Nr. 87. klboanemenk-keäingUMN! R6onncmentä> Preis pränumerando: Blcrteljährl. S,30 SDJf., monatl. 1,10 Ml, IrächenUich 28 Psg, frei WS HauS. Einzelne Nummer K Pfg. SonnIayS- nunimer mit illufirierter Sonntags. Beilage„Die Neue Welt' 10 Pfg, Pofi- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemars, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 23. Jahrg. Cltitclut Wich auSer DIODtass. Berliner Volkesblnlk. Zentralorgan der roziatdemokratifchen Partei Deutfchlands. Die TniertionS'GetsflDr beträgt für die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Rauni SO Pfg., für politische und gewerlfchastliche Vereins. und Versammlungs-Anzeigen 30 Psg. „Alelne �ureigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weilerc Wort 10 Pfg. 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Unter deni Regime Bülow ist die Oeffentlichkeit der Militär- gcrichtsverhandlungen(sofern es sich um Vorgesetzte handelt) zur Ausnahme geworden; unter dem Regime Bülow wurde das umfangreiche französische Gelbbuch über Marokko mit einem dünnen Heftchen von Weißbuch beantwortet, das einen Hohn auf die Forderung öffentlicher Rechenschaftslegung dar- stellt; unter dem Regime Bülow wurden die Schandtaten ver- schiedener Knlturpioniere in den Kolonien nach Möglichkeit beschönigt oder sind nur zum kleineren Teil der Volksvertretung mitgeteilt worden, wie erst neuerdings wieder bei der Be- ratung des Kolonialetats im Reichstage festgestellt wurde. Und zu Anfang dieses Monats ist von dem Kaiserlichen Dis- ziplinarhof zu Leipzig ein Entscheid ergangen, der da zeigt, daß die regierende Beamtenschaft sich durchaus nicht als die Beauftragte des Volkes fühlt, die dem Volke Rechenschaft schuldet, sondern als Kaste, die ihre Interna vor der unberufenen Oeffentlichkeit möglichst verbirgt, die ängstlich darauf bedacht ist, daß Verfehlungen einzelner ihrer Glieder nicht über den Kreis der Kaste hinaus bekannt iverden, die lieber solche Verfehlungen gar nicht erst unter- sucht, damit nur ja die„da draußen" nichts erfahren, und die jeden mit der Ausstoßung und Aechwng bedroht, der gegen diese Pflicht der Solidarität auch mit den»vider das Gesetz Verstoßenden fehlt! Vertuschung und Verkleistenmg ist die Pflicht des Reichsbeamten, wenn der Vorgesetzte sie befiehlt, das ist der Schluß, den man aus dem Urteil folgern muß, das der Disziplinarhof am 2. April in der Sache des Ge- Heimen Sekretariatsassistenten in» Auswärtigen Amt Oskar Poeplan als höchste Instanz gefällt hat. Der Name Poeplau ist während der Kolonialdebatte dieser Session im Reichstage mehrmals genannt worden; an- scheinend hat Poeplau den Anstoß gegeben zur Erörterung der mannigfachen Mißstände in der Kolonialverwaltung. Poeplau trat ini Jahre 1898 aus den» Dienst der preußischen Steuer- Verwaltung auf Ersuchen des Reichskanzlers in den Dienst des Auswärtigen Amtes, lvobei ihm vom Reichskanzler schriftliche Zusicherungen gemacht worden sind über die Art seiner Stellung, die nach seiner(P.s) Ansicht später nicht erfüllt »vorden sind. Darob kam es zu Differenzen Poeplaus mit seinen vorgesetzten Behörden und schließlich zu einem Prozeß gegen den durch den Reichskanzler vertretenen Rcichsfiskus. Der Prozeß ist unentschieden geblieben, da das Reichsgericht anfangs 1993, die ordentlichen Gerichte für unzuständig erklärte. Noch ehe der Prozeß beendet war, wurde ein Zivangspensionierungs- verfahren gegen Poeplau eingeleitet. Während dieses über zivei Jahre dauernden Pensionierungsverfahrens, gegen das Poeplau Protest erhob, richtete er verschiedene Ein- gaben an den Reichskanzler Fürst Büloiv, in denen er unter Hinweis auf nach seiner Ansicht ungesctz- lich behandelte Dinge innerhalb der Kolonialverwaltung eine Untersuchung der bestimmt bezeichneten einzelnen Fälle beantragte. Auf diese Eingaben, die unter anderen auch die Fälle v. Puttkamer, v. Besser, Kannenberg. Brandcis, v. König. Schmidt-Dargitz usw. betrafen, erhielt P. indessen vom Reichskanzler überhaupt keine Antwort. Vom Staatssekretär des Auswärtigen Amtes aber wurde dem P. wiederholt schriftlich verboten, über die von ihm berührten Angelegenheiten das geringste in die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen. Als die beantragten notwendigen Untersuchungen unterblieben, bat P. schließlich in einem Telegramm vom 21. November 19(11 den Reichskanzler um eine Audienz in seinen eigenen und in den übrigen Angelegenheiten; eventuell möchte ihm der Reichs- kanzler gestatten, durch einen Abgeordneten sich an ihn zu »venden oder aber direkt an die Oeffentlichkeit, den Reichstag. zu gehen. Die Nichterteilung eines Bescheides binnen acht Tagen werde P. als eine Genehmigung der letzteren Bitte ansehen. Ein Erlaß des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes vom 39. November 1994 an P. verbot ihm darauf nochmals. die berührten Dinge öffentlich bekannt zu geben. Ani 26. Januar 1993. nachdem auf die Anschuldigungen schwerster Art des P. nichts veranlaßt worden war, übergab nunmehr P. dem Reichstagsabgeordncten Dr. Müller- Sagan eine Abschrift eines Teiles seiner Eingaben an den Reichskanzlers mit der Bitte, diesen zu bewegen, gegen die von P. Beschuldigten die erforderliche Untersuchung an- zuordnen. Der genannte Reichstagsabgcordnete hielt das nach Einsicht der Schriftstücke für nötig. In einer Rücksprache, die er mit dem Reichskanzler hatte, und in der er dem Fürsten Bülow das ihm von P. behändigte, von diesem dem Reichskanzler bereits längst bekannt gegebene Material übergab, versprach der Reichskanzler dem Herrn Dr. Müller-Sagan eine sofortige Unter- suchung! l Es wurde nun das Pensionierungsverfahren gegen P. als unbegründet eingestellt und durch Verfügung vom 2. Februar 1995 das förmliche Disziplinarverfahren auf Dienstentlassung gegen P. angeordnet. Er wurde beschuldigt: 1. amtliche Urkunden entwendet zu haben; 2. das Amtsgeheimnis durch die Mitteilungen an den Reichstags- abgeordneten Dr. Müller-Sagan verletzt zu haben; 3. die dem Reichskanzler gebührende Ehrerbietung in seinen Eingaben in drei Fällen nicht beobachtet zu haben; 4. die Geheimen Legationsräte v. König und Schmidt-Dargitz in böswilliger oder leichtfertiger Weise schwerer Dienstvergehen beschuldigt zu haben. Bereits in der Voruntersuchung dieses Disziplinar- Verfahrens wurde durch eidliche Vernehmung ustv. festgestellt, daß, soweit es sich um Original schriststücke— Notiz des Reichskanzlers Grafen v. Caprivi und zwei Briefe des Württembergischen Ministers von Soden, den Gouverneur von Puttkamer betreffend— handelte, diese Schriftstücke niemals„amtlich registriert" worden waren bezw.„eine gcschäftsinäßige Behandlung erfahren haben". Bezüglich der übrigen Schriftstücke— Abschrist einer Vorlage des Geheimen Legationsrates Schmidt-Dargitz. das Pensionicrungsvcrfahren gegen P. betreffend, sowie Abschrift einer Anzeige des Ober- leutnants Grafen von Rittberg, dienstlich verübte Greueltaten des Hauptmanns von Besser von der Schutztruppe für Kamerun betreffend— war nicht nachzuweisen, daß P. sich diese Schrift- stücke„vermöge seines Amtes" verschafft hatte. Die Disziplinarkammer in Potsdam hielt es für un- erheblich, ob P. diese Originale und Abschristen sich wider- rechtlich angeeignet oder, wie er behauptete, von anderer Seite und zum Teil anonym erhalten habe. Die Bekanntgabe dieser Schriftstücke an den Abgeordneten Dr. Müller-Sagan, und, wie sich später durch Beschlagnahme von Briefen des Ab- geordneten Rocren an den Angeschuldigten herausstellte, auch an diesen Abgeordneten genüge allein schon, um, dem Antrage der Anklagebehörde entsprechend, auf die Dienst- entlassung des P. zu erkennen, da er durch die Bekanntgabe der bezüglichen Vorgänge die Behörde auf das schwerste kam- promittiert habe. Sein Gelvissen hätte ihm sagen müssen, daß er nicht nur die Verfassung und die Gesetze zu beobachten habe, sondern be- sonders in den Fällen v. Puttkamer und v. Besser Stillschweigen beobachten mußte. Bei dieser schwersten Verfehlung des P. kämen die»veiteren Au schuldigungen gegen ihn gar nicht in Betracht. Der Verurteilte appellierte und die Sache kam nun am 2. April vor dem Disziplinarhof in Leipzig zur erneuten Ver Handlung. P. verantlvortete sich in derselben Weise wie vor der ersten Instanz. Zu dem Hauptpunkte der Anklage, die Bekanntgabe des Materials an die Reichstagsabgeordneten, er- klärte er, er sei zu dieser Handlung sowohl in seinem eigenen als auch besonders im allgemeinen Interesse berechtigt und sogar direkt verpflichtet gewesen, nachdem die von ihm berührten Ungesetzlichkeiten völlig unbeachtet gelassen worden seien. Der Staatssekretär habe unter diesen Umständen nicht das Recht gehabt.. ihm, P., zu verbieten, daß er»vegen Abstellung der Miß- stände Abgeordnete in Anspruch nahm. Der Staats- sekretär habe um so weniger ein gesetzliches Recht zu seinem Verbot gehabt, als jeder Beamte nach dem Reichsbeamtengesetz (§ 11) nur über„vermöge seines Amtes" ihm bekannt ge- »vordene Angelegenheiten eventuell Verschwiegenheit zu be- obachten hat. Wer selbst wenn es sich um dem P.„vermöge seines Amtes" bekannt gewordene Angelegenheiten handelte, so sei der Staatssekretär dennoch nicht berechfigt gewesen, dem Angeschuldigten Schiveigen anzubefehlen, weil es sich nicht um Dinge handelte, die„ihrer Natur nach" geheim zu halten waren. Denn nicht dem Reichswohl konnte die Bekanntgabe schaden, sondern nur einzelnen Beamten und diesen mit vollem Recht,»veil sie ungesetzlich und unwürdig gehandelt hatten und direkt die Interessen des Deutschen Reiches schädigten. Im übrigen seien diese an und für sich ungesetzlichen und sogar strafbaren Befehle des Staatssekretärs schon um deswillen von dem Angeschuldigten nicht zu befolgen gewesen, weil der Staatssekretär durch solche Befehle direkt gegen den Willen seines eigenen Vorgesetzten. nämlich des Reichskanzlers, verstoßen habe, welcher wiederholt öffentlich erklärt habe, daß nichts verkleistert und vertuscht werden dürfe, daß jeder, der es wagt, der Majestät des Gesetzes sich entgegenzustellen, r ü ck s i ch t s- los zu Boden gelvorfen werden solle, daß es die oberste Pflicht einer Regierung sei, die diesen Namen über- Haupt verdiene, daß Gesetz und Ordnung nicht verletzt werden. Als Beamter habe er alles getan,»vozu er verpflichtet gewesen sei, bevor er sich an einen Abgeordneten als einen berufenen Vertreter des deutschen Volkes wegen Beseitigung der geradezu unglaublichen Mißstände gewandt habe; erst dann habe er sich an die Abgeordneten Müller- Sagan und Roeren gewandt, nachdem alle seine begründeten Vorstellungen an die Behörde und schließlich an den Reichskanzler selbst nichts gefruchtet hatten. Dann aber sei es für ihn, P.. nicht nur sein staatsbürgerliches Recht, sondern gerade, weil er Reichsbeamter sei, seine Pflicht geivesen, die beregten Tat- fachen im Interesse des Reiches öffentlich bekannt werden zu lassen, da er als öffentlicher Beamter seiner eidlichen Pflicht gemäß, so weit er könne, mit dafür zu sorgen habe, daß Ver- fassung und Gesetze beobachtet werden. Gerade der§ 19 des Reichsbeamtengesetzes schreibe ihm dies ausdrücklich vor, und außerdem habe er im Beamteneid besonders gelobt, die Ver- fassung wie die Gesetze gelvissenhaft zu beobachten. Hiernach sei es ein Unding, von ihm zu verlangen, lediglich mit Rück- ficht auf einzelne Beamte, welche unwürdig und gesetzwidrig gehandelt hätten, von der gewissenhaften Beobachtung der Verfassung und der Gesetze abzusehen. Der Vertreter der Anklagebehörde, der Geheime Lcgationsrat Rose von der Kolonialabteilung, erklärte die Berufung für unbegründet. Allerdings müsse er dem Ver- teidiger des Angeschuldigten darin zustimmen, daß dieser ein tüchtiger Mensch sei. Allein er habe wiederholt direkte Be- fehle des Staatssekretärs nicht befolgt und der Behörde durch die Bekanntgabe die größten Schivierigkeiten bereitet. Wohin solle das führen, wenn solche Disziplinlosigkeit gestattet würde. Ein solcher Beamter»vie der Angeschuldigte»verde stets ein Krebsschaden für eine Verwaltung sein und deshalb könne P. überhaupt nicht mehr Beamter bleiben. Nach einstündiger Beratung»vurde das auf Dienst- entlassung des Angeschuldigten lautende Urteil ver- kündet. Aus der Begründung dieses Urteils ist hervor- zuHeben: Der Disziplinarhof sah die Anschuldigungen 8 und 4 als fiir die Beurteilung der Rechtslage unerheblich an. Was die Anschuldigung 1 anlangt, so habe der Gerichts- Hof eine Enttvendung der beregten Schriftstücke durch den An- geschuldigten wohl angenommen. Es sei vielmehr anzu- nehmen, daß ihm die bezüglichen Schriststücke anderweit zu- gegangen seien. Eine Bekanntgabe von„vennöge seines Amtes" dem An- geschuldigten bekannt gewordenen amtlichen Dingen sei daher gleichfalls nicht als vorliegend zu erachten. Ein Verstoß gegen den§ 11 des Reichsbeamtengesetzes, wie ihn die An- klage und auch die Disziplinarkammer angenommen haben, liege daher überhaupt nicht vor. Dagegen habe der An- geschuldigte den§ 19 Reichsbeamtengesetzes verletzt, indem er das doch aintliche Vorgänge betreffende Material trotz wiederholter Befehle des Staatssekretärs, Schweigen zu beobachten, be- kannt gegeben und zu eigennützigen Zwecken benutzt habe. Der Angeschuldigte habe dadurch, daß er die jedem Beamte« besonders obliegende Gehorsamspflicht schwer verletzte, sich als ein Mann erwiesen, der kein Pflichtgefühl besitze und deshalb als Beamter nicht weiter verivendet werden könne. Deshalb habe nur auf die schwerste Strafe, nämlich auf Dienstentlassung, erkannt werden können. Um ihm die Mög- lichkeit zu geivähren, eine andere Stellung sich zu verschaffen, seien ihm drei Viertel der erdienten Pension auf die Dauer von zwei Jahren zuerkannt worden. Der Urteilsspruch und das ganze Verfahren bedürfen keines weitläufigen Kommentars. Die Seite der Sache, die lediglich die Person Poeplaus betrifft, sei hier ganz aus- geschieden. Sie würde eine Behandlung des Falles an dieser Stelle nicht rechtfertigen können. Was ihm allgemeinere Bedeutung gibt, das sind die Streif- lichter, die er auf ein Gebiet der deutschen Reichs- Politik»virft, auf die Prinzipien, die für unsere amtlichen Stellen maßgebend sind,»venn es sich um Versehlungen von Beamten, um Mißstände in der Reichsverwaltung handelt, an deren Ahndung und Beseitigung das deutsche Volk das größte Interesse hat, da es die Fehler und Versäumnisse der Bureaukratie unter Umständen mit seinen Steuergroschen und dem Blut seiner Söhne bezahlen muß. Wiederholt hat der Beamte— seine Motive gehen uns hier nichts an— an seine Vorgesetzten, an den Reichskanzler Eingaben gemacht, worin er schivcre Beschuldigungen gegen einzelne beamtete Personen er- hebt. Er erhält keine andere Antwort, als das Gebot, nichts in die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen. Und offenbar haben sich die Vorgesetzten nicht einmal veranlaßt gesehen, eine Untersuchung einzuleiten, denn sonst hätte der Reichs- kanzler dem Reichstagsabgeordneten Müller-Sagan nicht noch eine Untersuchung zusagen können, als dieser ihm das Material unterbreitete, das der Kanzler aus den Eingaben Poeplaus schon kennen mußte. Solange der Beamte allein aus Untersuchung drang, dem man durch das Schiveigegebot den Mund glaubte verbinden zu können, geschah nichts. Als aber ein Reichstagsabgeordneter von der Sache erfährt, als die Gefahr auftaucht, daß die Angelegenheiten im Parlament der Oeffentlichkeit unterbreitet werden, da sagt der Reichskanzler die Untersuchung zu I Diese eine Tatsache spricht Bände. Und man vergesse nicht, daß die Affäre, um die es sich handelte, Marken wie„v. Puttkamer",„V. Besser" trugen I Die Namen von Männern, deren Taten mit der Gefahr von Eingeborencnausständen in unseren Kolonien öfter in Ver- bindung gebracht worden sind. Und dann urteile nian darüber. ob»vir recht hatten, als»vir diesen Artikel überschrieben: Die Politik der Verkleisterung und der Ver- t u s ch u n g. Und ob wir recht haben, wenn wir dieses System denunzieren als ein gefährliches und verderbliches. dem das deutsche Volk je eher je besser ein Ende bereiten muß l Die Revolution in Rußland. Der große Puinp. Im Vordergrunde des Interesses steht augenblicklich die Frage, ob es der russischen Regierung tatsächlich wieder ein- mal gelingen wird, in Frankreich, England, Oesterreich und sonstwo so viel Dumme zu finden, daß die neueste russische Anleihe unter das bis zum Giebel verschuldete Staatsdach gebracht werden kann. In derlei Dingen hat nun bekanntlich die jüdische Hoch- sinanz aller Länder ein recht gewichtiges Wörtlein mitzureden. Und da scheint es den russischen Drahtziehern an der Zeit, es kbieder mit ihrem alten Trick zu versuchen: jener Welt, die sich so gern durch ein paar lügnerische Phrasen betören läßt, etwas von der Judenfreundlichkeit, der Gerechtigkeit der russischen Regierung und des Zaren vorzufaseln.— So meldet »die Petersburger Telegraphenagentur: Der Generalgouverneur har eine Bekanntmachung erlassen, in der gesagt wird, daß jeder Versuch, gegen die Juden gerichtete Unruhen hervorzurufen, in schärfster Form unterdrückt werden würde. In der �Bekanntmachung wird weiter ausgeführt, daß alle Klassen der Bevölkerung und alle Nationalitäten dem Kaiser gleich teuer seien, daß alle Kinder desselben großen Baterlandes seien und daß ihre Interessen gegen jeden Angriff geschützt werden würden. Die jüdischen Finanzkönige werden beim Lesen dieser schönen Worte eine Freudenträne im Auge zerdrücken, dem russischen Bankrotteur das Geld leihen und verwundert tun, wenn die Judenmetzeleien in Rußland wieder beginnen, nach- dem der große Pump unter Dach und Fach gebracht ist. Ein Blatt wie„Nascha Schisn" schreibt über den ge- Planten Riesenschwindel unter anderem folgendes: „... Unsere ausländischen Freunde müssen sich dessen bewußt sein, daß sie gleichfalls zu Feinden des russischen Volkes werden, wenn sie am Vorabend des Zusammentritts der Duma eine end° gültige Vereinbarung treffen und dem russischen Volk eine Schuld- schlinge um den Hals ziehen. Das französisch)« Volk muß wissen, daß, wenn sich auch die Bankiers hierbei einen guten Verdienst sichern können, es am letzten Ende der wirtliche Gläubiger, der ausländische Rentier, der die russischen Fonds ankauft, sein wird, der sehr viel verliert. Für ihn würde die vorherige Genehmigung der Anleihe durch die Duma nicht nur in moralischer, sondern auch in materieller Hinficht bedeutend größeren Vorteil bringen als der zeitweise Gewinn am hohen Prozentsatz und am niedrigen Kurs der Anleihe." Uns scheint, daß sogar die Genehmigung der Anleihe durch d i e Duma, wie sie unter den bestehenden Verhältnissen zu- sammentreten wird, keinen halbwegs besonnenen Kapitals- besitzer verlocken dürfte, sein Geld in den unersättlichen Rachen des russischen Molochs zu schleudern: denn was wird das für eine Duma werden? Eine„Volksvertretung" nach dem Sinne der russischen Regierung, eine„Volksvertretung", an deren oppositionellen Atomen so lange herumgedoktert werden wird, bis sie von einer etwa durch Nikolaus ernannten Körver- schaft kaum mehr zu unterscheiden sein dürfte. Folgende Mit- teilung spricht Bände im Sinne dieser Auffassung: Der russische Minister des Innern Durnowo stellte soeben den Gouverneuren nilhcuu, Personen, die als Reichsdumakandidaten aufgestellt sind, sich aber in Hast befinden, freizulassen oder nicht. In diesem Vorgehen Durnowos sieht vie K.-D.-Partei neue Rcprcssivmaßrcgeln gegen sich, da Durnowo sich hierdurch jeder Verantwortung entzieht und der Willkür der Provinzbeamten Vor- schub leistet. *•" Spiridonowa. Die tapfere Märtyrerin Spiridonowa wird sich der„Gnade", daß die über sie verhängte Todesstrafe in eine Verurteilung zu 20 Jahren Zwangsarbeit umgewandelt worden ist, nach Aussage der Aerzte kaum allzu lange erfreuen dürfen: denn die schurkischen Offiziere, die sie vergelvaltigten und fast zu Tode marterten, haben die Gesundheit des Mädchens unrettbar vernichtet. Aus den Verhandlungen vor dem sie aburteilenden Gerichte find folgende Aeußerungen der Spiridonowa bemerkenswert: .. Die Schrecken der Reaktion finden nicht ihresgleichen in der Geschichte Rußlands: Im Laufe von zwei bis drei Monaten sind 2 Menschen hingerichtet worden, die Gefängnisse überfüllt, die bewaffneten Aufstände im Blute ertränkt.... Besonders die Unter- drllckung der Bauenmnruhen gehört zu den„glänzendsten Taten" der Bureaukratie und muß mit blutigen Lettern ins Buch der Geschichte eingetragen werden. Ich greife nur einen Kreis eines Tambowschen Gouvernements heraus und nur einen blutbesuldeten„Ruhestifter"— Luschenowsky: Eine ganze Reihe von Dörfern sah nach dem Raub- und Mord- znge Luschenowskys aus wie bulgarische Dörfer nach einem türkischen Ueberfalle. Im Dorfe Pawlograd sind zehn Menschen erschossen und 40 verwundet worden; den Alexander Dubrowin, einen Sozial- demokraten, der hinkam, um die erbitterte, mit elementarer Gewalt zum Durchbruch gekommene Bauernbewegung zu organisieren, die Bauern aufzuklären und vom Niederbrennen der gutsherrlichen Besitz- tlliner abzubringen, haben sie vier Tage laiig gepeinigt. Als es seinen Verlvandten endlich gelungen war, weiiigstens seine Leiche zu sehen, erkannten sie ihn nicht wieder— so war er zugerichtet: Statt eines gesunden, blühenden Menschen sahen sie einen Haufen formlosen Fleisches, Knochen und Blutes. Am letzten Tage seines Lebens quälte ihn der Durst— man gab ihm kein Wasser; er kroch zur Türe, um frische Lust einzuatmen— mit Nageika- hieben und Rufen:„Wohin, du Hund?" wurde er von Kosaken wieder zurückgetrieben.— Im Dorfe Beresowska sind drei Bauern in den Wahnsinn hineingequält worden. Außer dem Niederschießen und dem zu Tode peitschen wurden Maßregeln der„Ruhestiftung" angewandt, wie Auspliinderung der Baucrnhütten, Wegnahme des gesamten Getreides, Niederbrennen ganzer Dörfer. Entehrung von Frauen. Oft hieß Luschenowsky alle Bewohner des Dorfes stunden- lang vor seinem Hause in Schmutz und Schnee knieen, so lange als er Mittag aß, sich an Wodka besoff oder schlief. Zu den Füßen der Bureaukratie legte Luschenowsky seine Trophäen nieder: ermordete Bauern, wirtschaftlich ruinierte Familien- Väter, gepeitschte Kinder und entehrte Frauen... Und im Namen der Gerechtigkeit und der niedergetretenen Menschenwürde fällte das Tambower Komitee der sozialdemokratischen Partei das Todesurteil über Luschenowsky. Mit vollem Bewußtsein der Bedeutung dieser Tat übernahm ich ihre Ausführung, weil das Herz vor Qualen zerriß, weil es so schrecklich und qualvoll war zu leben bei den Nach- richten, die aus den Dörfern kamen und von den Greueltaten Luschenowskys berichteten. Als ich nun vollends mit eigenen Augen die in den Wahnsinn gepeinigten Bauern sah. als ich eine Wahn- sinnige alte Mutter sah, deren 1ö jährige Tochter sich nach ihrer Vergewaltigung durch Kosaken ins Wasser gestürzt hatte,— da konnte keine irdische Macht, keine Höllenqual mich von der Aus« führung meines Entschlusses abhalten.... Und jetzt, nach den Folterqualen, die mich Awramow und Schdanow haben erleiden lasten, sage ich eS noch einmal: Ich bin glücklich, mein Volk zu verteidigen und für mein Volt zu sterben." politifcbe Ucbcrficbt. Berlin, den 12. April. Agrarische Bescheidenheit. Die Wünsche der Agrarier zu erfüllen, ist selbst der Bülow- Rheinbaben-Podbielskischen Regierung unmöglich. Mit den jetzigen Viehpreisen sind zwar die Herren Agrarier so ziemlich zufrieden, aber die Höhe der Kornpreise genügt ihren bekannten bescheidenen Ansprüchen nicht. Zwar stehen diese Preise höher als um die gleiche Zeit des vorigen Jahres, und die Differenz zwischen den Inlands- und Auslandspreisen beträgt 45 bis 50 Mari, es kommt also schon jetzt die am 1. März dieses Jahres eingetretene Zollerhöhung fast voll in den deutschen Marktpreisen zum Ausdruck, doch das alles reicht nicht, denn die Preise zeigen die Tendenz zu fallen. Deshalb erheben die Herren gegen die Regierung den Vorwurf, diese Tendenz dadurch verschuldet zu haben, daß sie vor dem Inkrafttreten der neuen Handelsverträge zu viel Getreide in das deutsche Zollgebiet hineingelassen hat und zugleich verlangen sie, daß auf das in Ost- elbien geerntete Getreide, das nach dem Auslande gegen Ausfuhr- scheine exportiert wird, nicht nur der bei der Einfuhr bezahlte Zoll von 3,50 M. pro Doppelzentner, sondern der jetzige Zollsatz vergütet wird, d. h. also den Exporteuren eine Exportprämie von 1,50 bezw. 2 M. pro Doppelzentner gezahlt wird. So schreibt z. B. die „Deutschs Tageszeitung", das offizielle Organ des Bundes der Landwirte: „Wir stehen also seit dem Eintritt der neuen Zölle unter einer starken Preisdepression— und daran trägt die Schuld»lediglich die deutsche Regierung. In doppelter Hinsicht. Einmal: weil sie es versäumt hatte, für rechtzeitige Maßregeln gegen den überflüssigen Spekulations- import fremden Getreides vor dem Inkrafttreten der neuen Zölle Sorge zu tragen. Wir haben das erste Mal schon im Februar 1905, gleich nach Annahme der Handelsverträge, auf die Not- wendigkcit aufmerksam gemacht, rechtzeitig Maßregeln gegen den Spekulationsimport zu treffen. Wir haben diese Mahnung dringend wiederholt im April und Mai 1905, sodann wieder bei Beginn des neuen Erntejahres im Juli und August. Die Herren Dezernenten der Regierung haben sich nicht gerührt. Der Import von Weizen, Roggen und Haser betrug im Erntejahr(1. August bis 1. Marz): 1903/04; 18 Millionen Dnvvelzcntner. 1904/05: 18 1905/06; 35 Er hat sich also in diesem Jahre geradezu verdoppelt! Erst als die Frage der Aussuhrscheinvergütung für die Reichs- finanzen brennend geworden war, wurde das die Finanz- . interessen wahrende Gesetz vom 12. Februar 1906 erlassen, wonach der Bundesrat bevollmächtigt ivurde, für die Darier eines Jahres die Ausstlhrvergüwng nicht in der Höhe der neuen Zölle, sondern nur zum Betrage der alten Zollsätze auszufertigen. Das ist nun vom 1. März ab geschehen— und darin, daß diese Be- stimmung auch für das Jnlandsgetreide gilt und heute noch aufrecht erhalten wird, liegt die zweite Versäumnis der Regierung, ihre Schuld an der heutigen, täglich zunehmenden Preis- dep re s s i on. Die Handelslager sind mit Jmportgetreide überfüllt, daran läßt sich nun nichts mehr ändern; man kann nicht dem nur zu 3 M. 50 Pf. verzollten Weizen und Roggen nun 5 M. 50 Pf. bezw. 5 M. Ausfuhrvergütung gewähren. Aber man sollte dem Jnlandsgetreide gegen Ursprungsnachweis die früher bestandene Exportmöglichkeit wieder geben, indem man ihm die Exportvergütung in der gesetzlichen Höhe des treuen Zolles einräumt. Unter dem alten Zoll betrug die Differenz zwischen Inlands- und Auslandspreis 35 M., heute beträgt sie. infolge entsprechender Senkung des Auslandspreises, 45 bis 50 M. Es kann also das ostdeutsche Getreide bei nur 35 M. Zollvergütung nicht die früher gewöhnten Exportwege ein- schlagen uird so stauen sich im Jnlande die überflüssigen Importe und die heimische Ernte und bewirken so einen täglich fortschreiten- den Preisdruck— lediglich infolge einer im rein fiskalischen Interesse verfügten Verwaltungsmaßrcgel." Weiter können die Junker ihre Bescheidenheit kaum treiben. Interessant aber ist, daß das Blatt selbst eingesteht, die Aus- landspreise ständen schon jetzt um 40 bis 50 M. pro Tonne niedriger als die Inlandspreise. Sonst leugnen bekanntlich die agrarischen Sophisten, daß die inländischen Preise um den Betrag des Zolles verteuert werden; hier, wo es ihnen in ihre Argumentation paßt, gestehen sie diese Wirkung offen.ein. Selbstwiderlegung des Grosten Generalstabes. Das erste Heft des vom Großen Generalstabe herausgegebenen Werkes„Die Kämpfe der deutschen Truppen in Südwestafrika" hatte bekanntlich seinerzeit die abgeschmackte Behauptung enthalten, die H e r e r o s seien nicht nur ein den Buren ebenbürttger, sondern ihnen sogar überlegener Gegner, da sie es den Buren an Schießfertigkett mindestens gleichtäten, sie an Energie der Offensive aber erheblich überträfen. Diese törichte Behauptung, die nicht nur auf eine übertriebene Lobeserhebung der deutschen Leistungen in Süd- westoftika, sondern auch auf eine kindische Herabsetzung der Leistungen der Buren und Engländer im Burenkriege hinauslief, hatte nicht nur auf sozialdemokratischer Seite den verdienten Spott hervorgerufen, sondern auch den Oberst G ä d k e veranlaßt, im„Berliner Tagebl." dieser öden Selbstbeweihräucherung entgegenzutreten, an der steilich die Redaktion dieses Blattes selbst teilnahm I Jetzt nun ist Oberst Gädle in der Lage, nachzuweisen, daß sich der Große Generalstab durch das soeben erschienene zweite Heft seines Werkes über Südwestafrika selbst gründlichst desavouiert I Wie es nämlich in' Wirklichkeit um die Schießfertigkeit und die an- gebliche Wucht der Offensive der Hereros aussah, beleuchtet Oberst Gädke durch folgende dem Generalstabswerk entnommenen Tat- fachen: Im Gefecht beiOtjihina-maparero am 25. Februar 1904 haben 170 deutsche Gewehre zehn Stunden lang auf nahe Entfernung gegen 1000 HereroS gekämpft. Verlust der Deutschen an Toten und Verwundeten 9 Mann oder 6 Prozent. Bei Klein-Bar in en(4. März 1904) fochten 200 Deutsche gegen 600 Hereros 6 Stunden lang. Verluste mit Ausnahme von zwei gleich im Beginn aus dem Hinterhalt getöteten Leuten gleich Null. Im Gefecht bei O n g a n j i r a(9. April 1904) wurden 8000 HereroS durch 700 Deutsche nach 6 stündigcm Feuergefecht eworfen, wobei letztere 16 Tote und Verwundete oder ,3 Proz. ährer Gefechtsstärke verloren. In dem besonders blutigen Gefecht bei O k o h o m i j3. April 1904), bei dem die deutsche Nachhut im Busch über- fallen wurde, verlor die zirka 230 Gewehre starke Abteilung Glasenapp gegen 1000 Hereros 49 Mann oder 21 Proz., dagegen in dem ergebnislosen Kampfe bei O v i u m b o, der mit dem Rückzüge der Deutschen endete, von 700 Mann nur 21 oder 8 Proz., wobei noch zu bemerken, daß 8 davon wiederum gleich im Beginn des Gefechts auS dem Hinterhalt niedergeschossen wurden. Die Stärke der HereroS betrug diesmal sogar 5000 Mann. Der Durch« schnittSverlust der Deutschen in den 5 Gefechten, die aus dem Hinterhalt getöteten mit eingerechnet, betrug asio 4,6 Prozent, und zwar ausnahmslos gegenüber einer drei- vis siebenfachen Ueber- legenheit des Gegners m vielstündigem, zum Teil auf nächste Ent- fernung geführtem Feuerkampfe. Das zeugt doch in der Tat nicht für eine Schicßfertigkcit der HereroS. die der der Burrn auch nur aunichernd gleichkäme". Es gehört ja schon seit den Tagen, als Julius Cäsar seinen bsllnm gallicum schrieb, zu den militärschriststellerischen Gepflogen- heilen, zur Herausstreichung der eigenen Leistungen die Furchtbarkeit des besiegten Gegners möglichst zu übertreiben. So lächerlich wie von unseren Militärs im Hererokriege ist freilich selten aufgeschnitten worden I Statt sich mit der von niemand bestrittenen Feststellung zu begnügen, daß die deutschen Truppen die in sie zu setzenden militärischen Erwartungen durchaus befriedigt haben, glaubte man ein übriges tun und den Feind gleich als einen unvergleichlichen Gegner hinstellen zu müssen, gegen den selbst die Buren die reinsten Weisenknaben seien. Hätten in all den von Oberst Gädke aus- gezählten Gefechten unseren Truppen B u r e n in solcher Ueberlegen- heit gegenübergestanden, so wäre von unseren Leuten wahrscheinlich kein Mann der Vernichtung oder Gefangennahme entgangen I Das lehren die dem Oberst Deimling freilich völlig unbekannten wirklichen Tatsachen des Burenkrieges I—_ Ein Nachspiel zur Pücklerei. Am Mittwoch spielte sich vor dem Landgericht Görlitz ein Preß- Prozeß ab, der wegen seiner aufsehenerregenden Nebenumstände weit-, gehendes Interesse beansprucht. Der Prozeß ist nämlich die Folge einer Kritik am letzten Pückler-Prozeffe in Glogau. Der Dreschgraf stand am 10. August v. I. wegen Beleidigung und Bedrohung des Wirtschaftsvogtes Pauli in Schönau seines Gutes in der Nähe von Kl.-Tschirne) vor Gericht. Pückler war an der Spitze seines berüchtigten Reiterkorps in das ftemde Gut eingedrungen und hatte auf Vorhaltungen des Vogtes diesen beschimpft und ihn mit Zerschmettern des Schädels bedroht. Der edle Menschenfreund wurde dafür nur zu 350 M. Geldstrafe verurteilt, trotzdem er wegen schwerer Delikte oft und hart vorbestraft war. An demselben Tage wurde von demselben Gericht ein Dienstmädchen, das 35 Pf. gestohlen hatte, zu 2 Jahre» und 1 Monat Zuchthaus verurteilt!— In einem Bericht der„Frankfurter Zeitung" war anläßlich dieser Verhandlung an dem Verhalten des Glogauer Landgerichts respektive seines Vorfitzenden, des Landgerichtsdireltors Roth, dem Pückler gegenüber Kritik geübt und der Vorwurf erhoben worden, Pückler sei anders behandelt worden als andere Angeklagte. Er habe nicht auf der Anklage- dank zu sitzen brauchen, sei als„Herr Angeklagter" oder „Herr Graf" angeredet worden und habe, ungeriigt und ohne in Ordnungsstrafe genommen zu werden, sich dem Gericht gegenüber Aeußerungen erlaubt wie:„Das verstehen Sie nicht!"„Die Glogauer Gerichte nehmen leider stets gegen dir Gutsverwalter und Rittergutsbesitzer Partei!"„Leider befinden sich die Glogauer Be- Hörden stets aus feiten der Feinde des Vaterlandes!" usw. Aus der„Frankfurter Zeitung" ging der Bericht mit Quellen- angabe in die„Görlitzer Volkszeitung" und in eine ganze Reihe anderer— bürgerlicher und sozialdemokratischer Blätter— über. An die Gegenüberstellung der beiden Urteile gegen Graf unv Dienstmädchen war in der„Görlitzer Volkszeitung" eine Bemerkung geknüpft. Nun erhielt nicht die„Frankfurter Ztg.". sondem Genosse Riem, der den politischen Teil der in Dresden als Köpfblatt der„Sächs. Arbeiter-Zeitung" erscheinenden„Gürl. VolkSzeirung" verantwortlich gezeichnet hatte, eine Anklage wegen— Richterbeleidigung: Die nebensächlichen Angaben vom Verweilen außerhalb der Anklage- bank und die Anrede mit„Herr" sollen in der„Frankfurter Ztg." nicht richtig wiedergegeben und der Schlußsatz des Artikels schwer beleidigend sein l Nicht bestritten wurde dagegen die Richtigkeit der übrigen angeflihrten Tatsachen, die doch eigentlich die Hauptsache der ganzen Geschichte waren. Genosse Riem beantragte die Ladung einer Reihe von Zeugen. vor allem die des Haupt«„Helden", des Dreschgrafen, ferner zweier Glogauer Berichterstatter und des Inhabers eines Korrespondenz- bureaus in Charlottenburg. Das Gericht beschloß nun— und das Verfahren dürfte den Reiz der Neuheit für sich haben— die Vernehmung der einzelnen genannten Zeugen in ihren respektiven Wohnortenl Die zwei Glogauer wurden in Glogau, Graf Pückler, der zurzeit seine Festungs- Haft in Weichselmllnde absolvierte, in Danzig und der Charlotten- burger vor dem Amtsgericht dortselbst vernommen. In der„Be- gründung" dieses eigenartigen Verfahrens hieß es, daß ein Er- scheinen zur Hauptverhandlung wegen zu weiter Entfernuiig„zu beschwerlich" seil!- Das Ergebnis der Vernehmungen war für den Angeklagten ungünstig. Alle— auch Pückler— behaupteten, der Dreschgraf sei wie jeder andere Verbrecher behandelt worden, er habe auf der Anklage- bank gesessen und sei nicht mit„Herr" angeredet worden. Land- gerichtsdireltor Roth, der auf Antrag der Anklagebehörde zu der Angelegenheit ebenfalls in Glogau vernommen wurde, sagte ferner aus: er habe um deswillen den Grafen wegen der ungehörigen Bemerkungen nicht unterbrochen, weil er habe sehen wollen, wie weit der Herr Graf gehe» würde, um danach PücklcrS ZurechnungSfähigkeit zu beurteilen. In der Verhandlung vor dem Görlitzer Landgericht erklärte der Angeklagte, daß der Wahrheitsbeweis in den nebensächlichen Dingen zwar mißglückt sei, daß aber— und deshalb sei von seiner Zeitung die Notiz abgedruckt worden— die passive Haltung des Vorsitzenden gegenüber den beleidigenden und ungehörigen Bemerkungen deS Grafen Pückler bewiesen sei. Der Staatsanwalt war natürlich der Meinung, daß noch nie ein Beweisvcrsuch so mißlungen sei wie dieser. Sämtliche Be- hauptungen seien frei erfunden usw. Sein Antrag lautete dann schließlich auf: drei Monate Gefängnis. Das Gericht schloß sich in der Hauptsache den vom Verteidiger vorgebrachten Gegen-Argumenten an und verurteilte den Genossen Riem wegen fahrlässiger Beleidigung zu 200 M. Geldstrafe evcnt. 20 Tagen Gefängnis und Publikation des Urteils in einer Reihe schlesischer Blätter. Dieser Prozeß dürfte nicht gerade viel zur Erhöhung des An- sehens der Dame Justitia beigetragen haben.— .• Dcutrcbcs Reich. Eine Orgie der Gefühlsroheit. Nach den Erklärungen des Reichskanzlers und den Beteuerungen der Vertreter der herrschenden Parteien im Reichs- tage ist die deutsche Diplomatie mit den Ergebnissen der Marokkokonferenz vollständig zufrieden, da sie mehr durchzusetzen angeblich niemals erwartet, ja nicht einmal gewünscht hat. Diesen Versicherungen gegenüber erscheint es denn doch recht seltsam, wenn dieselben Parteien sich nicht genug darüber entrüsten können, daß Italien Deutschland in Algeciras schnöde verraten und pflichtvergessen mit Frankreich karessiert Habel Jetzt hat sich diese wütende Eifer- sucht aber gar zu Attentatsgelüsten gegen jede gesunde Ver- nunft und jedes internationale Anstandsgefühl gesteigert, die im Auslande ein von Ekel und Mitleid gemischtes Mit- empfinden erwecken müssen. Will sich doch jetzt— angeblich— das offizielle Deutschland für Italiens marokkanische Eheirrung dadurch rächen, daß es den durch den Vesuv- ausbruch'Betroffenen ostentativ jede Unter- st ützung versagt!! Bringen doch die„Verl. Neue st. Nachr." folgenden, von der„Germania" zustimmend abgedruckten Noheitsergutz: „Auffälliges Schweigen herrscht im deutschen Blätterwalde anläßlich der furchtbaren Katastrophe am Vesuv; gewiß, rein referierend wird genug erzählt von den Schrecknissen einer Vesuv-Eruption größten Stils; aber keine Hand regt sich bisher in Deutschland, um durch Spenden milder Gaben aus der Not zu helfen. Wenn man bedenkt, wie groß das werk- tätige Mitleid der Nächstenliebe noch bei der Katastrophe in Ka- labrien sich gezeigt hat, ist die Zurückhaltung allerdings auffällig. Auch hat uns der sonst so geschäftig surrende Draht noch nicht vermeldet, daß unser Kaiser eine seiner ersten Beileidskundgebunqen abgestattet hat. Rur Interesse, aber kein werktätiges Mit- gefühl. Ein Wunder ist das nicht; unser Verbündeter hat sich in AlgeciraS doch schon mehr geleistet als sein ihm gern ge- statteteS„Extratänzchen", das wir ihm nach dem Wort des Reichs- kanzlers gernkonzedierten, ohne einen roten Kopf zu bekommen...." Wir haben bei der Katastrophe von CourriereS in, großen Stil werktätige Hülfe geleistet, denn wir haben mit Frankreich keine politische Interessengemeinschaft und Frankreich hat allen Grund, immer Gegner zu sein. Italien ist dem Buchstaben nach «nser politischer Verbündeter, in Wirklichkeit aber läßt er uns im Stich. Sehr verständlich, wenn unter diesen Umständen die bekannten Hnmanitätsphrasen schweigen; denn jetzt ist doch Blut nicht dicker als Wasser. Es ist auch in der Ordnung daß es französische Schiffe sind, die jetzt nach Neapel geeilt sind, um Hülfe zu leisten." Wir halten ja im allgemeinen nicht allzuviel von den mit pomphafter Selbstrcklame verbundenen internationalen Hülfsattionen, die das pflichtgemäße Eintreten des eigenen Staates vollständig überflüssig machen würde. Aber daß man jemals— und nun gar angesichts einer erschütternden elementaren Katastrophe, wie sie der Ausbruch des Vesuvs dar- stellt— eine solche Hülfsattion aus diplomatischer Ranküne mit unverhehltem Hohne verweigern könnte, das haben wir doch für unmöglich gehalten I Hier enthüllen sich wahre Ab- gründe moralischer Verkommenheit! Und die fromme„Germania" hat nicht das leiseste Gefühl für diese beispiellose Roheit l Es sollte uns nicht wundern, wenn dies Blatt den Vnlkanausbruch nur als die gerechte Strafe für die ftevle innere und äußere Politik Italiens ausgeben würde. Wahrscheinlich hat der heilige Januarius bis jetzt nur deshalb nicht geholfen, weil er das verdiente Strafgericht nicht abwenden durfte l In welchem Zeitalter der Barbarei leben wir doch noch l— Nochmals: Spotten ihrer selbst... Man schreibt uns: Der„Vorwärts" hat den Generalmajor Zepelin gebührend zurückgewiesen, der in der„Kreuz-Zeitung" die Sozialdemokratie wegen ihrer angeblichen Abneigung gegen eine militärische Jugend- erziehung verspotten zu sollen glaubte. Man muß aber doch wohl auch dem Generalmajor z. D. gerecht werden, indem man anerkennt, daß seine schneidige Attacke allerdings eine ganze„Heldeuschar" über den Haufen gerannt hat, nämlich den„Helden-König" Friedrich Wilhelm Hl. und die junkerlichen„Helden", die bei Jena so fürchter- liche Prügel besehen hatten. Nach der Schlacht bei Jena wurde nämlich eine militärische Reorganisationskommission niedergesetzt, in der Scharnhorst, Gneiscnau, Grolman nnd Bohen saßen. Sie schlug die Einführung der all- gemeinen Wehrpflicht und die Einrichtung einer nationalen Miliz, in diesem Zusammenhange aber eine Schulreform in dem Sinne vor, daß die Schulen als Vorschulen für die Tätigkeit der Offiziere und Unteroffiziere bei der Miliz gelten sollten. Sie forderten, mehr Nachdruck auf die Mathematik zu legen, als derjenigen Wissenschaft, die den Artilleristen und Ingenieuren unentbehrlich sei, von der man aber auch eine vorteilhafte Einwirkung auf die Ausbildung der BeurteilS- kraft erhoffen dürfe. In jeder Schule sollte eine ganz militärische Disziplin eingeführt werden; Aufgabe des Unterrichts in de» höheren Klassen würde eS dann sein, den Geist der militärischen Ge« setze zu erläutern. Jede Schule sollte ihren Exerziermeister haben, der die Knaben während der Erholungsstunden im Gebrauche der Waffen übte. Jede Schule sollte sich in Kompagnien formieren, von denen jede ihre Offiziere selbst wählte, um unter ihrer Leitung das zu üben, was später der Ernst des Krieges forderte; Leibesübungen lFechten, Schwimmen, Voltigieren) sollten die jungen Körper zur dereinstigen Ertragung von Strapatzen geeignet machen. Dafür sollten die Kadetten-Institute abgeschafft werden, die nur zu künst- licher Heranzüchtung eines junkerlich-militärischen Kastengeistes dienten. Diesen Vorschlägen der militärischen ReorganisationS« kommission stimmte der damalige leitende Minister Stein fteudig mit der Bemerkung zu:„Man wird in allen Schul- anstalten Anstalt treffen müssen, um Kenntnis deS Gebrauchs der Waffen und die Bewegung größerer Menschenmaffen zu bewirken." Aber der„Heldenkönig" Friedrich Wilhelm HI. mit- samt den junkerlichen„Helden" war durch die Prügel von Jena noch lange nicht kuriert, und verwarf die Vorschläge Scharnhorsts und Steins mit der ganzen Borniertheit, die ihm von Gottes Gnade gegeben war. Daß aber jetzt irgend ein Gamaschenknopf ausgerechnet in der „Kreuz-Zeitung" die Sozialdemokratie für diese Borniertheit ver- antwortlich machen will, das ist denn doch ein bißchen zu viel der Unverschämtheit.—_ Besetzung des NnterstaatssekrctärSPosten. Die Nachricht der „Tägl. Rundschau", daß der Geheimrat v. Schwartzkoppen zum llnterstaatssekretär im Rcichskolonialamt bestimmt sei, stellt sich als erfunden heraus. Die„Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Angaben über die Besetzung der Stelle eines Unterstaatssekretärs im neuen Kolonialamt und des Dirigenten der Personalabteilung dieses Amtes wie über den Wechsel im Gouvernenient von Kamerun als falsch. „Bevor nicht der Etat des Reichskolonialamts", so fügt das offiziöse Blatt hinzu,„vom Reichstage in dritter Lesung genehmigt sein wird, kann über die Besetzung der neuen Stellen wie in den schwebenden kolonialen Personalfragen keine Entscheidung getroffen werden, und es sind auch für die einzelnen Posten bisher bestimmte Persönlich- leiten noch nicht in Aussicht genommen." Herr Professor Paasch« hat also noch Aussichten!-- Die geschäftlichen Talente deS Herrn v. Podbiclski. Eine inter- essante Aufklärung hat. wie die„Voss. Ztg." berichtet, die gestrige Versammlung der Berliner Mlchhändler gebracht. Der Syndikus des Verbandes der Milchhändler, Rechtsanwalt Dr. Fla tau, teilte nämlich dort mit, der Landwirtschaftsmini st er v. Pod- bielöki sei bis zum I.April d. I. Milchlieferant des Verbandes der Milchhänder gewesen. Er habe also der Milchzentrale tvohl sein Ohr und seinen Arm geliehen, sein Portemonnaie aber nicht. Diese Wirtschaft- liche Haltung des Herrn v. Podbielski ist um so auffallender, als der Verband der Milchhändler die große Kampfgenossen- schaft ist, die gegen die Zentrale ins Leben gerufen wurde. „Herr v. Podbielski", meint das freisinnige Blatt,„istein tüchtiger Offizier gewesen; als Staatssekretär des Reichspostamtes hat er sich als ein glücklicher Reformer erwiesen, und als Landwirtschafts- minister hat er sich den Ruhm erworben, der entschlossenste Agrar« minister zu sein, den Preußen jemals gehabt habe; trotzdem dünkt uns, daß er in all diesen Aemtern seinen eigentlichen Beruf verfehlt habe: wir sind überzeugt, daß er als Kaufmann oder Bankdircktor ganz Außerordentliches geleistet haben würde". Wir vermögen in letzterem Punkt dem Blatte nicht beizupflichten. ES überschätzt die Fähigkeiten des Herrn v. Podbielski. Für den Landwirtschaftsministerposten mögen sie ausreichen, ob auch für die Leitung einer großen Bank, erscheint fraglich.— Konservative Hetze gegen Rosa Luxemburg. Die„Deutsche Tageszeitung" und dergl. lassen sich von einer konservativen Korrespondenz aufschwatzen, die völkerrechtliche Seite der Frage in betreff unserer Genossin Rosa Luxemburg sei erledigt, da nach russischem Recht die Staatsangehörigkeit einer Russin durch Verheiratung mit einem Deutschen nicht verloren gehe, Genossin Luxemburg sei also Russin geblieben. Die Behauptung des russenfreundlichen BlatteS ist falsch und völlig unerheblich. Eine Russin verliert durch ihre Heirat die russische StaatSzugehörigkeit. Aber selbst wenn man russischen Staatsrechtsgelehrten vom Schlage des unbewußt selbst Gesetzestexte fälschenden Generalkonsuls in Königsberg und seiner Geistes- verwandten um Oertel die entgegengesetzte, falsche Ansicht konzedieren I wollte, so verbleibt der durch Heirat kraft Ge- setzeS Deutsche gewordenen Russin die deutsche Staatsangehörigkeit unter allen Umständen. Die „Deutsche Tageszeitung" und ihre Gesinnungsgenossen scheuen auch jetzt nicht davor zurück, unsere Genossin mit Flegeleien zu überschütten. Diese Gcsinnungsroheit überrascht uns nicht. Die„Deutsche Tageszeitung" hat bislang noch kein Wort des AbschcuS über die kosakischen Bestialitäten ge- funden, die die heldenmütige junge Spiridonowa peinigten, marterten, schändeten und mit Syphilis infizierten. Die feige Angeiferung von dieser Sorte Menschen ehrt die Angegriffene. Die Hetze, die die„Konservative Korrespondenz" und ihr Gesinmmgs- geschmeiß gegen unsere unerschrockene Kampfgenosstn treibt, kann nur den einen Zweck haben, die russischen Behörden aufzufordern, die Genossin Luxemburg, gegen die bislang von russischer Seite Anklage nicht erhoben ist, völkerrechtswidrig zu behandeln. Reicht der konservative Einfluß so weit, die russische Regierung zum Völkerrechtsbruch zu veranlassen, so würde eine Intervention Pflicht der deutschen Regierung sein.-- Die Rcichstagsersatzwahl im S. hannoverschen Wahlkreise für unseren verstorbeuen Genossen Meister ist, wie der „Franks. Ztg." aus Hannover gemeldet wird, für Mitte Juni in Aussicht genommen. Außer deu Nationalliberalen und Weifen ivollen auch die Mittclstandsvcreinler einen Zählkandidaten auf- stellen. Unserer Partei ist das Mandat so gut wie sicher.— Südwcstafrikanische Verluste. Ein Telegramm aus Wind hu k meldet: Unteroffizier Franz Zawadzinski, geboren am 2. 4. 83 zu Osche, am ö. April d. I. im Feldlazarett Lüderitzbncht an Typhus und Bauchfellentzündung g e st o r b e n. Gefreiter Max H a m p e l, geboren am 11. ll. 83 zu Pogorzelletz, am b. April dieses Jahres bei Mababis leicht verwundet; Streifschuß rechten Oberschenkel. KlusiancU Ungarn. Edle Borsätze. Am Mittivoch hielt der Ministerpräsident Dr. Weierle in der Versammlung der koalierten Parteien eine Programmrede, in welcher er darlegte, daß die große Verfassungskrisis Männer verschiedener Parteirichtung gezwungen habe, ein Kabinett zu bilden, um den konstitutionellen Notstand zu beendigen. Die Regierung werde vom Abgeordnetenhause Indemnität für die ohne verfassungsmäßige Bewilligung gemachten Ausgaben erbitten; sie werde auch jene Teilbeträge der Militärkredite verlangen, welche in den Voranschlag für 1905 und 1906 eingestellt, aber nicht votiert worden seien. Die Regierung habe sich nicht verpflichtet, die Erhöhung des Rekrutenkontingents zu verlangen; es werde nur das normale Kontingent beansprucht. Die Handelsverträge, die durch Verordnung in Kraft gesetzt worden seien, würden dem Par- lamente zur verfassungsmäßlgen Genehmigung unterbreitet lverden. Das vorbereitete Zoll- und Handelsverhältnis mit Oesterreich werde, wie dieS selbständiger Staaten würdig, in der Form eines Handelsvertrages, nicht in der Form eines Handelsbiindnisses ab- geschlossen werden. Die Regierung werde die Wahlreform einführen und hierauf den Reichstag auflösen. Nach den auf Grund der Wahl» reforin vorgenommenen Wahlen werde die Regierung demissionieren. Hierauf drückte Franz Kossuth dem Ministerpräsidenten den Dank für die Mitteilungen aus, die mit lebhafter Zustimmung seitens der Mitglieder der koalierte» Parteien aufgenommen wurden.•— Italien. • Kammerferien. Rom, 9. April.(Eig. Ber.) Das italienische Parlament gönnt sich»ach kaum cinmonatlicher Arbeit vier Wochen Ferien. Da« Ministerium schickt die Abgeordneten nach Hause, ohne in irgend einer Form ein politisches Votum verlangt und erhalten zu haben. Von 11 Budgets ist nur eins, das der Innern, bewilligt worden, von den vielen Gesetzentwürfe» hat man den über die Ausnahme- maßregeln für Calabrien in aller Eile durchgehetzt, und auf diesen Lorbeeren wird nun das„Reformministeriuin" eine Zeitlang aus- ruhen. Dieses kümmerliche Ergebiiis erscheint erst in seinem vollen Glanz, wenn man sich vergegenwärtigt, daß in derselben Zeit das Ministerium sich nicht gescheut hat, die Exzesse der Soldaten in Scorrano und Muro gegen wehrlose Arbeiter in Schutz zu nehmen und die ziemlich harmlose Tagesordnung Turati für die Unter- stellung des Reptilienfonds unter parlamentarische Kontrolle zurück- zuweisen. So schneidet daS Kabinett Sonnino nach einmonatlicher Wirksamkeit ab.— Auch dem„ A V a n t i', der in einigen Teilen, besonders im Parlamentsbericht, sehr ministerfreundlich gefärbt ist, beginnt die heutige Situatton peinlich zu werden. In einem Redaktionsartikel schreibt er, daß man, um ein Beispiel der Lananuit zu geben, noch eine Zeitlang warten könne, aber dann bereit sein müsse, gegen das nur an Versprechungen fruchtbare Ministerium Stellung zu nehmen. Es dürste sich empfehlen, nicht allzulange mehr Langmut zu üben? die sehr leicht als etwas anderes gedeutet werden könnte.— Spanien. Einen sehr vernünftigen Borschlag macht das spanische Blatt „Heraldo". Es fordert die Abschaffung der Feier des 2. Rtoi. In, Jahre 1808 unter Napoleon l. lag französische Besatzung in Spanien« Hauptstadt. Am 2. Mai erhob sich die Bevölkerung von Madrid gegen die französische Garnison und diese? Ereignis wurde bis IVOS alljährlich feierlich begangen l ES wäre in der Tat eine Geschmacklosigkeit hohen GradeS, sollte jene Erinnerung an den Triumph über Frankreich jetzt noch weiter konserviert werden, da Spanien Frankreichs Verbündeter geworden ist. Selbst das spanische Armeeblatt„Correspondencia Militär" teilt die Ansicht, daß nach den letzten Ereignissen und zumal nach dem bekannten Verlauf der Marokko-Konfcrenz in Algeciras die Er- Haltung des Festes vom 2. Mai einen lächerlichen Anachronismus darstellen würde. Wann wird man in Deutschlands bürgerlichen und militärischen Kreisen auch nur halb so vernünftig über den lächerlichen Sedan- rummel zu denken gelernt haben?— Schweden. Die Maßnahmen gegen die anarchistische Agitation beim Militär. Wie gestern ein Telegramm meldete, hat die schwedische Re- gierung beschlossen, gegen die anarchistische Agitation in Heer und Flotte„energisch vorzugehen". Demgegenüber ist eine Aeußerung interessant, die kürzlich ein liberales Blatt,„Göteborgs Handels- tidning", brachte. Es schrieb, das beste Mittel gegen anarchistische Agitation in Heer und Flotte sei gute Behandlung und gute Für- sorge für die Truppen, vor allem aber eine Wahlrechtsreform, die den Mannschaften das Gefühl gibt, daß sie teilhaben an dem Vater- land, das zu verteidigen sie berufen sind! Wenn man auch die Maßnahmen der Regierung nicht billigen kann, so muß doch zugegeben werden, daß die anarchistisch-anti- militaristische Agitation sich auch in Schweden nicht frei hält von Uebertreibungen. So schreibt denn auch Hjalmar Branting in einem Leitartikel in„Social-Dcmokraten". daß jene Agitation gewisser- maßen im Widerspruch zu dem Programm der Sozialdemokratie stehe und sich teilweise sogar direkt gegen den Programmpunkt:„ein volkstümliches System der Landesverteidigung" wendet. Er macht zu einem Teil gerade diese Uebertreibungen dafür verantwortlich, daß eS der Reaktion nun, wie eS scheint, gelingen soll, einen Schlag gegen die antimilitaristische Propaganda ,m allgemeinen zu führen. Zur prinzipiellen Seite der Frage schreibt„Social- Demokraten" an anderer Stelle:„Der Versuch, Gedanken zu er- sticken, die hinter einer vielleicht verschrobenen Form Teile von Wahrheit enthalten, wird nicht glücken, sondern nur die Bitterkeit und die Gegensätze in der Gesellschaft verschärfen, also direkt den „Haßpredigern" in die Hände arbeiten, die man damit bekämpfen zu können glaubt."' Asien. Nach einem„Wolff"-Telegramm sind die Nachrichten über den gegen die Mandschudhnastie gerichteten Aufstand in Ho-nan stark übertrieben. Es sollen nur einige hundert Rebellen daran beteiligt gewesen sein, die jetzt zersprengt seien. Die Hankau�Pekiug- Eisenbahn ist nicht gefährdet. Amerika. Venezuela— kast/iert. Cipriano Castro, Präsident von Venezuela, soll für einige Zeit aus dem Vordergrunde der politischen Schaubühne zurück- getreten sein und die Präsidentschaft bis auf weiteres in die Hände des Vizepräsidenten Gomez gelegt haben.— In dem nach New Dork gelangten amtlichen Schreiben des venezolanischen Generalkonsuls heißt es: Castro wünsche sich nach den anstrengende« Arbeiten, die im letzten Jahre so erfolgreich gewesen seien, für einige Zeit ins Privatleben zurückzuziehen. Castros Rücktrittserklärung deute an, daß er, wenn sein zeitweiliges Fernbleiben von den Ge- schäften dem Lande Eintracht und Freundschaft bringen sollte, willens sei, seinen Rücktritt, wenn nötig, zu einem dauernden zu machen.— Der schlaue Fuchs überläßt es mit anderen Worten dem Kollegen Gomez, Venezuela über die Schwierigkeiten hinwegzu- bringen, in die er— Castro— daS Land verstrickt hat. Nun, da Frankreich schärfere Töne anschlägt, und auch die Vereinigten Staaten Miene machen, Herrn Castro strenger auf die Finger zu sehen, zieht er sich plötzlich„für einige Zeit" inS Privatleben zurück! Darüber, daß Castro sich nicht gutwillig für immer zurück- zieht, kann kaum ein Zweifel bestehen; hat er doch vor drei Jahren — Ende März 1903— in derselben Weise sogar bor dem Kongreß erklärt: er lege sein Amt nieder, und zwei Tage darauf übernahm er wieder„auf Wunsch des Kongresses" die Präsidentschaft! Wir müssen also wohl darauf gefaßt sein, den Biedermann bald wieder an der Spitze Venezuelas den Napoleon im verkleinerten Maßstabe mimen zu sehen.— Gewcrhrchaftlicbcs. Ein neuer christlich-Hirsch-Dunckerscher Schwindel. Ueber das sozialdemokratische Volks- haus in Köln verbeitei die Zentrums- und die Hirsch- Dunckersche Presse einen S ch w i n d e I a r i i k e l. Es wird darin behauptet, die Lieferung der Betten für das Volkshaus sei dem Kölner Warenhause Leonhard Tietz als dem mindest- fordernden Unternehnier übertragen worden, obwohl die Firma den Tarif des Tapeziererverbandes nicht einhielte und keine organisierten Arbeiter beschäftige. Sozialdemokratische Tapezierermeister sowie Firmen, die tarifmäßige Löhne zahl- ten, seien nicht berücksichtigt worden. Infolge des niedrigen Preises habe die Firma Tietz den in ihrer eigenen Werk- statte beschäftigten Polsterern noch erhebliche Abzüge gemacht, diese aber wieder zurückgenommen. Trotz der Schwierig- leiten sei es gelungen, einige der bei Tietz beschäftigten Tapezierer der Organisation zuzuführen. Die Firma, die dies erfuhr, habe darauf diese Leute entlassen.� Weiter wird be- hauptet, eine„Kölner Parteigrötze" habe in einer Versamm- lung mitgeteilt, der Vertreter der Firma habe erklärt, der Volkshauskommission ausdrücklich gesagt zu haben, daß bei den niedrigen Preisen die tarifmäßigen Löhne nicht gezahlt werden könnten. Die Volkshauskommission soll sich dainit entschuldigt haben, daß die Vergebung von Arbeiten geschäfts- mäßig behandelt werden müsse. Dazu wird uns aus Köln geschrieben: A l l e d i e s e Angab en sind unwahr; sie sind teils verdreht, teils erfunden. Die Volkshauskommission bedarf keiner„Ent- schuldigung", denn sie hat in allen Punkten korrekt und gemäß den gewerkschaftlichen Grundsätzen gehandelt. Es ist unwahr, daß der Firma Tietz die Arbeit übertragen worden sei, weil sie die niedrigsten Preise gefordert habe; denn die Firma hat nicht die niedrigsten Preise gefordert. Vielmehr geschah die Uebertragung, nachdem die als Gutachter herangezogenen Sachverständigen die Probestücke der Firma Tietz als die besten bezeichneten, ohne daß sie den Namen der Lieferanten und den geforderten Preis kannten. Daß die anderen Be- Werber die Lieferung nicht erhielten, lag lediglich an der schlechten Qualität und Ausführung ihrer Probearbeiten. Es ist darum eine elende Verleumdung, wenn der Hirsch- Dunkersche„Gewerkverein" es so hinstellt, als habe man in Köln„an den Arbeitern Verrat geübt", weil die Firma Tietz auf einer Sammelliste für das Volkshaus 200 M. gezeichnet hat. Unwahr und in der erwähnten Versammlung richtig gestellt worden ist, daß der Vertreter der Firma Tietz erklärt habe, wegen der vorgesehenen Preise Abzüge an den Löhnen machen zu müssen. Die Firma hat lediglich wie alle Bewerber gesagt, daß sie die äußersten Preise gemacht habe. Der Preis ist so, wie er gefordert wurde, bewilligt worden, und die Volkshauskommission hat sich vergewissert, daß die Firma die tariflichen Löhne zahlte. Auch die Angaben bezüglich der Organisationszugehörigkeit der Tietzschen Tapezierer sind falsch. Die in Betracht kom- Menden beiden Gehlllfen waren schon längere Zeit organisiert; einer war sogar bei Tietz Werkstattvertrauensmann des Ver- bandes. Das von den klerikalen und Hirsch-Dunckerschen Ver» leumdern errichtete Schwindclgebaude fällt also in sich zu- sammcn, und das Kölner Volkshaus steht makellos da. SeHln und tlmgesend. Die Zunftmeister der Schlosserinnung und„ihre" Gesellen. Ein mehr wie eigentümliches Verhalten legen die Zünstler be» SchloffergewerbcS be» dem gegenwärtigen partiellen Streik nebst „Aussperrung" der Schloffereiarbeiter an den Tag. Es ist gewisser- maßen eine Mischung von mittelalterlich verzopftem und kühnemänn« lich modernisierten» Geist, der aus den ebenso törichten wie un» gesetzlichen Maßnahmen der Innung spricht. Ihr Aerger über den Streik und die mißlungene Aussperrung verleitet die Innung?» foxe jetzt zu Uebergriffen, lvie man sie selbst bei einer so rückständigen Kategorie von Arbeitgebern, als welche sich die Berliner Schloffer- meister schon immer präsentiert haben, kaum erwarten sollte. Hier einige Dokumente, die von der Art ihres Vorgehens gegen die Ge- sellen beredtes Zeugnis ablegen. Zimächst em Entlassung s- schein, wie er vom Jnnungsvorstand gegenwärtig„vorgeschriebe»»" ist ul»d zur Ausgabe gelangt. Er lautet: Der Schloffer(Raine) auS(Geburtsort) hat seit(Datum) bei mir gearbeitet und ist heute ordnungsmäßig abgegangen. Er mußte wegen Streiks entlassen werden. Die Erkenntnis, daß solch ein Wisch ungesetzlich ist, wird den ehrsainen Zünftlern wohl erst durch daS Gewerbcgericht bei- gebracht werde»» müssen. Aber die Herren verlangen von ihren Gesellen noch ein übriges. Sie legen ihnen ganz nach der Manier der Metallwarenfabrikanten folgenden R e v e r s zur Anerkennung vor: Ich Versichere durch meine Unterschrift aus Ehrenwort, baß ich keiner Arbeitnehmerorganisation angehöre, die bei Streiks, Aussperrungen und dergleichen ihren Mitgliedern Gelder zahlt. Ich verpflichte mich, sobald ich einer solchen, während ich hier beschäftigt hin, beitrete, dieses sofort zu melden. Name: Kontrollnummer. Hirsch-Dunckersche und„christliche" Organisationen zahlen ihren Mitgliedern bei Streiks und Aussperrungen zuweilen ja auch Gelder. doch diese Arbeitnehmerorganisalionen werden von den Meistern laut Ratschlag des bekannten Generalsekretärs Nasse als„ungefährlich betrachtet. Man möchte nur den verhaßten Metallarbeiter� verband aus den Werlsmtten los werden. Wohl verstanden: Man möchte.—— Weiter. An die Streikenden, die Akkordarbeit hatten, ist folgendes Schreiben geschickt worden: Hierdurch fordere ich Sie auf, Ihre liegengelassene Akkord- arbeit morgen früh wieder aufzunehmen und zu beendigen. Falls dies nicht geschieht, lasse ich dieselbe auf Ihre Kosten anderweitig fertigstellen und werden Sie alsdann mit Schluß der Woche be der Krankenkasse abgemeldet. Das Werkzeug ist bei Empfang- nähme der Bücher abzuliefern. Unterschrift der Firma. Die Streikenden werden sich um diese freundliche Aufforderung ebensowenig kümmern, als wie die Meister ihr Gewissen beschwert fühlen, wenn sie die Arbeiter vor Fertigstellung eines Akkords aussperren.__ Der Malerstreik beendet. Mit dein Ergebnis der Verhandlungen vor dem Eiuigungsamt beschäftigte sich gestern eine vollzählig besuchte Versammlung der streikenden Maler und Anstreicher in der„Neuen Welt". Die Ver- sammlung hatte Beschluß darüber zu fassen, ob sie die auf dem Einigungsamt zwischen ihren Vertretern und der Meisterkommission getroffenen Vereinbarungen betreffend den Minimallohn und die Tarifdauer anerkennen wolle oder nicht. Geeinigt hatten sich die beiden Kommissionen bekanntlich auf einen Minimal-Stundenlohn von 65 Pf. für Maler und 60 Pf. für Anstreicher. In dem alten Tarif betrugen diese Sätze nur 55 und 5(i Pf. Die Arbeitgeber be- harrten jedoch darauf, den jetzt zugestandenen Mindcstlohn nur unter der Voraussetzung festzulegen, wenn der neue Tarifvertrag bis zum 31. Dezember 1968, also für die Tauer von 2% Jahren, abgeschlossen würde. Bon der Organisationsleitung wurde der Versammlung die Annahme dieser beiden grundlegenden Punkte empfohlen. Es sei damit zwar nicht alles erreicht, was anfänglich gefordert wurde, immerhin könne das Lohnzugeständnis der Meister als ein leidlich achtenswerter Erfolg des Streiks betrachtet werden. Ob es nun aber angesichts dieses Ergebnisses der Einigungsverhandlungen klug und zweckmäßig sei, wenn sich die Arbeiter jetzt unter allen Um- ständen auf eine� nur zweijährige Vertragsdauer versteifen würden, das müsse fraglich erscheinen. Wegen der strittigen% Jahr den Streik eventuell noch wochenlang weiterzuführen, sei schon aus taktischen Gründen nicht zu empfehlen. Deswegen könne die Ver- bandsleitung mit gutem Gewissen die Annahme jener beiden Kardinalpunkte befürworten. Die Regelung der übrigen mehr nebensächlichen Fragen werde dann am Sonnabend ebenfalls vor dem Einigungsamt erfolgen, so daß dem definitiven Abschluß des Tarifvertrages dann nichts mehr im Wege stehe. Gegen die Ausführungen der Organisationsleitung erhob sich eine starke Opposition, die sich besonders gegen die lange Vertrags- dauer richtete. Bei der Abstimmung wurden jedoch die vor dem Einigungsamt stipulierten Vereinbarungen angenommen, wenn auch gegen eine starke Minorität. Damit hat der Streik der Maler und Anstreicher gleichzeitig sein Ende erreicht. Am Sonnabend dürfte der offizielle Abschluß des Tarifvertrages erfolgen, worauf nach dem Ostorkeste die Arbeit wieder aufgenommen wird. Tie„Arbeiterfreundlichkeit" der Firma Jandorf. Während die Warenhäuser Tietz und Wertheim in ihren Filialen längst den A ch t u h r- L a d e n s ch l u ß eingeführt haben, hält das Warenhaus I a n d o r f seine sämtlichen Verkaufsräume noch immer bis 9 Uhr abends geöffnet. Für die Angestellten der Firma ist dies um so unangenehmer, als sie für die Stunde Mehrarbeit um keinen Deut besser entlohnt werden wie das Personal der beiden anderen Großfirmen. Dieser Umstand veranlaßte nun die Zentral- organisation der Handlungsgehülfen, der Transportarbeiter und der Maschinisten, bei der Firma Jandorf ebenfalls wegen Einführung des Achtuhr-Ladenschlusses vorstellig zu werden. Die Antwort war eine ablehnende. Vom dem Chef wurde ausgeführt, daß er zivar die Absicht gehabt habe, die Geschäftsräume um 8 Uhr zu schließen, jedoch habe er sich eines anderen besonnen, weil der Ein- nahmeausfall zu groß sei. Er sorge stets freiwillig für das Wohl der Angestellten und werde auch erwägen, inwieweit während der Sommermonate Erleichterungen für sie geschaffen werden könnten. Als die Kommission hierauf zu wissen wünschte, worin die„Er- leichterungen" denn bestehen sollten, erteilte der humane Firmcnchef einen schriftlichen Bescheid, in lvelchem es folgendermaßen heißt: „Es dürfte eine Erklärung hierüber wohl nicht mehr nötig sein, denn nachdem wir durch Sie erfahren haben, daß unter unserem Personal eine Gärung herrsche, daß dieses den Achtuhr- Ladenschluß fordere, ja daß sogar unser Personal gewillt ist, sei es selbst oder durch die Zentralverbände, Zivangsmitlel gegen uns anzulvenden, sehen wir uns leider zu irgend welchen/ Zu- geständnissen nicht mehr veranlaßt. Wir sind überzeugt, daß Sie unserem Standpunkt als Arbeit- geber soweit Gerechtigkeit widerfahren lassen werden, daß wir ein begründetes Recht haben, uns Einrichtungen, zumal solche, welche unseren Betrieb erheblich beeinträchtigen, von unserem Personal nicht abtrotzen zu lassen." Mit diesem Bescheid befaßte sich dieser Tage eine Versanunlung der Angestellten der Firma Jandorf. Nachdem die Referent«», Fräulein Krauß. das Verhalten der Firma gebührend charakteri- siert hatte, beschloß die Versammlung einstimmig, der Oesfent- lichkeit von der Antwort des Chefs Kenntnis zu geben und zu geeigneter Zeit die entsprechenden Maßnahmen zur Durchführung der von der Firma so überaus schroff abgelehnten Forderung zu treffen._ Die Barbiergchülfen haben nun für ihre diesjährige Lohn- bewegung die Forderungen aufgestellt. Sie fordern ohne Kost und Logis wöchentlich 20 M., bei halber Kost ohne Logis 15 M. Gewiß bescheidene Forderungen. Außerdem sollen auch die Tarife für die sog.„Aushülfen" festgelegt werden. Weiter wird für den Sommer eine 13stündige, für den Winter eine 12>/zstündige Maximal-Arbeits- zeit verlangt. Die Arbeitgeber wollen die bisherigen Lohnsätze noch verschlechtern und statt 12 M. 10 M. Wochenlohn zahlen. Originell ist auch ihre Auslegung des vorjährigen Tarifes. Damals wurde u. a. gefordert, daß die in den Läden befindlichen Schlafftellen be- seitigt würden. Die Meister erkannten diese Forderung als berechtigt an und verlegten die Schlafstellen aus den Läden in den— Korridorl— Nach diesen Erfahrungen fordern die Gehülfen jetzt die gänzliche Beseitigung des LogiSzwanges. Außerdem verlangen sie gänzliche Arbeitsruhe an den zweiten Fest- tagen der drei großen Feste. Erster deutscher Korrektorentag. Am ersten Osterfeiertag, früh um 0 Uhr, wird im Hinteren Saale der„Neuen Welt", Hafcnheide. zum erstenmal ein Delegicrtentag der deutschen Korrektorenvereine zusammentreten. Trotz der vielseitigen Kenntnisse, trotz des großen Maßes von allgemeinem Wissen, das von den Korrektoren verlangt wird, lassen die Lohn- und Arbeitsverhältnisse dieser geistigen Ar- beiter meist noch schr viel zu wünschen übrig. Um bei dem Hasten und Jagen des modernen Druckerei- und Zeitungsbetriebes mög- lichst alle Fehler zu vermeiden, müssen die Korrektoren ihre Augen und Nerven in ganz unverhältnismäßiger Weise strapazieren und trotzdem haben sie noch unter einem siandalösen Ucberstundenunwescn -u leiden. Zur Wahrnehmung ihrer Interessen wurde die erste Organisation im Jahre 1893 gegründet, die Gesellschaft Berliner Korrektoren, die aber eine größere Bedeutung nicht erlangen konnte. Sie wurde 1904 aufgelöst, um auf breiterer Grundlage den Verein Berliner Korrektoren zu konstituieren. Dieser setzte eine Zentral- kommission ein, die ihre Agitation auf das ganze Deutsche Reich ausdehnte. Unter Mithülfe des Buchdruckerverbandes wurden dann auch in einer ganzen Reihe von Städten Korrettorenvercine ge gründet, in anderen schlössen sich kleinere Gruppen oder Einzelmit- glieder der Zentralkommission an. Um nun über die Wahrnehmung der speziellen Interessen der Korreftoren bei der diesjährigen Rem sion des Buchdruckertarifes zu beraten, werden zu Ostern Delegierte aus Breslau, Chemnitz, Danzig, Dresden, Düsseldorf, Essen, Hain- bürg, Hannover, Kiel, Leipzig, Magdeburg, Mannheim, München, Naumburg. Stuttgart und anderen Städten, sowie auch der Obmann des österreichischen Korrektorenvereins aus Wien hier in Berlin zu- sammcntreffen. Oeutkehee RclA. Zum Ausstand der Bergarbeiter Mitteldeutschlands. Zeitz. 11. April.(Eig. Ber.) Die bürgerliche Presse wird nicht müde, die Zahl der Streikenden immer geringer werden zu lassen. Wenn es mit dieser Art Bericht- erstattung weiter geht, dann dürfte es nicht mehr lange dauern und von Streikenden ist überhaupt nicht mehr die Rede. Nun ist das Geseires doch zu durchsichtig, um auf die Streikenden irgend welchen Einfluß zu haben. Diese halten nach wie vor an ihren Forderungen fest und werden auch dafür sorgen, daß der Streik nicht nutzlos für sie ablaufen wird. Diese Hoffnung faßt unter den Streikenden immer festere Wurzel, umsomchr als die Zahl der Streikende» bis aus das Bornacr Revier nicht ab- sondern zu- nimmt und zwar in sämtlichen übrigen Streikbezirken. Und das trotz des Verrates der Hirsche. Die Arbeiter im Hirsch-Dunckcrschen Gcwerkvercin haben sich zürnt größten Teil nicht irre machen lassen. Ueberslehen die Streikenden die Feiertage, das heißt finden sich an- läßlich der Feiertage keine Streikbrecher, dann geraten die Gruben- besitzer in eine Kalamität, die wohl eine Beendigung des Streiks zugunsten der Ausständigen recht bald in Aussicht stellt. Die treikenden lverden ihrerseits erneut die Verhandlungen aufiiehmen und hängt es dann von den Grubenbesitzern ab, ob es um Frieden kommt oder ob der Kampf weiter anhalten wird. etzt, wo die Herren einsehen lernen müssen, daß es den Streikenden bitter ernst ist mit der Erringung ihrer billigen Forderungen, iollte man auf Nachgiebigkeit der Werksbesitzer rechnen. Geht der Streik aber weiter, werden schärfere Maßregeln seitens der Streikenden wie der Streikleitung ergriffen werden. Ferner treten die Streikenden auch mit den einzelnen Knappschastsvereinen behufs Regelung der Kassenbeiftäge in Verbindung. Morgen, den 12., geht die zweite Auszahlung der Streikgelder vor sich und werden auch die streikenden Gewerkvereinler, soweit sie in den Verband über- getreten sind, ihre Unterstützung erhalten. Von der Verbandsleitung iveilen zurzeit P o k o r n y und Tuczinski im hiesigen Revier und sollen weitere Kräfte zur Führung des Streiks mit herangezogen werden._ Der Seemannsstreik. Die bürgerliche Presse zählt täglich die Zahl der Schiffe auf, >ie den Hamburger Hafen trotz des Streiks verlassen. Sie ver- chweigt dabei, daß es sich in der Hauptsache um Schiffe mit anderen Heimatshäfen handelt, die ihre Mannschaft nicht in Hamburg anheuern, sondern an Bord haben. Die Hamburger Schiffe selbst verlassen den Hafen mit einer Besatzung, welche für ihre Bedienung völlig unzureichend ist. Der Dampfer„Andros" hat eine Leute in Cuxhaven kompletttert. Als dort nichts mehr zu„machen" war, verließ der Dampfer„Albinos" Cuxhaven und ging zwecks Ver- vollständigung der Besatzung nach Genua. Die„Batavia"(Amerika- Linie) hat, als in Cuxhaven keine Streikbrecher aufzutreiben waren, äeben Zwischendeckspassagiere als„Heizer" angemustert. Von dem norwegischen Agenten der Amerika-Linie sind unter der Vorspiegelung, der Streik in Hamburg sei beendet, wobei der Herr ein Telegrammformular vorzeigte, 40 norwegische Seeleute für die Amerika-Linie angemustert worden. Die so düpierten Leute wurden nach Hamburg expediert, wo neunzehn Mann sich sofort den Streikenden anschlössen. In Helsinfors(Finnland) sind unter mili- tärischer Bedeckung Seeleute von dem Dampfer„Baltic" auf den Hamburger Dampfer„Poseidon" überfiihrt worden, obwohl die Leute gegen die Gewaltmaßnahmen Protest ein- legten. Diese brutale Vergewaltigung deutscher See- leute rief einen wahren Entrüstungssturm hervor.— Der Norddeutsche Lloyd nimmt. gewitzigt durch Erfahrungen einen anderen Standpunkt ein, als die Bremer und Hamburger Reeder, denn er hat sich direkt an den See- mannsverband gewandt zwecks Einreichung eines Lohn- und Arbeitstarifs. Gleich den Seeleuten, die feste Tarife erstreben, hält der Lloyd den korperativen Tarifabschluß für allein zweckmäßig. — Die streitenden Seeleute beschlossen, den Streik energisch fortzu- ühren. Ein Antrag, den Generalstreik zu proklamieren, fand unter Hinweis auf die für die Ostseehäfen tu Kraft befindlichen Tarifabschlüsse keine Gegenliebe.— Dem Vorsitzenden des Seemannsver- bandes, Paul Müller, mit dem die Reeder nicht verhandeln zu können glauben, wurde nach wie vor ein Vertrauensvotum erteilt.— HusUncL Tie Pariser Postbeamten befinden sich im Streit. Sie fordern Anerkennung des Koalitions- rechtes und einen Lohn von 5 Frank pro Tag. Auch die Telephon- damen bereiten Forderungen vor, denen sie eventuell durch einen Ausstand Geltung verschaffen wollen. Die Streikenden fordern durch Maueranschläge die Bevölkerung zur Solidarität auf und haben einen regelrechten Streikpostendienst eingerichtet. Die radikalen und so- i ialistischen Blätter treten mit Entschiedenheit für die Forderung der lZostbediensteten ein. Die konservativen Blätter erklären natürlich, der Ausstand zeige am deutlichsten, daß man den Postbediemteten unter keinen Umständen das Recht zur Syndikatsbildung bewilligen dürfe. Die Postbedienstetcn in den Provinzstädten, besonders Marseille und St. Etienne, richteten an ihre ausständigen Kameraden in Paris Sympathiekundgebungen. Versammlungen. Das Pflegepersonal der städtischen Kranken- und Irrenhäuser war am Dienstag in Dräsels Saal versammelt, um gegen die Nichtberücksichtigung seiner Forderungen im diesjährigen Stadtetat zu protestieren. Stadtverordneter Genosse Antrick stellte in seinem Referat fest, daß nur einem Teil des„niederen" Personals eine geringfügige Lohnerhöhung von 3 bis 5 Proz. gewährt worden sei. Für die Jrrenwärter sei aber gar nichts herausgesprungen. Höchst eigenartig sei der Magistrat bei der Festsetzung der Löhne für das Personal im Krankenhause am Friedrichshain verfahren. Hier cien die Anfangslöhne von 36 auf 30 M. monatlich reduziert worden. Freilich ist dann Steigerung des Höchstlohnes von 50 auf 54 M. eingetreten; jedoch macht die Stadt bei 6 M. Abzug und nur 4 M. Zulage eine Ersparnis von 2 M.! Offenbar hat der Magistrat auch gegen einen früheren Stadtverordnetenbcschluß verstoßen, wo- nach der M i n i m a l l o h n nicht unter 3.59 M. pro Tag bemessen werden soll. Unter Verrechnung von Kost und Bett erreicht von den Krankenwärtern aber nur der kleinste Teil den festgesetzten Minimallohn, die Mehrzahl bleibt darunter. Angesichts dieser ur die Hauptstadt Berlin einfach unwürdigen Löhne ist es denn auch kein Wunder, daß in allen Anstalten über eine große Fluk- tuation der Pfleger geklagt wird. Antrick teilte der Versamm- lung schließlich mit. daß der Magistrat sich bereit erklärt habe, noch im Laufe dieses Sommers eine Vorlage auszuarbeiten, die eine Neuregelung der Löhne des Pflegepersonals für das nächste Etats- ahr vorsieht.— In der Diskussion wurden aus allen Anstalten Beschwerden in Hülle und Fülle über die schlechte Beköstigung, ' schlechte Behandlung, überlange Arbeitszeit, Verweigerung bei! Ueberstundcnbezahlung, Urlaubsschikanen und Maßregelungen wegen Zugehörigkeit zur Organisation zur Sprache gebracht. Auch wurde erwähnt, daß im Krankenhause am Friedrichshain die Pfleger noch immer in den gesundheitsschädlichen Kellerwohnungen Hausen müssen, obwohl der Magistrat längst das Versprechen ge- geben hat, diese feuchten Löcher nicht mehr als Wohnräume be- nutzen zu lassen. Es gelangte schließlich einstimmig folgende Re- solution zur Annahme: „Die Versammlung bedauert lebhaft das Verhalten der städti- schen Behörden, daß in dem diesjährigen Etat keine Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse vorgesehen worden ist. Eine solche ist aber sowohl im Interesse des Personals wie auch der städtischen Anstalten selbst dringend geboten. Die außerordentliche Fluk- tuation, welche in allen Anstalten herrscht, erschwert nicht nur dem ständigen Personal das Arbeiten, sie kann auch nicht im Interesse der Anstalten liegen. Die Versammelten beauftragen daher die Vertrauensleute, unsere Forderungen aufs neue einer Revision zu unterziehen und diese baldmöglichst den zuständigen Deputationen zu unterbreiten. Die Forderung auf Errichtung einer Menage- kommission ist zu streichen, da die Kost trotz aller Kritik die gleich schlechte geblieben ist. Dafür sind Entschädigungen in Geld zu setzen. Die Versammelten bedauern ferner, daß ihre Eingaben an die städtischen Deputationen nicht einmal beantwortet werden; sie erwarten nunmehr, daß die städtischen Behörden baldigst zu den Forderungen Stellung nehmen werden und daß auch endlich den häufigen Maßregelungen des Personals wegen Zugehörigkeit zur Organisation ein Ende gemacht wird." Ter Konflikt zwischen den Krankenkassenangestellten und dem Vorstande der Ortsirankenkasse der Schneider ist beigelegt. Am Montag fand im Englischen Garten die Fortsetzung der am 3. April vertagten öffentlichen Versantmlung der Krankenkassenangestellten statt. Die Fortsetzung der Diskussion von der ersten Versammlung wurde von der Tagesordnung abgesetzt. Tarauf berichtete der Ver- bandsvorsitzende Giebel über die Einigungsverhandlungen mit dem Vorstande der Ortskrankenkasse der Schneider. Die Verhandlungen seien nach Ansicht des Redners zufriedenstellend ausgefallen. Es wurde vereinbart, die Beamten der aufgelösten Jnnungskranken- lasse der Schneider in der Reihenfolge ihres Dienstalters einzustellen mit einem Anfangsgehalt von 120 Mk. bei halbmonatlicher Kündi- gungsfrist. Bis jetzt seien 6 Kollegen eingestellt. Jedoch werden in nächster Zeit, wenn das Kassenlokal entsprechend erweitert ist. weitere folgen. Auf eine Anfrage des Verbandsvertreters Giebel erklärte der Vorstand schr entrüstet, keine tendenziösen Entlassungen vorzunehmen. Obgleich der Konflikt als erledigt betrachtet lverden könne, hätte man allen Grund, mißtrauisch gegen den Vorstand der Ortskrankenkasse der Sclineider zu sein. Auch die dort beschäftigten Beamten mögen aufmerksam sein. Aus diesem Konflikte müßten die Krankenkassenangestellten die Lehre ziehen, daß für sie der Verband eine unbedingte Notwendigkeit sei. Es genüge nicht, daß die Kranken- kassenangestellten nur in den Verbänden ihres früheren Berufes organisiert sind, sondern neben diesen müssen sie sicb dem„Verband der Verwaltungsbeamten der Krankenkassen und Berufsgenosscn- schaften" anschließen und für diesen arbeiten.— In der Diskussion bemerften einige Redner, daß der Ausgang des Konfliktes keinen glänzenden Erfolg darstelle. Giebel und K o h n betonten, daß nach Lage der Sache für die Beamten nicht mehr zu erreichen war. In einer Resolution bedauerte die Versammlung, daß die über- nommenen Beamten nur mit den Mindestgehältern angestellt werden sollen und richtet an den gegenwärtigen und zukünftigen Vorstand der Ortskrankenkasse der Schneider die dringende Auffordeung, diese kolossale Schädigung der übernommenen Beamten nach Möglichkeit zu beseitigen. Letzte Nachnchtcn und Dcpcfchen. Eine Schiessaffäre. Durch eine sehr unvorsichtige Schießerei aus einem Gehöft au der Pankower Allee in Reinickendorf wurden gestern abend mehrere Personen, die auf einem Felde am Grünen Wege arbeiteten, er- heblich verletzt. Dem ungefähr 45 Jahre alten Pantoffelmacher M e iw e r t durchschlug eine Kugel die Schulter, sein etwa 11 Jahre alter Sohn wurde durch eine Kugel, die den Unterleib traf, schwer verletzt. Eine dritte Kugel traf einen Herrn Lippke, prallte aber glücklicherweise an der Hosenträgerschnalle ab. Als den Verursachcr dieser Schietze'-i wurde ein Stratzenbahnbeamter durch die Polizei festgestellt. Ausspeprung in der Kvnfektionsbranche. Hamburg, 12. April.(W. T. 99.) Der Arbeitgeberverband der Hamburger Tamenkonfektionsindustrie hat den Beschluß gefaßt, allen bei Mitgliedern des Verbandes beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen zum 18. April zu kündigen. Tie Kündigung soll un- wirksam sein, falls bis zum 18. April in allen Werkstätten die Arbeit gleichmäßig wieder aufgenommen wird, andernfalls soll Aus- sperrung vorläufig auf zwei Wochen erfolgen. Ter Streik der Seeleute. Altona, 12. April.(W. T. B.) Heute abend fand wieder eine stark besuchte Versammlung der ausständigen Seeleute aus Ham- bürg und Altona statt. Der Vorsitzende des Scemannsverbandes, Paul Müller, teilte am Schluß seines Referates mift daß die Streikleitung im Interesse des Friedens erwogen habe, dem Verein der Hamburger Reeder morgen den Vorschlag zu unterbreiten, daß die Ausständigen bereit feie», unter Ausscheidung der Person Müllers eine ans drei Mitgliedern des Vorstandes und drei be- fahrenen Leuten(1 Matrose. 1 Bootsmann und 1 Heizer) bestehende Kommission zu VerKandlungen mit den Reedern zu ernennen. Die Veersammlung nahm den Vorschlag einstimmig an. Die nächste Veresammlung soll am Sonnabend stattfinden. Der Vesuv. Neapel. 12. April.(W. T. B.) In Portici und San Giovanni Teduccio dauert der dichte Aschenregen an. Eine große Menge Ar- beiter und Soldaten sind damit beschäftigt, die Aschenmaffen von den Häusern und Straßen wegzuräumen. Ter Verkehr der Straßen. bahnen ist teilweise wiederhergestellt. In Torre del Greco ist die Lage unverändert. Die Behörden in Resina sandten durch Vesuv- fremdenführer Lebensmittel an den Direttor des Vesuvobser- vatoriums. Die zweite Abteilung des französischen Mittelmecr- geschwaders ist hier eingetroffen. Der Admiral hat der Präfeftur Hülse bei den Rettungswerken angeboten. Verhaftung eines revolutionäre» Komitees. Moskau, 12. April.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Tie Polizei verhaftete heute das Bezirkökomitee der sozialdemokratischen Partei und belegte eine sozi-lrevoluti-näre Druckerei mit Beschlag. Krieg im Frieden. Sofia, 12. April.(W. T. 93.) Eine amtliche bisher nicht be- stätigte Blättermeldung besagt, vorgestern sei es infolge UebertrittS türkischer Soldaten auf bulgarisches Gebiet zu einem neuen Grenz. zwischenfall gekommen, bei dem von einem bulgarischen Posten drej türkische Soldaten efschossen und einige verwundet worden seien. Organyarion IM tfayte j-oov uw. V2/C.icu|ujii|i vtiuntc o.» � iv*/*vv�*v �vivuicti unu—----------- KexaM. Redakteure Hans Weher« Berkill. Inseratenteil verawtlp.l IJi. GUcke« Berlm. Druck u. Berlag: Borwär» Buchdr. u. LerlagSanMt Daul Singer LeCo,. Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.vuterhaltungstlatt .87. 23. 1. SnlM des Jarwtls" ßfrlintt lolMatl Irdtag, 13. April 1906. Mordprozeß gegen sechs rusßsch-plümsche Laudardeiter. (Schluß.) Stendal, 12. April. Aus dem Plaidoyer des Ersten Staatsanwalts ist noch nachzutragen, datz er nur bei Valentin Tyczynski, dem jüngeren Bruder des Hauptangeklagten eine Mitschuld nicht für erwiesen hielt. Die Plaidohers der sechs Verteidiger(Nachtigall, KrichelS- darf, Astmann, Lipke. Justizrat Staude und Schubert) dehnten sich bis in die Nachtstunden hinaus. In einer Replik bemerkte Erster Staatsanwalt Nonnenberg gegenüber den Darlegungen der Verteidiger der der Begünstigung Angeklagten, daß man Zweck und Ziel ihres Verschwcigens aus- einanderhalten müsse. Veranlaßt möge lhr Schweigen in erster Reihe wohl durch die Furcht vor den beiden Hauptangeklagten gewesen sein. Das Ziel ihres Leugnens war es aber, ihre Stammes- genossen der Strafe zu entziehen. Bekannt sei es ja, wie die Polen nn Auslande zusammenhalten; sie bilden förmlich eine Koterie. Da aber ihre Handlungsweise an sich keine unehrenhafte sei, habe er nichls gegen eine geringfügige Strafe. Sie ganz straflos zu lassen, sei aber gefährlich. Das letzte Wort der Angeklagten. «ngekl. Franz Tyczynski erklärt unter Weinen und Jammern, daß er unschuldig sei. Angekl. K o w a l c z y k:„Ich bin unschuldig. Mag geschehen, was wolle, ich bleibe dabei, daß ich es nicht gewesen bin". Die beiden anderen Angeklagten haben ihren bis- herigcn Aussagen nichts hinzuzufiigen. Die Geschworenen zogen sich um 1 Uhr nachts zur Beratung zurück. Der in der dritten Morgenstunde verkündete Spruch der Geschworenen sprach den Angeklagten Franz Tyczynski schuldig des Mordes und des fünffachen Mordversuches, den Angeklagten Joseph Kowalczyt schuldig der Beihnlfc zum Mord und Mordversuch, den Angeklagten Valentin Tyczynski nichtschuldig, dieAn geklagten Kwasniewski, Zasinaund An- drusiak schuldig der Begünstigung. Strafauttag. Erster Staatsanwalt beantragt gegen Franz Tyczynski Todesstrafe und 15 Jahre Zuchthaus sowie Aberkennung der bürger lichc» Ehrenrechte, JosephKowalczyk ISJahreZuchthauS und Ehrverlust auf 10 Jahre. Valentin Tyczynski Freisprechung, Kwasniewski undZusina je SMonate Gefängnis, Andrusiak 6 Monate Gefängnis. Bei den drei letzten Angeklagten stellt der Staatsanwalt die Aw rechnung der Untersuchungshaft anHeim. Auf die Aufforderung des Vorsitzenden, jetzt doch ein Ge ständnis abzulegen, bleibt Franz Tyczynski weinend bei der Ber- sicherung, unschuldig zu sein. Auch Kowalczyk versichert seine Unschuld. Das Urteil. Der Gerichtshof verurteilte Franz TyczynSki wegen Mordes in einem Falle und Mordversuches in fünf Fällen zum Tode und 15 Jahre Zuchthaus sowie Verlust der bürger« lichen Ehrenrechte. � � Joseph Kowalczyk wegen Beihülfe zu 15 Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust.. K iv a s n i e w L k i zu sechs Monaten Gefängnis, Z a s, n a zu sechs Monaten Gefängnis und Andrusiak zu drei Monaten Gefängnis... �. Je drei Monate wurden Kwasniewski, Zasrna und A n d r u s i a k auf die Untersuchungshaft angerechnet. Valenttn Tyczynski wurde freigesprochen. Gegen Valentin Tyczynski und Andrusiak wurden die Haftbefehle aufgehoben. Franz TyczynSki und Kowalczyk wurden gefesselt abgeführt. Schluß 3 Uhr nachts. � *» Das Urteil selbst kann nach dem Verlauf der Verhandlungen nicht überraschen. Unaufgeklärt bleibt nach dem Gange der Ver- Handlungen, wie eS möglich war, daß trotz� des entsetzlichen Blut- bades an den Händen des venneintlichen Täters weder Blut- noch Waschspuren sichtbar waren. Die Möglichkeit mag aus den niedrigen Rauniverhältnissen der Wohnung der Aufscherfamilie zu erklären sein. Die positiven Bekundungen der Helene Sollwedel und des Dienstmädchens gegen die wegen Mordes Verurteilten fallen schwer in-s Gewicht, wiewohl eine'absolute Sicherheit eines Irrtums bei Rekognoszierungen nie ausgeschlossen ist. Belastend waren ferner eine nicht unerhebliche Reihe von Indizien. Dennoch mag der Schuld- spruch der Geschworenen wohl trotz der UnschuldSbetenernngen der Verurteilten das Richtige getroffen haben. Die Verhandlung hat em Bild einer unendlich tiefen Kultur- stufe der polnisch-ru, fischen Arbeiter abermals enthüllt. Leider ist über die soziale Lage der Angeklagten und der Aufieherfannlie außerordentlich wenig ans Tageslicht gezogen, wiewohl den An- geklagten Osfizialverteidiger beigegeben waren. Wir sehen ein halbes Dutzend Arbeiter, von denen kein einziger Geburtsort oder Geburtstag anzugeben vermochte. In jämmerlichsten Behausungen kampierten sie. zu mehreren ,n elnem Bett schlafend, nachdem sie von des Tages Frühe bis abends spat sich abgerackert hatten. Slls Lohn ist in jener Gegend kaum 1 Mark SV Pfennig für den erwachsenen männlichen Arbeiter, 1 Mark für die Frau Mich. Bei Akkordarbeiten, bei denen der Lohn nach der Größe des zu bearbeitenden Landes bemessen wird(zum Beispiel bei Rübe„ländereien) sind Streittgkeiten über die Größe des Landes liblich.' Und auch hier haben sie eine Rolle gespielt. Hervorgehoben sei, daß die bürgerliche Mehrheit noch kürzlich bei der Beratung der Maß- und Gcwlchtsordnung in der ReichStagskommisston sich gegen die Einziehung der Meßgeräte wendete und so zum mindesten dem Gefühl der Uebervorteilung Nahrung noch weiter gewährt. DieS Gefühl allein ist»ach den Verhandlungen alS M o t i v für den Mord anzusprechen, weim die Verurteilten die Täter waren. DaS— dem Bürgerlichen Gesetzbuch widersprechende— Straf- system. da« auch auf dem Rittergut Kläden herrschte, hat das Semige zur Erbitterung der Arbeiter beigetragen. Einer Frau, die einige Pflaumen an sich nimmt, wird vom Oberinspektor drei Mark Sttase, d. h. eine Fron von drei Tagen Arbeit auferlegt. UeberdieS soll sie geschlagen sein. Wenn über diese erbärmlichen Zustände die Arbeiter empört waren, so ist das meiischlich durchaus gerechtfertigt. Wcnn sie sich gegen vermeintliche Uebervorteilung hülflos sehen, so waren sie auch darin wieder im Recht. Die tatsächliche Rechtlosig- lcit des ausländischen Landarbeiters ist ja bekannt. Der An- geklagte saun nicht«»f Abhülfe, er sann auf Rache .»,d„ahn, sie in einer scheußlichen und feigen Weise an Menschen. die an seinem Unglück mcht schuld oder nicht die Hauptschuldigen waren. Die Hauptschuldigen sind die Stützen der herrschenden Ge- sellschaftSordnung. die Arbeiter auf einer so ttefen Kulturstufe stehen lassen und die so trauriae soziale Verhälwiffe für sie walten lassen. weil ihnen der unaufgeklärte, stupide, bedürfnislose, schlecht gclohiite. verdummte, vertierte Arbeiter als Ausbeutuiigsobjclt der liebste ist. Ueber 3VV OVO ausländische Arbeiter werden alljährlich aus de» in der Kultur am niedrigsten stehenden Gegenden nach Deutschland hereingezogen, um den nach Besserung ihrer Lage 1 strebenden deutschen Arbeitern als Schmutzkonkurreuten in den Rücken zu fallen. Diese infaine Ausbeutung des Elends trägt an der Tragödie in Kläden die Hauptschuld. Der Staatsanwalt meinte, Sie beiden des Mordes verdächtigen Arbeiter seien„Scheusäler, wie sie kaum schlimmer gedacht werden können". Darin irrt er. Schlimmer, weit schlimmer als diese Leute sind d i e Menschen, welche die Umstände so ge- staltet haben, daß den Bestraften die Entwickclung ihrer geistigen Fähigkeiten und die Möglichkeit zur Teilnahme an der Kultur ge- nommen war. Jene, die die Schulbildung unterbanden, jene, die Menschen zur Ausbeutung auch Deutschland lockten, jene, die die Arbeiter nicht als gleichberechtigt erachten und sie kulturell so stellen, daß sie nur leben, um zu arbeiten, aber keinen wahren Lebensgenuß haben können, jene, die es für vorteilhaft und ehrenwert halten, die menschliche Entwickelnng ihrer Mitbrüder zu hemmen, sie sind an den Zuständen, aus denen heraus das grauenhafte Verbrechen erwuchs, schuldig. Diese ustände unserer herrlichen Gegenioartsordnung haben das scheußliche «erbrechen gezeitigt. Der eigentliche Verbrecher ist die bestehende Ge- sellschaftSordnung. Das notwendige Produkt deS Unrechts unscrer Gesell- schaftsordnung war die Mordtat. Die Täter sind zu Vollziehern des Mordes durch die Ungerechtigkeit unserer Zustände geworden. Wer stir Aufrechterhaltung dieser Ungerechtigkeit, dieses Bestrebens ist, die Gleichberechtigung der Arbeiter zu bekämpfen, der klage sich, aber nicht die teider notwendigen Folgen der von ihm verherrlichten Zustände an._ einen Anspruch auf Gehalt und Unterhalt bis zur Dauer von sechs Wochen, wenn er durch unverschuldetes Unglück(z. B. Krankheit) an der Leistung der Dienste verhindert ist. Diese Bestimmung ist zwingender Natur. Stellt man sich aber selbst ans den Standpunkt einiger Gerichte, daß sie durch Vertrag abgeändert werden könne, 'o ersetzt� der UkaS nicht einen Vertrag. Zum Vcrtragsschluß ist die Uebereinstimmung beider Parteien erforderlich. Ein Anschlag ersetzt einen Vertrag nicht. UeberdieS ist das Dresdener Gesetzgcbungswerk 'o unklar� abgefaßt, daß unter Anwendung des Grundsatzes„im Zweifel ist gegen den wirtschaftlich Mächttgeren zu entscheiden, der von gesetzlichen Vorschriften abweichen will" aus der Lex Herzfeld nichts zuungunsten eines Handlungsgehülfcn hermisgelesen werden kann. Die Tatsache, daß solcher Ükäs erscheinen konnte, ist darauf zurückzuführen, daß noch gar so viele Handlungsgehülfen ihrer gewerkschaftlichen Organisatton, dem Zenttalverbande der Handlungs- gehülfen und Gehiilfinnen Deutschlands, fernstehen. Jius der Partei. Zum 1. Mai. In Dresden hat die Polizeidirektion dem Maikomitee auf eine Eingabe bekanntgegeben, daß sie gegen den geplanten Maffenspaziergang Einwendungen nicht erhebt. Es sind die im vorigen Jahre gestellten Bedingungen, nach denen der Ab marsch in losen Gruppen mit größeren Abständen erfolgen, Verkehrs störungen nicht stattfinden sollen und der Spaziergang nicht den Charakter einer Sttaßendenwnstration annimmt, auch diesmal an die Genehmigung geknüpft. In derselben Weise wird, wie wir schon mitteilten, die Mai demonstration in Leipzig stattfinden. Die„Leipz. Volkszeitung' bemerkt zu dieser halben Gestattung: Die„losen" Maifestzüge unterscheiden sich von eigentlichen Um zügen, wie sie patriotische Vereine veranstalten dürfen, etwa wie ein Armenbegräbnis von einem mit großem geistlichen und weltlichen Gepränge begangenes Begräbnis eines Mannes; dem das Glück auf dieser Welt gelacht hat. Gegen den früheren Zustand sind diese „losen" oder vielmehr gemeinsamen Spaziergänge aber immerhin etwas, lvenn man sich des Vorgehens der Dresdener Polizei gegen die Maifeier und der Maiseierprozesse erinnert. Die junge Garde. Der Mannheimer„Volksstimme" wird geschrieben: Die Organisation der arbeitenden Jugend macht hier in Süd deutschland sehr erfreuliche Fortschritte. Die Mannheimer Ortsgruppe zählt bereits 180 Mitglieder. Eine Versammlung in Neckarau am Samstag, 7. April, hatte den Erfolg, daß daselbst eine Zahlstelle von Mannheim gegründet wurde. 35 Genossen traten sofort der- selben bei. Auch die Vereine in Heidelberg, Handschuhsheim, Freudenheim, Leimen, Pforzheim und Freiburg sind im stetigen Wachstum begriffen. In Ludwigshafen a. Rh. wurde vor etiva 11 Tagen ein Ortsverein gegründet, der bereits über 10V Mtglieder zählt. Die Abonnentcnzahl der„Jungen Garde" wächst beständig. Genoffc August Dreesbach, dessen schwere Erkrankung vor kurzem gemeldet wurde, befindet sich erfreulicherweise auf dem Wege der Besserung und hat dieser Tage bei einem Freunde in Baden-Baden Wohnung nehmen können, wo er völlige Genesung zu finden hofft. Wir wünschen dem alten Kämpen, daß er bald wieder seine volle Arbeitsfähigkeit erlangen möge. polfeellict,«», OcrichtUtbee ukw. Ein Polizcistückchen aus Bayern. Der Landesvorstand der sozialdemokratischen Partei in Bayern hat vor kurzem ein Flugblatt herausgegeben, das im ganzen Lande zur Verteilung gelangte und in den, unter den. Hinweise auf die im nächsten Jahre stattfindenden LandtagSwahlen zur Erwerbung der Staatsangehörigkeit aufgefordert wurde. Die Verteilung ging fast überall glatt vonstatten, nur einzelne Polizeiorgane glaubten bei dieser Gelegenheit sich als staatserhaltende Elemente betättgen zu müssen. So auch ein Assessor des Bezirksamtes Ochsenfurt in Untersranken, der auf den grandiosen Einfall kam, die Verteilung der Flugblätter mit einer Steuer zu belegen, indem er sie von der Erwirkung eines Erlaubnisscheines abhangig machte, der zwei Mark kosten sollte. Die Bezahlung dieser Steuer wurde selbstverständlich verweigert, weil es zur Verteilung einer Erlaubnis überhaupt nicht bedarf und lediglich die üblichen zwei Pflichtexenchlare eingereicht werden müssen. Der strebsame junge Mann/ der in Ochsenfurt als Assessor versauern mutz, würde sich sehr gut als Gehülfe des ReichSsteuerfinderS Stengel eignen. Preßprozrffe. In Freiberg(Sachsen) wurde Genosse Fleiß ner-Dresden wegen Beleidigung eines Amtsblatts redakteurS zu 30 M. Geldstrafe verurteilt. Das Amtsblatt war wegen seiner schäbigen Haltung zum Wahlrechtskampfe der Arbeiter im„Volksfreund",'dem Kopsblatt der„Sächsischen Arbeiterzeitung", das Genosse Fleißner verantwortlich zeichnete, gehörig mitgenommen worden. Wegen Beleidigung deS Kauftnanns Benrhard Meyer in Leipzig, Verleger des Blattes„Nach Feierabend" wurde Genosie Paulich vom.. V o l kS b l a tt f ü r A n H a l t" zu IS M. Geld- strafe verurteilt. Die Praxis deS Herrn Meyer, der ein Blatt durch Versicherungsversprechungen einzuführen sucht, war in dem Artikel derb gekennzeichnet worden. Der beleidigte Polizeiiuspektor. Als am 25. Januar in einer Volksversammlung in Leipzig dem Genossen Stadthagen das Wort entzogen und die Versammlung kurz danach aufgelöst wurde, soll nach der Anzeige eines Kriminalschutzmanns der Handlungsgehülfe Friedrich, nachdem der Polizeiinspektor Förstenberg, der die Aus lösung verfügte, den Saal bereits verlassen hatte, ausgerufen haben: „So ein gottewiger Strolch, so ein Lump!" Der Polizeiiuspektor bezog das auf sich, und obgleich Friedrich vor dem Schöffengericht erklärte, � er habe einige Personen gemeint, die die Versammlung zu stören suchten, wurde er doch wegen Be- leidigung deS Beamten zu 10 Tagen Gefängnis verurteilt. 8o2iaUs. Der Unteruehmer als Gesetzgeber. „Unter Abänderung des§ 63 Handelsgesetzbuch wird dem Personal für die Dauer der Abwesenheit aus dem Geschäfte aus irgend welchem Grunde kein Salär bezahlt. Diesen Paragraphen werden wir dem Personal gegenüber in Anwendung bringen, welches durch mutwilliges Fernbleiben das Geschäft schädigt._ � Diese Verfügung tritt am 1. Mat in Kraft. Dresden, den 26. April 1905. HerrmannHerzfeld. Also lautet ein UkaS, durch den die Finna Herrn, ann Herzfeld am Altmarkt zu Dresden selbstherrlich das Handelsgesetzbuch ,n klassischem Unternehmerdeutsch abzuändern geruht haben. Der für die Anschauung so mancher Handelsgeschäste charakteristische Erlaß Seiner Herrlichkeit von HandclSgnaden ist natürlich ungültig. Nach§ 63H.-G.-B. behält der HandlungSgehülfe Wundrciben der Hand als Betriebsunfall. Der Hutmacher Schubert zu Altenburg hatte im Betriebe Hüte, die vorher mit Chemikalien schwarz' gefärbt und darauf gesteift worden waren, mittels einer Bürste gewaschen. Diese Arbeit voll- zieht sich so, daß der Hut bei der Behandlung mit der Bürste auf der linken Hand gedreht wird. Hierbei rieb sich S. die linke Hand wund. Es stellten sich Schmerzen ein, die in den nächsten 11 Tagen sich so verstärkten, daß S. die Arbeit niederlegte und sich ins Kranken- haus begab. Es wurde eine eiterige Fingerentzündung fest- gestellt. Da sich dann erwies, daß Sehnen und Knochen durch die Erkrankung zun, Teil gestört waren, so mußte der kleine Finger und ein Stück vom Mittelhandknochen abgenommen werden. Den An- spruch des Verletzten auf Ilnfallrente wies die Bekleidungsindustrie- Berufsgcnossenschaft mit der Begründung ab, daß von eine», Betriebsunfall nicht die Rede sein könne. Das Schieds- gericht, bei dem S. Berufung einlegte, ersuchte den Krankenhausarzt Dr. Pen um ein Gutachten. Unter andenn bemerkte darin der Arzt: Es entstehe eine eitrige Fingerentzündung durch das Eindringe» von ganz bestimmten Giftkeimen durch eine oft ganz„„bemerkbare kleine Wunde, wie sie zum Beispiel beim Reißen eines Nagels entstehe. Es könne nun zwar durch starkes Reiben bei der Hutwäsche eine derarttge unbemerkte kleinste Verletzung entstanden sein, die die Ein- gangSpforte für die mikroskopischen Jnfcktionsttäger bildete, näher aber liege es, und werde bei der doch meist nur ungenügend durch- geführten Hand- und Nagelpflcge fast zur Sicherheit, an die gewöhn- liche Ursache der Verletzung des Nagelbettes zu denken, wie sie bei allen möglichen Gelegenheiten fast unbeachtet zustande komme. Er könne deshalb einen ursächlichen Zusammenbang der Er- krankung der Hand mit einem Betriebsunfall nicht anerkennen. Das Schiedsgericht hörte weiter verschiedene Kollegen von S. als Zeugen. Der Zeu�e Werner bekundete, daß beim Waschen ge- färbter Hüte schon öfter solche Erscheinungen zutage getreten seien. wie im vorliegenden Falle. Die Hand werde durch das Drehen des Hutes darauf wund gerieben. Gerade im Falle des Klägers habe er gesehen, daß die Hand vollständig heil war, als er zu waschen begann, und daß sie imchher wund war.— Daß Kläger alsbald über Schmerzen geklagt hatte, bekundeten auch noch andere Zeugen. DaS Schiedsgericht Alten bürg erkannte nunmehr einen Betriebsunfall an und verurteilte die BcrnfSgenossen- schaft zur Zahlung einer Unfallrente von 10 Proz. Hiergegen legte die Berufsgenossenschaft Rekurs ein und berief sich auf ein altes Urteil des Reichsversicherungsamtes, wonach in Fällen der vorliegenden Art der ursächliche Zusammenhang mit einem Betriebsunfall nur anzunehmen wäre, wenn nachgewiesen sei, daß die Jnfeltionsstoffe während der Betriebs- t ä t i g k e i t in die offene Stelle e i n d r a„ig e n. Das Reichs versichern n gsamt unter dem Vorsitze des Geheimrat Flügge verwarf den Rekurs der BerufSgcnossenschaft und führte begründend aus: Zunächst sei auf Beschluß'des Senats aus- drücklich bemerkt, daß es für einzelne Beweisfragcn keine Präjudizien gebe. Die hier vorliegende Frage des ursächlichen Zusammenhangs usw. sei eine solche Beweisfrage, so daß die Berufung der Genossenschaft auf das Urteil von 1801 keine Wirkung haben könne. Der Senat hätte den vorliegenden Fall für sich zu prüfen gehabt. Da sei nun unter Berücksichtigung der bestimmten Zeugennnssagen und des UnistandcS, daß es sich um steife, innen rauhe Hüte handelte, mit Sicherheit eine Verletzung bei der Betriebstättgkeit anzunehmen, und zwar entstanden innerhalb eines verhältnismäßig bc- grenzten Zeitraumes, also ein Betriebsunfall. Aber auch der ursächliche Zusammenhang der eitrigen Finger- entzllndung usw. mit der Verletzung im Betriebe sei anzunehmen. Es sei notorisch, daß leichte Verletzungen alle möglichen Infektionen nach sich zögen. Wo dieJnfektion erfolgte, sei dann gleichgültig, wenn die Verletzung beim Betriebe ent- Itand, wie hier._ Huö Industrie und Kandel. Erlauchte Tantiemenempsanger. Die Schlesische A.-G. für Berg- und Zinkhüttenbetrieb in Lipine schließt für 1005 mit einen, Gewinn von 7 639 863 M. ab. Gegen das Vorjahr wurden rund 100 000 M. mehr„verdient". An dem Gewinn sind beteiligt: 1001 1005 M. M. Kohlenwerke 1 667 365 1 157 307 Eisen- und Metallwerke 5 010 750 5 589 278 Das Mehr entfällt mithin lediglich auf die Betriebe der Metall- und Eisengewinnung und der Walzwerke. Der Reingewinn beläuft sich auf 5 571 103 M. Die Aktionäre erhalten 21 Proz. gegen 10 Proz. im Vorjahre. Die Tantieme für den Aussichtsrat beansprucht 296 561 M. Und es ist eine erlauchte Gesellschaft, die sich in das Sümmchen teilt. Es sind: Guido Fürst v. Donnersmarck, Oberberg- rat a. D. Wachler. Herzog v. Gramont, Marquis de Beauvoir, Heinrich Prinz Schönaich-Carolath, Bankier Ludwig Delbrück, Landrat a. D. v. Kardorff, Fürst Hohenlohe-Oehringen, Graf Schwerin-Löwitz, Oberpräsident a. D. Dr. v. Bitter, Oberfinanzrat W. Müller, Berg- rat Kreuser und Regiernngsrat Glatzel. Im Durchschnitt entfällt auf jeden Tantiemenarbeiter das nette Sümmchen von 22 800 Mark. Die Gesamtsumme der Tantieme entspricht dem Jahreslohn von zirka 310 Arbeitern. Für die Tantieme, die durchschnittlich jeder Anftichtsrat so im Vorbeigehen mitnimmt, müssen fast 30 Arbeiter das ganze Jahr hindurch schwer schaffen. Daß die Herzöge, Fürsten und Prinzen, denen auf diese Weise die Vorzüglichkeit der heutigen Weltordnung durch das Portemonnaie klargemacht wird�, von der Verruchtheit sozialistischer Ziele überzeugt sind, ist nur zu erklärlich. Unerklärlich ist aber, daß noch so viele Arbeiter den bürgerlichen Parteien nachlaufen, die sich angelegentlichst bemühen, die schönen Zustände dauernd aufrechtzuerhalten. � Arbtttlfrafl tu Gold umzuwandeln, verstehen in ausgezeichneter Weise die Unternehmer in der chemischen Industrie. Die Chemischen Werke vorm. H. u. E. Albert erzielten i», letzten Jahre einen Ge- schastsgelmnn von 1772 000 M. gegen 1101 000 M. im Vorjahre. Aus dem Reingewinn von 3 780 000 M. gelangt eine Dividende von 19 Proz. zur Verteilung. In den Vorjahren bis 1895 zurück betrug die Dividende 18. 15. 15. 13>/z. 12'/„. 8, 4-/z. 3 und 10 Proz. Im letzten Geschäftsbericht Iverden die Aussichten für 1906 als gut bc- zeichnet. DaS Werk werde durch die neuen Handelsverträge nicht benachteiligt, nur Rohstoffe und Arbeitslöhne seien teurer geworden In steigenden Preisen werde man dafür aber vollen Ausgleich finden. Demnach dürfen sich die Aktionäre für das nächste Jahr wohl auf 20 Proz. einrichten.— Die Chemische Fabrik Oranienburg A.-G. kann diesmal nur 10 Proz. Dividende verteilen. Stellawerk A.-G. in Homberg a. R. Das erste Jahr der A.«G. hat günstig abgeschlossen; es werden 15 Proz. Dividende verteilt. Der deutsche Auslaudshandel im Jahre 1005 bewertete sich nach den nunmehr vorliegenden definitiven Berechnungen auf 13,278 Milliarden Mark. Und zwar stellte sich der Wert der Einfuhr auf 7 130 203 000 M. gegen 0 851 405 000 M. im Jahre 1904, der Wert der Ausfuhr auf 5 841817 000 M. gegen 5 315 011000 M. Nach den verschiedenen Erdteilen geordnet betrug die Einfuhr in den beiden letzten Jahren in Tausend Mark aus: 1904 1905 Europa......... 4 280 714 4 033 205 Afrika......... 209 793 227 004 Asien......... 497 230 505 087 Amerika........ 1704 973 1 897 013 Australien und Polynesien.. 150 208 104 333 Nicht ermittelt...... 5 547 0 301 Die Ausfuhr betrug dagegen m Tausend Mark nach 1904 Europa......... 4 051 938 106 353 200 010 838 912 49 898 8 500 1905 4 379 690 122 862 316 633 956 857 53 024 12 751 Afrika Asien....... Amerika...... Australien und Polynesien Nicht ermittelt.... Bei der Einfuhr fällt vor allem die Zunahme aus europäischen tändern, bei der Ausfuhr die starke Steigerung nach Amerika auf. Glänzende Bilder entwirft die„Köln. Ztg." vom Eisenmarkt. Sie meldet: Nachdem vor einigen Wochen im Roheisengeschäft eine gewisse Stille eingetreten war, die vielleicht damit zusammenhing, daß sowohl das Roheisensyndikat wie das Eisensteinsyndikat von weiteren Preiserhöhungen zunächst abgesehen hatte, ist seit etwa vierzehn Tagen eine außerordentlich kräftige und weitausgreifende Belebung deS Geschäfts zu verzeichnen. Die Lage wird am besten dadurch gekennzeichnet, daß die Versandziffern des Syndikats im Monat März eine ganz ungewöhnliche Höhe erreicht haben. Obwohl das Syndikat mit seinen Liefe- rungen noch beträchtlich im Rückstände ist. gehen die Aufträge fortlaufend so zahlreich ein, daß für die zweite Hälfte des laufenden Jahres nur noch geringfügige Mengen zum Verkauf zur Verfügung stehen und daß schon in das Jahr 1907 hinein verkauft wird. Be- zeichnend ist auch der weitere Umstand, daß auch die großen gc- mischten Werke neuerdings dazu übergehen, Thomaseisen in be- trächtlichen Mengen hinzuzukaufen, daß aber ihren Anfragen nach Thomaseisen nicht entsprochen werden kann. Auch aus dem Aus- lande, insbesondere aus Frankreich und Belgien liegen Nachfragen nach Roheisen vor. Alles in allem sieht man daher die Lage des Roheisenmarktes für das laufende Jahr als recht günstig an. Weiter berichtet das Blatt, daß die im Laufe der nächsten Woche stattfindende Sitzung des Stahlwerksverbandes sich mit einem Antrage auf Erhöhung der Beteiligungsziffern für Stabeisen, Bleche und Walzdraht zu beschäftigen haben werde. Zur toeiteren Koloratur des Gesamtbildes trägt die„K. Z." dann noch folgendermaßen auf: „Für den deutschen Markt bleibt der Grundzug immer noch der des Mangels an Material. Die Werke bleiben bis zur äußersten Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angespannt, für Roheisen sowohl wie Halbzeug ist volle Beschäftigung bis über das Ende des dritten Jahresviertels hinaus gesichert; neben einer gegen das Vorjahr erheblich verstärkten Ausfuhr geht ein außerordentlich flotter Bedarf des Inlandes in allen Zweigen her und die großen in Aussicht stehenden Bestellungen der Eifenbahnverwaltung werden diese noch vermehren." Bei einer solchen Geschäftslage wäre es geradezu unver- zeihlich, wenn die Eisen- und Stahlwerksarbeiter die Konjunktur nicht auch für sich selbst ausnutzen wollten. Die Unternehmen haben für die letzten Jahre alle mit guten Ergebnissen abge- schlössen, während für die Arbeiterschaft die Bilanz mit einem Minus abschließt. Die erlangten Einkommenssteigerungen gleichen die Preissteigerungen nicht aus. Die oben geschilderte glänzende Lage der gesamten Großindustrie gibt den Arbeitern nicht nur ein Recht an dem Aufschwung teilzunehmen, nicht nur aus eigenen, sondern auch aus allgemeinen Volkswirtschaft- lichen Interessen obliegt den Arbeitern sogar die Pflicht, ganz energisch für eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse einzu- treten. Herr Kirdorf hat in der Generalversammlung der Gelfenkirchener Bergwerks-Gesellschast ja auch schon erkennen lassen, daß die Eisenindustrie mit Forderungen der Arbeiter rechnet, jedenfalls hat man bei den Kalkulationen die erhöhten Löhne der Zukunft schon in Ansatz gebracht. Freiwillig wird man die Zulagen aber nicht geben, darum heraus mit den Forderungen I_ Hus der fraucnbcwegunc[. Das Zentralkomitee des schweizerischen Arbeiterinnenvcrbaudes, das in Winterthur domiziliert, veröffentlicht zum erstenmal feit dem Bestände des Verbandes einen gedruckten Tätigkeits- und Situattons- bericht von 10 Seiten. Wir entnehmen demselben, daß der Verband Ende 1905 aus 10 Sektionen mit 485 Mitgliedern bestand. Der Verband gehört dem schweizerischen Gewerkschaftsbunde, dem schweizerischen Arbeiterbunde und durch seine Sektionen auch der sozialdemokratischen Partei an. so daß er auch an den Kongressen und Parteitagen derselben durch Entsendung von Delegierten aktiven Anteil nimmt. Auf seiner vor- jährigen Delegiertenversammlung in Winterthur beschäftigte sich der Verband mit der Revision des Fabrikgesetzes und stellte er in einer Resolution seine Forderungen auf, von denen die Ausdehnung des Arbeiterschutzes auf Kleinbetriebe und die Hausindustrie sowie der Zehnstundcntag erwähnt seien. Durch eine Anzahl Agitations- Versammlungen mit Vorrrägcn, Herausgabe eines Maiflugblattes für die Arbeiterinnen suchte der Verband aufklärend zu wirken und die Arbeiterinnenbewegung zu fördern. Dem Kassenberichte ist zu entnehmen, daß im zweiten Halbjahr 1905 die Einnahmen 507,40 Fr., die Ausgaben 404,05 Fr. betrugen und das Verbands- vermögen am Schlüsse des Berichtsjahres sich auf 471,25 Fr. belief. Sektionsbcrichte liegen aus Zürich, Basel(von zwei Vereinen), Winterthur, Schaffhausen und Wil vor. Aus denselben ist zu ersehen, daß die organisierten Genossinnen sich eifrig bemühen, durch Ber- anstaltung von Borttägen, praktischen Kursen, genossenschaftlichen Ein- richtungen, Kinderbescherungen, gemütlichen Unterhaltungen usw. den Mitgliedern in verschiedenen Beziehungen nützlich zu sein. Die Kämpfe der Arbeiterschaft, wie Streiks. Wahlen usw. sind von den Sektionen ebenfalls unterstützt worden; so gab der Basler Arbeiterinnen- verein hierfür im Jahre 1905 400 Fr. aus, der Züricher 101,80 Fr., und in ähnlichem Maße leisteten die übrigen Vereine Unter- stützungen. An deit Ostertagen findet die Delegiertenversantmlung des Ver- bandeS in Basel statt, auf der u. a. auch die Agitation und Organi- sation unter den Heimarbeiterinnen besprochen werden soll. Groß-Lichterfeldc. Die heutige Generalversammlung erteilte zu- nächst der Kassiererin nach erfolgter Rechnungslegung Entlastung. Dann berichtete die Vorsitzende, Frau Boxheimer, über die gesamte bisherige Tätigkeit des Vereins und seine Erfolge. Genosse Bor- heimer hielt einen Vortrag über Bebels„Frau". Er skizzierte die soziale Entwickelung der Menschheit, insbesondere die der Frau. Nachdrücklich empfahl er die einschlägige Litteratur, sowohl'die eigent- liche soziale als auch die grundlegende und ergänzende naturwissen- schaftliche. Wiederum wurden einige neue Mitglieder aufgenommen. Berein der Lehrlinge und jugendliche» Arbeiter Berlins und Umgegend. Sonnabend, den 14. April, bei Wils, Schillstraße, Ecke der Christianiasttaß«: Vortrag des Kollegen Reinhardt: Die Entwickelung der Werkzeuge und Maschinen. Gäste willkommen. Die unaufhörlichen Prozessionen erhitzen das Volk noch mehr, sodaß umfassende Militärmaßregeln getroffen wurden. Viele Geschäftsleute schloffen ihre Läden. In den verlassenen Ort- schaffen stürzen viele Dächer unter der Last der Asche ein, nicht ohne Opfer von Menschenleben. Der Hafenverkehr steht still, weil die Verproviantierung erschwert ist und Ladearbeiter fehlen. Von den um den Vesuv gelegenen Ortschaften treffen bessere Nachrichten ein. Der Aschenregen in Cercola und Resina ist geringer geworden. Die Bevölkerung ist beruhigter. In Somma Vesuviana wurden in der Nacht drei leichte Erdstöße verspürt. Unterstützungsaktton. Ministerpräsident Sounino hat eine Kommission unter dem Vorsitz des Herzogs von Aosta ernannt und zur Verfügung der Kommission als erste Rate die Summe von einer halben Million Lire zur Verteilung an die Notleidenden gestellt. Nach der Meldung eines Blattes ist die am meisten geschädigte Gemeinde der am Fuße des Vesuvs belegenen Ortschaften Saviano, in dem die Kirche und Hunderte von Dächern eingestürzt und die Ländereien völlig ver- wüstet sind. Der Aschenregen fällt von neuem. Neapel, 12. April, 3 Uhr nachmittags. Der Aschenregen hat von neuem zu falle» begonnen. Der Himmel wird so dunkel, daß man, um zu arbeiten, Licht anzünden muß. Vermilcbtes. Ueber die Tätigkeit des.Vesuvs liegen heute nur wenige Nachrichten vor. Der Himmel ist noch immer von Aschenwolken verdunkelt, der Aschenregen hatte indessen in Neapel etwas nachgelassen. Die Luft ist erstickend, vom Vesuv ist nichts zu sehen. Infolge AufhörenS des WmdeS, der bisher den Aschenregen 'tetS nach einer Richtung trieb, fallen die Auswurfsmassen jetzt gleichzeitig im ganzen Umkreise deS Vesuvs, wodurch die Panik vermehrt und die Flucht wie die Hülfeleistung erschwert wird. Mehrere Ortschaften sind ganz abgeschnitten. Bedrohlich ist die Gärung unter den fanatischen Volksmassen Neapels. Die Gefahr deS Einsturzes der von Asckienmassen belasteten Häuser ist Grund oder Vorwand zu stürmischen Protesten gegen die Hausbesitzer und Forderungen an die Behörden, die Tausenden verzweifelter und erbitterter und Hungen, der Flüchtlinge gegenüberstehen. Eingegangene DmcKfdmtten. Von der„Neuen Gesellschaft", Sozialistische Wochenschrift, Heraus- geber Dr. Heinrich-Braun und Lily Braun(Verlag: Berlin W. 15. Preis für das Einzelhest 19 Pf., pro Monat 40 Pf., pro Vierteljahr 1,29 M.) ist soeben das 15. tzest des 2. Bandes erschienen. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallcn-Dircklion. Rindfleisch la 55—63 pr. lOO Psnnd, Ha 56—64, lila 50—54, IVa 40— 48, engl. Bullen- 00—00, dän. Bullen- 00—00, Holl. Bullen- 00—00. Kalbfleisch, Doppelländer 105—120, la 80-88, Ha 65-78, lila 52-62. Hammelfleisch la 60-7C. lla 54-60. Schweinefleisch 70—74. Kaninchen 0,65—0,80. Hühner, alte, stück 1,80—2,40, alte per Psd, 0,00, junge, per Stück 0,90— ,l,80. Tauben, junge 0,50— 0,65, alte 0,40—0,45. Enten, junge per Stück 2,50— 2,80, per Psd. 00—00, russ., gejr. per Stück 00—00. Gänse, junge, per Psd. 0,90—1,20, rmss. per Psd. 0,00— 0,00, Hechte 84— 99. Schleie 119— 153. Bieie 43,00, groß 00—00. Aale, groß 120—131, mittel 0,00, klein 0,00, unsortiert 98—107. Plötzen 45— 47. Flundern, pomm. n, p. Schock 1,75—2,00, Kieler, Stiege la 4—7, do. mittel, per Kiste 3—4, do klein, per Kitte 00—00. Bücklinge, schweb, per Wall 0,00, norw. 3,00, Holland. 3,00, Kieler 2—4, engl. 0,00. Aale, groß, per Pfd. 1,10—1,20, mittelgroß 0,80-0,90, klein 0,50-0,60. Sprotten. Kieler, 2 Wall 0,50—0,80, Elb. per Kiste 0,20— 0,30. Sardellen, 1902er, per Anker 74,00, 1904er 72,00, 1905er 70,00. Schottische Bollheringe 1905 00—00, large 40-44, füll. 36—38, med. 33—35, deutsche 37—44. Heringe, neue Matjes, per'I, Tonnen 60—120. Hummern, IIa, 100 Psd. 00—00. Krebse, per Schock, große 00—00, mittelgroße 11,50, kleine 5,00 bis 7,50, unsortiert 00—00. Eier, Land-, per Schock 00— OO, srijche 3,20—3,50. Butter per 100 Pfund, la 120, Ha 117—120, lila 115—116, ab- sallende 110—114. Saure Gurten, Schock 3—3,50 M., Psestergurken 3—3,50 M. Kartoffeln per 100 Pfd. magn. bon. 2,10— 2,35, rote Dabersche 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl per Schock 0,00—00,00. Weißkohl per 100 Pfd. 4,50-5,50, Rotkohl per Schock 00-00. Holl. 16-24. Grünkohl, per 100 Psd. 12—15. Rüben, weiße 12—16, Teltower 16—18. Kohlrüben, per Schock 2,50— 4,50. Wltternnasüberslcht vom 12. April 1906, morgens 8 Uhr. Stationen 2= St— I I S? Wetter Swlnemde. 770 SSO Hamburg 763 OSO Berlin 769 SO Frauts.a.M. 769 S München!770SW Wien>772 SO 2wolkenl 2 Dunst 1 wölken! 1 wollen! 2 wollen! 1 wolkenl C% »11 t a s> Stationen o~ I i 8 s Habaranda Petersburg Scilly »lberdeeu Paris „L 770 NW — Still 765 D 766 Still 768 SO Wetter »Ä ä S» S" I? M S> 9 6 12 Wetter 3 bedeckt — wolkenl l�wollenl Wetter-Proguose für Freitag, den IS. April 1906. Warm und zunächst meist heiter bei schwachen südlichen Winden: später zunehmende Bewölkung und Gewitterneigung. Berliner Wetterbureau. Wasserstand am 11. April. Elbe bei Aulstg+ 0,73 Meter, bei Dresden—0,61 Meter, bei Magdeburg-s- 2,13 Meier.— U n ftru t bei Sttaußstlrt 4- 2,00 Meter.— Oder bei Rattbor-ff 2,41 Meter, be! Breslau Oberpegel-ff 5,10 Meter, bei Breslau Unterpegel— 0,42 Meter, bei Frankfurt-ff 2,98 Meter.— Weichsel bei Brahemünde -ff 4,26 Meter.— Warthe bei Posen— Meter.— Netze bei Usch 1,40 Meter. Am 10. April, 21/, Uhr, verschied nach langem schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater, der Geibgießer Ulbert I�itiscke im Atter von 57 Jahren. 1194b Um stille Teilnahme bitten Oio lesvoenäen Hinteiiiliebensn Raullne Nitzsche geb. Strauß und Sohn. Allgemeine Kranken- um) Sterbe- kasse der Drechsler Deutsehl. und deren Berufsgenossen (E. H. 86, Hamburg.) Verwaltung D. Am 10. April verstarb unser langjähriges Mitglied Ulbert«ilisede. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Freitag, den 13. April, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle de» AnstaltS» Kirchhofs Wuhigarten aus statt. 291/16 Die OrtSverwaltung. g Zentralverband der Handels-, Transport- u. Verkehrsarbeiler Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin I. Hierdurch diene zur Nachricht, daß der Kollege Wiihelm Schulz Kohlenarbeiter, verstorben ist. Ehre seinem Andenken? Die Beerdigung findet heute, Charsreitag, nachm. 6 Uhr von der Leichenhalle deS Heilig Kreuz» FriedhoseS, Mattendors, Feldstt. 118 aus statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Die OrtSverwaltung. Dr. Simmel, Ä Spezialarzl sür 29/14' Haut- and Ilurnlelden. 10—2, 5-7. EoniltagS 10—12, 2-4 Deutseher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Franz Klink am 11. April plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 15. April, nachm 5 Uhr, von der Leichenhalle de? Michael-Kirchhoses am Matten- dorser Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 83/17 Die Ortsverwaltung. Verband der Sattler Ortsverwaltung Berlin. Den Kollegen zur Nachttcht, daß unser Mitglied Kar! Oelrnann am 10. April in der Charitö ver- storben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Sonntag, 15. d. M.(1. Öfter- seiertag), vormtttags 9 Uhr, von der Leichenhalle des Philippus- Apostel-KirchhoseS in der Müller- straße aus statt. Um rege Beteiligung ettucht 156/13 vis Ottsverwallung. Sommersprossen «ntferul Tollmändig u. gräodllch nnrl mein unsohadllohes Spezialinittel. I M. 2,50 freoko nebet wiesen-chefU.| R-tgeber„Die Sohfinheltspflege" Otto Relultel, Berlin«3 Eiienbehwr�| TausenJe Inerkennunpen. Medicinal-Ungarwein direkt bezogen vom WeinbergSbefitzer llrn. Stein, Erdö-Binye bei Tokay, für Kranke«nd Rekonvaleszenten, Manefer für Blutarme sowie Vorzug« lichc Dessertweine empfiehlt zu Ott- ginalpreisen 206/14 Hans Hon» cli, Destillation, Berlin- Gartenftrafte 74. ?ur Damen! Billigste Preise Direkt auts der Fabrik. Jetzt nach beendeter KnKroM-tzdninon wieder Finxelverkanfzn den bekannt bllliBen Preisen: . schwarz jU. farbig kolossaler Auswahl 3,75, 4,60, 6, 7-20 M. r.nnn in sämtlich. ICIUtJ Längen 5'/,. 6-/2, 7-/.-ZS M. swsva KosMUeb/� schwarz, diversen englischen Stollen 3,50,4.25,5,50.20 m. staucht WW 5 � Zigaretten 14.1 OS" Spezialmarke; Kleine Kios 2. pro Stück S Pf. 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Die Bestrebungen unserer Organisation, auch in den Detailgeschästen der Herren« konfektion Betriebswerkstätten zu errichten und feste tarifmäßige Löhne zu zahlen, haben bei den Firmeninhabern, welche auf Bewilligung dieser Forderungen angegangen wurden, unter Ausflüchten, die wir als stichhaltig nicht anerkennen können, Widerstand gefunden. Wir sehen unL daher genötigt, gegen diese Geschäfte das Mittel des Boykotts in Anwendung zu bringen. Die Delegierten zur Berliner Gewerkschaftskommission haben in ihrer Sitzung vom 10. April einem dcmentsprechenden Antrage ihre Zustimmung erteilt. Wir appellieren deshalb mit Gegenwärtigem an die Parteigenossen und Gewerkschafts- Mitglieder Berlins und Umgegend, bei ihren Einkäufen oder Bestellungen in Zukunft nach- stehend verzeichnete Geschäfte meiden zu wollen: Zobel, Köpenickerstr. 121. Peel u. Cloppenburg, Gertraudtenstr. 27. Schulmeister, Dresdenerstr. 4. Worrmann,„ 1. Picket, Prinzenstr. 44. Mauerstein, Prinzenstr. 81. Karl Stier, Oranienstr. 166. Osten. Jul. Lindenbaum, Gr. Frankfurterstr. 141. Abrahamsohn» Landsbergerstr. 92. Bohne. 79. Haacke,„ 93. Abrabam. ftd Herzberg. Frankfurter Allee 167.' Sachs, Große Frankfurterstr. 132. Priester, Frankfurterstr. 40. Norden. Philipp Fabisch»- Rosenthalcrstr. 72. kubisch u. Co.,„ 3. Bernhard Buer,„ 5. Bohne, Brunnenstr. 7. Polle,„ 47. Littmann,„ 61. Steustadt,„ 89. Laband, Oranienburgerstr. 4. Perleberg, Chausseestr. 57. Süden, zeitinger, Oranienstr. 40/41. ksders«. Dyckhoff, Oranienstr. 43. Westen, Kaplan, Friedrichstr. 1. Prinee of Wales, Friedrichstr. 73 und 170. Vandsburger, Friedrichstr. 7. Esders n. Dyckhoff, Leipzigerstr. 60a. Schlesinger» Turmstr. 58 und 85. Zentrum, Weltmann Nachf. Stefan Esders, Kaiser Wilhelmstr. 41. Riethmüller, Molkenmarkt. Warenhäuser. Max Mannheim. Rud. Hertzog. Alle übrigen Geschäfte sind als frei zu betrachten. Verband der Schneider und Schneiderinnen. _ Filiale Berlin» Engel-Ufer 21, parterre. I. A.: Fr. 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Alvin Sussmann, feit 1885 tute Oft»trtel A Achte» Sie bitte auf meine nolaunnrht-Sttpnllo fW»' f Haus nummer. Ortskrankenkasse für die Wäschefabrikation. Der unterzeichnete Vorstand macht hierdurch bekannt, daß am Freitag, den 27. April, abends 7 Uhr, ttsÄÄo statt. findet. 48. nrbenfi. Generni-Nersninininng Tages-Ordnung: 1. Erstattung des Jahresberichts pro 1905. 2. Beschlußfassung über die Abnahme der Rechnung des Jahres 1905. 3. Abänderung deS§ 13 des Statuts.(Beseitigung des 3. Karenztages.) 4. Beantwortung aller derjenigen Anfragen, die im allgemeinen Jntcr- esse der Kasse liegen und bis zum 21. d. M. mündlich oder(christlich an den unterzeichneten Vorsitzenden gerichtet werden. 1187b Eintritt zur Generalversammlung haben nur die für 1995/97 gewählten Vertreter. Dieselben erhalten besondere Einlaßkarten, welche bei der Ver- sammlung gleichzeitig als Ausweis dienen. Berlin, den 3. April 1906. Der Vorstand der Ortskrankcnkafse für die Wäschefabrikation. _ Emil Sternberg, Vorsitzender, Klosterstr. 86. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Am Sonntag, den 15. April, nachm. 4 Uhr, und Sonntag, den 22. April, vormittags 10 Uhr, finden Mi Urania-Vorstellungen IZZ statt. In beiden Vorstellungen wird„Am Golf von Neapel« gegeben. Billetts sind in den Zahlstellen und aus dem Bureau zu haben. Die Zahlstelle 2 ist von Koppenstraße nach und Bet C. Arndt verlegt. Di- Zahlstelle 51 von Alte Jakobstraße nach bei Ohrtner.— Am Sonnabend, den 14. April, wird auf allen Zahlstellen von 7—0 Uhr kassiert.(83/18) Die Ortsverwaltung. Bäckerei-Genossenschaft„Berlin" (Angetragene Genossenschast m. beschr. Hastpflicht).— Glagauerftr. S8. Sonntag, 22. April, nachmittags 2 Uhr, im Lokale von Krone, Lieguitzerstraste 18: 205/1 General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes und Aussichts- rates. 2. Neuwahlen zum Vorstande und AussichtSrate. 3. Geschäftliches. _ Der Aulsichtsrat. Fritz Hagemeister. Wiih. Willberg. Tischler-Verein 8. K. 89. Sonnabend, den H.April, abends S1/, Uhr, Melchlorstr. 15: = Versammlung.------- Tages-Ordnung: Bezahlung der Beiträge. Ausnahme neuer Mitglieder. Ausgabe der Billetts a 30 Ps. zum Familieuabend am 1. Osterfeiertag in Herrn Kllcui« groflem Saal, Hasenheide 13, bestehend In Konzert, Idealer des Idiiditz-Ensembie» und Ball. 198/11 Beginn 6 Uhr.__ Der Vorstand. Gewerkschaft der Maler ------- Berlins und Umgegend.------- Bureau: Stralauerstraße 48.— Telephon: Amt l, 7779. Laut Beschluß der letzten Mitglieder-Versammlung sind alle w Arbeit stehenden Mitglieder verpflichtet, am Sonnabend, den 14. April, bis spätestens abends 8 Uhr aus dem Bureau, Stralanerstr. 48, zu er« scheinen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. An diesem Tage werden die roten Arbeitsberechtigungskarien eingezogen und durch grüne Karten ersetzt. Vom Sonntag, den 15. April, an gilt nur die grüne BerechtigmigSkarte als Ausweis. Wer nach dieser Zeit noch im Besitze der roten Karte ist, hat seine Pflichten der Organtsation und den streikenden Kollegen gegenüber nicht erfüllt und gilt als Arbeits- williger, aus den§ 5 deS Statuts in Anwendung gebracht wird. 155/5_ Per Vor.tand. I. A: W. Berndt. Schmöckwitz. Restaurant Scddin-SCC. Sin fröhliches Oftcrfcft wünsche ich allen Vereinen. Gesellschaften und Gewerkschaften, die mich in den vielen Jahren so zahlreich besuchten.— Empfehle weiter mein herrlich am Walde und Wasser gelegenes Lokal zu den bevorstehenden Partien und stelle die billigsten Dampfer für große und Heine Gesellschaften. Um zahlreichen Besuch bittet 1178b lelephon: Grünau No. 54._ A. Utoack. Hammel- Zentrale Hammelfleisch-Verkanf nach Pariser Art Dresdenerstraße 17 vis-a-vis Tamaschke. bssl* Herrenhiite weich und steif moderne Fassons, pr. Stück 1,25 M., bessere Sachen billigst. 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Beschlußsassuiig über die Abnahm» der Rechnung des Vorjahres. 4. Antrag des Vorstandes aus Der« legung der Kassenräume zum 1. Oktober 1998. 5. Genehmigung einer vom Vorstande beschlossenen Gehaltszulage. 6. Verschiedenes. 272/1(1 Her Vorstund. Horm. Schölzel, Wilhelm Stolle, Vorsitzender._ Schristsührer. Ortskraflkenkasse liebtenbßrg. Einladung zur ordentlichen General-Versammlung am Sonnabend, den 2t. April 1999, abends 8>/z Uhr, im Nebenraipne des tanptsaaies deS Lokals der Herren odr. Arnhold(Sohwarzoc Adler), Frankfurter Chaussee Nr. 5. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht. 2. Bericht der NechnungSPrüsungt« Kommission event. Erteilung der Entlastung. 3. Anttag des Vorstandes auf Ab< änderung der§§ 13, 14 und 29 der Satzungen.(Wegsall der Mindest- leistung und Bezahlung der Sonntage als KrankhettStage.) 4. Ersatzwahl eines Vorstandsm!!- gliedeS aus den Reihen der Kassen- Mitglieder. 5. Verschiedenes. Das Mandat alS Delegierter ist vorzuzeigen. Beschwerden, zu deren Erledigung die Einsichtnahme der Kassenbücher erforderlich ist, sind bis zum 17. April im Kassenlokale anzumelden. 272/9 Der Vorstand. I. A.: W. Schulz, 1. Vorfitzenhcr. 0. 112, Gürtelslr. 29 a. 2. Hos III. Ausflügler« empfehlen wir folgende Special-Harten der vlmgebung Berlins. Bernau-Biefenthal, Lanke-Llepnltz-M'd Wandlitz-See..... 1 M. Bukow u. Umgegend mit angehängtem Führer....... 76 Pf. Eberswalde und Umgegend 75 Ps. und I M. Erkner und Umgegend... 75 Ps. Freienwalde-Falkenberg... 76 Pf. Freienwalde, Wriezen. Oderberg, Brodowin...... 1 M. Friedrichshagen, Käpottick, Grünau, Schmöckwitz..... 75 Pf. Grunewald und westliche Vororte, 2-, 3-, 5- u. L-sarbig, 25, 50, 75 Pf. und........ I fit. Königs-Witsterhausey und Umgegend 5 farbig...... 1.5« M. Nördliche Vororte, Spandau, Tegel usw......... IM. Potsdam und Ilmgegend.. 75 Pf. Potsdam und Werder... IM. Rüdersdorfer Kaikberge, Umgegend von Wollersdorf n. Erkirer 76 Pf. 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Berliner Wohmmgselend. mit dem kürzlich abgehaltenen preußischen Landesverbandstage ber städtischen Haus- und Grundbesitzer haben sich die Hausagrarier mit dem Eifer, der sie immer auszeichnet, wenn es sich um ihre Geschäftsiuteresten handelt, über die Wohnungsenqueten entrüstet, die von Ortskrankenkassen regelmäßig herausgegeben werden. Nicht, daß die Herren Haus- und Grundbesitzer Unrichtigkeiten oder lieber- treibungen nachweisen konnten, deren sich die Herausgeber der in Rede stehenden Statistik schuldig gemacht hätten. Das würde ihnen auch Ichwerlich möglich sein. Die Hausagrarier verlangten vielmehr, daß die Aufnahme und Bearbeitung von Wohnungsenqueten durch Krankenkassen überhaupt verboten werden. So unsinnig solche Forderung auch ist, vom Stand- Punkt deS Hausbesitzers kann man sie verstehen, denn die Erhebungen über die Wohnungsverhältnisse bringen so manche schreienden Miß- stände an das Licht der Oeffentlichkeit, über welche die Hausagraricr am liebsten den undurchdringlichen Schleier der Vergessenheit breiten möchten. Die Berliner Ortskrankenkasse der Kaufleute hat sich bekanntlich das Verdienst erworben, auf dem Gebiete der Wohnungsenquete bahnbrechend vorgegangen zu sein. Sie veröffentlicht auch jetzt wieder eine umfangreiche, sorgfältig durchgeführte Arbeit:„Unsere Wohnungsenquete im Jahre ISOS". lJm Auftrage des Vorstandes der Ortskrankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kauf- leute, Handelsleute und Apotheker, bearbeitet von Albert Kohn.) Einige Stichproben aus dieser Statistik genügen, um das Wohnungselend, welches trotz aller voit interessierter Seite aufgestellten gegenteiligen Behauptungen in Berlin herrscht, zu illustrieren. Dabei gibt die vorliegende Statistik nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Berliner Wohnungswesen, denn sie erstreckt sich ja nur auf diejenigen Wohnungen, in denen kranke Mitglieder der genannten Kasse hausten. Von diesen wurden im Jahre 1904 nicht weniger als 4818 Männer und 3929 Frauen in Wohnungen angetroffen, deren Bodenstäche das von Hygienikern geforderte Mindestmaß von 16—20 Quadratmetern für Wohn- und 20—25 Quadratmeter für Schlastäume nicht aufweisen. Das sind rund 62 Proz. der Kranken, die in solchen unzureichenden Räumen wohnten. 3343 Personen hatten Wohnungen mit 10 bis 15 Quadratmeter Bodenfläche und 1134 Personen mußten sich sogar mit Wohnräumen behelfen, die nur 6—10 Quadratmeter Bodenfläche hatten.— Die Berliner Baupolizeiordnung setzt für die Höhe von Wohnräumen ein Mindestmaß von 2,80 Meter fest. 3189 Personen(rund 22 Proz.) hatten Wohnungen, welche das polizeiliche Mindestmaß nicht er- reichten. Von den kontrollierten Kellerwohnungen blieben 149 und von den Dachwohnungen III unter einem Höhenmaß von 2,50 Metern zurück. Hier handelt es sich also um Wohnräume, die an sich den An- forderungen in bezug auf die Raumverhältnisse nicht entsprechen. Andererseits werden aber auch Wohnungen dadurch räumlich im- zureichend, weil sich, veranlaßt durch die hohen Mietspreise, zu viele Personen in einer Wohnung zusammendrängen müssen. So wurden 7523 Personen in Wohnungen angetroffen, wo ihnen das von Hygienikern geforderte Mindestmaß von 20 Kubikmetern Luftraum I nicht zur Verfügung stand.— Der preußische Gesetzentwurf zur Ver- f besserung derWohnungsverhältnisse fordert nur lOKubikmeter Luftraum fstir jede Person, was von namhaften Hygienikern als viel zu wenig ' erachtet wird. Aber selbst diese äußerst bescheidene Forderung der preußischen Regierung war in den Wohnungen von 2236 Personen nicht erfüllt. Wie weit Berliner Proletarier oft ihre Ansprüche an die Wohnung zurückschrauben müssen, das zeigt die Tatsache, daß 120 Personen in Wohnräumen ohne Fenster hausten, daß 472 Personen in Räumen ohne Hcizgclegenhcit und 552 Personen in feuchten Räumen wohnten. Schon die trockenen Zahlen des reichhaltigen Tabellenwerks der Statistik geben ein trübes Bild von den WohnungsverhälMissen der Berliner Proletarier. Das Elendsbild wird aber noch vervollständigt durch einige Einzelangaben über gewisse Zustände, die sich statistisch nicht ausdrücken lassen.— Eine Hofwohnung in der Landsberger Allee wird so geschildert: Die wegen Blutarmut und Nervenleiden erwerbsunfähige Frau bewohnt einen feuchten, ungesunden Keller von etwa 1,40 Meter Tiefe, mit stockiger, unerträglicher Lust. Ob- gleich die Wände der Stube bis zur Mitte mit Oelfarbe gestrichen sind, dringt dennoch die Nässe durch. Ueber dem Oelfarbenanstrich bröckelt der Putz ab und haben sich große Wasserflecke gebildet. Ein Bett, ein altes Sofa, ein halbes Küchenspind, Gerümpel und eine alte Bank aus Eierkistenbrettern bilden die Einrichtung. Die Küche gleicht einem schmalen Gang und hat Zementboden. Miete 15 Mark pro Monat. Rirdorf, Prinz Handjerystraße: Zu der Dachwohnung der Lungenkranken führt eine im schlechten Zustande befindliche Treppe mit morschen Stufen. Die Wohnung, welche mehr aus Bodenräumen besieht, befindet sich in einem unglaublichen Zustande. Die Wände, die früher gestrichen waren, sind zetzt voller Löcher und mit bunten Bildern beklebt. Die Tür nebst Rahmen müßte unbedingt aus- gebessert Iverden, ebenso Ofen und Fenster. In der Kammer fällt der Putz von den Wänden und dringt bei Regenwetter das Wasser durch. Von einer Dachwohnung in der Laufitzerstraße heißt es: Da eS an mehreren Stellen durchregnet, müssen bei Regenwetter Gefäße aufgestellt werden, um das Regenwasser aufzufangen. Trotzdem ist es schon vorgekommen, daß das Wasser bis in die darunter be- fiudliche Wohnung gelaufen ist. In der Küche hat sich infolge der beständig durchdringenden Nässe die Decke gesenkt, so daß man den Einsturz derselben befürchten muß. Eine Kellerwohnung in der Blumenthalstraße in Friedrichsberg sieht so aus: Von dem schmutzigen Hof, auf welchem sich größere Pferdeställe befinden, führt eine schmale Treppe in den dunkelen feuchten Keller. Von den Wänden ist infolge der Nässe der Putz abgebröckelt. An den Fenstern sind schwarze Wasserflecke. Der Keller ist 1,70 Meter tief. Wenn auf dem Hofe Wagen gewaschen werden, läuft das Wasser in den Keller. Die Bewohner gehen wegen der Nässe und Kälte in Holzpantinen mit zwei Paar Strümpfen. Miete pro Monat 10 Mark. Eine Vorderhauswohnung in der Palisadenstraße wird so ge- schildert: Man muß suchen, um den Kranken in seiner Bodenkammer zu finden, da man bald nicht annehmen kann, daß dort auf dem Boden noch Wohnungen sein sollen. In der Dachstube, welche ja hell ist, geht das schräge Dach bis zur Mitte der Kammer, da das Dach aus Holz ist, so schlägt bei Regenwetter die Feuchtigkeit durch. In einem schmalen Bett schlafen zwei Personen, in der Mitte des Raumes steht die Nähmaschine. Die Küche ist nur 2,10 Meter breit, so schräg wie die Stube. In diesem Raum stehen zwei Betten. An Miete kostet diese Wohnung monatlich 20 Mark. Das sind nur einige von den in der Statistik angeführten Bei« spielen des Wohnungselends. Schließlich werden auch mehrere photographische Aufnahmen wiedergegeben. Diese trotz ihres menschenunwürdigen Zustandes doch als Wohnungen für Menschen benutzten Löcher, die uns in Bildern vorgeführt werden, sind derart, daß man ihren Zustand mit Worten allerdings nicht zutreffend schildern kann. Da sehen wir eine düstere Dachkammer. 4,20 Meter lang, 2,30 Meter breit und 2,50 Meter hoch, in der drei Personen hausen.— Eine Dachstube in einem Hause der Friedrichstraße ist gar nur 2,10 Meter hoch, sie erhält notdürftiges Licht durch eine Reihe von acht kleinen Luken, Ivas dem Raum in Verbindung mit der geringen Höhe das Aussehen einer Schiffskajüte gibt.— Ein drittes Bild zeigt uns eine über dem Torweg liegende sogenannte Entresolwohnung in der Jägerstraße in Rix- dorf. Der Raum ist 3,80 Meter lang, 2,55 Meter breit und 1,85 Meter hoch. Die Tür ist nur 1,35 Meter hoch, ein Erwachsener muß sich demnach bücken, wenn er in die„Wohnung" eintreten will. — Einem der folgenden Bilder, welches eine Hofwohnung in der Liebigstraße darstellt, sind Angaben beigefügt, die nicht nur das Elend der Wohnung, sondern auch das Elend der Bewohner kenn- zeichnet. Es heißt da: Die Wohnung besteht aus Stube(4 Meter lang, 3,60 Meter breit, 3 Meter hoch) und Küche. Die Luft ist fast unerträglich, der Fußboden ohne Farbe und schwarz von Schmutz, Lumpen und Abfälle lagern in den Ecken. In der Stube schlafen sieben Personen. Auf dem Sofa, auf welchem ein Strohsack liegt, und tvelches durch zwei davorstehende Stühle verbreitert ist, schlafe» vier Knaben, je zwei nebeneinander, mit einem leichten Bett ohne Bezug zugedeckt, ivährend in dem einen Bett Mann und Frau liegen. In einem Kinderwagen liegt ein Kind von vier Wochen, das an Tuberkulose erkrankt' ist. Nach Angabe der Eltern schreit das Kind Tag und Nacht, die Geschwister fahren den Wagen, an Pflege fehlt es gänzlich, da der Mann an Rheumatismus erkrankt und arbeits- unfähig ist, während die Frau in der Küche Säcke näht, um Brot ftir die Kinder zu schaffen. Sie verdient in 10— 12ftündiger Arbeits- zeit 0,75—1,00 M. Geheizt wird selten, je nachdem Geld für Feuerung vorhanden ist. Diese Angaben, so knapp sie auch sind, entrollen vor unseren Augen ein Bild grauenhaften proletarischen Elends, sie erklären aber auch zugleich, wie es möglich ist, daß die Hausbesitzer solche erbänn- lichen Löcher, die als Viehställe kaum genügen würden, immer noch als Wohnungen für Menschen an den Mann bringen können und gut bezahlt erhalten. Die Statistik der Ortskrankenkasse der Kaufleute zeigt uns nur einen kleinen Bruchteil des Berliner Wohnungselends. Sie erstreckt sich ja nur auf rund 14 000 Personen, die doch größtenteils in der Lage sind bester wohnen zu können. Hätten wir solche Statistiken von anderen Krankenkassen, deren Mitglieder sich aus den schlcchtest- bezahlten Arbeiterschichten zusammensetzen, tvelch ein schreckliches Bild des Wohnungselends würde dann zustande kommen. Immerhin genügt schon das vorliegende Material, um zu zeigen, daß die Haus- besitzer alle Ursache haben, eine wahrheitsgetreue Darstellung der Arbeiterwohnungsvcrhältnisse zu scheuen. Zln»deii-/tiuüas Vollendet sebäne Auswahl in reizenden, entzockenden Fassons, ii praktischen und luxuriösen Genres.■■...- Insis WW>M«Mi«»i!»« FartesiirtiÄ 18.- 16.- 15.- 14.- 12.- 11.- 9,- 8.- 7.- 6.- 5.- 4- 10.- 3,- M. Fesche Knaben- Mützen, passend zu den Anzügen. Per Haupt-Katalog Nr. 29(Frghiahru. Sommer) wird kostenlosn.portofrei zugesandt. Baer Sohn Spezialhaus grössten Massstabes Chausseestrasse 24*125« 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20. Brennabor-Motorräder und Transportlahrzeuge sind mit den modernsten Neuerungen und Verbesserungen ausgestattet. Der Motor kann ohne Ständer spielend leicht angetreten werden. BRENNABOR-WBRKB, BRANDENBURG a. H. Filiale Berlin W., Kronenstraße 11. Preiswerte Kondrniandan-AnzliBe.— Vornehme MaBanlertigung. Alfred Bernhardt, NW., Alt-Moabit 84 vls-ä-Tls der Heilands-Kirche. 573L* Spezialhaus für moderne Herren- u. Knabenbekleidung. MUHO Hl Ii FfHifc-lip i Pitt. «Ulett voran halte ich me ne Grundsätze hoch. X X Streng reelle Bedienung. 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Nachmittags 3 Uhr: Der Pfarrer von Kirchseld. Neues. Cäsar und Cleopatra. Ansang 8 Uhr, Schiller O._(Wallner«Theater.) W anju! elm- linS Er« ». Königsglaube. Schiller iL.(F städiischeS Theater). Kinder. Komische Oper. Hofsmanns zählungen. Kleines. Das vierte Gebot. Residenz. Denise. Zentral. Die Geisha. Trtanon. Das Ende der Liebe. Lustspielhaus. Jugend. Carl Weiss. Geschloffen. Thalia. Nora. Luisen. Die Saubenlerche. Metropol. Der Totschläger. Walhalla. Einer von unsere Leut'l Deutsch.Amerikanisches. Er und Ich. Kasino. Die Herren Söhne. Apollo, Das bummelnde Berlin. Spezialitäten. Uolie» Caprice. Der Schmock. Dalles u. Co. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Belle-Alliauce. Spezialitäten. Reichshnllen. Stettiner Sänger. Passage. Spezialitäten. Urania. Taubeustrasse 48/49. Rachmittags 4 Uhr: Im Lande Mitternachtssonne. Abends 8 Uhr: Aus dem Innern OstasrttaS. Sternwarte, Jnvalidenftr. 57/62 der Ferdinand Bonns Berliner Theater. Freitag: Geschloffen. Sonnabend 8 Uhr: Gastspiel beS Schlierjecr Bauem-Eusembles Conrad Dreher PB'iMvKKaiisI. Sonntag nachm. 2>/, Uhr ermäßigte Preise: tSgorblot. Abends 8 Uhr: In itsr Sommoetrieek'n. Montag nachm. 2'/, Uhr ermäßigte Preise: Di» Millibäuerin. Abends " Uhr: In 6 der Sornmerfrisch'n. Neues Theater. Srettag geschlossen. Sonnabend: Caesar und Cleopatra. Ansang VI, Uhr. Sonntag; Ein Sommernachtstraum. Montag: Erdgeiat. Dienstag: Ein Sommernachtstraum. Kleines Theater. Heute geschloffen. Sonnabend nachm. 3 Uhr Schüler. Vorstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen: Antlgone. Abends 8 Uhr: Hille Bobbe. Vorher: Oer Unver- schämte. Sonntag 3 Uhr:" Hille 8 schimte. llrania Tauben str. 48/49, Heute geschlossen. Sonnabend 4 Ubr; Im Lande der Mitternachtssonne. 'Abends 8 Uhr: Aas dem Inaern Ostafrikas. Sternwarte%%% Zentral-Theater. (Operette.) Heute geschlossen. Sonnabend 8 Uhr: Die ßeisha. LustspEeSBiauSs Heute geschloffen. Sonnabend: tagend. Ostersonntag und-Montag: Qio von Hociisattel Apollo-Theater. Karfreitag: Geschlossen. Sonnabend 8 Ubr: Auserlesene erstklassige ggp Spezialitäten und Im Grisetten-Kabarett. Pariser Nachtbild. LIFsntfSvkv Märchenspiel von Tellheim. Mufil von A. Farron. Ostersonntag, Ostermontag nachm 3 Uhr: Venus auf Erden unb Spezialitäten. Ermäßigte Preise. Hetropol-Theater Heute geschlossen. Sonnabend, den 14. April 1906 Der Totschläger. Yolksstück in 5 Akten von W. Busnaob und O. Gastineau. Qervaise; Else Schiff v. Lessing- Theater a. G. Coupeau: Josef Giampietro. Anfang 8 Uhr. Rauchen in all. Bäumen gestattet. Dster-Sonntag, Oster-Montag und die folgenden Tage: -IBS Anfang 8 Uhr. Rauchen tibprall gestattet. Deutsch.Amerikanisch. Theater. Köpenickerstr. 67/68. Heute geschlossen. Sonnabend 8 Uhr: zum Gastspiel Ad. Philipp Er und Ich m. Male Sonnt, nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Ueber'n großen Teich. Abends 8 Uhr: ER und ICH. Residenz-Theater. Oirclttion: Richard Hlejtandcr. Karfreitag: Geschloffen. Sonnabend Anfang 8 Uhr: Vvnisvs Ostersonntag und folgende Tage abends 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Oster-Sonntag nachmittag 3 Uhr: Oer Scklafwagen-Kontrolleiir. Oster-Montag nachmittag 3 Uhr: Herkulespillen._ r W M (Station Zoologischer Garten) WM- Hautstrav« KT.-WM Freitag bei ansgehobenem Wonne« ment: Oratorium Ellas. Anfang 8 Uhr. Sonnabend nachm. 3 Uhr, Heine Preise; Der Pfarrer von Kirchfeld. Abends VI, Uhr: SchüUenliesel. Qojef König a. G. Sonntag(1. Osterseiertag), nachm. 3 Uhr, kalbe Preise: Oie Zauber- HSle. Abends VI, Uhr; Schützen- Hesel. Joses König a. G. Montag(2- Osterseiertag), nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Zar und Zimmermann. Abends 7'/, Uhr: Oie vier Grobiane. Komisehe Oper. Karfreitag: Geschlossen. Sonnabend, den 14. April 1006, abends 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Sonntag nachm. 3 Uhr ermäßigte e: Figaros Hochzeit. Abends it: Hoffmanns Erzählungen. Montag nachm. 8 Ubr ermäßigte eise: Hoffmanns Erzählungen. iends 8 Uhr: Figaros Hochzeit. Luisen-Theater. Heute geschloffen. Sonnabend abend 8 Uhr: Die Haubenlerche. Sonntag nachm.: Kätbchen von Hell« bronn. AbenW: Em Sommernachtstraum. Montag nachm.: Wilhelm Teil. Abends: Robert und Bertram. Dienstag nachm.: Maria Stuart. WendS: Der Verschwender. Carl Veiß- Theater. Gr. Franfsurterstr. 132. euteu. morgenSonnabend geschlossen. ionntag(1. Feiertag), abends 8 Uhr, zum erstenmal: Die Jagd ums ßebe«. Am 1. und 2. Feiertag im Garten: Erste große Spezialitäten-Porst. Ans. 4 Uhr. Dienstag Kindervorst., lleine Pr.: Oornröschcn. Ans. 4 Uhr. W. Hoacks Theater. Direktion: Hob. Dill. Brimnenstr. 16. Heut«: Geschlossen. An allen drei Osterseiertagen: Der Edelhof oder: Durch Kindesliebe versöhnt. Volfsschauspiel in 4 Akt. v. A. Bolle. Ans. 8 Uhr. Entree 30 Ps. bis 1 M. Schiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theaier). Karfreitag: Geschlossen. Sonnabend, abends 8 Uhr: Ktfnlgsglanbe. Ein biblisches Drama in 5 Auszögen von Hermann Stodte. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Die Macht der Finsternis. Sonntag, abends 8 Uhr: Gyges nnd sein Ring. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh.Th.) Karfreitag: Geschlossen. Sonnabend, abends 8Uhr: Wanjnschlns Kinder. Drama in 4 Asten o. S. A. Raidjonow. Deutsche Bearbeitung von Haus Kausmann und Max Lie, Sonntag, nachm. 3 Uhr: Her G'wlssenswurni. Sonntag, abends 8 Ubr: Has Glück im Winkel. c Panoptikum »c»»»MAG? Friedricbstraüe 165. harfvarlsAbende •mmmm. Volkstümliches Cabaret.—— Abends 6 Uhr u. a.: Der urkomische Bendlx. 13 Mittwoch, den 18. April: Schiltst der Saison!-WM Zirkus Albert Schumann Freitag: Keine Vorstellung. Sonnabend präzise 7'/, Uhr: Grande Soiree High Life. Gala-Programm. U. a.: Sensationelle Novität! tlspamscke Gaukler Ferner: Eine absolute Sehenswürdigkeit! Chi». Fische fangende Tanchervögel VoiHnursns. Neul Die Berühmte Reitersamilie Cardinale. Neul Arsens& Viktor. Zum Schluß zum 116. Male: Fiäswb.a väs neue remma Frmienreich. A v i s I Sonntag und Montag: An beiden Osterseiertagen: le zwei Gala-Fest-Vorstellungen. Nachmittags ein Kind frei. Sozialdemokratischer Wablverein Bezirk Weißensee. Montag, den 16. April 1906(2. Osterfeiertag): JP HeinesAbend � im Schloß Weißensee. Kün s tl e r is ch e s Pro gr am m. (Musik- Instrument von Herrn A. Horn, König- Ohausee 27, zur Verfügung gestellt.) - Auszüge aus dem Programm.- Sonate von Mozart(Fräulein Alberts am Flügel.) Sonate pathetiqoe(Duett für Klavier und Violine) von Beethoven. Fröhlingslied von Mendelssohn. Aai Flügeln des Gesanges von Mendelssohn. Am Meere von Schubert.(Gesungen von Herrn Drillmann.) 18/6 Anfang 71/, Uhr abends. Entree 60 Pf. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt. Um zahlreichen Besuch bittet Das Komitee. XI. Berliner Saison. Nur noch knrase Zeit! Zirkus Busch. Heute geschlossen. Sonnabend V/, Uhr: Große Pest Vorstellung. Um 8'/, Uhr! KW Von! *?£! dressierte*7(1 ■ V Eisbüren■ U unter persönlicher V orführung des Herrn Hagenbeck. Fräulein Marie Eliee, Schulreiterin und die vorzüglichsten Programmnummem. Zum Schluß zum ISO. Male: Oie neueste und gröBie Sehenswürdigkeit Berlins: ♦ Indien. ♦ Orig.-Fantom. d. Zirkus Bosch. Besonders hervorzuheben: Eine Tigerjagd. Kente geschlossen. des glänzenden April-Programms Polles Caprice iBadapester Possen-Theater c 132 Liniensir. 132, Ecke FriedrichstraBe. Heute: Geschlossen. Sonnabend: Zum 28, Maie: Der Schmock und Dalles& Co. Ansang 8 Uhr. Kasse den ganzenTag geöffnet. Vorverfaul bei Wertbeim. Walhalla-Theater Heute geschloffen. Sonnabend: Einer von unsere Leuf! Volksstück in 6 Bildern nach y. F. Ans. 8 Uhr. Berg von D. Kalisch. Rauchen überall gestattet. ltasino-l'keater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Karfreitag t Gesehtlosen. Die Herren Söhne. Gastspiel v, Tower u. Clayton. Neu! filckson nsw. usw. Sonntag nachm. 4 Uhr(1. Feiertag): Ein Sohn des Volkes. Montag nachm. 4 Uhr(2. Feiertag): Arbeit schändet nicht. Sanssouei.straße'a' Dir. Wilhelm Reimer. Wegen Vorbereitungen zu d. Feiertagen geschlossen. An allen drei Festtagen: Grolle Eitpa-Fest-Soireen Bon Hoitnianns Norddeufsciie Sänger. 2. u. 3. Feiertag: Grofies Oster-Frühlings-Kränzchcn Passage-Theater, Anfang 8 Uhr. Das origiuellcAprit-Programm. I L-ucle König Bortrags-Soubrette. Marka Frey», Exeentrique. Teddl-Trlo Trampolin- All. Ferner 14 neue Spezialitäten.| T rianon=Theater. _ Heute geschloffen._ DM- Sonnabend 8 Uhr:-M> Das Ende der Liebe. frödelz Allerlsi-Tkeslei' Schönhauser Allee 148. Am 1. Feiertag: Vereins-Vergnvgen. SV 2. und 3. Feiertag:-MS kroke feZl-Vorslelluiig _ und daraus folgendem_ Fest-Tanz.-WM Eröff. 6 Uhr. Ans. 7 Uhr. Entree 40 Pf. Belle- AUiance Eintritt 50 Pf. Theater- Varittt. Ansang 8 Uhr. Allas-ndiich: Heinz Buda der Sänger mit der Laut« und das neue glänzende April-Konkurrenz-Programm. paiast-Theater Burgstr. 24, 2 Min. v. vh. Börse. Wegen umfaffender Vorbereitungen für daS Oster-Programm eitag, den 13. April 1S06, nnabend, den 14. April 1906 geschloffen. Sonntag(1. Osterseiertag), 15. April, abends'1,8 Uhr: Das einzig dastehende, vergrößerte April-Programm! Stadt-Theater Moabit Alt-Moadtt 47/49. Heute: Geschlossen. Nächste Wonnementsvorstellimg beS Bernd. knse-Ideaters Donnerstag, den 19. AprU 1906: Eine Gefallene oder: Flu H ind der Ulebe Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Heute geschlossen. An den drei Osterseiertagen, Große W-Vorstelluvge«. Bei günstiger Witterung: Eröffnung des Sommrrgartens. olossenni Dresdenerstr. 97. Größter Erfolg gM» des neuen*98 Spealalitttten-Progr. c Reichshallen. Heute: Keine Soiree! Morgen: Stettiner Sänger. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Gustav Behrens SpezialitätBD- Frankfurter Allee 85. Das vorzügllclie Hpril-Propti! Heu! Neu t Die weibliche musikalische ROckkompagnie. Posse mit Besang und Tanz. Während der Karwoche außer Kar- sreitag: Tßglich Vorwtcllnng. a.Vb,„Kreuzberger Harmonie".TüZI: Sonntag, den 15. April, abends T'/z Uhr, im»Deutschen Hof", Lockauer- Straße Nr. Konzert 15: unter Mitwirkung des Herl. Sinfonie-Orchesters (Maximilian Fischer). sind nnr bei den Mitgliedern zu haben. Ras Komitee. IN Brauerei friedrichshain früher Lipps(Oekonom: E. Niemann) am Königetot. == Größter Konzertsaal Berlins.==; Vom ,5. HprU ab auf kurze Zeit, AM" Täglich: Populäres Konzert von 3oliann Strang a® Wien Dirigent der K. u. K. Oestarreich. Hofballmusik mit seiner gesamten Kapelle. Anfang an Wochentagen 8 Uhr, an Sonn- u. Festtagen 7 Uhr. Entree an Wochentagen 60 Pf., Reserv. Platz 1 M., an Sonn- nnd Festtagen durchweg 1 M. Diez' Seeterrasse, Mtenberg Röder- Straße Mo. 6 (5 Minuten von Landsberger Allee und 1 Minute vom Röderplatz entfernt). Größtes und schönstes Vergniigungs-Etablissemrnt deS Ostens SJM" mit großem See.-WW Fahrverbindungen ab Alexanderpl. Linien 64, 65, 66, 67, 68, 69, 76, 71, 81. Am ersten, zweiten und dritten Osterseiertag: Gr. Lntzow- Konzert in Jäger-Uniform. erstklassiges Spezialttäteti-Theafer. Um 5>/, und 9 Uhr im Feuerwerk: Auftreten der weltberühmten Turmseilkünstler J. H. lilepelt und Hiß Harry. In zwei Sälen: 15 Ruderboote. Vier verdeckte Volksbelusttgunge» Kavalier-Ball. Riesen-Kaffeeküche. Kegelbahnen. aller Art. Gute Speisen und Getränke zu zivilen Preisen. Bei ungünstiger Witterung Schutz sär 6606 Personen. Aegidius Diez. I». bis 17. April: Wo Frühjahrs- Garten hau- Ausstellung im Landesausstelliuigspark am Lehrter Bahnhof veranstaltet von der Firma Adolf Kosohel. Eintritt SO Pfg. 855L*| ♦c Moerner's Blumengarten Ober-8chöneweide Dampferstation Stern empfiehlt sich zur Abhaltung von Sommerfestliehkelten Jeder Art.| 2 große Säle.— 3 Familien-Katfee-Kochknchen. =3�C=I* Neueröffnet! jasstelinngs- -(St. Louis) Theater lehender Photographien mit Neul Die Hungerleider. Neul Soziales Bild aus dem Leben. Den ganzen Tag Vorstellung. Otto Pritzkowy Münzstraße 16. Verpümsparh Inngfernheide. ÄÜ:!e rtpp aller Irl'"••ÄÄ""'*" 2 Kegelbahnen. Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet Für Veretnssestlichkeiten ganz besonders geeignet. Um regen Zuspruch bittet[87721 Stein, Restaurateur. | Krug zum 1 Grünen Kranze | Alexanderplatz %»(im Keller)== Allabendlioh: „Fideütas!" Damen-Orchester Bedienung nach Münchener Art. Lntrea frei Säle v. 200-1000 Pers. fassend. }» aaaasaaeeegge in norltzplatz. Täglich den uutcrcu Säle» Qottschalk-Konzert. Piers Kestanrant Ä# Oranlenstr. 11». Empfehle mem nett renovierte» Lokal mit Verewszimmer und lade freundlich zum Besuche ein. Il32b' grau Kiler. An allen Orten werden VerkaufsstelUa errichtet. Vertreter gesucht. Gebrüder Krayer, Mannheim. Zur Wachtelbarg. Hennilkendorf bei Bahnhos Straast. berg. Schönstes und romantisch ge. legenes Etabliiieineitt, meilenwette Fernsicht, herrliches Panorama nach den RüderSdorfer Kalkbergen ,e. * G. Goldgrhbe. III. Wahlkreis. Sonntag, den 15. April(1. Oster-Feiertag), bei Buggenhagen am Moritzplatz(im grossen Saale): Große Matinee ausgeführt von den FfitZ Steidl-SäHgefll. Anfang 12 Ubr, Programm an der Kasse. Eege Beteiligung erwartet 240/13 Entree Das Komitee Sozialdemokratisclier Wahiverein für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Sonntag, den 15. April 1906(1. Oster-Feiertag); Große Matineen im Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserstraße 4a, vnd in Louis Kellers Festsälen, Koppenstraße 29. Aultreten der Gesellschaft Strzelewiez und der Volksssnger-Gesellschaft Scbmeltxer, Onörlch, Balze. Dia Boalb wird ausgeführt vom Berliner Konsert- Orchester and vom Irenen Berliner Konzert- Orchester anter Leitung der Direktoren Herren Bange and Tletz. Anfang pünktlich 12 Uhr. Killet 30 Pfg, OeSentliche Kasse findet nicht statt. Das Komitee. 6. Wahlkreis. Montag, den 16. April(2. Osterfeiertag): Neun Matineen Wiara forsli. In den Gesamträumen der„Brauers! KSnigstadt", Schönhauser Allee 10 und „Fröbels Allerlei-Theater', Schönhauser Allee 148 anter Mitwirkung der Horst Mord- dentschen Humoristen und t�uortcttaftnger and des ausgi Verbandes der lande. Dir. M. Mehlhase. Kassenverkauf findet nicht statt. angei terllner Ulk.Trio. Konzert HW «führt von Mitgliedern dos'Zentral- 2üvümusiker Deutsch- Oranienburger Vorstadt. „Germanla-FeeUäle"(Großer Saal), Ohausseestr. 103 unter Mitwirkung des Gesangvereins „lf ordwaeht"(Mitglied des Arbeiter- Sängerbundes) und der Hambnrcer fetlingor(Direktion W. WoLS). Herren Wolf!. Werner, Holder, Peldow-Beohly, Grömng, Christen, Held und Manthey. Batl*oHmiedertKa*Unienwäldehen,Badstr.l6 Bernhard Rose-Theater, Badstr. 58. Schirms FestsSle, Badstr. 19. Mitwirkende: Willy Waldc-SÄnger. Kord deutsche SKncer. Elite- Streich-Orchester des Musikdirektors Herrn Fritz Blume. Kassenverkauf findet nicht statt. Wedding. „Feldschlfinchen", Müllerstr. 142 unter Mitwirkung des Gesangvereins ..Freiheit- Mord"(Mitglied des Arbeiter-Sängerbundes) und Paul Schttnherrs Erfurter Qnnrtett- shnger und Hamerlsten. Moabit „Hoabiier Gesellsehaitshans'S Widefstraße No. 24 und„Branerei Patzenholer", Tunnstraße No. 25—26 unter Mitwirkung der Volkssänger- Gesellschaft„Strzlewlcz" und„Eewandowsky" sowie des Gesangvereins „Vereinte Sangesbrüder Honbit" und turnerische Aulführungen von Mitgliedern des Turnvereins„Fichte". Kassenverkauf findet nicht statt. X X Aenderungen des Programms vorbehalten. Erfifioaiig II Uhr. X X X Anfang präzise l? Uhr. X Enfree 25 PL Stühle und Tische dürfen siebt reserviert werden. Zu zahlreichem Besuch ladet ein 247/20 Dm Komitee. Seglers Schloß Schmöckwitz Tel. Amt Grünau Mr. 32. 7352» Den geehrten Bereine« und Gewerkschaften empsehle ich mein herrlich am Langen und Seddin-Zee gelegenes Stablifsement mit großem, schattigem Garten und S00 Neter»off erst ontju MG" Dampfer-Partien«»» Land- Ausflügen.-WW «egelbahnen.- Ausspannnng füt 40 Pferde.- Tampferftation der SterNiGefellschaft. Gutgepflegte Biere.-MW SM" Exquisite«siche. Vresöcnen Oaslno, u"'.fZ7Iyt>�3e- Große Fcstiäle füt Vereine. Versammlungen. Hochzeiten usw. mit großer neuer, elektrisch beleuchteter«uyiie(18 Verwandlungen). 100- 1090 Personen lassend. Inhaber: Adolf Hnxfeldt. Arbeiter-Biidungs- Schule. Gewerkscbaftshaus, Engel-Ufer 15, Hol links 2 Tr. Sehrplan für das 2. Quartal 1906. Klontag: Nationalökonomie(Die Kartelle). 1. B e g r i f f und Geschichte der Kartelle.— 2. E i n- zelne deutsche Kartelle; Kohlensyndikat; Stahlwerksverband; Kalisyndikat; Druckpapierfabriken-Verband; Zentrale für Spiritnsverwertung; Zuckersyndikat; Zentrale für Milchverwertung; Buchhändler-KartelL— 3. Die Trusts.— 4. Die Kartelle in ihrer Bedeutung für die Entwickelung der kapitalistischen Weltwirtschaft. Vortragender: Max Grunwald. Dienstag: Geschichte(Die politischen Parteien der Gegenwart). 1. Die Reorganisation der Sozialdemokratie(1875).— 2. Wiederbelebung der konservativen Partei.— 3. Die Parteien und das Sozialistengesetz(1878— 1890).— 4. Das Zentrum im letzten Jahrzehnt Bismarcks.— 5. Zersetzung des Liberalismus in den achtziger Jahren.— 6. Aufschwung der Sozialdemokratie (1890—1903).— 7. Das Zentrum unter Wilhelm H.— 8. Der Bund der Landwirte.— 9. Liberale und reaktionäre Parteisplitter.— 10. Die Zusammenschmeißung aller bürgerlichen Parteien gegenüber der Sozialdemokratie. Vortragender: Dr. Max Maurenbrecher. Mittwoch: Natur-Erkenntnis(Grandzüge der allgemeinen Lebenskunde[Biologie]). 1. Begriff des Lebens. Aufgabe der Lebenskunde und ihr Verhältnis zu den übrigen Wissenschaften.— 2. Keimzeichen der lebendigen Substanz(Physik, Chemie und Struktur des Plasma).— 3. Die Zelle als Elementarorganismus. Einfache und zusammengesetzte Organismen.— 4. Die Ernährung(Aufbau und Zerfall des Plasma).— 5. Die Fortpflanzung(die verschiedenen Arten der Zeugung).— 6. Die Bewegung(Mechanik des Plasma). 7. Die Empfindung(unbewußte und bewußte Empfindung. Reaktion auf Reize usw.).— 8. Das Geistesleben(Gehirn und Seele).— 9. Ursprung des Lebens(Vergleich zwischen unbelebter und belebter Natur. Die einfachsten Organismen).—: 10. Die Entwickelung des Lebens(Abstammungslehre, Darwinismus, Keimes- und Stammesgesohichtb usw.). Vortragender: M. H. B a e g e. Donnerstag: Wesen und Wirken der Gewerkschaften. 1. Entstehung einer Gewerkschaft. Organisations- fähigkeit. Branchen- oder Betriebsorganisation. Organisation der Frauenagitation.— 2. Verfassung und Verwaltung. Lokal- und Zentral Organisation. Selbstverwaltung und Berufsbeamte. Industrieverbände. Gauverwaltun s. Generalversammlung.— Die Gewerkschaftskartelle. Die Generalkommission. Internationale Organisation.— 3. Finanzielle Gestaltung. Beitragshöhe. Beitragsklassen. Lokalfonds. Anlage des Gewerkschaftsvermögens.— 4. ünterstützungs- wesen. Arbeitsnachweis. Herbergen.— 5. Die Beeinflussung des Arbeitsmarkte s. Arbeiterinnen. Lehrlingswesen. Ausländer. Recht auf bestimmte Arbeiten. Die Maschine.— 6. Das Verhältnis zu den Unternehmern, I. Das Rechtsverhältnis. H. Arbeitszeit. HI. Lohnhöhe und Lohnformen. IV. Regelung des Betriebes. Arbeiterausschüsse. Interessengegensatz und Klassenkampf.— 7. Die Kampfesformen. I. Streik und Streiktaktik. Boykott. Kontrollmarke. II. Aussperrung und schwarze Listen. Arbeitgeberverbände.— 8. Gemeinschaftliche Regelung. Tarifverträge. Einigungsämter. Paritätische Einrichtungen.— 9. Sozialpolitische Aufgaben: Statistik. Arbeitersohutz. Arbeiterversicherung. Gewerbegericbte. Proportionalwahl. Rechtshülfe. Kinderschatz. Die Arbeitersekretariate.— 10. B i 1 d u n g s p f 1 e g e. Moralische und hygienische Erziehung. Vorträge. BibUotheken. Die Alkoholfrage.— 11. Die Stellung zu Staat und Gemeinde. Koalitionsrecht und Rechtsprechung. Zweierlei Recht. Gute Sitten. Arbeitslosenfürsorge. Staats- und Gemeindearbeiter.— 12. Die Stellung zur Politik. Neutralität. Syndikalismus. Internationalität und Krieg. Maifeier. Generalstreik,— 13. Gewerkschaft und Genossenschaft: Produktivgenossen- Schäften. Der organisierte Konsum. Die Genossenschafts- angestellten. Die Macht der Arbeiterklasse.— 14. Gewerkschaft und Sozialismus: Erfolge und Grenzen des Gewerkschaftswesens im Rahmen der kapitalistischen Gesellschaft. Das notwendige Bndziel der Gewerkschaftsbewegung. Vortragender: Simon Katzenstein. Freitag: Rednerschule(Uebungen im Halten von Vorträgen und in der Diskussionsrede). Vortragender: Heinrich StröbeL Der Unterricht beginnt in Matlonalökonomie: Montag, den 23. April; Geachlchte: Dienstag, den 24. April: Matar- Erkenntnls: Mittwoch, den 35. April; Oewerkscnafcswesen: Donnerstag, den 26. April; Bednerachale: Freitag, den 27. April. Jeder Kursns erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 9 Uhr und endet pünktlich um Vill Uhr. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichts- geld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 Mark und ist spütestens am zweiten Abend zu zahlen. Der erste Abend jedes Kursus steht jedermann zum unentgeltlichen Besuche frei. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Sohnllokal Dewerkachaftshan«, Engei- Ufer 15. Hof llnha<ö Tr., und in nachstehenden Zahlstellen: Ctottfr. Schal«, Admiralstraße 40a; Real, Barnimstraße 42; TogeL Demminerstraße 32; Kranae, Müllers traße 7a: Horaeh, Engel-Ufer 15. Alle Zuschriften EammA, Berlin S. 59. Freiligrathstra Sendungen an den Kassierer H. Ktfnlj beide 56, au senden. sind an den Vorsitzenden Hermann ■thstraße 3, Quergeb. IV, Geld- "" ga, Berlin 8. 69, Hasen- Der Toratand. Rcftaurant„Dum Jägerkeim"| ■v■■■ Inhaber: Josef Knra.■ Treptow, an der Verbindungsbahn 19, Köpenicker Landstraße 19. Meinen zirka 1500 Personen fassende» Garten empsehle zu allen Fest» Nchkeiten.— Saal.— 4 Kegelbahnen.— Kaffeelüche von 2 Uhr an. »»lÄ M Mt>»>»>>»»»»»»»> tili Diez* Spezialitäten-Theater. Landsberger Allee 70/79(Ringbahn-Station). ObschSn! 3. c'f.cVfctrSe; GPa Konzert Ob Rege»! erstklassige Spezialitäten- Vorstellung und Ball. Kaffeekttcbe. X X Volksbelnstlgnngen aller Art. (Restaurant Waldschloß Schöneicher Inhaber Emil Sttßmilch. Den Genossen bringe ich zum Karfreitag und zu den Osterseiertagen\ und am Waffer gelegenes Lokal tn sreundltche rtfilA sif>•.■< ( ( ] mein mitten im Walde ( Erinnerung. ( hos Rahnsdors____________ WM,_. W mnstk. Für gute Speisen und Getränke werde ich bestens f tragen und bitte um zahlreichen Besuch. W»»wm»»»»»m»»»WWWWWWM»WWWWWW in im Walde und am Wäger gelegene« mal tn ireunourhe Saal, Kegelbahn, große Ausspannung. Vom Bahn- dors schöner Waldweg. Am 2. 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Abteilung jeden zweiten? im Monat, abends 9 Uhr, bei. Hermannstr. 49(Apollo-Thealer). Hauptoersammlung des Vereins jeden vierten Dienstag im Monat. Der Eintritt in den Ar- beiter-Radsahrer-Verein beträgt mit Bundes- Einschreibegeld 75 Ps., wofür das Bundesabzeichen geliesert wird. Idenatl. Beitrag mit Bundesbeitrag 35 Pf., dafür leistet der Verein seinen 2. Eine' Krankenunterstützung von wöchentlich 3 M. aus die Dauer von 4 Wochen. 3. Bei Vereinstonren er- 'allen arbeitslose Mitglieder bei einer alben Tagestour 1 M. Zehrgeld, bei einer ganzen Tagestour 2 M. Kranke sowie arbeitslose Mtglieder find vom Beitrage befreit. Im Winter finden wissenschaftliche Vorträge statt. Auch steht der Verein leinen Mitgliedern mit Rat und Tai zur Seite. Jede weitere Auskunst erteilt der Vorsitzende ErUx Richter, Rixdorf, Berlinerstr. 27, v. in. 12/7 Wanzen, Schwaben Xbs Ungeziefer Ä vertilgt man totsicher und schnell nur allein mit Moa's unerreicht., unfehlbaren SpezialMitteln. Preis p. Port. m. 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Zl», Große Bockenheimer- straße 6. wi In II. tpril Ii; jsrsJiL: Auf fast alle Waren Doppelte jtahattmarkett. Louis Heymann Heltcotea Älarenhaue des Kottbuserdamm 73 ZZerantlvortlichcr Redakteur: Hans Weber.. Verlin. gür den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke, D-rlin. Druck u. Verlag: VorwärtsBuchdrtickerei n. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Verlin SW. ».!». b w™ z. KtilM Ks Lmiills" Klllim MÄR partei-)Znge!egenkeiten. Zur Lokalliste! Folgende Lokale stehen der Arbeiterschaft zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung: In Fangschleuse das Restaurant W e r l s e e, Jnh. Franz Varolewsky; in Marzahn das Lokal von Albert Schulz(Verkehrslokals; in Fried- richs Hagen das Strandschlotz am Müggelsee; in T e g e l das Lokal von Wilhelm Falk, TreSkow- und Brunowstrasten-Ecke. Ferner ist zur Lokalliste zu berichtigen: Unter Friedrichs- b a g e n: Restaurant Wilhelmshof am Bahnhof Hirschgarten muh heihen: Restaurant Waldburg am Bahnhof Hirschgarten. Die Lolalkommission. Rixdorf. Die Mitglieder des Wahlvereins machen wir darauf aufmerksam, dah die Generalversammlung infolge der Feiertage auf Dienstag, den 24. April er., verlegt ist. Näheres über Ort und Tagesordnung finden die Mitglieder auf den ausgehängten Plakaten. Der Vorstand. Wilmersdorf. Arbeiter, Parteigenossen und Gewerkschaftler, die Ihr die Feiertage Ausflüge»ach Wilmersdorf zu machen gedenkt, achtet streng darauf, dah der hiesigen Arbeiterschaft zu Versamm- lungen kein Lokal zur Verfügung steht. Es kommt zunächst der«L u i s e n p a r k"(Inhaber S t r u h) WilhelmS«Aue in Betracht, dessen Lokal trotz mehrmaliger Verhandlungen bis jetzt für die Arbeiterschaft nicht frei ist, auher für Vergmigungen; da dürfen auch die Arbeiter ihr Geld verzehren, aber zu ernsten Beratungen ist ihnen das Lokal verschlossen. Mache also jeder Arbeiter seine Kollegen, Verwandten und Bekannten darauf aufmerksam, dann muh es uns gelingen, auch am hiesigen Ort ein Lolal zu erringen. Spandau. Am 18. April, abends 8 Uhr, findet bei Kuinke, Schönwalderstrahe. eine öffentliche Gewerkschaftsversammlung statt. Genosse Ad. Ritter hält einen Vortrag über„Arbeiterversicherung". Berliner jVaebriebten. Führer durch Berlin. Wenn der Frühling kommt, dann wächst alljährlich aufs neue der Fremdenzuflutz nach Berlin. Namentlich die Osterfeiertage führen zahlreiche Besucher hierher, nicht bloß Gäste, die in Hotels llnterkuuft suchen, sondern mehr noch solche, die mit einem Quartier bei Verwandten oder Bekannten vorlieb nehmen.„Logierbesuch" nennt sich diese zweite Spezies von Fremden. Der Logierbcsuch ist nicht weniger schaulustig und nicht weniger wissensdurstig als der Hotelgast. Er wünscht sich genau so zu amüsieren wie dieser, aber er erwartet, dah das Amüsement ihm von denen bereitet wird. die er mit seinem Besuche beglückt. Das ist in der Regel schon deshalb eine schwierige Aufgabe, weil der Durchschnittsmensch tags- über seine Arbeit hat. Dem Gast aus der Provinz geht es zwar daheim ebenso, aber hier in Berlin will's ihm nicht recht in den Kopf, dah andere Leute wichtigeres zu tun haben, als für sein Amüsement zu sorgen. Er setzt als selbstverständlich voraus, dah wir ihm ein Führer durch Berlin sind, damit er unter unserer sachverständigen Leitung Berlin kennen lernt. Und da ergibt sich nun für uns eine zweite Schwierigkeit. Wer von uns Berlinern darf behaupten, dah er Berlin wirklich kennt? Du kannst in Berlin geboren sein und schon Dein halbes Hahrhundert auf dem Rücken tragen und hast vielleicht dessen- ungeachtet keinen Schimmer von unseren ,. größten Sehenswürdig- leiten". Ach, es wird ja heutzutage den Fremden so leicht gemacht, sich aus Reisehandbüchern im voraus aufs gründlichste zu infor- nneren. so dah am letzten Ende unser Logierbcsuch schlauer ist als wir selber und uns selber zum Führer durch Berlin wird. Hand aufs Herz, wer von uns Berlinern guckt denn hinein in solche Bücher l Welcher Berliner lernte sie überhaupt kennen, wenn nicht der Provinziale sie ihm unter die Nase hielte und ihm daraus bc- wiese, dah er, der Berliner, ein kläglicher Ignorant ist! Doch das wird jetzt wahrscheinlich endlich anders werde». Ein unternehmender Mann ist auf die Idee gekommen, einen Führer durch Berlin zu fabrizieren, der auch von Berlinern gelesen sein will und übrigens auch nur von Berlinern richtig gewürdigt werden kann.„Berlin und die Berliner" nennt sich dieses Opus. Verleger ist I. Bielefeld in Karlsruhe; der Verfasser hat die Vorsicht gebraucht, anonym zu bleiben. „Berlin und die Berliner" ist ein 536 Seiten starkes Buch— fast so faustdick, wie die Aufschneidereien, mit denen wir Berliner unserem Logierbesuch imponieren würden, wenn"die Provinzialen nicht alle schon viel besser Bescheid wühten als wir. Der Verfasser gelangt in der Einleitung zu dem offenen Bekenntnis, sein Buch sei„vollkommen wie Berlin und die Berliner". Die kleine Bosheit soll nicht nur den Berlinern, sondern auch ihm selber gelten. Aber, wer weih, ob es ihm völlig klar ist, wie er sich selber ironisiert! Zwar weih er viel, doch— soll er alles wissen. So ver- langt's der Provinzgast von dem Berliner, den er besucht, so ver- langt's auch der Leser eines Handbuches von dem Verfasser. Um eine Antwort darf der Führer, den der Wisscnsdurstige befragt, niemals verlegen sein. Da wird dann frisch darauflos schwadroniert. ohne dah der Führer ahnt, welche drolligen Mihverständnisse ihm passieren. Auch der Verfasser von„Berlin und die Berliner" hat gemeint, dah er alles wissen müsse, und richtig sind da auch ihm etliche erheiternde Irrtümer zugestohcn, wie sie nur der„echte" Berliner fertig bringt. Doch das sind Schönheitsfehler, die bei der Lektüre des Buches nicht stören und den Genuh nicht beeinträchtigen. „Berlin und die Berliner" ist ein unterhaltendes Buch, keine trockene Aufzählung der Wissens- und Sehenswürdigkeiten, die unsere Stadt zu bieten hat. Der Verfasser beherrscht die ganze Stufenleiter des Witzes, vom geistvollen Bonmot bis zum albernen Spähchen und blödsinnigen Kalauer.„Berlin und die Berliner hätten so etwas läng st verdien t". setzt er vielsagend an die Spitze seines Buches. Man kann dem„echten" Berliner nur raten, sich das Buch zu kaufen und nachzuschauen, ob er es wirklich verdient hat. Der Leser aus der Arbeiterklasse, das wollen wir ausdrücklich hinzufügen, wird vermutlich wenig befriedigt sein, wenn er das offenbar nicht billige Buch(dessen Preis nicht angegeben ist) an- schafft und durchstudiert. Ueber Berlin als Arbeitsstadt findet man nicht viel darin, über Berlin als Arbeiterstadt beinahe aar nichts. Der Verfasser hat wohl selber gefühlt, dah er hierüber nichts von Belang zu sagen weih. Bekannt sind ihm höchstens die Gesellschaftsschichten, die sich durch„Besitz und Bildung" aus zeichnen. Uebrigens darf er für sich geltend machen, dah Berlin als ArbeitSstadt oder gar als Arbeiterstadt dem Lesepublikum, auf das er rechnet, kein Gegenstand besonderen Interesses sein kann. Wer von Berlin Unterhaltung erwartet, der wird— ob Berliner oder Fremder— kein Verlangen danach haben. daS arbeitende Berlin kennen zu lernen. Ja dem Kinderhaus. Blumenstr. 73. befinden sich von jetzt an folgende Einrichtungen: 1. Säuglings- Fürsorgestelle I der Schmidt-Gallisch' Stiftung zur Ueberwachung und Milchversorgung von Kindern unbemittelter Eltern, welche im Osten und Nord« Osten der Stadt wohnen. 2. Poliklinik von Herrn Dr. H. Neumann. ausschlietzlich für Unbemittelte; dieselbe enthält Spezialabteilungen für alle Arten von Krankheiten. 3. Aufnahmestelle für die Kinder- Heilstätte Dyrotz; in derselben werden nur Kinder jeden Alters verpflegt, welche nicht für Ferienkolonien oder See- Hospize geeignet find. 4. Station für kranke Kinder. 5. Unterkunft für hlllfsbedürftige Wöchnerinnen und deren Säug- linge; in dieselbe werden unentgeltlich nach der Entbindung Mütter mit ihren Kindern ausgenommen und solange es nötig ist, verpflegt. Mit ihr verbunden ist 6. ein kleines Pensionat für Säuglinge, welche Ammenbrust nötig haben.(Nur gegen Bezahlung.) 7. Sprechstunde für unbemittelte Schwangere durch den Frauenarzt Dr. Gottberg (Dienstag und Freitag von 1— 2 Uhr). 8. Unterricht für Frauen aus dem Volke in der Pflege des gesunden Säuglings. Ueber den Beginn wird noch genaueres mitgeteilt. Errichtung eines Postentladcbahnhofs. Im Berliner Güterver- kehr sind mannigfache Steuerungen im Gange. Besonders auf dem Auhalt-Dresdencr Güterbahnhöfe. Die Gleise der Anhalter Bahn muhten schon vor Jahr und Tag dadurch entlastet werden, dah man die Vorortzüge nach Groh-Lichterfelde jc. von hier nach dem Pots- damer Bahnhof verlegte. Inzwischen hat nun aber der Fern- und namentlich der Güterverkehr Ivieder derart zugenommen, dah die vorhandenen Gleisanlagen bei weitem nicht mehr ausreichen. Es muh daher das langgestreckte Dreieck des Bahnhosterrains, daS von der Möckern- und Aorkstrahe begrenzt wird und seit Jahren an Private als Lager- und Stätteplatz verpachtet war, zur Anlage neuer Lade- gleise und groher, zweistöckiger Eilgüterschuppen herangezogen werden. Die Westseite der Möckcrnstrahe Ivird durch diese Neubauten ein freundlicheres Ansehen gewinnen. Zugleich sollen sowohl der Anhalter wie der Potsdamer Personenbahnhof von dem Postpäckerei- Verkehr durch Anlage eines„Postentladebahnhofs" entlastet lvcrden. Die Verhandlungen wegen Einrichtung dieser Verkehrsanlage, über die wir bereits berichteten, sind nahezu abgeschlossen. Einen kleinen Postentladebahnhof besitzt Berlin schon seit einigen Jahren an der Hamburg-Lehrtcr Eisenbahn(Jnvalidenstrahe). Hier lverden alle ankommenden und abgehenden Postwagen aiff besonderen Gleisen ent- und beladen und über Drehscheiben wieder den bereitstehenden Zügen angereiht, so dah sie während des Ladegeschäfts den Verkehr auf den Hauptgleisen nicht behindern. Aehnlich soll der große Post- entladebahnhof, der südlich der Luckenwalderstrahe, etwa zwischen der Trebbinerstrahe und dem Gleisdreieck der Hochbahn liegen wird, ein- gerichtet werden. Der Schweinemangel wird durch folgende Zahlen deutlich gc- kennzeichnet. In der Zeit vom 1. April 1904 bis 31. März 1005 wurden in Berlin 1 204 975 Schweine aufgetrieben und 1 004 206 Schweine geschlachtet, vom 1. April 1905 bis 31. März 1906 wurden 1 132 511 Schweine aufgetrieben und 932 094 Schweine geschlachtet. Im letzten Jahre wurden also gegenüber dem Vorjahre 72 464 Stück weniger aufgetrieben und 72 112 Stück weniger geschlachtet. Schweineprcise aus dem Berliner Markt. Es wurden am 11. April aufgetrieben 15 974 Schweine und 6702 Kälber; für Schweine muhten im Durchschnitt 9 M., für Kälber 8 M. pro Zentner mehr gezahlt werden als im Vorjahre; danach betrug, wie die„Allg. Fl.-Ztg." feststellt, bei einem Umsatz von 23lt Millionen Mark die Differenz 323 118 M., die von den Fleischern heute mehr gezahlt werden mutzten, als sie bei den Preisen des Vorjahres zu zahlen gehabt hätten. Dabei waren schon im vorigen Jahre die Preise sehr hoch. Die genannten Zahlen beweisen auch, wie schwer der andauernd hohe Preisstand für Schlachtvieh die gesamte Be- völkerung drückt und auf ihre Fleischernährung nachteilig ein- wirken muh. Auf den Berliner Strahenbahnen wurden im Februar d. I. 36 082 773 Personen befördert gegen 33 313 615 in demselben Monate des Vorjahres. Die Beförderung durck Omnibusse betrug 9 299 527 Personen gegen 7 550792 im Februar 1905. Die Kassen und Bureaus des Magistrats werden am Sonnabend mittags um 1 Uhr für den Verkehr geschlossen. Auf der Suche nach einem Prinzen. Der Maurermeister Emil Müller zu Rixdorf, Bergstr. 113, hat beim Landgericht I Klage gegen den Prinzen von Sagan, früher zu Paris, jetzt unbekannten Aufenthaltes, erhoben, und zwar auf Gmnd einer Wechselforderung über die„Bagatelle" von 125 000 Frank gleich 100 000 Mark. Interessant ist es. dah in der öffentlichen Ladung der beklagte Wechselschuldner als„Monsieur le Prince de Sagan" angesprochen und der Kläger nicht einmal„Herr" angeredet wird. Der Prinz von Sagan war schon einmal unliebsam im Gerede. AuS dem Straßenverkehr. VoneinemMilitärautomobil überfahren und schwer verletzt wurde vorgestern der 52jährige Strahenreiniger Hermann Schmidt, Hochstr. 3a wohnhast. Sch. wollte in der Bruimenftrahe bei der Arbeit einem Sttahenbahn- wagen ausweichen und geriet dabei an ein voriiberfahrendes Militärautomobil, das von einem Unteroffizier geführt wurde, heran. Er wurde umgerissen, überfahren und besinnungslos in dem Automobil nach der Unfallstatton XVII gebracht. Der Ueberfahrene hatte schwere Kopf-, Arm- und Beinwunden sowie innere Verletzungen davongetragen. Ein Zusammen st oß zweier züge mit einer Equipage fand gegen 7 Uhr in der Potsdamerstrahe Fuhrherrn Elze. Schöneberger Ufer 36, Kutscher Reband geführte zweispännige Equipage führ die Pots damerstrahe entlang hinter einein Sttahenbahnwagen der Charlotten- burger Strahenbahngesellschaft, Linie R her. Bor dem Hause Nr. 12 versuchte der Führer der Equipage an dem sich langsamer bewegenden Straßenbahnwagen vorbeizufahren, als aus entgegengesetzter Richtung ein Strahenbahnzug der Linie 79 herannahte. Reband versuchte nun zwischen den beiden sich kreuzenden Stratzenbahnzügen hindurch- zufahren, wobei die Equipage zwischen den Motorwaggons fest- geklemmt wurde. Bei dem Anprall wurde die Hinterachse der Kutsche zerttümmert, während die beiden Bahnwagen unbeschädigt blieben Die drei Gefährte hatten sich derart ineinandergefahren, daß eS längere Zeit dauerte, ehe die zertrümmerte Equipage ftei gemacht werden konnte. Der Unfall, bei welchen, Personen glücklicherweise nicht verletzt wurden, rief eine gröhere Verkehrsstörung hervor. Straßenbahn- vorgestern abend statt. Die dem gehörige, von dem Osterpause im Kriminalgericht. In dem Kriminalaerichtsgebäude zu Moabit haben gestern die letzten Sitzungen fast sämtlicher Strafkammern und Schöffengerichte stattgefunden und die Strafrechtspflege hat eine sechstägige Ruhe- pause. Der Dienstag und Mittwoch nächster Woche ist für den Umzug in das neue Gebäude in der Turmstrahe bestimmt, dessen offizielle Uebergabe seitens der Bauverwaltuna an die Justtzbehörden am Ostersonnabend stattfinden wird. Zurzeit ist noch eine ganze Armee von Handwerkern in dem Riescngebäude beschäftigt und arbeitet bis zum späten Abend hinein, um die Sitzungssäle für die Strafkammern und die Schöffengerichte, in denen am Donnerstag nächster Woche be reits die ersten Termine abgehalten werden, ferttg zu stellen. Ob ihnen dies gelingen wird, erscheint demjenigen zweifei Haft, der gesten, einen Rundgang über Schutt und Trümmer in den unendlich langen Wandelgängen antreten konnte. Von den Dimensionen dieses Gebäudes, welches bekanntlich die Straf abteilungen der Landgerichte I. II und III, die Räume der Staats anwaltschaft, die Gerichtsschreibereien und vorläufig auch die Schöffengerichte aufnehmen soll, kann man sich einen ungefähren Begriff machen, wenn man hört, dah auher vielen Nebenräumen, die Zahl der Zimmer bis auf zirka 680 hinaufgeht. Das an der Turm- ftrahe belegene Haupttreppenhaus bedarf zu seiner Fertigstellung noch einer geraunien Zeit, ebenso sind die zwei Schwurgerichtssäle noch im Rohbau. Zu den Räumen des Landgerichts I gelangt man durch Portal 1 an der Wilsnackerstrahe. zu denen des Landgerichts II durch Portal 7 an der Ecke der Rathenowerstrahe. Das Langericht III tritt erst im Juni in Kraft. Um sich in dem Labyrinth von Korridoren, Trepäen und Seitengängen zurecht zu finden, wird es eines längeren Studium? bedürfen; vorläufig erhält der Besucher den Eindruck: Mir wird von alledem so dum»,, als ging mir ein Mühl- rad im Kopfe hermn. DaS ganze Gebäude ist natürlich mit allen Shikanen der Neuzeit ausgestattet, als da sind: Personenaufzüge. gut ventilierte breite Wandelgänge, weite Warteräume, elekttische Lichtanlagen, Telephonanlagen, Zentralheizung usw. usw. Die Aus- 'tattung der Sitzungszimmer ist eine sehr reiche, doch scheint es, dah die Sitzungssäle der Strafkammern zu klein geraten sind. Eine Steuerung ist, dah der Anklageraum nach dem Zuhörerraum hin durch ein hochstrebendes Eisengitter ab- geschlossen ist. Die aus dem llntersnchiingsgefängnis vorzuführenden Angeklagten kommen bei der Vorführung m,t dem Publik,»,, in gar keine Berührung mehr, vielmehr führt in jeden Anklageraum ein besonderer Gang, der auf einen nach dem Untersuch, Mgs« zefängnis führenden Hanptgang mündet. Die Oeffentlichkeit kann in den Sitzungssälen mir in sehr bescheidenem Matze zugelassen werden, denn der dem Publikum zur Verfügung gestellte Raum ist nicht sehr ausgedehnt. Die bisher den Rechts- anwälten zur Verfügung gestandenen Stühle sind in Klapp- ätze umgelvandelt, die direkt an die Vorderwand des Anklage- raumes angeschraubt sind, so dah die Verteidiger diese Wand mittelbar als Rückenlehne benutzen müssen. Die Verteidigungstische ind gleichfalls fest an den Fuhboden geschraubt; ob sie genügend Platz bieten für Asten, Tintenfässer usw., wird sich erst zeigen müssen. Für die Verhandlung umfangreicherer Strafkammersachen, bei denen ein größerer Zeugcnapparat aufgeboten werden mutz, sollen einige gröhere Sitzungssäle zur Verfügung stehen. Für die Verteidiger bieten die kolossalen Dimensionen des Baues eine weitere Erschwerung ihres Berufes und wer von ihnen dort während eines Tages an verschiedenen Stellen seines Amtes zu walten hat, wird den Vorzug haben, in den Ge- richtsferien auf eine Bewegungs- und Entfettungskur verzichten zu können. Die Herausgabe eines Bädckers durch das Kriminal- gerichtsgebäude dürfte sich vielleicht lohnen. Jedenfalls ist den An« geklagten und Zeugen, die zum Verhandlungstermin geladen werden. dringend zu raten, schon geraume Zeit vor der Terminsstunde zu er- scheinen, damit sie sich gebührend orientieren können. Das neue Gebäude scheint demnach ein ähnliches Labyrinth von Gängen zu bieten, wie das Amtsgericht in der Grunerstraße, auf dem man sich ebenfalls schwer zurechtfindet. Unglücksfälle. Auf dem Rummelplatz schwer ver- un glückt ist gestem abend der 17jährige Arbeiter Richard Haupt- mann aus der Soldinerstr. 37. H. hatte sich nrit mehreren jungen Leuten auf einem Vergnllgungsplatz in der Müllcrstrahe aufgehalten und war durch eigene Schuld einer im Betrieb befindlichen Lustschaukel zu nahe getreten. Mit voller Wucht wurde er von dem Schaukelkiel an den Kopf getroffen und in bewnhtlosem Zustande nach der Unfall- station in der Badstrahe gebracht. Da der Znstand des Ver- unglückten ein bedenklicher ist, erfolgte dessen Ueberführung nach dem Lazaruskrankenhause. Durch den Säbel eines Zigeuners schwer verletzt. Auf einen» freien Platz an derKoloniestrahe produziert sich seit einigen Tagen u. a. auch ein Zrgeuner im Säbelfechten. Die Waffe, welche er zu seiner Vorstellmig benutzt, scheint jedoch keineswegs besonders zu- verlässig zu sein. Als er gestern abend wieder damit focht, löste sich plötzlich die Klinge vom Griff und traf einen der Zuschauer, den 17jährigen Bruno Baldowsky, Koloniestr. 42 wohnhaft, so un- glücklich, dah er bewnhtlos zusammenbrach. Der Säbel war dem jungen Manne mit der Spitze in das Gesicht eingedrungen und hatte eine schwere Verletzung herbeigestihrt. Bei der Arbe, t zum Krüppel geworden ist gestern der 16 jährige Holzarbeiter Willy Mumm, Rügenerstr. 3 wohnhaft. Der junge Mann, welcher in einer Holzschneidemühle in der Berlinerstrahe beschäftigt ist, geriet niit dem linken Arm so unglücklich in eine Schneidcsäge, dah ihm die Hand am Gelenk vollständig abgeschnitten wurde. Der Aermste fand in der kgl. Klinik in der Ziegelstrahe Aufnahme. Der Vorsitzende des Ardeiter- Raucherbundes, Genosse Eugen Raschle, legt Wert auf die Feststellung, dah er mit dem von uns gemeldeten BorkoinmniS, bei dem der Vorsitzende des RaucherbundeS bei einer Trauerseier von einem Kranzträger die Entfeniung der roten Schleife gefordert habe, nichts zu ttm habe, denn Raucherbund und Arbeiter-Raucherbimd hätten miteinander nichts gemein. Veranstaltungen von Gesangvereinen, die Mitglieder des Arbeiter- fängerbundes sind und sich bei passenden Gelegenheiten der Partei zur Verfügung stellen, finden an den Feiertagen folgende statt: Die in Arbeiterkreisen bekannte„Kreuzberger Harmonie� (Chormeister H. Bleil) veranstaltet am 15. April(ersten Osterfeiertag) ein Konzert im Deuffchen Hof, Luckauerstrahe, unter Mitwirkung deS Berliner Symphonieorchesters, Dirigent Maximilian Fischer. Zum Vortrag gelangen Chöre von Koschat, Mendelssohn, Mozart, Otte- graven. Schulten, Silcher und v. Suppe.(Siehe Inserat.) Der Gesangverein„Neu Erwacht"(Chormeister Bleil) hält am zweiten Osterfeiertage in den Räumen der Sophien-Säle. Sophienstr. 17/18, ein FruhjahrSkonzert ab. Anfang 6 Uhr. Johann Strauß-Konzerte werden auf eine kurze Zeit im großen Konzertsaal der Brauerei FriedrichShain veranstaltet. Am Oster- sonntag findet daS erste statt. Feuerwehrbericht. Gestern nachmittag wurde die Feuerwehr nach der Ecke der Elsasser- und Borsigstrahe gerufen. Ein be- trunkener Mann war dort auf daS Dach gestiegen und versuchte auf die Strahe zu springen. Die Feuerwehr war bald zur Stelle und holte den Betrunkenen trotz seines Sträubens herunter. In der letzten Nacht kam in der Pflugstr. 1 in einer Schneiderei Feuer aus. Kartons, Papier u. a. waren dort in Brand geraten. Wegen einer Benzinexplosion wurde die Wehr nach der Wadzeckstr. 15/16 gerufen. AusgeflosieueS Benzin war dort in Brmid geraten. In der Schivedterstr. 12 kam Feuer in einer Schlosserei aus. Späne, Regale, Kleider u. a. wurden dort vom Feuer vernichtet. Ein Kellerbrand beschäftigte die Wehr in der Hochstätterstr. 1. Stroh u. a. brannte dort. Weitere Brände wurden dann noch aus der Danzigerstr. 95, wo Möbel, Fuhböden, Kleider usw. brannten. aus der Rohstr. 25, Beusselstr. 33, Reichenbergerstr. 163 und anderen Stellen gemeldet. Wäsche, Kleider u. a. brannten dort in Boden- räumen._ Vorort- JSacbricbten. Rixdorf. Zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit will nun auch Rix« dorf Vorkehrungen treffen. Schon vor längerer Zeit hatte die Gesundheitsdeputation sich mit dieser Frage eingehend beschäftigt und ausgesprochen, dah durchgreifende Mahnahmen notwendig seien. Jetzt hat sich nun der Magistrat dieser Anregung angeschlossen. In der letzten Stadtverordnetensitzung ersuchte derselbe zur Vor- beratung eine gemischte Deputation von drei Magistrats- Mitgliedern und sechs Stadtverordneten einzusetzen. In seiner Vor- läge weist er auf das lebhaste Interesse hin. das weite Kreise de? Volkes der Herabminderung der Säuglingssterblichkeit entgegen« bringen und spricht den Wunsch aus, dah sich Rixdorf dem Vorgehen der großen Städte(Berlin, Charlottenburg, Schöneberg) anschlichen möge. Bei der Beratung im Ktadtparlament schien man anfangs auf der rechten Seite eine Ä ,aileppuug herbeiführen zu wollen, wenigstens liefen die von einigen Stadtvätern gemachten Vorschläge für die Behandlung der Sache darauf hinaus. Doch zog man nach den Ausführungen des Stadtrats Hoffmann und des Stadt» verordneten Dr. Silberstein(Soz.) schließlich vor, einzulenken. Es hätte ja auch ein»ette§ Licht auf die soziale Einsicht der Herren geworfen, wem, sie gegenüber der Tatsache, daß im Verhältnis zu den anderen deutschen Grohstädten in Rixdorf die Säuglingssterblichkeit eine enorm hohe ist, auf ihrem Standpunkt verharrt hätten. Der Deputatton"ehoren auch di« Genossen Thurolv und Dr. Silberstein an. Es ist derselben die Be- fugnis gegeben worden, zu ihren Beratungen Aerzte und Frauen als Sachverständige heranzuziehen. Hoffentlich werden Vorschläge dabei hcrauLkoinincn, die nicht etwa Halbheiten bedeuten, sondern geeignet sind, der in unserem Volksleben erschreckenden Erscheinung der Säuglingssterblichkeit mit Erfolg entgegenzuwirken. Eine neue Geuicindeschnle nebst Turnhalle wird in Kürze auf dem städtischen Grundstück am Mariendorfer Weg 69/71 errichtet werden. Der Entwurf ist fertiggestellt und bereilS von Magistrat und Stadtverordneten genehmigt worden. 40 Klaffenräume sind vorgesehen; doch ist die so notwendige Anlage von Zeichensälen und Aula wiederum außer acht gelassen. Auf eine diesbezügliche An- zapfuug des Genossen Eonrad in der Stadtverorduetensitzmig erklärte der Stadtbaurat Kiehl, daß für den nächsten Schulbau Zeichensäle bereits projektiert seien. lieber die Aula schwieg sich der Magistrats- Vertreter auS. Nur immer laugsam voran!—'das ist offenbar anch in Rixdorf im Magistrat die Devise. Der Kostenanschlag für den Bau am Mariendorfer Weg beläust sich auf eine halbe Million Mark. Schöneberg. Für die Gewährung von Freistellen an den höheren Schulen Schönebergs sind jetzt besondere Grundsätze vom Magistrat auf- gestellt worden,_ welche die Zustimmung der Stadtverordneten- versqmmlung gefunden haben. Nach diesen Bestimmungen wird ein_ solcher schulgeldfreier Unterricht nur den Schülern und Schülerinnen_ gewährt, die bei gutem Betragen. regel- mäßigem Fleitze und ausgezeichnetem Erfolge von ihrem Rektor als besonders befähigt für den Besuch einer höheren Lehranstalt em- pfohlen worden, sofern die Eltern oder Pflegeeltern der Kinder in Schöneberg wohnhaft sind. Auswärtigen Schülern kann nur in Ausnahmefällen durch besonderen Beschluß der Schuldeputation eine Freistelle gewährt werden. Die Schüler der hiesigen Gemeindeschnlen müssen, wenn sie in einer höheren Lehranstalt Aufnahme finden wollen? die vier unteren Klaffen der Gemeindeschnlen schon durchgemacht haben. Bei Aufnahme in die Mittelschule genügt schon der Besuch der drei untersten Klassen der Gemeindeschnlen. In den Vorschulklassen sowohl wie in den drei untersten Klassen der Mittelschule und der höheren Mädchenschule werden keine Freistellen gewährt, in den übrigen Klaffen der höheren Schulen bis zu 10 Proz. der Gesamt- schülerzahl.— Die Befreiung vom Schulgeld wird in der Regel stets bis zum Ablauf des Rechnungsjahres gewährt. Falls Führung und Fleiß des Freischülers zu Tadel Veranlassung geben, kann auch im Laufe des Jahres die Freischule entzogen werden. Anträge auf Bewilligung schulgeldfreien Unterrichts sind alljährlich zu wiederholen und bis zum IS. Oktober bezw. 15. August unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars an den Leiter derjenigen Schule zu richten, an welcher die Gewährung einer Freistelle nachgesucht wird. Die Formulare werden den Antrag- stellern von den Schuldienern und im Rathause von dem Bureau der Schulverwaltung unentgeltlich verabfolgt.— Diese Grundsätze sind bereits mit dem 1. April in Kraft getreten. Charlottcnburg. Die Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung vom Mitt- woch verlief im Gegensatz zu den voraufgegangenen Sitzungen recht ruhig. Die Tagesordnung war auch nicht danach angetan, die Ge- müter besonders zu erregen. In der Hauptsache standen auf der Tagesordnung Petitionen, die meist dcbattelos nach den Anträgen des Ausschusses erledigt wurden. Von den Magistratsvorlagen war nur eine von größerer Bedeutung, nämlich die betr. die E r w e i t e- rung des städtischen Elektrizitätswerkes im Jahre 1907. Da es sich hierbei uin die Bewilligung von 1 Million handelt, hielt die Versammlung es für angebracht, die Vorlage einem Ausschuß zur Vorberatung zu überweisen. Zu einer längeren Auseinandersetzung gab die Mitteilung des Magistrats betreffend Erwägungen über.Errichtung eines städtischen L e i h a m t e s Anlaß. Auf Antrag Vogel(Soz.) hatte die Ver- sammlung den Magistrat am 4. November 1905 ersucht, in Erwägung zu ziehen, ob die Errichtung eines Leihhauses für Char- lottenburg notwendig und tunlich ist, und wenn dies der Fall, eine Lorlage zu bringen, jedenfalls aber von dem Ergebnis seiner Er- wägungen der Versammlung Kenntnis zu geben. Der Magistrat teilt nun mit, daß er der Anregung keine Folge gegeben hat; er be- gründet seinen Standpunkt in einer längeren Denkschrift, die zu dem Ergebnis kommt, daß für ein städtisches Leihhaus in Charlottenburg nur ein verhältnismäßig beschränkter Kundenkreis erwartet werden könne, es sei denn, daß Betriebsgrundsätze zur Anwendung ge- langten, welche vollständig von dem Ziele einer— wenn auch be- scheldencn— Rentabilität Abstand nähmen, insbesondere also auch die verhältnismäßig recht kulanten Bedingungen des kgl. Leihamtes in Berlin erheblich hinter sich ließen. Dieser Auffassung trat Genosse Vogel entgegen, er sah aber von der Stellung eines bestimmten Antrages ab, sck daß schließlich die Mitteilung durch Kenntnisnahme für erledigt erklärt wurde. Erwähnt sei noch, daß der Magistrat der Einsetzung einer ge- mischten Deputation zur Beilegung des zwischen ihm und der Ver- sammlung entstandenen Konfliktes in der Frage der Teuerungs- zulagcn zugestimmt hat. Seitens der sozialdemokratischen Fraktion sind die Genossen Vogel und Zepler in diese Deputation entsandt. Lichtenberg. Wir haben die Macht! Ein Kommunalskandal, der die öffentliche Stellungnahme der Arbeiterschaft herausfordert, spielte sich am Donnerstag im Lichtenberger Dorfparlament ab. Zur Tagesordnung stand die Etatsberatung: der Gesamtetat schließt ab mit insgesamt 4 627 381 M. Vor der Beratung des Etats wurde die Besoldungs- frage— geregelt. Der Antrag der Verwaltung, der sich mit dem sozialdemokratischen Antrage deckte, hatte vorgesehen, für Sekretäre eine Ausbesserung von 275 M., für Untcrbeanite 150 M. Die Kom- misston setzte die Beträge aus 225 resp. 100 M. herab. Das Plenum ging weiter herunter auf 175, 150, 125 resp. 100 M. Dann kam die„Etatsberatung". Ein Hausagrarier beantragte ou bloo- Annahme. Gegen die Opposition der Sozialdemokraten nahm die bürgerliche Mehrheit diesen ungeheuerlichen Antrag an. In zirka 20 Minuten war die ganze Geschichte erledigt. Der Zweck der Vergewaltigung war, die Sozmldeinokraten zu verhindern, zu den einzelnen Titeln, speziell zu den sozialen Pflichten der Gemeinde und zu den Arbeiterverhältnissen zu sprechen, Anträge auf Ver- besserung zu stellen, wie schon vorher angekündigt war. Die bürger- liche Mehrheit hielt eS im Interesse des Besitzes für geraten, die Sozialdemokratie mundtot zu machen. Man verfuhr nach dem Grundsatz, den ein Vertreter der Mehrheit den Sozialdemokraten gegenüber kürzlich nach einer Kommissionssitzung dahin präzisierte: Meine Herreu, Sie können ja Anträge stellen, aber da wir die Macht haben, beschließen wir, wie wir wollen! Also nicht das kommunale Interesse, nicht das Gesamtwohl, nicht Recht und Billigkeit kommt rn Frage, die Macht des Geldsacks entscheidet im Lichtenberger Dorfparlament. Die sechs sozialdemo- kratischen Vertreter verließen nach dem Vergewaltigungsakt, gegen den kein einziger Bürgerlicher protestierte, demonstrativ die—„Be- ratung". Die Wähler werden Gelegenheit finden, über den Kommunal- skandal ihr Votuni abzugeben. Rummelsbnrg. Ein»euer Unglücksfall ereignete sich am Mittwoch auf dem Rangierbahnhof. Der Hnlfswagenwärter Wilhelm Sommer auS der Grünbergerstraße geriet beim Zusammenstellen eines Güterzuges so unglücklich zwischen die Puffer der Wagen, daß ihm die'rechte Brrrsti'eite eingedrückt wurde. Schwer verletzt mußte S. nach dem Krankenhause überführt werden. Der Rummelsburger Rangierbahn- Hof ist durch die in letzter Zeit so oft vorkommenden Unglücksfälle beinahe berühmt geworden. Obwohl die Lage der Eisenbahnarbeiter und niedrigen Beamten fast überall die gleiche ist. so fällt es doch auf, daß Rummelsbnrg in letzter Zeit ein so reichliches Maß von Eisenbahnunfällen stellt. Man wird doch sicherlich den Verunglückten nicht immer allein i\e Schuld zuschreiben können; weiß doch bereits alle Welt, daß derartige Unfälle zum großen Teil in dem schweren und langen Dienst, der die Eisenbahnbeamten bei der sie stets bedrohenden Lebensgefahr widerstandsunfähig macht, begründet find. Der Wahlvcrein hielt am Sonntag, den 8. April, nachmittag im Weigelschen Lokal seine ordentliche Generalversammlung ab. Dem Vorstaudsbericht des Gen. John ist zu entnehmen, daß im vergangenen Quartal 6 Vorstandssitzungen, 3 Protestversammluugen gegen das Dreiklassenwahlrecht und 4 Agitationsversammlungen stattgefunden haben. Auf die letzte Gemeindcwahl eingehend, tadelt John die mangelhafte Beteiligung der Genossen an der Wahl. Während sich bei der vorigen Wahl etwa 23 Proz. der Genossen be- teiligten, sei bei der diesjährigen Wahl die Zahl der Beteiligten auf 18 Proz. gesmiken. Redner hebt mit Recht hervor, daß nichts ver- kehrter sei, als sich im Gefühl der Sicherheit zu wiegen; bei der- artigen Wahlen gelte es, durch möglichst große Stimm'enzahl gegen das schändliche Wahlshstem zu protestieren.— Durch den Vertrauens- brnch des vorigen Kassieres hatte der Vorstand bis jetzt die Kassen- geschäfte übernommen. Den Bericht hierüber gab John, der eine Gesainteinnahme inklusive Bestand vom 1. Januar 1906 von 1316,17 M. aufweist. Die Gesamtausgabe beträgt 828,17 M., mithin bleibt ein Bestand für das 2. Quartal von 487,47 M. Zu den Vorkommnissen der Kassenführung selbst hatte der 7. und 8. Bezirk folgenden Antrag gestellt:„In Anbetracht der Unregelmäßigkeiten in der Kassenführung jhaben die Revisoren ihr Amt freiwillig niederzulegen". Die Genossen Rathmann und Kaßler befürworteten den Antrag. während sich namentlich die Revisoren Nollstadt und Berger dagegen wenden. Man könne nicht, so führt Nollstadt aus. die Revisoren für Fehler verantwortlich machen, die bereits sechs Jahre zurückliegen. Die Bücher hätten stets vorgelegen und auch der Markenbestand wurde immer geprüft. Genoffe Ulbrich führt das Vorkommnis auf die allzugroße Vertrauensseligkeit zurück. Der Antrag gelangt als- dann mit Majorität zur Annahme. Dem Vorstand wird für die bisherige Kassenführung Entlastung erteilt. In der hierauf vor- genommenen Wahl wurden Genosse Schirmer zum ersten, Genosse Janssen zum zweiten Kassierer gewählt. Zu Revisoren wurden die Genossen Walter Kaßler, Lenzmann und Bogasch gewählt. Die Wahl des Bibliothekars fiel auf den Genossen Hübner. Genosse John teilte alsdann mit, daß am Sonntag, den 29. April, nach- mittags 4 Uhr eine Uraniavorstellung stattfindet, wozu Billetts zum Preise von 70 Pf. beim Vorstand wie bei den Bezirksleitern zu haben sind. Zum Schluß gedenkt er in warmen Worten des verstorbenen Genossen Meister, worauf sich die Versammlung zu Ehren des Verstorbenen von den Plätzen erhebt. Die diesjährige Maifeier wird im Lokal Bellevue begangen. Adlershof. Am Dienstag, den 10. April, fand die Generalversammlung für das zweite Quartal bei Kaul statt. Genoffe Ad. Stoermer hielt ein poptiläreS Referat über Massenstreik. Der Kassenbericht, den Genosse Fuchs erstattete, ergab eine Einnahme von 411 M., eine Ausgabe von 108,90 M.. bleibt Bestand 302,10 M. Der Speditionsbericht, den Genosse Steuer erstattete, ergab eine Einnahme von 2026,70 M.. eine Ausgabe von 1844,78 M.. bleibt Bestand 131,92 M. Auf Antrag der Revisoren wurde den beiden Funktionären einstimmig Decharge erteilt. Als Beisitzer wurde Genosse Horlitz gewählt. Die Maifeier der Partei findet bei Wöllstein statt. Schildow-Blankenfelde(Bezirk Nieder-Schönhausen). Seine erste Versammlung higlt der kürzlich erst gegründete Wahl- verein für obige Orte in MönchSmühle bei F. Knappe ab. Der Vorsitzende Genosse Paetzold begrüßte die neuen zahlreich erschienenen Mitglieder und ermahnte dieselben, treu und entschlossen zur Fahne des Sozialismus zu stehen. Des weiteren gab er seinem Bedauern Ausdruck, daß von den 22 eingeladenen Blankenfelder Mitgliedern nur einer erschienen sei. In warmen Worten gedachte er sodann der verstorbenen Genossen Meister und Schillert, worauf sich die Versammelten von ihren Plätzen erhoben. Hierauf hielt Genosse Weber-Berlin einen Vortrag über:„Arbeiterleben und Löhne in Preußen". Eine Diskussion des beifällig aufgenommenen Vortrages wurde nicht beliebt. Genosse Weber wies alsdann noch kurz auf die Wichtigkeit der Wahlrechtsdemonstrationen hin und forderte die Anwesenden auf, den 1. Mai durch allgemeine Arbeitsruhe zu feiern. Zum Schluß gab der Borsitzende bekannt, daß die Wahlvereinsversammlung für die obigen Ortschaften regelmäßig jeden Sonntag vor dem Fünfzehnten, nachmittags 3 Uhr, in demselben Lokale stattfinden, gleichzeitig den Wunsch aussprechend, die weiteren Versammlungen ebenso zahlreich zu besuchen. Zum Schluß ließen sich noch 4 Genossen in den Wahl- verein aufnehmen. Spandau. Neber Arbeiterversichcrung wird am 18. April bei Kumke, Schönwalderstraße, auf Beschluß der hiesigen Gewerkschaftskommission Genosse Adolf Ritter referieren. Hoffentlich bringt die Spandauer Arbeiterschaft diesem in einer öffentlichen Gewerkschaftsversammlung zu behandelnden Thema das nötige Interesse entgegen. GerieKts-�einiiig. „Name ist Schall und Rauch", meint Faust. Anders der königlich- preußische vielbeschäftigte BureaukratiSmus, insbesondere bei seinem heiligen Kampf zur Germanisierimg. Deutsch sei der Name oder des Namens Schreibweise, das ist das riesenhohe Ideal, dem un- gezählte Scharen Polenfresser nachzogen und für dessen Verwirk- lichung sie die preußische Staatsgewalt, vergegenständlicht durch Polizei und Akten, Staatsanwalt und Akten, Gericht und Akten und immer wieder Akten, Akten, Akten in Belvegung setzt. Es lebe das Akten-Jdeal: Der B u ch st a b e macht lebendig, nicht der Geist: Sage mir, wie du dich schreibst, und ich sage dir, wie du dich schreiben solltest. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht die überaus wichtige Frage, ob jemand durch Anhängen des ski oder ska an- deuten darf, daß er als Sohn oder Tochter geboren, ob er sich mit„Sz" oder„Sch", mit„ck" oder„cki" schreiben darf. Ozeane von Tinte sind über diese staatSerhaltende Frage schon zusammengeschrieben, Berge von Akten aufeinandergehäuft— eine schwere, aber zum Schutz des Vaterlandes, zur Aufrechterhaltung von Ordnung. Recht und Sitte, zur Zerstörung der Familie oder wenigstens ihrer Namen, zur Wahrung der Liebe und Verehrung von Sankt Bureaukratins und Sanktissimus HakatiSmns unbedingt erforderlich. Es gibt freilich Zeitgenossen, die anderer Ansicht sind. Gestern hatte sich aus Anlaß der Namensftage das Kammer- gericht mit nicht weniger als drei Sachen zu beschäftigen. Zu Nutz und Frommen der Bierehrlichkeit der Namen seien die Grundsätze, die das Kammergericht für die leitenden hält, wiedergegeben. Man ersieht daraus, mit ivelch wichtigen Dingen sich Dutzende von Staats- anwälten und Richtern zu beschäftigen haben. Wer ohne landesherrliche Genehmigung seinen Familiennamen ändert, wird nach der Kabinettsorder vom 15. April 1822 mit 150 M. bestraft. Das Kammergericht vertritt den Standpunkt, daß der deni Vater zustehende Familienname bei Geburt seines Kindes Kraft Gesetzes auch der Familienname des Kindes werde, sowie daß es für die Frage, welches der Familienname des Kindes wäre, ganz ohne Bedeutung sei. wenn der Vater zur Zeit der Geburt dc-Z Kindes einen anderen als seinen gesetzlichen Familiennamen führte. Die Unvcränderlichkeit der Familiennamen ist durch eine Kabinettsorder vom Oktober 1816, einer Vorläuferin der Order vom 15. April 1822. zum erstenmal festgelegt worden. Vorher konnte nach Ansicht deS Kammergerichts jeder seinen Familiennamen selbständig ändern, nur nicht zu un- lauterem Zwecke. Die Schreibweise eines Familiennamens in einer Urkunde ist nacki der Rechtsprechung an sich noch nicht ent- scheidend dafür, daß diese Schreibweise die richtige sei. Es ist der Gegenbeweis zulässig.— In den drei Strafjachen, mit denen sich der erste Strafsenat de? KammergericktS gestern beschäftigte, dreht es sich um die Frage, ob die polnische oder die deutsche Schreibweise die richtige sei. Herr Szuman(polnische Schreibweise) sollte nach behördlichem Willen„Schumann- heißen. Er wurde jedoch vom Kammergericht in Ueberein- slimmung mit den Vorinstanzen freigesprochen, weil ohne Rechtsirrtum von den Vorinstanzen festgestellt war, daß seine Geburtsurkunde in der Schreibart„Szuman" richtig sei und er den Namen mit Recht geführt habe, wenn auch sein Großvater in seiner Geburtsurkunde als„Schumann", also in deutscher Schreib- weise bezeichnet sei. Das Kammergericht führte dabei noch aus, daß nicht etwa den Angeklagten der Beweis dafiir aufgebürdet werden könnte, daß die Beurkundung seines Namens auch so richttg sei. Vielmehr müßte ihm nachgewiesen werden, daß die Urkunde unrichtig wäre. Das sei nicht geschehen. Der Angeklagte H u r n i ck war in zweiter Instanz vom Land- gericht Liffa auf Grund der Kabinettsorder von 1322 zu 150 M. verurteilt worden, weil er sich wiederholt, trotz verschie- dener Hinweise auf die Unzulässigkeit, H u r n i ck i geschrieben und sich so einen ihm nicht zukommenden Familiennamen beigelegt habe. Sein Großvater schrieb sich 1819 Hnrnick und in dessen Heirats- Urkunde von 1819 steht der Name ebenso. Dagegen ist sowohl der Angeklagte wie sein Vater in das Kirchenbuch Humicki eingetragen. Das ließ die Regierung dahin berichtigen. daß der wahre Name der Familie Hurnick sei. Das Gericht kam auf Grund der Beweisaufnahme zu der Ueberzeuzung, daß die Eintragungen in das Kirchenbuch mit Hurnicki falsch seien, dem wirklichen Familiennamen nicht entsprächen Es führte unter anderem aus, die unerlaubte Aenderung des Familiennamens durch den Vater berechttge nicht das Kind, nun diesen Namen zu führen. — Die Revision deS Angeklagten gegen dieses Urteil wurde vom Kammergericht verworfen. Nach den Fesfftellungen des Landgerichts sei dem Angeklagten durch die Behörde mehrfach mitgeteilt worden, daß er Hurnick heiße und sich nicht Hurnicki schreiben dürfe. Trotz- dem— fürchterlich!— beharre er mit Hartnäckigkeit dabei, sich Hurnicki zu schreiben. Darin liege die Feststellung, daß er den wirklichen Familiennamen abgeändert habe; es sei der Dolus dar- getan.— Im dritten Falle, wo es sich um die Aenderung der Schreibweise von Schulz in Szulc handelte, hob das Kanrmer- gericht die Verurteilung des Angeklagten durch das Landgericht Posen auf und verwies die Sache nochmal an das Gericht zweiter Instanz, weil das subjektive Schuldmoment nicht genügend festgestellt erscheine. Da» Gericht sei der Ansicht, daß die Kabinetts- order nur solche Namensänderungen meine, die mit der Absicht vor- genommen würden, den geänderten Namen dauernd zu fiihren. Der Dolus oder der sogenannte Eventualdolus wären zur Be- strafung erforderlich. Nach dein hat nun das gelehrte Dreimänner- gericht unter Assistenz des Staatanwalts, Angeklagten und viel- leicht noch eines Verteidigers zu suchen. Wird der Dolus (Bewußtsejn von der juristischen Tragweite, statt Schulz Szulc zu schreiben) attrappiert, so wird Schulz mit Sch und ohne e auch ohne t verknurrt. Das nennt sich gelahrte preußische Recht- sprechung. Wenn das ski übrigens so anstößig ist, wie steht eS mit dem bekannten polnisch-deuffchen Namen PodbielSki? Podbielski heißt auf Deutsch„Auf flacher Ebene" oder kürzer germanisiert ..Flachkopf". Hat der heilige BureaukratiuS von Hakattsmus Gnaden diese wichtige Frage schon eruiert, studiert, examiniert und darüber deliberiert? Zum Nutz und Frommen derer, die den Namen Arthur führen, sei übrigens bemerkt, daß ihnen durch die behördliche Fort- nähme des h nach Ansicht des Kammergcrichts kein Schadenersatz- ansprach erwächst. Hingegen hat die Steuersuchkommission des Reichstages die Frage in Erwägung gezogen, ob die Militärknöpfe durch eine Steuer bezahlt werden könnten, die denen aufzuerlegen wäre, die durch den Fortfall des h Tinte sparen. Ein teures Räuschche» hatte sich der Druckschriftenhändler Max E. angetrunken, der sich vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I zu verantworten hatte. Atit einem etwas gelallten, aber trotzdem freundlichen.'n Mahlzeit!" ließ sich E. häuslich auf der Anklagebank nieder. Auf die Frage deS Vorsitzenden. ob er heute schon gefrühstückt habe, antwortete der Angeklagte an- scheinend sehr erfreut über die Anteilnahme an seinem körperlichen Wohlbefinden:„Na, aber tüchttg. bloß Durst habe ich noch un- heimlich!" Vorsitzender: Was haben Sie denn heute schon ge- trunken?— Angeklagter:„Na, so Stücker zehn Koks(Rum) und ein paar Glas Bier!"— Diese scheinen indessen auf den Angeklagten derartig eingewirkt zu haben, daß er fortwährend in Pendel- bewegringen sich in der Anklagebank hin- und herbewegte und vergeblich eine Stütze suchte. Der Gerichtshof zog sich zu einer Beratung über die Verhängung einer Ordnungsstrafe zurück. Da diese längere Zeit in Anspruch nahm, tat der Angeklagte das beste, woran ihn der Termin gehindert hatte— er schlief auf der Anklagebank sanft ein.— Der Gerichtshof ahndete die durch das Erscheinen vor Gericht in angetrunkenem Zustande begangene Ungebühr mit einer Ordnungsstrafe von einem Tage Haft. Die Sache selbst mutzte vertagt werden. Die eigenen Töchter verkuppelt hat die Zimmervermieterin Witwe Luise Scholle aus Schöneberg, welche vor der 2. Strafkammer deS Landgerichts II wegen schwerer Kuppelei angeklagt war. Die der Anklage zugrunde liegende schmutzige Affäre datiert schon aus dem Jahre 1901. Die Angeklagte hatte seinerzeit in der Bayreuther- und später in der Hohenstaufenstraße eine elegaute möblierte Wohnung inne. Diese stand bald in dem Rufe eines Kuppelquartiers, so daß die Kriminalpolizei sich näher damit beschäftigte. Es wurde durch längere Observationen fest- gestellt, daß außer zwei bei der Angellagten wohnhasten«Schau- fpielerinnen" anch die eigenen Töchter Martha und Erna mir täglich wechselnden Kavalieren in der Wohnung der Mutter verkehrten. Als die Angeklagte merkte, daß ihr die Polizei auf den Fersen war, flüchtete sie nach Holland und kam erst geraume Zeit später, als sie glaubte, die Lust sei rein, wieder nach Deutschland. Schon in Wittenberge wurde sie verhastet und später von der Strafkammer zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Auf die Revision hob das Reichs- gericht da? Urteil auf und verwies die Sache zur nochmaligen Ver- Handlung an die Borinstanz zurück. Die erneute Beweisaufnahme fiel jedoch wieder zuungunsten der Angeklagten aus. Das Urteil lautete auf sechs Monate Gefängnis unter Anrechmmg von zwei Monaten der Untersuchungshast. ßfkffcarten der Redahtion. II« tilrlftttche Sprechflniid« findet tätlich mit AnSuah«« de? Eoiliiabeildd von vq, bis O1/, Nbr abend? statt. lfieSfinet! 7 Nbr. Jeder Allfrage tft «in Buchstabe«ud«in« Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Autwort wird nicht erteilt. P. G. 1306. Ist die Ehe nach dem St. Dezember 1893 geschlossen, so erbt der überlebende kinderlose Ehegatte eine Halste des Nachlasses und überdies als Voraus alle Gegenstände, die zum ehelichen Haushalt gehört haben und die Hochzeitsgeschente. Durch Testament kann der Gatte als Alleinerbe eingesetzt werden.— K. W. 9. 1. Wenn der Briej weder sür ein Rcchtsgeschäst erheblich ist. noch eine Beleidigung enthielt: nein. 2. Den Besteller.— F. E. 23. 1. Ihre Konzessionsurkunde muß die Räume(also Vorgarten) enthalten. Fehlt der Vorgarten, so müssen sie um Konzessionsergänzung einkommen. 2. Da« wäre strasbar. — Krankcnftaus. Das ist gleich.— A. K. 7. Der wirkliche Lohn, also nicht unter Zurechnung der unbezahlten Fciertagsstunden. kommt in An- rechnung.— BS. 47. 1. Die LlrafvollzugSbeborde ist zum Strusauisamb in beiden Fällen berechtigt, aber nicht oerpslichtet. 2. Das ist möglich. 3 Etwa S— 10 Mark.— M. H. 200, SS. H., Berlin 0. 34. 1. Nein. 2. Siehe Antwort unter IOSn.— I05a. Eine Taxe für Hebammen existiert nicht. 3lIS angemessen werden vom Hebammcnoercin 10—30 Mark, vom Gericht auch Gebühren bis auf 4 Mart herab erachtet.— H. P. 29'/,. Wir müssen es ablehnen, die zu einer Rätsellösung von Ihnen gewünschten Angaben zu machen.— Scheer 24. 1 Liegt Ihnen daran, als Zeuge nicht nach Strascn gefragt zu werden(es wird die Frage selten ge- stellt), so teilen Sie dem Gericht den Sachverhalt und die Bitte, nach der Strafe nicht befragt zu werden, vor dem Termin schriftlich mit. 2. Sie haben Anspruch aus Gebühren(10 Ps. pro Stunde), auch wenn eine Ver. jäumniS nicht stattgejunden hat.— E. B. 89. Rein.— 777. Ja. s» leb Jas Weneste bei großer Auswahl zu wirklich billigen Preisen. 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Seeger. setzt Gneisenaustt. 46/47, hat im vorigen Jahr erklärt, daß fie den ab- geschlossenen Taris nicht anertenne. aus diesem Grunde bleibt auch diese Firma sür unsere Mtglieder gesperrt. ■0- An die Bauhandwerker appellieren wir, auf die Klempner einwirken zu wolle«. Die Firme» nnd Bauten find nur dann frei. wrnn»nsererfcitS die Sperr» nufgehoben wird. llk/12 Tie QrtSverwaltung. Co.. Berlill SV.