Ar. Bbonncmenfs-Bcdingungen: Abonnements- Preis pränumerando: Aiertcljährl.-!,30 Mt., monatl. l.10 Wt.. wöchentlich 28 Pfß. frei ins jöauZ. Einzelne Nummer 5 ijjfg. Sonntags, inunmet mit illustrierter Sonntags. Beilage„Die Neue Welt" 10 Pf«. Post. Abonnement: J.IO Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Poflabonnenients nehmen an: Belgien. Döncmarl, Solland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 23. Jahrg. Crtdidnt tltlld) tuBtr RUntag». Verlinev Volllsblerkk. Zcntralorgan der fozialdcinohrati f eben Partei Deutfchlandd. DU InfertUns- Gebühr beträgt sür dl« sechsgespaltene«olonel- zeile oder deren Raum eo Psg., sür politische und gewerkschaftliche Vereins- lind Verlammlungs. Anzeigen SO Pfg. „Klctnt Hnzcigtn", das erste(fett, gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigen das erste Wort lO Pfg., jedes weitere Wort s Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 3 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben«erden. Di- Expedition ist vi» 7 Uhr abends geüfsnet. Telegramm- Adresse: „SttliMtnolirat Berti«". Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasae 69 i?er»kprett'er: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SRI. 68, Lindenetrassc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Eugen Richter. Der Führer der freisinnigen Volkspartei ist am Sonn aLendmorgen kurz nach 4 Uhr aus dem Leben geschieden. Die Nachricht kommt nicht unerwartet, da Eugen Richter bereits die letzten Jahre durch Krankheit verbittert worden waren Eugen Richter hat ein Alter von t>7 Jahren erreicht. Unter seinen Fraktionskollegen befinden sich einzelne, die ein Jahrzehnt älter sind: gleichwohl darf man sagen, daß der Veo storbene für sein Renommee zu lange gelebt hat. In der Vov stellung der Massen lebte Jahrzehnte lang der berühmte Pav lamentarier als der unentwegte Oppositionsmann, als der best gehaßte Gegner Bismarcks und der junkerlichen Reaktion— an seinem Lebensabend entkleidete er sich durch eigene Schuld dieses freilich ohnehin unverdienten Nimbus. Nachdem er schon durch seine törichten literarischen Machwerke gegen die Sozial Demokratie die heißen Sympathien des Scharfmachertums er, worden, krönte er das Werk seiner politischen Selbstvernichtung durch das schmähende Poltern gegen die Zollwucherobstruktion, das ihm nun auch das uneingeschränkte Lob derer um Kani und Oertel eintrug. So warf der politische Zusammenbruc� dieser freisinnigen Größe seinem körperlichen Zusammenbruch seine melancholischen Schatten voraus. Trotz alledem darf Eugen Richter Anspruch darauf er heben, als der bedeutendste Repräsentant des heutigen Frei sinns betrachtet zu werden. Gewiß war Richter trotz seiner unleugbar hervorragenden Fähigkeiten nur ein Epigone der politischen Größen des alten bürgerlichen Fortschritts, aber gerade deshalb vermochte er seiner Partei den Stempel seines Geistes aufzuprägen, ist doch der heutige Freisinn auch nur der Schatten des fortschrittlichen Bürgertums von ehedem. Mit den Charakterköpfen der alten Fortschrittspartei, den Waldeck. Ziegler, Jacoby verglichen, erscheint die politische Physiognomie Eugen Richters alltäglich und un- bedeutend. Jeder Zug wirklicher Größe und Genialität fehlt ihr. Richters Wiege stand im Rheinland, in Düsseldorf, dem Geburtsort jenes anderen Geistes, der mit ihm den Zug des ständigen Verneinens, der ätzenden Kritik gemein hatte. Und doch ist es ganz unmöglich, einen Eugen Richter mit einem Heinrich Heine in einem Atemzuge zu nennen. Heine war der geniale Spötter, dessen Negation vor nichts Respekt hatte, am allerletzten vor dem liberalen Spießertum und seinem Idol, dem dreimal heiligen kapitalistischen Privateigentum: während Eugen Richters Kritik stets an der Oberfläche haftete, an den Zahlen des Budgets und anderer Aeußerlichkeiten des politischen Lebens und sich niemals auch nur zur schonendsten sozialen Kritik vertiefte. Im Gegenteil, das einzig Positive, das er kannte, und mit aller Inbrunst, deren sein nüchternes Gemüt fähig war, verehrte, war die Armseligkeit liberaler Spießbürgerei. Und diese abstoßende Enge des geistigen Horizontes tritt noch mehr hervor, wenn man Eugen Richter statt mit dem genialen Poeten mit seinen politischen Vor- gängern vergleicht, eben den genannten Waldeck, Ziegler und Jacoby. Speziell der letztere besaß doch das, was erst in Wahr- heit den Politiker ausmacht, eine weitschauende h i st 0 r i s ch e Auffassung vom Wesen des Staates und der Gesellschaft. Dieser Auffassung gab er in den Worten Ausdruck:„Die ft a a t l i ch e Freiheit ist nicht der höchste, nicht letzter Zweck: sie soll uns den Weg bahnen zur Lösung der höheren, der gesellschaftlichen Aufgabe, und als Mittel dienen zur Erhebung und Veredelung des Menschen, zu dem auf sittliche Freihest gegründeten Wohlergehen Aller." Äehnliche soziale Ideale beseelten auch die Waldeck und Ziegler, die scharf die manchesterliche Auffassung bekämpften und es auch ernst meinten mit ihren demokratischen Forderungen. Beide tonnten sich niemals dazu entschließen, das fortschrittliche Programm zu unterzeichnen, weil dieses nicht auch die For- derung des allgemeinen direkten Wahlrechts für die G e- meindevertretungen enthielt. Freilich, diese Männer fanden sich je länger je weniger in der ein politisches und soziales Ideal nach dem anderen über Bord werfenden neuen Aera des Fortschritts zurecht. Johann Jacoby sah sich am Ende seiner Laufbahn gezwungen, das Tafeltuch mit dem Fort- schritt völlig zu zerschneiden und offen zur Sozialdemokratie überzutreten, während Waldeck und Ziegler politisch völlig ver- cinsamten und mit Ingrimm und Spott im Herzen die Ent- artung des fortschrittlichen Bürgertums ansahen. Eugen Richter war völlig unbeschwert von solchen Idealen, er ging ganz aus in der fortschrittlichen Halbheit und dem öden Manchestertum und machte daher bald Karriere. Nachdem er einige Jahre der Juristerei obgelegen, siedelte er, durch die Nichtbestätigung der auf ihn gefallenen Bürgermeisterwahl in Neuwied aus der Verwaltungslaufbahn herausgeworfen, nach Berlin über, um sich dort der Schriftstellerei und Politik zu widmen. Rasch erwarb er sich als fortschrittlicher Agitator die Sporen, um sich dann im Jahre 1867 vom Wahlkreis Nord- Hausen in den konstituierenden Reichstag wählen zu lassen. Seit 1871 gehörte er dem deutschen Reichstag an. wo er sich durch seinen Fleiß und seine rednerische Begabung rasch eine führende Rolle zu erringen wußte. Seine Kenntnisse und seine Schlagfertigkeit als Debatter machten bald Freund und Feind auf ihn aufmerksam. Ein Politiker großen Stiles war er damals so wenig, wie später, aber ein solcher wäre in der Fortschrittspartei auch gar nicht am Platze gewesen. Zeigte sich das liberale Bürgertum schon während der Konfliktszeit in den 60er Jahren Mißerstande, den Entscheidungskampf mit der Reaktion aufzunehmen, so war seine Opposition im Reichs- j tag während der 70er Jahre erst recht zu einem bloßen -Geplänkel herabgesunken. Der Kampf gegen die Reaktion > und ihre Exekutive, die Regierung, galt nicht der Nieder- w e r f u n g des Gegners, sondern der bloßen Beun- ruh ig un g und Schwächung durch mehr oder minder scharfe Attacken. Hatte man z. B. zur Konfliktszeit der Re- gierung die Militärkredite verweigert, so begnügte man sich jetzt mit allerhand Abstrichen. Zu einem solchen Plänkler- kämpf war der nüchtern scharfsinnige, sich mit Vorliebe in die Geheimnisse des Budgets vertiefende Eugen Richter gerade der rechte Mann. Seine später so oft bestaunte Beherrschung des spröden budgetären Zahlenmaterials entstammt gerade jener spezifisch bureaukratischen Veranlagung, die ihm ein Ver- ständnis der großen historischen und sozialen Triebskräfte so sehr erschwerte. Uebrigens ist Richter selbst ehrlich genug gewesen, sich über diese seine Spezialbegabung in aller Be- scheidenheit auszulassen. So sagt er in seinem Memorabilien- werk:„Im alten Reichstag": „Für viele Abgeordnete entbehrt die Beschäftigung mit dem ZaWnwcrk der Etat- und Rechnungsfragen jeglichen Reizes. Aber wer sich einmal in das Verständnis der Tabellen und Kolumnen hineingefunden hat, vermag ohne Schwierigkeit mit jeder neuen Session sich auf der gewonnenen Grundlage weiter fortzubilden. Andere parlamentarische Verhandlungsgegenftände erschöpfen sich für längere Zeit mit dein Zustandekommen eines neuen Gesetzes: Etats und Rechnungen aber werden für jedes Jahr aufs neue vorgelegt, und alle ungelösten Fragen kommen dabei notwendigerweise immer wieder aufs neue zur Ver- Handlung." So wuchs Eugen Richter allmählich zu seiner parlamen- tarischen Bedeutung empor. Nicht große und fruchtbare Prin- zipien schufen ihm das Piedestal, sondern seine ausgezeichnete Kenntnis der parlamentarischen Details, seine rednerische Ge- wandtheit, die die trockene Materie durch kaustischen Witz zu beleben verstand. Diesen Vorzügen standen aber schon damals seine Fehler schroff gegenüber. Je größeren Einfluß Richter in seiner Fraktion erlangte, desto schärfer trat deren durch hohle Phrasen schlecht übertünchtes undemokratisches und unsoziales Wesen hervor. Als sich im Jahre 1873 der Parteitag der Fortschrittspartei ein neues Programm gab. wurde in der Diskussion bemängelt, daß der Programmentwurf nur die Erhaltung des Reichstagswahlrechts betonte, sich über das Landtags- und Gemeindewahlrecht dagegen völlig ausschwieg. Diesen Kritikern trat nun Eugen Richter mit allerhand rabulistischen Ausflüchten entgegen. Um die Opposition zum Schweigen zu bringen, beantragte er schließlich gemeinsam mit Virchow eine Resolution, welche„die Reform eines Landtagswahlrechts in der Richtung des Reichs- tagswahlrechts vorbehaltlich der Erörterung der Frage auf späteren Parteitagen für jetzt in die Hand der Parteigenossen in den einzelnen Landtagen legt". Damit war die Gesamt- Partei glücklich jeder Pflicht einer Aktion zugunsten dieser For- derungen überhoben, und den Parteigenossen der Einzelland- tage die Gelegenheit gegeben, sich ebenfalls um eine ernsthafte Aktion herumzudrücken. Mit ebenso wohlfeilen Redensarten trat Richter den Delegierten entgegen, die dem Programment- Wurf eine ungenügende Berücksichtigung der sozialen Frage zum Vorwurf machten. Eine besondere soziale Frage, so deklamierte unser Volkstribun, existiere für den Fortschritt nicht. Die soziale Frage sei die Gesamtheit aller Kulturfragen. Eine Partei, an deren Spitze Männer wie Schultze-Delitzsch ständen, habe nicht nötig, ihre sozialen Be- strebungen noch besonders zu betonen.— Man sieht, der heutige Müller-Sagansche und Mugdansche Freisinn, der so beweglich vor einer Ueberstürzung einer Heimarbeiterschutzgesetzgebung warnt, ist nur Geist vom manchesterlichen Geiste Eugen Richters! Es würde zu weit führen, wollten wir alle Ruhmestaten Eugen Richters und der mit seinen Anschauungen sich immer mehr identifizierenden freisinnigen Partei zu einem Kranze flechten. Erwähnt sei nur noch das unrühmliche Verhalten des Freisinns bei der Abstimmung über die Ver- längerung deS Sozialistengesetzes im Jahre 1884. Nicht weniger als 27 Mitglieder der deutsch-freisinnigen Partei stimmten damals für das Schandgesetz! Eugen Richter selbst unterstützte diesen schmählichen Verrat aller liberalen Prinzipien dadurch, daß er seinen Famulus Hermes beauf- kragte, an die abwesenden Abgeordneten der Fraktion zu schreiben, daß sie zur entscheidenden Abstimmung nicht zu kommen brauchten! Je mächtiger die Sozialdemokratie sich entwickelte, desto grimmiger entflammte gegen sie Engen Richters Haß. Bei den großen Sozialistendebatten tummelte er in einer Schlachtreihe mit den Herren Stumm, Stöcker und Bachem seinen Manchester- lichen Klepper gegen die Redner der Partei. Und dteweil das alles nichts half, verfaßte er jene berüchtigten Pamphlete gegen die Sozialdemokratie, die„Jr rlehren der Sozial- d e m 0 k r a t i e" und die„Sozialdemokratischen Z n k u n f t s b i l d e r", die von einer geradezu beispiellosen geschichtlichen und nationalökonomifchen Unwissenheit zeugen. Ballenweise sind diese Schmähschriften von Unternehmern aus- gekauft und an ihre Arbeiter verteilt worden— mit dem Erfolge, daß sich die Stimmenzahl der Sozialdemokratie ins riesenhafte vermehrt hat. So dankbar wtr Eugen Richter für diese unfreiwillige Agitation sind, so dürfen wir es uns doch nicht versagen, zur Charakteristik des verstorbenen Freisinns- führers und seiner Partei wenigstens einige Perlen dieser Schriften auszugraben. In seinen„Irrlehren" widerlegt der Verfasser die auch von jedem bürgerlichen Vulgärökonomen längst unbestrittene Tatsache, daß die kapitalistische Entwickelung die Produktions- mittel zum Monopol der Kapitalistenklasse gemacht hat, fol- gendermaßen: „Das ist unwahr. Die heutige Gesellschaft scheidet sich nicht in ein« Kapitalistenklcsise und in eine Arbeiterklasse. Es gibt sehr wenig Arbeiter, die nicht auch Kapital, d. h. Arbeits- mittel, zum mindesten Wer kz enge. Unterhalts. mittel bis zum Lohntage, besitzen und sehr wenig Kapitalisten. die nicht auch Arbeit verrichten." Den Mehrwert rechtfertigt Eugen Richter wie folgt: „Wer im Besitze von Kapital ist, wird dasselbe entweder zur Unterstützung seiner eigenen Arbeit oder seines eigenen Unternehmens benutzen oder anderen darleihen. In beiden Fällen kann er dafür, daß er das Kapital erspart hat, bezw. wenn es ihm durch Erbschaft oder Schenkung überkommen ist, eine Entschädigung beanspruchen...." So löst Eugen Richter im Handumdrehen in dem schönsten Assessorendeutsch die schwierigsten ökonomischen und sozialen Probleme! Die Erklärung Liebknechts, daß der heutige Staat in den Zukunftsstaat organisch hineinwachse, bekämpfte Herr Eugen Richter folgendermaßen:. „Wenn aber die sozialdemokratische Weltordnnng überhaupt möglich und besser wäre, als die heutige, so müßt« man geradezu fordern, daß sie mit einem Schlage ins Leben trete. Denn das allmähliche UeberganysverhäTtnis tväre gerade das allerverderblichste. Es gewährt solches nicht die berühmten Vorteile der sozialdemokratischen Welt- ordraing und zerstört doch die Grundlagen der gegenwärtigen Ordnung, in dem es jede Unternehmungslust und jedes Interesse an Kopitalerhaltung und Kapitalersparnis untergräbt." Sollen wir gar noch aus dem unsäglichen Schauerroman von der Sparagnes einige Stichproben gebm? Doch wir glauben, es ist genug des grausamen Spiels! Eugen Richter war weder ein politischer Charakter im Sinne der Ziegler und Jacoby, noch ein politisches Genie, sondern nur ein sehr einseitiges Talent. Gleichwohl bedeutet sein Tod einen schmerzlichen Verlust für seine Partei. Nicht deshalb, weil dem volksparteilichen Freisinn nach Richters Scheiden die Gefahr drohe, auf das tote Geleise zu geraten. Das ist unmöglich, da die Politik Eugen Richters längst auf diesem toten Geleise der politischen Sterilität und sozialen Verständnislosigkeit angelangt war. Die ganze Lebensarbeit des Verstorbenen bestand ja nur in dem aussichtslosen Kampf gegen„zwei Fronten", in dem in Kleinlichkeiten sich ver- zettelnden Kampf gegen die Reaktion, und dem zwar um so erbitterteren, aber nicht minder fruchtlosen Ansturm gegen die Sozialdemokratie. Daß eine solche Politik kläglicher Halbheit politischem Selbstmord gleichkommt, ist selbstverständlich. Wer dieser Selbstvernichtungsprozeß des Freisinns vollzieht sich bei der völligen Entnervung unseres liberalen Bürgertums mit und ohne Eugen Richter. Insofern jedoch bedeutet der Tod dieses Mannes einen Verlust für die freisinnige Volkspartei, als diese jetzt keine Persönlichkeit mehr besitzt, die durch Sach- kenntnis und parlamentarische Gewandtheit der Partei die Be- achtung sichert, die sie ihrer politischen Bedeutung nach nicht beanspruchen kann._ politifche CUberficht. Berlin, den 10. März. Musterbetriebe des Deutschen Reiches. Zu Beginn der heutigen Reichstagssitzung widmete der Präsident, Graf Ballestrem, dem verstorbenen Abgeordneten Eugen Richter einen ehrenden Nachruf und konstatierte, daß sich die Abgeordneten zur Ehrung! des Verstorbenen von den Sitzen erhoben hatten. Wie die offizielle Sozialpolitik der Reichsregierung fälschlich als mustergültig gegenüber der Sozialpolitik anderer Staaten angepriesen wird, so ist die Bureaukratie auch bemüht, die Betriebe des Reiches als Musterbetriebe im Blendspiegel offiziöser Darstellung zu zeigen. Des Blendwerks entkleidet. enthüllen sich jedoch sogenannte dienstliche oder geschäftliche Maßnahmen als ebenso schlimme kapitalistische Handlungen, wie in manchem Privatbetriebe. Den„Musterbetrieb" der Reichsdruckerei charakterisierte heute Genosse Fischer-Berlin an einer Reihe von Be schwerden, die teilweise bereits von uns niedriger gchängt und von dem Personal der Reichsdruckerei in ihrem gcwerkschaft- lichen Jachorgan veröffentlicht waren. Fischer monierte, daß dem Direktor der Reichsdruckerei die Anerkennung des für die Buchdrucker geltenden Tarifs verboten worden sei. Außerdeni sei in raffinierter Weise die Arbeitszeit täglich um eine Viertelstunde verlängert worden: L 0 h n- k n a u s e r e i»verde durch die Löhne für Setzer und Faktoren erwiesen und selbst Matzregelungen seien nicht gescheut worden, als eine Bewegung zur Abänderung dieser Verhält- nisse ausbrach. Der Staatssekretär K r a e t k e beobachtete in seiner Antwort eine zwiespältige Haltung: vor der gewerk- schaftlichen Taktik, durch Tarifverträge gleichmäßigere Lohn- �.-..�fältigkeit veranlasste auch die Abgeordneten M a r c 0 u r (Z.) und K 0 p s ch(frs. Vp.). gegen diesen inneren Widerspruch zu opponieren, der die Sozialpolitik der Regierung drastisch illustriert. Auch die übrigen Matznahmen suchte der Staats- fekretär durch beschönigende Darstellung zu rechtfertigen, Ge- ttoffe Fischer zerriß aber rücksichtslos den Schleier, mit dem die Verwaltung die tatsächlichen Verhältnisse zu verdecken suchte. Danach wurde der Etat der Reichsdruckerei bewilligt. Zuni Etat der Reichseisenbahnen vertrat ?lbg. S ch l u m b e r g e r(natl.) eine von ihm gestellte Resolution, die einen Beitrag aus den Betriebsiiberschüssen der Reichseisenbahnezl für das Kleinbahnwesen in Elsaß- Lothringen zu den Zuschußleistungen des Landes fordert. Die Resolution wurde angenommen. � Dann erfolgte die Beratung über den Etat des R e i ch s e i s e u b a h n a m t e s. Genosse Stolle legte dar, daß die Betriebsunsicherheit durch die Ueberlastung der Eise,:- bahnbeamten gefährdet wird und bewies an einer großen Zahl von schädlichen Maßnahmen der Verwaltung, daß auch dieser staatliche Betrieb kein Btusterbetrieb ist. Höhere Tarife, niedere Löhne seien Merkmale dieses„Musterbetriebes". Ter Präsident des Reichseisenbahnamts, Schulz, suchte die An- klagen Stalles zu entkräften. Er irrt aber gründlich in der Annahme, die von den Verwaltungen aufgestellte und wieder- holte� Behauptung, ihre Verwaltung sei eine gute, beseitige die Mißstände, unter denen die Arbeiter der Eisenbahnen und das Publikum leiden. So weit mag der Glaube, aber nicht die Macht der Bureaukratie gehen. Der Abgeordnete Starz(D. Vp.) erteilte zwar der Verwaltring hohes Lob, zieh sie aber auch der Rückständigkeit und Verkehrsfeindlichkeit, wogegen der badische Bundesrats- bevollmächtigte widersprechend replizierte. Dann wurde die Weiterberatung vertagt auf Montag. Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes. Das Herrenhaus überwies am Sonnabend den Gesetz- entwurf betr. die Zulassung einer V e r s ch u l d u n g s- g r e 11 z e für land- oder forstwirtschaftlich genutzte Grundstücke an eine Kommission von 15 Mitgliedern. Es handelt sich im wesentlichen um die Schaffung einer Bestimmung, wonach ein land- oder forstwirtschaftlich genutztes Grundstück, das von ge- wissen öffentlichen Kreditanstalten beliehen werden darf, nicht über die nach der Verfassung der Anstalt zulässige Beleihungs- grenze hinaus mit Hypotheken, Grund- oder Rentenschulden oder mit beständigen oder für eine bestimmte Zeit zu ent- richtenden festen Geldrenten belastet werden darf, wenn diese Beschränkung im Grundbuche eingetragen ist. Darüber, ob die Vorlage ihren Zweck der Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes erreicht, gehen die Ansichten aus- einander. Der Landwirtschaftsminister v. Podbielski scheint selbst nicht recht an die Wirkung seines Heilmittels zu glauben, und der frühere Oberlandesgerichtspräsident von Köln. Dr. Hamm� bezeichnete die Vorlage direkt als einen Versuch mit völlig untauglichen Mitteln. Nun, es wäre nicht der erste Versuch, den die preußische Regierung mit untaug- lichen Mitteln unternimmt. Den Agrariern, die am liebsten die Tilgung ihrer Schulden durch Mittel der Allgemeinheit sähen, geht natürlich der Entwurf nicht weit genug, und sie ließen sich die Gelegenheit nicht entgehe», durch ihren Redner, Herrn von Buckp gehörig auf die Regierung einzuhauen, die der Landwirtschaft so wenig bietet, auf der anderen Seite aber durch ihre Zustimmung zur Reichserbschaftssteuer die Bcr- inögcnskonst'skation an der Landwirtschaft vornehmen helfe. Wie kann aber auch die preußische Regierung es wagen, ihren prinzipiellen Widerstand gegen eine Reichserbschaftssteuer im Bundesrat fallen zu lassen, nachdem erst kurz vorher das vor- nehmste Parlament der Welt, das preußische Herrenhaus, in dem die„geborenen" Gesetzgeber ihre segensreiche Tätigkeit ausüben, sich in einer Resolution dagegen ausgesprochen hat! Wie soll der Staat weiter bestehell, wie soll die Monarchie erhalten bleiben, wenn die Regierung es'wagt, sich gegen den Willen der„Edelsten der Nation" aufzulehnen! Nach Erledigung einiger weiterer unbedeutender Vor- lagen, Denkschriften und Petitionen vertagte sich das Haus. Die nächste Sitzung, in der der Etat beraten werden soll, findet am 27. März statt._ Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhaus beriet am Sonnabend diejenigen Positionen des Etats der Eisenbahnverwaltung, die sich auf die Beamten und Arbeiter beziehen. Wohl wurde von ver- schiedenen Rednern die Besserstellung dieser oder jener Be- amtenkategorie angeregt, aber zu einer grundsätzlichen Er- örterung der Sozialpolitik der Eisenbahnverwaltung konnte sich niemand aufraffen. Und doch wäre eine solche Ausein- andersetzung dringend nötig im Interesse der Arbeiter und Unterbeamten, die— wie wir wiederholt an der Hand amt- lichen Materials nachgewiesen haben— immer mehr zu Staatssklaven gemacht werden. Allerdings, Jfevpr nicht wirkliche Vertreter der Arbeiterklasse, bevor nicht Sozialdemokraten im Landtag sitzen, dürfte an eine derartige Diskussion wohl kaum zu denken sein. Am Montag wird das Extraordinarium des Eisenbahn- etats beraten.__ Die Agrarier und die Reichscinkommensteuer. Außer in den Hansestädten stößt die Flottenpolitik nirgends auf ein so inniges Verständnis, als in den Kreisen der rheinisch- westfälischen Eisen- und Maschineniudustriellen. Das ist begreiflich. denn diese Industriellen liefern größtenteils die Materialien zum Schiffsbau und zweitens sehnen sie sich nach einer Ausdehnung der überseeischen Absatzgebiete und der deutschen Kolonien. Kaum irgend ein anderes deutsches Blatt betreibt denn auch die Propaganda für die Flottenbermehrung mit einem solchen Hochdruck wie die.Rhein.- Wests. Ztg." Diesem Streben kommt eine vom Studien- direktor der Kölner Handelshochschule Professor Dr. Eckert verfaßte Schrift entgegen, in welcher dieser aus Grund von Umfragen bei einer Reihe industrieller Unternehmungen zu dem Ergebnis gelangt, daß die gesamte Wertziffer der Uebersee- Haudelsinteressen sich jährlich für den rheinisch-westfälischen Industrie- bezirk aus über eine Milliarde Mark beläuft. Die national- liberale und offiziöse Presse ist über diesen höchst oberflächlichen „Nachweis" höchst entzückt. Die„Nordd. Allg. Ztg." bringt sogar in ihrer letzten Nunnner aus dem Eckertschen Opus einen langen AuS- zug. Weniger zufrieden ist damit die agrarische Presse. Die„Deutsche Tagesztg." z. B. schreibt: „Diese ganzen Berechnungen sollen natürlich dem Zwecke der Stimmungmache für die Vergrößerung unserer maritimen Wehr- kraft dienen. Das Interesse an einer solchen ist tatsächlich in diesen Jndustriebezirken Rheinland-WestsalenS bei Unter« nehmern und Arbeitern besonders groß, darin pflichten wir dem liberalen Blatte und seinem Gewährsmann vollkommen bei. Um so mehr aber müssen wir eS beklagen, daß man dieser Sachlage bei Aufstellung der neuen Reichssteuervorlagen sogar keine Rechnung getragen hat. Trotzdem dieselben zu einem recht großen Teile zur Deckung der gesteigerten Anforderungen für unsere Marine bestimmt sind, ist unter allen bisher in Aus- ficht genommenen neuen R e i ch s st e u e r n keine einzige, welche die rhei nisch-we st fälische Groß- indüstrie in einer der Größe ihrer Uebersee« und Marineinteressen auch nur einigermaßen entsprechenden Weise mit heranziehen ivürde.... Anders, besser ausgleichend würde in dieser Beziehung— Heranziehung der großen Mariiieinteressentcn in Welthandel und Exportindustrie zu den Flottenbaukosten— eine Reichscinkommen- stcuer gewirkt haben." Wir sind ausnahmsweise ganz mit dem Oertelschcn Blatt ein- verstanden und akzeptieren seinen Vorschlag der Einführung einer ReichSeinkommcnstener. Aber weshalb haben denn die Herren Agrarier in der Steuerkommission des Reichstages nicht für den Antrag der sozialdemokratischen Vertreter, eine Rcichöeinkommeu- steuer einzuführen. gestimmt? Entweder ist der Vorschlag des JntelligenzblatteS der Laudbiiudler nicht ernst gemeint und ent- springt nur dem feudalen Bedürfnis, sich an den reichen rheinischen Großindustriellen zu reiben oder aber die Vertreter der deutsch- konservativen Fraktion in der Steuerlommission sind komplette Idioten, die nicht verstehen, die Interessen der Landbündler ivahr- zunehmen. Es steht der„Deutschen Tageszeitung" frei, zwischen diesen Alternativen zu wählen.— veutfckes(leid). Von AgrariaS Gnaden! Herrn v. Podbielskis Ministersessel wackelte vor einigen Wochen recht bedenklich, so daß Preußens große landwirtschaftliche Kapazität selbst ernstlich mit einen Rücktritt rechnete; durch den Einfluß agrarischer Freunde gelang es aber, die Position des Herrn Land- Wirtschaftsministers zu stützen. Dafür verlangen aber die Herren Agrarier ihren Dank; und da, wie verlautet, jüngst Herr v. Podbielski sich für die Zulassung der Einfuhr von Schweinen aus Holland und Dänemark ausgesprochen haben soll, droht ihm die„Deutsche Tagesztg." mit dem Entzug des Wohlwollens der agrarischen Machthaber. Sie schreibt: „Wir müssen aber ganz besonders deshalb an einer der- artigen Absicht des Laudwirtschafisministers zweifeln, weit eine auch nur teilweise oder zeitweise Oeffnung der Grenzen dem bis- her von ihm eingenommenen und mit Lebhaftigkeit vertretenen, durchaus gerechtfertigten Standpunkte widersprechen würde. Mit einer solchen Matzregel würde er sich auf eine schiefe Bahn be- geben, auf der ein Halten nicht mehr möglich wäre. Die Ver- bältnisse, die uns zu den Bestimmungen gegen die Einschleppung von Seuchen zwangen, dauern heute unverändert fort. Wollte sich der Landwirtschaftsminister trotz der Andauer dieser Ver- Hältnisse zur Abschwächung der Schutzbestimmung entschließen, so müßte er den Verdacht wecken, daß auch früher die Bestiinmungen nicht unbedingt nötig gewesen seien. Er würde sich also in einer höchst bedenklichen Weise selbst desavouieren, und das würde nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für seine eigene Position gefährlich sein." Für das Verhältnis der dicken Exzellenz zu den agrarischen Wortführern ist diese Drohung mit der Gefährdung der„eigenen Position" höchst charakteristisch.— Ein hochkomischcr Ehrenkonflikt. Kürzlich erst kriselte es im Verein für die bergbaulichen Interessen des Dortmunder Oberbergamtsbezirks und nun ist auch im Bochumer Allgemeinen Knappschastsverein bitterer Hader zwischen seinen Leitern ausgebrochen. Nach der Dienstanweisung unterstchen die Direktoren des Knappschaftsvereins der Beaufsichtigung durch den Vorsitzenden, der nötigenfalls Weisungen, Mahnungen und Rügen erteilen darf. Infolge verschiedener Verstöße gegen die übliche Ordnung erließ der Vorsitzende, Bergrat Ludwig, an den Direktor Dr. Bäinncr eine schrift- likbe Ermahnung zu größerer Pünktlichkeit, die dieser in scharfem Tone beantwortete. In einem Erwiderungsschrcibcn hierauf brauchte der Vorsitzende den Ausdruck„ungehörig". Dr. Bäumer fühlte sich beleidigt. Da beide Reserveoffiziere sind, kam die Angelegenheit vor den Ehrenrat. Trotz der von Bcrgrat Ludwig abgegebenen Er- klärung, daß ihm die Absicht einer Beleidigung fern gelegen und er nur als Vorgesetzter Dr. BäumerS seine Pflicht getan habe, stellte ich der Ehrenrat auf den Standpunkt Dr. BäumerS, der erklärte, daß er Bcrgrat Ludwig nicht als seinen Vorgesetzten anerkenne, da nach dem Statut des Vereins auch ein Arbeiter Vorsitzender des Knappschaftsvorstandes werden könne, und einen Arbeiter könne er unmöglich als Vorgesetzten betrachten. Bergrat Ludwig wurde eine Forderung auf Pistolen überbracht: er lehnte aber jede Unterhand- lung in dieser Angelegenheit ab. Da alle Versuche einer Beilegung des Zwistes scheiterten, hat sich, wie bürgerliche Blätter melden, der bergamtliche Kommissar veranlaßt gesehen, daS Einschreiten des OberbergamtS in Aussicht zu stellen. Die Sache ist hochkomisch. Vielleicht greift Herr Ludwig jedoch noch zur Pistole, um durch einige Schüsse auf die edleren Körperteile des Herrn Dr. Bäumer. wozu deffen Kopf kaum gehören dürste, die ramponierte Ehre des Herrn Direktors wiederherzustellen. Bester als durch solche lächerlichen Ehrenhändel kann die Lächerlichkeit der Duellfexerei gar nicht demonstriert werden.— Vom militärischen Strafvollzug. Stuttgart, 8. März.(Eig. Ber.) Im„Vorwärts" vom 12. Oktober 190S berichteten wir an der Hand eines Artikels der„Ulmer Zeitung" über einen mit außer- gewöhnlichen körperlichen Schädigungen des betreffenden verbunden gewesenen Fall von Behandlung eines Straf- gefangenen im Festungsgefängnis von Ulm. Nach der damals gegebenen Schilderung wurde ein nach den Aussagen eines Feldwebels kräftiger und gut genährter Mann, der 4 Monate Gefängnis wegen Fahnenflucht zu verbüßen hatte, nach seiner Ent- lassung wieder in die Kompagnie eingestellt, von seinem Hauptmann aber sofort in die Revierkrankenstube geschickt, da er so schlapp sei, daß nichts mit ihm anzufangen wäre. Bei der Untersuchung sah man dort„ein Skelett vor sich zittern, das lebhast an die bekannten Bilder von der Hungersnot in Indien erinnert". Die Augenhöhlen waren hohl und tief, die Wangen eingefallen, die Haut hing wie ein weiter Sack über dem Skelett und ließ sich in Falten abheben. Die Wirbelsäule war S-förmig nach den Seiten gekrümmt und schien jeden Augenblick einzuknicken. Der ganze Mann befand sich fortwährend in taumelnder Bewegung und heulte in einer Weise, wie man cS oft in Erschöpfungs« zuständen findet. Der Darm konnte n o r ni a l e Mengen von Speisen überhaupt nicht mehr vertragen, die erhaltene Nahrung ging unausgesetzt in zehn bis zwölf Stühlen täglich ab. Nur durch reichliches Opiumgeben war zu erreichen, daß der Mann etwas bei sich behielt. Diesen tatsächlichen Darstellungen waren Betrachtungen augefügt des Inhalts, daß bei der mangelhaften Bildung, der herrschenden Schematisierung und Rücksichtö- losi gleit, die in den militärischen Gefängnissen herrsche und herrschen müsse, damit die Zufriedenheit der Vorgesetzten nicht verlorengehe, eS nicht anders möglich sei, als daß ein Mann daS Gefängnis in moralisch schlechtem Zustande verläßt, namentlich Weimer, wie im vorliegenden Falle, auch körperlich ruiniert worden sei. Die Folge dieses Artikels war die Einleitung einer Untersuchung, bei der fich ergab, daß der Artikel vom UnterarztDr. Knödler von der 7. Kompagnie des 120. Infanterie- Regiments verfaßt war, der einigemal im Gefängnis Revierdieust gehabt hatte. Es wurde daher gegen ihn die Anklage wegen Beleidigung des Gefängnis- Vorstehers und seiner Untergebenen sowie wegen Verächtlichmachung von Staatseiiirichtniigen erhoben, die nunmehr vor dem Kriegsgericht in Ulm verhandelt worden ist. Leider ist der Bericht, der über diese Verhandlung, welche einen ganzen Tag in Anspruch nahm, aus Ulm gegeben wird, nur sehr mangelhaft und läßt über das Ergebnis der Beweisaufnahme keine endgültigen Schlüsse zu. Es heißt darin, daß die gegen die Ge- fänguiSverlvalUmg erhobenen Vorwürfe„nicht stichhaltig waren und daß der in Frage kommende Grenadier durch Diätfehler nach seiner Entlassung auS dem Gefängnis seinen Zu st and, der im Artikel arg über- trieben geschildert wurde, s e l b st verschuldet hat". DaS ist eine ganz eigentümliche Darstellung. Augenscheinlich soll damit gesagt sein, daß der Grenadier nach der Entlastung aus dem Gefängnis einen alkoholischen Exzeß begangen hat, der auf Magen und Darm un- günstig einwirken mußte. Das kann richtig sein; niemals aber kann ein solcher Exzeß derartige Körperzustäude zur Folge haben, wie sie in dem inkriminierten Artikel geschildert sind. Noch seltsamer als dieses sogenannte Ergebnis der Beweis- aufnähme ist folgende Stelle des Berichts über die Verhandlung: „Man nahm an, daß Dr. Knödler vom Militärdienst habe loskommen wollen, und da er als Studierender der Kaiser Wilhelms-Akademie in Berlin die Ver- Pflicht ung hatte, als Acquivalcnt für das kosten- lose Studium 6'/z Jahre im aktiven militärärztlichen Dienst zu bleiben, so sei ihm zur Erreichung seines Zweckes nur ein ungewöhnliches Mittel geeignet erschienen." Wenn es wahr ist, daß den Dr. Knödler bei seiner Veröffent- lichung so niedrige Motive geleitet und er sich zur Erreichung seines Zieles eine für die Militärverwaltung so gravierende Darstellung aus den Fingern gesogen hat, dann muß die über- ans milde Strafe, der Dr. Knödler verfiel, das größte Staunen erregen. Es wurde lediglich auf zwei Monate Festungshaft gegen ihn erkannt. Die geringe Strafe erweckt den Anschein, daß der Artikel doch nicht so ganz auf freier Erfindung beruht haben kann.— Die sächsischen Agrarier gegen die Wahlrechtsreform. Am Freitag abend tagte in Dresden eine Landesversammlung des Bundes der Landwirte, die sich auf einen speziellen Wunsch von„hochgeschätzter Seite" auch mit der Wahlrechts- frage beschäftigte. Viel Zeit hatten die Agrarier für die unbequeme Frage nicht. Nur wenig inhaltslose Worte wurden gewechselt. Man nahm eine bereits vorher fertiggestellte N e- solution einstimmig an. durch welche an die sächsische Re- g i e r u u g die Bitte gerichtet wird, sie solle sich durch die sozial- demokratischen Wahwereine zu keiner Uebereilung in der Wahlrechtsreform drängen lassen. Diese agrarische Jnteressenklique, die hier mit Eifer die Ver- schleppung der Wahlrechtsreform befürwortet, herrscht jetzt im sächsi- schcn Landtage. Ihr ist es zuzuschreiben, daß eine so einseitige agrarische Politik in einem so ausgesprochenen I n- diistrielande wie Sachsen möglich ist. Die BerschleppungS- Sestrebungen der Agrarier sind daher verständlich. Angesichts der mächtigen Wahlrechtsdemonstrationen wagen sie eS aber nicht, ihre wahlrechisfeindlichen Absichten hervorzukehren. Sie halten es für angebrachter, fich aufs Verschleppen der Wahlrechtsstage zu legen.— Zur Diätenfrage. Die„Köln. VolkSzcitung" brachte jüngst aus parlamentarischen Kreisen die Nachricht, daß die Gewährung von Anwesenheitsgeldern neuerdings auf Schwierigkeiten stoße und kaum mehr vor Schluß der Session zu erwarten sei, so daß ihre Wirkung erst mit Beginn der nächsten Reichstagssession eintreten würde. Wie die„Nordd. Allgem. Ztg." erklärt, ist diese Auffassung unzutreffend. Die Vorbereitungen zur Regelung der Diätcufrage seien so ge- troffen, daß die Wirkung sich noch in der laufenden Session geltend machen könne.— Dir Kriegervereinler wollen sich sogenannten„humanen" Auf- gaben widmen, allerdings höchst eigener Art. Wie bürgerliche Blätter melden, wollen sie einen Fonds zur lluterstützung.der Opfer des sozialdemokratischen TcrrorismuS gründen. Er soll in erster Linie Kameraden zugute kommen, die in- folge ihrer patriotischen, königstreuen oder religiösen Gesinnung von Sozialdemokraten aus der Arbeit gedrängt und beschäftigungslos geworden sind. Der Groß- Lichterfelder Kriegerverein„Hauptkadettcuaiistalt" wird als erster in seiner am 3l. d. M. stattfindenden Hauptversammlung zu diesem Vorschlage Stellung nehmen. Wenn der Fonds Gelegenheit zum Festefeiern und massenweiser Bicrvertilgung bietet, mag vielleicht etwas aus der Sache werden, sonst schwerlich.— HueUnd. Ungarn. Reinliche Scheidung. Die Nemesis hat die Koalition endlich doch erreicht, indem der Exministerpräsident Baron Banffy aus dem Verbände der vereinigten Opposition geschieden ist. Die stets so hock, gepriesene KoalitionSeinheit geht diesem Umstände zufolge selbstverständlich zur Neige, waS für Ungarn momentan nmsomchr erwünscht ist, als durch das überraschende Verschwinden dieser Geniegroß-Akticnqescll- schaft der privilegierten„Pairiotcn", die stets für persönliche Jntcr- essen und niemals für die des Landes gehandelt haben, eine neue Epoche inS Leben treten dürste, welche dem siegreichen Vordringen der Volksrechte, hauptsächlich aber dem allgemeinen Wahlrechte nicht mehr Schwierigkeiten in den Weg zu legen imstande sein wird. Die Folgen dieses unerwarteten KoalitivuskonflikleS sind nicht nur für unsere ungarischen Genossen, sondern gleichzeitig auch für die internationale Sozialdemokratie von besonders großer Wichtig- keit. Denn wir lernen daraus, daß bürgerliche Parteien, welche mit einander nur deshalb ein Bündnis schließen, damit sie vereint ein korruptes Klassenshstem vernichten, in dem Moment, wo sie zur Macht gelangen und das gegebene Programm aus kleinlichen Gründen nicht einhalten, die Früchte ihres Tuns nicht ernten können, so lange sie die Psorten des Parlaments nicht auch dem Volle öffnen. BanffyS Austritt ist unbedingr von großer Bedeutung, die aber weniger seiner Person gebührt als eben den G r ü n d e n. welche ihn dazu bewogen haben. Als gewesener Ministerpräsident kann B a n s f y nichts Rühmliches aufweisen. Im Gegenteil— soviel unnützes Bürgerblut wurde in Ungarn niemals vergossen als eben zur Zeit, da Banffy am Ruder war. Sein Regicrungsprogramm war kurz und bündig: Dem bereits mächtigen Liberalismus eine noch bedeutendere Stärke zu verleihen. Um die« zu erreichen, hat er bei den Wahlen keine Geivaltmittel gescheut. Die Opposition erlitt eine unerwartete Niederlage. Den Sozialismus wollte er gründlich ausrotten. Demzufolge konnten die Gefängnisse Ungarns die horrende Zahl unserer ver- hasteten Genossen kaum fassen. Und die Arbeiterpresse wurde fast immer sofort nach den. Erscheinen des ersten Exemplars konfisziert I Die„NepSzava" in Budapest und der„Volkswille"'in Temesvar hatten infolgedessen mehr leere Spalten aufzuweisen— als bedruckte. Das System der Nacht-Staarsanwälie bewährte sich trefflich. Hohe Strafgelder wurden über die Arbeiterpresse verhängt uiw. Gegen diese illoyalen Maßregeln erhob damals im Parlamente sogar die sogenannte Opposition keine Einwendung. War doch von nichts anderem die Rede als von der„Ausrottung der Sozialdemokratie" l S)te �ppoUllon führte allerdings einen langanhaltcnden Kampf gegen Banffy. der jedoch bloß seiner Person galt. Und er wurde auch gestürzt I Ihm folgte das Regime Szell. Obwohl dieser in seinem Programm betonte, daß er„Recht, Gesetz und Gerechtigkeit" ausüben wolle, blieb dennoch alles beim alten I Dieser Umstand hat den Gewaltspolitiker Banffy zu einem schlauen Politiker umge- inodelt. In seiner Znriickgezogenheit schuf er nämlich ein neüeS Programm, das großes Aussehe» erregte. Da er aber dem Par- lamente nicht angehörte, war er gezwungen, für sein Programm vorerst in einem kleinen Teil der Presse Propaganda zu machen. Ein Zufall wollte es jedoch, daß er inzwischen bei einer Ersatzwahl in Szegedin zum Abgeordneten gewählt wurde. Sein Erscheinen im Hause wurde allgemein sympathisch aufgenommen. Er bildete in seiner Person den Führer und die Mitgliedschaft seiner „Neuen Partei" I Ein jeder ivar aber davon überzeugt, daß Banffy nunmehr Buße tun wollte für all' jene Gesetzwidrigkeiten, welche er als rechter Despot begangen hatte. Und das war richtig! Denn keine bürgerliche politische Partei in Ungarn ist heule für die Volksrechte derart eingenommen— als eben die des Banffy! Vom ersten Momente, daß er neuerdings als Politiker aufgetaucht ist, entpuppte er sich als ein V o l k s f r e u n d! Er ist cnt- schiedener Anhänger des allgeniciuen Wahlrechtes, obwohl er allerdings für das Knrienshstem eine Lanze bricht. Da er aber in seinem Rechenschaftsbericht an seine Wähler besonders betont, daß die derzeitige traurige Lage des Landes nur auf Basis seines Pro- gramms saniert werden könnte, so darf man annehmen, daß im gegebenen Falle Banffy mindestens so viel bieten würde, als die illegale Regierung Fejevarys geboten hat. Wie bereits erwähnt, wirkte der Austritt Banffys auf das Ge- müt der Koalitionshelden zerschmetternd. Ihre Presse ist rein außer Rand und Band geraten. Banffy ist bei ihnen heute eben ein solcher „Landesverräter" und„vaterlandsloser Geselle", wie die Führer der Sozialdemokratie. Aus dem langen Schreiben Banffys an Franz Koffuth erfahren wir so manches Interessante, was die Koalitionsbande ver- heimlicht hat. Dies bezieht sich hauptsächlich auf das allgemeine Wahlrecht. Banffy'weist darauf hin, daß anläßlich einer Koalitions- konferenz eine gewisse Vereinbarung getroffen wurde, welche geeignet gewesen wäre, die Wünsche der Sozialdemokratie bezüglich des allgemeinen Wahlrechtes im Interesse der nationalen Forderungen zu be- rücksichtigen. Diese Vereinbarung wurde dann aber nicht verwirklicht! Die Mitteilung über diese Konferenz liefert den eklatanten Beweis, daß die Koalition ihre volksfeindliche Gesinnung um keinen Preis auf- geben wollte. Wenn Banffy für die Zukunft dem gewissenlosen Schalten und Walten der Koalitionshorde seine Mitwirkung versagt hat, so hat er damit nur vernünftig gehandelt. Unbedingt wäre er aber noch beffer gefahren, wenn er gleich nach der oben erwähnten Konferenz ausgeschieden wäre; denn dann hätte nicht nur das „Volk", sondern die ganze„Nation" noch früher erfahren, daß die Koalition im Grunde nichts anderes gewollt hat und ihren hart- näckigen Kampf nur um deswillen geführt hat: ihre Gewissenlosigkeit zu verhüllen!— Frankreich. Die Ministerkrise. Paris, 9. März. sEig. Bcr.) S a r r i e n, der Führer der Radikalen, ist zur Bildung des neuen Ministeriums ausersehen worden. Ob ihm die Konstituierung gelingt, ist noch nicht sicher, aber das eine steht fest, daß die kommende Regierung eine» ausgeprägten linksrepublikanischen Charakter haben wird. Die Ministerpräsidentschast Millerands, die von aufgeregten und türhorchenden bürgerlichen Journalisten schon angekündigt wurde, darf als abgetan gelten. Es wäre in der Tat der Gipfel aller Konfusion gewesen, nach einer Kammersitzung, die die republikanischen Parteien im Verlangen nach einer vom klerikalen Terrorismus unberührten Durchführung des Trennung?- gesetz vereinigt hatte, just den Politiker zum Chef der Regierung zu machen, der dem antiklerikalen Ministerium CombeS in den Rücken gefallen war. Die Geschicklichkeit MillerandS bei der Ausarbeitung der Altersversicherung hat vielleicht die Entrüstung der äußersten Linien gegen ihn abgeschlvächt, doch ihr Vertrauensmann wird er nie mehr werden. DaS neue Ministerium mutz aber gerade vor allem das V e r t r a u e n der Linken haben, eben darum, weil eS zunächst nicht zu entscheidenden, seine Parteistellung ausdrückenden Taten berufen sein wird. Einer solchen Regierung werden die radikalen Parteien manches als durch die Umstände gerechtfertigten Auffchub zubilligen, waS sie einem von der Rechten gestützten Ministerium als stille Begünstigung der Klerikalen anrechnen würden. D o u m e r allerdings hat Herrn Millerand als Kabinettschef vorgeschlagen. Die letzten Kammer- ereignisse begründen indes in keiner Hinsicht einen Systemwechsel, der ein paar Wochen nach der Wahl Fallisres zum Präsidenten der Republik den Bundesgenossen seines Gegners zum Chef der Regierung machen würde. Millerand ist Doumers und Doumer ist der Schiitzling der Rechten. Der Sieger der letzten Kammersitzung aber war nicht die Rechte, trotzdem sie durch ihren Anschluß an die äußerste Linke den Sturz des Kabinetts herbeigeführt hat. Der beschlossene Anschlag der vier Reden Briands, Lemires, Dubiefs und Ribots, die bei all der Verschiedenheit ihrer Gesichtspunkte doch in der Erklärung über- einstimmten, daß das Trennungsgesetz den Katholiken die un- geschmälerte Freiheit der Religionsübung gewähre, verkündigt den Willen der Kammer, das Gesetz durchzuführen. Wie sollte nun ein Ministerium möglich sein, das von der Unterstützung der Todfeinde dieses Gesetzes sein Leben fristen müßte? Der„Temps" meint heute, die Ereignisse hätten gelehrt, wie un- politisch das Gesetz gewesen sei. Aber es ist eine dreiste Un- Wahrheit, zu behaupten, das Gesetz selbst hätte die Auf- regung der Landbevölkerung hervorgerufen. Die Schleifung der Klöster und der Ordensschulcn unter Waldeck- Rousseau und CombeS griffen doch weit tiefer in das praktisch- religiöse Leben der Provinz ein als die Kirchen- inventur, und dennoch war der Widerstand damals ganz unbeträcht- lich. Ohne die Nähe der Wahlen, die die monarchistischen Führer auf ihre schamlose Lügenagition verfallen ließ, wäre alles ganz ruhig verlaufen. Nun aber ist freilich den antirepublikanischen Auf- standspredigern der Kamm geschwollen, und eS ist fraglich, ob selbst der vom„Temps" vorgebrachte sehr kluge Vorschlag helfen würde. Danach nämlich sollen die Inventuren dort, wo sie auf Widerstand stoßen, ausgesetzt werden! Die Uebergabe der Kirchengüter an die Kultusassoziationen soll nur dann erfolgen, wenn die Assoziationen innerhalb eines Monats nach ihrer gesetzlichen Konstituierung selbst um die Vornahme der Inventur ersuchen. Da dann die Wahlen vor- über sein werden, dürfte der Kampfeseifer vieler Klerikalen beträcht- lich nachgelassen haben. Aber es ist nicht unmöglich, daß gerade dort, wo die Widerstandsbewegung am meisten den Charakter des bewaffneten Aufstandes angenomnien hat, die Katholiken die Assoziationen überhaupt nicht konstituieren und die Kirchen ohne Erfüllung der Gesetzesbestimmungen benutzen! Die Priester, die dann um ihre Pensionen kommen, werden sicher keinen Geschmack an dieser vom Standpunkt der Religionsübung doch durch- auö sinnlosen Taktik finden. In einer inventurierten Kirche läßt sich ebenso beten und predigen wie in einer nichtinventurierten. und die Aufzeichnung des Kirchcngutes wäre beträchtlich nur von Vorteil für das Kirchenvcrmögen. auö dem besonders an Kunstiverkcn früher nicht wenig entwendet worden ist. Schlaue Patronatshcrren haben ungebildeten Dorspfarrern oft kostbare Bilder und Stickereien um geringe Summen abgeschwindelt. Aber eine Revolte hat eben ihre eigene Logik. In dein Ausbruch der Leidenschaften auf dem Lande wirken alle möglichen Molivc mit: der uralte Haß der Bauern gegen den Städter, der instinktive Verdacht gegen die Politiker, törichte Vorurteile und wüster Aberglauben— lauter Elemente, gegen die man mit sachlicher Argumentation allein nicht auf- koinmeil kann. Aber andererseits darf man nicht übersehen, daß die klerikalen Gewaltpolitiker die Abneigung aller nicht gänglich verpfafften Gegenden wider sich eriveckt haben. Gerade die kleinen Besitzer, die bei den Wahlen den Ausschlag geben, Ivollen die Ordnung im Lande schon um der Rentenkurse willen nicht gestört sehen. Und dann wirkt auch die von der Revolution her überlieferte Abneigung gegen den Regionalismus, gegen die Eigenmächtigkeiten eines einzelnen Gebiets mit. Schon haben sich, namentlich auf Seite der Nationalisten. Stimmen vernehmen lassen, daß der Sturz Rouviers doch ein Fehler gewesen sei. In der Tat, vorläufig ließ sich für die Klerikalen nichts Besseres erhoffen, als ihnen die Zweideutigkeit Rouviers geben konnte. Und wenn auch das kommende Ministerum in der An- Wendung des TrennungsgesetzcS vielleicht eine vorsichtigere Taktik einschlagen wird als Rouvier, so wird doch die Tatsache, daß das neue Ministerium die Wahlen durchführen wird, gerade den Pro- gessisten, die gegen Rouvier entschieden haben, unangenehm fühlbar werden.— Italien. Wir meldeten gestern in einer Privatdcpesche, daß die sozial- demokratische Fraktion der italienischen Kammer im Gegensatz zu den Beschlüssen des Parteitages und des Parteivorstandes einstimmig einen Autrag Ferri annahm, der zwar prinzipiell dem bürger- lichen Kabinett ein Vertrauensvotum verweigert, aber diesmal für Sonnino zu stimmen beschließt, damit die Rückkehr einer pseudo- liberalen Regierung verhindert werde. Das bedeutet: die Fraktion hält Sonnino für e h r l i ch- liberal. Sieht man sich daraufhin die Rede an, die er vergangenen Donnerstag in der Deputtertenkammer hielt, so verlohnt cS sich, ein paar Stellen aus derselben zu zitieren. Er sagte u. a.: „... Unsere auslvärtige Politik wird in der allgemeinen Richtung fortgesetzt werden, die die Zustimmung der großen Mehr- heit des Landes hat. Herzlich treu dem Dreibunde iverden wir die traditionelle Intimität mit England und aufrichtige Freund- schaft mit Frankreich aufrecht erhalten und eine Politik fortsetzen, die auf die. Harmonie der internationalen Beziehungen sorgsam bedacht ist und uns gestattet, im Konzert der Völker für die Eintracht und den Frieden zu wirken.... Die Regierung beabsichtigt, den zur Zeit dringendsten Bedürfnissen gerecht zu werden, aber innerhalb der durch die Lage des Budgets gezogenen Grenzen; denn das Gleichgewicht des Budgets darf nach so vielen gebrachten Opfern nicht gestört werden. Die Regierung will für jetzt jede Frage außer Betracht lassen, deren Lösung zu einer Trennung unter den politischen Kräften führen könnte. Die Re- gierung versichert, daß sie von voller Aufrichtigkeit, von Gerechtig- keit und weitgehender Duldsamkeit beseelt ist." So hübsch sich das alles anhört, so muß man doch sagen: Genau das Gleiche haben schon deutsche, französische, englische und was für Minister sonst noch gesagt, ohne daß in allen Fällen etwas ehrlich Gescheidtes dahinter steckte.— llebrigenS ist es doch merk- würdig, daß bei so glänzenden Aussichten, wie sie Sonnino ausmalt, der Kammerpräsident Marcora den Augenblick für passend hielt, sein Amt niederzulegen— und daß er auf seinem Entschlüsse bestand, trotzdem Sonnino das HauS flehentlich bat, die Demission Marcoras nicht anzunehmen! Gestern sSonnabcnd) wurde an Stelle Marcoras B i a n ch e r i mit 225 Stimmen gewählt.(77 Zettel waren unbeschrieben I) England. Gesetzlicher Schutz gegen Streikbrecher. Wie aus London vom 9. März gemeldet wird, beabsichtigt die Arbeiterpartei einen Gesetzentwurf einzubringen, durch den ausländischen Arbeitern die Landung in England untersagt werden soll, wenn sie zum Ersätze streikender.Arbeiter eintreten wollen!— Finnland. „Allgemeines Wahlrecht für beide Geschlechter." Der Senat beendete am Dienstag die Beratung betreffend die neue Landtagsverfassung und das allgemeine Stimmrecht für Finn- land. Danach wird das aktive und passive Wahlrecht alle» Staats- angchörigen beider Geschlechter erteilt, die 2� Lebensjahre vollendet haben.— Der Ausschuß zur Vorbereitung eines vorläufigen Ent- wurfs der Reorganisation der Volksvertretung hatte 21 Jahre als Altersgrenze vorgeschlagen. Das Wahlrecht besitzt nicht, wer Armen- Unterstützung genießt,>ver nicht in den Steuerlisten steht und wer insolvent ist.— Amerika. In Südamerika sind wieder einige kleine Revolutionen an der Tagesordnung: In Kolumbia besteht eine Bewegung gegen den Präsidenten Rehes. Eine Verschwörung in Bogota wurde entdeckt; vier Männer sind erschossen und neun ins Gefängnis gesteckt worden. In Uruguay ist eine Revolution gegen den Präsidenten Ordoncz ausgebrochen. Masscnverhaftungen wurden vorgenommen.— In Montevideo ist der Nationalistenklub, das Hauptquartier der revolutionären Partei, von der Regierung gc- schloffen worden. In Argentinien bestehen fortgesetzt Arbeitsunruhcn. Die Gewerkschaftsbewegung ist dort eine rege, und neuerdings hat sich eine Vereinigung von Unternehmern gebildet, die ein Kapital von 200 000 Mark aufgebracht hat zu dem ausgesprochenen Zweck, die Arbeiterverbände und ihren Einfluß zu bekämpfen!— Eine allgemeine Bewegung unter den südamerikanischen Re- publiken ist im Gange, um bei der kommenden panamerikanischen Konferenz gegen den überwiegenden Einfluß der Vereinigten Staaten Front zu machen. Argentinien, Venezuela und Ko- lumbia stehen an der Spitze der Bewegung und versuchen vor allen Dingen, Brasilien auf ihre Seite zu ziehen. Die Amerikaner glauben, daß europäische Mächte ihre Hand dabei im Spiele haben und die Einigkeit zwischen Nord- und Südamerika zu hindern suchen.- Em der Partei. Zur rechten Zeit! Die„Leipziger Volkszeitimg" forderte durch einen Artikel vom 2. d. M. die Vertreter der herrschenden Gesellschaft zu einer gewissen Vorsicht heraus, indem sie rund heraus erklärte, sie wolle„die herrschenden Klassen zwingen, die Namen ihrer eigenen Historiker an den Galgen zu schlagen". Am 3. begann sie dann ihre„Zwangsmaßnahme" mit dem Abdruck eiucs Artikels auS von Treitschke„Zehn Jahre deutscher Kämpfe". Und nun apportiert schon ein amtliches Blatt der königl. sächsischen Regierung, die „Leipziger Zeitung". Sie gibt dieses von sich: „Die am 2. d. M. von der„Leipziger Volkszeitting" in Aus- ficht gestellte Veröffentlichung eines Abdruckes aus„v. Treitschke. Zehn Jahre deutscher Kämpfe" ist in ihr am 3. d. M. tatsächlich erfolgt. Was da insbesondere über die zu seiner Zeit lebenden Albertiner von Treitschke gesagt ist, entspringt dem persönlichen Grolle dieses gegen sein sächsisches Vaterland äußerst gehäsfigc» Historikers, entbehrt der geschichtlichen Treue und Objektivität, gibt nur ein höchst subjektives Urteil eines leidenschastlichcn politischen Gegners und ist als solches von objektiv schreibenden Historikern längst erkannt und gerichtet ivorden. Diese neueste Tat der „Leipziger Volkszeitung" bestätigt, daß es ihr bei der Veröffent- lichung der Profile in Wahrheit darauf ankam, den jetzigen Träger der Krone Sachsens zu treffen." Die„Leipziger VolkSzeituiig" quittiert über die ihr erwiesene Reverenz und dankbar wie sie ist, kündigt sie an, daß sie demnächst noch mit einem ganzen Schub Missetäter aufwarten werde: „Zunächst wollen wir wörtlich abdrucken, was der selige Herr Biedermann, königlich sächsischer Professor an der Universität Leipzig, über die Dynastie der Albertiner zu sagen gehabt hat. Danach kommt Carlyle an die Reihe, ein Mann von Weltruf, der den Galgen der„Leipziger Zeitung" ausnehmend schmücken wird. An vierler Stelle werden wir wörtlich die deliziösen Sachen ver- öffentlichen, die der alte Fritz und seine Bayrrulher Schwester den Albertiner» ins Stammbuch geschrieben hat. Und dann kommen noch sehr viele andere." Unser Brudcrorgan gibt daher der„Leipz. Ztg." den wohl» meinenden Rat, den einmal errichteten Galgen nicht wieder abzu- brechen, um sich das erneute Aufbauen zu ersp'areu. Das Tänzlein. das die„Leipz. Volkszeitung" den herrschenden Gewalten da auf- spielt, hat zweifellos ein großes kulturhistorisches Interesse, indem nachgewiesen wird, daß die entartete Gesellschaft sogar ihre nationalen Historiker verleugnen und schänden muß. Die unbefangene Justiz in Sachsen. Vor derselben Strafkammer des Leipziger Landgerichts, die ihn am 12. Februar zu der ungeheuren Strafe von 21 Monaten Gefängnis verurteilte, stand am 9. März wiederum der Genosse H e i n i g als verantwortlicher Redakteur der„Leipziger Volks- zeitung", weil er durch eine Notiz den Gemeindevorstand des Ortes Göhren; bei Leipzig beleidigt haben sollre. Bevor es aber zur Verhandlung selbst kam, gab es eine im Leipziger Gercchtigkeitsgcbäude selten vorkommende Ueberraschung. Der Genosse Heinig lehnte vor- Eintritt in die Verhandlung den Vorsitzenden, Landgerichtsdirektor Mau tisch, wegen Besorgnis der Befangenheit ab und begründete seinen Antrag mit Hinweis auf das Schreckensurteil. Das Urteil sei nicht nur nach seinem Rechtsempfinden ein ungerechtes, ja drakonisches, sondern habe allenthalben das größte Aufsehen hervorgerufen und finde in der Geschichte der politischen Prozesse Teutschlands kaum seinesgleichen. Als es vor kurzem im Reichstage Gegenstand heftigster Kritik ge- Wesen sei, habe es nicht einen einzigen Verteidiger gefunden. Weder die bürgerlichen Vertreter, noch der Staatssekretär des Justizamtes, ja nicht einmal der sächsische Bundesratsbevollmächtigte Dr. Börner hätten es zu verteidigen gewagt. Das Gericht zog sich darauf zur Beratung des Antrages, den der Staatsanwalt wegen mangelnder juristischer Begründung abzulehnen bat, zurück und bestellte an Stelle Mauiischs einen Hülfs- richter. Als das Gericht mit dem ablehnenden Entscheid des Antrages zurückkam, und ihn damit begründete, daß das von Heinig An- geführte unhaltbar sei— der Landgerichtsdirektor habe sich übrigens selbst für unbefangen erklärt— sagte nun Genosse Heinig, daß er sich in dieser Verhandlung weder zur Person noch zur Sache er- klären werde. Trotz alledem trat man in die Verhandlung ein. In der Notiz war gesagt, daß der Gemeindevorstand ein des Diebstahls beschuldigtes 17 jähriges Dienstmädchen mit Stricken vor dem Transport zum Gefängnis habe fesseln lassen wollen und erst auf das Bitten einer Verwandten des Mädchens davon abgesehen habe, weshalb er in der Notiz ein im Stile unseres sächsischen Polizei- staates schneidiger Beamter genannt worden war. Die Zeugenvernehmung brachte nun das Resultat, daß der Gemeindevorstand tatsächlich vom Bindenwollen des Mädchens in Gegenwart dritter Personen gesprochen und auch einen Strick zu dem Zwecke in der Tasche hatte. Die Verwandte hatte ihm auch gesagt, er werde es doch nicht fesseln wollen. Daraus ist dann das Gerücht im Dorfe entstanden, und schließlich auch so an die„Leip- ziger Volkszeitung" berichtet worden. Da bei dieser Sachlage selbst nicht viel zu holen war, suchte der die Anklage vertretende Assessor eine politische Attacke gegen die Parteizcitungen im allgemeinen und gegen die„Leipziger Volks- zeitung" im besonderen zu reiten, wurde aber durch den Verteidiger alsbald von seiner Schindmähre heruntergeholt. Der junge Herr wollte sich nämlich als gelehriger Schüler deS Oberstaatsanwalts Böhme zeigen und bchaupteie schlanklveg, daß die sozialdemokratische Presse jede an sich unbedeutende Sache zu ihrer Unterniinierungsarbeit benutze, um das Ansehen der Behörden zu untergraben. Alles werde agitatorisch ausgebeutet. Die Leser dcr„Leipziger Volkszeitimg" hätten aber nicht das feine Unter- scheidungLvermögen der Leser anderer Zeitungen, sie faßten alles im aufreizenden Sinne auf. Geldstrafe könne beim Angeklagten schon deshalb nicht in Frage kommen, weil sie ihn nicht selbst treffe, es würde dies nur einen buchmäßigen Vorgang in der Geschäftsführung dcr„Leipziger VolkSzeituiig" zur Folge haben; er beantrage eine angemessene Freiheitsstrafe. Gegen diese politische Ausschlachtung der Sache Ivandte sich der Verteidiger HeinigK, Dr. Hübler, im Interesse der Justiz selbst. Hier habe weder die Tendenz der„Leipziger Volkszeitung", noch aber die Auffassung ihrer Leser mit der Sache etwas zu tun, sondern nur dcr vorliegende Fall sei zu beurteilen. Wenn auch der Vorgang sich durch die Beweisaufnahme etwas anders darstelle, als er in der„Leipziger Volkszeitung" geschildert worden sei. Das Gerücht war im Orte verbreitet und sei schließlich auch so der„Leipziger Volkszeitung" berichtet und von ihr im guten iGlaubcii aufgenommen worden. Es müsse ausdrücklich ge- sagt werden, daß die Tendenz au sich straflos sei, gegen eine solche Art, diese zur Verurteilung und Strafschärfung zu verwenben, protestiere er energisch. Das Urteil lautet auf 75 M. Geldstrafe oder 15 Tage Gefängnis, womit die Unterminicrungsarbeit unterbunden und das Fundament der Staatsautorität und das Ansehen dcr Behörden in Göhren wieder hergestellt ist. Soziales. Internationale Regelung dcr Nachtarbeit dcr Frauen und des Verbots der Verwendung gelben Phosphors? Im Mai soll eine intcr- nationale diplomatische Arbeiterschntzkonferenz in Bern zusammen- treten, um über die Unisetzung der auf der internationalen Berner Arbeitcrschuykonferenz vom Mai 1905 über die Frauenarbeit und ein Phosphorverbot gefaßten Beschlüsse zu beraten. Die Berner internationale Arbeiterschntzkonferenz hatte sich über folgende Grundzüge eines internationalen Uebercinkonimeiis betreffend das Verbot der industriellen Nachtarbeit der Frauen geeinigt: Artikel 1. Die industrielle Nachtarbeit der Frauen soll verboten sein. Dieses Uebereinkommen erstreckt sich auf alle in- dustriellen Unternehmungen, in denen mehr als 10 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt sind; es findet keine Anwendung auf An- lagen, in denen nur Faniiliengliedcr tätig sind. Jeder dcr vertrag- schließenden Teile hat den Begriff der industriellen Unternehmungen festzustellen; unter allen Umständen sind aber hierzu zu rechnen Bergwerke und Steinbrüche sowie Bearbeitimg und Verarbeitung von Gegenständen. Dabei sind die Grenzen zwischen Industrie einerseits, Handel und Landwirtschast andererseits durch die Gesetzgebung jedes Staates zu bestimmen. Artikel 2: Die Nachtruhe hat eine Dauer von mindestens 11 aufeinander folgenden Stunden; in diesen 11 Stunden soll in allen Staaten der Zeitraum von 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens einbegriffen sein; in denjenigen Staaten jedoch, in denen die Nacht- arbeit von erwachsenen industriellen Arbeitcrimien gegenwärtig nicht geregelt ist, darf die Dauer der ununterbrochenen Nachtruhe während einer UebergangSfrist von höchstens drei Jahren auf zehn Stunden beschränkt iverden. Artikel 3: Das Verbot der Nachtarbeit kann außer Kraft treten: 1. Im Falle einer nicht voraus- zusehenden, sich nicht periodisch wiederholenden Betriebsunterbrechung, die auf höhere Geivalt zurückzuführen ist. 2. Für die Verarbeitung leicht verderblicher Gegenstände zur Verhütung sonst unvermeidlichen Verlustes an Rohmaterials Arttkel 4: In Saisonindustrien, sowie unter außer- gewöhnlichen Verhältnissen in allen Betrieben kann die Daner der unterbrochenen Nachtruhe an sechzig Tagen im Jahre bis auf zehn Stunden beschränkt werden. Artikel 5: Die Urkunden über die Ratifikation des Ucbercin- kommcnS sollen spätestens am 31. Dezember 1907 hinterlegt werden. Für daS Inkrafttreten des UebereinlommenS wird eine Frist von drei Jahren bestimmt, die vom Zeitpunkt der Hinterlegung der Ratifikationsurkunden an zu rechnen ist. Diese Frist soll aber IV Jahre betragen: 1. Für Fabriken, die Rohzucker auS Rüben herstellen. 2. Für die Schafwollkäinmerei und Spiuuerei. 3. Für Arbeiten über Tage in Bergwerken, sofern diese Arbeiten für die Dauer von mindestens vier Monaten im Jahr infolge von klimatischen VerhälNnssen eingestellt werden müsien. Die Grundzüge des UebereinkommenS bezüglich des Ber» boteS der Verwendung von weißem(gelbem) Phosphor in de>r Zündholzindustrie lauteten: Artikel 1. Vom t. Januar löll an ist die Herstellung, die Einfuhr und der Verkauf von Zündhölzern, die weißen(gelben) Phosphor enthalten, verboten. Artikel 2. Die Urkunden über die Ratifikation sollen spätestens am 31. Dezember 1907 hinterlegt werden. Artikel 3. Die Regierung von Japan wird eingeladen werden. bis zum 31. Dezember 1907 ihren Beilritt zu diesem Uebereinkommen zu erklären. Artikel 4. DaS Uebereinkommen tritt in Kraft, wenn die bei der Konferenz vertretenen Staaten und Japan beigetreten sind. Insbesondere das auf das Verbot der Nachtarbeit der Frauen bezügliche Uebereinkommen bietet ja außerordentlich wenig, und dennoch steht noch in Frage, ob alle Länder, insbesondere Groß- britannien sich an der diplomatischen Konferenz in Bern beteiligen werden. Um Beseitigung deS Trucksystems, welches von den Arbeitern bieler Schuhfabriken als arger Mißstand empfunden wird, ersucht eine dem Reichstage zugegangene Petition des Zentralverbandes der Schuhmacher Deutschlands. In der Petition wird ausgeführt, daß alle Versuche der Arbeiter, sei es durch gütliche Vereinbarungen mit den Unternehmern oder durch Arbeitseinstellung eine Beseitigung der Mißstände herbeizuführen, sich als erfolglos erwiesen haben ES wird deshalb verlangt, durch Reichsgesetz oder Erlaß einer Bundesratsverordnung der Ausbeutung der Arbeiter durch das Trucksystem energisch entgegenzutreten. Ehr und Geschlechtskrankheiten. Zu turbulenten Szenen gab am Freitag das Erscheinen des Professors Nrisser Veranlassung, der als Referent über das Thema.Ehe und Geschlechtskrankheiten" im evangelischen Vereinshause zu Stettin sprechen sollte. Die»Ostsee« Ztg." meldet hierüber: »Als der Professor Dr. N e i s s e r aus Breslau das Podium betrat, um seinen Vortrag über„Ehe und Geschlechtskrank- heiten" zu beginnen, erhob sich plötzlich hinten in dem von Männern und Frauen dichtgefüllten Saal und auf der Galerie ein wahrer Höllenlärm. Schreien. Pfeifen. Trampeln, Johlen, dazu ununterbrochene Rufe:»Raus I Raus I" schallten wirr durcheinander und vereinigten sich zu einem unglaublichen Spektakel. Dazwischen tourde mehrfach geschrien:„Der Mann hat K) kleinen Kindern Syphilisgift eingeimpft I" Als nach etwa drei Minuten eine Kid- liche Ruhe eingetreten war, begann Prof. Neisser zu sprechen, indem er zunächst bemerkte, wenn die hier soeben gegen ihn laut gewordenen Vorwürfe irgendwie berechtigt tvären, so würde er sicherlich jetzt nicht an dieser Stelle stehen, er würde nicht von Tausenden von ernsten und angesehenen Männern zu ihrem Vorsitzenden gewählt sein, er würde nicht mehr an einer preußischen Universität Lehrer und damit staatlicher Beamter sein können und nicht in der Weise als Gelehrter geehrt werden, wie es geschehen sei.(Rufe:„Leiderl" „Syphilis I"»Raus l") Seine hier anwesenden Gegner bitte er, ihn nach dem Vortrage zu interpellieren i er werde ihnen Rede und Antwort stehen. Dann begann Professor Neisser seinen Vortrag, der fast unaufhörlich bald stärker, bald schwächer, durch lautes Lachen, Sprechen, gellende Pfiffe, besonder« auf Pfeifen verschieden st er Tonart, Zwischenrufe unflätig st er Art begleitet und unterbrochen wurde. Häufig kehrte der Ruf wieder:»Warum werden Kinder mit Syphilisgift geimpft?" und zwar in verschiedenen Variationen. Dazwischen machten sich erst schüchtern, dann offenherziger Rufe geltend. die in antisemitischen Versammlungen gang und gäbe sind. Als Geheimrat Neisser etwa drei Biertelstunden unter solchen Umständen gesprochen hatte, begann um ö'/« Uhr ein Skandal, den zu beschreiben die Feder ver- geblich versuchen würde. ES wurde nicht nur in der oben bezeich- neten Weife gelärmt, sondern eS wurde gebellt, gekräht, gequiekt und waS sonst noch alles. Rufe wie»Freche Bändel",„Judenbande!".„Steinigt die Bande!" wechselten ab mit Ausdrücken, die wiederzugeben der Anstand verbietet. Dieses ohrenbetäubende Getöse dauerte ununterbrochen 20 Minuten: cS wurde derartig stark, daß viele Damen den Saal verließen, und daß die drei Schutzleute, die bis dahin noch standhaft alles mitangehört hatten, jetzt nicht mehr im Saale zu erblicken waren. Das Publikum. das sich einer solch brutalen Vergewaltigung von feiten einer wenigstens hundertköpfigen Clique von Radaumachern gegenüber wehrlos sah, gab seinem Abscheu in vereinzelten Ausrufen und mehr- maligem demonstrativen Händeklatschen als Synipathiekundgebungen für den in solcher Weise angepöbelten Gelehrten Ausdruck. Als schließlich der Lärm in Tätlichkeiten überzugehen drohte, sprach Herr Geheimrat Neisser noch wenige Worte, die aber vollkommen unver- ständlich blieben, um damit seinem Vortrag einen äußerlichen Ab- fchluß zu geben. Darauf leerte sich allmählich der Saal." Als vor etwa sechs Jahren bekannt wurde, daß Prof. Neisier in Breslauer Krankenhäusern Experimente an Kindern mit Syphilis- einspritzungen vorgenommen habe und daß derartige Experimente auch anderwärts vorgenommen seien, ging ein berechtigter Schrei der Entrüstung durch fast den gesamten deutschen Blätterwald. Krankenhäuser sollen nur dem Heilzweck dienen. Medizinische Ein- griffe zu anderen als JmmunisierungS-, Heil- oder diagnostischen Zwecken sind zu verwerfen. Zu anderen Zwecken darf unter keinen Umständen eine minderjährige Person oder eine geschäftsunfähige Person verwendet werden. Experimente sollten durchweg verboten werden, wenn sie nicht mit einer volljährigen Person vereinbart sind, die über die Folgen deS Experiments völlig aufgeklärt ist und ohne wirtschaftlichen oder sonstigen Zwang ihre freie Zu- ftimmung erteilt hat. Soweit wir wissen, ist für Baden eine dahin gerichtete Verordnung in Verfolg der Breslauer Vorkommnisse erlassen. So scharf wir die Vornahme von Experimenten in der ge- schilderten Art verurteilt haben und verurteilen mußten, ebenso scharf ist das fleg.lhafte Benehmen der Stettiner Versammlungsbesucher zu verurteilen. Die Schuld an den zu verurteilenden Experimenten trägt weniger Professor Dr. Neisser, ein zweifellos hervorragender Gelehrter und Forscher im Jntereffe der Allgemeinheit, als das System, das die Krankenhäuser weniger als Heilanstalten dem als Unterrichtsanftalten oder gar als Experimentieranstalten zu- gunsten Wohlhabender am Körper der Minderwohlhabenden be- trachtet wisicn will. Heute würden ähnliche Experimentier- versuche zweifellos strafbar sein. DaS Thema»Eh« und Gefchlechtskrankheiten" ist ein sozial so wichtiges, daß nicht berechtigter Unwille über jene früheren Vorkommnisse, sondern allein Radaulust und Mangel an Einsicht in die verherenden sozialen Wirlungen der Geschlechtskrankheiten die Stettiner Szenen zu er- klären vermag. Mit Recht verwies Dr. Neisser auf die Diskusfions- sreiheit. Wir sind überzeugt, daß derartige wüste Szenen bei dem Lortrage, den Professor Dr. Neisser heute in Berlin hält, zu Un« Möglichkeiten gehören. Aber der Teil der Mediziner, der den sozialen Bestrebungen der Arbeiter auf Schritt und Tritt ent« gegenwirkt und den Arbeiter lediglich als Ausbeutungsobjekt, die von den Arbeitern gespeisten Kassen als lediglich für Einnahmen der Aerzte geschaffen erachtet, sollte auö solchen Szenen entnehmen, wie stark in weiten Kreisen, dank nicht zuletzt der Mugdaneserei, der Widerwille gegen Aerzte auch da geworden ist, wo eö sich um ernste, im Allgemennnteresse vorgenommenen Veranstaltungen handelt. Um« Wandlung der Krankenhäuser in wirkliche ausschließlich dem Heil- zwecke dienenden Institute und Beseitigung der erpresserischen Ver- suche von Aerzteorganisationen gegenüber den dem sozialen Interesse der Heilung dienenden Krankenkassen sind erstrebt werden müssen, aber durch i wirklichen sind. Ziele, die mit aller Energie -kandalszenen nicht zu ver- (SewerKscKaftUcKes. Konferenz ber»orstände von Zentralverbäadea. AuS der neuesten Nummer des„Correspondenzblattes" der Generalkommission sehen wir. daß vom 19. bis 23. Februar in Berlin eine Konferenz der Vorstandsvertreter der Zeutralver- bände abgehalten wurde. Die Konferenz erledigte verschiedene Angelegenheiten, die ihr vom Kölner Gewerkschaftskongreß über- wiesen worden sind. Zunächst wurde die Frage der Grenz- streitigkeiten behandelt. Dabei traten erhebliche gegensätz- liche Auffassungen zwischen den Vertretern der Industrie- und denen der Branchenorganisationen, dann aber auch zwifchen den Anhängern der Berufs- und denen der Bctriebsorganisationcn zu- tage. Zu dieser Frage wurde eine Resolution angenommen, welche besagt: Die gewerkschaftliche EntWickelung vollzieht sich in der Richtung des Zusammenschlusses der Organisationen zu großen leistungsfähigen Zentralverbänden. Aeußere Eingriffe würden diese EntWickelung stören, deshalb ist eine endgültige Grenzregu- lierung durch Konferenz, und Kongreßbeschlutz untunlich. Im Interesse eines gedeihlichen Zusammenwirkens wird den GeWerk- schaften empfohlen, den gegenwärtigen Organisationsstand anzu- erkennen, strittige Agitationsgebiete durch Vereinbarungen abzu- grenzen und alle Fragen der beruflichen und gemeinsamen Agita- tion, des Uebertritts von Mitgliedern, des Zusammenwirkens bei Lohnbewegungen durch Kartellverträge zu regeln.— Organisierte Arbeiter, die alljährlich ununterbrochen länger als 6 Wochen in einen und denselben Beruf übertreten, müssen sich immer der Organisation des Berufes anschließen, in dem sie arbeiten. Wer dauernd in zwei Berufen tätig ist, hat sich den Organisationen beider Berufe anzuschließen. Die Schaffung möglichst einheitlicher Uebertritts- bedingungen wurde durch Annahme einer Resolution voll- zogen, welche in der Hauptsache sagt: Mitglieder, die sich bei ihrer bisherigen Organisation abgemeldet und ihre Beiträge bezahlt haben, sind beim Uebertritt in eine andere Organisation vom Ein- trittsgelde befreit. Die Dauer der Mitgliedschaft in der bis- herigen Organisation ist in der neuen Organisation in der Weise anzurechnen, daß die geleisteten regelmäßigen Beiträge summiert und auf die Beiträge der neuen Organisation angerechnet werden. Die durch Umrechnung sich ergebende Mitgliedsdauer kommt auf die in der neuen Organisation vorgesehene Karenz für alle vor- handenen Unterstützungseinrichtungen in Anrechnung. Gegen die Gründung besonderer Organisationen der in Genossenschaftsbetrieben Ange st eilten wandte sich die Vertretung des Zentralverbandes der Handlungs- gehülfen. Hierzu wurde beschlossen:„Die Gründung von Sonder- organisationen für Angestellte oder Arbeiter in Konsumvereinen ist prinzipiell zu verwerfen. Diese Angestellte» und Arbeiter sind vielmehr verpflichtet, dem für ihren Beruf bestehenden Zentral- verband anzugehören und dort an dem gewerkschaftlichen Kampf gegen das privatkapitalistische Unternehmertum zur Verbesserung der Lage der gesamten Berufsgenossen teilzunehmen." Durch die Annahme dieses Antrages soll jedoch nicht unter allen Umständen eine Verschmelzung des bereits der Generalkom- Mission angeschlossenen Lagerhalterverbandes mit dem Handlungs- gehülfenverband gefordert werden. Für die Einrichtung von Unterrichtskursen für Gewerks chaftsbeamte unterbreitete die Generalkommission ein Programm, dem die Konferenz zustimmte. Danach sollen der- artige Kurse zunächst im September und November 1908 abgc- halten werden, und zwar im Berliner Gewerkschaftshausc. Die Anzahl der Teilnehmer ist auf bv beschränkt. Jeder Kursus dauert 4 Wochen. Zur Teilnahme sind berechtigt in erster Linie die be- soldeten Gewerkschaftsbeamten, gleichviel ob die Kosten von ihnen selbst oder von den betreffenden Organisationen getragen werden. In zweiter Linie kommen diejenigen in Betracht, die von einer Organisation auf Organisationskosten entsandt werden. Sollte dann noch Platz vorhanden sein, so kann auch anderen Gewerk. schaftsmitgliedern die Teilnahme gestattet werden. Die Ausgabe für Schule und Lehrkräfte bestreitet die Generalkommission. Die Aufenthaltskosten der Schüler sind, soweit sie nicht selbst getragen werden, von den Organisationen zu zahlen, die Schüler entsandten. Für die Kurse sind folgende Borträge in Aussicht ge- nommen: t. Theorie und Geschichte der deutschen Gewerkschafts- bewegung. 2. Die gegnerischen GewerkschaftSorganisationcn in Deutschland. 3. Die Gewerkschaftsbewegung im Auslände. 4. Die Versicherungsgesetzgebung. 5. Tie Arbeiterschutzbestimmungen. 6. Die Gewerbeordnung. 7. Einführung in die Nationalökonomie. 8. Kartelle und Unternehmervereinigungen. S. Vorbedingungen der Statistik. 10. Einführung in die gewerkschaftliche Literatur. 11. Buchführung und laufmännischer Verlehr. Die Erfahrungen aus den jüngsten großen Streiks und Aussperrungen wurden in mehrstündiger Debatte erörtert; doch konnte dieser Meinungsaustausch ein abschließendes Ergebnis nicht zeitigen, da auch die Gesamtvorstände der einzelnen Gewerk- schaften über die aufgeworfenen Fragen beraten müssen. Zu längeren Auseinandersetzungen führte der letzte Tages- ordnungSpuntt: Partei und Gcwerlschalten", in deren Verlauf lebhafte Beschwerden über eine Reihe systematischer Angriffe ver- schiedener Parteiorgane und gewisser Parteikreise auf die Gewerk- schaften. insbesondere auf deren Führer und Presse erhoben wurden. Schon während und nach dem großen Bergarbeiterkampf im Ruhrrevier, besonders aber nach dem Kölner Gewerkschafts. kongreh wurde in diesen Angriffen und in der Herabsetzung der Gewerkschaften seitens einzelner Parteiorgane ein Erkleckliches ge- leistet. Bei aller Uebereinstimmung der gewerkschaftlichen und der politischen Arbeiterbewegung in den grundsätzlichen Auffassungen und in den letzten Zielen deS proletarischen Klassenkampfes, bei aller Notwendigkeit und allem guten Willen, einig zu fein und schwebende Differenzen durch Verständigung auszugleichen, könne man diese Angriffe doch nicht ruhig über sich ergehen lassen, wenn nicht das Ansehen der ganzen Gcwerkschaftsorganisation bei Freund und Feind darunter leiden soll. Besonders sei es die Pflicht der Gewrrkfchaftspresie. solche Angriffe rasch und ent- schieden zurückzuweisen und ihre Solidarität auch einzelnen von Parteiorganen angegriffenen Gewerkschaftsredakteuren gegenüber zu bekunden. Doch solle die Zurückweisung in Inhalt und Form dem Gemeingeist der gesamten Arbeiterbewegung angemessen sein und nicht der Schürung der Zwietracht dienen, wie so häufig die Anrempelunaen unberufener Gewerkschaftskritikcr. Die General- kommission sei nach wie vor berufen, in allen die gewerkschaftliche und politische Arbeiterbewegung gemeinsam berührenden Fragen rechtzeitig eine Verständigung mit dem Parteivorstand herbei- zuführen. Da indes nach Auffassung des letzteren der Zkritik der Parteipresse selbst der Gewerkschaftsbewegung gegenüber keinerlei Schranken gezogen werden könnten, so könne auch der Gewerk- 'chaftspresse nur dringend empfohlen werden, von ihrem Rechte der reien 5iritik künftig ebenfalls mehr als bisher den notwendigen ebrauch zu machen. Von der Fassung eines Beschlusses wurde abgesehen; die Konferenz begnügte sich, ihr Einverständnis mit der diese Ausführungen zusammenfassenden Erklärung de? Bor- sitzenden zu bekunden. KieNn un« amgegens. Der Ausschuß der Berliner GewerkschaftSkommisfion bringt den Beschluß in Erinnerung, wonach für die der Kommission an- geschlossenen Gewerkschaften die Kranzniederlegung am 18. März von ihm zu erfolgen hat. , Lohiikcwegiing der Potsdamer Schneider. Die bisherigen Ver» � haudluugen haben keinen Erfolg gehabt. Der Arbeitgeberverband hat ein Eingehen auf den Gesellentarif abgelehnt und einen neuen Tarif voraricgl. Da dieser aber keine Verbesserungen der bis- herige Arbeitsverhältnisse enthält, sondern vielfache Verschlechterungen. so hat die Lohnkommission ein Eingehen auf dieses Angebot eben- falls abgelehnt. Deutfebe» RelA. Beim Vulkan in Stettin haben sämtliche Kolormenführer in der Gießerei die Arbeit niedergelegt. Jhucii schlössen sich auch die Stahl- gußarbeiter an. Die Kernmacher beschlossen darauf, mit der Direktion in Verhandlung zu treten und, wenn dieselbe keinen Erfolg hat, ebenfalls die Arbeit niederzulegen. Zuzug von Gießerciarbeitern nach Stettin ist fernzuhalten. Aus der Textilarbciterbewegung. Die Hannoversche Baumwoll« svinncrei ist der einzige der dortigen Textilbetriebe, der noch eine elsstündige Arbeitszeit hat. In allen übrigen Betrieben der Textil- indnslrie in Hannovcr-Linden herrscht die zehnstündige Arbeitszeit. Die Arbeiter der Hannoverschen Banmwollspinnerei haben jetzt be- schlössen, wegen Einführung des Zehnstundentages in diesem Be- triebe vorstellig zu werden. Gleichzeitig wird eine Lohnerhöhung von 15 Prozent gefordert. Eine lebhafte Agitation soll in diesen Tagen unter den Blumen-, Blätter- und Federarbcilerinnen und-Arbeitern Sachsens entfaltet werden. Es handelt sich darum, die Arbeiter und Arbeiterinnen dieses Industriezweiges, der vorwiegend in Heimarbeit bei den denk- bar niedrigsten Löhnen betrieben wird, zum Anicbluß an die gewerk- schaftliche Bewegung zu gewinnen, damit etwas für die Verbesserung der traurigen Lage der in der Blumen-, Blätter- und Federindustrie Beschäftigten getan werden kann. Wegen Unterschlagung von Gewerkschastsgeldern freigesprochen. Der Musketier Bitomski vom Jnfanterie-Regiment 158 in Brieg stand vor dem Breslauer Kriegsgericht der elften Division unter Vorsitz des Majors Grafen R i t t b« r g. Er war angeklagt der Unterschlagung, die er vor der Einstellung begangen hatte. B. ist Mitglied deL Zentralverbandes der Maurer Deutschlands. Ter Verbandskassierer gab ihm 20 Marken im Werte von 7 M., um sie an Maurer seines Baues zu verkaufen. Er tat es, und da er nack> einiger Zeit arbeitslos geworden, ver- brauchte er das Geld für sich, nachdem der Kassierer ihm den Betrag gestundet. Vor seinem Eintritt zum Militär zahlte er den Betrag wieder zurück. Kriegsgerichtsrat W i l l e k e beantragte eine Woche Gefängnis. Das Gericht erkannte auf Frei- s p r e ch u n g. Während der Verhandlung sagte der Verhandlungs- führer, Kriegsgcrichtsrat Esche, zu dem Angeklagten: Die Ar- beiter. welche der Sozialdemokratie angehören, sind natür- lich sehr empfindlich, Ivenn ihre Kasse angegriffen wird. Sind denn die Herren Offiziere nickt empfindlich, wenn jemand in unlauterer Absicht ihre Kasse angreift? Letzte(Vaebriebten und Dcncfcbcn. Ein sozialistischer Minister. Paris, 10. März.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der sozialistische Slbgeordnete Briand akzeptierte heute den Eintritt in das Ministerium Sarrien. Es ist noch unbestimmt, ob er das Portefeuille für Inneres oder Unterricht erhalten soll. Für die Partei ist dieser Eintritt in das Kabinett bedeutungs- los. da sich Briand schon lange unmöglich gemacht hat. Eine morgen stattfindende Versammlung des Nationalrates für das Loiredepartement wird aus dem Eintritt Briands in das Ministerium die Konsequenzen ziehen. Eine entsetzliche Grubenkatastrophe. Lille, 10. März.(B. H.) In den Gruben von CourrierrS hat sich eine enssetzliche Katastrophe ereignet. Heute früh um 7 Uhr entstand eine FeuerSbrunst in einem der Schächte, die bald eine große Ausdehnung annahm. 1800 in den drei Schächten befindliche Arbeiter find von der Außenwelt abgeschnitten. Die Luftschächte find verschüttet, ebenso der Förderschacht, aus welchem haushohe Flammen hervorschießen. Man befürchtet, daß mehrere 100 Arbeiter um- gekommen sind. Eine ähnliche Katastrophe hat sich noch in keiner Grube deS Norddepartements ereignet. Sie wurde verursacht durch einen Erdrutsch, der durch die letzten starken Regengüsse veranlaßt wurde. Die Zahl der Opfer ist unbekannt. Viele werden ertrunken oder erstickt sein. WolffS Telegraphenbureau berichtet über die Ursachen der Kata- strophe: PariS, 10. März. DaS Grubenunglück in CourriereS wird auf schlagende Wetter im Schacht vier und elf zurückgeführt, die durch einen Brand, der seit mehreren Tagen in Schacht drei wütete, veranlaßt sein dürften, und auch Schacht zwei ergriffe». Durch die schlagenden Wetter wurden alle Stützgerüste in den Galerien weggerissen, an viele» Stellen erfolgten Einstürze. Die sofort eingeleitete Hülfeleistung wird durd) die ausströmenden Gase sehr erschwert. Ein Ingenieur, der sich m einen Schockt begeben hatte, mußte herausgeholt werden, um eine Kohlengasvergiftung des- selben zu verhindern. Bis Mittag hatte man aus Schacht elf 120 Bergleute lebend geborgen, aus Schacht drei erst einen, man fürchtet, daß dort noch viele sich befinden. In einem um 3 Uhr an das Ministerium des Innern gelangten Tele- gramm heißt e§, daß eine Anzahl Bergarbeiter gerettet seien, eine bestimmte Zahl wird aber nicht angegeben. Man befürchtet,' daß es fich um ein Unglück von bisher noch nicht dagewesener Größe handelt und daß gegen 100 Menschen umgekommen sein können, da aus Schacht zwei und vier noch niemand gerettet ist. Unter der Bevölkerung herrscht allgemeiner Schrecken. Die Szenen, dir fich an den Schacht- ausgängen abspielen, sind erschütternd. Die Opfer der Grubenkatastrophe. Nach einer Depesche auö LenS von B Uhr 33 Minuten nachmittags ist festgestellt, daß in den Gruben von CourriereS heute 1795 Bergleute eingefahren find. Von ihnen find bisher 591 in Sicherheit, 1294 find noch unter Tage und man glaubt» daß alle Rettungsversuche vergeblich sein werden. Lille, IS. März, abends. ES ist jetzt sicher, daß 1193 Berg- arbeiter, die in CourriereS heute früh eingefahren sind, ums Leben kamen. Etwa 499 Mann find lebend geborgen worden. Konnten diese ungezählten Menschenleben ihren Familien nicht erhalten bleiben, wenn man dem auSgebrochencn Brand die not- wendige Aufinerlianikeit schenkte? Mußre nicht die Bcfahrung der Grube ganz eingestellt werden. wenn man die Gefahr für daS Leben der Verunglückten durch diesen Grubeubrand im Nachbar- schacht vor Augen sah? Was nützen die nachträglichen Unter- stutzungen an die Familien, denen für immer der Ernährer ge- nonunen ist? Durch eine wirkliche Arbeiterichiitzgesetzgebung würde man nickt nur in Frankreick, sondern auch bei uns in Deutschland #/,0 der Grubenunglücke verhüten, von denen wir immer und immer wieder berichten müssen._ Ein Attentat. Lodz, 10. März.(W. T. B.) Der KreiSchef von Las! Jwanoff ist heute in Padianize erschossen worden. Urbertall. Telaw(Gouvernement TifliS). 10. März.(W. �T. B.) Gestern mittag wurden auf der Landstraße nach Kwiril ein Polizeibeamter und zwei Reisende von Räubern ihrer Habselig- leiten beraubt und getötet. Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Xh. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagSanstalt Paul Singer Sc Co., Berlin LW. Hierzu 5 Beilagen. s,.59.\ 5t!ll!gt des Dmiirts" Kttlilttt NllllisdlM wmmmmmmmamBmmmmmmammaBtKmammmmmBmmammmmmKaaamBmi»wwww i■■■lim— w n Reichstag, 62. Si tz u n g. Sonnabend, 10. März 1906. Am Bundesratstische: Kraetke, Dr. Schulz. Auf dem Platz des verstorbenen Abgeordneten Eugen Richter liegt ein groger Lorbeerkranz mit schwarzer Schleife. Präsident Graf Ballestrcm: Meine Herren, der Ncichstag hat einen schweren und schmerzlichen Verlust erlitten.(Die Abgeord- neten erheben sich von den Plätzen.) Heute Nacht 4% Uhr starb zu Groh-Lichterfelde unser ÄoUegc Eugen Richter, Mitglied des konstituierenden Reichstages für den ersten Wahlkreis des Rc- gierungsbezirks Erfurt, Mitglied des Reichstages in allen Legis- laturperioden, und zwar in der ersten Legislaturperiode für den Wahlkreis Schwarzburg-Rudolstadt, von der zweiten Legislatur» Periode an ununterbrochen für den vierten Wahlkreis des Re» gierungsbezirks Arnsberg(Hagen). Mit seiner anerkannt hervor- ragenden Geisteskraft und mit seltener>Geistesstärke war der Verstorbene allzeit bemüht, für des Vaterlandes Wohl und Größe zu wirken und wird in unserer dankbaren Erinnerung fortleben. In unvergleichlicher Pflichttreue und Selbstlosigkeit widmete er sich bis zum letzten Augenblick selbst bei schwerer Krankheit den Arbeiten für des Reiches Wohl und Gedeihen. Sein Andenken wird bei uns in hohen Ehren bleiben.— Meine Herren I Sie haben sich zur Ehre des Verstorbenen von Ihren Plätzen erhoben, ich konstatiere dies. DaS Haus tritt hierauf in die Tagesordnung ein. Ihr erster Gegenstand bildet die zweite Beratung des Etats der Reichsdruckerei. Abg. Fischer-Bcrlin(Soz.): Schon beim Etat des Reichsamts des Innern haben wir Be- lchtoerden über die Rcichsdruckerei vorgebracht, aus denen wir nachweisen konnten, daß dieselbe Rc. gierung, die sich theoretisch so für Arbcitcrschutz erwärmt, praktisch, d. h. wenn sie selbst Arbeitgeberin ist. sich auf den brutalsten Arbeit- geber-Standpunkt stellt. Der Staatssekretär Graf Posadowskh hat mich damals auf die einzelnen Ressorts verwiesen. Nun Ivohll Wie reimt sich mit der Arbeiterfürsorge zusammen, daß der Buch- druckertarif nicht anerkannt wird in einem Institut, das doch für das gesamte Buchdruckergewerbc ein Musterbetrieb sein sollte. Der Arbeiterausschuß an der Reichsdruckerei hat deshalb den ein- stimmigen Äefckluß gefaßt, das Mandat gemeinsam niederzulegen, weil es ausgeschlossen war, ctlvas Nennenswertes für die Arbeiter durchzusetzen. Ich hoffe nun, daß hier in diesem Hause alle, die sich so oft für den Arbetterschutz erwärmen, mit und in den Protest gegen die Nichtachtung des Buchdruckcrtarifs einstimmen lvcrden. Die Regierung stellt uns die Gcwerbcinspektionsbcrichte zur Skr- sügung. Da wird forttoährend das Lob der Tarifverträge gesungen. In dem Gewerbe, in dem die Tarifverträge schon am weitesten aus- gebildet sind, werden sie gerade von dem RcichSinstitut durchbrochen. Wo bleibt da�das Wort aus den Februarerlassen des Kaisers: Die Reichs- und Staatsbetriebe sollen Musterbetriebe sein! Die 3ie- gierung kann doch nicht für die Privatbetriebe das unterstützen, waS sie in ihrem eigenen Betriebe nicht hält. Der Regierungsvertreter wird darauf ausinerksam machen, daß die wichtigsten Bestiiiimungen des Tarifs in der Rcichsdruckerei tatsächlich durchgeführt sind. Aber das ist nur eine halbe Wahrheit. Allerdings werden die Mindest- löhne des Tarifs in der Reichsdruckerei jetzt bezahlt und auch die Arbeit szeir ist auf 8% Stunden festgesetzt. Aber die Arbeiter bleiben viel zu lange auf der Mindeststufe stehen. Der Mindest- wochenlohn beträgt 28,80 Ml. Drei l�ahrc muß der Arbeiter für diesen Mindcjtlohsi arbenen, bevor er eine Marl Zulage erhält. Das Marimum beträgt 42 M.?lbcr es gibt zahlreiche Arbeiter in der Reichsdruckerei, die diesen Höchstlohn nie erreichen.— Arbeiter. die 40 Jahre lang dort tätig sind, erhalten nur 30 M.(HörtI hört! bei den Sozialdemokraten.) Ein solcher Wochenlohn aber ist geradezu elend für einen so hoch qualifizierten Arbeiter, wie es der Kiktor einer Druckerei ist. Keine einzige Prioatdruckerei würde es wagen, ihren, Faktor einen solchen Lohn anzubieten. Aber es gibt eine unverhältnismäßig große Zahl von Vorgesetzten mit hohen Gehältern in der Rcichsdruckerei. Die Arbeiter wollen nicht das, was ihnen die Annahme des Tarifs als ihr Recht gewähren würde, aus Gnade bekommen. So- dann aber enthält der Tarif auch ein« Menge Nebenbestimmnngen, die für die Arbeiter sehr wichtig sind und die in der Reichsdruckere, nicht gelten. Insbesondere bezieht sich das auf die Entlastungen und die Wiedereinstellung von altgc dienten Arbeitern. Als die OkichSdruckerci ihren Betrieb einschränkte, wurden Arbeiter, die lange angestellt waren, die Familienväter waren, entlassen, während Leute, die erst seit 6 Wochen eingestellt waren, beibehalten wurden. lHörtl hört!) Daraus geht mit Sicherheit hervor, daß die ent. lassenen Arbeiter deshalb entlasten wurden, weil sie höhere Lohn- forderungen gestellt hatten. Man hat den Arbeitern aber noch weitere Daumenschrauben angelegt. Als der Betrieb wieder er- lveitert wurde, hat mau den Entlassenen anheimgestellt, darum zu bitten, daß sie wieder eingestellt Ivürden. Taten sie das dann, so wurden sie trotzdem nicht wieder angenommen.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Kein anständiger, nobel denkender Mensch mutet jemandem zu, um etwas zu bitten, wenn er doch nicht die Absicht hat, es ihm zu gewähren.(Sehr richtigl bei den Sozial. demokratcn.) Die Rcichsdruckerei stellt ferner keinen Arbeiter ein, der militärpflichtig ist. Wer also sei» Blut für das Reich einsetzt, der kann in dem Reichsinstitut nicht angestellt werden.(Hörtl hör«' bei den Sozialdemokraten.) Das will ein„Musterbetrieb" sein? Ferner wird von den Leuten, die eingestellt werden, verlangt, daß sie außer unzähligen anderen Papieren auch noch ein polizeiliches Führungsattest beibringen müssen. Ich gebe ohne weiteres zu, daß «S in der Reichsdruckerei viele Stellen gibt, die im besonderen Sinne als Vertrauensposten anzusehen sind. Aber von jedem Arbeiter ein solches Jührungsattest zu verlangen, ist doch ganz sinnlos, wenn es nicht— einen ganz besonderen Sinn hat. Ferner beschweren sich die Arbeiter darüber, daß in der Kam» Mission Mitteilungen über ihre DarlehnSkaste gemacht sind, obwohl ihnen bei Gründung der Kaste die Gehcimhallung dieser Ein- richtung versprochen wurde. Lohnherabsetzungon dürften übrigens mit dieser Taplehnskasie nicht begründet werden; denn die Ent» nahmen ans der Kaste übersteigen die Einlagen ganz bedeutend. Aus der starken Inanspruchnahme dieser Tarlehnskaste geht hervor, daß das Personal mit den gezahlten Löhnen nicht aus- lammen kann. Diese von mir mitgeteilten Tatsachen sind zum größten Te,I durch die Presse gegangen, ohne eine Widerlegung gefunden zu haben. Ich bitte daher den Herrn Staatssekretär um eine Er- tlärung vor allen Dingen darüber, welche Gründe dazu geführt haben, daß der neue Direktor den Tarif nicht anerkennt..(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Kraetke: Der Herr Vorredner hat vollständig unrecht, wenn er an» führte, daß die Leitung der Rcichsdruckerei nicht volles Verständnis für soziale Aufgaben habe. Die Bestrebungen der Tarisgemeinschast erkenne ich als sehr gute cm; sie hat dahin geführt, daß die Arbeiter angemessene Löhn« erhalten, daß die sogenannte Schmutzkonlurrenz beseitigt ist und daß auch das VcrhältniS zwischen Lehrtingen und Gehülfen ein richtiges wird. Wenn trotz alledem die Reichsdruckerei der Tarisgemeinschast nicht beigcireten ist, so liegt keine Abneigung gegen dieses Unternehmen im allgemeinen vor, sondern eS ist ledig- lich tne Stellung der Reichsdruckerei als Staatsinstitut, welche eS wünschenswert erscheinen läßt, daß sie nicht in Ungelegenheiten konunt, die durch Meinungsverschiedenheiten zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer entstehen können. Damit ist aber nicht gesagt. daß Ivir etlva geringere Löhne zahlen als die Tarifgemeinschaft. ES ist von dem Herrn Vorredner anerkannt, daß die Mindestlöhne mindestens gleich, ja bei der Rcichsdruckerei sogar höher sind. Was die besonders hohen Löhne an zweiten Feiertagen betrifft, so sind auch diese, nachdem vom Direttor Ermittelungen angestellt waren, anstandslos bezahlt. Ich erkenne vollständig an, daß es gut ist, an solchen Tagen extra hohe Löhne zu zahlen, damit die Sonntags- bcschäftigung nur in ganz dringenden Fällen Platz greift. Daß der neue Direktor dem ArbeiterauSschnß erklärt haben soll, wir würden uns nicht nach den Sätzen des Tarifes richten, ist ganz ausgeschlossen; ein« solche Acußerung kann höchstens unter dem früheren Direktor gefallen fein. Wenn der Herr Vorredner sich darüber beklagt hat, daß Arbeiter entlasten sind, die schon längere Zeit in der Reichs- druckerei tätig waren, so muß ich doch betonen: ein Anrecht für einen Arbeiter, dauernd in der Reichsdruckerci beschäftigt zu werden, gibt es nicht. Wenn sich herausstellt, daß ein Arbeiter nicht in jeder Weise den Ansprüchen genügt, so muß sich die Leiwng eines Staats- instituts stets das Recht vorbehalten, wenn Entlastungen nötig sind, auch solche Arbeiter, und nicht bloß die jüngsten, die natürlich zuerst in Frage kommen, zu entlasten.— Führungsatteste muß ein Staats- institut wie die Rcichsdruckerei, in dem Wertpapiere und geheime Sachen fabriziert werden, unter allen Umständen über die An- gestellten einfordern. Was die Mitteilungen in der Kommission über die Spar- und Darlehnskaffc betrifft, so kann ich nur mein Bedauern darüber aussprechen, daß in der Kommission derartige Angaben gemacht worden sind. Ter Kommissar, der sie gemacht hat. hat aber nicht in böser Absicht gehandelt, sondern ihm ist die Bestimmung, daß diese Einrichtung geheim gehalten werden soll. nicht bekannt gewesen. Wenn der Vorredner schließlich daraus, daß Mitteilungen über die Rcichsdruckerei in der Presse nicht wider- rufen sind, ans ihre Richtigkeit schließt, so muß ich erklären, daß ich mich darauf nicht einlassen kann, alles, was in der Presse be- hauptet wird, zu berichtigen. Abg. Dr. Marcour(Z.) erklärt die Arbeitsverhältnisse in der Reichsdruckerci für durchweg zufriedenstellend, bedauert aber, daß die Rcichsdruckerei nicht der Tarifgemeinschaft beigetreten sei. Abg. Kopsch(frs. Vp.) tritt den Ausführungen des Vor- rcdners durchaus bei. Ich kann leider nicht behaupten, daß es dem Staatssekretär gelungen ist, die zahlreichen Ausstellungen, die der Abg. Fischer erhob, genügend zu widerlegen. Ich habe die Zeugnisse mehrerer Entlassener gesehen. Sie waren geradezu bor- züglich(Hörtl hörtl links), so daß man sich des Eindrucks nicht erivchrcn kann, daß sie entlassen worden sind, weil sie von ihrem Beschwerderecht Gebrauch gemacht haben. Abg. Fischer-Bcrlin(Soz.): Ich habe in bczug auf die Löhne der Rcichsdruckerei weiter nichts behauptet, als daß sie nicht musterhaft hoch sind, sondern daß sie nur den Mindestanforde- rungeu entsprechen und daß in vielen Privatbetrieben höhere Löhne bezahlt werden. Daran halte ich fest. Wenn von anderer Seite. etwa von Regierungsvertreiern, von den Arbeitsverhältnissen der Reichsdruckerci ein anderes Bild entworfen wird, al» ich es gegeben habe, so ist das noch kein Beweis gegen mich. Wenn man meine Kritik als unberechtigt hinstellen will, so.gibt es nur ein Mittel, nämlich irgend eine der von mir behaupteten Tatsachen zu wider- legen. Was die Tarife anlangt, so ist es einfach eine zwei- dcutige Politik, wenn vom Rcgierungstische immer für Tarife eingetreten wird, während das Regierungsinstitut und die Reichs- druckerei selbst den Tarif nicht anerkennt. Der Staatssekretär be- hauptet, durch Anerkennung der Tarife würde die Rcichsdruckerei in den Kampf zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Hinein- gerissen werden. DaS ist eine merkwürdige Argumentation. Wenn es sich um KriegervercinSintcresscn und patriotische Kund- gedungen handelt, dann erklären sich die Herren Minister einig mit dem Volt, dann heißt es: Immer mitten mang'l(Heiterkeit.) Wo es sich aber um Arbciterinteressen handelt, da wird behauptet, durch Tarife könnten einmal Meinungsverschiedenheiten zwischen der Betriebsleitung und den Arbeitern entstehen. DaS Ganze be- weist eben, daß wir eine Bourgeoisregicrung und einen Bourgoisstaat haben. Wenn ferner der Staatssekretär Kraetke be- hauptet hat, der Direktor der Reichsdruckerci habe sofort, nachdem er von der Lohnskala des Buchdruckcrtarifs Kenntnis erhalten hat dieselben Löhne bewilligt, so ist das nicht wahr. Erst nacss 16 Wochen wurde der Mindestlohn gewährt, nachdem man deshalb bei dem Direktor vorstellig geworden war. Der Direktor aber hat erklärt: so lange ich auf dem Posten stehe, werden wir niemals den Tarif bewilligen! Damit ist dem Arbeiter das Recht auf die Tariflöhne abgeschnitten. Verwehrt ist ihm auch die Sicherheit, die er sonst hätte, niemals ohne Grund entlasten zu werden, nder doch wenigstens, wenn eine Entlassung aus BetriebSeinschränkung notwendig ist. bei jeder BetricbScrweiterung wieder eingestellt zu werden. Früher wurde dem Arbeiter an der Rcichsdruckerei als Kompensation für die verhältnismäßig geringen Löhne der Trost, daß er in der Reichsdruckerei eine Lebensstellung hat. Jetzt aber hat er gerade in der Reichsdruckerei nicht die Sicherheit einer dauernden Anstellung, weil der Tarif nicht anerkannt ist. Natur- lich bestreiten wir der Reichsdruckerci nicht das Recht, jemand zu entlassen, wenn er nicht tauglich ist. Wenn abex jemand acht Jahre angestellt war und sich acht Jahre lang als fähig erwiesen hat, dann ist er auch weiter fähig. Wenn also der Herr Staate- sekretär gesagt hat, die Leute wären nur auf Grund schlechter Zeugnisse enttossen, so muß er sich entweder hierin irren, oder aber die Zeugnisse waren einfach gefälscht, um die Leute aus dem Wege zu schaffen.(Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Die ent- lassenen Arbeiter haben bekundet, daß ihnen weder wegen ihrer Führung noch wegen ihrer Leistung je ein Tadel ausgesprochen ist. Wenn es also nachträglich heißt, sie wären nicht tauglich gewesen. so handelt es sich dabei einfach um einen alten Untcrnehwertrick. (Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Was die Führungs- attcste anlangt, so habe ich ja selbst vorher anerkannt, daß sie für gewisse Vertrauensposten tn der Reichsdruckerci bielleicht notwendig sind. Die FührungSatteste der Arbeiter aber waren ganz über- flüssig. ES handelt sich dabei wahrscheinlich nicht nur um«inen alten bureaukratischen Zopf. Aus der Tatsache, daß die Atteste nicht von den Arbeitern selbst beigebracht werden sollten, sondqrn von der Polizei direkt an die Reichsdruckerei gingen, folgt, daß eS sich lediglich um politische FührungSatteste handelt. Man wollte einfach wissen, ob der Arbeiter Mitglied eincS sozialdemokratischen Arbeitervereins war oder dergleichen. ES beweist schließlich eine kolossale Rückständigkeit der sozialpoliii- scheu Ansichten, wenn in der Kommission die Auffassung herrschte. vi« Löhne der Arbeiter in der Rcichsdruckerei brauche man deS- halb nicht zu erhöhen, weil bei ihnen von einer eigentlichen Not- läge keine Rede sei.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Staatssekretär Kraetke: Dem Abgeordnelen Fischer-Berlin gegenüber scheint ja jedes Wort vergebens zu sein, das man sagt. Ich wiederhole, daß bei der Arbeiterentlassung nicht? Anderes ent- scheidend war al? die Tstchtigteit und Brauchbarkeit. Wenn der Abgeordnete Fifcher-Berhn eingewandt hat. es sei den Arbeitern nicht? vorher gesagt worden, daß sie unbrauchbar seien, so antworte ich: Glauben Sie denn, daß der Leiter eine? großen Betriebes in der Lage ist, jedem Angestellten jede Woche zu sagen, ob er tüchtig ist oder nicht? So leichtsinnig wird überhaupt kein Vor- gesetzter sein, dem Untergebenen es zederzeit zu sagen, wenn er mit seinen Leistungen nicht ganz zufrieden ist. Es ist doch klar, daß bei einer Betriebseinschränkung diejenigen entlassen werden, die nicht allen Ansprüchen genügen. Die FührungSatteste sind für die Reichsdruckerei einfach notwendig und damit basta? DaS Reichsinstitut möchte auch nicht in die Gegensätze zwischen Ar- beitgeber und Arbeitnehmer hi»eingerissen werden. ES hat Bank- noten und Kassenscheine und alle möglichen Druckerzeugnisse von zum Teil enormen Werte herzustellen und motz auch in schwierigen Lagen, beispielsweise im Falle eines Krieges über ein Arbeiter- personal verfügen, welches nicht von der Arbeiterorganisation ab- hängig ist und eventuell fremden Befehlen gehorcht. Außerdem ge- stattet doch die Rcichsdruckerei die Arbeitcrausschüsse. WaS wollen denn die Arbeiter mehr? Abg. Fischer-Bcrlin(Soz.): Ich müßte meine Intelligenz sehr niedrig und die des Herrn Staatssekretärs sehr hoch ein» schätzen, ivenn ich zugeben sollte, daß ich widerlegt wäre. Leute, die erst 6 Wochen in der Druckerei waren, sind beibehalten worden. Leute, die 8 Jahre gearbeitet hatten, sind entlassen. Kein Mensch hier in diesem Hause ivird das begreifen.(Sehr wahr! bei den Freisinnigen und den Sozialdemokraten.) Was aber den Arbeiter- ausschuß anlangt, so hatte er nicht die geringsten Rechte. Er war einfach eine Dekoration.(Beifall bei den Sozialdemokraten.)! Abg. Kopsch(frs. Bp.): In dem Zeugnis eines der entlassenen Arbeiter findet sich ein Passus:„bei genügender Leistung sich gut geführt hat". Also von geringen Leistungen scheint wenigstens bei der Entlassung dieses Mannes keine Rede sein. Wenn die Ent- lassung durch notwendige Betriebseinstellungen auch vielleicht ge» rechtfertigt war, so hätte der Arbeiter wenigstens sofort wieder eingestellt werden müssen, als der Betrieb wieder erweitert wurde. Man muß also annehmen, daß es sich bei dieser Entlassung um einen Akt der Maßregelung der Leute handelt.(Beifall links.) Staatssekretär Kraetke: Wenn der Herr Vorredner das Urteil „genügend" schon für ausreichend findet, so gibt eS doch auch noch andere Zeugnisse, wie„gut" und„bestens".(Heiterkeit rechts.) Höchstens könnte man noch„im allgemeinen befriedigend" sagen wenn man. ein schlechteres Zeugnis als„genügend" ausstellen will und doch nicht gerade„minderwertig" oder„gering" jagen will. Abg. Fischer-Berlin(Soz.) stellt fest, daß es auf dem Zeugnis eines Arbeiters hieß:„zur vollen Zufriedenheit". Das ist doch schon ein Superlativ I(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die Debatte. Der Etat wird genehmigt. Es folgt die ausgesetzte Abstimmung über die Resolution Gröber zum Postetat. Die Absätze über die Einstellung des Postanweisungsverkehrs und der Massendrucksachcnbcftcllung an Sonntagen lvcrden gegen die Stimmen des Zeittrums abgelehnt. Für die zweite Forderung stimmen auch die Nationalliberalen und der Abg. v. Gerlach (frs. Bg.) ' Angenommen wird der letzte Absatz über die nicht zu häufige Wiederholung des Nachtdienstes der Postbeamten(nur alle fünf Nächte). Die von der Budgetkomnnssion gestellte Resolution zum Post. etat wird in allen ihren Teilen angenommen; der Absatz über weit- gehende Erleichterung der Tetephoneinrichtung und Telephon- benutzung in kleinen Ortschaften gegen die Stimmen der Sozial- demokratcn und Freisinnigen. Es folgt der Etat für die Verwaltung der Reichs-Eisenbahnen. Abg. Schlumberger(natl.) erkennt an. daß die vierte Wagen- {lasse sich in Elsaß-Lothrmgen dort, wo sie probctveise eingeführt ist. gut bewährt hat und begründet im übrigen folgende Resolution: „Die verbündeten Regierungen mögen, nachdem die Haupt- und Nebenbahnen in Elsaß-Lothringen nahezu ausgebaut sind, au? den künftigen Betriebsüderschüsscn der Neichs-Eisenbahnen einen Beitrag zu der Entwickelung des Kteüibahniocsens in Elsaß-Lothringen durch den ReichshaushaltSetat dem Lande zur Verfügung stellen, und zwar im angemessenen Verhältnis zu den Zuschußteistungen des Lande? selbst." Gehcimrat Glöckner bringt daS Bedauern des Ministers v. Budde zum Ausdruck, wegen eines Unwohlseins� an den Ver- Handlungen über seinen Etat nicht teilnehmen zu können.— Der Herr Vorredner hat bemängelt, daß ivir in den StaatS-Eisenbahn- betrieben die neunstündige Arbeitszeit einzuführen gedenken. Wir folgen hiermit dem Beispiel unserer Nachbarländer Baden., Württan- berg usw.. und hoffen mit dieser Einführung, die ja auch im Jnter» esse der Arbeiter liegt, gute Erfahrungen zu machen. Abg. Erzdcrger(Z.): Die Resolntton Schlumberger hat in etwas anderer Form der Budgettommission vorgelegen,� aber dort wenig Gegenliebe gefunden. So, wie sie jetzt vorliegt, ist sie etwas annehmbarer. Was die soziale Fürsorge der ReichS-Eisenbahn- Verwaltung anlangt, so ist anzuerkennen, daß die Löhne der Werk- stattarbeiter gestiegen und daß die LehrlingsverhAtnisse musterhaft sind. Erfreulich ist auch die Einführung von ArbeitevauSschüssen. Wünschenswert wäre die Gewährung eine» regelmäßigen Urlaubs an länger beschäftigte Arbeiter.— Mit Freuden begrüßen Ivir es. daß 46 Proz. der Angestellten viermal im Monat Gelegenheit zum Kirchenbesuch hatten.(Bravol im Zentrum.) Die Resolution Schlumberger wird hierauf angenommen. Abg. Werner(Ant.) spricht über di« Petition der Eisenbahn- Assistenten, obgleich ihn Vizepräsident Pausche darauf aufmerksam macht, daß diese Petition noch nicht zur Debatte steht. Geheimrat Glöckner stellt die Gehaltsstufen der Assistenten klar. Ohne wettere Debatte werden die gesamten Ausgaben bc» willigt. Es folgen die Petitionen. Nach dem Vorschlage der Kommission wird«in Teil von ihnen der Regierung zur Erwägung überwiesen. während über einen anderen Teil zur Tagesordnung übergegangen wird. Der Rest des Etats wird ohne Debatte bewilligt. Es folgt der Etat des Reichs-EisenbahnamteS. Abg. Stolle(Soz.): Das Reichö-Eifenbahnamt hat die Verpflichtung, die gesamten Eisenbahnen Deutschlands, die so eng mit dem Staats- und Wirt- schaftsleben der Ration zusammenhangen, zu kontrollieren. Ich, muß daher die Frage an den Vertreter der Regierungen richten:, Ha) das Reichs-Eisenbahnamt die ihm nach Art. 43, 44 und 46- zustehenden Rechte und Pflichten energisch gewahrt? Und. Ivenn das nicht geschehen ist, ans welche Gründe ist dieser Umstand zurück- zuführen? Das ReichS-Eisenbahnamt hat auch die Pflicht, sich um die sozialen Verhältnisse der unzähligen im Eisenbahndienst an- gestellten Arbeiter Deutschland» zu lümmern. ES hat sich darum zu kümmern, welche Löhne, welch« Arbeitszeiten usw. in den einzelnen Eisenbahnbetrieben Deutschlands herrschen. Natürlich kann ich hier auf die einzelnen Arbeiterkatcgorien nicht eingehen. Ich kann zedoch betonen, daß die Arbeitslöhne an den sächsischen Eisenbahnen höher sind als die bei den preußischen. Vor allem aber wird in Preußen viel weniger Geld für die Unter- Haltung der Bahn ausgegeben als bei den übrigen Eisenbahn- betrieben. Man kann das im einzelnen prozentual nachweisen für die Anschaffung von Schwellen, von Schienen, von Waggons usw.— Redner gibt ein« Reihe von Statistilen. aus denen hervorgeht, daß in Preußen nach allen diesen Richtungen mehr gespart wird, als in Sachsen. Bayern und Württemberg. Wenn man diese Statistiken kennt, so wird man sich kaum noch darüber wundern, warum denn in Preußen so viel mehr Unglückssöll» passieren als in Bayern oder Sachsen. Welche Kategorie von Unglücksfällen man auch untersucht, Entgleisungen oder Zusammen» stoße, Unglückssälle inner- oder außerhalb der Stationen. Ent- gleisungen von Personen, oder von Güterzügen, immer kommt man zu dem Resultat, daß Preußen(unter Zugrundelegung deS Um- standeS. daß daS preußische Bahnnetz im Vergleich zu den beiden übrigen acht- beziehungsweise elsmal größer ist) bei weitem an erster Stelle steht! Das gilt sowohl für die Zahl der Unglücksfälle als für die Zahl der bei den Unglücksfällen verletzten oder ge- töteten Personen. Als ich jüngst in Obcrschlcsicn Ivar und das dortige Eisenbahnwesen studiert habe, da bin ich zu der Erkenntnis firtontmcn, daß es gar nicht wunderbar ist, wenn in manchen Teilen Preußens so zahlreiche Unglücksfälle passieren müssen. Das Reichs- Eisenbahnamt hätte die Verpflichtung, das preußische Eisenbahn- Wesen besser zu kontrollieren; denn die Zahlen bedeuten eine wahr- hafte Anklage gegen die preußische Eisenbahnverlvaltung. Soll es denn immer in dieser Art und Weise weiter gehen? Das kann doch unmöglich die Meinung der.Herren im Reichs-Eisenbahnmnt sein. Im Abgeordnetenhause hat der Minister t>. Budde erklärt, die Betriebsunfälle haben sich nicht vermehrt. Dabei vergeht fast kein Tag, wo nicht von den deutschen Eisenbahnen ein neuer Unglücks- fall gemeldet wird.— Redner verliest eine größere Reihe von Zeitungsmeldungen über Betriebsunfälle aus den Monaten Oktober, November, Dezember 1i)0S.� Herr v. Budde behauptete im Ab- geordnetenhause: An dem Spremberger Unglück sei die große Be- tricbsbummelei schuld. Damit hat er Tausenden von preußischen Beamten einen schtveren Vorwurf gemacht. Rühren denn die Un- glückofälle wirklich immer von der Betriebsbummclei her? Es sind da einzelne interessante Gerichtsurteile ergangen. So war bei München-Gladbach ein Eisenbahnunglück passiert, und der Stations- «rssistent wurde wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung an- geklagt. In der Verhandlung schob der Verteidiger die Schuld auf die durch Sparsamkeitsrücksichten herbeigeführten unzulänglichen Dahnhofsverhältnisse. Und der Staatsanwalt selbst beantragte die Freisprechung, die dann auch erfolgte.(HörtI hörtl links.) Wke kann man einem Eiscichahnarbeiter Bummelei vorwerfen, wenn er nachweisen kann, daß ihm überhaupt gar nicht Mitteilung davon gemacht ist, daß ein Zug zu erwarten warl Liegt hier also Betriebsbummelei� vor, so jedenfalls nicht auf feiten des Arbeiters. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) In dem Prozeß gegen den Stationsassistentcn Wichmann, der an dem Zusammenstoß zweier Güterzüge schuld sein sollte, wurde nachgewiesen, daß eine Ueberlastung der Beamten vorlag. Der Kollege des Angeklagten konstatierte, daß die Beamten nach zwölfstündiger Arbeitszeit der- artig angegriffen waren, daß sie am ganzen Körper zitterten, und daß die Instruktion so unpraktisch gewesen sei, twß man sie nicht anwenden konnte. Und da wagt niän es, zu behaupten, die Be- tricbsbummelei einzelner Beamten sei an den Unfällen schuld! Nach. her, als das Kind in den Brunnen gefallen war, da hat man ihn allerdings zugedeckt, man hat die achtstündige Arbeitszeit eingeführt. Würden in Preußen die gleichen Aufwendungen wie in anderen Staaken gemacht, so würden die Unglücksfälle nicht an, nähernd so zahlreich sein. Urteile, wie ich sie Ihnen mitgeteilt habe, sind für die preußische Eisenbahnverwaltung geradezu ver- nichtend. Auch in anderer Beziehung müssen wir über die preußische Verwaltung klagen. Allerdings herrscht auch noch in den süddeutschen Verwaltungen Wagenmangel, aber während sich dieser auf 4 oder 5 Proz. beläuft, steigt der Wagenmangcl in Preußen, zum Beispiel in Oberschlesien, bis auf 28 Proz.l(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) In Sachsen werden denn auch pro- zentual bedeutend mehr Anschaffungen gemacht, als in Preußen. Das Reichseisenbahnamt hätte aber auch die Pflicht, in der Frage der Tarife einx kontrollierende Stellung einzunehmen. Schon mehr als 33 Jahre warten wir auf eine Herabsetzung der Tarife. Im Artikel 45 der deutschen Reichsverfassung wird dem Reichseisenbahn. amt die Kontrolle über das Tarifwesen zugewiesen, mit der Be- merkung, es solle auf eine Vereinheitlicknmg und gleichzeitige Herab- setzung der Tarife hinwirke». Wie steht es aber in Wirklichkeit? Man plant eine Fahrkartensteuer, durch die eine Fahrt dritter Klasse von Berlin nach Frankfurt a. M. um 6 M. teurer wird. Nennt man das„Herabsetzung der Tarife?" Wie verträgt sich das mit dem Artikel 45 der Reichsverfassung? Ferner will man das Freigepäck abschaffen, und zwar kann man nicht etwa behaupten, daß dies wegen des Betriebes notwendig sei; denn es läßt sich nachlvcisen, daß die meisten Gepäckwagen fast leer fahren. Die preußischen Eisenbahnverwaltungen beschicken internationale Konferenzen und rühmen sich da ihrer Einrichtungen. Wenn aber das Freigepäck abgeschafft sein wird, so wird Deutsch- land in ganz Europa eine Sonderstellung einnehmen; denn selbst in Rußland, selbst in der Türkei hat man Freigepäck! Außerdem soll auch noch ein Schnellzugszuschlag bei uns eingeführt werden, da wird das deutsche Eisenbahnwesen bald zum Spott für ganz Europa. Auch für das Zustandekommen der Betriebsmittelgcmeinschaft, wenn sie wirklich notwendig im Interesse von Handel und Verkehr liegt, sollte das Reichseisenbahnamt eintreten. Es wird dabei sicher daS Parlament hinter sich haben. Ein großes Verdienst würde sich das Reichseisenbahnamt auch erwerben, wenn es für eine Verminderung der Arbeitszeit des Per- sonals eintreten würde. Es soll da jetzt die neunstündige Arbeits. zeit eingeführt werden, aber wie weit sind wir davon noch ent- sernt! Die neunstündige Arbeitszeit besteht nur bei 1,4 Proz. der Beamten, 50 Proz. haben noch zehn- bis elfstündige und über 31 003 Beamte noch die zwölf- bis fünfzehnstündige Arbeitszeit. CHört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Von einem Musterbetrieb kann also noch keine Rede sein. Schon im Interesse der Betriebs- jicherheit wäre eine Herabsetzung der Arbeitszeiten des Personals dringend wünschenswert.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Präsident des Reichseisenbahnamtes Dr. Schulz: Herr Stolle hat seine Angriffe gegen das Reichseisenbahnamt auf ein außerordentlich umfangreiches Zahlenmaterial zu gründen versucht. Natürlich war es ganz ausgeschlossen, den Zahlen un- mittelbar zu folgen. Nur in einigen Punkten ist es mir möglich gewesen, berichtigende Zahlen zu finden. Herr Stolle bemühte sich. zu beweisen, daß von der preußischen Bahnverwaltung weniger für Unterhaltung und Erneuerung des Oberbaues ausgegeben werde als von der bayerischen und der sächsischen. Hier die richtigen Zahlen: 1904 haben die Gesamtkosten für Unterhaltung und Er- Neuerung des Oberbaues betragen: in Preußen 2364 M. pro Kilo- meter, in Bayern 1993 pro Kilometer in Sachsen 1987 M.(Hörtl hörtl rechts.) Auch die Zahl der Getöteten und Verletzten bei Betriebsunfällen ist nicht, wie Herr Stolle nachweisen wollte, in Preußen größer als in Sachsen und Bayern. Sie betrug auf 10 Millionen Zug-Kilometer in Preußen 32,8, in Bayern 41,7, in Sachsen 53.(Hörtl hörtl rechts.) Der Herr Abgeordnete wolle es mir daher nicht übel nehmen, wenn ich auch seinen übrigen Zahlen etwas skeptisch gegenüber stehe. Herr Stolle hat dann die etwas sehr gewagte Behauptung aufgestellt, daß die Eisenbahn- Unfälle sich von Tag zu Tag vermehren. Das ist entschieden völlig unrichtig. Im Durchschnitt haben die Zugunfällc auf deutschen Eisenbahnen, seitdem wir eine Statistik darüber führen, fast stetig abgenommen: vom Jahre 1831 in fünfjährigen Zählperioden pro 19 Millionen Zugkilometer von 33 auf 26,9, auf 21,9, auf 17,4, 13,1 tund in der letzten pierjährigen Periode auf 12.(Hört! hörtl) Die deutschen Bahnen brauchen in bezug auf die Betriebssicher- heit einen Vergleich mit keinem anderen Lande zu scheuen. Abg. Storz(D. Vp.): Daß die deutschen Eisenbahnen im allgemeinen vorzüglich verwaltet sind, erkenne ich gern an. Trotz- dem ist bisher an manchen Stellen eine falsche Sparsamkeit zu konstatieren und zu rügen. Hierauf vertagt das HauS die Weiterberatung auf Montag 1 Uhr. Schluß 6% Uhr._ Hud Induftm und fjandcU Deutsche Bank. Nach dem in der AufsichtSratssitzung am 9. März erstatteten Geschäftsbericht erzielte die Bank bei insgesamt 77 295 Mill. Mark Umsatz— gegen 66 897 Mill. Mark im Vorjahre— einen Gewinn von 29 877 579 M. gegen 26 081 263 M. im Vorjahre; hiervon wurden 2979 909 M. auf Bankgebäude(1994 1 339 531 M.) und 541 509 M. auf Mobilien(1904 417 769 M.) abgeschrieben. Es Ivird vorgeschlagen, auS dem verbleibenden Betrage 1 735 797 M. (1904 1632 397 M.) der ordentlichen Reserve L zu überweisen, 12 Proz. Dividende zu verteilen und 1049 718 M.(1994 1043 568 M.) auf neue Rechnung vorzutragen. Durch die obige Zuweisung und durch das der ordentlichen Reserve zugeflossene Agio auf die im neuen Fahre zur Ausgabe gelangten 20 009 009 M. junger Aktien erhöht sich die Gesamtreserve auf 97 098 560 M.--- 48,55 Proz. des Aktienkapitals von jetzt 290 000 000 M. Allgemeine Berliner Omnibusaktiengcscllschaft. Der Geschäfts- bericht der Gesellschaft ergibt für 1995 nach Abschreibungen in Höhe von 864 636 M. gegen 616 937 M. im Vorjahre und einschließlich des Vortrages von 616 035 M. einen Reingewinn von 1 603 981 M. gegen 1 387 253 M. in 1904. Von dem Gewinn werden abgesetzt 19 758 M.(i. V. 15 492 M) für den DispvsiiionSfonds, 37 750 M. Anfsickitsratstantieme und 149 390 M. für Gewinnbeteiligung und Gratifikationen der An- gestellten sowie vertragsmäßige Tantiemen des Vorstandes. Zur Ausschüttung soll gelangen, eine Dividende von 15 Proz. auf 4 200 000 M. und T'/j Proz. ans 2 100 000 M. DaS Reservefondskonto erhöht sich von 658 208 M. auf 1 935 317 M. und wird sich im Fahre 1906 durch die erst im Januar er. bewickle Kapitals- erhöhnng um weitere 3150 000 M. erhöhen. Das Verhältnis der Ausgaben zu den Einnahnien hat sich verbessert von 74,14 Proz. auf 7>,61 Proz.— Da könnte für die Arbeiter doch auch etwas ge- schehen.— Die Entwickelung des Unteruehinens im neuen Fahre wird von der Direktion als befriedigend bezeichnet. Beabsichtigt ist eine Verkürzung der Arbeitszeit. Von der Eiuführnug der Kraft- wagen verspricht sich die Verwaltung gute Erträgnisse. Der englische Außenhandel im Februar 1906. DaS Handels- ministeriuDi veröffentlicht die Ziffern des Außenhandels für Februar. Die aufsteigende Bewegung, die sich im Januar zeigte, hält arr Sowohl Einfuhr wie Ausfuhr weilen erhebliche Zunahmen auf. Die Einfuhr stieg gegen den Parallelmonat des Vorjahres um rund 4,7 Millionen Pfd. Sterl., die Ausfuhr um 3.5. Für die beiden ersten Monate des Jahres beträgt die Zunahme in der Einfuhr rund 10,8 Millionen Pfd. Sterl., die Ausfuhr 11,6. Folgende Tabelle zeigt den englischen Außenhandel in den Berichts- monalen der letzten drei Fahre: Einfuhr im Februar, resp. im Januar und Februar 1906. (Werte inklusive Fracht und Versicherung.) (In Millionen Pfund Sterling.) Februar Jan. u. Febr. 1904 1905 1906 1904 1905 1906 Lebens- u. Genußmittel 17.2 16.4 16.6 35.3 35.1 36.3 Rohstoffe...... 16.1 15.1 18.2 33.8 82.8 38.6 Fabrikwaren..... 10.6 11.1 12.5 20.7 22.3 25.7 Verschiedenes... 0.2 0.2 0.2 0.4 0.4 0.4 44.1 42.3 47.5 90.2 90.6 101.0 Ausfuhr im Februar, resp. im Januar und Februar 1906. (Werte ohne Fracht und Versicherung.) (In Millionen Pfund Sterling.) 1904 1905 1996 1904 1905 1906 Lebens- u. Gemlßmittel 1.0 1.1 1.3 2.2 2.4 2.8 Rohstoffe...... 2.7 2.8 3.1 5.4 5.6 6.4 Fabrikwaren..... 19.9 21.0 24.0 39.7 41.5 49.6 Verschiedenes.... 0.3 0.3 0.4 0.6 0.7 0.7 23.9 25.2 28.8 47.9 50.2 bü5 Wiederausfuhr eingeführter Waren..... 7.4 7.6 8.0 13.1 13.7 15.4 81.3 32.8 36.8 61.0 63.9 74.9 Kanal zwischen Riga und Chcrson. Wie der„Standard" meldet. erteilte die kaiserliche Sonderkomniission dem Vorschlage zum Bau eines Schleusen-Kanals zwischen Riga und Cherson, den eine Gruppe amerikanischer Finanzleute mit Rockcfeller an der Spitze bauen will, ihre einstweilige Genehmigung. Die Portlandzcmcntindusttie m Spanien. Die Portlandzement- industrie macht in Spanien seit einiger Zeit nicht unbeträchtliche Forlschritte. Nachdem erst vor kurzen, eine neue große Fabrik mit einer Leistungsfähigkeit von 30 000 Tonnen jährlich in Olazagutia (Navarra) eröffnet worden war, erweitern jetzt zwei bereits be- stehende Werke ihren Vetriev. Die kleine Fabrik in Ouinto(Provinz Zaragoza), Besitz der Looisckack arasonssa äs portlsnck artifiml, bringt ihre Produktion auf 25 bis 30 Tonnen täglich, und die Fabrik in Pobla de Lillet, der Compania de Asfaltos y Portland— Barcelona, den ihren auf 120 Tonnen täglich. Außer den genannten Werken stellen schon seit Jahren Zement her die Fabriken in Tudela- Begnin, Sctao und San Sebastian. GencKts-TeiUing. Freisprechung von einer haltlosen Anklage a»S 110 und 130St.-G.-B. Wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten und Auf- forderuug zum Ungehorsam gegen die Gesetze war gestern der Nergolder Otto W e i d t vor der achten Strafkammer des Land- gerichtS I angeklagt. Der Angeklagte ist Verleger und verantioort- licher Redaklenr der Zeitschrift der„Anarchist". Unier Anllage stand ein Artikel in Nr. 44 unter der Ueberschrift„Revolution s- st ü r m e". Darin wurde die Revolution in Rußland und der dort zur Ausführung gebrachte Generalstreik, der sich als ftnchtbare Waffe gezeigt habe, besprochen und ausgeführt: Das inter- nationale Proletariat müsse erkennen,„daß cS seine eigene Sache sei, für welche die russischen Helden so freudig in den Tod gehen". Werde die Revolulion in Rußland unterdrückt, danM werde wahr- scheinlich über ganz Europa eine. Zeit der schlimmsten Reaktion hereinbrechen. Sollten Regierungen anderer Mädste eine bewaffnete Invasion versuchen, so müsse es sid, zeigen, ob das Wort„Pro- letarier aller Länder vereinigt euch" mehr als eine bloße Phrase ist, und ob das Proletariat den Willen und die Macht hat, eine be- waffnete Invasion zugunsten der Reaktion in Rnßland zu verhindern. In die s e n Ausführungen erblickte StaatSanwaltSrat L�i n d o w Vergehen gegen dieKij 110 und 130 St.-G.-B. und beantragte gegen den bisher unbestraften Angeklagten 9 Monate Gefängnis. Rechtsanwalt Dr. Max Kantoro wicz nahm Veranlassung, darauf hinzuweisen, wie zahm die in dem Anikel enthaltenen mehr theoretischen AuSführnngen, die ganz allgemein gehalten feien und gar nicht Deutschland speziell betreffen, gegen die Brand- reden deS wiederholt freigesprochenen Grafen Pückler seien. Er beantragte Freisprechung, da weder Aufreizung zum Ungehorsam gegen die Gesetze, noch Aufreizung verschiedener Klassen der Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten vorliege. Der Ge- richtShof erkannte dem Antrage deS Verteidigers gemäß auf Freisprechung. Der Gerichtshof verinißte in dem Hinweis auf den Generalstreik die Aufforderung znni Ungehorsam gegen vestimmle Gesetze. Offensichtlich sei nicht unbedingt nolivendig, daß sich ein Generalstreik unter Verletzung von Gesetzen abspielt. Wenn der Artikel auch vielleicht geeignet sei, v:r- schiedene Klaffen der Bevölkerung gegen eiiiander auf- zureizen. so fehle doch die im§ 130 enrhalicne Vorausietzung. daß es„in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise" geschehe» sei.— DaS Urteil entspricht zweifellos dem Gesetz iind dem Rechtsempfinden. ES ist vedauerlich, daß nicht auch die notwendigen Auslagen des Angeklagten der Staatskasse auferlegt sind. Würde von dieser Befugnis des Z 499 Str.-Pr.-O. öfters Gebrauch gemacht und dann seitens des Fiskus gegen diejenigen Beamten Regreß erhoben, die so haltlose Anllage» für nötig erachten, so würde wohl wenigstens ein wenig vorsichtiger der Vcrfolgnngseifer sich betätige». Daß bei dieser Sachlage die Staatsanwaltschaft die enorme Strafe von neun Monaten Gefängnis beantragte, mag darauf beruhen, daß der StaatSanwatt den Begriff eines Generalstreiks durch die Lektüre der .Post" u. vgl. kennen gelernt zu haben glaubt. „Die Zukunft Rußlands und JapanS" hat bekanntlich dem Ver- faffer, RegicrungSrat Martin, den Zorn der„Stordd. Allg. Ztg." und ihrer Hintermänner zugezogen, weil das Buch die schlechten finanziellen Aussichten Rußlands der Wahrheit entsprechend schilderte. Die ruffenftenndlichen Unternehmerkreise zogen dann über die „Form" des Titelblattes her. Dadurch, daß der Verfasser auf diesem seinen Titel„Regierungsrat" nicht unterschlagen hatte, sollte er gegen die dreimal geheiligten Disziplinaranschauungcn derer, die da„Rat" sind, lvaren oder werden wollen, ge- sündigt haben, denn nur solchen Bücken?, die da raten an Rußland zu pumpen, gebühre ein Ratitel. Unmittelbar nachdem die Regierung durch die„Nordd. Allg. Ztg." Stellung gegen dieses Buch genommen hatte, erschien in der„ P o st" eine Er- k l ä r u n g des Heymamischen Verlages, in der sich dieser von dem Buche lossagte, die Lösung des VertrcigSverhältnisics mit dem Autor erzwingen zu(vollen erklärte und sich dagegen verwahrte, eine zweite Auflage des Buches unter seiner Firma erscheinen zu lassen. Die „Post'"-Erklärung enthielt den Vorwurf gegen den Verfasser der Schrift, daß er seine amtliche Stellung bei Abschluß seines VerlagsverttageS mit Karl Heymanns Verlag gemißbraucht habe. Darauf erhob Herr Martin gegen Herrn Kreyenberg, den Geschäfts- führer des Karl Heymannschen Verlags, Beleidigungsklage. Gestern stand z?lr Verhandlung hier Termin an. In diesem Pcivatklage- Verfahren behauptete der Beklagte, daß er den i n d e r„ P o st", abgedruckten Brief weder verfaßt, noch unter- zeichnet, noch an die„Po st" gerichtet habe. Es war deshalb der Chefredakeur, der„Post", Dr. KronSbein, als Zeuge geladen worden; dieser soll sich bereit erklärt haben, vor Gericht zu bekunden, daß die von der„Post" abgedruckte Erklärung von Karl Heymanns Verlag der„Post" übermittelt worden ist. Ilm dieS vor Gericht eidlich zu erhärten, war der Chefredaktenr Dr. KronSbein als Zeuge erichienen.— Zu einer Verhandlung in der Sache selbst kam es nicht. Herr Kreyenberg ineinte, er lege Gewicht darauf, daß sein durch Krankheit verhinderter Anwalt Justizrat Löwenfeld, der den Zivilstreit mit dem Privatktäger führt, ihn auch in dieser Beleidignngssache vertrete. Unter Zu- stimmung des Klägers wurde deshalb der Termin vertagt und ein neuer Termin aus den 21. d. M. angesetzt.— Ob der wohl Licht darüber bringen wird, wer die„Post"-Erklärung gebracht hat und weshalb diese unwahre Erllärung aufgenommen ist? Ein hartherziger Hanswirt vor dem Reichsgericht. Wegen ver- suchter Nötigung ist am 22. März V. I. vom Landgericht II in Berlin der Hauseigentümer Karl Frenze! zu Strafe ver- urteilt worden. In seinem Hause in Köpenick wohnte der Arbeiter K. Da er mit 109 M. Miele im Rückstände war, strengte Fr. die Exmissionsklage gegen ihn an. Er hatte Erfolg und ließ vor dem Auszuge des Mieters dessen ganzen Hausrat pfänden. D a sich darunter eine Anzahl unpfändbarer Sachen befanden, erivirkte K. einen Gerichtsbeschluß, der Fr. zur Herausgabe dieser Sachen verpflichtete. Fr. wollte sie aber nicht herausgeben und sagte in bezug auf den Gerichts- bcschlnß: Was geht mich der Wisch an! Die Versteigerung der au- deren Sachen hatte nur etlva 40 M. ergeben. Freuzel verlangte nun von K. Bezahlung der restlichen 60 M. und drohte, anderenfalls die un pfändbare»Sachen auch ver- kaufen zu lassen. Schließlich kam ein Vergleich zu stände, wonach Frenze! die Sachen herausgab und K. die Gerichtskosten übernahm. Fr. hat durch die Drohung mit der Unterschlagung der fraglichen Sachen den K. zu nötigen gesucht, die Summe von etwa 60 M. zu zahlen. Zu einer solchen Drohung hatte er kein Recht. — Seine Revision wurde gestern vom Reichsgerichte ver- w o r f e n. Ein verurteilter Gendarm. Der berittene Gendarm Johann Twardzik in Zembowitz, Kreis Rosenberg O.-S., war vor dem BreSlaner Kriegsgericht der elften Division unter Vorsitz des Majors Grafen v. R i t t b e r g angeklagt der Körper- Verletzung eines Zivilisten, des Gastwirts K o s s a k in Freicadlow. in Ausübung des Dienstes. Kriegsgerichtsrat Esche als Anklagevertreter beantragt 14 Tage gelinden Arrest, daS Kriegsgericht erkannte nur auf acht Tage. Apothrkenprivllegien unterliegen der Gcmciadegrundsteuer nicht. So hat das Oberverwaltungsgericht am Freitag in einer Klage deS Apothekers Hiller gegen die Stadt Stettin entschieden. Bei der Heranziehung H.s zur Geineindegrundsteuer wurde das Apothekenpcivilegium mit 150 000 M. auf den gemeinen Wert des Grundstücks in Anrechnung gebracht. Gegen diese Mitbesteuerung des Apothekenprivilegiums wandte sich H. im Verwaltungs- streitverfahren.— Das Oberverwaltungsgcricht bestätigte das zu- imgunsten der Stadt gefällte Urteil des Stettiner BczirksallSschusses. lveit Gerechtigkeiten, also auch Apothekenprivilegien, überhaupt nicht Gegenstand der G e m e i n d e g r u n d st e u e r sein könnten.' Für diese kämen nur in Betracht die wirklichen Ge- bände, beziehungsweise Grundstücke, wie sie die Sinne wahr- nähmen. Dir wandernde KaufmaimSgerichtSklage. Welche Schwierigkeiten durch die verwickelten Zuständigkeitsverhältnisse allein für die An- hängigmachung der Klage entstehen können, lehrt folgender Fall, der gestern vor der ersten Kammer des hiesigen KaufmannsgerichtS zur Verhandlung stand. Die Klage hatte schon eine ansehnliche Rund- reisetour durch die Gerichte Berlins und seiner Umgebung hinter sich, da sich bisher jedes Gericht für unzuständig erklärt hatte. Der Bautechniker G. klagte gegen eine Baugesellschaft, die zuerst in der Kleiststraße 39 domiziliert war. Da dieser Teil der Kleiststraße zu Charlottenburg gehör?, so inachte G. auch dort seine Klage airhäugig. Sie wurde aber vom� Charlottenburger Gericht nach Tc?npclhof verwiese??, weil die Gesellschaft inzwischen nach Tempelhof verzogen war. Aber auch-eeiupelhos erklärte sich für unz?lständig, da die Gesellschaft in Berlin beim Amtsgericht II ins Handelsregister ein- gelragen ist. G. reichte nunmehr in? gestrigen Termine zu seinem Klageantrage e?ne Beicheinignng des Amtsgerichts II ein., au» der hervorging, daß die Baugesellschaft in der Tat in Berlin als Firma ins Handelsregister eingerragei? ist. Mit dieser Tatsache begründete der Kläger die Geltendmachung seiner Ansprüche vor dem Berliner Kanfmallnsgericht und bat, doch mll?mehr seine Klage, mit der er schon Monate vo?? Ort zu Ort wandere. endlich aufzm?ehn?en. Das Berliner KanfmannSgericht mies den Kläger wiederum c> b, ii?de?n eS sich für unzuständig erklärte. Maßgebend für Anhänglgmachung der Klage sei der wirkliche Sitz der Gesellichaft. Wenn auch demzufolge die Firma in Chat» l o t t e n b u r g, n? cht i n Berlin hätte handelsgerichtlich ein- gettagcn werden müssen, so sei doch, wem? durch einen Fehler des Regifterrichters d?e Ei??trag?u?g am unrichtigen Ort erfolgt sei, � aus o?esem Irrtum keine Schlutzsolgenlng für die Zuständigkeit des KausinannSgcrichteS zu ziehen.— Die Entsche?dnng des Berliner Gerichts ist zutreffend, der Kläger hatte den Fehler begangen, sich vom Charlottenburger Gcr?cht nach Tempelhos Welsen zu lasien, statt auf eine Entscheidung zu dringen. Mit dem 1. Juni, dem Inkrafttreten der famosen neuen Gerichts- organisatton, wird die RechtSunsicherheit für Berlin in den nicht vor h'bl�ckh'wachsci�� Kcmsmamisgecichtc gehörenden Sachen noch er- �®'4i?ibi!f,S.,S0HWee Zcntral-Wahlverein für den Reichstags- «ffiatsiftcts.ZuIUtynu- Schiuicbus- Crossen- Sommerfeld. Dienstag, de» 1s. Marz, abends ß>/, Uhr: Versammlung bei Patt, Dragonerslr. 15. Tagesordnung: 1- Vortrag des Herrn Bäthge über„Organisation und Agäanon. 2. Diskussion. 3. Bericht aus dem Kreise. 4. VcrschicdcncS Kreise ist no�endi�� �'ülllleder. Das Erscheinen aller Genossen auS dem v<-Ii Kurgäste der Heilanstalten sür Lungenkranke zu Göibers- dors l-scht. Mitglied des Bundes zur Bckämpsung der Tuberkulole.) �onntag, 11.-iarz l'XIB, abends 6 Uhr, im Königsladt-Kasino, Holzmarll- straße ir., gr. Borlrag. gehalten vom Herrn Dr. Brück über„das©igen der x.«„-�ch dein Vonrag: Versammlung. Tagesordnung; 1. Bericht- eittatluiig von der erslep Bulidesvcrsammlulig. 2. Bundcsdclcgiertcmvahl. 3. StaMtenanbcruna. 4. Vcreinsangelegenheiten.— Um recht rege Äc- telligung der Miiglieder sowodl auch der ehemaligen Beelitzer, Belziger, Grabowseer, Gutcrgotzer usw. bittet der Vorstand.— Gäste herzlich will- toninren. Allgemeine Familien-Tterbekasse. Heute: Zahltag Merstraße 123 bei Wlesenthal von 3-5 Uhr. Vcrmirchtca. Der gestrige orkanartige Sturm hat. wie ans Breslau gemeldet Wird, an den Telephon- und Telegraphenleitungen in Schlesien grohen Schaden angerichtet. So waren gestern früh die Leitungen nach Posen und Berlin ganz, nach Mittel- und Oberschlcsien zum größten Teil gestört. Das schnelle Schmelzen des Schnees infolge der letzten warmen Tage und der starke Regen verursachten ein leb- Haftes Steigen mehrerer f chic fischet: Flüsse, die über ihre Ufer treten und die Nmgegend überschwemmen.— Ferner wird aus Kolmar in Westpretlszen gemeldet, daß während des gestrigen Gewitters dort drei Stcinfuhrleute durch Blitzschlag gctödtet wurden. Die Pferde der beiden ersten Wagen find gleichtalls getödtet worden, während das des dritten Gefährts nur leicht verletzt wurde. Krlefltaften clei' l�eäaktfott. E. 100. Beachten Sie den Briestasten der gestrigen Nummer 58 des „Vorwärts" Chiffre 262. Wetter-Prognose für Sonntag, de« 11. März 1906. Vielsach heiter, nachts Frost, am Tage wärmer bei mäßigen südlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. BerlinerWetterbureau. Wasserstand am S. März. Eibe bei ttusstg+ 2,26 Meter, bei Dresden-s- 0,70 Meter, bei Magdeburg-}- 3,26 Meter.— U n st r u t bei Straußsurt-j- 2,60 Meter.— Oder bei Ztatibor-s- 2,90 Meter, bei B> eSlau Obcrpegel ch- 5,18 Meter, bei Breslau Nnterpegcl— 0,12 Meter, bei Fratitsurt-j- 2,06 Meter.— Weichsel bei Brahemünde -f 5,02 Meter.— Warthe bei Posen-s- 1,51 Meter.— Netze bei lisch— Meter. Die Beerdigung des Maurers ümii Hscbbscb findet heute nachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Thomas-Kirchhoses in Ziixdorf, Her- mannftratze, aus statt. !ii (Filiale Berlin.) Die Beerdigung unseres Mit- gliedeS k. Wasserkampf ! findet heute nachmittag 4 Uhr statt. Die Ortsvcnvaltung. Allen Freunden und Bekannten I die ttauriae Nachricht, daß meine | liebe Frau Marie Litsche geborene Muhme, am S. d. M. nach schwerem Leiden sanst ent- schlafen ist. 428L Die Beerdigung findet am Montagnachmiltaa 3 Uhr von der Leichenhalle des Emmaus- Kirch- hoses zu Rixdors aus statt. Der tieftrauernde Gatte nebst Kindern. Qrllen Freunden und Bekannten I > zur Nachricht, daß unser lieber, I guter Sohn 379b l . Alfred nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von 8 Jahren sanst ent- schlafen ist. Die Beerdigung findet am Montag nachmittag 5 Uhr, vom Trauerhause nach dem alten Jatobi-Kirchhose am Hermanns- platze, aus statt. Dies zeigen an die tiesbetrübten Ellern 0. Sielaff««I»»t Fron. Rixdors, Rcuterstr. 96. Allen Genossen, Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Mitteilung, daß unser Vater, Schwiegcr- und Großvater, der Putzer 4272 Georg Dausacker im 70. Lebensjahre am Freitag, den 9. d. Mts., 7 Uhr morgens, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 12. März, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Rixdorfer Kirchhoses, j Mariendorser Weg. aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. ! SozialileiDoliratiscb Jaiilverein Kixclorf. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, I daß unser langjähriges Mitglied, der Senior unseres Vereins, der Putzer Georg Dausacker (12. Bezirk) im 70. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montagnachmillag 4 Uhr von der Leichenhalle des Neuen Nixdorser KirchhoscS aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 232/7_ Ter Verstand. Freie Ifereiiiigüng der Tora- segler„Grlliiaii". Allen Mitgliedern und Sports- genossen hiermit die trauttge Nach- eicht, daß unser Klubgenosse ftedan! kaliig am 9. d. M. infolge eines Bau- UnsalleS verstorben ist. Wir verlieren in demsewen ein äußerst treues und tätiges Mitglied und werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Zeit und Tag der Beerdigung wird noch bekanntgegeben. 372b SozialileiEokrat. Mm für Schöneberg, 8 a Bezirk. Am Freitag, den S. d. M. ver- starb nach langen Leiden an der Proletanerkrankheit unser lang- jähriges Mitglied, der Maurer kermaim Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. März, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Schöneberger Fried- Hofes, Maxfttaße aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er- sucht 15/5 Der Verstand. Zeiitral-Veriiaiitl der Mauren Deutseblamls.• Zweigverein Berlin. Am 9. März verstarb nach lan- gem Leiden unser altes Mitglied kennami Oenigk im Alter von 43 Jahren an der Prolelarierkrankheit. 137/19 Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 13. d. Mts.. nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Schöneberger Kirchhofs in Schöneberg, Max- straße ans statt. Um rege Beteiligung ersucht Ber Vorstand. Zentralverliantl der Hantfeis-, Transport- und Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutsebiands Verwaltungsstelle Berlin I. Todes- Anzeige. Hierdurch diene den Kollegen* zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Geschäjtsdiener Julius Lledtke verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des jüdischen Fried- boseS in Weißensee, Lothrmger- straße, aus statt. 67/10 Die Ortsverwaltung Berlin I. Dr. Simmel, Ä" Epezialarzt für 29/14» Kant- and Harnleiden, 10— 2,6— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4 Dr. Schünemann Spezial-Arzt für* Hant- nnd Harnleiden, Fraacnkrankheiten. Prledrichstr. 203, Ecke Schützenstr. 10—8, 5-7, Sonnt. 10-1S Uhr. Ober sooo Ejcempl. verhau» D/e Harnleiden Ibre Oefabren, Verdatung und Beseitigung von Dr. med. Scheper, BERLIN- Preis 1 Merk. Wer seine Ackerparzelle in einen Nutz», Zier- oder Hausgarten um- wandeln will, der lese die neueste Broschüre: U.andenxUrten bei der Großstadt oder: Ter Laubrupächter von Berlin. 59 S.. 7 Laubcn-Abb., 5 Gartenpläne, ein Situationsplan. Preis M. 1,00, gebd. M. 1,50. 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Akilagc des JoriMtlö" Kttlimr WWIM Zonutllg, tt. Mar; IM. Nus äer fraiienbewegimg. � � r! Unlauterer Wettbewerb. Die Frage des unlauteren Wettbewerbes ist heute in Handel und Industrie„zeitgemäh". Innungen, Handels- und Gewedbe. kammern beschäftigen sich mit dieser Frage und suchen alle die. jenigen, welche Prattiken belieben, die als betrügerische Machina. tionen charakterisiert werden können, sowie die Helfer jener Prak- titalten unbarmherzig an den Pranger zu stellen. Die Be. stimmungen des Gesetzes gehen aber den beteiligten Kreisen noch nicht weit genug. Der bekannte SVnuten-Oertel behauptet« am 23. Januar 1903 im Reichstage,„das Gesetz erfülle seinen Zweck nicht und Handwerk und Kleingewerbe wünschten besseren Schutz gegen Schwindel und unlauteren Wettbewerb". In das Klage. konzert stimmen ein alle Parteien, die mehr lebhaft als überzeugend in Mittelstandsretterei machen. Sie wollen dem Handwerk wieder einen goldenen Boden schaffen. Die Toren l Sie verstehen die Eni- Wickelung nicht und können oder wollen nicht begreifen, daß die Zeit, in der das Klcinhandwerk die Grundlage des industriellen Wirt. schaftslebens bildete, unwiderruflich dahin ist. Diese Herrschaften lamentieren aber nur und rufen nach Ge- setz und Bestrafung, wenn durch unlauteren Wettbewerb ihre Interessen geschädigt werden, sie selbst aber begünstigen am eifrigsten den allcrschlimmsten unlauteren Wettbewerb, den, der mit der menschlichen Arbeitskraft getrieben wird. Derselbe Schutz, den die llnternchnrerklasse durch die Staats- macht genieht, mühte billigerwcise auch dem Proletarier bei dem Verkauf seiner Ware Arbeitskraft, seinem einzigsten Gut zur Seite stehen. Wohl hat die Arbeiterschaft das Koalitionsrecht, aber leider ist die Gleichgültigkeit gegen das eigene Geschick in Ar- beiterkreisen und besonders bei den Arbeiterinnen noch allzu groh, um von der Waffe ausgiebig Gebrauch zu machen, sodatz der Tlrbeit- geber ungestraft seinen Herrenstandpunkt herauskehren kann. Er bestimmt ,wch meistens allein Arbeitszeit und Lohnhöhe und damit ist der wucherischen Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft Tür und Tor geöffnet. Von den kapitalistischen Arbeitsspstemen, die Raubbau mit dem Charakter unlauteren Wettbewerbes an der ein. zelnen Arbeitskraft treiben, wirkt besonders das Akkordsystem ver- derbenbringend für ganze Generationen. Unlauterer Wettbewerb wird ferner zwischen Fabrikarbeitern und Heim. arbeitern. zwischen Frauen und Männern, zwischen jugendlicher Arbeitskraft und Frauenarbeit, zwischen schulpflichtigen Kindern und jugendlichen Ar- beitern getrieben. Und der Unternehmer bietet willig und schmun- zelnd seine Hand zu dieser Art unlauteren Wettbewerbes. D« Festsetzung des Lohnes und der Arbeitszeit richten sich heute nicht nach den gesundheitlichen und sittlichen Erfordernissen der Beschäftigten, die Portemonnaie intercssen der Unternehmer, ihre Macht bestimmt. Solche Tatsachen des Wirt- schaftlichen Lebens bringen ungeheures Elend über die Arbeiter- klasse. und immer mehr wird die Frau als billige und willige Ar- beitskrast in den Wirbel kapitalistischer Ausbeutung hineingedrängt, um den Msinn aus einem Erwerbszweig nach dem anderen zu ver- drängen. Amtliche Zahlen geben über die Verwendung und Zu» nähme der weiblichen und jugendlichen Arbeitskräfte Aufschluh. Im Jahre 1903 wurden nach den Berichten der Gewerbeauf. fichtsbeamten in 94 bl? revidierten Fabriken und Anlagen 3 049 711 erwachsene Männer und 714 491 Arbeiterinnen gezählt, ferner waren 169 934 männliche und 85 679 weibliche Arbeiter von 14 bis 16 Jahren und 3925 Knaben und 2542 Mädchen unter 14 Jahre» in diesen Betrieben tätig. Diese gewaltige Zunahme billiger Arbeitskräfte wird begünstigt durch unlauteren Wettbewerb mit der weiblichen Arbeitskraft. Wenn die Forderung: gleicher Lohn für gleiche ArbeitI gesetzlich anerkaimi tväre, würde der grohe Hunger nach Frauen, und Kinderfleisch bald merklich nach. lassen. Schade, daß keine Gesetzesparagraphen vorhanden sind, um die Begünstiger des unlauteren Wettbewerbes mit der menschlichen Arbeitskraft zur Verantwortung ziehen zu können. Aus diesen Zahlen schreit die Not des Volkes um Erlösung. Darum, ihr Arbeiterinnen, wacht auf! Begreift, dah die Forde- rung: gleicher Lohnt für gleiche ArbeitI die Hebung eurer wirtfchastlichen Lag«, die Verbesserung eurer Lebenshaltung in sich birgt. Bedenkt, daß jede Schlvankung im Arbeitsverhältnis des Mannes, des Vaters, von folgenschwerer Bedeutung sür euch selbst und für eure Lebensbedingungen sind. Erinnert euch, daß die Lebensniittelpreife in gar keinem Verhältnis stehen zu dem Preise der Arbeitskraft, zu den Arbeitslöhnen, die man euch zu bieten ivagt. Die Organisation ist die Macht, durch welche dem unlauteren Wettbewerb mit der menschlichen Arbeitskraft ein Ziel gesetzt werden kann. Arbeiterinnen, euer ei g e n e s Interesse erfordert eure regste Beteiligung an der modernen Arbeiterbewegung. Die Forderungen, für deren Verwirklichung Männer und Frauen gemeinsam ringen müssen, sind: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, kürzere Arbeitszeit und gesunde, menschenwürdige Arbeitsbedingungen für Frauen und Männer. K. Verband der Wäsche, und Krawattenarbeiter. Heimarbeit«- rinnen der Wäsche-, Krawatten-, Blusen-, Schürzen-, Korsetts- und Ncgligee-Branche. Die nächste Zusammenkunft für den Norden findet Montag, den 12. März, abends 8 Uhr, bei Lamprecht, Lychenerstr. 2/3, statt. Kollege Trinis referiert über:„März- gedanken". Wir bitten die Parteigenossen, ihre Frauen und Töchter auf diese Zusammenkunft ganz besonders aufmerksam zu machen. Die Sektionsleitung. Reinickendorf(Ost)/ Der hiesige Bildungsverein für Frauen und Mädchen hält am DienStag. den 13. d. M.. abends 8sh Uhr, in dem bekannten Lokal seine Vereinsversammlung ab Herr Schu- macher spricht über:„Konsumgenossenschaft". Es ist Pflicht«mes jeden Mitgliedes zu erscheinen. Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Der Vorstand. Vermischtes. Die einträglichste Post. Die einträglichste Postverwaltung d«r Erde hat nach einer soeben fertiggestellten Zusammenstellung deS Weltpostvereins zurzeit Grotzbritanuien. Im Jahre 1904 betrug dort der Ueberschuss rund 121 lh Millionen Frank. An zweiter Stelle soll Rusiland stehen, das 106?L Millionen Frank Ueberschutz erzielt haben soll. Erst an dritter Stelle kommt Teutschland mit über 80Mi Millionen Frank Ueberschuh in dem Rechnungsjahre, das am 31. März 1905 schloß. Erhebliche Ueberschüsse erzielt ferner noch Frankreich mit fast 68 Millionen Frank, Spanien 17 Millionen, Britisch-Jndien 17, Belgien 15VH usw. Zuschüsse zu ihrer Post- Verwaltung leisteten die Vereinigten Staaten von Amerika in Höhe von mehr als 53 Millionen Frank im Rechnungsjahre vom 1. Juli 1903/04. Dasselbe ist der Fall in Mexiko mit 1,8 und in Argentien mit 1,7 Millionen. Von den Kolonien mit besw.rrr Poswerwaltung erfordert u. a. Jndo-China 3,8, Niederländisch- Ostindien lVn, Oranjestaat 1% Millionen Frank Zuschuß. Die größten Einnahmen aus der Post erzielen die Vereinigten Staaten mit 744 Millionen. An zlveiter Stelle steht hier Deutschland mit 691 Millionen Frank. Bedeutend weniger erzielt Großbritannien mit 410, Frankreich mit 313?� und Rußland mit 274lh Millionen. lieber 100 Millionen nimmt außerdem nur noch Oesterreich mit 123?L ein. Die größten Ausgaben haben die Vereinigten Staaten mit 788 Millionen. Es folgen Deutschland mit OlOf/j, Großbritannien 289, Frankreich 246, Rußland 167%, Oesterreich 127%. Verhältnismäßig am ergiebigsten ist diese Einnahmequelle für Eng- lanid, wo von 410 Millionen 121% der Staatskasse verbleiben. MW- Oer neue-MW verteuert nicht nur MsM, 8rof und Tieisch, sondern auch Sntter, Külsenfrüchte, Rosinen, ftlanmen, Tflanmenmns usw. und drängt somit die Masse der Bevölkerung in ihrer Ernährungsweise immer weiter zurück. Die bisher schon ungenügende Ernährung macht es zur Pflicht jeder Hausfrau, jedes Familienvaters, den ohnehin geringen Verdienst sti einer Weise zu verwenden, welche die Erhöhung der Lebenshaltung durch hillisreren Einkauf weniger fühlbar macht und eine Gewähr für rein« und nnverfäisekie Ware gibt. Es muß daher unter allen Umständen gesucht werden einen Ausgleich zu schaffen, der aber sicher nicht in den kapitalistisch geleiteten großen Warenhäusern und sonstigen außerordentliche Reklame machenden frlvatgesehäfiett gefunden wird, sondern einzig und allein m de« bestehenden Konsumenten-Organisationen. Diese sind Eigentum der Mitglieder, werden von den gewählten Vertrauenspersonen verwaltet und zahlen den Gewinn am Waren* verkauf an die Jflitglleder zurück. In den unterzeichneten TL Verkaufsstellen Berlins und der Vororte wurden bereits im vergangenen Jahr? zirka 3 Millionen Mark wn an Waren umgesetzt. ...A werdet Mitglieder und deehi Suren Bedarf in Zukunft nur in den untenstehenden Verkaufs W Iii III I«Ii II«IsPiI stellen, denn je mehr kaufende Mitglieder die Konsumenten-Organisationen haben, desto größer """ sind die Vorteile, die sie Euch bieten können. Wegen Eintrittsbedingungen wolle man sich in eine der aufgeführten Verkaufsstellen bemühen. Kerlilln Konstim-Vtrem. Kontor: Krautstraße 7. Liebigstraße 7. KotlsllMgtnossrnschast Aerlin und Umstgend. Kontor: Willdenowstraße 30. Gräfestraße 40. Hagelbergerstraße 20. Swtnemünderstraße 44. Greifenhagenerstraße 84. Buttmannstraße IV. Willdenowstraße 30. Gartenstraße 8. Wiclefstraße 81. Ebelingstraße 14 Arndtslratze 6. insstraße 64. Tempelhof, Berlinerstraße 76. Schöoeberg, Apostel PauluS- straße 27. n Gothenstraße 1. Weißensee, Friedrichstraße 12. Krautstraße 7. Stralauer Allee 20s. Savelbergerstraße 6. Rostockerstraße 20. Emdenerstraße 60. Michael-Kirchplatz 4. Zorndorferstraße 62. Türrschmidt- Konsum-Vtrem Lharlottenburg. Lager I: WilmerSdorferstraße 27. H II: Tauroggenerstraße 10. . IQ: Potsdamerstraße 12. Konstlm-Verrill Irifbrnatt. Moselstraße 7. ioitfntn, Produktiv- uud Sparverkin Ithieudorf. Teltowerstraße 1. Konsunl-Gtllosstllschust Adlershof. Lager I in AdlerShof, Hackenbergstraße 29. „ II in Alt-Glienicke, Köpenickerstr. 82. „ III in Griiuan, Königstraße 2. Rummelsbnrg, straße 6. Lichtenberg, Frankfurter Chaussee 101. Lichtenberg, Kronprinzenstr. 1. Konsum-ßkreiu Trget. Küllfer-Nerem..Sktbsthütft" Kkdorf. Kontor: Ziethenstraß. 64. Berlin. Pücklerstraße 31. Falckeusteinstraße 6. Forsterstraße 4. Glogauerstr, 27(Milchgeschäft). Admtralstr.37(Bäckereiniederi.). Rixdorf. Ziethenstraße 31. Hobrechtstraße 82. Rixdorf. Rosenstraße 4 Falkstr. 1(Bäckereiniedprlage). Steinmetzstr. 129(Bäckereinied.). Britz, Werderstraße 33. Baumschulenweg, Baumschulen- straße 36. Ober.Schönewcide,Edisonstr.l2. Johannisthal, bei Senftleb.'n. Koufumgrnosskusdjast Fritdrichshogen. Lager_I in Friedrichshagen, Frtedrichstr. in Erkner, Königstraße 66. II Spur- uud Produktiv-Geuosstnsdjuft Groß-Werfetde. Dürerstraße 37. Kousuuwkrtiu„Merkur" Spandau. Lager I: Mittelstraße 13.— Lager Q: Weißenburgerstraße 60. Lager I in Tegel, Schlieperstraße 70. „ II in Borsigwalde, Schubertstraße 21. „ III in Hermsdorf i. d.M., Berlinerstr.l6s. Konsnm-Vertin Nowanles-Nruendorf. Lager I: Priesterstraße 29.— Lager Q: Lindenstraße 68. Kausum-Gtnosstuschast„Koffuullg"' Potsdam. Lunkerstraße 16. Klir de» Julialt der Inserate tiberiiimmt die Ncdaktion de», vnbliknm gcaeiiiibcr keinerlei Berantlvortnng. UKeater. Sonntag, den 11. März. Freie Volksbühne. Sonntag, 11. März, nachmittags«>/, Uhr: 8. Ii. Abicilnng nn Metropol-Theater: Kater Lampe. 10./11, Abteilung im Carl Weiß-Theater: Ein FrühIingZopfcr. Nene freie Volksbühne. Sonn- tag, den 11. März, nachmittags 3 Uhr: 11. Abteilung im Schiller-Theatcr X.: Zapfenstreich. I. Abteilung im Schiller-Thcater v.: Die Macht der Finsternis. Nachmittags S'/, Uhr: 6. Abteilg. im Neuen Theater: Doppelselbil- niord. 9. Abteilung im Deutschen Theater: Eine Florentinischc Tragödie. Die Neuvermählte». Der Herr Kommissär. Ansang VI, Uhr: OPernhanS. Undin«. Montag: Carmen. Ttlianspielhans. Romeo und Julia. Montag: Wie die Alten sungen. Neues Lperntheater. Der Barbter von Sevilla. Montag geschlossen. idc-tscheS. Der Kaufmann von Venedig. Montag: Minna von Barnhclm. Steiies. Gin Sommernachtstraum. Montag: Der Herr Kommissär. Hieraus: Salome. lverliner. Zar Fcodor Joannowitsch. Nachmittag» 21/, Uhr: Hamlet. Montag: Drei Schwestern. «Arsten. Schützenliesel. Ans. 7 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Freischütz. Montag: Die Asrikanerin. Lessing. RoSinerSholni. Nachm. 3 Uhr: Stein unter Steinen. Montag: Und Pippa tanzt. Zentral. Der Vogelhändler. Nachmittags 3 Uhr: Die Fledermaus. Montag: Dieselbe Vorstellung. iUietronol. Ans ins Mctropol. Moliwg: Dieselbe Vorstellung. Ans. tWalhnlla. Heinrich Heine. Die Ballhaus-Anna. Montag: Dieselbe Vorstellung. An- sang S Uhr. Ansang 8 Uhr: Schiller O. lWallner-Theater.) Romeo und Julia. Nachm. 3 Uhr: Die Macht der Finsternis. Montag: Dtcselbc Vorstellung. Schiller �i. lFriedrich Wilhelm- städtisches Theater). Das Glück im Winkel. Nachmittags 3 Uhr: Zapsenstreich. Montag: Zwei glückliche Tage. komische Oper. Don PaSquale. Nachmittags 3 Uhr: HoffmannS Erzählungen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kleines. Antlgonc. Nachmittag» 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Antigone. Viesidenz. Der Prinzgemahl. Nachm. 3 Uhr: Eine HochzeitSnacht. Montag: Der Prinzgemahl. Driano». Loulou. Nachmittags 3 Uhr: Die herbe Frucht. Montag: Loulou. Carl Weift. Di« lebende Brücke aus Kuba. Montag: Dieselbe Vorstellung. Lustspiellians. Der Weg zur Hölle. Nachmittags 3 Uhr: In Behandlung. Montag: Der Weg zur Hölle. Tlialia. Bis früh um Fünie. Nachmittags 3 Uhr: Der Hochtourist. Montag: Bis srüh um Fünje. Luisen. Die Haubenlerche. Nachmittag» 3 Uhr: Gras Essex. Montag: Dieselbe Vorstellung. Deutsch, Zlmerikanisches. Gr und Ich. Noch in. 3 Uhr: Uebern großen Teich. Montag: Er und Ich. Kasino. Die Herren Söhne. Nachmittags 4 Uhr: Die goldene Brücke. Montag: Die Herren Söhne. «Ipoilo. Das bummelnde Berlin. Spezialitäten. Nachmittags 3 Uhr: Berliner Luft. Montag:' Das bummelnde Berlin. Spezialitäten. Herrnfrld. Familientag im Hause Prellstein. Montag: Dieselbe Vorstellung. Folics Capricc. Nach dem Zapsen- streich. Der Bchcme. Montag: Dieselbe Vorstellung. «Niiiiergarlen. Saharet:»Die Kaiserin der Sahara".— Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Vellc-Zllliance. Spezialitäten. Nirichshallen. Stetliner Sänger. Passage. Spezialitäten. lirxuin. Da» I>>»sirnste JNflS). 8 Uhr: Am Gels von Neapel Montag-Hörsaal 8Uhr: Dr. Donath: Die Fortschritte der drahtlosen Tclegraphie. Gtcrnwarte, Juvaltdeiistr. 57/62. Täglild ufBiiiiei non i bis 7 Ildr. Berliner Theater. Nachm. 2'/- Uhr zu ennäßigten Preisen: UäsnB&ta Abend» VI, Uhr: Gastspiel des Moskauor Künstlerischen Theaters. Zar Feodor Joannowitsch. Montag: Drei Schwestern., Dienstag: Nachtasyl_ Zentral-Theater. (Operette.) 3 Uhr halbe Preise: Tie Zsledsrmaus. 7'/z tfjjr: Ter Bogelhändler. Neues Theater. Anfang VI, Uhr. 8m Scmtnemachtstramn. Montag: Der Herr Kommissar. Hieraus: Salome. Dienstag: Gastspiel D use: Ros- mersholm. Kleines Theater. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Antigone. Montag: Antigone._ Lusisfa§@3haus. Nachm. 3 Uhi; In Vehaiidlniig. 8Ubr: Ler Mli zur Mite. Komische Oper. Sonntag, 11. März, nachm. 3 Uhr, ermäßigle Preise: Nottmanns Erzählungen, Abends 8 Uhr: Don Pasquale. Montag: Hoffmanns Erzählungen. Residenz-Theater. Direktion: Richard Hlexander. Heute zum 133, Male, morgen und solgende Tage 8 Uhr: Der Prittzgemahl. Satirischer Schwank in 3 Akten von L. Zanros und I. Chancel. . Sonntag nachm. 3 Uhr: Eine Heed- zeitsnacht. Luisen-Theater. Nachmittags: Graf Essex. Abends: Die Hanbenlerche. Montag: Gras Essex. Dienstag: Die Anna-Lite. Mittwoch: Die Haubenlerche. Donnerstag: Gras Essex. Freitag: Ein Sommcrnachtstraum. Sonnabend: Der Verschwender. T rianon-Theater. Ansang XiOlllOll. 8 Uhr. Sonntag nachm.: Die herbe Frucht. Metropol-Theater Anfang Uhr. Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bilflcrn v. Jnl. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen in all. Räumen gestattet. Apollo-Theater. Nachm. 3 Uhr zu ermäßigt. Preisen: Die glnnzciidc» Spezialitäten und Berliner Lnft p. Abends 8 Uhr: Das Märzprogramm. 91/. Uhr: Das Iniiiiinflnbf Kerlln. Burleske von Benno Jacobson. Musik von Rudolf Nelson. Passeoe-Theafer. 1 Ansang 8 Uhr.| DaS neue März- Programm.» �ntoinette Sohns l Koloratursängerin. Geschwister Fiokatl, Gesang und Tanz-Duo. »it»! Sohönhnnop mit seinen lustigen Geschichten. 14 originelle Spezialitäten. CK WC WaihallaTheäter Aswrisk Zlews. Lustspiel in 3 Akten von A. Mels. Hieraus: Sie SaMsus-Anna. Posse m. Ges. i. 2 Akt. v.Dauii u. HaStel. Aiij.st,8 Uhr. Rauchen überall gestaltet. 55um 79. Male; Deutsch- Amerikanisches THEATER. Jeden Abend 8 Uhr!! Gastspiel Ad. Philipp. Sonnt, nehm. 3 Uhr, halbe Preise: Ueber'n großen Teich. Folies Caprice Budapester Possen• Theater 132 Llnienstr. 132, —• Ecke Friedrichstraße.— Nur noch einige Tage: Der Deheme und Jssnch d. Zapfenstreich, j Sonnabend, den 17. März: PRKHIIERE: Der S c h m o c k und Dalles& Co. DV" Anfang 8 Uhr. deu gtin�cn Tag geöffnet. Seil i 1 1 er-Tls eat er. Schiller-Theater 0.(Wallner-Tbealer). Sonntag, n a dl m. 3 Uhr: Die Jlacht der Finsternis. Schaulpiel in 5 Sitten v. Leo N. Totstoj. Uebersetzt von Raphael Löwenseld. Sonntag, abends 8 Uhr: Romeo nnd Jnlla. Trauerspiel» in 5 Sitten von SS. Shakespeare. Montag, abends 8Ubr: Die ZIaeht der Finsternis. Dienstag, abends 8 Uhr: lieber nnsere Kraft.(2. Teil). «»»»«»»»»»»«««, Schiller- Theater N.(Friedr.-Wilh. Th.) Sonntag, n a ch ni. 3 Uhr: 2?apienstreleh. Drama in 4 Sluszügen von Franz Adam Beyerlein. Sonntag, abends 8 Ubr: Das Giäek im IVinkcl. Schauspiel in 3 Sitten von Hermann Sudcrmann. Montag, abendS8 Ubr: Zwei glückliche Tage. DienStag, abends 8 Uhr: Der Vogel im KURg. 1 65 Abessinier Gaslaos Panoptikum Friedriclistr. 165. Kein Extra-Entree. a-Vorstellungen A ein KM frei! 7 Zirkus Albert Schumann Heule Sonntag, den lt. d. MtS., nachm. 3st,Uhr und abends 1ll, Uhr: 2gr. außerord. Gala-Vorstellungen{ SJachm. auf allen Plätzen o. Ausn.. 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Herrnseld in den Hauptrollen. ?lnf. 8 Uhr. Borvcrk. 11—2 Uhr. Sonntag, den l. April: dlrsjährlgrr Apltlstilson! Abschiths-Norfteliiiiig --- im alten Hanse!!= SanssoucUÄ1: _®iv. Wilhelm Reimer. Sonnt., Moni., DonnerSt.: Ilofltnanns Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sonnt. Bg. 5, Wochent. 8 U. Dienst. Mittw: Thea,.-Ad. Bnmnielfriiie. Der Veilchenfresser. Vorverkäni bei Werl eim. Hoclisensaiioiiell! Belehrend! �issensohatt und Verhreohen. Täglich wechselnde Projektions- Vorträge aus der gerichtlichen Medizin in Carl Gabriels Volks-Museum Friedrlchsfr. 112a, am Oranienb. Tor I. Serio Dord oder SelbmlTOord? Außerdem 2000 Numm. Volkskrankheit. u. d. Bckämpi.Anat. Snmfiritcrlohre Entrec 30 Pf. Sold. u. Kind. 20 Pf. Sämtl. Räum, mit Vortrag ohne Kachzablnng 60 � XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. 2 große Vorstellungen 2! nachmittags 4, abends T/jtThr. Nachmittags zahlen Kinder auf allen Sitzplätzen halbe Preise. 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Sonntags 7 Uhr. U. Noaelrs Theater. Direktion: Rod. Dill. Brunn enftr. 18. Der Hüttenbesitzer. Schauspiel in 4 Akten von E. Rieck. Ansang VI, Uhr. En free 30 Ps Ball. Montag: Tieselbe Vorstellung. Dienstag: Uraufführung von: Der Hirt von Goldau. Erstes dlesj. Austreten des Direktors Roh. Dill. Enidels Allerlei-Tliealer Schönhauser Allee 148. Jeden Sonntag und Mittwoch: DA?- Konzert Whg Theater, Spezialitäten, Tanz. Ans. Sonntags 6 Uhr, Mittwochs 8 Uhr. ffOF" Sonnabende jür Sommer. feste sind noch frei. Otto Hrltzkows Berliner Abnormitäten- und Biograph-Theater Münzstr. 16. Münzstr. 16. Welt-Biograph Sy Sy?????? Tie Wunder- Liliputaner! Tie Fustkiinstlcrin! Alhamhra Wallner-Theatcrstraße 16.• t:x Großer Ball Großes Orchester. Ansang Sonntags 6 Uhr. A. Zameltat. Haf e Hfey er Dresdener- Straße 128/29. Kaffee lOu. 15, Bier, helliudunk.. 10 Pf. ca. 50 Zeltungen; 2 Billards elb. 40 Pf. Zahlstelle der Freien VelksbOhne.■ G Chaussee- Arnold Scholz stacht Straße 103. Karl Richter. 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Anfang B'/s Uhr.— Eintritt 40 Pf., an der Kasse 50 Pf., Kinder 20 Pf. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutrit. — Billets sind in folgenden Zigarrengeschäften zu haben Horsoh(Gewerkschaftshaus); Gottfried Schulz, Kottbuser Tor; Karl Bielefeld, Gräfestr. 35; Nicolas Nachfolger, Skalitzarstr. 107; Franz Mühlsteph, Kirdorf, Kirchhcfstr. 18; Emil Schulz, Mittenwalderstr. 8; Paul Juhl, Scböneberg, Kolonnenstraße j Lorenz Sohinzler. Waldstr. 30; Tabakarbeiter-Genossenschaft, Kopenhagenerstr. 2 u. Fehmarns tr. 7, und in der Buchhan dl. Meinhardt, Lehninerstr. 1, Hasenheide. nxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxv Sozialdetnokratiseher Mlverein für den h. Berliner Keiehstags-Wahlkreis. Sonntag, den 18. März, bei Keller, Koppenstr. SV: kr. Inlkjakrs-Vergnügen. Austreten der Nolkssänger-Gesellschast Lewandowsky. Turnerische Aufführungen vom Turnverein„Fichte«. Die Mufik wird ausgesührt vom„Neuen Berliner Sinfonie- Orchester" unter Leitung deZ Direktors Herrn Vlvtes. Kaffen-Eröffnung 4 Uhr. Ansang S Uhr. Billett 25 Pf., an der Kasse 30 Pf. 242/11» EZ ladet ein I»»« Komitee. Friedrlcbsberg.'V Frankrapter- gerusprecher Nr. 8. Chaussee 5. Uestanrant und Fcststtlc. gebe« Sonntag:«r. Bali unte�ng�Herm 1 Jeden Mittwoch: Jtnmoristisck Soiree der Willg Waide-Sänger. ÄS. Familien-Kränzchen, x sÄÄ;.n I 339L» fwebr. Arnhold. Sonnabend, den 17. März, | in Gebr. Arnhol ds Festsälen, Frankfurt. Chaussee 5: j Stiftungsfest des Sozialdemokr. Wahlvereins Lichtenberg Mitwirkende; Menes Tonkttnstler• Orchester| (virig.: Franz Hollfelder), Frl. Helene Hartwig(Sopran). Nach dem Konzert: Bfllls Qraumanns Testsäle Hrbcitcr- Sängerbund ßerlins und Umgegend. Sonntag, den 18. JYIärz, in der Brauerei fnedncbobain: Zur?eier des 18. Klärz � � K-ieder-Hbend. � � Unter plitwtrhung geldiätzter Solisten prolog X" Rezitation. Während des Konzerts bleiben die Saaltüren gefchlossen. SrZffnung 6 Uhr. Hnfang präz. 7 Uhr. 16/4 Bühne! 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Soll der kontinuirliche Betrieb auf- recht erhalten werden, dann müßte man bei Aufhebung der unhalt- baren Zustände zu der Einführung einer dreifachen, je 8 Stunden betragenden Schicht übergehen. Allerdings, unbedingt notwendig ist die dreifache Arbeitsschicht pro Tag nicht. Bei flauer Konjunktur wird auch jetzt vielfach nur in einer Schicht gearbeitet. Diese hält man oft sogar für so vorteilhast, daß die Einführung der Doppel- schicht bei Häufung der Aufträge inöglichst weit hmausgeschoben wird; dafür werden maflenhaft Ucberstunden und Ueberschichten angeordnet. Geradeso gut wie inan täglich 12—16 Swnden arbeiten lassen kann in einer Schicht, ist technisch zweifellos auch die Möglichkeit gegeben, 16 Stunden in zwei Schichten zu arbe!. Diese technische Möglichkeit entzieht allen Einwendungen der Unternehmer den Boden. Die Zwölfstundenschicht wird mit den Betriebsverhältnissen, die an- geblich eine zehnstündige Arbeitsschicht nicht gestatten, verteidigt. Man könne die weißglühenden Blöcke nicht ein paar Swnden lang im Ofen laflen, die Oefen auch nicht für solche Zeit außer Betrieb setzen. So erzählt man den Laien und diese müssen es glauben. Wenn man aber den Betrieb 12 Stunden aussetzen kann, dann steht einer Betriebsruhe von eventuell 4 oder 8 Swnden auch gar nichts entgegen. Die Feuerarbeiter werden der Zwölfstundenschicht gemartert, nicht nisch bedingt ist, sondern weil man ständigen, besonders profitabel erscheinenden brechen will. Vom ökonomischen Standpunkt aus muß die einfache oder doppelte Zwölfstundenschicht als verschwenderisch bezeichnet werden. Daß die Arbeiter bei jolchen Arbeitszeiten nicht auf der Höhe der möglichen individuellen Leistungsfähigkeit stehen, darüber wird heute wohl kaum noch geswitten. Konstatiert doch sogar der Jahresbericht der Bochumer Handelskammer, daß die regelmäßige Verlängerung der normalen Arbeitszeit— zehn Swnden— die Produktionskosten erhöhe. Daß wegen der Verbindung des iOfenS mit der Walze, dem Dampfhammer. der Schmiedepresse, dem Beflemer- und Martinverfahren in der Weiterverarbeitung des Roheisens, daß überall da, Ivo der Arbeitsprozeß die Entwicklung hoher Hitzetemperawren. den Unterhalt großer Oefen bedingt, die man nicht nach Belieben stocken lind dämpfen kann, ohne großen Verlust von Heizeffekten, dem kontinuierlichen Betrieb betriebstechnisch und ökonomisch der Vor- rang gebührt, ist unbestreitbar. Aber der kontinuierliche Betrieb ist gar nicht von einer bestimmten Schichtdauer abhängig, er kann durchgeführt werden mit der zweifachen und auch mit der dreifachen Schicht, zu 12 resp. 8 Swnden. Technisch steht aber auch nichts im Wege, den kontinuierlichen Betrieb in zehn- stündigen Schichten mit drei Kolonnen aufrechtzuerhalten. Rechnen wir die Sonntagsnachtschicht hinzu, so ergeben sich pro Woche 166 Arbeitsstunden gleich 16,6 Schichten zu 10 Stunden. Mithw entfiel auf jede Schicht eine Wochenleistung von 6,2 Schichten. Jede Kolonne würde jedesmal nach 10 Swnden Arbeit, 20 Swnden Ruhe genießen. Die dadurch gesteigerte Leistungsfähigkeit der Ar- heute noch mit weil das tech- mit der rück- Einrichtung nicht beiter, die mit einer solchen Betriebsregelung erzielten Ersparnisse an Brennmaterialien, die besiere Effektausnutzung der Oefen usw. verbilligte die Produktion so erheblich, daß damit der Ausgleich für den wöchentlichen Ausfall von 8 Arbeitsstunden pro Schicht er- möglicht werden könnte. Wir sind weiter der Ansicht, daß abgesehen von einer gewissen UebergangSzeit, auch die 8 Stundenschicht ohne Verteuerung der Produktion, ohne Profitschmälerung für die Unter- nehmer emgeführt werden kann. Sollten aber auch die Gewinne etwas beschnitten werden, so darf daran die unerläßliche Reform nicht scheitern. Gerade die Großindustrie, die so lange rücksichtslos gegen die Arbeiterschaft sündigte, weist Rentabilitätsquoten auf, die einen gelinden Druck sehr gut verWagen können. Nachfolgend stellen wir die Ergebnisse von 13 Gesellschaften zusammen. Das Resultat kann wohl unbedenklich als typisch für die in Bewacht kommende Industrie bewertet werden, es gestattet ein allgemeines Urteil. Unternehmen, welche exzeptionell hohe Gewinnziffern aufweisen, wie z. B. der Schalker-Gruben- und Hüttenverein mit 32'/-,— 75 Proz. Dividende und Reserven in halber Höhe des Aktienkapitals, der Aachener Hütten-Aktienverein mit Dividenden von 30—60 Proz. und Rücklagen von rund 6 Millionen Mark bei ll'/z Millionen Mark Aktienkapital, andererseits Unternehmen, die von jeher Objekte für Finanzoperationen waren, wie z. B. der Dortmunder Sumpf— genannt Union, in welchem die Hansemänner viele Millionen— aus den Taschen anderer Leute verschwinden ließen, nicht zu Hanse- inanns Schaden, blieben unberücksichtigt. Von tendenziöser Gruppierung könnte höchstens in dem Sinne die Rede sein, als wir bei Aus- schaltung der günstig arbeitenden Werte zu weit gegangen sind. Mag sein, aber für unseren Zweck genügt auch diese zugunsten oeS Kapitals frisierte Zusammenstellung. Es wiesen aus: \n Gesellschaft BiSmarckhütte... Bochumer Gußstahl. Hoesch, Dortmund.. Ver.Königs-Laurahütte Phönix. Ruhrort.. Rh. Stahlwerke... Rombacher Hütten.. Wests. Stahlwerke.. Geisweider Eisenwerl Buderus Eisenwerk.. Donnersmarck-Hütten. Eschweiler Eisen.. Georg Marienhütte. do. Vorz.-Akl.... Milowicer Eisenwerk. Wests. Drahtinduswie. Mtienkapital Mark 6 000 000 25 200 000 16 600 000 27 000 000 36 000 000 28'000 000 24 000 000 7000 000 2 500 000 10 500 000 10 002 600 6 000 000 12 000 000 6 360 000 2 600 000 7 099 800 Reserven Mark 2 540 000 7 770078 6000 000 6 295 746 6 327 236 6 412 385 10 390 222 2 146 528 1230 000 487 913 1 229 527 147 303 2916 780 537 891 1000 000 Die aufgeführten 13 Werke verfügen bei einem Attienkapital von 226 762 40(1 M. bereits über Reserven in Höhe von 64 431 530 M. und in den letzten 6 Jahren sind rund 126�/z Millionen Mark oder rund 56 Prozent des Aktienkapitals an Dividenden verteilt worden. Die meisten Werke haben dazu in den letzten 10— 15 Jahren das ?anze Aktienkapital einmal abgeschrieben; die Höhe der Obligationen ann mit den Werten der baulichen Neuanlagen und des Grundstück- Zuwachses nicht konkurrieren. Welche Summen pro Kopf der be» schästigten Arbeiter herauSgewirtschaftet wurden, dafür diese An- aben: Die in unserer alischen Stahlwerke, welche stehenS von 1891 bis 1901 Aufftellung elche in d ungünsttg abschneidenden Westen zehn ersten Jahren ihres Be« eine JahreSdurchschmttsdividende von 10,8 Prozent erbrachten, ehielten im Jahre 1895 jnro Lopf der Arbeiter 3 pro ß» einen Ueberschuß von 971 M., 1899 sogar 1183 M. und in 1904 rund 513 M. Verfehlte Spekulattonen waren eS, die in den letzten Jahren die ausschließliche Verwendung des Ueberschusses zu Abschreibungen be- dingten. Der Aachener Hütten-A.-V. erzielte in den angeführten Jahren Reingewinne von 304 M., 946 M. und 599 M., der Bochumer Verein 598 M. resp. 629 M. resp. 395 M., alles pro Kops der Beschäftigten. Bei solchen Ergebnissen kann man au» wirtschaftlichen Gründen, selbst bei der Boraussetzung einer mäßigen Verteuerung der Pro- duktion, die Forderung der Regelung der Arbeitszeit nicht bekäinpsen. um so weniger, als die Verkürzung der Arbeitszeit hier wie in anderen Betrieben zu technischen Verbesserungen in den Das aul Anlagen und in der Arbeitsmethode führen wird. Im Anschluß daran sei auch noch eine andere mögliche Einwendung be« rücksichtigt. Man wird behaupten, einmal, es ständen nicht soviel brauchbare Arbeitskräfte zur Verfügung, um drei Arbeitskolonnen für den achtstündigen kontinuierlichen Bettieb besetzen zu können, andererseits wird darauf hingewiesen wc.den, daß mit der ununterbrochenen Erzeugung die Produktion zeitweilig weit über den Bedarf hinausreiche. Solchen liebeln kann leicht abgeholfen werden. Zunächst, indem die veralteten, technisch zurück- gebliebenen Einrichtungen außer Bettieb gesetzt werden und die frei werdenden Arbeitskräfte bei den technisch fortgeschrittensten Anlagen Verwendung finden. Und weiter kann bei notwendigen Betriebs- einschränkungen, anstatt wie eS jetzt geschieht, die Hälfte der Beleg- schaft auszurangieren, der konttnuierliche Betrieb aufrechterhalten werden, indem bereit? am Freitagabend oder, wie die Marktlage gebietet zu einem anderen Termin, Wochenschluß gemacht wird. Bei einigem guten Willen stehen der Einführung der Achtstundenschicht in den Feuerbetrieben wie überhaupt in der Industrie, ebenso wenig technische wie wirtschaftliche Hindernisse entgegen. Segen des Kalibergbaues. Daß der Kalibergbau nicht überall Segen spendet, daS wird bewiesen durch die Lohnforderung der vor einigen Tagen ausständig gewordenen Kalilohnsklaven. Wenn man vernimmt, daß die Arbeiter als Höchstlöhne 4 M. verlangen, dann sollte man glauben, der Kali- bergbau bringe eine nur schwache Verzinsung des Anlagekapitals, er könne bessere Löhne nicht zahlen. Tatsächlich kann aber der Kali- bergbau als einer der aussichtsvollsten, lukrativsten Anlagen für industrielles Kapital betrachtet werden. Auslandskonkurrenz gibt eS nicht, Deutschland ist der einzige Verkäufer von Kali auf dem Weltmarkt. Das allein garantiert schon eine für die Unternehmen günstige Preishaltung. Im übrigen sorgt das Kalisyndikat dafür, daß die Preise nicht ruiniert iverden. Aber ruiniert sind die Arbeitslöhne I Vor fünf Jahren nahin man die allgemeine Konjunkturabflauung zum Anlaß, die Löhne der Kalisklaven zu beschneiden; seit jener Zeit sind die Gewinne der Werksbesitzer enorm gestiegen, aber auf dem ttefften Niveau hielt man die Löhne. Die Unternehmen: Karlsfund, Wilhelmshall, Glück- auf-SonderShausen. Hedwigsburg. Wintershall. Burbach, Beienroda, Aschersleben, Johanneshall erzielten pro 1904 zusammen einen Ueberschuß von 6 859 909 M.» für 1905 stieg der Ueberschuß um fast 100 Proz. auf 12 060 170 M. Bei solchem Goldregen für die Werksbesitzer kann man, angesichts der gezahlten Löhne von 2,50 bis 3,50 M. nur von einer wucherischen Ausnutzung der Arbeitskraft durch das Kapital reden. v. Me Gefahr der UeWechflung und der damit verbundene Nachteil ist kaum bei einem zweiten Artikel so groß, wie beim Malzkaffee. Nachdan Kathrewer's Malzkaffee-Fabriken durch ihr in jeder Hinsicht vollkommenes Erzeugnis den Malzkaffee überhaupt erst zu dem Ansehen gebracht haben, dessen er sich heutzutage in der ganzen Welt zu erfreuen hat, sind übeoall mehr oder weniger mißglückte Nachahmungen aufgetaucht, die sich die schwer errungenen Erfolge des echten„ftathreiner" mühelos zunutze machen wollen, ohne daß auch nur ein einziger von ihnen an den wiffenschastHich festgestellten Genuß» Wert von Kathreiner'S Malzkaffce heranreicht. Kein zweiter Malzkaffce besitzt, um nur ein Beispiel zu nennen, den würzigen Kasfee-Gcschmack des e ch t e n.„K a t h r c i n e r". Man lasse sich also beim Einkaufe durch niemanden und durch nichts beein- flussen. den„Kathreiner" durch einen anderen Malz- kaffee zu ersetze». Denn er ist einfach unersetzlich. Man verlange in den Geschäften deshalb ausdrücklich nur den echte«„Kathreiner Malzkaffee" und achte scharf darauf, daß man diesen auch wirklich erhält und keinen anderen. Die untrüglichen Kennzeichen deL echten„Kathreiner" sind: Geschlossenes Paket in seiner bekannten AuS- stattung, Bild und Unterschrift des Pfarrers Kneipp als Schutzmarke, und die Firma: Kathreiner'S Malzkaffee-Fabriken. Möbel« Polsterwaren reell, zu soliden Preisen, empsiehll L70L» H. Strelow, Tisehlerrneisler, Rixdor?, RicharAatr. 116, am Denkmal. = Eigene Werkstatt sin Hause. Gegründet 1899.========== Ii! Sonntag, den 11. MSrz, abends 0 Uhr: Versammlung für Jänner und Trauen in den Berolina-Sälen, Schönhanser Allee 28. TageS-Ordnung: l. Vortrag des Genossen Hau» Weber über: „Des Deutschen Reiches Herrlichkeit." 2. Dislusston. Stach der Versammlung: 247/11 Gemütliches Beisammensein mit Tanz. /lektung! l» m Tischbranche! Achtung! Montag, den IS. März, abends 8 Uhr, im Lokal von Bieberstein, Adaldertstr. LI: Vertrauensmänner'Versammlung für SerUn ttnd Vororte. Mp Eine Abschrift drS Werkstelltarifs ist mitzubringen. 8t/1S I.A.: Her Obmann. Einsetzer! Wegen der heute stattfindenden Generalversammlung finden die nächsten Bezirkssitzungen am Sonntag, den 18. März statt. Her Obmann. Montag, den 12. März, abends 8Vz Uhr; Sezirks-Versarntnlttugen. K05enl!is!efu.8cdöll!iAU8erVor8tAllt:��°.M�A' Tagesordnung: t. Vortrag des Genossen Kotzte über:.Die Ideen deS März". 2. Bericht vom Gautag. Kollege M e r t t i g. 3. Verbands- angelegenhetten und Verschiedenes. Der Eiubcrufer. VelWing u. Gesundbrunnen:*2oUmiiu%?¥?rodt' Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Ritsch ke über:.De, Wert deS Gcnossenschasiswcscns'. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Bezirlsleiters. 4. Verbandsangclcgenheiten. Süden u. Südosten: im Märkischen Hof, Mm'ralstr ,80. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Max Schütte. 2 Diskussion. 3. Verbandsangelcgenheitcn und Verschiedenes. Westen und Südwesten: nabei, Bergman««-. s—?. Tagesordnung: l. Vortrag dc§ ReichStagS-Mgeordneten Robert Schmidt über:.Arbeiterschutz in Fabrik und Werkstatt". 2. Diskussion. 3. VerdandSangelegenheitcn und Verschiedenes. DlM- Da NichtMitglieder und Frauen Zutritt haben, werden die Be- sucher gebeten, ihre Frauen mitzubringen. Erwünscht ist recht zahEeichcS Erscheinen. Die Versammlung wird pünktlich crossnct.. nacllirho Vnrnrfp* im Schwarzen Adler(Jnh. Gebr. Annhold). Uvialllillv lUlUllv. Frtedrichsberg, Frankfurter Chaussee S. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Simon Katzen st ein über:.Die Entstehung der Gcwcrkschastcn". 2. Diskussion. 3. Wie machen wir uns die Beschlüsse der Gaukonscrcnz zu eigen? 4. Wahl eines Zahl- slellcnkassiercrS. S. BcrbandSangelcgenhciten und Verschiedenes. ÖW Kollegen 1 In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist eS Pflicht, dah Ihr die Versammlung besser besucht als bisher. Auch Frauen haben Zutritt. Her He�lrl�slettter. Andrcas-Fcsisäle(früher Stechert), Andreasstr. 81. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen Brückner: Rechte und Pflichten aus dem JnvalidenversicherungSgesetz. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenheitcn. Gsten und Nordosten: Achtung! Sfellrnacher. Achtung! Sonntag, de» 11. März, nachm. Z'l, llhr, im„Rosewkhaler Hof', Rosenthalerstr. 11/18: Branchen-Bersammlung fämtl. bei Innnngsmeistern betchäftigten Stellmacher. TageS-Ordnung: 1. Welche Forderungen stellen wir in den Jntmngswerkstättcn? 2. Verschiedene?. SHT' Kollegen! Wir erwarten, baß in dieser für Euch so wichtigen Versammlung alle ohne Ausnahme anwesend sind. Hie Ikomrnlsslon. =?arbettbodenlejer.= Diontag, den 12. März, abends 8 Uhr, im GewcrkschaftShause Engel-Ufer IS(Saal IV): Kranchen-Uersammlung Tages-Ordnung: 1. Regelung deS Arbeitsnachweises. 2. Branchenangelegcnhciten. 3. Verschiedenes. 4W Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Her Obmann. Verband der an Holzbearbeitungsmaschinen beschäftigt. Arbeiter Berlins und Umgegend. Montag, den 12. März, abends 8'/. llhr, im Getvcrkschaftöhause, Engel-, lfer IS, Saal I: Mitglieder-Versammlung TageS-Ordnung: l. Vortrag deS Genossen Niegor über:„cerlebung eum Soeisllzmus". 2. Diskussion. 3. Mitteilungen und Gewerkschastliches. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 75/? Hör Vorstana. Zentralverband der Ktaurer Dentseblands. Zwcigvercin Berlin. Freitag, den 16. MSrz, abends 8'/z Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 13,(Saal I): Saudepnfierten'Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS ArbeitersekretärS Genoffen<-. linst über»DaS UnfallverstcherungS« Gesetz'. 2. Gewerkschaftliches. Jeder Raudeputicrte erhält w dieser Versammlung unter Vorlegung der Baudeputtertenliste eine Kontrollkarte mit einem Stempel versehen— worin die weitere Tätigkeit und der Versammlungsbesuch der Bau- deputierten quittiert wird— ausgehändigt. Wir erwarten, dast in dieser Versammlung jeder Bau vertrete« sein wird. DM» Verbandnbnch legitimiert."MQ 137/18__ Die Berbandsleitung. I. A.: llmil ThLns. Zentral-Verbaml der Zimmerer ZablftcUc Berlin und Clmgcgend. Bureau: Engel-Ufer IS v. HI, Zimmer 32. Fernsprecher: Amt 4 Nr. S78S. Montag, den 12. März, abends 8'/- Uhr. in der„jUhattlbra", Wallner-Theatcrstratze 13: Außerordentliche Versammlung aller in Berlin u. d. Bororten beschäftigt. Mitglieder deö Zentralverbandes d. Zimmerer Deutschl. TageS-Ordnung: 1. Vortrag deS Genoffen Hr. Karl Liobknecbt über:„Justiz und Arbeiterbewegung". 2. Verschiedenes. An alle Kameraden richlen wir hiermit daS Ersuchen, bestimmt in dieser Versammlung zu erscheinen. 264/3_ Her Voratand. Zentral-Verband der Touser. ————— Filiale Berlin.———•* Dlkllstlig, hfn 13. illtirj, abends 6 Uhr, tat©fnifrüflbnftllljnnff(groftet Saal), Engel-Nfer 15: Mitglieder- Versammlung. 'TageS-Ordnung: 1. Beschluhfcisiung über das Regulativ zu der Kontrollstation. 2. Unser Chamottetarif, Bericht der Lohnkommission. 3. Beschlußfassung über den vorliegenden Antrag der Bauvertrauensmänner, Versammlung betreffend unsere Fenstcrfrage. igs,i4 In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist eS Pflicht eines jeden Mitgliedes, zu erscheinen. Der Borftanb. Stukkateure! Dienstag, den 13. März, abends 7 Uhr, für Berlin und Umgegend: Zalllstellen-Zusammenkuuft- zum Zweck einer planmäßigen Hausagitation und zur Vorbesprechung wichtiger Angelegen- heiten für den Verbandstag. Die Zahlstellen sind: 173/s 1. Vi., Dunckerstr. 83 bei Grobler. 2. AfHV., Stcphanstr. 30 bei Schade. 3. W., Bülowstr. 59 bei Lehmann. 4. Charlottenburg, Rosinenstr. 3. 5. Rixdort, Prinz Handjertffiratze 66 bei Kühl. 6. SO., Mantcuffclstr. 101, b. Gläser. 7. Wilmersdorf, Brandenburgische- stratze 100 bei Seite. 8. Wodding, Lindowerstraße 10 bei Discher. 9. Steglitz, Schloßstraße 117, bei Wahrendorf. Ehrenpflicht jedes Kollegen erfordert, daß er an dem Tage pünktlich seine Zahlstelle aussucht. _ Hie OrtsTcrwaltnng. 10. SW., Markgrasenstraße 25 bei Krebs. 11. O, Weidenwcg 64 bei ViezenZ. 12. Potsdam, Alte Luiscnstr. 32. 13. WelSensee, Sedanstr. 13 bei Auch. 14. 8., Bcrgmannstr. 97 bei Maaß. KoßWjilktdkrll.-Schittidrnttttrit. Montag, den IL. März ISvS. abends 8'/, llhr: VelleuNivke Versammlung in den„Arminhallen", Kommandantenstr. 8v. TageS-Ordnung: 1. Bedürfen die Zustünde in der Berliner Kostümbranche einer Reform und welcher? 2. Weichen Einfluß hat ein günstiger Verlaus der bevorstehenden Lohn- bewegung in der Musterkonsektion aus die Kostumbrauche? Referenten: Kollegen Knoop und Ritter. 162/12 Kollegen und Kolleginnen I Tic wichtigen Punkte der Tagesordnung erfordern das Erscheinen aller. Der Ginbcrufcr. Zentralverband«er Sehmiede. Bureau: Stralaucrstr. 48. Telephon: Amt I 7779 S!abl«telle Berlin. Donnerstag, den IS. März 1000, abends 8'/z Uhr: Antzerordentliche General- Versammlung in den„Musiker-Sälen", Kaiser Wilhelmstr. 18m. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zu den Kandidaten zum VcrdandZtag. 2. JahrcZ, bcricht der Ortsverwaltung. 3. Verschiedenes. Punkt»-/, Uhr: Mahl von t5 Dtlkgikrttn jnm Dtrdandstllge. Kollege»! Wir machen daraus aufmerksam, daß diese Versammlung , darchaus pünktlich eröffnet wird, und erwarten wir deshalb auch recht zahlreichen Besuch. Wir ersuchen namentlich die Bcrlraucnsicutc, aus vorstehende Versammlung aus- merksam zu mache». Mitgliedsbuch legitimiert!"UBC tüW Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt t-ME 176/6 Die Ortövcrtoaltung. J. A.: W. Slerlng, C. 2, Stralaucrfiraße 48. Hyglen. Bedartsarllfcel Illustr. Preisl. frei. Gustav Engel, Berlin 172, Potsdamer Straße 131. Montag, 12. Mlrz, abds. t/29 Uhr, Industriesäle, Beufhstr. 20; Vortrag von Maria Holma über: PpöstiMon niiii Verlireeliertura. Diskussion. Abendkaffe 50 Pf. Einbcruserin: Maria Holma-Traub, 345b Johannisstr. 23. Inniiugo-�ratthfnhnfff der(§loffr=3iunug0=|uiiiii!3 zu Berlin. Mittwoch, den 28. März 1906, abends 8 Uhr, im Gewerkschafts- Hause, Engetuser 15, Sani 7: Genera!- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Geschästs- und Kassenbericht pro 1905. 2. Ersatzwabl zum Vorstande (2 Arbeitnehmer) für die ausscheiden- den Herren Liebig und Fauerbach. 3. Stotuienändermig. 4. Verschiedenes. Die Herren Delegierten werden hierzu hoflichst eingeladen. 271/5 Hei- Verstand. I. A.: Alberl Kirchmann, Vors. Orts-Krankenkasse für das Tapezierer- Gewerbe zu Berlin. Zu der am 15. März 1906, abends 7'/, Uhr, bei W e n d t. Bcuthstr. 21. stattfindenden �. �MlNIUlig werden alle wablbcrechtiglen Kassen- Mitglieder ergcbcnst eingeladen. Tages-Ordnung: WabI von 20 Vertretern der Kassen» Mitglieder für die Wahlperiode 1906 bis 1908. 360b UM- DaS Kassenbuch muß bei der Wahl vorgelegt werden.-MM Her Vorntand. I. A.: H. L o b i tz, Vorsitzender. ioiwer am Taxer. Herrenstoffe Aamcnfiosse tirache Stoffe für Westen lanft man IWolkenmarkt 12»et H.( J.Fried Wer am besten I (Ortsvcrsvaltang Berlin.) Oircksenslr. 39 I. Amt III. 1913. DaS Lokal „Pracht-Säle des Ostensut») Frankfurter Allee 151/152 ist, da auch die neuerdings am 14. Februar staitgesundcnen Verhandlungen, an welchen der Borstaiid des Zentral-WahlvereiiiS und der Ausschutz der Berliner GewerkschaftSkommission beteiligt waren, zu keiner Einigung jührtcn,- 289/11 für organisierte Gastlvirtsgehülfen gesperrt. koicsoilloco Ghine-Bluse 10.°° Verstaut mehrerer hundert seidener Blusen direkt an Private. Darunter: Eeinseidene Blusen in aparten Streifen und eSelct- vollen Ohinds Jetzt 10,00, 12,00, 15,0» ctc.,_ schicke Theater- und Gesellschafts-Blusen jeder Art jetzt 15,00, 17,50, 20,00 etc. Schwarze Soiden-Blusen in nur soliden Geweben jetzt 9,00, 12,00, 15,00 etc. Vernehme Samt-Binsen 10,00, 12,00, 15,00 etc. Sämtliche Blusen sind ganz auf Futter gearbeitet. Acnderungen sofort. Maß-Anfertigung schnellstens. Adresse genau beachten. Seiden-En gros- Haus Hermann Herzog, Berlin, jetzt aar Leipzigerstr. 79, 1 Tr., am Dönhofiplatz. Telegr.-Adroäse: Seiden- Herzog. Der MionS-AuSschuß der WaHIverewe von Groß-Berlin veröffentlichte nachstehende Mitteilung im.Vorwärts": .Dem Wunsche der Partcigenoffcn folgend, hatte sich der Nkilonsausschuß im Verein mit der Berliner GcwcrkschastSkommission bemüht, die zwischen der Ortsverwaltung deS„Verbandes der GaslwirtSgehülfen"«nd dem Restauratcur Cranz(PraSlsälc des LstcnS) entstandenen Differenzen bei- zulegen, doch sind unsere Bemühungen ohne Erfolg gewesen. Wir nehmen daher Abstand, die ssrcuischtil Prathtsälk des Osteus, Frankfurter Allee 151/52, zu Versammlungen oder Vergnügungen zu benutzen, bis die obschwebcnden Differenzen geregelt sind." Wir ersuchen alle Vorstände und Komitees, soweit sie I' bei Herrn Cranz Versammlungen und Vergnügungen abgemacht haben, uns gest. ihre Adressen anzugeben, damit wir in der Lage sind, über die Ursachen der Sperre die notwendige Auf- klärung zu geben. Ortsiibtiihc Tme ts- öftliiift iiflinniiücn. Diese Taxe dient bei Gerichtsverfahren als Matzstad - für Hebammen.——— Für die Entbindung............ 10,00—30,00 Für de» Besuch vor oder nach der Entbindung. 1.00, 1,50—2,00 Desgl. bei Nacht(abends von 10 bis morgens 6 Uhr) das Doppelte Für eine Nachtwache............ 5,00— 8,00 Für eine Tag- und Nachtwache........ 8,00—10,00 Für Dcsinseklionsmittcl........... 1,Z0 Rückerstattung de» aus gewandten Fahrgeldes.— Zahlung ist bc! Be. endigung der Tästgkeit zu leisten.— Bei armen Famiilcn wird die Zahlung nach der Gebührcn-Tarc der Berliner Armciidlrcktion berechnet. Berlin, im März 1906. 5966 Der D erstand des Dtreins Derliner Hebammen. I.A.: H. Gebauer, Vorsitzende. Verein für grauen u. Rädchen der Arbeiterklasse. Montag, den Vi, März, abends 81/, Uhr. in den Berolina-Sälcn, Schönhauser Allee 28: Vortrag von Fräulein Ottilie Baader über daS Thema: 55/7 „Die Schäden der Kinderarbeit in gesundheitlicher, ethischer und materieller Beziehung." Gäste willkommen. Der Vorstand. Montag, den IS. März, abendö 8'/. Uhr. in Graumanns Fcstsälen, Naunynstr. S7: Verkztsttilelegierteu-Verzgmmlllng TageS-Ordnung: l. Welche Vorteile bietet das Dele- gierteniystem für die Organisation? 2. Wcrkstattangelegenheiten. DM- ES ist notwendig, daß sämtliche Betriebe vertreten sind. 141/S ver Vorstand. Zentralverband<• Schuhmacher Seufsehlands. Sonntag, den 11. März 1906, abends 6 Uhr, in den �nmnlianeii, Kommandantcnstraße 20: Kimbiilierte ptslickr�dfnininlung. Tages-Ordnung: Vortrag dcS Genossen:»Tie Bedeutung der Konsumgenossenschaften.' Nach der Versammlung findet ein gemütliches Beisammensein statt. Montag, den 12. März 1906, abends 8Va Uhr, in Kellers Festsälen, Koppcnstr. 29 /großer Saal): Geffentl. Sehuhmaeher-Versamtnlnng. Tages-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Schuhmachergehülsen zu der von der Innung beschlossenen Preiserhöhung auf Schuhwaren und Reparaturen? 2. Diskussion. 169/4 Um zahlreichen Besuch, bittet Iber Elnverirfer. Die Bezirks- Konferenzen finden an diesem Tage nicht statt. Verdsnü der Tapezierer. ——— Filiale Berlin.— Donnerstag, den 15. März 1906, abends S'/s Uhr, bei Wen dt, Benthftr. 19: AM" Versammlung."DU . TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Strvvel über den politischen Massenstreik. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 177/12 Zahlreiches Erscheinen erwartet __ Ple OrtsTcrwaltnng. UndreaS'Tesfsäle Znh.; Fritz Walter« Andreas=Str. 21 DM- Empfehle den geehrten Vereinen, Gewerkschaften und Klubs meine Sale zur Abhaltung von zestlichkeiten und Versammlungen. Mehrere Sonnabende und Sonntage noch frei. ES bittet um recht regen Zuspruch 423L» Fritz? Walter. Bau- u. Erwerbsgenossenschaft„Vorwärts" Eingetragene Genosscnschast mit beschränkter Hastpflicht. Aktivs. Bilanz, aufgestellt am 31. Dezember 1905. Passiva. An Kassa-Konto , Bank-Konto „ Haus-Konto 1129 16 211 70 _ 3929! 37 Mark 14270123 Per Kreditoren-Konto. » Gesch.-Antcil-Konto , RcservesondS�ionto Mark Vewlnn- and Verlast- Konto. 1400;— 2708— 162123 4270:23 An Unkosten-Konto... , HauS-JnstandhaltungS- Konto...... „ Abschreibungen... Mark 141;22 894 35 827 63 1863:20 Per Zinsen-Konto.. , Mictserstag-Konto Mark 4t 1821 1863 20 Im Lause deS GcschästSsahreS sind 8 Genossen neu beigetreten und Genossen ausgeschieden. Der Genosicnschast gehörten am Ende des obres 106 Genossen an.— DaS Geschäslsgulhabcn hat sich während deS efchäftsjahreS um 150,— M. erhöht und die Gesanithajtjumine ebenfalls um 150,— M. Letztere belics sich am 31. Dezember 1905 aus 5350,— M. Stralau-Berlin, den 10. März 1906. 322b Max Schuldig. Otto Schröder. Adolf Kadlsch. I c» i Einsegnungs- Anzüge Esders&Dyckholf Leipzigerstr. 50 a— Oranienstr. 48 Speziians f m Sera-«. KMeHig fertig und nach Maß. Herren- Sommer- Paletots und ■ Anzüge I B, Moderner Schnitt, nur la Verarbeitung, �große Auswahl, billigei� aber feste Preise. Berliner Gonfum'Verein. = Zentralverwaltung; Krautstraße 7.= Verkaufsstellen: 1. Michaelkirchplatz 4 4. Zorndorferstr. 62 2. Krautstraste 7' 5. �avelbergerstr. 6 3. Liebigstra�e 7 6. Rostockerstr. 20 7. Emdenerstraste 50. 8. Nummelsburg: Türrschmidtstr. 6 9. Berlin-Stralau: Stralauer Allee 20 A 10. Frankfurter Chaussee 103 l Friedrichsbergs 11. Kronprinzenstraste 1 f Lichtenberg. Eintrittsgeld 50 Pf._ Eintrittsgeld 50 Pf. Die ordentliche General--Vepkammlning findet am Freitag, den 39. März d. I.. abends tj Uhr. im Saal VN des Gewerkschaftshauses. Engel-Ufcr Nr. 13, statt. Tages-Ordnung: 1. GcschästSbcricht des Vorstandes und des GcschästSsührerS über das erste Halbjahr. 2. Diökuision. 3. EraänzungSwahlen zum Vcrwaltungsrat. 4. Anträge, welche laut S 14, Abs. 4 bei Statuts bis zum 16. März beim Vorstand eingereicht werden. 5. Verschiedenes. 106/3�_ I>ep Vorstand. Raucht 2262* Cigapettes. Mofttkh im wunderbar fein im ßefcbmack, vollkommen echt nnd rein sind die aus den berühmten Origjnsi-Reieiiei-�8SMen Tlarke Lilchthcrz' selbstbereiteten'Liköre, den ersten Spezialitäten der Welt gleir;h, aber bis um das Zehnfacho billiger. Mbit nrnhippp Allasch, Boonckamp, CharfUrstl. ülagen, Klflii[II UlliCiC<;|le5.rj..Brandy, Cura�ao double orange nnd triple scc. Cacao, k la Benedlctlncr u.Chai-trehse grün oder selb, und wird Uber die Qnalltüt nnd die enorme Ersparnis staunen. 4252* Man überzeuge sieb von der Einfacbheit der Sache und der enormen Ersparnis! Nichts wird Sie wieder von dem Gebrauch abbringe» können. Wer„steicbel Essenzen" kennt, verlangt nach keinen anderen mehr! Nachweislich beste, in Deutschland verbreitetste und populärste! SMr* Vielfach hbehst prämiiert."33® Glänzend begutachtet von Kennern I Wertvolles Nezcptbuch„Dio Destilllorung im Haushalt" kostenfrei. Otto Reichel, Berlin SQ., Eisenbaimstraße 4. 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Nachdruck verboten. 74 108 51 366 68 427 99 535 818 1085 258 372 443 535 74 673 727 2317[3001 63 457 983 3062 193 352 75 <07 47 591[400) 99 880 951 4014 141 271[3001 98 300 <31 616 710[4001 22 6023 154 296 373 469 80 603 77 835 932 7001 10 357 548 65 634 730 8212 19 523 58 609 46 732 77 931 9210 30 359 481 909 1O010 45[5001 367 13001 75 547 712 11236 396 740 1 2372 435[400] 608 764 877 940 1 3109 265 99 322 485 500 632 866 919 14353 518 92 618 985 1 5279 487 514 96 612 985 1 6013 283 461 525 1 7049 95 171 231 455 605 843 1 8023 151 331 649 695 777 912 1 9430 67 655 706 871 75[3001 20532 44 847 50 21388 578 611 55 783 22372 547 815 23067 106 96 488 677 796 24184 216 94 314 <24 683 746 808 950 2 5000 129 255 62 489 502 829 45 650 26359 81 573 932 66 27178 230 84 914 97 28039 120 312 530 38 2 9473 581 701 17 852 957[3001 30122 428 663 72 863 93 31149 93 408 560 874 »00 29 55 3 2114 432[3001 82 33420[5001 585 640 70 76 903 34139 580 829 964 35106 59 363 655 96 36028 454 542 618 730 833 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Ziehung 3. Kl. 21t. Kgl. Preti's. Lotterie. ZiehunR vom 10. Märt 190«, nachrailtag!. »nr die Gewinne übet 144 Mark sind den tetrclfcnaen Nummern in Klammern heiprtüKt, (Obne Gewähr.) Nachdruck verboten. ..."5 228 345 47 86 498 65tSJ46 70 811 53 1 074 301 465 925 2000 225 862 3059 78 211 98 445 552 603 62 rw™ noill0 217 m 501 41 685 793 830 39 5(108 11 I33 89 5203 94 353 404 38 675 99 989[3001 7178 202 302 m] 31 737 9033 200 23" , lOp1 69 13001 629 68 TOS 986 1103u 607 837 939 J2087 m[ZOO! 254 74 314 579 94 761 13055 108 250 [3001 71 333 77 688 643 1 4138 00 244 333 88 92 402 iL6?,,594 1 5180 220 60r>-Ii 08 881 13001 16329 57 Rö 18 862 1 7286 409 524 760 844 46 70 944 1 8074 19051 57 427 507 29 83 645 780 20126 87 559 010 903 23 29 58 2 1034 320 36 71 <52 509 819 40 63 60 2 2221 78 460[4001 23125 43 496 694 715 48 877 24541(3001 662 67 853 020 2 5370 663 624 707 893 0C9 26076 157 210 685 971 27047 13001 91 120 54(5001 363 522 629 717 2 8799 953 2 9020 132 280 510 741 825 51 901 30031 117 211 21 79 450 518 055 850 3 1046 07 159 326 488 827 32196 345 503 5 698 980 33278 84 690 770 3 4349 763 890 903 3 5091 274 315 438 48 89 859 36096 101 5 311 446 811 967 92 3 7429 37 96 542 47 a&48815n%Ji3 Ä553 036 63 67 770 M3 03[300J fOS?4,�.4?,00 716 lOOO! 18[3001 806 948 4 1088 319 13001 645 68 85 793 800 20 42019 85 160 0001 250 54 77 404 032[ 400] 88 836 54 4 3263 310 649 941 80 4 4229 77 364 490 900 67[3001 45573 74 713 4611« ag«�90! 47019 934 4 8040 166 280 575 821 927 50711 30 802 034 51011 54 75 141 585 709 52027 J« 249 50 70 363 427 37[3001 621 72 743 836 973 �' rLf,11-..36�920 45 789 54035 63 133 87 94[300] 234 J300!'8 530 794 835 5 5910 522 703 5 6031 68 83 281 445 92 93 709 871 57208 367 434 713 833 82 � M01 MO 2376837° 59100 290 300 72 513 59 . ßOlO' 438 605 843 025 6 1033 180 267 89 424 518 f400' 89 7f0 013 6° 62162 300 46J 660 71 957 63078 90 284 401[3001 95 616 708 84170 346 58 403 550 W 851 13001 9-93 65107 214 363 438 522 789 97 873 55024 o07 83 401 8 80 622 6 7028 208 63 546 57[300] 310 73 732 87 92 68100 13 213 03 033 68 60a57 374 ...[4001 75 462 7 1 246 15001 384 465 701 41<14 90 7 2338 424 709 7 3086 143 82 270 338 079 933 7L333 87 7 33 75122 616 748.53 996 70020 84 483 l94 825 97 14001 80.5 1300) 34[3001 77 919 7 7009 809 öS?09 13001 483 708 957 79011 22 151 820 22 47 .®?18i.93 334 70 549 73 88 037 966 8 1 440 14001 83 808 799 832 903 82147 258 366 87 93 608[5001 86 702 IP4 � 9°? 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Da laut Gesetz der Achtuhr-Ladenschluh durch Ortsstatut beschlossen werden kann, sobald sich ein Drittel der orts- ansässigen Kaufmannschaft dafür erklärt, so wurde vor etwa einem Jahr auch m Berlin«ine Umfrage veranstaltet, um die Stimmung der Berliner Kauflcute in dieser Sache kennen zu lernen. Bisher ist nun ein Resultat dieser Umfrage nicht veröffentlicht worden. Das ganze Material liegt heute noch bei den Behörden, und kein Mensch weih, was daraus geworden ist. Um dann etwas Gang in die Angelegenheit zu bringen, richteten sowohl der deutsch-national« Handlungsgehülfen-Verband wie auch der Zentralverband schon im September v. I. ein Gesuch an den Vorsitzenden des Berliner Ge- werbe- und Kaufmannsgerichts, den Magistratsrat v. Schulz, doch schleunigst den Aus schuh des Kaufmannsgerichts zu einem Gutachten über die eventuelle Möglichkeit und Durchführ- barbeit des Achtuhr-Ladenschlusses zu veranlassen. Ende Oktober trat denn auch der Ausschuh zu seiner ersten Sitzung darüber zu- sammen. Die Arbeitnehmer-Beisitzer traten einmütig für den Acht- uhrschluh ein. Die Arbeitgeber-Beisitzer erklärten sich ebenfalls nicht grundsätzlich dagegen, wünschten jedoch vor der Beschluhsassung eine Befragung sachverständiger Interessenten. Zur zweiten Sitzung waren dann eine Anzahl der gewünschten Interessenten geladen worden. Diese sprachen sich in ihrer großen Mehrheit für den Achtuhr-Ladenschluh aus Dennoch kamen die Herren Arbeitgeber. Beisitzer zu keinem Entschluh. Die Sitzung wurde wieder vertagt und fand erst im Februar d. I. aufs neue statt. Und nun kam der komische Schlutzeffckt. Kein Arbeitgeber beteiligte sich in der dritten Sitzung an der Debatte. Trotz aller Vorhaltungen und aller Argumente der Arbeitnehmer blieben die Herren Prinzipale stumm wie die Fische, um dann bei der Beschlußfassung sämtlich gegen die Elnsührung des Achtuhr-Ladenschlusses zu stimmen.— Damit ist diese für die Handlungsgehülfen und-Ge- hüls innen so überaus wichtige Frage wieder auf längere Zeit hinaus ihrer Lösung entrückt. Vom Referenten wie auch von den Dis» kussionsrednern bezw,»Rednerinnen wurde das Verhalten des Gut- achtermisschusses einer scharfen, abfälligen Kritik unterzogen, worauf einstimmig folgende Resolution zur Annahme gelangte: „Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen deS Referenten einverstanden. Sie nimmt mit Entrüstung davon Kenntnis, datz die Arbeitgeber-Beisitzer im Berliner Kaufmanns- gericht den Antrag auf Einfuhrung des Achtuhr-Ladenschlusses nieder- gestimmt haben. Die Versammelten protestieren um so entschiedener gegen das Verhalten der Arbeitgeber-Beisitzer, als es diesen bekannt sein mutzte, datz ein großer Teil der Berliner Ladeninhaber dem Achtuhr-Ladenschlutz sympathisch gegenübersteht. Die Versammelten sind der Ueberzeugung, datz es unnötig ist, noch ein Wort über den Wert und die Notwendigkeit des Achtuhr-LadenschlusseS zu verlieren. Sie ersuchen vielmehr den Polizeipräsidenten von Berlin, schleunigst die endgültige Abstimmurig über den Achtuhr-Ladenschluh vornehmen zu lassen." Arbeiter-Sängerbund. In dem gestern veröffentlichten Bericht über die letzte AuSchuhsitzung ist der Verein„Sangeslust"(Grünau) alz aufgenommen bezeichne-. Der Schriftführer teilt uns mit, daß diese Angabe auf einem Irrtum beruht. Der genannte Verein stand nicht auf der Liste der zur Aufnahme gemeldet«: Vereine. I znrneWung v fdrtnter Firnln.AusUndtWowr nnanrierun� ta fleferenan rCoutanteBedinSun� rWo!ters&C° Berlin, rWI!lelm»(r. 119/120 Keuohhnsten Blract ober Cticfbuftfii b«r Kind« ist ytUbat durch Bichels„Cupressin" <««>'««bbr.fUnäi). Ofn Ncdrr nmtenb.. �eaunitel von oft SberTalchenb Ichnellkm Elfol«« od»« ichOdlcd« Nedknw>r!miZkN gür bi« Rtnbcr«in«»abrt ivobtt Rlintfdi erprobt nnb ir«iNch(jlönjcnb b«,ut» MC-------------- ?.I„ Wo in ben Srogtcico urb Npotbrkr» Singer Nähmaschinen. CHttfflrtjc Hnnbdabung! 83CUd» Große Haltbarkeit! Hobe Arbeitsleistung: UlsI>,ll»»IbIIung CifttnA Dt-S-v Weltausstellung Paris 1900: VJ1CUIU» I 1A st Loul.« IMS. St. Louis 1904. »chie» zum.«ediauchsanwinuno IHN. ( ouSmatli Port« HO Pf. bei 3 AI. ft< ---- �«, tanfo). nicht er�öuitch au v?z ehen dmch Otto Betohel,��.:.�8«; Unentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunststickerei. Elektromotor? für Nabmalchlnenbetrieb. Singer Co. Mkmasckinen Hct.ßeö. Berlin W., Leipzigerstr. 92. Filialen in allen Stadtteilen J. 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Meldungen Schützen- sttaste 22._ 97/15* Arbeiterinneu für weiße Träger- schürzen und für sarbige Kinder- schürzen verlangt Alfted Joseph. Brüderslraste 39. 3866 Zeitungsfrauen finden sofort dauernde Beschästtgung Schiffbauer- dämm t. Blusenarbeiterin ohne Hand- arbeit gesucht. OstrowSky, Pallisaden- straste 83._ 3876 Srtiürzennähertu verlangt Hefe, Stettinersttaste 38.+99 AufWärterin vormittags gesucht. Knabe, Gitschinerstraste 4, IV, 3—5. "Mamsells aus"Staubmäntel ver- langt Kuchenbecher, Swinemünder. sttaste 49. 373b* Xirektrice, sehr wchti.ie erste Kraft sür maschinelle Fabiilation von Chiflon-Berarbettung für sosort oder später nach München gesucht. Mel- du„gen Postamt 19, Berlin. Chiffre .Chiffon». 346b Arbeiterin, Blusen und Röcke. sucht Stlbersteln, Oranienburger- sttaste 9._ 961/7 Aeltere Frau für llewen Haus- halt, ltebevolle Behandlung, verlangt Kühn, Katzler+traste 17.+13 'Xnn ä Mädchen? Tag über, verlangt Klubhaus, Kopenhagenersttaste 74. Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SV Pf. die Zeile. Tüchtiger uchstabkvslljleiftr m.d Zlhrishtiljjller erste Kraft 3886 nach Düsfeldorf gesucht. Zu melden Im ttotsl lormlnu»(Sonntag 12 bis 1 Uhr, Montag abend 6—7 Uhr) WIK. Borgwaiw. Spandau. Krankenkasse sucht für Spandau tüchtigen Agenten, auch at» Neben- beschästigung. Generalagentur Berlw, Mauerjttaste 92. 205/18 lZmniliöses-UsiÄes langjährig erfahren, per sofort von größerer Goldleistensabrll gesucht. Ofl. mit Angabe bisheriger Tättg- keit und Gehaltsansprüchen unter A 3 Exped. d. Bl. erbeten. 3396 velllselier»oiiArbeiter- Verbsnä. Wegen Streik und Differenzen ist Zlllig fttllsllhllltell von Treppengeländer- Arbeitern (Drechsler, Tischler, Stellmacher. Polierer, Maschinenarbeiter uud Bi I dh auer) von der Treppengeländer- sabrik Joseph Drechsler, Gubener« sttaste 33: von Cinselier» vom Bau Gerhardt In Halensee, Schweidnitzerstr. 6 und 7, und Tischlern van Ebers Möbel« tischleret, Manleuffelstt. 22; von Partettbodenlegern vom Bau Tchoffow, Giesebrechtslr. 11; I»I« 0i-t»v«->-r,'»Itrintx. Der Stadtauflage unserer heutige« Nummer— aufler Zentrum, Siüden und Westen— liegt ein Prospekt der Pumpen» fabrtkWilI> Hcb�oeder, verlin W. 20, Hochftr. 43, bei. UU, ViüJlCWU kYMUjv*" avx._ � u_____— i____----- 3-;- r-z- 7- r- Y, �- 7~r:r-- ö— r-- ajT~r- c-TTr" Berantwortlicher Redakteur: Haus Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:Th. Glocke, Berlin. Druck u. Ber�"'rwärtS Buclidruckeret u. Verlagsanftalt Paul Singer& � ör-•'» S\V. Redaktion und Expedition: j£ � Berlin, Clndenttr. 69. Fcrnfpretfter: Amt IT, 1983. 1 partel-Hngclegcnheitcn. Sin die Parteigenossen von Berlin, Tcltow-Bceskow, Niederbarnim und Potsdam-Osthavelland! Zu der Anfang April erscheinenden Lokailiste ersucht die Lokal- kommission, alle Aenderungen resp. Neuaufnahmen an die nach- verzeichnclen Koinmissionsmilglieder biF spätestens Mittwoch, den 21. März er., gelangen zu lassen: Für den I. Wahlkreis an de» Genossen Jakob Egc, Roßstr. 23. Für den IL Wahlkreis an den Genossen Heinrich Schröder. Kreuz- bergslraste 15. Für den III. Wahlkreis an den Genossen Karl König, Jahn- straße 14. Für den IV. Wahlkreis an den Genossen Karl Rott, Straß- mannslraße 29. Für den V. Wahlkreis an den Genossen Friedrich Rausch. Winsstrasze 12. Für den VI. Wahlkreis an den Genossen Richard Henschel, Wollinerstraste 51. Für Teltow-Beeskow an den Genossen Karl Rohr, Rixdorf, ThomaSstr. 7. Für Nieder-Barniin an den Genossen Robert Rieck, Rummels- bürg, Kantstr. 22. Für Potsdam- Ofthavelland an den Genossen Karl Linz, Spandau, Mitlelstr. 13. Für diverse Orte an den Genossen L. Nowag, Strausberg (Stadt), Walkmuhlenstratze. Besonders weisen wir darauf hin, daß nach dem 21. März ein« laufende Meldungen für die Lokalliste nicht mehr berück- sichtigt werden können. Alle Zuschriften, Mitteilungen usw. aus den einzelnen Kreisen sind stets durch die oben angegebenen Kommissionsniitglieder an den Obmann der Kommission zu senden und nicht direkt an die Redaktion des.Vorwärts", da hierdurch nur unnötige Verzögerungen eintreten. Alle im Verbreitungsgebiet der Lokalliste erscheinenden Partei- blätter werden um Abdruck ersucht. Der Obmann der Lokallommission. Zur Lokalliste i In Reu« Zittau, Kreis Teltow- BeeSkow, steht jetzt der Gasthof.Zum goldenen Anker". Dorfstr. 27, der Arbeiter- fchaft zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Die Lokalkommission. Reinickendorf. Genossen, agitiert für zahlreiche» Besuch zu der am Montag abend 8 Uhr bei Benker, No rdb ahnst r. 22, stattfindenden öffentlichen Geineindewähler- Ver- s a m m l u n g, in welcher Genosse Hirsch- Charlottcnburg über: „Gemeindepolitik" sprechen wird. Das Erscheinen aller ist dringende Pflicht. Nach dem Vortrag freie Diskussion. Der Vorstand. Wilmersdorf. Der Wahlbewegung wegen findet Donnerstag abend von den bekannten Lokalen aus die Flugblatwerbreitung statt. Friedenau. Am Dienstag, den 13. d. M., findet bei Grube, Kaisernllee, eine außerordentliche WahlvereinsvereinS-Versammlung statt. Tagesordnung: Der jetzige Stand der Gemeinderatswahlen. Heute Fluabluttverbreitung von den bekannten Lokalen aus. Vorort- f�ackrickten. Zur LewellxIeivzWelvegung. Niederschönhause». Auch in unserem Orte stehen nun die Wahlen zur Gemeindevertretung vor der Tür. Der Wahlakt für die dritte Wählerabteilung ist auf den 15, März von 12 bis(5 Uhr nachmittags angesetzt. Es sind zwei ansässige Vertreter zu wählen. Da heißt es, alle Mann antreten. Sticht imr am Wahltage müssen wir auf dem Posten sein, sondern schon jetzt Tag für Tag agitieren, damit auch in Niederschönhausen endlich einmal die Sozialdemokratie ihren Einzug in das Dorfparlament hält. Keine Gelegenheit dürfen wir ungenützt vorübergehen lassen. Im Kreise unserer Be- kannten und Freunde, am Biertische und auf der Arbeitsstätte, heißt es die Jndisserenten aufzuklären und wachzurüttteln. Wenn jeder das Seinige tut, muß uns der Sieg diesmal sicher sein I Die Aufstellung unserer Kandidaten erfolgt in der am Dienstag« abend 8 Uhr, im Restaurant„Schwarzer Adler"(Ulitz) Blankcnburgerstr. 4, statlfindenden öffentlichen Kommunal- W ä h l e r v e r s a m in l u n g, in der Gemeindcvertrcter O. G r a u e r, über das Thema:„Wen wählen wir?" referieren wird. Parteigenossen sorgt'für einen starken Besuch dieser Versammlung. Je imposanter sich diese Versammlung gestaltet, desto sicherer ist unser Wahlsieg! Franz.-Buchholz. Die am Freitag erfolgte Gemeindewahl in der 3. Abteilung ergab, daß unsere Genossen in die Stichwahl ge- langen. Obwohl die Gemeindevertretung die Wahlzeit auf die Nachmittagsstunden von 2—4 Uhr festgesetzt hatte, war die Wahl- beteiliaung doch recht lebhaft. Genosse Pohl erhielt 87. Herr Sielaft(vereinigte Bürgervereinler) ö8, Herr Mewes, der bisherige Lertreier, 33 Stimmen. Die Bürgerlichen haben alles aufgeboten, um uns den Sieg streitig zu machen I vielleicht gelingt ihnen das auch in der Stichwahl. Merkwürdig war das Ver- halten des Lehrers und Agitators für den konservativen Volksverein, Herrn König bei der Wahl. Er wurde nicht daran gehindert, öfter die von dem Wahlvorstande geführte Wählerliste einzusehen, damit er säumige Wähler heranschleppen konnte. Die Bürgerlichen brachten vor dem Wahllokal sogar die Straßenbahn ' zum Halten, um das Fahrpersonal zur Wahl heranzuziehen.— Der Termin für die Stichwahl wird noch bekannt gemacht. Die Genossen müssen bis dahin fleißig agitieren, damit sie alle säumigen Wähler zur Wahl heranziehen, auch wenn die Gemciiidevertreluna die Wahl- zeit wieder so ungünstig für die Arbeiterschaft festsetzen sollte. Tut jeder Genosse seine Schuldigkeit, so mutz der Sieg unser sein! Zu der am Freitag stattgcfundcnen Wahl in Wilmersdorf haben wir noch mitzuteilen, daß der Obersekretär Gessert(Bürgerpartei) mit 935 Stimmen gegen unseren Kandidaten Reiche, auf welchen 901 Stimme entfielen, siegte. Im zweiten Bezirk zeitigte das Resultat eine Stichwahl zwischen unserem und dem bürgerlichen Kandidaten. ES erhielten Obcrposlns'sistcnt Römermann(Bürgerpartei) 751, Eigentümer Menzel(Bürgerpartei) 196 und unser Genosse Radtke 898 Stimmen. Bei der Stichwahl dürfte unser Kandidat vielleicht ganz ausfallen, da nur ein Eigentümer gewählt werden muß. e. 39. Sonntag, den 11. März 1! Buckow b. Britz. Die am Freitag stattgefundene Gemeindewahl wies eine Beteiligung auf, wie sie unsere Gemeinde noch nie ge- sehen haben dürfte. Das Eintreten der Sozialdemokratie in den Wahlkampf hat auch unsere Gegner mobil gemacht. Leider ist das Resultat für uns ein negatives. Unter Kandidat erhielt 28 Stimmen, der bürgerliche 46. Indes dürften wir das erstemal, noch dazu bei der ungünstigen Wahlzeit, mit dem Resultat zufrieden sein. Durch fortgesetzte Agitationsarbeit werden wir 1903 noch besser gerüstet sein. Stolpe a. d. Nordbahn. Bei der am Freitag stattgefundenen Gemeindcratswahl ging unser Genosse Georg B c r g e m a n n mit 15 gegen 3 bürgerliche Stimmen als gewählt hervor. Darob großes Erstaunen bei den Gegnern. In Kl. Schönebeck» Fichtenau brachte die am Freitag statt- gefundene Gemeindewahl unserem Genossen Max Tobias den Sieg. Auf ihn entfielen 76 Stimmen, während es sein Gegner trotz aller Anstrengung nur ans 61 brachte. Es dürfte somit de» Gegnern ein für allemal der Beweis erbracht sein, daß die III. Klasse eutgültig der Sozialdemokratie gehört. Vor zwei Jahren brachte es die Sozialdemokratie bekanntlich mir auf 42 Stimmen. Ein Zeichen, daß es auch hier immer mehr Licht wird. Charlotteubnrg. Freie Volksbühne Charlottcnburg. Die Aufführung des viel- umstrittenen Revolutionsdramas„Am Vorabend" von Leo Kampf findet nunmehr definitiv am nächsten Freitag, den 16. März, abends SV', Uhr. im Volkshause(Rosinenstr. 3) statt. Die Mitglieder werden dringend gebeten, noch vor diesem Termin die abgelaufenen Mitgliedskarten bei ihren Zahlstellen gegen neue einzutauschen, da am letzten Tage der Andrang zu groß und die Arbeit des AuSschreibens nicht ohne lliibeqnemlichketten zu be- wältigen sein würde. Neu eintretende Mitglieder, die den Wunsch haben, bereits der Aufführung des Kampfschen DramaS beizuwohnen, werden nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß bei Anmeldungen, die nach dem 13. März einlaufen, eine recht- zeitige, für diese Vorstellung bereits gültige Aufnahme in den Verein statiitengemäß nicht mehr angängig ist. Zahlstellen sind: E. Müller, Rosinenstr. 3(VolkshauS): A. Will, Kirchftr. 30: Friedr. Päsler, Schlüterstr. 8; Franz Schmidt, Wilmersdorserstr. 130; Konsumverein, WilmerSdorferstr. 27; Konsumverein H, Potsdamerstr. 12; Gustav Bigalke, Schloßstr. 26a.; Wilhelm Murrer. Wilmersdorf, Eislebener- straße 14; Ääsler, Wilmersdorf, Lauenburgcrstr. 20. Rixdorf. Eisenbahners Sterben. Ein tödlicher Unglücksfall hat sich gestern auf dem Güterbahnhof in Rixdorf ereignet. Beim Rangieren geriet der 23jährige Bahnarbeiter Otto Persicke, Schlcsischestr. 21 in Berlin wohnhast, unter die Räder eines von der Lokomotive abgestoßenen Güterwagens und wurde überfahren. Bahnbeomte fanden den Schwerverletzten auf und sorgten für ärztliche Hülfe. Auf dem Transport nach dem Krankenhause starb P. an de» Folgen der erlittenen inneren Verletzungen. Die Leiche ist polizeilich veschlag- nahmt worden. Rieder- Schönhausen. Schiilerschlachten, bei denen Revolver und Desching zur An- Wendung gelangen, finden seit etwa vierzehn Tagen an der Grenze von Nieder-Schönhausen und Nordend statt, ohne daß eS der Polizei bisher gelungen ist, die Führer der halbwüchsigen Burschen festzu- nehmen. Am Donnerstag hat der Unfug ein schweres Unglück zur Folge gehabt. Der zwölfjährige Sohn des Handwerkers Meier ans Französisch-Buchholz wurde von einer Rcvolverkugel in die rechte Stirnseite getroffen. Das Geschoß kam hinter dem Ohre wieder heraus. Der Knabe wurde lebensgefährlich verletzt. Der Revolver- Held konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden. Reinickendorf. Eine aufregende Szene spielte sich gestern mittag in der Residenzstraße ab. Das scheu gewordene Gespann eines Geschäfts- Wagens raste zur genannten Zeit, von Berlin kommend, führerlos die Rcsidenzstraße entlang und drohte alle Augenblicke mit entgegen- kommenden Fuhrwerken zu karambolieren. Als ein Arbeiter den Versuch machte, die Tiere aufzuhalten, brachen sie zur Seite aus und jagten auf den Bürgersteig hinauf, der zu dieser Zeit besonders durch Schulkinder belebt war. Ein schweres Unglück schien nn- vermeidlich. Im Moment der größten Gefahr warf sich ein Gendarm den wilden Tieren entgegen und eS gelang dem mutigen Manne auch, die Pferde unmittelbar vor einer Kiudcrgruppe zum Stehen zu bringen. Adlershof. Eine vierköpfige Diebesbande, deren Mitglieder im Alter von 16—18 Jahren stehen, ist in AdlerShof festgenommen worden, als sie im Begriff war, ihre Beute nach Berlin zum Verkauf zu bringen. In der diesjährigen Wintersaisou hatten sich, besonders in den füd- lichen Vororten, die Geflügeldiebstähle sehr gehäuft. Obwohl die Bande mit großer Dreistigkeit vorging und die zumeist von den Gehöften fortgestohlenen Gänse, Enten, Hühner an Ort und Stelle abschlachtete, gelang es doch nicht, der Spitzbuben habhaft zu werden. In der verflossenen und Anfang dieser Woche wurden wiederum zahlreiche Geflügeldiebstähle gemeldet, und um die Einbrecher endlich zu stellen, fand eine sorgfältige Ueberwachung der nach Berlin führenden Chansseen und Vorortsbahnhöfe statt. So wurden auf dem Bahnhof Adlcrshof vier jugendliche Burschen beobachtet, welche in mehreren Säcken Gegenstände transportierten. Die Vier wurden angehalten und in den Säcken 60 Tauben vorgefunden, die aus zwei in derselben Nackt in der Nähe von AdlerShof ausgeführten Diebstählen herrührten. Die Verhafteten behaupten zwar, daß sie zum erstenmal Geflügeldiebstähle verübt haben, jedoch ist kaum zu bezweifeln, daß auf ihr Konto die ganzen in den südlichen Vororten verübte» Gefliigelräubereieu zurückzuführen sein dürften, um so mehr, als der eine der Burschen auch bereit? wegen Eigentums- vergehen? vorbestraft ist. Das gestohlene Geflügel haben die Ver- brecher in den Berliner Markthallen oder im Straßenhandel verlaust. Wilmersdorf. Das seinerzeit gegen den Genossen Giebler eingeleitete Ver- fahren wegen Aufreizung verschiedener Bevölkerungsklassen00 Pfund ka 122-134, IIa 118-122, IITa 116-118, abfallende HO— 115. Kartoffeln pr. 100 Psd. rote Dabersche 2,00—2,20, masrn. bon. 2,10—2,35, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock 0,00-00,00, Weißkohl pr. 100 Psd. 4,25—4,50, Rolkohl pr. Schock 00—00, Holl. 12—20 M. Saure Kurken. Schock 2.00 M., Psefferguükcn 2.00 M. Staunend billiges Angebot! Heute und folgende Tage gelangt, um vor Eintreffen der Frühjahrs-Neuheiten Raum zu schaffen, ein zu fabelhaft billigen preisen zum Verkauf. Qroßer Posten Herren-jtoznge Ich biete damit eine nie wieder" kehrende Gelegenheit zu x wirklich billigen Einkäufen, x Jetzt 18, 19" 21, 22,«» 26, 30. Früherer Verkaufswert bis zu SO,00 Mark. § Ich biete damit eine nie wiederkehrende Gelegenheit zu x wirklich billigen Einkäufen. 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Für den Inseratenteil vercmtw,: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: BorwärtSBuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.