N». 54. BbonnemciitS'BttHngungen- Abonnement;- Preis pränumeranbo I Bierleljührl. 3,30®!I, Mona». 1,10 Mk., wöchenilich 28 Big. srei ins Ha»S. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Hümmer mit illustrierter Sonntag?. Beitage.Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, sür das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnemems nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland. Italiens Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 23. Jahrg. CrfdieiBt täglich aitCcf montags. Vevlinev Volksblnkk. Die IntertionS'GebObr beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum eo Psg., sür politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlung?, Anzeigen 30 Pfg. „Kte(nc Hnzeigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort B Pfg. Worte über 1B Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhrnachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse: „SozlaMmKrat Berlin". Zentralorgan der rozialdemokratifcben Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68, Lindcnstrasae 69. ftfcrnftircrftet: Amt IV, Nr. 1083. Dienstag, den 6, März 1906. mm Expedition: SM. 68, Ltndenstraase 69. Uernkvrecher: Amt IV. Nr. 1084. Der alte Berliner Polizeisnmpf. Wieder einmal glänzt die Berliner Kriminalpolizei im Strahlenkränze ihres alten Weltrufes: die fähigste zu sein. wenn es gilt. Kapitalverbrecher nicht zu fassen; aber diesem . Ruhmeskranze hat sie einen neuen Stern jetzt hinzugefügt: sie läßt Mörder, die ihr in die Hände gelaufen und die beim Transport wie Edelleute vom Schlage eines Hammerstein be- handelt werden, wieder lausen. Zwischen Kriminalpolizei und politischer Polizei besteht aber ein gewisser Gegensatz: obgleich aus gleichem Holze ge- schnitzt, macht die politische Polizei doch darauf Anspruch, über die fähigsten Köpfe und die fähigsten Beine zu verfügen. Wenn Talente wie Tausch— und in der Gewissenlosigkeit war er gleich seinem Vorbilde, dem Meineid-Stieber und gleich seinem letzten Herrn und Meister Krüger nahezu ein Genie — auch nicht alle Tage wachsen, die Schöne und die v. Arnim schätzen sich auch nicht gering ein; und Herr Wachtmeister Diener verfügt heute noch über so eifrige Beine wie ehedem, wenn es gilt— zu spät zu kommen. Litt die Kriminalpolizei bei der Hennigjagd unter einem Uebermatz von Mißerfolg und einem Mindestmaß von An- erkennung. so wollte gerade jetzt die politische Polizei zeigen, wie viel mehr sie kann. Die Moabiter Lorbeeren des Herrn Polizeirats v. Arnim schienen seinem Kollegen leicht zu er- reichen; und wenn man es nur ein bißchen klüger anfängt, wozu ihm wirklich nicht viel zu gehören schien, so konnte man unmöglich so plump hereinfallen, wie es Herrn v. Arnim mit seinem getreuen Schildhalter Diener zweimal hintereinander passiert war. Der amtliche Umgang mit ihren „Nichtgentlemen" mag bei den Herren der politischen Polizei die Menschenschätzung tief niedergedrückt und ihre Gabe, Ehr- gefühl und Charakterstärke zu beurteilen, stark vermindert haben. aber die Erfahrung, welche die Polizei erst jüngster Zeit mit ihren Fangprämien gemacht hat, müßte sie doch nachdenken gelehrt haben. Wenn selbst unter der verwahrlosesten Schicht deS Berliner Verbrecherproletariats die 1500 M. keinen Verräter züchten konnten, wenn selbst da die Solidarität stärker ist als der Hunger nach Gold, welche Unfähigkeit in der Beurteilung von Menschen gehört dazu, anzunehmen, einen seit Jahren in der Berliner Arbeiterbewegung tätigen und mit Vertrauensposten betrauten Genossen mit ein paar lumpigen hundert Mark kaufen zu können zum schuftigen Verrat an seinen Genossen und seinen Idealen I Stumpft der Polizeidienst wirklich so sehr ab? Diebe und Einbrecher, die unter Polizeiaufsicht stehen, kann man als Horcher und Lauscher und Provokanten in die Wahlvereine schicken und vielleicht hat gerade diese Verbindung mit der Polizei solche Elemente, wie die letzten Wochen zeigten, zum Glauben gebracht, sie könnten sich jetzt leichter wie früher nebenbei wieder ihrem alten Handwerk widmen! Und wie armselig ist die Phantasie und Einblldungsgabe unserer politischen Polizei, daß sie immer nach der alten Schablone arbeitet! Da ist ein Genosse, dem es gerade nicht allzu rosig geht, der tapfer mit den Widrigkeiten unserer sozialen Verhältnisse kämpft, flugs kommt gleich dem Ver- führer in der Bibel der Böse in Gestalt des politischen Agenten und bietet ihm schnöden Judaslohn, wenn er be- schimpft und verrät, was gestern ihm noch heilig war l Die alte» Mittel. Geht da am 19. Februar aus einer Vorstandssitzung unser Genofle Karl Fischer aus dem 6. Wahlkreise einsam in stiller Nacht seiner Wohnung zu. Vertraulich gesellt sich zu ihm eine dunkle Gestalt und fängt mit ihm zu philosophieren an über die Msere der jetzigen Verhältnisse, um damit zu schließen, daß für einen intelligenten Mann es immer Mittel und Wege gebe, seine Verhältnisse aufzubessern und für Weib und Kind mehr heim- zubringen. Harmlos geberdet er sich und stellt die Sache leicht hin: wer so viel wisse und erfahre, wie unser Freund F.. der könne solche Nachrichten immer verwerten: andere tun das auch und man verlange ja nichts zu wissen, was man später nicht doch erfahre. Und als unser Freund sagt, damit gebe er sich nicht ab, er wolle kein Reporter werden, verabschiedet er sich an der Türe mit der Bitte, F. möge darüber nachdenken, er werde gelegentlich wiederkommen. Am vierten Tage darauf kam er wieder. Aber unser Ge- nosse F. hatte gleich am anderen Morgen mit ein paar Freunden Rücksprache genommen, die freilich feinem Vor- schlage: dem sauberen Burschen die Verräterabsichten mit Proletarierfäusten ein sür allemal und so gründlich aus dem Leibe zu treiben, daß er die Lust an solcher Arbeit auf die Dauer verlieren solle, nicht zustimmten. Zu was denn dem Burschen noch zu Schmerzensgeldern zu verhelfen! Erst j müsse man wissen, ob man es mit einem gewöhnlichen Acht- groschen-Lumpen zu tun habe oder ob ein Beamter der poli- tischen Polizei mit Wissen und im Austrage seiner Vorgesetzten solch sauberes Beginnen unternommen habe. Vernünftiger sei es, wieder einmal die Beweise zu erbringen, daß die Polizei mit den alten Mitteln der Korruption arbeite. Daher solle er weiteren Prozeduren sich unterwerfen. So wurde denn von F. der Vorschlag, am Sonnabend. 24. Februar, im„Prälaten" mit dem Herrn Kom- m i f s a r sich zu treffen, angenommen. Vormittags 10 Uhr marschierte F. zum„Prälaten". Aber die wiederholten Reinfälle des Herrn v. Arnim und Dieners hatten die Polizei vorsichtig gemacht. Herr X. nahm unseren Freund in eine Droschke, und der„Weißlackierte" lenkte nach der Friedrichstraße: vor dem„Bötzow- Ausschank" am Friedrichstraßen-Bahnhof hielt man. Nach ein paar Minuten erschien der„Herr Kommissar." Herablassend und freundlich tauschte er Gruß und Händedruck, nahm am Tische Platz und gab seine Wünsche kund, während der Versucher mit Späheraugen den Eingang überwachte, um vor„Ueberraschungen" gesichert zu sein. Nur genaue Nachrichten wünschte der„Herr Kommissar", nicht aufdringlich solle F. fragen, sich nicht vor- drängen, über die Vorstandssitzungen und Beschlüsse des Akions- Ausschusses solle er umgehend und eingehend berichten, aber er solle die Sitzungen pünktlich besuchen und sich ja wieder- wählen lassen. Und hundert Mark wurden ihm in die Hände gedrückt, die solle er nur nehmen, die seien ihm ge- schenkt; jeden Bericht, den er liefere, erhalte er bezahlt, auf 200 oder 250 M. pro Monat komme es nicht an. Und Furcht vor Entdeckung brauche er nicht zu haben. Die Nachrichten in der„Antisozialdemokratischen Korrespondenz" und in der„Post" stammten nicht von der Polizei, die sei froh, wenn sie selber etwas erfahre, sie bringe nichts in die Presse. Ehrenhast und charaktervoll hatte die Stütze des „Herrn Kommissar" schon vorher wie mit dem Dreschflegel auf die Redaktion des„Vorwärts" als die Hintermänner der „Post" hingewiesen, als er vor dem Erscheinen des von ihm als„der Kommissar" bezeichneten Herrn beschwichtigend zu F. geäußert hatte: diese Nachrichten würden wohl von einem Redakteur deS„Vorwärts" selber in die„Post" gebracht worden sein! Diese Herren, die so große Gehälter bezögen. während die armen Genossen die Parteiarbeiten umsonst ver- richten müßten, verdienten manchmal noch nebenbei durch solche Berichte! Eine solch' nichtswürdige Verleumdung erscheint aus dem Munde eines Beamten geradezu ungeheuerlich: da muß— so war unsere Meinung— ein Mißverständnis seitens unseres Genossen F. vorliegen, der aber auf wieder- holtes Vorhalten versicherte, nach bestem Wissen und Gewissen müsse er erklären, so habe die Aeußerung gelautet und er könne mit seinen fünf gesunden Sinnen sie nicht anders auf- fassen! Von einem Mißverständnis könne nach seiner Auffassung keine Rede sein. Triumphierend und strahlend vor Vergnügen, daß ihnen dieser„große Wurf gelungen", schieden die Herren von der polittschen Polizei— denn als solche hatten sie sich unserem Freunde entpuppt— mit der Bitte, von der Montagsitzung des Vorstandes des sechsten Wahlvereins einen kurzen Bericht zu liefern. Seine Berichte solle er nicht mit seinem Namen. sondern mit dem Zeichen 0 unterschreiben: mit dem gleichen Sonnenring mußte er die Quittung über die empfangenen 100 M. unterzeichnen. WaS die Polizei verspricht und was fie hält. Am Dienstag, den 27. Februar, dem patriottschen Fest- tage der Silberhochzeit, sollte abermals eine Besprechung im Bötzow-Ausschank in der Friedrichstraße stattfinden. Nach ge- wohnter Takttt ging man aber von dort ins„Cafö New Jork" in der Dorotheenstraße. wo eine fteundliche Hebe den kühlen Trank spendete, sich aber dann gleich zu einem erschienenen alten liebenswürdigen Bekannten gesellte, so. daß die Unter- Haltung ungestört beginnen konnte. Der von den beteiligten Genossen angeferttgte„Bericht" entsprach anscheinend nicht den Erwartungen der Herren von der polittschen Polizei. Ein leiser Ton des Vorwurfs klang daraus, daß der„Bericht" Dinge, wie die mit den Gewerkschaften vereinbarte Regelung der Versammlungstage, bringe. die bereits heute im „Vorwärts" ständen. Auch daß beim Sttftungsfest die ge- wohnte Kontrolle stattfände, erschien so wenig wichttg, wie die Mitteilung, daß in allen Wahlkreisen einheitliche Formulare für den Beitritt zum Wahlverein zur Einführung gelangen sollen und daß ein Herr Vorträge mit Lichtbildern abzuhalten sich erboten habe. Großmüttg gingen aber die Herren über diese Mängel der„Lehrlingsarbeit" hinweg, trösteten sich mit der Erklärung, daß„weiter nichts gelaufen sei" und verein- karten eine Zusammenkunft auf Sonnabend im Wartesaal erster Klasse des Bahnhofs Alexandcrplatz, wohin F. seinen Bericht über die Freitagsitzung des Akttonsausschnsses mitbringen soll, wofür ihm 159 M. schon in der ersten Zu- sammenkunft versprochen worden waren. Am Sonnabend, den 3. März, pünktlich um l Uhr traf Herr N e u m a n n von. der politischen Polizei ein; der „Herr Kommissar"— sei heute leider verhindert. Als ob er„eine Nase" für die Situation gehabt hätte, ließ er auch gleich mitteilen, daß er vorerst diesen Sitzungen nicht mehr beiwohnen werde. Umso kameradschaftlicher und vertrauensseliger benahm sich Herr Neumann. Er hatte keine Ahnung, daß bereits bei der letzten Konferenz der sozial- demokratische Ueberwachungsdienst in Gestalt eines eifrigen Zeitungslesers funkttoniert hatte, heute aber ließ er alle Vor- ficht so sehr außer acht, daß er in seinem eiftigen Gespräch gar nicht bemerkt hatte, wie zwei Genossen, von denen nament- lich Genosse E r n st ihm persönlich gut bekannt war. ihn beim Eintritt ins Lokal beinahe körperlich gestreift hatten; voll Genugtuung erzählte er. wie dumm sich sein Kollege£— wir wollen seinen Namen mit dem Mantel christlicher Liebe bc- decken— in Moabit bei einer bestimmten Gelegenheit benommen hatte, so daß er. als unfähig für die polittsche Polizei,„zur Straße zurückversetzt wurde." Etwas enttäuscht war er. als Freund F. ihm mitteilte, von der gestrigen Akttonsausschuß-Sitzung könne er ihm leider keinen Bericht geben, da er durch einen Brief des Genossen Liep- mann an diesem Abend nach Schöneberg geschickt worden sei. Nun wollte Neumann„für den Herrn Kommissar" wenigstens diesen Brief mitnehmen; mit Bedauern konnte F. ihm diesen Gefallen nicht erweisen, weil er leicht in eine falsche Situation geraten könnte, wenn Genosse Liepmann diesen Brief zurückforderte. Treuherzig stimmte Herr Neumann, dieser im Gegensatz zu dem Moabiter Kollegen so gewiegte Beamte, eine wahre Zierde der polittschen Polizei, dieser Weigerung zu mit der Erklärung:„Ja. ja. Sie haben recht, Herr Fischer. man muß in diesen Dingen immer vorsichtig sein!" Und vorsichttg lehnte Herr Neumann daher unserem Freunde F. die Aushändigung des Fragebogens ab. den er vom Polizeipräsidium mitgebracht hatte und im einzelnen mst F. durchging. Aber abschreiben sollte ihn F., und er gab ihm zu dem Zweck gleich einen Foliobogen mit dem Stempel der polittschen Polizei, kennte aber— vorsichtig, wie nur ein so gewiegter Beamter der politischen Polizei sein kann— vorsichtigerweise den amtlichen Stempel aus dem Papier, so daß wir jetzt nur den Fragebogen ohne diesen Stempel haben. Als Herr Neumann die für Sonnabend so verlockend in Aussicht gestellte Bezahlung vornahm, zeigte sich die ganze Noblesse der polittschen Polizei: statt der versprochenen 159 Judas-Silberlinge brachte er nur 199 Mark heraus, für die der Kommissar sich ja schon vorher hatte die Quittung ausstellen lassen, ftünsttg sollte F. auch nicht mehr mit dem Sonnenringe zeichnen, sondern das Kreuz sollte er über den Kreis schreiben. Der Reinfalk. Was sollen wir über die Tragikomödie noch weiter schreiben! Als die Sitzung aufgehoben wurde, half Herr Neumann höflich, wie nur Schutzleute sein können, seinem„Freunde" F. in den Ueberzieher. blieb aber, plötzlich mit ausgestrecktem Arme im Aermel seines Ueberziehers sprachlos eine Weile stehen, als er jählings Genossen Ernst vor sich stehe» sah. Es war ein Bild für Götter— diese Verblüffung! Ein paar Augenblicke kämpfte er mit sich selber einen Kampf, ob er im Ueberzieher mit dem Kopfe verschwinden oder verlegen lächeln solle. Endlich zog er letzteres vor. Und als höflicher Mann zog er grüßend den Hut, als er schnellen Schrittes an Ernst vorbei zur Tür eilte. so daß er gar keine Antwort auf die wohlwollende Frage des Begleiters von Ernst, Genoffen R. Fischer, hatte:„Heute haben Sie wohl kein gutes Geschäft gemacht? Vielleicht geht's nächste Mal besser." Er stürmte davon. Vorn am HallcnauSgang kam ihm plötzlich ein Gedanke: schnurstracks machte er kehrt, eitte zum Wartesaal zurück, hörte auf die wohlwollenden Worte:„Bleiben Sie ruhig da. jetzt ist's zu allem zu spät I" gar nicht hin. sondern bat Genosse F.,„ihm wenigstens den Fragebogen und die zwecks Berichterstattung übergebenen Kuverts mit Adresse zurückzugeben." Aber selbst dies� kleine Bitte konnte ihm F. nicht erfüllen, und so zog denn gleich einem bewübton Lohgerber Herr Reumann laugsam nach dem Polizeipräsidiums-Gcbäude zu. dort die freudige Botschaft zu künden. Otto Schulz Holz und Kohlen NW. 5, Paulstrasse 25. Feraspr. Amt II, 8352 DEUTSCHES REIC Aus dem Sultanat Jesko v. Puttkamers. Damit er aber wenigstens eine Erinnerung an diese[ Und hier schweigen seit Jahren oder stimmen offen Auberts habe, wollen wir zwei davon ihm und unseren Ge- folch' berbrecherischem Spikelwerben Regierung und bürger- Der Versuch des Abg. Dr. Arendt, die Petition der Afwvanoffen in Abbildung vorführen. liche Parteien zu. Konservative und Zentrum, Liberale und häuptlinge durch eine grobe persönliche Diskreditierung der Petenten Freisinnige: fie bewilligen alle, die Geheim- gegenstandslos zu machen und gleichzeitig möglichst von einer fonds, obgleich sie alle wissen, daß diese Fonds in allzuvielen fritischen Erörterung der Beanttenwirtschaft in Kamerun abFällen nichts anderes find als Korruptionsfonds zur Züchtung und zulenten, wurde gestern in der Budgetkommiſſion gründlich zurückUnterhaltung von Gaunern und Hallunken. Sie stimmen zu, weil gewiesen. Der Abg. Semler widersprach sehr lebhaft dem Vorsie wissen, daß alle bürgerlichen Regierungen solche Fonds untergekommene Elemente. Dr. Semler hat einen Teil der Häuptwurf Arendts, als seien die Häuptlinge Schnapsbrüder und herhaben müssen, daß ohne solche Fonds zur Korruption der linge persönlich kennen gelernt, die durch ihr ganzes öffentlichen Meinung keine ihrer Regierungen mehr be- Benehmen und ihr Aeußeres auf ihn einen sehr guten Einstehen kann. druck gemacht haben, so daß er den mündlich von den Leuten vorSie flennen über die„ Mißgriffe" der Polizei, über die getragenen Beschwerden Glauben schenken würde, wie die Leute ,, Uebergriffe" der Polizei, fie flennen über die Korruption", unzweifelhaft auch berechtigte Beschwerden haben, z. B. in bezug wenn Geschwüre wie der Tausch- Standal aufbrechen. Sie ver- auf die Landfrage, die gewiß sehr schwer befriedigend zu lösen sein langen Reformation an Haupt und Gliedern" und fordern werde. Auch Manga Bell, der Intimus Puttkamers, hat sich von der Polizei Dienste, die nur eine politische Polizei leisten beim Abg. Semler schon beschwert. Daß der Oberrichter in kann. Und politische Polizei und Korruption sind unzertrennliche Gemler auf Grund seiner Kenntnisse bestreiten zu können. PuttKamerun und Puttkamer gemeinsame Sache machen, glaubt Dr. Begriffe jeder Tag erweist es. Will man die Korruption tamer sei gewiß ein Herrenmensch, meine es aber gut und habe bekämpfen auf diesem Gebiete, dann muß man die Nährquellen segensreich gewirkt. Dr. Semler sang des weiteren das hohe, aber unterbinden Zen frei. RICHARD KRAUSE ARCHITEKT U. ZIMMERMEISTER Berlin- WilmersdorfPfalzburgerstrasse 85. Telephos Amt Wilmersdorf 1144. Frei N. W. 2i DECTSMES REICH Heren Züchter Neum N.W. 21 Oldenbinggerstr. 1 à 2 * * * Zehn Fragen. und da gibt es nur einen Weg: Fort mit der politischen Polizei! Politische Uebersicht. Berlin, den 5. März. Zollschikanen im Moskowiter: und Sozialpolitik im Stephansreiche. sehr unglaubwürdige Lied von den angeblich großen Verdiensten Jeskos um Kamerun, und empfahl, die Petition auf sich beruhen zu lassen. Der Abg. Frhr. v. Richthofen hielt eine lange Vorlesung über die juristische, administrative und politische Seite der Petition, sicherlich auch zu dem Zwecke, die Aufmerksamkeit vom Kern der Affäre abzulenken. Im übrigen stimmte er natürlich seinem Freunde Dr. Arendt zu. Herr v. Richthofen will auch, daß Kamerun wieder mit Jesko beglückt wird; denn der Gedanke, daß eine Beschwerde afrikanischer Könige" und Häuptlinge einen preußischen Junker um seinen Posten bringen könnte, flößt scheinbar Herrn v. Richthofen direkt Entsetzen ein. Manche Maßregel Puttfamers erinnere zwar an Willkür, aber Jesko habe es gut gemeint; ergo verzeiht ihm der milde Sinn des Herrn v. Richthofen, der die Kommission auch bat, über die Jugendsünden Jeskos den Mantel christlicher Nächstenliebe auszubreiten. Das Zentrum stellte diesen Antrag: Der Reichstag wolle beschließen, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen: I. in Ausführung des§ 4 des Schutzgebietsgesetzes vom 25. Juli 1900 tunlichst bald durch kaiserliche Verordnung die erforderlichen Maßregeln dafür zu treffen, daß den Eingeborenen der Schutzgebiete zunächst auf dem Gebiet des Strafrechts, des Strafprozesses und der Disziplinargewalt im Sinne der§§ 2 und 3 des Schutzgebietsgesezes erhöhte Rechtsgarantien gewährt werden; II. schon jetzt Anordnung dahin zu treffen, daß gegenüber in Untersuchungshaft befindlichen Angeschuldigten die Anwendung von förperlicher Züchtigung, Zwangsarbeit und Kettenhaft regelmäßig ausgeschlossen ist; III. durch einen völlig unabhängigen, nach Möglichkeit mit Richterqualität bekleideten Beamten eine eingehende Untersuchung über die Beschwerdepunkte der Afwaleute durchführen zu lassen und über das Ergebnis der Untersuchung und über die nach Ziffer I demnächst zu schaffenden Schutzmaßnahmen der Eingeborenen dem Reichstag Mitteilung zu machen. fönnte darüber Der Reichstag beschäftigte sich heute zunächst mit einer nationalliberal- freisinnigen Interpellation, welche sich mit den Zollschikanen an der russischen Grenze befaßt. Der Sachverhalt, der der Interpellation zugrunde liegt, ist in Kürze folgender: Durch die Schuld der mostowitischen Zoll- und Eisenbahnverhältnisse sind an den Grenzstationen Ostpreußens und Oberschlesiens zahlreiche deutsche Exportgüter liegen geblieben, die bereits im Laufe des Februars, ja schon im Januar dort angekommen sind. Im grellsten Widerspruch zu internationalen Abmachungen erhebt nunmehr die russische Regierung von von diesen ohne Schuld des Absenders nicht rechtzeitig zur Ablieferung gelangten Waren die erhöhten Zollsätze, die mit dem 1. März, dem Anfangstermin der famosen neuen Handelsverträge, in Kraft treten. In einer Rede, die einige gute Partien hatte, aber durch Rücksichtnahme auf die nationalliberalen MitinterDie in den vorgedruckten Köpfen angegebenen Firmen existieren pellanten vielfach schwächlich abgetönt war, schilderte der Freinatürlich nicht; in Pautstraße 25 aber befindet sich die sinnige Gothein die Sachlage. Graf Posadowsky 6. Polizeihauptmannschaft und die Telephon- antwortete im Namen des Reichskanzlers; er gab den Sach nummer Amt II 3352 weist im Telephonbuch Herrn Gustav verhalt vollkommen zu und gestand seufzend ein, daß Väterchens Regierung gegenüber den Vorstellungen des deutschen BotRamann, Kaufmann, Levegowstr. 25, auf, während in schafters jene beleidigende Taubheit an den Tag gelegt hat, Wilmersdorf Telephonnummer 1144 als Abonnenten Herrn die sie gewohnheitsgemäß ihrem preußischen Vasallen Bädermeister Otto Paul, Konditorei, Westfälischestr. 35, gegenüber zu belieben pflegt. In der Besprechung, gegen Halensee, und im Nebenanschluß Herrn William Bertram, Sie die Russenfreunde der Rechten stimmten, ergriff Oberleutnant a. D., Johann Georgstr. 18, nur der Nationalliberale Dr. Beumer das Wort. Er Halensee, angibt. Ob diese Herren mit der Verwendung feufzte über die Beeinträchtigung der deutschen Maschinen- Zur Begründung des Antrages erklärte der Abg. Erzihrer Telephonnummer durch die politische Polizei ein- industrie. Jeder wird mit dem gestraft, womit er gesündigt berger, daß die Neger, wenn sie gegen einen Weißen verstanden sind oder ob ein Mißbrauch dieser Adressen seitens hat; die deutsche Eiſenindustrie hat im Bunde mit den Junkern flagen, niemals Recht finden; er der politischen Polizei vorliegt, vermögen wir nicht anzu- die Zollära über Mitteleuropa herbeigeführt und steht jetzt schauderhafte Dinge mitteilen. Professor Passorge, der entsetzt vor den Erfolgen ihrer selbstmörderischen Torheit. Lange in Kamerun gelebt hat, habe auf dem Kolonialfongreß die geben. Die schwache Befehung des Reichstags bewirkte, daß die schleunige Abberufung Puttkamers verlangt, der dem Landraub Abstimmung über die Resolutionen zum Justizetat am Stamerunberg nicht entgegengetreten sei, so daß erneut von der Tagesordnung abgesetzt wurden. Die zweite die Kolonialverwaltung einschreiten mußte, weil viele Stämme Lesung des P ostetats begann mit einer Rede des Zentrums- rebellisch werden wollten. Herr Erzberger empfahl, den StrafUnd was die Polizei gerade jetzt wissen möchte, zeigt uns abgeordneten Gröber, der in reichliche Lobsprüche an die antrag überhaupt zurückzuziehen, dafür aber einige der Fragebogen: Adresse des Staatssekretärs ein paar bescheidette Wünsche sorg- Häuptlinge nach Togo zu deportieren, denn- Strafe müsse 1. Jst über den 1. Mai schon etwas bestimmt? Und fältig einwickelte. Staatssekretär raette strich das Lob sein! Abg. Erzberger brachte auch den Artikel der Wahrheit" eventuell was? ein und verhielt sich gegen die Wünsche sehr zugefnöpft. Sein vom 16. Dezember v. J. zur Sprache, worin Jesko vorgehalten wird, 2. Sind für den 25. März cr. Demonstrationsversammlungen Haupteinwand gegen die Gehaltsaufbesserung der Postbeamten daß er eine Berliner Lebedame nach Kamerun mitgenommen, sie geplant? ist die große Zahl der Postbeamten. Seine Mäßchen über dort als seine Couſine Freifrau v. Edardtstein ausgegeben und ihr Wert und Unwert der Statistit fanden den verständnisinnigen auch einen Paß auf diesen Namen ausgestellt hat. Erbpring Beifall der Rechten. Genosse Singer beleuchtete in ein- v. ohenlohe hat diesen Fall untersucht und gab zur Antwort, gehenden Ausführungen den Zustand der Sozialreform im Buttfamer habe in gutem Glauben gehandelt(!), mit Reiche von Stephans sel. Erben. Gewiß sind einige Besse- der Ausstellung des Passes allerdings einen Fehler gemacht. Der rungen erzielt worden; aber die Lobsprüche, die der Zentrums- Abg. Se opsch wies nach, daß die Petition der Häuptlinge von einem redner dafür zu spenden beliebt, sind übertrieben und können in Deutschland erzogenen Neger verfaßt worden ist, der auch schon schädlich wirken, wenn sie der gewiß nicht reformeifrigen Schreiber bei Behörden war. Daß die zum Teil in ho hem Alter Verwaltung den erwünschten Vorwand, auf dem taum be- stehenden Häuptlinge zu schwerer Zwangsarbeit in der Untertretenen Wege stillzustehen, geben. Züchtung der Streberei fuchungshaft angehalten werden, verdiene entschiedene Berurteilung. und Liebedienerei, unmäßige Arbeitszeit, mangelnde Ruhepausen, Abg. Ledebour beleuchtete scharf die Bestrebungen, mit unmenschlich lange Strecken, die die armen Landbriefträger Lobliedern auf Buttkamer die Petition abtun zu wollen. Puttabzuschreiten haben, unzureichende Bezahlung, vielfach un- tamer habe den Strafantrag gestellt und zur Ausführung gebracht würdige Behandlung, Telephonistinnen, die vor Erschöpfung mit Hülfe der übrigen Beamten, um die Petenten moralisch zu diszusammenbrechen, Unterbeamte, die nach Offizierburschenart treditieren und tot zu machen. Daher erhebe er den Vorwurf der 7. Interessant zu wissen wäre, wann der Parteivorstand im häuslichen Dienst der Vorgesetzten verwandt werden, Ein- willkür- und Cliquenwirtschaft. Mit dem Strafantrag in Stamerun an den Sigungen des Aktionsausschusses teilnimmt. griffe in die staatsbürgerlichen Rechte, zumal in sei die gleiche Methode praktiziert worden, wie sie auch bei uns 8. Wann kommen auf Beschluß des Aktionsausschusses( im die Koalitionsfreiheit der Postbeamten: alle diese oftmals zur Anwendung fomme, durch Strafverfolgungen die Leute Original zweimal unterstrichen) die Stadtverordneten Züge berdüstern sehr δας. idyllische Bild, das abzuschrecken, gegen Beamte Beschwerden zu erheben. Die Beamten der acht Kreise zusammen? Und zu welchem Zwecke? Staatssekretär und Zentrumsredner gemalt hatten. Mit in Kamerun halten zusammen, um die Klagen zu unterdrücken, 9. Db zum 18. März wieder Flugblätter verbreitet prächtigem Humor kennzeichnete Genosse Singer die Er- darum erließ man seinerzeit einen aftbefehl gegen den jungen weiterung, die Geschäftssinn und Telegraphier- Dika Akwa, dessen Zurückbeförderung nach Afrika auch Putt10. Wie ist die Stellung und Meinung in den leitenden Iuft dem fürstlichen Privilegium der Gebührenfreiheit famer in seiner Rechtfertigungsschrift" fordert, weil er fürchtet, gegeben haben. Kreisen zum Massenstreik? Nach einer längeren überpathetischen Nede des VoltsUnd als elftes Gebot haben die Herren vom Alexander- parteilers kopsch, der übrigens die verkehrsfeindlichen Beplatz dem Genossen Fischer aufgetragen, er folle ihnen doch schlüsse der Steuersucher- Kommission nicht übel zeichnete, ver einen der Reverse mitbringen, den die Lokalkommission den tagte das Haus zu später Stunde die Fortsetzung der Beratung Saalinhabern bei den Verabredungen über die Benutzung der auf Dienstag. Säle zu unterbreiten pflege. 3. Für den 4. August sollen am Nachmittag Demonstrations. bersammlungen geplant sein! Ist darüber etwas bekannt oder zu erfahren? 4. Wie denkt man überhaupt in leitenden Streifen über derartige Nachmittagsversammlungen, zu denen die Genossen wie in Hamburg direkt von der Arbeit kommen follen? 5. Was ist bezüglich der Friedhofsbesucher am 18. März beschlossen oder bekanntgegeben worden? 6. Können Sie uns das Zirkular verschaffen, das der Parteivorstand in bezug auf die Versammlungen am 18. März erlassen hat? werden? " Abgeordnetenhaus. 9 " der junge Mann fönne seinem Stamme wertvolle Dienste leisten. Charakteristisch dafür, wie das furchtbare Urteil gegen die Häuptlinge zustande kam, sei der Umstand, daß ihre Behauptung, einige Beamte hätten Negermädchen gekauft und zu ihren Frauen bezw. Konfubinen gemacht, als verleumderi che Beleidigung bestraft worden ist. Tatsächlich aber haben die Beamten verlobte Negermädchen gekauft, um sie als Dienstmädchen zu verwenden. Da bei den Negern der Frauenkauf gang und gäbe ist, mußten sie anDie am Montag fortgesetzte Beratung des Kultusetats bot nehmen, die Mädchen sind gekauft worden, um andere Dienste zu Soweit die schriftliche Auftragserteilung. Ueber die nichts Besonderes. Das Kapitel Technische Hochschulen" leisten, als sie sonst dem Hauspersonal obliegen. Bezeichnend für Duzende von anderen Fragen wollen wir heute weggehen; wurde nach unwesentlicher Debatte erledigt. Beim Stapitel die monarchische Auffassung und Gesinnung einzelner Redner sei ihre Billigung der 3 mangsarbeit für Häuptauch da gibt's Fragen, deren Erörterung der gegebenen Zeit Medizinalwesen" forderten verschiedene Redner energischere ringe, die für die Neger dasselbe sind, was bei uns für die anheimgestellt werden soll. Aber wenn die Polizei Auf- Maßnahmen zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit, doch Morarchisten die Fürsten. Die Mißhandlung ihres Häuptlings verdichteten sich die Anregungen zu feinem bestimmten Vor- empfinden die Neger als eine schwere Beleidigung. träge erteilt wie: den Revers der Lokalkommission sich zu verschlage. Erwähnenswert ist die Forderung des Abgeordneten empfinden die Neger als eine schwere Beleidigung. Wenn daher schaffen, das Zirkular des Parteivorstandes, das Flugblatt Rosenow( fr. Vp.) auf Errichtung eines Instituts für Ge- die bürgerlichen Parteien die Mißhandlung der Häuptlinge gutzum 18. März und die Heine Nummer vor ihrer Aus- werbefrankheiten. Es scheint aber, als ob die Regierung keine heißen, so sägen sie selbst den Aſt ab, auf dem sie ſizen. Puttkamer würde einfach eine Selbstgabe der Polizei zu bringen, muß man da die Polizei für so Neigung hat, dieser u. a. auch von der Zentralstelle für nach Afrifa zurückzuschicken, diskreditierung der Solonialverwaltung bes harmlos halten, daß ihr nicht die Frage aufsteigt: auf Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen als notwendig anerkannten deuten. Er ersuchte um Annahme des sozialdemokratischen Antrages, welchem Wege der Beauftragte zu diesen Dingen ge- Maßnahme zuzustimmen. der die Haftentlassung der Häuptlinge fordert aus Gründen der Im ganzen bestätigte der Verlauf der Debatte von neuem, Billigkeit und Gerechtigkeit. Ein Versuch des Abg. Dr. Arendt, die langen tann? Gibt es da in den meisten Fällen einen anderen Weg daß das preußische Medizinalwesen sehr viel, wenn nicht stritit am System Buttkamer zu verdächtigen, daß sie nur der Person alles zu wünschen übrig läßt, und daß das Wort Virchows, als den des Diebstahls? Und wie flammt in den baß die Sorge für die franten Menschen hinter der für das Jestos wegen geübt werbe, wurde energisch zurückgewiesen. Der Regierungstreisen, die alle diese Praktiken genau kennen, Vieh hinterher hinft, auch heute noch Geltung hat. tratische Antrag wurde gegen eine starke Minderheit ab. zum Teil aus eigener Erfahrung, die fittliche Entrüstung Zur schnelleren Erledigung des Etats wurde die Sigung " auf, wenn dem Vorwärts" von freiwilligen unbekannten nachmittags abgebrochen und auf den Abend vertagt. Mitarbeitern Geheimerlasse auf den Tisch flattern? Zentrumsantrag fand Annahme; der sozialdemo= gelehnt. " wollte man nicht Zeugniszwangsverfahren. Wer eine entLeukt Deutschland endlich ein? Ganzinvalde entlaffenen Musketiers Keim begab sich zu dem Haupt- Aeußerung über die Straßendemonstrationen und die polizeilichen Die Mächte haben am Sonnabend Deutschland zu ver- mann Denice und machte ihm von den Vorkommnissen Mitteilung. Bluttaten zu unterdrücken. Jeder Versuch, die Vorgänge, die sich am bom„ Vorwärts" und nach ihm ftchen gegeben, daß sie nicht gewillt sind, die Konferenz durch In dem zuerst von 3. Dezember in den Straßen Dresdens abspielten, zu berühren, hatte einer ganzen Reihe Parteiblätter gebrachten Artikel hieß ein Eingreifen der Polizeibeamten zur Folge. Auch den Starrsinn der deutschen Diplomatie ins Endlose ber- es: Der Hauptmann war sehr entrüstet über schleppen zu lassen. Offenbar ist man auf allen Seiten der ihm gewordenen Aufklärungen, bat aber die Mutter, die unliebsame die Kritik der Bluturteile gegen die Wahlrechts- Demonstranten Meinung, daß es nun bald genug des grausamen Spieles Geschichte nicht an die große Glocke zu hängen, da Bebel leider nicht zulassen. Dieses polizeiliche Eingreifen und an der Zeit ist, daß die beiden Kampfhähne Deutschland schon zu viel Material habe, das er im Reichstag verwenden in die Reden rief mehrfach die Entrüstung der Versammlungsund Frankreich sich vertragen. Frankreich hat ja bereits die könne." besucher hervor. Wiederholt wurde den Versammlungsrednern mit Absicht bekundet, in der Bankfrage nachzugeben, wobei es In diesen Worten, die der Hauptmann nicht gebraucht haben Wortentziehung gedroht. Dennoch haben alle Versammlungen nach freilich erwartet, daß Deutschland seinerseits in der Polizei- will, die die Mutter Keim aber unter Eid aufrecht erhält, erblickte prächtigem Verlauf ein natürliches Ende gefunden; nur in Weinfrage zu Konzessionen bereit ist. Dabei will Frankreich aber wurf des Vertuschens und der Feigheit, und das Berliner Landgericht Düwel, sich das Recht nicht nehmen lassen wollte, die Urteile gegen die Staatsanwaltschaft in Berlin, Köln und anderen Orten den Vor- böhla tam es zu einer Auflösung, weil der Referent, Genosse feine Trümpfe nicht vorzeitig aus der Hand geben und Zu hat auch den Genossen Büttner dieserhalb mit 50 Mark Geldstrafe bie Wahlrechtsdemonstration kritisch zu erörtern. geständnisse machen, bevor nicht auch Deutschland sein Entgegen- bedacht. Anders das Kölner Landgericht in dem Prozeß kommen bewiesen hat. So kam denn England Frankreich am gegen Genossen R. Kemptens. Es führte in der Urteilsbegründung aus: Sonnabend zu Hülfe und machte den Geschäftsordnungsvorschlag,„ Es kann dahin gestellt bleiben, ob der Hauptmann die ihm daß man zunächst erst wieder einmal die Polizeifrage in den Mund gelegten Aeußerungen wirklich gemacht hat oder Gestern abend wurden die vier in der Straf behandeln solle, bevor man die Bankfrage definitiv regele. nicht. Selbst wenn es dem Angeklagten nicht gelingen sollte, fache gegen Genossen Berner in Zeugniszwangshaft Die deutschen Vertreter protestierten lebhaft gegen diesen Vorden Beweis der Wahrheit der behaupteten Aeußerungen zu er genommenen Seger aus der Haft entlassen. Verschlag, doch fand sich außer Maroffo nur eine einzige Macht, bringen, hält das Gericht das Verhalten des Angeklagten nicht haftet waren sie, weil sie es ablehnten, die schuftige, übrigens auch Desterreich, die sich und auch diese nicht mit allzufür strafbar, da die angeblichen Aeußerungen des Hauptmanns strafbare Handlung zu begehen, das Geschäftsgeheimnis zu ver nicht geeignet sind, denselben verächtlich zu machen oder in der raten, wer das Manuskript des Artikels geschrieben habe, dessen großer Entschiedenheit- auf Deutschlands Seite stellte. Alle öffentlichen Meinung herabzuwürdigen. Der Inhalt des Artikels Inhalt zur Untersuchungshaft und Einleitung eines Strafverfahrens übrigen Mächte unterstüßten den Vorschlag Englands. berechtigt nicht zu der Deutung, daß der Hauptmann Furcht" gegen Genossen Berner führte. Das Spießrutenlaufen der davor hatte, daß Bebel den Fall im Reichstage zur Sprache preußisch- deutschen Justiz im Reichstage scheint demnach bringen werde. Vielmehr ist die Annahme gerechtfertigt, doch gewesen zu sein. ganz vergeblich daß der Hauptmann die Mutter deshalb zum Schweigen schädigt aber nun die braven Genossen, die verhaftet wurden, aufforderte, um Bebel nicht Agitationsstoff zu weil sie es ablehnten, eine unanständige und ehrlose Handlung zu liefern. Hierin liegt indessen nicht eine Herabsetzung begehen? Vielleicht empfiehlt sich ein Zivilprozeß auf Schadenersatz des Charakters des Hauptmanns. Ein Vorwurf könnte dem gegen die Richter, die jene Haft verhängten oder bestätigten, damit Hauptmann daraus gemacht werden, wenn sich aus den angeb- möglicherweise der Zivilsenat des Reichsgerichts die Unrechtmäßigkeit lichen Aeußerungen ergäbe, daß er beabsichtigte, die Mißhand- eines derartigen Zwanges feststellt. Ein Strafverfahren darf lungen des Keim zu vertuschen. Indessen, dies läßt sich aus dem das hat selbst der Strafsenat des Reichsgerichts anerkannt Artikel nicht entnehmen. Derselbe spricht im Gegenteile davon, nicht auf strafbaren oder unanständigen Handlungen beruhen. Des daß der Hauptmann über die ihm gewordenen Aufklärungen halb ist die den vier Setzern angesonnene schmutzige Handlung " sehr entrüstet" war, d. h. daß er dieselben ver- auch ohne ausdrückliche Gesezesvorschrift unzulässig. abscheute. Hiermit wird der sittliche Wert des Haupt- Genosse Schumann in Bielefeld sist, obschon frank, noch manns geradezu hervorgehoben. Wenn nun auch immer jetzt in der neunten Woche in Zeugniszwangshaft, weil der Artikelschreiaer hiermit das an die Mutter gestellte Anfinnen er es ablehnt, die ehrlose Handlung des Verrats seines Gewährsmit einem„ aber" verbindet und hierdurch in Gegensatz mannes zu begehen. stellt, so hat das Gericht hieraus einen Schluß auf die Ver- llebrigens sind wir auf diesem Gebiete in der angenehmen Lage, tuschungsabsicht nicht erblicken können, sondern es bleibt lediglich auch ein Staatsanwalt anzuführen, der öffentlich einen Vertrauensdie Befürchtung des Hauptmanns, durch Verbreitung des Vorfalles bruch als unanständig hinstellt. In der am Freitag vor der Strafder Sozialdemokratie Agitationsstoff zu liefern, die ihn aber nicht fammer in Rudolstadt gegen Genossen Zorn verhandelten Klagefache verächtlich machen oder in der öffentlichen Meinung herabwürdigen wegen angeblicher Beleidigung des Amtsrichters Keil in Pößneck kann, sondern als einen vernünftigen, mit den Verhältnissen des( erkannt wurde auf 75 M. Geldstrafe) führte der Staatsanwalt in Lebens rechnenden Menschen erscheinen läßt." seinem Plädoyer unter anderem aus, er müsse es als eine an st än dige Handlungsweise bezeichnen, daß der Angeklagte es ablehne, den Verfasser des inkrimintiesten Artikels zu nennen. Die Auffassung des Staatsanwalts deckt sich also in diesem Falle mit der Auffassung der sozialdemokratischen und jeder anständigen Presse, deren Redakteure es grundsäßlich ablehnen, den Verfasser eines Artikels preiszugeben. Hoffentlich beherzigt die deutsche Diplomatie diesen Wink mit den Baumpfahl! Sie muß doch endlich einsehen, daß sie sich vollständig isoliert und sowohl von dem„ berbündeten" Italien, als auch von dem so heiß umworbenen Amerika im Stiche gelassen wird, wenn sie sich hartnäckig jeder Verständigung auf der Grundlage eines beiderseitigen Kompromisses widersetzt. Sie scheint denn auch in der Tat einlenken zu wollen, lesen wir doch in der heutigen Abendnummer der offiziösen Norddeutsch. Allg. 8tg.": Das liest sich doch ganz anders als die gewaltsame Begründung verurteilenden Erkenntnisses gegen Genossen Büttner. Ueberschätzt! -" In der Sonnabendsizung der Konferenz in Algeciras kam es zu einer Abstimmung über die Frage, ob in einer vertraulichen Komiteesitzung die Organisation der Polizei besprochen werden solle, noch bevor das Plenum das Statut für die Bank zu Ende beraten habe. Während die deutschen Delegierten dafür ein traten, zunächst die Banffrage zu erledigen, hielt es die Mehrheit der übrigen Vertreter für zivecmäßiger, noch vor der nächsten Plenarsizung über die Bankfrage eine vertrauliche Besprechung über die Polizeifrage abzuhalten. Als Grund hierfür wurde von mehreren Seiten angeführt, daß durch ein solches Vorgehen eine schließliche Verständigung in beiden Angelegenheiten erleichtert werden könne. Die Abstimmung betraf also eine Frage der Ge schäftsordnung, und man tut unrecht, ihr, wie es in einzelnen ausländischen Blättern geschieht, eine politische Bedeutung beizumessen. Wird tatsächlich durch die von der Kondes ferenz beliebte Art der geschäftlichen Behandlung der beiden Hauptfragen ein Ausgleich der in jeder noch vorhandenen Schwierigkeiten erleichtert, so stimmt dies Am Freitag berichteten wir über die tragikomische Katholisierung durchaus mit dem Ziel der deutschen Politit einer der wichtigsten Stellen aus des Herrn Hofpredigers Rogge Schrift Unser Saiserpaar". Wir glaubten es mit einer MißEs wäre dringend zu wünschen, daß die deutsche Re- handlung zu tun zu haben, deren sich allzu zentrumsfreundlich- Die privilegierte Amtspresse wird demnächst im Großherzogtum gierung ihren Vertretern in Algeciras endlich auch entsprechende berufen oder unberufen einer von den„ Debbersten" der preußisch- effen ihr Reptiliendasein endgültig beschließen. Im Landtage Instruktionen erteilte, damit der lächerliche Diplomatenfrafeel aber heraus, daß wir Herrn Rogge sehr überschätzt haben; denn er hat die Regierung erkenne jetzt an, daß das Amtswesen unhaltbar deutschen Beamten- Hierarchie schuldig gemacht hätte. Nun stellt sich erklärte am Freitag der Ministerpräsident des Jimern Braun, aus der Welt geschafft würde! feinem eigenen Geistestinde ein paar Rippen gebrochen und an deren sei. Das Vorgehen einer Anzahl Amtsblätter gegen die Regierung Stelle einige hölzerne Senüppel eingesetzt. Dem„ Berliner Tageblatt" und deren Gesetzentwürfe oder sonstige Maßnahmen seien unschreibt er über seine Heldentat: bereinbar mit der Würde und der der Regierung schuldigen Die Aenderung ist ohne jedes Zutun des Herrn Kultus- Rücksicht. Um eine Wiederholung folcher Dinge unmög ministers von mir persönlich nach eigenem Ermessen vorgenommen lich zu machen, habe die Regierung bereits den Entschluß worden, nachdem ich von befreundeter Seite darauf aufmerksam gefaßt, alle a mtlichen Bekanntmachungen in Form gemacht worden war, daß die betreffende Stelle historisch von Beilagen erscheinen zu lassen, die an alle. diejenigen nicht ganz einwandfrei sei, und möglicherweise der von Blätter ohne Rücksicht auf Parteistellung gegen Ermir gewünschten allgemeinen Verbreitung der Schrift stattung der Selbstfosten abgegeben werden sollen, die sich darum in den Schulen, namentlich in den Volksschulen hinderlich bewerben. Damit ist ein von der Kammer im Vorjahre angefein könne. Ich bin für die Anregung dankbar gewesen und habe nommener sozialdemokratischer Antrag realisiert. Da ihr gern Folge geleistet." eine Anzahl der jetzigen Amtsblätter ihr Dasein nur dem amtlichen überein." Deutfches Reich. " Cornelius hat fapituliert! Wie wir in unserer Sonntagsnummer bereits meldeten, hat fich Cornelius, von Hauptmann Boltinann hartnäckig verfolgt, demselben mit allen seinen Leuten ergeben. Waffen und Pferde find abgenommen. Dieser Führer der Bethanier hat sich am 2. März in Heifons, 60 Kilometer südwestlich Bethanien, mit 75 Männern, 36 Frauen und Kindern gestellt und 54 Gewehre, darunter 47 moderne Hinterlader, abgegeben. Die mutigen und opferwilligen Hamburger Bürger. Um das wahrhaft patriotische Verhalten der Hamburger Arbeiter während der Cholera zeit als ganz unbedeutend und ihr eigenes Verhalten in bengalischer Beleuchtung erscheinen zu laffen, haben bei dem letzten Aft des Wahlrechtsraubes und der sich hieran anschließenden öffentlichen Diskussion die Wortführer des ,, tapferen" Bürgertums große Kübel voll Unrat über die Sozialdemokratie im allgemeinen und den„ verleumdungssüchtigen" GeOb die befreundete Seite" etwa mit dem Herrn Kultusminister Bekanntmachungsmonopol verdanken, so werden sie wohl mit dem Den „ berwandt oder verschwägert" war, darüber sagt Herr Rogge nichts. Verschwinden dieses Monopols auch das Zeitliche segnen. nossen Bebel im besonderen ausgegossen. Genosse Bebel hat be- Man kann sich überhaupt ganz eigene Gedanken machen, wenn Nationalliberalen wird die Beseitigung der Amtsblätter recht unkanntlich vor kurzem im Reichstage die Ausreißerei der bürgerlichen man ein wenig genau zwischen den oben wiedergegebenen Beilen angenehm sein, da es ausschließlich ihre Organe sind. Elemente während der Schreckenszeit des Jahres 1892, die durch liest. die unerhörte Verwahrlosung der Wasserverhältnisse usw. ver- Wenn schon die deutschen Pa storen anfangen Selbstkastration ursacht wurde, gebrandmarkt, und er hat, wie die Schimpferei be- zu üben, weisen dürfen wir uns dann erst in weniger fruchtbaren weist, mitten ins Schwarze getroffen. Daß aber ein juristischer Streifen zu versehen haben? Hamburger Senator, Dr. von Melle, in öffentlicher Sigung Gendarmen als bestochene Erpresser. der Bürgerschaft mit unwahrheiten operieren würde, nur um den Der Münster Anzeiger" erzählt: verhaßten Sozialdemokraten etwas am Zeuge zu flicken, hätte man Das Striegsgericht der 13. Division beschäftigte sich am 2. März kaum für möglich halten sollen. Der Herr meinte, die Sozialdemo- mit einer Spufgeschichte. Auf dem Westhoffschen Gute in Vollern kraten hätten bei dem Druck und Vertrieb des amtlichen bei Neubeckum sollte es spuken. Als dann schließlich bekannt wurde, Choleraflugblattes ein gutes Geschäft gemacht; so seien allein daß auf dem Hofe ein Diebstahl verübt sei und ein Anschlag auf Danach steht jetzt eigentlich nur noch Morenga mit höchstens für die Verbreitung 3-10 M. pro Mann bezahlt worden. die Tochter verübt sei, haben die dortigen Gendarmen mehrere Tage 500 Mann im Felde. Trotzdem die deutsche Truppenzahl in Süddankt das Patrizierregiment der Hamburger Arbeiterschaft, die, als besizers,„ eine nervös überreizte Person", zum Geständnis ge- neuer Truppentransport abgegangen! lang Beobachtungen gemacht und schließlich die Tochter des Guts- westafrifa 15 000 Mann beträgt, ist erst am 28. Februar wieder ein das Bürgertum in blassem Schrecken ausriß und nach über 30 Orten zwungen, die Auftifterin aller Vorkommnisse gewesen zu sein. die Cholerabazillen verschleppte, freudig der Aufforderung der Be- Frau Westhoff bat infolgedessen die beiden Beamten, die Zugleich wird aus Windhuk folgende nene Verlust liste ges hörden folgte und energisch Hand ans Wert legte zur Bekämpfung Angelegenheit nicht zur Anzeige zu bringen und bot ihnen meldet: Reiter Louis Neuhaus, geboren am 17. 12. 83 zu Holts der Seuchenherde! Wie inzwischen„ parteioffiziell" festgestellt zunächst je 20-000 Mart und am folgenden Tage eine hausen, am 28. Februar 1906 im Lazarett Gobabis an Typhus worden ist, hat unser Parteigeschäft für die Herstellung von 570 000 noch höhere Summe, von der dann die Beamten auch ein en Flugblättern 2160 2. erhalten, während den Flugblattverbreitern Teil ausgezahlt erhielten. Die Beamten haben das Geld gestorben. Feldwebel Karl Bolze, geboren am 15. 1. 75 zu Döffel, hat sich am 27. Februar d. J. in Windhuk beim Fahren zum Teil eine Mart Zehrgeld pro Mann auf Drängen angenommen, dann aber, als die Sache ruchbar wurde, kurz darauf burch Umfippen des Wagens einen Schädelbruch zugezogen und iſt Anzeige erstattet. Sie gaben an, bestochen worden zu sein. Ebel der Polizeibehörde gewährt worden ist. Das ist das„ feine gab bei seiner Bernehmung an, er fei zu jener Beit nicht im Voll- fort gestorben. Reiter 3 off stof, or some ents Geschäft", wobei noch bemerkt werden muß, daß die große Mehr befize seiner geistigen Kräfte gewesen, so daß er die Folgen seines zu Schönwald, hat sich am 12. Februar d. J. von der Kolonne ents zahl der Verbreiter das Geld an die Not stands Tuns nicht habe übersehen können. Das Urteil lautete gegen die bred) mit einem Stopfschuß tot aufgefunden. Gefreiter Paul fernt und wurde am 13. Februar d. J. nördlich Konus( Kl. Been und Unterstützungsfonds der Parteiorgani- beiden Angeklagten wegen Erpressung und Bestechung auf ein Jahr& ett, geboren am 1. 2. 83 zu Bartelsdorf, am 24. Februar d. J. fation abgeführt hat! Senator Dr. von Melle, der fechs Monate für Ebel und auf ein Jahr fieben Monate Buchthaus durch uffchlag am Kopf schwer verwundet; Krankenſammel frühere Redakteur der„ Hamburger Nachrichten", die auch bei dieser für Schöne. Das Geld wird als dem Staate verfallen erklärt. stelle Berseba. Gelegenheit geschwindelt haben, daß sich die Balken bogen, wird in So Wahlrechtsdemonstrationen in Sachsen. Ein Missionsstreit in Südwestafrika. einer der nächsten Parlamentssigungen veranlaßt werden, seinen Anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Dreiflassenwahlrechts " Irrtum" einzugestehen. Die Deutsche Zeitung" erhält aus Kreisen der Deutschen Geradezu widerlich ist die Selbstbeweihräucherung des Bürger- Drten am Sonnabend und Sonntag Protestversammlungen ver- führt wird, daß der Gouverneur von Lindequist mit den Ver in Sachsen haben die sächsischen Genossen in fast allen größeren Kolonialgesellschaft eine Zuschrift, in der bittere Klage darüber getums ob ihres Verhaltens während der Cholerazeit.. In den anstaltet. In Dresden und der nahen Umgegend tagten am Sonn- tretern beider Konfessionen in Windhuk die Vereinbarung getroffen Bürgervereinen und in der bürgerlichen Presse wird mit der Wahr- abend acht, am Sonntag neun Massenversammlungen, die alle sehr habe, daß die gefangenen Hereros vorläufig mit einer gleichteiligen gut besucht waren. Außerdem haben in der weiteren Umgegend von vernünftiger Mensch bestritten hat, daß sich Hülfskomitees, denen Dresden am Sonntag noch eine große Anzahl Volksversanumlungen werden sollten. Diese" Parität" verhindere nur eine einbeit zum Teil auch Genossen angehört haben, gebildet hatten zwecks Bestattgefunden. obachtung der Vorbeugungsmaßnahmen und Sammlung von Unter- stattgefunden. Alle beschäftigten sich mit dem Thema: Zehn Aussicht gestanden habe, wenn sich nicht die katholische Mission eiferstüßungsgeldern, aber das geschah erst, als die Cholera im Ab. Jahre Wahlunrecht in Sachsen und überall wurde folgende füchtig herangedrängt hätte. heit tatsächlich Schindluder getrieben. Gewiß ist, was noch kein flauen begriffen war. Die gefahrvolle Arbeit aber, die Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten sowie die Leichentransporte, ist allein von Arbeitern ausgeführt worden, daran hat sich feiner der„ Tapferen" beteiligt. Nach getaner Arbeit kamen die Tausende von Ausreißern wieder, von denen sich jetzt viele in den Bürgervereinen aufspielen, als hätten sie im Jahre 1892 Wunder an Tapferkeit berrichtet, und die sich nun furchtbar über Bebels ausgesprochene Wahrheiten entrüsten. Hätten sich die Arbeiter im August und September 1892 so tapfer benommen, wie das maulheldenhaftige Bürgertum, dann wäre sicher in Hamburg alles drunter und drüber gegangen und statt der 10 000 Choleraopfer hätte es vielleicht deren 100 000 und mehr gegeben. Der Dank der Patrizier übertrifft noch bei weitem den bekannten Dank vom Hause Habsburg. Ein Reich ein Recht? beglückt geistlichen Versorgung" liche Christianisierung" dieser Stämme, die in sicherer Resolution angenommen: Herr v. Lindequist weiß ganz genau, warum er der katholischen Die heutige Volksversammlung bekundet aufs neue den unab- Mission ein solches Zugeständnis gemacht hat. Die Missionsfrage änderlichen Willen, das gleiche, allgemeine, direkte und geheime bildet ja einen Hauptköder für das Zentrumn, um es in folonial Wahlrecht mit Anwendung des Proportionalsystems für den freundlicher Stimmung zu erhalten! Zudem hat sich die katholische sächsischen Landtag zu erringen. Sie protestiert aufs energischste Mission schon dadurch ein Anrecht auf Begünstigung erworben, daß gegen die Produkte der Wahlrechtsfünfteleien im fogenannten freien fie nicht einmal die schüchternen Versuche einer Verteidigung der Wahlrechtsausschuß, die auf eine neue Entrechtung der minders Hereros gemacht hat, zu der sich die protestantische Mission immerhin bemittelten lassen hinauslaufen. aufzuraffen wagte. Dafür sind katholische Geistliche mit dem Kleinfalibrigen gegen die Hereros zu Felde gezogen, die das Sklavenjoch der Fremdherrschaft abzuschütteln suchten. Wahrscheinlich sind die protestantischen Missionare in Zukunft vorsichtiger! Die Versammelten fordern die sofortige Wahlrechtsreform und protestieren gegen die offenkundigen Versuche der reaktionären Parteien, diese immer weiter zu verschleppen, um noch länger ihre volksfeindliche Interessenpolitit fortseßen zu können. Man kann auf die Dauer nicht ungestraft einem Volt, das so stark zu den Lasten des Staates herangezogen wird, eines der wichtigsten Rechte vorenthalten. Als das geeignetste Mittel, den Kampf gegen Wahlunrecht und jegliche Reaktion führen zu können, empfiehlt die Versamm lung die Stärkung der wirtschaftlichen und politischen Organis sationen der Arbeiterklasse und die Verbreitung der Arbeiterpresse. Nieder mit dem Dreiflassenwahlrecht! Hoch das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht! Hueland. Schweiz. Boltsabstimmung über die Wahl der Regierung durch das Bolt. Bern, 2. März.( Eig. Ber.) Zu den wenigen Kantonen, in In dem Beleidigungsprozesse des Hauptmanns Denice vom denen heute noch die Regierung vom Parlament( Kantonsrat oder Infanterie- Regiment Nr. 169 gegen unser Kölner Parteiblatt liegt Großer Rat) gewählt wird, gehört auch der größte Schweizertanton, jetzt die schriftliche Begründung des freisprechenden Urteils vor. Bei der Kanton Bern. Seit 1885, also seit 20 Jahren, wird von wirklich dem Regimente hatte eine entsetzliche Soldatenschinderei Es war fast allerwärts zu beobachten, daß die Beamten eine freisinnig- demokratischen Kreisen, vorab natürlich von der sozialstattgefunden. Die Mutter des infolge der Schindereien als zeitig große Nervosität an den Tag legten. Vor allem versuchte man jede demokratischen Partei, die Volkswahl der Regierung erstrebt, nachdem flc in anderen Kantonen schon seit Jahrzehnten besteht, im Karton Zürich z. B. seit 18«g, und nun hat am Sonntag, den 4. März, die Itimmberechtigte Bürgerschaft darüber zu entscheiden, ob auch fernerhin nur eine Clique die Regierung wählen soll, oder ob die Wahl durch sämtliche Stimmberechtigte erfolgen soll. Da die herrsche,»den Freisinnigen, mit Ausnahme ihres rechten Flügels, selbst 1>»r die BoltSwahl der Regierung eintreten, ebenso mit aller Energie uniere Partei, sollte die Annahme derselben gesichert sein. », � B.) In der heutigen bernifchen Voirsabsttmmung wurde das von 20000 Bürgern gestellte Be- Zehren um Wahl der Regierung durch das Volk(statt durch den Großen Rat) mit 37 968 gegen 10 995 Stimmen ange- nommen. Zum erstenmal wird die Wahl der Regierung durch das Volk im Mai dieses Jahres stattfinden. Frankreich. Die Klerikalen auf dem KricgSpfad. Paris, 3. März.(Eig. Ber.) Mit allen Kräften fachen die feudalen Gutsherren im Verein mit den Dorigeistlichen die Bauern- revolten an. Bisher und wohl auch weiterhin ohne rechten Erfolg. Nur in der Bretagne und in den Departements Haute-Loire und Lozdre finden sie eine fanatische Gefolgschaft, und da geht es den mit der Inventur beauftragten Domaneninspektoren oft gar übel Es ist übrigens wirklich höchst verwunderlich, dafi die Regierung diese Beamten noch immer ohne genügende Bedeckung ausschickt und in der Regel erst dann eine ausreichende Macht aufbietet, wenn man die Beamten mit blutigen Köpfen heimgeswickt hat. Da die mit Heugabeln, Sensen und Jagdflinten ausrückenden Bauern vorsichtig genug find, gegen das Militär nicht vorzugehen, so ist die Taktik der Regierung, die den Zivilbeamten eine Märtyrerrolle zumutet und überflüssiges Blutvergießen zur Folge hat. ganz offenbar nur der Angst vor der Insubordination der Offiziere zuzuschreiben. Diese Scheu, mit der pfäffischen Clique in der Armee anzubinden, zeigt sich auch in den juristischen Kniffen, die die unter dem halbklerikalen Etienne stehende Armeeleitung anwendet, um die revoltierenden Offiziere möglichst billig davonkommen zu lassen. Schon hat man heraus- gefunden, daß die drei Offiziere, die in Saint-Servan den Dienst verweigerten, nur nach einer Bestimmung bestraft werden können, welche eine bloße Arreststrafe von 1 bis 3 Monaten zuläßt, die sogar bis zu einem Tage herabgesetzt werden kann. Auf jeden Fall werden die Dienstverweigerer der Armee erhalten bleiben. Man darf sich nicht durch das Geschrei der Klerikalen irreniachen lassen, die nach wie vor die Regierung der verbrecherischsten Grausamkeit anklagen. Auch am 23. Februar bei dem Zusammenstoß in C h a m p e l S, der auf Seite der Klerikalen die meisten Opfer gefordert hat, ist eS lange nicht so blutig zugegangen, wie eS unter den gleichen Verhältnissen bei einem Streik der Fall gewesen wäre. Einige Gendarmen, die den Domäneninspektor begletteten, gaben, als dieser unter Sensenhieben zusammensank und sie selbst bedroht waren, aus ihren Revolvern Schüsse ab. Es wurden fünf Bauern ernstlich, aber nicht lebensgefährlich verwundet. Heute spricht die ganze klerikale Presse, die für erschossene Arbeiter nicht ein Wort der Teilnahme übrig hat, von einer„Mörder- rcgierung". Während die vom Pfaffen verdummten und belogenen Bauern für die politischen Interessen des Junkertums ihre Haut zu Markte tragen, begnügt sich die adelige Sippe selbst mit wohlfeileren Marthrerkronen. So wurde kürzlich ein l7jähriges Edelfräulein in der Provinz, das sich an der Mißhandlung eines Inventur- beamten beteiligt hatte, zu sechs Tagen Arrest verurteilt, die es sogleich absitzen mußte. Darob schrecklicher Lärm in der reaktionären Presse, besonders im monarchistischen„Gaulois", der noch immer tut, als ob die Strafgesetze und die Gefängnisse nur für gemeine Plebejer da seien. Für das schlechterzogene Mädchen wurde bei seiner Entlastung von dem Adel der ganzen Gegend ein Triumph- zug arrangiert init Blumenschmuck und allerlei royalistischem und klerikalem Firlefanz, wobei die einfältigen Bauern die Staffage bilden mußten. Sicherlich kann man der Ansicht sein, daß es sinnlos und gransam ist. ein Kind, das für seinen in der Klosterschule gezüchteten Fanatismus nicht die Verantwortung trägt, einzusperren. Aber wie viel Hunderte ebenso junge und jüngere Mädchen sind schon wegen Streikvergehen zu weit höheren Strafen verurteilt worden, ohne daß ihre Jugend das Mitleid der Frommen erweckt hätte I— England. Lernard Shaw, Burgeß und John Burns. London, t. März(Eig. Ber.>. Die letzten Wahlen hatten eine kleine Preßfehde zur Folge, die einen lehrreichen Beitrag zur Erkenntnis mancher persönlicher Faktoren der sozialistischen Organisationen bietet. Hervorgehoben zu werden verdient vor allem die Haltung Bernard Shaws. Shaiv ging nach Burnleh, um Hyndman zu unterstützen und hielt dort eine Rede, die durchaus revolutionär war ' und die Hyndman in Entzücken versetzte. Derselbe Shaw sprach so- dann in Battersea zugunsten- und zur großen Zufriedenheit von Bums l Unmittelbar nach den Wahlen schrieb er einen Artikel in ber„Clarion", in dem er die„Taktik von Battersea", das heißt die Taktik von John Burns. als die richtige verteidigte und die sozialdemokratische Taktik, die er Vor vierzehn Tagen in Burnleh ge- lobt hatte, als eine Dummheit verurteilte! Er wollte damit zeigen. daß die Taktik der Fabier, die auf Permeation(Durchdringung der bürgerlichen Parteien mit Sozialismus) beruht, sich vorzüglich be» währt, während die Klassenkampftaktik versagt hätte. Darauf antwortete Genosse Burgeß aus Glasgow folgender» maßen in der„Clarion" vom l6. Februar: „Shaw hat nie den Wert begriffen, den die Sozialisten ans. die politische Selbständigkeit legen: deshalb verteidigt er John Burns und verurteilt die Sozialisten, die die Taktik von BurnS als ungemein schädlich für die Arbeiter- und die sozialistische Be- wcgung betrachte». Kein sozialistischer Kandidat... zweifelt daran. daß der Eintritt von Burns inS Kabinett uns viele Tausende von Stimmen und manche Wahlkreise kostete. Aber Shaw meint, wir würden unserer Sache gewitzt haben, wenn wir Burns in Battersea unterstützt hätten. Befreien wir uns doch von solchen Phrasen I Wann hat denn John BurnS unsere Sache unterstützt?... Wo war BurnS im Jahre 1893, als Hardie im Parlament bei der Adreßdebatte für die Arbeitslosen eintrat? Wo war Burns im Jahre l8gS, als die liberale Regierung alles tat. um HardieS Pläne zu ver- eileln? Hat nicht John BurnS auf dem Trade-Unionskongreß von Belfast gegen die Selbständigkeit der Arbeiterklasse gewirkt? Ist eS nicht eine Tatsache, daß sich Burns mit MawdSley(einem kon- scrvativen Textilarbeiterführer) verschworen hat, um Hardie und Tom Mann von den Trade-Unionskongressen auszuschließen? Warum hat Burns mit Richard Bell korrespondiert, um die selbständige Polilik der neuen Arbeiterpartei unmöglich zu machen? Und hat er nicht I. Mitchel veranlaßt, auf dem Liverpooler Kongreß der Arbeiter- Partei den Ausschluß der Unabhängigen Arbeiterpartei au« der Fabian-Society zu beantragen?... Ich bin ftoh, daß John BurnS de» Rubikon überschntten hat. Er war ein störender Faktor unter uns in den letzten vierzehn Jahren. Wir wußten nicht, wie wir ihn klassifizieren sollten. Jetzt ist er in die Reihe der Bureau» kraten gegen die Demokraten getreten. Und deshalb lobt ihn die Fabtau'Society. Er ist ein ihr verwandter Geist".-» ßcwerfcfchaftUcbce. Berlln und Llmgegend. Lohnbewegung der Maler. Die Maler und Anstreicher Berlins kamen Sonntag mittag in Kellers Festsälen zusammen, um über die gegenwärtige Lohn» bewegung zu diskutieren. Saal und Galerien waren dicht be- setzt. Der Vorsitzende Mietz erklärte, daß die Uiiterhandlungen mit Lerantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil vcrantw,: den Arbeitgebern soweit einen befriedigenden Verlauf genommen hätten, als die Organisation der Gehülfen unbedingt anerkannt werde und die Malermeister zum Abschluß von Verträgen bereit seien. Die Zugeständnisse wären aber so minimale, daß man auf ein weiteres Entgegenkommen bestehen müsse. Es handele sich nun darum, daß die Versammlung dem Vorstande die Ermächtigung zum Abschlüsse eines Vertrages erteile, vorbehaltlich der Ratifikation durch eine Versammlung de? Verbandes. Der Vorstand werde sein Bestes tun und auch vor einem Streik nicht zurückschrecken. Nicht ein Jota dürfe abgelassen werden von dem. was recht und billig sei.— Ms Vertreter de? Arbeitgeberverbandes nahm Malermeister Kruse das Wort und be- tonte mit Nachdruck, daß die Meister dem Gehüllenverbande ihre Anerkennung nicht versagen, sondern ganz der Meinung sind, daß durch ein harmonisches Zusammenwirken beider Vereinigungen sich dauernd gute Verhältnisse herstellen lassen. Das Angebot der Meister sei KS Pfi pro Stunde für Maler, 55 Pf. für Anstreicher und 60 Pf. für junge Leute während der ersten zwei Jahre nach der Lehrzeit. Dieser Tarif soll für drei Jahre gelten. Eine sehr lebhafte Diskussion entspann sich, in welcher das An- gebot der Meister als unannehmbar erklärt wurde. KS Pf. könnten nur als Minimallohn pro Stunde in Betracht kommen. 70 Pf. und 8'/,stü»dige Arbeitszeit wurde von den meisten Rednern verlangt. Die Abschaffung des Akkordsystems wurde gewünscht und allseitig dringend vor einer Festlegung des Tarifs auf drei Jahre gewarnt. Herrn Kruse wurde deutlich erklärt, daß man sehr woht Wiste, daß die gerühmte Anerkennung des Verbandes durch die Macht der Organisation erzwungen sei, die mit beinahe KOOV Mitgliedern aufmarschiert. Die Diskusston wurde zeitweise sehr lebhaft. Mietz legte die folgende Resolution vor, die mit großer Majorität an- genommen wurde: „Die Maler, Lackierer und Anstreicher der Filiale Berlin beauf- tragen den Vorstand, mit dein Verband der Malereigeschäfte Berlins und der Vororte in Verhandlungen einzutreten. Jedoch erklären die Versammelten, daß die Angebore der Unternehmer nicht weitgehend genug sind, um auf dieser Grundlage einen Tarif schaffen zu köiinen. Die Lohnbewegung bei der Fensterreinigungsanstalt Fieh, Manteuffelstraße 22. endete nach dreitägiger Tauer mit einem vollen Erfolg der Streikenden. Nicht nur sämtliche Forderungen wurden bewilligt, sondern Herr Fietz gab auch seinen Angestellten den 1. Mai frei und hat auch den Arbeitcrausschuß anerkannt. Selbstverständlich ist dieser Erfolg nur dank der Einigkeit der Streikenden erreicht worden, von denen kein einziger rückfällig wurde. Zu ber Lohnbewegung der Hausdiener usw. aus den Papier- und Pappen-Engrosfirmen ist zu berichten, daß in der am Sonntag abgehaltenen stark besuchten Versamm- lung festgestellt wurde, daß 19 Firmen sich mit ihren Angestellten geeinigt haben. Lohnzulagen von 1— 2,50 M.. außerdem Urlaub, Zuschuß zum Krankengeld, Ueberstundenbezahlung sind bewilligt. Ein Teil der Unternehmer, und namentlich Mitglieder des Vereins der Papier-Engroshändler, weigert sich, Lohnzulagen zu bewilligen. Eine Resolution wurde angenommen, welche sagt, daß mit Rücksicht auf die Möglichkeit einer friedlichen Erledigung den Unternehmern die Gelegenheit zum Beschreiten dieses Weges gegeben werden soll. Ein geplanter Streikbeschluß wurde daher noch ausgesetzt. Bei der Firma Max Frankenbach, Alte Jakobstraße, befinden sich die Arbeiter im Ausstand, in bürgerlichen Blättern sucht diese Firma Nichtorganisierte Arbeiter. Verhandlungen führten zu keinem Erfolg. Bei der Firma Herzberg, Beuthstratze, wurde der Fahrstuhlführer gcmaßregclt, da derselbe sich weigerte, einem Arbeitswilligen die Hantierung des Fahrstuhles zu lehren. Hoffen wir, daß sich jeder Fahrstuhlführer dafür bedanken wird, einem Arbeitswilligen bei Herzbcrg eine feste Position zu sichern. Verband der Handels- und Transportarbeiter. Die Schriftzeiltrner und Ausschneider der Grabplattenbranche, welche alle dem Zentralverband der Glasarbeiter und Arbeiterinnen Teutschlands angeschlossen sind, stehen in einer Lohnbewegung. Jeder Zuzug nach den Sandsteinbläsereien ist streng fernzuhalten. Besonders appellieren wir an Angehörige anderer Berufe, die des Schriftzeichnens kundig sind, als Schrifthauer. Schildermaler, Graveure, Zeichner. Auch fordern wir die Vertrauensleute der Glasschleisereien aus, in welchen abgepaßte Scheiben angefertigt werden und hauptsächlich Ausschneiderinnen beschäftigt sind, dieselben auf die Bewegung aufmerksam zu machen, daß sie sich zu keiner Streikarbeit verleiten lassen.— Wir bitten die Arbeiterpresse, dieses abzudrucken, da es leicht möglich«st, daß sich die Bewegung auf andere Städte Deutschlands ausdehnen wird. Zentralverband der Glasarbeiter. Die Arbeiter und Hausdiener der Firma P. S ch ü tz l e r u. C o., mechanische Flaschcn-Verschlußfabrit, Pappel-Allee 2K, befinden sich wegen Lohndiffcrenzen seit Sonnabendabend im Streik. Die Firma zahlte bisher an ihre Arbeiter bei zehn- und mehrstündiger Arbeits- zeit einen Lohn von 18, 19 und 20 M. die Woche, so daß nach Abzug der Kranken- und Jnvalidenbeiträae von annähernd 1 M. ein Wochcnverdienst von 17, 18 und 19 M. verblieb. Der Firma wurde am Donnerstag voriger Woche ein erhöhter Lohntarif unter- breitet, in dem ein Anfangslohn von 24 M., nach Kwöchentlicher Tätigkeit 25 M., nach'/«jähriger Tätigkeit 26 M.. nach Ijähriger Tätigkeit 27 Mk., dann steigend jährlich um je 1 M. Zulage bis zu einem Höchstlohn von 30 M. die Woche verlangt wurde. Ein wieder- Holter Versuch, mit der Firma zu verhandeln, wurde von derselben abgelehnt. Da die Arbeiter erklärten, an ihren Forderungen fest- zuhalten, erfolgte am Sonnabend die Entlassung. Wir ersuchen alle Mineral- und Sclterwasserarbc�er sowie die Herren Restaurateure und Gastwirte aufmerksam dafür zu sorgen, daß Streikarbeit bei ihnen nicht verübt wird. Zentral-Verband der Handels- und Transportarbeiter. Ortsverwaltung Berlin I. Die Potsdamer Tapezierer sind in eine Lohnbewegung eingetreten. In einer gut besuchten öffentlichen Versammlung wurde die Notwendigkeit anerkannt, die schlechten Fabrikvcrhältniffe der hiesigen Tapezierer einer wenigstens teilweisen Verbesserung zuzuführen. Der neue Lohntarif wurde einstimmig gutge- heißen und eine Lohnkommission beauftragt, mit der Potsdamer Tapeziererinnung zwecks Abschlusses eines korporativen Arbeits- Vertrages in Verhandlung zu treten. Die Gehülfen hoffen, daß ihre durchaus berechtigten Forderungen von der Innung anerkannt werden. Sollte wider Erwarten bis zum 8. März ein zustimmen- der Bescheid der Innung nicht eingehen, so ist am genannten Tage eine Verbandsversammlung einzuberufen, um weitere Beschlüsse zu fassen. Durch einen weiteren Beschluß werden die Kollegen, welche bisher Ueber stunden arbeiteten, verpflichtet, diese bis zum Ab- schluß der Verhandlungen zu verweigern.— Der n e u e Tarif enthält hauptsächlich folgende Forderungen: Der Stunden- lohn beträgt 60 Pf., die Arbeitszeit wöchentlich 52 Stunden. Ueber- stunden. Nacht- und Sonntagsarbeit sollen abgeschafft werpen. Eventuell sind für lleberstunden 20 Pf., für Nachtarbeit 30 Pf. und für Sonntagsarbeit 30 Pf. pro Stunde Zuschlag zu zahlen.— Frei- gäbe des 1. Mai als Feiertag.— Zuzug ist streng fernzuhalten. OcutMxs Rtfdh Erfolgreicher Textilarbeiterstreik. Bei der Firma Gebr. Neuberg-Hannover traten am 19. Februar sämtliche Weber und Weberinnen, etwa 120 an der Zahl, in den Ausstand, weil die vor einigen Jahren anläßlich der Krise auf acht bezw. neun Stunden täglich verkürzte Arbeitszeit infolge flotten Geschäfts- ganges wieder auf zehn Stunden erhöht werden sollte. Die Ar- beiter, durch die Erfahrung belehrt, daß in der kürzeren Arbeitszeit das gleiche Quantum an Arbeit geleistet werden kann, wie bei der früheren zehnstündigen, und sich inzwischen auch im Textilarbeiter- verband organisiert hatten, gingen nicht auf das Ansinnen ein, son- der» blieben einfach der Arbeit fern. Die sofort eingeleiteten Per- Handlungen scheiterten. Jetzt hat sich die Firma eines Besseren � besonnen. In erneuter Verhandlung bewilligte sie nicht nur den Neunstundcniag, sondern auch für die im Tagelohn beschäftigte« Arbeiter, den Lohn, den diese früher in zehn Stunden verdienten. Nach Rück'chr des zweiten Firmeninhabers soll mit der Kom- Mission über die weiteren Forderungen der Arbeiter: Beschaffung eines AnkleidcraumeS für die Frauen, Erhöhung des Stücklohnes für einige Artikel usw. verhandelt werden. Die Arbeit ist bereits wieder aufgenommen. Streik in den Geringöwalder Stuhlfabriken. Die in der Stuhl» industrie beschäftigten Arbeiter hatten vor kurzem Forderungen gestellt, es wurde darüber mit den Fabrikanten verhandelt, aber kein Einverständnis erzielt. Während die 54stündige Arbeitszeit pro Woche gefordert wird, wollen die Unternehmer statt der bisher 58stiindigen nur die"57ftündige Arbeitswoche zugestehen. LoHp» Erhöhungen wollen' die Unternehmer nur 1— 2 Pf. pro Stunde be- willigen, womit die Arbeiter nicht zufrieden sein konnten. Daher traten die Arbeiter, nachdem die Kündigungsfrist abgelaufen war. in den Ausstand. Es ist anzunehmen, daß sich der Streik auch auf die anderen in der Nähe von Geringswalde liegenden Orte der Stuhlindustrie ausdehnt. In diesen. Falle würde die Zahl auf 1400 steigen. Es handelt sich um Tischler, Polierer. Polsterer, Drechsler, Bildhauer, Maschinen- und Hülfsarbeiter. Die Arbeiter der chemischen Fabrik in Nienburg(Anhalt)' stehen seit zirka 3 Wochen im Streit, da ihr-» Forderung, den Stundenlohn von 30 auf 35 Pf, zv erhöhen, rundweg abgelehnt wurde. Die Betriebsleitung versucht, aus dem Osten fremde Ar- bcitswillige heranzuziehen, zum Teil auch mit Erfolg, doch sind die meisten wieder abgereist. Die Arbeitswilligen wurden durch „Louis Dzialoschinskp, Neumarkt, Schlesien, internationales Stellen- vermittelungsbureau", vermittelt. Vor Zuzug wird gewarnt. Tie Dresdener Konfektionsschneider befinden sich in einer Bc- wegung, die auf den Abschluß fester Lohntorife hinzielt. Gefordert wird die Einführung von Betriebswerkstätten, lOstündige Arbeits- zeit, ein Mindcsttagelohn von 4,50 M. für Arbeiter und 2,50 M. für Arbeiterinnen." Mit mehreren großen Geschäften sind bereits Akkordtarife vereinbart worden. Auf ein dahingehendes Ersuchen erklärte sich der Arbeitgcbcr-Verband für das Dresdener Schneider- gewerbe bereit, einen korporativen Tarifvertrag mit der Organi- sation der Arbeitnehmer abzuschließen. Unterhandlungen wegen des Vertragsabschlusses sind bereits im Gange. Der Streik der Kohlenarbeiter in Kiel ist durch den Abschluß eines Tarifs beendet worden, der den Arbeitern verschiedene wcscnt- liche Verbesserungen bringt und bis 31. März 1908 gilt. Streik im lothringisch-luxemburgischen Industriegebiet. Nach einer Meldung des„Wolffschen Bureaus" sind in der Rombacher Hütte einige hundert Arbeiter ausständig. Internationale Berständignng. Die amerikanische„Federation of Labor"(Präsident Gompers) hatte auf ihrem letzten Kongreß einen Beschluß gefaßt, der einen kleinen Schritt nach vorwärts bc- deutet. Der Zentralvorstand wurde nämlich beauftragt, sich mit den gewerkschaftlichen Organisationen von Amerika und Europa in Verbindung zu setzen, um ein Gegenseitigkeitsverhältnis herbeizu- führen, wonach die Mitglieder einer Gewerkschaftsorganisation des einen Landes ohne weiteres Mitglied in der betreffenden Berufs» organisation eines anderen Landes werden können, ohne von neuen, Eintrittsgeld zahlen zu müssen und den sonstigen Aufnahmebedin» gungen unterworfen zu sein. Die amerikanischen Gewerkschaften haben bekanntlich in dnser Beziehung viel Anlaß zur Klage gegeben. Die zahlreichen von Europa, besonders auch aus Deutschland nach Amerika auswandernden gewerkschaftlich organisierten Arbeiter sind in den Vereinigten Staaten, wenn sie in den dortigen Gewerkschaften Aufnahme finden wollten, zur Hinterlegung hoher Eintrittsgelder (in einzelnen Fällen bis zu 200 M.) gezwungen worden, ja in einigen Organisationen fanden sie überhaupt keine Aufnahme. Es ist also ein Schritt zum Besseren, wenn die amerikanischen Arbeiter jetzt eingesehen haben, daß sie ihre zünftlerischen Bestimmungen auf die Dauer nicht auftecht erhalten können. Der Präsident Gompers richtet jetzt in Ausführung des obigen Beschlusses ein Rundschreiben an die deutschen Gewerkschaften.> n:, Achtstundentag in Frankreich. AuS Pari» meldet das, „Bureau Herold": Der Generalverband der Arbeiter gibt durch Maucranschlag bekannt, daß heute 7 große Versammlungen zu» gunsten des Achtstundentages und der Sonntagsruhe stattfinden. In dem Aufruf wird das gesamte Proletariat aufgefordert, alle An» strengungen zu machen, damit die neuen Forderungen bis zum 1. Mai durchgeführt werden._ Streiks in Oesterreich. In Arad find die Magazinarbeiter der Staat?» bahn und in Eszeg und Scgeswar die Maurer in den Ausstand getreten; sie fordern eine Verkürzung der Arbeitszeit und eine beträchtliche Lohnerhöhung. � �„ Wegen strafweiser Versetzung einiger Bediensteter beschlossen die Angestellten der Sudbahn, in den General» st r e i k zu treten, wenn die Verwaltung der Südbahn diese Ver» setzungen nicht wieder zurücknimmt. Die organisierten Angestellten der Apotheken Wien? und fast ganz Oesterreichs beschlossen, in den Ausstand zu treten. In Lemberg ist daS Hülfspersonal in den Druckereien in den Ausstand getreten. Die Zeitungen sind gestern(Montag) nicht erschienen. Letzte(Vachnchtcn und Depefchen. Steglitz, 5. März, f(Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der heutigen Gemeindevertreterwahl sind unsere Genossen in beiden Bezirken mit den Kandidaten des Mietervereins in Stichwahl ge- kommen. Im ersten Bezirk fehlten drei«stmmen am endgültigen Siege.__ Ein Erfolg der WahlrechtSbewegung. Tetmald. 5. März.(W. T. B.) In der heutigen Sitzung des Landtages kündigte der StaatSminister Gevrkot die demnächstig« Ein- bringung einer Wahlrechtsvirlage an. Berhaftete Anarchisten. Petersburg. 5. März.(B. H.) Auf dem Bahnhofe von Zarskoje Sselo wurden gestern zwei Anarchisten verhaftet, welche mehrere Bomben bei sich trugen. Lohn für Spitzeldienste. Odessa, 5. März.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Heute wurde auf dem Alexander Prospekt in ein«m Laden, in dem sich die Polizei unlängst anf die Lauer gelegt hatte, um 2 Anarchisten zu verhaften, eine Bambr geschlendert. Das Geschoß richtete große Verwüstungen an und verletzte den Besitzer des Ladens und einen Kommis schwer. Die Täter entkamen. veberfal auf einen Kaffenrendanten. TifliS, 5. März.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Ein Rendant'der Kontrollkammer, der in einem Wagen 79KV Rubel, die er von dem Schatzamt geholt hatte, fortbrachte, wurde von drei Männern überfallen und durch Revolverschüsse getötet. Die Täter sind mit dem Gelde entkommen, doch wurde einer nachher getötet und einer gefangen genommen. Ein zerstörte« Re, erdarf. Turban, 5. März.(Meldung des„Reuterschen Depeschen- bureaus".) Eine englische Truppenabteilung hat ven Kraal dcö Häuptlings Gobizenbc bei Jnpumulo eingeschlossen, den Häuptling gefangen genommen und, nachdem die Bewohner daraus verjagt. den Kraal durch Artillericfeucr zerstört. Ttz. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: BorwäctSBuchdr, u, Verlagsanstalt Paul Singer L:Co., Be rlin L W. Hierzu 4 Beilagen u.tlnterhaltungsblatt Kr. 54. 23. 1. Stilajt Ks.Fmiirls" ßttliiirt MsMntt Sitnstaj, 6. Män 1906. Reid)9tac[. 67. Sitzung vom Montag, den 6. März, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratstische: Graf Posado wskh, Dr. Nieber- ding. Zunächst wird der Gesetzentwurf betreffend die Ueber- leitung von Hypotheken des früheren Rechts in dritter Lesung ohne Debatte angenommen. Es folgt die Interpellation Gothein(frs. Vg.)- Dr. Semler(natl.)- Dr. Müller- Sagau.) Alle Vereinigungen, die den wesentlichen Grundsätzen deS Sozialismus zustimmen. Sozialisation der Prodnklions- und Austauschmittel; internationale Vereinigung und Aktion der Arbeiterklasse; Eroberung der öffentlichen Gewalt dnrch das in einer Klassenpartei organisierte Proletariat. b) Alle gewerkschaftlichen Organisationen, die sich auf den Boden des Klassenkampfes stellen und die Notwendigkeit der politischen, also gesetzgebenden und parlamentarischen Aktion anerkennen, jedoch nicht in direkter Weise an der polittschen Be- wegung beteiligt sind.(Pariser Kongreß i960.) II. Die einzige Grundlage der Vertretung ist die Sektion. Jede Nation bildet eine Sektion. „Die Abstimmung der internattonalen Kongresse wird in folgender Weise geregelt: a) Die Abstimmung wird entweder durch Handaufheben vor genommen oder nach Nationalitäten, wenn die verttetenen Nationen das wünschen. b) Als Nationen werden die unter derselben Negierung stehenden Bevölkerungsmasseit betrachtet. Jedoch darf das Bureau auch ausnahmsweise eine sondere Bevölkerungsgruppe als eine besondere Natton anerkennen, deren Streben nach Selbständigkeit und deren geistige Einheit als Folge einer langdauernden historischen Traditton anzusehen ist, mag sie unter einer oder ver- schiedenen Regierungen stehen." Ein Antrag von Bebel, die Möglichkeit einer namentlichen Ab stimmung zu schaffen, wurde abgelehnt. Die Beratung weiterer Punkte dieser Resolutton mußte wegen vorgerückter Zeit auf morgen verschoben werden. Es sollen dann auch noch Resolutionen von Troelstra und Hyndmau über russische und von Branting-Kopenhagen über skandinavische Angelegenheiten verhandelt werden. Die schwierigsten Punkte wurden jedenfalls heute schon erledigt. »,» Abends fand im Volkshause ein Meeting statt. Jaurös sowie der Engländer Hyndman und der Holländer Troelstta ergriffen nach einander daS Wort und sprachen über das Thema„Krieg dem Kriege". Jaurös erklärte die Haltung der französischen Sozialistrn in Bezug auf die Marokkofrage und wider legte die Behauptungen, welche von verschiedenen Seiten gegen die ftanzösischen Sozialisten erhoben worden seien, daß sie zugunsten des Auslandes wirken. Er erklärte, die Taktik der Sozialisten gehe dahin, daß kein Land, welches cS auch sein möge, gedemütigt werde. Hyndman drückte die Hoffnung aus, daß die englische Sozialdemo- kratie weitere Fortschritte machen möge. Auch Troelstra wies auf die Fortschritte des internationalen Sozialismus hin. Als letzter Redner ergriff der Russe Kutschiakow daS Wort und zeichnete' ein Bild der russischen Revo.lution und ihrer Folgen. Redner erntete stürmischen Beifall. Die Versammlung tvar von über 3060 Personen besucht. Einstimmig wurde eine Resolution an- genommen, welche vorher von dem Internationalen sozialistischen Bureau gebilligt war und welche besagt, daß in Zukunft die Sozia- listen aller Länder bei jedem Anlaß, wo dem Frieden Europas Ge- fahr drohe, sich untereinander verständigen müßten, um eine Störung deS Friedens zu verhindern._ Anklage wegen Majestätsbeleidigung in Finnland. Auf Veranlassung der Oberverwaltung für Presseangelegen- heiteu hat das Justizdeparteinent des Senats dem Zaren auheim- gegeben, gegen die Zeitung„Arbetaren", das in schwedischer Sprache m HelsingforS erscheinende sozialdemokratische Organ, Anklage wegen Majestätsbeleidiguug zu erheben, und zwar eines Artikels wegen, der von der Situation in Petersburg handelte, und eines Gedichtes wegen, das den Titel:„Eines russischen Revolutionärs Lied" trug. Die Anzeige wegen Majestätsbeleidigung gegen ein anderes Blatt„Fyren" betitelt, lehnte das Justizdepartement ab. Kongreß der belgischen Arbeiterpartei. Auf der Tagesordnung des am 15. und 16. April in Brüssel stattfindenden Kongresses stehen folgende Punkte: Obligatorischer Schulunterricht und Schulkantinen; die nächsten Parlamentswahlen (im Mai 1966); der Alkohol in den Volkshäusern; die sozialistische Presse und die gesetzlichen Feiertage. Der letztere Punkt kommt aus Antrag der sozialistischen Schriftsteller auf die Tagesordnung. Es handelt sich um die Frage, ob nicht in den Redaktionen und Druckereien der sozialistischen Blätter die Sonntagsruhe durchgeführt werden sollte. Jetzt erscheinen nämlich die sozialistischen, wie übrigens auch die bürgerlichen Blätter Belgiens au allen sieben Tagen der Woche. In dieses AbrackerungSsysiem, daS leider über alle romanischen Länder verbreitet ist, versuchen die sozialistischen Schriftsteller Belgiens berechtigterweise Bresche zu schlagen. Ins Wasser gefallen! Eine große Aktion aus Anlaß der Flugblattverbreitung vor dem 21. Januar hatte die Staats- auwaltschaft in Straßburg eingeleitet. Gegen eine Anzahl Genossen war das Verfahren aufgenommen wegen Landesverrat und Ans- reiznng! Der Liebe Mühe war vergebens. Allen Sündern ist nun mitgeteilt worden, das Verfahren sei eingestellt. Soziales. Schutz des Bergfiskus. „Vor der Saarbrücker Strafkammer wurde die Eheftau I. K. aus Wiebelskirchen beim Kohlenraffen auf der Berghalde der Grube erwischt. Sie behauptet, sich in Notlage befunden zu haben. Da Rückfall vorliegt, entscheidet das Gericht auf eine Gefängnisstrafe von vier Monaten". So berichtet kurz und bündig der Gerichts« berichterstattcr der bürgerlichen Presse. Der mit den Verhältnissen weniger Vertraute wird durch das exorbiaut hohe Strafmaß der Meinung sein, daß cS sich um ganz wertvolle Objekte handeln müsse; dem ist jedoch nicht so. Bei der Abfuhr der„Bergen"(Felsenstücke), die in der Nähe der Gruben zu mächtigen Bergen aufgetürmt werden, ist es nicht zu umgehen, daß auch einzelne Kohlcusrückchen mit da- zwischen kommen und mit den Felsstücken auf die Berghaldcn ab- gefahren werden. Die ärmere Bevölkerung der Grubenorte sucht sich, imthselig auf den Halden herumkletternd, diese Kohlenstückchen zu- sammen, um dadurch ihre Haushaltsausgaben etwas zu verringern. Der Bergfiskus macht auf diese Kohlen, da er sie selbst nicht sammeln läßt, keine Eigen- tum sau spräche, wodurch ihre Wertlosigkeit für ihn festgestellt ist. Nichtsdestoweniger ist das„Kohlen- raffen", wie diese Tätigkeit genannt wird, verboten, wie man sagt aus Rücksicht aus die Gefahr, der die„Kohlenraffcr" ausgesetzt sind. Das richtige Motiv des Verbotes scheint uns aber nicht in der ein- gebildeten Gefahr, als vielmehr in dem entstehenden Einnahme- auSfall des Fiskus zu liegen und die Gerichte beurteilen die Straftat ziemlich streng, wie das obige Urteil, das nicht vereinzelt dasteht, zeigt. Uns ist es unerfindlich, wie ein Gericht auf Diebstahl erkennen kann, wenn der„Bcstohlene" felbst erklärt, daß er an den gestohlenen Sachen keine Eigentumsansprüche geltend macht und sie als für ihn wertlos erklärt. lieber die Frage, ob ein Zopf eine fremde bewegliche Sache sei, die im Eigentum eines anderen steht, wird deS langen und breiten in einem Prozeß gegen einen Studenten gestritten, der in gemein- gefährlicher Weise Mädchen ihres Haarschmuckes beraubt. Aber die Frage, ob für den Eigentümer wertlose Kohlenstückchen gestohlen werden können, macht keine großen Kopfschmerzen. ES gilt als selbstverständlich, daß der Bergarbeiter das Bewußtsein haben müsse» er dürfe nicht mehr wie seine Vorfahren Kohlen raffen. Tut er eS, dann: 4 Monate Gefängnis: Der Umstand, daß trotz so hoher Strafen das Kohlcnraffen nicht aufhört, sondern die Verurteilungen in rascherer Aufeinanderfolge als früher stattfinden, wirft ein grelles Streiflicht auf die„Wohlhabenheit" der BergarbeiterbevöNerung, die ja im Hilger— Krämer-Prozeß eine so große Rolle spielte und zeigt uns auch, daß nur die bitterste Not die Leute zu dieser wenig an- genehmen Tätigkeit zwingt._ Freizügigkeit und UnterstützuugSwohnsitz. Die„Mecklenburgische Volkszeitung" berichtet folgenden drastischen Fall versuchter Unter- bindung der Freizügigkeit. Einer Fran Range in Ncu-Hohenfelde bei Doberan ging in diesen Tagen von dem Ortsvorstande(nämlich dem Schulzen und den beiden Schöffen) folgendes Schriftstück zu: „Sie werden hierdurch aufgefordert, den bei Ihnen wohnenden Töpfer H. Ostern d. I. zu kündigen, damit er in der hiesigen Ge- meinde keine Heimat gewinnt.— Zugleich geben wir Ihnen ernst- lich zu bedenken, daß, falls Sie dieser Aufforderung nicht nach« kommen, die Gemeinde Ihnen etwa entstehende Unkosten zur Last legen wird. Hohenfelde, 26. Januar 1966. Der Gemeindevorstand: H. Reinke, I. Kruth, H. Pentzien." Und warum soll der Töpfer H. aus Neu-Hohenfelde abgeschoben werden? Er wohnt seit 1963 in Neu-Hohenfelde und hat noch nie von der Gemeinde etwas verlangt, ist auch nicht unterstütznngSbe- dürftig. Aber, weil auf ihm und seiner Frau mehr als auf vielen andern Menschenkindern„Gottes Segen" ruht, nämlich: weil er sieben Kinder hat, befürchtet der Gemeindevorstand, H. könne einmal in Not geraten und dann der Gemeinde Hohenfelde Unkosten verursachen, Ein derartiges Vorgehen ist mit dem Freizügigkeitsgesetz unvereinbar, zumal eS sich nicht um einen Neuanziehenden handelt. Es liegt aber die Befürchtung nahe, für den Fall deS Zustandekommens der Unter- stütznngSwohnsitz-Novelle wird die Abschiebung Reuanziehender, die nicht wohlhabend sind, noch stärker werden als sie schon heute ist. »Ziis Industrie und Handel. Reichöbank. Auf 6,15 Proz. gegen 7,04 Proz. im Vorjahrsetzte die Generalversammlung der Reichsbank die diesjährige Dividende fest. Zu berücksichtigen ist, daß daS Aktienkapital um 36 Millionen Mark auf 186 Millionen Mark erhöht wurde. Der Gesamtgewinn deS Jahres 1965 betrug 45 247 284 M. Hiervon kommen zunächst in Abzug die Verwaltungskosten mit 15,31 Btillionen Mark, Kosten für Banknotenanfertigung 6,47 Millionen Mark, ver- tragSmäßige Zahlung au den preußischen Staat 1,86 Millionen Mark. Bankuotensteuer 1,65 Millionen Mark, auf zweifelhafte Forderungen reserviert 36 867 M., Verlust beim Verkauf von Grund- stücken 2965 M., uneinziehbare Buchforderungeii 166 M. Der Reingewinn beträgt 25 466 367 M. Die Dividende be- ansprucht 11676 666 M. Der Reichskasse fließen mit 14 329 666 M. diesmal etwa 1 666 666 M. weniger zu als 1964. Das liegt daran, daß die Reichskasse mit'/e desjenigen Betrages an dem Gewinne parttzipiert, der nach Ausschüttung einer llVzprozentigen Vordividende an die Aktionäre verbleibt. Die Vordividende beansprucht diesmal 6-366 000 gegen 5 250 006 M. in 1004. Gegen das Vorjahr stieg der Gewinn um 3696 M., die Ver- waltungskosten stiegen um 75 666 Mark. Die Banknotensteuer absorbierte ein Mehr von 54 666 M., der Reingelvinn ging um 44 193 M. zurück, trotzdem werden für Dividenden 516 666 M. mehr ausgewendet. DaS Register der Eigentümer wies am 36. Dezember 1963 neben 15 559 Inländern auch 2619 Ausländer auf. Ilse Bergbau Akt.-G. Die Gesellschaft erzielte im letzten Jahre bei einer Förderung von 36,2 Millionen Hektoliter einen Brutto- gewinn von 3 294 666 M. Im vorigen Jahre betrug die Förderung und ihre sozialpolitische Bekämpfung. Bon Therese Schlefinger- Edſtein. Ern Stelterborn, Die angebliche Notwendigkeit des Behnstundentages für die Fabrikarbeiterin im Wäschereigewerbe. Von Lea Heiden- Deutschmann. handlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle BuchQuartal zu beziehen; jedoch fann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft tostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. " Die 29 Millionen Heltoltter, der Ueberschuß 2 878 000 M. Die Förderung nachweis hat einen erfreulichen Aufschwung genommen. Während stieg um 0,04 Proz., der Gewinn aber um 0,14 Proz. Da haben 1900 an offiziellen Vermittelungen nur 980 zu verzeichnen waren, die hohen" Arbeiterlöhne wieder mal nicht den Gewinn der Gesell- so im Jahre 1905 schon 9140. Das heißt, in einem Zeitraum, wo schaft geschmälert. Obwohl der Absah an Ziegelsteinen bei einer sich die Mitgliedschaft der Verwaltungsstelle etwas mehr als vergeringen Produktionssteigerung um 500 000 Stüd zurückgegangen ist, doppelte, stieg die Zahl der offiziellen Arbeitsvermittelungen durch wodurch die Einnahmen ungünstige Beeinflussung erfuhren, wurde den Nachweis der Verwaltungsstelle um das Zehnfache. Bei BeBei Beim lezten Jahre pro hektoliter Kohlenförderung ein Ueberschuß von handlung des Punktes Rechtsschutz" hielt Redner gründlich Ab0,109 m. erzielt, während der Ueberschuß des Vorjahres sich auf rechnung mit dem Polizeikampf gegen Streitposten, wobei er die entBon der Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen 0,0909 m. beziffert. Da, wie der Geschäftsbericht vermerkt, die Pro- sprechende Gerichtspraris kritischer Beleuchtung aussette. Das( Stuttgart, Berlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 5 des 16. Jahr duktion dieses Jahres zu nochmals gestiegenen Breisen verkauft ist, schönste Denkmal dieser Pragis ist wohl die einfache Mitteilung ganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: dürfte es an der Zeit sein, die niedrigen Löhne der Arbeiter den der Tatsache, daß zwei Streikposten, die sich in menschen- Der sozialdemokratische Wahlrechtstampf. Bon G. L. Heinrich Heine gestiegenen Gewinnen anzupassen. leerer Straße allein mit einem Schuhmann be- und die Frau. Bou Ernst Almsloh. Bon der Heimarbeit Ausstellung „ Hibernia". In der am 5. d. M. abgehaltenen Aufsichtsrats- handelt wurden, deren Verweilen in der Straße geeignet gewesen aus der Bewegung: Von der Agitation. fanden, gemäß der famosen Polizeivorschrift als Menschen be- in Berlin. III. Buchbinderei, Portefeuille, Kartonnagen- und Papierwaren industrie. Von G. Sch. Das Frauenstimmrecht im Reichstage. I. fizung der Bergwerksgesellschaft Hibernia", Herne, wurde auf den sei, die Ordnung, Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs zu ge- Die erste Konferenz deutscher sozialistischer Jugendorganisationen. Bon den Organisationen. Bericht der Rechnungsrevisoren die vorgelegte Bilanz für 1905 feftfährden. An der Maifeier beteiligten sich durch Arbeitsruhe be- Behörden im Kampfe gegen die proletarischen Frauen. Von Luise Zieh. gestellt. Es wurde beschlossen, von dem abzüglich aller laufenden beutend mehr Kollegen als in früheren Jahren. Dieses Jahr wird Politische Rundschau. Bon G. L. Gewerkschaftliche Rundschau. Notizen und außergewöhnlichen Betriebsausgaben sowie der Anleihezinsen Bebel bei den Metallarbeitern am 1. Mai sprechen.( Bravo!) teil: Soziale Gesetzgebung. Sozialistische Frauenbewegung im Ausland. bon 861 690,00 m. verbleibenden Bruttogewinn von 9649 075,59 M. Ueber die Kaffenverhältniffe im Jahre 1905, tozu der Rendant Frauenstimmrecht. Fürsorge für Säuglinge.- Feuilleton: Gedichte von ( einschließlich des Vortrages von 1904 von 175 737,37.) e old einige Erläuterungen gab, gibt ebenfalls der gedruckte Heinrich Heine. 3 101 210,50 M. zu Abschreibungen auf Inventarkonto zu verwenden Jahresbericht nähere Auskunft. Man rechnete in dem Jahre mit Frauen Beilage: Reinigung Von H. Heine.( Gedicht.) und von dem verbleibenden Reſt die Verteilung von 11 Prozent einer Geldbewegung in der Berliner Verwaltungsstelle, die alles unsere Gesundheit: 10. Säuglingspflege. Bon Dr. Adams- Lehmann.( Schluß.) Dividende, und zwar: a) von 53 500 000,-.( alte Aftien), b) von in allem etwa 2 800 000 m. umfaßte. Seruelle Fragen: 2. Aufklärung der Jugend. Von Henr. Fürth. Die Abrechnung für das Wallfahrt nach Steblaar. Von H. Heine.( Gedicht.) 1 625 000,-.( erste Einzahlung von 25 Broz. auf nom. 6 500 000,-. 4. Quartal, zu der auch Behold sprach, weist für die Hauptkasse Frau bei den Berbern Maroffos. Von J. Guttzeit. Aftien der Emission vom 27. August 1904) für ein volles Jahr, einschließlich eines infolge der Anforderungen aus der Elektriker- Erzieherin. Für die Hausfrau. c) bon 1 625 000,- M.( zweite Einzahlung von 25 Proz. auf vor- Aussperrung erfolgten Zuschusses der Hauptkasse des Verbandes von genannte Neuemission) für ein halbes Jahr unter Vortrag von 235 000 m. insgesamt eine Einnahme von 527 095,95 M. auf. 63 969,87 M. auf neue Rechnung, der diesjährigen ordentlichen Nach Abzug aller Ausgaben, darunter 291 833,25 M. StreifunterGeneralversammlung vorzuschlagen. stüßung und 76 377,05 M. für die Verbandshauptkasse verblieb am 31. Dezember 1905 ein Bestand von 38 205,62 m. Die Lokaltasse erscheinen lassen. Aus dem Inhalt erwähnen wir die beiden rechnete im 4. Quartal mit einer Gesamteinnahme von 426 059,97 farbigen Bilber„ 3um Inkrafttreten des Bolltariss" und" Der franke Mann Mart. Am 31. Dezember 1905 hatte sie einen Bestand von 227 622,75 von Marotto sowie die weiteren Illustrationen Seine Ideale",„ Suum Mart. Unter den Ausgaben der Lokaltasse befinden sich 156 395,25 cuique"," Stircheninventur"," Unter den Linden", Gottesdienst", Der Mark Streifunterstüßung. Zur Unterstübung der bei der Aus- Kammerjäger in Nöten", Bon der Spezialitätenbühne des Deutschen sperrung in der Elektro- Industrie beteiligten Nichtvollberechtigten Reiches", Karneval", Aschermittwoch" und" Belehrung". Der tertliche Teil und Unorganisierten tamen 141 224,91 m. ein. Pezold trat den der Nummer bringt die Gedichte Zöllners Erntedanklied"," In der Sträf Der perfekte Staatsmann", An Ferdinand Gerüchten entgegen, wonach das Grundstück für das Verwaltungs- lingsjacke"," Zirkus Busch", Freiligrath", Guter Rat für Bentrumswähler"," Gespenster"," Wohltätigkeitsgebäude der Berliner Verwaltungsstelle des Verbandes wegen ball", An Höbur" und außer zahlreichen fleineren Beiträgen noch die Eräußerst schlechten Baugrundes viel zu teuer gekauft sein soll. Erzählung„ Das gesicherte Beschwerderecht von Rudolf Krafft. bezeichnete diese Gerüchte als ungeheure Uebertreibungen und erläuterte die Verhältnisse eingehend. Nach kurzer Debatte wurde dem Kassierer Decharge erteilt. Landerwerb der Schottischen Großeinkaufsgesellschaft in Kanada. Zu dem Projekt der Schottischen C. W. S., in Kanada eine Ansiedelung zu errichten, auf der zunächst Getreide angebaut werden soll, liegt nunmehr, nach der Konsumgenossenschaftlichen Rundschau", der Bericht einer von der Schottischen C. W. S. nach Ranada entsandten Spezialfommission vor. Die beiden Herren Delegierten find nach eingehendem Studium der Materie zu dem Entschluß gekommen, der Schottischen C. W. S. zu empfehlen, noch ehe der Herbst kommt, zu Winnipeg sich niederzulaffen. Das von der Kommission zum Ankauf empfohlene Gebiet umfaßt 100 000 Acres ( 1 Acre= 40% Ar), also insgesamt zirka 7 Quadratmeilen. Da von der Schottischen C. W. S. wöchentlich zirka 72 000 Bushels ( Scheffel) Weizen bermahlen wurden, von denen mindestens 50 000 fanadischer Provenienz sein dürften, hat das Projekt alle Aussicht, bald berwirklicht zu werden. Man will damit einerseits der Spetulation der Kornhändler nicht mehr unterworfen sein, andererseits will die Leitung der Schottischen C. W. S. ihren großen Weizenbedarf nicht mehr durch viele unnötige Kleine Kanäle" beziehen, sondern folgerichtig den Produzenten und Konsumenten selbst bilden. Endlich wird der Plan von der Spezialfommission auch noch deshalb empfohlen, weil dadurch die Kapitalien der Schottischen C, W. S. ficher und gewinnbringend untergebracht werden könnten. Als erster Bevollmächtigter wurde Cohen wiedergewählt mit etwa Dreiviertel der abgegebenen Stimmen. Zum zweiten Kassierer wählte man Henning, zum Revisor Karl Schmidt und zu Beifizern Menz und Buse. Der zweite Kassierer und der Auszahler der Arbeitslosenunterstüßung sollen von jetzt ab pro Vierteljahr 25 M. Mantogeld erhalten. Zum Schluß machte Cohen auf die Bedeutung der bevorstehenden Lohnbewegungen aufmerksam, namentlich auf die der Former- und Gießereiarbeiter, die sich über ganz Deutschland erstreckt. Sparverein für Freidenker zur Ausführung der Fenerbestattung Mittwoch, den 7. d. W., abends 8%, Uhr, Versammlung bei Ostrowski Vermischtes. Preiserhöhung. Der Preishausse in Rohmaterialien folgen nun auch Erzeugnisse. Nach der K. Volksztg." erhöhten die nieder- Schillingstr. 24. Gäste sehr willkommen. rheinisch- westfälische, die linksrheinische, die hessen- nassauische und die füddeutsche Gruppe des Vereins deutscher Eisengießereien die Preise um eine Mart für hundert Kilogramm und die Stückwarenpreise um die entsprechenden Prozentsäze. Die Preiserhöhungen betreffen bei der niederrheinisch- westfälischen Gruppe sämtliche Gußwaren, also Handels, Maschinen- und Bauguß vom 15. Februar 1906 ab, bei der linksrheinischen Gruppe Handelsgußwaren, Bau- und Maschinenguß für rheinische Fabriken vom 10. Februar 1906 ab, bei der heffen- nassauischen und der füddeutschen Gruppe Bauguß, Maschinenguß und Guß für rheinische Fabriken vom 17. Februar 1906 ab. 0 Die Die Stellung der Die Mutter als Die Gleichgeit" erscheint alle 14 Tage einmal. Breis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement Der Wahre Jacob hat soeben die 5. Nummer seines 22. Jahrs 2,60 m. n Der Preis der 12 Seiten starken Nummer ist 10 ẞf. 2 Briefkaften der Redaktion. Juriftifcher Teil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von 7 bis 9½, 1hr abends ftatt. Geöffnet: 7 br. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe und eine Bahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. 3. K. 100. Der Ortskrankenkasse gehört man durch Gesek infolge der Beschäftigung an. Es ist unzulässig, durch Kassenstatut ärztliche Untersuchung oder vorzuschreiben, daß ein Arbeitgeber nur Gesunde einstellen dürfe und dergleichen. 2. Der Nevers ist leider gültig. P. R. 26. 1. Der Antrag auf Aufnahme in den preußischen Staatsverband ist in Berlin an den Polizeipräsidenten zu richten. Berlangt werden kann die Beibringung des Nachweises, daß der Antragsteller Angehöriger eines deutschen Staates ist. In Württemberg stellen solche Staatsangehörig. Teitsausweisungen die Kreisregierungen zu Ludwigsburg, Glwangen, Reut Bon der amerikanischen Bühne. Wie der New York Herald lingen und Ulm aus. 2. Ja. 3. Ja. E. 2. H. Errichten Sie mit berichtet, erzielte lezten Freitag eine Neuheit auf der modernen Ihrer Frau ein wechselseitiges Testament. Ein Beispiel dafür finden Sie amerikanischen Bühne in New York einen ungeheuren Erfolg.a ,, The Seite 328 Nr. 55 des dem Arbeiterrecht beigefügten Führers. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus. E. R. 79. Falls nicht Redskin“(„ Die Rothaut") hieß das neue Zugstück, in dem nur aus dem Status bas Gegenteil erhellt, ist die staffe leider im Recht. Indianer auftreten, darunter sechs echte Siour- Krieger. Die Hauptrollen werden von amerikanischen Schauspielern, als Indianer mas- sein und sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden. Sie können S. 12222. Die Trauzeugen sollen großjährig oder für großjährig erklärt fiert, gespielt. Kriegstänze, Duelle mit Tamahawks und andere verheiratet oder unverheiratet, männlich oder weiblich, deutsch oder ausWozu Rußland Geld braucht. Viele Millionen hat der ruffifche Bilder aus dem indianischen Lagerleben amüsierten das Publikum ländisch, mit dem Verlobten oder dem Standesbeamten oder untereinander Korruptionssumpf schon verschlungen. Witte ist auf der Suche nach prächtig, und als der größte Schuft oder Held des Stückes am verwandt oder verschwägert sein. 2. S. 39. 1. Sie befinden sich im weiteren Summen. Wie in Rußland mit den Geldern gewirtschaftet Marterpfahle die gräßlichsten Qualen leiden mußte und schließlich Irrtum. Seite 169 Biffer 2 fowie Seite 170§ 4 Nr. 2 des von Ihnen be wird, darüber gibt interessante Aufschlüsse ein Bericht des vor einigen lebendig verbrannt wurde, da stieg die Begeisterung aufs höchste. nannten Buches legt dar, daß eine solche Pfändung zulässig ist. 2. Die Monaten verstorbenen General Berpizti, Chef des Der Gang der Handlung ist voll von Absurditäten, aber das tut Firma befindet sich im Recht. Im übrigen ist der Wortlaut des uns un bekannten Urteils entscheidend. X. Armeetorps der Kriegsarmee in der Mandschurei.( Vernichts, der Erfolg ist gesichert durch die Eigenart und eine groß- 23. 47. 1. Nein, es sei denn, daß schriftlich etwas anderes vereinbart ist. O. 2. Für den Mann ja wohl. öffentlicht in Rußi".) Der Ausgang des Krieges war nur das Schlußergebnis der Art artige Ausstattung. Man sieht zum Schluß die ewigen Jagbgefilde 2. Nein., 3. Ihr Bruder müßte schon mitglied bes Bees bereinbart iſt. mit einem Indianer im Kahn auf dem Totenfluß. Der Indianer und 5.: Wenden Sie sich an das Sekretariat. 6. Die Aufforderung wäre der Erziehung und Ausbildung der Armee. Unsere Armee scheint stimmt den Totengesang an und strebt seinem erträumten Paradies zweckmäßig. C. 2. 100. In 30 Jahren. 2. G. 102. Das von die unwissendste, unausgebildetfte und unpatriotischte der Welt zu entgegen. Ihnen beschriebene ist eine schwere Beleidigung. Sie sollten durch fein. Das Volt sollte ununterichtet bleiben und der Kriegsminister,„ in Ihren Bater wegen Beleidigung flagen, falls ein Beweis möglich ist. Einen Schadenersatzanspruch können Sie nicht machen. seiner unaufhörlichen Sorge" für die Entwidelung des Unterrichts B. 1. Ja. 2. K. 1876. 1. Nein. 2. Ja. Aber Sie brauchen die Kriegsfurcht setzte in seinem Etat die jährliche Ausgabe von 10 Sopelen( 21 Bf.) A. B. 38. Der Wirt ist im Recht, falls Sie im Ber pro Mann der aktiven Armee für diesen Bwed an. nicht zu haben. Ich war, fährt der General Berpizti fort, Zeuge des Chinazuges und, da ich die unausbleiblichen Folgen vorausfah, warnte ich zu wiederholten Malen. Aber der leichtsinnige Alegeiff wollte an diese Warnungen nicht glauben und war in Port Arthur mit Herbeiführung einer zweiten Panamaaffäre beschäftigt. Zu dem Untergang einer Drontheimer Fischerflottille wird aus Drontheim gemeldet: Nach den von Dampfern an der Küste und bei den Inseln vorgenommenen Untersuchungen scheint das Unglück, von dem die Fischerflotte der hiesigen Gegend betroffen wurde, einen weniger großen Umfang zu haben, als anfangs befürchtet wurde. Nach den lezten amtlichen Mitteilungen werden elf Boote mit insgesamt 34 Mann vermißt, wovon die meisten Familienväter find. Ats im März 1904 bei einem der Hofpitäler sich plötzlich Ein Lawinenfiurz zerstörte am Sonntag, wie aus Dabos geeine dringende Ausgabe von 300 Rubeln herausstellte, lam die meldet wird, die Parsennhütte am Mittelgrat zwei Stifahrer Bewilligung hierzu im Juni 1905. Aber als der wurden gerettet, ein dritter dagegen verschüttet. Die alpine General K. die Verwaltung des Kriegsministeriums über- Rettungsstation in Davos begab sich sofort mit einer Rettungsnahm, da war das Allererste was geschah, die Er- kolonne auf den Weg. Es gelang ihr, Schlerta zu retten, der werbung eines Hauses auf der Moitastraße für 1 Million Rubel sich vier Stunden unter den Schneemassen befunden und einen und die Einschiebung in den Etat von 40 000-60 000 Rubel an Beinbruch erlitten hatte. jährlichen Unterhaltungskosten. Indessen existierte bereits ein Haus für den Kriegsminister aber dieses Haus wurde dem früheren Minister Wonnowski zur lebenslänglichen Benuzung und unter Gewährung eines erheblichen jährlichen Betrages für Unterhaltung überlassen. Dem neuen Kriegsminister gefiel es, im Krim für den Sommer eine Villa zu befizen, und sofort wurde hierfür ein ganzes Rittergut für 25 000 Rubel Pachtzins gemietet. Der Vorsteher des Generalstabes bezieht bei freier Dienstwohnung usw. etatsmäßig 18 000 Rubel Gehalt, dazu erhielt er an Ertrahonoraren im Laufe der letzten fünf Jahre nicht weniger als 50 000 Rubel. Die erste Amtshandlung des bekannten Ssipjagin nach seiner Ernennung zum Minister war der Umbau und die Neueinrichtung seiner Dienstwohnung nach eigenen Stizzen und Entwürfen. Dem Staat kostete dies 500 000 Rubel. Bei seinem Aufenthalte in Berlin besuchte General Berpizki oft den Grafen Caprivi, der mit seiner Schwester in einer Mietswohnung sechs Zimmer bewohnte und sich nicht scheute, Mietsbroschten zu benutzen. Woran liegt es aber, so schließt Berpizti, daß das ärmste Land der Welt, wo jährlich die Hälfte der Bevölkerung des Hungers stirbt( man bedenke z. B. das nirgends die Säuglingssterblichkeit so groß wie in Rußland ist), fie für die Minister und andere Hofchargen Paläste übrig hat, als ob es alle Zaren wären. trage die Erfaßpflicht für zerbrochene Scheiben übernommen haben. K. P. Th. 1. Nein. 2. Jus primae noctis. W. N. B. 1000. Mur der Meister oder der mit der Ausbildung vertraute Gehülfe darf das väterliche Büchtigungsrecht ausüben, eine Ueberschreitung ist strafbar. Straf antrag ist an die Staatsanwaltschaft zu richten. und M. K. 7. Ehebruch ist strafbar, wenn wegen des Ehebruchs die Ehe geschieden wird der beleidigte Chegatte Strafantrag stellt. Als Strafe ist zwischen einem Tag und sechs Monaten angedroht. æ. Ja. K. S., Wilmersdorf. Lehnen Sie die Zahlung ab. Wahlrecht verlieren Sie dadurch nicht. Ein Sohn ist rechtlich zur Unterstügung seiner Mutter nur soweit verpflichtet, als er hierzu ohne Beeinträchtigung des standesmäßigen Unterhalts feiner engeren Familie im standeist. R. R. 72. Reider nein. Sie sollten aber einen Antrag stellen. C. F. 130. Der Berein würde zur Zahlung verurteilt werden, wenn angenommen wird, der der Firma erteilte Auftrag ist im Auftrag des Vereins erfolgt. M. 42. 1. u. 2.: Nein, aber ftrafbar. 3. Ohne nähere Bezeichnung ist Sie erhalten Auskunft in der Handelskammer eine Antwort unmöglich. 5. W. 77. R. W. 2. WiederWirbelsturmkatastrophe auf Madagaskar und den Gesellschaftsinseln. Von einem heftigen Wirbelsturm, der bereits am 7. und 8. Februar die Gesellschaftsinseln heimgesucht und schweren Scha- Dorotheenftr. 4. Reineswegs 5. Ja. Sie die Anfrage. E. R. 10. Leider steht Ihnen weder gegen den den angerichtet hat, bringt erst jetzt der Dampfer Mariposa" Minderjährigen noch soweit ersichtlich gegen den Berein ein Anspruch sur. cisco nähere Mitteilungen. Die Küstenstadt Papeete auf Tahiti ablehnen, ohne ausführliche Darlegung und Einsicht in die Aften Rats nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus" aus San Fran G. G. 23. Wenn Sie gewinnen, nein. Im übrigen müssen wir es G. 2. 100. Eine schrift wurde überschwemmt; 75 Häuser sind zerstört, darunter das schläge über schwebende Prozesse abzugeben. amerikanische Konsulat und die französischen Regierungsgebäude. liche Uebertragung würde genügen; aber sowohl eine schriftliche wie eine Man fürchtet, daß viele Menschen umgekommen sind. Auch andere gerichtliche oder notarielle Uebertragung des Eigentums des Mannes auf die Inseln und die Schiffahrt haben schwer gelitten. Wie die Offiziere Frau ist ungültig und kann bestraft werden, wenn sie zweds Benachteiligung von Gläubigern stattfindet. 100 Dlufching. Nein. Die Zugehörigkeit des Dampfers noch berichteten, gingen dem Wirbelſturm schwere zur freien Hülfstaffe genügt. Luitpold 2. Die Herrschaft ist verpflichtet, Seen vorauf, welche ganze Dörfer wegschwemmten; die Schiffe, für die Dauer von 6 Wochen aber nicht über die Dienstzeit hinaus dem die im Hafen von Papeete auf Tahiti lagen, vermochten sich zu erkrankten Dienstmädchen Kur und Verpflegung zu gewähren. Es tann retten. Der französische Gouverneur und der englische Konsul aber der hierfür verausgabte Geldbetrag auf den Lohn angerechnet werden, wandten sich an ihre Regierungen um Unterstützung für Hunderte der für die Krankheitsdauer zu zahlen wäre. Ueber die Beit Stellung zu obdachlos gewordener Personen. Einem San Francisconer Blatt suchen, muß eine gütliche Bereinbarung stattfinden, im Wege der Klage ist da wird gemeldet, es feien mehrere Inseln verschwunden und an zehn- nichts zu machen- V. K. 97. 1. Ja. 2. Ihre Berufung hat Aussicht auf Erfolg. M. B., Moabit. 1. Rechte und Pflichten aus einem Statut sind ohne tausend Personen umgekommen; diese Meldung ist jedoch un- Einsicht in dasselbe nicht zu beurteilen. Beantragen Sie Erfaz der Summe bestätigt. bezw. Befreiung von der Verpflichtung der Zahlung bei der Aufsichtsbehörde ( Gewerbedeputation, Stralauerstr. 1-3), event. wäre lediglich Ihre Frau, nicht aber Sie zur Zahlung berpflichtet. 2. Die einzelnen Resultate der jeder öffentlichen Bibliothek aus Specht, Reichstagswahlen, ersehen. Wir Reichstagswahlen fönnen Sie sowohl aus dem Arbeiternotizkalender wie in lehnen es ab, über einzelne Streise im Brieffaften Mitteilung zu machen. G. S. 13. Unter der Boraussetzung, daß die Reise ins Ausland vor Beginn der Militärpflicht stattfand, wird wahrscheinlich inzwischen schon Berurteilung in der Abwesenheit zu einer Geldstrafe oder einer geringen Freiheitsstrafe erfolgt sein. Die Berjährung richtet sich nach der Höhe der Strafe, in ihrem Falle mag fie 5 Jahre betragen. Die Berjährung wird aber durch jede Handlung des Richters, die gegen den Täter gerichtet ist, unterbrochen. Vor dem 32. Lebensjahre dürfte es nicht ratsam für Ihren Freund sein, wiederzukehren, es fei deunt, er will in die Ferienkolonie ein treten. Oberschöneweide. Sie können ausdrücklich das Geld versichern. 5555. 1. Ja. Die Eheleute sollen ein wechselseitiges Testament machen. 2. Pfändung kann vorgenommen werden.-- O. R. Die Schadenerfaßpflicht ist zweifelhaft. Eine Klage hätte nicht unbedingte Aussicht auf M. 129. Die Behauptung, Sie lügen, wird allerdings in der Regel als Beleidigung aufgefaßt. A. R. 29. Der Verwalter ist, wie Die Verwaltungsstelle des deutschen Metallarbeiter- Berbandes wiederholt ausführlich dargelegt ist, im Recht. M. O. Uns unbekannt. hielt am 4. März eine sehr stark besuchte Generalversammlung ab. 2. R. 112. Nein. R.. 57. 1. und 2. Ja. A. Sch. 2. Lediglich Der Bevollmächtigte Cohen gab den Jahresbericht, der für den Fall der Berheiratung fann die Hälfte der Klebemarten zurüdspezialisiert, gedrudt vorlag. Im verflossenen Jahre wurden ohne gefordert werden, wenn die Frau vor der Heirat mindestens 200 Marken Arbeitseinstellung in einer größeren Zahl von Fällen Vorteile, zum geflebt hat. Eine Unverheiratete erhält nichts zurüd. 100 R. J. Benn Teil ganz erhebliche, herausgeschlagen. das Geschäft kaufmännisch betrieben wird, muß Eintragung erfolgen. So15 Angriffsstreifs und Bon der„ Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das weit ersichtlich, würde Ihre Firma nicht eintragungsfähig sein, well fie zu 20 Abwehrstreits fanden statt. Neben der großen Aussperrung in 5. S. 99. Bis am 15. September müßte bei dem der Elektrizitätsindustrie, bei der rund 30 000 beteiligt waren, hatte 23. Heft des 24. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wenig Stapital hat. wir hervor: Algeciras. Der amerikanische Arbeiter. Von R. Kautsky. Magistrat, Abteilung für Invalidenversicherung, Kölnischer Fischmarkt, der man noch eine Aussperrung von 90 Mann. Die Mitgliederzahl Meunier als Prophet der Arbeiter. Bon-g. ( Fortsetzung.) Die öfter Antrag auf Rückzahlung gestellt sein. Vor der Ehe müffen 200 Marten ge. überstieg 50 000. Ende 1905 hatte die Verwaltungsstelle Berlin reichische Wahlreform. Von Dr. Friz Winter. Einige Dokumente aus lebt sein.. 3. 280. Die Pfändung ist nach dem Geseze zulässig. 57 473 zahlende Mitglieder, während es Ende 1904 erst 44 875 waren. der lettischen revolutionären Bewegung. Bon P. Kleinberg. Literarische K. B. 22. Der Inhalt des Strafbefehls ist an sich zulässig. Nach Ihrer Cohen rügte die immer noch zu große Fluktuation. Der Arbeits Rundschau: Paul Kampffmeyer, Die Prostitution als soziale Klaffenerscheinung Schilderung würde ein Widerspruch keine Aussicht auf Erfolg haben Die mit sehr vielen Beweisen belegten Klagen des Berpizki werden aber beinahe noch übertroffen durch die Schilderungen eines anderen hochgestellten russischen Militärs Martynoff über die vom Grunde aus korrumpierte Oberleitung der gesamten russischen Armee. Nach solchen Stimmen aus den Kreisen der Wissenden fann man sich ungefähr ausmalen, wohin ein Teil der neuen Anleihen, wofür Rußland im Auslande Placement sucht, wandern wird. Verfammlungen. Zu dem Hochwasser in Westdeutschland ist zu melden, daß die Ueberschwemmungen des Rheines ernstliche Verkehrsstörungen verursacht haben. Wie aus Köln vom Sonntagabend gemeldet wird, ist der dortige Pegel um weitere 50 Zentimeter, also auf 6,70 Meter, gestiegen. Die Schiffahrt auf dem Rhein ist, entgegen Meldungen anderer Blätter, nicht eingestellt worden. Die Ruhrhäfen sind mit Schiffen angefüllt. Sämtliche Kohlenkipper find gesperrt. Außer an der Mosel fanden auch an einigen Stationen Dammrutsche statt, wodurch ein Gleis Köln- Gießen gesperrt ist. Zahlreiche kleinere Dörfer an der Mosel und Rhein sind schwer heimgesucht. Die Düsseldorfer Rheinwerft ist vollständig überschwemmt, sodaß jeder Verladebetrieb eingestellt werden mußte. Da am Sonntag flares Wetter eingetreten ist, hofft man in den Rheinstädten, daß der Höhepunkt des Hochwassers erreicht ist. Nach den letzten Meldungen beginnt der Rhein tatsächlich langsam zu fallen. Auch bom Oberrhein und der Mosel wird gemeldet, daß das Wasser im Fallen begriffen ist. Der Einsturz eines Hauses in Siegburg steht in gar keinem Zusammenhang mit dem Hochwasser. Eingegangene Druckfchriften. M. R. n. 77. 1. Das kann Ihre Braut halten, wie sie will. 2. Wenn| N. 2. 12. 1. Der Wirt ift im Recht. 2. Erfahmieter sprucht werden, als Schaden entstanden ist. A. M. 30. Benden Ste Innerhalb zwei Jahren nichts geklebt ist, so ruben die Ansprüche aus der muß der Wirt in Ihrem Falle fich gefallen lassen. 3. Rein. fich mit dem Antrage auf Gewährung der Invalidenrente von 10 Mark Starte. 3. Die junge Frau muß, wenn sie abheben will, innerhalb eines H. E. St. Der Antrag ist an das Polizeipräsidium zu richten. Voraus- monatlich an den Polizeipräsidenten. Hermann Müller. Die dem Jahres nach geschlossener Heirat den Antrag auf Rückerstattung stellen. In fegung ist unterstützungsbedürftigkeit, diefelbe fann in Shrem Falle an- Gegner zu erstattende kostenforderung verjährt erst in 30 Jahren. K. der Regel ist es vorteilhafter, weiter zu leben. Werden mindestens erkannt werden. Proletarier Südost. 1. Ja. 2. Nein.- Grete 52. Leider nein. 2. 43. Sie müssen zahlen. R. D. 69. Nur für die 20 Marken innerhalb je zwei Jahren geklebt, so behält die Frau ihren Nein. R. E. 1234. 1. Wir müssen Ihnen anheimstellen, in einer öffent Strafe, nicht für die Kosten tann Haft oder Gefängnis für den Fall der Anspruch auf Rente und fann eventuell auch Aufnahme in eine Heilanstalt lichen Bibliothet im Kalender nachzuschlagen. 2. und 3. Nein. 99. Ja. Uneinbringbarkeit festgesetzt werden. Gerichtstoften. In Höhe des erhalten. S. B. 1: 7-8,6 Meter. 2. 9 Meter. 3. As strafbar tann R. 20. 100. 1. Rein. 2. und 3. Eine Aufforderung und event. Klage 1500 m. übersteigenden Betrages ist der Lohn pfändbar. M. S. 25. Der alles mögliche erachtet werden. 1001. 1. und 2. Ja. beim Kaufmannsgericht ist zulässig. 4. Schadenersatz tann insofern bean- junge Mann müßte schleunigst eine Eingabe an die Prüfungskommission richten. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktion bem Bublikum gegenüber teinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, den 6. Mara Anfang 7, Uhr: Opernhaus. Tannhäuser und der Sängertrieg auf Wartburg. Anf. 7 Uhr. Schauspielhaus. Macbeth. Deutsches. Dedipus und die Sphing. Neues. Ein Sommernachtstraum. Berliner. Nachtajhl. Westen. Schüßenliesel. Anfang 8 Uhr: Schiller 0. Cyprienne. ( Wallner Theater.) Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Ueber unsere Kraft.( I. Teil.) Leffing. Und Pippa tanzt. Kleines. Kinder der Sonne. Komische Oper. Die Bohème. Sentral. Die Geisha. Metropol. Auf ins Metropol. Walhalla. Heinrich Heine. Die Ballhaus- Anna. Residenz. Der Prinzgemahl. Trianon. Loulou. Urania TaubenAbends 8 Uhr: Schiller- Theater. str. 48/49. Schiller- Theater O.( 2Ballmer- Theater).| Schiller- Theater N.( Stebr: Bil. 5. Etablissement Buggenhagen Am Golf von Neapel. Hörsaal 8 Uhr: Dr. v. Unruh: Sternwarte InvalidenDie Erdenscholle. 65 Abessinier in str.57/ 62, Castans Panoptikum Friedrichstr. 165. Kein Extra- Entree! Passage- Theater. Anfang 8 Uhr. Das neue März= Programm. Antoinette Sohns Carl Weißt. Die lebende Brüde Antoinette Sohns auf Stuba. Lustspielhaus. Der Weg zur Hölle. Thalia. Bis früh um Fünfe. Luifen. 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Die Anklage vertrat Staats- anwalt R o h d e, die Verteidigung führte Justizrat Dr, Richard Wolfs. Der aus der Untersuchungshaft vorgeführte Angeklagte ist 1883 in Valparaiso geboren. Er wird beschuldigt, in den Monaten November 1905 bis Januar d. I. in 16 Fällen dadurch, daß er sich auf der Straße an junge Mädchen herandrängte und ihnen die Zöpfe abschnitt und auch die Zopf- bändchen mitnahm, des Diebstahls, in 12 Fällen der körperlichen Mißhandlung und dertätlichen Beleidigung sich schuldig gemacht zu haben. Als medizinische Sachverständige sind die Medizinalräte Dr. Hoff- mann und Dr. Leppmann geladen.— Während der Ver- Handlung wird die Oeffeutlichkeit ausgeschlossen, den Vertretern der Presse aber der Zutritt gestattet. Vernehmung des Angeklagten. Auf die Fragen des Vorsitzenden bekundet der Angeklagte, daß er 1883 nach Deutschland gekommen ist, und die Schulen in Thorn, in Bergedorf und Hamburg besucht habe. Er hat in Hamburg das Abiturientenexamcn gemacht und ein gutes Abgangszeugnis er- halten. Er hat stets hervorragende Begabung für Mathematik ge- zeigt, ein Semester in München studiert, steht jetzt im sechsten Se- mester, studiert Schiffsbautechnik und hat im Oktober ein Vorexamen gemacht. Dazu hat er nach seiner Angabe sehr intensiv gearbeitet. Er gibt zu, in 16 Fällen in den Straßen Berlins, vor Wertheim, auf dem Opemplatz und an anderen Stellen Mädchen die Zöpfe abgeschnitten zu haben. In seiner Wohnung sind ein« und d reißi g Zöpfe vorgefunden worden.— Vors.: Haben Sie schon in früheren Jahren solche Neigungen gehabt?— Ang e kl.: Einmal, im Alter von etwa 16 Jahren habe ich abends meiner 13jährigen Schwester heimlich Haar abgeschnitten und es behalten. Die Neigung für schönes langes Haar habe ich immer gehabt, schließ- lich ist sie so stark aufgetreten, daß ich ihr nicht widerstehen konnte. Zum erstenmal habe ich am Tage des Einzuges der Kronprinzessin einem Mädchen einige Haare abgeschnitten. Ich weiß nicht, w e s- halb ich plötzlich demT riebe nicht mehrwider st ehen konnte. Der Trieb wurde lebendiger, als ich von einer Reise nach Südamerika, die ich als Maschinen-Volontär gemacht, zurück. kehrte. Die Reise hatte fünf Monate gedauert, ich hatte an Bord stark gearbeitet, war auf der ganzen Reise in mißmutiger Stimmung und als ich zurückkehrte, wurde die Anfechtung immer größer.— Vors.: Wie kam denn die Anfechtung über Sie?— Angekl.: Ich lief öfter kleinen Mädchen nach, ohne daß ich den Wunsch, ihr Haar zu besitzen, ausführen konnte. Da gelang es mir, in dem Gedränge der Einzugsfeierlichkeiten Unter den Linden einem Mädchen sein loses Haar mit einer Schere abzuschneiden, ohne daß das Rädchen davon etwas merkte.— Vors.: Was machten Sie mit!em Haar?— Angekl.: Gar nichts.— Vors.: Was dachten Se sich denn dabei?— Angekl.: Gar nichts. Ich habe das Haar einfach in die Tasche gesteckt.— Vors.: Und weiter?— Angekl.: Ich habe dann noch mehrere Male Unter den Linden loscS Haa: abgeschnitten.— Vors.: Wann fingen Sie an, ganze Zöpfe ibzuschneiden?— Angekl.: Im November bei dem Einzug des Königs von Spanien. Da habe cmem Knde den Zopf abgeschnitten: das Mädchen merkte Blti' ich beim Opernplatz ' chen nichts divon und blieb ruhig stehen. Der Zopf war mit einm» Bändchen versehen.— Präs.: Was haben Sie mit tem Zopfe gemacht?— Angekl.: Ich habe ihn zu Hause ausgeflogen, ausgekämmt und in einem Kästchen im Schreibtisch, welches ae Aufschrift.Erinnerungen" trug, aufbewahrt. Ich habe das Haar dann manchmal hervorgeholt und geküßt, manchmal auch es auf man Kopfkissen gelegt und meinen Kopf darauf ruhen laffen. — Vors: Haben Sie dabei geschlechtliche Erregungen gehabt?— Angekl: Ja I— Vors.: Waren Sie sich denn nicht bewußt, etwas BöseS un) UebleS zu tun, und daß Sie einen tiefen Eingriff in die RechtSfphire eines anderen ausübten?— Angekl.: Daran habe ich nicht gedacht.— Vors.: Wenn nun etwa heute die Unter suchungshaft aufgehoben würde und Sie in die Freiheit zurückkehren würden: würden Sie dann dasselbe wieder tun?— Angekl.: Ich glaube nicht, daß ich eS noch einmal tun würde, da ich jetzt erfahren, was für folgen dies hat.— Vors.: Können Sie die Bürgschaft dafür übernehmen, daß in Zukunft der Wille stärker ist. als der Trieb?— Angekl: Eine Garantie könnte ich nicht übernehmen.— Vors.: Haben Sie denn nie gelesen, daß die Berliner Bürgerschaft über das Zopfabschneiden sehr beunruhigt war?— Angekl.: Ich hatte nichts gelesen.— Vors.: Wann wurden Sie abgefaßt?— Angekl.: Am 2 7. Januar hatte ich einem Mädchen, welches zwei Zöpfe hatte, de» einen abgeschnitten, als es wieder in meine Nähe kam, wollte ich den anderen Zopf auch abschneiden und dabei wurde ich festgenommen.— Vors.: Ist es richtig, daß Sie jeden einzelnen Zopf mit einem Bändchen und dem Datum des AbschneidenS bezeich neten?— Angekl.: Zum Teil habe ich es getan.— Vors.: Haben �ie schon einmal mit einem Weibe Verkehr gehabt?— Angekl.: Nein, niemals. Ich habe nur einen starken Trieb, schönes langes Haar in Besitz zu bekommen, gehabt.— Präs.: Würde Ihnen auch langes schönes Männerhaar genügt haben?— A n g e k l.: Ja.— Justizrat Dr. Wolf: Haben Sie nicht schon in ganz früher Jugend diesen krankhaften Trieb gehabt? Sie haben mir gesagt, Sie erinnerten sich noch des HaareS mancher Mädchen aus Ihrer Thorner Zeit. Damals waren Sie acht Jahre alt. Sie haben niir gesagt, daß Sie an die Trägerinnen des Haares gar nicht mehr gedacht haben, um so mehr aber an deren Haar.— Angekl.: Das ist richtig. Mir ist es auch gleichgültig, ob die Trägerin des HaareS jung und schön oder alt und häßlich ist. Ich hatte nur Interesse an dem Haar.— Vors.: Auch an weihen, Haar?— Angekl.: Ich habe nur eine Vorliebe für blondes Haar.— Auf eine weitere Frage deS Vorsitzenden erklärt der Augeklagte, daß er im akademischen Turnverein aktiv gewesen und einem studentischen Keuschheitsbunde angehöre. Die abgeschnittenen Haare habe er sich auch öfter auf die Brust und auf daS Herz gelegt und dabei wonnige Träume gehabt.— Der Angeklagte. deffen Vater gestorben, wird in seinem Studium von dritter Seite unterstützt, sein Bruder ist Seeoffizier, eine Schwester ist geisteskrank. Beweisaufnahme. Von den vorgeladenen Zeugen wurden nur drei vernommen. Ein Hauptmann v. W., dessen Tochter bei einem Spaziergange in der Leipzigerstraße gleichfalls durch den Angeklagten eines Teiles hres HaarschmuckeS beraubt worden ist, bekundet: Der Borfall ihabe für das Mädchen sehr unangenehme Folgen gehabt. Das Kind ist seitdem von einem großen Angstgefühl beherrscht, hat einen Nervenchok davongetragen und schreit in der Rächt wiederholt ängstlich auf, da sie von dem Zopfabschneider träumt.— Zeugin Frau G a l l, eine alte Bekannte der Familie des An- geklagten, schildert seinen Charakter als außerordentlich gut. Von seiner Tat sind alle, die ihn kannten, völlig überrascht gewesen; eine Vorliebe für ftemdeS Haar ist ihr bei ihm nie aufgefallen. In der letzten Zeit war er offenbar geistig überanstrengt und sehr zerstreut, im übrigen ist er nie lustig und fröhlich, wie andre junge Leute gewesen. Nach weiteren Mitteilungen der Zeugin aus der Familiengeschichte ist der Angeklagte erheblich erblich belastet.— Studiosus Schmeding, Vorsitzender des Vereins zur Aufrechterhaltung des Keuschheits- Prinzips, ist mit dem Angeklagten infolge gleicher Anschauungen -auf wissenschaftlich- sozialem und sexuellem Gebiete näher bekannt geworden. Er schildert ihn als einen guten Charatter, aber als t träumerischen, schwermütigen und verschlossenen Menschen. ' der harmlose Fröhlichkeit und Freude nicht kannte und in sexueller Beziehung dem weiblichen Geschlecht durchaus abgeneigt ist.— Medizinalrat Dr. Hoffmann: Es handelt sich hier um eine eigenartige perverse Betätigung deS Geschlechtstriebes. Wenn auch eine solche durchaus nicht immer den Träger derselben der Verantwortung enthebt, so ist doch in diesem Falle die normale Sphäre schon von Jugend an zurückgedrängt. Der Angeklagte ist ein Phantast, der sich nicht anerkannt glaubt, er glaubt, er könne sich unsichtbar machen, sich ein großes Schloß bauen und die Zimmer darin mit unzähligen Zöpfen ausstaffieren. Dazu ist er erblich belastet und die körperliche Untersuchung zeigt eine Menge Degenerationszeichen. Der Schutz des Z 51 des Strafgesetzbuches dürfte also hier Platz greifen und da der Angeklagte schwerlich die Kraft haben dürste, seine Neigung zu unterdrücken, so würde eine irrenanstaltliche Behandlung notwendig erscheinen.— Justizrat Dr. W o l f f versichert, daß die Familie den Angeklagten sofort in die maison äs sautv bringen würde.— Medizinalrat Dr. Leppmann: Der hier vorliegende Fall ist ein äußerst seltener. Der Angeklagte ist erblich schwer belastet und hat eine Reihe von Entartungszeichen. Seine schon im achten oder neunten Lebensjahre erwachte Geschlechts- neigung habe sich von Anfang an immer nur in derselben Weise in der Betrachtung und Betastimg weiblicher Haare betäligt. Die hier in Frage stehende Perversität ist der AuSfluh jener erblichen Belastung. Der Angeklagte war bei seinen Taten sicher gemütskrank und ist auch jetzt noch krank. Eine solche Art der Perversität ist dem Sachverständigen im Lause von 25 Jahren nur wenige Male vor- gekommen, Krafft-Ebeling kennt nur wenige Fälle derartigen ein- seitigen Geschlechtsempfindens, ebenso Dr. Moll. Solche unwider- stehlichen Drangzustände gehen immer mit Gemütsverstimmungen und mit sonstigen Störungen im Seelenleben einher. Die freie Willensbestimmuug des Angeklagten war demnach ausgeschlossen, er ist auch jetzt noch nicht gesund und muß wie ein Kranler be- handelt werden. Ankläger und Verteidiger. Staatsanwalt R o h d e: Wenn der Angeklagte geistig gesund wäre, so würde er außerordentlich scharf bestraft werden müssen, denn es liegt eine ungeheuere Gefährdung der öffentlichen Sicherheit vor. Es ist nicht richtig, doß das Straftest bezüglich solcher Tat eine Lücke eut- hält. Man kann im einzelnen darüber streiten, unter welchen Paragraph sie zu subsummieren ist, aber es kann keine Rede davon sein, daß sie straflos bleiben müßte. Objektiv liegt unzweifelhaft Beleidigung vor, ebenio zweifellos wird der Begriff der Körperverletzung erfüllt, auch Diebstahl würde vorliegen können, denn der Körperteil, der von jemand abgeschnitten wird, ist doch Eigentum des Betreffenden. Nähere Erörterungen in dieser Beziehung erübrigen sich infolge des Gutachtens der Sachverständigen, welches den Antrag aus Freisprechung notwendig mache.— Justizrat Dr. Wolff trat den rechtlichen Ausführungen des Staatsamvalts entgegen, ins- besondere der Ansicht, daß Diebstahl vorliegen könne, und führte aus, daß sowohl nach dieser Richtung hin wie in bezug auf das Bor- liegen einer Körperverletzung Reichsgericht und Rechtslehrer durch- aus nicht so schlüssig seien wie der Staatsanwalt. Nach dem Gut« achten der Sachverständigen müsse auch er die Freisprechung des Angeklagten beantragen. Nach kurzer Beratung verkündete der Vorsitzende: Urteil. Das öffentliche Rechtsgefühl erheischt natürlich strenge Sühne für eine solche Tat, diese ist aber vorliegend nicht dem Angeklagten zuzurechnen. Im übrigen enthält nach Ansicht deS Gerichts das Strafgesetz für eine solche Tat auch eine Sühne und läßt sie zu. Sie ist nach Ansicht des Gerichts zweifellos als Körperverletzung anzu- sehen, da der Körper durch das Abschneiden der Haare verstümmelt und eines wesentlichen Hauptschmuckes beraubt wird. Diebstahl er- scheint ausgeschlossen und zu dem Tatbestand der Beleidigung würde das Bewußtsein des Täters gehören. Nach den Ansführungen der Sachver- ständigen mußte der Angeklagte freigesprochen werden in der Erwartung, daß er sofort durch die Familie einer Anstalt zugewiesen wird. Dieses Resultat wird vielleicht nicht überall befriedigen, es war aber auf Grund der Beweisaufnahme unumgänglich. Die Freisprechung des Studenten dürste insbesondere nach den ärztlichen Gutachten, die erbliche Belastung be- haupten, gerechtferttgt erscheinen. Indes wäre eS völlig verfehlt, wollte man allein auf Grund der Tatsachen, daß der Angeklagte einen.unwiderstehlichen Hang" nach Zopf- abschneiderei hatte, auf Verrücktheit schließen. Eine dahingehende Argumentation, wie sie insbesondere in einigen Berliner Blättern vor der Verhandlung deS langen und breiten vorgetragen tourde, tritt häufig dann auf, wenn es sich um Vergehen Wohlhabender oder Studierender handelt. Begeht jemand mit dem Bewußsein, in die Rechtssphäre eines anderen einzugreifen.— und dies Bewußtsein hatte Angeklagter— eine mit Strafe bedrohte Handlung, so wird er bestraft, weil er seinen Drang nicht hemmte. DaS gilt für Zopfabschneiderei nicht minder wie für Notzuchtsverbrechen oder nicht auf sexuellem Gebiet liegende Delikte. War der Angeklagte — nicht wegen der Art seiner Tat— geisteskrank, so wird niemand seine Freisprechung bedauern. Nur muß hervorgehoben werden: wenn auch nur ein Zehntel der Sorgfalt, die bei solchen sexuellen von Wohlhabenden begangenen Dingen der Frage der erblichen Belastung und der Zurechnungssähigkert zugewendet wird, bei anderen Strafsachen auf die gleiche Frage verwendet würde, so würde ein recht großer Prozentsatz derer, die heute wegen Eigentums- oder sexueller Delikte m Gefängnissen und Zuchthäusern sitzen, schwerlich verurteilt sein. Die Verhandlung legt unseren SittlichkeitSfexcn übrigens die Frage nahe, ob derartige widerliche und unnatürlich erscheinende Neigungen nicht durch die Bigotterie und Heimlichkeit, mit der sexuelle natürliche Dinge behandelt werden, großgezogen werden. Ein Blick in die Geschichte des MttelalterS ze,gt eine Betätigung ganz ähnlicher, natürlichem Empfinden ftemder Neigungen von Leuten, die ähnlich asketisch wie der Angeklagte dachten und wie so manche Lex Heinze-Leute predigen. Die rein juristische Frage, ob Zopfabschneiderei Beleidigung, Körperverletzung und Diebstahl(oder Unterschlagung) darstellt, ist nicht so kontrovers, wie sie vom Verteidiger dargestellt wird: die objektiven Merlmale aller drei Delikte lagen vor. Daran kann keine juristische Haarspalterei etwas ändern. Gerickts-�eitung. Proletarierkinder vor Gericht. Die hohe Polizei ist in unserem deutschen Vaterlande von einer Regsamkeit, die— auf richtigem Gebiete angewandt— ihr alle Ehre machen würde.— Freilich dürste sie dann ihre Nase nicht in Dinge zu stecken haben, die sie nicht» angehen. Standen da zwei kleine arme Schulmädchen, die dreizehn a h r e alte Babette Sch. und ihr zwölfjähriges Schwesterchen orothea bor dem Nürnberger Schöffengerichte. Mit blaffen Ge- fichtchen und Tränen in de» Augen sahen die eingeschüchterten Kinder auf den AmtSanwalt, der ihnen mit strenger Amtsmiene eröffnete, daß sie sich wegen Diebstahls zu verantworten hätten. Vorsitzender: Also: Ihr hotbt gehört, wessen Ihr be- schuldigt seid; Ihr habt in der Nähe des Ostbahnhofs Kohlen ge- stöhlen?— Die dreizehnjährige Babette: Die Kohlen sind auf der Straße gelegen; sie fielen von dem Wagen herunter, als er abgeladen wurde.— Vors.: Das hat nichts zu sagen!— Habt Ihr in der Schule nicht gehört, daß man nicht stehlen darf? — Die Kinder schluchzend: Wir wußten nicht, daß man sie nicht nehmen durfte.— Vors. zu der kleinen Dorothea: Du auch nicht?— Das Kind schüttelt energisch das Blondköpfchen. — Vors.: Für wen habt Ihr die 5tohlen geholt?— Babette: Für die Mutter!— Vors., wichtigtuend: Aha, die hat Euch wohl geschickt?— Die Mädchen, heftig schluchzend: Nein! Nun wird der Schutzmann, welcher die Anzeige erstattete, in den Saal gerufen. Er sieht im Vergleiche zu den beiden Kindern Ivie ein Riese aus und wirft ihnen vernichtende Blick zu Vors.: Sie haben diese beiden bei dem Kohlendiebstahl be- troffen; nahmen sie solche auch von dem Wagen?— S ch u tz m a n n: Nein I— Vors.: Waren es demn viele?— Schutzmann: Einige Schürzen voll!— Vors.: Sie haben die Mädchen ver- haftet und auf die Wache gebracht?— Schutzmann: Gewiß, sie gaben eine falsche Muesse an.— Die 13jährige Babette: Das haben wir nicht getan l Der Hüter des Gesetzes wirft oem Kinde einen zomigen Blick zu: Gewiß, das habt Ihr getan, sonst hätte ich Euch nicht auf die Wache gebracht! Vors.: Nun, sie werden fich in der Aufregung wohl geirrt haben?— S ch u tz m a n u. der nebenbei bemerkt selbst verheiratet und Familienvater ist: Das gflaube ich nicht!— Vors.: Was sind die Eltern der Kinder?— Schutzmann: Der Vater ist Fabrikarbeiter, die Mutter trägt Zeitungen aus."— Vors.(zu den Kindern): Seid Ihr schon einmal bestraft(!)?— Die Kleinen heftig schluchzend: Nein! Die Beweisaufnahme ist nun, geschloffen. Der Amtsanwalt stellt großmütig den Anttag, die„Angeklagten" freizusprechen, dem nach erfolgter Beratung auch stattgegeben wird. Er- leichtert atmen die beiden Kinlder auf, als der Vorsitzende ihnen bedeutet, sie könnten sich entfernt:». Fluchtversuch und Bestechung. Der Tischler Hermann B a r a- nowski, der am 13. Februar den kühnen Fluchtversuch aus dem Zuchthause in der Lehrterstraße. unternommen hat, stand gestern bor der ersten Strafkanuner des Llandgerichts I unter der Anklage der Bestechung. Mit ihm wurde der frühere Gefangenenaufseher, jetzige Portier Hennann Fischer znr Verantwortung gezogen. Letzterer ist als Unteroffizier vom Militär abgegangen und als Gefangenenauf- seher bei der Strafanstalt in d«cr Lehrterstraße angestellt worden. Er war infolge vonKrankheilen in!>er Familie und sonstigen unverschuldeten Unglücksfällen in Schulden geicaten und ist. durch die Not gedrängt, der an ihn heranttetenden Versuchung erlegen. Der Angeklagte Baranowski hatte in der Strafanstalt eine jechsjährige Zuchthausstrafe zu verbüßen und sehnto sich danach, mit seiner Ehefrau eine dauenidc Verbindung herzustellen. Der Aufseher Fischer ließ sich da- zu verleiten, die Mittelsperson zu spielen. Baranowöki, der in der Anstaltstischlerei beschäftigt ivar, wußte ihn zu bestimmen, mit der Eheftau B. in Verbindung zu. treten, um Geld zu NahrungSinltteln von ihr zu empfangen und die Korrespondenz mit ihr zu vermitteln. Bon dem baren Gelde sollte ihm die Hälfte zufallen. Dies ist auch geschehen. Fischer hat in drei Fällen von der Frau B. im ganzen 14 M. erhalten und die Hälfte davon zur Anschaffung von Lebens« Mitteln verwendet. Törichterweise hat er nicht dafür gesorgt, daß Baranowski die Briefe seimer Ehefrau vernichtete und so sind denn solche bei einer im September vorgenommenen außerordentlichen Zellenrevision vorgefunde» worden. Sie waren übrigens nicht alle von Fischer vermittelt worden, vielmehr hatte Baranowski noch ein zweites Sprachrohr nach außen hin in der Person des nicht beamteten ArbeitzsaufseherS. Fischer ist wegen dieser Eni- gleisung seines Amtes verllustig gegangen. Der Staatsanwalt brachte mildernde Umstände in Antrag und hielt gegen Fischer eine Gefäng- nisstrafe von sechs Monaten und zwei Jahren Ehrverlust, gegen Baranowski zwei Monate Gefängnis für eine angemessene Sühne. DaS Gericht»erurteilte Fischer zu drei Monaten Gefängnis ohne Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte, Baranowski zu einem Monat Gefängnis. Ein„Hexenprozeß". Aus der Oberpfalz, eine jener gesegneten Gegenden des Bayernlandes, wo die Zentrumspfaffen daS Volk mit Aufklärung versorgen, wird von einem Prozeß berichtet, der so recht dartut, welche Summe von Unwissenheit und Aberglauben»och dort herrscht, wo das Pfaffentum das Volk noch vollständig beherrscht. In dem Prozeh, der vor dem Landgericht Amberg verhandelt wurde, handelte eS sich um eine Anklage gegen den Wechfelwärter Hartwig von Schwandorf wegen Betrugs. Der Sach- verhalt ist folgender: Bei der Spediteurwitwe Kölbl«n Schwandorf stand der Dienstknecht Hirmer in Dienst. Zwischen ihm und der Prinzipalin kam eS bald zu intimen Beziehungen, was ihr Bruder und Vormund ihrer Kinder, der Bäckermeister Schauinberger nicht dulden wollte. Hirmer war wenig arbeitsfrendig, er vernach- lässigte die Pflege des ihm anvertrauten Pferdes in einer Weise, daß das Tier bald gänzlich herunterkam. Diesen Zustand des Pferdes und einige andere im Stall der Kölbl vorgekommene Unfälle erklärte er als das Werk einer„Hexe", weshalb die Kölbl mehrere im Gerüche eines Hexenmeisters stehende Personen kommen ließ. Unter diesen befand sich auch der angeklagte Wechselwärter Hartwig. Hirmer erzählte ihm, daß das Pferd sehr unruhig sei, nachts immer stark schwitzte und daß jeden Morgen sein Schwanz und die Mähne in Zöpfe geflochten seien. Hartwig erklärte, daß daS Pferd verhext sei und daß er helfen könne. In einer der nächsten Nächte kam er und nahm im Stalle im Beisein der Kölbl und ihres Dienstknechtes die„Beschwörung" vor. Er stellte im Stall ein Kruzifix mit zwei Kerzen auf, machte mtt geweihter Kreide am Stall die drei Buchstaben„K. M. B." und zog mit der Kreide einen Kreis, in dem er 8/« Stunden stand und aus einem mitgebrachten Buche angebliche Beschwörungen murmelte. Dabei stellte er sich, als ob ihm die Be- 'schwörung große Ansttengung verursache, und äußerte:„Wenn ich nicht schon angefangen hätte, so möchte ich eS nicht mehr um 20 Mark machen." Nach einiger Zeit sagte er:„Jetzt haben wir es schon, jetzt muß sie kommen, die Hexe; die S ch a u m b e r g e r ist'S". Gemeint war die Schwägerin der Kölbl, der man allgemein die Schuld an dem Hexen spuk zuschrieb. Den Namen der Frau hatte ihm zweifellos Hiermer aus Rache suggeriert, weil die Familie Schaumberger sein Verhältnis mit der Kölbl nicht dulden wollte. Er beabsichtigte da» durch die Familie in Verruf zu bringen, was in jener schwarzen Gegend den gesellschaftlichen und geschäftlichen Ruin bedeutet. Für seine Leistung erhielt Hartwig 10 Mark. Einige Tage später erbat er sich ein Darlebn von 20 Mark. daS ihm auch gewährt wurde, weil nach Anficht der Kölbl die Beschwörung g e f r u ch t e t h a t t e. Als das Gericht von der Sache hörte, ging es gegen den Hexenmeister vor, er wurde jedoch vom Schöffen- gericht freigesprochen, weil er selbst an die Wirksamkeit seines Zaubers geglaubt und kein Geld verlangt habe. Vor dem Schöffengericht hatten der Dienstknecht Hirmer und die Dienstmagd Biedermeier falsch geschworen, weshalb sie inzwischen wegen Mein- eids verurteilt wurden. Gegen daS freisprechende Urteil in der Sache gegen Hartwig legte der Amtsanwalt Berufung ei» mit dem Erfolge, daß ihn die Strafkammer lvegen seiner Hexerei, die sie als Betrug ansah, zu vierWochcn Gefängnis verurteilte. New- Departure- Freilauf- Bremsnabe Die beste der Welt Erhältlich in jeder besseren Wirtshaus Schloß Woltersdorf ( nicht Schleuse) direkt an Chauffee und Flakensee, für die bevorstehende Saison den geehrten Vereinen, Gesellschaften, Fabriken zu Dampferpartien und Ausflügen per Bahn, Fußtouren usw. angelegentlichst empfohlen. Stelle mein Lofal auch Sonntags u. an den Pfingstfeiertagen zu Vereinsfestlichkeiten Fernsprecher: zur Verfügung. Friedr. Saewert, Ami Erkner No. 49. 60* Berlin SO. 16, H.& P. Uder, Engel- Ufer 5. Tabak- Großhandlung u. Tabakfabrik. Rauch-, Kau-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten. Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. Größte Auswahl gelagerter Zigarren in allen Preislagen. kannten Marken Zigaretten z Originalpreisen. Amt 4, 3014. 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Mit Rücksicht darauf, daß die Gesamtsumme der Eins bei ihren Mitgliedern doch nicht vermutet, daß sie sich zum zweiten- zahlungen feit Jahresfrist um etwa eine Million angewachsen ist, Hente, Dienstag, den 6. März, 8 Uhr abends, finden mal von den konservativsten und arbeiterfeindlichsten Elementen und daß auch seit dem Einsetzen der Teuerungsperiode nicht nur fein ins Schlepptau nehmen lassen. Für diese Heldentat und als Nachlassen in den einzelnen Monatsbeträgen, sondern durchweg eine in Groß- Berlin die Generalversammlungen der Wahlvereine Lohn für das„ gute" Verhalten des Herrn Delmann während seiner Zunahme fich ergibt, daß ferner die Gesamtsumme der Rückzahlungen statt, welche sich mit dem Normalstatut und den Satzungen zweijährigen Amtszeit als Gemeindevertreter hat man ihnen denn nur im normalen Verhältnis gestiegen, insbesondere der Ueberschuß auch großmütig noch einen zweiten Standidaten zugestanden. Dieser der Einzahlungen über die Rückzahlungen auch in den lezten sechs für die Einzelkreise beschäftigen. Zahlreiches Erscheinen crioll natürlich dazu dienen, um auf die Eisenbahnarbeiter einen Monaten im allgemeinen fonstant geblieben ist, bestreitet er das Die Vereinsvorstände. stärkeren Druck auszuüben. In einem am Sonnabend von den Vorhandensein einer schweren Wirtschaftskrise. Die Teuerung habe Tempelhof. Donnerstag, den 8. März, abends 8 Uhr, Kandidaten als Männer charakterisiert, die frei von allem partei- genommen. Der Magistrat ersucht, die Angelegenheit durch seine Gegnern zur Verbreitung gelangten Flugblatt werden die aufgestellten bisher den Charakter eines allgemeinen Notstandes nicht an Wahlvereinsversammlung im Wilhelmsgarten, Berliners straße 9. Tagesordnung: 1. Die diesjährige Gemeinde- politischen Zwang find, und es wird betont, daß Leute gewählt Mitteilung für erledigt zu erachten und von weiteren Maßnahmen tahl, Referent: Genosse Karl Wiesenthal. 2. Diskussion. 3. Be werden müssen, die alle Fragen von dem Standpunkte des Gemein- Abstand zu nehmen. Wenn die Versammlung konsequent ist, darf sie ratung des Organisationsplans und der Statuten des Zentral- keine Rede sein. Das sind natürlich nichts als Phrasen, denn gerade wohls beurteilen; von Parteipolitik könne in der Gemeindevertretung ihm diesen Gefallen nicht tun. wahlvereins für den Kreis Teltow. 4. Wahl der Delegierten zur von den Gegnern wird bei jeder Gelegenheit der politische Stand- Kantstraße das vierjährige Söhnchen Paul des Stellmachers W. Jdler Von der Straßenbahn totgefahren wurde am Sonntag in der Sereisgeneralversammlung. 5. Vereinsangelegenheiten und Ber- punkt hervorgekehrt, und ein Arbeiter, der sich in den heutigen be- aus der Kantstraße 62. Das Kind spielte vor dem Elternhause mit schiedenes. wegten Zeiten nicht seiner politischen Partei anschließt, ist entweder ein Stretin oder ein Verräter an der Sache des Broletariats. Daß alle einigen Altersgenossen und lief dabei direkt in den vorüberfahrenden Fragen von dem Standpunkt beurteilt werden sollen, ob sie zum Bahnhof. Obwohl der Führer die Gefahr sogleich erkannte und Straßenbahnwagen 2278 der Linie Charlottenburg- Schlesischer Besten der Allgemeinheit ausschlagen, ist richtig, aber der Say flingt energisch bremste, konnte er doch nicht mehr verhindern, daß sein frivol bei Leuten, die in ausgedehntestem Maße Gemeindemittel zu Einrichtungen verwenden, die nur den Interessen einer Handvollagen den kleinen zu Boden riß und überfuhr. Eiu Vorderrad besigender Einwohner dienen, während für wirklich gemeinnüßige ging dem Knaben so unglücklich über den Unterleib, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Dem Straßenbahnführer trifft teine Institute( Gewerbegericht, Fortbildungsschule usw.) kein Pfennig Schuld. bewilligt wird und das Volksschulwesen sich in einer Verfassung befindet, die an mecklenburgische Rittergüter In bewußtlosem Zustande aufgefunden wurde am Sonntag Treptow- Baumschulenweg. Morgen, Mittwoch, abends 812 Uhr erinnert. ist wirklich höchste Zeit, foll die Ge- vormittag der 25jährige Schmied Loreng Maschinsky. Seit längerer finden zwei öffentliche Wählerversammlungen statt. Für Baum meinde Neuendorf nicht ihrem Ruin entgegengeführt werden, Beit arbeitslos hatte der lungenleidende Mann in den letzten Nächten schulenweg in Speers Festsälen; für Treptow in Beylers Vertreter zu wählen, die durch scharfe Kritik und geeignete Anträge teils im Asyl, teils in der Wohnung seines Bruders in Wilmersdorf Gesellschaftshaus. Heute Abend 8 Uhr Flugblattverdie Gemeindeverwaltung zwingen, andere Wege einzuschlagen und geschlafen und war auf dem Wege in Charlottenburg um, Arbeit anteilung. Die Parteigenossen werden ersucht, recht zahlreich und auf allen Gebieten dem Geiste des Fortschritts und der Kultur zufragen. In der Nähe der Charlottenburger Brücke sant er infolge pünktlich in den Bezirkslokalen zu erscheinen. Die Treptower Ge- Rechnung zu tragen. Die Gegner werden auch diesmal wieder alle eines Blutsturzes ohnmächtig nieder. Passanten sorgten für Uebernossen treffen sich bei Schmidt, Kiefholzstr. 22, und bei Preuß. Mittel in Bewegung setzen, um den Sieg an ihre Fahnen zu beften; führung des entkräfteten Mannes nach der Unfallstation in der HerzNeue Krugallee 59. forgen wir dafür, daß ihnen das nicht gelingt, sondern daß die Straße, von wo er mit dem Krantenwagen des Verbandes für erste Charlottenburg. Die Mitglieder werden hierdurch auf die sozialdemokratischen Kandidaten Paul Feifer und Wilhelm Hülfe nach dem Krankenhause Westend geschafft wurde. heutige Generalversammlung des Wahlvereins aufmerksam gemacht, Schulz mit einer Majorität gewählt werden, die den Machthabern in welcher der Genosse A. Stern das Referat über„ Das neue in Neuendorf beweist, daß die Einwohnerschaft die Cliquenwirtschaft Schulgesetz und das Proletariat" übernommen hat. Die Galerie ist auf dem Rathause bis zum Ueberdruß satt hat. Darum auf zum für Gäste reserviert, und erwarten wir, daß die Genossen zu diesem Kampf, auf zum Sieg! Vortrag ihre Frauen mitbringen. Austrittserklärungen aus der Landeskirche sind in der Versammlung zu haben. Der Vorstand. Reinickendorf- Ost. Der Diskutierabend findet heute abend 8 Uhr im Restaurant Lücke, Residenzstr. 109, Ede Pantower Allee, statt. Genosse Gursch spricht über„ Generalstreit und Sozialdemokratie". In Anbetracht dieses wichtigen Themas ist das Erscheinen sämtlicher Mitglieder Pflicht. Potsdam. Der Wahlverein zu Potsdam hält am Mittwoch, den 7. März, abends 81 Uhr, im Saale des Herrn Ladenthin seine Mitgliederversammlung ab. Die Tagesordnung enthält: Aufnahmen, Vortrag( Schulvorlage), Berschiedenes( die lezte Stadtverordnetenversammlung). Einem zahlreichen Besuch sieht entgegen. Der Vorstand. In Mariendorf finden die Gemeindevertreterwahlen am 13., 14. und 15. März statt. Die dritte Abteilung, welche für uns nur in Betracht kommt, wählt für den Ortsteil Mariendorf am Dienstag, den 13. März, im neuen Schulhause Aderstr. 2-4, Zimmer Nr. 16, bon 112 bormittags bis 6 1hr abends; für die Solonie Südende, welche durch die Dresdener Bahn von Mariendorf getrennt ist, findet die Wahl Mittwoch, den 14. d. M., von mittags 12 Uhr bis 5 Uhr nachmittags im Restaurant Dahl zu Südende, Lichterfelderstr. 21, statt. Der Kandidat der Sozialdemokrat ist Hermann Reichardt, Gastwirt, Chausseestr. 16. Ein schwerer Baunnfall ereignete sich gestern nachmittag gegen 6 Uhr in der Wielandstraße 17. Auf dem Neubau war um diese Beit der 33jährige Tischler Rudolf Gardy aus Rigdorf, Faltstr. 18, mit dem Einfeßen der Fenster beschäftigt, Er benutzte dazu eine große Stehleiter. Plötzlich stürzte die Leiter um und begrub den Tischler unter sich. Mit einem schiveren Schädelbruch wurde Gardy von seinen Kollegen in einer Droschke nach der Unfallstation Zoologischer Garten gebracht. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde der Verunglückte im Krankenwagen nach dem Krankenhause Westend geschafft, wo er hoffnungslos daniederliegt. Schöneberg. An seinem Geburtstage totgefahren. Ein trauriger Unglücksfall mit tödlichem Ausgange hat sich gestern nachmittag in der Belzigerstraße in Schöneberg zugetragen. Der Arbeiter Hermann Stettin aus der Beuſſelstraße, der bei den Berliner Stallsandsteinwerken", Friedrichstr. 138, als Kutscher beschäftigt war und der gestern feinen 20. Geburtstag beging, hatte auf einem Neubau in der BelzigerDer Wahlverein, für Mariendorf und Umgegend hält heute abend feine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Außer einem Vortrag Mittwoch, den 14. d. M., abends 8 Uhr, findet im Lokale von des Genossen Böske stehen auf der Tagesordnung: Wahl der Hugo Borgfeld, Feldstr. 44, eine öffentliche KommunalwählerDelegierten zur Streisgeneralversammlung und Aufnahme neuer versammlung statt. Mitglieder. Da unter Vereinsangelegenheiten die Arbeiten zur Gemeindevertreterwahl noch besprochen werden, so ist es Pflicht Tempelhof. Die Wahlen von 4 Gemeindeverordneten zur Erstraße Materialien abgeladen, und als er mit dem leeren uhriverke eines jeden Mitgliedes, in dieser Versammlung zu erscheinen. Gleichgänzung der Gemeindevertretung finden am Freitag, den heimfahren wollte, gingen die Pferde, die einen kurzen Augenblick zeitig ersuchen wir die Genossen, welchen es möglich ist, am Wahl- 9. März 1906 und Sonnabend, ben 10. März 1906 im Ge- ohne Aufsicht gewesen waren, plötzlich durch. Um Unheil zu vertage zu helfen, sich beim Genossen Hermann Reichardt zu melden. meinde- Sizungszimmer, Dorfstraße 17 hierselbst statt. Die Wahlen erfolgen: für die 3. Wählerklasse am Freitag, den Zügel. Er wurde niedergeriffen, überfahren und so schwer verlegt, 9. März 1906, von 10 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags, für daß er auf dem Transporte nach dent Krankenhause starb. Die die 2. Wählerklasse am Sonnabend, den 10. März 1906, von 8-10 Leiche des bedanternswerten jungen Mannes ist polizeilich beschlagUhr vormittags, für die 1. Wählerklasse am Sonnabend den 10. März nahmt und in der Friedhofshalle in der Maystraße untergebracht 1906, bon 10-10% Uhr vormittags. Vorort- Nachrichten. Zur Gemeindewahlbewegung. Auf zur Gemeindewahl in Wilmersdorf! Es haben zu wählen: die 3. Klasse einen Vertreter, die 2. Klasse ztvei Vertreter, die 1. Klasse einen Vertreter, sämtlich auf fechs Jahre vom 1. April d. J. ab. hüten, sprang St. schnell hinzu und warf sich den Tieren in die worden. Rigdorf. 1905. Die Etatberatung steht auf der Tagesordnung der am Mittwoch, Mit dem heutigen Tage beginnen die Gemeindewahlen. An Es scheiden Ende März aus: dritte Klasse: Herr Radbruch, den 7., und Donnerstag, den 8. März, nachmittags 4 Uhr, stattgesichts der gewaltigen Anstrengungen unserer Gegner, hat die zweite Klasse: Herr Ladewig und Herr Dunkel, erste klasse: Herr findenden Sigungen der Stadtverordnetenversammlung. Folgende Arbeiterklasse Wilmersdorfs alle Ursache auf dem Bosten zu sein. Schwarz. In der zweiten Klasse können nur Angesessene gewählt Beratungsgegenstände sind befonders hervorzuheben: Bericht über Das unablässige Vordringen der Sozialdemokratie auch an unserem werden. In der ersten und dritten Klasse können Nichtangesessene die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten für Orte, setzt unsere bürgerlichen Parteien in nervöse Erregung. Es gewählt werden. Beratung und Feststellung des Etat und des Steuerplanes. Zur Erleichterung des Wahlgeschäfts wird den Wählern im Bewilligung einer Ruhegeld- und Hinterbliebenenversorgung. gilt in den 4 Tagen der Wahl zu zeigen, daß die Hoffnungen der Meldebureau neben dem Wahllotal die Nummer, unter welcher sie Beitrag für das Theaterunternehmen. Gegner, das Gemeindeparlament von Sozialdemokraten rein zu in der Wählerliste verzeichnet sind, mitgeteilt und auf einen Bettel Arbeiter in städtischen Betrieben. Festsetzung der Löhne der Errichtung eines Abendmarktes halten, elend zu schanden werden. Versäume deshalb niemand, sich geschrieben werden. Es wird gebeten, sich vor Ausübung der Wahl am Maybachufer. Anlegung von Rasenstreifen in der Berlinerfo zeitig als möglich zur Wahlurne zu bemühen. Es muß jeder mit diesem Nummernzettel zu versehen. straße. Erhöhung der Umsatzsteuer." Parteigenosse alle Sträfte einfegen, um die Säumigen und Lässigen Aus Ober- Schöneweide. Bei der am Sonnabend stattgefundenen zur Wahl zu bringen. Gewählt wird in den ersten 3 Tagen von Gemeindewahl wurden außer dem Genossen Grunow gewählt: im dorf gemacht. Eine überraschende Entdeckung hat die Kriminalpolizei in Rig Schon Monate hindurch wurden auf Straßen und 10-1 Uhr vormittags und 3-8 Uhr nachmittags. Unsere Kandi- 2. Wahlbezirk der 3. Klasse der Kandidat der Katholiken Haus- auch in Häusern an kleinen Kindern, die von der Mutter zum Eindaten sind Stullateur Hermann Radtte und Tischler Ernst befizer Wyrzik, in der 2. Klasse die Hausbesizer Müller, taufen fortgeschickt worden waren, Raubanfälle verübt. Kürzlich Reiche. Rollenberg, in der 1. Klasse Fabrikdirektor Peierls und wurde bei einem derartigen Fall, wobei einem Mädchen in der JiarFabrifbefizer Heegewaldt. straße das Portemonnaie gewaltsam entrissen wurde, der 15jährige -Das Wahlbureau befindet sich beim Genossen Frizz Käsler, Ein Bild trauriger Berfahrenheit boten die bürgerlichen Arbeitsbursche Nichard Mirus aus der Hermannstr. 58 festgenommen. Lautenburgerstr. 20. Wir fordern die Genossen auf, sich an dieser Stelle zu den Wahlarbeiten so zahlreich als möglich zur Verfügung befizer zur Verfügung stand. Hier stand der Kandidat der Straßenräuber entpuppt. Der Kriminalpolizei ist es gelungen, noch wähler im 2. Bezirk, wo unseren Genossen kein Haus. Im Laufe der Untersuchung hat sich M. nun als gewerbsmäßiger zu stellen! Parteigen offen! Es tommt auf jede katholiten einem Mischmasch bon Kandidaten der eine ganze Reihe von Fällen zu ermitteln, in welchen Kinder von einzelnen Intereffengruppen des Grundbefizer- und Bürger- dem verhafteten Arbeitsburschen beraubt worden sind. Die meisten Stimme an, deshalb an die Arbeit! Friedrichshagen. Bei der am gestrigen Montag stattgehabten vereins gegenüber. Dieser Zersplitterung ist es zu verdanken, dieser Fälle sind bisher noch gar nicht zur Anzeige gekommen Gemeindevertreter- Erfazwahl der 3. Klasse wurden an Stelle der bis- daß der Kandidat der Katholiken mit 50 Stimmen die Mehrheit und es werden daher die Eltern der betreffenden Kinder gehatte. Uns soll es schon recht sein, daß nun auch noch tonbeten, sich bei der Kriminalpolizei, Kaiser Friedrichstr. 194, zu herigen Mandatsinhaber der Bürgerpartei die Kandidaten der Sozialfessionelle Sonderwünsche in der Gemeindevertretung melden. Aus dem„ Arbeitsgebiet des ingendlichen Räubers seien demokratie, die Genoffen Maurer Schmidt und Fabrikant Grau zum Ausdruck kommen werden. Bezeichnend ist die Art und Weise, folgende Fälle angeführt: Am Hohenzollernplatz raubte M. in dem mit 283 resp. 398 Stimmen gewählt. Auf die bürgerlichen Kandi- wie seitens der Katholiken Wahlbeeinflussung betrieben wurde( oder Hause Wienece" einem Senaben ein Portemonnaie mit 25 Pfennig daten, Architekt Lehmann und Rentier Moldenhauer entfielen nur 89 der Hochburg der Statholiten stellte sich während der Wahl am and air der Ecke der Lessing- und Steinmeßstraße einen aus einem heißt das Toleranz?). Herr Meister Fisch vom Stabelwerk Juhalt; in der Albertstraße einem Mädchen ein Zehnpfennigstück resp. 106 Stimmen. Wahltisch auf, darüber wachend, daß feins der Schäfchen anders Seifenladen kommenden Mädchen ein Portemonnaie mit 30 Pfennig. Zur Wahlbewegung in Nowawes- Neuendorf wird uns geschrieben: stimme. Weitere Diebstähle führte M. mit Erfolg in der Hermann, Knesebed, Die gegnerischen Kandidaten für die am Donnerstag in Neuen= Thomas, Pannier-, Herzberg- und Gräfestraße in Berlin aus. dorf stattfindende Gemeindevertreterwahl find nun endlich ver- Charlottenburg. öffentlicht worden. Es sind dies für die III. Abteilung der bisherige Es gibt keinen Notstand! Wenigstens nicht nach Ansicht des Treptow- Baumschulenweg. Gemeindevertreter Schmied Delmann und der auf der Eisenbahn- Charlottenburger Magistrats, der soeben zum ziveitenmale die von Aus der Gemeindevertretersitzung. Der Gemeindevorsteher teute werkstätte beschäftigten Former Blankenhagen, beide Mitglieder des der Stadtverordneten- Versammlung im Dezember beschlossene Teue- zunächst mit, daß der Minister es abgelehnt habe, dem Bahnhof Hirsch- Dunderschen Gewerkvereins. Und wer ist es denn, der diese rungszulage für städtische Arbeiter, Beamte und Lehrer abgelehnt Baumschuleniveg eine andere Benennung zu geben, daß des weiteren Leute auf sein Schild erhoben hat? Alles, was sich sonst befehdet, hat. In seiner Antwort an die Versammlung zieht der Magistrat eine Ministerialverfügung ergangen fei, welche besagt, daß bei hat sich hier zusammengefunden, es gilt ja den Kampf gegen die einen Vergleich zwischen der wirtschaftlichen Lage der städtischen Be Wahlen die Forensen feiner Vollmacht bedürfen, wenn sich die berhaßten Sozialdemokraten. Der Verein der vereinigten bürger- amten, Lehrer und Arbeiter und der der übrigen Bürger; er ist Gemeindebehörde die Gewißheit verschafft, wer die Stimme für die lichen Parteien marschiert einträchtiglich mit dem Gemeindeverein, offenbar der Ansicht, daß, wenn private Arbeitgeber angesichts der Betreffenden abgibt. Der von einigen Einwohnern beantragten dem Haus- und Grundbefizerverein und Hirsch- Dunderschen Ge- Teuerung feine Maßnahmen ergreifen, auch die Stadt als Arbeit- Aufnahme in die Wählerliste wurde bis auf diejenigen, welche mit werkverein. Man braucht nur die Namen dieser Vereine zu lesen, geberin nicht dazu verpflichtet ist. Um einen einigermaßen greifbaren noch anderen Personen den Wohnraum teilen, mithin nicht das zu wissen, daß es der rückständigste Teil der Ein- Eindrud von der allgemeinen Wirkung der Teuerung auf die Char- freie Verfügungsrecht darüber haben, stattgegeben. In die Kommission wohnerschaft Neuendorfs ist, der sich hier zusammengefunden lottenburger Bevölkerung und ihre wirtschaftliche Widerstandskraft zu zur Vorbereitung der Gebührenordnung für die Kanalisation wurde Und von diesen Leuten, die die vorwärtsstrebende erhalten, hat der Magistrat. ferner einen Einblick in die auch Genosse Giamenz gewählt. Die Aenderung der LustbarkeitsArbeiterschaft bei jeder Gelegenheit bekämpfen und alle Bestrebungen Betriebsergebnisse der städtischen Sparkasse genomment, in der ſtenerordnung zugunsten des Radrennbahnbesizers wurde mit fnapper zur Niederhaltung derselben unterstützen, lassen sich auch die Hirsch- ler einen zuverlässigen Beiger an dem vielgestaltigen Uhr Majorität genehmigt. Hierbei wurde vom Genossen Hofmann auf um hat. findet im RnthanSsaal, emeindeetatS statt. berliner I�ackrickten. und DaS Projekt»eziiglich der Weitcrftihrung der Hoch llntcrgrundbahn wurde gestern in dem Shi-Mcfmfe der Stadtverordnetenversammkrmg weiter beraten. Zu den zz S»nd 10 wurden einzelne Deklarationen zu Protokoll genommen, im übrigen aber diese sowohl, als auch die SS 6, 7, 8 und 9 glatt angenommen. Der§ ll, tvelchcr von der Fertigstellung der Bahn handelt, führte zu längeren Auseinander- ievungen. an deren Schlust auch dieser Paragraph glatte Annahme fand. Ebenso die§§ 12, 13. 14. lö. 16. 17. 18. 19. wobei nur zu 14 eine Deklaration zu Protokoll genommen wurde.§ 20 erhielt eine« Zusatz, nach welchem auch die llebertragnng der Ausübung der dke Härten der Lustbarkeitssteuerordnung und auf die notwendige Aenderung verschiedener Punkte derselben hingewiesen.— Für die Ausschmi'ukung der Schulen mit Kaiserbildern wurden die nötigen Gelder verlangt. Genosse Hofmann bemerkte, daß sich die be- treffenden Bilder nicht für unsere Schule eignen und empfahl Ab- lehnung des Antrages. Gemeindeverordneier Buchholz spielte den Entrüsteten, eventuell würde er mit einigen Herren die Bilder be« zahlen. Dieser Patriotismus wurde leider nicht von der Mehrheit anerkannt, sondern man bewilligte die Kosten aus allgemeinen Mitteln.— Aus Anlaß der Silber- Hochzeit des KaiferpaareS� wurden 1000 M. als Grundstock zum Bai» eintS Kraiikenhauses bereitgestellt. Genosse Hofmann legte dar, daß wir nicht gegen, den Bau eines Krankenhauses sind, daß die Gemeinde vielmehr schon längst die Initiative hatte ergreifen müssen und nicht erst notwendig gehabt hätte, eine Hoffestlichkeit ab« zuwarten.— Die Etatsberaning führte zu lebhaften Debatten. Die Grundwertsteuet, deren Erhöhung schon im vorigen Jahre— leider vergebens— von unseren Genossen beantragt wurde, ist jetzt im Voranschlage von 9 auf 1b Pf. pro Hundert festgesetzt. Dieser Satz war dem Schöffen Hoffmann zu hoch, er, als reicher Grundbesitzer, will möglichst wenig Steuern zahlen. Er meinte, ans der Lustbar- keits- und Gewerbesteuer ließe sich noch mehr herausholen, und be- antraate, den Entwurf einer Kommission zu überweisen. Genosse Hosmann kennzeichnete das Verfahren, die Steuern auf minder kräftige Scbnltern abzuwälzen. Das vcranlatzte Herrn Nickel zu dem Zwischenruf:„Na, Sie zahlen ja die Steuern nicht 1" Ein Tauschangebol lehnte aber dieser Grundbesitzer ab.— Beim Schuletat fragte Genosse Granienz, weshalb die Petition der Lehrer lim einen höheren WohnungSgeldzuschuß nicht berücksichtigt worden ist. Wie der Vorsteher erklärte, soll dieselbe einer späteren Sitzung vorbehalten bleiben.— Die Subvention von 2400 M. an die Prrval- Vorschule führte zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen unserem Parteigenossen Hofmann und den bürgerlichen Herren. Hofmann benutzte die Gelegenheit, den Charakter des gesamten Vorschulwesens ins rechte Licht zu rücken und die Fordenmg der allgemeinen Volksschule näher zu begründen. Nach Angabe deS Gemeindevorstehers ist der Grund der Subvention in der llnterbilanz der Schule zu suchen. Die Position, für die auch der freisinnige Verordnete Kurth stimmte, wurde a igenommen.— Bei dem Titel Straßenverwaltung rügte der sozialdemokratische Redner, baß. entgegen dem gefaßten Beschlüsse, die Gemeindearbeiter keine Weihnachtsgratifikation erhalten hätten. Hierauf erwiderte der Vorsteher, daß der betreffende Fonds nicht gereicht hätte und das die Beamten zuerst hätten berücksichtigt werden muffen. Diese seien stets zur Stelle, wen» es heißt mehr Arbeit zu verrichten, wohin- gegen die Arbeiter jede lieberstunde bezahlt bekämen. Gemeinde- verordneter Buchholz meinte, die Arbeiter erhielten ja anläßlich der Neujahrgralulationen Geschenke. DaS war doch offen I Die Arbeiter verweist man aus die Privatwohltätigkeit und die bemittelten Kreise erhalten aus Steuermitteln einen erhöhten Zuschuß für die Prival Vorschule, in die sie ihre Kinder schicken. Rummelsburg« Boxhagen. Morgen Mittwoch, nachmittags 6 Uhr, Türrschmidtslr. 25, die Beratung des E Zutritt hat jeder Eiilwohner. Wilmersdorf. Unglücksfall. Im Hause Motzstraße 45, Ecke Pragerplatz, waren 4 Rohrleger und Zimmerleute gestern abend mit dem Legen von Gasröhren beschäftigt und hatten dazu in dem Eckladen ein Gerüst gebaut. Durch die Schwere der 4 Personen brach das Gerüst ein und die Arbeiter stürzten zu Boden. Während zwei Zimmerleute mit geringen Hautabschürfungen davon kamen, wurden der 51jährige Rohrleger August Melitz aus der Hciinstraße 23 und der 41jährige Zimmermann Jakob Weng aus der Spielhagenstraße erheblich v e r- letzt. Melitz erlitt einen Bruch der rechten Änrrscheibe und mutzte nach Anlegung eines Notverbandes im Krankenwagen nach dem Krankenhaus Am Urban geschafft werden. Weng brach steh den linken Fuß und wurde nach dem Krankenhaus Westend überführt. Trebbin. In der letzten Stadtverordneten-Versammlung entspann sich unter Punkt 1„Beschlnßsassung und Anlauf von Festschristen für die Schulkinder und Bewilligung der Kosten" eine sehr lebhafte Debatte. Gleich als erster ergriff Genosse T r e b u ß das Wort. um klar- zulegen, �daß wir für derartige Sachen nicht zu haben sind. Er wundere sich, daß die Schriften sogar schon verteilt sind, ohne erst die Versammlung darum befragt zu haben. Den Inhalt der Schrift betreffend, siehe weiter nichts darin, als was den Kindern in der GeschichtSslnnde gelehrt würde. Man möge deshalb das Geld lieber zu andere» Zwecken verwenden, da vieles hier noch im Dunkeln liege, so beispielsmeise das Armenwesen, die Wohnungen deS Armen- Hauses seien direkt gesundheit-Sschädlich. die Straßeiipflasterung läßt viel zu wünschen übrig, auch siehe der Schulhausbau in Aussicht uno so noch vieles mehr; dasei das Geld viel besser augebracht. Der Bürger- meister Bau dach gibt zu, daß die Schriften bereits verteilt sind. Es hätte in der Lorbesprechung der Stadtverordneten-Versammlung (Ivo unsere Genossen nicht zugegen waren) ein„Dringlichkeitsaittrag" vorgelegen, der auch gegen eine Stimme angenommen worden sei. Die Summe von 75 M. falle nicht so schwer ms Gewicht. Auch er- fordere die Liebe zu Kaiser und Reich, daß von der Stadt Trebbin etwas zur Silberhochzeit getan würde, andere Städte hätten be- deutend höhere Summen bewilligt, er bitte um Annahme des An- träges. Genosse H ü b e n e r versucht mich noch zu sprechen, wird aber, wie Genosse T r e b u tz, fortwährend durch Zwischenrufe ge- stört. Als er sagt, die letzten ReichstagSwahlen hätten bewiesen, daß die Hälfte der Trebbiner Steuerzahler von einer Ver- Wendung deS Geldes zu patriotischen Zwecken nichts wissen wolle, wild die Erregung groß. Der Vorsteher Haase meint, das gehöre nicht hierher, er müsse ihn deshalb zur Ordnung rufen. Genosse Hübener versuchte noch einmal zn sprechen, was der Vorsitzende aber nicht gestattet. H. erhält vielmehr noch einen zweite» Ordnungsruf. Auf Antrag Schottmüller(deS bekannten ZwifchenruferS) wird darüber abgestimmt und-wird der Antrag mit 13 gegen 4 Stimmen angenommen. fBravo rechts l fehlt hier eigentlich noch.) Das Gesuch der Freiwilligen SanitätS- kolonne um Gewährung einer jährlichen Geldunterstützimg wird mit 14 gegen 3 Stimmen angenommen. Der dritte Punkt der Tagesordnung: „Beichlnßfassiiiig über einen Entschädigungsanspruch der Frau Luise Erpel in Höhe von 9223.55 M." wird nach längerer Debatte, zwecks genauerer Informationen, bis zur nächsten Sitzung vertagt. Punkt 4:„Er- Werbung des 2 Ar 50 Quadratmeter großen Grundstücks, auf dem der städtische Wasserturm errichtet ist", wird gemäß dem Vorschlag de« Magistrats angenommen. Punkt 5. 6 und 7 der Tagesordnung ivird wegen vorgerückter Zeit bis zur nächsten Sitzung vertagt. Punkt 8:„Anschaffung von 300 Stück Armbinden für die Mann- sckiaften der Pflichtfenerwehr" wird mit allen gegen eine Stimme (Herr S ch o t t m ü l l e r) abgelehnt, da es nicht für nötig befunden ivird. die Mannschaften der Pflichtfenerwehr zu uniformieren. Nächste öffentliche Sitzung Donnerstag. 8. März, abends 6 Uhr. Rechte unstatthaft ist. Ohne Debatte fand der§ 21 Zustimmung, ebenso der§ 22, nachdem über das Wesen des ins Auge gefaßten Schiedsgerichts eine längere, eingehendere Debatte stattgefunden hatte.§ 23 wurde angenommen, ferner fand eine Reiolution Preuß Annahme, wonach der Gesellschaft eine schriftliche Anerkennung des Bertrames usw. abgefordert werden soll. Eine Resolution, wonach der Gesellschaft auferlegt werden soll, ihren Angestellten die gleichen Vergünstigungen, Urlaub usw. zu ge- währen, wie sie die Stadt Berlin ihren nicht festangestellten Beamten und Arbeitern gewährt, wurde gegen 3 Stimmen abgelehnt. Die Grundsätze behufs Ermittelung der Bruttoeinnahmen fanden ohne Debatte Annahme. Ebenso das Angebot der Hochbahn-Geiell schast wegen des späteren Bahnerwerbs durch die Stadt; desgleichen der Entwurf zu einem Tauschdertrag zwischen der Stadt und Hochbahiigesellschast bezüglich des Geländes zum Bahnhos an der Warschauer Brücke. Damit ist die Gesamivorlage angenommen und soll der Aus schußbericht schon am Donnerstag auf die Tagesordnung der Stadt verordneten-Bersammlung gesetzt werden. Das GesangSkonzert von Gemeindeschulkindern, das am Sonn- tag im Zirkus Busch zllguiisten mehrerer Kinderhort-Vereine ver- anstaltet wurde, hat den Beweis erbracht, daß in unseren Gemeinde- schulen der Gesangunterricht recht Tüchtiges leistet. Die zwei- tausend Knaben und Mädchen, die da in ihrem Sonntags- stockt vor einem zahlungsfähigen Publikum eine Probe ihres Könnens ablegen durften, waren allerdings die besten Sänger und Sängerinnen, die man aus den oberen Klassen der hundert an dem Unternehmen beteiligten Gemeindeschnlen zusammengesucht hatte. Aber auch wenn dieser Umstand berücksichtigt wird, muß das Konzert diese? Rleienchors von Schulkindern immer noch als eine sehr beachtenswerte Darbietung bezeichnet werden, die unseren Gemeindeschulen Ehre macht. Die Sicherheit de? Vortrages war ebenso tadellos wie die Klarheit des Ausdruckes. Die zweitausend Kehlen, an denen die Gesang lehrer ihre bildende»nd fördernde Arbeit getan hatten, waren von dem Leiter des Konzerts, dem Chormeister Zander, vortrefflich einexerziert worden. Sämtliche Gesänge waren vierstimmig gesetzt. Mehrere wurden von dem Geiamtchor vorgetragen, die übrigen teis von den Knaben allein, teils von den Mädchen allein. Die beifälligste Aufnahme fanden die Knaben. Sie hatten es bester als die Mädchen getroffen das Programm deS Knabenchors enthielt zumeist Lieder, die durch eine gewiss«„patriotische Forsche" von vornherein Stimmung machen. Gut gerieten dem Kuabenchor seine flott vorgetragenen Soldaten lieder, namentlich„LützowS wilde Jagd" und..Schwerin, der hat unS kommandiert". Aber auch auS dem wehmütigen„Es geht bei gedämpfter Trommelflang" wußten die Jungen die volle Wirkung herauszuholen. Dem Lied„Empört auch die ganze Welt sich wider uns in Krieg" wurde dröhnender Applaus gespendet: er war wohl zum Teil eine Demonstration, die dem als Zuhörer anwesenden Kaiser galt. Dem Mädchenchor hatte man Lieder zugewiesen, die eine besondere Zartheit des Vortrages erfordern. Vortrefflich ge land„Leise, leise, fromme Weise", niid stürmischen Beifall weckte das sonnig-beitere„Es zieh» nach fernen Landen". Eingeleitet wurde das Konzert durch den Gesanttchor mit einem Choral, desien Melodie „Wie schön leuchi'i uns der Morgenstern" in ihrer ganzen seier- lichen Pracht zur Wirkung kam. Den Schluß machte„DaS treue deulsche Herz", nach unserem Empfinden eine Banalität nicht nur im Text, sondern auch im Tousatz. ES wäre nicht nötig gewesen, dem.Patriotismus" noch dieses letzte Opfer zu bringen: zu kurz gekommen war er im Programm ohnedies nicht. Wir vom patri wünschten diesen GrsangSkonzerten noch etwaS mehr und sehr viel weniger von seinem echten Volkslied otischen" Surrogat. Auch der Kaiser war. wie schon gesagt, zu dieser Veran- staltung gekommen, und hatte seine Frau nebst einigen seiner Kinder mitgebracht. Für den Beobachter, der nachdenken wollte, war eS von pikantem Reiz, den Kaiser vor diesen zwei tausend Kindern zu sehen, deren Väter und Mütter größten teils zur Arbeiterklasse gehören und Sozialdemokraten sind. Wir hoffen, daß später einmal von den Lippen der meisten dieser Jungen und Mädel manch' rechtes und ehrliches Arbeiterlied erklinge» wird. Am Sonntag sangen sie als Extran, immer, die nicht auf dem Programm stand,„Heil Dir im Siegerkranz." Die Diebftahlsaffare, die seit nahezu 1'/, Jahren das Lehrer- kollegium der 192. Gemeindeschule in der Dieffenbachsttaße in Ans regung hielt, hat jetzt eine unerwartete Aufklärung gefunden. Wie wir seinerzeit mitteilten, war bei Auszahlung der Lehrergehälter an der genannten Schule ein Fehlbetrag von 1000 M. festgestellt worden. ?Sm Konferenzzimmer, wo die Auszahlung an die Berechtigten er- olate, war plötzlich eine Rolle mit 1000 M. in Gold verschwunden. Die Sache kam schließlich zur Entscheidung des Gerichts, weil die geschädigten Lehrer sich die Abzüge nicht gefallen ließen. Schließlich bewilligte der Magistrat die vermißten 1000 M. zur Nachzahlung. Mittlerweile war nun bei dem Rektsr der Schule ein anonymer Brief mit einer Einlage von drei Hundertmarkscheinen eingegangen mit dem Hinweise darauf, daß dieser Betrag als Abschlagszahlung für die noch immer fehlenden 1000 M. gelten solle. Ein zweiter Brief war an die Kriminal- Polizei gerichtet, die daraufhin eine bestimmte Spur verfolgte und bald ennittelte, daß nur der Lehrer Kurz als Täter in Fra kommen könne. Dieser war verschuldet und hatte, wie festgestellt wurde. kurz nach Bekanntwerden deS Diebstahls bei einer befreundeten Familie eine Geldrolle zur Aufbewahrimg nieder gelegt, die 1000 M. in Gold enthielt. Kurz, ein Lebrersohn und Vater von zwei Kindern, gestand vor acht Tagen bei einem Verhör den begangenen Diebstahl ein und wurde sofort vom Amte sus- pendiert. Interessant ist der Umstand, daß Kurz während der langen Zeit die zahlreichen Konferenzen besuchte und dabei immer wieder energisch darauf hinwies, daß man nicht ruhen dürfe, bis der Dieb gefaßt fei. Kaltblütig sah er zu, wie einzelne seiner Kollegen in schweren Verdacht geritten. Er hat jetzt angeblich wegen Nerven- Überreizung ein Sanatorium bezogen. Ueder einen Raubanfall im Grunewald berichtet eine Korrespondenz: Der Teufelssee, jene Stelle des Grunewalds, die durch den Fall des GiftmörderS Jähnicke eine traurige Berühmtheit erlangt hat, war am Sonnabend wiederum der Schauplatz eines schweren Verbrechens. In der vierten Nachmittagsstunde fand der Förster dicht am See nahe der Charlottenburger Wasserwerke auf dem Waldboden einen Mann liegend vor, der sich in bewußtlosem Zustande befand und an der Stirn stark blutete. Es ivar der im 63. Lebensjahre stehende Rentner Graf Ulrich v. Sckack aus der Schillerstr. 81 in Charlottenburg. Nachdem eZ dem Forstbeamten• glücklich gelungen war, den Besinnungslosen wieder ins Leben zurückzurufen, wurde der Schwer- verwundete aus Vtranlasiung eines Gendarmen in einem Swadeschen Krankenwagen in das Krankenhaus Westend gebracht. Dort stellte man fest, daß Graf Schock im Gesicht eine Schußverletzung auswies, die oberhalb des rechten Auge» In die Stirn eingedrungen war. Auch das Auge selbst war verwundet. Eine Lebensgefahr liegt vorläufig noch nicht vor, doch ist bei dem Eintritt von Komplikationen daö Schlimmste zu befürchten. Als die Krankenträger den Patienten in den Wagen trugen, machten sie die Entdeckung, daß dessen Taschen- uhr sowie das Portemonnaie, das etwa 16 M. enthalten hatte, fehlten. All diese Umstände sprechen dafür, daß der Greis das Opfer eines schweren Verbrechens geworden ist. Was nun die Frage der Täterichaft betrifft, so konnte hierüber bisher noch nichts er- mittelt werden. Vor allem ist die Charlottenburger Polizei be- müht, über den Verbleib der silbernen Utzr, die Graf Schock schon länger als 30 Jahre getragen hat, etwas in Erfahrung zu bringen. Trotzdem anzniiehmen ist, daß der Ueberfallene den gefährlichen chützen gesehen haben mutz, vermag er über dessen Person nicht das geringste anzugeben. Mit Rückficht auf den Schwäche- zustand des Grafen mußte vorläufig allerdings von einer ein- gehenden Verneknning Abstand genommen werden. ES wird ver- nnilet. daß v. Sck.. der mit Vorliebe Ausflüge nach dem Grunewald ' unternahni, ahnungslos dem Täter entgegen ging und plötzlich, ohne sich noch schützen zu können, angeschossen wurde und besinnungslos zusammenbrach. In der Annahme, daß der Graf größere Geld- betröge oder Wertsachen bei sich führte, hatte sich der Räuber ge- täiischt. v. Sch. pflegte bei seinen Ausflügen höchstens bis zu 15 M. Taschengeld mitzunehmen. Die polizeilichen Ermittelungen dürften die Angelegenheit bald aufklären. AuS der Selbstmordchronik. Im Polizeigewahrsam erhängl hat sich in der Nacht zum Sonntag der 32 Jahxe alte Buchhalter Heinrich Gressor aus Bremen. G. war seiner Braut, die vor ihm geflüchtet war. nach Berlin gefolgt, bedrohte sie am Sonnabend- abend in der Friedrichstraße und wurde schließlich nach dem Polizei- revier II in der Georgenstraße gebracht, wo er während der Nacht in der Zelle blieb. ÄlS man später wieder den Raum betrat, fand man G am Fenstertreuz erhängt vor. Die Leiche wurde in das SchauhauS gebracht.— Im Tiergarten erschaffen hat sich Sonntag in früher Morgeniiiinde der 27jährige Richard Zumps, der in dem Hause Mauerstratze 35/36 ein« Dienerstelle versah. In der Nähe der Gondelstation wurde der junge Mensch von einem chutzmann tot aufgefunden. Der Revolver lag neben der Leiche. Was Z. in den Tod getrieben hat, bleibt sowohl den Angehörigen als auch den Bekannten ein Rätsel.— Weil er nicht in daS Garnisonlazarett eingeliefert werden wollte, hat der Offiziersbursche N.. der bei einem Grafen B. in der Lehrterstr. 30 bedienstet war, Hand an sich gelegt. R. litt schon seit einiger Zeit an einer bösen Krankheit und sollte deshalb dem Garnisonlazarett in der Scharnhorststraße zugeführt werden. Der junge Mann beugte dem jedoch dadurch vor, daß er sich gestern nachmittag mit dem Revolver seines Herrn er- schoß. Anstatt mit dem Krankenwagen wurde er nun mit dem Leichenwagen wegtransporttert. Unglücksfall beim Ringkampf. Einen recht bösen Ausgang hat ein Ringkampf genommen, welcher Sonntag abend in einer Schau- bude an der Müllerstraße stattfand. Ein dottiger Berufsnnger hatte an das Piiblikiim die Aufforderung getan, man möge fich an dem Preis-Wettringen beteiligen. Der in der Reinickendorferstr. 57 wohnhafte Zigeuner Adolf Weiß trat auch als Wettbewerber vor. Der nun folgende Ringkamps mußte aber plötzlich abgebrochen werden, da dem W.„in der Hitze deS Gefechts" von seinem Gegner zwei Rippen eingedrückt worden waren. Der Schwerverletzte wurde nach der Unfallstation in der Lindowerstraße gebracht, wo er die erste Hülse erhielt. Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern abend an der Köpenicker Brücke ereignet. Der 41 Jahre alte Buchbinder Theodor Granitzky aus der Mainzcrstr. 3 wollte auf seinem Rade von der abschüssigen Brückenanrampung nach dem Mariannen-Ufer einbiegen, verlor dabei die Gewalt über die Maschine und sauste mit solcher Gewalt bergab. daß das Rad an einen Baum stieß und G. mit dem Kopf gegen die Rinde geschleudert wurde. In bewußtlosem Zustande brachte man den Bedauernswerlen nach der Unfallstation III. wo ein schwerer Schädelbruch sowie«ine Gehirnerschütterung sestgestellt wurden. Im Krankenhaus« Bethanien liegt G. jetzt bedenklich danieder. In der Narkose gestorben. Die 18 Jahre alte Emma Schmidt ans der Dunckerstraße begab sich gestern zu einem Zahnarzt in der Kastanienallee, um sich mehrere Zähne ziehen zu lassen. Das Mädchen wurde narkotisiert. Obgleich alle erforderlichen Vorsichts- matznahmen getroffen worden waren, wachte die Narkotisierte nicht wieder aus der Betäubung auf. Die Leiche wurde beschlagnahmt. Die gerichtsärztliche Oeffnung wird über die Ursache des Todes deS Mädchens Aufschluß geben. Auf der Stadtbahn vom Tode ereilt. Sonnabend mittag 1 Uhr 52 Minuten lourde ein auf der Statton Jannowitzbrncke in der Richtung vom Älexanderplatz eingefahrener, bis jetzt unbekannt ge- bliebener Fahrgast von Unwohlsein plötzlich befallen und stürmte taumelnd in das Gleis der anderen Fahrtrichtung, kurz vor der Em- fahrt de» ZngeS 1828. Der Fahrgast wurde sofort von einem Bahn- bediensteten mit Hülfe von anderen Reisenden auf den Bahnsteig gehoben und nach einem Dienstraum getragen. Ein zufällig anwesender Arzt konnte nur noch den inzwischen eingettetenen Tod infolg« Herzschlag feststellen. Die Leiche wurde nach dem Schau- hause gebracht. Der revolutionäre Dichtcrabend und der Zensor. Der von der Arbeiter-BildungSschule am Sonntag im Gewerkschaftshause arran- gierte„revolutionäre Dichterabend" erfreute sich, wie das bei dem vorzüglichen Programm nicht anders zu erwarten war, eines über- aus starken Besuches. Rezitationen aus den Werken moderner Dickter bilden für die Arbeiterklasse stets eine gewisse Zugkraft: standen doch außer Heine-, Freiligrath, Herwegh-, Psau-, Prutz-, Makay-, Turgenjew- und Nadronschen Dichtuilgen auch Proben moderner proletarischer Schöpfungen eines Otto Krille und Maxim Gorki auf dem Programm. Jedoch, sie konnten nicht alle gehört werden— die„Hochwohllöbliche" hatte die„Weber" von H. Heine, Achtzehnter März" von Herwegh,„Nach der Bluthochzeit" von Pfau, Von unten aus" von Freiligrath und„Zum 22. Januar" von Otto Krille ganz gestrichen, während„Die Toten an die Lebenden" von Freiligrath nur teilweise der Zensur verfielen. Die Bekanntgabc dieses HeldeiiftÜckchenS rief denn auch eine schallende Heiterkeit unter den Anwesenden hervor und wiederholte sich jedesmal, wenn ein der Zensur verfallenes Gedicht an die Reihe kam. das ein als Schutzmann angekleideter Genoffe init den der Polizei eigene» Verbotsformeln noch besonders untersagte. Waren die Gedichte nicht zensiert worden— sie wären sicher nicht o eifrig gelesen worden, als man es nachher getan. Die Gedichte waren alle fein säuberlich abgedruckt, und die Polizei müßte wissen. daß verbotene Früchte am besten schmecken. Dem Programm ging »nächst eine Festrede deS Genossen BloS voraus, der in größen Zügen ein Bild von dem Zusammenhängen der politischen Lyrtt und ihrer Zelt entwarf. Zum Schluß sprach er die Ueberzeugung aus, daß auch das Zeitalter deS Dampfes, der hochentwickelten Ockonomie, unS wieder neue Männer erstehen lassen werde.— Für die Rezitationen waren Frl. Uli Fey und Herr Max Laureiice gewönne»» welche sich ihrer Aufgave voll und ganz gewachsen zeiglcn und wiederholt mit großem Beifall belohnt wurden. Auch die Gesangs- Vorträge von Frau Luise Klosfeck-Müller können als vorzüglich be- zeichnet werden: Ihr sowohl als Herrn Waldemar Schmidt, der auf >em Klavier begleitete, wurde lebhafte Anerkenniiiig zu teil. Im großen und ganzen darf man sagen, daß der Abend genußreicke stunden in sich barg: eS zeigt sich immer mehr, daß das Jitteresse der Arbeiterllaffe an solchen künstlerischen Uiiterhalinngen m einer größeren Zunahme begriffe» ist. Nachdem das Programm erschöpft war, verharrte ein Teil der Anwesenden noch bei einem gemüttichcit Tanzkränzchen. Orgelkonzert. Mittwoch, den 7. März, abends?'/„ Uhr. ver- anstaltet der königl. Mnsildirektor Beruh. Jrrgang in der St. Marien-Kirch« das nächst« Orgelkonzert unter Mitwirkung von Frau Charlotte Kimpel(Sopran), Frl. Eva Reinhold(Alt), Herrn Ludwig Schubert(Tenor) und Herm Georg Diebnrtz jun. (Bioline).— Der Eintritt ist ftei. Weitestes konz. Leihhaus Charlottenbnrg, Wilmersdorferstr. 40 1. Hohe Beleihung. Diekr. Sprechlimmer. Gelegenheitskaufe in Brillanten, Uhren, Gold- u. Silbersachen.[3&)L' Muaqn.ihn g».tvckjoH«U invpaE KS-Ivaaiz'u-ijofis'.izhmx '3jchun,i)S,äu.iu0pi.>)2'.iqi'jU3.iDnit)o55 g Zi5,yi>»ja,qi,ai,iioy>S>'J.iopxm 'seotts pioiujag J Bieselt Slemmebilr g ni»eur», sirmmcuiir. u älleele Reiterhandlung, Große Auswahl in Herren- u. Domen« lioffcn sowie fciligct Knoden- und Arbeitergorderode, Mädchenmönleln, Sloftflmröie». 313B« v�ntwortlicher Redakteur: HonS Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW