Pr. 78. Hfrflnncments-Bcdingungcn: Abonnements> Preis pränmneranbo! MerteljShrl. 3,30 Mk, monatl. 1,10 Mb, wöchentlich 28 Pfg. frei inS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- mwuner mit illustrierte: Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat, PoftabonnemcntS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Pormgal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 33* Jahrg. Crlchclnt täsiifi auüer filontagt. Vevlinev Volksblstk. DU InUrtions-Gcbüljr beträgt für die sechsgespallcne Kolonel- zcile oder deren Raum 50 Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigeii 30 Pfg, „Alelne Snrelgen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- slcllen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 1ö Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müsse» bis SUhrnachmiltagSindcr Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: ,.So3!,IlIvas die Arbeiter„Solidarität" nennen, das heißt in der juristtschen Unternehmersprache„Verschwörung". Bei alledem hätte sowohl die Einschränkung des Picketingrechts wie die Anwendung des Gesetzes gegen„Verschwörung'' nicht viel zu bedeuten gehabt, wenn nicht im Jahre 1901 die Gc- werkschastskassen haftbar gemacht»vorden tvären für Schäden, die den Unternehmern„bei ungesetzlich geführten Streiks" zugefügt werden. Vor dem Jahre 1W1(vor dem Taff- Vale-Entscheid)»varen nur die einzelnen Gewerkschaftler für Ver- gehen bei Pickettng und Arbeitsniederlegungen verantwortlich: sie wurden eventuell mit Gefängnis besttaft oder zu Geldstrafen verurtellt. Mit einem Male aber sollte die ganze Kriegs- munition, sollten die Geschütze des Feindes beschlagnahmt werden dürfen. Das hieß: dem Trade-Unionismus das Lebens- licht ausblasen. Glücklicherweise sah eS in der Praxis gar so schlimm nicht aus. Einem ftcicn Volke gegenüber sind schlechte Gesetze nicht lange wirksam. Eine festgewurzelte Demokratie kommt bald zur Uebcrzcugung, daß man gegen die Bolksmassen nicht regieren kann. Aber die Ungewißheit der Lage und die Furcht vor kostspieligen Gesetzen wirtten einstweilen doch immerhin lähmend auf den Trade-Unionismus und zwangen die Arbeiter, sich mit politischen Waffen auszurüsten. Nun machten sich innerhalb des Trade-Unionismus ztvei polittsche Strömungen geltend: eine liberale und eine s 0 z i a l i st i s ch e. Die liberalen Arbeiterführer wie Bell und Burt meinten: Die kollekttve Verantwortlichkeit, das heißt die Haftbarkeit der Kassen läßt sich nicht mehr beseitigen I — Aktiengesellschaften sind für Schadenersatz verantwortlich — warum sollen Gewerkschaften über das Gesetz gestellt werden? I Wir Liberalen wollen keinen Klassenkampf und keine Klassenvorrechte. Die Gefahr für unsere Fonds ist nicht groß, wenn nur das Pickettngrecht befestigt und das Ver- schwörungsrecht beseitigt wird. Können Streiks gesetzlich ge- führt werden, so ist auch die kollektive Verantwortlichkeit eine geringe. Der Trade-Unions-Kongreß vom Jahre 1904,, dem Bell präsidierte, stimmte mit großer Mehrheit diesen liberalen An- sichten zu. Der Recht-Ehrenwerte Geheime Rat Burt, Führer der Bergleute und früherer Unterstaatssckretär, war derselben Meinung:„Nur keine Privilegien." Dagegen sagten die Sozialisten: Nein, eine Trade-Union ist keine Attiengesellschaft und kein Geschäftsunternehmen. Sie will nicht Profite machen, sondern die Schwachen gegen die Starken schützen. Ihre Fonds sind nicht Kapital, sondern Verteidigungsmittcl. Nimmt man den Arbeitern die Ver- teidigungsmittel, so sind sie Sklaven. Die ganze Frage ist keine juristische, sondern eine soziale. Und wenn der Arbeiter alle gesetzlichen„Vorrechte" hätte, so wäre der Kapitalist doch der stärkere, da er die wirkliche Macht und das reale Vorrecht besitzt. Man soll deshalb auf eine ungehcinmte Handhabung der proletarischen Verteidigungs- mittel dringen und sich in keine Kompromisse einlassen. Die Kassen müssen außerhalb der Schußweite der kapitalistischen Kanonen bleiben. Die am 28. März eingebrachte Regierungsvorlage ist im Sinne der liberalen Arbeiterführer gehalten. Sie gibt den Arbeitern ein gutes Picketingrecht: sie beseittgt den Ver- schwörungsparagraphen. Die Arbeiter sollen frei sein, Streik- Posten aufzustellen, mit den Arbeitswilligen friedlich zu unter- handeln, und die Gewerkschaften dürfen alles tun, was der Einzelperson gestattet ist. In diesen beiden Punkten stimmen die Regierung, die liberalen Arbciterabgeordneten und die Sozialisten überein. Beide Vorlagen haben in diesen Punkten fast den gleichen Wortlaut. Der Unterschied zeigt sich erst im dritten Paragraphen, der von den Kassen handelt. Die Regierung wollte eine parttcllcVer- antwortlichkeit, d. h. die Gesamtgelverkschaft sollte mit ihren Kassen für Handlungen verantwortlich sein, die vom Vorstand und seinen Agenten ausgeführt oder ermächtigt wurden. Die Sozialisten wollten von einer Inanspruchnahme der Kassen nichts hören: sie verlangten Wiederherstellung des alten Rechts, wie es bis 1901 galt. Folgende Gegenüberstellung der beiden Texte des dritten Paragraphen wird den Unterschied ver- anschaulichen: Vorschlag der Arbeiter- Partei. ß 3. Es darf keine Regreßklage erhoben werden gegen eine Trade Union wegen Ersatzes von Schäden, die einer oder mehreren Personen im Laufe von gewerblichen Kon- flikten zugefügt wurden. Regierun gS- Vorschlag. ß 3. Keine Handlung kann zu einer Schadenersatzklage den Anlaß geben, außer wenn eine solche Handlung vom Vorstand der Union ermächtigt war oder von Personen ausgeführt wurde, die vom Vor- stand dazu autorisiert waren. Die Regierungsvorlage ward am 28. März in erster Lesung behandelt, aber der Protest der Arbeiterpartei, dem sich auch die liberalen Arbciterabgeordneten an- schlössen, hat seine Wirkung nicht verfehlt. Sogar im Mini- sterium waren einige Stimmen für die Arbeiterpartei laut geworden. Sir Henry Campbell-Banncrman, Bryce, Burns, Churchill. Lloyd George erklärten sich mit den Arbeitern ein- verstanden. Als nun die Arbeiterpartei durch den Ab- geordneten Hudson am 30. März die Göwcrkschafts- vorläge einbrachte. ließ die Regierung die ihnge fallen und erklärte sich für die der Arbeiter! Der Abstimmung enthielten sich am 30. ds. folgende Minister: Morley, Haldane. Grey, Fowler und Robson. Nur diese waren also für die Regierungsvorlage. Es ist kein Zweifel, daß das Unterhaus die Vorlage an- nehmen wird. Aber das Oberhaus? Keir Hardie hat indes erklärt:«Die Arbeiter sind zum Kampfe gegen die Lords bc- reit. Wer der Gewerkschaftsvorlage im Wege steht, der»vird hinweggeräumt!"—_ Die Revolution in Rußland. OrdnnngSbestieo. Einem bürgerlichen Blatte, das gewöhnlich auf scharfmacherischem Standpunkte zu stehen pflegt, den., Leipz. Neuesten Nachr entnehmen wir folgende Schilderung der Bestialitäten der zarischen Soldateska:. � „In den Ostseeprovmzcn geht man nach ttne vor mit furcht- barer Brutalität vor. Man zerstört noch immer Wette, indem man ganz unsinnigerweise Gehöfte niederbrennt oder sprengt und fährt mit der Anwendung der Prügelstrafe im weitgehendsten Matze fort. Tausende Menschen, die zu Bettlern gemacht oder zu Krüppeln geschlagen find, irren von Wut und Haß erfüllt in den Wäldern umher und verüben Diebstahl, Raub und Mord. Sie schieben alle Unbill, die ihnen»vidersahren, in ihrer Verblendung den Dcutschcu zu: leider gibt ihnen die Haltung der baltischen Expedition: 8 Tl. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr.»«84. deutschen Blätter recht. Kein einziges von diesen Blättern, mit Ausnahme der„Libauschen Ztg.", hat ManneSmut und politischen Weitblick genug besessen, um gegen die bestialischen Exe- kutioncn Einspruch zu erheben. Einen geradezu ekelerregenden Eindruck machte es, als die baltischen Blätter den Brief eines deutschen Arztes triumphierend zum Abdruck brachten, in dem dieser behaupten zu können glaubte, daß 400 Knutenstrcichc überhaupt keine Strafe sei, sondern von den Leuten lächelnd hingenommen wurden. Andere deutsche Aerzte, die sich gegen diese ungeheuerliche Behauptung wendeten, fanden für ihre Zuschriften in den deutschen Blättern keine Ausnahme und sie mußten sich an russische Zeitungen wenden. Die baltische deutsche Presse überschüttet einen jeden, der fich gegen die bestialischen Straf- cxekntioneii wendet, mit Hohn, und erklärt sich dein- gemäß mit dem Borgehen des vertierten Militärs s 0 l i d a« r i s ch, und da wundert man sich dann, daß der Deutschenhaß unter den Letten schärfer ist als je, und man übersieht gleichzeitig, daß in Finnland, Schweden, Norwegeu und Deutschland Hunderte lettische Revolutionäre leben, die mit Eintritt der warmen Jahres- zeit ins Land zurückkehren und ihr gegen die Deutschen gettchteteS Vernichtuiigswerk wieder aufnehmen werden. Wie das russische Militär bei den Strafexpeditionen vorgeht, darüber gibt ein Privatbttef eines Balten Auskunft, der mir schreibt:„Nach den Bestialitäten der Revolutionäre haben wir nun die der Truppen zu erdulden. Diese Kerle erfüllen meinen Hof mit dem entsetzlichen Geschrei der Geprügelten, die oft bewußtlos liege» bleiben. In der Herberge, in der die Offiziere wohnen, schwimmt- der Korridor von Blut. Diesen jungen Leuten scheint eS ein ganz besonderes Vergnügen zu machen, die Leute eigen- händig mit ihren Knuten zu bearbeiten. Ich habe mir eine der- artige Vertierung nicht denken können.... Die Kosaken stehlen wie die Raben, saufen wie die Schweine und verfolgen alle Frauenzimmer. Der Oberst, mit dem ich eine ernste Auseinandersetzung hatte, zuckte lächelnd die Achsel, und hat sich später über meine„Sentimentalität" lustig gemächt. Erst als ich drohte, persönlich in Petersburg Be- schwerde zu führen, hotten die Ausschreitungen auf; freilich sind wir nun mit dem Obersten und seinen Leutnants stark auseinander, was ich als eine wahre Wohltat empfinde... Im Tambowschc» Gouvernement hatten die Bauern eines Dorfe?, in dem die bitterste Hungersnot herrschte, die Speicher eines reichen Konihäudlers geplündert. Nach einigen Tagen erschien in dem Dorfe der Polizeiwachtmeister Rhschow mit 13 Kosaken und ließ vier Bauern fürchterlich mit Nagaiken prügeln. Rhschow befahl, alles im Dorfe befindliche Getteide bis auf das letzte Korn dem Getteidehändler abzuliefern, und man tat das, so daß auch die tvenigeu wohlhabenderen Bauern, die sich an dem Raubzuge nicht beteiligt hatten, ihren ganzen Kornvorrat ab- lieferten. Das Dorf war also dem Hungertode preisgegeben. Eö wurde darauf eine Gemeindeversammlung einberufen. Die Bauern entblößten daS Haupt und fielen auf die Knie. Rhschow wählte jeden Zehnten, insgesamt 23 Bauern, und ließ sie mit Nagaiken schlagen, bis fie das Bewußtsein verloren. Rhschow trat die Geprügelten mit Füßen und schlug mit seiner Säbelscheide blindlings drein. Einen Bauern, der um Gnade flehte, schoß er durch den Kopf. Die Kleidungsstücke der Geprügelten eigneten sich die Ko« saken an und verlauften sie. Nach der Exekution kommandierte Rhschow:„Aus die Knie l" und die ganze Gemeinde warf sich nieder. Der Kosakenwachtmeister spornte sein Pferd und jagte über die Liegenden hinweg, während Rhschow und die Kosaken, von Raserei erfaßt, zu ihren Nagaiken griffen und dreinschlugen, bis sie nicht mehr die Arme heben konnten. Die Bauern mußten schließlich den Kosaken für die Exekution 230 Rubel bezahlen, und dann zogen sie sich in das Gemeindehaus zurück, wohin Bier, Branntwein und Aepfel geliefett werden mußten. Am Abend befahl Rhschow, acht Mädchen zu stellen, die de« Kosaken überliefert wurden." Petersburg, 31. März.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Die Nachricht hiesiger Blätter von einer Erkrankung de» Grafen Witte ist reine Erfindung. Witte befindet sich vollkommen wohl und verspürt nichts von Müdigkeit. Dem liberalen Blatte„S lowo" zufolge sollte Witte an hoch» gradiger Nervenabspannung leiden und sich mit ernstlichen RücktttttS- gedanren tragen. poUttfehc ClebeiTicht. Berlin, den 2. Avril. Unbezahlte Ueberstunden. Der Reichstag förderte gestern die Beratung der ordmt- lichen Ausgaben znm Militäretat nicht soweit, wie es sein etwas nervöser Präsident Graf B a l l e st r e m gewollt hatte. Als nämlich beim Kapitel Militärwerkstätten der wildkonser- vative Mg. Pauli, der noch immer die Arbeiterstadt Spandan vertritt, in ungefähr zweistündiger Rede die zahl- reichen Wünsche dtzr Arbeiter und Unterbeainten zahm und ohne rechtes Zutrauen zu der Sache vorgetragen hatte, wollte nach 7»/tzstiindiger Sitzung abends um �7 Uhr Graf Ballestrem unserem Genossen Z u b e i l noch zumuten, die Beschwerden, mit deren Vorbringung ihn das Vertrauen der Spandauer Arbeiter beauftragt hatte, noch am selben Tage zu erledigen, obwohl die Knauserigkeit und der Mangel an sozialem Geist bei der Militärverwaltung so groß sind, daß viele Stunden nicht misreichen würden, um das ganze Maß der Ausbeutung, der diese Staatsarbeiter in den„Musterbetrieben" ausgesetzt sind, ausreichend zu schildern. Unsere Fraktion war nickt bereit, diese Durchpeitschung einer so wichtigen Position sich gefallen zu lassen, und da der Präsident trotz allen gütlichen Zuredens für eine Vertagung ebensowenig zu haben»var, wie die anderen Fraktionen für die Unterstützung des vollkommen berechtigten Vertagnngsantrages, so griff Genosse Singer zu dem klugen geschäftsordnungsmäßigen AusHülssmittel. die Zurückweisung der ganzen Position an die Budgetkommission zu Keantragen, um bei der Abstimmung darüber die Beschlust- Unfähigkeit des überaus schwach besetzten Hauses zu bezweifeln. Das wirkte, und der Präsident sah sich nun selbst veranlaßt, den Vertagungsantrag zu stellen, glaubte aber dem Genossen Singer noch besonders einen Vorwurf daraus machen zu dürfen, daß dieser eine„Pression" auf ihn ausgeübt hätte. Dabei mußte er selbst zugestehen, daß er bei der Abweisung des Ver- tagungsantrages von ganz falschen Voraussetzungen über die Länge der Paulischen Rede ausgegangen war. Graf Ballestrem wird also wohl nicht nur gegenüber seinen Grubenarbeiten!, sondern auch gegenüber„seinen" Reichstagsabgeordneten zur Einführung des achtstündigen Arbeitstages erst gesetzlich ge- zwungen werden müssen. Vielleicht nimmt man diese Ge- jchäftsordnungsändening anläßlich der Diätenvorlage vor. Die vorhergehende 7�>stündige Beratung wurde von den bürgerlichen Rednern mit der Vorbringung einer unendlichen $ahl zum großen Teil überflüssiger und unbedeutender Einzel- fälle vertrödelt. Eine Debatte größeren Umfanges knüpfte sich nur an die Forderung für eine Militärreitschule in Paderborn. Genosse Ledebour erinnerte die Reichstags- Mehrheit an die vorjährige ausführliche Debatte über die Gefahren der„kleinen Garnisonen" und deckte den schlauen Plan des Kriegsministers auf, der die regierende Partei, das Zentrum, dadurch für die Bewilligung dieser Reitschule ge- Wonnen hatte, daß er sie gerade nach der alten westfälischen Bischofsstadt verlegte. Das gab dem Kriegsminisier, dem Grafen Oriola, dem Standesgenossen Hertling und dem Abg. von Oldenburg Gelegenheit zu einem kleinen Entrüswngs- rummel. Obwohl Genosse Ledebour mit großem Nachdruck hervorgehoben halte, daß er sich in seinen Angaben über die drei W, denen die Offiziere sich in den kleinen Garnisonen hin- geben— Wein, Weib und Würfel—, auf die Mitteilungen eines deutschen Offiziers gestützt hatte, brachten sie es doch fertig, es so hinzustellen, als ob Genosse Ledebour die deutsche Armee in ihrer Gesamtheit beleidigt hätte, bis er selbst gründlich mit diesem Unfug aufräumte. Herr von Oldenburg ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, die Exklusivität des deutschen Offizierskorps, die die preußische Armee vor hundert Jahren nach Jena geführt hat. in alle Himmel zu heben. Besonders freut ihn, daß der Brauch demokratischer Länder, auch den Unteroffizieren den Weg zu den höheren Befehlshaberstellen freizumachen, in Deutschland noch keinen Eingang gefunden hat. Schließlich wurde die Regierungsforderung für die Reit- schule natürlich mit großer Mehrheit bewilligt, zumal auch die Freisinnigen in ihren beiden Fraktiönchen wieder einmal umfielen. Aus der übrigen Debatte verdient nur noch die Anregung tes Genossen Bebel hervorgehoben zu werden, daß jeder ein- gestellte Rekrut einen Schein vom Heimatsarzt über seinen Gesundheitszustand mitbringen und jeder Soldat auch beim Abgang vom Militär genau untersucht werden soll. Jetzt werden bekanntlich nach mehr als flüchtiger Untersuchung zahl- lose kranke junge Leute als diensttauglich eingestellt und nach kurzer Dienstzeit als Krüppel meist ohne jede Entschädigung entlassen. Die Regierung, der natürlich dieser Zustand sehr bequem ist, wich einer Antwort auf die Anregung Bebels aus. Morgen wird die Beratung um 1 Uhr fortgesetzt. Tie Durchpeitschnng der Wahlgesctznovellen. Welches Ansehens sich>das Dreiklassenparlament erfreut, das lehrte am Montag ein Blick auf die für das Publikum reservierten Tribünen. Wenn in irgend einer anderen gesetzgeberischen Körper- schast eine Wahlrechtsidebatte zu erwarten ist, kann reißen sich die Wähler förmlich um Eintrittskarten. Anders im Junkerparlament. Noch nicht ein Dutzend Männlem und Weiblein hatten sich ein- gefunden, um den weisen Worten der„Volksvertreter" zu lauschen, und auch von diesen zog es der größte Teil bald vor, im nahen Tiergarten den schönen Frühlingstag zu genießen. Wir können eS wahrlich niemand verdenken, wenn er darauf verzichtet, immer und immer wieder das gleiche zu hören. All daß, was in der ersten Lesung gesagt, was in der Kommission breit- getreten ist, wurde noch einmal durchgekaut. Die Stellung der ver- schiedenen Parteien ist klar: Die beiden konservativen Parteien sind offene Gegner des allgemeinen, direkten, gleichen und geheimen Wahlrechts, sie erblicken ihr Ideal in dem die Massen entrechtenden Dreiklafsenwahlsystem, und machen daraus auch durchaus kein Ge- heimnis. Die Nationalliberalen erkennen die Mängel des Drei- klafsenwahlsystems an. wollen aber von der Einführung des Reichs- tagswahlrechtes für die gesetzgebenden Körperschaften der Einzel. staatcn nichts wissen und fordern ein derschwommenes Plural- Wahlrecht, daS neben dem Besitz auch die Bildung berücksichtigt, über dessen Gestaltung sie sich aber selbst noch nicht im klaren sind. Die beiden freisinnigen Parteien und das Zentrum behaupten, auf dem Boden des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahl- rechts auch für den preußischen Landtag zu sein, aber sie trauen sich selbst nicht über den Weg. Der Redner des Zentrums wies an der Hand der Akten des Landtages nach, daß im Jahre 1873, als der Liberalismus den Landtag beherrschte, ein Zentrumsantrag quf Ersatz des Drriklassenwahlsystems durch das Reichstagswahlrecht nicht mal des Begräbnisses in einer Kommission gewürdigt, sondern ad calendas graecas vertagt wurde, die Freisinnigen dagegen können mit Recht den Herren vom Zentrum den Vorwurf machen, daß sie sogar von einer gerechteren Einteilung der Wahlkreise nichts wissen wollen und daß sie durch ihre Zustimmung zu dem zur Be- ratung stehenden Flickwerk zur Verewigung des elenden Dreiklassen» Wahlsystems beitragen. In diesem Sinne bewegten sich die Reden der verschiedenen Fraktionsvertreter. Eine eigentliche„WsihlrechtSdebatte" kann man die Erörterung auch bei den bescheidensten Anforderungen nicht nennen. Man lese nur die Ausführungen der Träger, Porsch, Krause. Broemel, Inner u. a. im Parlamentsbericht nach, und man wird zugeben, daß sie jedes inneren Gehalts entbehren. Da stehen die Debatten, die kürzlich im Reichstage stattfanden, doch tausendmal höher, und das, trotzdem— oder unserer Ansicht nach gerade wegen der Zusammensetzung des Reichstages. DaS Resultat der Verhandlungen stand von vornherein fest. DaS Flickwerk der Regierung wurde mit großer Mehrheit an- genommen, alle Resolutionen, mochten sie nun eine andere Wahl- kreiSeinteilung, mochten sie die Einführung des Reichstagswahl- rechtes oder eines Pluralwahlrechtes verlangen, wurden abgelehnt. Ja. sogar gegen die geheime Abstimmung für die Wahlmännerwahlen erklärte sich das Dreiklassenparlament. Von größter Bedeutung ist dabei, daß ein Teil deS Zentrum? nicht für die Anträge stimmte, sondern mit den konservativen Re- aktionären gjngl Was werden die katholisdien Arbeiter dazu sagen, die im Zentrum noch die Partei für Wahrheit, Freiheit und Recht erblicken? Dürfen ihnen die Zentrumsgranden ungestraft alles bieten? Unseren Parteigenossen in den Zentrumsbezirken erwächst die Aufgabe, den katholischen Arbeitern diesen Verrat bekannt zu geben, wenn ihn die Zentrumspresse vertuschen sollte! Tann wird die Debatte wenigstens«inen Erfolg zeitigen; sie wird einen weiten Kreis deS Volles darüber aufklären, daß Re- formen von dem Junkerparlament nicht zu erwarten sind, daß sie die Arbeiterklasse zu einer kräftigen Agitation gegen das Dreiklassenwahl- Unrecht anspornen wird. Die Herren im Dreillassenparlament wollen den Kampf; wir sind gerüstet, und auf die Dauer wird dies„Parlament" dem Ansturm der Massen nicht Widerstand leisten können. Wenn auch wider Willen, haben die„Volksvertreter" Preußens eine Aufklärungsarbeit vollbracht, deren Früchte das Proletariat ernten wird. Die dritte Lesung findet schon am Dienstag statt.— Opfer des Kapitalismus. Aus Geestemünde wird uns geschrieben: Zu denjenigen Industriezweigen, die erst in der neueren Zeit eine Domäne des Kapitalismus geworden sind, gehört die Hochseefischerei. Bis vor etwa 10 oder 12 Jahren befand sich die deutsche Hochseefischerei noch in den Anfangsstadien der Enitwickelung; heute repräsentiert sie einen wichtigen Faktor im Erwerbsleben des Volkes. Riesensuminen sind darin angelegt, immer neu« 5kapitalskonzentrationcn gehen vor sich Die Rentabilität des Betriebes nimmt immer mehr zu, die Dividenden steigen! Je mehr aber die Hochseefischerei sich entwickelte, je mehr der Kapitalismus sich derselben bemächtigte, desto mehr stellten sich jedoch auch alle die schönen Begleiterscheinungen dieser Produktions- weise ein: die Ausbeutung der Menschen und die Vergrößerung der Gefahren bei der Arbeit. Seit dem Jahre 1394. wo ein Dezembersturm 6 Fischdampfer mit Mann und Maus verschlang— es waren dies überhaupt die ersten deutschen Fischdampfer, die dem Meere zum Opfer fielen—. ist fast kein Jahr vergangen, in dem nicht die Winterstürme der Fischereiflotte an der Unterweser schwere Verluste brachten. Ueber 30 Dampfer find seit der Zeit total verloren gegangen, an 300 Menschen wurden mit ihnen Opfer der Fluten. Und das in kaum mehr al» einem Jahrzehnt! Besonders schlimm war es im Februarsturm des Jahres 1903. Vier Dampfer mit 44 Mann Be- satzung forderte dieser Sturm. Wie viel Angst, Not und Ver- zweiflung reden nicht diese Zahlen! Seemannslos— so lautet die Phrase, mit der man sich in Reederkreisen über derartige Unglücksfälle hinwegsetzt.— Das Kapital muß„verdienen", der Profit ist die Hauptsache. Zwar betragen die Dividende» schon jetzt 8 bis 10 Proz.; das genügt aber noch nicht, bei weitem nicht. Und dann: die Schiffe sind ver- sichert. Auch der Sturm vor einigen Wochen hat der Unterweser- Fischereiflotte wieder erheblichen Schaden zugefügt. Vier Dampfer gingen abermals total verloren— fast die gesamte Besatzung fand den Tod in den Wellen. So geht es fort. Jahr für Jahr, Winter für Winter. Ein einzelner Verlust regt die Bevölkerung fast gar nicht mehr auf; es müssen schon besondere Umstände damit verknüpft sein. Das aber ist der Fall bei einer Katastrophe, die vor acht Tagen bekannt geworden ist. Es handelt sich um die Strandung des Dampfers„Württcm- berg", der Dampfiischerei-Gesellschaft„Nordsee" gehörig. Die Strandung erfolgte bei Island, und aus welchen Ursachen sie er- folgte, das verdient als charakteristisches Zeichen der kapitalistischen Ausbeutungs- und Profitwut besonders festgenogcll zu werden. Die Hauptursachcn der Fischdampfer-Katastrophen sind nämlich: un- genügende Bemannung und Ueberladung des Dampfers; ferner aber spielt dabei das unselige Prozentsystem eine große Rolle, auf Grund dessen bei vielen Gesellschaften die Schiffsführcr angestellt sind. Je mehr Fische gefangen werden, desto größer und höher sind die Prozente, die für den Kapitän dabei abfallen. Den Löwen- anteil an dem>Fang hat natürlich der Reeder, und um den Egoismus des Schiffsführers zu reizen, hat die Gesellschaft im eigenen Interesse dieses System eingeführt, das nicht nur die Mannschaft zur Uebercmstvcngung veranlaßt, sondern auch die Dampfer dazu verlockt, bei bevorstehendem Sturm zulange auf den Fischgründen in der Nähe der Küste zu bleiben, in der Erwartung, noch einen guten Fang machen zu können. Bevor sie dann das offene Meer erreichen, werden sie vom Sturme überrascht und ihr Unter- gang ist leicht besiegelt, namentlich, tvenn das Netz noch nicht ein- gezogen ist. sich im Steuergcschirr verwickelt und dadurch das Schiff manövrierunfähig macht. Der Fischdampfer„Württemberg" ist direkt diesem System zum Opfer gefallen. Der Dampfer hatte, wie uns von durchaus zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, bei Island ergiebige Fisch. gründe angetroffen und der daraus für ihn entspringende Gewinn lockte den Kapitän so sehr, daß er vier Tage und vier Nächte un- unterbrochen fischen ließ. Mit Ausnahme des Maschinenpersonals haben weder Kapitän noch Mannschaft während dieser Zeit Schlaf gehabt. Die Leute haben also SV Stunden hintereinander ohne Unterbrechung gearbeitet und waren daher total erschöpft. Da— es war morgens gegen Uhr und die Mannschaft eben zum Essen in das Logis gegangen— erfolgte die Stranbung. Glücklicherweise sind die Leute des„Württemberg" vor dem Schicksal so vieler chrer Leidensgcnossen bewahrt geblieben. Es gelang ihnen, sich nach Stunden voller Strapazen, Angst und Qual zu retten. Und jetzt sind sie in ihre Heimat zurückgekehrt. Vor dem Seeamt findet demnächst die Verhandlung über die Strandung des„Württemberg" statt. Ob man auch diesmal den Spruch über den bekannten Leisten schlagen wird? Unmöglich ist es nicht. Der öffentliche Ankläger, der an Gcrichtsstätte das System geißelt, soll noch gefunden werden. Wie dem jedoch auch sei, vor dem Richterstuhl der Menschlichkeit ist dieses System ge- richtet.—> • w Ä Ocutrcbea Reich. Diäte». Roch einer Meldung der„Nordd. Allg. Ztg." hat das preußische Ministerium in seiner Sitzung am 31. März der Diäten- Vorlage des Reichskanzlers feine Zusti�nmung erteilt. Der Bundesrat dürste sich in den nächsten Tagen ebenfalls mit der Bor- läge beschästigen, wobei vielleicht noch einmal der Versuch gemacht wird, die Diätengewährung mit reaktionären Bedingungen zu ver- kuppeln. Wie das Bülowfche Diätenprojekt aussehen wird, weiß man noch nicht genau. Wahrscheinlich wird man einen Akkordlohn bewilligen, um den Parlamentariern eine allzu peinliche Gründlich- keit der parlamentarischen Arbeit zu verleiden. Die endliche Nachgiebigkeit der Regierung ist ein„Sieg", um den die Mehrheit des Parlaments jahrzehntelang„gekämpft" hat. Den armen Schluckern unter den Abgeordneten zuliebe und um den Massen Sand in die Augen zu streuen, legte sich namentlich das Zentrum seit geraumem mit rednerischer Vehemenz für die Diäten ins Zeug. Hätte diese Partei ihren Kampf wirklich ernst gemeint, so hätten die verbündeten Regierungen schon längst nach- gegeben. Der Sozialdemokratie ist die Diätenfiage im Grunde sehr gleichgülttg. Sie brachte eS fertig, auch ohne Diäten eine ent« sprechende Zahl von Proletariervertretern ins Parlament zu bringen. Daß aber auf die soziale Zusammensetzung der Vertretung der bürgerlichen Parteien die Diäten ohne Bedeutung sind, be- weisen ja die Fraktionen des preußischen Abgeordnetenhauses.— Unberechtigte Einmischung. Die vom Scharfmacherklüngel ansgehaltenen„Berliner Neuesten Nachrichten" drohten kürzlich den bürgerlichen Blättern, die sich zeitioeilig ein arbeiterfteundliches Mäntelchen umzuhängen be- lieben, mit Entzug der Inserate aus industriellen Kreisen, falls sich ihre Haltung bei Streiks nicht ändere. Das scheint ge- ftuchtet zu haben. Aus Anlaß der Lohnbewegung der Braun- kohlengräber im Zeitz-Weißenfelser Revier vollführt die in Betracht kommende Presse wahre Eiertänze. Obwohl sich die Hauptstelle der Arbeitgeberverbände,'also die Gesamtvertrctung der deutschen Industrie, in den Streit zwischen den Braunkohlenw-rken und den Arbeitern einmischt, spricht man den Arbeitern das Recht ab. durch ihre gewerkschaftliche Organisation ihre Interessen vertreten zu lasten, ja man erfindet wider besseres Wissen eine Einmischung der Sozial- demokratie. DaS ist Blödsinn. Die Vertretung der Arbeiter ist Sache des Bergarbeiterverbandes. Daß dieser zur Vertretung befugt ist, steht umioweniger außer Frage, als die Organisation schon im Jahre 1904 in den in Betracht kommenden Revieren 39 Zahlstellen zählie. Daß der Zeitz-Weißenfelser Vergwerksverein solidarisch vorgeht. hält man dagegen kür ganz berechtigt; nur um den Schein zu retten, bemäkelt man auch nebenbei leichthin die Einmischung der politischen Gesamtvertretung der Arbeitgeberverbände. Solche Art der Parität ist nichts als Hohn gegenüber den Arbeitern und umso- mehr verwerflich, als im mitteldeutschen Bergbau die Löhne am niedrigsten stehen, beispielsweise um fast 3 Proz. niedriger als im linksrheinischen Braunkohlenbergbau.— Vom„roten Scherl" faselt die„Staatsbürger-Zeitung". Ge- meint ist der Genosse Singer, der angeblich mit ArgnSaugen darüber wacht, daß dem„Vorwärts" kein Konkurrenzorgan erwächst, und der alle sozialistischen Zeitschriften, namentlich die revisionistischen, lang- sam aber sicher verschluckt, neuerdings wieder die„Kommunale Praxis". Ihr Herausgeber bleibt zwar Dr. t-üdeknm, aber Singer wird schon dafür sorgen, daß nichts Revisionistisches unterläuft. Genosse Südekum, dem die neue Regelung sicherlich nichts tveniger als unangenehm ist, erscheint in bengalischer Beleuchtung als armer Expropriierter und unter Parteizcnsors-Aufficht Gestellter. Unsere Genossen mögen sich an diesem großen antisemitischen Phantasiegemälde erfreuen. Es ist der ergötzliche Beweis, daß sich kapitalistische Schmocks keinen anderen als kapitalistischen Preßbetrieb mit Plnsmacherei, Verlegerherrschaft und Tiutenlulitum vorzustellen vermögen. Das Blatt der reichshauptstädtischcn freisinnigen Intelligenz, das„Berliner Tageblatt" zeigt natürlich dieselbe Betchränktheit, wie das Antisemitenorgan und druckt den antisemitischen Unsinn gut- gläubig nach. Zu einer ganz besonderen Dummheit— das Anti- semitcnblatt meint, die stärkere Verbreitung der„Kommunalen Praxis" ließe sich am besten durch Anwendung der G ö r l i tz e r Praxis erzielen— bemerkt das Mosjeblall sogar sehr weise: „Der Hinweis auf die l e r r o r i st i s ch e Görlitzer Praxis wird die Genossen ja einigermaßen unangenehm berühren." Mit Verlaul', das fällt uns gar nicht einl Wir sind der Ueberzeugung, daß ein Sozialdemokrat sein Parteiorgan zu halten hat und daß die Görlitzer Genossen recht tun, wenn sie Leute, die diese elementarste Partei- Pflicht nicht erfüllen, nicht in der Parteiorganisation dulden. Daß" der Freisinn das nicht begreift und von Terrorismus lallt, beweist nur seine totale politische Bertrottelung.— Kasernenfreuden. Von Ende Dezember 1905 bis Ende März 1906 wurde die ge- richtliche Aburteilung von 39 Soldaienquälern bekannt. An Strafen wurden ausgesprochen 9 Jahre 1 Monat 20 Tage Gefängnis, 9 Monate 21 Tage mittlerer Arrest, 2 Monate IS Tage gelinder Arrest, 18 Tage Stubenarrest, 4 Degradationen. Im ganzen beträgt der Freiheitsentzug 10 Jahre 2 Monate 14 Tage. Auf Preußen treffen S Jahre 6 Monate Gefängnis, 6 Monate 13 Tage mittlerer Arrest, 1 Monat gelinder Arrest, 10 Tage Stuben- arrest, 3 Degradationen(13 Vorgesetzte, darunter 1 Offizier, und ferner 2 ältere Mannschaften); auf Bayern: 2 Jahre 7l/z Monate Gefängnis, 1 Monat 13 Tage mittlerer Arrest, 1 Monat 1ö Tage gelinder Arrest, 8 Tage Stubenarresto 100 Kilo . der Schweiz...... 25 Fr.„ ,.„ » Belgien•...... 53,„„„ und 15 Fr. Akzise für ftemden Tabak , Holland....... 70 Cent„. . Dänemark...... 23,42 M.„„ Wenn in Deutschland trotz des hohen Zolles relativ billige Zigarren zu haben sind, so ist dies darauf zurückzuführen, datz nirgends in der Welt Zigarrenarbeiter für solche Hungerlöhne arbeiten. wie sie deutsche Fabrikanten in Baden, in Westpreutzen usw. bc- zahlen.—_ Große Taten Im Kampfe gegen die— Arbeiterturn- vereine hat das Staatsministerium in Sachsen-Weimar vollbracht Die Rektoren der Volksschulen sind durch einen Minister« erlaß aufgefordert worden, die Fortbildungsschüler zu veranlassen, die Arbeiterturnvereine als Zöglinge zu meiden und, sofern sie solchen angehören,«ms denselben auszutreten. Seit vierzig s Jahren dürfen„Zöglinge" unbehelligt den bürgerlichen Turnvereinen angehören. Auch in Zukunft scheint das Ministerium nichts dagegen zu haben. Umsomehr wird damit aufs neue der Beweis erbracht, datz der weimarische Regierungsapparat in der Nadelstichpolitik gegen die Arbeiterbewegung vor keiner Blamage zurückschreckt. Die Lieferung der Tanzhusaren. Die vom Kaiser versprochenen Tanzhusaren hielten am Montag unter pomphaften Festkundgebungen eines begeisterten Bürgertums ihren Einzug in Krefeld. Der Kaiser selbst halte Zeit gefunden, der Festlichkeit beizuwohnen und sich an dem Enthusiasmus zu weiden, den ieine Tanzhusaren bei der militärfrommen Weiblichkeit der Krefelder Textilbarone hervorriefen. Zur Feier des TageS sang ein Chor von 1400 Schulkindern zwei sinnig gewählte Chöre:„Freude, schöner Götterfunken"(es ist darin ja vom Umschlingen und Küssen die Rede) und„Frisch auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd"— »/b die ominöse Strophe:„Was wemet die Dirn und zergrämet sich schier" auch vorgetragen wurde, wird nicht gemeldet. Der Kaiser scklotz seine Ansprache nach der Schilderung des„Wolffschen Bureaus" mit den Worten: „Der Stadt Krefeld habe ich an dem heutigen Tage mein Wort gehalten. Wenn ich mein Wort gebe, halte ich es auch.(Stürnnsche Hochrufe.) Ter Stadt habe ich ihre Garnison gebrocht und den jungenDamen ihre Tänzer. (Erneute stürmische Hochrufe.)"— Ein drakonisches Urteil fällte das Kriegsgericht gegen den Soldaten Enkler vom 1. Ulanenregiment in Bamberg, der sich in der Trunkenheit zu Ausschreitungen hat hinreihen lassen. E. war an einem Sonntag in der Staöt und trank sich voll. Auf dem Heim- wege zum Appell grüßte er die Unteroffiziere gar nicht oder nicht nach Vorschrift, was beim Appell dem Vizewachtmeister gemeldet wurde, der ihm die Ausgehecrlaubnis entzog. Der Wachtmeister wollte dann den Betrunkenen auf sein Zimmer führen; als er aber erklärte, er gehe wieder fort, verbrachte er ihn auf die Wache in Arrest. Im Arrestlokal rumorte er und stieß mit dem Kopf gegen die Wand, so datz man ihn untersuchen ließ, ob er nicht verrückt geworden sei. Den Wackunteroffizier, der sich nach ihm umschaute. stieß er vor die Brust. Nach bestehenden Verordnungen sollen Vor- gesetzte betrunkenen Untergebenen möglichst aus dem Wege gehen, aber hier hat man ihn zu Widersetzlichkeiten geradezu gereizt. Enkler wurde zu 2 Jahren 2 Tagen Gefängnis verurteilt— eine furchtbare Strafe für eine im unzurechnungsfähigen Zustande be- gangene Tat und um so furchtbarer im Vergleich zu der gelinden Behandlung, he gewöhnlich Chargierten zuteil wird, wenn sie sich an Untergebenen vergreifen.— Die Affäre Hirschel. Aufsichtsrat und Vorstand der Landwirt- schaftlichen Hauplgenossenschaft für Oberhessen haben beschlossen, den Direktor Schlenle, der seinen Kollegen Hirschel, den antisemitischen hessischen LandtagSabgeordneten Hirschel, der Staatsanwaltschaft wegen Unterschlagung denunziert hat, bis zu seinem definitiven Aus- tritt am 1. Mai zu beurlauben. Ebenso wurde Hirschel bis zur Er- ledigung der gericktlichrn Unlersuchnng beurlaubt. Bis jetzt soll sie. nach einer Korrespondenz der„Franks. Ztg.", nichts Belastendes er- geben haben.— Ein kleines Zuoeständnis. Alls Würzen(Königr. Sachsen) wird berichtet: Unser Parteigenosse Noack, Volsitzender des GewerkschaftSkartells,»ahm dieser Tage als Schösse an de» Gerichtsverhandlungen teil. Er dürfte wohl der erste Arbeiterschöffe in Sachsen sein. Es leben die Folgenden! Denn eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.—_ Hebet die neue südwestafrikanische Schlapp« wird noch gemeldet: Am 26. März überfiel eine stärkere Hottentottenbande zwischen UkamaS und der Ostgrenze einen Transport von 6 leeren Wagen. Bon dem nur 17 Mann starken Bcgleitkommando fielen der Führer des Transportes, Leutnant Keller, und 10 Reiter; schwer verwundet wurden 2, leicht verwundet 2 Reiter. Die Wagen wurden von den Hottentotten verbrannt, die Ochsen in südwestlicher Richtung abgetrieben. Nur 1 Mann der Bedeckung kehrte zu Fuß nach Ukamas zurück, von wo sofort 24 Mann der 7. Kompagnie 2. Feldregiments nach Nakab(an der Ostgrenze östlich Ukamas) entsandt wurden. Der gleichfalls be nachrichtigte Hauptmann von Rappard ging mit 40 Mann am 27. früh von Äriam nach Nakab vor. Er stieß an der UeberfaU stelle auf dreißig bis vierzig Hottentotten, die nach kurzem Feuer> gefecht auf Nakab abzogen. Patrouille Rappard hatte keine Verluste. während vom Feinde 6 Tote und zahlreiche Blut» spuren aufgefunden wurden. Nakab wurde am 28. März durch unsere Truppen besetzt. Eine Offizierspatrouille, die am 27. März von Ariam auf Gamsibkluft aufklärte, erhielt am Rande der Kluft Feuer. Ein Reiter wurde leicht verwundet. guslsncl- Ungarn. Milderung der Krise. Budapest, 2. April.(B. H.) Der Minister des Innern hat alle von ihm erlassenen Verordnungen betreffend die Ein- schränkung des Versammlungsrechtes zurückgezogen.— Frankreich. Wieber ein rebellischer Hauptmann. Paris, 29. März.(Eig. Ber.) Tie Serie der Trutzurteile geht weiter. Gestern wurde in Bordeaux der Jnfanterichaupt- mann Coudere de Foulongue freigesprochen, der sich ge- weigert hatte, einem Polizeikommiffär bei einer Kirchen inventur Folge zu leisten. Der Hauptmann erklärte im Verhör, die Auf- gäbe der Armee sei der Schutz des Vaterlandes, aber nicht eine Ar- beit von Dieben und Einbrechern. Der Präsident bemerkt dazu: „So achtungswert ihre religiösen Ueberzeugnngcn sind, so ent- schuldigen sie doch Ihr Verhalten nicht Was würden Sie zu einem Soldaten sagen, der sich bei einem Streik weigerte, Ihre Befehle auszuführen und der sich hierbei auf seine Ucberzengungen beriefe?! Dem Hauptmann fiel auf diese Frage keine Antwort ein!— Seine Stande ögenossen im Kriegsgericht aber fanden: Ungehorsam bei einem Edelmann in Uniform sei doch etwas anderes als bei einem Proletarier in Uniform und sie sprachen den Herr» Hauptmann frei. Von den Anklägern und Vorsitzenden der militärischen Gerichte bekommt man jetzt überhaupt manches vernünftige und für den Militarismus recht verfängliche Wort zu hören. So bat der An- klüger im Prozetz zu Nantes zu dem Hauptmann, der sich auf seine Christenpflicht berief, gesagt:„Ja, aber was werten Sie im Kriegsfall tunl Das Christentum verbietet doch auch, Menschen zu töten I" England. UnfallentschSdigung. London, 28. März.(Eig. Bericht.) Bis zum Jahre 1880 gab es in der englischen Fabrikgesetz- gebnng kein besonderes Gesetz über die Pflicht der Unternehmer, die von ihnen beschäftigten Arbeiter bei Unfällen zu entschädigen. Das Fabrik- und Werkstätteugesetz vom Jahre 1878 enthielt zwar eine Art Bestimmuug darüber, hatte aber in Wirklichkeit gar keine» Wert, solange das Prinzip der„gemeiiischaft- licheu Beschäftigung", wonach der Unfall auf die Nachlässigkeit irgend eines Mitbeschüftigten zurückgeführt werden konnte, den Unternehmer vor jeder Hastpflicht schützte. Im Jahre 1830 nun nahm daS Parlament ein besonderes Haftpflichtgesetz an, ohne jedoch jenes Prinzip der„gemein- schaftlichen Beschäftigiliig" zu beseitigen. Nebenbei bemerkt: Dasselbe Prinzip besteht noch zu Recht in den Bereinigten von Amerika und macht alle Bestimmungen über Unsallentlchäd.»,....g illusorisch. i Erst im Jahre 1897 brachte Mr. Chamberlain die erste moderne Unfallelltschädigungsvorlage ein, die dem alten Grundsatz der„gemein- schaftlichen Beschäftigung" ein Ende bereitete und den neuen Grund- satz niederlegte: datz der Unternehmer das Risiko für Arbeiterunfälle übernehmen müsse. Da das Gesetz nur ein Experiment war, so wurde es aus die gefährlichsten Betriebszweige beschränkt. Drei Jahre später wurde das Gesetz merkwürdigerweise auf zwei der uiigefährlichsten Betriebszweige ausgedehnt: auf Ackerbau und Gärtnerei, so datz auch die ländlichen Arbeiter Unfallentschädigungen erhielten. Die gestern vom Unterstaatssekretär des Innern, Herbert Glad- stone, eingebrachte Vorlage konsolidiert die ftühcreu Gesetze und dehnt sie auf fast alle Slrbeiterkatcgorien aus, mit Ausnahme von Polizeibeamten, Ladengehülfen, Buchhaltern und Dienstpersonal. Im allgemeinen soll das neue Gesetz umfassen: Arbeiter in Fabriken und in Werkstätten, im Ackerbau, im Transportwesen, in Fischereien. schließlich im Postdienst. Ausgenommen sind Werkstätten, die nicht über fünf Arbeiter beschäftigen. Die Minimalwurtezeit zwischen Unfall und Entschädigung war bisher 14 Tage. Sie soll nunmehr nur eine Woche dauern.— Stirbt der Verunglückte, so zahlt der Unternehmer den Höchstbetrag von 500 M. Bei Verletzungen und Verlust der Arbeitsfähigkeit zahlt er den Höchstbetraa von 10 M. die Woche. � Die Borlage fand im Prinzip allgemeine Zustimmung. Sowohl die Arbeitervertreter— es sprachen Barnes von den Mechanikern und Enoch Edwards von ven Bergleuten— wie die Konservativen erklärten sich mit den Grundsätzen der Vorlage einverstanden, worauf diese, wie wir schon mitteilten, in erster Lesung angenommen wurde.—_ Keine Keilerei. Wie„Daily Telegraph" von gut unterrichteter Seite aus Kairo erfährt, hat in der Atabah-Angelegenheit die Zu» rückziehung der türkischen Truppen von den umstr t enen Punkten begonnen. Voraussichtlich dürste die ganze Streitfrage binnen kurzem Erledigung finden.— Norwegen. Verschlechterungen des norwegischen Bnckergesetzes. Durch das Bäckergesetz von 1895 ist in den norwegischen Bäcke- reien die Nachtarbeit- von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens— sowie die Sonn- und Feiertagsarbeit verboten. Dieses Gesetz hat außerordentlich günstig auf die Arbeitsverhälttnsse der Bäckergesellen eingewirkt. Nun hat jedoch das Odelsthing m der vorigen Woche einige Verschlechterungen dieses Gesetzes beschlossen, deren wichttgste die ist, datz mit der Teigbereilung schon um 5 Uhr begonnen werden kann. Die Bäckergesellen sehen darin einen ersten Schritt zur Wiedereinführung der Nachtarbeit, und die Vertreter der Arbeiterschaft im Parlament haben alles aufgeboten, um die Ver- schlechterungen abzuwehren. Genosse Eriksen und auch der radi- knie Abgeordnete C a st b e r g wiesen für icden sachlich Prüfenden überzeugend nach, datz derartige Veränderungen des Gesetzes durchaus nicht notwendig waren. Außerdem war auch die Mehrheit des Sozialkomitees des StorthingS dieser Ansicht. Aber das Odelsthing entschied sich mit 51 gegen 3b Stimmen prinziplell für die Vorschläge der Komiteeminderheit. Die Gründe. die für die Veränderungen angeführt wurden, waren äußerst fadenscheinig. Z. B. haben sich von den 200 Hotels und Pensionen in Kristiania nicht mehr als 27 dafür ausgesprochen(um ihren Gästen eme Stunde früher frische Semmeln liefern zu können) I Von den 1731 norwegischen Bäcker- meistern haben sich 200 bis 300 dafür erklärt und alle anderen sich nicht geäußert. Tatsächlich kommen die Verschlechterungen deS Ge- setzcS denn auch nur einigen großen Bäckereibesitzern zugute. Die Bäckergesellen wollen eventuell durch Selbsthülfe daS zu wahren suchen, was bisher ihr gesetzliche? Recht war. Man versucht, den Bäckergesellen die Verschlechterungen dadurch annehmbarer zu machen, datz man den 17. Mai, den Verfassungstag, unter die Feiertage, an denen die Arbeit zu ruhen hat, aufnahm. Genosse Enlsen bemerkte dazu. datz. wenn ein neuer gesetzlicher Feiertag für die Bäcker eingeführt werden soll, es der 1. Mai sein müsse. Der Handels- und Jndustrienlinister Arctauder schien aber keine Ahnung davon zu habe», datz die Arbeiter derartiges wünschen. Uebrigens sind die Veränderungen des Gesetzes noch nicht end- gültig beschlossen; die Entscheidung liegt beim Lagthing.— Amerika. Ta ifrevision. Die republikanischen Vertreter des Staate» Masiachusetts im Repräsentantenhaus haben beschlossen, den republi« konischen Partei-Caucus einzuberufen, um die Frage zu erörtern, ob das Repräsentantenhauskomitee veranlaßt werden soll, noch in der gegenwärtigen Kongretzsession die Tarifrevisionsfrage zu erörtern. Dieser Beschlutz ist die Folge der von dem Vorsitzenden des Komitees Pahne in einem Schreiben an ein Komiteemitglied Ende März abgegebenen Erklärung, datz die Tariffrage in der laufenden Session nicht zur Erörterung gelangen werde.— Soziales. Konflikt zugunsten eines energischen GewerheinfPektorS. Dev Gewerbeinspektor Cuyrien zu Elbing hatte gegen die Käsereibesitzet: Gebrüder Krieg zu Tiogendorf ein Strafverfahren veranlaßt. Sie sollten entgegen den Bestimmungen der Bundesratsverorbnung vom 16. Oktober 1897, betreffend Regelung der Sonntagsruhe usw. im Molkerei- und Käscreigewerbe, Arbeiter in der Zeit von Sonnabend 6 Uhr abends bis Montag früh 6 Uhr mehr als 18 Stunden be» schäftigt haben. Die Angeklagten wurden schließlich freigesprochen. Das Gericht rechnete nach Abzug von Effenspausen nur„höchstens" 17% Stunden heraus.— In einer der Eingaben an die Staatsanwaltschaft, durch die der Gewerbeinspektor seinen Antrag auf Bestrafung der Gebrüder Krieg stützen wollte, hatte er sich nun unter anderem wie folgt ausgelassen: Er lege großen Wert darauf, datz die Gebrüder Krieg bestraft würden, da sie ihre Leute in rücksichtslosester Weise behandelten und zu befürchten sei, daß die schon jetzt erbitterten Käsereigehülfen der Sozialdenwkratie in die Arme getrieben würden. In wie rücksichtsloser Weise diese Arbeitgeber vorgingen, zeige, datz ein Gehülfe Morgenthal habe außer Landes gehe» muffen, weil er auf die Jnnehaltung der gesetzmäßigen Ruhezeit gedrungen habe; auf Betreiben der Kriegs habe er in der Provinz keine Arbeit mehr bekommen. Herr E. Krieg habe sich einmal ihm, dem Gewerbeinspek» tor gegenüber, nr frechster Weise benommen, gewissermaßen auf sein Recht der Ausnutzung gepocht.-- Herr E. Krieg, der durch seinen Anwalt aus den Akten des Strafverfahrens von jenen zitierten AuS» lassungen des Herrn Cuyrien Kenntnis erlangt hatte, verklagte den Gewerbeinspektor daraus wegen Beleidigung.— Das Privatklage» verfahren mutzte jedoch vorläufig eingestellt werden, da die Re» gierung zu Tanzig den Konflikt erhob und geltend machte, der Ge- Werbeinspektor habe bei Abfassung dieser Eingabe an die Staats- anwaltschaft in amtlicher Eigenschaft und in Ausübung seines amt» lichen Berufes gehandelt, um die Strafanzeige zu begründen. DaS gelte nicht bloß von der Angabe der rücksichtlosen Behandlung der Käsereigehülfen, wofür der Privatbeklagte ausreichendes Material beigebracht habe, sondern auch von der Aeutze» rung über das Verhalten des Privatklägers bei einem Wortwechsel. Der Vorwurf der Frechheit enthalte ja allerdings eine sehr scharfe Kritik; es müsse aber einem Beamten das Recht gewährt werden. sich auch nach der Richtung frei auszusprechen, soweit es die Aus» Übung des Amtes erfordere. Das Obervcrwaltunftsgericht— erster Senat— entschied am reitag dahin, datz der Konflikt nicht begründet sei. soweit«» ich um den Vorwurf der Frechheit handele. In» soweit habe der Gewerbeinspektor seine Amtsbefugnisse Wer» schritten, und es müsse deshalb insoweit dem Privatklagever- fahren Fortgang gegeben werden.— I n allem übrigen aber sei der Konflikt der Regierung begründet und das Ver» fahren gegen den Gewerbeinspektor demgemäß endgültig ein- zustellen. In den Auslassungen über die„rücksichtsloseste Be- Handlung" usw. sei eine Ueberschreitung der Amtsbefugnisse nicht zu finden. Dem Gericht steht es selbstverständlich frei, zu prüfen, bB nicht unker Ben obwaltenden Umständen der Ausdruck„Frechheit" ein durchaus berechtigter, nicht beleidigender sei. Arbeitslöhne in England und Deutschland. Das New Docker Arbeitsamt(Bureau of Labour) veröffentlicht eine vergleichende Statistik über die Arbeitslöhne in Deutschland, Amerika und England von 1890 bis 1903. Die Statistik erstreckt sich über 13 der wichtigsten Arbeitszweige und zeigt, dah der englische Arbeitgeber für die ihm geleistete Arbeit ungefähr 50 Prozent mehr als der deutsche zahlte. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) GewerK sckaftlickes. Hunderttausend! Der Verband der Fabrik-, Land-,Hülfs- arbeiter und Arbeiterinnen, 1890 in Hannover gegründet, führte in den ersten Jahren seines Bestehens ein recht bescheidenes Dasein. Der Organisationsgedanke fiel bei der nicht gelernten Arbeiterschaft zunächst auf steinigen Boden. Zurzeit der ersten Generalversammlung 1892 musterte der Ver- band trotz eifrigster Werbearbeit erst 2460 Mitglieder, die sich in der Hauptsache auf einige größere Orte Nord- deutschlands verteilten. Nach weiterer zehnjähriger mühevoller Arbeit zählte er schon 43 800 Streiter, und in diesen Tagen hat er, wie eine F e st n u m m e r des„Proletariers" mitteilt, das erste Hunderttausend überschritten und erstreckt sich über ganz Deutschland. Wenn irgend einer Organisation von den Behörden Schwierigkeiten aller Art bereitet worden, dann gewiß dieser. Unzählige Mittel und Mittelchen, dabei solche empörendster Art, wie z. B. die Mitteilung der Mitgliederlisten für politisch erklärter Zahlstellen an Unberufene, haben nicht vermocht, den Organisationsbestrcbungcn der Fabrikarbeiter Einhalt zu ge- bieten; im Gegenteil: je größer die Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hatten, mit desto größerem Eifer wurde auch die Werbearbeit fortgesetzt. Zu den grimmigsten Gegnern der Fabrikarbeiter-Organi- sation zählen die Gummifabriken, die immer und immer wieder das in harter Arbeit mühselig Aufgerichtete brutal niederrissen durch rücksichtsloses Vorgehen gegen die organi- sierten Arbeiter. Noch heute können sich die Gewaltigen dieser Nieseudividendcn heckenden Unternehmungen schiver an den Gedanken gewöhnen, daß auch der Nichtgelernte das Recht hat, sich zu organisieren, und Maßregelungen sind noch immer an der Tagesordnung.— Hunderttausend hat der Verband dieser Ungelernten nun überschritten; die technische EntWickelung aber führt ihm un- ausgesetzt neue Rekruten zu. Zahllos sind die Betriebe, wo die Einführung von Maschinen die Tätigkeit von berufs- mäßig ausgebildeten Arbeitern überflüssig und die Be- schäftigung„nicht qualifizierter Hülfsarbeiter" möglich macht. In Wirklichkeit handelt es sich in allen Fällen auch hier um die Aneignung einer gewissen Qualifikation, freilich in erheb- lich kürzerer Zeit, als in der regulären handwerksmäßigen Lehre. So hat diese EntWickelung, die erst für gewisse Be- triebe die Organisationsmöglichkeit auszuschließen schien, in Wirklichkeit den Weg für die Organisation der„Ungelernten" geebnet. Von allen Gewerkschaftsorganisationen hat die der Fabrik-, Land- und Hülfsarbeiter die größte und die umfangreichste Aufgabe vor sich.— Die Hunderttausend organisierter Arbeiter, über die sie heute verfügt, sind erst ein Anfang — aber ein höchst erfreulicher!— zur Lösung dieser Aufgabe!— Wie wir heute zu dem ersten Hundert- tausend unseren Glückwunsch aussprechen, werden wir jede neue Phase einer Entwickclung der gewerkschaftlichen Organi- sation in den Reihen der ungelernten Arbeiter und Arbeiterinnen mit Freuden begrüßen!_ Berlin und tlmgeg«nd. Der Streik der Berliner Maler und Anstreicher ist nunmehr zur vollendeten Tatsache geworden. Soweit sich bisher übersehen lätzt, haben Wohl sänuliche im Malerberuf tätigen Arbeiter Berlins und der Vororte dem in der letzten Berbandsversammlung gefaßten Beschlutz Folge geleistet und am Montagmorgcn die Arbeit eingestellt. Gestern hielten die Ausständigen in der„Neuen Welt" die erste Streikversaminlung ab. Das überfüllte Lokal mutzte polizeilich ab- gesperrt werden. Der Andrang war so stark, datz eine mindestens tausendköpfige Menge, die keinen Eintritt mehr fand, im Garten Aufenthalt suchte und dort die Aufträge der Streikleitung entgegen- nahm! ein vollgültiger Beweis für die Einmütigkeit der Arbeitsniederlegung auf der ganzen Linie. In der Versammlung wurden zur Hauptsache die notwendigen An- ordnungen zur zweckmätzigen Durchführung des Streiks getroffen. Wie verlautet, sollen sich die Meister mit dem Gedanken einer Aus- sperrung aller derjenigen Arbeiter getragen haben, die sich an dem Streik etwa nicht beteiligen würden. Infolge der einmütigen Ar- beitsniederlegung dürften die Herren dieser Mühe jedoch' enthoben worden sein; es könnte sich audereufalls nur um verschwindend Ivenige Arbeiter handeln. Von lviittw och morgen ab sollen alle diejenigen Arbeiter Arbeits- berechtig ungSkarten erhalten, deren Meist er sich der Streikleitung gegenüber zur An ecken- nung der Forderungen verpflichten. Bürgerliche Blätter, die ihre Nachrichten über Vorkommnisse in der Arbeiterbewegung meistens von ebenso schlecht informierten wie sensationshungrigen Korrespondenzbureaus beziehen, fabulieren schon von einem bevorstehenden„Niesenansstande im ganzen Berliner Bau- gewerbe". Es hietz dort, die Maler würden mit ihrem Streik den Anfang machen, wenige Tage später würden die Bauschlosser folgen, und aus Solidarität mit diesen beiden Gruppen würden dann die Maurer. Zimmerer und Bauarbeiter die Arbeit einstellen. Natürlich ist an jenen Nachrichten kein wahres Wort. Die Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter haben ihren Vertrag mit den Unternehmern, der noch für ein volles Jahr gilt. Was aber die Bauschlosser heute abend beschlietzen werden, das hängt lediglich von dem Entgegenkommen der Schloffermeister ab. Zum Streik der Bierfaßböttcher. Am Sonntag haben während der vierzehntägigen Dauer des Ausstandes zum erstenmal Ver- Handlungen mit der neu eingesetzten Meisterkommission statt- gefunden. Eine Einigung wurde jedocb nicht erzielt. Zu den Differenzpunkten wird heute eine Meisterversammlung Stellung nehmen. In der am Sonntag abgehaltenen BerbandSversammluiig der Böttcher wurden besonders die in den Brauereien tätigen Böttcher ermahnt, die Bearbeitung der aus den bestreikten Bierfatz- Werkstätten gelieferten Fatztagen solange zu verweigern, bis die Verhandlungen zum endgültigen Abschlutz gekommen find. f>eutk«t»» Reich. In der Eisengießerei von W. Naucke zu Neu-Ruppin sind die Former in den Streik getreten. Sie fordern Lohnerhöhung. Vor Zuzug wird strengstens gewarnt. Die Zahl der Streikende» im Zeiü-Weißenfelscr Revier ist. wie vorausgesagt, nach der Mietezahlung sofort in die Höhe gc- gangen, so datz die Gesamtzahl der Streikenden im mitteldeutschen Braunkohlengebiet jetzt sogar von bürgerlicher Seite auf etwa 4500 Mann geschätzt wird. In einer am Sonntag in Zeitz ab- gehaltenen Versammlung erklärte der Genosse H u e, auch der Hallesche und Braunschweigische Braunkohlenbezirk Ivürden sich eventuell dem Ausstande anschließen. Die Lage ist für die Unter- nehmer sehr ernst geworden._ Die Maurer Posens sind von den Unternehmern auf die Straße geworfen worden, weil sie sich geweigert haben, einer von den Unternehmern vorgeschlagenen Verlängerung des jetzigen Tarifs auf zwei Jahre zuzustimmen. Die Maurer wollen den Tarif nur- noch für e i n Jahr verlängert wissen.— Am Sonnabend wurde den Angehörigen de§ Zentralverbandes, des christlichen Verbandes und des Hirsch-Diinckerschen Verbandes erklärt, datz am Montag nur diejenigen anfangen dürften, die ein Verbandsbuch des polnischen Verbandes vorzeigen könnten!— Während nun die 1250 Mitglieder der übrigen Verbände ausgeschlossen sind, fallen ihnen tat- sächlich die Mitglieder des polnischen Verbandes in den Rückenl Lederarbeiter! In Magdeburg sind am Sonnabend sämt- liche Weitzgerber ausständig geworden, da der alte Vertrag abgelaufen war und der Abschluß eines neuen Vertrages wegen des Verlangens nach der O'/z stündigen Arbeitszeit an der ablehnenden Haltung der Unternehmer scheiterte. Desgleichen sind die Weitzgerber der Firma Schüler in Burg bei Magdeburg am Sonnabend ausständig geworden, ebenfalls weil keine neue Vereinbarung mit der Firma möglich war.— Zuzug von Weitzgerbern nach beiden Orten ist streng fernzuhalten. Der Verbandsvorstand. Ein schwerer Kampf ist im Maler- und Lackierer- gewerbe zu Königsberg ausgebrocken. Am Sonnabend- abend sind sämtliche Maler- und Lackierergehülfen, die nicht Mit- glieder des Streikbrecherverbandes sind, ausgesperrt worden. Die Maler stellten Ende vorigen Jahres neue Lohnforderungen auf und kündigten den alten Vertrag: sie verlangten 50 Pf. Minimallohn pro Stunde für Maler und 43 Pf. für Anstreicher. Die Arbeitgeber arrangierten eine Machtprobe: die Maler waren im Zentralverband gut organisiert, und das war ihnen ein Dorn im Auge. Sie gründeten selber eine Gchülfenorganisation. Mit aller Offenheit haben sie das in den bürgerlichen Blättern verkündet. In dieser „Vereinigung" sind nolorische Streikbrecker und ähnliche Leute. Damit aber noch nicht genug. Die Arbeitgeber gingen mit ihren Schützlingen zum Gewerbegericht und schlössen hier einen Vertrag ab. Der Vorfitzende deS Gewerbegerichts ließ sich zu diesem Akt herbei: er hat es ja gar nicht für nötig erachtet, die Leute zu fragen, ob sie auch die Mehrzahl ihrer Kollegen hinter sich haben. Nun dekretierten die Meister: alle werden ausgesperrt und nur d i e können Beschäftigung finden, die nachweisen, datz sie auch Mitglieder des von ihnen gegründeten Lokalvereins sind. Wer diesem Verbände nicht angehört, mag verhungern. Natürlich ist jetzt auch die Antwort des Zentral- Verbandes erfolgt. Er beschloß am Sonntagmittag in geheimer Ab- stimmung, in einen Abwehr st reik zu treten und den Kampf nicht eher aufzugeben, bis der Sieg an seine Fahne geheftet ist. Zu bemerken ist noch, datz dem Streikbrechervcrein etwa 50 Personen angehören.— Während die Maler 50 Pf. pro Stunde verlangen, hat der Verein der Meister sich mit 43 Pf. pro Stunde begnügt. Die Lohnbewegung der Kölner Stukkateure ist durch die Unter- zeichnung eines sofort in Kraft tretenden neuen Tarifs nach lang- wierigen und erregten Verhandlungen vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts beendet worden. ES wurde u. a. vereinbart: Die Arbeitszeit währt für Stukkateure und Faffadenputzer vom 1. März bis 1. November von morgens 7 bis 12 Uhr, von nachmittags 2 bis 6 Uhr; die Frühstückspause dauert eine halbe Stunde. Die tatsäch- liche Arbeitszeit beträgt also 8>/z Stunden. In den vier übrigen, den Wintermonaten dauert die Arbeitszeit v on 8 bis 12 und von 12t/z bis 5 Uhr. Für die Werkstättenarbeiter wurde die Arbeitszeit ebenfalls auf S'/a Stunden ohne Festlegung des Beginns und Endes bemessen. Der Tagelohn soll bei der Bezahlung die Regel bilden. Der Mindestlohn beträgt für Stukkateure und Fassadenputzer sofort 0 M., vom 1. April koinmenden Jahres an 6,23 M., für Werkstättenarbeiter 8.30 M. bezw. 3,73 M. Es ist unzulässig, andere als_bie tariflich festgelegten Akkordsätze zu vereinbaren. Es wird eine SchlichtungSkonunission von drei Unternehinern und drei Arbeitern eingesetzt, die den Gewerbegerichtsvorsitzenden als Obmann hinzunimmt, wenn eine Einigung nicht erreicht wird. Der Tarif gilt zwei Jahre.— Die Kölner Stukkateure gehöre» fast sämtlich dem Verbände an. Die Maurer und Bauhiilfsarbeiter in Ahrweiler(Rheinpr.) sind in den Ausstand getreten. Die freien Gewerkschaften fordern für Maurer 43 Pf., für Hülfsarbeiter 33 Pf. Stundenlohn, der „christliche" Verband 40 und 32 Pf. Da Verhandlungen mit dem neuen Arbeitgeber- Verband für das Ahrtal ohne Ergebnis blieben, legten zuerst die Mitglieder der freien Gewerkschaften, Tags darauf auch die„christlich" Organisierten die Arbeit nieder. ES ist wahr- scheinlich, datz der Ausstand auf andere Orte überspringt. Die Schneider stehen in Rheinland und Westfalen in folgenden Orten in Lohnbewegungen: Aachen. Berg.-Gladbach. Bochum, Dort- mnnd, Elberfeld, Esse», Gelsenkirchen, Herne, Koblenz, M.-Gladbach, Mülheim a. d. Ruhr und Oberhausen. Zuzug nach allen diesen Orten ist fernzuhalten._ Zehntausend sächsische Metallarbeiter vor der Aussperrung! In der N ä h m a s ch i n e n f a b r i k von B i e s o l d t u. Locke in Meitze» haben 80 Monteure die Arbeit niedergelegt, weil ihnen von feiten der Firma das Organisations- und Koalitionörecht ab- gesprochen wurde. Der Verband der Mctallindnstriellcn der Kreis- hauptmannschaft Dresden erklärte sich mit der Firma solidarisch und beschloß in einer Sitzung vom 26. März die Ausschließung zunächst aller organisierten Metallarbeiter am 4. April, wenn die in den Ausstand getretenen 80 Monteure die Arbeit bis dahin nicht aufgenommen hätten. Die Streikkommission hat den Mctallindustriellen ihre Forde- derungen in vier Punkten unterbreitet, in welchem 1. von der Firma Biesolt u. Locke Anerkennung der Organisation, 2. Gewährung des freien Koalitionsrechtes, 3.gleiche Behandlung der organisierten und nichtorgani- sierten Arbeiter und sowie 4. allmähliche Wiedereinstellung sämtlicher Streikenden nach Bedarf verlangt wird, mit der Matzgabe, daß fremde Arbeiter nicht eingestellt werden, solange noch ein Arbeiter der gewünschten Branche auf seine Wiederanstellung wartet. In neun von mindestens 30 000 Arbeitern besuchten Metallarbeiter- Versammlungen, die am Sonnabend in Dresden und Umgegend stattfanden, wurde mitgeteilt, datz in letzter Stunde die Firma Biesoldt u. Locke sich bereit erklärt habe, die Punkte 1—3 an- zuerkennen. Den Punkt 4 verwirft sie und erklärt sich nur zur allmählichen Wiederanstellung der Hälfte der verheirateten Arbeiter bereit. Das Streikkomitee weist diesen Vorschlag zurück und da die Firma Biesoldt u. Locke in obigem Vorschlage ein Ultimatunr ge- stellt hat, hat es nicht den Anschein, als könnte die Aussperrung aller organisierten Arbeiter der Kreishauptmannschaft Dresden verhindert werden. Alle neun Versammlungen erklärten sich mit den Streikenden solidarisch und nahmen mit Entrüstung Kenntnis von dem bevor st ehenden frivolen Gewaltakt der Metallindustriellen, welcher viele Tanseude Metallarbeiter aufs Stratzenpflaster wirft und somit brotlos macht, die mit dem Streik der Monteure bei der Firma Biesoldt u. Locke nicht das ge- ringste zu tun haben. Die Versammelten sprachen den Streikenden ihre volle Sympathie aus und erwarten, datz sie nach wie vor zu- sammenhalten, bis ihre gerechte Sache den Sieg davon getragen hat und die Unternehmer das Koalitionsrecht der Arbeiter an- erkennen. Die angedrohte Aussperrung ist hierdurch unvermeidlich. Die Seeleute Hamburgs sind in den Ausstand getreten.&t fordern: für Bootsleute 80—90 M.. Zimmerleute 80—95 SR., Onartermeister 73 M., Matrosen 70 M.. Leichtmatrosen 40 bis 43 M.. Oberheizer 90 M.. Heizer 80 und Trimmer 70 M. Diese Sätze gelten für transatlantische und große Küstenfahrten, wahrend die Minimalheuersätze für Nord- und Ostseefahrten um etwa 5 M. pro Monat geringer sein sollten.— Um diese bescheidenen Lohnsatze müffen die täglich in Ausübung ihres Berufes dem Tode ins Auge sckanenden seemännischen Arbeiter einen erbitterten Kampf führen! Für Ueberstunden. für die gewöhnlich, um sich vor der Bezahlung zu drücken, der Begriff„Notarbeit" konstruiert wird, werden ganze 40 Pf. verlangt.— Die seither bezahlten Heuern für Matrosen be- tragen 60-63, die für Heizer bis 73 M. usw.— Einige Reedereien. die sich dem Machtgebot des RcedervereinS nichts beugen, suchen unter der Hand zu verhandeln, doch bestehen_ die Seeleute auf der Verhandlung mit der Organisation, da sie nicht willens sind, sich über den Löffel barbieren zu laffen. Vom Ortsverbaud der Hirsch.Dunckcrschen Gewerkvereme zu Nürnberg erhalten wir folgende Zuschrift:. � 1. Es ist unwahr, daß uns oder einem unserer OrtSvereme zusammen mit den Christlichen von der Direktton der Siemens- Schuckert-Werke oder sonst von jemand 6000 Mark angeboten wurden. 2. Ebenso unwahr ist. datz irgend jemandem von unserer Organisatton durch die Direktion der Siemens-Schuckert-Werke oder sonst von wem ein derartig schmähliges Anerbieten, wie die Gründung einer gelben Gewerkschaft a la Augsburg, gemacht, oder datz eine solche Tat durch jemand von uns geplant wurde. Der Ortsverband der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine Nürnberg. Im Auftrage: Käser, Vorsitzender. Die Berichttgung bezieht sich auf eine Notiz in unserer Freitags- nummer, wo berichtet war, datz eine derartige Mitteilung in einer Streikversaminlung der Siemens-Schuckert-Arbeiter gemacht worden sei. Ausland. Bon einem Streikbrecher ermordet! Die demonstrierenden Kaffcehauskellner in T o u l o n gerieten in Konflikt mit den Arbeitswilligen. Dabei wurde einer der Aus- ständigen von einem Streikbrecher durch einen Dolchstich tödlich verletzt._ Der amerikanische Riesenausstand! Infolge der von der Verbandsleitung ausgegebenen Anweisung, die Arbeit bis zur Regelung der mit den Grubenbesitzern schwebenden Streitigkeiten ruhen zu lassen, sind gestern etwa eine halbe Million Grubenarbeiter in Ausstand getreten. Man nimmt an, das bis Ende der Woche etwa 100000 Mann in denjenigen Bezirken. wo einzelne Grubenbesitzer die Bedingungen der Lohnskala von 1903 anzunehmen bereit sind, dieArbeit wiederaufnehmen werden._ Letzte Nachrichten und Depefchea Ausdehnung des Streiks im Braunkohlenredier. Zeitz, 2. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Streik im Braunkohlenrevier hat eine weitere Ausdehnung er- fahren. Die Braunschweiger Reviere, Halle-West und König- reich Sachsen haben sich der Bewegung angeschlossen. Die Ge- samtzahl der Streikenden beträgt nunmehr über 5000. Der Kaiser und die deutschen Bergarbeiter. Krefeld, 2. April. In das Festprogramm anläßlich der Uebcr- führung der Tanzhusarcn war auch eine Vorstellung der� deutschen Rettungsmannschaften bei der Katastrophe von Eourrieres vor- gesehen. Wolffs Telegraphenbureau berichtet darüber: „Auf dem großen Kasernenhof hatten sich die bei den Rettun gs- arbeiten in Courriercs tätig gewesenen Bergleute aufgestellt. Der Kaiser ritt zu ihnen Hera», ließ sich die Namen jedes einzelnen nennen und hielt dann folgende Ansprache: Ich habe Euch hierher komnien lassen, um Euch im Namen des gesamten Vaterlandes meinen herzlichsten Dank, meine Bewunderung und meine Anerkennung auszusprechen für die Tat, die Ihr aus- geführt habt. Ihr habt bewiesen, daß es über die Grenzpfähle hinaus etwas gibt, das die Völker verbindet, welcherlei Rasse sie auch seien, das ist die Nächstenliebe. Ihr seid diesem Gebote der Lehren unseres Heilandes gefolgt, daß sich das bei deutschen Berg- lcuten von selbst versteht, brauche ich nicht zu sagen. Trotzdem hat es uns alle herzlich gefreut, darum danken wir Euch für Eure Auf. opferung, und vor allem für die Todesverachtung, mit der Ihr für fremde Brüder unter die Erde gestiegen seid. Daß es Euch nicht beschieden war, noch Lebende zu retten, mag Euch nicht betrüben. Tie Apparate, die Ihr zurückgelassen habt, haben dazu beigetragen, datz noch Lebende an die Oberfläche gebracht werden konnten. Als Adenken für Euere wackere Tat habe ich beschloffen. Euch am heutigen Tage Auszeichnungen zu verleihen, die ich Euch hiermit überreiche." Jedem einzelitcn wurde danach sein Orden überreicht; für die höheren Beamten gab es Kronen- und Adlerorden, für die Arbeiter, ihrem„Range" entsprechend, das Allgemeine Ehren- zeichen. Der MetallarbciterauSstand in Hannover. Hannover, 2. April.(W. T. B.) Die AuSstandsbewcguug hat sich nunmehr auch auf die Drahtwarenindustrie ausgedehnt. Die Arbeiter der Firmen Grünn u. Ko., sowie Hentschel u. JöbbS und Dittrich beschloffen einstimmig, heute die Arbeit niederzulegen. Hafenarbeiterstreik. Fiume, 2. April. sW. T. B.) Die Hafenarbeiter find im Aus- stände. Die Arbeitgeber erklären durch Plakate, datz, falls bis zum 4. April die Arbeit nicht wieder aufgenommen würde, fie ihre Betriede schließen würden._ Versuchter Anschlag auf einen Bahnzug. Lille, 2. April. sW. T. V.) Heute morgen entdeckte ein Bahnbedienter in der Nähe des Bahnhofes Saint Baast la Haute. daß eine Schiene und eine Schwelle aufgerissen war; dicht dabei be- fanden sich drei untereinander mit einer verbrannten Bergmann?- lunte verbundene Tynamitpatrvncn, welche offenbar nur infolge eines Zufalles nicht crplodiert lvaren. Truppen erhielten Befehl das Bahngleisc sorgfältig zu überwachen. Bombenfund. Toulon, 2. April.(W. T. B.) In einem Zimmer der Unter- präfektur wurde heute mittag eine Bombe gefunden. BersuchtrS Attentat. Sumy. Gouvernement Kurls. 2. April.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Heute wurde der Versuch, das Gc- bäudc der(Äciete du Creditc Mutuel in die Luft zu sprengm, eitt- deckt. Eine Bombe war in einen Ofen des Vorzimmers gelegt. Ein Diener bemerkte die brennende Zündschnur. Von den Uebcl- täteru fehlt jede Spur._ Vom Bcrgarbeiterstreik in Amerika. Pittsburg, 2. April.(SS. T. B.) Die Kohlcngescllschast be, willigte ihren Ardeitern die erhöhte Lohnffala von 1903. Die Lohn» ftcigerung tritt sofort in Kraft; sie betrifft 23 000 Mann. Pittsbnrg, 2. April.(W. T. B.) Die von der Kohlcngefell» fchaft ihren Arbeitern bewilligte Lohnerhöhung bettägt 3,55 Proz. über die jetzige Rat«. Zehn andere Gesellschaften haben daS gleiche Zugeständnis gemacht. Verantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw,; Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VeclagSanstalt Uaul Singer ä-Co., Berlin 8 W Hierzu 3 Beila-en u. Uatt'baltop-ttlott Nr. 78. 23. Iahrgavg. t Dtilmt»es Jutmürtf Strüiirt AcksM pitnstag, 3. MI 1906. Reicbstacf. 82. Sitzung, Montag, den 2. April, 11 Uhr. Am BundcZratstische: v. Einem. Die zweite Beratung des MilitärctaS wird fortgesetzt. Beim Kapitel„Militärintendanturcn" ersucht Abg. Werner(Ant.) Besserstellung der Jntendantursekrciäre, welche zurzeit hinter den Postsekretären zurückstehen. Das Kapitel wird bewilligt. Beim Kapitel„Militärjusriz" protestiert Abg. v. Ziormann(k.) gegen die seitens des Abg. Zubeil gegen den verstorbenen Hauptmann Grafen Roon ausgesprochenen Bor- würfe: Ich war zu jener Zeit, 1876, Adjutant in Guben und kannte den Grafen als angesehene und wohlivollende Persönlichkeit. Namentlich ist der in den Worten des Abg. Zubeil liegende Vorwurf der Feigheit empörend, da Graf Roon bei Spichern verwundet wurde md das Eiserne Kreuz zweiter und erster Klasse bekommen hat. �Beifall rechts.) Das Kapitel wird bewilligt. Beim Kttchtel„Gcldvcrpflegung der Truppen" beantragt die Budgetkommission, die Zulage sür die patentierten Oberstleutnants auf die der Infanterie(cinschlictzlich Jäger und Schützen) sowie des Ingenieur- und Pionierkorps zu beschränken. Abg. v. Normann(k.) kündigt für die dritte Lesung einen Antrag auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage an, und der- zichtet trotz schwerer Bedenken auf Widerspruch gegen die von der Regierung geforderte Reitschule. Abg. Held lnatl.) wünscht, daß die Offiziere nicht zu lange in den kleinen Garnisonen gelassen werden, weil ihnen sonst die notwendigen Reisen in größere Städte besondere Unkosten machen und weil ihre geistige Ent Wickelung zum Höheren darunter leiden muß. Ferner müßten in den kleinen Garnisonen Offiziers-Wohn Häuser errichtet toerdcn. Das Reich darf doch nicht bloß für Arbeiter-Wohnhäuser Geld haben I Zlbg. Roeren(Z.): Als man vor zwei Jahren die Stellen- Zulagen für die Oberstleutnants der Infanterie forderte, begründete man die Forderung mit den ungünstigeren Avancementsverhält- nisten der Infanterie gegenüber der Kavallerie. Jetzt aber kommt man und fordert für die Kavallerie und Artillerie dieselben Zulagen. Ich bitte, den Antrag Normann abzulehnen und es bei den Be- schlössen der Kommission zu belassen.(Beifall im Zentrum und links.) Abg. Ledebour(Soz.): Bedenken gegen die Militärreitschulen sind von den verschiedensten Seiten geltend gemacht worden, speziell auch Bedenken gegen Reitschulen in kleinen Garnisonen. Eine kleine Garnison ist immer eine gewisse Gefahr, aber eine solche Gefahr muß für eine große Anzahl ganz junger Leute, die da zu einem bestimmten Zweck zusammengebracht werden, ganz erheblich verstärkt werden. Die jungen Leute müssen da auf alle möglichen Geschichten verfallen, die weder für ihre militärische, noch für ihre moralische Ausbildung zweckdienlich sind. Der Spielteufel wird in einem außerordentlich hohem Mbße seine Opfer fordern Ich kann mich dabei auf das Urteil eines Offiziers berufen, der mir erklärt bat, er halte die sittlichen Gefabren ,in den in Aussicht genommenen Orten, und zlvar auch in Paderborn, für außerordentlich hoch. Ich kam, auf die Einzclheilen, die mir dieser Offizier mitgeteilt hat, nicht eingehen. Er weist jedoch darauf hin, daß selbst an der R e i t- anstalt in Hannover die Spielwut unter den Offizieren noch nicht ausgerottet ist. Nach dem großen Prozeß von 1891/96 hat die Spielwut allerdings geruht. Seitdem ist sie aber wieder im Steigen begriffen, und jetzt soll sie blühen, wie nie.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Diese Ausführungen meines Gewährst -mamreS stehen ja in vollkommener Uebercinstimmung mit dein jenigen Bedenken, die von Vertretern aller möglichen Parteien gegen die Verlegung von Rcüschulen in kleine One geltend gemacht sind. Auch Paderborn würde davon keine Ausnahme machen. Ich verstehe cS an sich gar nicht, warum, wenn die Reitschulen in Sorau, Sprottau usw. fallen gelassen sind, nun gerade die Forderung der Reitschule in Paderborn bestehen bleiben soll. Aber ich glaube den GrnNd dafür zu leimen. Es zeugt von einer großen taktischen Gc- schicklichfeit des Kriegsministers, daß er sich bei tteser Gelegenheit der episkopalen Denkungsart des Zentrums erinnert hat.(Große Heiterkeit.) Ich kann mir denken, daß die Herren vom Zentrum glauben, daß, wenn auch in dcn anderen kleinen Garnisonen Ge- iahrcn für junge Leute vorhanden sind, unter dem S ch u.tz e des Krumm st ab es jedermann gegen die Verleitung zum Jeu gefeit ist.(Heiterkeit.) Aber dieser Hinweis kann doch für die anderen Parteien nicht maßgebend sein. Wir glauben nicht, daß der Bischof und die etwaigen Manns» und Nonnenklöster in Paderborn im- stände sind, die jungen Leute vor sittlichen Gefahren zu schützen. «Heiterkeit.) Meine Freunde sind allerdings überzeugt, daß die sittliche Gefahr bestehen bleiben wird, sie mögen die Reitschulen hinlegen, wohin sie wollen. Uebcrall wiederholen sich die Gefahren der Reitschule von Hannover. Gegenwärtig werden in Deutschland planmäßig und systematisch die jungen Offiziere von allen anderen Gsscllschaftskreiscn fernzuhalten gesucht. Der bunte Rock wird von der höchsten Stelle der Armee als ettvas ganz besonderes gepriesen. Das muß den jungen Leuten, die nicht in der Lage sind, Worte des obersten Kriegsherrn kritisch zu betrachten, die Meinung ein- flöhen, sie seien etwas Besseres, schlimmer als in irgend einem anderen Lande der Welt ist der Offiziersdünkel bei uns in Deutsch- land, wenigsten? in Norddeutschland. Dadurch muß aber eine Ver- engerung des Gesichtskreises und ein- sittliche Verkümmerung, im besten Falle wenigstens eine fachmännische Versimpclung eintreten. Wenn Sie junge Leute von einer verhältnismäßig gleichmäßigen und nicht sehr hoch stehenden Bildung in dcn Reitst ulen zusammenbringen. dann wird sich unter ihnen bald eine Art communis opinio dahin bilden, daß Wein und Weib, Würfel- und Kartenspiel und natürlich die Pferde das einzig Interessante auf der Welt sind. Ich fordere Sie daher auf, die Position der Reitschule in Paderborn abzulehnen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Kriegsminister von Einem: Sie werden mir nachfühlen können, welche Freude es mir bereitet hat, daß der Abg. Ledebour mir eine gewisse Anerkennung ausgesprochen hat. Er hat mir ein besonderes taktisches Meisterstück zugetraut.(Heiterkeit.) Ich glaube aber, er hat den Etat nicht gelesen, sonst wüßte er, daß mir keine andere Stadt zur Verfügung stand, um schon in diesem Jahre eine Reitschule zu errichten, als Raderborn. Ich besitze nämlich bereits in Paderborn eine Kaserne. Das ist der einzige Grund, der für diesen Ort gesprochen hat. Der'lbg. Ledebour. wünscht Reit- fchulcr» lieber in der Nähe großer Garr isonen. Ich hoffe ocLhakb, er wird mir Truppenübungsplätze bei yw'ßeren Städten bewilligen, damit ich in einigen Jahren dorthin auch Reitschulen legen kann. Darum möchte ich gebeten haben. Abg. Graf Oriol»(natl.): Ich fürchte, der Herr Abg. Ledebour wird auch Reitschulen in großen Garnisonen ablehnen.— Ich habe ein Gefühl des Mißbehagens und deS Unmuts bei der Rede des Herrn Abg. Ledebour gehabt.(Lacken bei den Sozialdemokraten.) Jawohl, meine Herren, es ist tief bedauerlich, daß hier im deutschen Reichstage derart von den, deutsche» Heere und dem deutschen OffizierkorvS gesprochen wird.(Lebhafter Beifall rechts und bei den Nationalliberaleu.) Zu behaupten, daß die deutschen Offiziere nur für Weiber, Wein und Würfel Sinn haben, bringt nur jemand fertig, der nicht die Gelegenheit und die Ehre gehabt hat. mit beut- schen Offizieren zu verkehren.(Abg. v. Norman» mit sehr lauter Stimme: Sehr richtig!) Mir fehlen die parlamentarischen AnS- drücke, um die Ausführungen deS Abg. Ledebour gebührend zu kenn- zeichnen.(Lachen bei den Sozialdemokraten, lauter Beifall rechts.) Abg. Frhr. v. Hertling(Z.): Die ernstesten sachlichen Gründe haben uns zur Bewilligung der Reitschule in Paderborn bewogen, nicht etwa der Umstand, daß Paderborn Bischofsstadt ist. Wenn der Zlbg. Ledebour den Bischof von Paderborn mit der Reitschule in Verbindung gebracht hat, so kann das nur in der Absicht geschehen sein, sowohl die Reitschule wie den Bischof lächerlich zu machen. Dagegen müssen wir aus daS entschiedenste protestieren. Abg. Dr. Müller-Sagau(frs. Vp.) hält die Bedenken, welche von rechts wie von der äußersten Linken gegen die Reitschulen aus- gesprochen sind, nicht für stichhaltig: Junge Leute aus alle» Berufen werden zur Ausbildung für kurze Zeit in kleine Städte geschickt, lvarum nicht auch die Leutnants. Abg. Ledebour(Soz.): Wenn der KriegSinimster v. Einem gemeint hat, nlciue politischen Freunde würden Truppenübungsplätze in der Nähe größerer Städte bewilligen, damit man dann dort auch Reitschulen erbauen könne, so muß ich ihm erwidern, daß wir die Forderung solcher Truppenübuitgsplätze ebenso ablehnen würden, wie die der Reitschulen. Ich habe nur gesagt, wenn Reitschulen überhaupt nötig sein sollten, so würden sie besser in größere Orte verlegt. Die t-chnischeil Angaben, die ich gemacht habe, rühren nicht von mir her, sondern sind mir von einem O f f i z i e r mitgeteilt worden. Ich habe das nachdrücklich betont(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), weil ich mir bei den Gepflogen- Helten gewisser Redner dieses Hauses schon dachte, daß sonst mir jemand sagen würde: was verstehst du denn davon? (Lebhaftes Sehr richtig! rechts. Heiterkeit.) Zu meinem großen Erstauuen hat der Abg. Dr. Müller-Sagan das Bedenken, daß kleine Orle zu sittlichen Gefahren Anlaß geben, nicht anerkennen wollen, Wir haben im vorigen Jahre doch eine große Debatte darüber gehabt, und damals ist Abg. Dr. Müller-Sagan nicht für die kleinen Garnisonen eingetreten. Wenn der Abg. Frhr. v. Hertling mit großer Entrüstung, ja geradezu in beleidigender Weise dagegen protestiert hat, daß ich auf den episkopalen Charakter Paderborns hingewiesen habe, so war zu einer solchen Entrüstung der Vertreter der Zentrumspartei nicht berechtigt. Denn die Zentrumspartei betrachtet jede politische Frage nach allgemeiner Ueberzeugung unter dem konfessionellen Gesichtsvunkle. Von dieser Auffassung der Zentrumspolitik werden mich die Beleidigungen des Herrn v. Hert- l,ng nicht abhalten. Daß Abgeordneter Graf Oriola jede Kritik des Militärs schmerzlich empfindet, beweist nur, daß er in einen phantastischen Hurrapatriotismus hineingeraten ist. Graf Oriola hat auf die sozial hohe Stellung der Offiziere hingewiesen. Aber gerade darin liegt doch die Exklusivität, die wir sür gefährlich halte». Es gehört doch eine ganz eigenartige sittliche Verfassung dazu, sich für höher zu halten als andere Menschen. Mir haben freilich Offiziere sehr nahe gestanden, die von einer so dünkelhaften Auf- fassung weit entfernt waren. Wer die Exklusivität bekämpft, leistet micki der Landesverteidigung die besten Dienste; deuu der exklusive Geist hat zur Schlacht bei Jena geführt.(Händeklatschen auf der Tribüne.) Vizepräsident Paasche: ES ist nicht üblich, in diesem Hause zu klatsche».(Zuruf: ES war auf den Tribünen I) Wenn das Klatschen auf der Zuschaueriribüne nicht unterbleibt, werde ich die Tribünen sofort räumen lassen. Abg. Ledebour(Soz., schließend): Daß die Exklusivität an der Schlachl von Jena schuld hat, ist zu jener Zeit von den hervor- rageudsten Staatsmännern anerkannt worden.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) KriegSimmstcr v. Einem: Ich will dem Abg. Ledebour den Glauben nicht rauben, daß die Exklusivität des preußischen Offizier korp? die Armee nach Jena geführt hat. Ich halte diese Ansicht für falsch. Das preußische Offizierkorps ist ein unterdrücktes gewesen 1866. Man lese die lehrreiche Studie des Freiherr» v. d. Goltz im letzten Hefte der„Deutschen Rundschau Vorgestcni habe ich lediglich davon gesprochen, daß wir uns diejenige soziale Geltung wahren wollen, die wir bis jetzt haben. Keiner von »nS glaubt ein vornehmeres Weien zu sein. Unsere StandeSehre besteht in der treuen Erfüllung unserer Pflichten. Wir wollen nur dahin trachten, daß jeder von uns ein Gentleman ist. Wir fordern Achtung vor uns und gewähren jedem Bürger vollständig die Achlimg, die er zu fordern hat. Der Geist, in' dem jeder Offizier im Offizierkorps erzogen wird, ist der Geist der Königstreue, der Vaterlandsliebe und der Pflichtersülluug.(Bravo I rechts,) Abg. v. Oldenburg(k.): Das deutsche Offizierkorps geht nicht aus dein Unteroffizierkorps hervor, wie in andere» Ländern darauf beruht der Glanz und die Tüchtigkeit des deutschen Offizierkorps. Daß die Exklusivität deS deutschen Offizierkorps nicht zur geistigen Verarnumg führt, beweisen unsere Siege in den letzten Kriegen und die Ausbildung der türkische» und japanischen Armeen durch deutsche Offiziere.(Bravo I rechts.) Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.): Daß die Exklusivität des preußischen Offizierkorps zu den Niederlagen von 1896/7 mit bei getragen hpt. ist zweifellos. Darüber sind die Akten längst geschlossen. Mit den Ausführungen des Herrn Ledebour über die Gefahren der kleinen Garnisonen bin ich ja ganz einverstanden: hier handelt cS sich aber nicht darum, sondern nur um die Ein- richtung einer Lehranstalt au einem kleinen Ort, der in der Nähe eines TruppenübnugsplatzeS liegt. Damit schließt die Debatte. Der Antrag v. R o r m a n n(kons.) ist zurückgezogen. Der Antrag der B u d g e t k o mm is s i o n wird gegen die Slimmen der Rechten angenommen. Beim Titel„Militärärzte" ist von der Kommission eine Zulage der patentierten Geueraloberärzte g e st r i ch e n. Abg. Roeren(Z.) beantragt Wiederherstellung dieser Forderung. Abg. Rimpau(natl.) wendet sich dagegen, daß Militärärzte Zivilisten unlautere Koukurrciiz machen. Generalmajor Sixt v. Arnim erklärt, daß das auch die Auf- fassung der Militärbehörde sei. Abg. Bebel(Soz.): In der„Welt am Montag" hat an, 15. Dezember 1994 der prakiische Arzt Dr. Hartwich einen offenen Brief an den Kriegs- minister gerichtet, in dem er verlangt, daß jeder eingestellte Rekrut einen Schein vom HeimatSarzt über seinen Gesundheitszustand mit- bringe und die er auch beim Abgange vom Militär genau unter- sucht lverde. Er ist zu diesem offenen Brief dadurch gekommen, daß ihm in einem Falle von der Militärbehörde initgeteilt worden war, daß ein Zivilarzt kein Recht hätte, in militärischen Angelegenheiten irgend ein Zeugnis auszustellen. Er macht darauf aufmerksam, daß es inehrfach vorgekoimnensei. daß junge Leute zum Militär ausgehoben wurden, daß nach seiner festen Ueberzeugung v o l l st ä u d i g u n- brauchbar zum Militädicnst waren. So wurde ei» junger Mann, dcn er seit acht Jahren aus seiner ärztlichen Praxis kannte, zur Ueberrafchung des Arztes für militärtauglich erklärt. Kurze Zeil darauf stellte sich ein Herzfehler heraus und der junge Mann mußte entlasten werden. Mir find noch eine ganze Reiche solcher ?älle bekanui, die beweisen, daß bei der Aushebung der jungen /eute seitens der Militärärzte oftmals nicht die er- forderliche Aufmerksamkeit angewandt wird. Wenn die Leute dann entlassen werden müssen, so ist die Folge, daß ihnen von der Militärbehörde eine Pension gezahlt werden mutz. Ein junger Mann nameuS Walter Eggebrecht wurde für militärtauglich erklärt, trotzdem er bereits wegen Schwindsucht in einer Limgenheilanstalt gewesen und ein Jahr lang von einem Arzt als lungenkrank behandelt wurde. Der Arzt schrieb darauf a» die Obemsatzkomimssioil und fetzt- ihr den Zustand des Eggebrecht auseinander. Das Schreiben wurde dem jungen Manne mit dem Bemerken zurückgestellt, daß eine Untersuchung gegen die Entscheidung der Oberersatzkommission� ausgeschlossen sei. Durch diesen Bescheid wurde der Arzt schwer geschädigt, dem, Eggebrecht erzählte nun im ganzen Orte herum, daß der Arzt ihn für schwerkrank erklärt habe, während er doch ganz gesund sei. Kurze Zeit darauf aber mußt« er als dienstuntauglich entlasten werden. Eine erbeb- liche Anzahl junger Leute wird nach einiger Zeit beim Militär für invalide erklärt. Ein Arzt bemerkt darüber in einem Briefe, den ich gestern erhielt:„Jeder Gaul wird sorgfältig besichtigt; Mcnschenfleisch ist billiger." Ein besonders drastischer Fall ist folgender: In Heilbronn verübte ein Soldat Selbstmord infolge von Mißhand- lungen. Er hatte aus Per Schule die allerbesten Zeugnisse, hatte aber zwei Fehler, das oberste Gelenk seines rechten Zeigefingers war steif und er war auf dem rechten Auge stark kurzsichtig. Man fragt sich, wie er unter diesen Umständen überhaupt zum Militär konnte genommen werden.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Dazu kommt, daß es solchen Leuten, die beim Militär erkranken und als dienstuntauglich eullassen werden, meist sehr schwer gemacht wird, in den Besitz der ihnen zustehenden Pension zu gelangen. Si? werden durch Drohungen aller Art, daß man sie noch wochenlang im Lazarett zurückbehalien werde, gezwungen.einen Revers zu unterschreiben, wonach sie auf alle Ansprüche vom Militär verzichten und hinterher ist es ihnen dann kann: möglich, auch nur einen Pfennig Ent- schädiglmg zu bekommen. Ich bekomme alle Jahre Dutzende solcher Zuschriften, Man sollte die jungen Leute über die Bedeutung dieses Reverses aufklären. lSehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) DaS Anschwellen des Pensionsfonds erfolgt nicht durch die Pensionen an die Soldaten, sondern durch die Häufung der hohen Pensumen. die an Offiziere gezahlt werden müssen, welche als vollständig leistnngs- fähig entlassen werden. Einem Offizier ist eS kinderleicht, seine Pension voll zu erhallen, wenn er nur ein Zeugnis beibringt, daß er nicht mehr voll erwerbsfähig sei. Dem einfachen Soldaten aber werden die größten Schwierig- leiten in dieser Hinsicht gemacht. So wurde einem Soldaten, der freiwillig nach China gegangen war, und sich dort im Feldzugc eine Kniegelenkkrankheit zugezogen hatte, jede Pension ausgeschlagen, weil die Militärbehörde ihn für gesund er- klärte, während er doch nicht in der Lage war, seinen früheren Beruf auszuführen. Nun steht der Mann, der. wie er selbst sagt, mit Freuden Soldat gewesen ist, und die Strapazen des Krieges geduldig ertragen hat, als Krüppel da, ohne auch nur einen Pfennig vom Militär zu erhalten. Hier muß gründlich Remedur geschaffeu werden. In dieser ganzen Art der Behandlung kranker Soldaten beim Militär muß gründlich Remedur geschaffen werden.(Bravo I bei den Soziaide.'raten.) Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Roeren wird a n- genommen. Beim Titel„Beamten und Unterzahlmeister" wünscht Abg. Werner(Ant.) Besserstellung der Büchsenmacher. Generalmajor Sixt von Arnim erklärt, sie seien schon besser gestellt, wenigstens die Obcrbüchsenmacher. Abg. Graf Oriola(natl.) tritt für Aufbesserung der Militärkapellmeister ein. Abg. Bruhn(Ant.) rügt, daß Militärkapellen in Warenhäusern Konzerte geben und damit die Reklame dieser Warenhäuser unter- stützen. Der Titel wird bewilligt. Beim Kapitel„N a t u r a l v e r p f l e g u n g" tadelt Abg. Froelich(Antis.), daß die bahrffche Militärverwaltung die Selterwasserfabrikanlen und Händler schädige, indem sie selbst diese Fabrikation betreibe, nur um den Soldaten das Selterwasser ein paar Pfennige billiger zu geben. Dazu kommt, daß. wie er aus seiner eigenen Erfahrung als Selterwasserfabrikant wisse, diese Fa« brikation für die Arbeiter sehr gefährlich sei. Bayrischer Bundesratsbevollnlächtigter General Gebsattcl: Zur Selterwasserfabrikation ist noch n i e ein Soldat koimnandiert worden. Uebrigens hat die militärische Zentralbehörde mit dieser ganzen Sache inchts zu tun. Nach einer weiteren kurzen Erwiderung des Generalmajors G all witz schließt die Debatte. Der Titel wird bewilligt. Beim Titel„Mieten für Kasernen und Zubehör" beantragt die Kommission die Sireichung der Forderung einer Kaserne in Sprottau. Abg. Kirsch lZ.) wünscht nähere Auskünfte über Kasernierungen, insbesondere in bezug aus Düsseldorf. Generalmajor Gcillwitz erklärt, daß bei der Verlegung von Truppenteilen die bisherigen Kasernen zweckdienlich verwendet werden, Nach nochmaligen Ausführungen des Abg. Kirsch(Z.) und des Generalmajors Gallwitz wird der Titel in der Kommissionsfassimg bewilligt. Beim Titel„UebnngSplätze" wünscht Abg. v. Böhlcndorff-Kölpinl Vorjahrige Herrengarderoben wesentlich billlgrv '•»V Brauerei Ernst Engelhardt Nachf. Berlin-- Pankow. Größte Malzbier-Brauerei in Deutschland. Caramel»Malzbier Alkoholarmes, diätetisches Spezialbräu.~ Aerztlich empfohlen für Nervöse, Bleichsüchtige, nährende Mutter etc. Als Tafelgetränk sehr bevorzugt. Preis pro zirka 4/10 Flasche lO Pfennig. Ueberall käuflich. Ell J_ L i i LK&TZ& CO Spandauerstraße 45 am Molkenmarkt und Kaiser-, Ecke Schilling- u. Kleine Frankfurterstraße -Vz 1 Ist für Gastwirte die billigste Bezugsquelle !n Olas-, Porzellan-, Stahl-, Nickel-Waren ' Verantwortlicher Redakteur: HanS Weber, Berlin. Lür den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 78. 28. Jahrgang. 2. iifilmjt des.Amiirls" Atliutt AlkÄsIt. Dienstag. 3. April l9vk. Bergarbeiterleben in der Mark. (Eigener Bericht des„Vorwärts".). Dreizehnter Berhandlungstag. KottbuS, 2. April. Die Beweisaufnahme über das Thema: Lohnabzüge, Matzregc- langen usw. wird forrgesetzt. Ter erste Zeuge ist der Arbeiter BojarowSli, der am Sonnabend bekundet hatte, daß er auf Ver- anlassung des Betriebsinspektors Möller vom Bohrunternehmer Bernhard gematzregelt worden ist. Heut macht der Zeuge Angaben über die Ursachen seiner Entlassung auf der Stadtgrube. Er hatte auf der Stadtgrube einen Unfall erlitten, war im Krankenhause der Berufsgenossenschaft behandelt worden und ist aus dem Kranken- hause entlassen, als geheilt, aber nur zu leichter Arbeit fähig. Die Stadtgrube stellte ihn wieder ein, die ihm zugewiesene Arbeit war ihm aber zu schwer, sein Zustand verschlimmerte sich, er ersuchte den Inspektor um einen Kurschem, der wurde ihm aber verweigert. Darüber beschwerte sich Bojarowski beim Bcrgrevicramt und wegen dieser Beschwerde erhielt er die Kündigung vom Bctricbsinspektor. Bojarowski erhielt ein Führungsattest, worin als Entlassungsgrund angegeben wird: Weil er sich mit den Werkscinrichtungen nicht ein- verstanden erklärte. Mit diesem Zeugnis— meint der Zeuge— bekäme er auf keiner Grube Arbeit.— Bctricbsinspektor Möller, der hierzu vernommen wird, beruft sich wegen der Verweigerung des Kurscheins auf ein in seinen Händen befindliches Schreiben des Knappschaftsvorstandes an den zuständigen Knappschaftsarzt, worin der letztere aufgefordert wird, wegen einer neuen Erkrankung aus Anlaß des Unfalles den Arbeiter Bojarowski nicht mehr zu bc- handeln, da derselbe nicht mehr Knappschaftsmitglied fei.— Hieran knüpfen sich längere Erörterungen. Der Verteidiger verweist darauf, daß Ar Inspektor den verlangten Knrschein unter allen Umständen hätte geben müssen. Ob es sich um eine Erkrankung als Folge des Unfalles oder um eine neue Erkrankung handele, könne doch erst der Arzt feststellen.— Ter Passus in dem Briefe des Knappfchaftsbor- standeS, Bojarowski sei nicht mehr Knappschafismitglied, gibt eben. falls Anlaß zu Erörterungen. Denn nach dem Gesetz ist, wie auch der Sachverständige bestätigt, der Arbeiter durch seine Beschäftigung auf der Grube ohne weiteres Knappschaftsmitglied.— Zeuge Bergrat N etto gibt an, er habe die Beschwerde Bojarowskis der Gruben- Verwaltung in Abschrift zugestellt.— BctriebLinsvektor Möller bestreitet, daß er Bojarowski wegen dieser Beschwerde entlassen habe. Der Grund der Entlassung sei der, daß Bojarowski andere Arbeiter aufhetzte, indem er sie zu bewegen suchte, gewisse Ver- bcsserungen der Betricbseinrichtungen, die ihnen die Arbeit er» leichtert hätten, zu fordern. Di« Angelegenheit Bojarowski sei in der„Bergarbeiter-Zeitung" behandelt worden, das habe der In- spektor dem Bojarowski vorgehalten und das sei die Ursache der Kündigung.— Rechtsanwalt Liebknecht hält dem Inspektor vor, daß der Fall Bojarowski erst im Juni 19(14 in der„Bergarbeiter- Zeitung" behandelt wurde, während die Entlassung Bojarowskis schon am 28. Mai erfolgte.— Durch Fragen des AngeNagten Gärtner an den Zeugen Möller kommt zur Sprache, daß der In- spektor dem entlassenen Bojarowski die Herausgabe der Papiere verweigerte, weil derselbe mit Knappschaftsbeiträgen im Rückstände war. Gärtner hat sich wegen Herausgabe der Papiere an Möller gewandt und ihn darauf aufmerksam gemacht, daß die Zurück- beHaltung der Papiere ungesetzlich ist. Möller hat Gärtner aber zurückgewiesen mit dem Bemerken, die Sache ginge ihn nichts an. Unter diesen Umständen, sagt Gärtner, blieb mir doch nichts übrig, als die Angelegenheit öffentlich zu kritisieren.— Ter Vorsitzende sagt hieraus zum Angeklagten: Sie sind doch nicht-die Avssichtsbehörde. Ein anderer Zeuge, der entlassen wurde, weil er als Stollen- Wärter eine Nachlässigkeit begangen hatte, erhielt ein Führungsattest, welches als Entlassungsgrund angibt:„Weil er sich einen bc- rechtigtsn Ordnungsruf des Beamten nicht gefallen lassen wollte." Aus Vorstellung beim Direktor hat der Zeuge ein anderes Zeugnis bekommen.— Vorsitzender und Staatsanwalt legen Gewicht darauf, daß die Arbeiter ja nur auf Wunsch ein Führungsattest erhalten und daß im übrigen der Abkehrschein genüge.— Die Arbeiter sagen dagegen, wer nur einen Abkehrschein habe, der bekomme sehr schwer Arbeit, es werde außer dem Abkehrschein noch ein Führungsattest verlangt und mit solchen Attesten, wie sie hier in Frage kommen, werde ein Arbeiter nicht eingestellt. Ein anderer Zeuge, Weber, ist entlassen worden, seiner Meinung nach deshalb, weil er Vertrauensmann des Bergarbeiter- Verbandes war. Die unmittelbare Ursache der Entlassung, die nach Airsicht des Zeugen aber nur ein Vorwand ist, liegt darin: Nach einem Unfall, der den betreffenden Arbeiter nicht beschädigt hatte, gestattete der Steiger,„auf den Schreck eins zu trinken". Darauf " oben drei Arbeiter zusammen für 25 Pf. Schnaps getrunken, auch war dabei. Am nächsten Morgen traf der Steiger einige r, unter ihnen auch Weber, die% Stunde nach Beginn der an der Arbeitsstelle saßen oder nach Angabe des Steigers lagen. Weber wurde nun, wie Inspektor Möller bestätigt, wegen Krinkens und Schlafens in der Grube entlassen. Die„Mit- schuldigen" Webers sind nicht entlassen worden. Dadurch findet Weber seine Annahme bestätigt, daß er in WirNichkeit nur deshalb entlassen wurde, weil er Verirauensmanu des Bergarbeiterver- bandes war.— Der Verteidiger hält dem Inspektor Möller bor, in dem Führungsattest Webers sei als Entlassungsgrund an- gegeben: Weil er die Arbeit nach eigenem Ermessen einrichten wollte. Warum denn, wenn Trinken und" Schlafen der Entlassungsgrund war, dies nicht im Attest angegeben sei.— Tarauf bemerkt der Vorsitzende: Wenn so etwas hineingeschrieben wird, dann ist es nicht recht, und jent, wo eS nicht hineingeschrieben ist, soll rS auch nicht recht sein. Hierauf werden die Ursachen deS Streiks auf der Stadtgrube erörtert. Grubendirektor Lehder, der hierüber zuerst vernommen wird, sagt, er habe seit Monaten das Gefühl gehabt, daß die Unzufriedenheit der Arbeiter da sei und daß es zum Streik kommen werde. Er habe deshalb zum Inspektor gesagt: Wir wollen den Leuten entgegenkommen, soweit wir können. Er habe den Ar- beiterausschutz kommen lassen, der habe gesagt: Wir sind aus- geschaltet, wir können nichts machen, auf die Artikel in der Zeitung haben wir keinen Einfluß, wir haben keine Beschwerden über den Betrieb.— Weiter sagt der Zeuge: Wenn Gärtner gewollt hätte, dann konnte er den Streik verhindern, aber er habe geflissentlich den Haß geschürt.— lieber die Forderung: Erhöhung des Schicht- lohncs. hätte sich reden lassen, die Forderung: Entlassung des Steiger? Maß mußte unter allen Umständen abgelehnt werden, ebenso die Wicdercinstcllung Zeidlcrs, der das Agitieren nicht lassen konnte. Die geforderte Erhöhung der Gedingelöhnc habe die Grube nicht bewilligen können, sie bringe an Zinsen und Unter- nchmergewinn nur 40 000 M. jährlich.— In seinen weiteren Dar- legungen hebt Direktor Lehder immer wieder mit Nachdruck hervor, Gärtner habe in Versammlungen gesagt: Nicht beim Ausschuß, sondern bei ihm sollten die Arbeiter ihre Beschwerden anbringen. Die Kenntnis von diesen angeblichen Ausführungen Gärtners in Versammlungen hat der Direktor durch die überwachenden Polizei- beamten erhalten. Aus derselben Quelle stammen auch andere Nach- richten über Versammlungsäußerungen Gärtners, die der Direktor in einer der vorausgegangenen Sitzungen zum Gegenstand seiner gegen Gärtner gerichteten Ausführungen machte. Der Angeklagte Gärtner hält dem Direktor Lehder vor, daß er, Gärtner, in Versammlungen nicht nur einmal, sondern öfter der Belegschaft geraten habe, sich mit ihren Be- schwerden an den ArbeiterauSschuß zu wenden, und daß er sich Überhaupt in jeder Weise bemüht habe, ein gedeihliches Verhältnis � zwischen den Arbeitern und der Betriebsleitung herbeizuführen.— Von solchen Aeuherungen Gärtners weiß der Direktor nichts, er selber war ja nicht in den Versammlungen und es scheint auch rein Polizeibeamter so gefällig gewesen zu sein, dem Direktor von diesen Aeußerungcn Gärtners Mitteilung zu machen. Eben so wenig weiß sich der Direktor der Vorgänge einer im Herbst 1903 mit seiner Genehmigung und unter seinem Beisein abgehaltenen Belegschaftsversammlung zu erinnern, wo nach Angabc des An- geklagten und einiger Zeugen dem Arbeiterausschuß von den Ar- vettern Vorwürfe gemacht wurden� daß der Ausschuß die ihm von den Arbeitern übergebenen Beschwerden nicht bei der Betriebs- leitung angebracht habe, und daß daraufhin die Ausschußmitglieder ihre Aemtcr niederlegten.— Gärtner bemerkt weiter, er habe in Versammlungen den Arbeiterausschutz als eine gute Einrichtung bezeichnet, jedoch hinzugefügt, der Ausschuß könne seine Ausgabe nur erfüllen, wenn eine starke Organisation hinter ihm stehe. Diese Ausführungen mögen es wohl sein, welche dem Direktor in mißverstandener Auffassung hintcrbracht wurden und zu der falschen Ansicht führten, Gärtner wolle den Arbeiterausschuß aus- schalten. Andere Zeugen, Arbeiter, die Gärtners Tätigkeit auS eigener Anschauung kennen, geben von dessen angeblicher Hetzerei ein ganz anderes Bild als der durch Polizeibeamte informierte Gruben- dircktor. Danach hat der Streik seine Ursache in der Unzufrieden- hcit der Arbeiter, die entstanden ist infolge der schleckten Bchand- lung der Arbeiter und der niedrigen Löhne, die von einem Zeugen' auf 15— 17 M. pro Woche angegeben werden, während am Rickter- tische daraus hingewiesen wird, daß nach vorliegenden Lohnlisten für die fragliche Zeit ein Durchschnittslohn von wöchentlich 18 M. festgestellt ist.— Aus den Zeugenaussagen geht weiter hervor, daß die Unzufriedenheit der Arbeiter wegen der niedrigen Löhne und sonstiger Mißstände schon ein Jahr vor dem Streik sich bemerkbar muckste. In einer Versammlung, wo die Arbeiter zum Streit drängten, sei der Arbeiter Kalweit auf Gärtners Betreiben, der vom"Streik abriet, beauftragt worden, wegen der Forderungen nochmals bei der Grubenverwaltung vorstellig zu werden. Als Kalweit diesen Austrag ausführte, Hube ihn der Inspektor Möller sofort entlassen. Das habe die Belegschaft so erbittert, daß sie augenblicklich die Arbeit niederlegte. Auch am Tage nach dem Ausbruch des Streiks habe Gärtner noch gesagt, es wäre besser, wenn die Arbeit wieder aufgenommen würde, noch wäre e? Zeit, sonst würde es ein schwerer Kamps werden. Wegen dieser Aeuße- rungcn seien Gärtner von den Arbeitern Vorwürfe gemacht worden. Im übrigen wird über Gärtners Tätigkeit durch Zeugen angegeben, daß Gärtner auch dem Alkoholgenuß entgegengewirkt habe. Aus sein Betreiben habe der Wirt des Streiklokals an die Streikenden nur je für 5 Ps. Schnaps täglich verkauft, ferner war durch Ver- sammlungsbcschlutz festgelegt, daß als Trinker bekannte Arbeiter das Streikgeld durch ihre Frauen abheben lassen müssen. Weiter wird festgestellt, daß die Arbeit wieder ausgenommen wurde, nachdem die Grubenvcrwaltung durch Anschlag bekannt ge- geben hatte, daß sie gewisse Lohnerhöhungen eintreten lasse.— Ein Zeuge bekundet, daß die schlechte Behandlung der Arbeiter durch grobe Redensarten und Prügel seitens der Betriebsbeamte», worüber vordem viel geklagt wurde, nach dem Streik ein Ende gc- nommen hatte. Klagen dieser Art seien nicht mehr bekannt geworden. Weitere Zeugenaussagen gehen dahin, daß sie als Versamm- lungSbesucher nie gehört haben, daß Gärtner gegen den Arbeiter- ausschuß aufgetreten sei. Aber der Arbeiterausschuß habe sich ge- scheut, Beschwerden bei der Betriebsleitung anzubringen, weil er vom Inspektor angeschnauzt wurde. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, 31. März 1S0S. Der SpirituSring in der Kartellenquete. Die kontradiktorischen Verhandlungen über die Verbände in der Spiritusindustrie, die am 6., 0. und 10. Februar unter Vorsitz deS Präsidenten des Kaiserlichen Statistischen Amts, Dr, van den Borght, stattfanden, bezeugen erneut, daß die Produktionsorganisationen den Konsum belasten. Bei der Zentrale für Spiritus- Verwertung ist die Selbstkostenquote nicht nur nicht ver- rinaert worden, sie stieg infolge hoher Ausgaben für Bekämpfung der Outsiders usw. Die Klagen über die Geschäfts- gebahrung der Zentrale würden wohl noch schärfer hervorgetreten lein, wenn man nicht den Terrorismus der Bündler fürchtete. Der Großdestillateur Patschke-Danzig, der selbst viel über die Zentrale zu klagen hatte, marlierte gar den wilde» Mann gegen die Sozial demokrasie. Die Landwirtschast sei der Grundpfeiler des Kultur ftaateS, für welchen man Opfer— hohe Spritpreise— bringen müsse. Teilweise Heiterkeit erzielte er mit folgendem Dithyrambos: „Schlagen Sie diesen Pfeiler mit frevelnder Hand weg, so wird Ihnen aus dem Staube des Trümmerhaufens nichts als die rote Flamme des Umsturzes entgegenleuchten." -*■ Die Erklärung für solchen BündlerenthnsiasmuS gab als Vertreter der Spritfabrikanten Generalkonsul Eisenmann Berlin. Dieser führte aus: Ich habe mehrfach zum Ausdruck ge- bracht, daß wir von der Landwirtschast abhängig sind, daß sie unsere Mutter ist, wenn lvir sie auch ernähren Helsen. Ich bin der Meinung gewesen, daß wir eS mit Freuden begrüßen mußten, wenn lvir uns mit ihr vereinigen konnten, außerdem aber hätten wir, da« ist ganz zweifeNoS, wenn wir uns der Sache nicht an- geschlossen hätten, uns tüchtig in die Nesseln ge- setzt...... „Es war ferner die Erkenntnis in uns aufgedämmert, daß wir mit dein Erstarken der Genossenschaften, mit der Schaffung der politischen Organisation, die die Landwirtschast vielfach sich angeeignet hatte, wir große Gefahr liefen, wenn wir unS diesen Bestrebungen... nicht anschlössen." Die Vertreter des Ringes behaupteten, die mangelhafte Funktion der Börse habe die Organisation veranlaßt. Die Interessenten des Handels erklärten, der Zweck der Gründung sei die Ausschaltung der von ihr ver- tretcnc» BcrufSgruppe gewesen. Für unS ist die Hauptfrage die: Wie fährt der Konsni» bei der Wirksamkeit der Zentrale? Das Urteil lautet unbedingt verurteilend für diese! Sie hat die Preis- taktik der großen Verbände in der Rohproduktion grob und plump nachgeahmt. Durch Produktions.regelung" und Auslandsverkäufe zu medrigcn Preisen suchte man auf dem Inlandsmarkt Monopol- preise zu ergattern. An rohem und raffiniertem Spiritus wurden exportiert in Hektoliter: 1888/89 1891/92 1895/95. 1898/99 1902/03 173 333 111447 265 325 243 639 407 290 Um die Spritfabriken an die Zentrale zu fesseln, erhöhte man die Rektifitationsprämie— Reinigungsprämie— und einen Teil der durch Preisheraufsetzung erzielten Mehreinnahme mutzte man zur Bekämpfung der Außenstcher verwenden. Die hohen Preise sind natürlich immer berechttgt, entlveder die Kartoffelernte war gut, dann lohnten sich wegen des niedrigen Preises die Fuhren nicht, oder die Ernten waren schlecht und dann standen die Preise für Kartoffeln so hoch, daß sich das Brennen nur bei erhöhten SpiritnSpreisen lohnt. Gegen solche agrarische Logik kann man natürlich mit Vernunst- gründen und solchen des AllgemeininteresseS nicht ankämpfen. Obwohl in den letzten sechs Jahren seit Bestehen der Zentrale der Kartoffel- crnteertrag um durchschnittlich 16,5 Proz, stieg, normaler Weise die SpirituSpreise fallen mußten, find sie gesttegen, wie folgende Tabelle zeigt. Die Durchschnittspreise betrugen: Jahr 1' 13/94 1896/97 1903/04 1904/05 Mark b..50 88,81 45 57 Die Zentrale gibt in ihrer Denkschrift folgende von ihr notierten Preise für Primasprit an: niedrigster Preis höchster Preis M. M. 1899/00... 47,50 52,70 1900/01... 46.50 51,70 1901/02... 38.70 45,— 1902 03... 46,10 49,40 1903/04... 51,— 68,40 1904/05... 65,60 72,20 Zur Illustration des für 1904/05 als Minimalpreis angegebenen Satzes dient die Tatsache, daß im Jahre vorher Sprit an den Aus- landsmartt zu 3 M. gebracht worden ist. Nach einer privaten Zusanunenstellnng ergaben sich die folgenden Differenzen: Im Freihafen Hamburg Dagegen Inlands» notierte Primasprit preis Januar 1903.. 19,— M. 48,40 M. Juli 1904... 37.—„ 62,80. April 1905... 55.—„ 70,20, Die Folge solcher Preispolitik war: die Bestände wurden ge» räumt, es kam eine schlechte Kartoffelernte, die Preise stiegen. DaS stimmt alles! Aber indem die Zentrale sich auf die Erntewirkungen als Preisbestimmer beruft, spricht sie sich selbst jede Existenz- berechtigung ab. Sie hat innerhalb des Rahmens des bestehenden Wirtschnitsbettiebes die natürlichen Faktoren der Regellosigkeit nicht nur nicht gemildert, sondern verschärft. Verschärft allerdings nur zu Ungunsten der Konsumenten. Daß die Outsiders die Preistreiberei der Zentrale munter mitmachen, ist selbstverständlich. Ein Vertreter derselben bemerkte auf eine dahingehende Aeußerung der Gegenseite: Meine Herren, die Tatsache ist richtig. Die freien Sprttfabriken haben sich mit den hohen Preisen die Taschen gefüllt.— Das beider- seitige Taschenfüllen haben natürlich die Konsumenten bezahlen müssen. Und die Spritfabriken ersteuen sich des besten Wohlbefindens, wie folgende Zusamnienstellung ausweist: Es verteilten Dividende in Prozent: Posener Gesellschaft Breslauer Norddeutsche Jahr: Sprit- für Brauer Spritfabril Sprit- A,-G. v. Sinner A.-G. werke 1899/00..... 12 15 12 8 1900/01.... 12 18 12 8 1901/02..... 12 12 12 8 1902/03..... 14 12 14 8 1903 04.... 16 15 15 10 1904/05..... 18 15 15 10 Besonders lebhaft waren die Klagen der weiterverarbeitenden Industrie. Ei» Expcrt führte aus, daß früher die Spannung zwischen Verwertungs- und Verkaufspreis 4 M, betragen habe, unter der Wirksamkeit der Zentrale aber auf über 10 M. gestiegen sei. Im einzelnen gestaltete sich die Entwickelung der Spannung zwischen Verwertungs- und Berkaufspreis unter der Herrschast der Zentrale folgendermaßen: niedrigste höchste M. M. 1899/00.... 6.00 11,20 1901/02.... 7,03 18,33 1903/04.... 4.46 21,86 1904/05.... 9.55 16,15 Der Vertreter einer Lackfabrik klagte besonders über die Differenzierung zwischen Inlands- und Auslandspreis. Für Spiritus, der 1900 noch 23 M. kostete, müßte man jetzt 45 M, zahlen, während dieselbe Ware in Oesterreich 25 M. kostet. Die Preistreiberei habe die Konkurrenzfähigkeit stark unterbunden. Der Einfuhr- zoll von 20 M. unterstütze die Preispolitik der Zentrale, hinzu komme. daß der EingangSzoll auf Lacke usw. ganz gering sei. Der Preis für Fuselöl ist unter der Herrschaft der Zentrale von 18 M. aus 60 bis 70 M. hinaufgegangen. Auch den Pacsiinifabriken ist der Export unterbunden worden. Eine Kölner Firma bezahlte für dieselbe Ware 17 M, mehr als die Konkurrenz in London. Bei dieser Firma ist der Export in einigen Artikeln, der stüher 10000 Dutzend um- faßte, aus zirka 100 Dutzend gesunken. Ein Vertreter der Zelluloid- industrie führte auS: Wir habe» bezahlt frachtfrei netto abzüglich aller Vergütungen im Jahre 1895: 20,30 Vi., mit Eintritt der Zentrale 1809; 32,70 M. und 1905: 48,10 M.— Während in Deutschland 81 M. gefordert wurden, exportierte man für d-n Auslandsmarkt zu 8 M, Bei solchem Geschäftsgebaren ging natürlich der JnlandSkonsum zurück, die Zentrale war erfolgreich im „Schutze dernationalen Arbeit". Und diese ganze Politik wird gestützt durch die deutsche Zollpolitik und in der Spiritusindustrie noch besonders durch die Steuergesetze, die bekannte Liebesgabe an die Brenner. Ob nun endlich mit diesem Geschenk an die Agrarier aufge- räumt wird? Rückgang der Schweineschlachtungen. Nach den Zusammenstellungen der 8t,-Korresp. gestalteten sich die Ergebnisse der Schlachtvieh-«nd Fleischbeschau m den letzten zwei Jahren in Preußen folgendermaßen: Pferde... Ochsen... Bullen... Kühe... Junge Rinder Kälber... Schweine.. Schafe... Biegen... unde... Summa 1905 96 834 307 2l4 292 848 1 012 970 452 435 2 277 733 8 022 726 1 635 805 166 492 1 584 1904 81 312 299 050 272 645 919 445 372 388 2 195 272 8 852 816 1 523 732 168 340 1 177 in 1905 gegen 1904-j- oder— 15 522 8164 20 203 93 525 80 047 82 461 — 830090 + 112 073 — 1848 407 14 256 2-41 14 776 177— 619 836 Bei steigender Bevölkerung ging die Gesaintzahl der beschauten Stücke um über>/z Million zurück, bei Schweinen beläuft sich der Rückgang auf rund 10 Proz. Dafiir haben wir das Vergnügen. mehr Pferde- und Hnndebraten verzehrt zu haben. Noch stärker tritt die Abnahme des Schweinefleischverbrauchs bei der Statistik der auf Trichinen und Finnen untersiichten Schweine in Erscheinung. ES wurden untersucht Schweine 2. Halbjahr 1904: 6 058 755 1., 1905: 5 359 051 2.. 1905: 4 987 973 Davon waren trichinös finnig 698 1976 446 2033 291 1491 In der zweiten Hälfte 1905 ist gegen die Parallelzeit des Bor» jahres die Zahl der untersuchten Schweine um 1 070 777=- 17,67 Proz. gesunken. Unter Berücksichtigung der BevölkerungSvermehrung reicht der Rückgang an 20 Prozent heran. Die Agrarier sind äugen» scheinlich im Schutze des nationalen Schweines sehr erfolgreich ge- Wesen. Der starke Rückgang der trichinös und finnig befundenen Schweine kann zu der Vermutung verführen, man sei den Trichinen und Finnen gegenüber liberaler geworden. v. Eingegangene Druchrchrlftm „Kind«nd Kunst-, Monatsschrift für die Pflege der Kunst im Lebe» des»indes, 2, Jahrgang, Heft 7. Koch, Darmstadt Jahrbuch der Fürsorge, 1996. HcrauSg�eben im Austrage der „Zentrale für private Fürsorge" zu Frankfurt a, M von Dr, Chr. I, Klumler und 23. PoMgkeit, „Tie Totengräber unserer Bedürfnisse unter den Giesen, gcbcrn« von Karl Pieper. 1,20 M. Berlin V. 30, Hermann Walther, G. M. b. H. kkur den Inhalt der Inserate iiberuimiiit die Redaktion dem Vubliknn, gegenüber keinerlei Berautwortnng. HKeater. DtenStag, den 3, April. Ansang VI, Uhr: Opernhaus. Don Juan. Schauspielhaus, Romeo und Julia. Deutsches. OcdipuS und die Sphinx. Berliner. Der Hiittenbesitzer. Neues. Ein Sommernachtstraum. Westen. Rigoletto. Ansang ö Uhr: Schiller v.(Wallner-Theater.) Helden. Schiller X.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Der Militär- staat. Lcssing. Der Biberpelz. Romische Oper. Hoffmanns Er- Zählungen. Kleines. Rinder der Sonne. Restden». Der Prinzgemahl. Zentral. Der Bülekstiident. Driauo». Lovlon. LnstsPtelhauS. Die von Hochsattel. tkarl Weih. Geschlossen. Thalia. Bis früh um Fstnse.— Luisen. DaS Käthchen vonHeilbronn. Metropoi. Aus l»S Mctropol. Walhalla. Einer von unsere LeutN DeutsÄi-Rmeritanisches. Er und Ich. Kasino. Die Herren Söhne. Apollo. Das bummelnde Berlin. Spezialitäten. Nolles Caprice. Der Schmock. Dalles u. Co. Wintergarten. Spczialtläten. Belle-Alliance. Spezialitäten. NteichShallc». Stettiner Sänger. Passage. Spezialitäten. llranta. Tanvenstrnhe MendS 8 Uhr: Aus dem Jnnem Ostasritas. Sternwarte, Jnvaltdenstr. S7/S2. verlinerldelller. Ansang?'/, Uhr. Der Hüttenbesitzer. Mittwoch- OerWIderspsnstlgen ZIH mung. Donnerstag: Dar Geigenmacher von Cremona. Der Q'wlssenawurm. Freitag: Oer HüttenbesiUer, Sonnabend: Kenn. Neues Theater. Ansang VI, Uhr. Sin Somtnernaehtsfraum- Mittwoch: Caesar und Cleopatra. Donnerstag) Ein Sommernachts- Iraum. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Kinder der Irniilt. Mittwoch: Zentral-Theater. (Operette.) 8 Uhr: Bettelftudent Komisehe hper. Dienstag, den Z. April IVOS, abends 8 Uhr- Koffmanns Erzählungen. Mittwoch: Figaros Heohzeil. Donnerstag> Don Pasquale. Freitag: Hoffmanns Erzählungen. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Das Kithchen von Heilbronn. Mittwoch: Die Räuber. Deutsch-Amerikanisch. Theater. Köpenickerstr. 07/68. IT Heute-M« Gastspiel Ad. Philipp Er und Ich Sonnt, naebm. 3 Uhr,halbsPreise: (Jebev'n grölten Teich. Abends 8 Uhr: EH und ICH. 103. Male Lufttspielhaus. Allabendlich 8 Uhr: Die von Hochsattel. Üesidenz-Tiieater. Direktion: Richard Hieran der. Heul« zum 156. Male morgen und solgendt Tage 8 Uhr: Der Prittzgenrahl. 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Zu den an allen Sonntagen im April und Mai im Deulschon Theater stattfindenden Vor- Btellnnpren ,,Das Käthchen von Heilbronn" sind eine kloino Anzahl Gastkarten a 1,35 M. in folgenden Zahlstellen zu haben: Flsoher, V oteranenstr. 6; Bobsien, Komman- dantenstr. 62; Becker, Ootzkowkystr. 9; Kaufhold, Wrangelstr. 52; Marlienzen, Belleallisncestr. 7/8. 150/4 Der Vorntand. I. A.: H. Nett, Bromerstr. 69 II. (Station Zoologischer Garten) Bllll KnntstraBe IS. MM Dienstag, bei ausgehobcnem Abonne- ment, Gastspiel dAndrade: Rigoletto. Mittwoch: Die vier Grobiane. Ansang VI, Uhr. olosseum P Drewdcncrstr. 07. Größter Erfolg des neuen"90 Spczialltäten-Progr. Gustav Behreus SpezialitälBü- Tlieatep Frankfurter Allee 85. Das miiglick April-Propnun! Neu! Neu! Die weibliche musikalische ROckkompagnie. Posse mit Gesang und Tanz. Während der Karwoche auster Kar- sreitag: TttgllchVoretcllnng, Neu eröffnet! KeK-lysslelluis- (]-(St. Lauis) ßW» Ws'M Theater lebender «« V Photographien mit abweehselnil. 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Um zahlreiche Beteiligung ersucht 247/19 Der Vorstand ig«Mimn stand| ferbaml ilei' Fabrik-, iaai!-, »arbeileriiiiil Ärbeiterioiieii! Zahlstelle Berlin. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, das; am Freitag, den 20. März, unser Kollege Acloii Hoff mann verstorben tfL Die Beerdigung findet heute! Dienstag, nachmittags 4 Uhr. von| der Haue des Zlazarelh-Kirch- hoseS, Reinickendorj- West, aus j statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet j 91/10 01» Ortsverwattung. Und llnigregcnd. Am 30. März verstarb unser j Kollege 291/1 ?»»> Mau. Shre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 3. April, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral- Friedhoses aus statt. Der Vorstand. Soziaiiiemokral Walilverein für den llierlerReiebstaiswablkreis (Landsberger Viertel). Todes Auzeige. Den Mitglieder» zur Kenntnis, daß unser latigjähriges Mitglied, Ö« Genosse Heinrich Fischer gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Dienstag, 8. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle de» Friedhofes der Freireligiösen Ge« meinde, Papvel-Allee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 242/17 Der Vorstand. SöäalteBkrat. Mverein Nowawes- Heuendorf. Den Mitglieder» zur KennlnIS, daß der Genosse 291/3 Eduard Pilrowski Nach längerem schwerem Kraulen- lager gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3. April, mittags 1 Uhr, von der Leichenhalle diS neue» Friedhoses aus slaii. Die Mitglieder de« Wahlvereins veriammeln sich um 12'/, Uhr bei O, Hiemke. Der Versland. Allen Genossen und Bekannten zur Nachricht, datz meine Frau Atothilde Heyer geb. Veh am Sonntag(ilifj verstorben ist. Die Beerdigung findet statt am Miltwochnachmiltag b Uhr von der Lelchetiballc dcS Friedhofes in Steglitz auS. 698L Ii ermann Hey er, Sieglitz, Herderstrafic Nr. 9. Danksagung. Freunden, Kollegen, Genossen und Berwaudien sagen wir sür die innige Teilnahme und die reichen Kranz« spende» bei der Beerdigung meines lieben Manne», unseres guten Baier» unseren herzlichsten Dank KSSL Frau Herftahrt nebst Kindern, n tow.____ Danksagung Teilnehmern meinen Iicsgc�ühlien Dank» 7o AUW« HelchlD, Grünau Verwaltnngfsstclle Berlin. Haupt-Bureau: Eugel-User 15. Zimmer- 1—5. Fernsprecher: Ami IV 9679. _ Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV 3358._ SV* Hittwocta, den 4. April 1906, abends 8'/, Uhr, WM KBempner- Vei*samsvBlisB«|3 im Hewerkachaftshanse, Engel-User 15(grofier Saal). Tages- Ordnung: Beschluhfassung über die ausserhalb der Innung und Bereruiguug. stehenden Firme», welche dem Tarif- vertrag nicht beigetreten sind. DQP Mittwoch, den 4 April, abends S'/j Uhr,-WM im©ewerkscüaftsUause, Engel-User 13; Yersamuiiung der Drahiarbeiter Berlins u. Dmg. Tazes-Ordnung: 1. Der Einfluss der Uuteriiehmer auf die Gesetzgebung. Referent: Kollege Karl Schmidt. 2. Diskusston. 8. Bcr- schicdcnes. 115/13 Einer zahlreichen Beteiligung sieht entgegen Die Drisverwaituiig. Donnerstag, den 5. April, abends S'/a Uhr, Geffetill Wäbler-Versamtalung für den 34. Kommmtal-Walslbezirk T-! 2. Distuf in den Berolina-Festfäleu. Schöuhaufcr-Rllce 23. es« Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Koblenzer. fion. 247/48 Ber filnbernter. Freitag, den 6. April, abends S'/s Uhr: 6@ff entl Wäbler-Versaünnluug AM- in den Berolina- Aestsälen. Schönhauser-Mee 23."WW Tages-Ordnung: Vsrkünümig üss WMk'SZMtAts. Ber fiinbernker. (Xahlstelle Berlin.) Mittwoch, de» 4. April 1906, abends Uhr: Mitglieder-Bersammlmig im GewerkschaftShausc. Engel-Nfer 15> I. lfcleii II: td Tagesordnung: 1. Bericht der Obleute. 2. Werlstattangelegenheiten. 3. VcrbandSangelegenhciten. 4. Verschiedenes. NL. Die Adressen der Obleute find: Bezirk Osten I: Kollege I>'rltz Tarnow, 0,34, Graudenzersir. 8, v. IV l. „ II:„ t'rit?. Ileinimel, 0. 34. Eckeristr. 17, v. IV. Bezirk Oeslllelie Vororte: Tagesordnung: 1. Bericht des Obmannes. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Werkstattangelegcnheiten und Verschiedenes. Südosten: Bei»»!>», Mantcufselstr. 05. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit der Kommission. 2. Werk» stattangelegenheiten. 3. Bericht des Kollegen llxnep über die Verhandlungen des Gautages zu Frankfurt a. O. 4. Verschiedenes. Hautlschler. Bezirk I: bei mohrlns, Admiralstr. 18c. 36Zirk Ii: bei Zletz, Warschauerstr. 61. Bezirk Iii: bei Hube, Kopenhagenerstr. 74. Bezirk IV: Bei Fortanter, Xegelerstr. 56. Mitgliedsbuch und VertrauenSmännerkm te legitimiert. Die Kollegen werden ersucht, zu dieser Versannulung pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Die Branchenkommission. Krmiihe dkl Miilikiiistruiiikntkiilirlititcr im Gcwerkschafrshaiise, Engel- Ufer 15(Saal 5). Tagesordnung: 1. Die Dtnifcier. 2. Bericht der Kommission. 3. Ver- bandS- und Branchenangelegenheiten. Jeder Betrieb muh vertreten sein. Die Branchenkommisston. DrkUIer und Trrppkiigeliiuderliriiiiiht. oslen: bei Wenmann, Jricdcustrasic 67. Südosten U. Südwesten: stramm, Ritterstraste 123. NOrden: bei Bergmann, Brunnenstr. 79. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Ver« trauensmänner. 3. Verschiedenes. Jede Werkstatt muh vertreten sein. Die in Tischlereien beschästigten Drechsler sowie jede Branche in Trcppcngcländersabriken haben Delegierte zu entsenden._ Die Kommission. Stellmacher bei Wolilfnhrt, Roscnthalerstraste 57. Tagesordnung: i. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Vertrauens- leute. 3. Verschiedenes._ Stock- und ZMnwidarbeiter bei Barelnz, Brückenstr. 7. Ter Obmann. Kranche der Kistenmacker bei Barxlaeb, Brrslauerstr. 28._ SSP Jede Werkstatt muh vertreten sein I-Md Kranche der Korbmacher bei Holtmann, Koppenstr. 47. Die Tagesordnung wird in der Vcrsainmlung bekannt gemacht. = Bürstenmacher= _ bei lYnlilfahrl, stiosvnthalcrstr. 57, abends 8'/, Uhr. SV Jede Werkstatt muh durch eine» Kollegen vertreten sein. Hi lderra hmenmacher bei Xagler, Alexandriiicustr. 103. Die Komnüssion erscheint eine Stunde früher. Der Obmann. l Easss Mittwoch, de» 4. April, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, (Sugel-Ufer 15(Daal 3). Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Verbandsangelegen- Heiken. 3. Verschiedenes.__ Die Kommission. Modell- u. Fobrilitischler, Modelldrechsler. Donnerstag, den 5. April in..Sebmldts Gcsellochafts- IiauK", Gartrnstr. 6. Tagesordnung: 1. Bericht über die stattgesundene Konserenz der Modell« tischler. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Koulmisfiou. Sitzmöbeltischler. Donnerstag, den 5. April, bei Bahn, Mantenffelftrasic 95; HÜP Versammlung."WW Tagesordnung: 1. Bericht über den Antrag an die Verwaltung. % Verbands- und Werkstattangclegcnhciten. 3. BerichiedencS. Pflicht eines jeden Kollegen ist, zu erscheinen. Die Kommission. Sozialdemotiratiselier Wahlverein JSr den 3. BertinerKeiehstans-Wahlhreis. TienStag, den 3. April 1006, abends 8 Uhr, bei F r a» k e, Tcbastianftrafte 30: Mltglfeder-Verfatiiiiiliiiig. TageS-Ordnung: 240/11« 1. Vortrag deS Reichstagsabgeordneten Gmossen Ledebour über: »Die Schäden der Kolonialpol, ttt für unser Volk«. 2. Diskussion. Gäste habet, Zutritt. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Her Vorstanil. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner fteiehstags-Wahlkreis. Dienstag, den 3. April 1906, abends 8V2 JtJr, in der Königsbank Jreie Vereinigung s°r Haarer Deutsch!. Ortsverein Berlin. Freitag, den 6. Zlpril, abends 8'/- Uhr: Mitglieder- Versammlung der Abteilung der Putzer. TageS-Ordnung: 1. Vortrag über Organisation und Agitation. Referent: Kollege Mcbke. 2. Diskussion. 3. Ausnahme von Mttgliedcrn. 4. Verschiedenes Zahlreiches Erscheinen erwartet 129/15_ Der Borstand. Groffe Frankfurterstr. 117: üuPerordentliehe General- Versantntlung. Tages-Ordnung: 1. Der Philharmonie-Boykott. Referent: Genosse Wels. Vorstand gelangte Antrage. 4. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt._ 242/16* 2. Diskussion. 3. An den Der Vorstand. Sozialdemokratiseher Verein im 5. Berliner Wahlkreise. Dienstag, den 3. April, 8'/z Uhr abends: Versammlung �uiL?ÄnVttfc' TageS-Ordnung: 1. Aus der Geschichte des Sozialismus. Referent Genosse Ebert. 2. Diskussion. 3. Partei- und Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. 246/6* Gäste erwünscht. Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Der Vorstand. Zentralverband der KCaurer Deutsehlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gigs- n. Zementbranehe. Mittiooch, den 4. April 1906, aliends 8 Ahr, bei dannaselik, Inselstraße 10: ZM- Kombinierte Mitglieder-Versammlung mit Frauen der Rabitzpntzer, Spanner und Träger. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Geuossen Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn über:„Revolution und Dichtkunst". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes SV Der interessanten Tagesordnung wegen ist«s dringend erforderlich, daß alle Kollegen mit ihren Frauen recht zahlreich erscheinen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. —>—»»» MitgliebSbuch legitimiert.——— NB. Vom 1. April 1906 ab treten sür folgende Gruppen die laut§ 1 deS Vertrage» erhöhten Lohn- sähe in Kraft: 2. 3. 4. 5. 1. Fur Rabth-, KokSaschenwand-«ich Zement-Drahtpuher sowie Plattenseber............ Spanner................ Zementieret und Flechter.......... Ginschaler................ Pustertrager............... Hülfcarbeiter bei der Zubereitung nnd beim Dransport von Beton Ebensalls ersuchen wir die Kollegen, 8'/zststnbigen SlrbeitSzeit zu achten Auch haben die Kollegen die" dem Bureau, Engel-llser 15, Zimmer 138,12» 00 Pf. die Stunde 75„.. 72-/,„.. 62'/,.. 72-/,... 55».» welche in der Gipsbranche arbeiten, streng auf die Jnnehaltung der Pflicht, überall dort, wo der erhöhte Lohn nicht gezahlt wird, dieS sofort 33, Telephon Amt IV, 1670, zu melden. Der Sektionsvorstand. Achtung! —— Zweiglverein Berlin. Freitag, den 6. April, abends 81/« übr, bei Keller, Koppenstr. 29; Außerordentlielie Generalversammlung aller tum Bweipemn Kerlin gehörigen Zahlstellen und Sektionen. 3. Stellungnahme zum 4. Ma TageS-Ordnung: von der am 4. März stattgefundenen 4. Verschiedenes. «ankoakeren». 2. ——— Mitgliedsbuch ist mitzubringen, ohne dasselbe kein Eintritt.--- Der wichtigen Tagesordnung wegen ist cS Pflicht eines jeden Kollegen, zu dieser Versammlung zu Der Zfivek�vQrelnsvorstnnd. I. A.: Emil Thons. Diskussion. 143,2 erscheinen. Zentral-Verbatui der Zimmerer Zahlftdle Berlin und Chngegend. Bureau: Engel-Ufer 45 v. RH, Zimmer 32. Fernsprecher: Amt 4 Nr. 2789. Mittwoch, den 4. April, abends 8V2 Ahr, in der„Alhambra", Wallnertheaterfttaste 15: Außerordentliche Versammlung aller ßczirkszahlatcllen Berlins und der Vororte* i. 2. Tages-Ordnung: Der Zolltarif und die neuen Steuern. Referent: Reichstagsabgeordneter Genosse �8ttl SiNgLk. Verschiedenes. 254/7 Pünktliches Erscheinen aller Verbandsmitglieder ist Pflicht. Der Borstand. der Strumpstvirker zu Berlin. Donnerstag, den 12. April, abends 8'/, Uhr, in Feinds Lokal, Weinstr. 11: lkdentl. General-Versammlung Tages-Ordnung: 1. Rechnungslegung vom Jahre ISOö. 2. Bericht des Rcchnungsprüsungs- ausschnffes event. Dechargeerteilung sür den Rendanten. 3. Ersatzwahl zweier ausgeschiedener Vorstandsmitglieder. 4. Statutenänderung. 271/18 Zahlreiches Erscheinen der Dele- gierten erwartet Der Borstanb Gewerbegertcht zu Berlin. J.-Nr. 133. Gew. Ger. 06. Bekanntmachung. Arbeitgeber und ArbeiMeqmer im Bauklcmpncrgewerbc dab«n nach recht- zeitig erfolgter Kündigung des mit dcni 31. März 1306 ablausenden Tarif- Vertrages über einen neuen Vertrag beraten und in allen PunkteU sich verständigt bis auf den§ 3, über den auch in der SchlichinngSlommission eine Einigung nicht erzielt worden ist» Zur Beilegung der Streitigkeiten haben beide Parteien gemäß§ 8 des alten Vertrages das EinigungSamt angerufen. Dieses hat in seiner Sitzung am 16. März 1306 den Parteien nach- stehenden Vergleich olgende Fassung erhalten: beträgt sür Bau» 3 soll folge er Mindestlohn llcmpner im t. Jahre vom 1. April 1306 ad 70 Vf., im 2. Jahre 72-/, und im 3. Zsirhre ebenfalls 72-/, Pf. Eine Ent'chädignng für Fahrzeit wird in diesen drei Jahren von 15 Kilometer an gewährt. Fahrgeld wird während der VertragSdäuer ge» zahlt von 3 Kilomeier an. gez. v. Schulz. 0. Bonwitt Kinwr. Behrend. Ahrens. Die Vertreter der Parteien nehmen den vorstehenden Vergleich an. Die Arbeiter vorbehaltlich der Genehmigung ihrer Versammlung. Der Ober- meister Berger leistet feine Unterschrift namens derjenigen Mitglieder der Innung und der Bereinigung, welche für und auf Bauten Klempner be- schästigen. gez. Richard Berger. H. Geister. E. H. Hulack. J. Oietrich. Worm 4 Schüler. gez. Ferd. Thielemann. Gust. Stein. Fr. August Müller. Franz Glesse!. gez. Staud Nacht. Hermann Naumann. pna. Adelt Ruppel. gez. Adolf Cohen, Bevollmächtigter deS Deutschen Metallarbeiter, Verbandes. gez. Emil Denk. Aldln Schulz. Paul Naelher. Hermann Voigt gez. Richard Schulz. Jul. Ostertag. Max Gallroln. Karl Link. e. m. o. gez. V. Schulz. Maliseh. Vorstebendem VergleichSvorschlage Haben die Arbeitnehmer in der am 13. März abgehaltenen Klempner-Ver- sammlung zugestimmt. Berlin, den 28. Mär, 1306. Der Borsitzende deS EinigungsamteS _ gez.». Schulz. Kulturbilder aus der preußischen Ge- schichte vom 12. biS zum 20. Jahrhundert von Max Maurenbrecher, Reich illustriert mit Bildern und Dokumenten aus der Zell. Zu beziehen in 50 Lieferungen a 20 Pf. oder in 2 Leinenbänden geb. a 7,— M. . 2 Halbfranz...8,-. durch die 233/17 Lxpediiion des Vorwärts Berlin SW. 63 Sinbeiistr. 69, Sahen. Pollmann onpsiehtt fe!» Lager in Bruchhandsgen, Leibbinden, Geradchaltern, Spritzen. Suspensorien sowie sämlliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieser. f. OrlS. u.Hüiss-Krankenkassen C., 693911* 30. Linien-Straste 30. Alle Bruchbänder mit elastischen Ve- lotten, angenehm».weich amKörver. Zenfral-Verbandder Glaser Seulschlands Ortsvcrrraltung II erlin. Sektion der Bilderglaser(Einrahmer) Donnerstag, de« 6. April, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 45(Saal 2»: 73/3 MM" Versammlung."WW Es ist Pflicht«Ines jeden Kollegen, welcher in Rahmensabriken(Bilder- werkstcllen) arbcilet, unbedingt zu erscheinen. Der Vorstand. 11.*1 P. Uder, fnVel"»fer§. Tabak-Großhnndlnng u. Tabakfabrlk. Ranch-, Kau-, SchDupttabake, Zigarren, Zigaretten."9 Vorteilhafteste Bezugsquelle kor Wieilerverkäufer. Größte Auswahl gelagerter TAgarren in allen Preislagen. ISsmtliche de- 2r4r«9MAAA0M zu Originalpreisen k | kannten Marken«»öttrCllB"-~|r MVM Amt 4, 3014. V W W W W V WS Skkontfvortiicher Redakteur: Hans Webcr. Berlin. Furien Jnferatenleil verantw.: Th. Glocke. L/aliii. Diuck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerel u. Verlagsanjtalt Paul Singer Sc Co.. Berlm SW, Nr. 78. 23. 3. örilM Ks Joraiitts" ßttlititr KcksdlR Alt«stilg» 3. April IM. An die Eltern und Vormünder! Bald öffnen die Volksschulen wieder ihre Tore, um Tausende t>on Proletarierkinder ins öffentliche Leben hinausgehen zu lassen und den Kampf ums Dasein aufzunehmen. Die Eltern setzen, wenn es ihnen auch viel Mühe und Opfer kostet, ihre ganze Kraft darin, ihren Kindern diesen Kampf zu erleichtern. Ties glauben Eltern am besten dadurch zu tun, wenn sie ihre» Sohn ein„Handwerk lernen" lassen; wenn dann noch der Lehrmeister sich schriftlich im Lehrvcrtrage— allerdings in oft recht verklausulierter Form— verpflichtet, den Lehrling in allen im Beruf vorkommenden fach- uiännischen Arbeiten auszubilden, dann glauben viele Eltern, daß ihr Sohn ein tüchtiger Handwerker wird, der mit Leichtigkeit einst sein Brot verdienen und ihnen die zukünftige Existenz erleichtern werde. Dah es leider vielfach auch anders kommt, lehren die bisherigen Erfahrungen. Der Eintritt in die Lehre ist ein für das ganze Leben be- deutsamer Schritt, er erfordert die ganze Sorgfalt des Vaters oder des sonstigen gesetzlichen Vertreters des jungen Menschen. Vor allen Dingen ist deshalb der Lehrvcrtrag, der mit dem Lehrherrn abgeschlossen wird, genau zu beachten, ehe man ihn ab- schließt. Nicht nur der Ausbeutung wird durch Verklausulierungcn im Lehrvertrage Tür und Tor geöffnet, sondern die„ehrsamen Meister" scheuen sich unter Umständen auch nicht, den Vätern diesen im Gesetz zustehende Rechte durch gewundene Bestimmungen im Lehrvcrtrag zu rauben. Mehrere JnnungSvorstände, nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Städten, haben bekanntlich beschlossen, in den Lehrverträgcn eine Klausel aufzunehmen, wonach der Lehrling einem Verein, der seine Interessen vertritt, nicht angehören darf. Der Erfolg dieser Bestimmung der JnnungSgrößen wird der fein, daß sich der Lehrlingsmangel, über den vielfach geklagt wird, noch stärker bemerkbar machen wird als bisher, denn welcher Vater, der als Arbeiter denkt und fühlt, wird eine derartige Unternehmer- Willkür— als solche charakterisiert sich das Beginnen der Jnnungs- meister— unterstützen wollen. Die Arbeiter als Väter sollten den Meistern, die ihnen der- artige Lehrverträge zur Annahme vorlegen, die richtige Antwort geben! Sie mögen zeigen, daß sie nicht gewillt sind, ihre 5ti»dcr. die sie mit Mühe und Opfern großgezogen, für die selbst in den Lehr- jähren noch gesorgt werden muß, Leuten zu überantworten, die neben manchmal mangelhafter Ausbildung sich als Scharfmacher en ministur glauben den ersten Preis verdienen zu können. ES ergebt deshalb an die Arbeiter und Vormünder die Mahnung, Lehrverträge, die mit Klauseln, welche die Bewegungs- freiheit deS Lehrlings in unzulässiger Weise lähmen und den Vätern Rechte nehmen, die nur ihnen zukommen, mit den Jnnungs- meistern nicht abzuschließen. Die Arbeiter und Vormünder sollten vielmehr bekunden, daß durch die Zuführung der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter in die betreffende Organisation— den Vereinen der jungendlichen Ar- beiter und Lehrlinge— den reaktionären Bestrebungen der JnnungSmeister ein Damm entgegengesetzt wird. Die Jugendorganisationen inachen cS sich zur Aufgabe. Lehr- linge vor Ausbeutung und Mißhandlung zu schützen, wie sie auch ihr Augenmerk darauf legen, daß die durch Gesetze erlassenen Sciiutzbeitimmungen für jugendliche Arbeiter durchgeführt und inne- gehalten werden. Da die freien Jugendorganisationen außerdem für geistige Aufklärung und Geselligkeit sorgen, so seien sie hiermit den Ar- beitern, die ihre Söhne in kurzer Zeit ins Leben hinaustreten last«», auf» beste empfohlen. \ partei-Hngclcgenbciten. Dritter Wahlkreis. Heute Dienstag, den 3. April 1306, abends 9 Uhr. findet bei Franke, Sebastianftr. 39, eine Wahlvereins- Versammlung statt. Reichstagsabgeordneter Genosie Ledebour spricht über: Die Schäden der Kolonialpolitik für unser Volk. Gäste haben Zutritt. «chtung, V. Wahlkreis! Heute, Dienstag, abends pünkt- lich SV, Uhr. findet im Alten Schützenhause. Linienstr. 5, eine Versammlung des Wahlvereins statt. Genosse Ebert spricht über das Thema„Aus der Geschichte de« Sozialismus" Außerdem stehen wichtige Bereinsangclegenheiten auf der TaaeS ordnung. Zahlreiche Beteiligung der Mitglieder notwendig. Gäste erwünscht.. Der Vorstand. S. WahNreiS. Am Mittwoch, den 4. April, abends 8 Uhr. findet für den 34. Kommunalwahlbezirk eine Flugblatt- Verbreitung statt. Parteigenossen, die helfen wollen, wollen sich bei Behnfeld, Hochmeifterftr. 18 einfinden. DaS Komitee. Köpenick. Mittwoch, den 4. April, abends 8 Uhr. hält der Wahl- verew im Lokal des Genossen Seidel. Griinstraße. seine Versammlung ab. Auf der Tagesordnung steht unter anderem ein Vortrag des Gmofien Kiesel. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Schmargendorf. Am Mittwoch, den 4. April, abends 3 Uhr. findet im Restaurant„Sanssouci", Ruhlaerftr. 20/21 eine öffentliche Gemeindewählerversammluug statt, in welcher Genosie Dr. Bernstein referieren wird. Heute abend 7 Uhr wird eine Flugblottverbreitung vorgenommen. Es ist Pflicht jedes Genossen, sich zur Verfügung zu stellen wie auch für die Versammlung lebhaft zu agitieren. ' Der Vorstand. zu suchen? seine Pfleg Serliner I�aedrickten. Der Seelsorger im Krankeohause. Was hat im Krankenhause der Seelsorger Ist nicht die Pflicht, die ein Krankenhaus gegen linge hat, die Sorge für den Leib? Man wird uns erwidern, manchen Kranken sei mich die Sorge für ihrer Seelen Heil ein Bedürfnis, aus das jedes Krankenhaus Rücksicht nehmen müsse. Nun gut, so möge man diesen Kranken zu dem geistlichen Zuspruch verhelfen, nach dem sie verlangen. Aber wenn die Rrankenhausleitungen sich ver- pflichtet fühlen, solche Wünsche zu befriedigen, dann sollten sie es auf der anderen Seite ebenso für ihre Pflicht halten, unkirchliche Kranken vor unerbetener Be- rührung mit dem Pastor zu bewahren. Leider geschieht das nicht. Bon den konfessionellen Kranken- pflegeanstaltcn, wie dem Hedwigs-Krankenhause, dem Elisabeth- Krankcnhause usw., wollen wir hier gar nicht sprechen. Denn die Betschwestem. Pastoren usw.. die dort als Pflegerinnen. Oberinnen und Kuratoriumsvorsitzcnde tätig sind, werden sich nicht davon überzeugen lassen, daß eine unerbetene Pastoren- Visite einem Kranken manchmal sehr lästig werden und geradezu sein körperliches Befinden beeinträchtigen kann. Aber wie kommt die Verwaltung unserer städtischen Kranken- Häuser dazu, in diesen Anstalten dem Seelsorger gleichfalls so weitgehende Freiheiten einzuräumen, daß er sich durch seinen Uebereifcr lästig machen kann? Wie eifrig manche dieser Seelsorger sind, das lehrt ein Fall, der uns aus dem Krankenhause Gitschinerstraße mitgeteilt wird. Dort hat zwölf Wochen hindurch die katholische Frau eines Tischlers B. gelegen, und in dieser Zeit ist sie mehrfach von dem Kaplan Winkler aufgesucht tvorden, obwohl sie bald merken ließ, daß sie von seiner Freund- lichkeit wenig erbaut war. Sie ist auch wiederholt von ihm er- mahnt worden, das Abendmahl zu nehmen. Als sie das standhaft ablehnte, schrieb der Kaplan an den Ehemann den folgenden Brief:„Sehr geehrter Herr B.! Gestatten Sie, daß ich mich mit einer Bitte an Sie wende. Ich habe bei meinen Besuchen im Krankcnhause Gitschinerstraße Ihre Frau angetroffen. Es geht derselben, wie Sie wohl selber wissen, nicht gut. Ich habe Ihr deshalb angeboten, ihr die heiligen Sakramente zu bringen, aber sie lehnte das ab. Könnten Sie nicht Ihren Einfluß geltend machen? Sie wissen ja selbst, wie viel davon abhängt, wenn etwa einmal das Schlimmste eintreten sollte. Ew. Wohlgeboren ergebenster Rich. Winkler, Kaplan." Man sieht, ein Kaplan läßt so leicht nicht locker, wenn er eine Seele retten zu müssen glaubt. Aber in diesem Fall hat Herr Winkler trotz allen Eifers sein Ziel doch nicht erreicht. Frau B. ist schließlich seiner uncrbetenen Seelsorge entzogen worden und befindet sich nun in einer unserer städtischen Heimstätten. Aus dem letzteren Umstand ist übrigens zu ersehen, daß ihr Zustand keineswegs so hoffnungslos war. wie es nach den Worten des Kaplans hätte scheinen können. Als wir den Brief zu lesen bekamen, glaubten wir, es handle sich um eine Todes- kaudidatin. Der Herr Kaplan schreibt dem Ehemann, es gehe der Frau nicht gut. er habe ihr deshalb(I) angeboten, ihr die heiligen Sakramente zu bringen. Und zum Schluß weist er ausdrücklich darauf hin, daß mal das Schliinmste eintreten könnte. Doch die Aufnahme der Frau B. in eine Heimstätte beweist, daß sie sich auf dem Wege der Besserung befindet. Was werden die A e r z t e des Krankenhauses zu diesem Brief sagen?! Oder sind sie einem Kaplan gegenüber so machtlos, daß sie da überhaupt nichts sagen dürfen? Wir haben Frau B. mit ihres Mannes und ihrer eigenen Erlaubnis nach ihrem Scheiden auS dem Krankenhause aus- führlich über das Wirken des Kaplans befragt. Dabei ist uns die bestimmteste Bersichcnlng gegeben worden, daß Frau B. sich durch den Eifer des Kaplans belästigt gefühlt hat. Auch anderen katholischen Patientinnen, die in dem Saal lagen, soll der Herr nicht immer willkommen gewesen sein. Sobald sein Besuch zu erwarten stand, kam eine Pflegerin und fragte umher, wer katholisch sei. Da die Saaliusassen häufig wechseln, so mußte fast vor jedem Besuch von neuem gefragt werden. Die Namen wurden dem Kaplan mitgeteilt, und dann ging er an seine Arbeit. Es soll vorgekommen sein, daß eine katholische Patientin ihre Konfession verschwieg, um dem Kaplan zu entgehen. Manche stellten sich schlafend, wenn er kam. Sie hatten kein Verlangen danach, sich von ihm unter- halten zu lassen. Wo er seine Worte anbringen konnte, da bekam er zuweilen zur Antwort, man habe anderes zu tun, als zur Kirche zu gehen. Was hat im Krankenhause der Seelsorger zu suchen? Was hat er an den Betten von Kranken zu suchen, die nicht nach ihm verlangen und ihm das deutlich genug zu verstehen geben? Vielleicht äußern sich hierzu einmal diejenigen, für die die Sache ein berufliches Interesse hat, nämlich die Acrzte. Bv« Berliner Jnnungswescn. Nach dem VerwaltungSbcricht des Magistrats bestanden in Berlin am Ende des Verwa ltungsjahrcs 1904/05 insgesamt 64 Innungen und zwar 46 freie Innungen(darunter 39 Handwerkerinnungen) und 18 Zwangsinnungen. Im Berichtsjahre Ivurden zwei neue Innungen errichtet: Die Konditoreninnung (freie Jmmng) und die Innung der„Besorger stemder Rechts- angelegenheiten". Erstere ist mit 30, letztere mit 11 Mitgliedern konstituiert tvorden. Von den Zwangsinnungcn waren die größten (d. h. mit mehr als 1000 Mitgliedern) die Schneider mit 5873 Mit- gliedern, die Tischler mit 2363, die Schuhmacher mit 1978, die Tapezierer mit 1430, die Maler mit 1200 Mitgliedern. In den kleinsten Zwangsinnungcn(bis zu 100 Mitgliedern) gehörten die Zeugschmiede mit 35, die Kupferschmiede mit 55, die Stein- setzer mit 57 und die Posamentiere und Seidenknopf macher mit 100 Zwangsmitgliedern.— Von den freien Innungen hatten nur bis zu 50 Mitgliedern: die Schwertfeger 7. die Kamm- macher 16, die Strumpfwirker 17, die' Seiler 18, die Steinmetze 24, die Feilenhauer 28, die Fischer 30, die Nadler 32, die Brunne» bauet 40, die Vergolder 41,- die Böttcher 42, die Chirurgie Jnstrumentenmacher 43, die Konditoren 47. lieber 500 Mitglieder zählten die freien Innungen der Klempner 603, Gastwirte 660, Schlosser 700, Damenmäntelschneider 749, Weber und Wirker 818, Fleischer 948, Bäcker(Concordia) 986, Barbiere, Friseure und Perrückenmacher 1240 und die Bäcker(Germania) 1342. Den freien Innungen gehörten am 31. Dezember 1904 insgesamt 11928 Mit glieder(davon den 39 Handwerkerinnungen 10 247), den 18 Zwangt innungen im ganzen 17 379 Mitglieder an. Von letzteren waren 16 492 Zwangsmitglieder und 887 freiwillige Mitglieder. Neue Schwierigkeiten beim Teltowkanal. Der Teltowkanal wird nach dem bereits vorliegenden Baubericht vom März in kurzer Zeit den normalen Wasserspiegel im ganzen Kanal mit Ausnahme von etwa 1 Kilometer in Lichterfelde haben. ES fehlt augenblicklich noch an der Anfüllung der Strecke zwischen dem Steglitzer Hafen und der Dresdener Bahn mit Wasser. Die letzten Arbeiten im Kanal haben in ganz ungewöhnlicher Weise unter dem schlechten Wetter zu leiden. Wie m den letzten 6—7 Monaten ist auch im März fast kein Tag ohne Regen oder Schnee vergangen. An eine wirksame Festigung der Böschungen oder eine Beseitigung der eingetretenen Rulschungen war nicht zu denken. Doch find im Tcltowsee und westlich der Giesendorfer Brücke die aus den Böschungen noch lagernden Erdmossen zum größten Teil beseitigt worden und die Böschungen selbst, soweit der Regen eS zuließ, eingeebnet. Der Bagger östlich der Gicsendorser Brücke ist ohne wesentliche Unter- brechung ziemlich gleichmäßig nach der Bekestraße hin vorgeschritten und steht jetzt 120 Meter vor dieser Brücke. DaS Profil lvurde auf dieser Strecke in einer Tiefe von etwa 1,60 bis 1,80 Meter unter Wasserspiegel ausgehoben. Ein zweiter Bagger steht unter der Giesendorser Brücke, um die Restarbeiten vorzunehmen. Größere Rutschungen oder Auftreibungen sind hier in dieser Zeit bisher glücklicherweise nicht mehr beobachtet worden. Dagegen beginnt zwischen Beke- und Parkstraßenbrücke der Schlamm infolge der Schüttung des Norddammes sich wiederum zu heben. Sehr be- trächtliche Austreibungen, welche sogar zeitweise eine völlige Unter- brechung der TranSportgeleise verursachten, traten in dem Steglitzer Schloßpark östlich der Parkstraßenbrücke ein. An ihrer Beseitrgung wird gegewärtig gearbeitet. Reformen bei der Polizei sollen vorgenommen iverden. Diese Reformen find aber sonderbarer Art. sie' beziehen sich auf die— Uniformierung und betreffen die Umhänge für Wachtmeister und Schutzmänner. Die llmhänge find von blauem, der Farbe des Pale> tots entsprechendem Stoff. Sie werden jetzt allgemein nach Bedarf angeschafft und in Gebrauch genonimen. Auch den Polizeioffizieren bei den königlichen Schutzmannschaften wird das Tragen deS erwähnten Umhanges gestattet. Die Verleihung des Titels Wacht- meister an einzelne verdiente Polizeisergeanten der kommunalen Polizeiverwaltungen soll zwar zulässig sein, aber dem Minister deS Innern im Interesse einer gleichmäßigen Behandlung vorbehalten bleiben. Die Auszeichnung soll nur ausnahmsweise verliehen werden. — DaS sind doch endlich einmal nicht nur Worte, sondern Taten, und was für welche. Berlin im Freien. Der erste schöne Frühlingssonntag in diesem Jahre war der vorgestrige. Das prachtvolle Wetter lockte„alles, was Beine hat", hinaus ins Freie. In der Umgebung Berlins herrschte ein Leben und Treiben wie an schönen Sommertagen. Im Grunewald und in den Müggelbergen, im Tegeler Forst usw. wimmelte es von Ausflüglern. Die Vorortzüge waren übersiällt und die Straßenbahnwagen fuhren schon von den Endhaltestellen vollbesetzt ab. In den Gartenlokalen fanden die ersten Konzerte im Freien statt und zahlreiche Gastwirte, die auf emen solchen ge- waltigen Besuch nicht gerechnet hatten, gerieten in die größte Ver- legenheit. Abends spielten sich bei der Rückbeförderung der Aus- flügler auf den Stationen wieder die üblichen„Kampfesszencn" ab. Die ständige Aufwärtöbewegung der Sozialdemokratie in Berlin erweckt in immer steigendem Maße den Aerger und auch den Neid unserer Gegner. In der„Deutschen Tageszeitung" und „Täglichen Rundschau" wird folgendes Geheul über unsere Erfolge angestimmt: „Das sozialdemokratische Erpressertum blüht bekanntlich in Berlin ganz besonders. Es vergeht ja kaum eine Woche, in der nicht neue Beschwerden eingeben darüber, daß nichtsozialdemo- kratische Arbeiter aus der Arbeit gedrängt werden, wenn sie nicht für sozialdemokratische Zwecke zahlen und sich sozialdemokratischen Vereinen, anschließen wollen. Bekannt ist auch, auf welche Weise die sozialdemokratischen Blätter zu ihrer hohen Auslage in Berlin kommen— wer sie nicht mithält, wird geschäftlich ausgesperrt. Auf diese Weise wird es auch erklärlich, daß neulich an einem einzigen Abende das sozialdemokratische Frauenblatt„Die Gleichheit" nicht weniger als 60 neue Abonnentinnen erhielt. Eine ganz neue Einrichtung sind jetzt„Ertra-Zahlabende"— schon dieser Name ist ausgezeichnet—, wobei die nichtsozialdcmokra- tischen Arbeiter von den Genossen aufgesucht und„eingeladen" werden. Beitrittsaussorderungen werden persönlich von den Nicht- organisierten abgeholt, dainit sie(natürlich ausgefüllt) auch richtig in die Hände deS Wahlvereinsleiters gelangen I Diese sozialdemo- kratischen Steuereinnehmer sollen hervorragende Erfolge haben." Diese Notiz, die bestimmt ist, die Agitation unserer Genoffen für die politische Organisation und die Parteipreffe zu verun- glimpfen, enthält immerhin eine Anerkennung für den Arbeitseifer und den Ernst, mit dem unsere Parteifreunde die Agitation betreiben. Soviel auch Unrichtiges in der wutschnaubenden Notiz ent- halten ist, es spricht immerhin die Anerkennung Oberaus, daß die Agitation Früchte trägt. Unsere Genossen werden sich bemühen, den Neid unserer Gegner noch mehr anzustacheln, indem sie für Organi- sation und Presse noch intensiver wirken als bisher. In der Schöneberger Doppelmordfachc haben die Nachforschungen zu einem sicheren Ergebnisse noch nicht geführt. Bon den vielen Verhaftungen hat sich keine aufrechterhalten lassen. Da über die Person des mutmaßlichen Mörders nur unklare Beschreibungen vor- liegen, hat die Kriminalpolizei zu folgendem eigenartigen Mittel gegriffen: Ein junger Mann, auf den die Beschreibung des mutmaßlichen Täters, abgesehen von kleineren Unterschieden in der Figur, paßt, hat sich bereit gefunden, sich als Doppelmörder photo- graphieren zu lassen, mn so den Verfolger» wenigstens eine gewisse greifbare Vorstellung von dem wirklichen Verbrecher zu ver« mittel». Ein sonderbarer Geschmack gehört schon dazu, sich alS Doppel« gänger eines Doppelmörders verewigen zu lassen. Auf dem Grundstück Friedenauerstr. 49, wo am 28. März daS Reichardtsche Ehepaar ermordet aufgesunden wurde, ist bei den weiteren Nachforschungen im Laube versteckt ein kleines Hand- beil gefunden worden, ein sogenanntes Küchenbeil, wie es sich fast.in jedem Haushalt findet. ES ist zweifellos schon seit langen Jahren im Gebrauch gewesen, worauf unter anderem Scharten in der Schneide hindeuten. Auf den Eichen- stiel ist eingehauen die Firma: I. A. GörtS.darübereineO. Die Länge des hölzernen Stils beträgt 31 Zentimeter, die Länge des Beiles von der Schneide bis zum Helm 13 Zentimeter, die der Schneide 8 Zentimeter. Es ist von ivesentlichster Bedeutung für das weitere Ermittelungsverfahren, daß die Personen sich melden, die im Besitze eines solchen Beiles gewesen sind und den Verlust desselben spätestens am 28. März morgens bemerkt haben. Die betreffenden Personen wollen sich bei der Polizeidirektion Schöneberg, Hauptstr. 96, Ecke Max« straße. Zimmer 10, möglichst sofort einfinden. Hennig macht den„wilden" Mann. Seit drei Tagen stellt er sich so, als ob er nicht mehr hören noch sprechen könnte. Speise und Trank verschmäht er hartnäckig. Wenn man gar zu sehr in ihn dringt, so wird er tobsüchtig. Dann wirft er sich aus die Erde, schlägt, stößt und beißt um sich und ist kaum zu bändigen. Bon Rotschcu scheinen die Angestellten des Kirchhofes der Auf- erftehungsgemeinde(Weißenseer Weg) befalle» zu sein; anders ist ihr Benehmen anläßlich der am Sonntag erfolgten Beerdigung des Genossen Freitel nicht zu erklären. Schon am Eingang zum Fried- Hofe verbot ein Angestellter unseren Genossen das Betreten desselben mit der roten Schleife, die am Kranz befestigt war. Auf die Frage, auf Grund welcher Verordnung dies geschehe, erklärte der Dienst- eiftige:„Es ist Befehl, ich erlaube das nicht." Als nun trotz dieser nichtssagenden Aeußerung unsere Genossen den Friedhof betraten, geriet der Mann in eine unbegreiflichs Erregung. Gr rannte hin und her, stieß unsere Genossen vor die Brust und war nicht zn beruhigen. Schließlich erschien der Inspektor und forderte die Entfernung der roten Schleife von den Kränzen. Als dieser Aufforderung nicht ohne weiteres entsprochen wurde, holte der Herr polizeilichen Sukkurs und forderte unter polizeilicher Bewachung die Entfernung der Genossen mit den rot verzierten Kränzen. Ihn sich keines Hausfriedensbruches schuldig zu machen, verließen die Aufgeforderten in Begleitung des Gendarmen den Kirchhof, nicht ohne erst die anstößigen Kränze einem neben- stehenden Genossen übergeben zu haben. Jetzt verwies der eifrige Inspektor auch diesen Genossen vom Friedhofe. Nm des lieben Friedens willen wurden jetzt die Schleifen, die es dem Herrn angetan hatten, ent- fernt. Roch war aber damit das Ende der Störung der Beerdigung nicht erreicht. Als am Grabe ein Genosse bei der Kranzniederlegung einige Widmungsworte sprach, fuhr ihn der Inspektor an. daß hier keine Reden gehalten werden. Allgemeine Entrüstung rief cS bei den Anwesenden hervor, als der gekennzeichnete Herr einem andern Genoffcn beim Sprechen einiger WidmnngSworte so heftig vor die Brust stieß, daß er zurücktaumelte. Dieser ganze Vorgang spielte sich vor den Augen emes auf der Treppe der Leichenhalle stehenden Pfarrer« ab, ohne daß derselbe auch nur ein Wort des Mißfallens über dies die Beerdigung störende Betragen des Herrn Inspektors hatte. Das find nun dieselben Leute, die nicht genug von christlicher Liebe und Barmherzigkeit reden können. Wenn man sie hört, triefen sie förmlich von diesen Eigenschaften, nicht geniig können sie be- fonders die Pietät gegen Verstorbene preisen, lind nun vergleiche man Reden und Taten. Die passen zusammen wie die Faust aufs Auge. Die Wiederholung solcher Borgänge wie den geschilderten dürste geeignet sein, manchem die Augen iiber das Wesen der Kirchs M öffncn und ihn veranlassen, durch Austritt aus derselben den Frommen dieselbe zu überlassen. AuS dem StraßciMtricbc. Ein schwerer Automobil- Unfall hat sich am Sonntag am Brandenburger Tor zugetragen. Als der Kaufmann Gustav Schreiber, Wöhlertstr. 20 wohnhaft, den Platz am Brandenburger Tor überschritt, wurde er von einem vorübcrfahreuden Automobil umgerissen und so unglücklich zu Boden geschlendert, dah die Räder des schweren Kraftwagens über ihn hinweggingen. Schwerverletzt wurde Sch. nach der Rettungswache in der Mauerstratze gebracht. Er hatte zwei Rippenbrüche, eine Gehirnerschütterung und äußere Verletzungen erlitten und mußte in fast hoffnungslosem Zustande der Charits überwiesen werden.— Von einem Geschäftswagenunter ei nen Straßenbahn wagen geschleudert. Ein aufregender Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag in der Dresdenerstraße. Der SSjährige Steichholzhändler Juliu? Wetzel. Hedwigftr. 6 wohnhaft, überschritt an der Kreuzung der Anncnstraße den Fahrdamm und wurde dabei von einem Gc- schäflc ivaaen erfaßt und unter einen vorüberfahrenden Straßenbahn- wagen geschleudert. ES gelang zwar dem Führer, den Motorwagen noch rasch zum Stehen zu bringen, doch hatte W. bereits einen schweren Schädelbruch erlitten. Der Beruuglückte wurde in das Kranlenhaus am Urban eingeliefert.— Von einem Omnibus über- fahren und schwer verletzt wurde gestern abend am.roten Schloß" der 26jährige Schneider Trötte ans der Gontardstraße. T. wurde eben- falls beim Passieren des FahrdammeS umgerissen, überfahren und schwerverletzt davongetragen. Er erhielt die erste Hülfe in der Unfallstation in der Brüderstraße und kam sodann in das Krankenhaus am Friedrichshain.— Ein schwerer Automobil- unfall hat sich auch gestern wieder ereignet. Nachmittag« fuhr der Kanzlist Willi Buggi, Lützowufer 22 wohnhaft, auf seineni Zwei- rade heim. An der Kreuzung des LützowuferS und der Landgrafen- fttatze stieß ein vorübereilendeS Automobil mit dem Rade zusammen und B. wurde mit solcher Gewalt auf den Fahrdamm geschleudert, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt und in äußerst bedeullichem Zustande in das Krankenhaus am Friedrichshain eingeliefert werden muhte. Tödlicher Absturz einer Blinden aus dem Fenster. Einem traurigen Unglücksfall ist gestern abend die 46jährige Almosenempfangerin Luise KamoroSkh, Thaerstr. S, zum Opfer gefallen. Die K. war schon seit Jahren erblindet, und sie vermochte fast nichts mehr zu sehen. Gestern abend stieg sie auf die Fensterbrüstung hinauf, um die Scheiben zu reinigen. Infolge ihrer Blindheit trat sie dabei fehl, verlor das Gleichgewicht und stürzte mit einen, Aufschrei aus der dritten Etage herab. Besinnungslos blieb die Bedauernswerte unten liegen. Sie wurde nach dem Krankenhause am Friedrichs- Hain gebracht, wo sie bald nach der Einlieferung der schweren Ver- letzungen erlag. AuS der Rutschbahn herausgeschleudert. Auf dem VcrgniigungS- Platz an der Behmstraße hat sich Sonntag abend«in schwerer Un- glücksfall ereignet. Der 37jährige Schlosser Johann Breitkob, Ramlerstr. 36 wohnhaft, hatte sich mit einem Bekannten auf der Rutschbahn vergnügt und, während diese in voller Schnelligkeit war, wurde B. plötzlich herausgeschleudert. In bewußtlosem Zustande wurde er in das Krankenhaus Moabit eingeliefert. Der Bedauerns- werte hatte mehrere Rippenbrüche und schwere innere Verletzungen erlitten. Radrennen Steglitz, 1. April. Die Dauerrennen gestalteten sich zu einem Triumph des beliebten Münchcner Fahrers Anton H u b e r, der seine Gegner, den Berliner B r u n o D e m k e, den Schweizer Fritz R y s e r und den Kölner W i l l i M a u ß in zwei Rennen über je 25 und 50 Kilometer in überlegener Weise ab- fertigte. Demke leistete zwar anfangs noch einigen Widerstand, doch nachdem er einmal überrundet, wurde fein Verlust immer größer; an ein Ausholen desselben war nicht mehr zu denken. Die' beiden anderen kamen gar nicht in Betracht. Ryser hatte außerdem in dem 50 Kilonieterrennen noch das Mißgeschick, daß er den Anschluß an feinen Motor verlor, so daß er mit bedeutendem Rückstände als Letzter endete. Die„Fliegerrennen" wurden von starken Feldern bestritten; die bekannten Fahrer Scheuermann, Treile und Wegener waren in denselben siegreich. Der Besuch war infolge des überaus kalten Wetters nicht so zahlreich, wie man ihn sonst zu sehen gewohnt ist; doch mochten immerhin gegen 3000 Personen an- wcsend sein. SportparkTreptow. Die am vorigen Sonntagvorzeitig ab- gebrochenen Rennen fanden nun am Sonntag ihre Erledigung und boten in bezug auf die Fliegerrennen sehr interessanten Sport, ivährend das 50 Kiloineter-Rennen ohne Mühe und Kampf eine sichere Beute für Peter Günther/,» pro Tausend herabgesetzt wird. Er stimmt dann ein Klagelied über die Notlage der Hausbesitzer an, die nicht aus Rosen gebettet seien.— Die Frage der Wertzuwachssteuer hält Redner noch lange nicht reif zur Er- örterung; dagegen tritt er in lebhafter Weise für eine Bier- und Brausteuer ein, von der er wünscht, daß dieselbe noch im kommenden Etatsjahre eingeführt werde. Stadtv. Küter/z Uhr vertagt. Ausdrücklich als Unorganisierter engagiert. Die Firma Elsner(Verlag der„Arbeitgeber-Zeitung") inse- vierte, nachdem Differenzen mit ihren Arbeitern ausgebrochen waren, nach unorganisierten Arbeitern. Es erschien der Arbeiter Meierhof und wurde auch engagiert. Am anderen Morgen waren indessen die Differenzen beigelegt und die alten Arbeiter legten dem Faktor nahe, daran zu denken, dast sie nicht gern mit Unorganisierten zusammen arbeiteten. Dem Meierhof wurde von dem Vertreter des Geschäfts anhcim gegeben, zum Arbeitsnachweis des Verbandes der Buchdruckereihülfsarbeiter zu gehen und sich einen Ueberweisungsschein zu holen. M. tat daS auch, überlegte sich die Sache aber unterwegs, schickte den Ueberweisungsschein an den Nachweis zurück und erhob Anspruch auf lltägige Kündigung. Da er nicht beschäftigt wurde, so klagte er gegen den Druckerei- besitzer Elsner beim Gewerbegericht auf Zahlung einer entsprechen- den Lohnentschädigung. Diese wurde ihm von der Kammer 8 am 51.� März zugesprochen. Der Gerichtshof ging davon aus. daß Kläger nicht habe verpflichtet werden können, sich einen lieber- Weisungsschein vom Hülfsarbeiterverband zu holen, da er ja aus« drücklich unter der Bedingung engagiert sei, keiner Vereinigung anzugehören._ Gräfliche Behandlung eines Postbote«. Wegen Beleidigung des Postboten Keller hatte sich am Sonnabend vor dem Lindauer Schöffengericht die Gräfin Waldburg-Zeil zu verantworten. Keller hatte auf seinem Bestellgange u. a. auch die Post des Grafen Waldburg-Zeil zu besorgen. Er mutzte vor der Tür der gräflichen Villa übermätzig lange warten und hatte sich außerdem eines bissigen Hundes der Gräfin zu erwehren. Er bat in höflicher Form um Abstellung dieser Unannehmlichkeiten. Da kam er aber bei der Gräfin schön an. Sie begab sich mit ihrem Gemahl zum Vorgesetzten Kellers und beschwerte sich dort über das ungehörige Benehmen Kellers. Als dieser darauf das gräfliche Ehepaar zur Rede stellte, wurde ihm von der Gräfin geantwortet: Er sei ein ganz unver- schämter und arroganter Kerl und habe das Maul zu halten. Wenn nicht, so haue sie ihm einige runter I Ferner erklärte die Gräfin, sie werde dafür sorgen, datz Keller seine Stellung verliere, denn er sei ja nur ein Postbote. In dieser gräflichen Tonart ging es weiter, wie durch Zeugen vor Gericht festgestellt wurde. Die Zeugen bekundeten gleichzeitig, dgß KelleJ sich durchaus anständig und ruhig benommen und der Gräfin in keiner Weise Veranlassung zu ihren Beschimpfungen gegeben habe. Keller wurde sofort nach der Beschwerde des gräflichen Ehepaares versetzt und das Postamt meldete dem Grafen, datz seiner Beschwerde ab- geholfen sei. Die Verhandlung endetete mit einem Vergleich, den der Graf selbst anbot. Er bedauerte im Namen seiner Frau den Vorfall, bat den Postboten Keller um Entschuldigung und er- klärte sich zur Tragung sämtlicher Kosten bereit. Der Postbote nahm den Vergleich an. Wie wäre es dem armen nach der Be- schimpfung versetzten Postboten ergangen� wenn er die Gräfin in gleich vertraulicher Weise behandelt hätte, und— wie denkt Exzellenz Krätke über die Versetzung des so arg beleidigten Post- boten? Eine Fesselung vom 21. Januar lag am Sonnabend dem Halle- scheu Schöffengericht zur Nachprüfung vor. Der Arbeiter Friedrich kam am genannten Tage, als die Teilnehmer die Versammlungen verließen, zufällig auf die Stratze. Von einer Aufforderung, sich zu„zerstreuen" hatte er nicht das geringste gehört. Ein Polizist fand aber Gefallen an dem Mann und transportierte ihn nach heftigem Widerstreben gefesselt nach der Wache. Der Sistierte sagte zu dem Polizisten:„Na was wollen Sie denn eigentlich von mir?", der Polizist zog ihn aber mit. DaS Gericht sprach Friedrich heute dem Antrage deS Staatsanwalts gemäß frei. Vom Landarbeiterinnenfchutz. Der Gutsverwalter Graul von dem Rittergut Zscherbun bei Halle soll jungen Arbeiterinnen und Mädchen auf dem Felde unsittliche Anträge gestellt und dem einen Mädchen ein paar Lackschuhe und ein blaues Kleid versprochen haben, wenn es ihm zu Willen sei. Die Belästigten beschwerten sich bei dem Inspektor. Hierüber wurde der Verwalter ärgerlich und versetzte dem einen Mädchen mehrere so brutale Schläge ins Gesicht, datz. wie er sich selbst ausdrückte, bei jedem Schlage das Blut„umher- quatschte". Als der Aufseher Zachert die Roheit nicht mehr mit ansehen konnte, sprang er dazwischen und versetzte dem Verwalter mit einem Hackenstiel ein paar gut sitzende Schläge über den Rücken. Anstatt gegen den Verwalter, ging der Staatsanwalt gegen den Aufseher vor. Sein Verteidiger erklärte vor dem Schöffengericht, man müsse es Zachert zur Ehre anrechnen, datz er die belästigten und mißhandelten Mädchen geschützt habe. Das Gericht erkannte diese Ehre wohl an, bestrafte aber dennoch Zachert wegen Mitzhandlung mit 20 Mark Geldstrafe. Lebhaft zu bedauern ist, datz die Mädchen nicht gegen den liebenswürdigen und brutalen Gutsverwalter Privatklage angestellt haben, wenn der Staatsanwalt eine Anklageerhebung im öffentlichen Interesse unterlassen hat. Die Nichterhebung der Klage kann lediglich als Schutz der Roheit wirken. Der Aufseher legt hoffentlich mit Er- folg Berufung ein. Ungültige Stabtverordnetenwahlen. Die Wählerliste und ihre Bedeutung für die Gültigkeit von Stadtverordnetenwahlen betrifft eine Entscheidung des Oberverwaltungsgrichts über Stadtverordnetenwahlen in Herne (Gebiet der westfälischen Städtcordnung), die wegen der Gleich- a r t i g k e i t der in Betracht kommenden Bestimmungen auch für das Gebiet der Städteordnung für die siebenöstlichenProvinzengilt. Das Oberverwaltungs- gericht bestätigte am 30. März das Urteil des Bezirksausschusses, durch welches die Stadtverordnetenwahlen in Herne, die vom 21. bis zum 25. November 1S04 stattgefunden hatten, für ungültig erklärt worden waren. Begründend wurde ausgeführt: Eine ordnungsmäßige Wählerliste sei die Grundlage des Wahlverfahrens, sei die Grundlage der Gültigkeit von Stadtverordnetenwahlen. Die den genannten Wahlen zugrunde gelegte Wählerliste sei aber nicht ordnungsmäßig zustande gekommen. Die Berichtigung der Wählerliste durch den Magistrat finde in Herne in der Zeit vom 1. bis 15. September (gemäß Ortsstatut) statt, und die Offenlegung der Liste erfolge vom 16. bis zum 30. September. Hier habe nun der Magistrat am 24. September 1904, also während der Offenlegung der Liste, selbständig eine Aenderung vorgenommen, weil die Gesellschaft Hibernia ursprünglich mit einem zu niedrigen Steuersatz in der Liste gestanden habe. Der Magistrat habe den ermittelten höheren Steuerbetrag eingetragen, von neuem die sämtlichen Steuerbcträge der Wähler zusammengerechnet und gedrittelt, sowie die sich er- gebenden Verschiebungen vorgenommen. Von den 7 Wählern der ersten Abteilung seien 3 in die zweite und aus der zweiten. 54 in die dritte Abteilung gekommen. Eine solche Aenderung der Wählerlisten durch den Magistrat während der Offen- legung der Liste sei aber unzulässig. Nachdem die Liste offengelegt sei, könnten Aenderungen nur auf Einspruch von Bürgern durch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen wer- den. Weiter sei aber die Liste noch deshalb keine ordnungsmäßige gewesen, weil die richtige Drittelung in der offengelegten Liste selber gefehlt habe. Als Wählerliste habe nämlich bei der Offen- legung die Bürgerliste gedient, wo die Namen der Wähler nicht nach Abteilungen geordnet standen. Die unter den übrigen Wählern verstreut aufgeführten Wähler der ersten und zweiten Abteilung seien als solche nur durch eine römische l und II, mit Grünstift geschrieben, hervorgehoben worden. Es habe allerdings jeder nachsehen können, in welcher Abteilung er wählen solle. Das genüge aber nicht. Die Wähler müßten vielmehr nach Ab- teilnngen gesondert, die erste, zweite und dritte Abteilung hinter- einander, in der offengelegten Liste aufgeführt sein.— Daraus, datz den Stadtvcrordnetenwahlen vom 21. bis 25. November 1904 eine nicht ordnungSmätzig zu stände gekommene Wählerliste zugrunde lag, folge die Ungültigkeit dieser Wahlen._ Der Sparverei» für Freidenker, der eine Herabsetzung der Kosten und Reformen aus dem Gebiete der Feuerbestattung erstrebt, HAt seine Versammlung am Mittwoch, den 4. April, Schillings�. 24, ab. Gäste sind willkommen. eingegangene vruckfckrikten. Von der„Renen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 27. Hest de« 24. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des HcsteS heben wir hervor: DaS hippokratische Gesicht.— Die revolutionären Parteien in Rußland während der Jahre 1838 bis 1303. Von Dr. Ida Slxelrod.— Die proletarische Bewegung und die bürgerliche Kunst. Von G. Plcchanoff. — Oelonomie, Naturwissenschaft und Mathematik. Von Paul Lafargue.— Der Arbeiterschutz im Gastwirtsgewerbe. Von Hugo Poetzsch.— DaS Zentrum und die Arbriterinncnsrage. Von Lea Heiden-Dcutschmann.— Ein Muster- beispiel staatlicher Arbeiterjreundlichkeit. Von Richard Wagner(Bant).— Literarische Rundschau: Rudolf Eucken, Beiträge zur Einführung in die Geschichte der Philosophie. Von I'b. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3.25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne tzest kostet 25 Pf. Probmummcrn stehen jederzeit zur Versügung. Bon der„Gleichheit", Zeitschrist sür die Interessen der Arbeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 7 deS IS. Jahr- gange« zugegangen. AuS dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: sozialdemokratischer und bürgerlicher Heimarbeiterschutz. Von Luise Zietz. — Die Fabrikarbeiterinnen im Jahre 1304. Von«Äustav Hoch.— Von der HeünarbeitauSjtellung in Berlin: VX Schlußberich». Von m. I.— Weidliche Krankenkassenkontrolleure. Von K.— Die Organisation der Nürnberger Dienstboten. Von Helene Grünberg.— Proletarisches Elend in Obersranken. Von Ottilie Baader.— AuS der Bewegung: Von der Agitation.— Jahres- bericht der BertrauenSperson von LichtenstciN'Callnberg.— Di« Märzseter. — Genossin Brügmann.Jtzehoe f.— Politische Rundschau. Von G. L.— Gewerkschastliche Rundschau.— Notizenteil: Arbeitsbedingungen der Ar- beiteiinnen.— Netblich« Fabrikinspektoren.— Vereinsrecht der Frauen.— Fr aucnstimmrecht.— Feuilleton: Die Stimme der Freiheit. Von John Henry Mackah.— Rahel. Von Ada Christen.— Adressenverzeichnis der Verlrauenspersonen der deutschen Genosfinnen Frauen-Beilago: Für ewig. Bon Wolfgang Goethe.(Gedicht.) — Die Ausstellung sür SäuglwgSPilcge in Berlin. Von Klara Wehl.— Die Entwickelung des Menschen: Das Ei. Von Dr. EhajeS.— Der Afra. Bon S. Heine.,(Gedicht.)— Die Bedeutung deS Spieles im Leben des KiiideS. on Tom Sutzmaim.— Die Mutter als Erzieherin.— Für die Hausjrau. — Rat einer Wen. Von Eduard Mörike.(Gedicht) Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Numme« 10 Ps., durch die Post bezogen beträgt der Llbonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Ps. Jahresabonnement 2,80 M. Der„Wahre Jacob" hat soeben die 7. Nummer seines 23. Jahr- ganges erschemen lassen. Aus ihrem Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder„Pom politischen Marionettentheater" und„Die Zeiten ändern sich", sowie die Illustrationen„Momentaufnahme aus SllgeciraS", „Schrecklich!",„Probates Versahren",„Der Börsenmann und die Politik", „Zoologischer� Unterricht",„Berliner Salzsäulen",„Ein Raub und seine Folgen",„Schlangenbeschwörunz in AlgcciraS",„Michel und die Steuer- ratten" und„Zur Katastrophe von Courriäres". Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte„Zllgcciras und Courriörcs",„Auscrstehung" von Klara Böhm,„Die Zeit der Feste" von Paul Enderling,„tzlpril" von Ludwig Lessen.„Fluch dem Zarismus",„Berliner Polizcicpigrainme" i und außer zahlreichen kleineren Beiträgen noch die größeren satirischen Feuilletons„Eine Enquete" und«v. Below- PIcitenburg an v. Arnim- Schnodderhcim". Der Preis der 14 Seiten starken Nummer ist 10 Ps. Plutus. Kritische Wocheuschrist sür Voikswirischast und Finanzwesen f?erau§geber: Georg Bernhard). 13. Heft. Abonncincnts(einschließlich der lutuS-Mcrktascl) vierteljährlich per Post und Buchhandel 3,50 M., direkt vom Verlag 4 M. Verlag, Berlin-Charlottenburg, Goethestr. 63. Lnefkslten der Redaktion. Sie siieiftische SpreiNftnude findet täglich mit Slnsnal»»« d«S SonnabladS von?'/, bis«>q, II»r adcnds ktnt«.«Seoifnet: 7 Übe. Jeder Allfraae ist ei» Buchstabe und eine Zahl alS Merkzeichen bciznsiigcn. Brteftiche Antwort wird nicht erteilt. Dejcwski. Tragen Sie die Sie betreffende Sachlage vor und knüpfen Sie daran die Frage.— R. H. 56. Wenden Sie sich an irgend eine Augenklinik.— Bort. Leider steht der Frau nur der Weg der Armenhülse offen.— Zwei Streitende 25. 1. In Essen. 2. Kommcrzienrat.— 75 W. K. Verbraucher.— Konzert 55. Die älteren Jahrgänge können Sie selbst in der Expedition nachschlagen.— I. Eibing. Sie könnten lediglich gegen die Firma, mit der sie Vertrag geschlossen haben, aus Schadenersatz klagen, wenn dieser, wie es scheint, ein Verschulden zur Last sällt.— M. S. 100. Die Eintragung erfolgt aus dem Amtsgericht aus Grund deS notariell oder beglaubigten GejellschastSvertrageS. Die Ein- tragung ist erforderlich, wenn eine Haiidlungssirma vorliegt.— A. H. 5. Nein. — D. R. 37. Ihre Mutter tarnt den Antrag aus Zahlung der Invaliden- rente ohne Nachteile stellen. Ohne Einsicht in die Karten ist nicht zu er- sehen, ob ihr ein Anspruch aus Rente zusteht.— Nestlohn 10!». Ihre Forderung ist noch nicht verjährt. Es steht Ihnen aber lediglich gegen den Arbeitgeber nicht gegen dessen Frau ein Anspruch zu. Die Klage gegen die Frau wäre erfolglos.— P. L. 18. Die Fron müßte innerhalb sechs Wochen in einer notariell oder juristisch beglaubigten Urkunde die Erbschaft ausschlagen. Der Stadt steht ein Zugriff zu.—' P. D. L2. Den Offcu- barungseid kann jeder Gläubiger, der ein rechiskrästigeS Erkenntnis besitzt und nachweisen kann, datz die Pfändung ohne �Aussicht auf Erfolg, ver- langen. Wird die Eidesleistung verweigert, so kann Hast bis zu sechs Monaten zwecks Erzwingung des Eides angeordnet werden. Nach- teile hat der Offenbarungseid in politischer oder sonstiger Beziehung nicht. — F. S. Die Angabc der Postverwnltung ist zutreffend.— E. C. R. W. 5. Der Restaurateur haslet sür den von Ihnen beschriebenen Schaden.— Mülheim 50. Soweit ersichtlich, haben die Nachbarn ein Wegerechi erworben, da sie ungehindert weit über 30 Jahre den Weg benutzen dursten, ohne daß Einspruch oder Vorbehalt des Besitzers erfolgte.— Scifhenncrö- dorf. Diese Ansprüche verjähre» sämtlich erst in 30 Jahren.— Stock- Holm 35. 1 und 2. Ja. 3. Lotterie bleibt Lotterie.— Berein 100. Ohne Kenntnis der Statuten sind Ihre Fragen nicht zu bcanlivortcn.— W. H. Ist nichts vereinbart, so ist sür die Zeit der Kontrollversammlung Lohn zu zahlen. Näheres in dem in den öffentlichen Bibliotheken aus- liegenden„Arbeiter-recht" S. 153.— G. N. 100. Nach dem Gesetz hat die Mutter diese Pflicht.—<8. 18» Mittags 12 Uhr.— W.<8. 10. An seine Exzellenz den Eisenbahliminifter. Ew. Exzellenz I — M. T. 1. Nein. 2. Die Versicherungsanstalt sorgt nicht. 3. Nein. 4. Ja. 5. Der Untcrstützungswohnsitz wird durch zweijährigen Aufenthalt in einer Gemeinde erworben, wenn innerhalb dieser Zeit Armcnunterstützung nicht gezahlt ist.— F. A. 55. Bestimmte Firme», Rechtsanwälte, Aerzte usw. zu empschlen, lehne» wir grundsätzlich ab.— Straufs 100. Dieselbe.— 100 G. K. Eine moralische Pslicht liegt vor, sprechen Sie mit dem Rektor.— O. L. 8. Solche Kasse ist uns nicht bekannt.— C. D. Ja, wenden Sie sich an«ine Aerzlin.— B. R. 4. Im Lese- zimmer des Casö Bauer, Unter den Laden, werden Sie das Gewünschte finden. — A. S. Die Adressen finden Sie im Zldrcßkalender.— I. S. Chor» lottenburg. Wenden Sic sich an einen Aquariumbesitzer.— O. R. Leider nein. — E. D. 1000. In Gütergemeinschast leben die Eheleute in der Regel nicht. Welches Güterrecht w dem Ihr Mündel betreffenden Fall in Frage kommt, hängt davon ab, wo die Eltern geheiratet hattcir. Ob der Klage- anspruch gerechtfertigt ist, ist ohne Einsicht in die Klage nicht zu beant- warten.— Gottschalk. Im Zwesten Band des AdrcßlalendcrS Teil IV, Seite 142, finden Sie die illdressen.— W. G. 23. Da die Vereinbarung getroffen ist, so hat der Arbeitgeber keine Verpflichtung zur Zahlung.— O. K. 00. Ja.—(¥.<8. 2, Wenden Sie sich direkt an den Magistrat mit Ihrer Anfrage.— Helene und Frtü. t. Die sechswöchentliche Kündigungssrist zum Ouarialsersten muß leider, wenn nichts anderes ver- einbart ist, eingehalten werden. 2. Sie können auf Einhalluuq des Vertrages, wie Sie geschloffen haben, bestehen. Ist über die MietSzcit nichts vereinbart und liegt monatliche MietSzahlung vor, so kann jeder Teil bis am 15. zum l. kündigen. —*6.<£. 35. Ausrufe sind nicht erforderlich, amtliche Nachricht ebenso- wenig.— H. 100. Sie sind im Irrtum, es steht nicht dort, daß der Mann Anrecht am Vermögen habe, wenn nicht vor der Heirat ein notarieller oder gerichtlicher Vertrag geschlossen würde. Dieser Vertrag erleichtert nur den Nachweis des Eigentums. Wird der Gerichtsvollzieher aus Ihre Be- schwerde beim Amtsgericht angewiesen, zu pfänden, so würden Sie die Sachen freigeben müssen und evenlnell noch Kosten zuzahlen, wenn die Ehefrau beweist, daß die gepsändeten Sachen ihr gehören. Sic können de» Schuldner zum OffenbarungSeid laden.— Julius Ginge. Seite 238 und 233 de? dem„Arbeiterrccht" bcigcsügtcii Führers, nicht des„Arbeiterrcchtcs" selbst finden Sie die Beispiele.— E. B. 100. Verjährung liegt nicht vor. Sie können noch jetzt Auseinandersetzung verlangen.— Unkenntnis. Eine Auseinandersetzung ist nicht erforderlich, wohl aber die Einrcichung des Inventars über daS Vermögen Ihrer Fra». Unter Angabe, daß Sie nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch erben. Nicht Ihr Vermögen, sondern lediglich das der Frau ist anzugeben. Das während der Ehe Er- wordene gehört nicht zu dem Vermögen der Frau.— D. R. Nein. Berliner Marktpreise. Aus dem amiliche» Bericht der städtischen Markthallen-Direktion. Rindfleisch la 65—68 pr. 100 Pfund, Ha 56—04, lila 50—54, IV-t 40-48, engl. Bullen. 00-00, dän. Bullen- 50—55, Holl. Bullen- 00—00. Kalbfleisch, Doppelländcr 105—120, la 80—88, Na 65—78, INa 52-62. Hammelfleisch la 62-72, IIa 55—61. Schweinefleisch 70—74. Kaninchen 0,30—1,10. Hühner, alte, Stück 1,70—2,25, alte per Psd. 0,00, junge, per Stück 1,00—1,30. Tauben, junge 0.55-0,66, alte 0,40—0,45. Enten, junge per Stück 2,50—5,25, per Psd. 00—00, riiss., gcsr. per Stück 00—00. Gänse, junge, per Pfd. 1,25—1,30, ruff. per Psd. 0,00-0,00. Hechte 00-00. Schleie 00-00. Bleie 00-00, groß 00-00. Aale, groß 00-00, mittel 00-00, Nein 00-00, unsortiert 00-00. Plötze» 41—43. Flundern, pomm. I, per Schock 00—00. Kieler, Stiege la 4—7, do. mittel, per Kiste 8—4, do. klein, per Kiste 00—00. Bücklinge, schwed. Per Wall 00—00, norw. 3,00—3,50, Holl. 3.00, Kieler 2—3, engl. 2-3,00. Aale, groß, per Psd. 1,10—1.20, mittelgroß 0.80-0,80, klein 0.50— 0.60. Sprotten. Kieler, 2 Wall 1,00—1,60, Elb-, per Kiste 0,50—0,60. Sardellen, I302cr. per Anker 74,00, 1304er 72,00, 1305er 70,00. Schottische Pollberinge 1905 00—00, larxo 40—44, kull. 36— 38, med. 33— 35, deutsche 37—41. Heringe, neue MatjcS, per'/, Tonnen 60—120. Hummern, IIa, 100 Psd. 00—00. Krebse, per Schock, große 00—00, miiteigroße 00—00, kleine 0,00, unsorstert 00—00. Eier, Land-, per Schock 00—00, frische 3,25—3,40. Butter per 100 Pfund. la 120, IIa 117-120, lila 115—116, ab- fallende 110—114. Saure Gurken, Schock 3— 3,50 M., Pscffcrgurlcn 3—3,50 M. Kartoffeln per 100 Psd. magn. bon. 2,10—2,35, rote Dabcrsche 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl per Schock 0,00—00,00. Weißkohl per 100 Psd. 4,50-5,50. Rotkohl per Schock 00-00, Holl. 16-24. Grünkohl, per 100 Psd. 12—15. Rüben, weiße 12—16, Teltowcr 16—18. Kohlrüben, per Schock 2,50—4,50. Wtttrrnugsüderslcht vom S. April 1000. morgens 8 Uhr. Wetter-Prognose für DicuStag, de» 3. April 1006. Trocken und vorwiegend heiler, nachts leichter Frost, um Mittag ziemlich warm bei mäßigen nordöstlichen Winden. Berliner We'terburea«. Möbel-Halle [farrg �oldschmidt Moritzplatz 59. Nicht zu vergleichen mit Abzahlongs-Geschäften welche auch Konfektion führen. 85L+ £xtra'Abteilung verliehen gewesener = Möbeln wlchentliche oder monatliche | Teilzahlung gestattet! IM- Kein Abzahlungs-Warenhaus, sondern nur IStpeslal HUbelgeschtift. DaspSleereliorSOn. Backware: 6 Stück 10 Pfennig in Älbrechts Bäckereien: Wrangrlstr. 135, Stvnutftrnfie 19, Fallfeiisteinstr. 28, LanfiNerstr. 2, Markthalle Pücklerstr., Stand 222/23, Markthalle Andreasstr., Stand 18/18, Zentrale: Boxhagenerftr. 13. Em neues Flugblatt für den IteiMaastritt aas der Kirche beabsichtigt demnächst der Agitatiaas-Aasschaß der Lreireligiäsca Geaitiadt Kerlia ~ in einer Million Anfinge= zu verbreiten. Für Berlin und Umgegend bittet der Ausfchtttz, dllfj diejenigen Gefinnungsfreunde(Männer und Frauen), welche fich NN der(an einem noch zu bestimmenden Sonntag) ftattfindeuden Ber- breitung beteiligen wollen, sich schriftlich bei den Unter- zeichneten melden. Da es ein ganz allgemein gehaltenes Flugblatt ist. geben wir dasselbe auch Unentgeltlich nach auswärts ab. und ersuchen Gesinnungsfreunde, welche das Arrangement der Verbreitung in anderen Orten übernehmen wollen, unverzüglich ihre Adressen(deutlich geschrieben) mit Angabe der Anzahl der gewünschten Flugblätter an einen der Unterzeichneten einzusenden: A. Hoffinann, Blumenstr. 14.€J. Bohne, Kopenhagenerstr. 15. 62/11 Eisert, Grüner Weg 58, IV. Jttntsch, Weidenweg 71 H. Peege, Rüdcrsdorferstr. 48. SM" Auch find daselbst Austrittsformulare gratis z« haben!"WS Restaurant Schweizergarten Köpenick, 4. Rierdurch mache ich die ergebene Hnzcige, daß ich am SKontag, den 2. April er., wieder pcrfönUch die Leitung des Reftaurants übernommen habe, und bitte ich, mir das früher geschenkte Qlohlwollen auch wieder aufs neue bezeigen zu wollen. Qm geneigten Zuspruch kittet Rochachtungevoll Wilhelm Qärisch. Jedes Wort 10 Pfennig. Bas erste Wort(fettgedruckt) 20 P(g. Stellengesuche und Schlatstellen.Anzelgen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen( ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahme. stellen für Berlin bis I Uhr. für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedltlon, Llndenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Gardine«- Versandhaus Ieru- fnlkmerstraße 11/12 Inventur. 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