Kr. 79. Hb«nnements*B«dingungcn: Wonnementi» Preis pränumerando: Bierteljährl. ZL0 Mk. monatl. 1.10 MI. wöchentlich 2S Pfg. frei in? Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. nununer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Di- Neue Well" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post. Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband fitr Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, siir das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 23. Jahrg. Vlchtli» täglich auScr tüontaaJ. Vevlinev VolKsbl�kk. Die Tnfcrtions'GcbQljr beträgt für die sechsgespaUene Kolonel- zeile oder deren Raum bo Pfg., für politische und gewcrlschastliche BereinS- und Berfammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „kleine Anreisen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stcllen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort K Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen diS SUhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöfsnet, Telegramm< Adresse: „Sozlaldtmolirat Berlin". Zentralorgan der rozialdemohratifchen Partei Deutfchlands. Redahtion: SM. 68, Lindenstrasse 6g, Jrcriifpicdicr: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 4. April 1906. 6xpcditton: SM. 68, Lindenstrasse 69. asernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Bülow- Details. 1. Wir nciüerii uns dem Ende der zweiten Lesung des Reichshaushaltsctats und damit der Debatte über die aus- wärtige Politik, die dieses Jahr bis zuletzt aufgehoben worden ist, vermutlich, um erst die Konferenz in Algcciras zu Ende gehen zu lassen, ehe Bülow sich der Kritik des Parlamentes stellt. Diese Debatte hat dieses Jahr günstigere Chancen als früher: wir sind zuni erstenmal in der Lage, dem Gang unserer Diplomaten bis in die Einzelheiten zu folgen. Sonst konnten wir nur im großen und ganzen den Kurs kritisieren, den unser Staatsschiff ging, sein unaufhörliches Schwanken, fein anscheinend sinnloses Hin und Her, die absolute Erfolg- losigkeit unserer Politik und den üblen Eindruck, den sie nach- weislich im Ausland macht. Im letzten Jahr aber haben wir auch einen Einblick in das Detail des diplomatischen Getriebes zu tun vermocht und haben Bülow und seine Gesandten bei der täglichen Arbeit gesehen. Nun kann uns der geschmeidige Diplomat nicht mehr sagen, daß uns die Sachkenntnis fehle, daß man über die auswärtige Lage nicht urteilen könne, ohne die Akten des Auswärtigen Amtes zu kennen, und was seit Menschenaltern derartige Schlagworte mehr sind. Jetzt kann uns Bülow nicht mehr entwischen, denn wir haben in seine Akten gesehen! Diese günstige Lage danken wir der französischen Diplo- matie und dem G e l b b u ch, das sie im letzten Dezember über die Marokkofrage veröffentlicht hat. Nicht als ob an sich die französische Diplomatie hervorragend viel besser wäre als die deutsche. Unsere französischen Genossen haben ddn Herren Delcasss und Rouvier ebenso auf die Finger zu passen gehabt, wie wir dem über Marokko gesürstcten Herrn von Bülow. Aber in dieser einen Frage, die im letzten Jahre das ganze diplomatische Getriebe erfüllte, hat die französische Diplomatie das bessere Gewissen gehabt und hat ihrer beut- scheu Kollegin gegenüber sich an die Oeffentlichkeit geflüchtet. Diesem Umstände verdanken wir einige Einblicke in die Details der Bülowschen Methode und in die Hintergründe der deutschen Reichspolitik. Und in diesem Sinne wollen wir den Streit der französischen und der deutschen Staats- Perücken gern für uns ausschlachten, als der Dritte, der immer den Vorteil hat, wenn zwei feindliche Brüder sich zanken. Das Gelbbuch ist in Deutschland ungemein schwer zu er- halten, buchhändlerisch überhaupt nicht und auf privatem Wege nur durch die, die zu französischen Parlamentariern Be- Ziehungen unterhalten. Daher hat die deutsche Oeffentlichkeit von diesen Enthüllungen noch so gut wie gar keine Kenntnis genommen. Im Dezember, als das Gelbbuch erschien, hat Maximilian Horden in der„Zukunft" einige Rosinen heraus- gepickt und— man mag sonst zu ihm stehen wie man will— in diesem Falle die Hand wirklich auf eine Wunde der beut- schen Reichspolitik gelegt. Dann hat unser Genosse Kurt E i s n e r in einer Broschüre*) das Gelbbuch und einiges andere Material zusammengearbeitet zu einem vernichtenden Gesamturteil über die deutsche Diplomatie. Aber es bleibt an Einzelheiten noch genug, was aus dem Gelbbuch herausgeholt werden muß, und was dem deutschen Reichskanzler nicht ge� schenkt werden darf. Die deutsche Regierung hat nicht umhin können, gegem über der französischen Aktenpublikation auch die deutschen Aktendeckel etwas lüften. Am 8. Januar 1906 legte sie dem deutschen Reichstag eine Druckschrift vor: Aktenstücke über Marokko, das sogemmnte„Weißbuch". Aber es ist gar kein Buch, es sind nnr ein paar zusammengeheftete Blätter, notdürftig 18 Seiten füllend, von denen zwei noch auf das Inhaltsverzeichnis abzurechnen sind. Dies Weißbuch, neben das französische Getßlnich gelegt, bietet ein geradezu klägliches Schauspiel, ein järnmefflch unbeholfenes Gestammel. Dort ein dicker fester Band von 320 großen Quartseiten, 368 Akten- stücke, fast durchweg bisher unbekannten Inhalts enthaltend, eine Fülle von Material, dessen volle Bewältigung einige Wochen eifrigen Studiums erfordert. Hier 16 Quartseiten in großem Druck, zusammen27Attennummern bergend; abernnter diesen 27 ist noch eine Sammlung unkontrollierbarer Zeitungs- ausschnitte, aus dem Zusammenhang gerissene einzelne Sätze bietend, die gar nicht zu brauchen find, und weitere 8 sind teils in vollständigerer, teils in richtigerer Gestalt bereits durch das französische Gelbbuch bekannt gewesen. So hat die deutsche Regierung den traurigen Mut, als„Aktenstücke über Marokko" im ganzen 18, sage und schreibe achtzehn neue Akten den 363 französischen entgegenzustellen. Man sieht schon hier, wo in diesem Falle das guie Gewissen und wo die Hinterhältigkeit steckt. Die französische Regierung deckt ihre Karten fast voll- ständig auf: die deutsche lüftet schamerrötend nur einen Zipfel. Die von Frankreich veröffentlichten Aktenstücke berühren die deutsche Politik an fünf Punkten, natürlich mit der be- stimmten Absicht, in diesen fünf Punkten die deutsche Regierung vor Europa bloßzustellen oder festzulegen, und in keinem von ihnen ist es der deutschen Regierung gelungen, eine wirklich durchschlagende Entkräftung der französischen Politik zu finden. Ihre beste Waffe ist ngch das Totschweigen— das berühmte Rhinozerosfell, dessen der Kanzler sich ja noch besonders rühmt. Aber mit dem Totschweigen ist noch nichts widerlegt! #) Kurt EiSner,„Der Sultan des Weltkrieges", Dres- den. Kaden u. Co. 72 etilen. 40 Pf. Die fünf Tatsachenreihen, die sich aus dem Gelbbuch mit urkundlicher Treue belegen lassen, sind diese: 1. Die deutsche Regierung hat den Zielen der französischen Marokkopolitik ursprünglich sympathisch gegenüber gestanden, dann aber im Anfang des Jahres 1S05 eine plötzliche und den Franzosen völlig überraschende Schwenkung gemacht. 2. Die diplomatische Begründung dieser Schwenkung ist hinfällig; denn sie ruht auf vollständig unzureichender Kenntnis des französischen Vorgehens in Marokko(nach dem Weißbuch kann man einfacher sagen: der Sultan hat den deutschen Ge- sandten maßlos belogen, und der Harmlose hat es geglaubt oder sich wenigstens den Anschein gegeben, es zu glauben.) 3. Ter deutschen Regierung ist mehrfach Gelegenheit zu einer direkten Verständigung geboten worden: aber sie hat mit merk- würdiger Zähigkeit auf dem Gedanken einer internationalen Kon- fcrenz bestanden. 4. Tie französische Regierung ist nur durch eine merkwürdige Doppelzüngigkeit der deutschen Diplomaten dazu gebracht worden, ihren Widerspruch gegen die Marokkokonfcrenz fallen zu lassen. 5. Aber sie sah sich sofort durch die Treulosigkeiti der deutschen Diplomatie getäuscht. Wir greifen einzelne Punkte aus dem Material heraus, um den Charakter und die Methode unserer Diplomaten an einzelnen Beispielen zu illustrieren; das Ganze hier aufzu- rollen würde den Raum einer Tageszeitung weit überschreiten. Wir wollen dabei von dem dritten Satze ausgehen, da wir so am raschesten in die interessantesten Rätselfragen der deutschen Politik hineinkommen und gleichzeitig ein Stückchen Weißbuch- arbeit kennen lernen. �Die deutsche Regierung verfolgt seit dem Regierungs- antritt Wilhelms II. mit geradezu aufdringlicher Absichtlichkeit den Gedanken einer Aussöhnung Deutschlands und Frank- reichs. Auch im letzten Herbst hat ja Bülow wieder an mehrere französische Journalisten ähnliche Reden gehalten. Dieser Politik aber, die die gesundeste wäre, die unsere Regierung überhaupt treiben könnte, hat sie selbst einen vernichtenden Faustschlag versetzt, als die deutsche Diplomatie dem Sultan von Marokko riet, die bereits grundsätzlich erteilte Zustimmung zum französischen Reformplan zurückzuziehen und eine inter- nationale Garantie der anderen Mächte für Frankreichs Wohl- verhalten zu fordern. Am 13. April 1903 hatte der Makhsen(in grobem Ver- gleich könnte man ihn ein Mittelding zwischen deutschem Bundesrat und preußischem Herrenhaus nennen) dem fran- zösischen Gesandten erklärt, er nehme seine Vorschläge bezüglich der Polizeiorganisation im ganzen an, behalte sich aber vor, in einigen Orten aus eigenen Mitteln eine Polizeitruppe zu errichten. Dem hatte der französische Gesandte zugestimmt. Zwei Wochen später, am 26. April, erhielt er aber plötzlich den Bescheid, daß der Makhsen fordere, von den Mächten eine Garantie dafür zu erhalten, daß Frankreich wirklich die Ver- pflichtung erfülle, seine Polizeioffiziere zurückzuziehen, sobald die marokkanische Regierung selbst in der Lage sein werde, ohne ihre Hülfe die Ordnung aufrecht zu erhalten. Der fran- zösische Gesandte erklärte sofort, die Unterschrift Frankreichs bedürfe keiner Kaution durch die Mächte, und berichtete an seine Regierung. Dclcass4 antwortete am 3. Mai, daß er der marokkanischen Regierung kategorisch erklären solle, Frankreich lehne in seinem Verhältnis zu Marokko jede Vcrmittelung einer dritten Regierung ab. Dies teilte der Gesandte am 12. Mai dem marokkanischen Minister mit: am selben Tage meldete er, daß der deutsche Gesandte in Fez eingetroffen und mit großem Pomp empfangen worden sei. Am 27. Mai er- hielt er dann den endgültigen Bescheid, daß der Makhsen die französischen Vorschläge ablehne und die Reformfrage einer Konferenz der Mächte unterbreiten werde. Am 30. Mai war die offizielle Einladung zu einer solchen Konferenz in den Händen der französischen Regierung.(Gelbbuch Nr. 242, 247, 251, 257, 262, 263.) Das war der Moment, in dem Delcassä zum Schwert greifen wollte, denn es war kein Geheimnis, daß es die deutsche Regierung war, die der marokkanischen den Rücken gesteift und ihr die beleidigende Forderung der internationalen Garantie für das französische Wohlverhalten eingeflüstert hatte._ In einem späteren Stadium hat der deutsche Gesandte in Paris es auch ausdrücklich zugegeben: .Wir haben dem Sultan versprochen, seine Unabhängigkeit aufrecht zu erhalten; ebenso haben wir ihm gesagt, daß die Re- formen auf dem Wege einer internationalen Konferenz geregelt werden müßten."(Gelbbuch Nr. 260). Im Weißbuch allerdings ist davon nicht die Rede. Indem er das Ablehnungsschreiben vom 27. Mai(übrigens in falscher Form!) seiner Regierung mitteilte, erklärte der deutsche Gesandte in Fez ausdrücklich(Nr. 17): „Die durch diese Note erfolgte Ablehnung der französischen Reformvorschläge ist das Ergebnis der Beurteilung der Sachlage durch den Sultan und seines Bewußtseins, daß seine Ratgeber (gemeint ist der Makhzen) und seine Untertanen in dieser Sache einmütig hinter ihm stehen.� Meinerseits habe ich nur das Ein- treten der kaiserlichen Regierung auf der eventuell zusammen- tretenden Konferenz für die wirtschaftliche Gleichberechtigung der Mächte und die Unabhängigkeit Marokkos zugesichert." Diese verteufelt schlecht stilisierte Erklärimg soll dem deutschen Weißbuchleser glauben machen,„Seine Scherifische Majestät" habe ans allerhöchst dero eigenem Entschluß den Konferenzgcdanken gefaßt. Man könnte beinahe glauben, sie sei nicht in Fez für die kaiserliche Regierung, sondern in der Wilhelmstraße für die deutsche Oeffentlichkeit entworfen worden, so harmlos und schlecht stilisiert sieht sie aus. Doch bleiben wir dabei stehen, daß die französische Regierung den deutsch- marokkanischen Plan einer internativ- nalen„Kaution" oder„Garantie" für Frankreichs Vertrags- treue gegenüber dem Sultan als Kriegsfall nehmen wollte. Delcasso ist bekanntlich darüber gestürzt, und sein Nachfolger, Rouvier, hat andere Wege versucht, um dasselbe Ziel zu er- reichen. Aber auch Delcassö— das beweist das von Rouvier, seinem Nachfolger, der ihn gestürzt hat, zusammen- gestellte Gelbbuch schlagend— hat ursprünglich durch- aus nicht an denKrieg mitDeutschland gedacht. Am 9. April bereits hatte Delcasso gerüchtweise davon gehört, daß„man dem Sultan die Idee nahelegen werde oder bereits nahegelegt habe, eine internattonale Konferenz zur Regelung der marokkanischen Frage zu berufen". Er weist den Botschafter an, dem Sultan diesen Gedanken energisch auszureden(Gelbbuch Nr. 238.) Dann aber er- greift er die Gelegenheit eines Diners auf der deutschen Bot- schaft in Paris, um den deutschen Gesandten selbst zu einer direkten Aussprache zu stellen, am 13. April 1905. Am Ende dieses Gespräches faßte er sich in folgenden Worten zusammen (Gelbbuch Nr. 243): „Kurz, unsere Politik hat sich nicht geändert; unsere Haltung ist ebenso klar, wie unsere Erklärungen. Ich bin aber doch ae- zlmingen, besonders auf die Zeitungspolemik hinzuweisen, von der ich eben sprach. Und ich sehe mich veranlaßt, Ihnen diese Frage vorzulegen: Könnte eS tatsächlich trotz allem noch ein Mißver- ständnis geben? In diesem Falle, Sie wissen es aus meiner jüngsten Erklärung in der Kammer, und ich wiederhole es Ihnen: ich bin durchaus bereit, rS zu zerstreuen." Diese Frage erklärte der Fürst Radolin, der deutsche Bot» schafter, nach Berlin übermitteln zu wollen, da er keine In- struktton habe, sie zu beantworten. Darauf beauftragte Delcasss den französischen Botschafter in Berlin, auch seiner- seits diese Frage zu stellen. Herr Bihourd, der französische Botschafter bei der deutschen Regierung, legte diese Frage dein UnterstaatSsekretär von Mühlberg am 18. April 1905 in mündlichem Gespräche vor.„Herr von Mühlberg," so be- richtete er nach Hause,„hat mich sehr aufmerksam angehört und mich gebeten, die Instruktion, die ich in Händen hatte. ihm �zustellen." Das war alles.(Gelbbuch Nr. 245.) Herr von Mühlberg erhielt den gewünschten Text am 25. April. Am 28. April berichtete der französische Botschafter nach Hause(Gelbbuch Nr. 248): "„Die kaiserliche Negierung beeilt sich nicht, auf die Frage 'zu antworten, die hinter einander Eure Exzellenz in Paris und ich in Berlin ganz klar gestellt haben. Dieses Stillschweigen trifft sehr gut zusammen mit der Politik, die der Kanzler im Reichstag und der Kaiser in Tanger proklamiert haben." Nun folgt eine längere Auseinandersetzung, in der zum erstenmal die Rede davon ist, die deutsche Regierung wolle vielleicht den Krieg. Es wird dabei ausdrücklich auf die Umgebung des Kaisers verwiesen: «Die kriegslustigen Ratgeber sind ohne Zweifel in der Um- gebung des Kaisers vertreten; sie verfehlen sicherlich nicht, zu behaupten, daß der Zweibund in der Mandschurei einen schweren Stoß erlitten hat. Bei dieser Konjunktur haben sie leichtes Spiel, die gegenwärtige Stunde als günstig zu bezeichnen zu einem bewaffneten Krieg gegen Frankreich." Trotzdem fährt der Botschafter fort: „Bei dieser Sachlage, welche Wege öffnen sich unsxrcr Diplomatie? Haben wir nicht Hoffnung aus Verhandlungen?" Und dann empfiehlt er seinem Minister das Eingehen auf den Konferenzgedanken, um der deutschen Regierung cnt- gegenzukommen I Das ist die kriegerische Sttmmung des Ministers Delcasso, auf den Fürst Bülow nach seinem Sturze alle Schuld werfen wollte I Delcasss wollte verhandeln, wollte den Konflikt ver- meiden, wollte eine Aussprache über etwaige„Mißverstand- nisse" herbeiführen— und Bülow schwieg! Er stieß die Hand zurück, die sich ihm bot und ließ derweilen in Marokko dein Sultan den Rücken steifen. Am 26. April war dann der Konflikt erfolgt. Nach der beleidigenden Zumutung seitens des Sultans konnte Delcasss den Konferenzgedanken nicht annehmen; er sondierte in England um Hülfe, wenn Deutsch- land den Krieg begänne. Die Tatsache, daß Delcassö zu Verhandlungen bereit war, und daß unsere Regierung ihn zurückstteß, ist eine der wuchttgsten Enthüllungen, die das Gelbbuch brachte. Nun wissen wir, daß Bülow,— vorsichtiger gesagt, daß die deutsche Regierung es war, die den Anlaß zum Kriege bot und den Weg der Verständigung erschwerte. Und wir wissen auch, daß unserer Regierung diese Enthüllung die peinlichste war. Sie hat sie im Weißbuch einfach unterschlagen. Auch das Weißbuch hat(Nummer 6) einen Bericht des deutschen Botschafters in Paris über die entscheidende Unterredung vom 13. April. Aber es ist das einzige Aktenstück, bei dem ausdrücklich bemerkt wird, daß seine Wiedergabe im Weißbuche nur ein Auszug sei. Warum gibt sie nur einen Auszug? Warum hält sie einiges von dem, was ihr der deutsche Gesandte schrieb, vor der Oeffentlichkeit geheim? Weil sie nicht wollte, daß der Schluß jener Unter- redung in Deutschland bekannt werde, der eben das Ver- Handlungsangebot DelcasseS an den Gesandten enthielt l Daher denn auch von den nachherigen Gesprächen des Herrn Bihourd mit dem Unterstaatssekretär v. Mühlberg kein Wort im Weißbuche steht!— Wir stoßen hier nicht nur auf eine der mannigfachen Un- redlichkeiten, mit denen das Weißbuch zusammengestellt worden ist, sondern auch auf eines der vielen Rätsel der deutschen Diplomatie! Warum lehnt Deutschland die direkte Ver- ständigung ab und versteift sich auf die doch ungleich gefahr- vollere Konferenz? Glaubt es, bei der Konferenz mehr zu gewinnen? Hat es sich irgendwie gebunden und warum? Was führt es im Schilde? Es ist ganz gut zu verstehen, daß Delcassü Unheil ahnte und einem drohenden dunklen Spiel Deutschlands zuvorkommen wollte. Und doch tat Herr Rouvier besser, der es verstand, auf weniger gewaltsame Weise den Schleier dieses Rätsels wenigstens etwas zu lüften. Davon das nächste Mal. Die Revolution in Rntzland. Die russischen Bluthunde gegen Finnland. AuS HelsingforS wird berichtet, daß fortgesetzt Truppen nach Finnland gesandt werden. In HelsingforS, Abo und Wiborg sind Gardetruppen und Artillerie angekommen. Die Vorbereitungen der russischen Regierung, die ohne jedes Blutvergießen wiedergewonnene Freiheit Finnlands, sowie die geplante Landtagsreform im Blute zu ersäufen, sind also schon weit vorgeschritten. Sämtliche Stände des Landtages haben eine Adresse an den Zaren beschlossen, in der dieser ersucht wird, bei Behandlung des Vorschlags zur LandtagSreform jede Abweichung von den Grundgesetzen Finnlands zu vermeiden und ohne Zögern den Vorschlag zu prüfen. Nützen wird das natür- lich nichts, eS sei denn, daß dem Zarismus in Rußlands selbst wieder plötzlich solche Schwierigkeiten erwachsen, wie im November vorigen Jahres, als den Finnen durch das Zarenmanifest ein Wahlrecht versprochen wurde, wie eS nun im Vorschlage des finnischen Senats vorgesehen ist. Der Generalgouverneur Gerhardt soll vergeblich versucht haben. die Einsetzung der gemischten Kommission zur Prüfung des Senats Vorschlages zu verhindern, und dann danach gestrebt haben, wenigstens liberale Russen in die Kommission zu bringen. Aber auch das mißlang. Jetzt hat er, wie verlautet, sein Abschiedsgesuch ein- gereicht. Erklärung. Wir erhalten folgende Zuschrift: Der„Verband lettischer Sozialdemokraten" hält es für seine Pflicht, in betreff des Ueberfalles auf die russische Staatsbank in HelsingforS folgende Er« klärung abzugeben: Durch die in- wie ausländische Presse ging die Nachricht, daß die meisten der Teilnehmer an dem Ueberfall lettische Emigrauten auS den baltischen Provinzen seien. Um Mißverständnissen vor- zubeugen und um unsere Stellung zu dem Vorfall klarzulegen, konstatieren wir, daß kein Mitglied des„Verbandes lettischer Sozial- dcmokraten" an dem Ueberfall teilgenommen hat. Wir erachten es für prinzipiell unzulässig, den Kampf gegen die russische Selbst- Herrschaft, den wir mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln zu Hause führen wollen, auf neutrales Gebiet zu übertragen und be- trachten speziell den obengenannten Vorfall als einen groben Miß- brauch der Gastfreundschaft des finnischen Volkes. Das ausländische Komitee des„Verbaudes lettischer Sozialdemokraten". Anstiftung zu Judeuiuchelcie». Das Blatt„Nascha Schisn" behauptet, Regiernngs- agenten reizten in Süd- und W e st- R u ß l a n d die Be- völkerung gegen die Juden auf. Die Negierungsbureaus ver- öffentlicheti Aufrufe, in denen aufgefordert wird, die Juden zu töten und zu quälen,„die unsere Riederlage und die Revolution zu Hause herbeigeführt haben". Die jüdische Be- völkerung flieht nach Oesterreich und in andere benachbarte Länder; besonders aus Kiew sind zahlreiche Juden ge- flüchtet. Petersburg, 3. April. Die in letzter Zeit verbreiteten Meldungen über Unruhen und Zusammenstöße zwischen Matrosen und Kosaken in Wladiwostok erweisen sich nach einem der Petersburger Tele- graphenagentur zugegangenen Telegrainm des Wladiwostoker General- gouverneurS Andrejew als völlig unbegründet. Seit zwei Monaten ist die öffentliche Ruhe in Wladiwostok durch. irgend welche Zusammen- stoße nicht gestört worden. In der Stadt herrscht völlige Ruhe und strengste Ordnung._ politische CUberficbt. Berlin, den 3. April. Eine Machtfrage. In der Montagssitzung des preußischen Dreiklassenparla« mentS ist aus dem Munde des Zentrumsabgeordneten Porsch ein Wort gefallen, das, dem Redner und dem Hause unbewußt, die Situation blitzartig beleuchtete I„Die WahlrcchtSfrage ist eben in virler Beziehung eine Machtfrage'." sagt Herr Porsch, ehrlicher und scharfsichtiger, als alle anderen Redner des HauseS, die hinter Ge- rechtigkeit, Fortschritt, Staatsinteressen und anderen schönen Worten mehr die wirkliche Natur der Wahlrechtsfrage zu verbergen suchten oder sich selbst verbargen. Herr Porsch hat ihr den ideologischen Schleier abgerissen. Was wollt ihr, so sagt er denen, die zu hören verstehen, mit eurer Berufung auf die Gerechtigkeit! Könnt ihr vom Zentrum verlangen, daß es durch eine gerechte Wahlkreis- einteilung die Pfeiler seiner Macht untergraben helfe? Glaubt ihr, daß um der Gerechtigkeit willen wir uns der Stütze unserer Position entäußem werden? Naive Leute, die ihr seid! Macht ist das Recht. Die Wahlrechtsfrage ist eben in vieler Beziehung eine Machtfrage. Das„in vieler Beziehung" ist eine letzte Konzession an die bürgerliche Ideologie und Wohlanständigkeit. Ganz nackt kann der Redner des Zentrums die Wahrheit auch nicht präsentieren. Seine Worte werden erst zur vollen Wahrheit, wenn man die Einschränkung „in vieler Beziehung" streicht, wenn der Satz lautet: Die Wahl- rechtsstage ist eine Machtsrage! Eine Machtfrage I Wie sehr sie eS ist, das hat gerade die Be- ratung der beiden lex Bethman-Hollweg, der Wahlreformen gegen die Wahlreform gezeigt, hat bor allen Dingen die gestrige dritte Lesung der Gesetzentwürfe gezeigt. Ein leeres Haus, eine Anzahl Abgeordneter. die nicht zuhörte, eine Majorität, die nicht redete, und eine Minorität, die jämmerlich redete. Das war das erhebende Bild, das sich dem Tribünenbesucher bot. Zwischen zwei unbedeutenden Kleinigkeiten wurde die preußische„Wahlreform" erledigt. Bei einer politischen Temperatur von Null Grad. Die Herren Preußens strapazierten sich nicht mit Reden. Sie antworteten den Rednern des Freisinns nicht mehr, sie verzichteten auf die Ab- Weisung ihrer Angriffe, sie gähnten und stimmten ab. Denn sie waren ihrer Sache ja sicher im Dreillassenhause. Sie haben ja die Macht und sie brauchen keine Gründe; denn die Wahl- rechtSfrage ist eine Machtfrage. Und sie vertrauen auf das Repetier- gewehr, das sie vor außerparlamentarischen Nötigungen schützen tvird. Und Reden imponieren ihnen nicht und Berufungen auf Ge- rechtigkeit und dergleichen schon ganz und gar nicht. Und deshalb legen sie sich keinen Zwang auf und wagen eS, das Proletariat durch ein Verhalten zu verhöhnen, das aufreizender w.irken muß, als eS die scharfmacherischsten Reden vermöchten. Freilich, eins muß man den Junkern zugeben. Die Qualität und die Kraft der gegnerischen Angriffe ist gerade nicht geeignet, sie in Aufregung zu versetzen. Die freisinnigen Kmdcrpfeile dringen nicht durch die Rhinozerushäute der Junker und der RegierungS Herren. Sie verwunden nicht einmal Fliegen. Herr Wiemer redete eine Reihe von breitesten Gemeinplätzen. Vom Rechtsboden aus will er den Junkern zu Leibe und stößt martialisch in die Lust. Und wie unzuverlässig ist dieser freisinnige RechtSbodcnl Wenn es an daS Gemeindewahlrecht geht, zeo bröckelt er den Unentwegten unter den Füßen. Aber„wir behandeln Fragen des Rechts nicht nach wahltaktischen Gründen", sagt Herr Wiemer, der Uneigennützige, mit dem Brustton der vollen und ganzen Ueberzeugung. Seine lauwarmen Worte brachten einen Zentrumsredner auf die Beine. Für das Zentrum ist die Situation heikel, deshalb die Empfindlichkeit selbst bei den zahmen Mahnungen des Herrn Wiemer. Herr Porsch hielt eine kleine jesuitisch gefeilte Rede. Wenn'S paßt, ist das Zentrum nicht Trumpf, sondern ohne jeden Einfluß. Herr Porsch kokettierte förmlich mit der angeblichen Machtlosigkeit seiner Partei. Was soll die Acrmste denn in der Wahlrechtsfrage tun? Sie hat den besten Willen, aber keine Kraft. Daß ein Teil seiner Fraktionsgcnoffen nicht einmal für das ge- Heime, geschweige denn für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht zu haben ist, das sagt Herr Porsch natürlich nicht. Obgleich das doch die beste Erklärung für die lendenlahme Haltung, für das Nichtstun in der Wahlrechtsfrage, für den schmählichen Verrat an den christlichen Arbeitern gewesen wäre. Der Freisinn leistete sich noch einen Redner, und der war danach. Der Arbeitervertreter in der freisinnigen Fraktion, Herr Goldschmidt, trat auf den Plan. Er hielt«ine Arbeiterrede, d. h. er empfahl den deutschen Arbeiter als Musterknaben, dessen ge- sunder Sinn ihn bald von der Sozialdemokratie freimachen werde, wenn die Konservativen ihn nur nicht durch ungerechte Behandlung verbitterten. Nicht der zornige Aufschrei der Arbeiterschaft über die ihr zugefügte Schmach gewann Leben in dieser Rede, sie war eine Entschuldigung für die freisinnige Wahlrechtsforderung, die gar nicht so grundstürzend ist, wie die Konservativen fürchten. Denn sie wird keine sozialdemokratische Mehrheit bringen. Schmach über Schmach ist in diesen Verhandlungen dem preußischen Proletariat angetan worden! Eine einzige brutale Verhöhnung seiner Wahlrechtsbcwcgung stellen sie dar! Und damit glauben die Junker die Sache erledigt. Sie wähnen, das Wahl- unrecht, dessen innere Verrottung seine Erhaltung, wenn nicht be- drohte, so doch erschwerte, mit den Aenderungen, die die beiden Lex Bethmann-Hollwcg bringen, wieder neu gekräftigt, für absehbare Zeit aufs neue fest verankert zu haben. Und sie werden Recht haben, wenn Preußens Proletariat ihrem Werke untätig zuschaut, wenn es die Backenstreiche ruhig hinnimmt. Aber solche Ergebung ist niemals die Sache der klassenbewußten Arbeiterschaft gewesen. Ihr Ruhm ist es, daß sie gekämpft hat unter dem Hagel, feindlicher Pfeile, daß sie im dichtesten Feuer ihre Kaders zu formieren ver- stand, daß uneinnehmbare Stellungen sie niemals verzagen ließen. So werden auch die neuen Schanzen vor der Burg des Dreiklassen- Unrechts die Arbeiterschaft nicht schrecken, sondern ihr nur Mahnung sein zu neuem Vorstoß. Zu zäher, unermüdlicher Minierarbeit, die den Sturm vorbereitet! Die Verhandlungen des Landtages über die Wahlreform- Novellen müssen der Ausgangspunkt neuer, wuchtiger Agitation fein! Das Material, das die Verhandlungen für uns bergen, muß hinausgetragen werden in die Lande, in die Massen! Eingeprägt werden muß allen Proletariern das Wort: Die WahlrcchtSfrage ist eine Machtfrage! Etatskrümel. Eine lange Reihe von Beratungsgegenstctnden zierte die heutige Tagesordnung des Reichstages, die das Präsidium im Automobiltempo zu erledigen gedachte. Aber zunächst hatte Genosse Z u b e t l die Arbeitsverhältnisse der Spandaucr Staatsarbeiter zu erörtern, die unter einer bureaukratisch- kapitalistischen Wirtschast oft recht unleidlich für die Arbeiter sich gestalten. Es hilft nichts, daß der General S i x t v. Armin sich über die vom Genossen Zubeil gezogenen Monitas in seiner Erwiderung mit der Bemerkung hinwegzureden versuchte, einzelne Angaben in der vorjährigen Rede Zubeils hätten sich nicht als zutreffend eriviesen. Will er wirklich ernstlich dafür sorgen, daß die Spandauer Arbeiter ihre doch wahrlich vom„Vater Staat" kärglich genug gelohnte Arbeit fteudiger verrichten und an dem guten Willen glauben sollen, daß man ihre Lage ver- bessern will, dann muß er den kasernenmäßigen Unteroffiziers- geist der Borgesetzten von den„freien" Arbeitern fernhalten. Die Militärverwaltung täte bcsse, ernste Instruktionen an die Vorgesetzten der Arbeiter gelangen zu lassen, letztere würdiger zu behandeln, statt sie als Rekruten im Wirtschaftsgetriebe des Staates zu betrachten. Und bessere Löhne wären keineswegs ein Schaden für den�Fiskns. Jeder verständige Privatunternehmer weiß, daß, je besser er„seine" Arbeiter behandelt und lohnt, sich das doppelt renttert. Kapitalistische Lohnknauscrei und kasenicnmäßige Behandlung sind schwere Vergehen gegen die Oualiftkation der Arbeit. Mit ihnen mich zuerst aus- geräumt werden, wenn der Staat seine- Bettiebe zu mustergültigen machen will. Militärsüchttge bürgerliche Abgeordnete bettelten dann um die Verlegung von Truppenübungsplätzen und Schieß- Plätzen nach den Gegenden, die für diese Abgeordneten aus wahlpolitischen Gründen Interesse haben. Wie durch diese Wahlpolittt die Interessen der Bewohner solcher Gegenden geschädigt werden, das wurde von unserem Genossen Bock eingehend geschildert, der im Gegensatz zu dem Abgeordneten Hagemann die Wünsche und Beschwerden der Bewohner jener Gothaischen Orte vortrug, die die Anlegung eines Schießübungsplatzes von ihrem Gelände fern halten möchten. Hagcmann fand Vorteile in der Anlegung dieses Platzes im Gothaischen Lande, während die dorttgcn Bewohner alle Hebel gegen dieselbe in Anwendung bringen, weil die Schädigung ihres Eigentums zu groß sei. Der Generalmajor Gallwitz konnte die Einwände Bocks nicht entkräften. Aber er klagte. daß das 11. Armeekorps unter dem Mangel eines guten Uebnngs- Platzes seufze und gegen dieses„seufzende Armeekorps", das Heiterkeit erregte, haben die Interessen der kleinen gothaischen und preußischen Bauern jenes Bezirks in den Augen der Militärfanatiter natürlich nichts zu bedeuten. So wurde denn der Militärverwaltung bewilligt, was sie forderte. Die übrigen Posittonen im Etat für die Verwaltung des Reichs- Heeres wurden debattelos bewilligt; ferner wurden die Reste der Etats für die Expedition nach Ostasien, für daS Reichs- Militärgericht, für die Verwaltung der Marine bewilligt. Mittwoch: Etatsreste, Wohnnngsgeldzuschüsse, Scrvis- gesetz usw._ ga M Landtagsferien. Das preußische Abgeordnetenhaus hat sich gestern bis zum 2. Mai vertagt. Vom 24. April ab sollen die Kommissionen tätig sein, damit das Plenum Beratungsstoff hat. Vorläufig sind die Disposittonen dahin getroffen, daß am 2. Mai Schwerinstag ist und daß am 3. Mai die nochmalige Ab- stimmung über die Wahlgesetznovellen stattfindet. Diese so- genannte vierte Lesung muß erfolgen, da die Gesetze einj Aenderung der Verfassung bedingen. Im Herrenhause werden die Wahlgesetze Ende Mai beraten, die Schlußabstimmung wird voraussichtlich Ende Juni erfolgen. Nach Erledigung der Wahlgesetznovelle beriet das Ab- geordnetenhaus am Dienstag in erster Linie noch die Vorlage betreffend den Erwerb der Kalisalzbergwerks der Gewerkschaft „H c r c y n i a" durch den Staat.„Die Vorlage ermächtigt die Regierung, die der Gesellschaft„Hercynia" zu Wernigerode gehörigen Rechte, beweglichen und unbeweglichen Sachen, ivelche zur Geivinnung und Verwertung von Stein- und Kali- salzen und von Sole in Beziehung stehen, zu erwerben und zu diesem Zweck einen Bettag bis zu 30 950 M. zu veraus- aben. Die Vorlage, die ebenso wie die unter dem Minister " öller vollzogene Erwerbung der„Hibernia" der Regierung einen Einfluß auf das Syndikat einräumen will, begegnete mannigfachen Bedenken aus allen Seiten. Es ist aber mit Sicherheit zu erwarten, daß in der Budgetkommission, der sie zur Vorberatung überwiesen ist, diese Bedenken zerstreut werden.— Zu Beginn der Sitzung hatte sich das Haus mit dem Erdrutsch bei Mühlheim a. Rh. beschäftigt. Das Zentrum hatte' eine hierauf bezügliche Interpellation eingereicht, die aber mit Rücksicht auf die Erklärung des Ministers des Innern, daß die Ursachen des Unfalls noch nicht festgestellt sind, nicht besprochen wurde.— ••• veutlckes Rdch. Ein zweckwidriges Mittel. Die beiden Zwillingsblätter, die„Staatsbürger-Zeitung" und „Das Reich", veröffentlichen gleichzeitig ein Rundschreiben, das Herr Oskar Tietz in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Verbandes der Warenhäuser an verschiedene Fabrikanten und Handwerker ge- richtet hat. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut: „Wie ich aus der Mitgliederliste unseres Verbandes ersehe, gehören Sie letzterem noch nicht als Mitglied an. Sollte Ihnen eine Einladung zum Beitritt noch nicht zu- gegangen sein, so könnte dies nur auf einem Versehen beruhen, da ich auf die Mitgliedschaft Ihrer werten Firma m erster Linie reflektiert hatte. Es liegt uns selbstverständlich außerordentlich viel daran, unserem Verbände in seiner Abwehr der rückläufigen Bestrebungen durch eine hohe Mitgliederzahl ein möglichst großes Gewicht nach außen hin, gegenüber den Parlamenten, den Regierungen und den Mittelstandsvcreinen zu geben. Je größer die Zahl der Fabrikanten und Geschäftsfreunde ist, die sich durch ihren Anschluß an unfern Verband mit unseren Bestrebungen einverstanden erklären und dadurch Protest erheben gegen alle rückschrittliche», den Handel erschwerenden und den Umsatz hindernden Bestrebungen einseitiger Politiker,— um so mehr Geltung muß die Stimme unseres Verbandes in der Oeffent- lichkeit gewinnen.— Für diese Unterstützung, die die a.°o. Mitglieder unserem Ver- bände— hauptsächlich in ideeller Weise— gewähren, bietet dieser seinen a.-o. Mitgliedern— abgesehen von den sonstigen Vor» teilen— eine für s i e wohl nicht wertlose Gegen, leistung durch die Aufstellung eines Branchen- Verzeichnisses der a.-o. Mitglieder zur Be» Nutzung beim Einkauf der ordentliche» Mit, g l i e d c r. Der Jahresbeitrag beträgt 12 M.. weitere Verpflichtungen erwachsen Ihnen nicht. Ich hoffe daher, Sie recht bald als a.-o. Mitglied unseres Verbandes begrüßen zu können, und überreiche Ihnen zu diesem Zwecke eine Beitrittskarte, welche Sie, mit Ihrer Unterschrift versehen, gefl. an mich persönlich zurücksenden wollen. Hochachtungsvoll Oskar Tietz i. F. Hermann Tietz." Wir haben uns verschiedentlich in so nachdrücklicher Weife gegen die Warenhaushetze der Blätter vom Schlage der„Staatsbürger- Zeitung" wie gegen die reaktionären Bestrebungen, die Warenhäuser durch allerlei Spezialsteuern und Baubeschränkungcn zu ersticken, ausgesprochen, daß wir gegen den Verdacht gefeit find, die Pläne der antisemitischen Mittelstandsrettcr zu unterstützen; ober der- artige Mittel, wie sie Herr Oskar Tietz anwendet, um seinen Verein im Kampf gegen ihm nic�t passende Bestrebungen zu stärken, ver- mögen wir in keinem Fall zu billigen. Der Hinweis auf die Auf- stellung eines Branchenverzeichnisses der außerordentlichen Mit- glieder und dessen Berücksichtigung beim Einkauf bedeutet nichts anderes als die Ausübung einer Pression auf diejenigen Lieferanten, die mehr oder minder auf die Kundschaft der Warenhäuser an- gewiesen sind. Derartige Praktiken troibcn' lediglich den„nationalen Politikern" i la Liebermann und Schmk neues Waffer auf ihre Mühlen._.n Sckbchi Vom„neuen, wahre» Liberalismus". Äuch Rixdorf hat am letzten Freitag seinen liberalen„WaWrattst" erlebt. In einer vom Wahlverein der Liberalen einberufe»«*;» Volksversammlung sprach Herr Dr. B r e t s ch e i d, der Sekretär des HandelsverttagSvereinS, über die Wahlresormvorlage. Diese Veriamprlung war vom libe- ralen Bürgertum genau so elend besucht wie die vorhergehenden Versammlungen in Schöneberg und Charlottenburg. Von den an- wesenden 100—120 Personen gehörte der iveitaus größte Teil der Sozialdemokratie an. Kein Wunder, daß die an der Dis- kussion sich beteiligenden Genossen unter den übrigen KorruptionS- und Verfallssymptomen des Freisinns auch die in einem so trostlosen Bersammlungsbesuch sich offenbarende Gleichgültigkeit gegenüber den wichtigsten Volksrechten hervorhoben. Die freisinnigen Redner gaben denn auch die politische Verkommenheit des Freisinns inehr oder minder unumwunden zu: man bemühe sich aber gerade einen»neuen, wahren Liberalismus" i.ts Leben zu rufen, ein Streben, das auch die Sozialdemokratie nach Kräften be- günstigen solle. Nun, die Sozialdemokratie tut alles, was diesem Stteben förderlich sein kann. Sie bemüht sich, das freisinnige Bürgertum an seine politischen Pflichten zu mahnen, sie geißelt unbannherzig den Widerstand dcS Müller-Sagan— Mugdanschen Freisinns und die klägliche Flauheit in den Reihen der eigenen Anhänger des Dr. Barth »md Bretscheid. Wenn d a S die Elemente, auf die diese Herren sich stützen zu können hoffen, nicht aus ihrer Apathie aufzupeitschen ver« mag, so vermag wohl keine Macht der Welt dem„neuen, wahren Liberalismus" aus die Beine zu helfen!— Konservative MiUtlftaittzäicjfung. Die konservative Presse, voran die»„flpuscrv. Korrcsp.", sucht aus dem Leitartikel„K l a s s c n k a in p f" irr der Nr. 71 de»„Bor- wärtS" Kapital für die konservattv»-MjtcIjtgichsr«ttcrei zu schlagen. indem sie unsere Ausführung, daß di»! Sszialdesokratie nicht alle sögen. Heutigen Kulturinteressen zu vertreten vermag, z. B. nicht jene,„die als spezielles Produkt der heutigen kapitalistischen Kultur notwendig zum Unter- gang in der sozialistischen Gesellschaft be- stimmt sind, oder die dem Wirtschaftsideal der Sozial- demokratie widersprechen", dahin interpretiert, daß„Handwerker, Kleingewerbetreibende, kleinere Landwirte und Beamte von der Sozialdemokratie nichts zu erwarten hätten als die B e- schleunigung ihres Ruins, das Hinabstoßen in das Proletariat". Die Interpretation macht den Auslegungskünsten der konser- vativen Preßsippe alle Ehre. Wer stößt denn die von der„Konserv. Korrespondenz" aufgezählten Erwerbsschichten in das Proletariat hinab? Die heutige Wirtschaftsordnung, dieselbe Wirtschafts- ordnung. welche die heutigen„Ordnungsparteien", und nicht zum wenigsten die Herren Großgrundbesitzer, mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten suchen. Die Sozialdemokratie hat doch die moderne Wirtschafts- und Steuergesetzgebung, unter welcher d-r sogen. kleinere Mittelstand ächzt und seufzt, nicht gemacht. Xasi Hinabsinken der genannten Erwerbsschichten in das Proletariat ist doch nicht die Folge sozialdemokratischer Maßnahmen und Gesetzgebungs- künfte, sondern des von den Konservativen wie von den Liberalen gleichmäßig verteidigten und durch ihre Macht konservierten kapitalistischen Wirtschaftssystems. Nun, wo dieses Cysten» sich brüchig zeigt, wo überall, an allen Ecken und Enden, seine Schäden hervortreten, möchten allerdings die Konservativen diese Schäden gerne äußerlich übcrkleistern, möchten sie vor allem, um sich die Gefolgschaft der Kleingewerbetreibenden für ihre politischen Zwecke zu sichern, diesen auf Kosten der Arbeiterschaft allerlei kleine Unterstützungen gewähren— nicht aus Interesse für die Klein- bürgerschaft selbst, sondern um deren Hülfe bei der Durchsetzung ihrer Ausbeutungsinteressen zu gewinnen und die ihnen nützliche „Ordnung" so lange wie nur irgend möglich aufrecht zu erhalten. Diese Politik kann die Sozialdemokratie allerdings nicht mit- machen. Sie kann nicht durch staatliche Zuwendungen und Auf- richtung künstlicher Entwickelungshemmnisse ErwerbSschichtcn und Erwcrbsverhältnisse aufrecht erhalten, die nach den Gesetzen der wirtschaftlichen EntWickelung zum Untergang bestimmt sind und deren künstliche Verlängerung nichts anderes bedeutet als eine Per- längerung der Todesqualen des Kleinbürgertums. Der Ausweg aus der heutigen Wirtschaftsmisere besteht nicht nur für die Arbeiterschaft, sondern auch für jene kleinbürgerlichen Erwerbs- schichten, die heute nicht leben noch sterben können, im Ucbergang zu der höheren sozialistischen Wirtschaftsweise, n i ch t in der künst- lichen Aufrechterhaltung des bestehenden Wirtschaftssystems mit seiner Ausbeutung der Lohnarbeiter durch die Kapitalbesitzer. Alle Mittelstandsretterei des Junkertums vermag dem Klein- gewerbebetrieb nicht seine wirtschaftliche Existenz zu sichern, und sie verfolgt auch gar nicht diesen Zweck. Ihr Ziel ist lediglich, die Kleinhandwerker einzufangcn, um sie zu Vorspanndiensten für die agrarische Politik der Grundrentensteigerung und der Lebensmittel- Verteuerung zu gebrauchen.—_ Wozu Ardeitergr»schen verwandt und wozu sie nicht verwandt werden dürfen. In der letzten Ausschußsitzung der L a n d e s v e r s i ch e- rungs-Anstalt Schleswig-Holstein kam es gelegentlich der Beratung des Voranschlages für 190« zur Sprache, daß der Vorstand im verflossenen Geschäftsjahr ein Gesuch der Gesell- schast„GewerkschastS Herberge" in Kiel um Gewährung eines Darlehns brüsk abgelehnt hatte. Die erbetenen Mittel sollten zum Bau der Kieler Gewerkschaftsherbcrge verwandt werden und die aus Mitgliedern des dortigen Gewerkschastskartells gebildete Gesellschaft hatte um so sicherer auf die Bewilligung ihres Antrages gerechnet, als unter den Zwecken, zu denen bestimmungsgemäß die aufgespeicherten ungeheuren Mittel der Versicherungsanstalten Ver- Wendung finden sollten, die Gewährung von Darlehen an ge- meinnützige Anstalten ausdrücklich aufgeführt ist. Von dem Vorstand einer sozialpolitisch so bedeutsamen Institution, wie der Landesversicherungs-Anstalt, glaubten die Antragsteller ohne weiteres annehmen zu dürfen, daß er sowohl im allgemeinen über den eminent gemeinnützigen Charakter der gewerkschaftlichen Be- strebungen, die doch in erster Linie darauf abzielen, die Lebens- Haltung der volkswirtschaftlich und kulturell wertvollsten Be- völkerungSklasse zu heben, orientiert sein würde, als daß er auch speziell nicht das leiseste Bedenken haben könnte, gerade zum Bau einer Herberge die verlangten Mittel zur Verfügung zu stellen, um so mehr, als so ein Teil dieser Gelder Angehörigen derselben Kasse, der sie, sei es direkt, als Versicherungsbeiträge, oder indirekt, als Teil des Mehrwerts, entzogen werden, unmittelbar wieder zugute kommen sollte. War nun dieses Vertrauen der Arbeiter auf die sozialpolitische Emsicht der Herren vom Vorstand der Landesversicherungs-Anstalt eine böse Illusion gewesen, so mußte die Art, lvie in jener Ausschuß- sihung der Vorfitzende der Anstalt, Landesdirektor v. Graba. die Verweigerung des Darlehns motivierte, direkt provozierend auf die im Ausschuß sitzenden«rbeitcrvertreter wirken. Der Herr erklärte zunächst, das Tarlehen sei deshalb nicht gewährt worden. weil die Mittel fehlten. Er fügte aber sofort hinzu: auch wenn die An st alt genügend Mittel zur Verfügung ge- habt hätte, würde die Gewerkschaftsherberge i n K i e l niemals etwaserhaltenhaben. denn sie sei ein Unternehmen der Sozialdemokratie und folglich zur Förderung des Umsturzes der bestehenden staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung bestimmt. Daß ein GcwerkschaftshauS dem Umsturz dient, diese haar- sträubende Behauptung charakterisiert sich selbst und jedes Wort der Widerlegung wäre überflüssig. Die Arbeitervertretcc im Ansschuß fanden sofort die einzig richtige Antwort auf diese Provokation. Sie stellten nämlich den Antrag, daß einer Reihe von Mucker- instituten die vom Vorstand gewährten Darlehen gekündigt und die betreffenden Positionen im Voranschlag gestrichen werden sollten. Es handelte sich um folgende Summen: 46 999 M. für die Stadt- Mission in Wandsbek; 58 599 M. für den„Arbeiterbund" in Flensburg, einen von Beamten und Pastoren zur Bekämpfung der Sozialdemokratie und zur Züchtung von Streikbrechern gegründeten Verein; 39 899 M. für einen christlichen Jünglings- und Männer- verein in Flensburg; 51999 M. fijr die Arbeiterkolonie in Rickling; 173«99 M. für die innere Mission in Neumünstcr. Die Anträge wurden, da ein Arbeitgebervertreter fehlte, zum grenzenlosen Aerger des Vorstandes mit 19 gegen 9 Stimmen angenommen. Der Landcsdirektor v. Graba legte gegen diesen Beschluß Beschwerde beim R c i ch S v e r s i ch e r u n g ch a m t ein. Wie nun den„Jtzchoer Nachrichten" von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, hat diese Behörde als Aufsichtsinstanz den Beschluß des Aus- schusses der Versicherungsanstalt als zu Unrecht gefaßt nicht g e- nehm igt. Die in Aussicht genommene Kündigung jener Gelder werde demnach nicht erfolgen. Inwiefern der Beschluß de? Ausschusses„zu Unrecht" gesaßt sei, ist unerfindlich. Es handelte sich um Positionen des Etats, und der Etat muß dem Ausschuß zur Beratung vorgelegt und von diesem genehmigt werden. Aber jedenfalls ist auch das Reichs- bersichenmgsamt der Ansicht, daß innere WUonen und Jünglings» vereine, über deren sozialpolitischen und ethischen Wert man unter vernünftigen Männern-ja längst nicht mehr debattiert, ebenso wie Streikbrechervereine gemeinnützige Anstalten im Sinne der Statuten sind, daß aber die Bestrebungen der Gewerkschaften, die von den einsichtigen Sozialpolitikern aller Nationen als ein Kulturfaktor ersten Ranges geschätzt werden, mit den zwangsweise den Arbeitern entzogenen Geldern nicht gefördert werden dürfen. Man kann da höchstens noch die Frage auswerfen: unter welchen Gesichtspunkten betrachtet es das Neichsversicherungsamt als seine Aufgabe, das Agitationsmaterial gegen den Klassenstaat durch so aufreizende Posen zu vermehren?— HuelaiuL Frankreich. Auf nach Venezuela! Kaum hat Frankreich durch den Abschluß der Marokkokonferenz wieder Ellvogciifreiheit bekommen, da macht es sich daran, die Sache mit Herrn Castro von Venezuela ins Reine zu bringen. Wenigstens verlautet, das französische Geschlvader solle, nachdem es in New Jork Frankreich anläßlich der Beisetzung des Admirals Johns ver- treten hat, nach den venezolanischen Gewässern entsandt werden, um dort die französischen Forderungen zu unterstützen und vom Präsidenten Castro Genugtuung zu erzwingen. Es heißt, daß in Vezug auf diese Angelegenheit ein Einverständnis zwischen Frankreich und den Bereinigten Staaten zustande gekomnieu sei. Es ist sogar nicht ausgeschlossen, daß die Vereinigten Staaten Frankreich in dieser Aktion unterstützen werden, andererseits beabsichtigt Frankreich, Castro zum Nachgeben zu bewegen durch Prohibitiv- Zölle auf venezolanischen Kaffee. Da Frankreich jährlich für 7 Millionen Bolivar(1 Bolivar— 9,89 M.) venezolanischen Kaffee einführt, dürfte diese Maßregel einen wirksamen Einfluß auf Castro ausüben. Hoffentlich ist Castro klug genug, die Sache nicht auf die Spitze zu treiben und mit dem Blute der nhrn noch ergebenen Venezolaner sparsamer umzugehen als mit deren Gclde. Der GrubennrveitcrauSstand. Ileber die Ausstandsbewegung verbreiten die Telegraphenbureaus zum Teil offensichtlich tendenziös gefärbte Berichte; Atteiitatsversiiche, Gewalttätigkeiten gegen Streikbrecher usw. spielen darin eine große Nolle. Vielleicht sind nach bekanntem Muster Spitzel an der Arbeit. So sollen in der Nähe des Bahnhofes Saint_ Baast- la- Haute neben' einer ausgerissenen Schiene und einer Schwelle in einer ausgebrannten Bergmannslunte Dynamitpatronen gefunden worden sein. Auch in der Unter- präfektur in Toulon soll eine Bombe gefunden worden sein,— die Nachricht wird aber schon dementiert und der Präfelt erklärt, die „Bombe" sei nur eine Knallerbse I— Die Bergwerksbesitzer lehnten erneute Verhandlungen und jedes weitere Zugeständnis ab. Das steigerte erklärlicherweise die Erregung. Die Haltung der Unter- nehmer beweist aber auch, daß die französischen Kohlcnköuige ebenso auf die Regierung pfeifen, wie ihre deutschen Kollegen. An weiteren Meldungen liegen folgende vor: St. Eticnne, 3. April. Der Kongreß der Shndikatsdelegierten hielt gestern eine Versammlung ab. Die Presse war nicht zu- gelassen. Trotzdem erfuhr man, daß die Versammlung Delegierte bezeichnet hat, welche eine Unterredung mit den Grubendirektoren haben werden. Die Proklamation des Ausstandes ist sicher. Es verlautet, die Versammlung habe einen sehr stürmischen Verlauf genommen. Lcns, 3. April. Die Zahl der ausständigen Bergleute beträgt heute 43«19, die Zahl der arbeitenden Bergleute 19 997. *** Weiter verbreitete sich daS Gerücht, es seien in der Grube von Courrisres noch Lebenszeichen von Eingeschlossenen vernommen worden. Eine Bestätigung des Gerüchtes steht noch aus. Jtaliew. Mutterschaftskassen. Die Kommission zur Beratung des Gesetzentwurfs betreffend die Errichtung von Murterschaftskässen hat ihre Arbeit beendigt. Nach ihren Beschlüssen soll jede Frau, die wegen ihrer Entbindung arbeitsunfähig ist, mit 39 Frank pro Monat unterstützt Iverden. Zur Zahlung von Beiträgen an die Mutterschaftskassen sind verpflichtet alle gelverblichen Arbeiterinnen vom 15. bis zum 59. Lebensjahre, die Fabrikanten und Gewerbetreibenden und der Staat. Der Zu» schuß dcö Staates soll 259 999 Frank pro Jahr betragen. Als Berichterstatter der Kontmission wurde der Genosse Cabrini bestimmt.— Amerika. Im Senat ist das Schicksal der Vorlage gegen die Eisenbahn- gesellschasten noch immer nicht entschieden trotz der großen Majorität, mit der die Vorlage im Repräsentantenhause angenommen wurde. Es handelt sich bekanntlich um eine Kontrolle der Eisenbahnen durch Bundesbehörden, in diesem Falle durch die zwischenstaatliche Handels- kommission, welche die Höhe der Frachtraten festsetzen soll. Die Bahngesellschaften sträuben sich mit aller Macht dagegen und ver- langen, daß man ihnen das Recht einräume, gegen die Eni- scheidungen der Handelskommission jedesmal die Gerichte anrufen zu können. Es zeugt von dem starken Einfluß der Bahngcsellschasten auf den Senat, daß man jetzt allgemein einsieht, die Borlage sei ohne das gewünschte Amendement bei den Senatoren nicht durch- zubringen. Roosevclt, der bisher gegen ein solches Amendement ivar, hat sich jetzt damit einverstanden erklärt.— Entgegnung. Genosse Dr. Michels erwidert sin folgenden auf den in Nr. 48 des„Vorwärts" vom 27. Februar d. I. veröffentlichten Artikel „Taktische Fragen". Die Verzögerung in der Veröffentlichung dieser Entgegnung ist neben anderen widrigen Zufällen dem Umstände zuzuschreiben, daß durch die Reise deS Genosse» Wichels die briefliche Verbindung mit ihm erschwert war. ».» Wenn auch der Tonfall, den der„VorwSrtS"-Korrespondent in seinem Bericht aus Paris mir gegenüber angeschlagen hat, dem auf- merksamen Leser den Eindruck förmlich aufdrängt, daß der Bericht auf das stärkste„gefärbt" ist, so scheint es mir doch Pflicht der Selbstachtung, wenigstens die gröbsten von den entstellten Dar- stellungen meiner Rede richtig zu stellen. 1. Der Korrespondent behauptet, wahrscheinlich um mich, nach der bekannten Methode, deS Anarchismus zu zeihen, ich habe meine „Vorträge" unter dem Protektorat des antiparlamcntaristischen Organs„Avant-Garde" gehalten. Nun, die Wahrheit ist die: von den zwei Malen, in denen ich in Paris über deutsche Verhältnisse überhaupt nur gesprochen habe, habe ich das erste Mal in den Sociötös SavanteS„unter dem Protektorat" gar niemandes fein- geladen von einem lvissenschaftlicheu Institut), und das andere Mal unter dem Vorsitz des Genossen GriffuelhcS. Sekretär der Pariser Arbeitskammer snebenbei bemerkt: kein Anarchist) und der Veihlllfe unter anderem auch des vom Parteigenossen Lafont geleiteten, nicht antiparlamentaristischen, sondern antiinilitaristischeii Blattes„L Avant- Garde" geredet. Uebrigens hätte ich ebenso gern„unter dem Protektorat" eines jeden anderen sozialistischen Organs das Wort ergriffen. 2. Der Bericht behauptet, ich habe gesagt, die deutsche Sozial- demokratie habe den Militarismus schon gestützt, als Bebel für neue Uniformen eintrat. Ich habe im Gegenteil erachtet, daß sie bis jetzt stets gegen die Militärlasten agitiert und gestimmt habe. Wenn ich das Eintreten des Genossen Bebel für feldmarschmäßige Uniformen, das ich allerdings unter asten Umständen für einen Fehler halte, erwähnte, so geschah das in einem ganz anderen Zusammen- hang, nämlich bei Erörterung der Antinomie zwischen marxistischer Theorie und Praxis-» auch habe ich dieses Beispiel lediglich in der SocistöS SavanteS erwähnt. 8. Daß ich die Gewerkschaften als„dynastisch" erklärt habe» soll, entbehrt jeglicher Grundlage. Solchen Blödsinn habe ich nie behauptet. Ich habe mich lediglich gegen die Taktik der Neutralität, die die freien Gewerkschaften zwingt, mit dynastisch gesinnten anti- sozialistischen Gewerkschaften in bisweilen kompromittierlicher Weise (sie Hänischs Berichte vom Ruhrrevierstreik!) zusammenzuarbeiten, er- klärt. Ich stehe eben auf dem Standpunkt, daß ohne das klare Ziel des Sozialismus als Leitstern jede Arbeiterbewegung notwendiger- weise im Sande verlaufen muß, 4. Die Korrespondenz behauptet, ich solle gesagt haben:„der Generalstreik habe unter den Gewerkschaftsführern keine Anhänger, weil diese um ihr Einkommen besorgt seien." Es ist mir natürlich nicht im Traum eingefallen, solche Albernheiten zu sagen. Mir ist sehr wohl bekannt, daß— wie das Protokoll deS Kölner Gewerkschaftskongresses zeigt— eine Minorität von Gewerkschaftsführern dem General- bezw. politischen Massenstreik keineswegs gegnerisch gegenüber steht. In Wirklichkeit habe ich die französischen Genossen — um ihnen den Unterschied zwischen deutscher und französischer Gewerkschaftsauffassung vor Augen zu führen,— auf die durch den bekaunteit Kölner Beschluß gegebene abfällige Beurteilung des General- streiks durch die offiziellen Gewerkschaftsleiter sowie auf die Gefahr hingewiesen, die durch eine zu weite Ausdehnimg des Beamtenkörpers sowie eine übertriebene Meinung von der Unentbehrlichkeit starker Kassenbestände meiner Ansicht nach entstehen mutz, und die gar leicht zu einer Paralyse der KampfeSkraft und des Kampfesmutes der Or- ganisation führen kann. Mit dieser Ansicht, zu deren Bekräftigung gerade die Geschichte der letzten Jahre viel Material geliefert hat, stehe ich, auch wenn sie ketzerisch sein sollte, in der Partei, glaube ich, nicht so ganz allein. Daß ich die Gewerkschaftsbcamten— ebenso wie die Parteibcamten— nicht als„Nassauer" dargestellt habe, ist selbstverständlich, ebenso aber auch die Tatsache, daß ein starkes, lediglich von dem Bestehen einer Organisation abhängiges Beamten- tum— sei es, bei welcher Organisation immer— neben manchen, gewiß nicht zu unterschätzenden Vorteilen, den erheblichen Nachteil zur Folge hat, dieser Organisation selbst ihre aggressive Frische und ihre revolutionäre Spannkraft mit psychologisch-ökonomischer Not- wendigkeit zu benehmen. 5. Nichtig an dem ganzen Bericht des Pariser Korrespondenten ist bloß das eine, daß die„Avant-Garde" zunächst mich als„Führer" eines„Flügels" angepriesen hatte, eine Art von Reklame, für die lediglich der Verfasser derselben verantlvortlich ist und welche mich — und es liegt mir daran, dies hier nachdrücklich zu wiederholen— veranlaßt hat, ohne Verzug energisch gegen sie einzuschreiten, mit dem Erfolge, daß sie sowohl auf den Plakaten wie in den in ver- schiedenen Parteizeitungen erschienenen Versammlungsannoncen füglich nnterblieben ist. Charakteristisch für die Art deS Korrespondenten aber ist es, daß er diesen Lapsus eines französischen Genossen, den ich bereits in mündlicher Rede verschiedenen ihm nahestehenden Ge- nossen gegenüber ausdrücklichst als unstatthaft und unzulässig desavouiert hatte, nunmehr benutzt, um mich bei den Lesern des „Vorwärts" zu diskreditiereu. Es gibt für die besagte Korrespondenz vom 22. Februar nur zwei Erklärungen: Entweder ihr Verfasser ist bei meinen zwei Vortragsabenden gar nicht anwesend gewesen, und er kennt sie bloß vom Hörensagen oder aber er war da. Und das wäre noch schlimmer. Mit sozialdemokratischem Gruß _ Dr. Robert Wichels. <3e\verkfd?aftttd)es. Gewerkschafts-„Christliches". Die Streikbewegung in der Berliner Handels- gärtnereibranche ist mit dem I.April in das Stadium des eigentlichen Ausstandes getreten. Nachdem zuvor durch eine am 28. März vorgenommene Reduzierung der Lohn- forderung in Höhe von 22 M. pro Woche für Gehülfen im ersten und zweiten Jahre nach der Lehrzeit auf 20 M. pro Woche erfolgt war, konnten eine erhebliche Anzahl von Kündigungen wieder zurückgezogen werden, da diese Forderung von den betreffenden Firmen bewilligt wurden., Ausständig wurden infolgedessen und zufolge schon früher erfolgter Be- willigungen am ersten Streiktage nur rund 120 Mann. Zugleich arbeitete aber auch die ch r i st l i ch e Streik- brecherzentrale(„Deutscher Gärtnervcrband"), die beim Gastwirt Kaufmann in Berlin, Weißenburgerstr. 67, etabliert ist, mit Intensität. In allen größeren Gärtnercifachblättern erschienen seit zwei Wochen Inserate jener Christlichen, durch welche den auswärtigen Gehülfen„tarifmäßig bezahlte Stellen in Berliner Handelsgärtnereien" angeboten und so diese Gehülfen nach dem Streikorte gelockt wurden. Da aber das notwendige Kontingent damit trotzdem nicht aufzubringen war, so ver- sandte am 31. März das christliche Strcikbrccherbureau im Auftrage der Unternehmerorganisation noch ein Flugblatt dieses Inhalts: „An unscre Gchülfcn! Die dem Verband der HandclSgürtncr Deutschlands angehörenden Handelsgärtner von Verlin und Umgegend habe» be- schloffen, die exorbitanten Forderungen des sozialdemokratischen Allgemeinen Deutsche» GärtiicrverciitS nicht zu erfüllen. Sie sind dazu nicht in der Lage, und jeder anständige Gchülfe ivird auch einsehen, daß es nicht angängig ist, ausgelernten Leuten, die kaum einen Topf verpflanzen können, 22 M. Anfangs« gehalt zu bewilligen. Sie sehen den Manipulationen mit Ruhe entgegen, da sie fest überzeugt sind, daß ein viel zu guter Kern in den deutschen Gärtnergehtilfen steckt, als daß sie sich dauernd von bezahlten revolutionär-sozialdemokrati- scheu Agitatoren und anderen, den handelSgärtuerischen Be- trieben völlig fernstehenden Leuten aufhetzen lassen sollten. Und wenn, so wird es ihr eigener Schade sein, denn die aussichtslose Bewegung ist nur ein Agitationsmittel schmutzigster Art. Gchülfen, die sich daran beteiligen, werden bei Mitgliedern des Verbandes der Handclsgärtner Deutschlands keine Stellung mehr bekommen. Kehren Sie daher zur rechten sZeit um, bevor es zu spät ist. Kehren Sie einer Vereinigung den Rücken, die nur bestrebt ist, Unzufriedenheit zu säen, um Sie desto sicherer der Sozialdcmo- kratie in die Arme zu treiben, die Ihnen ohne weiteres zu diesem Zweck das Märchen aufbindet, nach unserem mit dem Nationalen Deutschen Gärtiierverbaud abgeschlossciteit Tarif sei der Miitdestlohn 10,29 M., während er in Wahrheit 18 M. beträgt. DieselbenLeutc, biedieses behaupten, haben in Hannover einen Tarifmit einem Winde st lohn von 16 M. abgeschlossen. Die vielen Fälle von TerroriSmuS, der vielfach angewandte Zwang, uni junge Leute zum Eintritt in den sozialdemo- t r a t i s ch e n Allgemeinen Deutschen Gärtncrverein zu bewegen, zeigt zur Genüge, zu welchen Mitteln gegriffen lverdcn muß, um einen einigermaßen sichtbaren Erfolg aufzuweisen. Gruvpe Berlin deS Bcrbandcs der Handelsgärtncr Deutschland»." Dieses von der Unternehmerorganisation gezeichnete Flug- blatt zeigt, daß die Unternehmer jetzt schon selbst den Minimal- lohn von 16,20 M., der im christlichen Tarif für Gchülfen im ersten Jahre nach der Lehrzeit und für sogenannte„Brauche- unkundige" stipuliert worden ist, verleugnen müssen, indem sie sich damit nicht mehr vor die Oeffentlichkeit wagen I Sie er- klären diesen Minimalsatz nun als ein«Märchen"; immerhin schon ein sehr beachtenswerter Erfolg der Lohiibeivegung und gleichzeitig eine Verurteilung der christlichen„Tarifabinachung". Am Sonntag, den 1. April, hatten die„Christlichen" ihre Paar Mitglieder nach ihrem Strcikbureau znsamniengezogen und ließen diese für die Niiternchiilcr Schlcppcrdicnstc ver- richte», indem die christlichen Verbändlcr die zugereisten „Arbeitswilligen" nach den offenen Arbeitsstellen transportierten. Außerdem stellten die Christlichen um ihr Streikbrecherlokal Anti-Strcikposte» und veranlaßtcn die Polizei, die Posten der Streikenden mit ihren bekannten„Liebenswürdigkeiten" zu behelligen. Zwei Streikende sind infolge dieser Denunziation sogar verhaftet worden. Der Gastwirt Kaufmann, der natürlich dabei das beste Geschäft macht, kontrollierte mehrfach die Antistreikposten und flößte ihnen„Mut" für ihre löbliche Tätigkeit ein. Die Arbeiterschaft kann in dem Falle der Gärtner wahre Charakterstudien über„christliche" Geiverkschaften machen. i5«Min una amgegcnd. Streikbeschluß der Berliner Schlosser! Eine stark besuchte Schlossertiersammlung, die gestern abend in der„Neuen Welt" stattfand, lehnte die letzten Lohnangebote der Meister endgültig ab. Beschlossen wurde, den Meistern sofort Einzelforderungen vorzulegen und ihnen eine Bcwilligungs- frist bis Donnerstag abend zu geben. Ucbcrall dort, wo bis dnhin die Forderungen nicht anerkannt sind, wird am Freitag morgen die Arbeit nicht wieder aufgenommen. Znm Streik der Maler und Anstreicher. Die gestrige Kontrolle der Streikenden hat die Annahme, daß der Ausstand sich auf sämtliche Firmen und Werkstätten des Berufs erstreckt, durchaus bestätigt. Während des gestrigen Tages sind bereits über 3 0 0 M e i st e r im Streikburcau gewesen und haben dort die Forderungen der Arbeiter Unterschrift- lich anerkannt. Etwa IVO andere Meister teilten der Streik- leitung schriftlich mit, daß sie zur Anerkennung der Forderungen bereit seien. Ihrem Wunsche, Arbeiter zu erhalten, konnte jedoch nicht entsprochen werden, da nur die im Streikbureau unter den Augen der Streikleitung vollzogene Unterschrift des neuen Tarifs als gültig an- erkannt wird. Für die Arbeiter- der Firmen, die bewilligt haben, sind gestern Arbeitsberechtigungskarten aus- gegeben worden. Die vielgerühmte Einigkeit unter den Meistern hat bereits eisten argen Riß bekommen, und das ist auch ganz natürlich bei der Gegensätzlichkeit der Interessen unter ihnen. Viele der bewilligenden Meister erklärten rund heraus, der Streik sei lediglich eine Folge des Machtkitzels der„n: ahgebenden" Jnnungsherren. Die tariflich geforderten Löhne würden ja zum großen Teile heute schon bezahlt, so daß eine finanzielle Mehrbelastung der Meister eigentlich gar nicht entstehe. Das eigentliche Motiv der Haupt- Jnnungsschreier bei ihrer Streikhetze sei, durch einen Streik von längerer Dauer die kleineren und mittleren Meister vor den wirtschaftlichen Ruin zu bringen, damit die„Großen" dann desto leichter die Kundschaft der Kleinen über schlucken könnten.— Wenn die Dinge wirklich so stehen, wie sie hier von den Kleinmeistern geschildert werden, dann ist die Strcikhctze der JnnungSgrößen allerdings verständlich. Sie können es ja länger aushalten wie ihre minderkapitalkräftigen Jnnungsbrüder. Dann allerdings wären die kleinen und mittleren Meister aber auch die größten Toren, wenn sie sich durch Nichtbewilligung der Gesellen- sordcrungen von ihren eigenen Großkollegen in der Innung während des Streiks so langsam das Fell über die Ohren ziehen liehen. Die Berliner Bäckergesellen haben durch ihre VerbaudSleitung den Väckeriimungen jetzt die neuen Tarifforderungen zugestellt. Eine Antivort erwarten sie bis zum 10. April. Die Getreidcträger stehen gegenwärtig vor dem Abschluß eines neuen Tarifvertrages mit den Spcichereibesitzern. Infolge der Kündigung dc§ alten Vertrages durch einen der Haupt- Unternehmer(Lehrter Speicher) war das Verhältnis zwischen den Trägern und ihren Arbeitgebern schon seit anfangs März ein ziem- lich gespanntes geworden. Es schien, alS wollten die Unternehmer neuen Verhandlungen mit dem Transportarbeiterverbande überhaupt auS dein Wege gehen und obendrein noch die Löhne reduzieren. Anders war ihr Verhalten kaum zu erklären, als sie einen Teil der alten Leute entließen und dafür arbeitslose Schlächtergesellen oder andere Arbeitslose von kräftigem Körperbau einstellten. Jedoch als diese die ungewohnt schwere Arbeit liegen ließen und schleunigst Ivieder ihrer Wege gingen, da wurden die Unternehmer anderen Sinnes. Hinzu kam, daß sich die Zahl der auf Entladung wartenden Getreidekähne von Tag zu Tag steigerte und die Schiffer nebst ihren Auftraggebern energisch auf endliche Abfertigung drängten. Diesen Umstand nutzten die Träger nun auch ihrerseits auS, indem sie eine Erhöhung der bisherigen Grundtape von 12 auf 14 Pf. für schweres Getreide und von 14 auf 16 Pf. für leichtes Getreide pro Mann und pro Tonne forderten. Am Sonnabend fanden nun dieserhalb Verhandlungen statt mit dem Ergebnis, daß die Unternehmer die Forderungen der Träger zur Hauptsache a n- erkannten. Nur wegen der Bodenarbeit konnte eine endgültige Einigung noch nicht erzielt werden. Eine Versammlung der Träger, die an, Sonntag im Gclvcrkschaftshause stattfand, beauftragte ihre Kommission, über diesen Streitpunkt am Dienstag noch einmal mit den Unternehmern zu verhandeln. Man hofft dann auf den definitiven Abschluß des Tarifes. Streik der Potsdamer Steinmetzen. Wegen verweigerter An- erkcnnung des neuen Lohntarifs haben die Gehülfen die Arbeit eingestellt. Jede Unterhandlung wurde von den Unternehmern brüsk zurückgewiesen. Wie zum Hohn empfahlen die„Herren im Hause" den Gchülfcn aber die Annahme des bereits im vorigen Jahre abgelehnten Arbcitgebertarifs.— Der neue Tarif sieht einen Stundenlohn von 65 Pf. bei gstündiger Arbeitszeit vor. Ebenso sollen die Akkordlöhne entsprechend erböbt werden.— Zuzug ist streng fernzuhalten. Otutldieo Rtlth. Znm Streik der Hamburger Seeleute. Der Verein der Reeder hat, uni Uneinigkeit unter den See- leuten hervorzurufen, vor seiner Geschäftsstelle ein Plakat anbringen lassen, in dem die„Gründe" angegeben werden, weshalb der gu. Verein nicht mit der Organisation der Seeleute verhandeln will. Die Reeder könnten mit den Organisationsleitern der Seeleute nicht verhandeln, weil diese die Reeder zu oft persönlich angegriffen hätten, doch seien die Reeder stets bereit, die Forderungen der See- leute entgegen zu nehmen und zu prüfen. Dieses durchsichtige Manöver hat die beabsichtigte Wirkung nicht erreicht. Die Seeleute stehen fest zusammen und sind nicht Willens, sich länger als billige und willige Ausbeutungsobjekte gebrauchen zu lassen. Die Ab- Musterungen von den nach Haniburg kommenden Schiffen gehen in aller Ruhe vor sich, während sich zur Anmusterung nur ganz ver- cinzcli Leute einfinden. Heute und morgen laufen die Kündigungs- fristen ab. Auf den meisten Fahrzeugen befinden sich keine Seeleute. 5(n einer großen Hafenarbeiter-Versammlung aller Branchen, die am Montag stattfand, wurde einstimmig eine Slnnpathie- und Soli- daritätScrklärung zugunsten der streikenden Seeleute angenommen. Der Verein der Reeder„tagt" seit zwei Tagen. Die Niedcrlnnfitz für Textilarbeiter gesperrt! Aus Forst wird uns geschrieben: Die Niedcrlausitzcr Textil- arbeiterschaft steht im Kampfe um den Zehustundentag und höheren Lohn. Die Fabrikanten versuchen von überall her Arbeitsivillige Veraniw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: heranzulocken. Es wird dringend ersucht, den Zuzug von Textil- arbeiten, und Arbeiterinnen von der Niederlausitz fernzuhalten. Alle Gewerlschafts- und Parteiblätter werden um Abdruck dieser Notiz gebeten. » Einen kleinen Schritt sind die Arbeitgeberverbände der Nieder- lausitzer Tuchindustrie den Forderungen der Arbeite, scbaft entgegen- gekommen. Sie haben zun, 1. Juli d. I. die Einführung einer neuen Arbeitsordnung angekündigt, wodurch die tägliche Arbeitszeit auf IO'/z Stunden(bisher 11) festgesetzt und der Lohn der Stundenarbeiter dementspreckend erhöht wurde. Von den Arbeitern wird aber eine allgemeine Lohnerhöhung um 20 Proz. gefordert und es besteht auch keine Neigung, diese mit Rücksicht auf die herrschende Teuerung hinreichend gerechtfertigte Forderung fallen zu lasten. Deshalb wird unausgesetzt an der weiteren Stärkung der Organisation gearbeitet, die trotz erzielter guter Fortschritte noch immer in keinem rechten Verhältnis zur Gesamtzahl der Niederlausitzer Textilarbeiterschaft steht. Das wissen auch die Fabrikanten und darum weigern sie sich, weitere Zugeständnisse zu machen. Sie behaupten zwar, die halb- stündige Arbeitszeitverkürzung sei das ä u ß e r st e, was sie be- willigen könnten, wenn sie die„blühende" Industrie nicht zugrunde richten wollten. Aber eS steht außer Zweifel, daß sie auch eine an- gemessene Lohnerhöhung gewähren können, wenn sie sehen, daß es den Arbeitern bitterer Ernst damit ist. Vom Zehnstundentag, dessen Durchführbarkeit ebenso klar erwiesen ist wie seine Notwendigkeit, ganz zu schweigen. Es bedarf außerordentlicher Anstrengungen, um die zum großen Teil beispiellos gleichgültige und indifferente Lausitzer Weberbevölkerung aus ihrer Lethargie auf- zurütteln. Gerade darum ist es aber umsvmehr zu wünschen, daß nicht durch ein Ueberangebot von Arbeitskräften die Aufwärts- bewegung der Niederlausitzer Textilproletarier beeinträchtigt wird. Die Bauhiilfsarbeiter in Nauen befinden sich in der Bewegung. Die Hülfsarbeitcr auf den Zimmerplätzen verlangten eine Erhöhung des Stundenlohnes von 25 auf 30 Pf., den man ihnen verweigerte. Den Bauarbeitern wollte man ein Mehr von 5 Pf. pro Stunde zahlen. Diese erklärten sich jedoch mit ihren Arbcitsbrüdcrn soli- darisch und alle legten am Montag gemeinsam die Arbeit nieder.— Zuzug ist fernzuhalten._ Die kapitalistische Machtprobe der hannoversche» Metall- industriellen wird nun zur Tatsache. In den Betrieben ist folgender Ukas an- geschlagen und den Arbeitern zur Kenntnis gebracht: „Die Gießereiarbeiter der Mehrzahl hiesiger industrieller Werke haben ihre Kündigung eingereicht bezw. die Arbeit nieder- gelegt, weil ihnen Forderungen, welche sie an die Werkleitungen gestellt hatten, nicht durchweg bewilligt werden kor,,, ten. Die Mehrzahl der Forderungen betreffend Lohnzulage, Behandlung des Ausschusses, der Ueberstunden und Einrichtungen für Betriebssicherheit, sind zum Teil bewilligt, zum Teil ist deren Bewilligung in Erwägung gezogen. Nicht bewilligt werden konnte die Forderung der Garantie eines Mindestlohnes für jeden Gießereiarbeiter bezw. Former ohne Berücksichtigung seiner Arbeitsleistung ssowie die Be- zahlimg einer längeren als der wirklich geleisteten Arbeitszeit. Infolgedessen sehen sich die unterzeichneten Firmen zu ihrem Bedauern genötigt, ihre Werke stillzulegen, weil der Betrieb Derselben nicht aufrecht erhalten werden kann, wenn die Gießerei- betriebe ruhen. Die Stillegung der Werke erfolgt spätestens am 4. April d. I., abends 6 Uhr: bei denjenigen Werken jedoch, bei welchen wegen Kündigungsfrist eine frühere Entlassung der Arbeiter nicht möglich ist, an, 9. April d. I., abends 6 Uhr." Wir haben schon nachgeiviesen, daß es sich in Hannover lediglich um eine Machtprobe der Unternehmer handelt und daß man gar nichts bewilligt hat. Aber der obige Anschlag kennzeichnet nun auch noch die frivole Unverschämtheit unseres Großkapitals in erschreckendster Weise. Gibt man den Arbeitern doch in aller Seelenruhe bekannt, daß man selbst Einrichtungen für Betriebssicherheit— also Einrichtungen� zum Schutze für Leben und Ge- sundheit der Arbeiterl— nur zum Teil bewilligt oder deren Bewilligung gar nur in Erwägung gezogen haben I Man denke an daS Verbrechen von CourriäreS und wird die Erbitterung der Metallarbeiter begreifen können. Entweder in der Fabrik zum Krüppel werden oder als Ausgesperrter ver- hungern; daS ist, was der Arbeiter ohne Organisation vom Kapital zu erwarten hat! Wenn die Mctallindustriellcn glauben, mit der Aussperrung die Arbeiter mürbe zu machen, werden sie sich irren. Die Folge wird vielmehr sein, daß auch noch andere Berufe außer den Gießerei- arbeitern Forderungen stellen; am Dienstagabend nahmen die Modelltischler bereits zu der Gewalttat des übermütigen Uuter- „ehmertumS Stellung. Die Metallarbeiter sind auf einen längeren und heftigen Kampf gefaßt. ••• Recht schnell haben sich die Arbeitgeber im Tischlergewerbe von ihrer Machtlosigkeit überzeugt. Die in voriger Woche geführten Verhandlungen erreichten am Freitag mit Annahme der ausgearbeiteten Tarisvorschläge seitens der Arbeiter ihr Ende. Als am Sonnabend der Tarif unterzeichnet und abgeschlossen werden sollte, scheiterte dieser Abschluß an der Haltung der Arbeitgeber, die bei Abfassung der Paragraphen in gemütvoller Weise das Gegenteil der Abmachungen hineinredigieren wollten. Das Kampfobjekt war besonders der Arbeitsnachweis. Die Scharfmacher benach- richtigtcn sofort die Mitglieder des ArbeitgeberverbandcS, forderten die Aussperrung und dann lan zierte man eine Notiz in die kapi- talistischcn Blätter, in der es hieß: „Sämtliche Tischlereibetriebe mit 2000 Gesellen sind still- gelegt." Diese Generalaussperriing kam aber nicht zu stände, denn am Montag waren nur etwa 600—700 Arbeiter von 2000 ausgesperrt. Dieser Mißerfolg brachte die Scharfmacher zur Bcsiununa: guod licet Jovi, non licet boyi—(Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochse» darum»och nicht erlaubt) mußten sie sich im Hinblick auf ihre kapitalkräftigeren Kollegen der Metallindustrie sagen, und des- halb beschlossen sie schon an, Montag unter Mitwirkung deS Herrn Schwenke aus Berlin mit de», Holzarbeiterverbande nochmals in Verhandlung zu treten. Das geschah auch gleich am Monlag und es ist nun eine völlige Einigung erzielt. Die Arbeit wird an, Mittivoch wieder aufgenommen. Das ebenso törichte wie dreiste Vorgehen hat für die Gernegroße der Tischler- meister noch die recht blamable Folge, daß sie ganz grundlos dem Holzarbeiter-Verbande ihre Ohnmacht all oculos demonstriert haben. Die Arbeiter in den drei Drahtwarenfabriken von Jacob u. Dietrich, Heittschel und Grimm u. Co. sind in den Streik getreten, weil die Fabrikanten die von Herrn Grimm gemachten Zugeständ- nisse hinterher zurückzogen und unter solchen Umständen auch noch einen dreijährigen Tarif verlangten. lZuslancl. Der Mord in Toulon. Der Unterpräfeki ist in Sachen der durch den Kcllnerstreik vor- gekommenen Zwischenfälle nach Paris berufen worden. Die Leiche des von einem Streikbrecher ermordeten Kellners ist in die Ar- beitcrbörse transportiert worden und wird heute unter großer Be- teiligung begraben werden. Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: VorwärtSBuchdr.u. Verlagsanstalt Die Hafenarbeiter in Fiume haben die Arbeit wieder dtf* genommen. Der Streik in Amerika. Von den Besitzern der bituminöse Kohle fördernden Bergwerke haben elf der bedeutendsten, in deren Gruben jährlich 30 Millionen Tonnen, d. h. drei Viertel'der Gesamtförderung dieses Distriktes. gewonnen werden, den Lohntarif von 1903 bewilligt. Es wird ab- zuwarten sein, ob es sich dabei um ein ehrliches Entgegenkommen des Unternehmertums handelt, veranlaßt natürlich durch das ge- schlossene Austreten der Arbeiter, oder ob es sich dabei um den Trick handelt, durch teilweise Förderung in einem bestreikten Gebiete die Widerstandskraft der übrigen Grubenbesitzer zu stärken. Angesichts des großen Bergarbeiterstreiks ist ein Beschluß, den kürzlich der allgemeine Bergarbciterverband gefaßt hat, von hoher Bedeutung. Er bewilligte nämlich für die Verteidigung von Mayer. Haywood und die übrigen verhafteten und angeklagten Beamten der Western Mincrs Federation die Summe von 20 000 M. Gegen die obcnbezcichnetcn Gewerkschaftsbcamten wird bekanntlich die Anklage erhoben, sie hätten das unlängst gegen den Gouverneur von Idaho verübte Bombenattentat begangen oder veranlaßt. Dieser Gouverneur, namens Stcubenberg, hat sich beim letzten Berg- arbeiterstreik durch sein rigoroses Vorgehen gegen die Streikenden sehr verhaßt gemacht und er wurde kürzlich durch eine Dynamit- bombe getötet. Dafür will man nun die Führer des Western Berg, arbeitcrverbandes verantwortlich machen und dem Henker über- liefern. Die ganze Angelegenheit hat große Achnlichieit mit dem Chikagoer Bombenattentat von 1887. Auch damals war ein Streik und als auf dem Haymarkt zu Chikago von unbekannter Hand eine Bombe unter die Pinkertons(Privatpolizisten) geworfen wurde. verhaftete man die bekannten Anarchistenführer und verurteilte sie. Der spätere Gouverneur des Staates Jllionis hat ausdrücklich an- erkannt, daß die Chikagoer Anarchisten einem Justizmord zum Opfer gefallen sind. Die Kapitalisten von Colorado in Idaho planen, wie es scheint, jetzt ganz das Gleiche; sie möchten die Berg- arbeitcrführer dem Galgen überliefern. Der Beschluß des Berg» arbeitcrverbandes ist von um so größerer Bedeutung, als die beiden Verbände in durchaus keinem freundschaftlichen Verhältnis zu ein- ander stehen. Der allgemeine Bcrgarbeiterverband, dessen Präsident John Mitchell, ist der amerikanischen Federation of Labor(Präsi- dent Gompers) angeschlossen, die bekanntlich nichts wissen will von einer politischen Betätigung der Arbeiterklasse, und vor allem den Sozialisten feindlich gegenüber steht, währenddem die Western Berg- leute sich ausdrücklich' zum Sozialismus bekennen. Trotz dieses Gegensatzes der obige Beschlutz, welcher zeigt, daß die Mitglieder des großen Verbandes begriffen haben, um was es sich jetzt handelt, daß der Kapitalismus der gemeinsame Feind ist, der vor allem die Organisation der Arbeiter vernichten möchte. Besonders be- merkenswert ist noch, daß auf Antrag von Mitchell selbst der Be- schlutz dahin erweitert wurde, daß diese Summe im Bedarfsfalle erhöbt werde. Auch die sozialdemokratische Partei Amerikas ist eifrigst um die Verhafteten bemüht. In verschiedenen Städten haben Protest. Versammlungen stattgefunden und es sind Sammlungen zu deren Verteidigung veranstaltet worden. Letzte Nachrichten und Depeschen« Aus der Stadt der reinen Vernunft. Königsberg i. Pr., 3. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".)! Heute standen hier gegen die„Königsberger Volkszeitung" vier Prozesse zur Verhandlung. Genosse Crispien hatte im Gerichts- bericht über den Prozeß gegen Genossen Löbe-Breslan einen Teil des Artikels der Breslauer„Volkswacht" abgedruckt; 209 M. Strafe wurden über ihn verhängt. Der Staatsanwalt hatte nur neun Monate Gefängnis beantragt. Der zweite Preßsünder, Genosse Marchionini. wurde wegen Majestätsbeleidigung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte acht Monate Ge- sängnis für notwendig erachtet. In zwei anderen Fällen wurde Genosse Crispien zu 200 und 399 M. Strafe verurteilt. Be- antragt waren einmal 300 M. und das zweite Mal drei Monate Gefängnis. Die Verhandlung dauerte über acht Stunden. Vom Streik der Braunkohlenarbeiter. Braunschweig, 3. April.(W. T. B.) Von den Arbeitern der braunschwrigischen Kohlenbergwerke, Helmstadt, sind 700 Mann, das ist etwa die Hälfte, ia den Ausstand getreten. Der Mord von Courrieres. Paris, 3. April.(W. T. B.) Deputiertenkammer. Basly erklärt, die staatlichen Ingenieure trügen dieselbe Verantwortung. wie die Grubeningenieure. Die Delegierten seien der Meinung. daß noch Lebende zu retten seien; unglücklicherweise habe die Ge- sellschaft neue Abdämmungsarbeite» ausführen lassen, welche die Rettung erschwerten.(Zuruf auf der äußersten Linken.) Baslh verlangt schließlich Bestrafung der Schuldigen. Lasies und Mille» Boye von der Rechten beschuldigen die Gesellschaft, daß sie lieber ihre Gruben, als die Opfer deS Unglücks haben retten wollen. Bouvery(Soz i erklärt, die Ursache des Unglücks sei in der Hab- gier der Gesellschaft zu suchen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Barthou, erwidert, man müsse das Ergebnis der Unter- suchung abwarten, bevor man«in endgültiges Urteil über die An» gelegenheit abgebe. Der Minister erklärt, die staatlichen mit der Kontrolle betrauten Ingenieure hätten seit langer Zeit die Gesell- schaff ans die Unzulänglichkeit ihres Material« aufmerksam gemacht. Das Gesetz von 1810 gebe der Regierung wohl das Recht, für die Sicherheit der Arbeiter zu sorgen, aber es enthalte keine Be- stimmungen über die Gesundheitspflege und Hygiene der Arbeiter. Das hierauf bezügliche neue Gesetz sei von der Kammer 1904 be- schlössen worden; er, der Minister, werde die schleunige Zustimmung des Senats hierzu verlangen. Das Grubenunglück habe gezeigt. daß ein solches Gesetz notwendig sei. Der Minister versichert, daß die Ingenieure des Staates und der Gesellschaft alles mögliche getan hätten, um Ueberlebende zu suchen, und zollt dem Mute der dreizehn geretteten Bergleute seine Anerkennung.(Beifall.) Es seien Irrtümer begangen worden, aber man dürfe die Gesellschaft nicht beschuldigen, Ueberlebende geopfert zu haben, um die Gruben zu retten. Auf eine Bemerkung Jaures erklärt der Minister, daß der Gesellschaft, falls sie schuldig befunden würde, die Konzession entzogen werden solle. Nachdem JanreS und Ribot ihre Zu- stimmung zu den Worten des Ministers erklärt haben, wird ein- stimmig eine Tagesordnung angenommen, die der Regierung daS Vertrauen ausspricht._ lleberfall aus eine Postkutsche. TifliS» 3. April.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Sechs bewaffnete Leute griffen gestern in der Nähe von Tiflis einen Postwagen an, töteten den Postillion und den Kutscher und verwundeten einen Wachmann, der die Post begleitete. Letztere blieb unversehrt. Die Räuber werden verfolgt. Zugentgleisung Warschau, 3. April.(W. T. B.) Heute abend entgleiste der Schnellzug Moskau— Warschau' in der Station Biala. Dabei kam eine Person umS Leben, sieben erlitten Verletzungen. lau! Singer LcCo., Berlin S W. Hierzu 3Beilagen«. UnterhaltungSblatt Hr. 79. 28. 1. ScilM i>cs Jotniättf Sftiintt WIKsdlM Mw-ch. 4. Axril 1906. Reichstag. 8 3. Sitzung, den 3. April, 1 Uhr. Am Bundesratstisch Sixt v. Armin, v. Gallwitz. Die Petitionen, die von der Petitionskommission als zur Er- örterung im Plenum nicht geeignet erachtet werden, gelten als durch Kenntnisnahme erledigt. Der Bericht der Reichsschuldenkommission und die Rechnung über den Haushalt von Kiautschou, letztere in erster Lesung, werden genehmigt. Die zweit- Lesung des M i l i t ä r e t a t s wird bei den mit- einander verbundenen Kapiteln„Artillerie und Waffenwesen" und „Technische Institute" fortgesetzt. Abg. Zubeil(Soz.): wunderbarer Vorgang, dost die Herren Kollegen zwar Zeit für alle möglichen Interessen haben, sobald aber Ar- beiterinteressen in Frage kommen, dann soll der Etat im Geschwind- galopp� erledigt werden. Wir aber, die wir in erster Linie die Interessen der Arbeiter zu vertreten haben, glauben, das; wir ebenso gut wie Sie die Zeit des Reichstages in Anspruch nehmen können. Wie erzieherisch unsere Tätigkeit hier im Hause schon ge- wirkt hat, das hat gerade die gestrige Rede des Abg. Pauli klar bewiesen. Ein Verteter der rechten Seite des Hauses, ein konser- vativer Kleinmcister, hat eine so grosie Masie von Beschwerden der Arbeiter und Untcrbcamten in den königlichen Instituten in Spandau vorgetragen, daß wir auch nicht sehr viel mehr Beschwer- den vorzubringen haben. Wie schlimm es in den Instituten bestellt sein muh, das ist gerade durch die Rede des konservativen Ver- treters evident bewiesen. Den Unterbcamten in Spandau ist im vorigen Jahre vom Herrn Generalmajor Sixt v. Armin eine Ge- Haltsaufbesserung versprochen Wordens sie bitten schon seit vier Jahren um eine Aufbesserung und stehen noch schlechter da als diä Magazinarbeiter. Letztere erhalten 3,40 M. und erreichen nach vier Jahren einen Lohn von 4 M. Die Untcrbcamten bekommen aber noch weniger, nämlich durchschnittlich nur 3 M. Ihr Gehalt wird nach 21 Jahren auf sage und schreibe 3,8ö M. erhöht I Nach fünf- zehnjähriger Tätigkeit erhalten sie eine tägliche Zulage von SAH Pf. Viele Unternehmer in Privatbetrieben würden sich schämen, eine so geringe Zulage zu gehen. Eine Teuerungszulage existiert nicht trotz aller Lebensmittel-Preiserhöhungen und Mietsstcigerungen. Staat dessen hat man seit dem 1. Oktober des letzten Jahres das Aufsichtspersonal wieder vermehrt. Nach der Berechnung des Etats kosten diese neueingestelltcn Beamten 35- bis 40 000 M. Nun gibt es in allen ähnlichen Instituten des Reiches zusammen nur 80 Untcrbeamte. Würde man diesen eine Zulage geben, durch die sie über die höchste Not des Lebens hinwegkämen, so würde das dem Reiche nur eine Ausgabe von 14— 21 OOO M. verursachen. Statt dessen vermehrt man das Aufsichtspersonal� obgleich das nicht nötig ist, ja geradezu schädlich wirkt. Die Untcrbcamten sind noch nicht einmal mit den Heizern gleichgestellt. Die Steindruckergehülfen sind heute gleichgestellt mit den Kohlcnfahrern, indem sie in der dritten Lohnklasse sind und 4 M. erhalten; nach 10 Jahren rücken sie zu 4,50 M. auf. Nun denken Sie aber, daß das Arbeiter sind, die eine 4— 5jährige Lehrzeit hinter sich haben I fHörtl hört I bei den Sozialdemokraten.) Die Arbeiterausschüsse haben sich in einer Petition an den deutschen Reichstag gewendet. ZsuL der Antwort des Generalmajors Sixt v. Armin klang deutlich das alte Lied von der Rücksichtnahme auf die Privatinteressen heraus. Diese Rück- sichtnahme ist des Pudels Kern, sie hindert die Staatsbetriebe fort- zuschreiten. Man mutz immer wieder an die Rede des Ministers von Bötticher denken, die er auf einem Festmahle der Unternehmer gehalten hat und deren Refrain lautete:„Wir arbeiten ja nur für Siel" Diese Worte werden in den königlichen Werkstätten zur traurigen Wahrheit. Wenn der Herr Generalmajor auf die sinken- den Ziffern der Krankenkassen hinweist, so ist dabei zu bedenken». daß die Krankenziffern deshalb nicht höher werden, weil die Ar- beiter durch ihre wirtschastliche Lage gezwungen sind, bis zur äußersten Erschöpfung zu arbeiten, und sich daher nicht krank melden.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Tie Satzungen der Arbeiterausschüsse gewähren diesen nicht die nötige Bewegungsfreiheit. Sämtliche Arbeiterausschüsse haben sich gegen einzelne Paragraphen ihrer Satzungen ausgesprochen. Trotz- dem wurden diese Paragraphen beibehalten. In einem Befehl, der vom Obersten, der zugleich Direktor ist, unterzeichnet ist, heißt es. daß eine Sitzung des Arbcitcrausschusscs nur 20 Minuten dauern darfl Das ist der reine Hohn. Die Arbeiterausschüsse werden durch solche Bestimmungen emfach in spanische Stiefel eingeschnürt. Arbeiter, die ihr Mandat zu den Ausschüssen niederlegen, dürfen erst nach 3 Jahren wiedergewählt werden. Das heißt also: wenn ein Arbeiter, der— weil er eine im Interesse der Arbeiter ge- stellte Forderung nicht durchdringen konnte— aus Protest sein Amt niederlegt, so wird er gewissermaßen mit � dem Verlust seiner bürgerlichen Ehrenrechte als Arbeiter bestraft, indem er 3 Jahre lang nicht gewählt werden darf. Wie konnte die Heeresverwaltung einer derartigen Knechtung ihre Zustimmung geben? Solche Be- stimmungen müssen mehr Unzufriedenheit erregen, als w i r durch unsere Agitation angeblich erregen. Herr Sixt v. Armin hat das mehr- fache Kontrollsystem der Arbeiter als notwendig bezeichnet. Aber nach Ansicht der Arbeiterschaft würde eine einzige Kontrollmarke vollkommen genügen. Der Generalmajor sprach von Erhebungen zu dem Zwecke, daß die Löhne in den ArtilleriedepotS nicht unter denen in den Kommunen blieben. Ich hoffe, man sucht sich hierbei nicht gerade die Kommunen alS Maßstab aus, die die schlechtesten Löhne bezahlen.— Die Nachtarbeit wird viel zu schlecht bezahlt. Viel aber sollte man sparen an den Aufschern, von denen min- bestens ein halbes Dutzend ganz überflüssig ist.— In der Geschoßfabrik sind 500 Menschen im engen Raum beschäftigt. Im Betriebe des Meisters Jäger herrscht absolute Autokratie. Was er will, geschieht. Vor kurzem mußte er eine 5llage gegen einen Arbeiter zurücknehmen, wahrscheinlich fürchtete inaii� daß bei diesem Prozeß die merkwürdigsten Zustände aus dem Betriebe ans Tageslicht kommen würden. Die Akkordsätze werden festgesetzt, indem Meister Jäger bei der Arbeit mit der Uhr in der Hand dabei steht! Sehr geklagt wird auch über die Zustände im Speisesaal, wo eine über- mäßige Hitze herrschen soll.— In einem anderen Betriebe, wo es auf die peinlichste Sauberkeit ankommt, müssen die Arbeiter uucnt- geltlich die Reinigung ausführen. Hier herrscht Meister Collin. den ich schon im vorigen Jahre unter die Lupe nehmen mußte; er versteht es, die Arbeiter in ausgiebiger Weise zu schröpfen. Sehr wenig beliebt ist auch Obermeister Obicr, der als Angeber so bekannt ist. daß die Feldzeugmcisterei ihm hat verbieten müssen, unbegründet Anzeigen zu machen. Einen Arbeiter beschuldigte er vollkommen grundlos, daß er einen Ventilationshahn gestohlen habe. Der Arbeiter, ein Arbciterausschußmitglied, wurde nachher wegen Beleidigung des Meisters, weil er sich diesen Vorwurf nicht hatte ruhig gefallen lassen, bestraft, die Beleidigung von feiten des Meisters aber ging unbestraft hin. � �> Ich komme nun zum Feuerwerkslaboratorium.(Unruhe rechts.) Ja, meine Herren, Sie werden noch lange warten müssen.(Heiter- keit.) Ein Arbeiter der 18 Jahre lang im Betriebe war. wurde kurz vor dem Weihnächtsfeste ohne Angabe von Gründen entlassen; er hatte kurz vorher sein Amt als Arbeiterausschußmitglied nieder- gelegt. Der Direktor dieses Werks(Giesberg) unterläßt es bei keiner Gelegenheit, die Arbeiter auf das Sparen hinzuweisen! Bei der letzten KaisergeburtStagsfeier erklärte er ihnen, ihre Frauen verständen nicht zu wirtschaften, sonst mußten sie von chren 4,50 M. täglich 50 Pf. ersparen können 1 1 Als er damit nichts erreichte, trieb ihn sein Sparsamkcitsficber— wie es die Arbeiter dort nannten— dazu, bei der Lohnzahlung gleich einen Schreiber hinzusetzen, der über jede gesparte 50 Pf. qmttierte. Das ist eine ungehörige Ausnutzung der wirtschaftlichen Abhängigkeit der Ar- beiter. Ungehörig ist auch, daß aus den Mitteln der Kantinenkassen, die von den Arbeitern selbst aufgebracht werden, an einzelne Ar- heiter Prämien verteilt werden. In den Betrieben dieses Direktors wird auch die größte politische Agitation entfaltet für das„Deutsche Volksblatt". Bei der letzten Stadtverordnetenwahl wurden die Ar- beiter zur Wahl kommandiert und unter Führung des Meisters zur Urne geschleppt. Das ist keine anständige Art der Agitation. (Unruhe rechts.) Tie selbstverständlichsten hygienischen Einrich- tungen— wie Badceinrichtungen— fehlen vielfach in den Be- trieben. Ferner wird über das Denunziantenunwesen im Feuerwerks- laboratorium geklagt. Ein Dr. Piesger sieht das Stullcnpapicr der Arbeiter nach, ob es bielleicht ein Stück einer sozialdemokratischen Zeitung ist, ja— er öffnete die Kaffeekannen der Arbeiter und steckte seine unliebenswürdige Nase in sie hinein I(Große Heiterkeit rechts.) Ja, würden Sie sich so etwas gefallen lassen. Herr Graf Oriola? (Erneute große Heiterkeit rechts.) Bei Ihnen sind wir ja so etwas gewöhnt— es sind eben„nur Arbeiter"; diese aber beschioeren sich über diese Unverschämtheit ihres Vorgesetzten. Ein Zeichen der Stimmung der Arbeiter ist, daß der letzte„Familienabend" dieses Herrn ganz unbesucht war; er mußte seinen Familienabend allein abhalten.(Heiterkeit.) Ich komme nun zu den Pulvcrwerkstätten in Hanau. Arbeiter mit einer zwanzigjährigen Tätigkeit im Betriebe erhalten 3—4 M. Lohn. Die Gesundheitsverhältiiisie in der Pnlversabrik sind äußerst schlecht. Der Gestank erstreckt sich 200 bis 300 Meter weit bis zu den Wohnungen der Arbeiter. Weiter beklagen sich die Arbeiter darüber, daß sie viel- fach in andere Betriebe versetzt loerden, Ivo sie niedrigere Löhne er- halten. Selbst wenn sie zurückversetzt werden, erhalten sie nicht ihren alten Lohn, sondern müssen mit den niedrigeren Löhnen ivieder anfangen. Reparaturen werden fast alle der Privatindustrie übergeben, während sie in den Betrieben selbst ausgeführt werden könnten. Die Krankheitsziffer ist in Hanau weit höher als in Spandau. Staub und Zugluft sind die Ursache vieler Lungcnkrankheitcn. Die Ge- Währung von Schutzkleidung für die Arbeiter in diesen gesundhcits- gefährlichen Betrieben, welche seinerzeit auf Grund der Mit- teilnngen meines früheren FrakiionSgenossen Hoch-Hanau erfolgte, ist unterdessen wieder eingeschlafen. Dabei liegt die Gefahr vor, daß ohne solche Schutzkleidung die Arbeiter den giftigen Staub auch in ihre Familien tragen. Weiter beklagen sich die Arbeiter über schikanöse Strafbestimimmgen. Bei Beschwerden muß der Arbeiter sich erst an den Aufseher, dann an den Meister, den BetriebSführcr, den Betriebsdirektor und den Verwaltungsdirektor wenden. Die Arbeiter müßten daS Recht haben, sich an den Abteilungschef zu wenden oder durch Vermittelung deS Arbeiteransschusses an den BctriebSchef. In der Fabrik Siegburg gibt es einen Betriebsleiter, der besser ZuchthauSdirektor genannt würde: Wird das Fabriktor geschlossen, fühlen sich die Arbeiter wie im Gefängnis. Bergißt der Arbeiter den Schlüssel abzuziehen, so wird er mit 1,50 M. bestraft! Der jüngste Aufseher benimmt sich wie ein Sklavenhalter. Man geniert sich nicht, die Arbeiter auszupowern: die Meister borgen sich Geld von denArbeitern und geben es nicht wieder. Verlangen eSdieArbeiterzurück, so werden sie drangsaliert. Diejenigen Arbeiter, die eine schöne Frau be- sitzen, werden bevorzugt.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten) Einzelne junge Leute werden vorgezogen, ein junger 19jäHriger Mann bekommt oft mehr als ein Arbeiter, der auf eine langjährige Er- fahrung zurücksehen kann. Die Stücklöhne werden immer weiter verkürzt, in einem Falle von 5 M. pro 100 Stück auf 1,00 M. (Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Verhältnisse in Sieg- bürg sind also noch schlimmer als in Hanau und Spandau. Auch beim Bekleidungsamt in Straßburg herrschen Ungerechtigkeiten. In der Militärwerkstatt zu Danzig werden die Arbeiter ge- zwungen, das Brot aus einer halbbankerotten Genosienschasts- bäckerei zu beziehen. Täglich fährt ein'Wagen mit Brot auf den Hof der Fabrik, und die Arbeiter müssen kaufen.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) In Danzig werden die Feiertage, mit AuZ- nähme von Kaisers GeburtStäg nicht bezahlt, sondern vom Wochen- lohn abgezogen. Das widerspricht geradezu den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Ich hoffe, daß meine Darlegungen auch in diesem Jahre dazu beitragen werden, daß die Arbeitcrfürsorge in die Militärwerkstätten mehr ausgebildet wird und daß die Oeffcntlichkeit sich mit ihnen mehr beschäftigt.(Lebhafter Beifall bei de» Sozialdemokraten.) Abg. Lucas(natl.): Ohne in den vom Herrn Vorredner ge- rügten„Geschwindgalopp" zu verfallen, glaube ich mich kürzer fassen zu können als der Herr Vorredner.(Beifall und Heiterkeit bei den Nationallibcralen.) Die erzieherische Wirkung der Rede des Herrn Pauli auf die Arbeiter kann ich freilich nicht anerkenne»— ich meine natürlich Zubeil.(Lachen bei den Sozialdemokraten, Heiter- keit.) Die Arbeiter erkennen durchaus an, daß ihre Löhne anSrcichend sind. Aber sie verlangen ein geordnetes Aufsteigen, nicht ein Avance- meut nach Laune und Willkür der Vorgesetzten. Auch ein besonderer Fonds zur Verbesserung der Wohnungsfürsorge wäre zu wünschen. Möge die Militärverwaltung mit ihren Verbesserungen nicht warten. bis eS gewissen Elementen gelungen ist, die Arbeiter unzufrieden zu inachen.(Bravo! bei den Nationalliberalen.) Generalmajor Sixt von Armin: Ich habe mir bei der Rede des Abg. Zubeil erst gelvisienhafte Notizen gemacht, aber bei den Kaffee- kannen und Sinllcnpapieren habe ich aufgehört. Der größte Teil der hier vorgetragenen Fälle ist mir gänzlich fremd. Aber ich kann für einen anderen großen Teil der Beschwerden auch sagen: Der Abgeordnete Zubeil ist im Irrtum, er versteht die Verhältnisse nicht. Unsere Institute sind in Wohlfahrtspflege und Gesundheitsschutz der Arbeiter vorbildlich und können sich mit jedem Privatunternehmen vergleichen. Der Abg. Iubeil hat schwere Angrisse gegen einzelne Beamte gerichtet, Worte wie„Betrüger", .Denunziant",„Znchthansdireklor" usw. gegen unbescholtene Leute gebraucht. Ich werde— wie stets— alle diese Anklagen genau nntersuchen lassen. Aber nach den Erfahrungen, die ich in früheren Jahren mit dem Abgeordneten Zubeil gemacht habe, bin ich berechtigt, alle diese Anschuldigungen für ebenso unbegründet wie die früheren zu halten.(Lebhafter Beifall rechts und in der Mitte.) Damit schließt die Debatte. Das Kapitel Ivird bewilligt. Beim Kapitel: Festungen und Verkehrswesen tritt Abg. v. Böhlcndorff(k.) sür eine Erhöhung der Fonds zu Lust- schifsahrtSversuihe» ein, die ebenso notwendig seien, wie die ungeheuer kostspieligen Untcrsceboot- Experimente. Die Versuche des Grafen Zeppelin seien nur infolge einer Verkettung miglücklicher Umstände gescheitert. DaS Wort ivird nicht lveitcr verlangt und der Rest der dauernden Ausgaben genehmigt.— ES folgen die einmaligen Ausgaben. Beim Titel„Erwerbung eines Truppenübungsplatzes für das 11. Armeekorps" äußert Abg. Bürwinkcl(natl.) verschiedene Wünsche in bezug auf den Grunderwerb. Abg. v. Strombcckvöh??liche absolute Stimmenmehrheit bei zwei Abstimmungen, zwischen welchen ein Zeitraum von wci?igstei?S 21 Tagen liegen«niist, ge??ügt." Demge?nätz bezweckt der Antrag Schiffer: eine Zeitersparnis bei der Verabschiedung des Schulgesetzentw?lrfs herbeizuführen und bei dieser dann die von der Geschäftsordnung bei Vcrfassungs- änderungen vorgeschriebene Fristtvahrung bei der Abstim?nung über- flüssig zu machen, in dem jetzt schon die Vcrfass?n?gsfrage heraus- gehoben wird, wo mehr Zeit für die Wahrung der geschäftsordnungs- ?nätzigen Fristen vorhanden ist!— )Zus äer partei. Strafkonto der Arbeiterbewegung. Iin Monat März wurden an Strafen erkannt: 11 Monate 2 Wochen Gefängnis und 2272 Mark Geldstrafe. Die Bewegung in Hamburg. Die vereil?igten Vorstände der drei sozialdemokratisch e?? Vereine Hamburgs haben ihren Bericht über das Jahr 1905 in einem schmucken Heftchen erstattet. Es gibt zunächst eil?n Ueberblick über die hamburgische Politik des Jahres und verweilt eingehender bei einer Darstellung des Wahlrechtskampfes unserer Genossen. Der prächtige halbtägige Deinonstrationsstreik vom 17. Januar llnd die daran a?ik??üpfeiiden Bestrebungen der Gegner, der Partei die Schoppci?stehlaffäre an die Rockstötze zu hängen, werden besonders berücksichtigt. Eine Liste der Wahlentrechtler in der Bürgerschaft folgt. Das Kapitel schlietzt mit folgenden zuversichtlichen Ausführungen:„Für l?ns ist das Fazit, datz das Klassenbewußtsein der Hainb?lrger Arbeiter geivaltige Anregung und Stärkung erfahren und datz zur Entfaltling unserer Machtmittel neue Bahnen eröffnet, neue Mittel erprobt sind. Die Hamburger Arbeiter, ii?sbesoi?dere??nsere in den Vereinen or- ganisterten Parteigenossen haben gezeigt, datz sie den Kampf ums Recht mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zuführen gewillt sind und diese Entschlossenheit, mit der Einigkeit stets ge- paart sein soll, eröffnet uns die besten Aussichten aus die Zukunft. So mutz selbst das uns zugefügte Unrecht uns zum Vorteil ge- reichen." Die hamburgische Parteiorganisation ist aus de?n Verbände der Provinzialorganisation für Schleswig-Holstcin a?lsgeschieden. Eine Urabstiminung ergab 1610 für, 640 Stimmen gegen den Aus- tritt. Die Ha?nburger Genossen haben die schleswig-holsteinische Be- weaung lange Jahre finanziell unterstützt und auch einen erheblichen Be?trag zur Gründung des Kieler Parteiorgans, der„Schlesivig- Holsteinischen Volkszeitung" geleistet. Der erfreuliche Fortschritt unserer Sache in der Provinz hat die Hamburger indes zu der Ueberzengnng gebracht, daß die dortige Parteiorganisation jetzt auf eigenen Füßen stehen kam?. Hamburg wird sich eine eigene Landes- organisation schaffen, ein Statut-Entwurf liegt den Genossen vor. Die Maifeier wurde in der üblichen Weise durch Arbeits- ruhe und Festzug begangen. Der Ueberschutz von 7477 M. wurde, wie herkömmlich, zwischen Partei und Gewerkschastskartell geteilt. Ein erfreuliches Steigen der Leserzahl des„Hamburger Echo" und der Mitglieder der Parteivereine ist zu verzeichnen. Die Abonnentenzahl des Parteiorgans betrug bei Abschluß des Berichts über 45 000, der Gewinn gegen das Vorjahr ru??d 4500. Die Mitglieder- zahl der Vereine stieg von 18 186 auf 21 756, eine Vermehrung um 3570 Mann. Von den Mitglieder?? stehen im Alter von 15 bis 20 Jahren 571, von 20—30 Jahren 6283. von 30—40 Jahren 7473, von 40—50 Jahren 4624, von 50—60 Jahren 1970, von 60 bis 70 Jahren 520, über 70 Jahre sind alt 23; bei 282 Mitgliedern ist das Alter den Vorftä??dcn unbekannt. Die Statistik zerstört in er- bannungsloser Weise die Fregesche Lüge von den„grünen Jungen"— Eine andere Statistik gl?edert die Mitglieder nach Berufen. Die Parteispedition des„Hamb. Echo" warf einen Ueberschutz von 3453 Mark ab. Für die russischen Revolutionäre ist aus Verei??S- beständen??nd Sam???lungen die Summe von rul?d 40 000 M. dc?n Parteivorstand übergeben worden. Es folgen besondere Berichte der drei einzelnen Wahlkreisvereine. Der des ersten Kreises konstatiert, datz von 4062 befragten Gewerk- schaftlern nur die Hälfte Leser des„Echo"????d noch nicht ein Driltel politisch organisiert waren. Der Wahlkreis leidet unter Lokal- mangel, der erst im Spätherbst dieses Jahres durch den Ba?? des Gelverkschaftshauses behoben werden wird. Der Verein hatte eine Einnah???e von 25 892,29 M., ei!?e Ausgabe von 17 965,96 Mark, einen Kasse??bestand von 7926 33 M. 8000 M. wurde:? an die Parteikasse zu Berlin, 5000 M. für das'Gewerkschaftshaus, 2683,47 M. für Agitation in Schleswig-Holstein. 2762,12 M. für ländliche Agitation(anscheine??d im hamburgische?? Landgebiete) gegeben. Der Kassenbericht des zweiten Kreises weist eine Einnahme von 25 313,45 M., eine Ausgabe von 22 361,78 M. und einen Bestand von 2951,67 M. nach. Der Verein gab 2900 M. für die Opfer des Bergarbeiterstreiks im Ruhrrevier, 3000 M. für das Gelverkschafts- Haus, 3332,42 M. für die Agitation in Schleslvig-Holstein und 3000 M. für die Berliner Zentralkasse, sowie für allgemeine Agitation 2641,96 M, Der Bericht des dritten KreiseS meldet, datz die Gewerkschaften der Holzarbeiter, der Metallarbeiter, der Maurer und der Böttcher der Organisation erfreulicherweise zu Hülfe gekomlnen sind, i??dem sie feststellten, wie viel ihrer Mitglieder im Wahlkreis der -Orga??isation al?gehörten llnd Leser des„Echo" sind. Eine genaue Statistik gibt über das Ergebnis Ausk?lnft. Von 4348 Holzarbeitern gehörten 1864 der politischen Orga??isation an und lasen 2520 das „Echo". Auf Grund der Agitation wurden 434 für die Organisation und 147 für das„Echo" gewonnen. Von 8894 Metallarbeitern haben nur 3934 geantwortet. Pon diesen waren 1842 Partei- ?l?itglieder und 2932 Leser des Parteiblattes. Gewonnen wurden 506 Parteimitglieder und 199 Abonnenten. Von 2396 befragten Maurern waren 1987 Mitglieder der Partei und 1599 Leser des Parteiblattes, gewonnen wurden 47 Parteimitglieder und 63„Echo"- Abonnenten. Von 131 Mitgliedern des Böttcherverbandes wurden 126 befragt; davon waren 73 Parteimitglieder und 100 Leser des „Echo", gewonnen wurden 17 Parteimitglieder und 6„Echo"-Leser. Der Bericht kommt zu dem Schluß, datz durchschnittlich die Hälfte der Gewerkschaftsmitglieder noch nicht politisch organisiert ist und datz es mit dein Aboi?nement des„Echo" noch trauriger aussieht. Der Bericht verzeichnet sodann mehrere Gemeinderatswahlsiege in zu?n Kreise gehörenden Landorten. Der Kassenbericht verzeichnet eine Einnahme von 65 266,92 M.. eine A?lsgabe von 49 935,75 M., einen Bestand von 4501,— M. und eine Kapitalsanlage von 10 770,17 M. An die Parteikasse in Berlin wurden 9000 M. gesandt, für Agitation 5574,10 M., für das Gewerk- schaftshaus 5000 M.. für die Agitation in Schleswig-Holstein 6593,82 M. bctvilligt. So zeigt der Bericht für die Bewegu??g in Hamburg ein erfrellliches Aufsteige??, wie fast überall im Reiche. Gleichzeitig weist er aber auch nach, wieviel Arbeit selbst in den Grotzstädten noch in den Kreisen der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter zu ver- richten ist._ Gemeinderatswahlsiege. In Kurtschlag(Provinz Brandenburg, Kreis Ten?plin) sind am Donnerstag u??d Freitag drei Genossen gewählt worden, einer in der dritten, zwei in der zweiten Klaffe. Der Gemeindevorsteher hatte alles aufgebote??, mn den Sieg der Roten zu verhindern, in- dem er die Wahl in der Mitte der Woche festsetzte und auf zwei Tage verteilte. Auf die Weise glaubte er die Beteiligung der zahl- reichen Arbeiter, die in Berlin tätig sind, unmöglich machen zu können. Indessen habe?? sich unsere Genossen die Mühe und Opfer (die Fahrt allein kostet 2,60 M.) nicht vcrdrietzen lassen und waren pünkllich zur Stelle. ES sitzen jetzt vier Genossen i?n Gemeinderat. In Michendorf(Provinz Brandenburg) setzte der Orts- Vorsteher die Wahl aus den Donnerstag morgens 10 Uhr fest, so datz viele Genossen, die ii? den Berliner Vororten arbeite??, un? der Wahlbeteiligung loillen einen ganzen Tagcsverdiel?st einbüßte??. Trotzdein wurde der Sozialdemokrat mit großer Mehrheit gewählt und damit der zweite Rote ins Dorfparlament gesandt. In Unterwerschen(Provinz Sachsen) wurden zwei Genossen gewählt._ „Der BolkSwille", unser Parteiblatt z« Hammver, erscheint seit dem April, nach der Uebersiedelung ins eigene Heim und in die eigene Druckerei im??euen Gelvande, auf 16seitiger Rotatiolls- Maschine gedruckt. In einem Jubelartikel„Trotzallede?n" gibt das Blatt einen kurzen Rückblick auf die Geschichte der Partei und der Parteipresse in Hanl?over. Der Vorgänger des„Volks- Wille" war ein im Jahre 1883 gegründetes.„Haus und Welt" genanntes Blatt, das schon nach wenigen Monate?? dem Sozialistengesetz zll?n Opfer fiel, der Verantwortliche, Genosse LopS, wanderte a?lf mehrere Monate ins Gefäi?g??iS und erlitt dauernden Schaden an seiner Gesui?dheit. Der„Volkswille" erstand an den? Tage, da das Sozialistengesetz fiel, am 1. Oktober 1890. Er fristete ein kümmerliches Dasei??, die Zahl der Abo??neule?? tvar ?mr gering. Im Deze?nber 1905 betrug sie 16 060, der Januarkrirs» der Wahlrechtskampf lietz sie inzwischen auf 19 000 ailschwellen. poUzeiUcbcs, öencbtUcbco ulw. Deutsche Presifrcihrit. Die„Königsberger Volks« z e i t u n g" schrieb an? Montag: Marge?? steht die„Bolkszeitung" von 10 Uhr ab viermal vor der hiesigen Strafkammer. Sollte sich morgen oder übermorgen in der Zustellung der Zeitung einige Unregelmäßigkeiten zeigen, so müssen das die Leser schon e??tschuldigen. de???? morgen ist fast das gesamte Personal unserer Zeitung auf dem Gericht. Die polizeiliche Austösting einer Gesaiigsübung wird aus Laer bei Bochum gc???eldet. In der Gesangstunde des Arbeiter- gesangdereins„Vorwärts" am Donnerstag erschien plötzlich ein Polizeisergeant Trösten und fragte, ob d ie G esang stu n d e angemeldet sei. Auf die verneinende A??twort hin erklärte er:„Dann löse ich die Gesang st unde auf." Dam? forderte er zum Verlassen deS Lokals auf, im Weigerungsfälle werde er von seiner Waffe Gebrauch machen. Der Verein ist von der Polizeiverwaltung für politisch erklärt worden; es soll, so behauptet ein amtliches Schreiben. das einige Tage vorher einlief, d?lrch das bisherige Verhalte?? deS Vereins festgestellt sein, daß er seinen Gesang?n den Dienst der Sozialdemokrarie stellt und hierdurch die politische?? Bestrebungen dieser Partei uil?erstiitzt. Deshalb soll der Verein Statuten und Mitgliederverzeichms einreichen, wessen er sich ??atürlich geweigert hat. Soziales. Wer die Familie zerstört. Hört man unsere Gegner, sind es??atür!ich die Sozial- demokraten, welche die Ehe und Familie zerstören würden, sobald sie zur Herrschaft kommen. Einstweilen besorgt aber Me kapitalistische Wirtschaftsordnung mit Hülfe aller bürger- licher Parteien die Zerstörung so gründlich, daß später die Sozialdemokratie nur wieder gut machen mutz, was jene zu- gründe richteten. Man lese z. B. folgenden Bericht, den die „Basler Nachrichten" veröffentlichen über die Tiroler Hüte- kinder, die jedes Frühjahr in Friedrichshafen am Bodensee landen und von den schwäbischen Bauern für landwirtschaft- liche Arbeiten gemietet werden. In jenem Bericht heißt es: Die Kinder kamen am 22. März in einer Stärke von mehr als 300 an, begleitet von einec Anzahl Gei st licher, zum Teil auch von ihren Eltern. In der Mehrzahl sind es Knaben im Alter zwischen 12 und 16 Jahren, dann aber auch Mädchen und einige ältere Burschen, die sich dem Zuge angeschlossen haben. Die Kinder verdingen sich nur für den Sommer: am Gallustage l16. Oktober) versammeln sie sich wieder in Friedrichshafen zu gemeinsamer Heimreise nach Tirol. Es ist bezeichnend für die der- zeitigen Arbeiterverhälrnisie, daß sich um diese doch wenig leistungs- fähigen Hlllfskräste ein äußerst scharfer Wettbewerb geltend machte. Als die Kinder am Morgen des 23. März aus dem Hause, in dem sie über Nacht einquartiert waren, herausgelassen wurden, konnte der Beobachter unbeschreibliche Szenen mitansehen. Es gab Kinder, die buchstäblich von fünf und sechs Bauernfäustcn am Rockärmel hin- und hergeriffen wurden: die Sieger in diese ni Kampfe brachten dann den geschäftlichen Teil, den Arbeitskontrakt,»nit einem der be- gleitenden Pfarrherren ins reine. Wtanch ergreifende Szene spielte sich in den Straßen ab; viele dieser kleinen Burschen, die zum ersten Male Eltern und Geschwister verlassen mußten, ließen ihrem Schmerze freien Lauf und vergossen bittere Tränen." Wie der Bericht zeigt, sind es katholische Geistliche, die das Führergcschäft bei diesem Kinderschacher ubernehmen und damit sich„Gottes Lohn" verdienen. Was sagt aber die Zentrumspresse zu diesem wahrlich nicht Gott wohlgefälligen Geschäft?_ Kampf um die Rente. Der bereits 184p geborene Zimmerer Strehlow, der aber immer noch seine Arbeit in gewohnter Weise gleich seinen jüngeren Kollegen verrichtete, stürzte am 3. Juni 1904 auf einem Altonaer Neubau einige Etagen herab. Als Unfallfolgen wurden nach ärzt- lichem Befunde in der Unfallanzeige angegeben: eine. Schadelver- letzung, ein Bruch des Brustbeins und zweier Rippen. Später wurden bei St. eine starke Gefäßverkaltung, Lungenbläschen- erwciterungen und eine Wirbelsäulenverkrümmung festgestellt.— Nach beendetem Heilverfahren lehnte die Berufsgenossen- schaft den Anspruch St.s auf Unfallrente ab. Sich stützend auf ärztliche Gutachten ging sie davon aus, daß die eigent- lichen Unfallfolgen beseitigt seien. Tie lebhaften Beschwerden des Mannes s Kopfschmerzen, Schwindelanfälle, Schmerzen im Rücken usw.) hätten mit dem Unfall nichts zu tun. Es seien im wesent- lichen Alterserscheinungen. Sie hingen mit der Arterienverkalkung und mit der Rückenverkrümmung zusammen, die sich vor dem Unfall entwickelt hätten. Das Schiedsgericht zu Schleswig erkannte als Be- rufungsinstanz ebenfalls auf Abweisung des Klägers, well ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Unfall und den Beschwerden des Klägers, sowie seiner nicht unerheblichen Be- einträchtigung der Erwerbsfähigleit nicht nachgewiesen sei. — Nun legte Kläger beim Reichsversicherungsamt Rekurs ein, bei dem das Zentral-Arbeitersekretariat der Gewcrk- schasten Deutschlands seine Sache wahrnahm. Es erzielte zunächst die Einholung eines Obergutachtens. Das Reichsversiche- rungsamt lieh sich ein solches vom Oberarzt Dr. Kumtner vom Krankenhaus zu Eppendorf bei Hamburg erstatten. Der Arzt sprach sich dagegen aus, daß die jetzigen Beschwerden des Ver- letzten mit dem Unfall ursachlich zusammenhingen. Er verwarf auch den Gedanken daran, daß sie„ausgelöst" sein könnten durch den Unfall. Tagegen meinte er, durch den Unfall seien bei St. „Begehrungsvorstellungen" ausgelöst worden, die ihm seine schon vorher entstandene Krankheit zum Bewutztsein brächten. Das Arbeitersekretariat sorgte nun mit Hülfe der Mittel des Zimmererverbands, daß der Verletzte nach Berlin kam und von einer Aerztekommission untersucht wurde, welcher angehörten: Professor Strauß(Spezialist für innere Krankheiten), Dr. D. Munter(Nervenarzt) und Dr. Zondek(Spezialist für Chirurgie). Bei der zweiten Verhandlung vor dem Reichsversicheruimsmnt konnte der Arbeitersekretär ein gemeinschaftliches Gutachten der drei Herren vorlegen, worin die Wahrscheinlich- keit eines ursächlichen Zusammenhangs zwischen verschiedenen Beschwerden bezw. Krankheitserscheinungen des Klägers und dem Unfall ausgesprochen wird. Unter anderem führt das Gutachten aus: Allerdings sei damit zu rechnen, daß zur Zeit des Unfalls schon eine ausgebreitete Arteriensilerosc bestanden habe. Kläger habe der allmählich sich entwickelnden Veränderung in den Gefäß- wänden sich angepaßt gehabt und normal— seinem Alter entsprechend— gearbeitet. Durch den immerhin schweren Unfall, der mit viel Schmerzen und mehrwöchentlicher, für alte Leute stetige- fährlichcr Bettruhe verknüpft gewesen sei, habe sich der a l l m ä h- liche Verlauf der Arterienverkalkung in einen beschleunigten umgewandelt und die Widerstandsfähigkeit des durch den Unfall geschwächten St. gegen die durch die Gefäßverkalkung her- vorgerufenen Beschwerden gemindert. Es bleibe unerklär- l i ch, warum bei einem arbeitstvilligen Manne, wie St., der auch jetzt noch als schwerkranker Mann arbeite, wo er seinen Kräften entsprechende Arbeit finde, die Tatsache der plötzlichen Minderung seines bis zum 1. Juni 1994 bestandenen Grades von Arbeitsfähigkeit ausschließlich auf die greisen- haften Veränderungen in, Gefäß sy st ein bezogen würden, ohne daß auch nur die Möglichkeit erwähnt werde, daß der nicht leichte Unfall eine Verschlimmerung und Beschleunigung der Erlrankuirg im Zirkulationsapparat herbeigeführt habe. Hier wäre eine sehr ungünstige Beeinflussung des vorhandenen Gefäßwand- leidens durch den Unfall anzunehmen, sowie, daß es damit zugleich zu funktionelle» Störungen der Herztätigkeit gekommen sei. In Erwägung, daß als wahrscheinliche Unfallfolgen eine leichte ner- vöse Störung, Schmerzen an der Bruchstelle des Brustbeins und die Verschlimmerung der vorhandenen Gesäßentartungen angenommen würden, schätzten die drei Gutachter die durch den Unfall hervor- gerufene Einbuße an der normalen Erwerbsfähigkeit auf 59 P r o z. Durch dieses Gutachten sah sich das Reichsversiche- rungsamt veranlaßt, die Einholung eines weiteren Obergutachtens zu beschließen. Es wurde Professor Quinke in Kiel gehört. Dieser erkannte einen teilweisen ursäch- lichen Zusammenhang an. Während St. insgesamt um 06% Proz. in seiner Erwerbsfähigkeit beschränkt wäre, entfielen auf die Folgen des Unfalls nur etwa 2ö Proz. TaS Reichsversicherungsamt, bor dem Arbeiter- sekretär Bauer den Kläger vertrat, entschied dann in seiner dritten Verhandlung der Sache dahin, daß die Berufs- genossenschaft zu verurteilen sei, an den Kläger als Unfall- rente 59 Proz. der Vollrente zu gewähren und ihm 59 Mark Kosten zu zahlen. Das Reichsversicherungsamt machte sich das letzte Obergutachten zwar in den grundlegenden Feststellungen zu eigen, meinte aber, es habe Moment der Auslösung von Erscheinungen schon vorhandener Krankhchen durch den Unfall zu gering bewertet. Eine nach Ansicht des Gerichts angemessene Be- rücksichtigung dieses Moments führe zur Annahme einer Erwerbs- beschränkung durch den Unfall von 59 Proz.— Der vorstehende Fall zeigt, wie schwierig der Kampf um die Unfallrente ist und wie fast hülsloS der Verletzte dasteht, dem nicht Arbeitersekretäre und Gclverkschaft zur Seite stehen._ Gegen Einengung des KonfektionSarbeiterschutzcs. Vier Anprobicrmamsclls der Konfektionsfirma Taute u. Schmidt in Berlin waren Sonnabends noch nach 5% Uhr im Gc- schäftslokal der Firma beschäftigt worden. Die Firmeninhaber wurden deshalb wegen Uebcrtrctung der Bundesratsverordnung vom 31. Mai 1897 bezw. vom 17. Februar 1994, betreffend den Schutz der Konfektionsarbeiterinnen, angeklagt. Die Staats- anwaltschaft ging davon aus, daß das Geschäftslokal der Ange- klagten eine„Werkstatt" zur„Anfertigung" von Tamenmänteln sei. Das Landgericht sprach jedoch die Angeklagten frei, in- dem es meinte, es handele sich um keine Werkstatt in jenem Sinne, da die Mäntel vollständig bei Zwischenmeistern hergestellt würden, wo auch das eigentliche Zuschneiden des Stoffes nach Mustern erfolge, oder in der Behausung von Heimarbeiterinnen der Zwischenmeistcr. Das bloße Abschneiden der für die einzelnen Zwischenmeister benötigten Stoffstücke, das im Geschäfts- lokal der Firma vorgenommen werde, gehöre nicht zur„Anfer- tigung". Diese beginne erst mit dem Züsch neiden nach iW u st e r n.— Das Kammergericht hob jedoch am Montag das Urteil auf und verwies die Sache nochmal an das Landgericht. Begründend wurde ausgeführt, daß das Landgericht den Begriff der„Werkstatt zur Anfertigung von Damenkleidern" nicht richtig gewürdigt hätte. Die Räume der Angeklagten wären als Werkstatt in dem Sinne anzusehen. Im Gegensatz zum Landgericht nehme der erste Strafsenat an, daß es schon ein Teil des Werkstattbetricbes sei, wenn in den Geschäftsräumen der Firma die Stoffe abgeschnitten würden, bevor sie zu den Zwischen- meistern kämen. Die von den Zwischenmeistern hergestellten fertigen Mäntel würden nach der Lieferung im Geschäftslokal der Angeklagten von den Probiermamsells angezogen, damit, bevor die Abnahme erfolge, die richtige Anfertigung am weiblichen Körper festgestellt werden könne. Das stelle auch einen Werkstattbetrieb dar, und nichts anderes. Die Anfertigung beginne mit dem Ab- schneiden der Stoffe und das Ziel der Anfertigung werde erreicht durch die Abnahme nach dem Anprobieren im Geschäft.— Das Kammergericht hält danach mit Recht an der strengen, dem Sinne und Wortlaut des Gesetzes entsprechenden Auslegung des Ge- sctzes fest._ Sericbts-Leitung. Der Sohn des Justizministers Beseler verurteilt. Wie das „Berliner Tageblatt" mitteilt, verurteilte dieser Tage die Breslauer Strafkammer den Gerichtsreferendar Karl Beseler, einen Sohn des jetzigen Justizministers, wegen eines am 26. November stattgehabten unblusig verlaufenen Pistolenduells im Oswitzer Walde mit dem Ingenieur Walter Grunow zu vier Monaten F e st u n g. Sein Duellgegner war vom Kriegsgericht zu dreieinhalb Monaten Festung verurteilt worden. Das Duell war durch einen Wirtshausstreit entstanden.— Es steht den Duellfexen gut an, hernach in richterlicher oder staatsanwaltlicher oder justtz- ministerieller Stellung über die„Roheit"— der Arbeiter zu klagen._ Lex Heinze auf der Anklagebank. Vor der vierten Strafkammer wurde gestern bis gegen Abend hin ein Prozeß gegen den bekannten Verlagsbuchhändler Rudolf H o f m a n n, Inhaber der Firma A. Hofmann u. Cic., gegen den Schriftsteller Eduard Fuchs und gegen zwei Buch- Händler auf Grund des Z 134 Str.-G.-B. geführt. Im Ver- läge von A. Hofmann u. Cie. ist als Fortsetzung des bedeut- samen Kulturwerkes über die Geschichte der Karikatur von Eduard Fuchs„DaS erottsche Element in der Karikatur" erschienen. Dieses Buch führt in glänzender Weise an der Hand einer großen Reihe von Bildern aller Kulturperioden dem Leser die Sitten und Unsitten, gegeißelt von der Karikatur, vor. Der Herausgeber und der Verleger hatten die Vorsicht gebraucht, in einem Prospekt zu bemerken, daß dieses Buch lediglich an Leute abzugeben sei, die darauf sub- skribierten und daß Minderjährige von der Subskriptton des Buches ausgeschlossen sind. Diesen Prospekt sendete ein Buch- Händler D. mit dem Ersuchen einem Adressaten(einem in- zwischen verstorbenen Prinzen) zu, er möge bald bestellen, weil das Buch sonst beschlagnahmt würde. Das genügte den Lex Heinzcmännern, die wohl nach dem Tode des Prinzen von dem eigentümlichen Schreiben erfahren hatten, Polizei und Staatsanwaltschaft in Bewegung zu setzen, um schleunigst das gefährliche Buch zu konfiszieren. In der Tat wurden, bevor noch das Buch erschienen, ja, bevor es ge- druckt war, Maßnahmen zur schleunigen Beschlagnahme des Buches getroffen. Der Verleger und der Autor sorgten nun dafür, daß sofort nach dem Erscheinen die subskribierten Bücher ihren Bestellern ausgeliefert Würden. Der Buchhändler D. erhielt wegen jenes Anschreibens kein Exemplar ausgeliefert. Diese Vorsicht erwies sich als sehr zutreffend. Die Polizei versuchte in der Tat das Buch, dessen wissenschaftlichen, ethischen und sittlichen Charakter jedem Leser in die Augen fällt, mit Beschlag zu belegen. Das Amtsgericht lehnte indessen wegen des nach keiner Richtung hin unzüchtigen im Gegenteil hochsittlichen Cha- rakters der Schrift die Besch lagnahmever- fügung ab. Auf erhobene Beschwerde ordneten dann drei Männer des Landgerichts so schleunigst die Beschlagnahme an, daß kein Zweifel darüber bestehen kann, daß das Buch von den beschlagnahmenden Richtern unmöglich hat gelesen, also auch geschweige denn verstanden werden können. Sämtliche Exemplare, mit Ausnahme etiva eines Dutzend, waren aber bereits an ihren Bestimmungsort gelang und entgingen der Beschlagnahme. In dem gestrigen Termine fand die Verhandlung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Mehrere bekannte Kunstsachvcrständige, u. a. Schriftsteller Fedor Zobeltitz, Professor Dr. Boll, Konservator der Pinakothek in München, Professer Dr. Schoensgans(Würz- bürg), wohnten der Verhandlung bei. Das nach wieder- hergestellter Oeffentlichkeit verkündete Urteil ging dahin: sämtliche Angeklagte sind von der er- Hobe neu Anklage, gegen§ 184 des Straf- gesetzbuches verstoßen zu haben, frei zu sprechen. Die Kosten werden der Staats- kasse auferlegt, die Besch lagnahmever- fügung wird aufgehoben. Das Gericht hat auf Grund der Beweisaufnahme den überzeugenden Beweis für erbracht erachtet, daß weder in objektiver noch in sub- jcktiver Hinsicht die Tatbestandsmerkmale des§ 184 des Strafgesetzbuches erfüllt sind. Das Buch ist von einem hoch- sittlichen, wissenschaftlichen und künstlerischen Ernst getragen und hat einen außerordentlich kulturgeschichtlichen Wert. So- wohl die Auswahl der Abbildungen wie die Zusammenstellung derselben und der Text schließen in ihren einzelnen Teilen wie in ihrer Gesamtheit Unzüchtiges ans.— Weshalb diese Verfolgungen, die jeden, auch den rcichsgcrichtlichen„sittlichen Normalmenschen" empören müssen? Bcrlcuqinmg drs Glaubens als Entlassnngsgrund? Die t6jähnge Kontoristin Frieda K. war von dem Kaufmann Artur Lchnert sofort entlassen worden, weil sie nach der Behauptung ihres Chefs ihm gegenüber ihren jüdischen Glauben nicht nur ver« heimlicht, sondern sogar abgeleugnet hatte. Sie trat gestern wegen des GehaltSrestcS von 45 M. als Klägerin vor der 2. Kammer des KanfmannsgerichtS auf. Der Bellaate behauptete, die Klägenn habe sich als Christin ansgegebeu. Es sei ihm aber aufgefallen. daß sie an den jüdischen Feiertagen fehlte und sich am nächsten Tage mit Krankheit entschuldigte. Als sie am 26. Oktober, einem jüdischen Feiertag, wieder fehlte, habe er ihr geraten, sie solle doch lieber zugestehen, daß sie Jüdin sei, denn er würde sie, wenn sie weiter ihre Kon« fession ableugne, keine Stunde länger behalten. Da sie dabei blieb, krank gewesen zu sein und nicht des Feiertages wegen gefehlt zu haben,' so habe er sich zur sofortigen Entlassung für berechtigt ge- halten. Die Klägerin behauptete demgegenüber, sie sei niemals direkt nach ihrer Religionszugehörigkeit gefragt worden, aus Aeußerungen, die der Beklagte wie seine Frau ihr gegenüber öfters gebraucht habe, ginge auch klar hervor, daß sich ihr Chef niemals darüber im Zweifel befand. daß sie Jüdin sei. Wenn sie krank war. entschuldigte sie sich stets sofort per Karte und lvenn sie krankheitshalber an einem jüdischen Feiertag gefehlt habe, so sei das Zufall gewesen. Auch die als Zeugin vernommene Mutter der Klägerin bekundete, daß ihre Tochter des jüdischen Feiertages wegen niemals gefehlt habe.— Der vom Beklagten angeführte Ent« lassungSgrund wurde vom Kaufmanns geeicht als hin- fällig angesehen. Die Religion war nicht Gegenstand der Engagementsverhandlungen gewesen. Selbst wenn die Klägenn ihren Glauben abgeleugnet habe, so sei das zwar moralisch ver- werflich, berechtige aber noch nicht zur sofortigen Entlassung.~ Der Beklagte zahlte darauf im Vergleichswege 37,59 Mark, um die Ver- urteilung zu vermeiden. Der Roma» eines Hauslehrers. Nach Eröffnung der gestrigen Sitzung erklärte der Verteidiger des Angeklagten Wesemann. dieser wolle ein Geständnis ablegen. W. gestand dann zu, die Mir- angeklagte Knoll zur Abgabe ihrer faschcn eidlichen Aussage ver- leitet und dann auch noch den Versuch gemacht zu haben, eine andere Person zur Abgabe einer falschen Bekundung zu bewegen. Er gab aber zu seiner Entschuldigung an, daß er vollständig unter dem Banne der Frau P. gestanden und in dieser ganzen erregten Zeit jeglichen Halt völlig verloren gehabt habe. Er habe, da er in der Ehescheidungssache den falschen Eid geleistet hatte, so- fort siefe Reue darüber empfunden und auch dem Rechtsanwalt Dr. Marwitz reuevoll Mitteilung gemacht und um Rat ersucht, was er nun tun solle. Zu seiner eigenen falschen Aussage sei er außer durch die Rücksicht auf Frau P. auch dadurch bewogen worden, daß drei Tage vor dem Termin ihn, ein anonymer Brief zugegangen sei, in welchem gesagt wurde: wenn er seine Aussage verweigere, würde nicht nur er selbst, sondern auch seine ganze Familie kom- promittiert werden. Die Verteidigung suchte dann noch weiter auszuführen, daß der 27jährige Student willenloses Opfer der 46jährigen Ehefrau ge- worden sei. Umgekehrt bestätigten drei ärztliche Sachverständige, daß Frau Knoll eine hysterische, neurasthenische, willensschwache Frau sei, die von einem Willensstärken Mann leicht als gefügiges Werk- zeug mißbraucht werden könne. Das Urteil lautete gegen die An- geklagte Knoll auf sechs Monate Gefängnis, gegen Wesemann auf zwei Jahre Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust und dauernder Unfähigkeit, als Zeuge oder Sach- verständiger eidlich vernommen werden zu können. )Ziis der frauenbeweejung. Rixdorf. Im Verein gewerblich tätiger Frauen und Mädchen für Rixdorf und Umgegend findet heute, Mittwoch, abend bei Hoppe, Hermannstr. 49, ein Lichtbilder- Vortrag statt. Herr Dr. Osborn spricht über„Konstantin Meunicr, ein Bildhauer und Maler der Arbeiterschaft". Es kann nicht dringebd genug geraten werden, diese Gelegenheit zu benutzen, u», einen Einblick in das gewaltige Schaffen dieses Künstlers des Prolc- tariatS zu gewinnen. Meuniers Werke sollten keinem Arheiter und keiner Arbeiterin unbekannt bleiben. Versammlungen. Berein Berliner Hausdiener. In der letzten Mitglieder- Versammlung hielt Genosse Eugen Brückner einen Vortrag über„Die Arbeiterbewegmig einst und jetzt". Reicher Beifall lohnte den Redner für seine sachlichen Ausführungen. Eine Diskussion wurde nicht beliebt.— W a p pl e r berichtete dann, daß seit der letzten Versammlung 195 Kollegen dem Verein beigetreten sind. Ferner ivurde mitgeteilt, daß am Donnerstag, den 5. April, bei Keller, Koppenstraße, eine öffentliche Hausdiener- und Packer-Vcr- sammlung stattfinden soll, welche gemeinschaftlich von dem Verein, dem Verband und der Hausdiener- und Packer-Vevcinigung ein- berufen wird. Referent ist Reichstagsabgeordneter C. Legten. Thema:„Der Wert der Einheitsorgcmisation". Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierkluv„Süd- Ost". Heute, abends 8'l, Uhr, bei Tolksdorf, Gorlitzerstr. 58: Vortrag über; Thomas Marc. Sozialdemokratischer Lese- und Diskuticrklub„Heine". Jeden Mittwoch(außer Zahlabend) Sitzung bei Herm. Bolze, Rodenbergstr. 8. Deutscher Arbeiter- Abstinenten- Bund. Ortsgruppe Berlin. Heute Mittwoch, abends'1,9 Uhr, im Englischen Garten, Älexanderslr. 27c: Versammlung. 1. Vortrag: Bürgerliche und proletarische Abstinenzbewcgung. 2. Diskussion. S. Gruppenangelegcnheiten.— Gäste willkommen. Berliner Marktpreise. Aus dem amlltchen Bericht der städlischcn Marlthallcn-Direktion. Nindfleisch la 63—68 pr. 199 Psund, lla. 56—61, lila 59—54, IVa 49—48, engl. Bullen- 99—90, dun. Bullen- 00—09, Holl. Bullen- 00<-00. Kalbfleisch, Doppclländer 105—120, la 80—88, IIa 65—78, Uta 52—62. Hammelfleisch la 62—72, Ha 55—61. Schweinefleisch 70—74. Kaninchen 0,90—1,10. Hühner, alte, Stück 1,60—2,25, alte per Psd. 0,90, junge, per Stück 0,90—0,00. Tauben, junge 0,55—0,72, alte 0,40—0,50. Enten, junge per Stück 0,00—9,00, per Pfd. 00—00, russ., gcsr. per Stück 09—00. Gänse, junge, per Psd. 1,25—1,30, russ. per Psd. 0,00—9,00. Hechte 84—93. Schleie 00-90. � Bleie 53. groß 09—00. Aale, groß 09—00, mittel 09—00, klein 09—00, unsortiert 00—99. Plötzen 39— 5t. Flundern, pomm. I, per Schock 90—00, Kieler, Stiege la 4—7, do. mittel, per Kiste 3—4, do. klein, per Kiste 09—00. Bücklinge, schwed. per Wall 90—00, norw. 3,00—3,50, Holl, 3,00, Kieler 2—4, engl. 2—3,00. Aale, groß, per Psd. 1,10—1,20, mittelgroß 0,80—0,90, klein 0,50— 0,69. Sprotten, Kieler, 2 Wall 1,00—1,60, Elb-, per Kiste 0,40—0,50. Sardellen, iOOZcr, per Anker 74,00, 1904cr 72,00, 1905er 70,00. Schottische Vollheringe 1905 00—00, large 40—44, füll. 36—38, med. 33—35, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjcS, per*/3 Tonnen 60—120. Hummern, IIa, 100 Pfd. 00—00. Krebse, per Schock, große 00—00, mittelgroße 00—00, kleine 0,00, unsortiert 00—00. Eier, Land-, per Schock 09—00, frische 3,20—3,40. Butter per 100 Pfund, la 120, IIa 117—120, lila 115—116, abfallende 110—114. saure Gurken, Schock 3—3,50 M., Pfeffergurken 3—3,50 M. Kartoffeln per 100 Psd. magn. bon. 2,10—2,35, rote Dabcrschd 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl per Schock 0,00—00,09. Wcißtohl per 100 Psd. 4.50—5,50, Noikohl per Schock 00—09, Holl. 16—24. Grünkohl, per 100 Psd. 12—15. Rüben, weiße 12—16, Teltower 16—18. Kohlrüben, per Schock 2,50—4,50. WttteriiiigStibcrflckit vom 3. April 1906, morgens 8 Ilhr. Wetter-Prognose für Mittwoch, den 4. April 1966. Trocken und vorwiegend heiter, etwas wärmer bei schwachen südöst- lichen Winden. Berliner Wetterbureau. Wasserstand am 2. April. Elbe bei Aussig-s- 1,40 Meter, Bei Dresden— 0,08 Meter, bei Magdeburg-f 8,02 Meter.— U» st r n t bei Stranßsurt-ff 2,80 Meter.— Oder bei Natibor 2,33 Meter, bei Bccstau Oberpcgcl 5,28 Meter, bei Breslau Unterpegel+ 0,30 Meter, bei Fratiksurt+ 2,58 Bieter.— Weichsel bei Brahemünde -f 6,18 Meter.— Warthe bei Posen+ 2,18 Meter.— Netze bei Usch 00-00 Meier. lönraSTäch S 0 Blteste u. bedeutendste 5 dlUhWQrEn* Fcsbrik Oeutschlnnös. welche cussriiiiesslirii eigene ßeschöfte unterhäü� Preiswerte Frühjahrs-Schuhwaren! �V.Msgö. M. M. M. Eigene Verkaufsgesciiäfte BERLIN und Umgegend: C., Roscnthalerstraße 14. C., Spittelmarkt 15. W., PotsdamerstraBe 50. W., SchllistraBe 16. S.t OranienstraBe 65. SO., WrangelstraBe 49. SO., OranienstraBe 2a. SW., Friedrichstr. 240-241. NW., BeusselstraBe 29. NW., TurmstraSe 41. NW., WilsnaekerstraBe 22. 0., AndreasstraBe SO. 0., Frankfurter Allee 125. N., DanzigorstraBe 1. N, MüllcrstraBe 3. N., Reinickendorfersir. 14. Charlottenjbnrg; Wilmersdorferstr. 122-123. 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In der heutigen Sitzung wird die Erörterung der Frage fort- gesetzt, ob Gärtner der böse Geist der Stadtgrube war. der die Arbeiter beeinflußt habe, nur bei ihm, nicht aber beim Arbeiter- ausschuß Beschwerden über Mißstände vorzubringen, der den Streik provoziert und das„väterliche Verhältnis" zwischen dem Direktor Lehder und„seinen" Arbeitern gestört habe.— lieber die von Herrn Lchder aufgestellte Behauptung, Gärtner habe den ArbcitcrauSschuß ausschalten wollen, wird Polizeisergeant Tröder ver- nommcn. Das ist der Beamte, auf dessen Informationen der Grubcndirektor sich berufen hatte. Zeuge Trödcr sagt, als er während dieses Prozesses hörte, es werde behauptet, die Arbeiter trauen sich nicht, Beschwerden bei den Grubcnbeamten anzubringen, weil sie sonst gemaßregelt werden, da habe er. Tröder, zum Gruben- direktor gesagt, das sei nicht wahr. Tie Parteiführer und Gärtner hätten in Versammlungen wiederholt gesagt, wenn die Arbeiter Beschwerden haben, sollen sie sich nicht an die Grubcnbeamten, sondern an ihreVertrauensmänner wenden.— Gärtner bestreitet, sich so geäußert zu haben. Er könne vielleicht gesagt haben, wenn infolge von Beschwerden Maßregelungen vorgenommen werden, wie oft von Arbeitern angegeben, dann bleibe nichts übrig, als Be- schwerden nicht mehr bei den Beamten anzubringen, sondern sie öffentlich zu erörtern.— Zeuge Tröder kann nicht an- geben, in welcher Versammlung er die von ihm behauptete Aeutzerung Gärtners gehört hat, ebensowenig kann er angeben, wer . die Parteiführer" sind, die solche Acußerungen gemacht haben sollen, auch weiß der Zeuge nicht, in ivclchcm Zusammenhange die angcb- liche Aeutzerung Gärtners gefallen ist, schließlich besinnt er sich aber. daß vorher wohl von Maßregelungen und„auf das Pflaster werfen" die Rede war. Daß Gärtner vom Arbeiterausschuß gesprochen hat, weiß der Zeuge auch nicht. Die vorherige Anmeldung unvermuteter Revisionen kommt nochmals zur Sprache durch den B c r g r a t Netto, der sich meldet, um seine vor etwa acht Tagen gemachte Zeugenaussage zu berichtigen. Der Bergrat sagt, er habe sich inzwischen vergewissert, daß er seine Revisionen in i Jahren nur 5= bis Kmal durch Post- karten angemeldet habe. 13 Gruben habe er abends vorher telegravhisch benachrichtigt, das seien aber solche Werke, die infolge mangelhafter Verkchrsvcrhältnisse ein am Abend aufgegebenes Telegramm erst am nächsten Morgen erhalten. In den meisten Fällen sei seine Anmeldung erst ganz kurze Zeit, oft Vt, Stunde vor seinem Eintreffen, angelangt.— Diese Angaben stehen im Zu- sammenhang mit einem früher erörterten Punkt. Als es sich da- mals um die Frage handelte, ob die zwischen der Anmeldung und dem Eintreffen des Aufsichtsbeamten liegende Zeit genüge, um gewisse Mängel im Betriebe, die der Beamte nicht sehen solle, zu verdecken oder auszubessern, vertrat der Sachverständige, B e r g r a t Baselt, den Standpunkt, daß derartige Arbeiten in so kurzer Zeit nicht ausgeführt werden können. Einige Tage später gaben einige Zeugen an, eS seien Verschlage errichtet worden, um dem er- warteten Revisionöbcamtcu vorhandene Misiständc zu verbergen. Bei dieser Gelegenheit war die Ansicht dcS Sachverständigen, B c r g- rat B a s e I t. die: In der Zeit, wo ein Verschlag gemacht werde, könnten auch gewisse Mängel in den Betricbseinrichtungen aus- gebessert werden. Wenn ein Stempel fehle oder an der Strecken- zimmcrung etwas in Unordnung sei, so könne das in 23 bis 30 Minuten in Ordnung gebracht werden. Die nun folgenden Zeugenvernehmungen beziehen sich auf die Feststellungen, ob der Streik auf der Siadtgrubc das Werk Gärtners oder eine gegen Gärtners Willen eingetretene Folge der Un- Zufriedenheit der Arbeiter>var. Im allgemeinen werden die gestern von mehreren Zeugen gemachten Angaben durch eine Reihe weiterer Zeugen bestätigt, die übereinstimmend bekunden, daß Gärtner ent- schieden vom Streik abgeraten habe, insbesondere habe er auch die von der Belegschaft aufgestellte Forderung: Entlassung des Steigers Maß, bekämpft. Kaloeit, der im Auftrage der Bclegschafts- Versammlung versuchte, vor dem Streik mit der Betriebsleitung zu verhandeln, hatte auch einen Brief Gärtners an die Gruben- Verwaltung zu überbringen, worin die Verwaltung eingeladen wurde, der nächsten Bclegschaftsversammlung beizuwohnen, wo man eine Verständigung zu erzielen hoffte, um den Streik zu ver- meiden. K a I v e i t hat. wie er als Zeuge bekundet, diesen Brief dem Inspektor Möller übergeben. Der Inspektor sagte, die Ver- waltung gehe nicht in die Versammlung, Kalveit solle sofort die Grube verlassen, er habe dort nichts mehr zu suchen. Darauf legte dann die Belegschaft die Arbeit nieder. Wenn zwei dasselbe tun. An einer kleinen Zwischcncpisode zeigte sich wieder die Eigenart des Vorsitzenden. Es handelte sich gerade um die Frage, ob für die Arbeiter der Stadtgrube genügende Untcrkunftsräumc für die Mittagspause usw. vorhanden waren. Grubcndirektor Lehder trat bei dieser Gelegenheit mehrmals unaufgefordert vor, um zu den Angaben einzelner Zeugen gegenteilige Bekundungen zu machen. Als dann aber ein anderer Zeuge, allerdings ein Arbeiter, vortrat, anscheinend in der Absicht, etwas zu sagen, wies ihn der Borsivende zurück, und als der Verteidiger bemerkte, der Zeuge wolle vielleicht seine Aussage ergänzen, meinte der Vorsitzende: Gewiß, das könne der Zeuge ja. aber er dürfe nicht ungefragt etwas sagen und nicht in die Verhandlung eingreifen. Unmittelbar darauf griff aber der Direktor Lchder wieder in die Verhandlung ein, indem er ungefragt und durch den Borsivenden nicht gerügt Ausführungen machte, die sich als vermeintliche Berichtigungen von eben gemachten Zeugenaussagen darstellen. Ueber die Ursachen des Streiks wird noch der BetricbLinspektor Möller vernommen. Er behauptet ganz bestimmt, daß er Kalveit, als dieser im Auftrage der Belegschaft mit den Forderungen zu ihm kam. nicht entlassen, sondern gekündigt habe, er habe gesagt, nach 14 Tagen könne Kalveit gehen.— Kalveit sagt ebenso bestimmt. er sei entlassen worden. Möller sei aufgesprungen und habe zu ihm gesagt, er, Kalveit, solle sich hinausscheren und sofort die Grube verlassen.— Möller meint, das habe er zuerst gesagt, dann habe er sich besonnen und gesagt, in 14 Tagen solle Kalveit gehen.— Kalveit gibt nach eindringlicher Verwarnung durch den Vor- sitzenden diese Möglichkeit zu, doch bleibt er dabei, von der Kün- digung sei ihm nichts bewußt, vielleicht habe er diese Bemerkung in der Erregung überhört.— Bei dieser Gelegenheit fragt der Referent, Landgerichtsrat Meyer, den Sachverständigen, Bergrat Baselt, ob die Forderung der Entlassung eines Steigers nicht den Bestimmungen des Verggesebes widerspreche.— Die Meinung des Sachverständigen geht dahin: Die Forderung betrachte er als eine Frechheit, aber der Arbeiter, der im Auftrage der Belegschaft solche Forderung überbringe, dürfe deswegen nicht entlassen werden. Kalveit kam als Mitglied des Arbeiterausschusses, zusammen mit anderen Mitgliedern desselben. Der Arbeiterausschuß sei dazu da, Beschwerden der Arbeiter vorzubringen, der Arbeiteransschusi müsse Schutz»or Entlassung genießen. Unter anderem sind die Revolverpatroncn im Förderwagen Gegenstand einer nochmaligen Erörterung. Den Anlaß dazu gibt eine Aussage eines Bruchschlägcrs, der von Streikenden mit Steinen geworfen sein will. Durch Befragung des Zeugen stellt sich heraus, daß die Grubenbeamten während deS Streiks mit geladenen Revolvern nnd Patronen ausgerüstet waren. Daß die Streikenden Revolver geführt hätten, kann in keiner Weise festgestellt werden. Grubendirektor Lehder präzisiert seine gestrige Angabe dahin. daß seiner durch Talsachen nicht gestützten Meinung nach die Patronen durch Streikposten in die Förderwagen geworfen seien. Es handelt sich im ganzen um vier Patronen, die im Förderwagen Eagir wurden. Direktor Lehder setzt auseinander, diese vier '»würden genügt haben, um eine Explojigo hcrporzurufen, > wenn sie mit den Kohlen, die zuerst naß verarbeitet werden, in die J Lrikettmaschine gekommen wären. Rechtsanwalt Liebknecht beantragt hierauf weitere Zeugen- Vernehmungen, wodurch festgestellt werde» soll, daß die Revolver- Patronen nicht von' Streikenden herrühren können. Er sieht aber von diesem Antrage ab, nachdem der Borsitzende erklarte, das Gericht lege keinen Wert auf die Vermutungen des Zeugen Lehder.— Die Zeugenvernehmungen sind damit abgeschlossen. Bergrat B a s c l t gibt hierauf sein Gutachten als Sach- v c r st ä n d i g e r ab. Nach dem, was er in der Verhandlung ge- hört habe, könne er sagen, der Vorwurf, Bergrat Netto habe als revidierender Beamter in einem bestimmten Falle etwas nicht sehen wollen, sei unbegründet. Ebensowenig könne er sagen, daß die Revisionen, die Bcrgrat Netto vorgenommen habe, ungenügend ge- Wesen seien.— Bei Beschwerden, die dem Revierbeamten durch Arbeiter eingereicht werden, könne der Name des Beschwerdeführers dann nicht verschwiegen werden, wenn die gerügten Mißstände fest- gestellt werden sollen. Anders sei es, wenn es sich um Beschwerden allgemeiner Art handelt. In solchen Fällen werde der Beschwerde. führer nach allgemeinem Brauch nicht genannt.— Was die Miß- Handlungen von Arbeitern der Stadtgrube betrifft, so meint der Sachverständige, in solchem Umfange, wie hier dargelegt, kämen Mißhandlungen seines Wissens auf keiner anderen Grube vor. Seiner Meinung nach hätte sich der Inspektor Möller auf eine höhere Warte stellen müssen.— Hinsichtlich der Betriebseinrichtnngen der Stadtgrube meint der Sachverständige, sie seien nicht schlechter wie die der benachbarten Gruben des Scnftenberger Reviers. Die Fahrstrecke, die er selber besichtigt, hätte besser sein können.— Wenn es zutreffe, daß am Eingänge zur Fahrstrecke sieben Felder gebrochen� waren, so sei das ein erheblicher Mißstand.— Mängel in der>signallcitung in einem die Betriebssicherheit gefährdenden Maße scheinen nicht vorgelegen zu haben. Die Zustände im Tage- bau, wo Tonstücke hinabrolltcn, müßten als unstatthaft be- zeichnet werden für den Fall, daß Arbeiter unmittelbar unter jener Stelle beschäftigt waren.— Die Gesundheitsverhältnisse der Stadtgrube seien nach dem vom Sachverständigen herangezogenen statistischen Material relativ günstige oder doch nicht ungünstiger als die der beiden benachbarten Gruben. Die Stadt- grübe habe allerdings höhere Klankcnziffcru als der Branden- burgische Knappschastsvercin im Durchschnitt aufweise. Das er- kläre sich aus der fluktuierenden, nicht widerstandsfähigen, teil- weise dem Trunk ergebenen Arbeitcrbevölkerung, die hier in Frage komme.— Arbeiten im„ausgeraubten Bruch", wie sie hier be- kündet wurden, seien gegen die bcrggcschlichen Borschristen und im yohcn Grade gefährlich.— Mit Rücksicht auf eine bevorstehende Revision könnten wohl in kurzer. Zeit kleinere Arbeiten zur Be- seitigung von Mißständen ausgeführt werden, aber keine Arbeiten von erheblichem Umfange.— Hinsichtlich der bekundeten tödlichen Unfälle sei nicht aufgeklärt, ob der Betriebsleitung eine Schuld zur Last gelegt werden könne. Die Arbeitsstelle des getöteten Hauers Oczarczak sei allerdings gefährlich gewesen. Er, der Sach- verständige, würde an solcher Stelle einen Mann nicht allein arbeiten lassen.— Mit den Ueberstunden sei die Stadtgrnbe nicht über das zulässige Maß hinausgegangen. Tic Löhne ständen über dem Durchschnitt des ganzen Senftcnbergcr Reviers, sie seien nicht schlechter wie auf den Nachbargrnbcn.— Als Maßregelung könne nur eine Entlassung ohne Grund und ohne Kündigung angesehen werden. Wenn die Kündigung eingehalten werde, so könne man unter Berücksichtigung der hier in Frage kommenden Verhältnisse von einer Maßregelung nicht reden, vorausgesetzt, daß eine Ver- abredung der Besitzer, solche Arbeiter nicht einzustellen, nicht be steht.— Hinsichtlich der Bestrafung von Arbeitern seien einige Fälle bekundet, die nicht zulässig waren.— Wenn man nun bedenke, daß alles, was hier vorgetragen, sich über mehrere Jahre erstreckt, wenn man ferner das Milieu der Gruben berücksichtige, dann könne man sagen: Es hätte manches besser sein können, aber die Verhältnisse seien nicht so schlecht, daß man der Verwaltung daraus erhebliche Vorwürfe machen könne. Alles in allem seien die Verhältnisse gerade noch normal. Damit ist im allseitigen Einverständnis der Prozeßbeteiligten die Beweisaufnahme geschlossen.— Morgen werden Staatsanwalt und Verteidiger plädieren. Der Streik in den mitteldeutschen Srauvkohleu- . revieren. Zeitz, 2. April.(Eig. 58er.) Wie immer bei einer Ausstandsbewcgung im Kohlenbergbau. so auch bei der jetzigen Bewegung: Der Ausstand greift immer weiter um s i ch. die Zahl der in den Streik tretenden Gruben und somit die Zahl der Ausständigen wächst an. Wie in den schon seit voriger Woche mit Streik überzogenen Revieren Zeitz- Wcißenfcls-Menselwitz nicht anders zu erwarten war, ist dort die Zahl der am heutigen Montag nicht angefahrenen Bergleute, und zwar hauptsächlich der unterirdisch beschäftigten, weiter be- trächtlich gestiegen. Die Gruben des gesamten Meuselwitzer Reviers sind stillgelegt, die Zählung für dieses Revier ergibt die Summe von 1900 Mann, das sind gut 90 Proz. der gesamten unterirdisch angelegten Belegschaften. Weiter kommen 100 Mann Maschinisten und Heizer hinzu, so daß ohne die ebenfalls am Streik in den Reparaturwerkstätten beschästigten Metallarbeiter die Gesamtzahl der Ausständigen 2000 beträgt. Die bürgerliche Presse gibt, getreu ihrer bisherigen Taktik, die Zahl der Streikenden auf 1700 an. Im Zcih-Weißenfelser Revier beträgt die Zahl der am heutigen Montag nicht angefahrenen rund 2200, dazu kommen noch 7ö Mann der Tagesschicht der Grube„Robe r t", bei Wanzleben im Revier Hallc-West belegen. Dort befinden sich 4 Gruben mit zusammen 1600 Mann Gesamtbelegschaft, den Riebeckschen Montan- werken A.-G. gehörig. Dem den Gruben vorstehenden Herrn Berg- inspektor Meyer ist es noch einmal gelungen, durch Versprechungen den Arbeiterausschüssen gegenüber die Belegschaften dreier größerer Werke zum Anfahren zu bewegen. Diese werden sich aber zweifellos in 1— 2 Tagen der Bewegung anschließen. Unverändert ist die Lage in dem im Königreich Sachsen belegenen Revier Borna. Die Zahl der Ausständigen beträgt dort 526. Reu hinzugekommen sind einzelne Gruben im Braun- schweizer Revier. Genaue Ziffern lassen sich indessen hierfür noch nicht angeben, da bis zur Stunde nähere Nachrichten fehlen. Wie die Situation im ganzen beschaffen ist. darüber schreiben die „Leipziger Neuesten Nachrichten", das bekannte Limanblatt, in ihrer Nummer vom 1. April wie folgt: Es muß leider festgestellt werden, daß am Sonnabend der Ausstand im Meuselwiber Revier nicht abgenommen, im Gegen- teil, zugenommen hat. Die Verschärfung in der AusstandL- bcwegung macht sich namentlich bei denjenigen Arbeitern geltend, welche die für den Grubenbetrieb wichtigsten Funktionen zu er- füllen haben, nämlich den Heuern und Schleppe r n. Die Heuer haben die Gewinnung der Kohle in der Grube zu besorgen, sie fahren ein, wie der Bergmann sagt, und hacken die Kohlen von den ihnen zugewiesenen Arbeitsstellen. Die Schlepper dagegen besorgen die geförderte Kohle mittels Seil oder Ketten- bahn, bei kleineren Betrieben auch mit der Hand, zum Schacht, wo das gewonnene Produkt entweder in die Wagen verlaocn, sortiert oder der Brikcttfabrik zur Herstellung von Briketts zu- geführt wird. Es liegt aus der Hand, daß, wenn diese Arbeiter streiken, der ganze Betrieb eine empfindliche Störung erleidet, denn die Gewinnung der Kohle ist die Lebensbedingung für den ganzen oberirdischen Betrieb. Diese unterirdischen Arbeiter sind es also, wie schon gesagt. welche zum allergrößten Teile ausständig sind. Das Publikum ist da meist irriger Ansicht, es liest, daß im Meuselwitzer Revier SP 60 oder 70 Proz. streiken, nur meint man. daß alsdann die Leistungen der Gruben immerhin noch 50, 40 oder 30 Proz. be- tragen müßten. Das ist ein großer Irrtum. Wie eingangs erwähnt, arbeitet unter Tage fast gar nichts, über Tage aber noch ein großer Prozentsatz; wenn deshalb die Zahl der ausständigen Arbeiter in Prozenten zum Ausdruck gebracht wird. mutz man sich immer vergegenwärtigen, daß die prozentuale Kohlengewinnung mit der Prozentzahl der Arbeitenden niemals in Einklang zu bringen ist. Das edle Organ für Brot- und Kohlenwuchcr hat also in einem ausnahmsweise lichten Augenblicke„der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe" der Wahrheit die Ehre gegeben? Im übrigen beginnt bereits Kohlenmangel einzutreten. Aus Weißenfcls und anderen Orten wird gemeldet, daß dort bereits eine Kürzung verschiedener Betriebe infolge dieses Ilmstandes vor- genommen werden mußte. Auch steigen die Preise für Haus- brandkohle, Briketts, Naßprcßsteine usw. rapid. Die Händler lassen sich also ihrerseits die Gelegenheit nicht entgehen, um aus der Notlage der Acrmsten der Armen, die ihren Bedarf an Brenn- Material in kleinen und kleinsten Mengen kaufen müssen, exor- bitantcn Nutzen zu ziehen. Auch die böhmischen Braunkohlen- industriellen machen bereits Angebote auf Lieferungen. Sie werden offenbar die größten Anstrengungen machen, um die seinerzeit ver- lorenen Absatzgebiete wieder zurückzuerobern. Sie mögen aber ja nicht zu früh jubeln! Auch dort ist Zündstoff unter den Bergleuten die schwere Menge vorhanden. Es bedarf nur eines Funkens, um auch dort die seit langem bor- h a n d e n e Unzufriedenheit zur hellen Flamme der Empörung emporlodern zu lassen! Der Tintenkuli des mitteldeutschen Brannkohlcnsyndikats hat der„gutgesinnten" Presse wieder den nunmehr stehend gewordenen Waschzettel„aus den Kreisen der Arbeitgeber" zugchen lassen, in dem er in lendenlahmen Ausführungen der Solidarität der Berg- arbciterschaft diejenige des verbündeten Unternehmertums ent- gcgcnhält. Jedenfalls haben es ihm die Nachrichten über die Vor- bereitnngen zu einem monatelangen Kampfe angetan. Die Herren mögen sich nicht täuschen: Falls sie auf ihrem brutalen Herrenstandpunkt verharren und die von den versammelten Arbeiter- ansschußinitgliedern und aus deren Reihen gewählte Kommission der Bergarbeiter nicht anerkennen, ioird der Kampf fortgesetzt werden— und wenn es sein muß bis zum bitteren Ende! Bei dieser Gelegenheit mag die alte Lüge widerlegt werden, die Kommissionsmitglieder seien keine Bergarbeiter, sondern„Schuh- inacher, Bäcker, Redakteure". Es sei folgendes festgestellt: Alle Komniissionsiniiglieder haben bis zum Ausbruch des Streiks unterirdisch Bcrgarbeit verrichtet. Davon zwei, welche 22 bezw. 21 Jahre Häuer sind, als solche mit besonders schwierigen Ab- teufungs-, VorrichtungS- nnd Zuführungsarbeiten beschäftigt- waren und als besonders qualifizieric Arbeiter in der ganzen Gegend bekannt sind. Die übrigen drei sind 20, 14 und 10 Jahre im Berg- bau tätig, zwei sind Häuer und einer ist Schlepper. Dies zur Steuer der Wahrheit. Die Maßnahmen des Staates„zur Aufrecht- erhaltung der Ordnung" bestehen in einem starken Gendarmerie- aufgebot, welches über das ganze Streikgebiet verteilt ist. Dank der sich auch hier wieder glänzend bewährenden Besonnenheit und Ruhe der Bergarbeiter haben sie bis heute nicht die geringste Arbeit bekommen: Sie sind unnütz und überflüssig! Die Agenten des Unternehmertums sind bereits am Werke, aus- ländische Arbeitskräfte heranzuziehen. Daß den Herren das Feuer bereits auf die Fingernägel brennt, beweisen weiterhin riefen- große Annoncen in der Tagcspresse, in welchen„Tüchtige Bergleute bei hohem Lohn sofort gesucht werden. Als wenn i» der deutschen Arbeiterschaft Elemente zu finden wären, die das Totenhemd des Braunkohlcngräbers tragen möchten!— Eine nette Neuigkeit kommt übrigens ans dem herzoglich alten- burgischen Ländchen: Genosse Pokorny darf laut Verfügung von oben im Altenburger Herzogtum nicht sprechen!! Dies machte in einer Versammlung in Zschernitzsch, wo Genosse Huc das Referat hatte nnd Pokorny in der Diskussion das Wort ergreifen wollte, der überwachende Beamte bekannt. Weiter hat das Bemühen, ungeübte Leute zun: Hacken von Kohle im Tagcsbau zu venPiiden, bereits ein Opfer gefordert. Heute nachmittag verschütteten herabstürzende Massen einen Mann und verletzten ihn derartig, daß er als tot vom Platze getragen werden und sofort ins Knappschaftslazarett Halle übergeführt werden mußte. Ucbrigcns eine grelle Beleuchtung der Zustände im Bergbau: Ein im Herzogtum Altenburg verunglückter Berg- arbeiter muß zirka 24h Stunden Bahnfahrt, ohne die sonstigen Ver- zögcrungcn, aushalten, che ihm Hülfe zuteil wird Gknelalverfaiinulung der Zttiualbeiter. Die Steinarbeiter halten gegenwärtig ihre Generalversamm- kung ini Saale der„Goldenen Rose" zu Nürnbeitß ab. Anwesend sind außer dem Vorstand und Mitgliedern des Ausschusses 72 Delc- gierte. Für die Gencralkommission ist K n o l I- Berlin anwesend. Der Steinarbeitcrvcrband, der früher nach dem Vertrauensmänner- system organisiert war. nahm vor vier Jahren die feste Verbands- form an, die sich bewährt hat und ans dieser Generalversammlung durch Schaffung einer jlraiikcnzuschußkasse weiter ausgebaut werden soll. Die Miigliederzahl betrug Ende 1903 8624 und ist bis 31. März 1906 auf zirka 15 000 gestiegen, bei zirka 100 000 in Frage kommenden Stcinarbeitern. Die Zunahme der Mitglieder- zahl betrug im Jahre 1904 17 nnd 1905 38 Proz. Das Verbands- leben pulsiert lebhaft. Das zeigen die Kämpfe der Organisation. So wurden 1904 19 Abtoehrstreiks verzeichnet, die 29 Betriebe mit 673 Arbeitern berührten. Die Ursachen dieser Streiks waren in 4 Fällen Maßregelung, in 8 Fällen Lohnreduktion, in 5 Fällen Nicht- einhaltung der vertraglichen Arbeits- und Lohnbedingungen. Von den Streiks waren 12 erfolgreich, 5 hatten teilweisen Erfolg und 2 waren erfolglos. Angriffsstreiks wurden in acht Fällen unter- nominen. Davon entfielen 7 auf 89 Betriebe mit 761 Arbeitern. Von diesen waren 4 erfolgreich, 2 teilweise erfolgreich und einer erfolglos. 21 Lohnbewegungen wurden ohne Streik durchgeführt, bei denen es sich in drei Fällen um Abwehr von Verschlechterungen handelte. Im Jahre 1905 fanden 20 Abwehrstreiks mit 668 Ar- heitern statt, bei denen es sich in drei Fällen um Maßregelung. in 6 Fällen um Lohnreduktion und in 9 Fällen um Nichteinhaltung der Arbeits- und Lohnbedingungen handelte. Von diesen Streiks lvaren 1l erfolgreich, 5 teilweise erfolgreich und 3 ohne Erfolg. Weiter fanden 16 AngriffsstrcikS mit 1683 Arbeitern statt und 5 Aussperrungen mit 299 Arbeitern. Der Verband erstreckt sich auf 289 Zahlstellen. Aufwendungen des Verbandes wurden in den Jahren 1904, 1905 gemacht: Rciscunterstützung 14 213,40 M.. Streik- Unterstützung 148 491,08 M. mit der OrtSunterstützung von 120 000 Mark, Matzrcgclungsunterstützung 7755,84 M., Rechtsschutz 1566,43 Mark, Ilmzngskosten 985,65 M., Vcrwaltiingskosten 28 681,16 M., Das Vermögen des Verbandes beziffert sich Ende 1905 ans 208 390.50 M.. Ende März 1906 aus zirka 300 000 M. Das erste Quartal 1906 hat an Ausgaben 40 242,01 M. verursacht. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten wurde der Bericht des Vorstandes erstattet. Der Vorsitzende Starke sucht um die Rachbcwilligung eines Hülfsarbciters nnd eines Gauleiters nach. Von der Entivickelung des Verbandes und seinen Lohn- bewegnngen gibt er ein anschauliches Bild und konstatiert, daß der Verband mit einer schärferen Bekämpfung durch die Untcnichmcr zu rechnen habe, die vielfach die Arbeiter wegen ihrer Zugehörigkeit zur Organisation aussperren. Der angebliche Gegensatz zwischen Partei und Gewerkschaften bestehe für den Steinarbeitttverband nicht. Die Steinarbciter seien eins mit der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Die Frage des Massenstreiks müsse auch in ihren Reihen erörtert werden, weil das Vorgehen der Unternehmer sie zwingen werde, das Koalitionsrccht verteidigen zu müssen. Tie Differenz zwischen der Kölner und Jenaer Generalstreikresolution sei nicht groß. Er hoffe, daß der Verband sich weiter entwickeln »verde als Teil der sozialdemokratischen Arbeitchbewegung. Der Kassierer Geist gab den Kassenbericht. Er wendet sich gegen den Versuch, Sonderbciträge fallen zu lassen, ohne dafür die ordentlichen Beiträge zu erhöhen. Ebenso spricht er sich gegen die Erhöhung der Streikunterstützung und Reisegelder aus, wenn man die Beiträge nicht erhöhe. Alle Wünsche auf höhere Leistungen des Verbandes würden eine Mehrausgabc von 60 000 M. pro Jahr be- dingen, die ohne Beitragserhöhung zu decken nicht möglich feien. Redner gab dann einen spezialisierten Kassenbericht, aus dem her- vorging, daß der materielle Ausbau des Verbandes sich auf gc- sunder Grundlage vollzieht. Die Fluktuation im Verbände ist jedoch sehr groß. Zu den 8000 Mitgliedern im Jahre 1001 seien 24 000 Mitglieder hinzugetreten, doch sei der Austritt so stark gc- Wesen, daß anstatt 32 000 Mitglieder laut Buch tatsächlich nur 15000 Mitglieder im Verbände verblieben. Der Redakteur des„Steinarbeiters", Staudingcr, be- richtet über den Stand der Presse. Der Beschluß von Erfurt, das Blatt obligatorisch einzuführen, habe sich bewährt. Die Auflage sei von 4500 auf 20 500 gestiegen. Redner geht dann auf die ein- zelncn Wünsche ein, die für den Ausbau und die Reform des Blatt- inhalts. geäußert worden sind, und bittet, weniger Versammlungs- berichte, aber mehr Situationsberichte zu liefern und mehr mit- zuarbeiten, damit der Ausbau des Blattes erfolgen kann. Er teile die Ansicht, daß das Blatt textlich auf der Höhe der Zeit stehe. S t c g l i ch- Dresden berichtet über die Tätigkeit des Ver- bandsausschusses und Kuhnert- Leipzig über die Tätigkeit des Zentralausschusses und der Pretzkommission. Beide bestätigen, daß die Geschäftsführung nicht zu bemängeln gewesen sei und die Kasse stets in Ordnung gefunden wurde. In der folgenden Debatte wurde der Geschäftsführung des Vorstandes zugestimmt. Bemängelt wurde, daß die Stelle eines Hülfsarbeiters nicht ausgeschrieben worden sei, daß der Ton Starkes zu grob sei und daß er bei Streiks auf deren Abbruch dränge. Die Leistung der Presse wurde anerkannt und deren weiterer Ausbau befürwortet. Alle Redner sprechen sich für den Wegfall der Extra- beiträte und Erhöhung der ordentlichen Beiträge aus. Eine Anzahl beanstandeter Mandate wurde für gültig erklärt. Hus Induftrie und Handel. Hercyuia. Man braucht in dem verflossenen Handelsininister lein kauf- männisches Genie zu erblicken, trotzdem kann man anerkennen, er war doch noch weniger ungeschickt wie sein Nachfolger auf dem Ministersessel. Dem langen Möller warf man vor, er habe bei der Einleitung der Hibernia-VerstaatlichnngSaktion nicht fair gehandelt, weil er versuchte, die Mehrheit der Aktien durch dritte Hand, die natürlich gut„geschmiert" wurde, an sich zu bringen. Minister Delbrück braucht solchen Vorwurf allerdings nicht zu fürchten, er machte keine Winkelzüge, er bot der Gesellschaft von Hercynia sofort einen Preis— aus der Tasche der Steuerzahler—, der die Aktionäre auf Rat der Verwaltung sofort freudig zustimmen ließ. Das StaatSangebot lautet auf rund 31 Millionen Mark einschließlich Nebenkosten. Was dieser Preis bedeutet, vom kaufmännischen Standpunkt aus betrachtet, sagt genügend die Begründung im Gesetzentwurf zum Erwerbe der Herchnia, der dem Abgeordnetenhause in vergangener Woche zugegangen ist. Es heißt darin: Zwischen der Uebernahme des Werkes in die fiskalische Ver- waltung am 1. Juli 1906 und dem Ablauf der Vertragsperiode am 31. Dezember 1943 liegt ein Zeitraum von 37>/2 Jahren, woraus sich bei einem Zinsfuß von 3>/z Proz. eine jährliche Amortisationsrate von rund 412 000 M. berechnet. Da zur Ver- zinsung des Anlagekapitals 1 083 000 M. aufzuwenden find, so mutz im Durchschnitt ein jährlicher Reingewinn von 1495 000 M., rund 1 500 000 M. erzielt werden, wenn der Ankaufspreis bis zum Ablauf der Vertragsperiode vollständig getilgt werden soll. Ein Ueberschuß von dieser Höhe wird aller Borausficht nach erreicht werden? eS ist sogar(!) zu erwarten, daß darüber hinaus noch ein Reingewinn sich erzielen lassen wird. Ein Privatkapitalist würde sich für ein solches Geschäft be- danken. Ganz entfernt denkt der Minister daran, daß vielleicht „sogar"(!) über die Verzinsung von ll'/z Prozent hinaus ein Reingewinn herausspringen könnte. An sich ist natürlich die Ver- zinsung hoch genug, der Staat soll sich nicht als Dividendenschlucker betätigen. Aber in dem hohen Preise zahlt er der abzulösenden Gesellschaft einen durch kein Verdienst gerechtfertigten Anteil an dem zukünftigen Produktionsertrage. Den abzulösenden Gewerken bleibt ein sicherer Gewinn, der Staat übernimmt das Risiko! Das sieht natürlich auch Herr Delbrück ein und deshalb sucht er nach dem Gewicht allgemeiner volkswirtschaftlicher Gründe, die zugunsten seines Projektes, dessen Vater allerdings wohl noch der lange Möller gewesen ist, sprechen sollen. Im Dezember vorigen Jahres stand der Kurs der Kuxe von Hercynia auf 23000 M. Messen wir an diesem Preisstand, so entfällt auf den Kux als Ablösung für die Zukunstsausbcute ein Betrag von 7000 M. Da die Gesellschaft nur 2,1 Millionen Zubuße eingefordert hat, ist natürlich die auf das wirklich eingezahlte Betriebskapital entfallende Zukunftsansbcute erheblich größer. Minister Delbrück sagt nun, der Kali stelle ein Volksvermögen dar, dessen Verschleuderung durch eine ungemessene Steigerung der Produktion und eine ungezügelte Konkurrenz ver- hindert werden müsse. Aber der Fiskus will auch seinen Einfluß im Syndikat erhöhen und faßt zu diesem Zwecke die Ausschließung des vom Fiskus im Laufe der Zeit durch Mutung erworbenen umfangreichen Besitzes an Kalifeldern ins Auge. So sagt die. Be- gründung der Regierungsvorlage! Welchen zwingenden Ziveck hat denn da noch der Erwerb der Hercynia? Schließlich wirft der Minister seine ganze Argumentation über den Haufen, indem er, mit der Möglichkeit der Auflösung des Syndikats rechnend, bemerkt: „Auch für den Fall der Auflösung des Kalisyndikats bleibt die Rentabilität des Werkes gewahrt, da bei der alsdann gegebenen Möglichkeit, seine Leistungsfähigkeit voll auszunutzen, und bei der vorzüglichen Qualität seiner Salze eine Verringerung der AuS- beute aller Voraussicht nach wird vermieden werden können." Also um eine ungemessene Steigerung zu verhindern, soll ver- staatlicht werden, aber der Fiskus hält eS für notwendig, einen um- fangreichen Besitz zu erschließen, und um wenigstens die Verzinsung des Ankaufspreises der Hercynia zu sichern, rechnet man mit boller Ausnutzung der Leistungsfähigkeit der Gruben. Welches Argument soll nun gelten?_ Von der Börse. Nachdem nunmehr die Beendigung der Marokko» komödie in Aussicht steht, schwellt neue Hoffnungen die Brust des Börsianers, dessen Gemüt in den letzten Monaten so oft durch die widersprechendsten Gerüchte über die Konferenz beunruhigt wurde. Auf dem Aktienmarkte erscheinen die ersten Triebe des kommenden Frühlings in Gestalt einer kleinen, allgemeinen Kursausbesserung. Doch die zu eiligen Frühlingskiuder erliegen meist den in der Regel sich einstellenden Nachfrösten. Aus dem Bankenmarkte herrschte in Anbetracht der günstigen Resultate der in letzter Zeit stattgefundenen Generalversammlungen anhaltende Festigkeit. Allerdings erfuhr man aber auch, daß das Effektengeschäft der deutschen Bank in den ersten Monaten d. I. bedeutend an Umfang nachgelassen hat, ein Umstand, der den so oft bestrittenen Rückgang der Konjunktur bestätigen dürste. Rußland beginnt Herrn Mendelssohn wieder einmal Schmerlen zu bereiten. Die Schatzwechscl sind fällig und müssen prolongiert werden. Um dem russischen Staate gegenüber sicher zu gehen, über- nehmen russische Bankiers diese 60 Millionen Rubel neue Schatz- scheine und die Firma Mendelssohn lombardiert sie. Die zwingende Notwendigkeit für Rußland, eine neue Anleihe aufzunehmen, rückt immer näher heran. Für eine Placierung derselben hat man nun anscheinend in Frankreich wieder den erforderlichen Resonanzboden geschaffen. Das muß man den Russen lassen, sie verstehen Chauvinismus und Diplomatenungeschicke in den Nachbarstaaten er- folgreich für sich auszunutzen. Preissteigerung. Die Preiskommission des Stahlformguß- Ver- bandes nahm eine Sprozentige Preiserhöhung vor. In der am 28. März stattgehabten Generalversammlung des Stahlformguß- Verbandes wurde bekanntgegeben, daß der Versand der Verbands- werke im Jahre 1905 betragen hat 46 539 Tonnen im Werte von 20 277 457 M. gegen 43 000 Tonnen im Werte von 17 606 120 M. im Jahre 1904. ES ist demnach schon im Jahre 1905 der Durch- schnittswcrt pro Tonne aus 434,2 M. gestiegen, gegen 409,5 M. im Jahre 1904. Berichtigung. In der Notiz: Jedem das Seine in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" sind irrtümlich die Namen der Aufsichts- ratsmitglieder der Großen Berliner falsch angegeben. Die Herren im Aufsichtsrat dieser Gesellschaft heißen: Geheimer Kommerzienrat Eduard Arnhold, Wirklicher Geheimer Rat Hermann Möllhauken, Betriebsunteruehmer Hermann Bachstcin, Stadtältester Fr. Bail, Albert Blaschke, Ludwig Born, Konsul Eugen Gutmann, Ober- regierungsrat Josef Hoeter, Kommerzienrat Wilh. Kopetzky, General- kousul a. D. Hermann Kreismami, Geheimer Baurat Alfred Lent, Isidor Loewe, Richard Michelet, Sigmund Samuel und Siegfried Samuel. Da sich die Tautiemensumme auf 15 Personen verteilt, entfällt auf den Kopf ein Betrag von 14 490 M. Borsicht gegenüber Mincnprospektcn! Ueber den Kursrückgang der südafrikanischen Randminen-Aktien stellt„Investors' Chromcle" eine Statistik auf. wonach der Marktwert der Aktien von 54 be- kannten Grubcngescllschaflc» von 154 509 000 Pfund Sterling am 12. Dezember 1904 auf 35 112 000 Pfd. Sterk. am 23. März 1906 zurückgegangen ist. Seit dem Februarabschluß ist ei» Wertverlust von 34 820 000 Pfd. Sterl. eingetreten. ftur beu Inhal« der Amervie iiberiiiinmt die Nedaktio» dem PnbUtiim gegenüber keinerlei Beraiilinortuiig. TObcxtcr. Mittwoch, den 4. April. Ansang VI, Uhr: «Opernhaus. Götterdämmerung. Ansang 6'/, Uhr. Schauspielhaus. Der Eibsörster. Deutsches. Der Kausmann von Venedig. Berliner. Der Widerspenstige» Zähmung. Neues. Caesar und Cleopatra. Westen. Die vier Grobiane. Nachni. 3 Uhr: Zar und Zimmer- mann. Ansang S Uhr: Schiller O.(Walliier-Theater.) Helden. Schiller X.(Friedrich Wilhelm- ftädlisches Theater). Der Militär- staat. Lessing. Kater Lampe. Komische Oper. FigaroZ Hochzeit. Kleines. Ghetto. Residenz. Der Prinzgemahl. Zentral. Der Obersteiger. Driaiion. Loulou. Lnstspielhaus. Die von Hochsattcl. Gart Weist. Geschlossen. Thalia. ViS früh um Füns«.— Luisen. Die Räuber. «.'tetropol.?!us inS Mcttopok. Walhalla. Einer von unsere Leut'l Driitsch-NiuerikanischeS. Er und Ich. Kasino. Die Herren Söhne. Apollo. Das bummelnde Berlin. Spezialitäten. Folie» Capricc. Der Schmock. Dalles u. Eo. Wintergarten. SPezialitälen. Belle-Allianee. Spezialitäten. WelchshaNen. Stctliner Säuger. Passage. Spezialitäten. llennia. Tanbenstraste 48/49. Nachm. 4 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Abend» 8 Uhr: Dr. Donath: Die Forsschritte der drahtlosen Tele- graphie. Sternwarte, Juvalidenstr. 57/62. Berliner Thealer. Ansang 71/, Uhr. Der VeiMiitW Zätang. Donnerstag: Oer Geigenmacher von Cremona. Der G'wiesenswurm. arcitag: Der Hiittenbeeitzor. onnabend: Kean._ Zentral-Theater. (Operette.) 8 Uhr. Halbe Preises Der Obersteiger. Melropoi-Theater Auf m- i Anlang 8 Uhr. •» Heues Theater. Ansang VI, Uhr. Caesar und Cleopatra. Donnerstag: Ein Sommernachtstraum. Freitag; Caesar und Cleopatra. Kleines Theater. Ansang 8 Uhr. Ghetto. Donnerstag: Kinder der Sonne. (Station Zoologischer Garten) ilt»i»t«t»'»lZv KL. ins Mittwoch nachmittag 3 Uhr: Wohl» tätigkeits-Borstellung: Zar und Zimmermann. AbendS VI, Uhr: Die vier Grobiane. Donnerstag: 0er Troubadour. Freitag: 22. Vorstellung im Frei- tags-Abonnement Gaftsp. D'Andrade: Oon Juan. Komisehe Oper. Mittwoch, den 4. April 1906, abends 8 Uhr: Figaros Hochzeit. Donnerstag: Don Pasquals. Freitag-: Hoffmanns Erzählungen. Sonnabend: Figaros Hochzeit. Luisen-Theater. Benefiz für M aj e w S ki: Die Räuber. Donnerstag: Die lustigen Weiber von Windsor. Freitag: Aus eigenen Füßen. Sonnabend: DaS Käthchen von Heil» brenn. Sonntag nachm.: Die Räuber. Abends: DaS Käthchen von Hell- brenn. Montag: Die Haubenlerche. tais�spielheus. Allabendlich 8 Uhr: Die von Hochsattcl. Deutsch.Amerikanisch. Theater. Köpeniokersfr. 07/68. __ Heute zum 104. Male Sonnt, nachm. 3 Uhr, halbe Preise: IJebep'n groiten Teich. Abends 8 Uhr: KR und ICH. Gastspiel Atl. Philipp Er und Ich Große Jahresrevue mit Gesang n. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor HoUaender. Bauchen in all. Bäumen gestattet. Walhalla Theater Einer von unsere Leut'! Lotttstück in 6 Bildern nach O. F. Berg von D. Kaiisch. Ans. 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Schiller-Thealer 0.(Walluer-Tbeatcr). Mittwoch, abendS 8 Uhr: Helden. Komödie in 3 Auszügen von Bernard Shaw. Deutsch v. Siegsried Trebilsch. DoiiiierStag,abendS8Uhr: Xwci glückliche Tage. Freitag, a b e n d S 8 Uhr: Idee Vngel im KUflg. Theater. Schlller-Thealer H.(Friedr.-Wilh. Th.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Her.nilltUrataat. Lustspiel in 4 Auszügen von Gustav o. Moser und Thiio v. Trotha. Soiiiierstag.adeiids8Uhr: Der Vogel In» Htlüg. Freitag, abends 8 Uhr: Der Tlllltü» Staat. 65 Abessinier" Castans Panoptikum 2 Friedrichstr. 105. Kein Fxtra-Fntrcc. Friedricbsberg. Frankftarter- Fernsprecher Nr. 8. 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Täglich: 8 Uhr! Hie neuen erslklassig. Spezialitäten SW 9 Uhr:"W Das binelnile Berlin. Burleske von Benno Jacobson. Musik von Nudolj Nelson. Im 3. Bilde: l.a Matschicha, tu er. Tanz. Sonntag nachm. 3 Uhr: Venns auf Krdcn und Tpczialitätc». Neue Welt. Hasenheide 108/114. Heule Mittwoch, den 4. April l9vS: Gasizpiei des Bemh. Rose-Theaters. Der Salontiroler. Lustspiel in 4 Akten von G. Moser. Ansang 8 Uhr. Kasscnerösfnung 7 Uhr. Vorzugskartcn haben Gültigkeit. frödelz Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Palm-Sonntag, de» 8. April er«: Großer Schauspiel-Abend. Der beste Arzt. Schauspiel in 4 Akten. Ansang 6 Uhr. Entree 4.0 Pf. 2. und 3. Feiertag: Festvorstellung und Tanz. Carl Weiß-Theater. Gr. Franksurterstr. 132. Heute bis inkl. 7. April geschlossen. Sonntag, 8. April, abends 8 Uhr: Am Altar. Zeitgemälde in 5 Akt. v. Blumenreich. In Vorbereitung: Abenteuer deS Sberlock Holmes. Englisches Sen- sations-Schauspiel: Gesang n. Ballett von F. Fox.___ W. Noacks Thealer. Direktion: Roh. Dill. Bruuucuslr. 16. Ein Pariser Taugknichts. Bolkssiück in 4 Akten von Töpfer. Anfang 8 Uhr. Entrec ZV Vf. Ehren- und Borzugskarten gültig l Vom Montag. 9. ilpril bis Sonn- abend, 14. April cr. bleibt d. Theater geschlossen!_ Palast-Theater Surgstr. 24, 2Min.v.Bh. Börse, Täglich 8 Uhr. Entree SV Pj. U. a.: Les 5 Orans in ihrer TIrandkzene. Dom Briarly der Univerial-Artist. Les Cläres Gentkeman-Akrobaten. Eine Berliner Grisette. Posse V. Stotz. Musik v. O. Antonius. Famiiieiikarten in Barbier-, Friseur- und Zigarrcngejchäjle» unciitgclUich. KasinosTheater Lothringcrstr. 37. Täglich 8 Uhr. Die Herren Söhne. Gastspiel v. Tower u. Clayton. Neu! I-ickson usw. nsw. Sonnt. 4 Uhr: Die goldene Brücke. Belle=Alliance Eintritt 50 Ps. Theater- VariMi.| Ansang 8 Uhr. Allabendlich: HeiiizBudal der Sänger mit der Laute und das neue glänzende April-Konkurrcnz-Programm. 8aN880llel.�raee'4a' Dir. V/ilhelm Reimer. Sonnt.. Moni., Donnerst.: HolTninniis Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. 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Ortsverein Berlin. Abt. II(HülfSarbeiter) Donnerstag, de» 5. April er., abends 8'/, Uhr, det Patt, Dragonerstr. 15; MgUcdcr-Versammlung. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Gewertschastlsches und Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder sowie der Abt. I wird ersucht. 291/3 Her Vorstand. WZ Srunnenbauer u. Hüllsarbeiter. Deutschlands. Mittwoch, deu�l. April 1966, abends 8 Uhr, im Lokale von Angustin, Oranienstr. 163: Versammlung aller im Brunnenbaufach beschäftigten Arbeiter. Tages-Ordnung: 1. Der Stand unserer Bewegung. 2. Regelung der Streikunter- stützung. 3. Verschiedenes. DaS Erscheine» aller Kollegen ist erforderlich. 33/18*____ Der Zweigvereinsvorstand. » m Heute Mittwoch, abends 8'/, Uhr: Ntrtiuiltlismijimkl0krs«mmtll«gkll: Möbelpolierer. Für Osteil I bei Knbat, Blumenstr. 38. Für Süd-Osten I bei Scbnlz, Skaliherstr. 28. Für Norden! bei Daav. Brnniienstr. 96. . Mitgliedsbuch und Karte legitimiert. 1S@ Jede ÜB c vi(teile hat die Pfticht, vertreten zu sein. Der Obmann. Modell-«. Fobriktistiler, Modelldreiissler bei HVicsentlial, Ackerstr. 123. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der VerlranenS- männer. 3. Verschiedenes. Die Kommission. Achtung, Sohner Serlms! Tonnerstag. den 5. April 1966, abends 8'/. Uhr, im Lokal von Ahrcns, Fruchtstraste 20: Versammlung der Bohner. TageS-Ordnung: 1. Unsere Stellung zur Branche der Parkeilleger. 2. Welche Arbeiten gehören in die Branche der Bohner. 3. Diskussion. 4. Ausnahme neuer Mitglieder. 83/9 Die Kommission der Parkettleger wird hiermit eingeladen. DI« Kommlsnlon. Allgemeiner Deutscher Gärtner-Verein (Ortsverwaltung Groß-Berlin). Branche Landfcbafteofartncrcu Donnerstag, den 5. April, abends 9 Uhr, in Obst's Feftsälen, Schöneberg. Meininaerstrasze 8, Eingang auch Mariin Lutherstrahe 5t. Die Landschastsgehülscn und Gartenarbeiter werden gebeten, pünttlich zu erscheinen. Die Lohnkon, mission, Branche LandschattspärtnerBi.[291/6 Brennspiritus Marke„Herold11 BD Pt. ca. 90 Vol.-Proz. 33 Pf. ca. 96 Vol,-Prot. Original- Liter. flasche exkl. Glas. - IJcbcrall erhältlich.— Centrale für Spiritus-Yerwerthung G. m. b. H., Berlin W. 8. IBMB—BI III Uli— IB—my Gewerkschaft der Maler Berlins und Umgegend. Telephon Amt I. 7779. Bureau: Ttralauerstr. 48. Telephon Amt 1. 7779. Mittwoch, den 4. April, abends S'/a Uhr, in Frankes Festsälen, Sebastianstr. SS: Voi'SommIung. ' Tages-Ordnung: i. Bericht über den Stand der Lohnbewegung. 2. Festsehung der Höhe der Unlerstützung. 3. DtSkusston. 4. Anträge. Jedes Mitglied der Gewerkschast, gleichviel ob zu neuen Bedingungen arbeitend oder streikend, ist der- pflichtet, in dieser Versammlung zu erscheinen._„ Mitgliedsbuch und Komrolltarte legitimiert. Der Verstand. Der Arveitsuachweis des StreikbureauS der Gewerkschaft ist während der Dauer des Streiks von vormiiiagS 7—12 Uhr und nachniittagS von 2—6 Uhr geöffnet. Telephon Amt 1. 7779. � Den Herren Unter. nehmern, die die Forderungen der Gehülsenschaji durch Uuierschrist ancrlenncn, werden Gehülsen und Zlnstreicher zu jeder Zeit verni, fielt...... Die Streikkoutrolle für Streikende findet Stralauerstr. 48 statt und zwar vormlttags von 1D— 11 Uhr und nachmittags von S—S Uhr. 1do/2 oenlseder Svtzsrdeiter-Verdsnd Den Mitgliedern zur Nachricht, dasi der Kollege, Polierer i�tpust ICunze am 31. März plötzlich verstorben ist. Ehre semem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 4. April, nach. mittags um 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses am Friedrichshain ans nach dem Mariuskirchhoj in Wiihelmsberg statt. Um rege Beteiligung ersucht 83/16_ Die Orlsverwaltung, Deutscher HolzarbeHer-Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, dasz der Kollege, Bautischler vtto Schulz am 31. März 1906 plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. April, vor- mittag tO'j, Uhr, vom Leichen- schauhausc aus nach dem Heilands- Kirchhos in Plötzcnsce statt. Um rege Beteiligung ersucht 83/11_ Die Ortsverwallung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwattnngsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Ddinund Käcbler verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 113/19 Die Drtsverwaltung. Allen Genossen und Bekannten zur Nachricht, daß meine Frau Brieda Böhme geb. Wolleuweber am Montag früh nach längerem Krankenlager gestorben ist. Die Beerdigung findet am Douiierstag. nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle bcs Doroiheen- städtischen Kirchhofes zu Reinicken- dorf aus statt. 1611b Richard BMIuue, Zigarrengeschäst, Charlottcnburg. Krummcstr. 44. Danksagung. Für die Beweise innigster Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Mannes 733L Hermann Freitel sage ich allen Freunden und Be« tannten, sowie den Mitgliedern des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes, des IV. Berliner Reichstags- Wahl- kreises und den Kollegen der Werk» stelle meinen innigsten Dank. Hochachtungsvoll Witwe Berta Frcltcl. Danksagung. Für die rege Teilnahme und die vielen Kranzspenden bei der Äcerdi- gung meines lieben ManneS, unseres guten Vaters IHax Brosy sagen wir allen Verwandten, Be- kannten, Kollegen und VereinSmii- gliedern unseren innigsten Dank. 736L W«. Johanna Brosy nebst Kindern. Dr. Schünemann Epezial-Arzt sür• Haut- und Hurnlciden, Frunenki-ankhcitcn. Friedrichstr. 203, Ecke Schützenstr. 10—2, 5—7, Sonnt. 10-l2 Uhr. für Barnen! Billigste Preise Direkt ans der Fabrik. Jetzt nach beendeter Engros- Saison wieder Einzelverkauf zu den bekannt billigen Preisen: schwarz u. farbig kolossaler Auswahl 3,75, 4,50. 6. 7-20 M. ranne in sämtlich. Längen 5°/., 6'/,, 7'/,— 25 M. M-ÄV». Hin-ietebir« schwarz, diversen englisohen Stoffen 3,60, 4.25. S.50-20M. Fahrilt Pol? Knr«tr. 41/4« ruUlln rc!t) Sonntags geöffn. Vorzeig. dies. 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Ferdinand Neumaim, Leip- »iaerktraste 51.��������110l»» Bcrgolderlchrling bei gntcr wöchentlicher Vergütung verlangt Wchner, Stallschreiberstraßc 58. 237/2 Packer verlangt Goldleistensabrit Wchner. Stallschreiberstraßc 38. 237/3 Bliisen-Aibettcrinnen, selbständige, aus Flanellblnsen Ivcrden verlangt. Ferdinand Neumann, Leipziger- slraße 51._ 111/1 Zeitnngssraiic» finden sofort lohnende Beschäftigung(Tour Mohren- und Kanoiiierslraße). Meldungen Schützenstraße 22. lll/4» Zeitnngöfranen finden dauernde und sehr lohnende Beschästigimg Prinzcnstraße 41. 111/3* 100«ostümrock- Arbcilcrinncn. «rasnowSti, Ebelingstraße 8, II.* Lehrmädchen gegen monatliche Vergütung sucht Blumensabrit Scholz, Lindcnstraße. 69. Zeitungsfrauen finden lohiieudc und dauernde Beschäftigung Prinzen- straße 41(Moritzplatz). 108/19» Im Arbeiteinarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 50 Pf. die Zeile. Ein sehr geschickter 206/11» Kuns'tgivkvr1 für Bronzeguß wird nach Stockholm gesucht. Perjönliche Empschlungen erforderlich. Angebote IUU? mit Angabe der Bedingungen an Otto Meyers Kunst- u. StatyengieGerei, Stockholm(Schweden!_ Gürtler Lehrling verlangen Bergas tZobriiiler, Schilling- straße 12._ 290/10 ■J£ Gesucht- für dauernde Stellung tüchtiger PttßllttgsSkr für Papierprägung. Offerten unter tzj 2 an die Expedition der Zeitung. Achtung, Magenftbnktll! In den Wagensabrilen von Kühlstein. Eharlottenburg, L. Rühe Jnh. Ueuschner, Enckepl. 6. Kliemt. Nene Königstraße. Gebr. Wienicke, Pankow. Franke. Lnselstraße, bestiiden sich die sämifichen Arbeiter im Streik. Wir ersuchen die Kollegen aller Branchen nach den obigen Be- trieben keine Arbeit an zunehmen. 116/9 Tie lllgitationskommission. Zuzug nach V e r l i u ist bis aus weiteres sernzuhalten. Die Ortsverwaltung. KEP» Arbeitersreundliche Blätter werben um Abdruck gebeten. Achtung! Schuhumchtr! In der Wertstait von Oet&er, Friedrichstr. 52. sind Disfcrcnzen ausgebrochen. Verband der VerwaltungsbBamten mi Krankenkassen. Die Ortslrankcntasie der Schneider ist sür jeden Kollegen de? Verbandes der Bcrwallungsbcamleii der«ranken- kaffcn gesperrt! Niemand dars dort in Stellung treten. 291/4' Bezirksgruppc Berlin. I. A.: Paul Bürkert. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Wegen Streik und Differenzen ist Z»!»g ftriliiihlllte» von Tischlcr» von Franz Schulz. Franksurter Allee 28, Nuppel in Rciiiickcndors: von Treppengeländer- Arbeiter» (Drechsler. Tischler, Stellmacher, Polirrer, Ntaschinciiarbeiter und Bi ld ha uer) v on der Treppengeländer- sabril Joseph Drechsler, Gubener- straße 33; von Bodenlegern von den Bauten in Buch(Firma Damte, Franlsurt a.O.); von Stellmachern von sämtlichen Stellinachercicn, Wagcnsabriken und Drehrollcnsabrik Plään, Waßinann- straße; Motorwagensabrik GollschaU in Reinickendorf; VON Korbmachern von Beckcrt, Lange- straße 35; Die vrtsivcrsvnUnng Hnnabnic-Stellcn für„Kleine Hnzeigen" Osten: Wengels, RüderSdorscrstr. 3. Gustav Bogel,«oppcnstr. 83. Iknrdnstci»: L. Zucht,«eibclslr. 42. I. Renk, Barnimstr. 42. Korden: H. Raschle, Ackerstr. 36. F. Trapp. Rügenerstr. 24. Karl Mars. Lychcnersir. 123. Kart Weihe. Wiesenstr. 41/42. L. Dcchand, Rnheplatzstr. 24. H. Bogel. Lortzingflr. 37. A. Tiett. Jnvalidenslr. 124. Xord« esten: Karl Anders. Salzwedelerstr. 8. Siidtventon: H. Werner. MUtenwalderstr. 30. H. Schröder,«reuzberzstr. 15. tünden: St. Friü. Prinzenstr. Ll. F. Giitschmidt, Kotibuscr Damm 8 Sindosten: Paul Böhm, Laufitzer Platz 14/15. P. Horsch. Eilgel-Ujer 15. vbnrlottcnbnrg: G. Scharnberg, Sesenheimerstr. 1 I-'rlcdricbsbcrg: C. Seikel.«ronprinzenstr. 50, Klxdoif: M. Heinrich, Prinz Handjerhstr. 7 Conrad, Hemiannstr. oO. biebitneberg: Wilh.Bä«mler,MartinLutherstr.51 tzVcittcnscc: W. ReSke. Eedanstr. 105. Jnl. Schillert.«önig-Chauffee 3! ItcinicbcndorF: P. Gursch, Provwzstr. 10Z. - LuagtSÄktMer NedgNeur: Hans Weber, Berlin. Uz des �nlerciteiiteil verantw.I Th. Glocke, Berlm. An«! u. Perlag: Vorwärts Budjdruderei u. AerlagsanMt Paul Singer Li Co.. Berlin |f.79. zz.Zl>h-Mg. Z. Dtllllßt Zur Siadtverordueteu- Ersatzwahl im 34. Wahlbezirk. Aus den Kreisen unserer Gegner, der Freisinnigen samt ihren konservativen Handlangern, ist bisher nicht bekannt geworden. welche Pläne sie fnr die Ersatzwahl haben, die am 6, April im 3-1. Wahlbezirk(Teil der Schönhauser Vorstadt) borzunehmen ist. Viel Ehre dürfte für sie nicht zu holen sein,«venu etwa auch s i e mit einem Kandidaten vor die Wähler hintreten wollen.??atiirlich könnte cS sich bei ihnen mir um einen gemeinsamen Kandidaten bandeln, um einen„allcinigenKandidaten aller bürgerlichen Parteien". ES ist möglich, dast unsere Gegner sich daS billige Vergnügen einer solchen Kandidatur leisten. Bei der letzten Wahl in diesem Bezirk, im November 1901, konnten sie mit der Stimmenzahl, die sie damals erzielten, keinen Staat machen. Aber inzwischen ist doch von Freisinnigen wie von Konservativen so brav mit Lügen aller Art gegen die Soziaide in okratie gehetzt Ivordcn, daß man es immerhin noch einmal versuchen sollte, durch cim Zählkandidatur die Wirkung festzustellen. Der Name der Persönlichkeit, die sich etwa hierzu gebrauchen läßt, wird dann vermutlich erst am Tage der Wahl, am Freitag dieser Woche, be- kannt gegeben. Solche plötzlich auftauchenden Kandidaten, von denen der Wähler erst bor der Tür des Wahllokales Kenntnis erhält, be- wirken mitunter Verwirrung, besonders dann, wenn die Rolle des Durchfallskandidatcn einem Mann übertragen worden ist, besten Name und Beruf manchen Wähler irreführen muß. lWir raten den Wählern des 31. Bezirks, aus der Hut zu sein. Der Kandidat der werktätigen Bevölkerung, den ihr die Sozialdcmo- kratie cnipsiehlt, ist unser Genosse Theodor Fischer. ES wäre übrigens sehr unklug, diese Ersatzwahl als minder wichtig anzusehen, da ja der Sozialdemokratie dieser Bezirk sicher sei. Dem Bürgertum, den Freisinnigen sanit den Konservativen. erscheint es schon als ein Erfolg, wenn wir bei einer solchen Wahl etwa nicht die Stimmcnzahl erzielen, die wir bei der vorhergehenden Wahl gehabt hatten. DaS wird dann mit vollen Backen hinaus- Posaunt als„ein neues Symptom des Rückganges der Sozialdemokratie," Wenn alle Wähler des 31. Bezirks, die nur von der Mitarbeit der Sozialdemokratie an der Gemeindeverwaltung eine Besserung der Zustände in unserer Kommune Berlin erwarten, am 6. April ihre Pflicht tun. dann muß die stille Hoffnung unserer Gegner kläglich zu schänden werden. Unsere Mahnung gilt auch denjenigen Wählern, die zurzeit der Aufstellung der noch geltenden Wählerliste, im Juli 1995, im 31, Bezirk gewöhnt haben, aber in- zwischen nach einem anderen Bezirk verzogen sind. Auch sie haben die Pflicht, am 9. April noch an der Wahl ihres früheren Be- zirkcS teilzunehmen und ihre Stimme abzugeben für den von der Sozialdcnr okratie empfohlenen Wahlkandidatcn Theodor Fischer. Das Ergebnis der Wahl muß ein erneuter Protest gegen die Mißwirtschaft werden, die der Berliner S t a d t f r e i s i nn solange in unserer Gemeindeverwaltung getrieben hat und noch weiter aufrechtzuerhalten bemüht ist. In den letzten Monaten und Wochen hat die freisinnige Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung zu ihren alten Sünden noch manche neue gehäuft, und erst in den letzten Tagen hat sie bei der überhasteten Fertigstellung des Stadt- hauShaltsetatS wiederum gezeigt, daß ihr die Interessen der werktätigen BeVölker ting nicht einen Pfifferling wert sind, Die Wahl findet am Freitag, den 9. April, von vormittags 19 Uhr bis abends 8 Uhr statt. Ganz besonders werden diejenigen, die aus dem Bezirk verzogen sind, auf die Wahl hingewiesen. Wer Ansang Juli 190S im Bezirk tvohnte und in die Liste eingetragen war, versäume nicht sein Wahlrecht auszuüben. Der 84. Kommunalw ahlbezirk ist in vier Teile mit vier Wahllokalen zerlegt, Der I. Teil enthält den'Eladtbezirk 21S.&,: Ehrisiburgerstr. 1—3, 54—56; Danzigerstr. 25—31, 65—73; Frans eckistr, 22—40; Prcnflauer- nllee 41— 56, 195— 214; Rtikestr. 12— 4S: Sencfclderslr. 1. u, 43; Weißen- burgcrftr. 32—61; Wörthcrstr. 25. Wahllokal: Tanzigerstr. 71 bei Tambeck. Der II, Teil enthält die Stadtbezirke 242 B und 242 C: Danziger- straßc 2-21, 71—97; Dunckerstr, 1 u. 91; Franseckistr, 9—21. 41-54; Hagenauerstr. 1—18; Hochmeisterstr. 2—31; Lhchenerslr. 1«. 134; Schlic- mannstr. 1 u. 48; TreSckowstr, 1, 7—15, 41—60. Wahllokal: Danzigerstr. 123. Turnhalle der Gcmcindeschulc. Der III. Teil enthält die Stadtbezirke 217A und 248: Carmen Sylvastraße von Schönhauser Allee bis Prenzlauer Allee, ohne die Nummern 1 u, 166 und ohne die Ecken an der Prenzlauer Allee; Dnuckerswaße von Ringbahn bis Carmen Sylvastraße; Greisenhagencrfwaße von Ringbahn bis Wisbyerstraße; Hclmholtzplatz; Humannplutz; Kugler- straste 2— 15; Lctlestr. 2—8; Lychcnerstraße von Ringbahn bis Disbyci- stratze; Pappclallee 46— 95; Raumerslr, 17— 23; Rodenbcrgstr, 2— 40; Schcrenbcrgstraße; Schlicmannslr, 2—47; Stargarderstr. 21—26. 57—63; Straße.31; Wichertstr. 2—17, 150—159 und von Pappel-Allee bis Prenzlauer Allee, Wahllokal: Dunckerstr. Turnhalle der Gemeindcfchule. Der IV. Teil enthält die Stadtbezirke 247 B. 247 9!. 2171)! Ecken der Carmen Sywastratze an der Prenzlauer Allee; Dunckerstr. la— 90�; Lcttestr. 1; Prenzlauer Allee 57—191; Raumerslr. 21—51; Scneseldcrstr. 2 bis 42; Stargarderstr. 27-39, 50-56. Wahllokal; Prenzlauer Allee 165, Forpcrs GcscllschaftshauS. partei-Hngclegcnbeitcn. Achtung! Unser Bilvean ist vom 1. April ab vormittags von 9 bis 1 Uhr, nachmittags von 4—8 Uhr geöffnet, Sonntags geschlossen. Verband sozialdemokratischer Wahlvcreinc Berlins und Umgegend. L�V. 68, Lindcnstr. 6L, 3. Hof links, 3 Tr. links. Fernsprecher: Amt IV. SOSZ. Das diesjährige Bolksfcst des Kreises Tcltow-BeeS?olv- Storkow-Charlottenburg findet am Sonntag, den 22. Juli, im„Birkenwäldchen" zu Steglitz statt. Die Vereine des Kreises tverden gebeten, daraus Rücksicht zu nehmen. Der Zcntralvorstand. Potsdam. Der Wahlverein hält heute(Mittwoch), abends 81/» Uhr, seine Versammlung bei L a d e n t h i n ab,— Da die Tagesordnung neben der Maifeier noch andere wichtige Punkte enthält, so ist allseitiger Desuch, besonders der neuen Mitglieder, notwendig. Der Vorstand. Lerlmer bfodmcdten Die Vorortbcilage unseres Blattes ist seit dem 1. April mit dem lokalen Teil vereinigt. Unsere Leser finden daher die auf die Vororte be- ziiglichen Angelegenheiten in diesem Teil unseres Blattes. Tie juristische Sprcchsnnide findet am Donnerstag von 7 bis 9 Uhr abends statt. des.Amiilts" Snlim| Das Berliner Gcwerkschaftshaus, dessen sechster Geschäftsbericht vor kurzem erschienen ist, hat auch im Jahre 1995 mit einem Verlust abgeschlossen. Diesmal beträgt der Verlust 3325,51 M. Der Biercibsatz ist gegen daS Jahr 1991 nur um 29 Hektoliter gestiegen, trotz aller Versuche, die gemacht wurden, den Verkehr zu heben und dadurch die Einnahmen des GewerkschaftS- Hauses zu erhöhen. Da die zu zahlende Miete sich nach dem Bier- absatz richtet(die Abgabe beträgt pro Hektoliter 12 M,). ist daS Ge- dcihen des Unternehmens in erster Linie vom Ertrage dcS RcstallrantS abhängig. In der Erwartung, daß die Berliner Arbeiter daS Restaurant deS GcwcrkslbaftShauseS genügend unterstützen würden, wurden von Anfang die Preise in der Herberge so bemesien, daß an ausreichende eigene Einnahmen nicht zu denken war; man rechnete damit, daß der Ueberschuß, den das Restaurant erzielte, für die sozialpolitischen Zwecke der Herberge verwendet werden könnte. Im Jahre 1995 hat sich die Herberge nur mit 1,3 Proz. verzinst, Da die Hoffnungen, die ans das Restaurant gesetzt wurden, nicht in Erfüllung gegangen sind, wird kaum etwas anderes übrig bleiben, als die Preise in der Herberge zu erhöhen. Für ein Bad, das jeder Zureiscnde zu nehmen verpflichtet ist, wird jetzt einschließ- lich Seife und Handtuch 5 Pf. bezahlt. Die DcSinseltion ist un- entgeltlich. Daß hierbei die Selbstkosten der Badeanstalt nicht im entferntesten gedeckt werden(für Kohlen wurden allein 835 M. ausgegeben, während die gesamten Einnahmen 1932 M, betragen), ist selbstverständlich. Die in der" Herberge deS GewerlschaftS- haufeS bestehende Einrichtung, daß jeder Zureiscnde frische Bettwäsche erhält, belastet ebenfalls den Ausgabe- Etat un- gemein. Während ungefähr die Hälfte der Betten(92 von 192) mir 19 Pf. und weitere 51 mir 50 Pf. kosten, entfallen auf jeden Zureiscndcn ollein für Wäsche 26,9 Pf. Waschgcld und 9 Pf. für Abnutzung, also zusammen 35,6 Pf. Bei mehrtägigem Aufenthalt verteilen sich die Kosten für Wäsche, falls jedoch ein Reisender nur eine Nacht im GewerkschaftShauS übernachtet, ivird direkt Geld zu- gegeben, In der Sitzung der Gcsevschaster, die am 26. März stattfand. lag denn auch ein Antrag der Verwaltung vor, eine mäßige Er- böhung der Preises des BadeS und der Betreu vorzunehnien. Die Verwaltung schlug vor, nicht sofort einen Beschluß zu fassen, sondern es bei einer Aussprache bewenden zu lassen und den entgiiltigen Be- schlug erst in der nächsten Gesellschaftersitzung im Juni zu fasten. Eine gleichmäßige Erhöhung deS BeitpreiseS um 5 Pf. würde bei 97 313 llebernachtnngen im Jahre 1995 die Summe von rund 3399 M., eine Verdoppelung des Preises des BadeS von 5 auf 19 Pf. rund 1999 M. gebracht haben. Hierdurch wäre das Defizit gedeckt gewesen. Die Mehrzahl der Gesellschafter schien indessen auf dem Standpunkte zu stehen, daß ein für die Herberge zu leistender Zuschuß der Berliner Gewerkschaften einer auch nur minimalen Er- höhung des BetlenpreiseS vorzuziehen sei. Auf eine Steigerung der Einnahme der Herberge durch eine bessere Besetzung ist nicht zu rechnen; denn von den 3897 leer gc- bliebenen Betten entfielen 2839 allein aus die Monate Januar, November und Dezember; im September blieben nur 2 Betten leer. im August nur 8. Von Bedeutung bei dieser Frage ist vielleicht noch die Bemerkung, daß 81,5 Proz. der Zugereisten gewerkschaftlich or- ganisiert waren._ Öfter Sondcrziigc der Stcttiner Bahn. Zur Bewältigung des Osterfcst-Verkehrs werden in den Tagen vom 7. bis 18. April außer den sahrplamnäßigcn Zügen u. a. die folgenden Sondcrzüge vom hiesigen Stettincr Fernbahnhose abgelassen werden i nach Star- gard i. P. am 13. mrd 15. April 5»> vorm., am 15. und 17. April 10lä vorm., nach B e l g a r d am 12. bis 11. und am 18. April vorm. 19". am 11. nachm. 305(Schnellzug), am 11. 12.. 14. und 17. April 4� nachm., am Ii., 13. und 16. April II24 abends, nach Stettin am 14. April l51 nachm. und 710 abends, nach Pose- walk am 7. April 2-° nachm.. am 12. und 14. April 2->0 nachm. (bis Züssow), am 13. und 15. April vorm., am 12. und 14. April 603 nachm. Ebenso gehen auch eine Reihe außerfahrplanmäßiger Züge nach Ebers tval de, Wriezen, Löwenberg, Gransee, N e u st r e l i tz ic. Zur Neuregelung dcS KritirkentransPoritvesenS auf der Bahn macht die königliche Eisenbahndircktion Berlin folgendes bekannt: Tie neuen Tragbetten zur Beförderung von Kranken befinden sich auf den Stationen Anhalter Bahnhof, Fricdrichstraße und Stettincr Bahnhof. Tie Kranken können in den Betten von der Wohnung oder Unfallstelle abgeholt, ohne Umbettung in einem eigenen Wagen- abteil, wohin das Bett gestellt wird, weiter befördert und auch auf der Bestinnnungsstatiün vom Bahnhos wieder bis an die neue Lager- stätte im Krankenhaus, in der Klinik, oder in der Wohnung getragen werden. Bettstücken nebst Bezügen und Decken hat der Kranke selbst zu stellen. Tie Tragbettcn können bei ollen Stationen und Halte- stellen der preuß.-hessischcn Staatsbahncn. nötigenfalls telcgraphisch, angefordert und zur Beförderung nach sänttlichen Stationen dieser Bahnen verwendet werden; sie werden jedoch nur in Abteilungen dritter Klasse mit getrennten Aborten eingestellt und in Fernzügen, welche dritte Klasse führen, befördert. Es find zwei Fahrkarten dritter Klaffe für den Kranken und je eine Fahrkarte dritter Klaffe für jeden Begleiter zu lösen. Weitere Gebühren werden nicht erhoben; nur soweit zur Beförderung deS Krankenbettes zwischen Wohnung, Krankenhaus usw. und Station etwa vcr- fügbare Eisenbahnbedienstete in Anspruch genommen werden, ist deren Tätigkeit nach dem Eepäckträgcrtarif zu vergüten. Die Ge- stellung der zur Bedienung der Tragbettcn erforderlichen Personen ist Sache der Kranken. Die Eiscnbahnbedienstctcn haben aber hierbei, namentlich beim Hineinheben in die Wagen und beim Hin- ausnehmen Hülfe zu leisten. Die Zahl der Etcuerreklamationen dürfte in diesem Jahre besonders groß sein, da nach den nunmehr zur Ausgabe gelangten Stcuerbenachrichtigungcn die Steuerzahler zum größten Teil bei der Einschätzung erhöht worden sind. Die Erhöhungen sind teil- weise ganz enorm und betragen vielfach das Doppelte und Drei- fache des bisherigen Steuersatzes. Täglich gehen bei der Behörde ganze Stöße von Reklainationen ein, nach denen zu urteilen sich wohl ein Fünftel der Berliner Steuerzahler„zu hoch geschätzt" fühlen. Am ersten Öfter- und Psiugstscicrtage dieses JahreS dürfen im Handclsgeivcrbe, soweit der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufs- stellen stattfindet, Gehülsen, Lehrlinge und Arbeiter nur nach Maß- gäbe der folgenden Bestimmungen beschäftigt werden: a) im Handel mit Milch A. in Berlin, Charlottenburg und Ritzdorf während der Zeit von 5 bis 19 Uhr vormittags und von 12 bis 2 Uhr nachmittags. R in Schöncberg während der Zeit von 5 bis O4/» Uhr vormittags und von II4/-, bis 2 Uhr nachmittags; b) nn Handel mit Back- und Konditorivaren einschließlich Konfitüren und mit Fleischwaren A. in Berlin. Eharlottenbnrg und Ritzdorf während der Zeit von 5 bis 19 Uhr vormittags. B. in Schöneberg während der Zeit von 5 bis 9l/z Uhr vormittags; c) im Handel mit Kolonialwaren, mit Vorkostwckren. mit Blumen, mit Bier und Wein, mit Tabak und Zigarren A. in Berlin. Charlottenburg und Rixdorf während der Zeit von 8—19 Uhr vor- mittags, B. in Schöncberg während der Zeit von 7l/3— isi/z Uhr vormittags; ä) im Handel mit RoheiS A. in Berlin, Charlottenburg und Rixdorf während der Zeit von 9—19 Uhr vormittags, B. in Schöneberg während der Zeit von 9—9� Uhr vormittags; e) in de» Zeitungsspeditionen in Berlin, Charlottenburg, Rixdorf Schöncberg während der Zeit von 4—9 Uhr vormittags. Bemerkt wird, daß nach§ 12 Absatz 3 der für den Stadtkreis Berlin erlassenen Verordnung über die Sonntagsruhe im Gewerbe- betriebe mit Ausnahme des Handelsgewerbes vom 21. März 1395, Mmch. 4. April Mß. dem Gewerbebetriebe der Molkereien und Bierbrauereien die Ver- sorgung der Kundschaft mit Milch bezw. Bier während derselben Stunden gestattet ist, während der ein Handel mit diesen Produkten in offenen Verkanfsstellen zugelassen ist. Opfer des StrasiciiverkehrZ. Zlvei junge Menschenleben hat der Straßenverkehr gestern nach« mittag gefordert. In der Schönhauser Allee geriet der sechsjährige Schüler Ernst Klüber unter einen GeschäftStvagen und die Räder gingen so unglücklich über den Kleinen hjnweg, daß er mit nur schwachen Lebenszeichen nach der Unfallstation II gebracht werden mußte. Dort starb er dann bald.— Auf dem Wedding wurde der fünfjährige Alfred Kosemann, dcffen Eltern Triftstr. 49s wohnen, beim Spielen von einem Fuhrwerk überfahren und so schwer ver- letzt, daß er gleichfalls starb.— Am Ncttelbeckplatz wurde der zehnjährige Schüler Alfred Schippenfeld, Lehrterstraße 40a wohnhaft, von einem Automobil überfahren und schwerverletzt der Unfallstation in der Lindowerstraße zugeführt.— Schwer verunglückt ist gestern der 57 jährige Straßenbahnschaffner Ferdinand Hcgeholz. Hcrzbergstraße 32 wohnhast. Als H. am Bahn- hos Bergstraße einen dort haltenden Motorwagen der„Wüstenbahn" besteigen tvollte, kam ein Möbelwagen der Firma Strehlow, Goethe- straße 13, so dicht an dem Straßenbahnwagen vorübergefahren, daß der Schaffner zwischen Motor- und Möbelwagen eingequetscht wurde. Kollegen befreiten den Unglücklichen aus seiner schrecklichen Lage und brachten ihn schwerverletzt nach dem Krankenhause.—Ein tödlicher Straßenbahn un fall ereignete sich gestern morgen gegen Vz8 Uhr in der Kastanicn-Allce Ecke der Oderbcrgcrstraße. Der Führer deZ StraßenbahnlvagenZ Nr. 1999 der Linie 33E bemerkte, wie eine den Bürgcrstcig entlanggehende etwa 59jährige Frau plötzlich über den Fahrdamm lief. Obwohl der Fahrer augenblicklich Gegcnstrom gab, konnte jedoch bei der kurzen Entfernung von kaum l'/z Meter nicht verhindert werden, daß die Unbekannte von der Bordcrplatt- form erfaßt und zu Boden gerissen tvurde. Die Frau geriet unter die Lordcrplattform und blieb vor dem Schutzrahmen liegen. Sie hatte einen komplizierten Schädelbruch erlitten und wurde in be- siimungZlosem Zustande nach der Rettungswache gebracht, wo der Tod der Verletzten kurze Zeit nach ihrer Einlieferimg eintrat. Die Personalien der Verstorbenen konnten bisher nicht festgestellt werden. Unsere Eisciidahiwerwaltimg ist bekanntlich eifrigst bestrebt, unser „gutgesinntes" Bürgertum vor den Einwirkungen der sozialdeino- tiatilchcii Presse zu bewahren. In Verfolg dieser Bestrebungen ist ja auch den Zeitungsverkäufern auf den hiesigen Bahnhöfen vcr- boten worden, den„Vorwärts" feilzuhalten. Auch für die„Welt am Montag" hat man durch das Verbot des Verlaufs auf den Bahnhöfen die wirksamste Reklame gemacht. Durch diese Bevormundimg deS reisenden Publikums ist nun die Eiseubahnverwaltung offenbar abgelenkt worden, Mißständen ihre Aufmerlsamkeit zuzuwenden, welche schädliche, vielleicht lebens- gefährliche Wirkungen, mindestens aber arge Belästigungen der Bahnhofspassaiitc» zur Folge haben. Während den oppositionellen Blättern die geheiligten Hallen der Bahnhöfe vcrschloffen wurden, hat man einer Uuternehmergescllschaft — jedenfalls im fiSlalischen Interesse— gestattet. Apparate aus den Bahnhöfen aufzustellen, die wiederholt den lebhaften Unwillen der BähuhofSpassantcn erregt haben. Diese Apparate zur Erleichterung der Portemonnaies dcS reisenden Publikums— automatische Wagen genannt— mögen ja für ihre Besitzer und auch vielleicht für den EisenbahnfiSkuS recht nützlich, weil einträglich, sein, sie tragen aber dazu bei, die Gefahren, denen der Reisende so schon aus- gesetzt ist, noch zu erhöhen. Wiederholt ist es vorgekommen, daß eilende Passagiere über den hervorragenden Austritt dieser„automalischen Wagen" stolperten und sich, zum Glück, biS jetzt mir leichte Körperverletzungen zugezogen. Erst am letzten Sonntagabend ereignete sich wieder ein solcher Unfall auf dem Bahnsteige de" Ringbahnhofcs Warschauerstraße. Ein älterer Herr lief eilig dem eben einlaufenden Nordringzuge entgegen, sich dabei nach seinen ihm folgenden Familienangehörigen umsehend. Dabei hatte er das Malheur, über den Tritt einer dorr aufgestellten Menschcnfalle zu stolpern und auf den Bahnsteig hinzustürzen. Die Augenzeugen dieses Vorfalles glaubten, der Gestürzte hätte sich Arme und Beine gebrochen, da er mit voller Wucht über das eiserne Antomatcngestell hinweg auf das Steinpflaster gefallen war. Glück- lichcrweise kam auch er mit einigen Hantabschürsungen an den täirden und Knien davon und konnte an den Zug heranhumpeln. uffallcnd ist eS, daß der fragliche Apparat an einer der schlecht be- lenchtetsten Stellen deS Bahnsteiges aufgestellt ist. Um weitere Unfälle dieser Art in Zukunft zu vermeiden und um schlimmere Körper- Verletzungen der Passagiere auf den Bahnsteigen zu verhüten, dürfte cS sich cmtffehlen, falls man diese Menschenfallcn nicht ganz cnt- fernen will, dieselben mit einem Gitter zu umgeben, welches das Besteigen der Wage nur von der vorderen Seite gestattet. lieber den Neubau deS Opernhauses werden Mitteilungen ge» macht, aus denen nur soviel zu entnehmen ist, daß bei der großen Schwierigkeit der Platzsrage mehrere Projekte in Ertvägung gezogen würden, darunter auch das Projekt eines Neubaues auf dem Terrain des Ärollschen Etablissements mit Zuhülfcnahme eines Stückes vom Tiergarten. Dieses Projekt dürfte eventuell für die Ausführung Ehanecn haben. Bevor aber eine Vorlage au den Landtag gemacht würde, dürften noch Jahre vergehen. Ein folgenschwerer Zusammenftoj) zwischen einem Automobil und einer Droschke erfolgte gestern nachmittag am Kurfürstendamm. Als der Chauffeur Wilhelm Pufahl, Roßbsrgerstraße 13 wohnhast, mit den: elektischen Automobil Nr. 731 vom Kurfürstendamm in die Lcibnizstraße einbiegen wollte, kam anS entgegengesetzter Richtung auf der falschen Fahrtseite eine Taxameterdroschke entgegen und fuhr direkt in das Auto hinein. P. wollte noch schnell bremsen, doch war der Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden. Bei der Karambolage schlug die Bremsstange des Kraftwagens mit solcher Gewalt gegen das Schienbein des Chauffeurs, daß es zerschmettert wurde. Der Borderteil des Autos tvurde zertrümmert. Zigeuner in Berlin. Da nach RcgierungSpolizeiverord.iimgen vom 1. April ab nur noch die in Deutschland geborenen Zigeuner im Lande geduldet werden sollen, außerdem jede deutsche Zigeuner- familie eine feste Wohnung haben und einem Gewerbe nachgehen muß, haben sich in letzter Zeit größere Zigeunertrupps hier häuslich niedergelassen. In dem neuen Stadtviertel zwischen der Prinzen- Allee, Koloniestraße und der Pankower Grenze haben die Zigeiliier ganze Wohnhäuser zum Unterbringen ihrer Familienmitglieder ge- mietet. ES handelt sich fast durchweg um neue Hänser. Zur Warnung für Mütter diene ein Todesfall, der gegenwärtig die Polizeibehörde in Friedenau beschäftigt. DaS zwei Monate alte Töchtcrchen der J.'schen Eheleute, Rheinstr. 36 wohnhaft, war während der Abwesenheit der Eltern, welche ihrem Erwerb durch Handeln mit Streichhölzern nachgehen müssen, der Obhut einer NachbarSfrau überlassen. Diese hatte die Kleine auf etwa zwei Stunden allein gelassen, und als sie wieder zurückkehrte, fand sie das Kind tot vor. Der hinzugernfene Arzt stellte fest, daß der Tod durch Ersticken herbeigeführt worden war. Der Säugling hatte ein Jäckchen an, das oben am Hals durch eine Schnur festgehalten tvurde. Durch Masche» konnte die Schnur loser oder fester gezogen werden. Durch Handbewegungcn des Kindes hat sich nun �die Schnur festgezogen, wodurch ein Einschnüren de? Halses erfolgte. Während des ErstickungSprozesseS war dem Kinde weißer Schaum vor den Mund getreten. Die Leiche ist zur Obduktion polizeilich beschlagnahmt worden. Da-Z Apollotheater ljat sich sur den Monat April ein recht tnannigfaltigcS Spezialitätenprogramm zuizelegt. Den Reihen er- öffneten die G e s ch lo i st e r C a n c i, zlvei jugendliche Damen und ein Herr, die sich als Xylophondirtuosen produzierten und ihre Vor- träge in Begleitung des Orchesters mit größter Klangwirkung zu Gehör brachten. Groge Heiterkeit erregten die komischen Excenlrics Auto und Mobile mit ihrem originellen Töff-Töffalt und ihren gymnastischen Künsten an einer hängenden Puppe. Die akrobatische Kunst fand in der Gruppe der The Cliff ton s würdige Per- tretcr. Vicrfllhige Künstler, die N a f a g e t t e vorführte, zeigten, welche Fortschritte auf dem Gebiete der Dressur zu verzeichnen sind. Die niedlichen Foxterrier vollführten allerliebste Kunststücke. An das Spezialitätenprogramm schloß sich die Wiederholung der Burleske: »Das bummelnde Berlin" an. Im Berliner Zoologische» Garten ist der G c lv e i h w c ch sc l seht wieder in vollem G'ange. Fast alle Hirscharten, die Bewohner der nördlichen gemäßigten Zone sind, haben ihren Kopfschmuck ab- geworfen, ja einige haben schon wieder recht stattliche„Kolben" gc- schoben. ES ist überraschend, wie rasch diese Gcweihncubildnng vor sich geht; auch die mächtigen Stangen des Wapiti und seines großen asiatischen Vertuandten brauchen nur etiivi vier Monate zu ihrem Wachstum, genau so lange, wie die winzigen Spießchen der südamerikanischen Spicßhirsche zu ihrer Entwickehmg bedürfen. Bei den etwa 5lt verschiedenen im Garten vorhandenen Hirscharten ist die vergleichende Beobachtung der Geweihbildung ungemein an- ziehend. Unter den dem Berliner Aquarium jüngst zugegangenen Sc» düngen waren ans der Bewohnerschaft des Meeres neben den Kalt- blütern in reichem Maße die wirbellosen Tiere vertreten, und es komtten daher die den Krusten-, Wurm- und Schtvammtieren ein- gerichteten Becken bei der Besetzung besonders bedacht worden. Tic neu angekommenen Schwämme halfen das Bild von der Mannig- faltigkeit, Zierlichkeit und Schönheit dieser nicht als Einzelwesen, sondern als eigenartige, durch Knospung und Teilung entstandene Tierstöcke zu betrachtenden Geschöpfe vervollständigen; sie gehören vornehmlich den Familien der Kieselhornschlvämme an, deren Skelett aus Hornfascrn und Kicsclgcbilden besteht, und durch seine zinnober rote Farbe leuchtet namentlich ein knolliger Korkschlvamm hervor, der sich auch gern auf den von Einsiedlerlrebsen bewohnten Schileckcn schalen ansiedelt und diese nach und nach gänzlich einhüllt, so daß der Krebs eingeschlossen ist. Im Aquarium kann man zufolge der letzten Zuführungen auch diese Erscheinungen beobachten. Eine mit- angekommene Rückenfutzkrabbe hingegen nimmt mit Vorbedacht rote und gelbe Meerschwämme auf sicki, indem sie dieselbe» mittelst der nach oben gerichteten hintersten Brustbeine lvie ein Dach da oben festhält, um sich ihren Feinden gegenüber zu maskieren und ihrer zu beschlcichenden Beute Fcuerwehrbcricht. In der letzten Nacht wurde die Feuerwehr nach 12 Uhr nach der Kommandantenstr. 16 alarmiert. Dort stand auf den, Hofe im Erdgeschoß das Kontor und Lager einer Plüsch- fabrik in Flammen. Diese müssen dort längere Zeit nnbemerkt gc- wütet haben, denn bis auf einen eiserne» Geldschrank war das Kontor bereits total ausgebrannt. In de», anstoßenden Lagerraum brannten Tuchballen usw. Um die Flammen zu löschen, mußte die V. Konipagnie mit zwei Rohren längere Zeit kräftig Wasser geben. Die Entstehung des Brandes konnte nicht ermittelt lverden. Wegen einer Gasexplosion wurde die Wehr nach der Leipzigerstr. 63 ge- rufe». Dort war abends ein Monteur der Firma Armin Tenner mit der Einrichtung einer GaSbelenchtnugSanlage beschäftigt. An- geblich soll der Monteur dabei mit Licht die Leitung abgeleuchtet haben, die vermutlich undicht gewesen ist. Plötzlich erfolgte die Explosion, bei der leider der Monteur so schivere Brandwunden erlitten hat. daß er sofort auf ärztliche Anordnung nach dem Kranken- hause am Urban geschafft werden»nißte. Der Materialschaden ist nicht bedeutend» nur einige Fensterscheiben, Türen usw. wurden zertrüinmert. Die Feuerwehr beseitigte später jede Gefahr. Nachts um 8 Uhr wurde die Feuerwehr b ö s w i l l i g e r w e i s e nach der Krautstr. 7 gerufen. Der Täter ist wieder einmal unerkannt entkommen. Um 4 Uhr nachts mußte in der Naupachstr. 11 ein Zimmerbrand gelöscht iverden. Die Flammen hatten dort eine Badestube und das Klosett ergriffen, bevor die Gefahr bemerkt wurde. Wegen eines Ladenbrandes unter dem Bahnhof Vellcvue wurde die Feuerwehr abends nach der Briicken-Allee 12 gerufen. Kleiderstoffs brannten dort. Künstliche Blumen u. a. gingen in der Alten Iakohstr. 26/21 in Flammen auf. In der Wilhclmshavener- straße 36 wurden Brennmaterialien ein Raub der Flammen. Ein großer Schornsteinbrand wurde aus der Bernanerstraße 3g ge- meldet. Ferner liefen noch Fenermeldnngen aus der Kuglerstr. 10, Linienstr. 16, Gitschinerstr. 107 und anderen Stellen ein. Auf Er- suchen wurde ein Samariter mit einen, Sauerstoffapparat nach A d l e r» h o f bei Berlin entsandt. Der Apparat wurde dort mit Erfolg benutzt._ Vorort- JVaebnebtm Eharlottenlmrg. Die in Aussicht genommene Hebung der Charlottenburger Volks- schulen» für die die erste Rate von 5000 M. durch Gemeindebeschlnß in den Etat für 1Ü06 eingestellt ist, soll auf folgende Weise durch- geführt werden: I. In der Grnndllasse soll die Frequenz 13 nicht übersteigen. Zur Vorbereitung einschnl»ng«nnreifec Kinder ist ein Kindergarten unter Leitung einer geeigneten Lehrerin zu eröffnen. Die Unterrichtszeit der Grnndllasse darf 18 Wochenstunden nicht überschreiten.. Nach jeder halbe» Stunde ist eine Pause von drei bis fünf Minuten notwendig. Zur Förderung solcher Kinder, welche in der Klasse nicht mit fortkommen, erteilt der Klassenlehrer im ziveiten Halbjahre wöchemlich 3 Stunden Nachhülfcuntcrricht in Rechnen und Deutsch. Der Rektor ist befugt, die daran teilnehmenden Kinder von einigen IcktionSplanmäßigen Stunden derselben Fächer zu dispensieren. II. Für die N o r in a l> klaffen wird bestimmt: Nach Verlauf der ersten vier Wochen des Schuljahres bis zum Beginn der letzten Sckmlwoche erteilt der Lehrer den schwächsten Kindern der Klasse und solchen, welche infolge von Krankheit usw. einige, aber nicht sehr erhebliche Lücken aufweisen, wöchentlich 3 Stunden Nachhülfe- Unterricht in Deutsch und Rechnen. III. jv.-Klafsen): Zwischen die Normalschule und die Hülfsschule wird ein System von Klassen ein- fieschoben, das in bezug auf Lehrmethode und Bemessung des Lehr- toffes den Bedürfnissen solcher Kinder Rechnung trägt, die in den Klassen der Normalschnle zwar nicht mit fortkommen, aber auch eine Ueberweisung in die Hülfsschule nicht notwendig erscheinen lassen. Das System beginnt mit dem zweiten Schuljahre und enthält fünf aufsteigende Klassen. Das Pensum der beiden unteren Klassen ist 1'/, jährig und ist dem Pensum der Klassen VI und V. der Normalschule im wesentlichen gleich. Ob auch das Pensum der nächsten Klasse l'/s jährig oder bei Ausscheidung geeigneter Teile des Lehrstoffes 1 jährig zu bemessen ist, darüber sind Versuche anzustellen: ebenso darüber, ob Schüler, welche die oberste Klasse mit Erfolg absolviert haben— unter Einführung von Abteilunasunterricht für einzelne Fächer—, der Klasse I der Normalschule überwiesen werden können. Die Frequenz der L.-Klassen darf 30 nicht übersteigen. Die Zahl Sr Wochenstundcn ist für die B.-Klassen etwas niedriger zu bemessen S für die Normalklassen. Für die schwächeren Schüler erteilt der Klassenlehrer wöchentlich 3—4 Nachhlilfcstnnden. Der Rektor ist befugt, die daran teilnehmenden Kinder von einigen lcktionsplan- mäßigen Stunden zu dispensieren. IV.(A-ftlasieu); Die tüchtigsten Schüler der Normalklasse IV, welche bei ihrer Versetzung nicht nach der Sexta einer höheren Lehranstalt übergehen, werden in besonderen Klaffen zusammengefaßt und nach einem besonderen Lehrplane mit einer Fremdsprache unterrichtet. Das System A enthält 4 Klassen mit 1 jährige», Pensum. Schüler der A-Klassen, welche ans äußeren Gründen das Ziel der obersten Klassen noch nicht erreicht habe», dürfen»och Vz— 1 Jahr über das schulpflichtige Alter hinaus die Schule besuchen. Die Anfnahine i» das A.-Sylte», erfolgt durch die Schuldeputation auf Vorschlag der LersetzungS konferenz mit Zustimmung des Rektors und des Schularztes. Schüler, welche für die Fremdsprache keine Begabung zeigen oder sich vernachlässigen, können an, Schluß eines Schuljahres wieder nach der Normalschule zurückversetzt werden; es bedarf dazu eines KonferenzbeschlusseS und der Zustimmung des Rektors. I» einer von der Gewcrkschaftskoimnission einberufenen UgitationSversammlung der Fleischergcsellcn CharlottcnburgS referierte Konrad Krause von, Zcntralvorstand des Fleischerverbandcs über die Notwendigkeit der Organisation. An der Hand reichhaltigen Materials schilderte Redner die überaus elende Lage dieser Berufs- grnppe und legte den Versammelten nahe, daß, wem, sie eine Ver- besicrnng in bezug auf Lohn-, Arbeirs- und Logisverhältnisse er- reichen wollen, ihnen nur die Organisation, der Zcntralverband der Fleischer und Bernfsgenossen helfen könne. Von den dreißig Er- schienenen ließen sich sofort zwölf Kollegen als Mitglieder des Verbandes aufnehmen und ist somit der Grundstein weiterer Agitation unter den Fleischergcsellcn hier an, Orte gelegt. Ter Kunstabend der Freien Volksbühne am 30. März brachte eine Darbietung, wie man sie vollendeter und gewählter in den Räumen des Charlottenburger Volkshauscs Wohl noch nicht genossen hatte. Der Verein nimmt cS, auch außerhalb der regelmäßigen Vorstellungen, ersichtlich ernst mit seiner Aufgabe, den Charlotwn- burger Arbeiterkreisen die Werke der Kunst zu erschließen. Das Programm hatte ein sehr ansprechendes Doppelgesicht, es bot das Erfrischendste und Gemütvollste aus Heinrich Heines Dichtungen, wobei auch die revolutionäre Note nicht fehlte, und einige der edelsten und temperamentvollsten Stücke aus der Tonkunst seiner Zeitgenossen. Es war ebenso gut de», Volkscmpfindcn wie den künstlerischen Ansprüchen angepaßt. Tie Mitwirkenden verdienten den Beifall, den ihnen der volle Saal reichlich spendete. Die jugend- liche Violinistin, Fräulein Janka Dekner-Neumanowics, stellte sich als ein interessantes Talent dar, dessen zu Herzen gehendes und vornehmes Spiel seiner Wirkung wohl stets sicher sein darf, besonders wenn es sich in den Grenzen seiner technischen Fertigkeit hält. Einen durchaus ungetrübten Genuß boten die Ge- sangsvorträge des jperri, Alfred G la ß, der unter anderen, die „Grenadiere" in Schumanns Vertonung wirklich meisterlich inter- prctierte. Die ungewöhnliche Begabung des Pianisten, Herrn Leo K e st e n b e r g, ist an dieser Stelle schon mehrfach gewürdigt worden. Herr Jos. Dan egger, den man in Charlottenburg als Schauspieler längst zu schützen weiß, hat sich nunmehr auch als Rezitator dauernden Dank gesichert. Er verlieh den ernsten Dichtungen lebendige Plastizität; seine Art, die satirischen und ironischen Werke sozialen und politischen Inhalts vorzutragen, wirkten selbst für kritische Ohren überraschend. So vortrefflich sind die in diesen Werken beieinander wohnenden Kräfte, Spottlust und Menschenliebe, wohl noch selten zur Geltung gebracht worden. Tchöueberg. Stlidwcrortmctcnversammluiig am 2. April. Zu Beginn der Sitzung erfolgte die Einführung deS neuen Kämmerers in der üblichen Weise. Der zum Syndikus gewählte Rechtsanwalt Berg- mann war an, Erscheinen verhindert, es mußte somit dessen Ein- fllhrung verschoben werde». Vor Eintritt in die Tagesordninig kam eS zu großen Auseinandersetzungen, die einen Konflikt mit den, Magistrat heraufbeschworen. Die Stadtv. Dr. Fr e un d, Kutznitz k y und Obst gaben Erklärungen ab, daß sie ihre Acmter als Mitglieder der Krankcnhauövcrwaltungsdeputation niederlegen. ES tvnrde von ihnen ausgeführt, daß der Magistrat über die Köpfe der Deputation einem Militärärzte die Leitung der inneren Abteilung im Kran ken Hause übertragen habe, der nicht einmal von der Deputation zur engeren Wahl gestellt worden ist. Die Deputation habe sich in außerordentlich umfangreicher Weise mit der Prüfung der Bewerbungsgesuche beschäftigt und sei zu dein Resultat gekommen, dem Magistrat 5 Herren zu präsentieren. Einstimmig empfahl sie jedoch, dem Professor Dr. Strauß die Stelle zu übertragen. Der Magistrat ging aber darüber hinweg. Die drei Stadtverordneten waren der Meinung, ihre Ehre und diejenige der ganzen Versamm- lung fordere es, daß sie von ihrem Posten zurücktreten, denn sie lassen sich nicht zu Marionetten des Magistrats stempeln. Besonders Stadtv. Obst ging mit äußerst scharfen Worten gegen den Magistrat vor, da seiner Meinung nach der Antisemitismus die Oberhand gewonnen habe. Auf keinen Fall dürfe man die Selbstverwaltung so gestalten, daß nur einzelne zu regieren haben.— Durch Beifall und ZusiiminungSerklärnngei, gab fast die ganze Versammlung ihr Einverständnis mit dem Vorgehen der'genannten Stadtverordneten zu erkennen. Nur der Stadtv. Polenz glaubte in seiner Art dem Magistrat beistehen zu müssen. Die NcrlegenheitSredcn. die an, Magistratstische zu dieser Angelegenheit fielen, trugen noch zur Ver- schärfung der Situation bei. Der Vorlage des Magistrats, die gemischte Deputation, welche zum Zwecke der Ergreifung von Äbwehrinaßregeln gegen das Schul- unterhaltungSgesetz eingesetzt war, aufzulösen, wurde zu- gestimmt. Stadtv. Kütervar Milchlieferant für daS hiesige Kranken» Haus. Im Oktober v. I. ivurdcn nun von, Krankcnhause sowohl als auch von Fink mehrere Milchprobcn ztvcckS näherer Untersuchung entnommen. Die Untersuchung ergab, daß die Milch nur einen sehr geringen Fettgehalt hatte und außerdem mit 15—20 Proz. Waffer vermischt war. Wüstenberg gab an, daß er die Milch so, wie er sie von Fink erhalten, an das Krankenhaus abgeliefert habe.. Da ihm das Gegenteil nicht bewiesen werden konnte, mußte seine Freisprechung erfolgen. Tagegen wurden Fink und seine Ehefrau zu je 300 M. Geldstrafe verurteilt. Fink hatte die Abendmilch cnt- sahnt und sie danii der Morgcnmilch zugesetzt. Daß er Wasser beigemischt habe, bestritt er. Der Amtsanwalt hatte gegen Fink eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten beantragt. Vermischtes. Die Genickstarre breitet sich weiter aus. Aus Tropvau wird unterm 3. April berichtet: Die Genick- starrcepideiilie nimmt immer mehr zu. Sie herrscht bereits in 36 Gemeinden des östlichen Schlesien. Pcstverdächtige Ratten. Auf dem gesten, vom La Plata in Hamburg eingetroffenen Dampfer„Sevilla" sind pestverdächtige Ratten gefunden; Personen sind nicht erkrankt. DaS Schiff ist einer Ausgasmig mit einen, RattentötungSapparat unterzogen, und alle Vorsichtsmaßregeln sind getroffen.'Die Löschung der Ladung wird unter den tiblichen Vorsichtsmaßregeln gestattet werden. em05. 60 Seiten. Verlag- P. Blum. Berlin SQ., Adalbcrtstr. 56.___ Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Kerlin, Lux den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckers u. BcrlagsanMt.Paul Singer& Co., Berlin