U». 84. Btonnements-Bcdinflungcn: Iffionnetnenrt> Preis pränumerando: Vierteljährl. z.zo Mt., monall. 1,10 MI, wichentlich W Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. EonntagZ. Nummer mit illusirierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt" lll Pfo. Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-ZeituiicS- Preislisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Unoarn 2 Mark, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ä3. Jahrg. Crichelnl täglich iiBer Dlsiitaas. Vevlinev Volksblstt. DK InfertKnS'CtbODr beträgt für die sechsgespaltene Koloncl» zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschasillche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 30 Psg. „Klein« Hnzcigcn", das erste(feit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen dai erste Wort 10 Psg.. jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zähle» sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SozIaUMDOkrit Berlin". Zcntralorcfan der fozialdcmohratifchcn Partei Deutfchlands. Redaktion: 8 Tl. 68, Lindenstrasse 69. Rernfprcrfirr: Zimt IV. Nr. 1983. Dienstag, den 10. April 1906. Expedition: 8 Tl. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Nach der ersten Lesung. Aus Wien wird uns geschrieben: dwrz ist der Weg der österreichischen Wahlreform nicht. Am 28. November 1905— dem Tage des unvergeßlichen Aufmarsches der Wiener Arbeiter— angekündigt, wurde die ilkegierungsvorlage am 23. Februar 1906 eingebracht. Am 7. März begann die erste Lesung, und am 23- März wurde sie beendigt. Nicht weniger als 62 Redner kamen zu Worte. Am 27. März wurde endlich der aus 49 Mitgliedern bestehende Spezialausschuß gewählt, und nun geht das Reden im Aus- schuß weiter. Am 30. März haben übrigens die Osterferien angefangen, so daß an eine ertragreiche Fortführung der Ver- Handlung vor Mai nicht zu denken ist. Ein langer Weg und eine wahre Belastungsprobe für die berechtigte Ungeduld der Bolksmassen, die in der Vorlage die Erfüllung ihres Rechts- anspruches, die Anerkennung als Gleiche in diesem Staate erblicken! Es ist nicht zu verkennen: die Wahlreformfeinde tragen sich noch immer mit der Hoffnung, die Vorlage zu Fall zu bringen.— Die Hoffnung gründet sich auf verschiedene Um- stände. Erstens braucht die Vorlage— als die Aenderung eines Grundgesetzes(der Verfassung)— die Zweidrittelmehrheit, und sie kann überdies nur bei Anwesenheit der Hälfte der Mitglieder des Abgeordnetenhauses beschlossen werden. Es müssen also die Wahlreformfreunde mindestens 213 Mann stellen(das Haus zählt 426 Mitglieder), weil sonst die bloße Abwesenheit der Gegner das Scheitern bewirken könnte. Aber auch in der Abstimmung noch ist die Stellung der Feinde sehr günstig: sie brauchen, da die volle Präsenz des Hauses doch ausgeschlossen ist, nur etwa 140 Mann aufzubringen, um die Ablehnung herbeizuführen. Nun geht die Rechnung der ver- einigten Gegner freilich gar nicht auf die Abstimmung; was sie hoffen, ist anderes. Sie hoffen, daß die stachelige nationale Frage in der Wahlreform, die Verteilung der Mandate auf die Nationen, sich verschärfen und bis zur Unlöslichkeit komplizieren lassen wird! Wie schon berichtet, verlangen nämlich die Deutschen, daß das bisherige nationale Verhältnis(206 deutsche Mandate unter 426) auch in die neue Ordnung über- tragen werde, was nach der Entwickelung der flavischen Völker— von Gerechtigkeit ganz abgesehen— schlechthin unmöglich ist. Die Forderung ist sinnlos, unberechtigt, unzweck- mäßig, aber der Gedanke hat sich mm einmal festgesetzt, daß sonst das Haus eine„siavische Mehrheit"(eine„Mehrheit" aus fünf Nationen und Dutzenden von Parteien!) erhalten würde, und alles Reden und Denken bewegt sich um diesen Gedanken. i>hin sind aber jene 206 deutschen Wahlbezirke nur möglich ge- tvorden durch eine immense Bevorzugung der Deutschen— was schon die Zahlen zeigen. Es erhalten 9 Millionen Deutsche 206. 16 Millionen Slaven 230 Mandate; ein deut- sches Mandat kommt im Durchschnitt auf etwa 43 000 Ein- wohner, wogegen ein polnisches auf 100 000, ein ruthenischeS gar auf 200 000 Einwohner entfällt. Nun hat diese Iln- gleichheit sicherlich ihre Gründe, mehr oder miilder gute und mehr oder minder berechtigte, aber die Möglichkeit dieser im- gleichen Behandlung hat auch ihre Grenzeil, und zum Diktieren sind die Deutschen schon lange zu schwach, davon ganz abge- sehen, ob das Diktieren just die nützlichste und zweckmäßigste nationale Politik ist. Es ist klar, daß jeder Schritt, der unter- nommen wird zur Befriedigung der Ansprüche der Deutschen. die Ungleichheiten in der Behandlung der Deutschen und der Slaven noch vergrößert, die Gefahr der Ablehnung von feiten der Slaven hervorruft. An dieser Klippe nun hoffen die Wahl- reformfeinde das Schiff der Reform zum Scheitern zu bringen. Eine andere Gefahr droht der Reform dadurch, daß man sie durch alle möglichen und unmöglichen Forderungen zu kam- plizieren sucht, oder— wie man hier sagt— immer neue ..Junktims" erfindet.(Das Wort„Junktim" stammt aus dem Müchenlateinschatz Ungarns, bedeutet„Zusammenhang" und ist hier zu Lande schon ein gewöhnlicher Terminus geworden.) Den Anfang hat damit eigentlich die Regierung gemacht. Sie hatte zugleich mit der Wahlreform eine Reform des Herren- fyauses angekündigt, mußte sie aber— infolge des Einspruches der Herrenhäusler— fallen lassen und wird nun unaufhörlich an ihr Versprechen gemahnt. Dann hat die Regierung mit der Wahlreformvorlage gleichzeitig noch eine Novelle zum Gesetze über die Geschäftsordnung eingebracht, die zwar manche ganz nützliche, ja cmgesichts der berüchtigten Verwilderung der österreichischen Parlamentssitten sogar unerläßliche Reformen enthäll, aber doch so wenig glücklich gefaßt ist, daß sie auf An- nähme nicht rechnen kann. Das alles sind aber Kleinigkeiten gegen die„Junktims", die von den Wahlreformfeinden erfunden werden. Ihr Schlagwort heißt:„Verfassungsrevision!" Es soll näm- lich der alte, längst entschlafene und der wirtschaftlichen Ent- Wickelung ganz widersprxchende Streit zwischen Landtag und Reichsrat neu entsacht werden. Um zu begreifen, worum es sich hierbei handelt, muß man sich die Geschichte des öfter- reichischen Konstitutionalismus vor Augen stellen. Darin tritt Oesterreich nicht als Staat oder Reich auf, sondern als die abgeleitete Summe der 17 Kronländer, welche keine bloßen Provinzen oder simple Verwaltungsgebiete, sondern, wie das Wort aus jener Zeit lautet,„historisch-politische Jndividuali- täten" sind-, �. Den politischen Gegensatz� zwischen jenen hat die Ent- Wickelung, die nach einem großen Wirtschaftsgebiete drängt, in der Parteigliederung völlig verwischt, in der politischen Terminologie lebt er als Gegensatz zwischen den deutschen Zentralisten und den flavischen Föderalisten weiter, ohne daß sich Deutsche und Slaven dabei besonders viel denken. Die Forderung nach einer„Verfassungsrevision", die darin bestehen soll, daß den Landtagen größere Kompetenzen eingeräumt werden und der Reichsrat„entlastet" wird, ins- besondere von den Dingen entlastet wird, die zur Quelle des nationalen Streits werden, die Forderung wird, der histori- schen Entwickelung des österreichischen Parlamentarismus ge- mäß, von den flavischen Parteien erhoben, zu einer„B e- d i n g u n g" aber doch nur vom Polenklub geniacht, der der Wahlreforni aufs feindseligste gegenübersteht und sie zu Fall zu bringen hofft. Auf deutscher Seite— und wieder von Wahlreform- feinden, den ganz verlotterten Alldeutschen— ist demgegenüber die Forderung nach Sonderstellung Galiziens ausge- graben worden, die darin besteht, daß das„Königreich" Galizien von dem übrigen Oesterreich losgetrennt und zu einer selb- ständigen Provinz erhoben wird, die nur gewisse und begrenzte Angelegenbeiten mit dem übrigen Oesterreich gemeinsam hat, wofür— nebenbei bemerkt— staatsrechtlich in dem Verhält- nis Kroatiens zu Ungarn ein Vorbild besteht. Zweck der Sonderstellung wäre die Abschiebung so vieler Slaven aus dem„gemeinsamen" Oesterreich, daß der Rest eine deutsche Mehrheit besäße— übrigens auch darin nur auf dem Papier. Diese Idee, einer der ältesten Ladenhüter aus den kurzsichtigen und kindischen„Programmen" der Telltschöslerracher, ist staatlich und national der nackte Irrsinn; Oesterreich, das schon heute das wunderlichste und schwerfälligste Staatswesen ist, würde danach als Staat überhaupt aufgehört haben. Auch vom Standpunkte der Deutschen ist der Einfall geradezu kindisch: vor allem bedeutet er die Opferung der 3 Millionen Ruthenen in Galizien an die polnische Schlachta, also die Opferung der einzigen Nation, die eminent deutschfreundlich ist. Trotzdem hat ein dahingehender Antrag im Abgeordnetenhause die Mehrhet erhalten— eine Mehrheit zum Teil aus An- hängern der Sonderstellungsforderung, zum Teil aus ihren entschiedensten Gegnern, die den demonstrativen Antrag nur unterstützen, um die Wahlreformregierung in Schwierigkeiten zu bringen! Obwohl der alldeutsche Antragsteller seinen An- trag damit begründete: er solle ein Schritt zur Realisierung der großen alldeutschen Idee sein, aus welcher Idee er weiter kein Geheimnis inachte, indem er sie resolut als die Vereini- gung Deutschösterreichs mit Deutschland unter dem„glorreichen Szepter der Hohenzollcrn" erläuterte, haben für den„preußi- schen" Antrag trotzdem erstens die Polen gestimmt, unter denen sonst die Begeisterung für Preußen-Deutschland recht gering ist, ferner die Herren Grafen, die feudalen Kavaliere, die das Stützen des Thrones und des Staates sonst als Berus ausüben. Aus der frevelhaften Charakterlosigkeit dieser Ab- stimmung ist aber zu erkennen, daß der Grafenbank, den Großgrundbesitzerparteien, denen die Wahlreform zu allererst an den Kragen geht, kein Mittel zu schäbig sein wird, um die Wahlrefonn, die mit den Privilegien ausräumt, zu Fall zu bringen. Vorläufig ist bis zum 24. April die parlamentarische Arbeit unterbrochen, und es heißt, daß der Ministerpräsident inzwischen den Versuch machen wird, die bisher widerstrebenden Parteien zu einem Kompromiß zu bewegen. Das Kompromiß soll darin bestehen, daß noch etwa 26 Mandate geschaffen werden, die aus die Unzufriedenen zu verteilen wären, wobei sich allerdings die andere Schwierigkeit(das richtige«Per- hältnis") wieder steigert. Doch wäre, wenn zwischen den bürgerlichen nationalen Parteien ein Ausgleich zustande käme, die Reform geborgen. Daß sie durch die Stimmen des Groß- grundbesitzes allein zu Fall kommen könnte, ist ganz ausge- schlössen. Wenn den Feudalen die Bourgeoisie nicht zu Hülfe kommt(die bürgerlichen Parteien in Oesterreich sind in der Tat schon so töricht, daß sie imstande wären, sich dazu benutzen zu lassen, dem Adel die Kastanien aus dem Wahlresormfeuer zu holen und dabei nichts anderes zu erreichen, als sich tüchtig die Hände zu verbrennen)— wenn also der Großgrundbesitz isoliert wird, so ist er erstens unvermögend, die Vorlage zu werfen, und zweitens ist es dann überhaupt unmöglich, daß er auch nur den Versuch dazu machen könnte- Die Sozialdemokratie ist sich keineswegs im Ilnklaren darüber, daß ihr unter Umständen noch die schwierigsten Kämpfe.bevorstehen, und sie rüstet bereits. Vor allem wird die M a'i s e i e r im Zeichen des Wahlrechtskampfes stehen. Die Parteileitung und die Fraktion erlassen einen Aufruf an die Parteigenossen, in welchem es heißt: „Die Maifeier dieses Jahres wird eine mächtige Schilderhebung der Proletarier Oesterreichs für ihr Recht werden. Ihr werdet den Herren klar machen, daß ihre Rechnung «in Loch hat, daß hinter der Wahlreform der un- erfchütterliche Wille der Völker steht wie die eherne Notwendigkeit des Staates. Ihr werdet den Leuten, die nicht genug daran haben. Euch wirtschaftlich auszubeuten, sondern die dermcincn. Euch weiterhin politisch knechten und betrügen zu können, deutlich vor Augen stellen, daß die Tage der Schande unseres Landes gezählt find. Wir alle, wir klastenbewußten Proletarier aller Zungen, wir wollen uns an diesem Tag« erheben, wir alle. Deutsche und Tschechen, Polen und Ruthenen, Italiener und Slovenen, wir wevdcn im Namen der geknechteten, getäuschten, geschändeten Völker ihren Feinden zu- rufen: W i r wollen unser Recht, und keine Macht soll uns aufhalten, es zu erringen. Wir wollen das Gelöbnis erneuern, daß wir entschlossen sind, diesen Kampf zu Snde zu kämpfen, koste es, was es wollet" Die Gegner der Sozialdemokratie mögen über diesen feurigen Aufruf denken wie sie wollen. Das weiß heute jeder in Oesterreich: Wenn die Wahlreform ernstlich in Gefahr käme, würde auch der Kampf ernste, sehr ernste Formen an- nehmen!_ Die Revolution in Rußland. Zur Lage im KaukasuSgcbiet. Aus Baku schreibt man unS: Das ganze Naphtharahon hat sich seit etwa einem Jahre in ein großes Schlachtfeld verwandelt. Die Anneniermetzeleien wiederholen sich in der letzten Zeit regelmäßig alle zwei bis drei Monate. Soweit werden alle unsere Genossen in der Ferne über die Ereignisse auf dem Kaukasus im klaren sein, daß hier neben ökonomisch-politischen Bedingungen eine große Rolle der Rassen» undNationalitätenkampf spielt. S ber auch der letztere hat, hier wie überall, feine Gründe. In aller Kürze will ich den Leser in folgendem darüber aufklären. Baku wie auch die anderen Städte deS russisch- kaukasischen Naphtharayons ist im Laufe einiger Jahrzehnte zu einer Riesenstadl herangewachsen, die jetzt mehrere Hunderttausend Proletarier be- schäftigt. Bon den Wolgaprovinzen, der Krim, Turlestan und Persicii strömen seit etwa zehn Jahren ganze Züge unqualifizierter Arbeiter nach Baku, Balachany usw. DaS Erdölland, welches anfangs vielen Muselmärnierfamilien, die zu der Kleinbourgeoisie sich zählten, gehörte, ist allmählich in den Alleinbesitz der Firmen Nobel, Rotsch ild und einiger armenischer Großkapitalisten übergegangen. DieseFirmen haben im Laufe einiger Jahrzehnte aus dem Bodvn Reichtümer ge- schöpft, die sich nicht beschreiben lassen. Auf der anderen Seite taten sie für die Arbeiter bis zum Jahre 1902 etwa absolut gar nichts. Die hauptsächlich aus Perfien hineinströmenden mohammedanischen Arbeiter verdrängten teilweise die armenischen, grusinischen und russischen Arbeiter und boten den Millionären die Möglich- lest, die Arbeitszeit hier und da sogar zu verlängern, obgleich sie an und für sich schon 12—13 Stunden dauerte. Die Arbeitsräume und Arbeiterwohnunge» waren die denkbar schrecklichsten: Nasse, von Naphtha durchtränkte Erdhütten, aus denen der Naphthadunst nie verschwand. So war es bis zum Jahre 1902, als die ersten politischen Verbannten auS den russischen Industriezentren auch Nach Baku verschlagen wurden. Die Regierung trug haupisächlich hier- durch viel dazu bei, daß auch im Kaukasusgebiete die fozialdemo- lratischen Ideen Verbreitung fanden. Der Boden für die Agitation war höchst günstig. Im Jahre 1903 fanden schon groß- artige Demonstrationen in Baku und Umgegend statt, im März und April desselben JahreS die ersten großen Streiks, die jedoch noch als mangelhaft organisierte bezeichnet werden müssen. Der Einfluß der Großkapitalisten war wenigstens noch stark genug, um die Massen zu beschwichtigen. Die Regierung trug wieder einmal ihr Schürflein dazu bei, um die Unzufriedenheit einiger Bevölkerungsschichten zu steigern— Plehmc ließ die armenischen Kirchengüter konfiszieren. Also einerseits traten die Tataren und die einwandernden Arbeiter als Lohndrücker im ökonomischen Kampfe den Armeniern und Grusinern gegenüber, andererseits wollte sich die russische Rc- gierung noch der letzten politischen Rechte, die dieses intelligente Volk noch besaß, bemächtigen. So wurde der Boden für die späteren Metzeleien vorbereitet. Die örtlichen sozialdemokratischen Organi- sationen— die armenische sowohl wie die russische— arbeiteten unermüdlich und die ökonomischen Erfolge nach dem Dezemberstrrik 1904 sind nur ihrer Arbeit zu verdanken. Ich muß hier nur hervor- heben, daß die Arbeitszeit der Muselmänner zum Beispiel von 13 a u f 8 St u n d e n. die der russischen und armenischen Arbeiter etwa um anderthalb Stunden verkürzt wurde. Das war ein Erfolg. den jedoch die schwach organisierten und wenig vom Klassenbewußt. sein durchdrungenen Arbeiter nicht auf die Dauer festhalten konnten. Schon im Februar 1905 versuchte die russische Regierung einen „Pogrom" zu inszenieren. Diese? Mal gelang es den Organi- sationen aber noch, die Oberhand über die muselmännischen Arbeiter- massen zu behalten. Es beteiligten sich an den Metzeleien nur zwei Fabriken. Die Unternehmer hatten eingesehen, daß sie in Baku nur auf diese Weise ihre verlorenen Positionen wiedererobern können. Sie organisierten im Laufe der nächsten Monate mit allen Mitteln die mohammedanischen unqualifizierten Arbeiter, wobei ihnen die „Otrjadtsciiiki"(kleine Unternehmer) die nötige Hülfe leisteten. Im August fanden die großen Naphthabrände im Kaukasusgebict statt, wobei über 100 Türme abbrannten. Das war das Werk der Großkapitalisten selbst. ES entstand eine fürchterliche Not in Baku und der ganzen Umgegend. Die Arbeitslosen starben den Hunger- tod, viele wanderten aus, die Zurückgebliebenen begannen sich um das darbietende Stück Brot zu reißen. Darauf hatten die Naphtha- könige nur gewartet. Von der Regierung hatte man eine schöne „Entschädigungssumme" eingesteckt, jetzt drückte man den Arbeits- lohn wieder auf das Minimum herab und verlängerte die Arbeits- zeit auf 11 bis 12 Stunden. Die besseren Arbeiter waren mit Hülfe der russischen„administrativen Verordnungen" au» dem Lande verbannt, die neu hineinströmenden Arbeitskräfte waren willig und für einige Kopeken zu allem zu gebrauchen. Diesen Moment benutzte die russische Regierung wieder ihrer- scitS, um sich teilweise von den unzufriedenen Armeniern zu bc- freien. Das einfachste und von altersher alS gut sich bewährte Mittel waren die A rm e n i erm a ssake r S. Mit dem Erstarken der Reaktion wird dieses blutige Mittel um so öfter wieder angewandt werden. Augenblicklich befinden wir unS im Zeichen der Strafexpeditionen. Die Freiheitsbewegung, die auch auf dem Kaukasus nach dem 80. Oktober starke Fortschritte hauptsächlich unter den Armeniern und Grusiern gemacht hatte, wird jetzt im Blute ersäuft. Es läßt sich nicht beschreiben, welche Gräuel die Regierungsbestien feit Anfang Januar hier anrichten. ÜTm besten schildert sie der grusinische Journalist Bolkwadse in einem Aufrufe, den derselbe in dem russischen Blatte„Rustj" veröffentlicht. Dieser Aufruf ist an die russischen Frauen gerichtet und wir zitieren hier einige Stellen aus denrsolben:„Wißt Ihr, was unseren Sästvestern im schönen Grusien geschieht? In dem brennen- den Grusien ist die Vergewaltigung der Frauen und Mädchen das neueste Beruhigungsmittel. Weder ältere Frauen noch Gymnasiastinnen werden geschont... Eni- setzen hat das Land ergriffen... Seit zwei Monaten flüchten Weiber und Kinder in die Wälder und Berge vor den Straf- cxpcditionen, doch auch dort sucht sie die ungezügelte Soldateska aus und vergewaltigt sie. Wie viele minderjährige Opfer sind auf dem Felde der Vergelvaltigung liegen geblieben. Die Geschichte der Spiridonowa, die ganz Rußland empört, verblaßt vor den Gräueltaten, die an grusinischen Frauen und Mädchen verübtsind. Dort in Grusien gibt es hunderte und noch entsetzlichere derartige Verbrechen... Der Henker von Grusien heißt— General A l i ch a n o w.— Moskau, 9. April.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) In der Stadt Moskau sind IffOWahl- männer g e>v a h?t, die sämtlich der k o n st i t u t i o- uell-deni akratischen Partei angehören. April. poUnscde CUdevlKkt. Berlin, den 9. Konservative Verfassungsschmerzen. Die Tatsache, daß der Bundesrat am Donnerstag die Diäten Vorlage oder, wie sie offiziell genannt wird, die„Vorlagen betr. die Abänderung der Artikel 28 und 32 de Reichsverfassung und die Gewährung einer Ent schädigung der Mitglieder des Reichstages" an die Ausschüsse überwiesen hat, veranlaßt das Hauptorgan der Raubritter Epigonen, die ehrsame„Kreuzztg.", nochmals in ihrer Sonntags Wochenübersicht gegen das bestehende Reichstagswahlrecht vom Leder zu ziehen. Daß ihr Widerstand gegen die Vorlage aussichtslos ist sieht sie ein; sie sucht deshalb für ihre reaktionären Pläne anderer Richtung Vorteil aus ihr zu ziehen. Sie hebt energisch hervor, daß die Vorlage eine Aendcrung der Reichsverfassung bedeutet, um daraus die zwar nicht offen ausgesprochene, aber deut lich zwischen den Zeilen zu lesende Folgerung abzuleiten, daß jene, die heute für eine sogenannte Verfassungsänderung in demokratischer Richtung eintreten, damit das Recht verwirken, später, wenn es der Regierung mit Unterstützung des Junkertums einfallen sollte, Aenderungsversuche in entgegengesetzter Richtung zu unternehmen, von der Heiligkeit und Unverletzlichkeit der Verfassung zu reden Nachdem nämlich das Blatt die Vorlage mit gesperrter Schrift.als „Aendemng der Reichsverfassung" erklärt hat. fährt es fort: „Es wäre erwünscht, wenn das denjenigen, die sich einerseits für die Gewährung der Tagegelder tatkräftig eingelegt haben und andererseits jeden auf anderweitige Gestaltung des Reichstags- Wahlrechtes gerichteten Wunsch, weil er gegen die bestehende Ver- fassung gerichler ist, als eine Art Hochverrat zu brandmarken versucht haben, recht dringend zu Gemüte geführt würde. Auch täten sie gut, sich zu erinnern, daß die Diätenlosigkeit sich als einen Bestand teil des Kompromisses darstellt, durch das damals die au das Wahlrecht bezüglichen Bestimmungen der Reichsverfassung zu stände gekommen sind. Dann würden sie für die Bedenken, die sich gegen die Beseitigung der auf die Diätenlosigkeit bezüglichen Vorschrift der Verfassungsurkunde erheben lasse», vielleicht Verständnis gewinnen. Wir wagen nicht zu hoffen, daß diese Bedenken die verbündeten Regierungen in der Absicht, dem Reichstage in dieser Frage entgegenzukommen, noch in letzter Stunde wankend machen werden. Aber sie müssen aus- gesprochen werden, und eben deshalb sind wir dem Abg. Grasen zu Limburg-Stirum aufrichtig dankbar für die Entschiedenheit, mit der er sich gegen die Aufhebung der auf die Tagegelder be- züglichen Vorschrift der Reichsverfassung gewendet hat. Unser Reichstagswahlrecht ist durchaus demokratisch, und die Verhängnis vollen Folgen dieses seines Charakters haben sich in dem Maße verschärft, in dem wir uns von den Zeiten der großen nationalen Erhebung der Jahre 1870 und 1871 entfernt haben. Aber statt seinen demokratischen Charakter einzuschränken, will man ihn ver- schärfen.... Schon jetzt wird man bei einigermaßen unbefangener Würdi- gung unserer Verhältnisse nicht behaupten können, daß unser Reichs- tag im Hinblick auf die Qualität seiner Mitglieder auf einem be- sonders hohen Niveau steht, im Gegenteil, man wird zugeben müssen, daß der Gebrauch demagogischer Mittel bei der Wahl- bewegung immer größeren Umfang gewonnen hat, daß die Wahl- erfolge, die mit ihrem Gebrauche erzielt worden sind, geeignet sind, zu einer noch weiteren Ausdehnung dieses Gebrauches zu reizen und gewissenhasten Männern die Teilnahme am Wahlkanipfe völlig zu verleiden. Wie soll das erst iverden— so muß man fragen— wenn gewissenlosen Männern durch die Aussicht auf klingenden Lohn zum rücksichtslosen Gebrauch der schlimmsten und verwerflichsten Mittel einer wüsten Demagogie ein noch stärkerer Anreiz gegeben wird als durch die alleinige Aussicht, sich durch einen Wahlsieg und die durch ihn erlangte Mitgliedschaft im Reichs- tage eine wenigstens nach der formalen Seite immerhin bedeutsame Stellung im öffentlichen Leben zu sichern I" Die„Kreuz-Zeitung" spielt demnach die Rolle der VerfaffungS- wächterin. Vom historischen Standpunkte eine Lächerlichkeit; denn das von ihr so hoch gepriesene Dreiklassenwahlrecht zum preußischen Abgeordnetenhause verdankt sein Dasein lediglich einem Verfassungs- bruch, einer willkürlichen Eskamotage des noch immer zu Recht be- stehenden Wahlgesetzes vom 8. April 1848 und seiner Ersetzung durch das der sogenannten„Unionsakte" vom 26. Mai 1349 angehängte Wahlgesetz. Aber selbst angenommen, die heutige preußische Ver- fassung bestände zu Recht, so bedeutet doch die jüngst von den Kon- servativen im Abgeordnetenhause angenommene.Wohlreformvorlage" zweifellos eine Verfassungsänderung, denn sie widerspricht den Artikeln 69 und 115 der Verfassungsurkunde. Weshalb hatten in diesem Falle die Junker absolut gar keine Verfassungsbedenken, während sich gegen die geplante Reichsverfassungsänderung ihr vaterländisches Herz rebellisch auflehnt, obgleich ihnen doch sonst Preußen weit höher steht als das Deutsche Reich? Der Unterschied liegt darin, daß die preußische Verfassungsänderung eher ihr Uebcrgewicht im preußischen Abgeoronetenhause vermehrt als verringert, während durch die Aenderung der Reichsverfassung daS ReichstagSwahlrecht, wie es heißt,„demokratisiert" wird. Wem, es für sie von Vorteil ist. haben die Herren Junker absolut keine Bedenken: dann verspüren sie sogar gegen offene Verfassungsbrüche und Staatsstreiche nicht den geringsten Widerwillen.— Diäten gegen Volksrechte. Wie das zuweilen halboffiziöse Scherlblatt gehört haben will, soll in der Tat die Absicht bestehen, die Diätengewährung Von einer erheblichen Einschränkung der Volksrechte abhängig zu machen. Dem Bundesrat sei. so berichtet das Scherlblatt, gleichzeitig mit der eigentlichen Diätenvorlage noch eine zweite Vorlage zu- gegangen, die eine Abänderung des Artikels 28 der Reichsverfassung vorsehe, in dem bestimmt wird, daß zur Gültigkeit der Beschluß- fassung die Anwesenheit der Mehrheit der Mitglieder des Hauses erforderlich ist. Dieser Artikel, der für die Beschluß- sähigkeit des Hauses die Ailwesenhcit von mindestens 199 Mitgliedern vorsieht, solle nun dahin modifiziert werden, daß diese Mitglieder« zahl nur noch für Abstimmungen in dritter Lesung oder über Initiativanträge erforderlich sei, nicht aber für die ersten beiden Lesungen, bei denen schon eine wesentlich niedri- g e r e Ziffer für die Beschlußfähigkeit ausreichend sein solle. Das Scherlblatt verrät auch die Absicht dieser VerfaffungS- änderung: Bisher seien häufig die Debatten sehr in die Länge ge- zogen worden, da man Anträge auf Schluß der Debatte nicht zu stellen gewagt habe, da diejenigen, denen daS Wort abgeschnitten werden sollte, dann einfach mit Erfolg die Beschlußfähigkeit des Hauses angezweifelt hätten. Wenn also das Scherlblatt recht unterrichtet ist, will man fakttsch die Diätenbewilligung dazu benutzen, die Rechte der Volksvertrewng resp. des Teils derselben zu kürzen, der das ihm von den Wählern erteilte Mandat mit Ernst und Eifer ausübt. Der Reichstag soll noch mehr als bisher zu einer bloßen Geldbewilligungs- Maschine herabgedrückt, die Kritik soll noch mehr als bisher geknebelt werdenl Schon jetzt sind die Massen des Proletariats in ihrer parlamentarischen Verttetung enorm benachteiligt durch die veraltete Wahlkreisgeometrie, die 100 000 Landbewohnern ebensoviel Rechte einräumt wie 500 000 und mehr Jndustrieproletariern. die auch nur einen Wahlkreis bilden! Und jetzt soll der proletarischen Reichstagsvertretung auch noch das Recht der Kritik geraubt werdenl Da selbst das Scherlblatt es für unwürdig erachtet, daß der Reichstag eine Entschädigung, die nur ein schwacher Ersatz für bare Auslagen und Verluste sei, durch politische Zugeständnisse erkaufe, sollte man annehmen dürfen, daß auch die Reichstags mehrheit diesen schmählichen Handel mit Entrüstung zurückweist Schon die bloße Zumutung müßte als Beleidigung empfunden werdenl— • Ocutrchee Reich. Blamables Lob. Der Generalmajor Keim spendet im„Tag" den bürger- lichen Parteien im Namen des Militarismus die Anerkennung, daß sie in ihrer Kritik militärischer Dinge gegen früher viel zahmer geworden seien. So sei das Zentrum in der Frage der Soldaten Mißhandlungen in diesem Jahre ungleich ge- linder aufgetreten, als noch im Jahre vorher. Auch sonst habe der Reichstag gewissermaßen Fortschritte gemacht, was die Beratung von Wehrsragen angehe.„indem frühere Oppositions- Parteien bei der Beratung der Flottennovelle auf jede eigene Meinung verzichteten. Sie stellten sich bierbei, dem Beispiele ihrer Presse folgend, auf den Standpunkt. daß es durchaus unangebracht sei, wenn Laien und selbst unabhängige Sachverständige anderer Ansicht wären, wie die verantwortlichen Kreise." Diese Sinnes- änderung sei um so bemerkenswerter, als früher Zentrum und Freisinn selbst in rein militäriechnischen Fragen eine eigene, von der der Regierung abweichende Meinung zu besitzen sich an« gemaßt hätten. Man sieht, die Herren Militärs sind außerordentlich zuftieden mit der gegenwärtigen Haltung des Zentrums und des Freisinns Ob speziell dem letzteren bei einem solchen Lob nicht am Ende doch etwas unheimlich wird? Am konsequentesten und unverbefferlichsten ist nach dem Herrn Generalmajor die Sozialdemokratte geblieben. Aus ihre Angriffe sollte aber, rät der Herr, die Regierung nicht allzuviel und allzuoft reagieren:„So ungefähr, wie das General Bronsart II als Kriegs- minister tat, der die sozialdemokratischen Auslassungen m e i st e n s sehr kurz abfertigte, dabei unterstützt durch charakteristische Handbeweguiigen". Nun, solch eine gekünstelte Skichtachtung würde die sozial- demokrattsche Fraktton furchtbar kalt lassen— wohl aber würden die„charakteristischen Handbewegungen" draußen im Lande eine aufteizende Wirkung haben, für die wir einem Bronsart HI nur dankbar sein könnten. Jedenfalls würde die Sozialdemokratie den Grimm und die„Verachtung" des Militarismus leichter ertragen köimen, als das Zentrum und der Freisinn das ihnen gespendete Lob!— Also doch noch nicht ganz verjudet! Die„Kreuz-Ztg.' verzeichnet es mit Genugtuung, daß die neuen Führer der freisinnigen Volkspartei nicht gewillt zu sein scheinen, von den Bahnen Eugen Richters abzulenken. Gleich dem Verstorbenen begriffen augenscheinlich die neuen Männer, daß ein Paktieren mit der Sozialdemokratie" die fteisinnige Volkspartei um den größten Teil der ihr noch gebliebenen Anhängerschaft bringen müsse, da die Arbeitgeber. Rentner usw. dann nach rechts abschwenken würden. Statt sich durch eine Annäherung an die Sozialdemokratie zu kompromittieren, habe sich die freisinnige Volkspartei einer minder negativen Haltung zu den Kolonial- und Flotten- fragen" befleißigt. Dieser wohlwollenden Zensur für die Herren Müller- Sagan und M u g d a n läßt das führende konservative Organ dann eine umso schlechtere Zensur für Herrn Theodor Barth folgen: „Die Politik des Paktierens zwischen fortgeschrittenem Liberalismus und Sozialdemokratie ist stark bloßgestellt worden durch denjenigen, der sie zuerst in die Wege zu leiten suchte, durch Herrn Dr. Barth. Der erste Vorsitzende des Vereins zur Abwehr antisemitischer Bestrebungen sollte und wollte aus den sozialdemokratischen Arbeiterbatailloiren mit Hülfe freisinniger Offiziere von zuverlässig philosemitischer Gesinnung eine starke Judens chutztruppe organi- sieren. Dieser wohlausgcklügelte Plan ist gescheitert." Bisher nahmen wir nach den glaubwürdigen Versicherungen der konservativ-antisemitischen Presse an, die Sozialdemokratie sei längst eine„Judenschutztruppe". Da aber Herr Dr. Barth nach der Ver- icherung der sicher bestinformierten„Kreuz-Zeitung" erst zen Auftrag erhalten hatte, aus der Sozialdemokratie eine Juden- chutztruppe zu organisieren und da dies Projekt obendrein g e- ch e i t e r t ist. kann es mit der Verjudung der Sozialdemokratie doch nicht so schlimm sein. Oder sollte die„Staatsbürgcr-Zeitung" anderer Meinung sein?—_ Londoner und Berliner Fleischpreise. Die Vieheinfuhr in Deutschland ist bekanntlich durch die Grenzsperren auf ein sehr geringes Maß beschränkt. Die Einfuhr von Rindvieh ist nur aus Oesterreich-Ungarn, aus der Schweiz und Dänemark gestattet, und auch aus diesen nur über bestimmte Grenz- tationen bezw. Hafenplätze unter den lästigsten Vorschriften und zur ofortigen Abschlachtung des Viehs in öffentlichen Schlachthöfen. An Schweinen dürfen unter ähnlichen den Import erschwerenden Bedingungen seit dem Jnkrafttteten der neuen Handelsverträge, also seit dem 1. März dieses JahreS, aus Rußland jährlich 130 000 Stück in Obcrschlesien und aus Oesterreich-Ungarn 80 000 Stück in Sachsen und Bayern eingeführt werden. Und fast mehr noch ist die Fleischeinfuhr beschränkt, so daß im Jahre 1904 sich die Einfuhr von frischem und zubereitetem Fleisch nur auf 285 730 Doppelzentner stellte. Begründet wird von der Regierung, wie von den Agrariern diese Einschränkung mit der S e u ch e n g e f a h r. Die englische Regiernug ist weniger ängstlich; die Vieh- und Fleischeinfuhr hat im Laufe der letzten 20 Jahre eine enorme Höhe erreicht, und doch kann von einer Verseuchung des englischen Viehbestandes durchaus nicht die Rede ein. Nach einem von der„Frankf. Ztg." veröffentlichten Bericht der Londoner Firma W e d d e l u. C o. betrug im letzten Jahre die englische Einfuhr, von: gefrorenem Hammel- und Lammfleisch 180 197 760 Kilogr. gefrorenem Rindfleisch.... WtnhfT-ifrfi Die Folge dieser Einfuhr, die sich demnach auf 482 078,8 Doppelzentner belief, ist, daß sich in den letzten beiden Jahrzehnten die englischen Fleischpreise nur äußerst wenig geändert haben. ES kostete z. B. im Durchschnitt des letzten JahreS auf dem Smithfield Market, London: per Pfund englisch 7t/z pence »V,. per Va Kilo S'/8 2Va 5l/3 4Va 71'/, Pf. 31. 29'/,. 23'/,. 50, 41. Ochsenfleisch.. Schweinefleisch Hammelfleisch. Die„Frankf. I. 76.4 Pfg. 67.8 ,. 80.6. gekühltem Rindfleisch 106 556 200 145 319 850 bestes schottisches Hammelfleisch... geftorenes austral. Hanunelfleisch.. do. La Plata Rindfleisch, Hinterteil. do.„„„ Vorderteil. englisches Schweinefleisch..... amerikanisches Schweinefleisch.... Der englische Arbeiter hat also eine billige Fleischnahrung zur Verfügung, die Kaufkraft seines Lohnes ist eine höhere als die des Lohnes seiner deutschen Genossen. Denn Ende 1905 notterten z. B. in Berlin: II. III. IV. Qualität 71,5 Pfg. 65.1 Pfg 60,8 Pfg. 66.1. 76,6„ 63,2. Ztg." bemerkt dazu:„Diese Preisunterschiede find nicht allein für die Volksernährung von tiefer Bedeutung, sie stellen auch eine Frage des internationalen Wettbewerbs dar. Denn ent- weder muß der deutsche Arbeiter, um gleich leistungsfähig wie der englische zu sein, für dieselbe Leistung einen höheren Geld- wert beanspruchen, um sich entsprechend ernähren zu können, oder er geht notwendigerweise in seiner Leiswng zurück. Für den internattonalen Wettbewerb kommt eben nicht allein der Unter- nehmungsgeist des Fabrikanten in Bettacht, er wird bei zu« nehmender Schärfe immer abhängiger von der Qualität der Arbeiter und Angestellten; die Zeilen, in denen wir mit rohen Massenarttkeln nach der Devise„Billig und schlecht" den Weltmarkt überschütteten, sind für Deutschland unwiderbringlich vorüber, wir können nur noch mit Oualitätsleistungen vorankommen. Diese erfordern auch eine entsprechende körperliche Pflege des Arbeiters und hier ist in bezug auf Nahrung der englische weitaus beffer gestellt als der deutsche. Der englische Rinderstapel zählte 1391 11343 686 Häupter, bei der letzten Zählung dagegen 11477 824, eS ist also auch hier eine Zunahine vorhanden, die erkennen läßt, daß ein Niedergang der englischen Landwirtschaft nicht erfolgt ist. Nur ist man in England nicht der Meinung, das Produktionsdefizit an Fleisch dadurch ausgleichen zu müssen, daß man durch Verteuerung den Konsum zurückschraubt. Dieses volksschädliche Rezept ist leider ein e deutsche Erfindung!"—_ Auf der Retirade. Nun ist auch die„bedeutendste" all' der Staatsakttonen, die um des preußischen Wahlrechtsflug- b l a t t S willen unternommen worden, zum stillen Ende gekommen, die von Gommern. Die 2. Sttaskammer de« Landgerichts zu Magdeburg hat am 3. April beschloffen, in der Straffache gegen den Arbeiter Braun und den Maurer K o p p h e n zu Gommern, den Redakteur Preczang zu Rahns- dorf und den Buchdrucker Schubert zu Berlin auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Beschuldigten außer Ver« folgung zu setzen, weil ihnen nicht nachzuweisen ist, daß sie sich einer gemäß§ 130 des SttafgesetzbucheS gegebenen Sttafbarkeit des Inhaltes des Flugblattes. das heißt der aufreizenden und beunruhigenden Natur desselben bewußt waren. So endet also auch dieses Projett einer Ausreizungsanklage mit Einstellung de? Verfahrens Eigenartig ist die Begründung. Es ist wohl bisher noch nicht vorgekommen, daß dem Berantworllichen einer sozialdemottattichen Druckschrift von preußischen Staatsanwälten und Richtern der ftrafausschlietzende Umstand zugebilligt wurde, er sei sich der Strafbarkeit des Inhalts nicht bewußt gewesen. Solches Bewußtsein wird sonst stets und überall vorausgesetzt. Dadurch, daß es hier ausnahmsweise nicht geschieht, kommt die Staats- anwaltschast um die unangenehme und schwierige Aufgabe hemm, nachzuweisen, daß in dem Wahlrechtsflugblatt, daS verschiedene preußische Gerichte bereits für strafrechtlich un« bedenklich erklärt haben, eine Aufreizung zu Gewalttätig- ketten enthalten sei. Zugeben wollen wir allerdings den Magde- bnrger Juristen, daß das Flugblatt beunruhigender Natur ist. ES ist beunruhigend für unsere Bourgeoisie, wie unsere Wahlrechts« bewegung überhaupt, wie die ganze Arbeiterbewegung. Aber die Angst unserer tapferen Bourgeoisie ist noch nicht der juristische Be« weis, daß das Wahlrechtsflugblatt zu Gewalttaten aufreizt!— Ein Schauspiel für Götter liefem die Liberalen im bayerischen Landtagswahlkreise Wunsiedcl. DaS Mandat des dort gewählten liberalen Lehrers Beyhl wurde vom Landtage kassiert, weshalb eine Nachwahl stattzufinden hat. Vier Wahlgänge am 22. März verliefen erfolglos und die Wahlhandlung mußte abgebrochen werden, weil sich die liberalen Wahlmänner m zwei ziemlich gleich starke Lager gespaltet haben. Die eine Partei hielt an dem bisherigen Abge- ordneten Beyhl fest, während die Fabrikanten und Großindustriellen in letzter Stunde mit der Gegenkandidatur des liberalen Manschetten« dauern Stöcker auf dem Plan erschienen. Da auch der Bund der Landwirte und die Sozialdemokraten sich an der Wahl beteiligten, konnte keiner von den Kandidaten die absolute Mehrheit erlangen. Die Fortsetzung der Wahl, ist nun auf den 11. April anberaumt. Die liberale Parteileitung hat inzwischen hinter den Kulissen gearbeitet, um eine Einigung zustande u bringen, und es wurde auch offiziell verkündet, daß Stöcker von >er Kandidatur zurücktrete; aber die Großindustriellen wollen nicht Order parieren. Sie halten an ihrer Sonderkandidatur fest und wollen, falls Stöcker wirklich zurücktritt, aus ihren eigenen Reihen einen Kandidaten aufftellen. So werden voraussichtlich auch die folgenden Wahlgänge ergebnislos bleiben. Amtliche Geheim- Statistik über„Elende" und„vaterlandSlosc" Gesellen. Von der Arbeit für diese treffliche Einrichtung ist durch unser Elbcrfelder Parteiblatt, die„Freie Presse", wieder einmal ein Zipfelchen ans Licht gezogen worden. DaS Blatt ist in der Lage, eine Anzahl Aktenstücke zu publizieren, die da zeigen, daß das Elber« elder Bezirkskonnnando besonderen Wert auf die Gesinnungs« chnüffelei unter den fürS Heer Ausgehobenen legt. DaS eine dieser Schriftstücke lautet: Bezirkskommando Elberfeld 15. HI. 05. J.-Nr. 28 Geheim. Unter Rückgabe dem Oberbürgermeisteramt Elberfeld mit der Bitte, auf anliegende Liste diejenigen Personen kenntlich machen lassen zu wolle», welche als zielbewußte, namentlich in führender Stellung befindliche Sozialdemokraten oder als Anhänger der anarchistischen Partei bekannt sind. Um Erledigung bis 1. 4. wird ersucht. � A. B. Käthe. Aehnliche Schriftstücke sind durch Vermittelung des Landrats den Bürgermeistern einer Anzahl anderer Orte zugegangen. Alle haben natürlich den Wünschen des Elberfeldcr Bezirkskommandos„ganz ge- heiin" und nach besten Kräften entsprochen. Da aber diese Kräfte nicht weit her sind, sintemal die Behörden über die Arbeiterbewegung meist /ehr mangelhaft unterrichtet sind, in den seltensten Fällen auch einen Sozialdemokraten von einem Anarchisten unterscheiden können, so Mrfte sich allerlei unzutreffendes Material auf den BezirlSkonnnandoS ansammeln. Schadet nichts l Die Gesinnungsschnüffelei darf deshalb nicht eingestellt werden, denn wie sollte sich sonst die Furcht bannen lassen, daß der Staat einmal durch sozialistisch denkende Soldaten schweren Schaden erleiden könnte_ Der Beruf der Presse. Der bekannte Rechtslehrer Professor Kohler beschäftigt sich in einem„Ehre und Beleidigung" betitelten Aufsatz des„Archivs für Strafrecht" mit der Vcrsagung des Schutzes, den der§ 193 des Strafgesetzbuches(Wahrnehmung berechtigter Interessen) bei Be- leidigungen gewährt. Die Presse hätte, führt er aus, ebenso wie Lehrer und Anwälte ihren Beruf, und zu diesem Berufe gehöre es, Mißstände zu rügen. Es sei unrichtig, dem Redakteur den Schutz des Z 193 zu versagen, wenn ihn die gerügten Uebelstände nicht selbst„berührten". Sie berübrten ihn ebenso, wie etwa den Syndikus eines Vereins solche Dinge, die seinen Verein schmälerten. wenn sie auch den Syndikus nicht persönlich beträfen. „Welchen anderen Beruf", fragt er, sollte sonst die Presse haben? Etwa die Neugierde zu befriedigen, etwa zu unterhalten, etwa theoretische Ansichten zu vertreten? Nein, die Presse hat den Beruf, die praktischen Interessen der Nation und damit der Mensch- heit nach allen Richtungen hin zu fördern. Mißstände hervor- zukehren lind Ideen zu verbreiten, welche die Welt in ihrer Kultur- arbeit fördern sollen.... Der Beruf der Presse wird vom Reichs- gericht verkannt, wenn es annimmt, das Recht der Presse fei nichts anderes als das Recht der freien Aeußerung. Eben so gut könnte man sagen, das Recht des Anwalts sei nichts anderes als das Recht der freien Aussprache; in der Tat Handell es sich um Zweck und Ziel der Aeußerung, und dieses ist im einen Falle ebenso berechtigt wie im anderen. Dazu kommt, daß die Tätigkeit der Presse ebenfalls beruflich ausgeübt wird, also nicht etwa gelegentlich, in vereinzelten Fälle», sondern in regelmäßiger zielbewußter Arbeit, welche ein ganzes Menschenleben ausfüllen kann, und den Mann der Presse zwingt, Stellung zu nehmen und auch da tätig zu sein, wo etwa Neigung und persönliches Behagen schweigen müssen."_ Einen unangenehmen Prozeß hat der Kommerzienrat G rubel, nasionalliberaler Abgeordneter zum golhaischen Landtage, mit dem Redakteur Walter vom„Gothailchen Tageblatt" auszutragen. Der Prozeß begann am Freitag vor dem Schöffengericht zu Gotha. Walter hat in seinem Blatte von Grübel behauptet, daß er den Thüringer Weberverein, dessen Leiter er ist. nach außen zwar alsW o h l- tätigkeitsverein ausgegeben, ihn aberfiir seine politischen wecke mißbraucht habe. Ferner soll sich Grübel des un- auteren Wettbewerbes in den Anpreisungen der Erzeug- Nisse des Webervereins und des Betruges unter Zuhülfenahme deS Namens der Kaiserin schuldig gemacht haben. Die Be- schuldigungen Walters, die fast ein Jahr lang erhoben wurden, ohne daß Abg. Grübel dagegen etwas unternahm, erregten in ganz Thüringen großes Aufsehen. In der Verhandlung erklärte Walter, er wolle den Wahrheitsbeweis. antreten. Behufs Beschaffung von Akten über einen anderen Prozeß, in dem der Kläger vor einigen Jahren verwickelt war, wurde die Verhandlung auf den 27. April vertagt.—_ Ein LandfriedenSbruch-Prozeß auS Anlaß der Aussperrung auf der R o st o ik e r„Neptun"- Werft beschäftigte das mecklenburgische Schwurgericht zu Güstrow. Am Spätabend deS 6. Februav waren in dem durch den breiten Unterlauf der Warnow von Rostock getrennten Orte Gehlsdorf vier auf der ,.Neptun"-Werft als„Arbeitswillige" beschäftigte Kupfer- schmiede auf ihrem Rückwege von einem Restaurant von angeblich 12— 15 Personen überfallen und mißhandelt worden, wobei einer der Kupferschmiede mehrere Messerstiche in den Rücken erhalten haben will, so daß er 12 Tage arbeitsunfähig gewesen sei. Die sofort eingeleitete gerichtliche Untersuchung erstreckte sich auf eine größere Anzahl der Rostocker Ausgesperrten, von denen 8 in Unter- suchungshaft genommen wurden, während Anklage auf Land- friedensbruch im ganzen gegen zwölf Personen erhoben wurde. Angeklagt war eine Anzahl Ausgesperrter, die in dem betreffenden Restaurant mit den„Arbeitswilligen" gesprochen und dann das Lokal kurz vor dem Weggange der vier Ueberfallenen verlassen hatten. Die Unterhaltung hatte, wie die vier Arbeitswilligen selbst bezeugten, keinen feindseligen Charakter getragen; man hatte sich getrennt, nachdem die Arbeitswilligen versprochen hatten, die Arbeit niederlegen zu wollen. Gleichwohl wollten die Ueberfallenen in mehreren ihrer Angreifer verschiedene der Aus- gesperrten erkannt haben, die vorher mit ihnen in dem Restaurant gewesen waren. Die Angeklagten gaben ihre Anwesenheit bei der in der Wirtschaft gepflogenen Unterhaltung zu, bestritten jedoch entschieden jede Beteiligung an dem Ucberfall; sie seien nach der Unterredung, soweit sie in GehlSdorf selbst wohnten, in ihre Wohnungen gegangen, während die Rostocker, da die Dampffähre nach ViU Uhr abends nicht mehr fuhr, sofort den zweistündigen Fußmarsch nach Rostock angetreten haben wollen. Der Verteidiger loies sehr eingehend hin auf die vielen Widersprüche zwischen den Aussagen der Belastungszeugen vor Gericht einerseits und in den Protokollen der Staatsanwaltschaft und des Untersuchungs- richters andererseits. Das Gericht berief telegraphisch den Rostocker Ersten Staatsanwalt; derselbe konnte zur Beseitigung der Wider- sprüche in den Protokollen nichts vorbringen, erklärte jedoch auf Befragen des Verteidigers, daß bei Ausstellen des �inen fraglichen Protokolls„infolge der Eile wohl ein Irrtum unterlaufen sein könne" und daß speziell Namensverwechselungen zwischen einigen der Angeklagten vorgekommen zu sein scheinen. Die Verteidigung konnte weiter eine ganze Reihe von Zeugen vor- führen, welche den von den Kupferschmieden am meisten belasteten Tischler Türk als einen durchaus ruhigen besonnenen Mann darstellten. In dieser Beziehung mußte der von der Staatsanwaltschaft als Belastungszeuge geladene Direktor Barg von der„Neptun"-Werft selbst erklären, daß ihm Türk als derzeitiger Vorsitzender des Arbeiterausschusses als besonnener ruhiger Arbeiter bekannt sei, dem er Gewalttätigkeiten nicht zu- traue. Der Staatsanwalt räumte ein. daß die Beweisaufnahme die Anklage in vielen Punkten erschüttert habe und daß er sich ge- zwungen sehe, gegen sechs dev Angeklagten selbst Freisprechung zu beantragen. Aber gegen die übrigen sechs halte er die Anklage auf- recht; allerdings hätten selbst die Belastungszeugen nicht behauptet. daß sich Zwei dieser sechs unter den Angreifern befunden hätten. aber sie wären nach seiner Ansicht doch dabei gewesen, weil sie zu- gegeben hätten, zusammen mit den anderen Rostockern den zwei- stündigen Heimmarsch gemacht zu haben. Hätten sie nicht im voraus den Ueberfall geplant, j'o hätten sie zweifellos um �11 Uhr die letzte Dampffähre benutzt, um den beschwerlichen Fußmarsch zu ver- meiden!! Der Staatsanwalt wollte selbst in Ansehung der Aus- spcrrung allen Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt wissen. Aber die Geschworenen verweigerten in ihrem Wahrspruche dem Tischler Türk die mildernden Umstände. Infolgedessen lautete gegen den Tischler T. das Urteil auf 1 Jahr und 3 Monate I u ch t h a u s. Drei weitere Augeklagto wurden zu 1 Jahr resp. zwei zu je 5 Monaten Gefängnis verurteilt. /iuslatut. Frankreich. Die Reform der Kriegsgerichte ins Wasser gefallen. Paris, 7. April./z Pf.) In Betracht kommen etwa 79 Betriebe, darunter allerdings nur fünf Großfirmen, mit zusammen rund 1699 Arbeitern. Die Arbeitgeber versuchen jetzt, nachdem sie von der Lohnbewegung Nachricht bekommen hatten, durch Gewährung geringfügiger Zulagen von 2'/, Pf-„ihre" Arbeiter ein- zulullen und sie auf diese Art von der Stellung höherer Forderungen abzubringen. Ja die Herren haben bereits ge- droht, falls die Forderungen aufrecht erhalten werden sollten, einfach auf einige Wochen„die Bude zuzumachen". Eine Versammlung der Asphalteure und Berufsgenossen, die am Sonntag in der„Kronen- brauerei" stattfand, beschloß jedoch einstimmig, sich durch die an- gcdrohten Maßnahmen der Unternehmer nicht beirren zu lassen. fordern ihnenimLaufedieserWochedieForderungen offiziell zuzustellen. Allgemein wurde der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß die jetzigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse dringend einer Aufbesserung bedürfen, da die Arbeiter es bei der gegenwärtigen Arbeitsmethode nur durch ständiges Ueberstunden- machen zu einem halbwegs auskömmlichen Lohne zu bringen ver- mögen. Der Streik der Hülfsarbeiter in de« Daimker-Molorenwerke» '(Marienfelde) ist am Sonnabend durch Verhandlungen beigelcgt. OtutkcbcB Retdu Die Zimmerer in Velten und Fürsienwalde befinden sich im Streik wegen Nichtbewilligung ihrer Lohnforderungen. Verhandlungen führten bisher zu keinem positiven Ergebnis. Reue Tarifabschlüsse kamen durch Vermittelung der Berliner Ganleitnng des ZentralverbandeS der Zimmerer jüngst in folgenden Orten der Provinz Brandenburg zu stände: In Lindow i. d. Mark ist der Vertrag auf drei Jahre, also bis zum 1. April 1999 verlängert. Der Lohn steigt im ersten Vertrags- j ahre von SS auf 37>/» Pf. und in den beiden anderen Jahren auf 49 Pf. pro Stunde. Der Ueberstundenzuschlag beträgt 5 Pf.— In L ü b b e n ist ebenfalls eine dreijährige Bertragsdauer vereinbart. Für das erste Jahr erhöht sich der Lohn von 37 ans 40 Pf., für das zweite und dritte Jahr aus 42 Pf. Ueberstunden werden mit 5 Pf., Nacht-, Wasser- und Karbolineumarbeiten mit 19 Pf. Auf- schlag pro Stunde vergütet.— In Oranienburg wurde zum erstenmal ein Tarifvertrag abgeschlossen, und zwar bis zum 1. April 1998.— Der Stundenlohn erhöht sich im ersten Jahre von 5 9 auf 6 9 Pf. und im zweiten Jahre auf 65 Pf. Gleichzeitig wird die Arbeitszeit von 19 auf 9'/o resp. 9 Stunden verkürzt. Ueberstunden werden mit 19, Nachtarbeit usw. mit 16 Pf. Zuschlag entschädigt.— In Hennigsdorf wurde der Vertrag bis zum 1. April 1997 ver- längert. Bei einer Verkürzung der Arbeitszeit von 19 auf ö'/a Stunden erhöht sich der Lohn von 55 auf 6 9 P f e n n i g e mit einem Ueberstundenzuschlage von 19 Pf.— In Werneuchen steigt der Lohn von 42 aus 45 Pf. bei einer Ueberstundenentschädigung von 5 Pf. Der neue Vertrag gilt bis I.April 1997.— In Neuen- sprach Genosse Legten am Donnerstag in einer sehr stark be- Hägen kam eS ebenfalls zu einer einjährigen Vertragsverlängerung juchten öffentlichen Versammlung, welche gemeinsam einberufen bei einer Lohnsteigerung von 52'/, auf 55 Pf. mit s Pf. lieber- war vom Verband der Handels-, Transport- und VerkehrSarbeiter, stundenzuschlag.— In Spandau verlängert sich die Vertrags- i dem Verein Berliner Hausdiener sowie der Hausdiener-, Packer- dauer bis zum 1. April 1998. Für das erste Jahr erhöht sich der| und GeschästSkutschcr-Vereinigung. Da zurzeit EinigungSverhand- Lohn von 65 auf 79 Pfennige und für das zweit« Jahr auf> lungen zwischen diesen Organisationen schweben, so war die Ver- 73 Pfennige. Die nennstündige Arbeitszeit sowie alle übrigen sammlung einberufen worden, um den Mitgliedern die Vorzüge Bestimmungen bleiben bestehen.— Wo über die Arbeitszeit nichts einer starken, einheitlichen Gewcrkjchaftsorganisation vor Augen zu erwähnt ist, da bleibt sie zehnstündig. i führen.— L c g i e n leitete seinen Vortrag mit der Bemerkung Der««»stand in den«itteldentschen Lraunkohlenrevieren. Zeitz, 7. April.(Eig. Ber.) Die Lage im Streikgebiet ist im allgemeinen unverändert. Der Streik auf Grube„Alfred" bei Calbe a. S. ist beendet und im M e u s e l w i tz e r Revier ist die Grube N e u g l ü ck bei Rehmsdorf zu den im Ausstande befindlichen Gruben neu hinzu- gekommen. „Kolossal schneidig" ging die Gendarmerie in Luckenau im Revier Zeitz-WeißenfelS vor, wo. wie schon gemeldet. Kroaten, Galizier, Italiener usw. zu Raußreißerdienstcn eingetroffen waren. Naturgemäß sammelte sich Publikum, um das seltene Schauspiel der Verladung derartiger„Raritäten" aus nächster Nähe zu genießen. So kam es, daß Streikende, Männer, Weiber und Kinder sich auf und in der Nähe des Bahnhofes sammelten. Und nun berichten wir wortgetreu nach den Auslassungen der bürgerlichen Presse:„Zum Schutze der fremden Arbeitswilligen war ein starkes Gcndarmeriekommando aufgeboten. Als der Aufforderung des befehlführenden Oberwachtmeifires Schräder, aus einanderzugehen, nicht Folge geleistet lvurde. ließ derselbe die Mannschaften die Schußwaffen in Bereitschaft setzen. Darauf sprengten die berittenen Mannschaften die zahlreichen Ausständigen auseinander!" Jedes Wort der Kritik hierüber wäre Blasphemie. Es hat den Anschein, und wird durch verschiedene Zuschriften aus dem Streikgebiet bestätigt, als wenn die Werköbeamten(Ober- steiger, BetriebSführer usw.) mit den Ausständigen sympathisierten. So wird u. a. mehrfach berichtet, daß sie Arbeitswillige, die sich erst dem Ausstande angeschlossen hatten und dann wiederkamen, weg wiesen mit den, Bemerken, sie sollten sich nur den anderen an- schließen._ Die Tischler und Maschinenarbeiter Jenas haben nach einem uns zugehenden Privattelegramm wegen Lohndifferenzeu die Arbeit niedergelegt._ Zum Streik der Hamburger Seeleute. Nach bekanntem Muster hat der Verein Hamburger Reeder zu dem Ausstand der Seeleute Stellung genommen, indem er in der den Unternehmern stets für dergleichen Zwecke zur Verfügung stehenden Presse„feststellt", daß es sich in de», gegenwärtigen Streik der Seelente nicht um eine Lohnfrage, sondern lediglich um eine Machtfrage handelt. Das haben die Herren von der Wasserkant« auch vom Streik der Hafenarbeiter un!d Seeleute 1896/97 behauptet. Weiter wird in der„Kundgebung" hervorgehoben, daß der Vorstand des Vereins der Reeder schon vor der Arbeitseinstellung der See- lcute beschlossen hätte, die nunmehr vom Seemannsverbande geforderte Lohnaufbesserung in Höhe von 5 M. pro Monat eintreten zu lassen. Mit der Publikation dieses Beschlusses hat es demnach keine Eile gehabt. Die weiteren Forderungen, wie Regelung des Heuerwescns, der Ueberstundenarbeit und der Beköstigungsfrage, auf die gerade die Seeleute das größte Gewicht legen, werden von den Reedern so ganz en pssssnt als«von unrergeordneter Bedeutung" erwähnt. Hier scheint den Herren das böse Gewissen zu schlagen, denn durch den neulich in'der Reichs Hauptstadt abgehaltenen See- arbeiterschutzkongreß ist auch dem Teil des Publikums, der sonst nur von der cioganten Einrichtung und ff.-Küche der Ozeanriesen zu hören bekommt, etwas von der jammervollen Lage des Seeprole- tariats zu Ohren gekommen. Die Reeder geben lSe Erklärung ab, daß sie den©eemannsvcrbaud bei seiner jetzigen Tendenz nicht als die Vertretung der Seeleute anerkennen und unt dessen Leitung wegen ihrer gehässigen Kampfesiveifc gegen die Reeder nicht ver- handeln könnten, und drohen den Hafenarbeitern, nicht weiter die Seeleute an der Wiederaufnahme der/Arbeit zu hindern,„da sie durch die Förderung des Streiks die Gefahr heraufbeschwören, 'e lb st ihren Verdienst auf nicht absehbare Zeit zu verlieren." Diese Drohung" wirb die Hafenarbeiter aller Branchen nickst davon ab halten, den Seeleuten nach wie vor ihre Sympathie und Solidarität zu bekunden, wie das auch vor lvenigen Tagen in einer Versamm- lung der genannten Arbeiter ausdrücklich ausgesprochen worden ist. Die Anmusterung von arbeitswilligen„Seeleuten" geht direkt gesetztvidrig vor, denn die tatsächliche Anmusterung geschieht erst im nächsten Hafen, also im Auslande! M4t ganz geringer B e- atzung laufen die Schiffe aus den, Hafen, ohne von >er Behörde daran gehindert zu werden! Wie in der letzten Ver- ammlung der Seeleule mitgeteilt wurde, ist der Dampfer„Blücher" von der Amerika-Linie mit direkt gesetzwidriger Besatzung abgc- ahren! Und doch veröffentlicht die Ämerika-Linie in den in- ländischen Zeitungen, daß sie ihre Schiffe nur mit guten Seelenten bemanne,„zur Sicherljeit des Publikums". Die Seeleute halten an dem Beschlüsse fest, daß die Verhandlungen mit den Reedern nur durch den SeemannSverband geführt werden dürfen. Generaldirektor Ballin von der Hamburg-Amerika-Linie, der oeben von einer Reise zurückgekehrt ist, hält den Standpunkt des Vereins der Reeder, nicht mit dem Seemannsverbande verhandeln zu wollen, für verkehrt. Ballin erklärte, er sei kein Gegner von Verhandlungen mit Arbeiterverbänden, doch könne er nicht mit Paul Müller(dem Leiter des Verbandes) loegen gehässiger Kampfes- weise verhandeln. Auf Betreiben Ballins trat am Montag der Verein der Reeder zu einer Beratung zusammen, über deren Ver- lauf bis zur Zeit noch nichts bekannt geworden ist. Streik der Hamburger Roll- und B�lockwagenkutscher. In der vorigen Woche haben die in den genannten Fuhrwerksbetrieben be- chäftigten Kutscher die Arbeit eingestellt. Verlangt wird ein Wochenlohn von 39 M.(bisher 28 M.). Am Montagmorgen arbeite- ten 399 Kutscher zu den neuen Bedingungen, während 599 sich im Ausstände befinden. Die Former und Gießcreiarbeiter in Aachen sind am Sonn- abend in den Ausstand getreten, nachdem wiederholte Bemühungen zur friedlichen Vereinbarung eines Tarifs ergebnislos blieben. Die benachbarten holländischen und belgischen Grenzorte, wo die Unter- nehmer schon seit Wochen Streikbrecher anzuwerben suchen, sind mit Hülfe der holländischen Bruderorganisation so bearbeitet worden, daß Zuzug von dort nicht zu fürchten ist. Ruslanck. Ein siegreicher Streik der Postkutscher. Paris, 7. April.(Eig. Ber.) In der Donnerötagnacht beschlossen die Kutscher und Motorführer der Pariser Postfuhrwerke in einer Versammlung auf der Arbeitsbörse, sofort in den Streik zu treten. Als am Morgen auf dem Hauptpostamte nur eine geringe Zahl von Kutschern erschien, war dort die Verzweiflung groß. Man ließ zwar die Postsachen in Droschken befördern, aber der StaatSuntersekretär B s r a r d, der Chef des Post- und TelegraphenwescnS. den man noch im Morgengrauen geweckt hatte, fano eS für angezeigt, die Ausständigen un, Entsendung von Delegierten zu bitien. Um 11 Uhr vormittags,»ach achtstündiger Dauer, war der Streik be- endet. Den Streikenden wurde die Wiederausnahme von zwei im Jahre 1992 gemaßregelten Postkutschern zugestanden, ferner zwei bezahlte Urlaubstage im Monat, eine tägliche Dienstzeit von zwölf Stunden und die Lieferung der Uniform. ein, es fei eigentlich keine angenehme Aufgabe, heut« noch über den Wert der Einheitsorganisation zu sprechen, nachdem sich die organi- sierten Arbeiter in ihrer überwiegenden Mehrheit längst für die Zentralverbände entschieden haben, und nachdem längst durch Tat- fachen bewiesen sei, daß nur starke, einheitliche Organisationen eine wirtschaftliche Macht bilden, die imstande ist, Erfolge zu erzielen. Dann führte der Redner an der Hand der Gewerkschafts- geschichte im einzelnen aus, daß die Frage, ob Lokal- oder Zentral- Organisation längst zugunsten der letzteren entschieden sei und daß prinzipielle Gesichtspunkte für den Fortbestand lokaler Organi- sationen nicht mehr beständen. Ter Erfolg habe die Richtigkeit des Prinzips der Zentralverbände bestätigt� denn sowohl die Zahl ihrer Mitglieder wie ihre Leistungen seien ständig geivachsen. Gegenwärtig seien etwa IVa Millionen Arbeiter in den deutschen Zentralverbanden organisiert. Der Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter sei von 4799 Mitgliedern im Jahre 1896 auf 36 399 im Jahre 1994 gestiegen. Bedauerlich sei es ja, daß die Arbeiter im Handels- und Transportgewerbe in Berlin noch mit einer Anzahl einzelner Berufsorganisationen zu rechnen haben. Würden diese sich alle dem Verband anschließen, dann loärde derselbe noch weit größere Erfolge erreichen können, als er stisher zu verzeichnen hatte. Günstige Uebertrittsbedingungen seien dan Organisationen gestellt, mögen sie die Bruderhand, die ihnen geboten ist, nicht zurückstoßen. Werner vom Verband der Handels-, Transport- und Ver- kehrLarbeiter, der den Vorsitz in der Versammlung führte, forderte besonders die Gegner der Ausführungen Legiens auf, das Wort zu nehmen. ES sprachen dann auch eine Anzahl von Rednern, die, bis oitif einen, zwar keine grundsätzlichen Gegner der Einheits- Organisation waren, sondern nur im einzelnen an der Verbands- arganffation Kritik übten. Im allgemeinen wurde der Gedanke. der Einigung vertreten. ES lagen auch drei Resolutionen vor, die diesem Gedoicken Ausdruck gaben; sie wurden als erledigt erachtet, weil ja gegenwärtig unter Mitwirkung der Berliner Gewerkschafts- kommissian das Werk der Einigung der genannten Organisationen betrieben wird. Letzte Nachrichten und Dcpcfchcn« Die Freiheit der Presse. Hamburg.(Privatdepesche unseres Hamburger Kor- respondenten.) Wegen Aufreizung zn Gewalttätigkeiten, die in den Nummern 16 und 17 des„Hafenarbeiter" enthalten sein soll, und zwar in den Artikeln„Menschenopfer" und „Ungezieferplage", wurde heute von der Strafkammer U des Landgerichts Hamburg der verantwortliche Redakteur des Blattes, Genosse Görlitz, zn sechs Monaten Gefängnis der- urteilt. Der Staatsanwalt hatte acht Monate beantragt. Ein« Unternehmermachtprobe. Hamburg, 9. April.(W. T. B.) Eine heute abend abgehaltene Versammlung sämtlicher Arbeitgeber des MalergewerdeS und Mit- gliedev ber Maler- und Lackiererinnunge» van Hamburg, Altona, WandSbeck, Lübeck und Bremen sprach die Ueberzeugung auS, daß eS sich bei den Malergehülfenbewegungen in Berlin, Bremen und Lübeck lediglich um eine Machtprobe zum Zwecke der Sprengung des Bundes und des Berlin-Hamburger Meisterkartells durch die über ganz Deutschland verbündete und in Hamburg zentralisiert« Ge- hülfenschaft handelt. Zur Abwehr dieser Gefahr beschloß die Ver- sammlung: Wenn der am 2. April in Berlin und seinen vor- arten auSgcbrochene Ausstand der Malergehülfen nicht bis spätestens am 12. April von der Streikleitung aufgehaben ist, so sollen am 14. Ap/s Millionen Mark in kirchen steht unter der Kontrolle einiger Banken. Zu der General- Versammlung von Gelsenkirchen waren 31 Aktionäre erschienen, die 62 150 200 M. Kapital vertraten. Das Gesamtakttenkapital beträgt 119 Millionen Mark in 115 971 Aktien. Und vier Banken verfügten auf der Generalversammlung über die Majorität. Es waren: die Deutsche Bank mit 16,8 Millionen Mark, die Diskontogesellschaft mit 9,68 Millionen Mark, die Dresdner Bank mit 4,1 Millionen Mark, der Schaafihausensche Bankverein mit 3,07 Millionen Mark, zu- sannnen 33,65 Millionen Mark. Als Großaktionäre waren ferner vertreten: die Firma Wiener Lewy mit 2,67 Millionen Mark, Kirdorf mit 5,38 Millionen Mark, Talbot- Aachen mit 3,63 Millionen Mark, Huber-Straßburg mit 2,46 Millionen Mark, Schöller-Düren mit 2,46 Millionen Mark, Ernst vom Rath mit 1,06 Millionen Mark, Grüneberg mit 1,28 Millionen Mark und Tyssen mit 2.2 Millionen Mark. 12 Aktionäre verfügten über 54,73 Millionen Mark Aktienkapital. Mögen sich in den Rest des Kapitals noch tausende Aktionäre teilen, Einfluß kann die Zahl nicht ausüben, die bestimmende Herrschaft haben die Banken. Sobald die Banken endgültig über die näheren Bedingungen einig sind, wird auch aus der Interessengemeinschaft die Fusion der drei großen Werke zu einem Trust herauswachsen. In beiden General- Versammlungen stellte Jarislowsky die bezüglichen Anfragen. Die Antworten lauteten in beiden Fällen dahin, daß die Verhandlungen in dem angeregten Sinne schwebten, die Schwierigkeiten würden auch vor Ablauf der Interessengemeinschaft behoben, die Fusion perfekt werden. Von Bedeutung waren noch die Ausführungen Kirdorfs auf der Generalversammlung der Gelsenkirchener Gesellschaft über die geschäft- lichen Aussichten. Die Lage sei im allgemeinen günstig, doch dürsten überttiebene Hoffnungen nicht genährt werden. Man habe mit steigenden Betriebskosten zu rechnen. Die Lohnftage werde dabei eine Rolle spielen. Ziemlich deutlich ließ er durchblicken, daß man mit einer Bewegung der Eisen« und Stahlarbeiter und mit der Notwendigkeit einer Aenderung der Arbeitsverhältnisse rechne. Man kann der Bewegung vorbeugen, wenn die Werke freiwillig angemessene Löhne zahlen, vernünftige sanitäre Einrichtungen schaffen und last not Isast die Arbeitszeit regeln, die zehnstündige Arbeits- zeit höchstens noch als Maximum gelten lassen und die Einführung der Achtstundenschicht in Feuerbetrieben schleunigst vorbereiten. Dividenden. Daß die großen Vergwerksgesellschasten mit den Geschäftsergebnissen der letzten Jahre zufrieden sein dürfen, zeigt folgende Zusammenstellung: iesellschaft Gelsenkirchen..... tibernia...... onsolidation.... Nordstern...... Concordia...... König Wilhelm.... Mülheimer Bergwerke. Bei solchen Ergebnissen mutet eS wunderbar an, wenn die Unter- nehmer fortgesetzt über Belastung durch die soziale Gesetzgebung jammern. Die von ihnen immer betonten gestiegenen Löhn« haben die Dividenden nicht herabgedrückt, im Gegenteil, seit den letzten 15 Jahren ist die Durchschnittsdividende um fast 100 Prozent ge- stiegen. Spielkarte«. Der Verbrauch von Spielkarten spielt eine Rolle in der Industrie, denn viele Millionen von Päckchen werden in jedem Jahre konsumiert. Nach den Zusammenstellungen eines amerikanischen Blattes wurden im Jahre 1905 in Deutschland, Frankreich, England und den Bereinigten Staaten über 57 Millionen Päckchen hergestellt und verkauft. Die Amerikaner zahlen für ein Päckchen oder„Spiel" Karten 40 Pf. bis 4 M. Die Spielkartenindustrie hat zuweilen versucht, veränderte, mehr künstlerisch ausgeführte Karten auf den Markt zu bringen, hat aber keinen Erfolg damit gehabt. Die Spieler verlangen feit den letzten 50 Jahren immer dasselbe Karten- bild und nur die Rückseite der Karte hat gelegentlich eine andere Zeichnung haben dürfen. Mendelssohns Prcßzensor! Einen reizenden Beitrag zum Kapitel„Redaktion und Inseratenteil" liefert der Herausgeber des „PlutuS" in der„Welt am Montag". Der„PlutuS" hat mit der Veröffentlichung einer Artikelserie über den russischen Staatsbankrolt begonnen. Der Verleger macht darauf durch Inserate in Tages- zeitungen aufmerksam. Die.Bossische Zeitung" und der „Börsen-Courier" haben die Aufnahme der Inserate abgelehnt. Die beiden Blätter machen unentwegt für die Placierung der neuen russischen Anleihe in Deutschland Stimmung. Die Interessen der Mendelssohn stehen bei den„nationalen" Blättern höher, als die der deutschen Volkswirtschaft. Deshalb darf auch der Inseratenteil nicht neuttal bleiben, sonst könnten die Leser vielleicht eine Anregung bekommen, die den Interessen der russisch-göttlichen Weltorduuug des deutschen RnssenkonsortiumS und dem Geschäft der Blätter nicht dienen. Oberschlesische Eisenindustrie A.-G. Die Gesellschaft ist beteiligt bei den Vereinigten Deutschen Nickelwerken in Schwerte, der Eisen- Hütte„Silesia" Aktiengesellschaft in Partuschowltz, der Gesellschaft der Mctallfabriken B. Hantle in Warschau und der mit ihr eng liierten Russischen Eisenindusttie Aktiengesellschaft in Ekaterinoslaw. Der Umsatz an Fertigfabrikaten(Walzeisen, Bandstahl, Draht- waren usw.) entsprach im Berichtsjahre einem Bettage von 29 220 202 Mark(26 213 465 M.). Der Bruttogewinn beziffert sich einschließlich 11297 M. Vortrag auf 3 934 911 M. Andererseits erfordern Un- kosten 234 223 M., Zinsen 606 877 M. und Abschreibungen 1.6 Millionen Mark. Danach verbleibt ein Reingewinn von 1 493 811 M., aus dem 5Vz Proz. Dividende verteilt werden. Im Vorjahre belief sich der Reingewinn auf 1 033 297 M., die Dividende 4 Proz. eingegangene Druchrcbrtftai. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soede» da» 28. Heft des 24. Jahrganges erschienen. Es enthält: Militärische Stteis- lichter.— Zu Mandcvilles Ethik und Kants„Sozialismus". Von A. Joffe.— Die revolutionären Parteien in Rußland während der Jahre 1898 bis 1903. Von Dr. Ida Axclrod.(Fortsetzung.)— Zum Kampfe um die preußische Volksschule. Von Heinrich Schulz.— Organisattonen für die theoretische Bildung der Arbeiterklasse. Von Alex. Kosiol.— Die Wnahme der Alters- renten. Von Friedrich Kleeis(Würzen). Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch«It Buchhandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hcst kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Versügung. Die diesjährige Maifestschrift der österreichischen Sozialdemokratie, die soeben im Vorlage der Wiener Volksbuchhandlung Jgnaz Brand, Wien VI, Gumpendorserstr. 18, erschienen ist, repräsentiert sich in ihrer ganzen Anlage als W a h l r e ch t S- F c st s ch r i s t. So wie in Oesterreich die ganze Maifeier in den Dienst des Kampfes umS Wahlrecht gestellt werden soll, ist es auch mit der Festschrift der Fall, deren textlichen Teil- Gen. Dr. Ellenbogen aus Artikeln von O. W. P a y e r, HanS Resel, Karl L e u t n e r, I. Kamer und anderen zusammenstellte. Auch der illustrative Teil bewegt fich in derselben Richtung. O. Friedrich stellt im Bilde das gleiche Wahlrecht dar, während Hermine O st e r s- b e r- H e 1 1 e r die sieghaste Wirkung der Maiseier veranschaulicht. — Die Festschrist ist zum erstenmal ganz m Schwarzdruck hergestellt. Der Preis beträgt in Deutschland 20 Pf. Der„Süddeutscher Poftillon" legt seine Nr. 8 vor. DaS Titelbild fixiert die„treu-aujrichtige" Freundschaft der Großmächte. DaS Mittelbild beschäftigt fich mit unseren Leutnants. Das trefflichste ist daS Schlußbild mit dem Kaspcrltheatcr, für das„Michel" blechen muß. Dazu gibt Ernst Klaar, der schon durch seine Gedichtsammlung„Knute und Bombe" als scharfer Beobachter und Freund der russischen Volksbewegung sich bekundete, ein Leitgedicht„Leutnant Schmidt".— Johann Most f(Gedicht).— Eine Katastrophe, Gedicht von L. R.— Erbprinzen.— O Sttaßburg und viele andere Beiträge in Wort und Bild, die dem Leser Freude und ernste Ge- danken, Heiterkeit und feste Stimmung bringen. Die Nummer ist 8 Sellen stark und kostet 10 Ps. Soeben erschien Lieferung 33 biS 40 der Illustrierte Bolksausgabe von Schillers Werke»(Stuttgart, Deutsche VerlagSanftalt.) Der Preis jeder Liescrung beträgt 30 Ps. Monatsschrift für christliche Sozialreform. Heft IV. Preis halbjährlich 3,20 M.— Einzelhest 80 Ps. Verlag Bäßler u. Drexler, Lott- stetten, Baden._ W»»ter»»gsiiberNcht vom 9. April 1906, morgens 8»Hr. Stationen Swtnemde. Hamburg Berlin Franks. a.M.f München Wien e>- n 2 i s Vetter 777N 777 NO 776 N 774 N 772 SO 771 NW 2wollenl 2 Dunst 2woltenl 2 wollen! 3 heiter 1 wölken! >»« e-■ Stationen L n a a g)~ ä B n 3 S S baparanda| 761 S Petersburg 767 NW Scilly Slberdeen Paris 67 NNO 781 SW 772 NNO Vetter 2 Schnee l wolkenl 2 wolkenl l wolkenl 4 heiter vis; -it. II | ts w fii 1 — 1 9 4 7 Wetter-Prognose für Dienstag, den 10. April 1006. Trocken, vorwiegend heiter und am Tage warm bei schwachen nordöft« lichen Winden. Berliner Wetterb u>eau Am Sonntag, den 8. SIprll. verschied nach viermonattgem schwerem Krankenlager mein sieber Mann, unser guter Vater, der Lederarbeiter Robert Hemridi im 53. Lebensjahre. DieS zeigt ttejbettübt an 202/9 Die trauernde Witwe nebst Kindern. Die Beerdigung findet Mitt. woch, den 11. April, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes Wilhelm- und Sttiben- rauchstraßen-Ecke aus statt. Friedenau, 10, April 1906. Sozialdemokrat. Wablverein Friedenau. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Sonntag, den 8. April, morgens 5 Uhr, unser alter Parteigenosse Robert Heinrich im 53. Lebensjahre verstorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 6 Uhr von der Leichenhalle des Friedenauer Gemeindeftiedhoses aus statt. Die Parteigenossen tteffen sich um 5 Uhr bei Grube, Kaiser-Allcc. Zahlreiche Beteiligung erwartet 202/8 0er Vorstand. Ilm 7. Stpril, abends 9 Uhr, verschied nach langen, schweren Leiden meine innigst geliebte Frau, unsere gute Mutter, Großmutter, Schwiegermutter, Schwägerin und Tante iXuxuste Ldimiät geb. Schwierse im 60. Lebensjahre. 1131b DieS zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme im Namen der kauernden Hinterbliebenen an Oskar Scdmickt nebstKindern. Die Beerdigung findet am Witt- woch, den 11. April, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- felde aus statt, Am Sonnabend verstarb nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Groß- oater und Schwiegervater Fertiinsnli Kurzmann. Die Beerdigung findet am Mittwochnachmittag 4 Uhr vom Trauerhause Manteuffelstraße 88 aus statt. 8272 Die trauernden Hinterbliebenen. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Milglied, der Maschinen- bauer Emil Glaeske verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 116/11 Ole Ortsverwaltung. Zentral-Men-Unterstiitzungs- 1 Verein der Schmiede u. verwandten Gewerbe Deutschi. Zahlstelle Berlin IV. Am Freitag, den 6. April, starb unser Mitglied Hennaim Kaerling. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 3 Uhr aus dem E.nmaus- Kirchhos, Hermann- straße statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet tl36b Die OrtSverwaltung. Danksagung. Für die herzlichen Gratulationen zur Silber- und grünen Hochzeit den Freunden und Genossen des 482. Be- zirkes besten Dank. 42/828L Familie Hclbing. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen lieben Mannes, Schwagers und Onkels, des Arbeiters Belnrleh Peschcl sage ich allen seinen Kollegen sowie den Herren ChesS in Firma Otto Schmidt, Auguststraße, ferner de» Mitgliedern des Metallarbeiter-VerbandeS und den Mitgliedern deS sozialdemottatischeu Wahivcreins des 6, Berliner Reichs- tagS» Wahlkreises meinen innigsten Dank. 1126b Die trauernde Witwe Berta Pcschel, Ruppinerstr. 29. cyür die vielen Beweise herzlicher IJ Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage allen, besonders Herrn Pfarrer Bacthke, besten Dank. JJgpß Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme, welche mir bei der Be- erdigung meines lieben Mannes, deS Lackierers.Iii Uns Frlefi zuteil wurde, sage ich aus diesem Wege allen Genossen und Bekannten meinen besten Dank, Die ttauemde Witwe Hartha FrieU. = Menn die Kinder größer werden oder Logierbesuch in Aussicht steht, wachsen die Schwierigkeiten der Hausfrau, dann wird die Frage„Wo sollen wir alle schlafen?" eine der brennendsten im Betriebe des Haushaltes. Alle, die in eine derarttge Lage kommen, sollten sich der mit der fortschreitenden Industrie zu einer ungeahnten Vollkommenheit herausgebildeten verwandelbaren Patent-Schlaf-Möbel bedienen und sich von der vielseitigen Veriuendung derselben, auch in den niedrigsten Preislagen bis zu Ausstattungen für den Salon Kenntnis verschaffen. Die größten Erfolge auf diesem Gebiete durch vorzügliche Konstruktionen und fortgesetzte Neuerungen hat unstreitig R. 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Nachdruck verboten. 387 422 661 710 934 14001 75 1031 202 49 496 547 859 64 938 2057 113 224 731 824 30[5001 3095 164 249 421 615 721 985 4050 f 10001 60 133[4001 67 205 450 641 854 5015 232 6222 398 604 58 741 996 14001 7111 1b 264 319 458 095 705 916 60 8046 67 201 9[400] 69 329 494 813 36 992 9144 328 93 429____... 10282 459 605 6 80 847 11276 757 968 12107 616 723 1 3633 86 1 4008 122 50 300 808 952 1 5136 211 68 415 825 1 6015 34 14001 86 237 65 86[400 1 347| 400J 933 1 7126[4001 317 1 8308 45 84 654 744 50 871 19086 191 503 605 711 47 861 914___ 20160 244 303 441 501 2 1042 568 88 87 988 4001 22014 301 23267 431 46 556 818 30 60 971 241)12 17 269 367 682 791 839 96 941 25075 165 285 376 615 74 726 836 89 2 6222 64 409 504 641 43 707 2 7013 82 117 411 576 724 885 2 8065 263 722 961 80 86 2 9044[5000J 105 6 736 817 937 30002 38[5001 125 60 M 436 610 718 8 1018 124 63 821 86 876 914 88 32108 51 398 437 642 731 809 903 33071 279 377 81 462 766 865 916 34163 220 784 35163 291 441 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2. Ziehung 4. KI. 214. Kgl. Preuss. Lotterie. Zlebung vom 9. April>906. nachmitia?.. Hnr die Gewinne Uber 193 Mark sind den betreffeadeB Nummern in Klammern beigerUgt. (Ohne Gewähr.) Nachdruck verholen. 634 69 832 965 1357 638 46 2133 39 69 258 98 536 621 743 51 3101 45 312 585 708 4143 278 555 I IOOOJ 71 746 69[4001 6073 646 913 6153 267 89 622 806 92 7275 350 514 47 902 7 67 8119 61 351 69 551 713 880 0182 756 978 "10239 337 41 461 89 502 39 872 915 70 11158 510 645 1400] 815 47 975 1 2110 321 34 436 87 733 896 13080[5001 185 323 462 90 939 14043 HO 309 471 [50001 558 15157[4001 459 810 929 1 6077 152 412 51[400] 585[400] 632 97 1 7196 555 730 974 1 8004 209 87 88� 636 869[400] 94 982 1 9202 365 483 804 21 20103[400] 218 647[400] 878[400] 061 90 2 1028 141 631 36 1400] 729 81 805 46 98 954 2 2025 195 428 627 95 699 994 2 3058 351 421 605 790 817 14001 68 24120 58[500] 239 391 451 52 906 27 66 2 5072 383 626 26085 1400] 163 349 53 60 1400] 83 704 35 62 900 19 27131 271 346 569 2 8043 704 9 886 908 10 2 9246 401 92 823 917 35 „ 30146 390 558 783 31052 84 480 32000[3000] 63 75 328 70 439 3 3091 500 757 801 34015 248 654 57 792 809 3 5001 233 1400] 602 12 31 3 6602 72[400] 822 3 7024 104 33 305 407 643 783 828 31 960 3 8083 234 363[400] 711 74 39112 527 744 „ 40179 236 72 83 359 84 424 503 59 77 91[1000] 774 4 1035 160 604 5 17[1000] 95 708 920 43 42028 179 451 520 81 605 6 700[400] 848 43274 348 894 44120 94 665 696[500] 850 4 5188 384 858 736 994 46005 21 1400] 53 131 399[400] 795 47084 181 280 397 437 590 656 79 89 948 4 8069 106 99 708 49142 409[400] 764 947 _ 50114 599 611 709 51101 16 49 260 310 438 52382 677 904 53047 306 81 503 989 54009 670 786 55073 119[5001 433 635 42 653 64 807 1500] 24 916 56102 668(4001 612 736 820 57112 203 841 972 94 5 8032 69 63 488 613 46 762 69097[600] 128 69 288 434 54 690 848 51 60567 873 948 61245 443[4001 092 735 62094 287[500] 381 90 610 50 6 3027 48 98 ISOOOI 130 310 50 613 34 606 807 46 919 6 4095 741 97 932 6 5129 219 50 451 609 711 884[1000] 6 6033 304 18 77 449 581 674 989 6 7254 473 88 615 04 993 6 8217 397 773 75 [4001 802 69001 70083 160 71 284 87 343 518[4001 985 71060 ISO 821 26 833 7 2108 9 233 48 814 918 7 3357 66 413 30 543 610 47 99215000] 74066 159 213 341 82 716 881 74 75006 97 143 356 515 76188 1400] 220 38 87 323 496 762 60 87 77012[ 4001 47 106 72 494 507 39 636 65 705 81 889 78075 119 46 261 396 448 79211 44 302 3 35 456 578 674 80029 97 104 92 621 62 807 8 1 303 482 532 656 65 701 23| 400| 61 913 26 8 2070 74 80 124 58 380 [5001 582 91 778 866 8 3085 88 117 231 362 82 433 623 784 8 4282 341 530 734 8 5027 153 270 955 8 6286 353 410 644 706 16 40 8 7365 544 648 71 78 920 8 8061 79 694 815 44 8 9272 91 473 575 672 748 78 838 48 9O109 451 556 750 886 9 1 270 110001 75 458 669 92069 153 85 468 835 908 93061 69 199 670[400 1 94336 433 839 9 5076 313 31 732 47 993 9 6021 80 94 768 9 7061 393 496 881 98260 67 534 54 649 991 99242 915 100012 59 85 HO 882 904 1 01175 755 938 1 02166 74 310 609 750 888 103.>6« 93 HO 38 437 63 92 583 629 50 713 953 1 04210 607 789 833 966 1 0 3010 708 28 1 0 6024 38 426 808 933 1 07010 135 317 56 99 108037 143 274 441 634 64 85 850 59 109122 30 234 683 674 110343 85 411 552 87 1500] 667 111242 IIOOOJ 70 300 400[ 500] 66 576 679 889 1 12023 456 662 8») 938 113163 345 571 97 830 11 4200 399 401 91 721 931 115074 159 301[4001 53 440 772 886 14001 116146 281 534 693[4001 117175 354 620 753 032 90 14001 118021 227 866 929 llillT« 63t 09 786 800 966 120003 9 97>54 6,- l».- ,5 1 2 1002 224 49 76 123 WS 122SU.1.23 SV lüaü&i AS? 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Klasse der!U. Königlich Preusstseheu Klais enlotterie findet statt jom 7. Ua Si. Mal im AJANDORF&D Spiftelmarkt Belle Alliance-Strasse Grosse Frankfurter Strasse Brunnen-Strasse Dienstag— Mittwoch— Donnerstag Bettwäsche Bezüge Hemdentuch 2.10, 2.45. 3.15 Kissen 70, 80» 95?,. Bezüge Louisianatuch 2.85, 3.85 Kissen 85, 1.10 Bezüge oimiti 2.60, 4.45 Kissen 80, 1.20 Bezüge Damast 4.50, 5.75 Kissen 1.25, 1.75 Bezüge bunt 2.35, 3.15 Kissen 75, 95?,. 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Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW- Nr. 84. 2B. Jahrgang. 2. KtilU des.Amiirts" Dienstag, w. April IM. Uordprozeß gegen sechs rnsßsch-polnische Landarbeiter. Stendal, 9. April. Vor dem hiesigen Schwurgericht begann heute früh unter großem Andränge des Publikums der Mordprozeß gegen sechs russisch- polnische Arbeiter. Wie die Anklage annimmt, handelt es sich um eine förmliche Verschwörung der polnischen Arbeiter gegen den bei ihnen mißliebig gewordenen deutschen Aufseher. Auf dem Rittergut Kläden in der Altmarl waren, wie das in der deutschen Landwirtschast dieser Gegend allgemein üblich ist, während der Sommer- und Herbstmonate russische und polnische Arbeiter beschäftigt. Die Arbeiter wohnten in einem zu der Guts- Herrschaft gehörigen GeHöst und unterstanden der Aufsicht des deutschen aus der Gegend von Landsberga. d. W. stammenden Aufsehers Otto Sollweder. Zwischen Sollweder und einigen der Angeklagten, namentlich dem Haupt- angeklagten Franz Tuczhnski, soll es schon stüher wiederholt zu Hefligen Auftritten gekommen sein. Anfang Dezember v. I. sollten die Arbeiter in die Heimat entlassen werden. Am 30. November war Soll- tocdcr mit seiner Frau bei einem Nachbar zu Besuch und beide hatten sich nach ihrer Heimkehr alsbald zur Ruhe begeben. Die Sollwedersche Familie war sehr kinderreich. Sie bestand aus drei Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren und drei Söhnen von 17 Jahren, 6 Jahren und einem ganz kleinen Knaben Namens Willi, der bei der Mutter im Bette schlief. Die Töchter schliefen im Nebenzimmer. In der Nacht wacbte die sechzehnjährige Tochter Helene auf und gewahrte beim Scheine der Petroleumlampe einen Mann nrit hochgehobener Axt am Bette ihrer Mutter stehen. Gleichzeitig hörte sie, wie ihre Mutter dem sest schlafenden Vater zurief:.Otto, Otto, wach' aufl" Während dieser schlaftrunken murmelte: Was ist denn IoS? sauste auch schon die Axt mehrmals aus die unglückliche Frau nieder, so daß sie tot in die Kissen zurücksank. ES entstand eine furchtbare Panik. Während Sollweder auf den Attentäter losstürzte, erhielt er mehrere Axt hiebe, die ihn schwer verwundeten, sodann wurde der herbeistürzende älteste Sohn niedergeschlagen und min wandte sich der Wüterich gegen die schrei- enden Mädchen, die sämtlich bis auf das jüngste Mädchen, das sich unter dem Bett ver- krochen hatte, mehr oder weniger schwer der- wundet wurden. Selbst der kleine Willi, der im Bett der Mutter lag, hat von den Axthieben gegen Frau Sollweder etwas abbekommen. Durch den furchtbaren Lärm waren auch die Dienst- boten wach geworden. Der Mörder sprang jetzt aus dem Fenster und lief davon. Irgend welche Gegenstände sind von ihm nicht geraubt worden, so daß dadurch die Annahme, daß eS sich um einen Racheakt handelt, bestärkt wird. Die Auacnzeugin des ganzen Vorgangs, die älteste Tochter Helene, und eines der Dienstmädchen bekunden, daß sie in dem Mörder sowohl der Figur als dem Gesicht nach den Franz Tyczynski erkannt hätten. Außerdem lvar der Arbeiter Josef Kowalczyk an der Tür stehend gesehen worden. Die Anklage nimmt daher an, daß Kowalczyk, während TycumSki die Mordtat verübte. Wache gestanden hat. In der begreiflichen allgemeinen Aufregung gelang es den Tätern zu entkommen. Als man in die Kaminer kam, m der Tyczynski und Kowalczyk mit noch vier anderen polnischen Arbeitern schliefen, fand man alle sechs im Bette liegend und anscheinend fest schlafend. Keiner wollte von der Tat etwas wissen. Es tauchte aber bald der Verdacht auf. daß auch die übrigen vier Arbeiter mindestens von der begangenen Tat etwas gewußt haben mußten. Sie wurden infolgedessen auf der Heimreise von der Bahn weg verhastet. Im Lause der Untersuchung hat dann auch einer der Angeklagten, der Arbeiter Michael ZaSnia, das Geständnis abgelegt, daß Franz Tyczynski zu der Tat eine ihm ge- hörige LrbeitShose angezogen hätte, die er nachher in. Stall versteckte, sowie daß er die Axt unter dem Bett hervor- geholt hätte. Auf der Anklagebank erscheinen, aus der Untersuchungshaft vorgeführt: 1. der 33 jährige Arbeiter Franz Tyczynski; 2. der L7 jährige Arbeiter Josef Kowalczyk; 3. der 26 jährige Arbeiter Valentin Tyczynski, der Bruder des Hauptangcklagten; 4. der 26 jährige Arbeiter Valentin Kwasniewski; b. der 16 jährige Arbeiter M i ch a e l Z a S n i a; 6. der 17 jährige Arbeiter Valentin Andrusiak. Die Anklage lautet gegen Franz TyczynSki auf Mord und Mordversuch, gegen Joseph Kowalczyk auf Bei- hülfe zum Mord, gegen Valentin TyczynSki auf Mit- wisjerschaft und gegen die übrigen drei Angeklagten auf Be- günstigung durch Beistand nach der Tat. Sämtliche Angeklagte, bis auf den geständigen ZaSnia, leugnen hartnäckig ihre Beteiligung an der Mordtat. Ihre unglaublich stumpfsinnigen Gesichter machen einen ver- ängstlgten Eindruck. Der Vorsitzende richtet an die Ge- schivorenen die dringende Mahnung, nur nach dem Inhalt der ordnungsgemäßen Verhandlung ihr Urteil zu fällen— und sich von allen anderen Mitteilungen, besonders in der Presse über diesen Fall. derungeheureSAufsehenerregthabe. frei zu halten. Hierauf beginnt die Vernehmung der Angeklagten, sie sind sämtlich unbesttaft. Geburtsort und Geburtstag weiß kein einziger von ihnen genau anzugeben. Der Haupt- angeklagte. Franz TyczynSki. und drei andere Angeklagte sind russische Untertanen. Franz Tyczynski ist verheiratet und hat fünf Kinder; der Angeklagte Andrusiak ist sein Vetter. Der Lorsitzende. Landgerichtsdirektor Heuer, hält hierauf den Angeklagten, insbesondere dem Hauptangeklagten Franz TyczynSki. die Einzelheiten der Mordtat vor. Von der Dorfstratze her ist im Gesindehaus in Kläden zur Rechten das AufseherhauS des Soll- tvedel, zur Linken ein Schuppen, weiter nach hinten in der Mitte die Arbeiterlaserne, rechts das Zimmer für die Mädchen, links für die Männer. Nun hatte Franz TyczynSki nach Annahme der An- llagcschrift schon lange mit dem Angeklagten Kowalczyk verabredet, die Familie des Sollwedel zu ermorden. Kowalczyk sollte ihn in der Nacht wecken, dann wollten sie die Tat ausführen. In Wahr- heit ist TyczynSki in der Mordnacht selbst aufgewacht. Schon am Tage vorher hatte er die furchtbare Axt, mit der die Mordtat aus- geführt wurde und die dem Gericht vorliegt, von dem 17jährigen Angeklagten Andrucick hereinholen lassen und unter dem Bett ver- borgen. Am Abend schlich er heimlich in das AufseherhauS und schob den Riegel zwischen Küche und Kammer zurück. In der Nacht ging er dann um 1l3i Uhr nach dem Pferde- stall, wo Zasina(der geständige Angeklagte) schlief, entlieh von ihm eine Laterne und eine Hose und nahm dem Knecht Wehrend feine Pudelmütze weg, die später vor der Männerkaserne wiedergefunden wurde. Vom Pferdestall auS kehrte Franz Tyczynski in die Männer- kaserne zurück. Dort beobachtete ihn der Angeklagte Klvasniewski wie er die Axt unter dem Bett hervorholte. Mit dieser sprengte er dann das Kammerfenster auf, ging durch die heimlich geöffnete Kammertür in das Sollwedelsche Schlafzimmer, verrichtete dort nach alter Verbrechersitte seine Not- dürft und führte dann die mörderischen Schläge gegen Frau Sollwedel, deren Mann und Kinder. Als er dann das Haus durch die von innen geöffnete Haustür wieder verließ, begegnete ihm die Magd Michalina P i e z a k, die in der anderen Mädchenkaserne. einem Vorbau der Sollwedelschen Wohnung, schlief und durch den Lärm geweckt wurde, ebenso ihr Geliebter Katichmarek, der bei der Piezak die Nacht zubrachte. Franz Tyczynski wurde später angekleidet, aber anscheinend schlafend in seinem Bette gestmden. Da? rücklings liegende Fenster zur Männer- kaserne war offen und zeigte Spuren des Einsteigens. Die Hose des Zasina wurde später unter dem Bett des Knechtes Bchrend gefunden. Als Franz TyczynSki verhaftet und nach Stendal tranS« portiert wurde, sagte er zu seinem gleichfalls verhafteten Bruder Valentin, nach dessen Angabe, er werde wohl kaum lebendig aus dem Gefängnis herauskommen. Als Motiv des Mordes nimmt die Anklage an, daß Franz Tyczynski wiederholt Streit mit Sollwcdel hatte, weil dieser ihm angeblich ungerechte Lohnabzüge machte, ihn bei der Kartoffelverteilung benachteiligte und zwang, für den Preis eines Hektars ein größeres Stück Land zu bearbeiten. Tyczynski soll auch wiederholt gedroht haben, er werde den Aufseher noch„Sand freisen" lehren. Denigegenüber betont TyczynSki, unaufhörlich weinend und betend, daß er während der ganzen Mordnacht m seinem eigenen Bett geschlafen, nie durchs Fenster eingestiegen und nie den f eringsten Streit mit Sollwedel gehabt habe. Die belastenden AuS- agen der Mitangeklagten will er nicht auf besondere Feindschaft gegen ihn, sondern auf allgemeine Lügenhaftigkeit zurückführen. Es folgt die Vernehmung des Mitangeklagten Kowalczyk. Kowalczyk hat in der Mordnacht bei seiner Geliebten Petronella auf dem benachbarten Gute Königede geschlafen und ist dann nach der Anklage gegen 1 Uhr, nach seiner Aussage gegen 12 Uhr. von dort nach Hause gekommen und hat auf dem Hof die Michalina Piezak getroffen. Diese hat er nach der Zeit gefragt, wie die Anklage annimmt, damit der Mörder unverfolgt und un- beobachtet entkommen könne. Vor dem Sollwedel- scheu Hause ist ihm die unverletzt gebliebene Tochter Hedwig um den Hals gefallen und hat ihn gebeten, ihrer Mutter zu helfen. Darauf trat Kowalczyk in das Zimmer, ergriff die Hand der Frau Sollwedel und fragte: Was ist denn los? Die Sterbende konnte ihm aber nur noch mit der Hand abwinken. In der Voruntersuchung gab Kowalsczyk einmal an, er habe gesagt:„Stehen Sie doch auf, Frau Sollwedel N Die Anklage erblickt in dieser Aeußeruna zu einer Frau, von der der Angeklagte wissen mußte, daß sie im Sterben lag. eine besondere Roheit,' ebenso in der Tatsache, daß der An- geklagte, der später in die Männerkaserne ging und dort Lärm schlug, sich zum Fenster begab und sich im Spiegel besah, angeblich um feinen Schnurrbart zu streichen. Die Anklage nimmt an, Kowalczyk habe nur daS Einsteigefenster schließen und nachsehen wollen, ob nicht TyczynSki Spuren hinterlassen habe. Dex dritte Angeklagte, Valentin TyczynSki, wird zunächst darüber vernommen, warum seine Frau an dem dem Morde folgen- den Tage nachts 2 Uhr Wäsche gewaschen habe. Er gibt an, daß da» allgemeiner Brauch unter den Arbeitern der dortigen Gegend sei, daß die Frauen zu derartigen Privatarbeiten nicht früher Zeit hätten. Es seien auch keine Sachen von seinem Bruder bei der Wäsche gewesen. Er berichtet ferner vom Tage seiner Verhaftung mit dem Bruder folgende Acuherung des letzteren:„Ich gehe nach Stendal, um mir den Tod zu holen, aber Du habe keine Angst. Dich werden sie wieder entlassen. Dann denke an meine Frau und Kinder. Kowalczyk hat an allem schuld.* Die Anklage beschuldigt den Valentin TyczynSki, seinen Bruder durch falsche Aussagen nach Begehung deS Verbrechens be- günstigt und ihm auch diese Begünstigung schon vor der Tat zugesagt zu haben. Der vierte Angeklagte, Kwasniewski, ist gleichfalls der Begünstigung beschuldigt. Er gibt zu, bei seiner ersten Aussage verschwiegen zu haben, daß er am 1. Dezember 196S, nachtS l'/a Uhr, den Franz TyczynSki die Mordaxt ergreifen sah. will dies aber nur auS Angst vor dessen Rache verschwiegen haben. Im übrigen bekundet er mit Bestimmtheit, Kowalczyk und nicht der Knecht Katschmarek habe z u e r st mit der Nachricht vom Morde g e lv e ck t. Er nnisse daS wissen, da er mit diesem letzteren in einem Bett zusammenschlafe. Vielfach schliefen die Arbeiter mit der Hose be- kleidet, mit Rock und Stiefeln allerdings selten. Der Angeklagte hielt den Franz Tyczynski gleich für den Mörder, er hatte aber Angst vor ihm, zumal TyczynSki in Rußland seinen Schwager schon drei Jahre lang mit Rachemordanschlägen verfolge. Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, daß ein Handeln aus Furcht den Begriff der Begünstigung noch nicht aufhebe. Es folgt die Vernehmung des Angeklagten Zasina.— Vors.: Sie wollen heute die reine Wahrheit sagen?— Angekl.: Ja.— Vors.: Sie haben neulich einen Brief von Ihren Eltern bekommen; hier ist er:„Gelobt sei Jesus ChristuSl Lieber Sohn Michaeli Dein Vater und Deine Mutter weinen Tag und Nacht um Dich, daß Du unschuldig im Gefängnis sitzen mußt. Ich, Vater und Mutter bitten Dich himmelhoch bei Gott, daß Du die Wahrheit vor Gericht sagen tust. Bedenke doch, daß der Mcnsch nackend zur Welt kommt und nackend wieder aus der Welt geht. Dein treuer Vater und Mutter." Auch Zasina ist der Begünstigung angeklagt. Er hat in der Voruntersuchung verschwiegen, angeblich auch aus Furcht vor Franz Tyczynski, der ihm drohte, wenn er nicht die„Schnauze" halte, es mit ihm zu machen„wie dort", daß Tyczynski die gestreifte Hose, die nachher blutig aufgefunden wurde, von ihm ent- liehen hatte. Zasina belastet den Angeklagten Kowalczyk schwer, er sagt aus, Kowalczyk selbst habe ihm erzählt, daß er während deS Mordes 5 Minuten lang Wache gestanden habe, daß er den ganzen Mordplan mit TyczynSki verabredet und daß er auch die künstliche Spur am Giebelfenster hergestellt habe, um den Verdacht in eine falsche Richtung zu lenken. Schließlich habe Kowalczyk dem TyczynSki auch das Fenster der Männerkaserne zum Emsteigen geöffnet. In einem aus dem Gefängnis an seinen Vater gerichteten Brief teilt Zasina mit, eS gehe ihm im Gefängnis mindestens so gut loie früher bei der Arbeit. Er lerne dort das Schusterhandwerk. Den Mord habe einer von unseren Leuten lgranz Tyczhnsli) und einer von den Preußen(Kotvalczykj begangen.— Zasina sieht körperlich gut entwickelt aus und ist geistig rege. Er ist außer Kowalczyk der einzige, der sich ohne Dolmetscher verständlich machen kann. Der letzte Angeklagte, Valentin Andrusiak, hat in der Vor- Untersuchung, wie er zugibt, mit der ausgesprochenen Absicht, seinen Vetter Tyczynski herauszulügen, fälschlich bekundet, TyczynSki habe die ganze Nacht vollständig angekleidet im Bett gelegen. Aus die Frage, ob er gewußt habe, daß er sich dadurch strafbar mache— Andrusiak ist noch nicht 13 Jahre alt antwortet er erst mit Ja, dann auf wiederholtes Befragen mit Nein. Die Angeklagten bezeugen übereinstimmend, daß die beiden Tyczynski den Aufseher Sollwedel wegen Lohndrückerei tödlich haßten und wiederholt gedroht hätten. sich an ihm zu rächen. Damit ist die Vernehmung der Angeklagten beendigt. In der Zeugenvernehmung wird zunächst die Tochter der Ermordeten, Helene Sollwedel, 16 Jahre alt, vernommen. Als der erste Schlag niedersauste, hörte sie die Mutter aufschreien: Franz, du wirst mich doch nicht totschlagen I Sie erkannte den Franz TyczynSki sofort an seinen breiten Schultern und ver- folgte ihn genau, bis er an ihr Bett herantrat und auch auf sie losschlug. Auf wiederholtes Befragen des Borsitzenden erklärte die Zeugin jeden Irrtum über die Person des Täters für ausgeschlossen.— Angeklagter Franz Tyczynski: Ich weiß nicht, ob die Zeugin lügt, aber eS ist kein Wort wahr.— Vert. Rechtsanwalt Nachtigall bittet den Angeklagten, die Mütze des Lehrend aufzusetzen, uni zu sehen, ob ihn die Zeugin daran wiedererlennt.— Der Angeklagte sträubt sich mit Händen und Füßen dagegen, sich die Mütze auf- zusetzen und ivirft sich aufdieErde, bis schließ- lich zwei Gendarmen ihm mit Gewalt die Mütze aufstülpe n. Die Zeugin bleibt bei ihrer bestimmten RekognoS- zierung. Die Krankenhauöärzte Dr. Rindfleisch und Dr. Friede! geben Auskunft über den Geisteszustand der Zeugin. Nach der Verletzung lag sie ungefähr acht Tage in schwerer Bewußtlosigkeit und er- wachte erst nachher wie aus einem tiefen Schlafe. Daraus erklären sich die kleinen Widersprüche in ihren Aussagen, so zum Beispiel, daß sie zuerst den Vornumen des Täters mit Joseph angab. Ihre Geistesbildung sei jedenfalls im allgemeinen so gering, daß auch sonst Gedächtnisfehler nicht ausgeschlossen sein dürften. Andererseits bestätigen die Aerzte, die Krankenschwestern und Mitpatienteu der Zeugin, baß sie vom ersten Augenblick an den Franz Tyczynski als Täter genannt hat.— Zeugin Marie Sollwedel. IS Jahre alt, hat beim Rahen des Mörder» sich unter die Bettdecke verkrochen und ihn also weder erkannt noch weiß sie sonst wesentliches über den Borgang.— Zeugin Hedwig Sollwedel, 14 Jahre alt, hat sich unter dem Bett versteckt und ist gänzlich unverletzt geblieben. Sie hat aber den Mörder am Bett der Schwester gesehen und an Gestalt und Mütze den Franz TyczynSki genau erkannt. Sie ist dann, sobald der Verbrecher geflüchtet war, an das Bett der Mutter geeilt, die nur noch schwach röchelte, und hat auf dem Hose laut um Hülfe geschrien. Dort begegnete sie auch Kowalczyk. Hierauf wird die weitere Zeugenvernehmung auf morgen vertagt. Hua der Frauenbewegung. Nicht gegangen worden. Wie wir aus gut informierten Kreisen erfahren, ist Fräulein ElbauS, entgegen der von uns ausgesprochenen Vermutung, tatsächlich freiwillig aus der Hamburger Fabrikinspeklion geschiedeu. Fräulein Elbaus hat ihre Tätigkeit als Juspcktorin dcö- halb eingestellt, um sich, wie unser Gewährsmann glaubt versichern zu können, sozialpolitischen Studien und schriftstellerischen Arbeilcu widmen zu können. Zehlendorf. Der hiesige Frauen- und Mädchen-BildungSvercin hält am Mittwoch, den 11. d. M., abends 8 Uhr, bei Rllter. Eitel Fritzplatz in Schlachtensee. seine Vereinsversammlung ab. Herr Dr. H e n tz e l t hält einen Vortrag über„Frauenkrankheiten'. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen der Mitglieder wird erwartet. Gäste willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Reinickendorf sOst). Der hiesige Frauen- Bildungsverein hä■ t am Dienstag, den 16. d. Mts., abends 8'/, Uhr, im Vereinslota! seine regelmäßige Mtgliederversanimlung ab. Tagesordnung: I.Vortrag des Herrn A d o r n o über:„Die Ursachen der meistcu Frauenleiden und deren operationslose, naturgemäße Behandlung". 2. Diskussion. 3. Feagebeantwortung.— Die Mitglieder werden ersucht, recht rege für diese Versammlung zu agitieren. Gäste, Herren und Dainen, willkommen. Der Vorstand. Köpenick. Mittwoch, den 11. d. MtS., hält der hiesige Frauen- und Mädchen- Bildungsvcrein bei Moll, Schönerlinderstr. 1, seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Genossin David referiert. DaS Thema wird in der Versammlung bekanntgegeben. Gäste sind willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. «lditt, kelie»edarten Bestandteil«,»«lebt die Dtstins des Diolmas oder dt« ?<«!« flach- übamagi» l> ffcRdel beiindea. Sanlicbt Seife ist ia allen einschlägigen Geschäftes crbältlicbi das DopychüicS n jj p;*,, weift brennend, per pfmid L- M. BamliurgEr RoMahak-llaiis. Filiale Berlin N., Brunnenstr. 190. Rheumatismus| Gicht-, Gliederreissen, Nerven schmerzen, Hü(tweh:c.ticrfctn)tnoer. I bald durch Suberltchen Gebrauch von| „Slectricum" (SeiheiffcheS Kiefernavet- Waldivoll' St). Einlaches und unschädliches Naturprodutl v. ffarter burchareffen. der sofort schwer, stillender Wirsiing. Tausende verdanken..Elcctrlcum" ihre Gesundheit, FI.1.— u. 2.—. DI«Wir» tuna wird»och erböpl d. den Inneren «ebrauch von Relchevs Wacholder- Exleakt„Medice", FL 75 R»., M. 1.50, u. 2.50. Inden Oroperlenu. Apotheken erhaillich und zu beziehen aurch 0tio keioliel, 50,«. Man achte Eisenbahnsir. 4. auf Firma und Wort Medico". 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M, 8 236,63 8682,02 31625,70 1 177,99 367,20 1240,80 10161,- 1132,28 325,17 13269,40 836,07 6939,65 2653,70 403,35 Einnahme..... 93366,19 M. Ausgabe..... 87051,01„ Barbestand..... 6 315, 18 M. Neserve�ondZ Vorjahr.. Zus. 87051,01 51625,37 M. . 33355,97, Do? Torstand. W. Kunze, Vorsitzender. 272/5 II. Schneidermeister Berlin SO, Ä" am Kottbuser Tor. Spezi al-Hans feiner Herren-«mi Knaben- Garderobe fertig und nach Maß. Elegante Sommer-Paletots Jackett-Anzüge.. Rock-Anzüge... (iehrock-Anzüge. Haus-Joppen... Berufskleidung fdr alle ßewerke. Kur Slgen-Konfektion. Z I8S0 n 1750 h 26- i» 32so . 6- Invenlur-Extrapreise ardinen abgepaßte Fenater, weiß und creme Scbaliange �ro � �Sv Scballttnge er 8, SO Mtr. Fs pro Fstr. M. J85 Imlt. Polnt-Iace- M C85 Gardinen, pr. Fstr.••» Eleg. Sezc»«Ion8- Tüll-Stores Gestiebte echte„ C05 Spachtel-Stores O Goldfarb. reich-.alc gestiebte M. 4 Band-Stores Tttllbett- Gr.180/220.. 085 decken cm® Belchgest. 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April 1906, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15, Saal IH: W?" Versammlung"WU TageS-Ordnung: 1. Vortrag des ArbeitersekretärS Genossen G. Bauer: .Das Jnval idcnversicherungs-Gesch.- 2. Wahl des ersten Vorfitzenden. 3. Verschiedenes. 63/4 Pflicht eines jeden ArbcitervertreterS ist eS, zu erscheinen. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. I. A.: A. Stum p e. Achwng: Hauschloster! äesI Seit Freitag früh stehen die Kollegen in SS Werkstätten im Streik. in Betracht kommenden Firmen haben bewilligt, darunter auch Die übrigen in eine Anzahl Jnnungsfirmen. Von Montag, den 9. April ab, dürfen sämtliche Bauschlosser nur noch mit Berechtigungskarten arbeiten, diese werden Sonnabend abend den Vertrauenslenten ausgehändigt.— Die Bauarbeiter ersuchen wir, uns dadurch zu unterstützen, dast sie die auf die Bauten kommenden Schlosser nach den Arbeitsberechtigungskartcn fragen. Jeder Schlosser ohne Karte ist als Arbeitswilliger zu betrachten. Des weiteren machen wir alle Bauschloffer darauf aufmerksam, daß ohne Zustimmung des Streikkomitees ����e�nd� die Arbeit niedergelegt werden darf. "«/to aas Streikkomitee. Cohen. Achtung! Rohr er! Achtung! Allgemeine Orts- Krankenkasse sllr die vereilligteiiGtuitrbebttritbt Charlottenbnrgs. Wir laden hiermit die Kassen- delegierten zur Teilnahme an einer ordentlichen Veversl-Verssmmlung aus Freitag, de» SS. April er.. abends 9 Uhr, nach dem Saale des .VolfShauses� in Charlottenburg, Rosinenstr. 3, ein. 272/6 Die Kasjendclegierten erhalten außerdem eme besondere schristliche Einladung, welche als Legitimation dient. Charlottenburg, den 10. April 1906. Der Kassenvorstand. gez. Wilh. Ahrens. Schmöckwitz Maus zur Palme Tcddwsee. WV111UWVU.I11»M(Endstation der„Stern"-Dampfer) Hermann Peter* Telephon: GrDnau No. 39. 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Rühe Jnh. l-susehnsr, Enckepl. S, Kliemt, Neue Königstraße, Gedr. Wienicke, Pankow, Franke, Jnfelstraße, befinden sich die sämtlichen Arbeiter im Streik. Wir ersuchen die Kollegen aller Brauchen nach den obigen Be- trieben kein« Arbeit anzu- nehmen. 176/9 Die AgitattonSkommtssio». Deutscher Holzarbeiter- Verband. Wegen Streik und Differenzen ist Illsitz sttlljllhlllttlt von Tischlern von Franz Schulz. Frankfurter Allee 28, Ruppel in Reinickendorf; von Treppengeländer- Arbeitern (Drechsler. Tischler, Stellmacher, Polierer, Mafchinenarbeiter und Bildhauer) von derTreppeiigeländer- fabrit Jofeph Drechsler, Gubener- straße 33; von Bodenlegern von den Bauten in Buch(Firma Damte, Frankfurt a.O.); von Stellmachern von sämtlichen Stellmachereien, Wagensabrike» und Drehrollenfabrik Plään, Waßmann- ftraße: Motorwagenfabrik Gotlfchalk in Reinickendorf! vonKorbmachernoonBeckert.Lange. ftraße 35: von Mcerschaumdrechslern von Weith, itöpenickersir. 93. VI« OrtHvcrsvaltang. svanonicrdiafee). 112/4* Baukleinpner! Folgende Firmen und Bauten find gesperrt: Finna Degenhardt, Tempelhof (früher Waldstraße, Moabit). Bau: Parifer Platz 4. Firma Nniuor, Spandaucrftr. 15. Chartottenburg. Firma Böttcher, Sellerstr. 35. Firma Glindemauu, Matthäititch- straße 7. Firma Riemann. TUsiterstr. 8L. Finna Perip, Lützowstr. 48. Firma Pape, Lranieustr. 169. Neubau Sticwih& Köpche», Chartottenburg, Konlftraße. Die Finna Ä. Pictichmann, Mauer- ftraße 5. ist ebenfalls noch gefpent. da die Firma auf die damalige B fchwerdc wegen Tarifbruch nicht geantwortet hat. Die Firma G. Sreger, fetzt Gnetfenaiistr. 46/47, hat im vorigen Jahr erklärt, daß sie den ab- gefchloifenen Tarif nicht anerkenne. au) diesem Grunde bleibt auch diefe Firma für unsere Mitglieder gesperrt. mar' An die Banbandwcrkcr appellieren wir. mtfdi« Klempner einwirten zu wolle». Die Firmen und Bauten find nur dann frei, >ue»! nulererseits die Sperre aufgehobeu»oird. 116/ iS Die crtSverwaltung. itlvortlichcr Redakteur: HanS Weber. Berlin. Für den Inseratenteil veraritw.:Tz. Glocke, Berlin. Dmck u. Verlag: Vorwärts BuÄdruckerei u. Verlagsanpalt Vaul Singer&.Co.. Berlin SW. it a 25»«. 3. Ktilllyt des Jormirto" Ktrlinn AslksdlM. Km Mitwoch Unkt für Berlin und Vororte der Zal)labend statt. partei-Hngelecfenbeltcii. Köpenick. Heute Dienstag, abends 8 Uhr, findet im Lokale des Genossen Scholz. Alter Markt Nr. 3, die Bezirksversammlung der Altstadt statt. Der wichtigen Tagesordnung halber ist pünktliches Erscheinen erforderlich. Wilmersdorf. Mittwoch abend 8'/z Uhr findet in den bekannten Bezirkslokalen der Zahlabend des Wahlvereins statt. Pflicht aller Mitglieder ist es, anwesend zu sein. Gleichzeitig machen wir darauf aufinerksam, das; von jetzt ab die Zahlabende am gleichen Tage mit Grofi-Berlin abgehalten werden. Schmargendorf. Die heutige Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins fällt aus, es findet am Mittwoch, den 25. April eine General- versaminlung statt._ BerUner ISacbricbtcn. Stimmt die Rechnung?! Was gibt die Stadt Berlin für ihre Volks- schulen aus?„Viel, sehr viel I" sagen die freisinnigen Herren Cassel, Wallach und Konsorten. Nach dem Entwurf des Stadthaushaltsetats für 1906, den die Stadtverordneten- Versamnilung kiirzsich genehmigt hat, sollen für die Gemeinde- schulen 18 318 781 Mark ausgegeben werden. Da an Ein- nahmen nur 108 324 Mark zu erwarten sind, so müssen 18 210 457 Mark aus dem Stadtsäckel zugeschossen werden. Aber wieviel macht das pro Schulkind? Im Winter 1903/06 hatten wir in Berlin etmas über 225 000 Gemeinde- schulkinder, mithin darf man für das neue Schuljahr 1906/07 ungefähr 230 000 Gemeindeschulkinder erwarten. Dann kommen von der oben mitgeteilten Gesamtausgabe auf das Schulkind etwa 80 Mark. Durch die geplante Erhöhung der Lehrergehälter, über die von der Stadtverordnetenver- sammlung noch beschlossen werden soll, steigt die Ausgabe noch mu 440000 M. oder um 712000 M., je nachdem die Vorschläge des Magistrats oder die des Ausschusses von der Versammlung zum Beschluß erhoben werden. Das würde pro Kind noch rund 2 M. oder 3 M. mehr machen. Nun hat in dem Ausschutz, der die Gehaltsvorlage vor- zuberaten hatte, der neue Stadtkämmerer Herr Steiniger auf die Ausgaben für das Gemeindeschulwesen hin- gewiesen, die ohnedies schon hoch genug seien. Das amtliche Protokoll des Ausschusses läßt ihn hierüber sagen, nach dein Etat pro 1906 würden pro Gemeindeschulkind 100,28 M. aufgewendet, und in den sechs vorhergehenden Jahren hätten die Aufwendungen 98,54 M., 90,53 M., 89,61 M.. 87.67 M.. 84.92 M.. 81,12 M. betragen. Wie mag der Herr Kämmerer diese Zahlen herausgekriegt haben? Wenn an dem bisher üblich gewesenen Berechnungsmodus festgehalten wird, so sind sie falsch. Noch in dem Hauptverwaltungs- bericht des Magistrats für das Etatjahr 1904, der erst im Februar 1906 veröffentlicht worden ist, wird angegeben, daß die Kosten für ein Gemeindeschulkind sich im Jahre 1904 auf 73 M. gestellt hätten, und für die vier vorhergehenden Jahre geben die betreffenden Berichte an: 72,15 M., 70,69 M.. 68,48 M.. 65.41 M. Uebrigens hat der Kämmerer auch in der Stadtverordneten- sitzung vom 15. März 1906, als er der Versammlung den neuen Etat vorlegte, von„100 Mark" Ausgabe pro Schulkind geredet. Nach Ausweis des Stenogramms hat er gesagt:„Viel- leicht interessiert die Herren, daß nach den bisherigen Verhält- nisscn uns der Schüler 100 M. kostet nach den Berechnungen, wie ich sie in meinem Bureau habe aufmachen lassen, und daß, wenn Sie die 440000 M. mehr bewilligen, fortan der Kopf uns 102 M. kostet". Wir glaubten damals, der Kämmerer habe sich nur versprochen. Aber jetzt stellt sich heraus, daß für alle Jahre die von ihm bczw. seinem Personal berech- neten Anträge höher sind als diejenigen, die der Magistrat bisher angegeben hatte. Am Ende sind da plötzlich die Aufwendungen für Schul» grundstücke und Schulhäuser eingerechnet worden? Bei den Krankenhäusern ist es ja schon seit langem üblich, den „Selbstkosten" pro Kopf und Tag auch die Zinsen des Grundstückswertes hinzuzufügen. Soll das jetzt auch bei den Schulen Mode werden? Oder wie haben wir es uns sonst zu erklären, daß der Herr Kämmerer jetzt plötzlich pro Schul- lind 20 M. mehr herauskriegt, als der Magistrat bisher immer angegeben hatte?_ Die I ermehrung der Schulärzte, die von den Gemeindebehörden Berlins beschlossen worden war, ist jetzt beim Schluß des Schul- jahres erfolgt. Die Zahl dieser Aerztc ist von bisher 33 auf nun 44 erhöht worden. Wahrend im letzten Jahre die Zahl der Schulen, die den einzelnen Aerzten zugewiesen waren, zwischen sieben und neun geschivankt hatte, werden fortan 24 Aerzte je sechs und 20 Acrzte je sieben Schulen zu versorgen haben. Um diese annähernd gleiche Verteilung der Schulen zu erreichen, sind sämtliche Schularztbeztrke neu abgegrenzt worden, so daß von den jetzigen Bezirken keiner mehr sich völlig mit einem der früheren deckt. Dabei hat der bisher be- obachlete Grundsatz, daß jeder Schularztbezirk immer nur innerhalb eines der zwölf Schulkreise Berlins liegen soll, zum ersten Male preisgegeben werden müssen. Mehrere der neuen Schularztbezirke bestehen aus Teilen zweier einander benachbarter Schulkreise. Arbciter-Samariter-Kolonne. ES werden die in anderen Städten des Reiches bestehenden Arbeiter-Samariter-Kolounen ersucht, ihre Adressen an uns gelangen zu lassen, zwecks Uebermittelung von Mitteilungen. Drucksachen usw. und zwar an den Borsitzenden E. Stein, Charlottenburg- Berlin, Kaiser Friedrichstr. 40. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Die Fabrikation von Loyalitätsadressen ist wieder in normale Bahnen zurückgekehrt. Eine Hochflut hatte uns der 27. Februar, der Tag der Silberhochzeit des Kaiserpaarcs gebracht. Alles, was gesehen werden wollte, machte in Adressen und trug Sorge, daß irgend eine Zeitung von dieser weltbewegenden Tat öffentlich Notiz nahm, da ja sonst die ganze Veransialiung ihren Zweck verfehlt hätte. Damit scheinen aber manche Leute noch nicht zufrieden zu sein. Die Barbier- und Perückcnmacherinnung gibt deshalb ein so- genanntes Kunstblatt an die Mitglieder des Verbandes heraus, das eine Wiedergabe der Adresse enthält und„späteren Geschlechtern" als Eriniterungsblatt an die Fcstesmge dienen, soll. Das ist zwar überflüssig, da ja die Adressen dem Hohenzollernmuseum überwiesen 'worden sind, also für spätere Geschlechter ohnehin reserviert werden. Ein Erinnerungszeichen l verden diese Adressen allerdings bilden, •öm sie wenden stets an eine Zeit ermnern, in der der Bvzantinis- muS zur höchsten Blüte gediehen war. Man lese nur den Inhalt einer solchen Adresse. Es heißt darin: Allerdurchlauchtigster, Großmächtigsker Kaiser und König! AllergnäWgster Kaiser, König und Herr! Allerdurchlauchtigste, Grotzmächtigste Kaiserin und Königin! Allergnädigste Kaiserin, Königin und Fraul Der heutige silberne Hochzeitstag unseres geliebten Kaiser- Paares ist ein sichtlicher Beweis der großen Liebe und Güte, welche der allgiitige Gott dem Deutschen Volke und der gesamten Nation geschenkt hat. Er hat Eure Majestäten vor jeder Gefahr beschützt und be- hütet und mit steter Gesundheit beglückt, darum ist dieser Tag ein fröhlicher, ein Festtag für das ganze Volk. Auch die, Mitglieder des Bundes Deutscher Barbier-, Friseur- und Perückenmacher-Jnnungen, welche stets von der größten Ver- ehrung zu ihrem von Gott gesegneten Kaiserpaar erfüllt, haben ihrem Vorstande den ehrenvollen Auftrag erteilt, als einen Be- weis ihrer tiefste» Liebe für Eure Majestäten ihre herzlichsten Glückwünsche Allerhöchstdenseiben darzubriiigen. Möge der allgütige Gott unserem geliebten Kaiserpaar auch ferner seinen Segen verleihen und noch viele Jahre gesund und kräftig erhalten zum Wohle und Segen des gesamten Volkes. Tiefes wünscht Seinem Allergnädigsten Kaiserpaar Namens der Mitglieder alleruntertänigst: Ter Vorstand„Bund Deutscher Barbier-, Friseur- und Perückenmacher-Jnnungen." Im großen und ganzen sehen sich die Adressen-ähnlich wie ein Ei dem anderen, auch die vorstehende kann mit den Adressen der Berliner Stadtverordnetenversanuniung mrd des Magistrats ruhig in Konkurrenz treten. Auch ein Bettrag zu unserer Kultur- und Sittengeschichte! Ein großer Krllerbrand beschäftigte gestern mittag die Feuerwehr in der Lindenstr. 105. Das Feuer war erst bemerkt worden, als plötzlich dichte Rauchwolken aus den Fenstern quollen. Bei Ankunft der fünften Löschkompagnie brannte dann schon der ganze Keller mit seinem Inhalt an Kisten, Holzwolle, Stroh usw. Die Rauch- entwickelnng war so enorm, daß die Sappeure nur unter Benutzung von Ranchschutzapparaten Vordringen konnten. Nachdem dann der Brandherd erreicht, gelang es dnrld energisches Wassergeben die Gefahr innerhalb einer Stunde zu beseitigen. Die Uraniasäulcn enthalten seit einigen Tagen wieder Depeschen und neueste Nach- richten. Lange Zeit entbehrten sie dieser Einrichtung. Zuletzt war es die.Post", die das Publikum mit ihren tendenziösen Mitteilungen überraschte: schließlich hat sie es aber aufgegeben, sich durch ihre „neuesten Nachrichten von vorgestern" noch länger zum Gespött zu machen. Jetzt ist der Antipode der„Post", der„Vorwärts", an die Stelle getteten. In den zwei Feldern, die für den Nachrichtendienst an den Uraniasäulen reserviert find, prangen seit einigen Tagen Plakate in Klein-Oktav, die in rotem Druck den Kopf unseres Blattes tragen. In diesen Feldern werden tagtäglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage wichtige Nachrichten, die in unserem Blatte zum anderen Tage Platz finden sollen, bereits nach vier Uhr nach- mittag» an den Säulen mitgeteilt. Wir glauben, manchem Wunsche unserer Leser dadurch Rechnung getragen zu haben. Die Aendenmz der Borschriften für die Untersuchung trichinen- schaiipflichtigen Fleische? aus außerpreußischen Bundesstaaten, die vom Magistrat und Stadtverordnetenversammlung beschlossen war. ist vom Oberpräsidenten nicht genehmigt worden. I» dem Bescheid heißt eS, daß der LandivirtschaftSminister die Befugnis der Stadtgemeinde Berlin, die Trichinenschau an dem ans außer- preußischen Bundesstaaten stainmenden Schweinfleisch einer Regelung zu unterwerfen, mit Rücksicht darauf für bedenklich halte, daß es sich hierbei tn der Hauptsache um Aufgaben der Nahrungsmittelpolizei handelt, deren WahrnebmnNg der Stadt- gemeinde nicht übertragen ist. Die Angelegenheit könne jedoch nach der Entscheidung des Ministers bis auf weiteres auf sich beruhen bleiben, weil mit den außcrpreußischen Bundesstaaten Nord» und Mitteldeutschlands zur Zeit Verhandlungen wegen einer wesentlichen Vereinfachung der Kontrolle über die AnSfühtung der Trichinenschau geführt werden. Vor Abschluß dieser Verhandlungen sei von dem Erlaß neuer Vorschriften abzusehen. Die rote Farbe scheint speziell auf Prediger eine sonderbare Wirkung auszuüben, obwohl man annehmen sollte, daß die Herren der Kirche sich an den Anblick eines Kranzes mit roter Schleife ge- wöhnt haben müßten; kommt es in Berlin doch öfter vor, daß An- gehörige eines Verstorbenen, der zu Lebzeiten seiner Gewerkschaft und der Partei angehörte, einen Prediger holen. Bei der am Sonntag stattgefundenen Beerdigung des Krankenkontrolleurs Sauer erschien auch ein Vertreter des Verbandes der Berwaltungsbeamten der Krankenkassen, dem Sauer angehört hatte, mit einem Kranz mit roter Schleife im Trauerhause Prenzlauer Allee 212. Als der bestellte Prediger sich einfand und der roten Schleife an- sichtig wurde, verlangte er von dem Kranzträger die Entfernung der Schleife. Ivos verweigert wurde. Und mit Recht, denn dem Herrn Prediger, Maschmeyer ist fem Name, stand gar kein Recht zu, im �Trauerhause ein solches Verlangen zu stellen. Es nutzte auch nichts, daß der Bundesvorsitzende des Raucherbundes sich in voller Berufung auf seine„Amtseigenschaft" vorstellte und die Abnahme ver Schleife verlangte. Schließlich stellte sich eine Anzahl Rauchschwestern— ein» sogar hatte an ihrem schwarzen Hute eine große rote Blume— vor den Kranzträger, um dem Prediger ven Anblick der roten Schleife zu ersparen und so in die Lage zu versetzen, ohne zede Aufregung seine Tätigkeit zu voll- enden. Was die rote Farbe doch für Wirkungen verübt I Kehraus im Klub von 1900. In dem bekannten„Millionen- klub" hat am Sonntag der Verkauf der gesamten Einrichtung be- gönnen. Im Heim des Klub? in der Bellevnestr. 18s. drängte sich ein distinguiertes Publikum, das die zur Schau gestellte Einrichtung besichtigte. Der Verkauf der gesamten Einrichtung soll von DienStag ab erfolgen. ES war den Käufern aber gestattet, am 8. und v. April schon die Schätze zu prüfen. Alles ist zu haben; sämtliche Gegen- stände, vom Gong angefangen, der im Vestibül hängt, bis zum Federhalter im Schreibzimmer des Direktors, sollen in andere Hände übergehen. Ein umfangreicher Katalog ist notwendig, um alle die Sachen aufzuführen, die der Klub von 1900 besaß. Eine Flucht von Zimmern ist vollgepfropft mit erlesenen Kunstsachen, darunter Ge- mälden von Mcyerheim. Rabes und Urban. Am meisten Interesse erregt bei den Besuchern das Spielzimmer, wo die Millionen um- gesetzt wurden. Es macht einen düsteren Eindruck, beinahe als ob es trauerte um den entschwundenen Glanz. An den Wänden be- finden sich noch die neuen Spielregeln, die der Borstand und die Kommission im Juni vorigen Jahres erlassen haben. Es heißt darin:„Das Kartengeld für Poker wird von jetzt ab folgendermaßen festgesetzt: Für Partien vis zu Limit von 20 M. pro Stunde 5 M., über 20 M. pro Stunde 10 M. Für jede Partie werden pro Stunde zwei Kartenspiele zur Ver- siigunq gestellt. Jedes weitere Spiel wird mit 2 M. berechnet. Das Äartengeld bei Ecarts wird folgendermaßen festgesetzt: Der Chanettehalter zahtt pro Stunde 30 M., jeder Powteur pro Stunde 5 M." Der Wintergarten, der an das Spielzimmer stößt, liegt verödet da. Auch alle seltenen Gewächse, die er enthält, werden ihre Liebhaber finden. Am wenigsten benutzt von der ganzen Einrichtung sind die in der zweiten Etage belegenen Fremdenzimmer. Diese haben am Sonntag schon Käufer gefunden. Die ganze EinrichKmg ist meist en bloo verkauft worden. Der Frisiersalon, den sich die Herren vom Klub 1900 aufs eleganteste eingerichtet haben, steht noch da, wie er verlassen wurde. Auch das Lesezimmer befindet sich noch in demselben Zustand. Die Zeitungen und Kurszettel weisen das Datum des 30. September 1905 auf. Erschossen und ertränkt. Einen doppelten Selbstmord unter- nahm in der Nacht zum Sonntag ein mißtrauischer Lebens- müder. Gegen Mitternacht kletterte am Schiffbauerdamm in der Nähe der Albrechtstraße ein älterer Herr über das Spreegeländer, zog einen Revolver aus der Tasche und schoß sich, ehe vorüber- kommende Passanten ihn daran hindern konnten, eine Kugel in den Kopf. Rücklings stürzte sich dann der Selbstmörder in das Wasser hinab und sank sofort unter. Es wurden Rettungsversuche unter- nornmen, die jedoch vergeblich waren. Der Kleidung entsprechend dürfte der Lebensmüde den besseren Ständen angehört haben. Seine Leiche konnte bisher noch nicht gelandet werden. Wolderdolungsstättcu für schwächliche schulpflichtige Kinder. Die Stadtverordneten-Versammlung hat vor einiger Zeit den Antrag auf Errichtung von sogenannten Waldschulen abgelehnt und be- schlössen, den Magistrat zu ersuchen, die Errichtung von Wald- erholungSstätten in Erwägung zu ziehen. Die städtischen Vrr- waltungen waren daraufhin ersucht worden, geeignete Wa-d- und Parkgelände in Vorschlag zu bringen. Sie sollen möglichii>.>cq»rn, zu erreichen, mit Wasser versehen sein, eine geschützt �age haben und leicht verproviantiert werden können.'S i ciejo Vorbedingungen nicht überall vorliegen, so ha!!» der Magistrat zunächst den Wald nördlich von Buch in Ans- ficht genommen. Die städtische Deputation für die Kannli'ation und Rieselfelder beschäftigte sich gestern unter dem Vorsitz des vom Urlaub zurückgekehrten Stadtrats Marggraff mit dieser Frage. Es wurde beschlossen zu dem genannten Zweck außer dem Walde bei Buch, noch dem neun Morgen großen Park des Rittergutes Falken- berg nahe der Eisenbahnstation Ahrensfelde an der Wriezener Bahn, ferner des etwa 80 Morgen große Wäldchen von Osdorf bei Groß- Lichterfelde, sowie den zirla neun Morgen großen Park von Rubls- dorf bei Teltow in Vorschlag zu bringen. Alle diese Gelände sind bequem zu erreichen, liegen günstig und können von den nahen Rieselglltern leicht verprovianttert werden. Das Schuhwerk wird teurer. Die Vorstände der Schuhmacher- innung und sämtlicher hier bestehender Bereine selbständiger Schuh- inachcrmeister machen bekannt, daß sie in Anbetracht der kolossalen Preissteigerung de» Leders und aller Schuhmacher-Bedarfsartikel gezwungen sind, die Preise für Maßarbeit und Reparaturen ui» 10—15 Proz. zu erhöhen. Auch das Sterben wird teurer oder besser gesagt das Begraben- werden. Die Bereinigung der BcerdigungS- Fuhrwerksbesitzer ver- senden Zirkulare, in denen sie ankündigen, daß die vor Jahren auf- gestellte Taxe für Beerdigungsfnhrwerk infolge der verschiedenen er» höhten Umerhaltungskosten wie Fourage, Mieten, Handwerkerlöhne, sowie der in Kraft tretenden Handelsverträge nicht mehr aufrecht zu erhalten sei. Am 1. April hätten die Fuhrwerksbesitzer deshalb eine neue, erhöhte Taxe in Kraft treten lassen müssen. Eine Schreckensszene auf dem Potsdamer Platz. Ein schwerer Unglücksfall ist am Sonntag durch ein wild gewordenes Droschkcnpferd herbeigeführt worden. In der Potsdamerstraße war das Pferd einer Taxameterdroschke plötzlich scheu geworden und dlirchgegaiigon. Das Tier raste über den Potsdamer Platz hinweg und brachte die zahlreichen Passanten in größte Lebensgefahr. Die 85 Jahre alte Privattere Elisabeth Hartwig, Mittenwalderstr. 62 wohnhaft, die in diesem Augenblicke den Potsdamer Platz überschritt, wurde von dem Durchgänger ningerissen und von der Droschke überfahren. Die bedauernswerte Greisin erlitt Rippenbrüche sowie erhebliche Fuß- Verletzungen und muhte in besinnnngslosem Zustande nach dem Krankenhaus am Urban gebracht werden. Nach zwei Jahren gefaßt. Ein ingeniöser Mann ist entschieden der Pferdehändler Tuniack, der zuletzt am Görlitzer Ufer 63 gemeldet war. Tuniack verlegte sich schon seit langem auf die Hehlerei und Zuhälterei. Bald aber geriet er mit den Strafbehörden in Konflikt, die ihm zuletzt 13 Monate Gefängnis zuerkannten. Diese zu vor- büßen, gefiel ihm ganz und gar nicht. Einen Stellvertreter, der bereit gewesen wäre, es für ihn zu tun, fand er nicht. Dennoch wußte Tuniack Rat. Während er bald bei dieser, batd bei jener „Braut" wohnte, sorgte er dafür, daß er stets irgendwo vorschriftsmäßig gemeldet war, so daß ihn alle Zustellnngcn erreichten. Als er nun die Aufforderung erhielt, seine Strafe anzutreten, veranlaßte er durch Geld und gute Worte «inen schwerkranken Mann. der an der Schwindsucht litt, mit dein Briefe der Staatsanwaltschaft gu einem Ärzte zu gehen und sich als Pferdehändler Tuniack bescheinigen zu lassen, daß er zurzeit unfähig sei, die Strafe zu verbüßen. Der Versuch gelang, Ttlmack sandte das Attest ein, erhielt Aufschub und lebte mit seine» „Bräuten" lustig weiter. So oft die Frist abgelaufen war, wieder- holte er das Manöver. Das eine Mal hatte sich sein Zustand zwar ein wenig, aber immer noch nicht genügend gebessert. daS andere Mal sogar noch verschlimmert, je nach dem KrankheitSzustande des Vertreters, den er gerade fand. So entzog sich der Vertirteilte zwei Jahre lang der Slrafvollstreckung, bis seine Prahlsucht ihn verriet. Eines Tages hörte ein Kriminalbeamter, der unerkannt in einer Kaschemme' saß, ein schönes„Lied von Tuniack und seinen Heldentaten". Dieser war so dreist geworden, seine Streiche selbst poetisch zu verherrlichen und sein Lied nach einer be- kannten Melodie in den Bcrbrecherlokalen singen zu lassen. Der Beamte sah Tuniack» Akten nach und fand, daß er vor vierzehn Tagen wieder mit einem Attest gekommen war. Diesmal hatte ihm der Arzt bescheinigt, daß er hochgradig tuberkulös, hinfällig ,md gebrechlich sei und nur 93 Pfund wiege. Der Beamte kannte aber Tnniak von früher her als einen Hünei,, der von Kraft strotzte und über zwei Zentner wiegt. Er suchte sich den Sänger seiner eigenen Taten, fand ihn in einem Lokal in der Stralsunderstraße und ver- haftete ihn. In großer Gefahr schwebten am Montag mittag zwei Kinder, die von ihren Eltern unbeaufsichtigt in der Wohnung Schwedter- straße 3 zurückgelassen worden waren. Durch Spielen der Kinder gerieten in der Wohnung Gardinen, Kleidungsstücke u. a. in Brand. Zum Glück ivurden die Hausbewohner aukmerlsam und fanden sich beherzte Männer, die in die brennende Wohnung ein- drangen und die Kinder herausholten. Die Feuerwehr löschte dann die Flammen. Ein rätselhafter Leichenfund ist am Sonnabend nachmittag in der Havel gemacht worden. Am sogenannten Burgwall bei Rathenow wurde eine weibliche Leiche aus dem Wasser gelandet, welche Quetschungen am Kopf und am Hals aufweist. Auf«vebli- Weise die«erletzimgen herbeigesiihrt worden sind, konnte»ocb;t festgestellt werden. Bei der Leiche fand man ei» PöclcilU:.iic mit der Aufschrift„Gruß aus Berlin". In der Geldbörse bssanb sich nur Mark. Die unbekannt« Tote dürste etwa 23 Jahre alt ge- Wesen sein, sie hat braunes Haar, ist 1,65 Meter groß und bekleidet mit grüner Taille, schwarzem Nock, weißem Hemd, gezeichnet E. K., Handschuhen, schwarzen Strümpfen und Schnallenschuhen. Die Leiche dürfte schon längere Zeit im Wasser gelegen haben.— Aus der Spree ist gleichfalls die Leiche einer unbekannten Frauensperson gelandet worden. Am Stätteplatz in der Galvanik- straße zog ein Schiffer die Tote aus dem Wasser heraus. Sie hat dunkelblondes, volles Haar und ist mit schwarzem Oberrock, Cheviot- Unterrock, schwarzen Knöpfschuhen, weißem Hemd, gezeichnet dl. R., cremefarbiger Bluse, kurzem schwarzem Jackett und weißen Stoff- Handschuhen bekleidet. Die Selbstmörderin hat zirka 6 Wochen im Wasser gelegen. Unbekannt verstorben. Am 6. d. M. verstarb im Polizeigewahrsam eine etwa 45 Jahre alte, dem Arbeiterstande angehörige Frauens- Person an Herzschlag. Bekleidet war sie mit grauem Jackett und Rock, karierter Schürze, schwarzen Strümpfen und einem Kopftuch. Die Leiche befindet sich im Leichenschauhause. Sachdienliche Angaben zur Ermittelung der Person werden in jedem Polizeirevier sowie im Zimmer 324 des königl. Polizeipräsidiums zu 2775 IV. 41. 06 entgegengenommen. ZirkuS Albert Schumann beschließt seine diesjährige Berliner Saison am 18. d. M. und siedelt nach Wien über, wo er in seinem eigenen Zirkusgebäude einen längeren Zyklus von Vorstellungen er- öffnen wird. An das Wiener Gastspiel schließt sich sodann die Er- öffnung des Zirkus in Frankfurt a. M. an. Radrennen zu Treptow. Die Rennen am Sonntag brachten in- sofern eine Aenderung im Dauerrennen, als daß diesmal drei Läufe vorgesehen waren, um die Gewinnaussichten der Fahrer besser und die Rennen interessanter zu gestalten. Jedoch zu Kämpfen kam es nicht; Günther war seinen Gegnern weit überlegen und konnte in allen drei Läufen ein müheloses Rennen nach Hause fahren, und folgt er spielend leicht seinem Motor, so daß er sich wohl auch ein- mal mit stärkeren Gegnern messen könnte, als es bisher der Fall war. Rosenlöcher ist noch nicht besser geworden und Schulze-Zehlen- darf kam gar nicht in Betracht; er endete weit zurück, was man von ihm früher nicht gewohnt war, und bedarf es noch tüchtiger Arbeit, ehe er sich im Rennen einen Namen machen kann.— Die Fliegerrennen waren überaus stark besetzt und kamen in den Vor- laufen einige Fahrer zu Fall, u. a. auch M. Hausen, ohne jedoch ernstlichen Schaden zu nehmen. Stal und die beiden Steglitzer Theile und Wegener zeigten sich von ihrer besten Seite und sicherten sich die ersten Plätze.— Ein Motorrennen bildete den Schluß und war der Verlauf desselben äußerst spannend. Das prächtige Wetter hatte eine ansehnliche Schar Besucher herbeigelockt, und bot Treptow wieder das altgewohnte Bild einer dichtgedrängten Menschenmenge. Vorort- l�admckten. Groh- Lichterfelde. Aus Groß-Lichterfelbe wird uns geschrieben: Das sozialdemo- kratische Reichstagsmandat für den Kreis Teltow schwebt in großer Gefahr. Schon seit einiger Zeit rufen Mitglieder der bürgerlichen Parteien zum Zusammenschluß und energischer Bekämpfung der Sozialdemokratie auf. Da jedoch auf dem redaktionellen Parkett des hiesigen„Lokalanzeiger" wegen dessen strikter Parteilosigkeit der politische Tanz nicht gestattet ist, findet derselbe nebenan, im „öffentlichen Sprechsaal" statt, in welchem jetzt die verschiedensten bürgerlichen Richtungen ihre Kampfmethoden zur Konkurrenz an- melden........ Dies wäre nun an sich nichts Besonderes; aber in den jüngsten Tagen erschien in der Kampfcsarena ein Mann, dessen grund- stürzende Pläne zweifellos eine Lebensgefahr für die Sozialdemo- kratie bedeuten. Wir würden uns einer schtveren Pflichtver- letzung schuldig machen, wollten wir die Partei über diese Gefahr ununterrichtet lassen. Herr Hauptmann a. D. Cremat hier, im Privatleben Direktor einer Hühnerbrutanstalt, läßt verkünden, daß er das Mittel ge- funden habe,„vor dem die Sozialdemokratie zerstieben würde, wie Spreu vor dem Winde." Zu diesem Zweck gedenkt der neue Messias eine ganz neue Partei, eine„zweite Arbeiterpartei" zu gründen. Arbeiterpartei sollte sie heißen, weil, wie der Herr Hauptmann tiefsinnig meint,„wir eigentlich doch alle arbeiten müßten"— eine Entdeckung, die bekanntlich schon Bismarck und der„Arbeiter" Rothschild gemacht haben. Das Mittel selbst, durch welches die Sozialdemokratie endgültig vernichtet werden soll, oder, besser gc- sagt, muß, besteht in einer Riesenkolonisation des Proletariats, über die Näheres in der demnächst erscheinende Broschüre mit dem Titel„Der Zukunstsstaat" nachzulesen sein wird. „Aus dieser Broschüre wird man lernen können, die Sozial- demokratie zu bekämpfen"— ruft der Verfasser bescheiden aus. Aber dazu gehörten nicht Zehntausende, nicht eine, nicht hundert Millionen, sondern 20, 30, 40 Milliarden Mark! Man sieht, diese Vernichtungsmethode wird ziemlich kostspielig und Herr Cremat wird wohl die Garantie des Erfolges übernehmen müssen, wen die bürgerliche Klasse sich derselben be- dienen soll. Der Herr Hauptmann lüftet vorsichtig ein wenig den Vorhang zu seinem Zukunftsstaat", um die Neugierde nach seinem epochalen Geisteswerk wenigstes für einige Zeit wach zu erhalten und verrät vorläufig folgendes: „Man verwandle den vierten Teil Deutschlands in eine Klein- farm-Landschaft, in welcher drei Millionen Proletarierfamilien in kleinen Häuschen, die in der Mitte von je vier Morgen Land stehen, untergebracht werden. Weitere drei Millionen Familien wohnen in denselben Häuschen im erste Stock zur Miete. Die Arbeit dieses Jahrhunderts muß darin bestehen, sechs Millione Proletarierfamilien derart zu kolonisieren, wozu etwa 40 Milliarden Mark erforderlich sind. Dann sind 36 Millionen Menschen der Natur wieder zurück- gegeben und haben eine Heimat und eine Häuslichkeit erhalten, an der sie hängen werde, sie haben Land, auf dem sie Obstbaum-, Geflügel-, Kaninchen-, Bienenzucht, Gemüsebau usw. treiben können. Die Proletarierfraue brauchen nicht in die Fabriken zu gehen, sie können sich ihren Kindern und ihrer Häuslichkeit widmen. Die Kleinfarmen liegen zweckmäßig in breiten Ringen um den Städten, wie das in nachstehendem, meiner Broschüre ent- nommenen Bilde dargestellt ist. Zwischen der Stadt und dem Kleinfarmring liegt der Ring der Fabriken. Keine Kultur ohne Volksgesundheit, und keine wirkliche Ge- sundheit ohne Beschäftigung mit Landarbeit in freier Natur. In der Kleinfarm liegt das Fundament einer neuen Kultur. Die Kleinfarm-Landschaft ist die Landschaft der Zukunft und allein imstande, den Menschen zu einer höheren Kultur zu erziehen.— Durch die Ringstraßen laufen elektrische Wagen, ebenso auf den Vcrbindungsstraßen mit der Stadt im Zentrum. In der Ring- zone befinden sich zahlreiche Kaufläden, die Kirchen, Schulen, Lese- hallen, Spiclhallen, Erholungsgelegenhciten, Spielplätze, Bade- anstalten, Krankenhäuser, Lichtluftplätze usw." In einem Klischee von der Größe eines Zukunsts-Fünfmark- stückes wird die kreisförmige Anlage der Kleinfarmen veranschaulicht. Schon dieser kleine Auszug aus den,„Zukunftsstaat" läßt einige jedenfalls aber recht untergeordnete Bedenken aufsteigen. Einmal. tv o h e r all das benötigte Land genommen werden soll und zweitens von w e m. Bodenflächen lassen sich nicht künstlich ausbrüten wie die Küken in der Brutanstalt des Herrn Hauptmanns. Doch das sind Lücken, über die wir nach Erscheinen der Broschüre hoffentlich Auf- klärung finde werden. Eventuell könnten sie ja durch Aus- führungsbestimmungen zum Gesetz betreffend die Errichtung des Crematschen Zukunftsstaates beseitigt werden. Dieser Zukunfts- staat ist nach der Versicherung seines Entdeckers das einzige Mittel, die Sozialdemokratie niederzukämpfen. Ein anderes gibt es nicht. Wird es nicht gewählt, so kommt die blutige Revolution so sicher, wie zweimal zwei vier ist.— Damit ist das Schicksal der Sozialdemokratie besiegelt. Nur ein schwacher Hoffnungsschimmer Lerantwortlicher Redakteur: Hans Weber. Berlind SfiTder ist für uns noch vorhanden— daß der bürgerlichen Gesellschaft die Kosten der Bekämpfung zu hoch und der Erfolg ihr etwas unsicherer ist, als dem neuen politischen Simson. In einer Zuschrift des„ReichsverbandeS" rückt derselbe sehr merklich von diesem Plane ab„wegen der Schwierigkeit, eine solche große Partei zu schaffen", und dann auch„wegen der großen Mittel, die dazu nötig sind". Eine andere bürgerliche Stimme ist sehr erbost über den Herrn Verfasser, der nur eine noch größere Zerfahrenheit in den bürgerlichen Parteien durch eine solche neue Parteigründung herbeiführe, läßt zwischen den Zeilen auch durch- blicken, daß man den ganzen„Zukunftsstaat" des Herrn Cremat für Blödsinn halte, mit dem man nur„Lachen und Spott" ernte. Solche soziale Wcltverbesserei sei für ein wirksames Bc- kämpfen der Sozialdemokratie und für einen Reichstagswahlkampf ohne jede Bedeutung, höchstens hinderlich und schädlich. Die „Ideale" des Herrn Cremat finden also in bürgerliche Kreisen kein Echo und schließlich wird man ihn noch wegen seiner„wüsten Agitation" unter die staatsfeindliche Elemente werfen. Es be- steht also für die Partei im Kreise Teltow trotz alledem noch Aus- sich, bei kräftiger Agitation auch im künftigen Wahlkampf das Mandat siegreich zu behaupten. Charlottendurg. Die KindererholungSstätte Westend wird voraussichtlich an, 17. April wieder eröffnet werden. Die Armendirektion ersucht die Stadtärzte, Kinder, für die der Aufenthalt in der Erholungsstätte für notwendig erachtet werden wird, dahin überweisen zu wollen. Für schulpflichtige Kinder ist dabei stets ein Schein behufs Befreiung vom Schulbeiuch auszustellen. Kinder, denen lvcgen ihres Leidens der tägliche Hin- und Rückweg schwer fällt oder deren häusliche Ver- Hältnisse so ungünstig sind, daß ihre völlige Entfernung aus dem Haushalt wünschenswert erscheint, können, soweit es der Raum ge- stattet, auch für die Nacht in der Erholungsstätte verbleiben. Zurzeit sind 10 solche Schlafplätze vorhanden. Ausgescblossen von der Auf- nähme für die Nacht sind Kinder, die an ansteckenden Krankheiten, insbesondere an offener Tuberkulose, leiden. Daneben wird in diesem Jahre an der Erholungsstätte ein Versuch gemacht, die Ractritis senglische Krankheit) der Kinder im jugendlichen Alter noch wirksamer, als' das bisher war. zu bekämpfen. Zu dem Zweck wird eine neue Schlafbaracke errichtet, in der 10 rachitische Kinder im Alter von 1 bis zu 5 Jahren auch für die Nacht Aufnahme finden können. Da die jedesmalige Wiedervorstellung solcher Kinder bei den Stadt- ärzten nach Ablauf der ursprünglichen Ueberweisungszeit Schwierig- keilen mit sich bringt, soll für sie der Zeittaum der Ueberweisung von vornherein ausreichend lang bemessen werden. Der Verpflegungssatz bettägt für die volle Tages- Verpflegung 60 Pf., sür Kinder die auch nachts in der Erholungsstätte verbleiben, 1 M. täglich. Kinder, die den Er- holungsstätten nicht durch die Stadtärzte überwiesen werden, haben sich zivischen 8 und 9 Uhr morgens in der Sprechstunde des leitenden Arztes Dr. Pilger, Berliuerstraße 149, vorzustellen. Auf- nahmen ohne diese vorherige Vorstellung und Untersuchung können nicht erfolgen. Eine neue Kirche, die Epiphanienkirche, ist am Sonntag unter dem üblichen Pomp in Westend eröffnet worden. An Sorge für die Seele fehlt es bei uus nicht. Schöneberg. Schöneberger GewerkschaftSkommission. In der am Sonnabend, den 7. April abgehaltene Sitzung wurde von den Delegierten be- schloffen, am 1. Mai, vormittags 10 Uhr, eine öffentliche Versamm- lung abzuhalten. Sodann gab Genosse Folger den Bericht von der letzten Ver- sammlung der Berliner Gewerkschaftskommission. Redner erwähnte das neue Regulativ sowie den Entwurf der an die Berliner Ge- Werkschaftskommission angeschlossenen Vorortskartelle und teilt mit, daß den Abänderungsvorschlägen der Schönebergee Gewerkschafts- kommission Geniige geleistet worden sei, indem die Ausführungen des Genossen Ritter das als selbstverständlich halten, was in den Vorschlägen enthalten war. Des weiteren wurde bekannt gegeben, daß der Ausschuß den Auftrag, im Mai einen Rezitationsabend zu arrangieren, nachgekommen sei und der Schauspieler Herr Emil Walkotte für den 19. Mai bereits zugesagt habe. Zur Rezitatton soll„Am Vorabend" gelangen. Es wurde be« schloffen, das Eintrittsgeld auf 20 Pf. festzusetzen. Alsdann erfolgte die Neuwahl des Ausschusses. Außer dem Obmann, der bereits in einer öffentlichen Versammlung gewählt worden ist, wurden die Genosser Folger, Holzarbeiter und Schenk, Handcls-Transportarbeiter wiedergewählt. Zum Schluß berichtete noch der Delegierte der Maler über den Stand des Streiks und ersuchte die Anwesenden, arbeitende Maler nach der Legitimation zu kragen. Es fehlten die Vertreter der Tapezierer, Stukkateure und Gärtner. Alle für die Schönebergee GewerkschaftSkommission bestimmten Anftagen und Sendungen sind an den Obmann, Gen. Karl Henkel, Prinz Georgstt. 5, Ouergb. III zu richten. Weistensee. Dir Beerdigung unseres Genossen Julius Schillert fand unter außerordentlich starker Beteiligung der Parteigenossen statt. Genosse Sonnenburg-FriedrichShagen und Wehrle-Berlin widmeten dem Ver- storbenen einen ehrenden Nachruf. Wie sehr unser Toter geachtet, bewies auch die Teilnahme von bürgerlicher Seite, da sämtliche Schöffe und Gemeindeverordnete vertteten waren. Nowawes- Neuendorf. Freigesprochen wurde am Sonnabend vor dem Potsdamer Land- gerickt der Maurer Sims von der Beleidigung des Bauunternehmers Schröder Hierselbst. Die Beleidigung sollte dadurch begangen sein, daß Sims in einem öffentlichen Lokale anderen Gästen gegenüber behauptet haben soll, der Kläger hätte unbcfugterweise im vorigen Jahre von dem ihm von der Gemeinde Nowawes übertragenen Schulhausbau in der Auguststraße Material wegschaffen, resp. zu anderen Zwecken verwenden lassen, obwohl dasselbe Eigentum der Gemeinde war. Diese Angelegenheit Hot seinerzeit hier viel Staub aufgewirbelt und zu dem Beschluß der Gemeindevertretung geführt. Schröder für eine längere Zeit von der Ausführung von Gemeinde- arbeiten auszuschließen. Vom Potsdamer Schöffengericht war der Angeklagte in dieser Sache zu 25 Mark Geldstrafe verurteilt. Vor der Berufungsinstanz wurde nun erwiesen, daß tatsächlich der Ge- meinde gehöriges Baumaterial von dem Schulhausbau fortgeschafft und �u anderen Zwecken verwandt worden ist. ohne daß dem Gememdebaumeister davon sofort Mitteilung gemacht worden ist; dieses ist erst geschehen, nachdem die Baukommission von diesen Sachen Kenntnis erhielt und vom Gemeindevorstand Untersuchungen darüber eingeleitet waren. Da ferner nicht erwiesen wurde, daß der Angeklagte, dem Rechtsanwalt Herzfeld als Verteidiger zur Seite stand, die Absicht gehabt habe, den Kläger zu beleidige oder in seinem Geschäft zu schädigen, kain das Gericht zu einem frei- sprechenden Urteil und wurden die Kosten des Prozesses dem Kläger, Bauunteeehmer Schröder, auferlegt. Vermiscktes. Der Lavaausbruch des VesuvS dauert mit großer Lebhaftigkeit fort. Die Feuersäuken erreichen Höhen bis zu 150 Meter. Weißglühende Massen werden bis zu 500 Meter hoch herausgeschleudert. Eine Anzahl neue Krater haben sich gebildet. Besonders stark ist der Ausbruch deS Hauptkraters. Die Ausbrüche sind von heftigem Getöse begleitet und verursachen Erschütterungen, die in der ganzen Umgebung des VesuvS wahrgenommen werden. In Neapel ließ nach Mitternacht wiederholtes Rollen die Häuser erzittern. Viele Leute verlassen ihre Wohnungen. In Ottajano geht Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts seit 11"/« Uhr nachts ein unaufhörlicher Aschenregen nieder. Man hört tiefes Rollen. Die Einwohnerschaft snchte Zuflucht in der Kirche. Einige Bewohner sind leicht verletzt. Eine große Menge Lava nahm ihren Weg in das Atrio del Cavallo. In Torre del Greco herrscht große Panik. Die Bevölkerung verlangt, daß die Kleinbahnen berkehren. Auch die Einwohner von Portici fordern Atffnahme des Kleinbahnbetriebes. Die Behörden haben diesen Wünschen stattgegeben. Auch San Sebastiano ist bedroht. Der Direktor des Vesuv- Observatoriums teilt unterm 8. April mit: Der Ausbruch des Vesuvs hat einen außerordentlichen Um- fang angenommen. Während des gestrigen Tages und in der ver- gangenen Nacht war die Tätigkeit des Kraters schreckenerregend und sie nimntt noch immer zu. Die ganze Umgegend des Ob- servatoriumS ist von Lava bedeckt. Weißglühende Brocken werden in ungeheurer Zahl bis zu 800, sogar tausend Metern in die Höhe geschleudert und bilden, nachdem sie niedergefallen sind, einen großen Kegel. Andere Lavamassen entströmen anscheinend einem großen Krater, dessen Lage noch nicht sicher bestimmt ist. Das mit den Ausbrüchen verbundene Getöse und der durch das Aufeinanderprasseln des herausgeschleuderten Gesteins verursachte Lärm ist betäubend. Das Gelände besindet sich in unaufhörlicher lebhafter Erschütterung. Die Apparate drohen, entzwei zu gehen. Wahrscheinlich wird es nötig werden, die Beobachtungsanstalt zu verlassen. Diese ist häufig elektrischen Ent- ladungen ausgesetzt. Der Telegraph ist unterbrochen. Man glaubt, daß die Drahtseilbahn zerstört ist. Unterm 9. April wird aus Neapel telegraphiert: In den Straßen von Ottajano und Somma haben die Lava- und Steinmassen eine Höhe von über zwei Meter erreicht. Mehrere Häuser in Ottajano sind eingestürzt, weitere drohen ein- zustürzen. In der Ortschaft San Giovanni stürzte ein Landhaus ein und begrub unter seinen Trümmern ztoei Erwachsene lind ein Kind. In Somma sind die öffentlichen Gebäude und der Bahnhof geräumt. Auch Behörden und Truppen verlassen jetzt Somma und Ottajano. In Torre Annunziata setzt die Lava ihren Lauf fort, aber mit geringerer Geschwindigkeit. Der Militärkommandant hat bereits 10 000 Rationen unter die Flüchtigen verteilen lassen. In Neapel herrscht große Aufregung über die ungeheure Zahl der hier eintreffenden Flüchtlinge. Im Hafen liegen die Schiffe unter Dampf, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Weitere Unglücksnachrichten besagen: Neapel, 9. April. Es herrscht große Besorgnis um daS Schicksal der Vesuvgcmeinden an den Abhängen, mit denen jede telegraphische und telephonische Verbindung unterbrochen ist. Wagen können nur bis Cercola vorwärtskommen, weil die Straße zwischen Cercola und Ottajano von kochendem Schlamm überflutet ist. Flüchtige be- stätigen, daß in Ottajano achtzehn Häuser und fünf Kirchen ein- stürzten, sowie daß eine Glashütte in Flammen aufging. Auch der Dom S. Michele, der aus dem alten Dioskurentempel er- baut ist, brach unter dem Deck der Lavamassen zusammen, die ihn mit feurigen Ringen erdrosselten. Viele Kunstschätze. Fresken und Mosaiken gingen mit ihm zugende. In San Giorgio bis Torre del Greco oauert der Sandregen, der auf vielen Dächern handhoch liegt, fort, so daß auch dort die Einsturzgefahr immer größer wird. Unter derselben Geisel haben Pergola, Pollea, Terocchio, Poggio und Marino zu leiden. ES fehlt jede Nachricht über den Verbleib von 90 Kindern aus der Klosterschule von Ottajano, die zerstört ist und aus der die Kinder auf die Felder flüchteten.— Der Feuerregen in Terzigno, San Giuseppe und Ottajano hat mehrere Opfer an Menschenleben gefordert. In San Giuseppe sind fünf Personen getötet und elf verwundet worden. Die Panik ist so groß, daß der Zug von San Giovanni nach Teduccio, in dem sich über 1000 Flücht- linge befanden, auf der Station verlassen wurde, weil die Maschinisten und Heizer, von dem Aschenregen in Angst ver- setzt, flohen, und die Weichensteller infolge der Finsteeis nicht arbeiten können. Infolge des Aschenregens ist die Linie Neapel— Avellino— Benevent unterbrochen. Neapel, 9. April. Die Nachrichten aus den am Vesuv gelegenen Ortschaften lauten jetzt beruhigender. DaS Blatt„Giorno" be- ziffert die Anzahl der Flüchtigen aus den Ortschaften am Vesuv auf 150 000. Verband deutscher Barbier-, Friseur- und Perückenmacher. gehülfen Berlins. Dienstag, den 10. d. Mts, abends 10 Uhr, im Englischen Garten, Zllexandcrstr. 27o: Außerordentliche General, Versammlung.— Erscheinen dringend notwendig. Mitgliedsbuch legitimiert. Berein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins und Umgegend. Abteilung Eharlottenburg. Mittwoch, den 11. d. M., abends 8 Uhr, im Vollshause, Nostnenstr. 3, Versammlung. Tagesordnung: 1. Vorwag des Kollegen Lüpnitz. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. KnefkaTten der Redahtion. Tie jiiriftischc Tprrchlliiiidc findet täglich mit Ansnatiule de? ea»»ade»ds van?>/, bi?!»'/, lllir abend? statt. Meöffnet: 7 Ilbr. Jeder Anfrage ist ei» Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. H. 48. Wiederholen Sie die Anfrage unter Ergänzung, wo die Ehen geschlossen sind, sowie wo und wann der Todesfall cingclrctcn war.— 125. Sie müßten den bcweffcndcn beim Amisgerichl auf Zahlung der Miete ver- klagen.— G. 17. Nein.— Fischer. 1. Das wäre ein Ebeschcidungs- grund, wenn Sie den Beweis sühcen könnten. 2. List kein Ehcschcidungs- gend. 3. Ehebruch ist strasbar, wenn wegen des Ehebruchs die Ehe gc« schieden wird und der beleidigte Gatte Strasantrag stellt. 4. Ja. 5. Ja. 6. Zunächst müßte ein Sühnetceii» beim Amtsgericht slatlsindeu, dann die Ehescheidungsklage beim Landgericht durch einen Anwalt eingereicht werden. Zweckmäßig wäre es, Sic erwirken das Armcnrechi, wenn Sic klagen wollen, nachdem der Sühnctcrmin sechtlos gewesen ist.— Ävv. 1000. Nein.— R. T. 400. Dazu sind Sie verpflichtet, wenn Sie heiraten.— M. E. 5. Nein, Sie hasten überhaupt nicht für die Schulden JhreS ManneS.— C. K. 568. I. Ja. Beantragen Sie bei der Gewerbedeputatton Stralauerslraße, die Kasse zur Beschassung des verordneten Schnürsttesels zu verurteilen. 2. Leider ja.— Berliner Marktpreise. AuS dem amtlichen Berich! der städnsche» Markihallen-Direktion. Nindsicisch la 35— 68 pr. t00 Pfund. IIa 56-64. Uta 50-54, IVa 40-48, engl. Bullen- 00-00, dän. Bullen- 00-00, Holl. Bullen. 00-00. Kalbfleisch, Doppclländcr 105-120, la 80-88, IIa 65— 78, lila 52-62. Hammelfleisch la 60-70, TTa 54—60. Schweinefleisch 70-74. Kaninchen 0,80-1.00 Hühner, alte, Stück 1.50-2.50. alte per Psd. 0,00—0,00, junge, per Stück 0,00. Tauben, junge 0,50, alte 0.40. Enten, junge per Stück 3,50— 4,50, per Psd. 00—00, rusf, gesr. per Stück 00—00. Gänse, junge, per Psd. 1,30—1,35. russ. per Psd. 0.00—0.00. Hechte 89-l02. Schleie 150. Bleie 00-00. groß 00—00. Aale, groß 00--00. mittel 00—00, klein 00—00, unsorttcrl l09. Plödcn 00—00. Flundern, pomm. II, P. Schock 1,50—2,00, Kieler, Stiege la 4—7, do. mittel, per Kiste 3-4, do. klein, per Kiste 00-00. Bücklinge, schweb. Per Wall 0,00, norw. 3,00, Holland. 3.00, Kieler 2—3, engl 0,00. Aale, groß, per Psd. 1,10—1,20, mittelgroß 0.80—0,90, klein 0.50—0.60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 0,50—0,80, Elb- per Kiste 0,30—0,40. Sardellen, 1S02er. per Anker 74,00, 1904er 72,00, 1905er 70,00. schottische Vollhcringe 1905 00—00, large 40—44, lull. 36—38, med. 33—35, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjeS. per'/, Tonnen 60—120. Hummern, IIa, 100 Psd. 00—00. Krebse, per Schock, große 00—00, mittelgroße 00.00, kleine 0,00, unsorttett 00- 00. Eier, Land., per Schock 00—00. frische 3,20—3,40. Buttel per 100 Psund, la 120, IIa 117—120, ITIa 115—116, ab. fallende 110— 114. Same Gurken. Schock 3—3.50 M.. Psesfergurken 3—3.50 M. Kartoffeln per 100 Psd. magn. bon. 2,10—2,35, rote Dabersche 2,00-2,20, runde weiße 1,80- 2,00 Wirsingkohl per Schock 0,00—00,00. Weißkohl per 100 Psd. 4,50-5,50, Nolkobl per Schock 00�-00. Holl. 16-24. Grünkohl, per 100 Psd. 12-15. Rüben, weiße 12-16, Teltower 16-18. Kohlrüben, per Schock 2,50—4,50.___ Zuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW,