Kr. 83. J Hb«nnem«nts-Bfdlnpn9tfl: MonnementZ. Preis pränumerando i Sierteljährl. 3,30 TO!., Mona» 1,10 TOI, MächenUich 28 Pfg, frei WS Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nmnmer mit tlluftrierter Sonntag». iSeiloge»Die Neue Seit" 10 Pfg. Poft- Aionnement: 1,10 Mari pro Monat, Einaetragen in die Poft-ZeitungS- Vreislifte. Unter Kreuzband für Deuifchland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. Poswbonnrmenl» nehmen an: Belgien, Dänemari, Holland, Italien. Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 33. Zahrg. «»»Iii»«Ii»»I«» Bratait. Verltnev Volksblakk. Bit Tnltrtl#n$'6tWI)t Beträgt für die sechsgespallene Kolon«!- geile»der deren Raum 10 Pfg., für politisch« und gewerkschastNche Verein»- und Verfammlim,«-Anzeigen 80 Pfg. „Igtelne?nr«lg«n", da» erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jede» weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas- slellen-«n, eigen das erste«ort 10 Pfg.. jede» weitere»ort 5 Pfg.«orte über 15 Buchstaben zählen für zwei«orte. Inserat« für dt« nächst« Nummer müssen dl«» Uhr nachmittag« in»er Expedition abgegeben«erden. Di«»xpediti«« ist bis 7 Uhr abend» geäffne». Telegramm- Adresse: „MilaMcMknt BertU". Zcntralonyan der rozialdemohratf fehen Partei Deutfchlarids. Redaktion: 8QQ. 68. Lindenstraeet 69. Psernkvreckter: Am« IV. Nr. igdi-l. Sonntag, den 8. April 1333. Bxpedition: 8 Cd. 68, Llndcnetraeee 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1384. Der Sadismns im vornehmsten Rock. Von kundiger Seite wird uns geschrieben: Der Kriegsminister v. Einem glaubte in seiner Rede am 30. März cr. im Plenum des Reichstages darauf hin- weisen zu müssen, daß seiner Ansicht nach die Ursachen zu den Soldatenmißhandlungen nicht in der Kaserne, nicht in dem System oder der Armee zu suchen seien, sondern weit außer- halb,„in einer großen Bewegung", die nicht veredelnd, son- dern entsittlichend wirke. Gerade die Presse dieser Be- wegung habe durch ihre Tonart, ihre Roheit, und ihr Schimpfen vielfach dazu beigetragen, die Gemüter zu der- wildern und zu verrohen. Der Herr Kriegsminister glaubt also, daß die Neigung zu Mißhandlungen nicht durch die Leute(soll wohl heißen durch die eigenen Kameraden) in der Kaserne erzeugt, sondern vielfach in dieselbe hinein- getragen wird. Der derzeitige Verfechter des militärischen Drills ist zu ehrlich, um verschweigen zu können, daß daS militärische Leben(aber nicht das aller Staaten) dieser„sadistischen" Richtung einen gewissen Nährboden gewährt. Diese Art und Weise, das Fortbestehen der Mißhandlungen zu be gründen und es gewissermaßen zu entschuldigen, ließe leicht auf eine oberflächliche leichtfertige Behand lung und Ergründung dieses Uebelstandes schließen. wenn eS nicht trotzdem den Anschein hätte, als ob Herr v. Einem wirklich die beste Absicht hege, die Mißhandlungen auS der Armee herauszubringen. Was ihn am meisten daran hindert, seine Absicht auszuführen, dürfte die mangelnde Er kenntnis des Ursprungs der Mißhandlungen sein. Wenn die Behauptung, daß die Roheit und der Mangel an sittlichem Empfinden in unserer Jugend im allgemeinen schuld an den Mißhandlungen sind, wahr wäre, so würde dies nur ein Vorwurf für die ärgsten Militaristen, die bildungsfeindlichen Junker sein. Dieser Vorwurf hat jedoch nur bis zu einem gewissen Grade seine Berechtigung. Zugegeben muß werden, daß der von Natur rohe Mensch auch nur ein roher Vorgesetzter oder Kamerad sein kann. Der springende Punkt, den der Herr Kriegsminister wohl au» dem Auge gelassen hat, ist aber, daß die in der Armee vorkommenden Roheiten zu einem großen Teil nicht mehr natürlich sind. Die Schuld hieran tragen das System, die unsinnige Disziplin und der Mangel an Bildung, welcher das Selbstbewußtsein in vielen der jungen Soldaten nicht aufkommen läßt. AuS welchen Gründen wird bei der Marine und bei dm technischen Landtruppen nicht so viel ge- schlagen wie bei der Infanterie, obwohl die dienstlichen Ob- liegenheiten bei den technischen Truppen usw. um ein viel- saches s ch w e r e r zu erlernen sind, als die des Infanteristen? Die Antwort dürfte jedem unparteiischen und denkenden Menschen einleuchten. Die Mannschaften der technischen Truppen und Marine sind fast durchweg Handwerker resp. Seeleute, von denen infolge ihrer höheren Intelligenz sich gegebenenfalls ein größerer Teil beschweren würde: außerdem hat in ihren Reihen schon das Wort Solidarität Eingang ge- funden. Bei den genannten Truppen und Marineteilen kann die Disziplin nicht so streng gehandhabt werden, weil dies der erforderliche Arbeitsdienst, der ja der eigentliche Zweck der Truppe ist, nicht zuläßt, und weil die Vorgesetzten bei den verschiedensten Gelegenheiten, z. B. bei Besichtigungen, viel mehr auf den guten Willen der Mannschaften angewiesen sind, wie bei der Infanterie. Ueberhaupt ist das System der Ausbildung bei den ge- nannten Truppenteilen vielmehr auf die Praxis, auf die Wirklichkeit zugeschnitten, wie auf die Parade. Wie es dagegen bei der Infanterie steht, will ich durch einige Zahlen auS der RekrutenausbildungSperiode einer Jnfanterie-Kompagnie beweisen: ES entfielen auk den Exerzierdienst.,, 202'/« Stunden aus daS Turnen..... 86# auf den Zxclddienst..... 77, auf das Zielen...... 47» Man sieht: das Exerzieren, das von den genannten Dienstarten am meisten Mißhandlungsfälle auf sein Konto zu nehmen hat. steht in bezug auf die Zeitverwendung obenan. Die Exerzierdisziplin, die im Gefecht, weil Ballast, vollständig fallen gelassen werden muß. wird in überaus strengen Maße geübt— weil sie allein es möglich macht, das Militär eventuell gegen das Volk, gegen Vater und Mutter, zu verwenden. Endlich besteht die Infanterie zu einem großen Teil aus Landleuten, deren Bildung in vielen Fällen leider noch Dorf- schulen ä In Trakehnen entstammt. Bei ihnen besteht die Gefahr des Beschwerdesührens nicht in dem Maße, wie bei den technischen Truppen. Will aber der Herr Kriegsminister nun etwa behaupten, daß diese Unteroffiziere und Mann- schaften durch den Ton einer gewissen Presse mehr verroht und entsittlicht worden sind, als die Soldaten der technischen und Marinetruppen? Wenn die Gefabr einer derartigen Verseuchung durch die benannte Presse überhaupt vorliegen würde, bestände sie bei den Pionieren usw. doch sicherlich in viel größerem Maße. Von diesen hat der größte Teil der Mannschaften vor ihrer Dienstzeit schon politische Zeitungen gelesen, was bei der Infanterie in weit ge- ringem Maße der Fall ist. Die Ursachen zu den Mißhand- lungen sind, Herr v. Einem, also ganz wo anders, und zwar nicht außerhalb, sondern innerhalb der Kaserne zu suchen I Der gewohnheitsmäßige Mißbrauch der Amtsgewalt, ja selbst so bestialische Soldatenschindereien, wie sie im Prozeß Breitenbach ans Tageslicht kamen, sie sind das Produkt der durch die Jahre der Dienstzeit hindurch auf das betreffende Vorgesetztengeniüt einwirkenden Umstände und Verhältnisse. Unbestreitbar ist, daß eine Vorbedingung für die gemeinen Mißhandlungen durch das Gesetz wehrlos gemachter Soldaten die Gefühlsroheit des mißhandelnden Vor- gesetzten ist. Zu vergessen ist aber nicht, daß diese Gefühls- roheit eine Folge der die Persönlichkeit nicht achtenden militärischen Erziehung ist. Der Vorgesetzte, der als gemeiner Soldat weder selbst mißhandelt worden ist, noch andere hat Mißhandlungen er- leiden sehen, der also durch die Praxis und außerdem durch Belehrung von der Ueberflüssigkeit der Schindereien über- zeugt worden ist, dieser Vorgesetzte wird weder gewohnheits- mäßig selbst Mißhandlungen vollführen, noch solche dulden. Bei ihm könnte es sich nur um Uebergriffe mehr e x p l 0- siver Art handeln, die vielleicht durch die bekannte kriegs- ministerielle Verfügung, daß Vorgesetzte den Soldaten drei Schritte voni Leibe zu bleiben haben, zu beseitigen oder eist- zuschränken wären. Leider muß aber von jedem unbefangenen Kenner der Verhältnisse zugegeben werden, daß kaum einer der Sub- altern, und unteren Vorgefetzten in der Armee und durch den D i e n st zu der oben bezeichneten Erkenntnis gekommen sein kann! Der Vorgesetzte, der sich zu dieser Erkenntnis emporgeschwungen hat, hat sie mit seinem ge- sunden Menschenverstand zusammen von außen in die Armee hineingebracht. Wenn ein solcher Vorgesetzter es wagen würde, diese Ansicht gegen die Kameraden zu äußern, würde er höchstens als Utopist verlacht werden. Darum ist es nicht selten, daß selbst ideal und menschen- freundlich veranlagte junge Offiziere und Unteroffiziere sich mit der Zeit von ihrer ursprünglichen Ansicht abdrängen lassen. Und zwar durch die Erfahrung, daß andere, skrupel- losere Charaktere in der Regel bei den gemeinsamen Vor- gesetzten besser angeschrieben sind, während ihnen, den humaneren Elementen in nur zu vielen Fällen Mangel an Energie und Interesselosigkeit vorgeworfen werden. Bei dem ungeheuren Formelkram, der Unmasse von Aeußerlichkeiten, die unserer Armee anhaften, ist es also nicht zu verwundern, wenn alle Vorgesetzten, vom Hauptmann herab bis zum Gefreiten und Stubenältesten, um sich diese Art von Vorwürfen zu ersparen, ihren Abteilungen in bezug auf Disziplin, Ausbildung und Aussehen einen glänzenden äuße- ren Schein zu verleihen suchen, und zwar unter Anwendung aller möglichen erlaubten und unerlaubten Mittel. Diese Sucht zu glänzen und zu paradieren über- lastet den Soldaten mit gänzlich überflüssigen Arbeiten und Uebungen und führt daher bei ihm zur Unlust. Letztere tritt um so stärker hervor, da der Mann die Zweckmäßigkeit der von ihm verlangten Leistungen, welche ihm in vielen Fällen nicht gestatten, sein Mittagbrot nnt Ruhe zu verzehren, und besonders im ersten Jahre eine völlige Abspannung zur Folge haben, nicht einzusehen vermag. Der Unteroffizier, der hier- bei tagaus tagein den Antreiber zu machen gezwungen ist, verroht und entsittlicht, trotzdem er die Presse einer gewissen großen Bewegung" gar nicht zu sehen, viel weniger zu lesen bekommt. Ein höherer Offizier, wenn ich nicht irre, General- leutnant v. Boguslawski, äußerte einmal, die geringe Anzahl von Beschwerden sei auf das mangelnde Ehrgefühl derSoldaten zurückzuführen. Ist es da zu verwundern, wenn die weniger gebildeten unteren Vorgesetzten die Sol- daten erst recht als Menschen zweiter Güte betrachten? Die ihm eingeprägte Ueberzeugung von der eigenen Bedeutung, das enorme Maß an Achtung, das der Untergebene ihm Pflicht- gemäß zu erweisen hat. veranlaßt den vom„militärischen Geist" vollständig durchdrungenen Vorgesetzten schon in der nicht ganz korrekten Erweisung einer Ehrenbezeugung ein Kapitalverbrechen, eine Achtungsverletzung zu erblicken. Wenn ein derartiger Vorgesetzter nun schon einmal die Glocken hat läuten hören vom K 124 des Militärstrafgesetzbuches*) oder von der Allerhöchsten Kabinettsorder vom 31. Juli 1877**), so sind Fälle wie der H ü s s e n e r s und Breitenbachs beinahe verständlich! Es dürfte ohne weiteres zu verstehen sein, daß nur der allergeringste Teil der Mißhandlungen durch das feinmaschige Netz zwischen Militär und Zivil in die Oeffentlichkeit dringt und daß man sich an der Hand der der Oeffentlichkeit be- kannt gewordenen diesbezüglichen Verurteilungen noch lange *)§ 124 spricht vom Recht des Waffengebrauchs seitens des Offiziers wie des Unterosfiziers gegenüber dem Untergebenen, um seinen Befehlen im stalle äußerster Not und dringendster Gefahr Gehorsam zu verschaffen. ") Die A. K.-O. vom 31. Just 1877 sagt wörtlich: Nicht jeder lediglich ungeeignete Ausdruck aber stellt sich als vorschriftswidrige Behandlung und nicht jede unerhebliche tätliche Be- riihrung als Beleidigung dar. Bei der Beurteilung solcher stalle ist der Erhaltung des Geistes militärischer Zucht und Ordnung Rechnung zu tragen. kein richtiges Bild von den Zuständen machen kann, wie sie tatsächlich im Heere bestehen. Aber eins ist mit tödlicher Sicherheit diesen Berichten zu entnehmen: daß nämlich der allergeringsteTeil der Verurteilungen von Soldaten- schindern auf Beschwerden zurückzuführen ist: die meisten Fälle werden durch den A r z t und durch den Zufall aufgedeckt. Ein anderer bedeutender Teil durch erfolgten Selb st- m 0 r d. durch Selbstmordversuche und durch Desertionen. Selbst dem Militärarzt gelingt es meist erst durch fortwährendes Drängen und Zureden, die wirklichen Ursachm der auf Mißhandlungen zurückzuführenden Krank- heiten und Verletzungen zu erfahren. Darum dürfte sich auch durch die von Herrn v. Einem angeführten Zahlen nicht mit Sicherheit auf den tatsächlichen Rückgang der Mißhand- lungen schließen lassen! Mag der Kriegsminister, dessen Pflicht es ja ist, dieses System zu verteidigen, noch so viel Abschüttelungsversuche unternehmen, mag er noch so viele Zahlen auffahren lassen, mag er die ganze Schuld an dem Fortbestehen der demütigend großen Zahl von Mißhandlungsfällen in der Armee„einer gewissen Bewegung" aufzubürden versuchen: all diese krankhaften Beschönigungsversuche und Ausreden cmdern nichts an der Tatsache, daß der Umfang, den die Soldatenmißhandlungen im preußischen Heere angenommen haben, einzig und allein durch das b e st e h e n d e System verschuldet wird!_ Die Revolution in Rußland. Die finanzielle Zerrüttung Rußlands. Die ununterbrochenen Unruhen und die Unsicherheit des Ver- tehrS haben' einen schweren Druck auf die russische Industrie und Handelswelt ausgeübt. In allen Zweigen des russischen Handels und der russischen Industrie wird ein Niedergang beobachtet. AuS mehreren Orten kommen Nachrichten über bevorstehende oder schon vollzogene Entlastungen von Tausenden von Arbeitern, auch Zahlungseinstellungen werden gemeldet, die viele Leute und Firmen in Mitleidenschast ziehen. Die entlastenen Arbeiter bilden ein unerschöpfliches Reservoir für die Revolutton, einen„Vulkan", der jede Minute ausbrechen kann. Ein Mitarbeiter der Petersburger . Russj' reiste speziell nach Moskau und in die Provinz, um in den Hauptzentren des russischen Handels die Wirkung des jetzigen Regierungskurses auf die Industrie- und Handelswelt zu studieren. Was er gesehen und beobachtet hat ist für die russische Geschäftswelt einfach trostlos. In Moskau meldeten große und solide Firmen wie die der Rastorgujewy, Perlow, Basanow und andere ihren Konkurs und weitere Fallissements stehen noch bevor. Die Ursache all dieser Bankrotts ist immer dieselbe:„Kein Geld, kein Kredit, allgemeine Panik". Die Banken verringern ihre Diskontoperationen und erhöhen gleichzeitig den Diskontprozent bis zu 11—12 v. H., wobei manchmal die Kommissionsspesen nicht mitgerechnet werden. Die Banken selbst leiden darunter, daß mehrere Einlagen zurückgezogen und nach dem Auslande zurückgeführt werden. Außerdem wächst auch daS DiSkontristko. Der ausländische Geldmarkt seinerseits verringert immer mehr den Geldverkehr mit Rußland. Was die Ursache dieser Krise betrifft, so wird allgemein daS Mißtrauen zu der jetzigen RegierungSpolitil als solche angegeben. Zur Lage in Polen. Man schreibt uns aus Warschau: Die Bauern auf dein Lande werden immer mehr für die revolutionäre Bewegung gewonnen. Die bisherige Gärung auf dem Lande basierte ans der Agitation für Freiheit des Glaubens und der Schule. Jetzt kommt ein zweiter Moment hinzu, die eigentliche Agrar- frage.— Die Lage der polnischen Bauern ist viel besser als die der russischen— aber sie läßt doch auch vieles zu wünschen übrig.— Der Kampf wird sich um die Forderung der Lohn- erhöhung und die Besserung der allgemeinen Lage der Land- arbeiter drehen. Alle sozialistischen Parteien Polens ver- öffentlichen einen Aufruf an die Parteigenossen, der niit dein Wort„Aufs Land!" endet. Und wer den Einfluß, den die polnischen Sozialisten auf den„jüngeren Bruder" ausüben, kennen gelernt hat. wird wissen, daß diesem Schlagworte auch Taten nachfolgen werden.— In den Städten ist es„ruhig". Man sieht keine Demon- strationen und Knndgebungen auf den Straßen, aber die Empörung wächst dennoch.— Es wäre eine mühevolle Arbeit, alle„Heldentaten" der zarischen Soldateska zu schildern. Es kommen Tage vor, an denen Hunderte von Menschen einge- kerkert werden— und in den Gefängnissen spielen sich zahlreich Szenen ab, die an den be- kannten Fall der unglücklichen Spirido- nowa erinnern. Die Verhafteten werden mit Kolben halbtot geschlagen und erst dann in kcllerartige Zimmer(die Zitadelle und das Rathaus sind überfüllt) hineingeworfen. Es kommen Fälle vor, daß die Verwundeten 2—3 Tage lang nichts zu essen bekommen, da die dazu bestimmten Fonds erschöpft sind. Die Revolutionäre beantworten den Terrorismus der Re- gierung mit einer ganzen Reihe von Attentaten. Es vergeht kein Tag, ohne daß einige Spitzel erinordet werden. Nur ein paar Beispiele ans den letzten Tagen. Es sielen Rubi n- st e i n, der Kapellmeister der Kosakcnregimenter, der als einer der gefährlichsten Spitzel galt. A f a n a s s i e f f, der Gehülfe des Eisenbahndirektors(Warschau-Wiener Bahnstrecke) und Iwan off, der Direktor derselben Babn. einer der blutigsten Reaktionäre.— Dank seiner Anordnungen ist eine große Zahl der Bahnbeamten brotlos geworden. Die Nevolu- tionäre hatten ihm schon einige„Todesurteile" eingeschickt, jedoch ohne Erfolg. Als einer der reaktionärsten Beamten galt er als Kandidat für das Eisenbahn-Ministcrium, um das Kabinett Durnowo-Witte zu komplettieren. Die Kugel machte diese Kompagnie um einen Bösewicht ärmer. Petersburg, 7. April. Heute ist eine neue Zeitung„Das 20. Jahrhu u d er t" erschienen, die änherlich den unterdrückten Zeitungen»Rufs" und„ M o l w a" genau ähnlich ist und die ihre Spalten für den MeiinmgSanstausch über den Verband der Slaven öffnet, für den das neue Blatt folgendes Programm aufstellt: Glaubcnstoleranz, Gleichberechtigung der slavischeu Völker und der mit ihnen durch geographische Bedingungen verbundenen nichtslavischeu Nationalitäten und demokratisch-konstitutiouelle Staats- ordnung Rußlands, welches au der Spihe des Verbandes stehen müsse. Petersburg, 7. April. Gerüchtweise verlautet, daß D u r n o w o dem Zaren seine Demission überreicht habe, da durch den Aus- fall der letzte» Dumawahleu seine Stellung unhaltbar geworden ist. poUtilcbe Qcb�vflcbt. Verlin, den 7. April Das Ende der Tragikomödie. Ncber die Schlußsitzung der Marokkokonferenz wird vom 7. April gemeldet: In der heutigen VormittagSsitzung zur Unterzeichnung der Gcneralakte erklärte der Herzog von Almodovar nach der Ver- lesung der Akte, die eine Stunde beanspruchte, daß die marokkanischen Delegierten, da ein Teil der Beschlüsse der Konferenz noch nicht vom Sultan genehmigt sei, z u n ä ch st die Akte nicht unterzeichnen könnten. Der zweite italienische Delegierte Malnwsi werde sich im Auftrage der Konferenz»ach Fez begeben, um dem Sultan die General- alte vorzulegen, dessen Entscheidung alsdann gegebenenfalls gleichzeitig als Unterzeichnung und Ratifikation seitens Marokkos gelten soll. Sodann stellte der Herzog von Almodovar zunächst die Frage, w i e die eine Mitwirkung der schweizerischen Regierung voraussetzenden Beschlüsse, nämlich Ernennung eines schweizerischen Offiziers zum G e n e r a li n s p c lteur der Polizei, und Zuständigkeit des schweizerischen Bundes- tribunals für gewisse, die Staatsbank betreffenden Fragen zur Kenntnis der schweizerischen Regierung ge- bracht werden sollen.(1) Der Botschafter v. Radowitz schlug vor, den Präsidenten zu beauftragen, zunächst in nicht offizieller Weise anzufragen. Revoil schloß sich diesem Vorschlage an. Hierauf erklärte der amerika- nischc Delegierte White namens seiner Rc- gierung, daß diese keine» Verantwortlichkeit für die Durch- führung der Beschlüsse der Koufcrcnz überuehme.(!) Hierauf erfolgte die Unterzeichnung. Nach derselben ergriff El-Mokri das Wort, um der Konferenz für ihre Arbeit und Für- sorge szu danken, worauf der Herzog von Almodovar ihm in courtesicvollen Worten antwortete. Zum Schluß verlas der Präsident eine Schlußrede, in der er auf die Bedeutung der Kon- fcrenz hinivies und allen Beteiligten ftir ihre Mitwirkung dankte, sodann erklärte er die internationale Konferenz von Algeciras für geschlossen. Ein wirklich mehr als humoristischer Ausgang dieser Posse! Daß der Sultan von Marokko, der Schützling des deutschen Kaisers, dessen Souveränität doch angeblich durch die Konferenz geschützt werden sollte, gar nicht erst gefragt wird, ob er auch mit dem Protokoll einverstanden ist, ist noch der kleinste Witz bei der Sache. Grotesker schon ivirkt die Tatsache, daß man sich vor der Untezeichnung des Protokolls nicht einmal zu versichern für notwendig hält, ob denn auch die Schweiz das vielumstrittene General- inspektorat überhaupt übernehmen will! Es soll erst einmal inoffiziell angefragt werden— nach Unterzeichnung des Protokolls! Man kann sich danach eine Vorstellung da- von machen, welche Bedeutung man auf allen Seiten diesem Generalinspektorat beimißt! Um der tollen Farce die Krone aufzusetzen, läßt dann noch zuguterletzt Amerika erklären, daß es das Protokoll nur mit dem Vorbehalt unterzeichne, daß es für die Durch- führ u n g desselben keinerleiVerpflichtung über- nehme! So endet die Konferenz, die unter unheilkündendem Wcttergrollen begann, unter dem Hohngelächter der ganzen Welt!—_ Unnötige Empfindlichkeit. lieber die W a h l r e f o r in k ä m p f e verbreitet sich Herr Dr. Theodor Barth in einem Artikel der.Nation". Nachdem er dem Zentrum vorgeworfen, daß eS bei der Behandlung der Wahlreform im prenßischen Abgeordnetenhaus ein unehrliches Spiel getrieben habe, nachdem er ferner seinem Bedauern Ausdruck gegeben, daß auch die Nationalliberalen für eine ernsthafte Reform deS Dreiklassenwahlsystems nicht zu haben seien, gelangt er zu dem Resultat, daß bei solchen Widerständen auch die be- scheidcnste Wahlrcform nicht durchgeführt werden könne, solange nicht eine Volksbewegung eingesetzt habe, die tief genug gehe, um selbst auf hartgesottene Reaktionäre Ein- druck zu machen. Von einer solchen Volksbewegung könne aber einstweilen noch keine Rede sein. Die Proteswcrsammlungen der Sozialdemokratie vom 21. Januar«nd 18. März könnten sich als einleitende Demonstrationen zwar schon sehen lassen, aber angesichts der zu überwindenden zähen Widerstände bedeuteten auch sie noch nicht viel. Aber selbst wenn die Sozialdemokratie demnächst noch mehr Berve und Zähigkeit beweisen sollte, werde sich die preußische Reaktion zu Konzessionen nicht bereitfinden lassen, wenn es nicht gelinge, auch im Zentrum und unter dem liberalen Bürgertum die demokratischen Instinkte wach- zurufen. Das sei bisher nicht gelungen. Wenn die Sozial- dcmokratie nicht auf die Jsolierungspolitik der„dogmatischen Säulenheiligcn" eingeschworen sei, so würde sie ihr Hanptbestreben darauf richten müssen, gerade jene demokratischen Kräfte außer- halb der eigenen Partei, ohne die eine erfolg« reiche Wahlreformarbeit nicht durchgeführt werden könne, mit mobil zu machen. Statt dessen tue man das menschenmögliche, um die Wahlreformcr außerhalb der eigenen Partei zu brüskieren. Wenn auch diese.Tolpatschpolitik" gewiß geeignet sei, liberale Politiker mit sentimentalen An- Wandlungen von der Wahlrcchtsbewegnng abznschreckcn, so könne dies Verhalten der Sozialdemokratie für einen ernsten und zielbewußten liberalen Politiker nur ein ver- stärkter Anreiz sein, der sozialdemokratischen Agitation das Feld nicht allein zu überlassen. Wäre die Sozialdemokratie vernünftiger, so konnte man daran denken, ähnlich Ivic seinerzeit in England die Anti- Kornzoll- Liga bei uns eine Wahlrefonn-Liga zu gründen, die unabhängig von jeder Parteizugehörigkeit nur auf Durchsetzung der Wahlrechtsreform zu dringen habe. So lange ein solcher Plan in Deutschland nicht durchführbar sei, habe insbesondere der Freisinn die Aufgabe, das liberale Bürgertum aufzurütteln. Wir hätten eigentlich Herrn Barth für verständiger gehalten. als daß er unsere Bemühungen, seine Wahlrechtsagitation in liberalen Kreisen auf unsere Weise zu unterstützen, mit ärgerlichen Ausfälle» quittiert. Denn wenn Herr Barth selbst sagt, daß der sozialdemo- kratische Spott über das schläfrige und entartete liberale Bürgertum für einen wahrhaft liberalen Politiker nur denAnreiz geben müsse, sich erst recht zu betätigen, so erklärt er ja unsere Aufpettschungs- Methode des Liberalismus für die einzig richtige! Auch ist es uns rätselhaft, wie die Sozialdemokratie sonst die „ deniokratischcn Instinkte" innerhalb des Zentrums und des Liberalismus wachrufen könnte. Oder glaubt Herr Barth viel- leicht, diese Instinkte könnten dadurch wachgerufen werden, daß die Sozialdemokratie ihre Anhängermassen in die Versammlungen hinein dirigiert, zu denen Herr Barth das liberale Bürger- tum bis jetzt vergebens heranzulocken suchte? Herr Barth mag gewost fortfahren, das liberale Bürgertum aufzurütteln. Wenn es ihm gelungen ist, auch im Liberalismus erst einmal eine Wahlrechtsbewegung von auch nur annähernd der Intensität hervorzurufen, wie sie die sozialdemokratische Partei bereits inszeniert hat, so wollen wir ihm gern das Recht zur schärfsten Kritik unserer Agitation einräumen, auch sind wir dann gern bereit, mit dem liberalen Bürger- tum zusammen gegen die Reaktion Stnrin zu laufen. Solange aber Herr Barth und seine Freunde nur als Generalissimi über die proletarischen Armeen Heerschau abhalten möchten, die nur die Sozialdemokratie auf die Beine zu bringen vermag, solange hat ein Zusammengehen mit dem Liberalismus für uns nur einen sehr geringen Reiz. Und zwar gerade deshalb, weil wir durch- aus die Meinung des Herrn Barth teilen, daß eine Volksbewegung einsetzen muß. die tief genug geht, um auch auf hartgesottene Reaktionäre Eindruck zu machen. Diese Volksbewegung kann natürlich vor den hartgesottenen Reaktionären„im Zentrum und im liberalen Bürgertum" nicht Halt»lachen!— Friedensschluß in Ungarn. Aus Budapest wird uns vom 6. April geschrieben: Ein wichtiges Ereignis hat sich in der Habsburgischen Monarchie vollzogen: Die nun über ein Jahr währende ungarische Krise ist beseitigt, und in wenigen Tagen werden die Dinge ins normale Gleise zurückzugleiten beginnen. Die Lösung ist förmlich über Nacht gekommen; auch auf dem Theater kann der Szenenwechsel nicht überraschender und schneller vollzogen werden, als es hier in der Welt der harten Wirklichkeiten geschieht. Vor drei Tagen noch schien es eine ausgemachte Sache, daß die Neuwahlen für den auf- gelösten Reichstag nicht ausgeschrieben werden und somit im klassischen Lande der Parlamentsherrschaft der unverhüllte Ab- solutismus anheben wird. Und heute ist der Friedensvertrag zwischen Krone und Koalition geschlossen, das neue Ministerium dürfte in wenigen Tagen ernannt sein, die Neuwahlen werden Montag ausgeschrieben werden. Daß an dem Umschwung in erster Linie der Umstand mit- gewirkt hat, daß die Ausschreibung der Neuwahlen an eine be- stimmte Frist gebunden ist, das ist unzweifelhaft. Nach der un- garischen Verfassung ist, wie wir schon bei Beginn der Krise sagten, nach einer Auflösung der neue Reichstag so zu berufen, daß er längstens drei Monate nach der Auflösung zusammentreten kann. Da die Auflösung am 19. Februar erfolgte, so müßte der neue Reichstag spätestens zum 19. Mai berufen werden, und da für die Neuwahlen eine Frist von 40 Tagen bestimmt ist, so müssen die Wahlen, damit der Reichstag zcitgerecht zusammentreten kann, spätestens am 9. April, also kommenden Montag, ausgeschrieben werden. Es war aber kein Geheimnis, daß die Krone entschlossen war, die Einberufung wider die Verfassung zu unterlassen, den schleichenden Absolutismus in einen offenen zu ver- wandeln. So fest war der Entschluß zu diesem zwar aus„Zweck- mäßigkeitsgründen" sehr erklärlichen, aber dennoch ganz un- zweideutigen Staatsstreich, daß bereits das Manifest auf- gesetzt war, mit dem den Ungarn die Unterlassung der Ein- bcrufting plausibel gemacht werden sollte!— Es scheint nun. daß die Gefahr, die dem ungarischen Parla- mentarismus damit drohte, das Gewissen der Koalitionsführer geweckt hat. Tatsächlich befand sich die Koalition in der übelsten Lage. Ihre Politik: durch Aufwerfung immer weiterer Schwierig» leiten die Krone zum Nachgeben zu zwingen, hatte mit einem völligen Fiasko geendet. Franz Joseph hat seinen geliebten Magyaren sicherlich immer gerne Gefälligkeiten erwiesen, aber auf eine weitere Reduzierung seiner Kronrechte in Sachen der Armee läßt er sich nicht mehr ein. Was sollte die Koalition nun beginnen? Die Massen hat sie sich entfremdet, das Regieren ohne Parlament wäre— wenngleich schwierig— doch immerhin möglich gewesen. Aus der Sackgasse, in die die Koalition mit ihrer auf Eitelkeits- erfolge gerichteten Politik geraten war, gab es für sie keinen anderen Ausweg als die Umkthr. Es ist also nicht erstaunlich, daß sie, die ein Jahr lang die.Uebernahme der Kabinettbildung abgelehnt hat, nun sich selber erbötig machte, die militärischen Fragen auszuschalten und die Regierung einfach aus der Ver- pflichtung heraus zu übernehmen, die ihr die Tatsache auferlegt, daß sie die Mehrheit besitzt. Kossuth hat das zu Anfang der Woche dem Baron Fejervary angeboten, und heute waren er und Graf Andrassy in der Hofburg, wo der Pakt abgeschloffen wurde. Als Ministerpräsident ist Dr. Wekerle, der ehemalige Finanz- minister im Kabinett des alten Tisza und jetzige Präsident des Verwalwngsgerichtshofes, in Aussicht genommen. An feinen Namen knüpft sich die Durchführung der kirchenpolitischen Gesetze; er ist, obwohl sehr weit links stehend, doch ein Anhänger des Dualismus. Das wichtigste des Friedensschlusses ist aber, dcifi er Ungarn die Einführung des allgemeinen Wahlrechts sichert. Die Verein- barung zwischen Krone und Koalition besteht nämlich darin, daß die neue Regierung in ihre Aufgabe als Hauptpunkt die Einführung des allgemeinen und geheimen Wahlrechts aufnimmt. Dazu hat sich die Koalition bereit erklärt, und so hebt für Ungarn nun wirklich eine neue, eine moderne Zeit an.— * Deutlcbea Reich. Ein verächtliches Possenspiel! Die alte Farce der Haager Friedenskonferenz soll eine Neu- aufläge erfahren. Die erste Auffühnmg, die gleich nach ihrer An- regung durch Nikolaus den„FriedenSzaren" von uns als ein poli- tischcs Possenspiel der russischen Diplomatie charakterisiert wurde, hat zwar ein solch blutiges Nachspiel gehabt, daß auch dem politisch Ein- 'ältigsten der Wert derartiger nur auf die Täuschung der Völker be- rechneten Friedensschwatzveranstaltungen klar geworden ist, denn bald daraus folgten die blutigen Kämpfe in Südafrika und in Nordchina und diesen der japanisch-russische Krieg in der Mandschurei; die russische Regierung sucht sedoch trotz dieser mehr als zweifelhaften Erfolge ihrer„Friedensmission" das lächerliche Possenspiel fortzusetzen. Sic hat nämlich, wie das Wölfische Bureau mitteilt, für die zweite Haager Friedenskonferenz folgenden Progranunentwurf aufgestellt und den Mächten unterbreitet: 1. Verbesserungen, welche an den Bestimmungen des Ab- kommens betreffend die friedliche Regelung der internationalen Konflikte bezüglich des Schiedsgerichtshofes und der internationalen llnterslichnngskoniinissionen anzubringen sind. 2. Ergänzungsbestimmungen, ivclche den Bestimmungen des Abkommens von 1899 betreffend die Gesetze und Ge- bränche des Landkrieges hinzuzufügen sind, und zwar unter anderem bezüglich der Eröffnung der Feindseligkeiten, der Rechte der Neutralen usw., Erklärungen von lS99: da eine unter denselben verjährt ist, Frage der Erueuerung derselben. 3. Ausarbeitung eines Abkommens betreffend die Gesetze und Gebräuche des Seekrieges, soweit sie augeheu: die besonderen Operationen des Seekrieges, wie die Beschießung von Häfen, Städten und Dörfern durch eine Streitmacht zur See, die Legung von Minen usw., die Umwandlung von Handelsschiffen in Kriegs- schiffe, das Privateigentum der Kriegführenden zur See, die den Handelsschiffen zu gewährende Vcrgiiustigmigsfrist zum Verlasien der neutralen Häfen oder der Häfen des Feindes nach der Er- öffnung der Feindseligkeiten, die Rechte und Pflichten der Neutralen znr See, niiler anderem die Frage der Konterbande. die Be- stimmungen, nach denen die Schiffe der Kriegführenden sich in neutralen Häsen zn richten haben; Zerstörung von als Prisen iveggenommenen neutralen Handelsschiffen durch höhere Gewalt. In das genannte auszuarbeitende Ablommen wären die Bestimmungen über die Kriegführung zu Lande aufzu- nehmen, die in gleicher Weise bei der Kriegführung zur See Au- Wendung finden sollten. 4. Zusatzbestimmungen zu dem Abkommen von 1899, wonach die Grundsätze der Genfer Konvention von 1804 auf den Seekrieg Anweuduiig finden sollen, Statt mit schönen Phrasen für die Milderung des Land- und Seekrieges zivischeu fremden Mächten einzutreten, wäre es.weit besser, wenn die in Rußland an der Regierung befindliche vertierte Sippe zunächst ihre brutale Kriegführung gegen das eigene Boll minderte._ Richters Nachfolger. AuS dem NeichstagSlvahlkreife Hagen- Schwelm wird gemeldet, daß das Wahlkreiskomitee der freisinnigen Volkspartci beschloß, den ersten Bürgermeister C u n o- Hagen als Kandidaten für die ReichStagscrsatzwahl aufzustellen. Cnno hat die Kandidatur angenommen. Der Freisinn hat geraume Zeit gebraucht, ehe er den Mann fand, mit dem er den ehemals Richterschen KreiS halten zu können vernreint. Daß er eine in weitesten Kreisen unbekannte Lokalgröße zum Nachfolger Richters zu wählen gezwungen war, spricht Bände von der betrüblichen Lage, in der sich die Partei befindet. Trotz seines geringen MaßeS von politischer Bedeutung ist indes Herr Cuno dem Zentrum nur zu gut bekannt. Die„Germania" hatte kaum sein« Aufftelluug erfahren, als sie wutentbrannt schrieb: „Die Zentrums stimmen können in Hagen unter Um- ständen den Ausschlag geben. Daran scheint das Kreiswahl- komitee der freisinnigen VoliSpartei nicht gedacht zu haben, denn anderenfalls würde es nicht den Bürgermeister Cuno von Hagen aufgestellt haben, welcher nicht nur in diesem Wahlkreise, sondern weit darüber hinaus bei den deutschen Katholiken vor Jahren durch eine Begrüßungsrede bei der General-Ver- sammln ng des Evangelischen Bundes, welche an konfessioneller Gehässigkeit Ungewöhnliches leistete, sich sehr unliebsam bemerkbar gemacht hat. Die freisinnige Volkspartci wird den Katholiken des WahkreiseS Hagen- Schwelm nicht zumuten können, einen solchen Nomhasser und Kultur- k ä m p f e r zu wählen, als welcher Herr Bürgermeister Cuno in Hagen sich gezeigt hat." Diese Begrüßung seines Kandidaten durch die ausschlaggebende Partei ist für den Freisinn, der ja aus eigener Kraft nirgends mehr zu siegen vermag, höchst fatal. Die Wahlziffern von 1903 sind: Sozialdemokratie 13870, Freisinn 10572, Nationalliberalismus 5780, Zentrum 4520, Christlichsozial 1855, Pole 101. Das Zentrum spielt also eine nicht zu unterschätzende Nolle. Hinzu kommt, daß die Nationalliberalen grollen wegen deS abgelehnten Kompromisses und daß der Name Richter fehlt! Freilich ist es wahrscheinlich, daß sich bei der Stichwahl die bürgerlichen Parteien trotz aller jetzigen Häkeleien wieder gegen den „Umsturz" zusammenfinden. Die Sozialdemokratie de? Wahlkreises wird sich deshalb nicht auf die Verlegenheiten des Freisinns, sondern nur auf sich selbst verlassen.— Ter neue spanische Zolltarif, über den wir gestern berichteten, erweist sich, je nähere Einzelheiten über ihn bekannt werden, desto mehr als eine Konzession der Madrider Regierung an die nordspanische profitwütige Großindustrie. DaS ist kein Wunder, denn wie die „Franks. Ztg." milteilt, gehörten von den 10 Mitgliedern der mit Feststellung der Warenwerte beauftragten Kommission 13 zu den hervorragendsten protektionistischen Vertretern der spanischen Groß- industrie, die bei ihren Schätzungen einfach durch falsche Taxationen so hohe Werte herausrechneten, daß die Regierung bei Anwendung ihrer Skala von 10 bis 50 Proz. fast überall zu exorbitant hohen Zollsätzen gelangen mußte. Wenn trotzdem einzelne Positionen gegen früher keine Erhöhung erfahren haben, sondern gleich- geblieben oder gar erniedrigt worden sind, so findet man bei näherem Zuschauen, daß es sick hier um solche Zollsätze handelt, die trotzdem»och ausreichenden Schutz gewähren. Daß die in allen anderen Fällen ins Maßlose übertriebenen Normierungen nicht immer sofort ins Auge fallen, liegt einmal daran, daß die Sätze nicht mehr wie seither in Silberpcseten, sondern in Gold angesetzt sind, und daß man ein System der verzwickten und vielfach ver- wirrenden Einteilungen und Staffelungen aller Warengattungcn zur Anwendung gebracht hat, das in erster Linie dazu dienen soll, die wahre Höhe des Zolles zu verschleiern.— Neuer Nachschub nach Südwestafrika. Mit den Dampfern „Gertrud Woermarni" und„Llflu Bohlen" geht am 30. April ein neuer Ergänzuugstransport nach Südwestafrika ab. Er besteht aus 200 Ergänzungsmannschaftcn für die Eisenbahn- und Telegraphen- abteilungcn und 1000 Ersatzpfcrdcn nebst 150 Pferdcpflegcrn. Die 200 Mann haben während des Transportes die Bezeichnung 30. Transportkompagnie. Mancher von den 200 Mann dürfte Deutschland nicht wieder sehen, sondern die Zahl derjenigen vermehren helfe», deren Gebeine in den südwestafrikanischen Sandwüsten bleichen— zur Ehre der deutschen Kolonialpolitik.— Bon sächsischer Polizeipraxis ist wieder ein aufteizendeS Stücklein zu melden. In Crimmitschau rühren sich die Weber wieder, sie baben den Beschluß gefaßt, die Fabrikanten abermals zur Einführung des Z e h u st u n d e u t a g e S aufzufordern. Dieses staats- gcflibrliche Beginnen hat natürlich sofort die Polizei auf die Beine gebracht und sie hat jetzt ein fnnkelnngelneues Verfahren ausgeheckt. um den Webern die Sache zu verekeln. Die Versammlung, in der über das Vorgehen der Organisationsleitung beraten werden sollte, war für 9 Uhr abends angemeldet und für'/ß Uhr bekannt gegeben. Die Arbeiter aber stellten sich zu Hunderten schon um 7 Uhr ein. Aber sie fanden die Saaltüren verschlossen. Dem Wirt war bei Strafe verboten worden, die Tür zu öffnen, ehe die Polizei erschienen sei! Und die Polizei crichicu erst um 8 Uhr und dann öffnete sie nur eine T ii r und diese auch nur zur Hälfte, damit die Besucher nur einzeln in den Saal hinein und bequem gezählt werden konnten I So behandelt man Arbeiter I— (Sitte schmerzlose Ohrfeige. Vor dem Kriegsgericht der 1. Division in München hotte sich der Leutnant im Jnf.-Leib-Regt. Theodor Wilh. Graf Hohn- stein aus Bayern wegen Mißhandlung eines Untergebenen zu verantworten. Die Anklage gegen den Grafen ging dahin, daß er am 19. Dezember gelegentlich des Ab- exerzierens der jungen Mannschaft im Hofe der Türkenkaserne dem Rekruten Durchholz eine derartige Ohrfeige versetzt habe, daß Durchholz Schmerzen verspürte, heftiges Ohrensausen bekam und eine vorübergehende Verminderung der Hörfähigkeit eintrat.— Der Herr Graf erklärte auf die Anklage, daß er die Mannschaft an dein kritischen Tage langsamen Schritt üben ließ. Dem Durchholz habe er. als er vorbeimarschierte, das Kommando„Halt" zugerufen und ihn dann zurückgewiesen. Der ohnehin etwas schwerhörige Rekrut Durchholz habe ihn aber offenbar nicht verstanden, denn er sei auf ihn zugekommen. Darauf habe er(der Leutnant) eine Hand- beweguug gemacht und dazu gesagt:„Zurück sollen Sie gehen", wobei er unabsichtlich die Wange des Soldaten Durchholz berührt habe, f!) Der Verhandlimgsleiter konstatiert aus den Akten, daß der Soldat Durchholz wegen der ihm angeblich zuteil gewordenen Mißhandlung auch keine Meldung erstattet habe, sondern daß Durchholz erst einige Wochen später ins Lazarett aufgenommen wurde. Darauf hin sei von der Lazarettverwaltnng offiziell die Mit- teilung an das Regintentskommando erfolgt, worauf Graf Hohnsteiit veranlaßt wurde, dienstlich Bericht zu erstatten über den fraglichen Vorfall. Der Graf muß zugebe», daß er vor der Bericht- erstattung die Unteroffiziere der Kompagnie über den Vorfall einvernommen hat. Der mißhandelte Soldat Durchholz deponierte auf Eid, daß er damals nicht auf den Leutnant, sondern dieser vielmehr auf ihn zugegangen sei und ihm mit der entblößten rechten Hand eine Ohrfeige auf die linke Wange versetzt habe. Er hatte eine Stunde laug Schmerzen, fünf Tage laug heftiges Ohrensausen und höre jetzt viel schlechter als früher. Die Unteroffiziere müßten es gesehen haben, wie er vom Leutitaitt geschlagen wurde, denn sie hätten höhnisch gelacht. Zeuge Soldat S o ch e r hat den Leutnant gesehen, wie er zum Schlage ausholte, das Zuschlagen habe er jedoch nicht gesehen, wohl aber habe er eS patschen hören.— Zwei Sergeanten und ein Unter- offizier, die in uiunittelbarer Nähe des Leutnants gestanden haben, bekundeten dagegen auf Eid, daß sie nichts von der Mißhandlung gesehen haben. Der Herr Leutnant habe mit der linken Hand allerdings eine Bewegung gemacht, ob er dabei aber den Durchholz berührt habe, daran könnten sie sich nicht erinnern. Der Anklagevertreter beantragte gegen den Grafen die auffallend inilde Strafe von zehn Tagen Zimmer- arrest. DaS Gericht gab es noch billig. er und verurteilte, Pardon! sprach den Herrn Angeklagten Theodor Wilhelm Grafen Hohenstein aus Bayern von Schuld und Strafe frei!— Hueland. Belgien. Die Affäre Joris. Wir haben zurzeit über die Angelegenheit Joris kaum berichtet. Da sie in diesen Tagen wieder von sich reden macht, so rekapitulieren wir in aller Kürze die Begebenheiten dieses Falles: Am 21. Juli 1995 wurde ein Anschlag auf den Sultan der Türkei verübt. Abdul Hamid ivard nicht verwundet, aber 26 Menschen, die sich in der Nähe des Schauplatzes des Attentats befanden, büßten ihr Leben ein. Ein junger Belgier namens Joris wurde beschuldigt, an einige der Attentäter ein Zimmer vermietet zu haben. Joris war der Regierung als revolutionärer Ideen ver- dächtig bekannt, auch hat er sich selber als Anarchist bezeichnet, und so wurde er denn zum Tode verurteilt. Seine Freunde in Antwerpen forderten die belgische Regierung auf, auf Grund des Artikels 32 des Vertrages zwischen Belgien und der Türkei, Joris in seinem Vaterlande oder wenigstens vom belgischen Konsul in .Konstautinopel aburteilen zu lassen. Eine llieihe von Versammlungen wurde abgehalten, Sfoten wurden zwischen Belgien und dem Sultan gewechselt, und in mehreren belgischen Städten war die Agitation für die Befreiung des jungen Mannes größer als je die Agitation für irgend welches politische Ereignis. In einigen sozialistischen Zeitungen wurde es als widerspruchsvoll erklärt, daß man sich für eine einzige Person so viel Mühe gebe, während zu gleicher Zeit Tauseude und Abertausende von Arbeitern in Berg- werken und Fabriken und so viel Eingeborene in den belgischen Kolonien gepeinigt würden. Die Tollkühnen, die es wagten, in dieser Weise zu reden, wurden„freundlichst" und„höflichst" ersucht. sich von Zeit zu Zeit auch auf„idealistische" Gegenstände einzulassen oder wenigstens nicht immer auf materielle Dinge den Nachdruck zu legen.... Der Sultan empfand die Bemühungen um Joris als unbefugte Einmischung in seine Machtsphäre. Er antwortete auf alle Aus- führungen der belgischen Regierung mit einem kategorischen „Nein!" So steht die Sache bis heute. Von Auslieferung will die türkische Regierung nichts wissen. Auch auf den Vorschlag, die An- gelegenheit durch das Haager Schiedsgericht entscheiden zu lassen, ging sie nicht ein. Joris' Freunde vertreten die Ansicht, daß t ü r- tische Richter dieses Verbrechen, wenn ein solches überhaupt vor- liege, nicht richtig zu beurteilen vermögen; denn für einen Türken sei ein Fürst ja etwas ganz anderes als für einen Belgier! Für einen Belgier z. P. sei es etwas ganz natürliches, daß er„seinen" König„Kongopold" oder„Kleopold" nennt. Wie ganz anders in der Türkei! Die Ansichten über dieselben politischen Verhältnisse seien in den verschiedenen Ländern so verschieden, daß jeder Richter, der es wage, über ein von einem Ausländer begangenes politisches Delikt zu urteilen, auf die wichtigste Vorbedingung eines den Anforderungen wirklicher Gerechtigkeit genügenden Urteils- spruchs verzichten müsse: die Verhältnisse zu begreifen, als deren Produkt der Angeklagte und seine Tat zu betrachten ist. Seit einigen Tagen kursieren unkontrollierbare Gerüchte: Joris sei begnadigt. Nach anderen Meldungen ist Joris bereits im Ge- fängnis gestorben oder— wird demnächst gestorben werden! Das Interesse für den Fall Joris hat abgeflaut, und das belgische „Publikum" sehnt sich nach neuen spannenden Ereignissen.— England. Biel Geschrei und wenig Wolle— n. Am Freitag fand in London der übliche FestschmanS zu Ehren des neuen Ministeriums statt. Es fehlte nicht an Trinksprüchen, einer von ihnen galt natürlich auch der englischen Marine. Auf diesen Toast erwiderte Lord Tweedmouth. der erste Lord der Admiralität, unter anderem folgendes: .... Unsere Marine ist niemals so gut ausgerüstet gewesen, so gut mit Offizieren und Mannschaften versehen, so gut auf de» Krieg vorbereitet gewesen, wie das gegenwärtig der Fall ist. Das ist geschehen in keinerlei aggressivem Geiste. Wolle Gott, daß es niemals nötig ist, daß wir uns schlagen? möge es Gott auch ge- fallen, daß wir immer bereit sind, uns z» schlagen. Für meinen Teil zweifle ich nicht, daß wenn nnsere Marine sich einmal sollte schlagen müssen, sie die Hoffnung der Nation rechtfertigen wird...." Den Trinkspruch auf daS Gesamtkabinett beantwortete der Premierminister Campbell- Baiinerman. AuS diesem Toaste sind einige Stellen erwähnenswert: ..... Das englische Volk wünscht nicht, in einer ungerechten Weise Parteigänger kiner anderen unter den Mächten zil sein. Wir wünschen, die Freunde aller zu sein und haben keine böse Absicht bei unseren Beziehungen mit irgend einer unter den Mächten. Aber ich hoffe, daß die glückliche Situation, wie sie jetzt vorliegt, wo die Schwierigkeit wegeu Marokkos beseitigt ist, zu einiger Her- abmindcruug der"schrecklichen militärischen Ausgaben führen wird, die so sehr auf de» Nationen Europas laste». Ich hoffe, daß Eng- land bei dem Bemühen, diese Herabminderung zu realisieren, keine Langsamkeit zeigen wird. Nach meiner Meinung sind wir es be- sonders, die ein Beispiel in dieser Angelegenheit geben können, sind wir es, die sich in dieser Angelegenheit an die Spitze setzen können. Ich hoffe, daß wir, wenn diese Pflicht sich England auf- drängt, vor ihr nicht zurückweichen werden...." Das hört sich gar nicht übel an. Nur hätte unmittelbar vorher nicht Lord Tweedmouth aus einem ganz anderen Loche pfeifen dürfen,»nd"Campbell-Bannerman selber hätte gut getan, nicht soviel vom„hoffen",„wünschen" und„können", dagegen etwas mehr vom „wollen" zu reden. Dänemark. Kristiansborg. Wer als Fremder nach Kopenhagen kommt, dem muß es auf- fallen, inmitten der sonst an prächtigen Bauwerken reichen Stadt eine, mächtige Schloßruine zu finden, an deren Beseitigung oder Wiederaufbau scheinbar niemand denkt. Es ist die Ruine des Schlosses Kristiansborg, das vor 22 Jahren,, im Jahre 1881, durch einen großen Brand zerstört wurde. Daß es bis jetzt nicht wieder aufgebaut ist, hängt eng mit den inneren politischen Kämpfen zusammen. Man wollte dem König, der mit provisorischen Finanzgesetzen wirtschaftete und das Budgetrecht des Folkethings zertreten ließ, nicht den Gefallen tun, ihm auf Staatskosten ein neues Schloß zu bauen. Erst als Christian IX. im Jahre 1991 sich endlich herbeiließ, ein der Mehrheit des Folkethings genehmes Ministerium zu berufen, wurde es möglich, an den Wiederaufbau von Kristiansborg zu denken, der dann im Jahre 1993 beschlossen wurde. Allerdings sollte das Schloß nicht als Königsburg, sondern als ein Staatsgebäude neu erstehen, das den Reichstag sowie das Höchste Gericht, daneben freilich auch Repräsentationsräume für den König aufzunehmen bestimmt wurde. Seitdem haben eine Kommission und die Ausschüsse des Reichs- tags über den Bauplan beraten, und Anfang dieses Jahres war die Sache so weit gediehen, daß sie dem Reichstag zu endgültiger Be- schlußfassung vorgelegt werden konnte. Das Folkething hat seinen Beschluß in der vorigen. Woche gefaßt. Hier wurde der vom Architekten Thorvald Jörgensen entworfene Plan samt den durch die Vorberatungen zustande gekommenen Aenderungen schließlich mit 76 gegen 13 Stimmen angenonrmen, nachdem vorher ein An- trag der Modcraten und Radikalen, eine neue Konkurrenz auszu- schreiben, abgelehnt worden war. Die Sozialdemolraten, die sich bei der Abstimmung im Jahre 1993 der Stimme enthalten hatteir, stimmten jetzt für den verbesserten Plan. Ihr Vertreter im Folke- thingsausschuß, Genosse P. Knudsen, hatte sich bereits im Ausschuß der Mehrheit angeschlossen, nachdem seine Anträge, die namentlich darauf gerichtet waren, bessere Räume für den Reichstag und bessere Verkehrsstraßen ani Schloß zu schaffen, an- genotnmen worden waren. Die höchst überflüssigen Repräsenta- lionsräutne für den König waren schon durch den Beschluß von 1993 festgelegt und sind nun beibehalten worden. Es hätte wohl in der Macht unserer Parteigenossen gelegen, den ganzen Plan zu hintertreiben oder hinauszuschieben. Sie hätten dabei sogar auf Unterstützung von freikonservativcr, konserva- tiver und moderater Seite rechnen können; denn die Agrarier miß- gönnen Kopenhagen gewissermaßen dieses große Bauunteruehmen, das so viele Arbeiter nach der Hauptstadt ziehen wird und dadurch steigernd aus die Löhne der Landarbeiter wirken mutz, zumal da in Kopenhagen auch noch andere große öffentliche Bauten, wie der neue Zentralbahnhof, das Reichshospital usw., im Werke sind. Die Sozialdemokraten fürchteten aber, daß später vielleicht ein Projekt hätte zustaitde kommen können, das mehr den Interessen des Hofes, weniger den Bedürfnissen des Staates entspricht. DaS Landsthiug hat am Donnerstag über den Plan beschlossen und ihn mit 43 Stimmen bei 10 Stimmenthaltungen an genommen. Der Bau soll 6 Millionen Kronen kosten, wozu noch au 3 Millionen für Tekorationszivecke kommen werden. Es wird un- gefähr 19 Jahre dauern, bis dev Bau vollständig fertig ist; in 6 bis 7 Jahren hofft man jedoch so weit zu sein, daß der Reichstag seine neuen Räume benutzen kann.— Amerika. Weitere Eittwanderungöbeschränkungen in Sicht. Washington, 6. April.eutschkandS der übliche I a h r e S v c r d i e n st. Tos ist ein recht betriibliches Ergebnis, das die Landflucht der BevLlkev'.mg vollauf zu erklären geeignet ist. Die ganz niedrigen Löhne der fünften Klasse werden vor allem noch in den landwirtschaftliche« Provinzen Preußens und in den meisten Gebieten Bayerns verdient. Sonst kommen sie nur noch sporadisch vor. Nachstehend folgt eine Uebcrsicht der Gebiete in Onadratkilometern, in denen der Jahresverdienst im Nahmen der fünften Klasse liegt. ES betrug der Jahresarbeitsverdienst zwischen 300 und 420 M. in einem Gebiete oder in Prozent von der Gesamtfläche Quadratkilometer des Landestetls Ostpreußen...... 27 955 75,61 Weslpreußen...... 19 251 75.47 Brandenburg..... 12 602 31,55 Pommern....... 5 087 16,89 Posen........ 23 358 80,66 Schlesien....... 39 324 97,53 Haimover....... 3 624 9,41 Westfalen....... 563 2,79 Oberbayern...... 5 456 32,62 Niederbayern..... 2 944 27,37 Oberpfalz....... 9 175 94,93 Oberfranken...... 4 076 58,25 Mittel franke»..... 4 935 65,17 llntci franken...... 2 839 33,79 Situvaben....... 3 334 33,96 Boden........ 1444 9,57 Hessen........ 512 6,67 Sachsen-Weimar.... 642 17,86 Sachsen-Memingen... 1 227 49,72 Durchans vorherrschend sind die niedrigsten Jahresarheitsverdtensts noch in Ost- und Westpreiißen, in Posen. Schlesien, in der Oberpfalz, sowie in Ober- und Mittelfroiiken. Dagegen kommt die fünfte Lohnklasse für nachfolgende Gebiete überhaupt nicht in Betracht: Provinz Sachsen, Schleswig- Holstein. Hessen-Nassau, Nheiulaud, Hohenzollern, die Pfalz, Königreich Sachsen, Württemberg, beide Mecklenburg, Oldenburg, Braunschweig, Sachseu-Alteuburg, Sachsen- Kobnrg-Gotha, Anhalt, beide Schwarzburg, Waldeck, beide Reuß, Schaniiiburg-Lippe, Lippe, Bremen, Lübeck, Elsaß-Lothriugeit. Die höchste Lohnklasse kommt nur in wenigen Gebieten und dort wieder nur in einzelnen Kreisen vor: Geltungsbereich in Prozenten der in qkrn Gesamtfläche Brandenburg..... 155 0,38 Schleswig-Holstein... 35 0,18 Haimover...... 40 0,10 Westfalen...... 28 0,14 Rheinland...... 195 0,72 Oberbayeru...... 21 0,13 Königreich Sachsen... 34 0,23 Württemberg..... 30 0,15 Hessen........ 45 0,59 Bremen....... 56 21,80 Hamburg...... 121 30,00 Schon aus diesen Proben geht hervor, daß die erste Lohnklasse so gut wie gar nicht in Betracht kommt. Auch die zweite Lohnklasse partizipiert an der Gesamtfläche der einzelnen Gebiete mit ganz ge- ringen Prozentsätzen, die nur in Westfalen, Rheinland, Oldenburg, Braunschweig, Anhalt und Bremen über 10 Prozent hinausgehen. So kommen wir zu dem Schluß, daß für die M'e h r- zahld er landwirtschaftlichen Arbeiter derJahres- verdien st zwischen 420 und 600 M. beträgt, für einen sehr großen Teil aber noch zwischen 300 und 420 M. Löhne über 660 M. bilden eine Seltenheit. Bei 300 Arbeitstagen macht das in einem Falle einen durchschnittlichen Tagesverdienst von 1,40 bis 2,20 M., im anderen eilten solchen von 1,00— 1,40 M. Im allgemeinen sind die Löhne höher in Gegenden mit Mittel- grundbesitz als in Gegenden mit Groß- oder Kleingrundbesitz. Lohnsteigernd wirken Viehzucht und Milch- Wirtschaft gegenüber dem Ackerbau. Endlich üben Jitdttstrie. Handel und Verkehr einen günstigen Einfluß auf das Lohnniveau der land- wirtschaftlichen Arbeiter aus. Internationaler Kottgres, zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Die von P. M. Loria gestiftete„Soeietä Umanitaria" von Mailand, welche den Zweck hat, durch Gewerbe- und Kuustgelverbe- schulen, Arbeitsnachweise, Arbeitslosigkeitunterstützuiigskassen, Arbeitsämter, technischen Beistand an den Genossenschasteit.'AuswanderungS- bureau, Arbeiterkolonien für Arbeitslose, die schädlichen Folgen der Arbeitslosigkeit zu mildern, hat zum 28. und 29. September d. I. nach Mailand den ersten internationalen Kongreß für die Be- kämpfung der Arbeitslosigkeit einberufen. Der Kongreß soll Ge- legenheit für einen Ideenaustausch über folgende Gegenstände der Tagesordnung bieten: Ursachen der Arbeitslosigkeit; Vorbeugungs- mittel gegen die Arbeitslosigkeit; Mittel zur Beläntpfuitg der Folgen der Arbeitslosigkeit._ Elende Lage der in der Kaliindustrie beschäftigten Ardeiter. Die entsetzliche Lage, in der sich die in der Kaliindustrie be» schäftigten Arbeiter befinden, illustriert folgender, unserem Bruder- organ. dem Hannoverschen„Volkswillen" entnommener Bericht: Ungeheitre Reichtümer heimsen die Kaliindustriellen ein, wir haben sortlaufend über die großen Gewinne der Werke berichtet. Welchen Nutzen haben dagegen die Arbeiter von ihrer hochwertigen Tätigkeit? Ein berühmter Gelehrter sagte einmal:„Die WvhtntngS- Verhältnisse kennzeichnen den Wohlstand des Volke?." In dieser Be- Ziehung bieten die Wohmtitgsverhältnisse der Arbeiter in der Kali« industrie einen eindrucksvollen Anschauungsunterricht. Schon ein Gang durch die Straßen unserer Kaliorte demonstriert uns die soziale Berelendung der Kaliarbetter. Die Häuser sind dielfach in einem baufälligen, ekelerregend schmutzigen Zustande. Nicht wenige liegen unter dem Straßemiiveau; so kommt es, daß bei Regen- tvetter der Schlamm nur mit Mühe ferngehalten werden kann. In stallähnlichen Hinterhäusern, die selbst für eine rationelle Vieh- Haltung zu miserabel sind, wohnen sehr viele Familien.„Aesthetische" Naturen werden sich schon entsetzen, wenn sie das Aeußere dieser menschlichen Behausintgen betrachten. Aber bitte, eintreten! Ein dunstiger Schwaden schlägt uns entgegen. In einem Raum, der drei bis vier Meter im Quadrat groß ist, niedrig, rauchig von dem Ofenqualm, hocken oft über ein halbes Dutzend Menschen. Nebenan ist eine Kammer; wir sahen solche, nur 2 Meter breit und 3Vz Meter laug, und darin standen vier Betten oder bettähuliche Lagerstätten. In diesem für den Kulturmenschen entsetzlichen Raum schlafen vier, fünf, sechs ja bis neun Personen zusammen! In einem kleinen, niedrigen, schlecht ventilierten Zimmer, dessen Fenster ans den mit übelriechenden Abfällen usw. bedeckten Hof hinausgehen I Erwachsene Personen beiderlei Geschlechts schlafen dicht zusammen. die Eltern schlafen mit erwachsenen Söhnen und Töchtern in einem Räume! Drei, ja vier Menschen in einem Bett! DaS sind durchaus keine Ausnahmen. Mehr als ein Zimmer und eine Kammer bewohnen nur wenige Familien. Natürlich sind die Beamten- ivohmtngen viel besser. Die Herren Direktoren bewohnen hübsche Villen, die das schreiende Wohnuiigselend der Arbeiter erst recht hervortreten lassen. Und nun bedenke man, daß unter den Arbeitern, besonders der chemischen Fabriken, bösartige, zum Teil ansteckende Krankheiten häufige Gäste sind. Ein Familienvater ist schwer lungenleidend, schläft aber mit seinen sämtlichen fünf Angehörigen zusammen in einer Kammer! Ein anderer Arbeiter ist sehr stark von den sressenden Dämpfen mitgenommen, er hat ein entsetzlich entstelltes Gesicht, ver- breitet einen übelnechenden Geruch, aber seine Lagerstätte befindet sich in der einen Kammer, inmitten eines Trupps Angehöriger. Die Arbeitskleider verbreiten infolge ihrer Durchsättigung mit Chlor- oder Bromdäinvfeu einen iürckiterlicken Gestank. Die Kleider hüngen in der Wuhtn�K. der atembeilemmenbe Dunst durchzieht das ganze HauS, legt ft ch auf die Brust der halbwüchsigen Kinder und der Säuglinge! MvM schaue diesen Kindern in das fahle Gesicht. Die eingefallenen Augen reden eine furchtbare Anklage gegen die barbarischen Zustande, unter denen dieser Volksnachlouchs verkümmert._ Gewerhrchaftlkbca. Wiederum ein Unias-Brief. In Barinen wird in den Kistemfabriken von Hermann Eigenbrodt und Strecker u. Eckstein gestreikt. Sofort springt der Arbestgeber-Verband ein und verfen.det folgendes Schreiben: Barmen, den 26. März 1906. P. P. Nachstehende Kistenschreiner, Zuschneider,.Nageler, Platzarbeiter, Gattersäger der nachstehenden Firmen: B�armerKistenfabrik Hermann Eigenbrodt-Barmen und Strecker u. Eckstein- Barmen find infolge Unzufriedenheit mit der Arbeitszeit in den Ausstand getreten: (Folgen die Namen von 17 Arbeitern.) Ferner sind folgende 4 Arbeiter: (folgen die Namen) wegen Aufwiegele i enrlassen worden. Wir bitten Sie, dieselbe» nicht einzustellen. Mit kollegialem Grus; I Der Vorstand des Arbeitgeber-Vereins des Holzgewerbes. Orlsvcrband Barmen. Das Schreiben der Terroristen redet eine selten deutliche Sprache. Die Verrusserklänuig erfolgt hier in ganz im- geschminkter Weise, jede Vorsicht ist bei Seite gelassen. Aber trotzdem wäre man wirklich ein Narr, wenn man glauben wollte, jetzt würde endlich der Staatsanwalt die Herren vom Arbeitgeber-Verband am Kragen nehmen. Serlln und(lmgegend. Zum Malerstreik. In der gestrigen vollzählig besuchten Streikversammlung, die wieder in dem Niesensaal der„Neuen Welt" stattfand, verlas der Verbaudsvorsitzende T o b l e r- Hamburg zunächst folgende S y m- pat Hiedepesche der französischen Malerorganisation: Ter Nationallongreh des Verbandes der Malereikollegcn Frankreichs, versammelt in der Arbeiterbörse zu St. Q u e n t i n, sendet den Malereiarbeitern Berlins seineu brüderlichen Gruh und seine Aufmunterung im gegenwärtigen Streik, und wünscht ihnen vollen Erfolg zur Durchführung ihrer Forderungen. Mel Craissac. Die Depesche wurde unter großem Beifall zur Kenntnis ge- nommen. Ucber den Stand des Streiks konnte mitgeteilt werden, daß fortgesetzt neue Bewilligungen einlaufen. Reichlich 600 Meister haben die Forderungen unterschriftlich anerkannt; in Arbeit stehen bereits über 2000 Maler und Anstreicher, die im Besitz von Arbeits- berechtigungSkarten sind. Abgereist sind bisher 500 Lcdige, die in anderen Städten mit Leichtigkeit Beschäftigung gefunden haben. Wie Tobler ausführte, lätzt das Verhalten der Mehrzahl der Jnnungsmeister darauf schlietzen, daß der Kampf noch eine längere Zeit andauern wird. Mit diesem Umstand habe die Organisation auch von vornherein gerechnet und sich darauf eingerichtet. Um die Reservemittel des Verbandes möglichst zu schonen, ist jetzt vom Hauptvorstand die Erhebung eines Extrabeitrags in Höhe von 3 M. für alle Filialen Deutschlands aus- geschrieben worden. Damit dürfte die Rechnung der Scharfmacher iin Arbeitgcberverband, durch ein möglichst langes Hinziehen des Streiks die Kasse der Malerorganisation zu s p r e n g e n, ein arges Loch erhalten haben. Der Vorsitzende des Hamburger Arbeitgeber- Verbandes, Herr Obermeister Hansen, bemüht sich zwar unauS. gesetzt, trotz des abgeschlossenen Tarifvertrags in Hämtmrg eine Aussperrung der dortigen Maler zu inszenieren, weil dann in beiden Städten insgesamt zirka 13 000 Maler die Gelder der Lr« ganisation in Anspruch nehmen mühten und dadurch bald die Streikkasse leeren würden. Es ist jedoch noch sehr fraglich, ob die Mehrheit der Hamburger Meister ihrem Obermeister folgen und einen krassen Vertragsbruch auf sich nehmen wird. Selbst wenn aber die Hamburger Meisterschaft vertragsbrüchig loerden sollte, so ist dennoch ftir die Beschaffung der nötigen Mittel zur Durchführung des Streiks sowie zur Abwehr der Aussperrung genügend gesorgt.— Die Berliner Jnnungsscharfmacher suchen inzwischen sowohl die öffentliche Meinung, als auch ihre eigenen JnmmgSmitglieder irre zu führen, indem sie allerhand Märchen über den Stand des Streiks in die Welt setzen. So behaupten sie frischweg, dah bisher nur ein einziger Meister ihrer Zunft„vor der Leitung der Gehülfenschaft kapituliert" und den neuen Tarif unterschrieben habe. Freilich, die angegebene Zahl der bereits zu den neuen Bedingungen arbeitenden Skaler und Anstreicher müssen sie wohl oder übel als richtig anerkennen. Sie trösten sich jedoch damit, dah sie der Oeffentlichkeit vorzuflunkern suchen, diese Ge- hülfen seien größtenteils ArbeitStvillige. Dah die unanfechtbare Kontrolle der Organisation sie hier aber gründlich Lügen straft, scheint sie weiter nicht anzufechten. In ihrem Zirkular geben die Meister jetzt auch unumwunden zu, dah eS sich für sie in diesem Kampfe nicht um eine Geldfrage, sondern lediglich um eine Machtfrage handelt. Ter betreffende Passus lautet: ,,ES ist ja wiederholt, auch in der Presse darauf hingewiesen, daß in diesem Lohnkampf die Lohnsumme fast gar keine Rolle spielt, ein großer Teil unserer Gchülfen bekommt heute mehr Lohn, als der Gehülfentarif fordert, ober unmöglich können die Meister solche Lohnsätze demjenigen zubilligen, der gar nicht zum (vcwcrbc««hör«, der in unserem Gewerbe deshalb Zuflucht sucht, tveil kein Handrrerk solche Löhne dem ungelernten Arbeiter zahlt, wie das Malergewerbe.... Immer wieder muß betont werden, daß es sich hier weniger um ein« Lohn-, als um eine Machtfragc handelt." Nun ist.s aber eine unbestreitbare Tatsache, dah nicht nur die Gchülfen, sondern auch die Anstreicher, die angeblich nicht zum Gewerbe gehören, schon heute vielfach solche Löhne bekommen, wie sie der Gehülfentarif als Minimallohn fordert. Die Meister wollen hier jcdock den geforderten Minimallohn nicht anerkennen, weil sie durch möglichst niedrige Anstreicherlöhnc auch die Gchülfenlöhne herunter zu drücken suchen. Sie selbst sind eS ja. die Arbeitslose aus anderen Berufen als An- streicher engagieren, weil sie dann an Lohn sparen. Würden sie das nicht tun, so fiele es auch niemandem ein, als Angehöriger eines anderen Berufs„in unserem Gewerbe Zuflucht zu suchen". Ja, die ehrenwerten Meister gehen fast durchwog sogar so weit, in flauer Geschäftszeit den arbeitsuchenden Gehülfen einfach zu sagen:„Als Maler kann ich Sie nicht beschäftigen; wenn Sie aber als A n st r e i ch e r arbeiten wollen, dann können Sie an- fangen." Natürlich für den niedrigeren Anstreicherlohn: Stehen die Dinge aber so, dann haben die Gehülfen auch daS größte Interesse daran, daß die Anstreicher löhne steigen und ein annehmbarer Mndestlohn tariflich festgelegt wird. Es kann denn auch nur fast komisch wirken, wenn die Jnnungsgröhcn in ihrem Zirkular weiter sagen:«Die städtischen und staatlichen Baubehörden sind über unseren Lohnkamps und den frivol provo- zierten Streik unterrichtet." Sie hätten besser und richtiger geschrieben, daß der Streit von ihnen frivol provoziert worden ist, denn dah eS sich f ü r s i e nicht um einen„Lohickampf", sondern um eine Machtfrage handelt, haben sie ja mehr wie deutlich erklärt.— Auf eine Anfrage auS der Verfanunlung, ob es sich; vielleicht empfehle, das Einigungsamt des Gewerbe-i gerichts anzurufen, erklärte Tobler, dazu liege für die Gtreikenben gegentvSrtrg kein Anlaß vor. Fall» die Innung jedoch Verhandlungen wünsche, so sei die OrganisationSleitung, wie immer in derartigen Fällen, jederzeit dazu bereit. Streikbewegung der Gärtnergehiilfen in Berlin und Umgegend. Die Gesamtzahl der Streikenden in der Handelsgärtnerei- blanche hat 300 nicht überschritten. Zirka 30 sind bisher nach außerhalb abgereist, im Streik befinden sich noch 70; die anderen haben inzlvischen zu den neuen Bedingungen Stellung erhalten oder sind anderweitig untergebracht worden. Das Streikbrecher- bureau der„Christlichen" in der Wcihenburgerstr 67(bei Gastwirt Kaufmann) leistete die ganze Woche über intensive Streik- brecherdienste. Die Arbeitgeberorganisation hat vorläufig für die Zeit der Bewegung einen der„Christlichen" gegen festen Lohn im Streikbrecherbureau(beim Deutschen Gärtner- verbände) a n g e st e l I t, der speziell den„Arbeitswilligen"- Schutz überwacht und die Arbeitswilligen-Schlepper- dien sie von den Bahnhöfen aus leitet. Die Streikposten des Allgemeinen Deutschen Gärinervereins kamen mit den betreffenden „christlichen" Elementen wiederholt in Kollisionen, wobei die Christ- licheit sich natürlich stets der polizeilichen Hülfe versicherten; aber- mals sind dadurch einige Ausständige wegen Streikpostenstehens in Hast gekommen. Der Kampf ist ein sehr hartnäckiger.— Für die Landwirtsch aftSgärtnereibranche wird von einem Ausstande in diesem Jahre Abstand genommen. Die Gehülfen haben Sorge zu tragen, dah hier der 60 Pfg.-Mindeststundenlohn, wo er noch nicht besteht, durchgedrückt und festgehalten wird. Es fehlte in dieser Branche dieses Jähr noch die notwendige starke und straffe Organisation. Die Organisierten werden alle Kraft daran setzen, um bei der nächsten Saison genügend gerüstet zu sein. Dir Arbeiter der Firma„Kaisers Kaffeegeschüft" haben kürzlich eine tariflicheFe st legung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse durchgesetzt. Demnach beträgt die Arbeitszeit jetzt für alle Lager- arbeiter, Brennereiarbeiter und die Arbeiterinnen 9 Stunden. Die erreichte Lohnzulage beträgt für jugendliche Arbeiter 1 M. bis 2.60 M. und für ältere Arbeiter 3 bis 4 M. pro Woche. Für die Arbeiterinnen gab es bisher nur einen Stiindeiilohn von 22 Pf. Jetzt beträgt der Änfangslohn 26 Pf. steigend bis 36 Pf. Die Akkordsätze erhöhen sich ebenfalls um 6 bis tO Proz. Ueberstunden werden mit 16 Proz. Aufschlag vergütet. Bei Neueinstellungen soll in erster Linie der Arbeitsrachweis des Handels» und TranSportarbeiter-VerbandeS benutz werden. Die Kutscher mehrerer Großfuhrgeschafte haben jüngst eine Er- höhung der Löhne durchgesetzt. So wurde bisher bei der Firma Kliemt ein Änfangslohn von 19.60 M. pro Woche gezahlt. Jetzt beträgt derselbe 21 M. und steigt jährlich um 1,60 M. bis zum Höchstsatze von 24 M.— Die Firma A. Moritz erhöhte den bis- herigen Monatslohn von 93 M. nach sechs Monaten auf 96 M. und nach einem Jahre ems 99 M. Hierzu zahlt das Warenhaus Wert- heim für die bei ihm beschäftigten Kutscher der Finna Mnritz einen Zuschlag von monatlich 4 M.z steigend nach einem halben Jahre auf 6 M. und nach einem Jahre ans 10 M. Sämtliche Kutscher dieser Firmen find im Transpvrtarbeiter-Verbande organisiert. Die Firma Machol u. Lewin bittet uns mitzuteilen, daß sie keine Streikarbeit für Königsberg angefertigt habe. A n g e- boten sei der Firma allerdings solche, sie habe aber dieselbe rund- weg abgelehnt. onitftt»«» Rtfd». Textilarbeiter-AnSsperruug. Seit 14 Tagen find ca. 350 Lohn- arbeiter(Färber. Appreteure usw.) der Mechanischen Weberei, Linden, A.-G., im Streik. Ursache: Lohnforderungen. Lohn betrug 2.60 bis 8 M. Gefordert werden 2,76— 8,50 M. Heute sind nun sämtliche dort beschäftigten Arbeiter(Weber. Samtschneider), ca. 600. aus- gesperrt. Die Firma gibt an, durch Bewilligung de» Geforderten würde ihre Existenz gefährdet. Die Bauarbeiter von Swinemünde befinden fich im Aus« stand.— Zuzug ist femzuhakten. 6000 Braunschweiger Metallarbeiter ausgesperrt! (In Berlin schon an den.Urania"-Säulen mitgeteilt.) Eine Versammlung der braunschweigischen Metallindustriellen beschloß einstimmig, wegen der in einzelnen Werken ausgebrochenen Streiks sämtliche Betriebe stillzulegen, und zwar diejenigen, welche ohne Kündigungsfrist arbeiten lassen, ab 11. April, die übrigen je nach Maßgabe der Kündigungsfrist. Betroffen werden eventuell 6000 Arbeiter. Der Versammlung wohnten auch Vertreter der Metallindustricverbände aus Hamburg. Magdeburg, Hannover und Halle bei. Einen Arbeiterverrat a la Köln haben die christlichen Maler und Anstreicher in Essen verübt. Die Jnnungsmeister wollten einen Tarifvertrag nur auf Grund eines Leistungstarifes abschließen. Die frei organisierten Maler wollten darauf unter keinen Umständen ein- gehen. Sie zählen in Essen über 360 Mitglieder, während die „Gelben" nur zirka 60 Mitglieder haben. Am' Dienstagabend sollte endgültige Beschlußsassung über den Streik stattfinden. Noch am Sonntag versprachen die christlichen Führer, am Dienstagnachmittag in das Bureau deS freien Verbandes zu kommen und weiteres zu besprechen. Am Montag aber beschlossen sie den Verrat, am Dienstag liehen sie durch die Jnnungsmeister pro korma die frei organisierten Kollegen zu den„Berhaudlungen bitten".' Diese gingen auf den famosen Leistungstarif nicht ein und... die Christen schlössen ihn allein ab. Auf DienStag abend hatten dann die Gelben eine öffentliche Versammlung einberufen, in der sich einer ihrer Wort- führer die größte Mühe gab, zu beweisen, daß der Tarifabschluß be- rechttgt sei. Der Lcistungstarif sei gar nicht schlimm: die Sonnen- brüder würden allerdings anders darüber denken. Diese ungeheuer- liche Beschimpfung der großen Mehrheit der Maler schlug dem Faß den Boden au», ein einziger Entrüstungsschrei durch- hallt« den Saal und die Versammlung wurde aufgelöst.— Die Lohnbewegung der Maler wird unter diesen Umständen vertagt werden müssen; den Gelben wird ihr Verrat allerdings nicht viel Freude machen!_ Die Hamburger Reeder drohen die Aussperrung der Hafenarbeiter an! Der Berein der Hamburger Reeder beschloh. an der Ablehnung der Verhandlungen mit der Leitung des Seemannsverbandes un> bedingt festzuhalten. Sollten die Seeleute ferner die Arbeit ver- weigern, so sollen sämtliche Lösch-, Lade- und sonstige Arbeiten auf den Schiffen im Hamburger Hafen eingestellt werden. HueUnd. Die schweizerischen Kühncmänncr an der Arbeit. Diese Scharf- macher haben soeben eine nicderlrüchtige Heldentat vollbracht. In der Waggonfabrik Schlieren bei Zürich sind 600 Arbeiter teils im Streik, teils ausgesperrt und Ende der vorigen Woche war eS den Vertrauensmännern der Arbeiter gelungen, mit der Direktion eine Vereinbarung zustande zu bringen, so daß schon am Sonnabend wieder die Arbeit aufgenommen worden wäre. Vorher sollte die Vereinbarung unter Zuzug des Notars bestätigt werden und da kam nun plötzlich der Befehl deS Verbandes der schweizeri- scheu Maschinenindustriellen an die Direktion, dah sie leine Forderung der Arbeiter bewilligen dürfe, worauf sie die gemachten Zugeständnisse wieder zurückzog. Der Kamps geht also weiter. Wenn ein solcher unerhörter fanatischer Terrorismus der Zentral- stelle der Arbeiterorganisation auf die Arbeiter ausgeübt würde, die ganze„honette Geiellschaft" würde schäumen vor Wut und eine mohlose Hetze gegen die Arbeiterorganisation betreiben, lieber den Gewaltstreich ihrer Terroristen reibt sie sich vor Vergnügen die Hände Und schließlich, nachdem die Beteiligten durch die Fortdauer des Kampfes unnötigerweise schwer geschädigt sind, wird die Direktion der Waggonfabrik'doch mindestens das wieder zugestehen müssen, was sie jetzt zurückgezogen hat. Summiarbeiterstrill in Odense, Dänemark. Seit 1» Tagen streike« sämtliche männliche und weibliche Arbeiter in der Fabrik der Aktien- gesellschaft„Skandinavisk Gummifabrik" in Odense, in allem zirka 60 Personen. Es dreht sich um ganz minimale Lohnforderungen; der Direktor, Herr Härder, hat jedoch die Arbeiter schroff ab- gewiesen und eine jede Verhandlung abgelehnt. Für den Fall, daß er in Deutschland Streikbrecher suchen wird, warnen wir hierdurch vor Zuzug. Der Borstand des„Dänischen ÄrbeitSmammSverbandes." Der Streik in Amerika. Die Aussichten für die Bergleute scheinen sich günstig zu gestalten! Eine Anzahl Grubenbesitzer im Bezirk Pittsburg haben erklärt, daß sie die Lohnskala von 1903 unterzeichnen werden. Die anSständigen Bergleute sind durch diesen Entschluß ermutigt, da sie ihn als Vorzeichen für ein allgemeines Nachgeben der Gruben- besttzer in sämtlichen Bezirken auffassen.— Die unabhängigen Weichkohlengrubenbesitzer haben die Auflösung ihres Kar» teils beschlosten, so daß jedem einzelnen freigestellt ist, die Forde- rungen der Arbeiter zu bewilligen. Letzte IVacbricbten und Depefeben. Mißglückte Schlosser-AuSspcrrung. Die angedrohte Aussperrung der Bau- und Werkstattschlosscr hat bisher nur einen unerwartet geringfügigen Um- fang angenommen. Es scheint, als sei den Schloffermeistern die Erkenntnis gekommen, daß sie vernünftigeres zu tun wüßten, wie freiwillig ihre Betriebe lahmzulegen. Nach den eingegangenen Be- richten stnd am Sonnabend abend nur ganze 218 Mann ausgesperrt worden. Bedenkt man, daß die Aussperrung von rund 15 000 Schlostern von der Innung angekündigt wurde, so kennzeichnet sich die gegenwärtige Miniatur-Ausspcrrung von vornherein als eiii Schlag ins Master. Der Metallarbeiter-Verband dürste die Situation vollkommen richtig beurteilt haben, als er erklärte, die Dinge ruhig an sich herankommen zu lassen.— Originell ist cö, wie einer der wenigen aussperrun�slustigen Meister, der vorher bereits die neuen Forderungen der Gesellen bewilligt hatte, die Zurückziehung seiner Unterschrist entschuldigte. Er schrieb an die OrganisationSleitung: Hierdurch muh ich Ihnen mitteilen, dah ich leider gezwungen bin, meine Unterschrift bezüglich des neu aufgestellten Lohntarif zurückzunehmen. Aus Gründe, die ich hier leider nicht an- geben kann. Ich bedauere dieses sehr und bitte Sie um Eni- schuldigung. Hochachtungsvoll Otto Nachtigall. Der gute Mann ist jedenfalls auch zu bedauern, umd mit ihm noch manche andere Jnnungsmeister. Der Streik in Braunschwrig. Braunschweig, 7. April.(B. H.) Heute morgen erklären drei- zehn hiesige Fabriken in den„Braunschweiger Neuesten Nachrichten", daß sie ihre Werke stillegen müssen, da sie wegen deS AuSftandeS der Gießer den übrigen Arbeitern nicht genügend Beschäftigung: geben können._ DaS neue ungarische Kabinett. Wien, 7. April.(Meldung des Wiener K. K. Tel«gr.-Korresp.. BureauS.) Wie verlautet, wird das ungarische Ministerium folgendermaheu gebildet: Dr. Wekerle Präsidium und Finanzen, Andrassy Inneres, Apponyi Kultus, Kossuth Handel. Doranyi Ackerbau, Polonyi Justiz, Zichy Ministerium» Utere. Wekerle wird morgen in Wien, die übrigen Minister werden in Budapest vom Kaiser vereidigt werden. Die Krsselexplofivn in Wie«. Wien» 7. April.(W. T. B.) Den bei der Explosion in dö!r Fabrik der Firma Elsinger erlittenen Verletzungen ist im Laufe des Nachmittags noch eine Arbeiterin erlegen. Der im Maschinen» raun, verschüttete Maschinenmeister ist gleichfalls tat aufgefunden. Generalstreik in Frankreich? Paris, 7. April.(W. T. B.) Die Conf6d6ration G6n6ral du Travail hat beschlossen, alle Arbeiter auf- zufordern, am l. Juni abends zu feiern und die Arbeit bis zu vollständiger Befriedigung ihrer Forderungen gänzlich einzustellen._ Leichenbergrmg. LcnS, 7. April.(B. H.) Die Leichen, welche seit 43 Stunden zutage gefördert werden, sind vollkommen unkenntlich und bilden nur noch eine unförmige Masse. Der Geruch, der sich au» den Särgen verbreitet, macht sich kilometerweit fühlbar und eS müssen sehr umfassende hygienische Mahregeln getroffen werden. Aus den Särgen fließt eine flüssige Masse, welche die Gefahr einer Epidemie noch vergrößert._ Die Stimmung in CourriereS. Leus, 7. April.(W. T. B.) Heute früh wurde daS Feuer in Schacht 2 wieder stärker bemerkbar; der Rauch dringt in Schacht 3 und 4 ein. Die heute früh eingefahrene Rettungsabteilung enl- deckte zwischen Schacht 3 und 4 ein lebendes Pferd. Die Streik- läge verschlimmert sich; der Kohlenmangel wird stark empfunden. Die Kleinbahn Lens-Frevent hat den Verkehr eingeschränkt; man befürchtet, er werde ganz eingestellt werden müssen. Die Aus- ständigen sind sehr erregt, und die Erbitlerung der Bevölkerung gegen die Ingenieure hält an._ , Der Ausbruch des Vesuv. Neapel, 7. April. Der Aschenregen hier hält an. Seit dem frühen Morgen kommen Wagen aller Art an, die Einwohner von in der Nähe des Vesuvs liegenden Gemeinden mit sich führen. Die Straßen zum Vesuv sind mit Karabinieri angefüäl. die die Menge verhindern, sich dem Lavastrom zu nähern. Um 9 Uhr vormittags öffnete sich ein neuer Krater. Nach einer Sonderausgabe deS„Matino" ist die Gefahr in Torre- Annunziata beseitigt, in Boscotrecasr jedoch größer geworden. Einem anderen Blatte zufolge sind 8 Landhäuser in der Nähe von Torre-Annunziata durch die Lava zerstört worden. Attentat ans einen Gouverneur. Twer, 7. April.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur) Die Ermordung des Gouverneurs Siepzow geschah, als er auf dem Wege zu der Wahlversammlung war, in der ein Mitglied zum ReichSrat gewählt werden sollte; die Wahl ist auf den 23. Äpril verschoben worden. Durch die Explosion der Bombe lourde der Kutscher deS Gouverneurs lebensgefährlich verletzt. Der Mörder, ein junger Mann, wurde verhastet. Die schrecklich verstümmelte Leiche des Gouverneurs wurde nach dem Palais gebracht. In der Umgebung deS Tatortes sind alle Fcnstcrschriden der Häuser zcr- ttümvirrt. Twer, 7. April.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Durch die Explosion der Bombe, durch die der Gouverneur getötet wurde, wurden außerdem von dem aus der Straße befindliche» Publikum eine Dame, zwei junge Mädchen und zwei Knaben leicht verletzt. Der verhaftete junge Mann hat das Aussehen eines Arbeiters und ist nach seinen Papieren ein achtzehn- jähriger Mensch aus Saratow namens Bugatschew. Der Gouverneur hatte bereits feit 14 Tagen außerordentliche Vorsichtsmaßregeln getroffen und das Palais von einer verstärtten Schutzwache um- geben lassen. Hierzu 5 Beilagen. Berantl". Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.V-rlaa: BorwärtSBuchdr.u. Verlaasanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. it. 83. 23. Ishtsttg. t SnlM Ks Fsmärls" Snlim ZlalkÄM Zovntag. 8. April lW6. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, 7. April 1906. Gefahren fflt die Volkswirtschaft! Die Arbeiter lesen auch Zeitungen, sie wissen, was die Unternehmer verdienen. Das dürfen Tie nicht der- gessen; halten Sie Frieden mit Ihren Arbeitern und lassen Sie sie Anteil nehmen an den steigenden Ertrag- nisten l In diesem Sinne sprach Wilhelm II. vor IS Jahren zu den stolzen rheinisch-westfälischen Grubenherren Er appellierte gewister- maßen an ihre Klugheit. Mit wenig Erfolg l In den letzten Jahren brachten_ die industriellen Unternehmen stelgende, meist glänzende Erträgniste. Abgesehen von wenig schwer ins Gewicht fallenden Ausnahmen, ist aber das Lohnniveau in den letzten Fahren relativ gesunken. Die Kauslrast des Geldes ist zurückgegangen, besonders durch die exzeptionelle Verteuerung vieler Lebensmittel. Für den Berliner Markt ergeben sich für den Jahresdurchschnitt 1904. lSOS und Januar 1906, setzt man die DurchschniNspretse von 1869—1893 gleich 100, folgende Verhältniszahlen: o SS a <& 85 a >& w e •a es B S a S =1 © 1904 91,8 100,8 91,9 114,9 94,0 127,1 122,7 108,1 1905 102,7 101,1 98,1 120,1 122,9 134,6 184,1 111,8 Jan. 1906 114,9 105,5 110,6 120,7 138,0 144,7 144,7 111,1 Mit den Steigerungen, die in diesen Ziffern zum Ausdruck kommen, haben die Löhne nicht Schritt gehalten. In welcher Weise die Verteuerung der Lebensmittel die HaushaltnngsbudgetS belastet, veranschaulichen die Berechnungen deS.ArdeitSmarkt" über den Kostenaufwand für Ernährung, gemessen an den Berpflegungsrationen deS deutschen Marinesoldaten. Bei Zugrundelegung dieser Rationen ergaben sich nach den Marktpreisen in Berlin, Chemnitz, Danzig, Dresden. Leipzig, München und Stuttgart bei einer Familie von vier Köpfen folgende Kosten für Ernährung: pro Woche pro Jahr 1900... 20.44 M. 1062,88 M. 1901... 20.56. 1069.12, 1902... 20.72, 1077,44. 1903... 21.15. 1099,80. 1904... 21.29, 1106.93, 1905... 21.98. 1142.96. I» 1906 gegen 1900 80,08 M. st) -s-l,ö4 Als» um 80 M. ist die Belastung des Haushaltes allein durch Verteuerung der Lebensmittel im Jahre 1905 gegen 1900 gestiegen. Die Steigerung der Preise hat im Jahre 1906 noch weiter ange» halten und ist für viele Artikel jetzt noch nicht zum Stillstand ge« kommen. Run sind aber die Löhne seit 1900 nicht nur nicht in der- selben Weife gesttegen, in manchen Berufen ist in 1905 nicht einmal der Statu« von 1900 wieder erreicht, wie z. B. teilweise im Bergbau. Allerding« ist für 1905 die JahreSlohnsumme der Ruhrgriibenleute durch den vorjährigen Ausstand beeinttächtigt, eS darf aber auch nicht vergeflen werden, dah die Bergarbeiter den Schichtenausfall später durch zahlreiches Ueberzeitarbeiten fast wieder ausgeglichen 5 oben. Die Bewegung der JahreSlöhne veranschaulicht diese Zu- ammenstellung: Stitnkohlenbergbaa: in 1905 Revier« Niederschlesien. Oberschlesien.. Saarbrücken.. Aachen.... Dortmund... Branuk»hl«a Man«feld.,, Stegen-Nastau. Aehnliche verhältniste ergeben sich in anderen Industrien. Greisen wir auS der Textilindustrie die verhältnismäßig in dieser Berufsgruppe am höchsten entlohnten Arbeiter im Barmer Bezirk heraus. Hter ist der JahreSdurchschnittSlohn in 1905 auf 961 M. gestiegen gegen 920 M. im Jahre 1900 und 984 M. im Jahre 1902. Nach den Zusammenstellungen der Rh.-W. Hütten- und Walzwerk- berufSgenossenschast war für die Versicherten der JahreSlohn in 1904 gegen 1900 um rund 12 M. gesttegen. Da die BerufSgenostcn- fchaften bis 1901 die wirtlich verdienten Löhne nicht nachwiesen, die Lohnnachwetse für 1905 noch nicht vorliegen, lasten fich allgemeine Vergleiche leider noch nicht aufstellen. Kein Zweifel, im allgemeinen ist die Kauskrast der Arbeiter in den letzten Iahren zurückgegangen. Darin liegt eine graste volkS- wirtschaftliche Gefahr. Je mehr die Preise anziehen, ein um so gröberer Bettag mutz vom Einkommen für die Ernährung auf« gebraucht werden! die für sonstige Zwecke, speziell für Wohnungsmiete und Gebrauchsgegenstände zur Verfügung stehende Summe ichmilzt zusammen. Das ist schon unter normalen Verhältnissen gefährlich. Die Konsumverschlechierung wirkt beschleunigend auf den Zustand hin, den die bürgerliche Nationalökonomie als lleberproduktion be- zeichnet. Solcher Krisis treibt man mit noch forcierterer Eile unter der Wirkung der neuen Handelsverträge zu, wenn die Kaufkraft der Arbeiter nicht erheblich verbessert wird. Neben dem Faktor der NahrungSmiitelverteuerung fördert unter den obwaltenden Umständen noch ein anderer die Balanceverschiebung zwischen Produktion und Konsum; eS ist die erhöhte Absatznotwendigkeit aus dem Jnnenmarkt. In den letzten Monaten ist die'Einfuhr stark gestiegen. In der Hauptsache kommt neben Getreide Rohmaterial für verschiedene Industrien in Betracht. Je schneller diese Produtte verarbeitet und in den Konsum überführt werden, in desto grösterem'Matze wird der Zweck erreicht, die niedrigen vor dem 1. März 1906 in Kraft befindlichen Zölle auszunutzen. Die starke Exporttätigkeit hat auf längere Zeit die Ansprüche deS Auslands« martteS befriedigt, hinzu tritt infolge Erhöhung der ausländischen Einfuhrzölle die Erschwerung deS Exportes m vielen Artikeln. So konimen viele Faktoren zusanimen, die auf eine Beschleunigung der Krise hinwirken. Das Hereinbrechen derselben kann hinausgeschoben, die Schwächung ihrer Intensität kann erzielt werden durch Kräftigung der Konsunikraft, durch Lohnsteigerung I Und Miniatursteigeruugen können da nicht viel nutzen; die Löhne müssen allgemein ziemlich erheblich anziehen. Es gibt ja immer noch Optimisten. Idie unerschütterlich sind in dem Glauben, die gesteigerte Konsumkraft der .Landwirtschaft' werde die industrielle Produktion und den Konsum in Balance halten. Als ob die paar hunderttausend Grundbesitzer, die von den höheren Zöllen Borteil haben, die geschwächte Konsum- kraft des überwiegend grotzen Teiles der Bevölkerung ausgleichen könnten I Die neuen Handelsverträge schädigen unsere Bolls- Wirtschaft ohne Zweifel, sie haben unbestritten eine Steigerung der Selbstkosten in der industriellen Produktion zur Folge. Ganz richttg sagt die Handelskammer in Barmen:.Der Lebensnttttelver- brauch im Jnlande ist verteuert, die Kosten der Jndusttieprodultion sind deshalb erhöht, dem Absatz sind keine neuen Wege geöffnet, im Gegenteil, alte Absatzgebiete sind für immer verschlossen worden.' Diesem Schaden steht ein volkswirtschaftlicher Nutzen nicht gegenüber. irgendwelche Werte werden durch Zölle und die neuen Verträge nicht geschaffen. Vorteile erlangt lediglich der Bruchteil einer Berufs- gruvpe; eS sind da« die Grotzgruudbesiyer. Diesen Vorteilen stehen aber größere Nachteile gegenüber. Diese Nachteile können wie bemerkt in | ihrer wetteren Folge für unsere Volkswirtschaft nur durch entsprechende 1 Lohnsteigerungen gemildert werden. In verschiedenen Kommunal» 'Verwaltungen, gegenüber Staatsbeamten usw., ist die Notwendigkeit der Einkommensverbesterung ja auch längst anerkannt oder den Anträgen auf Gewährung von Teuerungszulagen wird zugestimmt. Was aber für den durchgängig viel höher besoldeten Beamten als gerecht erscheint, ist auch für die große Masse der Konsumenten unbedingt notwendig. Bei den schlechtgelohntesten Arbeitern ist der wirtichastliche Druck der Lebensmittelverteuerung am stärkst-n. Den Bestrebungen der Arbeiter setzt nun aber das Untenrehmertum, fast immer ermuntert und aufgepeitscht von der Scharfinocherclique, Widerstand entgegen. Trotzdem werden ja die gut organisierten Arbeiter, wenn vielleicht auch erst nach harten Kämpfen, Lohnverbesierungen durchsetzen. Recht bettübend sind aber die Verhältnisse für die große Schar der ungelernten, noch weniger organisierten und kampffähigen Arbeiter. Die Lohnaufbesserungen, die die Facharbeiter seit den Rückschlägen nach 1900 durchsetzen konnten, sind an den Hülfsarbcitern fast spur- los vorübergegangen. Den Nichtsacharbeiter trifft die volle Wucht der allgemeinen Preissteigerungen. Die Unternehmer, die sich den Lohnforderungen entgegenstemmen. vertreten in kurzsichtiger Weise nur die handgretflichen GegenwariS- inleresien, sie sehen nicht in die Zukunft, sonst müßten sie erkennen. daß jede Lohnerhöhung die Präziston deS MarkttegulatorS steigert, den Konjunkturrückschlag zurückhält. DaS kommt tu letzter Linie den Unternehmern selbst wieder zugute. Sie können für einige Zeit wohl ihre Profitrate erhöhen, aber das beschleunigt die Krise, die ihnen eine Periode reduzietter Gewinne bringt. Und der rosenrote Vorhang der intensiven, industriellen Tätigkeit, der bisher den Ausblick auf den Hinlergrund verhinderte, gehl nun langsam in die Höhe. Es sind keine allzu erfreulichen Bilder, die das«uge wahrnimmt. Abflauen der Beschäftigung, Klage über Erschwerung des Exporte«, das Ausbleiben von Spezifikationen, Ab- schlietzungen des Auslandes gegen deutsche Jndustriearttkel, da« kündigt sich alles schon mehr oder minder scharf an. Weitere Konsum- scbivächung fördert die Konjunkturabflauung. Dem Stteben der Arbeiter höhere Löhne zu erzielen, mutz man deshalb schon darum Erfolg wünschen, weil durch solche Erfolge die Krisenwirkuugen ab- geschwächt werden. Feindlich stellt fich da aber neben Kurzsichtigkeit scharfmacherische Autokratie in den Weg. Ohne das Eingreifen der Scharfmacherclique würde die Regelung der Arbeitsverhältnisse zum Segen der deutschen Volkswittschaft viel ruhiger und unter weniger Erschütterungen sich vollziehen, als es jetzt leider der Fall ist. In den Stteit zwischen Braunkohlen- arbeiter und Grubenherren greifen die Scharfmacher hetzerisch ein. sie hintertreiben friedliche Vereinbarungen in der Metall- und in der Texttlindustrte, überall dienen sie dem Unfrieden. Da zeigt sich die ganze Gemeingefährlichkeit der scharfmacherischen Clique. Mit ihrer Hülfe konnten die Agrarier der weiterverarbeitenden Industrie und der Gesamtheit als Konsumenten den neuen schwere Opfer erheischenden Zolltarif aufpacken, nun hetzt und schürt dieselbe Clique gegen den sozialen Frieden, sie bietet alle Macht aus, um Veränderungen auf dem WirttchastSinarkt zu hinter- treiben, die geeignet sind, die Schäden, die sie der deutschen Volks« Wirtschaft durch ihre Schntzzollpolittk geschlagen haben, etwa» zu mildern. WaS kümmert die grotzindiistrtellcn Dividendengeier und Hcrrschgewaltigen die VolkSwohlfahtt I Ihre Divivise ist: Nach uns die Sündflut l_ D. Huö der partei. Zum Tode Heinrich Meisters teilt ein engerer BerufSgenoffe in der Parteipreffe noch mit: Seinen näheren Freunden kam der Tod de« allen Kameraden nicht überraschend, denn eine Herzverfettung hatte sein Leben schon mehrfach in Gefahr gebracht. Gelang eS in früheren Fällen der ärztlichen Kunst, unseren Genoffen am Leben zu erhalten, so versagte sie doch diesmal. Ein Zufall machte in diesen Tagen den ärztlichen Rat, sich vor allen Auftegungen zu hüten, zu- nichte: wie seine Freunde im Reichstag erfahren haben, wurde er in einer der letzten Nächte in Berlin plötzlich um 3 Uhr durch ein dringendes Telegramm aus dem Schlafe geweckt; er vermutete, von seiner Familie eine schlimme Nachricht zu erhalten; als er die Depesche entfaltete, enthielt sie eine auf die Zigarettensteuer Bezug nehmende ganz gleichgültige Nachricht auS Interessentenkreisen. Diese plötzliche Störung in der Nacht hat das Leiden unseres Genossen derart verschliinmert. daß er nach Hause reisen und ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen mutzte, leider umsonst. Die junge Garde. Die erste Nummer de?„Organ» de» Ver- bandcs junger Arbeiter Deutschlands' ist erschienen. Der Ein- führungSartikel sagt: Die sozialistische Jugendbewegung ist im Marsch, und keiner wird sie mehr aufhalten können. Auch bei unS schließen sich die Reihen. Die Gründung deS„Verbandes junger Arbeiter Deutsch- landS' ist ein großer Schritt dem Ziel entgegen, das wir uns gesteckt haben: Erziehung furchtloser Mitstreiter für daS Arbeitsheer der Zukunft. Unsere Organisation hat kommen müssen,— sie ist ein not- wendiges Produkt der politischen EntWickelung. Mit den bürger- lichen Jugendvereinen darf man uns nicht vergleichen. Wir haben ganz ander? gerichtete Zwecke und Entstehungsursachen. Die Jungliberalen wollten und wollen dem altersschwachen national- liberalen Parteikörper neucS Blut zuführen, Mitglieder gewinnen, wir aber wollen die dichten Scharen, die in jugendlicher Be- geisterung der roten Fahne folgen, au» instinktiven zu bewußten Anhängern deS KlaffenkampfeS machen. Die Erfahrung hat be- wiesen, daß die alten Vereine diese Aufgabe nicht mehr erfüllen können. DaS ist kein Vorwurf, sondern eine Konstaticrung von Tat- fachen, die jeder sehen muß. der will. Die praktischen Aufgaben sind in ungeahnter Weise gewachsen. Die Agitation für die Preffe und für die zahlreichen Wahlen nimmt die besten Kräfte in Anspruch. So ist es gekommen, daß der„alten Garde' an vielen Orten nicht mehr gelungen ist. den Nachwuchs sich zu assimilieren und mit dem Geist zu erfüllen, der unsere Bewegung stark gemacht hat. Diese Lücke wäre leicht auszufüllen, wenn die Gewißheit vorhanden wäre. daß die proletarische Familie auf den Arbeiter politisch erzieherisch einwirke. Aber wie gering ist noch die Zahl der Mütter, die sozialistisch empfinden! Und wte groß ist die Reihe der Frauen, die unter dem Einfluß des Pfarrers stehen und ihre Söhne nach geistlicher Weisung lenken wollen! Deshalb mutzten wir eingreifen, und der Erfolg, den unsere Bestrebungen bis heute schon gefunden haben, gibt un? die Gewißheit, daß wir auf dem rechten Wege sind. Die Jugend der Partei wird zur Erreichung ihrer Ziele die gleichen Mittel anwenden, wie die Partei in ihrer Jugend. Wir werden Vorträge aus den Gebieten der Geschichte, der Volkswirt- schaft und Naturwiffenschaft hören. Wir werden die Ereignisse de« TageS zu betrachten suchen im Spiegel der Geschichtsanschauung, d'ie unS von Marx und Engels überkommen ist. Wir werden Dis- kussionSabende veranstalten, in denen wir selbständig zu reden und zu denken lernen wollen, und für einen Verband der Jugend versteht eS sich von selbst, daß wir Kameradschaft und Geselligkeit unter unS pflegen müssen. Dabei werden wir versuchen, ein verkanntes Geschöpf wieder zu Ehren zu bringen: DaS freie Arbeiterlied. Nicht den wohlgeschulten VereinSchor. der bei den Parteifesten gehört wird, sondern den undisziplinierten Massengesang, dessen revolu- tionierende Kraft unsere ausländischen Genossen besser als wir zu würdigen wissen. Um dieses Streben zu vereinheitlichen, planmäßig zu gestalten und die an einzelnen Orten gemachten Erfahrungen zu sammeln. haben wir die„Junge Garde' geschaffen. Für die„Arbeitende Jugend', das Organ unserer im wesent- lichen gewerkschaftliche Ziele verfolgenden Berliner Freussde, bleibt Arbeit genug, und wir werden allezeit gute Nachbarschaft zu halten wissen. Auch mit unseren Kampfgenossen in Belgien und Oester- reich werden wir in ständiger Fühlung bleiben und durch regel- mäßige Berichte über den Stand der Jugendbewegung in diesen Ländern unterrichten. Wir hoffen, daß nicht bloß die Jungen, sondern auch manche „Alten' zu unserem Blatte greifen werden. Wie oft kommen be- währte Parteigenossen in Verlegenheit, wenn ein Anfänger sie um Anleitung zu geeigneter Lektüre oder um Material für einen Vor- trag bittet! Wie mancher erprobte Kämpe weih sich nicht zu helfen, wenn er gefragt wird, wie die Bibliothek beschaffen sein soll, die sich für junge Genossen eignet. Auf alle diese Fragen werden wir die Antwort suchen müssen. Und so lassen wir denn unser Schifflein frohen Mute? vom Stapel. Die Segel sind geschwellt von frischer Hoffnung. ES wird die Ufer, die in blauer Ferne Ivinken, erreichen. Glück auf den Weg! 4* « Wir begrüßen selbstverständlich die Gründung deS Verbandes junger Arbeiter und feine? Organs mit großer Freude. Doch ist zu bemerken, daß der Verband sein Arbeitsgebiet nicht über ganz Deutschland wird ausdehnen können, da in den meisten nord- deutschen Vaterländern den jugendlichen Personen die Beteiligung an politischen Vereinen verboten ist. Ob eS nun angebracht war, in jenem vor einiger Zeit von uns veröffentlichen Aufruf aufzu- fordern, dort, wo keine Vereine gegründet werden dürfen, Einzel- Mitglieder zu werben, erscheint uns angesichts deS Bestehens un- politischer Jugendorganisalionen, die in dem Blatte«Arbeitende Jugend' auch ein Organ geschaffen haben, fraglich. Zu einem Sieg auf der ganzen Linie hat der S a a lb o yk o tt der BreSlauer Genossen geführt. Am Freitag hoben die letzten boykottietten Saalbesitzer kapituliert. Elf Wochen hat der Boykott gedauett. die Polizei hat seinen Erfolg vergeblich zu verhindern gesucht, soviel komischen Eifer sie auch aufgewendet bat. Die Bres- lauer Arbeiterschaft hat allen Anlaß, auf den glänzeno durchgeführten Feldzug stolz zu sein. Zum 1. Mai. Die Leipziger Polizei hat die Genehmigung zu einem für die Maifeier geplanten Frsizuge au« dem Stadtinnern nach dem Festplatze Stötteritz versagt, weil ein solcher Festzug eine sozial- demokratische Demonstration darstelle. Die Dachdecker zu Kassel beschlossen einstimmig Arbeitsruhe. Genaffe Wilh. Schröder geht nicht nach Chemnitz. Unsere gestrige Mtteilung, daß er dort zum Redakteur gewählt sei. ist richtigzu- stellen. Jbm ist zwar die Stellung angeboten worden, doch hat er sie in Rücksicht auf ein krankes Famitieninitglied ablehnen müssen. Eine neue sozialdemokratische Ministerkandidatur in der Schweiz. AuS Bern schreibt unS unser Korrespondent: Im Kanton Bern finden im nächsten ivkonat nach der kürzlich in der Volksabstimmung beschlossenen VolkSwahl die Neuwahlen der Regierungsräte statt. Die sozialdemokratische Partei deS KantonS Bern hat mm beschlossen, einen von den 7 RegierungSratS- fesseln für sich zu beanspruchen und als Kattdidattn den G e n osse n Müller, Gemeinderat silitogistratSrat) in Bern, früher Sekretär deS eidgenössischen Eisenbahndepartement», aufzustellen. Nach ihrer Stimmenzatt ist unsere Partei vollauf berechtigt, einen Regierui'gS- ratssitz in Anspruch zu nehmen. Müller ist ei" tiger Genosse. ein bewährter, tüch- Wichtige« und Unwichtiges. Der vom fchwcizersschen Bunde?- rat.gemaßregelte Postangcstellte Genosse Gobbi in Lugano ist von der organisietten Arbeiterschaft deS KantonS Tefsin zum kantonalen Arbeitersekretär gewählt worden. Leider ließen dt« beiden Ver- treter der Arbeiterschaft im Nationalrat die Gelegenheit unbenutzt vorübergehen, den Bundesrat wegen feiner brutalen Gewalttat zur Rede zu stellen. Dagegen beteiligte sich der eine davon an der Interpellation wegen der bundesrätlichen Anordnung, an der auf allgemeine Unkosten in Lausanne anläßlich der Eröffnung der Simplonbahn veranstalteten großen Schmauserei in Frack und mit weißer Krawatte zu erscheinen. Die Vertretung der schweizerischen Arbeiterschaft im Nationalrat ist eben nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ vermindett worden. Die Budapester„BolkSstinune" hört von jetzt ab auf, eine Beilage der ungarisch geschriebenem„NepSsava" zu sein, sie er- scheint als ein vollkommen selbständiges, auf eigenen Füßen stehendes Blatt. Nahezu drei Jahrzehnte lang waren beide Blätter vereinigt. Di« jetzige Trennung ist keine freiwillige, sondern es hat die königliche Kurie die Entscheidung gefällt, daß für die „Volksstimme', als wöchentliche Beilage des Tageblattes„NepS- fava', ein« be>ondere Kaution von 11 000.Kronen zu erlegen fei. In Ungarn muß für jede Zeitung tint Kaution von 21 000 Kronen hinterlegt werden. Die französische Sozialdemokratie vor bru Wahlen. Unsere Bruderpartei tn Frankreich hat für die Kammerwahlen bis jetzt 860 Kandidaten aufgestellt. Auch in den schwarzen Bezirken der Bretagne nimmt sie den Kantpf auf. polirelllche». OcHchtHchc» uN*. Die Hallesch« Polizei liefert feine Arbeit. AuS Halle a. S. wird uns vom Freitag berichtet: In zwei Gerichtssälen quälten sich gestern Richter mit dem„Material' herum, das von der pflichteifrigen Polizei am 14. und 21. Januar gegen die Sozialdemokratie zusammengetragen war. In dem einen Saale wurde verhandelt gegen 48 Flugb.lattverteUer, die am 14. Ja- nuar durch die Verbreitung de» WahlrechtSflugblattS den Sonntag entheiligt, bczw. eine öffentlich bemerkbare Arbeit verrichtet haben sollten. ES waren nicht weniger denn 40 Polizisten als Zeugen geladen. DaS Resultat war die Freisprechung aller 48 Angeklagten mit der Begründung, die Verbreitung von Flugblättern sei, besonder» für junge, kräftige Leute, keine Arbeit. In einem noch viel schönerem Lichte erschien die Polizei in der Verhandlung wider den Steinträger Küstcnbrück. Der Mann wollte am LI. Januar, als die Polizei in ihrer nervösen Gereiztheit den Markt abgesperrt hatte, von der Löwenapotheke Arznei für seine kranke Tochter holen. Küsienbrück hatte es sehr eilig und zeigte einem Polizisten» um durch die Postenkette schnell durchzukommen, sein ärztliches Attest. In demselben Augenblick sprengte ein Kommissar heran und rief dem Polizisten zu:„Nehmen Sie den Mann festl"„Machen wir!' dachte der Polizist und Küsienbrück kam anstatt nach der Löwenapotheke auf die Polizeiwach«. Natürlich wurde auch dieser Mann frei- gesprochen. �_ Immer noch Nachklänge vom Roten Sonntag. Die Magdeb. .volkosttmme' meldet: Wegen de« Flugblattes, das am 14. Januar verbreitet wurde, ist nun den Angeklagten die Anklageschrift zugestellt worden. Aus ursprünglich zwölf Angeklagten sind sieben geworden, die Genossen Holzapfel. Ernst Königstedt, Lackemnacher. GorgaS, Bater. Haupt und Bethge. Drei Verteiler deS WahlrechtSflugblatteS, die auf der Sttaße Flugblätter verteilt haben sollten, standen am Freitag in Wilhelmshaven vor Gericht. Sie hatten Berufung gegen Strafmandate über je 20 M. erhoben. Da» eine Strasinandat wurde auf l0 M. herabgesetzt, während die anderen beiden Be- rufungen verworfen wurden, da die mit Sttafmandaten Beglückten zum Termin nicht erschienen waren. Noch eine verpuffte Staatsaktion. Eingestellt worden ist da? Verfahren gegen mehrere Genossen in Calbe-SfcherSleben wegen eines dort verbreiteten Flugblattes. Wegen Aufreizung zu GewalttStigleiten wurde zu Zeitz der Genosse Sommer aus Osterfeld zu einem Monat Gefängnis der- urteilt. Er soll das Vergehen in einer Versammlung zu Teuchern begangen haben, als er die bösen ffolgen der drohenden Tabak- steuer— Sommer ist Zigarrenmacher— schilderte. Vom Strafkont» der Parteipresse. Der Genosse Kühn, Verant- wortlicher der.Mecklenburg. Volkszeitung* zu Rostock, wurde wegen angeblicher Beleidigung eines Fabrikanten zu IS M. Geldstrafe, wegen zweier Beleidigungen eines Rittergutsbesitzers zu 50 M. Geld- strafe und zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Die in der Freitagnummer gemeldete Verurteilung deS Genossen Hofmann-Elberfeld wegen eines in der.Freien Presse" erschienenen Berichtes über die Rede eines national- liberalen Stadtverordneten, der die Elberfelder Kriminalpolizei kritisierte, ist insofern besonders bemerkenswert, als Berichte über diese Rede in zahlreichen bürgerlichen Blättern erschienen sind, die aber nicht angeklagt wurden I Ebensowenig wurde der U r h e b e r der Beschuldigung, jener Stadtverordnete, angeklagt. Der eigent- lich Schuldige, Vertreter der besitzenden Klasse, wird nicht angeklagt, der Sozialdemokrat, der lediglich referiert, um seiner Berichterstatter- Pflicht zu genügen, wird bestraft. Auch ein. Beittag zum Kapitel von der Klassenjustiz!_ Hus Induftm und Handel Guter Abschluß. Die Aktienges ellschaft Bergmann, Elektrizitätswerke. Berlin, erzielte im Jahre 1905 bei einem Bruttogewinn von 3 123 510 M. einen Reingewinn von 2 107 612 M. gegen 1 952 799 M. im Vorjahre. Die Tantiemen betragen für den Vorstand 155 550 M., für den Aufsichtsrat 124 440 M., gleich 3,3 Proz. des alten Aktienkapitals von 8l/3 Millionen Mark. Die Aktionäre erhalten 18 Proz. Auf das neue Kapital von l'/a Millionen Mark werden 9 Proz. verteilt. Das bei Ausgabe der neuen Aktien erzielte Agio in Höhe von 1438 543 M. ist dem Reservefonds zugeführt. Die vorgenommenen Abschreibungen belaufen sich auf 1015 898 M. — Bei solchen Abschreibungen ist auch für die Zukunft bei minder guten Erträgnissen eine ansehnliche Dividende gesichert. KohlenauSfnhrzoll. Der„Bresl. G.-A." berichtet, daß in der Steuerkommission des Reichstages allen Ernstes die Frage einer Be- steuerung der Kohle erwogen wird, ja, daß sogar das Eintreten dieser Steuer als recht wahrscheinlich angesehen werden mutz. Die von der Steuerkommission kürzlich genehmigten Steuerprojekte werden voraussichtlich den Staatsbedarf nicht decken, es wird ver- mutlich ein Miuderertrag von 30 Millionen Mark bleiben. Um diesen Fehlbetrag zu decken, wird eine Besteuerung der Kohle beabsichtigt, die entweder als Produktionssteuer oder Ausfuhrzoll Platz greifen soll. Gelegentlich einer kürzlich in Berlin stattgehabten Versammlung wurden die Kohlenindustriellen aufgefordert, sich über die geeignetste Art der Besteuerung zu äußern und haben sich diese, wie das Blatt weiter mitteilen kann, sofern eine Be- steuerung unabwendbar sein sollte, für den Ausfuhrzoll aus- gesprochen. Die Produkttonssteuer wurde allgemein verworfen, da diese, wenn erst einmal eingeftihrt, sich später immer drückender entwickeln dürfte. Dem Kaliausstihrzoll versuchte man ein volkswirtschaftliches Mäntelchen umzuhängen, solche Dekoration läßt man nun schon bei Seite. Lediglich um dem Reichsdalles abzuhelfen tappt man von einem Objekt zum andern, um es als Steuerquelle zu verwenden. Bei weniger Zaghaftigkeit in der Frage der Erbschaftssteuer hätte man das Minus leicht decken können, ohne Reichseinkommenstener wird man übrigens aus dem Dilemma nie herauskommen. Im Gegensatz zu der positiven Meldung des.B. G.-A." teilt die.Zeitschrift des Oberschlesiscben Berg- und Hüttenmännischen Vereins" mit,„daß selbst die ursprünglichen Freunde eines Kohlenausfuhrzolles die AuS- sichtslosigkeit seiner Annahme durch die Kommission erkannten und daher davon absahen, über die Zweckmäßigkeit seiner Einführung überhaupt noch abstimmen zu lassen". Es bliebe da noch die Mög« lichkcit der Einführung einer Produkttonssteuer. Das könnte die Regierung sich ersparen, indem sie die Bergwerksregale, die nicht abgeschafft, sondern nur außer Hebung gesetzt sind, wieder erhebt. Der internationale Geldmarkt zeigte im Laufe der letzten Woche ein wenig einheitliches Gepräge. Im Gegensatz zum Londoner Markte, auf dem der Diskont von 4 auf 3'/, Proz. herabgesetzt wurde, behauptete sich in Berlin der alte Diskontsatz, während wiederum in New Jork eine weitere Verteuerung des Geldes ein- trat. Wenn in Deutschland im Gegensatz zu England die hohe Zinsrate noch aufrecht erhalten werden mußte, so ist daS in den starken Ansprüchen begründet, mit denen Industrie und Handel noch immer an den Geldmarkt herantreten. Eine weitere Erhöhung des Diskontsatzes dürste allerdings in Deutschland wohl nicht mehr nötig sein. da die Ansprüche von Industrie und Handel sich kaum noch wesentlich steigern dürften. Angesichts der neuen deutschen Reichs- und Staatsanleihe wäre eine weitere Versteifung des Geldmarktes auch recht störend. Die Ausgabe dieser neuen Anleihe, die das einheimische Kapital stark beansprucht, bietet für die Reichsregierung auch den offiziellen Grund, die neue russische Anleihe vom deutschen Geldmarkt fernzuhalten.— Gegen alle Welt darf man rücksichtslos austreten, mit der gepanzerten Faust dazwischen schlagen, nur Rußland gegenüber hält man Höflich- keit selbst auf Kosten der Wahrheit für notwendig. Rußland ist nicht umsonst der Hort der, Reaktion! Gerichts-Leitung. Ucberstunden für Ferdinand Bonn vor dem Gewerbegericht. Vor der Kammer 6 des Berliner Gewerbegerichts wurde gestern abermals in 20 Streitsachen der ehemaligen Theaterarbeiter des Berliner Theaters gegen Direktor Ferdinand Bonn verhandelt. nachdem kürzlich eine andere Kammer die Ablehnung des gesamten Gerichtshofs durch den Vertreter Bonn's für unberechtigt erklärt hatte. Als Generalvertreter des Direktors erschien Herr Kreisel. In der ersten Stunde verhandelte Direktor Bonn selber. Als ihn eine Zeugenaussage nicht angenehm berührte, verschwand er jedoch stillschweigend aus dem Gericht, so daß sein Vertreter wieder allein in Aktion treten mußte. Da die Kläger außer Lohnentschädigungen wegen unberechtigter Entlassung die Bezahlung einer Anzahl Ueber» stunden verlangten, Herr Bonn und sein Vertreter aber prinzipiell unter Aufstellung verschiedener tatsächlicher Behauptungen die Ver» pflichtung zur Ueberstundenbezahlung bestritten, so drehte sich dies» mal die Verhandlung durchweg um den Kampf um die Ueberstundenbezahlung, der von den Klägern mehr als einmal im Berliner Theater geführt werden mußte und schließlich den unheilbaren Konflikt herbeiführte. Bezahlt verlangt werden Ueberstunden auS der Zeit vom 1. bis zum 16. Dezember. Der ehemalige Theatermeister H. bekundete, daß bis dahin allerdings Ueberstunden immer bezahlt worden seien, jedoch periodenweis—„von Fall zu Fäll"— immer erst auf Grund einer vom Zeugen mit dem Direktor getroffenen besonderen Ver- einbarung. Auf das Bewilligen„von Fall zu Fall" legte Direktor Bonn großes Gewicht. Dabei übersieht er ganz, welch schlechtes Zeugnis er sich selbst damit ausstellt, wenn er für die Entlohnung v o g. M e h r l e i st u n g e n erst besondere Vereinbarungen für not- wendig hält. Umgekehrt ist richtig: jede Arbeit ist ihres Lohne? wert.— Wie diese„Vereinbarungen" mehrfach zustande gekommen sein mögen, dafür ist bezeichnend die Aussage deS ehemaligen Ober- Maschinenmeisters und technischen Oberinspizienten S., der übrigens. an anderer Stelle, auch mit Bonn einen Prozeß führt. Die Aus- sage bezieht sich auf die Zeit vor dem 1. Dezember. Herr Bonn erklärte öfter zu den Arbeitern, Ueberstunden sollten überhaupt nicht mehr vorkommen. Da aber der Betrieb— was übrigens auch der Theatermcisier gesagt hatte— gestockt haben würde, so mußten immer wieder welche gemacht werden. Wenn dann Bonn nicht zahlen wollte, drohte eine Arbeitsniederlegung. Herr S. meldete dem Ehef, er habe keine Leute, Direktor Bonn erschien, es gab Auseinandersetzungen,„Radau entstand", wie Zeuge sich ausdrückte. und— eS wurde weiter gearbeitet. Der Zeuge schließt daraus, daß Beklagter in solchen Fällen entsprechende Zugeständnisse machte. — Einen die Sachlage treffend kennzeichnenden Ausspruch tat Thcatermeister H., indem er sagte:„Ich als Theatermeister haftete für die Arbeiten. Ich hatte deshalb eigentlich darüber zu verfügen, ob Ueberstunden gemacht werden sollten, wenn sie sich als unab- wcndbar erwiesen, und Direktor Bonn hatte die f ü r i h n ge» leistete Mehrarbeit zu bezahlen. Das ist meine Meinung."— Viel genannt wurde in der Verhandlung ein Herr Matull, der da- mals im Berliner Theater eine Art DirektionSvertreter darstellte und der in der Sache einer Garderobenfrau geladen, aber nicht als Zeuge erschienen war und deshalb in eine Ordnungsstrafe von 30 M. genommen wurde. Herr Bonn und Herr Kreisel verlangten Matull als Zeugen dafür, daß er— Matull— den Arbeitern Ueberstundenbezahlung aus seiner Tasche zugesichert habe. Da bekundete dann auch ein Zeuge D. folgendes: Er sei an einem Dezembernachmittag in der Versenkung gewesen und habe mit an- gehört, daß die Arbeiter, die bei einer Nachmittagsvorstellung helfen sollten, die Arbeit wegen Nichtbezahlung von Ueberstunden ver- weigerten und die Arbeit erst begannen, nachdem Herr Matull erklärte:„Kinder, laßt mich nicht im Stich, ich zahle Euch die Ueberstunden aus meiner Tasche", und nachdem Matull den vier beteiligten Arbeitern das Geld gegeben hatte.— Wirklich ein Idyll aus dem Leben„unter der Bühne" eines großen Theaters: Der Vertreter ermöglicht„aus seiner Tasche" die Nachmittagsvorstellung, indem er die rebellierenden Arbeiter besänftigt. Nach den Angaben eines der Kläger soll ein ähnlicher Vorgang schon einmal zur Zeit des Gastspiels der Franzosen passiett sein. Der Gerichtshof unter dem Vorsitz des Gewerberichters Dr. Wölbling glaubte, Herrn Matull als Zeugen vernehmen zu müssen, und vertagte deshalb nach etwa dreistündiger Verhandlung sämtliche Sachen wider Bonn.— Die Vertagung mag im Interesse einer Aufklärung des Gesamtsachverhalts liegen, wenn der Rechts- streit auch zur Klarlegung der außerhalb des Rechtsstreites liegenden Fragen dienen sollte. Zur Entscheidung der Prozesse war die Beweisaufnahme nicht erforderlich. Vielmehr ist die Sachlage zur Verurteilung des Theaterdirektors vollkommen reif. Nach den all- gemeinen Vertragsregeln war bereits vor dem Bürgerlichen Gesetz- buch dem gewerblichen Gehülfen für die über die gewöhnliche Arbeitszeit hinaus geleistete Mehrarbeit eine angemessene besondere Vergütung auch dann zu zahlen, wenn solche nicht vereinbart war. Das ist in der Rechtsprechung, insbesondere auch in der gewerbe- gerichtlichen, durchweg anerkannt. Es sei nach dieser Richtung auf eine im„Gewerbegericht", Jahrgang 1898 S. 68 und in Baum's Sammlung S. 1Ä abgedruckte Entscheidung des Magdeburger Gewerbegerichts vom 7. Februar 1898 hingewiesen. Im Bürger. lichen Gesetzbuch hat der Grundsatz, daß für geleistete Arbeit auch dann Lohn gezahlt werden müsse, wenn keine ausdrückliche oder stillschweigende Vereinbarung stattgefunden hat, in den§Z 611, 612 und an anderen Stellen klaren Ausdruck erhalten. Es ist menschlich begreiflich, daß das Gewerbegericht, vielleicht mit Rücksicht auf daS völlig absurde Ablehnungsgcsuch, daA der Vertreter des Arbeitgebers aus der Komödienbvancho gestellt hatte, durch Anordnung einer an sich überflüssigen Beweisaufnahme jeglichen Schein zu ver- meiden suchte, als sei es auch nur entfernt gegen den Prozcßhansl eingenommen. Und gewiß zeichnet sich das Laiengericht recht vorteil- Haft vor gelehrten Gerichten dadurch aus, daß es mit peinlicher Gewissenhaftigkeit bemüht ist, nicht nur Recht zu sprechen, sondern auch das Vertrauen der Prozeßparteien und deS Publikums zu seiner bis auf die Spitze getriebenen Objektivität zu gewinnen und zu erhalten. Aber in dem vorliegenden Fall handelt es sich für die Theaterarbeiter doch auch darum, baldmöglichst die vom Be- klagten hinterlegte Klagesumme zur eigenen Verwendung zu er- halten. Die Rechtsverhältnisse der für ein Theaterunternchmen wirkenden Kräfte, nicht zuletzt die der Schauspieler und Schau- spielerinnen, sind so stark von Diktaturgelüsten der Unternehmer beeinträchtigt, daß eine möglichst schnelle Entscheidung der wichtigen grundsätzlichen Entscheidung auch im Interesse anderer für Theater wirkenden Kräfte erwünscht sein dürfte. Wenn Matull auch aus eigener Tasche Ueberstunden an die Arbeiter gezahlt hat. so berührt die hieraus dem Theaterdircktor erwachsene Ersatzverpflichtung doch nicht seine eigene Verpflichtung, in den Fällen Ueberstunden zu zahlen, in denen kein anderer für ihn mit Zahlungen ein- gesprungen ist._ Zeitungsbestellgeld ist bei der Strafe für Postdefraudatiinen nicht mitzurechnen. Wegen Vergehens gegen da? Postgesetz sind am 8. Februar v. I. vom Landgerichte Kottbus der Expeditions- chef Gustav G r o ß k o p f und der Expedient Paul M a r s ch n e r in Berlin sowie der Expedient Karl Schönberg in Kottbus zu erheblichen Geldstrafen verurteilt worden. Großkopf hat selb- ständig den Versand der Berliner„Morgen-" und„Abendpost" zu bewirken und ihn durch die Mitangeklagten ausführen lassen. Schön- berg fungierte als.expresser Bote". DaS Gericht hat angenommen, daß die Angeklagten die Bestimmungen über den exprefsen Boten verletzt und sich deshalb strafbar gemacht haben.— Die Revision der Angeklagten kam am Freitag vor dem Reichsgerichte zur Ver- Handlung. Gerügt wurde u. a., daß zu unrecht die Zuständigkeit des Landgerichts Kottbus angenommen worden ist, daß die An- geklagten(statt der Verleger) als Absender angesehen sind und daß zu unrecht bei Ausmessung der Strafe auch das Bestellgeld in Betracht gezogen worden ist.— Der Reichsanwalt betonte dem- gegenüber, daß der Einwand der örtlichen Unzuständigkeit vor Ver- lesung des Eröffnungsbeschlusses hätte erhoben werden müssen, um Beachtung finden zu können. Absender und Verschicker brauchten nicht dieselbe Person zu sein. Absender könne eine juristische Person sein, auch ein nicht eingetragener Verein. Verschicker müsse aber immer eine physische Person sein. Im vorliegenden Falle sei Ab- sender der Verlag der beiden Zeitungen, aber die Angeklagten seien die verantwortlichen Verschick«, denn der Verlag habe Grofstopf freie Hand gelassen, wie er den Versand der Zeitungen bewirken wolle.— Das Reichsgericht v e r w a r f die Revision des Angeklagten Grotzkopf im vollen Umfange; es verwarf ferner die Revision Marschners und Schönbergs, soweit sie sich gegen die Verurteilung M.'s zu 3365,96 M. und S.'S zu 6824,32 M. richtet. Die weiter- gehende Verurteilung M.'S zu 316,48 M. und S.'S zu 530,08 M. wurde dagegen aufgehoben und in Wegfall gebracht. DaS Reichsgericht nahm an, daß das Zeitungsbestellgeld zu unrecht mit als defraudiertes Porto saußer bem Paketporto und der Zeitungs- gebühr) angesehen worden ist. Ein großer Jnwelendiebstahl beschäftigte gestern die 4. Straf- kammer des Landgerichts l. Wegen schweren Diebstahls war der vorbestrafte Heinrich I o p p angeklagt.— In der Nacht zum 21. Februar d. I. statteten Diebe dem Geschäft des Juweliers Barnick in der Steinmetzstraße einen Besuch ab. Nachdem sie die Haustür mittels Nachschlüssels geöffnet hatten, schnitten sie vom Hausflur auS die Füllung der zu dem B.schen Geschäft führenden Tür heraus. In den Geschäftsräumen wühlten die Einbrecher mit größter Sachkenntnis nur die echten Goldsachen und Brillanten aus, während sie die Imitationen und Doublesachen ruhig liegen liehen. Durch Hausbewohner wurden die Diebe in ihrer Tätigkeit gestört. Gegen 2 Uhr nachts wurde ein Schlächtergeselle, der in einer Kammer auf dem Boden schlief, durch ein anhaltendes Klopfen geweckt. Auf die Frage, wer da sei. antwortete jemand, er würde von mehreren Strolchen, die vor der Haustür warteten, verfolgt. Er bitte deshalb, daß man ihn durch eine Dachluke entschlüpfen lasse. Der Schlächtergeselle verweigerte den Einlaß, trotzdem ihm der Klopfende versicherte, er sei bestimmt nicht Hennig. Kurze Zeit darauf betraten mehrere Schutzleute das Haus, um die Einbrecher, die in dem Barnickschen Geschäft den Diebstahl verübt hatten, zu suchen. Der aus dem Schlaf aufgeweckte Schlächtergesclle machte den Beamten sofort Mitteilung von seinem Erlebnis. Eine Durch- suchung der Bodenkammern führte zu dem Ergebnis, daß der Angeklagte Jopp anscheinend tief schlafend aufgestöbert wurde- In seinem Besitz wurden mehrere Dietriche und ein Brecheisen vor- gefunden. Trotzdem leugnete I., an dem Einbruch beteiligt zu sein.— Vor Gericht bestritt der Angeklagte ebenfalls, irgendwie an dem Diebstahl bei Barnick beteiligt zu kein. Die Bcweisauf« nähme erbrachte dem Gerichtshof die vollste lleberzeugung von der Mitbeteiligung des Angeklagten. Der Staatsanwalt beantragte in Anbetracht der vielfachen Vorstrafen des I. eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren. Der Gerichtshof erkannte auf LJahre Zucht- Haus und 3 Jahre Ehrverlust. Eine Jagd auf einen dreistem Zechpreller erregte am 14. Februar dieses Jahres in der belebtesten Gegend der Friedrichstrahe großes Aufsehen. In das Kellerlokal von Schwanzer in der Friedrich- straße war ein elegant gekleideter junger Mann eingekehrt und hatte sich an einer Flasche 87er Liebfrauenmilch, an einem Dutzend Austern und einem ganzen Hummer gütlich getan. Mit einer gewissen Nonchalance rief er, nachdem er sich noch eine„Bock" bestellt hatte, den Kellner Behnke heran und fragte ihn, ob er einen Hundertmarkschein wechseln könne. Bereitwillig zählte B. die fünf Zwanzigmarkstücke auf den Tisch, während der noble Gast in seiner Brieftasche herumsuchte. Einer dunklen Ahnung folgend, daß irgend etwas nicht in Ordnung sei, nahm der Kellner die Goldstücke wieder an sich, als ihn der Gast plötzlich mit einer neuen Bestellung an daN Büfett schickte. Seine Ahnung hatte ihn nicht getäuscht, denn im nächsten Moment sprang der„noble Gast" auf und verließ in wilde-' Flucht das Lokal. Mehrere Kellner und andere Passanten eilten hinterher. Schließlich wurde der Zechpreller auf dem Boden eines Hauses in der Taubcnstraße als„harmloser Schläfer" auf- gefunden.— In einem zweiten Falle gelang dem Angeklagten, denn dieser war jener„Gast", ein gleicher Trick.— Der Staatsanwalt beantragte 6 Monate Gefängnis. Der Gerichtshof ging jedoch mit Rücksicht auf das gemeingefährliche Treiben des Angeklagten noch über die beantragte Strafe hinaus und erkannte auf 1 Jabr Gefängnis._ Alocken-Spielplan der Berliner Cbeater. Opernhaus. Sonntag: Tristan und Isolde, fllnf. 7 Uhr.) Montag! Die Stumme von Portier Dienstag: Der Eoangelimann. Mittwoch: Orpheus und Eurhdike. Donnerstag: Hauptprobe zum Sinfonie-Konzert. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Sinfonie-Konzert der tgl. Kapelle. Sonntag: Orpheus und Eurhdike. Montag: Figaros Hochzeit. Tchaiispielhaus. Sonntag: Der Erbsörster. Montag: Wilhelm Tell. Dienstag: Prinz Friedrich von Homburg. Mittwoch: Die Ouitzows. Donnerstag, Freitag, Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Götz von Ber» lichingen.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Der Schwur der Treue. Neues Königl. Opernthcatcr. Sonntag: Chinaktteger. Nachmittag? 2'/, Uhr: Almenrausch und Edelweiß. Montag: Chinakrieger. Lessing- Theater. Sonntag: Kater Lampe. Nachmittags 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Montag: Die Wildente.('Ansang 7'l, Uhr.) Dienstag: Kater Lampe. Mittwoch: Und Pippa tanzt. Donnerstag: Die Weber. Freitag: Konzert. Sonnabend und Sonntag: RoSmershoim. (Ansang 7'/, Uhr.) t. Osterseiertag nachmittags 3 Uhr: Der Bibcrpelzj Montag. 2. Osterseiertag, nachm. 3 Uhr: BenignenS Erlebnisse. Hanneles Himmelfahrt. Abends: Kater Lampe. Deutsches Theater. Sonntag: Der Kaufmann von Venedig. Montag: Kabale und Liebe. Dienstag und Mittwoch: Der Kaufmann von Venedig. Donnerstag: Oedipus und die Sphinx. Freitag: Ge- schlössen. Sonnabend, Sonntag und Montag: Der Kaufmann von Venedig. Schiller- Theater 4».(Wallner- Theater.) Sonntag: Helden. Nachmittags 3 Uhr: Die Macht der Finsternis. Montag: Der Vogel im Käfig. Dienstag und Mittwoch: Helden. Donnerstag: Ueber unsere Krast. II. Teil. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Königsglaube. Sonntag: Gyges und sein Ring. Nachmittags 3 Uhr: Die Macht der Finsternis. Montag: Heimat. Nachmittags 3 Uhr: Ueber unsere Kraft.(II. Teil.) Schiller-Theater(Friedrich-WilhelmstädtischeS Theater.) Sonntag: Zapfenstreich. Nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Montag: Der Militär« staat. Dienstag: Zwei glückliche Tage. Mittwoch: Ueber unsere Krast. 2. Tell. Donnerstag: Die Macht der Finsternis. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: WanjmchinS Kinder. Sonntag: Das Gluck im Winkel. Nachmittags 3 Uhr: Der G'wissenSwurm. Montag: Zwei glückliche Tage. Nachmittags 3 Uhr: Helden. Berliner Theater. Sonntag: Der Hüttenbefitzer. Nachm. 2'/, Uhr: Der Hüttenbefitzer. Montag: Geigcnmacher. Der G'wissenSwurm. Dienstag: Der Widerspenstigen Zähmung. Mittwoch: Hamlet. Donnerstag: Die Jüdin von Toledo. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Die Sommer- srischen. Sonntag: Die Sommerfrischen. Nachmittags 2fl, Uhr: Prozeß- hansl. Montag: Die Sommerfrischen. Kleines Theater. Sonntag: DaS vierte Gebot. Nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Kinder der sonne. Dienstag und Mittwoch: Hille Lobbe. Unverschämt. Donnerstag: Kinder der Sonne. Freitag: Ge- schlössen. Sonnabend: Das vierte Gebot. Sonntag: Hille Lobbe. Un- verschämt. Nachmittag? 3 Uhr: Nachtasyl. Lustspielhans. Sonntag: Die von Hochsattel. Nachmittag? 3 Uhr: Die Logenbrüder. Montag bis Mittwoch: Die von Hochfanel. Donnerstag: Jahrmarkt in Pulsnitz. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Jugend. Sonntag: Die von Hochsattel. Nachmittags 3 Uhr: Jugend. Montag: Die von Hochsattel. Nachmittags 3 Uhr: Logenbrüder. Neues Theater. Sonntag: Cäsar und Cleopatra. Montag: Ein SommernachtStraum Dienstag: Cäsar und Cleopatra. Mittwoch: Salome. (Ansang 8 Uhr.) Donnerstag: Ein SommcrnachtStrmim. Freitag: Ge- schlössen. Sonnabend: Cäsar und Cleopatra. Sonntag: Ein Sommer- nachtstraum. Montag: Erdgeist. Lutsen-Thrater. Sonntag: Käthchen von Heilbronn. Nachmittags 3 Uhr: Die Räuber. Montag: Die Haubenlerche. Dienstag: Alt-Heidel- berg. Mittwoch: Ein SommernachtStraum. Donnerstag: Käthchen von Heilbronn. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Die Haubenlerche. Sonntag: Ein SommernachtStraum. Nachmittags 3 Uhr: Käthchen von Heilbronn. Montag: Robert und Berttam. Nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Tell. Komische Oper. Sonntag: HossmannZ Erzählungen. Nachmittag» 3 Uhr: Die Boheme. Montag: Der Corregidor. Dienstag: FigaroS Hochzeit. Mittwoch: Don PaSquale. Donnerstag: HoffmannS Erzählungen. Freitag: Geschlossen. Sonnabend und Sonntag: Hossmanns Erzählungen. Nachmittags 3 Uhr: FigaroS Hochzeit. Montag: Figaro» Hochzeit. Nach- mittags 3 Uhr: HoffmannS Erzählungen. Theater des Westens. Sonntag: Die vier Grobiane. Nachmittag? 3 Uhr: Der Troubadour. Montag: Die Schützcnliesel. Dienstag: Don Juan. Mittwoch: Die Zauberflöte. Donnerstag: Die vier Grobiane. Freitag: Elias.(Ansang 8 Uhr.) Sonnabend: Die vier Grobiane. Nachmittags 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchseld. Sonntag: Die Schützenliesel. Nach- mittag? 3 Uhr: Die Zauberflötc. Montag: Die vier Grobiane. Nachmittags 3 Uhr: Zar und Zimmermann. Trianon-Theatcr. Sonntag: Loulou. Sonntaanachmittag 3 Uhr: Die herbe Frucht. Montag bi» Mittwoch: Loulou. Donnerstag: DaS Ende der Bebe. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Da» Ende der Liebe. Sonntag: Loulou. Nachmittag 3 Uhr: Die herbe Frucht. Montag: Loulou. Nachmittags 3 Uhr: Die herbe Frucht. Residenz-Tbeater. sonntag: Der Prinzgemahl. Nachmittag» 3 Uhr: Seine Kammcrzose. Montag bi» Mittwoch: Der Prinzgemahl. Donnerstag: Denise. Freitag: Geschlossen. Sonnabend: Denise. Sonntag: Der Prinz. Semahl. Nachmittags 3 Uhr: Der Schlaswagcn-Kontrolleur. Montag: inbcsttmmt. Nachmittags 3 Uhr: Herkulespillen. tkarl Weist< Theater. Sonntag und folgende Tage: Am Mar. Sonntag, 1. Osterseiertag, und folgende Tage: Die Jagd umS Leben. Zeutral-Tlicater. Sonntag: Madame Sherry.(Ansang 7'/, Uhr.) Nachmittags 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Montag: Der Zigeunerbaron. Dienstag: Die Fledermaus. Mittwoch: Madame Sherry. Donnerstag: Der Bcltclstudent. Freilag: Geschlossen. Sonnabend: Die Geisha. Sonn- tag: Landstreicher.(Ansang 71/, Uhr.) Nachmittag« 3 Uhr: Die Fleder- maus. Montag: Landstreicher.(Ansang 7'/, Uhr) Nachmittag» 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Thalia-Theater. Sonntag bi» Mittwoch: Hochparterre link». Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Cyarley» Tante. Donnerstag: Jugend. Freitag: Geistliches Konzert. Sonnabend: Nora. Sonntag: Hochparterre links. Nachmittags 3 Uhr: Der Hochtourist. Montag: Hochparterre link». Nachmittags 3 Uhr: Cbarlcys Tante. Teutsch-Amcrikantsches Theater. Sonntag und folgende Tag«: Er und Ich. Sonntagnachmittag 3 Uhr: llebcrtti großen Teich. Sonntag, den tb. April, nachmittags 3 Uhr: Ucber'n großen Teich. Walhalla-Theatrr. Sonntag und folgende Tage: Heinrich Hewe. Die Ballhaus-Anna. Ansang 8 Uhr, Sonntags 7>/, Uhr. Casino< Theater. Allabendlich: Die Herren Söhne. Sonntag« nachmittag 4 Uhr: Die goldene Brücke. Sonntag, den 15. April, nachmittag» 4 Uhr: Ein Sohn de» Volkes. Belle- Alliancc- Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialltätm. Ztzolies Caprice. Allabendlich: Der Schmock. Dalles u. To. Apollo-Thrater. Allabendlich: DaS bummelnde Berlin. Spezialitäten. Donnerstag und Sonnabend: Elscnstücke und Spezialitäten. Sonntag, den 15. April, nachmittags 3 Uhr: Venus aus Erden. Spezialitäten. Passage- Theater. Allabendlich: Spczialttäten. Ansang 8 Uhr. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshalle». Theater. Stetttner Sänger. Bernhard Rose-Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Salon- tyrolcr. Abend» 7 Uhr: Der Salontyrolcr. Montag: Eine Gefallene. Urania> Theater. Taubcnstraße 48/43. Die Fortschritte der draht- losen Telegraphie. Sonnlag, Montag, Donnerstag: Am Göll von Neapel. Mittwoch und Sonnabend: Aus dem Innern Ostasrika». Montag und Donnerstag nachm. 4 Uhr: Tierleben in der Wildnis. DienStag: Im Lande der MiUemachtSjonne. Achtung! Achtung! 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Druck u.«erlag:«orwärt» Vuchbruckerei u. Verlagsanjralt Paul Singer& Co., ivertm SW. Nr. 83. 23. Zahrgimg. 2. KW il».Amiick" Kttüm WsM Ssnütag, 8. April 1906. Das Verbrechen von Courriöres. Wer hat den Schacht verstopfen lassen? Merlwürdig, jetzt weiß man nicht, wer den Schacht 4 hat der- stopfen lassen, wer die Tat auf dem Gewissen hat, durch welche zweifellos viele Knappen vernichtet worden sind. Der Untersuchungs- ausschuh hat nach dieser Richtung Vernehmungen vorgenommen. Warum meldet sich der Betreffende nicht, wenn er sich nicht schuldig weih? In der vorletzten Nacht sind aus dem Schacht 4 elf Leichen zu- tage gefördert. Sieben Tote konnten rekognosziert werden, wobei es zu erschütternden Szenen kam. Wie gemeldet wird, kommt man fetzt in der Beherrschung des Feuers gut vorwärts. Der Streik. Angetrieben von den Kapitalisten gehen die Gendarmen in immer brutalerer Weise gegen die Ansständigen vor. Man will an» geblich die Arbeitsfreiheit schützen und vergewaltigt das Streikrecht. BaSIy und Lamendin haben bei der Regierung gegen die Brutalitäten der Gendarmerie Einspruch erhoben. Natür- lich protestieren auch die Svceikenden gegen die Mah- nahmen der bewaffneten Macht» Am Freitagabend fanden in allen Grubenbezirken Protestversammlungen statt. Nachher veranstaltete die Menge unter Absingen der Nationale grohe Umzüge. Im Revier von Pas de Calais ist die Zahl der Aus- ständigen auf 47(XX) angeschwollen. In Douai führten Streikende 30 Arbeitswillige im Zuge fort. Der Grubenarbeiterkongreh wird nächsten Dienstag eine neue Versammlung abhalten. Inzwischen wird der Ausstand fortdauern, da der Kongreß Beschlüsse gefaht hat, die Lohnforderung von 7 Fr. 18 Cts. aufrecht zu erhalten. *•* Au? dem rheinisch-westfälis che» Industriegebiet wird«nS geschrieben: Jni Ruhrgebiet werden Ueberschichten auf Ueberschichten verfahren l Ist es doch den Ruhr-Grubemnaanaten möglich gewesen. in einem Tage über 4070 Waggons Kohlen«ach Frankreich zu senden. Soll das so weiter gehen? Unbedingt muß von den Bergarbeitern aller Länder auf eitle bessere internationale Verbindung hingearbeitet werden. Der Grubenkapitalismus ist zu gut organisiert, seine Geldmittel sind unerschöpflich. Durch kleine Streiks ist nichts mehr zu erreichen, nur durch eine internationale Verbindung kann den Grubenmagnaten wirksam ein: Bis hierher und nicht weiter! entgegeugerufen werden. Elim der frauenbcwecjimg. Schönebcrg. Der Frauen» und Mädchen-Bildungsvcrein Schöne- berg und Ilmgegend hält am Montag, den S. April, abends 81/� Uhr, Bei Obst, Martin-Lutherstr. 51, seine regelmässige Vereins» Versammlung ab. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vortrag des Herrn Dr. Bernstein über:„Oeffentliche Gesundheitspflege." Die Mit- ebeten, zu diesem Vortrag vollzählig und pünktlich glieder werden gel______„________ zu erscheinen. Gäste tvillkommen. Der Vorstand. Weißensee. Am Dienstag, den 10. April, findet im„Prä- laten", Lehderftr. 122, abends SVt Uhr, eine öffentliche Frauen- Versammlung stat, in welcher Genosse Dr. Levenstem über„Prosti- tution" referiert. Männer und Frauen von Weißensee sind zu dieser Versammlung dringend eingeladen und an die Genossinnen und Genossen ergeht die Bitte, für guten Besuch zu agitieren. Die Vertrauensperson. AdlerShof. Der hiesige Verein für Frauen und Mädchen hält an, Montag, den S. April, abends SVa Uhr, bei Wöllstein seine Mitgliederversammlung ab. Herr Schubert spricht über:„Nikolaus Lenau." Gäste willkommen. Der Vorstand. Verband der Wäsche- und Krawattenarbeiter und-Arbeite- rinnen. Heimarbeiterinnen der Wäsche-, Krawatten-, Blusen-, Schürzen-, Korsett- und Negligebranche Berlins und Umgegend! Tie nächste Besprechung für den Norden(Schönhauser Vorstadt) findet am Montag, den L. April, abends 8 Uhr, bei Lambrecht. Lychenerstr. 2/3, statt. Wir bitten die Parteigenossen, ihre Frauen und Töchter auf diese Besprechung ganz besonders aufmerksam machen zu wollen. Die SettionSleitung. Friedenau. Am Dienstag, den 3. April, hielt der Frauen- und Väädchen- Bildungsverein eine gut besuchte Versammlung ab, in welcher Dr. Sommerfeld über„Gesundheitsgemäße Erziehung der Kinder" sprach. Er schilderte in ausführlicher Weise alles, was dem Kinde von seiner Geburt an bis in die Schuljahre zweckdienlich und förderlich ist. Im zartesten Säuglingsalter spielt zweckmäßige Nahrung und Reinlichkeit die Hauptrolle. Erstere soll nur in der Muttermilch bestehen. ES sei sehr tadelnswert, diese dem Kinde zu entziehen. Ist eine Mutter nicht imstande, ihrem Kinde diese zweckmäßige Nahrung zu verabreichen, so kann nur durch sorgfältig vorbereitete Kuhmilch einigermaßen Ersatz geschaffen loerden. Dem Kinde mutz Luft und Licht tn reichstem Maße zugeführt werden. Schon eine Woche nach der Geburt soll der Säugling selbst im Winter bei ruhigem Frostwetter ins Freie gebracht werden. Kälte schadet dem Kinde nicht, sie härtet vielmehr gegen mancherlei Leiden ob. Tic Untugend, das Kind durch Sauger, welche vielfach von zweifelhafter Sauberkeit sind, zu beruhigen, hat in vielen Fällen zu gefährlichen Ansteckungen geführt. Das Rütteln und Herum- fahren des Wagens, in welchem das Kind liegt, ist für sein Nerven- system von großem Nachteil, auch das Tragen des Kindes ist schäd- lich, manche Rückgratverkrümmungen sind darauf zurückzuführen. Die Ansicht, das Zahnen habe allerlei Krankheiten rm Gefolge, ist eine irrige, auch kann das Zahnen durch keinerlei HülfSmittel be» schleunigt werden. Es ist den Müttern sehr ans Herz zu legen, ihre Kinder schon im ersten Lebensjahr an etwas Gehorsam zu ge- wöhnen, denn unvernünftige Nachsicht hat manchem Leiden, die Bahn geebnet. Referent zog die Vorteile der.Krippen-Kinder- gärten und sonstiger Kinder-Bewahranstalten in Erwägung, denn vielen Müttern ist eS sozialer Wtzstände lvegen versagt, sich der Erziehung ihreS KindeS zu widmen. Der Eintritt in die Schule vollzieht«m Leben des Kindes eine große Wandlung. War bisher das Spiel des KindeS Zeitvertreib gewesen, so tritt nun der Ernst des LcbenS an den kleinen Menschen heran und legt ihm seine Pflichten auf, die durch Gewährung möglichst großer Freiheiten erleichtert werden müssen. Einer der wichtigsten Gesundheits. förderer ist der Sport. Soweit es den Eltern möglich ist, müssen sie dieses Feld ihren Kindern erschließen, sie werden sich in großem Maße dafür belohnt sehen. Unter Beifall schloß der Redner seinen Vortrag. Die eifrige Diskussion bezeugte daS rege Juteresse. In Bereinsangelegenheiten wurde beschlossen, nur neueingetretene Mitglieder durch Karte zu den Versammlungen einzuladen. Mphrcre Mitglieder wurden aufgenommen. Borsigwalde-Tegel. Der hiesige Frauen- und Mädchen- Bildungsverein hielt am 4. April im Lokale von Kube seine Mit- gliederversammlung ab. Herr Privatgelehrter Glimm sprach über „Nervenschwäche und Frauenkankheitcn". Nach dem sehr lehrreichen Vortrage wurden verschiedene Fragen gestellt, welche nicht nur die Fragenden befriedigte, sondern auch bewies, daß der Bildungsvsrcin seinen Namen zu Recht führt. Frauen und Mädchen, der arbeitenden Klasse gibt er Gelegenheit, daS Wissen zu erweitern. Aufgenommen wurden zwei Mitglieder. Die nächste Versammlung findet am 25. April statt. Der Vorstand. «afierftand am v.«prll. Elb« bei Aulsig+ 1,03 Meter, bei Dresden— 0,43 Meter, bei Magdeburg-ff 2,53 Meter.— U n ft r u t bei Strautzlurt-ff 2,00 Meter.— Oder bei Rattbor-ff 2,02 Meter, bei BeeSIau Oberpegel-ff 5,1g Meter, bei Breslau Unterpegel-ff 0,3S Meter, bei Franffiirt-ff 2,00 Meter.— Weichsel bei Brahemünde -ff 6,04 Meter.— Warthe bei Posen-ff 2, 23 Meter.— N e tz e bei Usch— Meter. Warenhaus Zr. Mast( Co. 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Abends Th Uhr: in Kellers Fest- sälen, Koppenstr.: FrühlingSseier. Ansang 71/, Uhr: Spernhanö. Tristan und Isolde. (Ans. 7 Uhr.) Montag: Die Stunime von Portici. Schauspielhaus. Der Erbsörster. Montag: Wilhelm Tcll. Neues Oprrntheater. Der China« kricger. Nachm. 2'lt Uhr: Almenrausch und Edelweiß. Montag: Der Chinakrieger. tDeutschcS. Der Kausmann von Venedig. Montag: Kabale und Liebe. Berliner. Der Hüttenbcsitzer. NachmitttagS 2'/i Uhr; Der Hüttenbcsitzer. Montag: Der Geigenmacher. Der G'wissenswurm. Neues. Cäsar und Cleopatra. Montag: Ein Sommernachtstraum. Westen. Tic vier Grobiane. Nachm. 3 Uhr: Der Troubadour. Montag: Schützenliesel. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallncr-Theater.) Helden. Nachm. 3 Uhr: Die Macht der Finsternis. Montag: Der Vogel im Käfig. Schiller II.(Friedrich Wilhelm- städlischeS Theater). Zapsenstreich. Nachmittags 2 Uhr: Die Räuber. Montag: Der Militärstaat. Lessing. Kater Lampe. Nachm. 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Montag: Die Wildente.(Ansang VI, Uhr) ttomiichc Oper. zählungen. HofimannZ Er- Nachmittags S Uhr: Die Bohdme. Montag: Der Corregidor. kleines. Das vierte Gebot. Nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Kinder der Sonne. Residenz. Der Prinzgemahl. Nachmittags 3 Uhr: seine Kammer- »ose. Montag: Der Prinzgemahl. Zentral. Madame Sherry.(Ansang VJ, Uhr.) Nachm. 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Montag: Der Zigeunerbaron. Triano». Loulou. Nachmittags 3 Uhr: Die herbe Frucht. Montag: Loulou. Lnstspirihans. Die von Hochsattel. Nachmittags 3 Uhr: Die Logen- brüder. Montag: Die von Hochsattel. Varl TSeist. Am Altar. Thalia. Hochparterre links. Nachmittags 3>/, Uhr: CharlehS Tante. Montag: Hochparterre links. Luisen. Das Käthchen von Hell- bronn. Meiropol (Anfang Vu Uhr.) Montag: Dieselbe Vorstellung. Ans. 8 Uhr. Walhalla. Einer von unsere Leut'I (Ansang VI, Uhr.) Montag: Dieselbe Vorstellung. Ansang 8 Uhr. Tentsch-Slnierikanisehes. Er und Ich. Nachm. 3 Uhr: Uebem großen Teich. Montag: Er und Ich. Kasino. Die Herren Söhne. Nachmittags 4 Uhr: Die goldene Brücke. Montag: Die Herren Söhne. glpollo. Das bummelnde Berlin. Spezialitäten. Nachmittags 3 Uhr: Venu? aus Erden. Montag: DaS bummelnde Berlin. Folies Gaprice. Der Schmock. Dalles u. Co. Montag: Diesewe Vorstellung. Wintergarten. Spezialitäten. Montag: Dieselbe� Vorstellung. Bellr-Nlliance. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Reichsh alle». Stcttiner Sänger. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Vorstellung. Urania. Tandensiraste 4Nf49. Abends 8 Uhr: Am Gols von Neapel. Montagabend 8 Uhr: Am Gols von Neapel. Nachmittags 4 Uhr: Ticrleben in der Wildnis. Sternwarte. Jnvalidenstr. S7/SL. Spezialitäten. Lustspielhaus. Nachm. 3 Ahr: IiOs,-cnbriidcr. Abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Ferdinand Bonns Berliner Theater. Nachm. 2'/, Uhr zu ermüßigt. Preisen: Der Hiittenbesitzer. Abends 7'/, Uhr: Der Hüttenbesitzer. Montag: Ose Geigenmacher von Cremona. Der G'wissenswurm. Heues Theater. Ansang 7«/, Uhr. Caesar und Cleopatra. Montag: Ein Sommernachtstraum. Dienstag: Caesar und Cleopatra. Mittwoch: Salome. Ans. 8 Uhr. Kleines Theater. Nachmittags 3 Uhr: Abends 8 Uhr: |Das vierte Gebot. Montag: Kinder der Sonne. Komische Oper. Nachmittags 3 Uhr ermäßigt. Preise Die Boheme. MendS 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Montag: Der Corregidor._ (Statton Zoologischer Garten) SKantsti-itk« 18._ lag mittag 12 Uhr: Matinee, Tanz- Phantasien. Irene Sanden. Nachmittag 3 Uhr kleine Preise: Der Troubadour. Abends VI, Uhr: Die vier Grobiane. Montag: Schützenliesel. Zentral»Theater. (Operette.) 3 Uhr: Zigeunerbaron. Wends VI, Uhr: Madame Sherry. Luisen-Theater. Nachmittags: Die Räuber. Abends: Das Käthchen von Heilbronn. Montag: Die Haubenlerche. Dienstag: Benefiz für Müller: Alt» Heidelberg. Minwoch: Ein SommernachtStraum. Donnerstag: Das Käthchen von Heilbronn._ Residenz-Theater. Oirehtion: Richard Hlexander. Heute zum 160. Male morgen und folgende Tage 8 Uhr: Der Prinzgemahl. 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Scliiiler- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Sonntag, nachm. 3 Uhr: vlv Zlsclit der Flnstcrnle. Schauspiel in 5 Atte» v. Leo N. Tolstoj. Deutsch von Raphael Löwenjeld. Sonntag, abeudZ 8 Uhr: Helden. Komödie in 3 Auszügen von Bernard Shaw. Deutsch v. Siegfried Trebitsch. Montag, abends 8 Uhr: Her Vogel Im Kfiilg:. DienStag, abends 8 Uhr: Helden. Theater. Schiller-Theater H.(Friedr.-Dilh. Th.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Hie Räuber. Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich Schiller. Sonntag, abends 8 Uhr: ISnplenstreieli. Drama in 4 Auszügen von Franz Adam Beyerlein. Montag, abends 8 Uhr: Her THHtärstaat. Dienstag, abends 8 Uhr: Zwei gl üekllche Tage. Die russische Revolution Castans Panoptikum Friedrichstr. 1 65. 7S3L' 65 Abessinier.— Setzte Woche. * Nachm. 4 Uhr. XI. Berliner Saison. Zirkus Bwseh Abends 7,/,Uhr. 2 Große Gala-Vorstellungen. Nachmittags zahlen Kinder A auf allen Sitzplätzen halbe Preise." 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AbendS 8 Uhr: Einmalig. Aufführung. Am Zlltar. Zeitgemälde in 5 Akt. v. Blumenreich. Montag— Sonnabend geschloffen. Ab ersten Feiertag zum erstenmal: Novität: Die Fagd»ms Lebe». Krug zum Grünen Kranze Alexanderplatz (im Keller) Allabendlich: „Fidelitas!" Damen-Orchester Bedienung nach Münchener Art. Sntree frei. Säle v. 200-1000 Pers. fassend. W. Noacks Thealer. Dlreklio»: Rob. Olli,«mimen str. 16. Letzte Vorstellung vor Ostern: Gn Plinstr Tliugtlüchts. Volksstück in 4 Akten von Töpfer. Vorher: Eine vollkommene Frau. Slns. 8 Uhr. Entree 30 Ps. bis 1 M. Von Montag bis Sonnabend ge- schlössen._ Reichshallen. Stettiner Sänger. Neu! Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Walhalla-Theater Einer von unsere Leu!'! Volksstück in 6 Bildern nach O. F. Berg von D. Kalisch. Ans.'/,8 Ubr. Rauchen überall gestattet. Belle°i\ll!ance Eintritt 50 Ps. Theater- Variitb. Ansang 8 Uhr. Allabendlich: 116111? Buda der Sänger mit der Laute und das neue glänzende April-Äonkurrenz-Programm. Kasltio-Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Die Herren Söhne. Gastspiel v.Tower u. Clayton. Neu! liickaon nsw. usw. Sonnt. 4 Uhr: Die goldene BrDcke. «Ml Horltzplatz. «üglich � in den nuteten Sälen ♦ öottschalk-Konzert. Bernliard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Nachmittags 3 Uhr bei volkstümlichen Preisen sowie abends 7 Uhr: Der Salontiroler. Lustspiel in 4 Alten von G. v. Moser. Billett- Vorverkauf 10—1 Uhr an der Theaterkasse. Morgen Montag große Extra- Venefiz-Vorstelluiig für Lina und Karl Moeller: Eine Gefallene._ Stadt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/49. Heute Sonntag, den 8. April 1906 (Palmsonntag): (iastspiel des Berliner Schau- und Lustspiel-Ensembles unter Leitung von Bans Vilain Der Straßenjungt von Paris. Volksstück in 4 Akten von C. Toepser, Ansang 6 Uhr. Kaffeneröffn. 5 Ubr. Billett-Vorverkans von 10 bis 1 Uhr an der Theaterkasse. Nächste Vorstellung: 1. Dsierfeierlag. SaDSSOUCi. Straße 4� Dir. Wilhelm Reimer. Heute Sonntag, morgen Montag: letzte Verstell,»er Ostern. HokTmanns Norddeutsche Sänger. An allen drei Feiertagen: lZfcSe Extpa-Eliie-SolFee. paiast-Theater Burgslr. 24, llMin.v.Bh.Börse Heute ljiH Uhr. Entree 50 Ps. Das einzig dastehende April-Programm! U. o.: Leu 5 Orami, Strandszene. Eine Berliner Grisette, Posse. DonnerSlag, den 12. April 1906, Freitag, den 13. April 1906, Sonnabend, den 14. April 1906 bleibt das Theater wegen umsassender Vorbereitungen für das Oster» Pro- gramm m— soachlosscn!— Urania 8 Uhr: Am Golf tod Neapel. Montag 4 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Abenes 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Sternwarte olosseunt Dresdenerstp. 97. Größter Erfolg 5!V äes neuen'9S Speziali tüten-Progr. Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Palm-Toiintag, den 8. April er.: Grofier Schauspiel-Abend. Der beste?lrzt. Schauspiel in 4 Akten. Ansang 6 Uhr. Entree 40 Ps. 2. und 3. Feiertag: Festvorstellung und Tanz. Neueröffnet! t-Äusstellungs- »(8t. Louis) Theater lebender Photographien mit äbweeiiselDii. Atmonitäten-Progr. Neu I Die Hungerleider. Neu I Soziales Bild aus dem Leben. Den ganzen Tag Vorstellung. Otto Pritzkow, Münzstraße 16. Mittwoch, den 18. APrik p* Schlui- der Saison k-W> Zirkus tlherl Sehumann Heule Sonntag, den 6. Slpril, nachm. 3'/, Uhr und abends Vj., Uhr 2gr. brillante Gaia-Vorstellung'cn A ÄÄEiflKiödfrei!/ Jedes weitere Kind unter zehn H Jahren balbe Preise(außer Galerie). MM" Achtung'"9® In beiden Vorstellungen, ncichmittags und abends: SfSV Ausnahmsweise"WS S'gÄ Gormorans In beiden Vorst, nachm. und abendS Japanische Gaukler mit ihren absolut neue» Tricks. Ferner: In beiden Vorslellunzen: Die großartigen neuen Spezialitäten, Clowns, Auguste sowie Dir. Albert Schumanns neueste Monsterdressuren. Nachmittags zum Schluß die reizende Sportpantomime: Ter Tag deS Englischen Derby. Abends: Zum Schluß zum IIS. Male: ET— das ucne remina Frauenrelch. Vereins-Säle Bruse's Ball-Salon. 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Oster-Feiertag), bei Buggenhagen am Moritzplatz(im grossen Saale): Grolle llatlnee ausgeführt von den FfitZ StCldl-Ssllgerfl. r i Anfang 12 Uhr. Programm an der Kasse. Eege Beteiligung erwartet 240/13 Entree 30 Das Komitee. Sozialdemokratisciier Waiilverein für den 4. Berliner Eelclistags-Waiilkreis. Sonntag, den 15. April 1906(1. Oster-Feiertag): Große Matineen im Konzerthaus Sanssouci, Kottbusersfraße 4a, und in Louis Kellers Festsälen, Koppenstraße 29. Auftreten der Gesellschaft Strzelewlcz und der Volissänger- Gesellschaft Schmcltzer, GnOrlch, Balze. Die Haelk wird ausgeführt vom Berliner Konzert- Orchester und vom Neuen Berliner Konzert-Orchester unter Leitung der Direktoren Herren Banse und Tlctz. Anfang pünktlich 12 Uhr. killet 30 Pfg. OeSentliohe Kasse findet nicht statt. Das Komitee. Montag, den 16. April(2. Osterfeiertag): Neun Matineen In den Gesamträumen der„Brauerei Königsfadt", Schönhauser Allee 10 und „Fröbcls Allerlei-Theater'1, Schönhauser Allee 148 unter Mitwirkung der Horst Nord- deutschen Humoristen und Quartettsllnger und des II Berliner •Trio. MU" Konzert ausgeführt von Mitgliedern des Zentralverbandes der Zivilmusiker Deutschlands. Dir. M. Mehlhase. Kassenverkauf findet nicht statt. Oranienburger Vorstadt. „Germania-Feslsälo"(Großer Saal), Chausseestr. 103 unter Mitwirkung des Gesangvereins ..Nordwncht"(Mitglied des Arbeiter- Sängerbundes) und der Hainhnrger Süngfcr(Direktion W. Wolff). Herren WolS, Werner, Holder, Peldow-Bechly, Gröning, Christon, Held und Manthey. Ballschmleders Kastanienwäldchen, Badstr.16 Bernhard Rose-Theater, Badstr. 58. Schirms Festsäle, Badstr. 19. Mitwirkende: Willy Walde-Slinger. Norddeutsche iSängcr. Elite- Streich- Orcheeter des Musikdirektors Herrn Fritz Blume. Kassenverkauf findet nicht statt. Wedding. „FeldschlSBchen", Müllerstr. 142 unter Mitwirkung des Gesangvereins „Freiheit- Nord"(Mitglied des Arbeiter- Sängerbundes) und Paul Schönherrs Erfurter Quartett- sänger and Hamorlsten. Moabit. ScHöneberg. Sozialdemokratischer Wahlverein. „Moabiter Gesellschaftshaus", Wiclefstraße No. 24 und„Brauerei Patzenhofer", Turmstraße No. 25—20 unter Mitwirkung der Volkssänger- Gesellschaft„Btrzlewicz" und„Uewandowsky" sowie des Gesangvereins „Vereinte Sangesbrüder Moabit" und turnerische Aufführungen von Mitgliedern des Turnvereins„Fichte". Kassenverkauf findet nicht statt. X X Aenderungen des Programms vorbehalten. Eröffnung II Uhr. XXX Anfang prizise 12 Uhr. X Enfree 25 PI. Stühle und Tische dürfen nicht reserviert werden. Zu zahlreichem Besuch ladet ein 247/20 Da» Komitee. Alle» Freunde» und Genossen teile Hierdurch mit.§ nlr*>l eröffnet bah ich mein fc.WKcai Schankwirt,[11216 Wichertztr. 159. Sonnta in den 15, April(1. Osterfeiertag), bst's Fentsttien, Meiningerstraße 8: Osfer-Vergnfigen. KlmorMie Vorträge der UolKssänger Lewaudowsky. Artiftentrnppe Apollo. Anfang 5 Uhr. [15/7] en free 35 Pf. Siflettä Jinb_ bei_ den jjeajrfäf ühreiii zu haben._ Der V p r.tand. Lichtenberg. Montag, den 16. April(2. Osterfeiertag): Große Matinee In GehP. Ärnliolils„Sehwarzen Adler", Frankf. Chaussee 5/6 veranstaltet von den Parteigenossen Lichtenbergs. Konzert und hnmorist. Aufführungen. Entree SO Pf. rer- Anfang 12 Uhr. Kasseneröffnung 11 Uhr. 4- k I. Hyglen. Bedartsartlkel Illustr. Preisl. frei. Gustav Engel, Berlin t72, Potsdamer Straße 131. lugnsl Lucas, «mm. SWtapIe, Irikolaget Spezial-Geschäft. Gegr. 1872.• Anton Boeker5 Ball-Salon, empfiehlt den geehrten Gewerkschastcn und Vereinen seinen großen Baal mit Garten zu Festlichkeiten und Versammlungen, auch Sonntags. WM" Im Garten: tl. 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Sie begann mit einer GcschäftsordnungSdebatte. G rudert stellte den Antrag, die DiS. lussion von der vorigen Versammlung fortzusetzen. Dies wurde jedoch abgelehnt. In seinem Refevat bemerkte W« l S zunöchst, daß er nicht vom Vorstand des Wahlvereins bestellt, sondern vom Aktionsausschuß hierher delegiert worden sei. Ter Redner schilderte dann die Um- stände, die vor nunmehr 15 Jahren zum Boykott der Philharmonie geführt haben und die Erfahrungen, die die Berliner Parteigenossen seitdem in dieser Hinsicht gemacht haben. Dan, als habe sich die Leitung der Philharmonie bei den Verhandlungen keineswegs darauf berufen, daß das Lokal lediglich 5K>nzcrtsaal sei; Gewerkscbaftsver- sanmilungen, große Streikversammlungen habe sie nicht verschmäht, nur für die politischen Versammlungen der Arbeiterschaft sollt« das Lokal nicht hergegeben werden. Fni Laufe der Jahre hätten dann viele polnische Versammlungen bürgerlicher Parteien dort statt- gefunden. Die Pläne des Flottenvereins seien dort auSgchcckt worden und die Versammlungen der Landwirtschaftlichen Gesellschaft, die auS denselben leitenden Personen wie der Bund der Land- Wirte bestehe, seien doch auch nicht als unpolitisch anzusehen. Nur die Vertreter der größten Kulturbewegung, die Sozialdemokraten, wolle man nicht als gleichberechtigt anerkennen. Der Redner kriti- siert dann das Verhalten der Neuen Freien Volksbühne, die sich schoil im vorigen Jahr« einfach dem Boykottbeschluß nicht fügte, was doch ähnliche Vereine, wie die.Freie Volksbühne", die„Kreuz- berger Harmonie", die„Typographia", ohne weiteres taten. Und jetzt sei die Leitung jener Volksbühne wieder mit ihrem Antrag auf Aufhebung des Boykotts gekommen, nachdem sie den Saal bereits gemietet hatte, also offenbar mit der Absicht, sich dem Beschlüsse der Partei doch nicht zu fügen. Auf die Anfrage des Aktionsausschusses, ob schon Abmachungen über den Saal getroffen seien, kam die Ant- wort, daß der Geschäftsführer der Bühne den Saal„für einen der letzten Tage des Aprrl reservieren ließ". Das sei nichts anderes, als das verklauselierte Geständnis, daß man schon verpflichtet war, als man den Antrag auf Aufhebung des Boykotts stellte. Wenn die Leitung der„Neuen" den Parteiorganisationen Vorwürfe über eine nicht demokratische Entscheidungssornl machen wolle, habe sie wohl am allerwenigsten Ursache dazu, denn iin Vorjahre sind ihre Mit- glieder so wenig zur Stellung des Aufhedungsantrages, als zur Entgegennahme des Ablehnungsbeschlusscö durch die Parteniistanzcn herangezogen worden. Völlig autokratisch hat man über die Mir- glieder verfügt, indem man sich dem selbst herbeigeführten Beschlüsse nicht fügte. Wenn dann später die Generalversammlung der Leitung weder Lob noch Tadel erteilt habe, sei di«S keineswegs eine Rechtfertigung dieses Verhaltens. Auch in diesem Jahre erfolgte die Stellung des AufhebungSantvageS lediglich durch die Leitung. Eine außerordentliche Generalversammlung der Mtglieder wurde erst einberufen, als dieser daS Feuer durch das ablehnende Ber- halten der Parteiorganisaftonen unter den Nägeln brannte. Bei aller Sympathie für die Volksbühnen und ihre Bestrebungen müsse strengste Disziplin von den Parteigenossen verlangt werden. Ein Beschlutz, die Philharmonie für künstlerische Vereinsveranstaltungen freizugeben, werde notwendig auf eine schiefe Eben« führen. Das beste Kampfmittel der Arbeiterschaft gegen die Saalverweigerung, der Boykott, müsse auch in diesem Fall den, Beschluß der Partei entsprechend auftecht erhalten werden. Der Redner wie? schließlich yuf die Erklärung des Aktionsausschusses im.Vorwärts" vom 20. März hin._ Hierauf teilte der Vorsitzende, Genosse Hoffmann, mit, daß bei der Beratung in den Zahlabenden von den 131 Bezirken des vierten Kreises sich 110 für die Aufrechterhalwng des Boykotts in der bisherigen Form erklärt haben, 7 für dessen Aufhebung und 8 für die Ausdehnung des Boykotts auch auf den persönlichen Ver- kehr. AuS 6 Bezirken liegt keine Aeußerung vor. Ein Antrag, die Philharmonie auch für den persönlichen Verkehr der Parteigenossen zu sperren, ist auch von der Kreiskonferenz gestellt worden. Es entwickelte sich dann eine sehr lebhafte Debatte. Genosse G rudert bemängelte das Verfahren, daS ün vierten Wahlkreise eingeschlagen wurde. Dadurch, daß die Sache in den Bezirken«nt- schieden wurde, sei den Mitgliedern, bevor sie eine ausführliche Be- gründung seines Antrages gehört hätten, eine Meinung aufgenötigt worden. Der Redner stellte dann seinen Antrag von neuem und erklärte, daß es unsinnig sei, die Philharmonie für den persönlichen Verkehr freizugeben, was doch nur den besser gestellten Genossen zugute komme, während man sie für die große Masse der Genossen. die auf die wohlfeilen Vereinskonzerte angewiesen seien, sperre. DaS Verhalten der„Neuen Freien Volksbühne" zu dem Boykott. beschlutz und bei ihrem Antrag auf Aufhebung des Beschlusses, ver. urteile er auch, doch sollte das Vorgehen der„Neuen Freien Volks- bühne" die Parteigenossen nicht abhalten, anders zu beschließen» Genosse David, der Mitglied der Lotalkommission war, als vor 15 Jahren der Boykott über die Philharmonie verhängt wurde, teilte mit, daß die Leitung dieses Instituts damals die Ansicht ge- äußert hat, daß durch sozialdemokratische Versammlungen der Charakter des Lokals als Kunstinstitut herabgewürdigt werde, obwohl in den Jahren vorher z. B, die Maurer dort große Streikver- sammlungcn abhielten. Gegenüber einer Aeußerung GnubertS, daß der alte Liebknecht eS direkt abgelehnt habe, sich dem Boykott- beschlutz zu fügen, bemerkt der Redner Liebknecht sei, alS er damals nach Berlin kam, nicht mit den Verhältnissen vertraut gewesen und Hab« angenommen, die Philharmonie sei ein Kunstinstitut, das für Arbeiterversammlungen gar'nicht in Frage käme. Als ihm dann der Sachverhalt klargelegt wurde, fei er anderer Meinung gc» worden. Nachdem die Debatte geschlossen war, wurde zunächst Wer fol- gende Resolution abgestimmt: „Die Generalversammlung schließt sich in Sachen des Phil- Harmonie-Boykotts voll und ganz dem Beschluß des Zcntralvor- stände? der Wahlvereinc Groß-BerlinS an und verpflichtet sich zu konsequenter Durchführung desselben." Dieser Antrag wurde gegen wenige Stimmen angenommen. Ebenso ein Antrag der Genossen B a r t e l t und G a s a, ent- sprechend dem Antrage der Kreiskonferenz den Boykott auch auf den persönlichen Verfehr auszudehnen. Die übrigen Punkte der Tagesordnung, darunter ein. Antrag auf Einsetzung eine» Schiedsgerichts wegen Ausschluß eines Mit- gliedes, wunden vertagt. Der Vorsitzende H o s f m a n n machte darauf aufmerksam, daß der Genosse Otto Maaß, dem eine Rüge wegen Vernachlässigung der Stadtvcrordnetenwahl erteilt worden ist, nicht der Arbeitsvermittler Maaß vom Holzarbeiterverband ist. Berliner GewerkschaftSkvmmisflon. In der am Montag ab- gehaltenen Versammlung der Delegierten stand als erster Punkt ein vom Ausschuß neu ausgearbeitetes Regulativ zur Beratung. Ritter gab die Einleitung, indem er ausführte, daß sich eine Aenderung des bisherigen Regulativs infolge der Beschlüsse deS letzten Gewerkschaftskongresses notwendig gemacht habe. Redner erläutert die einzelnen Absätze, von denen aus dem alten Regulativ verschiedene mit herübergenommen sind; so die, daß bei allen Aus- ständen, wo die moralische und materiell« Hülfe der Berliner Arbeiterschaft in Anspruch genommen werden soll, vorher recht- zeitig von der betreffenden Gewerkschaft Beratungen mit den ver- wandten Berufen und der betreffenden Jndustriegruppe zwecks genauer Prüfung der Umstände anzuknüpfen sind und daß ferner über den Stand einer Lohnbewegung allwöchentlich dem Ausschuß Bericht zu erstatten ist� Ein Antrag der Graveure zum 1. Absatz wurde, da er sich dem Sinne nach mit der Vorlage deckt, abgelehnt. Ausdrücklich wurde festgestellt, daß an dein bisherigen Modus, wonach die einzelnen Gewerkschaften über die Taktik bei Streiks innerhalb ihres Gewerbes selbständig entscheiden, nichts geändert werde. Ein weiterer Antrag der Graveure, den Ausschuß zu ver- pflichten, bei Differenzen, die sich zwischen einzelnen Organisationen gebildet haben, als entscheidende Instanz zü fungieren, wurde nach gepflogener Debatte unter Hinweis auf die sich aus diesem Beschluß ergebenden Konsequenzen, beispielsweise auf dem Gebiete der Grenz- stteüigleiten, ebenfalls gegen wenige Sttmmen abgelehnt. Der Ausschutz wird trotzdem wie bisher, wenn er als Vermittelungs- instanz von beiden Seiten angerufen wird, eine Vcrmittclung nicht ablehnen. Eine längere Debatte zeitigte der Punkt Abstimmung. In der Vorlage war die namentliche Abstimmung nach der Größe der Gewerkschaften vorgesehen, wenn 10 Delegierte dies beantragen. Hiergegen tvaudten sich Anträge der Kürschner, Graveure und Stein- arbeiter auf Streichung dieser ganzen Bestimmungen und Vornahme der Abstimmung nur nach Matzgabe der anwesenden Delegierten. Die Antragsteller, denen sich auch die Vertreter der HandlungS- gchülfen und der Handschuhmacher anschlössen, befürchteten durch die namentliche Abstimmung ein Ucbergcwicht der großen gegen die kleinen Gewerkschaften. Dem wurde andererseits ciitgegengehalte«, daß die in den großen Gewerkschaften vertretenen Mitglieder doch auch ein Recht hätten, vertreten zu sein; im übrigen sei die schon im alten Regulativ enthaltene, wenn auch ungemruc Bestimmung im Laufe der Jahre, mit Ausnahme eines einzigen Falles vor kurzer Zeit, niemals angewendet worden.' Es steht nicht zu er- warten, daß in Zukunft anders verfahren werde. Die Anträge wurden abgelehnt, die Bestimmungen der Vorlage auf Grund eines Antrages der Töpfer mit der Aenderung angenommen, daß zur Stellung des Antrages auf namentliche Abstimmung zehn Delegierte von zehn verschiedenen Organisationen notlvendig sind. Die Beiträge für die Kommission wurden nach dem Vorschlage des Ausschusses, den Genosse K ö r st e n mit den erhöhten Anforderungen, welche cm die Kommission gestellt werden, eingehend ivgründete, von 10 auf 15 Pf. pro Jahr erhöht. Ein Antrag der Steinarbeiter, den Ausschuß durch Bestimmungen im Statut zu verpflichten, bei Streittgkeiten zwischen zwei Organisationen beide Parteien zu laden, wurde, da dies als selbstverständlich erachtet, abgelehnt. An- genommen wurde eine Bestimmung, tvonach der Ausschuß bei An- Wesenheit von zwei Dritteln seiner Mitglieder verhandlungS, und beschlußfähig ist. Ein Enttvurf, der die Stellung der an die Ber- liner Gewerkschaftskommission angesckssossenen Vorortkartelle regelt, fand die Zusttmmung der Delegierten. Hierauf wurde der Ge- samtentwurs einstimmig angenommen.— Als Kandidaten zur Neu- Ivahl des Ausschusses wurden vorgeschlagen: Börner(Tabak- arbeiter), Brückner(Graveur), Dittmer(Städtische Ar» beiter), Hartmann(Metallarbeiter), Heide mann(Bau- arbeiter), Maaß(Holzarbeiter), Neu mann(Putzer), S cha d e (Buchbinder), Sie ring(Schmied) und Wappler(Verein Berliner Hausdiener).— Die Boykvttangelegenheit der Schneider wurde der vorgerückten Zeit wegen von der Tagesordnung abgesetzt. Von den Lohnbewegungen der Maler, Bäcker und Barbtere wurde Kenntnis genommen. Damit war die Tagesordnung erledigt. ES fehlten die Vertreter der Schriftgießer, Stereotypeure, Eisenbahner, Gärtner.Bretterträger, Handels- und Transportarbeiter, Kassen- beamten. Mormorarbeiter, Porzellanarbeitcr und Lylographen. Das richtige Getränk, richtig zubereitet, ist das Bollkommenste und Beste, was man genießen kann. Als rWtigeS Getränk zum täglichen Genüsse für die Familie empfehlen die Aerzt« KathreinerS Malzkaffee, und zwar nicht zum wenigsten wegen feines würzigen, kaffeeähnlichen Wohlgeschmackes, durch den er, abgesehen von semer Zuträglichkeit und Reinheit, sämtliche anderen Malzkaffees ausnahmslos in den Schatten stellt. Diese unschätzbare Genuß- Eigenschaft entwickelt der.Kathreiner" jedoch nur dann, wenn er richtig zubereitet wird, nämlich sKlckitru fein mablen.— Slnen grollen Copf nehmen. — JKIcht OberbrOhcn, fonckem mit kaltem Makler anfetzen.— Langfam zum Kochen dringen.— 3—5 Minuten kochen lallen, dann vom feuer rücken.— IMcrauf noch i— z Minuten stehen lallen- dann abgiellen oder durchseihen.— Gekochte, gute MU Morgen, Montag, öen 9. April öe�rlt5'Ver8Smm!ungev. In diesen Versammlungen werden ntf abends von 6— 9 Uhr die Stimmzettel zur Urabstimmung die Gehälter der Verbandsange stellten betreffend, eingezogen. Die Kollegen, die noch keine Stimmzettel haben, erhalten solche in diesen Bersammlnnge». II erden.. mnng ange- Rosenthaler o. Schönhauser Vorstadt:< vei Schük. > Schönhaus.-Allee2S> Tagesordnung: t. Vortrag:.Das Recht im gewerblichen ZlibeitSverhätt- NiS", Referent Kollege Eine r� 2. Perbandsangelege»>heiten. 3. Ver« chiedenes. Frauen und Nichtmitglieder haben Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Osten und Nordosten:«»»»-«? itrahe»i. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen A. Struepp:»Der russische Freibeitsdichter Maxim Gorli, Rezitationen". 2. VerbandSangelegcnheiten und Verschiedenes. ES ist Pflicht aller Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Kovlsipsta Unvaiffa' im Schwarzen Adler(Jnh. Gebr. Arnhold), Uvdlll�llv IUI Ul iv. Friedrichsberg, Frankfurter Chaussee s. Tagesordnung: t. Vortrag des Kollegen T a r n o w über:„Bilder vom russische» Freiheitskamps*. 2. Diskussion. 3. VerbandSangelegcnheiten. 4. Verschiedenes. gM" Kollegen l Eurem Wunsche gemäß steht nun ein interessanter Vortrag auf der Tagesordnung. ES ist daher Pflicht, mit Euren Frauen zahl- reich zu erscheinen. Der Bezirksletter. Süden o. Südosten: imMsrrische«Hof, Admtralstr. iso. Westen und Südwesten: be,»avei. B-rgmannstr.s-?. Tagesordnung: t. Vortrag deS Reichstagsabgeordneten Rechtsanwalt Wolsgang Heine über:.Die Gesährdung des KoalitionSrechleS durch die Rechtsprechung*. 2. Diskussion. 3. Verbands-Angelegenheiten und Ber> schiedenes. DeS hochwichtigen Vortrages halber muh jeder Kollege erscheinen. 83/14 Uedding u. Gesundbrunnen: lmCoraI�Är:!,7,.brodt' Tagesordnung: 1. Vortrag der Genossin Frau Dr. Wehl über:„Die Frau und der Sozialismus*. 2. Diskussion. 3. VerbandSangelegenhciten. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich mit ihren Frauen zu er« schewen. DerBezirkSleiter: Ehrhardt. Die Beitragsammler werden ersucht, die auf den Zahlstellen ädrig gebliebenen Stimmzettel Montags 6 Uhr abends nach den Bezirksversammlungen zu besorgen Zentral-Verbanil der Tepfer Deutschlands. _- Filiale Berlin._ Donnerstag, den 12. April 1906, abends 6'/2 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer IS(großer Sank) Gen&raUVersammlunQm Tagesordnung: 1. Abstimmung über den Antrag Koinzer. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Wahl des gesamten Filialvorstandes. 4. Abstimmung über den Chamottetarif. 6. Verschiedenes. In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ersuchen wir die Kollegen vollzählig zu erscheinen. Der Vorstand. In der heutigen No. 14 des.Töpfer* ist obige Generalversammlung infolge eines Druckfehlers zum Donnerstag, den||j 19. April einberufen; es soll heißen: Donnerstag, den lÄ. April 1906. D. O. Moabit: bei Nagel, Putlitzftraste 10. Verband der an Holzbearbeitungsmaschinen beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend. Am Montag, den 9. April» abends 8'/z Uhr: M General- Versammlung � im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer IS, großer Saal. Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vortrag des Herrn Dr. Sch üler über: Moderne Licht- behandlung(Röntgenstrahlenbchandlung, Radiumstrahlenbehandlung, Finsenbehandlung). 3. Diskussion. 4. Stellungnahme zum I. Mai. 5. GewerkschastlicheS. 7S/8 Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Borstand. stll. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. D. O. Gewerkschaft der Maler Telephon Ami I. 7779. Berlins und Umgegend. Bureau: Stralauerstr. 48. Telephon Amt t 7779. Montag, den 9. April 1906, abends 8'/, Uhr, in Boekers Festsälen, Weberstr. 17: Wvrsammlung. TageS-Ordnung: i. Bericht über den Stand des Streiks. 2. Diskussion. Sämtliche ln Arbeit stehenden und streikenden Kollegen find verpflichtet, zu dieser Versammlung zu erscheinen. Kontrollkarte legitimiert. ver VorstwDd. Der Arbeitsnachweis der«ewerkschaft der Maler Berlins. Stralauerstr. 48. Telephon Amt 1, 7779, ist während der Dauer deS Streiks ununlerbrochen von vormitlagS 7 Uhr bis nachmittags S Uhr geöffnet und werden GeHülsen und Anstreicher an diejenigen Unternehmer, die den Taris der Gehülsmschasl unterschrieben haben. jederzeit vermittelt. 155/4 Die Strcikkontrolle für Streitende geschieht im Bureau, Stralauerstr. 43 von vormittagS'10— 11 Uhr und nachmittags von 4—5 Uhr.__ Die StrelklcUnng. Orts Krankenkasse des Töpfergewerbes zu Berlin. Donnerstag, den 19. Aprll 1903, im Königstadt> Kasino, Holzmarlt- straffe 72: Generai- Versammlung der Delegierten. TageS>Ordnung: Bericht deS Vorstandes.— Beucht des Prüfungsausschusses.— Verschiedenes. 272/4 Eintritt nur gegen Vorzeigung der == Legitimationskarte.■ H»go John, Vorsitzender. Max Huhu, Schriftsührer. MW Smnuenbaner u. Külfsarbeiter. Verbanil der baugewerbi. Hilfsarbeiter Deutschl. Montag, den 9. April 1906, abends 8 Uhr. im Lokal von ch.»g:u»tia, Lranienftraste 163: Hdp* Versammlung"UW nllrt im Krmmenbaufach beschiistigien Arbkiter. TageS-Ordnung: 1. Der Stand unserer Bewegung. 2. Anträge und Verschiedenes. Das Erscheinen aller Kollegen ist erforderlich. 33120*_ Der ZweigvereinSvorstand. IMterkODfektionS'Schneilkr und Schneiderinnen! Montag, de» 9. April, abends 8'/, Uhr, im»Englischen«arten». Alexanderstr. 27 o: Oeffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht über die Stellung der Arbeitgeber zu unseren Forderungen. L. Beschluffsassung über das Angebot der Arbeitgeber. Kollegen und Kolleginnen, erscheint zahlreich in dieser Versammlung. 163d Die LohnkommiHsion. Oeffentliche Versammlung der Krankenkassen-Eingestellten Groß-Berlins am Montag, den 9. April 1906, abends 8 Uhr, im.Englischen Garten*, Alexanderstraste S7e. TageS-Ordnung: 1. Die Mastregelung von 19 Kollegen durch den Borftand der OrtStrankenkasse der Schneider.(Fortsetzung der am 3. April ver« tagten Diskussion.) 2. Berichterstattung über die Einigungsverhandlungen. ' Es ist Pflicht aller Kollegen, zu erscheinen!= Der Borstand der Bcztrtsgruppe de? Verbandes der Berwaltungsbeamten der Krankenkaffe» und Berussgenoffenichaften Deutschlands. __ I. A.: Emil Ptannkuch._ 291/11 Verein für f rauen u. JVIadchen der Arbeiterklasse« Mentag» de« 9.«pril. abends 8'/, Uhr. in Feuersteins FettiSlen, Alte Jatobstr. 76: v-rt-aa.-»« E-n"«»-mann llbn-„pif tim�imscht SttöBiunj boi 100|al|tf«."«---Z». jlrbeiter-Bildungsschule Berlin Sonntag, den 8. April, abends 7 Uhr, im Gcwcrkschaftshauie, Engel-Ufcr 17», Saal 1: Uortrag-°n frau Dr. Sußmann 05«:„Moderne Erziehung". Nach dem Vortrag:(fctnüMches 3eisammen- seln und 7anz • � Skiickeiislt'. 6. besonders billig. Reparatur., Emailliarung, Vermckel. J Diacolt Ri*dort,«trinmctzttr.g. . DlChCII, älteste Reslerhandlung, Große Auswahl IN Herren« U. Damen» slopeii iowie serligcr Knaben- und Arbeiiergarderobe, Mädchcnmänteln. 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Den Mitglieder zur Nachricht. daß unser Aiitglied krieliried 8ekmMe am 4. April gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet/ heute Sonntag, den 8. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Wcißenseer Friedhofs(Rölke- ftraße) aus statt. Um rege Beteiligung bittet 184/6 Die Ortsverwaltung. Oeutscher Tabakartieiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern hiermit zur I Nachricht, daß unser Kollege, der I Zigarrensabrikant Julius Schillert am 5. Slpril verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. April, nachm. 4 Uhr, vom Trauerhause inWeißen- see, König. Chaussee 33 a, aus nach dem Gemeinde- Friedhos Rölke« straße 48 statt. 187/6 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. I Ii MI 1 1 I Verband der Lederarbeiter Filiale 1. Berlin. Dodes-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Franz Rother 1 am 5. April 1906, vorm. 10'/, Uhr, | an Herzschwäche gestorben ist. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet Sonntag, ! de» 8. April, nachmittags 4'/, Uhr. I von der Halle des St. Sebastian- I Kirchhofes in Reinickendors, Hum- I boldtstraße, aus statt. 291/12 Um rege Beteiligung ersucht Ter Ortsvorstand. Deutsciier Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Wickler •losepk Wittig gestorben ist. Ehre seinem Andenken! _ Die Beerdigung findet am Sonntag, den 8. April, nach» mittags 4 Uhr, vom Trauerhause i ijcnnitr. 47) aus nach dem Se- bastian. Kirchhos in Reinicken- dors statt. Rege Beteiligung wird erwartet. 116/7 Oie Ortsverwaltung. Danksagung. Für die Teilnahme bei der Beer. digung meines Mannes, des Tischlers Otto Schulz sage ich den Kollegen von«rttn n. Kettwig sowie dem Deutschen L-olzarbeiter-Verbande meinen besten Dank.. 10946 Wwe. Luise Schnlz. . Simmel, Ä Spezialarzi(fit 29/14« nt- nnd Harnlcld®'*- &— 7. SonnlagS 10—12. 2— 4 Dr. Schünemann speziat-Arzt sür* Hunt- und Hni-nlcidcn, l-'i-micn l< runkbeltcn. Friedricbstr. 203, Ecke Schnvenstr. 10-», 5— 7, Somit. 10— X» Uhr, Am 5. d. MtS. verschied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, de!' Tischler Heinrich Wallmann im Alter von S7 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Montag, den 9. d. Mts., nachmittags 4>/,Uhr, von der Leichenballe des Emmaus- Kirchhofes in Nixdors(Hermann- straße) aus statt. Deutscher Hekarheiler-Verhanti Den Mitgliedern zur Nachricht, | daß der Kollege Tischler Heinrich Wallmann am S. d. MtS. verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 9. April, nachmittags 4'/, Uhr, von der Halle des Emmaus- Kirchhofes in der Hermannstraße aus statt Um zahlreiche Beteiligung ersucht 83/15 Die Ortsverwaltung. Zetitral-Kpankeii- und Sterbekasse der Tischler und anderer gewerblicher Arbeiter (Ortsverwaltung Berlin U). Hierdurch zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Tischler Heinrich Wallmann am Donnerstag, den S. April, ge- sterben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 9. April, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus-KirchhoseS aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwallung. IfiSCHHin E. H.\o. 89. Am Donnerstag, den S. d. M., 1 nachmittags 51/« Uhr, verstarb nach langem, schwerem Leiden | unser Mitglied Heinrich Wallmann. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung erfolgt am Montag, den 9. d. M., nachmit- tagS 4!/, Uhr, aus dem EmmauS- Friedhof. Um zahlreiche Beteiligung der Mitglieder ersucht 198/10 Dsi» Torstand. Dr. Ratkowski Spezialarzt kür Magen- und Darmkrankheiten[112/6 wohnt jetzt fl�tfl Oranicnstrußc»»»>» Von der Reise zurück: Dr. med. Felix Davidsohn, Spezialarzt fQr Lichtbehandlung, Röntgenlaboratorium. Luisen-Ufer 32. Kassenärztl. Sprechstd, 8—10, S—'IJ, zaiinant Ernst Lazarus ist von Alte Schönhauserstr. 60 nach Alte Schönhauserstr. 54 verzogen. 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Da es ein ganz allgemein gehaltenes Flugblatt ist, geben wir dasselbe auch unentgeltlich nach auswärts ab. und ersuchen Gesinnungsfreunde, welche das Arrangement der Verbreitung in anderen Orten übernehmen wollen» unverzüglich ihre Adressen(deutlich geschrieben) mit Angabe der Anzahl der gewünschten Flugblätter an einen der Unterzeichneten einzusenden: A. Hoffhiann, Blumenstr. 14.©. Bohne, Kopenhagenerstr. 15. 62/11* Eiserf, Grüner Weg 68, IV. Jttntsch, Weidenweg 71. H. Peege, RüderSdorferstr. 48. _ VM" Auch sind daselbst Austrittsformulare gratis zu haben!_ pllionfüfttd) ftptoM it. belli ijhri Kognak, Rum, echten Likören k. w"ndunz°der -WSSS- Ins kpmnHe Nach beigegebener, einfachster Borschrist bereitet, ergeben dieselben zirka 2'l2 Str. vollkommen echte und wahrhaft reine Getränke, von köstlichem Aroma und exquisitem Wohlgeschmack, allseitig als mustergültige anerkannt. 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Neu hinzugekommen sind 50 Mann der in S t o ck h e i m im Borna er Revier belegenen Gewerkschaft„Graf Moltke". Der Verrat des Gnocrkvereins der Fabrik- und Handarbeiter ist perfekt! Der„Generalrat" dieser Hirsch-Dunckcrschen„Auch"-Organisation hat ein Flugblatt heraus- gegeben— allerdings nicht für die Oeffentlichkeit be- stimmt—, datiert vom 4. April und unterzeichnet von dreien dieser Haupth— ahne. In dem Flugblatte versucht man in der ekel- haftesten Weise den Gegnern das Wasser auf die Mühlen zu treiben, indem behauptet wird, die ganze Bewegung sei sozialdemokratische Mache! Sodann wird in dürren Worten gesagt, dah Unter st Übungen nicht gezahlt werden und die Arbeiterschaft aufgefordert, sosort, spätestens aber nächsten Montag, die Arbeit wieder aufzunehmen!! Als jener Beschlust im Zeitz-Weistenselser Revier, wo der Ge- werkverein die meisten Mitglieder hat, bekannt wurde, bemächtigte sich der Leute eine ungeheure Aufregung. Heute, nach- dem die ganze Sache publik geworden ist, ist das ganze Revier in Hellem Aufruhr! Zum besseren Verständnis der Situation diene folgendes: Die Knappschaftskassen bezahlen durchweg bei hohen Beiträgen niedriges Krankengeld. Die Leute nun, politisch zu in- different, um die Richtung der Gewerkvereine richtig ein- schätzen zu können, benutzten den Gewcrkverein lediglich als K ranke nzuschutzkasse. Die Gründung der Zahlstellen des Gewerkvereins in den Braunkohlenrevieren fällt in die Zeit der letzten Jahre des Sozialistengesetzes hinein, wo von einer geWerk- schaftlichen Organisation im Bergbau überhaupt noch keine Rede Ivar. Als den Leuten in politisch oder sonst erregten Zeiten die Augen aufgingen, war es bereits zu spät. Sie hcrtten mit den Jahren Rechte erworben, die sie schlechterdings nicht aufgeben inochten. Daher kommt es auch, dast ein groster Prozentsatz der im Gewerkverein organisierten Bergleute auch Mitglied des Berg- arbeiterverbandes ist! Abgesehen von diesen, ohne weiteres vom Bergarbeiterverband zu unterstützenden Leuten, find aber auch die ,.Nur".Gewerkvereinler vorhanden, meist jahrzehntelange Mit- glieder, die auf ihre„Organisation" und ihre Leistungen besonders stolz waren und bei jeder Gelegenheit damit prahlten. Nun, da sie sich betrogen, getäuscht sehen, nun, da sie sehen, dast sie der- raten, an das Unternehmertum ausgeliefert sind von ihren Führern, schäumen sie vor begreiflicher Wut! Eine gestern im Revier abgehaltene Versammlung verlief äusserst stürmisch und Massenaustritte aus dem Gewcrkverein werden die Folge sein. Aber auch sonst ist Ursache zur Erregung genug vorhanden. So arbeiten auf Grube„v. V 0 st" bei Teuchern 51 Galizicr. Von den 31 Ausländern, die auf Grube„E m m a" hei Streckau an- gelegt werden sollten, wollten 3 Mann wieder weg. Die Leute wurden mittellos umherirrend, hungernd und frierend auf- gefunden. Ter Ortsvorsteher, dem inrm die Leute zugeführt hatte, brachte dieselben, um sie los zu werden, zur Grubcnverwaltung. Dort wurden sie abermals abgewiesen, worauf die«streiken- den unter sich eine«Sammlung veranstalteten, um die Aermsten wenigstens vor dem Hungertode zu retten l Auch im Bornacr Revier im Königreich Sachsen verschärft sich die Situation. So sind Streikposten weggeiviesen worden usw. Auf den Ramsdorfcr Kohlenwerkcn sollen 50 Galizier einquartiert werden, und verstieg sich der Obersteiger zweien der sich wieder zur Arbeit meldenden Ausständigen gegenüber zu der unflätigen Aeusterung:„Jetzt habt Ihr nichts zu fressen, nun kommt Ihr. Auf den Knien müßt Ihr rutschen!"— Auf Grube „H i m m e l r e i ch" der Bubendorfcr Kohlenwerke bei Benndorf wird von ungeübten Streikbrechern im Tagbau bor» schriftswidrig, geradezu verbrecherisch leichtsinnig mit Menschen- leben spielend gebaut. Im Abraum des Tagebaues ist keine Böschung vorhanden, die Wand des Gebirges fällt senkrecht ab — und obendrein liegen die Gleise für die Lowrhs zum Fortschaffen der Erdmassen direkt an den steilen Wänden. Aus dem Meuselwitzer Revier kommt von den Werken bei W u i tz die Meldung, ein dortiger Direktor habe geäußert, es sei der Lohnkommission Mitteilung gemacht, Verhandlungen betreffend; die Lohnkommission habe aber nicht geantwortet. Dazu ist zu be» merken, dast bei der Kommission bis heute noch kein derartiges Schreiben eingegangen ist. Sie ist selbst- verständlich nach wie vor zu Verhandlungen bereit. Ein weiteres Gerücht— und in diesen aufregenden Tagen schwirren die tollsten Gerüchte im Streikgebiet umher— will wissen, daß der Bergarbeiterverband die Beiträge bereits auf 30 Pf. pro Woche habe erhöhen müssen. Das ist selbstverständlich barer Unsinn. Tie Auszahlungen der Unterstützungen sind heute in den Re. vieren glatt vor sich gegangen. Wie bisher immer, so war mich hier wieder die Haltung der Streikenden musterhaft. Die Massen. Haft von überallher zusammengezogenen Gendarmen bekommen keine Arbeit. Sie scheinen das auch selbst zu fühlen und verschiedene Anzeichen deuten bereits darauf hin, daß es anfängt, den Herren der Aufenthalt in der öden, schmutzig-schwarzen Jndustriegegend langweilig zu werden._ Geveralvtrsavimluug der Stemarbkiter. Nürnberg, 6. April. Die Debatte über die Unter st ützungseinrichtungen wurde fortgesetzt. Namentlich wurde über den Ausbau der Reise-, Maßregelungs-, Umzugsunterstützung und Rechtsschutz debattiert. Der Vorsitzende Starke erklärt, dast der Vorstand bereit ist, die Reiseunterstützung zu erhöhen, und verspricht, für die anderen Unterstützungszweige, soweit Ausnahmefälle in Frage kommen, den Wünschen entgegen zu kommen; er bittet aber, statutarisH diese Sätze nicht zu ändern. Dementsprechend wurde beschlossen, die Reiseunterstützung pro Tag von 60 auf 75 Pf. zu erhöhen und die Gesamtleistung von 33 M. auf 45 M. heraufzusetzen. Es wurde beschlossen, die Zeitungs- und Delegiertenmarken in Wegfall zu bringen und dafür den Berbandsbeitrag in allen Beitragsklassen um 5 Pf. zu erhöhen, aber abgelehnt, in einem Orte mehrere Bei- tragsklassen einzuführen. Die infolge von Unglücksfällen auf der Agitation verunglückten Personen sollen vom Verband unterstützt werden. Beschlossen wurde auch, die Hülfsarbeiter der Stein- industrie in den Verband aufzunehmen und mit dem Steinsetzer- verband einen Kartellvertrag abzuschließen. Für die neuein- tretenden Mitglieder sollen nur Mitgliedskarten und erst nach einem Jahre Mitgliedsbücher ausgestellt werden. Auf Antrag des. Vorstandes wurde beschlossen, daß in Zukunft statt auf L00 auf 300 Mitglieder ein Delegierter entfallen soll; daß die llnterstützungcn des Verbandes freiwillige sind, auf die den Mitgliedern ein Rechts- anspruch nicht zusteht, und daß die Zahlstellen, die in eine höhere Beitragsklasse eintreten, erst nach sechs Monaten Anspruch auf die höheren Unterstützungssätze haben. Der Borstand wurde ermächtigt, mit den ausländischen Verbänden Vereinbarungen wegen des lieber- tritts der Mitglieder zu treffen. Die neuen oder erweiterten Unter- stützuv.gseinrichtungen, sowie die höheren Beiträge, sollen am 1. Juli in Kraft treten, dagegen der Beschlust über Ausstellung der Reisekarten am 1. September 1903. H e r m a n n- Frankfurt referierte über die Einrichtung von Arbeitsnachweisen. Er wies auf die verschiedenen Formen der Arbcitsvermittelung und die Wichtigkeit des Arbeitsnachweises hin. In einer Resolution empfahl er, dast die Zahlstellen des Vcr- bandes der Einrichtung von Facharbeitsnachweisen, näher treten möchten und die Arbeitsnachweise an gut geleitete paritätische Ar- beitsnachweise anzugliedern. Der Verbandsvorstand soll die Er- richtung von Arbeitsnachweisen propagieren und über die Erfolge errichteter Arbeitsnachioeise alljährlich berichten. Sta rke, Leipzig berichtet über den Kölner GeWerk. schaftskongrest, hob aber nur die wichtigsten Punkte hervor. Zur Maifeier machte er geltend, dast der Steinarbeiterverbcmd stets die Arbeitsruhe als würdigste Feier betrachtet habe, wo fic ohne Gefährdung durchgeführt werden kann; das werde auch so bleiben. Die Msassenstreikresolution des Kongresses habe die schweren An- griffe tzegra den Kvngrest nicht gerechtfertigt. Die Vorstandsbeamten wurden wiedergewählt und das Gehalt auf 2000 M. mit einer jährlichen Steigerung von 100 Ml bis 2400 M. festgesetzt. Als Ort des Ausschusses wurde Dresden ge- wählt und Steglich-Dresden als Borsitzender gewählt. Eine gefahte Resolution fordert die Ausdehnung der Bundesratsverord- nung auf die gesamte Steinindustrie. Nach Erledigung einer Reihe kleinerer Angelegenheiten wurde der Verbmidstag geschlossen. ler-iest hervorragend preiswürdige Schuhwaren für Promenaileii-, Straßen-..(Touristen-Zwecke! Verkaufsgeschäfte in BERLIN und Umgegend: C., Ro>enthalar$traBa<4, C., Spiltelmarkl 15. W., PoisilamerstraBa 60, W., Schillstrade 16. S., OranienslraBo 66. 60., WrangelitraBe 49. 80., Oranienstrafie 2a. 8W,, Friedrichstr. 240-241. NW., Beusselstrafle 29. NW., TurmstraBe 41. NW., WiisnackerstraBe 22. 0., Andreasslraße 60. 0., Frankfurter Allee 125. N., DanzigerstraBe 1. N, MOIIerstraBe 3. N., Reinickendorferetr. 14. Cbarlottenbarg; Wllmersdorferstr. 122-123. Rlsdorf: BergetraBe 30-31. Potsdam: Brandenburgerstr. 64. 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Nachdruck verbeten. 20 211 413 835 1210 74 389 441 62 658 789 813 900 81 2136 210 336 290 460 642 668 711 25 70 836 3018 11000] 61 14001 432 72 886 4U19 79 132 333 658 70[400] 732 906 5025[5000] 30 391 407 518 71 94 691 930 6143 266 11000] 66 465 882 820 977 7015 85 192 224 522 638 950 L400J 8035 1400] 115 99 202 381 416 787 833 61 952 83 99 ÖluÜ IdiXM 357 70 743 53 957 10191 383 490 667 87 767 1X069 310 99 472 612[400] 16 88 98 807 1 2011 27 32 142 208 387 505 20 663[4001 963 74 76[400] 13123 438 77 653 64 741 47 55 1 4115[30001 87 405-47 72 99 524 725 67 981 15022 151 1400] 232 457 563 661 784 16185 244 493 535 841 963 93 17030 59 98 212[4001 311 543 52 722 32 36 64 917 1 8040 105 72 344 04[4001 457 631 776 817[400] 60 075 18362 68 97 541 663 752 87 20177 223 329 414 543 693 739[40 000] 69 954 85 21170 219 56 81 370 577 708 11 16 89 2 2093 373 83 899 23066 97 110 74 355 415 651 745 24153 303 28 474 607 921 68[50 OOO) 76 2 5034 74 138 70 250 877 993 2 6323 567 606 710 64 838 52 91 908 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Ziehung 4. Kl. 214. Kgl. Preuss. Lotterie. Zicbu-g vom 7, April ISOS, nacbmltiags. Nur die Gewinne Uber IM Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern bei�eklixt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. 131 86 342 81 425 577 723 907 1019 150 69 74 107 43 247 57 449 517 20 648 887 95 6009 95 426 712 20 30 46 982 7295 360 659 706 8583 761 67 076 9199[4001 434 41 618 759 66 860 1490] r 10Ü16 noool 210 365[400] 572 747 968 14001 92 [400) 11029 149 317 39 456 llOoO] 693 713 874 1 2201 425 66 543 632 56 722 72 883 936 1 3302 493 518 853 72 88 929 1 4410 43 59 541 644 84 774 845 82 1 5233 337 595 915 54 77[400] 16027 183 267 485 690[400] 769 814 97 1 7295 647 806 12 946 77 18050 52 64 249 526 785 1 9946 75 186 226 85 429 32 767[4001 860 906 10 20026 207[500] 518 871 977 2 1288 419 519 97 021 878[ 4001 919 2 2018 239 445 531 855 23189 235 338 43 535 657 96 815 44 80 24U3S 103 207 8 318 688 775 77 829 183093[400] 279 860 85 988 184035 112[406] 44]576 675 89[3000] 773 866 29011 63 159 243 464 767 807 30 975 30185 115 000] 337 42 47 441 49 96[400] 708 843 3 1048 111 234 316 70 73 631 75 717 34 06 087 3 2054 87 153 94 308[4001 062 707 821 84 00 33156 66 227 301 407 753 3 4045 168 309[400] 25[4001 478 80 3 5027 89 142 87 208 52 574 635 838 38004 229 472 97 f400J 518 39 610 813 1400] 042 44 64 37137 322 86 613 709 48 53 68 80 902 3 8013 39 78 79 491 648 783 963 3 9090 248 72 309 19 85 863 990 46021 115 91 327 417 771 41079[1000] 210 406 517 637 90 792 914 63 4 2072 222[500] 91 386 414 578 79 770 89[1000] 863 972 4 3028 31 154 208 437 78[400] 624 48 49 1 10001 858 908 32 44151 468 623 933 4 5041 165 307 8 639 814 4 6084 133 75 290 372 609 92 897 944 57 47023 180 482[4001 608 814 910 84 48168 78 202 3 10 426 71 586 689 724 814 49 920 57 4 9068 230 323 407 524 43 997 50186 206 437 682 51020 218 83 328 61 413 85 86 665 84 868 902 U 52090 100 215 10 632 83 740 5 3010 26 74 82 257 531 89 651 77 814 5 4579 685 732 947 88 55123 230 370 607 679 749[4001 848 49 56138 58 682 706 983 57107[400] 37 83 332 692 681 58103 310 571 724 45 64 5 9752 862 66164 383 623 610 845 910 61029 52 288 520 637 UOOO] 44[400] 837 918 73 62913 367 512 652 716 894 6 3029 42 73 17« 87 280[400] 303 510 41 646 48 712 61[400] 883 64165[400] 86 273 300 94 445 890 010 6 5008 73 134 222 33 309[400] 41 [3000] 83 492 658 790 92 6 6628 49 83 771 70 67060 216[400] 349 67 474 740 841 68070 89 304 94 433 97 554[400] 90 867 69 69025 97 533 88 886 15000] 603 67[400] 76061 139[30001 56[500] 321 510 17 702 37[400] 7 1269 93 401 597 756[400] 98 845 056 93 7 2104 395 31 61 78 14001 409 527 40 691 763 818 910 38 7315S 318 444 566 665 67 906 7 4031 69 338 488 92 564 624 743 801 041 75026 404 81 544 670 805 71 84 86 926 76005 302 44 520 613 717 44 7 7057 102 1 500] 67 321 89 505 34 643 767 78 919 31 78205 Mi 74 731 837 63 [30001 65 79000 152 248 313 08 412 559 758 74 86091[4001 173 76 277 377 93 513 28[500] 79 83 676 759 73 84 823 942 81109 77 91 448 64 726 33 40 872 82 157 429 577 633 7SS 869 91 910 18 33 66 83260 85 324 673 78[4001 766 981 84088 141 337 629 783 850«! 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Dienstag, den tv. Apttl: Mitgliederversammlung bei Patt, Dragonerstr. 15. Tagesordnung: 1. Fortsetzung der Diskusston über den Punkt Organisation und Agitation. 2. Bericht auS dem Kreise. 3. Vereins- angelegenheitcn und Verschiedenes.— Die Genossen, welche zum Fest nach der Heimat reisen, werden ganz besonders ersucht, ln dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Verband der Frtseurgehülfe» Deutschlands, Zweigverein Berlin. Montag, den 9. Apttl er., abends 91/, Uhr, Kommandantenstraße 20: Oefscntliche Versammlung. Tagesordnung: Unsere Lohnbewegung. Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins und Umgegend. Abt. I und III. Mitgliederversammlung am Sonntag, den 8. April, nachmittags 2'/, Uhr, in den Mariannen-Festsälen, Mattannen- User 2: Vorlrag des Kollegen Marx. «ttternngdüberslcht vom 7. April ISO«, morgens 8 llhr. Etattonen Swtnemde Hamburg Berlin 770NNO 773 NNW 770 NW Franks a.M. 773 Still München!792 Still Wien 1 772 Still Wetter » II sei H& 2 halb bd. 3 wölken! 2 bedeckt — wolkenl — Nebel — halb bd. Stationen L 6 |6 B B i« Welte, »s d- a II h a paparanda 7K9W Petersburg 774 NW Scilly Aberdeen Patt» 774 O heiter wolkenl heiter 770 SSW 2 heiter 773 NO i 2 wolkenl Wetter-Prognose für Sonntag, den 8. April li»6K. Aufklarend, nachts etwas kühler, am Tage wärmer bei schwachen ösllichcn Winden steine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. 1 —5 8 6 6 süd- Singer Nähmaschinen. Einfache Handhabung: 3302* Grosse Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleistung! Weltausstellung /"SfanH Dfiv Wcllaussfelliing Paris 1900: vjranu I TIA gt. leuis 1904. Unentgeltlicher Unterricht, auch in moderner Kunststickerei. Elektromotore für Nahmaschinenbetrieb. Singer Co. JSabmaschincn Hct.ßca. Berlin W., telprlgerstr. 92. Filialen in allen Stadtteilen Mai-Postkarten Muster zur Ansicht sranto gegen franko. 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Wienicke, Pakkkow, Franke, Jnselsttaße, befinden sich die sämtlichen Arbcstcr Im Streik, Wir ersuchen die Kollegen aller Branchen nach den obige« Bc- triebe» keine Arbeit anzn- nehmen. 176/9 Tie AgitationSkommii-ioi:, Deul5(te Hoizarbeiier- Verband. Wegen Streik und Differenzen ist Zuiills f(tn;iilialkii von Tischlern von Franz Schulz, Frankfurter Allee 28, Ruppcl in Reinickendorf; von Treppengeländer- Arbeitern sDrcchsler. Tischler, Stellmacher. Polierer. Maschinenarbeiter und Btldhaner) von derTreppengcländcr« sabrik Joseph Drechsler, Gubener- sttaße 33: von Bodenlegern von den Baute» in Buch(Firma Damke, Frankfurt a, O.); von Stellmachern von fSmtlicheii Stellniachereien, Wagenfabriken und Drehrollenfabrik Plään, Waßmaiui- straße; Motorwagenfabrik Gottfchalk in Reinickendorf; von Korbmachern von Beckert, Lange- straße 35; Die Drt«veriva1t»:rx7. OaukleirpnEf! Folgende Firmen und Bauten sind gesperrt: Firma Degenhardt. Tempelhos (früher Kaldstraße, Moabit), Bau: Pariser Platz 4, Firma C. Schulz, Mariannen- Platz 11. Lau: Weichielstraßo Eck« Scharnweberslraße,'Rixdors. Firma Rumor, Dpandauerllr. lö, Chariottenburg. tirma Böttcher. Sellerltt, 35, irma Glindemann, Matthäillrch- sttaße 7, Firma Ricmann, Tllsilerftr. 82. Firma Perth, Lützowsir. 48, Firma Pape, Oranienstr. 169, Nenban Stiewib ck Köpchen. Chat!» lottenburg, Kantskaße. Die Firma Zl, Pietschmann. Libaucr- straße 5. ist ebenfalls noch gesperrt. da dt« Firma auf die damalige Be- schwerd« weaen Tarisbrust/ nicht geantwortet hat. Die Firma G. Seeger, jetzt Gnelsenauftt.<6/47, hat im»urlgen Jahr einem Vertreter erklärt, dag er den abgeschloffenen Tarif nicht anerkenne, au» diesem Grunde bleibt auch diese Finna für unsere Mitglieder gesperrt.' MM» An die Bauhandwcrker appellieren wir, auf die Klempner einwirken zu wollen. Die Ftriunr und«antrn sind«nr dann frei. wenn unsererseits die Sperre aufgehoben wird. 116/2 Die Ortsverwaltung. üctUung! Hutmacher! Die Sperre über die«„itfabriken von Gebr. S t a h l, Grüner Weg 97, sowieHofsmann u, Rotenberg, Blumenstraße 30, besieht weiter. Kein Kollege darf dort tu Arbeit treten! DerDorfiand der Fili alc Verl!>:, Einem Teile unserer heutigen Ausgab«, und zwar für den Norden Berlins und nördliche Bororte liegt eine EmpfchluugS- karte der Firma Tchuhwarenfabrik Tack in Strausberg für ihre Filiateu Berlin X., Reinickendorferstr. 6, und Bad- ftraste S». Berlin»ltzV., Turm- strahr 55. bei. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Truck u. Verlag: VorwärtsBuchdruäerei u. Verlagsanftalt Paul Sing«& Co.. Berlin SW,