Kr. 71. Hbonni ments-BtdlnsundfB; SSonnement?> Preis pränumerando! Bierteljährl. 8.30 Mk, monatl. I.IV Ml. wöchenllich 2S Psg. ftei WS Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. EonnlagS. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage»Die Neue Welt" l0 Pfg. Post. Wonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 3 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postavonnements nehmen an: Belgien. Dänemark. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 28* Jahrg. Cclchtint tigllch luQer montags. »G. Berliner Volksblntt. vi« Insertion;-Lebühk beträgt für die sechsgespalten« Kolons. zeile oder deren Raum 80 Psg., für politische und gewerkschasNiche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 80 Psg. ..Aletn« lZnrelgen". das erst«(seit- gedruckte) Wort 3» Pfg. jedeS weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort s Psg. Wort» über IS Buchstabe» zählen für zwei Worte. Inserate für die nächst« Nummer müssen bis b Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bi» 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adreffe: „SozUMtiMknt Berlin". Zcntralorgan der fozlaldemohratifchen Parte» Deutfchlande. Rcdahtion: 850. 68» Lindcnstraaae 69. ZVernsPrerlier: Slm« IV. Rr. 1983. Sonntag, den 25* März 1906* 6xp lose Frivolität anrechnen! Was aber den„glänzenden diplomatischen Sieg" Bülows anlangt, so genügt es, ein Urteil abzudrucken, das wir der letzten Nununer der nationalliberalcn„ R h e i n.- W e st f. Ztg." entnehmen: „Casablanca aufgegeben! DaS ist die jüngste, gestern zur Tatsache gewordene Etappe der deutschen Rück- zugspolitik. Ueberraschend kommt sie nicht mehr, nachdem Rußland das Gewicht seines kreditbedürftigen Geldbeutelsso dröhnend in die Wagschale der französischen Rente geworfen hat, worauf sich unser Kanzlerorgan natürlich mit der Versicherung beeilte, Deutschland lege auf die Casablancafrage kein solches Ge- wicht, um daran die Konferenz scheitern zu lassen. Und schließlich bat der Offiziosns auch ganz recht:„Ist die Kuh hin, soil's Kalb auch hin sei n." Heute, da Frankreich und Konsorten die von Deutschland verteidigte„Souveränität und Integrität des Sultans" ohnehin schon zu Vz im Sack haben, verschlägtis wenig mehr, ob die Null, die das diplomatische Korps in Tanger als «Generalinspekteur" nach Casablanca setzen soll, schlveize- rische oder holländische Uniform tragen wird."— OeutfcKes Reich. Lufthirbe. Oberst Deimling ritt heute im Reichstag eine wütende Attacke gegen den„Vorwärts", bei der er sich freilich gleich dem Ritter von der Mancha in Windinühlenflllgcl verfing. Da der Herr Oberst nicht in der Lage war, aych nur das geringste Sachliche gegen unsere unanfecht- baren Darlegungen vorzubringen, verfiel er auf den ebenso vor- nehmen wie törichten Trick, dem„Vorwärts" Aenßerungen zu unterschieben, die zu machen diesem gar nicht eingefallen ivar. So stellte er die frei erfundene Behauptniig aus. daß der„Vor- wärS" die Leistungen der deutschen Truppen in. Südwestastika und China herabzusetzen versucht habe. Der„Vorwärts" hat in seinem Artikel gerade umgekehrt mehrfach hervorgehoben, daß er sowohl den Leistungen der deutschen Soldaten im Kampfe gegen den Feind als auch im Ertragen der Strapazen vollauf Gerechtigkeit widerfahren lasse. Unser Artikel ivandte sich aus- schließlich gegen die läppischen U e b e r t r e i b u n g e n der auf dem Worte SeymourS:„The Germans to the front" fußenden Legende und die ebenso abgeschmackte Herabsetzimg der Leistungen der Buren und Engländer im südafrikanischen Kriege. Herr Oberst Deimling behauptete, daß der„Vorwärts" es als reine» Sckpvmdel bezeichnet habe, daß die Worte SeymourS„The Germans to the front" überhaupt gefallen seien. Der „Vorwärts" hat aber gerade im Gegenteil erklärt, daß dieser Befehl des britischen Oberstkommandierenden mehrfach erfolgt sei. Als Legende bezeichneten wir es nur, daß dieser Befehl, der genau in derselben Weise auch an die übrigen Truppenkontingente er- folgt sei, von unseren militärischen Renommisten dahin gedeutet würde, als ob. die Deutschen— und nur sie I— in a I l e n kritischen Lagen an die S p i tz e kommandiert worden wären und damit den Charakter einer Elitetruppe erhalten hätten. Diesen Schwindel haben wir— speziell durch einen Vergleich der Verl» st ziffern— gründlichst zerstört. Wenn Herr Oberst Deimling statt durch Anführung von Tatsachen durch dreiste Unterstellungen gegen unsere Vernichtung jener anmaßlichen Legende aufkoimnen zu können wähnt, so ist er diesmal in der Tat ein äußerst bescheidener Herr. Auch gegen die eherne kriegsgeschichtliche Tatsache, daß— daS Generalstabswerk und Herr Oberst Deimling behaupteten und behaupten bekanntlich da? Gegenteil—- die Buren auch in der Offensive alles g ele ist et haben, waS sie als tapfere Krieger nach Lage der Sache leisten konnten, hat der Oberst Deimling keine Tatsachen, sondern nur einige verlegene Redensarten vor- zubringen vermocht. Wenn er auch heute noch behauptet, daß es die inaiigclhafte strategische Offensive der Buren und nicht die spätere ungehencre Ucbermacht der Engländer gewesen sei, die den Krieg zugunsten Englands entschieden habe, so beweist das mir, daß Herr Oberst Deimling keine blasse Ahnung von dem Verlauf des BnrenkriegeS hat! Wir konstatieren also nochmals, daß die wiederholte Be- Häuptling des Oberst Deimling, wir hätten die Leistungen der deutschen Soldaten herabzusetzen versucht, voll- ständig aus der Luft gegriffen ist. Wir haben mir ans Grund der feststehenden militärischen Tatsachen betont, daß sich die Leistungen der Buren und Engländer vollständig neben denen unserer deutschen Soldaten sehen lassen können, und daß e-Z deshalb eine törichte Herabsetzung der Leistungen dieser Nationen ist, die kriegerische Tüchtigkeit der Hereros und Hottentotten Über die der Buren und Engländer zu stellen! Herr Oberst Deimling hat diese unsere Ansführungen nicht zu erschüttern, sondern höchstens de Nachweis zu erbringen vermocht, daß er an U n t e rst e l l un g e und Verdrehungen in der Tat virtuoses zu leisten vermag. Worte und Taten. Das Wochenblatt der Freisinnigen Vereinigung, die„NatiS bemerkt über die Märzdcmonstration des Proletariats: „Die Bedeutung des sozialdemokratisch Massenprotestes darf nicht unterschätzt werd. Wie dringend nötig es ist, immer von neuem den Finc in die Wunde zu legen, die die freie Entfaltung des politische Lebens in Preußen und damit auch im Reiche unmöglich macht. zeigt mit vollster Deutlichkeit gerade jetzt die sogenannte Wahl- r e f o r m v o r l a g e der preußischen Staatsregicruna. Auch gegen diesen Hohn ans die gcrecki testen Volks- forder ungcn muß sich in den breiten Massen jener Wähler, die unter dem geltenden Wahlrecht in Preußen politisch völlig einflußlos sind und es auch nach der„Reform" sowie nach einer Erklärung des preußischen Finanzministers Freiherr» von Rhein- haben, daß die Regierung an dem bestehenden Wahlrecht in Preußen prinzipielle Aendcrungcn„niemals" zulassen werde, bleiben sollen, ein energischer Widerstand geltend machen." In derselben Nummer des Blattes äußert sich der Abgeordnete Barth folgendermaßen: „Den Freisinnigen erwächst in diesen Verhandlungen die außerordentlich wichtige Aufgabe, der auf eine gründliche Wahlrcsorm abzielenden Volksbewegung wirksani vorzn- arbeiten. Ob die elende Regierungsvorlage bei diesen Be- strebungen zugrunde geht, ist völlig nebensächlich, denn die von der Regierung vorgeschlagene Reform hat ungefähr soviel Be- dcutuiig, wie der Bindfaden, mit dem die Wurstzipfel zusammen- gebunden sind, für die Stillung des Hungers in Zeiten der Fleischnot." Es wäre nachgerade an der Zeit, daß der weibliche Freisinn seinen schönen Worten nun auch entsprechende Taten folgen ließe! Reichstags- Ersatzwahl in Sigmaringen. Bei der am 20. d. M. stattgehabten Reichstags- Ersatzwahl wurden nach der amtlichen Er» mittelimg insgesamt 9670 Stimiiien abgegeben. ES erhielten: AmtZ- gerichtSrat Dr. Bclzer-Sigmaringen(Z.i 7287, Laiidgerichtspräfident Reck- Hcchingen(ReichSp.) 1836 und Schreiiiermcister Nill- BodelS- hausen sSvz.) 344 Slimincn. Dr. Belzcr ist'somit gewählt. Eine große Tat für die Arbeiter ist in Sachsen geschehen. In einer de» letzten Sitzungen des sächsischen DreiklassenlaiMlags wnrde ein konservativer Antrag verhandelt, tragbare Ehren- zeichen für Arbeiter und D i e n st b o t e n nicht erst, ivie bislang, nach 25, sondern schon nach 18 Jahren Aushaltens in einem Arbeitsverhältnis zu verleihen und die aktive Dienstzeit beim Militär nicht als Unterbrechimg zu betrachten. Das erachten diese Arbciterfremide für notwendig, weil in einer Zeit, wo die sozialen Gegensätze iinmec schroffer und künstlich gesteigert tvürde», lvie einer ihrer Redner sagte, alles gefördert werden müsse, WaS diese Gegensätze mildern könnte. Genosse Goldstein sagte ihnen, daß die Arbeiter auf solche Dekorationen pseifen, daß ihnen 100 M. bar. gute Fabrikeinrichtmigen und vor allen Dingen ein tvirklicheS LandtagSivahlrecht viel wertvoller seien. Natürlich erregte die Rede den Zorn der konservativen Arbeitersrcimde, die wieder einmal bestätigt fanden, daß die Sozialdeiiiokratic keine Arbeiterpartei sei. da sie die Bedürfnisse der Arbeiter nicht vertrete. Die Arbeiter sollen nämlich nach der Versicherung der Konicrvativcn nach den Medaillen ver- langen. Die Regierung ist natürlich gern bereit, für mehr Deko- ralionen zu sorgen, die Nationalliberalen murmelten etlvas von der „guten menschliche» Regimg", der der Antrag enlsprungen sei, und so wurde denn die sozialpolitische Tat mit alle» gegen vier Stimmen: die der Sozialdemokraten und der Freisinnigen, beschlossen.— Noch eine verweigerte Zvahlreform. Die PctiiionSkommission des LandiageS fiir Anhalt hat alle ihr vorliegenden Anträge auf Reform des LandtagSwahlrechtes abgelehnt. Nur einer, der eine Neuverteilung der Mandate verlangt, soll der Regierung„als Material", d. h. sür den Papierkorb überwiesen werden. Begründet wurde diese Haltung mit der schiiuitzigeii Behauptung, die Arbeiter seien am Landtage gar nicht interessiert, sondern bloß am Reichs- tage!— Eine polizeiliche Vcrriifscrklärnng ist in G a r d e l e g e n(Alt- mark) gegen einen Koiisiimverciiis-Sagerhalter ergangen. Der Leitung des dortigen im bürgerlichen Fahrivasscr segelnden Konsumvereins ist ein Polizeischreiben zugegangen, worin cS heißt, daß der Lager- haller DalladaS der Sozialdemokratie angehöre. Es liege nicht im Interesse des KoiisumvcrcinS und schädige sein Ansehen, wenn ein Milglie'i dieser Partei dort beschäftigt werde. Dem Bor- stand wird„geraten", den Dalladas sck'leuuigst zu entlasten, und lüiislig jeden Sozialdemokraten von einer Anstellung aus- zuschließeit, da andernfalls der Austritt aller im Slaalsdieiist usw. beschäsligtcn Mitglieder veranlaßt werden müßte, lieber das Ge- jchehene ersucht die Polizei ihr binnen zlvei Wochen Miueilung zu machen. So sucht eine Behörde einen Mann außer Arbeit zu bringen, weil er— Sozialdemokrat sein soll. Hoffentlich nimmt der Be- lroffene das nicht ruhig hin. Wäre es auch nur um zu erfahren, ob die vorgesetzte Instanz die Maßnahme der Gardclegev'r Polizei für korrekt und mit der Unparteilichkeit und mit den Pflioge» einer Behörde vereinbar hält.— Htielatid. Ungarn. Bor der Entscheidung. Die baldige AnSschreibung der Neuwahlen ist nunmehr der sehnlichste Wunsch der Koalitioiis-Maulheldeii, da durch die niler- wartete Auslösung deS Parlaments gar mancher der Herren„Volks- Vertreter" existenzloS geworden ist. Die„Führer der Nation" lasten ihre„Rechenschaftsberichte" größtenteils im Druck erscheinen; die- jenigen aber, die ihren Wahlkreis persönlich beglücken, sorgen stets dafür, daß das Abhalten der„Versammlimg" ja nicht bekannt werde I Es ist lvirklich traurig für die„Führer der Ration", daß sie das Zugegcnsein des Volkes befürchlen, wo sie doch stets behaupten, daß das ganze Land— mit Ausnahme der„wenigen s?) Vaterlands- losen Gesellen"— ihre Politik«in vollem Maße" billige l Die„Rechenschaftsberichie" enthalten selbstredend gar nichts. Einer weicht vom anderen höchstens in der mehr oder minder ge- schickten Zusammenstellung der längst abgedroschenen Schablonen- Phrasen ab. Das allgemeine Wahlrecht, welches das Land doch hauptsächlich interessiert, wird gar nicht erwähnt! Nur der feudale Graf Hadik und der Jesuitenapostel Graf Apponyi gedenken des all- gemeinen Wahlrechts, zwei Männer, die im Koalitionsausschuh die grohten Gegner des allgemeinen Wahlrechts waren I Also bedeutet diese momentane Wendung nichts als einen plumpen Griff, damit sie nachher im Parlament ihr zweideutiges Spiel um so beruhigter fortsetzen können. Gegenüber den Aeuherungen der Volksbetrüger messen die An Hänger des allgemeinen Wahlrechtes viel größere Bedeutung der jüngsten Rede des Ministerprädenten Baron Fejervary bei, in welcher dieser zum wiederholten Male versichert, daß seine Regierung die Verwirklichung des allgemeinen Wahlrechts wolle._ Es ist in der Tat zum Staunen, daß ein Feldzeugmeister, der von seiner frühesten Jugend an stets in, Dienste des Militarismus stand, heute, wo er an der Spitze einer biirgerlichen Regierung steht, Aeuherungen macht, die sogar einem demokratischen Regierungsnianne zur Ehre gereichen würden. Hosten wir nur, daß die Regierung Fejervarys es mit der Verwirklichung des allgemeinen Wahlrechts wirklich ernst meint. Hat doch die Regierung schon manches durchgeführt, wo- bei ihr die Gutheihnng durch das Parlament fehlte. Aller- dings handelte es sich da stets um Dinge, die dem Lande, dem Volke offenbar Schaden brachten. Man denke nur an die Durch- driickung der Handelsverträge mit dem Auslände! Sieht sich die Regierung nun durch das gewissenlose Treiben der Koalition ge- zioungen, auf demselben Wege der Jllohalität das allgemeine v Wahlrecht, ausnahmsweise also ein dem Volke nützliches Gesetz, durchzudrücken, so würde dadurch sozusagen viel altes Unrecht durch neues»Unrecht" gesühnt. Italien. Zur Krise in der Partei. Roin, 22. März.(Eig. Ber.) � Die Erklärung des Parteivorstandes, über die wir telegraphisch berichtet haben, ist in sehr ruhigem und sachlichem Tone gehalten. Zunächst hebt der Parteivorstand hervor, daß die gegen seine Kompetenz erhobenen Einwände nicht berechtigt seien. Der heutige Vorstand sei ans den, Parteitag von Bologna hervorgegangen und spiegele die dort siegreiche Mehrheit wieder. Wenn F e r r i sich nicht mehr im Einklang mit den Übrigen Genossen des Vorstandes befindet, so sei das nicht auf die aus privaten Gründen erfolgten Demissionen von zwei Vorstandsmitgliedern sS a l d i und F a b i) zurückzuführen, sondern lediglich daraus, daß Fern sich in Widerspruch gesetzt habe zur Haltung der Parteimehrheit. Hierdurch antwortet der Vorstand auf die von Fern einen, Korrespondenten des„Corriere belle Sera" gegenüber gemachte Bemerkung, daß der heutige Partei- vorstand durch Demissionen seiner nahestehenden Mitglieder in die Hände der Syndikalisten gefallen sei, und daß somit der ganze heutige Konflikt durch das Abschwenken des Parteivorstandes zustande- gekommen tväre. Ferner versichert der Parteivorstand, daß ihm nichts ferner ge- legen habe, als ein persönlicher Angriff auf Ferri. Wohl aber sei es seine Pflicht gewesen, die ministerielle Haltung des » A V a n t i" zu konstatieren, die sich, trotz der Erstattung des Wortes an Vertreter jeder Richtung, durch systematische Unterdrückung aller Angriffe auf Sonnino deutlich zeige. Nicht im Namen einer Fraktion, sondern im Nan,en der Gesamt- Partei betone daher der Vorstand die klare antimiuisterielle Beschluß- sassung von Bologna»ud fordere alle Sozialisten.auf, den heutigen Zwiespalt in der Partei vom Standpuukte der Disziplin zu be- urteilen, die jeder Minderheit auferlegt, sich der Mehrheit zu fügen, denn vom Standpunkte der Prinzipien, die gerade, so lange man der parlamentarischen Aktion Wert beilegte, es nicht zuliehen, daß der Kamps im Parlamente nach anderen Grundsätzen geführt werde, als der tägliche Kampf des Proletariates, schlichlich vom Standpunkte der Momentanen politischen Zweckmäßigkeit, die auch ohne einen gegenteiligen Pnrteitägsbeschluh es verbieten müsse, ein kümmerliches konservatives Programm zu unterstützen. Die Erklärung unterzieht dann das Programm des Kabinetts einer kurzen aber scharfen Kritik und fährt fort:„Den einzigen Grund, den man anführen konnte, um die Haltung der Parlaments- fraktiou zu rechtfertigen, ist die Furcht, daß der Staat in die Hände der Affcristen fallen könne. Es ist aber ein schwerer Irrtum, die Aktion einer revolutionären Partei darauf zu beschränken, für die Rechtschaffcnheit in der Administration seiner Gegner zu sorgen. Wie groß auch für das Proletariat die Schädigung durch die Un- chrlichkeit der Regierung sein möge, so ist doch die Haupt- Ursache seiner Ausbeutung gegeben durch die normale Quelle des kapitalistischen Reichtums und die normale Aktion jeder Klassen- rcgicrung. lim den italienischen Staat vor eventuellen Unredlichkeiten zu schützen, verzichten die sozialistischen Abgeordneten auf ihren svaiupf gegen die großen Ursachen des Elends und der Sklaverei des Proletariats!" Der Parteivorstand erklärt zum Schlüsse„mit Ruhe dem Urteil des Kongresses entgegenzusehen, der zwischen der Fraktion und ihm cntscheideu solle". Ferri, der nebst Monte martini(dem an Bissolatis Stelle von der Fraktiou in den Parteivorstand delegierten) bei der Abstimmung über diese Erklärung sich enthielt, erklärt im heutigen„ A v a n t i", die Diskussion über den inneren Ztvist von heute an zu schließe n und fernerhin auch die Protest- oder ZustimmungSresolutioneu der Partci-Orgauisationen nicht mehr zu veröffentlichen. Ob es sich hierbei um eine beabsichtigte Provozierung der Mehrheit handelt oder ob Ferri die Streitfrage iu der Tat für genügend geklärt hält, ist ans dem Wortlaut des Kommunikats nicht zu er- sehen._ Die Lage des Kabinetts SouniuoS ist andauernd kritisch. Die Opposition, die bei normal besetzter Kammer einige 40 Stimmen inehr haben dürfte, als das Ministerium, will die neue Regierung ohne offene Schlacht besiegen, indem sie sie zur Untätigkeit nöttgt und diskreditiert. Daher treibt die Opposition eine Art versteckter Obstruktion und glänzt in der Kammer durch ihre Abwesenheit, so daß das Haus nicht beschlußfähig ist. In den Kon, Missionen, wo sie die Mehrheit hat. schiebt sie die Beratungen der Gesetze hinaus und macht so dem Ministerium jede Aktion unmöglich. Sonnino hat eingesehen, daß es in dieser Weise nicht fortgehen kann. Seine Kollegen der äußersten Linken,.Sacchi und Pantano, dringen besonders auf eine Lösung, da sie sich un, so unheilbarer kompromittieren, je länger sie in einem Ministerium tveileu, dessen Aktion keinerlei Eutjchuldiguugsgrüude für ihre Teilnahine an der Regierung aufiveist. Man sucht daher nach einer gunstigen Ge- legeuheit, ein politisches Votum zu fordern. Die Unter« stcllung des Reptilicnfonds unter die Parlamentskontrolle hat die Konservatipen gegen sich und ist daher ausgeschaltet -worden. Dam, hatte man gedacht, einfach beim Budget des Innern die Vertrauensfrage zu stellen, aber auch dieser Plan wurde aufgegeben, da ja das Budget des Innern noch vom Ministerinn, Fortis vorbereitet worden ist. So sucht Sonnino nach einer Gelegenheit, ein Votum zu veranlassen, unter Umständen, die ihm die Rechte und das Zentrum sichern, ohne ihm die Radikalen und Sozialisten zu entfremden. Je länger er wartet, um so geringer ist offenbar seine Aussicht auf Erfolg.— )Ziis der partei. Die lieben, ahme ihres Organs, der„Schwäbischen Bolkszeitimg", in Parteiverlag beschlossen die Augs bürg er Genossen. Drei Genossen sollen bcnuflragt werden, eine offene Handels- gcsellschaft zu bilden, die das Vcrlagsgeschäft zu übernehmen hätte. Gemeiudewahlsiege. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Bremerhaven, bei denen die Sozialdemokratie fünf Mandate zu verteidigen hatte, siegte die sozialdemokratische Liste mit 1043 Stimmen über die bürgerliche Liste, die es aus nur 634 Stimmen brachte. Die sozialdemokratische Stimmenzahl hat sich um etwa 230 vermehrt, die Gegner sind stehengeblieben. In den Gemeinde» Gutenberg, Zwintschöna bei Halle a. d. S., in Darlingerode am Harz wurden je ein, in Klcin-Ottersleben bei Magdeburg wurden zwei Genossen gewählt. In Weißwasser(Oberlausitz) wurde am Donnerstag ein zweiter Sieg erkämpft. Der Sozialdemokrat erhielt 258, der Gegner 47 Stimmen. Italienischer Parteikongreß. Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei Italiens hat beschlossen, den nächsten Kongreß auf den 7. bis 9. September dieses Jahres nach Rom einzuberufen. Die Tages- ordnung soll später bekannt gegeben werden. Um die gegenwärtige Krisis zu beseitigen, wäre die Einberufung eines außerordentlichen Kongresses zu einer früheren Zeit nützlich gewesen, das Parteistatut verlangt aber, daß die Einberufung eines Kongresses mindestens drei Monate vorher bekannt gegeben wird. polizeiliches, Oertchtltcheo ufw. Keine Zeugniszwangshaft ist über den Genossen Göll in Lörrach verhängt worden, sondern er ward inhaftiert, weil das Amtsgericht Kollusionsgefahr witterte in einer Bagatellsache, die am Mittwoch vor dem Schöffengericht Lörrach zur Verhandlung kommt. Ihr liegt eine Streikbrecheraffäre zugrunde, die sich während eines Streiks in einer dortigen Weberei abgespielt haben soll. Zwei Freisprüche. In Magdeburg wurde am Freitag der Genosse W i t t m a a ck, Verantwortlicher der„Volksstimme", von der Anklage freigesprochen, durch einen iu der Nummer vom 21. Januar erschienenen Artikel„Frei Preußen" zum Klassenhatz aufgereizt zu haben. Am selben Tage erstchr die Staatsanwaltschaft zu Rudol- st a d t die Absuhr, daß die Strafkammer den Genossen Zorn, den Redakteur des S a a l f e l d c r Parteiorgans, von der Anklage freisprach, in einem in der Silvesternummer des„Volksblatt" der- öffcntlichlen Leitartikel Klassenaufreizung begangen zu haben. Einen heiteren Reiufall hat der liberale Rechtsanwalt Kohl zu M ü n ch c n mit einer Klage gegen den Genossen Eversen erlitten. Eversen hatte in einer Versammlung bei den Landtngsivahlen be- stätigt, daß Kohl ihn, zehn Maß Bier zahlen wolle, wenn er in einer Versammlung seine in, Privatgcspräch bekundete Abneigung gegen das Kompromiß mit dem Zentrum aussprechen wolle. Herr Kohl bestritt das und klagte, das Gericht wies ihn ab und verurteilte ihn auf die Widerklage Eversens wegen eines Kohlschcn Zcitungs- artikels zu 200 M. Geldstrafe. Eine» großen Erfolg hat ein Dr. Ehrlich, Direktor einer fürst- lichen Steingutsabrik zu Schlcrbach, mit einer Privatklage gegen die Frankfurter„V o l k s st i n, in e" wegen einer an den ihn, unterstellten Betrieb geübten Kritik davongetragen. Genosse Quint, der Verantwortliche, erhielt 200 M. Geldstrafe, der Kläger aber auf Quints Widerklage dieselbe Strafe! Der zweimalige Freisprnch, der im„SiegeSlümmclprozeß" des Genossen P e r n e r von der„Märkischen Volksstimme" z» F o r st erging, ist wiedern», von, Reichsgericht aufgehoben worden. Das Landgericht Kottbus soll als drittes Gericht erster Instanz entscheiden, ob Perner durch den Ausdruck Siegeslinninel Mitglieder von Kricger- vereinen beleidigt hat, auch ob, wenn eine Beleidigung vorliegt, seine Täterschaft ausgeschlossen ist. MajestätSbeleidigung und SittlichkeitSvergehen— diese ungeheuerlichen Verbrechen soll die„Mitteldeutsche Sonntagszeitung" zu Gießen durch Abdruck des humoristischen Druckfehlers im Kaiscr-Hochzeitsartikel eines ehrsamen Amtsblattes(wir haben die Sache bereits gcineldet) begangen haben. Unser Brnderblatt schreibt dazu:„Auf dem Gebiete der Rechtspflege ist ja in Deutschland ge- wiß viel möglich; um aber diese Vergehen aus jener Notiz heraus- zudestillieren, wäre schon ein lleber-äolu� eventualis nötig. Man darf wohl gespannt fein, ob sich ein hessisches Gericht dazu ver- steht." Einen nicht genehmigten öffentliche» Umzug haben nach Ansicht der Polizei zu Königsberg verschiedene dortige Genossen ver- anstaltet, da sie am 22. Oktober v. I. den Genossen Gottschalk be- grüßten, als er das Gefängnis verließ. Es sind verschiedene Straf- Mandate zu 3 M. ergangen, Genosse Gottschalk selbst soll 15 M. zahlen. Es wird Einspruch erhoben. Das Verbrechen von Conrriöres. Täuschung der öffentlichen Meinung. Man scheint sich in der bürgerlichen Presse nun doch baid in Selbstberäncherung, die natürlich nur auf Irreführung berechnet war, übernommen zu haben. Die Lobeshymnen über die groß- artigen Einrichtungen im deutschen Bergbau verstuimnen etlvaS. Bisher hat man mit einem Eifer, der der Sache des ArbeitcrschutzeS lvürdig wäre, den Anschein zu erwecken gesucht, als ob Ein- richtuugen, wie sie sich bei den Bergungsarbeiten aus der UnglückSarnbe von EourriereS so vorzüglich bewährt haben, im deutschen Bergbau allgemein eingeführt seien. Als die Gcsellschaft von Courriöres nicht mehr zu retten ivar, entrüstete man sich kaum über die skandalösen Betriebseinrichtungen, aber furchtbar darüber, daß dort nicht auch die deutschen RettungS- einrichtiingen vorhanden sind. Und mit Tamtam verkündete man, in Belgien, in England usw. sollten die deutschen Einrichtungen nun auch eingeführt werden. Spiegelfechterei und Heuchelei! Kann, sind einige Wochen ins Land gegangen, daß in, deutschen Reichstage über das Borussia-Unglück verhandelt wurde, und man erfuhr, daß auch bei diesem Unglück erst Rettungsapparate von Herne geholt werden mußten. Aber die Entrüstnug über solchen Skandal blieb aus. Da- für will mau jetzt den Anschein erwecken, als ob bei uns alles aufs beste bestellt sei. Und auch davon redet man nicht, daß eS nicht die Hauptsache ist, ein Brett zur Hand zu haste», um den Brunne» zu überdecken, wenn das Kind ertrunken ist, sondern daß es Pflicht ist, Unglück zu verhüten. Das System soll gerettet werden, daher das heuchlerische, verlogene Verhalten der Unternehmerpresse. Der„Elberf. G.-A." veröffentlicht folgende Nachricht: „Heiliger BnreaukratiuS I" Die Elbcrfelder Firma Limbach und Vonert hatte am 12. März einen telegraphischen Auftrag er- halten, 10 Flaschen Sauerstoff nach Conrriöres zu senden zu», Gebrauche für die mit den RettungSarbciten beschäftigten deutschen Arbeiter. Man bemühte sich natürlich, die Sendung sofort abgehen zu lassen. Indessen gab der Beamte am Unter- barmer Bahnhof den bündigen Bescheid, daß die Sendung nach den Betriebsbestimniungen nicht als Eilgut abgehen könne I Man wandte sich au das Elberselder Eisenbahnverkchrsburean. Dort wurde mitgeteilt, daß die Beförderung der Sendung als Eilgut zulässig sei. Als man den Sauerstoff in Barmen nun endlich absenden wollte, stellte es sich nach telephonischer Anfrage in Elberfeld heraus, daß die Elberfelder die Auskunft irrtümlich erteilt hatten. Schließlich sah man sich nach diesem Zeitverlust gezwungen, die Sendung als Frachtgut abgehen zu lassen." Das ist-auch eine mustcrhasle Zopfigkcit. Unfälle bei den Bergungsarbeiten. Lens, 24. März. Seit gestern ist es gelungen, das Feuer von zwei Seiten zu bekämpfen und festzustellen, daß es auf d,e Ostseite beschränkt ist. Wenn eS auf die alten Galerien auf der Westseite übergesprungen wäre, so hätte man nicht seiner Herr werden können. In der Nacht gegen 2 Uhr erlitten in Grube 2 ein Feuertoehrinann und ein Ingenieur infolge des Mangels an Lust leichte Ohnmachtsanfälle. Es drohte eine Panik zu entstehen. Die durch den Ventilator hinciiigelasscne Luft soll nur in mäßiger Weise vermehrt werden, weil eine zu große Menge von Lust den Brand wieder mehr anfachen würde. Man prüft verschiedene Mittel, um den Brand zu löschen, namentlich dimh Feuer erstickende Gase. Ausländische Ingenieure, namentlich deutsche, kommen täglich nach Billh-Moutigny, um den Ursachen der in der Miueugeschichte einzigen Katastrophe nachzuforschen. So ist heute vormittag der deutsche Ingenieur Sten, in Schacht 2 eingefahren. Der Streik bröckelt ab? Ueber Paris bringt W. T. B. ans Lens die mit Vorsicht auf- zunehmende Nachricht, die ausständigen Bergarbeiter seien entmutigt und würden die Arbeit voraussichtlich im Laufe der nächsten Woche wieder aufnehmen. Die Zahl der Ausständigen sei gestern ans 44 000 zurückgegangen._ Soziales« Eine abgewürgte JnnungSkrankenkasse. Die ehrsame Berliner Schneiderinnnng hat kürzlich die Auf- lösnng ihrer Jnnungskrankenkasse zum 1. April d. I. beschlossen, und zwar— aus Wut über die Sozialdemokratie. Was die' Sozial- demokratie nun eigentlich jemals mit dieser Kasse zu tun hatte, das wissen die Junungsmeister zwar selbst nicht, desto mehr aber schrieen sie über„sozialistische Herrschaft" in der Kasse und kamen dann schließlich überein, diesen„unerträglichen Terrorismus" durch Auf- lösung der Kasse für immer abzuschütteln. Offenbar soll jener Auf- lösungsbeschluß dazu dienen, das„Mjatcrial" zu der geplanten ge- setzlichcn Verkümmerung des Selbstvcrwaltungsrechts der Kranken- kassen zu vermehren. Da nun bekanntlich niemand eine so unüber- windliche Abneigung vor dem Hineinreden„anderer Leute" in die „eigenen Angelegenheiten" hat, wie gerade das überaus rückständige, spießbürgerlich verzopfte Jnnungskrautertum, so ist es auch weiter nicht vcrtoundcrlich, daß sich die Berliner Schneiderzunft aus ihrem gehörnten meckernden Wappentier zu einer lustigen Nadelattacke gegem das Selbstverlvaltuugsrccht der Krankenkassen anschickte. Was war nun die eigentliche Ursache der Auflösung? Nichts tveiker wie das Unbehagen der Jniluugsincistcr darüber, daß die organisierte Geselleuschaft durch die Wahl tüchtiger Vertreter der alten Schlamperei und Vetternwirtschaft in der Jnnuugskrankcn- lasse ein Ende zu machen suchte und es perhinderte, daß die Kasse als eine Art Futterkrippe oder als inelkendc Kuh für Jnnungs- giinstliuge diente. Gegründet wurde die Kasse im Jahre 1892, obwohl ein sachliches Bedürfnis dazu gar nicht vorhanden war, da für die Berliner Schneider und Schneiderinnen ja die Ortskraukcu« kasse bestand. Doch die Innung ließ sich damals von dem Gedanken leiten, durch Ausnutzung des§ 81b der Gelverbeordnung, der die Errichtung einer Krankenkasse für die Jnuungsmitglicder und der bei ihnen beschäftigte»! Arbeiter leider zuläßt, uiöglichertveise einen bestimmten dauernden Zunftcinfluß auf die Gesellen und Näherinnen ausüben zu können. Wie sehr die Innung bestrebt war, sich von vornherein die eigene Herrschaft iu der Kasse zu sichern, ergibt sich aus der statutarischen Bestiinmung, wonach der Vorsitzende der Jiiuungskrankeiikasse Mitglied der Innung fein»msse und auf drei Jahre zu wählen sei. Bis zum Jahre 1903 ging auch alles seinen gewünschten Gang. Auf welcher Höhe die Kasscuverwaliung damals unter dem ausschließlichen Einfluß der Innung stand, kennzeichnet am besten der Ausspruch eines behördlichen Revisors, der die ganze Geschäftsführung als eine„Wurstelei" bezeichnete. Dann aber wurde das inuüngsmeistcrliche Verwaltuugsidyll plötzlich gestört, weil die organisierte,, Schneider bei den Wahlen zur Gcneralver- sanimlung die Mehrheit erhielten und dadurch auch der Vorstand bei der folgenden Neuwahl eine andere Zusammensetzung bekam. Vyn' da an wurden neu anzustellende Beamte» nicht mehr aus Rücksicht auf deren Versorgung gewählt, sondern man sah auf Quali- fikation, auf Kenntnis der sozialen Gesetze und des sozialen Lebens und verlangte auch ein grös-cres soziales Pflichtgefühl von ihnen. War bisher aus leicht durchsichtigen Gründen so' verfahren worden» daß bei Abgabe vo» Brillen, Bruchbändern usw. die benötigten Mit- glieder direkt an diesen oder jenen Lieferanten gewiesen wurden, so hörte diese Praxis jetzt auf, wie überhaupt alles, was au Schmiererei oder Prozcniwcsen anklingen konnte. Wie dringend nötig eine bessere Kontrolle war, ergab sich allein schon aus der Tatsache, daß die Bücher und Beläge noch im Januar 1905 in solcher Unordnung waren, daß nicht einmal eine Uebersicht über die ersten Monate dcS Jahres 1994 gegeben werden konnte. Erst die Aufsichtsbehörde muhte unter Androhung von Strafe eine schleunige Erledigung der rückständigen Arbeiten auorducn. Bezeichnend ist auch folgender Fall: Ein freiwilliges Mitglied namens H. wollte sich eines TageS einen Krankenschein auf der Kasse holen. Ter dienst» tuende Kassenbeamte wies den Mann jedoch ab, weil er durch Nicht- zahlung der Beiträge seine Mitgliedschaft verloren hatte. Der Ab- gewiesene stellte daraus dem ihm befreundeten Vorsitzenden die Sache vor und erhielt nun statutenwidrig den Krankenschein, so daß die Kasse ihn 26 Wochen lang unterstützen mußte. Auch andere Eigen- Mächtigkeiten des Vorsitzenden hatten zur Spannung unter den Vorstaudsiuitglicderu�bcigctragen. So war gegen die im November 1904 zugunsten der Schneiderorganisation ausgefallene Delegierten- wähl zur Generalversammlung aus kleinlichen Gründen von einigen Jnnungsmeistern Protest erhoben worden. Als die Aufsichtsbehörde daraufhin eine Anfrage an den Kaffenvorstand richtete� inwieweit die im Protest aufgestellten Behauptungen der Wahrheit entsprächen, beantlvortete der Vorsitzende in(Gemeinschaft mit einem ihm be- freundeten Kassenbeamten jene Aufrage eigenmächtig„im Rainen des Vorstandes" allein, ohne sie dem Gesamtvorstande überhaupt vorzulegen. Ja der Vorsibendc bestritt auf Vorhalt der übrige» Vorstandsmitglieder ganz»»geniert den Einlauf jener behördliche» Aufrage. Die Wahl wurde denn auch wirklich kassiert, jedoch fielen die Neuwahlen wieder zugunsten der Organisation aus. Da inzwischen das selbstherrlich-partciischc Verhalten des Vor- sitzenden auch in dieser Sache offenkundig geworden war, so drangen die Mitglieder auf eine Statutcuänderuiig, um das Privilegium der Innung, den Vorsitzenden auf drei Jahre zu stellen, zu beseitigen. Es wäre dies»m so leichter gewesen, als die im§ 90 der Gewerbe- ordnung gegebene Voraussetzung zu diesem Privileg C Zahlung der halben Kasscnbciträge statr eines Drittels) für die Meister nicht zutraf. Aber da erklärten die Jnnungshcrren rund heraus, wenn die Statutenänderung in diesem Sinne beschlossen würde, dann sei die Auflösung der Kasse sicher. Also, lediglich um ihre Herrschaft in der Kasse zu wahren, spielten die Jimuiigsmeister mit dem Wohle der Kassenmitglieder förmlich Fangeball. Zur Auflösung kam es indes aber noch nicht, weil die Innung hoffte, bei den nächsten Wahlen zur Generalversammlung wieder Oberwasser zu bekommen. Inzwischen ließ sich der Vorsitzende eine neue Pflichtwidrigkcit zuschulden kommen. Da sich nämlich die Ueberlegenheit der aus den Reihen der organisierten Schneider entnommenen Beamten an der Gesundung und besseren Ordnung der ganzen Kasscnverhältnisse deutlich gezeigt hatte— was u. a. auch dadurch dokumentiert wurde, daß die behördliche Kontrolle im Dezember 1905 keinen Anlaß zu irgend einer Beanstandung gab—, so waren Generalversammlung und Vorstand zu dem Entschluß gekommen, sich einen Stab tüchtiger Leute durch Abschluß von Anstellungsbcrträgcn nach dem Muster anderer Kassen zu sichern. Hiergegen legte sich aber der Jnnungsobermeister ins Zeug und veranlaßte den Vorsitzenden der Kasse, seine Unterschrift unter die Verträge zu verweigern und obendrein noch einen Protest bei der Aufsichtsbehörde einzureichen. Als die Antwort darauf zu lange ausblieb, rickteten die Beamten der Kasse selbst eine diesbezügliche Anfrage an die Gewcrbcdepiitation. Und nun wurde ihnen der schriftliche Bescheid, daß die Antwort schon längst erteilt sei. Dem Protest des Vorsitzenden sei nicht Folge gegeben worden, dem Ab- schluß der Verträge liege, abgesehen von einigen geringfügigen Acnderungcn, nichts im Wege. Der Vorsitzende hatte diese Antwort einfach unterschlagen! Nun kam die Neuwahl vom November 1995. Die Jnnungs- meister machten ihre Anhänger mobil, indem sie ausposaunten, die Kasse müffe bei der Sanktionierung der fraglichen Slnstellungsver- träge unrettbar zugrunde gehen. Das Wahlrcsuliat war ein Sieg der Schnciderorganisaiion. Von der Jnnüngsscite wurde wieder Protest eingelegt. Es erfolgte auch prompt die Kassierung der Wähl. Abermals setzte die Innung alle Hebel in Bewegung, um die o?Savisterten Schneider niederzuzwingen. Das Ergebnis war ein neuer Sieg der Organisation am 18. Januar d. I. Nunmehr sahen die Jnnungszünftler, datz es mit ihrem dominierenden Einfluß in der Kasse wohl ein für allemal zu Ende sei; sie hatten nun kein Interesse mehr an dem Fortbestande der- selben, und so beschlossen sie dann kürzlich in einer Jnnungsver» sammlung, ohne den Gcsellenausschuss hinzuzuziehen, die Auflösung der Jnnungskrankenkasse, weil das Weiterbestehen der Kasse unter „solchen Berhältnissen" nicht mehr geboten sei. Wie diese„solchen Verhältnisse" in der Wirklichkeit aussehen, das veranschaulicht folgende Uebersicht über die Rechnungsergebnisse. Im Jahre 1003 hatte die Kasse bei einer Ausgabe von 347 014 M. ein Vermögen von 69 890 M., welches sich im Jahre 1906 bei einer Ausgabe von 561 113 M. auf 123 823 M. erhöhte. Trotzdem gerade im letzten Jahre unter der verlästerten„sozialistischen Herrschaft" für Krankenhausbehandlung 23 000 M-, an Krankengeld 38 000 M. und an Wöchnerinnenunterstützung 6000 M. mehr ausgegeben wurden, erzielte die Kasse dennoch einen bisher noch nicht erreichten Ueber- schuh von 36 000 M. Allerdings waren unter„Sonstiges" 9000 M. weniger ausgegeben worden wie im Borjahr. Und angesichts dieser beweiskräftigen Zahlen konnte die Innung die Auflösung der Kasse beschliehen. Ja sie ging noch weiter. Sie lieh es bei dem einfachen Auflösungsbcschluh. ohne die 22 000 Mitglieder der Jnnungskasse an die Ortskrankenkasse zu überweisen. Die Herren gedenken sich auf diese Art das Restvermögen der Jnnungskrankenkasse zu sichern, um es dann ihrer Jnnungs- unterstuüungskasse zufliehen zu lassen. Das wäre allerdings ein Ge- schäft, Gelder, die zu zwei Dritteln aus den Groschen der Schneider und Näherinnen bestehen, zur sicheren Fundamentierung einer wackeligen Unterstützungskasse für die Meister zu nehmen! Gegen das Bargehen der Schneiderinnung ist Beschwerde beim Oberpräsidenten erhoben worden. Man wird ja sehen. Ivaö bei der Sache herauskommt. Soviel aber erscheint sicher: Bei objektiver Würdigung dieses Borfalls dürste die Regierung nicht sonderlich von dem„Material" erbaut sein, das ihr die Berliner Schneider- zunft hier zur Einschränkung deS SelbstverlvaltungsrechteS der Krankenkassen zu liefern gedenkt. SewerKIcKaftlicKes. Terror! Wiederum liegt ein Fall vor, ivo sleihige Arbeiter an sreitvittiger Arbeit gehindert werden. Sind'S sozialdemokratische Streiksiinder, die sich des Verbrechens, das bekanntlich mit Zuchthaus geahndet werden soll, schuldig machen?— Nein, ein Arbeikgeber-Vcrband ist es, der Arbeitgeber-Verband für Dortmund und Umgegend. Dieser hat an die Unternehmer ein Zirkular versandt, das wir zu veröffentlichen in der Lage sind. Dasselbe hat folgenden Wortlaut: „Dortmund. LI. März 00. Herr..... Wie Ihnen aus Zeitungsnachrichten bekannt sein dürfte, ist im benachbarten Hagen eine Arheiterbewegnng im Gange. Die Arbeitgeber haben jede Lerhandlung abgelehnt, da dieForderungen von dem Metallarbeiterverband gestellt worden sind. Infolgedessen hat bei der Firma Rentrop in Milsza eine Anzahl Leute gekündigt, deren Namen wir auf bei» liegender Liste bekanntgeben. Desgleichen find bei der Maschinenbauaktiengesellschast.Union" in Essen di« auf der weiter beiliegenden Li st e auf» geführten Arbeiter ohne Grund in Kündigung getrete». Hochachtungsvoll Arbeitgeberverband für Dortniund und Umgegend. gez.: F. Söh»ch«n." Bemerkt sei, daß sich die schwarzen Listen ausnehmen. wie staatsanwaltliche Steckbriefe; sie enthalten nicht bloß den Namen, sondern auch Geburtsdatum und Wohnort der Betroffenen, damit über die Person der Gekennzeichneten ja kein Irrtum obwalten kann.— Kein Staatsanwalt wird sich finden, der gegen solchen wirklichen Terrorismus einschreitet._ Birlfn und amgegind. Paviane. Der verstorbene Freiherr v. Stumm hat einmal dem lang- vhrigen Geschlechte der Esel bitter unrecht getan. DaS war, als er die„Post"-Redakteure mit diesen gutmütigen und fleißigen Grau- tieren verglich. Wenn man die Kronsbein-Garde durchaus zoologisch einreihe» will, kann man sie nur in der Klasse der Paviane unter- bringen, mit welchen lieblichen Geschöpfen die.Post"-Redaktion die boshafte Dummheit und die dumme BoShaftigkeit gemeinsam hat. Wenn die Sippe eine„BorwSrtS"-Nummer sieht, fletscht sie sofort die Zähne und wirft mit Kotballen nach uns, so auch gestern abend. Unter dem irreführenden Titel„Vorwärts*- Dummheiten hält die Schlotjunkerschutztruppe da ihren Lesern unter wütendem Grimassenschneiden gegen uns eine Anzahl Phan« tafieprodukte unter die Rase, die sie als ans dem.Vorwärts" her- rührend ausgibt. Der gewerkschaftliche Teil unsere» BlatteS mutz unter anderem ebenfalls in folgender Weise herhalten: .In seiner letzten SonntagSnummer sprach das idiotenhaft be- arbeitete Zentralorgan der roten Sippe unter der Rubrik«Ge- werkschaftlicheS" wie üblich von der.Ausbeutung der Arbeiter". die an 3 6 4 Tagen stattfinde und in Schalt- jähren sogar an 30S Tagen. Also sogar die ersten wissenschastlichen Errungenschaften der kleinen ABC- Schützen geraten schon bei den TintenkuliS unter Stadthagen als Erzieher ins Wanken. Bielleicht raffen sich nächstens einig« .Genossen" dazu auf. ein paar 10» bis 12jnhriae Volksschüler aus „Genosien"familien ein Stündchen abends auf die Redaktion zu senden, damit sie die gröbsten Schnitzer anS dem Blatte, bevor es in Druck geht, hinauskorrigieren." Man vergleiche damit die Wirklichkeit: Wir hatten mitgeteilt, datz wunderlicherweise die bürgerliche Presse plötzlich einmal di« Interessen der GewerkschastSbeamten wahr» nehme, imd sagten im«nschlutz daran: .Wenn aber die bürgerliche Presse sich heuchlerisch der GewerkschastSbeamten gegen die Arbeiter anzunehmen vorgibt. so sei daran erinnert, datz fie an 364 Tagen im Jahre— und in Schaltjahren an 366— eben auf diese selben Beamten al» Hetzer und Verführer schilt, die fich von den Groschen der Arbeiter inästeten." Wenn die.Post' auch nur„idiotenhaft' redigiert würde, wie fi« eS dem.Vorwärts' nachsagt, könnte sie die? eine Mal, wo Kürgerlicherselt» Gewerkschaftsbeamte herausgestrichen wurden, von den 865 Tagen des Jahres abziehen. Aber Paviane können ja nicht zählen, sondern nur boshaft fein. In dieser dummen Bosheit begeht dann die.Post' die boS- hoste Dummheit zu behaupten, wir hallen in derselben Rummer in einer Polemik mit dem„Karlsruher„Volksfreund' den auf Adolf Geck gemünzten Ausdruck„geckenhaftes" Betragen angewandt. Hier ist di» Dummheit der„Post'-Paviane größer als ihre Bosheit� denn ein einfacher Blick in die fragliche Nummer wird jedermann davon überzeugen, datz dieselbe gar kein« Polemik mit dem„Volks- freund' enthält und so die Lüge ausdecken!— Wenn die„Post" fich also länger als eine Spalte abmüht, un»„Dummheiten" nachzuweisen, müssen wir bescheiden ablehnen. „Ganz auf Ihrer Seite!' Herr Dr. KronSbein:„Ganz auf Ihrer Seite!"_ Zur Lohnbewegung der Gärtner in Groß-Berlin. Die Streik- bewegung in der Handelsgärtnereibranchc hat gute Fortschritte gemacht. Die Kündigungen in den Betrieben sind durchgchends geschlossen erfolgt. Nur von den Unorganisierten haben sich eine Anzahl zurückgehalten, nachdem die Unternehmer ihnen kleinere Lohnzulagen versprachen. Mehrere Firmen bewilligten im Laufe der ersten Woche die aufgestellten Forderungen, wodurch in diesen Betrieben die Kündigungen hinfällig wurden. In einigen Betrieben nahmen die Unternehmer Maßregelungen vor und legten dann deren Gehülfen geschlossen die Arbeit nieder; so bei der Firma Günther in Friedrichsfelde, welcher Firma jedoch der ch r i st- liche Gärtnerverband sogleich„Arbeitswillige' lieferte. Auch bei der Firma Hoflieferant I. C. Schmidt in Steglitz hatten alle Gehülfen, unter Vorantritt der Obcrgehülfen, gekündigt. Als einer der letzteren deshalb gematzregelt worden und die geschlossene Arbeitsniederlegung verabsäumt worden war, ließen sich leider die jüngeren und zwei Obergehülfen wieder breitschlagen durch daS Versprechen einer Lohnerhöhung um 2 M. pro Woche. Bei dieser Firma wurden bisher den jungen Gehülfen nur 16 M. pro Woche gezahlt. Die Unternehmerorganisation hat beschlossen, sich auf keine Unterhandlungen einzulassen; sie stützt sich vielmehr auf die„christliche" Schutztruppe, die in allen Gärtnereifachblättern Inserate erlassen hat, daß Gärtncrgehülfen jetzt in Berlin gut bezahlte Stellen erhalten können. Wie weit diese Streikbrecheragentur sbeim Gastwirt Kaufmann in Berlin, Weißenburgerstrahe 67) auf die Bewegung Einfluß erlangen wird, ist noch nicht vollständig zu übersehen. Die Unternehmer haben beschlossen(da die Christlichen nicht über die notwendigen Geld- mittel verfügen), den Ehriftlichen die Gelder zur Bcrfügung zu stellen, die sie für ihre Liebesdienste benütigen! Trotz alledem hassen die Gehülfen und Arbeiter, ihre Bewegung mit Erfolg durchzu- führen.— Die Lohnbewegung in der Landschastsgärt- nereibranch« steht vorläufig auf ihrem früheren Stande. Die Lohnkommission hat Vollmacht, der Situation gemäß geeignete Schritte zu unternehmen. Einstweilen sollen in den einzelnen Firmen die GeHülsen um Bewilligung der Forderungen vorstellig werden. Eventuell wird in der ersten Aprilwoche eine allgemeine Versammlung weitere Beschlüsse fassen. Königsberger Streikarbeit in Berlin. UnS wird heute telegraphisch mitgeteilt, datz die KönigSbergsr Schneidermeister versuchen, in Berlin Streitarbeit unterzubringen. Wir ersuchen die Kollegen, uns. wenn ihnen nach der Richtung hin etwas Verdächtiges vorkommt, unverzüglich Mitteilung davon zu machen. Die Ortsverwaltung des Verbandes der Schneider. Di« Apothekergehülfen leiten gegenwärtig eine Bewegung zur Einführung der beschränkten Sonntagsruhe für ihren Berus in Berlin und den Vororten ein. Sie fordern das wechselweise Schließen eines Teils der Apotheken an den Sonntagnachmittagen von 2 Uhr an. Um dem Publikum die Möglichkeit einer schnellen Arzneibeschaffung trotzdem zu sichern, empfehlen sie. nach dem Muster Stuttgarts und anderer Städte bezirksweise Plakate an den geschlossenen Apotheken auszuhängen, auf denen die nächste offen gehaltene Apotheke angegeben ist. Mit dieser Forderung beschäftigte sich am Freitag eine ziemlich stärk besuchte Versammlung der konhitionierenden Apotheker, in der von den verschiedensten Rednern sogar ziemlich kräftige Töne gegen die Apothekenbesitzer angeschlagen wurden. Die Herren Chess haben ihren„Assistenten" zum Teil nämlich deutlich zu verstehen gegeben, datz deren Forderungen ja „einen geradezu sozialistischen Anstrich" hätten. Nun wollen die Apothekergehülfen ihren eigenen Beteuerungen zu- folge zwar um Gotteswillen keine Sozialdemokraten sein. Dennoch. so meinten einige Redner, müsse es die Assistenten doch eigentümlich anmuten, wenn sie sähen, daß sie von den Herren Besitzern viel weniger rücksichtsvoll behandelt würden wie etwa der Sozial- demolrat SimanowSki, der Führer des derzeitigen Apotheken- bohkottS. ES fei gewiß kein beneidenswertes LoS für die konditionierenden Apotheker, wenn sie als Leute mit akademischer Bildung, häufig sogar mit dem Doktortitel behaftet, für ein Gehalt arbeiten müßten, dos im Durchschnitt eher unter als über 200 M. pro Monat beträgt, und diese Entlohnung erfolge bei einem Tages- dienst von 9. bis lOlbstündiger Dauer, zu dem noch 4 bis 5', b Stunden Nachtdienstbcreitschaft kommen. An die selbständige Uebernahme einer Apotheke sei heutzutage auch nur in den seltensten Fällen zu denken, denn dazu gehöre ein enormes Kapital, was die meisten nicht besitzen. Auch erschwere der gegenwärtige Apotheken- schacher mit seiner unverschämte» Steigerung der Kaufpreise und auch der unrühmliche Konzessionswucher die Selbständigmachung. So komme es denn, daß die Assistenten vielfach als verheiratete Leute, teilweise sogar mit ergrauten Haaren, froh sein müßten, wenn sie nur Stellung fänden. Unter diesen Verhältnissen müsse unbedingt auf eine Verlürzung der Arbeitszeit hingewirkt werden. und dazu diene die Einführung der beschränkten Sonntagsruhe. Mitgeteilt wurde noch, daß die Apothekergehülfen demnächst um die reichsgesetzliche Einführung der Sonntagsruhe an den Reichstag petitionieren wollen. So lange eine Regelung für da« ganze Reich noch nicht bestehe, müsse die Gehülfenvereinigung eben sehen, was sich in den einzelnen Orten errcicken lasse. Vernunftig war cS. datz hierbei von einigen Rednern die Sympathie der sozialdemokratischen Arbeiterschaft mit den Apothekergehülsen gewissermaßen als selbstverständlich vorausgesetzt wurde. Deutld««» Retdi. Die streikenden Kalitergarbeiter des Reviers B-lprieljaufen haben in stark besuchter Versammlung zu Schlarpe beschlossen, das Königl. Oberbergamt KlauSthal als Einig ungsamt anzurufen. Bei der vorgenommenen geheimen Abstimmung darüber, ob man>den Kampf einstellen oder weiterstreiken soll«, waren nur vier Stimmen für die Arbeitsaufnahme. Alle kapitalistischen Ein- schüchterungsmonöver tvaren bisher umsonst. Äon den zurzeit arbeitenden 240 Mann gehören nur 46 dem unterirdischen Betriebe an; die übrigen sind Handwerker, TagcSarbeiter. Invaliden, „Arbeitsjnngen" usw. Diese Zahlen beweisen, daß die Gruben- arbeitrr sich nicht bedingungslos zurückkomplimentieren lassen wollen. Dagegen nehmen jetzt immer mehr Streikende ihre Abkehr, um anderweitig sich ihnen bietende günstigere Arbeitsgelegenheit zu er- greifen. Wenn di« WcrkSverwaktung bei ihrer echt kapitalistischen Halsstarrigkeit noch lange verharrt, so kann sie ihre tüchtigsten Arbeiter verlieren, um minderwertiges Streikbrechermaterial dafür einzutauschen. Nachdem alle anderen Versuche, die Streikenden auseinanderzutreiben, bisher mißglückt sind, hat die Verwaltung es am 16. d. MtS.. dem Lohntage jür die unterirdischen Betriebe. mit folgendem UlaS versucht: Bekanntmachung. Die Löhnung der Fabrikarbeiter findet am 16. d. MtS. statt. Zugleich bringen wir den unter Kontrakt- beuch in den Ausstand getretenen Arbeitern zur Kenntnis, daß ihr noch rückständiges Lohnguthaben bis zur sechzchnsachen Höhe ihres Tagelohncs(§ 23 der Fabrikordnimg bezw. H 134 Abs. 2 der Gewerbeordnung) der Knappschasts-Krankenkassc verfällt. Denjenigen in den Ausstand getretenen Mannschaften, welche mit dem 17. d. MtS. die Arbeit wieder anfnehmen, wolle» wir vorstehenden verwirkten Wochenkohn vom Febrnar bei der Aprillöhnung nachzahlen, sofern sie in dieser Zeit zur„Zu- friedenheit" der Direktisn ihre Arbeit verrichtet haben und ihre Führung keinen Anlaß zur Ausstellung gibt. Volpriehausen, den 15. März 1906. Ter Borstand der Bergdau-ANiengesellschast„Justus". Nur ganz vereinzelte Arbeiter haben sich durch dieses Mittelchen beirren lassen: Die große Mehrzahl ist durch diese Maßnahme nur noch mehr erbittert worden. Ter Bergarbeiterverband parierte den kapitalistischen Streik durch Auszahlung der ersten Streit- Unterstützung. Die Grund- und Abbrucharbeiter in Köln beschlossen, in eine Lohnbewegung einzutreten. Sie fordern: vom 1. Juni d. I. 50 Pf. Stundenlohn, vom 1. Juni 1907 an 58 Pf., O�stündigc Arbeitszeit, für die ersten beiden Ueberstunden 15 Pf., für weitere und für Nachtarbeit 50 Proz., Sonntags 100 Proz. Zuschlag. Tie Former und Gießereiarbeiter in Aachen haben am Freitag vi« Kündigung eingereicht, nachdem die Unternehmer auf die schon vor Wochen ihnen unterbreiteten Forderungen keine Antwort erteilt haben. Statt dessen war man dazu übergegangen, einzelne für die Organisation tätige Leute, sogenannte„Aufwiegler, zu maß- regeln; weiter hatte man erklärt: wenn die Verbandsvertreter wegen der Forderungen kämen, würde man sie hinauswerfen. Trotzdem sind dann die Vertreter bei den einzelnen Betriebs- inhabern vorstellig geworden. Das Ergebnis war den Gang nicht wert. Die Arbeiter haben in geheimer Abstimmung einstimmig die Kündigung beschlossen. Tie Stukkateure in Düren(Rheinland) sind wegen Nicht- bewilligung des Tarifs in den Ausstand getreten. Zur Tarifbewcgung der Bäckergesellen in München. Eine überaus stark besuchte Versammlung hat den vor dem Einigung-- amte zwischen der Leitung der Organisation und der Münchener Bäckcrinnuug abgeschlossenen Tarifvertrag mit überwältigen- der Majorität abgelehnt, obgleich G a ßn e r- München und der Hauptvorsitzcnde A l l m a n n- Hamburg nachdrücklichst für die Annahme der getroffenen Vereinbarungen plädierten. Der ablehnende Beschluß wurde von sämtlichen Rednern damit motiviert, daß die Innung keinerlei Zugeständnisse n«achte in der Frage der sofortigen Abschaffung des Logiswesens und die Forderung eines wöchentlichen E r s a tz r u h e t a ge s überhaupt nicht in den Bereich der Erörterung gezogen wurde. Die Lohn- kommission wurde beaustragt, diesbezüglich noch einmal mit der Innung vor dem Einigungsamte zu verhandeln. IZustanck. KohlengräderstrcikS in Belgien in Ausficht! Eine Kundgebung des GriibenarbeitersyndikatS des Lüttichce Beckens fordert die Bergleute aus» angrsichlS der Preissteigerung der Kohlen um 3—4 Franken für die Tonne eine 20prozentige Lohn- erhöhung zu verlange» und sich auf Beschliisie deS Landes- Bergarbeiterkongresses bezüglich eines allgemeinen Ausstandes vor- zubereiten. Auch in den Becken von Möns und Charleroi ist eine AuSstandSbelvegung im Gange. Im Borinage haben sich bereits einzelne Grube» den Forderungen der Arbeiter entgegenkommend »ezeigt._ Unternehmer-Schwindel. Paris, 24. März. Die Polizei verhaftete acht ausständige Ar- beiter der elektrischen Fabrik in St. Denis, welche beschuldigt sind, beim Verlassen der Arbeit niedrere Dampfkessel zerstört zu haben. Ein Ingenieur der Firma erklärte einein Berichterstatter, daß nur die Opferwilligkeit der Wächter ein« Explosion verhindert habe, die wahrscheinlich die Fabrikgebäude zerstört haben würde. Soldaten gegen Streikende. In Scorrano(Süditalien) kam es gestern zu einem Zusammen« stoß zwischen Ausständigen und Militär. 500 Ausständige versuchten eine Anzahl arbeitswillige Arbeiter einer Oelmühle an der Arbeit zu verhindern und warfen»ist Steinen auf die anwesende» Gen- darmen und Soldaten, die für die Arbeitswilligen eintraten. Zwei Soldaten wurden verletzt. Hierauf gaben die Truppen, ohne Befehl hierzu erhalten zu haben, Schüsse ab. Ein Lanomann wurde ge- tötet und«in anderer verwiindet. Versammlungen. Zentralverband der Konditoren. Eine öffentliche, ziemlich gut besuchte Versammlung, welche speziell für die Gehülsen aus Kon- ditoreien und Bäckereien einberufen war. tagte ani Donnerstag im „Englischen Garten". Da der vorgesehene Referent nicht er- schienen war. so wurde das Thema:„Arbeiterschutzbestimmungen in den Konditoreien usw.", in der Diskussion behandelt und speziell über die beginnende Bewegung in den Bäckereien gesprochen. Dabei kamen eine ganze Anzahl Mißstände in einzelnen Betrieben zutage. Unter anderem verwies ein Redner auf den Bäckereibetrieb von Falkenberg. Craiiienburgerstmße 89. in welchem das Mittagbrot auf der Erde hockend eingcnommcn werden muß und die unglaub- lichste Ausbeutung der Lehrlinge in bezug auf Arbeitszeit statt- indet. Bei polizeilichen Revisionen würde jedoch die Kalendertafel ckten in der Backstube geprüft, sondern sie würde den Beamten im Laden oder sonstwo vorgelegt.— Es soll mit allem Nachdruck in der Agitation unter den Backgehülfen fortgefahren werden, damit wo- möglich noch gemeinschaftlich mit den Bäckern die gänzliche Ab- schaffung deS Kost- und Logiswcscns gefordert und erkämpft loerden kann. Die von der Kommission für Beseitigung des Kost- und Logiswescns ausgegebenen Fragebogen fanden bereitwillige Ab- nrhmer. Eine größere Anzahl Mitglieder wurde für die Örgcmi- sation gewonnen._ Letzte ISfachnchtcn und Depefchen. Arbeiter», orde in Italien. Rom, den 24. März(Privat-Telegramm). Die Nachricht von dem Vlutbade von Scorrano, bei dem gestern zwei Streikende vom Militär getötet und mehrere verwundet wurden, machte hier um einen so gewaltigeren Eindruck, als gleichzeitig blutige Exzesse der Truppen aus Muro gemeldet werden. Sonnino wurde heute im Parlament über die Vor- flänae von unseren Genossen interpelliert. Er antwortete»hue lrglicheö Wort des Bedauerus, daß die Truppen lediglich ihre Schuldigkeit getan hätten. Im„Avanti" macht Ferri für das gewalttätige Verhalten des Mlitärs die Tatsache verantwortlich, daß bisber alle Arbeitermorde durch Truppen ungestraft geblieben sind._ Zum Tode verurteilt. Wien, 24. März.(W T. B) Nach mehrtägiger Verhandlung vor dem Scbwurgericht wurde der Motorführer Johann Pruegl wegen tückischen Raubmordes und Betruges, begangen an dem Dienstmädchen Berta Boehm, zum Tode durch den Strang und die Ehefrau Barbara Pruegl wegen entfernter Mitschuld am Raubmorde zu drei Jahren schweren Kerkers unter Anwendung des äußersten Milderungsrechts verurteilt. Ter Verteidiger Prueglz behielt sich die Nichtigkeitsbeschwerde vor, der Verteidiger der Ehefrau Bedenk- zeit._ Uebersall auf eine Postkutsche. TifliS, 24. März.(Meldung der Petersburger Telegraphen. Agentur.) In der Nähe von TifliS wurde die Post angefallen und ei» Polizist, der sie begleitete, getöte», der Postillion wurde verletzt. 10 000 Rubel wurden gestohlen. Zugentgleisung. Ehartow. 24. März.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Ein Personenzug der Linie Kursk— Charkow— Sebasto- pot eingleiste bei der Station Rlexandrowsk. Etwa zwanzig Reisende wurden verletzt und füns Wagen beschädigt. jverantw. Redakteur: Hau» Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: BorwärtSBuchdr.u.BerlagSanstalt Paul Singer öe Co., Berlin LW. Hierzu 5 Beilagen. Nr. 71. 23. Iahrgmig. 1. Sriiligk d« Joniiärtü" Strliim Soltelilstt. SomitW, 25. Mär; 1906. Reid�ötag. 4 7 4. Sitzung b o in Sonnabend, den 24. März, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstischc: Prinz Hohenlohe. Die Beratung des Etats für Südwestafrika wird fortgesetzt. Abg. Starz(D. Vp.); Es ist zu befürchten, daß infolge der neuen Handelsverträge die Auswanderung zunehmen wird. Es wäre nun erfreulich, wenn wir einen möglichst großen Teil dieses erhöhten Auswauderungsstroincs in unsere Kolonien ableiten. Ich denke über die Beficdclungsfähigkeit auch SüdwestafrikaS nicht so pessimistisch, wie es von einigen anderen Rednern dieses HauscS geschieht. In einer geographischen Zeitschrift ist ausgcfübrt worden, daß man mit einer geringen Summe, mit nur 300 000 M., den Kunenefluß, einen mächtigen Strom, der die Grenze unserer Kolonie im Norden bildet, nach Süden, in unsere Kolonie hinein ablenken könnte. Wir behandeln unsere Kolonien als Zollausland. Frankreich, das uns gegenüber zur Meistbegünstigung verpflichtet ist, hat sich dadurch doch nicht abhalten lassen, seine Kolonie zu differenzieren, sie günstiger zu behandeln. In England eine ähnliche Bewegung im Gange. Weil aber s'r Handel mit den französischen und namentlich den englischen Kolonien viel wertvoller ist, als fremde Handel mit unseren Kolonien, so dürfen wir auf u Wege der Zolldifferenzierung den Westmächten nicht folgen. Ausfuhrprämien würden wohl gegen das Prinzip der Meist- nstigung verstoßen, Wohl aber könnte man durch herabgesetzte sfätze auf unseren Eisenbahnen den Handel zwischen Deutsch- d und den deutschen Kolonien fördern. Ich empfehle der Ne- I Jning eine solche Tarifpolitik. Die jungpn Beamten in den Kolonien müssen besser behandelt werden als es geschieht, Sie werden so behandelt wie etwa unsere Soldaten beim Militär. Es muß einmal offen ausgesprochen werden, daß die deutsche Regierung einfach das bestehende Zivil- recht der Eingeborenen in den deutschen Kolonien aufgehoben hat. Dazu hatte sie kein Recht. ES muß das Unzufriedenheit erwecken. Die Rechtslage des Schwarzen ist überaus traurig. DaS Ansehen des deutschen Namens leidet unter dem Zustande der absoluten Willkür. Wir haben die Sympathie der schwarzen Rasse verloren. Es ist die höchste Zeit, daß die deutsche Regierung diesem Zustande endlich ein Ende macht und eine feste Rechtsordnung für die Schutzgebiete aufstellt.(Beifall.) Abg. Erzbergcr(Z.) verbreitet sich über die verschiedenen Arten von Eigentum bei den HcreroS und beruft sich dafür auf die Forderungen des Kammergcrichtsrat Meyer: Eine Erforschung der Eingeborenenzustände auf größtem Maßstabe wäre eine sehr dankbare Aufgabe. Man sollte dem KammergerichtSrat Meyer die Möglichkeit geben, sich ganz dem Studium der vergleichenden Rechtswissenschaft in unseren Kolonien zu widmen. Ich würde ihm gern 20 000 oder 80 000 M. bewilligen. Das Geld wäre besser an- gebracht, als wenn man es für eine Kolonialarmee ausgibt.— Der Abg. Bebel hat unserer Partei vorgeworfen, daß wir uns nicht zu sagen trauten, was wir innerlich denken. Er hat vergessen, diesen sehr schweren Vorwurf irgendwie zu begründen. Ich habe noch stets meine Meinung frei herausgesagt. Wenn aber der Abg. Bebel gesagt hat. die Sozialdemokraten beugten sich vor keinem Parteigötzen, so wird eS ihm selbst nur angenehm sein, wenn ich ihn daran erinnere, was der Abg. v. Vollmar auf dem Dresdener Parteitage ihm vorgeworfen hat: Genosse Bebel sagt immer: Ich werde mcht dulden; Ich habe die Masse hinter mir; Ich werde furchtbar Abrechnung halten; Ich, Ich, Ich... Das ist die Sprache deS Lordprotestors Cromwell. So sprach der Abg. von Vollmar. Also die Sozialdemokratie scheint wohl einen Partei- götzen zu haben. Wie die Meinungsfreiheit in der Partei geächtet ivird, beweist das Verhalten gegenüber Herrn Bernstein(Abg. Bebel: Bis heute ist Bernstein Mitglied der Partei l) nun denn erinnere ich an Herrn Schippel. der fein Mandat schließlich nieder- gelegt hat.— Was unseren Antrag auf Lösung der Licferungs- vertrage betrifft, so bezieht sich dieser auch auf den Vertrag mit der Firma W o e r m a n n, die ein direktes Frachtmonopol hat. Für diese Frachten müssen wir abnorm hohe Sätze bezahlen. Die Monopotfirma Woermann nimmt für die Frachten nach Swakop» mund jährlich 3 Millionen mehr vom Reiche als die Firma Lloyd nach ihren Frachtsätzen verlangen würde.(Hört! hörtl) Ferner möchte ich fragen: wie groß ist die Summe der Liegegelder, die an die Firma Woermann im Laufe des Aufstandes in Südwcstafrika gezahlt worden sind?— Die Firma Tippcls- ki rch hat einen Verteidiger in diesem Hause nicht gefunden. Die Notwendigkeit der Kündigung der mit ihr abgeschlossenen Verträge ist durch die gestrige Debatte nur bestätigt. Sollte der Vertrag bis zur dritten Lesung nicht gelöst sein, so werden wir unsere Konse- quenzen daraus ziehen. Geh. LegationSrat Seitz: Die Schuhe, welche von der gestern erwähnten Firma an die Firma Tippelskirch u. Ko. geliefert wor. den sind, konnten nicht in Gebrauch genommen werden, es waren noch verschiedene Arbeiten daran notwendig, und infolgedessen hat sich der Verdienst der Firma Tippclskirch u. Ko. dock wesentlich per» mindert. Weiter möchte ich bemerken, daß die Aufstellung von IS 000 Mann nicht etwa auf Grund eines festehendcn Mobil» machui'gsplancs geschehen konnte. Die Forderungen treten ruck- weise telegraphisch an unS heran, und zwar immer mit der be. stimmten Bitte, in der und der Zeit die Truppen zu stellen. In- folgedessen waren die Fristen, innerhalb deren die Bekleidung und Ausrüstung geliefert werden muhte, außerordentlich kurz. ES mußte sehr häufig Nachtarbeit hinzugenommen und auch Heimarbeit herangezogen werden. Die Frage, ob wir auf Grund der KZ 13 und IS an eine Auflösung deS Vertrages herantreten könnten, ist eine Rechtsfrage, die man kaum ohne weiteres beantworten kann. Der Vertrag mit der W ö r m a n n- L i n i e wird Ende 1000 ablaufen. Er ist seinerzeit geschlossen worden, um eine regelmäßige onatliche Verbindung zwischen Deutschland und Südwestafrika zu ermöglichen. Vor dem Aufstände war der Verkehr zwischen Deutsch- land und dem Schutzgebiete ein so geringer, daß sich wohl kaum eine Linie dazu verstanden hätte, einen regelmäßigen Verkehr ein» zurichten, wenn ihr nickt der Transport der MegicrungSgüter zu» gesagt worden wäre. Diesen haben wir der Wormann-Linie kon. traktlich zugesagt, wogegen unS diese Linie gewisse Frachtver. günstigungen gewährt hat. Ich möchte.dabei auf einen Punkt aufmerksam machen. Wir waren nur für den Warentransport an die Wörmann-Linie gebunden; für die eiligen Personentransporte nach Ausbruch des Aufstande» haben wir auch die Hamburg- Amerika-Linie und den Norddeutschen Lloyd herangezogen. Aber sie haben höher« TranSportgelder verlangt, und nur deshalb mußten wir auch der Wörmann-Linie höhere Liegegelder bewilligen. Dieses Ergebnis der Konkurvenz ist für den FiSkuS nicht gerade erfreulich. Die Liegegelder haben bis Ende Februar 1557 000 M. betragen, also wesentlich weniger, alS man bisher angenommen hatte. Abg. Kopsch(frs. vp.): Ich stehe noch immer auf dem Stand- punkte des früheren Reichskanzlers: Je weniger Afrika, desto besser für Deutschland. Ich bin mit dem Abg. Bebel über die Wertlosigkeit Südwestafrikas ganz einig. Gerade Eüdwestafrika kommt uns am teuersten zu stehen. Der Oberst Deimling hat in seiner kernigen Weise, fern von aller Renom- misterei, unS ein Bild der Kämpfe entworfen, welches den Stempel der Wahrkeit trägt. Trotzdem ich Gegner der kolonialen, besonders der südwestafrikanischen Politik bin. spreche ich unseren braven Kindern, die in Südwestafrika gekämpft haben und die vom Obersten bis zum letzten Reiter ihre Pflicht getan und den alten deutschen Soldatenmut wieder bewährt haben, unseren wärmsten Dank.au». Ich stelle an die Regierung die Frage, ob cZ wahr ist, daß von dem Liebesgaben-Fonds für zuriickkehrciidc Krieger Gelder an Beamte gezahlt worden sind, die nie in Afrika gewesen sind?(Hört! hört! links.) Auch ich empfehle der Regierung dringend, die Verträge mit der Firma Tippelskirch zu lösen. Doch warne ick, daß sie nicht aus der Scylla Tippclskirch in die CarybdiS der Firma Otto Dahl in Barmen gerät. Dahl agitiert gegen Tippelskirch, hat aber im Jahre 1506 die Militär- Verwaltung selbst durch ähnliche Monopolpreise über das Ohr gehauen. ES hat sich ein förmlicher Ring der Effekten- LleferungZ-Geschäfte gebildet, deren Seele Otto Dahl in Barmen ist.(Hört! hört! links.) Dieser Ring hat die ganze Lieferung für Armee und Marine monopolisiert und möchte jetzt auch die kolonialen Lieferungen bekommen. Unbcgueme 5ton- kurrenzcn werden von diesem Ring einfach durch vorübergehende niedrige Kampfpreise niedergekämpft. Ich warne die Regierung, sich mit diesem Ring weiter einzulassen.(Beifall.) Oberst Ohnesorge: Als Liebesgabenfonds sind UNS bisher 85 000 M. zur Verfügung gestellt worden. Wir haben davon in den ersten beiden Jahren 36 000 M.. im letzten Jahre 5000 M. verausgabt. Es handelt sich dabei um sehr verschiedene Stiftungen. Bei einigen Stiftungen war der Zweck genau bestimmt; andere Stiftungen wurden aber dem Generalkommando zur völlig freien Verfügung gestellt. Von diesen Stiftungen haben allerdings einige Beamte hier in der Heimat Rcnumc- rationen erhalten(Hört! hört! links), Beamte, die infolge des AufstandeS so viel Mehrarbeit hatten, daß sie nicht einmal zum Mittagessen nach Hause gehen konnten. Offiziere in der Heimat haben meines Wissens keine Renumeration erholten. Abg. Kopsch(frs. Vp.): Ich konstatiere auf Grund dieser Mit- tcilungen, daß Beamte, die nie in Südwcstafrika gewesen find. Renumerationen erhalten haben.(Sehr wahr! links.) Nachdem der Herr RcgierungSkommissar erklärt hat. daß Offiziere seines Wissens solche Renumerationen nicht erhalten hätten, gestatte ich mir die Anfrage, ob Hauptmann Oehme nicht einen B c- trag von S 0 0 M. erhalten hat? Ich glaube nicht, daß die Spender, die der Verwaltung Spielraum gelassen haben, derartige Subventionen an Beamte in Deutschland wünschten. Hat bielleicht die Firma Tippelskirch diese Möglichkeit bei ihren Zuwendungen offen gelassen? Haben vielleicht aus diesen Zuwendungen die Beamten etwas erhalten, die bei der Abnahme eine Mehrarbeit hatten? Zwei Herren dieser Kommission sollen nach den mir ge° wordenen Mitteilungen Unterstützungen erhalten haben.(Hört! hört! links.) Oberst Ohnesorge: Meines Wissens hat die Firma Tippelskirch nur einmal 1000 M. zur Verfügung gestellt, ohne zu bestimmen. an wen sie vergeben werden sollten. Abg. Bernstein(Soz.): Der Abg. Erzberger hat. wie mir mit- geteilt ist, gesagt, daß mir in meiner Partei die M e i n u n g s- freiheit beschränkt werde. Ich erlaube mir demgegenüber festzustellen, daß ein solcher Versuch niemals gemacht ist und ich ihn mir auch nicht gefallen lassen würde. In unserer Partei ex, stiert keine Diktatur, weder eine persönliche noch die einer Organisation. Abg. Erzbergcr(Z.>: Dem Abg. Bernstein sind meine AuS- führungen falsch berichtet. Ich habe nur aus einer Rede dcS Abg. v. Vollmar zitiert. Abg. Dr. Müllcr-Sagan(frs. Vp.) bittet, die Anträge deS Abg. Dr. Arendt und Graf Hompesch der Budgetkommission zu über- weisen. Abg. Bebel(Soz.): Ich bin der Ansicht, daß eine Zurück- Verweisung nicht nötig ist. Die Angaben des Abg. Kopfch können im Laufe der Etatsberatung. insbesondere bei der dritten Be- ratung, weiter besprochen werden. Abg. Dr. Miiller-Sagan(frs. Vp.): Ich bin in diesen Fragen önst ganz der Ansicht des Abg. Bebel. ES besteht doch aber nach den Erklärungen des Abg. Kopsch die Gefahr, daß wir in viel chlimmere Beziehungen hineingeraten. Da müssen wir doch ver- uchen, ein möglichst praktisches Ergebnis zustande zu bringen. Der Antrag deS Abg. Dr. Müller-Sagau auf Zurück- Verweisung der Anträge Graf Hompesch und Dr. Arendt, welche den Abschluß der LieferungSverträge betreffen, wird einstimmig angenommen. Beim Kapitel„Militärverwaltung" bemerkt Oberst Deimling: Heber die warme Anerkennung der Tapferkeit unserer südwest- afrikanischen Truppen dürcb den Abg. Kopsch habe ich mich um so mehr gefreut, als gestern in der P r e s se d c S Herrn A b g. L e d e b o u r ein Artikel erschienen ist, in der die E r f o I g e der deutschen Schutztruppen herabgesetzt wurden und d-m deutschen Generalstab der Vorwurf gemacht wurde, die Er folge der Engländer im Burenkriege herabzusetzen. Ich muß diese Behauptung als eine ungerechte Unterstellung bezeichnen. Niemand würdigt die hervorragende Bravour der Engländer, mit der sie gegen das vernichtende Feuer der Buren vorgegangen sind, mehr, als der deutsche Generalstab. Er hat das m allen seinen Ber- öffcntlichungen warm anerkannt, so daß die Engländer ihm dafür gedankt haben. Also diese Verhetzung des Abg. Ledebour besteht nicht zu Recht.... Vizepräsident Graf Stolberg: Herr Oberst. Sie dürfen einem Abgeordneten nicht„Verhetzung" vorwerfen. Wenn ein Mit- glied diese» Hauses einem anderen diesen Vorwurf gemacht hätte, so hätte ich ihm eine Rüge erteilt. Ich bitte Sic also, solche Acußerungen zu unterlassen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Oberst Deimling(fortfahrend): Von wem der Artikel in der Presse geschrieben ist. weiß ich nicht. Mein Ausdruck sollte sich nicht auf eine Person hier im Hause, sondern auf den S ch r e i b e r d c L Artikels beziehen. Wer ihn geschrieben hat, ist mir vollständig unbekannt. Vizepräsident Graf Stolberg: Herr Oberst, wenn Sie nicht ein Mitglied des Hauses gemeint haben, so steht eS Ihnen natürlich frei, den Ausdruck zu gebrauchen.(Stürm. Heiterkeit.) Oberst Deimling(fortfahrend): Da» Studium des BurenkriegeS nach geschichtlichen Quellen ergibt auf der anderen Seite aber.als unbestrittene Tatsache, daß die K r i e g S t ä t i g k e i t der Buren lediglich eine stark defen- s i v e war. Darin ist die eigentliche Ursache zu sehen, daß ihre ersten Siege keine entscheidende Wirkung auf den Ausgang des zanzen Krieges gehabt haben. Das hat de Wet in seiner Schrift elbst zugestanden; er hat diese Kriegsführung der Buren als eine ehlerhafte bezeichnet. Damit soll der Tüchtigkeit der Buren in keiner Weise zu nahe getreten werden. Ich habe selbst die Tüch- tigkeit der Buren in Südwcstafrika kennen gelernt, ich habe in meiner Truppe einige Buren gehabt, die sich im Gefecht aus- gezeichnet haben. Wenn andererseits eS«ine unbestrittene Tatsache ist. daß die Hereros in fast allen ihren Gefechten offen- s i v vergegangen sind, dann ist der G e n e r a l st a b berechtigt, ocn Schluß zu ziehen, den er g e z o g e n hat. ES wird dann serner in dein betreffenden Artikel dem Generalstab Renom- misterei vorgeworfen; eS wird gesagt, die Aeußerung des AdmiralS S e y m o u r:„Germans to the front" sei der reine Schwindel gewesen, 14 000 Deutsche würden nicht mal mit den 500 Hottentotten fertig. Daß ein Deutscher die von der Welt anerkannten Leistungen seiner Brüder in Südwestafrika herabzu- setzen und zu verdunkeln versucht, das ist mir unverständlich und ein betrübendes Bild.(Beifall rechts und in der Mitte.) Zahl- reiche Ihrer(zu den Sozialdemokraten) Parteigenossen kämpfen draußen in Südwestafrika, und wir alle sind stolz auf ihre Leistungen. Den Angehörigen dieser Truppen hat der Schreiber des Artikels mit seinen Aeußerungen keinen Gefallen getan.(Bei- fall rechts und in der Mitte.) Wir überschätzen die Leistungen unserer Truppen nicht, aber wir wollen uns das, was wahr ist, nicht nehmen lassen, und wahr bleibt es, daß unsere Truppen sich dort unter großen Strapazen bewährt haben in einem Kamps gegen einen criistkaft zu nehmenden, tapferen und überlegenen Gegner. Das ist eine Tatsache, die der Geschichte angehört, und an ihr wird auch der Artikel cbensoivenig etwas ändern, wie ein Köter, der wütend den Mond anbellt.(Beifall rechts und in der Mitte.) Abg. Ledebour(Soz.): Der verehrte Herr Vorredner ist offenbar bei seiner enormen Eiltriistung von der Voraussetzung ausgegangci,, daß der Schreiber des Artikels im„Vorwärts" und ich identisch seien. Denn er sprach von der„Verhetzung des Abg. Ledebour" und von der„Presse des Abg. Ledebour". Demgegenüber möchte ich folgende» feststellen: Ich verfüge über keine Presse(Widerspruch rechts), auch nicht über den„Vorwärts", so wenig wie jedes andere ein- zclnc Mitglied der Partei.(Zuruf rechts: Na ja!— Heiterkeit rechts.) Oberst V. Deimling ist nicht berechtigt, von der Presse eines einzelnen Abgeordneten zu sprechen, wenn er die Presse der Partei meint. Mit diesem Artikel speziell hatteichgar nichts zu tun. weiß gar nicht einmal, wer ihn geschrieben hat, und habe ihn nicht eher zu lesen bekommen, als Oberst v. Deimling selbst. Denn ick bin nicht Redakteur deS„Vorwärts", sondern nur einer seiner Mitarbeiter, wie so viele andere uiciuer Partei- genossen auch. Wenn Oberst v. Deimling den Artikel a u f m e r k- sam gelesen hätte, hätte er schon aus seinem sachlichen Inhalt entnehmen können, daß ich ihn nicht geschrieben haben kann, weil verschiedene meiner Bemerkungen nicht so aufgefaßt wurden, wie ich sie hier im Hause gemacht habe. Wenn Oberst v. Deimling sich ferner dessen erinnerte, was ich hier im Hause gesprochen??abe, so hätte er gar nicht in die Lage komiiien können, mir Vorwürfe zu machen, als ob ich irgendwie suchte, die deutschen Soldaten in Afrika herabzusetzen. Das ist mir absolut nicht eingefallen. Ich könnte ihm eventuell nachher noch aus dein Stenogramm die Worte vorlesen, mit denen ich nieinc Bemerkungen gegen den Gcneralstab eingeführt habe. Ich habe da ausdrücklich gesagt, daß eS gerechtfertigt sei, die Tapferkeit unserer Truppen im Ertragen von Strapazen usw. anziierkennen. Ich habe mich also in keiner Weise gegen unsere einzelnen Soldaten gewandt. Waß ich gesagt habe, war, daß die eine Bemerkung in der Arbeit des Gciipralstnbes vollkommen verfehlt sei, in der er einen Vergleich zieht zwischen den HcreroS und den Buren und zwar einen Vergleich zuungunsten der Bure». Darauf kam eS mir an, und darum handelte es sich für mich bei dieser ganzen AuS- einandersetzung ausschließlich. Was der Artikclschrciber trn„Vorwärts" noch aiitzerdem über die KricgSführung in China geschrieben hat....(Zuriif rechts: Abschüttelung!) Das schüttele ich gar nicht ab, davon kann gar keine Rede sein, warten Sie doch erst ab, was ich sagen will.(Sehr gut! bei den Sozial- dcmokraten.) Das zu vertreten überlasse ich dem Artikel schreiber. Aber so weit ich mich erinnere, war der Artikel durchaus nicht so gefaßt, wie ihn Oberst v. Deimling hier wiedergegeben hat. Der Artikel bezeichnete eS nur als ungerechtfertigt, aus dem Worte des AdmiralS Schmour: Germans to the front I herauszulesen, als ob gewissermaßen die Deutschen während dieses FeldzugeS überhaupt die Hauptrolle gespielt hätten. Ich bin weder berufen noch befähigt, über diese Frage zu debattieren, weil der Feldzug in China mir nur ganz oberflächlich bekannt ist. Also Sie(nach rechts) sehen ja, daß eS mir gar nicht einfällt, den Artikelschrciber abzuschütteln, ich nehme ihn sogar gegen die falsche Darstellung des Oberste» v. Deimling in Schutz. Im übrigen kann ich dem Artikelschreiber ruhig überlassen, sich selbst zu verantworten, er scheint mir durch- aus dazu imstande. Nun komme ich zu dem Kernpunkt der Sache. Oberst v. Deimling hat heute noch einmal versucht, die Auslassung des Generalstabes zu verteidigen, und diese Verteidigung ist wiederum. mißglückt. ES läßt sich doch nicht abstreiten, daß der gezogene Vergleich den Gcncralsiab zu dem Urteil veranlaßt hat, daß die HereroS nicht bloß in ihrer Schicßfcrtigkeit den Buren gewachsen. sondern auch dadurch, daß sie offensiven Geist zeigten, ihnen in der KriegSführung überhaupt überlegen seien. Oberst v. Deimling hat nun beute die Behauptung wiederholt, daß die Taktik der Buren lediglich defensiv gewesen sei. Daran ist so viel richtig, daß die Gesamtkriegsfuhrung der Buren im großen und ganzen defensiv war. wie sie gar nicht anders sein konnte, weil sie sehr bald nach Beginn dcS Krieges den Kampf gegen einen numerisch überlegenen Gegner zu führen hatten. ES gibt aber in diesem Lurenkricge ciiizelne Momente, wo die Buren eine taktische Offensive ergriffen haben. Ich selber habe schon in meiner vorigen Rede auf die Attacke auf den Manjubaberg auS dem ersten Burenkriege gegen die Engländer hingewiesen. Der Artikel im „Vorwärts' beruft sich auf den Angriff auf den General Bullcr am SpionSkop, durch den die Engländer trotz ihrer Uebermacht gc- zwungen wurden, über den Tugelafluß wieder zurückzugehen, wo- bei eS beinahe zu einer Katastrophe gekommen wäre. Auch aus dem späteren Verlauf des Krieges könnte ich Ihnen zahlreiche Beispiele für eine taktische Offensive der Buren anführe». Aber eS ist ja selbstverständlich nicht möglich, gegenüber einer auch bloß so hin- geworfenen Bemerkung deS Obersten v. Deimling die csache hier vis zum endgültigen Urteilsspruch durchzuführen. Ich hoffe aber. daß diese Debatte außerhalb deS Hauseö fortgesetzt werden wird, und daß insbesondere die deutschen Offniere, die den Foldzug milgemacht haben, gegen diese Ber- uligllmpfung der Buren auftreten werden. Denn die Bemerkung des GcncralstabeS, die die Buren unter die Hereros stellte, war eine offenbare Verunglimpfling der Buren, die hier in Deutschland einen höchst unanaenehmen Beigeschmack hat. Gerade von Ihrer Seite(nach rechts) sind die Buren gepriesen und gerühmt worden, so lange bis s i e vom Hofe einen Fußtritt bekamen. Dan» ist es ihnen gelzangeii, wie so vielen: sie haben ihnen„faule Aepfel statt der Kränze" zugeworfen.(Heiter- keit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Bemerkung des Generalstabes ist solch ein fauler Apfel, mit dem die Bure» nachträglich beworfen wurden, und eZ ist charakteristisch für Sie, daß sie bei dieser Kontroverse systematisch diejenige Seite unter- stützen, die sich diese Verunglimpfung der Buren hat zuschulden kommen lassen.(Widerspruch rechts.) Sie hatten fortwährend höhnische Bemerkungen, während ich sprach, und haben durch Applaus für den Obersten v. Deimling bewiese», daß Sie diese Verunglimpfung in der Tat unterstützen. Das wirft ein helles Licht auf Ihr früheres Verhältnis während des Burenkriege».(Zu- ruf rechts: Schwindel!— Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Wenn Ihnen wirklich die Verherrlichung der Buren, die Feier, noch als De Wet herkam, von Herzen gekommen ist. so hätten Sic wenigstens geschwiegen, als erst durch den Generalstab und dann durch einen Wortführer des GencralsiabeS die tapferen, aber unglücklichen Leute nachträglich verunglimpft wurden.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. v. Oldenbnrg-Januschau(k.): Von einer Verunglimpfung der Buren ist hier nicht die Rede, sondern davon, daß der Oberst Deimling vom Kriege tvas versteht und der Abg. Leocbour nicht. (Stürmischer Beifall und Heiterkeit rechts. Lachen bei den Sozial- demokraten.) Abg. Dr. Arendt(Rp.): Unsere Begeisterung für die Bpren hat durchäuS nicht nachgelassen, als der vom Abg. Ledebour als „gußtritt" bezeichnete Richtempfang des Präsidenten Krüger stattfand. Wir feierten die Buren gerade erst recht, denn unser be- gcisterter Empfang der Burengenerale fand viel später statt.(Sehr wahr! rechts und in der Mitte.) DaS Kapitel„Militärverwaltung' wird bewilligt Beim Kapitel„Bauliche Unterhaltung der Male bei Swakop- «rund" beantragt die Kommission 50(XX) sowie im Extraordinarium für denselben Zweck geforderte 4S0 000 M. zu st r e i ch e n und die Konkurrenz von Privatunternehmungen im Hafenbau zu bc- günstigen. Regicrungsvcrtreter Baumeister Liskow spricht ausführlich über die Lrmdungsverhältnisse in Swakopmund. Abg. Dr. Arendt abgelehnt. Erbprinz zu Hohenlohe: Ich würde die Zurnckverweisung der Position in die Kommission begrüßt haben.(Hörtl hörtl) Ter Stand der Angelegenheit ist jetzt folgender: Es handelt sich darum, entweder die Mole zu verlängern oder die Mole in ihrer jetzigen Form zu erhalten und daneben eine Brücke zu errichten. Die Frage unterliegt jetzt der technischen Prüfung. Es wäre ja möglich, daß sich eine Privatfirma fände, die in ihrem eigenen Interesse es unternimmt, den Hafen von Swakopmund auszubauen. Ich hoffe daß die Frage in nicht allzu langer Zeit genügend geklärt sein wird. Jedenfalls glaube ich, daß es zunächst erforderlich sein wird, die Mole in ihrem jetzigen Zustande noch zu erhalten. Namens der Kolonialverwaltung lege ich Ihnen die Bewilligung der er- forderlichen Mittel dringend ans Herz.(Beifall rechts.) Abg. Erzberger(Z.): Tie Frage ist in der Kommission sehr eingehend geprüft worden. Wir können nicht allein auf einen Be- richt der„Deutsch- Südwestafrikanischen Zeitung" hin unsere Stellung zur Sache ändern, zumal diese Zeitung sich früher ganz anders geäußert hat. Wenn nian von Anfang an mit einer Ver- sandung der Mole rechnete, hätte man auch von vornherein vor- sichtig sein müssen, einen Bagger zu fordern. 1905 haben wir 000 000 M. für den Bagger bewilligt, aber nur ein Vierteljahr ist der Bagger überhaupt in Betrieb gewesen. Diesmal werden weitere 500 000 M. gefordert. Den Hauptgewinn scheint dabei wieder eine Bremer Baggersirma einzuheimsen. Geheimrat Seih: Irgend eine dauernde Vorsorge muß für den Hafen von Swakopmund getroffen werden, die hölzerne Brücke ge- nügt nicht. Die Ansichten über die Mole gehen weit auseinander. Es ist jetzt aber inzwischen ein Novum insofern eingetreten, als ein Telegramm vom 17. März eingetroffen ist. in dem mitgeteilt wird, daß es den« kleinen Bagger I gelungen sei, von innen heraus eine Rinne zu baggern, sodatz der Hafen wieder einen Zugang hat und sogar wieder Leichter hineinkönnen. Nachdem jetzt allein durch den kleinen Bagger eine Rinne von innen heraus geschaffen und damit nachgewiesen ist, daß der Hafen instand gesetzt werden kann, bitte ich die Position in die Kommission zurück- zuVerweisen. Abg. Schräder(frs. Vg.): Da die Bagger am Platze sind, so bin ich dafür, daß die Mittel für die Tätigkeit bewilligt werden, damit die Mole nicht erst ganz versandet. Tie Zurückvcrweisung an die Kommission ist ja abgelehnt, aber wir können uns die Sache bis zur dritten Lesung noch einmal überlegen. Abg. Dr. Stidekum(Soz.): Herr Legationsrat Seitz meinte, eS sei seit den Kommissionsverhandlungen ein Novum eingetreten, und diese neue Tatsache sei die, daß der Bagger wieder arbeite. Eigentlich war das aber die Voraussetzung unserer Be- willigungen in früherer Zeit, daß die Bagger überhaupt ar- b e i t e n. Bei den eigentümlichen Verhältnissen dort ist uns übrigens gar keine Gewähr dafür geboten, daß nicht inzwischen wieder ein anderes Novum eingetreten ist, daß nämlich die Bagger wieder still stehen.(Heiterkeit. Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Auf die Frage des Herrn Erzberger, ob denn die früher für Baggerungsarbeitcn bewilligten Summen schon ver- braucht sind— meiner lleberzeugung nach kann das gar nicht der Fall sein— ist eine Antwort nicht erfolgt. Die Kdlonialverwaltung fordert nun einmal neue Mittel zu Bagge-- rungsarbeiten und erklärt außerdem, daß sie eine Reihe von privaten Firmen zur gutachtlichen Aeußerung aufgefordert hat. Ich bin der Meinung, der Reichstag sollte sich doch erst einmal solche Gutachten vorlegen lassen, schlechter als sie jetzt sind, können die Zustände im Hafen auch bis dahin nicht werden. Die Sache liegt dort so, daß der Swakopfluß periodenweise„abkommt", wie es heißt, und die Folge ist dann immer eine große Sandzufuhr in den Hafen. Wenn die Verwaltung inzwischen neue Verträge mit Baggerungsgesellschasten geschlossen hat. so kann das doch für uns nicht bestimmend sein. Warum folgt man nicht dem Rate des Oberst Deimling, eine Brücke auf isolierten Pfeilern zu bauen? Wir können es mit unserem Gewissen nicht verantworten, daß Gelder ausgegeben werden, ohne daß wir wissen wofür. Warum muß denn durchaus gebaggert werden? Bloß weil der Vertrag mit der Baggergesellschast vorliegt! Herr Geheimrat Seitz macht uns Vorwürfe schlechter Finanzverwaltung. Aber die Kolonial- Verwaltung sollte die allerletzte sein, die einen solchen Vorwurf crhebtl(Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Ich kann nur bitten, eS bei der. Beschlüssen der Kommission zu belassen. Wenn vorher Besprechungen zwischen der Kolonialverwaltung und einzelnen Herren stattfinden, so steht das vollstänidig im Belieben der betreffenden Herren. Wir werden aber bei der dritten Be- ratung auch am Platze sein.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Geheimrat Seih: Die im Vorjahre bewilligten Mittel werden mit Ende dieses I ah res aufgebraucht sein. Wir haben dafür die hölzerne Brücke, 3 Bagger und eine Reihe Fahr- zeuge angeschafft. Ter Vertrag mit der Baggereigcsellschaft hindert uns in keiner Weise, da wir ihn mit vierteljährlicher Frist kündigen können. Abg. Lattmann(Wirtsch. Vg.) bedauert, daß die vom Abg. Dr. Arendt beantragte Zurückverwcisung an die Kommission ab- gelehnt ist und begrüßt den Vorschlag des Abg. Schräder, die Rc- gierungsforderung in der dritten Lesung wieder herzustellen. Abg. Dr. Viüllcr-Sagan(frs. Vg.) bezweifelt es. daß sich die Versandungsvcrhältnisse in Swakopmund so schnell ändern konnten: Jetzt mutz doch endlichjnal das gcfchchen, was von vornherein hätte geschehen sollen, die Sache an Ort und«stelle zu unter- suchen. Was wir endlich wollen, ist Klarheit.(Beifall links.) _0e heimrat Seih konstatiert nochmals, daß die Bagger zurzeit die Sandbarrc durchbrochen haben. Abg. Basscrniann(natl.) beantragt die tcilwrise Wicderher- stellung der Regierungsvorlage mit einer Streichung von nur 200 000 M. statt der von 500 000 M. Das wird der Budgetkom- Mission Gelegenheit geben, darüber noch einmal zu beraten. Die Tiiel�werden mit dem Antrag Bassermann gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und eines Teils des Zentrums an die Budgetkommission zurückverwiesen. Beim Titel„Ausgaben infolge Verstärkung der Schutztruppe zur Ztiederwerfung des Eingeborcnenaufstandes 92 888 000 M." hat die Kommission 15 268 000 M. gestrichen und ferner- festgelegt, daß die Summe auch„zur Heimbeförderung von Verstärkungen der Schutztruppe" verwendet werden solle. Oberst Ohncsorgc: Ich kann dem Abg. Kopsch jetzt auf Grund der mir vorliegenden Akten mitteilen, daß die Firma Tippclskirch zu den Liebesgaben 2000 M. gezahlt hat und daß weder hiervon noch von irgend einer anderen Gabe Hauptmann Oehme eine Zu- Wendung erhalten hat. Oberst Deimling: Ich möchte nochmals betonen, daß es ganz unmöglich ist, jetzt schon zu übersehen, ob die Schutztruppe jetzt sich schon verringern läßt. Deshalb hat dieser Abstrich von 15 Ntillionen gar keine praktische Bedeutung. Wenn sich im nächsten Winter herausgestellt hat, daß die Verringerung nicht möglich war, dann wird man die 15 Millionen nachbewilligcn müssen. Ter Ab- strich hat aber eine moralische Bedeutung, die ich auf das tiefste be- dauere. Denken Sie, daß die Konipagnic nach einem langen, an- strengenden Marsche an eine Wasserstelle gekommen ist, Menschen und Tiere sind vor dem Verdursten, erbarmungslos brennt die Sonne, aber morgen soll es weiter gehen, da hofft man den Feind zu fassen I Die Stimmung ist infolge der ungeheuren Strapazen gedrückt.. Da erkennt man durch die Gläser von wvitcm die Post- Patrouille, die die heißersehnte Post aus der Heimat bringen soll. Mit einem Male ist Hunger und Durst vergessen, alles stürzt nach den Briefen und Zeitungen, die seit zwei Monaten die erste Nach- richt aus der Heimat bringen sollen. Was werden die Zeilun-gen über unser letztes Gefecht vor einem Monat sagen? Der Haupt- mann entfaltet die Zeitung und liest: Ter Reichstag hat in der Sitzung vom 24. Marz 15 Millionen gestrichen. Denken Sie sich die Wirkung! Nachdem das erste Gefühl überwunden ist, sagt der Hauptmann aber: Deshalb werden wir morgen doch den Feind ver- nichten und in den Tod gehen für unser geliebtes Vaterland.(Bei- fall rechts.) Abg. Schräder(frs. Vg.): Die Budgetkommission hat ihren Beschluß mit der Absicht gefaßt, darauf hinzuwirken, daß möglichst bald ein Teil der Truppen und Beamten aus Südwestafrila zurück- gezogen wird. Stellt sich das als unmöglich heraus, so werden wir später in einem eventuellen Nachtragsetat zweifellos die 15 Millionen bewilligen. Abg. Dr. SUdekum(Soz.): Durch sein Feuilleton hat der Oberst Deimling seiner Autorität einen Stoß versetzt. Er unter- schätzt auch in einem mir nicht ganz verständlichem Maße die Intelligenz der in Südwestafrika kämpfenden Truppen.(Sehr richtigl bei den Sozialdemokraten.) Die werden schon begreifen, weshalb vom Reichstage hier 15 Millionen Mark abgestrichen werden. Wenn man den Beschluß der Budgetkommission richtig würdigen will, so muß man sich die Etatsansätzc und die Erläuterungen dazu ansehen. Unter den 92 Millionen, die verlangt werden, befindet sich unter anderem für einen Divisionskommandenr die Fordermrg von 43 400 M. Einen solchen haben wir dort jetzt gar n i ch t> er ist längst in der Heimat. Für einen General- Oberarzt werden 28 200 M. verlangt. Der bisherige Oberarzt ist leider erschossen worden, und jetzt ist keiner mehr da. Aber das ist noch nicht alles. Ter Troß an Beamten ist dort geradezu ungeheuer. Es werden 1 Proviantamtsmeister, 2 Proviantamtskontrolleure, 27 ProviantamtSassistenten gefordert, von denen die einzelnen Beamten 2700 bis fast 10 000 M. erhalten. Neben 31 Zahlmeistern befinden sich da 113 Zahlmeister- aspiranten.(Hört! hörtl bei den Sozialdemokraten.) Dazu kommt noch eine Reihe anderer Beamten. Das ist ein Troß, wie man ihn bisher in einer Kolonialarmce noch nicht ge�heil hat. Es war geradezu die Pflicht der Budgetkommission, zunächst darauf hin- zuarbeiten, daß der Troß verringert wird, dmnit nicht die Geld- verschwenduug in Südwestafrika ins Aschgraue geht. Die Kom- Mission ist auch der Meinung, daß die Verivaltung gezwungen werde» soll, ernstlich darüber nachzudenken, ob es nicht möglich ist, die Truppen dort bis auf den Etat einer genügenden Schutztrupp? herabzumindern. Daran haben wir das dringendste Interesse. E s wird durch den Abstrich keinem von den draußen stehenden Soldaten etwas vorenthalten. Das wäre eine ganz falsche Auffassung, und es wäre sehr schlimm, wenn die draußen stehenden Truppen durch das Feuilleton des Obersten Deimling auf den Gedanken kommen sollten, daß ihnen etwas ab- gezogen werden solle. Das ist nicht der Fall. W i � wenden uns gegen eine ftleldverschwcndung für abenteuerliche Pläne, die nicht notwendig sind zur Niederwerfung des Aufstandcs.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stellvertretender Kolonialdirektor Erbprinz zu Hohenlohe: Der Vorredner hat uns aufgefordert, ernstlich zu prüfen, ob nicht in absehbarer Zeit eine Verminderung der Truppen eintreten könne. Dieser Mahnung bedarf es nicht. Der Verwaltung liegt sehr viel daran, eine Verminderung der Truppen herbeizuführen. Dafür hat die Verwaltung und haben alle Beteiligten doch eine schwere Ver- antwortung, nicht nur wegen der Finanzen des Reiches, sonder� auch wegen der Gefahren, denen die Mannschaften dort ausge«' C�t sind. Mir ist es immer schmerzlich gewesen in diesen Mou wenn Telegramme ankamen, die meldeten, so und soviele seiei V- dem Feinde gefallen oder ihren Wunden erlegen. Ich vermag nicht anzugeben, ob es möglich sein wird, die Abstriche, welcl Kommission hier vorgeschlagen hat. wirklich praktisch durchzufi oder ob wir nicht, wenn das Haus diese Abstriche bestätigt, Nachforderungen an Sie werden herantreten müssen. ruf links: Konstitutionell!) Ich halte es für legal und richtig,. gleich hier zu erklären.— Gegenüber der Bemerkung endlich, die der Abg. Südekum am Schlüsse seiner Rede gevtacht hat, erkläre ich ausdrücklich und mit dem größten Nackdruck, daß unsere Truppen nicht dazu da sein sollen, irgend welche abenteuerlichen Pläne zu verfolgen. Sie werden nur deshalb noch eine Zeitlang draußen gehalten werden müssen, weil wir eine Garantie dafür haben wollen, daß innerhalb des Schutzgebietes wirklich Ruhe eintritt. Oberst Ohnesorge: Bei dem kolossalen Gebiet, über das wir unsere Truppen verzetteln müssen, ist ein geringerer Beamtentroß nicht möglich. Der General-Jnspekteur, von dem der Abg. Südekum meinte, er existiere nicht mehr, ist zurzeit nur beurlaubt. Seine Stelle ist notwendig, ebenso die des General-Oberarztes. Abg. Dr. Arendt(Rpt.): Wir alle sind darin einig, daß die Truppen dann verringert werden, wenn es irgend möglich sein wird. Das sachverständige Urteil darüber, wann das möglich sein wird, müssen wir den beteiligten Militärs überlassen. Abg. v. Stand»(k.): Wir wollen selbstverständlich � unseren braven Truppen nicht das geringste entziehen. Wir hoffen aber, daß ein großer Teil der Truppen im Laufe des Jahres zurückkehren kann; sollte das nicht möglich sein, so wird sicher die große Mehrheit des Reichstags gern bereit sein, die nötigen Summen, für die Herr Oberst v. Arendt(Stürmische Heiterkeit)— v. Deimling eingetreten ist, in einem Nachtragsetat zu bewilligen. Damit schließt die Diskussion. Der Antrag der Kommission wird angenommen. Die Forderung von 4 Millionen Mark zum Bau einer Bahn Windhuk— Rehobot hat die Kommission gestrichen und dazu in einer Resolution die Regierung ersucht, sich mit der Ein- stellung von 200 000 M. zur Vornahme von Vorarbeiten für einen Bahn bau Kubub— Keetmanshoop noch in diesen Etat einverstanden zu erklären. Stellvertretender Kolonialdirektor Prinz Hohenlohe: Die militärischen Gründe für die Erbauung der Bahn Windhuk— Rehobot liegen noch immer vor. Abg. Lattmann(Antis.) beantragt, die Position in die Budget- kommission zurückzuverweisen, weil dieser Bahnbau zu den Hafen» Verhältnissen von Swakopmund in Beziehung stehe. Abg. v. Böhlendorff-Kölpin(k.): Diejenigen, die für Streichung der Position sind, wollen den Bau nur aufschieben, nicht für immer ablehnen, weil wir die Bahn später billiger bauen können. Der Antrag Lattmann wird gegen die Stimmen der Anti- semiten und der freisinnigen Vereinigung abgelehnt, ebenso die Position. Die Resolution wird angenommen. Der Rest des Etats wird ohne Erörterung erledigt. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr.(Kolonialetat, Flottengesetz, Marineetat.) Schluß 6% Uhr. Todes- Anxelfre. Sonnabend, den 24. März, früh 3 Uhr, entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden meine inniggcliebte Frau, unsere gute Muller, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Verls 08lerm»llv geb. Litnket im 46. Lebensjahre an der Lungen. tubertulose. 75?b Die trauernden Hinterbliebenen Gustav Osteruiann redst Kindern Die Beerdigung findet Dienstag.> liachnüttags i't.j Uhr, van der l Leichenballe des Rirdorfer Kirch- Hofes, Maricndorscr Weg, aus statt. I Todts-Anstige. Am 15. d. M verstarb nach kurzem schweren Leiden an Lungenentzündung unser Kollege Franz Kiappstein. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 25. März, nach- mittags i Uhr, aus dem Neuen Rixdorser Kirchhos am Marien- dorser Weg statt. Tie Kollegen derPianofabrik (£. Nengebaner Nachfolger, 784b Bell u. Eo. Danksagung. Für die Beweise innigster Teil- nähme und die zahlreichen Kranz- spende» bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage ich allen Verwandten nndBetnnnten, besonders dciiKollegen der Firma I. G. Psass meinen tief gesühlteiten Dank. 596L Der trauernde Gatte II. Jahrsptz nebst Kindern. Am 22. März, nachmittags 6'/, Uhr, verstarb meine innig- geliebte Frau, unsere herzensgute Mutter und Tochter vlarie vaumgarl. Die Beerdigung sindet am Montag, den 26. März, nach mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Zcnwal-Friedhojes in Fricdrichsfeloc aus statt.?4gb Um stilles Beileid bittet im Name» der Hinterbliebenen Heinrich Biiiinieart, Berlin und Hirschberg. Deuisclier Holzarbeiler-Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß der Kollege, Tischler Hermann Hering am 22. März verstorben ist. Ehre seinen« Andenken! Die Beerdigung sindet am Sonntag, den 25. März, nach- mittags 3 Uhr, von« Trauerhause, Warschauerstratze 84, aus nach dem Friedhose in Wilhclmsberg statt. Um rege Beteiligung ersucht 82,16 Die Ortsverwallung Für die vielen Beweise der herzlichen Teilnahme an der Beerdigung meines lieben Bruders, des Zimmerers .lolinnn Filaczynski sage allen Freunden, Bekannten und Per» wandten, dem Gesangverein der Zimmerer und den Kollegen der Finna Lehne meinen herzlichsten Dank. 763b Marie Pilaczynsti. H.-iiiksagii»ix. Allen lieben Teilnehmern und Kranzlpcndern bei der Beerdigung des Goldschniltmachers Osksn Boeder in FrederSdors unseren herzlichsten Dank. 5ll5L Niltielm Boeder und Frau, Sltcrn. Max, Willi, Brüder. Anna, Lieschen, Ichwägerinnen. Hanksaipung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes Ernst Ferber sage ich allen Verwandten und Be- kannten, besonders Herrn Stern für die trostreichen Worte—«ch werde sie nie vergessen,— ebensalls den Genossen des 462. Bezirks des Wahl- —- � dem �katkliib.Zmil Vereins und guten Zweck Dank. Witwe Hort» Ferber. meinen herzlichsten Für die vielen Beweise innigster Tcilnabine bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes, Bruders u. Schwagers. des Arbeiters Guslstv Bolle sagen wir allen Freunden, Ver- wandten, insbesondere dem Ches und den Kollegen der Firma Bergeinann. dem Wablverril« Pankow sowie dem Gesangverein„Eintracht III" unseren herzlichsten Dank. 736b Tie trauernden Hinterbliebene«. v,-. simmei, sr;,: Svezialaiz« tür 29/14* Haut- und llurnleiden. 10—2.5—7. S omttugs 10— 12, 2—4 Verl« VitPirUcrB«"-"" W- spPvArfirRtr. 27. Über 3000€xempl. verkauft Die Harnleiden ibre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. Srh'iper, BERLIN— Preis I Mark. Vr Schünemann Olga Jacobson, Preise• beliebige Teilzahlung. Invaliden- «traBe 145. ölnmtn- und Kranzbliidtrei von Aug. Krause Wienerstraße 7. VcrelnSkränze.Palmen-Arrangcmenls. 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Sowelt derartige Fälle bisher erörtert worden sind, spielten sie sich in der Regel so ab: Wenn ein Arbeiter entlassen wurde oder selber aufhörte und dann vom Inspektor seine Papiere verlangte, gab eS zwischen dem Inspektor und dem Arbeiter einen Wortwechsel, der dann mit Prügeln endete, die der Inspektor dem Arbeiter verabreichte. Die Zeugen haben meist nur den letzten Akt solcher Zusammenstöße gesehen.— Nach der Darstellung de? Inspektors Möller will er in jedem Falle von den Ar- beitern zuerst beleidigt und angegriffen worden sein und dann in Notwehr geprügelt haben. Der heut zuerst verhandelte, früher schon berührte Fall betrifft einen Zusammenstoß Möllers mit dem Arbeiter Zinner. Die hierüber vernommenen Zeugen, Inspektor Möller, dessen damaliges Dienstmädchen und deren Bruder, ein auf dem Werke beschäftigter Schmied, stellen den Vorgang, von dem die beiden letztgenannten Zeugen auch wieder nur den letzten Teil sahen, der sich im Freien abspielte, so dar, daß Zinner, der betrunken war, den Inspektor zu Boden warf und schimpfte. Auf den Hülferuf des Dienstmädchens kam deren Bruder herbei, riß den Zinner von Möller los und suchte ihn zu beruhigen. Die Ursache dieses Zusammenstoßes war die, daß Möller dem Arbeiter die Herausgabe der Papiers verweigerte. Hierauf kommt der auch schon berührte Fall Schiemenz zur Verhandlung. Der Mißhandelte, Zeuge Schiemenz, stellt den Hergang so dar: Während der Arbeit bekam ich einen Krampfanfall. Ich ging nach Hause, wo ich drei Tage krank lag. Dann wurde mir etwas besser, ich ging zum Inspektor und ersuchte ihn um einen Surfchrin. Darauf sagte der Inspektor: Was, Sie Faulenzer, Sie wollen nicht arbeiten, und dabei schlug er mich mit seinem Stock über den Kopf. Ich ging ein paar Schritte weiter, dann fiel ich infolge der Schläge um. Ein vorübergehender Briefträger, der den Hergang mit angesehen hat, hob mich auf. Eine Anzeige gegen den Inspektor ist nicht erstattet, denn ich fürchtete, daß meine Frau, die nach meiner Abkehr noch auf der Grube beschäftigt war, ent- lassen werden würde. Inspektor Möller stellt diesen Fall so dar: Schiemenz hat nicht einen Knrschein, sondern seine Papiere verlangt, weil er auf- hören wollte. Ich sagte, er müsse erst kündigen. Er meinte, das brauche er nicht. Es kam nun zwischen uns zum Wortwechsel. Ich wies Schiemenz vom Platz, er ging aber nicht, sondern schimpfte auf mich. Er kam dann auf mich zu und ich wehrte ihn mit dem Stock ab. Er ist nicht gefallen, sondern hat sich hingelegt. Zeuge Schiemenz bestreitet entschieden die Richtigkeit der Angabe Möllers und bleibt bei seiner Darstellung. Darauf be- merkt Möller: Schiemenz sei, nachdem er längere Zeit von der Grube fort war, wiedergekommen und habe um Arbeit nachgesucht. Bei dieser Gelegenheit habe Schiemenz in Gegenwart des Steigers- Maß zu Möller gesagt, Gärtner und Z eidler(Vertreter des Berg. arbeiterverbandes) hätten mit ihm gesprochen, um ihn als Zeugen zur Feststellung von Mißhandlungen zu benennen. Er, Schiemenz, wolle aber damit nichts zu tun haben, denn er sei selber schuld an dem Zusammenstoß mit dem Inspektor. Eingestellt wurde Schiemenz nicht wieder. Zeuge Schiemenz stellt auch diese Angabe Möller? ent- schieden in Abrede und sagt ganz bestimmt, er habe weder mit Gärrner noch mit sonst jemand über die Angelegenheit gesprochen, er habe auch zum Inspektor Möller derartiges nicht gesagt. Gärtner stellt ebenfalls in- Abrede, daß er eine Unterredung der bezeichneten Art mit Schiemenz gehabt hat. Vorsitzender und Staatsanwalt stellen ver- schiedenc Fragen an den Zeugen Schiemenz nach der Richtung, ob er nicht die Möglichkeit zugebe, daß Möllers Angaben zutreffend sein konnten. Nachdem der Zeugq mehrfach in dieser Weise be- fragt worden ist, gibt er die Möglichkeit zu und sagt schließlich, weil er a» epileptischen Krämpfen leide, könne er sich nicht mehr so genau besinnen. Zur Aufklärung des Falles Schiemenz soll der Briefträger, der die Prügelszene mit angesehen hat, ermittelt und als Zeuge ge- laden werden. Ein Zeuge, der heut noch zum Fall Schiemenz vernommen wurde, hat gesehen, daß der eichene Stock deS Inspektors Möller zersplitterte, als er dem Schiemenz über den Kopf schlug. Im Westeren Verlauf der Sitzung traten eine Reihe von Zeuge»» auf, welche Aussagen über rohe Schimpfreden der Steiger und Mißhandlungen von Arbeitern durch die Steiger bekundeten. Ter Gesamtcindruck dieser Aussagen läßt sich dahin zusammenfassen: Bei jeder Störung oder Unregelmäßigkeit im Betriebe, wo die Steiger an ein Verschulden der Arbeiter glauben, oder wenn sie sonst nicht mit den Leistungen der Arbeiter zufrieden find, gebrauchen die Steiget..bergmännische Kraftausdrücke", von denen wir schoir verschiedene Proben gegeben haben. Nicht innner nehmen die Ar» beiter solche„freundlichen Worte" stÄschwcigcnd hin, sondern »nachen Gegenäußerungcn und schließlich tritt der Stock oder im günstigeren Falle die Faust des Steigers in Tätigkest. Selbstver- ständlich wehrt sich auch manchmal der Arbeiter gegen solche Be- Handlung, und dann ist das Hmrdgemcnge da, wobei sich der Steigen als der Angegriffene fühlt, lvt dann den Stock zur Abwehr benutzt. Andererseits kommt es begreiflicherweise auch vor, daß hier und da einmal ein minderwertiges Element unter den Arbeitern in an- getrunkenem Zustande Krakeel anfängt und dann in der geschilderten! Weise von Steigern und Schachtmeistern behandelt wird. Die Einzel- fälle dieser Art sind zum Teil schon in den vorausgegangene»» Sitzungen erörtert worden. Damit sind die Bernehnrungen über Mißhandlungen und Be- leidigungen der Arbeiter durch Vorgesetzte beendet. An den nächsten Verhandlungstagen kommen die Lohn- und sanitären Verhältnisse der Stadtgrude zur Sprache. rr-TT s "•"'»AWvsV 4ÄV- I ls w» floHlf Hvr wrnn. dos PoeM und OtU«n Utrschlu» unter« marK« wnO Nrmo Das ist ei« Paket „Kathreiner"! Gehe« Sie sich's genau an, damit Sie beim Einkaufe auch wirklich den echten Kathreiners Kneipp- Malzkaffec erhalten! Ben Cigareiten sind die besten. Marke A.. 2 I»lg., 2? Ultra,. 3 Pfg. Käuflich in ufoh Clgarrsoges-chäMeO-' S. KalisM, Iraners Firm«„Baby" 1. Brunnenstrasse 16. Hpealalceaeliiltt für NObmaeohiosn una iteparatur- WetkataU. sieg., a. Ts oo 2. Invalidenstr. 160 0J=«An,»hl»»8- 3. Brunnenstr, 92 Adie'm'una 4. Reinickendorfersfr, 2c rtokwirta iiikaad 5. 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Beyer, Veteranenstr. 13; Parteispeditlon, Keibelstr. 42: Wertheim, Leipzigerstraße; Rühle, Musikalienhandlung, Moritzplatz; Bickhardt, Rixdorf, Bergstraße 13; Philipp 4 Sohn, Musikalienhandlung, Neue Scnönhauserstraße; Verbandsbureau der Konditoren, Brunnenstr. 30; Tabakarbeiter- Genossenschaft, Rixdorf, Weber, Hermannstr. 110; Paul Ihm, Wrangelstr. 58; Schrotte, Landwehrstr. 3. Damen und Dorren— auch ohne Notenkenntnisse— welche dem Chor beitreten wollen, können sich Freitags von 8—10 Uhr, in der Aula, Steinstr. 31—34, melden. Der Vorstand. I. A.: K. Heimann, Pidicinstr. 18. 1 Zirkus Albert Schumann Heute Sonntag, den 25. d. MtS., nachm. 3'/, Uhr und abends Vj, Uhr: 2gr. brillante Gala-Vorstellungen ß Jedes weitere Kind unter zehn U Jahren halbe Preise(außer Galerie). In beiden Vorstellungen nachmittags und abends: DaS Sensattons-Programm. Ein Souper bei Maxim. Dlle. Louise Mary mit ihren wunderbar dressierten Eisbären, Nachmittags zum Schluß die reizende Sportpantomimc: Der Dag des Englischen Derby. Außerdem vierte Vorsührung des größten Naturwunders der Jetztzeit. Chiuesisd>e Fischer mit ihren hier noch nie gesehenen Gmorants Direkt aus China importrert. Fische sangende Tauchervögel. üiri Weiß-Theater. Gr Franksurlerstr. 132. Letzter Sonntag. Abends 8 Uhr: Die Ikbknde Krücke aefKuba Montag u. Dienstag: Die lebende Brücke auf Kuba.— Mittwoch zum Ivo. Male: Die lebende Brücke auf Kuba. Sonnabend letzte Kindervorstellung Aschenbrödel. R)ite8 Caprice jliudapester Possen-Theater( 132 Linienstr. 132, Ecke FriedrichstraBe. Zum 9. Male: Der Schmock und Dalles& Co. Ansang 8 Uhr. | Kasse den ganzen Tag geöffnet. Vorverfaui bei Wertheim. Deutsch-Amerikanisch. Theater. Köpenickerstr. 67/68. Jeden Abend 8 Uhr, DO sowie Sonnabend'"08 zum Gastspiel Ad. Philipp «»• Er und Ich Sonnt, nehm. 3 Uhr, halbe Preise: Feber'n großen Teich. 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Vertreterkarte legitimiert. I, A.: Friede. Weber, Vorsitzender. Erste Abänderung zum Ztatut der Ortskranhenhaffe der Wasdiiilkulian-Arheittr und vertv. Gewerbe zu Berlin. Artikel I. 8 37 wird gestrichen und erhält folgende Fassung: Die Mitglieder des Vorstandes sichren ihr Amt als Ebrenamt, er- balten jedoch für Teilnahme an den Vorilandssitzungen, Kommisstons- sitzungen. Kässeiirevistonen, sowie den im Interesse der Kasse mit den Aerzteu, Apothekern und sonstlgen gieseranten abzuhaltenden Sitzungen eine Eni« schädigung von 1,50 M. pro Person und Sitzung. Ferner erhält jedes Vorstandsmit- glied bei sonstiger Wahrnehmung der Kassengeschäfte für ZeitversäumniS, wenn die Täligleit bis mittags 12 Uhr beendet ist, sür einen halben Tag 3 M., wenn dieselbe bis nach 12 Uhr währt, sür den ganzen Tag 6 M. als Entschädigung. Austerdem werden entstehende bare Auslagen aus der Kasse erstattet, Die zu den Sitzungen und Kassen- revifionen hinzugezogenen Kassen- beamten erhalten ebensalls den Be- trag von 1,50 M. pro Person und Sitzung, Artikel H. Diese Mänderung tritt mit dem Tage der statuienmästigen Bekannt- niachmig in Kraft. Berlin, den 25. März 1906. Der Vorstand der Drtskrankenkasse der Maschinenbau- Arbeiter u, verw. Gewerbe zu Berlin. H. Blank. K. Köster. Genehniigt durch Entscheidung de» löniglich preustischen Oberverwaltungs- gerichts, dritter Senat, vonl 22. Ja- nuar 1906. (gez.) Dr. v. Streust und Torney. r* a f e Hfle yep Oresdoner- Straße 128/29. Kaffee lOn. 15, Biar, hctlu-bunt., 16 Pf. ca. 56 Zeitungen;� Billards Sid 46 Pf. Zadisleiie der Freien Velksbßiine.* s Gesellsehailsbaus - Erkner ' Jnh. M. Degebrodt. Habe noch Sonnabende und Sonntage frei, welche den ge- ehrien Fabriken u. Vereinen empsehle. 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Die Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken erzielten im letzten Jahre einen BetriebSgewiim von 3 863 vyv M.— gegen 2 947 000 M. im Vorjahre— zuzüglich Zinsen, Beteiligungsgewinn und Vortrag 3 518 000 M. Zu Ab- schreibungen wurden t 693 000 M, verwendet. Das Mobilien- und Gerätekonto ist bis auf 1 M. abgeschrieben. Aus dem Reingewinn von 3 006 000 M. wird eine Dividende von 18 Prozent verteilt, dem Aufstchtsrat fließen 182 000 M. zu. Selbsterkenntnis! In der Generalversammlung der Rational- bank kritisierte ein Aktionär, daß einer der beiden Direktoren der Bank, Herr Stern, als AusfichtSrat eines Unternehmens, das mit der Bank lriert ist, wohl nicht seine Pflicht getan habe, sonst hätten sich dort vorgekommene unliebsame Erscheinungen wohl vcrineiden lassen. Allerdings, wenn eine Person eine ganze Reihe solcher Posten bekleide, dann könne von Kontrolle natürlich keine Rede sein, und Herr Stern habe zu seinen 17 Aufsichtsratsstellen noch 7 neue hinzu übernommen. Und Herr Stern verteidigte sich lakonisch mit der Bemerkung, er hätte die Unregelmäßigkeit auch nicht beinerken können, wenn er nur bei der einen Gesellschaft Aufsichisrat sei. Die Konsumenten von Hauskrandkohle müssen bluten. Die Anhaltischen Kohlenwerke erzielten im vorigen Jahre einen nur um 1640 M. über das vorjährige Ergebnis hinausgehenden Betriebs- gewinn. Dieser stellt sich aus 696 554 M., woraus 6 Proz. Dividende verteilt werden. Im Geschäftsbericht wird betont, daß beim Teer- verkauf eine verminderte Einnahme nicht abzuwehren sei, auch für Rohkohle könnten nur die alten Preise erzielt werden, trotzdem dürfe 1906 ein beftiedigendes Ergebnis erwartet werden-- wegen Preissteigerung für Briketts. Ter Walzdrohtverband, dessen Fortbestand sehr in Frage stand, ist vorläufig bis Ende Juni 1907 gesichert; bis zu diesem Termine sind die Verträge verlängert. Für eiur handelspolitische Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland plädiert Professor Dr. Julius Wolf-Breslan in der .Friedenöwarle". Den Anlaß dazu gab ihm das Zustande- kommen des Handelsabkommens zwischen Frankreich und Rußland. Er meint: „Frankreich führt zehnmal soviel nach Deutschland aus als nach Rußland; es bezieht zweimal soviel von Deutschland als von Rußland. Wenn nun Frankreich mit dem letztgenannten Reiche ein Handelsabkommen geschlossen hat, ein Abkommen mit einem leibhaftigen tarik srmexä— warum sollte es diesen Weg nicht auch Deutschland gegenüber beschreiten können, wenn eS ihn deschreiten— wollte?" Prof. Wolf vergißt anscheinend, daß die neudeutsche Zollpolitik eher geeignet ist, fremde Staaten miteinander als mit Deutschland auf freund- schaftlichen Fuß zu stellen. Weiter wirft der Autor die Frage auf: „Sollten sich nicht die Gleichgesinnten hüben und drüben treffen, um eine gemeinsame Kundgebung zu veranstalten, einen Aktionsplan zu beraten und auszuslecken?" Die beste Aktion ist die Propaganda für Freihandelspolitik, die Proklamation des Kampfes gegen die Plündere!, die Agrar- und Jndustriefeudalen, die hier Ivie dort gleiche Interessen vertreten. Wttternngsoversicht vom 84. Mävz 1906, morgeuS 8 llhr. Stationen || K— S 2 §3« Wetter swwemde.!74ZO öainbirrg 718 NNW Verliu!74äSSO Franks.a.M. 719 W München!7S0SW Wie»! 74!) D 4 bedeckt 5 schnee 2 bedeckt 2 Schnee 5 wolkig 1 wölken! && c«. s« L? In fc 0 -2 1 -1 3 Stationen Ii »•=■ ö= " 2 Haparanda 761 N Petersburg 7öS WSW Scilly|7603i eiberdec» Paris Wetter 2 wölken!— 15 >s>« es. H 764 NNW 754 NN® 1 bedeckt SNcgen I Schnee 3, halb bd. — 3 6 1 Wetter-Prognose für Tonntag, den A4. März 4906. Zeitweise heiter, am Tage etwas wärmer, aber noch veränderlich mit geringen Niederschlägen und mäßigen nordöstlichen Winden. Berliner W e t t e r b» r c a ,». Singer Nähmaschinen. Einfache Handhabung! 3302» Graste Haltbarkeit k Hohe Zlrbeitsleistung k Vk»Itau,,«oMung fi-.nt-iH D**i-v Weltausstellung Paris 1900: vJldUU n IA st. Louis inna St. Louis 1904. Unentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunst stirkerei. Elektromotorx für Nähmaschineubetricb. Singei* Co. NäbmascWnen Hct. Ges. Berlin W., Leipzigerstr. 92. Filialen In allen Stadtteilen Bpochemachcndc Bntdcckung I Soeben erschien eine Broschüre, betitelt Sie Lösung des Problems der Preisbewegungen an den frodukten- and 8f|ektetMrsen Davon abgeleitet: Das Wirtschaftsbild der Gegenwart und der Zukunft. Die Ursachen der unmittelbar bevorstehenden groSen Lebensmittel-Preisstelgerungen, deren Folgen und Gefahren für die Volkswirtschaft, die Mittel uad Wege, um den Ausbruch einer Revolution in Deutschland zu verboten. Von Michael Proestler, Kaufmann in Würzbürg. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.— Preis Mark 8,— Der Inhalt dieser Broschüre ist epochomachend; er wirft die bisherige Finanz-, Handels-, Sozial- und Wirtschaftspolitik über den Haufen, zeigt eine Menge von ganz neuen Gesichtspunkton, gibt Anregungen für alle Gebiete unseres Wirtschaftslebens und ist wegen der objektiven wissenschaftlichen Bo- großem, ein Führer durch die begonnenen gefährlichen Wirtschafts- kämpfe, wie solche in dieser Ausdehuung und Länge noch niemals dagewesen sein dürften. Hie Broschüre ist deshalb allen Staats- nndReichsregierungen, Städte- und Gemeindeverwaltungen, den Land- und Beichstags- Abgeordneten, der gesamten Industrie-, Finanz- und Handelswelt, den landwirtsobaftlichen Betrieben, allen Berufszweigen, sowie überhaupt für jedermann, der sich für die bevorstehenaen großen Umwälzungen auf allen Gebieten unseres Wirtschaftslebens interessiert, zu empfehlen. Der Inhalt dieser Broschüre ist bildlich genommen das Fundament; jeder Leser, der die darin enthaltenen Lehren befolgt, ist ein Baustein für ein neues solides Wirtschaitsgebäude. 239/11 Gegr. 1873. IHetzner Kinderwagen Korfcwaren Bettstellen. Trlumphstfihlo Kindermöbel Qrösstes Spezial- Geschäft L BerllaO�Aadraaaatr.a3,eeeepflb.Andre»«plata. IL M�BrnnneaBtr. SS, gegeeflb. Eumboldtbain. HL JTW., B«u«iel»tr. 67, Moabit. I I�lpmlgeratr.Sa-Sa, Kolopnaden. Verkauf Hol In Fabrikgebäuden. Katil. gratis. lOOO M. Belohnnns saht« jedem, der mir in Berlin ein gräagerea Spezial- geachäft in dieaer Branche ata daa meinige naobweiat. Kronen-Fabrik. Zum bevorstehenden Umzug empfehle ich mein reichhaltige» Lager von Kronen, Lyren etc., ebenso werden Umzüge und ReuausarbeUu ngen itvt und billiast auSaeiührt. 5372* �' W»» v-». prompt und billigst auSgesührt. Robert korscli, SbflLIki 8. 42. Alexandrinenstraße 97. r x x; x 2: x« 2:3:x; x: Arbeiter! 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Diskussion Referenten sind die Genossen: Block, DÜWell, Liepitiaiin, SlÖmier, Wieseflthal, Zubeil. Parteigenossen! Amtiert für Ittassenbesneh! Der Vorstand des Sozialdemokratischen Wahlvereins für den vierten Berliner Reichstags-Wahlkreis. Sonntag, den£5. Marz,£ Uhr nachmittags in den Armin-ZinNen, Kotnmandaiüenstr. 20 Sr volks-veriammlmg. Tages-Ordnung: 1. Zlns der Geschichte der Berliner Arbeiterbewegnng. Referent: Genosse LNuSNel Uvfnslsin, 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. mi5 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen, besonders der alten Genossen» bittet Oer Aktions sAusschuss Am Jtfontag, den 26. Sßärz, abends B% Uhr, findet im Qeuierhschaftshause, Engel-Ufer 15, großer Saal, eine Geffentliche Metallarbeiter-Versammlung statt. Tages-Ordnung: Rezitation der Trau Rüden- Ramburg über das_S)rama des Schriftstellers Kampf: „?Zm Vorabend". Die Kollegen werden dringend ersucht, zahlreich in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Einberufer. Verband der Kürschner Berlins und Unigegend. __ Geschäftsstelle und Arbeitsnachweis jetzt: Gollnowstr. 5.------- Mittwoch, den«8. März, abends 8 Uhr, im Zilien Schützenhause, Linienstraße S: Mitglieder-VerfammUmg TageS-Ordnung: 1. Vortrag mit Rezitation über:„liuiln'Ig Anzengrnber" vom Genossen C. A. Stripp. 2. Gewerkschaftliches. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht 102/9_ Per Torstand. n und deren HUlfsarbeiter. Filiale Berlin. Sonntag, den 85. d. M.. nachmittags 3 Uhr, Brunnenstr. 188 s Hütglteder-Verfammlung. TageS» Ordnung: Die Lohnbewegung in der Bierfafjbranche.< DaS Erscheinen sämtlicher Mitglieder ist dringend notwendig. Zg/S Per Verstand, l.. Klapschus. irmton II" Einkanfsgcnossenschaft des„Berliner „101 dll Ii° Arbeiter- Radfahrer-Vereins". (Arbeiter-Radfahrer�Pund„�elldarltnt".) Mittwoch, den 88. Mörz, abends 8'/, llhr, in PrAsels Fest- sftlen. Neue Friedrichstr. 35: Geffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag de? Herrn Justizral iztelnsebnelder über:„produsttir- und llinkantsgaiiossensobaft der Berliner Arbeiter-R<-idfahrer im besonderen und Genossenschaftswesen im allgemeinen". 2. Diskussion. 106/13 Der Finbernfer. Sichiiz Stetfdj!'n&r Zchö«schmbt«!�!?S?� SchMl»»,!"'Ä,®"1- erlernen Sie ungeniert und spielend leicht durch unseren brieflichen Unter» richt. Probeblali 50 Pf. Prospekt gratis. „Handelswissenschaft" Fachblatt für Kontor und Bureau, Berlin 8. 42, Prlnzenstr. 26. 6. dchtung! Achtung l Städtische Arbeiter! Mittwoch, den 28. März, abends pünktlich 8'/z Uhr, bei Keller, Koppenstraße 39: Protest- Uersammlnng aller in den Betrieben der Stadt Berlin beschäftigten _ Arbeiter, Handwerker nsw._ Der 6tat pro 1006 und die ftädtilehen Arbeiter. Referent: GewerlschastSselretär Etllll DittlTICl*« == Freie Aussprache für jedermann. Kollegen! Es gilt Stellung zu nehmen zu dem ablehnenden Verhalten des Magistrats bezüglich der generellen Lohnerhöhung. Jeder agitiere für diese Ber- sammlUNg.'. 230/1 Verband städtischer Arbeiter(Tiltale Srop-Berlin). GroJJer öffentlicher Sichtbilder-Vortrag des Genossen Ingenieurs ZK. lirempv über: Die Freiheitskämpfe in Nustland mit über 60, teils farbigen Lichtbildern am Donnerstag, den£9. März, abends 8 Uhr, in Kellers großem Saal, Koppenstraße 29. Eintritt gegen Prograniinentnahnie a 80 Pfennig. Acbtnng! Die zu der polizeilich verbotenen Märzfeier am 18. März in Frankes Feftsälen gelösten Eintrittskarten berechtigen ziun freien Eintritt._[101/1*]_ Pas Komitee. Rixdorf. Montag, den 86. März, abends 8 Uhr: Oeffentliehe Versammlung im Lokale des Herrn Thiel, Bergstr. 151/152. Tagesordnung: i.„Die Keit im Spiegel der Dichtung". Reserent: ReichStagS-'Abgeordneter/z Uhr, bei Gansewig, Reichenbergerstr. 147. Am Montag, den 26. März 1906, abends S'/z Uhr, bei Werna«, Schwedterftr. 24. TageS-Ordnung:„Heimarbeit und Arbeiterschutz." Reserentinnen: Frau Lütz Braun und Frau Kiesel. S&r Wir ersuchen die Kollegen und Kolleginnen, sich an diesen Verl sammiungen zahlreich zu beteiligen. Die Elnbernfer. — üerrenkonfektioiio; Am Montag, den 26. März, abendS Uhr: 2 WM KöitiliOKliiieir »ür den Norden bei Bensei, Jnvalidenftr. 1. „. Osten in der„Kftnlgsbank", Gr. Frankfurterstr. 117. TageS-Ordnung: 162/16 Wie bekämpfen wir am besten die Schnndlöhne in der Konfektion? Rcserenten: Kollegen Käming und Jlllhr. SS8P* Kollegen, Kolleginnen I In Anbetracht der Wichtigkeit DVM der Tagesordnung dars niemand fehlen! Der Elnbernfer. MR Die für Montag angesetzten Gcschästsversammlungen fallen aus und 1*0« besuchen die Kollegen die obigen Versammlmigen. Achlling! Weßenschneibkl. Winnsl Am Montag» den 26. März, abends 8'/2 Uhr, in den Arminhallcn, Kommandantenftr. 20: Westenschneid er- V ers annnlnng. Wir ersuchen die Kollegen zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Die Kommission. Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. Donnerstag, den 29. März, abends 8'/, Uhr, bei Wendt, Beuthftratze 21: Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Beichlutzsassung über unsere Hnuskassicrung. 2. Der I.Mai. 3. Vcrbandsangelegenheitcn. ugf In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht cineS jeden Kollegen zu erscheinen. 177/1? Die Drtsvervaltanjt. Drlisch!!kHhmKttlMn.Uiiil!kjitnd foniif sonstige Intertssenten des Drosliikenfthrgkiverbes! Dienstag, den 27. d. Mts., abends S Uhr, in Kellers Fcstsälen, Koppcnstr. ÄS: dessentliehe Versammlnng. Tages-Ordnung: 1. Die Zlniwort des Polizeipräsidenten ans die Petition des Berbaudcs der Fachvereine der Droschkenbeiiber Berlins. Welche Stellung nelime« wir dazu? 2. Das Vorgehe» des Polizei« präfidtnms gegen die Einspänner. 290/12 Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist pünktliches und zahlreiches Erscheinen geboten. Der Verein der Droschkenfiihrcr Berlins und Umgegend. I. A.:.A. W. Knfltter. Die Zeitungs-Expedition und Annoncen-Annahme des „Vorsvlirts" befindet sich vom Montag, d. 26. März, j I• an Rüdersdorferstr. 3 5931, Aktiva am Küstriner- 1 platz. Robert Wensrels. Bilanz per 30. September 1905. Passiva Per Geschäftsanteile der Ge< nassen...... , Darlcbn-Konto... „ Kreditoren-Konto... , Pscrdesutter-Konto.. , Gasverbrauch-Konto, . Zinsen-Konto..,. , Reservejonds-Konto.. Mk. 1362 6500 253 65 20 200 30 2 58 Pf 35 8403/23 Im Lause des Geschästsjahres sind 2 Mitglieder eingetreten. Ausgetreten sind infolge AblebcnS zum Schlüsse des vorlebten Geschäftsjahres 1 Genosse, infolge Kündigung zum Schlüsse des GeschästSjabres 6 Genossen. Am Fnhresschluss gehörten der Genossenschaft 199 Mitglieder an, deren Hast- summe 2115 Mk. betrug. DaS Gefchästsguthaben und die Haftsumme haben sich im Geschäftsjahr nm 24 bczw. 25 Mt. vermehrt. B e r l i n. 24. März 1906. 106/15 Bäctcreigenossenschaft Volksbrot, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. _ Der Vorstand: Ouncker, Paul Hallensleben, Kohllahn. Ich Albert Heine9 Ansikdirleent, Bixdort, UcrgstraBo 22, erkläre, daß ich 10 Jahre Mitglied der Freien Vereinigung der Ziviwernfs- musiker war. Den Grund, weshalb ich nicht auch Mitglied des Zentral- Verbandes der Zivilmusikcr bin, werde ich den Vereinen, welche mich mit Musilbestellungen beehren, persönlich mitteilen. Ich beschästige nur Berufs- musiker, nicht aber Leute, die am Tage den Arbeitern und abends den Musikern das Brot nehmen. Ich weise daher alle unwahren Angrisse energisch zurück. 626b Albert Heine VÄ'k 5&L*3-- � Max Busse BERLIN N., Brunnen- Straße 175 vis-ä-vls Greifenhagen 586L* empfiehlt für den bevorstehenden Umzug seine große Auswahl in Regulateuren, Freischwingern, Stande und Wanduhren. Vorzügliche Werke, billige Preise. Großes Lager in Taschenuhren, Gold- und Silberwaren, Brillanten. 5 »Für Vereine, Hochzeiten u.Taufen passende Alfenidegeschenke in schönen und preiswerten Mustern. 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Sonntag, den 25. Mörz, 1906, mittags 1 Uhr: Oeffentl. Versammlung flr Friedriilisstliit»iid Aiiiiiiitlsburg . bei Herrn Schulz, Ncn-Lichtenberg, Wilhelmstr. 11. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Richard Leopold Über:„Die Kämpfe der Holzarbeiter im verflossenen Jahre und welche Lehren ziehe» wir daraus?" 2. Distussion. 3. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind alle hier wohnenden wie arbeitenden Kollegen verpflichtet, zu erscheinen. Der Einbernfer. Kraucht der Miifidiustrumtultuurbeitcr. Montag, den 26. März, abends 8'/. Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel-Nfer 15(Saal 1): � Kri»cht»»itßIitdttikrfs»«I«»|. 1. Vortrag des Schriststellers Max Schütte über:„Heinrich Heine"» 2. Branchcnangelegenlieiten. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Gäste willkommen. Zahlreichen Besuch er« wartet Die Brancheiikommission. /Mlung! Drechsler! Achtung! Mittwoch, den 28. Marz, abends 8'/, Uhr: Nrrsaiiiiiilimg der Arcchsicr Knliiis in Feuersteins Fcstsnlc», Alte Jakobsir. 75. Tages-Ordnung: 1. Welche Schritte unternehmen wir zur Verbesserung unsere» Lage? 2. Diskussion. 3. Verbands- und Br-mchen-Angelegenheitcn. Wir ersuchen die Kollegen, alle in dieser Versamlung zu erscheinen. Die Kommtsston. Miiung i gCammacher! Mittwoch, den 28. März, abends präzise 8°/, Uhr: Branchen-Versammlung der Kauimiher und aller in der Zellnloid-Haarschnuiltibranllje bfldjäftiijtfH Arbeifer und Arbeiterinueu �■ im Englischen Garten, Alexanderstratze 27«.---------- Tages-Ordnung: I.Vortrag des Kollegen Gläß über: Die Ziele der deutscheu Arbeiterbewegung. 2. Diskussion. 3. Werkftatt-Angelegentieiten. Der sehr wichtigen Tagesordnung wegen ist es Ehrenpflicht eines jedm Kollegen in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Kommisfion. Jratteke der Korbmacher. Montag, den 26. März, abends 8'/, Uhr: Versammlung im Gcwerkschaftshause, Engel-Ufer 15. Tagesordnung: Vortrag des Kollegen Tornow über: Die Berfasfungskämpfe in Rusjland. 2. Diskussion. 3. Branchen-Angelegenheite». 4. VcrlchiedeneS. Die Kommission. 8toelk' imd Zelluloid-Arbeiter. Montag, den 23. März, abends 81/, Uhr: Branchen-Versammlung in den Andreas-Sälcn(grosser Saal), Andreasstr. 21. Tages-Ordnung: 1. Unser Bertrag und wie ist derselbe auszulegen? Referent: Kollege Hildebrandt. 2. Diskussion. 3. Bericht der Werkstatt- kontroll- und der Zentralkommisjion. 4. Distussion. 5. Neuwahl beider Kommissionc». 6. Werkstatt-'Angelegenheilcn und Verschiedenes. Mp- Die Verträge werden in in dieser Versammlung verteftt. Die Versammlung wird Punkt S'l, Uhr eröffnet. Der Obmann. Branche der Marqueteure und Mosaikarbeiter. Montag, den 26. März, abends'/.fi Uhr: Branchen-Vers ammlnng im Gewerkschaftshause Engel-User 15, Saal 2. Um fiiinktlicheS Erscheinen ersucht Die Kommission. US. vis Kollegen der Firma Schwerthe, RomintenerstraBe sind hiermit besonders eingeladen. Bilderrahmenmacher Montag, den 26. März, abends 8'/, Uhr: Branchen-Versammlung im GewerkschaftS Hause. Engel-User 15, Saal 8. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über Misistände in unserer Branche. L. VerLands- Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Der Obmann. _ farhettbodettleger.= Dienstag, den 27. März, abends 8 Uhr: Krancheu-Uersammlung im Gewerkschaftshanse, Eiigel-ttfer 15(Saal 1.) Tages-Ordnung: 1. Neuwahl von Konimissionsmitglieder. 2. Branchen-Angelegen» heilen. 3. Verschiedenes. Die Kollegen werden ersticht, sämtlich in der Versammlung zu er« scheinen, weil wichttge Punkte aus der Tagesordnung stehen. _ Die Kommission. Achtung! Einsetzer. �iW! Mittwoch, de» 28. März, abends 8 Uhr: Branchen- Versammlung im Gcwerkschaftshause, Engel-User 15, Saal 1. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Fritz T a r n o w: Bilder aus dem russische» Freiheitskampfe. 2. Diskussion. 3. Branchen-Angelegenheiten. __ Der Obmann. Branche der Jalousie- Arbeiter. Mitwoch, den 28. März, abends 8 Uhr: Versammlung im Gewerkschafishanse, Engel-User 15, Saal 5. 1. Vortrag des Kollegen L a n g h n m m c r über: Ziel und Zwecke der Organisation. 2. Distussion. 3. Bericht der Kommission über das letzte Geschäftsjahr. 4. Verschiedenes. 82/15 Dl« JiommUsIo-- KOchentchränke mit Muschel von Mk. Ä4,50 an, Kllchcnrahmen Mk. 9,60. KQohentisohe von Mk. 7,50 an. KUoheMtuhl Mk. 8,50. Trumeau mitFacette- Ko. 1263. Vertlkow,«. Nußb. Ko. 1359. Kleiderschrank, echt Spiegelglas Mk. 05. m. Facettespiegel u. reicher Nußb. m. Hutboden u. Messing- med. Schnitzerei, Mk. 90. Stange u. reich., mod. Schnita- 100 cm br., 208 cm n., 49 cm t. M.85,120cmb,,230cmh.,60cmt �ctwortlicher Rehalteur: HanS Weber« Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW, f Th. kork, Kretzschmar& Co. | vereinigte Tischler- und Tapezierer-Meister. 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Mrs., abends S'/z Uhr, im bekannten Lokale seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Teltow. Am Mittwoch, den 28. d. M., abends 8 Uhr, findet bei Piekenhagen, Berlinerstratze, die Versammlung des Frauen- und Mädchen- Bildungsvereins von Teltow statt. Herr Dr. Bluhm spricht über„Magen- und Darmkrankheiten". Zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder erwünscht. Gäste will- kommend Aufnahme neuer Mitglieder. Der Vorstand. Britz. Am Donnerstag, den 22. d. Mts., fand die Versammlung des hiesigen Frauen- und Mädchen-Vereins statt, in der Genosse Händel über„Heimarbeit" sprach. Ausgenommen wurden sechs Mitglieder. Die Konfektionsarbeiterinnen Kotzenhagens und die Berliner Konkurrenz. Die Konfektionsarbeiterinnen Kopenhagen? sind jetzt wieder besonders eifrig bemüht, mit Hülfe ihrer Organisation ihre traurigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu verbessern. Sie halten öffentliche Versammlungen ab und zeigen hier an fertigen Kleidungsstücken, wie erbärmlich ihre Arbeit bezphlt wird. Bei den schlimmsten Ausbeutern werden Vertreterinnen des Näherinnen- Verbandes vorst ellig. So kamen dieser Tage zwei Vorstandsmit- glieder des Ve ebandeS zu dem Unternehmer Schougaard in der Köbmagergade und machten ihm Vorhaltungen über die Hunger» löhne, die er bezahlt. Er berief sich— wie das in der dänischen Konfektionsindustrie gang und gäbe ist— auf die Berlins r Konkurrenz und zeigte ihnen eine Kollektion deutscher Kinder- kleider, die ihm, wie er behauptete, 3,20 Kronen(3,60 M.) das Stück kosteten. Die Verbandsvertreterinnen berichten darüber: „Wir sahen uns die Kleider an. Sie waren vom allerelendcsten Stoff— wie Spinngewebe mit kleinen Kratzwolleklümpchen durch- setzt— unh die Arbeit war durchweg erbärmlich ausgeführt."— Frau Würtz antwortete dem Unternehmer, datz die Näherin, die ein solches Stück, in derselben Weis? gearbeitet, einem Kopen- Hagener Unternehmer liefern wollte, es an den Kopf geworfen be- käme. Der Stoff, erklärte sie weiter, kostet nur 60 Oere die Elle. Nach diesen Worten wurde der Unternehmer ausgeregt und erklärte die Unterredung für beendet. Belmonte& Co. Leipziger Str. 35 Ecke Charlottemtrasse und Königstrasse 46. Sämtlich» Qegemtänd»»Ind mit d«utllch»n Verkauf*pr»I«»n ver*ehen. Niehlgefallende» wird b»rettwillig«t umgetauscht. Bei un» gekauft» Brillanten werden xum vollen Kaufpreis in Zahlung genommen. Unser Prachtkatalog In 4- Farbendruck enthält ca. 200 Kunsttafeln mit vielen tausend lllustr.v. Juwelen. Uhren, Gold- u. Silberwaren. Speziallislen gratieu.fr. Juweliere, Gold- und Silberschmiede. 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Wegen Lohndiffcrenzen st das Personal der Firma Irite ünardin, LnruSpapiet+abril, Köpenlckilr. 112, entlassen worden. 23/12 Der Betrieb ist für Gstchnitt- wacher, LuxuSPapier- un! Karto- nagenarbeiter und-Arberinnen. Präger und Präger! nner sowie Monomamnivrägerinnen gewrt � vl«
t«vvi-srZlinx. veulselier»olikrbiter- Verdam!. Wegen Streik und Differten ist JllJHO ftlllsllljOfll von Treppengeländer> Arltern (Drechsler, Tischler. S«ell»cher. Polierer, Malchiueiiarveit und vildhaurr) von derTreppeugecher- tbril Joseph Drechsler, Gtncr- straße 33; -n Einsetzer« vom Bau Gvrdt Haiense«, Schweidiiitzerstr. 6 e>? d Tischler» von Eber» Mc»l« tischleret, Manleuffelstr. W; h Bodenlraern oo» den Baut«» ich(Firma D-unle, Frankfurts.). ldlv Ortovcrsvisltung Geübte Leaep Pf. Stundenlohn, sowie geübte gesucht Lerttnev L-apicton-Merke. Meldungen aus der Arbeitsstätte l.lnweri»tr. 18/19. 5502* bei 60 Möblierte Schlafstelle, einen Herrn. IteineS Zimmer. Ornnien- straße 157, jv rechts, Rühe Moritz- Iplgtz. � � � Hau? Weber, Berlin. Für den Inseratenteil vercmtw.:Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: VorwärtsBuchdruckerei u. Vorlagsansiall Paul SmgeLi Co. Berliv '* Gesamtauflage unser 0eu,eu Numiiler liegt ei Pro«kt der Geschäftshäuse n»« Berlin. Brücken strasgi, Ehauffeestrafte L1n/»s. Gros Fraiikfurterstraste»0 bei. Redaktion und Expedition: Berlin, Cindenllr. 69. fernlpredier: flml II. 198S. Nr. 71. Sonntag, den �5. März 1906. Inserate Setogelpaltene Kolonelzelle 20 PTt, Bei«rOßeren Bultrapen entlpredienden Rabatt. JJ partcl-Hncfclcgcnbeitcn. Erklärung. Den Berliner Parteigenossen und Genosfinnen zur Nachricht, dah die zwischen dem Restaurateur Herrn Cranz, Prachlsäle des Ostens, Frankfurter Allee lSl/>S2 und dem Verbände der GastivirtSgehülfe» obfchwebenden Differenzen nunmehr völlig und zu beiderfcinger Zu- friedenheit geregelt find, indem Herr Cranz die Forderungen der Organisation anerkannt hat. Der Benutzung der Cranz- schen Lokalitäten steht nun nichts mehr im Wege. _ Der Aktionsausschuß. Rixdors. Morgen Montag, abends 8 Uhr. findet im Thielschen Lokal, Bergstr, 151/152, eine öffentliche Versaiumlung statt, in welcher Genosse Ledebour über„Die Zeit im Spiegel der Dichtung" sprechen wird. Außerdem steht Bericht und Neinvahl der Verlrauensperson auf der Tagesordnung. Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Vertrauensperson. Schäneberg. Am Dienstag, den 27. d. M.. findet bei Obst, Meiningerstraße 8, die sozialdemokratische WahlvereinSveriammlung statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Vortrag des Genossen Grun- wald:„Die materialisti'che Geschichtsauffassung." 2. Bericht von der streis-Generalversanunlung. 3. Vereinsangelegenheiten. Parteigenossen l Der Borstand ist hiermit dem Wunsche mehrerer Genossen nachgekommen und hat diesen Vortrag angesetzt. Es wird nunnrehr erwartet, daß für zahlreichen Besuch agitiert wird. Der Vorstand. Gleichzeitig sei mitgeteilt, daß die Wohnung deS Vorsitzenden jetzt Martin Lutherstraße 51 sich befindet. Rummelsburg. Zu der am Donnerstag, den 28. März stattfindenden Ersatzwahl findet am Sonntag, den 25. März, früh 7'/z Uhr, Flugblatt-Verbreitung statt. Die Genossen treffen sich bei Gorgas. Neue Prinz Albertstraße 70/71 und Paul Jage, Prinz Albert- stratze 12/18. Die Genossen werden ersucht, fich zahlreich einzufinden Das Wahlkomitee. Pankow. Am Mittwoch, den 28. März, abends 8>/, Uhr, findet im Lokale des Herrn Rozycki, Kreuzstr. 3— 4, die Versammlung deS WahlvereinS statt. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Kiesel über:„Massenstreik". 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Ver- schiedeneS.— Rege Beteiligung erwartet Der Borstand. Nieder- Schönhausen. Die fällige WahlvereinS- Ver- s a m m l u n g findet am Dienstag, den 27. März, abends L'/z Uhr. in Stephans. Lindengarten" statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vortrag des Genossen Bruhn, 2. Diskussion. 3. Vereins- angelegenhoiren 4. Stichioahl.— In Anbetracht ver tage daraus stattfindenden Stichwahl haben alle Parteigenossen pünktlich zu er- scheinen. Ober-Schönewcide. Die Genossen werden ersucht, fich am Mon- tag, den 20. März, abends 7 Uhr, an der Flugblaitverbreitung rege zu beteiligen. Die Bibliothek des sozialdemokratischen Wahlvereins ist jeden Sonntag von 11—12 Uhr vormittags bei Kanshold, Wilhelminenhofstr. 18, geöffnet.— Am Dienstag, den 27. März, abends 8Vz Uhr, findet im„Wilhelminenhof" eine öffentliche Lersammlung statt. Thema:„Die Zollpolittt und ibr Einfluß auf die Haushaltung". Reserentin: Frau Gertrud David. Unsere HanSsrauen find zu dieser Versammlung besonders eingeladen. Lankwitz. Dienstag, den 27. d. M., abends S1/, Uhr. Sitzung des Wahlvereins im Restaurant Link, Calandrellistr. 27. Reichhaltige Tagesordnung. Zahlreichen Besuch von Mitgliedern und Gästen er- wartet Der Borstand. NowaweS-Neuendorf. Am Sonntag, den 25. März, vormittags von 0—12 Uhr, werden in den bekannten Lokalen Beiträge für den Wahlverein entgegengenommen. Der Borstand. Vorort-I�acbricbten. Zur Seweluäeioshldeivegung. Nieder-Schoneweide. Die Gemeindevertreterwahlen finden am Dienstag, den 27. d. M., von vormittags IO'/z bis 1 Uhr nachmittags statt. Gewählt wird in der Schul-Aula. Parteigenossen I Es ist nun Pflicht eines jeden, die kurze Zeit, die uns noch vom Wahltage trennt, nach Kräften auszunützen. Wird da« im vollsten Maße getan, so ist unS auch der Sieg sicher. Gelingt es diesmal nicht, unseren Kandidaten zum Siege zu verhelfen, werden wir aus iveitere sechs Jahre still gesetzt. Darum auf zur Agitation von Mund zu Mund I Heute Sonntag früh findet eine Flngblattverbreitnna statt, zu welcher sich die Genossen im LerkehrSlolal bei Reimann. Grünauer« straße 5. einzufinden haben. Gleichzeitig sei daraus hingewiesen, daß morgen abend Punkt g Uhr im Restaurant„Hasselwerder" eine öffentliche Wähler- Versammlung stattfindet. Schmargendorf. Heute nachmittag 2 Uhr findet im WirtShanS Schmargendorf. Warnemnnderstr. 0, eine Gemeindewählerversammlung statt, in welcher der Genosse Wilhelm Brille ein Referat über: „die Gemenidevertreter am Ort«, wie sie sind und wie fie sein müssen" halten wird. ES ist Pflicht jedes Arbeiters und Wählers. in dieser Bersannnlnng zu erscheinen. Die Wahl selbst findet morgen, de» 26. März, nachmittags von 4— 8 Uhr, im hiesigen Rat- hauie statt und hat jeder eine Legitimation mitzubringen. Der Kandidat der Sozialdemolratte ist der Schlosser Paul Guttbier, Hundelehlenstr. l2. Johannisthal. Parteigenoffen 1 Nur noch wenige Stunden habt Ihr Zeit, die Wahl Vorzubereilen z nützt sie aus. so gut JJfjr könnt l / o*1 V W« � v v*« V*»V 10| t-' o" ES baben alle i» der Wählerliste stehenden nummerterte Wahlk'-Vert« erhalten und sind dieselben als Legitimation mit in da» Wahllokal zu»ebmen. Kandidat ist Tischler Genosse Hermann Dühring. Die Wahl findet morgen, den 26., mittags von 12— 2 Uhr statt. Also an die Arbeit I Adlcrshof. Zu der morgen stattfindenden Gemeinderatswahl forden' wir nochmals alle Arbeiter und Parteigenossen auf. ihr Wahlrecht ailsznüben. Die Wahl findet nachmittags von 4—7 Uhr statt und cS wird dringend gebeten, um Andrang zu vermeiden, mit der Stiinmabgobe nicht btS zum letzten Augenblick zu warten. sondern die ersten Stunden zu benutzen. Die Kandidaten der 3. Wählcrklaffe sind die Genossen Ferdincm» Büttner, Tischler, und .Herum»» Hildcbraiidt, Buchdrncker. Aus zur Wahl l K«me Stimme darf fehlen l Nicder-Schönhausrn. Von der Stichwahl trennen unS nur noch wenige Tage. Jeden dieser Tage gilt eS, eine Fülle von reger Agitationsarbeit zu leisten. Keiner, der fich Sozialdemokrat nennt, darf bei dieser Arbeit fehlen, dennoch haben Hunderte von Ardeitern unseres OrieS, die in den Wählerlisten stehen, bei der Hanptwahl ihre Stimme nicht abgegeben. Für unS ergibt fich nur die eine eiserne Roiweiidigleit. daß wir rastlos agitieren müssen, wenn wir den Gegner schlagen wollen. Parteigen osien, benutzt un- nnSgeseyt die kurze Frist zur persönlichen Agilalion unter den Lässigen und Unwissenden, Es wäre beschämend für unS, wenn die Partei, die an, Orle bei den Wahlen zum Reichstag und zum Landtag die größte Stiinmeiizahl aufgebracht hat, nicht endlich ein- mal einen Vertreter aus ihrer Mitte in das Doriparlament ent- senden würde, DaS kann aber nur dann geschehen, wenn jeder einzelne voll und ganz seine Pflicht tut, Parteigenossen, zeigt, daß die Disziplin und OpferwiNigkeit, um die»i,S unsere Gegner immer beneiden, auch in Nieder- Schönbansen heiiiiisch ist. Wenn jeder seinen Mann steht, ist der Sieg uiiseres Kandidaten in der Stichwahl am Mittwoch sicher I_ Wahlergebnisse. Marienfelhc. Bei der am 19 März stattgefundenen Gemeindewahl wurde in der dritten Abteilung mit 85 Stimmen der Landwirt Otto Gericke gewählt, der vom OrtSverein aufgestellte Herr Knorre erhielt lll Stimmen. In der zweiten Abteilung wurde der bisherige Vertreter Lücke wiedergewählt. In der ersten Abteilung wurde der Gärtnereibefitzer Beyrodt ernannt. Weißensec. Die Wahlen der dritten Abteilung endeten mit einem gtänzenden Siege unserer Paitei. Für uns ist die» eine doppelte Geniigtuung, boten doch die Bürgerlichen alles auf, um uns unsere Mandate zu entreißen. Beamte, Lehrer usw. organisierten einen vorzüglichen Schlepperdienst— aber alle» umsonst. Die bürgerliche» Führer liefen herum wie betrübte Loligerber. Ihre .«mididaten erhielten 57, 65 und 53 Stimmen, während unsere Genossen Schmutz 642, Schillert 638 und Taubmann 633 Stimmen aus sich vereinigten. Damit dürsle de» OrdnungS- stützen der Gedanke, noch einmal mit Gegenlmididaten aufzuwarten, ein für allemal ausgetrieben fein. Charlottendurg. Dem hier feit zwei Jahren besteheiidcir Arbeiter. Schwimmverein„Freie Schwiminer" ist«s gelungen, das städtische Hallenbad zu einem Schtvimmfest zu erlangen. Dasselbe findet am Sonntag, den- 1. April, nachenittags 3 Uhr, in der Volks- badeanstalt, Krummestraßc, statt. Damen- und Herren-Wettschwimmen-, Springen und Tauchen, Wasserballspiel. Nachdem Ball und Preisverteilung im großen Saal« des BolkShaufeS, Rosinen- straße 3. Alle Freunde des SchtvimmsporlS werden hiermit ein« geladen. «Als Berlin noch eine Stadt war", lautet das eigenartige Thema, welches Fritz Stahl feinem Vortrage beim 12. Char- lottenburgcr VolkSkunstabend gegeben., bei welchem er Alt-Bcrlin in Lichtbildern vorführen wird. Ebenfalls Bilder aus Berlin von einst und jetzt, allerdings dichterischer Art, werden in Werten von Willibald Alexis, GlaSbrenner, Stinde, Fontane, Trojan, Bodenderg. Hans Hyan, JuliuS Hart, Joh. Cotta geboten. Karten a 50 Pf., einige nummerterte a 1 M., find in allen Charlottenburger Vnckchandlungcn, Verein zur Förderung der Kunst, Geijthinerstr. 17, Dürer Haus, Kronenstr. 18 und Westbuchhandlung, Tauenzienstrahc zu haben. In der letzten Generalversammlung des Konsumvereins er- stattete der provisorische Geschäftsführer, Herr Winter, den Geschäfts- brricht. Danach betrug der Umsatz in der ersten.Hälfte des Ge- schäftsjahres 70 475 Dä gegen 76 855 M. im gleichen Zeitraum der vorigen Geschäftsperiode. Die Mitglieder werden sich indes mehr wie bisher am genossenschaftlichen Leben beteiligen muffen, soll namentlich das Lager in der PotSdamerstraßc, was einen Rück- gang des Umsatzes zu verzeichnen hat, prosperieren. Dem Wunsche, eine eigene Bäckerei zu gründen, kann in Rücksicht auf den un- zulänglichen Umfang deS Betriebes vorläufig noch nicht entsprochen werden. JndcS find bereits Schritte und Wege eingeleitet, wonach die Ausführung dieses Gedankens nicht in all zu weite Ferne ge- rückt ist. Die Generalversammlung billigte einstimmig die von der Verwaltung getroffenen Maßnahmen. An Stelle des am 1. De- zember ausgeiretenen Geschäftsführers Kurth wurde Herr Winter berufen und seine Wahl von der Versammlung bestätigt. Sein Gehalt beläuft sich vorläufig aus 2000 M. Aus dem AufsichtSrat ist das Mitglied PocSnccker ausgeschieden; an seine Stelle wurde Herr Brille gewählt. Die Bereinigung der Maler und verwandter Berufe nahm in ihrer Versammlung am 19. d. M. Stellung zu dem�Enttvurf de? Hauptvorstandes bezüglich der Einführung einer Arblttslosenunter- slützling. Der Referent, Kollege Flemining, untersuchte zunächst den Wert eines solchen UnterstützungSzweigeS für die Organisation. wobei er die Einwände, daß durch UnterstützungSeinrichtungcn in der Organisation der Klaflenkampfcharaktcr verloren gehe, wider- legte. Auf den Entwurf selbst eingehend, gab Redner der lieber- zcugung Ausdruck, daß mit der Ausschaltung dir Unterstützung für die Zeit vom 1. Dezember bis 15. Februar, der bediirstigsten und schlimmsten Zeit für die Maler, der Entwurf absolut keine Freunde gewinnen könne. Hier heiße eS entweder Lanze Arbeit machen oder aber es beim alten zu belassen Die Ausführungen der DiSkusstonS- rednrr bewegten fich in demselben Sinne und traten dafür ein, am Tage der Abstimmung, am 25. März, gegen die Borlage zu stimmen. Au« dem Bericht über die Werkstellenagitation ist zu entnehmen, daß in manchen Wcrkstellen die Bestimmungen des neuen Bleiweiß. gcsetzcs in gar keiner Weise eingehalten werden. Sogar wälzen einige der Herren Malermeister die Losten de« Gesetzes auf die Arbeiter zurück, indem sie für das Waschen der Handtücher den Ar- beitern Abzüge machen. Hiergegen müsse entschieden Front gemacht werden. Tchöneberg. Mit den neuen Steuer« lirkagen de» Magistrats hat sich die Bürgerickiaft SchönebergS in den letzten Tagen eingehend beschäftigt. Der Magistrat hat nämlich in Vorlchlag gebracht, die Grund- und Gebändestener von 2 auf 2.2 pro Tausend und die Ninsatzsteuer für unbebaute Grundstücke von l aus 2 Proz. zu erhöhen. DeS weiteren hat der Magistrat beantragt, die Erhebung der Kanaliiations- gebühren einer anderweitigen Regelung zu unterziehen. In Scköne- bcrg wurde bisher ein außerordentlich medrtger Satz pro Kopf der Bevölkerung an Kanalisationsgebühren ausgebracht. Er beträgt im Durch- schnitt für die letzten vier Jahre 1,64 M., während in Rixdors 3,87 und in Charlottenburg 4,31 Mark pro Kopf der Bevölkerimg erhoben sind. — Wählend die Mehrzahl der bürgerlichen Vereine diesen Steuer- vorlagen synipathisch gegenübersteht und sogar das Ersuchen an Magistrat und Stadtverordiieienveriammlung richten, auch möglichst bald die Werlzuwachssteuer einzusühren, hat der HauS- und Gnind- besitzerverein in seiner letzten Versammlung gegen die Erhöhungen Front gemacht und seine Mitglieder, die der Stadtverordneten- Versammlung angehören, beanftragt, für die Ablehnung der Er- höhlingen zu wirken.— In den nächsten Tagen wird ja nun die Entscheidimg der Stadtverordnelenversammlung fallen. Leider liegt aber der Ausfall dieser Entscheidung in de» Händen der HauS- besitzer, die durch da§ ihnen in der Städteordnnng gewährte Privilegium über die Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung verfügen. Um den Etat rechtzeitig fertigstellen zu können, findet außer der ordentlichen Stadtverordnetenversaminlung am Montag noch eine außerordentliche Sitzung am darauffolgenden DienSiag statt. Man hofft den Etat anr DlenStag in dritter Lesung zu Ende führen zu löiiuen. Eine Zwangsinnung der Barbiere, Frieseure und Perrücken- macher wird am 1. April dieses Jahres in Schöneberg errichiet. Die Mehrheit der betreffenden Geiverbetreibenden hat sich für Einsührung des Beitrittszwanges ausgesprochen. Ein Budapester Possenthcater wird am 31. März in der Goltzstr. 0 eröffnet. Ueber den politischen Massenstreik referierte am Donnerstag Genosse S t r ö b e l in einer vom hiesigen Gewerkschaftstarlell ein- berufenen Versammlung. Da wir bereits früher das vom Genoffen Ströbel behandelte Thema skizziert haben, erübrigt es sich, an dieser Stelle nochmals darauf einzugehen. Die nur schwache Diskussion bewegte sich meist im Sinne des Referates. Genosse Steuermann erachtete gleichfalls eine festere Organisation und ein tieferes Eingehen auf die sozialistischen Ideen für erforderlich. Man müsse allen Situationen ge- wachsen sein, weil die herrschende Klasse alle Mittel anwendet, das Proletariat niederzuhalten. In der proletarischen Jugend- erziehung liege nach dieser Richtung eine Macht, die nicht genug ge- weckt werden könne. Zum Bericht des Kartells teilte Genosse Henkel mit, daß demselben bis jetzt 16 Gewerkschasten mit etwa 4000 Mitgliedern angeschlossen seien, trotzdem eine größere Anzahl von Branchen dem- selben noch ablehnend gegenüberstehen. Zum Obmann wurde Henkel für das laufende Jahr wiedergewählt. Rixdors. Zu de« Rixdorfer Gewerbegerichtswahle«. Genossen I Am heutigen Tage von 12 bis 2 Uhr finden für Arbeitnehmer die Wahlen zum hiesigen Gewerbegerichi statt. Diejenigen, welche sich noch nicht eine polizeiliche Legitimation besorgt haben, können dieses noch heut erledigen: die Polizeibureaus find den ganzen Tag geöffnet. Genossen, die bei der Arbeitgeber- wähl am Montag, den 26, d. Mts., von 3 bis 7 Uhr. behülflich sein wollen, werden ersucht, sich am Sonntagvormittag von 10 bis 3 Uhr im Wahlbureau bei Hoppe, Hermannstr. 49/50, zu melden. _ DaS Gewerkschaftstartcll. Die Urania-Borstellung des WahlvereinS findet nicht, loU gestern irrtümlich gemeldet, am 25., sondern am 22. April statt. Lichtenberg. Bei uns vergeht keine Sitzung der Gemeindevertretung, ohne daß sich die Vertreter deS Besitzes Borteile auf Kosten der Allgeineinheit beivilligen. DaS war auch in der letzten Sitzung so. Zu den 90000 M. Bürgerstei�regulierungSkostcn, die sich rm Laufe des Jahres unser« Grundeigentümer, auch solche, die eS früher einmal waren oder die durch Erbschaft oder„Zession" in den Besitz eines solchen„Rechtsanspruches" gekommen find— bewilligt haben, teilten sich wieder in trauter Gemeinschaft Schöffen, Geineindevertreter. Akttengeiellschaften usw. in die von der Majorität bewilligten 5297,62 M. Charakteristisch für das„einnehmende Wesen" unserer Grundbesitzer dürste die weitere Tatsache sein, daß auch für das nächste EtatSjahr 50000 M. zu gleichem Zwecke bereitgestellt sind. Wenns nicht reichen sollte— Majorität und der„Rechtstitel" sind ja da. Auch die Miiidesttaxc des Wasserverbrauches für die einzelnen Grundstücke im Orte, sowie den mit Wasser von den Lichtenberger Werken versorgten Nachbargemeinden sausschließlich Friedrichsielde. das eine andere BerechnnngSart vertraglich festgelegt hat> wurde zu- gunsten der Besitzer von 144 Kubikmeter auf 96 Kubikmeter herab- gesetzt. Nachdem noch in„geheimer" Sitzung der Ankaus eines Grundstückes für eine Umformerstatton für das Gemeinde-Elektrizi- lätswerk beschlossen war. konnten die„Bürgerlichen", wie sie sich selbst titulierten. daS„Geschäftsjahr" mit voller Zufriedenheit schließen. Die beginnende Eiatsberatnng hat zunächst das eine erfreuliche Moment gezeittgt, daß schon vor der Verhandlung die verschiedenen Jnteressengrnppen zusammentraten, um, einen Augenblick ihre gegen« satzlichen Interessen vergessend, gemeinschaftlich gegen die immer be« gehrlicher auftretenden Vertreter der dritten Wählerllasse Front machen zu können.„Für die Arbeiterbevölkerung sei bisher gesorgt worden�, nun sei eS endlich an der Zeit, auch für diejenigen, welche Mittel aufdringen, etwas zu tun. Und da sage noch einer, unsere Vertreter als Beisitzer opferten fich mcht fürs Allgemeinwohl auf. In der letzten Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlverein« sprach Genosse Düwell über den politischen Massen- streik. Die l'/z stündigen Ausführungen des Redners fanden all- gemeinen Beifall.— Al« Bezirksfiihrer wurden bestätigt für Be- zirk 5» Genosse Sühnng und für 8a Genosse Stahl.— Die Genossen, die ihre alten Mitgliedsbücher noch nicht abgegeben haben, mögen dies unverzüglich tun. Mriedena«. In der am Dienstag erstatteten die Delegierten :nden Versammlung deS WahlvereinS * Lotalkommission und der Kreis- Generalversammlung Bericht. Zu der am Dienstag, den 27. März, nachmittags von 5— 9 Uhr, stattfindenden Gemeinde wähl wird am Montag, den 26. März, eine öffentliche Wählerversammiung statt- finden. Am Sonntag früh 8 Uhr Flugblaitverbreitung. Wir er» warten� daß die Genossen-»u beiden Veranstaltungen vollzählig erscheinen. Friedrichsfelde Der Bürgrrverein hatte vor einiger Zeit, wohl auf Drängen der stark darin vertretenen Lehrer, beschlossen, eine öffentliche Versamm- lung einzuberufen, um gegen den BolkSschulgesetzenlwurf Stellung zu nehmen. Vor einigen Tagen fand nun diese„Protestdersaminlung" statt. Der Besuch derselben war äußerst mäßig und bestand fast aus- schließlich aus Lehrern. Das Referat hatte ein Lehrer Rosin aus Berlin übernommen, welcher im allgameinen ein zutreffendes Bild über die preußischen Bolksschnlzustände entwarf. Am Schluß seiner Rede machte er der Sozialdemokratie den Vorwurf, daß sie diesem Gesetzentwurf zu gleichgültig gegenüber stehe; es nütze nichts, wenn einzelne Arbeiter den Austritt aus der Landeskirche erklären. In des Diskussion ergänzte eiu Lehrer Abel noch die Ausführungen der Referenten. Genosse Pinseler wies die Vorwürfe des Referenten gegen die Sozialdemokratie zurück, da dieselbe bei jeder passende» Gelegenheit gegen das Attentat auf die Volksschule energisch protestiert habe. Er gab den Lehrern den Rat, sich doch aufzuraffen und für die Beseitigung des Religionsunterrichtes in der Schule ein- zutreten. Der Protest der Lehrer gegen die Kirche sei nicht ernst zu nehmen, so lange sich die Lehrer frerivillig zu Handlangern der Kirche herabwürdigten. So würden Montags die Schüler förmlich examiniert ob des Kirchenbcsuchs. Die letztere Bemerkung rief bei den Lehrern große Entrüstung hervor, indes vermochten sie die Fest- stellung nicht in Abrede zu stellen. Reinickendorf. Am Sonntax, den 11. März, hielt der hiesige Arbeitern-Turn- verein eine öffentliche Versammlung ab, um der Arbeiterschaft, die heute noch allzu oft ihre turnerischen Bedürfnisse in bürgerlichen Turnvereinen befriedigt, die Bestrebungen des Arbeiter-Turnvereins vor Augen zu führen. Die Versammlung wies leider einen schwachen Besuch auf. Da dem Arbeiter-Turnverein keine Turnhalle zur Ver- fügung steht, finden die Turnabende Montags und Donnerstags von 8—10 Uhr bei Franke, Eichhornstraße 18, und DienStagZ und Frei- tags bei Wolframm, Hausotterstraße 43, statt. Wilinersdors. Ueberfahren wurde gestern abend der obdachlose Arbeiter Paul Vernarb. Als gegen 8 Uhr abends der Wagen Nummer 2813 der Straßenbahnlinie 67 sWilmersdorf— Lichtenberg) die Holsteinischestraße in Wilmersdorf durchfuhr, trat vor dem Hause Nr. 14 unmittelbar vor dem Motorwagen ein Mann auf das Gleis und wurde, da es dem Wagenführer nicht möglich war, den in voller Fahrt befindlichen Kraftwagen bei der kurzen Entfernung zum Stehen zu bringen, niedergerissen und zur Seite geschleudert. Der Verunglückte, der etwa 40 jährige, obdachlose Arbeiter Paul Bernard, hatte bei dem Sturz auf das Straßenpflaster einen schweren Schädelbruch davon- getragen. B. wurde nach dem Elisabeth-Krankenhause überführt. Marienfelde. Die hiesige Gemeindevertretung befaßte sich in der am Mittwoch stattgefundenen Sitzung mit der Aufstellung des Etats. Derselbe balanciert in Einnahnie und Ausgabe mit 81 500 M. Die Gemeinde- einkommensteuer, welche bisher 140 Proz. betrug, wurde auf 125 Proz. herabgesetzt. Die Kosten des allgemeinen Bebauungs- planes, welche 11 000 M. betragen, sollen durch eine Anleihe gedeckt werden. Aur Gewerbesteuer werden 210 Proz. erhoben. Als Grundwertsteuer werden 1,50 M. von 1000 erhoben. Der gesamte Grundwert ist auf 16.6 Millionen abgeschätzt worden. Beschlossen wurde, die Kirchstraße und die sogenannte Kaiser-Allee auf Kosten der Adjazenten zu pflastern; es wird dann wohl eine größere Bau- tätigkeit im hiesigen Orte Platz greifen. Treptow-Baumschulenweg. Einen Elternabend hatte das Lehrerkollegium der ersten Gemeinde- schule dieser Tage in der Aula der neuerbauten Schule in der Bouchsstraße arrangiert. Der Abend war sehr gut besucht und die Deklamationen der Kinder fanden den verdienten Beifall. Der Herr Rektor Mansie benutzte die Gelegenheit, nicht etwa um die Be- Ziehungen zwischen Schule und Haus inniger zu gestalten, sondern um für die Schulsparkassen eine Lanze zu brechen. Bekanntlich sind die Schulfparkassen über den ganzen Kreis verbreitet und werden von hoher Stelle aus gefördert. Jedenfalls will man der wachsenden Begehrlichkeit der aufstrebenden Arbeiterklasse durch diese Einrich- tungen schon frühzeitig entgegenarbeiten. Schon der Jugend fall die Bedürfnislosigkeit eingeimpft werden, man bedenkt aber nicht, daß diese Bedürfnislosigkeit der Feind einer gesunden Volkswirtschaft ist. Es ist ganz gut der Rat gegeben, zu sparen, allein bei den geringen Einkommensverhältnisfen der großen Masse der arbeitenden Be- völkerung langt es kaum zum Notdürftigsten, und diese Zustände werden bei der heute beliebten Wirtschaftspolitik der Regierung immer schlimmer. Da bedeutet der Rat. zu sparen, nichts weiter als Hohn. Selbst die Lehrerschaft wird ja von der Notlage ergriffen und fordert überall und, wie wir meinen, mit vollem Recht Er- höhung ihrer Gehälter. Damit wird aber ein derartiger Rat geradezu ad absurdum geführt. Tegel. Die letzte Mitgliederversammlung des WahlvereinS beschloß, am 1. Mai eine Vornnttagsversammlung in Julius Klippensteins„See- schlößchen" abzuhalten und die Nachmittags- und Abendfeier in Trapps Festfälen stattfinden zu lassen.— Des weiteren wurde der Beschluß gefaßt, die Diskutierabende aufzulösen und dafür, dem Beispiel Berlins folgend, Zahlabende einzuführen, um auch hierin mit den dem Wahlverbande Grotz-Berlins angeschlossenen Vereinen einheitlich zu arbeiten.— Die„Märzzeituiig" ist in 380 Eremplareii verkauft. Hierauf gab der Vorsitzende bekannt, daß die Gemeinde- Wahlen am Dienstag, den 27. Marz, von vormittags 11 bis abends 3 Uhr, im„Alten Krug", Hauptstr. 14, stattfinden.— Der Bericht der Zeitungskommission für Monat Februar ergab eine Einnahme von 1208 46 M., Ausgabe 1190,13 M., mithin einen Ueberschuß von 18,28 M. Ober-Ichöneweide. Gemeinderatssitzung. Zur Beratung steht der Haushaltsplan. Der Voranschlag weist folgende Ziffern auf: Hauptetat 335 000 M. in Einnahme und Ausgabe. Die laufende» Schul- ausgaben betragen 208 400 M. Für den Bau ber 3. Gemeinde- schule sind außerdem als erste Rate eingestellt 100000 M. Die obligatorische Fortbildungsschule erfordert eiue Ausgabe von 5350 M. Die Gemeilideeiukomniensteuer soll mit einem Zuschlage von 130 Proz. zur Staatssteuer erhoben werden.— Beim Titel: Straßenverwaltung wurde vom Genossen Dobslaw an- geregt, die Einziehung der Standgelder des Wochenmarktes in eigene biegie zu nehmen. Da die betreffenden Verträge noch ein Jahr laufen, soll die Frage einer späteren Erörterung vor- behalten bleiben.— Ein Antrag Friesecke, die Wohnungs- geldbezüge des Gemeindevorstehers zu erhöhen, wurde von unseren Genossen bekämpft und zurückgestellt.— Beim Titel: Feuerlöschwesen wurde die Anschaffung einer Dampfspritze, Errichtung einer ständigen Feuerwache, sowie Einführung eines anderen Feuermeldewesens diskutiert, Be- fchlüsse jedoch nicht gefaßt. Beim Titel Volksbibliothet führte Genosse Grunow Beschwerde, daß auch im neuen Gemeinde- Hause hierfür noch kein Raum vorhanden sei. Beschlossen wurde. festzustellen, ob die Kellerräume des Gebäudes eine Unterbringung dort als möglich erscheinen lassen. Die Beratung der einzelnen Nebenetats wird vertagt.— Was Ober-Schöneweide nur noch bisher gefehlt,— die katholische Kirche— wird nun auch zur Tatsache. Mit dem Bau derfelben soll demnächst begonnen werden. — Krankenhaus und andere nützliche Einrichtungen fehlen allerdings noch. Am vergangenen Mittwoch tagte bei Starke eine gut besuchte Mitgliederversammlung des Wahlvereins, in welcher zunächst Genosse Stürmer einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über:„Die Interessen des Proletariats" hielt. An Stelle des Genossen Walter, der verzogen ist, wurde Genosse Förster zum Bezirksfiihrer gewählt. Ferner-wurden die Genossen Pflüger und Hcnjes als Revisoren bestimmt. Die nächste Mitgliederversammlung muß, wie Genosse Jakobsen bekannt machte, infolge der in letzter Zeit vor sich gegangenen Steigerung der Mitgliederzahl, in einem größeren Lokal stattfinden und wurde das Lokal von Höflich ausersehen. ch Teltow. Mit dem Gedanken, ein Schifferkinderheim zu gründen, trägt sich eine unter dem Protektorat der Frau Minister Budde stehende Vereinigung. Wie verlautet soll bereits ein Grundstock von 120 000 M. vorhanden sein. Die Bau-, Betriebs- und Unter- Haltungskosten des Heims sollen ein Kapital von 600 000 M. er- forderlich machen. In dem Heim werden die Schifferkinder unter- gebracht, unterrichtet und verpflegt. Sind die dazu erforderlichen Mittel nicht gleich vorhanden, so gedenkt man zunächst, nach dem Muster der Waisenhäuser, einen Flügel herzustellen und diesen für die Aufnahme von 60 Knaben einzurichten. Bei weiterem Be- dürfnis soll der entgegengesetzte Flügel, für Mädchen erforderlich, ausgebaut werden, um dann endlich bei weiterem Be- darf an die Herstellung des beide Flügel verbindenden Mittelbaues heranzugehen, so daß ungefähr für 240 Kinder Raum geschaffen wird. Das Grundstück, auf welchem das Heim errichtet werden soll, befindet sich in der Nähe der Auguststraße und ist von der Stadt Teltow geschenkt worden. Bemerkenswert ist, daß für religiöse Er- ziehung in größtmöglichster Weise Sorge getragen werh-n soll. Uns soll nun wundernehmen, auf welche Weise man das Projekt forcieren wird. Jedenfalls dürfte der Bettelsack wieder einmal eine nicht untergeordnete Rolle spielen. Spandau. Trotzdem die Tagesordnung ber letzten Stadtverordneten-Ver- sammlung am Donnerstag nicht lang war. dehnte sich die Sitzung doch bis 7 Uhr aus. Es wurden zwei wichtige Punkte verhandelt, und zivar erstens die Schließung des Vertrages mit l>er Regierung bezüglich des Haveldurchstiches und der daraus resultierenden Hafen- anlage und zweitens die Löschung der auf den Grundstücken der Grundrentengescllschaft ruhenden Lasten gegen eine Zahlung von 25 000 M. Ter Vertrag mit der Regierung, den Haveldurchstich betreffend, besagt in der Hauptsache, daß die Stadt die Durchstichsarbeiten und die Zahlung des Kaufpreises für das zu erwerbende Terrain über- nimmt. Der Durchstich muß eine Breite von 70 Metern haben und innerhalb acht Jahren fertiggestellt sein. Die Stadt verpflichtet sich, neben dem Durchstich an beiden Seiten des Ufers dicht hinter dem Bollwerk einen zwei Meter breiten Treidelweg unentgeltlich benutzen zu lassen und diesen Streifen, sobald der Fiskus seiner zu einer Verbreiterung des Strombettes bedarf, Pfand- und kostenfrei dem Wasserfiskus zu überlassen. Dahingegen zahlt der Fiskus an die Stadt eine Beihülfe von 500 000 M. und übereignet ihr den alten Havelarm nebst den daran gelegenen fiskalischen Grundstücken mit allen Rechten und Pflichten. In dieser Beziehung scheint also die Regierung nachgegeben zu haben. Seitens der sozialdemokrati- sehen Stadtverordneten-Fraktion machte Genosse Schmidt I gegen den Vorbehalt der Wiederüberlaffung des Treidelweges bei einer Havelverbreiterung Bedenken geltend. Die Magistratsvertretcr glaubten aber die Bedenken zerstreuen zu dürfen, indem sie darauf hinwiesen, daß in absehbarer Zeit eine Verbreiterung des Havel- bettes nicht vorgenommen werde. Es wurde vom Magistrats- Vertreter noch mitgeteilt, daß die betreffenden Minister zugesagt haben, im nächstjährigen preußischen Haushaltsetat noch 100 000 M. als Beihülfe für die Stadt einzustellen, so daß im ganzen 600 000 Mark Staatsbeihülfe geleistet werden. Die Versammlung stimmte schließlich nach längerer Debatte der Vorlage zu und somst ist auch dieses Millionenprojekt perfekt geworden. Bei der nächsten Vorlage, Löschung der Baubeschränkung auf den Grundstücken der Grundrentengesellschaft, handelt es sid> um folgendes: Spandau hatte der Gesellschaft seinerzeit ein größeres Terrain an der Maselecke für einen billigen Preis verkauft. Von einigen Grundbesitzern und Spekulanten, die wohl eine Konkurrenz befürchteten, wenn dort die Gesellschaft Wohnhäuser baute, war die Besthränkung in den Vertrag hineingebracht, daß auf ewige Zeiten dort nur Fabrikgrundstücke erbaut werden dürften. Durch diese Beschränkung hat nun die Grundrentengesellschaft ihr Terrain nicht verkaufen können. Sie trat an die Stadt mit dem Gesuch heran, die Beschränkung löschen zu lassen, und bot die lächerlich niedrige Summe von 3000 M. Darauf ist die Stadt selbstverständlich nickst eingegangen, zumal die Gesellschaft das Terrain für einen wahren Spottpreis gekauft hatte. Die Stadt forderte damals 50 000 M. und die Gesellschaft erklärt sick) jetzt bereit, 25 000 M. zu zahlen. Der als großer Grundstücksspekulant bekannte Malermeister Rupke wehrte sich auch heute noch mit Händen und Füßen gegen die Löschung. Er beantragte, bei der Forderung von 50 000 M. stehen zu bleiben. Seitens unserer Genossen erklärte Stadtverordneter Schmidt I, wohl in der Voraussicht, daß es nicht schaden kann, wenn den Herren Hausbesitzern, die jetzt wieder drauf und dran sind, ihre Schäfchen, nämlich die Mieter, durch die Mietsschraube zu scheren, daß seine Freunde für die Vorlage, die Löschung der Beschränkung gegen Zahlung von 25 000 M. zu gewähren, eintreten werden. Die Vorlage wurde denn auch genehmigt. Eine weitere einschneidende Vorlage ist der Vertrag mit den Sternbergschen Erben, betreffend Einziehung von alten und Er- schließung neuer Straßen auf dem Gelände der Sternbergschen Erben, am Sdstffbauerdamm und der Artilleriestraße belegen. Vor kurzer Zeit hatte nämlich die Stadt die Verbreiterung der Brücken- straße beschlossen, um eine bessere Verbindung nach dem Bahnhof zu erhalten. Es sind auch sthon die Häuser der einen Seite der Brückenstraße bis auf zwei angekauft. Die Eigentümer dieser beiden Häuser, von denen der eine der Stadtverordnete Müller ist, zeigen sich aber bockbeinig. Sie nehmen das Interesse der Stadt in der Weise wahr, daß sie ganz unerhört hohe Preise für ihre Grund- stücke fordern, die ihnen niemals bezahlt werden. Von einer Ent- eignuiig verspricht man sich auch nicht viel, und so ist man denn auf den Gedanken gekommen, diesen beiden Spandauer Bürgern ein Schnippchen zu schlagen, indem man sie ruhig in ihren Grimdstücken, die für sie so wertvoll sind, sitzen läßt und auf einem anderen Wege eine beffere Verbindung nach dem Bahnhof schafft und auf diese Weise gleich das gekaufte Hinterland als Straßenland verwerten kann. Auch die Frage der Höhenlage bei einer später zu erbauenden Eharlottenbrücke soll auf diese Weise besser gelöst sein. Auch unsere Genossen treten für diese Vorlage ein. Sie haben damals der Verbreiterung der Brückenstraße nicht zugestimmt, weil damit eine bedeutende Konzessionsverlängerung für die Straßenbahn- Gesellschaft verbunden war. Genosse Schmidt l brachte dies auch zum Ausdruck. Die anderen Punkte der Tagesordnung sind von geringerer Bedeutung und bieten keinen Anlaß zur Besprechung. Potsdam. Die Steuerznschläge für das Etatsjahr 1906 sind wie folgt festgesetzt: Gemeinde-Einkommensteuer 110 Proz., Grund- und Gebäudesteucr 160 Proz.,�die fiskalischen Grundstücke und Gebäude, für welche die Straßenreinigung nicht von der Stadt ausgeführt wird, nur 145 Proz. und Gewerbesteuer 135 Proz. Daß auch hier die wirtschaftlich Schwachen verhältnismäßig am stärksten besteuert werden, wurde selbst von dem Stadtv. Töpfer, der sonst nicht im Geruch großer Sympathie für den„kleinen Mann" steht, treffend beleuchtet. Wenn demgegenüber der Stadtrat Zwicker sich bemühte, diese Härte als gar nicht so schlimm hinzustellen, indem er ausführte, daß die zu der 3. und 4. Klaffe gehörenden kleinen und kleinsten Gewerbetreibenden nur ein Mehr von 630 M. auf- zubringen hätten, so werden sich die davon Betroffenen doch ihre Gedanken darüber machen. Sie können sich aber bei ihren „Freunden", die ja gerade mit ihrer Unterstützung in die Stadt- verordncten-Bcrsammlung gewählt worden sind, für diese„Rücksicht- nähme" bedanken...._ Die Fortschritte der politischen Organisation in unseren Bororten. Unsere Nachbargemeinden haben fast durchschnittlich ein er- frenlicheS Wachsen der Mitgliederzahl ihrer politischen Organisationen zu verzeichnen. Nicht allein, daß die Gemcindewahlen ein erhöhtes politisches Interesse erheischen, es hat auch die preußische Wahlrechts- bewegung allenthalben einen für die Organisation förderlichen Ein- druck hinterlassen. In Orten, wo früher die Arbeit immer noch aus den Schuftern einzelner lag, stehen heute bereits Organisationen da, mit denen unsere Gegner schwer zu rechnen haben. Von den größten Vororten bis zu den kleinsten Gemeindewcsen unserer Nachbarkreise ist denn auch ein unablässiges Vordriugen des sozialistischen Ge- dankens wahrzunehmen. Und diese? Vordringen des Sozialismus ist zum großen Teil das Werk der Pioniere unserer Organisationen. Wir können heute weitere Fortschritte melden. So hat der Wahl- verein von Ober-Schöneweide seit der Märzversammlung 87 Neuaufnahmen zu verzeichnen, Z e h l e n d o r f seit den letzten vier Monaten 32, Tegel 28, Treptow-Baumschulenweg 21, der Wahlverein Groß-Lichterfelde 19 und Friedenau 11 neue Mitglieder. Wir verbinden diese Veröffentlichung mit dem Wunsche, daß die Arbeit unserer Genoffen in Zukunft mit weiteren agitatorischen wie organisatorischen Erfolgen gekrönt sein möge. LerUner s�ackrickten. Hausagrarisches. Unsere Hausagrarier sind recht uneigennützige Leute, wo sie auch zusammen kommen, überall sind sie nur für das Ge- meinwohl besorgt, so sagen sie wenigstens. Und wer wollte so vermessen sein in diese Beteuerungen Zweifel zu setzen? Ein Blick auf die Verhandlungen in ihren Vereinen dürfte dies zu Evidenz beweisen. Da hat kürzlich der Preußische Landesverband städtischer Haus- und Grundbesitzer getagt und sich mit deitz verschiedensten Fragen besihäftigt. Auf diesem „Tage" teilte der Vorsitzende mit, daß„die Aufnahme des Landesverbandes als Mitglied in den Verein für Wohnungs- reform abgelehnt worden sei. Es sei stark, daß man dem Hausbesitzer nicht gestatten wolle, mitzureden, wenn über Wohnungsfragen verhandelt würde. Die Sozialdemokraten beherrschten die Ortskrankenkassen, ließen durch diese Enqueten über schlechte Wohnungen anstellen und herrschten im Wohnungskongreß. Wenn die Sozialdemofrate» allein im Reichstage säßen, dürften wir überhaupt nicht mehr mitreden. Man dürfe die Wohnungsfrage nicht mit der Frage der Armut und des Elends verquicken. Armut und Elend würde man nicht aus der Welt schaffen können, solange es noch Leute gebe, die nicht arbeiten wollten und leichtsinnig wären. Er bitte die Vereine und Hausbesitzerprcsse, in dieser Frage auf die öffentliche Meinung einzuwirken. Ebenso müffe gegen die Enqueten der Sozialdemokraten durch die O r t s kr a n ke n k a s s en vorgegangen werden. Es sei Aufgabe des Berliner Bundes, die in den Enqueten schlechtgemachten Wohnungen auf ihren Zustand zu untersuchen und wirklich schlechte Zustände auf ihre Ursachen zurückzuführen. Er bitte, ihm derartiges Material zuzusenden. Herr Oertel-Breslau wies an der Hand von Beispielen nach, daß die Denkschrift der Ortskrankenkassen unrichtige Angaben enthalte". Also gegen die Ortskrankenkassen, die über die Wohnungs- Verhältnisse Enqueten veranstalten, soll vorgegangen werden. Warum? Wenn die Wohnungen wirklich- nichts zu wünschen Übrig lassen, so läge dock) zu einem Vorgehen keine Ver- anlassung vor. Aber man scheint zu fürchten, daß die Bloß- legung der Wohnungsmisere zu Maßnahmen auf dem Gebiete des Wohnungswesens führen könnte. Diese Befürchtung ist unseres Eraästens nach dem bisherigen Verhalten der gesetz- gebenden Körperschaften eine gänzlich unbegriindete. Den Hausbesitzern, die überall„gute Freunde" haben, wird so leicht nicht wehe getan. Handelte es sich um Maßnahmen gegen Arbeiter, so wäre die Sache anders. Ein anderer Redner auf diesem„Tage" hatte die Gründung einer Wasserleitungsschädenversicherung empfohlen und als Muster auf die Feuerversicherung der Buchdrucker hingewiesen. Ein Herr Magistratssekretär Wege vom Verein Frankfurter Torbezirk begrüßte die Anregungen des Vorsitzenden. den er mit Bismarck und M o l t k e verglich. Er stellte den Grundsatz auf:„Der Hausbesitzer dem Hausbesitzerl"— Und der Mann ist Magistratssekretär I Wie im großen die Hausbesitzer für das Allgemeinwohl sich opfern, so ist es auch im kleinen in den einzelnen Haus- besitzervereinen und vor allem in den Berliner Vereinen. Vor allen Dingen widmen diese Vereine den kommunalen Verhältnissen ihre größte Aufmerksamkeit, wobei sie sich— das ist ganz natürlich— der Protektion der Stadtverordneten in hohem Maße erfreuen. Dafür nur einige Beispiele. Da hält der Grundbesitzerverein„Nord-Wcst" seine Märzversammlung ab. Anwesend ist außer dem Stadtverordneten Dinse, der das Referat hält, auch der„König von Moabit", Herr Stadtverordneter Gericke. Herr Dinse bezeichnet die ihm zu teil gewordene Einladung als besondere Ehre. Er sei ihr auch gern gefolgt, zumal er das Bedürfnis empfunden habe, für seine Wiederwahl als Stadtverordneter zu danken. Im Grundbesitzerverein der Königstadt und der angrenzenden Stadtteile referierte der Stadtverordnete F ä h n d r i ch in der Märzversammlung. Eine Resolution gegen die Wertzuwachssteuer wurde angenommen. Schließlich machte Herr Bäckermeister Sturm auf„einen bevorstehenden Bäckerstreik aufmerksam und auf die Absicht der Gesellen, bei dieser Gelegenheit sozialdemokratische Genossenschaftsbäckercicn zu errichten. Er wies auf die Gefahren für den Hausbesitzer hin. wenn der kleine Bäckereibetricb auf diese Weise ruiniert würde und an seine Stelle der Großbetrieb trete. Herr- Sturm überraschte mit dieser Mitteilung so ziemlich alle Ver- ümmelten, er wurde gebeten, das bezügliche Material dem Vorstande zu überniitteln, damit eventuell weitere Schritte in dieser Hinsicht getan werden könnten". Im Hausbesitzerverein„Süden" machte der Vorsitzende auf die von der Schöneberger Stadtverordneten-Versammlung in Aussicht genomniene gänzliche Beseitigung des Straßenhandels aufmerksam. Es wäre zu wünschen, daß auch Berlin sich endlich zu einem gleichen Entschluß auf- raffen möge im Interesse seiner steuerzahlenden Bürger. Veiter zog der Vorsitzende das ablehnende Votum der Stadt- verordneten-Versammlung auf die Vorlage des Magistrats wegen Erhöhung der Verpflegungssätze in Berliner städtischen Krankenhäusern für auswärtige Kranke in den Kreis seiner Betrachtungen und bedauerte lebhast die ablehnende Haltung der Stadtverordneten gegen diesen durchaus gerecht- fertigten Antrag des Magistrats. Der Vorsitzende verlas im Anschluß daran die Namen der Stadtverordneten, die für und die Namen derjenigen, die gegen den Antrag gestimmt haben. Dieser Versammlung wohnte als Gast der Stadtverordnete L i e b e n o w bei. Man könnte eine lange Liste anlegen, allein diese Proben mögen für heute genügen, um zu zeigen, welche reaktionäre Bestrebungen in den Haus- und Grund- besitzervcreinen ihre Stätte haben und weiter, wie das Haus- agrariertum im Roten Hause dominiert und seinen Verderb- lichen Einfluß überall geltend macht. Für diele Klasse existiert nur die eine Frage: Wie ist es möglich, uns auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern? Und das brüstet sich denn damit, daß immer sie es seien, die fürs Gemeimvohl eintreten. Eine größere Heuchelei ist kaum denkbar I Automobilunfälle. Ein Zusammenstoß zwischen einer Hof- equipage und einem Automobil erfolgte gestern abend in der Hoi- jäger-Allee im Tiergarten. Die Equipage, in der sich zwei Hof- damen der Kaiserin befanden, fuhr in der Richtung nach dem Großen Stern zu und kurz vor der Charlottenburger Chaustee fuhr ein Automobil in den Wagen hinein. Der Zusammenstoß er- folgte mit so heftiger Gewalt, daß eines der Pferde schwer verletzt und der Hofwagen stark beschädigt wurde. Die beiden Insassen kamen mit dem Schreck davon. Der beschädigte Wagen mußte außer Betrieb gesetzt werden. An der Ecke der Königgrätzer- und Hedemannstraße fand ein Zusammenstoß zwischen einer Taxamcterdroschke und einem Automobil statt, wobei zwei Personen verletzt wurden. Die Automobil- droschke Nr. 4244 fuhr in ziemlich scharfem Tempo vom Anhalter Bahnhof kommend in die Hedemannstraße ein und karambolierte mit einer entgegenkommenden Droschke, in der sich drei Fahrgäste befanden. Zwei der letzteren wurden aus dem Wagen heraus- geschleudert und einer der beiden hatte noch das Unglück, von dem Automobil über die Füße gefahren zu werden. Ein Opfer des gestrigen Unwetters wurde der in der Oder- bergerstraße 3 wohnende Kaufmann Wilhelm Jakob, als er. gegen Uhr abends in der Schönhauser Allee an der Oderbergerstraßc den Fahrdamm überschreiten wollte. I. hatte zum Schutze gegen das Schneetreiben den Schirm aufgespannt, den er so vor sich hielt, daß ihm hierdurch der freie Ausblick genommen wurde. Gegen den starken Wind ankämpfend, lief Jakob mit dem aufgespannten Regenschirm gegen die Seitenwand der Vorderplattform eines die Schönhauser Allee entlang fahrenden Straßenbahnwagens der Linie 47 E und wurde zu Boden gerissen. Der Kaufmann erlitt eine schwere Kopfverletzung und mußte nach dem Lazarus-Krankcn- hause übergeführt werden. Schwer verunglückt istjam Freitagabend der Genosse Wo.ldt, als er von der juristischen Sprechstunde des„Vorwärts" nach Hause gehen wollte. Infolge des schlüpfrigen Wetters glitt er unterwegs aus und fiel mit dem Kopf so unglücklich auf die Bordschwelle des Bürgersteiges, daß der Arzt gestern morgen einen Schädelbruch kcnstatierte und seine Ucberführung in das Krankenhaus Moabit au- ordnete. Die Äerzte halten den Zustand Woldts für bedenklich. Hoffen wir, daß es dem Bemühen der Aerzte gelingt, unseren Gr- nassen wieder herzustellen. Der Brand in der Weberstraste 52 beschäftigt jetzt die Kriminal- Polizei. Der total, fast bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Arbeiter Hermann Karl wurde von der Feuerwehr früh morgens um 7 Uhr in einer Lage vorgefunden, die viele eigenartige Vermutungn zu- läßt. Der Körper des Toten lehnte in gebeugter Stellung mit dem Rücken an der Wand der Werkstatt. Das Fleisch des Rückens war vollständig verkohlt, der Schulterknochen entblößt vom Fleisch, das Gesicht verbrannt, die Schädeldecke zertrümmert und die Klcidungs- stucke in Asche verwandelt. Unter der Leiche war der Fußboden mit der Balkenlage und der Schaldecke angebrannt. Der Raum war vollständig verqualmt. Der dichte undurchdringliche Rauch hatte es verhindert, daß die Flammen aus Mangel an Luft und Zug eine größere Ausdehnung erlangten. Sie schwelten nur noch und konnten schnell gelöscht werden. Wahrscheinlich ist der Brand schon Donnerstag abend ausgekommen und es wären von der Leiche nur einige Knochenrcste übrig geblieben, wenn die Flammen Lust gehabt hätten. Da ein Selbstmord nicht angenommen wird, so kann nur ein noch nicht aufgeklärter Unglückfall oder ein furchtbares Verbrechen vorliegen. Die Polizei hat die Leiche beschlagnahmt. Die eingeleitete Untersuchung dürfte das Dunkel bald lichten. Ein schweres Bauunglück hat sich gestern nachmittag in Tempelhof ereignet. Der vom Maurer- meister Baun, garten in der Moltkestratze aufgeführte Neubau war ziemlich zur Rohbauabnahme fertig. Ein Schornsteinfegermeister war mit zwei Gesellen damit beschäftigt, die Rohre der Schornsteine in Ordnung zu bringen. Als die drei Personen auf dem zum Boden führenden Podest standen, um zur Vesper zu gehen, brach plötzlich dieser Podest durch, durchschlug die übrigen Podeste bis zum Keller und riß zwei Leute mit sich in die Tiefe. Auf das Gepolter hin eilten die Maurer des Nachbarbaues hinzu, um die Verunglückten zu besteien und brachten dann dieselben in das in der Nähe befind- liche Garnisonlazarett, wo die Aerzte schwere innere und äußere Verletzungen konstatierten. Der Name des verletzten Meisters ist Bumbke, der deS Gehülfen ist nicht bekannt. Der dritte mit auf dem Unglückspodest Befindliche konnte sich noch schnell irgendwo festhalten, bis er von den hülfsbereiten Arbeitern befreit wurde. Wen die Schuld an diesem Unglück trifft, mutz erst noch genau festgestellt werden._ Bon einem gewaltigen Brande wurde die Elektrizitäts-Aktien- gescllschaft„Union" in der Huttcnstraße 42— 16 in Moabit heimgesucht. Kurz nach 1 Uhr wurde die Berliner Feuerwehr mehr- mals alarmiert. Als der 15. Löschzug an der Brandstätte erschien, stand ein großer Säureschuppen schon vollständig in Flammen. Kurz darauf erschien auch der 16. Löschzug. Zunächst wurde mit zwei Rohren stärksten Kalibers von zwei Tampfspritzcn gegen das entfesselte Element vorgegangen. Als dann der 12., 13. und 14. Zug erschien, beteiligten sich diese ebenfalls wacker an der Löschung. Trotzdem war es nicht möglich, den großen Säure- schuppen mit seinen großen jßorrätei, zu retten. Während der Löschung herrschte ein starkes Schneetreiben, wodurch die Löschungs- arbeiten erschwert und mehrere Male die Flammen von neuem angefacht wurden. Die Säuren verbreiteten giftige Dämpfe, wo- durch aber die Mannschaften nicht abgehalten wurden, wacker vor- zugchen. Erst nach mehrstündiger Tätigkeit war die Gewalt des FeuerS gebrock>en. Gegen 6 Uhr konnten die erschöpften vollständig durchnäßten Mannschaften wieder abrücken. Die Aufräumungs- arbeiten werden noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Der Scheden ist bedeutend, soll aber durch Versicherungen gedeckt sein. Eine Betriebsstörung soll nicht eintreten. Ueber die Entstehung des Brandes konnte nichts Genaues ermittelt werden. Gleichzeitig hatte die Feuerwehr in der Neuen Grünstraße 18 zu tun. wo Pack- maicrialien, Regale u. a. in Flammen standen. Zwei Wohnungs- brande beschäftigten die Wehr in der letzten Nacht in der Birken- str-ße lg und Fruchtstraße 59. Ein Kellerbrand mutzte in der Wcnerstraße 31 gelöscht werden. Müll u. a. brannten in der Rmnntenerstraße 18 und in der Koppcnstraße 81 ein Schornstein. Außerdem wurde die Feuerwehr noch nach der Zimmcrstraße 88, Arangelstraße 76 und anderen Stellen gerufen. Achtung! Krankenkaffcnmitglicdcr! Die Zentralko», Mission der Krankenkassen Berlins und der Vor- 00 Pid. Hechte 73—86, Schleie 00—00; Aale, groß 122, mittel 98—102; Plötzen 45—62. Plötze» in Eis, große 35—40, kleine 00-00, Kgrpse» 00—00, Rheinlachs 500,00, Seelachs 24—26 M. pr. 100 Psd. ischoUiichc Vollheringc(gesalzen) 40—44 M. Eier, Schock 3,30—3,50. Butter pro 100 Psnnd la 122—123, IIa 118-121, lila 116—118, absallcnde 110—115 Kartoffeln pr. 100 Psd. rote Dabcrschc 2,00—2,20, magn. bon. 2,10—2,35, runde Weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl pr. Schock O.VO-OO.OO. Weißkohl pr. 100 Psd. 3.75—4,00. Rolkohl pr. Schock 00-00, Holl. 16—24 M. Saure Gurken, Schock 2,00 M., Pscffcrgnrken 2,00 M. «»aiserstand am 23. März. Elbe bei Anifig-j- 3,13 Meter, bei Dresden 4-1,69 Meter, bei Magdeburg+ 4,20 Meter.— Uli st ml bei Strnnßinrt-f 2,76 Meter.— Oder bei Ratibor-f 2,60 Meter, bei Biestail Oberpegel-p 5,18 Meter, bei Breslau Niiterpegel— 0,54 Meter, bei Franlsurt-)- 2,64 Meter.— Weichsel bei Brahcniünde 4- 5,08 Meter.— Warthe bei Posen 4- 1,72 Meter.— Netze bei Usch- Meter._ Brfefhartcti der Redaktion. Landtag. Qnod non est in actis, non est in mundo: Was nicht in den Akten— ist nicht in der Welt.(Brömel, 50. Sitzung.)— F. K. Nein. Man hat sich einen schlechten Scherz mit der.Desinsektion" und „Verbrennung" gemacht— Prinz Albrechtstrahe. Okambre introuvablo: Vergleich des preußischen Abgeordnetenhauses vom Jahre 1906 mit der royalistischen Kammer Ludwig XVIII. vom Rcstaurationsjahre 1815.— P. D. 1- Nein. 2. Ja.-- 1010. N. Kuriosa, wunderliche bczichungs- weise schcnswertc Dinge.— N. M. 1. Cumulns- oder Haiisenwolkcn be» zeichnet die Hauptart der Wolken. 2. Cirrus- oder Fedcrivolkcn: Bczclch- innig sür die leichten Wotkcngcbilde in'bedeutenden Höhen. 3. Regenwolken find verdichtete Hausen wölke».— Pt. 101. 1. Elektrisch, g. Nein. 3, Tokio. Brfefftaftett der Redabtfon« �furirtlfch«* Cell. Sil jurlftische spec>dft»nl>c findet tiinlich ml« SlnSiiadmi de?«-nnadend» bo»?>/, bis»>/, Nbr nbeud»»ntt.(»eöifiie»-? Nbr. Äeder Anfrage ist ei» Buchstabe n»d eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. E. P. Kl. Nein: die Ehe zwischen Verschwägerten in gerader Linie ist verboten. Danach ist eine Ehe zwischen Stiefvater und Stieftochter, Stief- mutier und Stiessohn unzulässig.— H. D. Luckenwalde. Kosten werden für das Verwaltungsstreiiversabrcn erhoben. Das Gericht setzt die Höhe dcS Objekts seft. Nach dieser richtet sich die Höhe der Kosten.— Negrest- anspruch. Leider liegt Verjährung vor.— W. R. 3. Der Strasantrag kann zurückgenommen werden. Die Zurücknahme führt jedoch nicht zu einer Einstellung des VersahrenS soweit die Vergehen aus ß 223a des Strafgesetzbuches(gefährliche Körperverletzung) angenommen wird. Madaistr. II. Dnrlehnssorderungcn verjähren in 30 Jahren.— K. S. 27. Die Forderung der Frau ist berechtigt.— H. R. 15. 1. Rem. 2. Ein Viertel.— Choc 13. Geburtsurkunde und Militärpapicre.— >». M. 85. 1. Nicht den Handlungsgchülsen, wohl aber Werkmeistern und GeHülsen kann das Krankengeld abgezogen werden. 2. Ist über Mietszeit und Kündigung nichts vereinbart, so muh bei vierteljährlicher Mietszms. zahlung bis am 3. des Quartals zum Quartalsschluß gekündigt werden.— Schuster. In 30 Jahren.— A. Z. l. Ihr Schwager ist im Unrecht. 2 Ersatz der Alimente kann nicht begehrt werden. 3. Sie können beim Amtsgericht SrdauSsinandersehung beantragen eventuell Nagen.— R.®. 6t. 1. Klagen Sie auf Aushebung des Vertrages und Schadenersatz. 2. Der Adreßkalender gibt Ihnen Auskunft. Nr. 27 bis 47 der Lohmühlen- straße gehören zu Rixdorf, der übrige Teil zu Treptow.— F. D. Nein. — B. W. 8. 1. Klagen Sie dann auf Jnnehaltung deS Vertvages und Schadenersatz. 2. Wenn der Vertrag nicht? anderes besagt: nein. 3. Der Vertrag entscheidet.— A. T. 31. Der Lehrvertrag entscheidet. Ist kein schriftlicher Vertrag geschlossen, so kann jeder Teil das Lehrverhältnis lösen, ohne daß dem anderen Schadenersatz zusteht.-- O. L. 18. Sind Sie volljährig s2l Jahre), so sind Sie an den Vertrag gebunden, sonst nicht.— I.D.. Ghartotlenburg. Die Armenbehörde führt nicht Prozesse für Dritte. Sie müssen den Sachverhalt darlegen.— E. D. 100v. Das ist möglich. Sie können einwenden, daß die Kosten des ersten Prozeffcs»och nicht ersetzt sind und Entziehung des ZinnenrechieS mit Erfolg beantragen, wenn der Fall so liegt wie Sie ihn schildern.— C. T-, Ackerstr. 1. Ja. 2. In vier Jahren. 3. Nein.— A. V. 26. 1. Ist verjährt. 2. Schließen Sie einen notariellen oder gerichtlichen Vertrag nach Art des Beispiels, daS S. 222 des dem.Arbeiterrocht- beigefügten Führers steht. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus— Wt. 40., Weiffensee. Nein. — R. K. Wenn Sie daS Arbeitsverhältnis nachweisen: ja.— Reichen. bergerstraffe. 1. Nein. 2. Wenn er zahlt(nicht schon wenn er zahlen will), nein. 3. Einige Tage.— Genosse Will. Ist nicht ausdrücklich vereinbart, daß die alte Bestimmung aujhören solle, so würde daS Gericht voiausfichtlich ihre Fortdauer trotz des neuen Vertrages annehmen. F. G. 100. Lebenslängliche ZuchkhauSstrafe gibt es zum Beispiel in den Fällen der M 81, 87, SS. 90, 94, 178, 214, 215, 220, 229. 251, 307, 312, 315, 322 biS 324 de, Strafgesetzbuchs. Dies Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus.— W. M. 907. Nein. — A. Z. 100. Die juristische Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen. Im Brieskaften sofort zu antworten, ist in der Regel schon aus technischen Gründen unmöglich. Bevor Sie die Behauptung ausstellen, Ihre Frage sei unbeantwortet geblieben, sollten Sie den Brieskasten durchsehen. Ihre am 17. hier eingegangene Frage ist im.Vorwärts- am 20. d. M. beantwortet. — 91. D- 50. 1 und 2. Nein.— Hctsch. Ja.— H. S. 15, Sie können Bei der Steuerdeputation Stundung beantragen. Erfolgt diese nicht, so müssen Sie zahlen.— F. iZ. 22. Veteranen, die erwerbsunfähig find, haben einen Anspruch aus 10 M. monatliche llnterstützimg. Antrag ist in Berlin an den Polizeipräsidenten, aus dem Lande an den Landrat zu richten. — Graf 1888. Die Eheverbote finden Sie S. 55—57 des dem„Arbeiter- recht- beigefügten Führers. DaS Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus.— I. B. Ät. Der verstorbene Bruder wird von seinen Eltern be» erbt. Lebt nur noch ein Sllernteil, so treten an die Stelle des anderen die Geschwister des Verstorbenen.— O. Z. 100. Die Schwiegermutter dürste in dieser Stellung nicht versicherungspflichtig sein. Sie kann Enlicheidung bei der Kreishauptmannschast nachiuchen.— A B. 33 077. Ein in erster Instanz vom Landgericht in ewer Zivilsache ergangenes Urteil wird rechtskräftig, wenn innerhalb eines Monats nach der gustellung Berufung nicht eingelegt ist.— 91uSwartS. Rein. i Otto Schräder Uhrmaohex Friearichsberg— Berlin O. Frankfurter Chaussee No. 8 am Bahnhof Fraukftarter Allee empfiehlt sein großes Lager in Uhren, Gold-, Silber- und �Ufenide- Waren. sosv Eigene Werkstatt für Keparatnren and lienarbeit. Fernsprecher; Amt Friedrichsberg, No. 191. MgMMMg amaI«ahm Meinen Freunden u. Bekannten zur Nachricht, daß ich hierfelbst, Mersevurgerstr. 5, ein �icfswvngvscliatt übernommen habe. Ich führe nur Kigarren und Zigaretten bester Qualität sowie alle Sorten Ranch-, Kau- und Schnupftabak in verschiedensten Preislagen. 704b Ich bitte bei Bedarf um geneigten Zuspruch. Sernkard Spittd, Spandau! Konsum-Verein „Merkur" (E. G. m. b. H. Mittwoch, den S8. 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