Kr. 70. Bbonncmt ntS'Bfdlngunaf n: ÄbonvementZ- Preis prSnumerando: Bierteljährl.»Lv Ml, monatl. I.lv Ml, wöchentlich SS$fg. frei tn5 Hau?, (SinjClne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags, Beilage»Die Neue Well" lv Pfg. Post- Wonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Lrcisliste. Unter Kreuzband fllr Deutschland und Oesterreich. Ungarn S Mark, für das übrig« Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Selgien, Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. oitttatHaM S3. Jahrg. Verlinev Volksblstk. Zmtvalovcfim der fozialdcmokrattfd�cn Parte! Deutfchlanda. Die Inleftioni'GebQDr Beträgt für die sechsgespallene Kolonelzeile oder deren Raum 50 Pfg, für politische und gewerkschaftliche BereinS- und BersammlungS. Anzeige» 30 Psg. »Kleine Sneeigen". das erst» ssett- gedruckte) Wort 20 Psg, jedeS weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg, jedeS weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geosfiiet. Telegramm- Adresse: „SnUMnMknt Berlin". Redaktion: SM. 68, Lindctietras&e 69. fhenttpreektrrs Wmt IV. Nr. 1983. Sonnabend, den 24. März 1906. Expedition: SM. 68, Lindcnatraeöe 69. fternfpeeefier: Amt IV. Nr. 1984. Em Polizeigesetz gegen die Sozial- demokratie. Vielleicht gibt es vertrauensvolle Leute, die da gemeint vaben. das preußische Abgeordnetenhaus werde sich am Freitag mit Wahlreformarbeit befassen. Die Lektüre de, BerhandlungsberichteS dürfte ihnen eine erbarmungslose Ent- täuschung bereiten. Vicht Wahlreform war der Berhandlungs- gegenständ, sondern ein einfaches Polizeigesetz. ein Gesetz zur Verhütung sozialdemokratischer Obstruktion bei den Landtags- wählen 1908 stand auf der Tagesordnung. Ein Erfolg— wenn man es so nennen soll— der sozialdemokratischen Arbeit bei den Wahlen 1903. Die Junker wollen keine Wahlreform. Der geschästs- führende Ausschuß der Junker, die preußische Regierung, will felbswerständlich auch keine. Laut und herrisch haben sie es gestern abermals dem preußischen Volke, dem fordernden preußischen Proletariate zugerufen, mit eiserner Stirn ist er- klärt worden, daß die Grundlage des preußischen Staates das politische Helotenwm der Masse, die politische Entrechtung der Arbestenden ist und bleiben soll alle Zest, daß kein Titelchen ihrer plutokrattschen Vorrechte von den Herren Preußens gut- willig aufgegeben wird. Wir wollen nicht am preußischen Wahlrecht rütteln lassen, rief Herr v. Zedlitz, wir brauchen istuhe, aus daß nicht alle Augenblicke Wahlrechtsfrageu auf- gerollt werden können. Die Edelsten und Besten wollen in >iuhe den Zollraub und die Benefizien, die ihnen ihre Herr sehest ta» Staate gibt, verzehren. Die Proletarier sollen des- halb den Mund hallen oder ihn mit blauen Bohnen gestopft erhalten. Keine Wahlreform l war die Losung vom Ministertisch und von den Bänken der Rechten. Aber diese eine Heraus- sorderuna genügte den Herren Junkern nicht. Sie konnten ogch in dieser Stunde den grimmigen Haß gegen das Reichs iagswahllccht nicht verleugnen. Wie haben sie demonstriert. die Feinde sozialdemokratischer Demonstrationen, als Freiherr v. Zedlitz seinen abgetriebenen Gaul der Reichstagswahlhetze spornte. Demonstriert mtt Bravorufen, die kein Ende nehmen wollten i Wie wurden sie warm, die Junker, da der Polizei- ininister zum soundsoviellen Male erklärte, daß die Regierung die Einführung des Reichstagswahlrechts für Preußen mst eiserner Festigtest ablehne. Aehnliche Beifallssalven gab es nur. wenn die Sozialdemokratie angegriffen wurde, Este und das Reichstagswahlrecht sind das, was die Junker auf Erden am grimmigsten hassen. Wögen sie! Sie wissen was sie wollen, und sie wissen auch, warum sie es wollen. Das Proletariat Preußens mag sich ein Beispiel an ihnen nehmen. Brutaler als es in der FreUagssitzung des Abgeordnetenhauses geschah, können ihm die Junker kaum sagen, daß das Recht im preußischen Junker� staate die Macht ist, können sie es nicht lehren, daß eine Klasse, die etwas durchsetzen will im Staate. Macht besitzen mutz. Wahlrechtskampf! muß die Antwort der preußischen Arbeiter sein. In knapp 4 Stunden war die erste Lesung deS Gesetzentwurfes erledigt. Kühl, leidenschaftslos wie etwa eine neue Körordnung. Man lese die Beratung deS österreichischen Abgeordnetenhauses über die österreichische Wahlreform. Die Verhandlungen eines Parlaments, das sicher nicht den Ruf einer geistig erleuchteten, einer kulturell besonders hoch- stehenden gesetzgebenden Körperschaft genießt, das häufig der Schauplatz unsagbar roher und alberner Rüpeleien gewesen ist. Eins wird man diesen Beratungen nicht abstteiten können: es steckt Temperament darin. Es ist wirklich ein Kampf von rade ein GeisteLkampf. In der bt es solche polizeiwidrigen Meinungen, wenn auch nicht preußischen Landesduma Dinge bei Erörterung der Wahlreformvorlage nicht. Die herrschende Partei der Junker simuliert eine frosttge Gleichgülttgteit, deren Unechtheit sich freilich verrät, wenn ein Hinweis auf die Sozialdemokratte ihre wahren Gefühle des Hasses auslöst, die aber in sich wieder eine besondere Herausforderung des Proletariats dar- stellt. Für Zentrum und Nationalliberale ist die Wahlreform mehr Verlegenheit denn Herzenssache, und die Freisinnigen bringen im Gefühl ihrer Ohnmacht und Angst vor der Sozial- demokratte energische Töne nur noch in unechter Bildung heraus. Bei solchen Akteuren kommt eS nicht zum Kämpfen, nur zum Reden ™et natürlich nicht bemüht. Herr Bethmann-Hollweg hielt die Taufrede. Er sprach als korretter Bureaukrat modernen Sttls. Der Akten- mensch mtt den Formen des Weltmannes, einige Blüten der neuesten Feuilletonweisheit im Knopfloch. Nüchtern und trocken, nonchalant bald die eine, bald die andere Hand in der Hosentasche, teilte der Herr Polizeiminister mtt, daß die Regierung keine Wahlreform will, daß sie selbst die zahmen Flickereien am Dreiklassenwahlrccht, die Zentrum und National- liberale in früheren Sessionen vorschlugen, nicht will, ja daß on eine wesentliche Aenderung der beiden Entwürfe sie der Ministerpräsident hatte sich bei so unwichttaer Gelegenheit nicht bemüht. Herr Bethmann-Hollweg hielt die Taufrede. egierung unannehmbar machen würde Auf die Einzelheiten der Vorlage ging er nicht ein, was bei ihrer Geringfügigkeit verständlich ist. Er begnügte sich zu erklären, daß die Aende- rungen notwendig seien, um sozialdemokratischer Obstruktion, die Beteiligung der Volksmassen an der Wahl überhaupt nicht vertragen. Daß sie nur als Wahlrecht kleiner Cliquen lebens- sähig sind. Dann folgte eine Krittk jener Flickvorschläge des Zentrums und der Nattonalliberalen, deren Quintessenz war, daß sie die Kuriosa, die jene Parteien heute am Dreiklassen- Wahlrecht tadeln, nicht beseitigen können; das Eingeständnis, daß dies Wahlrecht überhaupt nicht zu reformieren ist, daß dies Wahlrecht in jeder Aufmachung den Unsinn produziert! Zum Schluß gab Herr Bethman-Hollweg einen gesalbten Bülow. DieZuhörer bekamen ein Stück verwässerter Treitschkescher Geschichtsphilosophie zu hören, mit dem Pathos des besorgten Familienvaters vorgetragen. Sonderbar malt sich in preußischen Bureaukratenköpfen die Welt l Unsere Zeit, so sagt der preußische Polizeiminister, wird einst in der Geschichte gefeiert werden als das glänzende Zeitalter des edlen Strebens, den Schwachen zu helfen. In demselben Atenizuge donnert er gegen den angeblichen Mißbrauch sozialpolitischer Jnstituttonen zu parteipolitischen Zwecken und verteidigt er die Polittk, die die Vertreter der nicht Besitzenden aus dem Parlamente Preußens fernhalten will. Nivellierung alles Großen und Erhabenen nennt er das Ziel der sozialdemo- krattschen Polittk und sieht nicht, wie der Kapitalismus mit nivellierender Walze über die Lande fährt, alles eigen- ständige Wachstum erstickend, alles Aufstreben aus der Tiefe niederhaltend, alle Kräfte der Tiefe ersückend. Die ganze Wissenschaft, oder besser gesagt, ihre Etiketten schleppt er an. um die„nivellierenden Kräfte" ins Unrecht zu setzen. Selbst die Naturphilosophie wird von ihm mißbraucht und mutz ihm dienen, alles, um dann mit väterlicher Miene und fromm ge- falteten Händen den Herren von der Linken sagen zu können, ob eS denn wohl Schwärmerei sei zu glauben, daß die Kräfte. die für unsere Nation besümmt sind, nicht die Höhen ab tragen wollen, sondern zu Höhen streben. In Deutsch übersetzt ist das nichts weiter nüchternes als die h- Li s err Polizeiminister würzte feine Rede mit allerlei kräftigen Wörtlein gegen die deutsche Sozialdemokratte, die die ewigen Gesetze der Treue und Liebe zerstöre usw., wobei ihm auch die hyperbolische Sttlblüte unterlief, die Umsturzpartei wolle alles Menschliche vernichten. Das Dreiklassenhaus merkte den Unsinn nicht und lachte nicht, aber es toste Beifall. Mit der tröstlichen aber etwas nebelhasten Versicherung, das Wahlrecht der Zukunft werde sich aufbauen auf die zur Höhe strebenden Kräfte deS Volkslebens, schloß der Minister unter dem leb lasten Applaus der Junker, in das sich schwaches Zischen der inken mischte. Der ganze Jammer der preußischen Zustände offenbart sich in dem Widerhall, den diese Rede in der Opposition fand. Einer von denen trat auf, die Eugen Richter am Grabe Ge- folgschast geschworen haben. Herr Fischbeck. Er redete ohne gehört zu werden, denn die Rechte konversierte ungeniert. Er redete seinen Stiefel herunter, ohne auch nur einen Funken von innerer Empörung, von leidenschaftlichem Grimm ver spüren zu lassen. Hat man Herrn Fischbeck gehört, so glaubt man nicht mehr an eine freisinnige Wahlrechtsbewegung. Bezeichnend ist, daß ein großer Teil der Rede dem Bestreben galt. den Freisinn volksparteilicher Couleur als durchaus sozialistenrein und ordnungsfromm nach zuweisen. Zu diesen: Zwecke wurde nicht einmal eine scharfe Absage an die Freisinnige Vereinigung verschmäht, die angeblich die sozialdemokrattsche Schwiegermutter mit in die freisinnige Ehe bringen will. Ein Witz, den die Junker wohl- wollend belachten, wie denn überhaupt dieser Teil der Fisch- beckschen Rede von der Rechten applaudiert wurde. Ohne ein Wort gefunden zu haben, daS über den Wortschatz deS Werkeltages hinausgeht, ein Wort, das dem außerordentlichen Moment gerecht geworden wäre, endete Herr Fischbeck. Herr Inner von den Konservativen ist ein besserer Redner. Man hört auS ihm das Selbstgefühl des preußischen Junkers sprechen, der weiß, daß dieser Staat sein ist und der entschlossen ist, diese Herrschast zu behaupten. Mit Sentimentalitäten gibt er sich nicht ab. das hat er nicht nötig. Scharf und klar setzt er seine Worte, er braucht ja nicht den modernen, den„wahren Fortschrittsmann" zu mimen. wie die Herren von der Regierung. Ganz ohne Teufelei und Heuchelei geht'S freilich auch nicht ab. Die Staatsräson wird plötzlich aus himmlischen Höhen herabgeholt, um die nackte Machtpolittk der Junker zu decken. Ihren besten Redner und besten Mann hatten die Nattonal- liberalen vorgeschickt. Herr Krause- Königsberg darf noch ein Liberaler genannt werden. Bei den bescheidenen Ansprüchen. die wir in Deutschland in dieser Hinsicht zu stellen gewöhnt sind. Er fand von allen Rednern das bezeichnende Wort für die Vorlage, er nannte sie ein Flickwerk allergeringsten Grades. Er brachte eS sogar fertig, allerdings sehr hypothetisch, von einer Volksbewegung zu sprechen, die das Dreiklassenwahlrecht einmal hinwegfegen könne. Aber das ReichStagswahlrecht will er natürlich nicht— er fordert ein Pluralwahlrecht. Die Stellung seiner Partei zu den beiden Vorlagen ließ er noch unbesümmt. Aber Freiherr von Zedlitz schloß aus seinen Worten ganz richttg, daß die Nationalliberalen nach einigem Zieren zustimmen werden. Dieser Redner sprach nicht zu den Entwürfen, sondern vom„Wahlrecht der Zukunft." Daß eine Wahlreform kommen muß. erkennt er an. aber sie muß auch und vor allem im Reich kommen. Das ReichStagswahlrecht muß abgewürgt werden, das war der Tenor seiner Rede. Herr Brömel von der Freisinnigen Vereinigung trug dann zum Teil gut pointterte Worte vor, ohne größeren Eindruck zu machen. Es ist eben nicht zu verhindern, daß der Hörer sich fragt: WaS steht hinter dem Manne. Und dann führte das Zentrum eines seiner diplomatischen Kunststückchen auf. Es sandte keinen Redner, sondern ließ eine knapp acht Zeilen lange Erklärung vorlesen, eine platonische Liebeserklärung für ein unbestimmtes„besseres" Wahlrecht, für das das Zentrum keinen Finger rühren wird. Die katholischen Arbeiter, die noch dem Zenttum folgen, sind wieder emmal schmählich verraten worden. Der Renommierarbeiter der Ultramontanen, Herr Brust, tat in dieser speziell für die Arbeiter höchst wichttgen Angelegenheit den Mund nicht auf. oder durfte ihn nicht auftun. Wie. übrigens auch der Arbeitervertreter deS Freisinns, Herr Gold- schmidt, stumm blieb. Den Schluß machten der Pole v. Dziembowski und Herr Oeser. Beide hatten in ihrer Art Temperament. Der Pole sagte der Rechten und der Regierung gepfefferte Wahrheiten. Herr Oeser, der einzige Demokrat des Hauses sprach sehr abgemessen, doch merkte man ihm an, daß er mit dem Herzen bei der Sache war. Er war der einzige, der darauf hinwies, daß die Wahlrechtsvorlage nicht nur die preußische Duma, sondern auch das preußische Volk angehe. Der einzige, der die große Bewegung im Volke gegen das Drei- klassenwahlrecht erwähnte. Damit war der Eifer des Hauses erschöpft. Die Vorlagen wurden einer Kommission überwiesen und der„große Tag" war gewesen. Er hat dem preußischen Proletariat keine Enttäuschung ebracht; denn eS kennt seine Junker und seine Bourgeois. er ein Ansporn zu neuer eifriger Arbeit soll ihm die nicht achtende Behandlung der Wahlrechtsfrage durch die Erkoreneu deS DreiklaffenunrechtS sein! Die Revolution in Rußland. Opfer. Nach den Angaben der Zeitung„Shisn i Swoboda" de- lief sich die Zahl der Opfer der russischen Freiheitsbewegung im Laufe des vergangenen Jahres— vom 1. Januar l90o r 1906— auf 14130 Ermordete und 19 524 Verwundete. Diese Zahlen sind nur annähernd richtig, da die Aufzählung auf Grund offizieller und offiziöser Mitteilungen gemacht worden ist und. wie bekannt ist. wird dort die Zahl der Opfer entweder vertuscht oder absichtlich niedriger angegeben. Wie die Zeitschrift„Byloje" mitteilt, beträgt die Zahl der Hinrichtungen während des Monats Januar d. I. allein 397. In den Ostfeeprovinzen wurden insgesamt im Laufe der drei verfloffenen Monate(Dezember bis Februar) ungefähr 1000 Mann getötet. Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache. WaS soll man noch hinzufügen? Glückliche Flucht. Nach der Wilnaer..Volkszeitung" sind am 20. d. Mts. auS dem Hospital des Strafbataillons zu BobruiSk sieben Soldaten, die alle vom Kriegsgericht für politische Verbrechen zum Tode verurteilt waren, glücklich entkommen. •• • 16000 Arbeiter in Lodz entlassen. Dem ,W. T. B." wird„von einem besonderen Korrespondenten" gemeldet: Lodz. 23. März. Infolge andauernder Ausstände und wegen der Richterfüllbarkeit der Forderungen der Arbeiter haben die Ber- waltungen der größten Fabrik-Aktiengesellschasten der Stadt. Scheibler und PoznanSkh ihre sämtlichen Arbeiter, tm ganzen 16000, entlassen. Die Fabriken find geschlossen. Der„besondere Korrespondent" ist ficher in«rbeitgeverkreisen zu suchen. Die Arbeitslosigkeit wird die herrschend« revolutionäre Stimmung nur verschärfen. politifcde ClebeiTicKt. Berlin, den 23. März. Kolouiakkoller im Reichstage. Der Etat über das südwestafrikanische Kolonialgebiet et hob die Debatte noch einmal zu einer grundsätzlichen Erörterung der offiziellen Kolonialpolitik. Hatte der Abgeordnete rzberger, wie eS für einen Zentrumsabgeordneten sich ziemt, sehr vorsichtig Fehler dieser Kolonialpolitik kritisiert, so redete demgegenüber Genosse Bebel eine offene Sprache und kritisierte scharf die kulturwidriae Wirtschaftsweise der offiziellen Kolonisationen, sowie die Haltung der Kolonial- beamten gegenüber den Eingeborenen. Den Kolonialkoller gewisser Rcichstagskreise geißelte er mit beißender Satire. Für die Kolonisieruna im Mutterlande haben diese Kreise nichts übrig, aber wenn von unseren überseeischen Kolonien die Rede ist. erfaßt sie der Koller; dann— koste eS. was es wolle— bewilligen sie alles, was für diese Kolonien gefordert wird und lassen die Folgen der kulturwidrigen Wirtschaft das deutsche Mutterland büßen, das ungezählte Millionen dafür blechen muß. Bebel hat recht: Wenn die Hälfte der Kolonialkosten der letzten Jähre zur Kultivierung von Oedländereien in Deutschland benützt worden wäre, würde das Reich große Vorteile daraus ziehen und eine innere Kräftigung erzielen. Gegen solche Argumente fallen die Schwärmereien eines Arendt' und Lattmann glatt ab. Nebenbei besprach auch Bebel die Beziehungen zwischen der Kolonialverwaltung und der Firma Tippelskirch, die im„Vorwärts" mehrfach besprochen worden sind. Bebel hielt es für die moralische Integrität hoher Rcgierungs- deamten, wie des preußischen Landwirtschaftsministers v. Podbielski nötig, daß sie eine Entscheidung treffen, die sie als Beanite von Geschäften loslöst, die ihre Firmen mit dem Staate resp. dem Reiche abschließen oder daß sie ihren Regierungsposten quittieren. Ueberdies sei es eine Ehrenpflicht der Firma Tippelskirch, falls der Vertrag zwischen ihr und der Kolonialverwaltung Kautelen enthält, die der Regierung die Lösung des Vertrages erschweren, daß sie selbst den Vertrag durch Verzicht auf diese Bindung auf- gebe. Indessen, das wird wohl die Firma Tippelskirch aus Gründen des Profits unterlassen. Obgleich Prinz Hohenlohe den Teilhaber der Firma Tippelskirch, den Minister v. Podbielski, durch den Hinweis, daß dieser als Minister den Geschäften des Reichs mit jener Firma ferustche, in Schutz nahm, bleibt doch die Teilhaber- schaft aller Firmcnangehörigen an diesem Geschäfte als eine Tatsache bestehen. Montag: Fortsetzung der heutigen Tagesordnung.— Kreuzer„Scharnhorst. Der neueste große Kreuzer, der gestern auf der Werft von Blohm u. Voß vom Stapel gelassen wurde, ist auf den Namen „Scharnhorst" getauft worden. Der Taufakt wurde vom Feld. Marschall Grafen Häseler vollzogen. In seiner Taufrede feierte Gras Häseler Scharnhorst als einen jener Männer, die zur Zeit der tiefsten Erniedrigung Preußens vor hundert Jahren das Vertrauen auf die Zukunft der Nation nicht verloren, sondern den Grund gelegt hätten für die Befreiung des Vaterlandes vom Joche der Unter- driickcr. Zwar habe Scharnhorst die neugeschaffene Armee um den Sieg ringen sehen, aber eS sei ihm nicht vergönnt gewesen,„die Früchte seiner langjährigen Arbeit zu schauen". Es ist ein seltsamer Akt höfischer Pietät, dergestalt Scharnhorst gewissermaßen zum Schutzpatron unserer Flottenpolitik zu machen. einer dynastischen Wcltpolitik, deren abgesagter Gegner gerade Scharnhorst gewesen ist. Und wenn Graf Häseler davon sprach, daß Scharnhorst die Früchte seines Schaffms nicht habe erleben können, so muß vom Standpunkte der geschichtlichen Wahrheit bemerkt werden, daß Scharnhorst auch bei einem längeren Leben die trübselige Erfahrung hätte machen müssen, daß trotz der Niederwerfmg Napoleons den Früchten seines Schaffens keine Reife vergönnt gewesen sei. War doch Scharnhorst, der Bauernsohn, seiner ganzen Auffassung nach der schärfste Gegner jenes absolutistischen und junkerlichen Regiments, das sich gerade nach den sogenannten Freiheitskriegen in Deutschland so unverschämt breit machte und— heute noch breit macht! Bekanntlich war es Scharnhorst, der den noch heute so viel verlästerten Gedanken der Volksmiliz bereits vor dem Jahre 1806 vertrat. Schon vor den zerschmetternden preußischen Nieder- lagen hatte er eine Denkschrift eingereicht, durch die eine Volks- bewaffimng nach dem Muster der französischen Volksbewaffnung vom Jahre 1793 gefordert wurde. Aber diese Vorschläge wurden von den preußischen Gamaschenknöpfen in den Wind geschlagen. Als dann der junkerliche Hochmut seinen großen Kladderadatsch er- lebt hatte, fanden Scharnhorsts Pläne mehr Beachtung. Zwar fanden die Absichten Scharnhorsts und Gncisenaus keineswegs volle Berücksichtigung, aber es wurden immerhin einschneidende militärische Reformen durchgeführt: Das Offiziersmonopol des Adels wurde beseitigt, die allgemeine Wehrpflicht in gewissen Grenzen ein- gesührt, der Fahneneid nicht dem„Kriegsherrn", sondern„König und Vaterland" geleistet, das Spießrutenlaufen und die Prügel- strafe abgeschafft. Die großen Reorganisatoren Scharnhorst und Gneisenau hatten allerdings viel weiter gehen wollen. Sie hatten gefordert, daß die Soldaten das Recht erhielten, die Unter. offiziere und Offiziere selbst zu wählen; ferner sollte jeder Bauer, der den Krieg bis zu Ende mitgemacht habe, von allen Frondiensten befreit sein. Tagegen sollte der Adel abgeschafft werden, mit Ausnahme derjenigen Personen, die sich im Kriege besondere Verdienste um das Vaterland erworben hätten. Diese durchgreifenden demokratischen Reformen scheiterten ebensowohl an dem Widerstand der Junker, wie die wirtschaftliche Reformgesetzgebung des Freiherrn von Stein. Ganz im Geiste der Scharnhorst, Gneisenau und Stein stellte auch Ernst Moritz Arndt in seinem„Soldatenkatechismus" Grundsätze auf, die man heute, hundert Jahre später, als Hochverrat be- trachtet. Arndt verkündigte nämlich die Auffassung, daß die Soldaten das Recht hätten, einem Fürsten den Ge- horsam zu verweigern, wenn er sie dazu mißbrauchen wolle,„das Glück und die Freiheit ihrer Mitbürger zu zerstören". wenn er sie den Feinden des Vaterlandes zu Hülfe schickte und die eigenen Landsleute bekämpfen ließe. Seinen Begriff der Soldaten» ehre faßte er in die Worte zusammen:„D u b i st e i n Mensch, und Du soll st den Menschen nicht ausziehen, wenn Du die Montur anziehst." Für solche Ideale kämpfte damals ein Scharnhorst! Diese Ideale aber erfüllten sich nicht. Die Fürsten brachen schmählich die dem Volke gegebenen Versprechungen. Und wie liegen die Dinge heute? Wie vor Jena erblicken wir im Offizierkorps die über- bebendste Nenommistevei; das Offiziersmonopol des Adels und des Gcldsackes steht ungebrochen. Statt eines Voltes in Waffen haben wir eine Prätorianerarmee. die noch vor wenigen Wochen gegen das Volk aufgerufen wurde. Die Soldatenschindereicn sind noch an der Tagesordnung, die Masse des Volkes ist noch zu derselben Helotenrolle verdammt wie vor hundert Jahren! Und wie die Marokko-Affäre lehrt, stürzt man sich mit Umgehung des Volkes, ja gegen dessen Willen in dynastische und Welt- politische Abenteuer. Es war deshalb äußerst unvorsichtig, ■den Geist eines Scharnhorst zu beschwören. Gerade Scharnhorsts Bestrebungen zeigen, welch verrottete Zustände sich bei uns in Prcußen-Deutschland konserviert haben!— Eine Verständigung in Algeeiras? Die offiziöse„A g e n c e H a v a S" verbreitet folgenden Situationsbericht aus Algcciras, den das deutsche offiziöse Blatt ohne Kommentar wiedergibt: „Hier herrscht jetzt lebhaftes Treiben. Eine Versammlung von mehreren der am ineisten interessierten Delegierten hat bei dem englischen Delegierten Nicolson stattgefunden. Die österreichisch- ungarischen Delegierten sind sehr geschäftig und bemühen sich, ihre neuen Vorschläge mit der allgemeinen Meinung in Einklang zu bringen. Wenn man den hier allgemein herrschenden Eindruck nimmt, würde die Verständigung auf folgender Grundlage zustande kommen: Frankreich würde als Ablösung für sein Vorzugs- recht drei Bankanteile, mit.scincm Anteil also vier Anteile erhalten; dafür würde Frankreich aber Deutschland gleichfalls in der Bank- frage ein Zugeständnis machen. Doch würde ein solches Zugeständnis nicht in einem weiteren Bankantcile bestehen.— Cajablanca würde ebenso wie die übrigen Häfen der französisch-spanischcn Polizei über- lassen werden. Die Stellung und die Befugnisse des Inspekteurs sollen scharf hervorgehoben werden. Gegen die gemischte französisch- spanische Polizei in jedem Hafen, die von einer auf der Konferenz vertretenen Macht vorgeschlagen worden ist, kann ein stichhaltiger Einwand nicht erhoben werden, ausgenommen gegen ihren vom Standpunkte der Frage, ob eine solche Polizei wirksam sein wird oder nicht, wenig praktischen Charakter. Wenn die Konferenz auf der gemischten Polizei besteht, sc ist es möglich, daß man sich dahin einigen wird, in Tanger eine gemischte Polizei zu organisieren und die übrigen Häfen unter die Franzosen und Spanier zu verteilen. — In dem vorstehend Gesagten ist weder etwas Offizielles noch etwas Gewisses; es sind einfache Annahmen, die aber die meiste Wahrscheinlichkeit für sich haben. Man befindet sich bezüglich der Herbeiführung einer Lösung im kritischen Moment, und man kann nur angeben, in welcher Ricküung die Lösung anscheinend gefunden werden wird." Eine weitere Meldung besagt: Algeciras, 22. März. Die Ansicht mancher Optimisten, daß eine Einigung schon erzielt sei, trifft n i ch t zu. Es wird noch einiger Zeitbedürfen, um sie zu erzielen. Das öfter- reichische Projekt wird entweder Freitagnachmittag oder Sonnabendvormittag der Komiteesitzung der Konferenz unterbreitet werden. Der gegenwärtige Eindruck ist der, daß der Entwurf in der Gestalt eines Amendements vorgelegt werden wird, das als Grundlag« für die Erörterungen dienen und eine für die Lösung günstige Grundlage bilden wird. #* Deutfch«» Reich. Protest gegen die preußische Bolksschulvorlagk. Reichlich spät haben sich endlich mehrere bekannte Professoren deutscher Universitäten zu einem Protest gegen die weitere Ver- pfaffung der preußischen Volksschule zusammengesunden. Unter- zeichnet ist der Einspruch, der zunächst weiteren Professoren der Universitäten und technischen Hochschulen sowie anderen hervor- ragenden Gelehrten und Künstlern zur Unterschrift vorgelegt werden soll, bevor er dem Abgeordnetenhause übermittelt wird, unter anderen von folgenden Herren: Ludwig v. Bar-Göttingen, Julius Baumann-Göttingen, Karl Binding-Leipzig, W. Borchers-Aachen, Lujo Brentano-München, Felix Dahn-Breslau, Rudolf Eucken-Jena, Wilh. Foerster-Berlin, Albert Hänel-Kiel, Otto Harnack-Stuttgart, Paul Henscl-Erlangcn, Jgnaz Jastrow-Bcrlin, Georg Jcllinck- Heidelberg, Eduard Kohlrausch-Königsberg, Karl Lamprecht-Leipzig, Theodor LippZ-München, Franz v. Liszt-Bcrlin, Paul Natorp- Marburg, Theod. Nöldeke-Straßburg, Karl Pelman-Bonn, Walther Schücking-Marburg, Werner Sombavt-Breslau, Franz Tuczek-Mar- bürg, Max Weber-Heidelberg, Heinr. Wölfflin-Berlin, Wilh. Wundt- Leipzig und Theobald Ziegler-Straßburg. In dem Protest heißt es: „Der Grundsatz, von dem die Borlage ausgeht, daß die Kinder in den öffentlichen Volksschulen in allen Unterrichtsfächern nur von Lehrern ihres Bekenntnisses unterrichtet werden sollten, ist nicht nur praktisch in Orten mit konfessionell gemischter Bevölkerung gar nicht durchführbar, wie die schroffen Widcrsprliche gegen dies Prinzip in der Vorlage selbst beweisen, sondern er i st als Prinzip zu verwerfen. Im Unterricht jedes Fachs sollte das Recht der Sache allein wallen, jeder Einfluß partikular- religiöser' Tendenzen grundsätzlich ferngehalten werden. Was naturwissenschaftliche, was geschichtliche Wahrheit, was von den Schätzen der deutsch«; Literatur für die Bildung des Volkes wertvoll sei, ist gemäß den eigenen Gesetzen des Gegenstandes nach pädago- gischcn Rücksichten zu entscheiden; es ist gerade gegenüber der trennenden Tendenz des religiösen Sonderbekenntnisseö die Ein- heit der humanen und nationalen Bildung in diesem allen um so bestimmter zu wahren. Der partitur-r'cligiösen Verfärbung des gesamten Unterrichts wird aber offenbar Borschub geian, wenn gesetzlich bestimmt wird, daß der gesamte Unterricht nach Konfessionen getrennt erteilt werden muß. Nicht nur die katholische, sondern grundsätzlich ebenso die evangelische Orthodoxie beansprucht tatsächlich einen entscheidenden Einfluß der Konsession auf den gesamten Unterricht der Volksschule, und sie weiß diesem Anspruch, besonders durch die geistliche Schulaufsicht, an welcher der Entwurf festhält, schon jetzt überall da Geltung zu vcrschasscn, wo die Schule, wenngleich ohne gesetzliche Grundlage, doch tatsächlich den konfessionellen Charakter trägt, den die Vorlage allen Volks- schulen mit verschwindenden Ausnahmen zwangsweise aufprägen möchte. Dabei werden, durch eine dem ganzen Prinzip der bis- herigen preußischen Schulgesetzgebung widersprechende Auslegung der Begriffe konfessioneller und gemeinsamer Schulen, alle Volksschulen, die nicht durch besondere Vereinbarung simultan sind, für konfessionell erklärt, ohne Rücksicht auf die tatsächliche konfessionelle Mischung der Schulkinder"— Freisinnsangste. Die„Freie Deutsche Presse" behandelt heute in einem Artikel die Frage der sich durch die Mandarsvermehrung ergebenden Neueinteilung der Berliner Landtagswahlkrcise. Sie kommt dabei zu dem furchtbaren Ergebnis, daß es vielleicht dev Sozialdemokratie gelingen könne, etliche Mandate zu erobern: „Hierdurch gewinnt die Vorlage aber auch eine besondere parteipolitische Bedeutung. Denn da die wider- sinnige Dritteilung nach UrWahlbezirken in der Wahlrechtsvorlage nicht aufgehoben wird, so gelangen an der Peripherie Berlins Sozialdemokraten leicht auch in der zweiten, zum Teil in der ersten Abteilung zur Mehrheit. Und wenn im Jahre 1903 der 3. Wahlkreis(rechts Spreeuser, untere Stadt), trotzdem er außer Moabit, Wedding einen bedeutenden Teil der Jnnenbe�irke umschließt, neben 1399 freisinnigen Wahlmännern 1199 sozialdemokratische wählen konnte, so ist es u n z w e i f e l- Haft, daß nach Durchführung der Neueinteilung solche Wahl- bezirke wie der elfte, der nur den Gesundbrunnen und einen Teil des Wcdding, und der zwölfte, der den anderen Teil des Wcdding und Moabit umfaßt, für die Sozialdemokratie ein günstiges Arbeitsfeld abgeben werden. Die Frei- sinnige Volkspartei wird daher in diesen Wahlbezirken der Sozial- demokratie gegenüber einen schweren Stand haben und alle Kräfte anspannen müssen, um die Reichshaupt- stadt dem fortgeschrittenen Liberalismus zu erhalten, zumal da auch andere Parteien Lust haben, ihr bei dieser Gelegenheit in den Rücken zu fallen." Es scheint den Erben Richters ein geradezu entsetz- licher Gedanke zu sein, daß es trotz der schmählichen Drei- klasscnwahl durch die Gunst besonderer Umstände auch der st ä r k st c n Partei Preußens gelingen könnte, ein oder zwei Mandate zu er- obern! So sieht der Freisinn aus, der behauptet, daß er als Arveiter- klasse das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht auch für Preußen erkämpfen wolle!— Ein neues Hundertmillionen. Projekt. Die„Deutsche Tagesztg." macht Stimmung für eine Ver- längerung des Nordostseekaiials über Elbe, Weser und Jade hinaus bis zur Ems. Zwar sei ein solches, von dem Abg. S e m l e r ausgehecktes flottenstrategisches Projekt in der Flotten- kommission auch von dem Staatssekretär des RcichS- m ari n e amts a b g el eh nt worden, allein man könne„Iveder wünschen noch glauben, daß damit die Sache abgetan sei". Bekanntlich wird uns die Umgestaltung deS NordostseckanalS, um denselben für die 18 909 Tonnen-Schifte fahrbar zu machen. schon manche Million kosten. Dazu soll nun gar noch eine Ver» längerung dieses Kanals bis zur Ems kommen, die Hunderte von Millionen kosten würde. Für den Handel wäre ein solcher Kanal von gar keiner Bedeutimg, er diente ausschließlich m a r i n i st i s ch e n Zwecken! Man sieht, wie den Flottenphantasten init dem Essen der Appetit kommt I— Ministerwechscl in Württemberg. Stuttgart, 21. März.(Eig. Ber.)' Die Veränderungen im württembergischen Ministerium, welche zlvar noch nicht vollzogen sind, aber als sicher bevorstehend gelten können, werden vermutlich eine Umgestaltung in der Verwaltungs- organisation des Landes zur Folge haben. Ter ausscheidende Kriegsminister v. Schnürten soll durch den Generalleutnant v. M a r ch t h a l e r ersetzt werden, der eine Reihe von Jahren im Berliner Militärkabinett war und„in Berlin wohlgclitten" sein soll. Wenn die Ernennung des letzteren dem Landtag mitgeteilt wird, ergibt sich vielleicht Gelegenheit zur Erörterung der Frage, ob das militärische Verhältnis, das zwischen Preußen und Württem- berg besteht, es wirklich nötig erscheinen läßt, den. Luxus eines eigenen württembergischen Kricgsministeriums zu frönen. Daß es eine tatsächliche Bedeutung hat und der württembcrgischcn Volks- Vertretung einen wesentlichen Einfluß aus die Verhältnisse im Lai'.dcStruppcnteil ermöglicht, wird niemand behaupten wollen. Ferner wird Herr v. Soden, der frühere Gouverneur von Kamerun, ausscheiden, der zugleich Minister der auswärtigen An- gekgenheiten und des Verkehrslvesens geivesen ist. Das erstere Ressort verliert bei den einzelnen Bundesstaaten naturgemäß immec mehr an Bedeutung und dürfte vielleicht einem anderen Ministexium zur Erledigung mit übertragen werden, zumal das Verkehrswesen in volkswirtschaftlicher wie landespolitischer Beziehung durch den weiteren Ausbau der Post- und Eisenbahnbetriebe von Jahr zu Jahr an Bedeutung wächst und daher eine selbständige Ver- waltungsorganisation beansprucht.— Existiert doch ein„Tncker"-Bricf? Wir lesen in einem Berliner Blatts: In den letzten RcichstagS-Berhaudliingen kam auch er- nent der Fall Peters und die Angelegenheit des Tncker- scheu Briefes zur Sprache. Dieser Brief hat,>vie die„K ö l- nische Zeitung" mitteilt, bei der ganzen ttntcrsnchiing keine Rolle gespielt, da seine Echtheit bald angezweifelt wurde. Weit wichtiger ist, daß ein Brief von Peters an den Bischof Wood Wood von Manila in dem Akten- Material vorhanden i st. der mit den: Inhalt des gc- fälschten Tuckerschen Briefes große Aehnlichkeit hat. Es hau- delt sich also bei der ganzen Briefsache um eine Ramensver- wechselung. Daß, wie der Erbprinz Hohenlohe mitteilte, seinerzeit gegen Peters nicht strafrechtlich eingeschritten wurde, hatte lediglich darin seinen Grund, daß damals das deutsche Strafgesetzbuch am Schauplatz der P e t e r s- scheu Taten keine Geltung hatte. Genossin Luxemburg vor einem Kriegsgericht? In der„Nuß", der„Molva" und in deutschen bürgerlichen Blättern wird mitgeteilt, unsere Genossin Rosa Luxemburg werde. vor ein Kriegsgericht in Warschau gestellt. Unsere Informationen gehen dahin, daß diese Nachricht unzutreffend sein muß. Der Gc» nossi» Luxemburg ist bis jetzt»och nicht mitgeteilt, wessen sie eigentlich beschuldigt wird. Auch nach russischem Recht fallen ihr keinerlei strafbare Handkungen zur Last. Ein selbst für russische Verhältnisse ungehcnerliches Justizverbrechen wäre die Ueberweisung der deutschen Staatsbürgerin an ein Kriegsgericht. Diese Ueberweisung würde klar beweisen, daß der Genossin nichts Strafbares zur Last gelegt werden kann. Die Nachricht, daß unsere Genossin vor ein Kriegsgericht gestellt werde, scheint übrigens zuerst in deutschen Blättern vom Schlage der„Post" gebracht zu sein. Es gewinnt immer mehr den Anschein, daß die infamen Hintermänner der„Post" die Nachricht ausgestreut haben, weil ihnen bekannt ist, daß in Rußland sich kein Gericht finden würde, das unsere Genossin verurteilen könnte. ES dürfte die Annahme be- rechtigt sein, daß gegen unsere treffliche Genossin von deutscher Seite der Versuch eines Strafverfahrens angeregt ist.— Mcirzstürme im badischen Landtag. Zu den Vorgängen im badischen Landtag, über die wir schon kurz nach dem„Wolsfschcn Bureau" berichtet, wird uns noch ge» schrieben: „Die Beratung über das Budget des Ministeriums des Innern. des politischen Ministeriums, war fast zu Endch mau war schon mitten in der Spczialdcbatte, die sonst nur eine Serie Lokal- wünsche und kleine Beschwerden zutage fördert, als ganz uner- wartet die Verhandlungen einen hochpolitischen Eharak- t c r bekamen. Am Sonnabend, den 17. März, standen die„Bezirksämter" (Polizeiverwaltung) zur Debatte, und diese Gelegenheit bcnützte Genosse Dr. F r a n k, um eine neue Polizeiwillkür des Mannheimer Polizeidirektors Schäfer festzunageln. Dieser Schäfer, der schon seit Jahren die Mannheimer Bevölkerung durch allerhand Polizei- schikancn gegen sich empört hat, der alle Augenblicke den Arbeiter- organisationcn hindernd in den Weg tritt, der am„roten Sonn- tag" ganz nach preußischem Muster wirtschaftete, der hatte auch versucht, unsere Märzfcicr in seine Polizcischablone zu pressen, indem er— noch bevor ein festes Programm für die Ehrung der in Mannheim begrabenen Standrechtsopfer aufgestellt war— Gesang und Reden an den Gräbern verbot und den geschlossenen Aufzug der Arbeiter untersagte. Dieses Vorgehen in dem Augen- blick, wo eben im Landtag von verschiedenen Seiten schärfste Kritik an dem„System Schäfer" geübt worden wach wurde von sozialdemokratischer Seite heftig verurteilt und angekündigt, daß man trotz Schäfer machen werde, was man für gut finde. Der Minister antwortete erregt. Und er wurde noch erregter, als Ge- nosse Kräuter sich der Beschwerden der Schutzleute sehr warm annahm und dabei ausführte, daß die Schutzleute� die vor dem „Umsturz" schützen sollen, ihre einzige Hülfe jetzt nur noch bei den „Umstürzlern" finden. Die gewohnte Kaltblütigkeit verließ den Minister, heftig rief er den Sozialdemokraten zu:„Ich würde cS jedem Schutzmann als Pflicht Widrigkeit anrechnen, wenn er bei feinen Beschwer« den sich der Vcrmittclung eines Ihrer Parteigenossen bedienen wollte." Dieser für die sozialdemokratischen Abgeordneten beleidigenden Anschauung ist wiederholt vom Regierungstisch aus Ausdruck ver» liehen worden, aber nie in der heftigen Form. Am Sonnabend brach denn auch der Sturm los. Genosse Adolf Geck, der„rote Vize", verwies dem Minister in sehr lauten Zwischenrufen die „Frivolität" seiner Grundsätze und alle Ordnungsrufe vermochten die losbrechende Empörung in der sozialdemokratischen Fraktion nicht zu hemmen. Erschrocken sahen sich die bürgerlichen Abgeord- neten und der Minister einem Ausbruch der Entrüstung gegen» über, wie sie ihn im badischen Landtag noch nicht erlebt haben. Önb tn recht gedrückter Stimmung gingen unmittelbar nach dem Vorfall die„staatserhaltenden" Herrschaften auseinander. Dienstag Fortsetzung! Die Tribünen zum Brechen voll besetzt, Hunderte fanden keinen Einlast. Genosse Eichhorn rechnete mit dem Minister ab. Erst verteidigte er die Revolution und ihre Opfer und dann stellte er fest, dast sich in der badischcn Revolution niemand als höchstens der..Kartätschenprinz" mit seiner Soldateska mit Schmach bedeckt habe. Und dann die schärfste Zurückweisung der verfassungswidrigen Haltung des Ministers, dem angekündigt wurde, dast die Sozialdemokratie zum Zeichen ihres besonderen Misttraucns gegen das Budget des Ministeriums des Innern stimmen werde.— Agrarische Blüten. Gegen die Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrats des Ncustcttiner landwirtschaftlichen Ein- und Ver- kcrufsvereins ist, wie die„Zeitung für Hinterpommcrn" miitcilt, auf Grund des K 147 des Genossenschastsgesetzes Anklage erhoben worden, weil falsche Bilanzen und Gescbästsbcrichie veröffentlicht worden sind, um di- Verluste der vom Verein verwalteten genossen- schaftlichen Kornhäuscr zu verschleiern. Zu den Angeklagten ge- hören unter anderem das preustische Herrenhausmitglied Land- schaftsrat v. Hertzberg-Lottin, der Landrat des Kreises Neustettin v. Bonin-Wangerow und das Reichstags- und Abgeordnetcnhausmitglied v. B o n i n- B a h r e n b n s ch. Die gerichtliche Verhandlung verspricht reckst interessant zu werden. Die beiden aus Staatsmitteln mit 253 700 M. Kosten erbauten Kornhäuser stehen seit dem 1. Juli 1004 auf Kosten der Steuerzahler unbenutzt da und werden Wohl auf Abbruch(!) ver- kauft werden müssen, da sich bisher keine andere Verwendung hat finden lassen. Voreingenommene Justiz. Der Prozest, der seit Beginn dieser Woche in Kottbus geführt wird, gestaltet sich von Tag zu Tag mehr zu einer nngehenerltchen Anklage gegen himmelschreiende Mißstände im Bergwesen des Senftenberger Braunkohlenreviers, sowie gegen die Berginspektion und gegen Organe der Rechtspflege. An anderer Stelle finden unsere Leser den Bericht über die gestrige Verhandlung. In dieser erreichte die Voreingenommenheit und Befangenheit des Vorsitzenden einen solchen Grad, dast der Verteidiger sich zu seiner Ablehnung verpflichtet fühlte. Der Antrag ist aus dem formellen Grunde abgelehnt, weil Z 25 der Strafprozest- ordnung verlangt, dast das Ablchnungsgesuch vor der Ver- lesung des Beschlusses über die Eröffnung des Hauptver- fahre ns angebracht sein müsse. Unter diese Vorschrift können aber nicht solche Fälle eingereiht werden, in denen Hand- langen des Richters, die erst nach der Verlesung sich ereignen� die Befangenheit begründen. Mindestens dürften Fälle auszuschalten sein, in denen seitens der Richter objektiv strafbare Handlungen gegen den Angeklagten oder seinen'Verteidiger vorgenommen wer- den. Eine solche Einreihung vcrstieste gegen den Grundsatz jedes Strafverfahrens in kulturellen Landen, dast ein Strafverfahren. das der Abwehr des Unrechts dienen soll, sich nicht selbst auf Gesetzwidrigkeiten aufbauen darf.„Sentiments" des Vorsitzenden. der wiederholt vor Beginn der Beweisaufnahme mit erhobener Stimme betonte,„dem Angeklagten werde es nicht gelingen, das Aktenmaterial zu entkräften" oder liebenswürdige Vertraulich» leiten wie die, mit denen der Vorsitzende den Angeklagten Gärtner, den Verteidiger und die Arbeiterklasse bedachte, sind gelvitz keine vom Gesetz gestatteten, oder gar vom Gesetz mit Schutz umgebenen Handlungen. Die Einzelheiten können die Leser aus dem Ver- Handlungsbericht ersehen. Zeigt dieser Prozest sonnenklar, wie die Möglichkeit des An- geklagten, ohne Verteidiger sein Recht wahrzunehmen erschwert wird, und welche austerordentlich schwierige Stellung ein Ver- Leidiger hat, der pflichtgcmäst die Wahrheit zu eruieren sich bemüht. so dürste das Auftreten des Staatsanwalts zu Be- trachtungen über den Wert einer Anklagebehörde anregen� deren Träger lediglich auf dem Papier für die vor Gericht begangenen Ausschreitungen in Wort und Handlungen verantwortlich sind. Zur Jllustrierung des Kottbuscr Gerichtsverfahrens diene auster den aus unserem Bericht hervorgehenden Tatsachen noch folgender Vorfall: Der Abgeordnete Genosse Hue hatte im Auftrag des Berg- arbeiterverbandes dem ersten Vcrhandlungstagc beigewohnt. Da erhebt sich in einer Sitzung der Staatsanwalt und weist den Ge- richtSdiener an, einen Boten neben den im Zuhörerraum befind- lichen Genossen Hue zu plazieren! Gegen diesen gesetzlich völlig un- zulässigen Eingriff in die Leitung der Verhandlungen und in die Oefscntlichkcit der Verhandlungen protestierte der Vorsitzende nicht mit einer Silbe. Ein Gcrichtsbote hatte das Vergnügen, während des Aufenthalts des Abgeordneten Hue im Zuhörerraum neben diesem amtlich sitzen zu müssen.— Hueland. Oesterreich- Ungarn. Wahlreformvorlage. Das Abgeordnetenhaus beschlost heute mit überwiegender Majorität, die beiden Wahlreformvorlagen sowie das Gesetz betreffend den Schutz der Wahlfreihcit an einen Wahl- reformausschust von 49 Mitgliedern, das Gesetz betreffend die Immunität an den Vcrfassungsausschuh, sowie das Geietz über die Reform der Geschäftsordnuna an den GeschäftSordnungsausschust zu verweisen. Frankreich. Der klerikale Militärstrcik, Paris, 20. März.(Eig, Ber.) DaS Trutz-Urteil des.Kriegsgerichts von Reimes, das von den vier Offizieren, die bei der Inventur in Saint-Servan den Ge- horsam verweigert haben, dem Major einen Monat, den drei Haupt- leuten gar nur einen Tag Arrest— und obendrein m i t Strafaufschub— zuerkennt, ruft in der radikale» Presse eine erbitterte Kritik hervor. Es ist ja auch zu offenbar, dast die militärische Clique hier der bürgerlichen Gewalt ihre Mistachtung beweisen und bezeugen wollte, dast sie ihre klerikale Parteigesiiinung höher stellt als den beschworenen Gehorsam gegen das„Vaterland". Für die Sozialisten ist die Moral der Geschichte leicht zu finden. Janrss ruft heute in der„Hnmanitö" den Militärrichtern ein „M.«rci, Messieurs!"(Schönen Dank, meine Herren!) zu. Deut- licher konnte es in der Tat nicht kundgegeben werden, daß die im Namen des Vaterlandes geforderte unbedingte DiS- ziplin nur ein Mittel ist, die Armee zum willenlosen Werkzeug der Privilegierten der Gesellschaft, der Besitzenden, zu machen. Die Disziplin ist eine heilige Sache, wenn sie Arbeiter in Uniform verpflichtet, andere Arbeiter zu erschießen, die im Kampfe mit dem Kapital eine menschenwürdige Existenz erringen wollen. In diesem Falle heißt Nachdenken: Hochverrat, Dienst- Verweigerung. Rebellion! Die Offiziere aber dürfen sich unter dem Schutze ihrer Standesgenossen auflehnen, um dem gesetzlich erklärten Willen der Nation zum Trotz ein Privilegium der Kirche zu retten. UebrigcnS wird jetzt auch der Mannschaft daS Streikrechl zugebilligt, sofern sie eS zugunsten der Klerikalen ausüben will. In der , Antoritü"— der Name klingt in diesem Fall etwas sonderbar war vor einigen Tagen ein Bericht über Jnventnrversuche zu lesen. bei denen drei Kompagnien des 86. Infanterieregiments in Pny und zwei Kompagnien des in St. Etienne garnisonierenden 38. Jirfanterie- regimcntS verlvcndet wurden. Vor dem Abmarsch bekamen die Soldaten Patronen ausgeteilt. „Da erklärten die Soldaten deS 86. Regiments ganz laut dast sie niemals auf ihre Eltern. Brüder und Freunde schießen würde». Sie mischten sich dann unter die Soldaten des 38. Regiments und bekehrten diese mehr als leicht zu ihrer Ansicht, d. h. zur förmlichen Verweigerung des Waffengebrauchs." Die Offiziere haben, wie es sckcint, gar' keine Veranlassimg gesehen, diese Streikpropaganda zu hindern und gegen ihre Urheber einzuschreiten. Man vergleiche nun aber mit der Behandlung aller dieser wirklich streikenden Soldaten die barbarische, mit heuchlerischen Phrasen„gerechtfertigte" Verurteilung der sozialrevolutionären Antimilitaristen, die über die Verbreitung von Meinungen nicht hinausgegangen sind und zudem durch keine Dienstpflicht gebunden werden! Für die bürgerlichen Republikaner, die noch immer meinen, den traditionellen militaristischen ,.Gloire"-PatriotiSmns mit der modernen Demokratie versöhnen zu können, sind die jüngsten Ereignisse eine bittere Erfahrung. 36 Jahre nach der Gründung der Republik ver- fügt die legitimistische Revolte noch immer über einen festorganisiertcn Anhang im Offizierscorps! Die Reformen, die die Offiziersans- bildnng und die Heranziehung demokratischer Elemente zu», Sol- datenbernf zum Gegenstand hatten, sind bisher fast wirkungslos geblieben infolge der die Armee umspannenden jesuitischen Or- ganisation, die nur die Schützlinge der Klerikalen vorwärts kommen lästt. ES hat den BonrgeoiSrepnblikanern nichts genützt, daß sie selbst bei der Erniedrigimg der Republik vor der Offizicrscliqne»nt- gewirkt haben. Erst jetzt wieder haben sie in der Kammer zum Gandinm der Reaktionäre da§ Wirken A n d r ö s, dieses einzigen wirklich demokratischen Kriegsministers, der ans dem Heere hervor- gegangen ist, beschimpft und verdächtigt. Der Kriegsminister des jetzigen, scheinbar so radikalen Kabinetts, Herr Etienne, ist enr Leisetreter, der schon zu sehr sozialer Reaktionär ist. um mit den- jcnigen Leuten, in denen er die Wachthnnde des Kapitals sieht, an- zubinden. Clömenceau allerdings, der eigentliche Leiter der RegiernngSpolitik, der auch als Minister de« Innern vor allem an diesen Vorgängen interessiert ist, hat eine stärkere Energie, steckt aber selbst noch im traditionellen„Patriotismus". Die Bourgeoisrepnblik befindet sich jetzt an einem kritischen Punkt. Sie kann nicht, ohne sich selbst anfzngeben, die Revolte der klerikalen Offiziere tatloS ansehen, aber sie kann auch die Demokratie in der Armee nicht verwirklichen, ohne über die jetzige HeercS- Verfassung als einen Organismus der sozialen Unterdrückung hinaus- zugchen. Die logische Eutwickelmig der Demokratie führt zur Volks- wehr, als zur Organisation der nationalen Verteidigung. Aber das „Volk in Waffen" ist nun eben einmal gleichbedeutend mit dem be- waffneten Volk. Und daran kairn die Bourgeoisie nicht ohne Grauen denken.— Italien. Uuzilfricdcnhcit der Maiinschaften in der italiciiischen Krieg?- marine. Dem„Avanti" wird ans©acta berichtet, daß daselbst an Bord des Kriegsschiffes„ B a r e s a" so große Gärung unter der Mannschaft herrscht, daß diese wiederholt Kriegsmaterial ins Meer geworfen hat. Kürzlich sollen mm mehrere Matrosen überrascht worden sei», während sie in der Nacht einen Geschlitzteil im Wert von 500 Lire ins Meer warfen. Die Matrose» wurden so- fort verhaftet: die nach dem Geschützteil suchende» Taucher haben ihn zurzeit noch nicht gefunden. Der„Avanli" weiß, daß ähnliche Fälle ans ähnlichen Gründen bereits an Bord der„Morosini", ,L o m b a r d i a",„Filiber'to" und„Garibaldi" vor- gekommen sind, aber vertuscht lvnrden. Admiral Gnaltiero wird nunmehr an Bord der„Varesa" ein Enquete veranstalten, um die Ursache der Mißstimmung zu ergründen.— England. BroadhurstS Rücktritt. London, 20. März.(Eig. Ver.) Der liberale Arbeiterabgeordnete Henry Broadhnrst sandte an seine Wähler eine Erklärung nach Leicesler, daß er infolge zu- nehmender körperlicher Gebrechen nicht mehr imstande ist, politisch tätig zu sein und deshalb sein parlamentarisches Mandat in ihre Hände zurücklegt. Es ist gewiß etwas befremdend, daß er noch vor zwei Monaten bei den Hauptwahlen sich ausstellen ließ, ohne irgend welche Be- denken über seinen Gesundheitszustand zu haben. Vielleicht hat ihn aber die Notiz der vorletzten Nummer der„Clarion" verletzt, in der erwähnt wurde, daß er Aktionär einiger sehr rentabler Fabriken ist. Es handelt sich nm die chemischen Fabriken von Brunner. Moni n. Co.. deren Inhaber eine führende Rolle in der liberalen Partei spielen und für die Broadhnrst seit zwanzig Jahren bei parlamentarischen Wahlen agitierte. Wie er in seiner im Jahre 1001 erschienenen „Autobiographie" erzählt, wurde er wegen dieser Agitation des öfteren bei Trabes-Unionskongressen von Sozialisten angegriffen, aber seine Agitation sei immer im Interesse der Arbeiter geschehen, und er habe„keine Ursache, sein Zusammengehen mit Sir John Brunner zu bedauern." Immerhin ist der Rücktritt BroadhurstS ein Ereignis, da cS sich um den erste n Arbeitervertreter handelt, der in eine Regierung berufen wurde, ebenso um einen typische» Vertreter der jetzt ent- schwindenden liberalen Arbciterperiode. Broadhnrst wurde im Jahre 1840 bei Oxford als das elfte Kind einer Arbeiterfamilie geboren; sein Vater war Steinmetz. Die Schule besuchte Broadhnrst bis zu seinein 12. Lebensjahre: dann wurde er in die Lehre geschickt und ergriff schließlich die Profession seines VaterS. in der er bis zum Jahre 1872 arbeitete. Nach London kam er in den sechziger Jahren und nahm bald lebhaften Anteil au der Gewerkschaftsbewegung. In seiner„Autobiographie" findet sich darüber folgende kurze Bemerkung:„Bald nach meiner Ankunft in London schloß ich mich einer politischen Organisation an. die „Worlünx Men's Association" hieß. DicS war die„Jntcr- nationale Arbeitcr-Asiociation". Sonst findet sich in seinem Buche kein Wort über die Bedeutung und die Arbeit dieser Organisation! Broadhurst hat sie einfach nicht verstanden. Er widmete sich ganz den gewerkschaftlichen und politisch-liberalen Fragen. Was vor zwei Monaten an dieser Stelle über Holyovke gesagt wurde, gilt auch von Broadhurst: Die aufgeklärten eng- tischen Arbeiter der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren sozial-liberal. Broadhurst nahm an den großen Wahlreformagitationcn im Jahre 1866 und 1884 teil, ebenso an der türkenfeindlichen Bewegung Gladstones in den siebziger Jahren. Sein erster Eintritt ins Par- lamcnt fällt ins Jahr 1880. Im Jahre 1386 war er etwa acht Monate Unterstaatssekretär— und somit der erste Arbeitervertreter, der in eine Regierung eintrat. Bei den Wahlen 1892 wurde er wegen seiner Opposition gegen den Achtstundentag geschlagen. Zwei Jahre später ward er in Leiccster gewählt und diesen Wahlkreis ver- trat er bis jetzt. Der gegenwärtige König von England gehörte als Kronprinz (Prinz von Wales) zu den besten Freunden BroadhurstS. Ebenso Gladstone, Bright und Chambcrlain. als letzterer noch liberal war. In seinem Buche, in dem er viel von seinen Bekannlschasten erzählt, spricht er besonders mit großer Anhänglichkeit von Chambcrlain, was ja alle früheren Freunde ChamberlainS tun. da dieser eine große geistige Gewalt über seine Umgebung ausübt. In der„Autobiographie" zeigt Broadhurst sich als ein mittel- mäßig begabter, aber sehr sprachgewandter englischer Arbeiter, der ganz in den liberalen und nonkonformistischcn(sektenreligiösen) Ueberlieferungen steckt: Fortschritt. Freiheit, tiefe Frömmigkeit, aber auch Verachtung gegen alles, ivas über diesen Gedankenkreis hinaus- geht. Er wurde zuweilen von Sozialisten als Verräter gestempelt, aber er konnte diesen Vorwurf nie begreifen. Broadhurst hat keine Spur von Klassenbewußtsein, er ist vielmehr überzeugt, daß die Arbeiter nur dann auf Erfolg rechnen können, wenn sie mit allen ihnen wohlwollenden Klassen zusammengehen!— Charakteristisch ist folgende Stelle aus seinem Briefe:„Ich fand, daß die Arbeiter in meinem Wahlkreise sehr intelligent und weitherzig sind. Ihr einziger Wunsch war. daß ich den Sieg davontrage, und um zu siegen, war es— wie sie wohlweislich anerkannt haben— durchaus nötig, die Unterstützung aller Klassen zu erhalten. Obwohl ich in erster Linie ein Arbeitervertreter war, waren meine Arbeiterwähler zu- frieden, daß ick die Wahl auf Grund allgemeiner politischen Fragen auskämpfen soll."-- parlamcntanfcbea. Zolle und Verbrauchssteuern. Die Vudgctkommission des Reichstags trat gestern in die Beratung der Einnahmen aus Zöllen und Verbrauchssteuern ein. Der Referent, Abg. Dr. Arendt, teilte mit, daß in den 11 Mo- naten vom 1. April 1905 bis 1. März 1906 591,6 Millionen Mark an Zöllen vereinnahmt worden sind, d. h. rund 110 Millionen Mark mehr, als in den zwölf Mjonaten des Etatsjahrs 1904/03. Die Wirkung der Voreinfuhr, die monatelang vor Inkrafttreten des neuen Zolltarifs einsetzte, wird illustriert durch die Tatsache, daß in den letzten fiiirf Monaten vor dem 1. März d. I. die Zoll- einnahmen 331 Millionen Mark, in der gleichen Zeit des Jahres zuvor nur 239 Millionen Mark betragen haben. Die Steigerung der Zolleinnahmen durch die Voreinfuhr betrug in den angegebenen Monaten beim Weizen 13, Hafer 19, Gerste 414, Tabak 17 Milli- onen Mark; beim Tabak vermutlich in Anbetracht der von der Re- gierung geplanten Erhöhung des Zolls ans Tabak. Die Regierung schätzt die Zolleinnahmen für das Etatsjahr 1905/06 auf 560,7 Millionen Mark. Abg. Arendt glaubt aber, daß diese Summe wesentlich überschritten werden wird, so daß die Kvmmission ruhig 600 Millionen Mark in den Etat einsetzen könne. Gegen diesen Vorschlag wendete sich der Abg. Erzbergcr(Z.), weil-in Rück- schlag in den Einnahmen speziell im nächsten Jahre durch die starke Voreinfuhr kommen werde. Ein Regier» ngskommifsar gibt der Ansicht Raum: wenn die Summe von 560,7 Millionen Mark verändert werden soll, dann nur so, daß man eine niedrigere Ziffer in den Etat einsetze. Auch der Zentrurnsabgeordncte O s e l glaubt an eine Verminderung der Zolleinnahmen, weil die heimische Pro- duktion durch die neuen Zollsätze erstarke und die Einfuhr vom Ausland herabmindere. Genosse Singer erklärte sich namens der Sozialdemokraten für den Vorschlag Arendt. Vernünftiger- weise könne gar nicht anders gehandelt werden, als diesen Vorschlag anzunehmen, während die Ablehnung das blanke Eingeständnis enthalten würde, daß die Regierung und die bürgerlichen Parteien mit dem Zolltarif Schiffbruch gelitten haben, der ja seinerzeit auch damit begründet worden ist, daß er höhere Zolleinnahmen bringen werde. Tic Ausrede vom Schutze der heimischen Produktion und der Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit sei hinfällig. Denn ernstlich könne doch kein Mensch behaupten, daß z. B. die Landwirtschaft schon in den nächsten Jahren ihre Produktivität zu steigern im. stände sein werde. Wahrscheinlich opponiere das Zentrum nur des- halb, weil seine Steuerpläne gestört werden, wenn durch Annahme des Arendtschen Vorschlags gezeigt wird, daß das Reich mit höheren, als im Etat vorgesehenen Zolleinnahmen zu rechnen» hat. Aus dem sehr übel duftenden Steuerbukett könne dann die eine oder andere famose Blum« heraus- gerissen werden. Die Erfahrung habe gelehrt, daß die Budget- kommission in der Regel immer Recht behalten hat, wenn sie höhere Einnahmen einsetzte. Auch in diesem Falle werde die Kommission Recht behalten, wenn sie statt 560 Millionen Mark 600 Millionen Mark in kvu Etat einsetzt. So habe die Regierung eindringlichst vor den Hoffnungen auf eine starke Voreinfuhr gewarnt; jetzt sei sie durch die Tatsachen genau so gründlich widerlegt worden, wie ihr das von der Sozialdemokratie vorausgesagt worden ist. Die- selbe Regierung, die früher nicht an eine starke Voreinfuhr glauben wollte, komme jetzt und behaupte, eben diese Voreinfuhr beein- trächtige in den nächsten Jahren die Zolleinnahmen. Das aber ist wiederum falsch, weil die Voreinfuhr nach Lage der Dinge gar nicht so stark sein kann, wie die Regierung glauben machen will; schon deshalb nicht, weil die Konjunkturen auf dem Markt ausgenutzt werden müssen, also niemand auf Jahre hinaus sich mit Waren versieht. Eine schwere Gefahr sei allerdings vorhanden. Wenn nämlich die von der Steuerkommission beabsichtigte Steuerpolitik weiter geführt und ausgedehnt werde, müsse die Konsum- tionsfähigkeit der großen Masse der Bevölke- rung zurückgehen, dadurch natürlich auch die Einnahmen aus Zöllen und Berbranchssteuern. Ein Regierun gsko m- m i s sa r betonte nochmals, daß die Voreinfuhr in nächster Zeit einen Rückschlag in den Einnahmen bringen, werde. Für späterhin rechne jedoch die Regierung mit einer Erhöhung der Zolleinnahmen um 75 Millionen Mark. Unterstaatssckretär Twele bcstritr, daß die Kommission mit der höheren Einsetzung von Einnahmen meistens Recht behalten habe. Abg. Dr. Paasch«(natl.) sprach für den Vorschlag Dr. Arendts. Abg. Singer bekämpfte die Regierung und das Zentrum, deren Verhalten darauf hinauslaufe, Stenern auf Vorrat zu bewilligen. Tie Kommission stimmte schließlich einem Antrage des Abg. Grafen Schwerin-Löwitz(k.) zu, statt 560,7 Milli» onen Mark 580 Millionen Dkark Zolleiunahmen in den Etat ein» zusetzen.— Die Einnahmen aus der Zuckcrstcucr sind, wie im Vor» jckhr, auf 136 Millionen Mark veranschlagt. Hierzu hatte Abg. Götz v. Olenhusen diese Resolution gestellt: „Der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen: 1. dem Reichstage noch in der gegenwärtigen Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die Znckerstcuer von 14 M. auf höchstens 10 M. für den Doppelzentner herabgesetzt wird; 2. bei den handelspolitischen Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten von Amerika dafür Sorge zu tragen, dqß der deutsche Zucker mit dem kubanischen Zucker wie überhaupt mit dem Rohr- zucker auf dem amerikanischen Markte gleichgestellt werde." Nach einer kurzen Begründung durch den Antragsteller wurde die Wcitcrbcratung auf nächsten Dienstag vertagt. Die Tanticmenstcucr angenommen. Der Fiiiaiizreforinkominissioii lag gestern folgender vom Zentrum eingcbrachier Antrag zur Beschlußfassung vor: „In Artikel 2 lvird hinter Nummer 8 des TarifcS zum Reichs- Steinpelgesetz folgende Nummer eingeschaltet: 0. Die Aufstellungen der Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften ans Aktien und Gesellschaften mit beschränkter Haftung über die Höhe der gesamten Vergütungen(Gewinnanteile, Tantiemen, Gehälter, Tagegelder, Reisegelder usw.), die den zur lleberwachung der Geschäftsführung bestellten Personen(Mitgliedern des ÄufsichtSratS) seit der letzten Bilanzonfstellung gewährt worden find mit dem Steuersatz 10 vom Hundert von der�Gesamtsinnme der Vergütungen. Befreit sind Aufstellungen, nach denen die Summe der sämtlichen an die Mitglieder de- Ailfsichtsratcs gemachten Vergütungen nicht mehr als 5000 M. ausmacht." Nacken führt zur Begründung dieses in erster Lesung ab» gelehnten Antrage? aus. daß er und seine Freunde bei der früheren Diskussion den Eindruck empfangen hätten, die Mehrheit der Kom- Mission habe ihn nur ans formalen, aber nicht grundsätzlichen Be» denken abgelehnt. Wer ernstlich die tragfähigcn Schultern belasten wolle, müsse für den Antrag stimmen, dem jede Härte fehle, da er nur Nebencinnahmen aus mühelosem Erlvcrb treffe. und da sei auch eine Steuer von 10 Prozent nicht zu hoch. Demgegenüber weist B ü s i n g(natl.) darauf hin. daß eine solche Steuer doch nichts anders sei als ein Zuschlag zur Einlominen» stciier des davon betroffenen, immerhin nur kleinen Personenkreises. Dabei sei zu berücksichtigen, daß diese Personen von diesem Ein- kommen schon ihre Einkommensteuer an Staat und Kommune ent- richtet haben. Nun sollen sie auch noch zum drittenmal für daS Reich usw. gleich mit einem Steuerzuschlag getroffen werden, mindestens zweimal so hoch wie die höchste Staatseinkommenftcuer in Deutschland. In Mecklenburg würde danach die Gesamteinkommen- stener für ein Anfsichtsratsmitglied sich auf 33 Proz. stellen. Für den Antrag trat außer einigen Unterzeichnern nur der' Antisemit Raab bedingungslos ein. ihn als„populär",„Akt ans» gleichender Gerechtigkeit",„den öffentlichen Wünschen entsprechend" in allen Tonarten preisend. Unsere Genossen Geyer und Molkenbuhr vertraten dem- gegenüber den prinzipiellen Standpunkt der Sozialdemokratie: Einführung einer direkten ReichSein kommen- und Vermögenssteuer, Ausdehnung der Erb- schafts st euer- Vorlage entsprechend den dazu von unS ein- gebrachten Anträgen. Wie alle anderen von der Kommission be- schlossencn indirekten Steuern nur den Zweck haben, den mühe- losen Erlverb der bei einer Erbschaft zum Ausdruck komme, nach Möglichkeit zu schonen usw. nur im Interesse der Besitzenden, so solle die Tantiemensteuer als ganz besonderes Parad e-Demon- st r a t i o» Z st ii ck dienen. Wo ist die Grenze zwischen mühelosem und müheloserem Erwerb in unserer kapitalistischen Gesellschaft? Wolle man in der Tat die tragfähigen Schultern be- und die schwächeren entlasten, so dürfe man nicht bei den paar hundert oder tausend Aufsichtsräten stehen bleiben, sondern das Einkommen aller Reichsangehörigen in progressiver Weise besteuern, dann würden außer jenen auch alle anderen mit großen Einkommen ans mehr oder minder mühelosem Erwerb getroffen. Aus diesen Gründen lehnen die Sozialdemokraten auch diesen Antrag deö Zentrums ab. Auf die Frage des Genoffen Geyer, wie hoch der finanzielle Effekt veranschlagt werde, nennen die Antragsteller die Summe von 1l> bis 12 Millionen Mark pro Jahr. Gegen den Antrag erklart sich auch Dr. Wremer(frs.), der darin nur eine verschleierte, exorbitant hohe Einkommensteuer erblickt. Vonseiten der Regierung erklärt der Reichsschatzsekretär v. Stengel, daß, wenn die Kommission diesem Antrage zustimme, die R e« gierung kaum etwas dagegen einzuwenden habe. Im Laufe der Debatte waren verschiedene Abänderungsanträge eingegangen. So der, im ersten Absatz die Worte„Tagegelder und Reisegelder" zu streichen, damit nicht jemand auch noch seine eigenen Ausgaben versteuern müsse, was sonst der Fall sei, wenn die Worte stehen bleiben. Dementsprechend wurde auch beschlossen. Ferner war beantragt worden, statt 100/o zu setzen 8%. Auch dieser Antrag wurde und zwar mit 14 gegen 11 Stimmen angenommen. Ab- gelehnt wurde der Antrag, die Befreiung von der Steuer auf eine Tantieme von 10 000 M. auszudehnen, aber hinzugesetzt, daß bei Tantiemen von über 8000 M. nur die überschießende Summe zu versteuern sei. Der also abgeänderte Antrag wurde schließlich mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen und des Polen angenommen. Zum Schluß gab der Vertreter der Polen Graf MielczynSki die Erklärung ab: Daß er bei der in der Sitzung zuvor vor- genommenen Abstimmung über die Fahrkartensteuer gefehlt habe, sei die Folge eines schweren Krankheitssalles in seiner Familie. Wäre er anwesend gewesen, so würde er gegen die Steuer gestimmt haben. Höchstwahrscheinlich aber würde das Resultat jedoch das gleiche gewesen sein, da im Falle seiner Anwesenheit die Konservativen sich schwerlich den Luxus er- laubt haben würden, dagegen zu stimmen. Ganz erregt erklärt darauf Dietrich sl.), daß er auf jeden Fall dagegen gestimmt haben würde, und die Abstimmung im Plenum werde zeigen, daß die große Mehrheit seiner Freunde nicht mit dem Beschlüsse einver standen sei. In der nächsten Sitzung am Dienstag soll die Zigarettensteuer Vorlage zum Abschluß gebracht werden. v. BrockhausenS Wahl gültig erklärt. Gegen die Wahl des Abg. v. Brockhausen sk.). Wahlkreis Belgard-Dramburg-Schivelbein, war auf Grund eines umfangreichen Protestes vom Reichstag Beanstandung und Beweis- erhebung über eine große Reihe von Beeinflussungen beschloffen worden, die nach dem Protest vom Landrat ausgingen. Gemeindevorsteher. Amtsvorsteher, Schullehrer usw. waren eifrig für die Wahl BrockhausenS tätig. Die Beweiserhebungen haben stattgefunden. Die Akten sind an die Wahlprüfungskommission zurückgelangt. In ihrer gestrigen Sitzung wurde auch festgestellt. daß ungesetzliche Handlungen vorgekommen sind. Die Mehrheit der Kommission hielt indes dafür, daß die zweifellos nachgewiesenen Ungesetzlichkeiten keinen Rückschluß auf weitere Ungesetzlichkeiten im Kreise zuließen, und rechnete heraus, daß ttotz der bewiesenen Unregelmäßigkeiten die Wahl Brockhausens zu Recht bestehe. Sie beschloß, dem Plenum Gültigkeitserklärung der Wahl vorzuschlagen. Soziales. (Siehe auch 1. Beilage). Verstoß gegen terggesctzliche Bestimmungen. Wie wir mitteilten, hatte der Bergrat Fuchs in der zur Be- ratung» des Entwurfs einer Maß- und Gewichtsordnung eingesetzten ReichstagSkommission bestritten, die detaillierten Angaben deS Genossen Sachse könnten zutreffen, daßnochjetzt in Bergwerken, selbst in staatlichen, ungeeichte Förder wogen benutzt würden, da dies jia gegen das Berggesetz verstoße. In der letzten Sitzung der Kommission mußte nunmehr dir Negiermig zugeben, daß in der Tat die Angaben des Genossen Sachse der Wirklichkeit entsprechen. Ueber die Sitzung geht uns folgender für die Notwendigkeit reichsgesetzlicher Aorschriften der Eichung sprechende Bericht zu: Zu§ 6 deS Gesetzentwurfs war der sozialdemokratische Antrag gestellt, vorzuschreiben, daß auch nur geeichte Förderwagen und Fördergefäße im Bergwerksbetriebe, sowie nur geeichte Metzgeräte in den Textilfabriken benutzt werden dürfen. Bei der in der Dienstagsitzuna fortgesetzten Debatte über diesen Antrag legte Genosse Sachse an der Hand reichhaltigen neuen Materials dar, daß auf einem großen Teil Zechen ungeeichte Förderwagen und Metzgeräte vorhanden sind. Von den von ihm versandten Frage- bogen sind bis jetzt 48 eingegangen, die mehr oder weniger die Tatsache konstatieren, daß durch Nichteichung die Bergarbeiter betrogen werden. Sodann wendet er sich gegen den konservativen Antrag, dem K 6 zuzusetzen;„Automatische Meßgeräte und Wagen in GenossenschaftS-Molkereien,-Brennereien und Zuckerfabriken, soweit sie nur zur Verteilung der Rückstände an die Genossen dienen, sind von der Eichung ausgenommen." Dieser Antrag sei nicht anwendbar. Mit demselben Recht wie die automatischen Wagen und Meßgeräte für die genosfenschaftlichen Molkereien und Zuckerfabriken von der Eichpflicht entbunden werden sollen, können auch die Konsumvereine das Recht für sich in Anspruch nehmen. Die Konsumvereine verlangen daS gar nicht. Be, allen Gelegen- heiten ist es die Landwirtschaft oder richtiger die Großgrundbesitzer. die unter dem Deckmantel der Arbeiterfreundlichkeit eine Ausnahme- stellung beanspruchen. Ebenso bekämpfte er den Antrag v. Bcnistorff tftaktionSloS). der für die forstwirtschaftlichen Arbeiter Ausnahmen vom Eichzwang verlangt. Auch der Antrag der Nationalliberale», der die Eichung auf den„öffentlichen Berkehr" beschränken will, ist nicht annehmbar. Würde dieser Antrag angenommen, dann würde die Vorlage nur noch Wert für den Handel haben.— B e r g r a t Fuchs erklärt: Die Mitteilungen des Herrn Abg. Sachse über die ungeeichten Wagen auf Amalien- Zeche haben sich bestätigt und ist sofort vom Minister das nötige veranlaßt worden. Er bitte den Abg. Sachse, ihm das eingegangene Material zu über- lassen ooer ihm die Zechen mitzuteilen, wo ähnliche Zu st än de herrschen. eS würde dann sofort gegen die Zechen eingeschritten werden- Genoffe Sachs« erklärt sich zur Erfüllung dieses Wunsches bereit. Direktor vom Reichsamt des Innern von JonquiöreS wendet sich gegen die Anträge der Konservativen und Nationalliberalen: jemehr Ausnahmen zugelassen werden, desto mehr fördere man daS Eingreifen der Polizeiorgane. ES sei doch wohl endlich an der Zeit, mit den alten Maßen und Gewichten aufzuräumen. Runmehr wird die Sitzung auf Donnerstag, den 29. März vertagt. Verhinderte Kennzeichnung der QuittungSkarten. Seit einiger Zeit schien eS in Berlin Praxis werden zu wollen, daß die Polizei« beamten beim Umtausch der Jnvalidenkarten auf der Vorderseite der Karte nähere Bezeichnungen, als Schloffer in einer elektrischen Fabrik, Arbeiter in einem Theater usw. machten. Besonders zeichnete sich darin daS zustehende Polizeirevier der L. E.-G. in der Brunnenstraße aus. Die Arbeiter dieses Werkes empfanden diese Art der Aufschrift namentlich angesichts der vorjährigen großen Aus- sperrung als Kennzeichnung. Das ist auch verständlich. Denn cS gibt wenige solcher elektrischen Betriebe. Sie riefen eine Versammlung zusammen, um gegen diese Art zu protestieren. Der hinzugezogene Gewerkschaftssekretär legte die gesetzliche Unzu- lässigkeit dar und empfahl eine Beschwerde an die Landesversicherung. Auf die eingelegte Beschwerde erhielt der Vertreter des Arbeiter- Ausschuffes Wegner unter den, 6. März 1006 folgende Antwort: „Wir benachrichtigen Sie hierdurch, daß die hiesigen Polizeireviere nach einer Verfügung des Herrn Polizei-Präsidenten angewiesen worden sind, bei Ausfertigung von QuittungSkarten Znsätze zum Beruf, welche die Arbeitsstellung deS Versicherten kennzcilliiien, in Zukunft nicht mehr zu macken. Landesversicherungsanftalt Berlin". Damit haben die Arbeiter der Allgemeinen Elettrizitäts-Gesell- schaft diese Praxis für die Zulunft verhindert. Ein Schwalenstreich. In Kempten(Schwaben) hat ein Arbeitgeber einen Arbeiter ohne Einhaltung der vierzehntägigen Kündigungsfrist entlassen� nachdem er erfahren hatte, daß der Arbeiter nicht mehr in die Kirche gehe. Zur größten Verwunderung des frommen Mannes hat ihn nun das Gewerbegericht zur Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 28 M. verurteill. Ist nicht nun gar das Gewerbegericht eine gottlose Einrichtung? 6ewerhrchaftliched. Unpraktisches Christentum. Der„Grundstein", das Organ des Maurerverbandes. erzählt eine merkwürdige Geschichte über die Tätigkeit von Geistlichen als— Streikbrccheragcnteni In Ostrowo, in der Provinz Posen, haben sich die beiden dort bestehenden Maurerorganisationen, nämlich der Zweig- verein des Verbandes und die polnische Maurervereinigung zusammengefunden, um den Unternehmern Forderungen be- züglich des Lohnes und sonsttger Kategorien zu unterbreiten. Die Forderungen der Maurer sind sehr bescheiden: sie fordern 35 Pf. Stundenlohn. Die Unternehmer haben auf die schriftliche Einreichung der Forderungen nicht reagiert. Das mußte die Maurer in Erstaunen setzen, denn nach Lage der Sache könnten die Unternehmer gar nichts Klügeres tun, als die Forderung in aller Ruhe zu bewilligen. Statt dessen antworteten sie aber nicht einmal auf das Schreiben der Lohn- konlmisston. Es ist nun ermittelt, was den Unternehmern so sehr den Rücken stärkt: Zwei Geistliche haben den Unternehmern geraten, die Forderungen nicht zu bewilligen, sie würden ihnen willige und billige Arbeitskräfte im Ueberfluß verschaffen. Diese beiden würdigen Vertreter der christlichen Kirche sind die Herren Pastor I. Rosenberg in Latowitz, Post Langenheim, und der Superintendent Harhausen in Ostrowo. Der wackere Rosenberg hat schon etliche Erfahrung in der Anwerbung fremder Arbeitskräfte; er ist akttv tätig gewesen bei dem Import der Russen usw. nach den rheinisch-westfälischen Jndustrieorten. Auch die in Osttowo be- nötigten arbeitswilligen Maurer sollen aus Rußland bezogen werden. Augenblicklich ist der Pastor daniit beschäftigt, russische Arbeiter als„Ansiedler" nach Deutschland zu führen. Es wäre nun sehr interessant zu wissen, wer diese zwei ehr- würdigen Mannen für ihre Tätigkeit bezahlt; der„Grundstein" ist aber leider darüber nicht unterrichtet.— Die beiden geistlichen Herren üben eine ihrer Kirche sehr gefährliche Tättgkeit anSl Nicht nur, daß sie die Arbeiter jener noch streng orthodoxen Gegend gegen die Kirche aufbringen. sie widerlegen auch prakttsch die angeblichen Wahrheiten der Bibel: Indem sie sich in den Dienst des Kapitals stellen. beweisen sie. daß man doch Gott dienen kann und dem Maminon 1_ » Berlin und Umgegend. Achtung. Mechaniker! Die Sperre für Mechaniker bei den Deutschen Telephonwerken, Zeughofstraße, wird hiermit aufgehoben. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. An die organisierte Arbeiterschaft Berlin» und der Umgegend! Die selbständigen Barbier« des Nordens haben beschlossen, die vom Verband der Friseuxgehülfen herausgegebene Kontrollkarte, welche als Ausweis dessen dient, daß die Forderungen der Ge- hülfen bewilligt sind, nicht mehr sichibar im Laden anbringen zu lassen. Als Grund wird angeführt, daß sich die Kundschaft dadurch belästigt fühlt. Ter wahre Grund ist natürlich nur der, daß man die gemachten Bewilligungen zurückziehen will. Die Kontroll. karte ist vom unterzeichneten Verband eingezogen bei: Kirsch, Soldinerstt. 26; Poppcl, Admiralstr. 18» und Henning, Forster» straße 4g. Verband der Friseurgehüffen Deutschland». Zweigverein Berlin. Der Vorstand. Der Streik i» der Schüttmühle zeitigt allerlei Kuriosa. Die Herren aus dem Kontor finden es nicht unter ihrer Standeswürde, ihren streikenden Mitarbeitern in den Rücken zu fallen, indem/sie sich, angetan mit den langen Kitteln der Steuerbeamten, fleißig an der MehlanSgabe beteiligen. Anstatt sich mit den Arbeitsbrüdcrn solidarisch zu erklären, hilft das, den gerechten Kampf in die Länge zu ziehen.— Ein Aufzug zum Gotterbarmen ist regelmäßig früh 8 Uhr und abends 7 Uhr zu sehen. Da werden die RauSreißer, zwei Mann hoch(!) von Buchhalter, geheimen und uniformierten Beamten eskortiert, durch die Stromstraße, neuerdings Mt-Moabit, von und nach der Arbeitsstelle gebracht. Durch allerhand Mätzchen glaubt man die Ausständigen graulich machen zu können. So hat man gestern den ihre Krankenbücher Abfordernden ihre Entlassung angeboten, welche ausnahmslos angenommen wurde.— Eigentümlich und wunderbar muß«S erscheinen, daß«in« Millionenfirma alte, erprobte Arbeiter, welche zum Teil SS Jahre im Betriebe ge. arbeitet haben, kalten Blute» zu dem schwersten Schritt, zum Streik greifen läßt, weil diese e» wagen, eine Zulage von 6 Pf. pro Stunde zu fordern. Tie Berliner Victoria-Mühle zahlt seit zwei Jahren Löhne von 25,80 bis 88 80 Ms, die Salomon-Mühle von 24 bis 31 M., die Bertheim-Mühle von 23, 27,80 bis 31,48 M. pro Woche. Die schwer veiche Firma Schutt, der ganze Häuserblocks in Moabit gehizren und dir immer mehr dazu kaust, tst es nicht möglich, ihre derzeitigen Löhne von 21 bis 24 M. um 3 M. pro Woche zu erhöhen.— Arbeitswillige, außer den zwei RauSrcißern. sind nicht zu verzeichnen und ruht der Betrieb nach wie vor voll. ständig.— In unserer Notiz vom Mittwoch ist uns insofern ein Irrtum unterlaufen, daß nicht Mchlkurscher eS waren, welche sich an ihnen rnd# zustehenden Arbeiten beteiligten, sondern Getreide- k u t s ch e r, und zwar sollen diese nicht orgamsiert sein Der Zuzug ist nach wie vor fernzuhalten. Ter Streik der Mibeltransportarbeiter, Packer und Kutscher 1 von der Firma A. Schäfer ist beendet. Am Donnerstagnach- mittag haben wiederholt Verhandlungen zwischen der Lohnkom. Mission und dem Inhaber der Firma, Herrn Leuschner, ohne Teil-. nahm« eines Verbandsvertreterö stattgefunden, welche schließlich zu' einer Einigung auf folgender Grundlage führten: Die angestellten Packer und Kutscher erhalten einen Lohn von 26 M., die Speditionskutscher von 22 M. pro Woche. Die Auszahlung des Lohnes findet am Freitag statt. Tie Arbeiter erhalten einen, Lohn von 4,80 M. pro Tag(früher 4 M.) und während der scharfen Zeit, d. h. vom 26. März bis 8. April resp. vom 26. September bis 8. Oktober eines jeden Jahres 5 M. pro Tag. Die Hülfspacker und Hülfs- kutscher erhalten 4,80 bis 8 M. pro Tag. Für das Transportieren von Geldschränken wird je nach den in Frage kommenden Schwierig- leiten, unter welchen die Transporte ausgeführt werde ir müssen, eine Extravergütung von 3 M. und mehr gewährt. Außerdeiu sind die Spescnsätze bei Transporten nach außerhalb für alle Beteiligten zur Zufriedenheit geregelt worden. Die Abmachungen sind schriftlich festgelegt und von der Firma sowohl, als auch von den Kommissionsmitgliedern unterschrieben worden, und zwar mit der Maßgabe, daß Maßregelungen nicht stattfinden dürfen. Darauf- hin nahmen die Streikenden am Freitagmorgen die Arbeit einmütig wieder auf. OmeM,» Reick). Die Zigarettenarbeiter haben allen Anlaß, bei Arbeitsangeboten die Augen aufzusperren, ob man ihnen nicht etwa Strcikarbcit an- bietet. In Hannover sind bei der Firma„Constantia" Differenzen ausgebrochen, die zu Entlassungen geführt haben. Dem Anschein nach will man die Organisation vernichten. Die vorgenommenen Entlassungen stehen anscheinend in Zusammenhang mit der War- nung, die vor kurzem der„Vorwärts" und der„Tabakarbeiter" brachten.— Glei�eitig wird noch gemeldet, daß auch die„Türkische Cigaretten-Co."(H. Perris), 58, Marlborougb Str. London W., ihre organisierten Arbeiter ausgesperrt hat. Deutsche Tabak- arbeiter, denen Arbeitsangebote, fei es vom Inland, sei es vom Ausland, gemacht werden, haben also alle Veranlassung, sich in allen Fällen erst davon zu informielen. ob man sie nickt etwa als Streitbrecher mißbrauchen will. Aus den Bergarbeiterbezirken Zeitz-Weißenfels und Meuselwitz. Die nächste Woche kann die Entscheidung bringen, ob eS hie,. zum Kampf kommt oder nicht. Die Grubenbesitzer haben sämtliche Forderungen abgelehnt. ES sandten an die Fünferkommission der Bergleute 28 Werke Antworten dahingehend, daß sie mit der Kommission überhaupt nicht verhandeln. Zehn Gruben haben gar nicht geantwortet. Dagegen erschienen in den bürgerlichen Zeitungen der in Bettacht kommenden Bezirke längere Artikel, in denen die Forderungen der Arbeiter einzeln heruntergemacht und samt und sonders als nicht annehmbar bezeichnet wurden. Die Werkbesitzer wollen vor allem die Kommission und den Verband der Bergarbeiter nicht anerkennen, dagegen kommen sie selbst zusammen und beraten sich über zu unternehmende Schritte. So hat anz 17. März im Hotel Hausse in Leipzig eine Sitzung der Werkbesitzer stattgefunden, bei der 41 Werke vertreten waren. Es wurden da— laut Protokoll— folgende Beschlüsse gefaßt: 1. ES soll nur mit den Belegschaften verhandelt werden, in keinem Fall mit dritten Personen. 2. ES soll seitens der Gruben kein Anschlag(in den Leutestuben) gemacht werden, daß man überhaupt verhandeln wolle. 3. Zeitungsartikel sollen nicht vom Bergbau- lichen Verein unterzeichnet werden.(!)(ES soll also immer so aussehen, als wenn die Zeitungsnotizen von anderer Seite kämen. D. R.) 4. Eine Verkürzung der Arbeitszeit über Tage darf nicht stattfinden. 8. Ein Mindestlohn ist unter leinen Umständen zu zahlen. 6. Abänderungen in der Arbeits- ordnung dürfen nicht stattfinden, ehe darüber nicht eine Verstän- digung herbeigeführt ist. 7. DieSperren bleibenweiter bestehen.(!) 8. Die Organisation wird unter keinen Umständen anerkannt. 9. Sollttn neue Forde- rungen von den Arbeitern aufgestellt werden, so haben die Werke sofort eine neue Zusammenkunst, um darüber zu beraten. Man steht also, daß die Bergwerksbesitzer in ihrer Organi- satton gemeinsam handeln, den Arbeitern wollen sie gleiche Rechte nicht zuerlennen. Am Sonntag, den 25. d. M., finden in den beiden Bezirken etwa 18—20 Versammlungen statt, in denen die Arbeiter über die Antworten zu befinden haben und die Entscheidung tteffen. Nach Lage der Sache kommt es zum Kampf, da die Arbetter überall gewillt sind, die elenden Verhältnisse, unter denen sie lebm müssen. wenigstens zum Teil zu beseittgen. Die Maschinisten und Heizer auf den Gruben haben sich der Be- wegung angeschlossen und gleichfalls Forderungen gestellt. Man er- wartet von den Metallarbeitern, daß sie Solidarität üben. HusUnd. GLrtnerstreil im Seine-Departement. 10 000 Gehülfen der Gemüse» und Blumengärtnerei in den Departements Seine und Seine-et-Oise.sind wegen verweigerte!: Lohnerhöhung in den Ausstand getreten. eingegangene Druckschriften. Karl Pieper. Blinde Regierungen und technildj» Schweren iter. 83 Seiten. Preis ILO M.— Verlag Hugo Stelnitz. Beriin BW. 6& Spettator. Berliner Klub». Band 28 der Großstadt»Dokumente. Prei« l M. Verlag, H Seemann Rachflg., Berlw-Lcipzig. Plutus. Kritische Wochenschrist für VoUSwtrtschast und ginauzwese» (Herausgeber: Georg Bernhard). 12. Heft. Abonnement»(einlchlietzllch der Plutus-Merktasel) vierteljährlich per Post und Buchhandel 3,80 M., direkt vom Verlag 4 M. Verlag, Berlüi-Tharwttenburg, Goethcstr. SS. Letzte IVachnchten und Depefchen. Zugentgleisung. München, 23. März.(B. H.) Auf der Linie Passau-Bocking ist der Zug 76 zwischen Station Reukirchen a. d. Inn und Fürstenfeld bei Kilometer 16 aus unbekannter Ursache eutgteist. 2 Personen wurden getötet, mehrere Personen, darunter der Zugführer, wurden verletzt.___ Wettrüsten. Paris, 23. März.(W. T. B.) Deputiertenkammer. Bei der Beratung des Finanzgesetzes spricht Bouhey-Allex über da? Flotten- Programm und fragt, ob man bedacht habe, welche Folgen die Ber- mehrung der französischen Seestreitkräfte haben werde. General- berichtcrstatter Pierre Baudin erklärt. eS sei jetzt nicht der Augen- blick, über diese Frage eine Erörterung anzustellen. Bouhey-Allex fährt trotz deS Widerspruchs des Hauses in seinen Ausführungen fort und sagt: Ein Hauch deS Wahnsinns geht durch die Kommer. Wenn wir Defizits haben, so haben wir sie, weit wir ungezählte Millionen in den Schlund de» Kriegs- und des Marinebudgets werfen. Marineminister Thomson erklärt darauf, er wolle nicht von neuem in eine Diskussion über das Flottenprogramm eintreten. er müsse aber wiederholen, daß eine Vermehrung der Seestreitkräfte absolut notwendig sei. Der Oberste Marinerat habe besonders anerkannt, daß die deutsche Flotte mehr große Panzerschiffe habe als die franzosischr. Von den Mächten werde die Zahl ihrer Gc- fechtSeinheiten vermehrt und besonders deren Deplacement vcr- größert. Perantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck n. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagSanstalt Paul Singer LcTo.. Be rlin L W. Hierzu 4Beilagen». Unterhaltnngsblatt Nr. 70. 23. Jahrgang. t. WM i>cs.HwM- Kttliun WIKsblM Sonnabend, 24. Mar; 1906. Reichdtag« 73. Sitzung vom Freitag, den 23. März, nachmittags 1 Uhr. Am VundeSratStifche: Erbprinz zu Hohenlohe. Die zweite Beratung des Äolonialetats wird beim Etat für Togo fortgesetzt. Wg. Ledcbour(Soz.): An dem Etat von Togo interessieren uns hauptsächlich die Matz- regeln, die von der Kolonialverwaltung ergriffen sind, um die Neger gegen die Ausbeutung durch die Plantagen- und sonstigen SpckulationSgesellschaftcn zu schützen. Die Matznohmen geschehen auf unsere Anregung hin. Wir hatten im Jahre 1904 beantragt, datz die Togolandgeiellschaft. die in Togo etwa 100 000 Hektar für den recht billigen Preis von 6 Pf. pro Hektar von den Negern dr- warben hat, durch die Kolonialverwaltung gezwungen werden sollte, das Land gegen Rückerstattung der wirklichen Kosten den Negern wieder zur Verfügung zu stellen. Unser Antrag wurde damals vom Reichsrage gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Aber die Kolonial Verwaltung hatte sich davon doch über- zeugt, datz eS notwendig sei. Matznahmen zum Schutze der Ein- geborenen zu treffen, und setzte eine Kommission ein, welche mit er Untersuchung der Verhältnisse bei den dortigen Stämmen be- traut wurde, und mit der Untersuchung der Frage, ob sich nicht etwas von dem Land zugunsten der Neger zurücknehmen liehe. Diese Kommission hat sehr günstige Resultate gehabt. Sie hat grötzere Komplexe Land, die nominell bereits der Togolandgesellschaft gehörten, für die Neger zurückerworben. Ihre Untersuchung hat sich allerdings nur auf die Landschaft Aambo erstreckt. Hier aber ist den Negern der grötzte Teil der Ländereien wieder zurückgegeben worden, so datz der Togolandgeselljchaft hier nur»och 650 Hektar geblieben sind. Es ist dadurch den dortigen Stämmen, die etwa 15 bis 16 000 Köpfe zählen, wieder ein Auskommen ermöglicht worden. Aber man darf sich nicht der Ansicht hingeben, als ob die Land- gesellschaft nunmehr ganz zurückgedrängt sei. Auch jetzt hat sie noch ein glänzendes Geschäft gemacht. Denn sie hat für die 650 Hektar nur 450 M. bezahlt. Das Macht 70 Pf. für den Hektar! Das ist noch immer ein autzerordentlich billiger Preis, besonders wenn man bedenkt, datz Togo ein dicht besiedeltes Land ist. dichter als manche Teile Deutschlands. Das Land liegt noch obendrein in demjenigen Gebiet, welches durch die Eisenbahn durch- schnitten wird. Wenn wir also auch anerkennen können, datz durch die Kommission im Interesse der Neger viel getan ist, so hätte man der Gesellschaft doch mehr Land abnehmen müssen, wollte man ge- recht sein. Ferner mühte die Kommission, welche bis jetzt nur in der Landschaft Dambo in Tätigkeit getreten ist, auch noch in andern Landschaften arbeiten. Wir können es mit einer gewissen Genug- tuung konstatieren, datz es gerade die Aktion der Sozialdemo- kratie gewesen ist. die ein solches Verfahren in die Wege geleitet hat. wir hoffen aber, datz wir bei späteren ähnlichen Gelegen- heiten eine Unterstützung bei der Majorität des Hauses finden werden.— datz man uns nicht wieder im Stich lätzt. Eine ge- wisse Berechtigung dazu schöpfe ich daraus, datz seitens verschiedener Parteien die Ucberzeugung ausgesprochen ist, datz es im Interesse der Kolonialpolitik liegt, Eingeborenenkulturen zu fördern. So hat zum Beispiel der Abg. Hagemann kürzlich ausgeführt, datz die Zu- kunst unserer beiden westafrikanischen Kolonien auf dem Gebiete der Eingeborenenkultureu liegt. sZuruf bei den Nationalliberalen: Zum Teil!) Nun. Sie meinen zum Teil, wir meinen ausschlietzlich. Aber wir find doch darin einig, datz die Eingeborenenkulturen ge- fördert werden müssen. So weit ich den Regierungsvertreter richtig verstanden habe, so sollen selbst noch in der Landschaft Dambo Ver- suche gemacht werden, weiter im Interesse der Neger der Gesellschaft Ländereien abzunehmen. Ich richte nun an die Regierung die Frage, wie die Ländereien, die der Togoland- gesellschaft geblieben sind, gelagert find. Ich vermute, datz sie mitten von der Eisenbahn durchschnitten werden. In diesem Falle aber liegt die Gefahr nahe, datz das Reich selbst später durch die Land- ipekulanon der Gesellschaft geschädigt wird. Und ich spreche den Wunsch aus, datz auch in den andern Landschaften, in denen der Togogesellschast noch etwa 50000 Hektar nominell gehören, nach Möattchkeit die Ländereien in den Besitz der Neger zurückgeführt werden.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stellvertr. Kolonialdirektor Prinz zu Hohenlohe: Ich konstatiere. datz die Togogesellschast selbst eS gewesen ist, welche eine Nach- Prüfung ihrer Gerechtsame beantragt hat. Die erste Anregung zu einer solchen Nachprüfung geschah durch Angriffe, welche hier im Reichstage am 25. April 1904 gegen die Togogesellschaft genwcht sind, und zwar zuerst durch den Abgeordneten Dasbach. Ueber die Tättgkeit der Kommission hat der Vorredner schon Auskunft erteilt, ich glaube, den, nichts hinzufügen zu müssen. Nur in einer Hinsicht mutz ich den Herrn Borredner berichtigen. Der Ab- geordnete Ledebour meinte nämlich, die Gesellschaft habe für 650 Hektar, die sie jetzt noch in der Landschaft Dambo besitze, nur 450 M. bezahlt. Das ist nicht richttg. Die Togogesellschaft ist der zweite Rechts- Nachfolger des ursprünglichen Erwerbers. Im ganzen sind für ihre Ländereien in ganz Togo 220 000 M., das heitzt über 2 Vi. pro Hektar bezahlt worden. Für die Ländereien, welche die Togo- gesellschaft jetzt noch in der Landschaft Dambo besitzt, hat sie über 3 M. pro Hektar bezahlt. WaS die Eisenbahn bettifft, so berührt sie allerdings das Gebiet der Togogesellschast in einer Plantage. Die Kommission hat ihre Arbeiten noch nicht auf andere Gebiete ausdehnen können, weil ein Teil ihrer Mitglieder erkrankt ist. ES sind hervorragend tüchttge Männer, und ich kann die Hoffnung ans- sprechen, datz sie später ihre Tätigkeit in segensreicher Weise fort- setzen werden.(Beifall.) Abg. Dr. Paasche(natl.): Der Abg. Ledebour scheint nach seinen Ausführungen mit der Regulierung der Angelegenheit der Togo- gesellschaft im grotzen und ganzen zufri-den zu sein. In der Tat ist es hier gelungen, einen billige» Ausgleich zwischen den Interessen der Eingeborenen und der Gesellschaft zu finden. Ich möchte nur wünschen, datz auch in unseren anderen Kolonien ein derartig billiger Interessenausgleich sich bewerkstelligen lassen möge.(Beifall bei den Nationalliberolen und rechtS.) Abg. Dr. Arendt fAip.) stimmt den Busführungen des Vorredners zu. Der Plontagenbau ist nicht zu entbehren: er ist die Voraus- feyuna für eine ausgiebige Förderung deS Landbaues unter den Eingeborenen. Abg. Ledebour(Soz.): Ich mutz den AuSftihrungen deS Herrn ftellverirelenden KolomaldirektorS entgegentreten. Er meinte, es wären den Negern 2 Mark pro Hektar gezahlt worden. Meine Be- rechnung aber, wonach durchschnittlich etwa 6 Pfennig gezahlt sind, ist durchaus zuverlässig. Herr Äolonialdirektor Stübel hat uns damals mitgeteilt, datz für zirka 50000 Hektar 2700 Mark ge« zahtt seien. Bei der Landschaft Dambo find sogar für 4200 Hektar nur 440 Mark, also etwa 10 Pfennig pro Hektar gezahlt worden. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Erbprinz z» Hohenlohe: Die Zahlenangaben des Herrn Ledebour find durchaus richtig, sie beziehen sich ober auf die Preise, die der ursprüngliche Käufer Scholto-TouglaS gezahlt hat. Ich hatte an- geuoinmen. er wünschte zu wissen, waS die jetzige Togogesellschaft gezahlt hat. Abg.». Böhlendorff- Kölpin(k.) bezeichnet Togo als eine sehr zukunilsreiche Kolonie und regt an. Versuche mit Automobilen zur Erschlietzuug des Innen, anzusiellen. Stellvertretender Kolonialdireklor Prinz Hohenlohe stellt Er- süllung der Wünsche des Vorredners in Aussicht. Ein höherer Forst- beamter ist aus dem Wege nach Togo, um den Waldreichtum deS Lande» nach wissenschaftlichen Prinzipien zu erschlietzen. Hiermit s ch l i e tz t die Debatte. Der Titel wird bewilligt. Der Rest des Etats für Togo wird debattelo» bewilligt. ES folgt der Etat für Südwcftafrika. ?ierzu liegt eine Resolution Graf Hompesch und Genossen(Z.) ie den Reichskanzler auffordert„sofort eine Lösung derjenigen Verträge herbeiznsühren, die über die Lieferungen für die Schutzgebiete von der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes abgeschlossen worden sind und über die Dauer eines EtatsjahreZ hinausgehen". Ein Antrag Dr. Arendt und Genossen(Rp.) will an Stelle des Wortes„sofort" setzen:„an dem ersten rechtlich zulässigen Zeit- Punkt" und folgenden Satz hinzufügen: „Bis zum Ablaufe der Verträge aber auf eine Ermäßigung der Preise für die vereinbarten Lieferungen durch gütliche Vereinbarung hinzuwirken." Abg. Lattmann(wirtsch. Vgg.) kündigt einen Antrag auf Zurück- Verweisung des Kap. 2 der eii, maligen Ausgaben(Ausgaben auS Anlatz des Eingeborenenaufstandes), bei welchem die Kommission 15 Millionen gestricken hat, an die Budgetkommission an.— Von allergrößter Wichtigkeit wird die Mischlingsfrage in Südwestafrika werden. Viele Vereine lassen schon jetzt Halbweiße Kinder nicht zu. Auch der Windhnker Schulverein hat in Gegenwart des Gouverneurs einen solchen Beschluß gefatzt. Es wäre sehr wünschenswert, ivcnn die Regierung recht bald zu dieser Rassenfrage Stellung nehmen möchte, Im Gegensatze zu den romanischen Völkern, die darauf wenig Wert legen, haben die germanischen Völker stets mit Energie gegen das Ueberwiegen der Mischlinge im Interesse der Rassen- erhaltung Stellung genommen. Die Einziehung des Stammeslandes der Eingeborenen durch kaiserliche Verordnung ist als Raub an den Ein- geborenen bezeichnet worden.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Mit Recht!) Ganz mit Unrecht, denn die Eingeborenen waren mut- willige Empörer.(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Wir bitten um Aufklärung, was mit den 210 000 Ouadrat-Kilometer beschlagnahmtem Stamniesland geschehen soll. Vielleicht sind Domänen anzulege», ein Teil könnte auch den Mannschaften, die dort zu bleiben beabsichtigen, gegeben werden. Sehr wichtig wäre der Bau einer Bahn Windhuk-Robolet, die auch m militärischer Hinsicht bedeutungsvoll wäre. Erbprinz Hohenlohe kommt auf die Anfrage betreffend der so- genannten Burenverschwörung zurück. Nach eingezogenen Erkundigungen ist die Nachricht der„Windhuker Nachrichten" von einem Burenkomplott, das einen Handstreich gegen Windhuk und anderen Orten und womöglich die LoStrennung der ganzen Kolonie vom Deutschen Reich zum Ziele gehabt haben sollte, stark über- trieben gewesen. Es sind verschiedene Buren mit Gefängnis- strafen von fünf, zwei und einem Jahr bestraft worden. Es hat sich um keine politische Verschwörung gehandelt. sondern um den Versuch, eine Kolonne auszurauben, die Deck ungs Mannschaften zu töten und die gestohlenen Güter über die englische Grenze zu bringen. Das von den Eingeborenen auf Grund der Verordnung beschlag- »ahmte Stammesland wird einerseits verwendet werden, um den Eingeborenen Gelegenheit zu geben, ihren Lebensunterhalt zu fristen und andererseits soll es zum Pesten der Ansiedler verwandt werden. Die Eingeborenen sollen sogenannte Reservate und Dotationen erhalten, d. h. Gebiete, um ihr Vieh weiden und Landwirtschaft treiben zu können. Entweder im Anschluß an weiße Ansiedlungen, sodatz die weißen Ansiedler sich auS diesen Eingeborenenreservaten ihre Arbeiter beziehen können, oder für diejenigen Eingeborenen, welche sich nicht für Arbeit im Dienste der Weitzel, eignen, womöglich im Anschluß an die MissionSstationen. damit sie dort ihren WirtschaftSbetricb unter Aufsicht der Missionare führen. Wir sind unS beivutzt, daß die Eingeborenen ein wertvoller .Bestandteil der Kolonie sind'; wir brauchen ihre Arbeits- kraft. Der Gedanke, sie auszurotten, ist ein gänzlich verfehlter und wird ja von niemand geteilt. Die Erziehung der Ein- geborenen zur Arbeit ist in Südweftaftika wie in allen anderen Kolonien dringende Notwendigkeit. Herr von Lindequist wird gewiß in der Lage sein, die besten Mittel dafür anzugeben. Weiter soll das beschlagnahmte Land zur Besicdelung durch Deutsche benutzt werden. Wenn diejenigen, die alle Strapazen deS Feldzuges mitgemacht haben und das Land genau kennen, den Willen äußern, in ihn, dauernd ihren Lebensunterhalt zu gewinnen, so ist dies ein sehr günstiges Anzeichen für die Zukunft des Landes.(Lebhafter Beifall.) Es wirdein GouvernementSrat geschaffen werden, der den Gouverneur bei der Besicdelung deS Landes zur Seite stehen soll. Und zwar wird er von den verschiedenen Berufsständen gebildet werden.(Beifall rechts.) Dieser Gouvernementsrat wird bei der Aufstellung deS BesiedelungS- planes maßgebende Stimme erhalten, ebenso bei der L ö s u n g der W a s s e r f r a g e. Diese ist gerade für Südweftaftika von aus- schlaggebender Bedeutung. Wir ivollen jedoch vorläufig nicht etwa schon das ganze Schutzgebiet nach Wasserständen ab- suchen, sondern nur denjenigen Teil, der für die Besiedelung in erster Stelle in Frage kommt. In der Kommission ist ferner der Wunsch ausgesprochen worden. im Süden die Bahn bis KeetmanShop zu verlängern. Ich erkenne an, datz starke militärische Gesichtspunkte dafür sprechen. Die Notwendigkeit lag aber, als der Etat aufgestellt wurde, noch nicht in dem Matze vor. Ich erkenne also die militärische Bedeutung der Bahn bis KeetmanShop vollkommen an, befürworte aber die Bahn von Windhuk nach Rehoboth auch vom wirtschaftlichen Interesse aus.(Beifall.) Abg. Erzberger(Z.): Der Abg. Lattmann hat die Hauptsache vergessen. nämlich die Kosten, die sein Programm verursachen würden. Starkes Heer und starke Flotte sind notwendig, an ihnen können wir nicht sparen, wohl aber an den Kolonien. Südwestafrika belastet unseren Reichsetat mit 10>/„ Millionen Zinsen. Die Bahn Windhuk-Rehoboth hat die Kommission einstimmig abgelehnt und neue Gründe für den Bahnbau sind nicht angeführt worden. Eine Zurückverweisung an die Kommission ist daher überflüssig.— Datz der Haushalt Südwest- aftika« auf Landwirtschaft und Viehzucht nicht aufgebaut werden kann, und datz für den Bergbau dort die Arbeiterverhältnisse sehr schwierig seien, hat auch Dr. Karl Peter», der ja für die Herren der Rechten sehr maßgebend ist, anerkannt. Er hat den Reichstag genwhnt, in der Bewilligung von Ausgaben für Südwestafrika äußerst vorsichtig und zurückhaltend zu sein: ich kann mich diesem Rate nur anschlietzen. Die Verordnung über die Ein- ziehung von Stammesland der Eingeborenen gibt z», sehr vielen Bedenken Anlaß. Sie beruht auf einer unrichtigen Boraussetzung. indem sie von Stammesvermögen spricht. während es nach dem ersten Kenner der dortigen Verhältniffe nur Familien- v c r m ög e n gibt. Wird den Eingeborenen dies genommen, so der- lierrn sie jede Selbständigkeit. Auch gibt die Verordnung die Mög- lichkeit, sie auch auf die O v a m b o s auszudehnen, was die Gefahr eines großen und schwere« Aufftandes dieses sehr kriegerischen Stammes zur Folge haben würde. Ein solcher Attfstand m diesem Gebiete n,it tropischem Klima würde uns Hunderte von Millionen kosten. Der Herr Kolonialdirektor hat zwar erklärt, die Ausdehnung der Verordnung auf das Ovamboland sei nicht beabsichtigt, aber in der Formulierung derselben liegt doch die Möglichkeit dazu. Mein zweites Bedenken gegen die Landentziehung ist das: was soll mit den besitzlosen Eingeborenen überhaupt geschehen? Die MissionStätigkeit würde überhaupt aufhören. Ich möchte aber den Wunsch auStprechen, datz große Teile des abgenommenen Landes den HereroS wiedergegeben werden, etwa in der Form der Pachten.— Es geht nicht an, datz durch Anschlagen von Ver- ordnungen an die Tafel d«S GouvcrnementSgebäudes diese schon ftir ein Land von der Größe Deutschlands als„bewirft" gelten. Nach dem Muster deS KongostaatcS sollte eine Eingeboreiien-Schutz- kommission eingesetzt werden, welche auch die Bekanntmachung der Verordnungen vermitteln könnt«. Den Oberst Deimling bitte ich, darauf zu antworten, wie eS kommt, daß Telegramme aus Kapstadt melden können, daß die Angaben deS Oberst Deimling über Beschränkung der Z»fuhr und Jnternierung von Eingeborenen durch die Engländer unzutreffend seien.— Redner befürwortet nun die Resolution Graf Hompesch: Schon der Abg. Gröber vom 1. Mai 1904 hatte eine Neuregel u>, g des S u b>n i s s i o n s w e s e n s für die Kolonien beantragt. Da die Regierung diesem Anftage Gröber nicht nachgekommen ist, müssen wir jetzt mnerhalb der ein- zelnen Etats daraus dringen, daß bei den Lieferungen für das Reich nicht einseittg Berlin und die Hansastädte bevorzugt werden. In erster Linie wenden wir unS gegen die Mouopol-Berträge: Wocrmann hat eine Art Monopol für die Ausschiffung in Swakopmund. die Firma Tippelskirch für die Ausrüstung der Truppe», eine Berliner Apotheke für die Medikamente und die Firma Jordan für Hemdea. Die Firma Tippelskirch bekam allein für das Jahr 1N0K Auf- träge im Gesamtbeträge von 8 Millioueu Mark, woran sie 2 Millionen als Kommissionär verdient!(Lebhaftes Hört! hört! im Zentrum.) Der Vertrag mit Tippelskirch ist ein Unikum. Jede Bank würde einem beliebigen Manne, der mit einem solchen Bertrage von der Straße zu ihr hereinkommt, beliebige Summen vorstrecken, um selbst ein Geschäft a la Tippelskirch abzuschließen. Die Kolonialver- waltung bezahlt für dieselben Artikel an Tippelskirch 17"/o, 38 0/o usw. mehr, als die Militärverwaltung in derselben Zeit an eine andere Firma, ebenfalls franko Berlin bezahlt hat. Die Firma Jordan bot Ledergamafchen zum Preise von 8 M. an. während Tippelskirch 11 M. bekam. Das ist ein Aufschlag von 40°/,,: bei einem anderen Artikel betrug der Aufschlag sogar 70%!(Hört! hört! im Zentrum.) Mandat eSnun auch bemängelt, daß ein aktiver preußischer Minister an der Firma beteiligt sei. Dagegen wäre an sich nichts zu sagen, aber eS muß dann auch jeder Anschein vermieden werde», als ob die Firma von oben irgendwie begünstigt würde. In den§8 13 und 15 finden sich die Punkte, wo eingesetzt lverden könnten für eine sofortige Außerkraftsetzung deS Vertrages. Wir brauchen nur SMll. Mark zur Ausrüstung des Krieges in Südwestafrika nicht zu bewilligen, dann ist die Verwaltung in der Lage, den Vertrag sofort zu lösen. Dies könnte bis zur dritten Lesung geschehen. Ebenso wäre eS der Firma unmöglich, den Ver- trag zu erfüllen, wenn die Kolonialverwaltung auf dem Wortlaut des§ 15 besteht, wonach die Firma alle Lieferungen nn eigenen Betriebe ausführen muß. Die Herren von der Kolonialverwaltung lverden ja noch Iveitere Möglichkeiten finden, um von diesem un- liebsamen Vertrage loszukommen. Aber niit der Lösung des Ver- träges allein ist es nicht getan, eS müßten auch zum Ersatz möglichst günstige Lieferungsverträge abgeschlossen werden.(Bravo! im Zentrum.) Stellvertretender Kolonialdirektor Prinz Hohenlohe: Ich will zunächst feststellen. datz eine Ausdehnung der Ver- waltungstätigkeit auf das Ovamboland jetzt in keiner Weise bcab- sichtigt ist. Unsere Absicht geht dahin, dieses Land jetzt noch voll- ständig linberührt zu lassen. Wir sind uns belvußt, daß es große Schwierigkeiten bereiten würde, jetzt nach dorthin vorzudringen. Wir würden nnS damit der Gefahr aussetzen, einen Krieg zu be- konnnen, ähnlich wie in Südweftaftika. ES ist deshalb im Januar von dem Gouverneur eine Verordnung erlassen, nach der die Ein- führung von Feuerwaffen und Spirituosen strengstens verboten ist. Ebenso ist die Ausführung des gewerbsmäßigen Handels an einen Erlaubnisschern geknüpft. Ferner dürfen die Eingoborenen nicht z>» Arbeiten herangezogen, außer mit besonderer Erlaubnis des Gouverneurs. Endlich ist überhaupt der Zutritt zu diesem Gebiete verboten, nur den Missionaren und Personen, die vom Gouverneur auS besonderen Gründen einen Erlaubnisschein erhalten haben, bisher gestattet. Diese Verordnung zeigt, daß wir ein schritt Iveises Vorgehe» für das beste halten.— Sie gestatten mir wenige Worte über die Verordnung wegen Einziehung des Stammeslandes. Es ist unter Bezugnahme auf den Ausspruch einer Autorität, die auch das spezielle Recht der HereroS kennt, gesagt, ein Stammes- vermögen bestehe dort nicht. Mir wird dagegen aus dem Schutz- gebiet mitgeteilt, daß doch ein Stammesvermöge» an Grund und Boden vorhanden ist, über das der Häuptling verfügt, während das Vieh und die Geräte de» einzelnen Personen gehören. Unsere Ver- ordnung bezieht sich nur auf das Land. Sie bezweckt, uns das BerfüglingSrecht über das Land zu geben, das bisher in den Händen aufständischer Stämme ivar, und soll das Land der Stämme nutzbar machen, deren Organisation nicht mehr besteht. Die Einziehung des Stammeslandes ist nur eine fakultative Matzregel, die aus ZweckmäßigleitSgründcn angeordnet ist. Der'Gouverneur lann im einzelnen Falle lein eigenes Ermessen entscheiden lassen. Bon einer Einziehung dcö EingeborcnenlandeS in Bausch und Bogen ist durch- aus nicht die Rede. Die Verordnung bestimmt, datz die Einziehung bekannt gemacht werden muß und eine Frist gesetzt werden imiß. in der Beschwerden vorgebracht werden können. Ich verkenne nicht, daß eine solche Bekanntmachung nicht immer zur richtigen Zeit zur Kenntnis der Eingeborenen gelangen wird. Trotzdein bitte ich, dies nicht als eine bllreaukratische Maßnahme anzusehen, da bei derselben vor allen Dingen an die Europäer, die Verträge mit Eingeborenen abgeschloffen haben, ge- dacht ist. Die Verordnung wird natürlich auch den Ein- geborenen bekannt gemacht werden, namentlich durch die Missionare. Ich halte eS für dringend notwendig, daß den Eingeborenen Gelegenheit gegeben wird, ihre Rechte durch Weiße wahniehmen zu lasten, indem sogenannte Eingeborenen- a n w ä l t e geschaffen werden, eine Einrichtung, die in den eng- tischen Kolonien schon vielfach besteht. Ich habe eine Mitteilung m dieser Richtung nach Südweftaftika gelangen lassen und habe schon die Antwort erhalten, daß die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet sind.(Beifall.) Die Beurteilung, die unsere Kolonie Südwcftafrika erfährt, ist noch vielfach eine ungerechte. Namentlich als BesiedelnngS- land wird es in weitem Maße dienstbar gemacht werden können. In bczug auf die Viehzucht hat es entschieden den Anspruch mit der Äapkolonie verglichen zu werden.(Beifall rechts.) Geheimrat Seih: Die Firma Wörman» hat rechtlich kein Monopol auf das Landungsgeschüft m Swakopmund, nur tatsächlich ist sie die einzige, die bei den dort so außerordentlichen Schwierigkeiten die Landung bewerkstelligen können. Der Vertrag mit der Firma Jordan läuft in diesem Sommer so wie so ab, kommt also nicht weiter in Betracht. Auch der Vertrag mit der Berliner Apotheke wird seine Gültigkeit verlieren, da sich überall in den Kolonien Apotheken und Cheinilaliengeschäfte zu etablieren im Begriffe find. Der Vertrag mit der Firma Tippelskirch wird überhaupt nur dem verstänolich sein, der die Geschichte unseres KolouialwcscnS be- rllcksichtigt. Wir waren im Anfang ganz auf englische Fabrikate an- gewiesen. Dann stellte das„Warenhaus für Armee und Marine" als einzige deutsche Finna brauchbaren Khaki und andere für die Kolonien brauchbare Arttkel her. Als die Lieferungen umfangreicher wurden, löste sich die Kolonial-Kriegsabteiluna dieses Warenhauses als Firma Tippelskirch los. Die Firma bestand auf langfristigen Verträgen, sonst wäre sie nicht bereit gewesen, ihr Lager zu er- weiter» und ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Unter heutigen Verhältnissen ober hätten wir den geltenden Vertrag nickst mit der Firma abgeschlossen. Wir konnten aber nichi wissen, daß innerhalb der nächsten drei Jahre die Scknitzlruppe von Südweftaftika von 770 auf 14 000, die von Ostafrika von 1600 auf 4000, die von Kamerun von 400 auf 1200 erhöht werden mußte. Für Ausrüstung der Schntztruppen waren nur 715 000 Mark vor- gesehen, einschließlich Bewaffnung und Munition. Damals lagen die Verhältniffe allerdings ganz anders.— Es kommit sehr häufig vor, daß ein Konkurrent sagt: Ja, ich würde viel billiger liefern. Prüft man aber hinterher die Güte der Artikel, so stellt eS sich oft berauS, daß die Lieferung der Konkurrenz noch viel teurer kommen würde.— Der Hauptgrund, an der Firma festzuhalten, war der, ftaft ske Me Verpflichtung iZkernoinmen hatte, einen ZweidritteljahreS» bedarf und den Kriegsbedarf aufLager zu halten.— Ob Z 15 des Vertrages in der Weife auszulegen ist, wie Herr Erzberger meint, scheint mir fraglich. Wir sind übrigens bereits mit der Firma in Verbindung getreten wegen eventueller Abänderung des Vertrages. Zu einem abschließenden Ergebnis sind diese Verhandlungen noch nicht gekommen. Oberst Deimling: Herr Erzberger hat mich interpelliert wegen deS Telegramms, das von der Kapstädter Presse auf meine neulich hier getane Aeußerungen gestern hier angekvmmeii ist. In diesem Telegramm verwahrt sich die Kapstädter Presse gegen den Vorwurf, daß die Engländer sich weigerten, den Deutschen im Süden unserer Kolonie die nötige Verpflegung zuzuführen. Ich stelle fest, daß ich mich so niemals geäußert habe, im Gegenteil. Ich habe es stets dankbar anerkannt, daß die Engländer uns dort unten im Süden helfen. Ich habe gesagt, ich hätte den letzten Feldzug in die Berge gegen Morenga nicht unternehmen können, wenn die englischen Firmen nicht rechtzeitig mit Lieferung von Gewehren eingetreten wären. Wenn jemals durch Konkurrenzstreiligkeiten unter den beteiligten englischen Firmen Stockungen in den Lieferungen eingetreten sind, dann hat stets die englische Kapregierung dafür gesorgt, daß die Verpflegung nicht ins Stocken geriet, wir sind ihr also nur zu Dank verpflichtet. Was ich gesagt habe, war nur das, daß die englische Verpflegung es uns nicht erlaubte, eine genügend große Reserve im Süden aufzustapeln. die es uns ermöglicht hätte, die Operation gegen Morenga so energisch zu Ende zu führen, wie wir es hätten tun müssen. Das beweist uns eben,— ich komme wiederum auf mein cstorurn censeo zurück— die Notwendigkeit des Baues einer Bahn nach Keetmans- Hop.(Bravo I rechts.) Abg. Bebel(Soz.): Ich bin genötigt, zunächst eine Richtig- stellung vorzunehmen an einer Ausführung, die ich inr vorigen Jahre gemacht habe. Der Herr Abg. Lattmann hatte damals auf gewisse Preßäußerungen eines Kaufinanns G ö r n e, die in die Presse lanciert waren, Bezug genommen, nach denen ich einer Pri- vatunterhaltung mit diesem Herrn Anschauungen über unsere Ko- lonien entwickelt haben sollte, die im strikten Gegensatz zu den An- fchanungen gestanden hätten, die ich hier im Hause vertrete. Ich habe Herrn Lattmann geantwortet, daß diese Ansführungen total un- richtig seien, und fügte Hinz», daß ich aus Mitteilungen im„Hamburger Echo" entnommen habe, daß dieser Herr kein besonderes Vertrauen verdiene. Er habe diese Ansführungen wohl nur gemacht, um für seine Geschäftsspekulationen Reklame zu machen. Gegen meine Aus- führungen hat dann Herr Görne reklamiert. ich habe ihn an das „Hamburger Echo" verwiesen und dieses hat am 30. Januar erklärt, eS habe sich überzeugt, daß eS unrichtig unterrichtet gewesen sei und nehme seinen Vorwurf unter dem Ausdruck des Bedauerns zurück. Hiernach nehme ich selbstverständlich auch meine in dieser Beziehung gemachten Ausführungen ebenfalls zurück. Die Ausführungen des Herrn LegattonSratS Seitz bezüglich des Vertrages mit der Firma Tippelskirch waren äußerst schwach. Wenn der Vertrag weiter keinen Zweck gehabt hätte, als den, den er anführte. hätte ich dagegen nichts einzuwenden, denn es ist selbstverständlich, daß die Kolonien Bedürf- nisse � erwecken, die bei der Neuheit des Kolonialwesens in Deutschland hier ohne weiteres befriedigt werden konnten. Dahin gehört in erster Linie die Fabrikation des so- genannten Khaki. Hätte man sich damit begnügt, auf eine mäßige Reihe von Jahren mit einer bestiminten Finna einen solchen Vertrag in bezug auf einige Artikel abzuschließen, dann wäre dagegen nichts einzuwenden gewesen. Wir haben aber gehört, daß der Vertrag sich auf eine ganze Reihe anderer Artikel bezieht, die auch von einer großen Menge anderer Firmen in Deutschland jeden Augenblick min- bestens so gut, nur weit billiger geliefert werden könnten. Das schlimmste aber ist, daß nachdem der erste Vertrag auf zehn Jahre abgeschlossen war, man im siebenten Jahre, als man doch schon genügend Er- fahrungen hatte, um zu sehen, wie die Entwickelung ging und als eS selbst im Interesse der Kolouialverivaltung liegen mußte, dafür zu sorgen, daß die Konkurrenzfirmen herangezogen wurden, um die Preise herabzudrücken— daß man damals, noch ehe die zehn Jahre um waren, den Vertrag auf neue zehn Jahre ver- längerte. Das ist das Unerhörte, was vorgekommen ist. Und dazu hat man noch den Vertrag auf eine ganze Reihe weiterer Artikel ausgedehnt, die anderswo zweckmäßiger und billiger zu haben waren. War man denn in der Kolonialverwaltung so kurzsichtig, daß man nicht begriff, jetzt sei es an der Zeit, sich von der Firma unabhängig zu mawen? I Es scheint, daß der Vertrag unter dem jetzt beurlaubten Herrn Kolonialdirektor erneuert worden ist. Als vor einigen Monaten die bekannten Anklagen gegen Herrn Dr. Stübel und den Landwirtschaftsminister Herrn von Podbielski erhoben wurden, da war ich nicht eine Sekunde im Zweifel, daß, soweit die Person des Herrn Dr. Stübel in Frage kam, es ausgeschlossen war, daß er sich in irgend etwas eingelassen habe, was seinen Charakter irgendwie tan- gieren konnte. Ich war überrascht, daß man in der Presse es wagte, Herrn Dr. Stübel nach dieser Richtung hin anzugreifen. Das be- treffende Blatt ist ja auch verurteilt. Mini st er v. Podbielski hat es aber unterlassen, Klage einzureichen. Es ist richtig, daß Herr v. Podbielski der Firma beigetreten ist, bevor er Minister wurde. Sobald er aber Minister wurde, hätte er doch aus der Firma austreten müssen, denn er wußte, daß das Engagement, das er eingegangen war, ihn möglicherweise in seiner Stellung schädigen konnte. Er durfte deshalb überhaupt das Ministerportefeuille nicht annehmen, oder wenn er glaubte, dem Staate seine wertvollen Dienste nicht entziehen zu können, war er verpflichtet, aus der Firma auszutreten, komme was da wolle. Nun mag man sagen, die Firma konnte seine Einlage nicht ohne weiteres auszahlen. Ich erkläre: ein so glänzendes Geschäft mit einer so großartigen Dividende findet stets, wenn ein Teilhaber ausscheiden will, nicht nur zu jeder Stunde, fondern auch zu jeder Minute einen Finanzmann, der für ihn einttitt. Der erste beste Börsenmann würde den Anteil des Herrn v. Podbielski übernommen haben; vielleicht mit Einschluß der Dividende für das laufende Jahr. Also mit solchen Erzählungen komme man unS nicht. Wir und besonders Sie, die Begünstiger der Kolonialpolittk, haben alle Ursache, dafür zu forgen, daß die Integrität der Beamten geschützt wird. Als vor einigen Tagen einige Firmen, die damit um- gehen, ein großes Handelsunternehmen für Abessinien zu betreiben, ein Rundschreiben verschickten und in diesem auch zwei Herren des Auswärtigen Amtes mit ihren Titeln und Namen fungierten, also kein Zweifel bestand, daß damit eine Reklame gettieben wurde und die Verwaltung glaubte, nichts dagegen ein- wenden zu sollen, da ist ihr unter allgemeiner Zustimmung klar gemacht worden, daß so etwas unter keinen Umständen geduldet werden dürfe. Von dieser Ausfassung hätte meines Erachtens auch terr v. Podbielski ausgehen sollen. Er durfte eine solche tellung nicht eine Minute lang behalten, nach- dem er Mini st er geworden war. Er mag jetzt tun, was er will, er wird in weiten Kreisen des Hauses den Verdacht nicht abwenden, daß die außerordentlich gnnstigc» Verträge der Firma Tippelskirch seinem Einfluß mit zuzuschreiben sind.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Vor einem solchen Verdacht hätte er sich auf das allerstrengste hüten sollen. Alle Darlegungen hinsichtlich der Verbindungen mit dieser Firma vom Regierungstisch aus sind nicht stichhaltig. Zugegeben, daß eine Reihe von Jahre» die Notwendigkeit bestand, eine solche Firma, ich will einmal sagen, groß zu züchten, so rechtfertigt das die jetzigen Verträge nicht. Wenn hier vorgetragen ist, daß die Preise dieser Firma gegenüber denen anderer 50, 60 und 70 Proz. Differenz aufweisen, nicht bei Monopolartikeln, sondern bei Artikeln, die eine ganze Reihe anderer Firmen ebenso gut liefern können, dann mögen Sie reden, wie fie wollen, dann wird bei dem deutschen Volke der Glaube vorhanden sein, daß ganz außerordent- liche Momente bei der Preisbildung mitwirken. Die Konkurrenten, für die ich sonst ivenig geneigt bin einzutreten, haben in diesem Falle recht gehabt. Sie hatten Ursache sich zu beschweren, und wir sind sogar zu Dank verpflichtet, daß sie n»s zeigen, wie das deutsche Reich auf bas schwerste geschädigt ist. Wenn uns jetzt mitgeteilt! wird, die Firma sei geneigt, in eine Abänderung des Ber« trageS einzutreten, so glaube ich daS ohne weiteres. Sie sieht den Antrag Hompesch und sagt: Rette, was zu retten i st! tSehr richtig! links.) Wir müssen aber mehr verlangen I Es fragt sich, ob der Vertrag nicht so verklausuliert ist, daß die Kolonialverwaltung von diesem Vertrage nicht loskommen kann. Jedenfalls fordert in diesem Augenblick die Ehre der Firma, daß sie erklärte: Ich will mit diesem Vertrage nichts mehr zu tun haben. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Außerdem sagt ja der Anttag Honipesch gar nicht, daß keine Geschäfte mehr mit der Firma gemacht werden sollen, sondern nur, daß sie für nicht länger als ein Jahr abgeschlossen iverden sollen. Ich darf wohl annehmen— nach dieser Richtung hoffe ich mich nicht zu täuschen—, daß speziell das Firmenmitglied Herr v. Podbielski dafür sorgt, daß der Vertrag sofort aufgehoben wird.(Sehr richtig! links.) Ich werde mir erlaube, bei der dritten Lesung anzufragen, ob diese meine Erwartungen sich erfüllt haben. Der Abg. Lattmann hat sich heute wieder einmal als echter Kolonialoptimist gezeigt. Wenn man die Kolonial'chivärmer hört, sollte man glauben, daß in Südwestasrika. wenn man einen Spaten nimmt und gegen den Felsen schlägt, nicht nur Wasser heranskonimt. Wenn man nach Geld nicht zu fragen hat, kann man allerdings aus dem traurigsten Drecknest binnen ein paar Jahren ein Paradies machen. (Sehr richtig! bei den Soz.) Der Abg. Erzberger hat ausgerechnet, daß uns Südwestasrika schon 300 Millionen gekostet habe. Rechnen wir hinzu, was die nächsten Jahre kosten werden, dann kommen über 500 Millionen heraus. Wenn wir das Geld auf die Urbar- machung unserer Oedländereien verwenden würden, hätten wir mindestens drei Millionen Hektar unfrucht- baren Landes in prächtig st e Landschaft ver- wandeln können! Wenn aber ein solcher Vorschlag ge- macht würde. würde er bei den Kolonialenthusiasten den allergrößten Widerspruch erfahren. Dann würde» die Herren anfangen zu rechnen. Das Wort Kolonien aber hat einen magischen Einfluß, bei seinem Klange steht gewissen Leuten sofort der Verstand still. Kaum 1 Proz. hat das ausgegebene Geld ein- gebracht. Wenn die Herreu damit zufrieden sind, so besitzen sie doch außerordentliche Bescheidenheit. Ich wollte einmal sehen, was die Herren von der Rechten für Klagen anstimmen würden, wenn die land- wirtschaftlichen Betriebe sich so jämmerlich rentierten wie die Kolonien. Die verschiedensten Saltiverständigen in den Kolonien haben aus- gerechnet, daß auf ein Stück Großvieh 40 Hektar entfallen. Was würde ein deutscher Bauer sagen, wenn er eine solche Rente bekäme? Die Klagen über die Not der Landwirtschaft hätten dann allerdings die größte Berechtigung. In den Kolonien läßt man aber alle Grund- lagen jeder Staatswirtschaft und Berechnung schleu. Die Ausgaben werden auch noch größer werden. Ich beziehe mich dafür auf die Darlegung des Oberst Deimling, der uns klar gemacht hat, daß es noch eine ganze Reihe von Jahren dauern würde, um das Land zu beruhigen. Eine ganze Reihe von Jahren muß also die deutsche Herrschaft noch ihre Macht- mittel dort lassen, um jeden Versuch eines Ausstaudes niederzuhalten. Danach müssen noch Tausende von Mannschaften der Schutztruppe im Lande bleiben, um Pazifizierungsarbeiten vorzunehmen. Ja, es besteht die größte Wahrscheinlichkett, daß die verstärkte Schußtnippe dauernd in Südwestasrika erhalten werden muß. Oberst Deimling hat zii meiner Ueberraschung angeführt, der Aufstand glimme unter der Asche und bedürfe nur eines Lnftzuges, um zur Flamme zu werden. Alseinen solchen Lustzug bezeichnete er die äthiopische Bewegung. Der Gouverneur dagegen hat uns in seiner Denkschrift kategorisch erklärt, daß die äthiopische Bewegung aus Südwestafrika nicht den geringsten Einfluß ausübe. Ich war daher überrascht zu hören, daß auch dort ttotz der großen Entfernung die äthiopische Bewegung eine Gefahr für die Kolonie bilde. Ich nehme an, daß Oberst Deimling nicht eine leere Drohung ausgesprochen hat. Dann ergibt sich aber aus seiner Aeußerung, daß nach Ansicht der Herren, die sich als die Sachverständigen ansehen, eine bedeutend verstärkte Schutztruppe dauernd gebraucht werde. Der Abg. Lattmann hat weiter gemeint, es sei dringend nötig, das Aufkommen einer MischlingSrasse zu verhüten. Ich hätte gern von ihm gehört, wie er sich diesen schönen Plan denkt.(Heiter- keit.) Man müßte dann doch in erster Linie die Edel- germanen fernhalten, die als Erzeuger in Frage kommen. Auf der anderen Seite müßte man vorschreiben, daß überhaupt kein unverheirateter Weißer einwandern darf. daß jeder, der einwandert, seine Frau oder Braut mitbringen muß.(Heiterkeit. Zuruf des Abg. M ü l l e r- Meiningen: Seine Kusine! Stürmische Heiterkeit.) Der Abg. Lattmann hat die Einziehung des Landes für eine außerordentlich gerechte und ver- nünftige Maßregel gehalten. Ich stehe gar nicht an zu erklären, ich halte sie für die denkbar verkehrteste. Ich sehe das als direkte» Raub an.(Sehr richtig l) Was würden Sie(nach rechts) denn sagen, wenn man Ihnen auf gleicher Weise daS Land nehmen wollte? Es steht doch auch fest, daß gerade der früher schon berührte Landraub die H a u p t u r s a ch e für den Aufstand gewesen ist. Ich will nicht die alten Debatten, die wir seit drei Jahren gehabt haben, wieder aufrühren; wenn man aber die Bedingungen über die Landeinziehnng hört, dann kommt es einem doch so vor, als ob überhaupt kein Land übrig bleibt. Gerade die Missionare sind eS, die auf die Seite der Eingeborenen getreten sind und gesagt haben, die Hauptursache des Auf- standeS fei, daß man den Eingeborenen die einzige Existenzmöglichkeit genommen habe, indem man ihnen daS gute Land entzogen und sie auf das schlechte gesetzt habe. Die Kolonial- Verwaltung spricht von dem Lande, das die Weißen auf Grund der Verträge beanspruchen könnten. Wir wissen aber, daß dahin Ver- träge gehören, wie sie zum Beispiel mit Samuel Maharero ab- abgeschlossen sind, der gar kein Recht hatte, solche Verträge abzuschließen. Mit der Verordnung, die im Dezember er- lassen ist, haben die Kolonialleute das erreicht, worauf sie von den ersten Monaten des Aufstandes an hingewiesen haben. (Sehr richtig I links.) In den ersten Monaten war in der kolonial- begeisterten Welt einstimmig die Ansicht vorhanden, daß eigenttich dieser Aufstand gar nichts Böses sei, daß er im Gegenteil wie ge- rufen komme, weil er den schönsten Borwand liefere, den Schwarzen das Land zu nehmen und es den Ansiedlern zuzuweisen. Dieser Zustand ist jetzt herbeigeführt. Herr Lattmann rechtfertigt den Raub damit, daß er sagt, die Schwärzen seien mulwillige Empörer. Wieso? Man hat doch die Leute dazu gedrängt, Empörer zu werden! Wenn die Eingeborenen so behandelt werden, wie es geschehen ist. haben sie ein Recht zur Empörung. Nur Feiglinge und Schlvächlinge würden es nicht getan haben. Der Abg. Lattmann sagt, die Missionare. erklärten es für ganz in der Ordnung, daß den Schwarzen das Land genommen wäre; vielleicht ist diese Angabe ebenso war wie die neuliche, daß es ein Programmpunkt der Sozialdemokratie sei: noch ruppiger zu werden. Seine Angabe über die Ansichten der Missionare wiirde allem wider- sprechen, was man früher gehört hat. Gewiß, die Regierung hütet sich jetzt gegen die OvamboS vorzugehen. Von anderer Seite wird aber schon aufgefordert, jetzt auch schon mit diesem Stamme reinen Tisch zu machen. Die Negierung ist in diesem Augenblicke vernünftiger. ich hoffe, sie wird es dauernd bleiben. Ich stimme hier heute noch dem Grasen Caprivi zu: Es wäre mir am liebsten, wenn wir so bald als möglich aus Südwestafrika heraus wären. Wir haben jedenfalls guten Grund, die Augen offen zu halten und gegen jedes Andrängen der Kolonialfteunde uns zu wehren. Ein Sachverständiger hat berechnet, daß man im höchsten Fall 20 000 Kolonisten m Südwestasrika unterbringen könnte. Mit allen Beamten. Handwerkern und Schutztruppen zusammengerechnet würde man höchstens 160 000 Menschen dort unterbringen können. Und dnzu wenden wir jedeS Jahr Dutzende und aber Dutzende von Millionen auf. Das ist etioas, was wir unter keinen Umständen mitmachen. Selbst die„Kölnische Volkszeitung" hat in einem Artikel gefragt, ob es sich lohne, überhaupt noch Ausgaben für die Kolonien zu machen. Militärischen Wert hätten sie überhaupt nicht, als Flottenstationen kämen sie nicht in Betracht. sie hätten nur Wert für die Lieferanten. Wenn ivir nur hier im Hause vom Zentrum etwas gehört hätten, was dem entspräche. Es mag wohl manchen im Zentrum geben, der ebenso denkt, aber mit dieser Ansicht nicht hervorzutreten wagt.(Sehr richtig! links.) Herr Lattmann hat nun besonderes Lob dem Gouverneur L i n d e g u i st gespendet, an seinsn Amtsantritt sind ja alle möglichen Hoffinmgen in der kolonialen Presse geknüpft worden. Ich kenne Herrn v. Lindequist nicht und habe keine Ahnung, ob diese Hoffnungen Aussicht auf Erfüllung haben. Aber die erste Amtshandlung des neuen Gouverneurs, hat bei mir gerade keine günstige Meinung von ihm erweckt. Er hat bei seiner An- knnft in Swakopmund einer größeren Zahl von Hereros eine Standrede gehalten, um ihnen zu sagen, wie unrecht sie gehandelt hätten, sich wider die deutsche Regierung zu empören, sie hätten dazu gar keine Ursache gehabt. Und nachdem er dann mit der Straf- predigt fertig war, fragte er sie:„Habt Ihr alles verstanden?"— Antwort einstimmig:„Ja."(Heiterkeit.)—„Gebt Ihr zu, daß Ihr den Krieg grundlos angefangen und selbst an den Folgen schuld seid?"—„Ja. wir wissen das I"(Große Heiterkeit links.)—„Habt Ihr Vertrauen zu mir. daß ich Euch stets mit Gerechtigkeit und Wohlwollen entgegenkommen werde?"—„Ja, wir vertrauen Dir." (Erneute große Heiterkeit.) Wehe ihnen, wenn die Antwort nicht so gelautet hätte!(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Liegt die Sache so, dann werden die Hoffnungen, die Herr Lattmann und seine Freunde hegen, nach keiner Seite hin gerechtfertigt werden. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Arendt(Rp.) polemisiert gegen den Abg. Bebel: Bei der Rentabilitätsberechnung der Kolonien sollte man doch auch die Fehler in Betracht ziehen, die durch die falsche Sparsamkeitspolilik der Kolonialgegner gemacht sind.— Das Land hat den Hereros nie gehört, sondern ihren Häuptlingen, deren Sklaven sie waren. Sie haben also nur Vorteile von der deutschen Herrschaft. Herr Bebel rügt es, daß in der Zentrumspartei nicht jeder frei aussprechen kann, was er meint. Na, bei der Sozialdemokratie(Heiterkeit), da darf ja jeder sagen, was er will, gewiß!(Heiterkeit.) Es kommt aber aus die Folgen an. Bei der Sozialdemokratie richten sich diese Folgen nach dem Satze: Wer nicht pariert, fliegt raus!(Sehr gut! und große Heiterkeit rechts und in der Mitte) Auch ich bin gegen die Monopolvertrüge, aber Herr v. Podbielski ist unschuldig.(Hört! hört! rechts.) Mein An- trag ist besser als der des Abg. Graf Hompesch. Das Reich mutz auch der Firma Tippelskirch seinen rechtlichen Verpflichtungen nach- kommen. Es kann keine Scheinmanöver machen.(Sehr richtig I rechts.) Redner wünscht, daß der Bau der Bahn Windhuk-Rehoboth so sänge verschoben wird, bis die Bahn Swakopmund-Windhuk vollspurig umgebaut ist. Dagegen ist die Bahn Kubub-KeetmanShop dringend notwendig. Erbprinz zu Hohenlohe: Nach den Ausführungen des Abg. Bebel könnte es den Anschein haben, als ob die Tatsache, daß Herr v. Pod- bielski Mitglied der Firma Tippelskirch ist, Einfluß auf die Verträge mit der Firma gehabt hat. Von einer solchen Beeinflussung kann aber nicht im entferntesten die Rede sein. Ich habe die Erklärung abgegeben, daß sich die Kolonialverwaltung in keiner Weise darum kümmert, wer zufällig Mitglied einer Firma ist. Ich hoffe, daß diese Erklärung bei der Mehrheit des Hauses Beifall finden wird. (Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Schräder(srs. Vg.): Der Abg. Bebel hat heute wieder einmal gegen die sogenannten„Kolonialschwärmer" polemisiert. ES gibt aber auch„schwärmerische" Kolonialgegner, Leute, die in ihrer Gegnerschaft jedes Maß und Ziel vergessen lassen. (Beifall rechts.) Ich bin mit dem Abg. Bebel ganz darin einig. daß wir für längere Zeit die Schntztruppe nicht entbehren können. Wir müssen im übrigen eine Kulturpolitik treiben, in erster Linie also Eisenbahnbau. Ich sehe gar nicht ein, warum nicht gleichzeitig die Bahn Windhuk— Rehoboth und Kubuk— Keetmanshop gebaut werden können.(Abg. Dr. Arendt: DaS würde keine Mehrheit finden.) Ich sehe gar nicht ein, warum die Mehrheit dieses Hauses nicht vernünftigen Erwägungen zugänglich sein solle. Ein großer Teil der Kosten würde schon dadurch gedeckt sein. daß wir an den Viehtransporten große Ersparnisse durch den Bahnbau machen werden, besonders bei der nach Keetmanshop. Diese Bahn führt übrigens auch durch ein Gebiet, das der Er- schließung wohl lohnt. Ob freilich der Bahnbau so schnell möglich sein wird, wie man sich hier vielfach vorstellt, scheint mir recht zweifelhast. Jedenfalls könnten wir durch gleichzeitige Jnangriff- nähme der beiden Bahnen das Land völlig erschließen. Die Kosten für die Verzinsung der Bausumme kämen schon gegenüber den Er- sparnissen bei der Schutztruppe gar nicht in Betracht.(Bravo! rechts und bei der frs. Vg.) Hierauf wird die Weiterberatung auf Sonnabend, 1 Uhr, vertagt. Schluß 6 Uhr._ Hbgcordnetcnbaud. 50. Sitzung vom Freitag, den 23. März vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. B e t h m a n n- H o l l w e g. Präsident Kröcher teilt mit, daß der Kaiser dem Hause ein Gruppenbild der kaiserlichen Familie mit eigen- händigcm Namenszug überwiesen habe. Er werde das Bild im Arbeitszimmer des Präsidenten anbringen lassen. Auf der Tagesordnung stehen der Gesetzentwurf betr. Per- mehrung der Mitglieder des Hauses der Abgeordneten und Aenderungen der LandtagSwahlbezirke und Wahlorte und der Gesetz- entwurf betr. Abänderung der Vorschriften über das Verfahren bei den Wahlen, zum Haufe der Slbgeordneten. Die Besprechung beider Vorlagen wird auf Antrag des Abg. Dr. v. Heydebrand(k.) verbunden. Minister des Innern v. Bethmann-Hollweg: Die Gesetzentwürfe sollen in erster Linie dazu dienen. daS Zustandekommen der Wahlen auch in größeren Wahlkreisen zu sichern, den Obstruktionsgelüsten. die sich noch 1903 gezeigt haben, so viel wie möglich zu begegnen. Die Entwürfe bilden eine untrennbare Einheit, wesentliche Aenderungen ihres Inhalts würde deshalb die Regierung nicht annehmen können. Sie hofft auf Zustimmung um so mehr, als die Vorlage qualitativ, wenn auch nicht quantitativ den Wünschen deS Hauses entspricht. Wir haben deshalb in erster Linie die Frist- wähl und die Gruppenwahl eingeführt. Nun werden wir ja hier wieder hören, daß die Entwürfe blutwenig brächten.(Sehr richtig! links.) Die Frage einer Neueinteilung hat dieses Haus wiederholt beschäftigt. Ter eine Teil dieses Hauses hat eine generelle Neu- eiuteilung gefordert, der andere hat sich mehr auf historischen Boden gestellt. Die Regierung hat sich dem letzteren Standpunkt an- geschlossen. Da halte ich es für müßig, die Gründe für und gegen zu wiederholen. Eine Adoption des Reichstagswahlrechts ist für uns unannehmbar.(Beifall rechts.) Man wirft mir Notgcsetze vor. Wenn es mir gelingen sollte, wirkliche Nöte abzustellen, so würde ich mir darin genügen lassen(Beifall), weil der Geist doch immer noch ctwaS mehr ist als die Form.(Beifall rechts.) In gewisser Hinsicht beneide ich die Anhänger deS ReichstagswahlrechtZ, sie haben es furchtbar einfach(Heiterkeit rechts), die Schablone ist vorhanden. Das Reichstagswahlrccht ist für die Kämpfer in einer großen Zeit geschaffen. Diese Zeit war von dem unbedingten Ver- trauen beherrscht. Man legte die Geschicke des Reiches in die Hände gleichberechtigter, kampferprobter Männer. Und heute? Besteht nicht überall ein bitteres Gefühl der Unlust in unserem öffentlichen Leben? Die Geschichte wird unserer Zeit einst das Zeugnis ausstellen, daß wir dahin gewirkt haben, die ärmeren Schichten an den Wohltaten der Zivilisation teilnehmen zu lassen. Aber sie wird uns auch den Tadel nicht ersparen, daß wir in eine Abhängigkeit geraten sind, die nicht zu ertragen ist.(Sehr richtig! rechts.) ES ist ein Unheil, daß wir alle Gesetze abhängig machen müssen von der Wirkung aus die Sozialdemokratie.(Sehr wahr! rechts.) Es ist ein Unheil, daß unsere Presse nicht mehr in ihrer Gesamtheit das Echo einer selbständigen unabhängigen Partei- Politik ist, sondern umgekehrt eine Diktatur auszuüben beginnt, di« nicht frei«st von Rücksichten auf die Sur» populsriz.(Sehr wahri. rechts.) Abg. Fischbeck(frs. Vp.. schwer verständlich), führt auS. die vor- liegenden Gesetze würden nie und nimmer zu einer Versöhnung führen. Die Vorlagen seien eine Konservierung des Unrechts. (Beifall links.) Herr v. Zedlitz aber hat neulich einen Artikel ver- öffentlicht, in dem er sagt: Wenn Berlin in Zukunft und Rixdorf und Schöneberg einige sozialdemokratische Abgeordnete in den Landtag schickt, so ist das» vom politischen Standpunkt sicher kein Fehler. Wenn wir verlangen, daß Sozialdemokraten in den Land- tag hineinkommen, so verlangen wir das auf Grundlage eines politischen Grundsatzes, eines politischen Prinzips.(Sehr richtig! links.) Für Herrn v. Zedlitz ist diese Frage aber eine politische Spielerei. Der„Vorwärts" hat das in seiner Weise auch sofort quittiert. Er sagt: Die parlamentarische Ohnmacht einer so un- oerhältniSmätzigen Vertretung des Proletariats würde das Volk nicht minder erbittern als die jetzige absolute Rechtlosigkeit.— Die ganze Behandlung der Sozialdemokratie seitens der Freikonser- vativen ist überhaupt sehr eigentümlich. Es hat fast den Anschein, als wenn diese Herren, wie sie sich rechts ein paar Renommier- bauern halten, in Zukunft ein paar Renoinmiersozialdemok�aten schaffen wollen.(Heiterkeit.) Nur zur Kurzweil der Herren p. Zedlitz und Dr. Arendt werden die Leute hier hereingebracht, weil. wie Herr Arendt früher einmal gesagt hat, hier die Debatten zu langweilig sind.(Erneute Heiterkeit.) Na, ich wünsche Ihnen viel Vergnügen, wenn für ihre Konversationszwecke Herr Stadthagen hier eingezogen sein wird.(Große Heiterkeit.) Wir können solche Fragen nur vom Standpunkt eines politischen Prinzips, nicht vom Standpunkt einer politischen Spielerei behandeln. Wir stehen nun einmal einer so großen Volksbewegung gegenüber, und mag sie noch so verderblich sein, wir können an ihr nicht vorbeigehen und müssen sie in konstitutionellen, parlamentarischen Bahnen auch zu Gehör kommen lassen. Wir sind die schärfsten Gegner der Sozial- demokraten, unser unvergeßlicher Führer Eugen Richter hat im Kampfe gegen sie vornan gestanden, und wir werden weiter so ver- fahren, wie wir verfahren sind. Wir sind bereit, uns mit den anderen Liberalen zu verständigen, aber jeder, der uns eine Ehr anbietet, bei der wir die Sozialdemokratie als Schwiegermutter mit in« Haus nehmen, wird von uns zurückgewiesen.(Sehr gut! rechts.) Trotzdem halten wir eS für richtig, der Sozialdemokratie eine parlamentarische Vertretung zu gewähren. Deshalb darf das Wahlsystem nicht so erkünstelt werden, daß diese Partei aus- geschloffen wird. Recht muß Recht und Gerechtigkeit Gerechtigkeit bleiben.(Bravo! links.) Wir stehen grundsätzlich auf dem Boden des gleichen, allgemeinen, geheimen und direkten Wahlrechts.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Wir werden beantragen, den ersten Gesetzentwurf abzulehnen und die Staatsrcgierung in einer Resolution aufzufordern, daß sie uns auf Grundlage dieses politischen Systems eine neue Vorlage macht. Wir wollen ganze Arbeit zu machen versuchen.(Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Dr. Jrmcr(k.): Nachdem der Minister in herzbewegender Weise die Vorlage befürwortet hat, wird es mir nicht leicht, das- selbe zu tun. Wir sind dem Ministsr bankbar für die Entschieden- heit, mit der er die Einführung des allgemeinen» gleichen, direkten Wahlrechts abgelehnt hat.(Beifall rechts.) Die Freisinnigen sprechen von Unrecht. Definieren Sie mir doch einmal, was Recht und waS Unrecht ist.(Sehr gut! rechts.) Nennen Sie es Gerech- tigkeit. wenn die Haupt- und Residenzstadt nur durch das Eintreten der konservativen Partei für den freisinnigen Kandidaten vor der Schmach bewahrt ist, im Reichstag nur durch Sozialdemokraten ver- treten zu sein?(Beifall rechts.) Die Frage der Gerechtigkeit kann man nicht vom naturrechtlichen Standpunkt auS betrachten, sondern von dem deS StaatSwohleS.(Beifall rechts.) Abg Dr. Krause(natl.): Bei der Rede des Ministers dachte ich an ein Sprichwort, daß die Berge gekreist haben und ein winziges Mäuslein geboren ist.(Sehr wahr! rechts.) Weniger als die Vorlage hatten selbst die bescheidensten Leute unter uns nicht er» wartet.(Sehr wahr! links.) Namens meiner Freunde kann ich erklären, daß wir in den Vorlagen auch nicht den kleinsten Anfang einer Wahlreform erblicken.(Beifall links.) Der Minister meinte, er sei mit einem Notgesetz zufrieden. Dies ist aber kein gutes Rotgesetz, sondern ein Flickwerk schlimmsten Grades. Ob man dem Gesetz überhaupt zustimmen kann, darüber will ich noch nicht das letzte Wort gesagt haben. Hätte man wenigstens noch die Zwölftelung eingeführt, so wäre dem plutokratischen Charakter unseres Wahl- rechts wenigstens etwaS die Spitze abgebrochen. Mit derselben End schiedenheit wie Dr. Jrmcr kann ich erklären, daß wir einer Ucber- tragung deS Reichstagswahlrechts hier auf Preußen nie und nimmer zustimmen werden.(Sehr wahr! bei den Nationallibcralen, Beifall rechts.) Neben der Steucrleistung könnte man noch ein zweites Prinzip, das der Bildung, der Erfahrung und des Alters einführen. Möchte doch das ganze Haus an einer Beseitigung der Mängel mit- arbeiten, das würde die größte Tat sein, die das preußische Bürger. tum zur Bekämpfung der Sozialdemokratie tun könnte.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Frhr. v. Zedlitz(fl.): Ich kann aus den Ausführungen des Abg. Dr. Krause nur entnehmen, daß er unter einiger Ver- brämung und einigen Redewendungen die Vorlage annehmen wird. (Gelächter rechts.) Ich kann dem Minister von Anfang bis zu Ende zustimmen. Das preußische Wahlrecht steht turmhoch über dem Rcichstagswahlrecht, weil es nicht kulturwidrig wirkt wie jenes. (Beifall rechts.) Wir wollen an dem preußischen Wahlrecht nicht gerüttelt wiffen, so lange nicht die Möglichkeit da ist, gleichzeitig das unvernünftige Rcichstagswahlrecht zu ändern.(Beifall rechts.) Abg. Vrocmel(frs. Vg.): Eine Ueberraschung hat uns die Debatte gebracht durch die bedeutende Rede, mit der der Minister diese unbedeutende Vorlage eingeleitet hat.(Sehr wahr! links.) Von seiner hohen Warte aus hat er einen Blick auf die großen Kräfte, aus denen die Kultur der Menschheit sich entwickelt, gc- warfen. Der Minister erkannte die soziale Fürsorge an. Ich behaupte, es waren zwei Grundsätze, die diese Fürsorge bewirkten: die Koalitionsfreiheit und das allgemeine Wahlrecht.(Sehr wahr! links.) Ist denn das Dreiklassenwahlsystem etwa geeignet, diese Be- strebungen zu fördern? Wird es dem System der Nivellierung be- gegnen? Es wird doch von allen Männern der Wissenschaft mehr und mehr als ein Konglomerat von Unsinn und Ungerechtigkeit angesehen. ES scheint, als ob Goethe die EntWickelung voraussah, als er sagte:„DaS Unzulängliche hier wird'S Ereignis." Der Minister scheint,«lS er diese Vorlage einbrachte, einfach seine Akten auf- geschlagen zu haben wie ein richtiger Bureaukrat. Da fand er dann ein Minimum von Aktenmaterial, aber es galt für ihn: quock non czt in actis, non est in muncko!(Heiterkeit.) Die wichtigen Er- klärungin der Abgg. Herold und Friedberg scheinen nicht in seine Akten gekommen zu sein. Das ganze Vorgehen erinnert mich an den Ausspruch eines Burcaukraten von 1848:„Was will denn daS Volk?" Es sind manchmal Reste in den Akten geblieben(Heiterkeit), aber sie sind doch immer noch aufgearbeitet.(Erneute Heiterkeit.) Wir wollen die Borlage zunächst ablehnen. Möge daS Haus dann noch eine zeitlang so bleiben wie eS ist, ein Parlament, daS der cstamdre intrcmvablc Ludwigs XVIII. so nahe kommt, wie kein anderes.(Beifall links.) Abg. Dr. Porsch(Z.) verliest eine Erklärung seiner Fraktion, in der es heißt: Die beiden vorliegenden Gesetzentwurfe sollen die schreiendsten Mißstände deS geltenden Wahlsystems beseitigen und enthalten insoweit Verbefferungen. Wir können ihnen daher in der Hauptsache zustimmen. Eine Reform des preußischen Wahlrechts, die wir in scharfer Kritik deS Drciklaffenwahlrechts immer gefordert haben, bringen die vorliegenden Gcfetzcntwürse zu unserem leb- haften Bedauern nicht. Wir verlangen diese Reform nach wie vor, halten es aber nicht für die Sache des Abgeordnetenhauses, einen diesbezüglichen Gesetzentwurf auszuarbeiten und vorzubringen. Nach welcher Richtung sich unsere Wünsche bewegen, hat im Namen unserer Freunde Graf Hompesch im Reichstage ausgesprochen, als er sagte, daß, was das Reich seinen Angehörigen gewähre, auch die Einzelstaaten auf die Dauer ihren Bürgern in entsprechender Weise zubilligen müßten.(Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. v. DziembowSki(Pole) erklärt, die Vorlage halte den Grundsatz hoch, den Minister Frhr. v. Hammcrstein den Polen gegenüber aufgestellt habe: Wir haben zu befehlen, Ihr habt zu gehorchen!(Beifall bei den Polen.) Abg. Oeser(frs. Vp.): Wir sind überrascht über die Stellung der Zentrumsfraktion, die sich damit begnügte, eine theoretische Erklärung abzugeben. Wir halten dies nicht für eine theoretifche Frage, sondern für eine praktische. Der Minister ist ein geistreicher Mann, er hat einen interessanten und eindrucksvollen Vortrag gehalten. Die Darlegungen beweisen aber nicht, waS sie beweisen sollen. DaS Dreikloffenwahlsystem ist doch wahrhaftig nicht daS Bett, in dem die Geister, die aufwärts streben, vorwärts kommen können. Woher kommt eS, daß im Reichstag nicht mehr so viel große Geister sind wie bei Begründung deS Reichs? Doch nur daher, daß die Besten deS Volkes auf Reyierun� und Verwaltung dort nur einon so geringen Einfluß ausüben können! Wenn man daS änderte und das Streben nach oben unterstützen will, so schaffe man hier doch freie Bahn, dann wird man über die Zusammen- setzung des Reichstages bald nicht mehr zu klagen haben.(Sehr wahr! links.) Den Minister frage ich: Wie hängt denn die Steuer- leistung mit dem ethischen Wert zusammen? Man kann nicht sagen, daß bei unserem Wahlsystem einzelne Kuriosa vorlägen. DaS ganze Wahlsystem ist ein Kuriosum. Die Bewegung aus Durchführung des allgemeinen gleichen Wahlrechts in den Einzclstaaten wird an den preußischen Grenzen nicht Halt machen. Der Ruf: Nieder mit dem Dreiklassenwahlsystem! wird so anschwellen, daß er auch hier im Hause einst noch gehört wird.(Beifall links.) Ein Antrag auf Schluß der Besprechung wird angenommen. Auf Antrag des Abg. Dr. Porsch(Z.) werden die Gesetz- entwürfe einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr.(Kleine Vorlagen.) Schluß 3 Uhr. 8o2iales. Ist eS standcSunwürdig, ärztliche Hülfe zu leisten? Die leidige Honorarfrage für ärztliche Hülfe hat bekanntlich in weiten Kreisen der Aerzte in den letzten Jahren ein Vorgehen gegen die Krankenkaffcn gezeitigt, das manchmal schon nicht mehr schön zu nennen war, und die Schlußfolgerung nahe- legte, ob man denn in jenen Kreisen tvohl der Anschauung huldige, daß die Kranken bczw. die Krmcken lassen der Aerzte wegen da seien. Die unliebsamen Erscheinungen sind bekannt, sie drängen die ethische Ausfassung von den ärztlichen Berusspflichten vollständig in den Hintergrund und drücken dem Vorgehen jener Aerziekreise den Stempel einer Machtfrage im Sinne der kapitalistischen Ausbeutungsfreiheit auf. Da ist es nm wirklich einmal als eine Rarität zu registrieren, daß sich ein ärztlicher Ehren- gerichtshof gefunden hat, der das terroristiscye Treiben jener Aerziekreise gegen humaner denkende Kollegen verurteilt.— In Mülheim a. Rh. stueitten vor etwa Jahresfrist die Kassenärzte, um die freie Aerztewahl für die Kassen zu erzwingen. Ein Herr Drs H., der sich in Mülheim niedergelassen und den Kampf gegen die Krankenkaffcn nicht mitmachen wollte, wurde dieserhalb nicht nur von seinen Kollegen„geschnitten", die Herren„Standes- genossen" brachten ihn außerdem auch noch vor das ärztliche so- genannte �.Ehrengerich t", das ihn dann k o st e n p f l i ch t ig mit einer„Verwarnung" bestrafte! Glücklicherweise hatte nun Herr Dr. H. etwas kräftigere Nerven als das sonst bei solchen Vorkommnissen meistens der Fall ist. Er nahm deshalb daS ehrengerichtliche Spießrutenlaufen weniger tragisch und anstatt untertänigst dankend zu quittieren über die„Verwarnung", wandte er sich mit einer Beschtvcrde an den ärztlichen Ehren- gerichthof, der den Verurteilten gegen die Bestrafung durch das ärztliche Ehrengericht für die Rheinprovlnz insofern in Schutz nahm, als das Urteil aufgehoben und der des Verstoßes gegen das ärztliche Standesbewußtsein Angeschuldigte kostenlos freigesprochen wurde. Es mag auf sich beruhen, daß die Gründe für die Aufhebung der ehrengerichtlichen Strafe nur rein formale, auf§ 2v Abs. 3 der R.-Ä.-O. unld 8 1 des Gesetzes über die Freizügigkeit fußende waren. Immerhin verdient es festgehalten zu werden, daß der Ehrengerichtshof das terroristische Urteil des sogenannten Ehrengerichts aufgehoben und ausgesprochen hat. daß das Verholten des Dr. H. kein„standesunwürdiges" gewesen sei. Das ändert natürlich nichts an der allgemeinen Auffaffung über die Schädlichkeit der sogenannten Ehrengerichte, die als Zunft häufig nur zur Niederhaltung der Konkurrenz funktionieren, und noch weniger an der Tatsache, daß Ehrengerichte deshalb eine Ver- urtcilung verlangt haben, weil Aerzte es ablehnten, an dem Er- prcssungsversuch gegen eine Kasse teilzunehmen. Wie Offizierskreise für sich in Anspruch nehmen, daß es zu ihrer Stande sehre gehöre, jederzeit zur Begehung der strafbaren Handlung des Duells bereit zu sein, so erachten Aerzte es als Standespflicht, an Vertragsbrüchen und Erpressungen gegen Kassen teilzunehmen. Mit dem sozialen Tiefstand der jetzt innerhalb der Aerztescheift tonangebenden Kreise werden wir uns ein anderes Mal besckmstigen. Der Liberalismus und das Koalitionsrecht. Wie unsäglich verlottert der heutige Liberalismus ist, beweisen tagtäglich seine Führer und deren Taten. Anläßlich der Aussperrung der Käserci-Arbeiter im bayerischen Allgäu pöbelt der Führer der Liberalen in Sonthofen die ausgesperrten, um ihr Koalitionsrecht kämpfenden Arbeiter an und schreibt im dortigen liberalen Blatt, er sei in der Lage, den Beweis zu erbringen, daß die Ääsebarone da» Koalitionsrccht der Arbeiter nicht beschneiden wollen, indem die nächsten Tage»in Verein arbeitswilliger Käsereiarveiter(von dem liberalen Führer und den Unternehmern) gegründet werde. Wer. zweifelt mm noch an dem Liberalismus der heutigen Liberalen?! Erfolg« bei den GewerbcgerichtSwahlen. In Fürth fanden die GewerbegerichtStvahlen zum ersten Male nach dem Proportionalverfahren statt. Sie brachten den freien Gewerkschaften einen vollen Erfolg. Die Christlichen und die Hirsche, auf deren Antrag der Proporz eingeführt wurde, hatten nicht den geringsten Erfolg, obwohl sie von dem Recht der Stimmenbänfung Gebrauch machten. Ihre Stimmenzahl erreichte die erforderliche Verteilungsziffer nicht, tveshalb sämtliche Sitze den freien Gewerkschaften zufielen. Die Stimmenzahl der letzteren hat sich gegen die letzte Wahl um 79 Proz. vermehrt. Bei der Wahl der Unternehmcrbeisitzer machte» die Sozialdemokraten von dem Rechte der Stimmenhäufung Gc- brauch, wodurch es ermöglicht wurde, daß ihnen zwei Sitze zufielen. SanSS0UCi.S.OraBe4ear Dir. Wilhelm Reimer. Sonnt., Mont., Donnerst.: Hoirnrniiit« Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Sonnt.?q. 5, Wochent. 8 U. Anmeld. f. d. gr. Thcaterlaal z. nächst. Snison(a. s. Mitt- wochs) w. schon jetzt entg. Kitoigs-Vusterhausen. Empsehle mein UllltMöhlMf nebst Reparaturwerkstatt. 5752 rrnet TarH KJnig«-Wueterhausen, CmSl I oslt, Luckenwalderslr. 10. Nestäuront„Zum Prälaten" Rummsleburg. Anh.: F. Boragk. Sonnabend. 31. März: 6rigmal" Karburger Sänger. Direktoren: C. Frlck und Fr. Kasche-Krauee. Ans. 8 Uhr. Entree 20 Ps. Borzugskarten gelten. ?ei(ephtNiokel)M. I.SO Ratbenomer Hugengläser.-°°«_•>- Schildpatt.. 4,50 Opern- u.Relsegläserv. 6.00 an Barometer.�' � /erke, von A. Grün, SMer, Brunnen-Straße 4 ■ am Rnsenthnler Tor. Lieferant der Krankenkassen. ülorUBplittz. Täglich � in ben unteren Sälen Gottschalk-Konzert. Dobersteins Crislall-Palast, Prlnzcnntr. 04.' Täglich:(Bfffllfdjnfts' Abend. Entree und Garderobe stet. Jeden Donnerstag u. Sonnabend - Dumrn-Vcrcln.- ocicn Sonnabend: SjCtra-ßaU. TUMA- 2662« Beste 2 Pfg.-Zlgarette. DreMdencratr. 07 olosseum Spezialitäten OtloSlellelsHsS" Anfang 8 Uhr. Sonntai Eintritt 30 u. 50 P anf( Uhr Kran;- nnd �liiiitfiibiithrrri von Robert Meyer,. nur Minllunlkn-Shnße 2. BereiiiS-Kränzc, Palmen- u. Blninen- Arrangements, Buketts, Gnirlandcn up-" uketnu. preiswert geliesert. 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Der nnferschripbere Notar Witts sieb betrte in das GescIiiiftsJokal d. Vuelta-Abajo-CijiarTen-lDiport-Hanses P. neiaelmer zu Berlin, Unter dem Linden 56, beeeben. Dort war anwesend: Der offen'lieh angestellte beeidigte Bücherrevisor Herr Oskar Lohr rn Berlin, Grcnadientrasae 26. Er ist dem Notar roa Person bekannt legt die anliegende Preisliste vom 90. Jannar 1906 vor nnd erklärt: Anf Grund der Original-Fakturen de? betreffenden Clgarren- bezw. Clgaretten-Fabriken sowie des mir vorgelegten Fakturenbucbes des Vnelta- Abalo-Cigarren-Import-Hanses P. Fleischner zu Berlin. Unter den Linden 56. bestätige icb hiermit, dass unter Zuschlag eines Pauschalbetrages von 16 Pf. pro Kiste Cigarren resp. pro 100 6tnck Ansschnss-Cigarren in Düten bzw. pro 100 Stück Ciearetten, für Zurollen. Abladen. Anspaeksii der Bahnkistea etc. die in der an- la lb ,.. 11 6£*p(ohne Ausstattung). '/loll1/« Colonial Nr. 1.... tdst/r« g'/s Metico-Ausschuss... 7.. 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I2V- Consnino(Immens oe).. mittel.. lOV« Aristocratia(Heg. de la Heina)».. löV« El Defensor(Begalios)... 10 I lV»'t'ranstnartno(Reg. de la Heina)... Vio llV« Kosmos( Regal ia Heina). leicht.. Vm llV« Special(Rezalia Heina)..,.. Vm 1 1 Flor de Brasil(St. Felix) kräftig.. /» 10*/« El Gnsto(hlor fina)... mittel.. 11 Casilla(Couehas).... leicht.. 10 Mahdi(Mexico)..... dunkel.. 11 Tabona(coqueta).... mittel.. 8V> Kleine Bremer(cnpidoe). leicht.. llVs Para la Nobleza(ConcHas),.. II Hellas(Flor Ana)....,,. 13 Extra Ana(Reg. de la Heina) mitttel.. 10V» Marietta(Vorstenl. Decke),.. 12'/« SitioImperialea(Substanf080»)... llV« p'ormosa(Regal.delaKeiiia) leicht., llV« CovUgress(Kegalia de la Esina). leicht. lü"/« Goldadler(Regaliaa) 10«/« Wilh. Teil(Recalias) SV« Migoon(Speciales), lÖV« Admiral(Mexico).. I2Vt Reichapost(Gigantos) 10V» Mexico Ausschuss.. 8 Bras I Cigarillos.. llVs La Turista(Oiit Ring) Vorstenlanden f flauzer-Cigarren.. Paramo(Brasil).... kräftig. Crema de Brasil CtVimeroe)..... Santa Rita(Beg de la Kein«) leicht 11«/« Esquisitos(esqnisitosl.. 11 Bamlerillo(Mexicanos). 10 El Vegero(Brasil).. 10 Diploma(Sumatra).. Ii'/« Princesa(Predilectos).. 11«/« PHanzer(kräftig).... 10«/« Flor Eminente(modern). löV« Manila(Import Kegel).. 10 Leonora(Heina elegantes) 8 Flor de Morales(Trabncos)...... 11 Lisetta(mit Hingen).. leicht... !)'/» El Refinado(favorita)........ 10«/, Marcella(deliciosoa).....»»» 11 Moria(mit King).... leicht... 11.Jnlietta(mit Ring)...»... ll'/s Walküre(Gonzales).....«. 11 Perla Mexicana(speciales) kraftig... 11 La Mejor(modeio coloso) leicht».. 7«/i Honoroso(klein)(renitasfinas)„... 12 Ella(Gonzales)....-,>?-«« 10«/, Feudal(comme II fant). mittel.». lÖV, Manila(Import mit Spitze)»... lO«/« Preferencia(regalia de ja relna)... 9«/« Glückskind(Kegalia Chics)..• 10«/« Marca del Mundo(Regal ins)... 12 Norma(Regalia de la reina)... 10 Flor de Suarez(medianes) kräftig... kräftig. leicht, voll. leicht. mittel voll kräftig, leicht. mittel. leicht. ohne Abnnne- raentskart .. 30.00 .. 35.00 .. 30.00 .. hO. OO .. 35.00 .. hO.OO .. 40, OO .. 40.00 .. 4O.00 .. 45.00 .. 45.00 .. 50.00 .. 50.00 .. 50.00 ..»O.OO .. 50.00 .. 50.00 .. 50.00 .. 55.00 .. 55.0O .. so.00 ,. 60. OO >. 55.00 .. 55.00 ,. 60.00 ,. 60.00 .. 60. OO .. 60. OO .. 60.00 ,. 60.00 .. 60.00 .. 60.00 .. 60.00 ..60.00 .. 65.00 .. 65.00 ,. 70.0O ,. 70.00 . 70.00 ,. 70.0O . 70.00 ,. 70.00 ,. 70.0O . 70.00 . 75.00 . 75,00 . 70.00 . 75.00 . 75.00 . 75.00 . 75.00 . 80.00 . 80.00 . 75.0O . 80,00 , 80. OO . 75.00 . 80.00 . 90.00 . 80.00 . 75.00 . 80 OO . 80. OO . 80. OO . 80.00 . 80.00 . 80. OO . 8.00 . 80.00 . 85.00 . 85.00 . 90.00 . 85.00 100.00 . 90.00 mit Abonne- meot.-kart- 19.00 24.00 25.50 26.00 26.00 28.50 3O.0O 30.50 31.50 33.00 33.00 36.00 35.00 35.50 37.50 38.00 38.50 39.50 39.50 40.00 40.50 40.50 40.50 40.50 41.50 42.50 43.50 43.50 45.00 45.00 45.00 46.50 47.00 46.50 47.80 47.50 49.50 49.50 50.00 50.00 50.00 50.00 50.00 52.00 54.00 54.00 52.50 54.50 55.00 55.00 60.00 57.50 58.00 55.50 57.50 56.30 55.50 58.00 58.00 57.00 55.00 60.00 60.00 60.00 60.00 60.00 60.00 60.00 60.00 60.30 61.50 63.00 63.50 65.' O 65.00 45 46 47 48 49 t9a 5» 61 52 64 55 56 67 58 58a 59 60 61 618 63 64 65 66 66a 67 673 68 6« 69a 70 71 7'a 72 73 73a 4 77, 75a 75b 75c 76 76a 76b 76c 76d 76« 76f 76h 77 77a 77b 77c 78 79 79a 79b 81 81s 80 80a ii liegenden Preisliste als Abonnementspreise bezeichneten Preise den Orlginal-Fakturenprelsen durch- weg entsprechen. Ferner bestätige ich, dass mir Originalbriefe der betreffenden Fabriken mit notariell beglaubigten Unterschriften vorgelegt worden sind, dass s e dem Vuelta-Absjo- Cigarren-Import-Hause PJFIeisohner zu Berlin, Unter den Linden 56, zu den fakturierten Preisen aurser dem Skonto von S4« keinerlei Cxtravergütung irgend welcher Art gewährt Au ssohuap» Cigarren haben. Die Verhandlung und dl« Anliegend« Preie- list« ist dem Beteiligten vorgelesen, von ihm genehmigt und auch eigenhändig durch ihn unterschrieben worden. öffentlich angestellter beeid. Bücherrevisor. Grenadierstr. 25 zu Berlin No«ar 1. Bez. d KgL Prenss Kammergerichts, Berlin NW. Friedricbstr. 131c. Oskar Lohr« Hugo Pohle, Marken leicht mittel. leicht, '/» 7» V» «/M Vm V» Vt« '/« 100 so Im 83 84 85 85a 85b 86 87 u Vm 'Im Im 'Im Vi V» Vm Vm Vm '/» 'Im 'Im 'Im Vm Vm 'Im 8«/< EI Ceflro(Primeros)... 9«/, El Agiiiia f media Regalia) 10«/« John Ciayton(Dipiomaticos) 12 Mimosa(medianos).,. 10«/, La Nadar(Primas)... 12 La Abitndancia(medianos) 11«/« Favorita(comme il taut).. II«/« Preciosa(mit Ring reina victoria), II«/, Dona Rosita(mit Ring). leicht. 11«/« Walder»ee(Bajonetas)..,. II1/» Pedro Rozales(Bajonetas),, 9 Divino(SenoritasJ....,, 11«/« Flor de Alonso(mit Ring),, 12«/, Kaiser Wilhelm II.(Guilelmos),, 9»/« La Datacia(delicias)..,, 12 PrincessofCubaiLondresImperJ,. II'/« Manana flor(Casino)...». >1«/, Flor de Espana(granaderoa),. 9'/, Mylord(Dipiomaticos)..,, 11'/, Brasiliana(Londres)..kräftig. 11 Flor de Silvana(Bajonetas) leicht. 12«/, El Afecto(Imperiales).. mittel. 12 Jaa6 Austen(regalia de la reina).. 13 La Elegante(mit King)., leicht. 12 Margarita(Ausschuss)., mittel. 10V« Distmction(mit Ring),, leicht, 10 Bimbolo(Czarina)... milde, 11 Aribo(Hidalgos).... leicht. 12 Ellen(Graciosos)... leicht. 1 1'/, James Parton(mit Ring) leicht. II«/« Tom Hnxley(Casinoi.. mittel. 10'/, Hamburger Ideal(Primas) voll. 1 1'/« Florida(Modernos)... mittel. 11«/« Flor de Salon(Rothschild).., II«/, Realidad(mit Rmg).. leicht. 10'/, Van Dyck(mit King).. leicht., 10'/» E1 Ave(Flor fina)... leicht., Hamburger Elite Sortiment., 11«/« Singlinde(Aromaticos). mittel., 12 Flor de Flore»(conchitas) mittel. 10«/« Veneria(Brasil-Decke). kräftig., 12 La Costa(mit Ring).. leicht., 10 Roma(Capriebos).,. leicht.. 117« Introduction(reg. chiea). mittel.. 11«/« La Bolera(Bajonetas). leicht., 11«/, Privilegio(mit Ring).. mittel.. S>/, Kleine Harobnrgerm.. voll. Preise pp, IOOO St, ohne mit Abonne- Abmine- mentskart. mentskart. . 90.0O... 66.00 . 100.00... 68.00 . lOO.OO... 69.00 . 100.00 10«, Queen» Bouquet 12 Comercio del .-. leicht.. 12 uomercio net Mar(mit Ring) 12«/« La Dulzurs(Modernes). leicht,. 14«/, Flor de Dahsa(Londres) leicht.. II», Hamburger Krone(Havana) voll.. 12«/« Cabinet(mit Ring)... leicht... II Senales(mit Ring),.. leicht... 147, La Lolita(mit Ring) Granaderoa... II Prinz Heinrich(Aristocrates) Igt/, Flor del Key(mit Ring) Royales... 12(Utanos Imperiales).. mittel... 12 Rendez von»(Specialea). mittel... 137, FlordeSevilanoiGranaderosimittel... II Jose Diaz(Caprichos). leicht... 127, Celebrada(Gonzales).. leicht... 14«/, Flor de Miel(mit Ringen) mittel... 10«/« EI Modeio(Castelares). leicht... 14«/, Manuel Garcia(mit Ring) leicht.., 15 Flor Maria»(mit Ring). mittel... 14«/« Cortesia(Regaiias)... voll... 12 Sol de Cuba(mit Ring). mittel... 17 Rambora(Prima fina). leicht... 17 Flor de Rosas(mit Ring) leicht... gt/, Agrado(Czarina)... leicht... 12 Las Annas(Primera).. leicht... 15 Sol de Flor(Imperiale*), mittel... 100.00 . 100.00. . 100.00, . 100.00 . 100.00. . 100.00. . 100.00. . 100.00, . 100.00. . 100.00. . 100.00. . 100.00. . 105.00. . 100.00. . 110.00. . 120.00. . 120.00. . 110.00. . 110.00. . 110.00. . 120.00. . 120.00. . 120.00. . 120.00. . 120.00. . 120.00. . 120.00. . 120.00. . 125.« O. . 120.00. . 120.00. . 130.00. . 130.00. . 120.00. . 135.00. . 150.00, . 150.00. . 150.00. . 150.00. . 150.00. . 150,00. . 150.00. . 150.00. . 1 50.00. . 150.00. . 150,00. . 150.00. . 150.00. . 1 SO.OO. , 175.0O. 175.0O. 180.00. 200.00. 189,00. 1 75.00. 200.00. 200.00. 200.00. 220.00. 200.00. 225.00. 250 00. 240.00. 230. OO., 195.00.. 230.00., 250.00.. 300.00. 280,00. 68.00 . 69.00 . 70.00 . 70.00 . 70.00 . 71.00 . 72.00 . 72.00 . 73.00 . 73.00 . 74.00 . 75.00 . 75.00 . 75.00 . 75.00 . 77.00 . 80.00 . 80.00 . 81.00 . 82.50 . 84.00 . 35.00 . 85.00 . 88.00 . 89.00 . 89.00 . 90.00 . 89.00 . 90.00 . 90. SO . 90.00 . 90.00 . 94.00 . 95.00 . 95.00 . 95.00 . 99.50 . 100.00 . 100.00 . 100.00 . 100.00 . 98. OO . 100.00 . 100.00 . 103.00 . IIO.OO . 105.00 . 107.00 . 110.00 . 110.00 . 125.00 . 117.00 . 120.00 126.00 125.00 130.00 , 135.00 143.00 145.00 147.00 148.00 150.00 154.00 159.00 160.00 133.00 148.00 173.00 193.00 203.00 ohne mit Alien. Abon.- Karte Karte fa 30er) per 100 Stck. 3.00 2.35 b 3öer)... 3.50 2.73 (0 46er)«„, 4.00 3.10 'd 4.'>er)„„ 4.50 3.48 (E Siier), a. S.OO 3.85 F über)„,« 5.50 4.21 (C 60er). a a 6.00 4.60 iH 66er)« a■ 6.50 4.98 (I 70er)»„« 7.00 5.35 k Iber).. 7.S0 5.73 w gelben Düten an 10 Stück ohne mit Abon.- Abon.- Karte Karte (I 80er) per 100 Stok. 8.00 m 85er) (n 9uer) io lOOer) (p 120er) (P 13f>er) |H IbOer) (t 175er) (u 200er) Berlin, den 30. Jan. 1906. Oskar Lohr, beeidigter Bücher- heviaor, Berlin, Grenadierstr. 25. 8.50 9.00 10.00 12.00 13.50 10-23 15.00 11.35 17 50 13.28 20.00 15.10 fiago Pöble Notap LBezirkd. K gl. Prenss. Kammergeriehta, Berlin NW., Friedrichs». 131c. Versandbedingungen, Mit Bezugekarte s Für etwaige Zusendung in Berlin und nächste Vororte berechnen wir für je 100 Stück M. 0,10 Botenlohn, bei Versand nach ausserhalb für sachgemässe Verpackung usw. gleichfalls M. 0,10 für l'W Stück. Bei sohriitlichen Aufträgen ist die Beangskarte zur Locbnng einzusenden. Die Karte wird alsdann zusammen rnit der Ware zurückgesandt. Die Zusendung erfolgt nur gegen vorherige Einsendung de» Betrages oder gegen Nachnahme inklusive Postspesen. Nach dem Auslände nur gegen vorherige Zahlung. Etwa nicht konvenierende Waren werden nach portofreier Rücksendung nnd in gntem Zustande umgetauscht bzw. der entsprechende Betrag sofort zurückerstattet. Proben als Muster ohne Wert werden nicht versandt. Unterschrift und Adresse bitte möglichst recht deutlich anzugeben. Wenn die gewünschten Marken vergriffen sind, senden wir bei kleineren BesteUnngeo nach unserem besten Gutdünken Ersatz. Markes, die noch nicht bePreise pp. IOOO St. ohne mit Abonne- Abonne- mentskart mentskart Nen eingegangen gM® 93 94 94» 94b 94c 95 96 97 97a 97b 98 Marken gs SS 7 Erna Cigarillos......, 30.00... 19.50 7 Matinee Cigarillos........ SO.OO... 33.00 Kr/« Cassandr»........ leicht 70.00... 49.50 II«/, Basto Sobrins(Mexico)... dunkel 85.00... 63.50 La Celesta..... mittelkräftig 100 OO... 67. OO 12V, König Georg(Imperiales)..... 115.00.,. 80. 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Sonnabend, abends 8 Uhr: Dez- Vogel Ii» Kfiflg. Schansp. in 5 Akten o. St. Großmann. Sonntag, nach in. 3 Uhr: DI« Dsekt der Finsternis. Sonntag, abends 8 Uhr: Die Flire. Montag, abends 8 Uhr: Hofgnnst. Schiller-Thealer N. sFrledr.-ZSIIH. Th.) Sonnabend, abends 8Ubr: Felder unsere Kraft.(1. Teil). Schauspiel in 4 Aufz. von Björnstjerne Björnson. S o n n t a g, n a ch m. 3 Uhr: Domeo und.Julia. Sonntag, abends« U b r: LTeber unsere Kraft.(2. Teil.) Montag, abends 8 U h r: Felder unsere Kraft.(t.Teil.) 65 Abessinier» I Gastans Panoptikum Frledrichstr. 165. Kein Extra-Entree. JKännerchor„Keorpia 1879" □ (M. Ghormeister d. A.-S-B.) Herr Paul Welnrich. Sonntag, den □ □□□ □ □□□ im Deutschen Hof, 25. Dürr, 1006: □ □□□ □ □□□ Luckauerstraße 15, KONZERT □ unter Mirwirkung des Berliner Sinfonie- Orchesters. Dirigent: Maximilian Fischer. Liedertexte gratis.—— Eau che höflichst verbeten. Nach dem Konzert:= BALL.=s Anfang präzise 7 Uhr. Entree inkl. Tanz 60 Pt. Näheres ergeben die Plakate an den Säulen am 25 März. ö Zirkus Albert Schumann Heute abend präzise 7'/, Uhr: XXVII. Grande Solree High Life. Gala-Programm. U. a.: Zum 3. Male: Die neueste Sensation Berlins! Direkt von China importiert. Chinesische Fischer mit ihren hier noch nie gesehenen Lormorants Das gr. Naturwunder. Chinesische Fische fangende Tauchervögel. Zille. Louise Marys Eisbären. Sonntag (ein Stirn • 2 Galavorst., nachm. 3'/, Uhr frei) u. abends 71/, Uhr. Apollo-Theater. 9 Uhr! Täglich: 9 Uhr! Oes biunmelnde Berlin. Burleske mit Gesang und Tanz in drei Bildern von Benno Jacobson. Musik von Rudols Nelson. Im 3. Bilde: La Zlatsclilcl>c. Solo: Liane d'Eve. Vorher 8 Uhr: Die glänzenden Spezialitäten. Sonntag nachm. 3 Uhr: Berliner Luft und Spezialitäten. Metropol-Theater Ifang S Mir. ■'s feig! Große Jahresrovue mit Gesang u, Tanz in 9 Bildern v. Jnl. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Hauchen in all. Räumen gestattet. Luisen-Theater. AbendS 8 Uhr: Der Störenfried. Die Dienstboten. Sonntag nachm.: Wilhelm Tell. Wends: Aus eigenen Aützen. Montag: Auf eigenen Fugen._ Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Morgen nachm. 3 Uhr: Bisderleute. Abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Walhalla-Theater Heinrich Heine. Lustspiel in 3 Alten von A. MelS. Hieraus: Z)ie ZsÜhsus-Hnna. Posse m. Ges. i. 2Akt. v.Dau» u. Haskcl.. Aus. 8 Uhr. Rauchen überall gcslatlct Passage-Theater. Ansang 8 Uhr. Da« neue März° Programm. �ntoinette Sohns Koloratursängerin. Geschwister Flokatl, Gesang und Tanz-Duo. Fritz Slchönhaner mit seinen lustigen Geschichten. 14 originelle Spezialitäten. veutscd Amerikanisches THPATbR. Jeden Ab end 8 Uhr!! Gastspiel Ad. IMilllpp. Sonnt, nehm. 3 Ulir, halbe Preise: Ueber'n großen Teich. Letzte Vorstellungen der australischen Tänzerin Zum 92, Male � 1 j5 Ä. h ft I* C t als Kaiserin der Sahara. Außerdem Sss glmile März-Programm. XI. Berliner Saison. Zirkus Busch. Parade- Gala- Abend. Um 8'/, Uhr! Xeu! Dressierte 70 Eisbären 70 unter persönlicher Vorführung des Herrn Hagenbeck. Zum Schluß(um 91/» Uhr): Zum 125. Male; Die neueste und gröBte Sehenswürdigkeit Berlins: ♦ Indien.# Orig.-Pantom. d. Zirkus Busch. Besonders hervorzuheben: Eine Tigerjagd. Avis I Morgen 2gr. Vorstellungen, nachm. 4 Uhr u. abends 7'/, Uhr. In beiden Vorst.: 70 Eisbären. Indien und die vorzüglichsten Gala- Programmnumraem. Residenz-Theater. Oirehtion: Richard Hlexander. Heute zum 146. Male, morgen und sclgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Satirischer Schwank in 3 Akten von L. Zanros und I. Chance!. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Seine Kammerzofe. Gebrflder Jamilientag Im Hause frellstein mit den Autoren Slnton u. Donath Herrnfeld in den Hauptrollen. Ans. 8 Uhr. Borverk. 11-2 Uhr. Torau-elge! Sonntag, den 1. April: Abschlkds-Vorjttlluiig mit vorhergehendem Festakt u. Verabreichung eines Souveniers in Form eines AlbumS, welches den Werdegang deS Herrnfeld- Thealers mit interessanten Ab- bildungen enthält. 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Jeden Sonntag und Mittwoch: Konzert Theater, Spezialitäten, Tanz. Ans. sonntags 6 Uhr, Mittwochs 8 Uhr. DOM- Sonnabende für sommer- sefte sind noch frei._ palast-Theater Burgstr. 24, 2 Min. v. Bh. Börse. Heute 8 Uhr. Enttee 5« Pf. � Johnke Compap= Reck-Pantomime. Elsa& Magda Evolution aus Doppel-Draht. Montams Hnnde und Katzen. Margarit and Dettmar Tanz-Duo. ne feine Nummer! Burleske von Max Koch_ Kasino-Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Die Herren Söhne. Vollsstück in drei Akten von Walter u. Stein. neue bunte Märzprogrannn. Sonnt. 4 Uhr: Arbeit schändet nicht. Trianon=Theater. Ansang JiOlll Oll. 8 Uhr. Sonntag nachm.: Die herbe Frucht. Reichshal'en. Stettiner Sänger. Einquartieruni. Mit Humoreske v. Meysel Aniang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. ßuslav Behrens Spezialitäten- Ttiealer Frankfurter Allee 85. Das sensationelle, vollständig neue März-Programm. Mr Schlager. 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Preis 1,— M Agitattonsausgabe 50 Ps Die Broschüre enthält reiches Material zur Beurteilung der Volksschulzustände im Deutschen Reiche. Hest 4: Kommunale Wolmuugspolitik von P. Hirsch. Preis 1,— M. Agitationsausgabe 50 Ps. Eine Untersuchung der Ursachen und eine Schilderung der Folgen der Wohnungsnot sowie eine ein- gehende Darstellung der bisher von den Gemeinden dagegen ge- troffenen Matznahmen, daran an« knüpfend die sozialdemokratischen Forderungen. H-st 5: Steuern und Gebilhren von Dr. H. Llndemann. Preis 60 Pf. Agitattonsausgabe 30 Ps. Der Versaffer gibt eine Ueber- ficht über die gesetzlichen Beslim- münzen in den' Einzelstaaten und zeigt, wie innerhalb dieser eine verhältnismätzia vernünftige Steuerpolitik möglich ist. Expedition des Vorwärts Berlin SW.«8 Lindenstr, 69.!�l Allen voran sagten wir uns vor einem Jahre, als wir unser Geschäft gründeten, auch heute stehen wir wiederum allen voran. Blarum? Neil wir mit dem heutigen Tage eigene große Betriebswerkstätten eröffneten. 9436 Herren tragen während des ersten Jahres unseres Bestehens unsere Konfektion. Dieses dürfte ein beredtes Zeugnis von unserer außerordentlichen Leistungsfähigkeit ablegen. Wir haben auch jetzt zur bevorstehenden Frllhjahrs-Saison große Abschlüsse mit den aUerbedeutendsten Fabriken gemacht, so daß wir in der Lage sind, unsere alten Grundsätze hochzuhalten. Unsere Grundsätze: Originalentwurf! Nachdruck verboten. bir verarbeiten nur gute, reelle, ausgeprobte Stoffe. Vir baden In sämtllcben Abteilungen enorme Auswahl. 'ir achten auf tadellose Verarbeitung und guten Sitz. ir werden stets das Neueste zum Verkauf bringen. ir verkanten zu billigen, aber streng festen Preisen. ir haben auf jedem Gegenstand den festen Verkaufspreis mit Zahlen vermerkt. LESKB& LEHRER 78 Kottbuser Damm 78 Spezial-Haus guter Herren- und Knaben-Garderobe fertig und nach Maß. Otto Prltzkows Berliner Abnormitäten- und Biograph-Theater Münzstr. 16. Münzstr. 16. Welt-Biograph W' Sy Sy?????? Die Wunder- Liliputaner! Die Ku�küustlerin' 1' D» wir unsere sämtlichen Maßsachen in eigenen großen, der Neuzeit entsprechend eingerichteten Betriebswerkstätten anfertigen lassen, so richten wir an unsere werten Kunden die ergebene Bitte, uns Maßbestellungen für die Frühjahrssaison schon jetzt zu machen. Wir richten diese ergebene Bitte nur aus dem Grunde an das Publikum, damit wir in die Lage gesetzt werden, die bei uns bestellten Sachen auf das sorgfältigste verarbeiten zu können. Die jetzt bestellten Sachen können auf Wunsch auch später abgenommen werden. IAuf vielseitiges Verlangen aus unserem werten Kundenkreise, denen es nicht mdgtich, am Jubiläums- 1 tage ihre Einkäufe zu machen, haben wir uns entschlossen, auch diesen Sonnabend, den 24. und ISouutag, den 25 März, beim Einkauf eines Anzuges oder Paletots eine hochelegante| bnnte Weste gratis zu verabfolgen.—— Bitte, beachten Sie genau unsere Firma nnd Hausnummer. — Eigene große Betriebswerkstätten: Nene Hobrechfstr. 59—60.>- SozialdemokratisciierWaiilverein für den 2. Berliner Reictistagswahlkreis. (Bezirk 153.) Am 20. März verschied unser treues Mtglied, der HandelSmann Bernhard Hüffner. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 25. d. Mts., nach- mittags t>/, Uhr, von der Leichen- halle des neuen Thomas-Kirch- hoscs m Rixdors, Hermannstratze, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 238/12 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler artur Demuth am 21. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Sonntag, den 25. März, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des Zluserftehungs-Kirchhoses in Weißens« aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. MaeArar. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Heiser Oskar Himitz verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 115/1 Die Ortsverwaltung. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Mechaniker faul Huehedai gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. März, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nazareth-Kirchhoss in Reinickendorf, Bcriinerstratze, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Oie Ortsverwaltung. Zentral-Kranken-ünterstiitzinigs- Vereio der Sctuniede u. verwandten Gewerbe Oeutschl. Zahlstelle Berlin III. Am Dienstag, den 20. d. MtS., starb unser Mtglied Max Pöhnisch im Alter von 21 Jahren an der Proletarierkrankheit. Ehre seinem Andenken! �Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 24. d. MtZ., nach. mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Luisenstädtischen Fried- hoses. Rixdors, Hermannsttaße, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 6g3b Tie Ortsverwaltung. Allen Kranzspendern und Teil- nehmern bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich hiermit meinen tiesgcsühlten Dank. 574L Witwe Ohst, Görlitzerstr. 36. J EineHlark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante(erlige Herren-Garderoben. Ersatz für Maß. Anfertigang nach HaB. Tadellose AnsCUiirung. Julius Fabian, Schneidermeister, ! Große Frankfurter Str. 81, II, Eingang StrauSberger Platz.* Deutscher Metallarbeiter verband. Verwaltungsstelle Berlin. Arheltsnaclm-els; Zimmer 34, Amt IV, 3353 Engel-Ufer 15. Hanpt-Bnrean: Zimmer 1-5. Amt IV, 9679. Sonntag, de» 25. März, vormittags 10 Uhr, bei Bnggenhagen sMoritzplatz), Oranienstr. 147: Allgkineiilt Sllilllhtil-Nnslinlililiiilg der Rehrleger und Helfer Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Branchen-Agitationskommission. 2. Diskussion. 3. Neuwahl der Agitationskommission. 4. Verbandsangelegenhcitcn. 41 nffoivoit 1:9c' der überaus wichtigen Tagesordnung isteS unbedingt notwendig, daß Ihr recht zahlreich und SllHirijru» pünktlich zu der Versammlung erscheint.— Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Achtung! Schlosser! Achtung! Montag, de» 26. März 1906, abends S'/o Uhr, in der„Neuen Welt", Hasenheide 108/114: Allgemtme Versammlung der Schlosser Aerlius und Umgegend. Tages-Ordnung: 114/20 1. Bericht der Kommission. 2. Beschlußfassung über die Vorschläge der Melster-Kommission und unsere ferneren Maßnahmen. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, in dieser Versammlung zn erscheinen. I« dieser Versammlung wird der Tarif der Meister ausgegeben. ___ Die Ortsvcrwaltnng. Vereinigung der Maier, Saekierer, Anstreicher. Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer SS. 7lUäle BeVlitl. Telephon: Amt IV, Nr. 9720. Am Sonntag, 25. März, vorm. von 9—12 Uhr, findet in allen Bezirks- lokalen die Urabstitmmmg über die Jlrbeitslosen-Unterstfitznng statt. Bureau, Engel-User 15, Zimmer Rest. Stramm, Ritterstr. 123. „ John, Lankwihstr. 5. „ Rickert. Steinmetzstr. 35. „ Gädig, Havelbergerstr. 17. „ Hoffmann, Pasewalkerstr. 3. , Bachgänger, Prinzen-Allee „ Rosin, Ruppinerstr. 42. _ Ein jedes Mitglied hat die Tie Lokale sind folgende: 30. Rest. Rensch, WinSstr. 12. Rest. „ Wagner, AndreaSstr. 34. , Weihnacht, Grünstr. 21. . Kluge. FriedrichSberg, Scharn- weberstr. 5. , Content, Weißensee, Lehder- sttaße 5. „ Tressler, Pankow, Florastr. 35. Pflicht, an dieser Abstimmung sich zu beteiligen. 124/13 „Bolkshans", Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Natusch, Wilmersdorf, UHIand- ftraße 71. „Zur Linde«, Friedenau, Katser-Allee. Reisten. Groß-Lichterselde. Chausseestr. 104. Preil, Rixdors, Rosenstr. 24. Die Ortsverwaltung. Anzüge nettester llode Robert Röhn, [Berlin N., Invalidenstr. 135. \ Herren- n. Knaben- Garderoben �fertig u. nach Maß. Streng reell! .KraFI'-RofliwBln .FiirBluiarme p___. ürztlich Süssen � Piigg U.2M, [überall zu haben In Apotheken, Drogen- u. Delika- tessengesch., steht unter ständiger Kontrolle d. ehem. Laboratoriums Dr. C. BischolT. □Rute 6 Mark. Zepernick, nahe der Bahn. Eiinstige Zahlungsbedingungen. Verkäufer tägl. an d. Station Zepernick. J. Uieger, Berlin,(flontardftr.5. Uerband der Fabrik-, Fand-, Dülfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Herlln. Bureau: Limenstt. 215. Geöffnet von 8—1 u. 4—8 Uhr. Tel.: Amt 3, 938. Sonntag, den S5. März 1906, mittaas 12'/. Uhr, im Lokale von Senttleben, Johannisthal, Friedrichstraße, Ecke Köpenickerstraße: Kombinierte Versammlung der Bezirke Schöneweide- Johannisthal. Tagesordnung: 1. Die Zweckmäßigkeit der Einführung eines einheit- lichen Beitrages(Lokalbeitrag). Ref.: Bruns. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. ES ist Pflicht eines jeden, zu dieser Versammlung bestimmt und pünkt- lich zu erscheinen. 64/3 Die Bezirksleitungen. Achtung! Vtaber! �ehtuwB! Vom 26. März bis 9. April tritt für die Kleber die graue Kontroll- marke in Kraft und mutz sich dieselbe im sechsten Felde der Karte befinden. Die Marken werden verabfolgt Sonntag, den 25. Marz, von 9 bis IS Uhr, in folgenden Lokalen: Krliger. Lychencrstr. 8; Stephan, Wienerstr. 31; Dtthling, Kolbergerstr. 28/29; Richert, Steinmetzstr. 35; Pankow, Perleb erger- straße 32; Büttner, Fruchtstr. 54; sowie Sonnabend und Sonntag bei: Herker, Bergstt. 10; Ralk, Charlo«te»burg, Pestalozzistr. 82, Ouergebäude I und im Verbandsbnrean, Engel-User 15, Zimmer 35. 177/16 Die Vcrbandsleitnng. Dr. Simtnel, Spezialarzt sür 29/14* Bant and Harnleiden. 10— 2,5—7. Sonntags 10— 12, 2— 4 Rancht | Spree-Blumen Zigaretten. WWMW _PipeiswerteJ»« Sonntag, den 25. d. mis. M. Levinsohns fierren- und Knabenmoden Berlin, Schönbaufcr HUee 127. Die fertige Konfektion sowie Anfertigung nach Maß werden zu staunend billiges Preisen verkauft. M. Levinsohiiy Schönbaufcr HUee 127. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Mm Bürstenmacher! MN Sonnabend, den 24. März, abends 8'/, Uhr, bei Wolter, Adalbertstrafte 62: Branchen-Versammlung. Tages-Ordnung: 1..Bilder vom russischen Freiheitskampf". Referent Genosse Tarnow. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Um zahlreichen Besuch ersucht Die Brnnchcnkomniisslon. Branche der Bobner. Sonntag, den S5 März 190S. vormittags Punkt 19 Uhr, bei Ahi-ca«, Fruchtstr. 20: Mitglieder Nersammlung Tages-Ordnstng: 1. Unsere Stellung im Verbände. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Wahl einer Kommission. Die Kommission, JVIöbclpolierei*. Montag, den 26. März, abends 8'/> Uhr, im„KLnlgstndt- Kasino", Holzmarktstr. 72: Branchen-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht von der Gaukonferenz. Referent: Koll. Schreiber. 2. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten, Maiseier. 4. Verschiedenes� Obige Tagesordnung verpflichtet die Kollegen, Mann sür Mann zu erscheinen. Die Rranchenleltang. NB. Wir weise» die Kollegen noch aus den heute abend in der „Kvnlgsbank" stattfindenden Raskenball hin Einsetzer! Sonntag, den 25. März, vormittags 9 Uhr, statt- SezirUs-Sitzungen 1. Bezirk: Blumenstr. 33 bei Kabat. 82/13 2.„ Schönhauser Allee 135 bei Sancr. 3.„ Bredowstr. 11 bei Rtlller. 4., Rosenstr. 24, Rixdors, bei Prell. 5.„ Bülowstr. 59 bei Lehmann. 6.. Skalitzerstr. 59 bei Mix. 7.. sVolksbann, Eharlottenbnrg, Rosinenstr. 8. 8.. Wtesenstr. 29 bei ZIetz. Die Adresse der Obleute ist: W. Kaschke, Potsdaurerstr. 84. _ P. Thomalske, Oppelnerstt. 14._ M IlliM 1« Zweigverein Berlin, Sektion I(Brauer). Geschnftsstelle Rerlln C. 54, Llnienitr. 19 1. Fernspr. VII, 2340. Sonntag, den 25. März, nachmittags 2'/, Uhr,' im»Gewerkschaftshause-, Engel- Ufer Nr. 15, Saal I: Vereins-Versammlung. Tagesordnung: 1. Die Aufgabe» des nächsten BerbandStages und Anträge zu demselben. 2. Ausstellung der Kandidaten zur Delegiertenwahl. 3. Innere Veremsangelegenhetlen. 4. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwartet 41/6 Dor Vorstand. Branche der �ÄklHHRkIM. Montag, den 26. März 1906, abends 8'/z Uhr» in den„Andreas-Festsälen", Andreasstr. 21: Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Stellungnahme zum 1. Mai. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen Ist notwendig. Obm Der Obmann. Zur Beachtung!?n,e?ato6,trafee verlegt. bei Clttrtner Die Ortsverwaltung. Zentralvcrband der Steinarbeiter. - Rerlln I.===== Sonntag, den 25. März 199«, vormittags 19 Uhr: Mitglieder-Bersammlung IM„Englischen Garten«. Alexanderstraße 27 o. TageS-Ordnung: l. Bericht über den Stand unserer Lohnbewegung w den Nicht-JnnungS- ästen. 2. Die vorliegenden Anträge zum Verbandstage. 3. Verschiedenes. ES sind besonders die Kollegen aus den�Grabsteingeschästen ein« geladen und auch alle diejenigen Kollegen, die bei Steinsetzern oder in ähn» lichen Geschäften arbeiten.— Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 172/10 Der Vorstand. Aclitiing! Asphalteure und Pappdachdecker! Sonntag, den 25. März, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschafts Versammlung aller in Asphalt- und Pappdachdeckereien Arbeiter Berlins und Umgegend. igten Tages-Ordnung: 1. Wie stellen wir nnS zum Lohntarif? S Verbands- angelegenheiten. 3. Verschiedenes. 290/9 ——• ES ist Pflicht aller Asphaltarbeller, hier zu erscheinen!——■ Die Ortsverwaltnng. Wo? icn wir diesen Sommer unsere Landpartien hin?{ freund. Partien bis 1500 Personen haben bei schlechtem Wetter bequem Platz. ES ladet ganz ergebenst ein Der alte Freund. =�= Küche stet« in altbekannter Litte.-• Wiiimhiiiia □ E ZZ)° Q Besond. vorteilhaft. Angebot» Hausfrauen».Restaurateure von Sonnabend den 24. März bis Dienstag den 27. März er. incl. so lange Vorrat; ca* m ooo Dosen Qemüse=Conserven Leipziger Allerlei, extra fein Leipziger Allerlei, la Leipziger Allerlei I Kaiser-Schoten, extra fein Junge Schoten, I Junge Schoten, II Gemüse Spinat pfefferlinge Wirsingkohl Fleisch waren Pommersche Schlackwurst Pommersche Salami Prima Jagdwurst. Verkauf an Wiederverkäufer findet nicht statt Pfd. 1.10 Mk. Pfd. 1.10 Mk. Pfd. 1,00 Mk. Pommersche Zwiebelleberwurst Pommersche Rotwurst la Bratenschmalz Pfd. 0.50 Mk. Pfd. 0.50 Mk. Ptd. 0.52 Mk. Eine Bark wöchentl. Teilzahlung hsiere Kerren-Koden. Eruate f»r RlaC. Maß-Anfertigung feinst« Verarheltunjc Garantie tadelloter Sitz. J. Kurzberg, Ao der JiMitz-Briicite 1,1 Direkt an» Bahnhof. Kei* W aren-Kre dithaua. W. Eapel, Hut-Fabrik, Skalitzerstr. 131, = Größtes Spezlal-Geschält= für Seiden- und Filz-Hute, Lage1« in BdUriwea and Jflltzen. IM" erölliiet!>«» eröffnet!"VB Centrale filr Herrenmoden 8. LITTMANN nur ZVo« Oraiilen�tra Ue nnr Ä5 Station Hochbahn Orauienstraßc. !! 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Die Vor- läge hat eine längere Vorgeschichte und diese Vorgeschichte enthüllt wieder die altbekannte Tatsache, daß sozialdemokratische Anregungen zuerst verlacht und abgewiesen werden, sich dann aber im Laufe der 'seit durch das innere Gewicht ihrer Gründe den Gegner« zum Trotz durchsetzen und schließlich m dieser oder jener Form greifbare Gestalt gewinnen. Schun tm Jahre 1896 wurde in der Stadtverordnetenver» fammlung beantragt, die Grundsteuer, welche bis jetzt in Berlin uach dem Nutzertrag der Grundstücke erhoben wird, in eine Steuer nach dem gemeinen Wen umzuwandeln. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Das gleiche Schicksal erlitten die sozialdemokratischen Anträge in den Jahren 1900 und 1901 un» noch im Jahre 1902 wurden von dem Vorsitzenden der Steuer» deputativn und einem MagistratSrat umfangreiche Gutachten erstattet, die sich in scharfer Weise gegen die beantragte Umwandlung der Grundsteuer aussprachen. Inzwischen aber hatten auch die preußischen Minister des Innern und der Finanzen die Genieinden auf die Vorteile der Besteuerung des Grund und Bodens nach dem Maßstab des gemeinen Wertes hingewiesen, fast alle Berliner Vor» ortgcmeinven hatten diesen Maßstab zugrunde gelegt, ohne daß die befürchteten Nachteile bezüglich der Schwierigkeit der Veranlagung, der hohen �ahl der Reklamationen eingetreten wären, und so gelang es im vorigen Jahre, den Antrag auf Umwandlung der bisherigen Iiutzernagssteuer in eine Steuer nach dem gemeinen Werl durch» zudrücken. Da dieser Teil der Magistratsvorlage daher auf eine», Beschluß der Stadtverordnetenversammlung beruht, darf die An- «ahme und Durchführung desselben wohl erwartet werden. Ganz anders aber steht es mit dein zweiten Teil der Vorlage: der Ein- führung der Wertzuwachssteuer. Die Vorlage ist bisher in der Stadtverordnetenversammlung nicht zur Beratung gelangt. Man hat die Verhandlungen ausgesetzt, um den Stadtverordneten Zeit und Muße zum Studium der Vorlage und des einschlägigen Materials, der Oeffentlichkeit Gelegenheit zu geben, sich über die Vorlage zu äußern. Wenn das Studium der Materie durch die Berliner Stadtväter in der gleich intensiven Weise erfoloen sollte, wie die Oeffentlichkeit sich bereits mit der Vorlage beschäftigt hat. wird man den kommenden Verhandlungen mit Interesse entgegensehen können. In welcher Weise die gegebene Frist zur Besprechung der Vor- läge benutzt werden würde, war von vornherein klar. Die Einführung einer Wertzuwachssteuer selbst in der denkbar abgeschwächtesteli Form bedeutet einen Bruch mit dem bisherigen Prinzip, die ungeheuren Borteile au» der Arbeit und dem Zusammenleben der Gesamtheit einigen Wenigen ungeschmälert zuzllführen, die sich in, Besitz des Grund ilnd Bodens besinden, im übrigen aber nichts geleistet haben. Ein solcher Versuch wird naturgemäß alle diejenigen zu lebhafter Gegenwehr herausfordern, die an der Aufrcchterhalwng des bis- hengen ZustandeS interessiert sind, und wie die Dinge bei uns leider liegen, gehören diese Kreise zu den einflußreichsten und kapitalkräfngsten. Ganz abgesehen von den geschlossenen Haus» besttzerorganisationen, die sich natürlich wie ein Mann gegen die geplante neue Steuer ei hoben, haben wir in und um Berlin mit vielen Dutzenden von großen Terraingesellschasten zu rechnen. Diese Terraingesellschasten sind fast ausnahmslos nichts weiter, als Tochtergeseufchaften unserer Großbanken und kontrollieren als solche einen sehr erheblichen Teil der Presse und dainit der öffentlichen Meinung. Denn wenn auch viele oder die meisten dieser Gesellschaften ihr eigentliche» Arbeitsgebiet außer- halb des Berliner Weichbildes haben. so handeln sie in ihrer Agitation gegen die neue Steuer ganz folgerichtig nach dein Prinzip des principiis obsta: Hüte dich vor dem ersten Schritt. Gelangt die Steuer in Berlin zur Durchführung, so werden die Vororte, in denen noch weite tn den Händen dieser Gesellschaften befindliche Terrains der Auffchließung harren, sicherlich bald nach» folgen. So sehen wir denn, daß Woche um Woche in den Grund- bcsitzervereinen, in den Organen dieser Vereine, i« Versammlungen, in der hauptstädtischen Presse, allen voran in der liberalen „Bossischen Zeitung" Stimmung gegen die Borlage gemacht wird. Vor wenigen Tagen sind auch die Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin init einer umfangreichen den Stadtverordneten zugestellten Denkschrift auf dem Plan erschienen, um gleichfalls für Ablehnung der Vorlage der plädieren. Es'st erklärlich, daß die Interessenten geschlossen auf dem Kampfplatz erscheinen und solange eS noch Zeit ist, mit allen Mitteln die Durchsührnng der neu geplanten Maßnahme zu hintertreiben suchen, denn das Prinzip der Wertznwachssteuer. d. h die Auffassung. daß die mühelosen und enormen Gewinne, die beim Handel mit Grund und Boden erzielt werden, mindestens zu«inen, Teil der "lllgen>einheit, die diese neuen Werte erst schafft, zugeführt werden müssen, bricht sich erfreulicherweise mehr und mehr Bahn. In der Theorie wird die Wertzuwachssteuer fast allgemein gefordert und die Praxis ist vielerorts bereits an, Werk, den Versuch zur Durch- iührung dieser Forderung zu inachen. In den Parlamenten von Sachsen, Bayern und Baden ist teils ans Grund von Initiativ- onträgen einzelner Parteien. teils auf Grund von RegierungS- vorlagen eingehend über die neue Steuer debattiert worden. Im hessischen Landlag ist im vorigen Jahre ein neues Gemeindesteuer- gesetz beraten worden. in welchem den hessischen Gemeinden das Recht gegeben,'eidcr nicht die gesetzliche Pflicht auserlegt wird. eme Wertznwachssteuer einzuführen. In Bremen, wo man vor zirka 30 Jahren zuerst einen gesetzgeberischen Versuch mit der Wert» ziiwackSsteuer gemacht hat. unterliegt der Entwurf eines Gesetzes über Wertznwachssteuer zurzeit der Beratung sii der Bürgerschaft Die zur Vorprüfung eingesetzte Subkon, Mission hat den Entwurf zu Begilin dieses Jahres mit 7 gegen 2 Stimmen angenommen. Bon preußischen Städten ist die Steuer in Frankfurt o. M. im Februar 1904. in Köln im Juni 1905. in Essen vor wenigen Tagen zur Einführung gelangt. Der Berliner Entwurf ichließt sich eng. teils an die Frankfurter. teils an die Kölner Steuerordnung an. Seine Ivesentlichen Bestimmungen sind die folgenden: Eine Wertzuwachssteuer wird erhoben, wenn der gegenwärtige Erwerbspreis bezw. der gemeine Wert des Grundstück» den für de» früheren EigeiitumSwechfel in Betracht kommenden um mehr als 10 Proz. übersteigt. Bei der Veranlagung ist cS belanglos, ob der frühere EigeiUumswcchscl vor oder nach dem Inkrafttreten der neuen Ordnung stattgefundo» hat. Die Wertzuwachsstcuer beträgt: 5 Proz. der Wertsteigerung, wenn diese mehr al« IV bis einschl. 20 Proz. I""•«»»«20™ i 80„ 7>---».„„„„ 30„» dcS früheren EnverbSprenes bezw. des gemeine» Wertes zur Zeit der letzten Eigent»»,«Übertragung ausmacht usw. je 1 Proz. Wert» steigMlNg bis zum Höchstkatze von 20 Proz. Für bebaute Grundstücke kommen diese Sätze nur zur Erhebung. w.nn seit dem früheren bi« zum jetzigen EigenlumSwechsel höchsten» 5 Jahre verflossen sind. Beträgt der Zeitraum mehr als 6 Jahre »nd höchstens 10 Jahre, so werden zwei Drittel, beträgt der Zeit- iv.lim nicht als 10 Jahre, so wird ein Drittel der borge, lannten Sätze erhoben- Für unbebmue Grundstücke tritt eine Ermäßigung der WerlzuwachSsteuer auf zwei Drittel der Sätze ein. wenn mehr als 10 Jahre bi» höchsten» 30 Jahre und auf ein Drittel, wenn mehr als 20 Jahre seit dem früheren bis zum jetzigen Eigentums- Übergang verflossen sind. Läßt sich der frühere Erwerbspreis oder der gemeine Wert nicht erniitteln, so treten an die Stelle der Wertzuwachssteuer Zuschläge zur Umsatzsteuer in Prozenten des gegenwärtigen Erwerbspreises und zwar bei bebauten Grundstücken bis 2'/z, bei unbebauten Grundstücken bis 4 Proz. Bei AuSmittelung der Wertsteigerung ist von dem früheren ErwerbSPreiS auszugehen, demselben sind aber hinzuzurechnen alle nachgewiesenen Ausgaben für dauernde Verbesserungen des Grund- stückS einschließlich der Straßenbaillosten und der Kosten für den Anschluß an die Kanalisation; bei unbebauten Grundstücken, ivelche der Veräußeret nicht selbst in landwirtschaftlichem oder gewerblichem Eigenbctriebe benutzt hat, eine 4prozentige Verzinsung des letzten Erwerbspreises gegen Aufrechnung aller gegenüberstehenden Einnahmen. Die Differenz zwischen dem früheren Erwerbspreis zu- züglich der vorstehend zugelassenen Anrechnungen und dem gegen- wärtige» Erwerbspreise gilt als Wertsteigerung. Die Berechttgung, ja die Notwendigkeit einer solchen Steuer braucht an dieser Stelle kann, mehr dargelegt zu werden. Auch die Begründung der Vorlage beschränkt sich ans wenige Sätze. Kurz und bündig wird bemerkt:„Daß auch für Berlin die Wirtschaft- lichen Voraussetzungen zur Einführung einer solchen Steuer vor- liegen, bedarf keiner eingehenden Erörterung. Während das an der Peripherie belegene frühere Ackerland zu Baustellen erschlossen wird, weist auch der Abzug solcher Bürger in die Vororte, welche ihren Gewerbebetrieb hierorts behalten, auf eine ausgiebigere Grund- bcsteuerung hin. Denn mit jedem Wegzuge geht das Steigen des BodeiiwerteS in der Altstadt Hand in Hand, die immer mehr zur City wird." Schon eine flüchtige Prüfung der mitgeteilten Bestimmungen wird nun zeigen, daß für uns das wichtigste und beste an der Vorlage die Anerkennung des ihr zugrunde liegenden Prinzips ist. Im einzelnen sind die Bestimmungen schwächlich und diktiert von der ängstlichen Rücksichl, dem Grundbesitz nicht wehe zu tun. Ganz offen gibt die Begründung diese Absicht auch zu:„Die vorgeschlagenen Vorschriften schließen empfindliche Härten aus. Die neue Steuer soll erst bei einer Wert- crhöhung von mlndesteiis 10 Prozent wirksam werden; sodann sind die Sätze verbältnismäßig niedrig und der Schonung des älteren Besitzes ist unter Bevorzugung der bebauten vor de» unbebauten Grundstücken genügend Rechnung getragen." In der Tat läßt denn auch die Vorlage ein wichtiges Erfordernis gänzlich vermiisen, daß nämlich die Steuersätze progressiv nach einem Maßstäbe steigen, der kombiniert ist aus der Höhe der Wertsteigerung und der Länge der Zeit, innerhalb welcher diese Wertsteigerung erfolgt ist. Allerdings kommt der Gedanke, daß die Länge der Zeit seit dem letzten Eigentumsübergang mitbestimmend für die Höhe des Steuersatzes sein müßte, in der Bestimmung der Vorlage zum Aus- druck, daß für bebaute Grundstücke die angegebene» Sätze nur zur Er- Hebung kommen sollen, wenn seit dem früheren bis zum jetzigen Eigen- nimswechsil höchstens S Jahre verflossen sind. Allein diese Bestimmung überspannt diesen Gedanken maßlos ins Gegenteil. ES ist das Selbst- verständliche, daß die in einer Steuerordnung festgelegten Steuer- sätze für alle normalen Verhältnisie Geltung erhalte» und Ausnahmen von diesen Sätzen nach oben oder unten hin nur in besonderen Ausnahmefällen eintreten dürfen. Statt dessen setzt die neue Ber- linir Steuerordnung Normalsätze fest und bessimmt in dem gleichen Paragraphen, daß oiese Steuersätze nur in einigen wenigen Fällen, andere Ausnahmesätze dagegen in der großen Mehrzahl der Fälle zur Erhebung kommen sollen. Wie oben mitgeteilt, sollen die festgesetzten Steuersätze für bebaute Grundstücke nur zur Erhebung kommen, wemi seit dem früheren bis zum jetzigen Eigentumswechsel höchstens 5 Jahre verflossen sind; in allen übrigen Fällen werden nur zwei Drittel bezw. ein Drittel der festgesetzten Steuersätze erhoben. AuS den im zweiten Heft der„Berliner Statistik" veröffentlichten Tabellen geht nun hervor, daß von 1000 bewohnten Grundstücken 280 6 Jahre, 233 10 Jahre und 487 länger als 10 Jahre im Besitz desselben Eigentümers gewesen sind. Das würde also besagen, daß von all diesen EigentumSübergängen zirka 50 Proz. nur ein Drittel, zirka 25 Proz. zwei Drittel der festgesetzten Steuer- sätze zu zahlen hätten, während bei nur 25 Proz. die vollen Steuersätze zur Erhebung gelangten. Diese außerordentliche Schonung d»S älteren Besitzes ist um so ungerechtfertigter, als die Steuersätze an sich sehr niedrige sind und jede Progression über- Haupt aufhört, sobald die Wertsteigerung 170 Prozent des früheren Erwerbspreises erreicht, während doch gerade bei Verkäufen von Grundstücken, die sich lange in einer Hand oder im Besitze einer Familie befunden haben, Gewinne von vielen Hunderten von Prozenten realisiert werden. Ganz richtig kritisiert daher die Denkschrift der Aeltesten der Kaufmannschaft diese Bestimmung dahin, daß es nicht folgerichtig ist, daß der ältere Besitz von der Steuer teils gar mcht, teils nur in ganz geringem Umfange getroffen lverde, denn gerade dieser ältere Besitz habe an dem unvervienten Wertzuwachse den Löwenanteil. Sind die Steuersätze hoch genug, so kann eine Wertzuwachs- steuer, gaiu abgesehen von ihren Vorteilen ftir den Stadtsäckel. auch dazu beitragen, die Grundstückspekulation einzudämmen, und mit diese»'hrer Wirkung tritt die neue Steuerform in den Kreis der Maßnahmen ein, die bei einer Reform de» Wohnungswesens zu berücksichtigen sind. Der von vielen Seiten gemachte Ein- wand, daß dem Grundbesitz auferlegte Lasten keine Besserung der WohnungSverhältniffe herbeiführen, sondern nur schädlich wirken 'önnen. weit am letzten Ende die Grundbesitzer, als die Stärkeren. alle Lasten von sich ab- und den Mietern zuzuwälzen in der Lage sein würden, trifft am allerwenigsten für die WertzulvachSsteuer zu. Eine Grundsteuer wird sich um so leichter überwälzen lassen, je starrer, qle'chföriniger und unabhängiger von den jeweiligen Ertrags- und Wertverhältiitsien sie ist. Sie wird dann leicht den Eharalter in« Reallast annehmen, jedesmal im Preise des Grundstücks zum Ausdruck kommen und alio mietSsteigernd wirken. Alle diese Voraus- fetzungen tehlen aber vollkommen bei der Wertznwachssteuer, die 'in Gegenteil für die»inzelnen Grundstücke selbst bei gleichen ver- laufsw-rte» verlchieden groß ist. Denn der Wertzuwachs und die Länge''er Zeit, in der»r realisiert ist. werden nur in den aller- seltensten Fälle» bei mehreren Grundstücken die gleichen sein. So- mit rscheint die Gefahr der Ucberwälzung dieser Steuer auf die Mieter mehr als bei allen anderen Grundsteuern ausgeschlossen. Die Berliner Steuerordnung bringt nun so niedrige Steuersätze: nur 20 Proz. bei eiuec Wertsteigerung von 170 Proz. und mehr, daß sie'ine Wirkung am die Grundstücksspekulation kaum ausüben wird. E» kommt hinzu,«aß die Vorlage in der Borschrift, daß bei der AuS- n'ittekung der Wertsteigerung bei unbebauten Grundstücken dem früheren ErwerbSPreiS»ine vierprozentige Verzinsung deS letzten ErwnbspreiseS gegen Ausrechnung aller gegenüberstehenden Ein- »ahmen hiiiziigerechnel werden kann, eine Bestimmung enthält, welche die Grundstücksspekulation geradezu sanktioniert. Hat der Grund- stücksspekulam bisher feine Terrain» in der Zeit, in welcher er sie „reifen" läßt, auf irgend eine Weise nutzbringend zu ver- w'rt-n gesucht, so wird er von jetzt ab oll solche Be- mühiiiigen. die'hm nur Scherereien mit der Steuerbehörde bringen. un»erlciffe»». Die vierprozentige, d. h. die landesübliche Verzinsung seiner angelegten Kapitalien bleibt bei der Wertern, ittelung seiner Terra'ns außer Bettacht, also steuerfrei, und damit wird gerade den Grundstücksspekulanten eine Ausnahmestellung zugesichert, wie sie i.inc ander, Steuergesetzgebung den Spekulanten in irgend Ivelchen anderen Waren zugesteht. In Bremen hat man solche Erwägungen angestellt und den betreffenden Paragraphen des Entwurfes nach langen Beralungeii folgendermaßen gefaßt:„Zinsen des An- schoffungspreises dürfen diesem selbst dann nicht hinzugerechnet w-�den, wem, da» Grundstück seit der Anschaffung keinen Nutzen ge- währt hat." )Zus der Partei. Liebknecht und Most. Im Zwickauer„Sächsischen Volksblatt erzählt der Wochenplauderer: Nun ist auch Johann Most heimgegangen. Ein Stürmer und Dränger gar eigener Art war unser„Johann" schon in seinen besten Tagen, wie ich ihn kannte, da er noch in Chemnitz hauste und ab und zu auch in Dresden sprach. In Feuer und Redefluß kam ihm kein anderer gleich, auch in Radikalismus war er uns anderen allen über. Dem gemäßigt auftretenden Lahl- teich gegenüber, der immer würdevoll und abgemessen sprach, war Johann Most das direkte Gegenteil, die beiden konnten sich darum auch nie so recht Freund werden. Fleißig, eine Arbeitskraft, schnell aussasiend und ebenso schnell in die Tat umsetzend— auch wenn das in sich Aufgenommene noch nicht ausgereift war— das war Johann Most und es war Genoffen Liebknecht nicht zu verübeln, daß er den„Zuwachs" aus Wien, der eines Tage» in der Färber- straße zu Leipzig in der Redaltion des„BolkSstaateS" in der Person Most» erschien, etwaS mißtrauisch musterte. Nach Liebknechts Mit- teilung gestaltete sich das erstmalige Zusammentreffen der beiden folgendermaßen: Most: Guten Tag I Ich bin Johann Most aus Wien und stelle mich der Partei zur Verfügung. Liebknecht: Na,'S ist recht! Aber bei un» müssen Sie vor allem wa» lernen I Dieser kurze Dialog war charakteristisch für beide Kämpen. Seit diesen Tagen wußten beide auch, wa» sie von einander zu halten hatten. UebrigeS hat Liebknecht den Fähigkeiten Mösts al» Agitator jederzeit volle Gerechtigkeit widerfahren lassen. In eigener Druckerei und in eigenem Heim wird vom 1. April ab unser Hannoversches Parteiblatt, der„ V o l l S w i l l e" hergestellt werden. Bereits iin Sommer vorigen Jahres wurde für den Preis von 147 000 M. ein stattliches, an bester Lage sMünzstraße 5) gelegenes HauS erworben und inzwischen zweckentsprechend eingerichtet. Die Uebersiedelung findet am 31. März statt. Sämtliches Inventar und sämtliche Maschinen der Firma Dörnhe u. Löber, die bisher den Druck des Blattes besorgte, werden mit übernommen. Neuangeschafft wurden eine sechzehnseitige Rotattonömaschine und eine zweite Schnellpresse. Der.Volkswille", der jetzt eine Auflage von 18 500 hat. wird künftig ntindestens achtseitig erscheinen. Mit der Einrichtung der eigenen Druckerei für daS Parteiorgan wird zugleich ein Mittelpunkt für die verschiedenen Zweige der Arbeiterbewegung geschaffen. Der Verband der»Fabrik-, Land-, HülfSarbeiter und Arbeiterinnen, der Verband der Brauereiarbeiter, das Arbeitersekretariat mit zurzeit zwei Sekretären, das Gewerkschaftssekretariat sowie die beiden Parteisekretariate(für die Provinz und für die Stadt) werden in dem Gebäude, das mit emem elektrischen Aufzug und Zenttalheizung versehen worden, ihr Domizil auf- schlagen. Die Anstellung eines besoldeten Beamten für die polittsche Organisation des 8. hannoverschen Wahlkreises war bei dem ge- waltigen Anschwellen der Mitgliederzahl— zurzeit 5750— und den infolgedessen sich häufenden Arbeiten nicht mehr zu umgehen. Auch die Anzahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter ist in Hannover- Linden dermaßen geivachscn, und gleichzeitig haben die Arbeiten des— 1898 gegründeten— ArbeiterfekretariateS einen derartigen Umfang angenommen, daß das Gewerkschaftskartell zur Anstellung eines Sekretärs schreiten muhte. Dem Gewerkschastskartell waren am 1. Januar dieses Jahres 20 719 organisierte Arbeiter an- Seschlosien; der Vermögensbestand belief sich auf 27 015,24 M. n»gesamt dürfte Hannover-Linden gegen 25 000 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter zählen. Die Organe deS Brauer- und des FabrtkarbeiterverbandeS. die„Brauerzeitung" und„Der Proletarier". von denen die erstere �0 000, der letztere 100 000 Exeniplare Auflage hat, werden künftig in der Druckerei des„Volkswille" hergestellt. ES geht vorwärts mit Riesenschritten. Beide Zweige der Arbeiter- belvegung schreiten machtvoll voran. Die Anstellung eines Parteisekretärs mit dem 1. Mai d. I. be- schloffen einstimmig die Genoffen deS Wahlkreise« Düsseldorf. AIS AnfangSgehalt wurden 2000 M. festgesetzt. GeweinderatSwahlflegc. Bei den Kommunalwahlen in Weiß- wasfer sOber-Lausitz) wurde der Genosse Gebauer in der 3. Wähler- klaffe mit 281 Stimmen gegen 103 der Gegner gewählt. vollrelttckte«, Lericdtlicde» üb». Die empfindliche Polizei. Der Maurer Reinhard Sprenger sollte zu OelSnitz tm Erzgebirge in einer Versaimiiluiig den über- wachenden Beamten durch die beiläufig in einem Gespräch gefallenen Worte beleidigt haben: Der hat sich aber heute blamiert. Obgleich der Angeklagte behauptete, er habe damit den Referenten gemeint, und ihm niemand daS Gegenteil nachweisen konnte, wurde er zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt. Hus der frauenbewegung. Wilmersdorf. Der hiesige Frauen- und Mädchen-Bildungsverein hielt am Donnerstag im Lokal von KäSler eine gut besuchte Mit- gliederversammlung ab. Zunächst referierte Frl. Baader über: .Wohnung und Familienleben". Di« dem mit großem Beifall auf- genommenen Bortrag sich anknüpfende Diskussion bewegte sich im Sinn« deS Referat». Di« Anwesenden wurden ersucht, immer neue Mitglieder zu werben, und für das Abonnement der„Gleichheit" Sorge zu tragen. Aufgenomnien wurden 8 neue Mitglieder. Nächste Versammlung findet am 19. April statt. Mariendorf. Der Bildungsverein von Mariendorf und Um- gegend hielt am 21. März bei Müller, Tempelhof. seine Mitglieder- Versammlung ab. Herr Emil Eichtet hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über„Moderne Sittenlehre". Die Ver- sammlung war leider nur mäßig besucht, besonder» die Tcmpelhofer Genossinnen glänzten durch Nichterscheinen. Die nächste v«rso>l>n,lun.i findet am 25. April bei Reichardt. Maricndorf statt. Da« Aug, de« Gesetze«. Ehret die Frauen— aber fürchtet beredten Zungenschlag, so dachten die tapferen Wirte in Zwiesel fNiederbayern) und verweigerten ausnahmslos die Hergab« ihrer Lokalitäten für eil« Versammlung, in der eine— Frau sprechen sollte. Schließlich wurde aber doch eine Kegelbahn zur Berfügung gestellt. Selbstverständlich fand auch die heilige Hennandad sich em. damit nicht durch heftiger Rede Kraft de« Staates stützende Ordnung gefährdet werde. Aber amtlich sind die Beamten wohl nicht au? Äegelbahnlust geeicht, sie forderten für sich. 4 Mann hoch, ein ge- heizte» Zimmer. Natürlich wurde der Wunsch erfüllt. Die Tempc- ratnr in der Gaststube, in welcher die Hüter der Ordnung Platz nahmen, schien ihren Anforderungen zn genügen, i» guter Laune „überwachten" sie von ihren molligen Plätzen au» die Versammlung, die in der ein paar hundert Schritt entfernt liegenden Kegelbahn abgehalten wurde. Die Polizisten müssen sich außerordentlich langer Ohren erfreuen, wenn sie von der umstürzenden Rede etwas ver- standen haben. Natürlich was nachher im Protokoll steht, da« gilt als lautere, objektive Wahrheit. In Zwiesel muß vorläufig die Genialität der Dorfsicherheit die Kosten der heiteren Unterhaltung tragen. Zeder Arbeiter, Jeder Handwerker sollte 2iir Hrbelt die Lederhose Herknles tragen. Allein-Verkaus. Sehr starkes Leder in praktischen grauen u. braunen Streisen. auch einfarbig. Am Bund aus einem Stück gearbeitet Sebr teste Kappnähte. Haltbarste Pilot- Talchen Graste Flicken umsonst. Die Hose I bei Entna?me�ö!7l /§ /vn» 6 Stück W'Jif|*§: Ml. 50 Manchesler-Hosc Marke Gam- brmus,'Zwirnkette.. 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Anncnstraße 16, Hof parterre._ 236/14 Qstertanzkurse, L-onntagskurse. sämtliche Rundtänze, inklusive Walzer, Herren 5,00, Damen 3,00, Auch Vorortbewohnern empfohlen. Grupes Tanzschule, Annenstraste 16. 236/12* Vermietungen. Wodouoge». Borderwohnung, 2 Stuben, Küche sofort vermietbar wegen Versetzung. Buse, Kronprinzenslratze 9, II(Osten). Zimmer. Körnerstrafte 16, vorn n(Nähe Potsdamer- und Lützowstraße), Zimmer für Dame._ 689b* Parteigenosse», welche Vertrieb des FreidcnkerblaltcS„Atheist" über- nehmen, werden in allen Städten ge« sucht.„Atheist"- Verlag, Nürnberg, Adamstraste. 688b Goldletste»- Belcgerinncn werden verlangt Köpenickerstraße t09a. 691b Geübte Tabaksortiereriune» sowie Lehrmädchen, welche diese Arbeit er- lernen wollen, per sofort gesucht. Zigarettcusabrik„Josetti", Inhaber Meoer u, Peters(Genoffenschast mit beschränkter Haftung), Nene Friedrich- straste 9/10. 289/7 Bcblafsfellen. Teilnehnier zur möblierten Schlaf stelle gesucht, ,-crau Jacobcy, Kol bergerstraste 26, III._ 78b2 Besser möblierte Schlafstelle (Herrn), DreSbcnerstraste 58 III rechts. Freuntzliche Schlafstelle sür zwei Herren Wusterhauscncrstraße 8, II, Zwei anständige Schlasstclleii zu vermieten. GranowSly, Frcicnwatder straste 22, II._+99* Nietsgesuch* Zwei Herren suchen möblierte Schlafstelle, Südosten. Klinnert, Memelerstraste 82. filö �rbeitsmarkt. Stellengesuch«. Blinder Stnhlflcchter bittet um Arbeit. Stühle werde» abgeholt imb zurückgeliefert, A. Gläjer, Mnlack- straste 27. 1468b Stolleoongehot«. Schlosser, selbständig aus Geld- uud Brieffachschränke, schlostbau. Fuhrmann, Köpenickerstr. 114. 666b* �GrnveurleHrllug verlangt Woller, Kommanbanienstraste 53. 686b Schmiedelehrling verlangt Pappel- allce l2. i-58 Geübte Zaunaufsteller finden so- fortige Befchäftigung bei Hugo Wolff u. Paul Friedrich, Drahlzaunsabrik, Friebrichshagen, Seestraste 42. 2.36/15 Fünf tüchtige Schleifer und Mar- mor-Versetzcr verlangt Hartge, Müller- straste>44. Dauernd, sofort. 701b Kistenmacher verlangt Groste Hamburgerstraste 20. Eckert, 262/7 Verleger, tüchtige, ielbstandtge sür fugenlose Steinholzsustböden sofort ge- suait. Deutsche Steinholzwerke, Kant- straste 38a. 1397K Goldleiften-Walzcr wird veriaugl Köpcnickerslrastc 109a. 690b Deckenrohrer verlangt sofort E. Weise junior. Wilmersdorf, Prinz- Regentcnstraste 62. 692b» bei«0 WM" kvllktv l.egs»' Pf. Stundenlohn, sowie geübte HUkk>arI»?I»ci- gesucht. ßerlincr Lapicion Merke. Meldungen aus der Arbeitsstätte L.indowcp»ti-. 18/19. 5502* Zeitungsfrauen sofort verlangt Prinzeiistraste 4t._ 103/17* Zeitungsfrauen finden dauernde Beschäftigung.(Tour Mauerslrastc.) Meldungen Schützenswaste 22. 103/18* Im Zlrbcitsmarkt durch besondere» Druck hervorgehobene Anzetgen kosten 30 Pf. die Zeile. Ei» erster Rkdlillikllr für die„Köuigsberger BolkS- zeltung" wird von sofort gesucht. Meldungen sind zu richten au A. JErdmann. KUnigsbcrg, llnterhaberberg 8d II. 5632* Siliniifbe, S'rislofct, Jlictct, 5ttst»l«st>tr(inazitrr) Slhrtillkr Wagplabrik Aktiengesellselialt RaStÄtt(Baden). 206/3* Former mif Lanipen und Kronen, 30— 40 Jahre alt, erhält sofort nute, dauernde Stellung in Maimö, Schweden. Freie Reise. 104/15 Meldung bei Herrn kdahnsiräni, Hotel Briese, Unter den Linden. Sonnlag 10—12 Uhr. Dentscher Kuchbmdkr- Net band. (Zahlstelle Berlin.) Wege» Lohndifferenzen Ist das Personal der Firma Pritr Leonardin, Luruspapicrsabrik, Köpenickerstr. 112, entlassen worden. 23/12 Der Betrieb ist sür Goldschnitt- macher, Luxuspapier- und Karto- nagenarbeitcr und-?lrbeiteri»nen. Präger und Prägen»neu, sowie Monogrammprägcrinncn gesperrt, l»i« Oetsvei-waUuiig. Parkettboilenleger! Auf den Bauten in Buch haben »-Sodk»Ikgtrx,NA»x- die Arbeit eingestellt. 82/14 Zuzug iernlialteii! Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Lnseratenteil veranlw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Vuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Redabtion und Bxpedition: Berlin, Cindcnttr. 69. fernlpredier: flmi II, 1983. Nr. 70. Sonnabend, de» A4 März IZXZV. Inserate SechzgelpZttene Boloneleelle 20 Pfg. Bei größeren flufträgcn entsprechenden Rabatt. Hud Induftrie und Handel. Was sie„verdiene»". Die Verwaltung der Maschinenfabrik Khffhäuser hat das Miß- fallen der Börsenleute und Aktionäre erregt, weil die diesjährige Dividende nicht die vorjährige von LO Proz. erreicht. Allerdings für die Kyffhäuser Aktionäre ist das ein harter Schlag, sie sind an ganz andere«Papierlöhne" gewöhnt. Die Gesellschaft wurde im Jahre 1897 mit einem Kapital von 490(XXI M. gegründet. An Dividenden wurden verteilt bis 1993: 19, 13, 16, 17Vz» 20, 45 und 60 Proz., in sieben Jahren 181'/» Proz.! In derselben Zeit sind zirka SSO 999 M. für Abschreibungen und Reserven verwandt. ES ist in der genannten Zeit das Aktienkapital l'/�mal in Gestalt von Dividenden zurück- gezahlt worden und 1>/zMal wurde das Kapital abgeschrieben. Da- mit waren die Herren Aktionäre aber nicht zufrieden, sie wollten auch den Wertstand ihres Papierbesitzes steigern durch Einführung an der Börse. Zu diesem Zwecke mußte das Aktienkapital auf eine Million Mark erhöht werden. Das geschah, die Aktien wurden zu 312 Proz. eingeführt, der Aktionär konnte sein Papier zu einem mehr als dreifachen Preis verkaufen. Den höchsten KurS erreichten die Aktien mit 399,59 Proz. Allerdings die Dividende ging zurück! Das erhöhte Kapital arbeitete noch nicht mit. war aber gleich dividendenberechtigt. ES mußte erst der Betrieb erweitert und neue Fabrikation aufgenommen werden. Trotz- dem wurden für 1994 doch noch 29 Proz. Dividende verteilt. Läßt man den Umstand der Kapitalserhöhung unberücksichtigt, so ergibt sich für die acht Jahre Geschäftstätigkeit pine Ausbeute von 946000 Mark auf 499 999 Mark Kapital. Das„verdienen" die Aktionäre! Bitteres vom Zucker. Infolge stärkeren Verbrauches, insbesondere durch Exportsteigerung hervorgerufen, ist der Preis des Zuckers auf den Hauptmärkten seit dem 1. März um zirka 45 Pfennig pro 199 Kilogramm gestiegen. Der Jnlands�konsum ist minimal, der Export um zirka 35 Prozent gestiegen, schlechte Verhältniffe auf Kuba sind die Ursache. Man erwartet noch ein weiteres Anziehen der Ausfuhr nach Amerika, wenn das herrschende Regenwetter auf Kuba noch länger anhält. Produktionsrückgang— Ueberschußsteigerung! Bei der B e r g b a u- A.-G. Massen ging infolge des Bergarbeiterstreiks die Förderung pro 1995 auf 473 924 Tonnen zurück; die Förderung des Vorjahres belief sich auf 595 494 Tonnen. Trotz des Minus von 9,48 Proz. bei der Produktion stieg der Betriebsüberschuß bei der Kohlen- sörderung um rund 139 999 M., von 399 162 M. auf 519 527 M. Die Selbstkosten gingen zurück— von 8,15 M. auf 7,94 M. pro Tonne— die Preise stiegen! Auch die Aren bergsche A.-G. für Berg- bau- und Hütten betrieb erzielte bei verminderter Produktion höheren Gewinn. Die Förderung betrug in 1994: 1 491 296 Tonnen, in 1995 nur 1 394 643 Tonnen, der Betriebsgewinn stieg aber und zwar von 3 569 327 M. auf 3 793 892 M. So erholt sich das Kapital von den Streikwunden. Die Kommission zur Hebung der deutschen Wollzucht hielt kürz- lich eine Sitzung ab, an der Vertreter des Landwirtschaftsministeriums und der Landwirlfchaft teilnahmen. Es wurde darüber geklagt, daß durch ungeeignete Ernährung der Schafe und mangelhaste Behand- lung der Wolle nach der Schur die Qualität sehr leide, wodurch der Landwirtschast jährlich viele Millionen Mark verloren gingen. Weitere Materialsammlung und entsprechende Verwertung, event. die Abhaltung von Wanderversammlungen, sollen erzielen, der not- leidenden Landwirtschaft zu zeigen, wie— ohne Schutzzoll— noch mehr wie bisher aus den landwirtschaftlichen Betrieben herausgeholt werden kann. Dir Bautätigkeit hat im lausenden Jahre sehr zeitig eingesetzt. Durch die Witterungsverhältuisse äußerst begünstigt, herrscht im Bau- gewerbe vielerorts schon eine rege Täligkeit. Seit Jahren schon war die Arbeitslosigkeit im Februar nicht so niedrig gewesen wie im laufenden Jahre. Es waren im Verbände der Zimmerer nur 13,18 Prozent der Mitglieder arbeitslos gegen 19,91 im Februar 1995. Am wenigsten entwickelt hat sich das Baugeschäst bisher in Ost- und Westpreußen, teilweise wegen ungünstiger Witterung; dagegen Ivird besonders in Dauzig. Graudenz, Königsberg, Memel eine lebhafte Saison erwartet. In der Provinz Brandenburg ivird schon flott gebaut, in Frankfurt a. O. wird die Fertigstellung der im Bau de- griffeuen Häuser ganz besonders forciert, da für das Frühjahr er- hebliche Lohnforderungen und in Verbindung damit lebhafte Arbeits- kämpfe erwartet werden. Ziemlich unbefriedigend ist die Lage in der Provinz Sachsen; die Ansätze der FrühjahrSbelcbung zeigen sich nur recht spärlich, die Aussichlen werden in Dresden, Chenmitz, Leipzig als ungünstig, zum mindesten als mäßig bezeichnet. Auch in Schlesien herrscht noch vielfach Ruhe im Baugewerbe, nur in Breslau und Liegnitz wird schon flott gebaut. In Beuthen, Glogau und Görlitz ist der Beschäftigungsgrad im Baugewerbe noch matt. Zollreform in Dänemark. Seit längerer Zeit ist man in Däne- mark mit der Vorbereitung einer Reform des in verschiedener Hin- sichl veralteten, aus dem Jahre 1863 stammenden ZolltarifeS be- fchäftigt. In deutsche» Preßorganen ist mehrfach der Verinutung Ausdruck verliehen worden, daß diese Reform im protettionistischen Sinne erfolgen werde. Hierzu schreibt der Handelsvertrags- verein: Ein Sieg der dänischen Schutzzöllner ist auf absehbare Zeit nicht zu befürchten. Dies ergibt sich neuerdings wieder aus einer handelspolitischen Programmrede des dänischen FinanzministerS Wilh. Lassen, in der er am 16. März im Folkething die leitenden Prinzipien der Zollreform darlegte. Danach erfolgt die Ausarbeitung der Regierungsvorlage unter folgenden GesichlSpunkten: 1. Es wird festgehalten an dem Prinzip des Einheitstarifes. Wir werden nur einen Tarif vorschlagen und unser handelspolitisches Verhältnis zum Auslande wird wie bisher auf dem System der Meistbegünstigung beruhen, das auch die Basis für unsere Handelsverträge bilden wird. Freihandel ist deS- halb für uns die einzig mögliche Politik. 2. Die Regierungsvorlage wird im allgemeinen eine Er« Mäßigung des bestehenden Zollschutzes bringen in Uebereinstimmung mit der früheren Stellung des Folkething und seiner letzte» Abstimmung über daS Zollgesetz. 3. In Verbindung mit der Ermäßigung der Schutzzölle geht eine Herabsetzung der Zölle auf wichtige Rohmaterialien. 4. Endlich wird die Vorlage teils Zollerinäßigungen, teils Zoll- freiheit für verschiedene ivichtige und unentbehrliche Konsumartikel bringen, wie Petroleum, Reis, Kaffee, Salz. Der Minister fügte noch hinzu, daß in Verbindung mit der Zoll- reform keine Erhöhung der Branntweinsteuer oder Biersteuer vor- geschlagen werden wird. Ebensoivenig soll eine Abänderung des jetzigen Verhältnisses zwischen Zuckerzoll und Zuckersteuer im fiskalischen Interesse erfolgen.— Unseren Genossen geht da? Zugeständnis natürlich nicht weit genug, sie fordern nicht Herabsetzung, sondern Aufhebung der Zölle auf alle Konsumartikel. Deutschlands Außenhandel mit Erdöl im Januar 1906. Nach dem Januarheft 1996 der„Monatlichen Nachweise über den aus- wältigen Handel" betrug die deutsche Einfuhr von Erdöl im Januar 1996 im SpezialHandel 196 449 Tonnen gegen 155 197 und 157 188 in den beiden Vorjahren, daher mehr 41 243 und 39 252 Tonneu. die Ausfuhr nur 1423 gegen 1517 und 1533 Tonnen. An der Einfuhr- steigerung sind hauptsächlich beteiligt: gereiuigtes Erdöl mit fast 49 000 Tonnen �Gesamteinfuhr 174 377 gegen 134 699 und 139 174 Tonnen). Die Vereinigten Staaten von Amerika, Rußland und Oesterreich-Ungarn sind an dieser Zunahme beteiligt. Da der Zoll derselbe geblieben ist, ist die Zunahme auf die Tarifänderung nicht zurückzuführen. Trotz der jetzigen Ermäßigung des Schmieröl- zolleS von 109 auf 60 M. für die Tonne hat die Schmieröleiuftthr um über 1399 Tonnen zugenommen. Auch hier sind die Vereinigten «r Staaten an der verstärkten Zufuhr hauptsächlich beteiligt. Partei-EtogelegenKeiten. Achtung! Am Sonntag, den 25. März, wird Genosse Eduard Bernstein in den Arminhallen, Kommandantenstr. 29, präzis 2 Uhr nachmittags, einen Vortrag über Die Geschichte der Berliner Ardeiterbewegung halten.— Es ergeht hiermit die Bitte, besonders an die älteren Genossen, diese Versammlung recht zahlreich besuchen zu wollen. Einer oder der andere unserer alten Parteifteunde dürfte noch im Besitze von Material sein, welches aus der Zeit von 1869—1899 herrührt. Speziell für die Periode vor und während des Sozialistengesetzes sind Dokumente, Schriften, Flugblätter lind Nachrichten, die sich auf jene Zeit beziehen, schon recht selten zu erlangen. Auch Porträts der damaligen führenden Genossen, Bilder der Versammlungslokale, wie z. B. Alhambra, Alter Handwerker verein. Universum. Alte Linde sind für die Ausarbeitung der Geschichte der Berliner Sozialdemokratie, die Genosse Bernstein im Austrage Groß-BerlinS schreibt, von ungemeinem Interesse. Wer im Besitze solcher Dinge ist, wird gebeten, diese leihweise dem Genossen Eduard Bernstein, Berlin W. 39, Eisenacherstr. 36/37, zu überlassen oder in der Versammlung zu übergeben. Für Rück- lieferung im Originalzustande wird garantiert und kann jeder Ge- nosse, der im Besitze passenden Materials ist, daS Werk dadurch fördern helfen. Um zahlreichen Besuch der Versammlung ersucht Der AktionS-AuSschuß. Zur Lokallifte. DaS Restaurant von Emil Paschke, Jnterlaken bei Woltersdorf ist für die organisierte Arbeiterschaft gesperrt. Die Lokalkommission. Eichwalde. Die Mitgliederversammlung deS Wahlvereins fällt diesmal aus. Sonntag, den 8. April findet eine Volksversammlung bei Heinrich, Hankelsablage, statt. Tagesordnung: Agitation zum Austritt aus der Landeskirche. Die Genossen werden ersucht, zahl- reich zu erscheinen. Wilmersdorf, Am Sonntag, den 25. März, früh 7'/, Uhr findet eine Handzettelverbreitung statt. Die Genossen werden dringend ersucht, sich in den Bezirkslokalen recht zahlreich einzufinden. Deutsch-Wusterhausen. Morgen nachmittag 3 Uhr siitdet bei S offmann eine Volksversammlung statt, in welcher Fräulein Ottilie aader einen Vortrag über:„Die Lebensmittel-Verteuerung und der heutige Klassenstaat" hält. DeS interessanten Vortrages ivegen ist es Pflicht sämtlicher Einwohuer Deutsch-WusterhausenS und Umgegend, besonders der Frauen zu dieser Versammlung pünktlich zu erscheinen. Der Einberufer. Vorort- I�sacKricKten. Zur Lemeinckeivahlbmegung. Johannisthal. Am Mittwoch, den 21. März, war von bürger- sicher Seite eine öffentlilbe Wählerversannnlmig einberufen, zu welcher außer unseren Genossen nur zirka 25—39 Herren erschienen waren. Unsere Parteigenossen waren in einer Stärke von mehr als 199 Personen vertreten. Ein Herr Riedel eröffnete die Versammlung und hielt zugleich einen Vortrag, in welchem er bewies, weS Geistes Kind er ist. Geradezu komisch und erheiternd wirkte es, als er aus- führte: Bismarck— Er meinte jedenfalls Bülow— habe im Herren- hause erklärt: Der Kampf gegen die Sozialdemokratie müsse mit aller Kraft geführt werden, dieserhalb wäre auch diese Versammlung einberufen. Unter anderem behauptete er, daß Leute, die Tags über vom Orte abwesend seien, die Verhältnisse des Ortes nicht genügend kennen und deshalb auch nicht ins Dorfparlament gehören. Wir raten diesem Herrn, er möge sein Stellmacher-Handwerk an den Nagel hängen und als Agitator in den Reichsverbaud zur Bekämpfung der Sozialdemokratie eintreten, um dort seine Weisheit zu verzapfen. Abbruch können uns solche Leute nicht tun, fondern nur für uns werben. Alsdann trat Herr Stockhausen, seines Zeichens Drogen- und Parfnmeriehändler, in die Arena, und wies auf die nenliche „VorwärtS"-Notiz hin. in der er als„berühnit gewordener Durch- fallsknndidat" bezeichnet worden fei. Den Swreiber der Notiz kenne er sehr gut, wolle ihn aber nicht nennen; bestritt auch, sich berühmt gemacht zu haben. Wir wünfchen diesem Herrn, daß er am 26. nicht wie bei der letzten Wahl 5 Stimmen erhält, sondern nur eine— nämlich seine Stimme selbst— damit sich in seiner königStreuen Brust die Ueberzeugmig durchringt, daß von seiner Berühmheit nur er selbst überzeugt ist. Dann erschien Herr Mette, Hauptmann deS Kriegervereins und der Feuerwehr auf der Bildfläche und bedauerte, daß der alte und friedliche Ort jetzt durch Kanalisation und Neupflasternngen der Siraßen beglückt sei, wodiuch erbebliche Kosten verursacht würden: heute hätte der Ort Schulden und früher so schönes Geld.— Dieser gute Hauptmann scheint den alten vorsündflutlichen Stand'.'i'iikt als ein Ideal zu betrach!::i, was bei den alteingekessencn Spstj..:» w.cht zu verwundern ist. Der Gemeindevorsteher Herr Kober widerlegte diese rückschrittlichen Anschauungen und meinte, es sei schon vom hygienischen Gesichtspunkte eine Pflicht, für den Ausbau des OrteS zu sorgen— worin wir ihm durchaus beistimmen. Genosse DieSner, welcher als erster in die Rednerliste eingezeichnet war, wurde ge- hindert, zu Worte zu kommen, weil die Polizeistunde em- getreten war. Trotzdem ergriff derselbe das Wort. Im Namen der sozialdemokratischen Arbeiter erklärte er, daß er sich die Waffenbrüderschaft des Gruudbesitzervereins verbitten müsse. Die Arbeiter werden aus eigener Kraft siegen. Dem Herrn Riedel wünsche er, daß er sich als Sturmbock an der Sozialdemokratie die Hörner einrennen möge. Unsere Genossen werden»mimehr beweisen, daß die 3. Klasse einzig und allein der Sozialdemokratie gehört. Genossen! Erscheint am 26. März trotz der ungünstigen Zeit von 12—2 Uhr Mann für Mann an der Wahlurne und sorgt dafür, daß wir mit großer Majorität als Sieger auS derselben hervorgehen. Darum aufgewacht, alle zur Wahl! Schmargendorf. Die Schmargendorfer Gemeindewahl steht vor der Tür. Hatte man früher die Erledigung der Gemeindegeschäfte vertrauensselig den Bürgerlichen überlassen, so steht diesmal die hiesige Arbeiterschaft auf' dem Standpunkt, daß sie ihre Interessen in der Gemeinde selbst vertritt. Wie allenthalben, so hat auch hier die Ordnungsvertreter" die Arbeiter- getrieben. Wie sehr der Vertretung im Magen liegt, bewies eine ani Donnerstag in„Sanssouci" tagende öffentliche Wählerversamnilung, in welcher Genosse Freiwaldt-Pankow über das Kommunalprogramm referierte. In der hierauf folgenden äußerst regen Diskussion wurde das Sündenregister des Gemeindeparlaments aufgezählt. Am Montag, den 26. März, nachmittags von 4—8 Uhr. findet im Rathanse die Wahl statt und ist e§ Pflicht aller fort- geschrittenen Wähler Schmargendorfs dem Kandidaten der Sozial- demokratie, Schlosser Paul Gutbier die Stimme zu geben. Ein von uns an die Gemeinde gerichtetes Ersuchen, uns gegen Erstattung der Unkosten eine Abschrift der Wählerliste zukomnie» zu lassen. wurde abgelehnt und ist es uns nicht möglich, jeden Wähler schrist- lich an seine Pflicht zu erinnern. Wir erlvartcn aber, daß jeder an dem Wahltisch erscheint. Auch die Wähler, die sich nicht sicher sind, ob sie in der Wählerliste stehen, haben zu erscheinen— selbst auf die Gefahr, zurückgeiviesen zu werden. Setze jeder seine ganze Kraft ein und der Erfolg wird nicht ausbleiben. Petershngen bei Fredersdorf. Arbeiter, Parteigenossen! Wie Euch bekannt ist, findet heute abend in der Zeit von ö'/z bis 7 Uhr die Stichwahl der dritten Klasse statt. Wir müssen, wollen wir das Mandat erobern, alle unerurüdlich tätig sein. Hier darf sich niemand anf einen anderen verlasse», weil der sich an der Wahl beteiligende PcrfonenkreiS ein kleiner ist und schon deshalb jede Stimme schwer ins Gewicht fällt. Bringe also jeder ein Opfer und unser Genosse Erwin Höselbarth wird als Sieger aus der Wahlurne hervorgehen._ Wahlergebnisse. Reinickendorf. Bei der gestrigen Gemeindewahl in der II. Klassi siegte der bürgerliche Kandidat mit großer Majorität über unseren Genossen. In KarlShorst errangen unsere Genossen bei der am Donnerstag stattgefundeueu Gemeindeivahl einen ansehnlichen Achtungserfolg. Auf unseren Genossen S t ü h m e r entfielen 139 Stimmen, während die vereinigten Gegner 265 Stimmen aufbrachten. Wenn inan be- denkt, daß Karlshorst eine Villcnkolonie ist, unsere Genossen erst im letzten Jahre, infolge Zuzuges einer Reihe tatkräftiger Parteimit- glieder, festen Fuß gefaßt haben, so können wir mit diesem ersten Wahlergebnis— Karlshorst wählte diesmal zum ersten Male als selbständiger Bezirk— zufrieden sein. DaS nächste Mal wird'S hoffentlich noch besser werden. Ketschendorf. Am DonnerStagnachmittag fand die Gemeinde- Vertreterwahl bei einer noch nie dagewesenen starken Beteiligung statt. In der dritten Abteilung wurden 144 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf den Vorsitzenden des Wahlvereins Genossen August Siedow 84. auf den Vorsitzenden des KricgervereinS 60 Stimmen. Damit zieht der erste Sozialdemokrat in das Dorfparlament ein. In der zweiten Abteilung wurden für fünf Kandi- baten 62 Stimmen abgegeben, 12 Stimmen davon entfielen auf unsere Genossen Gloff und Graßnick. Da kein Kandidat die Majorität erhielt, findet eine auf den 29. März festgesetzte Stichwahl statt. Da unsere beiden Genossen gleiche Stimmenzahl erhielte». wurde durch Los der Genosse Graßnick als Stichivahlkandidat normiert. Der Wahlsieg bedeutet eine einpfindliche Niederlage der Gegner. Nicht nur hatte man die Wahl auf die denkbar ungünstigste Zeit für Arbeiter angesetzt, man hatte sogar das von der Arbeiterschaft boykottierte Lokal, den Gasthof Noack, als Wahllokal bestimmt. Krausnick. Einen recht erfreulichen Sieg errangen unsere Ge- nossen bei der am 22. März stattgefundenen Gemeindevertreterwahl. Durch die rege Beteiligung fielen ihnen von 4 Mandaten 2 in der m. und 1 in der II. Klasse zu, so daß sie nur deS Mandats in der I. Klasse nicht habhaft werden konnten. Charlottenbnrg. Die Freie Bolksbühne Charlottenburg veranstaltet am 39. März. abends'/zü Uhr, im Volkshause iRosinenstraße 3) einen Kunst- Abend, zu dem auch NichtMitglieder als Gäste Zutritt haben. Das reichhaltige, aus Rezitationen. Gesang. Violiu- und Klavier- Vorträgen bestehende Programm i st dem Andenken Heinrich HeineS gewidmet, dessen 59. Todestag das deutsche Proletariat vor kurzein gefeiert hat. Außer dem Dichter selber, von dem Balladen, Satiren, Idyllen und zahlreiche Lieder zum Vortrag ge- bracht werden, sollen auch diejenigen seiner Zeitgenossen zu Worte kommen, deren Streben und Schaffen für die Epoche. in der Heine lebte und wirkte, be- sonders charakteristisch ist. Jene Epoche der Reaktion und Revolution hat mit der Zeit, in der wir leben, bekanntlich maunig- fache Berührungspunkte, und so dürfte mehr als eines der vorge- führten Werke den Eindruck hervorrufen, als sei es direkt auf Z»stände und Ereignisse deS gegenwärtigen Zeit- alters gemünzt— eines Zeitalters, von dessen herrschendem Geiste ja gerade die polizeilich gemaßregelte Charlottenburger Volks- bühne m der letzten Zeit am eigenen Leibe nianche lehrreiche Probe erfahren hat. Bedeutende Künitler haben sich für diesen Abend in den Dienst unserer Sache gestellt und ihr Entgegenkommen ermög- lichte es dein V«stand, das Eintrittsgeld auf den niedrigen Satz von 39. Pf.(inklusive Garderobe) festzusetzen. Die Eiutrittskarten sind bei dm Zahlstelle« und au der Abendkasse erhältlich. Wilmersdorf. Blutiger Ausgang einer Revolvcrspielerei. Infolge einer Revolverspielerei hat sich in Wilmersdorf ein schweres Unglück ereignet. Die Volontäre am Statistischen Amt von Wilmersdorf Ludwig Höflich und Karl Ramm probierten einen Revolver. Hierbei entlud sich die Waffe, die Höflich in der Hand hatte und die Kugel durch- bohrte die Lunge seines Kollegen Ramm. In seiner Aufregung eilte Höflich nach der Tat die Treppe hinunter und schoß sich eine Kugel durch den Kopf. Der Tod trat auf der Stelle ein. Friedrichsberg. Ein Gaunerstückchen dreistester Art wurde am Donnerstag nach- mittag in der Kronprinzenstraße 60 ausgeführt. Auf dem Hofe dieses Grundstückes erschien ein Mann, der einige Tage dort ge- arbeitet hatte, um eine verschlossene Tür zu öffnen. Als ihm dies nicht gelang, stieg er mit dem Bemerken, er habe den Schlüssel ver- gessen, in aller Gemütsruhe durch das über der Tür gelegene Fenster in den Stall und machte mit einem dort vorgefundenen Hammer das Türschloß auf. Hier zog er das Pferd aus dem Stall, schirrte es auf und ließ sich von den nichts BöseS ahnenden Hausbewohnern dasselbe durch die Seitentür des Torweges führen helfen. Kurz darauf erschien der Besitzer des PferdeS auf dem Hofe. Als er von der Sache in Kenntnis gesetzt war, machte er sich sofort an die Per- folgung und traf das Pferd in der Friedrichstraße an, wo der ver- wegene Dieb es bereits zum Verkauf angebolcn hatte. Dem dreisten Patron gelang eS zu entkommen, während das Pferd mit einigen Hautabschürfungen wieder in seinen Stall geführt wurde. Weihenfee. Ein folgenschwerer Unfall ereignete fich Donnerstag abend auf der hiesigen Pumpstatton. Einige Arbeiter waren damit beschäftigt, das neben der Station liegende Sammelbassin zu reinigen, als auf unaufgeklärter Weise eine Explosion stattfand, wobei der Vorarbeiter Winkler am ganzen Körper verbrannte, so daß an seinem Auf- kommen gezweifelt wird. Winkler wurde sofort nach dem hiesigen Krankenhause geschafft. Wie wir erfahren, soll der Unfall dadurch entstanden sein, daß die Reinigung des Abends bei Licht geschah. wo durch die in der Regel entstehenden Gase eine Explosion zur Möglichkeit wurde. Die Untersuchung wird es lehren, wer an diesem Unfall die Schuld trägt. Potsdam. Durch die Explosion einer Dynamitpatrone schwer verletzt wurde in dem Schifferdorf Caputh an der Havel bei Potsdam der kleine Sohn des dortigen praktischen ArzteS Dr. Hartwich. Die Dynamit- Patrone wurde von einem Caputher Knaben am Havclufer gefunden und rührt wahrscheinlich von dem Bau der Eisenbahnbrücke beim öaputher Gemünde oder von einer militärischen Brückcnbauübung her. Der Knabe nahm die Patrone mit ins Dorf, warf sie aber dort fort. Nun fand sie der kleine Hartwich, der sie auslnallen wollte, deshalb auf einen Stein legte und aus einiger Entfernung einen anderen Stein daraufwarf. Bei der nun folgenden Explosion wurden die Steinsplitter weit umhergeschleudert, und einige davon drangen dem Knaben ins Bein. Sie mußten von dem Vater des Verletzten durch einen operativen Eingriff eulfernt werden. Es war ein Glück für den Knaben, daß er nicht näher an den Stein heran- gestanden hatte, sonst wäre er wohl schwerlich mit dem Leben davon- gekommen._ Berliner IVachnchtcn. Tie Trauerfeier für den RcichStagS-Abgeorbneten Justizrat. Lcnzmann fand gestern vormittag 9Vi Uhr in der Kapelle des alten Dreifaltigkcitslirchhofcs in der Barutherstraße statt. Außer der Witwe und den Familienmitgliedern des Verstorbenen nahmen fast sänttliche Mitglieder der Fraktionen der Freisinnigen Volkspartei und der. Freisinnigen Vereinigung teil. Die sozialdemokratische Fraktion war durch die Abgeordneten Singer, Bebel und Ledebour vertreten. Tie Reichsämter, Justtzministerium und Präsidium des Reichstags waren unvertrctcn. Stach der Rede des Geistlichen widmeten Abgeordneter Schmidt-Elbcrfeld namens der Frei- sinnigen Volkspartei und Abgeordneter Schräder immens der Frei- sinnigen Vereinigung dem plötzlich Verstorbenen ehrende Stachrufe. Hierauf wurde der Sarg aus den Leichenwagen gehoben und zum Potsdamer Bahnhof gebracht, um mit der Bahn nach Lüdenschkid, der.Heimat des Verstorbenen übergeführt zu werden. Stadtrat Richard Kalle ist gestern im Alter von 65 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Kollc war an» l!1. November 1962 von der Stadtverordneten-Versammlung zum Stadtrat gewählt und am 8. Januar 1903 in sein Amt eingeführt worden. Im Jahre 1905 war«r wiedergewählt worden. Gerüsteinstürze sind in letzter Zeit geradezu eine ständige Erscheinung. Kaum ver- geht ein Tag, an welchem die Presse nicht in die Lage kommt, über ein Unglück zu berichten, das durch einen Gcrüsteinsturz herbei- geführt worden ist. Diese Einstürze haben oft mehr oder minder schwere Verletzungen der auf einem Gerüst beschäftigten Arbeiter im Gefolge, manches Unglück hat auch schon de» Tod eines oder nichrerer Arbeiter herbeigeführt. Die Häufigkeit dieser Gerüst- einstürze legt immer dringender die Frage nach den Ursachen nahe. Diese Ursachen können verschiedener Art lein, werden aber in der Hauptsache immer darin zu suchen sein, daß entweder die Schutz- Vorschriften nicht genügen oder aber, was noch mehr zutreffend sein dürfte, nicht genügend beachtet werden. Was für die Gerüste zu- trifft, gilt auch für die Lauten überhaupt. Seit Jahren fordern die baugewerblichen Arbeiter Abhülfe, die nur wirksam durch Anstellung von Baukontrolleuren aus den Reihen der Arbeiter geschaffen werden kann. Diese Kontrolleure werden weit eher die Schäden eines Baues, eines Gerüstes, das Fehlen der Schutzvor- richtungen erkennen können, als irgend ein Schutzmann oder sonst jemattd von der Polizei Beauftragter. Heute ist es meistens so, daß erst dann für Abhülfe Sorge getragen wird, wenn das Unglück geschehen ist. Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, wird er zugedeckt. In welcher Weise oft in der Klatschpresse über Arbeiterfragen ocurteilt wird und die Arbeiter direkt beschimpft werden, dürfte ein kurzer Auszug aus dem.Deutschen Blatt", das seine Leser gleich dem„Lokal-Anzeiger" hauptsächlich in Arbeiterkreisen sucht, be» weisen. In diesem„unabhängigen Organ" wird berichtet, daß der Inhaber einer der größten Berliner Baugerüstunternehmungen er- klärt habe, daß es lediglich ein unglücklicher Zufall sei. wenn in letzter Zeit so viel Unglücksfälle vorgekommen seien. Die Meister böten jede nur mögliche Vorsicht auf.„ES sei un» möglich jede Woche die Tau sende von Brettern zu untersuchen." Schadhafte Taue und fehlerhafte Hölzer würden niemals verwandt, eine nachmalige genaue Revision des ganzen Materials sei Sache dcL Poliers. Die meiste Schuld an den zahlreichen Unglücksfällen hätten die Arbeiter s e l b st. Sie ständen öfter zu vier oder fünf Mann zusammen, um aus der Kümmelp ul le einen zu trinken, und so käme cS. daß ein Brett, das so viel Menschen nicht tragen könne, bräche und das Unglück wäre fertig. Wir glauben auf diese Bemerkungen sachlich nicht eingehen zu brauchen, weil ihren Wert jeder Leser sofort erkennen wird; wir hängen sie nur tiefer. Für die Arbeiter müßten aber solche „Leistungen" nur ein Grund mehr sein, eine Presse auS dem Hause zu werfen, die sie bei jeder Gelegenheit besudelt. Schulkostenstrelt der Stadtgemeinde Rixdorf gegen die Stadt. gemeinde Berlin. Seit dem Jahre 1897/93 liegt Rixdorf mit Berlin in Streit wegen Gewähr» ig von Beiträgen zu den Volksschullasten RixdorfS gemäß ß 53 des Kommunalabgabengesetze«, wo bestimmt ist:„Wenn einer Gemeinde, welcher ein Besteuerungsrecht nach Z 35 nicht zusteht, durch den in einer anderen Gemeinde stattfindenden Betrieb von Berg- und Hütten- oder Salzwerlen, Fabriken oder Eisen- bahnen nachweisbare Mehrausgaben für Zwecke des öffentlichen Volksschulwesens und der öffentlichen Armenpflege erwachsen, welche im Verhältnis zu den ohne diese Betriebe für die erwähnren Zwecke notwendigen Gcmeindeausgaben einen erheblichen Umfang erreichen und eine Ueberbürdung der Steuerpflichtigen herbeizuführen geeignet sind, so ist eine solche Gemeinde berechtigt, von der Bctriebsgemeinde einen angemessenen Zuschuß zu verlangen. Bei der Bemessung desselben sind neben der Höhe der Mehrausgaben auch die nach- weisbar der Gemeinde erwachsenden Vorteile zu berücksichtigen." — Gestern ist nun endlich nach acht Jahren etwa der Streit er- ledigt worden, welcher die Forderung eines Schulkostenbeitrags für das Jahr 1897/98 betraf. Die anderen Schulkostenprozesse Rix- dorfs gegen Berlin bleiben immer noch in der Schwebe.— Für 1897/08 hatte Rixdorf von Verlin 30 000 M. auf Grund deS § 53 wegen der Rixdorfer Schulkinder gefordert, deren Väter in Berliner Fabriken usw. arbeiten. Ter Bezirksausschuß Berlin wurde vom Minister dazu bestimmt, über den Rixdorfer An. trag Beschluß zu fassen. Ten Antrag Berlins, Rixdorf gar nichts zuzubilligen, lehnte er atr Er erklärte durch Beschluß vom 7. März 1903 Berlin für verpflichtet, an Rixdorf für das Ge. schäfrsjahr 1897/98 einen Schulkostenbeitrag von 30 000 M. zu zahlou Er ging von der Annahme aus, daß rund 1700 Volks- schülcr und-Schülerinnen Rixdorfs damals Väter hatten, die nach Rixdorf gezogen oder in Rixdorf wohnen geblieben seien, um in Berlin in Betrieben gemäß§ 53 zu arbciren. Diese hätten Rixdorf einen Mehraufwand von 60 000 M, an Schullasten gekostet. Das entspräche einem Siebentel der gesamten ctatSmäßigen Sckrnllasten des fraglichen JahrcS und müsse desbalb als verhältnismäßig e r- h« blich im Sinne des si 53 betrachtet werden. Es sei auch bei den Verhältnissen RixdorfS geeignet gewesen, ein- Ueberbür- dung der Steuerpflichtigen<§53) herbeizuführen. Aber Rixdorf habe auch Vorteile von der Nachbarschaft Berlins, welche im Steuerertrag zum Ausdruck kämen. Diese Vorteile beziffere der Bezirksausschutz für 1397/98 auf 30 000 DZ- Wenn diese ange- rechnet würden aus die Mehrlast von 60 000 M, so blieben 30 000 Mark als angemessener Zuschuß Berlins zu den Volksschulkosten RixdorfS übrig.— Bei dem Beschluß blieb der BczirkausSschuß in der von beiden Parteien beantragten mündlich: ir Verhandlung vom November 1903. Rixdorf sowohl wie auch Berlin legten Berufung ein. Rix- d o r f beantragte, ihm für das Streitjahr mindestens 40 000 M. zuzusprechen; Berlin dagegen wollte gar nichts geben. In der gestrigen mündlichen Verhandlung vor dem 8. Senat des Ober- Verwaltungsgerichts erkannte nach fünfstündiger Ver- Handlung und Beratung das Gericht auf Verwerfung der Berufung Berlins und auf die Berufung Rixdorfs dahin: daß die Vorentscheidung dahin abzuändern sei, daß Berlin verpflichtet wäre, für 1397/93 als Schullostenbeitrag an Rixdorf nicht bloß 30 000 M, sondern 40 000 M. zu zahlen. In den jetzt noch schwebenden Prozessen zwischen Rixdorf und Berlin fordert Rixdorf insgesamt mehr als 700 000 M. Erstickt und verbrannt ist in der vergangenen Nacht der 42 Jahre alte Tischlermeister Hermann Carl, der mit seiner Familie im Seitenflügel des Hauses Weberstraße 52 wohnt« und im Erdgeschoß des Quergebäudes seine Werkstatt hatte. Der Mann trank und kam zuweilen nachts nicht nach Hause, smcdern schlief, aus einem Stuhle sitzend, in der Werkstatt. Da ex in vergangener Nacht wieder ausblieb, ging seine Frau beute morgen gegen 6 Uhr in die Werkstatt, um ihn zu wecken. Sie fand den Raum völlig verqualmt, sah aber ihren Mann nicht. Hausgenossen und Feuer- wehr verschafften dem Qualm Abzug, und jetzt zeigte eZ sich, daß Carl erstickt war. Er hatte im Schlafe die Lampe umgerissen und so einen Brand verursacht. Der Fußboden brannte unter dem Tische durch und die Leiche fiel'durch das Loch in den Keller hinab. Hier wurde sie halb verkohlt gefunden. Bei einem großen EinbruchSbiebstahl, welcher nachts, in dem Goldwarcngeschäft von M. Hartmann, Nettelbcckstraße 11/12, verübt wurde, fielen den Dieben zahlreiche Echmuckgcgenstände— Ohrgehänge, Broschen. Ringe usw. sowie goldene Herren- und Damen- uhren im Gesamtwert von etwa 1500 M. zur Beute. Die Polizei warnt nun vor dem Ankauf der gestohlenen Gegenstände, welche durch die Einbrecher jedenfalls in Pfandleihen angevracht werden dürften. Das rätselhafte Verschwinden eine« Gemeindediener« beschäftigt seit einigen Tagen sowohl die hiesige als auch die Polizeibehörden der östlichen Vororte. Es handelt sich um den Gemeindediener Karl Fischer aus KönigS-Wustcrhausen. F., welcher der freiwilligen SanitätSkolonne angehört und darin einen Vertrauensposten bc> kleidete, war am Sonnabendabend nach Berlin gekommen, um einer Veranstaltung der Vereinigung in KrollS Etablissement beizu- wohnen. Später war er mit einigen Kollegen aus Köpenick bei Hilsebein, und nachdem man sich dort verabschiedet hatte, fuhr seder heim. F. ist jedoch noch nicht bis zur Stunde in Königs- Wusterhausen eingetroffen. Die Polizei ist vergeblich bemüht, das seltsame Verschwinden deS Gemeindedieners aufzuklären. ES haben bereits eine Reihe von Vernehmungen stattgefunden, die jedoch ohne Erfolg waren. Neben der Möglichkeit eines Unfalls wird auch damit gerechnet, daß der Vermißte vielleicht auch einem Racheakt zum Opfer gefallen ist. Für die Vermutung, daß F. sich selbst ein Leid angetan haben könnte, liegen keinerlei Motive vor. Der Männrrchor„Georginia 1879"(M. d. A.-S.-B.) gibt morgen im„Deutschen Hof", Luckauerstr. 15, ein Konzert unter Mitivirkung deS Berliner Sinfonie-Orchesters, Dirigent Maximilian Fischer. Stach dem Konzert Ball. Anfang 7 Uhr. Entvee inkl. Tanz 60 Pf. Zwei neue Postorte im Berliner Bezirk. Zwei neue Postorte werden im Berliner Bezirk am Montag, den 2. April, geschaffen. An diesem Tage tritt in Borsigwalde bei Berlin eine Postagentur mit Telegraphcnbetricb und öffentlicher Fernsprechstclle in Wirk- samkeit. Die Dienststunden der Postagentur für den Verkehr mit dem Publikum sind von der kaiserlichen Ober-Postdirektion folgender- maßen festgesetzt worden: an den Wochentagen von_8 bis 11% Uhr vormittags und von 3 bis 6 Uhr nachmittags. An Sonn- und gefctz- lichen Feiertagen sowie am Geburtstag des Kaisers ist die Post- agentur geöffnet für den Postdienst von 8 bis 9 Uhr vormittags und von 12 bis 1 Uhr nachmittags, für den Tclegraphendicnst nur von 5 bis 6 Uhr nachmittags. An demselben Tage wird auch in Heinersdorf bei Berlin eine Postagentur mit Tclegraphenbetrieb und öffentlicher Fernsprechstelle eingerichtet. Die Dienststunden dieser Postagentur für den verkehr mit dem Publikum sind Werk- tagö 8 bis 11% Uhr vormittags und 3 bis 6 Uhr nachmittag«. An Sonn- und gesetzlichen Feiertagen sowie am Geburtstag des Kaisers ist die Agentur für den Postdienst von 8 bis 9 Uhr vormittags und 12 bis 1 Uhr nachmittags, für den Tclegraphcndienst von 5 bis 5 Uhr nachmittags geöffnet. Im Sportpark Steglitz hat der Schneefall der letzten Tage die Fahrer in ihrer Arbeit mehrfach behindert, und trotzdem wurde von allen trainiert, sobald der Zement dies nur einigermaßen erlaubte. Hält die aufklärende Witterung an, dann können die Eröffnung«- rennen am nächsten Sonntag vonstatten gehen. Die Rennen be- ginnen nachmittag? 3 Uhr. Gerichts-Leitung. Eigentümliche Selbstanzeige. Der Kaufmann Salo Heimann wurde gestern der 4. Strafkammer des Landgerichts I auS dem EcfäügniS vorgeführt. Er hat im Jahre 1903 unter dem Pscudo» nym Hermann Weiß in der Zimmerstrahe ein Darlehen?- vcrmittelungSgeschäft betrieben und jick bei dieser Tätigkeit eine Reihe Veruntreuungen zuschulden kommen lassen, die ihm eine Gesamtstrafe von 8 Jahren Gefängnis eingetragen haben. Er verbüßt feine Strafe im Gefängnis zu Bayreuth. Unter dem 8. Oktober v. I. erstattete er gegen sich eine Selbstanzeige und be- sckuldigte sich, noch zwei nicht zur Anzeige gekommene Wechsel- fälschungen begangen zu haben. Er stand nämlich seinerzeit mit dem Frhrn. Richard v. Süßkind in wechselmäßigem Geschäftsverkehr. Dieser gehört einer alten bayerischen Adelsfamilie an. Sein Vater Baron Gottfried v. S. starb 1902 und mit dessen Tode erhielt Frhr. Richard v. S. die Anwartschaft auf das Majorat Dannenlohe bei Wassertrüdingen in Bayern. Er soll fich jetzt in Buenos AyreS befinden. Der Angeklagte bezichtigte sich nun. seinerzeit zwei Wechsel auf den Namen deS Frhrn. beziehungsweise auf den Namen Elsa v. Süßkind gefälscht und in Umlauf gesetzt zu haben. Gegen den einen Wechsel lieferte ein Kaufmann Rosenthal französischen Sekt, den er für 5000 M. dem Angeklagten zur Per- fügung stellte. Er verkaufte den Sekt für 3500 M. Dem zweiten Wechsel will er auf Veranlassung des BaronS die Unterschrift„Elsa v. S." gegeben haben. Als Motiv zu seiner Selb st- anzeige, die nun seine Uebersührung von Bayreuth nach Berlin nötig machte, gibt er an: er habe in den„Hamburger Nachrichten" im Frühjahr 1905 gelesen, daß Frhr. v. S. in London verhaftet sein solle; da habe ihm das Gewissen geschlagen und da er verhüten wollte, daß Frhr. v. S. etwa unter falschem Verdacht bestraft werden könnte, habe er die Selbstanzeige erstattet. Für ihn komme noch die Erwägung hinzu, daß er schon 8 Jahre Gefängnis absitze, das Höchstmaß der Gefängnisstrafe aber 10 Jahre betrage und da habe er gedacht, nun gleich mit allem reinen Tisch zu machen. Im gestrigen Termin machte der Angeklagte noch den Versuch, sich als einen in gewissem Grade„erblich Belasteten" hinzustellen, was ihm aber mißlang. Der Staatsanwalt brachte 1 Jahr 0 Monate Ge- fängnis gegen ihn in Antrag. TaS Gericht erkannte auf 1 Jahr Gefängnis. Opfer der Straßenbahn. Eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung führte gestern den Fahrer Albert Grünewaldt vor die 1. Strafkammer de« Landgericht? I. In der Nacht vom 1. zum 2. Oktober fuhr ein Unteroffizier in einer Droschke vom Lehrter Bahnhof durch die Jnvalidenstraße in der Richtung nach der Chaussee- straße. Kurz vor der Sandkrugbrücke kam das Geschirr in Un- ordnnng. die Droschke hielt auf dem Schienenwege der Straßenbahn und der Kutscher machte sub an dem Geschirr zu schassen. Da kam der in gleicher Richtung fahrende Angeklagte mit dem von ihm ge- führten Straßenbahnwagen daher, fuhr auf die Droschke auf und der Kutscher geriet unter den Porderpcrron. Er erlitt so schwere Verletzungen, daß er schon am nächsten Tage im Krankenhause gestorben ist. Der Angeklagte bestritt, für den schweren Unfall verantwortlich zu sein: Zur Zeit, als das Unglück passierte, seien die Laternen schon abwechselnd ausgedreht gewesen, die brennenden seien durch die hohen Bäume verdeckt worden, eS sei eine sehr trüb: Witterung gewesen, und so sei eS gekommen, daß er die Droschke erst auf 15 Meter Entfernung wahrgenommen, wo alle- Bremsen nichts mehr nutzte. Der Gerichtshof hielt nach der Beweisaufnahme ein Verschulden deS Angeklagten doch für vorliegend und verurteilte ihn zu einem Monat Gefängnis.— Der Fahrer ist ver- urteilt. Trägt an dem Unglück aber nichts mindestens die gleiche Schuld die Bahnverwaltung, die zwecks der Sicherheit des Betriebes eine bessere Beleuchtung auf ihre Kosten vorzunehmen hätte? Dem Angesagten wird jedes Ucbersehcn, jede Abweichung von der Instruktion als Verschulden angerechnet. Dem Gerechtigkeitsgefühl entspräche es mehr, der Gesellschaft die Verpflichtung auszulegen. ihren Betrieb— eventuell durch Vermehrung der Srraßen- beleuchtung oder durch technische Einrichtungen— so zu gestalten, daß der Fahrer unter allen Umständen helle Beleuchtung hat. Oenentlich« Bibliotbek und Lesehalle zu uueiitgeltlicher Be. Nutzung für jedermann, 81V., Sllerandrincnsw. 26. Geöffnet täglich von S>/,— 19 Uhr abend?, an Sonn» und Feiertagen von D—l und 3-6 Uhr. In den L-Iclälcn liegen zurzeit 5tS Zeitungen und Zeitfchristen jeder Art und Richtung auS. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 25. März er., vormittags lOtz. 111)1, in Kellers großem Feslsaal, Äovpcnitr. 26: Leier der Jugend- weihe- sKongrmattoii). Die Festrede hält Sherr Dr. Pnmo Wille. Vor- und Nachspiel auf dem Ruftel-Harmonium aus Paris. Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Berel« der Lehrlinge und jugendliche« Arbeiter Berlin? und ttuigegeiid. Abt. l. und III. Mitgliederversamnilulig am Sonntag. den 25. März, nachmittags'iji Uhr. in den ilrminhallc», Kommandanten- straße 20. Tagesordnung: f. Vortrag de« ArbciterselrctärS G. Link über: .Die GewerkschastSbewegung-. 2. Diskussion.— Gäste willkommen. Allgemeine Kranken- und Stcrbctasse der Metallarbeiter. (&. H. 29) Hamburg. Filiale Baumschulemvcg. Sonnabend, 24. März. abends S>/, Uhr, im Restaurant von D. Klcmschmager, Baumschulenstr. 67: Mitgliederveriammluna. Sozialdemokratischer AgitationS- verein für den Wahlkreis Arnswalde> Frievcberg. Sonntag, den 25. März, nachmittags 4 Uhr, bei Böker, Weberstr. 17: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Vorwag. 2. Diskussion. 3. Bericht der Kommission. 4. VcrcinSangelegenheiten und Verschiedenes.— Gäste willkommen. Theaterverei«„Gut Freund«. Sitzung jeden Sonnabend, abend» 9 Uhr. Graunstr. 16 bei Herrn vrlelt. ßnefhaften der Redahtfon. Karte«halten. Weitere Mitteilung erwünscht. Bitte Adresse. Käthen 3000. 1—3 beantwortet in Nr. 67 de«„Vorwärts", 4—7 in. juriftischen Teil von Nr. 70 oder spät«.— A. W. 44. wissen wir nicht.— Alfred. Durch Wann umgetaufi. daS Sekretariat der Lerlinc. vcwcrkschastSkommisfion, Engel-Njer 15.— M. 9.»4. l Ein öckerfchcr Hchapollelbries. in welchem der Ausdruck.Scheiterhauscu" vor- ~............ Beratungen deS Kolonialetals Ltöckerjchcr Hctzapostelbrief, in welchem der kam. 2. Der Tuckcrbrlej fvlelte in den während der letzten Jahre eine Rolle. Näheres dnrch den Abg. A. S. Partei. 1. Nein. 2. Sachsen. 3. Ja. Berliner Marktpreise. Au» dem amtlichen Bericht d« städtischen Marklballen-Direklion. Rindfleisch la 63—66 pr. 100 Psund, II» 54—62. III»«6-53. IV» 39-47. Kalbfleisch In 80-88, II» 65-78. UI» 52-62. Hammelfleisch la 60-71, Ha 54-60. Schweinefleisch 73- 77. Rotwild Psd.O.OO bis 0,00, Damwild—. Kaninchen Lliick 0.80—1,00. Huhn«, alle, Stück 2,00—3,00, per Stück 0,80—1,50, Tauben, junge 0,50—0,60, alle 0,45. Onloi, Stück 1,40—2.70. Gänse, junge, Stück 3,00—5,00, russische 0,45-0,55 M. pr. Psd. Schellfische 0.00 M.. Flunder 00-00 M.. pro 100 Pfö, Hechte 71-86, Schleie 00-00; Aale, groß 00-00, mittel 122-136: Plötzen 55—66. Plötzen in Et«, große 42—44, kleine 00—00, Knipsen 63-61, Rhetnlach» 500,00, Seelachs 24-26 M. pr. 100 Psd. Scholtilche vollheringe(gesalzen) 40—44 M. Eier, Schock 3,30—3,50. Butler pro 100 Psund In 122-133, IIa 118-121, lila 116-118. abfallende 110—115. Kartoss ein pr. 100 Psd. role Dabersch« 3.00—2,20, magc. bon. 2,10—2,35, runde weiße 1,80— 2,00. Wirsingkohl pr. Schock 0.00- 00.00, Weißkohl pr. 100 Pfd. 3,75-4.00, Rolkohl pr. Schock 00-00 Holl. 15—20 M. Saure Gurken. Schock 2,00 M., Psistergurken 2,00 R. «ttternnasabrriwdt vom 23. Mär» Iv«S. morgen» H uh». Stationen i Lwtnemde 762 ONO Hamburg 762 NO verltn 760 NNO Franks a M 755 N München 1751 SPD Wien ,753 OSO t S z- §1 Seilet et LZ« 2 heiter 2halbbb. 3 wolkig «wolkig 4 Schnei 1 Nebel -2 -2 — 1 -0 »»»3 2 Stationen Ii c 96- avaranda 754 ZW cterSburg 762 WNW illy Aberdee» Patt» 760 OSO 766 NNW 756 NO I Wetter 2 wolkig 1 wölken! 2 Regen 3 bedeckt 4 wotlenl I «tzs c i »b » w h e> —18 4 4 —2 Wetter-Progiiote für Sonnabend, den 24. MSrz I90K. Kühl und ziemlich trübe mit Schneesällen und frischen nördlichen Winden. Berliner Wetteroureou. «vossers, ond»m 82. März. Eid» bei Aiystg � SM Meter, bei Dresden+ 1,82 Meter, bei Magdeburg+ 3,97 Meier.— Unstrut bei Straußjnrl+ 3,20 Meter.— Oder bei Ralibor-j- 8.75 Meier, bei »itsiau Oberpegel+6,27 Meter, bei Breslau Unterpegel— 0.80 Meter, bei Frankfiiri+ 2,64 Meter.— Weichsel bei Brabemünde + 5,08 Meter.— Warthe bei Posen+ 1,70 Meter.— Netze bei Usch— Meier. Verantwortlicher Redakteur: Hon» Weber» Berlin. Für den Inseratenteil verantlv.:DH. Glocke» Berlin. Druck u. Verlag:'Lorwärtsi Buchdruckerei u. VerlagScmstalt Paul Singer tc Co.. Äertm SW.