damit nicht früher begonnen werden, weil die Auflösung der Mietsverträge vor den Terminen zu bedeutende Entschädigungs- kosten verursachen würde. Am 1. Oktober dieses JahreS dürfte so ziemlich der gesamte Rest des Scheunenviertels in ein Ruinenfeld verwandelt werden, so daß spätestens im Frühjahr 1907 die Regulierung der verlängerten Kaiser Wilhelmstraße und noch in dem- selben Jahre die Neubebauung des Komplexes in Angriff genommen werden kann. Der plötzlich eingetretene Märzfrost hat eine nochmalige Eis- bildung auf den Gewässern der Umgebung Berlins herbeigeführt. Der Müggelsee war gestern morgen mit einer leichten Eisdecke überzogen, die zwar nicht in der Lage war, die wieder aufgenommene Frühjahrsschiffahrt zu unterbrechen, jedoch immerhin den Verkehr erschwerte, da teilweise eine Fahrrinne gebrochen werden mußte. Auch die übrigen Seen der Spree haben zum Teil Eis angesetzt, während der Spreelauf selbst vollständig eisfrei geblieben ist. Die Eisliildung hatte allerdings keinen Bestand und verschwand zum größten Teile bereits in den Vormittagsstunden. Das Opfer eines Straßenraubes ist in der gestrigen Nacht die Schauspielerin Frl. Marie Beleh cms der Hobrechtstr. 3 geworden. Als Fräulein B. gegen 1 Uhr auf dem Heimwege begriffen war, stürzte plötzlich eine fremde Mannsperson auf sie los, riß ihr gc- waltsam den Pompadour aus der Hand und entfloh dann eiligst. Bevor andere Passanten hinzueilen konnten, war der Räuber ver- schwunden. Die Handtasche hatte � u, a, ein kleines rotes Damen- Portemonnaie mit 21 M. enthalten. Der Turmstciger Franz Adlmcher, der, wie berichtet, den Pein- türm erklettert und an dessen Spitze je eine Fahne befestigt hatte, erstieg gestern nachmittag in der zweiten Stunde von neuem den Turm und holte die Fahnen aus der Höhe herunter. Dem auf- regenden Schauspiel, das glücklich verlief, wohnte eine große Menschen- menge bei. Von der Verwaltung der Kirche war heute vor- mittag mitgeteilt worden, daß man sich wegen Verhinderung des Wagestücks an das zuständige Polizeirevier gewandt habe. Uns scheint die ganze Sache außerordentlich stark nach Reklame auszusehen, die obendrein mit Hülfe der Kirchenverwaltung und der Polizei in Szene gesetzt wurde. Adlmeyer ist durch diese Kletter- Partie ein„berühmter" Mann geworden und läßt seine Photo- graphicn auf den Straßen verkaufen. Maxim Gorki hat sich auf Bitten seiner Berliner Freunde ent- schlössen, hier eine Reihe von Vorlesungen zu halten. Auf Ersuchen dieser Freunde hat Direktor Max Reinhardt seine Unterstützung für das Zustandekommen der geplanten Vorlesungen zugesichert und die Räume des Deutschen Theaters zur Verfügung gestellt. Die erste Vorlesung Maxim Gorkis, bei der auch einige Mitglieder des Deutschen Theaters mitwirken werden, findet Sonnabend, den 10. März, nachmittags 3 Uhr, statt. Der gesamte Ertrag wird dem Dichter zur freien Verfügung für wohltätige Zwecke übergeben. Der Kartenvorderkauf beginnt am Dienstag an der Kasse des Deutschen Theaters und im Warenhause Wertheim.... Arbeiter-Bildungsschulc Berlin. Heute abend im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel-Ufer 15: Revolu- tionärer Dichter-Abend unter Mitwirkung des Reichs- tagsabgeordneten Bios(Festvortrag), Frau Klosseck- Müller kGcsaqg), Frl. Fey und Herr Max. Laurence(Rezitation). Am Flügel: Herr Komponist Waldemar Schmid. Es kommen ausgewählte Gedichte von Heine, Herwegh, Freiligrath, Prutz, Krille, Gorki, Mackay, Pfau u. a. zum Vortrag. Eintritt 50 Pf.(Garderobe, sowie Texte zu Liedern und Rezitation frei.) Zahlreicher Besuch wird erwartet.— Dienstag, den 6. März, fällt der Unterricht in Ge- schichte aus. Wird später nachgeholt. Das Märzprogramm des Apollotheaters weicht nicht erheblich von dem des Februar ab. So erregt Gobert B e l l i n g mit seinen vierbeinigen Komikern, unter anderen mit seinem„singenden Esel" und dem Stierkampf große Heiterkeit. Tie Saphos produzieren sich als vortreffliche Recktünstler. Von den neuen Nummern ist Ilona Sperr, die ehemalige Sentimentale des Königlichen Schau- spielhauses mit ihren illustrierten Gesängen zu nennen. Daß Robert Steidl mit seinem neuen Schlager„Kabarett-Thpen" großen Applaus erntet, braucht nicht besonders hervorgehoben werden. GmcKrs-Leitung. Ein eigenartiger Redakteur. Herr Leo Horwitz, Mitherausgeber der„Krilik der Kritik", sendet uns unter Hinweis auf§ 11 des Preßgesetzes und unter der Drohung:„Jede Verzögerung der Auf- nähme einer„Berichtigung" beantworte ich mit einem Apell an den Staatsanwalt", folgende Berichtigung. ES ist nicht wahr, daß ich lbezw. mein Rechtsanwalt) eine „empfindliche Strafe" gegen Herrn Karl Schneidt beantragt habe. — Wahr ist vielmehr: daß ich keinen derartigen Antrag gestellt habe. Es ist nicht lvahr�. daß ich wegen einer„abfälligen Be- nrteilnng meiner schrislslellerischen Leistungen" gegen Herrn Karl Schneidt geklagt habe.— Wahr ist vielmehr: daß ich gegen Herrn Schneidt wegen verleumderischer Beleidigung bezw. wegen der im Wal) reit Behauptung, ich hätte mich um die Kritikerstelle an seinem Blatte beworben, gerichtlich vorging. Leo Horwitz. Zur Aufnahme der vorstehenden„Berichtigimg" sind wir keines- Wegs verpflichtet. Wir nehmen sie gern auf. weil sie Herrn Horwitz authentisch zu charakterisieren geeignet ist. Zu bemerken haben wir, daß unsere Sachdarstellnng und Beurteilung des Falles Horwitz- Schneidt durchaus zutreffend war. Beleidigung der Polizei? Wegen Beleidigung der dritten Gendarmeriebrigade war gestern der Gewerkschaffssekretär Wilhelm Bruns vor dem Schöffengericht II angeklagt.— Am 13. November vorigen Jahres fand in den Scheerschen Festsälen in Baumschulen- weg eine Agitationsversammlung der Arbeiter der chcmiichen Fabrik von Kuhnheim statt. Die Versammlung war von zirka 000 An- gestellten besucht. Das Referat führte der Angeklagte. Gegenstand des Vortrages waren die Lohnverhältnisse in der Kuhnhcimichen Fabrik, zugleich wurde Propaganda für die allgemeine Arbeiterorganisation gemacht. Im Anschluß hieran machte der Redner einige scharfe Ausfälle gegen die Polizei, gegen welche die Stiummng nach dem Streik in der Elektro- industrie keine besonders gme war. Unter anderem soll der An- geklagte mit Bezugnahme auf die Gendarmen Streng und Struck, welche die Versammlung überwachten, ausgeführt haben, er könne sich leider nicht so ausdrücken, wie er wolle, da sonst die Gendarmen dafür sorgen würden, daß er hinter schwedische. Gardinen komme. Hieran sollen beleidigende Worte geknüpft sein. Die Versammlung wurde aufgelöst. Der Staatsanwalt hielt eine Beleidigung für nachgewiesen und beantragte 40 Mark G e I d st r a f e. Von einer Freiheitsstrafe wäre nur mit Rücksicht auf die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten Abstand zu nehmen. Der Gerichtshof erkannte diesem Antrage gemäß. Strafkonto der Arbeiterbewegung. Im Monat Februar wurden an Strafen erkannt: 7 Jahre 2 Wochen 8 Tage Gefängnis, 24 Wochen 13 Tage Haft und 2775 M. Geldstrafe. In Rücksicht konnten wir iediglich die bereits veröffentlichten Erkenntnisse ziehen. Gibt es keine Klassenjustiz? Presse und Gericht. Die Wesernnihlen-Aktiengesellschaft in Hameln, bei der im Sommer 1904 die Arbeiter ivochenlang, leider vergeblich, streikten, strengte später gegen mehrere parteigcnössischc Redaktcure und Buchdruckereibesitzer, in deren Betriebe die in Frage kommenden Blätter hergestellt werden, Zivil klage ans KZ 823 Abs. 2, 824, 820 B.-G.-B. a», weil ihr durch Verbreitung unwahrer Angaben in bezug ans das von ihr hergestellte Mehl angeblich ein größerer Schaden erwachsen sei. Die neun Angeklaglen solllen als Gemcinschuldner 50 000 M. nebst 4 Proz. Verzugszinsen berappe». Die Zivilkammer deS Landgerichts Hannover wies durch Urteil vom 7. April 1905 die Klägerin ab. Diese legte Be rufung ein, und jetzt soll Genosse Rauch vom„Volkswille" als Zeuge darüber vernommen werden, ob die beklagten Buchdruckerei- bcsiyer bei Anstellung der beklagten Redakteure mit der im Verkehr erforderlichen Sorgsalt verfahren, ob ihnen diese Redakteure ins- besondere vor ihrer Anstellung als gewissenhafte und wahrheits liebende Männer empfohlen wurden, und von wem diese Empfehlungen ausgegangen. Der Beweisbeschluß des Oberlandes- gerichts Celle ist besonders um deswillen recht lehrreich, weil bekannt- lich, soweit die sozialdemokratische Presse in Frage kommt, die Drucker mit der Anstellung der Redakteure überhaupt nichts zu tun haben, und weil Genosse Ranch über— seine eigene Anstellniig aussagen soll. Die Verhältnisse der sozialdemokratischen Presse scheinen unseren Gerichten böhmische Dörfer zu sein.— Ungültiges Verbot von Theaterprobcn während der Zeit deS HauptgotieSdiensteS. Die Verordnung über die äußere Heilighaliung der Sonn- und Feiertage für Westpreußen bestimmt i» U e b e r e i n si i in m u n g mit den gleichartigenOberpräsidialperordnniigen in anderen Provinzen, daß an Sonn- und Feiertagen während der Zeit des HmiptgotteSdienstes Schanstelliingen, Musikaufführungen und theatralische Vorstellungen einschließlich aller Proben dazu verboten seien. Der Theaterunternehmer Söndermann war auf Grund der Verordnung deS Oberpräsidenten vom 31. Juni 1896 angeklagt worden, weil er während der Zeit deS Hanptgottesdienstcs in Elbing eine Theaterprobe abgehalten habe. DaS Landgericht Elbing sprach ihn jedoch frei, indem es die Verordnung soweit für ungültig erklärte, als dadurch alle Theaterproben an Sonn- und Festtagen während der Zeil des Haupt- gottesdienstcS verboten werde». Solche Verordnungen über die Heilig- Haltung der Sonn- und Feiertage fanden ihre Stütze nur in der Kabinetsorder vom 7. Februar 1837 bezw. in den neueren preußischen Provinzen im Gesetz vom 9. Mai 1892. Danach konnten sie aber nur verbieten, was geeignet sei, die ä u ß e r e Heiligyaltnng der Sonn- und Feiertage zu stören. Darüber gehe eine Bestimmung. die alle Proben, ivemr auch nur für die Zeit des Hauptgottesdienstes verbiete, weit hinaus. Nur ausnahmsweise seien Theatcrproben öffentlich bemerkbar, nur wenn sie besonders großen Lärm ver- ursachten oder im Freien vor sich gingen. Im allgemeinen seien Theaterproben nichl geeignet, die äußere Heilighaltung zu stören und das religiöse Gefühl zu verletzen. Die Staatsaiiwaltschast legte Revision ein und betonte, daß manche Theaterproben öffentlich seien,, namentlich Generalproben, zu denen das Publikum gegen Entgelt Zutritt habe. ES fäiide dann ein großer Andrang statt und der sei geeignet, die äußere Heilig- Haltung des Sonntags zur Zeit des HauptgotteShiensteS ganz besonders zu stören. Da? K a in m e r g e r i ch t verwarf aber die Revision der Staat?- anwaltschast mit folgender Vegründimg: Mit Recht führe das Landgericht aus, daß das Verbot aller Theaterproben an Sonntagen nngültig sei. und zwar selbst für die Zeit des HmiptgotteSdienstes, weil es über den Schutz der ä u ß e r e n Heilighaltung. der Sonn- und Feiertage hinausgehe. Allerdings gebe es auch öffentliche Theaterprobcn, aber im allgemeinen seien sie nicht ö i f e n t- I i ch. Das wäre entscheidend. Es sei nicht möglich, alle Theater- proben an Sonn- und Festtagen zu verbieten, auch uicht während der Kirchzeit._ Vermirebtea. Hochwasser. Aus Köln wird telegraphisch gemeldet: Der Rhein steigt andauernd. Der hiesige Pegel zeigte heute vormittag 0,12 Meter gegen 5,18 Meier am gestrigen Tage. Die Mosel be- ginnt seit gestern abend langsam zu fallen. Die Moscltalbahn stellte zwischen Zeliingen und Andel den Betrieb wegen des Hochwassers ein. Infolge des R h« i n h o ch w a s s e r s wurden gestern morgen in Duisburg die Hafenschleusen geschlossen. Der Hafen ist mit Schissen überfüllt. Die Ueberschwemmungen im Main- und L a h n g e b i e t haben lveitcr zugenommen. Auf bei-_ Strecke Gießen— Wetzlar fährt die Eisenbahn gleichsam in einem See. In der Umgegend sind infolge Hochwassers bereits drei Personen er- trunken. Andauernde Regengüsse und das Schmelzen des Schnees haben, wie ans B c l f o r t gemeldet wird, dort Ucberschwcmmungen verursacht. Die Ebene bei Belfort sowie das Lisainctal zwischen Hcricorirt und Montbeliard sind vollständig unter Wasser. Der durch dets Hochwasser im Arrondisscment V e r o i c r S angerichtete Schckdew wird auf ztoei Millionen Frank geschätzt. Für die Gc- schädigten werden Sammlungen veranstaltet. Eiscnbahmmfall. Amtlich wird ans Bamberg, 3. März, mit- 'geteilte Bei dem D-Zug Nr. 40, Berlin— München, fuhr gestern bei der Ausfahrt ans Probstzella eine Schublokomotive ans den Zug, so daß Zugtremmng erfUgte. An zwei Wagen wurden die Puffer verbogen und Fensterscheiben zertrümmert. Hierbei wurde ein Reisender im Gesicht leicht oerletzt. Nach Ansstellnug der beschädigten Wagen konnte der Zug mit 25 Minuten Verspätung nach München iveiterfahren. Kristiania, 3. März. Wie„Astenposten" ans Drontheim meldet, wird dort besürckitet, daß von etiva 1200 Fischern, die zunk Fisch- sauge nach der Inselgruppe Gjaeslingerne onsgesahren waren, viele umgekommen sind. Der Dampfer„Oscarshaum" ist in Drontheim mit 17 geretteten Fischern eingetroffen, welche erzählen, daß .sie. mehrere. Boote Kiel oben nmhertreiben sahen. Der Kapitän des Dampfers„HerlanS", der nach der Gjaeslingerne- gruppe ausgefahren war. teilt mit, daß dork viele Boote eingelaufen sind. Bei der großen Verwirrung sei es aber unmöglich, bestimmte Zahlen anzugeben. Mehrere Boote seien bei der Einfahrt gestrandet, doch sei die Mannschaft, soviel man wisse, gerettet. Ans dem Meere treiben zahlreiche gekenterte Boote, ebenso Wrackstücke. Der Sturm raste gestern noch mit imvermiNdcrtcr Gewalt. Die Behörden haben die AnSsendiiiig mehrerer Dampfer angeordnet. Verein der Lehrlinge und jugendliche» Arbeiter Berlin» und Umgegend. Abteilung Weihe ips c e. Montag, den 5. Mörz, abends Uhr, bei Schmutz. König-Chausjce 38: Versammlung. Tages- ordimug: i I. Vortrag des Kollegen Hclvig über:„Psasjenhcrrschast". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes Käste wlllkoinnicn. Sozialdemokratischcr Lese-»nd Diskiitierkttib„Moabit". Montag, den 5. März er., abends S'/j Uhr, bei Bachstein, Salzwedelcrstr. 10: „WahlrechtSkämpjc".. Referent: Genosse Gärtner. Gäste haben Zutritt. Freie Gemeinde Spandau. Hiermit zur Nachricht, das; am Sonn- tag, nachmittags 5 Uhr, bei Bühle, Ncumcistcrstr. ö. der Genosse Stürmer- Berlin ciuen Vortrag hall über:„Die sozialistische Welt- und L e d e u s a u s ch a u u u g". Um rege Beteiligung wird ersucht. Agitatiouovereiu für LaudSberg-Soldi». Versaizimlimg am Mittwoch, den 7. d. M., abends 6 Uhr, bei Mcrkowsli, Nudreasslr. 20. Lrlefkasten cler k�ectalltton. I. K. 30. Eine solche Zeitschrift oder Buch ist uns nicht bekannt. Ueber das Wort selbst gibt Ihnen jedes Fremdwörterbuch Auskunft. Nuckdotensammluiigen gibt es eine grosse Anzahl.— A. W. Pfefferberg, Schwcrdfeger. Schultheiss, Röficke.— E. 5. Uns nicht belanut.— A. B. 22. Wenden Sie sich an die lgl. Porzellan-Manusaklnr, Berlin, Leipziger- ftrasse 2. Berliner Marktpreise. Ans dem amtlichen Bericht der flädlischen MarkthallcmDil'cklioii. Rindfleisch la 63—60 sie. 100 Pfund, IIa 54-62, lila 49- 53, IVa 39-47. Kalbfleisch la 80-88, IIa 03-75, lila 54-60, Hammclstellch la 60—71, lla 54—60. Schwciueflcisch 72—77. Rotwild Pfd. 0,60 bis 0,62. Damwild 0,00— 0,00. Kallinchen Sliick 0.80— 1.00. Hühl, er Stück, alte 1,56—2,50. junge 0.80— 1.50. do. IIa 0,00— 0,00. Tauben, junge 0,50—0,70, alte 0,45. Enten, Stück 1.80—1,70. Gänse, junge, pro Stück 3,50—5,00, russische 0,30-0,50 M. Schellsische 22,00—25,00 M., Flunder 8-13 M., pro 100 Pfd. Hechte 88—96, Schleie 103,00; Aale, gross 00,00, iiiiltel 0,00—0,00; Plötzen 49—63, Kmpfcu 00, Rheinlnchs 6,75, Seelachs 20—25 M. pr, lOOPsd, schottische Vollhcringe lgcsalzeu) 40—44 M. Eier. Schott 3,40—3,50, Butler pro 100 Psmid la 121— 123, IIa 118-120, lila 115-118, absallcnde 108—110. Kartoffeln pr. 100 Psd. rote Daberschc 2,00—2,20, niagn. bon. 2,10—2,35, runde weisse 1,80— 2,00. Wirsingkohl pr. Schock 7,00-12,00, Weisskohlpr. lOOPsd. 4,25-4,50, Rotkohl pr. Schock 6,00-10,00. Holl. 13—15 M. Saure Gurken, Schock 2,00 M., Pseffcrgurten 2,00 M. Wetter-Prognose für Sonntag, den t. Mörz 1906. Vlelsach heiter, nachts Frost, am Mitlag ziemlich Mild bei massige westlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureou. I Warenhaus Jl Löwinsohn Kachf. Grüner Weg 32-33. BERLIN 0.(Andreasplatz) Andreasstraße 28. Decken ihren Doppelte flabatlmarke«! Bedarf für dieEinsegnungs-��Ä�w'' m y i oj Sinsen, Höchen, Kostümen, Üaeketts, Kaveloehs, Xj �|| H n- in Kleiderstof/en, Seidenstoffen, Weijiwaren, Besätzen, � �" llwl Iwll Savatliers, Küten, Blumen, putz, Krawatten, Bändern. Jeder Konfirmand oder Konfirmandin erliäll eine Krawatte resp. Taschantucii gratis. | Einsegnung Warenhaus Ho Joseph& Co. Berlinerstr. 55 RIXDORF Ecke Jägerstr. - Größtes Geschäft am Platze.- Frähjahrs=Kleiderstoffe Wolle Moderne Blusen-Streifen und Karos in hochapartom Geschmack.......... Mtr. 1,35 95 Ff- Moderne Voiles u. Etamines aparte Saison-Farben............. Mtr. 1,75 1,10 78 Pf. Moderne einfarbige u. fein gemusterte Kleiderstoffe............ Mtr. 1,95 1,40 90 Ft. 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