Kr. 7S. RtanntmentS'Bedlmuiwn: asonnemmt«> Preis prinumeranSa: Wierteljihrl. SM) MI, monaU. l.io Ml, wöchentlich Einzeln« Sil 28»ffl. WS aus. nummer mit illustrierier Sonntags- Beilage»Die ßicue Welt" 10 Pia. Post- Abonnement: MO Marl pro Monat. Eingetragen w die Post- Zeitung?- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutichland Und Oesterreich- Ungarn st Mail, für das übrige Ausland l) Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, PumSnten, kchioeden und die Schwei». Crtchelat tlglltk»Bcr Rlcntagi. S3. Jahrs. Berliner Volksblnkk. vle InsttNoni'SeW»» betrögt für die sechSgespoltene KolonK- geile oder deren Raum w Pfg. für politilche und gewerkichastliche PereinS- und VeriammlungS-Anzeigen 30 Pf» „Atetne Snreig-n", das erste tsett- gedrulkle) Wort 20 Pfg., jede» weiter- Wort lO Pfg. Siellengeluche und Schlaf- slellen-Sln, eigen da« erste«ort lOPs», jede« weitere Wort S Pf» Worte über lö Buchstaben zählen für zwei«orte, Inserate für die nächste Stummer müssen bi« P Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bt» 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adreffe: „SMiiliKBrtrat Bwili". Zentralorgan der foztaldemohrati feben parte! Deutfchlande. Redaktion: SM. 68, Llndcnetrasa« 69. Zhernsprechrr: Slmt IT. Nr. 1083. Vorwärts! Vorwärts g?ht eS auf allen Gebieten der Arbeiter- bewcgnngl Vorwärts mit den politischen und gewerkschaft- lichen Organisationen, vorwärts auch mit der Leserzahl der Parteipresse. Der Berliner Genossen eifrigstes Bemühen muß eS sein, vorwärts zu bringen ihren „Vorwärts". Ouartalsende steht vor der Tür, die beste Zeit zum Werben für den „Vorwärts" ist da. Nützt dte Zeit, Genossen! WaS Ihr für den „Vorwärts" tut, daS tut Ihr für Euch l Jeder neue dauernde Leser des „Vorwärts" bedeutet einen bewußten und bewehrten Kämpfer mehr im proletarischen Heer, bedeutet einen Verlust für dte herrschende Klasse, für Eure Widersacher. Vermehrte Abonnentenzahl des „Vorwärts" ist Verstärkung aller proletarischen Aktionen, ist stärkere Zu- sammenfassung der Arbeitermassen tm Wahlrechtskampf, im Gewerkschaftskampf, der in der Slera des Hungertarifes. der künstlichen Teuerung mit wachsender Kraft ein- setzen muß. Aufklärung über dte Ursachen der beginnenden Lebensmittelverteuerung bringt der „Vorwärts" den F r a u e n! Kampfbegetsterung, Kampfentschlossenheit soll der „Vorwärts" /vecken, Erkenntnis. Klassenbewußtsein verbreiten. Wissen der- Mitteln, Unterhaltendes bringen. Proletarier Berlins, agitiert für Euer Blatt, für den „Vorwärts"! Vom Neichsversicherungsamt. Der dem Reichstage vorgelegte„Geschäftsbericht des Reichs- txlrsicherungsamts für das Jahr ISVd" ergibt, daß dieses für die Arbeiterschaft so wichtige ReichSamt auf dem Gebiete der Unsall- und der Invalidenversicherung eine recht umfangreiche Tätigkeit entfaltet hat. Hierzu trägt vornehmlich die Zunahme der Betriebsunfälle bei. Air haben kürzlich mitgeteilt, daß im Jahr« 1gl>4 bei der Unfall. Versicherung 683 S06 Unfälle angemeldet und für 137 678 Unfälle zum ersten Male Entschädigungen gezahlt worden seien. Im Jahre z»»5 sind die Zahlen nach einer vorläufigen Ermittelung des Reichs- vcrsicherungSamtS auf 669 624 für die angemeldeten Unfälle und auf 1-11 277 für die zum ersten Male entschädigten Unfälle ge- st i e g e n, und zwar wurden im Jahre 196S Entschädigungen gezahlt oder angewiesen an: 812 817 Verletzte........ gegen 768 892 im Vorjahre 69 698 Witwen Getöteter.....„ 65 503,„ 100 663 Kinder und Enkel Getöteter-„ 97 246„„ 8 805 Eltern Getöteter...... 8 647,, Außerdem erhielten im Jahre IVOS die gesetzliche Unterstübuna als Angehörige von Verletzten, die in Heilanstalten unteraebräM waren: 14 600 Ehefrauen... gegen 14 587 im Vorjahre 33 015 Kinder und Enkel„ 82 342, 275 Eltern....„ 287, Mithin wurden im Jahre 1Ö06 im ganzen an 1 034 773 Per- soiien Unfallentschädigungen ausgezahlt gegen 972 004 tm Vor- jähre. Die Gesamtsumme der Entschädigungen belief fich im Jahre 1905 auf 136 206 112 Mk.- 131,63 M. durchschnittlich für jede cutschädigte Person, gegen 126 763 163 M._ 130,42 M. durchschnittlich für jede entschädigte Person im Jahre 1904. Diese Durchschnittsberechnung fehlt freilich im Bericht. Dafür begnügt sich der Berichterstatter nicht mit der großen Gesamtentschädigungs- summe vom letzten Jahre, sondern er stellt die Entschädigungs- summen Jahr für Jahr von 1880 bis 1905 zusammen. Bei den Unfallzisfern dagegen fehlt dieje Vollständigteit; lediglich die Zahlen auS dem Berichtsjahre sind angeführt. So werden die EntschKdi- gungen möglichst hervorgehoben, über die Un-Masse von Jammer unb Etenö dagegen, für welche die Entschädigungen gezahlt worden find, wird schnell hinweggegangen. Mit der Unfallverhütung hatte daS Reichsversicherung samt namentlich insoweit zu tun, als es für mehrere Berufs- genossetischaften neue UnfallverHiHungsvorschristen prüfen und ge- „ehmigen mußte.—..Erfahtungsmäßig," so heißt es dann in dem Bericht weiter,„beeinflußt der AkloholismiiS die Unfallhäufigkeit iu ungünstiger Weise. Di« UtifallsoIaeN heilen bei denjenigen Perfonen, welche durch Alkoholmißbrauch in ihrer Wiberstandssähig- keit geschwächt und an den körperlich und geistig schädigenden Wirkungen des Alkohols erkrankt find, schwerer und entwickeln sich ungünstiger als bei Gesunden. DaS Reichsversicherungsamt hat daher eine Zusammenstellung der Bestimmungen der Unfallver- hütungsvorschriftcu, die sich auf das Verbot der Beschäftigung be> trunkener Arbeiter, den Genuß geistiger Getränke usw. beziehen, im Reichs-Arbeitsblatte veröffentlicht. Bei dieser Gelegenheit teilt daS Neichsversicherungsamt auch mit, baß die Anregung bei der Brauerei- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft, auf die Gewährung von Freibier in Brauereibetrieben beschränkend einzuwirken� zu einem Erfolge noch nicht geführt hat." Die Hauptsach« aber für die Unfallverhütung ist selbstverständlich eine genügende Kontrolle der Betriebe. Nach dem Bericht hat im letzten Jahre die Anstellung von technischen Aufsichtsbeamten der Berufsgenossenschaften zur Ueberwachung der versicherten Betriebe weiteren Fortgang genommen- Von den 66 gewerblichen Berufs genossenschaften hatten am Schluffe deS Berichtsjahres 60 Berufs ge Nossen schaften(gegen 69 im Vorjahr«) 268 technische Aufsichts- beamtr(260 im Vorjahre) angestellt. Von denselben waren 11 bei zwei oder mehreren Bcrufsgenossenschaften tätig. Daß aber auch die jetzige Zahl von Aufsichtsbeamten noch durchaus ungenügend ist, ergibt sich aus den Jahresberichten dieser Beamten selbst Denn nach denselben wurden von den 638 673 Betrieben derjenigen 68 BerusSgenojsenschasten, welche dem Reichsversicherungsamt die Jahresberichte der Aufsichtsbeamten zugestellt haben, nur 121 640 Betriebe— 23,5 Proz. einer Betriebsrevision unterzogen. Also mehr als% aller dieser Betriebe wurden im letzten Jahre nicht be- sichtigt. Eine nett« Aufsicht I Unter diesen Umständen ist«S geradezu unverantwortlich, daß daS Reichsversicherungsamt fast alle tech nifchen Aufsichtsbeamtrn, nämlich 200, gleichzeitig als Rcchnungs- beamte zugelassen hat. Zunächst sollt« das Reichsversicherungsamt die BerufSgenossenschasten dazu bringen, daß sie so viel« Aussicht� beamte einstellen, wie zu einer ernsthaften Kontrolle aller ver- ficherungSpflichtigen Betriebe notwendig find. Erst wenn dieses Ziel erreicht ist, sollte das Reichsversicherungsamt seine Genehmigung dazu erteilen, daß die Beamten auch als Rechnungsbeamte tätig sind, soweit st« dte» tun können, ohne daß darunter die technische Kontrolle der Betriebe leidet. Bei den landwirtschaftlichen Berufsgenossen- schaften steht«S trotz der großen Zahl von Unfällen in den landwirtschaftlichen Betrieben mit der Unfallverhütung noch viel schlechter als bei den gewerblichen BerufSgenossenschasten. Das ReichSversicherungsamt kann nur berichten, daß es sich im Berichts- jähre in erheblichem Umfang« mit den von den land- und forst- wirtschaftlichen BerufSgenossenschasten zur Genehmigung oder zur Borprüfung«ingereichten Entwürfen von Unsallverhütungsvor- schriften beschäftigt habe. Ueber die Maßnahmen zur Durchführung derartiger Vorschriften in den landwirtschaftlichen Betrieben schweigt sich der Bericht deS MeichsversicherungSamts vorsichtig auS. Im Jahre 1904 hatten von den 48 landwirtschaftlichen Berufs genossenschaften nur— sage und schreibe— 5 sich den LuxuS er- laubt, technische Aufsichtsbeamte, zusammen 11 Mann, zu be- schäftigen. Hierin scheint auch im letzten Jahr« eine Besserung nicht eingetreten zu sein. Ueber die Ausführung deSSee-Unfallversicherungs- gesetz e s teilt der Bericht unter anderem folgendes mit: Während bei den übrigen Berufsgenossenschaften die Durchführung von Maß- nahmen zur Unfallverhütung neben den technischen Aufsichtsbeamten auch von den staatlich angestellten gewerblichen Aussichtsbeamten überwacht wird, fällt diese zweite Aufsicht, abgesehen von bestimmten Schiffsgattungen, wie beispielsweise die Auswandererschiffe, für Seeschiffe fort. Daher erschien es dem Reichsversicherungsamte wünschenswert, ein« Einsicht in die Tätigkeit der technischen Aus- sichtsbeamten der Sce-Berufsgenossenschaft zu gewinnen. Dem- gemäß wurde der zuständige Referent mit der Bereisung der wichtigsten deutschen Hafenplätze beauftragt. Diese Inspektion-? und Revisionsreisen dürften, so hofft der Berichterstatter, ein klares Bild darüber gewinnen lassen, ob und inwieweit die Aufficht zur Durchführung der UnfallverhütungSvorschriften der See-Beruf»- genossenschaft noch einer weiteren Ausgestaltung bedarf. Auf dem Gebiete der Rechtsprechung deS Reich»- verficherungSamtes waren auch im letztet, Jahre zahlreich« Fragen von grundsätzlicher Bedeutung zu entscheiden. Gegen mehrere dieser Entscheidungen mußt« dte Arbeiterpresse Stellung nehmen, da sie dem sozialpolitischen Charakter der Arbeiterversicherung nicht ent- sprechen. AuS der Statistik der Rechtsprechung in Unfall- Versicherungssachen ist hervorzuheben: ES wurden im Jahre 1905 von den Versicherungsträgern 395 663 berufungsfähige Bescheide erlassen, gegen 375 696 im Vorjahre. Dt« Gesamtzahl der an- hängig gemachten Streitsachen bei den Schiedsgerichten für Arbeiter- Versicherung stellt stch auf 82 800 gegen 76 189 im Borjahre. Und zwar 68 742 Berufungen, gegen 65 197, und 13 648 Anträge auf anderweitige Feststellung der Entschädigung infolge Veränderung der Verhältnisse, gegen 10 992 im Vorjahre. Di« Zunahm« der Be- rufnngen beträgt 6.44 Proz., dte der Anträge 24,16 Pro». Die letzteren weisen also eine sehr starke Zunahme auf. Die Berufs- genossenschaften arbeiten mit einem schier unendlichen Eifer daran, die Renlen möglichst bald herabzusetzen oder ganz aufzuheben. 41 041 BeweiSaufnahrnen haben stattgefunden, darunter 37 103 Beweis«! durch ärztlich« Gutachten, 52? Beweisaufnahmen außer- halb der Gerichtsstellc(Lokaltermine).— Mit den Beisitzeru der Schiedsgerichte sind nach den Mitteilungen der Vorsitzenden dieser Gerichte durchlveg günstige Erfahrungen gemacht worden.— Von der Bestimmung, daß den Parteien die Kosten des Versahrens, die durch Mutwillen usw. veranlaßt worden sind, auferlegt werden Icrtft«n, ist nur in vereinzelten Fällen Gebtauch gemacht worden- Expedition: 68» I-indenstrass« 69» Fcrnsvrecher: Amt IT. Nr. 1084. Bei dem Reichsvcrsicherungsamt wurden 17 422 Rekurse«I» häng ig gemacht, gegen 16 473 im Vorjahre, also eine Zunahme um 6,76 Proz. Die Rckurshäufigkeit, berechnet auf 100 rekursfähige. der Zuständigkeit des Reichsversicherungsamtes unterliegende Schiedsgerichtsurteil«, ist von 31,21 im Jahre 1991 ständig bis auf 27,92 im Jahre 1905 zurückgegangen. Von den Re- kursen wurden 28,2 Proz., gegen 29,1 Proz. im Vorjahre, völlig oder teilweise in der Rekursinstanz abgeändert, und zwar bei den Rekursen der Versicherten 20,7 Proz.(1994: 22,3), bei denen der Berussgenoflensckiaften 59,2(1904: 61,6). Bei der Invalidenversicherung ist die Fcchl der be- willigten Invalidenrenten von 140 092 im Jahr« 1904 auf 122 869 zurückgegangen, ebenso die Zahl der Altersrenten von 11 936 auf 19 672; dagegen ist die Zahl der Krankenrenten von 10 449 auf 11871 gestiegen. In der Abnahme der Zahl der bewilligten Invalidenrenten zeigt fich fraglos die Wirkung der Bemühungen des Reichsversicherungsamtes, diejenigen Fälle zu er- Mitteln, in welchen die Bewilligungen von Renten»wegen nicht ge- nügen-der Aufklärung der tatsächlichen Verhältnisse und wegen Ver» wischung der Grenzen zwischen Berufsinvalidttät und reichsgesetzlicher Erwerbsunfähigkeit, insbesondere aber auch wegen zu milder oder unzutreffender ärztlicher Beurteilung", bemängelt werden müssen. Das Retchsversicherungsamt konnte denn auch feststellen, daß, wenn der Rückgang in der Zahl der bewilligten Renten anhält, eine Er- höhung der Wochenbeiträg« in absehbarer Zeit nicht erforderlich werden wird. Eine sehr erfreuliche Nachricht für die Unternehmer; die in ihren Hoffnungen auf die so viel gerühmte Reichsrente ge- täuschten Arbeiter aber werden hierüber etwas anders denken. In Invaliden- und Altersrentensachen wurden im Jahre 1905 im ganzen 26 823 Berufungen eingelegt, gegen 22 528 im Vor- jähre: 14,6 Proz. Zunahme. Die Häufigkeit der Berufungen ist seit 1900 von 9,3 Proz. bis auf 18,6 Proz. in den beiden letzten Jahren gestiegen. Auch die Zahl der Revisionen ist von 4793 auf 6938 gestiegen. Auffallend groß ist die Zahl der— übrigen» zu einem unverhältnismäßig großen Teile von vornherein gänzlich aussichtslosen— Revisionen aus den mit polnischer Bevölkerung durchsetzten östlichen Provinzen. Dies wird nach'dem Bericht mit dadurch veranlaßt, daß sich dort für die Tätigkeit der„Winkel- konsulenten" ein besonders günstiges Feld bietet. DaS Reichs- versicherungsamt läßt es stch angelegen sein, dieser Tätigkeit der Konsulenten entgegenzuwirken.— Bon den Revisionen wurden 79,62 Proz. als unbegründet zurückgewiesen. Die Revolution in Rnßland. Die Dama-KomSdie. Die Dumawahlen sind„im vollen Gange'— kaum 10 Prozent der„Wahlberechtigten" beteiligten sich unter Kosakenschutz an den „Wahlen". In mehreren RahonS mit 2—8000 Wählern beteiligten sich nur 20—60 Personen an der Wahl. Alle von Witte-Durnowv getroffenen„Maßregeln" zur Durchführung der Wahlen haben ein linmtmkMnpA fttnäln pvfiH«»n OTfTo ßtofafea«»»«x...... „ ouuci« iitari» t{tqüiTcn. rusfifcye iüOIi yal in seiner überwältigenden Majorität den ganzen Schwindel der eynischen lind frechen Duma-Komödie durchschaut und sich fast ein- mütig von ihr abgewendet; und diejenigen, welche sich an den Wahlen beteiligt haben, taten eS auch nur gezwungen und aus Furcht vor Maßregelungen. Besonder« einsichtig zeigte sich das gesamte russische Proletariat, welches zuerst erkannt hat. daß die ganze Dumaposse nur den Zweck hat. die ausländischenKaptta- listen irrezuführen. Und das Geld der unterzubringenden Anleihe soll nicht etiva zur Hebung der so henintergekommeiicu innerwirtschaftlichen Lage, für industrielle Unternehmungen und Förderung und Verbollkommnuna der landwirtschaftlichen Betriebe >"" Istl-'-�■ > 5 «.,» ,».• n n tu. Ii Ff c 1 11 v II I C O( l j U i a TN p j C II. Deshalb wird eine Duma einberufen: die auswärtigen Finanziers verlangen nun einmal ein„Parlament" I Und es wird dafür ge- sorgt, daß da nur die„richtigen" Leute hineinkommen. Alle„Ver- Sachtsf—'■-----— j 1...-1.. unter werden. ständigkeit genommen und dieselbe ganz dem'' ReichSrat unterstellt. Diese Verordnung toird in die„Grundgesetze" aufgenommen, an denen die Duma nicht rütteln darf. Dte Duma soll— wie die halboffiziöse„Now aja Wremja" mitteilt— nur kurze Zeit„tagen"— bis die Anleihe votiert ist I— und dann für den 1----------- 1~'- f.,.... Man steht: allzuv ländischen£ und dann für den ganzen Sommer„in Ferien" geschickt werden I— i: allzuviel traut der schlaue Witte der Einsicht der auS- . Hochfinanzleute nicht zu, wenn er es uiiternlmint, sie durch solch ein« plumpe„Parlaments�- Farce irrezuführen. m Petersburg, 26, März. Die Bahngiiterverwaltungen raten ab. Güter auf den Südbahnen im Hinblick auf den bevorstehenden Generalstreik zu befördern. Wie verlautet, beginnt in Moskau und Petersburg bald ein allgemeiner Ausstand. In Arbeiterkreisen herrscht jedoch trotz der drohenden Unzufriedenheit aus ökoiiomischm Gründen kein« Streiklnst. Moskau, 26- März. Die Bahnhöfe werden stark militärisch besetzt. Die Stimmung der Gesellschaft wird seit Mitte Februar stets erregter, namentlich infolge der Hin- tichtimg Leutnants Schmidt. An verschiedenen Orten wurden«er» »che gemacht, für Schmidt Totenmessen z>, lesen, besonder» in Mittelschulen, wo die Schüler nach dem mißlimgenen Versuch r«vo- lutionäre Lieder singend die Schulen verließen. Riga, 25. März.(Meldung der Petersburger Telegraphen» Agentur.) Die Polizei entdeckte ein großes Lager auf» r u h r e r i s ch e r Schriften. Man fand sechs Küsten mit Ver- öffeiillichiingen. Vier Personen wurden b e t h c> s t e t. Kasan, 25. März.(Meldnitg der Petersburger Telegraphen- Ageiltiir.) Gestern abend wurde ein« Bomb« gegen das Fensrer tcr K.iüM der©ciifearnterifljfvlunTfimf} geworfen, wodnrSi ein Akteuschrank zerstört wurde. Verlebt wurde«iemand. Der Täter eirtkaui. Politil'cde(lebersiedt. Berlin, den 26. März. Kolonialprngel«nd—„die gräfliche Flotte". Ein Ergänziingsotat zum Ausbau strategischer Bahnen— Ausgabe zirka 6 Millionen Mark— wurde ohne Debatte an die Budgetkommission verlvicsen. Dann nabin die Kritik an den Kolonialskandalen ihren Fortgang. Knltnrwidnge Wirtschastslveise, Mittelverschwendung, Äeanltenkäuflichkcit, Brntalität gegen Eingeborene wurden auch heute wieder hart gerügt. Charakteristisch war hierbei, daß Kolonialschwärmer, wie der Abgeordnete Bassermann. große Entrüstung übev die gegen die Südseeinsulaner offiziell geübte Prügelstrafe äußerten, während die übrigen unerhörten, die Eingeborenen zur Rebellion treibenden Brutalitäten in den afrikanischen Schutzgebieten von den Kolonialcnthnsiastcn mit Schiveigen übergangen oder gar verteidigt werden,»venu sie die Opposition zur Sprache bringt. Nach einigen kleinen Plänkeleien wurde dann der Kolonial- etat verabschiedet. An die Stelle der Kolonialvcrlvaltung am Bundesrats- tisch rückte die M a r i n e v e r w a l t u n g mit T i r p i tz an der Spitze, dem der Schatzsekretär Freiherr v. Stengel hülfreich zur Seite steht. Denn die„gräßliche Flotte" erfordert lln- summen, die der Schatzsekretär bereitwillig darbieten muß, obgleich er sskt Monaten in der Steuerkommission über den Dalles in der Reichskasse Jerennaden anstimmt. Adnnral T i r p i tz hielt es für angemessen, die Empfehlung der Flottcnvorlage zunächst einem der Flottenschwärmer des Reichstages, dem Grafen O ri o l a zu überlassen, der in seiner saloppen sich wichtig vorkommenden Art von der „nationalen" Notwendigkeit der Bewilligung und von den „nationalen" Vorteilen der„nationalen" Flotte sprach und durch die Hohlheit seines„nationalen" Pathos den Patriotismus der Flottenschwärmer selbstironisierend illustrierte. Diese Talmi-Begeisterung wurde dann vom Genossen Bebel trefflich charakterisiert, als er die wahnsinnigen Forde- rungen des Flottenvereins aus einigen Flugblättern des Vereins in ihren Konsequenzen schilderte und daraus nachwies, wie diese Patrioten die Kosten der Flotte den arbeitenden Klassen aufbürden»vollen und sich nicht schämen, selbst die aus den Einkünften des neuen Zolltarifs einer Witwen- und Waisenversorgnng zu reservierenden Mittel für Flottenzwecke zu reklamieren, anstatt in die eigene Tasche zu greifen. Bebel ließ dann die Wandlungen und Umfülle des Zentrums und der Nationalliberalen in Flottenfragen Revue passieren, legte die Widersprüche der Regierung selbst in diesen Fragen bloß und griff in großen Zügen aus die auswärtige Politik zurück, deren Ziel sein nniffe, solch unerhörte Rüstungen zu verhindern. Selbstverständlich besprach Bebel auch die absolutistischen Neigungen in hohen Kreisen, die zu diesen Forderungen führen. Nach der Bebelschcn Rede suchte der Staatssekretär der Marine, v. T i r p i tz, in kurzen Ausführungen Bebels Argumente zu entkräften, kam dabei aber zu so sonderbaren Schlüssen, daß er oftmals ironische Heiterkeit auf der äußersten Linken erweckte. Dann wurde die Sitzung vertagt. Heute: Fortsetzung der Flottenbcratung.— Das Bekenntnis znm Kolonialhunnentrnn. Herr Arendt besitzt wirklich den traurigen Mut, abermals im „Tag" ein feuriges Plaidoyer für den Hänge-PeterS zu ver- öffentlichen. Er nennt seinen Artikel:„Der Fall Peters und der Fall Bebel" und erhebt gegen Bebel die furchtbare An- klage, den Kolonialheroen Peters für die deutsche Kolonialherrlichkeit uinnöglich gemacht zu haben. Dieses Verbrechens ist Bebel in der Tat schuldig, denn in den Verhandlungen deS Disziplinargerichts wurde festgestellt, daß die Anklage gegen PeterS erst erhoben wurde, nachdem Bebel im Jahre 1886 den Fall Peters im Reichstag zur Sprache gebracht hatte. Ohne das Vorgehen Bebels würde höchst- wahrscheinlich keine Anklage erhoben worden sein, trotzdem die Regierung die Anklagcpunkte kannte. Im Gegenteil, die Regierung be- dachte den Kolonialhunnen noch mit ihrer hohen ProtektionI Wenn aber Herr Arendt schreibt, daß Bebel nach der Verurteilung Peters in zlvei Jiistaiizcn„Triumphnlor" gewesen sei. dann aber e r st später notgedrungen habe zugeben müssen, daß er mit dem Tuckerbrief„hineingelegt" worden fei, so will Herr Arendt die mit dem Fall nicht näher Vertrauten offenbar zu der irrigen Annahme verleiten, daß der Tuckerbrief bei der Verurteilung des Peters überhaupt eine Rolle gespielt habe. Diese edle Absicht dcS Herrn Arendt sei darum nochmals durch die Feststellung durchkreuzt, daß der Vertreter der Staatsanwaltschaft in der zweiten DiSziplinarverhandlnng am IS. November 1887 ausdrücklich erklärte. daß der Tnckerbrief nicht existiere und deshalb für die Ver- Handlungen nicht die geringste Bedeutung besitze I Doch gehen wir dem Plädoher des Herrn Arendt etwas näher zu Leibe. Die der Verurteilung Peters zugrunde liegenden Tat- fachen kann Herr Arendt nicht aus der Welt schaffen. Sie be- standen erstlich darin, daß Peters seinen Diener M a b r e k hätte hängen lassen, angeblich, weil er verschiedene Einbrüche in das Stationshans nnternoinnien und u. a. dem Peters gehörige Zigaretten entwendet hatte. Herr Arendt behauptete, daß Peter« resp. daS „Kriegsgericht", das das Urteil über den Mabrek verhängt habe. b e r c ch t i g t gewesen sei, die Todesstrafe zu verhängen, da die ganze Situation eine äußerst bedrohliche gewesen sei. Diese Auffassung des Herrn Arendt, daß die Lage eine überaus ernste gewesen sei. stützt sick zur Hauptsache aus die Erklärungen des Hänge-PeterS s e I b st. Verschiedene Zeugen, wie der Leutnant von Bronsart, der damalige Chef der ostafrikanischen Schutztruppe. und der damals bei PeterS befindliche Maler Kunert bestritten im Gegensatz hierzu durchaus die Notwendigkeit, wegen eines solch harmlosen Verbrechens die Todesstrafe zu verhängen. Nun stellte sich aber das Disziplinargericht in beiden Instanzen auf den Standpunkt, daß PeterS den Mabrek weniger des Ein- bruchs wegen als vielmehr deshalb habe hängen lassen, weil er mit den im Stationshaus befindlichen als Kunkubinen de? PcwrS und feiner Leute dienenden Negerinnen geschlechtlich v crkeh rt habe. PeterS selbst bcstrittvor dem Disziplinargericht, daß die Verurteilung deshalb erfolgt fei. Der Mabrekhabe auch nicht mit seiner Konkubine geschlechtlich verkehrt, sondern vielmehr mit der dcS Herrn von P e ch m a n n. Selbst wenn daS richtig wäre, würde nur der aeaen PeterS erhobene Vorwurf aus besagten von Pechmann ab- gewälzt werden, der sich ebenfalls für das Erhängen des Mabrek aussprach! Es ist aber mehr als wahrscheinlich, daß PeterS in diesem Falle wie— lvir tverdcn noch darauf znrückkonmien— auch in den übrigen Punkten die ll n Iv a h r h e i t gesagt hat. LcgationS- rat H-llwig erklärte nämlich in der zweiten Diöziplmarverhand- lmia daü PeterS selbst bei sciucr Bernchmung im August 1896 zu- gcgkb-n h..be, daß die sexuelle» Beziehungen deS Mabrek zu dm Weibern bei dem Todesurteil erschwerend inS Gewicht gefallen feien. Ferner meldete der inzwischen gefallene Freiherr von Bülow in einem amtlichen Bericht an den Gouvcriicur von der Kilimandscharo- station, 2. Juli 1892, daß Mabrek auf Befehl des Dr. PeterS gc- hängt worden sei, weil er mit einem Weibe Verkehr gehabt und zu diesem Zwecke in daS Stationsgebäude eingebrochen sei. Auch der Maler K u n e r � hat sich ähnlich geäußert. Weiter babcn ver- schiedcne Farbige bekundet, daß PeterS den Mabrek aufgehängt habe, weil er bei den Weibern gewesen sei. PeterS habe ihnen ver- boten, über die Sache zu sprechen, oa es ihnen sonst ebenso gehen werde, wie dem Mabrek. Bemerkenswert ist, daß die Aussagen dieser Eingeborenen für die Beurteilung des Falles nicht in Be- tracht gezogenwurden, da nach einem von W i ß m a n n und anderenAfrikanern erstatteten Gutachten solche Aussagen unglaubwürdig seien. Endlich hatte der Ä f r i k a r e i s e n d e Dr. B a u m a n n bekundet, daß ihm PeterS bei einem Diner im Hotel Bristol Aeußenmgen gemacht habe, wonach Mabrek seines geschlechtlichen Ver- k e h r S mit den Weibern wegen anfgehängt worden sei. Man sieht also, auf Grund eines wie schwer wiegenden Anklagematerials daS Disziplinargericht zu der Anfiasiung gelangte, daß tatsächlich daS sexuelle Motiv für die Verurteilung des Mabrek ausschlaggebend gewesen sei. Wenn Herr Arendt daS Gegenteil behauptet, so stützt er sich also lediglich auf die Behauptungen des An- geklagten selbst, die mit dessen früheren Aussage» über- die? im Widerspruch stehen! Die Aburteilung des Mabrek erfolgte außerdem keineswegs durch eine reguläre Kriegsgerichts sitzung. Der Freiherr v. P e ch m a n n selbst, der Hauptteilnehmer des angeblichen „Gerichts", erklärte nämlich vor dem Disziplinargericht, daß er da- malS eine offizielle richterliche Qnalifilation gar nicht besessen habe. Man sitze dort eben in solchen Fällen zusammen und beratschlage, was man wohl am besten tun Müsse. Bei der Aburteilung deS un- glücklichen Eingeborenen ist also nicht einmal der Schein einer Gerichtssitzung gewahrt worden! Trotzdem hatte Hänge- Peters die Dreistigkeit, in dem offiziellen Bericht an die Regierung zu behaupten, daß die Aburteilung des Mabrek die einstimmige Billigung aller beteiligten Europäer gefunden habe. An dieser„Aburteilung" aber haben sich ausschließlich Dr. PeterS und der mehrerwähnte Freiherr v. Pcchmann beteiligt: der Bezirksamtssekretär I a n ck e erklärte, sich nicht mehr erinnern zu können, ob er überhaupt um seine Meinung befragt worden sei. Fest steht dagegen, daß Leutnant v. Bronsart und Maler Kunert sich gegen die Verhänguiig der Todesstrafe ausgesprochen hatten. Herr Arendt besitzt also den Mut, einen unerhörten Willkürakt als einen vollständig gerechtfertigten Akt kolonialer Justiz zu verteidigen! Der zweite Fall der Petersschen Bestialitäten bestand darin, drei eingeborene Weiber, die ihm und Pechmann als Beischläferinnen dienten, in der brutalsten Weise auspeitschen zulassen, weil sie es gewagt hatten, sich seiner Gewalt durch die Flucht dadurch zu entziehen, daß sie zu einem eingeborenen Häuptling flüchteten. Als Peters das Dorf dieses Häuptlings niederbrennen ließ, wurde er so eingeschüchtert, daß er die Flüchtigen herausgab, worauf diese, in derselben Weise wie Mabrek„abgeurteilt", mit einer schweren Nilpferdpeitsche je 25 Schläge erhielten. Wenigstens behauptete Peters, daß es nur 25 Hiebe gewesen seien. Der Maler Kunert hingegen behauptete, daß die Weiber viel mehr, wohl an 100 Schläge erhalten hätten I Die Züchtigung sei eine derartige gewesen, daß das Blut geflossen sei und die Exekutierten von einem Heilgehülfen hätten in Behandlung genommen werden müssen. Sowohl nach der Aussage Kunerts, als nach der deS Jancke hat Peters der bestialischen Züchtigung beigewohnt, was Peters bestreitet. Ein Beweis, welche Glaubwürdigkeit seinen Behauptungen überhaupt beizumessen ist! Eine der Weiber ist wiederholt ausgepeitscht worden und in Ketten gelegt, nach einigen Wochen jedoch ebenfalls znm Höngen„begnadigt" worden. Auch diese Bestialitäten suchte Peters damit zu rechtfertigen, daß die Flucht der Weiber, falls sie ohne entsprechende Strafe geblieben sei, »eine„Autorität" habe erschüttern müssen. Mit Recht jedoch stellten sich sowohl der Vertreter der Anklage, LegationSrat Hellwig, als auch der Disziplinarhof selbst auf den Standpunkt, daß das Dienst- Verhältnis der Beischläferinnen nur ein freiwilliges gewesen sei. Peters dagegen habe sie als Sklaven behandelt, während es doch Aufgabe der deutschen Kolonialpolitik gewesen sei, die Sklaverei zu beseitigen! Nach alledem ist eS klar, daß das Disziplinargericht in beiden Instanzen aus Grund der Beweisaufnahme nur zu einer Be- j a h u n g der Schuldfrage der Anklage in ihrem vollen Um« fange kommen mußte und auch gelangte. Wie aber sucht Herr Arendt diese für Hänge-PeterS so ver- nichtenden Tatsachen zu erschüttern? Einfach dadurch, daß er er- klärt, die Aussagen BaumamiS und v. BroiffartS seien unglaub- »vürdig, da Baumaim eine Reihe von Jahren später im Irrsinn ge- starben sei, und Herr v. Bronsart vor kurzem nach schlversten sittlichen Verfehlungen habe landeSflüchttg»Verden müssen. Selbst wenn man die Aussagen dieser beiden Zeugen voll- ständig ausschalten wollte, bliebe das Anklagematerial gegen Peters noch immer ein vernichtendes. Aber Dr. Baiimaiin befand sich zur Zeit seiner Vernehmimg noch im vollsten Besitz seiner geistigen Kräfte, so daß sein Zengniö als vollständig einwandfreies gelten muß. Und welcher sittlichen Verfehlungen Herr v. Bronsart sich auch schuldig gemacht haben mag— es ist uns unbekannt, daß ein gerichtliches Verfahren gegen ihn eingeleitet oder ein Steckbrief hinter ihm erlassen worden sei— auf einer tieferen moralisckien Stufe als der Hänge- P e t er s selbst, den Herr Arendt doch für einen vollkommenen Gentleman erklärt, kann er unmöglich gestanden haben. So ist der Verteidigungs- versuch des Herrn Arendt nichts als eine Selb st a n k l a g e dieses Herrn, die auf die in seinen Kreisen herrschenden Moralanschauungen das allerbedenklichste Licht wirft!— '.» Dcutfcbto Refcb. Aus dem Ruhrrevier. Die Bergarbeiter sind aufgebracht über die Verschlechterungen, welche die Landtagskomniission dadurch in das neue KnappschaftS- gesctz hineingebracht hat. daß sie das geheime Wahlrecht beseittgt, den Beamten ein besonderes Vertretungsrecht sichert und den Knapp- schastsinvaliden das passive und aktive Wahlrecht raubt. Gestern fanden im Rnhrrevier 29 Versammlungen, vom Bergarbeitcrverband einberufen, statt, die sich sehr energisch gegen diese neue Leistung des Landtages aussprachen. Nachstehende Resolutton fand in den Wer- sammlnngen einstimmige Annahme: .„Die öffentliche Bcrgarbeiterversammlnng schließt sich der von dem Essener Bergarbeiteriongreß beschloffenen Eingabe betr. den neuen KnappschaflSgesetzentwurs an und erwartet von der Regierimg und dem Landtage, daß diese vollberechtigten Wünsche Berück- sichtignng finden. Sie protestiert gleichzeitig gegen die unrichtigen AnSfiihrungen, welche der Abgeordnete Hilbck bei der Generaldebatte am 22. Januar i»,"Abgeordnetenhause gegen das geheime Wahlrecht bei Kiiappschaststvahlen gemacht hat. Ohne daS geheime Wahl- recht und ohne die Sicherung der Arbeitervertreter gegen Maß- regelmig, ohne das aktive und passive Wahlrecht auch für Jnvakiden ist daS MitberlvaktungSrccht der Arbcilrr nur Schein- manöver. Nachdem am 11. und 13. März die Kommission des Landtags das geheime Wahlrecht ans dem Kiiappschasts-Gesctzeiitwmf ent- fernt hat und ferner den Beamten auch noch ein besonderes Vertretungsrecht im Knappschattsvorstand und in der General- versamnilmig zugesichert hat, trotzdem die Beamten aus tcm Bochuincr KnappichaftSverein iPensionSkaffe) jährlich 608 886 M. mehr hcrailSziehcn als sie einzahlen; im laufenden Jahre beträgt laut Wirtschaftsplan das Defizit sogar ziemlich eine Million Mark... Außerdem hat die Kommission beschloffen, die' Wählbarkeit der Invaliden zu streichen, man raubt also den Invaliden daS passive Wahlrecht. Im Bochumer Kiiappschaftöverei» und anderen besteht die Mehrzahl der Acltesten auS Invaliden, und denen will man ihre Rechte rauben? Die Versaniinliliig protestiert anfs euer» gischste gegen dieses himiiiclschreicnde brutale Unrecht nnd ersucht die Ncgiermig, ein so elend verhunztes Gesetz in den Papierkorb zu iverfen und dafür ein KnappschaslSgesetz iür das Reich beim Reichs- tage einzubringen, widrigenfalls sie die Vcraiitlvortung für die Folgen zu tragen hat. DaS Biirean wird beauftragt, diese Resolution an den Landtag und die Regierung einzusenden.— Piittkiimerö LiebcSaffärcn. Die Pllttkamerschen Liebesgeschichten gestalten sich immer inter« effanter. Die„Brannschiveig. Landesztg.", deren erste Berichte über JeSkoS Studien auf dem Gebiete der dculsch-afrikanischen Erotik sich als wahr erwiesen haben, liefert einige neue Beiträge zu den Liebes- abenteuern des Herrn v, Putikamer, die diesen Verbreiter preußischer Junkerkultur in Kamerun nicht nur als einen recht niedlichen Epi- gonen des seligen Don Juan, sonderil zugleich als Gentleman von höchst bedenklicher Skrnpellosigkeit zeigen. Das Blatt schreibt: �ES ist gesagt worden, daß sich die Offiziere deS„Habicht" darüber beschwert hätten, daß ihnen die„Frau v. Eckardtsteiii" als Repräsentantin des Gouvernements vorgestellt wäre und daß der Konimaiidant dieses Schiffes die Dame habe zu Tisch führen müssen. Das stimmt nicht ganz, trotzdem Erbprinz zu Hohenlohe den Vorgang mit Offizieren des„Habicht" ja zugegeben hat. In der Tat war es gar nicht der Kommandant des„Habicht", sondern Kapitänleuttlant Becker von der„Hyäne", der die„Cousine" zu Tisch geführt hat, Pnttkamcr hat sich dann mich bei diesem Herrn ent- schuldigt und zwar mit der Motivierung: er gedenke die Dame in allernächster Zeit zu seiner Gattin zu inachen. Kapitanleutnaiit Becker hat daraufhin sofort die Schiffskapelle an Land geschickt nnd selbst der„Cousine" einen Entschnldigungsbesnch gemacht, der aber nicht angenommen wurde. Fräulein Marie Ecke— so hieß damals die Dame, wie ja an dieser Stelle schon mehrfach gesagt worden ist— hat Rücksichten auf den Gouverneur genommen. Sie ist diskret gewesen. Ihre Rücksichtnahme ist so weit gegangen, daß sie sogar die ihr für die Führung eines ialschen Namens in Dresden zudiktierte Strafe vo» 258 M. oder acht Tagen Haft ertragen hat, ohne zu verraten, welche II m stände sie dazu veranlaßt hatten, sich jenes Namens zu bedienen. Die Angabe des„Roland", die Strafe habe in acht Wochen Haft bestaiidcn, ist falsch. Ein ganz neues Licht auf die Schiildfrage wirft der uns ver- bürgte Umstand, daß sie die Bekanntschaft ihres hochgestellten Gönners nicht als Lebedame an einer Stätte, wo diese„Damen" sich regelmäßig einzustellen gewohnt sind, sondern als ehrsames Burgerkind in einer Pension Jänicke, wo sie unter ihrem wirk- licheu Rainen vorgestellt wurde, gemacht hat.— Es werden uns dann auch noch die früheren Angaben bestätigt, wonach sie durch den Bann der Persönlichkeit ihre? vornehineu Verehrers bestrickt, sich dazu verstanden habe, mit ihm eine in der Köthenerstraße belegene Wohiinng zu teilen, von der aus sie unter dem Namen Eckhardt polizeilich angemeldet worden sei, um vor den Nach- forsch»» gen der Eltern geschützt zu bleiben. die sich um ihr Kind sorgten. Weiter wird unS die merktvürdige Tatsache erzählt. daß der auf den Namen von Eckardtstein der Dame von Herrn v. Puttkamer ausgestellte Paß ihr durch Einbruch in Berlin gestohlen worden sei: ein Umstand, der äußer st mysteriös erscheint und allerlei Gedanken wachruft. Auch vo» der Existenz eine« zweiten, ans den Namen Eckhardt lautenden Paffes wird uns Mitteilnng gemacht mit der Hinzufügung. er habe den Zlveck gehabt, die In- haberin vor polizeilichen Behelligungen zu sichern. Alles, was die. Franks. Ztg." über die Marie Bielecki in der Annahme, diese sei mit Fräulem Ecke identisch, erzählt habe, be- zieht sich aus eine andere Persönlichkeit, die als Stenotypistin im Spezialdienste des Gouverneurs in Kamerun gestanden habe. Falls der Erbprinz von Hohenlohe noch einige genauere Angaben über die erstgenannte Persönlichkeit zu erhalten wünschen soltte, so stehen ihm solche zur Verfügung." Die Freunde und Geistesverwandten JeSkoS werden sich allerdings durch derartige Eulhüllungen in ihrem Glauben, daß Herr v. Puttkamer die geeignetste Person für die Erfüllung der deutschen Kuttuimission in den westasrikanischen Gefilden sei, nicht im mindesten beirren machen. Vielleicht entdeckt sogar Herr Arendt, daß gerade die erotischen Exkursionen JeskoS dessen Befähigung zum deutschen Kulturpionier beweisen; denn um in die verzwickten Ehe« sitten der einheimischen Bevölkerung Kaiiiernns reformierend ein- greifen zu können, hätte Herr v. Puttkamer notwendig zunächst gründliche Erfahrungen sammeln müssen.— Moffe kontra Mosse. DaS Mosieblatt führt ein seltsames Duell auf: Moffe maul- fchelliert mit Vehemenz Herrn Moffe. Am Sonnabend schreibt der Renommier-Arfftokrat Oberst Gaedke im„Berl. Tage- blatt' unter dem Titel„ U n s e r e Truppen in Afrika": „Demgegenüber mutet e-Z etwas eigenartig an, wenn nun ein so außerordentlicher Wert auf die ideelle Seite dieses mühseligen Kampfes gelegt wird, wem, man mit schön k l i n- g e n d e r, aber inhaltsloser Phrase vor dem Reichs- tage wie vor einer Volksversainnilung triuinphierend hinanSrnst:„Der Krieg hat der Welt gezeigt, daß»lan in der Armee noch für das Baterland und den Kaiser zu sterben versteht." Ja, was sollte die dorthin zur Niederwerfnng des Auf- standes hinausgesandte Armee denn eigentlich anderes tun? Sollte sie vielleicht fortlaufen? Wenn Misere Armee nicht mehr für Kaiser und Vaterland zu sterben verstände, so wäre das wahrlich ein trauriges Zeichen nationalen Niederganges; selbst der englische Söldner stirbt für scin Vaterland, auch Hottentotten und HereroS fallen sterbend für die Scholle, auf der sie so lange frei iimherschweiften— fiir unser Heer aber wäre das gleichsam eine Entdeckung, eine Offen- b a r u n g voll hohen moralischen und ideellen Wertes?... Es liegt eine Gefahr darin, den Wert der Probe zu ü b e r s ch ä tz e ii, der das deutsche Heer dort unten in der öden aftikanischen Steppe unterworfen wurde.... Dort unten hat ,»cht daS deutsche Heer gcfochten; es hat dort eine kleine. sorgfältig ausgeleseiie Minderheit mit einen» nicht ebenbürtigen Feinde gerungen. Die besonderen Schwierigkeiten gegenüber enropäischen Kriegen bestanden n i ck, t in der Tapferkeit. Gefährlichkeit und Kriegskunst deS©cgneis, sondern in der Natur des Landes nnd unserer lliibekannt- schaft mit seinen Eigenlümlichkeiten. Im Dulden und' in» Ertragen waren unsere Truppen bewunderungswürdig— ob ihre F ü h. r n n g und ihre Leistungen zur Erreichung des KricgszweckcS das gleiche unbedingte Lob verdienen, steht auf einem anderen Blatt." Und am Sonntag schreibt dasselbe„Berliner Tage- bl»« .Die weitere Debatte brachte eine Verteidigung des Obersten Deimling gegen den Vorwurf, daß er und die preußst'che Generalität die Leistungen unserer Leute in Afrika überschätze. Nach unserem Dafürhalten hat der Mann recht, wenn er sagt, daß unsere Mannschaften dort unten sich benommen haben, nicht nur, ivie wir es erwartet haben, sondern weit über das Maß dessen hinaus, was von ihnen zu erwarten war. Mit solche» Leuten, wie sie da unten in Südwestafrika ihre Pflicht erfüllt haben, können wir auch in Europa jeder Even- tualität ins Auge sehen. Und diese Erkenntnis, die auch dem Ausland nicht verborgen geblieben ist, i st uns am Ende die Viertelmilliarde wert, die unS der Aufstand gekostet hat.... Wer mit dieser Soldateska— das Wort im besten Sinne genommen— anbinden willl, der beißt auf Granit." Wem sollen denn nun die Gläubigen des MosseblatteS trauen: dem militärischen Sachverständigen oder dem„patriotisch" schwadro- uisierenden Levysöhnchen?"—_ Der Streit um das Reichskolonialamt. Die Ablehnung des Staatssekretärpostens für das Reichs- kolonialamt durch da? Zentrum hat die Nationalliberalen zu wilder Entrüstung aufgepeitscht. Ihre Presse glaubt, da bekanntlich die Vcrselbständigung des Kolonialamtes vom Kaiser gewünscht wird, die Gelegenheit benutzen zu können, das Zentrum aus seiner Position zu verdrängen. Sie ereifert sich deshalb unter Aufwand einer be- trächtlichen Quantität patriotischer Phrasen gegen die gefährliche Zentrumspolitik, die sich nicht von sachlichen Gründen leiten lasse, sondern lediglich durch persönliche Antipathien gegen den Erbprinzen von Hohenlohe nur durch allerlei Intrigen diktiert werde. Dagegen suchen die Zentrumsblätter die uationalliberalen Angriffe als frivole Hetze zu kennzeichnen, indem sie sich mit komischem Palhos auf ihre„sachlichen Bedenken" berufen und sich als die vcr- folgte Unschuld hinstellen. Dabei sagen beide Parteien sich ganz allerliebste Wahrheiten, so richtet z. B. die„National-Ztg." an die„Germania" folgende beut- !iche Anfrage: „Wir fragen die„Germania", ob es ihr unbekannt ist. was alle Welt weiß, daß j e n e S T e l e g r a m m der„S ch l e s i s ch en B ol k s z ei t u n g", das von einem Ultimatum des Kaisers an den R eichs kan zler in Sachen des Reichs-Kolonialamts und des Erbprinzen zu Hohenlohe sprach— also ein Kriiengespenst erster Güte!— von einem gegen daS Kolonialamt eifrig tätigen Zentrumsabgeordneten herrührt, und zwar von demselben, der in ihren eigenen Spalten die Krisen« gespenster, die er selbst gerufen hat, als Ausgeburt phantasievoll veranlagter Gemüter bekämpft?" Die„Nasional-Ztg." hat, wenn sie da? Zentrum des Doppel- fpiels zeiht, nicht unrecht— nur wandelt die nationalliberale Partei genau dieselben Bahnen— allerdings mit weniger Geschick.— Preußische Schmach und Ballinsche Profite. Aus Oberschlesien wird uns berichtet: Ganz eigenartige Zustände hat in Mislowitz, dem Hauptkuotcn- punckt für die über deutsche Häfen gehende Auswanderung aus Ruß- land und Galizien, eine Verfügung des Regierungspräsidenten für Oberschlesien(Oppeln) verursacht. Nach dieser Verfügung dürfen diese Auswanderer, die bis zur Weiterreise in Mhslowitz Aufenthalt nehmen müssen, nicht mehr in die Stadt hinein., sondern sie müssen in einer besonders für sie errichteten Kantine, in einem neben dem Bahnhof gelegenen Bau, der durch eine hohe Mauer, durch eiserne Tore und wachsame Torhüter hennetisch von der Außenwelt ab- geschlossen ist, verbleiben. Sie werden dort verpflegt und müssen dort auch nächtigen. Darob fühlen sich nun die Myslowitzer Ge- schäftsleute, die vom Fremdenverkehr(Dreilaiscrreichs-Ecke) uird der Auswanderung hauptsächlich leben, schwer geschädigt. In einer Ver- sammlung des Vereins selbständiger Kaufleute in Mhslowitz wurde dieser Tage die Angelegenheit besprochen und dabei eine Schilderung der Zustände in der neuen AuSwandererkantinc gegeben, die in ober- fchlesischen Blättern lebhaft besprochen wird. Danach faßt der für die Auswanderer bestimmte Logierraum oft lange nicht die Zahl der Auswanderer. Nicht nur müssen viele auf dem nackten Boden liegen, weil nicht Strohsäcke genug vorhanden sind, nein, oft ist der Raum so eng, daß sich die Leute nicht einmal auf dem Boden ausstrecken können, sondern die ganze Nacht hindurch, wie die Heringe an- einander gepreßt, hocken oder stehen müssen. Manche begüterte Aus- Wanderer würden für sich und ihre Familien gern ein Hotel in der Stadt beziehen, sie werden aber einfach gezwungen, in der famosen Kantine zu übernachten. Auch tagsüber müssen die Leute dort ver- weilen und werden streng bewacht wie Gefangene. Für drs, was sie in der Kantine kaufen, müssen sie fiehr hohe Preise zahlen. Ein Töpfchen heißen Wassers kostet 5 Pf., ein saure Gurke 10 Pf., ein Glas Tee 30 Pf., ein Brot, das in der Stadt 30 Pf. kostet, 50 Pf. usw. Die rituellen Wünsche der zahlreichen jüdischen Auswanderer finden keine Berücksichtigung. Die sanitären Verhältnisse sollen sehr schlechte sein, was bei der ständigen, Ueberfüllung der Räume ja erklärlich ist. Di« Leute begrüßen die Abreise von Mhslowitz daher mit großer Freude, finden sich dann allerdings sehr enttäuscht, wenn sie in die Wagen vierter Klasse geradezu hineingestopft werden. In Kattowitz werden die von Oswiecim(Galizien) kommenden Wagen vierter Klasse von den hier stationierten preußischen Gen- darmcn scharf kontrolliert. Es gilt, die an der Grenze etwa un- bemerkt durchgeschlüpften russischen oder galizischen Emigranten zu entdecken. Jeder„verdächtig" aussehende Reisende vierter Klasse wird angehalten und ausgefragt, seine Papiere und Barmittel werden revidiert, und wenn der Verdacht, einen Auswanderer vor sich zu haben, sich bestätigt, wird der Unglückliche mit seinen paar Habseligkeiten unbarmherzig ausgeladen und muß dem gestrengen Wachtmeister folgen. Stellt sich heraus, daß der Mann oder die Frau nicht im Besitze einer deutschen Schiffskarte ist, auch nicht die darüber hinaus erforderten, Mittel hat, werden die Unglücklichen ohne Gnade wieder über die Grenze in das„geliebte Heimatland" geschafft. Um einem solchen Schicksal zu entgehen, mutz der Aus- Wanderer, wenn er von Rußland kommt, neben der schon benannten Schiffskarte über Hamburg oder Bremen eine bis dahin geltende Eiscnhahnfahrkarte und außerdem für sich und jede ettva zu ihm gehörende Person einen Barbetrag von je 400 M. mindestens haben. Für aus Oesterreich kommende Auswanderer wird ein um die Hälfte geringerer Betrag gefordert. Auch die alle diese Bedingungen erfüllenden Auswanderer müssen, wenn sie unterwegs gefaßt werden, au die Kontrollstation Mhslowitz zurückgebracht, ärztlich untersucht und dann in der oben beschriebenen Weise„verpflegt" und expediert werden Wer nicht in Kattowitz abgefangen wird, den trifft dies Schicksal spätestens in Kandrzin. wo noch eine ganz gründliche Re- Vision der Wagen vierter Klasse vorgenommen wird. So wird an der oberschlesischcn Grenze der preußische Staat vor den Gefahren russisckcr Emigration bewahrt— und zugleich das Interesse deutscher Schiffahrtsgesellschaften wahrgenommen.— Mißglückte Massenanklage wegen deS WahlrechtsflugblattrS. Vor dem Amtsgericht Templin waren nenn, vor dem Amts- gericht zu Lychen fünf Genossen, die das WahlrechtSflugblatt zum 21. Januar verbreitet hatten, lvegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten verantwortlich vernommen. Gegen alle vierzehn Sünder hat nuii- mehr das Strafverfahren eingestellt werden müssen, weil eine An- klage gegen die vierzehn Genossen sich beim besten Willen auS dem Flugblatt nicht aufrecht erhalten ließ.— Der hanseatische„Bürgersinn". Die berechtigte Kritik, die der Genosse Bebel an dem Ver- halten des Bürgertums während der Cholerazcit geübt hat, läßt die Hainburger Bürgervereine immer noch nicht zur Ruhe kommen. Hört mau die großmäuligen Wortführer dieser Vereine, die sich m niedrigsten Schmähungen und Verdächtigungen gegen den„Herrn Abgeordneten für Hamburg I" ergehen, so könnte man meinen, daß nur die Patrizier und das„bessere" Bürgertum durch energisches Bekämpfen der schrecklichen Seuche die„Republik" vor dem Untergang gerettet hätten. Wie es um diese Heldenhaftigkeit bestellt ist, haben wir schon wiederholt ausgeführt. Kein Mitglied der Hülfs- und Gesundheitskommission von 1802 wird behaupten können, daß eine der prominenten Persönlichkeiten der Pfeffersacks- republik, die durch die Schuld des herrschenden Klüngels entstandenen Seuchenherde gereinigt, die Tausende von Leichen nach dem Ohls- dorfer Friedhofe befördert und die Bevölkerung über die Cholera aufgeklärt hätten. DaS haben nur allein die Arbeiter im Bunde mit den Elementen getan, die, wie jene, von dem jetzt herrschenden Klüngel politisch ent- rechtet worden sind. Der Führer der Linken der Hamburger Bürgerschaft, der inzwischen verstorbene Rechtsanwalt G i e s ch e n, brandmarkte damals daS ganze System sowie das Wahlrecht zur Bürgerschaft und sagte prophetisch(er kannte den hanseatischen „Bürgersinn"):„Wenn die Not vorüber sei, werde alles wieder in den alten Schlendrian zurück- sinke n." Er fügte noch hinzu:„Es sei ein Unglück für Hamburg, daß ein offenes Wort nicht geliebt iverde, daß man alles zu vertuschen und zu verschleiern suche. Noch eine solche Katastrophe wie die Cholera und Hamburg sei bankrott an allen Ecken und Enden! Die Verwaltung sei so schlecht, daß sie gar nicht schlechter sein könne." An diese schmachvollen Zustände wollen die Ton- angebenden der Republik Mannnonia, die mit allen Mitteln den Wahlrechtsraub inszeniert haben, nicht gern eriniiert sein, weshalb sie sich mit wahrer Berserkerwut gegen Genossen Bebel wenden, der mit seiner Kritik mitten ins Schioarze getroffen hat.— Was ist Hetzen? Das Verdienst, dargelegt zu haben, was Hetzen im Sinne der Ordnungsparteien und der Gerichte ist, gebührt der Strafkammer des Landgerichts zu Torgau. In dem Urteil gegen den Former Hermann Zernicke legt das Landgericht dies dar. Bekanntlich war Zcrnicke wegen Hausfriedensbruch zu 100 M. Geldstrafe verurteilt, weil er das Eisenwerk der Aktiengesellschaft Lauchhammer besucht und dann einen wahrheitsgemäßen Artikel über die Zustände auf dem Lauchhammcr Werk veröffentlicht hatte. Von einem Meister war er während der Pause herumgeführt. Die Revision gegen das eigentümliche Urteil schwebt noch. Aus den schriftlichen Urteils- gründen heben wir folgende Stellen hervor, in denen sich das Gericht darüber ausläßt, was Hetzen ist. Es sagt, um die Verurteilung als begründet erscheinen zu lassen: „Seine(des Angeklagten) Absicht war von vornherein die, die auf dem Werk bestehenden Verhältnisse, soweitsiealsMiß- stände erscheinen konnten, möglich st hcrvorzu- heben und dadurch Unzufriedenheit unter den dort beschäftigten Arbeitern hervorzurufen und Zwietracht zwischen ihnen und dem Arbeitgeber der Aktiengesellschaft Lauchhammer, die, wie er wußte, gegen einen Anschluß ihrer Arbeiter an den Mctallarbciterverband war, zu erwecken. Um so Hetzen zu können, wollte er Ein- tritt in das Werk erlangen." Im Urteil wird dann der Artikel, der in ruhiger Weise Miß- stände auf dem Werk hervorhob, angeführt, und dann erklärt: „Der Angeklagte bestreitet zwar, von vornherein die Absicht gehabt zu haben, einen solchen Hetzartikcl zu schreiben". Das sei aber unrichtig,„die Schlußsätze des Artikels, der Hinweis auf ihre Menschenrechte, die ausdrückliche Auf- forderung an sie, von dem Rechte der Organi- fation Gebrauch zu machen, lassen keinen Zweifel über das Wesen und den Zweck des Artikel s." Das Gerichtsurteil stellt also damit fest: Hetzen heißt Mißstände aufdecken und die Arbeiter ver- anlassen, von dem im Kulturinteresse dringend notwendigen gesetzlichen Koalitionsrecht Gc- brauch zu machen. Ein prächtiges Eingeständnis eines könig- lich preußischen Landgerichts. Wegen dieses Eingeständnisses mag man dem Langericht verzeihen, daß die Wahl des Wortes Hetz- artikel in diesem Zusammenhange die Arbeiter mit Hunden ver- gleicht, die man auf das gefährliche Wild Arbeitgeber hetzt. s Interessant ist in den schriftlichen Urtcilsgründen auch folgender" Passus: „Man läßt Fremde allgemein nicht ohne weiteres in solche Fabrikanlagen hinein, schon damit die Arbeiter nicht durch das Erscheinen von Zuschauern von ihrer Arbeit abgelenkt werde n." Ei freilich, es könnten ja sonst die Arbeitssklaven einige Sekunden lang mit der Schaffung von Mehrwert einhalten! Bei solchen?lnschauungen ist es begreiflich, daß Klassenurtcile ergehen müssen. Richter, deren Anschauung sich in den wicdcrgegebenen An- sichten widerspiegelt, können beim besten Willen nicht anders, als ausschließlich das Interesse der Unternehmer gegen die Arbeiter- klasse lvahrzunehmen. Gerade das Unbewußte der Beugung des Rechts ist das gefährlichste Element der Klassenjustiz. Unter den neuen.Handelsverträgen. Von der ober- schlesisch-rus fischen Grenze wird uns geschrieben: Seit dem 1. März, dem Tage des Inkrafttretens der neuen Handelsverträge, haben sich die Verhältnisse im Grenzverkehr und für die Grenzbcvölkerung hier erheblich verschlechtert. Auf Ver- fügung der(preußischen) Provinzialfteucrdirektion ist die bis- herige zollfreie Einführung kleiner Mengen Fleisch und Mehl aus dem benachbarten Russisch-Polen an den bisher dafür in Betracht kommenden Punkten der Grenze, bc- sonders bei Myslowitz,„bis auf weiteres" untersagt. Dadurch ist Tausenden obcrschlcsischer Proletarier die Möglichkeit genommen, sich diese wichtigsten Nahrungsmittel überhaupt zu ver- schaffen, denn im Jndustriebezirk selbst ist besonders das Fleisch unerschwinglich teuer. Daran hat auch die Erhöhung des Kon- tingents der von Russisch-Polen einzuführenden Schweine nichts geändert, denn diese sind seit dem 1. März so erheblich teurer geworden— einmal durch die Erhöhung des Zolles für russische Schweine und weiter durch eine jetzt von den russischen Behörden von jedem auszuführenden Schwein erhobene besondere Gebühr von 5 Rubel— daß die Fleischer gegenwärtig nicht einmal das früher bewilligte Quantum Schweine einführen. Auch auf russischer Seite geschieht das möglichste, den Grenz- verkehr zu beschränken. Die Halbpässe für Grenzbewohner gelten allerdings auch unter den neuen Handelsverträgen noch, die Grenz- zone für ihre Geltung ist sogar von 22Vi Kilometer aus 30 Kilo- meter erlveitert worden, gegen die Inhaber solcher Halbpässe gehen die rusfischeu Grenzsoldaten neuerdings aber in rücksichtslosester Weise vor und jeder irgendwie„Verdächtige" wird angehalten und meist ohne weiteres auf preußisches Gebiet zurückgewiesen. An manchen Grenzpunktcn, wie neulich bei Czenstochau, wird zeitweilig der Uebertritt auf russisches Gebiet ganz untersagt. Natürlich verursachen solche Grenzplackercien hüben und drüben Hunderten und taufenden schweren geschäftlichen und anderen Schaden.— HuelancL Italien. Und weiter Blutvergießen! Rom, 24. März.(Eig. Ber.) Die Nachrichten auS Süditalien, die in der stereotypen Form neue Gewalttaten gegen wehrlose Arbeiter melden, machen einen um so erschütternderen Eindruck, als sie gerade in den Honigmond des MinisterialiSmuS der sozialistischen Parlamentsfraktiou falle». Gerade in der öden Eintönigkeit, mit der sich diese tragischen Ereignisse wiederholen, liegt eine furchtbare Lehre für alle, die den»»heil- baren KlasicnantagonismuS zwischen Unternehmern und Arbeitern verkeimen oder vergessen konnten. Wieder ist die Provinz Lecce, wo schon so diele blutige Konstikte der letzten Jahre sich abspielten, der Schauplatz der Bluttat, wieder sind streikende Arbeiter die Opfer, wieder haben die Truppen sich„korrekt verhalten" und nach allen Regeln der Kunst wehrlose Menschen niedergeschossen. In Maglie, Muro und Scorrano streikten seit 3 Tagen die Landarbeiter, um die elenden Löhne(1 Fr. für die Männer, 40 Cent, für die Frauen) zu erhöhen. Die Besitzer hatten es abgelehnt, zu verhandeln, der Regierungspräsident(Präfekt) hatte Truppen geschickt. Freitagnachmittag wurden nun in Scorrano 11 Arbeiter, die auf einem Grundstück arbeiteten, von den Streikenden aufgefordert, sich ihnen anzuschließen. Die Truppen, für deren Ein- mischnng keinerlei Veranlassung bestand, wurden schnell herbeigeholt, um die„Freiheit der Arbeit" zu schützen. Der kommandierende Osfizier forderte die Menge auf, sich aufzulösen, ohne daß dieser Ausforderung Folge geleistet wurde. Daher die drei üblichen Trompetenstöße, dann ein Bajonettangriff, den die erbitterte Menge mit Steinwürfen beantwortete. Nach der osfiziellcn Version sollen dann die Soldaten ohne Order geschossen haben! Ei» Streikender soll tot, ein Unbeteiligter verwundet sein. In ähnlicher Weise spielte sich der Konflikt in Muro ab, wo die Streikenden die Schließung der Läden durchsetzen wollten. Auch dort sollen die Soldaten ohne Besehl geschossen haben, weil sie mit Steinen beworfen wurden. Die Zahl der Verwundeten soll hier sieben betragen. Es ist also das alte Lied, wie wir's von Giolittis und Fortis Zeiten her keimen. Sonnino ist nicht daran schuld— wie seine Vorgänger nicht daran schuld waren.— Aber Somnno wird, wie seine Vorgänger, die eigentlich Schuldigen, die kopflosen Beamten lind die brutale Soldateska, straffrei ausgehen lassen, weil ihm die Achtung vor der„Freiheit der Arbeit", vor der Heiligkeit des Streik- brecherS zu tief im Blute sitzt, als daß er sie je verleugnen könnte. Er ist nicht umsonst der Sachwalter der Interessen des Besitzes I Und so hat Sonnino heute im Parlament auf die recht zahme Interpellation der Sozialisten kein Wort des Bedauerns über die Gelvalttat gehabt und nur versichert: Die Truppen hätten ihre Pflicht getan. Der„Avanti" fordert in heftigen Worten die Bestrafung der Schuldigen und regt eine energische Agitation der Parlamentsfraktion an, um die Bestrafung zu erzielen. Sicher wird aber Sonnino, wie jeder andere Minister der Bourgeoisie, den Handlungen des 5kapitals seine Solidarität nicht verweigern. Mau wird fortfahren, die Stumpfheit und Roheit der Truppen gegen die Arbeiter zu kehren, sobald diese an den heutigen Pfosten des Profits rütteln wollen. Das liegt in der Natur der Klassengesellschaft, und darum kann keine sozialistische Partei jemals den HerrscheudendieserGesellschaft ihr Vertrauen aussprechen, ohne daß die Unterdrückten an der Partei irr werden. Die innere Logik der Dinge hat diesmal mit erschreckender Schnelligkeit eine allen faßbare und greisbare Gestalt bekommen. Das Blut der Opfer kommt nicht über Sonnino, lvohl aber über das System, das Somnno repräsentiert und repräsentieren muß und das sich mit jeder Form der Lift und Ge- walt um seine Existenz wehrt. Daß doch die Vorgänge von Scorrano und Muro denen, die dies nicht sehen wollen, die Augen öffnen möchten!— Amerika. Es dämmert. London, 26. März.(28. T. 23.) Wie die Blätter ans Washington melden, hat der amerikanische Ilrbeiterbmid die Anfstellung eigener Kandidaten für den Kongreß beschlossen. Der Bund hat bisher die Republikaner unterstützt, macht diesen jedoch den Vorlvurf, die Interessen der Arbeiterpartei vernachlässigt zu haben. Der Bund verfügt über eine ungeheure, weit ausgedehnte Organisation.— Bergarbeiterleben in der Mark. (Eigener Bericht des„Vorwärts".) Siebenter Verhandlungstag. K o t t b u s, 26. März. Nach Eröffnung der Sitzung wurden noch einige nachträglich geladene Zeugen vernommen, welche Zlussagcn über Mißhandlungs- fälle machten, die bereits in früheren Sitzungen erörtert wurden. Im allgcnieincn wurde nichts Neues vorgebracht. Erlvähnenstvert ist die Aussage einer Zeugin, die Slngaben über den Fall macht. wo ein mißhandelter Arbeiter den Gärtner gesehen hat, der in das städtische Krankenhaus in Scnftenbcrg aufgenommen wurde. Der Mißhandelte, Arbeiter Pick, wohnte bei der Zeugin Frau Arlt. Pick kam blutüberströmt nach Hause und teilte der Zeugin mit, er sei von einem Aufseher des Werkes„Görlitzcr Flur" gemißhandelt. Die Zeugin ging mit dem Verletzten zu Gärtner und dann zur Polizei, um die Aufnahme des Vcr- letzten ins Krankenhaus zu erwirken; Pick wurde auch ins Krankenhaus gebracht. Aus dem in Händen des anwesenden Sachverständigen und Zeugen Dr. Glomb befindlichen Krankenhaus- journal geht hervor, daß bei der Untersuchung Picks Wunden am Kopf, tüchtige blaue Flecke an der linken Schulter und Hüfte festgestellt wurden. Ueber die Entlassung Picks aus dem Kranken- hause ist im Journal nichts vermerkt. Es scheint, daß er im Delirium vor seiner Heilung sich ans dem Kranken hause entfernt hat. Später ist Pick wieder zu Frau Arlt gekommen. Er erhielt dann eine Vorladung von der Polizei. Er glaubte, er solle wegen der Mißhandlung vernommen werden, er wurde aber aufgefordert — die Krankcnhauskostcn zu bezahlen. Um dem zu entgehen, hat sich Pick aus Senftcnbcrg entfernt und ist nicht zu ermitteln.— — Der Fall Pick wird hauptsächlich nach der Richtung hin erörtert. ob die Senftcnbergcr Polizei, obgleich sie Kenntnis von einem Falle von Körperverletzung erhielt, nichts zur Verfolgung des Beschuldig- ten getan hat.— Die Zeugin Arlt bekundet, daß Pick, als sie mit ihm auf der Polizei war, nicht vernommen wurde. Er hat ihr aber nach feiner Rückkehr aus dem Kraukenhause erzählt, er sei im Krankenhausc vernommen worden. Von welcher Seite und zu welchem Zwecke läßt sich augenblicklich nicht feststellen. Ter hier- über vernommene Polizeisergcant Tröder weiß nichts von einer Vernehmung Picks, da es sich um einen Arbeiter der„Görlitzer Flur" handelt, so gehöre der Fall nicht zur Zuständigkeit der Senftenberger Polizei.— Der Verteidiger stellt Fragen an den Polizeisergeanten Tröder, um festzustellen, wie denn die Polizei in solchen Fällen verfahre, wo ihr ein Verletzter vorgeführt und ihr bekannt werde, es handele sich um eine strafbare" Körperver- lctzung.— Der Zeuge verweigert hierüber die Antwort unter Berufung auf das Dien st geheim- n i s.— Dem Zeugen wird dann die Frage vorgelegt, ob er nichts unternehmen würde, wenn ihm jemand vorgeführt wird, der so schwer verletzt ist, daß er nicht selber gehen kann(wie es in diesem Falle war) und wenn ihm dabei mitgeteilt wird, daß der Verletzte mißhandelt worden sei.— Nach einigen unbestimmten Antworten sagt der Zeuge schließlich: Wenn keine Gefahr im Verzuge sei. würde, er keine Vernehmung vornehmen, sondern den Verletzten zum?lrzt schicken, besonders in diesem Falle, wo die Senftenberger Polizei gar nicht zuständig sei. Staatsanwalt und Verteidiger. Zu dem Beweisthema: Mißhandlungen, meldet sich ein schon früher vernommener Zeuge, um etwas zu bekunden, was ihm erst nachträglich eingefallen ist: Der Bruchschläger Lorenz hat einen Arbeiter in der Grube so geschlagen, daß dem Manne die Mütze und Lampe enlsiel und er sich im Finstcrn befand. Lorenz entfernte sich dann, der Zeuge schaffte dem Geschlagenen Licht.— Nach dieser Bekundung bemerkt der Staatsanwalt: Dieser Zeuge habe schon öfter nachträgliche Aussagen gemacht. Es scheine, daß dem Zeugen alle Augenblicke etivas Neues einfalle und deshalb immer neue Fälle zur Sprache lomjueu. Wolsin solle denn das führen.— Rechts- SWtwTt Liebknecht wirst hier ein: DaS ist ein Zeuge, der der Anklage unangenehm, der Verteidigung aber sehr angenehm ist.— Der Staatsanwalt sagt darauf in gereiztem Ton: Er bitte den Vorsitzenden, ihn gegen diese Bemerkung des Verteidigers in Schutz zu nehmen. Weiter knüpft der Staatsanwalt an die Aussage des Zeugen Erörterungen, die der Verteidiger als plaidoherartige AuSführunngcn bezeichnet.— Auf Befragung durch den Verteidiger sagt der Zeuge: Er habe sich auf den eben angegebenen Fall erst jetzt besonnen, und da er beschworen habe, nichts zu ver- s chwc i gc n, so halte er cS für seine Pflicht, alles anzugeben, was ihm nachträglich noch einfällt. Hierauf wird Beweis erhoben über die sanitären Verhältnisse auf der Stndtgrnbe. Den Anlaß dazu bietet ein PassuS in dem von Gärtner heraus- gegebenen Fh'gblatt, besagt: Von zirka 100 auf der Stadtgrube beschäftigten Arbeitern seien in einer Woche 32 krank ge- u-esen. Die Zustände auf der Grube seien so schlecht, daß Leben und Gesundheit der Arbeiter aufs Spiel gesetzt werde. Als BelvciSmittel legt der Verteidiger statistische Angaben vor, welche der vom preußischen Handelsministerium herausgegebenen ..Zeitschrift für Bergbau, Salinen- und Hüttenkunde" entnommen sind. Danach kamen auf 1000 Knappschaftsmitgliedcr in sämtlichen preußischen Knappschaftvereinen im Jahre ISOS 505, im Jahre 1004 605 Krantheitsfällc. Für die Knappschaftsvereine im Ober- bcrgamtsbczirk Halle kommen auf je 1000 Mitglieder im Jahre 1305 530 und im Jahre 1004 502 Krankheitsfälle. Der Brandenburger Knappschaftsverein hatte aber auf je 1 0 00 Mitglieder im Jahre 1805 541, im Jahre 1004 0 10 Krankheitsfälle. Hiernach find also die Erkrankungen der Arbeiter im brandenburgischcn Braunkohlenbau erheblich zahl» reicher, als in anderen Bergvaubezirken. Die Schlüsse, welche die Verteidigung aus der Statistik zieht, werden vom Sachverständigen, Bergrat Baselt, angefochten. Er meint, wenn man die sanitären Verhältnisse eines Betriebes be- urteilen wolle, müsse man nicht nur die Zahlen, sondern auch die Ursachen der Krankheitsfälle kennen. Der toachferständige hat eine andere Zusammenstellung für den Braunkohlenbau im Regierungs- bezirk Frankfurt a. O. gcmacfit und dabei auch die Zahl der Krank- heitstage angegeben. Diese Zusammenstellung erstreckt sich auf die Jahre 1000 bis 1004 und ergibt, daß von 1000 bis 1902 eine erhebliche Zunahme der Krankheitsfälle und Krank heitstage stattgefunden hat und daß die Ver- hältnifse im Jahre 1002»och ungünstiger waren wie im Jahre 1004. Der Sachverständige führt das darauf zurück, daß infolge der steigenden Ausdehnung des Braunkohlrnbaucs viele fremde mit dem Bergbau nicht vertraute Arbeiter eingestellt worden seien, wo- durch sich die Zahl der Unfälle vermehrt habe. Durch Einsicht des Zeugen Dr. G l o m b in das Kranken» Journal, sowie durch Aussage des Betriebsinspektors Möller ergibt sich, daß im Februar 1004 von einer Belegschaft der Stadtgrube von 110 Mann in einer Woche 25 krank, waren und zwar handelt es sich um Kranke, die in ärztlicher Behandlung Ivare». Nicht be» rllcksichtigt sind die Kranken, die nur ein bis brc» Tage krank waren, ohne sich in ärztliche Behandlung zu begeben. Zur Aeußerung über die statistischen Angaben soll noch der Knappschastsdirektor Hcrzer als Sachverständiger geladen werden. Hierauf werden verschiedene Zeugen über Unfälle auf der Gtadtgrube vernommen. Nach der Darstellung eines Zeugen ist im Tagebau ein Stück des Kohlenflözes mit einem Inhalt von einigen hundert Wagen Kohle eingestürzt. Ein Ritz in der Kohlenwand war schon seit einigen Tagen vorhanden, so daß der Einsturz zu befürchten loar, jedoch wurde zur Verhütung der Gefahr nichts getane— In einem anderen Falle ist von einer Tonwand des Abraumes ein Stück, so groß wie ein halbes Haus in die Schurre, wo die Förderwagen be- laden werden, hinabgestürzt. Auch in diesem Falle liegen die Dinge nach Ansicht von einigen als Zeugen auftretenden Arbeitern so, daß der Absturz vermieden werden konnte, wenn die Betriebsbeamten die erforderlichen Vorkehrungen getroffen hätten. Man habe schon vorher bemerken können, daß ein Einsturz drohe. Die Tonwand war gefroren, deshalb habe sie noch gehalten. Als dann Tauwetter ein» trat, stürzte die Wand, wie vorauszusehen war, ein. Einen Riß konnte man schon mehrere Tage vorher sehen, der Steiger ist auch darauf aufmerksam gemacht worden, er sagte aber, die Wand hält noch.— An die Erörterung dieses Falles knüpfen sich längere Aus- führungen des Sachverständigen, Bergrat Baselt. Der Sachver» ständige ist der Meinung, daß hier nicht unbedingt eine Nachlässigkeit der Betriebsleitung angenommen werden könne. Hue Induftrie und Handel. 100000 M. für die notleidenden Agrarier, 0 für die Opfer von CourriöreS! Daß bei den Spenden für die Opfer von Courriöres meist ganz andere Motive als Mitleid maßgebend sind, dafür lieferte das Kalisyndikat ein recht krasses Beispiel. Wie der „Börsen-Courier" dieser Tage mitteilte, hatte das Mitglied des Aufsichtsrats Saur den Antrag gestellt, für die Opfer von Courritzres 50 000 M. aus Syndikatsmitteln zu bewilligen. Das genannte Blatt befürwortet solche Spenden u. a. aus politischen Gründen, zur Bekundung der Soli- darität des Unternehmertums. Das Syndikat hat solche Geschäftswohlfahrtsmoral noch erheblich in den Schatten gestellt. Das Syndikat hat den Antrag abgelehnt I Die Begründung gibt das charakteristische Relief dazu. Zunächst wird gesagt, das Syndikat halte sich nicht befugt,„über die Mittel der Gesellschaft in der beantragten Weise zu ver- fügen." Die Fadenscheinigkeit dieser Begründung erhellt aus der Tatsache, daß das Syndikat aus den Mitteln der Gesell- schaft 100 000 M. für die lanwirtschaftliche Geuossenschafts- schule in Darmstabt bewilligte, ferner Summen für die Feier des BergmannstageS. zur Unterstützung von Leuten, die selbst im Fett schwimmen. Aber das Syndikat weist auch selber nach, baß es sich bei der in der Form sachlichen Begründung nur um einen Vorwand handelt, hinter dem sich ein unsagbar kleinliches Motiv ver- bürgt. Die Syndikatleitung begründet die Ablehnung weiter mit der vorherigen Veröffentlichung des Antrages, das sei nach ihrer Meinung zu rekamehaften Zwecken geschehen. Ob das zutrifft oder nicht, ist wirklich gleichgülttg. Daß aber die Ab- lehnung aus so kleinlichen Erwägungen erfolgen konnte beweist, daß das namenlose Unglück auch nicht einen Grad von Mitleid nnd Hilfsfreudigkeit auszulösen vermochte. Weiter ist aber auch daraus zu erkennen, daß wenn man einmal in die Toga des Wohltuns sich hüllt, Nützlichkeitserwägungen und nicht Uneigcnnützigkeit den treibenden Fattor bilden. Die Arbeiter- schaff kann aus diesem Beispiel wieder erkennen, was sie von der oft marktschreiensch angepriesenen Menschenliebe und Wohl» fahrterei deS Kapitals zu halten hat. Gewinnverteilung. Wie die Dividenden künstlich verkleinert werden, zeigt die Bilanz SeS Schalker Gruben« und HüttenvereinS. Der Bruttoüberschuß deS letzten JahreS bclief sich auf 0085002 M. Davon wurden L200000 M. zu Abschreibungen verwendet. Da» Aktienkapital beträgt 10200000 M. Mithin wurde über ein Fünftel deS gefamten Aktienkapitals abgeschrieben Aber noch mehr Summen verschwinden. Für den Hochofen- erneuernngsfondS kamen in Eptraabzug 400 000 M.. für Bergschäden 650000 M., für außergewöhnliche Abschreibung 100 000 M.. für den SpezialreservefondS 150705®l. und fllr den Aufstchtsrat 102 844 M. Nach solchen Abzügen blieb für die Aktionäre nur noch die Kleinigkeit von 2 870 203 M. zur Verfügung, woraus«ine nur bescheidene Dividende— 27'/, Proz. verteilt wird. Die Preise steigen! Die velberter Schloßfabrikanten haben wiederum eine Preissteigerung— um 6 Proz.— vorgenommen. Maschinenfabrik Blumwe o. Sohn A.-G. Der gegen vaS vor- fahr etwas gestiegene Reingewinn, der sich nach Absetzung von 02 038 M. für Absckweibimgen auf 111 695 M beläuft, gestattet die Ausschüttung einer Dividende von 7'/, Proz. Ludw. Löwe n. Co. A.-G. Um'/« Million Mark, auf 1 006 573 M., stieg der Ueberswuß für das verflossene Geschäftsjahr. Für Abschreibungen werden 482 072 M. abgesetzt; der Reingewinn beläuft sich auf 005 003 M. 12 Proz. Dividende, gegen 10 Proz. im Vorjahre, gelangen zur Verteilung. Der Anteil des Hausbrandes am Gefamikohlenkonfum. Nach einer Zusammenstellung in den»Nachrichten für Handel und Jiidustrie' über die Gliederung der Verwendungszwecke der von den staatlichen Gruben abgesetzten Produkte enlsallen 2 500 532 Tonnen gleich 24,8 Proz. der Gesamtmenge auf Konto: Hausbrand und Handel. DaS.Glückaus" berechnet, daß von der Rnhrkohle 13,05 Proz. aus jeneS Konto entfallen. Oberschlesien und die Braunkahleiundustrie stellen dafür ein größeres Kontingent. Daraus ergibt sich die Be- deutung der Preissteigerung im Kleinhandel. Gewerksckaftlickes. Berlin und Qtncrtqeiid. Geht nicht nach dem Ruhr-Revier. Die Berliner„Morgenpost", ein bürgerliches Klaischblatt, das leider seinen Hauptstamm von Abonnenten tinmer noch in Arbeiterkreisen hat, enthält folgendes Inserat: Steinlohlendergwert am Niederrhein sucht bei gutem Lohn für unterirdischen Betrieb ordentliche Arbeiter. Alter 16— 25 Jahre. Freie Fahrt zugesichert. AuSluiift: Kochstr. 68 bei Dowe Mon» tag und DienStag. morgens 11—12, nachnnttogs 5—0 Uhr. Den jungen Leuten, die sich melden, wird ein Lohn von 2,50 Mk. bis 3 Mk.(später mehr I) versprochen, der natürlich völlig unzureichend für die Verhältnisse im Ruhr- Revier ist. Es handelt sich offenbar um Arbeiter für die Zeche „D e u t s ch e r K a i s e r" bei Duisburg. Es sei darauf hingewiesen, daß es den Agenten dieser Zeche schon einmal gelang, einen Arbeiter-Transport in Königsberg anzu» werben. 30 von diesen Lente» kehrten nach den Erfahrungen. die sie in Duisburg gemacht hatten, zn Fuß in ihre Heimat zurück. 28 meldete« sich bei der Polizei in Duisburg als obdachlos! Die Leute, die heute mittag um 2 Uhr nach dem Anhalter Bahnhof bestellt sind und die. welche sich noch anwerben lassen wollen, mögen sich dieses Schicksal der vor ihnen Ge« wordenen vor Augen halten I Eine Massenversammlung der Berliner Schlssser befaßte sich gestern abend im großen Saal der»Neuen Welt" abermals mit dem bisherigen Ergebnis der Tarifverhandlungen. Lau! Kom- missionsbencht des Bevollmächtigten Cohen haben sich die Meister in der letzten gemeinsamen Sitzung nur zu incr Erhöhung ihres ursprünglichen Angebots von 40 auf 42fl! Pf. als Minimallohn verstehen wollen, während die Gesellen 50 Pf. fordern. Die Meister gaben dabei sogar ihrer Meinung dahin Ausdruck, daß die Gesellen mit diefem Angebot sicher zufrieden sein würden, falls dir Kom- misfionsmitglieder ihnen nur freie Hand in ihren Entschließungen lassen wollten. Hätten die Meister gestern abend jedoch aus eigener Anschauung die Stimmung unter den Gesellen kennen gelernt, so würden sie ihre Meinung zweifellos bald geändert haben. Samt- lich« Diskussionsredner wandten sich unter stürmischem Beifall der Anwesenden mit Entrüstung gegen da? winzige Angebot der Meister und bezeichneten dasselbe alS eine direkte Verhöhnung und Heraus- forderung der ganzen Gescllenschaft. Mehrfach wurde gefordert, jede wettere Verhandlung jetzt einfach abznbreche» und am 1. April in den Streik zu treten. Erst der mehrfache Hinweis des Bevoll« mächtigten Cohen darauf, daß die jüngst stattgefundene General- Versammlung der Schlossermeister den ausdrücklichen Wunsch nach einer weiteren Verhandlung resp. Verständigung ausgesprochen hat, bewog die Versammlung, ihrer Kommission nochmals die Teilnahme mi der für den heutigen Dienstag festgesetzten erneuten Besprechung mit den Jnnungsvcrtrrtern zu gestatten. Dir endgültige Eni- scheidung über Krieg oder Frieden im Schlossergewerbe dürfte dem- nach der nächsten Versammlung vorbehalten sein. Die Lohnbewegung der Steinarbeiter in den Nicht-JnmmgS- gefchäften macht gute Fortschritte, nachdem die JnnungSmeister den Tarif angenommen haben. Einige Firmen sind allerdings sehr hartnäckig, aber cS wird von den Arbeitern eine Position nach der anderen gewonnen. Besondere Aufmerksamkeit soll den Grabsteingeschäften zugewendet werden. 60 Geschäfte, meist in Grab- steinarbeiten, stehen noch aus, die den Tarif noch nicht anerkannt haben. Von der Firma Hinze am Prenzlauer Tor wurde in einer Versammlung der Steinarbeiter bericktet, daß dieselbe den Lohn von 80 Pf. wohl bezahle, aber sich nicht durch Unterschrift dazu verpflichten wolle. Die Versammlung nahm einen Beschluß an. nach welchem die Angestellten bei Hinze am Mon- tag morgen die Unterschrift verlangen und bei einer Weige» rung die Arbeit niederlegen sollten.— Die Angelegenheit am Neubau deS Schillcr-TheatcrS in Charlottenburg rief eine längere Debatte hervor. Der geutralverband der Mauler hatte sich an den Verband der Steinarbeiter mit dem Ersuchen gewendet, daß keinem Steinmetz gestattet werde, dort zu arbeiten, so lange die organisierten Maurer— 85 an der Zahl— ausgesperrt bleiben. Di« Versammlung beschloß, dem Ersucken der Maurer stattzugeben und erklärte sich ferner mit der Taktik deS Vorstandes in der Lohn» bewcgung einverstanden. DeiieM»«« Reick»» Zum Tischlerstrrik in Frankfurt a. O. ist zu berichten, daß sich dort gegenwärtig rund 500 Gesellen im Ausstände befinden. Die bislang vom Streik nicht betroffene Firma Manz u. Gersten- b e r g hat am Sonnabend ebenfalls sämtliche im Holzarbeiter- verband organisierte Gesellen ausgesperrt, während sie die Un- vlganisterten und Hirsch-Dunckerschen weiter beschäftigt. Bor Zuzug wird bringend gewarnt. Di» Fabrit-Schuhmacher m Frankfurt a. O. sind wegen einer Verkürzung der Arbeitszeit von 10 auf 0 Stunden bei g'elchbleibenden Löhnen in den Ausstand getreten. Es wird vor Zuzug gewarnt. Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Bierhundert MöbeitranSportarbriter haben gestern(am Montag) in Magdeburg die Arbeit eingestellt. Sie waren dazu gezwungen, weil die Arbeitgeber die be- scheidenen Forderungen nicht erfüllten. Die Möbeltransport- arbeiter hatten bisher eine unmenschlich lange Arbeitszeit bei äußerst niedrigen Löhnen. Bei schwerer Arbeit mutzten sie darben und haben sich endlich aufgerafft und den Arbeitgebern durch ihre Organisation die Forderungen zugestellt. Nach berühmtem Vorbilde haben die Arbeitgeber nicht einmal Antwort erteilt auf das höfliche Schreiben, sondern in der Ver- sammlmtg der Fuhrherren ihre Arbeitet aufs brutalste verhöhnt. Unter diesen Umständen blieb den Möbelttaiisportarbeitern weiter nicht« übrig, als zum stärfsten Mittel, den Streik, zu greifen. Die Situation ist ginistig und kann der Erfolg nicht ausbleiben. Zuzug ist streng fernzuhalten.__ Sin gewaltiger Kampf la der MetaSindustrre beginnt heute in Hannover. Von den Formern waren durch den Metallarbeiter-Verband in allen 23 Maschinen- und Metall- Warenfabriken Forderungen eingereicht, um für diese Arbeiter- kategorie im allgemeinen gleichartige Arbeitsverhältnisse zu erzielen. Die wesentlichsten Forderungen waren: 1. ein Stundenlohn von 40 Pf. für Former unter 21 Jahren und 45 Pf. für ältere, für Maschinenformer und Kernmacher nicht unter 40 Pf., Hülfsarbeiter, die zum Kernmachen angelernt werden, sollen in den ersten sechs Wochen nickt unter 35 Pf. Stundenlohn erhalten. 2. sollten die völlig unklaren Akkordpreise bei jedem Stück Arbeit dem Former schriftlich aus einem Aikordzetlel vor Beginn der Arbeit zur Kenntnis gebracht werden. 3. forderte man Einsetzung einer Scklicktungskommisfion, die insbesondere die Differenzen bei den Akkordarbeiten ausgleichen sollte und 4. verlangte man die Beendigung der Arbeitszeit an Sonnabenden eine Stunde früher ohne Lohnabzug.-» Diese sehr bescheidenen Forderungen sind von den Unternehmern nicht bewilligt worden. Teilweise hat man nicht einmal den Anstand gezeigt, aus die Ein- gaben des Metallarbeiter-VerbandeS zu antworten. Um so mehr scheint sich das organisierte Unternehmertum über seine Matznahmen einig geworden zu sein. In vier von den 23 Betrieben besteht eine acht- bis 14tägige Kündigungs- frist und am Sonnabend reichten die Former in diesen vier Be- trieben, nämlich der Lindener Maschinenfabrik, dem Wülfeler Eisenwerk, der Drehbankiabrik von Wohle»- b e r g und der Maschinenfabrik von Körting wegen Nicht- bewilligung der Forderungen ihre Kündigung ein. Im Wülfelcr Eisenwerk geschah dieS morgenS und am Nachmittag kündigte die Direktion sämtlichem Personall Die gleiche Maßregel verfügte am Montag morgen die Lindener Maschineniabrik, die bis auf den früheren Sonnabendschluß und die Unter« schritt schon alles bewilligt hatte! In dieser Fabrik, die schon im Herbst v. I. sämtliches Personal wegen einer Lohnforderimg, die 10 Fräser stellten, 14 Tage lang ani die Straße geworfen hatte, arbeiten 1700 bis 1800 Mann! Am Montagabend fanden für alle Betriebe Versammlungen statt und soll am Dienstag in den Be- trieben, in denen eine Kündigung nicht besteht und nicht bewilligt ist, die Arbeit eingestellt worden. In den genannten vier Betrieben mit Kündigungsfrist arbeiten insgesamt 6000 bis 7000 Arbeiter: in allen 23 Betrieben beziffert sich der Personal- bestand auf etwa 13 000! Davon sind zirka 7000 im Metallarbeiter- verbände, zirka 2000 im Fabrikarbeiterverbande und etwa 500 in den christlichen und Hirsch-Dunckerschen Verbänden organisiert. Die Former, die allein Forderungen gestellt haben, zählen etwa 2000, davon find 1000 im Metallarbeiterverbande. Treffen die Unternehmer in allen 23 Betrieben dieselben Maßnahmen, wie bis !eute jene zwei Fabriken, dann werden binnen kurzem in Hannover 3 000 Arbeiter ausgesperrt sein. Das wäre der gewaltigste Kamps, der je in Hannover-Linden zwischen Kapital und Arbeit ausgefochteii ist, und der wegen der geringen Forderungen der Arbeiter zugleich der frivolste von übermütigen Unternehmern provoziert« Kampf sein würde._ Der Streik im Zeih-Meuselwitzer Revier ist perfekt. Nachdem am Sonntag zahlreiche Bergarveiter- Versammlungen der Zeitzer, Meuselwitzer, Wethenfelser und Luckauer Braunkohlenreviere den Ausstand beschlossen haben, sind am Montag früh die Belegschaften aus vielen Gruben nur teilweise eingefahren. Im ganzen streiten etwa 3—4000 Bergleute. Tie vureauangessellten in Königsberg find in eine Lobn- bewegung eingetreten. Sie werden den Anwälten folgende Forde- rungcn unterbreiten. An Mindefilöhnen sollen gezahlt werden: an Lehrlinge im ersten Jahre 25 M.. im zweiten Jahre 35 M., im dritten Jahre 50 M.; für Ge hü Ifen bis zu 17 Jahren 60 M., für Gehülfcn bis zu 21 Jahren 75 M. und für ältere Gehülfen 100 M.; für Aurea uvo ist eh er im Alter bis zu 25 Jahren 125 M.. für ältere Burenuvorstcher 150 M. Für Stenographen Und Maschinenschreiver sollen sich vor- stehende Sätze um 25 Proz. erhöhen. Es gibt in Königsberg 234 Anwaltsangestellte. Gegenwärtig werden die miserabelsten Löhne gezahlt. So speist man Gehülfen mit 30, 40 bis 50 M. pro Monat ab. Lehrlinge erhalten 4 bis 20 M. pro Monat. 1000 Schneider und Schneiderinnen befinden sich feit einer Woche in Königsberg im Streik und noch ist gar nicht abzu» sehen, lvenn der Kampf beendet sein wird. Anfänglich schien e». als ob der Streik in wenigen Tagen vorüber sein würde, aber man hatte die Rechnung ohne das Unternehmertum gemacht. Dieses ver- langt einfach, daß die Arbeiter sich ihren Beschlüssen unterwerfen sollen. Eine Lohnerhöhung von 15 Proz. wollten die Herren be- willigen, nur für die zweite Anprobe wollten sie nichts geben. Die Schneider verlangten eine Mark und ermäßigten später ihre Forderung auf 50 Pf., und nur für Heimarbeiter, aber die Arbeit- geber erklärten, nicht einen Pfennig zu geben. Am Sonnabend be- schloffen die Streikenden, auf ihrer Forderung zu bestehen und weiter im Kampfe auszuharren, bis der Sieg errungen ist. Di« Tarifbewegung der Bäckergehlllfen in München beendigt. Eine neuerdings abgehaltene überaus stark besuchte Versammlung der Bäckergehlllfen hat nach einem Referat des Hauptvorsitzendcn A l l m a n n- Hamburg die mit der Innung bor dem Einigungs- amte getroffenen Vereinbarungen nunmehr mit großer Mazorität angenommen. .ckualanck. Die Schuhmacher Wiens sind in eine Lohnbewegung gettetcn. Am Sonntag vormittag fand eine von etwa 3000 Werkstätten- arbeitem beiuchte Schuhmacherdersammlung statt, welche beschloß. wegen Richtbewilligung ihrer Forderungen am 2. April mit dein Ausstand in den ersten ackt Bezirken zu beginnen und dann nach und nach die anderen Bezirke folgen zu lassen. Ein KellneranSstand ist in T o u l o n ausgebrochen. Am Sonn» tag mußten deswegen sämtliche Kaffeehäuser geschloffen werden. l�etzre Nachrichten und Dcpcfchen. Leichter Verdienst. Budapest, 20. März.(B. H.) Blättermeldungen zufolge soll der bekannt« SportSman Szemere in den letzten Tagen im Wiener Jockeyklub abermals»ine Summe»in eineinhalb Millionen Kronen gewonnen habe». Arbeiterschutz in England. London, 26. März.(W. T. V.) Unterhaus. Der Ministor des Inneren Gladstone bringt einen Gesetzentwurf ein, der das be- stehende Gesetz über di« Zahlung von UnfalleutschSdigungen seitens der Nnternebmer an in ihren Betriebe»»u Sckaden gekommene Arbeiter ergänzt und verbessert. Der Gesetzentwurf dehnt den Entschädigungsanspruch aus alle Personen, die für einen Unier- ncbmcr arbeiten, aus. mit Ausnahme einiger weniger Klassen, wie Polizeimannschafien. Handlungsgehülfen und Dienstboten. Dem» gegenüber sollen alle im Transportverkehr beschäftigten Arbeiter. Fischer, Seeleute und bei der Post beschäftigte Personen nach den Bestimmungen dieses Gesetzes aus Entschädigung Anspruch babeu. Bezüglich gewisser Bcschtänkunaen deS Entschädigungsanspruches erklärt GladstoNe. daß das Gesetz noch keinen Abschluß bringe, eine endgültige Lösung der ganzen Frage vielmehr erst durch eine Zwangsversicherung, dle aber vorläufig noch nicht ausführbar sc'. zu erwarten sei.— Nach einer Debatte, in der sich Redner aller Parteien im zustimmenden Sinne äußern, wird!>-r Ge.sek-'ntwiirs in erster Lesung angenommen'. Berantw. Redakteur: HanS Keber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck«.Verlag: BorwärtsBuchdr.u.verlagSanstalt PaulSiNgerScTo..BerltnLW. Hier»»4v«il«sen».Unterhaltuns4blatt Nr. 72. 23. Zahrgang. 1. VkilU to.Hmiick" Sttliiitt WsM Ditiistag, 27. Marz 1906. Reichstag» 75. Sitzung. Montag, den 26. Mörz, nachmittags T Ichr. Am Tisch des Bundesrates: Prinz Hohenlohe. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Präsident Graf Ballestrem: Ich habe Ihnen die Mitteilung zu machen, daß der Vizepräsident Dr. Paasche erkrankt ist. Da leider zu befürchten ist, datz diese Krankheit nicht in den nächsten Tagen gehoben sein wird, tritt an das Präsidium die Sorge heran, ob es immer, da es nur auf vier.Augcn beruht, imstande sein wird, seine Pflicht zu erfüllen. Ich möchte daher, wie das schon früher geschehen ist, an die Herren Kollegen die Bitte richten, während der Sitzung eine Vereinbarung zu treffen, damit wir einen sogenannten Aus- HülfSpräsidenten ernennen. Wenn ein solcher Antrag im Laufe der Sitzung eingeht, werde ich ihn zur Beschlußfassung stellen. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die erste Beratung der Ergänzung deS RrichshauslialtSetatS für 1906. Der Ergänzungsetat wird auf Antrag des Abgeordneten v. Normann(k.) der Budgetkommission überwiesen. Es folgt die zweite Beratung des Etat» für Reu-Guinea. Abg. Erzderger(Z.): ToS Schutzgebiet von Neu-Guinea wird vielleicht sehr bald zu sehr Hübschen! Schilderungen a la Oberst Deimling Gelegenheit geben, wenn nämlich auch nur ein Zehntel der Schilderungen einer kürzlich erschienenen Broschüre wahr sind. Ich stütze mich aber nicht auf diese Broschüre, sondern auf a m t> l i ch e'S Material. Nach ihm kommt auf zwei Farmer, auf vier zehn Deutsche immer schon ein Beamter. 75 Prozent der Ausgaben der Kolonie müssen vom Reich bestritten werden, so datz uns jeder Farmer auf 28 000 Mark zu stehen kommt. Da könnte man diese Farmer hier in Teutschland als Reichspensionäre doch eigentlich billiger ernähren!(Sehr gut! link».) Dabei beträgt die ganze Einfuhr zurzeit nur 2.2 Millionen, die Ausfuhr 1.216 Millionen. — Ich komme nun zu dem Hauptpunkte: Gegen den Lande». Hauptmann Brandeis von den Marschall-Jnseln sind schwere Borwürfe erhoben worden. Ich frage an, ob man gegen die Petenten, die diese Vorwürfe erhoben haben, etwa in derselben Weise vorge. gangen ist, wi« gegen die Akwa-Häuptlinge? Ein Hauptvorwurf ist der, datz der Landeshauptmann die Prügelstrafe gegen Eingeborene beohängt hat, obgleich er nach den öffentlich publizierten Gesetzes- bcstimniungen dazu nicht befugt war und die» wissen mutzte. DieS erfordert Aufklärung. Auf den Marschallinseln wäre es bei Voll. ziebung der Prügelstrafe zu einem Aufstand gekommen, wenn nicht ein Kriegsschiff anwesend gewesen wäre. Sogar wegen D i S. ziplinarvergehen ist die Prügelstrafe vollzogen. Dabei hat der Landeshauptmann nach seinem letzten Urlaub noch ein« A u S. z« i chn u n g erhalten. Unbegreiflich ist, datz die Verwaltung die Anwendung der Prügelstrafe zur Aufrechtcrhaltung von Ruhe, Ordnung und Sicherheit zulässig erklärt. Für Neu-Guinea ist jetzt die Prügelstrafe ganz allgemein eingeführt. Früher hat man da? zu vertuschen gesucht. Wie will die Verwaltung dies rechtfertigen? Wenn die Emgeborenen eine Haut hätten, wie sie der Reichskanzler auf dem Festmahl de» LandwirtschaftSrat» ge. priesen hat, würden sie vielleicht nur ein angenehmes Jucken empfinden.(Heiterkeit.) Die Südseeinsulaner sind aber weit fein- fühlender.(Heiterkeit.) Nach Ansicht der Missionare sind nach zweimaligem Empfang der Prügelstrafe die Südseeinsulaner geistig und moralisch gebrochen. 1890 drohte dort wegen Perhängung der Prügelstrafe ein Aufstand. Sollte die deutsch« Kolonialpolitik die Eingeborenen so dcpraviert haben, datz sie jetzt nicht mehr gegen das Prügeln rebellieren? Nicht nur im Interesse der Menschlichkeit, Kultur und Zivilisation, sondern auch ,m Interesse der deutschen Steuerzahler fordern wir die bedingungslose Zurücknahme der Regierungsverordnungen über die Prügelstraf« in den Südseekolonien. Sonst werden wieder die deutschen Steuerzahler für die Fehler der Kolonialverwaltung zahlen müssen.(Bravo l) Erbprinz zu Hohenlohe: Di« Ausführungen deS Mg. Erzberge. konnten durch eine Bemerkung den Anschein erwecken, als könnten deutsche im Kolonialdienst angestellt« Beamte durch eine Flasche Sekt bestochen werden. So wenigstens soll nach der Beschwerdeschrift deS betreffenden Beamten auf der Fahrt nach Neu-Guinea ein Ang«. stellter der Jalut. Gesellschaft sich zu ihm geäutzert haben. Diese In sinuation ist aber derartig lächerlich und frivol, datz ich darauf über- Haupt nicht eingehe.(Bravo l rechts.) Geh. LegationSvat Rose: DaS Beamtenpersonal in Neu-Guinca ist wegen der auherordentlichen Zerstreutheit deS Landgebietes in diesem Umfang« erforderlich. Uebrigen» sind unter den 466 weiße» Ansiedlern in dieser Kolonie nicht weniger al» 174 Missionare. ' Ich komme nun zu der Verhängung der Prügelstrafe durch den Hauptmann Brandet» auf den Marschallinseln. Von Barbarei und Grausamkeit kann hier gar»ein« Red« sein. Es ist nur«ine mätzige Anzahl von Hieben verabreicht worden und zwar u, Gegenwart eines ArztcS. Gerade Hauptmann Brande!» erfreut sich großer Beliebtheit bei den Misstonaren. DaS würde nicht der Fall sein, wenn er grausam wäre! ES sind auch nicht»0 und 40 Personen geprügelt, sondern nur einzelne Individuen. Die Ein. geborenen fühlen sich unter unserer Verwaltung auch durchaus wohl. Auf alle Fäll« hat Hauptmann Brandeis bona liae gehandelt, er war der Ansicht, datz die Prügelstrafe zulässig sei. ES ist doch recht. lich auch sehr zwcifclbaft, ob nicht in gewissen Fällen die Prügelstrafe gestattet ist, da die Anwendung derselben ja unter Umständen auch in der Heimat zulässig ist. Mit Recht hat auch der Abg. Ledebour in der Kommission daraus aufmerksam gemacht, wie schlecht die Ein. geborenen Gefängnisstrafen ertragen. Da ist eS doch besser, zu leichten Prügelstrafen als zu schweren Gefängnisstrafen zu greifen. In Neu-Guinea ist übrigen» schon seit 1886 die Prügelstrafe beseitigt. Mit Unrecht ist dem Landeshauptmann der Vorwurf gemacht worden, datz er Geld von Eingeborenen zurückbehalten habe. Di« Steuer wird dort in einer bestimmten Menge Kopra bezahlt. ES hat dort nur dasjenige Wert, waS 50 Pf. Wert hat. Infolge. dessen hat der Landeshauptmann, wenn er 27,88 M. zahlen mutzte, nur 27, 50 M. gegeben und die übrigen 88 Pf. in emc Kasse ge. warfen, deren Einnahmen nicht gebucht wurden. Sobald die Summe von Ivb M. zusammen war, hat er sie den Insulanern zu Kaisers Geburtstag geschenkt, um ihn«n«ine Fr«ud« zu machen. Datz die Eingeborenen nach ein. bis zweimaliger Vollziehung der Prügelstrafe zusammengebrochen seien, gehört in das Geviet der Fabel. So schwächlich sind die Eingeborenen nicht, daß sie zusammenbrechen. zumal bei so kolossal mätzigen Prügelstrafen.(Rufe link»: Kolossal mähigl) Wg. Taeback,(Z.): Wenn wegen der grotzen Ausdehnung der Kolonie so viele Beamte notwendig sind, so beweist das eben auch nur die These de» Abg. Erzberger, datz wir diese Kolonien so bald wie möglich aufgeben müssen, da sie sich nicht rentiere»können.— Augenzeugen haben mir versichert, datz die Prügelstrafe in der grausamsten Weise vollstreckt w:rd. Wenn der Soldat nicht so haut, datz die Peitsche beim Nieder» sausen zischt, wird er selbst geschlagen.(Hört! hörtl link».) Ist es wahr, daß auf einfache Beschwerde der Ansiedler hin von den Beamten jeder farbige.Arbeiter barbarisch, unmenschlich geprügelt werden darf? Ist wirklich die Prügelstrafe jetzt unter allen Um. ständen abgeschafft? DaS ist die Frage!—'Wenn im Deutschen Reich jemand S Pf. unterschlägt, wird er bestraft. Wenn also Hauptmann BrandeiS in so zahlreichen Fällen immer nach unten abaerundet hat, so müssen wir unS doch sehr darüber wundern, um so mehr, al« dort da» Geld ziemlich rar ist. Da» ist keine Kolonial. volitik für die wir viel Geld bewilligen können und di« un» Erfolge dringen wird.(Beifall im Zentrum.) Geheimrat Rose: Die Zurückbehaltung der Pfennige geschieht mit Einwilligung der Häuptlinge. Die Six-Pence-Münz« ist di« niedrigste Münze, für die man dort in einem Store überhaupt etwa» bekommt Di« Eingeborenen sind also froh, datz ihnen für di« zu. rückbehaltenen Pfennige schließlich ein schönes Fest gegeben wird. Es ist keine Rede davon, datz ein Herr seinen Diener beliebig durch «inen Beamten prügeln kann. Das Prügeln geschieht nur nach gründlicher Ilnrcrsuchnng nach den Bestimmungen vom 20. Juni 1900 zur Aufrechtcrhaltung der Disziplin unter den farbigen Arbeitern. Abg. Ledebour(Soz.): Herr Geheimrat Rose schloß seine Rede mit den Worten, datz auch der Verwaltung nur daran gelegen sein könne, datz die Eingeborenen menschlich behandelt werden. Diese theoretische Versicherung genügt uns aber nicht, die Bollmachten, die man den Beamten an Ort und Stelle gegeben hat. ind nicht derart, datz sie die Durchführung djeser Theorie sichern. Die Ausführungen, die wir hier über die Prügelstrafe in Neu- Guinea und Umgegend gehört haben, waren so widerspruchsvoll wie nur möglich.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) ES handelt sich um drej verschiedne Fragen. Ersten?: ist die Prügel- strafe dort rechtlich zulässig? Zweitens: ist sie über- Haupt zweckmähig nach Ansicht der Verwaltung? Und drittens: führt sie zur Verrohung, zur Entnervung. also zur körperlichen und seelischen Zerstörung der Eingeborenen? Ueber die rechtliche Frage sind sich offenbar die Beamten an Ort und Stelle und hier noch rncht im klaren gewesen. Selbst Herr Rose tejlte mit, er sei erst neuerdings eines Besseren überzeugt worden, und er ist doch jahrelang dort tätig gewesen. Noch vor kurzem erklärte er, eS ginge in seinen Kopf als praktischer Verwaltungsbeamter nicht hinein, datz man die Prügelstrafe auf den Marschallinseln entbehren könne. Heute schien auS seinen im Zickzack hin» und herfahrenden Bemer- kungen, die von starker Verlegenheit zeugten, hervorzugehen, datz irgend jemand ihn nunmehr überzeugt habe, datz die Prügelstrafe dort doch nicht rechtlich zulässig sei. Aber, sagte er man kann eS den Beamten nicht so übel nehmen, datz sie geprügelt haben; Herr v. BrandeiS habe bona Käe gehandelt. Das ist ganz dieselbe Ge> schichte wie mit Herrn v. Brauchitsch. Sowie einem Beamten nach gewiesen wird, datz er seine Befugnis überschritten hat, wird stets zu seiner Entschuldigung gesagt: er hat bona 66« gehandelt, da» ,st kein ausgebildeter zünftiger Jurist, das mutz man eben mit in den Kauf nehmen. Wir wollen aber solche Dinge nicht in Kauf nehmen, und wir wollen auch nicht dulden, daß die Verwaltung sie jn Kauf nimmt, sonst werden die Leute bona 66« immer weiter prügeln, sondern eS muß energisch eingegriffen werden. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Mann bona 66« sich als absolut unfähig in Ausübung seine» Amte», in» besondere in Bezug auf die Behandlung der Eingeborenen, er» wiesen hat, so mutz er bona 66« zurückberufen werden! Damit aber ist die Rechtsfrage noch nicht erledigt. Also au den Marschallinseln ist die Prügelstrafe nicht zulässig, wohl aber wird auf Neu-Guinea auf Grund einer rechtskraftigen Ver> ordnung geprügelt. Nun hat Herr Rose sich da in unbegreitz licher Weise widersprochen. Er sagte auf der einen Seite, e» mutz geprügelt werden bei besonderen schweren Vergehen, und an einer anderen Stelle sagte er: ach, da» sind ja nur leichte Vergehen und kleine Diebstähle, bej denen geprügelt wird. DaS aller. schwerste war. datz er sagte, in Neu-Guinea würden auch Frauen geprügelt.(�Widerspruch de» Geheimrats Rose.) Der unmittel- bare Nachbar de» Herr Geheimrat Roft. Herr Erzberger. hat ihn auch so verstanden, ich bitte dann das Mißverständnis aufzuklären. Ich bin fest überzeugt, datz die Mitteilungen des Herrn Dasbach, wonach äußerst rigoros geprügelt wird, durchaus richtig sind. Die Prügelstrafe ist an sich etwa» Barbarische», ob sie nun mit einem Tauende, einer Nilpferdpeitsche, einem gesalzenen oder un. gesalzenen Riemen ausgeübt wird. Sie zerrüttet da» Nervensystem und wirkt demoralisierend, sie verroht auch die Beamten, dse das Prügeln selbst ausüben.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Nun hat Herr Geheimrat Rose mich als Zeugen für die Prügel- strafe aufgerufen. Er sagte, jch hätte in der Kommission an«. könnt, datz die Gefängnisstrafe auf diese in völliger Freiheit lebenden Eingeborenen schädlich einwirk«. Gewiß, aber die Schluß- folgerung, datz deshalb geprügelt werden mutz, ist njcht meine. sondern die der Verwaltung, gegen die ich mich ausdrücklich ver» wahre. Jch ziehe vielmehr die Schlußfolgerung daraus, datz man die Gefängnisstrafe nicht so lange ausdehnen darf, denn für einen Südseeinsulaner ist eine Gefängnisstrafe von einem Monat eine viel härtere Strafe als für einen Europaer.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Was die zweite Frage anlangt: ob die Prügelstrafe zweckmäßig ist. so hoffe ich, daß der Geheimrat. der ja belehrbar zu sein scheint, sich auch noch in der Weise belehren läßt, datz er einsieht, daß sie nicht zweckmäßig ist. Und nun gestatten Sie mir. Ihnen eine Autorität vorzufuhren, die gewiß allseitig anerkannt werden wird, nämlich Adalbert v. Ehamisso, der der erste war, der mit dem Schiffe„Rurik" die Marschallinseln besuchte. Ehamisso macht ae- rade über diese Südseeinsulaner Mitteilungen, die bei un» die gröhte Sympathie für sie erwecken, und bei jedem die Ueber- zeugung befestigen müssen, datz es eine rohe Barbarei sondergleichen ist. wenn man für diese Stämme die Prügelstrafe einführt. Jch will nur einzelne Sätze au» einem Buche verlesen. Da heißt et: „Uns trat überall da» Bild des Frieden» bei einem werdenden Volke entgegen, wir sahen neue Pskanznngen. fortschreitende Kultur. viele aufwachsende Kinder bei einer geringen Menschenzahl, zärt- liche Sorgfalt der Väter für ihre Erzeugten, anmutige, leichte Sitten. Gleichheit im Umgang zwischen Häuptlingen und Männern. keine Erniedrigung vor Mächtigeren."— Wenn die Leute doch hier nach Deutschland kämen, würden sie bei uns bej einer grotzen Zahl unserer Deutschen eine Erniedrigung vor Mächtigeren finden. (Sehr gut! link».) An einer anderen Stelle heißt e«:.Die dürstigen und gefahrdrohenden Riffe Radacks haben nicht», was die Europäer anzuziehen vermöchte, und wir wünschen unseren kindergleichen Freunden Glück, in ihrer Abgeschiedenheit zu be- harren. Die Anmut ihrer Sitten, die holde Scham, die sie ziert, sind Blüten der Natur, die auf keinen Begriff von Tugend gestützt sind." Diese« Naturvolk ist jetzt beglückt worden mit der europäischen .Kultur" der Prügelstrafe. Als ich jene Sätze las da kam mir allerdings nicht der Wunsch, deutsche Missionare hinauSzusenden, sondern, wenn jetzt überhaupt noch solche Leute dort sind, datz diese Menschen hierher kämen und ihre Missionartätigkeit unter den Deutschen eröffneten, und einmal deutschen Beamten Menschlich. keit lehrten. Traurig ist e». datz der Regierungsvertreter erklären kann, datz heute die Gefahr einer Empörung nicht mehr besteht. früher habe sie bestanden. Heute lassen sich also die Leute prügeln! Wenn da» wirklich der Fall ist. dann haben Sie geradezu ver- nicktend auf da» Seelenleben diefer freien Menschen eingewirkt. Deshalb kann ich mich dem Wunsche, sobald wie möglich die Hand von dieser Kolonie zu ziehen, nur anschlietzsn.(Beifall link».) Abg. Erzberger(Z.): In der Beschuldigungsschrift, von der ich erklärt habe, datz ich sie mir durchaus nicht zu eigen machen wollte, erhebt der Verfasser, ein Beamter, eine Behauptung, die vom stell. vertretenden Kvlonialdirektor als.lächerliche und frivole Behaup. tung" bezeichnet und damit abgetan ist. � Jch konstatiere also, datz ein Beamter noch im Dienste steht, der»lächerliche und frivole" An. schuldigungen erhebt. Warum hat man dann die Beschuldigung der Akwa» nicht auch damit abgetan? Freilich, die Anschuldigung, datz Herr v. Puttkamer«inen falschen Patz ausgestellt haben sollte, wurde auch zuerst als frivole Beschuldigung abgetan. Nachher aber bat sie sich bestätigt. WaS wir über die Prügelstrafe gehört haben, ist ja noch schlimm«, al» wa» wir fürchteten. Denn sie wird nicht auf Grund eines Gerichtsurteils, sondern auf diplomatischem Wege verfügt. Datz nur wenige geprügelt werden, wird unS einge. redet. Aber e» wäre ja auch noch schöner, wenn gleich Hunderte auf einmal geprügelt würden! Jch glaube, wenn da» bisherige neue System bleibt, so kann e» nur noch schlimmer werden in unseren Kolonien.(Beifall im Zentrum.) Geheimrat Rose stellt noch einmal fest, datz die Behauptung von dep Bestechlichkeit der Beansten nicht von den« beamteten Ver- ässer selbst erhoben, sondern datz von ihm nur berichtet wurde, datz ein Agent eine solche Behauptung aufgestellt hat. Abg. Basserman«(natl.): Wenn die Ausführungen de» Ab- gcordneren Dasbach richtig sind, so ist das Prügeln doppelt bedauer- lich, eS kann unmöglich erzieherisch lvirken. Datz das Prügeln auch verrohend auf diejenigen wirkt, die es vollführen, darüber sind wir chon hier im Hause uns klar geworden, als es sich um die eventuelle Wiedereinführung der Prügelstrafe in Deutschland handelte. Jch möchte meine politischen Freunde und mich gegen den Verdacht ver- wahren, als ob wir den Prüglern in der Südsee sympathisch gegen» überständen:.(Beifall links und in der Mitte.) Abg. Müll er. Saga ir(frs. Vp.): Die Art und Weise, wie der Fall BrandeiS hier behandelt wird, steht im offenen Widerspruch mit der Meinung, datz das neue System in der Kolonialverwaltuna besser ein soll als das alte. Die neue Firma sollt« nicht die alten Sünden zu decken suchen.(Sehr wahrt links.) WaS der Abg. Bassermann gegen das Prügeln ausgeführt hat, entspricht vollkommen meiner Ueberzeugung. Selbst lvenn man sich auf den Herrenstandpunkt stellen wollte: in den Schwarzen nichts Menschliches erkennen zu wollen, so sollte man bedenken, datz selbst ein Hund ein Pferd durch fortgesetzte Prügelstrafe demoralistert wird.(Beifall links und in der Mitte.) Erbprinz zu Hohenlohe: Meine Aeutzerung in bezug auf einen Vorwurf, welcher vor fünf Jahren einem Beamten der Kolonial. Verwaltung gemacht wurde, bezog sich nicht auf die Frage, ob jene Aeutzerung damals hätte strafrechtlich verfolgt werden sollen oder nicht, sondern auf den materiellen Inhalt jener Aeutzerung, und ich bleibe dabei, datz ich nach allen Erfahrungen, die ich mit deutschen Beamten gemacht habe, einen solchen Vorwurf,>v«nn er nicht bewiesen wird, nur für frivol erklären kann.(Bravo! rechts.) Abg. Dasbach(Z.): Wir sagen, die Behörde war verpflichtet, dem Manne, der eine solche Behauptung aussprach, den Beweis für seine Behauptung aufzuerlegen. Das hat sie nicht getan und hat damit der Vermutung Platz gelassen, datz sie befürchtet, es könnte bei Verfolgung der Sache sich herausstellen, datz doch etwas an tz«r Behauptung sei. Prinz Hohenlohe: Jch habe kein System proklamiert, sondern einen Fall besprochen, der sich vor fünf Jahren ereignet hat und den ich jetzt nicht mehr für diskussionswürdig erachtet habe.(Bravo! rechts.) Beim Titel.Unterstützung von Weißen An- sied lern 10 000 M." führt Abg. Ledebour(Soz.) auS: Bei dieser Position handelt e» sich, wi« ich auf Grund näherer Informationen festgestellt habe, um einen Fonds, der dazu verlvendet werden soll, eine Anzahl von Farmern von Queensland nack, d« Gazellahalbinsel überzuführen. Das Hauptbedenken, das ich dagegen habe, ist, datz das Klima dieser Tropenkolonie Neu-Guinea unter keinen Umständen für deutsche Bauern geeignet ist. Man hat gesagt, diese Bauern hatten sich bereits auf Queensland akklimatisiert. Die Entf«nung entspricht nun aber einer Entf«nung vmi Berlin nach Kairo. Will man nun etwa behaupten, datz auch jemand, der in der Mark akklimatisiert ist, sich für daS Oberniltat ausgezeichnet eignet? Wa« soll denn dort produziert werden? Kopra, Kaffoe, Kakao? Da kann doch von einer Ansiedelung deutscher Bauern absolut nicht die Rede sein. Auch die Söhe de» Landes ändert daran uickctS. Ein solche» gefährliches xpniment zu machen ist daher einfach unverantwortlich. Ich bitte Sie deshalb, diese Position abzulehnen, damit Unheil verhütet wird. Abg. Stor,(Südd. Vp.): Die Ansiedler sollen übergeführt werden, um di« Bmnnwollkultur einzuftihren. Abg. Ledebour(Soz.): So etwas wünsche ich von der Ver» w a l t u n g zu hören. Ich mutz erwarten, datz solche Mitteilungen nicht von ciiretn freiwilligen Kommissar au» dem Hause gemacht werden, sondern von der Regierung.(Sehr richtig! links.) Ich bestreit« aber auch unter diesen Umständen, datz da» Unternehmen gesund ist. Es handelt sich um ein riskantes Experiment, für das es Präzedenzfälle nicht gibt. Geheimrat R-fe: Jch kann die Mitteilungen de» Abg. Starz bestätigen. ES handelt sich nur um einen Versuch, der mit wenigen Familien gemacht wird. Die Bauern, die übergeführt werden sollen, sind an heißes Klima gewöhnt; sie leben schon seit einigen Generationen in Queensland und kennen auch ein harte», ent. behrungsreiches Leben. Die Position wird gegen die Stimmen der Nationalliberalen und Konservativen abgelehnt. Damit ist die Beratung bif3(Statt für Neu-Guinea erledigt. Der Etat der Karolinen-, Palau-, Mariannen- und Marschall- inseln wird debattelos unverändert genehmigt. Beim Etat für Samoa fragt Abg. Eickhoff(frs. Vp.) an. ob der bisherige Gouverneur Dr. Solf, wie es in den Zeitungen verlaute, demnächst wieder auf seinen Posten zurückkehren solle. Wenn die» der Fall sein sollte. müsse er für sich und auch für andere Abgeordnete vorbehalten, in der dritten Lesung eine Reihe von Ausführungen zu machen, die im Interesse einer gedeihlichen EntWickelung SamoaS geboten er- scheinen. Erbprinz Hohenlohe: Auf die Anfrage de» Vorredner» möchte ich erwidern, datz der Gouverneur von Samoa gegenwärtig hier auf Urlaub weilt und datz über daslenige, was nach Ablauf dieses Ur- laubs geschehen wird, noch keine Entschließung gefatzt ist. Gouverneur Dr. Solf: Die Kommission hat im Etat für Samoa 20 000 M. gestrichen, die bestimmt sein sollten für Land- erwerb zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse. Grund für den Beschluß der Kommission war die Furcht vor einer Begünstigung der Landspekulation. Aber in Wahrheit sollte mit dieser Summe die Trennung der Wohngebiete von Weißen und Samoanern ge» fördert werden, da wegen der Verschiedenheit der sanitären Ge- wohnhciten da» Zusammenwohnen nicht rätlich erscheint. Wenn man z. B. morgen» am Strande spazieren geht, sieht man dort reihenweise die Somoancr sitzen und ihre Bedürfnisse in einer Weise verrichten, die unserem SchicklichkeitS- und Schamgefühl zuwider ist. (Heiterkeit.) Die anzukaufenden Ländereie» hoffen wir übrigens so verwerten zu können, datz eine Einbuße für da« Reich nicht ent- steht, so datz diese 20 000 M. als künftige Einnahme gebucht werden könnten. Abg. Frhr. v. MIchthosen sk.) beantragt Wiederherstellung der Position. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Rechten und der Rationalliberalen abgelehnt. Hierauf wird der Etat für Samoa. ebenso debattelo» d t t Etats für Kiautschou und die Expeditionen nach Südwest- und Ostafrika genehmigt. Damit ist die zweite Lesung der Kolonialetats beendigt. Am Schlüsse erklärt Vizepräsident Graf Stolberg: Wenn ich übersehen haben sollte. eine der Anmerkungen zu verlesen, so erkläre ich sie hiermit für angenommen.(Sturmische Heiterkeit im ganzen Hause. i ES folgt die zweite Beratung der Flottenvorlagc. Die Abgg. Dr. Ailaß(frs. Vp.) und Gen. beantragen für den Fall der Annahme des einzigen Paragraphen diese« Gesetzes folgende Bestimmungen in bezug auf die D e ck u n g der au» ihm entstehenden Mehrkosten anzufügen: § 1s. Vom l. Oktober 1900 ab ist eine Vermögenssteuer zu erheben von allen deutschen Staatsangehörigen, deren bewegliches und unbewegliches Vermögen nach Abzug d« Schulden den Gesamtwert von 100 000 Mark erreicht. Die Vermögenssteuer beträgt bei einem steuerbaren Ber- mögen von 100 000 Mark bis 120 000 Mark: 60 Mark und steigt für jede weiteren angefangenen 20 900 Mark Vermögen bis zi- 1 Million Mark Vermögen um 10 Mark. Bei noch größeren V? mSgelt steigt Me Steuer für jeden angefangenen Betrag von 20 000 Mark um 20 Mark. Es wird beschlossen, die Diskussion über diesen Antrag nachher gesondert vorzunehmen. Abg. Gras Oriola(natl.): Schon bei dem vorigen Flottengesetz erachteten meine politischen Freunde eine Vermehrung unserer Kreuzerflotte für dringend notwendig und stimmten der verkürzten Vorlage nur in der Erwartung zu, das; die Kreuzer bald nach- bewilligt werden mühten. Seitdem ist unser Seehandcl noch größer geworden. Aber nicht nur als Auslandsschiffe haben die ge- panzerten Kreuzer Wert, sondern auch als Schlachtschiffe im Falle eines Krieges. Diese Gesichtspunkte haben in der Kommission auch solche Mitglieder zur Zustimmung veranlaßt, die einer Vermehrung unserer Kreuzer an sich nicht geneigt waren. Wir müssen Schiffe bauen, auf denen unsere wackeren blauen Jungen mit Vertrauen dem Feinde entgegen gehen können. Ich bin froh darüber, daß diesmal auch die Freisinnigen Schulter an Schulter mit uns stehen. Die Freisinnige Volkspartci allerdings will die Kreuzer nur einzeln bewilligen, bleibt aber im übrigen auf dem prinzipiellen Stand- Punkt stehen, sich nicht auf Jahre hinaus binden zu wollen. Ich will mit der Freisinnigen Flottenpartei(Große Heiterkeit)— ich wollte sagen: Volkspartei, nicht über ihre Prinzipien streiten. Aber nachdem einmal das Flottengesetz angenommen ist, sollte auch die s 0, niemand wüßte, wie die Sachen stünden. Als ich bei späterer Gelegenheit bei der Etatsbcratung darauf hinwies, daß die Herren von der Marine a. D. und z. D. gegen England hetzten, wurde das aufs entschiedenste abgeleugnet. Aber schon damals hatte der Abg. Lieber auf einen Artikel im„Militär-Wochenblatt" hingewiesen, der forderte, daß die deutsche Flotte so stark sein müßte, um die Landung deutscher Truppen in England zu sichern I Der Abg. Lieber erklärte es für ein starkes Stück, nachdem seit dem Jahre 1873 die deutsche Flotte um 527 Proz., d. h. um das Mfache der Bevölkerungszunahme vergrößert worden sei, jetzt dem Reichstage zuzumuten, daß er in dieser Richtung noch weiter gehen solle. Die Zentrumspartei, die jetzt die eigentliche Trägerin der ganzen Flottenpolitil ist, nahm damals in ihrer Gesamtheit diese ab- lehnende Stellung ein. Der Abg. Dr. Müller-Fulda erklärte da- mals— es war im März 1897, wo von den spät eren Flotten- forderungen noch nicht die Rede war—: Man sagt, die Flotte solle den deutschen Handel schützen, aber die Erfahrung habe ge- rade gezeigt, daß der deutsche Handel am besten gedeihe, wo keine Kriegsschiffe stationiert seien. Und der Abg. Bachem warnte vor den Hollmannschen Plänen: Auch die. die ihnen zustimmten, würden später bei der Deckungsfrage mit Schaudern daran denken.(Hört! hörtl links.) Später im März verwahrte Abg. Bachem seine politischen Freisinnige Volkspartei mit dem neuen Prinzip einverstanden sein,> Freunde dagegen, die Handelsjuden des Reichstages zu sein.(Heiter- umsomehr, als auch die Regierung dadurch in gewissem Sinne ge bunden ist und als es dem Reichstage immer noch frei steht, im einzelnen Jahre etwas mehr oder etwas weniger zu bewilligen. So erfreut ich auf der einen Seite über die Zustimmung der Freisinnigen zu den Kreuzern bin, so unerfreulich ist es auf der anderen Seite, daß die zweitstärkste Partei in diesem Hause sich wieder völlig ablehnend gegen eine Verstärkung der deutschen Flotte gezeigt hat. Die Herren scheinen gar nicht in Betracht zu ziehen, daß die fleißigen Hände, die sich zu regen haben, um wieder neue große Schiffe in die Welt zu setzen, doch die Hände deutscher Arbeiter in ganz Deutschland sind. Die Sozialdemokraten, speziell auch Herr Bebel, haben wiederholt erklärt: Wenn das deutsche Vaterland in Gefahr kommt, würden auch die Sozialdemokraten gegen den Feind austreten. So hat Herr Bebel einst in der Kommission gesprochen, so hat er in seiner Rede zum Militäretat gesagt, als er unsere Bc- waffnung bemängelte und kritisierte. Wenn nun wirklich zur See ein Angriff erfolgte, wie will Herr Bebel die Küsten und den Handel schützen? Wenn ein Seekrieg wirklich einträte, würde der Fluch des Volkes und der Arbeiter Sie treffen.(Gelächter bei den Sozial- demokraten.) Und da beschweren Sie sich über die Agitation des Flottenvereins, der aufklärende Arbeit geleistet hat. Sie reden über die Schiffstabellen, die eine äußerst nützliche Lektüre darstellen. kcit.) Neun Monate danach erschien der Herr v. Tirpitz auf der Bildfläche und mit ihm der neue große Flottenplan von 1898. Natürlich gab es zunächst auch in der Zentrumspartei ein unge- heures großes Geschrei. Der Abg. Schädler meinte, Deutschland könne nicht die stärkste Partei zu Lande und zu Wasser sein, und als man ihm von der rechten Seite zurief:„Das wollen wir ja auch gar nicht 1" da erklärte er: die Vorlage sei ein Anfang dazu, und zwar ein sehr„dicker Anfang". Das schloß aber nicht aus, daß Herr Schädler den dicken Anfang und schließlich auch das dickste Ende bewilligte.(Heiterkeit.) Der damalige Führer der Nationalliberalen, Herr v. Bennigsen, nahm eine wesentlich andere Stellung ein als heute der Abg. Graf Oriola. Herr v. Bennigsen war damals der Ansicht, daß es sich bei der Vorlage um einen dauernden Abschluß der Marinerüstungen handele, daß die bewilligten Schiffe genügen würden auch im Falle eines. euro- päischcn Krieges. Ich war jedoch schon damals, im Dezember 1898, in der Lage, darauf hinzuweisen, daß ein neuer großer Flottenplan in Aussicht stände. Das erregte den Abg. Lieber auf das höchste; er hielt es für unmöglich, ganz undenkbar nach den Erklärungen des Staatssekretärs. Herr v. Tirpitz sollte mich desavouieren! Er tat es aber nicht. Erst als der Abg. Lieber ihn im Januar s» lind SÄ, � ebruar 1899. Im Oktober aber wurde der neue Plan vom Kaiser in Hamburg scier- lich verkündet und bald darauf dem Reichstage vorgelegt. Das Zentrum gab auch diesem weiten, größeren Plane seine Zu- stimmungl Der Herr Vorredner hat sich zwar redlich bemüht, zu bewegen. daß mit der neuen Vorlage allen berechtigten Anfordcrungckn Rech- nung getragen werde, aber ich glaub« nicht fehl zu gehen, daß bei ihm diese Anschauung nur solange bestehen bleiben wird, bis das die Schüler' und Schülerinnen gesprochen. Insoweit ein solcher 1 cs"wickitia�kkw- SIEf SSäS 1 AM B I nicht-r-ine Wüsche", hat, wird zugeben, daß am allerwenigsten die w-.t über � bezeichnet worden, namentlich von einer Seite, die selbst den jngcnd lichen Gemütern nicht fern steht und die Erregung der jugendlichen Gemüter zu ihrer Hauptaufgabe gemacht hat. Ich hoffe, die Herren werden den Sozialdemokraten das Wort„Schuljungenpetition" nicht vergessen! In der Kommission hat man sich auch über Sammlungen in den Schulen bei Gelegenheit der Silbernen Hochzeit unseres Kaiserpaares lustig gemacht und von einem Druck der Schulbehörden auf Sozialdemokratie Anlaß hätte, sich'über einen solchen Druck in den j ö«igt, wohin die Reise� weiter gehen soll. Sie lvissen alle, wer Schulen zu beklagen.(Sehr wahrl bei den Nationalliberalen, Lachen bei den Sozialdemokraten.) die Leiter und Führer des Flottenvereinö I sind; cS gehören zu ihnen, soweit ich weiß, die gesamten deutschen Ich bin überzeugt, daß die große Mehrheit des Reichstags für Fürsten und wohl auch die Prinzen, die Mitglieder der Senate der diese Vorlage eintreten wird. Wir wünsche» als Ziel eine so große sogenannten freien Handelsstädte, ziemlich alle Staatssekretäre, ein Flotte, daß ein Seekrieg mit uns auch für den seemächtigsten Ewgncr großer Teil der Diplomaten, kurz die Creme der Crem« der Gesell- mit derartigen Gefahren verbunden wäre, daß seine eigene Macht- schaft. der hohe Adel(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Der alte stellung in Frage gestellt wäre. In einem starken Teutschland, stark und der neue Adell Heiterkeit) usw. Da verlohnt es sich doch der in seiner Verteidigung zu Lande und zu Wasser, liegt nach unserer Mühe, diese Art Agitation etwas unter, die Lupe zu nehmen. Ich Ansicht eme Sicherung des europäischen Friedens. Diesen zu wahren, habe hier ein Flugblatt, das der deutsche Flottenbevein vor einiger solange es die Ehre unseres deutschen Volkes zuläßt, ist der auf. Zeu versandte. Da heißt es:„Deutsche, Euch alle ohne jeden Unter- richtigste Wunsch unseres Volles und niuß das Streben der ver- schied des Standes, des religiösen und politischen Bekenntnisses. bündeten. Regierungen und des Reichstags sein, i Bravo I bei den fordern wir auf. Euch zu unserer Forderung einer starken Kriegs Nationallibcralen.) Abg. Bebel(Soz.): flotte zu vereinigen. Die jetzt vorliegende Flottenvorlage schafft uns die Sicherheit, die wir für unser Vaterland brauchen, nicht. Der Nach den Beratungen in der Bndgetkommission ist nicht der Untergang der russischen Flotte lehrt uns. daß wir unsere veralteten geringste Zweifel, daß die große Mehrheit des Reichstages die Vor- Schiffe durch vollwertige, ganz moderne Schiffe zu ersetzen gezwungen läge annimmt. Wenn einzelne kleine Splitter der bürgerlichen sind, lvcnn wir nicht viele tausende von deutschen Seeleuten im Linken nicht ohne weiteres der Borlage zustimmen werden, so ge- Kriegsfalle nutzlos in den sicheren Tod senden wollen."(Hörtl schieht das nicht aus prinzipiellen, sondern aus formalen Gründen, hört! bei den Sozialdemokraten.) Das ist denn doch eine Anklage weil die in dem Gesetz enthaltene Bindung ihren konstitutionellen allersckstirfster Art, die hier gegen die verbündeten Regierungen er- Anschauungen nicht entspricht. Die einzige Partei, welche die Flotten- hoben wird. Wäre das wahr, was hier Herren, die sich für Sach- rüstungen prinzipiell verwirft, ist und bleibt die Sozialdemokratie, verständige erklären, schreiben, dann machte sich die Regierung in der Es ist immerhin wichtig hervorzuheben, eine wie vollständige Wand- Tat eines Verbrechens schuldig, dann müßte sie so rasch wie möglich lung im Laufe von zehn Jahren in den Anschauungen der bürger- dem Wunsche des Flottenvcreins nachkommen. Es ist sehr charak- lichen Parteien in bezug auf die Flottenrüstungen eingetreten ist, und tcristisch. daß dieser Flottcnverein Dinge, die vom Standpunkt der X* �»m Xn XirtT/*-»- CTO»> XI,» I.' rv'......___ Y l..... YY.. 1 JC.X X.., � Cd- �.f.»» 1t auf die Gründe dieser Wandlung hier kurz einzugehen. gegeulvärtigen Finanzverwaltung und vielleicht auch der Technik Man geht wohl nicht fehl, wenn man sagt, daß die erste Ein- ganz inidurchführbar sind, in die Massen hineinwirft und agitatorisch leitung zu dieser Marine- und Wcltmachtpolitik gegeben wurde durch verwertet und daß die Herren von der Marineverwalttmg diesen die Rede des Kaisers am 18. Januar 1896 anläßlich der 25 jährigen Dingen vollständig schweigend gegenüberstehen. In dem Flugblatt ztzeier der Gründling des Deiitt-Üen fBeirfu-s � ieio Rede, die wird dann weiter die Notwendigieit betont, binnen vier Jahren die von dem Flottenvevein für notwendig gehaltene Vermehrung durch- zuführen. Es heißt da:„Die Minderlveriigkeit des gesamten Ma- terials, namentlich der Linienschifte, ist weltkundig, und dabei tritt die Marineleitung vor den Reichst�)„nd fordert nicht den Kern, Feier der Gründung des Deutschen Reiches. man wohl die Inauguration der Weltpolitik nennen kann, hat zunächst im deutschen Reichstag auf keiner Seite, höchstens vielleicht bei den Nationalliberalen, besonders freudigen 1 Widerhall gefunden. Im Gegenteil: Die verschiedenen Parteien, sondern die Schale, nichts als die Schale.(Hört! hörtl bei den auch die äußerste Rechte, hielten es damals für notwendig, klipp und Sozialdemokraten.) Die Stimmung des gesamten deutschen Volkes klar zu erklären, daß sie nicht gewillt seien, das bis dahin geltende geht dahin, bedingungslos alles für die Flotte herzugeben. Aber die Tempo der Flottenvermehrung irgendwie zu beschleunigen. Die verbündeten Regierungen haben diese Stimmung nicht benutzt." Konservativen bekannten sich, nachdem ihre Versuche, durch den An- Also vollständige Vernachlässigung der allerdringendstcn Lebens- trag Könitz eine grundlegende Aenderung unserer Handelspolitik interessen der Nation wird der Regierung vorgeworfen, und der herbeizuführen, nicht nur bei der Mehrheit des Hauses, sondern Reichstag wird sogar aufgefordert, ans eigenster Initiative die vom auch bei der Regierung auf den heftigsten Widerstand gestoßen war, Flottenverein für notwendig gehaltene Verstärkung zu beschließen zu der Parole: „Ohne Kunitz keine Kähne!" ein Verlangen, das keiner, der konstitutionelles Empfinden hat, stellen kann. Die Mittel für diese ungeheuere Floitenvermehrnng Knapp eineinhalb Monate nach der kaiserlichen Rede erklärte sollen dadurch aufgebracht werden, daß der§ 15 des Zolltarifes ITXm«-------" frrv Y f- 1 c...»».__ rv< I X-,»» Xir, vc>tiV«-n f IT Y der Abg. v. Leipziger namens der Mehrheit der konservativen Frak- tion, daß die Plane, über das geltende Flottengesetz hinauszugehe», der bestimmt, daß die Mehreinnahmen ans den Getreidezöllen für eine künftige Witwen- und Waisenversorgung aufgespart ivcrdcn bei ihnen keine Gegenliebe finden würden. Vierzehn Tage danach I sollen,(und der für das Zentrum Bedingung seiner Zustimmung nahm der Abgeordnete Lieber zu den im Verhältnis der jetzigen zu dem Gesetz war!) aufgehoben wird und damit jährlich 51 Mit- Forderungen doch sehr bescheidenen damaligen Plänen folgende l'onen mehr für die Flotte besck�fst werden. Eine schamlosere For- Stellung ein:„Meine politischen Freunde sind ohne jede Ausnahme derung. wie sie hier im Flugblatt des Flottcnvereins an die ver- fest entschlossen, gegen die weiteren Flottenpläne jetzt und immerdar bündeten Regierungen gestellt wird, kann wahrlich nicht gestellt entschieden Front zu machen." Als ein halbes Jahr später im werden.(Sehr wahrl bei den Sozialdcmolraten.) Wenn die Herbst der Reichstag wieder zusammenkam und besonders Dr. Karl Herren unausgesetzt den schleunigen Ausbau der Flotte für eine Peters eine lebhafte Flottenagitation entfaltete, sprach sich wiederum nattonale Notwendigkeit erklären, so ist es ihre verdammte Pflicht der Etatredner des Zentrums, der Abgeordnete Fritzen, gegen höhere und Schuldigieit, selbst in den Beutel zu greifen und auf dem Tische Flottenforderungen aus. Zur Beruhigung des Reichstags des Vaterlandes so imd so viele Millionen niederzulegen. Aber wie erklärte damals am 8. März 1897 der Reichskanzler Fürst Hohen- die Männer in so hoher sozialer und wirtschaftlicher Stellung— wie lohe in der Budgetkommisfion, daß ja auch der Marineetat an die die Herren des Floftenvereins. die für dieses Flugblatt verant- vorherige Zustimmung des Reichstags gebunden sei. In welchem wortlich sind— es mit ihrer Ehre, ihrem Gewissen, ihrem Scham- Diaße sie eingeholt werden würde, das werde sich nach der gesamten gefiihl in Uebereinstimmung bringen können, öffentlich die Forderung Finanzlage richten. So milde und mäßig war damals selbst die zu vertreten, daß auf die Groschen der armen Mtwen und Waisen Regierung. Staatssekretär der Mgrine Herr v. Hollmann, erklärte da- mals, unmöglich könne die Marineverwaltung heute sagen, was sie in 10 Jahren brauche; denn wenn sich die Verhältnisse änderten, müßte sich auch die Flotte ändern I Damals galt diese Auffassung des Staatssekretärs der Marine für durchaus vernünftig und selbst- verständlich. Freilich mußte er, als sich an höchster Stelle die Meinung änderte, nach nicht allzu langer Zeit seinen Abschied Beschlag gelegt werden soll, das verstehe ich wirklich nicht. Wenn in unserer Partei irgend ein als notwendig erkannter Zweck erreicht werden soll, gewährt jeder nach seinen Kräften und Mitteln, soviel er eben beitragen kann. Auch hier bei der Flottenagitation wäre doch das allermindeste, daß die Flottenvercinler mit gutem Beispiel vorangingen.(Sehr wahrl bei den Sozialdemokaten.) Aber von dem allen wird geschwiegen. Es ist ja sehr schön und sehr leicht, den großen Patrioten zu spielen, und wenn's ans Bezahlen geht, zu nehmen. Namens des. Zentrums erklärte damals der Abg. Lieber j schweigen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Denken Sie in der Kommission, er sei ganz erstaunt über die neuen Pläne, nur daran, welche Mühe die Steuerkoinmission jetzt hat, aus allen betr. das Tempo des Schifssbaues. Bei der Marine gäbe es ein Ecken und Enden 200 Millionen zusammenzusuchen. Nach meiner ewiges Hin und Her: ein Jahr wolle man so, das nächste Jahr s Auffassung könnte sie sich freilich ihre Aufgabe unendlich viel leichter machen, wenn sie das Geld da nehmen wurde, wo es haufenweffe auf der Straße liegt: von den großen Vermögen und großen Ein- konnnen der Flottenschwärmer, von den schwerreichen Industriellen Rheinland-Westfalcns. die den Hauptvorteil vom Flottenbau durch die Lieferinig von Material haben. Da sollte mit einer Reichs- einkomme»-, Reichsvelinögens- und Reichserbschaftsstcuer scharf zu- gegriffen werden, und es könnten noch über das jetzt Notwendige hinaus hunderte und abcrhunderte von Millionen aufgebracht werden, um die Salzsteuer,'die Zuckerfteuer und andere das Volk schwer drückende Abgaben zu beseitigen. Aber davon wollen die Herren nichts wissen, nur auf die Armen die Last abzuwälzen, sind sie immer bereit.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Sie denken, sie brauchten nur zur Masse zu kommen und uns als Vaterlandsverräter zu denunzieren, dann liese die Masse wie die Kinder hinter � dem Rattenfänger von Hameln scharenweise von der Sozialdemokratie weg und hinter jenen her. Aber wir brauchen ihnen nur den Reichs- etat vorzuhalten, und der Arbeiter müßte cm sehr dmiuner Kerl sein, der nicht sofort begriffe, wer sein wahres Interesse vertritt. (Sehr gutl bei den Sozialdcmokatcn.) Für die eigentlichen Flottenschivärmer hat ja die gegenwärtige Vorlage gar keine Bedeutung. Im Flugblatt Nr. 4 des Flotten- Vereins:„Was Teutschland nötig hat!" wird ausgeführt, daß ein Linienschiff mit moderner Annierung ein Deplazemerit von min. dcstens 14 000 Tonnen, ein moderner Panzerkreuzer ein solches von 10 000 Tonnen haben müsse. Nun hätte England 39 derartige Linienschiffe fertig und 13 im Bau, Teutschland VI An aus- reichenden Panzerlreuzern: England 10 fertig, 11 im Bau, Deutsch» land 1 fertig. 2 im Bau.— Wenn sie nun diese Zahlen mit ein- ander vergleichen und sich die gegemvärtigc politische Situation in Europa— Algeciras macht sie ja sehr klar— vergegenwärtigen, so wird jeder zugeben müssen, daß angesichts der Stellung Teutschlands in Europa auch die Forderungen der Herren vom Flottcnverein uns noch nicht in den Stand setzen würden, mit den größeren See» mächten fertig zu werden, da wir ganz zweifellos in einem künftigen Kriege nicht, wie vielleicht noch vor ein, zwei oder drei Jahren, Eng- land allein, sondern die englische und französische Flotte gemeinsam gegen uns haben würden. Vielleicht auch Rußland, dessen militärische und marinistische Rüstung wahrscheinlich in wenigen Jahren wieder wesentlich besser sein wird. Wenn also die gegen» wältige Konstellation weiter andauert, und ich fürchte sehr, daß sie weiter andauern wird, so haben wir gar keine Aussicht, das unge- henre Ilcbergewicht der großen alten Seemächte jemals auszu» gleichen. Der Abgeordnete Oriola hat schon mit Recht dagegen pro- testiert, daß der Flottenverein ältere Schiffe als„schwimmende Särge" bezeichnet hat. Welchen Eindruck muß ein derartiges Flug- blatt machen, wenn es in die Hände von Leuten kommt, die entweder zur Marine kommandiert sind oder die Absicht haben, zur Marine zu gehen. Die Herren, die vorgeben, die Wehrkräfte Deutschlands durch die Agitation stärken zu wollen, fügen ihr im Gegenteil durch diese Art der Agitation Schaden zu.(Sehr richttgl) Gerade an- gesichts der minderen« Verteidigungsfähigkeit Deutschlands, die es naturgemäß gegenüber seinen älteren Rivalen zur See hat, muß diese Agitation niit der größten Vorsickst betrieben werden. In welchem Lande der Welt wird sonst noch eine Agitation betrieben, die der- artig t«s eigene Land in den Äugen des Auslandes diskreditiert? Wenn von unserer Seite etwas Aehnliches geschähe, würde der Reichskanzler sofort bei der Hand sein, von VaterlandSvervat zu sprechen.(Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Die gewaltige Steigerung des deutschen Handelsverkehrs ist zu unserer großen Freude eine Tatsache. Wir„Internationalen" haben daS lebhafteste Interesse daran, daß sich die internationalen Beziehungen der Kulturvölker immer inniger gestalten, und das beste Mittel dazu ist die Eni- Wickelung des Handels. Aber Sie müssen erst beweisen, und werden es nicht beweisen können, daß an der außerordentlichen Steigerung des deutschen Welthandels unserer Kolonial- und Flottenpolitik ein namhafter Teil zuzuschreiben ist. Englands Flotte ist drei- bis viermal größer als die unsere, und doch ist England in der Eni» Wickelung de? Welthandels relativ sehr erheblich hinter Deutsch- land zurückgeblieben. Das beweist doch, daß ganz andere Kräfte dafür maßgebend sind als die Flotte. Wenn England. daS ein ver» hältnismäßig klejnes Landheer hat— dagegen einen ungeheuer wertvollen Kolonialbesitz— eine große Flotte hat, so ist das etwas ganz anderes. Bedenken Sie doch, daß Indien allein 800 Millionen Menschen umfaßt, d. h. ein Fünftel der gesamten Bevölkerung der Erde! Und das ist nur Indien! Damit können wir uns doch nicht vergleichen. Die Sache liegt so, daß Deutschland nach der Meinung, welche die bürgerlichen Parteien früher hatten und welche wir jetzt noch haben, unmöglich zu Lande und zu Wasser an erster Stelle stehen kann. Sie können machen, was Sie wollen, das können Sie gar nicht! England ist. und zwar sogar noch unter dem konser» vativen Regiment, dazu übergegangen, sein Marinebudget zu ver- ringern. ES betrug 1904/05 36,8 Mill. Pfund Sterling. 1905/06 33,3 Millionen, und im gegenwärtig vorliegenden Etat für 1906/07 31,8 Millionen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) DaS heißt: in einem Zeitraum von 2 Jahren hat England seine Kosten für die Marine um 100 Millionen Mark herabgesetzt. Die englische Flottcnverwaltung sieht ein, daß sie eS nicht mehr nötig hat, eine so große Flotte zu bauen, weil sie glaubt, in Frankreich auf alle Fälle einen Bundesgenossen gefunden zu haben.. Viel wichtiger als eine Flottenvermehrung ist eine vernünftige auswärtige Politik! (Lebhafter Beifall links.) eine Politik, die uns Bundesgenossen schafft (Beifall), aber nicht eine Politik, die uns in Europa, in der Welt isoliert(Beifalls links), nicht eine Politik, die sogar die alten Bundesgenossen gegen uns mißtrauisch macht I Heute liegt eS so, daß wir Rußland, England, Frankreich und Amerika geschlossen gegen uns haben und daß auch die Dreibmidstaaten nicht geneigt zu sein scheinen, für alle Zickzackpolitik einzutreten und die Kosten sür sie zu bezahlen.(Sehr wahr! links.) Dahin find wir gekommen trotz aller Reisen, trotz alles Rntclegraphicrens, kotz alles Brglück- wiiiischeiis, trotz aller Geschenke!(Sehr wahrl links.) Manche sage» sogar wegen aller Geschenke usw. Nicht nur die gegenwärtige liberale Regierung in England wäre geneigt, auf einen AbrüstungSplan der europäischen Flotten einzugehen, wenn sie glauben könnte, daß auch wir uns daran tf teiligen, auch im französischen Parlament ist von DeSchanel eine ähnliche Ansicht ausgesprochen worden. Er wies darauf hin, daß das französische Budget fast 5 Milliarden Frank betrüge, daß aber davon 1,1 Milliarden, also mehr als der siiiifte Teil, allein sür Zinszahlungen ausgegeben werden! Das Deutsche Reich wird bald zu einer ähnlichen Verschuldung gelangen. Aber dieser Zustand ist m gewisser Hinsicht der einzige Trost für uns. Er gibt uns eine Gewähr für den Frieden. Wenn bereits in Friedenszeiten die Mächte alles aufbieten müssen, um ihre mitilänschen Lasten zu tragen, so werden sie erst recht nicht daran denken können, einen großen europäischen Krieg zu führen. Schon im ersten Monat einer Kriegserllärung würden mindestens 12 000 Millionen gebraucht werden. Das ist ein Gang der Dinge, der mit Notwendigkeit ein Ende mit Schrecken nehmen muß.(Sehr richtig 1 bei den Sozialdemokraten.) Nun sagt Grai Oriola: Was würde passieren, wenn die Sozialdemokraten die Mehrheit hätten und das Budget nicht bewilligle»? Dann fiele ja alles über uns her!— Wir haben stets erklärt, so lange die heutige politische Ordnung der Dinge besteht, kann leider keine Nation aus ihre Ver- teidigung verzichten.»Der Stteit zwischen uns geht über das System und über die Grundaiischouungen der auswärtigen Politik.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wenn wir die Mehrheit hätten, würden wir selbstverständlich das System von Grund aus nach unseren demokratischen Prinzipien ändern und eine auswärttge Politik betreiben, die darauf hinarbeitet, allüberall den Glauben zu verbreiten, daß wir nicht mir den Frieden wollen, sondern es als unsere höchste Aufgabe betrachten, in der Förderung der Kulturbestrebnngen mit allen Nationen zu rivalisieren. Jetzt geht Ihnen endlich die Erleuchtung auf, Herr Graf Oriola.(Lebhafter Widerspruch des Aba. Grafen Oriola.) Wenn ich Ihnen das nicht llnr machen kann, so liegt es einfach daran, weil Sie in dieser Be- ziehung nicht aufgeklärt sein wollen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Lassen Sie uns doch einmal unseren Staat ein- richten auf drei Jahre zur Probe, dann werden Sie ja sehen, wie schön es darin ist.(Grobe Heiterkeit.) Der ganze Kampf zwischen Ihnen und uns geht dahin, dah jeder die Mehrheit der Nation für seine Anschauungen zu gewinnen sucht. Wir haben allerdings weit mehr Aussicht, sie für uns zu gewinnen. Bei Ihnen bröckelt'S von Tag zu Tag mehr ab, bei uns wächst eS. Die ganze ökonomische Entwickelung schafft uns naturgemäß Rekruten, die Interessen der Masse decken sich mit den Interessen der Sozialdemokratie, folge- richtig mutz die Partei von Jahr zu Jahr wachsen.(Sehr richtig I bei den Sozialdeinokraten.) Die Opfer der Flottenpolitik müssen diejenigen tragen, die im Staate nichts zu sagen haben, ja— die man mit Gewalt von allen Entscheidungen ausschließt.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Dinge so weit gehen, datz man in preußischen Militär- Werkstätten einen als Sozialdemokraten bekannten Arbeiter nicht duldet, wenn kein Postbeamter im Amte bleibt, der auch nur in den Verdacht kommt, mit Sozialdemokraten zu verkehren, wenn solche Dinge von Tag zu Tag sich wiederholen, wenn die große Masse, die das Vaterland sin erster Linie �u verteidigen hat, von allen Rechten ausgeschlossen ist, und wenn«ie da noch denken. Sie könnten den Kampf mit uns mit Erfolg aufnehmen, dann beneide ich Sie um Ihren Glauben.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- demokraten.) Staatssekretär v. Tirpitz: Ich werde dem Wunsch des Hauses, sich bald zu vertagen. Rech- nung tragen und mich auf einige kurze Bemerkungen auf die Er- innerungen des Abg. Bebel beschränken: Er hat ausgeführt, daß die Ansichten über die Notwendigkeit einer Flotte sich im Laufe der Jahre erheblich geändert hätten. Das ist ganz richtig, es haben sich die Zeiten geändert, und es haben sich die Dinge geändert. Dem- zufolge sind jetzt alle Parteien, die auf nationalem Standpunkt stehen, Freunde der Flottenvorlage. Nur der Abg. Bebel und seine Partei ist auf ihrem Standpunkt stehen geblieben. Ich glaube, er steht mit seiner Ansicht mit seinen Parteigenossen jetzt ziemlich allein da und ich glaube, daß nicht einmal seine Parteigenossen unter sich ganz einig sind. «Rufe bei den Sozialdemokraten: Aber sehr I) Dann werde ich Ihnen einen Satz aus den„Sozialistischen Monatsheften" vorlesen, den ein früherer Fraktionsgenosie geschrieben hat.(Rufe links: Calwer!> Ich betone dabei ausdrücklich, daß ich mit seinen Aus- führungen über England nicht einverstanden bin. Calwer schreibt: „Es ist grundverkehrt, jetzt so zu tun, als ob die deutsche Bourgeoisie durch Schaffung einer deutschen kräftigen Marine England provoziert habe. Man kann als Parteimann sehr wohl auf einen ablehnenden Standpunkt stehen, aber dann beschränke man seine ablehnende Haltung nicht auf das eigene Land, sondern ziehe auch den Nachbar ein.(Sehr richtig I rechts.) Wie eine mit einer starken Goldbasis ausgerüstete Zentralbank auf den Geldmarkt wirkt, so wirkt auch die Flotte einer großen Macht auf die ganze Welt. Will jemand im Ernst behaupten, Englands Feindschaft gegen Deutschland wäre nicht vorhanden, wenn wir keine Flottenrüstungen gemacht hätten? Vom kleinbürgerlichen Standpunkte aus mochte man eme solche Politik treiben in Zeiten, in denen Deutschland an großen internationalen Fragen noch nicht beteiligt war. Jetzt aber kann man dem eigenen Lande nicht zu- muten" eine Ausnahmestellung einzunehmen.(Beifall rechts und in der Mitte). Der japanisch-russische Krieg ist dafür eine eingehende Lehre. Japan würde trotz seiner großen wirtschaftlichen Er- folge ohne Flotte nicht als Großmacht anerkannt werden. ja, es würde seine wirtschaftlichen Kräfte nicht voll entfalten können."— DaS schreibt ein früherer Fraktionsgenosse deS Abg. Bebel. Ich glaube, es dahingestellt sein lassen zu können. ob wirklich die gebildete Arbeiterschaft in der Partei des Herrn Bebel in dieser Frage vollständig hinter Bebel, ihrem Chef(Heiter- keit), steht. Nun hat der Abg Bebel über den Zickzackkurs in den Marinefragen, geklagt.(Zuruf des Abg. Bebel: Da» satft« nicht ich das sagte Lieber I) Aber der Abg. Bebel bat es doch als fem Argument benutzt.(Zuruf de» Abg. Bebel: Nein, als Charakterisierung für das Zentrum!) Nun, wer über den ZickzackknrS, der früher in Marinefragen geherrscht haben soll, geklagt hat, der müßte doch mm gerade froh sein, daß das Flottengesetz und die neue Flottenvorlage einen sicheren geraden Weg gehen.(Lebhafter Beifall rechts und bei den Nationalliberalen.) Was den Flottenverein anlangt, so habe ich meine Stellung zum Flottenverein sowohl hier im Plenum, als in der Kommission ganz präzise gekennzeichnet und ich glaube meiner Stellungnahme nichts hinzufügen zu brauchen. Nur über den Ausdruck: „Schwimmende Särge" für unsere alten Schiffe möchte ich be- merken, daß diese Schiffe zum Teil noch in die Zeit des Admirals Stosch zurückreichen und daß die„Sicgfriedklasse" aus der Caprivischen Zeit herrührt. Ich muß gestehen, daß wir niemals daran denke», sie modernen Linienschiffen gegen- überzustellen. Deshalb kann ich den Ausdruck„schwimmende Särge" als eine ganz haltlose Phrase bezeichnen.(Lebhafter Beifall auf verschiedenen Seiten des Hauses.) Ich kann ihn nur im höchsten Maße bedauern. Wen» die Marineverwaltung diese Schiffe nicht früher ersetzt hat. so hat das einen ganz bestimmten Grund. Schon aus finanziellen Gründen war es nicht möglich, ihren Ersatz früher vorzunehmen. Hierauf wird die Weiterberatung auf Dienstag, 1 Uhr vertagt. Vorher 3. Lesung der Dualabahnvorlage. Mit der Stellvertretung des erkrankten Vizepräsidenten Dr. Paasche wird Abg. Büsing(natl.) betraut. Schluß 6 Ve Uhr._ parlamcntanfchca. Die Flickschustrrei. Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberatung der Wahlrechtsvorlagen begann am Montag unter dem Vorsitz des Freikonservativen B r ü t t ihre Beratungen. Die Freisinningen kündigten eine Resolution an: Den ersten Gesetz- entwurf, welcher eine Vermehrung der Mitglieder deS Hauses und eine Aendcrung der Landtagswahlbezirke und Wahlorte vorsieht, ab- znlehnen und die Regierung aufzufordern, einen neuen Enttvurs auf Grundlage des Reichstagswahlrechts einzubringen. Sie verlangten, daß über diese Resolution vorweg debattiert werde. Dieser Antrag wurde aber mit allen übrigen Stimmen abgelehnt. Zuerst wird über das zweite Gesetz, welches die Wänderung der Vorschriften über das Verfahren bei der Wahl zum Abgeordneten- Hause betrifft, beraten. Bei§ 1, welcher lautet: „Der Protokollführer und die Beisitzer für den Wahlvorstand werden durch den WahlkommiffariuS aus der Mitte der Wahl- männer ernannt" wurde ein nationalliberaler Antrag, die Worte:„und durch Hand- schlag an Eidesstatl verpflichtet" hinzuzufügen, abgelehnt. Bei §3, welcher die Fristwahl bei der Urwahl zuläßt, erklärte der Minister auf eine Anftage von freisinniger Seite, daß, wenn eine Fristwahl stattfindet, die Stichwahlen an späteren Tagen stattfinden sollen und zwischen Urwahl und Abgeordnetenwahl genügende Zeit gelaffen werden soll. Auf eine Anfrage des Zentrums erklärte die Regierung, daß die Fristwahl auch an mehreren Tagen stattfinden kann. Bei§ 4. welcher unter bestimmten Voraussetzungen auch bei der Wahl des Abgeordneten die Frist wohl zuläßt, wurde von der Regirrung er- klärt, daß auch bei Abgcordnctenwahlen an mehreren Tagen gewählt werden könne, wenn Fristwahl vorgeschrieben sei. Von freisinniger Seite wurde eine Resolutton beantragt, wonach die Regierung auf- gefordert wird, bald ein Gesetz vorzulegen, das die geheime Ab« stimmung vorsieht, wenn das bestehende Dreiklassenwahlsystem be- stehen bleiben sollte. Der Antrag wurde aber gegen die Stimmen der Freisinnigen und des Zentrums abgelehnt. Der Entwurf wurde unverändert angenommen!— Die Kommission Ivandte sich dann der Beratung des ersten Gesetzentwurfes, welcher die Neueinteilung der Wahlbezirke enthält, zu. Von freisinniger Seite wurde beantragt, daß Berlin, wenn eine gerechte Wahlkreiseinteilung vorgenommen würde. 24 Abgeordnete haben müßte. Bei der jetzigen Vermehrung um 3 Abgeordnete aber komme man zu der Ungerechtigkeit, daß der bisherige erste Berliner Wahlkreis in Zukunft nur 2 statt bisher 3 Abgeordnete wähle, während alle anderen kleineren ländlichen Wahlkreise ihre Rechte behielten. Dem Bezirk, in dem das Königsschloß liege, in dem das geschäftliche Leben nicht nur Berlins, sondern viel Iveiterer Grenzen pulsiere, wahre man nicht seine historischen Rechte, nur um der Stadt Berlin keine größere Vertretung zu gewähren. Die Konservativen erklärten sich gegen jede weitere Vermehrung der Berliner Abgeord- neten. Die Neueinteilung Berlins wurde hierauf gegen die Stimmen der Freisinnigen angenommen. Bei der Neueinteilung der Wahlkreise Rixdorf und Schöneberg beantragten die Nationalliberalen, Wilmersdorf hinzuzulegen. Der Antrag wurde aber— ebenso wie ein freisinniger Antrag: Rixdorf und Schöneberg je einen Abgeordneten zu gewähren— abgelehnt. Abgelehnt wurde auch ein ebenfalls von freisinniger Seite gestellter Antrag: dem Wahlbezirk Kattowitz-Zabrze 2 statt 1 Abgeordneten zu geben; desgleichen Anträge von nattonalliberaler Seite auf ander- weite Einteilung der Wahlkreise Tarnowitz. Beuthen, Kattowitz, Zabrze. Die Vorlage wurde unverändert angenommen. Morgen sollen die Resolutionen beraten werden. Lese- und Diskutierklub„Emil Nosenow". Sitzung: Mittwoch. bei Kowalczyk, Dalldorscrsw 5. Vortrag des Genossen Kosioli„Die theoretischen Grundsätze des Ersurter Programms. Eln»- biltmnj.. M. IS.7S Lf. vettzteüe mti»odoeliem«viral' toten, bronziert ibllxbo oen M. 8.41) Rr.it». kelarm- Bettsfelle «i» Anztetermolraze bell oder dunkel,'ein lackiert, mit Messt»,» kugeln 90X 190 em 3Ä. 1 9.~ MXlMtm IL 21» Rt. XU. ■eliilbettstelle »o«ioo em ■Ii anfirM.krmktn HMfta»» Bocttca■»< ZngfMlermalr.ts� M 11,— sonst 15 Hark. 9tx. Hl. Engllsehe Bettstelle mit Zugfeder. Matralze, «stete«tanaen, linSvi» mikBnzlnungen übet bot Fustrollen von «iesstng. .«XA.c° ,4. mXm c£ 40.- Rt in. Messing- Bettstelle mit Zugfeder. Matrutne. w x ,ou om Rt»l». Messlng- Z, Beltstelle mit Zngtadar. matratze IMXMstCtn m 55.— sonst »5 Hark. Beste Bettenfüllung: echt Chili. Monopoldaunen <|tf<|U4 i«I»ll»i) pep Pfd« M. 2«85. f Partei- Speditionen: Serll« ZlHvettsr H>VaI»IKrvIa: Hermann Werner, Mittenwalder« stratze M, V.Part.-» l>rltt«r n'tililkrvl»: St. Fritz, Prmzenstr. 3l, i?ol rechts pari.— Vierter tzV»Ii>Kr«la O.i Robert W e n» e l s, A'üderSborserstratze 3.— WO.: Paul Böhm, Lausitzerplatz U/Ist (Vaben)- FUnfter Wahlkreis: Leo Sucht, Keibelstratze 42 sJaden).— Sechster Wahlkreis(Hloablt): Karl N n d er S, tzalzwedelerstr. 8, im Laden.— WeddlaU: Karl Weihe, Wiesen- strafte 41/42.— Rosenthaler und Oranienburger Vorstadt: Hernumn Raschle, Ackersir. 3S. Eingang Lliillamerstr.— Sesnnd» b rannen: F. Trapp. Rügenerstr. 24. vorn pari, links.— Schbn- h.nnser Vorstadt: Karl M a r S, Lychenerstr. 123.— �It- G.Uenlche: Reinhold Schulz. Rudowerstr.S3.— vharlottenbnrg: Guitav Scharuberg, Sesenbeimerstr. 1, Ecke Koethestr., v. I.— Wllmers- doi\T: Georg F e e s e, Berliner str. 4S, Laden.— Lichtenberg, Frlatdrichsfelde, Wilheimsberg, Boxhagen, Stralau, und Rnmmelsbnrg: Otto S« i l e l. O. 112, Aronprinzenstr. 50, I — ihirünan: H. Bluhme, Viktoria str. 2.— Rixdorf: M. Heinrich, Prinz Handjervstrahe 7, im Laden. � Schmargen- dorf: Gustav K a m i n s k h, Eunostrahe 2.— Schvneberg: BilHeilm B ä u m l e p, Martin Lutherstr. öl, im Laden.— Tenrpelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42.— Oher» GchUznoveide: JuliuS Grunow, Edisonstr. 10. I.— Vieder» Sch4l»iewelde rBonakoivSky, Hasselwerderstr. 14— Johannis- fhal: Franz Hlln old, Bismarckslr. 7.— �dlershof: Erich Steuer, Noonstr. 3, I.— Rbnlgs-Wnsterhansen: Friedrich Baumann, Luckemvalderftr. 4b.— Köpenick: Friedrich W o i ck, Grünftr. 4.— Frled>?»nan»StegIita: H. Berns et, Ichlohstr. 115, Gartenhaus I, in Sieglitz Bestellungen nehmen entgegen in Bteglita: H. Mohr, Düppelstrahe 8, und Fr. Schellbase, Mornstrahe>5».— Üiarlen» dorf: Qermann R e i ch a r d t, Chausseestrahe lö.— Baninschnlea weg: Stock, Ernststr. 2, II.— Treptow: R. Voigt, Elsen str. 37, vorn M l.— Ven- Welßensee: W. ReSke, Sedanstr. 105, Part — Reinickendorf- Ost, Wllhelinsrnh und Bchön- holz: P. Gursch, Provinzstrahe 108, II.— Vegei, Borsigwalde, Wittenau, Waidmannslnst, Hermsdorf und Reinickendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Schubart- strahe 43.— Pankow-Viederschtfnhansen: G. F r e i w a l d t, Mühlenstr.73.— Flchwaide, Reuthen, Rlersdorf und Hankcla Ablage: Alsons Grätz, Eichwalde, Kronprinzenstr. 82, 1.— Teltow: Sermann Krüger, Neuestr. 2.— Ä'owawes; Wilhelm I a p P«, Friedrichstr. 1.— stipandan: Koppen, Jagowstr. S. Auherdem»st sämtliche ParteMteratur sowie alle wissenschastlichen Werke dort zu haben. Zluch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegengenommen. BM- Ritte ausschneiden.-AWI Zur giwsepmifl ans fein geripptem eohwerzen Kammgarn sowie aas baltbaren CbeTiotetoSen, fARQ sauberste Aus- 1 J führung von öl. Ins»n %■ ans prima tiefecbwan. Kammgarn- und Tuch- Kammgarns toflen mit besten Zutaten, f 750 eleganter Sitz, I f von.. Mark 1 1 an * nach Maß Carantie filr M. 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Preis 60 Ps. AgftationSauSgab« 30 Ps. , Der Verfasser gibt eine Ueber- ficht über die gesetzlichen Besinn- mungen in den Einzeistaaten und zeigt, wie innerhalb dieser eine verhältniSmähig vernünftige Steuerpolitik möglich ist. Exiiöiion nesVont/ärts Berlin SW. 68 Laden. Lindenstr. 69.' m Backware: 6 E Älbreclit� «Sranstelftr Hygienisch einwandfrei bleiben nur Elnzelblder, niemalt gtmeintohaniioh benatzte Battinbiderl aleteaftri | Markiballe | Markthalle 1 Zentrale Verantwortlicher Aledatteur: 8tii» Weber. Berlin. Für den Inseratenteil veräntw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Puchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Ms. Nr. 72. 23. Jahrgang. I KtillP des Dimris" Skilim VMMM .27. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 24. März IM. Kihlenwncher oder nicht? Eine für den hauptstädtischen Kohlenmarlt nicht unerhebliche Bedeutung haben die am 1. April in Kraft tretenden Bestimmungen der Brikett-Konveution. Diese erstreckt sich auf nachstehende Gruben: „Alwine" bei Costebrau, Auhaltische Kohlenwerke„Marieugrube", „Anna Salon-Briketts" der Niederlausitzer Kohlenwerke,„Beutersitzer Kohlenwerke" Hoest u. Co., Bockwitz,„Clettwitzer Werke" I. Treu- herz,„Eintrnckuwerke" sClara und Henriettes„Elisabethglück".„Ferdi- nand",„Yielitz",„Gotthold".„Henkels Werke".„Ilse" Bergbau- Aktien-Gesellsciiaft,„Lauchhammer",„Marianuenglück".„Merkur", „Meura".„Poleyer-Werke",„Gebrüder Reschke",„Schoppentau und Wolf",„Stadtgrube",„Victoria",„Waidmanusheil". Die Wirksamkeit der Konvention bedeutet dauernde Verteuerung der Brennmaterialien. Die Herrscherin aus dem Berliner Kohlen- markt ist die Bergbau-Aktiengesellschaft„Ilse". Die„Ilse" ist eine beliebte Marke. Fachmänner bestätigen, dah die Kohle der„Ilse"- Grube qualitativ etwas hervorrage. Das und die entsprechende Reklame haben dafür gesorgt, dem.Jlse"-Brikelt auch dem Berliner Markt eine dominiereuae Stellung und der Gesellschaft„Ilse" die unbestrittene Herrschaft über Händler und Konsumenten zu sichern. Der Berliner Markt nimmt mehr„Jlse"-BrikettS auf, als die „Ilse"- Grube tatsächlich fördert. Die Gesellschar� verstand es, das Renommee der„Ilse" auszunutzen. Sie erwarb neue Gruben, aus deren Produktion auch als—„Ilse" gestempelte Briketts an den Markt kommen. Das Publikum, einmal von dem Glauben an der besseren Qualität der unter dem Namen„Ilse" an- gelieferten Kohle beherrscht, zahlt gut- und strenggläubig auch für das nicht aus der„Jlse"-Grube stammende Erzeugnis den diktierten höheren Preis. Fachmänner, die die bessere Qualität des Erzeugnisses der ,Jlse"-Grube zugeben, bestreiten aber ganz entschieden, daß die aus anderen Gruben als„Jlse"brikett auf den Markt gebrachten Er- zeugnisse an Qualität die übrigen im Handel erscheinenden guten Marken übertrifft. Aber der höhere Preis mutz berappt werden! Die Abstempelung als ,Jlse"brikett verführt die Konsumenten zu der Annahme, sie tauften bestimmt das Erzeugnis der«Jlse"grube. Juristisch begeht die Gesellschaft natürlich keinen Betrug, aber die Konsumenten sind zum Teil betrogen. Welche Quanten die„Ilse"- oesellfchast auf den Markt bringt, ergibt folgende gusammenstellung. Der Besitz der Gesellschaft umfatzt dre Gruben: »Ilse"... mit 130 0V0 To. Briketts Jahresleistung »Renate"..» 200 000„„„ »Eva"..., 200 000»„„ »Anna Mathilde"» 120000»„„ Die Zahlen gelten für 1S04, für 1905 ist die Leistung noch gröber. Von der Gesamtproduktion entfällt mithin nur auf die Grube„Ilse". Die Gruben„Renate" und„Eva" liegen 3 Kilometer von „Ilse" entfernt,„Anna Mathilde" wurde erst im Jahre 1S03 von der „Jlse'gesellschaft erworben. Und die„Ilse" macht feine Geschäfte. Sie verteilte für die letzten 6 Jahre: 10, 10, 10, 12, 14 und 16 Prozent Dividend». Diese Glanzdividende bezahlt in der Haupb fache der Kleinkonsument, sogenannte bessere Leute haben Dampf- Wasser- oder Luftheizung und die Grotzkonsumenten gentetzen Bor- zugspreise. Die wachsende Konkurrenz würde schlietzlich aber doch wohl die Vorzugsstellung der„Jlse"firma untergraben haben, wenn nicht die Kohlenkonvention gegründet worden wäre. Diese Organisasion, in •der mancher Händler das rettende Schiff im Konkurrenzsturm erblickt, 'brachte nicht nur den Kleinhandel unter die Kontrolle der Grotz- Händler, sondern auch den Gesamthandel unter den Einfluh der Grubenbesitzer und sie steigert die Tributpflicht der Konsumenten. Durch dieKouvension werden die Preise diktatorisch festgesetzt und immer höher hinaufgeschraubt. Der Händler, der die Preise nicht einhält, wird boykottiert uns bestrast. Damit die Konsumenten gründlich bluten, werden sogen. Sammelkäufe unterbunden. Das nennt man Gewerbesreiheit I Der unter dem Drucke der Verhältnisse stehende Arbeiter darf im kapitalistischen Ordnungsstaate in der Verschleuderung seiner Arbeits kraft nicht im geringsten behindert werden. Ja, wenn einem Schubiak, der ohne materielle Not seinen um besseren Lohn kämpfenden Berufsgenossen in den Rucken fällt, etwas deutlich die Wahrheit gesagt wird, dann ist daS Be Hinderung der Arbeitsfreiheit und die hehren SmteS waltende Staatsanwaltschaft reckt aus den rächenden Arm. Aber die Unterbindung der Gewerbefreiheit mit der Bestimmung, die Konsumenten zu schröpfen, ist erlaubt. Am meisten sind die Kleinhändler geknutet, wollend oder nicht, müssen sie die Preis treiberei mitmachen. Wer nachher daS ganze Fett abschöpft, wird man noch sehen. Vogel frih oder ssirb l So lautet die Devise. Als Jllustrasion geben wir hier folgendem Zirkular an die Kohlenhändler Raum: Verband der Berliner Kohlengroßhändler. Die unterzeichneten Gesellschaften und Firmen verpflichten sich hiermit, dem Vorsitzenden der Berliner Kohlengrotzhändler, Herrn Max Lichtenstcin, Berlin, gegenüber, den Käufern von Briketts für ahre hierunter neben der Unterschrift verzeichneten Marken für das bschlutzjahr vom 1. April 1906 bis 81. März IVO? folgende Verpflichtungen aufzuerlegen: „Käufer unterwirft sich für den Verkauf der geschlossenen Salon- und Jndustriebriketts den Verkaufsbedingungen und Preisen, welche vom Verband der Berliner Kohlengrotzhäudler für die zu bildende Konvention, den Verkauf an das Privatpublikum, sowie an Bäcker, Schlächter und sonssiges Kleingewerbe bis zu 6000 Zentner JahreSbedarf betreffend, festgesetzt werden, verpflichtet sich ferner, nur an solche Firmen zu verkaufen, welche diese Kon ventio» alS für sich verbindlich anerkennen und hat die gleichen Verpflichtungen seinen Unternehmern durch Schlutzbries aufzuerlegen." Di« Verpflichtung geht von Herrn Mar Lichtenstein auf den Verband der Berliner Kohlengrotzhäudler Über, sobald die be- absichtigte Eintragung des Verbandes in daS Vereinsregister erfolgt ist. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen unterliegen einer Konventionalstrafe btS 50 M. für jeden einzelnen Waggon.— Die Preise sind je nach Marken und Quanten verschieden fest- gesetzt, es gelten Ausnahme-, Sommer- und Winterpreise. Die Preise für Mengen über 100 000 Stück bezw. 1000 Zentner dürfen nicht öffentlich offeriert werden. Ausdrücklich wird weiter vor- geschrieben: „Demnach ist es nicht statthaft, Abschlüsse mit politischen, wissenschaftliche», konfesfioncllen, wohltätigen, geselligen, sportlichen Vereine» usw., allgemeinen Konsum-, Kohlcn-Einkaufs-, Hausbesitzer-, Spar- und Bauvercinen, WirtschaftS- Genossenschaften jeder Art und dergleichen zu tätigen." Fiskalischen Werken, die gegen solche Anordnungen der Herrscher Reiche verstotzen. will man in den gesetzgebenden Körper- scha guf» Dach steigen. Zwecks Matcrialsammlung hat der ZtSuw-Afo�-hand der Kohlenhändler Deutschlands einen Frage- bogen.Otzr�p� durch welchen die fiskalischen Werke gewisser- inatzen um:.: Kontrolle der Konvention gestellt werden. Ganz un- nötiger Neffs»>.Datz die fiskalischen Werke die Preispolitik der Für Preiserhöhung, die die Gasanstalten vornehmen, gezwungen sind, auf diesem Wege zu folgen. Aus der Preisliste machen wir diese Zilsammenstellung. Hausbrand gelten folgende Höchst- und Mindestpreise: Ausnahmepreise für Mai bis Juli 1906. Salon-BrikettS 100 Stück 0.95-0.85 M. Kleinhandel Platzverkauf Privatpreise Kleinhandel Platzverkauf 100„ 0,85—0,75 1000. 8,00—7,00„ 1000. 9,00-3,00„ 10000„ 8,50-7,50„ .. 100 000» 8,20-7,20, .. 2 250 000, 8,00—7,00» Industrie-Briketts ... 1 Zentner 0,95—0,90 M. 1 10 Privatpreise..... 10 ...... 20 »..... 40 »..... 80 ..... 200 Sommerpreise vom 1. April bis 15. September 1906, Salon-BrikettS 100 Stück 1,00-0,90 M. 0,80—0,75 0,75—0,70 0,90—0,85 0,87-0,82 0,85—0,80 0,83—0,78 0,80—0,75 Kleinhandel Platzverkauf Privatpreise Kleinhandel Platzverkauf ... 1 -... 10 Privatpreise..... 10 ..... 20 ..... 40 tf•.... 80 ...... 200 Winterprelse ab 15. 100, 0,90—0,80 1000, 8,50—7,50 1000, 9,60—8,50 10 000, 9,00—8,00 .. 100 000, 8,70—7,70 .. 2 250 000. 8,50—7,50 Industrie-Briketts ... 1 gentner 1,00—0,95 0,85—0,80 0,80—0,75 0,95—0,90 0,92—0,87 0,90—0,85 0,88—0,83 0,85—0,80 Syndtka! den letzten in Oberfchle vention hat wegen. Die zu erregen, der Praxis werde geschieht es und n nicht durchkreuzen, dafür hat man au« Beweis in der von den fiskalischen Werken menen Preiserhöhung. Die Berliner Kon- die Gasanstalten zum Anschlutz zu be- lautete dahin, dah man um keinen Unwillen n Einladung formell nicht folge, aber in der ceispolitil der ilonvention mitmachen. So v ijändler berufen sich darauf, daß sie durch die Kleinhandel Platzverkauf Privatpreise Kleinhandel Platzverkauf September 1906 bis auf weiteres, Salon-BrikettS 100 Stück 1,05—0,95 M. .. 100 1000 1000 10 000 .. 100 000 .. 2250 000 Industrie-Briketts ... 1 Zenb 0,96—0,85 9,00—8,00 10,00—9,00 9,50—8,60 9,20—8,20 9,00—8,00 Eine weitere Preisheraufsetzung im Laufe beS nächsten Winters ist nicht ausgeschlossen. Man scheint die Praxis zu belieben, die letzten Winterpreise für den nächsten Sommer bestehen zu lassen und die Winterpreise jedesmal heraufzusetzen. AuS der Rubrizierungsliste ist noch zu vermerken, datz die Höchstpreise gelten, bei Salonbriketts für:„Anhaltische Kohlenwerke",„Th. Heye",„Ilse",„Kaiser", „M. F. Leyke Grube Klara",„Matador",„Monopol",„Victoria"; Mittelpreise gelten für:„Anker Grube Henriette",„Bodo",„Diamant", „Elisabethglnck",„Excellenz Fielitz",„Gotthold",„Henkels Werke", „Hedwigshütte",„Krone",„Mariannenglück",„Polch",„Reine Kohle". „Stadtgrube",„Vulkan". Die übrigen Marken gehen zu Mindest- preisen ab. Jndustriebriketts für Hausbrand werden zu Höchst- preisen verkaust:„Anhaltische Kohlenwerke",„Ankcr-Würfel-Grube Klara",„Anker Halbsteine Grube Henriette".„The Heye",„Henkels Werke",„Kaiser",„Marianuenglück",„Poley",„Stadtgrube", „Viktoria". Für die übrigen Marken gelten Mindestpreise. Be- züglich der Submisstonspreise ist folgendes bestimmt: Für Salon- bnkettS gelten die festgesetzten Privatpreise für das gesamte zur Ausschreibung gelangende Quantum. Für Jndustriebriketts zu Hausbrandzwecken gelten die für Lieferung an die Grotzindustrie bei 4000 Zentner festgesetzten Preise. Für Jndustriebriketts zur Dampftesselfeuernng gelten bis zu 6000 Zentner JahreSbedarf die für die Grotzindustrie festgesetzten Preise. Bei Submissionen können die Preise für die Daner der Heizperiode 1906/07 abgegeben werden.— Für Jndustriebriketts zu gelverblichen und industriellen Zwecken sind die Preise besonders festgesetzt und' zwar pro 30 Zentner frei Hof abzuschütten(ohne Al'trag) im Sommer 69— 73. Pf., im Winter 72—76 Pf. In der Preisliste wird bann aber weiter ausdrücklich bestimmt:„An Bäcker und Schlächter darf nur„frei Ausbewahrungs- räum" verkauft werden und dann stellen sich die Preise um 3 Pf. höher! Also die Hauptabnehmer der Jndustriebriketts zu gewerb- lichen Zwecken müssen 3 Pf. mehr zahlen als die übrigen Verbraucher. Für die Grotzindustrie, Brauereien, Mälzereien, rung usw. betragen die Preise bei Jahres- i 4000—6000 Zentner, fuhrenweise im Sommer 66—70 Pf., im Winter 69—73 Pf., waggontveise im Sommer 63—67 Pf., im Winker 66— 70 Pf. Da Sammelkäufe verboten sind, sind Bäcker und Metzger, überhaupt alle Gewerbetreibenden, die nicht einen Mindesteigenverbrauch von 4000 Zentner haben, von dem Gcnnh der billigen, für die Grotzindustrie gültigen Preise ans- geschlossen. Und dte Hauptkonsumenten, die Bäcker und Schlächter, sind doppelt benachteiligt, einmal durch AuSschluh von den günstigen Preisen für dte Grotzindustrie, dann durch die Sonderbcstimmmig, welche für sie die Kohle um 3 Pf. gegen den Listenpreis verteuert. Auch ein Stück Mittelstandspolitik. Die Geschäftspraxis der Kon- vention ist auf mögliche Schonung der Grotzen zugefchmlten. Dabei geht man von 5er schlauen Berechnung ans, Mitzfallen und Opposition von dieser Seite vorzubeugen, um desto ungenierter und gründlicher dte Verbraucher von Hausbrand und die Kleingewerbe- treibenden bluten lassen zu können. Di« Konvention ist dte Organi- sation der Plünderet der Taschen der Konsumenten. W. v. Hub der Partei. Ein Parteiarchiv haben die Solinger Genossen zu gründen beschloffen. Die„Berg. Arbeiterstimme" erlätzt folgenden Aufruf: Bon dem Gedanken ausgehend, datz mancherlei historisches Material, das die allgemeine und speziell sozialdemokratisthe Arbeiterbewegung betrifft, bei verschiedenen Parteigenossen und sonstigen Freunden auf- belvahrt wird, ohne der breiteren Oeffentlichkeit bekannt zu werden, hat die Solinger VollSbibliothek beschlossen, ein Archiv zu be- gründen, die Schätze also zu sammeln und zu ordnen und sie nach einem festgelegten Statut den Parteigenossen zur Verfügung zu stellen. Reflektiert wird auf Material seit dem Jahre 1830, das in Broschüren, Zeitungen aller Art, Briefen, Flugblättern, Mauer- anschlägen, persönlichen Erinnerungen und sonstigen Denkwürdig- leiten enthalten ist. Die Sendungen nimmt der Genosse Wilhelm Weber, Solingen, Hochstt. 34, gegen Quittung entgegen. Fort mit den Lauen. In der letzten Versammlung des sozial- demokratischen Vereins zu Görlitz forderte Genosse Ritter, datz alle ausgeschlossen werden, wenn sie nicht von selbst rechtzeitig gingen. Genosse Müller verlangte, datz die Mitglieder des Vereins, welche in der Wählerliste standen und bei den Stadtverordnetcnwahlen trotzdem nicht gewählt haben, ausgeschlossen werden mühten. Diese Forderung fand allseitige Zustinnnnng. ES wurde gewünscht, daß die betreffenden möglichst geräuschlos ausscheiden. Eine Kreiskonfercnz des Saalckreiscs, die von 40 Delegierten und etwa 30 Gemeindevertretern besucht war, fand am Sonntag in Halle a. S. statt. Nach einem Referat des Genossen Redakteur Thiele über die Aufgaben der Vertreter in den Landgemeinden wurde ein kräftiges Vorwärtsschreiten der Sozialdemokratie in den Landorten konstatiert. Die Gemeindevertreterwahlen sind in vielen Orten von Erfolg gewesen. Im Kreise wurden in diesem Jahre 11 Gemeindevertreter nengewählt. Es wurden erhebliche Mitzständc kritisiert, u. a., datz auf einem Dorfe bei Halle im Armenhause zeit- weise vier Familien in einer Stube wohnen mutzten. In einem anderen Landorte bewohnte ein Bater mit seinen drei erwachsenen Töchtern im Gemeindchause ein Zimmer mit nur 22 Kubikmeter Luftraum. Da in dem Zimmer ein zweites Bett nicht gestellt werden konnte, schlief der Vater auf dem Futzboden. Die Konferenz verlief sehr anregend. Es wurde u. a. beschlossen, zur Hebung der Agitation den Monatsbeitrag zum sozialdemokratischen Verein von 20 auf 25 Pf. zu erhöhen. Ein Sozialist ohne Gegenkandidat. Aus R o m wird nnS vom 22. März berichtet: In G e i a c c a, Sizilien, ist durch den Tod des bisherigen Abgeordneten, des Konservativen Liäota, der Wahlkreis vakant geworden. Bei der bevorstehenden Neuwahl, bei der sich erst drei Gegner gegenüberstehen sollten, haben sich nun beide konstitutionellen Kandidaten zurückgezogen, sodatz als einziger der reiormistifche Sozialist, Fürst Taten di C u t ä auf dem Plan bleibt. Tasea hatte bei den vorigen Wahlen einige 900 Stimmen, etwa 200 weniger alS Lieotn. Die Oppositionspresse sieht in dem Rücktritt der konstitutionellen Kandidaten eine Konzession deS Kabinetts, das sich für den MinisteriasismuS der sozialistischen Parlamentsfraktion erkenntlich zeigen will. polireillcbes, OmcbUicbeo uto. Die ZengniSfoller. Das Landgericht Rudolstadt hak die Beschwerde unseres Genossen H o f m a n n- Sanlfeld, der wegen Richtnennung seines Gewährsmannes im Zeugniszwangsverfahren zu 50 M. Geldstrafe verurteilt wurde, zurückgewiesen. Kein politischer Verein. Der Arbeitertnrnverein in Düsse!- darf wurde von der Polizei für einen politischen Verein erklärt und der Vorsitzende aufgefordert, ein MitgliedcrverzeichniS ein- zureichen. Diesem Ansimien leistete der Vorsitzende nicht Folge, so datz er mit einem Strafmandat beglückt wurde. Das Schöffen- gericht stellte sich ans den Standpunkt der Polizei und bestätigte das Strafmandat. Die Strafkammer aber sprach den Vorsitzenden kostenlos frei. In der Begründung wurde unter anderem aus- geführt, datz durch die Beteiligung einzelner Mitglieder an sozial- demokratischen Bestrebung�i kein ausreichender Beweis dafür erbracht sei, dah der Verein als solcher sozialdemokratische Ziele verfolge. Was die Mitglieder autzerhalb des Vereins für eine politische Gc- sinnung betätigen, gehe dem Verein nichts an.— Ein vernünftiges Urteil. Die politische Polizei in Düsseldorf hat in letzter Zeit Pech mit ihren Aktionen gegen die Arbeiterschaft. Zuerst die nicht glückliche Haussuchung wegen des Wahlrechtsflugblattes, dann die vom Gericht aufgehobene Beschlagnahme zweier Flugblätter und jetzt der ab- gewiesene Vorstotz gegen den Turnverein. Soziales. Ein Beitrag zum Kampf um die Nnfavrente. Am 7. März berichteten wir über die Tatsache, datz in Köln eitt Arzt, Dr. Rusak, alS Vertrauensarzt der Berufsgenossenschaft und gleichzeitig als Sachverständiger des Schiedsgerichts fungierte. Nach- stehend teilen wir einen nach langem Kampse endlich zugunsten der Witwe eines Unfallverletzten entschiedenen Fall mit, der sich in Berlin abgespielt hat und der zeigt, wie schwierig ärztlich zutreffende Gutachten für Unfallverletzte zu erhalten sind. Der Kutscher Heinrich Engel hatte sich am 23. Juli 1898 beim Aufladen von Heu, welches zum Futtern für die Pferde verwendet und von einer Wiese durch den p. Engel abgeholt werden sollte, durch Herunterfallen vom Wagen einen Knöchelbruch am linken Bein zugezogen. Die Fuhrwerkö-BexnsSgcnossenschaft lehnte die Eni- schädigungSpflicht ab, da der Unfall sich nicht im geiverbsmätzigen Fuhrwcrksbetriebe ereignet habe. Sie wurde durch Schiedsgerichts- urteil zur Rentenzahlung verurteilt. Engel wurde darauf mehrfach im Krankenhause wegen des durch den Unfall herbeigeführten UnterschenkelgeschwürS und insbesondere wegen wiederholt aufgetretener Wundrose behandelt. Die Berufs- genoffenschast setzte im Juli 1901 die Rente auf 76 Proz. herab, da nach den eingeholten Gutachten daS Bcinleiden vollständig geheilt, der Oberkörper gesund sei und Engel Arbeiten im Sitzen ganz gut verrichten könne. I» Wirklichkeit zeigte daS Geschwür ivenig Neigung zur Heilung. Das Geschwür brach immer wieder ans und Enge! stand standig in Behandlung deS Dr. Köhler. Am 2. Januar 1904 wurde Engel von seinem Leiden durch den Tod erlöst. SanitätSrat Dr. Köhler stellte als Todesursache Schlagadercrkranknng, Herzverfettung, chronischen Bronchialkatarrh und Lcbcrschwcllnng fest. Die Witwe wandte sich hierauf an dte Bernfsgenossenschaft mit dem Anspruch auf Hinterbliebenenrente, da der Tod mit dem Unfälle im Zusammenhange stehe, die beim Tode von Dr. Köhler festgestellten Krankheitsursachen zum mindesten durch den Un- fall und die dadurch ihrem Ehemanne anfgezwnngene Ruhe wesentlich verschlimmert worden seien. Sie wurde jedoch mit ihre» Ansprüchen auf Grund des Gutachtens des Dr. Köhler abgewiesen. DaS angerufene Schiedsgericht holte ein weiteres Gutachten vom Krankenhause Moabit ein, wonach ei» Znsammenhang zwischen den Unfallfolgen und dem Tode verneint, die Vexschlinimening des Herz- und Lungenleidens durch das Unterschenkclgeschwllr aber bejaht wurde. Der Gutachter Dr. Max Lohn ging von der Annahme au?, datz der p. Engel die Rose Nur einmal(Februar 1899) gchäbt habe und kam daher zu dem Schlutz, datz durch dte vor fünf Jahren über- standen« Rose«ine Verschlimmerung dieser Leiden nicht stattgefunden und den Tod deS p. Engel nicht beschleunigt habe. Tatsächlich war— was dem KrankcnhauSgntachter nicht bekannt war— die Rose wiederholt aufgetreten. Di« Witwe legte Rekurs beim ReichSversicherungSamt ein. Dr. Köhler gab in einem auf Erfordern erstatteten Gutachten zu. datz der p. Engel die Rose tatsächlich mehrere Male nach der Erkrankung im Febniar 1899 gehabt habe, jedoch seien die Leiden durch den Unfall nicht verschlimmert. Denn der p. Engel sei in den letzten Jahren seiner Krankheit nicht zur absoluten Ruhe gezwungen gewesen. Er habe sich, wenn auch mühsam und mit Hülfe von zwei Stöcken fortbewegen können, auch habe er dies, soweit e« die Jahreszeit und feine asthmatischen An- fälle gestatteten, getan. Ueber die Tätigkeit des p. Engel bemerkt Dr. Köhler weiter, datz Engel gerade bei seinem Berufe als Droschkenkutscher von jeher verhältnitzmätzig wenig körperliche Bewegung gehabt habe und datz dieser Umstand sehr wahrscheinlich zu einem Teil für die Zunahm« seiner Fettleibigkeit verantwortlich zu machen ist. In Wirklichkeit aber war der p. Engel am Tage des Unfalles noch nicht zwei Jahre lang Droschkenkutscher gewesen, vordem hatte er die eine Fettleibigkeit nicht gerade voraussehende schwierige Tätigkeit eines Kohlen- und MöbeltranSport-ArbeiterS ausgeübt. Datz er auch als Droschkenkutscher, im Gegensatz zu der Annahme Genossen, die di«»Görl. volttztg." nicht lesen, aus dem verewe l de» ärztlichen Gutachter», erbe""''- körperliche Arftrengungen aus- ßvyamn T)at, wer Sie Tätigkeit kennt, die ein Droschkenkutscher außerhalb seines Kutscherbocks für Pferd und Wagen aufzutvenden bat und jetzt ja auch aus de»i Unfall selbst hervorgeht, der beim Heuaufladen und Einfahren entstand. Das Reichsversicherungsanit holte ein Obergutachten des Herrn Professor Dr. Frankel ein. Dies Gutachten sah es als erwiesen an, dah Engel mehrmals an Wundrose gelitten hat— und daß es sich bei der am linken Unterschenkel auf- tretenden Wundrose mit groher Wahrscheinlichkeit nicht um einen Rückfall der ursprünglichen Gesichtsrose, sondern um stets von der Geschwürfläche ausgehende Neninfektionen handelte. Das Gutachten führt weiter aus, datz die Erreger der Wundrose sich als überall häufig ange- troffene Krankheitsteiine auf der Wundsläche angesiedelt und von hier auS durch gelegentliche Reize in die umgebenden Gewebsschichten versprengt, öfters einen Anfall von Rose ausgelöst haben. Eine wissenschaftlich festgestellte Tatsache sei nun. dafi derartige akute Infektionskrankheiten eine Erkrankung der Herzmuskel verursachen können, welche unter Umständen zu einer dauernden Schädigung desselben führt. Solche Schädigungen, selbst geringfügiger Art müssen besonders bei häufigerem Auftreten, ein bereits erkranktes Herz, tiefgreifender olterieren als ein bis dahin gesundes. Auherdem aber habe auch die Erfahrung gelehrt, daß in den Herzbeschwerden Fettleibiger eine rasch fortschreitende Verschlimmerung eintreten kann, wenn derartige Patienten, wie auch im vorliege ndeu Falle angenommen werden müsse, zu dauernder Eiinchränkung der körperlichen Bewegung gezwungen sind.— Der Sachverständige kommt dann zu dem Schluß, daß die an und für sich zum Tode führenden Leiden des p. Engel durch die Folgezustände des Unfalls in seinem Ausgang beschleunigt wurden.— Nunmehr ist der Witwe endlich die Hinterbliebenenrente zu- gesprochen._ Die Genickstarre scheint sich in der aus aller Herren Länder zusammengesetzten Ar- beiterbevölkerung des Jndustriekreises Ruhrort-Meiderich zu einer gefährlichen Epidemie answachsen zn wollen. In der Bürgermeisterei Hamborn allein beläuft sich die Zahl der an Genickstarre Erkrankteii bis heute auf 82. Von den Erkrankungen sind 40 Fälle tödlich verlaufen. Täglich werden neue Erkrankungen und neue Todesfälle gemeldet. Dabei ist die gefährliche Seuche aber nicht auf die Bürgermeisterei Hamborn beschränkt, vereinzelte Fälle kommen bereits in, ganzen Industriegebiete vor. Im Kreile Ruhrort- Meiderich beträgt die Zahl der Erkrankungen inklusive der von Hamborn bis jetzt rund Ivo, Die Zahl der tödlich verlaufenen Erkrankungen 60. Da es sich fast nur um Erkrankungen unter der Arbeiter bevölkerung handelt, so steht zu befürchten, daß der Ausbreitung der Seuche nicht eher die nötige Aufmerksam- keit geschenkt wird, bis die böse Krankheit Massenopfer fordert. Die Hamburger Cholerazeit sollte allerdings als. abschreckendes Beispiel dienen, indes ist es gut, wenn man sich hierüber keinen allzu optimistischen Hoffnungen hingibt. Jedenfalls ist die Situation eine solche, daß die in Frage kommenden behördlichen Instanzen hygienische Gegenmaßnahmen zn treffen haben. Darf der Werkmeister zum Eintritt zu gewerkschaftlichen und politischen Bestrebungen auffordern? Die Bejahung der vorangestellten Frage sollte man für selbst- verständlich halten. Und doch hat es in eirtem Rechtsstreit erst der Anrustmg der Berufungsinstanz bedurft/ um den, natürlichen Rechts- satz Geltung zu verschafien, daß ein-Werkmeister durch Annahme feiner Stelle nicht auf feine politische und gewerkschastliche Betäti- guiig verzichte. Der Fabrikant Max Brandenburg in Treptow hatte einen Werkmeister O. entlassen, weil der Werkmeister in einer Ber- samnilung der Arbeiter des Beklagten die Arbeiter zum Streik auf- gefordert, auch einmal geäußert habe, die Arbeiter müßten eS so weit bringen, daß wenn der Chef mit seinen Beamten komme, er zuerst vor den Arbeitern die Mütze abnehmen müsse. Auch habe der Werkmeister das schreckliche Verbrechen begangen, Arbeiter, die nicht zum sozialdemokratischen Verbände gehörten, zur Aufnahme in diesen zu veranlassen, ja er habe eiiwn- Arbeiter bewogen, statt der „Berliner Morgenpost" sich den„Vorwärts" anzuschaffen. Das seien aber Dinge, die als„Wicktiger Grnnd" zur kündigungsfristlosen Entlassung ausreichen müßt«». Aus der Beweisaufiiahme entnahm das Amtsgericht Berlin II. daß der Werkmeister in der Tat die ihm zur Last gelegten Schreckenstaten, mit Ausnahme der Auf- fordernng zum Streik, begangen habe und erkannte durch einen Assessor auf Abweisung der auf Gehaltszahlung gerichteten Klage des Werkmeisters. Zu dem entgegengesetzten Resultate als dies der Ueberzeugungsfreiheit und den Erfordernissen des praktischen Lebens feindliche Erkenntnis gelangte das Landgericht Berlin II. ES lehnte eine Wiederholung der Beweisaufnahme, die dartun sollte, daß auch die tatsächlichen Annahmen des Amtsgerichts irrtümliche seien, ab. weil, auch wenn sich alles so verhielte wie das Amtsgericht mit dem Fabrikanten annahn,, dies„nicht ausreicht,>•" die sofortige Entlassung des Klägers zu rechtfertig« Die Gründe, die dies dartun, sind von so allgen, einem Jnter. daß die wörtliche Anführung angebracht erscheint. Es heißt in dem Erkenntnis:„Die Aeußernng des Klägers, die Arbeiter müßten es dahin bringen, daß, wenn der Chef käme, er zuerst seine Mütze ab- nehme", ist nichts weiter als eine alberne taktlose Beinerhmg, die von dem, dem gegenüber sie gemacht wird, kaum ernst aufgefaßt wird und einem Arbeiter bei seinem geringen Bildungsgrade und seiner Erziehung nicht besonders schwer angerechnet werden kann. Wenn Kläger dein Zeugen veranlaßt hat, eine sozialdemokratische Zeitung zu lesen und einen, sozialdemokratischen Verband als Mitglied bei- zutreten, so liegt darin kein Vertrauensbruch. Denn die Zugehörigkeit zu einer politischen Partei hat nichts mit dem Dienstverhältnis zwischen Beklagten und Kläger zu tun, Parteien stehen lediglich in einem Privatrechtsvcrhältnis zu einander, auf welches von keinem Einfluß ist, zu welcher politi- schen Partei der eine oder der andere Teil sich rechnet. Unerheblich ist deshalb, ob der Metallarbeite,-Verband, zu dessen Eintritt Kläger den Zeugen bestimmen wollte, sozialdemokratischen Tendenzen huldigt oder nicht. Die Entlassung deS Klägers wegen Mißbrauchs deS Vertrauens würde nur dann ge- rechtfertigt sein, wenn Kläger gegen die Arbeit- geber und speziell gegen Beklagten agitiert, aufhetzerische Reden in Versammlungen geführt. zum Streik aufgefordert hätte usw. Von einer Agitation des Klägers aber nach dieser Richtung hin ist nichts er- wiesen." Für dr» Jnlial« vor J»ierv«e iibcrn im int die 9icbi,ftion dem VuMitnm geftenülier keinerlei Neraiitwortnug. UKeater. Er- Die DiesnS ia g, den 27. März. Ansang VI, Uhr: Opernhaus. Figaros Hochzeit. SchnnspielHans. Der Schwur ber Treue. Deutsches. OcdipuS und die Sphinx, Siencs. Ein Sommernachtstrailm, Berliner. Geigenmacher, G'wisjenS- wurm. Westen. Die vier Grobiane. Ansang S Uhr: Schiller O. tWolliier-Theater.) Der Vogel im Käfig. Schiller �1.(Friedrich Wilhelm» siädlisches Theater), Der Militär- staat. Lessing. Kater Lampe, Komische Oper. HosfmannS zählungen. Zentral. Das süße Mädel. Metropal. Aus WS Metropol. Walhalla. Heinrich Heine. Ballhau-Z-Anna, Kleines. Kinder der Sonne. Residenz. Der Prinzgemahl. Driauon. Loulou. Carl Weih. Die lebende Brücke auf Kuba, LnsispielhanS. Die von HochsaUel. Thalia. Bis fiflh um Fünse. Luisen. Aus eigenen Füßen. Drntsch-Zlmerikanisches. Er und Sch- Kasiuo. Die Herren Söhne. »lpolto. Das bummelnde Berlin. Spezialitäten. Herrufeld. Familienlag im Hause Prellstein. Folies Capricc Talles u. Co. Witticrgartcn. Kaiserin der Spezialitäten. Bellc-Zllliance. Spezialitäten. Reichs halleu. Stetlüier Sänger. Passage. Spezialitäten. llrania. Ta»t>ciistrahe iHlifi. Abend« 8 Uhr: Am Gols von Neapel. Sternwarte, Jnvaltdenstr. 57/62, Der Schmock. Saharet:„Die Sahara".— Urania£.■«/»; Abends 8 Uhr: im Golf von Neapel. Sternwarte Romische Oper. Dienstag, den 27. März 1906, abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Mittwoch zum erstenmal: ngttro» Hochzeit. Donnxrstag: Hoffmanns Erzählungen. Freitag; Figaros Hochzeit. Lustspielhaus. Allabendlich 8 Uhr: Die von Hochsattel. Berliner Thealer. Ansang VI, Uhr. GeigtMlmihkrvoilEreulOllll. G'uiisstilsivnlm. Mittwoch: Jungfrau von Orleans. Donneistag: Kean Neues Theater. Anfang VI, Uhr. Sin Sctnmemachtstram Mittwoch: Salome. Donnerstag, Freitag: Ein Sommer- nachtstraum. Sonnabend zum erstenmal l Caesar uml Cleopatra.(Anfang 7 Uhr.) Kleines Theater. Ansang 8 Uhr, Kiildkr dcr Somit. Mittwoch: Hidalla. Zentral-Theater. (Operelte,) 8 Uhr: Süße Mädel. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Othello. Mittwoch: Pension Schöller, Donnerstag: Die Haubenlerche, Freitag zu», erstennial: Köthchcn von Heilbronn, Soimnbciid: Aus cigcuci, Füßen, Sonntag nachm.: Othello . Abends: Der Verschwender. Monlag: Aus eigenen Füßen. Rosiilonk-Ikstos. Virektion: Richard Hlexander. Heule zum U9. Male: Der Prinzgemahl. Morgen zum 150. Male: Der Prinzgemahl. Vorher Prolog von /Udert Trager, gesprochen von Richard Alexander. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Seine Kammerzo(o;_ Apollo-Theater. 9 Uhr! Täglich: 9 Uhr! Das bummelnile Berlin. Burleske von Benno Jacobson, Musik von Rudols Nelson, Im 3, Bilde: ha natHchlcbC. Solo: litaue d'Eve. Vorher 8 Uhr: Die glänzenden Spezialitäten. Sonntag nachm. 3 Uhr: Vena» anf Erden und Spezialitäten. Metropol-Theater Anfang 8 Uhr. - ins H Große Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Rauchen in all, Räumen gestattet. Deutsch- Amerikanisch. Theater. Köpenickerstr. 67/68. Jeden Abend 8 Uhr, Sonnabend Gastspiel Ad. Philipp 100. Male Er und Ich Sonnt, nehm. 3 Uhr, halbe Preise; Ücber'n großen Teich. Walhalla Theater Keinrieh Keine. Lustspiel in 3 Akten von A, MilS, Hieraus: Sie SaUKsuL'Anna. Possem, Ges. i. 2 Akt, v, Daun u HaSkel, Ans, 8 Uhr, Rauchen überall gestattet, Passage-Theater.| Ansang 8 Uhr.| DaS neue März- Programm.» �ntoinette Sohns{ Koloratursängerin,» Geschwluter Eiobatl, Gelang und Tanz-Duo. t'ritse Sehonbaner mit seinen lustigen Geschichten. 14 originelle Spezialitäten, j T rianon=Theater. Ansang JtiOlllOll- 8 Uhr. Sonntag nachm.: Die herbe Frucht, Schiller- Schiller-Theater 0. sWallner-Tbealcr). Dienstag, abends 8 Uhr: Der Vögel Im Kttflg. Schausp. in 5 Akten v. St. Großmann. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Vogel Im KUflg. Donnerstag, ab e.n d s 8 U h r: Wanjasehlns Kinder. Theater. Schiller-Theater N. lFriedr-WIlh. Th.) Dienstag. abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Der Tlilltiirstnat. Lustspiel'in 4 Auszügen von Gustav v, Moser und Thilo v. Trotha. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der THIltßrntnnt. Doii»irSlag,adeiidS8Uhr: Der ti'wlsMcni.ivnrni. 65 Abessinler* Gastans Panoptikum (9 Friedrichstr. 165.' Kein Extra-Entrce. Zirkus Albert Schumann Heute abend präzise VI, Uhr: DaS anerkannt vorziigl. Programm. U. a,: Perlins gr. Sensation! Ein wirkliches Naturwiinder. Chi»esisd>e Fischer mit ihre» hier noch nie geschciicn Gormorants Direkt aus China importierte Fische sangende Tmichervögel. Außerdem Tille. l.«ul»e Marys Eisbären. Zum Schluß zum 191. Male: Femina �.Vä. Morgen Mittwoch, den 28. d, Mts,, abends präzise V/, Uhr: Anläßlich hohen Besuches Extra-«lala- Bor- ftellnng zugunjlcu des Zentral- kouüiees dcr Deutschen Vereine von, Roten Kreuz bebuss Vcwilligimg freier Bimmen- u, Badekuren für die Teilnehmer an den Feldzügen 1864, 1866, 1879/71. unter XI. Berliner Saison. Zirkns Busch. Trt dreaslerte Tft ■ U Eishürcn"U persönlicher Vorführung des Herrn llagcnbeck. Herr Emst Schumanns Neudressuren und die vorzüglichen Programmnummern. Zum Schluß zum 128. Male: Die neueste und größte Sehenswürdigkeit Berlins: ♦ Iiidien. ♦ Orig.-Pantom. d. Zirkus Busch. Besonders hervorzuheben: Eine Tigerjagd. Palast-Theater Burgslr, 24, 2Min, v.BH.Börse, Täglich 8 Uhr. Entree S« Ps, Letzte Woche! .lohnke Compagnie Reck-Pantomime. Geschwister Fronista Kunstgesangsduett und 10 Attraktionen 1. Ranges. ne feine Nummer! Burleske von Max Koch. Familienkarten in Barbier-, Friseur- und Zigarrcngcschäste» unentgeltlich Gar! Welß-Ttieater. Gr, Fraiiksurterstr. 132. Letzte Woche. Abends 3 Uhr: Die lebetide önicke tnifättlm MItiwoch z, 100. Male: Die lebende Brücke auf Kuba. Donnerstag Benefiz für Herrn l.ee Gadiel: Der Hüttcnbesitzer. Sonnabend letzte Kindervorstellung kleine Preise: Aschenbrödel. W. Noacks Theater. ■Biicftioit: Roh. Dill. Bruimeustr. 16. Zum letzten Male: Vou Stufe zn Stufe. Lebensbild m. Ges. in 5 Bild, v. Müller. Anfang 8 Uhr, Entree 39 Pf, Folies Gaprice 1 Budapester Possen-Theater| 132 Llnienstr. 132, Ecke Friedrlchstraße. Zum 11. Male: Der Schmock und Dalles& Co. Anfang 8 Uhr, � Kasse den ganzen Tag geöffnet, Pornerkaus be! Wertheim, Letzte Vorstellungen der australischen Tänzerin Saharet als Kaiserin der Sahara. Außerdem das glänzende März- Propim KasinosTheater Lothrillgerftr. 37. Täglich 8 Uhr. Die Herren Söhne. Volksstück in drei Akten von Walter u. Stein. �das" oetie bunte KlärzpFogpamm. Sonnt, 4 Uhr: Hotel Klingobusch. Friels HUi-Mr. Schönhauser Allee 148. Gastspiel des Bemb. Rose-Theaters. Die Geier-Wally. Schauspiel in 5 Akten u. einem Vorst). Die Klötze von Rosen nach ihrem Roinan von Wilhelmine von Hillen,. Ansang 8 Uhr, Kassencröffliuiig 7 Uhr. (jiebrüdez* Jatnilientag ftause Prellstein mit den Autoren Anton», Donath Herrnleld m den Hauptrollen, Ans, 8 Ul>r, Vorverk, 11-2 Uhr. Voran-c!gc! Sonntag, de» 1. April: Abslhirds-Zlotstklluilg mit vorhergehendem Festakt u, Verabreichung eines SouvcnicrS in Form eines Albums, welches den Werdegang des Herrufeld- Theaters mit lllterefsaiitei. Ab- bilduugcn enthält. keicksksHeii. Stettiner Sänger. = Einguartieriino. Mil, Humoreske v.Mcyfel Ansang Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. SanssoueiÄX Dir. Wilhelm Reimer. Heute vorl. Theaterabend: jptr Hutttabefitztt. Schauspiel in 4 Auszügen. Mittwoch: Das Ttiftuiigöfest. Somit.. Mont., Donnerst.: HolTmn»»» Norddeutsche Sänger. llrcMdcncrntr. 07 P■. v>w vwiuvld Länger. vtalzgZUMWp nachm. 4 und abends 8 Uhr. Nachm. Eintritt 25 Pf. 1 Kind frei. lOlosseum OttflSteidelsIIarabllrsor Jloritxphitz. Täglich � in den iiiitcren Säle» � Gottschalk-Konzert. Brauerei Ernst Engelhardt Nachf. Berlin- Pankow. Größte Malzbier-Brauerei in Deutschland. I Caramel»Malzbier , w i s» I\t> \l/ <]/ oueRt. Katalog IB. Empfehl.viet Aerzle u.Prof. grat. oic H. Hoger, enmmiwarenlabrlk Berlin NW.. Fhedncheirae»"" Universal-- Wunder- Aetber früher „Weltwunder" tft bei Kopfschmerzen fcbci.tri. Migräne, uenommenhelt, oeistigor Abspannunq ein wunderbares Kopfnervens'ärkungsmittel von Überraschend schneller, im HSchnen Grave wohltuender anregender u neu belebender Wlrtnna für Sie Nerven. 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Unseren verehrlichen Mitgliedern bringen wir hiermit die traurige Nachricht, daß unser hochverehrtes Mitglied Franz Stolle Montag morgen 5 Uhr nach fünfwöchentlichem Krankenlager aus dem Leben geschieden ist. Der Verein verliert in ihm einen streng rechtschaffenen Beamten, der sich allseitiger Liebe und Verehrung unter den Mitgliedern erfreute. Mit Ablauf dieses .Tahres wäre der Verstorbene 25 Jahre im Dienste der Es zu gehörte dem Verein seit dem Jahre 1863 an und hat während dieser Zeit in demselben die verschiedensten Ehrenämter bekleidet. Sein Andenken werden wir allezeit in Ehren halten. Der Vorstand des Vereins der Berliner Buchdrucker u. SchriftgieBer. Alb. Massini, Vorsitzender. Die Beerdigung wird den Mitgliedern noch bekannt gegeben. 36/9 Heute morgen 5 Uhr versohioa nach fünfwöchigem Krankonlager unser lieber Kollege und treuer Mitarbeiter Franz Stolle im 62. Lebensjahre. Sein Andenken wird stets in Ehren halten Berlin, den 26. März 1906 Die Vern-altnng des Vereins der Berliner Buchdrucker und SchriftgieBer. 36/10 Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Polierer Paul flelbig: am 24. März nach langer Krank- heit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 27. März, nach- mittags um 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Älnserstehungs-Kirchhoses in Weifiensee ans statt. Um rege Beieilignng ersucht 82/18 vi« Ortsverwallung. Nach langem, schwerem Leiden starb am 24. März mein lieber Mann und guter Vater, der Möbelpolierer 892b psul Melbinx im 37. Jahre an der Schwindsucht. Dt« Beerdigung findet am 27. März, nachm. 4 Uhr, auf dem Auserslehungslirchhosc in Weißensee statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Verbantl der baugewerblieiieD ülsarbeiter Deutschlands. sBezirt Rosenthaler Borftadt.) Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Kenntnis, dah der Kollege Gustav Günther am 24. März verstorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 28. o. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des ZionskirchhoseS in Nordend aus statt. 33/16 Um rege Beteiligung ersucht Ger Zweigvereinsvorstand. Deutseber Holzarbeiter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht. datz der Kollege, Tischler vtto Rose am 25. März nach langer Krank- heit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 23. März, nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Lübbenerslratze 3 aus nach dem EmmauSlirchhos statt. Um rege Beieiligung ersucht 82/19_ Die Orlsverwallung Zweiter Nachtrag zum Statut der Orts-Krankenkasse för das Tapeiitrergewerbe zu Bertin. Laut Belchluh der ordentlichen Generalversammlung vam 9. Novemb. 1995 erhält der Z 13 Nr. 2 solgende � Die Lieferungen von Brillen usw., auch kann Zahnnlatz bis zum Betrage von 32 M. geletftel werden. Dieser Nachtrag tritt mit dem Tage der Betanntmachung in Krast. Berlin, den 23. März 1996. Des- Vorstand. I St.; H. Lobilz, 1 Borsitzender. Genehmigt durch Beschlutz vpm 28. Februar 1996. Der Bezirtsausschnh zu Berlin, Abteilung II. Kayler. 271/11 Zentralverliand der Steinsetzer, PHaslerer M Bemlsgenossen DeUtSCtliandS(Filiale Berlin I). TodeS-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege Gustav Müller verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 27. d. M., nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle des Geihsemane-Kirchhoses, Nordend, aus statt. Um rege Beteilignng ersucht 174/1 Der Borstand. Statt jedrrbrsonderen Meldung. Zillen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, datz unsere liebe Mutter, Grotz- und Schwiegermutter, die Hebamme l Augusts Schwarz geb. Joel, Wrangelstratze 90, im Alter von 63 Jahren nach kurzem, schwerem Leiden am 24. d. M. sanst entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des EmmaiiS-KirchhofeS auS statt. Stille Teilnahme erbitten Gie trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, lowie den Kollegen sagen sür die Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS unseren berz. lichsten Dank. 789b Gie trauernde Witwe Anna Bastian nebst Kindern. Dankf«gung. Für die vielen Beweise innigster Teilnahme und die vielen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage.ich allen Freunden und Bekannten, besonders denKollegen der Firma Ziettow meinen ties- gesühltesten Dant. 619L Die trauernde Witwe !.ti!8e Hering nebst Tochter. Für die vielen Beweise der herz. lichen Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS und unseres Vaters, deS Tischlers Bembsrd Hüfner sagen wir hiermit allen unseren herz- lichsten Dank. Frau Empm Httflaer 811b_ nebst Kindern._ Orts-Kraukenkasse ♦ bcö Zimmerergewerbes zu Berlin. Gannerslag, den 5. April, abends 8 Uhr. im Gewerkschattshause, Engei-Uler 16, Saal 3: 793b Orbentliche General- Versammlung TageS. Ordnung: 1. Rechnungslegung. 2. Bericht de» PrüsiingSauslchusseS. 3 Bejchlutz. safinng über die Abnahme der Jahres. rechnung und Dechargeerleilung. 4. Verschiedenes. Die in der Wahlverfammtung am 22. November 1995 gewähiien Bei» treier werden hierzu eingeladen. Einladungskarle legiliiniert. Der Borftand. August Brunzel. Vorsitzender. Ewald Pelermann, Schristsührer ßra»;- uud Klnmentiiudtrki van Hoberl Me�er,. nur Mariainttn-Stlnlie 3. VerelnS-Kränze, Palmen- u. Blninen- Arrangements, Buletts, Guirlanden usw. werden lein u-peeiswerl gellelert. VcrwaUnngsstclle Berlin._ Haupt-Bureau: Engel-Ufer 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV 967?. ArbeitSnachiveis Zimmer 34. Amt IV 3353._ Mittwoch, den«8. März ISVK, abends 8'/, Uhr: MF" Versammlung"WD der Gold- und Silberarbeiter u. verw. Berufsgenossen im„Dresdener Garten», Dresdenerstr. 46. Tagesordnung: 1. Vortrag des Kollegen Pawlowltscb über: „Kriminalrecht und Strafvollzug". 2. Diskussion. 3. Werkfiellen-An- gelegenheiien und Verschiedenes. Gäste willkommen. Recht zahlreiches Erscheinen der Kolleginnen und Kollegen wird erwartet.■_ Mittwoch, den«8. Mörz 1906, abends 8'/, Uhr i Vorsammlung der chirurgischen Branche im„Rosenthaler Hof", Rosenthalerstr. II/IS. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Wermutb über:„Frankreich am Ende des achtzehnten Jahrhunderts«. 2. Diskussion. 3. VerbandSangelegenhetten und Verschiedenes. In Anbetracht des Interessanien und lehrreichen Vortrages ersuchen wir um pünkilicheS und zahlreiches Erscheinen. - Mittwoch, den«8. Mörz 1996, abendS 8 Uhr: EfezurlTS-Vorsammlung siir Steglitz, Gr.-Lichterselde u. Umg. bei Belsen, Grost-Lichtcrfclde, Chausseestr. 191. Tagesordnung: Bortrag über die Revolution in Rnftland. Referent: Ingenieur Grcmpe. 2. VcrbandSangclcgenhciien. 3. Verschiedenes. - Cime Buch kein Zutritt. Pünktlicher und zahlreicher Besuch wird erwartet. Mittwoch, den«8. März 1996, abendS pünktlich 8'/- Uhr t Branchen-Versammlung = der Graveure und Ziseleure im„Graphischen VcreinShause«, Alcxaudrinenstr. 41. Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheitcn. 2. Vortrag. 3. DiS- kussioit. 4. Verschiedenes. 115/6 Pünktliches Erscheinen aller Kollegen ist dringend nötig. ____ Die Ortsverwaltung. fachverein der tifchlcr Berlins und Umgegend. .Aektung! Achtung! Tischler und MSbelpoliereri Mittwoch, den«8. März 1996, abendS 8'/, Uhr: Mitglieder- Versammlung bei 1691», Köpenickersir. 137/138. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen llater. 2. Diskussion. 3. VereinSangclcgeiihciten. 4. Verschiedenes. 186/5 DM- Gäste haben Zutritt.«MW Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Der Vorstand. l Mittwoch, den«8. März, abends S'/i Uhr: Krauchenversammlung aller in der Teteptson-Kranche und für photographischc»nd chirurgische Apparate be- schäftigten Tischler* im Gewerkschaftohause(Saal 7), Engel-Ufer Nr. 15. TageS-Ordnung: R 1. Branchenangelegenheiten.— 2. Ter Streik bei Mcber.* 3. Verschiedenes. 82/ Um zahlreiches Erscheinen ersucht vlo Ortsvcrwaltnne. Bautifctzler-Koinmiffion. Donnerstag, den«9. März, abend» 8'/, Uhr: TitRung für sämtliche Bezirke bei Walter, Adaiberlsiraste Nr. 6«. IMG Die Vorortzahistellcn werden gebeten, ihre Vertreter zu dieser Sitzung zu schicken. Her Brnnchcnlcltcr. Küchenmöbel-Branche. ä Donnerstag, den«9. März 1996, abendS 8'/, Uhr: Kranchen-Uersammlung im„Englischen Garten", Alexanderstraste Str. S7e. Tagesordnung wird in der Versaininlung bekanntgegeben. Isle ULoinmlanIon. Deutschland» «eüa! fuizerlräger Berlins u. Ilmg. iSsüsi Mittwoch, den-zs. März, abends 6'/. Uhr: Ncrlmllmiz aller Puperträger in tiranmann» t'e»t»NIen, Rannhnstratze«7. TageS-Ordnung: 1. Welche Mahnahmeu sind zu ergreifen, um unsere Forderung endgültig zur Dnrchsiihriiiig zu bringen? 2. BerlchicdeneS. Das Erscheinen aller Putzerträger ist erforderlich.'Auch ist öS ratsam, datz jeder von der Arbeitsstelle sofort noch dem VersammiuiigSIokal geht, denn die Versaminlung wird stühzeiiig eröffnet. Zrunnendsuer*£üüüü] und Hülssarbeiter. Donnerstag, den I29. März, abends 8 Uhr. Im Lokal von �ng»»tln, Oranieusiraste 195: Pf Versammlung"Vi allrr im Srunuenbimfach beschnftigtr» Arbkiter. TageS-Ordnung: 1. Die Antwort der Arbeitgeber ans tinscre eingereichte Forderung«nd unsere weitere Dtelliiugnahme. 2. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch dieser Versamnüung erwartet.33/15» vor lSivelLvvr«äiH-V»r»t»iitl. flchtHngi vierter Wahlkreis. Dienstag, den A?'. März, abends 8 Uhr: 5ech5 volkz-ve�smmlungen. l. Im Lokal Nannynstr. 27, 14. Im Lokal Frankfurter Allee S3. -.»»Hrttchenlturg�� Vor dem Schlefischen Tor»-». S.„.„Königsltttnk"� Grohe Frankfarterstr. 117. "»» Memelerstr.«7. j6.„„ Landsberger Allee 40, Tages-Ordnung: i Was braucht das Proletariat? 2. Diskussion. 2«2/t2. l�ekereaten sind die Genossen: Block, DÜWell, Klottl, Liepmatlll, StÖfttier, Wieseflthal. Parteigenossen! Agitiert für Kassenbesneb! Der Vorstand des Sozialdemokratischen Wahlvereins für den vierten Berliner Reichstags-Wahlkreis. Ächtung S Ächtung! Städtische Arbeiter! Mittwoch, den«8. März, abends pünktlich 8'/, Uhr, bei Keller, Koppenstraße SS: Protest- Versammlung aller in den Betrieben der Stadt Berlin beschäftigten �— Arbeiter, Handwerker usw.===== 3cp€tat pro 1900 und die städtischen Arbeiter. Resercnl: GewerkschastSsekretär DlttlUd'« Freie Aussprache für jedermann Kollegen! Es gilt Stellung zu nehmen zu dem ablehnenden Verhalten des Magistrats bezüglich der generellen Lohnerhöhung. Jeder agitiere für diese Ver- fammlung. 290/1 Verband städtiseber Arbeiter(siliaie drojl-ßerlin). Freitag, de« 30, März, abends 8 Uhr, in Flstlis Ktilkr» Wßklll M, KopptO. 29: QolkS'Qersammlung für Männer und Krauen. Tages-Ordnung: Die preiißifche Volksschule und die Kirche. Referent: Reichstags-Abgeordneter �äolpk Nottmann. 62/9___ Der Einbernfer. Dr. Schünemann Spezial-Ärzt(üv Hant- und Harnleiden, Kranen krunkheiten. Frledrlchstr. 203, Ecke Schiitzenstr. 10-«, 6-7, Sonnt. 10-1» Uhr. Bauland kauft I Hlerniann, Hreilan VIII. Schmöckwitz am Seddiusee. r*............. MVUtuw wu. 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Eine reiche HopfenhändlerSwitwe zum Beispiel läßt die Mädchen nachts 1t oder 12 Uhr auS dem Bette holen, um sich von ihnen auskleiden zu lassen. Nicht bloß zu essen, sondern oftmals auch FeuerungSmaterial müssen die Armen von ihrem eigenen Gelde kaufen. Bei einer anderen Herrschaft, wo das Mädchen sich infolge harter Arbeit und schlechten EssenS eine Krankheit geholt hatte, erhielt es zwei Minuten vor der Weih- uachtsbescherung die Kündigung. Bei einer Frau Apotheker sind Kost und Behandlung so unter aller Kritik, daß sie seit zweieinhalb Jahren das 36. Mädchen hat, seit letzte Weihnachten das fünfte. Eine noble Herrschaft hatte ihrem Mädchen für besonders schwere Arbeit während der Ferienreise ein schönes Geschenk versprochen. Sie fand nach ihrer Rückkehr die geleistete Arbeit sehr lobenswert. Als Belohnung dafür wurde dem Mädchen großmütig ein alter Sonnenschirm und ein alter Hut überreicht, jedoch sollte es für den letzteren noch 7 M. zahlen,„da sie den Hut ja noch tragen könne". Während ihrer Ferienreisen suchen sich die Herrschaften der Ausgaben für ihr Mädchen gern zu entledigen. Wenn dasselbe nicht freiwillig, ohne Kostgeld zu erhalten, irgendwohin geht, so wird ein Streit vom Faune gebrochen und ein Grund zur Entlassung geschaffen. Bei findigen Hausfrauen ist nicht ausgeschlosien, daß sie ab und zu Dienstpersonal halten, welches eine Zeitlang tüchtig schanzen muß, aber für die geleistete Arbeit keinen Lohn bekommt. Mädchen, welche nicht„ordnungsgemäß" auS dem Dienste treten, braucht nämlich kein Lohn gezahlt zu werden, und dieser Unistand wird nicht selten in der angegebenen Weise ausgenutzt, da es ein kräftiger Hausdrache mit gutem Willen schon fertig bringen kann, diu Mädchen so zu behandeln, daß es ohne ordnungsmäßige Kün« wgung fortgeht. Der Vortrag brachte noch viele krasse Einzelheiten, welche zum großen Teil ans dem Stoß Briefe von Dienstniädchen stamniten, welcher im Arbeitersekretariat eingelaufen war. In der Diskussion bereicherten Dienstmädchen das vorgeführte Material durch die Mitteilung ihrer eigenen Erfahrungen. Es wurde beschlosien, eine Organisation zu gründen, mit der Zweckbestimmung der Jntercsienwahrnehmung der weiblichen Lohn- sklaven im Haushalt. Der Monatsbeitrag soll 20—25 Pf. betragen. Dem Verein traten sofort über 100 Mitglieder bei. Mit dem Verein ist auch ein Stellennachweis verbunden, der bereits in Tätigkeit getreten und an das Telephon angeschlossen ist. Er ist für Dienstboten und Herrschaften unentgeltlich und die Mitglieder des Vereins haben ausschließlich ihn zu benutzen. Dadurch sollen die privaten Stellenverdiiigenuneu kaltgestellt werden, die die Dienst- mädchen oft in der unerhörtesten Weise ausbeuten. Der Verein bezweckt ferner, die Gesamtlage der dienenden weiblichen Personen in rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht zu heben. Die Mitglieder erhalten die„Gleichheit" unentgeltlich; in Erkrankungsfällen werden nach einjähriger Mitgliedschaft wöchent- lich 12 M. Unterstützung bezahlt. Das Ereignis, das Aufwachen der Dienstmädchen aus gewohnter Lethargie zum Klassenbewußtsein, hat im bürgerlichen Lager wie eine Bombe eingeschlagen. Zurückdämmen läßt sich die Bewegung nicht mehr, Wohl aber ist zu erwarten, daß die kraftvolle Initiative der Nürnbergerinnen ansteckend wirkt und die soziale Bewegung von dort die Wellen nicht nur über ganz Süddeutschland, sondern bis an die Nord- und Ostsee werfen wird. Spandau. Am 20. März hielt der Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Genossin Kadait-Berlin schilderte in einem aufklärenden Refe- rate die früheren und die jetzigen Verhältnisse, die die soziale Lage der Frau bestinnnen. Dem Sieferat folgte eine lebhafte Diskussion. Eine große Zahl neue Mitglieder konnten eingezeichnet werden. 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Erforderlich genaue Kenntnis der einschlägigen Verhältnisse, auch im Verkehr mit den reisenden Handwerlern, sowie die Fähigkeit, die damit der- bundenen schriftlichen und verwaltungstechnischen Arbeiten auszuführen bezw.'deren Ausführung zu kontrollieren. Geeignete Bewerber werden gebeten, ihre Offerte mit Gehalts- und eventuellen sonstigen Ansprüchen bis zum i. JA»! 1906 an den Geschäftsführer S. kretsdimer» Bamburg, franken» Itralle 10, gelangen zu lassen, auch anzugeben, in welcher Höhe sie eventuell Kaution zu stellen in der Lage sind. 6012* Die Verwaltung. I Gewcrkkljaftsbaus Hamburg 0. m. b. B. �ür den gesamten Restaurationsbetrieb obiger Gesellschaft,»uskebtielllick der Herberge, wird ein Rcftauratcur gesucht. Derselbe wird Angestellter der Ge- sellschaft. also mcbt Inhaber der Schankkonzession sein. Antritt Anfang Oktober 1906. Reflektiert wird nur auf eine Person, die einen Restauratiansbetrieb im lo ticken Stil zu leiten im stände ist. ES wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß der Betrieb zeitweilig kebr umfangreich sein wird, da außer dem Restaurant ein zirka 3000 Personen fastender Saal, sowie mehrere kleinere und größere Nebensäle zu demselben gehören. Geeignete Bewerber werden gebeten, ihre Offerte mft Gehalts- und evenwellen sonstigen Ansprüchen bis zum 1. ftlai 1906 an den Geschäflssührer E. Krctlcbmer, Bamburg, franhenftr. 10, gelangen zu lasten, sowie anzugeben, in welcher Höhe sie eventuell Kaution zu stellen in der Lage sind. 6022» Die Verwaltung. □ Geldschrankschlosser, tüchtige, selbständige Arbeiter, Schrankbauer und Schloßbancr verlangt Lmdencr, Au- guststraßc 52._ 1401«* Ziseleur-Lehrling verlangt Hirsch- sctd, Alexandrinenstiaße 23. 764b* Ein Tischlerlehrling verlangt Bulcn- hoff, Manlcufjelstraße 22.+17 Rahmenmacher und Zuschneider verlangt Grosz, Ritterstraße 27. Farbigmacher verlangt Gtischkc, Weißensce, Sedansttaße 46».+124 Farbigmachcr und Schleifer ver- langt E. Liepmam., Charlottenburg, Am Lützow 9.+126 Farbigmacher finden dauemde Beschäftigung. Müller, Fruchtstraße 63. Bursche zum Kratzen verlangt Galvanisierung Zieglcr.Boeckhslraße 25. Tüchtige Granitschrisihaucr, Lohn und'Akkord nach Tarif, verlangt A. Hintze, Prenzlauer Allee 249. Friseurlehrling verlangt Zossener» straße 19._ 7925 Einlagearbeiter oder Täschner für eine auswärtige Stockfabrik ge- sucht. Offerte? 2 an die Expedition dieses Blaltcs._ 8016 Schiilmäbchen sür nachmittag. Schirrmeister, Lothringerstraße 67. Stosshoien-Slepperinncn verlangt Weiland. Franksurter Allee 71. 8096 ZcitiiiiliSfraiirii finden dauernde Bcschästigung Prinzenstraße 41. 100/19* ZeitnngSfrancn finden sofort dauemde Beschäftigung Potsdamer- straße 33. 106/17« ZeitniigSfranen finden sofort lohnende und dauernde Beschäfttgung Schützenstraße 22/23, Rykeslraße 31, Schiffbanerdamm 1. 106/13» Reserbefrau verlangt Sorauer- straße 20, Laden.__+17 Knabenblusen> Arbeiterinnen außerm Hause verlangt Cassubc, Flicderstraße 14, parterre._+142 Kostümröcke- Arbeiterin verlangt Reichenbergerstraße tl5a II. 7936 Geübte Spulerinnen finden dauemde Beschäftigung bei Albrecht& Flotow, Friedrichstraße 105». 7155 Im Arbeits« arkt durch besonderen Druck Hervorgehobeue Anzeigen kosten SV Pf. die Zeile. Bautischler__ zur Gründung einer Genossenschaft mit je 500 M. Einlage werden gesucht. Niederzulegen Spedition„Vorwärts", Lausitzer Platz 14—15._ 6092 Fräser, Sdmikr, Kieger auf Zelluloidschirmgriffe nach llöla a.Rh. gesucht bei freier Fahrt. 107/4 Meltzunaen: Hier bei lil. vros», Neanderstr. 17 II, von 5—7 nachm. Rahmenschreiner, welche im Anfertigen von verlröpstcls Rahmen firm sind, finden dauemde Beschäftigung bei 873b W. Bergmann. Kröpsrahmenfabrik, Gelsenkirchen. Deulsciier Holzarbeiter- Verband. Wegen Streik und Differenzen ist Ziiiiig sctnuilinlttii von Treppengeländer- Arbeitern (Drechsler. Tischler, Stellmacher. Polierer, Maschiuenarbeiter und Bildhauer) von dcrTreppengcländer- sabril Joseph Drechsler, Gubener» straße 33; von Einseftern 00m Bau Gerhardt in Halcnsce, Schweidnitzerstr. 6 und 7, und Tischlern von EberS Möbel- tischleret, Manteuffelstr. 22; von Bobcnlcgcrn von den Bauten in Buch(Firma Damke, Frankfurt a. O.). vle Ortsvcrwaltnue. Deutscher Duchbinder- Derbund Zahlstelle Berlin. Wegen Lohndifferenzen ist daS Personal der Firma Kreits Oe«» nnrckl, Luruspapiersabrik, tlöpe» nickerslrafte IIS, enilassen worden. Der Betrieb ist sür Golllschniilmacliep, Luxuspapier- und Kartonagenarbeiter und-Arbeiterinnen, Präger und Präge- rinnen sowie Monogramm-Prägerinnen gesperrt. Ter Streik dauert fort! 23/3*_ Die Ortsverwaltung. Vereinigung der Maler, Lackierer, Anstreicher Filiale Berlin. In der Werlslelle Bnx Wo- Hlneiki. Nixdorf, Hermanstr. 48 II, sind Differenzen ausgebrochen und ist dieselbe bis aus weilercs gesperrt. Die Arbeitsstellen find solgcnde: Pannier-, Ecke Wescrstrafte, Lnudeftrafte(Beamtenhäuser). Glasoiv-.Ecke TSal terstrafte, Bau. Krosscnerftr. Llt oder S4. Weise-, Ecke Srlchowcrstrafte. Baninschnleuiveg, Schröder-, Ecke Baumschulenstrafte. 124/15» Die Drtsver«a!iung. Verantwortlicher Redakteur: HanS Weber, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin, Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerci p. Verlagsanstalt Paul Singer Si Co� Berlin SV/, Redaktion und Expedition: Berlin, Clndcntlr. 69. fernfpredw: Amt IV, 1983. Nr. 73. Dicustag. bcu 37. März 1906. Inserate Sedjsgclpaltene Kolonclzeile 20 Plg. Bei größeren Rufträgen entsprechenden Rabatt parte!-Hngelcgcnbeitcn. Reinickendorf-West. Heute abend 8'/? Uhr findet der Diskutier- abend des Wahlvereins im Lokale von Otto, Berliuerstr. 113/114, statt. Vortrag des Genossen Mankowski. Erscheinen ist notwendig. Der Vorstand. Schmargendorf. Heute abend findet im Lokal Sanssouci eine Versammlung mit der Tagesordnung„Auf zur Stichwahl" statt. Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Der Vorstand. Vorort-l�admebten. Wahlergebnisse. Johannisthal. Bei der gestern stattgefundene» Gemeindevertreter- Wahl entfielen von 23ö abgegebenen Stimmen auf den Kandidaten ' des Handwerkervercins 39, auf unfern Genossen Hermann Dühring 196 Stinimeu. Trotz der für unsere Genossen ungünstig angesetzten Wahlzeit(mittags 12—2 Uhr) haben wir 44 Stimmen mehr als bei der letzten Wahl erhalten. Damals brachten wir cZ aus 152 Stimmen, obwohl die Wahl von 5—7 Uhr währte. Durch unablässige Organisation und Agitation iverden loir versuchen, bei der nächsten Wahl auch in die 2. Klasse Bresche zu legen, Wie sehr es oft auf eine oder einige Stimmen ankommt, zeigt sich jetzt wieder in dem folgenden Wahlergebnis für Franzöfisch-Buch- holz. Bei der am 23. März stattgehabten Stichwahl erhielt Genosse A. Pohl 151. der Kandidat der Mischmaschpartei 154 Stimmen. Das Ergebnis der Hanptwahl war: Genosse A. Pohl 87, die Gegen- kandidaten 68 resp. 33 Stimmen. Die Buchholzer Genossen können hieraus ersehen, dast ihre energische Wahlagitation nicht umsonst war. Wenn auch kein vollständiger ü-ieg, so ist doch ein starker Zmvachs an Mitgliedern und ganz besonders an Stimmen zu verzeichnen. Gegen die Gültigkeit der Wahl wird Protest eingelegt werden. Schönwalde(Mark). Bei der Ersatzwahl für die Gemeinde- Vertretung wurden mit 13 bezw. 9 Stimmen zwei Arbeitervertreter in das Parlament gewählt. Petcrshage» bei Fredersdorf. Die am 24. März stattgestmdene Stichwahl der dritten Abteilung brachte den Bürgerlichen unter An- loendung der erdenklichsten Machinationen den Sieg. Unser Kandidat brachte es auf 21 Stimmen, während der Bürgerliche 59 auf sich vereinigte. Es war dies nur möglich, indem alle sich in einem Ab- hängigkeitsverhällniS befindlichen� Wähler an den Wahltisch dirigiert wurden. Der uns von jener Seite immer so gern vorgeworfene TerrariSmus hat bei den bürgerlichen Herren wahre Orgien ge- feiet t. Nun können sich die Philister ihre Schlafmütze wieder über die Ohren ziehen, um weiter zu schnarchen. AdlerShof. Ein Unikuni bei den diesjährigen Gemeindewahlen stellen die Wahlen in Adlershof dar. Die Gegner verzichteten von vornherein auf die Präsentierung von Kandidaten, wahrscheinlich, weil kich kein Dummer fand, der die Freuden des Durchfalls auf sich nehmen wollte. So wurden denn unsere Genossen Büttner und Hildebrand mit 639 Stimmen resp. 631 Stimmen in die Gemeinde Vertretung gewählt. Schmargendorf. Bei der gestrigen Wahl zur Gemeinde- Vertretung-erhielt unser Genosse Gutbier 127 Stimmen, die Bürger Partei 38 und die Amtspartei 128 Stimmen. Die Stichwahl findet am kommenden Montag in demselben Lokal von 4— 8 Uhr statt. Charlottenburg. Die Stadtverordnetenversammlung wird sich in ihrer Sitzung am Mittwoch mit einer Reihe bedeutsamer Vorlagen zu beschäftigen haben. Wegen des großen UmfangeS der Tagesordnung findet voraussichtlich auch am Donnerstag eine Sitzung statt, in der die am Mittwoch nicht erledigten Punkte beraten werden. Den breitesten Raum in den Verhandlunge» wird die Beratung des Etats ein- nehmen. Im Etatsansschns; hat die liberale Mehrheit alle sozial- demokratischen Anträge zu Falle gebracht, obwohl es sich zum größten Teil nur um solche Anträge handelte, die die Liberalen früher, als sie noch die Minderheit bildeten, selbst gestellt hatte». Besonders interessant ist da? Schicksal des bereits erwähnten Antrages auf Gewährung freier Lernmittel. Der Ausschuß hatte unter Ablehnung eines sozialdemokratischen Antrages auf Ge- Währung freier Lernmittel an sämtliche Kinder der Gemeinde- schulen, in erster Lesung einen liberalen Antrag auf Einstellung von 7599 Mark zur Gewährung freier Lennnittel für die die Schüler der untersten Klassen angenommen. In der zweiten Lesung zogen die Liberalen ihren eigenen Antrag zurück und stimmten nachher, als er von sozialdemokratischer Seite wieder aufgenoinmen war, mit einer Ausnahme dagegen. Bei ihrem Untfall leistete ihnen der Magistrat Helserödicnste. Der Magistrat ist grundsätzlicher Gegner der Gewährung freier Lernmittel. Da ihm nun daran liegt, einen Konflikt mit den Liberalen zu vermeiden, erklärte er sicki bereit, in der Erwartung, daß der Frage der Gewährung freier Lernmittel an die Gemeindeschüler für die nächsten acht Jahre nicht näher ge- treten wird, die erste Rate von 5999 M. zur Durchführung von Maß- regeln zur Hebung der Gemeindeschulen in den Etat'einzustellen. Obwohl der Etat zweifellos daneben auch noch die Kosten für freie Lernmittel tragen kann, trat die liberale Mehrheit dennoch dem Wunsche des Magistrats bei, sie verzichtete auf ihren Antrag, den sie noch wenige Tage vorher als einen prinzipiellen Autrag be- zeichnet hatte. Ebenso prinzipienfest erwiesen sich die Liberalen bei der Frage der Hcrndsctiung der Gaspreise. Während sie in früheren Jahren stets energisch dafür eingetreten waren und namentlich bei den Wahlen damit hausieren gingen, lehnten sie jetzt, wo sie die Mehrheit bilden, ihren eigenen Antrag ab. Daß sie auch den sozialdemo- kratisciien Antrag, mit dem Bau deS bereits genehmigten Asyls für Obdachlose in diesem Jahre endlich den Anfang zu machen, zu Falle brachten, sei nur nebenber erwähnt. Angeblich hat die Stadt Char- lottcnburg, die reichste Stadt Preußens, für derartige Zwecke kein Geld übrig. I» Wirklichkeit zeigen die Liberalen durch ihr ganzes Verhalten, daß sie einzig und allein die Geschäfte der be- sitzenden Klassen betreiben. Lehnten sie doch sogar einen sozialdemokratischen Antrag ab, der nicht? weiter de- zweckte, alS den Magistrat zu veranlassen, in Erwägungen darüber einzutreten, ob sich die Einführung der Besieiicrüiig des»»verdienten Wertzuwachses für Charlottenburg empfehle, und der Versammlung eventuell eine entsprechende Vorlage zu unter- breiten. Man begnügte sich niit einer Erhöhung der Umsatzsteuer von unbedanten Grundstücken von 1 auf 2 Proz. In engem Zusammenhang mit dem Etat steht die Magistrats- Vorlage betreffs Bildung eines Ausgleichssoiids. Ein sich am Jahres- schlutz etwa ergebender Ueberschuß soll iin Jahre 1996 und künftig nur in Höhe von 1 Million Mark in den Etat des übernächsten Jahres eingestellt Iverden! etwaige Mehrbeträge dagegen sind zu einem AnsgleichsfondS anzusammeln. Bisher bestand der Grundsatz, Ueberschüsse, die sich am Schlüsse eines Rechnungsjahres ergeben. dem Etat des übernächsten Jahres zuzuführen. Dadurch können natürlich große Schwankungen i» den Etats verschiedener Jahre ei»- trete», und es kann möglicherweise einmal eine Balanzicrung des Etats mit den bisher üblichen Steuersätzen überhaupt nicht niehr zustande gebracht werden. Wenn nun auch der Magistrat aus dem Steigen der Verwaltungsüberschüsse seit dem Jahre 1991 die Hoffnung auf eine weitere günstige Eiilwickelimg hegt, so hält er doch einen Nieder- gang, wie er z. B. im Jahre 1991 aufgetreten ist, auch für die Zu- kunst nicht für ausgeschlossen. Aus diesem Grunde rät er die Schaffung des Ausgleichsfonds an, und zwar soll das neue Ver- fahren znni ersten Male im Jahre 1996 Platz greifen. Der lieber- schliß des Rechnungsjahres 1995 soll nach einem Beschlüsse des Etats- ansschuffes, dem der Magistrat znstiinnit, bis zur Höhe von 239 999 Mk. zu Straßenpflasterniigen Verwendnng finden, soweit er den Betrag von 1999 999 Mk. übersteigt. Von weiteren Magistratsvorlagen, die auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung stehen, erwähnen wir die betreffend den Nach- t r a g s» e r tr a g mit den drei S t r a ß e n b a h n g e s e l l- schaften, auf die wir noch besonders zurückkommen, und die Mit- teilung des Magistrats, daß er der Anregung der Versammlung betreffend die Errichtung eines städtischen Leihhauses keine Folge geben wird. Auch diese Vorlage wird noch einer besonderen Besprechung bedürfen. Schließlich sei noch mitgeteilt, daß einem Antrage des Magistrat? ztifolge, die ft ä d t i s ch e M ü l l a b f u h r nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, am 1. Oktober 1996, sondern erst am 1. April 1997 eingeführt werden soll. Der Hauptgrund für dies Hinausschieben des Termins ist darin zu erblicken, daß cS sich noch nicht übersehen läßt, wann die Verhandlungen mit der Polizei abgeschlossen sein werden. Lichtenberg. Eine Wahlrechtsdebatte im Lichtcnberger Rathanse führte unter anderem die Geiieraldiskusston über den Voranschlag pro 1996 herbei. Unsere Genossen kündigten an, daß sie bei dem entsprechenden Titel den Antrag:„Die Genieindevertretung möge sich mit einem Ver- langen nach Einführung des allgenicinen, geheimen und direkten Wahlrechts an den preußischen Landtag wendeii", einbringen werden. Die Genossen sprachen ihr Bedauern aus, daß die„Liveralcn" in der Gemeindevertretung, entgegen ihren angeblichen Grundsätzen, der Frage nicht nur teiluahmlos, sondern direkt feindlich gegenüber» stehen. Auf das., Wa hlunrecht" näher eingehend, erklärten unsere Genossen, daß die Frage der Abänderung deS Kommunalwahlrechtes nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden werde, obgleich die Sozialdemokratie nur ans sich selbst angewiesen sei. Wie die Liberalen in der Frage des Landtagswahlrcchtes versagt haben, ja hindernd im Wege ge- standen, so auch hier. Die sozialdemokratische» Gcmeindevertreter aber werden, auf sich angewiesen, allerorts die Frage in Fluß halten. Der Sprecher der Liberalen erklärte, sich dem Vorwurf gegen den Gemeindevorstand, daß dieser der Frage nicht nähergetreten sei, nicht anschließen zu können. Zur Frage selbst würde er sich erst äußern, wenn der Antrag vorliege. Die Landtagswahlrechtsfrage habe gezeigt, daß aus Erfüllung der Wünsche nicht zu rechnen sei. Wenn die Dreimillionenpartei trotz des„blutigen Sonntags (Heiterkeit) und der Massenversammlungen dem preußischen Land- tage nichts weiter abzunötigen imstande war als die Karrikatur einer Wahlrechtsreform, wie solche jetzt vorliege. werde der preußische Landtag sich durch die Gemeindevertretung von Lichtenberg nicht bestimmen lassen(Große Heiterkeit bei den Bürger- lichen), das Wahlrecht zu den Gemeindeverwaltungen zu ändern! Daß der Landtag dem Wahlreck)isverla»gen so wie geschehen be- gegne, sei Schuld der— Sozialdemokratie. Bei der letzten Wahl habe die Partei eS verschuldet, daß die Liberalen dort so in der Minderheit seien, wie die Sozialdemokraten in den Gemeinde- Parlamenten usw. Unsere Genossen vernichteten bald den Heiterkeitserfolg, indem sie den Herren eine gründliche Antwort zuteil werden ließen. Vielleicht wird die Andeutung,„daß über die Ansichten in dieser Frage an anderer Stelle mehr geredet werden könne", erfüllt: wir glauben indes»och nicht daran, haben doch die bürgerlichen Herren die öffentliche Aussprache am Orre seit Jahren gescheut. Zossen. In der letzten sehr gut besuchten Mitgliederversammlung erstattete Genosse Rohsberg den Bericht von der KreiSgeneralversannnluiig. Für den 1. Mai beschloß man, nachmittags 1 Uhr eine öffeiitliche Versammlung bei Schimke einzuberufen und um Uhr einen Ausflug nach Endes See und Waldschloß in Neu-Dabeudorf zu unter- nehmen. Anstelle des von seinem Posten als Bezirkssührer zurück- tretenden Genossen Zibell wurde Genosse Stellmacher gewählt. Der vom Vorstand bisher nur provisorisch eingesetzte Genosse Eisenhauer als LokalkommissionSniitglied wurde von der Versammlung einstimmig bestätigt. Genosse Backow brachte unter Verschiedenes noch miserable Zustände deS hiesigen HerbergSwesens zur Sprache, worauf die Versammlung den Beschluß faßte, durcki Eingabe einer Petition bei der Behörde auf Beseitigung derselben hinzuwirken. Treptow. Die OrtSverwaltung des Verbandes der freien Gast- und Schank- Wirte Ober-Schöneweide und Unigegend hielt am Donnerstag bei Preuß in Treptow eine Versammlung ab. In den Vorstand wurden neu gewählt: Christ, Baunischulenwcg, als Bevollmächtigter und Fischer, Nieder-Schöneweide, als Schriftführer. Kollege Preuß gab den Bericht der Bierkommission und kritisierte in scharfen Worten die willkürlichen Bierpreise der in Frage konmienden Brauereien. �um Schluß ermahnte er zum Zusammenschluß, um der Reichs- ierstener entgegenzutreten. Es wurde weiter beschlossen, die Orte AdlerShof und Grünau zur OrtSverwaltung Köpenick gehörig gelten zu lassen. Wilmersdorf. Die Wiluiersdorfer Arbeiterschaft befindet sich jetzt in einer eigentünilichen Situation. Durch den Uebergang deS Volksgartens in Gemeindeeigeiilum wird der hiesigen Bewegung das einzige bisher zur Verftigling stehende Versammlungslokal entzogen Wohl kein gleich großer Vorort dürfte sich in einer ähnlichen Lage befinde». Dadurch aber beginnt die bisher leidliche Lokalsrage für die Wilmers- dorfer Arbeiterschaft zu einer Machtsrage zu werden. Es findet deshalb am heutigen Dienstag, abends 8V, Uhr, in„Salomons Volksgartc»". Berliuerstr. 49, die letzte Bolksversanimlung statt, in welcher das Thema:„Die Bedeutung der Lokalfraae für die Arbeiterschaft und wie können wir uns ein neues Versammlungs- lokal erkämpfen", zur Verhandlung steht. Wir.erwarten, daß alle Männer und Frauen Wilmersdorfs in dieser Versammlung erscheinen, gilt es doch über das fernere Wohl der Partei zu beraten. Die Arbeiterschaft Wilmersdorfs muß durch den Massenbesuch bekunden, daß sie sich Versammluugsräume erkämpfen kann. Hat die Arbeiter- schnft den Ernst der Situation erfaßt, dann lvird es ihr auch möglich sein, gleich den anderen Orten ein neues Heiin zu erringen. Die Saalbesitzcr sind zu dieser Versammlung schriftlich eingeladen. Sei deshalb heute abend jeder zur Stelle. Rixdorf. Am Sonntag, den 25. März, fanden in Rixdorf die Wahlen der Arbcituehmerbeisitzcr zum Gewerbegericht statt. ES wurden in allen acht Bezirken die Kandidaten des GewerkschaftSkartellS gewählt und zwar niit 3456 Stiinmen. Die Hirsch-Dunckerfchen Gewerkvereine, die sich zum zweiten Male daS Vergnügen der Ausstellung von Diirchfallskandidatcn leisteten, erhielten ganze 42 Stimmen. Am gestrigen Tage fanden die Wahlen für die Arbeitgeber statt und wurden die Kandidaten der vereinigten JnnungSkrouter mit 384 Stimmen gewählt. Unsere Genossen brachten eS auf 199 St. Neinickendorf. Einen Sclbstniordversnch im Restaurant unternahm der Friseur- gehülfe Franz Wagner, der bei einem Friseur in der Residenzstraße in Reinickendorf beschäftigt war. Der junge Mann, der sich schon seit längerer Zeit mit Selbstmordgedanken trug, hatte gestern Nach-' mittag ein Restaurant auf dem Gesundbrunnen aufgesucht, wo er »ach kurzem Aufeulhalt den Inhalt einer Flasche Lysol trank. W. wurde in hoffnungslosem Zustande»ach dem Krankcnhause Moabit übergeführt. Hermsdorf. Am morgigen Tage findet von mittags 12 bis abends 8 Uhr die Gewerbegerichtswahl statt. Als Kandidat ist Genosse Otto Neu- mann, Hermsdorf, Berliuerstr. 29. aufgestellt. Versäume niemand, sich eine Legitimation vom Polizeibureau zu verschaffen. Gewählt wird im Lokale von Lank(Lindengarten). Wir hoffen, daß die Arbeiter Hermsdorfs in Rücksicht auf die Bedeutung der Gewerbe- gerichtswahl ihre Pflicht erfüllen. KerUner IVacbricbtcn. Die Rbonnente» nnsercS Blattes, die am 1. April ihre Wohnung wechseln, tun gut, rechtzeitig dem bisherigen Spediteur oder der Hauptexpedition unseres Blattes da- von Mitteilung zu machen unter gleichzeitiger genauer Angabe der neuen Wohnung(ob Hof, Seitenflügel, Qnergebände und wieviel Treppen). Nur durch rechtzeitige, genaue Angabe ist Gewähr ge- boten, daß in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt._ Rechtzeitige Kündignug von Wohnuiigc»! Ist in einem Vertrage als Kündigungsfrist eine Frist von drei Monaten vereinbart, so muß die Kündigung dem Vermieter oder Mieter spätestens am 31. März zugegangen(nicht nur von ihm ab- gesendet) sein, damit sie zum 1. Juli in Wirksamkeit tritt. Geht sie erst am 1. April zu, so ist sie verspätet. Sind drei Monate und drei Tage als Kündigungsfrist vereinbart, so muß das KündigungS- schreiben dem zu Kündigenden spätestens am 28. März zugegangen sein. Nimmt der Mieter oder Vermieter das Kündigungsschreiben nicht an, so liegt die Rechtslage genau so, als ob er sie angenommen hätte._ Umzugstcrniiur! Die UmzngStermine richten sich nicht nach der Höhe der Miete, sondern nach der Anzahl der Wohnzimmer. Kleine, aus höchstens 2 Zimmern mit Zubehör bestehende Wohnungen, ebenso Läden ohne Wohnungen, sind mangels anderer Vereinbarung am ersten des Quartals, mittlere(aus 3 bis 4 Zimmern bestehende) Wohnungen sind bis am zweiten des� Quartals 12 Uhr mittags, noch größere WohmmiM vis solcher WWnungen, die erst nach dem 1. Ouartalslnge zu räumen am 3. Ouartalstnge mittags zu räumen. Inhaber sind, haben zur Uiiterbringiing der Möbel deS neu Anziehenden ans- reichende.Räume zur Verfügung zu stellen. Da der 1. April in diesem Jahre auf einen Sonntag fällt, so verschieben sich die Termine um einen Tag. Die Unizugstcrmine sind also der 2., 3. 4. April. Läden und Geschäftslokale sind keine„Wohnräume", sie sind daher, gleichviel wie viel Räume sie umfassen, am ersten Zieh- tage zu räumen._ Die SäugliugSfnrsorgestclle Nr. 4 der Schmidt-Gallisch-Stiftung, die dem Südosten, Süden und Südwesten dient, wird anfangs April von Luifen-llfer 35 nach dem Luiscu-Ufcr 59 verlegt. Dies teilen wir mit dem Bemerken mit, daß wegen des Um- zngeS die Stelle am 3. und 4. April für das. Publikum geschloffen bleiben muß." Städtische Waiseu-Dcputation. Für unsere Fernsprecheinrichtniigcn, welche sich in den letzten Jahren ganz bedeutend erweitert haben, sind nach einem interessanten Aufsatz des„Postarchivs" bisher nahezu 32 2 Millionen Mark vcrmisgabt worden. Gegenwärtig sind im Fernsprechdicnste über 12899 Beamte beschäftigt. Wir zählen in 4962 Orten mit Verinittelungsanstalten insgesamt 5 1 9 8 3 1 S p r e ch st.e l l c n. Bemerkenswert ist � die Zunahme der Grundgebührcn- anschlusse(sogen.„Sechsertelephone"), die gegenüber den Pausch- gebührenanschlüssen noeb vor zwei Jahren in der Minderheit waren; ihre Zahl beträgt jetzt fast 79 Proz. der letzteren. Im vorigen Jahre hat die Zahl der gewechselten Gespräche zum ersten Male die Milliarde erreicht. Auf die Frage, wie oft die Fern- spreche r benutzt werden, gibt der Bericht die folgende Ant- wort: Im Durchschnitt Iverden für den Hauptanschluß täglich 6,6 Ortsverbindnugen ausgeführt; auf den Grundgebührcnanschluß („Sechsertelephon") ergibt sich jedoch nur ein täglicher Verlehr von 1,6 Ortsgesprächen. Von den Ortsfernsprcchnetzcn ist das größte natürlich das in Berlin: es umfaßt 74 336 Sprechstcllcn mit 196 698 Kilometer Betriebsleitung, auf denen täglich 573 4 22 Gespräche gelvechselt werden. Nachstdem würden Hamburg(mit 31 797 Sprechstellen und 271 598 täglichen Gesprächen) und Frankfurt a. M.(14 194 bezw. 198 179) kommen. Das Netz def Fcrn- sprechverbinduugsanlageu besteht aus 5234 Doppelleitungen mit 593 494 Kilometer Drahtlänge. Die längste VcrbindungÄeitung lst Me StkiSe(1162 Kilometer), ftlif Wel-Yer, Nu? trat Fenster geststrz». Ein hartnackiger EelbSmordtandidat täglich 53 Gespräche(a fünf Marli) stattfanden� lieber 900 Kilo- 1 war der öS jäbrige Arbeiter Wilhelm L. aus der Böttgerstr. 23. incter lang sinv die Doppelleitungen nach Memel, Budapest�., welcher geisteekrauk war. versuchte sich wiederholt durch Auf- und Barel, von denen die crstere am häufigsten(täglich S2Smal) vcincht Ivurde. Auf den nächstfolgenden Leitungen, Berlin— Königsberg(709 Kilometer) wurde täglich 140mal, Berlin- Wien(086 Kilometer) 113mal, Berlin— Prag— Wien 127mal, Berlin— München 1 LOmal, Berlin— Düsseldorf 183mal gesprochen usw. Ein lebhafter Fernsprechverkehr entwickelt sich auch ous den strecken Berlin— Köln(262 tägliche Gespräche) und Berlin«— Frankfurt a. M., für welche fünf Leitungen zur Ver- fügung stehen(501 tägliche Gespräche). Für Fernsprechneuanlagen sind mit Rücksicht auf die Zunahme des telephonischen Verkehrs. bedürfnisseS in den neuen Etat nicht weniger als Millionen Mark eingestellt worden, Der Obcrpräsident hat auf Grund deS Z 100u der ReichSgewerbe ordnung angeordnet, dah der Bezirk der Tischler-ZwangS» innungen zu Berlin, der bisher nur die Stadt Berlm umfaßte. vom 1. Oktober 1906 ab auf die Ortschaften Schöneberg. Lichtenberg-Friedrichsberg, Borhag en-Rummels bürg, Stralau, Hohenschönhausen. Heinersdorf, Pankow. Niederschönhausen, Reinickendorf und Tegel ausgedehnt wird, nachdem die Jimungsversammlung die? beschlossen und die Mehrheit der in die Innung' einzuziehenden Ge- wervetreibenden zugestimmt hat. Ueber einen Seltstmordversuch in dem Hotel Epha in der Leipzigerstraße hatten wir vor kurzem berichtet. Eine neuere gu- ichrift stellt den Fall etwas anders dar: Ein äußerst seltsamer Unglücksfall hat sich in einem Hotel(Epha) in der Leipzigerstaße Nr. 119/120 zugetragen. Dort stieg nachmittags die Frau des In- Habers des Kurhauses in Binz auf Rügen, Russow, ab. und ani folgenden Morgen wartete daS Hotelpersonal vergeblich auf ein Oeffiten deS Zimmers. Da Frau R. auch im Laufe deS Tages von sich nichts sehen ließ, so schöpfte man schließlich Verdacht und ließ gegen Abend die Tür gewaltsam öffnen. Das Zimmer war voll- ständig mit GoS angefüllt und Frau R. fand man in völlig be- wußtlosem Zustande vor. Der Gashahn, der vor dem Betreten des ZtmmerS geschloffen gewesen, war geöffnet. Diese Um- stände deuteten daraus hin, daß hier ein Selbstmord vorliege. Nach längeren Bemühungen mittels eines Sauerstoffapparates gelang eS dem von der nahen Rettungswache hinzugerufenen Arzt, die Be- loußtlose wieder teilweise in das Leben zurückzurufen. Der Vorfall hat jetzt eine seltsame Austtärung gefunden. Frau R. wird häufig von einer großen Furcht befallen und in diesem Zustande befindet sie sich in dem Glauben, eS könne im Zimmer ein Gashahn offen stehen und dadurch ein schweres Unglück herbeigeführt werden. Dies loar auch während ihres Aufenthaltes iin Hotel der Fall. Während der Nacht verließ sie plötzlich das Bett, um den Gnshahn, den sie angeblich geöffnet glaubte, zu schließen. In ihrer ängstlichen Ver- ivirrung öffnete sie jedoch versehentlich den Hahn und legte sich dann tvieder zu Bett. Ungehindert strömten nun die giftigen Gase in das Zimmer und betäubten bald die Insassin. Die vier Leichen der bei der Bootskatastrophe auf dem Tegeler See am 13. d. M. ertrunkenen jungen Leute konnten bisher trotz wiederholter Wsuchung des Waffers an der Unglücksstell« noch nicht gefunden iverden. Wie festgestellt wurde, hat der Tegeler See an der Stelle, wo das Boot kenterte, eine Tiefe von 11 bis 15 Meter, wodurch die Bergungsarbeiten wesentlich erschwert werden. Es er- scheint nicht ausgeschloffen, daß die Leichen abgetrieben und durch Schlinggewächse am Boden des See? festgehalten werden. Kirchliche Streikposten konnte man, wohl zum ersten Male in Berlin, am Sonntag im Südosten, in der Wrangelstraffe, vor der von den hiesigen Polen boykottierten Liebfranenkirche beobachten. Polnische Männer und Frauen hatten in der Nähe der Kirche Posta gefaßt und suchten die Kirchenbcsucher, sobald sie diese durch polnisch geführte Gespräche als Landsleute erkannt hatten, von dem Betreten der Kirche abzuhalten. Auch durch Flugblätter, welche die Gründe des polnischen KirclicnboykottS klarlegten, versuchten die Polen, auf die Kirchengänger einzuwirken. Selbst an Konflikten fehlte es den kirchlichen Streikpostrnstehern nicht; als einige übereifrige Polen in der Vorhalle vor dem Kirchentor Aufstellung nahmen und auf die Besucher einredeten, den Boykott nicht zu verletzen, ließ ihnen der Pfarrer der Licbfrauengemeinde, der von den Polen viel an- K'feindete Propst Jeder, bedeuten, daß er eine derartige Agitation auf kirchlichem Grund und Boden nicht dulden könne und sie sich bei Fortsetzung ihrer Boykottpropaganda eines Hausfriedensbruches schuldig machen würden. Die Streikposten entfernten sich daraufhin, agitierten aus der Straße weiter und erzielten auch insofern Erfolg. als die Liebfraucnkirche in der Tat viel schwächer besucht war, als an früheren Sonntagen. Drei neue Straßenbahnvrrbindungen. Drei neue Stcaßen bahnverbinduugen zwischen Berlin und Charlottenburg sollen dem- nächst eingerichtet werden. Es werden dazu die Linie 61(Lands berger Allee— Bahnhof Zoologischer Garten), 80(Schlesischer Bahn. Hof— Amtsgericht Charlottenburg) und 81(Zentralviehhof— Amts. gericht Charlottenburg) verwendet. Di« Linie 61 soll vom Zoologi scheu Garten durch die Hardenberg- und Berlinerstraße nach dem Luisenplatz verlängert werden. Durch die Verwirklichung dieses alten Planes wird endlich die langgewünschte durchgehende Ver bindung zwischen dem Südwesten von Berlin und dem Osten von Eharlottenburg mit Alt-Charlottenburg hergestellt. Die Linien 80 und 31 sollen durch die Wilmersdorferstratze über den Stuttgarter Platz an: Stadtbahnhof Charlottenburg und die Schloßstrahe bis zum Stratzenbahnhof der Charlottenburger Gesellschaft vor Westend ver- längert werden. Diese beiden Anschlußbetriebe sind jetzt möglich, nachdem die seit etwa vier Jahren schwebenden Verhandlungen zwischen Stadt und Straßenbahn in Charlottenburg biS zu einer Vorlage an die Stadtveroödneten gediehen sind. In dem Entwurf zu einem Nachtraa zu den bestehenden Verträgen verzichtet, die Stadt auf die Abgabe der Charlottenburger Straßenbahn in Höh« von 1000 M. bis zum 1. Januar 1919. Die Straßenbahn verzichtet dafür ausdrücklich auf Ersatzansprüche aus dem Wettbewerb von Untergrundbahnen. Beim Elektrifieren getötet. In der chennschen Fabrik von Schering in der Müllerstr. 170/71 hat sich am Sonnabendabend ein tödlicher Unfall ereignet, welcher vielen zur Warnung dienen sollte. Der 35jähnge Maschinenmeister AhrenS fand großen Gefallen daran, sich zu elektrisieren. Als Maschinenmeister war ihm hierzu in dem genannten Fabriketablissement die beste Gelegenheit geboten. Luch am Sonnabendabend nahm A. wieder ein elektrisches Bad. Er kleidete sich vollständig aus, legte sich einen Gürtel um den Leib und stellte dann durch einen Draht eine elektrische Leitung zwischen einem Dynamo und dem Gürtel her. Der Maschinenmeister mußte wohl diesmal die Stromstärke nicht richtig berechnet haben, denn die elektrische Kraft ging mit solcher Gewalt auf ihn über, daß er zu- sammenbrach. Arbeitskollegen fanden A. bald darauf als Leiche vor. Der elektrische Strom hatte den Unvorsichtigen getöiet. Beim Ucbe» mit einem Desching erschossen. Schon wieder hat das lmvorsichtige Umgehen mit der Schußwaffe ein blühendes Menschenleben gefordert. I» der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag gegen'/»H Uhr war der 23 jährige Sohn de« Fabrik- besitzcrs Hee(e. Königsbergerstr. 18, auf dem Korridor der elterlichen Wohnung beim Teschingschießen. Der junge Mann hatte an der Wand eine Zielscheibe befestigt und übte sich wie schon wiederholt im Zielen. Die Waffe war dabei scharf geladen. Versehentlich stolperte H. plötzlich über eine Türschwelle und stürzte so unglücklich zu Boden, daß sich das Tesching entlud und die ganze Schrottadung dem Schützen in die Schläfe eindrang. Bon der Rettungswache in der Frankfurter Allee wurde sofort der Arzt hinzugerufen, doch er vermochte nur noch den Tod festzustellen. Die Kugeln waren mit solcher Gewalt in das Gehirn gedrungen, daß der Tod fast auf der Stelle eintrat._____. Verantwortlicher Redakteur: Hanl Weber, Berlin. schneiden der Pulsadern daS Leben z» nehmen. Auch auf andere Weise unternahm er vergebliche Selbstmordversuche. In der ver- gangenen Nacht kam der Unglückliche schließlich zum Ziel. Er stürzte sich aus dem Fenster seiner in der dritten Etage belegenen Wohinma und blieb mit zerschmetterlen Gliedern ans dem Hof liegen. Aus dem Transport nach dem Lazarus-Kraiikeiihause starb L. an den Folgen der Verletzungen. Mit durchschossener Schläfe ist gestern im Grunewald in einer Schonung in der Nähe des Bahnhofs die Leiche eines etioa 26jährigen Mannes aufgefunden. Ueber die Persönlichkeit des Selbstmörders konnte bisher noch nichts ermittelt werden. Straßensperrung. Der Kreuzdamm der Dircksen- und Pano- ramasttatze wird behufs Umpflasterung vom 26. d. M, ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Nach Beendigung dieser Arbeiten und Freigabe des Kreuzdammes(etwa vom 29. d, M. ab) wird die Dirckscnstraffe von der Panoramastraße ab auf 60 Meter Länge nach dem Alexanderplatz zu gesperrt. Mrfferstechendr Automobilisten. Ein wüster, folgenschwerer Exzeß hat sich in der vorvergangenen Nacht in Plötzenice abgespielt. Kurz nach 2 Uhr fuhr vor dem Restaurant.Zum deutschen Kaiser" ein Automobil vor und eS stiegen sechs Männer aus dem Wage» heraus, um in dem Lokale einzukehren. Da sie jedoch angetrunken waren, verabreichte ihnen der Inhaber deS Lokales, der 13jährige Gastwirt Max Brosh kein Bier mehr. Die Gäste benahmen sich der- artig, daß sie schließlich durch den Hausdiener Robert Rnschke auf die Straße befördert wurden. Die Angetrunkenen zertrümmerten nun die Fensterscheibe sowie die Türe und stüiniten dann wieder in das Lokal. Mit gezückten Messern stürzten sich die Exzedenten auf den wehrlosen Gastwirt, deffe» Sohn und Hausdiener. Schwer- verletzt brach B. bald bewußtlos zusammen. Auch der Hausdiener und der Sohn des Gastwirts hatten von den Rowdys mehrere Stichwunden erhalten. Die Verletzten mußten nach der Unfall- station in der Huttenstraße gebracht werde». In bedenklichem Zu- stände kamen B. und R, in das Krankenhaus Moabit. Die Taier flüchteten nach dem Exzeß aus ihr Automobil und fuhren in rasen- dem Tempo davon. Auf eine Anfrage im Krankenhaus Moabit er- fahren wir, daß der Zustand deS Hausdieners R. zu ernsten Besorgnissen Anlaß gibt. Radrennen zu Steglitz»nd Treptow. Die EröffmmgSrennen auf beiden Bahnen wurden im wahrsten Sinne des Wortes zu Waffer bezw. Schnee. Während noch am Vormittag die Sonne Hoffnungen erweckte, blies bald daraus ein rauher Wind und jagte Schneeflocken über die Bahn, sodaß man in Steglitz von vornherein auf das Renne» verzichtete»nd die Steher Ryser, Demke und Mautz nur etwas trainierten, ebenso die Flieger Theile, Wegener u. A.— Die Treptower Bahn hatte ein Festgewand angelegt und Besucher hatten ihrem Liebling, dem im letzten Jahr so schiver gestürzten A, Stellbrink, einen>>rächtigen Blumenstrauß geioidmet, mit dem er eine Ehrenrunde abfuhr. Das 50 Kilometer-Rennen, das von Günther, Nasenlöcher und Stellbrink bestritten wurde, mußte bald nach dem 10, Kilometer abgebrochen werden, die von Günther in v Min. 21 Set, gefahren wurden, während Rosenlöcher 600 Meter »nd Stellbrint 750 Meter zurück waren. Der immer heftiger werdende Schneefall machte das iveitere Rennen unmöglick. Im vorangegangenen EröffmmgSrennen für Flieger sicherten fich Stal, Helle- mann, Arend und M. Hansen die Berechtigung zum Endlauf. Die Fortsetzung der Rennen soll am Sonntag, den 1. April stattfinden »nd bereichert Treptow sein Programm noch um ein Motorrennen Der Besuch war an beiden Orten ein ziemlich guter. In der Ausstellung für Säuglingspflege, LandeSauZstellimgS park l/t0, wird am Dienstag, den 27. März, abends 6 Uhr Sanitäts- rat Dr. Cassel über.Die Gefahren der künstlichen Säuglings ernährung und deren Verhütung" sprechen. Serickts-�eitung. Aufreizung zu Gewalttätigkeiten. Gegen drei Anarchisten wurde gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts l eine Anklage wegen Aufreizung verhandelt. Es handelte sich um zwei Artikel der hier seit einiger Zeit erscheinenden Zeitschrift .Der Revolutlonär". Angeklagt waren der Tuchmacher Paul Frau böse, der Hutmacher Fritz Müller auS Weißensee und der Maurergeselle Wilhelm Moller. Alle drei wurden be> schuldigt, durch Verbreitung von Schriften zum Ungehorsam gegen Gesetze und zur Begehung strafbarer Handlungen aufgefordert sowie in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verschiedeneKlaffen der Bevölkerung zu Gewalttätigreiteu gegen einander öffentlich angereizt zu haben. Inkriminiert war ein mit.Seemüller" unterzeichneter Leitartikel in Nr. 2 deS.Revolutionär" unter der Ueberschrift .Unser Verhalten bei Wahlrechts- Demonstrationen". Der Artikel polemisiert tm wesentlichen gegen die Sozialdemokraten und ihren Beschluß, von den für den 21. Januar inS Auge gefaßten Straßen demonstrationen abzusehen. Ferner stand unter Anklage ein Artikel in Nr. 3 deS„Revolutionär" unter der Ueberschrift:„Zum 22. Januar". Der Staatsanwalt erachtete alle drei Angeklagte für die Artikel verantwortlich, erblickte in den Arttteln Aufreizung der Arbeitenden gegen die Reichen und Besitzenden und beantragte gegen F r a u b ö s e 1 Jahr 8 Monat«, gegen Müller 6 Monate, gegen Möller 9 Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte Frauböse zu neun. Müller zu drei und Möller zu vier Monaten Gefängnis. Der Antrag des Staatsanwals. Frauböse und Möller wegen Fluchtverdacht» in Hast zu nehinen, wurde abgelehnt. Wegen Beleidigung eines unorganisierten Arbeiters waren kürz lich die im Metallarbeiterverband organisierten Mechaniker T. und Sch. vom Berliner Schöffengericht zu der außerordentlich hohen Strafe von 12 resp. 5 Tagen GefängnS verurteilt worden. DaS ganze Verbrechen der Leute bestand darin, daß der eine jenen Un orga»ifierten einen.Schmarotzer" und der andere ihn einen Trauerkloß' genannt hatte. Die Verurteilung erfolgte, obwohl der als Belastungszeuge geladene Werkmeister G r a v e r t von der Firma Biedermann u, Czarnikowden beleidigten Arbeiter Schubert als einen zu Unwahrheiten und Renommiftereien neigenden Mcnschen bezeichnete, der wegen seiner Trunkenheit, nicht aber weil die Organifierten nicht mit ihm zusammenarbeiten wollten, entlassen werden mußte. In der Urteilsbegründung motivierte das Schöffen- gericht die Höhe der Strafe damit, daß«S die Beleidigung als TerroriSmns" keniizeichnete, der nur verübt sei, um den Schubert auS der Arbeit zu drängen. Erst die Berufungsinstanz mäßigte jetzt das harte Urteil, indem der Haiiptatrentäter T. 30 M, und der zweite Angeklagte Sch. 5M. Geld st rase zudittiert erhielten. Auch dieses Strafmaß ist noch immer hoch genug, besoiiderS wenn man in Betracht zieht, wie überaus milde z, B. ostelbische Junker wegen ungleich größerer Beleidigungen„ihrer" Arbeiter„be- straft" werden. Die Entlassung am Morgen bei KündigungSanSschluß und der „Anlaß." Der Maurer P. verlangte durch Klage beim Berliner Be« werbegertcht vom Maurermeister Lucas den Lohn für den 8, Februar, an dem er morgens entlassen zu sein behauptete. In der VerHand- lung vor der Kammer 3 stellte der Kläger den Sachverhalt so dar. Nachdem die Maurer am Dienstag ausgesetzt hätten, sei er am Mitt- woch früh mit den anderen wiedergetommeii, um zu sehen, ob jetzt das fehlende Material heran sei. Er sei zur Arbeit bereit gewesen. Der Polier habe gesagt:„Warten wir bis Frühstück". Er habe auch gewartet, bis 10, bis 11, und sei schließlich, als er den Polier nicht fand,»ach Hause gegangen. Am Donnerstag, den 8. Februar, sei seine Entlassung mit den Worten erfolgt:„Wer gestern nicht gearbeitet hat, braucht heute auch nicht zu arbeiten."— Der Polier als Zeuge bestritt die Entlassung überhaupt und betonte, daß er am Mittwoch sehr wohk auf dem Bau zu finden gewesen wäre und daß er an diesem Tage den Kläger nach Einteilung der Arbeit habe beschästigen wollen, ihn aber nicht mehr gesehen habe.— Der Widerspruch zwischen den ganz bestimmten Angabe» des Klägers und des Zeugen ließ sich in der letzten Sitzung der Kammer 3 nicht aufhellen.— Der Gerichtshof wies den Kläger mit folgender Begründung ab: Selbst wenn, wofür der Nachioeis fehle, der Kläger am Morgen des 8. Februar entlassen worden wäre. hätte er doch keinen Lohnanspruch für diesen Tag. Gewiß entstehe bei KLiidigiingSausscpluß ein EntschädigungSauipruch für de» betreffenden Tag, loenn am Morgen ohne jeden Anlaß die Eutlaffiing ausgesprochen werde. Hier liege aber ei» berechtigter Anlaß zu der Entlassung am Morgen darin, daß Kläger sich am Mittwoch vom Bau entfernt habe, ohne den Polier zu benachrichtigen. Wenn Kläger sage, er habe sich»ach dem Polier umgesehen und ihn nicht gesunden, so wäre dein enigegen- zuhalten, daß er den Polier auf jeden Fall hätte stellen müssen und ihm Kenntnis geben. Ausdehnende Wirkung des BauanschlägertarifS. Für die Ber- liner Bauaiffchläger besteht ein Tarif, welcher Kündigungsausschluf vorsieht. Vereinbart ist der Tarif mit der Schlosserinnung und den „Verbände Berliner ScWoffereien und verwandter Gewerbe". Nun gibt es aber auch Eisenhandler, die Anschlagearbeiten auSsüh.en lassen. Be« dem Händler Gottschewski war der Anschläger P. be- schäftigt gewesen, ohne daß über Kündigung etwas vereinbart war. Nach seiner Entlassung verlangte deshalb P durch Klage beim Ge- Werbegericht eine vierzehntägige LohnentsckchdiguiH. Er ging davon auS, daß der mit der Innung und dem Verbände der Schloffereien vereinbarte Tarif für die Arbeitsverhältnisse der von Kauflenten, Eisenhändlern usw. beschäftigten Bauanschläger nicht gelt« und er deshalb auf die gesetzliche vierzehntägige Kündigungsfrist Anspruch hätte.— Die Kammer 3 des Berliner GewerbcgerlchtS wies ihn jedoch in ihrer letzten Sitzung mit folgender Begründung ab� Wenn der Tarifvertrag auch nur mit der Innung und dem Schloffereien- Verbände abgeschloffen sei, so habe er sich(«och so eingebürgert, daß et als Ortsgebrauch betrachtet werden müsse und auch auf Auge- hörige derselben Branche Amvendung fände, die von Leuten be- schäftigt würden, welche nicht der Innung und jenem Verbände von Schlossereien angehörten, z. B. den Eisenhändlern. Somit habe aber für den Kläger Knndigungsausschluß gegolten. Vermilc�res. Zum letzten Raubmord. Der 68jährige frühere Bahnlvärter Chr. H e n n i g. der am Planer See ein kleines Häuschen, idyllisch im Walde gelegen, bewohnte, ist von einem Ernst Wilde aus Brandenburg am Sonnabend ermordet worden. Nachmittags kam ein städtischer Arbeiter zu H. Ein entsetzlicher Anblick bot sich dar. Am Boden lag in einer Blutlache Hennig, dicht neben dem Ermordeten am Fenster sitzend und schlafend der Mörder. Der Arbeiter be- nachrichtigte Bahnbeamte, die mit Hülse deS Försters Storbeck den Mörder nach kurzem Widerstände fesselten und dann einem Gendarmen übergaben. Der Mörder ist gegen 10 Uhr bei Hennig eingetroffen und da er mit diesem bekannt war, bewirtet worden. Wilde hatte erfahren, daß Hennig zwei Schweine verkauft hatte, vermutete also Geld zu finden. Nach der Mordtat hatte er sich anS Fenster gesetzt, um die Rückkehr der nach Brandenburg ge- gangenen Frau H. abzuwarten und war wohl infolge des Schnaps» genuffes eingeschlafen. Bei seiner Festnahme fand man einen blut- befleckten Revolver sowie einen blutigen Hammer, mit dem H. getötet worden war, nachdem die Schußwunden sich nicht als tödlich erwiesen hatten. Der Ermordete war eine alte, biedere Natur, fleißig und ohne Falsch, die Ehestau eine allgemein bekannte, stets steund- liche Wirttn, sammelte im Sommer Pilze, die ste in Brandenburg verkaufte. BenierkenSwert ist. daß Hennig schon bei Lebenszeit mehrfach die Befürchtung geäußert hat, einmal ermordet zu werden. Diese Befürchtung hielt ibn auch ab. Näheres über einen geaufigen Fund, den er vor Jahren in der dortigen Forst gemacht hatte, mitzuteilen. Die Leiche eines den besseren Ständen an- gehörigen Mannes wurde dort verscharrt vorgefunden. Niemais ist es gelungen, daS Geheimnis zu lüften. Weder die Jdentttät des Er- mordeten und Beraubten noch die Mörder konnten festgestellt werden. tzenntg kannte sie, hatte auch die Wertsachen, eine goldene Uhr usw., in deren Besitz gesehen, fürchtete aber die Rache der übel- beleumundeten Personen und schwieg deshalb, nachdem die Unter- suchung im Sande verlaufen war. Der Mörder Wilde hat bei feiner Vernehmung die Tat ohne ein Zeichen von Reue ein« gestanden, behauptet aber, bei der Bezahlung mit H. tn Streit ge- raten zu sein. Mordversuch im PoUzrigebSude. Der 28 Jahre alte Feinmechaniker Albrecht Hoffmann von München, der am Freitag mit dem zum Tode verurteilten fcolzhändler Wilhelm Schiller (welches Urteil vom Reichsgericht aufgehoben wurde) und dem Kellner Heinrich K ä m p f f e n vom oberbaherischen Schwurgericht wegen erschwerter Meuterei— sie hatten drei Zellentüren geöffnet und einen Aufseher zu Boden geschlagen— zu je fünf Jahren Zuchthaus verurteilt wurden, hatte sich am Sonnabend aber- malS vor dem oberbayerischen Schwurgericht und zwar dies- mal wegen Mordversuchs zu verantworten. Hoffmann wurde am 2. Dezember wegen großer Wcchselschwindeleien verhaftet und gab dann auf zwei Kriminalkommiffare drei Revolverschüsse ab, wobei einer leicht an der Schulter verwundet wurde. Hoffmann bestritt die Tötungsabsicht, er wollte sich selbst eine Kugel durch den Kopf jagen; dadurch, daß ihm die Beamten in den Arm gefallen seien, hätten die Schüsse eine andere Richtung genommen. Die Geschworenen sprachen Hoffmann eines Totschlagsversuchs schuldig, worauf Hoffmann zu einer Gesamtzuchthausstrafe von elf Jahren verurteilt ivurde. Fünf Perstme» ertrunken. Sonnabend vormittag kenterte Plötz- lich das Schiff.Fanny" in der Eidermündung. Fünf Insassen des Schiffes ertranken. Das Schiff ivar mit dem Auslegen von Tonnen beschäftigt. Taucher sind bemüht, das Schiff zu heben. Bisher ist noch keine Leiche geborgen worden. Wetter-Pragnase ktir DtenStag. den S7. März 190«. Zeitweise heiter, aber kühl und veränderlich mit leichten Schneefällen und mätzigen nordöstlichen Winden. Berliner Wetterdureati. cSrvis Volksbühne J Charlottenburg. Freitag, 30. März, ab. S1/. Uhr, im„Bollshause", Rofinrustr. 3: Kunstabend. KeiDrieb Beine nnil Zeligenossen. Rezitation. Gesang. Violine. Klavier. Enttee 30 Pf. Garderobe frei. OAste haben Zutritt. ♦ flflT" Einlatzkartcn find tn allen Zahl. stellen der VollSbühne zu haben. 290/13 Der Borstand. Für den Inseratenteil veranttv.: Th. Glocke, Berlin. Mtt tteir-Msii — gegründet 1876— R ixdorf, Ningbahnstr. SS. Mach« meine werte Kundschaft aus meine Neu erschienenen Frühjahrs- u. Soramer- Koltektloncn aufmerkiam Es ist lohnend, dieselben mit der der Konlnrrciiz zu vergleichen. (Die Forderungen der Schneider find bewilligt)_:U6-SV Ueltestes konz. Leihbaiis Charlottcnbnre:, Wilmersdorferslr. 40 I. hohe Belebung. Diskr. Sprechzimmer. Gelegcnheilskäufe In Brillenlea, __ SWWWWMWWWWWMWWWWW| Uhren, Gold- II. Siibersachen.[329 L* Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer öl Co., Berlin SW, lognsl Lucas, Miuara, StriMe. Miup Spezial-Gelchäst. Gegr. 1872.•