Nr. 56. HbonneiMntS'Bedlnganfien; SISonnemcntä- Preis pränumerando t Lierteljährl. A,zo Mk,, monatl, I.lv Md. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus, Einzelne Nummer 5 Pfg, EonmagS- nimuner mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Psg, Post- itbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitunaS- Preisliste, Unter Kreuzband sllr Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. VostabonnemeiitS nehmen an: Belgien, Däneniark. Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 33. Jahrg. CitttlBt UM iiiBer OlcDüas. Vevlinev Volksblstt. Die Tniertions* Gebühr veträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zcilc oder deren Raum S0 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche BereinS- und BersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Ateine Hnzeigen", das erste(fett. gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlas- siellen-Anzeigen daZ erst« Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort s Pfg. Worte über 13 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen pis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist vis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SMlaMtiMltril Bertis". Zentralorgan der rozialdemokratifcben parte! Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lindenetraese 69. Fernsprecher- Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SM. 68» Lindenetraose 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Zur Lage der Hütten- und Bergarbeiter. 11. Die im gestrigen Artikel angeführten Urteile vieler Getverbeaufsichtsbeamter über die Arbeitsverhält- nisse und ihre Gefahren lassen eine gewisse Vorsorge für Leib und Leben des Arbeiters erkennen. Von ihnen unterscheiden sich aber sehr die Berichte der meisten Bergbehörden üb er den Gesundheitszustand und dieBes ch werden der Bergleute. Wenn man die Jahresberichte der preußischen Bergbehörden durchsieht, so findet man meist sehr befriedigende Urteile über den Gesundheitszustand der Bergleute. Da heißt eS: er war gut, im allgemeinen gut, zufriedenstellend, ganz normal zc. Aber wenn man sich die Zahlenangaben der Erkrankungen ansieht, weiß man, was man von diesen Urteilen zu halten hat. So sagt der Bericht von 1902 über das Bergrevier Ost-Essen:„Der Gesundheitszustand der Belegschaft war befriedigend." Aber in folgendem Satze mußte er mitteilen, daß 10 355 Mann krank gefeiert haben, lvas 76,4 Proz. der Belegschaft ausmacht, und im Jahre 1904 waren es auch noch 69 Proz. Nur der Bericht aus dem Bergrevier Süd-Essen Von 1902 erklärt:„Der Zustand der Belegschaft ließ einiges zu wünschen übrig." Die Gesamtzahl der Erkrankungen stieg hier auf 145524, so daß nach Angabe des Berichts selbst auf jeden Arbeiter die enorme Zahl von 10,6 Erkrankungen kam. Aber der Bericht hoffte, daß doch die Wurmkrankheit in diesem Revier keine große Ausbreitung finden durfte, indem bisher hier nur 15 Erkrankungen daran vorgekommen seien. Diese utopische Hoffnung sollte jedoch leider nicht in Erfüllung gehen. Leider trafen die Voraussagungen der Arbeiterpresse zu. Der Bericht für das Jahr 1903 aus diesem Bergrevier muß mit- teilen:„Der Gesundheitszustand der Bergleute wurde Haupt- sächlich durch die Wurinkrankhcit nachteilig beeinflußt." Bei den Untersuchungen waren 1100 Mann als wunnkrank befunden. Infolgedessen kamen in diesem Jahre im Bergrevier Süd-Essen sogar 12.6 Erkrankungen auf jeden Mann der Belegschaft, im Jahre 1904 sogar 13,1, obgleich die Wurm- lrankheit fortgesetzt zurückging! Denn während 1903 noch 1100 Arbeiter und Beamte zuin erstenmal oder wiederholt wurmkrank befunden wurden, betrug ihre Zahl 1904 nur noch rund 400, darunter 337 frische Fälle. In anderen Berg- revieren, z. B. in Dortmund III, war es kaum besser. Zwar hatte schon 1901 die„Bergarbeiter-Zeitung" schärfere Maß- regeln gegen die Ausbreitung der Wurmkrankheit verlangt, aber Bergbehörde und Zechenvorstände entschlossen sich erst zu solchen, als aus den fünf Erkrankten 1100 geworden waren. Trotzdem findet sich in keinem Jahresbericht auch nur ein Wort des Tadels über diese arge Saumseligkeit, zu deren Folgen sich noch zahlreiche tödlich verlaufende Typhuserkrankungen in den Revieren von Bochum, Dortmund und Gelsenkirchen kamen und es dauerte mehrere Jahre bis die Verursacher der letzteren wegen ihrer Verseuchung der Wasserleitung zur Rechenschaft gezogen und zu verhältnismäßig geringen Geld- strafe» verurteilt Ivurden. Ferner erkrankten zahlreiche Berg- leute an der ansteckenden Augenkrankheit, ebenfalls infolge des unhygienischen Zustandes der Gräben und Waschkogen. Allein im Bergrevier Ost-Recklinghausen ergaben die ärztlichen Unter- Fälle von Erkrankung an dieser dagegen nächsten Jahre noch größer� wurde, nämlich auf 115 Fälle an an- steckender Augenkrankheit und auf 140 Fälle an Tränendrüsen- katarrh stieg. Die Gewerbe-AuffichtSbeaniten lassen es sich doch nicht nehmen, hin und wieder eine Schutzeinrichtung gegen Schädi- gungen der Arbeiter zu empfehlen eventuell anzuordnen und über den Erfolg darüber zu berichten. Aber in den Bc- richten der Bergbehörden findet man fast nie derartiges. Es liest sich wie ein Unikum, wenn 1903 aus dem Bergrcvier Oberhausen berichtet wird, daß auf der Zeche Osterfeld zur Beseitigung des bcini Entleeren der Fördcrwagen in der Kohlenseparation entstehenden StaubeL und der damit für die Arbeiter verbundenen Belästigung und Schädigung eine Staubabsaugungsvorrichtung angelegt worden ist. die ihren Zweck vollkommen erfüllt. Auch von einem energischen Eintreten der Bergbehörden für wirksameren Schutz der Bergleute'gegen die immer mehr zu- nehmenden schweren Unfälle in den Berg- werken durch Stein« und Kohlcnfall, blinde Schächte usw. liest man in den Jahresberichten derselben nichts. In jedem Bericht wird nur ganz summarisch angegeben, wie viel Unfälle im Jahre gemeldet tvilrden und wie viel davon tödlich waren, ganz wie die Polizei rapportiert, wie viel Menschen bei Bettelei und wie viel Hunde ohne Maulkorb aufgegriffen worden sind. Nur wird hin und wieder an den Unfallzahlen gemäkelt. So sagt der Jahresbericht für 1904 aus dem Bergrevier Wcst-Essen: „Zur Anzeige gelangten im Laufe des Jahres 3393 Unfälle, d. h. 18,5 Proz. der Belegschaft(gegen 3302 oder 19 Proz. im Vorjahre)... �, Diese Zahl der Unfälle wuchs in den folgenden Jahren noch»veiter.. �.. Untersucht wurden von den Aufsichtsbeamten 373 Unfälle, welche schwerer Natur waren, bezw. Erwerbsbeschränkungen über die 13. Woche hinaus zur Folge hatten, während die Anzahl der untersuchten Unfälle im Vorjahre nur 213 betrug. Diese Unfälle haben mithin um 160 oder 42.9 Proz. zugenommen, tvas teillveise»vohl dadurch zu erklären ist, daß sich die Arbeiter in dem Verlangen, eine Rente zu erhalten, vielfach bei der geringfügigsten Verletzung mit Anträgen auf Unter- suchung des Unfalles an die Berufsgenossenschasten»venden, denen dann in den meisten Fällen von letzterer Folge gegeben wird." Erst heißt es also in dein Bericht, daß„von den Auf- sichtsbeamten 373 Unfälle untersucht wurden,»velche schwerer Natur waren und eine Erwerbsbeschränkung über 13 Wochen hinaus zur Folge hatten", und im nächsten Satz denunziert der Berichterstatter die Arbeiter, daß sie„in dem Verlange»», eine Rente zu erhalte»», sich bei der gerinfügigsten Verletzung niit Anträgen auf Untersuchung des Unfalls an die Berufsgenossenschaften wenden." Forscht man nach,»velche Ursachen diese schauder- haften Gesundheitszustände und schiveren Unfälle der Bergleuten haben, so ist es ohne weiteres einleuchtend, daß die Beschäftigung deS Bergmanns a>» sich schon viel gefährlicher ist, als die ineisten anderen. Man denke an die mit Kohlengasen und Kohlenstaub ge- schivängerte Luft in vielen Kohlengr»lben, die dabei sauerstoff- ärmer als die atmosphärische Luft ist und deren Temperatur „vor Ort" in der Regel nicht unter 25 Grad Celsius ist, in der der Arbeiter meist in gebückter Stellung feine schivere Arbeit verrichten muß. Durch die hohe Luftteinperawr kommt er bei derselben bald stark in Schiveiß, der bei den»neisten bald viel Durst erzeugt und sie zum Trinken großer Mengen Wassers veranlaßt, so daß mancher Bergmann»vährend einer Schicht 6 bis 7 Liter Wasser trinkt, toodurch vielfach Mageneriveitemng und geschwächte Verdauungskraft des Magens herbeigeführt»vird. Dabei ist das zur Verfüg»lng stehende Wasser oft unrein, bakterienhaltig oder durch Eier des gefürchteten Ankylostomus (Wurmkrai»kheitserrcger) infiziert. Dabei reizt der feine Kohlenstaub die Schleimhäute der Augen und des Halses und erzeugt einerseits massenhaft Augenkatarrh und Trachoin, andererseits Kehlkopf-»nid Bronchialkatarrh und der häufige Tcmpcraturivechscl zwischen der Hitze vor Ort ui»d von frischen Wettern durchzogenen feuchten Strecken zahlreiche chronische Rheumatismen und Wechselfiebcr. Zu diesen direkten Ursachen der niassenhaften Er- krankungen und Unfälle kommen bei den Bergleuten noch eine Reihe indirekt mittvirkender. auf die»vir noch kurz hin- weisen müssen. Da ist die Art der Entlohnung des Bergmannes. Für die unter Tag arbeitenden Bergleute ist die fast regcltnäßig eingeführte Lohnform das sogenannte Gedinge. Un» aber die Arbeiter zur größten Anstrengung anzuspornen, sind dazu»»och die sogenannten Prämien- zusätze eingeführt. Die geringe Höhe der Gedmge zwingt den Arbester, um den für den Unterhalt seiner Familie nötigen Betrag zu erwerben, alle Anstrci»gungen zu machen, um so viel Kohle zu fördern, daß er auch die Prämie erhält. Aber der Arbeiter übernimmt mit dem Gedinge nicht mir das Loshauen der Kohle und das Füllen derselben in die Wagen, sondem oft noch verschiedene andere Verrichtungen, wie die Verzimmerung, das Al»briligen von Stützen usw. Der Arbeiter kann nu»» auf alle diese Neben- arbeiten uinsoiveniger Mühe»»nd Zeit verwenden, je mehr er geztvungen»vird, viel Kohle zu schaffen,»»m sein Gedinge zu verbessern, jene SicherheitSvorrichtungei» läßt er um so eher außer acht, als sie ihm Zeit zum Kohlenfördern rauben würden. Es stehen die Arbeitsbedingungen im engsten Zusammenhange mit der Häufig- keit der Unfälle und der Gesundheits- Verhältnisse, ein Umstand, der sich auch sonst bei der Akkordarbeit fühlbar macht. Die nach dein letzten großen Bcrgarbeiterstreik behördlich vorgenommenen Untersuchungen der Bergwerke haben ja die Zustände in denselben fast tadellos gefunden. Sie haben auch zu keiner Besserung der Lage der Bergleute ge- führt. Soll daher die zu er»v artende Enquete über die Arbeitsverhältnisse in der Eisen- und Metallindustrie die hier herrschenden Uebelstände beseitigen, so müssen ohne Scheu alle vorhandenen Schäden wahrheits- gemäß schonungslos aufgedeckt und evcn- tuell für Feststellung derselben im Reichs- tage gesorgt werden. Die Rücksicht auf Leben und Gesundheit der Arbeiter sollte ohne Unterschied der Partei- richtilng auch im Deutschen Reiche höher stehen als die Rück- ficht auf das Profittnteresse der Unternehiner. Leider betätigen bürgerliche Parteien das Gegenteil. Die Revolution in Rutzland. Der Feldzug gegen die SemstwoS aud die Lage auf dem Lande. Die Entstehung der SemstwoS datiert aus den sechziger Jahren, cmS dem«Zeitalter der großen Reformen", als die Bauern von der Leibeigenschaft besteit wurden und man den Staat auf halb- »vegS modernere Grundlagen stellte. Die Regierung hat sich außer- stände gesehe»», bei der unermeßlichen Ausdehnung deS Reiches alle neuen aus der Modernisierung des Staates entstandenen Aufgaben in ihre eigene Hand zu nehmen und in den Petersburger Ministerien zu konzentrieren. Wider ihren Willen sah sie sich gezwungen, eine, wenn auch beschränkte, Selbstverwaltung zu gewähren: so ent- standen 1864 die Semstlvos, gebildet aus Vertretern derGrundbesitzerund Landgemeinden. Trotz ihres ausgesprochenen Klassencharakters, der 1896 dl»rch die Einschränkung der Zahl der Vauemvertreter noch verschärft wurde, haben sich die SnnstwoS im großen und ganzen nicht schlecht bewährt; dies erklärt sich mit Leichtigkeit aus dem Umstände, daß die SemstwoS in einer langen Reihe von Jahren beinahe der einzige Ort einer verhältnismäßig freien sozialen Tätigkeit waren und ihnen deshalb die besten kulturträgerischen Elemente zuströmten. DaS Tätigleitsgebiet der SemstwoS umfaßt überaus wichtige Seiten deS Volkslebens und sie haben trotz der Eingriffe der Regierung, die sie auf Schritt und Tritt zu hemmen suchte, eine ersprießliche kulturelle Arbeit geleistet. In der Verlvaltnng der SemstwoS befi>»den sich: Schulwesen, Krankenwese», Sanitätswesen, Veterinärlvesen Agronomie usw.; viele SemstwoS errichten landwirtschaftlich- statistische Aemter, verbreiten unter der Bevöllerung populäre vkono- mische und politische Schriften usw., ihnen liegt auch die Unterstützung der Bevölkerung in Fällen von Mißernte, Unterstützuiig der Familien einberufener Reservisten ob. Man sieht, das Arbeitsfeld der Semstwos ist enorm, und für das platte Land sind sie geradezu un- ersetzlich geworden. Jedoch sind die meisten SenrstwoL durch die gegenwärtige politische Lage in eine äußerst kritische Lage gekommen: die Kassen sind leer, manche SemstwoS stehen am Rande des Bankrotts. Die Mindereinnahme»» der Seinstivos betrugen zum Januar 1966 über 8V Millionen Rubel, da die gänzlich verarmten Bauern nicht die nötigen Abgaben leisten können. Angesichts dessen sind einige SemstwoS genötigt, ihre Tätigkeit einzuschränken. So z. B. stellte das Jekaterinoslawer Semstwo das Erscheinen seiner Wochen- schrift und die Tätigkeit deS Amtes für Agronomie und der Wege- kouunission wegen Geldmangels ein(„Ruß"). Viele andere SemstivoS ziehen die Anwendung ähnlicher Maßnahmen in Erwägung, da sie sich anders»»icht zu helfen»vissen. Aber die Regierung denkt gar nicht daran, den SemstwoS aus der Geldklemme zn helfe»», sie hat vielmehr einen wahren Feldzug gegen die SeinstivoS eröffnet. um ihre Tätigkeit endgültig lahm zu legen. Maffeilhaft werden die im Dienste der SemstwoS stehenden Lehrer verhaftet, verschickt, ihrer Posten enthoben— so im Gouvernement Nowgorod allein 86! In Kreincntschug ist die von» Semstwo unterhaltene Lazarett- gehülfen- und Hebainmenschule wegen Mangels an Lehrkräfte»» ge- schloffen(„Nascha Schisn"). Zu Dutzenden könnte man solche Fälle anführen. Genau so geht es mit den Aerzten: im Kreise Ssumy. Gouvernement Charkow, ist bloß ein Arzt gebliebei», und das aus eine Bevölkerung von mehr als 266660 Menschen! Im Mos- kauer Semstwo wurde das gesamte ärztliche Personal des Irrenhauses teilweise verhaftet, teillveise auf administrativen Befehl seines Postens entHobe». Aus einein anderen Orte»vird gemeldet, daß in einem Krankenhause, das über 50 Kranke verpflegt, nur ein— Nacht- Wächter geblieben ist.(„Ruß"). Verhaftungen von Lehrern, Aerzten und anderer Senlstwoangestellten»verde», auch aus den Gouvernements T»lla. Tamhow, Kursk, Poltawa, Tscheruigotv u. a. gemeldet. Die Bauer» bleiben ohne Schulen, ohne ärztliche Hülfe, aber der Regierung ist eS noch zn wenig: sie läßt die Bailern buchstäblich den Hungertod sterben. Die Hungersnot hat 26 Gouvernements in der furchtbarsten Weise heimgesucht, in»nancheu Gouvernements dauert sie schon drei Jahre.„Die Hungersnot von 1891, dieses Schreckensjahr, wo Tausende den Hungertod gestorben sind, ist nur ein blasser Schatten dessen,»vaS jetzt auf dem Lai»de vorgeht." schreibt in„Ruß' ein Priester aus dem Gouvernement Pskotv. Die Bauen» verkmlfen ihr letztes Hab und Gut, ihr Vieh, sogar ihre Ackergeräte. Aus dem Kreise Jellisawetgrad wird Hungertyphus gemeldet, desgleichen aus Kasan, Tula. DiphtheritiS und Scharlach wüten in der schrecklichsten Weise. Vielfach ist der Skorbut aufgetreten— dies und ähnliches liest nlan in allen Berichte»». Die Bitten der SemstwoS um Unterstützung für die hungernde Bevölke- mug werden abschlägig beschieden. Mögen die Bauern noch ein Jahr hungern! Mögen sie, tvie eS in Tula geivesen, die Städte mit Rufen:„Brot l Brot!" durchziehen(„Ruß")— die Regierung hat taube Ohren. In den armen, ausgehungerten und ausgeplünderten Dörfern verbreitet sich eine immer weiter un, sichgreifende Erbitterung.„Wenn»nS niemand hilft, so helfen Ivir unS selbst", heißt eS allgemein. Die Guts- besitzer fliehen in die Städte, zum Frühjahr werden neue Bauernaufstände befürchtet. Die Regierung sucht aber mit allen Kräften die Bevölkerung noch»nehr zu reizen: die bei den Bauern beliebteste»» Persönlichkeiten werden verhastet: Mitglieder deS Bauernbundes,«Bevollmächtigte" zur Duma»isw. Die Zeitung„Wjek" veröffentlicht eine Korrespondenz, aus der hervorgeht, daß«die Polizei die Unruhen geradezu provoziert: sie frägt über die»naterielle Lage einzelner Bauern aus, verhaftet die Wohlhabenderen und läßt sie dann gegen einen gewissen Geldbetrag wieder frei". In den Dörfern gärt eS. Zum Frühjahr muß man einen furchtbaren Ent- rüstungssturm gegen die Regierung erwarten." Ob eS diesmal der Regierung gelingt, die drohenden Aufstände niederzuwerfen, ist mehr als zweifelhast. Vor wenigen Monaten ist es ihr mit Hülfe von Maschinengewehren und Kosalenplünderungen gelungen und eS herrscht«Ruhe" in den Dörfern, aber eSistdieRuhevordem Sturme: das nahende Frühjahr dürfte keine Bauemmmihen, sondem einen Bauemkrieg gegen den Zarismus bringe» I '»' Aus dem sozialdemokratischen Parteileben Rußlands. Auf einer Konferenz der sozialdemokratischen Partei Rußlands, auf welcher beide Fraktionen derselben Partei(die „Mehrheit" und die„Minderheit") vertreten waren, wurde eine Resolution gefaxt, die Wnhlen zur Duma zu boykottieren. Diese Resolution wurde mit 33 gegen 29 Stimmen angenommen. Das Petersburger Komitee der sozialdemokratischen Partei Rußlands hat eine Rundfrage veranstaltet, um über die Stinnnnng der Petersburger Arbeiterschaft bezüglich der Wahlen zur Reichsduma klar zu werden. Zu diesem Zwecke organisierte das Komitee in der- schiedenen Stadtteilen zirka 129 kleine Versammlungen; in jeder Versammlung waren durchschnittlich 17 Arbeiter anwesend.(Der herrschende„wetfee" Terror gab keine Möglichkeit, große Versammlungen zu arrangieren.) Ungefähr 1990 Organi- sationsmitglieder nahmen aus verschiedenen Gründen an diesen Versammlungen keinen Anteil und deshalb konnten sie ihre Stimmen nicht abgeben. Das Ergebnis der Abstimmung war folgendes: für Boykott haben sich 1168 Arbeiter ausgesprochen, für Anteil- uahme an den Wahlen 962. »»» Bauernrevolten. Moskau, 7. März. iMeldung des.Tag".) Im südlichen Ruß- land sind abermals bedeutende Agrarrevolten ausgebrochen. Im Gouvernement Cherson wurden mehrere Güter ausgeraubt und niedergebrannt, der Viehbestand teils abgeschlachtet, teils weggetrieben. Viele Taufende Deßjatiilen Gutsland wurden von Bauern auf- gepflügt. Jin Kreise Sudscha, Gouvernement KurSk, verprügelten Bauern die Dorfpolizisten, ivelche zioei politisch verdächtige Personen festnehmen wollten. Herbeigeeilte Dragoner beschossen das auf- rührerische Dorf mit Kanonen. Neun Bauern wurden getötet und zahlreiche verwundet. Viel Vieh ist umgekommen. Odessa, 7. März. sW. T. B.) DaS Kriegsgericht urteilte gestern 39 Artilleristen ab, die der offenen E in p ö r n ii g und der Weigerung, während des Aufftandes die Geschütze gegen Revolutionäre zu gebrauchen, angeklagt waren. Von den Angeklagten wurden sechs zu zehn bis zwanzig Jahren Z w a n g S a rb e i t in Sibirien, 24 zur Abgabe an Disziplinar- bataillone verurteilt. In dem Gendarmerieamtslokal wurden wiederum zwei geladene Bomben entdeckt, die nicht explodiert waren. Politische(Übersicht. Berlin, den 7. März. Die Opfer Merkurs. Nirgends wird mehr über Treu und Glauben schwadroniert als in den Kreisen der Jünger Merkurs; nirgends wird aber im Verhältnis zu der stetigen Beteuerung des Grundsatzes, nur nach Treu und Glauben zu handeln, mehr verstoßen gegen diesen Grundsatz als in jenen Kreisen. Und nicht am wenigsten haben die Haiidelsangcstellten unter der Verletzung dieses Grundsatzes zu leiden. Die Ausbeutung der Handels- angestellten wird nach demselben kapitalistischen System und mit denselben Gepflogenheiten betrieben wie gegen andere ge- lernte oder ungelernte Arbeiter. Und weiter ist die Gesetz- gebung, die die Handels- oder anderen Angestellten vor brutaler kapitalistischer Ausbeutung schützen soll, ebenso un- zureichend und lückenhaft wie für andere soziale Ge- biete. Dies muß umsomehr der Fall sein, wenn schon die- jenigen, die sich für die geborenen Vertreter des Handels und Verkehrs halten, die Nationalliberalen, sich beflissen fühlen, im Reichstage Initiativanträge zu stellen, die eine Umgehung oder Außerkraftsetzung gesetzlicher Bestimmungen— speziell des§ 63 des Handelsgesetzbuches— durch private Verträge zum Nachteile der Angestellten unmöglich machen sollen. Freilich ist es aber noch ein anderer Grund als das Mit- empfinden für die Lage der Handelsangcstellten, der die An- träge veranlaßt hat. Wie der Abg. B a s s e r m a n n in der Begründung seiner Anträge hervorhob, müßten die Angestellten geschützt werden gegen die raffinierte Ausbeutung, lveil sie das nationale Element verstärkten. In der Tat ist ein erheblicher Teil der Handelsangcstellten noch im Banne der chauvinistischen Schreier, die bei jeder Gelegenheit die Größe und Herrlichkeit des Reiches über den grünen Klee herausstreichen, aber die Mangelhaftigkeit der Sozialpolitik des Reiches in der Regel gegen die berechtigten Angriffe der Arbeitervertreter der- tcidigen und sich dadurch schuldig machen an der schutzlosen Preisgebung der gesamten Arbeiterklasse einschließlich der Handelsangestellten an die kapitalistische Ausbeutung. Die Redner aller Parteien waren heute einig darin, daß ein Schutz der Handelsangestellten durch Revision der ein- schlägigcn, dem Antrage Bassermann zugrunde liegenden Ge- setzcsbcstimmungcn nötig sei, und von unsererjSeite gab Genosse Singer die Erklärung ab, daß die Sozialdemo- kraten, wie schon seit langer Zeit, diese Revision nach Kräften fördern werden. Dlber er richtete auch au den Staatssekretär deS Reichsjnstizamts, Riebe r d i n g. die Aufforderung, daß seitens der Richter im Geiste der Gesetze gehandelt und nicht eine falsche Auslegung nnt Buchstaben- klauberei betrieben werde. Der Staatssekretär wiederholte seine oft gehörte Per- sichernng, die Regierung stehe der Angelegenheit mit Wohl- wollen gegenüber und werde weiteres Entgegenkommen zeigen. Alle Parteien ivaren auch darin einig, die Anträge Bassermanns einer besonderen Kommission zu überweisen. Morgen: Postetat.—_ Abgeordnetenhaus. DaS Abgeordnetenhaus beriet am Mittwoch das Kapitel „Höhere Lehrstellen" vom Kultusetat. In der Debatte, die sich im wesentlichen um die Frage, ob humanistische oder Realbildung drehte, fühlten sich die Konservativen wieder einmal genötigt, einen Beweis für ihre Unduldsamkeit an den Tag zu legen. Ein vortragender Rat aus dem Kulws- Ministerium. Herr Matthias, hat in der staatswissenschaft- lichen Vereinigung einen Vortrag gehalten, der später als Broschüre erschienen ist. worin er gegen gewisse Auswüchse der humanistischen Gymnasien zu Felde zog. Darob großes Entsetzen bei den Konservativen. Ihr Redner, Abg. Strosser, verlangte, daß der Geheinirat ähnlich abgekanzelt wird, wie sein Kollege Dr. Martin wegen seines bekannten Buches über die russischen Finanzen. Und als der Geheimrat nun aar den Mut hatte, sich offen zu dem zu bekennen, was er geschrieben, da ertönten auf feiten der Rechten Rufe„Stuß!" u. a. Fürwahr, ein vornehmer Ton, den die Herren in dem Parlament anschlagen, in dem angeblich nicht der Geldsack, sondern die Bildung ausschlaggebend ist. Nach Erledigung diejer Episode begann der Abg. Kirsch vom Zentrum ein Klagelied darüber anzustimmen, daß in den köderen Schulen Bücher eingeführt seien mit Dar- stellunaen die die Gefühle der Katholiken verletzen. Der Minister Studt erklärte die Zentrumsklagen jür begründet. Gewiß stehen auch wir aus dem Standpunkt, daß der Unterricht, namentlich der Geschichts- Unterricht, nicht zu politischen Zwecken mißbraucht werden soll, aber warum schreitet der Minister nur dann ein, wenn es sich um Gefühlsverletzungen der Katholiken handelt? Warum duldet er all den Unsinn, der in den verschiedensten Schulbüchem unter direkter Fälschung der geschichtlichen Ereignisse gegen die sozialdemokratische Partei zu lesen ist? Die Agitation und die Geldsammlungen zugunsten des Flottenvereins, mit denen in jüngster Zeit auf den Schulen ein so unglaublicher Mißbrauch getrieben wird, geißelte der Abg. R o s e n o w(frs. Vp.). Allerdings ohne Erfolg, der Minister und als sein Sekundant der unvermeidliche Dr. Arendt (frk.) als Sprecher der Mehrheit haben gegen diesen Unfug nichts einzuwenden. Der Kultusctat ist nun glücklich zu Ende beraten. Am Donnerstag beginnt die Beratung des Etats der Eisen- b a h n v e r w a l t u n g.—_ „Ballinismus." Mit der Bezeichnung„Balliiiismus" wollen die Antisemiten und Antisemiteriche tadelnd darauf hinweisen, daß die traditionelle dcutscki-preußische Fernhaltung der Juden von hohen Aemtern und Ehreuslellen durch keinen geringeren als Wilhelm II. selber bedroht wird, der in den letzten Jahren den Großreeder Ballin auszeichnete, seine Huld Leuten wie James Simon, Dr. Paul Schwabach. Isidor Löwe, Bodenstein, James v. Blcichröder, Dr. Leviu-Stölping-Huld- schinskh, Jakob, Rathenau, Koppel. Mendelssohn zuwandte und in den allerletzten Tagen erst die Herren Fritz Friedländer und Georg Coro adelte. Unsere Sympathien fiir den sogenannten Geldadel sind mindestens so gering wie die für den reaklionären preußischen Feudaladel Aber nichtsdestoweniger müssen wir gegenüber dem neidischen, eifersüchtigen Augenverdrehen der den Kaiser ob seiner „Jiideiisreundschast"iadeliideii Blätter doch eins hervorheben: Es ist zum mindesten inkonsequent und unehrlich, wenn gerade diejenigen reaktionären Kreise sich in private Angelegenheiten Wilhelms II. einmischen, deren Angehörige im Reichstage, wenn die Sozial- demokraten gelegentlich offizielle Kundgebungen deS Monarchen erörtern wollen, ein Geflenne anheben: es handle sich um private Angelegenheiten deS Kaisers, oder aber: in das Begnadigungsrecht der Krone dürfe nicht eingegriffen werden und dergleichen. Also man merke wohl: Wenn Duellmörder sozusagen prinzipiell begnadigt werden, dann ist das ein Ausfluß des monarchischen Begnadigungsrechtes und geht niemand etwas an! Wenn kaiser- liche Depeschen hinausfliegen, die unter Umständen Deutschland in einen Krieg verwickeln können, so ist das eine private Korrespondenz. die niemand zur Kritik im Reichstage oder sonstwo berechtigt. Wenn aber Wilhelm II. Herrn Jtzigsohn oder Herrn von Veilchen- duft zu einem Diner unter 12 bis 16 Augen einlädt, so ist das eine eminent politische Sache, die gehörig kritisiert werden muß!— Zu den peinlichsten Grenzwächtern bei Beurteilung des Um- standes, ob im gegebenen Falle kaiserlich-königliche Handlungen, Worte, Reden, Depeschen usw. in die Debatte gezogen werden dürfen oder nicht, gehört Graf Ballestrem, des deutschen Reichstags Zentrumspräsideut. Wir hoffen, daß er der„Germania" ein Privatissimum lesen wird, da sie sich am Dienstag in einem Leit- artikel„Alter und neuer Adel" zum Sprachrohr jener oben er- wähnten tadelnden Kritiken machte. Drollig sind die Bocksprünge, die man dabei beobachten kann, komisch sind die Windungen und die Wendungen, durch die bewiesen werden soll, daß nicht auf den, sondern auf daS Verdienst gesehen werden müsse. Be- zeichnend ist es, daß den Kritikern nicht der Gedanke kommt, es könne auch ein Monarch ausnahmsweise einmal auf die Idee verfallen: bei Heranziehung von Personen auf ein drittes: die Begabung, die Intelligenz, dos Talent, zu achten— womit nicht gesagt sein soll, daß bei der Bevorzugung der Ballin, Friedländer usw. gerade jene Idee mitgesprochen habe. Dann verdient noch etwas hervorgehoben zu werden: Die „Germania" kolportiert die Beklemmungen des alten preußischen Adels, der Tag und Nacht in der Furcht lebt: der neue Geldadel werde seinen Einfluß zugunsten deS Kapitals, der Industrie und des überseeischen Handels geltend machen! Ganz schrecklich I Dieser biedere, patriotische alte Adel! E r hat ja s e i n e n Einfluß nie zugunsten von Liebesgaben, Getreidezöllen, Adelsprivilegien geltend gemacht! Solches Pharisäertum muß dem unparteiischen, un- beteiligten dritten(als welchen wir uns bei diesen Konkurrenz- manövern unlauterster Wettbewerber bezeichnen dürfen) Brechreiz verursachen. DaS allerallerfchlimmste scheint jenen aber: ES könnte, wenn die neue Strömung nicht bald wieder versandet, Bresche gelegt werden in das arische OsfizierSprivilegium. Stöckers „Reich" und Stöckers„StaatSbürger-Zeitung"— die„Germania" zitiert sie— sehen schon die Zeiten nahen, da auf unseren Kasernen- Höfen die„Kamele",„Rhinozerosse",„Dromedare" und andere lieb- liche Tierchen nicht nur dem Zahngehege christlicher, sondern auch dem jüdischer Offiziere entfahren, die für's näselnde Leutnants- Schnarren schon sowieso eine gewisse natürliche Begabung mit auf die Welt gebracht und so alle Aussicht haben, den arischen Kameraden den Rang abzulaufen. Wir können uns die Geschichte in Seelenruhe ansehen. Als Kulturfaktor für die zukünftige Gesellschaft, die wir erstreben, kommt weder der ururadlige Borussenoffizier noch der jüdische „königliche Kausniann" in Betracht. Ans ein Schauspiel aber freuen wir uns doch: Wenn eines schönen Tages Heinrich Heines „Disputation" mit modernen Variationen von der Aula zu Toledo ins Schloß zu Berlin verpflanzt wird,„Rabbi" und„Mönch" in Gegenwart Donna Blankas und Dom Pedros gegen einander an- rennen und die schöne Königin die Moral von der Geschicht' ver- kündet: „Daß sie alle beide stinken."— *•* veutlckes Rdcb. Die Annahme der Flotterniovelle. Wir haben bereits gestern die Flottentollheit des Zentrums und deS Freisinns gebührend gekennzeichnet. Daß daS Zentrum die Flottennovelle annehmen werde, war allerdings vorauszusehen, hatte doch bereits in der ersten Etatsberatung am 6. Dezember v. I. der Zenttumsredner Herr Fritzen die Erklärung abgegeben, daß seine Partei die Vorlage mit„aller Ruhe, aber auch mit allem Wohlwollen" prüfen werde. Weniger verständlich ist der Umfall der Freisinnigen Bolkspartei, welche nur deshalb die geforderten sechs großen Kreuzer ablehnte, weil sie der Bindung an die Bauraten nicht zustimmen zu können erklärte I Dabei hatte Herr M ü l l e r- S a g a n sich am 9. Dezember gegen diese Kreuzersorderungen ausgesprochen, da ja der deutsche Handel sich entwickelt habe„ohne, ja vielleicht sogar manchmal trotz unserer Flotte", und da ja die Panzer- kreuzer höchstens gegen maritim inferiore Staaten Schutz gewähren könnten:„sonst wird daS Schicksal auch unserer Handelsflotte nicht entschieden auf d e in W a s s e r. �ondernhier aus dem Fe st lau de in etwaigen Kämpfen". Von dieser Auffassung muß Herr Müller-Sagan vollständig zurückgekommen sein, wobei es fraglich ist, ob ihn Herr v. Tirpitz zu der Ansicht bekehrt hat, Deutschland müsse auch zur See dem stärksten Gegner gewachsen sein, oder aber der seinerzeit von der „Freien Deutschen Presse" so abgerüffelte Fraktionskollege Eick- hoff. Jedenfalls hat die Flottenschwärmerei des Herrn Eickhoff auf der ganzen Linie den Sieg davongetragen! Die Haltung des Zentrums wird im.Reichsboten" folgendermaßen belobigt: „Wie man früher hörte, hatte das Zentmm die Absicht, die Ainiahme der Flottennovelle von dem Ergebnis der Steuer- reforiu abhängig zu niacheu; demgemäß sollte die Flottennovelle erst nach Annahuu: der Reichsfiii'aiizrcform berate» werden. Da unter solchen Umständen die Novelle vielleicht erst im Mai wäre verabschiedet worden, hätte man aus dem Marineetat für 1996 diejmigen Forderungen, welche auf Grund der Novelle erhoben werden, herausnehmen und sie später besonders beraten müssen; die Beratung des Marineetats wäre dadurch vollständig verzettelt worden. Außerdem wäre es der Marineverwaltung nicht möglich gewesen, die Aufträge auf die Neubauten vor Juli oder womöglich gar August zu vergeben... Das Zeniriiin hat diesen Erwägungen nun soweit stattgegeben, daß es sicki hat bereit finden lassen, schon vor Beendigung der Beratungen über die Steuerreform die Flottennovelle au- zunehmen. Allerdings hat der Abg. Dr. Spahn namens deS Zentrums die Erklärung abgegeben, daß die Entschließungen seiner Partei nur vorläufige und von dem Ergebnis der Steuerreform abhängig seien, aber es ist nunmehr doch darauf zu rechnen, daß wenigstens die z w e i t e L e s u n g des vollständigen Reichsmarineetats und der Flottennovelle vor Ostern erfolgen kann. Wird dann nach Ostern die Steuerreform befriedigend gelöst, dann könnte schon im Mai die Reichsmarine- verwaltuiig in der Lage sein, an die Vergebung der neuen großen Schiffe heranzutreten." Mit Recht bemerkt hier der„Reichsbote", daß das Zentrum seiner Versicherung, erst nach Lösung der Steuerfrage die Flottennovelle zu bewilligen, untreu geworden ist. Die Er- kläriing Spahns, baß die Beschlüsse seiner Partei von dem Schicksal der Steuerfrage abhängig seien, ist nichts als eine durch- sichtige Ausrede. Das Zentrum kann doch ernsthafte Polittker nicht glauben machen wollen, daß es schließlich seine Zustimmung wieder zurückziehen würde, wenn die Sleucrfrage nicht befriedigend gelöst werden würde. Das Zentrum wird eben, unter dem Drucke der Bewilligung der Flottennovelle, jede Lösung der Steuerfrage für eine befriedigende ausgeben, auch wenn sie vom Standpunkte der sozialen Gerechtigkeit aus noch so verwerflich ist! Das Zentrum hat also schließlich unter allerhand jesuitischen Kniffen das getan, was die agrarische Presse seinerzeit verlangte: es hat die Flottennovelle bewilligt, bevor die Kostendeckungsfrage ihre Lösung gefunden hat I— Die Schraube ohne Ende. Auf die neuen deutschen Marinerüstungen antwortet nun auch Frankreich mit einer erheblichen Vermehrung seiner Schlachtflotte. In der D e p u t i e r t e n k a m m e r wies am Dienstag bei der Beratung des Marinebudgets Admiral B i e n a i m ö auf die Notwendigkeit eines bestimmten Flotten- Programms hin. Redner forderte, man solle aufhören, Panzer- kreuzer zu bauen, heute brauche man große Panzer- schiffe. Bienaime erklärte, mit einem JahreSbetrage von 325 Millionen Frank könne Frankreich die stärkste Flotte der Welt haben, wenn es nur große Panzer- schiffe baute, und brachte schließlich einen Antrag ein, durch den die Regierung aufgefordert wird, ein vollständiges Flottenprogramm auszuarbeiten. In der Nachmittagssitzung wird die Beratung des Marine- budgets fortgesetzt. L o ck r o y bezeichnet das Flotten- Programm als ungenügend; wenn man sich mit diesem Programm begnügen sollte, würde die französische Marine weniger stark sein als die Deutschlands. Man dürfe nicht vergessen, daß bei einem zukünftigen Kriege die Flotte eine beträchtliche Rolle zu spielen haben werde. Wenn es unglücklicherweise zum Kriege zwischen Deutsch- land und Frankreich kommen würde, so würde der Krieg mit e i n e r S e e s ch l a ch t beginnen. Die französische Marine müsse also doppelt stark sein, weil Frankreich sich zu gleicher Zeit in der Nordsee und im Mittelmeere verteidigen müsse.> Man müsse den Krieg vorbereiten, wenn man nicht ein feindliches Eindringen in das Land vorbereiten wolle. Je mehr Frank- reich Fortschritte mache auf sozialem Gebiete, desto mehr habe es die Pflicht, die Integrität seines Gebietes und die Gesamtheit seiner Freiheiten zu ver- teidigen.(Anhaltender Beifall. Lockroy wird vom Prä- sidenten Doumer im Namen des Hauses beglückivüuscht.) Unsere offiziöse„Nordd. Allg. Ztg." bringt diesen Kammer- bericht an hervorragender Stelle. Wahrscheinlich bildet sie sich ein, damit Stimmung für den deutschen Flottenkoller machen zu können. In Wirklichkeit zeigt aber dieser Bericht nur, daß das ganze Marinewettrüsten nur die Schraube ohne Ende dar- stellt. Je mehr Panzerkähne Deutschland baut, desto mehr Panzcrkolosse lassen auch England und Frankreich vom Stapel. Jede neue deutsche Flottenvorlage bildet also nur den Keim einer neuen Flottenvorlage! Die deutsche Wehrkraft zur See wird bei alledem prozentual den Flotten der anderen Mächte gegenüber a b s o l n t nicht stärker! Und deshalb immer neue Steuerausplünderungen, von denen freilich die be- sitzende Klaffe sich vorsichtig zu drücken versteht!— Der Stand der Steuervorlagen. Die Regierungsvorlagen sind nunmehr in erster Lesung in der Kommission durchberaten. Das Ergebnis der Beratung ist: Ablehnung der Tabaksteuer, der Frachturkunden- und Stempelsteuer. Annahme(in teilweise wesentlich anderer Form) der Braustener. Zigaretten(Banderolen)-, der Fahrkarten-, der Automobil- und der Erbschaftssteuer. Die Resolutionen, die Einführung anderer Steuern empfehlen und angenommen sind, verlangen: Einführung einer AnsichtSpostkartensteuer, einer Wehrsteuer, Erhöhung des PostportoS für Drucksachen und für den Ortsverkehr, Lumpen- und Kali- Ausfuhrzoll. Abgelehnt sind die Anregungen auf Einführung einer Kohlensteuer, einer Tantiemensteuer und einer Einkommen- und Brrmögeusstciier. Abgelehnt ist auch die Aufhebung der Brannt- wein-Liebesgabe, des Salz- und des Petroleumzolls. Noch unerledigt liegen der Kommission Anregungen von Kommissionsmitgliedern zur Einfühning folgender Steuern vor: Steuer auf Plakate, auf Inserate, auf Zechenstillegung, auf Nicht- benutzung von Grubcnfeldern und auf Bcrgwerkserträguiffe sowie auf Aktten, Kiixe, Renten-Schuldverschreibuiigen. In Petitionen au den Reichstag sind überdies noch folgende andere Kinkerlitzchen vorgeschlagen: Teppichsteuer, Waldstreu» Verwertungssteuer, Streichholzsteuer, Fakturcnsteuer. klassifiziette Vergnügungssteuer, Jimggeselleiifteuer, Kinderstener. Steuer auf ge- fällt- Waldbäume und Steuer auf— BartwuchSmittel und Parfiimericn. To vielerlei Vorschläge, um einer allein gerechten progressiven Einkommen- und Vermögenssteuer nebst einer wirksamen Erbschafts- steuer zu entgehen.—_ Ein„Dementi", liebet die ungeheuerlichen Enthüllungen der ,.A l l g e m. e v. l u t h e r. K i r ch e n z t g." über BiUows Versuch, in jener Besprechung mit einer Anzahl Parlamentarier die Annahme des Zollprovisoriums mit Amerika durch weltpolitische Argu- mente zu sichern, hat sich bisher die„ N o r d d. A l l g. Ztg." vollständig ausgeschwiegen. Auch die Zentrumspresse hat es nach ihrem ersten mihglücklen Versuch, ihre Mitschuld an dem diplomatischen Intrigenspiel durch ein freiwillig ofsiziöses Dementi jene Enthüllungen hinwegzuleugnen, ängstlich vermieden, die pein- liche Angelegenheit nochmals anzuschneiden. Dafür renommiert jetzt die„Tägl. Rundschau" damit, daß die„S üdd. Reichsk." in einer offiziösen Berliner Zuschrift unter der Spitzmarie „Vorwärts-Aengste" alle die dem Reichskanzler zuge- schriebenen Aeutzerungen kategorisch bestreite und als„erdichtet" bezeichne. Wenn das Dementi offiziös sein soll— warum ist es da nicht an der üblichen Stelle erfolgt? Aber auch die Spitz- marke ist sehr unglücklich gewählt: statt„Vorwärts"-Aengste hätte man lieber„Bülow-Sibmerzen" sagen sollen, sintemalen Amerika das deutsche Liebeswerben so prompt in Algeciras dadurch be- antwortet hat, daß es sich am letzten Sonnabend aus die Seite Frankreichs und Englands stellte!— Der dunkle Punkt im„öffentlichen" Militärgerichtsverfahren. Was vom öffentlichen Verfahren jetzt noch übrig bleibt, ergab eine vor dem Kriegsgericht der 8. Division in Halle stattgehabte Verhandlung gegen den Kürassier Walter Krebs vom Kürassierregiment?!r. 7 in Halberstadt, der wegen Fahnenflucht und anderer Vergehen angeklagt war. Der Mann hatte nur 16 Tage als Rekrut gedient und dann in Gemeinschaft niit einem Kürassier Schucke seinen Truppenteil verlassen. Natürlich war man sehr neugierig, zu erfahren, welcher Umstand den Rekruten bewogen hatte, sobald die Kaserne zu verlassen. Das Gericht steigerte die Neugierde der Preßmenschen dadurch noch ganz bedeutend, daß es auf Antrag des Anklägers alsbald beschloß, die Gründe, die den An- geklagten zur Fahnenflucht veranlaßt haben, in geheimer Sitzung zu erörtern, und so mußten die Vertreter der Presse jedesmal, wenn der„dunkle Punkt" von den Zeugen, dem Ankläger oder dem Verteidiger berührt wurde, den Saal verlassen. Das ging immer rein und raus, und der Kombination waren Tür und Tor geöffnet. Schließlich entschlüpfte einem Richter aber in öffentlicher Sitzung die Aeußerung._ daß der Angeklagte einmal gesagt habe, er reiße nochmal aus, wenn er wieder so schlecht behandelt werde. Nun war der dunkle Punkt etwas aufgeklärt und der Ver- Handlungsführer deutete in der Urteilsbegründung auch an, daß der Angeklagte von seinem Vorgesetzten, Unteroffizier Ruhwald.„nicht ganz korrekt" behandelt worden ist. Der Angeklagte wurde mit einem Jahr und drei Monaten Ge- fängnis bestraft.— Es ist eine schöne Sache, das„öffentliche" Verfahren.—_ Katholische Infanterie? In dem badischcn AmtSverkündiger von W e i n h e i m(Nr. 53 vom 3. März) erlätzt der Bezirksamtmann Steiner die Bekannt- machung zur Vornahme des Ersatzgeschäftes für 1906 im dortigen Musterungsbezirke. Es heitzt darin: „Am Montag, den 19. März, vormittags Va 9 Uhr, Musterung der Militärpflichtigen deS Jahrganges 1885 aus der Stadt Wein- heim, welche der evangelischen Religion angehören. Am Dienstag, den 20. März... die Militärpflichtigen der Jahrgänge, über welche noch nicht entschieden ist, sowie der der katholischen Religion angehörenden Militärpflichtigen des Jahrganges 1885 aus Weinheim." ES drängen sich die Fragen auf: findet dieses Ersatzgeschäst in den Kirchen statt und sind die Angehörigen des israelitischen Be- kenntnisseS und die Nichtchristen überhaupt vom Militärdienst befreit. da von ihrer Kategorie speziell nicht gesprochen wird? Wir möchten alle jungen Deutschen, welche sich von dieser Botschaft hinreißen lasten möchten, in Weinheim zur Musterung anzutreten, warnen, sich einem solchen Optimismus hinzugeben. Es müssen sich sämtliche Stellungspflichtigen im„Schwarzen Adler" zu Weinheim treffe», und derjenige, der nicht bei der kathnlischen oder evangelischen Herde sich einreiht, wird als unsicberer Heerespflichtiger sofort in den Kommitz gesteckt.— Der bezirksamtliche Erlatz datiert vom Fast- nachtmontag. macht aber keinen Anspruch darauf, als Karnevalscherz betrachtet zu werden. Wir werden noch zu konfessionellen Regimentern kommen, vielleicht versetzt man die Nichtgläubigen in die 2. Klasse des SoldatenstandeS._ Ein alter Sozialistentöter gestorben. In Karlsruhe wurde am Dienstag der Oberstaatsanwalt Karl Geiler beerdigt, der im 56. Lebensjahr unerwartet schnell dem Ordnungsstaat entrissen wurde, für welchen er sein Streben einsetzte. Geiler ist der sozialdemokratischen Parteigenossenschaft in Baden unvergeßlich geworden durch die Einleitung des großen Freiburger Sozi allste„Prozesses am Ausgang der achtziger Jahre. Mit jener Opferung etlicher unschuldigen Personen trat � der als Streber bekannte Ankläger, der die fehlenden Beweise durch die Kraft der schreienden Tenorstimme ersetzte, in die zur Höhe führenden Futzstapfen seines Borgängers v. Berg, welcher die bekannte Gesetzesverletzung zur Opferung des tapferen Leo Deutsch zu vollbringen sich erkühnte. Zur Charakteri- sierung deS Staatsanwaltes Geiler sei folgendes bemerkt: Er gehörte der Freiburger Burschenschaft„Teutonia" an und sang als Teutone mit seinen Kartellbrüdern das Lied:„So lange wir ihn kennen, wollen wir ihn Bruder nennen." Als er de» „Bruder" Geck, der auch das schwarz-rot-goldene Band trug und mit dem Studenten Geiler in teutonischer Bruderschaft verbunden war. durch eine politische Inquisition in Freiburg festgesetzt atte, benahm er sich den, Verhafteten gegenüber, als ob eide im Leben sich nie gesehen hättten. Während jener Prozetzperiode ließ sich Geiler stets von zwei Detektivs ins Gerickitsgebäude und nach Hause begleiten. Nun fügte es das Schicksal, daß der Oberregierungsrat Geiler an den Verhandlungen des Landtages teilnehmen und von der von ihm vernichteten Sozialdemokratie sich abkanzeln lassen mußte, deren Fraktionschef nun jener politische Verbrecher wurde, den er damals aus 4 Monate ins Gefängnis senden ließ. Er ruhe friedlich aus. es ist ihm alles verziehen! Die Wer- nichtete lebt noch.— HualaiML Frankreich. Der Auffuhr. Paris. 5. März.(Eig. Ber.) Die pfäffische Hetz scheint es wirklich fertig zu bringen, die Greuel des klerikalen Aufstandes von 1792 zu erneuer». Man muß sich darauf gefaßt machen, daß die Bauernrevolte Menschenleben fotdern wird. Bisher sind die BeHorden mit der möglichsten Zurück- haltunq und Schonung eingeschrittten, aber die Gendarmerieoffiziere werden ihre Mannschaften nicht mehr lange in der Hand haben. Schon zählen die Gendarmen, die von den Bauern mit Knütteln. Heugabeln und Revolvern mehr oder minder schwer verwundet worden sind,»ach Dutzenden, und ihre Kameraden murren, datz man sie vor den Verfolgern immer davonlaufen heißt. Sie verstehen nicht, warum sie, die bei Ausständen friedliche Demonstranten zu attackieren haben, von den klerikalen Bauern die ärgsten Gewalttäfigkeiten mit Märtyrergeduld hinnehmen sollen. Der„heilige Krieg" wird immer mehr mit einer durch pfäffische Einflüste gesteigerten barbarischen Grausamkeit geführt. Die Bauern lauern hinter den Kirchentoren mit glühenden E i s e n st a n g e n, die sie auf die Köpfe der Beamten niedersansen lassen. In einem Dorfe hatten sie an das Kirchentor einen Bienenstock angelehnt, der beim Oeffnen umfiel. Doch waren die Bienen infolge der Kälte zumeist wenig angriffslustig, und der gewünschte Effekt blieb aus. Im hochgelegenen Ort M o ntr e g a r d wurden der Jnventurbeamte und die begleitende Gendarmerie eine ganze Nackt in der Mairie belagert. Sie schlugen sich endlich durch, als die Bauern daran gingen, das Haus anzuzünden. Auf der Flucht erhielt der Brigadier schwere Wunden, und dem Zivilbeamten, einem alten Manne, wurden mehrere Rippen gebrochen. Nur durch einen Zufall wurden die Bauern daran gehindert, ihre Absicht auszuführen und die Beamten totzuschlagen. Um die Wut der Landbevölkerung noch mehr aufzustacheln, er- finden die Landgeistlichen die dümmsten Lügenmären. So haben sie den leichtgläubigen Leuten eingeredet: die eben stattfindende Volks- zählung lei die Einleitung und Vorbereitung zur Eigentumskon- fiskation. Die Vornahme der Zählung stötzt infolge dessen auf ernste Schwierigkeiten, da die Bauern die Ausfüllung der Zählungs- bogen verioeigern. Der agitatorische Erfolg der französischen Reaktionäre scheint die Kriegslust in, Vatikan angefacht zu haben. Die Stimmung in der kirchlichen Hierarchie ist jetzt dem offenen Kampf gegen das Gesetz sichtlich günstiger— wie die neuesten Kundgebungen der Bischöfe be- weisen. Der Erzbischof von Toulouse, der soeben aus Rom zurückgekehrt ist, schreibt in einem Briefe an seinen Klerus, datz das Trennungsgesetz den Abfall eines bisher immer christlichen Volkes verkünde. Seine brutale Anwendung habe schon eine„Erhebung des Zorns" hervorgerufen.— Der Erzbischof von C a m b r a i protestiert in einem Hirtenbriefe gegen die Verwendung der Armee bei den Inventuren. Gegen die Verwendung der Soldaten bei Streiks, wo es sich doch nicht um Durchsetzung von Staatsgesetzen, sondern um Sicherung von Unternehmerprofit handelt, haben diese Frommen nie etioaS einzuwenden gehabt. Aber jetzt schrecken sie sogar vor der Proklaination der offenen Revolution nicht zurück. In Notre-Daine zu Paris predigte am letzten Sonntag Abbv Jauvier„über die Tugend". Er sagte u. a.:„... Der passive Gehorsam ist weder eine menschliche noch eine christliche Tugend. Es gibt Grenzen der Autorität I" Der Redner schloß:„Wir gehören nicht zu denjenigen, die die erniedrigende Lehre verkünden, datz Gesetz Gesetz sei. O nein: Das Gesetz muß nicht immer respektiert werde», und es guck Tage, w o die Rebellion gegen das Gesetz die heilig st e der Pflichte» wird." Es ist sicher anerkennenswert, datz die Regierung den Katholiken eine so vollkommene Redcffeiheit in ihren politischen Versammlungen, genannt„Gottesdienste", läßt. Nur möchte man wünschen, datz sie sie allen Parteien im gleichen Matze zu- billigte. Die Revolte der 51lerikalen ist eine weit aktuellere Sache als der nur bedingungsweise angesagte Aufstand, für dessen Prokla- mation die Antimilitaristeu mit schweren Kerkerstrafen bedacht worden sind. Auch hat— bisher wenigstens— in der Armee noch keine Kundgebung von Mannschaften stattgefunden, die sich mit den Glückwunsch-Adrcssen der Offiziere verschiedener Regimenter an die klerikalen Dienstverweigerer vergleichen ließe.— Paris, 6. März. Die Regierung weicht vor der Pfaffenrevolte zurück. Der Minister des Innern hat dem Präfekten den Auftrag gegeben, daß die Kircheninventur in den Orten, wo ein Wider- stand zu erwarten ist, unterbleiben sollet Die Domänen- inspektoren sollen sich mit den Jnventurakten von 1882 und 1995 begnügen. Die enthalten lediglich freiwillige Angaben und sind nicht im geringsten glaubwürdig. Die Eni- scheidung des Ministers bedeutet tatsächlich einen Verzicht auf die genaue Durchsührung des Trennungsgesetzes. Die Aus- führungsbesti», münzen, die der Staatsrat ausarbeitet, kommen, soweit man bis jetzt Kenntnis von ihnen hat, ebenso den Wünschen der Klerikalen entgegen. Es ist übrigens ein offenes Geheimnis, daß Rouvier mit dem Vatikan verhandelt, um eine Anerkennung des Gesetzes gegen gewisse Konzessionen zu erhalten. Der Deputierte Abb« L e in i r e, der ein Anhänger der friedlichen Taktik ist, hat sich kürzlich in Rom um das Zustandekommen des Ausgleichs bemüht. Es handelt sich namentlich um die Anerkennung der Kultus- gesellschaftcn. von denen der Papst eine Wendung zur Demokratie und zur Selbständigkeit innerhalb der Kirche, sowie eine Beeinträchti- gung der Autorität der Hierarchie befürchtet. Der Rückzug in der Frage der Inventuren ist allerdings bor allem von Wahlrücksichten diktiert. Das Ministerinm fürchtet, die Erregung auf dem Lande könnte bei den Wahlen den Reaktionären Vorteile bringen. Die Bauern der Cevennen sind in der Tat ein hartköpfiges, fanatisches Volk. Unter Ludwig XIV. haben ihre Vorfahren, den Dragonaden des in Jesuilenhände geratenen Königs trotzend, den protestantischen Glauben ebenso zäh verteidigt, wie schon ein Jahrhundert später den römischen gegen die Gesetze des revolutionären Frankreich. Aber, so sehr man ein Bestreben, Blutvergießen zu venneiden, auch ohne das Mitspielen von Wahlinteressen für billigenswert halten mag, so bleibt es doch sehr fraglich, ob der Rückzug der Regierung im jetzigen Augenblick nicht das Uebel noch ver- grötzert und auch die Geistlichkeit in den bisher friedlich gebliebenen Landesteilen zur Organisierung deS Widerstandes ermuntert. Und datz der siegende Klerikalismus bei den Wahlen weniger Zulauf haben soll als der in einem Verzweiflungskamps stehende, das ist gerade auch nicht zu erwarten. In Frankreich sagt man:„Die Furcht vor dem Wähler ist der Anfang der Weisheit." Das scherzhaste Wort hat aber nicht immer recht. Die Regierung mag auch damit rechnen, datz nach dem Ausgleich mit der Kurie der Widerstand in den Dörfern von selbst aufhören werde. Aber gerade dadurch, daß sie vor den geistlichen Revolutionspredigern die Waffen streckt, gibt sie den vatikanischen Politikern einen Anreiz, ihre Forderungen noch höher zu bemessen. Der„Gaulois" spricht schon von einer„halben Kapitulation" der Regierung:„Die erste offensive Be. wegung der Katholiken hat die Regierung zurückweichen lassen. Das ist eine Ermutigung zu einem weiteren Widerstand, der sicher zum Siege führen wird."-- Italien. Rom, den 5. März.(Eig. Ber.) Ikebcr die Wahl des Kammerpräsidenten, bei der es zum ersten Angriff der Opposition auf das neue Ääbiuett kommen zu sollen schien, ist nunmehr eine Einigung der Gegner erzielt. Der ministerielle Kandidat soll der 86jährige Abgeordnete Bianehri sein, der schon Jahrzehnte lang Präsident des italienischen Parlaments war und den. die Giolittianer auch als ihren Kandidaten proklamiert haben. Nur ein Teil der Linken, der zlvar beim letzten politischen Votum gegen Fortis gestimmt hat. aber bei der Lösung der Krise seine Erwartungen in bezug aus Ministerportefeuilles getäuscht sah, � will Gallo als Kandidaten auf- stellen. Unsere Parteifraktion wird im Verein mit den Republikanern entweder einen eigenen Kandidaten aufstellen oder weiße Zettel abgeben. Rom, den 7. Februar.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Parteivorstand nahm heute in Abwesenheit Ferris und Bissolatis einstimmig einen Antrag an, der die Parlaments- fraktion auffordert, dem Kabinett Sonntno jedwede Unter- stützung zu verweigern. Norwegen. Schulden über Schulden. Der norwegische Staat leidet bekanntlich schon lange an einem chronischen Dalles, der sich durch die polittschen Er- cignisse des vorigen Jahres noch bedeutend verschlimmert hat. Die Rüstungen gegen Schweden haben allein 8,709,000 Kronen an außerordentlichen Ausgaben verschlungen. Recht und billig wäre es selbstverständlich, wenn diese Ausgaben durch direkte Steuern gedeckt würden, so daß auch die Reichen ihr ange» messen Teil für den Unabhängiglcitskampf ihres Vaterlandes opfern müßten. Die indirekten Steuern werden nach den im vorigen Jahre beschlossenen Erhöhungen jährlich zirka drei Millionen mehr einbringen. Als die Erhöhung der Zuckersteuer, die eins Million ergeben soll, beschlossen wurde, geschah das unter der Voraus- setzung, daß eine Erhöhung der Staatseinkommensteuer folgen werde, und der damalige Finanzminister Gunnar Knudsen erklärte sich für einen Steuerzus'chlag von 20 Prozent. Knudsen ist inzwischen zurück- getreten, und von einer Erhöhung der direkten Steuern ist nicht mehr die Rede. Statt dessen hat die Regierung nun einen Vorschlag auf Erhöhung der Stempelabgaben eingebracht, die jährlich 800 000 Kronen einbringen soll._ Die 8 700 000 Kronen Mobilisierungskosten aber sollen, wie die Re- gierung weiter vorschlägt, aus dem KriegSanlcihefondS gedeckt werden, und aus demselben Fonds sollen auch 1300 000 Kronen von im ganzen fünf Millionen zurückbezahlt werden, die seinerzeit aus dem Jnvalidenfouds gepumpt worden sinh. Nur der Rest dieser Schuld soll aus vorhandenen Staatsmitteln ersetzt werden. Schulden werden also aus einem Schuldenfonds gedeckt; die reichen„Vaterlandsfreunde" werden vor außerordentlichen Opfern bewahrt, und außerdem will man dadurch auch neue indirekte Steuern, wie die bereits geplante Zündhölzersteuer, vermeiden.— „Schwindel", schreibt„Social-Demokraten",„ist die einzig richtige Bezeichnung für die Finanzpolitik der jetzigen SammlungSrcgicrung" Außerhalb der neutralen Zone. Anfang Februar berichteten wir von dem Vorhaben norwegischer Nationalisten: Die durch die Schleifung der Grenzfestungen über- flüssig gewordenen Geschütze außerhalb der infolge der Unionsauflösung geschaffenen neutralen Zone zweckmäßig anzubringen. Die dazu nötige „kleine Summe" Geldes sollte das Storrhing unter den außer- ordentlichen Ausgaben des Budgets bewilligen.„Social-Demokraten" enthüllte diese Pläne und warnte davor. Wie sehr dies berechtigt war, zeigt ein Regierungsvorschlag, der jetzt dem Storthing vorgelegt worden ist. Es wird hierin die für ein kleines Land gewiß nicht geringe Summe von 1 076 000 Kronen verlangt„zur Unterbringung" der aus der neutralen Zone entfernten Geschütze." Die näheren Bestimmungen über die Verwendung des Geldes soll das Storthing treffen. Die Absicht, das Storthing bei der neuen Festungsbauerei auszuschalten, ist also vereitelt worden. Zur Deckung der Unkosten der Rüstungen im letzten Sommer schlägt die Regierung die Bewilligung von 7 623 000 Kronen vor, wovon 5 884 000 Kronen außerordentliche Ausgaben für das Heer, der Rest solche für die Flotte sind.— Amerika. Furcht vor dem Sozialismus. Republikanische Zeitungen erklären, daß viele Politiker den Fortschritten der sozialistischen Bewegung die größte Aufmerksamkeit schenken, uud erwarten, datz in den nächsten Kongreß einige Vertreter der Partei einziehen werden. In Chicago hat die Amtsniederlegung des Demokraten Patterson von der Be« Hörde für öffentliche Arbeiten Aufsehen erregt, weil Patterson sein wichtiges Amt niederlegte mit der Begründung, daß er S o z i a I i st geworden sei und nicht mehr als Vertreter der alten Partei der Demokraten wirken wolle. Er habe sich überzeugt, datz die demo- kratische Forderung von der Verstädtlichung der Straßenbahnen nicht so durchzuführen sei, datz sie den sozialistischen Ideen entspricht, sondern daß da radikale Umwandlungen nötig seien. Im Senat ist die Philippinenvorlage abgelehnt worden. DaS Repräsentantenhaus hatte sich für die gewünschten Erleichterungen im Handelsverkehr mit den Philippinen erklärt und bestimmt, daß nach drei Jahren alle Zollschranken fallen sollten. Im Senat aber. wo die Trustmächte stets die bereitwilligste Vertretung finden. arbeiteten die mächtigen Interessenten in Zucker und Tabak mit allen Kräften gegen die Vorlage und erreichten ihren Zweck. In Manilla hat sich ein Sturm des Protestes gegen die Ablehnung der Vorlage erhoben, an welchem sich die amerikanischen Unternehmer auf den Philippinen eifrig beteiligen. Btos der Partei. Ernst und„Scherz". Hatten wir uns im„Vorwärts" kurz nach dem 21. Januar mit der„Eselsburg" des Dr. Äronsbein-- der„Post"— zu befassen. so müssen wir heute auf einige Minuten mit unseren badischen Ge- nojsen die Narrenburg zu Mannheim betreten. Es hat der Mannheimer„Volksstimme" nicht genügt, sich durch Telegramme aus Berlin über alle Phasen des durch„krampfhafte Prinzipienhüterei" verursachten„Reinfalls"„der neuen Herren und Damen im„Vorwärts"" unterrichten zulassen, sie ividmet anderthalb Spalten ihrer letzten Sonnabendnummer der chronologischen Darstellung des großen Coups, den sie so geistreich ausgeheckt und mit dem sie den idiotischen„Vorwärts" so fein aufs Glatteis geführt hat, daß er stürzte und sich eines seiner historisch» ökonomischen Beine brach. Na, also: Genosse Dreesbach hat nicht einen Zähringer-Prinzen besucht, sondern den Prinzen Karneval. der in der Mannheimer Narrenburg„Habereck", dem Gesellschaftshause der Karnevalsgesellschaft„Feuerio", Residierte. Wir sind im Augen» blick so zerknirscht, daß wir es nicht wagen, uns in eine Erörterung darüber einzulassen, inwieweit nicht-badische und nicht-rhcinische Sozialdemokraten in Verzückung zu geraten haben, wenn rhein« ländische oder Bndenser Parteigenosten die ödeKarnevalsspicßcrei der dasigen Bourgeoisie als des Februar- und des Märzen-Monats höchsten Lebenszweck betrachten, lins interessieren bei der Geschichte ganz andere Dinge. Nämlich: Ob ein Parteiblatt im Frühjahr 1906 nichts anderes zu tun hat. als den Plan auszuhecken, wie eS den„Fliegenden Blättern" oder dem„Dorfbarbier" Konkurrenz machen und beiher dem Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie am besten ein Bein stellen kann. Wir Berliner Banausen brauchen uns— nebenbei bemerkt— nicht übermäßig zu schämen. den„Humor" des karnevalistischen Partei-Organs nicht ber- standen zu haben. Konstatiert die„Volksstimme" doch, daß sogar„in Mannheim, und wohl auch überall dort, wo Verständnis für karneva- listischen Humor vorhanden ist", der„Scherz"„wohl so ziemlich all« gemein" verstanden wurde. Das läßt tief blicken.— Wir sind nicht geckenhaft genug, um mit der uns eingeborenen „Fülle von Esprit" unseren„Rcinfall" fortzudisputieren. Wir sagten schon, datz uns bei diesem Falle ganz andere Erscheinungen inter- essieren und— beängstigen. Der„Volkswille" fHannovcr) nennt den„Scherz" der Mannheimer eine„Dummheit", die Erfurter „Tribüne" bezeichnet ihn als„albern", die Dortmunder„Arbeiter- Zeitung" spricht von einem„unsagbar dummen Faschingsscherz". „weil damit in einem Parteiblatte die Partei verulkt und lächerlich gemacht wird."(Die Auslassungen des„Echo" und der „Bremer Bürgerzeitimg" brachten wir bereits am Sonnabend.)— Vielleicht hat die Mannheinier„Volksstimme" ans all' diesen Erörterungen wenigstens endlich herausgehört, wie hoch oder tief sie selber sich einschätzte, als sie annahm: ihr eine Verhöhnung von Parteiprinzipien darstellender„Scherz" werde ernst genommen werden. Wenn mit der Beurteilung der Mannheimer„Volksstimme" in dieser Angelegenheit die Sache erledigt wäre, dann brauchten wir kein Wort weiter über diese Haupt- und Staatsaktion zu verlieren. Es ist aber zwingende Pflicht, einige derjenigen Erörterungen zn kritisieren, die der Teil der Parteipresse brachte, dessen Schaden- frende bei jedem„Reinfall" des Zentralorgans alle Parteisolidarität vergißt, ob der„Neinfall." nun durch unsere hämischsten Gegner oder durch die eigenen Brüder herbeigeführt ist. Die Breslauer„Volkswacht"— kaum hat sie die schweren Zeiten der letzten Wochen durchgemacht— bringt dem„Scherz" der„Volks- stimme" weitestes Verständnis entgegen. Sie hat das Gefühl, Drees- dach sei von uns angewettert(!) worden und das Mannheimer Partei« organ habe sich ein Verdienst(!) erworben, indein eS nachwies, datz es Parteigenossen gibt,„die so alten und verdienstvollei, Genossen wie DrreSbach jede Dummheit zutrauen und ohne genügende Information darauflosschlagen."(Wenn die B r e s l a u e r.Volkswacht" nächstens Mci Breslau er Vorgänge berichtet— sollen wir dann die Information auch als nichl genügend betrachten?) Dah die„Schwäbische Tagwacht" den„lustigen Faschings- scherz" und die„Münchener Post" den„hübschen Faschingsscherz' verteidigt, das nehmen wir ibnen nicht übel. Drollig ist nur, daß jene schreibt, wir hätten mit einer„gepfefferten Notiz" reagiert. während daS Münchener Parteiorgan meint, der Fall fei von uns „mit erfreulicher Toleranz behandelt" I— Wenig schön ist eS, wenn die„Brandenburger Zeitung" fälsch- lich behauptet,„des„Vorwärts" prinzipienwächterischer Uebereifer" habe es erst veranlagt,„daß die gegnerischen Organe sich der Sache ebenfalls in ihrem Sinne(?) angenommen haben." Das ist nämlich durchaus unwahr. Die Magdeburger„VollZsiinime" fchlietzlich leistet sich zwei Tage nach der Veröffentlichung unserer ersten Notiz den billigen Triumph, angesichts der inzwischen erfolgten Älnfklärung sich in den Mantel der voraus- schauenden Klugheit zu hüllen. Das Vergnügen gönnen wir ihr neidlos. Bedenllicher schon ist es, daß sie den„Vorwärts" mit Ge- Walt lächerlich zu machen suchst indem sie schreibt, er sei auf einen „Scherz" hineingefallen, der besagt, dast Dreesbach„einem zwei Tage alten Prinzen seine Aufwartung gemacht" habe! •« * Wir wollen gar nicht auf den Ernst der gegenwärtigen Situation in Rußland, Oesterreich-Ungarn usw. hinweisen. Wir brauchen nur die Namen Breslau, Leipzig, Hamburg auszu- sprechen, um kritisch Veranlagte zum Nachdenken darüber zu be- wegen, ob wir gerade jetzt Zeit und Veranlassung haben, den Ernst zurückzudrängen und den Humor k ü n st l i ch hervortreten zu lassen. Wir brauchen im gegenwärtigen Augenblick jeden Groschen, jeden Fetzen Papier für die wichtigsten und hehrsten Dinge, die uns über- Haupt je bescelen können. Da dürfte es passend und taktvoll sein, den Scherz auf n a ch h e r zu versparen. Viel Arbeit hart unser, und es ist eine gute alte Sitte, vor der Arbeit sich ernst auf sie vorzubereiten und nach getaner Arbeit gut zu ruhen. Möchten alle Partciblättcr, auch diejenigen unserer„Muster- ländle", in denen Kämpfe gegen ein Dreiklassenwahlsystem nicht mehr vonnöten sind, in der nächsten Zeit nur einen kleinen Teil der Mühe, des Eifers und der Kosten, die die Mann- heiincr„Voltsstimme" u. a. m. auf die Bearbeitung der Episode aus der Narrenburg verwandten, für wichtigere Dinge zur Verfügung halten, dann werden die Genossen nirgends mehr über schlechtes Funktionieren des Nachrichtendienstes zu klagen brauchen, und die Partei wird gut dabei fahren.— Die Hamburger Arbeiterschaft und die Maifeier. In der am Dienstagabend stattgehabten gemeinschaftlichen Mitgliederversammlung der Hamburger Parteivereine ivurde beschlossen, die Maifeier l906 wie in den letzten Jahren zu begehen. Entsprechend den Vorschlägen der Parteivereinsvorstände und des Hamburger GcwerkschastSkartells findet am Vormittag ein Festzug nach dem Mühlenkamp statt, wo durch Redeakte und der Bedeutung dcS Tages angepaßte Ver- anstaltungen die TageSfeier ihren Abschluß findet. Für den Abend sind für die einzelnen Stadtteile Versammlungen geplant. Ausschluß aus der Partei. Von den Parteigenoffen in Stettin war der Antrag gestellt, Gustav Wegner aus der Partei aus- zuschließen, lieber diesen Antrag sollte ein Schiedsgericht ent- scheiden. Am 23. Januar wurde Wegner aufgefordert, bis spätestens zum 23. Februar drei Genossen als Beisitzer zu bestiinmen. Wegner hat keine Beisitzer ernannt und gilt daher nach Z 28 Absatz 2 der Organisation als ausgeschlossen. Bei der GemeindcratSivahl in Langenbielau(Schlesien) wurden am Dienstag unsere Genossen Kühn und Feldmann mit 573 resp. 572 Stinrmen in den Gemeinderat gewählt; die Gegner erhielten 338 resp. 337 Stimmen. Seit 1004 haben sich nnsere Stimmen um 485 verntehrt._ Sozialea- Haftpflicht des Arbeitgebers, durch dessen Verschulden die Beibringung von Marken unterblieb. In den vom Vorstände der LandeSversicherungsanstalt Berlin herausgegebenen amtlichen Mitteilungen wird hierüber bemerkt: „Das Reichsgericht hat in seinen Urteilen vorn 3. 5. 04 und 4. 5. 04 die Ansprüche von Arbeitnehineru ihren Arbeitgebern gegenüber, durch deren Verschulden das Markenkleben unterblieben ist, auf Ersatz für entgangene Invalidenrente zurückgewiesen. Das erstere Urteil des Reichsgerichts vom 3. 5. 04 enthält eine grundsätzliche Ablehnung der Haftung des Arbeitgebers nur in Be- ziehung auf kontraktliches Verschulden; soweit es sich um außer- kontraltliche Schadenszufügung handelt, weift das Reichsgericht den Anspruch nur deswegen zurück, weil das anzuwendeude gemeine Recht ihm keine Handhabe gebe. In der späteren Entscheidung vom 4. 10. 04. die sich auf dem Gebiete rheinischen Rechts bewegt, hat das Reichsgericht mit Rück- ficht auf die Artikel 1332, 1383 des Loclo oivil den außerkontrakt- lichen Anspruch an sich zugelassen und die Abweisung der Klage nur wegen mangelnden Kausalzusammenhanges in Verbindung mit dem überwiegenden Verschulden des Klägers ausgesprochen. Dagegen kommt der IV. Zivilsenat des Königliche» Ober- landesgerichtS in Breslau in der Verhaudlung vom 20. Januar 1905 auf Grund der Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches zu einer Verurteilung des Arbeitgebers, lvelcher durch die Sticht- beibringung von Marken die Nichtgewährung der Invalidenrente verursacht hat. Erschwerend für den Arbeitgeber wurde noch der Umstand angesehen. daß er seinem Arbeitnehmer zwar die von letzterem beizusteuernden Beiträge vom Lohne ab- gezogen, trotzdem aber das Einlleben der Versicherungsmarken unter« lassen hat. DaS Oberlandesgericht bejaht sowohl die vertragliche wie die außervertraaliche Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers, sieht aber in dem nachlässige» Verhalten des Arbeitnehmers bezüglich der Kontrolle des MarkenklebenS für seine Person ein konkurnerendes Verschulden, das dessen an und für sich berechtigten Ersatzanspruch nur zu zwei Dritteln bestehen läßt." Diese zutreffenden Darlegungen möchten wir in einigen Punkten ergänzen. Die älteren Entscheidungen des Reichsgerichts bezogen sich, wie bereits ans dem Preußentage im Dezember 1904 Hervorgehoben ist, auf das vor 1900 geltende JnvalidenversicherungS- gefetz und bürgerliche Recht. Für die Schadenersatzpflicht ans Grund des letzt geltenden Rechts Habe sich eine große Anzahl Urteile aus- gesprochen. Nur ist auch hier der Abwägung eineS konkurrierenden Verschuldens des Arbeiters durch§ 254 B. G.-V. weiter Spielraum gelassen. Selbst wenn in allen Fällen eine Schadenersatzpflicht deö Arbeitgebers anerkannt wurde, ist damit dem Arbeiter nicht in vollem Maße geholfen. Selbst der zahlungsfähige Arbeitgeber kann die Ansprüche des Arbeiters auf lange Zeit hinausziehe». Es ist eine Unbilligkeit, daß der, dein von gesctzeSivegen Beiträge ab- gezogen werden, keinen Anspruch auf Rente haben soll, wenn der Arbeitgeber infolge von Bumiuelei oder gar von Unterschlagung nicht gellebt hat. Diese Unbilligkeit hängt nut dem System des Marken- klebens zusammen, ist aber nicht notwendig mit ihm verbunden. Ein Stücklein von einer ausbildungSfeindliche» Innung. Ein Lehrer der fachlichen Fortbildungsschule in München hatte den Trieb in sich verspürt, die Technik deS SchuhmachergewerbeS persönlich zu erlernen, um später seine Schüler aus Gnind eigener Erfahrung unterrichten zu können. Der Lehrer beabsichtigt- daher bei einem Meister in die Lehre zu gehen. Eigentümlicherweise b e- schloß aber der Arbeitgeberverba n d, dem Lehrer den Eintritt in die Lehre zu verweigern. Schließlich erklärte sich der Schuhmachermeister. bei dem der Lehrer seine Stiefel reparieren ließ, den akademisch vorgebildeten Lehrling auszunehmen. Der Lehrer flickte und sohlte mit Fleiß die zerrissenen Stiefel, deren Reparatur ihm sein Lehrherr aiwertraute und inachte nach fünf Monaten zur vollsten Zufriedenheit ein neues paar Stiefel als Ge- sellenstück. Das war vor drei Jahren. Man sollte nun n, einen, ßeiantS). Redakteur: Ha»? Weber, Berlin. Inseratenteil peranttp.: daß die Schuhmacheriimuna auf einen derartigen Lehrer stolz ge- wese» wäre. Dem war jedoch nicht so. Erklärlich wird es, Ivemr inan weiß, daß der Vor st and dieser Innung erst kürz- lich gegen die bessere Ausbildung sich mit der Motivierung ausgesprochen hat. daß man die Ge- seilen, wenn sie mehr gelernt hätten, auch besser bezahlen müsse. Die Schuhmacherinnung hetzte den Meister, bei dem der Lehrer in die Lehre gegangen war, auf. vom Magistrat, dem die Fortbildungsschulen unterstehen, die B e- zahlung eines Lehrgeldes zu verlangen. Der biedere Meister ließ sich auch überreden und präsentierte eine auf 225 M. lautende Rechnung. Der Magistrat sprach zwar seine Verwunderung darüber aus, daß die Innung so ganz ihre Aufgaben verkenne und für die gewerbliche Ausbildung eines Lehrers, die dem Gewerbe selbst tauiendfachen Nutzen bringe, Lehrgeld verlange. Der Münchencr Magistrat war aber auch schwach genug, dem Schuhmachermeister ein Lehrgeld von 100 M. zu bewilligen. Die sozialdemokratischeil Vertreter hatten natürlich die Ablehnung auch dieser 100 M. be- antragt und betont, daß. lven» jemand eine Verpflichttmg habe, das Lehrgeld zu bezahlen, eS die Schuhmacherinnung selbst sei. Dieses Jnnungsstücklein zeigt so recht, von welchem Geiste die JnnungS- krauter beseelt sind. Sie spreche» zwar viel von der Rettung des Handwerks. Von einer besseren Ausbildung der Lehrlinge und Ge- selleii wollen sie aber nichts wissen, aus Furcht, dem bester aus- gebildeten Lehrling vielleicht ein paar Pfennige auf die bisher be- zahlten Hungerlöhne darauflegen zu müssen. Ge�verksckaftlickes. Berlin und Qmgegend. Lohttbcwcgmig in den Berliner HandelsgSrttiereicii. Die Gärtnergehülfen und Gartenarbeiter der Handelsgärtnercieii Berlins und der Bororte hielten am 8. März eine öffentliche Ver- sammlung ab, die von zirka 1200 Personen besucht war. Der Ge- schäftsführer des Allgemeinen Deutschen Gärtnervereins, Georg Schmidt, hielt ein Referat über die derzeitigen Arbeits- und Lohnverhältnisse und begründete die von der Ortsverwaltung Groß- Berlin bereits aufgestellten Fordernngen, die er zur Annahme empfahl. Wenig glimpflich kamen in dem Referat die„Christlichen" weg, die bekanntlich im Borjahre, trotz ihrer kaum 80 Mitglieder im ganzen Bezirke, mit den Arbeitgebern einen Lohntarif bis 1. April 1907 abgeschlossen haben, laufend auf einen Minimallohn von ganzen 16,20 M. pro Woche nebst Verlängerung der Arbeitszeit in Privatgärtnereien um 1— l'/a Stunden pro Tag. Auch die Diskussionsredner geißelten diese Verräterei in der ge- bührenden Weise. Dabei wurden Beispiele angesührt, wonach' in einzelnen Betrieben, deren Inhaber jenen Tarif anerkannt haben oder gar der Tarifkommisston angehören, noch nicht einmal diese jännnerlichen Abmachungen gehalten werden. Ein„ehemaliger" Christlicher gab einige recht interessante Allfschlüsse über Vorgänge tni christlichen Lager. Im allgemeinen tvird man sich von den christlichen Quertreibereien dieses Jahr nicht mehr beirren lassen, man ist vielmehr entschlossen, alle gesetzlich erlaubten Mittel anzu- wenden, um die aufgestellten Forderungen diesmal durch- zudrücken; dieselben lauten: Die Arbeitszeit beträgt voin 1. März bis 31. Oktober elf Stunden täglich, ausschließlich der Pausen. Vom 1. No- vember bis 28. Februar nur 10 Stunden täglich, ausschließlich der Pausen und ohne Lohnabzug.— Als Niedrigst- lohn für Gärtnergehülfen wird pro Woche 22 M. in bar bezahlt. Ueberstundeii an den Wochentagen sind init 45 Pf. pro Stunde zu vergüten. Au Sonn- und Feiertagen(in Blumen- oder Dekorationsgeschäften) unvermeidlich gewordene Ueberstunden sind mit 55 Pf. pro Stunde zu bezahlen.— An Sonn- und Feiertagen dürfen nur die natiirnotwendigen Arbeiten ver- richtet werden.(Unter naturnotwendigen Arbeiten sind solche zu verstehen, die an dem vorhergehende» Wochentag weder verrichtbar noch vis zum nächsten Wochentag aufschiebbar sind). Der Sonn- tagsdienst ist so zu regeln, daß die Gehülfen jeden Sonntag voll- ständig von der Arbeit befreit werden.— Die Auszahlung des Arbeitslohnes geschieht wöchentlich Freitags oder Sonnabends innerhalb der regelmäßigen Arbeitszeit.— Schaffung eines pari- tätischeii Arbeitsnachweises.— Für vorstehende Forderungen Ab- schluß eines Tarifvertrages zwischen der Gruppe Berlin des Ver- bandes der HaiidelsgSrtner Deutschlands und der OrtSverwaltung Groß-Verlin des Allgeineine» Dentschen Gärtnervereins. Die Versammlung beschloß einstiinmig, die Forderung sofort ebensowohl jedem Arbeitgeber einzeln wie auch der zuständigen Unternchinerorgailisation zu unterbreiten. In einer zweiten Ver- sammlung am 14. März in den Sophiensälen. Sophienstr. 15, soll weiter Stellung genommen werden zu den bis dahin eingelaufenen Antworten. Von besonderem Interesse ist nock zu erwähnen, daß die angeführten Forderungen irur für die Gehülfen gelten; für die Arbeiter konnte man deswegen keine speziellen Forderungen aufstellen, lveil eS gilt, erst einmal die Gehülfenlöhne aus«ine öhe zu bringen, die die Arbeiter schon überschritten haben. DaS aralterisiert die heutigen Zustände im Gärwercigewerbe jedenfalls am augenfälligsten._ Ein Zeichen gewerkschaftlichen Erfolges. Am TicuStag und Mittwoch tagte in Berlin ein Verbandstag der deutschen Bahnhofs- Wirte. In der Schlußsitzung desselben erfolgte— wie eine Zeitungs- korrespondenz meldet— eine Aussprache über sozialdemotra- tische Bestrebungen unter den Angestellten der Bahnhofswirtschaften.'Allgemein wurde betont, daß die sozialdemokratische Gastwirtsgehülfenorgamsation vermöge ihres Arbeitsnachweises mehr und inchr an Einfluß unter den An- gestellten gewinnt. Die vorgeschlagenen Abwehrinaßnahmcn durch „schwarze Listen" und Schaffung einer Stellenvermittelung der Bahnhofswirte wurden nicht zum Beschluß erhoben, doch soll der Vorstand beim Minister dahin wirken, daß den Angestellten mehr als bisher die Möglichkeit gegeben werde, sich als Bahnhofswirte selbständig zu machen.— Wenn schon die Unternehmer anerkennen, daß der Verband der Gastwirtsgehülfen— denn der ist mit der sozialdemokratischen Organisation gemeint— an Einfluß so ge- Wonnen hat, daß selbst das Mittel der schwarzen Listen nicht mehr gegen die sozialdemokratischen Bestrebungen hilft, dann kann man dem Verbände der Gastwirtsgehülfen zu den gewiß schwer er- rungenen Erfolgen gratulieren. Die Hoffnung, den Gehülfen mit Hülfe des Ministers zur Selbständigkeit verhelfen und sie dadurch den sozialdemokratischen Bestrebungen fernhalten zu können, ist natürlich verfehlt. veutsckeo Rtldi. 40 Proz. Dividende— 2« Proz. L-huabzug. Während die Aktionäre der Kontinental-Kautschuk- und Guttapercha-Kompagnie zu Hannover die fette Dividende von 40 Proz. einstreichen, hat die genannte Gesellschaft in der Reifenabtcilung ihres Betriebes durch Anschlag bekannt gemacht, daß die Akkordlöhne um 20_ Proz. herabgesetzt worden seien. Jedenfalls will.man den glücklichen Aktienbesitzern die schwere Arbeit des Kuponabschneidens im nächsten Geschäftsjahre mit einer noch höheren Dividende bezahlen. Woher aber das Geld dazu nehmen, wenn nicht von dem, was die Arbeiter verdienen. In das Gesamtbild dieses Betriebes paßt es denn auch vortrefflich, daß die H e i z c r bei der Konttnental-Kautschuk- und Guttapercha- Köiilpagnie mit der Forderung, daß ihr Stundenlohn von 3310 Pf. auf 40 Pf. erhöht werde, abgewiesen wurden. Wie uns der Verband der Maschinisten und Heizer mitteilt, sind aus diesem Grunde 55 Heizer in den Ausstand ge- treten. Es wird ersucht, den Zuzug fernzuhalten. Schneiderst«» in Kottbus. Am Montag sind in KottbuS SO Schneider in den Ausstand getreten. Die eingeleiteten Verhand- lungen hatten kein Ergebnis. Zuzug ist fernzuhalten. Ein Metallarbeiterstreik ist am Dienstagabend in H-'lle a. S. ausgebrochen. In den Firmen Waggonfabrik von Lindner, wo etwa Xh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlag Sanstalt J 200 Personen beschäftigt sind, und Armaturenfabrik von Haatzenpier. dort arbeiten etwa 40 Personen, haben die Metallarbeiter die Arbeit wegen verweigerter Teuerungszulage niedergelegt. Hochofenarbeiter-Ausstand. Aus dem Werk„Deutscher Kaiser" bei Hamborn im rheinischen Jndustriebezirk sind 237 Hochofen- arbeiter ausständig, weil ihnen angekündigt wurde, daß die Prämie für Sonntagsarbeit fortfallen soll. Beendet ist der Ausstand auf dem Rombacher Hüttenwerk. Alle am Streik beteiligt gewesenen Italiener haben die Arbeit wieder aufgenommen. Dir Holzarieiterorganifation in Rorddayern hat im vorigen Jahre gute Fortschritte gemacht. Wie auf der nordbayerischen Gau- konferenz des Deutschen Holzarbeiterverbandes konstatiert wurde, ist die Mitgliederzahl von 4000 auf 7000 gestiegen. Die Konferenz be- schäftigte sich u. a. auch mit der Taktik bei Lohnkämpfen und stimmte in ibrer Mehrheit den Ausfiihrnngen des Referenten Leipart zu, daß die Anssperrungstaktik des UnternehinertumS zur Annahme anderer Kampfmittel zwinge. Die ganze Taktik müsse sich mehr auf die Verbesserung der allgemeinen Lage im Berufe konzentrieren, der oft unnütze, nur dem Unternehmer Vorteil bringende Kleinkrieg müsse vermieden werden. Endlich sprach sich die Konferenz für die Ein- führung der Krankenunterstützung in Form emer ErwerbSloseimnter- stützung aus. HusUnd. Massenaussperrung belgischer Textilarbeiter. Die Wollwaren- fabrikantcn in VervierS haben am 1. März eine allgemeine Aus- sperr inig vorgenommen, weil bei einem Fabrikanten Arbeiterinnen wegen Maßregelung einer Kollegin streikten. Die Anssperrnng er- streckt sich ans 41 Betriebe mit im ganzen ungefähr 1200 Arbeitern und Arbeiterinnen. Lotjnbewegnng holländischer Bauarbeiter. Die Maurer und die Bauhttlssarbeiter in Groningen haben beschlossen, die Einführullg des zehnstülidigen Arbeitstages vom 1. April ab zu fordern und außer- dem entsprechende Lohnerhöhungen. Letzte INtoebnebten und Depefeben. Feuer im Neichsamt des Inner». Berli», den 7. März. Nachmittags um 5 Uhr kam in der Luiscnstr. 32/34 in der Bibliothek deS ReichsaintS des Junen, Feuer aus. Durch Unvorsichtigkeit waren dort Gardinen. Bücher und anderes in Brand geraten. ES gelang dem schnellen Eingreifen der Feuerwehr, den Brand auf die Bibliothek zu beschränken. Arbeiterrisiko. Steglitz, 7. März.(Privatdepesche des„Vorwärts".) In den Sandgruben an den Rauhen Bergen wurden heute zwei Kutscher samt ihren Geschirren durch zusammenstürzende Sandmassrn verschüttet und sind dir Arbeiter erstickt. Textilarbeiterstreik im Rheinland. Rheydt, 7. März.(W. T. B.) Nach Ablauf der Kündigungsfrist legten in der Weberei Gebr. Junkers etwa hundert Weber die Arbeit nieder. Sie fordern eine Lohnerhöhung von 20 Proz., was die Firma ablehnte. In drei anderen Webereien im Gladbach- Rheydt« Bezirk haben die Arbeiter gekündigt. Zeutrums-Umfall. München, 7. März.(W. T. B.) Der Fiiianzaiisschuß der Kammer der Abgeordneten genehmigte heute auf Grund einer neuen Denk- schrift des Kriegsministeriuins ciustiminig die Errichtung einer Feldzeugmeisterei, welche vor einiger Zeit im Plenum der Kammer der Abgeordneten abgelehnt und dann von der Kammer der Reichs- räte wieder eingesetzt war und deshalb von der Kammer der Ab- geordneten noch einmal beraten werden muß. In der heutigen Sitzimg des Finanzausschusses stimmte auch Abgeordnrtcr Heim (Zentrum) für die Feldzeugmeisterei, welche seinerzeit gerade auf seinen Autrag abgelehnt worden wnr. Demission deö französischen Ministeriums! Paris, 7. März.(W. T. B.) Teputiertonkammor. Die von Peret eingebrachte Tagesordnung, welche die Erklärung der Regierung billigt, wird mit Lti7 gegen 234 Stimmen ab- gelehnt. Ministerpräsident Rouvicr erklärt darauf, die Regie» rung habe an der Verhandlung kein Juteresse mehr und ver- läßt de» Saal, ihm folgen die übrigen Minister. Millerand Ministerpräsident? Paris, 7. März.(W. T. B.) Obgleich die Stellung des Kabinetts schon seit einiger Zeit als erschüttert galt, rief sei» Sturz in Kammerkrcise» gleichwohl lebhafte lleberraschung hervor, um so mehr, als kurz vorher die Affichierung der Rede des Ministers des Inner», Dubirf, beschlossen worden war. Im Hinblick auf die Schwierigkeit der inneren und äußeren Politik glaubt man, daß die Lösung der Krijis ziemlich langwierig sein wird. Tic Abstimniung selbst bietet keinerlei Anhaltspunkte für die künftige Kabinetts- bildung. da die Mehrheit bunt aus Altradikalc», Sozialisten, gc- mähigtcil Republikanern, Konservativen und Nationalisten zu- samniengesetzt ist. Mo» spricht von Millerand als eventuellen Ministerpräsidenten: derselbe würde Rouvier ersuchen, das Porte- fcuille des Aeußercn zu behalten. Debatte über das Treniluiigsgesetz. Paris, 7. März. Deputierte nka in mcr. Plichon (Ralliiertcr) interpelliert wegen des blutigen Zwischenfalls bei der Jnventuraufnahme in Boeschhene. Er erklärte, das Trennungs- gesetz habe statt zur Beruhigung zu Morden geführt. G u i e y s s c (Radikal) fragt, ob die. Regierung es zulassen werde, daß sich ein Herd für Beunruhigung bilde. Die Klausel betreffend die Inventur- aufnahmen verdanke man übrigens den Progressisten.(Diese er- heben lebhaften Widerspruch.) G u i e y s s e fährt fort, es sei wichtig zu wissen, ob das Gesetz durchgeführt und ob die Regierung vor einem fremden Souverän kapitulieren werde. Es sei sicher, daß die von den Katholiken befolgten Anweisungen aus Rom kommen. (Beifall links, Widerspruch rechts.) B r i a nd. der Berichterstatter über da» Trennungegesetz, erklärt unter großem Lärm aus der Rechten, daß die Opposition die Jnventuraufnahme verlangt habe. Redner«adelt nachdrücklich die Provokationen des Klerus und fügt hinzu, er empfinde Sympathie und selbst Bewunderung für die Montagnards der Houte-Loirc. die aufrichtig seien und ihren Glauben zu verteidigen glaubten. Die Schuldigen seien die Hetzer,»vrlchc Lügen verbreitete»; diese seien für die traurigen Ereignisse vcrant- ivortlich. Es handle sich weniger um Fragen der Religion, als der Politik.(Lebhafter Beifall links, Widerspruch rechts.) Von mehreren Seilen wird allgeineiner Anschlag der Rede BriandS verlangt, was mit 307 gegen 225 Stimmen angenommen wird. L a s i e s protestiert dagegen, daß Blut vergossen sei und spricht die Ansicht aus. daß die Regierung mehr Takt und Mäßigung hätte zeigen können. Hieraus wird die Debatte geschlossen. Ministerpräsident Rouvier erklärt, er könne in einen Aufschub d« Inventaraufnahme nicht willigen. Er werde das Gesetz zur Anwendung bringen, aber mit Besonnenheit. Takt und Klugheit, von dem Wunsche beseelt. den öffentlichen Frieden zu sichern. Der Ministerpräsident nimmt eine Tagesordnung Peret an, welche die Erklärungen der Regierung billigt. Tourcoing, 7. März.(W. T. B.) Bei der Jnventuraufnahme in einer hiesigen Kirche kani es zu einer Schlägerei, bei der sich die sich bekämpfenden Parteien mit Ziegelsteinen bewarfen. Von dem zur Wiederherstellung der Ordnung erschienenen Militär erlitten fünf Mann Verletziingen.'___ aul Singer StEo., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. UnierhaltungSbkatt 9t. 56. 23. 1. KcilU des Jormärtü" Ktllim WIIlsdlM Dollnerstag, 8. Mar; IM. K.eickstag. LS. Sitzung vom Mittwoch, den 7. März, nachmittags 1 Uhr. Nm DundeSratstische: Dr. Nieberding. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des vom Mg. Bassermann snatl.) beantragten Gesetzentwurfes betreffend Ab- änderung des Z 133 der Gewerbe-Ordnung, welcher dahin geht, den technischen Angestellten folgende rechtliche Besserstellung zu der- schaffen: «Die Gehaltszahlung hat spätestens Ende des Monats zu er- folgen und zwar mit zwingendem Rechte. Die Verpflichtung auf Gehaltszahlung in Krankheitsfällen bis zur Dauer von sechs Wochen wird zwingendes Recht. Der Angestellte kann ein Zeugnis verlangen. In Verbindung damit steht der Antrag Bassermann snatl.), Nacken(Z.), Dr. P o t t h o f f(frs. Vg.), S ch a ck(Antis.) zur De- batte. Durch ihn wird der Herr Reichskanzler ersucht, eine Vorlage auszuarbeiten, durch welche 1. die Vorschriften der Gewerbeordnung über das Dienstver hältnis der technischen Angestellten den Bestimmungen des Handel«� gesetzbuches über das Dienstverhältnis der HandclSgehülfen angepatzt werden, 2. die so verbesserten Vorschriften der Gewerbeordnung auf alle technischen Angestellten sinsbesondere diejenigen in landwirtschaft lichen Rebenbetrieben) ausgedehnt werden, 3. Vorschriften über angemessene Ruhezeiten geschaffen werden, 4. die Zliständigkeit der Gewerbe- oder KaufmannSgerichte auf die technischen Angestellten ausgedehnt wird unter Errichtung be sonderer Abteilungen, in denen die Beisitzer zur Hälfte technische An- gestellte sein müssen. Ferner steht folgender Gesetzentwurf Bassermann(natl.) zur Debatte, nach dem im§ 33 des Handelsgesetzbuches auch der Absatz 2, welcher Gehaltszahlung in Krankheitsfällen bis zu sechs Wochen Vorsicht, zwingend gemacht werden soll. Abg. Baffermann(natl.): Die technischen Angestellten bilden mit deil Handlungsgehülsen gemeinsam eine» einheitlichen Stand, der sich aus denselben Kreisen rekrutiert und der etwa dieselben Einnahmen hat, und ztvar Einnahmen, infolge deren er oft stark mit der Not des Lebens zu kämpfen hat. Kollege Dr. Potthoff wird auf die Wünsche der technischen Angestellten näher eingehen. Ich will nur die rechtliche Stellung der Handlungsgehülfen mit ein paar Worten be- sprechen. Redner verbreitet sich über die Entstehungsgeschichte des § 63 deS Handelsgesetzbuches und erklärt, datz die Apothekergehülfen, ivelche wünschen, datz die Wohltat des§ 63 auf sie ausgedehnt werde, nach seiner Auffassung diese Wohltat schon genietzen, da die Apotheken zweifellos Handelsgeschäfte seien. An die Erfüllung der Forderungen für die Arbeiter und Handlungsgehülfen mutz sich die der nationalgesinnten Privat- angestellten, einer Kategorie des neuen Mittelstandes, anschlietzen. sBeifall.) Abg. Dr. Potthoff sfrs. Vg.): Es war eine Ungerechtigkeit, datz man b-u Errichtung der KaustnannSgerichte und Gewerbegerichte die technisch-industricllen Beamten bergatz. Eine Ruhezeit an den Sonn- tagen wird man den technischen Beamten gewähren müssen. Es ist daS doch eine sehr gerechte Forderung. Ebenso mutz man die Techniker bei militärischen Uebungen mit den Handlungsgehülfen gleichstellen derart, datz eine Uebung bis zu acht Wochen nicht zur Kündigung berechtigt. Am wichtigsten ist eS, die Gleichstellung hinsichtlich der Konkurrenzklausel durch zuführen. Eine Ammoniaksodafabrik legt zum Beispiel jetzt eine zehnjährige Karenzzeit auf. Das ist doch eine Unter- bindung des Fortkommens. Die KonkurrenzNausel wirkt um so schlimmer, weil bekanntlich heute jeder, der im Grotzbetrieb längere Zeit tätig ist und etwas leisten will, sich spezialisieren mutz. Wird er durch die Klausel gezwungen, auf ein anderes Spezialgebiet über- zugehen, so verliert er seine Vorarbeiten und»nutz von vorn an- fangen sich einzuarbeiten. Auch örtlich wird die Klausel vielfach autzerordentlich weit ausgedehnt, so in einem Falle auf alle bedeutenden Industriestaaten Europas I Das Gericht hat den betreffenden Ingenieur verurteilt, die Konveutionalstrafe zu zahlen mit der merkwürdigen Motivierung: er könne ja zu eineni anderen Spezialfach übergehen oder auswandern! Auch auf dem Gebiete der Konventionalstrafen wird das unglaub lichste geleistet. In einem Falle war bei einem Gehalt des tech nischen Angestellten von 1500—1800 M. bei sünfjährigem Kontrakt für jeden Fall der Zuwiderhandlung gegen den Kontrakt pro Tag eine Konventionalstrafe von 100 000 M. festgesetzt!(Heiterkeit.) Die Konkurrenzklausel ist bei der modernen Entiotckelung, nach dein heute alle wichtigeren Erfindungen durch Patent geschützt sind, überflüssig geworden. Sind trotzdem noch wichtige Geichäfts- geheimnisfe zu schützen, so steht es ja dem Chef frei, durch Fort- zahlung des Gehalts die Härten der Konkurrenzklausel zu mildern.— Vielfach besteht auch die sogenannte geheime Konkurrenz klausel in der Form von privaten Verabredungen zwischen den Chefs bestimmter Spezialbranchen. Einen schweren Mitzbrauch der an- ständigen Gesinnung der Angestellten bedeutet das Vorgehen einzelner Firmen, die die Jnnehaltung gesetzlich unzulässiger Konkurrenz Häuseln sich von ihren Angestellten auf Eidesstatt oder gegen Ehren- lvort versichem lassen.(Hört! hört!) Das ist ein Wucher der schlimnrsten Sorte und eS ist eine Verkennung der Ehrbegriffe, wenn die Angestellten sich an derartige direkt unsittliche Verträge gebunden halten. Die Besertigung solcher Mitzstände ist natürlich zunächst Sache der Organisation der Angestellten, doch mutz die Gesetzgebung ihnen zu Hülse koinmen. Daher bitte ich Sie um Annahme meines Antrages.(Bravo I links.) Staatssekretär Dr. Nieberding: Dem Satz„sozialpolitische Ge- setze sollen nicht nach dem Buchstaben, sondern nach dem Geiste aus- gelegt werden." der etwas Blendendes hat. mutz ich den Satz hinzu- fügen:„Gesetze dürfen auf keinen Fall gegen den Buchstaben ausgelegt werden." Der Nichter kann nicht m allen Fällen auf den ivirtschaftlich Schwächeren Rücksicht nehmen, zumal er nicht immer weiß, wer von beiden der Schwächere ist. Der Richter hat nicht zu fragen, ob der Paragraph eines Gesetzes in Widerspruch zu anderen Bestimmungen steht, sondern er hat ihn einfach anzuwenden. Die Abänderung steht bei den gesetzgebenden Körperschaften. Wie diese Abänderung zu geichehen hat, darüber kann man verschiedener Ansicht sein. Ich möchte also im allgemeinen bemerken, datz die Grundsätze über den Dienstvertrag im Bürgerlichen Gesetzbuche aufgestellt sind und datz die betreffenden Bestimmungen inr Handelsgesetzbuche und in der Gewerbeordnung nur bestimmte Abänderungen und Nüanzierungen aussprechen. Es wäre also noch zu untersuchen, ob eS nicht zweckmäßiger ist, die all- gemeinen Grundsätze zu revidieren, als neue Ausnahmebestimmungen in die Sondergesetze hineinzubringen.(Beifall bei den National- liberalen.) Abg. Nacken(Z.) spricht das wohlwollende Interesse seiner Partei gegenüber der großen Privatbeomtenbewegung aus und be- antragt, die beiden Gesetzentwürfe Basfermann einer Kominission von 14 Mitgliedern zu überweisen. Abg. Singer(Soz.): Wir werden der KommissionSberawng zustimmen, wenn wir auch ver Ansicht sind, datz bei der allgememen Uebereinstimmung der Parteien die vorliegenden Anträge wohl hätten im Plenum erledigt werden können. Nachdem die Herren Vorredner das Thema so aus- führlich erörtert haben, kann ich inich kurz fassen. Meine Freunde werden für alle vorliegenden Antrage stimmen. Was hier über die Lage der technischen Angestellten vorgebracht worden ist. kann ich nur bestätigen. Diese Angestellten, denen neben den Ar-- beitern die EntWickelung unserer Industrie im wesentlichen zu verdairken ist, befinden sich in einer wirtschaftlichen Lage, die geradezu unglaublich ist. Es ist ein Zustaird, der der Moral ins Gesicht schlägt, wenn die großen technischen Unternehmungen, die außerordentlich hohe Dividenden bezahlen, die ihren Direktoren Gehälter zahlen, welche die Ministergehälter in vielen Fällen überschreiten, deren Anfsichtsräte autzerordentlich hohe Tantiemen beziehen, ihre technischen Angestellten mit Gehältern ab- speisen, die geradezu als Almosen zu bezeichnen sind.(Sehr richtig I links.) Das Matz von Vorbildung, welches diese großen Welt- etablissements von ihren technischen Angestellten verlangen, steht in diametralem Gegensatz zu den Gehältern dieser Angestellten. Die Gleichstellung dieser technischen Angestellten mit den Handlungs- gehülfen ist das allermindeste, was man überhaupt fordern kann. Was die Konkurrenzklausel anlangt, so kann ich mit Genugtuung feststellen, datz die Anregung zur Verhandlung über diese Frage vor einer Reihe von Jahren von uns ausgegangen ist. Und wenn die Einschränkung der Konkurrenz- klausel durch das Handelsgesetzbuch gegenüber dem früheren Zustande eine— wenn auch ungenügende— Verbesserung darstellt, so ist das dem Umstände zu danken, datz wir von dieser Seite wieder die ersten waren, die die öffentliche Aufmerksamkeit und die der Gesetzgebung auf die schmachvollen Zustände gelenkt hatten, wie sie sich unter der Wirkung der uneingeschränkten Konkurrenzklausel entwickelte.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ich würde es sehr begrüßen, wenn der Herr Staatssekretär noch für eine weitere Einschränkung der Konkurrenzklausel im Handelsgesetzbuch wirken würde, denn aus den gehörten Mitteilungen geht hervor, datz auch unter der Herrschaft der ein- geschränkten Konkurrenzklausel noch ganz unglaubliche Zustände bestehen. Im Interesse der Moral ist eine derartige Aenderung der Gesetzgebung dringend zu wünschen; denn unter den heutigen Zuständen werden die jungen Leute in ihrer wirtschaftlichen Notlage zu Heuchlern er- zogen, sie können nicht daran denken, etwa im gegebenen Falle ihr Ehrenwort zu halten; es handelt sich hier wieder'mal um ein Spiel mit Ehrbegriffen, bei dem diejenigen, die das Ehrenwort ab- nehrnen, viel schuldiger sind als die, die es geben.(Sehr richtig I links.) In einem Gegensatz zum Herrn Staatssekretär befinde ich mich insofern, als ich der Meinung bin, datz Absatz 1§ 63 des Handelsgesetzbuchs in der Tat zwingendes Recht ist. Ueber die Auslegung des Buchstabens werde ich mich natürlich mit einem so hervorragenden Juristen wie dem Herrn Staatssekretär nicht streiten. Für mich kommt es vor allem darauf an. datz die Richter nicht nach dem Buchstaben, sondern nach dem Geiste des Gesetzes urteilen. Und ich mutz behaupten, datz diejenigen Gerichte. welche dem Absatz 1 des§ 63 kein zwingendes Recht zuerkennen, das, was der Gesetzgeber gewollt hat und was aus der sozialen Lage dieser Angestellten mit Notwendigkeit folgt, nicht verstanden haben.(Sehr nchtig I bei den Sozialdemokraten.) ES ist doch nn« denkbar, datz eine Gesetzgebung so widerspruchsvoll gemacht wird, wie sie nach der Ansicht des Herrn Staatssekretärs und des Abg. Basiermann sein würde. Dieser Widerspruch wäre so unlogisch, datz— der Herr Staatssekretär darf eS mir nicht übel nehmen— ich sagen mutz, daß er nur bei Juristen möglich ist. Daraus, daß die Bestinimung, eS handle sich um zwingendes Recht, in redaktionell nicht sehr geschickter Weise an das Ende des zweiten MsatzeS gekommen ist, darf doch nicht ge- folgert werden, daß der erste Absatz nur diSpositiv ist. Aber nachdem sich die Mehrheit der Handelsgerichte einmal auf den Stairdpunkt des Herrn Staatssekretärs, gestellt hat. sind wir allerdings in die zivingende Lage versetzt, aus dem Wege der Gesetzgebung in un- widerleglicher Weise zu interpretieren, was der Gesetzgeber gemeint hat. Es ist dringend notwendig. Zustände zu schaffen, in denen in Fällen von Krankheit ein Angestellter nicht einfach auf daS Pflaster geworfen werden kann, während er doch in einer solchen Zeit sogar noch ein erhöhtes Einnahmebedürfnis hat. Die Ausführungen des Herm Staatssekretärs und des Ab geordneten Basiermann in bezug auf den ß 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs sind insofern irrig, als dieses ja später als das Handelsgesetzbuch geschaffen ist, so datz der K 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs nicht die Grundlage des ß 63 des Handelsgesetzbuchs sein kann. Als der§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs bekannt wurde, attneten alle beteiligten Kreise auf. da man annahm, es handele sich entklich um erne Schutzbestimmung von großer Trag- weite. Aber diese Kreise sind schwer enttäuscht worden, als die Gerichte diesen Paragraphen als fakultatives Recht auslegten. Aber weil dieser§ 616 deS Bürgerlichen Gesetzbuchs zuungunsten von breiten Schichten der Bevölkerung ausgefallen ist, deshalb braucht man noch lange nicht auch den früher geschaffenen Z 63 des Handelsgesetzbuchs fakultativ auszulegen. Mit der sogenannten Vertragsfreiheit wird sehr viel Unfug getrieben. Deshalb würden wir es für viel richtiger halten, wenn eine Frage darüber, ob eine sozialpolitische Schutzbestimmung dispositiv oder zwingend sei, über- Haupt niemals auftauchen könnte, das heißt, wenn wir ein sür alle Mal den Grundsatz aufstellen würden: Sozialpolitische Schutz bestimmungen haben den Charakter zwingenden Rechtes.(Beifall links.) Jedenfalls ist die Notlage der Handlungsgehülfen und der technischen Beamten so groß, daß die verbündeten Negierungen alle Anregungen, die durch die heutigen Anträge ihr geworden sind, sehr beherzigen und schon in der nächsten Session eine dem Antrag Pott- hoff entsprechende Gesetzesvorlage einbringen sollten. Wenn das der Erfolg des heutigen SchwerinStages sein wird, so werden wir das mit lebhafter Freude begrüßen.(Beifall links.) Abg. Malkewitz(k.): Wir sind gewillt, den Bestrebungen der technischen Angestellten entgegenzukommen, soweit nicht berechtigte Interessen der Arbeitgeber verletzt werden. Ich glaube nicht, datz wir der Forderung auf Ausdehnung der Zuständigkeit der Kauf- manns- und Gewcrbegerichte zustimmen werden. Abg. Träger(frs. Vp.) schlägt vor, die Anträge der Handels- und Gewerbekommission zu überweisen. Wir sind in allen wesent- lichen Punkten mit den Anträgen einverstanden, deren Forderungen zum Teil übrigens schon verwirklicht sind, und werden in der Kommission— wie auch im Plenum— gern an der Sache mit- arbeiten.(Bravo I links.) Abg. Schock(Wirtsch. Vg.): Eine Aenderung des§ 63 des Handelsgesetzbuches ist unter allen Umständen nötig, ist es doch soweit ge- kommen, daß z. B. in Köln ein Fabrikant auf Grund dieses Para- graphen in zwei gleichliegenden Fälle zwei entgegengesetzte Urteile erhalten hat. Staatssekretär Nieberding: Nur im Jnteresie der Rechtsprechung möchte ich nochmals konstatieren: Die Mehrheit der Kommission des Reichstages hat beschlossen, daß der Absatz 1 tz 63 k e i n zwingendes Recht bilden soll. Die Mehrheit des Reichstages hat sodann den Beschlutz der Kommission, ohne ein Wort dazu zusagen, angenommen. Daraus schließe ich, datz sie auch die Absicht der Kommission geteilt hat; das Gegenterl müßte bewiesen werden. Wenn man jetzt aus dem Umstände, datz einzelne Mitglieder dieses Hauses anderer An- ficht sind, schlietzen wollte, datz damals auch die Mehrheit des Reichs- tages, obwohl sie den Beschlutz der Kommission angenommen hat, anderer Ansicht war, so würde daS allem parlamentarischen Brauch widersprechen und der Willkür Tür und Tor öffnen. Abg. Dove(frs. Vp.) beantragt, eine besondere Kommission für die Anträge einzusetzen. Ich stehe in der Frage der Auslegung deS ß 63 auf dem Standpunkte des Herrn StaatsiekretärS, so sehr ich bedauere, daß nicht alle Bestimmungen deS§ 63 zwingendes Recht find. Allerdings stimme ich dem Abg. Singer darin bei, datz alle sozialpolitischen Schutzmatzregeln zwingendes Recht sein sollen. aber der Richter kann doch nur den Wille» des Gesetzgebers zur Durchführung bringen. Hiermit schlietzt die Diskussion. Im Schlußworte spricht Abg. Baffcrmann(natl.) seine Zustimmung zur Ueberweisung seiner Anträge an eine besondere Kommission auS und beantragt, auch die Resolution Dr. Potthoff an dieselbe Kommission zu verweisen. Abg. Dr. P-tth-ff(frs. Vg.) unterstützt im Schlußwort diesen GeschästsordnungSantrag. Es folgt eine GeschäftsordnrmgSdcbatte. Sowohl die beiden Gesetzentwürfe als die Resolution werden einer besonderen Kommisston überwiesen, die demnach über die Re- solution nur a b st i m m e n darf. Hierauf vertagt sich das HauS. Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr: Fortsetzung der Debatte über den Post etat. Schluß 5'/« Uhr._ parlamcntarifcbeö* Marineetat. Die Budgetkommission des Reichstages stimmte gestern der Vergrößerung der Torpedoflottille von 16 Divisionen----- 96 Booten, auf 24 Divisionen— 144 Booten zu und genehmigte für den Etat 1906 den Vau von zwei Divisionen, die 8 Millionen Mark erfordern. Die Gebrauchsdauer eines Bootes wird auf 12 Jahre eingeschätzt. Für Versuche nritUntersee- booten werden 2 500 000 M. bewilligt, eine Million mehr als im Vorjahr. Der Mehrbedarf an Mannschaften durch die Vergrößerung der Torpedoflottille beläust sich auf 53 Offiziere und 2213 Mann. Für Schiffsneubauten, gemäß des Flottengesetzes vom Jahr 1900, wurden 73,4 Millionen, für artilleristische Armierung 30.4 Millionen bewilligt. Abg. Erzberger teilte Fälle mit, wo Torpedoboote zu Sportzwecken Verwendung finden; speziell für die kaiserlichen Segelyachten würden sehr oft Torpedoboote zu Schleppdiensten ver- wendet. In etwas geivundener Entgegnung betonte der Staatssekretär, datz in allen Fällen lediglich daS'Interesse des Dienstes matzgebend sein solle, während Abg. Dr. S e m I e r(natl.) dem Grundsatz Ausdruck geben zu wollen schien, datz die Unterstützung von Sportzwecken im Interesse des Dienstes liege. Heute Fortsetzung der Beratung. Die PetitionSkommission des Reichstages verhandelte am Mittwoch über eine Petition des„Vereins enthaltsamer E i s e nb a h ner in Marburg"(Lahn) betr. Gewährung einer Beihülfe aus Reichs- Mitteln an den genannten Verein im Betrage von 5000 M. pro Jahr. Ferner fordert das Petiwm Einschränkung des Alkoholgenusses der Eisenbahnbeamten dadurch, daß Bestimmungen erlassen werden, welche den Genutz von Alkohol während des Dienstes und 3 Stunden vor Beginn desselben verbieten. Die Petition be- hauptet, daß viele Eisenbahnunfälle auf den Alkoholgenutz der Beamten zurückzuführen seien. Eine ähnliche Petition ist auch dem preußischen Abgeordnetenhause zugegangen, nnt dem Unterschiede, daß dort eine lährliche Beihülfe von 10 000 gefordert wird.— Die PetitionSkommission beschloß über die Petition zur TageS» ordnung überzugehen. Der ArbciterauSschuß der RrichSdruckerei petitioniert vm Be- willigung einer Teuerungszulage für die in dein genannten Betriebe beschäftigten Arbeiter. Abg. Froehlich(Reformp.) beantragt, die Petition dem Reichskanzler als Material zu überweisen. Wenn auch die Arbeitsverhältnisse in der Reichsdruckerei im allgemeinen als günstige zu bezeichnen seien, hätten doch die verheirateten Arbeiter unter der herrschenden Fleischteuerung, die er(Redner) übrigens für eine nur vorübergehende halte, sehr zu leiden. Der Regierungskommissar, Wirkl. Geh. Oberpostrat Stille kann eine sachliche Berechtigung der Forderung der Petenten nicht anerkennen. Wolle mair nur den verheirateten Arbeitern der Reichsdruckerei eine Teuerungszulage gewähren, so würde dadurch nur Unfrieden unter den Arbeitern hervorgerufen. Auch Unverheiratete, die vielleicht für ihre kranke Mutter und Geschwister zu sorgen haben, leiden unter derTeuerung nicht minder als Verheiratete. Wolle man eine Besserstellung der Arbeiter herbeiführen, so dürfte sich eine allgemeine Erhöhung der Löhne, aber keine Teuerungszulage nur an die Verheirateten empfehlen. Es sei richtig, datz die Arbeiter der Reichsdruckerei— obgleich diese sich der Tarisgemeinschast im deutschen Buchdruckgewerbe nicht an- geschlossen habe— besser gestellt seien, als die Arbeiter in vielen tariftreuen Privatbetrieben. Die Reichsdruckerei ge- währe zum Beispiel kranken Arbeitern aus etatSmätzigen Mitteln Zuschuß zu dem Krankengelde. Datz eine Notlage unter den Arbeitern nicht bestehe, ergebe auch der Stand der für dre Arbeiter der Reichsdruckerei vor etwa zwei Jahren begründeten Spar- und Darlehns« lasse. Von den 1900 bis 2000 dort beschäftigten Arbeitern hätten 1394 Sparguthaben im Gesamtbetrage von' 131 967 Mark, also durchschnittlich 95 Mark pro Sparer, eingezahlt. Die sozialdemokratischen Mitglieder der PetitionSkommission. die Abgeordneten Thiele, Körsten und Albrccht, erkannten die Wünsche der Petenten auf Besserstellung ihrer Lage als durchaus berechtigt an. Diese Besserstellung dürfe sich aber nicht nur auf verheiratete Arbeiter erstrecken, nrüsse vielmehr allen zu gute kommen. Von einer nur vorübergehenden Teuerung könne nicht die Rede sein. Die er- höhten Zölle würden eine dauernde Mehrbelastung der Arbeiter herbei« führen. Deshalb sei auch eine nur zeitweilig zu gewährende TeuerungS- zulage nicht zu empfehlen. Wolle man aber eine allgememe Erhöhung der Löhne der Arbeiter der Reichsdruckerei nicht erntreten lassen, so müßten wenigsten die dort gezahlten Minimal- löhne erhöht werden. In dresem Sinne solle man die Petttion dein Reichskanzler zur Berücksichtigung überweisen. Dieser Antrag wurde jedoch mit 10 gegen 9 Stirnmen abgelehnt. — Die Kommission beschloß nur, die Petition dem Reichskanzler als Material zu überweisen. Huö Induftrie und ftandcU DiSkonto-Gesellschaft. Nach dem in der am Dienstag statt- gefundenen Aufsichtsratssitzung vorgelegten Bericht stellt sich für das abgelaufene Geschäftslahr der Bruttogewinn einschließlich de« auf 523 312,23 M. sich belaufenden Vortrages ans der vorjährigen Bilanz auf 26 287 086,18 M. gegen 23 760 932,19 M. im Vorjahre und der Reingewinn nach Abzug der Verwaltungskosten usw. 6 090189,62 M., der Steuern 1 151 529,26 M., der Abschreibung auf zweifelhafte Forderungen 25 613,60 M. und der Abschreibung aus die Bankgebäude und innere Einrichtung 600 000 M. atif 18 419 753,80 M. gegen 17 091 470,13 M. im Vorjahre. ES soll berteilt werden eine Dividende von S Proz. auf das Kommandit-Kapital von 170 000 000 M. gegen 8Va Proz. im Borjahre. Generalversammlung de» Verbandes dentfcher Waren« und Kaufhäuser. Unter sehr zahlreicher Beteiligung fand in Leipzig am 6. März die Generalversammlung deS Verbandes deutscher Waren« und Kauf- Häuser statt. ES»varen die Vertreter fast aller grötzeren Waren- bezw. Kaufhäuser Deutschlands erschienen, auch die Lieferauten der Warenhäuser hatten sich sehr zahlreich eingefunden. Der Vorsitzende, Oskar Tietz- Berlin, wies auf die großen Erfolge des Verbandes hin. Der Verband, dem bei seiner Gründung 60 Mitglieder beigetreten waren, zähle heute weit über 2000.(Beifall.) Allein dem Verbände stehen noch sehr heftige Kämpfe bevor. Die Reaktion erhebe imnrer kühner ihr Haupt. Immer größere Schranken wolle man gegen Handel und Industrie auftichten. DaS allgenreine wirtschaftliche Interesse erfordere. daß die Angriffe der Reaktton mit aller Energie abgewehr der Entwickelung von Handel und Industrie freie Bahn gesck werte. Dazu sei in erster Reihe eine feste Organisation aller Kauf leute und Industriellen notwendig. Dem vom Kaufmann Moritz Barasch-Brcslau erstatteten Ge� schäftsbericht war zu entnehmen, daß der Verband ein Vermögen von 42 999.36 M. besitze. Landtags-Abgeordneter Dr. Gerschel-Berlin sprach hierauf über die Mittclstandsbewegnng und die Umsatzsteuer. Seit Einführung der Gewerbefreiheit datiere der Aufschwung von Handel und Industrie. Dieser Aufschwung hatte aber sehr bald zur Folge, daß sich Bestrebungen zur Beschränkung bezw. Wiedev aufhebung der Gewerbefreiheit geltend gemacht. Ganz besonders als die Industrie, veranlaßt durch Ueberproduktion, Schutzzölle ver- langte, begannen die Handwerker eine sehr lebhafte Agitation gegen die Gewerbefreiheit zu entfalten. Die Leute haben nur vergessen, daß die meisten industriellen Großbetriebe sich aus handwerksmäßigen Betrieben entwickelt haben. Nun sage mau, die Kleinkauflente iverden von den großen Warenhäusern totgemacht. Er sei der letzte, der begründeten Klagen die Berechtigung absprechen wolle. Allein die Kleinkaufleute, die sich nicht hallen können, seien nicht existcnz» berechtigt. Spezialgeschäfte, die von geschulteu, reellen und tüchtigen Kaufleuten geführt werden, florierten trotz der Warenhäuser. Trotzdcn, sei man bemüht, � die Warenhäuser durch Umsatzsteuer und baupolizeiliche Vorschriften zu schädigen. Die Umsatzsteuer sei keineswegs eine neue Idee. Im Börsengeschäft sei seit langer Zeit die Umsatzsteuer eingeführt. Diese Maßnahme habe dazu geführt, daß das Arbitragegeschäft vollständig lahm gelegt und ins Ausland verlegt worden sei. Die Umsatzsteuer der Börsengeschäfte habe>.S bewirkt, daß die kleinen Bankiers zugrunde gerichtet und das Börsengeschäft in die Hände der Großbanken gelangt seien. Die Waren- Häuser haben sich glücklicherweise trotz der Umsatzsteuer und anderer staatlicher Maßnahmen weiter entwickelt. Eigentümlicherweise habe der Bund der Landwirte sich der MittelstandSbewegung angenommen. Wenn man erwäge, daß die Agrarier dem Volke Brot und Fleisch in geradezu unerhörter Weise verteuert und durch Schaffung von Ltonsumvereinen, Raiffeisenkasseu, Beamten- und Offizierswaren- Häusern gerade den Mittelstand aufs empfindlichste geschädigt haben, dann werde man begreifen, daß die Agrarier keineswegs Freunde des Mittelstandes seien. Auf Antrag des Fabrikbesitzers Max Berger(Chemnitz) gelangte darauf eine längere Erklärung zur Amiahme, in der es heißt: Die Generalversammlung erachtet die derzeitige Leitung und Tendenz der sogenannten Mittelstandsbeivegung als gefährlich und geeignet, das Bürgertum zum Zwecke der Erreichung unberechtigter Sonder- interessen zu zersplittern.— Althoff(Dortmund) begründete eine Protesterklärnng gegen den Antrag der Konservativen im preußischen Abgeordnetenhause betreffs baupolizeilicher Vorschriften der Waren- Häuser zwecks Bekämpfung der Feuergefährlichkeit.— Heil(Cudowa) beklagte die Einführung der neuen Handelsverträge, die Handel und Industrie ganz außerordentlich schädigen.— Es wurden noch mehrere andere Klagen vorgebracht und alsdann die Generalversammlung in später Abendstunde geschlossen._ Bon der Konjunktur. In einem vorsichtig abgezirkelten Artikel, bei dem der Verfasser alle Eventualitäten berechnet, ohne das merken zu lassen, wird versucht die Ansicht zu erwecken, als sei in Bezug auf die Eisenindustrie keinerlei Befürchtung zu hegen. Er spricht von einer, getoissen Stetigkeit, die in der Eisenindustrie anscheinend sich entwickele. Wenn das heutige Verhältnis die Grundlage der Stabilität bleibt, dann sind die Aussichten durchaus nicht sehr hoffnungsvoll. Im Januar weist trotz flottester Tätigkeit in allen Zweigen des Eisengewerbes die Versorgung des Inlandes nur eine ganz geringe Zunahme auf. Es ist nicht zu er- warten, daß in nächster Zeit eine exzeptionelle Berbrauchssteigerung im Jnlande eintreten wird. Zeigt sich nun aber der Inlandsmarkt nicht wesentlich aufnahmefähiger, so ist es ganz ausgeschlossen, daß die umfangreiche Erzeugnisstelgerung Aufnahme findet. Nehmen wir die Versorgung des Inlandes als Verbrauch an, obwohl der tat- sächliche Verbrauch noch geringer ist als die Versorgung, so finden wir folgendes Resultat. Es betrug pro Kopf in Kilogramm: Eigene Produktion Verbrauch 1904.... 14,10 9.07 190S.... 12,81 8,22 1906.... 16,78 9,63 Scheiden wir den Januar 190S aus dem Vergleich auS, da durch rfie Einwirkungen des Bergarbeiterstreiks Produktions- und Ver- brauchsziffern sehr niedrig waren, und vergleichen nur mit 1904, so zeigt sich eine Zunahme der Roheisengewiimung um 2,68 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung, während der Verbrauch nur um 0,56 Kiloramm gestiegen ist. Mit Ausnahme des Dezember 190ö war die 'roduktion pro Kopf noch nie so hoch wie im Januar, der Verbrauch hingegen wird von den meisten Monaten des Jahres 1905 über- troffen. Die Eisenausfuhr war im Januar 1906 um 173 279 Tonnen größer als 1905 und 153 365 Tonnen höher als zur Bergleichszeit 1904. Das ist eine Steigerung von rund 60 resp. rund 50 Proz. Genchtö-Zcituncj. Entwendung von Holz im Werte von 60 Pfennig— drei Monate Gefängnis. Vor dem Landgericht München I hatte sich dieser Tage der Dienstknecht Alois B. wegen eines Verbrechens des Dieb- stahls im Rückfalle zu verantworten. Er hatte zu Hause ein krankes Weib, kein Geld, weder Holz noch Kohlen zum Ein- heizen, Not und Elend war an der Tagesordnung. Am 22. Dezember, zwei Tage vor dem Feste der Liebe und der Freude, fuhr er mit seinem Einspännerfuhrwerke in den Güter- bahnhof. Dort fand er einen mit Brennholz beladenen Waggon vor. Er dachte an sein krankes, frierendes Weib, an das nahende Weihnachtsfest. Kurz entschlossen nahm er von dein voll beladenen Waggon 3 Scheiter Holz im Werte von 60 Pf.— geschrieben: sechzig Pfennig— legte sie auf sein Wägelchen und deckte sie zu Ein Bahnbeamter hatte ihn aber beobachtet, das Holz wurde ihm wieder abgenommen und gegen den armen Teufel Anzeige wegen Diebstahl erstattet. Da er wegen Eigentumsdelikte schon einige Male bestraft ist. quali- fiziert sich seine Handlung als ein Verbrechen im Rückfalle. Zur Verantwortung gezogen, schilderte er vor Gericht seine große Not. Das Gesetz kennt aber keine Not und die Not kennt kein Gesetz. Die Mahnung Romeos: Der Hunger sitzt in deinen hohlen Backen, Not und Bedrängnis darbt in deinem Blick, Auf deinem Rücken hängt zerlumptes Elend, Die Welt ist nicht dein Freund, noch ihr Gesetz; Die Welt hat kein Gesetz, dich reich zu machen, Drum sei nicht arm, brich das Gesetz und nimm! wird im Gericht nicht als berechtigt anerkannt. Zwar kann der Richter auf Grund der 52 bis 54 des Strafgesetzbuchs freisprechen, wenn aus„unwiderstehlicher Gewalt" oder aus unverschuldetem Notstand eine strafbare Handlung begangen ist. Wer aber die Not aus eigener Erfahrung und das noch schrecklichere Gefühl, den Seinen nicht helfen zu können, nicht kennen gelernt hat, hält sich selten für berechtigt, in anderen als den Fällen der geschlechtlichen Vergehen oder der Abwehr körperlicher Angriffe von den KZ 52—64 Gebrauch zu machen. Z 52 des Strafgesetzbuches sagt: Eine strafbare Handlung ist nicht vorhanden, wenn der Täter durch unwider st ehliche Gewalt oder durch eine Drohung, welche mit einer gegen- Wärligen, auf andere Weise nicht abivendbaren Gefahr für Leib oder Leben seiner selbst oder eines Angehörigen verbunden war, zu der Handlung genötigt worden ist. ß 53 erklärt, daß eine Handlung nicht strafbar ist, wenn sie durch Notwehr geboten war. Z 54 bestimmt: Eine strafbare Handlung ist nicht vorhanden, wenn die Handlung außer dem Falle der Notwehr in einem un- verschuldeten, auf andere Weise nicht zu beseitigenden Notstande zur Rettung aus einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben des Täters oder eines Angehörigen begangen worden ist. Diesen Vorschriften hätte man nicht Gewalt angetan, wenn man sie aus den vorliegenden Fall angewendet hätte. „Unwiderstehliche Gewalt" iin Sinne des Z 52 und„un- verschuldeter, auf andere Weise nicht zu beseitigender Not- stand" im Sinne des Z 64 lagen diesem Tatbestand gegenüber vor. Sie kamen in der Verhandlung nicht zur Sprache. Dem ohne Verteidiger vor Gericht gestellten Tagelöhner billigten Staatsanwalt und Richter zu, daß er in Not ge- handelt. Sie erkannten auf das niedrig st e Strafmaß, daS das Gesetz(Z 244 des Strafgesetzbuchs) für„Diebstahl im Rückfall" bei Annahme mildernder Umstände zuläßt. Diese Strafe beträgt— drei Monate Gefängnis. So will es die herrliche Gesellschaftsordnung: sie verschuldet die Straftat, s i e läßt den Armen schuldig werden und dann bestraft sie ihn.»_ Wege» Beleidigung durch die Presse hatte sich gestern bor der Strafkammer 8a des Landgerichts I der Redakteur Arno Arndt vom„B e r l i n e r T a g e b l a t t" zu veranworten. Mitangeklagt war auch der frühere Kaufmann Martin Regen st einer, der sich wegen einer anderen Straftat gegenwärtig in Untersuchungshaft befindet. Die nahezu fiebenstiindige Verhandlung ergab folgendes: Im November 1904 war Regensteiner in die Redaktion des„Ber- liner Tageblatt" gekommen und hatte wehleidig gebeten, man möge sich seiner doch annehmen, da er ein vom Schicksal schwer verfolgter Mann sei. Und nun erzählte er mit der unschuldigsten Miene von der Welt, daß er im Jahre 1902 infolge eines Komplotts des Kartonnagenfabrikauten Max Wolfs,»Neue Friedrich- straße 43, und zweier seiner eigenen früheren Angestellten, des Buchhalters Ernst und des Lageristen H a r w i tz wegen betrüge- rischen Baukerotts angeklagt und zu drei Jahren Gefängnis ver- urteilt worden sei. Jedoch habe er unschuldig im Gefängnis sitzen müssen. ES sei ihm indessen gelungen, den Justizmintster von seiner Unschuld zu überzeugen, so daß dieser seine Haftentlassung und das Wiederaufnahmeverfahren angeordnet habe, er habe des- wegen auch nur zivei Jahre von der ursprünglich auf drei Jahre bemessenen Strafhaft abzusitzen brauchen. Sein Wunsch ging nun dahin, im„Berliner Tageblatt" das angebliche „Verleumdertrio" gehörig zu brandmarken und gleichzeitig der Oeffent- lichkeit kundzugeben, welch bitteres Unrecht ihm durch jene Ver- urteilung zugefügt sei, damit er öffentlich rehabilitiert werde. Der Redakteur Arndt glaubte dem Manne und veranlaßte, ohne e r st genügende Recherchen anstellen z u lassen, die Aufnahme eines Artikels unter der Stichmarke„Unschuldig im Ge- fängnis". Der Artikel stützte sich lediglich auf die Angaben deS Regensteiner und enthielt eine Reihe der schwersten Vor- tvürfe gegen die oben genannten drei Herren. Wie die Beweisaufiiahme nun ergab, waren die Angaben und Behauptungen des Regensteiner aber von Anfang bis Ende er- logen. Der Redakteur war von dem Schtviudler gründlich düpiert worden. Regeusteiner hatte früher tatsächlich ein Schtvindelgeschäft in Schuhivaren betrieben und in 3/4 Jahren nicht weniger wie 207 232 M. Schulden aufgehäuft. Seine Gläubiger und Lieferauten bezahlte er nicht, nahm vielmehr Waren gegen hohes Ziel und verramschte diese dann für einen Spottpreis. Der Krach war unausbleiblich und 2,/o Jahre Gefängnis waren das Ende. Diese Strafe hat" Regeusteiner auch voll abge- büßt. Von einer vorzeitigen Haftentlassung und Anordnung eines Wiederaufnahmeverfahrens war gar keine Rede. Sein Vor- gehen gegen Wolff usw. war lediglich ein Racheakt gegen diese, weil die drei seinerzeit die betrügerischen Manipulationen des Regen- steiner der Polizei mitgeteilt hatten. Außerdem bezweckte Regen» steiner mit seiner„Rehabilitierung" im„Berliner Tageblatt" noch, bei leichtgläubigen mitleidigen Menschen vielleicht neue Gelder los- eisen zu können. Auf Antrag der Herren Wolff, Ernst und Harwitz leitete die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein, gegen Arndt als verantwort- lichen Redakteur des„Berliner Tageblatt" und gegen Regensteiner als Urheber des beleidigenden Artikels. Das Ende des Prozesses war, daß die Strafkammer unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors O p p e r m a n n den leichtgläubigen Redakteur Arndt zu sechs Wochen Gefängnis und Zahlung einer Buße von 3000 M. an den Nebenkläger Wolff, und den Mitangeklagten R e g e n st e i n e r zu einem Jahr Gefängnis verurteilte. Der Staatsanwalt hatte gegen Arndt„nur" 300 M. Geldstrafe und gegen Regenfteiner sechs Monate Gefängnis beantragt._ Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion. Rindfleisch la. 63—66 pr. 100 Psund, Ha 54—62, HTa 49-53, IVa 39-47. Kalbfleisch la 80-88, IIa 63-75, ITTa 54-60, Hammelfleisch la 60—71, IIa 54—60. Schweinefleisch 72— 77. Rotwild Psd. 0,58 bis 0,60. Damwild 0,57—0,70. Kaninchen stück 0,85—0,90, Hühner Stück, alle 1,60—2,70, junge 0,00—0,00, do. IIa 0,00— 0,00. Tauben, junge 0,40— 0,70, alte 0,40. Enten, stück 2,75. Gänse, junge, pro Stück 0,00—0,00, russische 0,25-0,50 M. Schellfische 0,00-0,00 M.. Flunder 12—16 M.. pro 100 Psd. Hechte 85—89, Schleie 00—00; Halt, groß 00—00, mittel 00-00; Plötze» 35—51, Karpsen 00—00, RhcinlachS 675, Seelachs 20— 25 M. pr. 100 Pjd. Schottische Vollheringe(gesalzen) 40—44 M. Eier, Schock 3,30—3,40. Butter pro 100 Psund la 122—124, lla 113—122, lila 116-118, absallende 110—115. Kartoffeln pr. 100 Psd. rote Dabersche 2,00—2,20, tnagn. von. 2,10—2,35, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock 0,00-00,00. Weißkohl pr. 100 Psd. 4,25-4,50, Rotkohl pr. Schock 00-00, Holl. 12—17 M. Saure Gurken, Schock 2,00 M., Pseffergurken 2,00 M. ßiiefhartcn der Redabtion. Hermsdorf 29 und andere. Ruberoid- Gesellschaft, Berlw V. 30, Nollendorsstr. 13.— W. M. Wenden Sie sich an den Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter, Engel-User 15. Wiilili der liaiiperlilietieii Hilfsarbeiter ßeiitscblands. Bezirk Tegel. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Kollege R-iedricK Löf f ler am 5. d. Mts. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. d. M., nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des Tegeler Friedhoses, Hermsdorser Weg aus statt. Bezirk ssrieiirieiiederg. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Kollege Max Menzel am 4. März verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. März, nach- mittags 2flz Uhr, von der Leichen- halle des Friedhofes Krugstegc in Lichtenberg aus statt. 33/11 Um rege Beteiligung ersucht Der Zweigvoreinsvorstand. Zentral-lferbaBd der Maurer Zwelgverein Berlin. Slm Dienstag, den 6. März, verstarb im Alter von 30 Jahren B an Lungentuberkulose unser Mit- glted 137/15 Karl Klein. Ehre seinem Andenken l I DIe Beerdigung findet am Freitag, den 9. d. Mts., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Zwölf Apostel- Kirchhofes aus statt. J Um rege Beteiligung ersucht ilie Verbandsleitung. Dr. Sirnrnel, Spezinlarzt sür 29/14* Bant- nnd Harnleiden. 0—2,5—7. Sonntags 10—13, 2—4 Todes-Anzeige. Hiermit zur Nachricht, daß unser Vater, der frühere Zeitungs- spediteur. Ulbert HeinicKe am Montag, den 5. März, nach langem Krankenlager im Kranken- hause Urban verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchofes aus statt. 387L Die trauernden Kinder. Leerdiguiigsvei'eiii iöerlillerlimineiieiite. Am 5. d. M. starb im Alter von 53 Jahren an der Lungen- schwindsucht unser Mitglied, der Zimmerer Wielrn Schneider. Ehre feinem Andenken l Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. d. M.. nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle deS städtischen Krankenhauses am Urban(Grimmswatze) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 289/9 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser innig geliebter Sohn und guter Bruder, der Mechaniker Kruno Siejak am 6. März, früh 61/, Uhr, nach kurzem, schtveren Leiden im 21. Lebensjahre sanst entschlafen ist. Die Beerdigung findet Freitag- nachmittag 3'/, Uhr vom Trauer- hause, Pslugstr. 1, aus nach dem St. Sebaslian-Kirchhof, Reinicken- dorf, Huncholdtstraße, statt. 278b Um stilles Beileid bitten !»ile,jnle nebst Frau und Zusin Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine innig geliebte Frau Marie Leislikow geb. Hagenstein nach langem schweren Leiden am Mittwoch, den 7. d.M., verstorben ist. Die Beerdigung findet am sonn- abendnachnültag 2'/, Uhr vom Trauerhause, SolmSstr. 21, um 4 Uhr vom Heilig. Kreuz- ZUrch- hos in Mariendors aus statt. Der trauernde Gatte nebst Dochter. 284b Deutscher Holzarbeiter-verdanä. Sonntag, 11. März, vorm. 10 Uhr, in der Neuen Welt, Hasenheide 103/114: Allßklordtntliche Gencrul-Nersammlüng. TageS-Ordnung: 1. Antrag der Ortsverwaltung betreffend die Gehälter der Verbandsangestellten. 2. Anträge und Stellungnahme zum Verbandstage. - Eintritt nur mit Ultglledsbach. 81/17 Um zahlreiches Erscheinen ersucht vle OrtsTcrwnltnng. Teltow-Beeskow-Storkow- Charlottenburg! Sonntag, den lt. März 1006, nachmittags 2 Uhr, in Adlershof, Restaurant Kaul, Bismarckstraste 16: General-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Mitteilungen des Vorstandes und der Funkttonärc. 2. Berawng deS KrelsstatutS und des Organisationsplanes für Teltow-BceSkow-Storkow- Charlottenburg. 3. Resolution Rixdors betresjend das Verhalten der Reichstagssraktion bei der Borussia-Ynterpcllation. 4. Antrag Charlotten- bürg betreffend die Vorortbeilage des„Vorwärts". 5. Antrag Boxhcimer betreffend Abgrenzung der Rechte zwischen Berlin und den einzelnen Kreisen. 6. Antrag Rixdors betreffend den Boykott der Philharmonie. 7. VeffchiedeneS. Zu dem Statutcn-Entwurf find noch folgende Anträge eingegangen: § 5a. Die Wahlen der Delegierten zu den Berbands-Generalversammlungen von Groß-Berlin sind von den örtlichen Wahlvcreincn vorzunehmen. Die prozentuale Verteilung der Delegierten aus die einzelnen Orte erfolgt durch .den Zeiilraloorstaiid, jedoch muß jeder örtliche Wahlvercin durch mindestens zwei Delegierte vertreten fein. Laut Statut ist jeder Wahluerein berechtigt drei Delegierte zu entsenden. Die Delegierten müssen mit Mandat versehen sein. Parteigenossen haben als Gäste Zutritt. 202/6 Der Vorstand. I.A.: W. Eberhardt. DaMös Holzarbeiter-Verband. Heute Donnerstag, abends S'/z Uhr, In» liOkal von Merkowskl, Andreas- Straße Ar. SB: ßrancben-Vcrrammluno[ aller aus Näh-.DamenschreibtisGuearbeilendenKollegen TageS-Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bejchlußsassung über unser weiteres Vor- gehen. DV ES ist Pflicht jedes Kollegen, zu erscheinen. Besonders eingeladen sind die Kollegen von: 81/13 Wagner, Admlralstr. 18a; Nachlelt, Swincrnüiiderstr. 60; Kees, Ouitzowstr. 72/73; Schiuidt, Friedrichsseide, Berlinerftr. 93. Hcharbeiter- Verb and, Metallarbeiter-Verband Vereinignng der Maler u. Lackierer, Verband der Sattler Verband der Schmiede. Hente, Donnerstag, den 8. März 190«, adendS 8'/, Uhr, im Gewerkschaftöhause, Engel-Nfer IS(großer Saal): Oeffentliche Versammlung aller in de» Waffenfabrike» Berlins und Umgegend beschäftigten Arbeiter. Tages- Ordnung: 1. Welche Forderungen wollen wir in den Wagenfabriken ftelleu? 2. Diskussion. 176/5 Kollegen aller Beruf-! Sorgt sür recht zahlreichen Besuch dieser sür Euch alle so wichtigen Versammlung. Zeigt, daß es Euch ernst ist mit der Verbesserung Eurer Lage. Kein Arbeiter darf fehlen I Die Pgitgilvnskommissio» der Wagenfabrikcn Berlins u. Umgeg. Hb Schoten extrafein f'/i Dose 90 Pf. Feine Schoten v.do« 52 pf. Schoten v.Dose 38 pr. Schoten und Karotten '/i Dose 60, Vj Dose 3 5 Pf. Karotten I«/, Dose 68,'/. Dose 40 Pf. Karotten-/.Dose 48, V. Dose 30 Pf. Karotten io Streifen'/. D. 30 Pf. Gemischt. Gemüse do« 1.25 Gemischtes Gemüse I '/.Dose 95, Vs Dose 53 Ff. Gemischtes Gemüse '/. Dose 6 O, Vj Dose 3 8 Pf. Grünkohl v.d. 35, v, Dose 23 pf. Weisskohl v.d. 28, v.D 20 pf. Wirsingkohl v. d. 23, v.d. 20 pf. Kohlrabi v, Dose 25 pf. Teltower Rüben V. Dose 68, V.Dose 40 Pf. Pfefferlinge v.Dose 48 pf. Stangen-Spargel extra stark V.Dose 1.75,-/.Dose 93 Ff. Stangen-Spargel la v.Dose 1.35, V.Dose 7 3 Pf. Stangen-Spargel II V.Dose 1.20,'/.Dose 65 Pf. Stangen-Spargel III V.Dose 80, V.Dose 4 5 Pf. Sruchspargel extra stark V.Dose 1.20 Pfirsiche V.Dosel.30, v.Dose 70 Pf. Melangefrüchte V.Dose 85, V, Dose 43 Pf. Preisseibeeren V.Dose 7 0 Pf., Dose ca. 5 Pfd. 1.70 Mk. Aprikosen v.Dose 1. 20 Rote Rüben Vi Dose 35, V. Dose 2 3 Pf. Echte Znaimer Gurken ciasl.20 Gewürzgurken mas 75 pf. Früchte in Gläsern in dünnem Zucker Aprikosen, Pfirsiche, Reineclauden, Mirabellen, Kirschen mit und ohne steine, Johannisbeeren cias 1 45, cias 70 Pf. Dunstfrüchte Birnen, Kirschen mit steinen, Johannisbeeren, Pflaumen ohne steine, Stachel- beeren, Heidelbeeren Glas 55 PC Dose 47 Pf. Dose 47 Pf. Bratheringe Bismarckheringe Heringe in Aspic Dose 40 pc Delikatessheringe Vi Dose 83, V.Dose 52 Pf. Aal in Gelee Dose 60 Pf. Eachs in Gelee Dose l.io Russ. Sardinen u. Anchovis Glas 2 5 Pf. Anchovis Dose 40 Pf. Rollmops Dose 40 Pf. Ochsenzungen Corned Beef Dose 4.25 Dose 1.50 Französ. Sardinen AmieuxFreresD�OO pf.DoJ3e1.50 Sardinen in T omaten D�e 85 pc Sardinen in Öl Spezial-Marke v.Dose 65 pc Martell V.Dose 45 PC,'/.Dose 1.25, V.Dose 2.20 La Rose v.Dose 35 pc m Victoria Erbsen Pfund 1 6 pc Kleine Erbsen.. 14pc Prima Erbsen glasiert.. 1 8 pc Spalterbsen geit.. 1 4 pc Algier Erbsen 1�,,,.. 26 pc Graue Erbsen.. 25 pc Grüne Erbsen.. 1 5 pf Grosse Linsen.. 36 pc Mittel Linsen Grosse Bohnen Mittel Bohnen Kleine Bohnen Flagoelets Rangoon Reis Japan Reis Pfund 32 Pf. .. 24 Pf. » 20 pc .. 18 pc .. 55 pc 1 6 pc .. 20 pc Java Reis Pfund 24, 30, 38 pc Backobst Mais-Puder 'V�pfd 35, v, Pfd. 18 pc Hafermehl ca. V.-Pfd-Paket 38,>/. Pfd. 20 Pf. Grünkernmehl ca. V.-Pfd-Paket 55, V« Pfd. 30 PC T apioca v, Pfd-Pakei 45 Pf. Suppentafeln.• Kartoffeln, Reis, Grunkern, Erbsen gelb un grün, Linsen, Tapioca-Julienne, Bohnen, Reis Julienne, Gersten, Gries, Hafergrütze, Kerbe! Hausmacher, Rumford, Sago 1 R Tafel I O PJ Suppentafeln:> Julienne-Bouillon, Krebs, Mocturtle, Curry Frühlings, Ochsensohweif,„. Pilz, Tomaten u. Wildprel Tafel 24 PI Erbswurst Öe.nk od- S; 28 pi Kalifornische Pflaumen Pfund 35, 40, 50, 60 pc Französische Pflaumen Pfund 35, 40, 50, 60 pc Gemischtes Backobst pfund 35, 48, 65 pc Kalif. Aprikosen pn 55, 60 pc Italien. Prünellen pid. 70 pc Amerik. Ringäpfel Pfd. 56 pc Deutsch. Maccaroni�Iicähr,bt32 pc Ital. Maccaroni g�, pw. 40 pc Nudeln �Xbc,her'Hand5ChDiPid. 40 pc Getrocknete Gemüse Julienne Julienne I Wirsingkohl Weisskohl Rotkohl Grünkohl Pfund] 60 PC ,, 1 Mk. .. 1.10 ,, 1 Mk. .. 90 pc „ 90 pc Deutsche Schoten Pfund 2.60 Russ. Zuckerschoten.. 1 ,80 Spinat.. 1.80 Schneidebohnen.. I.so Karotten.. 50 pc Gebrannter Kaffee Mischung_I II III Pfund 80 IV V VI VII Pf. 95 Pf. 1.10 1.35 1.50 1.70 1.90 mk. Deutscher Kakao Pfund 90 Pf., 1.i5Mk. Holländischer Kakao 1.80, 2.ioMk. Cervelat- u. Salamiwurst in Rindptrnd I.20 Plockwurst Pfund 1.10 Mk. Apfelsinen HÜ Dutzend 40. 30 Pf. Uta inkl. Flasche Moselwein Obermosel>/. pi. 55 pc 1904 Wormeldinger» 65 pc 1902 Ernster Mark•.. 75pf. 1902 Trittenheimer» 30 pc 1903 Reiler Sorentberger.. 1 Mk. 1904 Winninger Destenthal 1 Mk. 1902 Piesporter Falkenberg 1.25 1903 Berncastler Fuder 20 Creseenz: König!, Gymnasium Trier 1 ,40 Rhein- u. Pfalzwein 1903 Alsheimer v,fi. 70 pc 1901 Niersteiner» l.io 1901 Rüdesheimer.. I.20 1902 Hochheimer» I.30 1902 Rauenthaler.. 1.60 1900 Neustädter Kies.. 1.60 1902 Deidesheimer Schloss 2.40 Original-Abfüllung F. F. Buhl, Deidesheim 1900 Wachenheim. Altenberg 2,70 Creseenz des Pfarrgutes in Wachenheim Bordeauxwein 1901 Pauillac 1902 St. Cibard Lussac 1902 Crü Privera 1900 Blanquefort 1900 Grand Poujeaux 1900 St. Emilion 1er Crü 190DOhät. Beychevelle St. Julien 1.70 Mk. t. Citran grandvin 1.90 Mk. ■/< FI. 80 pf- » 95 pf. » 1 Mit 1.20 Mk. ,, 1.40 Mk. » 1.50 Mk. HauMm'AMiFonMA t£eipziüer Ft'mzze 7S-J6 amßönfiofflpiaiz EröffnuiH In den nldisten Twen. -rSS»' Nr. 56. 28. Jahrgang. 2. StÜM dts.Awiirls" Kttlim Wksdliv. .«- putellag der ssDldmokrMchen Partei Kaynas. Schweinfurt, 5. März 1906. Zweiter Verhandlungstag. Nach vielstündiger Beratung hat der Parteitag die durch die Beschlüsse in Jena notwendig gewordene Aenderung des Organisationsstatuts für die sozialdemokratische Partei in Bayern einer Revision unterzogen. Während alle anderen Paragraphen in dem vom Landesvorstand vorgelegten Entwurf ziemlich glatt erledigt wurden, kosteten die Paragraphen, die die Beitragsleistung bestimmen, heftige Kämpfe. Im Entwurf des Landesvorstandes waren 10 Pf. Grund- beitrag vorgesehen, mit einem entsprechenden lokalen Zuschlag; die verschiedenen Parteivereine dagegen wollten den Grundbeiwag, der für die Beitragsleistung nach Berlin in Betracht kommt bezw. mah- gebend ist, auf 20 Pf. bezw. 2S Pf. pro Monat festgesetzt wissen. Schließlich wurde beschlossen, den Grundbeitrag aus 15 Pf. pro Monat festzusetzen; 3 Pf.<20 Prozent) davon sind für den Haupt- vorstand in Berlin, 2 Pf. für den Landesvorstand in Bayern, 5 Pf. für die Gauorganisation und die übrigen 5 Pf. für die lokale Agitation bestimmt, wozu auch noch ein Lokalzuschlag von mindestens 5 Pf. pro Monat erhoben werden soll. Das neue Organisations- statut tritt am 1. Juli in Kraft. Nach Erstattung des Berichts über die Tätigkeit der sozialdemo- kratischen LandragSfraktion durch die Genossen S e g i tz und Adolf Müller zollte der Parteitag der Fraktion für die von zwölf Fraktionsgenosten geleistete Riesenarbeit volle Anerkennung und gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Fraktion in allen Fragen, die im Landtage zur Beratung standen, eine den Grundsätzen und Forderungen der Sozialdemokratie völlig entsprechende Haltung ein- genommen hat. Ferner referierte Genoste Segitz über die LandtagSwahlen. die voraussichtlich im Mai nächsten Jahres stattfinden, nachdem der jetzige Landtag nach Schaffung eines neuen Wahlgesetzes aufgelöst ivird. Die Wahlen finden bei relativer Mehrheit statt. Der Parteitag nahm einstimmig folgende Resolution an: Das nach langen Kämpfen errungene direkte Wahlrecht er- möglicht es der Sozialdemokratie in Bayern endlich, die Stimmen ihrer Anhänger genau zu zählen. Daraus ergibt sich von selbst die Notwendigkeit folgender Taktik: die sozialdemokratische Partei Bayerns tritt mit voller Selb st ändigkeit ohne jede Fühlung oder Verbindung mit anderen Parteien in den Wahlkampf ein. Der Schweinfurter Parteitag erklärt es für selbstverständlich, daß diese Taktik von den Parteigenossen allerwärts unbedingt eingehalten wird und daß jedem Verstoß mit allen der Partei zur Verfügung stehenden Mtteln entgegengetreten werden muß. Ferner beschloß der Parteitag, eine Anzahl der im Landtags- wahlproaramm aufgestellten Forderungen zu streichen, nachdem dieselben durch die Aenderung des Wahlgesetzes und durch andere Erfolge lvirtschaftlicher Natur uslv. nun erfüllt sind. Der nächste Parteitag wird sich mit einer umfassenden Aenderung des Landtagswahl-Programms überhaupt befassen. Nachdem der LandeSvorstand bisher seinen Sitz in München hatte und bei Besetzung desselben der Landtagsfraktion ein teilweises Monopol eingeräumt war, hat der Parteitag beschlossen, in Zukunft die Mitglieder und den Sitz deö Landesvorstandes selbst zu be- stimmen. Genosse Timm- München hatte den Parteitag ae- beten, den Sitz des Vorstandes und die Besetzung desselben durch Münchener Genossen zu belassen, da nicht alle Münchener Genossen„versumpft" seien.(Große Heiterkeit.) Der nächste Parteitag für Bayern findet in München statt. Genosse v. Vollmar betonte am Ende, ob MeinungS- Verschiedenheiten vorhanden waren, die die Gemüter erhitzten, man doch in voller Einigkeit neu an das Werk gehe, dem wir alle unser Leben gewidmet haben und schloß den Parteitag mit einem Hoch auf die bayerische und auf die deutsche Sozialdemokratie. Hiis der frauenbewegung. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag. den 12. März, findet eine W a n d e r Versammlung des Vereins statt und zwar abends 8Vz Uhr in den Berolina-Sälen, Schönhauser Allee 23. Das Referat über„Kinderarbeit" hat Ottilie Baader über- nommen. Der Vorstand. Der Frauen- und Mädchen-Bildungsverein von Borsigwalde und llmgegend feierte am Sonnabend, den 3. März, in Tegel in Trapps Festsälen sein erstes Stiftungsfest. Freunde und Gönner des Vereins ivaren so zahlreich erschienen, daß der große Saal die Massen kaum aufnehmen konnte. Die Feier wurde eingeleitet mit dem Liebe„Krönt den Tag", gesungen von dem Männergesangverein „Waldchor" aus Borsigwalde unter persönlicher Lcittmg des Dirigenten Herrn Bramann. Alsdann erfreute das Vorstandsmitglied Frau Fubel durch Vortrag eines Festprologs. Dann folgten noch verschiedene Chorgesänge, Solos und Quartetts. Ein Mandolinen- quartctt, vorgetragen von Freunden des Vereins, fand allgemeinen Beifall. Eine GesangSaufführung von einem Frauenchor(Mitglieder des Vereins) wurde ebenfalls mit großein Beifall aufgenommen. Die schönste Ueberraschung war ein Reigenfahren, ausgeführt vom Rad- fahrerverein„Einigkeit" aus Borsigwalde. Auf ihren schön ausgeputzten Rädern, einem Gespanne gleich, mit langen Bändern verbunden, durch- fuhren die Radler den Saal, einer der Mitwirkenden trug ein Banner mit der Inschrift:„Strebe vorwärts, Frauenverein Tegel und Um- gegend." Auch die LachmuSkeln kamen in Bewegung. Ein heiteres GesangS-Duett(Frau Hiller und Frau Schiller) fand stürmischen Applaus. Das Programm, erster Teil, lvar erschöpft, die Tanz- lustigen wurden Herrscher im Reiche und herrschten bis in die Morgenstunde hinein. Alles verlief in schönster Ordnung und ist tvohl ein jeder Teilnehmer mit dem Festarrangement zufrieden- gestellt worden. Der starke Besuch des Festes hat' gezeigt, daß noch viele Freunde des Vereins vorhanden sind, die noch Mitglieder werden können. An sie ergeht die Aufforderung, die Mitgliedschaft des Vereins zu erwerben und in Bekanntenkreisen fleißig neue Mit- glieder zu werben. Die Vereinsversammlungen werden im„Vor- wärts" unter Frauenbewegung bekannt gemacht. Dieselben finden aller 14 Tage Mittwochs abwechseld in Borsigwalde und Tegel statt. In jeder Versammlung werden neue Mitglieder aufgenommen. Der Vorstand._ Versammlungen. Erster Wahlkreis. Die gut besuchte Versammlung tagte in den„Arminhallen". Die 15 Paragraphen des Statuts des Sozialdemokratischen Kreis-Wahlbcreins wurden ohne Debatte unverändert angenommen. Bei der Beratung der „Ausführungs-Bestinrmungen" entspann sich eine lebhafte Dis- kusston, doch wurden schließlich auch diese Bestimmungen einstimmig ohne Abänderung akzeptiert. Nunmehr brachte Genosse Pcterburs eine Resolution ein, die sich gegen den Boykott der Philharmonie ausspricht. Er begründete dieselbe damit, daß der Boykott trotz des langen Bestehens irgend welchen praktischen Erfolg nicht gezeitigt hat und durch sein Fortbestehen die Arbeiterschaft nur schadige, indem er sie verhindere, einem wirklich künstlerischen Konzert beizuwohnen. — Demgegenüber wurde von verschiedenen Rednern ausgeführt, daß den Arbeitern in Berlin genügend Säle zur Verfügung stehen, die auch ein in künstlerischer Beziehung lvcrtvolles Konzert zu arrangieren ermöglichen. Ter Wirt der Philharmonie habe seine Räumlichkeiten wiederholt anderen Parteien zur Verfügung ge- stellt, wahrend er es unserer Partei stets verweigert habe. Das fei auch schon der Fall gewesen, bevor die Philharmonie zum Kunst- institut rimgebaut war. Genosse Weihnacht stellte den Antrag auf Ueberweisung der Angelegenheit an den Vorstand. Dieser Antrag wurde angenommen. Genosse Davidsohn referierte hierauf über Moritz Hart- manns„Reimchronik des Pfaffen Mauritius". Der Vorsitzende W o l d e r s k i wies auf die am 11. d. M. stattfindende Urania-Vorstellung hin und schloß die Versammlung mit der dringenden RSahnung: die Mitglieder möchten sich und die anderen, Genossen zur Pünktlichkeit erziehen, damit in Zukunft die Versammlungen prinzipiell um Uhr eröffnet werden könnten. 2. Wahlkreis. In der gut besuchten Generalversammlung, die am 6. d. M. im Hofjägerpalast. Hasenheide 52/53, tagte, hielt Ge- nosse Ströbel einen beifällig ausgenogrmenen Vortrag über: „Weltpolitik". Referent wies ziffernmäßig nach, daß die UN- geheuren Kosten derselben, die Ausgaben für den Chinafeldzug, die Kolonien und Kolonialkriege usw. in gar keinem Verhältnisse zu den Erträgen stehe, die selbst nach Ansicht der Kolonialenthusiasten jemals aus den Kolonien zu erwarten seien. Auch die stetig zu- nehmenden Kosten der Flotte sind durch die Weltpolitik bedingt. Die Flotte diene nicht dem Schutze des Handels, da neun Zehntel unserer Ausfuhr nach europäischen Ländern und den Veremigten Staaten von Nordamerika gehe. Redner ging dann auf den Marokko-Konflikt ein, den englisch-französischen Marokkovertrag, die Kaiserreise nach Tanger und die dadurch hervorgerufene Beun- ruhigung in Frankreich. Als Ergebnis der jetzt tagenden Marokko- Konferenz bezeichnet er allgemeines Mißtrauen gegen Deutschland. Es sei Pflicht des Proletariats, auch in der Weltpolitik mitzu- sprechen, dafür zu sorgen, daß die Weltpolitik nicht mehr allein in der Wilhelmstraße, sondern trotz Bülow„in der Hasen- Heide" gemacht werde. Bei der Beratung des allen Berliner Wahlkreisen gemeinsamen Statuts wurden die§§ 1— 4 unverändert angenommen; zu § 5 Absatz 1 wurde eine redaktionelle Aenderung beschlossen. Bei Beratung des§ 6 Absatz 2 entspann sich eine längere Debatte, an der sich Ohler, Vogelfang, Molse, Lindenblatt, Rcimann, Hensel, Rickert, Gudrian und Lewinson beteiligten. Beschlossen wurde, die Mitglieder zu verpflichten, sich den auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Gewerkschaftsorganisationen anzu schließen. Die§Z 7— 15 wurden unverändert angenommen, ebenso das ganze Statut mit den beschlossenen Abänderungen. Der Qrganisationsplan für den 2. Kreis und die Geschäftsordnung wurden en bloc angenommen. Ferner wurde beschlossen, den Bezirksführern(bezw. den Bezirken) und sonstigen Funktionären aus Vereinskosten die„Neue Zeit" zu tiefern. Gegen die Mitglieder Adolf Herzog und Hugo Schneider wurde die Einleitung des Verfahrens auf Ausschluß aus der Partei beschlossen. Der Schriftsteller Georg Bernhard ist wegen längeren Restierens in der Mitgliederliste gestrichen. Bei der Abstimmung über den Philharm onie-Boykott haben sich von 138 Be- zirken des 2. Kreises 116 für, v gegen Aufrechterhaltung des Boykotts ausgesprochen; von 10 Bezirken ist kein Resultat ein- gegangen, 3 Bezirke haben sich für Ausdehnung des Boykotts auf den persönlichen Verkehr erklärt. Die Versammlung de? sozialdemokratischen Wahlvereins für den dritten Wahlkreis tagte am Dienstag im großen Saal des Gewerkschaftshauses. Das Normalstatut für die acht Kreiswahl vereine von Groß-Berlin wurde mit einer unerheblichen Aenderung angenommen. Von den dann beratenen Ausführungsbestimmungen für den„Sozialdemokratischen Wahlverein des 3. Berliner Reichs- tagswahlkreifcs", welcher Name für den Verein festgestellt wurde, führte zu einer eigentlichen Debatte, namentlich der§ 6. Als Ab satz 1 dieses Paragraphen war vorgeschlagen:„Als Vereins- funktionäre können nur Mitglieder gewählt werden, welche wenig stens 1 Jahr einer sozialdemokratischen Organisation angehören". Nach lebhafter Erörterung eines bezüglichen Zusatzantrages wurde der Absatz dahin geändert, daß die betreffenden Mitglieder wenig- stens ein Jahr einer sozialdemokratischen Organisation und, soweit es ihnen möglich ist, einer gewerkschaftlichen Organisation angehören müssen.— Nach§ 14 mutz der Vorstand wenigstens alle drei Monate eine Besprechung sämtlicher Bezirksführer und Vereins funktionäre des Kreises einberufen, um hier alle neu eingelaufenen Anträge, sowie seine Maßnahmen zu unterbreiten. Hierzu wurde aus der Versammlung beantragt, die Teilnehmer an diesen Zu sammenkünfteu an die dort gefaßten Beschlüsse nur bis zum B e ginn der Generalversammlung, in der die Angelegenheiten zur Sprache kommen, zu binden.— Der Antrag wurde abgelehnt. Die übrigen Bestimmungen wurden ohne Debatte nach den vorliegenden Vorschlägen angenommen.. Darauf erledigte man einige Ausschlutzangelegenheiten. Ge- nosse Gehrmann stellt und begründet folgende Resolution: „Die Versammlung bedauert auf das lebhafteste die schwache Besetzung der sozialdemokratischen, Reicbstagsfraktion anläßlich der Borussia-Jnterpellation, durch die eine sofortige Be- sprechuug unmöglich wurde. Die Versammelten erwarten, daß bei späteren Interpellationen unsere Fraktion so vertreten sein wird. daß ein ähnliches Vorkommnis ausgeschlossen bleibt." Der Redner bezeichnet den bekannten Vorgang als einen Schlag ins Gesicht unserer Agiiationsarbeit, wie er dieser gröblicher nicht versetzt werden konnte. Die Genossen, die die ganze Agitations- arbeit machten, müßten von denen, welche die höchsten Parteiämter übertragen bekämen, verlangen, daß sie ihre Aufträge auch durch führten. Dagegen hätten sich hier die meisten Fraktionsmitglieder uud leider auch der Abgeordnete des dritten Kreises vergangen. Reichstagsabgeordneter Heine bittet ebenfalls, den Antrag anzunehmen. Er sei ihm durchaus sympatisch, wenn auch er ge- stehen müsse, sich ebenfalls jenes Vergehens schuldig gemacht zu haben, uldcm er infolge eines Gerichtstermins trotz Zuhülfenahme einer Droschke 10 Minuten zu spät gekommen sei. Wenn auch hervorgerufen durch ein Zusammentreffen unglücklicher Zufälle, sei doch das Vorkommnis peinlich und beschämend getvesen. Redner schildert die Gepflogenheiten im Reichstag, aus denen die meisten Fraktionsmitglicder geschlossen hätten, die Regierung würde sich in diesem Falle gleich zur Beantwortung bereit finden und so die Besprechung ohne weiteres ermöglichen, so daß die Abgeordneten etwas später auch noch zurccht gekommen wären. Mit der Ab, lehnung der Beantwortung habe niemand gerechnet, auch der Fraktionsvorstand nicht. Immerhin handele es sich um einen Fehler, der nicht wieder vorkommen werde bei der Fraktion, bei ihm ge- wiß nicht. Nachdem noch Hcilmann und B. Maaß kurz zu der Sache gesprochen hatten, wurde die Resolution Geyrmcrnn angenommen. Vierter Wahlkreis. In der Generalversammlung des Wahl- Vereins, die Kellers großen Saal füllte, gaben zunächst die V e r- trauens männer ihre Kassenberichte, die sich auf die Zeit vom 15. November 1904 bis zum 31. Dezember 1905 erstreckten. Genosse I ö ch e l vom Südosten des Wahlkreises hatte samt dem alten Bestand von 3230.50 M. 36 007,54 M. Einnahmen zu verzeichnen. denen die gleiche Ausgabensumme gegenübersteht. Dom Partcivorstand wurden 26 500 M., der Agitationskommission 2523,14 Mark überwiesen. An außerordentlichen Einnahmen und Ausgabe» waren noch zu verzeichnen auf den Listen zum Bergarbeitcrstreik 8000 M. und für die Opfer des russischen Freiheitskampfes 9785.75 Mark, so daß die Gesamtsumme der Einnahmen und Ausgaben 53 793,30 M. beträgt. Genosse Franke vom Osten des Kreises hatte samt dem alten Bestand von 818.03 M. 65 932,59 M. Einnahmen zu verzeichnen und 65 279,96 M. Ausgaben. Der Uebcr- schuß von 652,63 M. ist dem Kassierer des einheitlichen Wahlvereins für den vierten Wahlkreis überwiesen worden. Unter den Ausgaben sind 29 500 M., die dem Parteivorstand, 1125 M., die der Agitations- kommission und 839,60 M.. die den ländlichen Kreisen überwiesen wurden. Die Generalversammlung erteilte beiden Vertrauens- männern einstimmig Decharge. Hierauf folgte die Beratung des Statuts, die durch den Genossen Mann eingeleitet- wurde, der die Aendcrungen, die der Entwurf den alten Statuten gegenüber aufweist, kurz be- gründete. Zum Paragraphen 3 des Entwurfs äußerte Eugen B r ü ck n e r den Wunsch, es möge ausdrücklich bestimmt werden, daß die Wahlen zu Vcrtraucnsämtern der Partei, besonders die der Delegierten zu den Parteitagen, in den Generalversammlungen dcS Wahlvereins erfolgen sollen. Der Paragraph wurde jedoch in der vorgeschlagenen Fassung angenommen, nachdem die Genossen Jentsch, Mann und Hoffmann erklärt hatten, daß eine solche Bestimmung überflüssig sei, da ja schon das Organisationsstatut der Partei be- stimme, daß alle Angelegenheiten der Partei in den Wahlvereinen geregelt werden, und außerdem der Vorstand und Aktionsausschuß einstimmig die Ansicht geäußert hätten, daß diese Wahlen nur in den Generalversammlungen der Vereine stattfinden sollen. Eine längere Debatte entspann sich auch über die Bestimmung im Para- graphcn 6, daß es den Mitgliedern zur Pflicht gemacht wird, sich „nach Möglichkeit" der gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen. Hierzu wurde beantragt, die Worte„nach Möglichkeit" zu streichen. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt und auch dieser Paragraph wurde in der vorgeschlagenen Fassung gut geheißen. Eine Aen- derung wurde nur zum Paragraphen 10 beschlossen, der von den Kassenrevisoren handelt. Hier wurde auf Antrag Eugen Brückners der Satz eingefügt:„Außerdem sind die Revisoren verpflichtet, mindestens halbjährlich einmal eine außerordentliche Revision vor- zunehmen." Im übrigen wurde der Entwurf unverändert an- genommen, nachdem ein Zusatzantrag zum Paragraphen 11, zu be- stimmen, daß Mitgliedern: die länger als 4 Wochen krank oder arbeitslos sind, der„Vorwärts" unentgeltlich geliefert werde, durch die Mitteilung des Genossen Hoffmann, daß laut Beschluß des Vorstandes des Verbandes, Genossen, die mindestens 3 Jahre einem Wahlverein angehören und länger als 3 Monate krank oder arbcits- los sind, den„Vorwärts" unentgeltlich erhalten, hinfällig geworden war. Die Ausführungsbestimmungen wurden ohne Aenderungen, die Geschäftsordnung mit einer kleinen Aenderung angenommen. Die Generalversammlung befaßte sich sodann mit einem An- trag des Vorstandes, gegen ein Mitglied das Verfahren nach Para- graph 27 des Organisationsstatuts einzuleiten. Der Antrag wurde angenommen. Ein Antrag des Genossen Grubert, der Besuch der Philharmonie möge bei Konzerten, die von Vereinen zu Volks- tümlichen Preisen veranstaltet werden, freigegeben werden, wurde der vorgeschrittenen Zeit wegen auf eine demnächst stattfindende außerordentliche Generalversammlung vertagt. Fünfter Wahlkreis. Der sozialdemokratische Wahlverein hielt am Dienstag im„Alten Schützenhauö" seine Generalverscunmlung ab. Nach Aufnahme von 45 neuen Mitgliedern wurde in die Be- ratung der Entwürfe des Kreis» Normal st atuts und der für den 5. Wahlkreis maßgebenden Ausführungsbestimmungen dazu eingetreten. In der Diskussion gingen die Meinungen besonders darüber auseinander, ob es nicht angebracht erscheine, den Mit- gliedern der politischen Organisation statutarisch die direkte Pflicht zum Abonnement auf den?„Vorwärts" aufzuerlegen. Schließlich aber gewann die Ueberzeugung Oberhand, daß eine solche Bestimmung vorläufig noch nicht durchführbar sei. Mit Be- friedigung äußerten sich die meisten Redner dann über den Passus, der eine zweijährige Zugehörigkeit zur politischen und gewerkschaft- lichen Organisation für Vorstandsmitglieder vorsieht. Neu ein- gefügt wurde in die Ausführungsbestimmungen nur der Zusatz, daß den Revisoren bei den Vorstandssitzungen nicht beschließende, sondern nur beratende Stimme eingeräumt werden soll. Mit dieser Ab- änderung wurden beide Statutencntwürfe fast einstimmig angenommen. Im Verschiedenen entspann sich eine Debatte über den Wert oder Unwert sozialdemokratischer Diskutier- klubs. Wels bemängelte, daß der Diskutierklub„Vorwärts" sich bei seinen Mitgliederlverbungen den Anstrich einer gewisser- maßen offiziellen Parteiorganisation zu geben suche, weil in einem Einladungszettel desselben betont werde, der Klub sei„in Anlehnung a» die bestehende Organisation" für den 5. Kreis gegründet worden. Eine derartige Fassung könne leicht verwirrend auf die Partei- genossen wirken. Es müsse unbedingt daran festgehalten werden, daß nur der Wahlverein als einzige bestehende Parteiorganisatiou in Frage»kommen könne. Im übrigen seien die Diskuticrklubs nur von sehr problematischem Wert. Sie fördern die Zersplittc- rung und lenken die Genossen von der politischen und gewerkschaft- lichen Kleinarbeit ab. In bezug auf Verbreitung und Vertiefung von Bildung aber seien sie auch leistungsunfähig. Was der Ar- beiter-Bildungsschule schon schwer falle, das müsse den Diskutier- klubs bei ihren geringen Mitteln erst recht schwer fallen. Deshalb könne er die Wissenschaft, die in den Diskutierklubs gelehrt werde, auch nur als Aftcrloisscnschaft bezeichnen. Damit den Wahlvereins- Mitgliedern hinlänglich Gelegenheit zum Diskutieren geboten werde, dafür seien ja die Zahlabende eingerichtet worden. Wer sich bilden wolle, der brauche nur ernsthaft in den Partei- und Gcwerkschafts- orgauisatiouen mitzuarbeiten. Wenn er dann noch Zeit übrig habe, so stehe es ihm jederzeit frei, der Arbeiter-Bildungsschule beizu- treten. Das sei jedenfalls besser, als seine Zeit in einem-Diskutier- llub hinzubringen.' Zucht schloß sich diesen Ausführungen im lvescntlichen an und rügte es, daß von dem Leiter des Klubs„Vorwärts" die Mit- gliederlisten des Wahlvereins zur Werbung von 5tlubmitgliedcru benutzt worden seien.— Weise, als Leiter des Klubs, verivahrtc sich gegen den von Zucht erhobenen Borwurf und hob die Nützlich- keit der Diskutierklubs im allgemeinen hervor. An lehrreiche» Vorträgen werde im Wcchlverein zu wenig gebotest, und die Zahl- abende könnten dem Bildungsbedürfnis durchaus nicht genügen. R e g g e verlangte hierauf, daß der Lorstand mehr zur Bildung der Mitglieder im Wahlverein und auf den Zahlabenden tun solle; dann würden sich auch die Diskutierklubs als überflüssig erweisen, wofür er solche auch halte. Licpmann und Zucht erklärten dazu im Rainen des Vorstandes, daß dieser dem Wunsche ReggcS nach Möglichkeit Rechnung tragen lverde. Damit war die Tages- ordiiung erledigt. Sechster Wahlkreis. Im Moabiter Gesellschaftshaus sprach Genosse Molkenbuhr am Dienstag über das Thema:„Staats- künstlerpraktiken im Klassenstaat." Der Redner unterzog die Staats- mäuner und ihre Kunst, vor der mancher im Volke einen so großen Respekt hat, einer scharfen Kritik. Die Staatskünstler sind die Ver- tcidigcr des Bestehenden, die im Dienste des Klassenstaates alle Künste aufwenden, den Kulturfortschritt zu hemmen. Dieser Älassenstaat ist begründet auf schrankenlose Ausbeutung des Arbeiters. Alle Pflichten und Lasten des Staates dem Armen zum größten Teil aufzubürden, darin versuchen sich die StaatSkünstlcr nach Kräften. Sie bekämpfen die freie Meinungsäußerung, weil sie die Kritik und das erwachende Selbstbewußtsein der Unterdrückten fürchten. Je mehr Rechte der Arbeiter sich erwirbt, desto selbst- bewußter wird er, und sein Selbstbewußtsein ist Klasscnbeioutztsein. Die Staatskünstler versuchen, die Arbeiter aus der Gesetzgebung fernzuhalten. Im Klassenintercsse handeln sie mit den verwerf- lichsten Mitteln, um die Arbeiterbewegung zu bekämpfen. Der Redner streifte hierbei den neuesten Skandal der politischen Polizei in Berlin, und die Versammlung gab ihrer Entrüstung lauten Ausdruck. Im weiteren Verlaufe der Rede wurde dann die aus- wärtige Politik der deutschen Staatskünstlcr ins rechte Licht gerückt. Die deutsche Arbeiterklasse versteht die Zeit, in der sie lebt und hat ich zu einem mächtigen politischen Faktor entwickelt. Die Gegen- sätze verschärfen sich immer mehr, die Organisation der Arbeiter IBM«ichttger und immer besser ausgebildet und die Fort- cntwickelung der Verhältnisse wird den Bankerott der Staats- künstler herbeiführen.— Dem Vortrage folgte keine Diskussion, und die Versammlung ging zum 2. Punkt der Tagesordnung, Statutenberatung, über. Das Statut des Sozialdemokratischen Kreis-Wahlbereins fand die Zustimmung der Versammlung, nur im Z 11 wurde die Aenderung vorgenommen, daß jedes Mitglied die Pflicht habe, den „Vorwärts" zu abonnieren und für möglichste Verbreitung Sorge zu tragen. Zu den Jlusführungsbestimmungen wurden drei kleine Aenderungen als Material an den Vorstand überwiesen. Die Angestellten der städtischen Badeanstalten versammelten sich am Sonntag bei Voigt. Ritterstraße 75. Dr. Friedeberg hielt einen Vortrag über:„Das Herz und seine Funktionen". Das Thema, das im Anschluß an den Unglücksfall in der Bärwaldstraße gewählt wurde, fand im vollsten Maße die Zustimmung der Ver- sammelten. Redner führte aus. daß es zwei Möglichkeiten gebe, die den Tod im Wasser herbeiführen können. Entweder trete ein Stillstand des Herzens, also ein Herzschlag ein, oder eine Er- schlafsung der Herznerven, die dann naturgemäß den Tod durch Erstickung herbeiführen müssen. Wenn die letzte Möglichkeit ein- trete, so wäre eventuell ein derartiger Fall durch eine bessere Beaufsichtigung des Schwimmbassins zu vermeiden. Alsdann wurden die Mitglieder des Arbeiterausschusses beauftragt, eine Sitzung bei der Deputation mit folgender Tagesordnung zu be- antragen: 1. Neuregelung des Dienstes und der Dienstzeit. 2. Regelung der freien Tage. 3. Behandlung der Angestellten. Zu den einzelnen Tagesordnungspunkten wurden nachstehende An- träge gestellt. Die Dienstzeit der Angestellten beträgt täglich zehn Stunden exklusive Mittagspause. Alle Arbeiten, die nicht zu dem Dienste eines Badewärters resp. einer Wärterin gehören, kommen in Fortfall. Als da sind: Malerarbeiten, Kesselhausarbeiten, Filterreinigen. Schneefegen, Dienst in der Wäscherei. Für die Reinigung des Schwimmbassins wird nach Muster der Charlotten- burger Anstalt besonderes Personal gestellt. Der halbe Tag für die AuShülfsfrauen darf 5 Stunden nicht überschreiten. Am ersten und zweiten Feiertag der drei hohen Feste bleiben die Anstalten geschlossen. An den Sonntagen wird die Kasse vormittags um 10 Uhr geschlossen. Eine größere Reinung der Stationen an den Sonntagen nach Beendigung der Badezeit findet nicht statt. Der Arbeitswechsel der Badewärter und-Wärterinnen findet auss den einzelnen Stationen monatlich statt. In jeder Woche erhält jeder Angestellte einen vollen freien Tag. Die Behandlung der Ange- stellten seitens der Vorgesetzten hat in sachlicher und ruhiger Weise zu geschehen. Das Zurechtweisen ist im Beisein von Badegästen zu unterlassen. Diesbezügliche Zurechtweisungen resp. Verneh- mungen haben im Amtszimmer stattzufinden. Nach eingehender Diskussion wurden die Anträge einstimmig von der Versammlung angenommen,_ Gerichts Leitung. Verführung eines unbescholtenen Mädchens unter 16 Jahren be- droht Z 182 des Strafgesetzbuches mit Gesängnis von 1 Tage bis zu 1 Jahre, wenn die Eltern oder der Vormund Strafantrag stellen. Selten wird von diesem Antragsrecht Gebrauch gemacht. Eine Ausnahme beschäftigte gestern die erste Strafkammer des Land- gerichts I. Der Angeklagte, Buchhalter Georg Gutscher, war als Buchhalter bei einem Hauseigentümer und Fuhrherrn beschäftigt und knüpfte mit der Tochter seines Brotherrn ein Liebesverhältnis an, das nicht ohne Folgen geblieben ist. Der Angeklagte behauptete, daß er der eigentlich Verführte sei. Sie sei ihm förmlich nachgelaufen und habe ihm fast täglich erzählt, daß sie von ihrer Mutter mißhandelt und gescholten würde und alles mögliche anstellen wolle, um aus dem elterlichen Hause zu kommen. Sie habe ihm auch gesagt, daß sie 17 Jahre und nicht mehr un- schuldig sei. Auf Grund der unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt- gefundenen Beweisaufnahm e> verurteilte, das Ge- r i ch t den Angeklagten zu sechs Monaten Gefängnis, wobei es berücksichtigte, daß das Mädchen dem Angeklagten aller- dingS sehr entgegengekommen sei.— Die ungeheuren Nachteile, die ein in der EntWickelung begriffenes Kind durch die Ausnutzung seiner Unerfahrenheit durch Verführung erleidet, rechtfertigen eine hohe Strafe. Ebenso ist mit Fug und Recht auf das Entgegen- kommen des Kindes Rücksicht nicht genommen. Denn eben die lln- erfahrenheit eines zum Entgegenkommen bereiten Mädchens wollte der Gesetzgeber schützen. Vorteilhaft sticht dies Urteil von jenen ab. in denen geringfügige Strafen oder gar Freisprechungen in Fällen ausgesprochen wurden, in denen Dienstmädchen verführt oder gar genotzüchtigt wurden. Freilich der gestern abgeurteilte Fall betraf die Tochter eines nicht unvermögenden Fuhrherrn. Eine Revokveraffäre, welche seinerzeit einiges Aufsehen erregte, lag gestern einer Anklage wegen Bedrohung zugrunde, die vor dem Schöffengericht I zur Verhandlung kam. Angeklagt war der frühere Phonographenfabrikant, jetzige Rentier Wilhelm Bahre.— Am Nachmittage des 22. August vorigen Jahres krachten aus der Mittel- Promenade der Bülowstraße plötzlich zwei Schüsse, denen gellende Hülferufe folgten. Als Passanten hinzueilten und einem älteren Herren die noch rauchende Waffe aus der Hand nahmen, während andere sich um eine ansckelnend unverletzt gebliebene und nur ohnmächtig gewordene Dame bemühten, erkannte man bald, daß es sich um den Abschluß eiyer Liebesgeschichte handelte. Es war der Angeklagte, der auf seine frühere Verkäuferin, ein Fräulein Anna V., geschossen hatte. Mit dem Fräulein unterhielt der Angeklagte früher ein Liebesverhältnis. Er brach es ab, fürchtete sich von da ab aber vor Verfolgungen. Zu seinem Schutze trug B. einen sünfzig Pfund schweren, aus Stahlplattcn zusammengesetzten Panzer unter der Kleidung, auch führte er stets zwei scharf geladene Zentralfeuerrevolver bei sich. Am 22. August will der Angeklagte, wie er vor Gericht be- hauptete, die V. zufällig in der Bülowstraße getroffen haben. Als sie ihn gesehen habe, habe er sich durch eine verdächtige Bewegung ihrerseits veranlaßt gefühlt, seinen Revolver zu ziehen und zwei Schüsse in die Luft abzugeben, um die V. von einem etwaigen An- griff zurückzuschrecken. Irgend eine Verletzung der V. habe er keinesfalls beabsichtigt.— Bald nach der Tat wurde Bahn unter dem Verdacht des versuchten Mordes verhaftet, jedoch nach kurzer Zeit wieder entlassen, da die V. selbst nicht angeben konnte, daß B. auf sie geschossen habe. Es wurde deshalb nur Anklage wegen Bedrohung erhoben. Dr. Stürmer bezeichnete den Angeklagten als eineu durch verschiedene Borgänge völlig nervösen Mann. Das Gericht nahm deshalb von einer Freiheitsstrafe Abstand und erkannte auf 300 M. Geldstrafe eventuell 60 Tage Gefängnis. Vermischtes. Der Panamakanal soll ein Schleusenkanal werden, wie der Präsident Roosevelt in einer Botschaft an den Kongreß befürwortet. Der höchste Wasserspiegel des Kanals würde sich 85 Fuß über dem Meeresspiegel erheben. Die Kosten werden auf 140 Millionen Dollar berechnet und in 8l/2 Jahren könnte der Kanal vollendet sein. Bei einem Niveaukanal, der aüs der Landenge von Panama eine Meerenge machen würde, sollen die Kosten 250 Millionen Dollar betragen und der Kanal würde vielleicht erst in 20 Jahren fertig sein. Der Rat der Sachverständigen, der sich mit dieser Frage eingehend beschäftigte, hatte sich für einen Niveaukanal entschieden. Alle europäischen Fachmänner in diesem Rat waren gegen den Schleuseuknnal, weil ein Werk, für die Jahrtansende gebaut, nicht Stückwerk sein dürfte. Die Amerikaner hatten sich dem Wunsche Roosevelts und des Kriegssekretärs Taft gefügt, da u. a. auch militärische Erwägungen mitsprechen sollten. Mörder und Räuber gibt es in Chicago mehr als in irgend einer anderen Stadt der Vereinigten Staaten, vielleicht der ganzen Welt. Nach der„Chicago Tribüne" wurden im Januar und Februar d. I. 22 Mordtaten, 840 Einbrüche und 210 Raubanfälle bei der Polizei angemeldet. Nach Chicago kommt New Dork mit 18 Mordtaten, 400 Einbrüchen und 216 Raubanfällen während der« selben Zeit. Verband der Friseurgehulfen Deutschlands, Zweigvereln Berlin. Donnerstag, den 8. März er., abends g'/. Uhr, Rosenthalerstraße 11/12: Versammlung. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. Am 9. März d. I. abends Sll2 Uhr spricht Herr Reichstagsabgeordneter Dr. Südeluni vor dem sozialwissenschastlichen Verein zu Berlin, Königsälc, Bülowstr. 37/40, über:»Die Gemeinde und ihre Arbeiter". Eingegangene Druchsdrnften. Die„Neue Gesellschaft". Sozialistische Wochenschrist. Hest 10. terausgeber: Dr. Heinrich Braun und Lilh Braun. Einzeihest 10 Pf., pro ierteljahr 1,20 M.— Verlag der„Neuen Gesellschaft", Berlin W. 15. Monatsschrift für christliche Sozialreform. Durch die Post und den Buchhandel sowie direkt durch den Verlag. Adresse sür Deutschland und Oesterreich: Bähler u. Drexler, Lottstetten, Amt Waldshut, Baden. Zu be- ziehen halbjährlich 3,20 M. Einzelheit 80 Pf. Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik. Neue Folge des Archivs für soziale Gesetzgebung und Statistik. Herausgeber: Pros. W. Sombart, Pros. M. Weber und E. Jafss. 12. Band. 1. Hest. Preis geh. 1,60 M. Verlag I. C. B. Mohr(Paul Siebeck) Tübingen. „DIrv National Review"(März-Nummer) enthält u. a.:»Die Trade-Unions und das Gesetz" von Prof. W. I. Ashlep. Thomas Carlyle, Die französische Revolution. Neue illustrierte AuS- gäbe. Herausgegeben von Theodor Rehtwisch. Mit fast 500 szenischen Bildern, Porträts, Karikaturen, Handschristen usw. nach zeitgenössischen Vor« lagen. Erscheint in 40 Lieferungen, Lexikonsormat, a 50 Ps. Verlag von Georg Wigand in Leipzig. Soziale Medizin und Hygiene und Dr. K. Jafse. Monatlich ein Hest. Leopold Voß, Hamburg. P. Lic. Bahn. Die Münchener»Jugend" und die neue Moral. 16 Seiten. Preis 30 Ps. Verlag A. Dartsch, Berlin, Jorkstr. 90. Michael Proestler. Epochemachende Entdeckung l Die Lösung de? Problems der Preisbewegungen an den Produkten- und Effektenbörsen. 24 Seiten. Verlag: Kgl. Universitätsdruckerei, H. stürtz, Würzburg. Dr. Leon Zeitlin. Dr. Gottlieb Schnapper- Arndt, Vorträge und Zinssätze. 320 Seiten. Preis 6 M., geb. 7,50. Verlag, H. Lauppsche Buch- Handlung, Tübingen. Ma Do Aün. China. Erläuterungen. 87 Seiten. Verlag der „National-Zeitung", Berlin. W. Föllmer. Die deutschen Kolonien. Monatsschrift des deutsch- volllichcn Kolonialvercins. Preis jährlich 6 M. Einzelhest 60 Pf. Verlag W. Süsserott, Berlin W. 30. Dr. E. Kollcpp. Die Fettleibigkeit, ihre Entstehung, Verhütung und naturgemäße Behandlung. IM.— IZr med. Paczkowski. Reinigung, Aussrischung, Verjüngung des BlutcS durch Kräuter. 1,50 M. Verlag, Edm. Demme, Leipzig._ «SitternugSüberftcht vom 7. März 1906, morgens 8 Uhr. Nr. 3. Redigiert von Dr. M. Fürst Preis halbjährlich 8 M.— Verlag Ekaftonen o s S5 S— Wetter Swinemde. Hamburg Berlin l! l 764 W! 8 halb bd. 767 WSW 5 bedeckt 767 W Franks. a.M. 774 SW München>776 SW Wien >776 WSW 4 heiter 2wolkenl 4wolkciil 2 wölken! H& Skalione» Haparanda 737 N Petersburg 743 ZW Scilly 770 Z Zlberdeen Paris 756 ZW 773 ZSW Weiler » s ~ ä n i? 2 wölken!—12 2 wölken!—2 3 Nebel 10 4 bedeckt 10 2wolkenl 2 I I Wetter-Prognose für Donnerstag, de» 8. März 1906. Warm, jedoch vielsach wollig mit etwas Regen und lebhasten westlichen Winden. Berliner W e t t e r d u r e a u. Wasserstand am 6. März. Elbe bei Ausfig+ 2,08 Meter, bei Dresden— 0,76 Meter, bei Magdeburg-j- 3,19 Meter.— U n st r n t bei Straußstirt-j- 2,90 Meter.— Oder bei Ratibor+ 2,15 Meter, bei Breslau Oberpcgcl st- 5,04 Meter, bei Breslau Uuterpegcl— 0,28 Meter, bei Franksurt-j- 1,70 Meter.— Weichsel bei Brahcinünde + 3,84 Meier.— Warthe bei Posen-j- 1,54 Meter.— Netze bei Usch+ 1,40 Meter. LEIPZIGER 5TR ASS E- - ALEXANDERPLATZ Donnerstag, Freitag, Sonnabend— Soweit der Vorrat reicht Damen-Konfektion Oiirvi»v»mnlö-fnto �elgrau meliert, mit kleiner"j 750 uUmlllipdIClUlO Pellerine, gute waseerdicbte Ware I I D o I o+n+o für da9 Frühiahr 1 1 85 1 f\50 IQ50 1 ululülb aus Stoffen engl. Charakters,*/« lan8'1 10 10 25 50 aus gutem schwarzen Cheviot, gefüttert, hübsch besetzt 5 Dolofn+O aUB stoffen engl. Charakters, ganz auf I älclUIb Seide. Letzte Neuheit! Hochelegant fnssfrei, aus blauem Cheviot Q35("85£85 IxIclOcIlüuK und Stoffen engl. Charakters O Ü 0 Kostüme aus guten Stoffen, modernste Fagons aus gutem Tuch, moderne jackettfagon, |\OSlU m W Jackett auf Seide, schwarz und farbig Kleiderrock Dil ioon Hemdfatzon, aus gestreiften Wollstoffen, DIU bull modernste Fafjons u;« PI I..-__»u» guter Seide, elegentem gemnstertea J J 7c Em grosser iKlllQpn Bammet and P». WoUatoff, gefüttert and|| Posten U I U Ou II angefüttert. Weit anter regulärem Preis I I 375 485 675 Ein Posten Seidenblusen sä&ä 1550 1975 25°° Jetzt Rock au! Alpacca, 1450 1875 2850 3500 Damen-Hüte Garnierte Damenhüte(Saison-Neuheiten) goo 12°° 15°° 200°bis6000 Ungarmerte Damenhüte eiega-t. Forme- glattem 225 275 S�islO00 Bast, Rosshaar und Fantasie-Geflechten Der Grosse Seiden� und Kleiderstoff-Verkauf findet nur bis Sonnabend, den 10. Harz statt. Kleines. Lessing. Schiller flur vc» Inhalt der Inserate nbernimnit die Ncdaklion dem Vnblitnm gegenüber keinerlei Verantwortung. €hcatcr. Donnerstag, den 8. März. Ansang T'l, Uhr: cliernhans. Zar und Zimmermann. Schauspielhaus. Narziß. Deutsches. Der Gras von CharolaiS. Neues. Ein sommcrnachtstraum. Berliner. Onkel Wanja. Westen. Schützenliesel. Aniigone. Ansang 8 Uhr: Der Ruf des LedenZ. «. iWnllner-Theater.) Der Vogel im Käsig. Schiller Hi.(Friedrich Wilhelm- städtisches Tbealer). Ueber unsere Krast.(II Teil.) Komische Oper. HofsmannZ Er- Zählungen. Zentral. Der Vogelhändler. Slietropol. Aus ins Metropol. Walhalla. Heinrich Heine. Die Ballhails-Änna. Residenz. Der"rinzgemahl. Trtanon. Loulou. Carl Weis?. Die lebende Brücke aus Kuba. Lnstspielhaus. Der Weg zur Hölle. Thalia. Bis früh um Fünse. Luiien. Die lustigen Weiber von Winds or Dentsch-Nmerikanisches. Er und Ich. Kasino. Die Herren Söhne. Slpollo. Die Insel Tulipatan. Spezialitäten. Herrnfeld. Familienlag im Hause Prellstein. Kolies Caprice. Nach dem Zapsen- streich. Der Beheme. Wintergarten. Saharet:.Die Kaiserin der Sahara".— Spezialitäten. Belle-Alliance. Der grüne Teuset. Spezialitäten. Melchshallen. Stettiner Sänger. Paffage. Spezialitäten. Urania. Tanbenstrnste 48s4v. 8 Uhr: Am Gols von Neapel. 8 Uhr im Hörsaal: Dr. Thesing: Die Bakterien und ihr Leben. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57/82. Täglich geöftnet von l b!Z 7 Uhr. Berliner Theater. Abends?>/, Uhr: Gastspiel de» Kossiauee llllnetlerisodon liioatoes. Ontcel Wanja. Freitag: Nachtasyl. Sonnabend zum erstenmal: vrol Sciwosioni._ Neues Theater. Ansang 7,/j Uhr. Sin Sotntnernachtstranm. Freitag: liehesleute(Amants). Sonnabend, Sonntag: Lin LommernaeklZtraum. Nieines Theater. Zum erstenmal: .Antimons y>on Sophokles. Deutsch v. Äollmöller (drei Zlkte). Regie: Hans Oberländer. Ansang 7'/, Uhr. Freilag: llnilgone._ Zentral-Theater. (Operette.) 8 Uhr: Der Vogelhändler. Komische Oper. Abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Freitag: Don Pasquale. Sonnabend: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag nachm. 3 Uhr ermäßigte Preise: Hoffmanns Erzählungen. Abend? 8 Uhr: von Pasquale. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Die lustigen Weitier von Windsor. Freitag zum erstenmal: Die Hauben- lcrche. Sonnabend: Das Lumpengesindel. Sonntag nachm.: Gras Essex. Abends: Die Haubenlerche. Montag: Gras Essex._ Zum 76. Male: Deutsch- Amerikanisches THEATER. Jeden Abend 8 Uhr!! Gastspiel Ad. Philipp. Sonnt, nehm. 3 Unr, halbe Preise: Ueber'n großen Teich. Lustspielhaus. Allabendlich 8 Uhr: Der Weg\\\t Hölle. fPassags-ftieater im. h Ansang 8 Uhr. DaS neue Marz � Programm. | Antoinette Sohns Koloratursängerin. Geschwister Fiokatl, i Gesang und Tanz-Duo. 3 Frity, Schönhauer 3 mit scwen lustigen Geschichten. S,_-t- f Urania J, Abends 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Hörsaal 8 Uhr: Dr. Thesing: Die Bakterien und ihr Leben. Sternwarte Apollo-Tlieater. Täglich: Das große glänzende Speiinlifäfen-Nrogroinm und Jniel Tulipatan, Operette. Sonnabend, den 10. März er.: Zum ersten Male. Das bummelnde Berlin von Jacobson. Musik von Nelson. Sonntag nachm. 3 Uhr ermäßigte Preise- Berliner Luft und Spe- zialitnten. Metropol-Thealer Anf -1 Anfang 8 Uhr. «, Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen in all. Räumen gestattet. Walhalla Theater Keinrich Keine. Lustspiel in 3 Alien von A. MelS. Hieraus: Sie Ssittlsus-Anns. Posse m. Ges. i. 2 Ali. v. Daun u. Haskcl. Ans. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Residenz-Theater. Direktion: Richard Hieran der. Heute zum 129. Male, morgen und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwank in 3 Akten von L. Xanros und I. Chance!. Sonntag nachm. 3 Uhr: Eine Hoch- zeitsnacht. Carl Weiß-Theaier. Kr. Frankfurterstr. 132. Täglich abends 8 Uhr: Die lebende Brücke auf Kuba. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung(kleine Preise): Einmalige Ausführung: IHux und Moritz. Eine Bubengeschichte in 7 Streichen von W. Busch. V. Noartz Theater. Direktion: Roh. Dill. Bruiinenstr. 16. Große Extra-Borstellung. Aus vielsachen Wunsch: Der Hüttenbesitzer. Schauspiel in 4 Akten von E. Rieck. Ansang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Ball. Freitag: Im Tode vereint. Nolles Caprice Badapester Possen• Theater 132 Linienstr. 132, Ecke FriedrlchstraBe. Zum 172. Male: AZacb d. Zapfenstreich. Vorher: Der Beheme u. b. ausgezeichn. Spezialitätenteil. Anfang 8 Uhr. Vorverk. tägl. b. Wertheini u. an der Theaterkasse von 10 Uhr vor- mittags an. Irenes Programm. Saharet in der Burleske „Die Kaiserin der Sahara." Alonzo Bracco• Truppe, spanische Akrobaten. Madame Lo, lebende Bilder. France Piper, Banjo- Virtuose. „Rokoko"-Ballett v. d. John Tiller» Co., London. Newhouse und Ward, kom. Kadfahr. Alexia, Pariser Tänzerin.* Die 4 Rassos, Luftgymnastiker. Gabriele Modi, Soubrette. De Biäre, Zauberkünstler. Emil Sondermann. _ Per Biograph._ Stadt-Theater Moabit M-Moabit 47/49. Heute Donnerstag, den 3. März er.: Gastspiel des Bemli. Rose-Theaters. Die Hochzeit von Valenl. Schauspiel in 4 Auszügen von Ge- hoser und Bociner. Anfang 8 Uhr. Kassencrössnung 7 Uhr. Vorzugskarten haben Gültigkeit. Kasino-I'heatcr Lothrtngerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Die Herren Söhne. Volksstück in drei Akten von Walter u. Stein. �«8* neue hunle Barzprogpaim Sonntag 4 Uhr: Die goldene Brücke. Schiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). DonnerStag.abendsSUhr: Der Vogel im Khflg. Schausp. in 5 Akten v. St. Großmann. Freitag, abends 8 Uhr: PI« Slacbt der Finsternis. Sonnabend, abends 8 Ubr: Ueber unsere Kraft.(2, Teil). Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Donnerstag, abends8Uhr: Ueher unsere Kraft.(2. Teil). Schauspiel in 4 Ausz. von Björnstjerne Björnson. Freitag, abends 8 Uhr: �wei glückliche Tage. Sonnabend, abends sllhr: _ Der Vogel Im Kdflg. Freie Tolksbahne. Sonntag, den 11. März, nachmittags 21l, Uhr: Metropol-Theater.| Carl Weiß-Theater. 3.14. Abteilung| 10./11. Abteilung Kater Lampe. I Ein Frilingsopfer. •• MARZ=FEIER Sonnabend, den 17. März, Brauerei Friedrichshain. Programm u. a.: Sinfonie Ho. 3 Eroika.......... Beethoven. Violinkonzert............ Mendelsohn. Oer Tempel der Menschheit(für Männerohor) Berlioz. Apotheose(komponiert in London 1848), für gemischten Ohor und Solo,... Berlioz Die rote Fahne(Männerchor)..... Ozerwinski ♦unter Mitwirkung uer vtuxogender Solisten. Festmarken und Gastkarten in allen Zahlstellen, 14. Kunft-Hbcnd im Ratbans am Mittwoch, den 14. März, abends S'/z Uhr; Pritz Reuter Vorlesung und Rezitation. Lieder zur Laute, x x x x x Herr Dr. Johannes Schubert. 228/10 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. 65 Abessinier» ij Castans Panoptikum Friedrichstr. 165. Kein Extra-Entree. Zirkus Albert Schumann Heute abend präzise Tl, Uhr: Eltte-Abend. Gala-Abend. U. a.: Der gröstte und sensationellste Dressuralt der Gegenwart, vorgeführt von einer DttMe. Herrn Julius Seeths wunderbar dressierte Eisbäm °v°oÄ Luise Mary. Ferner: Zum 81. Male: Das größte Pracht-Mancgen-Schaustück d. Gegenw. pAmina das neue ■ tSlMlfia Frauenretch. Vorher größte Novität I lin Souper bei Maxim. Ues 7 Perezoffs. The Ergotti u. King. Louis Truppe. The great Creard Troupe. Dir. Alb. Schumanns neueste Monstredressuren. Zum 122. Male: Mienfag Im Kause heilstem. Komödie in drei Akten mit den Autoren A. u. D. Hcrrnseld in den Hauptrollen. Ans. 8 Uhr. Vorverk. 11-2 Uhr. Sonntag, den 1. April: WM- Schluß"MW diesjähllger Sjiidfnifott! Abschieds-Vorsttllung = im alten Hause!!---- Palast-Theater Burgsir. 24, 2Min.v.BH. Börse. Heute'/K Uhr. Entree S« Ps. ftosfonk �... iahen. Bi« una Magda Margaiit und Deltmai Tanz-Duo. ne feine Nummer! Burleske von Max Koch. Mückensett... Dir. R. Winkler und 1D Attraktivuen. Familicnkarten in Barbier-, Friseur- und Zigarrengeschästen unentgelllich. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. .\ eu! Dressierte Aken! 70 Eisbären 70 unterpersönlicher Vorfühnmg des Herrn Hagenbeck. Frl. Marie Elise, Schulreiterin. Zum Schluß(um 9'/, Uhr): Die neueste und grüfite Sehenswürdigkeit Berlins: ♦ Indien. ♦ Orig.-Pantom. d. Zirkus Busch. Besonders hervorzuheben: Eine Witwenverbrennung. T rianon-Theater. Ansang LdOlllOn. 8 Uhr. Sonntag nachm.: Die herbe Fruehi. ?röbeis liieriei-Ibealer Schönhauser Allee 143. Jeden Sonntag und Mittwoch: -- Konzert— Theater, Spezialitäten, Tanz. Ans. Sonntags 6 Uhr, Mittwochs 3 Uhr. >H»~ Sonnabende für Sommerseste sind noch frei._ Reichshallen. Stettiner Sänger. Neu!„Mozart, Wagner, Offenbaoh". Musik. Zeitbild v. Meysel. Ansang Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Giislnv Behrens Spezialitäten- Theater Frankfurter Allee 85. Das sensationelle, vollständig neue März-Programii). Schlager. Horitzplntz. Täglich � in den unteren Sälen � Gottschalk-Konzert. Gewervegericht zu Berlin. J.-Nr. llv. Gew. Ger. 06. Bekanntmachung. Ueber den von der Schlichtungs- kommission der Holzindustrie nicht zur Entscheidung gebrachten Fall der angeblichen Maßregelung des Tisch- lers Konrad bei der Firma Schuster u. Heuer, hier, Boxhagenerstraße 29, ist von den Arbeitnehmerbeisitzcrn ge- nanntcr Schlichtungs kommission das Einigungsamt des Gewerbegerichts angerufen worden. Dieses hat in der Sitzung vom 16. Februar 1906 nachstehenden Schiedsspruch gefällt: I. Aus Grund der stattgesundencn Vernehmung der Parteien ist das Einigungsamt zu der Ueberzengung gelangt, daß der Tischler Konrad in- jolgc seiner Wirksamkeit als Ausschuß- nntnlied der Fabrik seitens des Be- triebsinhabers entlassen worden ist. In diesem Verhalten der Arbeitgeber Schuster u. Heuer muß eine Maß- rcgelung gesehen werden. II. Die Frage, was überhaupt als Maßregelung im Sinne des Tarif- Vertrages zu gelten hat, soll in einer zweiten Sitzung des Einigungsamtes entschieden werden._ gez. von Schulz. Eugen Brückner. Rod. Ahrens. Karl Helm. H. Wedcmeyer. Vorstehendem Schiedsspruch haben nach den Bestimmungen des Vertrages im Tischlergewerbc beide Parteien sich zu untcrwersen. Berlin, den 26. Februar 1906. Der Vorsitzende des Einigungsamlcs. gez. von Schulz. SanssouclirÄ Dir. Wilhelm Reimer. Sonnt.. Moni.. Donnerst.: HoflTmnnaas Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sonnt. Bg. 5, Wochent. 8 U. Anmeld. s.d. gr. Theatersaal z. nächst. Saison(a. s. Mitt- wochs) w. schon jetzt entg. Otto Pritzkows Berliner Abnormitäten- untl Biograph-Theater Mfinzstr. 16. Münzstr. 16. Welt-Biograph Sy Sy?????? Die Wunder- Liliputaner! Die Fus/künstlerin! Hochsensationelt! Belehrend! Wissenschaft und Verbrechen. Täglich wechselnde Projektions* Vorträge aus der gerichtlichen Medizin in Carl Oabrlels Volks-Museum Friedrichstr. II 2a, am Oranienb. Tor I. Serie Mord oder Selbstmord? Außerdem2000 Numm. Volks- krankheit. u. d. Bekämpf.Anat. Samariterlehre Entree 30 Pf, Sold. u. End. 20 Pf. Sämtl. Räum, mit Vortrag obno Aiachzahlnng 60 Pf. Elysium Landsberger Allee Nr. 40-41. Jnh. v. Eisermann. Jeden Donnerstag: Orlglaal- Tlarburger Slingcr Direltion: C. Frick und F. Kasche-Krauso. Anfang 8 Uhr. Entree 10 Pf. Vorzugskarten gelten. Nachher: Freitanz. 260L* Inventur- abgepaßte ganze Dekoration (bestehend aus 2 Flügeln und 1 Querbehang) schw-er.WoHserge 385(�,, inViktonatuch. in Leinenplüsch, 685 � j in hent. Empire lO85�1 seidenart, 3,00) Eine Partie Wellpertieren. 90 em! dreit, mit ailerliehster Blumenkante per Meter.. V8 Pf. (Wert 1,25 Mk.) Teppich-Spezialhaus Emil Lefevre Bel!in Oranienstr. 158. Nach auswärts per Nachnahme. Inventur- Extraliste i gratis mit ca. 600 1. �5 Illustrat.' an 0, Qrattmatms Testsale Bühne! Naunynstr. 27. J dfifittidi! Ttomupf Sonnabende, Sonntage im April, Mai�und Juni MjlUNg: Prrnnt: noch frei._ Cnatav«ranmann. Voigts»Krampenburg"| gegenüber von Schmöckwitz am Fusse der Müggetberge® aus einer von Herrlichen Waldungen umgebenen Halbinsel am© Langen- und Seddin-See und der Großen Krantpe gelegen. O Bereinen und Gesellschaften bestens empfohlen, 2 Dampfer-? anlegestellen, 3 große Säle, zirka 3000 Personen fassend, schöne 5 Restaurationsräume, Veranden, Terrassen, 35 Meter hoher AuSsichts- türm, Kegelbahnen, Kafseclüchc, Ruderboote, prächtige Spielplätze im schönste» Hochwald, Vollsbelustigungcn aller Art stehen zur Vcr- sügung, gute Bewirtung(auch Weißbierausschank) zu soliden Preisen.— Zwecks Abschlüsse für Sommcrpartien ersuche größere Vereine, Fabnten uslv. um baldigste Rücksprache in meinem Berlincr Lotal R. Voigts Rittersäle, 8,. Ritterstras?e 75. Ro|jerl ¥o.9t ! Achtung! Vereine, Gewerkschaften, Fabriken, Klubs! Es ist Zeit, daß Sie Lokale für Ihre bevorstehenden Dampferpartien abschließen. ______ Bestaurant„Waldhaus", Ranchfangswcrdcr bei Kcuthen, herrlich ean Zeuthener See und Hochwald gelegen, ist das geeignetste Lokal.— 3 große Säle usw., 2 Dampfer(je 200 Personen) zu vermieten. Gute Küche. Anerkennungen zur Einsicht. Um Besichtigung und rechtzeitigen Abschluß bittet 273b_ Der Inhaber Karl Rttmtsch. Die Möbel-Fabrik von A. Scllülz, 5 Reichenbergerstr, 5 cnlpsiehlt Wohnnngs-Einrichtuiigen von 24v— IN«DOM. in nur anerkannt gediegener swssührung in jeder Holz- und Stilart sowie auch Polsferwaren eigener Fabrikation zu äußerst billigen Preisen. Streng reelle und gcwissenhastc Bc- dtenung. Kulanteste Zahlungsbedingungen. Tel. Amt IV 6377. New-Departure-Frellauf-Bremsnabe Millionen im Gebpauch Die beste der Welt ___ Engi'os-'Vertricb: Hoiuain Talbot, Berlin 8. r � ff Brauerei F. Happoldt Berlin S. Hasenheide 82-38 empfiehlt ihr Lager»_, Münchners i-% i O t* TIpsTops in Flaschen und Gehinden. Telephon: Amt IT. Xo. 0116. 5635L* PX qiZZXXIXTXZT»TX»rXXmrTTlXgZZZXTgTmgT?XTSagSSS«XZZS> Wirkliche Freude bereitet Ihnen nur ein dauerhaftes Restaurant Bellevue früher Bleck- Werder WollersdOFfer Schleuse, �pi�ke«®«7 empfiehlt sich den geehrten Vereinen-c. zu kulantesten Bedingungen. KroAsr Saal für S00 Personen. 3S L'rSiAAtlSNZsIutntor. 268L* /tarnelctong v. fttenten� 'im In u Auslände. Verwer�j tun§ Finanzierung 1a Referenzen CoulanteBedim Walters 4 Pi Wilhelmsfr 119/120. lu.l-e SOUKTACS ll-l. erstklassiges SoSidaria-Fahrrad. "——""lr liefern Ihnen solche«»uf Wunsch auch geget Teilzahlungen. lAnzahlang Mk. 20, 30. bis Mk. 50; Abzahlung| �monatlich Mk. 8 bis Mk. 15. Billige Beichsrader! geben wir bei Barzahlung schon von Mk. 58. an| ab. Auch Zubehörteile wie Lanfdecken, Luft- j schläuche, Laternen, Glocken etc. kaufen Sie bei uns am billljgstrn. —— Preisliste gratis und franko.——— | J. Jendrosch& Co., Charlettenburg No. 456. «et Husten, Heiserkeit mitten Reichel«! Hnslentropienl überraschend ■ohuell uns sicher. I Nur ecm. wenn| mit Marke „Uedlco'* verich offen, �litlrtn' 50 ErbZIMch in oen Progerien und M OttoEelohel.ßerlinSO 4Z Eiset bahnst A Achtung! Vereine! Saal(200 Personen fassend) zum 1. und S. Oster-Feicrtag zu vergeben. 276b Wlai Sdnraaeliers Festsäle, Skalltzerstr. 1216. EBancht ee-IKIume Bigarettcn. � Hygienische BsaanoarilKei. Neuest. Katalog m. Exnpfehl.viel. Aerzte u.Prof. grat. uds» H. ünger, Gomraivarenlabrik Berlin NW.. Friedrichsirass0" a» Jedes Wort 10 ffeuuig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Plg.— Steilengesuche und Schlafstellen-Anzeigen SPtg,; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg.— Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Nordosten> L. Zucht, Kcibelstr. 42 J. Reul, Barnimstr. 42 Nordwesten: Karl Anders, Salzwedelerstr, 8 KLEINE ANZEIGEN Annahmestellen: SW. 68, Lindensir. 69(Haupt-Expedition) Norden: H. Raschke, Ackerstr. 36 F. Trapp, Rügenerstr. 24 Karl Mars, Lychenerstr. 123 Karl Weisse, Wiesenstr. 41-42 L Oechand, Ruheplatzstr. 24 H. Vogel, Demmlnerstr. 32 A. Tietz, Invalidenstr. 124 Osten: Wengeis, Frankfurter Allee 79. Gustav Vogel, Koppenstr. 83 Südwesten: H. Werner, Mittenwalderstr. SO H. Schröder, Kreuzbergstr. 16 Süden; St Fritz, Prinzenstr. 31 F. Qutschmidt, Kottbuser Damm 8 Südosten: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14-15 P. Horsch, Engel-Ufer 15 Baumschulen weg: Stock, Ernststr. 2, II Charlottenburg; Q. Scharnberg, Sesenhetmerstr. 1 Llchtenberg-Frledrlchsfeldet O. Beikel, Kronprinzenstr. 60 Frieden au-Steglltx: H. Bernsee, SchloBstr. 115, Qartenll. I, In Steglitz Marlendorf; H. Reichardt, Chausseestr. 18 Pankow> Q. Freiwaldt, Mühlenstr. 73 Reinickendorf: P. Qursch, Provinzstr. 108 Rlxdort: M. Heinrich, Prinz Handjerystr. 7 Conrad. Hermannstr. 60 Rummelsburg: O. John, Karlshorsterstr. 2 T capto w: R. Voigt, Elsenstr. 37, vorn III Tegel, Borsigwalde, Dalldorf: Klenast, Borsigwalde, Schubartstr. 43 Anzeigen für die nächste Nummer werden In den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis I2Uhr, in derHaupt- Expeditlon,Lindenstrasse69, bis 5 Uhr angenommen. Schöneberg: W. Bäumler, Martin Lutherstr. 61 Welssensee: W. Reske, Sedanstr. 105 J. Schillert, König-Chaussee 39a Verkäufe. Gardine«- Versandhaus Jeru- salemerstrafie 11/12 Inventur- AuS» vertans zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 1291 St« Sitevpdette« billigst Febril Grohe granksurterstrabe 9, parterre.-st Deikbett, Unterbett, Kissen mit aiattrolem Inlett, zusammen 10,50, nur(Psandleihe) Andreassttahe SS.» Rotrosn.geslreisteS Deckbett, Unter- bett, zwei Kissen. 18.00, Andreas- stratze SS._ 1342R* Pommerlcheö Bauernbett, Deckbett, Unterbett, zwei Kissen, 27,00. �tück 1,00. Psandleihe Großes Lake», S Andreasstraße 38 überall. Elektrische nach I313K' Jnventiir-AuSvcrkaus. Gardinen StoreS, 10 Prozent Rabatt, Fenster (zwei Schals) 140, 185, 225. 285, 350. 485, 575, 665 usw._ 1321SI+ Inventur- AuSverkaus. Vorzieh- Gardinen mit überraschend schöner Stickerei, Fenster 135, 165, 210. 255, 285, 325, 425 usw., goldsarbig und rot 265, 285. 325, 450 usw. 132251' Düllbettdctken, weiß, creme, 195, 225. 285, 375. 450—790. Weißenbergs Teppichhans, Große Franksurler- straße 125._ 1323K' Jnvrnturpreis. Steppdecken, Simiti, Seid«, rot, grün, oliv, blau, zirka 160 breit, 200 lang, Hand- arbeit(Wert 10,50) jetzt Stück 5,85. StePpdetkeu.GelcgenheitSkaus.nur so lange Vorrat, 285, 365, 425, 585, 675, 785 usw. WeißenbcrgS Teppich- banZ, Große Franlsurterstraße 125.* Inventur- AuSverkaus. Tuchtischdecken mit kleiiicu Stickschlern in allen Farben, Größen, 1,85, 2,25, 2,75, 3,50, 4,35 usw._ 1326SI* Plüschtischdecken, Gelegenheitskauf, mit kleinen Stickschlern, nur so lange Borrat, 4,85, 5,65, 6,35, 7,50, 8,45, 0,65, 10,85._ 132711« Möbelstoffrefte in Wolle und buntem Plüsch, zu Sosabezügen aus- reichend, in allen Preislagen. Weißen- bergs Teppichhaus, Große Frankfurter- straße 125. 1328K« Inventur- AuSverkaus. Llbsall- Teppiche in allen Größen zu Spott- preisen._ 132SK« Teppiche?(sehlerhiiste) in allen Größen sür die Hölsle deS Wertes im Zeppichlager Brünn, Hackeicher Mar« 4, Bahnhos Börse. 254/t2« Grammophouplatten und Repa- raturen. Rothenburg, Prenzlauer- straße 42. 2. Hos. 1336K« Fahrräder. straße 23, Skalitzcrstraße 40. Teppiche milFarbensehIemFabril, Niederlage Große Franksnrterstraße 9, parterre.__ f 1 Monatsanzüge, SommerpaletotS von 5.00 an, Holen von 1,50 an. Gehrockanzüge von l2,00 an. Für korpulente Figuren. Neue Garderobe zu billigen Preisen, sowie Pfand- fachen kaust man am Vorteilhastesten bei Naß. Mulackstraße 14. 252b« Wi: Zigarrengeschäft verkauft Richter, wllerstraße 37,_+82» Pianinos Miete, Teilzahlung. Andersen, Schillingstraße 38. 283/9« Möbelangebot. Im Möbel- verkaufsspeicher(Anhalter Bahnhos), Möckernstraße 25, Hochbahnstation Möckernbrücke, stehen verschiedene Zimmer Nußbaummöbel zum Ber- laus. Darunter befinden sich hoch- moderne Schlaszimmer, Speisezimmer, Herrenzimmer, auch einzelne Salon- garnituren, PancclsosaS, Lücher- schränke, Ankleideschränke, Nußbaum- büsette, Bronzelronen, Salonbilder, Schreibtische 28,00, sunkelnagelneu, Ruhebetten mit wunderschöner Diwan- decke 22,50, hocheleganter Säulen- trumeau 30,00, prachtvolle Zimmer- teppiche 8,00,«alontepptche schon 14,00 bis zu den allergrößten Saal- teppichen, reichgestickte Ucbergardinen, Spachtelslorcs, Tüllgardinen, Stepp- decken, Standuhren, Plülchtischdeckeit 5,00, verschiedene Gelegenheiten. An- kauf ganzer Warenlager, Wtrlschasten, Konkursmassen, kostenlose Ausbewah- rung und Transport gekauster Möbel. Otto LidekeS Transport- und Lager- Haus(Anhalter Bahnhos), Möckern- straße 25._ 1308K» Teppiche, imitiert Japaner und Perser, 2 Meter lang, nur 3,25. Weißenbergs TePPichhauS, Große Franksurterstraße 125. 1330K« Juventur-PreiS. Portieren(zwei Shatvls, ein Lambrequin) Garnitur 3P5, in allen Farben. 13SlK« Einzelne Plüsch- und Tuchgarni- turen enorm billig. WeißenbergS Teppichhaus, Große Frankfurter- straße 125._ 1332SI* Bettenverkauf, Gardinenverkaus, ■"M Steppdecken. Betten. Teppichverlaus, ___________ Uhrensorten, Fest- gelchenke, Da'mengarderobcn, Herren- fletdung, Möbelstücke, sensationell« Spottpreise. Brautleuten empsehienS- wert. Psandieihhaus Wcidenweg neunzehn. fW 1000 neue Nähmaschinen gebe aus Abzahlung, ohne Anzahlung. Lang» schiff, hocharmig, lomplett, mit allen Apparaten. Elegante Aus- stallung, drei Jahre reelle Garantie. Bellmann, Gollnowstraße 26. nahe der LandSbergerstraße. Alte Maschinen nehme in Zahlung._ 11335t« Brautleute— Cosas, Spiegel, Bettstellen, reelle Malratzen, enorme Auswahl vollständiger Wohnungs- Einrtchiunaen in riesigen Fabrik- äumenbekt weg 81." Dwinatzl räumen bekannt billigst!„Nur Grüner- '' � H. 130351» Möbeltischlerei liefert geschmackvolle Wohnungseinrichtungen äußerst billig. Ausziehtisch 17. Nußbaum- Kleiderschrank, Vertiko 45, Trumeau geschliffen 35. Plüschsosa 55, Muschel- bettstellen mit Matratze 40. Schlaf- zimmer. Farbige Küchen 60. Bestchti- gung meines staunend großen Lagers erbeten. Auch Ratenzahlung. Kein Laden. Nur Keller und Hinterräume. Harnack. Tischlermeister. Dresdener. straße 124, zwischen Oranienplatz und Kottbuser Thor. Genossen erhallen 5 Prozent.__ 12885t* Verantwortlicher Redakteur: Fräulein verkaust räumungS- halber Nußbaumspmd und Vertiko, Magazinstraßc 18b, parterre. Milchgeschäftseinrtchtnugeit, Milchkübel. Kannen, Maße, Milch- siebe, Wiegeschalen, Butlcrmaschinenzc. billigst. Jordan, Michaelkirchstraße 21, Malzkraftbier, blulbildend, sür Blutarme, Brustkranke, Schwächliche, Gewichtszunahme, bessere Gesichts sarbe, überraschend, 14 Flaschen 3 Mark,'lu Tonne 3,50 exklusive. Nicht Flalchcnzahl, Qualität ent- scheidet. DeutschcnglischePorterkcllcrel, Bernauerstraße 119._ 12555t» Hochvornehme Herrenanzüge Paletots, seinslen Maßftoffcn her- rührend, 18" kaust to Versand Betten, Stand eis, zweischläsrig 16, 00. Mark, Freischwingcr, billigst. Gubenerstraßc 3, Psandleihe. 340» Kinderwagen» Kinderbettstellen. Sportwagen, gebrauchte, zurückgesetzte spottbillig. Schneider, ktursürslen- straße 172._ 101b» Federbette« Stand 10,50, große 16,00, Brautbctten. AuSsteuerwäsche, Gardinen, Teppiche, Tischdecken, Steppdecken, Uhren, Goldsachen, spott- billig. PsandleihhauS Msiriner Platz 7. 1315a« llatz 7._ 13155t» Gchtuustbaum Säulenverttko 46,00, Klcidetspind, Säulentrumeau 43,00, Plüschsosa, Muschelbetten. Ausziehtisch, Stühle, sast neu. Königsberger. straße 11, Liese.__ j41 Nähmaschinen, alle Fabrikate, ohne Anzahlung, wöchentlich 1,00, ge- brauchte 12,00, Postkarte genügt. Wicncrstraße 6, Ackcrstraße 113.' 28lb "Adlers SchlieUiiäher. sast neu, gekostet 145,00, jetzt 65,00, Rinaschiss- chen(Singer) 35,00, Langschlffchen 25,00. Alle wie neu, tadellos, wegen Ausgabe, Tilfltersttaße 16,' geschäst. -s41 Milchgeschäft, gutgehendes, schöne Wohnung, umständehalber verkäuflich. Bäckerei, Kochhannstraße 35.'141 Reftauratto«, 8 Jahre bestehend (Nähe Moritzplatz), krankheitshalber preiswert verkäuflich. Erfragen Zllexandrwcnstraße 47, Schlächterei. ' MöbelVertaiif Wallstraße 80/81. Am Lager besinden sich viele zurück. gesetzte und verliehen gewesene Möbel, die wie. neu find, Muschelkleider- spind, Muschelvertiko 28 Mark, Aus. ziehttsch 17, Bettstelle mit Feder- malratze und Keilllsieii 29, Muschel- spiegel l2, Kommode 13, Siuhebctt 26, N/uschelbettstelle, komplett 39, Rohr- sliihle 3, Taschensosa 64, Panccl- sosa 75. Schlafsosa 38. kaichtoiletten 26. Säulentrumeau, geschliffen 36, Herren- schrcibchch 50. Bücherspind. Büfetts, Säulenmöbel, englische Schlaszimmer. moderne Küchemnöbel. Auch Teil- ahlung, Transport in Berlin und ororten frei. 96/16» za V Piantno. kreuzsaitig,(Nußbaum) 140,—. Turmstraße 8, parterre. 96/14 �Plüschsofa.Salongarnitur, Kleider- schrank, Säulentrumeau, elegant, sofort billig verkäuflich Jnvaltdenstraße40/4l, Hochparterre liyks, herrschaftlicher Ans- gang.___ 96/15 Dame verkaust sämtliche Möbel straße 38, vor« II UnkS. 96/17 Nähninschknen. ohne Anzahlung, '' 12,00. Für Köpenicker- Woche 1,00, gebrauchte Nachweis Provision. straße 60/61, Große Frankfurter straße 43, Pt enzlauerstraße 59/60. Nähtnnsthtnett. Vergüte btS 12,00, wer Teilzahlung kauft oder nachweist, Woche 1,00. Postkarte. Brauser, Tilfiterstraße 90.+40» Nähmaschinen. Bezahle 10,00, wer kauft oder nachweist. Sämtliche ohne Anzahlung. Postkarte. Herr- mann, Wictesswaße 13._ 2346+ Gnrdtneiibau» GroßeFranksurter- straße 9, parlerre._ 1+ Eckdestillation. 25 Halbe, viel Spirituosen, zwei Gastzimmer, drei Wohnzimmer, billige Miete, Brot- stelle, Seltenheit, sofort ganz billig oder Vertreter gesucht. Zuschriften: A. Z., Postamt 58._ 2756 "Giitgeheiides Kolonial-, Obst- und Gemüsegeschäst billig zu verlausen Charlottenburg, Friedbergstraße 27. Zigarrengeschäft Familienvcrhäit- nissc wegen sosort verkäuslich. Milch- geschäst, Husfitcnstraße 22.+93 Teilzahlung. Teppiche, Betten, Gar dinen, Portieren, Steppdecken, Tisch- dicken, Remontoiruhrcn, Regulatoren, Spiegel, Bilder, Gaskionen, Möbel spottbillig. Lethhaus, Grünenveg 113. Junge Woljsspitzc verianst E, Prüser, Pankow, Parkstraße 16.+137 Versckiedenes. Kiiitststopferei von Frau KokoSky, Charlottenburg, Goelhestraße 84, I.« Pfandlrihr. Priniciistraße 63, täglich 8-8, Sonntags bis 2. 96/2« Berolina> Säle, Schönhauser- Allee 23, Sonnabend, Sonntag. Osterseiertage zu vergeben.+57» Bereinshaus�Znvalidenstraße 146. Saal für Festlichkeiten, Vereine, auch Sonnabend frei._+113* Wäsche wird sauber gewaschen, Freien getrocknet. Abholung Sonn- abends. Emil Pankrath, Köpenick, Müggelheimerstraße 40. 277b Vermietungen. Wobnuiigea. Oudeuarderstraße 36, 37, 38, Kleinwohnungen von 18 Mark ab. Näheres Wirt 37. MietsKesaclMh Möbliertes Zimmer suchen sosort zivei Herren(a 15 Mark inklusive) nahe Michaclkirchplatz. Offerten D. 102, Postamt 68._ 289b Arbeitsmarkt. Stellengesucbe. Kaufmann, verheiratet, Partei- zenofle, 35 Jahr, sucht Stellung. Rednerisch und schriststellerisch be- ähigt.'Angebote\V. 1, Expedition lies Blattes. 259b» StGUoiiMnxedo««. Schlossergesellcn verlangt Blume. Charlottcnburg, Schillerstraße 97.» Lehrling zur Lederarbcit verlangt Dresdenerstraße 62. 231b» Tüchtige Handweber aus breite Ware suchen bei hohen Akkordlöhnen Ncuniaiin u. Lehmann, Drossen bei Franksurt a. Oder._ 288b Ein Sattler aus Maulkörbe. W. Seefeldt u. Co., Friedrichsselder- straße 17.__+41 Schlosser, der mit Gasmotoren umzugehen versteht, verlangt. Offerten ?. 102l, NobiS Annoncenburean, Kastanicn-Allec 54._ 280b Äeltere Frau tagsüber bei zwei Kindeckt sucht Pallisadenftraße 35. Zigarrengeschäft. 287b Taille»- und Zuarbelterinnen vcr- langt Werther,Hobrechtstraße2 ll.+149 Knabeublusen- und Hoseimähe- rinnen tn und außenn Hause, B/a- schinennäherinnen, Knopslochnäherin. 5tnabenkonsektion Fliederstraße 14, parterre._+141* Goldleisten-Brlcgcrinncn werden verlangt Köpcnickerstraße 109a. 274b Für Parteiblätter! � Langj. Partcigenosie, tücht. Buchdruck-Fachmann, beh. die ges. Satz» und Drncktechnik, sicherer Korrektor, geübt in Kalkül., guter Papierkenner, redaktionell ausgebildet, guter Lotal-Redakteur, auch Politiker, redner. bes., wünscht paff. Engagement an Partetgeschäst als lilD, Geschäftsführer, Nedaktenr, Korrektor Such, ist lange Jahre in obig. Stellungen tätig gew. Borzügl. Zeugn. u. Reser. Gest. Offerten an I»I>. Herford i. W._ 3862* 6ercbäftsfübr/z Uhr, im Lokale von Robert Schulze, Haupt- straße 8, die Ersatzwahl für die dritte Abteilung zur Gemeinde- Vertretung statt. Die Kandidaten der Sozialdemokratie sind der Schlosser Fritz Neubauer und Eigentümer Max Sieben- w i r t h. Am Montag, den 5. März, abends 8 Uhr, fand im Lokale von Herschleb eine öffentliche Versammlung zu der Ersatzwahl statt, in welcher Genoffe Emst Kloth über„den Zusammenhang der Kommunalpolitik mit der allgemeinen politischen Lage" referierte. Im Verlauf seines Vortrages wies Redner auf den Kommunalsteuer- zuschlag von 236 Prozent hin. und er kam alsdann auf die mise- rablen SchulverhälMisse zu sprechen. Am Schluß seines einstündigen Bortrages forderte er die Anwesenden auf. durch aufopfernde Agitation und durch Aufklärung der Arbeitermassen es möglich zu' machen, zu unserem Ziele zu gelangen. An der Diskussion beteiligte sich Genosse Neubauer, selbiger wies auf die bürgerlichen Parteien hin. welche alle Hebel m Bewegung setzen, wn uns unsere Mandate streifig zu machen. Gemeindevertteter Genoffe Thiele brandmarkte den aufgestellten Kandidaten der Bürgerlichen: Vorarbeiter Werner vom hiesigen Andreaskirchhof, welcher gesagt bat:„Wer von meinen Arbeitern einen: Sozialdemokraten seilte Stimme gibt, der wird sofort ent- lassen, und wenn er gleich 4t) Jahre aus dem Kirchhof ist." Er wies auf die bisherigen Vertreter hin. die ihre bis jetzt innegehabten Mandate lediglich zur Vertretung ihrer Standesinleressen benutzt haben, und forderte die Wähler dritter Klasse auf, die Ausübung ihres Wahlrechts nicht zu versäumen. Aus Groß-Lichterfclde schreibt man unS:„Was in Groß-Lichter- felde an hervorragenden kommunalen Einrichtungen geschaffen worden, die Schulen usw., habe man lediglich den Villenbesitzern zu verdanken: den Wünschen dieser Herren müsse man Rechnung tragen, nicht den Wünschen derer, die zufällig erst hierher gekommen sind." So prahlt das Grundbesitzertum in seinen Konventikeln. Und dabei ist es ein Schwindel a la Madame Humbert— ins kommunal- politische übertragen—, von„hervorragenden" kommunalen>Ein. richtungen zu reden. Die Schulen sind an sich gar keine Gemeinde einrichtungen, sondern in erster Linie Institutionen des Staates, der. wenn auch nur minimal, den Gemeinden Zuschüffe zu den Volksschulen bewilligt. Aber das ganze Elend des Gemeindeschul- wesens findet sich ebenso in Groß-Lichterfelde wie anderwärts: fliegende Klassen, ungenügende Schulräume, Mangel an Turnhallen. In schulhygienischer Beziehung steht Lichterfclde geradezu be- schämend da. Die einzige Errungenschaft ist die Institution der Schulärzte, die, gleich dem Veilchen, still und bescheiden im Ver- borgenen blüht. Würde nicht der AuSgabeposten im Etat an diese kommunale Errungenschaft erinnern, durch ihre Wirksamkeit würde sie sicher noch niemandem aufgefallen sein. Die beste Jw stitution wird zum wertlosen Plunder, wenn der Geist, in dem sie geleitet wird, dem Zwecke derselben diametral entgegensteht. Dieser Geist wird trefflich illustriert in einem Vortrag über„Schul- Hygiene und Schularzt", den ein solcher vor einem Grundbesitzer- verein gehalten hat. Es wurde dort u. a. ausgeführt: „.... Was den dritten Punkt der wichtigsten Schularztpflichten angeht, die Ueberwachung der dem Schulbetrieb dienenden Räum- lichkeiten, so will ich mich darüber nur kurz äußern. Es liegt nicht im Rahmen meiner kleinen Erläuterung, Ihnen die Schulbau- hygienischen Anforderungen zahlenmäßig anzuführen, so und so soll der Hausbau, so lang, breit und hoch die Klassenzimmer, so die Heizung angelegt sein. Wir haben hier mit gegebenen Verhältniffen zu rechnen, die seinerzeit schon nach hygienischen Prinzipien ein- gerichtet, inzwischen durch neue Erfahrungen vielleicht überholt sind, aber naturgemäß nicht von heute auf morgen geändert werden können. Wir müssen uns eben nach der Decke strecken und das b e st e, was erreichbar ist. erstreben. Viele erstrebenswerte Neueinrichtungen liegen vielleicht noch in weiter Ferne, wie die Einrichtung eines Schulbades, die Erbauung einer weiteren Turnhalle und manches andere. Wir müssen hoffen, daß die Zukunft bringt, was die Gegenwart nicht bieten kann. Ich muß mir ver- sagen, die etwa wünschenswerten bezüglichen notwendigen Verbesserungen einer b e st i m m t e n Schule hier zu detaillieren, da ich die Absicht habe, meine Auslaffungen in der Oeffentlichkeit nur allgemein zu halten, entsprechend der schulärztlichen Dienstanweisung." Daß die Gemeinde von der Aufsichtsbehörde angehalten werden mußte, den hiesigen Lehrern das gesetzliche Minimum zu z a h l e n, sei nur nebenher bemerkt. Auf dem Gebiete der Gesundheitspflege hat Lichter- kelde nichts als die Kanalisation aufzuweisen; sie dient hygienisch dem allgemeinen Wohl ebenso wie finanziell den Grundbesitzern. indem sie den Werl des Grund und Bodens um mindestens zehn Millionen gesteigert hat. Mit letzterem Argument gingen die Anhänger der Kanalisation in den Grundbesitzervereinen hausieren, um diese für das Projekt zu gewinnen. Weiter ist von hygienischen, der öffentlichen Gesundheitspflege dienenden Einrichtungen nichts zu berichten. Aber eine Badeanstalt— soll kommen. Im Etat 1906/07 glänzt bereits die erste Rate von zehntausend Mark. Wenn solche Raten in diesem rasenden Tempo und in gleicher Höhe weiter folgen sollten, so ist voraussichtlich begründete Hoffnung vorhanden, daß die Eröffnung der ersten Bade- anstalt in Lichterfelde mit dem zehnjährigen Jubiläum des Teltow- kanals zusammenfällt. In der jüngsten Sitzung jedoch hatte ein Gemeindevertreter den Antrag gestellt, diese zehntausend Mark zu streichen, da bei der mißlichen Finanzlage der Gemeinde gespart werden müsse. Es ist also nicht aus- geschlossen, daß diese 10 000 M, aus dem Etat verschwinden und in irgend einer Position zugunsten des Grundbesitzertums ihre Auf- erstehung feiern. Es war ein schönes Geständnis seitens eines Mit- gliedeS des Gemeindevorstandes in der letzten Sitzung, daß die Gc- meinde stets für die Interessen der Grundbesitzer die Hände in den Taschen haben müsse und der chronische Dallas infolgedessen auch kein Ende nehme.— Die Arbeiterschaft hat daher alle Ursache, bei der morgigen Gemeindewahl unter Aufbietung ihrer ganzen Kraft für die Wahl der sozialdemokratischen Kandidaten einzutreten. Keiner versäume, dieser seiner Ehrenpflicht zu genügen. Die Wahlzeit dauert von 4 bis 8 Uhr nachmittags. WahNokal für den Westen: Haffkes Kasino, Kyllmannstraße 7, für den Osten: Restaurant Hennig. Jungfernstieg 6. Die hiesige Ortspresse gibt bekannt, daß die Gegner aller politischen Nuancen zum Kampf gegen die Sozialdemokratie s i ch vereinigt haben. Das ist durchaus erfreulich und fördert die Klarheit im politischen Kampf. Dadurch erwächst aber für die Arbeiter die doppelte Pflicht, alle Lauen und Säumigen aufzurütteln und agitatorisch bis zum letzten Augenblick tätig zu sein.— Donnerstag, den 8. März, abends 8 Uhr. im Saale des Herrn Reisen, Ehausseestraße 104: Oesfentliche Kam- munalwähler-Versammlung. Ueber die Stegliber Wahl, die am Montag stattfand, gehen uns noch folgende Mitteilungen zu: Nur zwei Stimmen fehlten dem Genossen Krug, sechs Stimmen dem Genossen Aß mann an der absoluten Mehrheit; die Wähler waren da, der Wahlvorstand wies sie jedoch zurück, weil sie keine amtliche Wahliarte hatten. Die Folge war: auch im ersten Bezirk Stichwahl mit den Mietervereinlern. Ddrselbe Herr B u h r o w. der als emeindevorsteher in der amtlichen Bekanntmachung„die Wähler des hiesigen OrteS, welche in der Wählerliste verzeichnet stehen", zur Teilnahme an der Wahl auffordert, derselbe Herr Buhrow, welcher weiter als Gemeindevorsteher amtlich be» kannt macht:„Die ohne Karten erscheinenden Wähler müssen für ihre Legitimation sorgen", derselbe Herr Buhrow verwehrt als Wahlvorsteher in Gemeinschaft mit zwei Oberlehrern einer Anzahl Wählern, die alle diese Bedingungen erfüllt, haben, die Ausübung ihres Wahlrechts, weil sie keine amtlichen Wahlkarten erhalten haben. Und daS schönste an der Sache ist, derselbe Herr Buhrow trägt die indirekte Schuld an diesem Mangel. Die Wahlbeteiligung war eine sehr starke. Im Vergleiche zu der Wahl von 1904 hatten wir im ersten Bezirk emen Stimmen- zuwachs von 141, im zweiten Bezirk von 110, zusammen also rund 260 Stimmen zu verzeichnen, während es der Mieterverein in beiden Bezirken nur auf ein Mehr von 9 Stimmen gegen 1904 brachte. Die vereinigten Hausbesitzer und Kommuimlvereinler fielen verdientermaßen glatt durch, wie wir Herrn Dr. Böttger von der Fraktion„Drehscheibe" vorausgesagt hatten.— Im ersten Bezirk begann die Wahlmogelei der Gegner schon bei der Wahl der Beisitzer zum Wahlvorstande. Die gesamten Gemeindebeamten und Gemeindearbeiter tvaren zur Unterstützung der Bürgerlichen kommandiert. Bei der Abstimmung durch„Hammelsprung" (Stimmzettelwahl verweigerte der Bürgermeister) fanden sich unter den Gegnern einige„Ehrenmänner", die zweimal abstimmten; zwei dieser Helden wurden durch unsere Genossen gestellt, wie viel außerdem noch durchgeschlüpft sind— wer weiß es? Der Zweck wurde erreicht, unsere Gegner„siegten". Wir mußten uns mit einem zu Protokoll gegebenen Protest begnügen.— Der Gemeinde Vorsteher fühlte sich anscheinend den ganzen Tag nur als A m ts Vorsteher; er war nervös, wie nur ein Polizeimann sein kann, wenn er Sozialdemokraten sieht. Unsere Genossen faßten die Sache von der heitere» Seite auf und quittierten seine häufigen polizeilicheil Philippitas stets prompt mit einer Lachsalve. Ein probates Mittel zur Dämpfung des Allmachtskitzels!— Im zweiten Bezirk, wo wir unerwartet ebenfalls in Stichwahl kamen(die ArbeiterbevölkerunA ist dort ziemlich schwach vertreten), ging alles sehr ruhig, man mochte sagen gemütlich zu. Dort fungierte Herr Schöffe Mancke als Wahlleiter, unser Kandidat Krug und Herr Mirbach als Beisitzer. ES' bewahrheitete sich eben wieder einmal das alte Sprichwort:„Wie man in den Wald hineinruft, schallt es heraus." Die Stichwahlen für beide Bezirke finden am Mit tw och, den 14. März, statt. Parteigenossen! Nicht die Uebermacht der Gegner hat unS den Sieg entrissen, nein, d i c krasse st e Ungerechtigkeit deS WahlvorstandeS! Darum auf zum Kampf gegen Unrecht, Parteilich- keit und Mogeleien der bürgerlichen Gesellschaft! Die so schmählich durchgefallenen Hausbesitzer sichern schon heute den Mieterkandidaten die kräftigste Unterstützung zu, dafür verzichten die„VolkStribunen" auf Wahlbeteiligung in der zweiten Klasse und versprechen e i n st i m in i g e Wahl der HauSbesitzerkandidaten. Der Kuhhandel ist geschlossen! So sieht der„Mieter"verein aus, der„grimmigste Feind" des Haue- besitzervereinS. Buckow bei Britz. Morgen Freitag, den 9. März, nachmittags 4— 4>/z Uhr finden in unserem Orte die Gemeindewahlen der 3. Klasse statt. Es ist in jeder Klasse ein Vertreter zu wählen. Die jetzige Vertretung besteht nur aus Hausbesitzeru; während die 1. nüd 2. Klasse ausschließlich von Bauern besetzt ist, vertritt die 3. Klaffe: ein Zimmermeister, ein Schlossermeister und ein Dachdeckermeister. Letzterer scheidet aus. Zum ersten», ale hat die sozialdemokratische Arbeiterschaft von Buckow beschloffen, sich an der Wahl zu beteiligen. Zu ihremKandidaten hat sie den Drechsler Alex Gau bestimmt. Der Wahltennin dürste für die hiesige Arbeiterschaft jedenfalls äußerst ungünstig angesetzt sein, da die Arbeiter oft stundenweit vom Orte ihrem Erwerbe nach- ehe» müffen und außerdem noch in der hier in Bettacht kommenden _)eit die Lohnrechnungon stattfinden. Es ist sehr angebracht, wenn die Genoffen anderer Orte, welche mit Buckower Arbeitern zusammen beschäftigt sind, dieselben energisch an ihre Wahlpflicht erinnern, damit unser Kandidat, der Drechsler Alex Gau, in das Dorf- Parlament emziehen kann. Zühlsdorf(Bezirk Niederschönhausen). Wahlsieg. Am 3. März fanden in unserem Ort die Gemeinde Vertreterwahlen statt. Der Wahlverein hatte als Kandidaten für die dritte Abteiluiig die Genoffen I o h. P e v S und Albert M a t h n er(Ersatzwahl für den verstorbenen Genossen Karl Schröder) aufgestellt, Pevs wurde e i n st i m m i g, Mathner gegen zwei Stimmen gewäht. Zur Wahlhandlung waren im ganzen zwölf Wähler erschienen. Anstatt wie bisher einen, haben wir jetzt deren zwei in der Gemeinde- Vertretung. Tempelhof. Wir machen noch einmal auf die morgen, Freitag. von 10—6 Uhr stattfindende Gemeindevertteterwahl aufmerksam und erwarten, daß jeder wahlberechtigte Parteigenosse zur Stelle ist und durch die Wahl unseres Kandidaten Max Schmidt für eine würdige Vertretung der Arbeiterklasse Sorge trägt. Der Vorstand. MahlSdorf. In der am Sonntag abgehaltenen Gemeindewähler- Versammlung referierte Genoffe Weber über„Die Bedeutung der Gemeindewahlen", wobei er an der Hand des Kommunalprograinnis die Forderungen der Sozialdemokratie in der Gemeinde darlegte. Besonders ging Redner in seinem Referat auf die Angriffe der „Mahlsdorfer Zeitung" gegen unsere Parteigenossen ein. An der Diskusston beteiligten sich die Genossen Bartsch, Weiß und Cörtel. welche die Versammelten namentlich auf das Verhalten der Frei- innigen in der letzten Schulsozietätsversammlung hinwiesen. In derselben hätten die Herren den Antrag gestellt, die neu zu errichtende Lehrerstelle, aus finanziellen Erwägungen heraus, mit einer billigeren Lehrttaft zu besetzen. Sie hätten ferner gegen den Antrag unserer Genoffen, die entgegen den vom Schillvorstande festgesetzten 300 M. für Schulgerätschaften 460 M, eingesetzt wissen wollten, gestimmt. Iii der„Mahlsdorfer Zeitung" behaupten jene Herren allerdings, daß sie deii Antrag auf 460 M, abgelehnt hätten, weil man geglaubt habe, die Turngerätschaften könnten verschimmeln. Mit der Auf- örderung, aus dem Gesagten die richtige Lehre zu ziehen und bis um Tage der Wahl noch tüchtig zu agitieren, wurde die Ver- 'ammlung geschloffen. Adlershos. Am Sonntag. den 4. März, fand im Lokale von Wöllstein eine öffentliche Kommunalwähler- Versammlung statt, zu der die örtlichen Verwaltungsorgane, Gemeindevertteter und Lehrer- chast schriftlich eingeladen waren. Der Referent. Genosse Dr. Alfred Bernstein erläuterte eingehend die Aufgabe», die nnseren Geineinde- vertretern zufallen. In der sich anschließenden äußerst anregenden Diskussion wurden die Ausführungen des Referenten im wesentlichen ergänzt und die Mängel in der Gemeinde einer eingehenden Kritik unterzogen.» ES gelangte alsdann folgende Resnlution zur Annahme:„Die heute am 4. März 1906 in Wöllsteins Lustgarten tagende öffentliche Geineinde-Wählerversammlung spricht gegenüber dem durch das Zunkerparlainent in der Landgenieindeordnuiig festgelegten Wahl- ystem, durch welche große Kreise der Bevölkerung ihres Rechts * beraubt und als Proleten behandelt werden/ ihre Entrüstung aus. Trotz dieses schlechten Wahlsystems versprechen die Anwesenden, am Tage der Gemeindewahl in der dritten Abteilung ihre volle Pflicht zu erfüllen und vollzählig ihre Stimme für die sozialdemokratischen Kandidaten abzugeben, damit den Forderungen der Arbeiterschaft im Gemeindeparlament der schärfste Nachdruck gegeben wird." Unter„Verschiedenes" teilt der Parteispeditieur mit, daß sein Gesuch um Genehmigung des öffentlichen Verkaufs von Zeit- und Druckschriften vom Amtsvorsteher abschlägig beschieden sei. mit der Motivierung, daß hierfür— kein Bedürfnis vorliege.— Er forderte die Anwesenden auf, hierauf die richtige Antwort zu geben, indem sie recht zahlreich auf den„Vorwärts" abonnieren mögen. Die Kan didaten der Sozialdemokratie in der dritten Abteilung find die Ge »offen Hermann Hildebrandt und Ferdinand Biittner! Französisch-Buchholz. Am Dienstag, den 6. März, tagte in Kähnes Festsälen eine sehr gut besuchte öffentliche Versammlung für die Gemeindewähler. Stadtverordneter Genosse Koblcnzer-Berlin kennzeichnete in seinem Vortrage„Wen wählen wir in die Gemeinde- Vertretung?" die Ungerechtigkeit des bestehenden Wahlsystems und ivies auf die Notwendigkeit hin, daß auch in Franjösisch-Buchholz ein sozialdemokratischer Vertreter im Gemcindeparlament sitze. Hoffentlich werden die Wähler von Frz.- Buchholz die in der Vet sammlung gegebene Zustimmung zu unseren Forderungen bei der am 9. März er. stattfindenden Wahl insofern auch prattisch zum Ausdruck bringen und ihre Stimmen dem Genossen A u g u st Pohl geben. Die Worte des Lehrers Herrn König, welcher als erster Diskussionsredner sprach, waren wie gewöhnlich getragen von dem guten Willen, der Sozialdemokratie Abbruch zu tun: sie zeugten aber auch von soviel Unfähigkeit, unsere Ideen zu bekämpfen, daß cS den folgenden Diskussionsrednern Pohl. Wittstock- Buchholz und Räber- Pankow ein leichtes war, ihn zu widerlegen. Die Wahl findet statt am Freitag, den 9. März er., nachmittags von 2 bis 4 Uhr. Wir fordern die gesamte Arbeiter- schaft von Französisch-Buchholz auf, trotz der so ungünstig gelegenen Wahlzeit Mann für Mann anzutreten. Der Vorstand des sozialdemokratischen Wahlvereins, Bezirk Pankow. Wahlergebniffe in den Vororten. In Hermsdorf fand am gestrigen Mittwoch die Gemeindever- trctcrwahl der dritten Abteilung statt. ES erhielten: der Kandidat der Sozialdemokraten, Stukkateur Sohraucr, 92, Gastwirt Dimke(Verein der Gewerbetreibenden) 35 und Gärtner Hermann �Ortseingesessener) 79 Stimmen. Es findet also.S t i ch w a h l zwischen Sohrauer(Soz.) und Hermann(Ortseingesessener) statt.— Bei der ebenfalls am Mittwoch stattgehabten Wahl zur Gemeindevertretung der 3. Abteilung in Lankwitz wurde der bürgerliche Kandidat, Gärtnereibesitzer Wolf, mit 162 Stimmen gewählt; auf den Kandidaten unserer Partei, den Schriftsetzer Boxheiner, entfielen 123 Stimmen. Rixdorf. Der nächste Kunstabend der Stadt Rixdorf findet am Sonntag, den 11. März 1906, abends?>/» Uhr, in der Anla des Realgym- nasiumS, Kaiser Friedrichstr. 210, statt. Dr. Malkowsky hält einen Lichtbildervortrag über„Holland und seine Kunst". Holländische Gedichte und Lieder werden von Dr. Gustav Manz und Jean Heythekker vorgetragen. Eintrittskarten zu 30 und 50 Pf. in der Buchhandlung von Bikhardt, Bergstt. 13 und an der Abendkasse. Deutscher Holzardeiter- Verband, Zahlstelle Rixdorf. Heute, Donnerstag, den 8. März, abends 8 Uhr, findet im Lgkale von Thiel, Bergstr. 151/152, ein Lichtbildervortrag bei fteiem Eintritt statt. Um recht zahlreiches Erscheinen der Kollegen mit ihren An- gehörigen wird gebeten. Schöneberg. Selbstmord eines Schülers. Das traurige Kapitel der Schüler- Selbstmorde ist wieder um ein markantes Beispiel bereichert worden. In der Wohnung seiner Eltern, Monumentenstr. 38, hat sich der 14jährige Gymnasiast R. das Leben genommen, weil er befürchtete, bei den bevorstehenden Schulferien nicht versetzt zu werden. R., der das Hohenzollern-Realgymnasium in Schöneberg besuchte, hatte einen jüngeren Bruder, welcher besser lernte. CS wurden ihm aus diesem Grunde häufig Vorwürfe gemacht und man hatte ihm zu verstehen gegeben, daß es diesmal wohl nichts mit der Versetzung werden würde. Der junge Mensch nahm sich dies alles so sehr zu Herzen, daß er den Entschluß faßte, sich das Leben zu nehmen. Auf dem Klosett knüpfte er sich an einem Stricke auf. Damit das Seil nicht zu sehr in das Fleisch einschneiden sollte, hatte sich der jugendliche Selbstmörder ein Taschentuch um den Hals gewunden. Als man die unselige Tat entdeckte, war R. bereits tot. Schaukasteneinbruch am Polizeigebäude. Ein verwegenes Diebes- siückchen brachten in der vergangenen Nacht Einbrecher in Schöneberg zuwege. An dem Hause Hauptstr. 139, in dem sich bekanntlich das II. Polizeirevier befindet, sind an der Vorderftont mehrere Schau- kästen des Herrengarderobengeschäftes von Schulmeister angebracht. Seit einigen Tagen enthielten die Kästen wertvolle Kleidungsstücke im Werte von mehreren hundert Mark. Trotzdem die Polizei ein- und ausgeht, gelang es in der Nacht den dreisten Diebcsgesellen, die Schaukästen vollständig auszuplündern. Auch in dem unmirtelbar darüber befindlichen Bureauräumen war von den anwesenden Be- amten nichts von dem Einbruch bemerkt worden.— Die gleiche Diebesbande dürfte in der gestrigen Nacht auch die Schaukästen des Helrengarderobengeschäftes von S. Josef in der Hauptstr. 1 aus- geräumt haben. Es ist dies bereits der fünfte derartige Einbruchs- diebstahl, der bei der erwähnten Firma in letzter Zeit ausgeführt ivurde. Charlottenburg. Aufruf! Aerger noch als die Erziehung der schulpflichtigen Proletarier- jugend liegt diejenige der noch nicht schulpflichtigen Kinder brach. Ihre grundlegende Bedeutung für die Bildung der Persönlichkeit Ivird in den weitesten Kreisen auch der klassenbewußten Arbeiter- schaft verkannt. Oeffentliche Erziehungsstätten dieser Art existieren nicht. Die vorhandenen privaten sind teils für Proletarierkinder zu kostspielig, teils Wohltätigkeitsanstalten bürgerlicher Vereine und haben ausnahmslos mehr oder weniger das Bestreben, die Seele des jungen Arbeiterkindes mit bestünmten, den herrschenden Gesellschaftsklassen wohlgefälligen religiösen und politischen Anschauungen zu erfüllen. In der Erkenntnis dieses Mangels hat sich eine kleine Gruppe sozialistischer Frauen gebildet, welche den Versuch machen will, in Charlotten bürg einen nach modernen Erziehungs- grundsätzen geleiteten Kindergarten ins Leben zu rufen. Diese Erziehungsstätte soll frei sein von jeder religiösen oder politischen Beeinflussung. Sie soll die Sinne der ihr anvertrauten Kinder wecken und üben, ihren Vorstellungskreis klären und erweitern und diejenigen Tugenden pflegen, welche in der Gemeinsamkeit der Spiele und Tätigkeiten wurzeln und für das spätere Gemeinschaftsleben von Bedeutung sind. Alle Genossinnen und Genossen, welche dem geplanten Unter- nehnien Interesse und Unterstützung angedeihen lassen wollen, werden gebeten, ihre Adressen mitzuteilen an Frau Toni Suß mann. Charlottenburg, Berlinerstr. 102. Weißensee. Ei» schwieriges RettungSwerk vollbrachte gestern nachmittag der GendarmjChemnitz'aus Weitzensee.« An der MalchowerjChaussee war der vier Jahre alte Knabe Richard Volkmann aus der Berliner- straße 74 in einen gefährlichen Sumpf geraten. Auf das Geschrei des Kleinen eilte der Beamte sofort nach dem Pfuhl, in dem da Kind bereits untergegangen war. Chemnitz watete in den Sumpf hinein und mit Hülfe einer Dame, die ihm eine Stange zuwarf, gelang es dem Gendarm, den Knaben vom Tode des Ertrinkens zu retten. Die angestellten Wiederbelebungsversuche waren von Erfolg. Potsdam. Die Gründung einer„christlich-nationalen Gewerkschaft" soll heute Donnerstag, abends 8 Uhr, im Heinricischen Lokale vollzogen werden. Alle ehrlich denkenden Arbeiter werden ersucht, heute vollzählig zu erscheinen und den Protest der vorigen Versammlung gegen diese gewerkschaftlichen und politischen Quertreibereien energisch zu wieder- holen, die keinen anderen Zweck haben, als die Aktionsfähigkeit der Arbeiterklasse lahmzulegen. Und auch heute muß unsere Parole lauten:„Nieder mit dem jesuitischen Reichsverband!"—«Hoch die moderne Arbeiterbewegung!" berliner I�admcdten. Rückfrage» der BolkszählinigS-Abteiluiig des Statistischen AintcS der Stadt Berlin sind jetzt an der Tagesordnung. Die Abteilung hat nunmehr das gesamte Material zur Sichtung und Bearbeitung in Händen. Hierbei werden von den kontrollierenden Beamten reich- lich Monita gezogen, die zwar an die Gezählten gerichtet sind, in Wahrheit aber die Herren Zähler und Distriktskonnnissare treffen, die ihrerseits die UnVollständigkeit der Angaben hätten im vornhinein berichtigen müssen. Jedermann, der seine Zählkarte nicht ganz akkurat ausgefüllt hat, hat Aussicht, je nachdem die Bearbeitung des Materials an der Zentralstelle vorschreitet, durch eine Postkarte mit bezahlter Rückantwort folgenden Inhalts überrascht zu werden:„Auf den Karten der Volkszählung am 1. Dezember 1905 ist leider eine große Anzahl von Fragen unbeantwortet geblieben. Die nachträg- liche Angabe der betreffenden Daten ist unerläßlich. Es wird daher ergebenst ersucht, die auf der angebogenen Karte stehenden Fragen genau zu beantworten und die Äntwörlkarte in den nächsten Post- kästen werfen zu wollen. Statistisches Amt der Stadt Berlin." So- weit bisher bekannt, betteffen die meisten Rückfragen den„Beruf", der von vielen Personen nicht in der vom Stcktistischen Amt ge- wünschten präzisen, sondern mehr in allgemeiner Weise angegeben worden ist. Hunde auf der Hochbahn. Ueber die Beförderung von Hunden auf der elektrischen Hoch- und Untergrundbahn sind zahlreiche Be- schwerden geführt worden, infolge deren sich die Betriebsverwaltung veranlaßt gesehen hat, ihrem Bahnpersonal die genaue Beachtung der bezüglichen behördlichen Bestimmungen einzuschärfen. Die Po- lizeiverordnung betreffend den Betrieb der Bahn vom 16. Februar 1902 bestimmt in§ 7, daß nur kleine Hunde, welche auf dem Schoß gehalten werden, mitgenommen werden dürfen, solange sie sich nicht unangenehm bemerkbar machen. Diese Bestimmung ist auf der Hochbahn bisher nicht streng durchgefiihrt worden. ES wurden auch größere Hunde, die nicht gut auf den Schoß zu nehmen sind, befördert. Es ist deshalb zu den Bestimmungen für die Beförderung von Personen eine ergänzende Anordnung an die Beamten dahin.ergangen, daß als kleine Hunde, die gemäß§ 7 der Polizeiverordnung zur Be- förderung zugelassen sind, nur solche bis zur Größe eines Teckels oder Terriers in Betracht kommen. Größere Hunde find von der Mitnahme durch Fahrgäste ausgeschlossen.. Alle zur Fahrt zu- gelassenen Hunde sind nach der Polizeiverordmmg von den Fahr- gästen während der Fahrt auf dem Schöße zu halten. Fahrgäste, die hiergegen verstoßen, sollen unter Hinlveis auf die Polizei- Verordnung höflichst aufgefordert werden, den Hund auf den Schoß zu nehmen. Falls die Fahrgäste dieser Aufforderung nicht Folge geben, werden sie darauf aufmerksam gemacht, daß sie von der Weiterfahrt ausgeschlossen werden müßten. Die Ausstellung für Säuglingspflege wird am Sonnabend, den 10. März 1906, in den Gesellschaftsräumen des LandesauSstellungS- parkes, Alt-Moabit 4—10, eröffnet werden. In der gestrigen Sitzung der städtischen Schuldcputation wurde unter dem Vorsitz des Stadtsyndikus Dr. Hirsekorn dem An- trage zugestimmt, durch die Schulärzte bei der Einschulung der Kinder diesen für die Eltern ein sogenanntes Merkblatt gegen den Alkoholgenuß überweisen zu lassen. In dem Merkblatt heißt es u. a.:„Mütter, gebt Euren Kindern keine alkoholhaltigen Getränke! Nach Ansicht aller Aerzte ist auch der mäßige Schnapsgenuß für Kinder unter 14 Jahren schädlich." Aufgezwungene Feierstunden mußten städtische Arbeiter am Tage der Silberhochzeit des Kaiserpaares machen, ohne dafür, wie sich das gehört hätte, entschädigt zu werden. Aus Kreisen städtischer Arbeiter wird uns hierzu folgendes geschrieben: „Auf der Berliner städtischen Gasanstalt V(Schmargendorf) ließ der Herr Dirigent M. den Hofarbeitern bedeuten, daß am „silbernen" Dienstag nur bis Mittag gearbeitet werde, die Hand- werker hatten sogar den ganzen Dienstag frei. Auf die Anfrage der Arbeiter wurde ihnen zu ihrer Ueberraschung kurz und bündig mit- geteilt:„Bezahlt wird nicht!" Die Arbeiter erklärten natürlich, dann lieber arbeiten zu wollen, worauf der Platzmeister' meinte, daß die Beamten alle nach Hause gingen und ohne Aufficht könne nicht ge- arbeitet werden. In der Tat ist denn auch dieser unfreiwillige Feiertag seitens der Handwerker und Arbeiter gemacht worden in der Annahme, die Anstaltsdirektion werde sich bis zum Zahltage eines besseren besinnen und aus ihrer patriotischen Gesinnung die materiellen Konsequenzen ziehen. Dies geschah aber nicht. Statt dessen erklärte der Anstaltsdirigent, daß die bezügliche Verfügung von ihm falsch aufgefaßt worden sei; den Tag könne er nicht bezahlen, aber- wer am Sonntag bis 4 Uhr arbeiten wolle, solle den vollen Tag bezahlt erhalten. Natürlich verzichteten sämt- liche Handwerker und Arbeiter auf die Gnade, Ueberstunden als Ersatz für ungewollte Feiertage anzunehmen: sie verlangen ihren Lohn für den anberaumten Festtag. Sollte die Gasdirekrion diesem Ansinnen nicht stattgeben, so wird die Deputation sich mit dieser Frage beschäftigen müssen. Jedenfalls bringt die Anstaltsdirektion durch eine derartige Maßregel das bißchen Patriotismus auch noch ins Wanken, was bei einzelnen wenigen Arbeitern vielleicht noch vorhanden gewesen sein sollte. Von diesem Gesichtspunkte aus könnte man sich ja am Ende ein derartiges Vorgehen schließlich gefallen lassen! Ein„schwerer" Diebstahl ist gestern auf den, Grundstück Tegeler- Weg 107 verübt worden. In dem dort zurzeit im Bau befindlichen Wohnhaus befand sich ein zwei Zentner schwerer Ambos, welcher von mehreren Dieben gestohlen wurde. Wo die Burschen ihre schwere Beute untergebracht haben, konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Mord und Selbstmord. Gestern nachmittag hat sich am Engel- Ufer 1 in dem Hotel„Kottbuser Hof" ein blutiges Drama abgespielt. Tort erschien am frühen Morgen ein etwa 30jährigcr Mann mit einer jungen Dame und mietete in dem Hotel ein Zimmer. In das vorgelegte Fremdenbuch schrieb er: Kaufmann Willi Koepke und Frau. Es wurde dem Wirt bedeutet, daß sie beide sehr abgespannt seien und vor Mittag nicht gestört sein wollten. Dies wurde auch getan; als aber das angebliche Ehepaar auch in der zweiten Nach- Mittagsstunde noch immer nicht zum Vorschein kam« schöpfte man Verdacht und begehrte Einlaß in das Zimmer. Man erhielt indes keine Antwort, und nun drang man gewaltsam ein. Es bot sich ein schauerlicher Anblick. Beide Personen lagen in einer Blutlache und wiesen erhebliche Kopfverletzungen auf, die von Revolverschüssen herrührten. Die Frau war bereits tot. während der Mann noch Lebenszeichen von sich gab. Er wurde daher sofort nach dem Krankeuyause Bethanien geschafft, wo er indes gestern abend eben- falls g e st o r b e n ist. Ueber die Motive zu der Tat ist noch nichts ermittelt. Auch ist noch nicht bekannt, ob die Dame wirklich die Ehefrau des Koepke war oder ob es sich um eine Liebestragödie handelt. Das Fallen der Rebolverschüsse wurde merkwürdigerweise nirgends gehört. Durch die Entschlossenheit eines Straßenbahnfnhrers ist in der Frank'urter Allee schweres Unheil verhütet worden. Der Händler Otto Fähnrich, Friedenstr. 75 wohnhaft, passierte in angetrunkenem Zustande die Frankfurter Allee und geriet in der Nähe der Königs- ergerstratze an die Straßenbahngleise heran. Infolge seines Zu- standes bemerkte F. nicht das Heransausen eines Straßenbahnwagens und taumelte direkt gegen den Wagen los. Erst im letzten Augen- blick konnte der Führer den Angetrunkenen Ivahrnehmen und»nt großer Geistesgeeuiwart gelaug es ihm unter Auwendung all seiner Kräfte, den Motorwagen im letzten Augenblick zum Stehen zu bringen. Mit einem gewalligen Ruck stand das schlvere Gefährt kurz vor F. fest. Der Unvorsichtige wurde allerdings noch zu Boden gerissen, doch kam er mit einigen äußeren Verletzungen im Gesicht und an den Armen davon. Totgcquetscht. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in der gestrigen Nacht auf dem Straßenbahnhof der Berlin-Charlottenburger Straßenbahngesellschaft in Westend. Der Wagenwäscher Reitert war damit beschäftigt, mehrere Molorwagen zusanunen zu rangieren und trat, als er zwei Waggons zusammengefahren hatte, zwischen die- selben. In diesem Augenblick entsann er sich, daß er an dem einen Wagen, den er soeben verlassen, die Fahrkurbel hatte stecken lassen und versuchte, der Vorschrift zuwider, die Kurbel von seinem Stand- platz aus abzunehmen, statt sich auf den Perron zu begeben und es von dort aus zu tun. Bei dem Entfernen der Kurbel schaltete R. auf Kraft ein, der Wagen setzte sich in Bewegung und der Wagen- wäscher wurde zwischen beide Wagen geklemmt. Er erlitt einen Bruch des rechten Oberschenkels und anscheinend schwere innere Ver- letzungen. R. verstarb bald darauf im Krankenhause Westend, Ivohin er mittels Transportwagens gebracht worden war. In Zürich verhaftet wurde der Mechaniker Berger� welcher als Spezialität Diebstähle von Kraftfahrzeugen betrieb. So wurde vor mehreren Wochen in Charlottenbnrg ein Motorzweirad gestohlen, welches von dem Besitzer ohne Aufsicht auf der Straße gelassen worden war. B. wurde als der Dieb ermittelt als er seine Beute in Sicherheit bringen wollte und dabei durch übermäßig schnelles Fahren eine Persoualienfeststellung durch einen Polizeibeamten herbei- führte. Seiner Verhaftung entzog er sich durch die Flucht. Durch Briefe, die der steckbrieflich Verfolgte nach Berlin sandte, wurde ermittelt, daß er sich zurzeit in Zürich aufhalte, Ivo er auf Antrag der Staatsanwaltschaft nunmehr verhaftet toorden ist. Doppelselbstmord im Hotel. Ein junges Liebespaar ist Dienstag abend gemeinsam in den Tod gegangen, weil sich die Eltern der jungen Leute dem Verhältnis widersetzten. Der 22 Jahre alte Kaufmann Willi Necke, Sohn der Werkmeister Neckeschen Eheleute aus der Nazarethkirchstraße 48, lernte vor längerer Zeit die 19 Jahre alte Putzmacherin Gertrud Sachow aus der Müller- straße 130 kennen. Die beiden wollten einen Bund fürs Leben schließen, aber die Angehörigen des jungen Mannes waren dagegen. So zogen die Liebenden den Tod der Trennung vor. Am Sonntag verließen beide ihre Angehörigen. Als sie am Montag weder zurückgekehrt waren, noch von sich hatten hören lassen, wurden die Verwandten besorgt und machten der Polizei Anzeige von dem Verschwinden. Indessen war bis Dienstag mittag keine Spur aufzufinden. Am Montag kehrte in einem Hotel in der Dorotheenstraße ein junges Paar ein, das sich als Kaufniann Necke und Frau bezeichnete. Es bezog ein Zimmer im zweiten Stock. Am DieuStagmorgen bald nach 9 Uhr frühstückten beide auf dem Zimmer und waren scheinbar guter Dinge. Später hörte man nichts mehr von ihnen. Um 12>/s Uhr mittags ivollte ein Hallsdtener das Zimmer betreten, fand aber keinen Einlaß. Man verschaffte sich Zutritt und fand das Liebespaar angezogen im Ziunner tot auf. Beide hatten Lysol genommen. Wie festgestellt wurde, handelte es sich um das vermißte Liebespaar. Im Landwehrkanal an der Schlcsischcn Brücke ertrunken ist gestern der 6 Jahre alte Knabe der Heckertschen Eheleute, Curvystr. 3. Das Kind, das gestern nachmittag noch mit anderen Kindern spielte, wurde abends von den Eltern vermißt. Nachfragen auf dem in der Cuvrystraße befindlichen Polizeirevier ergaben, daß der Knabe er- trunken und bereits ans Ufer gebracht sei. Auf welche Weise der Knabe inS Wasser gefallen ist, konnte im Augenblick noch nicht fest- gestellt werden. Die Leiche wurde sofort nach dem Schauhause gebracht. Der Wintergarten hat sich einen neuen Stern zugelegt. An Stelle der Otero ist jetzt die M a d a m e S a h a r e t getreten, beide produzieren sich auf dem Gebiete des Tanzens. Die Saharet, die schon früher in Berlin aufgetreten, präsentiert sich in einer Humor- vollen Burleske, die uns auch die Bekanntschaft des Kaisers der Sahara Monsieurs Lebaudy(Herr Sandeman») und seines Leib- kamels vermittelte. Ueberhaupt ist der Tanz in dem Märzprogramm reichlich berücksichtigt. Eine Pariser Tänzerin A l e x i a bringt Tänze zum Borttag, daß man glaubt, eher einen Schlangenmenschen vor sich zu sehen, als eine Tänzerin. Was da alles an Glieder- Verrenkungen geleistet wird, ist kaum zu sagen. Auf demselben Ge- biete liegt auch das Auftreten der Londoner Tilletgesellschaft, die ein Rokokoballet inszeniert. Farbenprächtige, bis an die Knie reichende Kostüme, dünne Waden der sehr jungen Tänzerinnen. Das Werfen der Beine bis an die Nasenspitze, das war sicher nach dem Geschmack des Wintergartenpublikums, das ein internationales genannt werden kann; denn dabei kommt außer dem Auge auch die Lüsternheit, der Sinneskitzel auf seine Rechnung. Franca P i ch e r ist ein tüchtiger Banjovirtuos und de B i ö r e zeigt als Zauber- künstler seine verblüffenden„Hexereien". Vorzügliches leisten die „4 Raccos", die als Lustgymnastiker an der Decke des Saales am Trapez ihre Kunst zeigen. Im Passagc-Theater sind eS die amerikanischen Jongleure Kentukies, die eine bewundernswerte Gewandtheit entwickeln. Die beiden Akrobaten Gebrüder Schadow reihen sich ihnen würdig an. Auf dem Gebiete des Humors war der Humorist Fritz Schönbancr der Liebling des Abends, immer wieder holte ihn der nie enden wollende Beifall auf die Bühne, um ihn zu veranlassen, sein ge- samteS Repertoir vorzutragen. Besonders erwähnt werden muß der Musikalakt Trio ThaiS. Harfe, Harmonium und Flöte schaffen eine wundervolle Harmonie. Diese Musikkunststücke werden von den Vortragenden vereinigt mit der Parterreakrobatik, eine seltene Vereinigung.— In P a l a st- T h e a t e r in der Burgstraße ist der Schwank„' n e feine Nummer" das Zugstück des Abends. Außerdem treten eine Anzahl Spezialitäten auf, wie Lllftgymnastiker, ein Danz-Duo, der Humorist Walter und andere. «07 V Eduard Möller Düte, IMützcn, pdzwarcn Rirdorf, Kergstr. 34. geltestes kottz. Leihhaus Charlottenbnrg, Wilmerstlorferstr. 40 1. Hohe Beleihung. Oiskr. Sprechzimmer. Gelegenheitskäufe in Brillanten, Uhren, Gold- u. Silbersachen. 13291,' Leih-ffaus Charlottenbnrg, Friedrich- Karl- Platz 12, Berlin, Anklamer-Strafle 2. Beleihung von Brillanten, Gold- und Silberlachen, Uhren, Büchern, Wäsche, Kleidungsstücken zc. 3541'* Verantwortlicher Redakteur: HansWeber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:Th. Glocke, Berlin, Druck u, Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berl'agsanftalt Paul Singer L- Co.. Berlin SW,