N'. 57. flbonnemcnfS'Bedingungeni HtonnemenM. PrciZ pränumerando! Bierteljährl. z,zo Mk>, monatl. 1,10 Mtl., wöchentlich 28 Pfg. frei in? Hau?. Einzelne Nummer s Pfg. Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntags, Beilage.Die Neue Welt" l() Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeilungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Mari pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis Crfdxlnt tlgllch außer Olontaa*. Vevliner Volksblatt. S3. Jahrg. vle Insertion»-eedllh» beträgt für die sechsgespaltene Koloncl. zeile oder deren Raum 50 Pfg.,(üt politische und gewerkschaftliche«erelnZ. und Bersammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hnreigen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf» stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jcdeS weitere Wort S Pfg.«orte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen biS S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition tjl bis 7 Uhr abend» geöffnet. Telegramm» Adresse: „SMialdeuHluit BtrllB". Zcntratorgan der foztaldemokrat» leben Parte! Deutfcblands. Redaktion: SCQ. 68, Lindenstrasse 69. {tcrnftircrfier: Slmt IV, Nr. 1983. Freitag, den 9. März 1006. Sxpeditiom SM. 68, Lindcnetraaae 69. Fernsprecher: Amt IT. Nr. 1984. Am Scheidewege! Die Art. wie in den herrschenden Kreisen Deutschlands die Marokkoaffäre behandelt wird, zwingt das Proletariat zu unausgesetzter Wachsamkeit. Da es höchst un- wahrscheinlich ist, daß durch den Kabinettsturz in Frankreich die französische Marokkopolitik irgendwie beeinflußt werden könnte, ist die Situation im Augenblick noch genau so kritisch wie bisher. Die Gefährlichkeit der Lage ist durch die voll- ständige Isolierung Deutschlands auch keines- Wegs gemildert worden. Zwar hat die offiziöse„Nord- deutsche Allgemeine Zeitung" den Schach- zug der Mächte, die Polizeifrage gleichzeitig mit der Bankfrage zur Verhandlung zu bringen, als einen rein geschäftsordnungsmäßigen ausgelegt und der Demonstration der Mächte damit die politische Spitze abgebrochen. Auch hat sie heute(vgl. das Telegramm am Schlüsse des Artikels) durch Herrn v. R a d 0 w i tz die Er- klärung abgegeben, daß sie unter gewissen Kautelen nichts gegen die Polizeikontrolle durch Frankreich und Spanien einzuwenden beabsichtige. Es fragt sich nur, ob die deutsche Diplomatie in dieser Bahn des Einlenkens beharren oder ob sie wieder in den alten Fehler der Unnachgiebigkeit zurückfallen wird. Da eine gewissenlose Scharfmacherpresse emsig an der Arbeit ist, die Regierung zu Unbesonnenheiten aufzuhetzen, ist es doppelte Pflicht der Arbeiterklasse, nach- drücklichst zur Besonnenheit zu mahnen. Eins dieser Scharfmacherblätter, die„Rheinisch- Westfälische Zeitung" gesteht unumwunden zu, daß Deutschland in Älgeciras vollständig isoliert dastehe. Die deutsche Regierung kalkuliere vollständig falsch, wenn sie glaube, durch die immer wiederkehrende Beteuerung, daß sie ja nichts als die offene Tür für alle Mächte wolle, an der für Deutschland so ungünstigen Konstellation der Mächte irgend etwas ändern zu können. Der deutsche„Altruismus" »verde von niemand verstanden, sondern nur als„reine Bosheit gegenüber Frankreich" ausgelegt. Die Versicherung, daß Deutschlands Forderung der offenen Tür für alle ja auch im Interesse der übrigen Mächte liege, könne deshalb keinerlei Eindruck machen, weil ja die Frankreichs Forderungen begünstigenden Mächte gar kein Gewicht auf diese offene Tür legten, sondern sich durch anderweitige»veltpolitische Vorteile schadlos zu halten wünschten. Deutschland stehe jetzt vor dem Scheidewege: unheilbare Blamage oder unabsehbare Verschärfung des deutsch-franzöfischen Marokkostreites. Das Blatt der rheinisch-westfälischen Schlotjunker ist ge- »viffenlos genug, das l c tz t e r e vorzuziehen. Trotz aller Kriegs- reden könne man nicht glauben, daß Frankreich es schließlich zum äußersten kommen lassen werde. Einstweilen könne man noch annehmen, daß es nur auf eine„Einschüchterung des biederen Michel" abgesehen sei. Es sei deshalb zu hoffen, daß die deutschen Vertreter in Älgeciras sich nicht ein- schüchtern ließen, sondern„gestützt von dem ganzen Gewicht des hinter ihnen stehenden deuffchen Volkes die Ehre des Vaterlandes retten" würden. Man sieht also, daß es wirklich einflußreiche Kreise in Deutschland gibt, die den Konflikt auf seine Spitze getrieben sehen möchten. Um ein solch unerhörtes Spiel init der Kriegs- gcfahr zu rechtfertigen, stellt man die lächerliche Behauptung auf, daß die„Ehre des Vaterlandes" in Gefahr stehe! Genau dasselbe behaupten natürlich die Scharsmacher in Frankreich und England, bedeutet doch die Unnachgiebigkeit Deutschlands nichts anderes, als die völlige Annullierung des französisch- englischen und französisch- spanischen Marokko- Vertrages. Wenn also das Scheitern internationaler diplo- matischer Abinachungen mit der nationalen Ehre überhaupt etwas zu tun hat. so haben diese drei Mächte in viel höherem Matze daS Recht, von einer Verletzung ihrer nationalen Ehre zu sprechen. Bei einer solchen Spannung aber genügt irgend ein verhängnisvoller Zusall, um den offenen Konflikt heraufzubeschlvören und eine unübersehbare Kriegsgefahr zu ent- zünden! Brächte es die UnVersöhnlichkeit der deutschen Diplomatie in Älgeciras zu einem Scheitern der Konferenz, so brauchte das zioar an sich noch keineswegs den Ltriegsfall zu bedeuten, tvohl aber wäre eine so unerträgliche Lage geschaffen, daß jeder neue auftauchende Konflikt die schwersten Gefahren mit sich bringen müßte. Ginge die Konferenz ergebnislos aus- einander, so würde die Lage in Marokko nicht nur ebenso un- befriedigend bleiben als bisher, sondern die Reibungen ztvischen Frankreich und dem Sultan würden sich höchst»vahr- scheinlich noch bedeutend vermehren. Unsere deutsche Scharf- macherpresse rechnet geradezu mit einer solch unhaltbaren und konflittschivangeren Situasion! Sie erwartet, daß der Sultan Frankreich dann erst recht alle möglichen Schwierigkeiten bereiten werde. So schrieb die„Deutsche Tageszeitung" über die Sonnabendssitzung der Marokko- konferenz, in der trotz des Protestes der deutschen Vertreter beschlossen wurde, die Polizeifrage nicht bis zur Erledigung der Baukfrage zurückzustellen, daS Folgende: „Das M a r 0 l l 0 sich so entschieden auf die deutsche Seite gestellt hat. ist doch geeignet, den französischen Jubel etivaS zu dämpfen, denn eS sagt den Franzosen, daß an die ge- plante„friedliche Durchdringung Marokkos" nicht mehr zu denken ist. Am allerwenigsten, wenn die Konferenz scheitert. Vielleicht beschleunigt die Abstimmung daS ergebnislose Ende der Konferenz, und dagegen haben wir— wir wiederholen daS immer wieder— nichts einzuwenden." Unverblümter kann sich die hämische Schadenfreude nicht äußern. Jedenfalls können solche Auslassungen das Ausland nur in der Auffassung bestärken, daß die deutsche Politik nur die„reinste Bosheit gegenüber Frankreich" darstelle! Und so schürt und hetzt die reaktionäre deutsche Presse, als ob nicht durch solche Provokasion die Gefahr eines furchtbaren Völker- krieges frivol heraufbeschworen»verde I Und alle diese Provokationen, diese ganze wüste Hetze »vegen Marokkos! Wegen eines Landes, dessen Handels- beziehungen mit Deuffchland noch»veit geringere sind als die Handelsbeziehungen mit der Negerrepublik Haiti! Um das Ungeheuerliche einer solchen Frivolität zu bemänteln, hat man jetzt allerdings eine ganz neue Entdeckung gemacht. Man hat nämlich ersonnen, daß Marokko dasjenige Land ist, dessen Eisenerz- schätze dermaleinst berufen sein würden, der gewaltigen deutschen Metallindustrie einen beträchtlichen Teil des von ihr benötigten Rohmaterials zu liefern. Deutschland führe jähr- lich 60 Millionen Doppelzentner Eisenerz ein; die Haupt- sächlichsten Lieferanten hierfür seien bisher Spanien und Schweden gewesen. Deutschland habe mit„einem immer größeren Import von Eisenerzen zu rechnen, da Fachleute annehmen, daß die ErzVorräte Deutschlands selbst„zu Ende des Jahrhunderts" ziemlich erschöpft sein würden. Es sei also fraglich, ob Spanien und Schweden den deuffchen Bedarf künftig noch zu decken vermöchten. Auch gehe Schweden mit dem Gedanken um, einen Ausfuhrzoll auf Erz zu legen. Da werde nun Marokko dasjenige Land sein, dessen reiche Eisenerzschätze dermaleinst der deutschen Industrie ihr Rohmaterial zu liefern berufen sein werden. Man sieht, diese Argumentatton läßt an Phantastik nichts zu wünschen übrig, sie rechnet nicht nur mit der Erschöpfung der deutschen ErzVorräte— die „Schätzungen" der Fachleute pflegen auf ganz vagen und unkontrollierbaren Annahmen zu beruhen— sondern auch mit ganz kolossalen Eisenerzschätzen in Marokko, deren Vorhandensein sich ebenfalls auf nichts als ganz vage Annahmen stützt l Selbst aber den Fall gesetzt, daß Marokko dernialeinst für die Eisenproduktion irgend»velche Rolle spielen würde, so wäre es noch außerordentlich fraglich, ob das marokkanische Eisenerz wohlfeiler nach Deuffchland importiert werden kölinte, als sich das spanische oder das schwedische Erz trotz eines etwaigen Ausfuhrzolles im Preise stellte. Die ganze Kalkulatton ist eine so abenteuerliche, daß sie für einen ernsthaften Realpolitiker absolut nicht in Frage kommen kann. Sie soll auch nur dem Zwecke dienen, die Tatsache zu verhüllen, daß gewisse reaMonäre Kreise Deuffch- land in ein Kriegsabenteuer hineinzuhetzen versuchen, für das auch nicht das mindeste, sei es polittsches, sei es Volks- wirtschaftliches Interesse vorhanden ist. Während die scharfmacherische Presse das deutsche Volk in einen blinden Kriegstaumel hineinzuhetzen sucht, läßt es leider die bürgerliche Oppositionspresse in der Bekämpfung einer solchen Frivolität an der nöttgen Energie bedauerlich fehlen. In Dresden tauschten dieser Tage die Könige von Sachsen und Württemberg Freund- schaftsvcrsicherungen aus. bei denen die Rede»var von „diesen Tagen politisch hoher Erregung",>vo die Bundesfürsten in Wort und Tat zu zeigen entschlossen seien, wie fest und treu sie zusammenständen. Diese einige treue Bundesfreundschaft der deutschen Fürsten sei die feste Bürgschaft dafür, daß„auch in schwerer Zeit, vor welcher uns Gott bctvahren möge, ein fester Hort an dem Thron Deutsch- lands zu finden sei." Die„V 0 s s i s ch e Zeitung" findet in diesen Worten eine deutliche Anspielung auf den Marokko- konflikt und seine etwaigen Konsequenzen. Man habe aussprechen wollen, daß. sollte der Friede bedroht werden, die Deutschen in Nord und Süd, Hoch und Gering, fest zusammenständen, ein einziges einiges Volk in Waffen. Dazu bemerkt das freisinnig- volksparteiliche Blatt: „Aber»velche Sorge auch aus dem Herzen deutscher Bundes- füfften den Weg auf die Lippen finde, wir hoffen, daß das düstere Gelvölk sich bald zefftreue und Europas friedliche EntWickelung nicht gestört werde. Wir können nicht glauben. datz die Franzosen, die sich FaschodaS erinnern, blind genug wären, sich in einen Krieg mit Deutsch- land hetzen zu lassen. Es wäre nicht zu der- stehen,»venn eine Nation, die 85 Jahre lang die Friedens- liebe ihrer deutschen Nachbarn kennen gelernt hat, jetzt plötzlich um Marokkos willen einen blutigen Streit vom Zaune brechen wollte, einen Streit, bei dem viel mehr auf dem Spiele stände als die Zukunft des scherifischen Reiches. Und deshalb,»veil die Heraufbeschlvörung eines solchen Kampfes unverantwortlich bor der Mitwelt und Nachwelt iväre, erscheint auch nach allen ernsten Reden und Trinksprüchen die Zuversicht berechtigt, datz eS zu einem Einvernehmen komnien werde,»velche geheimen Einflüsse sich auch geltend machen mögen, eine Einigung zu verhindern, um andere Mächte in die Lage des tortins gauäsos zu bringen." Die„Vossische Zeitung" richtet also an Frankreich die Mahnung, sich nicht in einen Krieg hetzen zu lassen. Sie stellt es so dar, als ob ein ernstlicher Konflikt nur durch das Nachgeben Frankreichs verhütet werden könne, »vährend jetzt in Wirklichkeit für Dentschlaud mindestens ebenso sehr die Pflicht besteht, seine Friedensliebe durch besonnene Mäßigung zu betätigen! Es ist eben die alte Bourgeoistaktik, den Friedensstörer immer im Nachbarlande zu suchen, statt in den Fehlem der eigenen Politik l Umso»venigcr darf die deutsche Arbeiterklaffe die Re- gicrung darüber im Zweifel lassen, daß sie es als Verbrech e n betrachten»vürde,»venu die deutschen Vertreter in Älgeciras nicht alles aufbieten»vürden. einem versöhnenden Ausgleich die Wege ebnen zu helfen! » AlgeciraS, 8. März. Nach dem über die'heutige Sitzung der Konferenz ausgegebenen amtlichen Communiqus setzte die Konferenz in offizieller Sitzung die Prüfung der zurückgesetzten Punkte der Bankfrage fort. Die Konferenz konstituierte sich sodann zu einer Komitee» s i tz u n g und setzte die Prüfung der Polizcifrage fort. Der erste deutsche Vertreter, von Radowitz, erklärte hinsichtlich der von den verschiedenen Delegierten in der letzten Sitzung dargelegten An- schauungen, datz seine Regiening keine Einlvendungen erheben würde gegen eine Organisation der Polizei durch Frankreich und Spanien in den dem Handel geöffneten Häfen unter Garantien, die geeignet seien, die Freiheit des Handels zu sichern. Der Präsident verlaS sodann den von den französischen Vertretern eingebrachten Entlvlirk. Der erste Vertreter Oe st erreich- Ungarns legte seinerseits einen Polizeientwurf vor, der zur Ver- teilung gelangte. Nach eine»n kurzen Meinungsaustausch forderten die Delegierten eine gewisse Frist, um die vorgelegten beiden Ent- würfe zu studieren und beschlossen, Somiabendvormittag zusammen- zutreten, uin die Beratung des Artikels 23 des Bankentlourfs und vie Prüfling der Grundlagen fortzusetzen, auf denen eS werde möglich erscheinen können, einen endgültigen Polizeientwurf aufzustellen. politifcke(UbeiTLekt. Berlin, den 8. März. Postgercchtigkeit. Die lhinesische Deputation, die heute in der Diploinaten- löge zu parlamentarischen Studien den Reichstagsverhand- lungen folgte, wird den Eindruck erhalten haben, daß man es im deutschen Reichstage famos versteht, kleinere Fragen— denn das sind die lokalen Wünsche nach Postneubauten— mit hochtönenden Worten aufzubauschen. Der Zentrumsabgeord- nete H u g hatte dergleichen Wünsche für badische Postämter in pathetischer Rede vorgetragen und der Staatssekretär des Reichspostamtes versicherte darauf mit erhöhtem Pathos, daß die Postvertvaltung bei der Behandlung dieser Fragen von Gerechtigkeit, und nur von der Gerechtigkeit geleitet werde. Die verschmitzten Chinesen verzogen keine Miene, als sie diese pathetische Versicherung anhörten, sie werden aber jedenfalls verstehen gelernt haben, wie parlainentarische Komödie ge» spielt wird. Leider tvaren sie nicht mehr anwesend, als Genosse Z u» b c i l die wichtigere Frage der Beamtenbehandlung an- schnitt. Sie würden von der Gerechtigkeit der Post eine andere Anschauung erhalten haben. Auch die Plusinacherei der Post hätten sie bewundern können, wenn sie aus den Ausführungen des freisinnigen Abgeordneten Kämpf ver- nommen hätten, wie der Staatssekretär, e»rtgegen seiner früheren Stellung zur Verbilligung des Postverkehrs, in der steuerwütigen Finanzkoinmission seine eigenen neuesten Er» rungenschaften: Verbilligung des Ortsverkehrs, Einführung der 2 Pfennig-Postkarte— wieder vernichten helfen»vill durch Erhöhung der Tarife für diese und den Postpaketverkehr. Diese kapitalistischen Neigungen zur Plusmacherei sind nichts Neues, sie wurzeln im System des bürgerlicheil Staates, sie sind die Ursachen der bureautratisch-diktatorffcheu Behand- lung und der unzureichenden Gehälter der unteren Beamten, die sich zur Gerechtigkeit gerade so verhält,»vie der Auto- kratisinus zum Parlamentarismus. Wie der Bureau- kratismus nach dieser Seite ausschlägt, das be- stätigte ein Wort des Staatssekretärs Krätke, der auf abermalige Vorhaltungen über seine Maßnahmen gegen den Postassistentenverband unter anderem den Ausspruch prägte:„Die Beamten müssen das Vertrauen zur Verwal- tuiig haben, daß diese die Interessen der Beamten vertritt." Wie diese Interessen vertreten»verden, betveisen die jährlich wiederkehrenden Klagen der Unterbeainten und die auf die nichts weniger als gerechte Dienstbelastung derselben sich stützende Kritik im Reichstage. Aus allen Parteien erfolgt diese Kritik und müßte die Reichspostverwaltung belehren, daß das wichtigste staatliche Verkehrsinstitut losgelöst werden muß von preußisch-bureaukratischen, verkehrshindcrlichen An» schauungen, die einein Kulturstaat nicht zur Ehre gereichen. Der Sprecher des Zentrums, Abgeordneter Erz» berger, hielt zum Schluß ein Plaidmier gegen die Ver- billigung des Ortsverkehrs, und dokumentierte so die kultur- widrige Stellung des Zentrums zu den Verkehrs» institutionen. Morgen: Postetat._ Preußischer Landtag. Am Donnerstag hielten beide Häuser des Landtags Sitzungen ab. Das Herrenhaus, das nach längerer Zeit wieder zusam- mentrat, beriet neben kleineren Vorlagen den vom Abgeord» netenhause bereits erledigten Gesetzentwurf zu einem Kreis» und Provii»zialabgabengesetz. Wie zu erwarten war, erhoben die hohen Herren, denen der Minister des Innern eine ganz besondere Sachkenntnis andichtete, lebhaften Emspruch gegen die durch den Entwurf vorgesehene gerechte Besteuerung länd- licher Grundstücke. Die armen„Notleidenden"»nöchte»!, an« statt Steuern zu zahlen, am liebsten noch Geld vom Staate dazu haben.— Am Freitag steht u. a. die Vorlage betr. Festsetzung einer Entschuldungsgrenze auf der Tagesordnung. Das Abgeordnetenhaus begann die zweite Lesung des Etats der Eisenbahnverwaltung. Deni durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Minister v. Budde wurde von allen Seiten hohe Anerkennung gezollt. Die Herren inr Drei- klassenparlament sind mit ihm sehr zufrieden: Einmal gefällt ihnen die militärische Schneidigkeit, mit der er das selbst- herrliche Regiment in seinem Betriebe aufrecht zu erhalten sucht, und zweitens ergötzen sie sich an den hohen Ueberschüssen, an denen freilich Herr v. Budde unschuldig ist. Daß trotz dieser hohen Ueberschüsse nennenswerte Tarifreformen nicht zu erwarten sind, ist bekannt, und auch diesmal trat in der De- batte wieder der lebhafte Widerstand gegen Tarifreformen im Sinne einer Berbilligung der Personentarife zutage. Interessant war es, zu hören, wie die Konservativen gegen den Reichstag wetterten und gegen die im Reiche geplante Fahrkartensteuer mobil zu machen suchten— natürlich nicht aus vcrkehrsfreundlicher Gesinnung, sondern weil sie sich jeden Eingriff des Reichs in preußische Angelegenheiten verbitten. Hoffentlich machen sie nach dieler Richtung hin ihren Einfluß auf ihre Parteifreunde im Reichstage geltend und tragen so zum Scheitern der ganzen Stengelschen Finanzreform bei. Bloßes Lamentieren im Landtage hat keinen Zweck, wenn dein Worte doch die Tat nicht folgt. Daß der edle Oktavio v. Zedlitz selbst bei dieser Gelegenheit gegen das allge- meine Reichstagswahlrecht Sturm zu laufei? suchte, nehmen wir ihm nicht übel. Diese Rede gehört zu seinein ständigen Repertoire, und der gute Mann ist von seiner fixen l�dee doch nun einmal so unwiderstehlich besessen, daß er es selbst beim besten Willen nicht mehr lassen könnte, bei den unpassendsten Gelegenheiten eine Poleinik gegen die Sozialdemokratie an den Haaren heranzuziehen. Auch über die Tarifgemeinschaft wurde manches ge- sprachen, doch kam irgend etwas Positives dabei mcht heraus. Die Fragen, die sich auf Angelegenheiteil der Eisenbahnange- stellten beziehen, lvaren aus der Debatte ausgeschaltet. Wenn überhaupt, so wird im Laufe der»veiteren Verhandlung, die auf Freitag vertagt wurde, darüber gesprochen werden. Bürgerliche Steuerpolitik. Aus Bremerhaven wird uns geschrieben: Daß es nicht nur die Junker Ostelbiens sind, welche alles Laran setzen, um die Staats- und Gemeindelasten von sich abzu- wälzen, sondern daß dieses Handwerk auch von den republikanischen Pfeffersäcken mit der gleichen Virtuosität geübt Ivird, dafür ist jüngst hier an der Unterweser wieder ein charakteristisches Beispiel geliefert ivorden. Die kommunalen Steuerberhältnisse in Bremerhaven gehören zu den vorsintflutlichsten, die man sich denken kann. Als einzige Stadt in ganz Deutschland besteht hier noch— und zwar als Haupt- dmmhmc quelle der Koinmune— die Mietssteuer. Alle Versuche, sie zu beseitigen, scheiterten an dein Widerstande der bürgerlichen Jnter- esse»Politiker: erst infolge der Gcbietsabtrctnng Preußens an den breini- schen Staat wurde auf Drängen der preußischen Nachb ar» gemeinden erreicht, daß vom I.April d. I. wenigstens dieMictS- stcucr für Mieten bis zu 3lX) M. abgeschafft wird. Zugleich kommt von diesem Zeitpunkte ab das Schulgeld für die Bremerhavener Volksschulen in Fortfall. Es ist selbstverständlich, daß für diese der Kommune entstehenden Einnahmeansfälle Deckung geschaffen werden muß. Nichts hätte näher gelegen, als die Situation zu benutzen zur Herbeiführung einer kommunalen Steuerreform von Grund aus. Tatsächlich wurde auch ein schwacher Anlauf dazu genommen, er erstickte aber bereits im Keime, weil— vom Staate abgewinkt wurde. Die eingesetzte Kommission beschloß, das ganze jetzige Steuersystem bestehen zu lassen und nur die Einwohner zu der von den nicht Mietssteucrpflichtigen zu entrichtenden Personal- steucr stärker als bisher heranzuziehen. Die Skala dieser Personal- steuer ist bereits charakteristisch. Sie beginnt mit einem Betrage von 9 M. Steuer bei eine»? Einkommen von 900 M. jährlich und steigt in schwach progessiver Weise, bis sie bei einem Ein- kommen von 8009 Mk. 3 Proz. dieses EinkommeirS be- trägt. Dannt hört die Progression auf, so daß auch von höheren Einkommen die Steuer nur 3 Proz. beträgt. Trotz des entschiedenen Widerspruches der sozialdemokratischen Fraktion hat die bürgerliche Mehrheit der Stadtverordneten diese Schein«„Reform" bereits akzeptiert. Unsere Genossen verlangten, das jetzige kommunale Steucrsysten? von Grilnd auS zu ändern, die Mietssteuer völlig auf- zuHeben und dafür eine progressive Ei»kommen st euer, unter gleichzeitiger Errichtung eines Kommunaleinkommensteuergesctzes, einzuführen, dergestalt, daß auch diejenigen Einkommen zur Steuer herangezogen würde??, die a?ls Betrieben resllltieren, die hier bestehe??, ihren Stammsitz aber in Bremen haben: Es ha??delt sich vornehmlich uin den Norddeutschen Lloyd und u?n eine Al?zahl anderer bedeutender Finnen. Der Norddeutsche Lloyd z. B. zahlt an die Stadt Brenrerhaven nur eil?e geringfügige Mietssteuer, der ganze ungeheuere Gewinn der Gesellschaft aus den hiesigen Riesenbetrieben unterliegt nicht der k o in n? u n a l e n B e st e u e r u n g, sondern er wird in Bremen versteuert: und die Brcmerhavener Stadtvertretung sanktionierte diesen KommissioiiSbeschluß. Einstimniig lehnte die bürgerliche Mehrheit die sozialdemokratischen Anträge ab. Weshalb? Weil sie eS nicht wagt, offen gegen den Bremer Senat Stellung zu nehmen, denn— der Bremer Senat ist gegen die gedachte Steuerreform! Aber die Bremerhavener Stadtvertretung hat auch„eigene" Swuerpläne. Sie sollten zwar noch nicht an die Oeffentlichkeit dringen, aber ein Stadtratsmitglied, das häufiger ungewollte Seitensprünge macht, Dr. Wolf plauderte aus, was bisher in den verschwiegenen Bufen ruhte. Die MietSsteuer soll nicht verschwinden, auch in der Zukunft nicht, denn„die Erhebung der Steuer nach dem Miets- zinS ist absolut keine Ungerechtigkeit, da jeder ja selbst bestimmen tönnc, welche Summe er verwohnen will.(I)" Ferner gedenkt man, wenn man mit den Mehrergebnissen der Personal- steucr nicht auskommt, uin das städtische Defizit zu decken, eine koinninnale B i e r st e u e r einzuführen und den Gaspreis zn erhöhen. Noch ein anderer kommuualpolitischer Plan verdient festgenagelt zu werden. Bon sozialdemokratischer Seite war die Schaffung einer Steucr von dem unverdienten Wertzuwachs angeregt worden, und zwar als kommunale Steuer für die Stadt Bremerhaven. Nun plant man eine solche Wertzuwachssteuer auch in Bremen, und da erklärte der Vertreter des Stadtrats dann, daß diese bremische Steuer nach der Vorlage des Senats als staatliche Steuer auf das gesamte Gebiet des bremischen Staates ausgedehnt werde» solle, also auch Bremerhaven treffen werde. Diese Mitteilung zeigt die so viel gerühmte Liebe Bremens für feine Tochterstadt Bremerhaven in schönster Beleuchtung. Der unverdiente Wertzuwachs also, dessen Entstehen fast ausschließlich eine Folge bestimmter kommunaler Einrichtungen ist, Einrichtungen, die oft nur unter den schwersten Opfern der Stadt geschaffen werden 'öimeii, soll nicht der Bestenerung durch die Gemeinde unterstehen. .ondern er wird genau so wie das Einkommen und Vermögen vom Staat als Steuerquelle in Anspruch genommen I Ministersturz in Frankreich. Die überraschende Meldung vom Sturze des französischen Miiiisteriilins hatten wir gestern in letzter Stunde noch im Depeschen- teile unseres Blattes bringen können. Nun sich die Situation deutlicher überschauen läßt, ist es erforderlich, nach den Gründen dieser plötzlichen Krise zu forschen. Der bisherige Leiter des Kabinetts, Herr Rouvier, war kein Freund der Deutlichkeit. Er diplomatisicrte über Gebühr, wollte eS mit keiner Partei verderben und mußte es infolgedessen schließlich mit allen verderben.— Die Pfaffengarde hatte ihn auffordern lassen, die durch das Trcniiiingsgesctz erforderlich gewordenen Kirchen- Inventuren verschieben oder gar beseitigen zu helfen, denn es war— wie wir fortlaufend gemeldet hatten— dabei zu argen Zusammenstößen und schließlich gar zur Tötung eines Menschen gekommen. Rouvier wollte und durfte sich nicht offenkundig zum Werkzeuge einer klerikalen Politik machen lassen. Ebensowenig aber war er zu be- wegen, den nach entgegengesetzter Richtung zielenden Wünschen Vorschub zu leisten, die darauf hinausliefen, daß die Durchführnng des TrenniingSgesetzes mit größerer Energie bewerkstelligt und der Pfaffensippe ihr Handwerk gelegt werde. So fand denn im entscheidenden Moment das Ministerium Ronvier in der Kammer weder auf der rechten noch auf der linken Seite noch in der Mitte genügend Freunde, und es fiel von seiner unaufhörlich schwankenden Schaukel jäh herunter. Seine Biegsam- keit, seine Schmiegsamkeit den Wünschen und Anregungen aller Parteien gegenüber hat ihm nicht genützt, sondern geschadet, und so ist es denn der von ihm mit heißem Sehnen erwünschten Möglich- keit, die Maiwahlen dieses Jahres zu leiten, gewaltsam beraubt worden. Also die Strafe ist nicht unverdient über Rouvier gekommen. Zu bedauern ist allenfalls der neugebackene Präfident der Republik, Herr Falliöreö, der— kaum ins schwere Amt gelangt— sich einer so eigenartigen KrisiS überantwortet sieht.— Es versteht sich von selbst, daß sofort die Frage aufgetaucht ist, wie das neue Kabinett beschaffen sein dürfte. DaS ist im Augenblick natürlich sehr schwer zu sagen; denn der Ministersturz hat sich ja nicht als ein einheit- liches Vorgehen aller oder einiger Parteien abgespielt, sondern er kam unter einem Tohuwabohu von Abstimmungs-Kombinationeii zustande. Die Resultate der einzelnen Stimmgänge liegen zwar noch nicht authentisch vor. Aber aus den Endzahlen kann man fest- stellen, daß Partci-Zersplitterungen vorgekommen sein müssen und daß auch die Sozialisten und die Radikal-Sozialisten wieder— wie gewöhnlich— innerhalb ihrer Fraktionen nicht einheitlich gestimmt zu haben scheinen. Was nun die schon erwähnten Vermutungen über das neue Kabinett anlangt, so werden die verschiedensten Namen genannt. Am interessantesten ist eS wohl, daß davon gesprochen wird, Mille- r a n d habe Aussichten, an Rouviers Stelle zu gelangen. Es wäre das, soweit sich in? Augenblick übersehen läßt, kein glücklicher Aus- weg; denn offenbar wäre Millerand der letzte, der eine andere Politik zu treiben Lust und Mut hätte als Rouvier. Ohne Zweifel würde auch Millerand nicht wagen, den Klerikalen scharf auf den Leib zu rücken, noch auch es mit den Gegnern des Pfaffentums zu verderben. Auch der Sozialist Briand wird als Ministeraspirant genannt, ferner Clemenccau, Leon Bourgeois. Sarrien. Brisson, Barthou, Jean Dupny u. a. m. Zu erwähnen ist noch, daß auch die Behauptung auftauchte, der Sturz des Kabinetts sei erfolgt, weil die äußerste Linke unter diesem Ministerium ihre Wahlchancen für sehr gering gehalten habe. Diese Vermutung scheint uns recht unzutreffend zu sein; denn die Radikalsozialisten z. B. haben ja keinerlei Garantie dafür. daß das konnnende Ministerium eine Zusammensetzung erhält, die ihnen günstiger wäre. Obwohl das Kabinett Rouvier über ein Problem innerer Politik gestolpert ist, drängt sich die Frage auf. ob der Vorfall Be- deutung für die äußere Politik— zumal für den Fortgang der Marokko- Konferenz— gewinnen könnte. Wer Deutschlands Diplomaten- genieS cinigerniaßen kennt, der traut ihnen ohne weiteres den Wunsch zu, aus der vorübergehenden Unannehmlichkeit Frankreichs Kapital zu schlagen. Das wäre natürlich von sämtlichen bereits be- gangenen Dummheiten die allergrößte; denn es versteht sich von selbst, daß England und die übrigen zurzeit frankreichfreundlichen Staaten ihre Politik nicht um der schönen Augen des Herrn Rouvier willen getrieben haben, und daß sie auch durch die so oder so sich gestaltende Neubesetzung des französischen Kabinetts von ihren poli- tischen Richtlinien nicht abweichen werden.— Oeutrebee Refcb. Zu viel verlmigt! Hamburg, den 8. März. lEig. Ber.) In der Sitzung der Hamburger Bürgerschaft vom Mittwoch, den 7. März, kam es bei Beratung des Staatsbudgets für 1900 zu leb- haften Auseinandersetzungen zwischen den Genossen Stalten und P a e p e l o w einerseits und einigen bürgerlichen Abgeordneten andererseits, die nicht zu begreifen vermochten, wie die Sozial- demokraten gegen das Gesamtbudget stinimen können. Genosse Stalten setzte diesen begriffsstutzigen Leuten auseinander, weshalb die Sozialdeniokratie eine Staatsverwaltung, welche die Arbeiter- schaft für minderen Rechts erklärt, die zur Anfrechterhalrung der Klassenherrschaft erforderlichen Machtmittel nicht bewilligen kann. Redner erinnerte an das zweierlei Maß, mit dem bei wirtschaftlichen Kämpfen die Unternehmer im Gegensatz zu den Arbeiterngemessen werden, und an andere schöne Dinge, die von der„Rechtsgleichheit" in? Staate Mamnionia Zeugnis ablegen. Bon wahrer Gleichberechtigung könne in Hamburg nicht die Rede sein. Das habe man zur Evidenz durch die Wahlrechtsbeschlüsse bewiesen. Herrn Reimer von der Linken, der allerlei ungereimtes Zeug über Streiks und„Tcrrorismus" der Sozialdemokratie zumlbesten gab. führte Genosse P ja e p e l o w treffend ab. Darauf wurde die Debatte vertagt.— Hehlerdienste. Die bürgerliche Presse fühlt sich in ihrer sittlichen Anspruchslosigkeit nicht bewogen, von dem Reinfall der politischen Polizei Notiz zu nehmen. Sie befolgt die ihr von der„Deutschen Tagesztg." empfohlene Taktik, die Sache totzuschweigen. Allem Anschein nach findet sie es mit der vielgerühmten hohen Ethik des Bürgertums völlig vereinbar, daß ein Polizeibeamter einen Arbeiter durch Geldangebote zum Parteiverrat zu bewegen sucht. Allerdings. ein Moffesches Blatt äußert sich doch zu der Angelegenheit— aber nicht das„Bcrl. Tagebl.", sondern die „Berl. Morgenztg." Für das vornehmlich in den Kreisen der Geschäftsbourgeoisie gelesene„Tageblatt" liegt nach Ansicht der Mosse-Leute demnach kein Anlaß zur Entrüstung vor. wohl aber für die viermal billigere„Morgenzeitung". Demnach scheint man dort anzunehmen, daß das sittliche Empfinden der„MorgenzeitungS"- Leser weit delikater ist, als das der„Tageblatt"-Leser.— Der Uebergang dcS Freisinns ins reaktionäre Lager nimmt seinen logischen Fortgang. Nachdem der Abg. Eickhoff die Flottenbegeisternng innerhalb seiner Partei inauguriert hat. beschloß kürzlich die Handelskammer zu Brandenburg an der Havel unter dem Präsidium des volksparteilichen Abg. B l e l l, nicht nur den� neuen Steuerplänen zuzustimmen, sondern noch weitere Stenerpläne in Vorschlag zu bringen. Da Abg. Blell bisher das Präsidium genannter Handelskammer nicht niedergelegt hat. ist sehr wohl die Annahme berechtigt, daß er„mit von der Partie" ist. Vor wenigen Tagen hat nun auch der„Verein Berliner Agenten", wo- selbst die um Eugen Richter den Ton angaben, e t n st i m m i g be« schloffen,„daß die gegenwärtige» Steuerborlagen nicht derartig einschneidend die Lebensinter- essen des gesamten Agenten st andeS treffen, um ein Vorgehen des Zentralverbandes(der Agentenvereine Deutschlands), sei es durch eine Ein- gebe oder durch Stellungnahme auf den? Kongreß(der Agenten) zu rechtfertige n."— Vom Stand- punkte deS KausinnmiS aus betrachtet, kann man nicht naiver und handelsfeindlicher votieren, als die Herren Agenten dies getan. Wissen denn die Herren gar nichts von der großen An- zahl reisender Agenten, die besonders durch den Antrag des nationalliberalen Abgeordneten Becker auf lilometrische Zuschlags- besteuernng der Fahrkarten am Geldbeutel empfindlich getroffen werden? Wenn jetzt die Kaufmannschaft mit fliegenden Fahnen ins Lager der Reaktion übergeht, so kann uns das nur angenehm sein, weil unsere Anfklärnngsarbeit dadurch eine merkliche Erleichterung erfährt.— Almosen für die Opfer der Kolonialkriege. Die„Nordd. Allg. Ztg." erzählt, scheinbar voll patriotischen Stolzes, daß bei einer Wohl- t ä t i g k e i t s v o r st e l l u n g. die in Aachen von Offizieren zu- gunsten der Soldaten in Südafrika und ihrer Hinterbliebenen ver- anstaltet worden sei. 20 000 M. zusammengekommen seien.„Manche Sorge und manche Not werde sogelinder t." Das Unternehmen verdiene herzlichen Dank und auch Nachahmung. Es scheint also, als ob man die Liiidernng der Not der Opfer des Kolonialkrieges und ihrer Angehörigen wesentlich der privaten Wohltätigkeit überlassen wolle! Ganz abgesehen davon, daß derartige Almosen ganz unzulänglich sein werden, ist es doch die P f l i ch t des Reiches, für die Opfer solcher Kriege ausreichend zu sorgen, in die man sich leichtherzig gestürzt hat. Man brauchte sich nur aus der blutgedüngten siidwestafrikanischen Sand- wüste zurückzuziehen, um das Zehnfache von dem zu sparen, was eine pflichtgemäße Versorgung der Kriegsopfer und ihrer Hinterbliebenen kosten würde. Statt dessen verpulvert man weitere Hunderte von Millionen in sinnlosen kolonialen Abenteuern und überläßt die Opfer dieser Abenteurerpolitik der privaten Wohl- tätigkeit!— Zur Vorgeschichte der Kanicriimiffäre erhält die„Franks. Z t g." folgende Mitteilungen: Der in Deutschland lebende Sohn des King Akwa ist auf den Gütern schlesischer Magnaten er- zogen worden. Der ReichstagSpräsident Graf B a l l e st r e m, der Z e n t r u m S a b g e o r d n e t e Graf P r a s ch ni a und andere mehr kennen den jungen Aklva sehr gut. Bor einigen Jahren nun erzählte der junge Akwa, daß die Kameruner sehr unzufrieden seien mit Puttkamer; dieser wolle von Beschwerden nichts wissen und habe gedroht, wenn man ihm noch einmal mit Beschwerden komme, lasse er die Beschwerdeführer ins Gefängnis werfen. Aklva bat uin Rat, wie sich die Kameruner Verhalten sollten. Ter inzwischen verstorbene Zentrumsabgeordiiete F reihe?�r v. H e e r c in a n n forderte nun den jungen A ck w a auf, wenn die Kainernner glaubten Ursache zu haben, sich über Puttkamer zu beschweren, so sollten sie sich beim Reichstage oder bei in Reichskanzler beschweren, dann würde ihnen schon Recht werden. Als die Gärung in Kamcruii über Puttkamer nun immer stärker wurde und einzelne Häuptlinge voni Deutschen Reiche abfallen ivollten, erhielt der junge Akwa davon aus Duala Mitteilung. Unverzüglich empfahl er seinen Stammes- genossen, sich ruhig zu verhalten. Wenn sie sich vor Puttkamer schützen wollten, so sollten sie dem Rate des Abg. Frhrn. v. Heereman folgen und eine Beschwerde an den Reichskanzler und den Reichstag richten. In einer großen Häiiptlingsversammlung wurden dann die Vorschläge deS iilngen Akwa akzeptiert und dieser selbst zum Bevollmächtigten in dieser An- gelegenheit in Deutschland ernannr. Da die„Köln. Volksztg." diese Nachricht ohne Kominentar wiedergibt, darf ihr Inhalt wohl als richtig angesehen werden. Die Beschlverdeschrift der Häuptlinge wäre demnach also auf die An- regung Von Zentrumsparlameiitariern hin verfaßt worden. Ilnver» ständlich ist es dann nur, daß unter solchen Umständen das Zentru»? nicht schon früher etwas gegen das Puttkamer-System'unternommen und sich der eingekerkerten Häuptlinge nicht energischer an- genommen hat.— Szenen aus dem Kasernenleben. Auf der Anklagebank des Kriegsgerichts der I. Gardedivision erschienen gestern ein Unter- osfizier und vier Grenadiere von der 0. Kompagnie des 2. Gard.- regiments zu Fuß. um sich wegen Mißhandlung eine Rekruten zu verantworten. Haupttäter war der Unteroffizier Jnhlke, dem eine Reihe von Mißhandlungen und vorschriftswidriger Bchandlimgen zur Last gelegt wurden und dem die Anklage außer- den? vorwarf, Untergebene, die Rekruten Barkate, Küster, Janoivsky und Eisbein durch Mißbrauch der Dicnstgcwalt dazu angestiftet zu haben, einen anderen Kameraden körperlich zu mißhandeln. In? Dezember v. I. hatte der Rekrut Luckner feine Sachen zum Kirch- gang nicht rechtzeitig fertig gemacht. worauf ihn der Unteroffizier mit den? Haarbuich ins Gesicht schlug und eine Ohrfeige versetzte. Bei einer anderen Gelegenheit befahl der Vorgesetzte den? Rekruten„Rumpf vorwärts beugt Er hielt ihn dann an? Kopf fest und'forderte die erwähnten vier Grenadiere mit den Worten„Gebt dem Kerl eins mit den Schnürschuhen, wenn Ihr nicht wollt, so b e k o in in t i h'r selbst eins auf den Hintern!" Die Rekruten hielten dies für einen Befehl und führten ihn auch aus. Als sich der Mißhandelte infolge der Schläge mit den Schnürschuhen wieder Hochstrecken wollte, schlug ihn der Unteroffizier mit dem Schuhleisten ins Gesäß, so daß dem L. die Tränen aus den Augen kamen. In einem weiteren Falle mißhandelte I. den Untergebenen mit der Rouleau- stanze, ein andermal versetzte er ihm Stöße mit der Faust gegen das Kinn, daß er zur Erde fiel. Auch zu Ohr- feigen ließ sich der Unteroffizier hinreißen. Das Kriegsgericht erkannte gegen ihn auf eine Strafe von sechs Wochen mittleren Arrest. Die übrigen vier Angeklagten wurden freigesprochen, da sie sich als Rekruten der Tragweite ihrer Handlung nicht bewußt gewesen wären.—_ Bürgerlich-Demokratisches. Stuttgart. 5. März 1906.(Eig. Ber.) Kleine, ja kleinliche Dinge sind es. die heute skizziert werden sollen, aber es zeigt sich, daß sie von symptomatischer Be- deutung für gewisse politische Zustände in Württemberg sind. In einer Chronik, die in gewissenhafter Weise ein Bild von den Ver- hältnisien eines bestimmten Bezirks geben will, dürfen sie daher nicht unerwähnt bleiben. Der König von Württemberg feierte jüngst seinen Geburtstag. An diesem Tage ergoß sich naturgemäß ein kleiner Regen von Orden und Titeln über verdiente und wohl auch unverdiente Persönlichkeiten. Hierüber wäre an sich nichts zu sagen. Selbst der Unistand wäre belanglos, daß einer der Ordengesegneten Herr Friedrich Paher ist, Führer der württembergischen Demokratte, Reichs- und Landtags- abgeordneter und Präsident der Zweiten Kammer des württem- dergischen Landtags. Herr Payer ist nicht verpflichtet, gegen- über höfischen Ehrungen sozialdemokratische Gesinnung an den Tag zu legen, und wir hätten kein Wort an ihn und die ihn? widerfahrene Auszeichnung— mit dem Orden, den er erhielt, ist sogar der Personaladel verbunden— verschwendet, wenn nicht die bürgerlich-demokratische Presse ob dieses Vorgang? einige gar er- götzliche Kapriolen geschnitten hätte. Den Reigen eröffnete die„Frankfurter Zeitung", die den Anspruch erhebt, politisch ernst genommen zu werden. An- statt die Talsache, daß Payer geadelt wurde, einfach zu registrieren, versuchte sie. aus ihr eine politische Demonstration— des Königs von Württemberg in Sachen der V e r f a s s u n g S r e v i s i o n zu machen I Es war ihr offenbar entgangen, daß auch ein Führer des Zentrums, das die Berfassungsrevision aufs entschiedenste bekämpft, sowie zwei dem Zentrum treu ergebene Mitglieder der Ersten Kammer gleichfalls hohe Auszeichnungen erhalten hatten i Nach der„Frankfurter Zeitung' kam der Stuttgarter .Beobachter' und kompromittierte seinen Führer Payer noch weiter, indem er verkündete, das; der Orden Papers zweifellos eine „gewisse politische Bedeutung' habe, der dc-Z Zentrumsführers aber nicht! Weiter konnte man die politische Einfältigkeit schon nicht inehr gut treiben. Und doch haben die Neuilinger volksparteilichen Wähler des Herrn Payer noch ein übriges getan, indem sie ans- drücklich beschlossen,„den Herrn Präsidenten von Payer zu der ihm gewordenen Auszeichnung zu beglückwünschen'. Da mufz man doch ernstlich die Frage aufwerfen, ob Leute, die so aus ihrem Gleichgewicht kommen, wenn ein höfischer Vogel sich in dem Knopfloch von einem ihresgleichen niederläßt, noch das Recht haben, sich als Vertreter„demokratischer' Gesinnungen auf- zuspielen I Aber auch Payer selbst hätte nicht nötig gehabt, sich in diese Situanon zu bringen. Es lag in seiner Hand, den Orden und da- mit den Adel abzulehnen. Vor kurzem bestand das Königreich Württemberg— von Napoleons Gnaden hundert Jahre. Es wurde beim König angeregt, dieses„Jubiläum" prunkvoll zu begehen. Er lehnte dies ab mit der Begründung, daß die Empfindungen, die er bei der Rückerinnerung an den Zustand seines Vaterlandes zu jener Zeit hege, nicht die angenehmsten seien. Auch einen Orden zur Erinnerung an das hundertjährige Bestehen des Königreichs, loie ihm nahegelegt wurde, wollte er nicht stiften. Lieber, so meinte er, würde er die Gelegenheit benutzen, ein paar Orden abzuschaffen. Solche Aenßerungen deuten aus recht verständige Ansichten in bezug aus die Bewertung des Ordens- und Titelwesens. Es ist schade, daß der„Demokrat" Payer diese verständigen Ansichten seines Königs offenbar nicht teilt; sonst wäre es doch eine Kleinig- keit für ihn gelvesen, ganz besonders diesen König zu veranlassen, von der geplanten Auszeichnung Abstand zu nehmen. Dem poli- tischen Ansehen der Demokratie i» Württemberg wäre damit Zweifel- los besser gedient worden, als mit der jetzt von der demokratischen Presse aufgeführten Harlekinade.— HiiatatuL Italien. Neue Besen kehren gut. Rom, 6. März. sEig. Ber.) Der Minister des Innern hat ein Rundschreiben an die Prä- selten der Provinz Roms erlassen, das einen ivesentlichen Fortschritt in der juristischen Bewertung der umstrittenen Gemeindegerechtsaine bezeichnet. Danach sollen Landarbeiter, welche Ländereien, auf die sie Rechte zu haben glauben, gewaltsam besetzen und bearbeiten, nicht — wie bisher— wogen gewaltsamer Besitzergreifung angeklagt werden, sondern nur wegen eigenmächtiger Geltendmachung von Rechten. Diese neue Aussassung ist— von ihrer prinzipiellen Bedeutung abgesehen— nicht nur von bedeutendem Einfluß ans das Strafmaß, sondern sie schließt auch die sofortige Verhaftung und das Vorgehen ohne Pribatklage aus. Die Sache ist um so wichtiger, als in der Provinz Rom kein Tag vergeht, ohne daß in irgend einem Orte Landarbeiter Ländereien, auf die sie Rechte haben, gewaltsam besetzen.— Schweden. Für Frauenwahlrecht, Judenverfolgung und ZuchthanSgesetze. In der Ersten Kammer des schwedischen Reichstages hat sich am Dienstag ein Führer der schwärzesten Reaktion, der Abgeordnete Lithauder, als Freund des Frauenwahlrechts entpuppt. Er brachte einen Antrag ein, der darauf hinausläuft, den RegierungS- entwurf zur Wahlrechtsreform abzulehnen und die Regierung aufzufordern, einen neuen Entwurf auszuarbeiten, der auch den Frauen das Wahlrecht verschaffen soll. In der Begründung seines Antrage? drückte er seinen Abscheu gegen daS allgemeine Wahlrecht aus und erklärte, daß er dessen Ausdehnung auf das weibliche Ge- schlecht wünsche, um einen Widerstand gegen die seiner Meinung nach gefährdenden Tendenzen der Wahlrechtsreform zu schaffen. Am selben Tage machte derselbe Abgeordnete Vorschläge zur Abänderung des Einwanderungsgesetzes. Er wünscht besonders, daß den Juden, die angeblich in großen Mengen ans Polen, Rußland und Deutschland nach Schweden kommen, die Ein- Wanderung verboten werde, jedoch ausdrücklich mit Ausnahme der- jenigen, die„nützliche Arbeit' verrichten, das heißt offenbar: der Galizier und Polen, die den schwedischen Großgrundbesitzern als Lohndrücker gegen die einheimischen Landarbeiter dienen. Aber damit war der Eiser Lithanders für das Wohl des Vaterlandes nicht erschöpft. Er interpelliert dann die Regierung noch darüber, ob sie— wie im vorigen Jahre— einen Entwurf über Straf- bestimmungen gegen Streiks, durch welche die Gesellschaft gc- fährdet werde, einzubringen gedenke, und ob sie für Maßregeln zu haben sei, durch die die Gewerkschaften zu juridisch vcrantloortlichen Personen gemacht würden.— Der Staatsminister antwortete sofort auf diese Interpellation. Er bemerkte, daß die Regierung, wie bereits in der Thronrede erwähnt worden ist,„Er- wägungen" über das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitern pflegt. Im Zusammenhang damit beschäftige sich die Re- gierung auch mit den vom Interpellanten angeregten Fragen, die sehr sorgfältige Beratung erforderten. Infolgedessen könne das Er- gebnis jener Beratungen in dieser Session dem Reichstage nicht mehr vorgelegt werden.— Amerika. Zu den Frühjahrswahlen, die in verschiedenen großen und kleinen Orten der Vereinigten Staaten stattfinlden, rüsten auch die Soziallisten mit großem Eifer, so z. B. für die Stadtwahl in Milwaukee. In keiner amerikanischen Stadt sitzen sovicle Vertreter der sozialistischen Partei im Stadtrat als in Milwaukee; es sind 9 an der Zahl. Nach Ansicht der„New Dorkcr Volkszeitung" wird wahrscheinlich Millvaukee unter allen Großstädten Amerikas zuerst eine sozialistische Gemeindeverwaltung haben. Die Aussichten sind diesmal in der Tat keine schlechten; die Sozialdemokraten haben sich trefflich organisiert, während Republikaner und Demokraten in kleine, einander bitter befehdende Fraktionen zersplittert sind. Die Gewerkschaften in Millvaukee sind der Sozialdemokratie Wohl. gesinnt, und jedenfalls wird die Partei im Wahlkampf neue Positionen erobern. In Chicago ist ebenfalls eine neue Stadtverwaltung zu wählen und die Frage der Verstadtlichung der Straßenbahnen wird wieder eine große Rolle spielen. Die Republikaner sind Gegner, die Demo- kraten Freunde der Verstadtlichung. Dünne, der jetzige demokratische Bürgermeister, ist im April 1904 daraufhin gewählt worden, daß er versprach, die Verstadtlichung der Straßenbahnen durchzusetzen. Er vermochte aber den Widerstand der Monopolisten bis jetzt nicht zu brechen, trotzdem er sich ehrlich darum bemühte— wie allseitig anerkannt wird. Die Sozialisten beteiligen sich auch in Chicago am Wahlkcwtpfe und benutzen den Widersrand der Kapitalisten gegen den ausgesprochenen Volkswillcn in der Straßenbahnfrage als gutes Agitationsmaterial. In Philadelphia wurden Ende Februar viele städtische Beamte neugcwählt. Die Sozialisten schnitten dabei mit einem Votum von 1650 Stimmen ab. Das ist der Stamm der Partei in Philadelphia, der sich seit Jahren nicht viel ändert. Im Februar 190b wurden 2079 sozialistische Stimmen abgegeben, im November 190S betrug das höchste sozialistische Votum 1610, und jetzt— wie bemerkt— 1650 bei einem Gcsamtvotum von rund 200 000 Stimmen. Als Schuldirektoren wurden in Philadelphia dreißig Frauen gewählt. natürlich nur bürgerliche Danien. Das Organ der deutschen Sozial- dcmokraten, das„Philadelphia Tageblatt", verlangt, daß die Haltung der Partei bei Lokalwahlen geändert werde, indem Stel- lung zu den Tagesfragcn genommen werden müßte:„Es geht nicht an, immerzu nur von„Abschaffung der kapitalistischen Produktions- weise' und ,.5tlasscnkampf" zu reden. Das wird den Leuten zu langweilig. Auf diese Art hätten wir es in Deutschland nie zu einer Partei von drei Millionen Wählern gebracht."— Das „Tageblatt" sieht immerhin darin ein gutes Zeichen, daß der alte Stamm fest zur Fahne hält.— Schorfe Kritik übt ei» Organ des Kriegsdepartements. dc>S „Army and Navy Register", an' Noosevelts jüngstem Armee-Erlaß: General Togo und seine Lente zum Muster zu nehmen.— DaS Personal der amerikanischen Armee brauche kein solches Muster, Togos Rat mag gut sein für die Japaner, aber die Amerikaner wissen selbst, was sie zu tun haben. RooseveltS Ermahnung sei überflüssig und unilug.— Die Revolution in Rußland. Der weiße Terror. Krcslawki sDünaburger Kreis). Bei einer am Donnerstag, den 16. Februar, seitens der Polizei unter Beihülfe einer Dragoner- abteilung vorgenommenen Razzia Ivurden Waffen gefunden, Daraufhin wurde die Einwohnerschaft aufgefordert, binnen 24 Stiindca freiwillig alle Waffen auszuliefern, ividrigcnfalls die Administration sich veranlaßt sehen werde, die strengsten Repressiv- maßregeln zu ergreifen. 60 Personen(der Bund allein hat hier mehr als zirka 300 organisierte Biirstenarbeiter) sind verhaftet und nach Dünabnrg ins Gefängnis abgeführt worden. Die Dragoner verbrennen Häuser, plündern, rauben, morden und prügeln wie in den Ostseeprovinzen. Die Aufregimg am Orte ist begreiflicherweise eine große und ein bedeutender Teil der wohlsitnicrten Einivohncrschaft beeilt sich daher, schleunigst dem un- sicheren Städtchen wenigstens zeitweilig den Rücken zu kehren. Die Panik ist sehr groß. kommunales. Stadtverordnetcn-Vcrsammlung. 10. Sitzung vom Donnerstag, den 8. März, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Sitzung um ÖV? Uhr. Der Ausschuß für den Antrag Cassel wegen Erhöhung der Ge- hälter der juristischen Magistratsmitglieder ist gewählt und hat sich konstituiert. Tie Wahl eines Mitgliedes in den Großen Rat der H a n d e I s- Hochschule wird abermals verschoben, da man sich über die vier Kandidaten, zu denen auch Stadtv. Heimann(Soz.) gehört, noch privatim vorbesprechen will. Für den verstorbenen Stadtv. Esmann wird in mehrere Deputationen Ersatz gewählt. Darauf nimmt die Versammlung die Vorlage betr. die Neu- ordnung der Gchaltsbezüge der Rektoren, Lehrer und Lehrerinnen an den Gemeindeschulen in der Beratung vorweg. Stadtv. Cassel sA. L.): Der Magistrat hat unserer vorjährigen Resolution entsprechen wollen. Uebcr die Erhöhung des Grundgehalts und über die Frage, wie weit die Alterszulagen zu ändern seien, hat unsere Resolution keine näheren Vorschläge enthalten. In den Vorberatungcn der Schuldeputation und ihrer Subkommis- sion fand man bald heraus, daß das Alterszulagcsystem nicht gut geändert werden konnte, man ging also nur zu einer Erhöhung des Grundgehalts über. Jetzt liegt uns ein Entwurf vor, der gleichwohl auch an den Zulagen ändert. Für die soeben fcstan- gestellten Lehrer ergibt sich eine Erhöhung des Grundgehalts um 250 M., für alle übrigen Stufen eine um 50 M. Wir haben da- gegen die allergrößten Bedenken, weil damit den Lehrern in den mittleren und älteren Jahrgängen ein Unrecht geschieht. Bis zum vorigen Jahre betrug das Gehalt der eben Angestellten 1200 und 650 gleich 1850 M., seitdem 1950 M. Diese Herren würden jetzt in so kurzer Zeit auf 2200 M. kommen, und das würde nur möglich gemacht durch eine Verringerung der Alterszulagen, indem nach 7jährigem Dienst die Zulage statt 300 nur 100 M. betragen soll! Daß der Magistrat dazu gekommen ist, ist die Frucht der Agitation gegen das angeblich zu niedrige Grundgehalt, bei der man den Wert der Alterszulagen geflissentlich herabsetzte. Das Maximal- gehalt der Lehrer ist von 3600 M. im Jahre 1894 auf 4350 M. erhöht worden, und zwar lediglich auf dem Wege der Verbesserung der Zulagen. Der Beschluß der Schuldeputation will das Grund- gehalt aus 1350 M. und das der ältesten Lehrer auf 4500 M. bringen; nach der Vorlage bleibt letzteres auf 4400 M. stehen. Da muffen wir doch dem elfteren Vorschlage den Vorzug geben. Das Höchstgehalt beziehen jetzt nicht weniger als 368 Lehrer. Der Magistratsvorschlag gibt unten 100 M. zu viel, oben 100 M. zu wenig. Auch im Lande ist allmählich die Einsicht durchgedrungen, daß es weit mehr auf die Alterszulagen als auf das Grundgehalt ankommt. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei den Lehrerinnen. Die Herabsetzung der Zulage nach 7 Jahren von 300 auf 100 M. wird nicht durchführbar sein; gegen diese 100 M. wird die Agitation bald allgemein sein, zumal man jetzt auch in dem kleinsten Dorfe für mindestens 150 M. eintritt. Wollte man sie nun später er- höhen, so würde trotzdem die Wiederherabsetzung des Grundgehalts nicht zu erreichen sein. Wir haben zu der Vorlage noch keine feste Haltung genommen, wollen vielmehr zunächst dem Ausschuß das Wort geben. Oberburgermeister Kirschncr: Der Magistrat gibt seiner Vor- läge den Vorzug, weil sie ein Grundgehalt normiert, wie es die Lehrerschaft forderte und wie es demjenigen in einer Reihe von Nachbarorten entspricht. Wir wollten ganze Arbeit machen. um der Agitation ein Ende zu machen. Ein weiterer Vorzug ist, daß auch bei dieser Erhöhung des Grundgehalts jeder Lehrer und jede Lehrerin noch eine Verbesserung des Einkommens erfährt, und zwar mindestens um 50 M. Das ist natürlich nur mit Opfern er- reichbar gewesen, es bedingt eine Mehrausgabe von 435 000 M-, während der Vorschlag der Schuldeputation etwa% Millionen erfordern würde. Von den Stadtvv. A n t r i ck u. Gen.(Soz.) wird folgende Skala beantragt: Grundgehalt(wie in der Vorlage) 1450 bezw. für eine Lehrerin 1300 M., Alterszulagen 9 a 250 bczw. 150 M. Eine Kürzung des Gehalts für Lehrerinnen, die einstweilig angestellt sind oder noch nicht 4 Jahre im Dienst gestanden haben, findet nicht statt. Stadtv. Dr. Arons(Soz.): Entgegen dem Stadtverordneten Cassel, der mit seiner Kritik sehr zurückhielt, muß ich die Vorlage als ganz unbefriedigend und als außerordentlich kleinlich bezeichnen. (Beifall auf der hauptsächlich von Lehrern besetzten Zuhörertribüne; Lachen bei der Mehrheit der Versammlung.) Die Kleinlichkeit der Vorlage legt den Versuch sehr nahe, mit dem Vorgehen der Stadt- Verwaltung hier einmal gründlich abzurechnen.(Unruhe bei der Mehrheit.) Ich widerstehe aber dieser Versuchung, weil auch ich eine gehässige Erörterung vermeiden möchte. Den Vorschlag der Schuldeputation kannten wir leider nicht— wir werden ja künstlich ans derselben ferngehalten—; in der Ausschußberatung werden wir demselben näher treten und zu erwägen haben, ob er für die Lehrer Günstigeres bietet als wir vorschlagen. Unsererseits gehen wir von dem entgegengesetzten Standpunkt aus wie Herr Cassel. Wir halten das bisherige Alterszulagcnsystem für etwas ganz be- sonders Gefährliches: wir nehmen das Grundgehalt von 1450 bezw. 1300 M., dagegen wollen wir das Skalensystem von Grund aus ändern. Berlin ist ja auf seine Alterszulagen sehr stolz, es sind 10, eine mehr als das Gesetz vorschreibt. Bei der Verteilung derselben haben entschieden sozialpolitische Absichten mitgewirkt und einen Erfolg hat dieses komplizierte System jedenfalls gehabt: daß niemals ein klares Bild über das Verhältnis zu schaffen war zwischen den Bcsoldungsverhältniffen in Berlin und anderen Städten. Dieses System ist das Bollwerk gewesen, hinter dem sich die. Mehrheit stets verschanzte, wenn es sich um die Klagen der Lehrer handelte. Uns kommt es deshalb darauf an, dieses Bollwerk zu zerstören. Wir schlagen daher vor. die Alterszulagen mit jährlich 250 M. und 150 M. für Lehrerinnen ganz einfach dem Gesetz von 1897 entsprechend zu gewähren. Auch unser Vorschlag ist nicht ideal. Zunächst ist er sehr bescheiden; die Mehrbelastung würde bei den Lehrern pro Jahr im Ganzen nur 90 000 M. betragen. Bei den Lehrerinnen sollte man nach unserer Auffassung das Gehalt wie da» der Lehrer bemessen; bei den Alterszulagen könnte cS anders gehalten werden, weil der Gesetzgeber ja eine verheiratete Lehrerin nicht kennt. Ter beantragten Verkürzung des Grund- gehalts der Lehrerinnen in den ersten vier Jahren können wir aber absolut� nichs beistimmen. Die Höhe der Alterszulagen schlagen wir auf 150 M. vor; im ganzen würden sich die Kosten ebenfalls auf etwa 90 000 M. jährlich belaufen. Den Vorteil unseres Vorschlages erblicken wir in der Beseitigung des bisherigen Alterszulagen- systems, gegen das sich sehr berechtigte Klagen erheben lassen, aus dem ja auch die herrlichste Perle durch die Magistratsvorlage selbst schon ausgebrochen worden ist. Ter Ausschuß wird sich namentlich auch mit dcr Lage der technischen und Hülsslehrerinnen zu be- schäftigcn haben; auf alle Fälle werden wir über die Vorlage be« deutend hinausgehen muffen, wenn etwas Ersprießliches geleistet werden soll.(Beifall.) Stadtv. Dr. Prcuft(soz.-fortschr.) bezeichnet die Vorlage als eine höchst unangenehme UÄcrraschung: statt des einstimmigen Vorschlages der Schuldeputation werde ein Modus empfohlen, dessen Schattenseiten in die Augen springen. Mkn hätte verstanden, wenn die städtischen Behörden, so lange das Schulunterhaltungsgesetz schwebe, überhaupt keine erheblichen Mehraufwendungen für die Lehrerschaft gewähren, sondern erst abwarten wollten, ob die Schule wirklich der Ritterschaft und der Pfaffcrci ausgeliefert werde. Aber die jetzige Vorlage verfehle auch sachlich ihren Zweck, sie mache nur scheinbar ganze Arbeit, da die Erhöhung des Grundgehalts bei der ersten Zulage durch deren Verkürzung beinahe wieder wettgemacht werde. Die Annahme des Antrags Arons würde sehr zu bedauern sein, denn zugunsten einer schematischen Regelung werfe sie das be- währte Zulagcnsystem über den Haufen. Der Ausschutz werde auch der Gehältsordnung für die Fachlehrerinncn seine Aufmerksamkeit zu widmen habcii. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): Auch wir teilen durchaus die Bedenken des Kollegen Cassel gegen die etwas schematische Ziege- lang der Vorlage. Ter prinzipielle Vorbehalt des Stadtverordneten Preutz mit Rücksicht auf das Volksschulunterhaltungsgesetz ist nicht ganz nnbereckstigt; wir sollten uns das im Ausschutz überlegen. Kleinlich ist die Vorlage nicht, denn sie muß im Zusammenhang mit den seit 1894 erfolgten städtischen Matznahmen auf dem Ge- biete der Lehrerbesoldung beurteilt werden. Der Vorschlag der Schuldeputation ist weitaus der beste. Bisher haben wir auch aus guten Gründen vermieden, unsere Gehälter nach denen der Vororte zu normieren. Stadtv. Pcrls(N. L.): Ich kann ebenfalls nicht mit Herrn Arons die Vorlage kleinlich finden. Aber wenn wirklich ganze Arbeit gemacht und eine Aufbesserung dnrchlveg gewährt werden soll, da sie als notwendig erscheint, so sind 50 M. viel zu wenig. Auch uns erscheint die Regelung nach dem Vorschlage der Schuldeputation den Vorzug zu verdienen. Damit schließt die erste Beratung. Die Vorlage geht an einen. Ausschutz von 15 Mitgliedern. Zur Vcrbreiteru ng der Juden st raßc zwischen Parochial- und Stralauerstraße soll für die Grundstücke Jüdenstraße 28— 33 eine neue Baufluchtlinie festgesetzt werden. Die Vorlage geht auf Antrag Bracke(N. L.) nach kurzer Debatte an einen Ausschutz. Zur Anlegung eines Hafens im Nordwesten Berlins am zukünftigen Berlin-Stettiner Großschiffahrtsweg soll das Gelände des Evangelischen Johannis st ifts zu Plötzeihsee für zirka 11 150 000 M., die im Wege der Anleihe zu beschaffen sind, angekauft werden. Die Verzinsung des Kaufgeldcs soll in den Etat für 1906 eingesetzt werden. Stadtv. Wallach beantragt, den Magistratsvorschlag dahin zu modifizieren, daß auch die Beträge für die Verzinsung aus tär Anleihe entnommen tverdcn sollen. Stadtv. Teutsch(soz.-fortschr.): Es handelt sich hierbei um eine Ausgabe von zunächst 11 Millionen, dazu kommt der Antrag Wallach, so daß ich es für besser halte, daß wir die«ache in einem Ausschuß erörtern. Stadtv. Wallach(A. L.): Ich höre, daß man die Vorlage heute schon ohne Ausschußberatung annehmen will. Sollte der Antrag Teutsch angenommen werden, so geht ja mein Antrag mit in den Ausschuß. Andernfalls bitte ich um Annahme desselben; wir müssen doch die gesamten Kosten zusammenrechnen und dazu gehören auch die Zinsen des Kapitals. Stadtv. Stapf(A. L.) widerspricht namens seiner Fraktion dem Antrag auf Ausschußberatung und bittet um Annahme der Magistratsvorlage. Kämmerer Dr. Steiniger: Ich bedaure außerordentlich, Herrn Wallach entgegentreten zu müssen.(Stadtv. Borgmann: Wird Ihnen noch öfter passieren! Heiterkeit.) Ich halte es für unrichtig, auch nur den Versuch dazu zu machen, auch die Zinsen des Anleihe- kapitals aus der Anleihe selbst zu decken. Die Gründe sind voll- ständig bekannt, wir können auch nicht hoffen, die Genehmigung der Aufsichtsbehörde dazu zu erlangen. Stadw. Singer(Soz.): Wenn ich vorschlage, diese Vorlage ohne Ausschußberatung anzunehmen, so tue ich damit eiwas, was der Gewohnheit der Versammlung nicht entspricht. Die Vorlage ist aber in der Verkchrsdeputation überaus gründlich durchgesprochen worden. Sie ist für die wirtschaftliche EntWickelung und Bedeutung Berlins von ganz außerordentlichem Nutzen. Es ist angenehm» auch einmal die weitsichtige Politik des Magistrats loben zu können; ich wünschte, wir wären öfter dazu in der Lage. Diese weitsichtige Politik ist leider nicht schon einige Jahre früher befolgt worden. wie ich sie seinerzeit empfohlen habe, sonst hätten wir eine Handvoll Millionen, die wir heute nicht haben. Ich hoffe, die Versammlung nimmt heute die Vorlage einstimmig an und lehnt den Antrag Wallach ab, der nur geeignet wäre, die Ausführung des großen Werkes zu verzögern. Zinsen gehören zu den aus laufenden Mitteln zu deckenden Ausgaben. Herr Wallach sollte seinen An- trag zurücknehmen. Stadtv. Haberland(A. L.): Ich bedauere, daß man eine Vor- läge, die vielleicht 20 Millionen Ausgabe bedeutet, hier so glatt annehmen will, während wir uns oft um Kleinigkeiten in Aus- schüssen wochenlang hcrumstrciten. Ich halte auch den Preis für außerordentlich teuer. Ich bedauere mit Herrn Singer, daß wie bssher so kurzsichtig gewesen sind. Wir müssen eine gesunde Boden- Politik treiben und Grundstücke, die für die Stadt später von Be- deutung sein können, schon Jahre im Voraus zu erwerben suchen. Stadtv. Mommsen spricht sich wesentlich im Sinne Singers aus und erinnert gleichzeitig den Magistrat an die möglichste Bc- schlcunigung der Angelegenheit der Errichtung der Hafenanlagcn am Stralauer Anger, da die dilatorische Art der Behandlung dieses Gegenstandes durch die Stadt in den beteiligten Kreisen nicht gerade angenehm berührt habe. Herr Wallach werfe mit seinem heutigen Antrag alle seine bisherigen etatsrcchtlichcn Auffassungen über den Haufen; sein Antrag sei einfach ungesetzlich. An der weiteren Auseinandersetzung beteiligen sich noch die Stadtvv. Deutsch, Bamberg(A. L.), Wallach, Singer, F r i e d c r i c i(A. L.) und Mommsen. Stadiv. Wallach bleibt bei seiner Auffassung stehen und zeiht seinerseits den Stadtv. Singer des Irrtums. Er werde sich hüten, etatswidrige Anträge zu stellen. Im Etat der Gas- usw. Werke ständen die Zinsen der Anleihen auch auf dem Etat derselben. Stadtv. Singer: Herr Wallach verwechselt Spezialetat und all, gemeinen Etat. Die Gaswerke haben das Recht erhalten, be- stimmte Anleihen aufzunehmen; die Zinsen werden aus den Er« trägnissen der Gaswerke gedeckt, also aus den laufenden Einnahmen desjenigen Instituts, für das die Anleihe bestimmt ist. Ist der Hafen fertig und bekommt seinen eigenen Etat, so werden die Ein- nahmen belastet mit den Unkosten, die seine Errichtung verursacht hat, und genau wie bei den übrigen Werken werden dann die Zinsen aus den laufenden Einnahmen gedeckt. Die ganz falsche Auffassung. daß man dazu übergeht, die Zinsen für Anleihen aus den Anleihen selbst und nicht aus laufenden Mitteln zu decken, muß grundsätzlich zurückgewiesen werden. Stadtv. Jriederici(A. L.) hält dafür, daß Herr Wallach miß- verstanden ist, da man doch während der Bauzeit die Zinsen aus der Anleihe entnehme. Stadtv. Mommsen stellt sich schließlich völlig auf den Stand, Punkt Singers. Damit schließt die erste Beratung. Ter Antrag Deutsch wird Ägclehnt. die Vorlage in zweiter Lesung fast einstimmig a n. genommen, nachdem der Antrag Wallach einstimmig ab- gesehnt ist._ 6ewcrhrchaftUcbc9. Berlin und Clmgcgend. Warnung vor Gefahr mit Entlassung beantwortet. Am Mittiooch sind zwei Maurer, die beim Umbau des alten Hamburg er Bahnhofs in Moabit tätig waren, aus ganz eigentümlichen Gründen entlassen worden. Sie hatten erfahren, daß sich hier beim Transport der schweren Eisenteile, die zur Verlängerung der alten Einfahrtshalle dienen, bereits vor mehreren Wochen ein s ch w e r e r U n- fall ereignet hatte. Einem Arbeiter war der Brustkasten eingedrückt, einem anderen die Hand zerquetscht worden. Nun bemerkten die Maurer, wie die Eisenteile auf dem Transportivaren hin- und hcrschwankten und der eine Maurer rief den am Wagen beschäftigten Arbeitern zu:„Seid doch vorsichtig! Die Binder schaukeln ja immer hin und her!" Fitr diese wohlgenr einte Warnung wurde er ohne weiteres entlassen. Als nun der zweite Maurer bemerkte: das sei doch ein ganz sonderbarer Entlassuugsgrund, erklärte der Polier im Einverständnis mit dem königlichenBauführer:„Sic können auch sofort aufhöre n." Daraufhin wurde gestern ein Vertreter des Maurer- Verbandes bei den maggebenden Personen vorstellig. Der Bauführer antwortete, wenn Gefahr im Anzüge sei, solle das ihm gemeldet werden. Die Arbeiter direkt daraus aufmerksam zu machen, hielt er für unzulässig. Der königliche Baumeister meinte dagegen, daß die Ent- lassung der beiden Maurer nicht gerechtfertigt sei und wünschte, daß ihnen anderweitig Arbeit angewiesen werde. Der Polier erklärte jedoch: für die Leute sei keine andere Arbeit vorhanden. Die Maurerarbeit wird von der Firma Kulm ausgeführt, die Eisenkonstruktion von Bratz u. Herzleid in Marienfelde. Einer dieser beiden Firmen- inhaber soll sich ebenfalls dahin ausgesprochen haben, daß Arbeiter anderer Berufe nicht das Recht hätten, seine Leute auf solche Gefahren hinzuweisen. Das ist in der Tat ein recht sonderbarer Standpunkt, den Bauführer und Unternehmer in diesem Falle eingenommen haben. Also, wenn jemand einen Mitarbeiter in Gefahr sieht, dann soll er erst zum Bauführer laufen, der ja nicht einnml immer in der StäHe ist, und diesem die Gefahr melden. Die Hauptsache ist, daß der Instanzenweg innegehalten wird. Wenn inzwischen das befürchtete Unglück eingetreten ist und sein Opfer gefordert hat, dann bleibt doch die Subordination gewahrt, die dem Maurer verbietet, einen in Gefahr schwebenden Mitarbeiter zu warnen. Solche verzopften An- schauungen würden nur ein mitleidiges Lächeln erregen, wenn sie nicht, wie hier, den Eintritt von Unglücksfällen begünsügen würden. Die Entlassung der Warner, die eine Menschenpflicht erfüllten, muß daher scharf verurteilt werden. Die Lehrlingszüchtmi in den Werkzeug-Spezialbetriebcn wurde dm Mittwoch in einer Versammlung der Werkzeugmacher einer gründlichen kritischen Besprechung unterzogen. Nach dem Ergebnis einer statistischen Aufnahme sind m den 16 Hauptbetrieben zusammen 290 gelernte und ungelernte Arbeiter und 212 Lehrlinge beschäftigt. ES sei hier eine kleine Blutenlese angeführt, um zu zeigen, in welch argem Mißverständnis die Zahl der Lehrlinge zur Zahl der Gesellen steht. So beschäftigen beispielsweise die Firmen Reiß u. Martin, Louisenuscr, 88 Arbeiter und 16 Lehrlinge, Tieb u. Co., Oranicnstraße, 37 Arbeiter und 27 Lehrlinge; Zander u. Opitz. Stallschreiberstraße, 6 Arbeiter und 21 Lehrling«; Schmidt u. Co., Adalbertstraße, 10 Arbeiter und 16 Lehrlinge; Projahn, Prinzessinnenstraße, 18 Arbeiter undi 12 Lehrlinge; Päzold, Reichenbergerstraß«, 7 Arbeiter und 11 Lehrlinge; R. Zimmermann. Reichenbergcrstraßc. 2 Arbeiter und 8 Lehr. linge. Und so geht es fort. Es ist natürlich so gut wie auSge. schlössen, daß die Lehrlinge unter diesen Umständen wirklich fach- gemäß ausgebildet werden. Während der ersten Lehrjahre müssen sie denn auch meistens nur Arbeits- und Laufburschcndienste ver- richten. Die Inhaber der Werkzeug-Spczialbetricbe legen sich auf die Lehrlingsausbeutung um so mehr, als sie von den Großbetrieben mit eigenem Werkzeugbau in ihrer Existenz zunehmend bedroht tvcrden. Tatsache ist k1 auch, daß sich die Zahl der Spczialbetriebe ständig verringert; auch arbeiten die Werkzeugmacher lieber in einem modernen Großbetriebe als in den kleineren Werkstätten, woselbst es meistens auch an genügender Ventilation, an Wasch- cinrichtungcn und Kleiderschränken inangelt. Häufig wird den Ar» beitcrn dort noch zugemutet, ihre Kleider an Nägeln in der Werk- statt aufzuhängen. An eine auch nur ungefähre Einheitlichkeit der Löhne hat man sich in diesen Kleinbetrieben auch noch nicht ge» wähnen können. Die Lohnsätze bewegen sich von über 60 Pf. bis herunter zu 33 Pf. pro Stunde. Der Mctallarbcitcrverband ist bestrebt, hier endlich einmal Wandel zu schaffen; allein der Um- stand, daß so viele Eltern ihre Söhne den kleinen Werkzeugbau- Unternehmern zur Ausbeutung überliefern, fetzt der Aufbesserung dieser Verhältnisse nicht unerhebliche Schwierigkeiten entgegen. Stcinbruckerei-HülfSarbeitcr und HlllfSarbeiterinnen. Im Oktober 1906 gelang es den Lithographen und Stcindruckern, die Bezahlung der gesetzlichen Feiertage durchzusetzen, ohne daß es zu großen Kämpfen kam. Lithauer u. Boysen, eine der maßgebendsten Anstalten am Ort, versuchte eS nun, die Mehrausgaben, welche durch die Fciertagsbezahlung entstanden, auf die Schultern der Arbeiter und Arbeiterinnen abzuwälzen. In dieser Firma besteht ein so- genanntes Prämiensystem in der Form, daß früher von 18 000 Druck wöchentlich für jedes weitere 1000 eine bestimmte Prämie gezahlt wurde; vom 1. Januar 1906 sollte erst von 21 000 Druck die Prämie gezahlt werden. Den, Hülsspersonal legte man 1 M. pro Woche zu. Nach mehrmaliger Verhandlung wurde erreicht, daß von 20 000 Druck Prämie gezahlt wurde. Der Lohnausfall betrug bei dem Hülfspersonal pro Woche 3— 5 M. und wollten dieselben schon damals gegen die Machinationen der Firma Front macheu, nur das Versprechen, wenn der Lohnaussall wirklich so groß sei, so ließe sich ja darüber noch reden, und die Tarifvcrhandlungcn der Steindrucker, ließen eS notwendig erscheinen, frieden zu halten. Die Einigung erfolgte nun in der Form, daß einen Monat probe- weise zu den neuen Bedingungen gearbeitet werden sollte. Die Hülssarbeiter wurden wieder vorstellig, wurden aber mit leeren Redensarten hingezogen. Eine Antwort erhielten sie nicht. Des- halb legten sämtliche in der Firma Lilhaucr u. Bohscn beschäftigten Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen die Arbeit nieder. Der Vertreter der Organisation, welcher eine Einigung herbeizuführen versuchte, wurde schroff abgewiesen. Trotzdem auch in diesem Falle die Polizei den Arbeitern das Streikpostenftehen sehr schwer macht, so beseelt die Ausständigen der Gedanke, bis zum äußersten ihre Schuldigkeit zu tun. Tie Situation ist günstig, da Steindruck-Hülssarbciter und-Arbeite- rinnen nicht zu haben sind. Verband der Buch- und Stcindruckerei-HülfSarbeiter und -Arbeiterinnen. Berlin, Zahlstelle III. Die Tariferhöhungen der Kleber. Die mit dem 1. März fällig gewordenen Erhöhnngen des Klebertarifes sind, wie in einer Kleber- vcrsanimlung am Mittwoch berichtet wurde, im allgemeinen ohne Schwierigkeiten durchgeführt worden. Bereits 10V Kontrollkarten waren bis zu diesem Tnge ausgegeben worden. Immerhin ist noch eine Anzahl Kleber vorhanden, von denen nicht festgestellt ist, ob sie zu den neuen Bedingungen arbeiten. Differenzen wegen der Tarif- erhöhnngen waren bis zum Sonntag 7 gemeldet worden. Drei der Meldungen erwiesen sich jedoch als unbegründet, da sich ergab, daß hier der Tarif in allen Punkten anerkannt war. I» weiteren drei Fällen wurden die Arbeitgeber durch Verhandlungen zur An- crkennu� des Tarifs veranlaßt. Bei zlvei Firmen sind die Differenzen noch nicht erledigt. „Im Berliner Baugewerbe stehen in diesem Jahre große Lohn- bcwegungen bevor." So beginnt eine Notiz, die wir in mehreren Parteiblättern finden. Weiter werden dann noch Angaben über Einzelheiten der migeblich im Berliner Baugewerbe bevorstehenden großen Lohnbewegungen gemacht.— Diese Nachricht kann nur von einem Berichterstatter stammen, der die Berliner Gcwerkschafts- schaftsbewegung nur vom Hörensagen kennt, trotzdem aber leicht- fertig genug ist, ebenso sensationelle wie unzutreffende Nachrichten über ein ihm unbekanntes Gebier in die Welt zu senden.— Große Lohnbetvegungen im Berliner Baugewerbe können in diesem Jahre schon aus dem Grunde nicht stattsinden, weil die größten Berufs- gruppen und die stärksten Organisationen des Berliner Baugewerbes: die Zentralverbändc der Maurer, der Zimmerer und der Bau- hülfsarbeiter für dieses Jahr noch im Vertragsverhältnis mit den organisierten Unternehmern stehen. Das Vertragsverhältnis er- sireckt sich nicht nur auf das Berliner Stadtgebiet, sondern auch auf einen weiten Kreis von Vororten.— Anlaß zu der falschen Nach- richt hat jedenfalls der Umstand gegeben, daß am letzten Sonntag in Berlin eine Gaukonferenz des Maurervcrbandcs abgehalten wurde, wo allerdings die Rede davon war, daß im Gebiet des Gaues(Provinz Brandenburg und Posen), also außerhalb des Berliner Vertragsgebietes, eine Reihe von Zahlstellen Lohn- bewegungcn bei der Verbandsleitung angemeldet haben.— Ter Berichterstatter bat also etwas läuten hören, er weiß aber nicht, wo die Glocken hängen. Deutsch»» Reldi. Streik im hannoverschen Kalibergbau. Auf Zeche»Justus I" in Volpriehausen brach, wie wir schon mitteilten, am Montag ein Streik aus, der inzwischen die ganze Belegschaft ergriffen hat. Der.Streikhetzer" ist hier, wie überall, in erster Linie das Kapital gewesen, daS den Leuten fortgesetzt die ohnehin recht mageren Löhne und Gedinge knapste und am 1. d. M. gar eine Lohnreduktion von nicht mehr als 16 bis 18 P r o z. für die Schlepper diktierte. Schon vorher hatten die Arbeiter die einzig mögliche Antwort darauf gefunden, indem sie der Verwaltung am 26. Februar folgende Forderungen unterbreiteten: Die Schichtlöhne der Hauer sind zu erhöhen von 3,50 M. auf 4 M.. die der Lehrhauer von 3,26 M. auf 3,80 M., und der Schlepper von 3 M. auf 8.60 M. Für Tagesarbeiter und Kesselheizer wurden verlangt ebenfalls 3,60 M., für jugendliche Arbeiter nach drei Altersklassen 1,76 M.. 2 M. und 3 M. Schicht- lohn. Die Gedingesätze sollten um 16 Proz. erhöht werden. Am 6. März fanden Verhandlungen statt. Die geforderte Zu- ziehung deS Verbandssekretärs Husemann wurde hochmütig ab- gelehnt. Alles, was die Werksverwaltung bewilligen wollte, war. daß sie den Förderleuten, denen die Löhne am 1. d. M. um 15 bis 18 Proz. reduziert worden sind, ganze 6 Proz. ihrer reduzierten Löhne botl Sonst wurde gar nichts bewilligt; sogar in der Forderung, daß Maßregelungen nicht stattfinden dürften, erblickte die Werksverwaltung ein Attentat auf ihre autolratischen Rechte, die sie sich nicht„beschneiden" lassen wollte. Sie wollte den Kampf und hat ihn denn auch bekommen. Die streikende Belegschaft zählt über sechshundert Mann und»st fast geschloffen im„alten" Bergarbeiterverband organisiert. Das Werk hat im verflossenen Geschäftsjahre mehr als 800 000 M. Ueberschuß gemacht. Das ergibt bei einem durchschnitt- lichen Monatslohn von 98 M. einen Profit von monat- lich 133 M. auf den Kopf des Arbeiters. Da ist es wirklich eine„unverschämte Begehrlichkeit" von den Kalisklaven, auch einige Fettaugen von der Suppe schöpfen zu wollen. Auch in Eime streiken die Bergarbeiter(Förderer). Die Ursache ist hier dieselbe wie in Volpriehauien: wiederholte Reduktion der Lohn- und Gedingesätze. Der Streik ist spontan ausgebrochen, die Belegschaft unorganisiert._ Der Kampf der Textilarbeiter in Bramsche verschärft sich— wie man uns schreibt— von Tag zu Tag. Mit den schäbigsten Mitteln wird versucht, die Arbeiter und Arbeiterinnen niederzuringen. Zunächst glaubten die Unternehmer mit Hülfe unwahrer Behauptungen über die Streiksührer die Einigkeit der Strei- kenden zu durchbrechen. Selbstverständlich erfolglos. Auch der Ver- such, die Oeffentlichkeit durch die Vorführung von 6 Wcbcrlöhnen in einem großen Inserat deS„OSnabrückcr Tageblattes" über die wahren Lohnverhältniffe zu täuschen, mußte fehlschlagen. Sie selbst hatten ja in einer vorausgegangenen Publikation die Durch- schnittslöhne der Arbeiter, inklusive Werkmeister, Uutermeister, mit 2,23— 2,64 M. angegeben. Nun haben die Unternehmer auch noch ihren größten Trumpf ausgespielt. Sie verlangen die Räumung der Arbeiterwohnungen. Dem größten Teil der in Fabrikantcnhäusern wohnenden Arbeiterfamilien ist bereits durch das Amtsgericht SRalgarten eine 24stündige Frist zur Räumung der Wohnungen gesetzt worden. Nach Ablauf dieser Frist sollen sie berausgeworfen werden. So wird den Arbeitern praktisch der„hohe Wert der Wohltätigkcits- cinrichtungen" demonstriert. Indessen auch diesen Schlag haben die Arbeiter pariert. Durch Einsetzung einer Wohnungskommission und intensiver Tätigkeit ist es gelungen, in Bramsche und Umgegend für die Betroffenen anderweit Wohnung zu be- schaffen. Die Unternehmer setzen sich zunächst noch aufs hohe Roß. Ein Versuch des Gewerbeinspektors zu Osnabrück zu ver. Mitteln, scheiterte. Die Unternehmer verlangten bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit. Das gleiche Schicksal hatte ein Ver- such deS Bürgermeisters, die Sache beizulegen. Hier erdreisteten sich die Fabrikanten sogar noch, den Arbeitern sagen zu lassen, sie würden nur die Arbeiter und Arbeiterinnen einstellen, soweit Be- darf vorhanden ist. Da eS den Arbeitern gar nicht eingefallen war, die Unternehmer um Beilegung des Kampfes und Wiedereinstellung zu ersuchen, mutzte diese Erklärung natürlich komisch wirken. Die Arbeiter haben warten gelernt und sie wissen, daß die Situation ibnen außerordentlich günstig ist. Die hochgehende Konjunktur in der Baumwollenbranche kommt ihnen sehr zu statten. Sie stehen erst seit 3 Wochen im Streik, und wenn die Einigkeit, wie bisher, vorhanden ist, werden die Unternehmer ihren Herrcnstandpunkt ver- lassen müssen. Erwähnt seien noch die Nadelstiche, die den Arbeitern von anderer Seite beigebracht werden. So hat es der Bramscher Buchdruckcreibesitzer abgelehnt, den Streikenden auch fernerhin ihre Flugblätter zu drucken, und zwar sagte der Buchdruckercibesitzer. „eS käme vom LandratSamt". Die Mitteilung wurde von der Versammlung der Streikenden mit gebührender„Achtung" entgegengenommen. Selbstverständlich kann durch solche Mittelchen der Kampf selbst in keiner Weise beeinflußt werden. Tie Tapezierer in Tanzig befinden sich in einer Lohnbewegung. Es wird versucht, in Berlin Arbeitswillige zu werben. Vor Zuzug nach Tanzig wird deshalb gewarnt. Tie Kontinental-Kavtschut- und Guttapercha-Kompagnie in Hannover hat infolge des Streiks der Heizer ihren Betrieb voll- ständig stilllegen müssen. Maschinisien und Heizer werden ersucht, nicht nach Wilhelms- Häven. Bant und Heppens zu gehen. Bei der Firma Holz. � mann u. Ka, die mit den Erdarbeiten für die neuen Hafenanlagen in WilhlemShaven betraut ist und skandalös niedrige Löhne zahlt. sind neben den Erdarbeitern auch die Maschinisten und Heizer i» den Ausstand getreten bezw. ausgesperrt. In Kassel stehen die Saitler, Hülfsarbeiter und Näherinnen in den Segeltuchfabrikcn von Salz mann u. K o ai p.. F r ö h l i ch u. Wolfs, G o t t s ch a l k u. Komp. und Bav m ann u. Le derer im Ausstand. Es handelt sich um die Abwehr von Lohnreduzicrungcn und Anerkennung eines Tarifs. Tie Firmen suchen außerhalb Sattler. Schuhmacher. Näherinnen und Schneider. Diese sollen zu Streikarbcit verwandt werden. Zuzug ist streng fernzuhalien. Ebenfalls schicken die Firmen Arbeit nack außerhalb. Sollte etwa Arbeit, wie Brotbeutel, Tränkeimcr, Zollstochbeutel, Wossersäcke für das Militär, irgendwo auftauchen, so bitte» wir, dieses uns mitzuteilen. Die Streikleitung. Kassel,„Bunter Bock". Zwischen den Konditorengehülfen und der M ü n ch e n e r Konditor-Jnnung wurden vor dem Gewerbegericht Ver- einbanmgen getroffen, die auf zwei Jahre festgelegt wurden.� Die hauptsächlichsten Punkte der Vereinbarung sind: Gehülfen, die eine dreijährige Lehrzeit und eine zweijährige Gehülfenzeit absolviert haben, erbakten einen Minimallohn von 18,60 M., für Wohnung und volle Verpflegung werden 10,50 M., wenn Abendkost nicht verabreicht wird, 7,60 M. in Ansatz gebracht. Kost und Wohnung zu geben wird den Meisten» freigestellt. An Stelle der monatlichen Lohnzahlung tritt die wöchentliche. Die Gchülfen haben Anspruch auf eine Mittagspause von wenigstens einer halben Stunde(!), die- jenigen Gehülst n, die außer Hause essen, haben Anspruch auf eine Stunde. Ueberstunden werden mit 40 Pf. bezahlt. So gering diese„Zugeständnisse" auch sind, kostete eS doch viele Mühe, die an rückständige Verhältnisse gewöhnten Arbeitgeber dazu zu bewegen. Tie Ausstöisdigen der Gewerkschaft„Teutscher Kaiser" haben die Arbeit wieder aufgenommen. Eine Lohnerhöhung ist nicht be- willigt worden; dagegen wurde die Forderung der Arbeiter bezüglich der Prämiengelder anerkannt. Letzte Nadmebten und Depefeben. Potsdam erhält elektrische Straßenbahn. Potsdam, 8. März.(W. T. B.) Durch allerhöchste Kabinetts- order vom gestrigen Tage ist der Stadt Potsdam die Umwandlung der Straßenbahn in elektrischen Betrieb mit Oberleitung und die Neberführung über die Lange Brücke verstattet worden. Amnestie von Militärpersonen. München, 8. März.(W. T. B.) AuS Anlaß der demnächstigen Vollendung seines 86. Lebensjahres hat der Prinz- regent allen Militärpersonen, gegen die bis zum 11. März cr. Strafen im Disziplinarwege verhängt oder durch Militärgericht Freiheitsstrafen bis zu 6 Wochen oder Geldstrafen bis zu 160 M. rechtskräftig erkannt sind, diese Strafen erlassen. BergarbeitrrauSstand. Troppau, 8. Juli.(W. T. B.) Nachdem vorgestern �auf dem Therisienschnchte in Polnisch-Ostrau die Hundestößcr und Schlepper wegen Lohnstrritigkeiten in den Ausstand getreten waren, haben nunmehr auch die übrigen Arbeiter erklärt, nicht weiter arbeiten zu wollen. Die gesamte Belegschaft, etwa 1000 Mann, ist heute ausgebliebt». Auch auf dem Wilhelmsschachte haben etwa 100 Schlepper und Hundestößer die Arbeit eingestellt. 41 Bergarbeiter getötet. Raibl(Kärnten). 8. März.(W. T. B.) Durch Fels- einsturz der Grubenzimmerung in dem gräflichen Bergbau wurden heute vierzig Bergleute und ei» Ingenieur getötet. Bisher sind vier Leichen geborgen worden. Retter in der Rot. Budapest, 8. März.(W. T. B.) Wie verlautet, haben die Pester Banken der Regierung einen Borschuß von 100 Millionen Kronen in laufende Rechnung zu' mäßigen Bedingungen gewährt. Die Operation hat den Zweck, den Ausfall der direkten Steuern, der infolge der Verweigerung der Steuer» eingetreten ist, zu decken. Das Urteil im Prozeß Billise. Genf, 8. März.(W. T. W.) In Sachen der Genfer Bomben- affäre vom 3. Dezember v. I. wurde heute von der Strafkammer des Bundesgerichts das Urteil gesprochen. Der angeklagte Russe. Boris Billise, wurde zu 18 Monaten Gefängnis, lebenslänglicher Landesverweisung, 300 Frank Geldstrafe sowie zur Tragung samt- sicher Kosten verurteilt. Außerdem verfügte das Gericht die Kon- fiskation sämtlicher seinerzeit in der Wohnung des Angeklagten gefundenen Gegenstände und Manuskripte, Italiens neues Ministerium. Rom, 8. März. Wie uns eine Privatdepesche meldet, fand das neue Kabinett in der heutigen Sitzung des Parla- nzents eine wohlwollende Ausnahme. Besonders günstig kom- mentiert wurde die versprochene Aufhebung der Präventiv- beschlagnahme der Zeitungen sowie das Versprechen der Ein- richtung eines Arbeitsministeriums. Die sozialdemokratische Fraktion wird über ihre Stellungnahme gegenüber dem Kabi- nett erst morgen entscheiden. Wie die„Ruhe" hergestellt wird. Riga, 8. März.(B. H.) Auf einem Panzer, der heute»nittag auslaufen sollte, wnrdrn drei Personen verhastet, von denen einer eingestanden hat, der Kampforgnnisation der revolutionären Partei anzugehören und an einem politischen Morde teilgenommen zu haben. Petersburg, 8. März.(B. H.) In Kiachta wurden tk Mit- glieder des Jndustrieverbandrs» darunter ein Bankdirektor verhaftet. Echt russisch. Tiflis, 8. März.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Der Chef der kaukasischen Polizei hat die Beamten der Gendarmerie angewiesen, schleunigst Untersuchungen über die Ur- fache der Festnahme aller Jnhaftieten anzustellen und ihm darüber zu berichten. Verdächtige sollen, falls nicht stichhaltige Grimde für lhre weitere Fcsthaltung vorliegen, in Freiheit gesetzt werden. Als Kosaken in ein tatarisches Torf im Distrikt Braila ein- drangen, wurden sie durch Gewchrsalven der Einwohner gezwungen, auch ihrerseits zu schießen. Dabei wurden mehrere Häuser zerstört und verschiedene Tataren getötet. Bombenexplosion. Minsk, 8. März.(Meldung der Petersburger Telegraphen. Agentur.) Heute explodierte eine Bombe in einer Tischlerwerkstatt unter den Räumen der Bibliothek Puschkin, wobei zwei Arbeiter verletzt wurden. SSfiantW- Redakteur: Hans Weber, Berlin, Jnjeratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin, giruck u. Verlag: DprtvärtsBuchdr. u. BerlagSgnjtglt Daul Singer SeCo., Berlin SVV. Hierzu 3 Beilagen u. Uaterhaltungsblatt Nr. 57. 23. Ighrgavg. l. ßtiltiüc dkg„ßotiüärtg" Sttlintt WsM Freitag, 9. Marz 1906. Reichstag. 00. Sitzung vom Donnerstag, den 8. März, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStische: Kraetke. Die zweite Lesung des PostetatS wird beim Titel„Gehalt des Staatssekretärs" fortgesetzt. Zur Debatte stehen auch die bereits mitgeteilten Re- folutionen der Kommission auf Portofreiheit der Soldaten- pakete, bessere Telephon- und Telegraphen- Einrichtungen auf dem Lande, Abschaffung de? Bestellgeldes und Einschränkung der siirftlichen Portofreiheit, ferner die Resolution Kern(k.) betreffend Vermehrung der Endstellen der höheren Post- beamten, die Resolution Patzig- Portosätze herabzusetzen, aber die hohen Zollmauern scheinen unseren Blick nach dem Auslande verkürzt zu haben. Der Ueberschutz von 62 Millionen bei der Post bedeutet bereits eine Steuer auf den Verkehr(Sehr richtig! links), jedenfalls kann er nicht die Grund läge bilden zu einer Erhöhung der Portosätze. Es ist übrigens eine bekannte Tat'achc, datz jede Verkehrsverbilligung nur vorübergehende EinnahmeauSfälle, dann aber eine große Verkebrssteigenmg und da mit eine Vermehrung der Einnahmen zur Folge hat. In England hat die Einführung dcS PennyportoS im Verkehr auch mit den Kolonien eine Vermehrung des Briefverkehrs um 120 Proz. herbei geführt. Im Mai diese« Jahres wird in Rom der Weltpostkongrcß zusammentreten. Ich hoffe, daß der Herr Staatssekretär dort die Anregung zu einer Vereinheitlichung und Verbillignng der Welt' portosätze geben und warm dafür eintreten wird. Nach einer Bs' rechnung der Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin würde die Einführung de« ZehnpfenuigportoS für Briefe nach dem Auslande Deutschland etwa 10 Svtilliouen kosten. Durch die Steigerung des Verkehrs aber würde diese SNindereinnaHme zweifellos in wenigen Jahren eingeholt werden. Eine solche Erleichterung würde wesent lich zur Hebung deö internationalen Handels beitragen, und sie wäre auch im nationalen Interesse zu begrüßen! denn sie würde zweifellos dazu beitragen, die drei SRillioncn im Auslände lebenden Deutschen enger mit dem Vaterlande zu verknüpfen. Auf unüber windlichcn Widerstand würde der Herr Staatssekretär mit einer solchen Anregung sickier nicht stoßen. Auf den ersten Hieb wird der Baun, nicht fallen, aber der Staatssekretär kann sich hier durch Be harrlichkeit ein Verdienst erwerben, das dem seines großen Vor gängers Herrn v. Stephan nicht nachsteht.(Bravo I links.) Abg. v. Gcrlach(frs. Vg.): Sehr bezeichnend war es, daß Herr v. Gcrsdorff die Regierung aufforderte, gleichsam von hinten herum die Ostmarkenzulage wieder einzuführen in der Weise, daß das Dteustaller der Postbeamten in den polnischen Provinzen um drei Jahre vordatiert würde.— Mir ist übrigens aus dem Osten mitgeteilt worden, daß Beamten die Oslinarkenzuläge versagt ist, weil sie polnische Verlvandte haben! Das Vorstandsmitglied des Postassistenten-Verbandes Rehländer soll Agitationsreiscn im Osten gemacht haben, und zwar in einer Zeit, in der die russische Revolution geeignet lvar, Unruhen auch bei uns zu erzeugen! Daß er selbst aufreizend gesprochen hat, wurde nicht behauptet. Es ivurde ihm einfach mit Rücksicht auf deu bevorstehenden 21. Januar ein Vorwurf aus der Agitationsreise gemacht. Ich glaube, Iveun überhaupt Leute durch diese Agitation !»„Unruhe" geraten sind, so waren es höchstens die höheren Post- beamten selbst!(Sehr richtig! und Heiterkeit links.) Am 18. Januar wurde Rehländer deshalb vor einen Vertreter des Staatssekretärs vorgeladen. Aus dem Datum geht hervor, daß dabei merklich die Nervosität der oberen Behörden eine Rolle spielte; denn in der Zeit kurz vor dem 21. Januar herrschte ja in weiten, sonst ganz ver- nllnftigen Kreisen eine lächerliche Besorgnis. Absolute Freiheit— auch in politischen Dingen— kann den Postbeamten schon deshalb eingeräumt werden, weil sie technische Beamte sind. Ein höherer Postbeamter hat sich im Dienst in im- glaublicher Weise über Katholiken und ebenso auch über die streikenden Bergbeamten ausgesprochen. Letztere hat er als„Halunken" bezeichnet.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Auch weitere Fälle der politische» Beeinflussung sind leider vorgekommen, so in Braunschweig. Sehr merkwürdig war die Strafversetzung des Be- amten Packnagel in Lippe, der ein begeisterter Biesterfelder war, lvährend sein Vorgesetzter ein ebenso begeisterter Bückeburger war. (Heiterkeit.) Als er einst um Urlaub bat, um an einem Festmahl der Biesterfelder Partei teilzunehmen, wurde er von seinem Vor« gesetzten in Gegenwart seiner Kollegen bloßgestellt, indem ihm gesagt ivurde:„Sie brauchen sich in Zukunft nicht mehr um eine Unter- stützung zu bemühen!"(Hört! hört! link«.) Im allgemeinen pflegt man eS zu verheimlichen, wenn jemand um Unterstützung ein- kommt. Abg. Dr. Stöcker(Wirtsch. Vg.): Soweit ich mit Postbeamten- kreisen in Berührung gekommen bin, habe ich stets einen monarchischen und christlichen Geist unter ihnen gefunden. Revolutionäre Strv- mungen treten offenbar nur ganz vereinzelt auf. Daher sehe ich keinen Grund gegen die Zulassung eines Verbandes auch der Post- Unterbeamten. Staatssekretär Kraetke: Der SonntagSnachmittagSdienst ist auch mir durchaus nicht sympathisch, aber die gänzliche Abschaffung des Telegraphenverkehrs am Sonntagnachmittag würde zu schwer in den Verkehr eingreifen. Sollten Landbriefträger durch zu große Pakete belastet iverden, so würde ich für jede Benachrichtigung solcher Vor- kommnisse dankbar sein. WaS der Abg. v. Gerläch über die Ver- Handlungen mit dem Vorsitzenden des Assistentenverbandes gesagt hat, kann ich durchaus nicht für richtig halten. ES darf nicht vor- kommen, daß ein Beamter in einer AgitationSrede Drohungen gegen seine vorgesetzte Behörde ausspricht.(Beifall rechts.) Wenn der Abg. v. Gerlach gesagt hat. auch die Unterbeamten müßten eine Vertretung haben, so erwidere ich ihm, daß sie doch durch die Ab- geordnete» vertrete» werden. Verhetzende Agitation dulden wir nicht. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Erzberger(Z.): Die Koalitionsfreiheit mit dem Streikrecht kann die Verwaltung den Beamten unniöglich einräumen. Der Herr Staatssekretär hat sich gegen die Bildung eines Verbandes der Postlinterbeamten über das ganze Reich ausgesprochen. Ich möchte ihn fragen, wie er sich angesichts der sehr erfreulichen Erfolge des Berliner PostunterbeamtenverbandeS zu dem Gedanken stellt, daß die Ausschüsse der in den einzelnen Bezirken bestehenden Verbände zur Verfolgung gewisser Ziele, z. B. Schaffung einer Versicherung äch zusammentun. Wir haben noch den Wunsch, datz auch die Bestellung von Post- anweistmgen am Som«tag unterbleiben möchte. Größere Druck- sachensendungen, die am Sonnabendabend aufaeaeben werden, sollten ebenfalls bis Montag liegen bleiben. Ferner wünschen wir, daß der Nachtdienst eines Beamten sich nicht so häufig wiederholt! heute kommt es vor, daß einzelne Beamte alle drei Tage Nachtdienst haben. Wir wünschen, daß immer mindestens fünf Tage zwischen zwei Nachtdiensten liegen. Den bereits ausgesprochenen Wunsch, daß in die Kolonien nicht nur unverheiratete Beamte geschickt werden, l«nn ich nur unterstützen. Redner wünscht ferner bessere Schlafräume für die Postillione in Berlin. Ich würde mich freuen, wenn die Herren Freisinnigen s» bereit- willig in der Schaffung der nötigen Mittel durch neue Steuern wären, wie sie hier Forderungen ausstellen. Die Wünsche der Beamten mögen zum Teil begründet sein, aber wir müssen mit den vorhandenen Mitteln rechnen.(Bravo! im Zentrum.) Staatssekretär Kraetke: Ich möchte dem Vorredner nur erwidern, daß ich schon wiederholt meine Sympathie für stärkere SonntagSheiligung ausgesprochen habe. Aber ich kann doch der Einstellung der gesamten Geldbestellung am Sonntag nicht zu- stimme», da viele Arbeiter vom Geldbriefträger nur Sonntags getroffen werden.— Zur Nachtarbeit drängen sich die Beamten teil- weise selbst, weil sie den Tag vorher und nachher frei haben und in voller Ruhe nachts arbeiten können.— In die Kolonien können durchweg verheiratete Beamte nicht geschickt werden. Im tropischen Klima gedeihen die Kinder nicht recht. Außerdem erfordert die Eni- sendung verheirateter Beamter größere Ausgaben, die überflüssig sind, weil ihrer Examina ivegen die Beamten doch nach wenigen Jahren in die Heimat zurllckzukebreu wünschen. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr. Schluß ö'/s Uhr._ parlamentarisches. Flottcngeschichten. Die frivole Propaganda, die von den Flottenchauvinisten auch in den Schulen entsaltet wird, und ihre Unterstützung durch Lokal- und Schulbehörden, führte gestern in der Budgetkömmission des Reichstages zu einer scharfen Aussprache und Verurteilung. Den Anlaß dazu gab, sehr zu seinem späteren Aerger, der Abg. Graf O r i o l a, der bei Erwähnung der Petitionen, die eine unsinnige Vermehrung der deutschen Flotte fordern, seiner Freude über die angeblich stetig„wachsende" Flottenbegeisterung im „Volk" Ausdruck gab. Abgeordneter Genosse Singer nahm Veranlassung, die Petitionen als das zu bezeichnen, was sie in der Hauptsache sind: Schuljungenpetitionen, bei deren Zustandekommen Schulvorgesetzte in erster Linie beteiligt sind. Diese treffende Charakteristik glaubte Graf Oriola mir einem förmlichen und feierlichen Proteste beantworten zu müssen. Nun aber hagelte eS von allen Seiten Hiebe auf diese Sorte Flottenpropaganda hernieder. Die.Abgg. Müller-Sagan, Erzberger', Korsanty, Schöpflin, Dahlem und Bebel brandmartten den Mißbrauch der Schule zur Flottenagitation, der in taufenden Fällen dazu führe, einen sehr scharfen Gegensatz zwischen Elternhaus und Schule zu schaffen. Zur Kennzeichnung der Tätigkeit der Flottenvereinsagitatoren wurde darauf verwiesen, daß diese Herrschaften sich nicht entblöden, die deutsche Flotte in der tollsten Weise herabzusetzen, um für ihre Be- strebungen auf kolossale Flottenvermehrung zu propagieren. In Oberichlcsien hat man Arbeitern vorgeredet, die Flottenpetitionen bezweckten eine Regelung der KnappschaftSverhält- nifse usw. Staatsiekretär v. Tirpitz gab diese Auswüchse der Propaganda preis. Im übrigen aber spendete er der Tätigkeit der Flotteuvereine Anerkennung. Als Anwälte des Flottenvereins traten die Abgeordneten Liebermann v. Sonnenberg und L a t t- m a n n auf.— Bei der Forderung von 6 184 875 M. für Verpflegung und Stellenzulagen aller Art wurde festgestellt, daß die Admirale während ihrer Anwesenheit in den Kricgshäfen 30 Mark, bei Fahrten in den heimischen Gewässern 36 Mark und beim Ge- schwader im Ausland 60 Mark Taselgelder pro Tag er« halten; andere Offiziere jetzt 8 Mark, früher aber nur 3 Mark. Die Marineverwallung verteidigte diese Sätze mit den RepräsentationS- pflichten speziell der Admirale. Weiter teilte der Staats- sekretär_ mit, daß in nächster Zeit vom Reichstag eine neue Kaiserjacht als Ersatz für die„Hohenzollern" gefordert werde. Abg. Genosse H u e brachte zur Sprache, daß in einer vom Werftarbeiterverband herausgegebenen Denkschrift deu Werft- Verwaltungen große Verschweiidiing von Materialien und Mangel- hafte Arbeit vorgehalten ivird. Ein Kommissar versuchte diese Angaben zu eiitkräften, versprach aber eine Prüfung der erhobenen Anklagen.— Heute Fortsetzung der Beratung. Handbuch für das Abgeordnetenhaus. Im Verlage von W. Moser, Berlin, ist ein Nachtrag zu dem im Jahre 1904 herausgegebenen Handbuch für das preußische Abgeordnetenhaus erschienen. Aus dem Inhalt hervorzuheben sind die seit der allgemeinen Neuwahl im Herbst 1903 eingetretenen Nenderungen im Mitgliederbestande und die hierdurch und sonst noch notwendig gewordenen Aenderungen und Nachtrage zu den Lebensbeschreibungen der Volksvertreter. Ferner sind die äußerst knapp und übersichtlich gehaltenen finanz- statistischen Tabelleii bis auf die neueste Zeit weitergeführt worden. Das Werkchen kostet 90 Pf. Hus der Partei. Wenn die Knospen schwelle», scheint auch staatsanwaltlicher Tatendrang sich zu entfalten. So hatte auch die Staatsanwaltschaft in Hirschberg eine Aufreizungsakttoir in die Wege geleitet. Zuerst wurde Genosse KaSpareck unter Anklage der„Aufreizung zu Gewalt- tätigkeiten" gestellt. Nach kurzer Zeit wurde dem Genoffen Albert in Breslau avisiert, daß auch gegen ihn die rächende Göttin mobil sei. Und das, obwohl als einziger Verantwortlicher Kaspareck auf dem Flugblatt verzeichnet stand! Nachdem man nunmehr Albert genügend Scherereien bereitet, ihn vor den Untersuchungsrichter zittert usw., sah sich jetzt am 3. März der Staatsanwalt gezwungen. das Verfahren gegen den Genossen Albert einzustellen. Gegen den Genossen Kaspareck scheint jedoch das für den Ankläger völlig aus- sichtslose Verfahren seineu Fortgang zu nehmen. Auf 22 000 Mitglieder hat es unsere Parteiorganisation in Hamburg gebracht. Da« ist im Verhältnis zur Stärke der Partei keine übermäßige Prozentziffer, aber unverkennbar ist der große Fortschritt! vor 10 Jahren waren erst zirla 9000 Mitglieder vorhanden. Der Parteitag der holländischen sozialdemokratische« Arveiter- Partei findet wie alljährlich an den Osterfciertagen und zwar zu Utrecht statt. Die von den Abteilungen und dem Parteivorstande gestellten Anträge betreffen: Eine Frage Troelsira-Gorter(Taktik- frage); Organisation(Statuten- und Reglementsänderung in bezug auf die städtischen und ländlichen Partei-Föderattonen; Regulierung der Mitglicderbeiträge(können Parteimitglieder Mitglied einer Unternehinerorganisatton sei»?): Propaganda; Kooperatton; das allgemeine Wahlrecht(Frauenwahlrecht; WahlrechtSbcwegung; Teilnahme an letzterer seitens der Gewersschaften und de§ niederländischen GewcrkschaftSverbande«; Aufhebung de« niederländischen Komitees für allgemeines Wahlrecht); Arbeitsgesetzgebung(gesetzlicher Laden- schluß! Unfallversicherung! Ardeitslosenftage); Verfassungsänderung (Forderungen der Partei bei derselben); die Schulfrage: Propaganda gegen den Militarismus; die Partei-Monatsschrift „De Nieuwe Tyd" und daS Parteiorgan„Het Volk"(Ausschaltung sog. persönlicher Polemiken; Einführung einer demokratischen Re- daktion 011 Steve der kisderigen Leitung unter einem Haupt- tebaftciir; Erniedrigung des AbonnementspreiseS); Agrarische Frage.— Ferner beantragt der Paneivorstand, daß 1. in Zukinift nicht mehr die Abteilungen, sondern die ganze Partei die holländischen Delegierten zu den Internationalen Kongressen durch Partei- Referendum und 2., das; die holländischen Mitglieder des Jnter- nationalen Bureaus nicht mehr durch de» Parteiborstand angewiesen, sondern ebenfalls durch Partei-Referendum in dem auf einen Internationalen Kongrctz folgenden Jahre gewählt werden. Soziales. Jahresvcrsamiiiliuig der Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrank- hciten hält ihre diesjährige Jahresversammlung in Berlin am 11. März, mittags 12 Uhr, im Bürgersaale des Rathauses ab. Anlaß zu dem ersten Thcnia der Tagesordnung hat das Er- kcnntniS des Oberverwaltungsgerichts stegeben, welches die Rechte der Krankenkassen zur Teilnahme an hygienischen Bestrebungen ein- zuschränken geeignet ist. Der Geschäsisfnhrer der Ortslrankenkasse der Kaufleule in Berlin, Albert Kohn, soll im An- schluß an das Erkenntnis über die Frage referieren: „Dürfen Krankenkassen hygienische Kongresse beschicken?" Pro- fessor N e i s s e r ist Referent über den wichtigen Antrag des fchlesischen Zweigvereins: eine erneute st a t i st i s ch e Er- Hebung über die venerischen Krankheiten in Deutschland. Von hohem Interesse ist ferner der Antrag des Vorstands auf Einführang einer Sachverständigenkommission, die nach dem Vorgange Frankreichs über die Aenderung und Aufhebung der Reglementierung beraten soll. Als Vortragender ist der Generalsekretär der Gesellschaft, Dr. Blaschko, genannt. Der deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrank- Helten können auch Krankenkassen als Mitglieder beitreten. Eine rege Beteiligung der Kassen uird der Aerzte an diesem Verein liegt im sozialen Interesse, das eine energische Bekämpfung der so der- Heerend wirkenden Geschlechtskrankheiten durch Erforschung ihrer tiefer liegenden Ursachen, durch Aufklärung über die Gemein- gefährlichkeit der Krankheiten und durch schnelles Eingreifen ini Er- krankungsfalle erheischt._ Ncbcrllistung des Berliner KanfmannSgerichtS. Die Notwendigkeit der Errichtung von Kaufmanusgerichten zur Geltendmachung der Stechte der Verletzten lvird schlagend durch den Andrang zu diesen Gerichten bewiesen. In Berlin besteht das KaufmannSgericht noch kein Jahr. Vor seiner Errichtung gehörten Klagen zwischen An- gestellten und Chefs zu den Seltenheiten, weil man schon der Kosten- Hohe und der Langwierigkeit halber vor einem Prozeß zurückschreckte. Jetzt ist das Kausinannsgericht, trotzdem eS mehrere Kammern hat, die sehr fleißig und schnell arbeiten, bereits so überlastet, daß zwischen der Einreichung der Klage und dem ersten Termin(Sühne- termin) in der Regel ein längerer Zeitraum als ein Monat liegt. Es ist deshalb die baldigste Errichtung noch weiterer Kammern dringend erforderlich. Das KaufmannSgericht kann seinen Zweck schneller Rechtspflege nur erfüllen, wenn der Verhandlungstermin lzweiwr Termin) in längstens einer Woche nach Einreichung der Kluge angesetzt wird. Zur Lage der Handweber in der Scidcnindnstrie. Vom Nieder- rhein wird uns geschrieben: Hier unten am Niederrhein, in zahl- reichen Orten der Kreise Krefeld, Kempen. M.-Gladbach und Kleve- Geldern hört man noch in den niedrigen Häusern den Handwebstuhl klappern. Vielfach hört man die Ansicht äußern, daß die Haus- Weberei keine Bedeutung mehr hat, Iveil der mechanische Webstuhl den Handstuhl verdrängt habe. Diese Ansicht ist irrig. Denn nach der letzten Statistik waren allein im Handelskammerbezirk Krefeld noch 3953 Handstühle im Be- trieb. Zu 89 Proz. wird aus diesen Stühlen Seide verwebt, während auf den übrigen Webstühlen Samt und Samtband her- gestallt wird. Diejenigen der Weber, die Samt- und Samtband machen, haben noch einen ziemlich auskömnilichen Verdienst, doch nuserable, wahre Hungerlöhne werden den übrigen Webern gezahlt. Stur eine geringe Anzahl Seiden Weber sind in der Lage, 9 M. pro Woche zu verdienen, eS gehört eine große Wertigkeit dazu, diesen Lohn bei täglich 1ö- bis 17 stündiger Arbeit zu erzielen. Durchschnittlich wird das Einkommen der Haus- Weber auf�390 M. jährlich berechnet. Doch gehen von der „großen" Summe noch bestiunnte Ausgaben für Vorarbeiten ab. Die Beiwäge für die Krankenkasse und Invalidenversicherung haben die Gemeinden übernommen, einesteils weil die Weber tat- sächlich nicht in der Lage sind, dieselben zahlen zu können, dann aber auch, uni den Unternehmern entgegenzukommen. Eine Gemeinde im Kreise Kempen lehnte es ab, die in dem Orte ziemlich hohen Beiträge zu übernehmen: da erklärte der in Betracht kommende Fabrikant, er würde keine Arbeit mehr nach dem Orte geben, die Beiträge seien ihm zu hoch. Stößt nun der Gemeinde- rat seinen Beschluß nicht um, so siud die Weber gezwungen, von dein erbärinlichen Lohn auch noch die ganzen Beiträge zu zahlen. DaS Elend in einer solchen Weberfamilie kann sich ein Unein- geweihter gar nicht vorstellen. Wir sind überzeugt, daß die Ver- Hältnisse in den schlesischen Weberbezirken nicht schlimmer sind. Daß sich die Weber selbst aufraffen, um eine Verbesserung ihrer Lage anzustreben, ist ausgeschlossen. Diese Leute sind total verelendet und finden sich zumeist fatalistisch in ihr Geschick. Ohne Hülfe von außen kommen sie aus ihrer jetzigen Lage nicht mehr heraus. Ausgeschlossen ist aber auch, daß die Kommunen ernstlich helfend eingreifen: deren Hülfe geht über die Gewährung einiger minderwertiger Unterstützungen gar nicht hinaus. Wären aber die Gemeinden zu einer tatkräftigen Hülfe wirklich in der Lage, so würden die maßgebenden Personen in den Verwaltungen nicht den Willen zur Ausführung haben. Denn die Unternehmer. die die billige Arbeitskrast der Hausweber benutzen, um auf dem Weltmarkt gegen den Kraftstuhl zu konkurrieren, sind viel zu sehr versippt mit' den oben genannteir Leuten. Hier muß die Gesetz- gebung eingreifen, und so lange dieses unterbleibt, vegetieren und hungern die Seidenweber am Niederrhein weiter. Die Annahme des von der sozialdemokratischen Fraktion zum Schutz der Heim« orbeiter beantragten VerstcherungSzwangeS ist für die hiesigen Ber- Hältnisse außerordentlich notwendig. Euq Induftrie und Handel Preßkorrnption. Preßkorruption ist ein Stück Geschichte de? Kapitalismus. Dieser ist der Nährboden jeder Korruption und die gesamte bürger- liche politische Presse, ganz gleich unter welcher Firmierung sie ihr Wesen treibt, ist mehr oder minder von dem Seuchebazillus infiziert. Mancher hält den Zustand für gesund und findet nichts dabei, sich unter irgend einer Form mit einem„Blauen", einem„Braunen" oder noch besser, mit dergleichen Lappen im Plural bescheren zu lassen für Dienste, die man bei der Suche nach solchen, die nicht alle werden, geleistet hat. Und die Börsenjournalistik ist ein besonders schlüpfriger Boden. Manche Blätter sind bekannt als von bestimmten Spekulanten- und Jnter- essentengruppen abhängig, ihnen dienstbar. Geschäft ist Geschäft! Der Begriff, wo erlaubtes Geschäft aufhört und der Schwindel an- sängt, ist für die Interessenten sehr dehnbar. Wer durch geschickte Manipulationen, die von der Absicht ausgehen, anderen eine bestimmte Meinung zu suggerieren, die den realen Tatsachen nicht entspricht, auf Kosten der Leichtgläubigen sein Portemonnaie füllt, hält sich, solange er noch keine silbernen Löffel gestohlen hat, für einen ehrlichen Kerl. Mancher Börsenjournalist hilft unbedenklich bei der Korrektur des Glücks, er betrachtet das als sein Handwerk, als sein Geschäft: er kann dabei sogar so ehrenhast sein, daß er sich dafür nicht extra honorieren läßt. Und die armen Teufel, die oft die Tragweite der Manipukationen, zu denen sie sich mißbrauchen lassen, gar nicht übersehen, und deshalb keine moralischen Regungen auslösen, wer will sie unbedingt verurteilen? Wer das will, muß alle Börsen- geschäfte, jede Spekulation, die nicht der Regelung des Waren- Marktes dienen, in das Urteil einschließen. Ja selbst diejenigen, die geflissentlich sich mit dem Schein des Biedermannes umgeben, als über jeden Zweifel erhabene unbestechliche Tugendwächter und Richter sich aufspielen, und trotzdem bei Gelegenheit stolpern und mit„vornehmer Eleganz" zu Fall kommen, haben als Entschuldigung die korrunipierende Wirkung des kapitalistischen Systems für sich. Gelegenheit macht Diebel Und so kann auch Maximilian Harden, der von der hohen Warte der Unbestechlichkeit gegen die Manöver der Börsenjournalisterei zu Felde zog, sagen: ich zähle ein Heer von Heuchlern und Pharisäern. Er hat ein Geschäft gemacht, wie viele andere. Für die Berliner Handels- gesellschaft führte er als Ritter sonder Furcht und Tadel einen Prcßfeldzug. Und von der Gnadensonne dieser Gesellschaft be- strahlt, machte er ein feines, reguläres Börsengeschäftchen. Als Börsen-Sittenwächter hat er nun ausgespielt, aber nicht weil er ein Geschäft machte, sondern nur iveil er dabei erwischt wurde. Das ist eine Sünde, die die kapitalistische Moral am schärfsten verurteilt. Dresdner Bank. Nach dem in der AufsichtSratssitzung vorgelegten Bericht beträgt für das abgelaufene Geschäftsjahr der Bruttogewinn einschließlich 78 678,25 M. Vortrag aus dem Vorjahre 29 297 214,99 M. /g Proz. zur Verteilluig zu bringen. Nach Absetzung der vertragsmäßigen Tantiemen, sowie der Gratifikationen an die Beamten verbleibt alsdaitn ein Saldo von 71465,70 M. zum Vortrage auf neue Rechnung. Hamburg wird industriell. Unter der Firma„International Metal Company" ist eine Gesellschaft gegründet, die bei Hamburg eine große Zinkhütte, deren Produktion auf 15—29 090 Tonnen be- rechnet ist, errichten will. Unschuldig wie die Lämmer, so schreibt man uns, gebärden sich unsere Agrarier, wenn die verhängnisvollen Konsequenzen ihrer Politik irgendwo zutage treten. Wie der„Deutscheu Tageszeitung" mitgeteilt" wird, sind die Schuhmacher neuerdings mit ihren Preisen in die Höhe gegangen unter der Angabe,„daß der neue Zolltarif das Leder verteuert habe". Das Blatt bemerkt entrüstet,„daß es sich dabei um eine planmäßige Mache handelt" und fordert die Konsumenten auf,„sie mögen sich von ihren preissteigerungslustigen Lieferanten nicht ein so einfältiges Märchen aufbinden lassen". Die Herren Agrarier haben so vollständig vergessen, daß der neue Zolltarif für die wichtigsten Gerbstoffe, insonderheit für Que- brachoholz, aber auch für die meisten anderen Gerbstoffe der Position 94 die bisherige Zollfreiheit durch einen Einfuhrzoll von 20 M. auf die Tonne ersetzt hat, das bedeutet für Ouebrachoholz eine Verteuerung von 200 Proz., für die anderen Gerbmaterialien von 199—200 Proz. des Warenwertes und für eine große Leder- fabrik eine Mehrausgabe von unter Umständen mehreren hundert- tausend Mark im Jahre. Mcndelsohii hilf! Herr v. Mendelsohn vom gleichnamigen Ber- liner Bankhause ist, wie die„Daily News" meldet, in Petersburg eingetroffen. Seine Ankunft in der russischen Hauptstadt steht dem Vernehmen nach mit der Aufnahme einer neuen russischen Anleihe im Zusamnienhang. da die Verhandlungen mit den französischen Bankiers ergebnislos verlaufen seien.— Natürlich, wenn den Fran- zosen die Ruffenfreundschaft unangenehm wird, wenn sie ein Haar in der Butter finden, dann wird der deutsche Michel in Gnaden aus- genommen, er darf feinen Beutel leeren. Er wird es tun, wenn Mendelsohn sich nicht doch verrechnet hat. Indischer Boykott gegen englische Waren. Am Sonntag nacht haben, wie der„Daily News" aus Kalkutta telegraphiert wird, in der genannten Stadt und deren Vororten 20 Versammlungen statt- gefunden, die von zirka 59 999 Personen besucht waren. Die Ver- sammlungen beschlossen, englische Waren bis auf weiteres zu boykottieren. Aehuliche Beschlüsse wurden an vielen anderen Orten des Landes gefaßt._ Em der frauenbewecfirncj. Zur Frnuen-Wahlrcchtsbcwegung in Schweden. Die schwedischen Frauenorganisationen haben eine Masscnpetition in Umlauf gesetzt, uni jetzt, wo die Entscheidung über die Reform des Wahlrechts zur zweiten Kammer bevorsteht, Regierung und Reichstag zu veranlassen, zugleich die Einführung des politischen Frauen-Wahlrechts zu beschließen. Die Petition war bis Anfang März bereits von 10 506 Personen unterzeichnet, obwohl mit dem Sammeln von Unterschriften in verschiedenen Bezirken des Landes erst Mitte Februar begonnen werden konnte. Diese Frauen-Wahlrechtsbewegung schließt gegenwärtig die Gefahr in sich, daß sie der ersten Kammer willkommene Veranlassung gibt, die große Wahlrechtsreform, für die Jahrzehnte lang gekämpft wurde, nochmals hinauszuschieben. Um dies zu verhindern, hat Staats- minister S t a a f es abgelehnt, zurzeit einen Vorschlag auf Ein- führung des Frauenwahlrechts einzubringen, und damit hat sich auch der Vorsitzende der sozialdemokratischen Rcichstagssraktion, Genosse B r a n t i n g einverstanden erklärt. Nun hat sich dieser Tage eine Frauendeputation an die gesamte sozialdemokratische ReichstagS- fraktion gewandt, um sie zu veranlassen, gleichzeitig mit der Aus- dehnung des Wahlrechts für Männer das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht für Frauen zu fordern. Die Fraktion hat sich jedoch einstimmig der Auffassung Brantings angeschlossen und unter anderem aus das Verlangen der Frauen geantwortet: „Für eine solche Politik wollen wir bei der gegenwärtigen Lage der Wahlrechtsfrage nicht die Verantwortung auf uns nehmen, da nach unserer Ueberzeugung eine Wahlrechtsreform, die den Arbeitern einen wesentlich größeren Einfluß auf das Staatsivesen geben soll — auch durch die Verbesserungen, die wir zum Regierungsentwurf noch vorschlagen werden— eine wirksame Vertretung der übrigen wichtigen Resormforderungen unseres Programms, darunter auch die des allgemeinen Wahlrechts der Frauen, wesentlich erleichtern wird." Der Tod einer bedeutenden Frau. Im Alter von 74 Jahren ist am 5. März in Florenz Frau I e s s i W h i t e M a r i o, die Witive des bekannten Republikaners und Freiheitskämpfers Alberto Mario gestorben. Sie war eine tüchtige und tapfere Frau, die nie vo» der republikanischen Neberzeugung ihrer Fugend abgewichen ist. Als junge Frau hat sie sich durch ihre Tapferkeit und Aufopferung als Pflegerin der Verwundeten in den Schlachten für die italienisch« Freiheit herborgeian. Sie war die Seele der ganzen Hülfsaktion tväbrend der Befreiungskämpfe, Freundin Garibaldis und Mazzinis, die von beiden mit schwierigen und gefährlichen Missionen betraut wurde. Unter den zahlreichen Werken, die Jesfie White Mario hinterläßt, sind ihre Biographien dieser beiden Großen die bedeutendsten. Trotz ihres hohen Alters hat Frau White Mario bis zu ihrer letzten kurzen Krankheit als Lehrerin der englischen Literaturgeschichte am Florentiner Lehrerinnenseminar gewirkt. Die Leiche wird auf Wunsch der Verstorbenen eingeäschert und ohne religiöse Feierlichkeit beigesetzt. Groß-Lichtcrfclde-Lankwitz. Montag, den 12. März er., abends 8Vs Uhr, Vortragsabend des Frauenvereins. Sckiriftsteller Genosse Stampfer:„Rezitationen". Gäste willkommen. Pünktliches Erscheinen erbeten. Borsigwaldc-Tcgcl. Der hiesige Frauen- und Mädchen-Bildungs- verein hielt am Mittwoch, den 7. März, in Borsigwalde im Lokals von Kube seine Generalversammlung ab. Die Vorsitzende erstattete den Vorstandsbericht. Im letzten Halbjahre fanden 6 Vereins- Versammlungen und 12 Vorstandssitzungen statt. Der Verein zählt jetzt 86 Mitglieder. Der Kassenbericht ergab eine Einnahme � von 118,09 M,, eine Ausgabe von 43,82 M., milhin verblieb ein Bestand von 74,27 M. Die Neuwahl des Gesamtvorstandes zeingte folgendes Resultat; Frau Wildeis- Borsigwalde erste, Frau Wiegand- Tegel zweite Vorsitzende, Frau Kienast-Borsigwalde Kassiererin, Frau Ouade-Borsigwalde Schriftführerin, Fran Kohne- Borsigwalde Bei- sitzerin und Frau Kohl-Tegel, Frau Böttcher-Tegel. Frau Rudow- Borsigwalde Revisorinnen, Sodann wurde bekannt gegeben, daß nur noch in außergewöhnlichen Fälle» durch Handzettel zu Ver- sammlungen eingeladen wird. Die Vereinsversammlungcn finden regelmäßig alle 14 Tage Mittwochs, abends 8Vs Uhr. abwechselnd in Tegel bei Schmidt, Schlieperstr. 64, und in Borsigivalde bei Kube, Ernststr. 8, statt. Neuausnahmen werden in allen Versammlungen vollzogen. Die Bekanntgabe der Vereinsversammlungen erfolgt im „Vorwärts" unter„Frauenbewegung". Gericdts Leitung. Attentat auf einen Staatsanwalt. Am 31. Januar wurde an, Landgericht München I der 28 Jahre alte, vielfach vorbestrafte Metzger Franz W ö r s ch i n g wegen Diebstahls zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Während sich der Gerichtshof zur Beratung des Urteils zurückgezogen hatte und der zweite StaatSanwalr Dr. Müller die Vorführungsnote unterschrieb, sprang der Angeklagte ans, ergriff einen auf dem Gerichtstisch liegenden vier Pfund schweren Maurcrhammer und schleuderte ihn mit aller Wucht mit den Worten: „Du ganz gemeiner Kerl, da hast a Schneid", nach dem Kopfe des Staatsanwalts. Der Staatsanwalt sprang �anf und wurde nur leicht an der Seite getroffen. Sieben Schutzleute bemühten sich nun. den Angeklagten zu fesseln. Sie hatten hierbei mit dem Widerstand des wie rasend um sich schlagenden Angeklagten zu kämpfen, blieben aber Sieger. Am Dienstag hatte sich Wörsching wegen dieses Widerstandes und der an dem Staatsanwalt beruhten Körperverletzung vor dem Landgericht München I zu verantworten. Er wurde durch drei Schutzleute vorgeführt und blieb während der Dauer der Verhandlung gefesselt. Nach Verlesung des Eröffnungs- beschlusses lehnte W. den Gerichtshof wegen Besorgnis der Be- fangenheit ab. weil der Gerichtshof damals Zeuge seines Angriffs gewesen sei. Dieser Antrag wurde. weil erst nach der Verlesung gestellt, zurückgewiesen und Wörsching neuerdings zu 5 Jahren Gefängnis ver- urteilt. Bei seiner Abführung rann Wörsching, trotzdem er durch drei Schutzleute eskortiert wurde, mit dem Kopfe durch das Fenster einer Korridortüre, wodurch er sich einige blutende Wunden zuzog. Das Urteil ist ein ungeheuerliches.§ 113 Str.-G.-B. kennt als Höchststrafe wegen Widerstandes gegen einen Beamten 2 Jahre Ge- fängnis. Die Höchststrafe für Körperverletzung beträgt 3 Jahre (§ 223 Str.-G-B.). Bei Zuerkennung mehrerer Strafen ist eine Herabsetzung der zusammengezogenen Strafen durch das Gesetz geboten. DaS Urteil entspricht dieser Vorschrift nicht. Es hat auf die M a x i m a l st r a f e, die wegen MajestätS- beleidigung zulässig ist. wegen einer geringfügigen Körperverletzung und eines erklärlichen, kaum strafbaren Wider- standes erkannt. Abgesehen von der außerordentlichen Höhe der Strafe drängen sich bei dem Bericht über die Verhandlung die Fragen auf: war der Täter zurechnungsfähig? und: welches waren die Gründe, die den Angeklagten auf den Weg der Strafe drängten? Beide Fragen scheinen unerörtert geblieben zu sein. Und doch ist gerade die Frage nach der Ursache der Vergehen die im Jnter- esse der Gesellschaft und im Interesse der möglichsten Beseitigung solcher Ursachen wichtigste. Es ist leicht, sich an die Brust zu schlagen und zu sagen: seht, ich bin nicht so einer, wie jener auf der Anklagebank, das ist ein schlechter Kerl, fort mit ihm ins Zucht- haus. Ist es so ungeheuer, daß ein Mensch, dem die Gesellschaft nichts als Gefängnis und Zuchthaus zu bieten weiß, darüber empört ist und glaubt, gegen den vermeintlichen Urheher seiner Strafen vorgehen zu müssen? Bleibt der noch so häufig Ver- urteilte nicht ein Mensch, der vielleicht mit Recht sagen darf: was ich geworden, bin ich durch die Gesellschaft geworden, deren Un» gerechtigkeit mich in den ersten Konflikt mit dem Strafgesetz gebracht hat, geworden durch Gefängnis und Zuchthaus, die mich noch widerstandsunfähiger fiir den Kampf ums Dasein gemacht haben: wäre Euch das Lebenslos beschieden, das die Gesellschaftsordnung mir zuerteilt hat. Ihr wäret nicht besser, vielleicht um vieles schlechter als ich. Weim ich wegen der hohen Strafe verzweifelt zum Wurf mich anschickte, so solltet Ihr das Menschliche in mir ehren, das dagegen rebelliert, daß die Ge- sellschaft keine bessere Hülfe für eine» für den Kampf ums Dasein Hlllflosen kennt, als ihn einzusperren und ihn zur Arbeit zu zwingen, um die er vergeblich in der Freiheit sich bemühte. Wann ist der Arbeitsvertrag geschlossen? Der Schriftsetzer F. war am 17. Januar erkrankt. Bis dahin stand er unter KündigungS- ausschluß bei der Firma Fränkel u. Stroh. Nach vierwöchenilicher Krankheit, am Sonnabend, den 17. Februar, kam F. ins Geschäft und erklärte, daß er gesund sei und am Montag arbeiten könnte. Der Chef erwiderte, er wisse noch nicht, ob er ihn am Montag wieder werde einstellen können; er würde aber bestimmt Bescheid geben. Da am Sonntag nichts eintraf, so verließ F. Montag früh 1/iH Uhr seine Wohnung und begab sich in die Druckerei, um zu arbeiten, ohne indessen beschäftigt zu werden. Nach dem Verlassen der Wohnung, mit der ersten Post, traf dort eine am Sonntag abgesandte Karte ein, worauf mitgeteilt wurde, daß die Firma bedauere, von dem Arbeitsangebot F.'s keinen Gebrauch machen zu können.— F. verklagte nun die Firma beim Gewerbcgericht und beanspruchte 5 M. Lohn für den fragliche» Montag, an dem er infolge des zu spät eingetroffenen Bescheides vergeblich nach der Druckerei ging. Die Kammer 8 des Gewerbegerichts verurteilte dieser Tage die Firma zur Zahlung des Tagelohnes von 5 M. und führte begründend aus: Um einen Schadenersatz handele es sich hier nicht, wohl aber um einen Vertragsauspruch. In Betracht kämen die Bestimmungen des dritten Titels des Bürgerlichen Gesetzbuches über Verträge. Der einem Anwesenden geinachte Antrag auf Schließung eines Ver- träges könne nach K 147 nur sofort angenommen werden. Als der Kläger am Sonnabend, den 17. Februar, den Autrag auf Wicdereinstellung am Montag persönlich gestellt habe, sei also dieser Antrag vom Beklagten abgelehnt worden, da dieser ihn nicht annahm. Indessen habe Beklagter gesagt, er werde dein Kläger mitteilen, ob er am Montag auf seine Arbeit rechne. Das sei eine neue Offerte, ein Angebot diesmal seitens des Be- klagten. Den versprochenen Bescheid hätte er derart erteilen müssen, daß er rechtzeitig eintraf. Benutzte er die Post. Ivic hier, so hätte er ihn so rechtzeitig der Post übergeben müssen, daß er bei regulärer Bestellung rechtzeitig in die Hände des anderen gelangte. Konnte er den Bescheid erst am Sonntag feststellen, so hätte er die Rohrpost oder einen Boten benutzen müssen. Denn er hätte damit rechnen müssen, daß eine gewöhnliche Postkarte, die Sonntags abgeschickt wurde, frühestens mit der im Winter gegen 3 Uhr aüsgetragcuen ersten Post beim Kläger anlangen konnte, daS heißt zu einer Zeit, wo F. schon weg sein mußte, wollte er zum Arbeitsbeginn in der Druckerei sein. Beim Nichteintreffen des Bescheides habe Kläger annehmen können, er solle arbeiten kommen. So habe er mindestens das Vertrags- mäßige Recht aus Beschäftigung an dem einen Tage erlangt und. falls er nicht beschäftigt wurde, auf den Lohn für den einen Tag. Todesurteil bestätigt. Das Oberkriegsgericht in Posen verwarf die von den Soldaten Geppert und Rosinski gegen das Urteil de? Kriegsgerichts voni 13. Januar eingelegte Berufung. Das Kriegsgericht hatte als erwiesen angenommen, daß die Angeklagten an dem Ackerbürger Glapa Raubmord, an dessen 20 jährigen Sohn Ludwig Raubmordversuch begangen hatten. Vor dem Ober- Iriegsgericht legten die Angeklagten ein ausführliches G e st ä n d n i s ab, das der von uns wiedergegebenen Schilderung des Sachverhalts durch Ludwig Glapa entsprach. Die Verteidiger plaidierten trotzdem aus„juristischen Gründen" auf Verurteilung nur wegen gemein- schaftlichen Raubes._ Versammlungen. Berichtigung. In Nr. 56 des„Vorwärts" vom Donnerstag, den 8. März, ist unter„Versammlungen, Er st er Wahl- kreis" dem Berichterstatter ein Irrtum unterlaufen, um dessen Richtigstellung der Unterzeichnete bittet. Genosse PeterburS beantragte:„Die Generalversammlung des 1. Berliner Wahlkreises erklärt sich gegen den Boykott der Philharmonie, weil er zwecklos ist und nur der sozialdeniokratischen Arbeiterschaft schadet."— Nach längerer Diskussion änderte er den Antrag dahin, derselbe solle dem Vorstände überwiesen werden; auch Genosse Weihnacht schloß sich diesem Antrage an, jedoch nur die Minderheit stimmte diesem An- trage zu, die große Mehrheit stimmte dagegen und sprach sich somit für die Aufrechterhaltung des Boykotts aus, dies wurde ausdrücklich ohne Widerspruch aus der Versammlung vom Vorsitzenden festgestellt. H. WolderSky, Vorsitzender. In der Generalversammlung des Wahlvereins für den zweiten Wahlkreis ist laut Bericht im„Vorwärts" mitgeteilt worden, daß ich wegen längeren Resticrens in der Mitgliederliste gestrichen worden bin. Diese Mitteilung entspricht nicht den Tatsachen. Ich loohne fest Juni 190-1 in Charlottenburg. Nach meinem Umzüge habe ich mich meines Wissens beim Wahlverein des zweiten Wahl- i reifes abgemeldet. Jedenfalls bin ich seitdem Mitglied des Char- lottenburger Wahlvereins, wo ich bis heute meine Beiträge bezahlt habe, ebenso wie ich meines Wissens bis zum Termin meines Um- zuges im zweiten Wahlkreise meine Beiträge entrichtete. Georg Bernhard. Die Vereinigung der Musikinstrumentenarbeiter nahm in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 5. März Stellung zum 7. Kongreß der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften. Nach einem einleitenden Referat Haffners entspann sich eine längere Debatte über den Programmentwurf, mit dem nicht alle Redner vollkommen einverstanden waren. Folgende Resolution wurde an- genommen: „Die Versammlung erkennt den Programmentwurf der Ge- schäftskommisjion insoweit an, als er immer noch genügend Raum bietet, noch weitere Annäherung an die Feenpalastresolution zu voll- ziehen. Die Versammlung erwartet, daß ihre Delegierten eine dem- cutsprechende Stellung bei den Kongretzverhandlnngen einnehmen und alles aufbieten, daß den deutschen Gewerkschaften die Richtschnur angewiesen wird, nach der allein der Kampf zur Aufhebung der heutigen Klassenherrschaft geführt werden kann." Hierauf würden Kißner und jiumenz zu Delegierten gewählt. Charlottcuburg. Am Dienstag, 6. März, hielt der sozialdemokratische Wahlverein im„Volkshause", Rosinenstr. 3, eine Generalversamm- lung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende mit warmen Worten deS verstorbenen Genossen Heinrich Jung, uf sich die Versammelten zu Ehren des Verstorbenen von ihren ;n erhoben. Alsdann hielt Genosse Stern einen mit großem ll aufgenommenen Vortrag über:„Das neue Schulgesetz und Proletariat". Als beste Gegenwehr bezeichnete Redner den nauStritt aus der Landeskirche. Von einer Diskussion über den ag wurde der reichhaltigen Tagesordnung wegen Abstand ge- nom. reu. Dafür aber wurde vom Genossen Gebert der Wunsch ge- üußc t.innächsterZeiteiiienBortrag über das Thema:„Warum treten wir aus d rLandeskirche aus" halten zu lassen. Zu Pu»kt3„ Statutenberatung von Zroß-Vcrlin und des Kreises Teltow-BeeSkow-Charlottenburg gelangte dasselbe mit unbedeutenden Abänderungen zur Annahme. VerschiedenerscitS wurde Beschwerde darüber geführt, daß der Zentralvorstand den Parteigenossen nicht genügend Statutencutwürse zur Verfügung gestellt habe und nur die Delegierten damit bedacht worden seien. Gegen die Aufnahme der sich Gemeldeten Gnast, Schulz und Zeidler wurde Protest eingelegt, weil dieselben Akkord- maurer seien und die Interessen der Arbeiterschaft unberücksichtigt ließen. Die Versammlung beschloß hierauf die Nichtaufnahme der- selben. Zum Schluß wurde der Genosse Schütze für den Bezirk 2a, als Bezirksfllhrer bestätigt. Grünau. In der am 3. März im Lokale„Wendenschloß" statt- gefundenen gut besuchten Versammlung hielt Genosse Dr. Borchardt- Charlottenburg einen Vortrag über:„Die Verpfaffung der preußischen Volksschule und die Stellung der Sozialdemokratie zu derselben". Der Redner erntete für seine trefflichen Ausführungen lebhaften Beifall. In der Diskussion empfahl Genosse Becker durch Massenaustritt aus der Landeskirche das Schulverpfaffungsgesetz zu beantworten; eS dürfte dies sicher die beste Maßregel gegen dasselbe sein. Des weiteren forderte er die Versammelten auf, im Kampfe gegen das Dreiklassenwahlrecht unermüdlich tätig zu sein, denn nur durch die Beseitigung desselben werden derartige Gesetzespläne unmöglich. Genosse Regen bemängelte noch in drastischer Weise die Grünauer Gemeindeschule und wies nach, daß der Gemeindevorstand nicht Ursache habe, die Einrichtungen derselben als musterhaft hinzustellen. Es fehle außerdem für die 386 Schulkinder eine Turnhalle, ferner sei eine Entlastung der unteren Klassen durch die Einstellung eines schon vor zwei Jahren versprochenen siebenten Lehrers erwünscht. Johannisthal. Der Wahlverein hielt Dienstag, 6. März, seine Mit- gliederversammlung ab im Lokale von Krüger. Der Genosse Diesner legte zunächst die Entwürfe des Kreisstatuts solvie den Organisations- plan dar, welche ohne Debatte einstimmig angenommen wurden. Nach der Wahl der Delegierten zur Kreisgeneralversammlung in Adlershof erstattete» die Gemeindevcrtreler einen kurzen Bericht. Genosse Radumke schilderte zunächst die geplante Teuerungszulage der Gemeindebeamteu und präzisierte unsere Stellung zu derselben in der Vertretung. Weiter teilte er mit, daß ja bekanntlich der Ge- meindevorsteher Herr Hober gegen sich selbst das Disziplinar- Verfahren beint Landrat beantragt habe; positives sei aber nicht zu luv Pl| Bi da Ml Vo "g it I I I erfahren. Bei der bekannten Selbstherrlichkeit des Vorstehers sei das auch natürlich. Bemerkenswert sei, daß auch der Ver- trag mit dem Ingenieur Abel nicht verlängert werden dürfe. Genosse Dühring ergänzte den Bericht in verschiedener Hinsicht. Unter anderem wies er noch darauf hin, daß die Gemeinde immer noch keinen Friedhof besitze, sondern den Verhältnis- mäßig weiten Weg nach Rudow zurücklegen müsse. Aller- dings wäre von bürgerlicher Seite auf den Bau einer Kirche hin- gewiesen, das sei aber vorläufig nicht zu befürchten, denn ein geeignetes Mittel dagegen sei der bereits voin Vorstande in die Wege geleitete Massenaustritt aus der Landeskirche. Nach einer kurzen Diskussion über den gehörten Bericht, gibt der Vorsitzende Diesner die Namen von 11 ncuaufgcuommenen Mitgliedern bekannt, welche die Versammlung anerkennt. Weiter teilt der Vorsitzende mit, daß mit den Niederschöneweider und Rudower Genossen am 9 resp. 16. Juli im Lindenhof ein Sommcrfest arrangiert werden solle. Am 17. März veranstalten Niederschöneweider Genossen ein Alpensest in Hasselwerder, woran sich die Genossen beteiligen möchten. Zcntralvcrband der Handlnngsgehülfen und Gchülfinnen Deutschlands(Bezirk Berlin). Freitag, den 9. März er., abends 9 Uhr, in„Buggenhagens Festsälen", am Moritzplatz: Oeffcntliche Versammlung. Tagesordnung:„Die Arbeitgeber des Kausmannsgcrichts aus der Anklage- dank". Referent: Reichslags-Abgeordneter Eduard Bernstein. _ Die Ortsverwaltung. Vermischtes. Ueber das furchtbare Unglück, welches die Ortschaft Tavernola am Jieosee heimgesucht hat. wird der„Voss. Ztg." aus Brescia ge- schrieben: Das Dorf Tavernola zählt 1069 Einwohner und liegt am Weftiffer des JseoseeS in prächtiger Umgebung. Die freundlichen weißen Häuser, überragt von altertümlichen Türmen und umhegt von Oliven- und Rebenanpsianzungen, sind wohl jedem Besucher des JseoseeS in Erinnerung. Schon vor zwei Jahren war nur ein kleiner Teil des Ufergeländes bei Tavernola in den See gestürzt, und man hatte deshalb an jener Stelle starke Zementmauern ausgeführt. Während der Nacht vom 2. zum 3. d. Mls. hörten die Bewohner von Tavernola ein schwaches unterirdisches Dröhnen. daS sie einem Erdbeben zuschrieben. Doch fühlte sich niemand ernstlich be- unruhigt. Am nächsten Morgen standen der Bürgermeister Ludwig Sina und ein Fischer im Gespräche am Seeufer. Der Wasser- spiegel war regungslos. Da plötzlich um 8 Uhr 15 Minuten be- merkt der Bürgermeister eine starke Bewegung in den Fluten und macht den Fischer darauf aufmerksam; dieser aber deutet auf die Uferpfähle, die seltsamerweise statt senkrecht schief im Wasser stehen. Eine Sekunde später begann ein starkes Dröhnen und Rollen, und der Boden senkte sich. Die Häuser bebte». Rufe von entsetzten Menschen erschollen, und der See wälzte sich gurgelnd aufs Land, flutete jedoch größtenteils wieder zurück. Die unheimlichste und unerklärlichste Erscheinung war aber eine große weiße Staubwolke, die sich gleich nach dem ersten Getöse über Tavernola bildete. Niemand wußte, was eigentlich geschehen war; die»neisten Leute dachten an eine Explosion. Inzwischen ließ der Bürgermeister in den Straßen ausrufen, alle Einwohner sollten fliehen, denn der Ort versinke im See. Das Getöse hatte aufgehört, allein die entsetzliche Ver- wirrung und die Schreckensszenen, die nun folgten, kann nieinand schildern. Die Villa Grasselli, die Apotheke und das Postamt waren in den See gestürzt, und mit äußerster Not hatten sich die Menschen a»S den zusammenbrechenden Gebäuden ins Freie gerettet. Alles flüchtete bergan auf die nahen Hügel, während der Bürger- meister mit einigen Gendarmen zur Beobachtung des furchtbaren Phänomens zurückblieb. Allein der Abend brach herein und nichts hatte sich mehr wahrnehmen lassen. Trotzdem wagten sich die armen Leute nicht in ihre Häuser. Nur die Nonnen und Waisen- mädchen des Institutes Cacciamatta kehrten in ihr Kloster zurück. Inzwischen ereignete sich auf dem See ein Unglück, welches die ersten Menschenleben forderte. Der Fischer Peter Zenti und sein Sohn fuhren in einem Kahne zu ihrem am Ufer gelegenen HäuS- chen, um ihre Ersparnisse zu retten. Da bildete sich plötzlich ein Strudel, der den Kahn und die beiden Männer verschlang; der Sohn wurde später, tödlich verletzt, am Ufer gefunden, vom Vater sah man nichts mehr. Die Nacht vom dritten zum vierten war ruhig bis 3 Uhr früh. Da erneute sich auf einmal das Getöse wieder, und aufwirbelnd schlug das Seewasser gegen die noch stehenden Häuser. Die große Spwnerei Capuäna stürzte krachend zusammen und unter schrecklichen Gefahren wurden die Nonnen und ihre Zöglinge von den Gendarmen gerettet. Gleich darauf barst das Kloster unter der heranbrausenden Flut; ein entsetzliches Gebrüll erfüllte die Luft. Die Nachrichten vom 5. d. M. lauten trostlos: der mit Trümmern und Möbeln aller Art bedeckte See durchwogt das ganze Dorf und kein Haus ist un- beschädigt. Merkwürdigerweise hat sich der Seeboden, wie eine Messung ergab, um 7 Meter gesenkt. Es handelt sich also um unter- irdische Vorgänge._ Eingegangene Druckfchnften. H. Schreiber.„Wie schützt sich der Kapitalist vor Verlusten an der Börse?" Deutsche Verlagsanltalt„Patria", G. m. b. H., Berlin, Lothringer- straße 59. Preis 3 M. „Die Sturniessaat ist aufgegangen«. 87 Seiten. Verlag, Deutsche Vereinsdruckerei und Verlagsanstalt Graz. Dr. Anton Pannekok. Bremen. Religion und Sozialismus. 32 Seiten. Preis 30 Ps. Verlag: BildungSauSschuß deS Gewerkschafts- kartclls. Komlilissionzoerlag: Buchhandlung der Bremer„Bürger-Zeitung". Dr. Jnl. Bachem. Allerlei Gedanken über Journalistik. 19 Seiten. Preis 60 Pf. Verlag Duncker und Humblot, Leipzig. Dr. v. Czarnoivski. Der kleine Kräuterarzt. 37 Seiten. Preis 39 Pf. Verlag„Hygicia", Berlin dl. 58. ßHefkaftcn der Redaktion. F. H. 200. Wenden Sie sich an die für Ihren Mann in Betracht kommende GewcrkschaftSorganifation um Auskunft.— M. F. 34. Persönliche Bemühung jedeusalls zweckmäßig. Bureau: Rathaus, Zimmer 21. ?uristik-ber 0«ll. Die jurlsttsili« Spreitiftiiiide findet täglich mit AilSiiahnie de» So»»ad«»d» vo» r'/j bis»>,, IKir abend» statt. i«eö«f»et! 7«br. Jeder Anfrage ist ei» Buchstab« nud ein« Zahl alS Merkzeichen beizufügen. Briefliche Zlntwort wird nicht erteilt. F. D. 3. Bis zum 28. Februar ist Ihnen daS Gehalt auszuzahlen.— H. K. 101. Ein Eigentumsrecht an dem zurückbehaltenen Stoff steht Ihnen nicht zu. Sie dürfen über denselben nicht verfügen, können viel- mehr lediglich Ihre Forderung einklagen und dann de» Stoff pfänden und verkaufen lassen.— E. W. 1906. 1. Ja. 2. Das ist möglich. 3. Nein. — W. S. 93. Wenn die Plage so arg ist, wie Sic das schildern, vor allem wenn der Wirt die Versicherung ausdrücklich gegeben hat, so hat eine schleunige Klage aus sofortige Aushebung des Ver- träges und aus Schadenersatz Aussicht aus Erfolg. Die Klage ist beim Amtsgerieht anzustrengen, raffam ist, unier Glaubhaslmachung der Mißstände Anberaumung eines baldigen Termines zu beantragen. — E. 91. 26. Wenden Sie sich an die Unterstützungsdeputation des Ma- gistrats.— E. F. 101. II. Teil des Adrcßkaleuders. Seite 97.— K. W. 112. Ist die Vercinbarnng getroffen, so tönnicn Sie aus Zahlung der Miete bis zum 1. Juli mit Aussscht auf Ersolg klagen.— B. W. 18., O. S. 33. Ja.— A. B. soweit ohne Einsicht in die Statuten sich er- sehen läßt, ist die Kasse im Unrecht.— P. 48. Dem Kinde fällt drei Viertel, der Witlvc ein Viertel des Nachlasses zu, falls kein Testament vor- liegt.— Trieberg. 1. DaS Mitglied kann mit den gekauften Waren machen, was es will. 2. Simon Dachstr. 9.— Ober-Tchöncwcide. Die Ablehnung der Konzession ist möglich, aber unwahrscheinlich.— M. 100. Nein.— B. P. 1. u. 2. Ja. 3. Nein. 4. Die Klage ist an das Amtsgericht zu richten. 5. Ja� — O. B. 1000. Wenden Sie sich an daS'Bezirlskommando.— B. 333. Ob Ihre tzeimatsgcmeinde Ansmiche zu erbeben hat, ist aus Ihrer Schilderung nicht zu ersehen, weil Sie weder angeben, ob und wann Sie oder Ihre Familie dort gewohnt haben, noch wo die Gemeinde liegt oder wie sie heißt.— A. St. 42. Solche Einrichtung ist uns nicht bekannt, wahrscheinlich bezieht sie sich aus solche, die Unterstützung nicht empsangen. — A. R. 133. 1. und 2. Ja.— S. S. 83. Die Firma ist zur Lieserung vcrpslichtct. Bestimmte Älwvälte, Aerzte usw. zu empseblen, lehnen wir grundsätzlich ab.— F. P. Die Marken können nach geklebt werden, weil sie für eine kürzere Zeit als zwei Jahre rückständig sind.-- O. H. 100. Nein.— O. W. 13. Ihre Ansprüche aus der Versicherung haltei, Sie ausrecht, wenn Sic mindestens 20 Marken sür je zwei Jahre kleben. — M. B. 100. 1. Ja 8 Proz. 2. Ja, der Einwand der Verjährung greift aber durch.— M. St. 12. Der Vormund soll sich vom Vormund- schastSgericht die protokollarische Anerkennung geben und falls diese auch eine vollstreckbare Anerkennung rücksichllich der Mimentenhöhe enthält, die Pfändung vornehmen lassen. Liegt ein vollstreckbarer Titel nicht vor, so müßte beim Amtsgericht Klage erhoben werden.— Vormund 17. 1. Dem außerehelichen Erzeuger steht keinerlei Recht der Erziehung oder des Hinein. sprechenS in die Erziehung des von ihm erzeugten Kindes zu. Darüber hat allein die Mutter und der Vormund eventuell� das VorniundschastZ- gericht zu besindcn. 2. Beleidigungsklage können Sie erheben. Ein Bei- spiel sindeu Sie in dem in den össentlichen Bibliotheken aus- liegenden„Arbeiterrecht". Zur Erhebung der Klage können wir aber mit Rücksicht aus die Schwierigkeit deS Beweises nicht raten. Wasterftand am 7. März. Elbe bei Aussig-ff 1,93 Meker, bei Dresden-ff 0,62 Meter, be! Magdeburg-ff 3,18 Meter.— Nnftrut bei Straußsurt-ff 2,90 Meter.— Oder bei Ratibor-ff 2,13 Meter, bei Breslau Oberpegel-ff 5,06 Meter, bei Breslau Uulerpegel— 0,52 Meter, bei Frankfurt-ff 1,69 Meter.— Weichsel bei Brahcmünde -ff 5,50 Meter.— Warthe bei Posen— Meter.— Netze bei Usch-ff 1,10 Meter. Berliner Marktpreise. Ans dem amiliche» Bericht der städtischen Markthalleii-Direklion. Rindfleisch In 63—66 pr.!00 Pfund, IIa 51—62, lila 49-53, IVa 39-47. Kalbfleisch la 80-88, IIa 63—75, lila 54—60, Hammelfleisch la 60—71, IIa 54—60. Schweinefleisch 73—78. Rotwild Pfd. 0,53 bis 0,64. Damwild 0,55—0,68. Kaninchen Stück 0,80—0,90. Hühner, alte Stück 1,50—3,25, junge 1,30—2,25, do. Na 0,00—0,00. Tauben, junge 0,50—0,70, alte 0,40—0,45. Enten, Stück 0,00. Gänse, junge, pro Stück 3,(0—5,00, russische 0,30-0,50 M. Schellsijchc 0.00—0,00 M., Flunder 8— lg M.. pro 100 Pjd. Hechte 72—80, Schleie 100; Aale, groß 00—00. miltcl 00— 00; Plötzen 45—48, Plöhen in Eis, große 26—28, kleine 18—22, Karpfen 67,00, Rhcinlachs 675, Seelachs 20-25 M. pr. 100 Pfd. Schoiiijche Vollhcriugc(gesalzen) 40—44 M. Eier, Schock 3,30—3,40. Butler pro 100 Psund la 122—124, IIa 118—122, lila 116—118, abfallende 110—115. Kartoffeln pr. 100 Pfd. rote Dabersche 2,00-2,20, inagn. bon. 2,10—2,35, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock 0,00-00,00, Weißkohl pr. 100 Psd. 4,25-4,50. Rotkohl pr. Schock 00-00, Holl. 12—20 M.«aure Gurken, Schock 2.00 M., Pseffcrgurkcn 2,00 M. SozialdemokratisehJatilTereiii des yerlin.Reieiistapatilkreises Todes-Anzeige. Am 6. d.M. verstarb unser Mit- glied, der Maurer Kustov Charles Prenzlauer Allee 206. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 10. d. M., nach- mittags 2-/. Uhr vom Traucrhause aus nach dem St. Georgenkirchhos in Weißensee(Rölkestraße) statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 248/00 Der Vorstand. Zentral-lferland der Maurer Oeiitsetilands. Zweigrereln Berlin. Sektion der Putzer. Am Dienstag, den 6. d, Mts., verstarb unser Mitglied Gustav Charles. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 10. März, nach- nüttags 2'/, Uhr, vom Trauer. Hause, Prenzlauer Allee 206, nach dem St. Georgenkirchhos in Weißen- sec, Rölkeslrage, statt. 133/17 Am Mittwoch. den 7. verstarb unser Mitglied März, Otto 8puhl. Ehre seinem Andenken k �Dic Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 4 Uhr auf dem neuen PaulSkirchhos, Sec« straße statt, Um rege Beteiligung ersucht Die örtliche Verwaltung. IBeenügirngsvereill BeiiiiierZimmerleule. Am 5. d. M. starb plötzlich im Alter von 70 Jahren unser Mit- glied, der Zimmerer ßMikd Heiiigensfaedt Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet ani Freitag, den 9. d. M., nach- mittags 3'/. Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Krankenhauses am Friedrichshain(Virchowstraße) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 308b Der Vorstand. �nttaiveiltöiill der Handels-, Transport- und Verkeiirsarlieüer und Arbeiterinnen Deutscbiands. Verwaltungestelle Berlin I, Hiermit diene de» Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gefchästskutscher Karl tteltruweit nach langem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, nachm. ll15 Uhr, von der Leichenhalle der Simeous-Ge- meinde in Britz aus statt. 67/9 Die Ortsverwaltung Berlin i. Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teil- nähme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meiner unvergeßlichen Frau Berinlne ÜIUII er geb. Becker, sage ich allen Verwandten und Bekannten sowie den Kollegen der Firma M. Grund meinen herzlichsten Dank. 290b Gustav Müller. Deutscher jMetallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß | unser Mitglied, der Mechaniker Efruino Siejak gestorben ist, Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Freitag, den 9. März, nach- nüttags 3>/, Uhr, von der Wohnung Pfmgstraße l aus, nach dem St. Sebastian- Kirchhos in Reinlckcndors(Humboldtstraßc) statt. Rege Beteiligung erwartet 113/18 Die Ortsverwaltung. Teures Fleisch— billige Seefische!! Bester Fleischersatz, schmackhaft und durch hoben Nährwert sieb auszeichnend! Riesenfänge unserer ermögliclien toililgste Preise. Ein Versuch mit diesen äußerst schmackhatten Fischen Ist jeder Hausfrau zu emptehlen. Deutsclie DampffisGhBrei-ResellsGhatl„Nordsee" Filiale: Berlin C. 2, Bahnhof Börse, Bogen 8—10. ♦ Zentral-Fernsprecher: Amt III No. 8804. � Seefisch s Kochbücher gratis* Verkaufs-Niederlagen:—•": Prinzenstraße 30| Madaistraße 22 (am Moritzplatz). 52-53 (im Schlesischen Bahnhof).|(der Kurzenstr. gegenüber) Pfd. Gr. Schellfisch s im Anschnitt 30 Pf. Cablian, ohne Kopf im Anschnitt 25 Pf. �eelaehs, ohne Kopf im Anschnitt£5 Pf. Seekarpfen(Brassen) im Anschnitt 25 Pf. Seehecht 3© pf. An£hn, 4© n Alle übrigen Sorten Seefische zu billigst. Tagespreisen. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil vcrantw.: TY. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. eröffnet in den nächsten Tagen in dem Neubau des alten Abgeordnetenhauses ein Hodewraliiiiu L Dantes. Dieses Kaufhaus, mit den modernen, über 3000 qm umfassenden und 4 grossen Lichthöfen versehenen V erkaufsräumen bildet eine \ V �aufiaiu MniFsnntaA leipziger 5h(iS)e T5-T6 am tyänh&föpioüz Nr. 37. 23. 2.(itiliijt In JmNrfj" Sfrliittt WlllsIlÄ Frrttllg, 9. März lM. Verletzung des Formulars Lindenberg. Die Bestrafung wegen Ausübung des Rechts Streikposten zu stehen, muß klar erkennen lassen, daß ein Schutzmann, und zwar ein als Organ der Polizei staatlich bestätigter Schutzmann der Ansicht war, der Verkehr werde in seiner Sicherheit oder Bequemlichkeit ge- fährdet. So etwa ließe sich der Rechtssatz formulieren, mit dem das Kammergericht am Dienstag eine völlig verfehlte Entscheidung aufhob, die auf der ebenso irrigen kammergerichtlichen Einsetzung des Schutzmanns an Stelle des Gesetzgebers beruhte. Wird demnach selbst dem Kammergericht allmählich vor seinen eigenen Erzeugnissen bange? Das möchten wir bezweifeln. Ueber die dem Kammergerichtsurteil zugrunde liegenden Verhandlung geht uns fol- gender Bericht zu: Anläßlich des großen Bergarbeiterausstandes im Ruhrrevier sollten sich die Bergleute Gatzemeimer und Jablowski aus Dahlhausen gegen die Regierungspolizeiverordnung vom 8. Februar 1900 vergangen haben, welche den mit Strafe bedroht, der einer Polizei- lichen Aufforderung zur Erhaltung der Sicherheit und Bequemlichkeit des Verkehrs aus öffentlichen Wegen. Straßen usw. nicht nach- kommt. Die Angelegenheit hat schon mal das Kammergericht beschäftigt und war zu nochmaliger Verhandlung an das Landgericht Essen zurückverwiesen worden. In der neuen Verhandlung verurteilte das Landgericht die Angeklagten zu Geldstrafen, weil sie einer solchen polizeilichen Aufforderung im Sinne der Verordnung nicht gefolgt seien. Es erachtete für festgestellt, daß sie am 19. Januar 1905 auf der Hasenwinkler Landstraße, als sie dort als Streikposten auf und abgingen, der Aufforderung zweier als Hülssbeamte der Polizei verpflichteter Zechen- Beamten, weiter zu gehen, nicht Folge geleistet hätten. obwohl diese Zechenangestellten durch eine um ihren Arn, gelegte Binde mit der Farbe der Unschuld als Po lizeihülfsorgane kenntlich gemacht seien. Die Angeklagten, führte das Landgericht aus. hätten dem Verlangen der Hülfsbeamten Folge geben müssen. Diese Aufforderungen zum Weitergehen seien ergangen, um für die Arbeitswilligen die Bequemlichkeit des Verkehrs auf der öffentlichen Landstraße auf- recht zu erhalten; die Arbeitswilligen sollten ungesehen und unbeobachtet, damit später nicht etwa an dem erkannten Arbeitswilligen Gewalttätigkeiten stattfänden, ihrer Wege gehen können. Die HülfSpolizeibeamten seien a u s d r ü ck li ch z um Schutze der Arbeitswilligen verpflichtet worden.— Die Angeklagten legten Revision beimKammergericht ein. Rechtsanwalt Dr. K. Liebknecht als ihr Vertreter machte unter anderem geltend, daß bei Aufrechterhaltung des landgerichtlichen Urteils das Streikpostenstehen überhaupt unmöglich wäre; denn die Tatsache, daß es den Arbeitswilligen unangenehm sei, gesehen zu werden, läge ja in allen Fällen vor. Die Vorentscheidung verstoße ent- schieden gegen das Koalitionsrecht. Selbst nach der Praxis des Kammergeruhts könnte immer nur aus verkehrspolizeilichen Gründen eingeschritten werden. Das Kammergericht hob die Vorentscheidung auf und verwies die Sache zum zweitenmal an das Landgericht zurück. Begründend wurde ausgeführt: Das landgerichtliche Urteil sei in mannigfacher Beziehung rechtsirrtümlich. So geniige die V e r p f l i ch t u n g der Zechenbeamten als Hülfspolizeibeamte noch nicht, sie zu Organen der Polizei zu machen. Nach dem Gesetz über die Polizeiverwaltung bedürfe die Ernennung aller Po- lizeibeaniten, deren Anstellung den Gemeindebehörden zustehe, der Bestätigung der StaalSregierung. Wenn die beiden Zechenbeamten, die der Polizei Hülfe leisteten, nicht von der Regierung als Hülfs- Polizeibeamte bestätigt worden seien, dann wäre schon deshalb ein Ungehorsam gegen ihre Anordnungen nicht strafbar. Falsch sei auch die Auffassung des Landgerichts, das für die Bestrafung auf Grund der Verordnung es schon geniige, wenn die nichlbeachtete polizeiliche Anordnung ergangen sei. um zu verhindern, daß die Arbeitswilligen von Streikposten gesehen und dadurch später vielleicht einmal Gewalttätigkeiten ausgesetzt würden. Das sei kein Grund, aus dem das Streikpostenstehen inhibiert werden könnte. Vielmehr müsse die Anordnung des Be- amten, weiterzugehen, aus der Annahme beruhen, daß das Verweilen der Leute an fraglicher Stelle eine augenblickliche Gefahr für die Bequemlichkeit und Sicherheit des Verkehrs auf der öffentlichen Straße bedeute, daß der zeitliche Verkehr gefährdet sei. Das Landgericht müsse noch entsprechende Nach- Prüfungen vornehmen. Mag sein, daß das spätere Landgerichtsurteil auf Freisprechung lauten wird. Aufgehoben ist das verurteilende Erkenntnis nach vorstehendem lediglich deshalb, weil die„tatsächlichen Feststellungen" nicht völlig dem Formular Lindenberg entsprachen. Viele Jahre hindurch wurden, insbesondere unter Mitwirkung des Kammer- gerichtsrats Havenstein, Streikpostensünder freigesprochen, weil das Kammergericht damals das Gesetz dahin richtig auslegte: wer von dem reichsgesetzlich gewährleisteten Streikpostenstehen Gebrauch macht, ist nicht strafbar. Nimmt ein Schutzmann an, ein Arbeiter habe durch Ausübung seines Rechtes die Sicherheit oder Bequem- lichkeit des Verkehrs verletzt, so ist diese Annahme eine rechtsirrige. Es kann nach den, Gesetz die Behinderung, nicht aber die Ausführung des Streikpostenstehens strasbar sein. So früher. Herr Havenstein wurde im Jahre 1902 vom Strafsenat des Kammergerichts entfernt. Kurze Zeit darauf wurde Herr Lindenberg an Stelle des ver- storbenen Herrn Groschuff Senatspräsident. Seit dieser Zeit ist in wachsendem Maße stärker gegen Streikposten vorgegangen. Das Kammergericht höhlte unter dem neuen Präsidenten das Streik- postenrecht dahin auS: Streikpostenstehen ist ein gutes Recht jedes Arbeiters. Aber wer von diesem Rechte Gebrauch macht und nach „tatsächlich festgestellter" Ansicht eines Schutzmannes die Bequemlichkeit oder Sicherheit des Verkehrs beeinträchtigt, ist strafbar. Ob die Ansicht des Schutzmanns zutreffend ist, hat der Richter nicht zu prüfen. Formular Lindenberg geht dahin:„Auf Grund der Beweisaufnahme ist tatsächlich festgestellt, daß der pp. die im Juteresse der Bequemlichkeit und Sicherheit des Verkehrs ergangene Aufforderung fortzugehen usw. nicht befolgt hat. Er war deshalb auf Grund des§ so und so der Polizeiverordnung zu bestrafen." Solcher schematische Ersatz von Urteilsgründen gilt dem Kammer- gericht als ein Urteil, an dem„die Revision scheitert, weil der Vorderrichter ohne ersichtlichen Rechtsirrtum für tatfächlich festgestellt erachtet hat, daß..." Wählt das Landgericht statt dieses Schemas eine Begründung, die die Wahrheit erkennen läßt: An- geklagter ist fortgewiesen, lediglich weil er das Koalitionsrecht aus- geübt hat, so unterliegt das Urteil der Aufhebung. Diese Spielerei mit der Wahl von Worten für sogenannte Entscheidungsgründe nennt man„Begründung eine« Urteils durch gelehrte Richter". Der freisinnige Abgeordnete Lenzmann hält das sogar für den Ausfluß „juristischer Wissenschaft", zu der der Laie im stummen Staunen aufschauen müsse. Staatsrechtlich hinfällig ist die Annahme des Kammergerichts, ein Zechenbeamter sei Polizeibeamter, sobald er eine weiße Mull- binde mit Genehmigung der Regierung„für Arbeitswillige" anlegt. Wäre des Kammergerichts Annahme zutreffend, so würden übrigens die Zechenbeamten auch das Recht haben, Gehalt und Pension'vom Polizeifiskus zu begehren. Die Aufhebung des Urteils ist nach dem Dargelegten zweifellos berechtigt: nicht aus den vom Kammergericht ausgesprochenen Gründen, die lediglich die rein formelle Struktur des Urteils verwarfen und daher nicht zu einer sofortigen Freisprechung gelangten, sondern aus dem Grunde: es ist rechtswidrig, einen Arbeiter deshalb zu verurteilen, weil er von dem ihm gesetzlich gewährleisteten Koalitionsrecht Ge- brauch gemacht hat, und das bleibt auch dann rechtswidrig, wenn der Tatbestand durch Fort- lassungen und Feststellung eines„pflichtmäßigen Ermessens" eines Schutzmanns verschleiert wird. Berein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins und Umgegend(Wedding und Gesundbrunnen). Sonnabend, den 10. März, abends 8 Uhr, bei Wils, Christianiastratze, Ecke der Schulstraße: Vortrag des Kollegen Maschke über:„Zweck und Ziele des Vereins". Gäste will- kommen. Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„Norden". Freitag, den S. März, abends 8'/, Uhr, bei Korss, Elisabethkirchstr. 18: Dick über:„Sozialismus und Warenproduktion". Ortsverein Charlottenburger Buchdrucker. Sonntag, den 11. März. vormittags 10'/, Uhr, tm VolkshauS, Nosincnstr. 3: Versammlung. WttteruugSiibcrllckit vom 8. März 10»«, morgens 8»Hr. Stationen Slvinemde. Hamburg Berlin ffrants.a.M. München Wien I i m S Wetter t» S5 gö sH fo 758 WSW 760 SW 762 WSW 768 SW 771 SW 769 O 4 halb bd. 4 bedeckt 2 wölken! 2lvolkenl 4 wölken! I wölken! Slationen --'i. c s - 2 K f aparandai735O etersburg 739 SO Scilly 'Uberdeen Parts 765 SSW 748 SW 763 SSW ! Weiter 2 Schnee 2 bedeckt bbedeckt 3 heiter 2 halb bd. m s 2?. gö» M S; -12 -4 11 4 6 Wetter-Prognose fiir Freitag, den v. März 190«. Kühler, veränderlich, vieljach wollig, mit etwas Regen und ziemlich starken westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. samm Reichhaltigste Auswahl in den neuesten Moden und Webarten, Kammgarnen, Satins, Cheviots, Drap6s, Meltons, Tuchen u.s.w. 33,- 30.- 27.- 24.- 22- 20.- 18.- 16.- 14.- 12- 9 50 M. MT Jeder Kiffer eines Ein- tegnangs. Anzuges erhält reizende Belgeben umsonst. Prüfungs-Anzüge moderne, gemusterte Webarten in Cheviots, Buckskins, Kammgarnen usw. aller- m neuester Geschmacksrichtungen,!| 8|| 30- 27.- 24- 21.- 18,- 15.- 12-| U ItIi Spezialhaus grössten Massstabes Chausseestrasse 24*125• 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20. / r 3/4 Millionen Stück sind von meiner nachstehend im Original abgebildeten Spezialmarke„El Senor" in der verhältnismäßig kurzen Zeit seit ihrer Einführung verkauft worden— gewiß der beste Beweis für ihre Prclswttrdlgheit. Für Wiederverkäufer: 5 Pf.-Zigarren von M. 2,85 per 100 Stck. an; 6 Pf.- Zigarren von M. 3,80 an; 71/, Pf.-Zigarren von M. 4,50 Restpartien|u 3'00— 3,'5P— bis,i0 � per 100Ä;' r-1 t/i-l VWUl AI4.««J.w CIrJU.•/ O X X.~eJl£ 10 Pf.-Zigarren von M. 5,40 an. 20% Ermäßigung. schöne graue Mexikos zu 5 M. ~ und Ausschuß zu M. 4,50 mit~ Reinhard Hellmich, Berlin W. 64, MM" Kein Enden— Eingang Flur rechts— kein Enden."VS Billig! Billig! Nur schick, elegant. Sehen und staunen. llotite Seiden-Chiffon in allen Farben, schick garniert 4,90 an. Alte Hüte schick ■ aufgarniert 40 Pf. an. MIgge, Putzgcschäst, Brückenstraße 2. �lÄSpezialgflschäfn Beltfedern für Erste Bettfedernfab. m. elekt. Betriebs Gustav Lttstig BERLIN S. Prinzenstr. 46 verlendet geg. Nachnahme garantiert neue und gut entstäubte, gut süllende Bcttfedern p. Psd. Bl. 0.55-1.00-1. M; prima Halbdaunen 931. 1.75; Ganse- rupfftoern M. 2.00; prima Ivette Gänsehalbdaunen M 2.50-3.00-3.50 echt chines. Monopoldannen s-s. M. 285, echt russisch. Mala- dor-Gäuscdauncn M. 8.50 Son den Daunen genügen 8—4 zum arost. Lberbctt.— Gänsefedern <, Rechen) M.O.SO per Psund; Gänse- schlachtfedern, wie sie von der San« fallen, mit allen Daunen M. 150. Proben und Preisliste gratis, lim- tausch oder Rücksendung gestattet. Berpackung kostensrei. Letztjähriacr Umsah über 8000 Zentner Bettsedcrn, von keinem zweiten Betten- u. Bett-, sederngeschäft erreicht. Jt Dr. Simmel, Prinzen- Sir. 41, Spezialarzt sür 29/14* Hanl- nnd Hurnleidcn. 10— 2, 5—7. Sonntag« 10— 12. 2—4 H. Zimmermann Berlin SO. jweuer Oranienstr. 206 Qold= und Silberwaren-Fabrik, Uhren-Großhandlung. 277L* Eigene Werkstatt für Neuarbeit u. Reparatur. Streng reell.— Billigste Preise. Selowskys A8L* Zemth-Zigarettm# Bolero-Zigaretten Garantiert feinste Handarbeit! Don jedem wirklichen Kenner bevorzngt! Blitz-Schnell kommt man mit der©ochBahn bei Weingarten, Gitschlnerstr. 72 Station im Hause. Empsichll: 1 Posten �onsts-Anilige, 1 Posten Monats-Paletots, j' 1 Posten Monats-Beinkleider zu staunend billigen Preisen, 1 auch sür korpulente Herren passend._ Dieselben sind von seinen Kavalieren und Reisenden, die nur einen Monat ihre Garderobe tragen. 57012» Pabrgeld wird verflütef. D Bitte auf Hausnummer zu achten. New-Departure-Freilauf-Bremsnabe Die beste dep Welt Millionen im Gebrauch Engros- Vertrieb: Romain Talbot, Berlin S. Sfiir den Jiliialt her Juscrate iiberiiiiilmt die Ncdaltion dci» Publikiiin gegenüber keinerlei Bernntwortnng UKeater. tzreitag, den März. Ansang �l|, Uhr: OpernvanK. Sinfoniekonzert der königlichen.Capelle. Mittags 12 Uhr: Sinfoniematinee. Schauspielhails. Geschlossen. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Neues. Liebcsleute. Berliner. Nachtasyl. Weste». La Trcwiata. Kleines. Antigene. Ansang 8 Uhr: Lessing. Und Pippa tanzt. Schiller O.(Wallner-Theater.) Die Macht der Finsternis. Schiller(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Zwei glückliche Tage. Komische Oper. Don Pasquale. Zentral. Die schöne Helena. Nietrovol. Aus ins Mctropol. Walhalla. Heinrich Heine. Die BallHauS-Anna. Residenz. Der Prinzgemahl. Trianon. Loulou. Carl Weist. Die lebende Brücke aus Kuba. Lnstspielhaus. Der Weg zur Hölle. Thalia. Bis früh um Fünse. Luisen. Die Haubenlerche. Dcutsch-Amerikanisches. Er und Ich. Kasino. DI« Herren Söhne. Slpollo. Die Insel Tulipatan. Spezialitäten. Herrnfeld. Familientag im Hause Prellstein. Folies C.aprice. Nach dem Zapfen- streich. Der Beheme. Wintergarte». Saharct:„Die Kaiserin der Sahara".— Spezialitäten. Beste-Zllliance. Der grüne Teusel. Spezialitäten. Meichshallrn. Stettiner Sänger. Passage. Spezialitäten. llrania. Tanbriisirasie 8 Uhr: Die Fortschritte der draht- losen Telegraphie. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57/62. Tägliw aeufmei„on 1 bis 7 Uhr. Berliner Theater. Llbends Th Uhr: Gastspiel deS Moskauer Künstlerischen Theaters. Nachtasyl. Drei Sonnabend zum erstenmal: Lclwestern. Sonntag: ZarFeodorioannowitsch. Nachm. 2Vä Uhr zu crmätz. Preisen: iiamlet. Benes Theater. Slnsang 7'/, Uhr. laebesleute (Amants). Sonnabend, Sonntag: Sin Scmmernachtstrautn. Kleines Theater. Abends 8 Uhr: Kiiider der Sonnc. Sonnabend z. erstenmal: Antigene von Sophokles. Deutsch v. Vollmöller. (drei Akte). Ansang 7>/z Uhr. Zentral-Theater. (Operette.) 8 Uhr: Die schöne Helene. Komische Oper. Abends 8 Uhr: Don Pasquale. Sonnabend: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag nachm. 3 Uhr ermäßigte Preise: Hoffmanns Erzählungen. Abends 8 Uhr: von pasquale Luisen-Theater. Zum ersten Male: Die Haubenlerche. Sonnabend: Das Lumpengesindel. Sonntag nachm.: Gras Essex. Llbends: Die Haubenlerche. Montag: Gras Essex. Tll-StlÜ» JÄ Abends 8 Uhr: Dr. Donath: Die Forlschritfe der drahtlosen Telegraphie. Sternwarte Ä: Anfang 8 Uhr. •» Polles Caprice Budapester Possen■ Theater 132 Linienstr. 132, — Ecke Friedrichstraße, Zum 173. Male: Xach d. Zapfenstreich. I Vorher: Der Beheme u. d. ausgczeichn. Spezialitätenteil. Anfang 8 Uhr. Vorwerk, tägl. b. Wertheim u. an j der Theaterkasse von 10 Uhr vor- mittags an. LustspioHiaus. Allabendlich 8 Uhr: Der Weg\\\t Hölle. Deutsch- Amerikanisches THEATER. Jeden Abend 8 Uhr!! Gastspiel Ad. Philipp. Sonnt, nehm. 3 U Zum 7 7 1 Male; ir, halbe Preise: Ueber'n großen Teich. Apollo-Theater. Täglich: Das große gtimpde SpeMlitiiteu- Programm und Insel Tulipatan._ Operette. Sonnabend, den 10. März er.: Zum ersten Male: Das bummcllide Berlin von Jacobson. Musik von Nelson. Sonntag nachm. 3 Uhr ermäßigte Preise: Berliner Lust und Spezialitäten. Passage-Theater. Ansang 8 Uhr. ( Das neue März- Programm. | Antoinette Sohns ( Koloratursängerin. ' Geschwister Fiokatl, Gesang und Tanz-Duo. z Fritz Scltönhaitcr 0 mit seinen lustigen Geschichten. 14 ortginelle Spezialitäten. Residenz-Theater. Direktion: Richard Hlexander. Heule zum 131. Male, morgen und solgende Tage 3 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schmant in 3 Akten von L. Zlaurvs und I. Chancel. Sonntag nachm. 3 Uhr: Eins Hooh zeitsnacht. Carl Weiß-Thealer. Gr. Frantsurterstr. 132. Täglich abends 8 Uhr: Die lebende Brücke auf Kuba. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung(llciiie Preise): Einmalige Aufführung: Max und Moritz. Eine Bubengcschichte in 7 Streichen von W. Busch. W. Noaeks Theater. Direktion: Roh. Dill,©runnenftr. 16. Im Tode vereint oder: Treue Herzen. Polksst. tn. Ges. in 4 Akt. v. Hausmann. Ansang 8 Uhr. Entrce 3V Pf. Sonnabend: Sommersest deS F. B. C. ,, Hertha.". Kasino-Tkeater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Die Herren Söhne. Volksstück in drei Akten von Walter u. Stein. neue bunte Märzprogramm. Sonntag 4 Uhr: Die goldene Brücke. Meiropol-Theater Anfc -I Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor HoUaender. Rauchen in all. Räumen gestattet. Es bedeutet ei&fis, für eine Cigarette sich die gfossTe PopuTarifä? unter wirklichen Kennern erworben zu haben. Es bedeutet aber weit mehr, für dieselbe sich diese Popularität jahrein jahraus zu erhalten. Es mögen viele Gründe für ersteres vorliegen-s für letzteres giebt es keinen Grund ausser entschiedene und stetig aufrechterhaltene Ueberlegenheit. Walhalla-Thealer Keindeh Keine. Lustspiel in 3 Alien von 21. Mels. Hieraus: Sie SaUhmis-ilnna. Posse m. Ges. i. 2 Akt. v. Daun u. Haskel. 2lns.8 Uhr. Rauchen überall gestattet. J OSETTI CIGARE.TTEJV sind beinahe von der Zeit ihrer Einführung an die populärsten Cigaretten unter wirklichen Kennern, sind es heute und werden €S allem Anschein nach auch in Zukunft sein. Jeder wird dies verstehen, der sie einer Probe unterzieht. Josetti-Juno 10 St. 20 Pty. Josetti-Griseldls 10 St. 30 Pfg. m 'Ki vi T rianon=Theater. 2lnsang IzOlllOn. 8 Uhr. Sonntag nachm.: Die sterbe Frucstt. ResiiiigslIRsse-TIiniös Gesundbrunnen, Badstraße S3. Die Hochzeit von Valeni, Schauspiel in 4 Sluszügen von Gang- hoser und Brociner. 2lnfang 8 Uhr. Kasseneröfsnung 7 Uhr. Billett-Vorverkaus von 10 bis 1 Uhr an der Theaterkasse. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Hoestzeit von Valeni., Llbends 7 Uhr: Adam und Eva. palast-Thealer Burgstr. 24, 2Min V.Bh.Börse. Heute'/z8 Uhr. Entree SV Pf. 8igoof Martanis Hunde-». Katzen. ist- R-zh ni«* llargailt und Detlmar Tanz-Duo. ue feine Nummer! Burleske von Max Koch. Mückensett... Dir. R. Winkler und 10 Attraktionen. samilicnkarten in Barbier-, Friseur- und Zigarrengeschästen unentgeltlich. Lcstllier-Tsteater D.(Wallner-Tbeater). Freitag, abends 8 Uhr: Die Macht Hcc Finsternis. Schauspiel in 5 Akten v. Leo N. Tolstoj. Uebersetzt von Raphael Löwenseld.. So n n abend, abends 8 Uhr: Fcher unsere Krnft.(2. Teil). Sonntag, nach in. 3 Uhr: Die Macht der Finsternis. Sonntag, abends 8 Uhr: Itomco und Julia. Theater. Schiller-Thealer N.(Friedr.-Wilh. Th.) Freitag, abends 8 Uhr: lLwel gliieiiiiehe Tage. Schwank in 4 Akten von Franz v. Schönthan und Gustav Kadetburg. S o» ii a b e n d. a b e ii d s 8 U h r: Der Tegel im Kiilig. Sonntag, n a ch ni. 3 Uhr: Llnplenstrelch. Sonntag, abends 8 Uhr Das Glück Im Winkel. 65 Abessinier»: Castans Panoptikum 1 Friedrichstr. 165. Kein Extra-Entree. I Zirkus Albert Schumann Heute abend präzise 7'l, Uhr: Gr. nußerordentl. Galavorstellung. U. a.: Der gröstte u. sensationellste Dressurakt der Gegenwart, vorgeführt von einer DltMe« Herrn Julius Seeths wunderbar dressterte Eisdiim von Mllk �uise Mary. um Schluß zum 88. Male: Die Serie aller Pantomimen, 7 wunderbare Sitte mit feenhaften Effekten: Femina ÄÄ. Vorher: Ein Souper bei Maxim. Sonntag; 2 große Vorstell., nachm. 31/. Uhr(ein Kind frei) und abends TÜ Uhr. In beiden Vorstellungen Mite. Luise Mary m. ihren Eisbären. Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag und Mittwoch: fOtf Konzert-7WM Theater, Spezialitäten, Tanz. Ans. Sonntags 6 Uhr, Mittwochs 8 Uhr. VtF" Sounastende für Sommer- feste sind noch frei. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Xen! Dressierte Ken! 70 Eisbären 70 unter persönlicher Vorführung des Herrn Hastenbeck. Zum Schluß(um 9'/, Uhr): Zum 110. Male: Die neueste und größte Sehenswürdigkeit Berlins: ♦ Indien. ♦ Orig.-Pantom. d. Zirkus Busch. Besonders hervorzuheben: Eine Witwenverbrennung. (toßmamis Testsäle Kreuzbergstr. 48. Jnh. Otto Ernert. /h Jeden Freitag: /m ßripal- M Karburger Sänger VM Dir.: hfl Carl Frick-Kasche-Krause. äII Anfang 8 Uhr. X Entrce 80 Pf. X Wir empfehlen Jdarz- Literatur: Die deutfebe Revolution. Geschichte der deutschen Betvegung in den Jahren 1848/49. Von CG. Bios. Mit vielen Porträts und historischen Bildern. In Prachlband gebunden. Früherer Ladenpreis Mk. S,70, setzt �lk. z,—. (Jesehiehte der französischen Bevolution von ms und der zweiten Republik. Volkstümlich dargestellt von L. Bcretier. Mit vielen Porträts und historischen Bildern. In Prachtband gebunden. Früherer Ladenpreis Mk. 6,50, jetzt s�lk. 5,—. Die KlalTenkampfc in franbreich 1848-1850. Mi einer Einleitung von-frieclrtch Engels. Preis I>IK. l,—. In dieser meisterhaften Studie wendet der Begründer der materialistischen Geschichtsauffassung zum erstenmal diese Methode an zur Aus» hellung der treibenden sozialen Momente der 48 er NevolutionSperiode. Die E n g e I s fche Einleitung gibt mit scharfen Schlaglichtern aus die Gegenwart eine Geschichte der Emwickelung der revolutionären proletarischen Tatiik vom Barrikadenkampf bis zum allgemeinen«timmrecht und— zum Umsturz. Revolution unä Ronter-Revolution in Deutfchland. Von Karl Mar*.— Deutsch von Karl Kautshy. Preis sVIK. 2,—. DaS Buch Ist eine ausgezeichnete Uebersicht über den allgemeinen Gang der 48 er revolutionären Bewegung in Deutschland. Sxpeclition cles„Vorwärts", Lerlin 8M. 68. t indenstr. 69, Laden. erlineri Ilk-Irlo. u Felix Scheuer Zt»I»ssd«nlt. l. AngnslS'Zsd.1lsssenbäder jeder Art KöPenickcrstr.«0.[17076* Sertiner Wurst-Versandhaus Berlin N, 54, Weinbergsweg 10. m, 1334. CJUglan» ClroBe Frankfarter BtraBe 83.==s= rilldicil. Andreasstraße 63. ManstcinstraBe 11. Landspeck, Jeitei;.,. Pfd. 0,80 Berl. Schlackwurst, sehr sein, Psd.l.Cll Landspeck, mager...„ 0,90" Landschinken, 7-20 Pfd. schwer, wirk!. Landrauch, mild ges., Psd.1 ,20 Landbralwurst Idiese 3 Spe-, zum liostessenlzialitätensindl 1,30 Landleberwurst iganz vorzüg-i O.gö Landtleiscbwursu lich gewürzt 10.35 Landrotwurst, scharf geräuchert 0,75 Landscblaekwurst,.öolsteiuer 1,30 Landschiackwurst, Medleubg. 1,50 Holsteiner Salami Mettwurst und Polnische. J Thüringer Rotwurst.... Pommerseste Zwiebelwursl, Braunschweiger Mettwurst, Kaiser-Jagdwurst., Thüringer Kalbslcberwurst, Delik.-Scstinken, 2-3 Pfd. fchw.„ Pommersester Scstinkenspeck ,. 1.30 0,70 0,00 0.00 0,95 1,00 1,00 1,25 1,15 Bei Abu. v.öPsb. e. Sorte PreiSerm. Ki Neues Programm. S ah a r e t in der Burleske „Die Kaiserin der Sahara." Aionzo Bracco• Truppe, spanische Akrobaten. Madame Lo, lebende Bilder. Franoo Piper, Banjo-Virtuose. „Rokoko"-Ballett v. d. John Tiller- Co., London. Newhouse und Ward, kom. Radfahr. Alexia, Pariser Tänzerin. Die 4 Rassos, Luftgymnastiker. Gabriele Modi, Soubrette. De Bifere, Zauberkünstler. Emil Sondermann. Der Blogi-apli._ (Jebrilder t( Zum 123. Male: Jamiüentag im Zis«L Prellstein. Komödie in drei Akten mit den Autoren A. u. D. Herrnfeld in den Hauptrollen. Ans. 8 Uhr. Vorverk. 11-2 Uhr. Sonntag, de» 1. April: Schluß-WW diesjähriger Spielsailon! Abschieds-Porstellullg = im alten Hause!!= VerwaitnngssteUe Berlin. Haupt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV 3353. Achtung! ScfsiOSSeB*« Achtung! Sanssouci.s.räoe� Dir. Wilhelm Reimer. Sonnt., Moni., Donnerst.: HoiTmlUlns Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sonnt. Bg. 5, Wochen!. 8 U. Anmeld. f. d. gr. Theatersaal z. nächst. Saison(a. s. Mitt- wachs) w. schon seht cntg. ßfeivhshsHvn. ««flu«: stettiner Sänger. Reut„Mozart, Wagner, Ottenbach''. Musik. Zeitbild v. Mehsel. Ansang Wochentags « Uhr. Sonntags 7 Uhr. Hocbsensationetl! Belehrend t Wissenschaft und Verbrechen. Täglich wechselnde Projektions- Vorträge aus der gerichtlichen Medizin in Carl Gabriels Volks» Museum Frledrlchstr. 112a, am Oranionb. Tor I. Serie Mord oder Selbstmord? Außerdem 2000 Numm. Volkskrankheit. u. d. Bekämpf.Änat. Samariterlehre Entreo 30 Pf. Sold. u. Kind. 20 Pf. Sämtl. Räum, mit Vortrag ohne Kachzahlnng; 60 Pf._ Gustav Behrens Spezialitäten- Theater Frankfurter __ Allee 85. Das sensationelle, vollständig neue März-Programm. Mr Sehlager. Otto Prltzkows Berliner Abnormitäten- und Biograph-Theater Münzstr. 16. Münzstr. 16. VVeIt= Biograph M"" Sy Sy?????? Tie Wunder- Liliputaner! Die �uhkünstlerin! Sonntag, den 11. März, vormittags Iv Uhr. im„Palast-Xheater" (früher„Feenpalast"), Bnrgstr. 24. am Bahnhof Börse: Allgemtm Ncrsniiiinluiig der Schloffer Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: Bericht der Kommission über die Verhandlungen mit der Meister- kommission betreffs des neuen Tariss und wie stellen sich die Kollegen zu den Vorschlägen der Meislertommission? Pflicht eines jeden Kollegen ist es. in dieser Versammlung zu erscheinen. Sonntag, 11. März, vorm. 10 Uhr, in Frankes Festsälen, Sedastianstr.39: Branchen- Versammlung der Slektro-Ktonteure und Plfs-Meure. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Branchenvertrcter und der Braiichenkommisfion. 2. Ren wähl des Branchenvertreters und der-Kommission. 3. Fortsetzung der Dislussion von der Ianuar-Versammlnng. 4. Verbandsangclegcnheitcn. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt, Sonntag, den 11. März, vorm. 10 Uhr, bei Mcrkowski, Audreasstr. 26: Allgunt. NttsrniliuliW dkl ZnmmWtt Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung 1. Zweck und Nutzen der Organisation. 2. �Diskussion. Kollegen 1 In Anbetracht der wichtig eines jeden Kollegen, zu erscheinen. wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht Sonntag, den 11. März. vorm. IV Uhr, in den„AndreaS-Sälen", Audreasstr. 21(oberer Saal): Versammlung der Banansehtäger. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genossen Ahrens über: Die soziale Gesetzgebung. 2. Diskussion. 3. Branchcnangelcgcnheitcn und Verschiedenes. DM" Mitgliedsbuch legitimiert.-MW 113/19 Zahlreichen Besuch erwartet Blv Qi»t»ver«-altaas. Ssutseke /Hoi-ltr.plat�. Täglich � in den unteren Sälen � (jottschZlli-Konxert. �elallardeiter'�everkeksst TersvaltiingsBtellc Berlin. Bureau u. Arbeitsnachweis Rosenthalerstr. 57(2. Eingang: Gormannftr. 28). Geöffnet von 9'/,— 2 und 4—8 Uhr. Telephon: Hl, Nr. 1296. Sonntag, 11. März 1906. vorm. v'/s Uhr. im„Rosenthaler Hof", Roscnthalerstraffe 11/12: Außerordentl. Generalversammlung Tages-Ordnung: 1. Bericht des Kassierers und der Revisoren vom 4. Ouarlal(Oktober- November-Dezember). 2. Fortsetzung der DiStussion über:»Stellungnahme zum 7. Kongreß der Freien Bereinigung deutscher Gewerlschasten und event. Wahl der Delegierten". 3. GewertschastlichcS. WM- Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die wichtige Tagesordnung erfordert pünkliches und zahlreiHeS Er- scheinen der Mitglieder.— Nochmals machen wir auf die am 8. April, vormittags S Uhr, stattfindende TJr«nli»-Vor8telliinx aufmerksam.[280/6] Die Ortsverwaltung. Zentral-Krankenkasse der Maurer ,,Grnndstein zur Einigkeit". Sonntag, 11. März, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15: iußerordentliehe Mitglieder-Versammlung. TageS-Or-dnnng: 1. Der Beschluß der letzten Mitgliederversammlung event. Neuwahl des ersten Bevollmächtigten. 2. Verschiedenes. 149/6 Mitgliedsbuch legitimiert.-WW _ Die örtliche Verwaltung. WM! Fliesenleger. Freitag, den 9. März 1906, abends S1/» Uhr: Versammlung 137/13 drr Sektion der MchnlM de- Mimmncrhlinhes im Getverkrcbaftskau fe, Gngcl-afer 15(Saal 7). T a g es-Ordnung: 1. Neuwahl des Sektionsvorstandes. 2. Gewerkschaftliches. IM- nitglicdsbuch Icgltinilert. 1 MW Um zahlreiches und Pünktliches Erscheinen der Mitglieder ersucht _ Der Sektionsvorstand. I. A.: Eellx Beel«ke. Zlenlrslverdsnd der Maurer veutseklands. Zlveigverein Berlin. Sektion Putzer. Sunntug, 11. Mär;, vormittags lOVs ilhr, in den Armillhllllen, Kommandunteußr. M: Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht von der 9. Gaukonferenz. 2. Interne Verbandsangekegenheiten. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder wird erwartet. 133/16_ Die vrtlichc Tcrwaltnng. tf. 31.: H. Neumann. Deutscher Holzarbeiter verband. Sonntag, 11. März, vorm. 10 Uhr, in der Neuen Welt, Hasenheide 108/114: Außerordkittlichk 6r>rrsl-Nrrsamivi««g. Tages-Ordnung: 1. Antrag der Ortsvcrwaltung betreffend die Gehälter der Verbandsangestcllten. 2. Anträge und Stellungnahme zum Verbandstage. ------- Blnteltt nne mit ülltgrllcdsbnch.- 81/17 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Ble Ortsn-ernaltnng. Heute Freitag, abends S'/s Uhr, im Gewerkschaftshans, Engel-Ufer 15: _ Sitzung der Ortsver'waUuaiy. Vereinigung der Hiimerer.üentsehlands. Bureau: Berlin C. 54, Dragonerstr. 15, Hos I. Feru'precher: Amt III Nr. 502«. Arbeiter-Dangenossenschaft Paradies" zn Berlin. E. O. m. H. Sonntag, den 11. März, vormittags»'/. Uhr, am Morivplau: bei Buggenhage» Außtrordeiitlilhe Getitrol-Nersiiiiliiilaaz. Tages-Ordnung: 1. Ersatzwahlen zum Vorstand. 2. Statutenänderung. 3. Beschluff- sassung über die Ausgabe von 3lnleilschciiien für die Entwässerungsanlage. 4. Jtnträge des Genossen H. Schulz. 5. Verschiedenes. Der außerordentlich wichtigen Tagesordnung wegen ist eS Pflicht der erscheinen. Nur Mitglieder haben Zutritt! Ohne Bor Vorstund. Mitglieder, unbedingt zu Mitgliedsbuch kein Estilaß. 106/2 I. A.: Ii. Sehtettler, erster Vorsitzender. G. Dorner. P. WDIIer. Deutscher Holzarbeiter- Terband. »«Wi 3:tfd)lir(tttd)c! Acl""''g! Montag, den 12. März, abends 8 Uhr. im Lokal von Bieberstein, Sldalbertslr. 61: Vertrauensmänner-Versammlung für SerUn und Vororte. � r Eine Abschrift des SLerkstelltarifS ist mitzubringen. 1 81/19_ I. 9t.: Per Obmann. Jtapitän- Cigaretten gesetzlich geschützt! 375L* — nnerreicht in«tualitüt durch Hischnng= der feinsten türkischen Tabake. Carl Böckcr, BERLIN, GrUner Weg 112. Amt VIT, 3861. Sonntag, den 11. März, vormittags 10 Uhr, in de»„Jndustriesälen", Benthstr. SO: Außerordentl. Versammlung des Ntteins der Ziiiimem Öttlins uiih Unigkgtild. Tages-Ordnung: 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Stellungnahme zum 1. Mai. 3. Bericht der Delegierten von der sechsten Konserenz. 4. Der siebente Kongreß der Freien Vereinigung deutscher Gewerlschasten und unsere Stellmm ul dcmsewen. 5. Wahl der Delegierten zum Kongreß. 257/9_ Per Vorstand. I. 31.: A. Juppenlatz. SS Jf£3 ffldselumdt Moritzplatz 59. Nicht zu vergleichen mit Abzahlangs-Geschäften welche auch Konfektion führen. 85Ij+ [Sxtra-Hbtetlung n PentsciilandB. Sektion der futzerträger. Sonntag, den II. März, mittags 12 Uhr, im Lokal vo»»Vornan, Schwedterstraffe 23: Versammlung aller als Putzerträger hefrijoftigten Kollegen. Tages-Ordnung: 33/12* 1. Der Beschluß der letzten Versammlung und wie ist derselbe am besten durchzusühren? 2. Dislussion. 3. Verschiedenes. Sektion der 7öNfertrAger. Montag, de» 12. März, abends 8 Uhr, Noseuthalerstraffe 57: Selclions-VersammBungD Die Tages-Ordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. Um zahlreiches Erscheinen zu dieser Versammlung ersucht Per 2welsvereln»-Vor»tand. ZuiMiiW lir Km ImMlalt Zwelgvercin Perlin. Sektion der Hins- u. Zementbranehe. Sonntag, den II. März 1000, vormittags 10 Uhr, bei Wllke, Brunnenstrafte 188: Aeßererdtiitt.MitsIieiltt-Nttsmiiitmlg der Gruppe der Zementierer. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen A. Störmer:„Die Interessen des Proletariats." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. � verlSeheii gewesener � Möbel= Alle Kollegen der Zcmcntbranche haben die Verpflichtung, des inter- l dieser Versammlung recht tgliedsbuch legitimiert, effanten Themas wegen zu dieser Versammlung recht zahlreich zu erscheinen. —| Mit---------------■- 137/17 Per Vorstand. mim! r Sonntag, den 11. März, abendö 0 Uhr: Versammlung für Hlänner und Trauen in den Berolina-Säle», Schönhauser Allee S8. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Bans Weber über: „Des peutfdjen Reiches Herrlichheit" 2. Diskussion. Nach der Versammlung: 247/11 Gemütliches Beisamutensein mit Tanii. wöehsntllehe oder monailleho ITeilzahiung gestaltet! 0- Kein Abzahlungs-Waren- haus, sondern nur iKpezlal MJkbclgeschttft. Täglich von 4—8 Uhr j nachmittags findet Probe« waschen mit Waschmaschinen und Waschpulver „N u h r p e r l c" von dem| größten Spezial- Fabrik- Geschäft der Welt Karl! K a m p m a n n jx., G. m. H.H., Mülheim-R hr statt. Bvinriel» l-«kbk«k Berlin hl., Jnvalidenstr. 14K Hof. Onergebaude. Lunge-Hals. «»> Husten,»cls-rkeit, Vcrtchl-!- mung, Brntllewen. Asthma tc. gebrauche man nur»en garane. echt. ZüLillhüXnStericb Patele mit wistenichafil. Sntachicn M.I.-,S«Ick. 2.7a. Ael« Palcien franko überall hin. Keichors Bonbons Pcctoral, au» nur deilkrästigcn airjntitloffrn beilchend, sind wunderbar in ihrer Wirknngu.verboppeln denTrivl,, l P/und 1.20 ZV!..'I, Psund CO Pf. Pcrtanb hier frei Hau»! Sozialdemokratisclier Walilverein für den 6. Berliner Reiclistags-Walillrreis. Sonnabend, den 10. März 1906, in den Gesamträumen des Moabiter Gesellschaftshauses (H. Feters), Emdenerstr. 34—35, Wiclefstr. 24: Achtzehntes Stiftungsfest Theater-... Spezialitätcnvorftdlung Gesangs-Aufführungen. 1 »MMMMMMMMMMM KoppenstraBe 89 KclBCPS FCSIsMBG KoppcnatraBe SS• Sonntag, den 1 1. 91& r e 1006: k- und Tokal-Konzcrt zur Feier des 37. Stiftungsfestes des Gesangvereins„JNorddeutrcbc Schlaf«" Mitglied des Dirigent: Herr Herrn. Berch. 65/11 XXXXXX Berliner Sinfonie-Orchester, Direktion: Herr Maximilian Fischer. XXXXXX Unter gütiger Mitwirkung der Konzertsängerin Frau Betsy Schott. Anfang des Konzerts präz. 61/, Uhr. Billetts vorher u. an der Kasse a 40 Pf. Liedertexte am Eingang, <~r Zentral-Verband der Konditoren n. vom. kernte sowie deren Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen. Zlitgllvdseliatt Ferlin. KÄZZiK xiv. sfiPiui�ciSPEsr im grohen Saal des Gewerkschaftshauses. Engel-Itfer lö. Konzert. auSgesübrt von Mitgliedern des Zentralverbandcs der Zivilmustfer Deutt chlandS. Aultreten der Berliner Volksiängergejellschajl Lewandowski. Nachdem aroszcr Ball. Herren, die daran teilnehmen, zahlen SO Pf. nach. Eintrittspreis 3v Pf. Einlast 5'/, Uhr. Zlnfang Punkt 6'/, Uhr. Billetts im Berbandsbureau. Brunnenstrahe 80 und in den bekannten Zahl- stellen deS Verbandes. Zahlreichem Besuch sieht entgegen 289/4 Das VergnQgungs-Komitee. Empfehlen unser helles u. dunkles Tafelbier: Gambrinusbräu(Münchener) Nepomukbräu(Pilsener) Böhmisches Brauhaus NO. Fall• Abteilung: liandsberger Allee 11/18. T. VII. 6088. Frleden-StraBe 08. Flaschen- T. VII. 1670. Unsere Original- Abzug- Flaschenbiere in fast allen Kolonialwaren-Handlungen. 278L* ffissensehafH. ZeptralverBm Idt- VI. and letzter Sonnabend, 10. März, abends 8 Uhr in der Aula des Dorotheenstädti- schen Realgymnasiums, Georgenstraße 30/31. Dozent Ed. Ferd. Frey:„SeMIIer und das Ibeater der Gegenwart". Der Besuch dieses Abendsist frei für die Mitgl. des Wissensch. Zentralvereins(die korporativen Mitgl. wollen sich ihre resp. Freikarten vom Bureau ihres Vereins ausfertigen lassen). Für NichtmitgL Karten zu 1 M. in den Bureaus. 289/10 „Berliner Ärlieiter- yfalirer- Verein" Mitglied des Arbeiter« Radsahrer-Bundes „Solidarität-. Touren zum Sonntag, 11. März: 1. und 2. MI. nach Beelitzhof. Start VI, Uhr Luther-Kirche. 7. und 8. Abt. nach Spandau (Köpeniif). Start 1'/,Uhr Siemens. strotze 2._ 11/19 Am 11. März feiert die 9.«bt. Sektion der Bäcker, in Mendts Festsäle»,«euthstr. 80, ihr Fetthllngsfest wozu sie die Sportsgenossen einladet. Ansang nachmittags 4 Uhr. Vereine! Zum 1«nd 2. Osterfemtiig ist Saal frei gewordeu. '.12, Jedes Wort 10 Pfetmig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg.— Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort(fettgedruckt) 10 Pfg.— Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. KLEINE ANZEIGEN Nordosten; L. Zucht, Keibelstr. 42 J. Reul, Barnimstr. 42 Nordwesten: Karl Anders, Saizwedeierstr. 8 Norden: H. Raschke, Ackerstr. 86 F. Trapp, Rügenerstr. 21 Karl Mars, Lychenerstr. 123 Karl Weisse, Wiesenstr. 41-42 L. Dechand, Ruheplatzstr. 24 H. Vogel, Demminerstr. 3a A Tietz, Invalidenstr. 124 Osten: Wengeis, Frankfurter Allee 79. Gustav Vogel, Koppenstr. 83 Annahmesfellen: SW. 68, Lindenstr. 69(Haupt« Expedition) Charlotte nburi Südwesten: H. Werner, Mlttenwalderstr. 80 H. Schröder, Kreuzbergstr. 15 Süden: SL Fritz, Prinzenstr. 31 P. Gutschmidt, Kottbuser Damm 8 Südosten: Paul Böhm, Lausitzer Platz 14-15 P, Morsch, Engel-Ufer 15 Baumschulenweg: Stock, Emststr. 2, II ____ rg: G. Scharnberg, Sesenheimerstr. 1 Llchtenberg-Frledrlchsfelde: O. Seikel, Kronprinzenstr. 60 Friedenau- Steglitz: H. Bernsee, SchioBstr. 115, Qartcnh. I, in Steglitz Mariendorf: H. Reichardt, Chausseesir. 16 Pankow: G. Freiwaldt, MOhienslr. 73 Reinickendorf t F. Qursch, Provinzstr. 106 Rlxdorf c M. Heinrich, Prinz Handjerystr. 7 Conrad, Hermannstr. 50 Rummelsburg: O. John, Karlshorsterstr. 2 Treptow: R. Voigt, Elsenstr. 37, vorn III Tegel, Borsigwalde, Dalldorf: Kienast, Borsigwalde, Schubartstr, 43 Anzeigen IDr die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In derHaupt- Expedltlon, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Schöneberg: W. Bäumler, Martin Lutherstr. 51 Welssensee: W. Reske, Sedanstr. 105 J. Schillert, König-Chaussee S9a Verkäufe. Gardine»!,»»« GrotzeFranksurler» stratze 9, parterre._ If Deckbett, Unterbett, Riffen mit glattrotent Inlett, zusammen 10,60, nur(Pfandleihe) Andreasslratze 38.* Rotrosa-gestrclstes Deckbett, Unterbett, zwei Kissen, 18,00, Andreas- stratze 38. 1342K» Pommersches Baueriibclt, Deck. bell, Unterbett, zwei Kissen, 27,00. Grotzes Laken, Stück 1,00. Pfandleihe ülndreaSstrntze 33. Elektrische nach überall. 1S43K» Betteuverkauf, Gardlnenverkauj, Ausstcuerwäsche. Steppdecken, Bett. intettc, Tischdecken. Teppichverkauf, RieseiianSwahl Uhrensorten, Fest. geschenke, Damengarderoben, Herren- itcidung, Möbelstücke, sensationelle Spottpreise. Brautleuten empsehlens- wert. PsandleihhauS Weidenioeg neunzehn._ t40* Gardine»- Versandhaus Jeru. salemerstratze 11/12 Inventur, ttlus- verkauf zu bedeutend herabgesetzten Preisen. 1291 R° Steppdecken billigst Fabrik Große Fraitksttrlerftratze 9, parterre. t1 Teppiche!(sehlerhasle) in allen Gröben für die fönlflt de« Werte« im Teppichlngcr Brünn, Hackescher Markt 4. Bahnhof Börse. 254/12» Grammophouplatteii und Zlcpa raiureti. Notheuburg, Prenzlauer- stratze 42. 2. Hotz 133öK» Fahrräder, Teilzahlungen. Berg- stratze 28, Skalitzerslratzc 40. 1339K� "Piaiiinos Miete, Teilzahlung. Andersen,«chlllingstratze 38. 288/9» Kauarienroller Scholtz, Schönlein- stratze 20.__ tl08 Kanarienroller, edler Stamm, Weibchen billigstz Krohs, Schönlein- stratze 17._ llSj- und Kanarienhähne mit Hohl-..... Klingelrolle, und Weibchen verkauft Prinzesjinnenstraßc 12, III links. Nur abends und Sonntags._ 22166 Kanarienhähne. Neueste Gesang« richtung. 1905 höchsten Ehrenpreis goldene Medaille. Erstklassiges Zucht Material. Große Auswahl. Verlaust Krebs, Köpeuickerslratze 154a. 1273R* Hochvorneyme Herrenanzüge, Paletots, feinsten Matzstoffen her- rührend, 18—38,00. Herrenhosen ver- kaust täglich, Sonntag. Deutsches Versandhaus, Jägerstratze 63, I.» Teilzahlung. Teppiche, Betten, Gar- dinen, Portteren, Steppdecken, Tisch- decken, Remontoiruhren, Regulatoren, Spiegel, Bilder, GaSkronen, Möbel spottbillig. Leihhaus, Grünerweg 413. Teppiche mitFarbiiilehiern Fabrik» Niederlage Große Franlsurttrstratze 9, parterre.-fl Nähmaschinen. Wheeler-Wilson von 8 Marl und Laiigschijf von 10 Mark an. Bell- mann, Gollnowftratze 26. 1132K Hochelegante Herrenanzüge und Paletots auS felnstenMatzstofsen 25—40 Mark. VerlaufSonnabend und Sonn- lag. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. KeineFilialen, 1159K» R estanratio» mit Vorgarten, gut gehend, preiswert sofort zu ver- lausen. Erfragen Eichholz, Trist- stratze 46. 236b» GaskocherhanS l ZweilochgaS. locherl 3,00. Geschlossene Spargas. locher! 5,00. GaSbratösen, GaSlronen, 6,00, Gasplätteisen! GaSbügelapparat spottbilligl GaSkroncnhauS Wohiauer, Wallnertheaterstratze 32. 13I4K» Grünkramgeschäst, alt, gutgehend, schöne Wohnung, Miete billig verläuslich. Näheres Schulz, Thaer- stratze 46. s4l Restauration ist umständehalber billig zu verlausen, Preis 2000, Köpenickerstratze 183»._+13 Lichtenrade, □ Rute 18 Mark an. Heiert, Berlin, Brandenburg- stratze 1. Täglich dort im Wald- restaitraui. 236/7* Anzüge. Uhren, Schmucksachen, Wäsche, Betten, Gardinen. Teppiche, Decken spottbillig. Psandleibhaus Küstrinerplatz 7. 1346K» Restaurant, gutgehend, ist wegen Krankheit der Frau sofort zu ver. kaufen. Offerten D. G. 8 Postamt 36. 3026* Nähmaschiuen. ohne Anzahlung. Woche 1,00, gebrauchte 12.00. Für Nachweis Provision. Köpenicker- stratze 60/61, Grotze Franksurler- stratze 43, Prenzlauersttatze 59/60. Nähmaschinen. Vergüte bis 12,00, wer Teilzahlung kaust oder nachweist. Woche l,00. Postkarte. Brauser, Tilsilerstratze 90.+40» Hochelegante Hochzeits- und Ballkleider, Seidenblusen, Kostüme, Tuchröcke. Jacketts, neu und aus sürstlichen Häusern, spottbillig Engels, Brunnenstratze 3. 2996 bin ich in Kanarien, Durch großen Ab der Lage, Papageien, Exoten und Waldvögel einzeln sowie dutzendweise zu den billigsten TageS- preisen abzugeben. Offeriere: Blau- nn_____ II-„ Männchen und Weibchen, guter Stamm, in jeder Preislage. Tanz- mäuse, weiße Mäuse, Sounenvöael, Buchsinken, Rothänflinge, Amsel, Drossel, Farbenschivanz-Mövchen. Ich nur reell eingesütterte Tiere. Stlalitzerstratze und Ecke Frankfurter 303b* verlause Schäfer, Muggelstratze 32. Allee.___ Hansfrauen k Gute Milch, Liter 15, nur Stand 157 Weddinghalle. 286b» Nähmaschinen, alle Fabrikate, ohne Anzahlung, wöchentlich l,00, gebraucht 12,00, Postlarte genügt. Wienerstratze 6, Ackerslratze 11 3. 296b Hiihnersutter, Gemenge, Zentner fünf Mark, Elisabelhstratze 23, Ge- treidespeicher. 96/20 Verscbieclenes. Danksagung. Für die rege Tell« nähme bei der Beerdigung meines ManneS sage allenTeilnehmern meinen innigsten Dank. Witwe Pelz. 300b Kunststopferei von Frau KokoSky, Eharlottenburg, Goethestratze 84, I.» Mnschelkleiderfpind 27,00. Bett- stellen. Matratzen 20.00. Schreib- sekretär 12,00. Kinderwagen 11.00. Verschiedenes Weidenweg t, Keller. Sofa, wie neu, 21,00. Meide, Große Hainbuvgerslratze 18/ 19. Pfaiidlcifte. P riiizen stratze 63 täglich 8—8, Sonntag« bis 2. 96/2» Bereinszimmer separat. 35 Perionen Gneisen austratzelT. mt end. 29026* Märzbleiche. Handwaschanstalt, chlorsreies Waschen garanttert. Bett- Wäsche, Leibwäsche, 4 Handtücher 0,10. Abholung, Lieferung aus Wunsch. Siegemund, Köpenick, Alter Markt 7. Lade Freunde und Bekannte Sonn- abend, den 10. März, zum großen Hecht- und Zandcrausspielen, lebend, ganz ergebenst ein. Albert Vogt, Hagelbergerstratze 4. 2926 Plattnnbsälle, alte Goldsachen, sowie sämtliche gold- und silberhaltigen Abfälle kaust Goldschmelze Broh, Wrangelstratze 4. Telephon Amt 4, 6958.__ 97/1» streicht KücheumSbet Friedenstratze 97. RönspieS, 304b Vier BereinSzimmer srei Seydel- stratze 30. 291 b» Wernaus Saal und Garten- Etablissement, Schwedterstratze 23, zu Frühjahrs- und Sommer-Festlichkeiten bestens empsohlen, von 200 bis 1000 Personen lassend. Volksbelustigung aller Art. 1351K' Vermietungen. Wohnungeo. Oudenarderstraste 36, 37, Kleinwohnungen von 18 Mark Nähere» Wirt 37. 38. ab. « Umstaudshalber 2 Stuben, Küche vorn II, billig. Ersragen Dresdener- stratze 24 III rechts.+64 Freundliche zweizimmerige Bor« der. und Hoswohnungen billigst zu vermieten Schreinerstratze 9.+42 srei. 146. mich 4» +113' «nörtch. Volkshumorist, auch Gr sellschast, Fcnnstratze la.__+99' Arbeitsmarkt. SteUengesucbe. Blinder Sluhlflcchter bittet um Arbeit. Stühle werden abgeholt und zurückgeliejcrt. 91. Gläser, Mulack. stratze 27. 14666 Stelle nangebote. Schlossergeselle» verlangt Blume, Eharlottenburg, Schillerstratze 97.» Tüchtige Handweber aus breite Ware suchen bei hohen Akkordlöhnen Neumann u. Lehmann, Drossen bei Frankfurt a. Oder. 288b Schloyer aus Buchdruck-Maschincn sucht Krause, Franksurler Allee 61. Tüchtiger Steinmetz für Baum- stamme für dauernd. LieSke u. Schmitz, Seestratze 77._+73 Meister, selbständiger,|ür Leder- konservicrungSmittel-Fabrikatton sofort gesucht. Offerten unter Z 1 Expedition deS Blattes. 2986 ArbeitSbnrschen, 9,50 Wochen- lohn, verlangt Max Leonhard, Schlesischestratze 31. 295b Korbmacher Ritterstratze 42. Bieger ans verlaugt Krasst, sür Galanteriearbeit Koch u. Borchardt. Zelluloi----------- Alte Jakobfwatze 18. Tüchtige Gürtler auf Bau- und Rohrarbeiten Haake u. Millarg, Goßlerstratze 20. 293b Alte Frau beim Kind verlangt tagsüber. Köhler, Oppelnerstratze 6. Farbigmamerin. geübte, sofort verlangt bei C. Ruthenberg Nachs., Weitzensee, Langhansslratze 126/128. Aenderinnen. Für unsere Damen- konfektion suchen wir einige tüchtige Aenderinnen. Meldungen mittags 1—2 oder abends 8—9 Uhr. A. Jandorf n. Co., Belle-Alliaucc- stratze 1/2. 13350SI Lehrfräulein für seine Damen- schneideret sucht Ucko, AugSburger- stratze 46. 3056 Lehrmädchen verlangt per sofort Blankenstein.Reichenbergerstratze 40/41. Knabenblusen- und Hosennähe- rinneti in und autzerm Hause, Ma- Ichinennäherinnen, Kiiopftochiläherin. Knabenkonscltton Fliedcrstratze 14. parterre._+141* Lehrmädchen mit guter Schul- bildung zum sofortigen eventuell späteren Antritt gesucht. Meldungen nur in Bcgicltung der Eltern oder des Vormundes mittags 1—2 oder abends 8—9 Uhr. A. Jandorj u. Co., Belle-Allianccstratze 4/2. 1349K» Zeitungsfrauen finden dauernde Beschästtgung, Alt-Moabit 138. 96/17» KedMeiiMsiich. Für die„Rheinische Zeitung» in Köln wird ein 385L* politischer KedMem gesucht. Antritt I. Juli d. I. Es wird aus eine erste Kraft reflcttiert. Meldungen bis IS. März d. I. unter Kennwort„Redakteur" an den Genossen Rlebnf«! Schiller, Köln a. Rh., Merovingerstr. 48. DaS Gewerkschaftskartelt Köln sucht zum baldigen Antritt einen erste» Arbeiterseliretör. Bewerber, welche schon als Arbeiter- sekretär gewirlt, erhalten den Vorzug. Offerten mit GehallSaiisprüihell sind mtt der Auffchrijt„Ard.üler- sckretär-Gesuch" zu versehen und b:S zum 20. März an die Fünser-Koiu- Mission deS GcwerkschajtskartcllS Köln. Severinstr. 20l, zu richten. 289/8» Veul8ede!'»okArdeiter- Verband. Wegen Streik und Disferenzeu ist Ziisug str»?illialtcli von Trcppcugcländer- Arbeitern iDrechsler. Ttichler, Stellmacher, Polierer, Maschineiiarbeiter und Bildhauer) vonderTreppcitgeländci- sabrik Joseph Drechsler, Gubener» stratze 33; von Einseberu vom Bau Gerhardt in Halcnsce.' Schweidnitzerstr. 6 und 7, und Tischlern von Ebers Möbel- tischtcrei, Manteuffelstr. 22; von Piirkettbodentcgcrii vom Bau Schoffow, Giesedrechtstr. 11; l>ie Ortaverwaltnng. ES Vergolder! Die Sperre über die Lackicrerci von A. Betbke, Berlin, Koch» straffe 6'4, besteht unverändert fort. Der Vorstand des Verbandes 228/6» der Bergolder._ Kerantwortlichcr Redakteur: Kans Weber, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.:Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Redaktion und Expedition i Berlin, Cindenttr. 69. fernfprecber: flml II, 1983. Nr. 57. Freitag, den 9. März 1906. Inserate Sedjsgcipaltene Rolonelzelle 20 Pfg. Bei größeren fluftragen entlpredienden Rabatt JJ partci-Hngclegcnbcltcn. Auf zur Flugblattverbreitung! Achtung! Am Sonntag, den 11. März, VzZ UHr morgens, wird in Groß-Berli« ein Flugblatt verbreitet. Alle Genossen Berlins und der Vororte bitten wir, pünktlichst au den be- kannten Ausgabestellen anzntreteu, damit die Verbreitung prompt erledigt wird. _ Der Aktionsausschuß. Zur Lokalliste! In Alt-Glienicke hält der Radfahr-Verein „Frisch auf" am lv. März er. im Gesellschaftshaus (Jnh. Haberecht) ein Tanzkränzchen verbunden mit Reigenfahren usw. ab. Genanntes Lokal steht der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung und sind deshalb alle etwa angebotenen Billetts entschieden zurück- zuweisen. Im vierten Wahlkreis, Südost, ist daS Lokal„Urania"(Jnh Walter) gesperrt, da Herr Walter seiner unterschristlich gegebenen Verpflichtung, daS Lokal zu allen politischen Versammlungen zur Verfügung zu stellen, wiederholt, zuletzt am 21. Januar, unter nichtigen Vorwänden nicht nachgekommen ist. Die Lokalkommission. Sozialdemokratischer Zentral-Wahlverein für Teltow-Beeskow« Storkow-Charlottcnburg. Sonntag, den 11. März 190S. nachmittags 2 Uhr, Generalversammlung in Adlershof. Restaurant Kaul, Bismarckstr. 16. Tagesordnung: 1. Mitteilungen des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Beratung des Kreisstatuts und des OrganisattonSplaneS für Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg. 3. Resolutton Rixdorf betr. das Verhalten der Reichstags- fraktton bei der„Borussia"-Jnterpellatton. 4. Antrag Charlottenburg betr. die Vorortbeilage des„Vorwärts". 5. Antrag Boxheimer betr. Abgrenzung der Rechte zwischen Berlin und deit einzelnen Kreisen. 6. Antrag Rixdorf betr. den Boykott der Philharmonie. 7. Verschiedenes. Zu dem Stalutenentwurf sind noch folgende Anttäge eingegangen: 8 B». Die Wahlen der Delegierten zu den Verbands- General- Versammlungen von Groh-Berlin sind von den örtlichen Wahlvereinen vorzunehmen. Die prozentuale Verteilung der Delegierten aus die einzelnen Orte erfolat durch den Zentralvorstand, jedoch mutz jeder örtliche Wahlverein durch mindestens zwei Delegierte der- treten sein. Laut Statut ist jeder Wahlverein berechttgt, drei Delegierte zu entsenden. Die Delegierten müssen mit Mandat versehen sein. Parteigenossen haben als Gäste Zutritt. Der Vorstand. I. L.: W. Eberhardt. Mühlenbcck. Am Sonntag, den 11. März, abends 6 Uhr, findet im Bürschschen Lokale eine Wählerversammlung statt, um die Auf- stellung eines zweiten Kandidaten vorzunehmen. Dem Genossen G. Kohley ist das Wahlrecht aberkannt, weil er in eine Steuerstufe gebracht wurde, die ihm kein Wahlrecht gewährt. Hoffentlich geben die Genossen am Tage der Wahl, am Dienstag, den 13. März, nachmittags 2 Uhr, die nötige Antwort. Nicder-Schönhaufrn. Für die am 15. März, von 12 bis 6 Uhr im Liedemitschen Lokale stattfindende Gemeindevertreter- wähl findet am Sonntag früh eine Flugblattverbreitung statt. Treffpunkt Va8 Uhr bei Dücker, Elchenstt. 70. Jedes Wahl- Vereinsmitglied hat pünktlich zur Stelle zu sein. Es ist Pflicht aller Nieder-Schönhausener Parteigenossen, sich an der Agitation für die Wahl zu beteiligen. Boxhagen-RummelSburg. Für die auf Dienstag, den 13. März, nachmittags von 4 bis 3 Uhr, angesetzten Wahlen zur Gemeinde- Vertretung findet am Sonntag, den 11. März, früh VU Uhr. Flugblattverbreitung statt. Die Genossen treffen sich in folgenden Lokalen: GorgaS, Neue Prinz Albertstr. 70/71; P. Jage. Prinz Älbertstr. 12/13; P. Ritter, Schillerstr. 26; G. Tempel, Alt-Boxhagen 56; H. Lindner, Grünbergerstr. 10; Lorenz, Wühlischstr. 38_; Setzepfand, Goethe stratze 10; Halwatz, Kantstr. 44. erscheinen. ES ist Pflicht jedes Genossen, zu Das Wahlkomitee. Tegel. Am Sonntag, den 11. d. M., vormittags 8 Uhr, findet eine Flugblatt-Berbreitung statt, zu der um rege Be- teiligung ersucht wird. Treffpunkt: Restaurant Gehlhaar, Berliner- strotze 92.— Montag, den 12. d. M., abends 8 Uhr: öffentliche Versammlung bei Trapp, Bahnhofftratze. KönigS-Wusterhausen. Sonntag, den 11. März, nachmittags 3 Uhr, findet im Alten Schützenhause bei Max Wedhorn eine öffentliche Kominunal-Wählerversammlung statt behufs Ausstellung eines Kandidaten zur Gemeindevcrtreterwahl. Es ist Pflicht eines jeden Genossen zu erscheinen. Gleichzeitig müssen sämtliche Bezirks- sührer und deren Mannschaften pünktlich am Sonntag früh 7 Uhr bei Berliner Lange zur Stelle sein behufs Handzettelverteilung. In der angekündigte» Versammlung darf keiner fehlen. Vorort- l�admcbten. Zur Gcmcindcwastlbcwepng. Gemeindewahlen finden heute in Groß-Lichterfelde, Buckow und Tempelhof statt; ansterdem w»rd heute noch bis abends« Uhr in Wilmersdorf gewählt. » Auf zur Wahl in Wilmersdorf!' Heute letzter Tag! Wahllokal nur bis 6 Uhr offen. ES gilt alle Kräfte anzuspannen bis zum letzten Augenblick, wenn der Sieg errungen werden soll. Am Abend des zweiten Tages hatten unsere Genossen die Genugtuung, zu sehen, datz ihre Kandidaten einen kleinen Vorsprung gewonnen hatten. Die bürgerlichen Kandidaten blieben zurück mit 312 und 444 Stimmen, während für Genossen Reiche 474 und für Genossen Stabile 475 Stimmen gezählt wurden. Dieser kleine Erfolg spornte den Eifer von neuem an und zahlreiche Genossen bemühten sich nach Kräften, die Lässigen an ihre Pflicht zu ermahnen, ihre Stimmen in die Wagschale zu werfen. Die Trägheit und schlechte Gewohnheit, den Gang nach dem Wahl- lokal bis zur letzten Minute aufzuschieben. mutz durch die zähe Energie der unermüdlichen uud aufopferungS« freudigen Genossen und Genossinnen unschädlich gemacht werden, und sie haben wahrlich keine leichte Arbeit damit. Während an den ersten drei Tagen bis gegen 8 Uhr gewählt werden konnte, darf niemand daraus rechnen, datz heute, am letzten Tage, länger als bis 6 Uhr das Wahllokal offen sei. Um 6 Uhr wird die Wahl geschlossen! Versäume niemand, seiner Wahlpflicht zn genügen. Es kommt auf jede einzelne Stimme an, das hat erst in den letzten Tagen die Wahl in Steglitz bewiesen. Die Bürgerlichen haben durch unseren kleinen Vorsprung einen grossen Schreck bekommen und werden mit Hochdruck bis zur letzten Stunde arbeiten. Um so grössere Anforderungen werden an unsere Genossen gestellt, um den errungenen Vorteil nicht lvieder zu verlieren. Die lebhafte Tätigkeit im Wahlbureau der Partei beim Genossen Käsler, Lauenburgerstt. 20, beweist, daß die Genossen ihre Aufgabe zu würdigen verstehen. Die sozialdemokratischen Kandidaten sind: der Tischler E r n st Reiche und Stukkateur Hermann Radtke. Gewählt wird im.Viktoriagarten", Hauseingang 1 Treppe, vor- mittags von 10—1 Uhr und nachmittags von 3—6 Uhr. Noch haben grosse Scharen von Arbeitern nicht gewählt und sie haben es in ihrer Hand, den Kandidaten der Sozialdemokratie den Sieg zu verschaffen und damit sich selbst eine Vertrewng im Ge- meinderat zu sichern. Es wird erwartet, dass jeder bereit ist. auch ein Zeitopfer zu bringen, und auf alle Fälle noch vor 6 Uhr zur Stelle ist, um seine Sttmme abzugeben. Der Wahlverein für Britz beschäftigte sich in seiner letzten Ver- sammlung mit den bevorstehenden Gememdewahlen. Genosse Händel hielt einen interessanten Vorttag über:„Gemeindewahlen und Gemeindepolittk", an welchen sich eine lebhafte Diskussion schloß. Als Kandidaten wurden aufgestellt für Britz: der bisherige Gemeindevertreter Genosse Hermann Schliebitz und für Buckow: der Genosse Alex Gau. Die Wahlen zur Gemeindevertretung in Britz finden am den 16. März, in der Zeit von 2 bis 6 Uhr nachmittags im No Lokale(früher Bethge), Chausseestr. 39. statt. In Buckow, wo sich die Sozialdemokratie zum erstenmal an der Gemeindewahl beteiligt, findet die Wahl heute Freitag, den 9. März, nachmittags von 4 bis 4>/z Uhr im Schulhause in der Dorsstratze statt. Tue jeder Parteigenosse seine Pflicht, damit unser Kandidat als Sieger aus dem Wahlkampf hervorgeht. Am Sonntag, den 11. März, früh?>/„ Uhr, Flugblatt- Verbreitung von den Bezirkslokalen aus.— Am Dienstag, den 13. ivkärz, abends 8'/, Uhr, findet eine Volksversammlung im Lokal des Gastwirts Schöneberg, Britz, Rudowerstr. 66, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vortrag des Genossen H. Sonnenburg über Die bevorstehende Gemeindewahl." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Genossen werden ersucht, sich recht zahlreich an der Flugblatt« Verbrettung zu beteiligen und sur regen Besuch der Versammlung Sorge zu tragen. In RummelSbnrg legte am Dienstag in einer öffentlichen Wählerversammlung� Genosse Sonnenburg- Friedrichshagen die artei in der Gemeindevertretung dar. Aufgaben unserer Partei in der Gemeindevertretung dar.'In der Diskussion wurde auf die Schwierigkeiten bei Bücherbeschaffimgen für Unbemittelte hingewiesen. An der Hand des Etats zeigt Genosse John den Klassencharakter, der auch in der Gemeindevertretung zum Ausdruck kommt. Zu der am 13. März er. stattfindenden Gemeinde- Vertreterwahl wurden die Genossen Fritz Berger für den ersten Bezirk, G u st a v T e m p e l für den zweiten, Theodor Ritter für den dritten Bezirk einstimmig als Kandidaten aufgestellt. Der Vorsitzende Vollstadt forderte zum Schluß die Anwesenden auf, am Tage der Wahl Mann für Maun für uns die Sttmme abzugeben, und am Sonntag an der Flugblattverbreitung teilzunehmen I» Weißensee find unsere Gegner bereits in die Wahlbewegung eingetreten und ist es namentlich Herr Dr. Kemsts, welcher sich als eifriger Förderer der nationalliberalen Sache vorstellt. In den letzten Tagen fand unter seiner Leitung eine Versammlung statt, in welcher man zu den in Aussicht genommenen Kandidaten Stellung nahm. Und es war für jene Herren wirklich ein Glück, datz unsere Genossen am letzten Sonntag ein Flugblatt verbreitet hatten, denn sonst hätte dem Direktor der höheren Knabenschule, Herrn Professor Dr. Kemsts, wie auch seinen Anhängern der nötige Agitattonsstoff gefehlt. Der ganze Abend wurde mit Sozialistentöterei ausgefüllt. Ein Herr Kretzschmer aus Berlin, der„Renommierarbeiter" Reinhardt und ein Herr Lehrer Berg aus Heinersdors kamen ihren Weitzenseer Gesinnungsgenossen zu Hülfe, um den Sozialdemokraten den GarauS zu machen. Unsere sich an der Diskussion beteiligenden Genossen wurden von dem Leiter der Versammlung mit OrdnungS- rufen überhäuft, während die bürgerlichen Herren das unsinnigste Zeug in den Saal schreien komiten. Die Kandidatenfrage wurde noch nicht angeschnitten und so weiß die Einwohnerschaft bis heute noch nicht, wer die Herren der Zukunft sein werden. Der Kandidat der Gewerbetreibenden ist wieder in Gefahr, indem der Vorsitzende des Hauöbesitzervereins sowohl wie auch Herr Dr. KemsiS ihm an- zeraten haben, von seiner Kandidatur zurückzutteten, da er doch eine Aussicht habe, gewählt zu werden. Der Tag der Wahl ist noch nicht festgesetzt, indes mutz dies in den nächsten Tagen geschehen und erwarten wir von unseren Genossen, datz sie alsdann auf dem Plan sind. Mariendorf. Die Agitatton zur Gemeindewahl ist jetzt, nach Festsetzung des Wahlternims, in ihr letztes Stadium getreten uud haben ivir uns um eine Auswahl von Kandidaten nicht zu beklagen, denn nicht weniger als vier Personen empfehlen sich uns. Von den "'auSbesitzervercinen werden uns zwei Kandidaten präsentiert: Herr ärtnereibesitzer Renner vom Grundbesitzerverein„Südwest"(Kolonie Klein-Kleckersdorf) und Zahnarzt Behnke. Was für Ansichten der letzte Herr von den Aufgaben eines Gemeindevertreters hat, beweist eine in einer Gemeindewählerversammlung getaner Ausspruch, in- dem er ausführte,„datz er sich nach einer Kandidatur nicht dränge und anderes zu tun habe, das ihm„mehr einbringe I" Mso etwas einbringen mutz dem Herrn die Ehre, eventuell Gemeindevertreter zu sein. Obwohl wir das bisher von den Gegnern angenommen haben, so ist eS bisher von jener Seite noch nie mit solcher Offenheit zugegeben worden. Was Herrn Renner anbetrifft, so dürfte er gleich Herrn Behnke nur eigene resp. ausschliesslich die Interessen der Hausbesitzer vertreten. Ein weiterer Kandidat ist der Gastwirt Grothe, durch den wohl die alteingesessenen Kleinbauern usw. am besten ihre Interessen vertreten zu bekoinmen glauben, welcher aber der Arbeiterschaft durch Verweigerung seines Saales und damit als Feind ihrer Sache in gutem Gedächtnis steht. Dieser Dreieinigkeit steht als vierter Kandidat der von der sozialdemokrattschen Arbeiterschaft aufgestellte Genosse Gast- wirt Hermann Reichardt gegenüber. Welch ein abgrnnd- tiefer Unterschied! Dort nur Vertreter nacktester Eigeninteressen, hier ein Vertreter der durch unser Gemeindeprogramni festgelegten allgemeinen Interessen. Auch den indifferentesten Arbeitern dürste es hiernach nicht schwer sein, zu entscheiden. wen sie zu wählen haben. Zwar machen unsere Gegner die grössten Anstrengungen, uns im Dorfparlament unvertreten zu lassen, aber ihre Mühe wird umsonst sein, wenn jeder Wähler am Tage der Wahl seine Pflicht tut und dem Genossen Hermann Reichardt seine Stimme gibt. Trotzdem der Gemeindevorsteher die Genossen Lehmann und Reichardt in einer Unterredung versichert hatte, die Wahlzeit so festzusetzen, dass jeder Wähler ohne nennenswerten Verlust seines Arbeits- Verdienstes wählen kann, ist die Wahlzeit— ob durch Zutun anderer?— dermaßen verschoben worden, datz eS den Arbeitern schwerfallen dürfte, ihr Wahlrecht auszuüben. Der alte Ortsteil Mariendorf wählt am Dienstag, den 13. d. M., von vormittags 11'/z bis 6 Uhr nachnnttags im neuen Schulhause Ackerstt. 2—4 parterre, Zimmer 16. Die Kolonie Süd- ende, welche durch die Dresdener Bahn getrennt wird, wählt nicht, wie die„Mariendorfer Zeitung" schreibt, am 24, März. sondern am Mittwoch, den 14. März, von mittags 12 bis 5 Uhr nachntittags im„Restaurant Südende", Dahl, Lichterfelder- strasse 21. In diesem Jahre können diejenigen, die am ersten Tage ihr Wahlrecht nicht ausgeübt haben, entgegen der Gepflogenheit anderer Jahre an, zweiien Tage nicht mehr in Südende wählen! In der Bekanntmachung heisst es, datz die Mariendorfer Einwohner in Mariendorf und die Kolonie Südende in Südende wählt. Lasse sich daher niemand von dem Brauch früherer Jahre leiten. Bei 1527 Wählern, wovon 95 Prozent allein in Mariendorf wohnen, ist die Wahlzeit schon kurz ben, essen und eS ist möglich, daß der Andrang in letzter Stunde sehr groß ist. In Lichtenrade finden die Wahlen zur Gemeindevertretung an, Dienstag, den 13. März statt. Da es sich um einen Angesessenen handelt und ein solcher der Sozialdemokratte nicht zur Verfügung steht, ist es ratsam, sich der Wahl zu enthalten. Es hicsse unnütz Zeit verschwenden, wenn sich die Arbeiterschaft an der Wahl be- teiligen würde, wissen wir doch, datz wir von unseren Gegnern nichts zu erwarten haben. Steglitz. Die„Wahlen" der ersten und zweiten Klasse sind nun auch vorüber; die gemeinschaftlichen Kandidaten des Hausbesitzer- und Kommuualvercins wurden einstiinmig gc- wählt, da der M i e t e r v e r e i n, der vor zwei Jahren bramarba- sicrte, datz er das nächste Mal auch die zweite Klasse holen werde, auf eigene Kandidaten verzichten mußte, damit ihm seine „Freunde" bei der Stichwahl gegen die Sozialdemokraten Wahlhülfe leisten. Die bisherigen Leuchten der ersten und zweiten Klasse bleiben uns alle erhalten bis auf den nattonallibcralcn Reichstagsabgeordneten B ö t t g e r, der vermessen genug war, den Kampf mit Sozialdemokraten zu wagen— er fand den Heldentod in der Wahlschlacht an— akutem Durchfall. Die„neuen Männer" interessieren uns vorläufig nicht. Eine wahrhast klag- l i ch e Rolle spielt der M i e t e r v e r e i n, der angeblich in den letzten beiden Jahren über 600 neue Mitglieder geivonnen hat und dabei ganze neun Stimmen mehr aufbringen konnte. Diese Maulhelden träumten davon, in diesem Jahre aus eigener Kraft die Sozialdemokraten und Hausbesitzer zu besiegen. In ihrem Größenwahn bekämpften sie die Hausbesitzerpartei noch am Tage der Hauptwahl, bezichttgten jene des Schwindels uud der Unterschriftensälschung, um am anderen Tage(als sie den grandiosen Rcinfall erlitten hatten) wie gezüchtigte Schul- buben alles abzubitten und um Hülfe bei der Stich- wähl zu winseln. Gestern noch nannten sich die Herren Häneke und Denckewitz auf Plakaten, Reklanietafeln und in ihrem„Organ", der„Stegl. Ztg.", stolz„M i e t e r"-Kandidaten, ' eute wagen sie in ihrer Angst sich nur noch„bürgerliche" andidaten zu nennen und flehen als solche ihre Feinde von gestern um Hülfe an gegen den„wütenden Ansturm" der „Genossen". Und diese Wetterfahnen motzen sich au. die Qualifikatton zu Gcmeindevertretern zu besitzen!! An- gesichtS solcher Tatsachen ist eS um so bedauerlicher und unbcgreif- hr_...... sehen diese Kurzsichtigen letzt noch ein. welche Torheit sie be- gingen, und machen ihren Fehler bei der Stichwahl wieder gut. Am 14. März müssen sich die Stimmen aller Ar- beiter. die noch gewerkschaftliche und politische Ehre im Leibe haben, auf unsere Kandidaten A tz m a n n und K e n g im ersten. Keng und Leimb a ch im zweiten Bezirk vereinigen. Wahlergebnisse. Lankwitz. Bei der am 7. März er. statt. gefundenen Gemeindewahl erhielt Genosse Boxheimer 159, der Gegner 198 Sttmmen. Recht mangelhaft erwies sich die Wähler- liste. Zirka 6 Proz. der Erschienenen waren nicht darin zu finden. Zu tadeln ist noch das Benehmen des Gendarmen gegen die Wähler, der so tat, als ob er Rekruten vor sich habe. Bei der gestern in Trrptow-Baumfchulrnwcg stattgefundeucn Ersatzwahl zur Gemeindeverttetung sind die beiden sozialdemokrati- scheu Kandidaten gewählt worden. Von den 1788 eingeschriebenen Wählern der dritten Klasse übten 846 ihr Wahlrecht aus. Unser enosse Gerisch erhielt 512 Stimmen und Genosse Karow 507 Stimmen. Die beiden Rttschmaschkandidaten erhielten einschlietzlich der zirka 130 Papier Wähler je 331 und 339 Stimmen. Bei der vor zwei Jahren erfolgten Wahl erhielt der sozialdemokratische Kandidat 322 und der Bürgerliche 311 Sttmmen.— Trotzdem die Bürgerlichen aller Schattierungen noch am Vorabend dieser Wahl auf die große Gefahr hinwiesen, der Treptow durch die Wahl von Sozialdemokraten entgegengehe, war eS nicht zu vermeiden, datz uns dennoch der Sieg wurde. Hoffentlich gehört nunmehr für immer die dritte Klasse der Sozial- demokratte. Köpenick. Die am Montag nach dein großen Saal des Hotel Kaiserhof einberufene Volksversammlung war von über tausend Personen. darunter vielen Frauen und Mädchen besucht. Schon kurz nach 8 Uhr wurde der Saal abgesperrt. Genosse Stern sprach unter reichem Beifall über das Thema:„Gibt's einen Gott?" In der Diskussion forderten die Genossen Hilliger und Gühne die An- wesenden zum Austritt aus der Landeskirche auf. Zum Schluß er- mahnte Genosse Moick die Anwesenden zum Anschluß an die Organi- sation, wie auch zum Abonnement auf den„Vorwärts". Bekannt sei noch, dass zu dieser Versammlung die Geistlichen brieflich ein- geladen waren, aber unter„allerlei Entschuldigungen" nicht erscheinen konnten.— Eharlottenburg. Freie Volksbühne Charlottcnburg. Die Generaldersammluttg des Vereins wurde durch einen interessanten, mit lebhaftein Beifall aufgenommenen Vortrag des Dr. B r o h über Gerhart Haupt- mann eingeleitet. Auf den von dem Vorsitzenden Dr. Lind- heim er erstatteten Vorstandsbericht folgte der Kassenbericht, in dem der Kassierer Vogel einen Ueberschusi von 217 M. für das erste Vereinsjahr konstatieren konnte. Die Anträge des Vorstandes, die Ordnerkommisston von 3 auf 6 Mitglieder und die Einschreibe- gebühr von 40 Pf. auf 60 Pf. zu erhöhen, wurde angenonimen. Ueber den ferneren Antrag des Vorstandes, die Theateransführungen auf die Sonntagnachmittage zu verlegen, entspann sich eine lebhafte Diskussion, deren Resultat in dem auf Vorschlag Ewalds gefaxten Beschluß bestand, während der Wintermonate an Sonntag- Nachmittagen, während der Sommermonate(Mai, Juni, Juli) aber an Wochentagabendcn zu spielen. Dieser Beschluß lritt am 1. Oktober d. I. in Kraft. Ueber die Schwierigkeiten, die die Charlottenburger Polizei der Aufführung des Kampfschen Dramas„Am Vorabend" in den Weg zu legen versucht hat. erstattete der Vorsitzende einen ausführlichen Bericht, ivorauf die weitere Verfolgung der Angelegenheit auf Antrag Vaakes dem Vorstand überlassen wurde. Die sodann vor- genommenen Vorstandswahlen hatten folgendes Resultat: Dr. Lind- heimer, 1. Vorsitzender, Dr. Sußmann, 2. Vorsitzender, Wilke, Kassierer. Busse, 1. Schriftführer, Eycke, 2. Schriftführer, Vogel, Ltosenthal und Ewald Revisoren, Krause, Vogel jun., Heger, Dietz, Schmidt, Spieker, Mitglieder der Ordnerkommission. Vaake, Hirsch, Dr. Schikowsli, Frau Zepler, Frau Lewy-Ludwig, Dr. Broh, Mit- glieder des Ausschusses. Nach einer kurzen Diskussion über die Platz- frage wurde die Generalversammlung geschlossen. Rixdorf. Ein hartnackiger Selbstmörder hat in der vorgestrigen Nacht im Rixdorfer Schiffahrtskanal den Tod gefunden. Am Köllnischen Ufer lenkte ein unbekannter etwa 40jähriger Mann die Aufmerksamkeit dadurch auf sich, daß er fortgesetzt unruhig hin und her lief. In der Nähe der Wildenbrnchbrücke stürzte er sich plötzlich über das Ge- länder hinweg in den Schiffahrtskanal, schlug an der Böschung mit dem Kopfe auf und verletzte sich, wie ans hinterlassenen Blutspuren hervorgeht. Der Monteur Ernst Freud enberger, Harzerstr. 36 wohn- , Haft, löste schnell den Rettungsring und warf ihn dem LebenSniüden zu. Eigensinnig stieß dieser ihn jedoch zurück und als ein in der Nähe vor Anker liegender Schiffer mit dem Kahn zur Rettung hinzu- kam, tauchte der Selbstmörder plötzlich unter und verschwand in der Tiefe. Die Leiche des Unbekannten konnte bisher noch nicht ge- landet werden. Ei» Kind totgefahren. Die Unsitte der Kleinen, sich an fahrende Wagen anzuhängen, hat gestern wieder einmal ein junges Menschen- opfer gefordert. Der fünfjährige Sohn des in der Zietenstr. 66 in Rixdorf wohnhaften Tischlers Kuhnert hatte sich in der Jägerstratze auf einen vorüberfahrenden Brauerwagen aufgehockt. Vor dem Grundstück Nr. 50 glitt er ab und fiel so unglücklich auf den Straßendamm, daß er direkt vor die Pferde eines nachfahrenden Wagens der Selterwasserfabrik von Robert Mertens, Bergstr. 27/28, zu liegen kam. Bevor der Kutscher Markowski die Pferde zurück- reißen konnte, waren die Räder des Wagens dem Kinde bereits über Kopf und Brust gegangen. Ein zugerufener Arzt konnte nur noch den inzwischen eingetretenen Tod des Knaben feststellen. Schöneberg. Das Krankcnkassenlokal der Schöneberger Ortskasse befindet sich von Montag, den 12. März ab im neuen eigenen Geschäfts- Hause, G r u n e w a l d st r. 4 2, Hof eine Treppe. Steglitz. Ueber die schwere Katastrophe, bei der zwei Personen und ein Pferd den Tod gefunden haben, wird noch berichtet: Die beiden Kutscher Willwock, Stephanstr. 21, und Schütz, Albrechtstr. 47 aus Steglitz waren mit einem dreispännigen Fuhrwerk an einem hoch- gelegenen Sandberg vorgefahren, um den Wagen zu beladen. Der Hügel kam plötzlich ins Rutschen und die gewaltigen Sandmassen stürzten unter polterndem Getöse in sich zusammen. Die beiden Kutscher, sowie eines der Pferde wurden vollständig unter dem Sande begraben und mußten elend ersticken. Den sofort alarmierten Mann- schaftcn der Steglitzer Feuerwehr gelang es nur, zwei der Pferde, die gleichfalls teilweise verschüttet waren, zu retten. Stach langer an- strengender Bemühung stieß man auf die Leiche der bedauernS- werten Wagenführer und des dritten PferdcS. Ein zugerufener Arzt konstatierte bei beiden den Tod durch Ersticken. W. und Sch. hatten im 24. Lebensjahre gestanden. Ihre Leichen wurden nach der Halle des Steglitzer Friedhofes gebracht. Die polizeiliche Untersuchung über die Ursache der unglücklichen Katastrophe ist in die Wege ge- leitet worden. KerUner JNtacbnchten. Mißgriffe bei Beerdigungen gehören zu jenen peinlichen Vor- kommnissen, die der leidende Teil für unentschuldbar zu halten pflegt. Der leidende Teil sind hier die Hinterbliebenen. Eher ist das Personal der Krankenhäuser, der Küstereien, der Friedhöfe usw. bereit, Entschuldigungsgründc zu sehen, wenn mal ein in einer Anstalt Verstorbener ohne Wissen der Angehörigen bestattet wurde, wenn mal ein paar Leichen miteinander verwechselt wurden, wenn das Gefolge auf die Herstellung der Gruft warten muhte, und so weiter. Einen Fehler, sagen sie, kann jeder mal machen, Fehler werden eben überall gemacht. Nun, es ist ja wohl möglich/ daß auch bei solcher Beschäftigung die Gewohnheit abstumpfend wirkt, und daß dann das Verständnis für das Empfinden anderer allmählich schwindet. Wo es aber noch vorhanden ist, da wird— so denken wir's uns— allcrgewissenhafteste Sorgfalt sich bemühen, gerade bei Beerdigungen jeden Mißgriff zu vermeiden. Ein Fall, bei dem eS an dieser Sorgfalt gefehlt zu haben scheint, wird uns von einem unserer in Rixdorf wohnenden Leser gemeldet. Eine Wittve W.. die früher Mitglied der F r i e d r i chstvcrde rs chcn Kirch e n gemeinde in Berlin gewesen war und auf dem Friedhof dieser Gemeinde in der Bcrgmannstraße neben dem Grabe ihres Mannes eine im Jahre 1379 angekaufte Grabstelle hatte, war gestorben und sollte dort be- erdigt werden. Die Beerdigung wurde in der Küsterei wie mif dem Friedhof rechtzeitig bestellt, und es wurde hinzugefügt, Frau W. habe eine früher gekaufte Stelle. Ter Anspruch auf die Stelle war vorschriftsmäßig i�on zehn zu zehn Jahren bereits zweimal erneuert worden, und es(ersieht sich von selber, daß der Kauf gebucht sein mußte. Auch übeX die Lage der Grabstelle mußten die Bücher Aus- kunft geben, so da� alles ordnungsmäßig hätte verlaufen können. Als aber das Lcichengefolge zud verabredeten Zeit auf dem Friedhof eintraf, war zur großen lkbenVsihun'g der� Angehörigen die b e- stellte Gruft noch nicht aufgeschaufelt. Die Zumutung des Inspektors, die Beerdigung auf den folgenden Tag zu verschieben, wurde von den Angehörigen zurückgewiesen. Man be- stand darauf, daß sofort an der angekauften Grabstelle die Gruft bereitet werde, und das mußte dann auch geschehen. Nach fünf- viertelstündigem Warten konnte endlich die Leiehe der Erde über- geben werden. Das Vorkommnis hat bei dem zahlreichen Gefolge große Verwunderung und lebhaften Unwillen hervorgerufen. Die Bitte um Aufklärung wurde den Angehörigen von dem Friedhofs- inspektor dahin beantwortet, die Schuld falle aus den Küster, der sich übrigens jetzt nicht zum ersten Male durch Mißgriffe lästig mache. Wir wollen nicht untersuchen, waS daran wahr ist; mögen die beiden Herren unter sich abmachen, wen von ihnen die Schuld trifft. Fest steht die Tatsache, daß die Beerdigung rechtzeitig und vorschriftsmäßig bestellt worden und dennoch die Gruft nicht bereit war. Hier wird manchem einfallen, wie penibel die Kirchen- gÄneinden darüber wachen, daß die Gebühren rechtzeitig bezahlt Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den werden, die die Friedhofsverwaltungen für alle möglichen und schier unmöglichen Dinge fordern. Wir vermuten, daß dieses Vorkommms auch in kirchlichen Kreisen als durchaus ungehörig empfunden werden wird. Denen aber, die sich etwa allzusehr darüber aufregen wollen, können wir zu ihrer Beruhigung mitteilen, daß Frau W. gottloserwcise ohne Mitwirkung einesPastors bestattet worden ist, Sie hatte zwar, wie wir erfahren, einen Posten in einem staatlichen Gebäude inne gehabt, und wäre hiernach eigentlich wohl zur Frömmigkeit verpflichtet gewesen. Aber vor ihrem Tode bestimmte sie ausdrück- lich, daß kein Pastor an ihre Gruft herantreten dürfe, und � die Hinterbliebenen handelten danach. Also hat es wenigstens keinen der„Gerechten" getroffen._ Ueberfall im Eisenbahnwagen. Gestern abend gegen 8 Uhr 30 Minuten wurde der Kammerherr v. Zitzewitz-Zezenow in einem Abteil erster Klasse des Schnell- zuges 24 Danzig— Berlin zwischen Biesenthal und Bernau von einem unbekannt gebliebenen Mann durch mehrere Revolverschüsse am Kopfe verletzt. Der Täter hatte vorher das Abteil bei Eberswalde bestiegen und hinter Biesenthal zwei Revolverschllsse auf den lesenden Kammerherrn abgegeben. Dieser warf sich auf den Täter, um dem- selben die Schutzwaffe zu entreißen; bei dem stattfindenden Ringen hat der Täter noch zwei Schüsse abgegeben. Herr v. Zitzewitz verließ das Coups und begab sich in ein danebenliegendes Damencoups, woselbst er bewußtlos zusammenbrach. Der Täter verließ den Zug und entkam in dem vor Bernau liegenden Wald, er wurde beim Verlassen des Zuges von einem Passagier von einem Fenster eines Nebenabteils beobachtet. Der Zug wurde zum Halten gebracht. Der Verletzte erhielt durch einen im Zuge befindlichen Arzt einen Notverband. Vom Stettiner Bahnhof aus wurde der Verletzte auf eigenen Wunsch mittels Krankenwagens durch den im Zuge befindlichen Grafen Arnim v. Boitzenburg, welcher auch die Angehörigen benachrichtigte, nach der Eharitö geschafft. Gestern vormittag haben die Vernehmungen des Begleitpersonals des Zuges stattgefunden. Es ergab sich, daß ein Wagenmeister in Eberswalde am Hinteren Ende des Zuges noch einen Mann gesehen haben will, der einen Schlapphut trug. Da die Zeit der Abfahrt nahe war, und nur noch drei Türen von den gesamten Abteilungen offenstanden, will der Beamte den Mann gefragt haben, ob er noch mitfahren wolle, darauf erhielt er angeblich aber eine Antwort in unwirschem Tone. Ob dieser Mann wirklich eingestiegen ist, haben die Beamten nicht beobachtet. Soviel aber steht fest, daß man ihn später im Zuge nicht bemerkt hat. Ob dieser Mann mit dem Täter in Verbindung zu bringen ist und ob vielleicht der Raubmord schon in Eberswalde geplant war, läßt sich noch nicht beurteilen. Die Vernehmung des Kammerherrn hat gestern mittag in der Klinik des Dr. Unger stattgefunden. Der Täter wird als ein Mann im Alter von 26 bis 28 Jahren beschrieben. Er ist etwa 1,65 bis 1,68 Meter groß, schlank und hager, auffallend blaß und bartlos und trug einen dunklen Ueberzieher, einen schwarzen steifen Hut und weiße Wäsche. Im letzten Augenblick, als sich der Zug schon in Bewegung gesetzt hatte, stieg er in Eberswalde ei» und begab sich sofort in den Abort. Nach einem Augenblick kam er wieder heraus, schloß in unauffälliger Weise den Riegel und setzte sich auf der Seite der Notbremse neben den Kammerherrn. Er mochte etwa 10 Minuten so gesessen haben. wobei er einen amerikanischen Räuberroman las, während Herr v. Zitzewitz Hauptmanns„Einsame Menschen" studierte. Plötzlich zog er einen Revolver hervor und schoß zweimal hintereinander aus den alten Herrn. Dieser sprang von seinem Sitze auf; der Räuber stürzte sich jetzt auf ihn und feuerte im Handgemenge noch drei Schüsse auf ihn ab. Alle fünf Schüsse trafen, sind aber nur Streifschüsse, wenn auch die beiden ersten etwas stärker wirkten als die drei letzten. Im weiteren Verlaufe des Ringens suchte der Verbrecher sein Opfer dadurch völlig in seine Gewalt zu bringen, daß er ihm zurief:„Wenn du nicht stille bist, steche ich dich tot!" Herrn v. Zitzewitz gelang ss mit Aufbietung aller Kraft, sich freizumachen und durch die geöffnete Tür deS Abteils auf das Trittbrett zu gelangen. Auf diesem entlang tappend, gelangte der Ueberfallene bis au das Nebenabteil, in dem vier Frauen saßen. Zwei von den Frauen versuchten den blutüberströmten Mann vom Trittbrett herunterzustoßen, während die anderen die Notbremse zogen. Welche Bewandnis es mit den Frauen hat. die den Ueberfallene» vom Zuge zu stoßen versuchten, ist noch nicht festgestellt worden.— An der Eisenbahnbude 31 wurde heute morgen der Revolver im Gehölz aufgefunden. Die weiteren Nachforschungen werden unter Leitung der Berliner Kriminalpolizei betrieben. In der Gorki-Matiner, die Sonnabend, nachmittags 3 Uhr, im Deutschen Theater stattfindet, wird Maxim Gorki seine Novelle„Das brennende Herz" vorlesen. Anschließend hieran bringt Rudolf Schild- kraut eine Skizze des Dichters zum Vortrag, worauf eine Szene aus dem dritten Akt des„Nachtasyl" folgt, in der Gorki die Rolle des Luka. Frau Andrejew die Rolle der Nastja, die Herren Moskwin und Katschalow vom russischen Ensemble, die besonders als Zar Feodor Joannowitsch und Baron die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt haben, die Rollen des Kleschtsch und des Baron übernommen haben. Alsdann wird Dr. Milan eine Skizze Tolstojs erzählen und zum Schlüsse Herr Katschalow das„Lied vom Falken" rezitieren. Dem Programmheft wird— mit Ausnahme der„Nachtasyl"-Szenen— die deutsche Uebersetzung der zum Vorwage gelangenden Dichtungen beigefügt werden. Sechs Minutenbctrieb der Automobilomnibusse. Der Automobil- betrieb der Allgemeinen Omnibusgefellschaft auf der Linie 4 Hallesches Tor— öhausseeswaße wird jetzt die langersehnte dichtere Wagenfolge erhalten. Die Direktion der Omnibusgefellschaft hat am Donnerstag vormittag dem Verkehrskommissariat beim Polizei- Präsidium vier weitere Automobilomnibusse zur Abnahme als öffent- liches Verkehrsmittel borgeführt. Mit Genehmigung des Polizei- Präsidiums können heute Freitag früh sämtliche bis jetzt gelieferten zehn Wagen in Betrieb genommen werden. Die Abstände zwischen den einzelnen Wagen betrugen immer noch 10—11 Minuten. Von Freitag früh an wird es möglich sein, die Wagenfolge auf 6—7 Minuten zu verringern und damit einen Fahrplan einzurichten, wie er dem großstädtischen Verkehrsbedllrsiiis entspricht. Die Einstellung weiterer Wagen soll noch im Laufe dieses Monats erfolgen. Nach dem neuen Fahrplan beginnt der Betrieb morgens jetzt Werktags ab Chaussee- stratze 6.30, ab Hallesches Tor 5.58. Der letzte Wagen geht von der Chausseeswaße Werktags 12.30. vom Halleschen Tor 12.58. Sonntags beginnt der Betrieb etwas später, dauert aber um so länger. Der erste Wagen geht dann von der Chausseestraße morgens 7.00, vom Halleschen Tor 7.26. Die letzten Wagen verkehren Sonntags von der Chausseestraße 1.32, vom Halleschen Tor 2.01. Es tritt dann eine Pause von nur 3 Stunden bis zur Wiederaufnahme des Be- triebes ein. Die letzten Wagen lassen sich kurz so merken: ab Chausseestraße 12'/2, ab Hallesches Tor 1 Uhr, Sonntags je eine Stunde länger. Großes Aufsehen verursacht der Selbstmordversuch einer in den Finanzkreisen wohlbekannten Persönlichkeit, der Rentiers Freymark, Kurfürstendamm 242 wohnhaft. F., welcher noch heute Aufsichtsrats- Mitglied ist, brachte sich gestern in selbstmörderischer Absicht am Halse schwere Verletzungen bei, schnitt sich die Pulsadern auf und ver- wundete sich auch an den Beinen. Ob F., der im 57. Jahre steht, mit dem Leben davonkommen wird, ist fraglich; das Motiv zu dein Selbstmordversuch ist angeblich darin zu suchen, daß sich der Lebens- müde große Geldverluste, die er in letzter Zeit gehabt haben soll, allzu sehr zu Herzen genommen hat. Opfer deS Straßenverkehrs. Von einem Eiswagen überfahren und schwer verletzt lvurde gestern abend in der Krautstraße der Bier- zapfer Friedrich Babichau aus der Langestr. 19. B. kreuzte am Grünen Weg den Fahrdamm der Krautstraße, bemerkte dabei nicht Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts! da? Herannahen des Eisfuhrwerks, wurde umgerissen und über- fahren. Passanten brachten den Schwerverletzten nach der Unfall- station VIII, von wo er nach Anlegung von Notverbänden dem Krankenhause am Friedrichshain zugeführt wurde. Durch eiustiirzende Brettermassen schwer verletzt wurde gestern nachmittag der 43 Jahre alte Bauarbeiter Gottlieb Sperling aus der Gubenerstr. 39. Sp. war auf einem Neubau in der Hofmann- straße 25—28 mit dem Aufftapeln von Brettern beschäftigt, und dabei stürzten die Holzmassen plötzlich und der Arbeiter lvurde darunter begraben. Mit schweren inneren Verletzungen und Rippen- brächen wurde der Bedauernswerte, der von Arbeitskollegen befreit worden war, davongetragen. Bei einem Brandunglück, das sich gestern in dem Hause Ramler- straße 29 zugetragen hat, sind zwei Personen schwer veiletzt worden. Die bei dem Lehrer Händel in Dienst stehende 17jährige Marie Schönlang hatte ein Streichholz angezündet und wollte damit das Gas anstecken. Sie bemerkte dabei nicht, daß ein glühender Teil des Zündholzes auf ihre Schürze gefallen war, sich darin festsetzte und die Kleider allmählich zum Brennen brachte. Erst als eine Flamme an ihr emporschlug, gewahrte die Sch., in welch großer Gefahr sie sich befand. Schreiend eilte sie auf den Hof hinunter und rief dort um Hülfe. Ein in demselben Hanse wohnhafter junger Mann, der Kaufmann Franz Büschel, kam nun hinzu und löschte die Flammen an dem Mädcken. Bei dem Rettungswerk zog sich B. an den Händen und Armen erhebliche Brandwunden zu und mußte gemeinsam mit der Sch. nach der Unfallstation XVII gebracht werden. Dort wurden bei ihm auch Brandverletzungen am Körper festgestellt. Dem Dienstmädchen war die ganze rechte Seite schwer verbrannt. Nach- dem ihm die erste Hülfe zuteil geivorden war, wurde es in bedenk- lichem Zustande in das Lazanis-Krankenhaus eingeliefert. Zwei schwere Unfälle ereigneten sich am gestrigen Tage im Straßenbahnbetriebe. Der in der Schillerstr. 80 wohnende Kauf- mann Köppler sprang vor dem Hause Wilmersdorferstr. 122 in Charlottenburg von einem in der Fahrt befindlichen Straßenbahn- wagen der Linie V. glitt aus und stürzte derartig zu Boden, daß er von der Borderplattform deS AuhängewagenS erfaßt und zur Seite geschleudert wurde. K. erlitt eine schwere Gehirnerschütterung und wurde nach dem Krankenhause Westend übergeführt.— Gestern abend gegen 7 Uhr versuckte eine unbekannte, etiva 35jährige Dame an der Ecke der Mainzer- und Berlinerstraße in Rixdorf unmittelbar vor einem Stratzenbahnzug der Linie 48 den Fahrdamm zu über- schreiten. Sie wurde von der Vorderplattsorm des Motorwagens erfaßt und so unglücklich zu Boden geschlendert, daß sie eine schwere Gehirnerschütterung davontrug. Die Verunglückte wurde nach dem Kreiskrankenhause in Britz übergeführt. Bor den Auge» der Mutter überfahren und schwer verletzt wurde gestern nachmittag in der Wildenbruchstraße das vierjährige Söhnchen Paul des Metalldrehers Jänicke aus der Wildenbruchstraße 51. Der Kleine hatte vor dem Elternhause auf dem Stratzeudamm gespielt, während die Mutter vom Fenster aus ihr Kind beobachtete. In scharfem Trabe kam plötzlich ein Geschäftswagen der Firma Augnst Breitschke, Lohmühlenstr. 131, dahergesahren und ehe eS dem Kinde gelang, auf den Bürgersteig zu flüchten, wurde es von dem Fuhr- werk umgerissen und überfahren. Entsetzt eilte die Mutter hinzu und trug ihr schwerverletztes Kind nach der Wohnung. Selbstmord auf dem Tempelhofer Felde. Auf dem Reitplatz des Tempelhofer Feldes in der Nähe der Hasenhcids erschoß sich ain Mittwoch ein unbekannter etwa 25 Jahre alter Mann. Die Leiche des Selbstmörders, der jedenfalls dem Arbeiterstand angehört hat, wurde nach der Halle des Tempelhofer Friedhofes gebracht. Aschinger. Ein modernes großstädtisches Unternehmen ist die „Aschinger Bierquelle Akt.-G.". Wer kennt sie nicht, die Quellen für alle möglichen Biere und die Futterecken, in denen mau ohne viel Zeremonien, ohne viel Zeitverbrauch, so im Vorbeigehen, im Fluge den knurrenden Magen zur Raison bringen kann, und wer hat nicht schon mal bei Aschinger„konditert", duftenden Mokka geschlürft? Der Geschäftsbericht der Gesellschaft für das verflossene' Jahr bekundet, daß der Zug zum Aschinger nicht etwa nachgelassen hat, sondern noch stärker geworden ist. lind daher konnten Aschingers die Fleischnot gut übersteheu, die hohen Fleischpreise wurden durch größeren Konsum ausgeglichen.— Die Portionen sind natürlich nicht größer geworden. Im September eröffnete die Gesellschaft Blücherplatz 2 ihre sechste Konditorei und am 1. Oktober übernahm sie die Bewirt- schaftnng der Oelonomie der königl. Technischen Hochschule in Chor- lottenburg. Mit dem Abriß der Grundstücke Köniagrätzersw. 124/129 und Leipziger Platz 2, 4 und 5 lvurde am 1. Oktober begonnen. Die darauf erstehenden Neubauten schreiten rüstig vor- wärts. Die Direktion hofft dieselben gegen Ende deS Jahres 1906 zu vollenden, bestimmt jedoch zu Beginn des Jahres 1907 in Be- nutzung nehmen zu können. Mit der Bebauung der Grundstücke Bellevuestr. 19, 19a und 20 und Polsdanierstratze 3 wurde ebenfalls am 1. Oktober v. I. begonnen. Schon im Spätherbst 1906 soll auch dieses Unternehmen in Betrieb genommen werden. Der er- zielte Bruttogewinn beläuft sich auf 1563 656 M. Das ist 253 011 M. mehr als im Vorjahre. Aber da man allein für Abschreibungen 1 001 828 M. verwandte, können„nur" 8 Prozent auf das 3 000 000 M. betragende Aktienkapital ausgeschüttet iverden. Der Aussichtsrat erhält 9700 M. Wenn die Herren Aufsichtsräte dafür täglich die Qualität der alkoholischen und antialkoholischen Getränke usw. kontrollieren, dann haben sie ihre Tantiemen schwer..er— trunken" und „er— speist". In der Bilanz sind aufgeführt: 19 Grundstücke mit 23 674 775 Mark, Neubau Bellevuestraße 113 334 Mark, Hotel- neubau Potsdamerplatz 97 583 Mark, Inventar und Ein- richtung 363 308 Mark, Wäsche und Bekleidung 1 Mark, Warenbestände 224 550 Mark, Kassa 23 722 Mark, Bankgut- haben 124 361 M. Die Hypothekenschulden betragen 20 531 573 M., der Reservefonds wächst jetzt auf 73 160 M. an. An Kreditoren schuldet die Gesellschaft 655 617 M. Der finanzielle Stand des Unternehmens ist exquisit, hoffentlich bleiben oder stellen sich damit in Einklang die Leistungen der Gesellschaft. Dann werden die durstigen Seelen an den Quellen nicht weniger werden, und stärker noch als bisher füllen sich abends nach 0 Uhr, die Konditoreien. Vermißt. Aus Furcht vor einer Operation hat sich am 8. Februar dieses JahreS der Schneider August Hiutze aus seiner Wohnung Neue Jakobstr. 19 entfernt und wird fcitdeni vermißt. Hintze, ein ordent- licher und fleißiger Mensch, ist 55 Jahre alt, 1,75 Meter groß, hat graues Haar, graue Augen, stumpfe Nase, Schnurr- und Spitzbart, auswärts gestellte Füße, starke Figur: bei seinem Fortgehen war er mit weichem dunklem Hut, dunkelgrauem Rockanzug, dunkelblauem Paletot, schwarzen, rot gefütterten Hausschuhen, grauen Strümpfen und weißein und wollenein Hemde bekleidet und trug eine dunkel- blaue Krawatte. Mitteilungen über den Verbleib des Vermißten nimmt jedes Polizeirevier oder die Kriminalpolizei, Zimmer 243 des Polizei« Präsidiums mündlich oder schriftlich zu 1093 IV 1606 entgegen. Der fünfte wissenschaftliche Abend, veranstaltet vom Wissenschaft- lichen Zentralverein Humboldt-Akadcmie, findet nächsten Sonnabend, den 10. d. MtS., abends 8 Uhr, in der Aula des Dorotheenslädtischen Realgymnasiun�s. Georgenstr. 30/31. statt. Vortragender ist Herr Dozent Ed. Ferd. Frey. Sein Thema lautet:„Schiller und das Theater der Gegenwart". Der Besuch dieses Abends ist frei fiir die Mit- glieder des Wissenschaftlichen Zentralvereins(die korporativen Mit- glieder wollen sich ihre refp. Freikarten vom Bureau ihres Vereins ausfertigen lasien). Für Nichlniitglieder sind Karten zu 1 M. in den Bureaus der Humboldt-Akndemie erhältlich. Arbeiter-Snmariter-Kolonne. Heute abend Ueviingsstunde der 3. Abteilung m Schöneberg bei Obst, Meiningerstr. 8. Kranken- transportübungen. Neue Mitglieder können jederzeit eintreten. Gälte haben einmaligen freien Zutritt. Sonnabend findet das. 18. Stiftungsfest der Kolonne in'DaseS Fefffälen. Brunneiistr. 1o4. statt. Für gute Unterhaltung ist gesorgt._ wchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.