Pr. 60« RtanMmtnti'Bcdlntuiwii: Monnementt■ Preli btSnumnonio: BierteljShrl. 330 SRI, monatl. 1,10 SRI., wöchentlich 28 Pfg. fttl ins H-uS. Einzelne Nummer b Pfg. Eoimtags. nummer mii illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt">0 Psg. Posl- Abonnement: I.IV Mar! pr» Monat. Eingetragen in die Post. geitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für das übrige«uSIand 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. DSnemarh Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 33. Jahrg. VI»«tal Hau* uBtr Boitagk Verlinev Volksblcrkk. Zentralorgan der rozialdemokrati fchen parte» Deutfchlands. Die Infertlont'GebOl»? beträgt für die sechbgespaltene Kolonel» zeile oder deren Raum 60 Psg, sür politische und gewerlschastliche Vereins- und VersammlungS-Rnzeigen 80 Pfg. „Kleine Bnzcigcn", das erste(fett. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes wettere Wort lv Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzetgen daS erste Wort lv Psg, jcdeS weitere Wort 5 Pfg. Worte über lb Buchslaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SszIaldtDtoKnl Berlin". Redahttom 8 Cd. 68, Lindenetrasse 69. ftcrniörerfter:«m» ¥V, Nr. 198S. Dienstag, den 18. März 1906. Expedition: 8 Cd. 68, Lindcnstrasse 69. Kernsprecher: Amt UV. Nr.»»84. Die erste Lesung der österreichischen Wahlreform. Aus Wien wird uns geschrieben: Unter ganz ungewöhnlichem Andrang der Abgeordneten hat daS Parlament am letzten Mittwoch die erste Lesung der Wahlreform- Vorlage begonnen, gum Worte sind nicht weniger als 214 Redner vorgemerkt, 104 gegen und 110 für die Vorlage. Doch ist eS aus- geschlossen, daß etwa alle Gemeldeten zum Worte kommen oder auch nur die Absicht haben. daS Wort zu ergreifen; denn da im öfter- reichischen Abgeordnetenhause nicht die Reihenfolge der Meldung entscheidet, sondern aus den Vorgemerkten die Reihenfolge heraus- gelost wird,(waS wegen der großen Zahl der Parteien nötig ist) so melden sich eben ganze Parteien zum Wort, um sich einen günstigen Platz zu sichern, der dann für den eigentlichen FraktionS- redner getauscht wird. Immerhin kann die Debatte, die bereits vier Tage in Anspruch genommen hat, noch eine ganze Woche dauern; es spielen bei der Reform eben auch sehr viele lokale Interessen mit. Soweit die bisherigen Reden ein Urteil zulassen, darf gesagt werden, daß die Reform prinzipielle Gegner überhaupt nicht mehr findet und daß. wenn die na ti onale Frage der Wahl- reform nicht wäre, die Frage nämlich: wie die politische Macht zwischen den acht Nattonen auSgemesfen werden soll, daß dann die Vorlage einer überwälttgendcn Mehrheit sicher wäre. Vom Bürger tum wird sie überhaupt nicht mehr bekämpft; es hat endlich begriffen. daß bei der Reform— trotz aller Uebertreibungen der zu erwartenden sozialdemokratischen Erfolge— die eigentlichen Gewinner die biirger lichen Klassen aller Nationen sein werden. DaS Zentrum der Gegnerschaft ist also der Großgrundbesitz, der Adel, der durch die Reform allerdings mehr oder minder aus dem Abgcordnetenhause aus- geschieden wird. Die 8S Abgeordneten, die der Großgrundbesitz durch seine Kurie inS Parlament entsendet. bUden fteilich keine einheitliche, geschlossene Partei; sie find in die nationalen Gruppen eingesprengt und beeinflussen ste dadurch— waS den Kampf gegen diese beträchtlich erschwert. Den eigentlichen deutschen Grundbesitz bilden die sogenannten „verfassungstreuen'' Großgrundbesitzer,(den Namen wagen sie auS der Zeit, da die.Verfassung", welche daS Zentralparlament be« gründete, von den Föderalisten bekämpft wurde) für die am ersten Tage flehten Mittwoch) ihr intelligentester Kopf, der Tiroler Grabmayr, den Kampf eröffnete. Aber da die österreichischen Junker.Moderne" und.Bildung" posieren und den Ruhmestitel,„anständige Menschen" zu sein, recht hoch schätzen, so hatte selbst diese Gegnerschaft zivilisierte Formen; im Wesen empfahl Herr v. Grabmayr ein all- gemeines„mäßig abgestuftes" Wablrecht, also offenbar irgend eine Bastardform der belgischen Pluralität, die— von allen politischen Möglichkeiten abgesehen— für Oesterreich schon deshalb unmöglich ist. weil die wirtschaftlichen Ungleichheiten seiner Gebiete völlig verschiedene Ergebnisse liefern würden. Jener Teil der Großgrundbesitzer, der durch seine Polittk den Tschechen nahe steht, nimmt die Depossedierung am wenigsten tragisch; diese Grafen und Fürsten fühlen sich in dem durch die fünfte Kurie„verpöbelten" Lbgeordnetenhause überhaupt nicht recht heimisch, scheinen sich also damit abgefunden zu haben: ins Herrenhaus versammelt zu werden; denn daraus wird die politische „Entrechtung", die ihnen da» allgemeine Wahlrecht bringt, zum Schlüsse hinauslaufen. UebrigenS steckt in diesen Feudalen eine ge- wisse soziale Idee, die auch ihr Sprecher, der klerikale Graf Sylva- Tarouca nicht ganz verleugnet hat. Am galligsten redete der Führer der polnischen Schlachta; trotz aller Emanzipationsversuche der polnischen Bauern beherrscht der Adel in Galizien noch so ziemlich das ganze Land, vergewaltigt das Bauernvolk, unterdrückt die Ruthenen und vereinigt in eiserner Disziplin in seinem berüchtigten Kola polskie sPolenklub) fast alle Abgeordneten de» Landes. Der Polenklub handelt eigentlich ganz konsequent: Er Hot noch jeder Wahlreform in Oesterreich den hartnäckigsten Widerstand entgegengesetzt und würde am liebsten sein eigentliches Wahlsystem gesetzlich verkündet sehen: daß daS mit Blut und Lastern befleckte Zentralwahlkomitee der Schlachta die Ab- geordneten ernennt. Doch sind die polnischen Herren nicht nur Gewaltmenschen, sondern auch gute Geichätisleute, und so ist e» nicht ausgeichlossen. daß auch der Handel mit ihnen noch rechtzeitig in Ordnung lommt. Vorläufig oerlangt Gra» Dzieduszycki(der nach dem Tode JaworStts der Führer dieser Schlachta ist) noch 110 Man- date für Galizien— was sich von dem Angebot der Regierung (SS Mondatel allerdings noch recht weit entfernt. Da die Wahlreform von der nationalen Frage lo beherrscht wird, konnte auch Genosse Dr. Adler, der am Freilag zu Worte kam. an diesem für die Sozialdemokratie Oesterreich; lo gewichtigen Problem nicht vorübergehen. Seine Ausführungen wagen ober in die bisher recht ungeklärte und vorzugsweise ideologisch angefaßte Frage Klarheit und Bestimmtheit ES wird auch deutsche Leser interessieren, waS die Sozialdemokratie des Landes mit Ycht Nationen über ihr Verhältnis zum Staate und zur nationalen Frage ausführte. Adler tagte darüber: .... Die Sozialdemokratie ist die Vertreterin des Klassen- interesse» des ProleiariaiS. Dieses Klosseninteresje des Prole- tariaiS ist selbstverständlich nicht daS einzige Interesse de» Proletariats. Do« Proletarial hat neben seinem Klosseninieresse auch andere Interessen. Jedes Proleloriot gehört auch zu seinem Volke. Das Klasseninleresse der Proletarier aller Nationen ist ein identisches, so wie da« Klafseninteresje der Reichen, der Kapitalisten oller Nattonen den Arbeitern gegenüber ein völlig identisches ist. Wenn wir rufen:„Arbeiter aller Völker, vereinigt euch!"— den Herren Kapitalisten braucht man eS nicht zuzurufen; sie sind längst vereinigt, wo eS gilt, ihre Klasjeninteressen zu wahren, wo es gilt, ihre wirtschaftlichen Interessen, die Grundlage ihrer Herrschost gegenüber der Arbeiterklasse zu sichern. Aber als Arbeiterklasse haben wir es zunächst mit dem Staate zu tun.... Gewiß, wir haben ein Interesse am Staate, ein sehr großes Interesse, denn der Staat spielt eine doppelte Rolle. Der Staat, der Klassenstaat der heutigen kapitalistischen Gesellschaft, ist erstens eine Herrschaftsmaschine für Sie, meine Herren, er ist die Maschine, durch die Sie die Ausbeutung regeln, das Bestehen der Machtverhältnisse sichern, die Ungestörtheit sichern, mit der Sie Ihr Ausbeutungsgeschäft als Klasse besorgen. Aber, meine Herren, der Staat ist auch noch etwas anderes, der Staat ist eine Entwickelungs- bedingung für den Kapitalismus überhaupt, der Staat ist uncnt- bchrlich für die heutige EntWickelung der modernen Gesellschaft, und an der EntWickelung dieser modernen Gesellschaft, an der Ent- Wickelung des Kapitalismus, an der vollen Entfaltung der Wirtschaft- lichen und politischen Kräfte, die heute in der Bevölkerung stecken, daran hat die Arbeiterklasse ein allererstes Interesse. Wir können vom Klassensiaate zum Bolksstaate nicht kommen, wenn sich der Klassenstaat nicht auslebt, nicht entfaltet, wenn diese großartige wirtschaftliche Entwickclung des Kapitalismus, wenn diese Welt- Wirtschaft, dieser Welthandel, aller dieser Reichtum sich nicht fort- gesetzt hemmungslos entfalten kann. Der Kapitalismus züchtet die Millionäre, der Kapitalismus züchtet die Herrschaft dieser Magnaten; aber der Kapitalismus kann sich nicht entfalten— ich will das klassische Wort auch hier zitieren—, ohne daß er zugleich die Proletarier züchtet, seine Totengräber. Wir haben alles Interesse an seiner Entwickclung, somit am Staate. Und wenn das Proletariat seine Zukunft einst in die Hand nehmen soll, so braucht es dazu die Fähigkeit, die physische, geistige und kulturelle Fähigkeit, und diese physische, geistige und kulturelle Entwickelung ist verknüpft mit der Erhöhung der Lebenshaltung des Proletariats. Die kann dem Kapitalismus, dem Klassenstaat nur abgerungen werden in einer Zeit der wirtschaftlichen Entwickelung, und darum wünschen wir diese wirtschaftliche Entwickelung, auch darum brauchen wir den Staat. Darum sind wir so unglücklich in diesem Oesterreich, weil wir in diesem österreichischen Staate zwar alle Lasten des Staates auf uns haben, alles vom Staate haben, was uns bedrückt, was uns beengt, hemmt, erstickt und unsere Ent- Wickelung behindert, alle Schäden und Nachteile des Staates, aber nicht einen einzigen seiner Vorteile. Das ist der Unterschied zwischen diesem Staate und einem wirklich modernen Staate. DaS ist der Unterschied zwischen dem Polizeistaat Oesterreich und dem Deutsch land, dessen politische Verhältnisse für uns wahrhaftig kein Gegen- stand des Neides sind, soweit die Arbeiter in Betracht kommen, der aber doch wenigstens der wirtschaftlichen und kulturellen Ent- Wickelung ein notwendiges, ein wirksames Instrument darbietet.... ... Dem Staate geht es uns gegenüber ja ähnlich, und da kommt eS dazu, daß wir Sozialdemokraten eine„Regierungspartei" ge- nannt werden.... Meine Herren! Sie können ganz unbesorgt sein, wir stützen diese Regierung nur, so lange sie etwas Ver. nünftiaes und Notwendiges tut, und das wird leider gar nicht lange dauern.(Lebhafte Heiterkeit.) Solange die Regierung für daS Recht der Massen einzutreten, wahrscheinlich sehr wider ihren Willen verurteilt ist, so lange haben wir zu funktionieren. Wenn sie wieder daran geht, der Masse Lasten aufzuerlegen: indirekte Steuern, Militärlasten. Profite, kleine Trinkgelder für die einzelnen Schichten, die hier vertreten sind, dann, meine Herren, treten S i e Ihr Amt als Regierungspartei gewiß wieder an.(Lebhafte Heiterkeit.) ... Wenn daS. was ich bis jetzt über daS Verhältnis zwischen Sozialdemokratie und Staat gesagt habe, im großen und ganzen die Stellung ist, die daS Proletarial überall, in allen Ländern, ein- nimmt, so hat hier in Oesterreich die Sozialdemokratie ein ganz besonderes Problem vor sich, ganz besondere Bedingungen, unter denen sie ihr Werk vollenden muß. Und wenn eS anderswo genügt, das Ziel des Volksstaatcs aufzustellen, weil ein Staat und ein Volk da ist. so haben wir in Oesterreich das Problem zu lösen, nicht dem VolkSstaai allein, sondern dem Völkerstaat zum Durchbruch zu verhelfen. Wir sind uns dieser Aufgabe bewußt, wie der Aufgabe, jedem einzelnen Volke die nationale, kulturelle, ihm eigentümliche Entwickelung zu sichern. Dieser einzigen natio- nalen Aufgabe widmet sich die Sozialdemokratie vollständig, die erkennt sie vollständig an. Wir können das auch tun. Denn wenn ich früher gesagt habe, neben den gemeinsamen proletarischen Interessen steht das nationale Interesse des Proletariats, wie auch für die anderen Klassen das Klasseninteresse und daneben ihr nationales Interesse steht, so ist doch in dem Wesen dieser Dinge zwischen der Arbeiterschaft und dem Bürgertum ein sehr großer Unterschied. Das Proletariat, das seinem Klasseninteresse solgt, kann überall zugleich daS nationale Interesse wahren und voll wahren, weil nirgends das Klasseninteresse mit dem nationalen Interesse deS Proletariats im Widerspruch steht(Zustimmung) Das Proletariat anerkennt das nationale Interesse, aber eS an- erkennt kein nationales Hrrrschaftsinterrsse.... Gewiß, auch wir sind nicht frei von den Schwierigkeiten, die daS Zusammenleben verschiedener Nationen nebeneinander eben mit sich bringt.... Wir haben auch nationale Schwierigkeiten. Der Unter. schied zwischen uns und Ihnen ober ist der, daß das Proletarial und die Sozialdemokratie diese Schwierigkeiten überwinden, während Sie unfähig geworden sind und hier in diesem Hause Ihre Unfähig- seit gezeigt haben, den Staat noch zu lenken, eben weil Sie diesen nationalen Schwierigketicn nicht gewachsen sind. Unser natio- n a l e S Interesse und unser Klos,rninteresse sind identisch; und ein Klasseninteresse ist es. daß die Lebenshaltung der Arbeiter steigt, und ein nationales Interesse ist es, daß das Volk physisch, geistig und kulturell sich entwickelt. Jedes Arbeiierschuvgesrb ist ein nationales Gesetz, ist wichtiger als olle die verschiedenen Klein- lichkeiten. mit denen Sie hier einander behelligen.... DaS nationale Interesse der Deutschen. deS deutschen Volkes— nicht der paar Unternehmer und der Kuriengesellschaften, sondern des deutschen Volkes— hängt viel mehr zusammen mit einer tüchtigen, einschneidenden Gesetzgebung über die Heimarbeit als mit irgend welchen Abgrenzungen, die den Streit hier bilden.... ... Glauben Sie denn wirklich, das deutsche Volk hat keinen anderen politischen Besitz in diesem Lande als den, der sich aus. drückt durch die Zahl seiner Vertreter hier? Sie glauben wirklich. daß die MandotSziffern hier über die Geschicke des deutschen Voltes entscheiden, wahrend wir Ihnen sagen: sür die Geschicke de« deutschen Volkes entscheidet vor ollem die materielle und kulturelle Entwickelung der breiten Massen des deutschen BolkcS, und für diese in erster Linie einzutreten, diese zu sichern, sind wir deutsche Sozialdemokraten hier, und wir werden sie schützen gegen jeden, der sie antastet!(Rufe: Das glauben wir!) Ja, wir sagen noch mehr? Wir sagen, daß es die eigentliche nationale Aufgabe und das Wesen der nationalen Pflichterfüllung für jedes Volk hier ist, daß es seine nationale Pflicht erfüllt, nicht durch die Herrschaftsgier, durch die Eroberung und die Sucht zur Bedrückung, sondern daß es erfüllt ist von dem Gedanken, daß im letzten Grunde alle Kulturintercsscn aller Völker hier solidarisch sind.(Bravo! Bravo!) Wir haben es satt, und die Völker Oesterreichs haben es satt, die Erbländer irgend einer Dynastie zu spielen. Die Völker wollen ihr eigenes Erbe antreten! Und das können sie nur, wenn sie sich miteinander verbinden, das können sie nur, wenn sie ihr Recht in Anspruch nehmen. Und ihr Recht werden sie nur erlangen, wenn sie auf da? Unrecht verzichten. Auf nationales Unrecht können sie nationales Recht nicht gründen!... ... Mögen S i e vielleicht es noch länger in diesem unerträg- lichen Zustand aushalten: das Proletariat bat keine Lust, es auSzuhalten, und das kann ich Ihnen ohne alle Drohung sagen: Ohne den härtesten Kampf, der bis ans Leben geht, werden Sie dieses HauS in dieser Gestalt nicht mehr zu- sammen sehen! Das ist keine Drohung an Leib und Leben für Sic, meine Herren, eS passiert Ihnen gar nichts persönlich! Sie werden nicht mit Blut bedeckt, aber mit Schande und mit Schmach bedeckt auS diesem Kainpf gehen, wenn es dazu kommen sollte! Aber ich bin überzeugt, es wird nicht mehr dazu kommen, ich bin überzeugt, daß der Gedanke der Wahlreform gesiegt hat, weil er unüberwindlich ist, und daß die Herren, die hier dagegen sprechen, und die, welche getvissenlos hinter den Türen und in den CouloirS intrigieren, um ihren Lohn kommen werden. Mögen sie machen, ivas sie wollen! Mögen sie durch die kleinlichsten und schmutzigsten Mittel der großen Sache des Volkes Knüppel in den Weg legen wollen— die Sache ist gerettet und hat gesiegt, sage ich, weil ich nicht daran glauben kann, daß die Masse dieses Hauses von der Einsicht so verlassen ist, so bar ist jedes Gewissens, um noch einmal mit diesem unfähigen Parlament einen Versuch zu machen.... Ich fordere Sic ohne Unterschied der Partei, ohne Unterschied der Nation auf, in Ihr Gewissen zu gehen; ich fordere Sie auf, mit sich selbst einig zu werden und sich zu fragen, ob Sie es verantworten können vor dem Volke, das Sic vielleicht in Worten geringschätzen mögen, dessen steigende Macht, dessen steigende Würde aber Ihnen schließlich imponieren muß und vor dem Sie verantwortlich sein werden, ob Sie es verantworten können vor dem Staate, dessen Unfähigkeit zu existieren Ihnen allen klar ist, ob Sie es verant- ivorten können"vor Ihren Klasseninteressen, diesen Zustand des Parlaments, diesen Zustand des Staates weiter bestehe» zu lasse». Die Einsicht haben viele von Ihnen. Wir Sozialdemokraten. die Arbeiterschaft hat nur eines vor Ihnen voraus: den Mut und die Entschlossenheit, um des politischen Lebens, um der politischen L e b e n S m ö g l i ch k e i t willen alles an die Sache des Volkes zu setzen. (Beifall.) Nehmen Sie das so, wie es ist— nicht als ein Rühmen, sondern als eine Prophezeiung. Und wenn der verehrte Herr aus Tirol ge- schlössen hat mit den Worten:„Tot ist die Vorlage Gautsch", so sage ich Ihnen: Jene, die man zu früh totsagt, leben oft am längsten. (Heiterkeit.) Ich sehe hier nur einen Toten— der ist aber mause. tot: Tot ist das Privilcgienparlamcnt(Beifall), tot sind die Kurien, tot sind alle die Lügen und Flausen, die sich hinter diesen Dingen verstecken, tot ist das Unrecht, das die Völker geknebelt hat — und es fängt an zu leben das heilige Recht der Völker."(Leb- hafter Beifall und Händeklatschen.) .' Adlers Rede, von der wir hier nur ein kleines Bruchstück geben konnten, hat im Abgeordnetcnhause große Wirkung erzielt. Von der sozialdemokratischen Fraktion dürfte noch namens der Polen Daszynski, namens der Tschechen Hybesch und Pernerstorfer zu Worte lommen. In den Wahlreformausschutz wird Adler gewählt werden._ Die Nevolntion in Rntzland. Obstruktion der Eisenbahner. Die Arveiter der„Warschau« Wiener" Eisenbabnstrecke haben eine auf alle Gebiete dieses Unternehmens sich ausdehnende Obstruktion eingeleitet. An der Spitze dieser Bewegung steht der neugegründete sozialdemokratische„Eisenbahnarbeiterverband für Polen und Littauen". Hervorgerufen wurde diese Obstruktion da- durch, daß die Eisenbahndireklion sich entsagte, gerechte Forderungen der Arbeiter bezüglich deren Pcnsioiistasse zu erfüllen. Die Obstruktion äußert sich darin, daß die Arbeiter mit pedantischer Pünktlichkeit alle unzähligen komplijierten Vorschriften der Verwaltung buchstäblich genau verrichten. Diese„Pünktlich- keil" hat eine ungeheure Desorganisation deS Betriebes zur Folge. Wilna. An Stelle des sistierten„Wecker" erscheint hier eine neue sozialdemokratijche Zeitung des Bundes„Die Volkszeitung". So mußte es kommen! Mita«. Der Schrtftsührer der hiesigen Gouvernement«» Verwaltung. Mau ring, ein germanisierter Lette, der seit zirka 30 Jahren die Geichäste der knrlandiichen Gouverneure besorgt und auch im Petersburger Ministerium des Innern einen außerelatlichen Ver- trauensposlen besitzt(dazu verhalf ihm Ssipjagin. der Ende der achtziger Jahre Gouverneur von Kurland war), eine in der Stadt fast jedem Kinde bekannte„Macht'verson, wurde vor kurzem ans der Straße von Kosaken überfallen und nach Waffen befragt. Mauring, der Zivil trägt, empörte sich sehr darob und sing mit den Worte» an;„Wißt Ihr, wer ich bin?" usw. Die Kosaken nahmen ihm aus den Taschen alles Wertvolle und ließen ihn mit heiler Haut davon. Für die Stadt hatte dieser Vorfall sehr. gute Folgen: von nun an dürfen Kosaken keine Person- lichen Visitationen vornehmen; jeder Verdächtige wird zum nächsten Wachtposten geführt, wo er von einem Schutzmann visitiert wird. Und ein Schutzmann wird selbstverständlich nur einem lumpigen Arbeiter seine Uhr und Portemonnaie wegnehmen, einen Henn Manr?ng wird et ehrfurchtsvoll entlassen,. ihm sogar eine Droschke holen. Riiubereie» der Dragoner. Lodz. Am hellen Tage wurde hier der bekannte Fabrikant Iaroezynski von einigen Dragonern auf der Straße Meyers Passage überfallen. Die„Ruhcstifter" und„Beschützer der öffentlichen Sicher- heit" forderten von ihm Geld. Jaroczynski kaufte sich mit 2 Rubeln los. Wie es sich später erwies, halten die Dragoner unweit Meyers Passage zur selben Zeit ihre Wachtposten, die sie zum Raubanfalle verlassen hatten. Aehnliches kommt hier tagtäglich vor, nur sind die Opfer meistens„gewöhnliche" Arbeiter oder demokratisch aussehende Intelligente, worüber man sich auch in der Stadl der Schornsteine, der Paläste und der— Arbeitslosigkeit wenig empörte. Ganz anders jetzt, wo ein Millionär überfallen wurde.— Versam»ll«ngs„�eiheit". TisliS, 10. März.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Während der Zeit der Wahlbewegung in Tiflis wird den Mitgliedern aller Organisationen, mit Ausnahme der revolutionäre», Versammlungsfreiheit gewährt werden. Dazu wird weiter gemeldet: Soeben ist verfügt ivorden, daß Lokale, wo Wahlversammlungen stattfinden, vorher auf das sorgfältigste durchsucht und dann zwei Stunden vor der Eröffnung der Versammlung polizeilich besetzt werden sollen, um eine strenge Kontrolle ausüben zu können. politilcbe(lebersickt. Berlin, den 12. März. Borussischer Eisenbahnpatrikularismus. Das Reichseisenbahnanit ist eine fast lediglich dekorative Institution, deren Macht nur auf dem Papiere steht, ein Reichsaint, dem jede Exekutive fehlt, ein Schattenbild, das in vollster Bedeutungslosigkeit neben dem sehr realen Machtgebilde des preußischen Eisenbahnpatrikula- r i s m u s steht. Wie weit Deutschland davon entfernt ist, ein Einheitsstaat zu sein, bewiesen die heutigen Reichstags- Verhandlungen wieder einmal aufs klärlichste. Selbst ein so reichsftommer Mann, wie der schwäbische National- liberale H i e b e r seufzte kläglich über den Eisenbahn- Partikularismus und mutzte den Schmerz erleben, datz das von ihm vorgeschlagene Heilnuttel der Betriebsmittel- gemeinschaft von zwei in diesem Fache recht sachkundigen Parlamentariern seiner Nachbarfraktion, den Herren Schräder und Gothein als völlig ungeeignet, ja als schlimmer denn das Nebel selbst, nachgewiesen wurde. Hiebers Fraktionsgenosse Bassermann zeigte wieder ein- mal, datz seine einstmals leidlich reine sozialpolitische Wäsche längst von kapitalistischem Rutz geschwärzt worden ist: er sang einen Lobhymnus aus die vierte Wagenklasse. Die durchschlagendsten Beweisstücke für die Existenz eines geradezu reichsfeindlichen prcutzischen Eisenbahnpartikularismus brachten die Genossen Bock- Gotha und B a u d e r t- Apolda vor. Unter voller Wahrung des prinzipiellen sozialdemo- kratischen Standpunktes sprachen sie gleichzeitig im Einklänge mit dem einstimmigen Votum der thüringischen Einzcllandtage. Der preußische Eisenbahnfiskus scheint es als seine heilige Aufgabe zu betrachten, durch die kleinlichsten Schikanen und die erbärmlichste Kirchturmpolitik die Reichsverdrossenheit in Thüringen bis zur Siedehitze zu steigern und die begeistertsten Preußen- freunde gegen sich aufzubringen. Proben dieses Eisenbahn- partiknlarismüs brachten unsere beiden Fraktionsredner in reichster Fülle vor und der Präsident des Reichscisenbahnamts Dr. Schulz wußte auf diese ebenso wenig zu erwidern, wie auf die ebenfalls auf unwiderlegliche Beweise gegründeten Anklagen gegen das System der Ueberarbeit, das im Reiche des Herrn v. Budde herrscht. Eine kleine Episode der Sitzung darf nicht mit Still- schweigen übergangen werden. Der bekannte Zollgraf K a n i tz protestierte auf das heftigste gegen die von der famosen Steuersncherkonimission in Vorschlag gebrachten Kilometerzuschläge. Selbstredend liegt dem Granden ans Ostpreußen nichts ferner, als Verkehrsfreundschaft. Mißgönnt er doch den Bürgern und Arbeitern der Großstädte die etwas billigeren Sätze des Vorortverkehrs, und wandte er sich doch lebhaft gegen jede Verbilligung des Personen tarises, während er im agrarischen Interesse eine Verbilligung des Gütertarifs verlangt. Die Abneigung des Grafen Kanitz gegen die Kilometerzuschläge ist preußisch- partikularistischer Natur; er will die preußischen Einnahmen nicht durch Neichsabgaben geschmälert wissen. Derselbe Standpunkt ist im Dreiklassenhause mit aller nur wünschcns- werten Deutlichkeit zutage getreten. Dienstag wird wegen der Trauerfeier für Eugen Richter erst um 2 Uhr begonnen. Es stehen die Etats des Reichspensionsfonds, des Reichsinvaliden- s o n d s und des R e i ch s s ch a tz a m t s auf der Tages- ordnung.—_ Abgeordnetenhaus. Die Etatbcratung im Abgeordnetenhause neigt sich ihrem Ende zu. Es sind nur noch der Rest des Extraordinariums deS Etats der Eisenbahnverwaltung und einige Titel anderer Etats in zweiter Lesung zu erledigen. Dann folgt die dritte Beratung, die bis Ende der Woche beendigt sein soll. Der Etat kann also diesmal so rechtzeitig ans Herrenhaus ge- langen, daß er zum verfassungsmäßigen Termin, dem 1. April, in Kraft treten kann. Die Beratung des Herrenhaus� nimmt ja bekanntlich nur wenige Tage in Anspruch, einmal weil die „Herren", denen ja die Kunst der Gesetzesmacherei schon in die Wiege gelegt ist, naturgemäß jede Vorlage, und mag sie noch so umfangreich sein, im Handumdrehen bewältigen, und zweitens weil die Etatberatung in der Ersten Kammer eigentlich nur Formsache ist. Das Herrenhaus darf an keiner Position Veränderungen vornehmen, es hat nur die Wahl zwischen Annahme und Ablehnung des Etats im ganzen. Nun, ablehnen wird es ihn nicht. Am Montag beriet das Abgeordnetenhaus den ersten Teil des Extraordinariums des Eisenbahnetats. In der Debatte wurden nur lokale Wünsche vorgebracht. Von speziellen An- regungen, die sich ans den Eisenbahndirektionsbezirk Berlin beziehen, erwähnen wir den Wunsch der Gemeinde Nowawes- Neuendorf, Fernstation zu werden, sowie das Verlangen der Ausdehnung des ivestlichen Vorortverkehrs bis Trebbin und des nördlichen bis Velten. Eine Petition um Ausdehnung des Vorortverkehrs aus der Anhalter Bahn über Groß-Lichter- felde-Ost hinaus überwies das Haus der Regierung als Material. Gegen Schluß der Sitzung kam noch einmal das Spre m berger Eisenbahnunglück zur Sprache. Die Bndgetkommission beantragte: eine Petition um Herstellung eines zweiten Gleises auf der Strecke Kottbus— Görlitz durch die früher abgegebene Erklärung des Ministers für erledigt zu erklären. Im Gegensatz dazu beantragten die Vertreter von Görlitz, die Abgeordneten V. S ch e n cke n- d orff(natl.), v. E i ch e l(k.) und F r i t s ch(natl.), im Hinblick auf den starken, stetig zunehmenden Sommerverkehr, in welchen ja auch das Sprembcrger Unglück fiel, und zum ?lwccke der nunmehrigen Durchführung des schon im Jahre 891 von der Regierung selbst aufgenommenen, bislang nur von Berlin bis KottbuL ausgefiihrten Planes eines zwei- g l e i s i g e n Ausbaues der Strecke Berlin— Görlitz: die Petition der Regierung zur Erwägung zu überweisen. Nach unwesentlicher Debatte nahm das Haus den Antrag v. Schenckcndorf und Genossen an.— Bodenpreissteigerungen durch den neuen Zolltarif. Während der Kämpfe um den neuen Zolltarif im Reichstage ist von den Gegnern der Agrarzölle immer wieder von neuem darauf hingewiesen worden, daß die Erhöhung der Getreide«, Vieh-, Obst- und sonstigen landwirtschaftlichen Zölle der Landwirtschaft nichts zu nützen vermag, sondern nur den ländlichen Grundbesitzern auf Kosten der werktätigen Volksschichten einen Vermögensvorteil zuwendet. Der Erfolg der gesteigerten Zölle besteht zunächst in einer Preis- erhöhung der ländlichen Erzeugnisse und diese wieder führt zur Ertragssteigerung und damit zur Hinaufschraubung der Grundrente und der Grundstückprcise. Steigt der durchschnittliche Ertrag eines ländlichen Gutes um ein Viertel, so steigt zugleich auch der Kauf- preis in ungefähr gleichem Verhältnis. Der Besitzer des betreffenden Gutes wird also ohne sein Zutun um so und so viel reicher. Die Landwirtschast selbst hat aber von dieser Bodenpreissteigerung nicht den geringsten Nutzen; den Vorteil schluckt ausschließlich derjenige, der zurzeit der durch Zollerhöhungen bewirkten Preissteigerungen im Besitz größerer Grundstücke ist. Verkaust oder verpachtet ein solcher Besitzer seine Grundstücke, so haben die neuen Besitzer oder Pächter natürlich entsprechend höhere Preise zu zahlen, also genau wieder unter den gleichen RentabilitätS- Verhältnissen zu produzieren, wie vor der Einführung der neuen Zölle. Aber selbst, wenn der Besitzer sein Gut selbst bewirtschaftet, gelangt es spätestens bei seinem Tode in fremde Hände. Entweder wird dann das Grundstück verkauft, oder dem Erben wird bei der Uebernahme der gestiegene Wert angerechnet, und er hat demnach seine Miterben mit höheren Summen abzufinden. Irgend welche Erleichterung der Produktions bedingungen tritt also nicht ein; der ganze Erfolg der Zollsteigerung besteht in einer Vergröße- rung der Grundrente und des Grundkapitals der Besitzer auf Kosten der Mehrwert produzierenden Bevölkerungsschichten. Dazu tritt erfahrungsgemäß meist noch ein anderer Uebelstand. Die durch die Zollsteigerung in Aussicht gestellte höhere EriragS- fähigkcit wird vielfach überschätzt und diese Ueberschätzung führt zu einer wilden Güterspekulation, in deren Verlauf die Güterpreise weit über die der Ertragserhöhung entsprechende Wertsteigerung hinaufgetrieben werden— bis der unvermeidliche Rückschlag ein- tritt, und die neuen Besitzer, die inzwischen gekauft haben, nun gezwungen sind, den Betrieb unter noch weit ungünstigeren Be- dingungen fortzuführen, als ihre Vorbesitzer. Auch jetzt tritt bereits in verschiedenen Gegenden diese Begleiterscheinung der künstlichen Hinaufschraubung der Grundrente hervor. AuS Ostpreußen werden z. B. dem„Verl. Tagebl." folgende in letzter Zeit vorgekommene Güterverkäufe gemeldet: 1. DaS dem Grafen Schimmelmann gehörende Gut Erlen- t h a l im Kreise Schildberg wurde von diesem vor drei Jahren mit 217 SOO M. bezahlt, in diesem Jahre erhielt er 450 500 M. 2. Besitzer PeterS in L u d w i g s h o r st. KreiS G n e f e n, kaufte vor fünf Jahren sein Gut für 63 000 M., vor ein paar Monaten erhielt er 116 000 M. 3. Besitzer Pörschke kaufte vor ein paar Jahren sein Gut RitterS bei Liebstadt im Kreise M o h r u n g e n für 64 000 Vi. und erhielt vor ein paar Monaten von Herrn Dreher auS Koppe 83 000 M. 4. Herr Besitzer Wandtne hat sein 1050 Morgen großes Gut Klein-Babenz im Kreise Rosenberg für 220 000 Mark an Herrn Schulz verkauft; für dieses Gut wurden vor zwei Jahren nur 165 000 Mark bezahlt. 5. Herr Glowacki in Hohenkirch bei Strelno hat sein 110 Morgen großes Grundstück für 72 000 Mark an Herrn Pechthold verkauft, im Juli vorigen Jahres war der Erwerbswert 66 000 Mark. 6. Besitzer Martin Kostenski in Pawlowa bei Schlvarzenau hat sein Gut mit einem Gewinne von 60 000 M. verkauft; Herr Kosienski war nur wenige Jahre Besitzer diese? Gutes. 7. Herr Lange in Ä u x k a l l ä h l e n verkaufte sein Gut von 400 Morgen für den Preis von 120000 M.. nach Verlauf von drei Monaten erhielt der jetzige Besitzer 135 000 M. 8. Vor fünf Monaten kaufte Herr Schweder in S ch ö n e i ch. Kreis Schwetz, die zirka 300 Morgen große Besitzung des Herrn Foth für 100 000 M.. jetzt hat er das Gut für 125 000 M. verkaust. 9. Das Herrn Robitzki gehörige Lippan im Kreise Neiden- bürg(Ostpreußen) wurde von diesem vor fünf Jahren mit 240 000 M. bezahlt, vor ein paar Monaten erwarb eS Herr Kittler für 510 000 M. 10. Das Gut K e g e l S m ü h l e Nr. 2 im Kreise Deutsch- Krone bei Schneidemühl bekommt demnächst seit einem Jahre den vierten neuen Besitzer, Herr Reichert hat eS für 350 000 M. erworben. Das Gut hat 60000 M. mehr gebracht als vor einem Jahre, und jeder der Besitzer hat in den wenigen Monaten je 20 000 M. daran verdient. 11. Das Gut Lu bahn im Kreise Bereut, Herrn John gehörig, ist im September v. I. von einem Herrn aus Westfalen für 514 000 M. gekauft worden. Vor nicht zu langer Zeit hat Herr John das Gut für 210 000 M. von den Erben über- nomnien. 12. Herr Pähl hat sein Gut Schützen B. im Kreise Rastenburg an Herrn Roll verkauft für 340 000 Bor vier Jahren brachte das Gut beim Verkauf 240 000 M. 13. Gutsbesitzer PeterS in Ludwigshorst, Kreis W i t t k o w o, hat seine Besitzung von 300 Morgen für 120 000 M. verkaust. Das Gut hat vor sieben Jahren 66 000 M. gekostet. 14. Herr Michael Petrowicz in Zuda, Kreis W i t t k o w o, hat für seine 70 Morgen große Besitzung 40 000 M. erhalten, er hat sie vor ein paar Jahren für 15 000 M. erworben. Es wird nicht lange dauern und der größte Teil der neuen Be- sitzer wird wieder nach dem alten agrarischen Schreirezept über die „Skot der Landwirtschaft" klagen und nach neuen Zollstcigerungen verlangen._ Die Marokko-Konferenz. In der Sitzung am Sonnabend wurde der bereits im Prinzip gutgeheißene deutsche Vorschlag betreffend die Aufsicht über die Bank offiziell dahin präzisiert, daß seitens Deutschlands, Englands, Frankreichs und Spaniens je ein Mitglied der betreffenden Staatsbank als Zensor ernannt werden soll. Mit Bezug auf die Anteile am Kapital wurde deutscherseits vorgeschlagen, dem französischen Anleihekonsortium von 1060 zwei besondere Anteile zu überweisen. Von den französischen Delegierten wurde dies zwar nicht als ausreichendes Aequivaleut für die Rechte betrachtet, welche das Konsortium an die Staatsbank abzutreten haben wird, doch sei im Prinzip eine Einigung über diesen Punkt möglich. In der P o l i z e i f r a g e stellte sich Deutschland auf den Boden des österreichisch» ungarischen Entwurfes, welcher, soweit er die Aufsicht des P o I i z e i d i e n st e s durch einen von einer dritten Macht vorzuschlagenden Offizier vorsieht, günstige Ausnahme fand; dagegen, daß diesem Offizier außer der Inspektion auch die speziellen AuS- bildungsbefuguisse in Casablanca übertragen werden, wurden englischer- und französischer seits praktische Be- denken geäußert. Endlich wurde die endgültige Redaktion offizieller Einwürfe der Bank- und Polizeireorganisalion' der um ein Mitglied verstärkten Kommission übertragen. Die Erklärung des Botschafters v. Rad o w i tz zur Polizeifrage iil der Sonnabend-Sitzung lautete:„Ich bin in der Lage zu erklären, daß wir den Vorschlag des ersten D e l e g i e r te n Oesterreich-Ungarns im Prinzip annehmen, seine Einzelheiten aber weilerer Erörterung vorbehalten. Bei diesem Entgegen- kommen, durch das wir einen Teil unserer bisherigen Vorschläge fallen lassen, leitet uns die Hoffnung, damit eine allgemeine Ver- ständigung herbeizuführen." In der Sitzung am Sonntag beharrten die Vertreter Frank- reichs auf dem Anspruch, drei besondere Anteile an dem Bank- kapital für ihr Konsortium zu erhalten, und verstanden sich nicht dazu, dem neutraleu Polizeiiuspekteur einen Hafen zu unterstellen, obgleich die Mehrzahl der Delegierte» den deutschen Standpunkt. teilte. Nachmittags um 5 Uhr fand eine zweite Kommissionssitzung statt. In der Zwischenzeit wurden die augelcgent- lichsten Bemühungen Viseonti-Venostas und W h i t e s be« merkt, ihren vermittelnden Einfluß zur Geltung zu bringen. Auch die R n s s e u scheinen jetzt der Meinung zu sein, daß der Zeitpunkt für ein weiteres Nachgeben Frankreichs gekommen sei.— Oeuttebee Reich. Denunzianten. Die„K o n s e r v. K o r r e s p." druckt ans dem gestern in Berlin verteilten Flugblatt zum Zwecke der schoflen Denunziation folgende Stelle ab: „Arbeiter! Proletarier! Fast zwei Meuschenalter sind verfloffen seit jenen denk- würdigen und ruhmreichen Märztagen, in denen Eure Väter und Großväter ihr höchste» und einziges Gut, ihr Leben, eingesetzt haben für das Volkes Rechte, für deS Volkes Freiheiten. M i t Blut haben f i e die Erde getränkt, aber noch immer erhebt keck die Reaktion ihr Haupt und mehr als je ist sie bestrebt, mit brutaler Gewalt nieder znknütteln, wer ihr in den Weg tritt. An Euch ist es, das Werk Eurer Borfahren zu vollenden. - An Euch ist es, dem absoluten Regiment in Preußen ein Ende zu machen und dafür zu sorgen, daß des Volkes Wille höchstes Gesetz ivird." Diese Stelle empfiehlt die genannte Korrespondenz durch nach« stehende Glossen der liebevollen Aufmerksamkeit der Staats- anwaltscbast: „Wir haben diese Sätze in der Druckanordnung des Originals wiedergegeben, damit erkennbar sei, worauf eS den sozialdemokratischen Demagogen ankommt. Deutlicher als bei dem für den Gapon- Sonnlag verfaßten Flugblatte ist aus dem vorliegenden die Absicht ersichtlich, in den Massen die „revolutionäre Energie" zu entfachen. Wohl fehlt in dem Flugblatt die Verwahrung dagegen nicht, daß es sich bei dein Aufrufe zum Kampfe nicht um einen „mit brutaler Gewalt" geführten Kampf, sondern um einen„Kampf des Geistes" handle; aber das Vorbild für diese Art„GeisteSkanipf" ist für unsere Sozialrevolutionäre die russische Revolution. Und der Ansturm gegen das Drei- klassenwahlrecht, der mit diesem Flugblatt aufs neue unternommen wird, ist nur cin Vorwand, um die Massen zu ganz anderen Zwecke» in Bewegung zu bringen." Natürlich wird kein Staatsanwalt so leichtfertig sein, der famosen Logik der edlen Denunziantenseeken zu folgen— aber dadurch verliert das Schelmenstück nicht» an seiner Büberei! Solche Deiiuiiziationen gelten ja nicht nur der Staatsanwaltschaft!— Pnttkauiers Verteidiger. Die früheren konservativen Freunde deS Herrn JeSko v. Puti- kamer rücken, soweit sie— wenn auch nur formell— noch auf Anständigkeit halten, von diesem immer tveiter ab. Die von der „Braunschweigcr LaudeSztg." aufgedeckte Kousinengeschichte geht ihnen denn doch allzusehr gegen den Strich, nur ei» echter deutscher Mann tritt noch unentwegt für die hohen vcrwaltuugstechnischen und sittlichen Oualitäten des Kameruner Gouverneurs in die Schranken. DaS ist der Landgerichtsrat Hagemami, Reichstags« abgeordneter für den Wahlkreis Ersurt-Schleusingen und— natürlich— nationalliberalen Glaubensbekenntnisses. Der würdige Herr meint in einem Artikel des Scherlscheu„Tag": „Unrichtig und unpolitisch würde eSsein, wenn der Gouverneur jetzt der Beschwerde der Akwa-Leute zum Opfer fiele, unrichtig, iveil noch manche Ausgabe, deren Lösung er am besten versteht, seiner harrt, unpolitisch, weil der Eindruck, welchen seine Abberufung auf die Beschwerde hin sowohl auf die Akwa-Lente als auf die Negerstäunne im Innern machen würde, dein Ausehen der Deutschen nicht nützlich iväre. Tie Akwa-Leute würden sich eine Be- deutung und einen Einfluß beimessen, den sie nickt haben und nie haben dürfen. Die im Innern wohnenden Negerstämme, die den Gouverneur in seinem energischen Auftreten kennen gelernt haben, würden eS nicht verstehen, daß dieser Mann einem Vorstoß der Duala-Neger hätte weichen müssen." Wie weit Herr von Puttkamer zu feineu Maßnahmen gegen die Akwa-Leute berechtigt war, erscheint also Herrn Hagemann als ganz nebensächlich; die Hauptsache ist, datz Herr v. Puttkamer noch von Nutzen sein könne. Erst der Nutzen, dann das Recht! Herr Hage- mann sollte befördert werden: er hat das ethische Prinzip der deutschen Strafjustiz völlig begriffen.— Liberaler Schacher um Richter? Erbe. Der„Köln. Ztg." wird aus Hagen gemeldet: DaS Wablkomitee der nationalliberalen Partei im Wahlkreise Hagen-Sckwelm beschloß, den Frei» sinnigen ein Zusammengehen bei den Ersatzwahlen für den Landtag und den Reichstag vorzuschlagen, und zwar derart, daß die Freisinnigen die Kandidatur Moldeuhaucrö für den Land« tag, die Natioualliberalen die Kandidatur CrügerS für den Reichs- tag unterstiitzen. Nach einstündiger Programmrede wählte man Moldenhauer einstimmig als Landtags- und eventuell als Reichs- tagskaudidaten. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Freisinn zu diesem Schacher- angebot stellen wird. Bei der Reichstagswahl im Jahre 1903 erhielten im ersten Wahlgang der Natioualliberale 5736, Eugen Nichter 10 572, das Zentrum 4526, der Christlichsoziale 1355 und die S o z i a I d e m o- k r a t i e 13 370 Stimmen. Bei der Stichwahl siegte dann Rich.ter mit 20988 über 15018 sozialdemokratische Stimmen.— Wenn zwei dasselbe tnn— -Die Post" sieht Gespenster.— Die englische Zeitung„Daily Mail" wird demnächst mit der Veröffentlichung eines Romans be» ginnen, der einen gewissen William Le Oiieux zum Verfasser hat und den Titel trägt:„Die Invasion von 19 10". Das Kronsbeinsche Organ bezeichnet das Werk als einen „politischen Scnsationsroman für John Bull!" Und weshalb? Weil Le Oueux in feinem Opus die erfolgreiche Invasion Eng» lands durch ein deutsches Heer dichterisch-phantastisch behandelt. Zum Unglück hat Feldmarschall Roberts es nickt lassen können, voreilig seinen Senf dazu zu geben, indem er an die„Daily Mail" schrieb: «Die Katastrophe, die eintreten könnte, falls wir in unserem gegenwärtigen Zustand der Nichchereitschast verharren, wird in dem Buche Le Queux' lebendig und eindringlich geschildert, und ich empfehle die Leltüre des Buches allen, denen die Wohlfahrt des britischen Reiches am Herzen liegt," Das genügt, um— wie gesagt— der„Post" Gespensterfurchi beizubringen. Nun gibt sie allerdings zu, daß auch bei uns in Deutschland gerade in letzter Zeit Broschüren und romanhaste Dar- siellungen des„Zukunstskrieges" erschienen.„Doch sind," so be- hauptet„Die Post",„diese alle viel weniger„gefährlich" zu nennen, tveil erstens das deutsche Publikum im großen und ganzen weit kritischer veranlagt ist als das britische, und weil ferner auch keine der deutschen Veröffentlichungen die laute„Approbation" einer so hervorragenden Persönlichkeit gefunden hat, wie es für England Feldmarschall Lord Roberts doch zweifellos ist." Leider stimmt erstens die Behauptung nicht, das deutsche »Publikum" sei„im großen und ganzen" weit kritischer veranlagt als das britische. Doch darüber wollen wir uns mit der„Post" nicht streiten. Aber ihr wertes Gedächtnis aufzufrischen, wollen wir uns gestatten: Als kürzlich— von anderen Publikationen zu schweigen— das bekannte„S e e st e r»"-Buch erschien, da war in Deutschland alles, was für Vergrößerung unserer Flotte schwärmt, vor Bewunderung, ja Begeisterung toll. Und die„Post" hat in den Bewunderungsjubel eingestimmt. Was aber war's mit dem„Seestern"? Die Quintessenz des Buches bildete die pein- lich detaillierte Schilderung der großen„Seeschlacht bei Helgoland", in welcher die deutsche Flotte von der englischen total vernichtet wurde! Die konservativen Blätter druckten das Kapitel von der„Seeschlacht bei Helgoland" jubelnd ab. Paßte ihnen diese Geschichte doch vorzüglich in ihren Flottenrummelkram, Was dem deutschen„Seestern" recht war, darf der englischen „Invasion" nicht billig sein. Das ist„Post"-Logik. Wenn Kas übrigens mit Herrn Dr, Kronsbcins Beängstigungszuständen so weiter geht wie seit dem 21. Januar d. I., dann werden wir die ganze„Post"-Garde demnächst in Don Quichote-Rüstungen gegen Windmühlenflügel anreiten sehen.— Neuer Polcnprozeß in Sicht. Wie das„Posener Tageblatt" mitteilt, hat die Staatsanwaltschaft in Gnesen gegen den Ritter- gutsbesitzer, Mitglied des Herrenhauses von Koscielski und 22 Ge- nassen, darunter den ReichstagSabgeorducten für Posen, Rechtsanwalt v. Chrzanowski, das Strafverfahren eingeleitet ivegen Uebertretung des Vereinsgesetzes. Es handelt sich um eine von elfterem Ende vorigen Jahres im Schloßpark zu MiloSlaw der- anstaltete Privatfestlichkeit, zu der auf Einladung eine ganze Anzahl Persönlichkeiten aus der Provinz Posen erschienen waren. Nach Au« ficht der Staatsanwaltschaft soll hier der von der Polizei verbotene Gauverbandstag der/Sokolvereine PosenS abgehalten worden fein,— Die königliche Eisenbahndirektion Erfurt sendet uns folgende Zuschrift: Auf Grund des Preßgesetzes ersuchen wir um Aufnahme folgender Berichtigung in dem redaktionellen Teil Ihres Blattes: Die in Nr. 47 vom 25. Februar unter der Ueberschrift:„Wenn Eisenbahner bitten wollen" enthaltene Schilderung einer Ver» Handlung des Vorstehers der hiesigen Eiscnbahnbetricbswcrkstätte mit den Mitgliedern der Arbeiterausschüsse entspricht nicht durch- weg dem wirklichen Hergang; der Verlauf, wie er durch die Aus- sagen der Beteiligten festgestellt ist, war folgender: Der Werkstättenvorsteher sah sich veranlaßt, den Ausschuhmit» gliedern, welche zur Hälfte erst seit kurzer Zeit in Tätigkeit waren, Aufklärungen über ihre Befugnisse zu geben. Er wies namentlich darauf hin, daß das den Arbeitern selbstverständlich zustehende Beschiverderecht nicht so zu verstehen fei, als ob die Ausschüsse verpflichtet wären, jede Klage und jeoes Verlangen sofort bei der höchsten Stelle anhängig zu machen, daß sie die Wünsche vielmehr auf dem ordnungsmäßigen Wege zunächst zur Kenntnis der un- mittelbaren Vorgesetzten bringen müßten, und erst, wenn sie bei diesen nichts erreichten, an der höchsten Stelle vorstellig werden könnten. Der Vorsteher betonte, daß gerade die Ausschuhmit- gliedcr als gewählte Vertreter der Arbeiterschaft ganz besonders verpflichtet wären, diese ganz selbstverständliche Ordnung zu be- obachtcn. Als dann eines der Ausschußmitglieder die seiner Meinung nach entgegenstehende, im Abgcordnctenhause gefallene Aeußerung des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten aus einer Zeitung vorlas, hob der Vorsteher nochmals hervor, daß seine Auseinandersetzung der ministeriellen Erklärung nicht widerspräche, zumal diese sich wahrscheinlich auf einen speziellen Fall bezöge und die Form der Beschwcrdcführung nicht erwähnte; auch könne man aus abgerissenen Zeitungsbemerkungen den Wortlaut und Zusammenhang der Erklärung mit Sicherheit nicht immer ent- nehmen und fei es nicht ausgeschlossen, daß sie bei der Ueber- tragung aus einer Zeitung in die andere schließlich entstellt wiedergegeben würden. Dieser Sachverhalt läßt erkennen, daß die dramatische Schil- derung des Widerspruchs, in welchen sich der Werkstättenvorsteher mit den Erklärungen des Herrn Ministers gesetzt haben soll, auf einer mißverständlichen Auffassung der Erläuterung des Beamten beruht. Dieses Mißverständnis ist um so erklärlicher, als die Dar- stellung augenscheinlich nicht von einer an der Verhandlung be- teiligten Person herrührt, fondern aus Erzählungen von Mittels- Personen hervorgegangen ist, deren Kenntnis der Vorgänge lediglich auf Hörensagen beruht. Todt. Wir werden auf diese Berichtigung noch zurückkommen. SusUnd. Schweiz. Demokratischer Fortschritt in der Schweiz. Zürich, 8, März.(Eig. Ber.) Vor ungefähr zwei Jahren hat unser Genosse Flachsniann in Oerlikon bei Zürich der Regierung ein Jnitiativbcgchren betreffend die eidgenössische Gesetzcsinitiative eingereicht, dem Regierung und Kantonsrat. ferner die Regierung des Kantons Solothurn zustimmten und das sodann dem Bundesrat eingereicht wurde. Der Bund besitzt nämlich bis jetzt nur die Verfassungsinitiative, deren teilweise oder gänzliche Revision von 50 0 Stimmberechtigten mit eigene» Vorschlägen, die der Volksabstimmung unterbreitet werden miisscu, verlangt werden kann. Das gleiche Recht bezüglich der Schaffung neuer oder der Abänderung bestehender Bundesgesetze besteht jedoch nicht, während es 22 von 25 Kantonen für sich haben. Die Frage der Einführung der eidgenössischen Gesetzcsinitiative lag aller- dings schon einmal dem Volke zur Entscheidung vor, nämlich im Jahre 1872; seltsamerweise lehnten damals die Stimmberechtigten mit 261 072 gegen 255 609 Stimmen das ihnen von den Bundes- behörden offerierte neue wichtige demokratische Recht ab. Nun hat der Bundesrat auf daS Jnitiativbegehren FlachSmannS hin. und nachdem fich»och weitere KantonZrcgierungen dafür ausgesprochen haben, beschlossen, der Bundesversammlung folgende Vor- läge zur Einführung der Gesetzesinitiative zu machen: Art. 1. Es werden in die Bundesverfassung folgende»rnlcl eingefügt; Art. 93 bis: 50 000 stimmberechtigte Schweizerbürger oder acht Kantone haben das Recht, den Erlaß, die Abänderung oder die Aufhebung eines Bundesgesetzes sowie die Abänderung oder die Aufhebung eines allgemein verbindlichen BundeSbefchlnsses zu verlangen. Dem Jnitiativbegehren wird nur Folge gegeben, wenn die Bundesversammlung erklärt, daß eS weder gegen die Bundes- Verfassung noch gegen die dem Bunde durch StaatSverträge auf- erlegten Verpflichtungen verstoße. DaS Begehren um Erlaß eines Bundesgesetzes oder eines all- gemein verbindlichen BundesbeschlusseS kann sowohl in der Form der allgemeinen Anregung, als in der Form deS ausgearbeiteten Entwurfes gestellt werden.„„. Wird daS Begehren m der Form der allgemeinen Anregung frestellt und ist die Bundesvsriammlung mit demselben einvcr- tanden, so erläßt sie daS entsprechende Gesetz oder den Bundes- beschluß, welche genräß Artikel 89 Absatz 2 dem Referendum unterliegen Sind nicht beide Räte mit dem Jnitiativbegehren einverstanden, so ist die Frage, ob dem Jnitiativbegehen Folge zu geben sei, dem Volke zur Entscheidimg vorzulegen. Spricht sich die Mehrheit der stimmenden Bürger für das Jnitiativbegehren aus, so erläßt die Bundcsversanimlnng das Gesetz oder den Bundesbeschluß, welche gemäß Artikel 39 Absatz 2 dem Referendum unterliegen. Wird das Begehren um Erlaß oder Abänderung eines Gesetzes oder eines allgemein verbindlichen BundesbeschlusseS in der Form eines ausgearbeiteten Entwurfes gestellt oder wird die Aufhebung eines Gesetzes oder eines oll- gemein verbindlichen BundesbeschlusseS verlangt und ist die Bundesversammlung damit einverstanden, so erhält der Vorschlag unter Vorbehalt deS Artikel 89 Absatz 2 GefeyeS- kraft. Sind nicht beide Räte mit dem Begehren einverstanden, so ist der Vorschlag dem Volke zur Annahme oder Verwerfung vorzulegen. Die Bundesversammlung kann bei Abstimmungen über die Jnitiativbegehren, mit denen sie nicht einverstanden ist, dem Volke Verwerfung beantragen oder ihm gleichzeitig mit dem Initiativ- begehren andere Anträge unterbreiten. Art. 93 tcr: Ein BundeS- gesetz wird über das Verfahren und die innezuhaltenden Fristen bei Behandlung von Jnitiativbegehren das Nähere be- stimmen. Artikel 2. Artikel 89 ist wie folgt abzuändern: Für Bundes- gefetze und BimdeSbefchlüsse ist die Zustimmung beider Räte erforderlich. Vorbehalten bleibt jedoch Artikel 93 bis. Artikel 3. Vorftebender Bundcsbefchluß wird der Abstimmung des Volkes und der Stände unterbreitet, 50 009 Unterschriften sind zwar sehr viel und 30 000 würden auch genügend gewesen sein. Doch wir begrüßen schon diesen deniolratischen Fortschritt, der ja voranssichtlich in der nachfolgenden Volksabstiminnng diesmal die Zustimmung der Mehrheit der Stimm- berechtigten finden wird. Allerdings bedeutet er ja für die sozial- demokratische Arbeiterschaft, da sie noch eine Minderheit bildet, vor- läufig nur Zukunftsmusik, doch er bringt immerhin weiteren Ausbau der Demokratie.—_ England. Eine Zolldebatte. London, 9. März.(Eig. Bcr.) Am 12. d. Mts. findet im Unterhause eine große Zoll- debatte statt, an der sich die Führer und die besten Redner aller Parteien beteiligen werden. Der liberale Abgeordnete Sire James Kitson wird folgenden Antrag begründen: „Durch die letzten Wahlen hat das Volk deS vereinigten König- reiches seine ungefchmächte Treue zu den Grundsätzen deS Frei- Handels bekundet. DaS Unterhaus hält es dcshab für richtig, die Erklärung abzugeben, daß es fest entschlossen ist, sich allen Vor- schlägen zu widersetzen, die darauf abzielen, die Lebens- mitteleinfuhr mit Zöllen zu belegen oder einen General- tarif aufzustellen und im allgemeinen ein System von Schutzzöllen in diesem Lande zu schaffen." Der konservative Abgeordnete Stuart Wortley wird die Streichung der letzten Hälfte des Antrages verlangen. Nach Ablehnung dieses Amendements wird Wyndham, ebenfalls konservativ, für folgende Fassung der letzten Hälfte des An- träges sprechen:„... Das Unterhaus hält es deshalb für richtig, die Erklärung abzugeben, daß es fest entschlossen ist, sich allen Vorschlägen zu widersetzen, die darauf abzielen. künstlichen Schutz gegen legitimen Wettbewerb zu gewähren, aber es ist bereit, Vorschläge in Erwägung zu ziehen, die eine größere Gleichheit der Bedingungen ftir den britischen Handel und engere Beziehungen zu den Kolonien schaffen wollen."— Dieses Amendement entspricht ganz der Politik Balfour- Chamberlain. Schließlich wird die Arbeiterpartei ein besonderes Amen- dement stellen: „Indem wir unsere Genugtuung darüber aussprechen, daß die Wahlen in so schlagender Weise den festen Entschluß deS Volkes gezeigt haben, den Freihandel aufrechtzuerhalten und die fchntz- zöllnerifchen Pläne zurückzuweisen, geben wir die Erklärimg ab, daß weder Freihandel noch Schutzzoll imstande sind, das Problem der Arniut zu lösen, vor dem das Land jetzt steht." Genosse Snowden wird über dieses Amendement sprechen.— Australien. Die Arbeitslosen von TaSmania haben sich an die Staats- regierung um Hülfe gewandt mit dem Ersuchen. Notstands- arbeiten ausführen zu lassen. Der Premierminister gab zur Ant- wort, daß dazu kein Geld vorhanden sei. Auch in anderen Staaten Australiens herrscht viel Arbeitslosigkeit und überall dieselbe Rat- losigkeit der betreffenden Regierungen gegenüber diesem Problem. In Gewcrkschaftskreisen gewinnt die Agitation für einen Sechs stundentag an Umfang. Auf diese Weise soll der Arbeitslosigkeit begegnet werden. Der Achtstundentag ist bereits fast zur allgemeinen Regel geworden. Soziales. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten. Die dritte Jahresversammlung der so unendlich notwendige und wichtige Zwecke verfolgenden Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten fand am Sonntag im Bürgcrsaal des Rathauses statt. Der von Dr. Lesser und Dr. Blaschko erstattete Geschäftsbericht hob hervor, daß die Gesellschaft die Zwecke einer Studiengesellschaft von Fachgelehrten, dir eines Organs der Volksbelehrung und die einer Körperschaft zur Sin- Wirkung auf die öffentlichen Gewalten von Anfang an zu ver- einigen gesucht habe. Mit den erreichten Erfolgen, der Vereinigung von nahe an 5000 Mitgliedern in 22 Ortsgruppen, der Ver- breitung der Merkblätter in mehr als Ilh Millionen Exem- plaren, dem Absatz der Aufklärungsschriften usw. dürfte sie wohl zufrieden sein. Die Presse habe im allgemeinen die Scheu vor der öffentlichen Erörterung sexueller Fragen überwunden und die Ge- sellschaft wirksam unterstützt. Wo falsche Prüderie die Entstehung von Ortsgruppen bisher verhindert habe� wie in Magdeburg, Königsberg, Halle, Bremen, Leipzig und Straßburg, sei ihre Bil- dung in kürzester Frist zu erwarten. Die Gesellschaft hätte nur einen wirklichen Gegner: die Unwissenheit und den Aberglauben der leidenden Menschheit, den Kurpfuscher nach Kräften ausnutzen. Gegen diesen Feind werde sie den Kampf mit aller Kraft fort- führen.(Beifall.) Nach dem Vortrag über die Frage der Beteiligung von Krankenkassen an hygienischen Kongressen, über den wir an anderer Stelle referieren, folgte das Referat des Professors Dr. Ncißer über Ausnahme einer Statt st ik der veneri- schen Krankheiten in Deutschland. Die erste Statistik hat zwar nur mangelhafte Ergebnisse geliefert, aber trotzdem das Entsetzen wachgerufen, das Voraussetzung für einen wirksamen Kampf gegen diese Volksseuche sei. Die neue Statistik sollte unter Mithülfe der Aerztekammern nach einem vom Minister unter Mit- Wirkung der Gesellschaft festgesetzten Schema durch die Aerzte auf- genommen werden. Natürlich dürfe, selbst wenn der Z 300 des Strafgesetzbuches nicht die Wahrung des ärztlichen Bcrufsgeheim- nisses vorschriebe, nicht mit der Name des Kranken genannt werden. Durch Vcrmittelung des Reichskanzlers sollten die anderen Bundes- staatcn zur Teilnahme an der Enquete aufgefordert werden. Von dem Verlangen, alle Aerzte auf gesetzlicher Basis zur Auskunft zu zwingen, wie der schlesische Provinzialverein wünsche, habe man mit Rücksicht auf die gesetzgeberischen Schwierigkeiten allerseits Abstand genommen. Redner schließt mit der Bitte, eine im Sinne seiner Ausführungen gehaltene Resolution anzunehmen. Die Versammlung beschließt demgemäß. Ueber den Antrag des Vorstandes betr. Einsetzung einer Sach- verständigenkoinmission, welche über die Reformierung der Reglementierung zu beraten hat, referiert Dr. Blaschko- Berlin: Es habe sich als fast unmöglich erwiese», durch die Debatte über die Reglementierung der Prostituierten in öffentlichen Ve» sammlungen zu einem praktischen Resultat zu kommen. Deshalb sei die Anregung, die der Abgeordnete Münsterberg im Februar dieses Jahres im preußischen Landtag gegeben habe, nach dem Vorbilde Frankreichs eine außerparlamentarische Sachverständigen- kommission über diese Frage einzuberufen, mit Dank und Freude zu begrüßen. Die Erklärung des Ministers, daß er schon längere Zeit selbst diese Absicht gehabt habe, beweise, daß die Anregung in kurzer Zeit realisiert werden würde. Es sei wohl möglich, jetzt durch Vereinigung der widerstreitenden Standpunkte zu einer Art Kompromiß praktische Arbeit zu leisten. Die Rcglementisten hätten von jeher erklärt, daß besser als die heutige Rcglementie- rung der Prostitution gar keine sei und hofften, durch die Reform die allzu berechtigten Klagen verstummen zu machen. Die Abo- litionistcn würden die Reform als eine Abschlagszahlung und als ersten Schritt ans einer neuen Bahn annehmen. Wer schließlich Recht behalte, werde ja die Zukunft lehren.(Bravol) Frau Schulrat Minna C a u c r und Fräulein Helene S t ö ck e r bitten, in dem Beschluß ausdrücklich zu sagen, daß in die Sach- verständigenkommission auch Mitglieder dieser Gesellschaft und. Frauen berufen werden sollten. Landtagsabgcordncter M ü n- sterbcrg hält die Erfüllung dieses Wunsches für selbstverständ- lich. Es wird die vom Referenten vorgelegte Resolution in fol- gcnder Fassung einstimmig angenommen: „Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechts- krankheitcn spricht ihre Befriedigung darüber aus, daß aus Grund der Verhandlungen des preußischen Landtages nach einer Aeuße- rung des Herrn Ministers des Innern die königlich preußische Staatsregierung bereit ist, eine gemischte Kommission zu berufen. die sich mit der Frage der staatlichen Behandlung der Prostitution beschäftigen soll. In diese Kommission sollen auch Mitglieder unserer Gesellschaft, Frauen und Männer, zur Beratung und Be- schlußfassung zugezogen werden. Die Gesellschaft gibt gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck, daß auch in den anderen Bundesstaaten in ähnlicher Weise vorgegangen werde." Mitglied der Gesellschaft zur Bekämpfung von Geschlechts- krankheiten kann ein jeder, auch Krankenkassen, durch einen Jahres- beitrag von mindestens 3 M.! Verden und so die sozialen Ziele der Gesellschaft unterstützen. Dürfen Krankenkassen hygienische Kongresse beschicken? Ueber dies Thema referierte am Sonntag in der Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlcchtskrmikheiten der Vorsitzende der Berliner Ortskrnnkrnkasse für Knuflcntc, A l b e r t 51 o h n: In den Anfangszeiten des Krankcnkasscmvescns war die Erfüllung der gesetzlichen Mindestleistung und die möglichst rasche Auffüllung des gesetzlich vorgeschriebenen Reservefonds das Hauptbestrcben der Vorstände und Mitglieder. Erst in neuerer Zeit ist allmählich die Erkenntnis gc- wachsen, daß die 5krank«nkassen auch prophylaktisch zu wirken hätten. So haben sie trotz der einengenden Fesseln des Gesetzes schon früher für die Geschlechtskrankheiten und jetzt für die Trunksüchtigen zu sorgen gesucht. Dem Vorbild Äcr großen 5lassen in Leipzig, Straß- bürg und Berlin folgend, haben auch die an kleineren Orten durch Verbreitung von Merkblättern und Einrichtung von Vortragskurscn die hygienische Kwltur unter ihren Mitgliedern, d. h. unter der großen Mehrheit des deutschen Volkes gefördert. Anatomische Tafeln zur Aufklärung über die Folgen des Alkohokismnö hängen jetzt in fast allen 5iassclilokalcn, zahlreiche WohnungiZenquetcn schafften das Material für das notwendige Neuhsivohmmgsgesetz herbei. Anläßlich des internationalen Tuberkulosekongrrsscs 1399 in Berlin wurden zum erstenmal von amtlicher Stelle durch den Medizinalrat Roth-Potsdam die Krankenkassen aufgefordert, recht- zeitig vorbeugend einzugreifen. Soll die vorbeugende Tätigkeit, zu der auch die Teilnahme an hygienischen Kongressen gehört, aufhören? Immer mehr erwies eö sich als notwendig, den Meimings- auötausch der wissenschastlichen Versammlungen, die Erfahrungen, die wir aus dem Verkehr mit den Sachverständigen der vorbeugenden Heilkunde grw>anncn, unseren Mitgliedern nutzbar zu machen. Dieser Nutzbarmachung scheint die Praxis einiger Aufsichtsbehörden entgegenzustehen. Die Aufsichtsbehörden haben zu der Beschickung der Kongresse gegen die Tuberkulose, die Geschlechtskrankheiten und den Alkoholismus ganz verschiedene Stellung genommen. Teilweise bekamen wir Einladungen zu Konferenzen, an deren Spitze die her- vorragcndsten Beamten standen. Auf der anderen Seite forderten manche Aufsichtsbehörden, besonders in SachsenundPreußen, von den Krankenkassen- vorständen die Rückerstattung der dafür aus- gelegten Beträge. Tie Ortskrankenkasse der 5iauflcute zu Berlin, die einen Jahresetat von 3lh bis 4 Millionen hat, versuchte nun, um eine Entscheidung des Lbervcrwaltungsgrrichtcs zu provo- zieren, statutarisch festzulegen, daß der Vorstand berechtigt sei, für diese Kongresse und zur Förderung der Wohnungsfrage Auf- Wendungen bis zu 15 000 M. jährlich zu machen. Das Ober- vcrwaltungsgericht hat diese Statutenänderung für unzulässig er- klärt. Entgegengesetzter Ansicht sind 5lommenwtorrn, z. B. Hahn. So hat auch gegenüber der Forderung der Aufsichtsbehörde an den Vorstand der allgemeinen Ortskrankcnkasse zu Bielefeld, 200 M. zurückzuerstatten, die für die Beschickung des.Kongresses gegen die Geschlechtskrankheiten in Frankfurt a. M. und Äes KrcmkenkasscntageS in Berlin ausgegeben waren, das Landgericht Bielefeld entschieden, daß Aufwendungen, die zur Orientierung des Vor« standes dienen, im Interesse der Kasse lägen, auch wenn er zu ihnen nickst ausdrücklich durch das Statut ermächtigt sei. Das ist nun viel mehr als wir verlangt hatten; denn danach könnten wir z. B. juristische, volkswirtschaftliche, statistische oder hygienische Hebungen für die Kassenbeamten auf.Kosten der Kasse veranstalten. Nur die Rückständigkeit mancher Aufsichtsbehörden und die Acngstlichkcit vieler Kassenvorstände, denen die nötige Sicherheit noch nicht gegeben ist, hindern die lirrmkenkasscn, die Belehrimg, die nur sie in die breiten Schichten der Bevölkerung tragen können, auch wirklich zu ver- breiten. Derselbe Scnatspräsident am Obcrverwaktungsgericht. Dr. Strauß v. Torney, der das Urteil gegen uns gefällt hat, hat es für die Pflicht aller im öffentlichen Leben wirkenden Kräfte erklärt. dem Alkoholismus entgegenzuwirken.(Heiterkeit.) Die Gesetz- gebung selbst hat durch Zulassung der fakultativen Schwangerschafts. Unterstützung die Krankenkassen ermächtigt, vorbeugend zu wirken. Zur Förderung dieses unseres Strrbcns empfehlen wir Ihnen fol- gcnde Resolution: Die deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der GcschlechtSkrank- heften hält die Beteiligung der Krankenkassen an den Arbeiten und Bestrebungen der Gesellschaft sowie anderer hygienischer Vereinigungen für nützlich und notwendig im Interesse der Krankenkassenverwaltung, der Krankcnkasicnmitglieder sowie zur Förderung der allgemeinen Volksgesundheit.(Lebhafter Beifall.) Krankenkassenvorsitzcnder G r i e ck S« Hamburg teilt mit, daß auch die dortigen Kassen sehr unter dem Widerstande der Aufsschts- behörden zu leiden gehabt hätten, es sei aber ein obsiegendes Urteil des OberlandeSgerichts erstritten. Dies sei wegen Unzulässigkeit deS Rechtsweges vom Reichsgericht aufgehoben. Die Resolution wird einstinmtig angenommen. Sie soll auf Antrag des General- arz tes V i l l a r e t- Frankfurt a. M. allen deutschen Staats- regierungen zugestellt werden. Die Entscheidung des OberverwaltungSgerichts, auf die der Referent in seinem Vortrage ausführlich einging, datiert vom 13. April 1905. Das Obcrverwaltuugsgericht erklärt darin, daß die Verwendung von Kassenmitteln für die Entsendung von Vertreter« zu Vereinen und Kongressen nicht möglich sei,„die auf die Ver- hütung von VolkSseuchen und anderen Krankheiten abzielen". DaS wäre nur möglich, wenn§ 29 des KrankeuversicherungSgesetzes eine andere, vo» dem Zentralverbande der Ortskrankenknsscn angeregte Fassung erhalte. UebrigenS aber„bedürfe es zur Leistung von Ausgaben, die als Verwaltungskosten zu beurteilen sind, nicht erst der besonderen statutarischen Ermächtigung." Detnnach ist selbst nach diesem OberverlvaltungsgerichtSnrteil die Aufwendung von Kassenmitteln für hygienische Bestrebungen und demnach auch für Teilnahme an Kongressen zulässig, jedoch wäre von Fall za Fall zu entscheiden. ob die Ausgabe sich im Rahmen der VerivaltuugSkosten halte. Hierüber besagt das Amtsgericht Bielefeld in seiner Eulscheidmig dom 10. November 1904 sbc- slätigt vom Landgericht Bielefeld am 22. Mai 1905) zutreffend; „Bei der Wichtigkeit, die den Krankenkassen im Gesamtrahmen unserer Arbeiterschutzgesetzgebung zukommt, ist es von größter Bedeutung für die zweckmäßige Tätigkeit der Kassen daß das Verständnis für die Zwecke und die Aufgaben der Kassen unter den Mitgliedern geweckt und gefördert, sowie daß gerade die Vorstände der einzelnen Kassen über die Lage der Gesetzgebung imd über andere aktuelle, das Kassenwesen berührende Fragen unterrichtet und auf dem Laufenden erhalten werden. Ohne Zweifel ist aber die Beschickung wichtiger Kongresse sehr geeignet. hierzu beizutragen. Andererseits ist zu berücksichtigen, ob die Größe der Kasse»ach der Zahl der Mitglieder und dem Umfang ihres Ver- inögens sowie die jedesmalige Vermögenslage der Kasse die Ver- Wendung der Gelder für diese Beschickung zu den aufgewendeten Beträgen als angemeffen erscheinen lassen." In demselben Sinne haben wiederholt Aufsichtsbehörden ent» schieden, so im vergangenen Jahre unter dem 1. April 1903 die bayerische Regierung der Pfalz. Kammer des Innern, zu S p e i e r. Es war nämlich gelegentlich der Revision der gemeinsamen Ortskrankenkasse Zweibriicken durch die Aufsichtsbehörde beanstandet, daß 101,40 M. Delegiertcnkosten im Jahre 1904 verausgabt wurden, da diese Ausgäbe nach Z 29 des Krankenversicherungsgesetzcs unzulässig erscheine. Auf Antrag der Kasse erging darauf nachstehende Entscheidung: „Es besieht keine Erinnerung dagegen, wenn durch Beschluß der Generalversammlung die Kosten von 101,40 M., welche durch Ent- sendung von Abgeordneten zu der in München stattgehabten Jahres- Versammlung des Zentralverbandes von Ortskrankenkassen Dcuisch- landS, sowie zu dem 4. pfälzischen Krankenkassentag in Neustadt a. H. erwachsen sind, auf die Ortskrankenkasse zu Zweibrücken übernommen werden." Im Gegensatz dazu forderte in Hamburg die Aufsichtsbehörde von den Vorstandsmitgliedern der Ortskrankenkaffe für Bureau- Angestellten die Erstattung von 30 M., die zur Beschickung des Orts- Irankenknssen-Kongresses in Hamburg erwachsen waren und drohte an, die Einziehung durch Ordnungsstrafen zu erzwingen. Die Vorstandsmitglieder zahlten und verlangten dann im Klagewege Rückerstattung. Das Oberlandesgericht in Hamburg gab dieser Klage unter dem 28. November 1904 statt. Das Reichsgericht hob das Urteil wegen Unzulässigkeit dcS Rechts- Weges unter dem 13. Oktober 1903 auf. Ueber die Frage der Ver- Wendung von Kassengeldern zu den mehrfach erwähnten Zwecken ließ es sich nicht aus. Das Reichsgericht skizzierte den formellen Rechtsstandpunkt dahin: greift die Aufsichtsbehörde mit dem Verlangen auf Rückerstattung ein, so gab es vor der letzten Kranken- kassennovelle nur den Beschwerdeweg, seitdem auf Grund des ß 43 des K.-V.-G. das V e r w a l t u n g s st r e i t v e r f a h r e n. Darüber, ob die Aufsichtsbehörde formell berechtigt ist, von Vorstaudsmit« gliedern Rückerstattungen zu verlangen, hat sich daS Reichsgericht nicht ausgelassen. Man wird mit den zitierten Bielefelder Ent- scheidungen anzunehmen haben, daß Rückerstattungen nicht im Ver- ivaltungsstreitverfahren, sondern im ordentlichen Rechtsweg geltend zu machen sind. Der Vortrag und die Uebersicht der wesentlichsten im letzten ahre zu der Frage erlassenen Entscheidungen ergibt, daß die äffen berechtigt sind, Gelder zur Beschickung hygienischer Kongresse und zur Vorbeugung gegen Krankheiten zu verausgaben, daß aber von Fall zu Fall zu prüfen ist, ob die Verausgabung den Verwaltungskosten zuzurechnen sind. Eine bessere Klar- stellung des Rechts der Kassen durch die Gesetzgebung wäre erwünscht. Erfreulich war, daß die Notwendigkeit eines weiteren Rührens für die Kassen so einhellig auf dem Kongreß betont wurde und daß der anwesende Generalarzt es für erforderlich hielt, den Re- gierungen Mitteilung von der Resolution zugehen zu lassen. GewerksckaftUckes. Polizeiliche Maßregelung. Zu den geplagtesten Menschen in der Reichshauptstadt mit gehört der Droschkenführer. Wer das Leben und Treiben an einem unserer Hauptvcrkehrspunkte betrachtet, wird zugestehen nlüssen, daß es nicht zu den Kleinig- leiten gehört, dort ein Fuhrwerk ohne Gefahr für sich und andere hindurchzulenken. Der Berliner Droschkenführer muß aber sein Fahrzeug nicht allein durch ein Gewirr von Fuhrwerken. Passanten, Straßenbahnen, Radfahrern. Omnibussen und Automobilen steuern, sondern durch ein schlimmeres von— Strafparagraphenl Da- bei hat er nicht Zeit, dieselben erst mit der Ruhe nach- zuschlagen, mit der sie auf dem Polizeipräsidium geschaffen iverden konnten, sondern er muß seinen ungeduldigen Fahr- gast ungesäumt und auf geradestem Wege zum Ziele führen. Nun sind Regeln, nach denen der großstädtische Verkehr sich zu gestalten hat. unerläßlich, soll er überhaupt rnöglich sein. Daß aber die Berliner Droschkenführer, seien es die mit der Peitsche in der Hand, seien es die mit Staubbrille und Huppe, den Verkehr mutwillig gefährdeten, wird niemand zu behaupten wagen. Wir haben nie beobachtet, daß einmal ein Droschkenführer seiner schlimmsten Konkurrenz Ungclcgenheiten bereitete und etwa die Straßenbahn am Weiter- kommen hinderte. Das nehmen sich meist nur an das Berliner Pflaster und die Regeln des großstädtischen Verkehrs noch nicht gewöhnte Kutscher von Schwerfuhrwcrken heraus, die noch vor kurzem hinter dem Pfluge gingen. Weicht der Berliner Droschkenführer nicht richtig und rechtzeitig aus. dann kann er es nicht, durch Hindernisse selbst in der Be- Wegungsfreiheit gehemmt. Und seine Ehrlichkeit und sein Entgegenkommen gegen das Publikum sind über die Berliner Grenzen hinaus weit bekannt. Daß der Berliner Droschkenführer von den Beamten des Polizei- Präsidiums in seinen Umgangsformen übertroffen wird, hat noch niemand zu behaupten gewagt. Trotzdem hagelt's auf das Haupt des Schwerbetroffenen Strafen über Strafen! Droschkenführer und Droschkeneigentümer sind sich darüber einig, daß hier Zustände eingerissen sind, deren Weiterdauer für die Betroffenen nicht zu ertragen sei. Sie haben das wiederholt in Versammlungen festgestellt und sie haben die zuständigen Behörden in Eingaben um Abhülfe ersucht. Nun hat der Polizeipräsident von Berlin dem Verband der Fuhrwcrksbesitzcr-Vereine so etwas zugehen lassen, was er vielleicht als eine Rechtfertigung der polizeilichen Maßnahmen ansehen mag. was aber Fuhrwerksbesitzer und Führer von ihrem Standpunkt aus sicher als eine Verhöhnung ihrer Not- läge auffassen werden. Ueber die enorme Menge der Strafen schriftstellert der Herr Polizeipräsident: ..Von den im Ortspolizeibezirk Verlin vorhandenen 6600 Droschkenkutschern sind im Jahre 1903 zirka 2200 Kutscher jnit 3473 Strafen belegt worden, so daß zwei Drittel der Kutscher überhaupt nicht bestraft worden sind." Damit will Herr v. Borrics die— Nachsichtig- keit der Polizei beweisen I-- Man faßt sich unwillkürlich an den Kopf: In Berlin existiert also eine zu Tausenden zählende Kategorie von ehrlich ihr Brot erwerbenden Menschen. von denen der dritte Teil jährlich den Schlingen polizeilicher R e g l em e nti e rnng S- sucht v e r f ä l l tl Daß denen dabei die Geduld ausgehen nwß und sie einmal— wie am 26. und 27. Februar— im wahrsten Sinne des Wortes alle Räder still stehen lassen, wird außer dem Herrn Polizeipräsidenten jeder begreifen. Dieser begreift es nicht!— Er wütet: „Dem Wunsche, den Vertretern des Verbandes erneut Gelegen- heit zu geben, ihre Vorstellungen gegen die Droschkenordnung auch mündlich bei mir vorzudringen, vermag ich m i t R ü ck s i ch t auf den Streik der Droschkenkutscher am 26. und 2 7. Februar, welcher die öffentliche Ordnung gefährdete und auch von einer größeren Anzahl Fuhrherren gebilligt und sogar unterstützt worden ist, nicht zu entsprechen. Aus dem- selben Grunde sehe ich mich genötigt, von der beantragten Erhöhung der Droschkentaxe, der ich bisher im allgemeinen wohlwollend gegenüber gestanden habe, vorläufig abzusehen, da ich nach den Vorkommnissen am 26. und 27. Februar, an welchen Tagen das Droschkengewerbe auf eine Einnahme von mehreren hunderitailfend Mark freiwillig ver- zichtel hat. nicht mehr die Ueberzeugung habe, daß das Droschken« gewerbe sich in der behaupteten ivirischaftlichen Notlage befindet." Also sachlich hält Herr v. B o r r i e s eine Erhöhung der Droschkentaxe fiir gerechtfertigt, er will aber vorläufig davon absehen, weil die Berliner Droschkenführer gegen den Polizei- lichen Stachel gelökt haben. Zu den Maßregelungen durch seine Beamten fügte er die Maßregelung des Chefs. In seinem Tatendrange will er nicht hinter dem letzten Schutz- mann zurückbleiben. Wollten w i r Herrn v. B o r r i e s genügend kennzeichnen, wir könnten es nicht, ohne gegen den§ 183 zu verstoßen. Aber wär können dem Herrn Polizeipräsidenten einen Straf- antrag und uns den Gang nach Moabit ersparen. Wir über- lassen die Kritik des Herrn Polizeipräsidenten Herrn v. B o r r i e s. Durch die Begründung seines Verhaltens hat er sich s e l b st charakterisiert l Bci-Un una Cirngegend. Holzarbeiter. In 10 Werkstellen der Nähtischbranche haben 60 Arbeiter am gestrigen Tage die Arbeit eingestellt wegen Nicht- bewilligung der von ihnen gestellten Forderungen auf Erhöhung der Akkordpreise um 7'/z Proz. Die Meister wollen heute, nachdem sie gestern abend gemeinsam Stellung zu den Forderungen ge- nommmen haben, mit den Streikenden m Verhandlung treten. Streik der Böttcher. Kürzlich hatten die in den Berliner Bierfaßfabriken beschäftigten Böttcher ihren Arbeitgebern die Forderung auf Erhöhung des Wochenlohncs von 30 auf 33 Mk. und Verkürzung der Arbeitszeit von 9� auf 9 Stunden täglich unterbreitet. Außerdem verlangten sie einen 10- bis 15 prozentigen Lchnaufschlag für die üblichen Akkordarbeiten. Mit der schriftlichen Uebermittelung dieser Forderungen waren die Arbeitgeber gleich- zeitig ersucht worden, dem Ortsvorstand der Bötlcherorganisation bis zum 10. März Antwort zukommen zu lassen, ob sie zur Bc- willigung resp. zu Verhandlungen geneigt seien. In ihrem Hochmut hat es den Herren Arbeitgebern jedoch beliebt, die OrganisationS- leitung überhaupt keiner Antwort zu würdigen. Dies Verhalten der Arbeitgeber, sowie der Umstand, daß gerade in den Bierfaß- fabriken die schlechtesten Arbeitsverhältnisse für Böttcher herrschen, veranlaßte am Sonntag eine stark besuchte Böttcherversammlung zu einem sofortigien energischen Vorgehen. Mit allen gegen nur fünf Stimmen wurde beschlossen, am Montag, den 12. März, die Arbeit in diesen Betrieben nicht wieder aufzunehmen und durch Streik die Fabrikanten resp. Jnnungsmeister zum Nachgeben zu zwingen. Tiefer Beschluß ist gestern morgen von sämtlichen Beteiligten auch prompt ausgeführt worden. In Betracht kommen 1l8 Böttcher bei 12 Firmen. Die Hausdiener, Packer und Fahrer der Papier und Pappen- engroshandliingrn waren am Sonntag äußerst zahlreich bei Feuer- stein versammelt, um den Bericht des Verbandes der Handels-, Transport und Verkehrsarbeiter über den Verlauf der Lohnbewegung entgegenzunehmen. Die Situation hat sick für die Arbeitnehmer sehr günstig entwickelt. Bis Freitag, den 9. März, hatten 23 Firmen die Forderung der Arbeiter auf Erhöhung de? Lohnes als berechtigt an- erkannt. Diesen Firmen hatten sich bis Sonnabend noch 11 weitere angeichloffen, so daß jetzt 34 Firmen ihren Arbeitern einen um 1—3 M. erhöhten Lohn sowie Sommerurlaub bei Weiterzahlung des Lohnes und anderes niehr bewilligt haben. Eine Resolution, welche die Vertagung der Beschlußfassung über die weiteren Maßnahmen aussprach, wurde angenommen. Achtung» Gärtner und Gartenarbeiter! Bei der Landschafts- gärtnereifirma Leo S t ö v e ck e n, Südende, Steglitzerstr. 13, ist es infolge Maßregelung von drei Kollegen wegen ihrer Zugehörigkeit zur Organisation zu Differenzen gekommen, die trotz sofort an- gebahnter Vermittelung von feiten der Organisation zu keinem Ausgleich führten. Die genannte Firma ist also für Organisierte ge- sperrt. Bei der Firma O. Platz, Charlottenburg, Straße 63, am Tegelerwcg, sind Differenzen ausgebrochen. Die Gehülfen haben die Arbeit einmütig niedergelegt und bleibt die Firma bis auf weiteres gesperrt. Die Ortsverwaltung Groß- Berlin des Allgemeinen Deutschen Gärtnervereins. Oeutr. Der Streik der Töpfer in Posen ist jetzt nach achtzehnwöchiger Dauer beendet. Die Gehülfcn nehmen die Arbeit zu den alten Be- dinaungen wieder auf. Diesen langwierigen Kamps haben die Posener Töpfer führen müssen, um den von den Arbeitgebern— der Posener Töpferinnung— begangenen Vertragsbruch ab- zuwehren, durch welchen den Arbeitern zugemutet wurde, um 10 bis 13 Prozent unter den tariflich vcreinbarlen Lohn- sähen zu arbeiten. In der Scharfmacherpreffe hat sich niemand gefundeu, der über diesen Vertragsbruch der Unternehmer gezetert hätte, Buchdruckerstreik in Thor». Das gesamte Personal der Buch- druckerei Hoppe in Thorn— Thorner„Ostdeutsche Zeitung"— Setzer, Drucker und Stereotypeure. ist ausständig. Es handelt sich um die Einführung de« deutschen Buchdruckertariss. HuBUnd. Grwerkschaftskassen und Politik in England. London, 10. März. Die vielfach umstrittene Frage, ob eS ge- setzlich sei, die Ausgaben für parlamentarische Arbeilervertretung auS den GewerkschaftSlassen zu decken, wurde gestern vom Richter Owen in Cardiff entschieden. Der Verband der Bergleute in Güdwales beschloß im Jahre 1901 mit Zweidrittelmehrheit, eine Extrasteuer von einer Mark jährlich für politische Zwecke zu erheben. Ein Ver- bandsmitglied. das von solchen Zwecken nichts wissen will, wandte sich im vorigen Jahre an daS Gericht mit dem Ersuchen, dir Erhebung einer solchen Steuer als ungesetzlich zu erklären, da Gewerkschaftswescu und Politik nichts mit einander zu tun hätten. Er meinte, politische Arbeitervertretung sei im Gemerkschaftsgesetz nicht vorgesehen; die Satzungen der Gewerkschaften dürften deshalb derartige Be- stimmungen nicht enthalten. Die gerichtliche Verhandlung fand vor zwei Wochen statt, aber der Richter erbat sich einige Zeit, die ein- schlägigen Gesetze und Urteile genauer durchsehen zu können, da der Prozeß eine große politische Bedeutung habe. Der Richter gab gestern sein Urteil dahin ab. daß die Klage a b g w i e s e n werden müsse, denn die politische Förderung der GewerkschaftSiuteressen verstoße nicht gkgen das Gesetz. Versammlungen. Erklärung. In Nr. 57 des„Vorlvärts" vom Freitag, den 9. März wird vom Genossen G. B e r n h a r d die Mitteilung des Vorstandes in der Geueralversainmlung des zweiten Wahlkreises vom 6. d. M. über seine Mitgliedschaft bestritten. Von ihm schriftlich aufgefordert, öffentlich richtig zu stellen, komme ich dein nach: ES ist weder dem Bezirksfiihrer, noch dem Vorstand eine Mitteilung über das Ausscheiden Bernhards aus dem Wahl- verein gemacht worden. B. bezahlte seine Beiträge sin letzter Zeit nicht selbst, sondern durch einen anderen Genossen) an den Bezirks- führer bis in den Dezember 1904. Von da ab unterließ er es. Der Vorstand erhob deshalb keinen Vorwurf, bemühte sich auch nicht darum, ob Genosse B. anderswo organisiert ist, weinte ihm aber auch keine Träne nach. Wie der Vorstand zu seiner öffentlichen Mitteilung kam?— Veranlaßt durch das Urteil im„Plutus"-Artikel über die Forderungen des Bandes der Landwirte wurden mehrere schriftliche und mündliche Ansragen an den Vorstand gerichtet, ob Genosse B. noch Mitglied des Wahlvereins oder ob er im Bund der Landwirte organisiert sei. Nun sah sich der Vorstand veranlaßt, alle diese Fragen dadurch zu erledigen, daß er den Mitgliedern in der Versammlung zur Kenntnis gab, daß Genosse B. nicht mehr Mit- glied, sondern freiwillig ausgeschieden sei dadurch, daß er keine Bei- träge mehr zahlte. Der Vorstand glaubte, dadurch seien alle diese Fragen erledigt. H. Werner, Vorsitzender. Letzte Nachrichten und Dcpefchcn. Zur Gruben katastrophe von Courrivres. Leus, 12. März, nachmittags 1 Uhr.(W. T. B.) Seit gestern sind in den Kohlengruben von Courrieres alle Rettungsarbeitr» eingestellt, weil die Rettungsmannschaften durch die Ausdünstungen der Leichen und die giftigen Gase, die sich in den Gruben angesammelt haben, gefährdet werden, und weil der die Rettungsarbeiten lcttcude Ingenieur eine neue Explosiv» befürchtet. Ebenso befürchtet mau, daß Luftzusühruug den Brand, dessen Stelle man nickst kennt, noch mehr entfacht. Infolge der Schwierigkeit der Rettungsarbeiten sind nur 90 Leichen zutage gefördert worden. Die Rettungsarbeiten werden erst am Mittwoch wieder aufgenommen werden, weil morgen die Beerdigung der geborgenen Leickxm stattfinden soll. Von den aus dem Schacht 4 geborgeneu 39 Leichen sind viele bis zur IIn- kenntlichkeit entstellt, während die aus den Schächten 2 und 10 her- aufbeförderten Leichen sämtlich erkennbar waren, da hier die Ver- unglückten durch Ersticken umgekommen sind. Spenden für die Hinterbliebenen. Paris, 12. März.(W. T. B.) Fürst v. Radolin übcrreichic dem Ministerpräsidenten Rouvier im Namen des deutschen Hülfs- Vereins 2000 Frank für die Hinterbliebenen der Opfer des Unglücks. Paris, 12. März.(88. T. B.) In einer heute hier abgehaltenen Versammlung der Kohlciigrnbengescllschaften wurde der Beschluß gefaßt, fürs erste die Summe von 200 000 Frank zur sofortigen Verteilung an die Familien der Opfer der Katastrophe von Courrieres abzusenden. Paris, 12. März.(W. T. B.) Der Stadtrat von Paris hat die Summe von 23 000 Frank für die Familien der Opfer des Grubenunglücks von Courriöres bewilligt. * Neue Opfer des Grubenunglücks. Lille, 12. März."„?-»«aehett vcr- urtrilt. Entdeckte Bombcnfabrik. Berditschew, 12. März.(W. T. B.) Bei dem hiesigen Advo- katcn Fuchs wurde eine Bombcnfabrtk entdeckt; es wurden neun fertige Bomben vorgefunden. verantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: VorwärtSBuchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer LcCo.,Berlin8>V. HierziiZBeilagenu.Nnterhaltungsblatt Nr. 60. 23. Zahrgaag. 1. SnlM des„üotiirlö" ßttliiift WIKsdlM Dievstag, 13. März 1906. Rcicbetag. 63. Sitzung vom Montag, den 12. März, nachmittags 1 Uhr. Am VimdeSratstische: Dr. Schulz. Die Debatte über den Etat des R e i ch S e i s e nb ah n» amteS"wird fortgesetzt beim Titel„Gehalt deS Präsidenten'. Abg. Jäger sjj.)(auf der Tribüne fast völlig nnverständlichj scheint über die Möglichkeit�zu sprechen, den engliscb-indischen Verkehr, der jetzt über Parts und Genf geht, durch Süddeutschland zu leiten. Präsident Dr. Schulz antwortet auf die Anfragen der Abgg. Starz und Jäger bezüglich der internationalen Eisenbahnprojekte.> Abg. Graf Kaiiitz(f.) kritisiert die Rentabilitätsberechnungen der verschiedenen deutschen Eisenbahiiverwaliuiigen. Einer Betriebsmittel- gemeinichaft stehe» zweifellos sehr große Schwierigkeiten gegenüber. Ich bin sehr gespannt, wie diese Frage gelöst werden wird; daß es bis zum 1. Oktober möglich sein wird, glaube ich nicht.— Was die vorgeschlagenen neuen Pcrsonentarife anlangt, so ist mir der Sprung von der ersten Klasse mit 7 Pfennigen bis zur zweiten Klasse mit SVj Pf. zu groß; er steht in gar keinem Berhältuis zu den Unterschieden zwischen den übrigen Klassen. In Deutschland sind die Personentarife schon heule außerordentlich billig— nur in Rußland und Oesicrreich-Ungarn sind sie billiger— und ich sehe wirklich keine Notwendigkeit, sie noch mehr zu ermäßigen. Weit wichtiger ist eine Verbilliguug der Gütertarife. Ganz unberechtigt sind die abnorm bjlligen Pcrsonentarife im Borort- verkehr, die das Anwachsen der Großstädte nur begünstigen. Was schlwßlich die von der Steuerkommissivn beschlossenen Kilometer- zuschlüge anlangt, so muß ich für meine Person erklären, daß ich diesen Beschluß bcdaure. Ich erwarte als Folge eine außerordent- liche Schmälerung der Erträge unserer Eisenbahnen; denn die Ber- teuerung der Fahrkarten wird dazu führen, daß viele Reisende von der ersten Klasse in die zweite, von der zweiten in die dritte usw. übergehen. Ich hoffe, daß in der weiteren Beratung der Kommission noch ein Ersatz für diese Kilomcterznschlöge gefunden werden wird. (Bravo I rechts.) Abg. Bassermann(natl.) hofft, daß sich die Großschiffahrt auf dem Rheinstrome aufwärts noch weiter wird verlängern lassen als eS bisher geschehen ist. Abg. Schräder(frs. Vg.): Durch die Rede des Wg. Stolle fühle ich mich veranlaßt, einmal die Unfälle in der letzten Zeit zusammenzustellen. Ueber das Resultat war ich doch erschreckt: Seit dem August deS vergangenen Jahres haben aus den preußischen Bahnen ein halbes Dutzend Unfälle mit zusammen 25 Toten und 15 Schwervcrwundeten stattgefunden!(Hört I hörtS I lins.) Der Herr Präsident des ReichseisenbahnamteS sollte dieser Erscheinung doch einmal gründlich nachgehen. Heute werden, wenn ein Unfall stattgefunden hat, diejenigen bestraft, die an letzter Stelle schuldig sind, statt daß man die ganzen Einrichtungen einer Kritik unterwirft. Die DiS- kussion allein tut es nicht. Man muß daraus achten, daß nicht ein leichtes Versehen gleich ein großes Unglück hervorruft. Deshalb dürfen vor allem die Strecken nicht überlastet werden. Herr Graf Könitz ist Gegner des billigen BorortSverkehrS, aber er sollte doch daran denken, daß viele Landwirte dadurch großen Vorteil haben. Schon jetzt sind viele Bauern der Mark Brandenburg Millionäre ge- worden.(Zuruf: Schöneberger I Heiterkeit.) verlin wird auch ohne den Borortverkehr ebenso wachsen, wie jetzt, aber es würde mehr zusammengedrängt werden als jetzt.(Sehr richtig I links.) Der Bundesrat hat die Verpflichtung, die Beschlüsse des Reichseisen- bahuanUS auszuführen; denn der Bundesrat hat die Exekutive. Leider hat aber daS Relchseisenbahnamt gegenüber dem preußischen Ministerium nur wenig Autorität. Möge doch das Deutsche Reich von feinen Rechten auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens einmal Gebrauch machen, dann wird es vorwärts gehen. Als in Lübeck die Privatbahn bei einem Niveauübergang einmal den Forderungen, die an sie gestellt wurden, nicht nachkommen wollte, sagte man ihr sofort, dann wurde das ReichSeisenbahnamt eingreifen. Warum macht man eS gegen Preußen nicht gerade so?(Beifall linlS.) Abg. Bock-Gotha(Soz.): In den Landtagen von Weimar, Gotha. Altenburg, Meiningen und Lipp« ist vor kurzem der Beschluß gefaßt worden, die dortigen Eisenbahnzustände im Reichstage zur Sprache zu bringen. Infolge deS rücksichtslosen Vorgehens seitens Preußens haben sich dort un« haltbare Zustände herausgebildet. Die kleinen thüringischen Staaten werden von Preußen in jeder Beziehung benachteiligt. Die Klagen darüber datieren seit vielen Jahren, haben aber bisher nicht die geringste Berücksichtigung gesunden. Verschiedene Bahnbauten. die private Gesellschaften ohne jeden Zuschuß ausführen wollten, hat Preußen verboten. Und als es sie dann selbst in die Hand nahm, hat eS zirka>/, Million dafür beansprucht. Eine besondere Klage ist auch die, daß nach einem Gesetz von 1370 sämtliche preußischen Eisenbahn- beamten, die in den kleinen thüringischen Staaten wohnen, ihre Steuern nach Preußen zahlen. Das macht für Gotha jährlich die für einen so kleinen Staat geradezu horrende Summe von 60000 M aus. Alle Parteien ohne Unterschied find sich darin einig, daß dieser Zustand nicht bestehen bleiben darf und daß, wenn nötig, das Gesetz geändert werden muß. Als eS erlassen wurde, gab es in Gotha vielleicht 30 bis SO solcher Beamte, jetzt zirka 1000. Selbst ein nationalliberaler Abgeordneter bezeichnete es im Weimarer Landtag als himmelschreiendes Unrecht, daß diese Beamten alle öffentliche Einrichtungen in Gotha, die Schulen usw. benutzen, und ihre Steuern »ach Preußen zahle». Auch der ganze Betrieb der preußischen Bahn ist in diesen kleinen Staaten steuerfrei. In Preußen herrscht der Grundsatz: Erst koinme ich, dann komme ich noch einmal, dann noch ein paar Mal und dann die kleinen.Bundesgenossen".(Heiter- keit.) Ich will an einigen recht drastischen Fällen die preußische Eisenbahnpolitik beleuchten. Die Städte Arnstadt und Gotha haben schon seit vielen Jahren ein Komitee gebildet, um eine Eisenbahn- Verbindung zwischen diesen beiden Orten herbeizuführen. Das Koniitee hat sich an die Eisenbahndirektion gewendet, ist von da an den Minister gewiesen und von diesem abgewiesen worden. Dann hat eme Privatgesellschaft sich bereit erklärt, den Bau ohne irgendwelche Zuschüsse zu übernehme», weil diese Strecke unter allen UiKsländen rentiert. Aber die preußische Eisenbahnverwaltung hat die Bauerlaubnis nicht er- teilt! Das Komitee war der Meinung, die abschlägige Antwort könnte vielleicht an den Personen der betreffenden Gesellschaft liegen. ES hat sich eine zweit« Eisenbahngesellschast, die etwa« ver- trauter mit dem Eisenbahnministerium stand, bereit erklärt, den Bau zu denselben Bedingungen auszuführen; aber auch sie wurde ab« Bewiesen. Selbst eine Audienz dein, Minister wurde nicht gewährt. i» derselben Zeit aber fand eine Audienz beim Minister statt, in der eine Lahn E r f u r t— Arnstadt genehmigt wurde. Die preußische Eisenbahnverwaltung ist eben bestrebt, den ganzen Verlehr nach Erfurt zu leiten, und alle Interessen der kleinen Staaten müssen demgegenüber zurückstehen. An welche Instanz sollen sich die kleinen Staaten nun wenden? Doch an das ReichSeisenbahnamt! Wir sind deshalb der Meinung, daß daS ReichSeisenbahnamt mit viel mehr Befugnissen ausgestattet werden muß. Wir sind keine Partikularisten, kein« Preußenftesser, meinen aber, daß die Art, mit der Preußen gegen die kleinen Staaien verfährt, jeder Beschreibung spottet. Auch die Sonntagsfahrkarten sind von Gotha aus teurer als von Erfurt. Das ist doch eine ganz kleinliche, niedrige und mehr als fiskalische Art, auf Kosten kleiner Staaten Preußen Einnahmen zu verschaffen. Dabei steht dieses Verfahren der preußischen Eisenbahnverwaltung mit den vorliegenden Staatsverträgen gar nicht im Sinklang. Die kleinen Staaten Weimar, Gotha, Meiningen befinden sich Preußen gegen- über in einer Zwangsjacke. Es geht ihnen gut oder schlecht, je nach- dem Preußen diese locker läßt oder nicht. Da rede man uns doch nicht von Preußen als einen Bundesstaat; denn Preußen allein hat ja zu sagen, es ruiniert die kleinen Staaten ivirtschaftlich und finanziell. Dabei ist das Herzogtum Gotha Preußen mit aller Kulanz entgegengekommen. Zwei sehr rentable Bahnen sind ab- gegeben. Wo ist der Dank des Hauses Hohenzollcrn? Der preußische Adler ist uns gegenüber zum Geier geworden. Es ist gesagt worden, Preußen habe 80 Millionen für die Bahnen in den Kleinstaaten ausgegeben. ES werden das wohl ausschließlich Bahnen sein, die lediglich im preußischen Interesse gebaut sind. Dann hat Preußen diefes Geld aber für sich selbst ausgegeben. Der Abg. Bassernrann hat ein Loblied auf die vierte Wagenklasse gc- lungen, in das wir nicht einstimmen können. In Bayern und Württemberg ist die dritte Wagenklasse nicht teurer als bei uns die vierte. Es ist doch ein unglaublicher Zustand der Kultur, daß der. der 14, 18 und 20 Stunden fährt, auch noch st e h e n soll. DaS Fahren in der vierten Klasse ist in der Tat nichts anderes als eine reine Lotterie. Der eine Reisende mutz stehen, während sein Nachbar sitzt. In Preußen freilich würde man sich wohl auch nicht daran stoßen, noch eine fünfte Wagenklasse zu schaffen. Wir sind ganz entschiedene Gegner der vierten Klasse. Nach unserer Ansicht genügen zwei Klassen vollkommen, noch besser würde es sein, überhaupt nur eine Klasse zu haben. Der Abg. Erzberger hat seine Befriedigung über die Arbeits Verhältnisse in Elsaß-Lothringen ausgesprochen. Wen» die Verhältnisse dort wirklich so gut sind, so sollte Herr v. Budde sich der preußische» Arbeiter doch auch einmal in ähnlicher Weise annehmen. Eine Petition von Lokomotivpcrsonal und Bahnsteigschaffnern ist vor kurzem in der Kommission des Abgeordnetenhauses beraten, die Regierung selbst hat dort anerkannt, daß die Wünsche der Lokomotivbeamtcn be- rechtigt wären, trotzdem ist den Petenten selbst von der Verwaltung mitgeteilt worden, daß ihren Wünschen nicht entsprochen werden konnte. Da sollte doch mit der preußischen Verwaltung einmal ein ernstes Wort gesprochen werden. Ich hoffe, daß das Reichseisenbahn- amt dafür sorgen wird, daß insbesondere den Wünschen Thüringens einigermaßen Rechnung getragen wird.(Bravo! bei den Sozial- demotraten.) Präsident Dr. Schulz: Der Herr Borredner hat die preußische Eisenbahnverwaltung nach verschiedenen Richtungen, insbesondere be- züglich ihres Borgehens in bezug auf den Bau neuer Eisenbahn- linien, getadelt. Ich werde sorgfältig prüfen, inwieweit die einzelnen Punkte in den Ausführungen des Herrn Abgeordneten vielleicht unter die Zuständigkeit des Reiwes fallen. Dem Herrn Abg. Schräder sage ich für seine Belehrung auf staatsrechtlichem Gebiete verbindlichste» Dank, kann mich ober seinen staatsrechtlichen Ausführungen keines- wegS rundweg anschließen. Abg. Kirsch(Z.) wünscht eine Reform deS WohnungSgeldzuschuß- Systems. Abg. Hieber(natl.) beklagt die Schwierigkeiten, die sich der BetriebSmittelgemeinschaft entgegengestellt haben. Abg. Kaempf(ftf. Vp.) wünscht, daß der Vorredner innerhalb seiner Fraktion dafür sorgen möchte, daß alle Pläne auf Ver- teuerungen deS Verkehrs, sei eS durch die Billettstempel, sei es durch den kilometrischen Zuschlag, zu Falle koinmen, und geht dann auf die Revision der Elsenbahn-Verkehrsordnung ein. Präsident Dr. Schulz: Ich kann bestätigen, daß eine Um- arbeitung der Eisenbahn-BerkehrSordnung vorgenommen ist. Die jetzige Verkehrsordnung beruht noch auf dem alten Betriebsreglement aus den 70er Jahren, die nur infolge deS Inkrafttretens des Handels« gesetzbnches geändert ist. Der neue Entivurf ist im Dezember ver- gangenen JahreS den meistbeteiligten Bundesregierungen zugegangen. er wird noch im Laufe diese« Jahres einer konimissarischen Beratung im ReichSeisenbahnamt unterzogen werden. Abg. Gothel»(frs. Bg.): Ich muß eine Frage heute wiederholen. die ich bei Gelegenheit unserer Interpellation über die Zoll- Verhältnisse an der russischen Grenze gestellt habe: Am 16. Fe- bruar hat plötzlich die Eisenbahndirektion Bromberg in ihrer Eigenschaft als geschäftsführende Direktion des nieder- ländisch-deutsch-russtschen Verbandsverkehrs einen UfiiS veröffentlicht, wonach die Ueberfrist um zehn Tag« verlängert wurde. Wie kam die Eisenbahndirektion Bromberg dazu, eine derartige Verfügung zu erlassen, welche die Interessen der deutschen Verfrachter auf daS ärgste schädigte? Be» dieser Verfügung sind augenscheinlich allein fiskalische Gesichtspunkte maßgebend gewesen. Es ist geradezu himmelschreiend, daß die Bromberger Direktion einfach die Befehle Rußlands ausführt. Präsident Dr. Schulz: Die Ursache ber Güterstockung an der russischen Grenze lag an den russischen Zollbehörden, wie der Abg. Gothein bei Gelegenheit seiner Interpellation anerkannt hat. insbe- sondere daran, daß das russische Zollamt eS ablehnte, Nachtschichten einzurichten.(Hört! hört!) Wenn die Bromberger Direktion dar- aufhin die im niederländisch-deutsch-russischcn Vereinstarif verein- borten Fristen verlängert hat, so ist die Schädigung der deutschen Exporteure, die ich an sich gar nicht leugnen will, nicht durch diese Fristverlängerung bewirkt, fondern eben durch die Verzögerung der russischen Zollabfertigung und durch äußere Umstände. Die Direktion regreßpflichtig zu machen, wie der Abg. Gothein empfohlen hat, wird daher zu keinem Erfolge führen. Helfen können nur internationale Verhandlungen durch die deutsche Botschaft in St. Petersburg. Abg. Stolle(Soz.): Dem Präsidenten Dr. Schulz gegenüber muß ich feststellen, daß kein Rückgang der Zahl der Entgleisungen zu verzeichnen ist, daß dieselbe vielmehr eine fortschreitende Tendenz hat. 1904 ist die Zahl der Entgleisungen schon auf 315 gestiegen. Ebenso ist die Zahl der Unfälle, die auf den Betriebskilometer entfällt, gestiegen. (Redner legt dies eingehend zahlenmäßig dar.) Im Abgeordneten- hause wurde gesagt, die Arbeitszeit sei im allgemeinen nicht länger als neun Stunden. Das ist nicht richtig. Zunächst ist schon durch Gerichtsurteile festgestellt, daß durch zu lange Arbeitszeit schwere Unfälle herbeigeführt sind. Wenn trotzdem der Minister sicb in, preußischen Landtage anders geäußert hat, so verweise ich auf mein Material. Ich will daraus hier nur weniges anführen: Mir liegt ein Bericht vor, in dem festgestellt wird, daß ein Arbeiter sechs Tag- und sieben Nachtschichten hintereinander hatte, und �war von ununterbrochener je ILstündiger Dauer.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wie ist es da möglich, daß die nötige geistige Frische vorhanden ist? Dabei sind die Arheitsräume in sehr schlechtein Zustande und ungeheizt; es ist nicht einmal Sitzgelegenheit vor- Händen. Während der Pausen müssen die Leute immer da sein, dürfen daS Stellwerk nicht verlassen und müssen sich so aufhalten, daß sie keinen Schlaf bekommen können. Es wird also von den Lenten eine große Arbeitsleistung verlangt. Bei derartigem Dienste wär eS doch wohl am Platze, daß sich der Präsident des ReichseisenbahnamteS die Sache einmal etwa« näher ansieht. Wenn man die Räume kennt, in denen sich das Rangierpersonal aufholten muß. kann»nan es gar nicht begreifen, wie es möglich ist, von Musterbetrieben zu sprechen. Die große Fürsorge des Ministers von Budde zeigt sich einzig und allein in Maßnahmen gegen den Alkoholgenuß. Statt hier eine Belehrung erfolge» zu lassen, wird eine Verordnlmg erlassen, nach der das Personal für 10 Pf. nicht mehr ein großes Glas Bier bekommt, sondern ein kleines, das heißt'/»o statt*/t0. Der Minister behandelt die Arbeiter nicht nur in diesein Punkte so, sondern auch in anderen Angelegenheiten, zilin Beispiel, indem er ihnen verbietet, Mitglieder einer Genossenschaft zu werden. Nur noch wenige Worte über die Behandlung ber Arveiter. Ich habe schon darauf hingewiesen, welche unangebrachte Sparsamkeit auf diesem Gebiete herrscht. Ich will jetzt noch ein Beispiel aus meinem engeren Heimatlande Sachsen anführen, daS zeigt, wie böses Beispiel gute Sitten verdirbt. Dort ist die Zahl der Bahn« wärterstellen um 150 verringert worden.(Hört! hört! bei den Sozialdeinokraten.) Das bedeutet einen Geivinn von 135 000 M. für den Staat. Für die Betriebssicherheit wird es aber nicht von Nutzen, sondern schädlich sein. Im Interesse des Staates und der beteiligten Arbeiter bekämpfen wir deshalb diese falsche Sparsamkeit. (Beifall bei den Sozialdeinokraten.) Abg. Baudert(Soz.): Auf die Gefahr hin, daß der Herr Präsident deS Reichs- eisenbahnamteS auch meine Ausführungen als rein preußische An- gelegenheiten bezeichnet, muß ich doch noch einmal auf die thüriugi- schen Eisenbahnverhältnisse zu sprechen kommen. Vielfach wird darüber geklagt, daß durch mangelhafte Ueber- oder Unterführungen Leben und Gesundheit von Personen gefährdet, wie auch die Wirt- schafllichen Berbältnisse der Arbeiter geschädigt werden. In Weimar und Apolda werden Hunderte von Arbeitern durch die häufig not- wendig werdenden Sperrnngen der Niveauübergänge geschädigt. Eine Reihe größerer Städte, wie Weimar, Jena, Eifenach, Ilmenau, haben jahrelang um Abstellung der auf diesem Gebiete herrschenden himmelschreienden Zustände petitioniert, sind aber immer wieder abschlägig beschieden worden. Man hat die Gemeinden aufgefordert, größere Zuschüsse zur Herstellung von Ueber- und Unterführungen zu leisten; die Finanzen der in Be- tracht kommenden Gemeinden gestatten ihnen das aber nicht. Ferner fehlt es vielfach an den nötigen Anschlüssen; man muß oft drei, vier Slunden auf Anschlüsse warten. Auch Extrazüge werden nicht ge- ivährt. Zu einem Fest in Oberhof, Anfang Februar, das von 2000 bis 3000 Personen besucht war, hatte das Komitee bereits im Dezember»»m einen Extrazug gebeten; das Gesuch wurde ab- geschlagen und erst im letzten Moment, am 29. Jairuar, nachdem nian sich an den Minister selbst gewandt hatte, wurde eS bewilligt. Die letzten großen Unfälle bei Großhcringen und Eisenach beweise»», daß infolge der Ueberlastung der Streckenarbeiter und der Beamten die Betriebssicherheit leidet. Auch die Löhne sind sehr niedrig. Sie reisen ja so gern nach Thüringen, weil die Luft dort so nahrhaft sein soll, aber»vas nutzt den Arbeitern die nahrhafte Luft, wenn sie nicht satt zu essen haben! Ich schließe mich vollständig den Ausführungen»»»eines Freundes Bock an: Das Gesetz, welches der Besteuerung der preußischen Bahnbeainten entgegensteht, muß beseitigt werden. Was hat denn Thüringen davon, daß die großen preußischen Bahnen durch Thüringen laufen? Fast nicht«! Wohl aber gehen die Steuern der Eisenbahnbeaniten, die ihre Gehälter, ihre Pensionen doch a»S dem thüringischen Wirtschaftsleben beziehen, den Kleinstaaten verloren. Das macht für diese große Sunimen aus I Wir sind keine Reichs- feinde, keine Partikularisten, So lange aber derartige Verhältnisse im Eisenbahnivesen Thüringens herrsche»», werden Sie die Unzn- friedenheit nicht beseitigen.(Beifall bei den Sozialdeinokraten.) Der Titel wird belvilligt. Ohne Debatte wird der Rest des Etats des ReichSeiseirbahnaintS bewilligt. Hierauf vertagt das HauS die Weiterberatung deS Etats auf Dienstag 2 U h r. Auf der Tagcsordirung stehen zunächst die Etats des Reichspensionsfonds, Reichsinvaliden« f o n d S und Reichsschatzamts. Schluß 6VS Uhr. Berichtigung. Mit der Bitte um Veröffentlichung erhalten wir von Genossen Richard Fischer nachstehende Zuschrift: Ich pflege sonst auf Versaininlungsberichte usw., auch wenn sie meine Aeutzerungen unrichtig wiedergeben, nicht zu erwidern; ich habe mir zur Ersparung etwaigen Aergers schon lange angewöhnt, Berichte über Reden von mir in der Regel zu überschlagen. Wenn ich heute mit dem ReichStagSberichte über die Sonnabend- sitzung eine AuSnahine mache, so mir deshalb, weil ich glaube, den Angestellten der Reichsdruckerei, die in» Bertranen aus unsere Fraktion sich an uns gewandt haben, die Erklärung schuldig zu sein, daß an den zahlreichen—„Mißverständnissen" nicht ich die Schuld trage. Ich müßte in der Tat mit dein»nir anvertrauten Material in der unverantwortlichsten und lüderlichsten Weise mngegangci» sein, wenn ich all das gesagt hätte, was der„Vorwärts"-Bericht mich sagen ließ. Nur an ein paar besonders groben Beispielen will ich daS nach- weisen. Der„VorivärtS"-Bericht schreibt: „Die Arbeiter bleiben viel zu lange auf dem Mindest- lohn st e h e n; derselbe beträgt 23,80 M. Drei Jahre muß der Arbeiter für diesen Mindestlohn arbeiten, bevor er eine Mark Zulage erhält. Das Maxinnnn beträgt 42 M, Aber eS gibt zahl- reiche Arbeiter in der Reichsdruckerei, die diesen Höchstlohn nie erreichen. Arbeiter die 40 Jahre dort tätig sind, erhalten mir 39 M. Ein solcher Wochenlohn ist aber geradezu elend" usw. usw. Ich habe kein Wort von„Stehenbleiben" anf der MindestsNife gesagt, sondern konstattert, daß nach drei Jahren der Lohn um 1,60 bezw. 1,30 M.(nicht eine Mark) erhöht werde. Nicht daß.zahl- reiche Arbeiter" den Höchstlohn von 42 M.»»icht erhalten, be- hanptete ich, sondern daß es darauf ankomme, wie v i e l e Ar- beiter und wann sie ihn erhalten, da feststehe, daß drei bis vier Setzer, die schon 40 Jahre im Betriebe tätig sind, erst 39 M. erhalten. Nicht daß ein„solcher" Lohn(von 39 M.) ein elender Lohn sei, erklärte ich, soitdern als Beweis für die un- genügende Bezahlung wies ich auf die Etatsposition hin, toonach das Anfangsgehalt für Fakt vre nicht mal 29 M, pro Woche betrage; das habe ich eilte geradezu elende Bezahlung genannt, wofür»nan»»icht»nal einen anständigen Setzer verlangen könite, aber ich habe entschuldigend angefiihri, daß es sich hier unter dem schönen Titel: Faktore»vahrscheinlich bloß uin sogeitannte„Antreiber" handele. Auch nicht von.unverhältnismäßig großer Zahl von Vor» gesetzten mit hohen Gehältern" sprach ich, sondern von der Verteueruitg des Betriebes durch die iin Verhältnis zu den arbeitenden Angestellten unverhältnismäßig große Zahl von Vorgesetzten, was ich mit dein Beispiele belegte, daß an dem ftag- lichen Ostermontag auf 13 arbeitende Setzer blos 7 Vorgesetzte kanten. Die Frage der Entlassung der Setzer ist völlig falsch wiedergegeben. Meine Klage richtete sich dagegen, daß Setzer»nit 5—8 Jahren Dienstzeit deshalb entlassen wurden, Ivcil sie iarif- gemäße Bezahlung gefordert hatten. Nicht daß die Zahlting erst erfolgte,„nachdem man deshalb beim Direktor vorstellig geworden", tadelte ich, sondern daß sie nicht erfolgte, obwohl der Arbeiter und dam» der ArbciterauSschuß vorstellig geworden, nicht erfolgte, obwohl die Direktion durch Umfrage be» anderen Druckereien die Berechtigung der Forderung erfahren, und daß Zahlung erst erfolgte, nachoein das T a r i f a m t selber vorstellig geworden, und daß die Arbeiter 16 Wochen auf dicfe Zahlung warten mußten und dann 3—4 Tage nach der Zahlung auf die Straße flöge»». Kein Wort habe ich von„Kriegervereinen und patriotische» Kundgebungen" gesprochen, sondern gegenüber der Tarifverweigerung auf daS z»v e i e r I e i Maß der Regiernitg für Uniernehtner-»md Arbeiterorganisationen verwiesen: daß die Regierung bei dem Kohlen- und Kali-Svndikat beleiligt sei. daß der Kriegs- und der Eisenbahnminister offiziell, mündlich und schriftlich, sich mit dein berüchtigten„Verband der Metallindustriellen" bezüglich seiner Arbeiteraussperningen solidarisch erklärt habe. Nach diesen Stichproben brauche ich über die Korrektheit beS übrigen Teiles dieses Berichtes keine Verantwortung mehr zu über- nehmen. parlamentanfcbeo. . Unterstützungswohnsitznovelle. In der Kommission zur M» mwerung des Gesetzes üSer den Unterstütznngs- Wohnsitz wurde gestern beschlossen, zunächst in die Beratung der- lenigen Paragraphen einzutreten, deren Abänderung die Regicrungs- Vorlage beantragt. Für den Regierungsvorschlag, daß nach zurück- gelegtem 16. Lebensjahr durch e i n jährigen ununterbrochenen Auf- enthalt der Untcrstützungswohnsitz erworben wird, statt wie bisher durch zweijährigen ununterbrochenen Aufenthalt nach zurückge. legtem 18. Lebensjahr, erklärten sich sämtliche Parteien mit Aus- nähme der Freisinnigen. Unsere Vertreter toiesen darauf hin, daß es sich um weiter nichts handele, als daß gewisse Armenlastcn, die bisher vom platten Lande bezahlt würden, auf die Städte abgewälzt werden, und daß diese offene agrarische Maßnahme ohne jede tatsächliche Begründung auf die einfache Behauptung hin, daß die lieber- lastung des Landes„notorisch" sei, gefordert werde. Sie würden aber dem Vorschlag aus dem Gesichtspunkt des Arbeiterschutzes zu- stimmen; denn da die Armenunterstützung in den Städten im all- gemeinen eine bessere sei als auf dein Lande, so bedeute die Er» Weiterung der Armenunterstützungspflicht der Städte eine Ver- Besserung der Armenpflege. Außerdem werde durch den früheren und schnelleren Erwerb des UnterstützungSwohnsitzcs die Ab- schiebungsmöglichkeit vermindert, auch die Freizügigkeit gefördert, und die jungen Leute um so früher in den Klassenkampf hinein- gezogen.— DaS Zentrum brachte daraufhin eine Resolution ein, die Regierung aufzufordern, zur Begründung ihres Vorschlages tat- sächliches Material vorzulegen, zog dieselbe aber auf die Erklärung des Grafen von Posadowsky, daß Sie Vorlage solchen Materials un- möglich sei, zurück.— Die Beratung wird am nächsten Montag fort- gesetzt werden, da daS Zentrum die Aussetzung der Beschlußfassung wünschte, damit die Fraktionen inzwischen Stellung nehmen können. Das furchtbare Grubenunglück von Conrriöres. Der Kapitalismus auf der Anklagebank! Von der entsetzlichen Grubenkatastrophe von CourriereS haben wir unseren Lesern bereits in der Sonntagsnummer kurz Nachricht gegeben. Die ausgesprochene Befürchtung, daß zirka 1200 Menschen- leben vernichtet sind, wird leider nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen als nicht zu weitgehend bestätigt. Mehr als 1200 Leichen — welche Unsumme von Schmerz, Jammer, Not und Elend verbirgt sich hinter der grausigen Zahl l Namenlose?, unbeschreibliches Un- glück ist über viele, viele Proletarierfamilien hereingebrochen. Am Ort der Katastrophe spielten sich herzzerreißende Szenen ab. Manche Mutter wird den Sohn, manche Frau den Mann, manches Kind den Vater nicht mehr wiedersehn; nicht einmal als Leiche, des FeuerS gierige Glut verwehrt ihnen selbst solchen Trost. Selbst im Gemüt des rohcsten, selbstsüchtigsten, verknöchertsten Menschen muß daS namenlose Weh der betroffenen Unglücklichen Schmerz und Mitleid auslösen. In spaltenlangen Berichten gibt die bürgerliche Presse Kunde von dem entsetzlichen Ereignis und sie gibt dem Bedauern und dem Mitleid mit den Opfern Ausdruck. Das ist gewiß anerkennenswert, aber damit ist die Pflicht und Aufgabe der Presse nicht erfüllt. Mit aller Schärfe muß die Frage aufgeworfen werden, sofort: War daS Unglück unvermeidlich? Wer hat eS ver- schuldet? Wenn die bis jetzt vorliegenden Nachrichten auch noch kein ganz klares Bild über die Betriebseinrichtungen der Unglücksgrube geben, das eine steht doch schon heute zweifellos fest: Auch dieses furchtbare, entsetzliche Unglück ist«ine Folge des kapitalistischen Systems! Die Profitgier, das rücksichtslose, unverantwortliche Aufsspielsetzen von Menschenleben in Betätigung der PluSmacherei hat auch diese 1200 Menschenleben auf dem Gewissen! Schon wird versucht, das Unglück als ein Elementarereignis zu charakterisieren und durch Mitteilungen über freiwillige Spenden zur Unter- stützung der Hinterbliebenen die öffentliche Meinung gefangen zu nehmen, die Schuldfrage in den Hintergrund zu drängen. Dem- gegenüber ist unnachsichtliche Kritik und Aufklärung geboten. ES muß laut in die Welt hinausgeschrien werden: Das Unglück ist ei» neues Verbrechen des Kapitalismus! Zum Beweise dafür, daß hier der Kapitalismus auf der An- klagcbauk sitzt, verzeichnen wir zunächst diese im allgemeinen in der Presse kritiklos mitgeteilte Darstellung der späteren Katastrophe: Leus, 11. März. Ueber die wahrscheinlichen Ursachen der Katastrophe von CourriöreS erklärt ein Ingenieur des Ministerimns des Innern: Am letzten Sonntag brach in Schacht 3, der mit Schacht 1 und 2 direkt verbunden ist, ein Brand ans. Um das Feuer zu lokalisiere», wurden zuerst mit Mörtel und Zement verstärkte Holzverschalungen angebracht, doch dürften diese entweder zu weit vom Feuerherd entfernt, oder nicht dicht genug gewesen sein. Jedenfalls muß angenommen werden, daß das Grubengas sich in großer Menge mit der ein- dringenden Luft vermischen konnte, und daß infolgedessen die furchtbare Explosion stattfand, welche die Zertrümmerung der Schachtwände und den Ein stürz der Decke herbeiführte. Die Staatsanwaltschaft soll festgestellt haben, daß der Brand schon vor ungefähr einem Monat ausgebrochen war. Jedenfalls hatten die Ingenieure der Gesellschaft schon vor mehreren Tage» Besorgnisse wegen der Ausdehnung des Brandes gehegt und mehrere Schächte einer eingehenden Besichtigung unterzogen; es heißt aber, daß nichts Außergeivöhnliches bemerkt worden sei. Die Bergleute machen die Gesellschaft für die Katastrophe verant- wortlich und beschuldigen die Jngenicurc der Sorglosigkeit, da man, nachdem das Feuer die Holzverschalung ergriffen hatte, die Ein- fahrt hätte einstellen sollen. Die Aufregung, welche unter den Bergleuten herrscht, läßt ernste Borkonnnnisse befürchten. Nach den letzten Meldungen wird die Zahl der Verunglückten auf 1100 geschätzt. Zur Feststellung der Schuldfrage genügt die Konstatierung, daß, obwohl in einem Teile der Anlagen ein gefährlicher Brand wütete, unbedenklich fast 2000 Menschen in die Grube hinein gezwungen worden sind, der Betrieb nicht so lange eingestellt wurde, bis die Gefahr beseitigt war. DaS freventliche Spiel gewinnt an Ungeheuerlichkeit durch die Tatsache, daß man selbst dann, als die Umstände zu Besorgnissen zwangen, die Einfahrt noch nicht einstellte! Damit steht die Schuld deS Kapitalisinus an diesem großen, furchtbaren Unglück unverwischbar fest. Verdächtig ist die Eilfertigkeit, mit der die Verwaltung, geradeso wie zur Zeit bei dem Borussia-Unglück, ehe noch daS Ergebnis einer amtlichen Untersuchung vorliegt, sich von jeder Verantwortung reinzuwaschen versucht. Nach einer Meldung des „Lokal-Anz." hat die Grubenverwaltung bereits die Erklärung los- gelassen, die gesetzlich vorgeschriebenen Ventilationseinrichtungen hätten tadellos funktioniert, die Katastrophe sie furchtbar plötzlich, fast ohne Anzeichen eingetreten!— Diese� Behauptung wird durch die vorstehende Darstellung in den Hauptpunkten widerlegt. Wenn man aus Besorgnis schon vor mehreren Tagen eine eingehende Besichtigung veranstaltete. und wenn man zur Erklärung des Unglücks undichte Verschalung verantivortlich machen will, dann kann man nicht mehr von tadel- losem Funktionieren der Einrichtungen und von einem furchtbar plötzlich, ohne Anzeichen hereingebrochenen Unglück reden. Kein Sachverständiger wird leugnen, daß unter den obwaltenden Um- ständen mit der hohen Wahrscheinlichkeit einer Katastrophe gerechnet Verden mußte. UebrigenS scheint es mit den Nettungs- einrichtungen auch nicht besonders bestellt zusein, wie folgende Meldung vermuten läßt: Essen a. d. Ruhr, 12. März. Die Compagnie deS Mines de Courriöres hat sich an den Bergbaulichen Verein um Vermittelung von Hülfe gewandt. Infolgedessen sind außer der Reltungskolonne der Zeche Shamrock I/II von der Zeche Rhein-Elbe sGelsiulirchen) sechs Mann abgegangen, die heute nachmittag in Billy-Moutigny eintreffen werden.' Jedenfalls wird im Anschluß an daS neue, bisher größte Grubenunglück, wenn erst noch genauere Darstellungen aller in Bc- tracht kommenden Verhältnisse vorliegen, über den konkreten Fall wie über die Frage des Arbeiterschutzes überhaupt noch manches zu sagen sein. DaS kapitalistische System schließt es ja aus, das Arbeiterwohl, die Sicherung von Gesundheit und Leben als oberstes Prinzip zur Geltung zu bringen, aber selbst im Rahmen des Lohnzahlnngssystems kann der Menschenmorderei, der Vernichtung von Gesundheit und Lebenskraft doch noch erheblich Abbruch getan werden. Bei dem heutigen schrankenlosen Wüten der Prositgier geht der Kapitalismus in der Menschenvernichtung weil über die ihm durch seine Tendenz gezogene Grenze hinaus. Vor- läufig verzeichnen wir noch folgende Nachrichten: Lcns, 11. März. Der Tag ist ruhig verlaufen, nur die Ange- hörigen der Opfer haben Widerspruch dagegen erhoben, daß ihnen der Weg versperrt wurde, um die geborgenen Leichen zu besichtigen. Die Menge hielt die geschlossenen Wagen, in denen sich die Leichen befanden, an und verlangte von den Wagenführern, daß die Namen der Opfer genannt und die Wagenschläge geöffnet würden. Aus Schacht 2 und 4 werden noch einige Leichen hinaufbefördert. Nach den letzten Meldungen sollen nur 60 Leichen geborgen sein, von denen nur die Hälfte rekognosziert wurde. Viele von den Rettungsmannschaften haben leichle Verletzungen davon- getragen. Die Aufbahrung der Leichen hat heule begonnen, Die Bestattung ist auf Dienstag angesetzt; die wieder- erkannten Leichen sollen ihren Familien übergeben werden. Man scheint noch nicht alle Hoffnung aufgegeben zu haben, noch einige der Verunglückten am Leben zu finden, da einige Arbeiter, die heute abend wieder aus einem Schacht nach oben ge- kommen sind, erzählen, unterwegs noch zwei lebende Pferde angetroffen zu haben. Paris, 12. März. Ans Ersuchen des Präfekten des Departements PaS de Calais hat der Pariser Polizeipräfekt zehn Fenerivehrlente nach Courriörcs gesandt, die in der Löschung unterirdischer Brände besonders geübt und mit AtmnngSmasleil ausgestaltet sind. Die Bergwerksgrsellschaft in CourriereS wird, lvie verlautet, mindestens 400 000 Fr. Jahrespensionen an die Witwen der verunglückten Berg- leute zu zahlen haben. Spenden für die Hinterbliebene»: Präsident Fallieres hat dem Präfekten 10000 Fr. zur ersten Hülfeleistung überwiesen. Der Präsident des Pariser Pressesyndikats überwies telcgraphisch S000 Fr. Die französische Regierung will von den Kammern 500 000 Fr. für die Familien der Verunglückten verlangen. Eine Versammlung der Bischöfe hat mehrere tausend Frank gezeichnet. Huö der pavtcu Ein neues Reis flocht die Hallcsche Polizei am Sonnabend vor dem Schöffengericht ihrem allbekannten Ruhmeskranze ein. Mit einer Emsigkeit, die man sonst hier bei der Hermandad vermißt, wurden am 14. Januar gelegentlich der Verbreitung des Wahlrechtflugblattes rund 120 Genossen auf die Polizei geschleppt. Sie sollen durch Ver- teilung des Flugblatts vor der Kirchzeit eine öffent- lich bemerkbare Arbeit verrichtet und damit den Sabbath geschändet haben. Es regnete Strafmandate und darauf folgten die ersten gerichtlichen Entscheidungen. Ebenso herzerfrischend wie erheiternd waren die Bekundungen der Polizisten, die die Flugblattjagd mitgemacht hatten. Auf Befragen des Richters. inwiefern denn die Tätigkeit der An- geklagten, die ihre 50 bis 60 Flugblätter in der inneren Rock- lasche bei sich führten,„als Arbeit" öffentlich bemerkbar geworden, erklärten die Polizisten:„Ja, die Augeklagten wurden sichtbar, wenn sie auf die Straßen kamen und ab und zu schauten Frauen zu den Fenstern hinaus, man merkte es den Angeklagten an, daß sie etwas vorhatten, denn sie gingen eifrig." Der Verteidiger wies in scherzhafter Weise darauf hin, daß wohl andere Menschen auch sichtbar würden, wenn sie auf die Straße gingen und beantragte auf Grund der bekannten Kammergerichts- entscheidung vom 11. März 1004 die Freisprechung sämtlicher Au- geklagten. DaS Gericht erkannte demgemäß, da zu einer Arbeit auch eine Kraftaufwendung erforderlich sei.— Die Hallenser Polizei scheint bei der ganzen Aktion den Vogel abgeschossen zu haben. Denn wer sich Sonntags„sichtbar macheu, etwas vorhaben oder es gar eilig haben sollte", der bleibe, zum wenigsten in Halle, zu Hause. Parteisekretär für Leipzig. Vor kurzem haben die Leipziger Parteiinstanzen mit Zustimmung der Parteigenossen die Anstellung eines Parteisekretärs für den Leipziger Agitationsbezirk beschlossen. Die Bewerbungsschreiben für den Posten sind bis zum 20. März an den Vorsitzenden des Agitationskomitees, Genossen F. Segcr, Fregestr. 22, zu richten. Reflektiert wird aus Genossen, die mit der Gesamtarbeitcrbewegung vertraut sind und die Fähigkeit des guten schriftlichen wie mündlichen Ausdrucks besitzen. Die Partei in den Vereinigte» Staaten hat nach dem Bericht des Nationalsekretärs in Chikago über 23 000 zahlende Mitglieder. 33 Staats, uns Territorial-Organisationen gehören der Partei an, die im Nationalkomitee vertreten sind. Am 1. Januar 1006 betrug das Vermögen der Nationalorganisation 3375 Dollar, denen Ver- bindlichkeiten im Betrage von 1315 Dollar gegenüberstanden. Die Gesamteinnahmen während des verflossenen Jahres im National- bureau beliefen sich auf 17 527 Dollar, die Ausgaben auf 17 474 Dollar. Es waren während des Jahres 13 Organisatoren ab- wechselnd auf der Tour, die 1040 Versammlungen abhielten und 80 Lokalorganisationen gründeten; sie sprachen in 816 Ortschaften. Die Totalausgabcn für Organisation 1005 beliefen sich auf 7263 Dollar. Tie durchschnittlichen Kosten eines Nationalorganisators belaufen sich auf 5 Dollar 81 Cent pro Tag; dies umfaßt 3 Dollar Tagelohn und den Rest für Hotel- und Reisespesen. Davon bringen die Organisatoren gewöhnlich 3 Dollar 55 Cent selbst auf(durch Tellersammlungen usw.), sodaß vom Nationalburcau nur noch 2 Dollar 26 Cent zu decken sind. Die durchschnittliche Mtglieden- zahl für jeden Monat des verflossenen Jahres bcläuft sich auf 22 881 in den organisierten Staaten und 446 in den nichtorgani- sierten Staaten und Territorien oder zusammen auf 23 327. Im Jahre 1004 waren 20 763 und im Jahre 1903 nur 15 975 Mit- glieder in der Organisation. Klus Industrie und Kandel. Westfälische Kohle in Paris. Das Westfälische Kohlensyndikot soll dem„Journal des Transports" zufolge in Ronen ein Gesuch um Ueberlassung eines Geländes am Colla-Kai eingereicht haben, aus welchem ein großes Kohlcndepot errichtet werden soll, das nicht nur die Lieferung im Bezirk von Ronen, sondern auch nach Paris übernehmen werde. Hugo StinneS. der daS Gesuch einreichte, habe bereits von der Verivallung der öffentlichen Arbeiten in Nauen eine günstige Antivort erhalten. Nach einem Bericht des Chefingenieurs der Verwaltung an die Handelskammer in Ronen führten die Antragsteller in Jahre 1902 über Rouen 86 000 Tonnen Kohlen, und im Jahre 1905 mindestens 150 000 Tonnen ein. Hugo StinneS rechne, daß bereits im ersten Jahre nach Genehmigung des Gesuches die Ein- fuhr auf 350 000 Tonnen steigen würde. Dem„Echo du Nord" erscheint diese deutsche Invasion»m so bedrohlicher, als Hugo StinneS ein Abkonmieu für den Wassertransport von Ronen nach Paris zu dem ungewöhnlich niedrigen Preise von 1,70 Frank pro Tonne mit einer Gesellschaft geschlossen habe. Gegen die drohende deutsche Invasion haben dem Blatte zufolge die französischen Kohlengruben im Norden und im Pas de Calais bereits Gegeüm.ißregelil getroffen, indem sie ebenfalls einen Anirag auf lleberlasfuiig von Land am Kai gestellt haben, von wo aus sie jährlich 50 000 Tonnen Kohlen auf der Seine nach Paris schicken wollen. Die Verwaltung der öffentlichen Arbeiten begünstige indes den deutschen Antrag mit der Begründung, die Engländer hätten sich bereits im Hafen von Rouen ansässig gemacht, und eS würde sich hauptsächlich um einen Wettbewerb zwischen ihnen und den Deutschen handeln._ Holzteucrung. Ans Düsseldorf berichtet die„K. Z.", der Verein der Holzindustriellen von Rheinland-Westfalen habe beschlossen, ab sofort den Grundpreis für den Kubikmeter baukantiges Holz ab Rhein- Häfen für Märzliefernngen auf 45 M., für Aprillieierungen auf 46 M. festzusetzen und darauf hinzuweisen, daß für die Folgezeit Preis- erhöhnngen bevorstehen, da die Rundholzpreise zu den genannten Preisen noch nicht in dem richtigen Verhältnis stehen. Automobile iu Amerika. Nach dem„New Dork Herald" wurden im Jahre 1905 in den Vereinigten Staaten 27 840 Automobile ge- baut und 22 970 verkauft zu einem Durchschnittspreise von 1780 Dollar. Daneben wächst der Import von Autos sehr schnell. Im Jahre 1903 wurden nur 375 Maschinen zu einem Werte von l 300 000 Dollar eingeführt; im Jahre>904 waren es 602 zu einem Werte von 2 209 492 Dollar und im Jahre 1905 stieg die Zahl auf 1036, deren Wert auf 4 150 000 Dollar berechnet wurde. Vom Baninwollwncher. Die amerikanische Ausfuhr an Baum- wolle ist in den ersten fünf Monaten des per September beginnenden Geschäftsjahres der Menge nach zurückgegangen, aber infolge der systematischen Prcisivucherei dem Werte nach gestiegen. Das Minus der Menge beläufl sich auf zirka 1 Million Ballen, das Plus des Wertes auf S'/j Millionen Pfund Sterling. Wie die„Newyorker H.-Ztg." berichtet, stellte sich der durchschnittliche Erportpreis von Baumwolle für die ersten fünf Monate der Saison 1904— 1905 auf 9,2 CtS. pro Pfund, für die diesmalige gleiche Periode auf 11,1 Cts., und für Januar er. stellt sich der Durchschnittspreis auf 11,6 Cts. gegen nur 7,3 CrS. im Anfangsmonat letzten Jahres. Unter solchen Umständen zeigt sich ein besonders starker Abfall der Baumwollausfuhr nach Japan, da genanntes Land, dessen Baumwollwaren-Jnduswie in starker Ent- Wickelung begriffen ist, bei hohem Preise des amerikanischen Stapels sich regelmäßig mit Ankauf des zwar knrzstapeligeren, dafür jedoch billigeren Produktes der indischen Baumwollfelder begnügt. Auch Großbritannien hat im Januar dieses Jahres weit weniger ameri- kanische Baumwolle bezogen als vor einem Jahre, der Wert der Ausfuhr dorthin ist trotzdem jedoch diesmal um etwa 50 Prozent größer. Nach Belgien sind im Anfangsmonat dieses Jahres 7 699, nach Frankreich 15 200 Ballen weniger exportiert als im Januar vorigen Jahres usw. Für die mit dem 31. Januar beendeten ersten fünf Monate des laufenden sowie des vorhergehenden Erntejahres war der Baumwollvcrsand nach den verschiedenen Ländern in Menge und Wert der folgende:_ Deutschland... Großbritannien.. Belgien..... rankreich.... talien..... Rußland..... Spanien..... Diverse europäische Staaten.... Britisch- Nordamerika Mexiko..... Japan..... Sonstige Länder.. Menge in Ballen 1905 1906 1 297 565 2 399 275 78 934 543 288 564 85 990 175 999 86 009 62 379 44 224 100 255 1384 1058 484 1 922 918 48 148 550 138 246195 37 383 112 102 63 045 76 178 19 844 46 974 2184 Wert in Pfd. Sterl. 1905 1906 61 067 917 115 536 310 3 770 692 25 560 628 13 047 754 3 885 450 8 139 380 3 766 788 3 056 777 2 284 536 5 559 519 55 902 59 354 282 112 334 231 2 869 959 31855063 14 168 570 4 839 938 6 237 441 3 541 360 4 316 090 1 170 706 2 311 704 126 427 Hus der f rauenbewegung. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Am Man- tag, den 5. März, fand die zahlreich besuchte Generalversammlung des Vereins statt. Die beiden Vorsitzenden erstatteten den Bericht über die stattgefundenen Versammlungen. Sie stellten fest, daß die Vorträge im letzten Halbjahre außerordentlich gut besucht waren. Auch die künstlerischen uird geselligen Veranstaltungen hatten all- gemeinen Anklang gefunden. Der Kassiererin wurde nach ihrem Be- richt Decharge erteilt. Die Ausführungen der Bibliothekarin ergaben ein lebhaftes Interesse an/ der Bibliothek, die sich un, eine große Anzahl Bände vermehrt hat. Die größte Nachfrage war nach Bebels Werk„Die Frau und der Sozialismus"; auch wurden entsprechend den Vorträgen Bücher verlangt, so wurden in letzter Zeit viele Werke von Ibsen und Heine gelesen. Der Antrag, eine Ordnerkommisfion für das Stiftungsfest zu wählen, wurde angenommen. Auch der Anirag, das nächste Stiftungsfest wieder ohne Kinder zu begehen und einen größeren Saal für dasselbe zu nehmen, fand Annahme. Einstimmig wurde der alte Vorstand wiedergewählt. Die nächste Versammlung findet in den„Berolina-Sälen", Schönhauser Allee 23, statt. Ottilie Baader spricht über das Thema:„Die Schäden der Kinderarbeit in gesundheitlicher, ethischer und materieller Beziehung." Rixdorf. Mittwoch, den 7. März, hielt der Verein gewerblich tätiger Frauen und Mädchen seine Mitgliederversammlung bei Thiel ab. Genosse Stürmer referierte über„Moderne Weltanschauung". Der Vortrag fand allseitig Beifall. 19 neue Mitglieder wurden in der anßero, deutlich gut besuchte,, Versammlung aufgenommen, der beste Beweis für das Wachsen des Vereins. Die nächste Mitglieder- Versammlung findet am 4. April bei Hoppe, Hermannstr. 49 statt, in der Herr Dr. Osborn einen Vortrag mit Lianbildern über „Konstantin Meunier, ein Maler und Bildhauer der Arbeiterschaft" fiält. Es ist Pflicht einer jeden Genossin für den Besuch der Ver- ammlnng zu agitieren. Das Stiftungsfest des Vereins findet am 7. April be, Thiel. Bergstraße, jtatt. Friedenau. Am Dienstag, den 6. März, fand im hiesigen Frauen- und Mädchen-Bildungsvcrcin die erste Monatsversannn. lung statt. Herr Dr. Eichlcr hielt einen Vortrag über:„Heinrich Heines Leben und Dicksten"; die große Bedeutung d«S Dichter» für daS Proletariat kam in dem; Vortrage vollauf zur Geltung. Redner führte aus: Durch seine wunderbaren, vielfach mit beißendem Spott gewürzten Poesien verstand es der Dichter, dem unterdrückten Volke seine Lage deutlich vor Augen zu führen. Heine war einer der ersten und größten Freihcitsdichter t«s vorigen Jahrhunderts. Für die Literatur war er nicht minder von Bedeutung, vielen Poeten wurde er in seiner ausgezeichneten Sprache zum Vor- bild. Referent verschonte seinen Vortrag durch Vorlesung ver- schiedener Gedichte und empfahl den Versammelten, die herrlichen Dichtungen mit Ruhe und Aufmerksamkeit selbst zu lesen. Redner schilderte weiter in ausführlicher Weise das Schaffen und Leiden des Dichters, welcher seiner großen Wahrheits- und Freiheitsliebs wegen in seinem d«utsck)cn Vatcrlandc sehr befeindet wurde, jenseit» des Rheins eine freundlichere Heimat fand. Einem Besuch, den et seiner deutschen Heimat abstattete, verdanken wir sein„Winter- märchen". Von einer Disknssion wurde der vorgeschrittenen Zeit halber Abstand genommen. Nach Regelung der Bibliothekfrage und Aufnahme mehrerer Mitglieder erfolgte Schluß der Versammlung. Köpenick. Am Mittwoch, den 14. März, abends 8 Uhr, tagt in»„Kasserhos", Grünstraße, eine öffentliche Frauenversammlung. 8fuf der Tagesordnung ficht: Vortrag der Genossin Anna Mesch. Männer haben Zutritt.— Um recht zahlreichen Besuch ersucht _ Die Einbernferin. Serickts Leitung. Prozeß Knichasc. Der gestern vor dem Sckiwurgericht des Landgerichts I begonnene Prozeß gegen den Bankier K» i e h a s e und Genossen wird, da ein riesiger Zeugenapparat in Bewegung gesetzt ist. voraussichtlich die ganze Woche andauern. Der jetzt 41 Jahre alte Bankier Ernst Kniehose sitzt seit dem 4. Oktober 1904 in Untersuchungshaft. Er wird des b e l r ii g e r i s ch e n Bankrotts, ferner der Unterschlagung in zahlreichen Fällen, deS B e- truges. der Untreue usw. beschuldigt. Mit ihm hat sich sein früherer Lehrling, späterer Kasientührer und Buchhalter, der 23jährige Handlungsgehülw Richard Ha a se wegen Beibiilse zu verantwortcn. Das Bankgeschäft von Kniehase in Alt-Moabit hat IZJahre lang bestanden und erfreute sich im Stadtteil Moabit eines guten Rufes. Zu seinen Kunden gehörten viele kleine Beamte, kleine Rentiers und Kaufleute. die über ein Dezennium gut und prompt bedient wurden und geradezu entsetzt waren, als sich die Kunde verbreitete, daß das Kniehasesche Geschäft geschlossen und der Inhaber wegen sehr umfangreicher grober Veruntreuungen in ttntersuchnngshaft genommen worden sei. Der Zusammenbruch soll darauf zurückzuführen sein. daß Kniehase sich aus Difierenzgeschäste eingelassen hat. bei denen er große Summen opfern mußte, dann aber auch auf die Tatsache, daß er im Verein mit einigen Verwandten eine Grube erworben hatte, die unernreßliche Summen verschlang. Er geriet in immer größere Geldnöte und ging dazu über, Geld, welches ihm von Kunden zum Ankauf von Wertpapieren, zur Bezahlung von Hypothekenzinscn usw., Wertpapiere, die ihm zuni Umtausch anvertraut waren, und Geld, das viele Kunden gegen Verzinsung mit der Befugnis zn jeder- zeitiger Rücknahme bei ihn, angelegt hatten, zu unterschlagen. Zu den vielen durch Kniehase sehr schwer geschädigten Personen gehört auch ein Apotheker Albert V., dessen Vermögen er als Bankier und Gegenvorniund in Verwahrung nahm. Von den dem Mündel gehörigen Wertpapieren hat er über 200 000 M. zu seinem eigenen Nutzen verwandt. Das Ergebnis des über sein Vermögen eröffneten Konkurses ist ein sehr trübes. Der Passivmasse, die etwa 890 000 M. betrug, stand nur eine ganz unzureichende Aklivmasse gegenüber, die dadurch sehr problematisch war, daß die Schuldner sich ihrer Verpflichtungen durch Geltendmachung des Differenz- einwandes entziehet, konnten. Die Dividende wird noch nicht 4 Proz. betragen.— Dem Angeklagten Haase wird vor- geworfen, daß, obgleich ihm aus seiner langjährigen Tätig- keit in, Geschäft die ganze Lage des letzteren und die unzulässige Verfügung über fremde Gelder und Wertpapiere bekannt sein mußte, er dem Kniehase insofern Beihülfe geleistet habe, als er den Kunden, die Wertpapiere überbrachten, nicht reinen Wein ein- schenkte, sondern sie gelegentlich vertröstete, wenn sie vergeblich die Zurückgabe der Papiere oder des zum Ankauf solcher eingezahlten Geldes verlangten. lieber den Ausgang des Prozesses, in dem gegen 80 Einzelfälle zur Verhandlung kommen und etwaige interessante Zwischenfälle werden wir berichten._ Est» Geistlicher wegen Berleitung zum Meineid auf der Auklagcbank. Waldshut, den 12. März 1906. Bei den letzten badischen Landtagswahlen tobte bekanntlich ein sehr heftiger Kampf der Parteien. Einer der eifrigsten Agitatoren der Zentrumspartei soll der katholische Pfarrer G a i s e r t- Gündel- Wangen gewesen sein. Am Wahltage, den 19. Oktober 1905, arbeitete »Malermeister Kr am er mit seinen beiden Gehülfen im Pfarrhnuse zu Gründelwangen. Als der Meister mit seinen Gehülfen im Gasthaus zum Hirschen Mittag aß. trat plötzlich Pfarrer Gaisert in die Gaststube. Er soll dort dem Wirt Fafor das Versprechen abgenommen haben, .den richtigen Mann" zu wählen. Die Maler sollen alsdann im Pfarrhanse gehört haben, daß Pfarrer Gaisert eine» Landwirt .genötigt" habe,„um Himmels willen" für den Zentrums- kandidaten zu stimmen. Diele und ähnliche Wahlagitation führte zur Einleitung einer Untersuchung gegen den Pfarrer wegen Miß- brauchs seiner geistlichen Autorität auS Anlaß politischer Wahlen sVcrgehen gegen§ 16o des Gesetzes vom 9. Oktober 1860). Maler- meister Kramer wurde zwecks eidlicher Vernehmung in dieser An- gelegenheit zum Wahlkommissar geladen. Als Pfarrer Gaisert davon Kenntnis erhielt, schrieb er an Kramer folgenden Brief: Geehrter Herr Kramer! Nächsten Mittwoch wird hochnotpeinliche Untersuchung sein von wegen meiner staatsgefährlichen Wahlagitation. Ihr Name steht unter dem Wahlprotcst. Sie können sich dafür bedanken bei den roten Brüdern in Bonndorf.— Sollten Sie befragt werden, was ich zu Wirt Faller im neben austobenden Kontor gesagt habe, um ihn zur Wahl aufzumuntern, während Sie mit Ihren Leuten in der Wirtsstnbe zu Mittag gegessen haben, so können Sie dem Fragesteller und UntersuchungS- richter ruhig sagen:„Ich habe nicht darauf geachtet; was der Pfarrer von Gündclivangen mit seinen Leuten verhandelt, geht mich nichts an. Ich habe zn Mittag gegessen und meine Auf- merksamkeit lvar ans dieses Geschäft hingerichtet."— Damit ist die Sache für Sie abgetan. Mit freundlichem Grnß! M. Gaisert. Pfarrer. Gündelwangen, den 7. Januar 1906. Durch einen Zufall erlaitgte die Behörde von diesem Briefe Kenntnis. Verhaftung des Pfarrers Gaisert. Nachdem Pfarrer Gaisert in einem Verhör vor dem Staats- anwalt zugegeben halte: es sei ihm bekannt gewesen, daß Maler- meister Kramer von dem Wahlkommijsar eidlich vernommen werde, wurde er im Januar verhaftet. Er hat sich heule wegen Verleitung zum Meineid, auf Grund des Z 159 des Strafgesetzbuches, vor der Straskamnter des hiesigen Landgerichts zu verantworten. Dieser Paragraph lautet:„Wer es unterniiumt. einen anderen zur Begehung eines Meineides zu vcr- leite», wird mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren, und wer es unter- nimmt, eineu anderen zur wissentlichen Abgabe einer falschen Wer- sicherung an Eidesstatt zu verleiten, mit Gefängnis bis zu einein Jahre bestraft." Ueber den Ausgang der Verhandlung werden wir berichten. Sistmtg haben Dienstag: Sozialdemokratischer Zentr>,l-B?ahlverclu für den NcichStagö- Wahlkreis ZuUichaii-Schwiebus-Kroileii-Toiiiiucrfeld. Versammlung jeden Dienstag nach dem 8. im Monat bei Patt, Diggonerstr. 15. Sostaldemokralischer Agitatiousverei» für de» Wahlkreis Bromberg Smdt u»d Land. Jeden Dienstag nach dem t. und 15. bei Ostrowski. Jchillingstr. 21. Arbeitrr gjaiichcrbinld Berlins»nd der Nmgcgend. Slendcrungen im Vercinskalciider sind zu richten an Adols Braun. Verlin, Liebeiiwaldcr- flrasjc 50, 13...Gemüllichkcit IV", Friedrich. Franlsurtcr Allee 198.— „Anibalema", Uckel, Forstcrstraße 19,—„Eldorado", Schneider, Grüner Weg 120.—„Feste Brüder Moabit", Schätz, Bremerstraste 71.— „Veilchenblau", Loppow, Prenzlauer Sülles 206.—„Deweis Eiserne Pfeife", Eiiglcr, Schnlstr. 5.—„Zulunlt", Ncnendorf, Neu-Wcistensce, Friedrich- strajze 5.—„Neuer Berliner", Ateffan,, Wtenerstr. 31.—„Gesundbrunnen", Mädel, Ackcrstr. 68.—„Polldamps", Wachs, Münchebcrgerltr. 9.—„Domingo", Robloss, Waldemarstr. 16.—„Victoria", Hcidcr, Boxhagcner Cbansfee 2t. „Rauchlos", Stein, Rixdors, Zicthcnstr. 3.—„Unverzagt", Grubcr, Frieden« straße. Ecke Koppenslratze.—„Neuer Hain", Tcchtmcicr, Langcnbeckstr. 7.— „Ercelsior", Eiffert, Lübbcnerstr. 23.—„Rnhiga", Vogel, Britzerslr. 46.— „Weichseldust III", Rönning, Weihcnsce, Elsagsw. 62.—„Gemütlichkeit I". Gläser, Manteuffelstr. iOl.—„Geknickte Rippe", Wagner, AndrcaSstr. 34.— „Zabak zur Asche", Jäckel, Ebarlottenburg, Osnabrnckerstratze 27.—„Freie Stunde", Merten», Klogauersw. t9.—„Kein Streit", Haselosf, Weiden- wcg 66.—„Blaue Wolke IV", Schuld t. Puthuscrstr. 25.—„Einfach", Polack, Fnlckensteinstr. 19.—„Granium", Heine, Littauerstr. l2.—„Blaue Wolle II", Köhler, Zorndorserslraße 44.—„Bulgarien", Marth,.Frucht- straße 69.—„Osten", Noitz, Samariterstraße 40.—„Frohsinns Heimat", Hentschke, Wiclcfsswnße 15.—„Eolumbus 80.", Hecke, Oppelncrstr. 19.—„Wiedersehen", Weber, Neu-Weißensce, Friedrich- straße 35.—„Hand in Hand", Ewald, Wienerstr. 4l.—„Alier Berliner", Beckmann, Rcichenbcrgerstr. 146/147.—„Einwacht", Feldhan, Kochhannstr. 6. —„Grüner Hain", Hans, Wilhelm Stolze- Ecke Nichthoscnstraße. „Freie Männer I" Friedenau, Grube, Kaiscr-Allce 85.—„Kairo", Zietz, Wicscnsw. 29.—„Fidelilas", Luning, Hussitenstr. 34.—„Frei weg", Hoppe, Schöneberg, Mcrleburgerstr. 7.—„Korea", Lindke, Boxhagenersw. 8. „Virginia", Schnieder, Admiralstr. 21.—„Seegras", Krone, LIegnitzcrstr. 16. —„Vergnügte Brüder", Weißensec, Nöllesw. 133.—„Gemütlichleit VI", Knobloch, Charloltenburg, Bismarckstr. 23.—„Nordpol", Kratz, Hennigs- dorserstr. 11.—„Ohne Pseife", Mamsch, Mainzerstr. 5. Arbcitcr-Nadsahrcrbund„Solidarität". Gau 9(Prov. Brandenburg.) Alle Zuschriften und Anfragen sind zn richten an den Gau- Vorsitzenden Karl Fischer, Waldlw. 8. Adlershof,„Vorwärts" jeden l. und 3. Dienstag, bei Wölstein.— Bernau, A. R. V. nach dem 1. und 15. bei Hermann, Wallstr. 2.— Luckenwalde,„Stern" nach dem 1.'und 15. bei Helan. Friedrichstr. 29.— Vetschau,„Freie Radier" nach dem 1. bei Seidel, Bahnhosttratze. Stolpbrnck-Woltersdvrs,„Germania" nach dem 1. und 15. bei Lehmann.— Rixdors, 21. R. 23., 1. Abt.: 1. und 4. Dienstag bei Thiel, Bergstr. 151.— 2. Abt.: 2. und 4. Dicnsiag bei Hoppe, Hcrmannstr. 49. Zlrbciter-Nadsahmbund„Freiheit". Gcichästsstelle bei F. Liehr, Wcinstr. 3, I.„Norden", Löhrich, Pankstr. 32ck.—„Voran I", jeden Dienstag nach dem 15. in Scheruchs Jestsälcn, Rüdersdarserswaße 45.— „Komet", Rixdors, im Restaurant„Karlsgarten", KarlSgartenstraße 6/l0.— „Gleichheit" bei Fischer, Planufcr und Tcmpelherrnstraßen-Ecke.—„Ober- sprcc", Obcr-Schöncwcide bei Boß, Wilheliniueuhosstr. 64.—„Köpenick", jeden Dienstag nach dem 1. und 15. bei Moll. Grünauerstr, 3. Arbciter-Durncrbinid.„Freie Tnrnerschast", Steglitz, Dienstag und Freitag von 8h'z— lOst, Uhr im Birkenwäldchen. Schützenswaße.— 2lrbeiter- Turnverein„Vorwärts", Friedrichshagen. iRämierabtcilung Dienstag und Freitag von 8>/z— lOst,. Schülerabtcilung Dienslag und Freitag von 6>/z biZ 9'/, in Rogalls Kescllschastshaus, Friedrichstr. 69.—„Freie Tnrnerschast Spandau". Dienstag und Freitag Männer- und ZöglingSabtcilung bei Kumte, Schönwalderstr. 80.—„Freie TunierschastKönigs-Wusterhausen und Wildau". Dienslag und Freitag Männer- und Zöglingsabtcilung, Donners- tag Damenabteilung, bei D cd Horn, AltcS Schützenhaus. Zlrbeiter-Sehniini nierbund. Auskuust erteilt E. Gerstmann, Rixdors, Bergstr. 59. Schwimmllub„Vorwärts", Berlin. UcbungSstunden: Dienstag, Schillingsbrücke 8—9'/, abends; Mittwoch, Dennewitzilr. 7—8'/, abends; Donnerstag, Bärwaldiw. 7—8'/, abends; Freitag, Schillingsbrücke 6'/,- 0 abends; Sonntag, Bärwaldstr. 91/,— 12 vormittags; Montag, Damen« abteilnng, Schillingsbrücke 7—9'/,. Gäste willkommen.— Schwimmllub „Vorwärts", Rixdors. UcbungSstunden: Mittwoch, Damenabteilung, Bär« wnldstraße 7—8'/, abends; Freitag, Herwcnabtcilungen 7— 9 abends.-- Schwimmklub„Vorwärts", Reinickendorf. Uebungsstuuden: Jeden Freitag VollSbadeanstalt, Turmftraße(Moabit.)— Schwimmllub„Vorwärts", Ober-Tchöncweide. UcbungSstunden: Jeden Sonntag 9—11 vormittags, Schillingsbrücke.—„Freie Schivimmer", Charloltenburg. UcbungSstunden: Sonntag 8—10 vormittags, Mittwoch 7—9 abends, Donnerstag, Damenabteilung, 7—9 abends städt. Badeanstalt in der Kummeslraße. Die Ritt ungs« Mannschaft deS 2lrbeiter- SchwimmcrbundeS stellt sich allen Arbeitervereinen bei Abhaltung von Festen in Lokalen, die an Gewässern liegen, bereitwilligst zur Verjügung. Anmeldmigen wolle man möglichst rechtzeitig richten an Emil Bratke, Rixdors, Reinholdsir. 14. Arbeiter- Athleten< Bund Deutschlands.„Olympia". Dienstag und Freitag 9—11 Uhr, MuSkauerstr. 35. Gcicllige:c. Vereine. Zitherverein„Einigkeit", Reich enbergerstr. 19. — Spar- und Lotterieverein„Hertha I", im Liegnitzcr Garten, Liegnitzer- straße 30.— Linkcsches Bläserchor, Zlaunynstr. 6.— Lotterieverein„Weißen- sce" bei Glon. Elsaß- und Metzstraßen-Ecke.— Theatcrvercin.Alt- Heidelberg", Pücklerstr. 39.— Wanderklub„Vater Jahn" alle 14 Tage bei Noack, Gräscstr. 26.— VcrgnügungSveretn„Lustige Brüder" bei Büttner, Stargarderstr. 58.— Musikverein„Künstlerheim", Luisengarten, Naunyn- straße 37.—„Landsmaimschast der Schlesier" bei Kimmel, sebastianstr. 13. —„Hatt-Hatt", Prenzlauer 2lllce 49.— Musikverein„Gemütlichkeit", Dcrciiisbaus Fisch, Forsterstr. 9.— �parvcrein„Süd-Ost", Skalitzerstr. 117. — Musik-Dilcttanten-Vercin„Berlin-Moabit", Ouitzowstr. 79.— Musikverein „Hoffnung", Skalitzerstr. 51/52. Freie Bereinigung der Portiers und Hausreiniger Berlins und Umgegend. Jeden 1. Dienstag im Monat, abends 8 Uhr bei Schmidt, Gcrichtstr. 76._ Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der stäbllschen Marklhallen-Direktion. Rindfleisch la 63—66 pr. 100 Psilnd, IIa 54—62, lila 19-53. IVa 39-47. Kalbfleisch la 78-86. Na 63-75, Nla 52-60, Hammelfleisch la 60-71, Na 54-60. Schweinefleisch 73-73. Ziotwild Psd.0,6Z Damwild 0.63. Kaninchen Stück 0,80—1,00. Hühner, alte Stück 1,50-3,00. junge 0.80—1,40, do. Na 0,00—0,00. Tauben, junge 0,50—0,60, alte 0,40—0,50. Enten, Stück 0,00—0,00. Gänse, junge, Stück 0,00—0,00, russische 0,30-0,40 M. pr. Pfd. Schellfische 0,00 M.. Flunder 13-21 M.. pro 100 Psd. Hechte 52-58, Schleie 00,00; Aale, groß 00-00, mittel 00-00; Plötzen 56, Plötzen in Ei§, große 00—00, kleine 00—00, Karpfen 00—00, RhcinlachS 0,00, Seelachs 00-00 M. pr. 100 Pfd. Schottische Vollhcringe(gesalzen) 40—44 M. Eier, Schock 3,30—3.60. Butter pro 100 Pfund la 122-124, Na 118-122, Nla 116-118, abfallende 110—115, Kartoffeln pr. 100 Psd. rote Dabersche 2,00—2,20, waxn. von. 2,10—2,35, runde Weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock 0,00-00.00, Weißkohl pr. 100 Pfd. 4,25-4,50, Rotkohl pr. Schock 00—00. Holl. 15—22 M. Saure Aurken. Schock 0,00 M., Pfeffergurken 0,00 M. Für de» Inhalt»er J»iera»e übernimmt die Nedattion dem Publikum gegenüber keinerlei Beraiiiworliing. Zbcatcr. Dienstag, den 13. März. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Der Freischütz. Schauspielhaus. Die Verschwörung deS FieSco zu Genua. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Neues. Ein SommernachtStraum. Berliner. Nachtasyl. Westen. La Traviata. Lesslng. Rosmersholm. Ansang 8 Uhr: Schiller iWalluer-Theater.) Ueber unsere Kast.(II. Teil.) Schiller N.(Friedrich Wildelm. städtisches Theater). Der Vogel im Käfig. Zentral. Der Zigeunerbaron. Komische Oper. Der Corregidor' Kleines. Kinder der Sonne. Residenz. Der Prinzgemahl. Drinnon. Loulou. Carl Weist. Die lebende Brücke aus Kuba. Lustipielbans. Der Weg zur Hölle. Thalia. Bis früh um Fünse. Luisen. Die 2liina-Acse. Metropol. Ans ins Metropol. Wallinlla. Heinrich Heine. BnlltzauS-tzlniia. Deutich-AmerilanischcS. Er Ich- Kasino. Die Herren Söhne. Apollo. Das bummelnde Berlin. Spezialitäten. Herrnseld. Famillentag im Hause Prellstein. Foliec- Gaprice. Stach dem Zapfen- streich. Der Beheme. Wintergarte». Saharet:„Die Kaiserin der Sahara".— Spezialitäten. BeNc-Alitaiice. Spezialitäten. ReielioliaUe». SIctttiier Sänger. Paffage. Spezialitäten. Ilniuin. T»»l>>»iiraiie 46/40. 8 Uhr: Am Gols von Neapel. Hörsai 8 Uhr: Dic.Schwermctalle. Tteriiwartc, Juvalidenftr. 57/62. Täglich geöffnei von 1 bis 7 Uhr. Die und berliner Itieslei'. Abends 7t/2 Uhr: Gastspiel des Moskauer Künstlerischen Theaters. Nachtasyl. Mitlioach: Zar Feodor Joannowitsch. Donnerstag: Onkel Wanja. Sonnabend nachmittag 2'/. Uhr zu emläßigten Preisen: Mar!» Stuart, lieues Iliesler. Ansang 7'/, Uhr. Lin SommernselltZtrsum. Mittwoch: llin SommernachtStraum. Donnerstag: Liebesleute(Amants). Freitag: Boubouroche. Vorher: vi« Neuvermählten. Kleines Theater. Anfang 8 Uhr. Kinder der Sonne. Mittwoch: _ Antigene. Zentral-Theater. (Operette.) 8 Uhr: Der Zigeunerbaron. Komisehe Oper. Dienstag, 13. März, abends 8 Uhr: Oer Lorrexidor. Mittwoch zum 75. Male: iioikmanns Erzählungen. Donnerstag: Dan Pasquale. Freitag: Die Behärne._ Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Die Huna-Life. Mittwoch: Die Haubenlerche. Donnerstag: Gras Essex. Freitag: Ein SommernachtStraum. Sonnabend: Der Verschwender. Sonntag nachm.: Der Kaufmann von Venedig.— Abends: Ein Sommeniachtslraum. Montag: Die Haubenlerche. Schillor-Theator 0.(Wallner-Theater). Dienstag, abends 8 Uhr: L'ebop unsere Kraft.(2. Teil.) Schauspiel in 4 Ausz. von Björiistjerne Björnson. Mittwoch, abends 8Uhr: Kapicnstrclch. Donner sing. abendS8 Uhr: Der Vogel im Kiiflg. I Theater. Schiller-Theater N. lFri-dr.-Wilh.TH.) Dienstag, abends 8 Uhr: Der Vogel lni Riiiklg. Schausp. in 5 Akten v. St. Graßmann. Mittwoch, abends 8 Uhr: Nor Vogel im Httflg. D v ii n c r S t a g, a b e n d s 8 U h r: Cebcr unsere Kruft.(2. Teil). 65 Abessinier I Castans O Friedrichstr. 165. Urania Jr«'.": Abends 8 Uhr; im Golf von Neapel. Hörsaal 8 Uhr; Die Schwormetaila. Sternwarte ,n¥allden Str. 57/62. Metropol-Theater Anfang 8 Uhr. »» —«0660»�«' Lustspielhaus. Allabendlich 8 Uhr: Der Weg pir Hölle. Kehtrieh Keine. Lustspiel in 3 Akten von 81. Mels. Hieraus: Sie 3aUhauS'Knna. Posse m. Ges. i. 2 Akt. o. Daun u HaSkel. 8lni. 8 Uhr. Rauchen überall gestaltet. Trianon-Theater. Anfang JLonlQU. 8 Uhr. Sonntag nachm.: Mo herb« fkuoht. �ör'hus Udert Zehnmann Heute abend präzise 7'/, Uhr: �lfz-LzlL-Zplii't-Vlji'ZtellWg. Verwiezeml eqnestrisehes Programm! Tie hervorrageiidstkii Original- Schul- n. Freiheitsdressuren des Dir. Alb. Schumann.'Außerdem: Riescii-Potpourrie der bestdressiert. Schul-, FreihcitS- und Springpferde. Die beliebte jugendliche Schulreiterin Frl. Dorn Schumann mit ihrem brillanten Reitakt„UeeuySre lumi- neuso'-. Mllc. Engenie, Mlle. Motzelt, Miß Daisey, Parsorcereilcrin. Lin Loupei' bei ftiaxim. Les 7 Perezoffs. The Cröard und King LouiS Troupe. Ferner: llllle. l,ul»e!sff»r> mit ihren wunderbar dressierten EEisbaran. Zum Schluß zum 8V. Male: Die größte Pracht. AuSstaltungS. Panto- mime der Gegenwart Femina Apollo-Tlteafer. s Uhr: Täglich: s Uhr! Oss dliMffiMliö Beriin, Burleske in drei Bildern inst Gesang und Tanz von Benno Jacobjon. Musik von Rudolf Neffon. Im dritten Bilde: l-t»!kff»»tsel>lel,e. mexikan. Tanz. Ijtnne«l'Eve. Boiher 8 Uhr dl« glänz. SpezialitSten. Xl. Berliner Saison. Zirkus kusch. Veu! Dressierte Kien! 70 Eisbären 70 1 unter persönlicher Vorführung j des Herrn liagcnbeck. Zum Schluß(um 9l/4 Uhr): Zum 114. Mole: Die neueste und gröSte Sehenswürdigkeit Berlins; + Indien.# Besonders hervorzuheben: £ine Wilwenverhrennung. Gewöhnliche Preise.-- Folies Caprice Budapester Possen• Theater 132 Linienstr 132, Ecke Fricdrlchslraßo. Rur noch einige Tage: Der EJebeme und Sach d. K»|>frnstroIch. Sonnabend, den 17, März: JPRETI1ERE: Der 8 c Ii in o c k und nnllcM& Co. SfW Alljang 8 Uhr."WfZ Kasse den ganzen Tag geöffnet. Vorverkaui bei Werlheim. Zum gl. Male: vontseli. Amerikanisches TliLATKst. lecken Ah enck 8 Uhr!! Gastsniel Ad. IMlIlIpp. Sonnt, nehm. 3 Uhr, halbe Preise: Ueber'n großen Teich. W. Noacks Theater. Direkiion: Roh. Dill. Brininenstr. 16, Uraufführung von: Vor HM von Moldau. Großes vaterländisches Märchendrama in 3 Stücken(5 Bildern) v. M. Pscifcr. friede, Hirt von Goldau: Dir. DI». Ansang'8 Uhr. Entree 3V Ps. Grolle ckahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. cknl. Prennck. Musik von Viktor Hollaender. Kauchon in all. Räumen gestattet. Residenz-Tlieater. Dkrclitiom Richard Hlexander. Heute zum 135. Male, morgen und folgende Tage 3 Uhr: Der Prinzgeinahl. Satirischer Schwank in 3 Akten von L. Zkanrof und I. Chancel. Sonntag nachm. 3 Uhr: Oer Sehlak- wagenkontrolleur. Car! Weiß-Thealer. Gr. Frauksurterftr. 132. Täglich abends 8 Uhr: Die lebende Knicke nnfKuba Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder- vorstellimg, kleine Preise: Häusel und(Bretel. fröWs illerlei-lteiler. Schönhauser Allee 148. Heute Dienstag, den 13. März er.: Gszfciiie! des Bernli. Rose-Iliealers. Das Milchmädchen von Schöneberg. Volksstück mit Gesang in 6 Bildern von Mannstädt. 'Anfang 8 Uhr. Kasseiicröffn. 7 Uhr. 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Nicht begebene S1/»0/, Obligationen. . n 40/0„ M. i, 54925522� 21354908 22 33866805;i7 110147235 82 1250000'- 6536331 20 17340)37- 239118 10 3130001 380000;— M. 108897235 206820 1 1 1 1 1 1884791 14072729 73 61 16084; 21 Pf 83 56 608950 24808586 30 150495204,21 Akti enkapitalk onto 3-,.°/. Obfi, 4°/, Passiva. gationen Kapitalkonto Hypothekenkonto.......,. Dividendenkonto. Noch unbehobeno Dividende............ S'/s'/o Obligationen- Auslosungskonto. Noch unbehobeno Obligation, u. Zinsen 3'/,°/» Obligationen-Zinsenkonto. Zinsen vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1905 Reservefondskonto......... Bahnkörper-Amortisationsfondskonto.. Beamtemkautionenkonto....... Kontokorrent-Konto. Verschiedene Gläubiger- und Barkautionen...... Emeuerongsfondskonte �1...... Gewinn- und Verlustkonto Gesamtbetriebs-Einnahm. 34289163,05 M, „ Ausgaben 18748116.79„ bleibt üeberschuß 15541046,2611.' Eingenommene Zinsen Gewinnvortrag aus 1904. 404246.47 14008,41 70700,80 M. 251002,50 44280,- Hypothekenzinsenkonto. 3'/i/g Obligat.-Zinsenkonto f°lo»» Gesamtabsohreibungen n. üeberwei sangen... 3896908,85 Vertragsmäßige Abgaben an die Gemeinden.. 2401204,78 Reingewinn TT 15959301 6667096 pl 14 Ol MT 100082400 6739000 1299000 1726000 16477 59179 56227 7901422 1750:3663 239104; 1891444 2851704 837286 Pf 9292204123 150495204 iN Berlin, den 13. Februar 1906. Die Direktion. gez. Dr. Micke. gez. von KDHIewefn. gez. Koehler, Nach vorgenommener Prüfung der Belage und Bücher der Gesellschaft bescheinigen wir hiermit die ordnungsmäßige Führung der Bücher und die Uebereinstimmung der vorstehenden Bilanz sowie des Gewinn- und Verlustkontos mit denselben. Berlin, den 13. Februar 1906. Die Revlwlonskonimlaislon. gez. C. F. W. Adolphi. gez. Ernst Biersfedt, _ gerichtlich vereidigte Bücher-Revisoren._ Schmöckwitz Maas zur Paie sedUfee Awfis(Endstation der ,)8tern"-0«mpfor) Hermann Peter« Telephon: Gronau No. 39. Empfehle mein allbekanntes, herrlich am Wald und Wasser belegenes Lokal den geehrten Vereinen und Kesellschaste» zu Ausflügen.• Ausspannung und Dampfer siege, Kegelbahnen, grohe Kaffecküche. Säle, Hallen, groSer schattiger Garten, 2000 Personen lassend. Eieimngwm27.-8t.}Orz1906. Trierer Sombau- eMlottcrie IS 377 Qaldgawlnne. aus- M.i 500000 Haaptgewlanai 100000 50000 km Lose 4.30 1 � inkl Porto and Liste empfiehlt Carl Heintze, Barlin W., Unter den Linden 3. Da* älteste mMnons Slesfer-Geschäjt des S.-O. von• Wilhelm Mühlbach empfiehlt zur bevorstehenden«in- segnung Rest« von schwarzen Kleiderstoffen, Plüschen ic., sowie zur Kindertonsettion zu den billigsten Preisen. GräSie Auswahl in fertiger � � Konlektion. � 10 Oppelnerstr. IU Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Wir bringen zur Kenntnis, bah die diesjährige Gnlönll. General•Yersanuniung am Sonntag, den LS.März lSvß, vormittag« S Uhr, m unserem Ge- schästswkal Romint-nerstr.21 stattfindet. Tagesordnung: 1. Vorlage deS Jahresabschlusses. 2. Neuwahl deS Vorstandes und AusfichtsrateS. 3. Anträge. 4. Verschiedenes. 106/5 Der Vorstand. Wir machen darauf aufmerksam, dafi die Bilanz sür die Genossen in unserem Kontor. R omintenerslr. 21, zur Einstcht auSliegt. «««l» jfarrg f|oldsehtnidt Moritzplatz 59. Nicht zu vergleichen mit Abzahlungs-Geschäften welche auch Konfektion führen. 85L+ Sxtra-Abteilung verliehen gewesener Möbel wSchentliche oder monatliche Teilzahlung gestattet! BV Kein Abzahlungs-Waren- haus, sondern nur Speslal nttbclgesehüft. Allgemeiner deutscher Gärtner-Verein. Ortsverwaltnng Groß-Bei-Hn. Rranrhp Hsnrfplepsrjnproi Wittwooh, 14. März 1996, abends 9 Uhr, DldlllillC ndlilieiiydllllBlel. in bfn Sophien-Sälen, Sophienstr. 17/18: Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Der Stand unserer Lohnbewegung und unsere neuen Maßnahmen hierzu. 2. Freie Aussprache. 280/4 Branche Landschaftsgärtnerei. Fr�V%hrtsr VeS*, ♦Uhr' Schöneberg, Meiningerstr. 8(Einaang auch Martin Lutberstr. 51): Gtstkutliche Utrsammllülg ttHb In beiden Versammlungen ist das Erscheinen der Aollegen erforderlich. Der Torstan«!. Donnerstag, de» lö. März, abends 8'/, Uhr. in Schmidts GesellschaftsbaiiS, Gartcustr. 6i Brauchen-Bersammlltng der Modell- ii. Fabriktiscliler sowie Modelldrechsler. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zur Modelltischler-Konsermz und zum VerdandStagc. 2. Branchenangclcgcnhellcn. 3. Verschiedenes. Die Kollegen der Wcrkzeugmnschinensabrif Ilflles sind hierdurch besonders geladen. 82/3 Die Kommission. ir M Donnerstag, den IS. Marz, nbends 8 Uhr. im GewertschastShause. ffiiigel-liser 15(Saal 1): i. Vortrag unö°°n Fra» Regina Rndsn aus Hamburg. 2. Geschäftliches. In Anbetracht des interessanten Vortrages erwartet zahlreichen Besuch 20/8 Der Vorstand. —— Gäste willkommen t_ Verband der Schneider und Schneiderinnen ü. verw. Berufsgenossen Deutschlands.(Fiuaie Benin.) MM.1 Xerren-KaPschneider! MM.1 Donnerstag. 15. März, abends 8'ls tthr. in den„Arminhallen-, Kominandaiiteustr. Äv- Oeffentl. Maßschneider- Bersammluna. Tages-Ordnung- 1. Die Situation in der Herrenmafibranche. 2. Diskussion. Referent: Kollege linnse. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 162/13 Der Finharnter. Konsumverein Charlottenburg. Dienstag, den Volkshanse 20. Rürz, abends 8 l.'hr, Rosinen- Str. General-Iterfammlung. Tages-Ordnung! 1. Geschäftsbericht(Bestätigung des GeschästssührerS). väckereiangelegenbeit. 3. Er-satzwahlen zum SlufsichtSrai. 106/4 DM- Um zahlreiches Erscheinen aller Mitglieder ersucht Der Anfsiebtsrat. Ernst Gehrke. Adolf SchSnborn, ftellb. 35or(tfecnb Arbkltenikltreter-Nktelil Sellin. VT" Donnerstag, den 15. März 1906. abends 8'/, Uhr,'Mß im GeHverkseknCtsiianse, Engel-User 15(Saal Hl): Vspssmimiung. Tages-Ordnung: orlsetzung der Diskussion über den Bericht der Vorstandsmitglieder iffe'' und de? Ausschusses der Laudcsvcrsicherungsaustalt Berlin, aus dem"Kreise der Versicherten. 2. Wahl des 1. Vorsitzenden. 3. Verschiedenes. 53/3 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. ««««»»»«»«»«««»««««««»««««««««»«»«««v««»« Wir empfehlen Marz■ Literatur- Die deutlcbc Revolution. Geschichte der deutschen Bewegung in den Jahren 1848/19. Von M. Bios. Mit vielen Porträts und historischen Bildern. In Prachtband gebunden. Früherer Ladenpreis Mk. 5,70, jetzt silst. 5,—. Oesehictite der französischen Revolution von 1848 und der zweiten Bepuhlik. Volkstümlich dargestellt von L. Rereticr. Mit vielen Porträts und historischen Bildern. In Prachtband gebunden. Früherer Ladenpreis Mk. 0,50, jetzt silh. 5,—, Die KlafTenhämpfe in frankreich 1848—1850. Mit einer Einleitung von frlcdricb Engels. Preis JVIi». In dieser meisterhasten Studie wendet der Begründer der materia- listischen GeschichtSaussassung zum erstenmal diese Metbode an zur Aus. hellung der treibenden sozialen Momente der 48 er Rcvolntionspcriodc. Die Enge lösche Einleitung gibt mit scharfen Schlaglichtern aut die Gegenwart eine Geschichte der Enuvickelung der revolutionären proletarischen Tanik 00m Barrikadenlamps bis zum allgemeinen Stimmrecht und— zum Umsturz. Revolution und Konter-Revolution in DeutTchtand. Bon Kart Mar*.— Deutsch von Kart Kautshy. Preis Mk. 2,—. DaS Buch ist eine ausgezeichnete Uebersicht über den allgemeinen Gang der 48 er revoluttonären Bewegung in Deutschland. Expedition des„Vorwärts", kerlin SM. 68, tindenstr. 69, Laden. Wirtshaus Schloß Woltersdorf (nicht Schleuse) direli an Chaussee und Flakensee. sür die bevorstehende «saison den geehrten Vereinen. Gesellschaften, Fabriken zu Dampferpartien und Ausflügen per Bahn, Futztourcn uiw. angelegentlichst empfohlen. Stelle mein Lokal auch Sonntags u. an den Pfingslseiertagen zu Vereinssestlichkeitcu zur. Verfügung, fpiedp, SSV«,VNK, Amf�kner No?49. Dann, Breslaa l itis WM>WW>»»WWWW»»W■■■■■■■■■■——" Wim urRiicr no Verantwortlicher Redakteur; HanS Webern Ber?w. Für dey Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsansralt Paul Singer& Co.. Berlin SW, Nr. 60. 23. Iahrgaug. 2. KrüliU des.Amiirl«" Kerlim Alksdlült. Dieustag, 13. Marz 1906. Der sozialdemotiratlsche Zentralwahlverem von Teltow' Seeskow-Storkow-Eharlotttnbn rg hielt am Sonntag in AdlerShof im Restaurant Kau! seine General- Versammlung ab. Vertreten waren 36 Orte burt�i 91 Delegierte; nicht vertreten waren Friedersdorf und Markgrafpic, Zke. Anwesend waren ferner sämtliche Mitglieder des Zeniralvorst« indes, die Ver- treter der Preh- und der Lokalkommission, der Reichst« igs-Abgevrdnete des Kreises Genosse Zub eil sowie zwei Vertreter der Redaktion deS„Vorwärts". Vor Beginn der Verhandlungen hielt Genosse Zubeil eine kurze Ansprache, in der er auf die vielerlei Verfolg» mgen hinwies, die die Sozialdemokratie von Adlershof unter dem früheren Amts- Vorsteher Oppen zu erdulden hatte, die jedoch den»„Ungeziefer", wie jener übereifrige Sozialisteniöter unsere Parteigenossen nannte, nicht den geringsten Schaden zufügen konnten. Der Sb'imer bemerkte ferner: es scheine, dast der jetzige Amtsvorsteher in büe Fubstapfen seines Vorgängers treten wolle. Wie zutreffend diefe Bemerkung lvar, zeigte sich sofort darin, daß die überwachenden Äßeamten trotz der bekannten Erklärung des Ministers, grauen könnten im „Segment" politischen Vereinsversammlungen beiwohne«, verlangten, daß die im Vorraum anwesenden Frauen sich entfernen sollten.' Um die Versammlung vor einer Auflöiung zu bewahren.»leustte dieser ungesetzlichen Aufforderung nachgegeben Ivcrden. SelbAverständlich wird Beschwerde dagegen erhoben»verden.— Zum ersten Punkt der Tagesordnung: Mitteilungen des Vorstandes und d.er Funktionäre sprach zunächst Genosse Eberhardt. Er berichtete, daß im letzten Halbjahr zwei Agitationstouren im Kreise unternommen wurden, woran 490 Genossen teilnahmen; ferner drei Flugblattverbnsitungen. Verbreitet wurden 572 600 Flugblätter, 77 500'. Broschüren, 33 000 Kalender und 10 000 Drucksachen in polnischer Spracht». Ver- sammlungen haben 86 stattgefunden: 42, zu deinen die Referenten vom Bureau des Zentralwahlvereins besorgt nmrden, und 44, zu denen der Verband von Grotz-Berlin die Reßirenten sandte. Zwei neue Wahlvereine sind gegründet worden. uiS zivar in Deutsch-Wusterhausen und in FriederSdors. Von verschal denen Wahlvereinen liefen Anträge ein, besonders Bibliothek und Utechts- schütz betreffend; sie wurden, so weit es die Verhälmisse zuließen. berücksichtigt. Dem Zentralwahlverein gehören jetzt 33 Verei te mit zirka 14000 Mitgliedern an. Die Einnahmen der Kreiskasse tva«n ,m letzten Jahre nicht so befriedigend, wie sie sein sollten, was jedoch weniger auf Mangel an Öpferwilligkeit der Genosse w als daraus beruht, daß große Summen für andere Zwecke, Ivie A B. 9000 M. für die russischen Freiheitskämpfer und im vorheroeganfx?ncn Jahre 17 000 M. für die Bergarbeiter ausgebracht wurden. DaS letzte Kreisfest ergab 740.22 M. Ueberschutz; die Einnahmen betimgen 2 786,85 M., die Ausgaben 2 046,63 M. Der Redner bennrkte ferner, daß sich der Zentralvorstand mit verschiedenen AuSschlußangelegenheiten befassen mußte, und machte iin An- schluß daran auf die Bestimmung deS OrganisationSstotutS aufmerksam, wonach die Wahlvereine nickt das Recht haben, Skiit- glieder ohne weiteres auszuschließen, sondern nur den Ausschluß be« antragen können. Schließlich beinerkte der Redner, er müsse aus- drücklich gegen da? Verhalten des Genossen Görke in Charlottenburg prolestieren, der, nachdem der Kreis seine Vorwürfe gegen einige Mitglieder deS Zentralvorstandes in einer Resolution für unbewiesen erklart hat, alle die, welche für jene Resolution gestimmt haben, als Verbrecher bezeichnete.— Die Versammlung gab über daS Verhalten Görkes ihre Mißbilligung kund, erklärte zedoch, keine Diskussion darüber zu wünschen, da die Sache für sie erledigt sei und sie wichtigeres zu tun habe. Genosse pirsch teilte unter anderem mit, daß die Lokale, von denen aus die Flugblattverbreitung stattfindet, in Zukunft im „Vorwärts" nicht mehr bekannt gegeben werden; ferner, daß ein- heilliche Formulare zur Werbung neuer Abonnenten deS„Vorwärts" und von Mitgliedern der Wahlvereine unentgeltlich auS- gegeben werden.— Von der Preßkommission machte Genosse Boxheimer verschiedene Mitteilungen, die wesentlich geschäftlicher Natur waren. Er erwähnte unter anderm, daß die Genossen Block und Mermuth in die Redaktion des „Vorwärts" eingetreten sind. In der Diskussion über diesen Bericht wurde hauptsächlich übe» Kürzungen der Berichte auS den Vororten geklagt, besonders von den Delegierten aus Mariendorf, Nowawes-Ncuendorf, Drewitz, Trebbin und Nieder- Schöneweide. Redakteur Leid erwiderte darauf, daß derartige Klagen wohl niemals aufhören würden und machte auf die verschiedenen Schwierigkeiten aufmerksam, die es unmöglich machen, allen Wünschen nachzukommen und die Berichte iminer in der Länge und Form zu bringen, wie sie cingesandl werden. Nicht die Länge eines Berichtes mache das Wesen des- selben au«, sondern der I n h a l t. Er wies auch darauf hin, daß eine besondere Abteilung für die jetzigen Gemeindewahlen eingerichtet worden ist, in der alles Wichtige über diese Angelegenheit zusammen- fassend behandelt wird. Dadurch erübrigten sich auch in manchen Fällen die Wiedergabe trockener Versaminlungsbcrichte. Im Anschluß daran gaben die Genossen Zubeil und E iSner Anregungen, die Schriftführer der Wahlvereine durch Zirkulare oder in anderer Weise auf die wichtigsten Grundsätze für die Bericht- erstattung aufmerksam zu machen, Genosse Leid bemerkte darauf, daß in nächster Zeit eine Zusammenkunft der Berichterstatter der Vororte stattfinden solle, in der gewisse Leitsätze für die Bericht- erstattung aufgestellt werden sollen. Sodann wurde über daS Kreis st atut und ferner über den OrganisationS- plan für Teltow-BeeSkow-Charlottenburg beraten. Genosse Wollermann gab einleitend eine Uebersicht über die Geschichte der Organisalion im Wahlkreise und wies darauf hin, lvie seit Gründung des Zenttalivahlvereins im Januar 1901 die Mitgliederzahl von 3000 auf 14 000 angeivachsen ist und die Zahl der Wahlvereine auf 38. so daß also diese Organisationsform sich westlich bewährt hat. Das Normalstatut wurde mit einigen redaktionellen Aenderungen einstiminig angenommen. Ein Antrag CharlottenburgS, im ß 6 die Worte„nach Möglichkeit" zu streichen, wurde abgelehnt; ebenso ein Anttag Schmargendorfs zu einer anderen Abänderung desselben Paragraphen. Die Diskussion über den Organisationsplan führte zu einigen Abänderungen und Ergänzungen des Entwurfes. Im § 3 wurde statt der Bestimmung, daß der Vorstand die Bezirks- sührer zu ernennen hat, eingefügt, daß die Genossen der Bezirke den Bezirksfllhrer zu ernennen haben, der Vorstand die Wahl zu bestätigen hat und, falls die Bestätigung versagt wird, die endgültige Entscheidung der nächsten Generalversammlung des Wahlverems ob- liegt. Im Z 5 war eine den Mitgliederzahlen der einzelnen Vereine entsprechende Delegation zu den Generalversammlungen des Zentral« wahlvereins vorgeiehen. Dies wurde jedoch mit 66 gegen 37 Slimmen abgelehnt, so daß die bisherige Bestimmung, wonach jeder Wahl- verein drei Delegierte senden kann, bestehen bleibt. Eingefügt wurde folgender neue Paragraph: „Die Wahlen der Delegierten zu den Verbands- General- versaninilungen von Groß-Berlin sind von den örtlichen Wahl- vereinen vorzunehmen. Die prozentuale Verteilung der Dele- gierten auf die einzelnen Orte erfolgt durch den Zentralvorstand, ■ jedoch muß jeder örtliche Wahlverein durch mindestens zwei Delegierte vertreten sein." Im übrigen wurden nur geringe Abänderungen de? Organi- sationsplanes beschlossen. Einige Anträge zum Gesamtstatut des Verbandes: 1. daß in den Mitgliedsbüchern eine Rubrik„Ein- getreten am... Uebergetteten am..." enthalten sein soll; 2. ein Vermerk darüber, wo Abonnements auf die Parteipresse und Bc- stellungen auf Parteiliteratur entgegengenommen werden, und 3 ein Vermerk darüber, wie und wo Sterbesälle anzumelden sind, wurden Groß-Berlin überwiesen. Durch den neuen Organisationsplan wurde die Zahl der Mit- glieder des Zentralvorstandes von fünf auf sieben erhöht, so daß statt eines Beisitzers drei Beisitzer vorhanden sein sollen. Als Bei- sitzer wurden die Geiiossen G i e b l e r auS Wilmersdorf und G r u n- w a l d aus Friedenau gewählt. Hierauf kam eine von den Genossen auS Nixdorf eingebrachte Resolution über das Verhalten der Reichstagsfraktion bei der „Borussia"-J»terpellatton zur Verhandlung. Die Genossen G r u n w a l d und Zubeil wiesen auf die besonderen Umstände bin, die dieS Vorkommnis erklären. Zubeil bemerkt noch, daß Vorsorge getroffen sei. daß sich derartiges nicht wieder ereignen könne. Dle Resolutin wurde angenommen«nd lautet: „Die Generalversammlung bedauert aufS lebhafteste die schwache Besetzung der sozialdemokratischen ReichStagsfraktion an- läßlich der„Borilssia"-Jnterpellation. durch die eine sofortige Be« sprechung der Interpellation unmöglich wurde. Wir erivarten, daß m Zukunft ein ähnliches Vorkommnis ausgeschlossen bleibt." Ein Antrag CharlottenburgS über die Vorortbeilage deS„Vor- wärtS", ebenso ein Antrag des Genossen B o x h e i m e r über Ab- grenzung der Rechte zivischcn Berlin und den einzelnen Kreisen, und ein Antrag Rixdorf über den Philharmonie- Bopkott wurden der vorgeschrittene» Zeit wegen vertagt. Zu einem Antrage Britz, eine Konferenz der Gemeindevertreter deS KreiseS einzuberufen, bemerkte Genosse Zubeil, daß eine Konferenz der Gemeindevertreter von Groß-Berlin vorbereitet ist. Zum Schuß der Generalversammlung erfreute der Arbeiter- Gesangverein„Frohsinn II" die Delegierten durch Vortrag von Freiheitsliedern, wie er in derselben feierlichen Weise die Versamm» lung eingeleitet hatte._ Hla JMärz-Zettung ist soeben erschienen: 233/12* Heinrich Heine zum Gedächtnis. 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Auf diesem Gebiete gilt nicht nur da» Lieblnechtsche Wort, daß Wissen Macht ist, sondern Wissen ist hier auch Freude und Genuß.» 2. F. Mr giwsegnima ans(ein geripptem schwarzen Kammgarn sowie ans haltbaren Cheviotstoffon, f 12 sauberste Aus- fölirong von M. Ida an aus prima tfefschwarz. Kammgarn- und Tuch- Kammgarnstoffen mit besten Zutaten.("TSO eleganter Sitz, I f von.. Mark 1 1 an v nach Maß Garantie IIP PMsOm;' an M. Schulmeister Schneidermeister, Dresdener-Straße 4, � Die Geburt cich-eS kräftigen MibtlS zeigen hocherfreiqt an «ß'ppvl und Frau «Ig», geborene steil. Berlin, den 11. März 1306. Reinickendorßerstr. 23 a. SS Allen Verwoindten, Freunden und Bekannten die traunge Nach- richt, daß unser' lieber auter Vater, Schwieger. unl> Großvater, der Bautischler Rudolf Gardy im 67. LebenSja hre am Dienstag. den 6. März, j ilötzlich und uner- wartet infolge eines Bauunsalles verstorben ist. Dies zeigen tiesbetrübt an »itol»«stiiebipii». Ssrta iliai, oblpit/ geb. Ctanty. Heinrich liunze. Anna Kunze geb. Gardy. Die Beeringuna findet am Dienstag, de>> t3. März, nachm. h Uhr, von tier Halle des Jcru> ialenier-Kirdstzofes. Nixdors, Her- mannstratze 92 aus statt. ZeDlral-Verband dentseber Brauerei- Arbeiter Berlin I(Brauer). Todes- Anzeige. Arn 11. d. MtS. verstarb unser Langjähriges Mitglied Georx Voelcker nach langer Krankheit im Mer von 34 Jahren. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 14. d. MIs., vor- mittags 11 Uhr, von der Leichen- halle des Markus- griedhoses in Wiihclmsberg aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 4t/5 Der Vorstand. Itoutscher Holzarteiter- Verband H.& P. Uder, inÄ's6: Fabrik-Lager slimtlicher gangbarer Kautabake. peziii; Mordhäuser Kautabak stets frisch zu billigsten Engros-Preisen. 66511 Amt 4. 3014. »tibrnitB I2RIÄ Villig! Billig? Nur ichid, elegant, sehen und staunen! Echte Seiden, Chiffon in a. Färb., schick garir. 4,30 an Alte Hüte ichick aufg. 40 Vf. an Ikligge. Vutzgcich. Brnckenstr. 3. �Hygienische Bcoarnarmfrl. �euett. 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Witwe Flschbach nebst Kindern. _ Köpenickerftr. 127. 4055 �ür die vielen Beivcise herzlicher Teilnahme bei der Bcerdigu g unseres unoergegiichen Sohnes, des Mechani- kers liruno Siojali, sagen wir allen Verwandten und Bekannten, insbeionderc den Herren Kollegen der Firma Siemens u. Halske, unseren herzlichsten Dank. 406b »le�nli _ nebst Frau und Sohn. Hiermit sagen allen Kollegen, Freunden, Venvandten und Bekannten. sowie der Freien Sängeroercinigung .Fackei» unseren herzlichsten Dank, für die rege Teilnahme und zahl- reichen Kranzipenden bei der Be- erdigung inciiies geliebten Mannes und Vaters Wilhclni Hredow. Die trauernden Hinterbliebenen hVittve stkurgiirete Itredoxv ncbst Kindern. 404b Dr. Limmel, Svezinlarzl sür 23/14» Haut- und Harnleiden, 10— 2.5— 7 SomitagS 10— 12.2—4 Jedes Wori 10 Pfennig. Das erste Wori(fettgednickt) ZO Plg. Stellengesuche und Schlatslcllen-Anzelgen 5 Ptg.i das erste Wort (iettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zShlen doppelt. 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Meldungen Schützen» straße 22. 37/15* Im Arbeitsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 60 Pf. die Zeile. Deulzcber Holzarbeiter- Verband. Wegen Streit und Differenzen ist Iii!«!) fctmiitinltcn von Treppengeländer- Arbeitern tDrechsler. Tischler, Stellmacher. Polierer, Maschinenarbetter und Bildhauer) von derTreppengcländer» sabril Joseph Drechsler, Gubener» straße 33: von Ginsetzern vom Bau Gerhardt in Halensee, Schweidnitzerstt. 6 und 7, uud'Tiichlern von Ebers Möbel- tischleret, Manleuffclstt. 22; von Parkettbodenlegern vom Bau Tchossow, Giesebrechisir. 11; IMe Ortsvorn altunf». BcräÄtwortlichcr Nedalteur: Hans Webers Berlin. Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. TuicknTVerlag: BorwärMüchdruckerci u. Verlagsanstalt Paul Smger Lc Co., Berlin SW. Beilage des„Vorwärts" Berliner Rcdahtton und Sxpeditton: j AZr. 60. Dienstaa. bell 18. 302(i 11 1906. I �nfcrat« SecDsgefpaltene Holonelzcile 20 Pfg. , Cindcnitr. 69. fcrnSprecöer: Amt IV, 198J. 1 � et J Bei größeren Buflrägen entlprertjenden Rabatt. Der Zdblabend für Berlin und Vororte findet am Mwoch statt. s)artei-)Zngeiegenkeiten. Borsigwalde und Wittenau. Mittwoch, den 14. d. M., abends 8 Uhr, findet in Borsigwalde im Lokale von Kerner, Schubartstr.M, eine öffentliche Gemeindewählerversammlung statt. Tagesordnung: 1. Berichterstattung der Gemeindevertreter. 2. Diskussion. 3. Anf- s stellung des Kandidaten. Es ist Pflicht aller Gemeindewähler, in dieser Versammlung zu erscheinen. Pankow. Heute abend 8l/a Uhr findet im Lokale„Zum Kur- fürsten", Berlincrstr. 102, eine grofie öffentliche Versammlung statt, zu der die Gemeindewähler aller Parteien eingeladen sind. Tages- ordnung: Vortrag des Reichstagsabgeordneten Genossen Südekum über:„Was wollen die Sozialdemokraten in der Gemeindevertretung." Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Sozialdemokr. Wahlverein Groß-Lichterfelde- Lankwitz. Morgen Mittwoch, abends 8 Uhr, bei Reisen, Chausseestr. 104: Vereinsversammlung. Tagesordnung: Bericht von der Kreis-Generalversammlung. Maifeier. Zahl- reiches Erscheinen erwünscht der Vorstand. Vorort- jVacbncbtcn. Zur Lemeinäelvahldeweglmg. Gemeindelvahlen finden heute in Mariendorf, Acker- strafte S— 4 parterre, vormittags von HVs bis 6 Uhr abends, in Mühlenbeck nachmittags 2 Uhr und in Box- Hagen-Rummelsburg nachmittags von 4 bis 8 Uhr statt. Mariendorf. Den Parteigenossen und Einwohnern Mariendorfs nochmals zur Kenntnis, datz die in Mariendorf Wohnenden nicht, wie früher, in Südende wählen können. Mariendorf wählt heute, am 13. März, und Süd ende, welches durch die Dresdener Bahn von Mariendors getrennt ist, morgen den 14. März. Versäume niemand, sein Wahlrecht auszuüben,! Das Beispiel anderer Gemeinden hat gezeigt, datz die Gegner keine Mittel scheuen, wenn es gegen die Sozialdemokratie geht. Der Versuch der Gegner, die Wahl deS Genossen Reichardt zu vereiteln, mutz zunichte gemacht werden, deshalb trete jeder an die Wahlurne. Agittere jeder bis zur letzten Stunde, dann wird der Sieg unser fein. Boxhagen-Rummelsburg. Parteigenossen! Die EntscheidungS- stunde naht. Heut von 4 bis 8 Uhr finden die Wahlen zur Ge- meindevertretung statt. Als Kandidaten fungieren folgende Ge Nossen: Für den Bezirk I Boxhagen Lagerhalter Fritz Berger, Wahl- lokal: Schönborn, Alt-Boxhagen 49; für den Bezirk II Rummels- bürg Gastwirt Gustav Tempel, Wahllokal: Weigel, Türrschmidt- stratze 45 und für den Bezirk III Rendant Theodor Ritter, Wahl- lokal: Carlin, Hauptstr. 82. Parteigenossen I Unsere Gegner haben es bisher vermieden mit ihrer Agitation vor die Oeffentlichkeit zu treten, umso intensiver arbeiten dieselben im stillen. Fast täglich werden Besprechungen und Zusammenkünfte abgehalten. Ganz besondere Anstrengungen werden in dem neuen Stadtteil Boxhagen gemacht, wo zum erstenmal ge- wählt wird. Es soll verhütet werden, datz auch dieser Bezirk von einem Sozialdemokraten vertreten wird. Partcigenoffen! Sorgt dafür, datz die Hoffnung der Gegner znschanden werde. Versäume niemand, so zeitig wie möglich zur Wahl zu gehen. Rüttle ein jeder die Säumigen und Lässigen auf. bringe jeder die Legitimation mit? Steuerquittung genügt. Die- jenigen, welche an der Wahlarbeit teilnehmen wollen, werden ersucht, sich nachmittags 3 Uhr in folgenden WahlbureauS zu melden: Bezirk Boxhagcn bei Kurt Pflug, Alt-Boxhagen Str. 50; Bezirk II und III: Rummelsburg, bei Trach, Prinz Albcrtstr. 5a. Die Verkündigung des Wahlresultats findet abends 9 Uhr bei Gorgas, Neue Prinz Älbertstr. 84 statt. Parteigenossen I Auf zur Wahl I Keiner darf fehlen I Das Wahlkomitee. Die Gemcindewahlen für Neuenhagcn sOstbahn) sind anberaumt worden auf Freitag, den IS. März, nachmittags von 1—4 Uhr. Zu wählen sind in der dritten Abteilung zwei Nichteiugesesscne. Trotz eines von über einem Viertel der Wähler unterschriebenen Antrages, die Wahlzeit für die dritte Abteilung bis abends 3 Uhr auszudehnen, erfolgte die Ansctzung von 1—4 Uhr. Angesichts dieser ganz offen- sichtlich gegen die Arbeiterschaft gerichteten Mahnahme gilt eS, mit doppeltem Eifer tätig zu sein. Durch die Wahl unserer beiden Kandidaten Töpfer Otto Warttia und Sattler Julius Dallmnnn mutz die Herrschaft der alteingesessenen Grundbesitzer endlich ge- brachen werden. An die Berliner Genossen richten wir die Auf« fordcrung, überall dort, wo sie auf Bauten. Fabriken zc., mit Neuen- Hagener» zusammenarbeiten, dieselben ans die Gemeindewahlen auf- merksam zu machen und an ihre Pflicht zu erinnern. Zu den Wahlen in Pankow haben nun die vereinigten bürger- lichen Parteien in einer Versammlung Stellung genommen unter Ausschlutz der Sozialdemokraten. Ein Herr Ganse schwang eine grotze Rede gegen die Sozialdemokratie, welche in die Worte aus- llang. datz die bürgerlichen Parteien die Sozialdemokratie aus der Gemeindevertretung verdrängen mühten, um freie unab- hängige Männer, welche sich auch mal trauen, ein Wort zu sagen, zu wählen. Zuerst schlug sich Herr Ganse als Kandidaten selbst vor, dann einen früheren Restaurateur Hirte, den ehrsamen Schiedemeister Höht und den königl. Eisenbahn« Matcrialienverwalter Heiuze. Letzterer ist der„Ritter Georg", der den Umsturzdrachen mit der speziellen Erlaubnis des Herrn Eisenbahnmini st erS töten wird. Als nämlich einige Mittelstandsretter schüchtern fragten, ob denn Herr Heinze in seiner Stellung Zeit hätte und der„königliche Dienst" es erlaubt, erbittet sich die„festeste Säule der Monarchie", Herr Reichsverbandsagitator Balzer, königlicher RechnungSrat das Wort, um auszuführen, datz „er" die Erlaubnis selbst vom Minister erbitten werde. Er werde dafür sorgen, datz 700 Eisenbahnbeamte ihr Wahlrecht a n S ü b e n müssen. Es könne ja keinem Zweifel unterliegen, datz mit dieser Hülfe die sozialdemokratischen Kandidaten durchfallen. Wenn nun auch die Genossen wissen, was sie von solchen Redereien zu halten haben, so steht doch fest, datz cS sich diesmal um eine reinliche Scheidung handelt. Die bürgerlichen Parteien werden alles aufbieten, um den Sieg an sich zu reihen. Die Arbeiterschaft hat daher alles aufzubieten, um für unsere Kandidaten einzutreten. Die Wahl findet am Donnerstag, den 15. d.M., statt und zwar von vormittags 11 Uhr bis nachmittags 3 Uhr. Gewählt wird in zwei Bezirken. Der erste Bezirk wählt bei Ebersbach„Zum Kurfürsten", Berlinerstr. 102 und der zweite Bezirk bei Roczycki. Kreutzstt. 6. Am Dienstagabend findet im„Kurfürsten"(EberSbach) eine öffentliche Versammlung statt, in welcher Genosse Südekum referieren wird und die Kandidaten für die einzelnen Bezirke nominiert werden. Zeuthen. Zum ersten Male beteiligen sich die Arbeiter Zeuthens an der Gemeindevertreterwahl durch Aufstellung eines eigenen Kandidaten. Da in Zeuthen den Arbeitern ein Lokal nicht zur Verfügung steht, wurde am 8. März in Hankels Ablage bei Herrn W. Heinrich eine Wählerversammlung abgehalten, in ivelcher Genosse Eugen Brückner in trefflichen Worten„Unsere Aufgaben in der Gemeindevertretung" erläuterte. Nachdem der Vorsitzende noch einige Lokalverhältnisse zur Sprache gebracht hatte, ging man zur Aufstellung eines Kandidaten über. Als solcher wurde einstimmig der Genosse Tischler Paul Feiertag nominiert. Es wurde noch der Wunsch geäutzert, dafür Sorge zu tragen, datz Arbeitskollegen von Zeuthcner Genossen dieselben veranlassen mögen, ihrer Wahlpflicht zu genügen. Alsdann folgte Schlutz der wohl infolge des Unwetters nur schivach besuchten Veriammlung. Zu der Versammlung hatten sich auch einige Herren der bürgerlichen Parteien, soivie der Kandidat des Grundbesitzervereins eingefunden. Weifjensee. Der Kuhhandel der Bürgerlichen in Weißensee ist abgeschlossen. Der Hausbesitzer- und Grundbesitzcrverein, sowie der Verein der Gewerbetreibenden haben ihre Kandidaten nominiert und marschieren geschlossen gegen die Sozialdemokratie. Die Gewerbe- treibenden habe» wiederum schlecht abgeschnitten; ihr Kandidat ist in der ersten Wahlabteilung aufgestellt, sie sehen in ihrer Blindheit gar nicht, datz derselbe die Rolle ciues Durchfallskandidatcn spielen mutz, denn hier wählen die Ländereibesitzer, Fabrikherren, Brauereibesitzer und sonst noch einige Grötzen, welche gerade dem aufgestellten Gewerbetreibenden aus verschiedenen Gründen nicht genehm sind.— Der schon vielgenannte Herr Professor Dr. Kemsies giebt sich die allercrdenklichste Mühe, die dritte Wähler- abteilung der Sozialdemokratie zu entreitzen. Wie er im Grund besitzerverein mitteilt, hat er die Zusicherung der Mitglieder des Kriegervereins, des Vereins der Waffengefährtcn, des LchrervercinS, des Windthorst-Bundes, sowie der Angestelltea der Stratzenbahn zur Vernichtung der Sozialdemokratie gewonnen. Um auch noch kräftig in die Agitation einzusetzen, wird vom Grund- besitzerverein eine Summe von 50— fünfzig— Mark bewilligt. Mit diesen paar Silberlingen will man also Wähler ködern, die längst begriffen haben, von welcher Seite ihre Interessen am schlechtesten gewahrt werden. Zn bedauern sind eigentlich diejenigen, die sich hier»och als Kandidaten aufstellen lietzcn, denn ihnen winkt ein trauriger Ruhm. Seit 10 Jahren ist die dritte Wählerabteilung im Besitz der Sozialdemokratie und die W a h l a m 23. M ä r z wird zeigen, datz die Arbeiterschaft ihren Besitz erhalten wird. Die politischen Organisationen in den Bororten steigern ständig ihre Mitgliederzahl. In W i lm e r s d o r f brachte der r-tte Sonntag dem Wahlverein einen Zuwachs von 4l1 Mit- gliedern. In Zossen wurden in der letzten Versammlung 12 Per- soncn in den sozialdemokratischen Verein aufgenommen. In N i � d e r- S ch ö n e w e i d e hat sich seit kurzem die Mitgliedcrzahl r,"doppelt, in der letzten Versammlung erfolgten allein 11 Neu- aufnahmen. In Mariendorf wurden 9 Mitglieder aufgenonimen. In Steglitz lagen der letzten Wahlvereinsversammlung 49 Aufnahmegesuche vor. 32 Genossen wurden aufgenommen, 17 Gesuchen wegen Abwesenheit der Betreffenden zurückgestellt. Die Unkenntnis der regelmässigen VersainmlnngStage ist jedenfalls die Ursache deS Nichterscheinens. Deshalb sei hier bemerkt, datz die ordentlichen WahlvcreinSversammlungen stets am ersten Mittwoch jeden Monats im„GambrinuS", Ahorn- stratze 15 o, stattfinden._ Eine Aufsehen erregende Tat der Polizei wird soeben unter der Arbeiterschaft ZehlendorfS bekannt. Hier wohnte mit Frau und einem 9—10 Jahre alten Töchterchen Friedrich- stratze 1 der Bauarbeiter August Erbgut, geboren am 3. De- Dezember 1863. Er war bis Anfang Februar dieses JahreS in Steglitz auf Bauten beschäftigt, verlor aber dann seine Arbeitsstelle. Am 7. Februar verlieh er seine Wohnung mit der Absicht, nach Steglitz zu gehen und dort sich nach neuer Arbeitsgelegenheit umzu- tun. Von diesem Ganges st ernichtmehr nach Hause zurückgekehrt. In schwerer Sorge und Angst ist seine Frau in den darauf folgenden Tagen z w e i nt a l bei dem A m t S- Vorsteher in Zehlendorf, einmal auf der Polizei in Steglitz gewesen, hat an beiden Stellen das Verschwinden ihres Mannes sowie sein Signalement mitgeteilt und um AuSkunst»ach seinem Verbleibe gefragt. Alle drei Male konnte ihr nicht die geringste Mitteilung gemacht werden. Endlich, einen vollen Monat danach, am letzten Donnerstag, den 8. März, erschien ein Amtsdiener von Zehlcndorf bei der Frau mit der kurzen Mitteilung, ihr Mann sei im Grunewald tot ge- funden worden; sie solle sich seine Papiere auf dem AmtSbureau der Oberförsterei Grunewald ab- holen. Die Frau stürzt nach dem Amte am Grunetvald, etwa 8/4 Stunde weit, und dort eröffnet ihr der anwesende Beamte, nachdem er sich zuerst noch einer Verwechselung schuldig und der Frau Erbgut Mitteilung von einem unter ganz anderen Umständen aufgefundenen, ihr ganz fremden Manne gemacht hat, mit dürren Worten folgendes: Ihr Mann, der wie gesagt, am 7. Februar Zehlcndorf verfassen hatte, sei am 18. Februar, an einem Sonntage, nachmittags 5 Uhr, im G r u n e w a l d in sitzender Stellung t o t aufgefunden worden. Spuren, datz er sich selber oder jemand anders ihm ei» Leids getan, seien nicht zu konstatieren gewesen. Vielmehr habe der Arzt als Todesursache Herzschlag konstatiert. Ihr Mann sei am 2 2. Februar, und zwar auf dem Friedhof der Kolonie Grunewald, so wie er aufgefunden worden, beerdigt worden. Hiermit händige er ihr seine Papiere aus. Eine Rechnung über 60 Mark Beerdig» ngsko st en werde sie noch zu- geschickt erhalten. Auf die sofortigen Klagen der armen Frau, warum man sie nicht sofort nach der Auffindung der Leiche benachrichtigt habe, hat der Beamte des weiteren erwidert, datz der Gutsvorstaud der Ober- försterei noch am Tage der Auffindung an den Amts- Vorsteher von Zehlendorf telephoniert, aber keinen Bescheid erhallen habe. Daraufhin habe man dann den Toten am vierten Tage nach der Auffindung beerdigt. Dies der Tatbestand nach den persönlichen Mitteilungen der Witwe Erbgut, die mehrmals ermahnt wurde, nur die Wahrheit zu sagen. Ist er richtig(und es liegt nicht der geringste Grund vor daran zu zweifeln), so mutz jeden anständigen Menschen die aller- tiefste Empörung über diese neue unerhörte Leistung preutzischer Polizeiorgane erfassen. Es gibt kein Wort, um sie scharf genug zu brandmarken, und schlechterdings keinen Grund, um sie auch nur von ferne zu cnt- schuldigen. Denn alle Versuche dazu, alle Ausreden zerflietzcn in nichts vor der einen Tatsache, datz die Frau des Toten der zn» ständigen Polizei in Zehlendorf von seinem plötzlichen Verschwinden mehrmals genaueste und erregte Mitteilung gemacht hat, die Zehlendorfer(und übrigens auch die Steglitzer) Polizei also durchaus orientiert war, und angesichts der noch viel bclastendercn Tatsache, daß der Verstorbene alle seine zur Legitimation nötigen Papiere mit seiner genauen Adresse bei sich geführt hat. Diese Papiere, die dem Schreiber dieser Zeilen vorlagen, waren: Ouittuugs- karte Nr. 10 der Invalidenversicherung, Mitgliedskarte Nr. 123 581 der Ortskrankenkasse Schöneberg, Mitgliedskarte Nr. 22 911 der Orts- krankenkasse Steglitz sowie das Verbandsbuch, das die Zugehörigkeit des Toten zum Verbände der Bau-, Erd- und gewerblichen Hülfsarbeiter auswies. Die Frage nach dem Schuldigen in dieser Sache lätzt sich natürlich noch nicht sofort feststellen. Nach den Mitteilungen, die Frau Erbgut auf dem Amtsburea» der Oberförsterei Grunetvald er- halten, trägt, wenn die telephonische Nachricht an das Amt gelangt die Hauptschuld daS Zehlendorfer Polizeiamt, dessen Vorsteher der bereits rühmlichst dekannte Hauptmann a. D. MilinowSki ist. Obwohl eS vom Grunetvald her Benachrichtigung empfängt, giebt es diese Benachrichtigung weder an die Witwe weiter, noch auch irgend eine Aeutzerung an das Amt Grunewald zurück— ein Ver- fahren. daS einfach Kopfschütteln erregen»intz. Aber auch das Amt der Oberförstcrei Grunewald ist in diesem Falle mitschuldig: erhielt eS am 18. Februar keine Rückäutzerung vom Amte Zehlendorf, so hatte eS am folgenden Tage feine Bemühungen um Herbeischaffung der Augehörigen des Toten zu wiederholen, und gegebenenfalls zu verdoppeln und zil verdreifachen. Statt dessen hat man es offenbar (immer nach Angabe des Beantten) bei der einmaligen telephonischen Nachricht gelassen. Und erst 19 Tage, sage und schreibe: neunzehn Tage nach der Auffindung bequemt man sich dazu, dem jammernden, Tag und Nacht angstvoll wartenden Weibe und Kinde des seit neunzehn Tagen genau bekannten Toten die Nachricht des Todes zu überbringen. Freilich war es ja auch nur ein armer, schlecht gekleideter, weil im Arbeitsanzüge befindlicher Arbeiter, um den es sich ha handelte. WaS wird dagegen geschehen? Die Witwe wird sich in erregten Worten über daS unerhörte Verfahren beschweren, aber keine Be- schiverde wird ihr auch nur eine Sekunde Schmerz aus diesen furcht- baren Wochen deS Ungewissen Harrens tilgen. Schliehlich wird sie noch 60 Mark an die hohe Behörde zahlen müssen dafür, datz diese die Gnade hatte, den Totaukgefundcucu, aber sofort Legitimierten einsam, ohne sie und sein Kind sang- und klanglos zu verscharren. Chnrlottcnbiirg. Ei» Familiendrama, da? sich schon Ende voriger Woche zu- getragen hat, wird aus Charlotteuburg, Knobclsdorffstratze 48, gemeldet. Dort wurden die 26 jährige Gärtuersfrau Margarete Schneider und ihr l'/z Jahre altes Töchterchen Leonie tot und der fast fünfjährige Sohn Josef durch Gift schwer verletzt auf- gefunden. Die Gärtnerfamilie war erst am 1. März dortbin gezogen und bewohnte dort einen Laden. Seit Donnerstag war niemand von der Familie gesehen worden. Man öffnete gewaltsam die Tür und entdeckte die schwere Tat. Auf dem Tische fand mau einen Brief, worin die Frau von ihrem Manne Abschied nimmt und ihn bittet, er möge ihr die Verzweiflungstat, die sie aus Nahrungssorgen unternehme, verzeihen und ihr bald folgen. Die Gärtnerfamilie ist im vorigen Jahre aus Wiesbaden in Char» lottenburg zugezogen und hatte seit 1. Oktober v. I. bei der Schöne« berger Baugesellschaft-Aktiengcscllschaft die Porticrstelle im Goethe- Park zu Charlottenburg inne, die ihr aber zum 1. März gekündigt worden war. Der noch lebende Sohn wurde nach dem Kranken- Hause gebracht. Er hatte seit Donnerstag keine Nahrung zu sich ge- nommen. Der Gärtner Schneider befindet sich seit einigen Tagen wegen Diebstahls un� Unterschlagungen in Untersuchungshaft. Nixdorf. Die Stadtverordneten waren zu Mittwoch und Donnerstag z» autzerordentlichen Sitzungen zusammenberufen, um den Stadthans- Halt-Voranschlag und den Steuerplan für 1906 festzustellen. Zuvor Wille der Stadtverordncteuvorsteher»fit, datz.der Stadtv. Fanstner(Soz.) auS GesundheitSrückfichten sein Mandat nieder» gelegt habe. Die verstZrkung ton drei Etatpositionen fflt das NechnungS« lahr 1905 wird genehmigt. Der Verwaltungsbericht über den Stand der Gemeinde- angelegcnheiten im Rechnungsjahr 1905 liegt gedruckt vor. Oberbürgermeister Boddin erklärt, mit Rücksicht aus die Drucklegung auf eine mündliche Berichterstattung verzichten zu wollen und empfiehlt Kenntnisnahme.— Stadtv. Wutzky tSoz.) bespricht in längeren kritischen Ausführungen die aus dem Bericht hervor- gehenden mannigsachen Mängel und Miststände in verschiedenen Verwaltungszweigen. So müsse konstatiert werden, dah unsere Schulbauten noch immer nur den enggezogendstcn Ansprüchen ge- nügen. Zwar werde endlich jetzt bei jedem Schulbau eine Turnhalle vorgesehen: von Aulen, Zeichensälen oder gar Brausebädern sei in den Projekten aber nie etwas zu finden. Der neue Krankenhausbau soll— wie der Bericht sagt—„im Frühjahr begonnen werden", noch aber ist davon nichts zu bemerken. Es ist hohe Zeit, dast mit mehr Energie darauf hingearbeitet wird, der KrankcnhauSmisere Rixdorfs ein Ende zu machen. Im vorigen Jahre sind bei derselben Gelegenheit dem sozialdemokratischen Redner wegen seiner treffenden Kritik unserer Schulzustände die unmotiviertesten Vorwürfe gemacht worden, mit Unrecht I Der vorliegende Bericht beweist, dast auch bis heute nicht nur keine Besserung, sondern eine Verschlechterung eingetreten ist. Zwar ist die Zahl der fliegenden Klassen ganz unwesentlich— von 65 auf 60— verringert worden, die Zahl der Schüler pro Lehr kraft und die Klassenfrequenz sind aber gestiegen, erstere von 63,6 auf 63,9, letztere von 57,7 auf 58,5. Bei der höheren Schule sei das anders; in der Vorschule stellen sich diese Zahlen auf 32,5 bezw. 51, im Gymnasium beide auf 29. Das zeige, wie die Volksschule zurückgesetzt werde, aber auch, wie berechtigt die scharfe sozialdemokratische Kritik sei.— Die Verquickung des städtischen Schulaufsichtsamtes mit der staatlichen Kreisschul inspe ktion entspricht nicht dem Prinzip der Selbstverwaltung; die Besetzung deS ersteren mit einem städtischen Beamten müsie jetzt durchgeführt werden.— Gekennzeichnet werden müsse noch der seitens einiger Lehrer geübte, durchaus deplacierte Eifer gegen den Arbeiterturnverein. Es spricht gewist nicht von besonderem päda- gogischen Verständnis, wenn die Schülerinnen befragt werden, ob ihr Turnwart„auch schon einen Schnurrbart habe". Im übrigen sei eS lediglich Sache der Eltern, wo sie ihren Kindern die körperliche Erziehung und Uebung zuteil werden lassen wollen.— In der Armen- und Waisenpflege herrsche vielfach eine Verurteilens werte Knauserei. Beispielsweise seien einer Wittwe mit 5 Kindern ganze 9 Mark im Monat, einer alten 80 jährigen Frau 3 Mark Unterstützung von der Armenkommission angewiesen worden. Das sind Fälle, die beweisen, mit wie wenig Verständnis für ihre Aufgabe manche Kommission ausgestattet sei Solche„Sparerei" bei den Aermsten der Armen sei verwerflich.— Dast für die Unterbringung kranker Kinder in Sommerpflegestätten der ausgeworfene Betrag nicht verbraucht worden ist, must bebauen werden. ES must Aufgabe deS Magistrats sein, dem„Platzmangel", von dem der Bericht spricht, unbedingt abzuhelfen.— Auch zur Be- seitigung der unerbörten Verkehrsverhällnisse aus der Stadt- und Ringbahn, die besonders bei den Arbeiterzügen kratz in die Er» scheinung treten und die Arbeiter in ihren Lohn- und Arbeit« verhältniffen schädige», sollte der Magistrat mehr tun. Die Eisenbahnverwaltung scheint ja ihre be— rühmte Sparsamkeit solange wieder zu üben, bis erst ein Unglück sie zu Mastnahmen zwinge.— An diese Ausführungen schlost sich eine lebhafte, teils sehr erregte Debatte. Als erster versuchte Bürgermeister Voigt die Ausführungen deS Genossen Wutzky zu entkräften, jedoch ohne Erfolg; sind doch Ziffern harte Dinger. Der MagistratSvertrcler beschränkte sich denn auch im wesentlichen darauf, die Rückständigkeit unseres Schul- und Armenwesens durch den Mangel an Mitteln zu erklären. — Die Stadtvv. Röster und Beltz, die beide auch Armenvorsteher sind, fühlten sich veranlastt, ihr« Kollegen zu verteidigen Die Ausführungen teS letzteren bewie'en aber lediglich das schlechte Gewissen. Der Herr wustte nichts Besseres gegen die sozial« demokratischen Anklagen zu erwidern, als sich gegen die Arbeiter in den heftigsten Schmähungen zu ergehen. Nu» werden ja die Reden dieses Stadtvaters, meist nicht ernst genommen; diesmal fand er aber eine» Sekundanten in dem Stadtv. Abraham, der den sozialdemokratischen Stadivcrordneten vorwarf, nur Leute, die sich im Schmutz zu Hause fühlten, zu vertreten.— Selbstverständlich be- kamen diese„Volks"oertreter die gebührende Antwort. Die Stadtvv. Wutzky und Böske geheimer Sitzung erledigt. � Nowawes-Ncuendorf. Arbeiterrifik». Schivere Unglücksfälle ereigneten sich Ende der vorigen Woche in der Lokomotivenfabrik von Orenstein u. Koppel bei Drewitz. Der erste ereignete sich während der Nachtschicht vom Freitag zum Sonnabend und betraf den in den drcistiger Jahren stehenden verheirateten Schmied Langwaldt aus Drewitz. Derselbe war im Begriff, mit anderen Arbeitern eine mehrere Zentner schwere weistglühende Eisenmasse vom Feuer nach dem Hammer z» transportieren, als er infolge eines Fehltrittes hinfiel und da« glühende Eisen auf ihn stürzte. Die untcren Ex- ---- v._ t*...*,-.*. t)et5rQnnt( f0 bast sich seine so- Oberlin- Krankenhaus notwendig ereignete sich am Sonnabend abend in den 40er Jahren stehende ver- heiratete Arbeiter Rudolf Tictz. früher BollziehnngSbeamter in NowaweS, war auf einem Laufkran bei der Installation einer elektrischen Leinmg behülflich. Plötzlich setzte sich dieser in Be- wegung, und che sich Tietz retten konnte, wurde er von demselben ersastt, an die Wand gedrückt und fürchterlich zugerichtet. ES dauerte geraume Zeit, bis der Verunglückte aus ferner schrecklichen Lage befreit werden konnte. Der schwer Verletzte wurde nach dem Oberlin- Krankenhause übergeführt, und es ist traglich, ob es gelingt, ihn am Leben zu erhalten.— Der dritte Unfall betraf den taubstummen Tischler Richter auS der Karlstraste, welcher beim Hobeln dem Eiken zu nahe kam und sich einen halben Finger wegschnitt. Wer schuld an diesem Unfall trägt, tonnte noch nicht festgestellt werden. Badeanstalten im alten Havelarm der Stadt übereignet werden. auch der Stadt da« Verkaufsrecht beim Spreedurck'slich verbleibt, e) dast die Zuwendung einer Beihülfe aus dem Fonds zur Ver- befferung der mä, tischen Wasierstrasten unterstützt wird, k> dast die Regierung den Besitzern der noch nicht angestellten Grundstücke das Landcrecht nicht gewähren wird." Es wurde namentlich abgestimmt. Für den Antrag beziehunaS« weise die Vorlage waren 23, dagegen 8 Stimmen. Unsere Genossen stimmten für die Vorlage. Kerliner I�admclrten. Ein entsetzlicher Unglücksfall hat sich gestern morgen in der Blichdnickerei und lithographischen Anstalt von H. S. Hermann in der Beuthstr. 8 ereignet. In dem Maschinenraum war der Werk- meister Blümel, in Friedenau wohnhaft, mit zwei Arbeitskollegen dabei beschäftigt, eine Maschine in Betrieb zu setzen. In bisyer noch nicht aufgeklärter Weise rist plötzliäi der Hauplriemen und traf den Kopf des Blümel mit solcher Gewalt, dost der Werkmeister bewusttlos zu Boden stürzte. Kurze Zeit darauf war der Bedauerns- werte verschieden. Der Tod ist zweifellos infolge einer Gehirn- erschütlerung herbeigeführt worden. Die Leiche ist polizeilich beschlagnahmt und zur Obduktion nach dem Schauhause gebracht worden. Aufgespießt. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern morgen in der Gollnowstraste in der Nähe der Landsbergerstraste. Der 18 jährige Schloffer Lehmann fuhr gegen 8 Uhr morgens in übermästig tchnellem Tempo die Gollnowstraste entlang und wollte an der genannten Stell? einem vor ihm fahrenden Lastwagen ans- weichen. Er bog um das Fuhrwerk herum nach der linken Seite des schmalen Fahrdammes hinüber, woselbst ihm ein Einspänner- Omnibus der Linie 31 entgegenkam. L. fuhr blindlings in die rechte Stange des Scherbaumes des Omnibusses hinein, die ihm in die Brust drang und eine bis auf den Knochen reichende Wlmde verursachte. Der Schwerverletzte wurde nach der Unfallstation in der Keibelstrahe gebracht und von dort noch dem Krankenbause Friedrichshain übergeführt. Den Omnibuskutscher trfft nach übereinstimmenden Aussagen von Augenzeugen an dem schweren Unglück tremitäten wurden schrecklich sortige Uebersührung ins machte.— Der zweite Unfall in der sechste» Stunde. Der Mariendors. Der Wahlverrin hielt am S. d. M. beim Genoffen Reichardt seine regelmätzige Mitgliederversammlung ab. welche fehr stark be« sucht war. Genosse Boeske hielt einen eingehenden Vortrag über die Zusammensetzung deS Reichstages. Durch die Naren Ausführungen blieb für die Diskussion wenig übrig. DaS vorgelegte Statut de« entralwahlvcreins gelangte zur einstimmigen Annahine. AIS 'elegierte zur Kreisgeneralversammlung wurden die Genossen Lehmann I. Greulich und Hannemüller gewählt. Unter Ver- slbiedenem wurde daS Vei halten der Bauarbeiter in unserem Ort sehr verurteilt, indem dieselben die Abmachungen deS AltionS- ausschuffes mit den Gewerkschaften nicht beachten. Ferner wurde daS Verhalten des Gemeindevorstehers scharf kri- tisieri. indem er sein Versprechen, die Wahlzeit zur Gemeindewahl auch für die austerhalb Arbeilenden günsttg anzusetzen, nicht gehalten hat. ES werden deshalb die Arbeiter nochmals aufgefordert, den Arbeiterfeinden zum Trotz Mann für Mann zu erscheinen, damit die für die Arbeiter ungünstig angesetzte Wahlzeit ihren Zweck nicht erfüllt. Oberj- Schöneweide. Am Dienstag, den 13. März, 5 Uhr. findet in der Schnlaula Frischenstratze eine öffentlich« GemeinderatSsitzung statt. Die TageS- ordnung lautet: JahreSrechnung 1904. Strastenherstellung im Ostend. Antrag: Bauausführung Amts- und Gemeindebaus. Antrag: Ver- mehrung der Zahl der Gemeindevertreter. Projekt der katholischen Kirche. Etat für 1906. Spandau. Die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, den 8. März. beschäftigte sich hauptsächlich mit dem Projekt deS Haveldurchsiichs und der Anlage eines HafenS an der Unterhavel. Die Borlage lautet: 1. Zu beschliehen, dast die zur Anlage eine« Hafens an der Unterhavel in dem durch den Durchstich fteiwerdcnden Havelarm mit StätteauSlade- und Uinschlagplätzen, mit Eiienbahnanschlust und dergleichen und Ankauf von Gelände zu diesem Zweck erforderlichen Mittel von zusaminen 8112 000 M. im Wege einer Anleihe auf- gebracht werden, welche mit 8 bis 4 Prozent jährlich zu verzinsen. sowie mit den auS dem Wiederverkauf des Geländes an die Stadt gezahlten Geldern und sonst vom 1. April 1916 ab mit Prozent zu tilgen ist. 2. Den Kanfverttag mit der königl. Kommission zur Aufteilung der Domäne Dahlem in Gemästheit der Magistratsvorlage vom 4. September 1905 zu genehmigen. 3. Sich damit einverstanden zu erklären, dast zur Ausfühnma dieses BeichlnffeS eine gemischte Kommission eingesetzt wird, und einige Stadlverordnete in diese Komiliiision zu wählen. 4. Die Borlage in der Woche vom 5. bis 12. März 1906 zu beroten, weil die Frist zur Eiklärung über die Kaufafferte am 1. April 1906 abläuft und vorher im Falle der vunahn»« der Borlag« Schritte wegen Genehmigung der Anleihe und Beschaffung der Geldmittel getan werden müsten. Der Berichterstatter der Vorlage, Stadtv. Bender, stellte folgenden Antrag: .Genehmigimg deS Antrage» de» Magistrat» gemäh dem Be- schlust vom S. März d. I. Al« Mitglieder der einzusetzenden Kommission find zu wählen die Stadtverordneten Hornig, Thomas, Lüdicke, Griinow. Schröder, Hülsebeck und Bender. Die Ber- ämmliing ersucht in dem Vertrag bezw. i» dem Schreiben an die Regierung ouszuuehmc»: seitens der Stadtverordneten-Versainmlung wird die feste Erwartung ausgesprochen, dast a) die Regierung einen erhöhten Zuschnst, nämlich 600 000 M. zu leisten verspricht, b) dast der Stadt daS EnteiginingSrecht für die Hasenonlage, die Strosten und Gleisanlagen zugebilligt wird, o) dast die Borflut für die grohen fallen gelösten wird, 6) dofi die Treidel- >avel- und Spreedundstich, ferner die Insel für miu WIXITMIIWJJV»» �reiheitSwiesen flächen beim Ha Eine ausgedehnte Betriebsstörung im Sttaßenbahnverkthr machte sich gestern morgen in unangenehmer Weise geltend. In der Kraft- stotion in der Mauerstraste wird zurzeit eine Maschine demontiert und die von dieser genährten Speisepunkte sind infolgedessen an die Kraftstation in der Luisenslrabe angeschlossen. Hierbei wurde gestern morgen um 5 Uhr eine derartige Ueberlastung dieser Kraflstation herbeigeführt, dast fünf Automaten ausbrannten. Infolgedessen ent- stand eine ausgedehnte Stromstörung, von welcher ganz Moabit, Oranienburger Tor, Karlstrasie, Friedrich Karl-Ufer, Dorothcenstratze und Kastanienwäldchen betroffen wurden. Zwar konnten durch Um- schaltungen einzelne Gebiete zeilweise wieder unter Strom gesetzt werden, dennoch traten. fortgesetzt neue Störungen ein, so dast Ab- leitungen von verschiedenen Strastenbahnlinien, besonders am Pols- damer Play bis»ach 9 Uhr vorgenommen werden mustten. Ein Gerüstcinsturz» bei dem zwei Arbeiter ver- u n g l ü ck t e n. erfolgte gestern vormittag auf dem Neubau in der Alten Jakobstr. l1/l2. Im Treppenflur des Vorderhauses war ein Gerüst bis zur Höhe des zweiten Stocks errichtet. Als nun gestern die Arbeiter Paul Loga aus Wilmersdorf und Gustav Schettler au» Schöneberg auf diesem Gerüst damit beschäftigt waren. Mauer- steine auS zwei Waggons, die durch einen Fahrstuhl hinaufbcsördert waren, auszuladen, brach ti plötzlich in sich zusammen. Die Arbeiter stürzten mit den Steinmassen in die Tiefe und erlitten zahlreiche Verletzungen am Kops und an den Beinen, so dast sie nach der Unfall« stamm geschafft werden mustten. Eine polizeiliche Untersuchung der Unfallstelle ist eingeleitet. Eine LiebrStragödle. Ein Mord und Selbstmord in der Wohnung eine» höheren Beamten in Berlin W. wurde gestern früh der Polizei gemeldet. Der Diener des Beamten Wilhelm Petersen hat in letzter Nacht daS bei derselben Herrschaft dienende Hausmädchen Helene Knappe erschossen und sich dann erhängt. Zwischen beiden Personen bestand eine Zeitlang ein LiebeSverhällniS, vaS aber kürzlich von dem Mädchen gelöst wurde. Am Sonntag fuhr das Mädchen zu ihren auswärts wohnenden Eltern und kehrte nachts mit dem letzten Bahnzug, zurück. Petersen hatte auf sie gewartet und hat sie dann wahrscheinlich unter irgend einem Borwand« in da« Schlafzimmer gelockt. Dort hat er dann da» nichtsahnende Mädchen erichoffen und die Leiche auf da« Bett gelegt. Hierauf erhängte er sich an einem über dem Bette angebrachten Haken. Merkwürdigerweise hat das zweite HauSmädchen nichts von dem blutigen Borgange bemerkt. Als später der Beamte, dessen Gemahlin zurzeit in Aegypten weilt. von einem Ausgang» heimkehrt«, fand er die beiden Leute schon als Leichen vor. Sie wurden noch im Laufe de« vormittag» nach dem Dchauhaufe gebracht. Ein Unglücksfall ereignete sich gestern in der Druckerei von Kohn, Dircksenstr. 47. Dortselbst geriet der kaum 16 Jahre alte Lehrling mit der linken Hand zwischen die Walzen der Druck- maichine, wobei er sich einen Knöchelbruch wie auch erhebliche Quetschungen zuzog. Der Verunglückte mußte sofort ins Kranken- hauS geschafft werden. Wie man uuS mitteilt, wird der Bedauerns- werte seine Hand einbüßen. I» unserer Notiz über die G o r k i- B o r l e s» n a in ber Sonntags,, ummer sind einige sinnentstellende Dnicksehler stehen geblieben. So sind die Herren Moskwin und Katichalow natürlich vom„Künstle, ischen Theater" in Moskau snichl Muskauj und am Schluß bleibt nicht der„Wermut", sondern nmgekehrt: der Wunsch, daß die am Sonnabend gebotene» Genüsse auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden möchten. Wetter-Prognose für Dienstag, den 13. Mär» 1996. Kühler, verände, liih. vorwiegeud trübe mit Niederschlägen und ziemlich starken nordwestlichen Winden. Berliner w e t t erb» r ea u. CharEottenburg. freie Volksbühne. Freitag, den 16. März, abends S'/g Uhr, Im Volksl,an«e: Theater• Vorstellung. - mAhi Vorabend", Zur Ausführung gelangt: Drama in drei Akten von Leopold Kamps. _ Die Mitglieder werden daraus aufmerksam gemacht, daß der Umtausch der alten Mitgliedstarten in den bekannten Zahli, eilen des Ber» ein» erfolgt._ 289/15 Der Voratand. Ueltestes Uonz. Leihhaus Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Perlag: Vorwärts Charlottcnbnpg, Vilmersdorferstr. 40 I. Hohe Beleihung. Olskr. Sprechzimmer Gelegenheitskäufe in Brillanten, Uhren, Gold- u. Silbcrsaehen.[329L* Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& i Co.. Berlin SW, •f Bruchleidensle-S- welche durch den so lästigen Feder- druck der Fedcibruchbäilder zu leiden baden, empfehle dringend meine Ln-aS'kchen Bruchbänder ohne Gürtelfeder mit Krenzhebel auf der Pelotte. Dieselben sitzen selbst bei schwerster Arbeit bequem und halten jede» Bruch sicher zurück. Prospekt kostenlos, J. U. I.ncu», GUtitrowi.il., Baildagift. OS/lö'