Kr. 88. nbonnementS'ßedfngunaen: tffionnetnenlä> Preis pränumerando i Biecteljährl. 3�0 MI., monall. I.lv Md. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Plg> Sonntags» tiummer mit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfo. Posl- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. eingetragen in die Post, Zeihmgs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark. Holland, Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 23. Jahrg. Crtditlnt Isgli» außer lilontagt. Verlinev Volksblcrlk. vle snlefNonz-etd0I>k vekägt für die sechSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 00 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bcrfammlungs-Anzeigen 30 Pfg. „Kleine Hmrigen", daS erste(fett- gedrulkte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm. Adresse: „Sozialdemokrat RcrllB". Zcntralorgan der rozialdcmokratifcbcn Parte» DeutfcblandQ. Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1988. Expedition: SRI. 68, Lindenstraeae 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Menschheitsostern. Ostern ist das Fest der Auferstehung. Nach christlicher Lehre das Fest der Auferstehung des Erlösers, der für die Menschheit am Kreuze gestorben. Für die Nichtgläubigen das Fest der Auferstehung der Natur, des freudigen Wieder- erwachens der Lebenskräfte aus dem Banne des Winters. Die Gestalt des Erlösers ist in unserer Zeit mehr und mehr zum wesenlosen Schemen geworden. Nach alter starrer Tradition wird zwar in den Kirchen noch immer die Auf- erstehung des Heilandes gekündet, allein die Worte sind Schalt und Rauch selbst für diejenigen, die noch immer aus alter Ge- wohnheit dem Rufe der Glocken gefolgt sind. Für das Prole- tariat vollends hat die Erlöserbotschaft der Kirche jeglichen Sinn verloren. Fühlt doch der moderne Proletarier intensiver als je eine unterdrückte und enterbte Klasse, daß der wirkliche Erlöser für dieMenschheit erst noch kommen muß. Denn daß die Erlösung für das Diesseits gar keine Geltung haben soll, daß die Befreiungstat des Heilandes erst für ein Jenseitsleben in Betracht kommt, das erscheint dem Proletarier denn doch als eine der herrschenden Klasse allzu bequem auf den Leib geschrie- bene Hcilslehre. Es liegt durchaus noch keine pietätlose Ver- höhnung schmerz- und sehnsuchtsgeborener Jenseitigkeits- träume in dem gesunden Diesseitigkeitsprogramm des Prole- tariates. Und schließlich folgt es dabei nur dem Beispiel der- jenigen, die ihm die Herrlichkeiten einer ewigen Glückseligkeit zu preisen nicht müde werden. Wenn die besitzende Klasse. die dent Volke die Religion und damit die Anwartschaft auf ein Leben nach dem Tode erhalten wissen will, und die da- nach doch selbst erst recht vom Werte dieser Güter überzeugt sein muß, auf die Schätze dieser Welt ein so großes Gewicht legt, so kann man es dem Proletariate doch unmöglich ver- argen, wenn auch es seinen Anteil an den irdischen Glücks- gütern für sich fordert. Zumal selbst die berufsmäßigen Künder der christlichen Lehre diese irdischen Güter sei! jeher gleichfalls sehr wohl zu schätzen wissen. Das moderne Proletariat besitzt aber auch gesunde In- stinkte und vernünftige Lebensphilosophie genug, um sich nicht über seine Klassenlage und seine Menschheitsrechtc auch nur vorübergehend hinwegtäuschen zu lassen. Wenn schon der Großstädter überhaupt nach saftigem Grün und leuchtendem Sonnenschein schmachtet, so ist das Naturempfinden des in rußigen Werkstätten und stitkigen Hofquarticren hausenden Fabrikproletariates erst recht ein ehrlicher Enthusiasmus. Aber die naiven Gemüter täuschen sich, die glauben, daß der Proletarier schon vor lauter Glück die Hände falte, wenn er alle Feiertage einmal der staubigen Enge des städtischen Weichbildes zu entfliehen und sich in einem durch die Bauspekulation schon mehr oder minder verwüstetem Waldgelände zu lagern vermag. Und obendrein sieht ja der Proletarier, daß das Naturidyll, das er selbst bei Festtagsaus- flügen nur flüchtig zu genießen vermag, während sich die Villen der Reichen mitten in die reizvollste Szenerie hinein- schmiegen, die besitzende Klasse selbst so anödet, daß sie sich gerade während der sonnigsten Monate des Jahres flüchtet, entweder in das geräuschvolle Treiben der Modebäder, oder in die grandiose Einsamkeit des Hochgebirges. Wahrscheinlich ist die übertriebene Naturschwärmerei nur demselben Gefühle entsprossen, wie die weltflüchtige Jenseits- sehnsucht des Christentums: dem Unbefriedigtsein mit den sozialen Zuständen, dem Jammer über das menschliche Elend. Schließlich flüchtet sich der Groll des Menschenfeindes oder die ungestillte Sehnsucht des Unglücklichen am liebsten in die Einsamkeit. Aber so sehr auch ein pantheistisches Sichver- webtfühlen mit der Natur zur Wesenheit eines modernen Menschen gehört:' gerade eine zukunftsfroh?, kampfesfreudige Klasse wie das moderne Proletariat wird es am allerwenig- sten vergessen, daß schließlich doch auch der Mensch zur Natur gehört, ja daß er der vornehmste und würdigste Gegenstand eines gesunden und wahrhaft tiefen Naturempfindens sein wird. So führt schließlich die Osterstimmung des Natur- schwärmers nicht minder als das tiefere Durchdenken� des christlichen Osterevangeliums auf die große Mcnschheitsfrage der Gegenwart zurück, auf das Problem der endlichen sozialen Erlösung der Menschheit! Diese Frage ist so wichtig, so aktuell, dies Problem ist so brennend und allumfassend, daß alle ernsteren Gedanken hier ausmünden. Um was es sich auch handeln mag: um die Frage des Völkerfriedens um die entsetzliche Erscheinung des Verbrechens, um die Aus- rottung jener furchtbaren Krankheiten, die zahllose Leben in der Blüte der Jahre knicken, um die ethische Erziehung des Menschengeschlechtes— alle diese Fragen, die seit Jahrtausen» den Herz und Hirn der erlauchtesten Geister bewegt haben, lassen sich nur verwirklichen durch eine Umwälzung der sozialen Verhältnisse, wie ste der Sozialismus erstrebt. Und das Proletariat weiß, daß ihm die geschichtliche Mission zugefallen ist, diese soziale Umgestaltung als Trägerin des modernen Klassenkampfes durchzusetzen. Nicht deshalb, weil jeder ein- zelne Proletarier geistig und sittlich so viel höher stünde, wie jeder Angehörige der besitzenden Klasse, sondern deshalb, weil das Proletariat seine Klasieninteressen nur in der Weise durchsetzen kann, daß es alle Klassenprivilegien ohne Unter» schied aufhebt! Wenn die Arbeiterklasse das Osterfest in ihrer Art begeht, lo öedmf ei dazu nicht tep. künstlichen Sichhineinversetzens in eine gemachte Feststimmung, wie es bei der Bourgeoisie üblich ist, wenn sie Ostern als das Fest der Auferstehung im christlichen oder pantheistischen Sinne feiert. Das Proletariat braucht nur ganz es selbst zu sein, braucht nur seine Leiden und Hoffnungen natürlich zu empfinden, um fruchtbarer Osterstimmung voll zu sein, um die Keime der Zukunft zu pflegen und an der endlichen Erlösung der Menschheit zu arbeiteil!_ Die Revolution in Nutzland. Die Wahlen in Ruhland. Die letzten Nachrichten über die Wahlresultate lauten nach der „Now Wremja" wie folgt: In den Grundbesitzerlurien sind 1132 Wahl- männer gewählt worden, von denen nur 185 der Linken angehören. Dem Stande und Berufe nach verteilen sich die Gewählten wie folgt: Edelleute 224, Geistliche aller Konfessionen 65, bürgerlichen Standes 46, Bauern 181, während über 616 Wahlmänner die Daten noch ausstehen. Von Beruf sind Staatebeamte 52, Kommunal- beamte 140, Advokaten 4. Pädagogen 4, Schriftsteller und Künstler 7, Aerzte 9, Techniker 8, Privatbeamte 22, Landwirte 136, Kaufleute 44, Industrielle 16, Geistliche 65 und Bauern 181. Bei 443 ist der Beruf nicht angegeben. In den sogenannten städtischen Kurien find 865 Wahlmänner gewählt, von denen 458 der Linken angehören. Von den Gewählten sind 30 Edelleute. 11 Christliche und 6 nichtchristliche Geistliche. während der Rest Bürger und Bauern sind. Dem Beruf nach sind bisher folgende Daten festgestellt worden: Staatsbeamte 31, Kommunalbeamte 82, Advokaten 40, Lehrer 13, Schriftsteller und Künstler 3, Aerzte und dergleichen 36, Techniker 18. Privatbeamte 7. Landwirte 14, Kaufleute 99, Industrielle 34, Bauern 21 und Geist- liche 17. Vjdn 439 Personen fehlen die Angaben. Unter den Ge- wählten sind 209 Juden. Von den 844 Wahlmännern der Großstadtkurien gehören 645 zur Linken, davon sind 42 Juden, in den Städten hat demnach die Linke wohl überall den Sieg davon getragen, in den Grundbesitzerkurien dagegen ist sie zweifellos glänzend geschlagen worden. Ueber den Sieg der Kadetten schreibt Luworin in derselben Zeitung.Now. Wr.": Alles geht vortrefflich, sowohl bei der Negierung als bei der Ge- sellschaft. Selbst die Polemik des Verbandes des 17. Oktober unter sich und über sich ist vortrefflich. Worüber soll man sich denn ärgern? Tut doch die konstitutional- demokratische Partei das Natürlichste von allem Natürlichen. Eine konstitutionell aristokratische Partei konnte bei uns es nicht geben, da eS' keine Aristokraten gibt. Mir scheint auch eine konstitutionelle „Bourgeois"-Partei zweifelhaft, da daS Wort Bourgeoisie im russischen Leben ein vollkommen sinnloses Wort ist, für die Bezeichnung deS gebildeten Mittelstandes aber noch kein Wort erfunden ist, vielleicht auch das Material selbst für diese Partei noch nicht ausreicht. Von einer konservativen Partei kann erst recht nicht die Rede sein, sie hat nie- mals als Partei bestanden. Der Adel? Sagen Sie doch gefälligst, wo er ist. Er ist zerschlagen wie ein teueres Kristallglas. Bei uns läuft sichtlich alles auf den Bauern hinaus. DaS Bauern- reich, daS eben ist unsere Originalität, von der los- zukommen vergeblich wäre. Die siegreiche Partei hat gut getan, sich Partei der Volksfreiheit und Kadetten zu nennen. Beide Be- Zeichnungen, die nichts besagen, sind sehr nett. Was eigentlich Vollsfreiheit ist, daS weiß niemand so ganz gewiß, es klingt aber als Losung vortrefflich, denn eine Losung muß klangvoll und aus- drucksvoll sein. Beiden Bedingungen entspricht die Losung voll- kommen. Indem sie nichts verspricht, verspricht sie doch alles. Kadetten aus dem Anfangsbuchstaben„Konstitutionelle Demokraten" gebildet, ist auch ein sehr gutes Wort. Kadetten, das ist die mili- täusche Jugend, eine Jugend, die neues Leben mit sich bringt, ihre neue Zukunft. Und die Kadettenpartei ist wirklich eine junge, energische. Trotz der leichten Ironie, die in diesen Worten liegt, hört man doch aus ihnen die Anerkennung deS Erfolges heraus. Weiter sagt Luworin: Die Kadetten— das sind eine Eisenbahnstation an einer Linie, die von der Konstitution zur Revolution führt. Ich weiß nicht, wem diese Station näher liegt, der Konstitution oder der Revolution und will mir auch nicht den Kopf darüber zer- brechen. Ich sehe aus allem deutlich, daß ganz Petersburg auf der Kadettenstation Platz genommen hat und Dreiviertel Moskau eben- daselbst. Haussuchungen»n de» Ostseeprovinzen. Am Sonnabendabend, den 24. März, veranstaltete eine Anzahl Untermilitärs, gegen 50(1—600, in Begleitung von Kosaken und Polizeiwachen des I. und II. Mitauer Polizei- distrikts im Rayon der beiden Distrikte Haussuchungen. Haus- suchungen und Verhaftungen wurden vorgenommen in Bienen- hos, Seifenberg, Thorensberg, Atgosen, Lindenruh, Hagens- berg, Lenenhof, Jlgeriem usw. Mehrere verdächtige Personen, die man auf der Straße ohne Legitimation antraf, Warden arretiert und behufs Rekognoszierung zur Polizei abgeführt. Mehrere Personen, die politischer Verbrechen angeklagt sind, wurden verhaftet. In einigen Häusern, z. B. an der großen Altonaerstraße fand man Waffen. Im ganzen wurden über 100 Personen verhastet, von denen viele nach Feststellung ihrer Persönlichkeit wieder entlassen wurden. Auch in der Stadt Riga wurden Verhaftungen der Passanten vorgenommen. Auf dem Parteiboulevard wurden 7 Studenten verhaftet, die zur Feststellung ihrer Persönlichkeiten in den zweiten Stadt- distritt abgeführt wurden. Auf derKreischefversammlung in Mi tau ist der Beschluß efaßt worden, die Polizei auf dem Lande zu verstärken. Der 'oldingensche Lireis erhält wie verlautet, 27 Mann Land- gendarmen und 30 Mann Schutzwache, von letzteren sind lOMann beritten und sollen diese in der Nähe von Goldingen postiert werden, sodaß der Kreischef die Möglichkeit hat, jederzeit über sie verfügen zu können. Von der übrigen Schutzwache zu Fuß werden je 10 Mann in Frauenburg und Essern postiert werden. Die Leute werden vollständig militärisch ausgebildet und dienen zur Unterstützung der Landgendarmen._ Letztere werden zu je 3 und 4 Mann im Kreise verteilt. Die Land- Polizei wird so postiert werden, daß sie sich leicht mit der- jenigen der Nachbarkreise vereinigen kann, um so eine größere ! Macht zu bilden. Diese Mittel werden freilich wenig geeignet "sein, die revolutionäre Bewegung auf dem Lande zu er- sticken._ politircbe aeberfiebt. Berlin, den 14, April. Oberschlefische Polizeizustände. Vor einigen Tagen hat die Gemeindevertretung von Bogutschlltz- Zawodzie, einem an Kattowitz grenzenden Jndustriedorfe von 20000 Einwohnern, mit 17 gegen 2 Stimmen beschlossen, ihrem Gemeindevorsteher Hintzner, der zugleich Amtsvorsteher des Bezirkes ist, 5000 M. zu zahlen unter der Bedingung, daß er sofort seine Aemter niederlege. Und der Herr Amts- und Gemeindevorsteher hat den Beschluß akzeptiert, daS Geld genommen und am 12. April die Stätte seiner bisherigen Amtstätigkeit verlassen. Die Sache hat eine Vorgeschichte, die so charakteristisch für oberschlefische Verhältnisse ist. daß sie verdient, hier erzählt zu werden. Vor einigen Monaten hatte sich ein Bürger jenes Ortes vor dem Kattowitzer Schöffengericht wegen Beleidigung des Amts- Vorstehers Hintzner zu verantworten, begangen in einer an den Land- rat gerichteten Beschwerde über den Amtsvorsteher. In der Verhandlung wurde festgestellt, und zwar zum Teil auch durch Zeugnis von Polizeibeamten. daß der Amtsvorsteher den Angeklagten wegen angeblicher Verstöße gegen Polizei- liche Anordnungen in oxorbitant hohe Geldsttafen ge- nommen hatte, die vom Gericht entweder ganz aufgehoben oder ganz bedeutend ermäßigt werden mußten. Schriftliche Beschwerden an den KreisauSschuß und Landrat wurden vom Herrn Amtsvorsteher einfach nicht vorgelegt, sondern beseittgt. Der Angeklagte stellte unter Beweis, daß der Amtsvorsteher nicht nur gegen ihn, sondern gegen eine ganze Reihe anderer Bürger des OrteS, von welchen er feindliche Gesinnung voraussetze, in der ungerechtesten Weise vorgehe. Er führte zu diesem Zweck ewe schwarze Liste solcher Personen. die er durch Anwendung ungerechtferttgter Mittel aus der Gemeinde los werden wollte. Bewiesen wurde durch die Zeugenaussagen auch, daß der Amtsvorsteher Allen, die protokollarische Vernehmungen über Strafanzeigen enthielten, an sich nahm und die Sachen damit der weiteren Behandlung entzog, ja. daßersogarderartige protokollierte Zeugen- aussagen einfach beseitigte. Festgestellt wurde vor Gericht weiter, daß Hintzner im Sommer 1905 auf amtliche Weisung von zwei seiner Polizeibeamten wegen offenbaren Verfolgungswahn- sinns in die Privatirrenanstall des Dr. Mann in Breslau transportiert wurde. Dort blieb er längere Zeit, um dann einfach auf seinen Posten zurückzukehren und zum Schrecken seiner Gemeinde- insassen weiter zu wirtschaften. Das Schöffengericht kam zur kosten- losen Freisprechung des Angeklagten, indem eS begründend aus- führte, daß der Amtsvorsteher Hintzner offenbar geisteskrank und deshalb für feine Handlungen nicht verantwortlich sei. Infolgedessen könne aber auch nicht die Person bestraft werden, die seine Handlungen als gesetz- widrige usw. bezeichnete. Die Folge dieses Urteilsspruchs, der in zweiter Instanz bestättgt wurde, war die Einleitung einer Disziplinaruntersuchung gegen Amtsvorsteher Hintzner. Hier entrollte sich nun ein unglaubliches Bild von der Amtstätigkeit dieses oberschlesischen Polizeigewaltigen. Nach den eidlichen Aussagen von Zeugen erschien Hintzner oft schwer betrunken im Amte und diente in solchem Zustande auch auf der Straße halbwüchsigen Burschen zum Gespött. Die ihm untergebenen Beamten überhäufte er mit gemeinen Schimpfworten, ebenso war er gegen Bürger, die ihn im Bureau auffuchten, aus- gesucht grob, ehrbare Frauen belegte er mit den niedrigsten beschimpfenden Bezeichnungen. Da Hintzner oft tagelang garnicht im Bureau erschien, ist es begreiflich, daß seine Bücher nicht in Ordnung waren, daß er wichtige Terntine versäumte u. a. m. Andere Zeugen machten Mitteilung über die uner- hörte Art, in der Hintzner ihm vermeintlich feindlich gesinnte Leute durch Strafanzeigen, Verhängung hoher Geldstrafen und ähnliche Mittel zu schikanieren wußte. Dem Endergebnis der Disziplinaruntersuchung, das. wie auch die gut unterrichtete„Schlesische Zeitung" zu melden wußte, die Dienstentlassung HintznerS sein mußte, ist nun die Gemeindevertretung dadurch zuvorgekommen, daß sie wie oben berichtet, sich mit 6000 Mark von ihrem trefflichen Oberhaupt loskaufte, angeblich weil das Disziplinarverfahren noch geraume Zeit dauern wird, man aber bald zu erträglichen kommunalen Zuständen kommen will und zwar wahr- scheinlich durch Verschmelzung mit der Stadt Kattowitz. Das Dis- ziplinarverfahren soll daraus hin. wie oberschlefische Zeitungen zu berichten wissen, eingestellt worden sein. Soll bielleicht dieser preußische Musterbeamte ganz frei ausgehen und jederzeit wieder irgend eine unglückliche Gemeinde erfreuen? Zugleich drängt sich die Frage nach der Verantwortung der diesem Amtsvorsteher vorgesetzten Behörde auf, die Frage, ob wirklich seine Amtsführung den Borgesetzten so lange Zeit unbekannt bleiben bürste, und o5 es kein Mittel gab, solcher russischen Polizeiwirtschast schon längst ein Ende zu machen? Dafür, datz die vorgesetzten Behörden eine auffällige Langmut gerade gegenüber den skandalösen Zuständen in der hier in Rede stehenden Gemeinden Bgutschütz-Zawodzie bekunden,'gibt auch der Fall Wenzlawiak Zeugnis. Dieser Wenzlawiak ist in genanntem Orte Polizeibeamter und war die rechte Hand deS nun gestürzten Amtsvorstehers Hintzner. Gleich seinem Herrn und Meister hat der Herr W. ein sehr empfind- liches Ehrgefühl und ist schnell mit einer Klage gegen einen der- meintlichen Beleidiger bei der Hand. So mußte sich im Juli vorigen Jahres ein Kesselwärter Gr. vor dem Katto- witzer Schöffengericht verantworten, weil er beleidigende Worte gegen Wenzlawiak gebraucht hatte. Gr. bestritt das gar nicht, führte aber aus. daß der Beamte, der ihm feindlich gesinnt sei, ihn dadurch um seine Stellung im Krankenhause gebracht habe, daß er der Verwaltung ganz unwahrerweise mitteilte, er, Gr., sei schon wegen Diebstahls bestraft. Die Beweisaufnahme ergab die Wahrheit dieser Behauptung des Angeklagten, der darauf zu der niedrigst zulässigen Geldstrafe von drei Mark verurteilt wurde. In der Urteilsbegründung wurde das Verhalten des Beamten, als niedriger Nachsucht entsprungen, scharf gegeißelt und erklärt, daß die Akten der vorgesetzten Behörde vorgelegt werden würden. Was daraufhin geschehen ist, weiß man nicht. Herr Wenzlawiak ist jedenfalls heute noch im Amte. Das muß um so bedenklicher erscheinen, als schon längere Zeit vorher ein von diesem Muster- beamten gegen einen anderen„Beleidiger' angestrengter Prozeß einen blamablen Verlauf für den angeblich Beleidigten nahm. Ein gewisser GanobiS hatte gegen Wenzlawiak die schwere Be- schuldigung erhoben, daß dieser, ein verheirateter Mann, mit einem näher bezeichneten Mädchen, das er amtlich zu vernehmen hatte, lviederholt unzüchtige Handlungen vorgenommm und sie geschlechtlich mißbraucht habe. Die Verhandlung vor dem Kattowitzer Schöffengericht ergab nun die volle Wahr- heit der inkriminierten Behauptungen, so daß GanobiS kostenlos freigesprochen wurde. Herrn Wenzlawiak aber geschah gar nichts, er blieb nach wie vor die rechte Hand des damals mächtigen und gefürchteten AmtSvorsteherS Hintzner und ist auch heute noch in Amt und Würden. Hätte nicht der Staatsanwalt große Veranlassung, eben diesen ober- schlesischen Gesetzeswächter gleich seinem bisherigen Vorgesetzten, den Herrn Amts- und Gemeindevorsteher Hintzner, ganz genau an- zusehen?—_ Sozialistische Kongreste. London, 12. April. Während der Osterfeiertage halten die beiden sozialistischen Organisattonen: die Sozialdemokrattsche Föderation(S. D. F.j und die Unabhängige Arbeiterpartei(Jndependent Labour Party— I. L. P.) ihre Jahrcskongresse ab. Die S. D. F. tagt am 13., 14.. 15. und Ig. in Bradford. Auf der Tagesordnung stehen folgende Referate: Schulpolitik und Sozialdemokratie, von Genossin Frau BridgcS Adams; Armengesetze und Alters- Pensionen, von Genossin Frau JarviS; Sozialismus und Kriegsgefahr, von H. W. Hyndman; st a a t l i ch e Reorganisation der Industrie, von I. Hunter Watts; kapitalistische Konzentration in England von H. W. Lee. Von den eingelaufenen Anträgen sind folgende bemerkenswert: „Wir find der Ansicht, daß die Zeit gekommen ist, sich der neuen Arbeiterpartei anzuschließen". Wie auS früheren Berichten bekannt sein dürfte, war die S. D. F. eine der Gründerinnen der Arbeiter- Partei im Februar 1900. Sie trat aber aus der Partei aus, als es ihr nicht gelang, die Partei auf ein ausgesprochen sozialistisches Programm zu verpflichten. Inzwischen hat aber die Arbeiterpartei erhebliche Fort- schritte gemacht; ihre parlamentarischen Erfolge sowie ihre Selbständig« keit und ihre unermüdliche Verteidigung der Interessen der Arbetter haben fie dem Sozialisnms so genähert, daß ihr tatsächlich nur der Name fehlt. Deshalb find viele Genossen der S. D. F. der Anficht, daß es nicht mehr angeht, sich der Arbeiterpartei fernzuhalten. Außerdem liegen Anträge vor über die sozialistische Einigkeit und den Arbeiterschutz. Die S. D. F. ist der Ansicht, daß die liberale Partei innerlich bei weitem nicht so stark ist, als man dies ihrer Abgeordnetenzahl nach annehmen könnte und daß eö deshalb die Pflicht der Sozialisten ist. fich so zu organisieren, daß der unvermeidliche Niedergang des Liberalismus nicht den Konservattven, sondern den Arbeitern zugute kommt.— Die I. L. P. versammelt fich am 15., 13. und 17. April in Stockton. Dem Kongresse liegen zahlreiche Anträge der Zweig- vereine(Wahlvereine) vor, die von einem recht regen Leben der Partei zeugen. Sie beziehen sich auf die Befestigung der inter- Kontraste. (Nachdruck verboten.) Im Grand Cafö war's. Abgespannt und matt Vom Tagewerk, das mich in harter Fron Bis abends spät ans Schreibpult hielt gefesselt, Saß ich zurückgelehnt im Ecksofa, Erfreute mich der kargen Muße, rauchte, Beäugelte, ein wenig müde schon, Neugierig jeden, der vorbeiflanierte. Und summte ab und zu die Melodie Des Walzers, den die Hauskapelle geigte, Behaglich mit. In winz'ger Schale schwamm Verführerisch der schwarze Mokkatrank Und stach mir, würzig duftend, in die Nase. Ich schlürfte Schluck um Schluck, bedachtsam, träg. Und überlegte grade: gehst du jetzt Zu Bette oder trinkst du noch ein Täßchen? Als mir der Ober, meine Art gewöhnt. Die neu'sten illustrierten Blätter reichte. Ich nickte Dank, und aufs Geratewohl Griff ich das erste beste Heft im Haufen Und schlug es auf.— Du lieber Gott: was alleS Wird heut nicht illustriert! Man steht und lächelt, Und schämt sich fast.— An Herr aus Neutomischel, Der dort begeht sein Silber-Jubiläum Als unbezahlter Stadtrat.—(Furchtbar komisch I) Ein diebischer Japaner, der in Deutschland Redseligen Asindern ihr Rezept stahl Und der's daheim als eignes ausnutzt.—(Frech, Den Schuft uns noch im Bilde vorzuführen!) Ein Wirklicher Geheimer, dem der König Erlaubnis gab, den grünen Sonnenorden Des Perserschahs zu tragen.—(Gratuliere!) Schon wollt' ich ärgerlich nicht weiterblättern. Als plötzlich meine Blicke wie gebannt An einer Unglücksseite haften blieben, nationale» Beziehungen unter den organisierten Arbeitem, auf die russische Revolution, die Genugtuung über das Wachsen der, neuen Arbeiterpartei und ihre politische.Selbständig- keit, den Anttmilitarismus(„Der Kongreß schließt fich dem Prinzip des internattonalen Friedens an und mißbilligt jeden Versuch, die Jugend militärisch zu erziehen und ollgemeine Wehr- Pflicht in irgend welcher Form einzuführen"). Frauenwahlrecht, Mißbilligung der Chineseneinfuhr in Transvaal, Beseittgung aller noch bestehenden Zölle. Einführung eines gesetzlichen Lohmnininmms, Verstaatlichung der Eisenbahnen, Anschluß der Sozialisten an die Genossenschaften, um ihnen einen sozialistischen Charakter zu geben, sozialistische Einigkeit, Amendierung des Arbeitslosengesetzes, Unfall« entschädigung, Schulpolitik(Verweltlichung der Schule, ärztliche Inspektion und staatliche Beköstigung der Kinder), Reform der Grund- und Bodensteuer, schärfere Betonung des sozialistischen ProgranimS in Wahlkämpfen, verschiedene innere Organisationsfragen. Im ganzen zeigt die I. L. P. das Bestreben, ihren sozialistischen Pflichten nach bestem Wissen und Können nachzukommen. Sie hat im Berichtsjahre bedeutende Fortschritte gemacht. » Oeutrchee Reich. Klerikale Seelenrettung. Mehrfach erhielten wir in letzter Zeit aus den schwarzen Gegenden der Rheinlande und Süddeutschlands Aufrufe und Bettel- briefe katholischer Geistlicher zugesandt, in denen um Geld für die Errichtung katholischer Kirchen und Kapellen in Berlin gebeten wird- Allem Anschein nach gehen derartige Aufrufe zu Sammlungen on masss nach den erzkatholischen Gegenden und veranlassen dort manchen Armen im Geiste, da ihm die Berliner Kirchennot in den düstersten Farben geschildert und zugleich allerlei schöne Vergüttingen versprochen werden, seine Sparpfennige zur Rettung der Berliner aus den Banden deS Unglaubens zu opfern. Als Beispiel dafür, wie es gemacht wird, kann folgendes Zirkular dienen, das zugleich mit einem Bildnis des„heil. Joseph" versandt wird: 12000 Seele» und nur eine Notkapelle für 500! Dem Beschützer der Arbeiter, der Armen und Bedrängten, dem hl. Joseph, dem mächttgen Helfer in aller Not, will ich eine einfache geräumige Kirche im Norden Berlins bauen. Im Herbst dieses Jahres muß endlich nach jahrelangem Warten und Betteln der Grundstein gelegt werden. 12000 Arbeiter mit ihren Familien warten sehnlichst darauf. Ich kann Dir nur dieses schlichte Bildchen schicken, verspreche Dir aber, wenn Du mir auch nur eine Mark schick st (oder in Freundeskreisen zusammenbringst), datz 1. täglich im hl. Meßopfer Deiner und Deiner lieben Angehörigen, besonders der Verstorbenen gedacht wird, 2. einmal in der Woche für Dich die hl. Mesie gelesen wird, 3. am St. Josephsfeste für Dich ein feierliches Hochamt ge- halten wird, 4. täglich mit den Schulkindern für Dich gebetet wird. O bitte, schicke mir eine kleine Gabe. Du weißt ja, wie dank- bar der hl. Joseph ist. Auf Wunsch sende ich Dir gern eine hübsche kleine Broschüre mit den Bildern und Beschreibung aller katho- lischen Kirchen Berlins und seiner kath. Wohltätigkeitsanstalten. Den Wunsch bitte ich auf der Postanweisung oder im Brief aus- zusprechen. Selig sind die Barmherzigen l' Herzlich grüßt Dich Dein dankbarer E. C ortain. Pfarrer, Berlin Ii., Feldstraße 4. Billig tut es Herr E. Eortain— für eine Mark erhält man außer verschiedenen Anweisungen auf das Jenseits auch noch eine hübsche kleine Broschüre mit Bildern. Und dieselbe Partei, die einen derartigen widerlichen Handel mit Meßopfern usw. betreibt, entblödet sich nicht, in ihren Flug- blättern die Sozialdemokratie mit den„billigen Jaköbchen" der katholischen Kirmessen zu vergleichen. In einem uns fast gleich- zeitig zugegangenen, von der Zentralstelle des Volksvereins für das katholische Deutschland in München-Gladbach herausgegebenen Flugblatt heißt es z. B.: Die Sozialdemokratie als„billiger Jakob"! Du kennst, lieber Freund, von Jahrmarkt und Kirmes her den „billigen Jakob". Wodurch fällt er allgemein auf?— Er hat den größten Mund und hält in den Händen den größten Schund. Deshalb fallen auch nur die Dummen auf sein Geschrei herein. Sicherlich gehörst Du nicht zu denen, die sich von diesem„billigen Jakob" leimen lassen. Aber bist Du auch ebenso schlau, wenn im öffentlichen Leben ein anderer„billiger Jakob" fich an Dich herandrängt? Bist Die gräßliche Momentaufnahmen bot Der jüngsten, schauerlichen Katastrophe Im Bergwerk von Courriörcs. Ich saß und starrte Und hin mit eins war alle Heiterkeit. Das Glühlicht, das mich blendend rings umflotz In hundert Lampen, dämpfte sich zum Dunst Aus qualmig trüben, düstern Totenfackeln, Ein Gräbernreer riß tausend Rachen auf, Gefräßig das Parkett, die Marmorsäulen, Tisch, Stuhl und alles Lebende verschluckend, Und die Musik, umstöhnt von Sterbeseufzern, Schwoll grausig an zum wilden Traucrmarsch.— Ich saß und starrte. Unter meinem Fuß Zerbarst die Erde, Gase explodierten Mit fürchterlichem 5wall, von gift'gen Dämpfen Stieg Wölk' um Wolke aus dem Abgrund hoch, Kroch mir erstickend an die Kehle, würgte Den Hals mir zu; ein heißer Feuerhauch Blies mir wie Höllenschwefelglut ins Antlitz, Versengte mir das Haar, den Bart, die Brauen, Riß mir verbrannt die Haut von Stirn und Wange, Zerdörrte in den Knochen mir das Mark Und kochte mir den Körper, wie im Keffcl Bei Siedehitze Fleisch kocht, zischend, brodelnd, Und weiße Blasen treibt.— Ich saß und starrte: Und alle Qualen der Verschütteten, Vom scharfen Rauch Bedrängten, von den Flammen Umzüngelten, dann lichterloh Erfaßten, Vervichteten, zu Aschcnstaub Verkohlten, Erlitt ich schaudernd mit.— Ich saß und starrte: Und dumpfe Tritte dröhnten mir ans Ohr, Die Tritte der Verwaisten, die sich zahllos Zur Grube stürzten, schreckensbleich die Züge, Verzerrt, entgeistert; mit verglasten Augen, Die aus der Höhle quollen, Wahnsinnsfunkcn Im stieren Blick; mit Lippen, irre Worte Der Furcht, der Klage, der Verzweiflung stammelnd; Mit Händen, die zur Faust sich krallten, wütend Du ebenso vorsichtig, wenn der„villige Jakob' der Sozialdemokratie in seinen Kalendern, die sich markt« schreiensch„Bolksfreund" nennen und in seinen Flugschriften„Für Wahrheit, Freiheit und Recht"„Kanonen und Steuerzettel"— oder wie fie sonst noch heißen mögen. Dir seine religiöse, poli- fische und soziale Schundware auszuschwätzen sucht? usw. usw. Wie heißt es doch Matthäus Kapitel 23, B. 27—23, und V. 33?— Verspottung der deutschen Diplomatie. Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika hat schon während der Verhandlungen in Algeciras mehrfach durch ihr Vcr- halten die deutsche Diplomatie verspottet. Zum Schluß leistete sich sogar bekanntlich der amerikanische Delegierte White das Ver- gnügen, im Namen seiner Regierung zu erklären, daß diese zwar die Beschlüsse der Konferenz anerkenne, aber keine Verantwortung für ihre Durchführung übernehme. Jetzt hat auch Herr Roosevelt selbst in höchsteigner Person der deutschen Diplomatie seine spöttische Anerkennung gezollt. Als ihm am Donnerstag der deutsche Bot- schafter eine Abordnung des Zentralverbandes deutscher Krieger- bundsmitglieder von Nordamerika vorstellte, hielt er eine Ansprache. in der er nach dem Bericht des Wolffschen Bureaus zunächst den herzlichsten persönlichen Empfindungen für Kaiser Wilhelm Ausdruck gab und sodann dckn Deutschen Kaiser und das deutsche Volk zu dem in Zllgeciras vollbrachten Werk beglückwünschte. Er glaube, sagte der Präsident, daß da? Ergebnis der Konferenz die Beziehungen zwischen den beiden mächtigen Staaten Frankreich und Deutschland freundlicher ge st alten werde. Es ist meine Hoffnung und mein Wunsch, setzte er hinzu, wie es die Hofs- nung und der Wunsch eines jeden sein muß, der es gut mit der Menschheit meint, daß diese freundlichen Beziehungen nicht allein ungebrochen fortdauern, sondern stets an Stärke zunehmen möchten. Was die Konferenz in Algeciras angehe, so hätten die Amerikaner als Nation daran nur wenig Interesse, außer daß es immer ihre Sorge sei, überall Gerechtigkeit walten zu sehen, und daß sie, soweit sie es angemessenerweise tun können, für die Sache des internationalen Friedens und internationaler Freundschaft wirken zu wollen. Die„Nordd. Allgem. Ztg." bringt das Wolffsche Telegramm an der Spitze ihrer letzten Nummer. Das Verständnis für amerika- nischen Humor und Satire scheint ihr noch nicht aufgegangen zu sein.— Ei» weißer Rabe. Die deutsche Friedensgesellschaft verbreitet einen Borttag über „Der Krieg und die christliche Kirche", den ein Pastor Böhme auS Kunitz bei Jena unlängst gehalten hat. In diesem Vortrage bezeichnet Pastor Böhme die Frage der Stellung der christlichen Kirche zum Kriege als„eine prinzipielle Frage, die von jedem Christenmenschen tiefernste Erwägung erheischt". Leider aber bestehe in christlichen Kreisen eine Scheu, sich mit dieser Frage zu beschästigen, zumal die herrschende Methode deS Geschichtsunterrichts die Jugend daran gewöhne, den Krieg als etwas Unabänderliches zu betrachten. Wenn auch von einem Militäroberpsarrer einmal erklärt worden sei, daß die Bibel doch selbst zeige, daß Gott dem Volke Israel ja selbst befohlen habe, Kriege zu führen, so stehe eS für jeden Unvoreingenommenen doch fest, daß der ganze Geist der Lehre Christi gegen den Krieg gerichtet sei. Mit Herder müsie des- halb gefordert werden, daß Vater und Mutter ihren Kindern Haß gegen das bloße Wort Krieg einflößten. Es könne aber auch der Kirche Christi niemals geziemen,„das Andenken an Schlachttage und Kriegsbegebenheiten als solche in den Gotteshäusern srohsestlich zu begehen". Vielmehr habe die Kirche die Pflicht,.alle ernsthaften FriedenSbestrebungen kräftig zu unterstützen. Man sieht. Pastor Böhme ist ein einsichtiger und human denkender Mann, ein— weißer Rabe. Wiederholt hat der„Vor- wärts" die Geistlichen aufgefordert, ihr Christentum werttätig durch einen Protest gegen Kolonialgreuel und Kriegshetze zu manifestieren; nicht einer ist als GewissenSmahner seiner Amtsgenosien auf- getreten I Ob Pastor Böhme den Mut besitzen wird, seine Forderungen gerade da zu proklamieren, wo sie angebracht sind: in den Kreisen der Geistlichkeit selbst? Und ob es ihm in einem solchen'Falle gelingen wird, auch nur ein kleines Häuflein werttätiger Bekenner der christ- lichen Nächstenliebe als Kämpserschar um sich zu sammeln? Wir zweifeln sehr daran I Ein Muckerblatt ttagte unlängst beweglich darüber, daß die protestanttschen Theologen, statt eine unabhängige Hierarchie zu bilden wie die katholische Kirche, in unwürdigster Abhängigleit von ihren Gemeinden lebten. Als ob die protestantische Hierarchie je etwas anderes gewesen wäre, als der Schleppenträger der weltlichen Gewalten, der theologische Anwalt aller fürstlichen, junkerlichen und bourgeoisen Borrechte und Ausbeutungsinteressen. Und da gleich der Unterdrückung der besitzlosen Klassen des eigenen Landes auch die Unterdrückung fremder Nattonen und Rassen zu dem Jnteressenkreis Gen Himmel reckten, sich die Brust zerfleischten In toller Raserei.— Ich saß und starrte: Und sah der Massengruft elshundert Toter Gerettete entsteigen, grau geworden Und welk im finstern Schlund; sah tapfre Helfer Auf Bahren Leich' um Leiche aufwärts fördern, Verstümmelt zur Unkenntlichkeit; ich hörte Geschrei und Schluchzen, schrille Schmerzenslaute Die Luft durchgellen, hörte Schollen krachen Herab auf manchen Sarg und leise murmelnd Am Riesengrab'der Priester Trostgebet... Ich saß und starrte: und das Zeittmgsblatt Erzitterte tn meiner Hand. Und sieh: Am Rand der Seite, kaum zwei Finger breit, Nahm ich das Bildnis eines Braven wahr, Der, wie die Unterschrift erklärte, siebzehn Gefährten mit Gefahr des eig'nen Lebens In harter Müh' dem sichern Tod abrang. Ein Mann in Bergmannstracht, ganz ohne Pose. Zu plump für den Salon; und doch: ein Held! Das ernste Aug', die schlichte Haltung sagte: „Was tat ich denn? Was macht ihr von mir her?"— Lang' sog ich mich an diesem Braven fest Und kam mir, ach, wie klein vor.— Siebzehn mal, Nur dem Gebot der Menschlichkett gehorchend, Nicht eitlem Selbsterhaltungstrieb, stieg willig, Von wankendem Gebälk umdroht, er nieder Zum eingesunknen Stollen, grub und scharrte, Zerhieb mit spitzer Hacke Stein und Holz, Schlug, bis die Finger bluteten, sich durch Zum Kameraden, der dahingestteckt Ohnmächttg lag wie tot, lud auf die Schultern Die teure Last und klomm zum Licht empor, Ein Engel des Erbarmens, der die Tränen Von siebzehn Müttern trocknete im Nu, Das Angstgewimmer der verlass'nen Kinder In Jubel wandelte.... dtt Bebonc�teten Klassen gehört, geben auch die Pfaffen noch heute wie vor hundert und tausend Jahren ihren Segen zu jeder Völker« metzelet, die von den herrschenden Klassen inszeniert wird. Jede Berufung eines geistlichen weißen Raden auf«den ganzen Geist der Lehre Christi" verhallt unbeachtet in dein mißtönigen Chorus unserer «kriegerischen Nazarener"._ AuS der Stadt des Heiligen Rocks. Vor dem Landgericht in Trier standen am Mittwoch zunächst zwei Parteigenossen wegen des Wahlrechtsflugblattes vom 21. Januar. Das Landgericht hatte die Eröffnung des Hauptverfahrens aus§ 130 deS Strafgesetzbuches(Aufreizung) ursprünglich abgelehnt. Aus die Beschwerde der Staatsanwaltschaft ordnete das Ober- landesgericht Köln jedoch die Verhandlung an. Der Erste Staatsanwalt war in eigmer Person erschienen. Er beantragte wegen Aufreizung gegen die beiden Genossen je drei Monate Gefängnis, wegen der Verbreitung auf offener Straße 20 M. Geldstrafe. Rechtsanwalt Eduard Schrammen aus Köln wies auf die an den anderen Gerichten erfolgten Freisprechungen von An« tragen wegen des nämlichen Flugblattes hin. Das Flugblatt verhetze nicht BevölkerungSklaffen gegen einander, sondern wende sich an alle vernünftigen Männer und Frauen, um einen vernunftwidrigen Zustand, das preußische Dreiklassenwahlrecht, zu beseitigen. Das Ge- richt schloß sich den Ausführungen des Verteidigers an und sprach beide Angeklagte bezüglich des§ 130 frei; es verurteilte sie aber wegen der öffentlichen Verbreitung zu 20 M. Geldstrafe. Vor dem nämlichen Gericht hatte sich dann ein dritter Partei- Genosse wegen angeblicher Beleidiguug eines Polizeiwachtmeisters zu verantworten. Er soll, was er unter Berufung auf sechs Zeugen bestreitet, zu dem Beamten in einer Versammlung gesagt haben, wenn er zu dumm sei, zu beurteilen, was eine Gewerkschafts-Ver- sammlung sei, möge er zu Hause bleiben. Der Erste Staatsanwalt. der auch diese Sache selbst vertrat, beantragte gegen den völlig un« bescholtenen, noch nie bestraften Mann, allein auf das Zeugnis des Wachtmeisters, sechs Monate Gefängnis bei sofortiger Verhaftung! Die entgegenstehenden Aussagen der sechs anderen Zeugen schob der Herr Staatsanwalt als wenig glaubwürdig beiseite, weil er «die Empfiirdung"(I I) habe, die Zeugen seien bestrebt, ihren Partei« genossen vor Strafe zu bewahren. Und diesem öffentlichen Ankläger gedachten die meist zum christlichen Zentrum sich bekennenden Trierer «Rechtsanwälte den Angeklagten schutzlos zu überliefern: denn in der ganzen Stadt konnte der Mann keinen Rechts- anwalt bekommen. Auch in diesem Falle hatte Herr Schrammen aus Köln die Verteidigung übernommen. Das Gericht erkannte die Glaubwürdigkeit der verdächtigten Zeugen an, sprach aber auf Grund der Aussage des Beamten ö0 M. Geldstrafe aus. DaS Kapitel von der sächsischen Klassenjustiz ist unerschöpflich. Auf ganz einfache Art und Weise hat man in D r e S d e n einen Ausnahme gerichtShof für Preßvertreter, d. h. im wesentlichen für Sozialdemokraten konstituiert. Der Prä- sident des Landgerichts hat nämlich für dieses Geschäftsjahr be- stimmt, daß während in? allgemeinen die Angeklagten nach dem Alphabet auf die einzelnen Strafkammern verteilt werden, die Preßsünder samt und sonders von der Kammer abgeurteilt werden, der der Landgerichtsdirektor Dr. Becker vorsitzt. Dieser Herr ist ein zweiter Frommhold, wie dieser bekannt als gestrenger Richter. Er hat schon als Amtsrichter in der Milte der neunziger Jahre gegen Boykotter und sozial« demokratische Preßsünder Urteile gefällt, die wegen ihres exorbitanten Strafmaßes allgemeines Aufsehen erregten und von der höheren Instanz meist wesentlich ermäßigt wurden. Herr Becker ist dann einige Jahre späterbom Amtsrichterzum Landgerichtsdirektor befördertworden, hat also einen ähnlichen Sprung gemacht, wie der ihm geistesverwandte Frommhold, der Vorfitzende des' Zuchthausprozesses gegen die Löbtauer Bauarbeiter. Eine Ablehnung des Ausnahmegerichts, die am Mittwoch in einem Pretzprozesse versucht Ivurde, ward abgelehnt. Der Prozeß richtete sich gegen den Genossen Schmidt, Buch- Händler und früheren Arbcitersekretär zu Meißen. Die Art, wie er zu der Anklage kam, ist auch wieder bezeichnend für die sächsische Justiz. Im Dezember v. I. wurde der Genosse Riem von der„Sachs. Arbeiterztg." wegen angeblicher Beleidigung eines Lehrers, dem er Prügel- Pädagogik vorgeworfen, zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt. Genosse Schmidt war, da er in der Angelegenheit als Arbeitersekretär Ein- gaben an den Stadtrat gemacht hatte, vom Staatsanwalt als Zeuge geladen. Er wurde beftagt, ob er der Verfasser der inkriminierten Notiz sei und verweigerte die Aussage. Der Vorsitzende— Dr. Becker— behandelte ihn in der Verhandlung in äußerst verletzender Weise, so daß Schmidt Beschwerde beim Landgerichtspräsidenten einreichte. Ehe er darauf einen Bescheid erhielt— ob er ihn inzwischen be- kommen hat, ist uns nicht bekannt—, ging ihm die Anklage zu, die betr. Notiz verfaßt zu haben. In der Verhandlung am Freitag verweigerte er abermals die Auskunft auf diese Beschuldigung. Für die Art der Verhandlungsführung des Herrn Dr. Becker ist folgendes bezeichnend: Herr Becker fragte den Zeugen Und unwillkürlich Zur Nebenseite wandte sich mein Blick, Wo auf dem Kutschbock ein gebor'ner Prinz, Leibhaftig, nebst leibhaftiger Gemahlin. Wie Phaeton im Sonnenwagen, saß. (Der Viererzug, bereit zur Abfahrt, hält Geduldig still, bis der im Bild bescheiden Nicht gegenwärt'ge, völlig unsichtbare Hofphotograph den Wink zur Abfahrt gibt. Devot vermeldend, daß die hohe Gruppe Vortrefflich eingeprägt der Platte sei.—) Ein Prinz: Respekt! Der ist schon in der Wiege, Was sonst man erst durch Taten wird: ein Held! Im Volldampf führt ihn aufwärts die Karriere. Denn jedes Jahr zählt hier für fünf und mehr. Er wird geboren, wird gesäugt, wird Leutnant, Spielt 5krieg mit Zinnsoldaten, wird Major, Wird konfirmiert, durchfliegt das Abiturium, Studiert als Oberst zwei Semester Jus, Ist majorenn, reif zur Verlobung, Heirat, Und freit die Frau, die ihm Papa empfahl. Was Wunder, daß er auf der Hochzeitsreise, Im Tenniskampf, beim Lenken edler Pferde Behaglich eine Welle sich verschnauft? Seht, wie er gnädig lächelt!— Die Lakaien, Die auf dem Mckfitz thronen, lächeln mit. Zwei wohlgenährte, glattrasierte Fratzen, Breitmäulig grinsend:„Blast den Staub uns weg!"— Verdammtes Pack! Bedientenseelen I Knechtet Wie kommt ihr zwei in solche Nachbarschaft? Herunter in den Kot aus eurer Kutsche l Macht Platz dem Braven im beschmutzten Kleid! Macht Platz der Biene, ihr gefräß'gen Drohnen, Die müßig lungern, wenn die Arbeit schwitzt, Gekrümmten Rückens hinterm Pfluge keucht, Das Saatkorn ausstreut, in Fabriken rüstig Den Hammer hebt, hinab zur Tieft taucht Dr. med. Pfeifer, ob er mit dem Arbeitersekretär Schmidt bekannt sei, was dieser bejahte. Darauf fragte der Vorsitzende Dr. Pfeifer, ob er dem sozialdemokratischenVerein angehöre.(I) Auf diese Frage antwortete Dr. Pfeifer, das gehe jedenfalls das Gericht nichts an. welchen Vereinen er angehöre, und er könne gar nicht einsehen, was diese Frage mit der Sache zu tun habe. Er sei hier lediglich als Zeuge erschienen, um darüber Aus- kunst zu geben, was er von den Spuren der Züchtigungen an den- jenigen Kindern, die ihm zur Untersuchung vorgeführt waren, halte. Da habe er denn gefunden, daß es ineistenS schwache und geistig nicht hervorragende Kinder gewesen seien. Darauf der Vorsitzende: Sie sollen die Züchtigungen als Roheit bezeichnet haben? Dr. Pfeifer: Es ist auch eine Roheit! Der Vorsitzende fragte ihn weiter, ob er persönliche Beziehungen zu Schmidt habe, worauf Dr. Pfeifer stagte, was er unter persönlichen Beziehungen verstehen solle. Darauf sagte der Vorsitzende. die Aussagen deS Zeugen machten den Eindruck. als ob er Schmidt e n t l a st e n wollte.(!) Dr. Pfeifer verwahrte sich dagegen, er halte sich streng an die Wahrheit und stehe als Arzt über den Parteien. Schließlich wurde der Termin auf Donnerstag vertagt, weil noch ein Schulmann geladen werden sollte. Genosse Schmidt wurde wegen Kollusionsgefahr in Haft genommen. Am Freitag wurde das Urteil gesprochen. Obgleich von einem zwingenden Beweis der Autorfchast Schmidts nicht die Rede ist, wurde er zu 500 M. Geldstrafe verurteilt.—_ Schulreaktion. Die„Pädagogische Ztg.", das Organ de? deutschen Lehrervereins beschäftigt sich in letzter Nummer mit der ersten Lesung des Volks- fchulunterhaltungsgefetzes im preußischen Abgeordnetenhause und fällt über deren Ergebnis folgendes Urteil: «Die Bureaukratie hat mit der Kirche redlich geteilt. Wo ihr eigener Arm vielleicht zu kurz ist, da soll die Kirche den kleinen Wachtdienst übernehmen. Der.Ortsschulinspektor" wird wieder gesetzlich bestellter Schulherr. Die durch das Schulaufsichtsgesetz geschaffene Situation hat sich wesentlich geändert. Darin liegt eine bewußte und gewollte Herabdrückung der Schule auf die Stufe einer sekundären Institution. Wer darüber bisher noch im Zweifel war, den werden die wiederholten Hinweise auf die über das Mittelmaß hier und da bereits hinausgehenden Schulleistungen der größeren Städte eines anderen belehrt haben. Die Volks« schule soll nicht über daS Maß hinauswachsen, das die jetzige offizielle preußische Kultur« Politik ihrzugesteht. Ueber diese Tendenz der Vorlage haben die Kommissionsberatungen volle Klarheit geschaffen, vor allem auch in der Lehrerschaft. Der Volksschule sollen die Lebensadern abgebunden werden. Sie soll isoliert werden von den Kräften im Volksleben, die sie emporheben und vorwärts treiben. Und das alles tut man nicht etwa, weil inan sich auf ver- kehrte Maßregeln verbissen hätte, sondern in vollem Bewußtsein und in voller Erkenntnis des Zieles. Man will Schulreaktion!" Die Richtigkeit des Urteils läßt sich nach den Diskussionen im Abgeordnetenhaus nicht bestreiten. Nicht nur die ostelbischen Junker und das Zentrum, auch ein Teil der Nationalliberalen möchte die Leistungen der Volksschule einschränken und sehen die von einigen größeren Städten ergriffenen Maßnahmen, ihre Volksschulen auf ein höheres Niveau zu heben, mit scheelen Augen an. Ein gewisses Matz von Bildung können zwar auch nach ihrer Ansicht die sogenannten „unteren" Volksschichten nicht entbehren, da die fortschreitende deutsche Industrie intelligenter Arbeiter bedarf; aber über das absolut Notwendige darf die„Volksbildung" nicht hinausgehen. Vor allem darf das eigene Nachdenken der Kinder nicht geweckt werden, und zu diesem Zwecke ist nichts geeigneter, als die Ueberlastung des Gedächtnisses mit totem Memorierstoff, speziell religiöser Art.— Unlauterer Wettbewerb. Die konservative„Hallcsche Zeitung", die einst ganz besonders nach einem Gesetz zur Bekäinpfung des unlauteren Wettbewerbes rief, hat sich derartig„unlauter" benommen, daß ihre Verleger sich jüngst vor der Kammer für Handelssachen wegen«unlauteren Wettbewerbes" zu verantworten hatten. Das Urteil ging dahin, daß sich die„Hallesche Zeitung" nicht mehr«Landeszeitung für die Provinz Sachsen, für Anhalt und Thüringen" nennen darf, da sie nur ein Blatt des Saalkreises sei. In dein im gleichen Berlage erscheinenden Käseblättchen, genannt «Sächsische Provinzial-Blätter" hatten die Verleger in Bekannr- machungen von«größte Auflage aller politischen Zeitungen der Provinz Sachsen" gesprochen. Diese Reklame stellte sich ebenfalls als unrichtig heraus und wurde dem Verleger auferlegt, künftig solche falschen Anpreisungen zu unterlassen.— Freisinnige Rathausskanbalosa. Die freisinnig-liberale Rat» hauSherrfchaft in Nürnberg hat"den Steuerzahlern wieder eine un- angenehme Ueberraschung bereitet. Man hat in den letzten Jahren ein neues Stadtthcater gebaut, das zwar notwendig war, aber viel zu prunkvoll ausgeführt wurde. Die Kosten waren ursprünglich aust, zwei Millionen Mark veranschlagt, bald darauf kam eine Nach- Im Schoß der Erde, von Gefahr umlauert, Das Erz schürst aus dem knirschenden Gestein, Und alles das: für wen? Für euch, Geschmeiß. Das ein leibhaftger Prinz höchst eigenhändig Im Sonnenschein zu zweit spazieren fährt?—- Herunter in den Kot aus eurer Kutsche!— Ihr lächelt? Wart. Gesindel! Und im Hui Riß ich das Heft, in blindem Zorn verwechselnd Natur und Bild, Original und Abklatsch, Mit kräft'gcni Ruck hohnlachend mittendurch Und warf die Fetzen in gewalt'gem Bogen Weit weg, daß unter ihrem heft'gen Anprall Ein Punschglas brach und schwapp, den ganzen Inhalt Aufs seidne Schlcppkleid einer Dirne goß. Der Ober kam, der Cafötier in Eile Herangeflitzt:„Herr Doktor, was ist los?"— Ich aber, an Entschuldigung nicht denkend, Noch blaß vor Wut, griff Hut und Rock vom Haken, Bezahlte, schwang den Stock, und rannte spornstreichs Davon.— Hei, wie der Märzstnrm pfeifend, fauchend Um Mauern fegte und verwegen tanzte Um ur- uralter Eichen kahlen Stamm! Hier fiel vom Dach, laut polternd, auf das Pflaster Ein Ziegel, dort vom Baum ein morscher Ast; Geheul erschallte, daß die Lüfte bebten, Der Boden schwankte, wie am jüngsten Tag. Doch ich. die Stirn den Elementen bietend, Schritt froh dahin. Klang nicht wie Lcnzgewitter Das Stunngetös, daS brausend mich umfing? Flog unter seiner Wucht nicht splitternd, krachend, Was morsch und locker, auf den Kehrichthauf?— Nur zu I Willkommen, Frühling! Brause, heule, Feg' rein die Luft! Und aus dem alten Chaos Gebär' uns, Sturmwind, eine neue Welt! __ Menetekel fotderüng öon Millionen Mark. Nachdem daS Theater bald fertig war. mußten abermals 400 000 M. nachbewilligt werden. Seit acht Monaten ist es nun in Betrieb, aber die Abrechnung über die Baukosten ist noch nicht gestellt worden. In den letzten Tagen tauchte das Gerücht auf, daß abermals eine Nachforderung von 350 000 M. kommen werde. Auf die Anfrage eineS etwas un- abhängigen und deshalb äußerst unbeliebten Magistratsrates mußte der Bürgermeister zugestehen, daß man um eine neue Ueber- schreitung nicht herumkommen werde, nur wisse man ihre Höhe nicht, sie könne niedriger sein als der angegebene Betrag, aber auch höher. Demnach steht, also eine saftige Nachforderung in Aussicht. Die Baukosten für das Theater werden den ursprünglichen Kosten- Voranschlag um mehr als das doppelte überschreiten.~ Ein konservativer Blechschmied. Im deutschen Bürgcrverein„Vorwärts" hielt in letzter Woche der konservativ-antisemitische Agitator Rechtsanwalt Ulrich einen Vortrag über:„Konservative Reform und sozialistische Revolution", wobei er u. a. sagte, daß heute die nationalen Kreise nicht mit den Waffen in der Hand, sondern auf gesetzmäßigem Wege auf Reform deö Wahlrechts durch Einführung der technisch leicht durchführbaren Wahlpflicht hinarbeiten wollen. Hier- durch könne es gelingen, der Sozialdemokratie viele Wahlkreise zu entreißen, selbst solche, die, wie der sechste Berliner Reichstags- Wahlkreis, als Hochburgen der roten Internationale gelten. Diese Aufschneiderei kontrastiert merklich mit der Tatsache, daß die Kon- scrvativen ihren politischen Einfluß lediglich der skrupel- losesten Vergewaltigung der wirtschaftlich von ihnen ab- hängigenWählerschaft zu verdanken haben. Ob der konservative Terrorisinus nach Einführung der Wahlpflicht noch gesteigert werden könnte, ist angesichts der jetzt schon in den agrarischen Ge- filden herrschenden Wahlzustände recht zweifelhaft. In derselben Versammlung kolportierte der wahrheitsliebende Rechtsanwalt auch wieder das abgestandene Märchen, daß die sozialdemokratischen Arbeiter jährlich 70 bis 80 M. als Partei« abgäbe zu bezahlen haben, also etwa das zwanzigfache der Staats- einkommensteuer. wenn— so fügte Herr Ulrich unverfroren hin- zu— sie überhaupt solche entrichteten. Wir haben schon wieder« holt darauf verwiesen, wie die„70 bis 80 M. Parteiabgabe" zu- sammenge— rechnet werden: man addiert die 8 M. Wahlvereins- beitrüge im Jahr und die Abonnementsbeträge für die Parteipresse zu den Gewerkschafts beitrügen, die in vielen Fällen 1 M. und mehr pro Woche betragen, und die„70 bis 80 M. Parteiabgabe" werden annähernd erreicht, in manchen Fällen sogar überschritten. Daß die Gewerkschaftsbeiträge dazu dienen, die Lebenslage der Arbeiter zu heben und die Opfer der kapitalistischen GcsellschaftS- ordnung vor den schlimmsten Folgen der Arbeitslosigkeit, Krank- heit, Maßregelung usw. zu schützen, braucht ein konservativer Agi- tator ebensowenig zu wissen oder zu berücksichtigen, wie die für unsere Kulturzustände unsäglich traurige Tatsache, daß allerdings hunderttausende erwerbstätiger Arbeiter von der Verpflichtung zur Einkommensteuerzahlung befreit bleiben, weil sie infolge der vvii den Konservativen gepriesenen und gestützten göttlichen Welt- ordnung trotz harter Fron noch nichtSvoM. im Jahrver» dienen können. Dafür glaubt sie ein politischer Blechschmied von der Qualität des Rechtsanwalts Ulrich noch anpöbeln zu dürfen.— Schlechter Dank für Staatsrettung am 21. Januar wurde einem Polizisten, der am Donnerstag in einem«Aulaufprozetz" vor dein Schöffengericht zu Halle a. S. Zeuge fein sollte. Ein Bergarbeiter Giersch aus Ammendorf war am Nachmittage des 21. Januar auf dem Marktplatz erschienen und hatte sich über die aufgefahrenen Feuerspritzen amüsiert. Ms ein Polizist die lächelnde Miene des Mannes erblickte, ging er auf ihn loS und fragte ihn: «Warum lachen Sie?" Der Mann war baff und wurde darauf mit einem Eifer, der einer besseren Sache würdiger gewesen wäre, auf die Polizeiwache geschleppt. Nachdem nun Giersch dem Gericht sein Leid geklagt hatte, sollte der Polizist als Zeuge vernommen werden. Da er aber zum festgesetzten Termin nicht erschienen war, wurde er vom Gericht zu 10 M. Strafe und auch noch zur Tragung der Terminskoften verurteilt. Nach der Vertagung erschien der Polizist und entschuldigte sich. Das Gericht. daS nachgerade mit solchen Pro- zessen übersättigt zu sein scheint, fühlte aber keine Veranlassung, die gegen den Polizisten verhängten Strafen zurückzunehmen. Militärjustiz. Der Kanonier Franz Tobmeier vom 11. bahr. Feld-Art.-Reg. hatte beim Stallappell von einem Sergeanten den Befehl erhalten, den hinauszuschaffenden Dung mit den Händen an- zufassen. Die Schaufel, die der Soldat zu diesem Zwecke in die Hand genommen hatte, nahm ihm der Sergeant weg! Tobineier Iveigerte sich in seinein Aerger anfangs, kam aber schließ- lich doch deni Befehl nach. Wegen Gehorsam sver« Weigerung erhielt er vom Kriegsgericht Würzburg 44 Tage Ge« fängttts l Hueland. England. Die Schulvorlage. London, 11. April(Eig. Ber.) Seit mehreren Jahren ist die öffentliche Meinung Englands durch Schulkontroversen beunruhigt.«Schulkontroversen" ist eigentlich nicht das richtige Wort. ES sollte„Neligionsstreitigkeiten" heißen; denn um den eigentlichen Schulunterricht handelt eS sich garnicht. Kein moderner Staat ist über den Wert der Volksschule im Zweifel. Die Schwierigkeit liegt in den religiösen Forderungen, die die Ver- treter der verschiedenen christlichen Konfessionen an die Schule stellen. England ist mit religiösen Sekten reich gesegnet, deren Ansprüche respektiert werden müssen, da England erstens tolerant und demokrattsch ist und die Gewissen selbst der kleinsten Minderheit seiner Bürger nicht ver- letzen darf. Zweitens aber ist England religiös und kaim sich im große» ganzen keinen Jugendunterricht ohne Religion denken I Aus diesen Gründen ist zwar an die Bevorzugung einer Konfession — wie in anderen Ländern— nicht zu denken, aber ebenso wenig kann leider die einfachste Lösung: die Ausschaltung der Religion aus dem Schulunterricht— vorgenonimen werden. Schließlich kommen noch die Schwierigkeiten hinzu, die aus der Unlust des modernen Englands fließen, das Veraltete niederzureißen und etwas Zeitgemäße» in systematischer Weise an seine Stelle zu setzen. So bestehen denn die verschiedensten Volksschukthpen neben- einander: öffentliche, private, freiwillige, kirchliche, sektenarttge. j Natürlich ist es nicht leicht, den Anforderungen so vieler verschieden» artiger Elemente gerecht zu werden. Die Schulvorlage vom Jahre 1002, die von der konservativen Regierung durchgesetzt wurde, hat die größte Unzufriedenheit in den Kreisen der Dissidenten hervorgerufen, die deshalb zu Steuer« Verweigerungen griffen und flohen Herzens ins Gefängnis gingen, um ihrem Gewissen nicht untreu werden zu müssen. Das konfer» vative Schulgesetz hat ferner die Kontrolle des Volkes über die Volksschule etwas beschränkt, was also auch gegen die Grundsätze der Demokratte verstößt. Eine neue Schulvorlage hatte demgemäß hauptsächlich zwei Aufgaben zu lösen: die Sekten zu beruhigen und die Rechte des Volkes wieder herzustellen. Die Borlage, die der Unterrichtsminister August in Birrel, der selbst zu den Sekten gehört, am S. d. M. im Unterhanfe in einer längeren, literarisch musterhaften Rede ein» brachte, enthält folgende Hauptpunkte: Der Religionsunterricht ist ein allgemein christlicher, ohne auf die speziellen Dogmen der einzelnen Konfessionen Rücksicht zu nehmen. Den Religionsunterricht erteilen Lehrer(nicht Geistliches aber ihre Anstellung darf von keinem besonderen christlichen Bekenntnis abhängig gemacht werden. Der Lehrer hat ohne weiteres das Recht, die Erteilung des Religionsunterrichts zu verweigern, wenn sein Gewissen ihm diesen Unterricht nicht gestattet. Dir Kinder dürfen auf Wunsch der Eltern vom Religionsunterricht wegbleiben. Die Eltern, die den Unterricht in den Grundsätzen eines besonderen christlichen Bekenntnisses für ihre Kinder haben wollen, können ihn cuf eigene Kosten zweimal in der Woche ausserhalb der Schulstunden erteilen lassen, vorausgesetzt, daß vier Fünftel der Eltern dies verlangen I— Als öffentliche Volksschulen werden nur diejenigen Schulen an- erkannt, die von den Lokalbehvrden verwaltet werden. Man vergleiche mit diesen Prinzipien die geistesknechtenden Grundsätze, auf die PreussenS„Parlament" die Kultur der grösseren Hälfte Deutschlands festzulegen im Begriffe ist l— Amerika. Anarchistenkoller. Anarchistenkoller. Washington. Der hiesige italienische Ver- treter ist informiert worden, dass eine grosse Anzahl von italienischen Anarchisten sowohl über die Häfen des Stillen wie des Atlantischen Ozeans in Amerika eintreffen wird. Der Vertreter hat die Auf- merksamkeit der Behörden auf diese Angelegenheit gelenkt. Die Schiffahrtsgesellschaften werden demnächst Instruktionen erhalten, welche die Einwanderung von Anarchisten verhindern sollen. Die italienischen Anarchisten haben Baltimore als Ort ihrer Zu- sammenkunft gewählt. Schon jetzt wird die Einwanderung nach Amerika keinem ge- stattet, der sich als Anarchisten bekennt. Es erscheint also zum min- besten überflüssig, dass Amerika die Bestimmungen gegen Anarchisten- Einwanderung noch mehr verschärft. Aber der in Europa erzeugte Angstbazillus hat eben in Amerika einen gar zu guten Nährboden gefunden.—__ GcwcrhrcbaftUcbcs. Berlin und(Imgegend. An die organisierte Arbeiterschaft von Berlin und Umgegend'. Parteigenossinnen und Genossen! Die Bäckergesellen sind durch den bekannten von den In- nungcn organisierten Wortbruch der Meisterschaft gezwungen, in diesem Jahre wieder in die Lohnbewegung einzutreten. Unsere bescheidenen Forderungen gehen nicht allzu weit über die vor zwei Jahren gestellten hinaus. Die Innungen, gewitzigt durch die Erbitterung der g e- saniten Bevölkerung, welche die Brüskierung der Gesellen und ihrer Organisation vor zwei Jahren gezeitigt hatte, schlagen in diesem Jahre eine andere Taktik ein. Sie haben dem Verbände erklärt, daß sie mit ihm und den Altgesellen verhandeln wollen. Aber unter welchen entwürdigenden Bedingungen sollen die Gesellen mit der Innung verhandeln? Man mutete der Organisation zu, zu dulden, daß die Innungen neben ihr als gleichberechtigte Gcsellenvertretung die von den Innungen selbst gegründeten. geleiteten und unterstützten sogenannten„gelben", aber „meistertreuen" Vereine mit zu den Verhandlungen hin- zuziehen. Dieselben Vereine, für welche die Innungen auf eigene Kosten wöchentlich erscheinende Blätter drucken lassen, wo diese Musterge- seilen direkt als Arbeitswillige für den nächsten Streik be- zeichnet werden, deren Leiter Herr W i s ch n ö f s k i, Wiclef- straße 43, sich bereits gegen unsere Forderungen erklärt hat, sollen über diese Forderungen mitberaten als— Vertreter der Gesellenschaft. Die Innungen wollen die Gesellen- schaft zwingen, ihre schlimm st en Gegner anzuer- kennen. Eine größere Beleidigung und Verhöhnung einer Arbeiterorganisation ist wohl kaum schon jemals dagewesen. So sieht die durch„Verhandlungen" mit„ihren" Gesellen bekundete„Friedensliebe" der Innungen aus. Uns scheint, daß es nur„Scheinverhandlungen" sein sollen, deren einziger Zweck ist, der Bevölkerung Sand in die Augen zu st reuen. Die Berliner Bäckergesellen sind gern zu Verhandlungen bereit, aber Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit der Absichten fordern sie. Uns liegt daran, daß die Bevölkerung vom Stand der Dinge genau unterrichtet ist. Am kommenden Freitag wird sich zeigen, ob die Innung in andere Bahnen einlenkt, sonst wird es auch in diesem Jahre wieder gegen den Willen der Gesellenschaft leider zum erbitterten Kampfe kommen müssen. Wir bitten die Arbeiterschaft, den Ereignissen der nächsten Wochen ein wachsames Auge zu widmen. Die Ortsverwaltung Berlin des deutschen Bäckerverbandes. Die verehrlichen Hausfrauen bitten wir, am 2. Feier- tage kein Gebäck zu kaufen, überhaupt keinen Bäckerladen zu betreten, damit auch unseren Kollegen dieser einzige Ruhe- tag an den hohen Festtagen voll vergönnt ist. Verseht Euch mit Backware am 1. Feiertag. D. O. Der Streit und die„AuSsperning" der Schlosser hat bis gestern eine bemerkenswerte Aenderung im Stand der Dinge nicht gc- zeigt. Inwieweit sich die Situation nach Ostern ändern wird, hängt gänzlich von dem Verhalten der Meister ab. Der Metallarbeiterver- band wird sich in seinem Vorgehen zur Durchführung einer zeit- gemäßen Aufbesserung der Schlosserlöhne auch durch eine allgemeine Aussperrung nicht abhalten lassen. Achtung, Holzarveiter,(Klavierarbeitcr)! Ein Agent aus Däne- mark ist bemüht, Streikbrecher nach dort für die im Streik sich be- Endlichen Klavierarbeiter anzuwerben. Anmeldungen werden nach Wienerstr. 31 III verlangt. Kein organisierter Kollege darf sich anwerben lassen. Die Ortsverwaltung. Der neue Tarifvertrag der Maler ist gestern zwischen den Or- ganisationen der Gesellen und der Meister vor dem Einigungsamt endgültig abgeschlossen und unterzeichnet worden. Er gilt für die Ortschaften Berlin, Adlershof, Baumschulenweg, Britz, Borsigwalde, Charlottenburg, Cöpenick, Dahlem, Friedenau, Frie- drichsberg, Friedrichsfelde, Friedrichshagen, Groß-Lichterfelde, Grünau, Grunewald, Haselhorst. Heinersdorf. HoHen-Schö» Hausen. Johannisthal, Jungfernheide, Karlshorst, Lankwitz, Lichtenberg, Mariendorf, Marienfelde, Nieder-Schöneiveide, Pankow, Plötzcnsee, Reinickendorf, Rixdorf, Rudow, Rummelsburg, Schmargendorf, Schöneberg, Schönholz, Steglitz. Stralau, Sndende, Tegel, Tempel- Hof. Treptow, Wilmersdorf, Weißensee, Wannsee, Westend, Wittenau und Zdjlendorf. Die Arbeit wird gleich nach den Osterfeiertagen in allen Geschäften wieder auf- genommen. Zur Lohnbewegung der Gärtner in Berlin. Der Streik in der Handelsgärtnerbranche ist seitens der Streikleitung am 12. April für beendet erklärt worden, da an diesem Tage nur noch B Streikende vorhanden waren. Etwa 30 insgesamt sind im Wer- laufe der Bewegung nach ausserhalb abgeschoben worden, während die übrigen am Platze zu neuen Bedingungen wieder in Arbeit treten konnten. Wenn auch nicht alle Forderungen durchgesetzt worden sind, so wurde durchgehends doch eine Lohnerhöhung um 2 bis 3 M. pro Woche erreicht. Wäre nicht der S t r e i k b r u ch der Christlichen dazwischen gekommen, der gleich im Anbeginn die Stoßkraft der Bewegung geschwächt hat, dann könnte jetzt auf der ganzen Linie ein voller Erfolg verzeichnet werden. So lourde das noch einmal verhindert. Aufgabe der freien Gewerkschafts- organisation, des Allgemeinen deutschen Gärtnervereins, ist zurzeit. alles noch Ausstehende durch unablässige Kleinarbeit während der nächsten Wochen und Monate nachzuholen und die von ausserhalb herbeigezogenen Arbeitswilligen darüber aufzuklären, zu welch' un- sauberen Zwecken sie gcmissbraucht worden sind. Der Streik der Bierfaßböttcher ist zu Gunsten der Streikenden beendet. Nach den Feiertagen werden dieselben wieder in Arbeit treten. Die Hauptforderung: neunstündige Arbeitszeit und dem- entsprechend Lohnerhöhung, ist durchgedrückt worden dank der Einigkeit der Böttcher, die beschlossen hatten, in den Brauereien „keine Streikarbeit zu verpichen". Achtung, Friseurgchilfen! Am zweiten Osterfeiertag findet eine Kontrolle darüber statt, ob am genannten Tage nicht gearbeitet wird. Die Mitglieder melden sich daher in der Zeit von 3— 10 Uhr vormittags im Bureau Rosenthalerstr. 57. Wer die Kontrolle nicht passiert, auf den findet der A 15 des Statuts Anwendung. VerbandderFriseurgehilfenDeutschlands, Zweig- verein Berlin und Vororte. Der Vorstand: I. A. Paul Liere. Achtung Schuhmacher! Fortgesetzte Preissteigerungen aller Pro- dukte verteuern fortgesetzt die Lebenshaltung der Arbeiterklasse. Um so empfindlicher trifft diese Teuerung die Schuhmachergehülfen, welche zu den schlechtest entlohnten Arbeitern der Grossstadt gehören. Der allgemein preissteigernden Tendenz folgend, haben auch die Schuh- macherinimngen Berlins und Umgegend eine Erhöhung ihrer Preise beschlossen oder schon durchgeführt. In einem Flugblatt der Berliner Innung wird diese Preissteigerung nicht nur mit gestiegenen Leder- preisen und hohen Mieten, sondern auch mit geitiegenen Arbeits- löhnen begründet. Uns ist von gestiegenen Löhnen nichts be- kannt I Aber die Notwendigkeit einer Erhöhung derselben wird von allen empfunden. Darum ersuchen wir die Schuhmachergehülfen von Berlin und Vororte, am Osterdienstag in der Schuhmacherversammlung zu erscheinen, um hierzu Stellung zu nehmen. Siehe Annoncenteil und Säulenanschlag. Ferner machen wir auf den nunmehr vierzehn Tage währenden Streik bei der Firma Oettker, Fricdrichstrasse 52/53, aufmerksam, Willkürliche Festsetzung der Löhne und Arbeitsbestimmungen sind die Ursachen dieser Lohnbewegung. Trotz Verhandlungen konnte bis jetzt keine Einigung erzielt werden. Wir ersuchen besonders die Heimarbeiter darauf zu achten, dass keine Streikarbeit unter- geschoben wird. Die Ortsverwaltung Berlin des Zentralverbandes der Schuhmacher. oeirtMie» Reich. An die Arbeiterschaft Deutschlands! Die organisierten Abzahlungs-, Näh in aschinen-, Versicher ungs- und Auromatenkassierer beschlossen in ihrer letzten Zusammenkunft, zwecks Festigung der Organisation eine Kontrollkarte einzuführen. Wir ersuchen darum, daß die gesamte Arbeiterschaft von nun an nur noch mit modern organisierten Einkassierern und Agenten Geschäfte abschließt. Die Karte ist von brauner Farbe und nur dann gültig, wenn dieselbe ordnungsmäßig in jedem Quartal abgestempelt ist. Wir richten an die gesamte Arbeiterschaft das Ersuchen, diesen Aufruf zu beachten und dafür zu sorgen, dass danach gehandelt wird. Hoch die Solidarität! Zentralvcrband der Handels-, Transport- und Berkehrsarbeiter Deutschlands(Sektioa der Einlassierer und Kassenboten). I. A.: Friedrich Luckow, Berlin dl. 37, Fehrbellinerstr. 3. Die gesamte Arbeiterpresse, insbesondere die Gewerkschaftsblätter werden um Abdruck gebeten._ Der Ausstand der Kölner Reparattirschuhmacher hat nach zwei- tägiger Dauer mit einem vollen Erfolge für die Arbeiter geendet. Fast alle in Bettacht kommenden Firmen haben den Tarif anerkannt. Die Maler und Tüncher in Erlange» sind in den Ausstand ge- tteten, weil die Unternehmer, nachdem bereits ein Tarifvertrag von ihnen anerlannt war, nachträglich noch Aenderungen vornehmen wollten. Auch die Stukkateure haben aus gleicher Ursache einen Streik begonnen. IZtisUncl. Der Schweizerische Gcwerkschaftsbund hat soeben auf seinen Osterkongreß hin den gedruckten Bericht für die Jahre 1904 und 1905 herausgegeben. Er gibt ein erfreuliches Bild der Weiter- entWickelung und Fortschritte der schweizerischen Gewerkschasts- bewcgung auf der ganzen Linie, ebenso der zahlreichen Kämpfe in Form von Lohn- und Streikbewegungen mit dem Unternehmertum, die für die Arbeiter viele Erfolge und schätzenswerte Verbesserungen mancher Art brachten. Der Bericht für 1904 enthält zum erstenmal eine nach deutschem Vorbild aufgestellte Geiverkschastsstatistik, für 1905 dagegen konnte sie wegen der Verschleppung durch manche Verbandsvörstände noch nicht aufgestellt und veröffentlicht werden. Es fehlt da noch an der Schulung für statistische Arbeiten. In der Statistik sind 33 Verbände mit 46 833 Mitgliedern aufgeführt. In derselben fehlen jedoch 5 Verbände und mehrere Lokalorganifattonen mit insgesamt 4800 Mitgliedern, so dass die Gesamtzahl der in Be- tracht kommenden organisierten Arbeiter 45 600 betragen haben würde. Dem Gewerkschaftsbunde gehörten davon 36 000 Mitglieder an. Die gegenwärtige Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter dürfte zirka 60 000 betragen. Leider fehlt die Stteifftatistik voll- ständig. Es wird nur in, Texte über jene Fälle berichtet, m denen die Settetäre des Gewerkschaftsbundes vermittelten. 1904 waren es deren 79, 1905 47, während im letzten Jahre zirka 360 Lohnkonflikte überhaupt vorgekommen sind. Die„Arbeiterstimme", das Organ des Gewerkschaftsbundes, hat gegenwärtig eine Auflage von 7600 Exemplaren._ Der Streik der Briefträger. Paris, 13. April. sEig. Ber.) Paris ohne Post. Alle Versuche, den ordentlichen Postverkehr wieder herzustellen, sind gescheitert. Der Ausstand der Proletarier der Post übt Wirkungen, die sich nicht beseitigen lassen. Auf dem Hauptpostamt liegt eine halbe Million Drucksachen und das ChaoS wächst immer mehr, da auch die hinzugezogenen Militärmannschaften nicht ausreichen, bloß die regelmässige TageSarbeit zu erledigen. Die Nückständigkeit der Posteinnchiungen kommt jetzt den Streikenden zu Hülse. In den viel zu engen Räumen der Hauptpost konitten nur die geschulten und routinierten Beamten Ordnung halten. Dabei streikt bisher nur etwa e i n D r i t t e l der Be- diensteten, ausser der großen Mehrzahl der Druckschriftenverteilcr ein Teil der Sortierer und der Kästenausheber, sowie bereits einige Hundert Briefverteiler und Telegraphenboten. Gegen 10000 arbeiten noch, aber die Zahl der Ausständigen wächst in einigen Bezirken. Man hat zur Verteilung der Druckschriften Soldaten herangezogen, aber begreiflicherweise sind diese gepreßten Streikbrecher in dem ungewohnten Dienst sehr ungeschickt und langsam. Infolge der selteneren Aus- Hebungen ist der lokale Verkehr ungemein verlangsamt, auch die Beförderung»ach den Bahnhöfen unregelmässig geworden. Die Zahl der Zustellungen von Briefen ist stark eingeschränkt worden, die Bestellung der Drucksachen ganz unzuverlässig und in den ver- schiedenen Ouartteren ganz verschieden. So hat unser Berichterstatter seit drei Tagen keine Berliner Zeitung und nur eine Wiener erhalten, diese mit einer halbtägigen Verspätung. Keine geringe Schwierigkeit entstand auch daraus, daß die meisten Streikenden ihre Ledcrtaschen nach Haus genommen haben. Man mußte die Soldaten mit neuen versehen. Die.Sicherheitsmaßregeln" haben sich als ganz überflüssig er- wiesen. Die Soldaten, die mit aufgepflanzten Bajonetten auf den Postämtern stehen, langweilen sich zu Tode und haben nur die Hänseleien des Publikums anzuhören. Die halbleeren Post- omnibufle, in denen die arbeitenden Beamten befördert werden, stehen unter dem Schutze reitender republikanischer Garden, denen allerlei Spottrufe zufliegen. Bisher hat der Stteik trotz der Ver- legenheiten. die er natürlich in allen Kreisen hervorruft, ein heiteres Gesicht behalten. Ein demokratisches Ministerium als Ordnungsretter. Die gestrige Verhandlung in der Kammer war eine Probe auf die sozialpolitilche Einsicht des radikalen Ministeriums und diese Probe ist so schlecht wie möglich ausgefallen. Im Namen der Sozialisten verlangte S e m b a t von der Regierung eine entgegen- kommende Haltung. Mit den Zulagen beträgt das jetzige Jahres- einkommen der streikenden Briefträgerkategorien 1400 Fr. Sie verlangen 1800 Fr. Sembat schlug nun vor, die Wohnungs- zulagen um 100 Fr. zu erhöhen und die Gewerkschaft anzu« erkennen. Die Antwort des Arbeitsministers B a r t h o u strotzte von den üblichen Phrasen des kapitalistischen Absolutismus. Vor einer„Revolte", vor„einer an der öffenllichen Gewalt versuchten Erpressung" dürfe man nicht zurückweichen:„Es gäbe im Land keine Verwaltung, keine Regierung, kein Parlament, wenn man sich einem solchen Zwang beugen wollte. Die Gewerkschaft anerkennen, hieße einen Preis auf die Ungesetzlichkeit und auf den Aufstand setzen." Jeder Satz des„demokratischen" Ministers fand rauschenden Beifall — auf der Rechten und im Zentrum. In einer energischen Rede replizierte Genosse R o u a n e t dem Sprecher der Regierung. Als er sagte, daß diejenigen, die dem jetzigen Ministerium die Pforten geöffnet hätten, seine Haltung mit Bedauern sähen, rief ein Deputierter der äußersten Linken:„Herr R i b o t hat ihm die Pforten geöffnet und der anerkannte Führer der reaktionären Parteien antwortete:„Ich bedauere es heute nicht." Allerhand Sozialisten. Die geeinigten Sozialisten hatten eine Tagesordnung vor« gelegt, die die Anerkennung der Gewerkschaft aussprach und die Regierung anfforderte, sie in einem Gesetzentwurf zu formulieren. Eine andere Tagesordnung, die von dem„parlamentarischen" Sozialisten Gabriel Deville, dem ehemaligen theoretischen Ver- fechter des Marxismus und jetzigen Vulgärdemokaten eingebracht war. billigte die Erklärungen der Regierung und sprach aus, daß die Kammer auf das Wohlwollen der Regierung gegenüber den„eines Besseren belehrten und zur Einsicht gekommenen Beamten" rechne. Diese von der Regierung akzeptierte patriarchalisch- absoluttstische Tages« ordnung wurde angenommen, nachdem die von Sembat ein- gebrachte mit 405 gegen 32 Stimmen abgelehnt worden war. „Alles in allem," schreibt heute die„Humanitö",„ein schlechter Tag für die Republik. Um Herrn Barthou das Gegen- gewicht zu bieten, haben jetzt die anderen das Wort." „Die anderen"— das ist Aristide B riand, der. Ex- General- streikler.... Gewaltmaßregeln der Regierung. Heute ist die Regierung von Drohungen zu Taten über« gegangen. Der Arbeitsmimster hat 300 Streikende, darunter alle Führer der Bewegung, entlassen. Die Regierung läßt gleichzeitig bekannt gegen, daß sie für Paris allein eine Reserve von 10 000 Personen habe, die um Stellen im Post- dienst nachgesucht hätten. Es ist in der Tat richtig, dass der Andrang zu den Staatsanstellungen in Frankreich ungeheuer ist. Nur ist na- türlich der geringste Teil der Bewerber zu diesen Geschäften wirklich tauglich und ganz und gar ist eine plötzliche Ersetzung von größeren Massen ohne eine arge Beeinträchtigung des Verkehrs undenkbar. Aber Herr Barthou hat allerdings heute auch einer Abordnung der „legalen" Postbeamtenvereinigung erklärt, daß er auf Sttafverfügungen bestehen müsse. Solidaritätskundgebungen der StaatSangesteklttn. Verschiedene Kategorien der Staatsangestellten, darunter die Marinearbeiter, haben den Briefträgern ihre Solidarität kundgegeben. Besonders hervorzuheben ist eine Resolution des jetzt hier tagenden gewerkschaftlichen Lehrerkongresses, der den Stteikenden die Teilnahme des„Proletariats der Volksschulen" ausspricht. Versammlungen. Ter Zentralverband der Glaser hielt seine letzte Mitglieder- Versammlung im Gewerkschaftshaus ab. Zum Verbandstag, der zu Ostern in Mannheim stattfindet, wurden die Kollegen Jahn, Kündig, Krause, Enigel. N e ufe r t. Roch o w. C. Müller und F i e g e l delegiert. Vor dem Verbandstage soll eine Konferenz sämtlicher Bkankglaserstädte stattfinden. Einstimmig wurde beschlossen, den Tarif am 1. Mai zum 1. August 1906 zu kündigen. Ein weiterer Beschluß bestimmte, daß an jedem ersten Montag im Monat einheitlich sämtliche Bezirksvrrsinnmlungen stattzufinden haben. Die ordentlichen Mitgliederversammlungen finden an dem Montag nach dem 15. im Gewerkschastshaus statt. Letzte Nachrichten und Depeschen« Ter Streik der Hamburger Seeleute. Altona, 14. April.(W. T. B.) In einer heute abgehaltenen stark besuchten Versammlung der streikenden Seeleute teilte der Führer der Sechserkommission mit, dass der Hamburger Reederver- band wegen Kürze der Zeit noch nicht in der Lage war, mit der Kommission zu verhandeln. Die Direktion der Hamburg-Amerika- linie habe aber erklärt, daß sie zu verhandeln geneigt sei. Am Dienstag früh findet wieder eine Verhandlung statt. Zum Streik der Pariser Postbeamten. Paris, 14. April.(W. T. B.) Der Ausschuß der Arbeiter der staatlichen Zündholzfabriken berief für morgen eine Versammlung ein, um angesichts der über die Postbediensteten verfügten Entlassung entsprechende Schritte einzuleiten. Untersuchungen über die Katastrophe iv Courrieres. Leus, 14. April.(W. T. 33.) Diejenigen Bergarbeiterdcle- gierten und Mitglieder der Untersuchungskommission, die sich ge- weigert haben, den im Namen der Kommission von Adolph Carnot überreichten Bericht über die Ursache des Grubenunglückes von Courrieres zu unterzeichnen, haben einen Gegenbericht verfaßt, der heute von dem Blatte„Reveil du Nord" veröffentlicht wird und dem Minister der öffentlichen Arbeiten Barthou unterbreitet wer- den soll. In diesem Gegenbericht wird Beschwerde darüber geführt, daß man an dem auf die Katastrophe folgenden Tage nicht die Delegierten der Bergarbeiter hinzugezogen und gemäß dem Bor» schlage des Präsidenten der Abordnung der Grubenbesitzer, Reu- meaux, die den Schacht 3 versprerrcnden Holzverkleidungen nieder- gerissen habe, was die Grube nicht schädigen konnte. Der Gegen- bericht erklärt zum Schluß, daß die Grubengesellschaft von Courrie- reS sich die ernsteste Verantwortlichkeit aufgeladen habe, dadurch, daß sie Schacht 3 versperrt ließ, daß sie ferner vorzeitig die Ret- tungsarbeiten aufgab und die Lüftung unterließ. Die Tätigkeit des Vesuv. Torre Annunziata, 14. April.(SB. T. B.) Heute vornnttag ging reichlicher Aschenrege» über San Giuseppe Besuviano und über Otta- jano nieder, der die Höhe von 4 Zentimeter erreichte. Erdbeben. Tokio, 14. April.(Meldung des„Renterschen Bureaus".) Im Süden von Formosa erfolgte heute morgen wiederum ein heftiges Erdbeben. Man glaubt, daß die Verluste schwerer find als am 17. März. Verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin, Inseratenteil veranttv.� Tß. Glocke, Berlin. DruS u. Verlag: BorwärtS Buchdr. u. BerlagSanLÄt Paul Sivger Li Co., Berlin ZVik. Hierzu 4 Voilagen, »r-88- i. Keilllge des„Wmiirts" berliner NölksdlM � � �'»«« IriUravitche Rundfchau. Ctkik und matcmlifdrche Gcfd�icbtsauffaffung/) i. Verschiedene der bedeutendsten, in mehrfachen Auflagen er- schienenen Werke der deutschen marxistischen Literatur sind Ge- Icgenheitsschriften, hervorgerufen durch gegnerische polemische An- griffe oder durch das Bemühen marxistischer Theoretiker, die im politischen Tageskampf aufgetauchten Mcinungsstreitigkeiten da- durch zu klären, datz sie die strittigen Fragen als Ausläufer vcr- schiedener theoretischer Grundauffassungcn nachzuweisen suchten. Welche gewaltige Einwirkung hat beispielsweise nicht Friedrich Engels' Streitschrift gegen Eugen Dühring auf den theoretischen Entwickelungsgang unserer Partei ausgeübt. Zunächst lediglich zum Leitfaden durch die aus Eugen Dührings Auftreten entstandenen Meinungswirrcn bestimmt, welche die eben erst in Gotha geeinte junge deutsche Sozialdemokratie in neue sektiererische Spaltungen zu stürzen drohten, hat die zuerst 1876 im„Volksstaat" als Artikelserie erschienene, dann 1878 als Broschüre veröffentlichte Kritik der Dühringschcn Darlegungen sich als die beste Ein führungsschrift in die marxistische Gedankenwelt erwiesen. Indem Engels seinem theoretischen Gegner auf dessen verschiedene Dav stellungsgebiete folgte und dessen Auffassungen seine eigenen gegen überzustellen und zu begründen suchte, zeigte er nicht nur in weit schärferer Form, als dies in einer nicht polemischen, rein deduktiven Schrift möglich gewesen wäre, die Gegensätze der beiderseitigen grundverschiedenen Anschauungsweisen, sondern bot zugleich eine Reihe positiver Entwickclungen. Eine derartige Gelegenheitsarbeit ist auch die oben angezeigte Schrift Kautskys. Sie ist die Folge der Auseinandersetzungen, die Äautskh im September vorigen Jahres mit der damaligen Mehr- heit der Redaktion des„Vorwärts" hatte. Einer der Hauptstreit- punkte war die Frage, wieweit die Ethik ein Produkt der geschichtlichen Entwickelung sei und welche Rolle sie im politischen Kampf spiele. Die vielfachen Mißverständnisse, auf die Kautskh bei dieser Kontroverse stieß, weckten in ihm, wie er in seinem Vorwort schreibt, die Absicht, in einem Artikel der„Neuen Zeit" kurz die Entwickelung der Ethik auf der Grundlage der materialistischen Geschichtsauffassung zu skizzieren; doch bei der Niederschrift zeigte sich die Unmöglichkeit, den beabsichtigten Umfang einzuhalten. Aus der Arbeit wurde, obgleich Kautskh sich auf eine kurze, vielleicht manchmal zu kurze Skizzierung seines Gedankenganges beschränkte, eine Abhandlung von 144 Druckseiten. Wie Kautskh in seinem Vorwort ausführt, entstand damit für ihn eine neue Frage. Ueber den gesteckten Rahmen war die Arbeit nun doch einmal hinausgediehen, sie konnte nur noch in Buchform erscheinen; war es unter diesen Umständen nicht besser, die AuS- führungen zu ergänzen, Belege und Beweismaterialien zu sammeln und durch ihre Einfügung die Schrift zu erweitern und zu ver- tiefen? Doch dazu wären mehrere Jahre ruhiger, ungestörter Arbeit nötig gewesen, die einem sozialdemokratischen Redakteur unter den heutigen Verhältnissen nicht zu Gebote stehen. So entschloß sich KautSky, seine Arbeit in der Form, die sie hatte, zu veröffentlichen, und die Partei kann ihm für diesen Entschluß nur dankbar sein; denn sein Werkchen bildet trotz seines aphoristischen Charakters eine höchst wertvolle Bereicherung unserer Literatur— nicht nur. indem es eine Frage zur Diskussion stellt, die zur Klärung unseres Verhältnisses gegenüber den heutigen ethisch-politischen Strömungen höchst wichtig ist, sondern indem es zugleich die Frage der Ethik aus dem Kreis der bloßen philosophisch-spekulativen Betrachtung rückt und eine systematische Untersuchung der Ethik nach ihrem histori- schen Ursprung und Entwickelungsgang unternimmt— eine Methode, die allein sichere Erkenntnisse auf diesem Gebiete schaffen kann. Allerdings ist, wie Kautskh richtig sagt, sein Buch nur ein Ver- such; aber mehr vermöchte auch ein größeres Werk nach dem heutigen Stande der Wissenschaft nicht zu bieten. Der Versuch könnte zwar weiter ausgestaltet, durch allerlei Bewcismaterialien gestützt und durch Aufnahme mancher sich aufdrängenden Neben- frage ergänzt werden— er bliebe aber nichtsdestoweniger ein Ver such. Nach meiner Auffassung liegt sogar ein Vorzug darin, da' Kautskh nicht sofort mit einem großen Werk anrückt, sondern sic darauf beschränkt, vom Standpunkt der materialistischen Geschichts auffassung aus den Ursprung und Hauptentwickelungszug der Ethik zu skizzieren. Etwas Abschließendes läßt sich, wie schon ge- sagt, heute auf diesem Gebiete ohnehin noch nicht bieten, kommen doch bei einer derartigen historisch-systematischen Erforschung, wie 5lautsky sie mit kühnem Griff unternimmt, nicht nur die Geschichte der Philosophie und der ethischen Anschauungen in Betracht, sondern zugleich auch die Biologie, die Ethnologie und die Sozialpsychologie sowie das Gesamtgebiet der Wirtschafts- und Sozialgcschichte. Deshalb ist es weit besser, zunächst die Kritik abzuwarten— sowohl die Kritik der Gegner, die auf einem ganz anderen Standpunkt stehen, vornehmlich der Alt- und Neukantianer, als auch der Ge- sinnungsverwandten Kautskys. die seine historische Betrachtungs- weise akzeptieren, die aber trotzdem, je nach dem Wissensgebiet, von dem aus sie an die Tatsachen herantreten, im einzelnen zu ver- schiedenen Auffassungen kommen werden, Kautskh leitet seine Schrift mit einer Betrachtung über die antike und christliche Ethik ein, die nur zur Ergänzung, in gewissem Sinne kann man sagen zur Einführung des Lesers in das behandelte Problem bestimmt erscheint und trotz ihrer nur die wichtigsten Züge der antiken Ethik berücksichtigenden aphoristischen Kürze verschiedene geistvolle Analysen enthält. Dennoch vermag ich mich einigen der Darlegungen nicht ganz anzuschließen, und zwar sind es gleich zu Anfang seine Ausführungen über die Entstehung der griechischen Sittlichkeitsphilosophie, die mir. um marxistisch zu reden, etwas zu„ideologisch" erscheinen. Selbswerständlich stellt sich Kautskh auf einen ganz anderen Betrachtungsstandpunkt, Ivie die bekannten Geschichtsschreiber der griechischen Philosophie. Er sucht den Verfall der griechischen Naturphilosophie nach der Beendigung der Perserkricge und das Auskommen einer neuen, sich mit der Er- forschung des geistigen Wesens des Menschen und seiner Sittlichkeit beschäftigenden Philosophie, die man trotz ihrer individualistischen Betrachtungsweise als politische Philosophie bezeichnen kann, nicht in einer zufälligen Veränderung der bisherigen Gedankenrichtung. sondern in der Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Hellenen; aber er läßt.die Frage, in- wiefern denn die von ihm skizzierte Wirtschaftsentwickelung eine Ver- änderung des Untersuchungsfeldcs und der Problemstellung be- dingt, unerörtert. Die Tatsackjc, datz nun nach den Pcrscrkricgcn die Erforschung der Ethik als des Regulators der menschlichen Handlungen in den Vordergrund tritt, wird nur einfach konstatiert, darauf nachgewiesen, wie mit dem Untersuchungsgegenstand der Philosophie sich auch ihre Methode ändert, und dann ausgeführt, wie in der methodologischen Behandlung des Problems zwei Haupt- richtungen hervortreten: die eine, welche die Basis des Sitten- gcsetzes in der Natur des Menschen selb st. in seinem Glückseligkeitsbedürfnis sucht, die andere, die *) Karl Kautskh:„Ethik und materialistische Ge- schichtsauffassung." Ein Versuch. Stuttgart 1906. Verlag von I. H. W. Dietz Nachf. 144 Seiten Oktav. Preis gebunden 1, 50 M. darin eine übersinnliche Einwirkung, das Walten göttlicher oder zum mindesten über- menschlicher Kräfte erblickt. Dem Anschein nach hat Kautskh bei der Niederschrift seines Kapitels über die antike Ethik der Gedanke geleitet, seine Aus- führungen über diesen Gegenstand möglichst kurz zu bas'en, um da- durch Raum für die Svritif Kant- zu gewinnen. Da.sc durchaus berechtigt. Die Kritik der Kaatschen Ethik ist zunächst das wichtigste; immerhin ist die Frage: Aus welchen Lebensverhältnissen ist das Philosophieren der Hellenen über das Sittengesetz hervorgegangen?, hochinteressant; denn eine sorgfältige Prüfung dieser Frage gibt nicht nur Auskunst über die Entstehung des philosophisch-ethischen Pro- blems im allgemeinen, sondern zeigt auch deutlich den engen Zu- sammenhang der Problemfassung und-Lösung mit der politischen Lebensauffassung des Philosophierenden und des weiteren mit seiner Gesellschaftsformation. Wie so viele andere Fragen lernt man auch die sogenannte „ e t h i s ch c F r a g e" nur verstehen, wenn man auf ihren historischen Ursprung und ihre frühesten Entwickelungsformcn zurückgeht. Leider gestattet der Rahmen einer Rezension keine gründliche Erörterung des Entstehungsvorganges. Ich muß mich notwendig auf einige An- deutungen beschränken. Vielleicht bietet sich jedoch demnächst zu ein- gehender Erörterung dieser Frage Gelegenheit, zu der ich bereits 1899/1900 in der„Neuen Zeit" Band XVlll. S. 421:„Philosophie und Wirtschast", einen Beitrag zu liefern versuchte. Die ältere Religionsgeschichte begann die Reihe der religiösen Entwickelungsftufcn mit dem Naturkult, indem sie die Uranfänge der Religion in der altarischen Sprache und Mythologie suchte und die dadurch gewonnenen Vorstellungen auf die früheren Menschheits- Perioden übertrug. So wenig, wie die Alt-Arier aber die tiefste Stufe der sozialen Entwickelung repräsentieren, hat ihr Kult darauf Anspruch, als etwas Ursprüngliches zu gelten. Er ist das Produkt einer relativ späten Entwickelungsperiode. Wie schon Herbert Spencer in seiner„Oeseriptive Sociology" ausführt und seitdem durch die ethnologischen Forschungen immer deutlicher be- wiesen worden ist, finden wir bei keinem primitiven Volk den söge- nannten Naturkult, sondern je nach der Entwickelungsstufe einen roheren oder geklärteren Animismus, einen Geister-(Dämonen-) Glauben, oder die verschiedenen Formen des Geschlechts- und Ahnen- kults. Erst dann, wenn Ackerbau und Viehzucht eine derartige Be- deutung erlangt haben, datz der Mensch sich in seiner Existenz von den Naturgewalten völlig abhängig fühlt, d. h. erst dann, wenn er mit der Bebauung des Bodens so weit fortgeschritten ist. datz ihm die Erträge desselben als die unentbehrlichsten Existenzmittel gelten, und er täglich erleben muß, wie die Ztaturkräfte in seinen Daseins- kämpf eingreifen und oft die Frucht seiner Arbeit spielend ver- nichten: erst dann entsteht der Naturkult. Mit der Zunahme des Abhängigkeitsgefühls der Menschen von der Natur und der aus diesem sich ergebenden Naturbeobachtung, drängt sich aber zugleich mehr und mehr die Frage auf, nach der Ur- fache und dem Zusammenhang der Naturerscheinungen und der Stellung des Menschen in der Natur. Di« Antwort darauf sucht die auf dieser Entwickelungsstufe entstehende Naturphilosophie zu geben. Neben dem Abhängigkeitsgefühl von dem„Walten der Natur" tritt jedoch in den entstandenen Staatsgebilden die Abhängigkeit von der Gemeinschaft; besonders wenn neben dem Ackerbau Gewerbe. Schiffahrt, Handel. Kunst an Bedeutung für die Existenz des Menschen gewinnen. Jmmcrmehr differenziert sich die Staatsgemein- schaft. Kasten-, Stände- und Vermögensschichten entstehen, und ein sich immer mehr ausdehnendes Netz von Gesetzen und Verordnungen, von Meinungs- und Sittenschranken umgibt den einzelnen, der sich nun weit mehr von den sozialen Institutionen und der öffentlichen Meinung, als von der Natur abhängig fühlt. Damit erhält auch die Philosophie eine andere Richtung. An die Stelle der Beschäfti- gung mit den Zusammenhängen der Naturerscheinungen tritt die Beschäftigung mit dem Menschen, seinem Wesen und seiner Stellung im Staat. Knapp und treffend schildert diese Veränderung der Lebens- Verhältnisse Kautskh, indem er über den wirtschaftlichen Wechsel im Leben des Volks der Hellenen nach den Perserkriegen schreibt: Mit einem Schlage wurde es eine Weltmacht, der Beherrscher der See, die es umgab, und damit des Handels. Und wenn über Japan nun die kapitalistische Großindustrie mit voller Wucht hereinbrechen wird, von der es bisher nur die Anfänge gekannt, so wurde nach den Perscrkriegen Griechenland, namentlich Athen der Mittelpunkt des damaligen Welthandels, das Handelskapital bemächtigte sich des ganzen Voltes und löste alle überkommenen gesellschaftlichen Verhältnisse und Anschaungen auf, die den einzel- neu bis dahin beherrscht und sein Handeln geregelt hatten. Der einzelne sah sich plötzlich in eine neue gesell- schaftliche Welt versetzt.— In der griechischen Philosophie dieser Epoche kommt dieser Aus gang beutlich zum Ausdruck; denn worauf sie sich konzentriert, ist jene spezielle Form der Ethik, die man als Staats- oder wie später, von einem konstruierten abstrakten Staatszweck aus; sie ist zunächst rein intuitiv, d. h. sie fußt auf bloßen sinn- lichen Anschauungen, und diesen Anschauungen nach ist ja der Staat nichts anderes als eine Summe von Individuen; aber sie betrachtet den Menschen auch nicht für sich als Einzelwesen, sondern so. wie er sich im täglichen Leben darstellt, als Zoon politikon, d. h. als Teil eines Gemeinwesens, dessen Existenzbedingung sich seine Sittlichkeit unterzuordnen hat. Doch nicht nur insofern ist die ethische Philosophie ein Produkt der sozialen Entwickelung, als diese die Anregung zur Beschäftigung mit der ethischen Natur des Menschen gibt und, indem sie das Objekt der Untersuchung liefert, zugleich die Aufgabe, das Problem stellt, sondern auch indem sie die Tendenz der Lösung bestimmt. Der PPlosoph, der an das Problem herantritt, findet dieses nicht nur in einer durch die soziale Entwickelungsgestaltung gegebenen Fassung; er geht auch naturgemäß bei seiner Untersuchung von einem bestimmten ihm durch sein soziales Milieu übermittelten größeren oder geringeren Fonds von Eindrücken und Wahr- nchmungen und deren Verarbeitung zu reflexiven Vorstellungen. von einer bestimmten Lebensauffassung aus, d. h. er sieht das Problem von vornherein unter einem bestimmten Gesichtswinkel. Datz aber dadurch, wie und von welchem Stand- Punkt aus der Philosoph sein Problem sieht, auch die Richtung des von ihm unternommenen Lösungsvcrsuchcs bestimmt wird, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Aber nicht nur insofern als der Philosoph stets sein Problem unter einem durch seine sozialen Er- fahrungen gegebenen Refraktionswinkel erblickt, erscheint die Tendenz der Problemlösung bestimmt; er ist auch naturgemäß nur allzu ge- neigt, diePrinzipien.Tendenzen.Widersprüche.die er in dem ihn um- gebenden gesellschaftlichen Lebensprozetz wirksam sieht, in dem seiner sozialen Anschauungswelt übergeordneten„Weltganzen" und dessen „ewigen Gesetzen" wiederzufinden— mit anderen Worten das von ihm erfaßte gesellschaftliche Lebensbild in sein„Weltbild" hinein- zuprojizieren. Demnach erscheint in den philosophischen Konstruktionen der griechischen Philosophen ih-e sogenannte„Weltauf. fassung" nur als eine ideelle und in gewissem Sinne idealisierte Erweiterung ihrer Lebens- auffassung. Durchweg läßt sich bis ins einzelne nachweisen, wie ihr„Weltsystem" und ihre durch dieses begründete Ethik nicht nur mit dem Gcsamtcharaktcr des gleichzeitigen Staats- und Ge- sellschaftslebcns, sondern meist sogar eng mit den jeweiligen Partei- kämpfen und dex ZvgMxWleit der Mäejchen Phisssophen Vi feu stimmten Parteirichtungen zusammenhängt, so datz ihre Ethik sich lediglich als die philosophisch-theoretische Be- gründuug bestimmter politischer Parteiansprüchc darstellt. Wo sollte die Untersuchung des sittlichen Wesens des Menschen beginnen? Das Ausgehen von einem abstrakten sittlichen Staats- oder Gefellschaftszweck lag, wie vorhin schon bemerkt wurde, nicht in der intuitiven Anschauungsweise jener Epoche— so blieb als Unter- suchungsobjekt nur der Mensch selbst. Aber auch dann eröffneten sich noch immer zwei verschiedene Wege die Untersuchung. Es bot sich die Annahme, daß die Sittlichkeit in der Natur des Menschen selbst begründet ist, also der Ausfluß einer bestimmten Veranlagung sei. oder aber es konnte auch der Urgrund der Sittlichkeit außerhalb des Menschen liegen, der Ausfluß irgend einer übersinnlichen Weltkraft sein, die auf und in dem Menschen wirkt. Beide Richtungen fanden ihre Vertreter. Die erstgenannte, die materialistische Richtung, fand die Grundlage der Sittlichkeit in dem Trieb der Menschen nach Glück, nach einem möglichst hohen iltdivi- duellen Wohlbefinden. „Man suchte", sagt Kautskh treffend,„also die Grundlage des Sittcngesetzes in dem Bedürfnis des Individuums nach indi- vidueller Lust oder Glückseligkeit. Das Gute ist das, was dem' Individuum Lust bereitet, seine Glückseligkeit fördert; das Böse, was das Gegenteil bewirkt. Wie ist es aber da möglich, daß das Böse gewollt wird, datz nicht jedermann unter allen Umständen nur das Gute will? Das wird erklärt dadurch, daß es ver- schiedene Arten von Lust und Glückseligkeit gibt. Das Böse ent- steht dann, wenn der Mensch eine niedere Art von Lust oder Glück- seligkeit einer höheren vorzieht, einer augenblicklichen, rasch vor- übergehenden eine dauernde opfert, also aus Unwissenheit oder Kurzsichtigkeit." Aber diese Erklärung aus dem Glückseligkeitstricb ließ zu viele Fragen unbeantwortet. Vor allem erklärte sie nicht, wieso das Sittengesetz als sittlicher Zwang, als Verpflichtung, das Gute zu tun. auftritt und nicht als bloßer Rat, die vernünftigere Art der Glückseligkeit der weniger vernünftigen vorzuziehen. Außerdem aber genügte sie in den alsbald sich einstellenden inneren Kämpfen der griechischen Gemeinwesen den Anforderungen nicht. Norm und Richtschnur für die politifchcn Bestrebungen und Handlungen zu liefern. Eine Moral, die als Ausfluß eines dunklen, leicht irrenden Triebes erschien, konnte niemals dieselbe Autorität beanspruchen wie jene, die gewissermaßen als e.in Ausfluß übersinnlicher Agentien, als ein Teil eines das ganze Weltsysteme beherrschenden Prinzips auftrat. Neben der materialistischen gewann deshalb im steigenden Matze die idealistisch-metaphysische Richtung der griechischen Philosophie an Bedeutung; zumal als der wirtschaftliche Aufschwung Griechen- lands einem schnellen Niedergange wich, der größte Teil der Bc- völkerung mehr und mehr verarmte, das politische Leben versumpfte und Griechenland unter die römische Herrschaft geriet. Für die verarmenden Klassen war die Glückseligkcitstheorie nicht geeignet. Ohnehin hatte selbst zur Zeit ihrer Stifter die Lebensgenuß- Philofophie eines Aristippos und Epikur nur bei den Wohl- situierten Verständnis gefunden. Schon zu Aristippos Zeit war ihr in Antisthenes spießbürgerlicher Entsagungspredigt und der kynischen Schule der Gegenfatz entstanden. Nun gewann die Resignations- Philosophie, der platonisch infizierte, das Sittengesetz gewissermatzen als Naturprinzip betrachtende Stoizismus stetig anAusdehnung, und neben ihm der Platonismusc aber nicht der ganze Platonismus, nicht seine Staatstheoretik— für derartige Jdealkonstruktionen war in dem allgemeinen Verfall kein Platz mehr—, sondern seine Ueber- sinnlichkeitsspekulation, sein Mystizismus. Immer stärker geriet die aus der sozialen Misere sich in das Reich des Uebersinnlichen flüchtende Stimmung in die Bande einer weltfremden Mystik, bis sie schließlich ihren naiven Ausdruck in der chiliastischen Spintisiererci des neu entstehenden römischen Christentums: in der Offenbarung Johannis und den mystisch-shmbolifchen Spekulationen der Gnostiker fand. II. Für die in weiter historischer Perspektive hinter uns liegende griechische Philosophie erkennen auch manche, welche die Marxsche materialistifche Geschichtstheorie als eine höchstens halb zutreffende Konzeption betrachten, den engen Zusammenhang zwischen den phi- losophischen Konstruktionen und dem politischen Lebensinhalt der verschiedenen Epochen an; für die neuere Philosophie und speziell die kantischc wird jedoch dieser Zusammenhang geleugnet. Kants Philosophie und besonders seine Ethik soll nichts historisch Bedingtes, nicht die philosophische Projektion einer gus den LebenSverhält- nissen seiner Zeit gewonnenen und diesen entsprechenden Moral- auffassung sein, sondern eine für alle Zeiten gültige Erkenntnis. Tatsächlich steht jedoch kaum einer der alten griechischen Phi- losophen so völlig unter dem Einfluß bestimmter Anschauungskreisc seiner Epoche als Kant. Das gibt dieser selbst zu, denn als Leit- motiv seines philosophischen Schaffens, ohne das die Tendenz seiner Schriften notwendig ein Rätsel bleibt, bezeichnet er in der Vor- rede zur zweiten Ausgabe seiner„Kritik der reinen Vernunft" seine Absicht,„durch gründliche Untersuchung der Rechte der spekulativen Vernunft einmal für allemal dem Skandal vorzu- beugen, der über kurz oder lang selbst dem Volke aus den Streitigkeiten aufstoßen mutz, in welche sich Metaphhsiker(und als solche endlich wohl auch Geistliche) ohne Kritik unausbleiblich vcr- wickeln und die selbst nachher ihre Lehre verfälschen. Durch diese(d. h. durch die Einschränkung der Rechte der spekulativen Vernunft) kann allein dem Materialismus, Fata- lismus, Atheismus, dem freigeisterischen Un- glauben, der Schwärmerei und dem Aberglauben, die allgemein schädlich werden können, zuletzt auch dem Idealismus und dem Skeptizismus, die mehr den Schulen gefährlich sind und schwerlich ins Publikum übergehen können, selbst die Wurzel ab- geschnitten werden." Demnach findet er denn auch den„unschätzbaren Vorteil" seiner Erkenntniskritik darin, daß sie geeignet ist,„allen Einwürfen wider Sittlichkeit und Religion auf sokratische Art, nämlich durch den klarsten Beweis der Unwissenheit des Gegners, auf alle künftige Zeit ein Ende zu machen." Denn wenn auch(so sagt er an anderer Stelle) seine Kritik keine direkten Beweise für die Existenz Gottes beibringe, so müßten doch„dieselben Gründe, durch welche das Un- vermögen der menschlichen Vernunft in Ansehung der Behauptung des Daseins eines dergleichen Wesens(d. h. Gottes) vor Augen gelegt wird, notwendig auch zureichen, um die Un- tauglichkeit einer jeden Gegenbehauptung zu beweisen." Der Zweck seiner Erkenntniskritik besteht demnach darin, dem damals herrschenden englischen Skeptizismus und französischen Materialismus als den Grundlagen des„Atheismus" und des „freigeisterischen Unglaubens" durch Einschränkung der„Einsichten der Vernunft" das Terrain abzugraben, um die alten religiösen Autoritäten wieder herstellen zu können, wie er denn auch in der erwähnten Vorrede selbst offen sagt:„Ich mutzte also das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bc- Mcr für diesen Zweck der Restauration genügte die Ein. schränkung„der Rechte der Vernunft" nicht; sie lieferte nur den Beweis unserer„Unwissenheit" oder richtiger der„Unsicherheit" unseres Wissens; aber sie bot nicht das Material zur Aufrichtung neuer Stützen für die gefährdete Sittlichkeit und Religion. So bollzog denn Kant auf dem Gebiete der Erkenntniskritik einen Saltomortale, indem er sich rein praktische Gesetze konstruierte, die, wie er unterstellte, nicht empirisch(durch Erfahrung) bedingt, sondern schlechthin.gebietende" Erzeugnisse der reinen Ver- nunft seien, nämlich die moralischen Gesetze, und indem er dann weiter aus der Existenz solcher Gesetze die Existenz eines weisen Regierers der Welt ableitete. Dieses Verfahren wird von Kautsky im einzelnen scharf ge. kennzeichnet, wie denn das Kapitel über„die Ethik Kants" entschieden zu den besten seines Buches gehört. Die Begabung KautSkhS als kritischen Analitikers tritt hier am schärfsten hervor. Er weist nach, wie Kant trotz seiner Annahme einer„intclligiblen", unerkennbaren Welt, um einen Rückhalt für seine Konstruktionen zu gewinnen, doch dazu gelangt, von jener Welt recht bestimmte Eigenschaften auszusagen, sie als räum- und zeitlos zu bezeichnen und aus ihr das Sittengesetz herzuleiten. Und welches ist nun das Sittcngefetz aus der„intelligiblen" Welt, das uns Kant beschert? Es lautet: „Fandele so, dah die Maxime deines Willens jederzeit zu- gleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte." Oder in anderer Formulierung: „Handele so, daß du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Ztveck, niemals bloss als Mittel gebrauchst?" ... Reu ist dieses Sittengesetz gerade nicht; es ist dieselbe Mahnung. für welche die alte bürgerliche Gesellschaft schon vor Kant die naivere Fassung gefunden hatte:„Was du nicht willst, das dir geschicht, das tue auch keinem anderen nicht." Weit entfernt,-das„sittliche Pro- gramm aller Zukunft der Weltgeschichte" zu sein, wie Professor Her- mann Cohen meint, ist denn auch dieser Grundsatz nichts anderes, als die philosophisch-thcoretische Formulierung einer bürgerlichen Forderung und zwar einer ganz bestimmten gesellschaftlichen Ent- Wickelungsphase. Nach den Behauptungen der Kantianer soll der Kantsche Sitten- grundsatz unabhängig von allen zur Sinnenwelt gehörigen Be- dingungrn sein. Kautsky weist treffend nach, wie absurd diese An- ficht ist: „Schon der Begriff des Sittengesetzes." sagt er,„schlicht Be- dingungen ein, die der Sinnenwclt angehören. Es ist nicht ein Gesetz des„reinen Willens" an sich, sondern ein Gesetz der Be- stimmung meines Wollens gegenüber meinen Mitmenschen. ES setzt diese voraus; für mich aber sind sie„Erscheinungen", Teile der Sinnenwelt. Fllbntillrbkiterllerbllnd mid Fandarbelterfrage. Die Zahlstellenleitungen des Verbandes der Fabrik-, Land- und Hülfsarbeiter(Gau Brandenburg) hielten am Freitag zu Berlin im„Rosenthaler Vercinshaus" eine ausserordentliche Konferenz ab, um zu dem diesjährigen Ver- bandstag der Organisation Stellung zu nehmen. Eingeladen und erschienen waren hierzu auch drei Parteivertrcter von der A g i- tationsko mmission der Provinz Brandenburg, sowie der Reichstagsabgeordnete Artur Stadthagen. Den Hauptpunkt der Verhandlungen bildete die Erörterung der Frage: „Was hat der Verband zu tun, um die Organisation der Landarbeiter endlich in die Wege zu leiten?" Das Referat hierüber hielt der Bevollmächtigte Bruns von der Zahlstelle Berlin. Cr und die Diskussionsredner führten etwa folgendes aus: Der Verband nenne sich seit seinem Bestehen nicht nur Fabrik- und Hülfsarbeiterverband, sondern auch Land» a r b e i t e r verband. Wenn nun auch mit freudiger Genugtuung zu konstatieren sei, daß die Organisierung der ungelernten Fabrik- und Hülfsarbeiter im Laufe der Jahre gute Fortschritte gemacht habe, so könne bisher doch von einer Organisation der Landarbeiter leider so gut wie gar nicht die Rede sein. Nur eine winzige Anzahl von Landarbeitern gehöre dem Verbände an. Diese Zahl könnte zweifellos grösser sein, wenn der Hauptvorstand der Landarbeitersrage eine grössere Aufmerksam- keit gewidmet hätte. Vielleicht lasse sich ja zur Entschuldigung des Hauptvorstandes anführen, dass dieser naturgemäss sein Hauptaugen- merk zunächst auf die grösstmöglichste Stabilisierung der Organisa- tion richten musste, indem er durch Gewinnung einer namhaften Zahl von Fabrikarbeitern die ständigentCadres an Stammitgliedern in allen Verbandsgauen sicherte, wodurch eine erhöhte Bedeutung und Leistungsfähigkeit der Organisation gewährleistet wurde. Hier- zu komme auch, dass die Gewinnung von Fabrik- und industriellen Hülfsarbeitern für die Organisation, so schwierig sie auch immer sein mag, doch bei weitem nicht solchen Schwierigkeiten und Hetnm- nissen begegnet, wie die Gewinnung von Landarbeitern. Trotz- alledem hätte von Verbandswegen mehr für die Organisierung der Landarbeiter geschehen müssen. Wenn man in der Gewerkschaft die Organisation der Landarbeiter für unmöglich halte und etwa demzufolge nichts für diese Arbeitergruppe tun wolle, dann möge man wenigstens konsequent sein und die Bezeichnung„Land"- arbeiterverband aus dem Organisationstitel einfach st r e i ch e n. Unter den gegenwärtigen Umständen sei das Wort„Land" lediglich eine unnütze Dekoration und verlängere nur unnötigerweise den ohnehin schon etwas länglichen Namen des Verbandes. Nun könne es aber keinem Zweifel unterliegen: die Organisierung der Landarbeiter ist möglich. sie müsse nur ernsthaft in die Hand genommen und anders an» gefangen werden wie bisher. Alles was bislang zur Aufklärung der Landarbeiter geschehen ist, das sei lediglich von unserer sozialdemokratischen Partei aus getan worden; die Gewerkschaften hätten sich sowohl einzeln als auch in ihrer Gesamt- heit um die Lösung der Landarbeiterfrage noch überhaupt nicht oder doch nur in ganz verschwindend geringem Matze fast rein theoretisch gekümmert. Und das, obwohl jede Ge- werkschaft einsehe und beteuere, dass die Landarbeiterfrage nicht nur für die Gewerkschafts-, sondern auch für die gesamte Arbeiter- bewegung von der allergrössten Bedeutung sei und tag- täglich brennender werde. Scharenweis strömen Landarbeiter all- jährlich in die Städte und Jndustrieorte, wo sie dann, um unterzu- kommen, naturgemäss als Lohndrücker auftreten. Immer häufiger kommt es auch vor, dass sie von dem Unternehmertum zu Streik- brecherdiensten verwendet werden, was bei der zunehmenden Ar- beitsteilung im Produktionsprozess um so leichter wird, je einfacher und mechanischer die zu verrichtenden Handleistungen werden. Schon dieser Umstand müßte genügen, um den energischen Versuch zu machen, die Landarbeiter zu organisieren, damit das Klassenbewusst- sein bei ihnen schon entwickelt und ausgeprägt werde, noch ehe sie sich zur Abwanderung nach den Städten entschließen. Doch noch dringender erforderlich fei die Organisierung der seßhaften Landarbeiter. Diese Aufgabe werde bald eins der Hauptprobleme der Gewerkschaftsbewegung bilden müssen. Und damit komme man vor die Frage: W i e ist die Organisierung der Landarbeiter zu betreiben? Zweifellos sei der Fabrik- und Hülfsarbeiterverband von vorn- herein am ehesten geeignet, den gewerkschaftlichen Zusammenschluß der Landarbeiter in die Hand zu nehmen, weil viele seiner Mit- glieder. wie Ziegeleiarbeiter und Jndustriehülfsarbeiter. in stän- diger Berührung und Fühlung mit den Landarbeitern stehen. Eine beträchtliche Anzahl der elfteren wohnen sogar in den Dörfern oder kleineren Landstädten und arbeiten je nach der Saison zeitweise in der Industrie und zeitweise in der Landwirtschaft. Der berufliche Anschluß an die Landarbeiter ist dem Verband also gegeben, und er wurde auch von vornherein als vorhanden angenommen, sonst hätte man sich bei der Gründung des.Verbandes wohl gar nicht erst Noch mehr aber setzt die Fassung des Sittcugesetzes selbst bor- aus:„Handele so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zu- gleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne." Dies setzt nicht bloss Menschen ausser mir voraus, sondern auch noch den Wunsch, dass sich diese Mitmenschen in bestimmter Weise be- nehmen. Sie sollen ebenso handeln, wie das Sittengesetz mir zu handeln vorschreibt. Es wird hier nicht bloss die Gesellschaft, son- der» auch schon ein bestimmter Gesellschaftszustand als möglich und wünschbar vorausgesetzt." Dieser Gcsellschaftszustand, den Kant im Auge hat, das ist, wie KautKy an Kants eigenen Ausführungen weiter nachweist, eine bürgerlich-harmonische Gesellschaftsordnung. Und wie das Kantsche Sittengesetz das Ergebnis konkreter ge- sellschaftlicher Bedürfnisse ist, so hat dieses auch nur für eine be- stimmte Gefellschaftsordnung Zweck und Bedeutung: „Das„zeitlose" Sittengesetz, dass der Mensch jederzeit Zweck, nicht bloss Mittel sein soll, hat selbst nur einen Zweck in einer Ge- fellschaft, in der Menschen von anderen Menschen als bloße Mittel gebraucht werden können. I n einer kommunistischen Gesellschaft fällt diese Möglichkeit und damit die Notwendigkeit des Kantschen Programms „aller Zukunft der Weltgeschichte" fort... Das Kantsche Sittengesetz war der Protest gegen die sehr kon- krcte feudale Gesellschaft mit ihren persönlichen Abhängigkeitsver- Hältnissen. Der angeblich„sozialistische" Satz, der die Persönlich- keit und Würde des Menschen feststellt, ist denn auch mit dem Libe- ralismus oder Anarchismus ebenso verträglich wie mit dem Sozialismus, und enthält ebenso wenig einen neuen Gedanken, wie der oben zitierte von der allgemeinen Gesetzgebung. Er be- deutet die philosophische Formulierung der Idee der„Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit", die schon Rousseau entwickelte... Kantisch ist auch hier bloss die besondere Form der Begründung dieses Satzes."(Kautsky.) DaS ist durchaus richtig— nur mit der Einschränkung, dass Kant nie so weitgehende demokratische Konsequenzen aus jener Idee gezogen hat wie Rousseau und viele seiner Schüler, sondern sich auch hier auf der Linie des deutschen bürgerlichen Liberalismus seiner Zeit hielt. Für die sogenannten Ultrarevolutionäre der französischen Revolution, wie z. B. Marat, Loustallot, Chaumette, ergab sich aus der Idee der„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" nicht nur die Folgerung der absoluten Rechtsgleichheit aller Staatsbürger, sondern auch die Berechtigung des Anspruches der Staatsbürger auf eine gewisse den kulturellen Verhältnissen entsprechende Lebenshaltung, Für die Dantonisten hingegen hatte jene Idee nur noch die Bedeutung gleicher staatsbürgerlicher Rechte. Die Gleichheit bedeutet, wie Camille Desmoulins in seinen„Uövolutions de France et de Brabant" sagt, lediglich„die Gleichheit der Rechte", nicht„irgend 1 eine unmögliche Gleichheit der Besitztümer". Uüd ein dritter Teil der Rousscauisten erkannte wohl nominell ein allgemeines gleiches Recht der Staatsbürger an, erachtete aber einen Anspruch des Bürgers aus dieses Recht nur dann für begründet, Jdcnn dieser Steuer zahle, d. h. er unterschied aktive und passive Bürger. Diesen Standpunkt vertritt auch Kant, nur daß seine Be- gründung viel rückständiger und spießbürgerlicher ist, als jene der damaligen honnetten französischen Bourgeoisie. Für ihn ist nur der ein Aktivbürger, der eine wirtsdiaftlich eigene Existenz besitzt, d. h. der entweder im Staats- oder Gemeindedicnst angestellt ist oder der als Handwerker, Händler, Landwirt usw. ein eigenes Geschäft betreibt; alle Arbeiter, Gesellen, Dienstboten. Hauslehrer, kurz alle, die zu anderen Privatpersonen in einem Lohnverhältnis stehen, sind keine bürgerliche Persönlichkeiten. „Der Holzhackcr", meint er,„den ich auf meinem Hofe an- stelle, der Schmied in Indien, der mit seinem Hammer. Ambos und Blasebalg im die Häuser geht, um da in Eisen zu arbeiten, in Vergleichung mit dem europäischen Tischler oder Schmied, der die Produkte aus dieser Arbeit als Ware öffentlich feststellen kann; der Hauslehrer in Vergleichung mit dem Schulmann, der Zins- bauer in Vergleichung mit dem Pächter und dergleichen sind bloss Handlanger des.gemeinen Wesens, weil sie von anderen In- dividuen befehligt oder beschützt werden müssen, mithin keine bürgerliche Selbständigkeit besitzen." Besser kann die totale Abhängigkeit Kants von seinem Milieu gar nicht bewiesen werden, als durch seine staatsrechtlichen An- schauungen. Von der wirtschaftlichen Entwickelung Englands und Frankreichs versteht er nichts; die ganze damalige politisch- ökonomische Theoretik jener Länder existiert für ihn nicht. Er geht in seiner Staatsrechtsphilosophie von den Handwerkerverhältnisscn Königsbergs aus und schneidet auf diese kleinlichen Verhältnisse seine Konstruktionen zu. Sie sind ihm das Normale, in diesem kleinen rückständigen Wirtschaftskomplex spiegelt sich für ihn die gesamte Wirtschaftsentwickclung'des damaligen Europas. Wegen dieser Wurzelung in den liberalen Bedürfnissen ihrer Zeit ist denn auch, wie Kautsky mit Recht sagt, die Kantsche Philo- sophie„zu einem konservativen Faktor" geworden. „Trotz des kategorischen Imperativs, den das Kantsche Sittengesetz dem einzelnen zu- ruft, ist seine historische, gesellschaftliche Ten- denz von seinen Anfängen an bis heute die einer Abstumpfung, einer Versöhnung der Gegensätze, nicht die ihrer Ucberwindung durch den Kampf gewesen." (Schlutzartikel folgt.) mit dem Gedanken der Aufnahme von Landarbeitern in die Organi- sation getragen. Auch die Stabilität des Verbandes ist jetzt gesichert, so dass er mit seinen gegenwärtig 100(XX) Mitgliedern nunmehr doppelt und dreifach die Pflicht fühlen müsse, sich endlich seiner ur- sprünglich gestellten Aufgabe zu erinnern und an die Organisation der Landarbeiter heranzugehen. Freilich sei es ausgesdilossen, daß die Landarbeiter einen wöchentlichen Beitrag von 30 Pf., wie er jetzt für den Verband gelte, zu zahlen vermöchten; das lasse ihr geringer Verdienst nicht zu. Die Beitragsleistung mühte also eine ganz erheblich niedrigere sein. Sie müsse dem Verdienst der Landarbeiter angepaßt werden und dürfe höchstens nur 10 Pf. für Männer und S Pf. für Frauen be- tragen. Dieser niedrige Beitrag bedinge aber auch ganz natur- gemäss die Gründung einer selbständigen Landarbeiterscktion unter der Leitung des Verbandes. Entsprechend dem niedrigen Bei- trag seien auch die Gegenleistungen zu bemessen. Das Hauptgewicht werde auf eine ausgedehnte Gewährung von Rechts- schütz zu legen sein. Aus der notorisch schlechten Behandlung der Landarbeiter, ferner aus ihrer mit raffinierter brutaler Agrarier- schlauheit herbeigeführten Rechtlosigkeit und Gebundenheit durch Tagelöhnerkontrakte oder Jnswerträge, sowie aus der Handhabung der mittelalterlichen Gesindeordnung ergeben sich so unzählige Kon- flikte im Dienst- und Arbeitsverhältnis der Landarbeiter, daß die Gewährung von Rechtsschutz sicher ein sehr geeignetes Mittel wäre, das Interesse an der Organisation baldigst bei ihnen wachzurusen. Auch die Gewährung einer Massregelungs-, Umzugs- und Sterbe- Unterstützung wäre in Betracht zu ziehen. Gerade darin, dass man dem Landarbeiter nur stets mit blosser Aufklärungsliteratur oder mündlicher Klarlcgung seiner Lage, niemals aber mit posi- tiven Gewerkschaftsarbeiten gekommen sei, liege wohl die Hauptursache unserer bisherigen Misserfolge der ländlichen Agitation und der Grund der bedauerlichen Indifferenz des länd- lichen Proletariats gegenüber den Bestrebungen der modernen Ar- beiterbewegung. Man müsse den Landarbeitern eben etwas bieten, genau so wie es fetzt bei den Industriearbeitern geschieht, dann wird der Organisationsgedanke auch Wurzel bei ihnen schlagen. Anfänglich wird sich die Agitation und die Werbe- arbeit für die Organisation nur erst auf die umliegenden Dörfer derjenigen Städte, wo der Verband bereits Fuss gefaßt hat, erstrecken können. Bei dem in ganz Deutschland aber so überaus stark ent- wickelten Sachsengängerwesen und dem landesüblichen Schnitterverding dürfte es sich schon nach wenigen Jahren auch in den Kreisen der Gutstagelöhner der abgelegenen Gegenden herumsprechen, welche Vorteile den Landarbeitern aus der Organi- sation erwachsen. Der Einwand, als könnten sich die Landarbeiter laut Gesetz einer Organisation überhaupt nicht anschließen, muß als irrig bezeichnet werden. Das Gesetz verbietet den Landarbeitern nur das Streiken, nicht aber den Zusammenschluß in einer Berufs- organisation. Falls nun, was wahrscheinlich zu erwarten, die von den Land- arbeitern zu zahlenden Beiträge zur Gewährung der vorgeschlagenen Gegenleistungen nicht ausreichen, so wäre zu erwägen, ob sich hier vielleicht ein Zuschuß aus allgemeinen Gewerk- schasts- oder Parteimittelw empfehlen würde. Gerade das Feld der Landarbeiteragitation und-Organisation eignet sich wie kein zweites zum denkbar innigsten Zufammcltgchcn zwischen Partei und Gewerkschaften. Ja das ganze Gedeihen einer solchen Landarbeiterorganisation würde von dem engen Zusammenwirken von Partei und Gewerkschaften direkt abhängen. Es müßte natürlich Sache des Verbandsvorstandes resp. der Generalkommission sein, sich über die Art und den Grad dieses Zusammenwirkens mit der Partei zu verständigen. Wie dies alles in seinen Einzelheiten zu regeln sei, das müsse natürlich späteren Spezialerörterungen vorbehalten bleiben. Die Hauptsache sei, daß die Frage endlich einmal in Flussgebracht werde. Bor allem müsse darauf gedrungen werden, daß die Landarbeiterfrage aus dem diesjährigen Verbandstage in Leipzig zur gründlichen Besprechung ge- lange. Ein vernünftiger Anfang sichere auch den Fortschritt. Nachdem sich auch der Genosse Stadthagen, sowie der Ob- mann der Agitationslommission, Leo Zucht, sympathisch zu der Sache geäußert hatten, wurde einstimmig folgende Resolution an- genommen: „Die heutige Konferenz der Zahlstellenleitungen ist nach dem einleitenden Referat und der ausgiebigen Diskussion der lieber- zeugung, dah die Landarbeiter unbedingt für unsere Organisation gewonnen werden müssen. Zur wirksamen Durchführung dieses Organisationsgedankens schlägt die Konferenz dem Verbandsvor- stand vor, für die Landarbeiter eine eigene Sektion zu bilden und die Beiträge für Männer und Frauen auf«ine ihrem Arbeits. verdienst entsprechende Höhe zu normieren, unter gleichzeitiger Festsetzung entsprechender Gegenleistungen. DaS Verbandsorgan ist so auszugestalten, daß es fortab auch der Aufklärung der Land- arbeiter dient. Die Verbandstagsdelegicrten aus dem Gau ver- pflichten sich, für die Verwirklichung dieser Anregung auf dem Verbandstage m Leipzig mit aller Energie einzutreten," Unter anderem erklärte sich die Konferenz auch für eine zeit- gemäße Regelung der M a i f'e i e r f r a g e für den ganzen Organi- sationsbereich mit dem Wunsche, dass der Verbandstag feste Normen zur Durchführung der allgemeinen Arbeitsruhe schaffen möge. )Zus Industrie und Handel 1 Spiegelfechterei. Das Kohlensyndikat halt es anscheinend zur- zeit für seine Hauptaufgabe, den französischen Kapitalisten bei der Niederknüppelnug der streikenden Bergarbeiter hülfreich beizuspringcn. Der so viel betonte Schutz der nationalen Arbeit kommt dabei in die Brüche. Doch daran kann sich das Unternehmertum nicht stören. Schutz dem plündernden Kapital! das ist ja oberster Grundsatz. Und darum werden inländische Verbraucher in der Versorgung mit Brenn- Material zurückgesetzt, bedeutende Mengen Kohlen werden nach Frank- reich abgeschoben. Solche Klagen sind schon mehrfach laut geworden. Durch die„K. Ztg." läßt das Syndikat imn erklären, eS habe sich bei den Verkäufen grosse Einschränkung auferlegt, so dass unter regelmässigen Verhältnissen(siel) die Ausführung der über- nommenen Zusatzmengen keinerlei Schwierigkeit haben würde. Aller- dings sei gegenwärtig die inländische Nachfrage nach Brennstoffen ausserordentlich stark, während die Kohlenförderung schwächer ge- worden ist, da infolge des guten Wetters zahlreiche Arbeiter Feld- arbeiten verrichten, ausserdem wirkte der Wageinnangel störend auf den Versand. Deutlicher kann man die Berechtigung der erhobenen Beschwerden kaum eingestehen. Das Syndikat operiert mit Wenn und Aber, mit Nichtzutreffenden Voraussetzungen. Der Versand besagt, daß die Förderung nicht schwächer geworden ist, und da die Werke seit Monaten bis zur äußersten Grenze der Leistungsfähigkeit angespannt sind, kann zur Zeit die Rachfrage nicht besonders gewachsen sein. Die Auslastung soll wohl nur bezwecken, die deutschen Verbraucher und die Arbeiter zu beschwichtigen. Trotz Streik erhöhter Gewinn! Der Geschäftsbericht des Kölner Bergwerksvercins beklagt wie viele andere Unternehmen Produktions- auSsall infolge des Streiks, trotzdem der Gewinn stieg von 2 161 937 M. im Jahre 1904 auf 2 348 991 M. im letzten Jahre. Es gelangt wiederum eine Dividende von 2S Proz. zur Verteilung. 109 SOS M. erhält der Auftichtsrat. Der Wert der in Deutschland umlaufenden Münzen stellte sich Ende 190S ans 6 Milliarden 43 Millionen 829 017 Mark. Davon entfielen auf Goldmünzen über 4 Milliarden und 163 Millionen Mark und zwar auf 20 Mark-Stücke..... 3 493 215 500 Mar! 10„..... 671 603 660, 5„..... 3 720070, Der Wert der umlaufenden Silbermünzen stellte sich auf 783 Millionen Mark. Es betrug der Wert 5 Mark-Stücke...., 202 845 370 Mark 2„..... 243 954 360„ 1...... 244 081215„ 50 Pfennig-Stücke.... 86682567„ 20..... 5466604„ Die Nickel- und Kupfermünzen repräsentieren einen Wert von etwas über 92 Millionen Mark. Es gab nämlich 20 Pfennig-Stücke im Werte von 542 044 Mark 10„...- 49 713179.. 5 �".. 24565523„ 2 �... 6623931„ 1 I... 10 804 993„ Neben den Münzen läuft auch noch ein ziemlicher Betrag an Reichskassenscheinen und Reichsbanknoten um. Hua der frauenbeweefung. Charlottenburg. Am Mittwoch, den 18. April, abends 3'/, Uhr. findet im BolkshauS, Rosinenstr. 3, die Generalversammlung des Frauen- und Mädchen-BildungSvereins statt. Herr Paul Schmidt hält einen Vortrag über„Der Ursprung des Gottesbegriffs". Ausserdem sieht noch der Bericht des Vorstandes auf der Tages- ordmmg. Die Mitglieder werden gebeten, punktlich und zahlreich zu erscheinen. Der Vorstand. Schönebcrg. Der hiesige Frauen- und Mädchenverein hielt am 9. April bei Obst, Bieiiiingerftr. 3. seine regelmässige Vereins- Versammlung ab. Herr Dr. Bernstein hielt einen Vortrag über „Die öffentliche Gesundheitspflege". Dem intereffanten mit vielem Beifall aufgenominenen Referat folgte eine rege Diskussion. Be- schlössen wurde, am Himmelzfahrtstage einen Ausflug nach Eichkamp zu unternehmen. Treffpunkt vormittags 9 Uhr vor dem Lokal Obst, Mciningerstr. 8. Für Nachzügler nachmittags 2— 3 Uhr im Lokal. Am zweiten Psingstfeiertage soll ebenfalls soll nochmals ein Ausflug stattfinden. Alles Nähere darüber wird in der am 14. Mai statt- findenden Versammlung beschlossen. Einsetzer! Dienstag, den 17. April, vormittags Iv Uhr, bei»oeker, Weberftrahe 17: Oeffentl. Versammlung der€lnfctzcr Berlins u.Qmgegend. Tages-Ordnung: —— U»»scr neuer Tarif. Zahlreichen Besuch erwartet[83iiQ] Die Kommission. Achtung! Achtung! Schuhmacherl Dienstag, den 17. April 1906(8. Oaterfeiertag), Pntict im Grand Hotel, Königstr. 46/47, Eingang Alexanderplatz, eine Oeffentliche Versammlung aller ia Berlin a. Vororte beschUftlgt. Sclinliniachcr- Gcliülfcn statt. Tages-Ordnung: 1. Die Teuerlingsverhältnisse und die Niedrigen Löhne im Schuhinachergewerbe. Referent: Reichstags- abgeordneter Kollege W. Bock- Gotha. 2. Stellungnahme zur Lohnbewegung im Frühjahr. 3. Verschiedenes. ILg/g ÄV Alle im Schuhinacherhandiverk in Berlin und Vororten tätigen Kollegen sind hierzu eingeladen. Der Einbernfer. Vsrdsnü üer Lattlsr. Ortsverivaltung LerUn. Den Mitgliedern zur Nachricht, das, die allgemeine ültslledcr- Versammlung am 18. April ausfällt und dafür am 35. April im felbku Fokale stattfindet. DM" Die Tagesordnung wird noch besonders bekannt gemacht."-Mg Des weiteren ersuchen wir die Vertrauensleute, die gedruckten Jahres. berichte der Ortsverwallung vom So n n a b e n d, den 21. April an vom Bureau abzuholen und den Mitgliedern auszuhändigen. 156/14_ Die Lrtsverwaltnng. Verband der Scimeider und Schneideriieü ü, verw. Berufsgenossen Deutschlands.(Filiale Benin.) Achtung! �Achtun�!� Mitgliedtt fintitlidjct Htniidjcn! Donnerstag, den 19. April, abends S'/z Uhr, im Gewertschaftshause, Engel-Ufer 15: IMitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn F. 8. Archenbold(Direktor der Treptower Sternwarte) über:„Die Eroberung des Kosmos�. 2. Wahl eines vierten Angestellten. 3. Abrechnung vom I. Quartal 1906. 4. Mitteilungen der Ortsverwaltung. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe oder mit über 13 Wochen Beitragsrcsten kein Zutritt. Wir ersuchen die Mitglieder recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 163/4 Die Ortsverwaltnng. NB. Die Versammlung muhte umständehalber diesmal aus den Donnerstag verlegt werden und bitten wir, das zu beachten._ fflurtcrkonfcktions'ScIfncidcp und Schneiderinnen! Dienstag, den 17. April(3. Osterseiertag), nachmittags 3 Uhr: Oeffentliche Versammlung im„Englischen Garten«, Alexanderstr. 27 o. TageS-Ordnung: Die Stellung der Arbeitgeber zu unseren Forderungen und Beschlnhfaffung über unser weiteres Vorgehen. Kollegen und Kolleginnen I Pflicht eines jeden, der in obiger Branche arbeitet, ist es, in dieser entscheidenden Versammlung zu erscheinen. 163/5__ Die Bohnkommiaslon. Marmorarbeitep. Mittwoch» den 18. April, abends 8'/, Uhr» im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27o: Mitglieder- Versammlung. TageS. Ordnung: 1. VierteljahreS-Abrechnung. 2. Bericht des Delegierten vom BcrbandStage. 3. Maifeier. 4. Verschiedenes. Um vegen Besuch bittet 172/11 Der Voratnnd. ..ih k Dampfer fm ilr rriiif uGestüschusten empfiehlt 888L ködert kieetl, Dampfschiffsbesitzer, Caprivistraßc Xo. 4. Knmboldt-Bhademie. 108 Yortrags-Zyklen u. Onterricbts-Rurse aus allen Wissensgebieten: Mathematik, Naturwissenschaft und Medizin, Philosophie und Religionsphilosophie, Kunstgeschichte, Bildende Künste und Musik, Literatur, Länder- undVöIkerknnde, Kulturgeschichte, Volks wirtachaft-s, Sozial-, Staatslehre, Alto und neue Sprachen. (Zyklus 108 ist der Nachtrag„Bayreuth 1900" von Dr. 1,. Illrachbcre.) Beginn des neuen Lehrquartals Montag, den 23. ipril und folgende Tage. Der 1. Vortrag l»t in der Regel frei. Programme mit ausführlichem Text sind& 10 Pf. zu haben in unseren Bureaus; Buchhandlungen R. L. Prager, Mittels tr. 21 (nur von 9—12 nun 3—6 Uhr), E. Haas«, Potsdamorstr.' 116 a; Selmar Hahne, Prinzenstr. 54- Sensenhauser, Alexanderstr. 37b; Sickers, Gipsstr. 18.— In Charlottonburg: Ulrich ck Co., Ber- linerstr. 76; Förster 4 Mowis, Kantatr. 14, und in vielen anderen Buchhandlungen. beträgt die HSrgebühr 4 M., Mitglie und ihm beigetretener Vereine, Lehrer, Lehrerinnen. Sub- altemboamte, Studenten, Schüler, Lehrlinge zahlen 3 Mark. Die Zuschläge einzelner Zyklon bleiben für alle Hörer- Kategorien bestehen. 290/17 Deutscher Ketatlarbeiter-verband. Arbeitsnachweis: Zimmer 34, Amt IV, 3353. Verwaltungsstelle Berlin. Engel-Ufer 15. Hanpt-Bnrean: Zimmer 1-5. Amt IV, 0070. Achtung! Schlosser! Achtung! lllttwoch, den 18. April 1000. abends S'/j Uhr, in der„Venen Welt", Hasenheide 10S/114: Allgemeine Versammlung der Schlosser Berlins und Umgegend. Tages-Ordnuug: Bericht über den 8tand nnscrcr Bcwegnng. 116/17 Pflicht eines jeden Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Die Ortsverwaltuug. Maler! Mittmch, den 18. April, abends 8l/2 Wr, bei Beeker, Meberstrafie 17: Versammlung. Tages-Ordnung:, 1. War es nötig vom Zentralvcrband unter derartigen Darifbedingungcu den Streik aufzu- geben? Und welche Stellung nimmt die Gewerkschaft der Maler Berlins nnd Umgegend hierzu ein? 2. Stellungnahme zum 1. Mai. Jedes Mitglied unserer Organisation ist verpflichtet in dieser Versammlung zu erscheinen, in welcher die grüne Berechtigungskarte Nr. 2 ausgegeben wird. Berufskollegen als Gäste haben Zutritt. 155/6» Der Vorstand. I. St.: W. Bcrndt. Achtung! Achtung! Gewerkschaften! Mittwoch, den 18. April, abends 8 Uhr, im MeehHier Gesellschaftshause(Inhaber: Peters) Wiclefstraße 24 Emdenerstraße 41: Oeffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Taktik und Ziele revolutionärer Gewerkschaften. Referent Albert Weidner. 2. Diskussion. 1198b Alle der„Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften" zugehörigen Mitglieder sind angesichts dieser Tagesordnung verpflichtet, vollzählig zu erscheinen. Achwug: Aanschlasser! Mhmi Seit Freitag, den t». April früh stehen die Kollegen in ÄS Werkstätten im Streik. Die übrigen in Betracht kommenden Firmen haben bewilligt, darunter auch eine Anzahl Jnnungsfirmen. Von Montag, den 0. April ab, dürfen sämtliche Bauschlosser nur noch mit Berechtigungskarten arbeiten, diese find Sonnabend, den 7. April den Bertrauenslenten ausgehändigt.— Die Bauarbeiter ersuchen wir, uns dadurch zu unterstützen, dast sie die auf die Bauten kommende» Schlvffer nach de» Slrbeitsberechtigungskarten fragen. Jeder Schloffer ohne Karte ist als Arbeitswilliger zu betrachten. Des weiteren machen wir alle Banschloffer daranf aufmerksam, dast ohne Zustimmung des Streikkomitees die Arbeit niedergelegt werden darf. liws_ gas SheikUomitee. Cohen. srs WrtsiMg Mcllltt Empschle den geehrten Parteigenossen, Freunden und Bekannten bei ausflogen, banäparUen elc. meinen großen, schattigen Garten, Kaffceküche und Veremszimmcr. Gute Speisen und Getränke zu soliden Preisen. 11916 Ergcbenst Kjll'I llGIICZelt. L. Kahnt, Ii Dampfschiffs-Reederei und Schiffswerft. !! Stralau, Ännklstr. 34.- Telepholl Amt?II.58v, � �. empfiehlt Gesellschaften, Schuler �■ und Vereinen seine------- -- Ssluii- vsmpker! 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Vorlage der Lahresrechnung pro 1905, 2, Bericht der Revisoren und Antrag auf Ertellung der Decharge. 3. Wahl eines Kassierers und dessen Stellvertreters. 4, Antrag des Vorstandes auf Bei- behastung des jetzigen KassenlokalS. 5. Antrag auf Erhöhung der Beiträge. 6. Verschiedenes. 1199b Berlin, den 15. April 1906. Der Vorstand. Karl Reillmonn, Vorsitzender. Gustav Berndt, Schristsührer. Ortskrankenkasse für das Ssrdiergewerlie zu Berit». Oienstag, 24. April, abends 91/, Uhr, im Rosenihaler Vereinshaus, Rosen- thalerstraße 57: General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung 1905. 2. Bericht der Reuisoren. 3. Beschlubsassung über die Versügung des Herrn Oberpräsidenten, Er- höhung der Kassenbeiträg«. 4. Antrag aus Erweiterung der Unter- stützungsdauer aus 39 Wochen. 5. Sonstige Anträge. 272/13 6. Kassenangelegenheiten. Um pünktliches Erscheinen ersucht Her Verstand» I.A.: tulius langner, I.Vorsitzender. Orts- Krankenkasse der NlidlN'-SiebiUshtt zu Berlin. INitweeh, den 25. April 1906, ataendt 8 Uhr, bei Kessar, Neue Könlgstraße 84: BW Ordentliche"OM General-Versammlung Tages-Ordnung: 1. Verlesung der Protokolle. 2. Er» gänzungswahlen zum Vorstande. 3. Bericht deS NechnunaSauSschusseS. 4. Abänderung betressend Gehalt deS Kassierers. 5. Antrag aus Erhöhung des Sterbegeldes(Z 20 des Statuts). 6. Abänderung deS§ 36 deS Statuts. 7. veschlußsassung ilver den Zlerzte» vertrag sür 1907. 8. Verschiedenes. Die Herren Arbeitgeber, welche für grossjährige Kassenmitglieder Beiträge aus eigenen Mittein zu leisten haben, sowie sämtliche großjährigen Kassen- mitalieoer werden ersucht, recht zahl- reich zu erscheinen. Die Kassenmitglieder haben daS OuittungSbuch als Legitimation mit» zubringen. 272/16 Berlin, im April 1906. Der Borstand. I. A.: Rodert Lotimidt, Vorsitzender. Gemeinsame Orts-Krankenkasse für Köpenick und Umg. Zu der Donnerstag, den 26. April 1906, abends 7 Uhr, im Restaurant Meissner zu AdlerS» hos, am valmhos stattfindenden Stf Ordentlichen-WW General-Versammlung laden wir hiermit die Vertreter der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber ein. 272/14 TageS-Ordnung: 1. Beschlussfassung über die Ab» nähme der Jahresrechnung des Vor- jahres. 2. Abänderung deS s 1 des Statuts, ß 1 Abs. 1 sür:.aus welche durch Ortsstatut die Ber- sicherungSpflicht ausgedehnt worden ist", ist zu setzen:„sobald aus sie durch Orisstatut die VersicherungSPflicht ausgedehnt worden ist". 3. Ge» schästlicheZ. Adlershof, den 12. April 1906. Der Vorstand. 3. Hansen, Vorsitzender. Piers Restaurant MM Orauienstr. 110. Empfehle mein neu renoviertes Lokal mit VereinSzimmer und lade freundlich zum Besuche ein. 11926* Frau Ider. Diese Woche.- Soweit der Vorrat reicht Grosser Verkauf Kleiderstoffe Wollmousseline nur diesjahr. Dessins, gutes Fabrikat, Mtr. 85 u. 6 5 Pf. 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B. hat den vom Magistrat genehmigten Maifestzug verboten, weil„der Zug nach den begleitenden Umständen tatsächlich als eine aus Anlaß der sozialdemokratischen Maifeier veranstaltete öffentliche parteipolitische Demonstration zu erachten sei. welche im Interesse der öffentlichen Ruhe und Ordnung nicht zulässig er- scheine" I Der Artikel des„Zimmerer" iiicr die sangebliche) gewcrkschafts- feindliche Haltung eines Teils der Partriprcffe erscheint auszugsweise im—„Correspondenzblatt" dcrGeneralkommission! Das Zentralblatt der Gewerkschaften macht nicht den kleinsten Vorbehalt gegen die Ausführungen des„Zimmerer" und gibt auch die Hand- greiflichsten Unrichtigkeiten, wie die, einige Pnrteiblättcr redeten von den Gewerkschaften als„Staffage für die Beamten", andere schlachteten die Ergebnisse der Statistiken über Parteizugehörigkeit und Lektüre der Gewerkschaftler gegen die Gewerkschaften aus, ruhig wieder. Wir hatten geglaubt, der„Zimmerer" werde mit seiner ungerechten Anklage allein bleiben in der Gewcrkschaftspresse. Wir sind zu große Optimisten gewesen. DaS Zentralblatt der Gewerk- schasten sorgt für die weitere Verbreitnng der Unrichtigkeiten nnd Vcr- drehnngen. Das ist sehr bedauerlich. Eine Art der Verteidigung, der wir in der Arbeiterbcwegnng keine weitere Verbreitung wünschen, übt die„Zeitschrift für Graveure und Ziseleure". Wir hatten uns dagegen ge- wandt, daß das Blatt ohne Namensnennung zwar, aber doch so deutlich, daß keiner, der halbwegs über die Vorgänge in der Arbeiterbewegung unterrichtet ist, über die Person im Zweifel sein konnte, von der Genossin Luxemburg sagte, sie solle„davon gefaselt haben, daß die Ge- werkschaften ein„Uebel" sind, die Führer aber ein„notwendiges Ucbel", überhaupt seien die Führer„pflaumenweiche Kerle".„Wir hatten diePublikation solcher unkontrollierbaren Behauptungen als eine große Leichtfertigkeit bezeichnet und das Blatt aufgefordert, anzu- geben, wann und wo diese angeblichen Aeußernngcn gefallen und welches seine Beweise seien. WaS tut nun die„Zeitschrift für Graveure und Ziseleure"? Sie sagt:„Die„große Leichtfertigkeit" liegt in diesem Falle auf feiten der„VorwärtS"-Redaktion, indem sie ganz unberufenerweise den Namen der Genossin Luxemburg in den Vordergrund zieht." DaS ist denn doch eine Verkehrung der Begriffe, wie sie radikaler nicht gedacht werden kann! Die„Zeitschrift für Graveure und Ziseleure" hat zwar ohne Namensnennung, aber doch so, daß jeder balbwegs bewanderte Genosse wissen mußte, wer gemeint war, die Genossin Luxemberg jenes Ausspruches beschuldigt, ohne anzugeben, wo und wann er gefallen sei, und dabei war sie ihrer Sache so wenig sicher, daß sie nicht einmal zu sagen wagte,„sie hat davon gefaselt", sondern sich verlegen ausdrückte:„soll davon gefaselt haben". Die Zeitschrift hat, das zeigt der Gebrauch des Wörtchens„soll", offenbar aus Grund irgendwelcher unkontrollierbarer Gerüchte ihre Beschuldigung erhoben und gegen solche leichtfertige Methode haben wir uns mit Recht gewandt. In seiner Entgegnung behauptet das Blatt nun allerdings, jene Aeußerungen habe die Genossin Luxemburg als Referentin in einer Berliner Versammlung getan, welche kurz nach dem Jenaer Partei- tag in den„Germania-Festsälen" von der Frauen-Agitations- kommission einberufen war. Dafür will die Zeilschrift Zeugen von Fleisch und Bein auf unseren Redaktionstisch niederlegen können. Wir haben dazu zu bemerken: 1. Bald nach dem Jenaer Parteitage soll die Genossin Luxem- bürg die Aeußerungen getan haben. Und im März— da sie im Warschauer Gefängnis sitzt und sich nicht verteidigen kann, wird die Anklage zum crstennial erhoben. 2. Die„Zeitschrist" hat Zeugen von Fleisch und Bein. Und doch schrieb sie:„... s o l l auch davon gefaselt haben.. Danach beurteile man die Beweiskraft der Anklage, die im übrigen überhaupt solange als nicht erwiesen gelten muß, als sich Genossin Luxemburg nicht selbst dazu äußern konnte. Die nicdcröstcrrcichischc Sozialdemokratie hält zu Ostern in Wien ihren Landesparteitag ab. Der Bericht der Parleivertretung liegt bereits vor und gibt ein anschauliches Bild der Fortschritte der Partei im vergangenen Jahre. In 26 Gemeinden wurden 85 Gemeinde- Vertreter durchgebracht, in 19 anderen Orten erzielte die Partei auch ansehnliche Minoritäten. Politisch bezw. gewerkschaftlich organisierte Genossen werden 99 973 gezählt, davon sind 84188 männliche nnd 3385 weibliche. Die„BolkStribüne" hatte am Schlüsse des vorigen Jahres eine Auflage von 62 999 Exemplaren und hat Ende März dieses Jahres bereits eine Auslage von 65 499 Exemplaren erreicht; davon entfallen auf Wien und Nieder- österreich 55 599 Exemplare, der Nest auf die anderen Kronländer. Die Statistik der politischen Verfolgungen weist eine riesige Steigerung der Straffälle auf. die mit der Wahlrcchtsbcivcgnng im Zusammen- hang stehen. In 165 Fällen erfolgten Anklagen, die allerdings in 77 Fällen mit Freispruch endeten. In den übrigen Fällen wurden die Angeklagten insgesamt zu drei Jahren acht Monaten schweren Kerkers, fünf Monaten und 129 Tagen einfachen und strengen Arrests und 391 Kronen an Geldstrafe verurteilt. Die niederländische sozialdemokratische Jugendorgauisation„De Zaaier"(Der Säemann) hielt am 8. April zu Utrecht ihren all- gemeinen Kongreß ab. Die noch junge Organisation, die in völligem Einvernehmen mir der sozialdemokratischen Partei wirkt nnd auf An- regung des Parteitages von 1991 gegründet worden ist. hat im Laufe des verflossenen Jahres verhältnismäßig gute Fortschritte gemacht. Dem Bericht des Berbandsseirerärs I. P o l a k j u n. ist zu ent- nehmen, daß die Zahl der Mitglieder von 215 auf 299. die der Ortsabteilungen von 19 auf 12 gestiegen ist.— Der Kongreß beschloß die Gründung eines monatlich herauszugebenden VcrbandSorgans und„ahm ferner eine Resolution gegen den Militarismus an. in der auf die Pflicht hingewiesen wird, die jungen Arbeiter über das Wesen und den Charakter des Militarismus aufzuklären. Durcki Vorträge und durch öffentliche Versammlungen, die alljährlich an den MusterungStagen an allen Orten, wo es inöglich ist. ab- gehalten lverden, sollen die jungen Leute über die militaristische Gefahr aufgeklärt werden und zu demselben Zwecke sollen Agitations- schristen und Manifeste verbreitet werden. Der sozialdemokratischen Partei sprach der Kongreß Dan! für die dem Verband gewährte Unterstützung aus. Dem Sänger des LicdcS der Arbeit, dem Organisator der pro- letarischen Gesangvereine in Oesterreich, Joseph Scheu, soll ein würdiges Grabmonument geietzr werden. Das Scheu-Dcnkmalkomitee hat in der„Wiener Arbeiterzeitung" ein Preisausschreibe» an die österreichischen Bildhauer erlassen. Als Gesamtkosten für die Herstellung des GrabmonumentS ist die Summe von �7999 Kronen festgesetzt. Drei Preise von je 399 Kronen sind für die besten Entwürfe bestimmt. Die Ausführung wird in engerer Konkurrenz einem der drei preisgekrönten Künstler übergeben. Die Jury besteht ans den Herren: Dr. V. Adler, Architekt Hubert Geßner, Professor Jos. Hoffmann. Äunstschriftsteller Jos. Aug. Lux, für den Verband der Arbeitergesangvereine Eduard Jcnik, für den Gesangverein„Freie Typographia" Karl Zörer. PoUzeüicbce, eerfehtUdxs ukw. 1060,50 M. Geldstrafe sollten bekanntlich der Partei in D a n z i g abgeknöpft werden, weil bei der Verteilung des Wahl- rechtsflugblattes auch einige Blätter auf der Straße ab- gegeben sein sollten. Die weit ausholende Staatsaktion hat indes mit einem großen Fiasko geendet. Schon vom Schöffengericht wurden nach Vernehmung eines erheblichen Zeugenapparates die meisten Sünder gänzlich freigesprochen. Stur zwei wurden zu je 20 M. verdonnert, weil ihnen nachgewiesen wurde, daß sie— ein Blatt auf der Straße abgegeben hätten! Gegen dieses Urteil wurde selbstverständlich Beriifung eingelegt, da die Fortgabe eines Blattes noch keine Verteilung von Flugblättern auf Straßen sei. Und die Strafkammer sprach denn auch vor einigen Tagen die Genossen gänzlich frei. Die Polizei hat also ein Fiasko erlitten, wie es wohl sobald»och nicht da- gewesen ist. Von den 1969,59 M. hat der Staat nicht einen Pfennig erhalten— wohl aber sind ihm durch das schneidige Vor- gehen der Behörden erhebliche Kosten entstanden. Beendet ist die Affäre freilich noch nicht, da der Staatsanwalt gegen die Frei- sprechnngen in der ersten Instanz— Berufung eingelegt hat. Uebrigens rügte der Vorfitzende der Strafkammer auch die Urteilsbegründung des Schöffengerichts. Dieses hatte, ohne das Flugblatt zu verlesen, die Höhe des Strafmaßes damit begründet, daß das Flugblatt„aufreizend" sei und die Volks- Vertretung(!) und die Regierung beschimpfe. In der Begründung des Freispruchcs der Straflammer hieß es, daß die Fortgabe eines Flugblattes als eine Verteilung nicht an- gesehen werden könne. Uebrigens ist die 1969,59 Mark-Strafinandat-Affäre keine ver- einzcltc Erscheinung in Danzig.— Drei Genossen erhielten Straf- Mandate, weil sie vor der kaiserlichen Werft Handzettel mit Ein- ladungen zur Märzfeicr ohne polizeiliche Erlaubnis verteilt haben sollen. Nicht mehr und nicht weniger als 319,50 Mark will ihnen dafür das Amtsgericht abknöpfen. Der Drucker, der auf den Zetteln nicht den Verleger angegeben hat, soll 39 Mark berappen. Noch eine WahlrechtSstiiglilatt-Anklagc. Am 11. April standen die Genossen ans Zeitz, die schon in Zeitz vom Schöffengericht zu drei Mark wegen„öffentlich wahrnehmbarer Arbeit" am Sonntag verurteilt waren, vor dem Landgericht Naumburg. Das Landgericht verwarf nach längerer Verhandlung die eingelegte Berufung. Die Sache geht nun zur endgültigen Entscheidung an das Kammer- gericht. Die Ucbcrbürduiig des NcichSgerichts hat für den Genossen Albert- Breslau eine erfreuliche Folge gehabt. Von seiner früheren Tätigkeit her an der„Magdeburger Volksstimme" war er in einen Prozeß wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen Anordnungen der Militär- bchörde verwickelt— die„Volksstimme" hatte den Reservisten, bei denen von, Bezirkskommando wegen eventueller Beteiligung am südwest- afrikanischen Feldzuge angefragt worden war. gerate», nicht zu ant- Worten. Das Reichsgericht hatte am 11. Dezember 1995 daS Urteil der ersten Instanz vom 25. Mai 1995, das auf 299 M. Geldstrafe lautete, aufgehoben und die Sache zurückverwiesen. In der erneuten Verhandlung nun, die am 3. Februar 1996 stattfand, erhob der Ver- teidiger aber den Einwand der Verjährung, da die Tat des Angeklagten sich als Uebertretung qualifiziert, für die die Verjährungsfrist nur drei Monate betrage. Das Gericht mußte die Sache vertagen und beim Reichsgericht anfragen und erhielt die Antwort, daß allerdings zwischen dem 14. Juli, Ivo der Berichterstatter ernannt, und dem 25. Oktober, wo der HauptverhandlungStennin angesetzt ward, keine richterliche Handlung vorgenommen wurde. So mußte denn am 19. April das Landgericht Magdeburg das Verfahren wegen Ver- jährung einstellen. Daß das Reichsgericht es verschuldet, daß ein sozialdemokratischer Pretzsünder strafstei bleibt, ist jedenfalls originell. Gegen die jugendliche» Mitglieder der Arbeiter-Turnvereine geht das Schulamt zu Weimar jetzt mit Zwangsmatzrcgeln vor, nachdem die„wohlgemeinten Ratschläge" der Schulvorstände keinen Erfolx gehabt haben, vielinehr den freien Turnern nur größeren Zulau von Zöglingen brachten. � Einer Anzahl Fortbildungsschüler zu Ilmenau ist folgendes Schreiben zugegangen: Der Schulvorstand. Ilmenau, den 4. April 1996. Auf Anweisung des großh. Schnlamts zu Weimar wird Ihnen unter Androhung einer Disziplinar-Geldbuße von 5 M. oder 24 Stunden Schularrest siir den Ungehorsamsfall hiermit aufgegeben, binnen fünf Tagen ans den, sozialdemokratischen Turnverein„Freie Turner", dem Sic als Mitglied angehören, auszutreten. Die Arbeiter-Tnruvereine sind an verschiedenen Orten von den Gerichten als unpolitische Vereine anerkannt worden. Aber da kümmert daS Weimarische Schulamt nicht. Es wird indes nicht erleben, daß seine Aktion die„patriotischen" Turnvereine stärkt. Sozialea. Handel mit Menschenfleifch. In Nr. 13 des„Vorwärts" hatten ivir ans die Konkurrenz hin- gewiesen, die die schlcsische Landwirtschaftskannner der branden- burgischen bei der Beschaffung ausländischer Landarbeiter macht, und hatten die schmachvoll schlechten, teilweise gesetzwidrigen Lohn bedingungen mitgeteilt, in denen die schlcsiiche Landwirtschafts kammer Galizier, Ruthencn, Slovakcn, Südungarn als Landarbeiter ausbot. Nachstehend veröffentlichen wir die„Bezugsbedingungen", die die b r a» d c n b u r g i f ch e L a n d w i r t f ch a f t s k a m m e r(Ver- inittelungsamt der deutschen Feldarbeiter-Zentralstelle zu MySlowitz) für galizische Wanderarbeiter(Polen und Rnthenen) aufgestellt hat. Es sind ungefähr dieselben schmachvollen Arbeitsbedingungen, wie die seitens der schlesischen Landwirtschaftskammer veröffentlichten. Die Löhne stellen sich wie folgt: Tagelohn, wöchentlich zahlbar »1 biS zum 1. Juni... b) vom I.Juni bis l.Sep- tember........ o) vom 1. September ab Vorarbeiter(deutsch sprechende) erhalten für jeden der ihnen unterstellten Leute eine monatliche Zulage von 39 Pf. Für Ueberstunden sind zu zahlen an Männer. Frauen, Mädchen und Burschen 19 P f. An Naturalien erhalten die Leute pro Kopf und Woche: 3>/z Liter Magermilch oder Buttermilch(täglich>/„ Liter), 25 Pfnnd Kartoffeln, 19 Pfund Brot für Männer, 8 Pfund für Frauen und Burschen. Vio Mund Kaffee oder 1 Pfund Mehl, 1 Pfund Hülsenfrüchte, 1 Pfund Reis oder Graupen, 1 Pfund Schmalz,>/„ Pfund Salz. Um die Leute leistungsfähig zu erhalten, dürfen ihnen dafür keine Geldentschädigungen gewährt werden, auch sind die Leute gehalten. nichts davon zu ver kaufen, sondern alles übrig- gebliebene an die Arbeitgeber zurückzugeben. Außerdem erhalten die Leute freie Wohnung, Feuerung und Be- leuchlnng und jeder eine Strohmatratze und eine Schlafdecke. Diese geringen Löhne können noch dadurch herabgesetzt werden, daß die Leute zu Akkordarbeiten verpflichtet sind. Die Akkord« löhne sind ganz in das Belieben der Arbeilgeber gestellt. Es heißt in den Bezugsbedingungen: „Die Arbeiter sind verpflichtet, auf Verlangen des Arbeitgebers zu jeder Zeit Akkordarbeiten zu verrichten und erhalten die bei der Auftragserteilung anzugebenden Akkordsätze." Die Löhne werden nicht einmal voll ausbezahlt, vielmehr wird ein erheblicher Teil des Lohnes einbehalten, um die Arbetter ganz in der Gewalt zu haben. Es heißt in den Bedingungen: „Zur Sicherheit der Arbeitgeber werden die Löhne der ersten anderthalb Monate bezw. je drei Mark der ersten 19 Wochen er st beim ordnungsmäßigen Abgange der Leute fällig und ausgezahlt." Daß bei diesen jämmerlichen Löhnen, bei dem Gefühl der Rechtlosigkeit, bei den Ausnahmegesetzen gegen die ländlichen Ar- beiter sowie den miserablen gesundheitsgefährdenden Behausungen nnd der nicht zum Bleiben einladenden Behandlung viele Ausländer die Arbeitsstätten so bald wie möglich verlassen werden, sieht das halbamtliche brandenburgische Organ für Arbcitsvermittelung ebenso wie das schlesische voraus. Es heißt deshalb in den„Bezugs- bedingungen": „Für alle innerhalb 4 Wochen nach dem Arbeits» antritt kontraktbrüchig werdenden Leute erfolgt Ersatz« stellung frei Oswiecim, nach Mitte April innerhalb 14 Tagen, jedoch müssen die Arbeitgeber spätestens 3 Tage nach dem Kontraktbruch die Papiere der betreffenden Leute an die Uebernahmestelle Myslowitz einreichen, sonst wird die Ersatzstcllung abgelehnt". Schmachvoll ist die Möglichkeit, daß Landwirtschaftskammern menschliche Arbeitskraft gl solch„lenschenunwürdigeil Bedingungen erlangen und Arbeits- rüste nach Deutschland locken können. Daß diese jammervollen Lohnverhältnisse Verbrechen geradezu hervorrnfen müssen, hat erst jüngst wieder die Verhandlung vor der Stendaler Strafkammer gegen die wegen Mordes verurteilten polnisch-rnssischen Landarbeiter gezeigt. Dringend not tut gesetzlicher Schutz unserer heimischen und der ausländischen Landarbeiter._ Antialkohol-Vorlesnngen. Der Zentralverband zur Be« kämpfung des Alkoholismus(Berlin) veranstaltet unentgeltliche wissenschaftliche Kurse zum Studium des Alto- Holismus vom 17. bis 21. April d. I. im Barackenauditorium der Universität zu Berlin. ES lesen: 1. Professor Dr. Aschaffen- burg-Köln:„Alkohol und Seelenleben". 2. Privatdozent Dr. med. und phil. Neumann-tzeidelberg:„Alkohol als Nahrungsmittel". 3. Prof. Dr. med. Hartmann-Berlin und Dir. Dr. phil. Berge- mann-Striegau:„Alkohol und Jugend". 4. Regicrungsrat Dr. Weymann-Berlin:„Alkohol und Arbeiterversicherung". 5. Pastor Dr. Stubbc-Kiel:„Geschichte der älteren deutschen MäßigkeitS- und Enthaltsamkeitsbcwegung". 6. Dr. med. Laquer-Wiesbaden: „Einrichtungen und Veranstaltungen im Kampfe gegen den Alka- holismuS". 7. Dr. med. Liebe-ElgerShaufen:„Die Wirkungen des Alkohols auf die inneren Organe". 8. Dr. med. Ploetz-Schlachten- sce:„Alkohol und Rasscnhygiene". 9. Oberarzt Dr. Juliusburger- Steglitz:„Alkohol und Strafgesetz". 19. Stadtrat Kappclmann- Erfurt:„Belastung der konununalen Etats durch den Alkoholis- mus". Die Leitung der wissenschaftlichen Kurse hat Geheimer Mcdizinalrat Professor Dr. Rubncr übernommen. Die unentgeltlichen Vorlesungen finden von 19 bis 12 Uhr und abends von 8 bis 19 Uhr statt; die Nachmittage sind der Be- sichtigung sozialhygienischer Einrichtungen Groß-Berlins gewidmet. VerrniscKtes. Nebrr die Tätigkeit des Vesuv. liegen heute beruhigende Nachrichten vor. Die Nacht vom 13. zum 14. April ist ohne besondere Er» scheinungen verlaufen. Ter Aschenregen hat in Neapel und in allen Nachbargemeindeit aufgehört. Die Stadt nimmt wieder das normale Aussehen au. Heute nachmittag soll der Betrieb der Vcsuv-Ring» bahn bis Ottaiauo wieder aufgenommen werden. Professor Mattcucci hat vom Vesuv-Obscrvatorium folgendes Telegramm nach Neapel gesandt: In der Nacht zum Freitag und am Freitag waren die Tätigkeit des Aulkans und die Schwankungen der seiÄnographischen Instrumente wesentlich geringer. Die elektrischen Entladungen haben aufgehört. Wegen der Abnahme des SandregenS, der mutmaßlichen Gestaltung des Kraters nnd anderer Anzeichen, sofern die mir zugegangene Nachricht bezüglich des Stillstandes deS auf Bosco Arecase gerichteten Lavastroms wahr ist, nehme ich unter Vorbehalt an, daß in zwei bis drei Tagen der Vulkan wieder zur Ruhe kommen wird. In Torre Annunziata nehmen die Fabriken die Arbeit wieder auf. Die Bevölkerung kehrt wieder in die Häuser zurück. Die Vesuvbahn hat den Betrieb bis Ottajano wieder aufgenommen. In Somma sind weitere 13 Leichen aus den Trümmern hervorgeholt worden. Im Auftrage der Direktion der Kaiserlichen Hauptstation für Erdbcbcnforschung in Straßburg begibt sich Professor Rudolph nach Neapel, um die vulkanischen Vorgänge am Vesuv und die Be- ziehungen zwischen Vulkanismus und Erdbeben zu studieren. Pro» fessor Rudolph wird mit einem hochempfindlichen optisch registrieren» den Horizontalpendel beobachten. Dasi Auswärtige Amt bat das Generalkonsulat in Neapel amtlich von.dem Professor Rudolph erteilten Auftrag benachrichtigt nnd ihm die Förderung der Bestrebungen anempfohlen. Die italienischen Vulkanologen Mercalli und Malteucci solvie der Direktor der geodynamischcn Zentral- anstatt in Rom, Professor Palazzo, haben ihre Unterstützung zugesagt._ eingegangene Druchfchnften. Plutus. Kritische Wochenschrift für Volkswirtschaft und Finanzwele» lHerausgebcr: Georg Bernhard). 15. Heft. Abonnements einschließlich der Plukls-Mcrktascl vierteljährlich per Post und Buchhandel 3,59 M., direkt vom Verlag 4 M. Verlag: Berlin-Charlottenburg, Goethestr. LS. Vrockhaus, Kleines Konversationslexikon. Fünfte neubeardeitete Auf, Li~ läge in zwei Bänden. Erster Band A— K, zweiter Band L— Z. Leipzil F. A. Brockhaus 1996. Der erste Band hat 1959 Seiten, 1999 ttesd Textabbildungen, 63 Bildertaseln. darunter 15 bunte, 221 Karten un! Textbcilagen. Der„Kleine Brockhaus» ist ein Wissensanwalt für den äugen» blicklichen und täglichen Gebrauch. Er enthält reichen Wissensstoff und viel Anschauungsmaterial. Er ist unabhängig vom„Großen Brockhaus", der 17 Bände»msaßt. Der erste Band allein cnthält 49999 Stichwörter. Der Preis dieses modern gebundenen Bandes beträgt 12 M. Man hat e» in dem„Kleinen Brockhaus" niit einem originellen Universalwerk zu tun. Au» der Fülle der Karten und Bilder seien nur hervorgehoben 27 Karten und 25 Nebenkarten, sowie eine große Anzahl interessanter Landschaften und Städte, die sich aus das Deutsche Reich beziehen. Erwähnt fei auch schließlich»och das ausführliche statistische ErgänzungSinaterial für gcogravhische, geschichtliche, naturwissenschastliche usw. Artikel, die in Menge in dem wertvollen Werke vertreten sind. Wttterniiftsiiberftcht vom 14. April IVOS, morgenv 8 lltzt. Stationen Swtnemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien >- a S« » S Vetter 765Still 766 5! SUD 764$0 765Still 766 W 766 Still heiter 3 wolkig 2 heiter !wollenl 5 halb bd. iwclkcnl »85 eil 5? H% Stationen Ii H o o Haparanda� Petersburg Scilly Aberdeen Pari» 7SSWSW 775NO 772 SW 76g NNW «eUer 2NebeI 4 bald bd. Li wölken! 2 wolkig «« ä» U MS> -1 14 10 Wetter-Prognofe für Sonntag, den 1». April IVOS. Mhler, zunächst ziemlich trübe mit etwas Regen und mäßigen nord- weftllchen Winden; später wieder aufklarend. Berliner Wetterbur»»» Briefkasten der Expedition. Streittöpfe,«Verdau. Groß-Berlin 102009, Postabonnenten 5000. f ür den Inhalt der Inserate hernimmt die Redaktion dem Vublitnm gegenüber keinerlei Berantwortung. HKeater. Sonntag, den IS. April. Freie Volksbühne. Sonntag lS. April, nachmittags Uhr: 18./14. Abteilung im Metropol-Theater: Kater Lampe.(Montagnachmittag, 2. Feiertag, 15./16. Ableitung: Dieselbe Vorstellung). 1. Abteilung im Carl Weiß-Theater: Der Meister.(Montagnachmittag, 2. Feiertag: Dieselbe Vorstellung.) Dienstagabend 8 Uhr: 10./11. Abteilung im Carl Weiß> Theater: Emilia Galotti. Reue freie Volksbühne. Sonn> tag, 15. April, nachm. 2'/, Uhr; 8. Abteilung im Deutschen The- ater: DaS Kälhchen von Heil- bronn. ll. Abteilung im Neuen Theater: Doppelselbstmord. Montag, den IS. April, nachmittags 2'/, Uhr: S. Abteilung im Deutschen Theater: DaS Kathchen von Heilbronn. 12. Abteilung im Neuen Theater: Doppelselbstmord. Ansang 7>/, Uhr: Opernhaus. Orpheus und Eurydile. Montag: Figaros Hochzeit. Nachmittags 2'/, Uhr: Hansel und (Bretel. Die Puppensee. Dienstag: Tannhäuser.(Anfang 7 Uhr.) Schauspielhaus. Götz von Ber- lichtngen.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Der Schwur der Treue. Dienstag: Die OuitzowS. Neues Operntheater. Narziß. Montag: Faust. Dienstag: Geschloffen. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: Der Gras von Charo- lais. Neues. Ein Sommernachtstraum. Montag: Erdgeist. Dienstag: Ein SommernachtS- träum. Westen. Schützenliesel. Nwhmtttag» 3 Uhr: Die Zauber- Montag: Die vier Grobiane. Nachmittags 3 Uhr: Zar und Zimmermann. Dienstag: Die vier Grobiane. Nachmittags 3 Uhr: Der Freischütz. Ansang 8 Uhr: Berliner. In der Sommerstisch'n. Nachmittags 2'/. Uhr: Jägerblut. Montag: In der Sommersrisch'n. Nachmittags 2'/, Uhr: Die schone Millibäuerin. Dienstag: In der Sommersrisch'n. Lessing. Rosmersholm.(Ansang ?'/, Uhr.) Nachm. 3 Uhr: Der Bieverpelz. Montag: Kater Lampe. Nachmittags 3 Uhr: BenignenS Erlebnis. HanneleS Himmelsahrt. Dienstag: NoSmerSholm.(Ansang 7'/. Uhr.) Gchiller O.(Wallner-Theater.) GygeS und sein Ring. Nachm. 3 Uhr: Die Macht der Finsternis. Montag: Heimat. NachmütagS 3 Uhr: Ueber unsere Krast(Ü. Teit.) Dienstag: Zwei gl Nachmittags 3 Uhr: «chiller K.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). DaS Glück im Winkel. Nachm. 3 Uhr: Der G'wiffenS» wurm, Montag: Zwei glückliche Tage. Nachmittags 3 Uhr: Helden. Dienstag: Der Bogel im Käfig. Komische Oper. Hoffmanns Er- Nachm��Uhr: FigaroS Hochzeit. Montag: FigaroS Hochzeit. Rachmittags 3 Uhr: HossmannS Erzählungen. Dienstag: HvffmannS Erzählungen. Kleines. Hille Lobbe. Der Un- verschämte. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Hille Lobbe. Der Un- verschämte. Nachmittags 3 Uhr: Nachtasyl. Dienstag: Hille Lobbe. Der Un- verschämte. Nachm. 3 Uhr: Antigone. «efide»,. Der Prinzgemahl. Nachmittags 3 Uhr: Der Schlas- wagenkontrolleur. Montag: Der Prinzgemahl. Nachmittags 3 Uhr: Pillen. Dienstag: Der Prinzgemahl. Zentral. Landstreicher.(Ansang 7',. Uhr.) Nachmittags 3 Uhr: Die Fleder- maus. Montag: Landstreicher.(Anfang 7',- Uhr.) Nachm. 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Dienstag: Die Fledermau». Nachmittag« 3 Uhr: Die Geisha. Drianon. Loulou. Nachm. 3 Uhr: Die herbe Frucht. Montag: Loulou. Nachm. 3 Uhr: Die herbe Frucht. Dienstaa: Loulou. Littstspieldans. Die von Hochsattel. Nachm. 3 Uhr: Jugend. Montag: Die von Hochsattel. Nachm. 3 Uhr: Logenbrüder. Dienstag: Die von Hochsattel. Thalia. Hochparterre links. Nachm. 3 Uhr: Der Hochtourist. Montag: Hochparterre links. Nachm. S'/i Uhr: Charleys Tante. Dienstag: Hochparterre links. Luisen. Ein SommernachtStraum. Nachm. 3 Uhr: Das Käthchen von Heilbronn. Montag: Robert und Bertram. Nachm. 3 Uhr: Wilhelm Tell. Dienstag: Der Verschwender. Nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. ückliche Tag«. Wilhelm Tell. Herkules- Mctropol. Aus ins Metropol.(An sang T/f Uhr.) Montag und Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Walhalla. Einer von unsere Leut'I (Ansang 7-,, Uhr.) Montag und Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Drutsch-Auierikanisches. Er und Ich. Nachm. 3 Uhr: UeSeni großen Teich. Montag: Er und Ich. Nachm. 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Dienstag: Er und Ich. Kasino. Die Herren Söhne. Nachm. 4 Uhr: Ein Sohn des Volkes. Montag: Die Herren Söhne. Nachm. 4 Uhr: Arbeit schändet nicht. Dienstag: Die Herren Söhne. Apollo. Das bummelnde Berlin. SP cziaiitäten. Nachm. 3 Uhr: Venu? auf Erden. Montag: Das bummelnde Berlin. Nachm. 3 Uhr:"Venus aus Erden. Dienstag: Das bummelnde Berlin. Urania. Daubeustrahe 48/4U. Am Golf von Neapel. Montag: Dieselbe Vorstellung. Dienstag: AuS dem Innern Ost asrikas. Nachm. 4 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Tternivarte. Jiivalidenftr. 57/62 Ferdinand Bonns Berliner Theater. Gastsp. d. Schlicrseer Bauern-Ensembl. Nachm. 2'/, Uhr: Jägerblut. Abends 8 Uhr: In der Sommer- frisch'n. Montag nachm. 2'/: Uhr: vis echSne Millibäuerin. Abends 8 Uhr: In der Sommer- frisch'n. Dienstag und folgende Tag«: In der Sommerfriseh'n. Neues Theater. Ansang 7'/, Uhr. 8in Scmtnemachtstranm. Montag: Erdgeist. Dienstag: Ein Sommernachtstraum. Mittwoch: Caesar und Cleopatra. Kleines Theater. Sonntag(1. Osterfeiertag), nachm. Uhr: Nachtasyl. Abend» 8 Uhr; Hille Bobbe. Vorher: Oer Unverschämte. Montag nachm. 3 Uhr: Nachtasyl. Abends 8 Uhr: Hille Bobbe. Vor- r: Oer Unverschämte. Dienstag nachm. 3 Uhr Schüler- Verstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen: Antigene. Abends 8 Uhr: Hills Bobbe. Vor- her: Oer Unverschämte. Komisehe Oper. Sonntag nachm. 3 Uhr ermäßigte Preise: Eigaros Hochzeit. Abends 8 Uhr; Hoffmanns Erzählungen.. Montag nachm. 3 Uhr ermäßigte Preise: Heffmanns Erzählungen. Abends 8 Uhr: Eigares Hochzeit. Dienstag: Hoffmanns Erzählungen. Mittwoch: Figaros Hochzeit. (Station Zoologischer Garten) ■T" Kantotraite IM. MW Sonntag(1. Ostcrseiertag), nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Oie Zauberflöte. Abends VI, Uhr: Schützen- Hesel. Josef König a. G. Montag(2. Osterfeiertag), nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Zar und Zimmermann. Abends 7'/, Uhr: Oin vier Grobiane. Dienstag(3. Osterfeiertag), nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Oer Ereischlliz. Abends VI, Uhr 22. Vorstellung im Dienstags- Abonnement: Oio vier Grobiane. Mittwoch: Schützenliesel. T rianon-Theater. Ansang 8 Uhr: lionlon. Residenz-Theater. Oirehtion: Richard Hlcxander. Heute zum 164. Male: Morgen und folgende Tage Ansang 8 Uhr: Der Prinzgemahl. Sonnabend, 21. April zum erstenmal: Liebeskunst. Oster-Sonntag nachmittag 3 Uhr: Oer Schlafwagen-KontrcIIour. Oster-Mcntag nachmittag 3 Uhr: llerkuleaplllen. Senntag, 22. April, nachm. 3 Uhr: Oie Höhle des Löwen. Carl Veiß- Theater. Gr. Frmiksurterstr. 132. Zum ersten Male: Die Jagd ums ßebe«. Anfang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Heute und morgen bei günstig« Witterung: Erste große Speziali- tüten-Borstrllnng. Ansang 4 Uhr. Dienstag Kindervorst., kleine Pr.: Ocmröschen. Ansang 4 Uhr._ Belle-Alliance Eintritt 50 Pf. Theater-Varlfit*. Anfang 8 Uhr. Allabendlich: YlelnzBuäa der Sänger mit der Laute und das neue glänzende Upril-Kenkurrenz-Programm. Schiller-Thealer 0.(Wallner-Theater). Sonntag, nachm. 3 U h r: Vi« lllackt der Finsternis. Schauspiel in 5 Allen v. Leo N. Tolstoj. Deutsch von Raphael Löwenfeld. Sonntag, abends 8 Uhr: Oygcs nnd sein King:. Eine Tragödie in 5 Akten von Friedrich Hebbel. Montag nachm. 3 Uhr: Feder unsere Kraft.(2. Teil). Montag, abends 8 Uhr: Keiniat. Dienstag nachm. 3 Uhr: Wliheim Teil. Dienstag, abends 8 Uhr: Zwei glückliche Tage. Tlieater. Schiiler-Thoater H.(Friedr.>Wilh.Th.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: ver K'wissenswnrni. Bauernkomödie mit Gesang in 4 Auf- zügen von Ludwig Anzengruber. Sonntag, abends 8 Uhr: Das Glück im Winkel. Schauspiel in 3 Akten von Hermann Sudermann. Montag nachm. 3 Uhr: Beiden. Montag, abends 3 Uhr: Zwei glückliche Tage. Dienstag, abends 8 Uhr: Der Vogel im Külig. Nachm. 4 Uhr. Zirkus Snsch Abends T'/jühr. An beißen Feierlagen 2 vÄiian?en 2 Nachmittags zahlen Kinder auf allen Sitzplätzen halbe Preise. An beiden Feiertagen 7(1 dressierte 7(1 nachm. 4 Uhr u. abends Z'/a Uhr»U Flsbiiren 1U unter persönlicher Vorführung des Herrn Hagenbeck. Sämtliche Clowns mit neuesten Witzen und Späßen. Die besten Schul- und Freiheitspferde.— Neu! Die Schwestern Miniggio, Reitkünstlerinnen, sowie d. sontig. neuengagierten Künstlern. Künstlerinnen. Nachm. 4 Uhr. Feiertagen IndiCIl. Abends T'/.Uhr. I.Akt: Soireeb.ein.engl.Oberst. 2. Akt; Einzug d. Maharadscha. 3. Akt: Witwenverbrennung. 8. Akt: Sagedoms Wundergrotten. Besonders hervorzuheben; Eine Witwenverbrennung.— Tigerjagd.— Schlangenbeschwörer. Die Wundergrotten und Fontänen. Blttwoch, den 18. April: Schluß der Saison! Zirkus iUbert Schumann. Sonntag, den 15. d. Bts., und Montag, den 16. d. Mts., _ nachm. 3ll, Uhr und abends 71/, Uhr: JoIW grelle aullerordentl. Gala-Feslvorstellungen an beiden Feiertagen. Nachmittags e�auf allen In beiden Vorstellungen nachmittags u. abends: rnpmnrüTIC Oie hochinteressanten Fische fangenden Tauchervögel VUllllUl Ullü. Bei diesem Akt; Zirkns unter Wasser. In beiden Vorstellungee nachm. n. abds. iE(ononionha ßonlrlar UWf" Die neueste Sensation:-MW Ju|Jd(lloullc UdURIoli Phänomenale, verblüSende vollständig neue Tricks Inbeid.Vorst.: Das anerkannt vorzügl. Programm, säratl. Spezialitäten, Clowns n. Auguste sowie Dir. Alb. Schumanns neueste Monstredressuren. yÄWiÄSÄ.. Der Tag des Englische baäq. Abends: Zum Schluß; Die größte I>aminS Oes neue Pracht-Ausstatt.-Pantomime d. Gegenwart: rvllllud, Frauenreich. Zirka 456 Mitwirkende. L Mnslkkorps. Feenhafte hier noch nie gesehene Licht- und technische Effekte. Die russische Revolution in Castans Panoptikum Frietlrichstr. 165. 763L* 05 Abessitiier.— Setzte Woche. 8666WWW66666666606»—»»6066W6666WWW6G ISS. bis 17. April: Große Frühjalirs- Gartenbau- Ausstellung im liandesausstellnngspark am Lehrter Bahnhof veranstaltet von der Firma Adolf Koscbel. Eintritt 50 Pfg. 855L* Brauerei?riedriehstiain früher Lipps(Oekonom: E. Niemann) am Königstor. = Größter Konzertsaal Berlins.--------- Am 1. und S. Oslertag, abends 7 Uhr: Populäres Konzert Johann Strauß« Wien Dirigent der K. u. K. Oesterreich. Hofballmusik mit seiner gesamten Kapelle. Entree an Wochentagen 50 Pf., Reservierter Platz I M., an Sonn- und Festtagen durchweg 1 M. Am S. Ostertage; Wiener Walzer-JUtend veranstaltet von«Jotmnn Stf'dllß mit seiner gesamten Kapelle aus Wien. Anfang 7 Uhr. Entree durchweg 1 M. Schweizer Garten Straßenbahn: No. 1, 2, 4, 17, 5», 62, 63, 74. ------------------- Kämgeter am friedriehehain. Poloria'ff on! Oapteii-Koiizert menageil) von der verstürkten BanskapvUe. ZpeÄalltAen-Vorstellung In» gUnsiieh renovierten Saal§5" B 3 I la Entree SO Pf. Anfang 4'l, Uhr. Von Ostern bis Pfingsten jeden Sonntag: Gr. Vorstellung. Frankfurter Allee 151/152. Inh.: O. Cranz. Sonntag, 16. April 1606 11. Osterfeiertag): - Große IRaiinee SrÄ'ipfiSÄäS Nordieutsclien Sänger, *■ Wif'S':'"'" Streich.Konzert unter Mitwirlung der beliebten Norddeutschen Sänger. Anfang 6 Uhr. Nachdem: iTanzkräiizchen. Ansang 6 Uhr. Im weißen T«,,, Raiininn hol stark besetztem Saale: lOllZ" IIBUillOU Orchester. Ansang 4 Uhr. «"jjjgr" Cr. jWfcüBrtsSSSSS. Urania If'.v,; An beiden Feiertagen abends 9 Uhr: Am GolMron Neapel. Sternwarte Lustspielhaus. Ostersonntag und-Montag: Die von HoLksattel. Zentral=Theater. (Operette.) 3 Uhr: Fledermaus. Abends VI, Uhr: Landstreichar. Montag nachm. 3 Uhr: Zigeunerbaron. 71;, Uhr: Landstreicher. Dienstag nachm. 3 Uhr: Geisha. Abends 8 Uhr: Fledermaus. Luisen-Theater. Nachmittags; Das Käthchen von Heilbronn. Abends: Sin Sotmnernacbfstrautn. Dienstag nachm.: Maria Stuart. Abends: Der Verschwender. Mttwoch: Robert und Bertram. Donnerstag Benefiz für Marten: Der Salontiroler. Freitag: Robert und Bertram. t Passage-Tlieater. j Ansang nachm. 3 Uhr, abds. 8 Uhr.! j Das grandiose Oster-Programm. � i Lucie König Vortrags-Soubrette. i Marka Freya, . Exeentrice. ■ Teddi-Trlo> j Trampolin-Alt.[ Ferner 14 neue Spezialitäten. Metropol-Tbeater Oster-Sonntag, Oster-Montag und die folgenden Tage: ....- iL'............. Große Jahresrevue mit Gesang u Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Anfang 8 Chr. Hänchen überall gestattet. Folies Caprice |Budapester Possen-Theater| Llnianstr, Ecke Frledrichstr. Dalles& Co. Vorher: jRoniikerSclmilzel.l |Anf. 8Uhr. Kasse d. ganz. Tag! Igeöffnel. Vorvcrl. b. Apflllo-Theater. Nachm. 3 Uhr! Ermäßigte Preise! Große Fanrilikuvorstellirng. erslldiissig. Spialitäten-Attraktioii. Hieraus: Venns auf Erden von F. Klncke. Abends 8 Uhr: Elfentlflcke Die glänzende» Spezialitäten nnd: Das bummelnde Berlin. Keues Programm! Hill Broadfoote, engl. Sängerin. Die 2 Sandwinas, Handstandkünstler BellaUer-Truppe, gymnast. Akt. Thereses& Partner, körn.-hypnotischer Akt. De Biire, Zauberkünstler. Robertus& Wilfredo, Balljongleure. König Dollar, Ballett von John Tiller, London. Alexia, Pariser Wirbeltänzerin. Will Rogers, Lassowerfer. Oie Baggesens, kom. Jongleure. De Oio, Phantasietänzerin. Oer Biograph._ olosseum ß Dreadonerstr. 07. Größter Erfolg DM- des neuen-MG Spealalltüten-Progr. Reichshallen. Slnfnnn I. und Ö. Feiertag: 7 Uhr. III. Feiertag: 7',. Uhr. Berte jipsriiun Unter den Linden 68a Eingang Schadow-Straße No. 14. An den drei Feiertagen Eintrittspreis Pf- 50 Pf.-Mg Kaichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. 114/7 Deutsch- Amerikanisch. Theater. Köpenickerstr. 67/68. Heute-?gfS Gastspiel Ad. Philipp Er und Ich in. Male Sonnt, nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Ueber'n grolien Teich. Abends 8 Uhr: Ell und ICB. Walhalla Theater Ostcr-Sonntag, Lstcr-Montag und Öfter- Dienstag zum letztenmal: Einer von unsere Leuf! Volksstück in 6 Bildern nach O. F. Berg von D. Kalifch. Ans. 3 Uhr. Rauchen überall gestattet. Kssino-I'heater Lothringerftr. 37. Täglich 8 Uhr. llle Gesten Gölms. Gastspiel v. Tower u. Clayton. Neu! Lickson usw. nsrv. Sonntag nachm. 4 Uhr(1. Feiertag): Ein Sohn des Volkes. Mon�ig nachm. 4 Uhr(2. Feiertag): Arbeit schändet nicht. palasl-Theater Burgetr. 24, 2Mm. v.BH.Börse. An beiden Feiertage» das Kitse«- Fest- Programm. Attraktionen ersten Ranges. U.a.: 1�8 5 Orans Strandszene. La belle Georgette Serpentin-Tänzerin. Eine Berliner Grisette. Posse v. Stotz. Musik v. O. Antonius und IG erstklassige Nummern. Ansang Uhr. Entree 56 Pf. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. An den drei Osterfeicrtagm, bei günstigem Wetter: Große Cartenvorstellangen. Austreten erstklassiger Spezialitäten. Eine Gefallene oder: Ein Kind der Eich«, Polfsstück in 3 Alten von Reislingen. Anfang des Gartenfonzerts 4 Uhr, Ansang der Vorstellung 5 Uhr. Am 1. und 2. Feiertag, nachmittags 3 Uhr bei fleinen Preisen im Saale: Einquartierung. VolfSstück in 3 Alten von Starfe. Am 2. und 3. Feiertag: Gr. Bali. Sladt-Thealer Moabit Alt-Moabit 47/49, An den drei Osterseiertagen: Lastspiel des Berliner Schau- nnit Eustsplei-Ensemdles unter Leiwng von Hans Viiala 1. Feiertag, Ansang 6 Uhr: Sin edles Trauenherz. 2. Feiertag, Ansang 6 Uhr: Sin Jftädcl ohne Geld. 3. Feiertag, Ansang 7 Uhr: 81« Sßädel ohne Geld. Am 2. und 3. Feiertag: Gr. Ball. Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Am 1. Feiertag: Vereins-VergnUgen, __ 2. und 3. Feiertag:"Mg Große Fest-Yorstelluns und daraus folgendem DM- Fest- Tanz.-Mtz Eross 6 Uhr. Ans. 7 Uhr. Entree 40 W. Noacks Theater. Direltion: Rob. Dill. Brunne» str. 18, An allen drei Osterseiertagen: Den Edelhof ober: Durch Kindesliebe versöhnt. Volfsschauspiel in 4 Alt. v. A. Bölte. tlns. 8 Uhr. Entree 30 Ps. bis 1 M. Am 2. und 3. Feiertag: Bali. Heue Mi. Arnold Scholz. Hasen- beide 108/114. 1. Feiertag: Gr. ftOHMlIlM Anfang 4 Uhr. Entree 10 PL S. Feiertag: Gr. MeiHzen und Horsts Oiiartettsäip il Possen- Im großen Saale BS � I B von 4 Uhr an: KW«■ io Die Kaffcefüche ist von 2 Uhr an geöffnet. 848L 3*i: 3«E II. Berliner Reiehstags- Wahlkreis. Montag, den 10. April 1906(2. Osterfeiertag), in den Gesamtraumen der Berliner Bock-Brauerei(Tempeihofer Berg): Große Matinee (Dirigent: Maximilian Fischer). Mitwirkende: Berliner Sinfonie- Orchester xM»H(Herren: Petri, Drachholtz, Zimmermann, noroaeiltscne sanier Junfli Breden, Paetz und Prenzlau.) Anfang IS Uhr. Entree so Pf. Billetts sind in den mit Plakaten belegten Handlungen und an der Kasse zu haben. Zahlreichen Besuch erwartet[238/ 13*] Das Komitee. Sozialdemokratisclier Wahlverein für den 4. Berliner Reiclistags-Walilkreis. Sonntag, den 15. April 1906(1. Oster-Feiertag): Große Matineen im Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserstraße 4a, und in Louis Kellers Festsälen, Koppenstraße 29. Auftreten der Gesellschaft Strzelewlcx und der Volkssänger-Gesellschaft Schmeltzer, Gniirich, Balzö. Die Mnslh wird ausgeführt vom Berliner Konzert- Orchester und vom Bienen Berliner Konzert• Orchester unter Leitung der Direktoren Herren Range und Tletz. Anfang pfinktlich 12 Uhr. Billet 30 Pfg. Oefientliohe Kasse findet nicht statt."«PS Das Komitee. Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter DaUtSCblandS. ,1Gt-er,.chalUh\ri�lF"f"ul'LtBl"irn Zimmer 13-17. UUIUUUIIIUIIUU» Arbeitsnachweis: Teleph. Amt IV, 3348.— Bureau: Teleph. Amt IV. 4747. V □ Dienstag, den 17. April(8. Osterfeiertag) in den Gesamträumen des„Gcwerkschattshanses", Engel-Ufer 15 :::: KOMMERS:::: zu Ehren der Delegierten des Allgemeinen Kongresses für die im Handels- — gewerde beschäftigten Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen : Konzert; Festrede: Gesang: ; Humoristische Vorträge: Ball: Die Konzert- und Ballmusik wird ausgeführt von stark besetzten Kapellen des Neuon Berliner Konzert-Orchesters(M. d. Z.-V. d. Zivil-Berufsmusik.) unter Leitung des Herrn R. Pietz. Die Gesangsaufführungen werden vom Gesangverein Männerchor der Berliner Handels- u. Transportarbeiter(M. d. A.-S.-B.) unter Leitung des Herrn Kummer und die' turnerischen Aufführungen von Mitgliedern des Turnvereins Fichte ausgeführt. - Auftreten des beliebten„Berliner Flb-Trlo".- Anfang des Konzerts Im großen Saal: abends 8 Uhr. 1° den unteren Sälen von 8 Uhr ab: X ANZ.! Billetts für Herren a SO Pf.(inkl. Tanz) und Damen SO Pf. sind zu haben im Verbandsbureau sowie bei den Betriebsvertrauensleuten und den Bozirksführern.— Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 67/20 NB. Der Zutritt während der Tagung des Kongresses ist, soweit Raum vorhanden, Jedem gestattet. Das KongreB Komitee. M» ir >( M. d. A.-S-B. Chormeister Herr Bleil. Montag, de« 16. April(2. Osterfeiertag), in den Tophicn-Sälen, Sophienstrafte 17—18: PrühjahrssKonzert unter Mitwirkung beS Berliner Sinfonie-Orchesters (22 Musiker). Kapellmeister Maximilian Fischer. gramm 50 Ps., an der Kasse 60 Ps. Ansang präzise 6 Uhr. Das Komitee. Progro 11550 Hermann- Straße 40. Hermann- Straße 40. Rixdorf Prltz ffoppes pest»Säle. Heute(1. Osterseiertag), morgens 10 Uhr: Gesangverein Männer-Chor(«. d. a..s..b.); -- Frühschoppen.. Nachmittags 5 Uhr: Gesangverein Schneeglöckchen c». d. a-s-b.) Im gr. Saal: Konzert n. Theater. Nachdem: Ball. Am zweiten Feiertag bei schönem Wetter im Garten: Konzert. Im großen Saal: Ocffentlicher Kall. AMT Die Kasfeeküche ist eröffnet.-HMi Kleine und große Säle sowie mehrere schöne Hallen, Vereins- zimmer stehen den Vereinen zur Versügung. Fritz Hoppe. ML Jl zur groß. Krampe in Müggelheim.* Empfehle den werten Vereinen u. Fabriken mein herrlich gelegenes Letal zu Land- u. Wasierpariien. Drei Säle, schattiger Garten, Dampfer- u. Ruderbootslcgc. Rehme auch Pfingsten Gesellschaften aus. Hochachtungsvoll W. Troppens. Fernspr.-Amt Köpenick 141. Sportshans IC MC WQ □ Friedriciisberg Inhaber Schwarzer Adler Inhaber______ Gebr. Arnhold. Gebr. Arnhold. Sonntag, den 15. April(1. Osterfeiertag): Kroße Soiree«r Wig-Walde-Sänger unter Mitwirkung des Männergesangvereins Friedrichsberger Liedertafel. Dir. P. Gienow. Entree 50 Pf. Anfang 7 Ehr. Am 2. und 3. Osterfeiertag: iST* Große Reunion"ME anter Leitung des Herrn O. Bürger. Mittwoch, den 18. April: Grone Soiree der Wülg-Walde-Sänger. Entree 40 Pf. Bons haben Gültigkeit. Nach der Vorstellung; fSMiiiSNhNSNXvhSNs _ Montag, den 16. April(2. Osterfeiertag)| in Gebr. Arnholds„Schwarzem Adler", Frankfurter Gbausse 5|6: -== Große Matinee=— veranstaltet von den Parteigenossen Lichtenbergs. Konzert und humoristisebe Möhningen. Anfang prttzlse 12 Uhr. Entree 30 Pf. KasscnermTnung 11 Ehr. Qoßmamis Testsäle 8W., Kreuzbergslr. 48. 1. Feiertag: Harmonische Sänger. 2. Feiertag: Groher Fest-Ball. 3. Feiertag: Prel» Tanzkrünzchon. Wiederbeginn her Harburger Sänger: Freilag, den 18. Mal. Bochsensationell! Belehrend I Wissenschaft und Verbrechen. Täglich wechselnde Projektions- Vorträge aus der gerichtlichen Medizin in Karl Gabriels VoIkssMuseum Friedrichstr. 112a, am Oranienb. Tor I. Serie Mord- oder Selbstmord? Außer dem 2000 Numm. Volkskrankheit. u. d. Bekämpf. Anat. Samantorlehre Eritrea 30 Pf. Sold. n. Kind. 20 Pf. Sämtl. Räum, mit Vortrag ohne Nachzahlang 60 Pf. Diez' Seeterrasse, Diehtenberg Röder-Straße ffio. 6 (5 Minuten von Landsberger Allee und 1 Minute vom Röderplatz entfernt). Größtes und schönstes Vergniigungs-Etablissement des Ostens SfSF' mit großem 8ee."MfS Fahrverbindungen ab Alexanderpl. Linien 64, 65, 66, 67, 63, 69, 79, 71, 81. Am ersten, zweiten und dritten Osterfeiertag: Gr. Liitzow- Konzert in Jäger-Uniform. erLtkIassigss LpezrisUtSten- 7ksatsr. Um 5'/, und 9 Uhr im Feuerwerk: Austreten der weltberühmten Durmseilkiinstler J. H. Llopclt und MIß Marry. Kn zwei Sälen: 15 Ruderboote. Vier verdeckte Volksbelustigungen Kabalier-Ball. Riesen-Kasseelüche. Kegelbahnen. aller Art. 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Feiertag), anläßlich des vormittags von 10 Uhr an stattfindenden Gautages, in beiden Säten von Peters Moabiter Gcsellschaftshaas, Emdenerstr. 41, _ Wiclefstr. 24: Ai Gautag-Vergniigen � '■yfisnitrt.SffMpstthäpÄÄSÄ»" (ca. 60 Sänger), der Sängergesellschast 8trzlevvlez sowie des Humoristen B. Melnert, Vorführung von lebenden Photographien(Kinomatograph) usw. Liedertexte und Programm gratis. 11/5» Kiinst- iiiii! Reigenfahreii ,°wl° Ball. Otr Räder werden kostenlos aufbewahrt, Anfang 5 Ehr. Eintritt 30 Pf. Ende früh 6 Ehr. einen genußreichen Abend versprechend, ladet freundlich ein Das Festkomitee. KB. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß in unserer Genossenschast, Oderbergerstr. 30, Billetts zu haben sind. Germania- praebt- Säle Cfaausseestraße 103. Inh. Carl Richter. I. Osterfeiertag 1966: Hamburger Sänger Anf. 7 Uhr. Dir.: Wilh. Wölfl. Auf. 7 Uhr. II. Osterfeiertag: Ä- Große Matinee des 6. Wahlkreises. Abends 7 Uhr: Hamburger Sfinger. �em: Familien-Kränzchen. X Von 5 Uhr ab im weißen Saale: Großer Festball. X III. Osterfeiertag: Bencflz der Haaskapelle. Jeden Mittwoch und Sonntag: Hamburgor Sänger. Jeden S�nnta�:�Gr o ß<�B a EL__________ mmmmmmmmw* Ne» eröffnet! Schönholz Kaftamcnwäldcbcr» Konzert-Saal und Garten. Arn 2. und 3. Osterfeiertage: In dem völlständig neu bei stark besetztem renovierten Parkettsaale: VIR ISIFISP Dali Orchester. Kasseküche.— ff. Biere und Weine. Exquisite Küche. 2 verdeckte Kegelbahue». Empfehle meinen großen Parkett-Saal mit Theater- bübne den geehrten Vereinen und Gesellschaften zu Festlichkeiten aller Art. 6582_ Hermann Ramlow. Jnl. J! Etablissement lostergfartcn� am Spandauer Schitfahrts-Kanal, Ringbahnstatlon UeusselstraBe, StraBenbahn Nr. 12 Görlitzer Bahnhof— Plötzansee. Am I. Feiertag. Anfang 6 Ehr: Großes Vokal- und Instrumental-Konzert Gesangvereinen„El"»ölZ. Gin 8IHH"«nd„ImmSstsöll". a. Feiertag: Großer SängerFrQIisclioppen. Empfehle den werten Vereinen u. Gewerkschafton mein Etanlissement zur Abhaltung von Vereins- und Sommervergnügen. Am» II Nr. 2694. TV. Pasternacki. MC Morltzplata. Täglich G» in»m unteren Sälen O Qottschalk-Konzert. Sanssouei.sKÄs4ar 2)ir. Wilhelm Reimer. Sin allen drei Feiertagen: We Extra-Fesl-Soireea von MoflTnianns Norddeutsct). Sängern. Neue Ensembleszenen, Possen, erstkl. Gesangs- u. humorist. Vorträge uslv. 2. und 3. Feiertag: GroQes Ostcr-Frühiings-Kränzcben Heute u. morgen: Ans. d. Konz. 5 Uhr, d. Borst. 7 Uhr.— Dienstag: Zins. d. Konz. 7 Uhr, d. Vorst. L Uhr. Gllsta? Behrens Spezialitäten- Theater Frankfurter Allee 85. Das großartige Oster-April-Programm Neu! Die weibliche Neu! musikalische Rückkompaguie. Posse mit Gesang und Tanz. Neu I Neu I «fosephine Dclcliseni', das Berliner Unikum. Anfang 7 Uhr, Sonn- u. Festtage 5 Uhr. Neueröffnet! Welt-Ausstellungs- Biopph-cst. L.ui.) Theater lebender Photographien mit Neu! Die Hungerleider. Neu! Soziales Bild aus dem Leben. Den ganzen Tag Vorstellung. 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Die Produktion war nicht durch soziale Lasten beschwert, die so viel beklagten„hohen Löhne" verteuerten nicht die Erzeugung, als die deutsche Industrie das Kennwort er- obcrte: Billig und schlecht! Seit der Zeit, da die deutschen Arbeiter unter schweren Kämpfen dem Unternehmertum höhere Löhne abrangen, war es möglich, eine für deutsche Industrie- erzeugnisse als Erkennungszeichen der Minderwertigkeit vor- geschriebene Signierung zu einem Rcklamcctikett werden zu lasse». Alle nach England importierten deutschen Jndustrieerzeugnisse mußten nach dortigem Gesetz mit der Bezeichnung,,„Made in Ger- many" versehen sein. Damit wollte sich die englische Industrie gegen die Konkurrenz der billigeren, schlechteren, deutschen Arbeit schützen. Heute soll manches englische Fabrikat diese Signierung tragen, weil es in diversen Artikeln eine bessere Reklame angeblich kaum noch gibt. Und die deutsche Industrie wäre jedenfalls noch viel leistungsfähiger, wenn das deutsche Unternehmertum in puncto Lohnfrage nicht einen unglaublich rückständigen Standpunkt kon- servierte. Lange Arbeitszeiten, niedrige Stundenlöhne! Das ist im allgemeinen der deutschen Unternehmer nationalökonomischer Weisheit Schluß. Das gilt sowohl in bezug auf Stück- wie auch auf Zeitlohn. In Werken mit kontinuierlichem Kollektivbetrieb, wo, wie in Walzwerken usw. die Art des Betriebes den einzelnen an seinem Posten fesselt, wo das Hand in Hand arbeiten vieler, die volle Leistungsfähigkeit eines jeden Arbeiters erzwingt, wo der eine den anderen antreibt, da ist es die durch die übermäßig lange Arbeits- zeit bedingte Leistungsvermindcrung der Gesamtheit, die die Pro- duktion verteuert. Andere Arbeiter, zum Beispiel Schlosser, Dreher, Bohrer usw.. speziell alle Arbeiter in mechanischen Betrieben, werden dagegen in der vollen Entfaltung ihrer Leistungsfähigkeit oft gehemmt durch die allgemein übliche Art der Lohnhöhe- bcstimmung in Verbindung mit zehn- bis zwölfstündigen Normal- arbeitszeiten. Ziemlich allgemein ist noch die Stücklohnarbeit üblich. Aber das völlig freie Akkordshstcm haben wir nicht. In fast allen Werken wird eine gewisse Maximallohngrenze festgesetzt. DaS heißt, wenn Arbeiter soviel Produkte liefern, daß die dafür angesetzte Stücklohnsumme die Maximalgrenze überschreitet, dann wird der Stücklohn schon für die nächste Lohnperiode gekürzt. Daß bei diesem System der angesetzte Stücklohn die Leistungsfähigkeit bestimmt und eventuell begrenzt, liegt auf der Hand. Jeder Arbeiter strebt naturgemäß danach, den einmal erlangten Akkordsatz zu halten, umsomehr, da vielfach auch Preise festgesetzt werden, die selbst bei intensivester Arbeit und raffiniertester Technik die Er- zielung des regulären Lohnsatzes nicht erlauben. Der„gute" Akkord muß dann den schlechten mit durchziehen. Und mancher Meister leugnet gar nicht, daß diverse Stücklöhne zu niedrig stehen, er weist aber Anforderungen auf Zulage mit Hinweis auf noch laufende bessere Akkorde zurück. Hier ist auch die Quelle mancher Korruption, die Wurzel der Lieblingswirtschaft. Den„lieben Kindern" werden die guten Akkorde zugeschustert. Das ist bei den ausgedehnten Bekanntschaften und Verwandtschaften, wie sie be- sonders auf den großen industriellen Werken zwischen Unterbeamten und Arbeitern bestehen, gar nicht von untergeordneter Bedeutung. Die in Deutschland beliebte Praxis ist auch die stärkste Stütze des hier herrschenden sinnlosen Ueberzeitarbeitens. Die Arbeiter kennen die unbesiegbare Neigung, die Akkorde zu kürzen, sobald die geltende Maximalgrenze überschritten wird, deshalb trauen sie auch dem Meister nicht, wenn er anläßlich ganz flotten Betriebes wohlwollend erklärt: Ihr dürft so viel angeben, wie Ihr wollt!— Man weiß, sobald der Hochdruck vorüber ist, kommt der Abzug. Mag ein Akkordsatz wirklich die Ueberschreitung der Maximalgrenze ermöglichen, man verzichtet doch darauf, für die Normalschicht den Satz zu überschreiten— anstatt dessen werden Ueberswnden und Ucberschichten gemacht! Der Effekt ist: unnötiger Brenn- matcrialienverbrauch und mangelhafte Ausnutzung der Maschinen, Verteuerung der sachlichen Erzeugungskosten. Und weiter! Der lange Aufenthalt in der verdorbenen Luft reduziert die Leistungs- fähigkcit; bei Einsetzung aller Kräfte lassen die Akkordsätze oft kaum die Erreichung der Maximalgrenze zu. Es ist kein Zufall, daß dort, wo höhere Löhne bei kürzeren Arbeitszeiten erzielt werden, die Leistungsfähigkeit der Arbeiterschaft ungleich größer-ist als dort, wo bei langen Arbeitszeiten niedrigere Löhne gezahlt werden. Jedem mit den Verhältnissen Vertrauten ist bekannt, daß z. B. in manchen Industrien in Berlin, obwohl hier der Stundcnvcrdienst um 100 bis 200 Proz. höher steht als in anderen Orten Deutsch- lands, bei den höheren Löhnen die Produktion nicht teuerer sich stellt als andersw bei niedrigeren Löhnen, und daß in den kürzeren Arbeitszeiten quantitativ dieselbe Leistung erzielt wird, als in zehn- und zwölfstündigen Schichten. Mancher Arbeiter, der in Orten mit niedrigeren Löhnen sein Handwerk erlernte und vielleicht nach Absolvierung der Lehrzeit noch mehrere Jahre dort als Geselle arbeitete, dann nach Berlin, Hamburg oder einem der Orte, wo höhere Löhne üblich sind, abwanderte, mußte erfahren, daß es erst einiger Zeit der Uebung bedurfte, ehe seine Leistungs- fähigkeit den hier geforderten Ansprüchen genügte. Würde das Unternehmertum in Deutschland sich endlich einmal von der Engherzigkeit in der Lohnfrage frei machen, mit der un- geschriebenen aber fast allgemein wirksamen Bcstimmung der Maximallohngrenze brechen und den Achtstundentag einführen, bald würde man einsehen, daß die Erzeugungskosten sinken. Dort, wo noch zehnstündige oder gar noch längere Arbeitszeiten bestehen, könnte man in Uebergangsperiodcn von vielleicht drei Monaten durch sukzessive Serabsetzung der Arbeitszeit um jedesmal V2 Stunde das Ziel erreichen. In kontinuierlichen Betrieben würde man mit der Einführung der Achtstundcnschicht auch zur vollen Ausnutzung aller technischen Anlagen gelangen, die Rate des konstanten Kapi- tals pro Kopf der beschäftigten Arbeiter ginge herab. Noch unsinniger als bei dem Stücklohnsystem ist die vielfach herrschende Praxis bei den Stundenlöhnen. Der Meister, der die niedrigsten Stundenlöhne zahlt, gilt als der billigste Produzent, gewöhnlich wird er auch glauben, mit seiner Methode die Er- zcugungskosten auf das tiefste Niveau zu bringen. Das ist Irr- tum! Allerdings die Meister selbst sind in den meisten Fällen nur die Werkzeuge der— einsichtsvolleren Vorgesetzten. Bei der Arbeiterannahme, wenn der Meister nach dem Lohn gefragt wird und die angegebenen Löhne nicht befriedigen, oder wenn ein fchon Beschäftigter um Heraufsetzung des Lohnsatzes cinkommt, in 90 von 100 Fällen lautet der Bescheid: Den Lohn heraufsetzen kann ich nicht, ich darf das nicht,— aber machen sie doch Heberst un den! Und der Not, nein, dem Unverstand der Werksleitung, nicht dem eigenen Triebe folgend, werden Uebcr- stunden gemacht. Oft wird ganz unnütze Arbeit geleistet, nur um beschäftigt zu sein. Die Meister wissen das! Der Widersinn solcher Betriebstcchnik, die doch zweifellos in ganz erheblicher Weise die sächlichen Unkosten erhöht, ist so fest eingewurzelt, daß in manchen Betrieben Ueberstunden geleistet werden, wenn nicht ein- mal für die reguläre Schicht genügend Arbeit vorhanden ist. Der Meister muß Ucberschichten— arbeiten lassen, weil ohne diese bei den üblichen niedrigen Stundenlöhnen die erzielten Lohnsummen vollständig unzureichend sein würden. Die Stundenlöhne sind einfach danach berechnet, daß erst durch Ucberschichten der als Minimum gewohnheitsmäßig geltende Satz erreicht wird. Wir könnten für diese Ausführungen mit Hunderten Einzel- belügen aus eigener Erfahrung aufwarten, aber gerade darum, weil es sich hier um eine ziemlich allgemeine Praxis handelt, ist das überflüssig. Es ist aber wohl angezeigt, auf diese Rückständig- keit, die genährt wird durch die Borniertheit des deutschen Unter- nehmcrtums, das in dem sozial und wirtschaftlich aufstrebenden Arbeiter einen Feind sieht und bekämpft, einmal hinzuweisen, als Illustration zu dem ewigen Gejammer über die Belastung der Produktion. Fort mit der Engherzigkeit in der Lohnfrage, fort mit den unsinnig langen Arbeitszeiten, das dient der Arbeiterschaft, das frommt der deutschen Volkswirtschaft und schadet dem Unter- nchmertum nichts! Die elektrotechnische Industrie im Jahre 1905. Nach Veröffentlichungen des„Vereins zur Wahrung gemeinsamer Wirtschaftsinteressen der deutschen Elektrotechnik" waren in dieser Industrie im Jahre 190.1 rund 82000 Personen beschäftigt, gegen 26321 imJahrelOOO. Auf ca. 623 Millionen Mark wird das in elektrotechnischen Fabriken angelegte Kapital geschätzt. Das letzte Jahr zeichnete sich durch einen außerordentlich hohen Beschäftigungsgrad aus. Viel an- gefordert wurden Apparate und Antriebe für Bergwerksmaschinen, speziell für solche Anlagen, die der Verwendung der Abfallgase von Gasmotoren und Hochöfen dienen. Die Wertsumme des Inlands- konsums wird auf zirka 100 Millionen Mark geschätzt. Auch das Exportgeschäft erfreute sich größter Lebhaftigkeit. Die Aussuhrsteigerung wird aber in der Hauptsache den Wirkungen der am 1. März in Kraft getretenen Handelsverträge zugeschrieben und rechnet man nun mit einem merkbaren Rückschlag. Die Entwickelung in der Elektrizitätsindustrie tritt markant noch in nachfolgenden Angaben in Erscheinung: die Zahl der Elektrizitätswerke stieg von 168 im Fahre 1393 auf 1173 im Berichtsjahre. Aus der Statistik über die elektrischen Bahnen greifen wir folgende Angaben heraus. Im August 1896 wurden 42 Hauptzcntralen für elektrische Bahnen mit 854 Kilometer Gleislänge, 1371 Motorwagen und 989 Anhänge- wagen gezählt. Am 1. Oktober 1904 waren vorhanden: 140 Haupt- zentralen, 3670 Kilometer Gleislänge, M34 Motorwagen und 6477 Anhängewagen. In derselben Zeit stieg die Leistung der elek- irischen Maschinen von 18 360 Kilowatt auf 133 826 Kilowatt. Die Leistung der für Bahnbetriebe verwendeten Akkumulatoren belief sich im September 1898 auf 3118 Kilowatt und am 1. Oktober 1904 auf 39 309 Kilowatt. Im Jahre 1903 ist die Zunahme elektrischer Maschinen, sowohl für Licht- als auch für Kraftzwecke, ganz enorm gestiegen. Von 1893 bis 1903 hat sich die Anzahl der Werke auf das 6'/» fache vermehrt, dagegen stieg die Kraftentfoltung der angeschlossenen Motoren ungefähr um das 30fache. Wir können heute schon nicht mehr vom Zeitalter der Dampfkraft reden. Auf den meisten Gebieten hat die Elektrizität dem Dampf erfolgreich Kon- kurrenz gemacht und bald vielleicht hört man auch das letzte Dampf- roß schnaufen. v. „Uorstcht beim Gin kaufe «um Malzkaffee!" sollte«ine warnende Stimme jedem zurufen, der Malzkaffee kaufen will. KathreinerS Malzkaffee hat Hundertausende, ja Millionen von Anhängern gewonnen. Diesen Erfolg versuchen nun verschiedene Fabrikanten in der Weise sich zu Nutze zu machen, daß sich einfach gebrannte Gerste als„Malzkaffee" anpreisen. Gebrannte Gerste ist aber nach jeder Richtung viel geringwertiger als wirklicher Malz- kaffee. Sie kann und muß deshalb auch viel billiger verkauft werden. Wer ganz sicher gehen will, den absolut besten und daher preis- ivertesten Malzkaffee zu erhalten, der muß ausdrücklich„Kathreiners Malzkaffee" verlangen, der nur in Original-Paketen mit Bild und Namenszug des Pfarrers Kneipp verkauft wird,— niemals lose, ausgewogen!— Wie sehr hier die größte Vorsicht geboten ist, be- weist die Tatsache, daß KathreinerS Malzkaffee-Fabriken schon in vielen Fällen sogenannte Malzkaffce-Favrikanten zu gerichtlicher Ver- urteilung brachten, weil sie einfache gebrannte Mrste als Malzkaffee verkauften. Ben SoKfrs Cigaretften sind die besten. Marke A.. 2 Pig.»— Ultra.. 3 Pfg. Käuflich in"allen Cigarrengeschäften. Die Möbel-Pabrik von• �chlllz, 5 Reichenbergefstr. 5 empfiehlt Wohnungö-Einrichtuiigen von 240—10 000 M. in nur anerkannt gediegener AuSsühnmg in jeder Holz- und ui nui uuctumiu QCüityuucL vms'iu�iung i« jeuei.««u Stilart sowie auch Polfterwaren eigener Fabrikation zu äußerst billigen Preisen. Streng reelle und gewissenhaste De- diemmg. 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April, vormittags, soll ein neues Flugblatt für den �»WenMZtntt ans der jtirche in einer Million Anfinge als Protest gegen das Kchnlverpfnffnngs- Gesetz im ganzen Lande verbreitet werden. Für Berlin nnd Umgegend bittet der Ansfchntz, daß diejenigen Gesinnnngs- frennde Männer und Frauen), welche sich an der Verbreitnng beteiligen wollen, sich schriftlich bei den Unterzeichneten melden» Da es ein ganz allgemein gehaltenes Flugblatt ist, ersuchen wir besonders die Gesiuuttltgsfrenttde i» den Provinzen am möglichst schnelle Angabe der Anzahl der Flngblätter ans welche sie znr Berbreitnng reflektiere»».(Genaue und deutliche Adresse ist dringend erforderlich.) Die Flugblätter werden von dem unterzeichneten AgitationS-Ausschuß»»»»entgeltlich und portofrei übersandt. Die Gesinnungsfreunde der einzelnen Drtc haben nur die kostenlose Verbreitung zu übernehmen. Wir ersuchen daher Gesinnungsfreunde, welche das Arrangement der Verbreitung in anderen Orten über- nehmen wollen» unverzüglich ihre Adressen an einen der Unterzeichneten einzusenden. Ser AgilsNons-AusseKug äer ZsrUner �reireUgiössn Gemewüe. A. Hoffmaun, Blumenstr. 14. G. Bohne, Kopcichageiierstr. 15. Biscr», Grüner Weg 58, IV. Jftntsch, Weidenweg 71. H. JPcege, RüderSdorfcrstr. 48. 62/12 iy Auch sind daselbst Anstrittsformulare und Plakate gratis zu haben!'Wü __ Die Presse, welche die Bewegung fördern will, wird um kostenlosen Abdruck gebeten. v. l). Achtung! Achtung 2 Arbeiter, Parteigenossen! Berliner G. m. d. H. (Gegr. von organisierten Schneidergehülfen Berlins) Arunnenztr. 188. im Lsäen. zmislhe« Kosenthaler Tor uud Invalidevßraße, empfiehlt sich den werten Arbeitern und Parteigenossen zur Anfertigung von feinerer Herren-Larüerobe. er WM Soiwr-Faleis u Wter-Gerulstleing. Uerkanf nnr gegen bar! Streng feste Preise! 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Quartal 1906. Montag: Isationalökonomie(Die Kartelle). 1. B e gr i ff und Geschichte der Kartelle.— 2. E i n- zelne deutsche Kartelle: Kohlensyndiknt; Stahlwerks- verband; Kalisyndiknt; Druckpapierfabriken-Verband; Zentrale für SpiritUBvenvertung; Zuckersyndikat; Zentrale für Milchverwertung; Buchhändler-Kartell.— 3. Die Trusts.— 4. Die Kartelle in ihrer Bedeutung für die Entwiokelung der kapitalisbi sehen Weltwirtschaft. Vortragender: Max Grunwald. Dienstag: Geschichte(Die politischen Parteien dar Gegenwart). 1. Die Reorganisation der Sozialdemokratie(1875).— 2. Wiederbelebung der konservativen Partei.— 3. Die Parteien und das Sozialistengesetz(1878— 1890).— 4. Das Zentrum im letzten Jahrzehnt Bismarcks.— 5. Zersetzung des Liberalismus in den achtziger Jahren.— 6. Aufschwung der Sozialdemokratie (1890—1903).— 7. Das Zentrum unter Wilhelm II.— 8. Der Bund der Landwirte.— 9. Liberale nnd reaktionäre Parteisplitter.— 10. Die Zusammensohmoißung aller bürgerlichen Parteien gegenüber der Sozialdemokratie. Vortragender: Dr. Max Maurenbrecher. Mittwoch tKatur-Erkenntnis(Grundzüge der allgemeinen Lebenskunde[Biologie]). 1. Begriff des Lebens. Aufgabe der Lebenskunde und ihr Verhältnis zu den übrigen Wissenschaften.— 2. Keimzeichen der lebendigen Substanz(Physik, Chemie und Struktur des Plasma).— 3. Die Zelle als Elementarorganismus. Einfache und zusammengesetzte Organismen.— 4. Die Ernährung(Aufbau und Zerfall des Plasma).— 5. Die Fortpflanzung(die verschiedenen Arten der Zeugung).— 6. Die Bewegung(Mechanik des Plasma). 7, Die Empfindung(unbewußte und bewußte Empfindung. Reaktion auf Reize usw.).— 8. Das Geistesleben(Genim und Seele).— 9. Ursprung des Lebens(Vergleich zwischen unbelebter und belebter Natur. Die einfachsten Organismen).— 10. Die Entwickelurg des Lebens(Abstammungslehre, Darwinismus, Keimes- und Stammesgeschiohte usw.). Vortragender: M. H. B a e g e. Donnerstag: Wesen und Wirken der Gewerkschaften. 1. Entstehung einer Gewerkschalt. Organisationsfähigkeit. Branchen- oder Betriebsorganisation. Organisation der Frauenagitation.— 2. Verfassung und Verwaltung. Lokal- und Z e n t r a 1 Organisation. Selbstverwaltung und Berufsbeamte. Industrieverbände. Gauverwaltung. Generalversammlung.— Die Gewerkschafts kartelle. Die Generalkommission. Internationale Organisation.— 3. Finanzielle Gestaltung. Beitragshöhe. Beitragsklassen. Lokalfonds. Anlage des Gewerkschaftsvermögens.— 4. Unterstützungswesen. Arbeitsnachweis. Herbergen.— 5. Die Beeinflussung des Arbeitsmarktes. Arbeiterinnen. Lehrlingswesen. Ausländer. Recht auf bestimmte Arbeiten. Die Maschine.— 6. Das Verhältnis zu den Unternehmern. L Das Rechtsverhältnis. II. Arbeitszeit. HI. Lohnhöhe und Lohnformen. IV. Regelung des Betriebes. Arbeiterausschüsse. Interessengegensatz und Klassenkampf.— 7. Die Kampfes- formen. I. Streik und Streiktaktik. Boykott. Kontrollmarke. II, Aussperrung und schwarze Listen. Arbeitgeberverbände.— 8, Gememschaftliche Regelung. Tarifverträge. Einigungsämter. Paritätische Einrichtungen.— 9. Sozialpolitische Aufgaben: Statistik. Arbeiterschutz. Arbeiterversicherung. Gewerbegerichte. Proportionalwahl. Rechtshülfe. Kinderschutz. Die Arbeitersekretariate.— 10. B i 1 d u n gs p f l e g e. Moralische und hygienische Erziehung. Vorträge. Bibliotheken. Die Alkoholfrage.— 11. Die Stellung zu Staat nnd Gemeinde. Koalitionsrecht und Rechtsprechung. Zweierlei Recht_ Gute Sitten. Arbeitslosenfürsorge. Staats- und Gemeindearbeiter.— 12. Die Stellung zur Politik. Neutralität Syndikalismus. Intornationalität und Krieg. Maifeier. Generalstreik,— 13. Gewerkschaft und Genossenschaft: Produktivgenossenschaften. Der organisierte Konsum. Die Genossensohafts- angestellten. Die Macht der Arbeiterklasse.— 14. Gewerkschaft und Sozialismus: Erfolge nnd Grenzen des Gewerksohafts- wesens im Rahmen der kapitalistischen Gesellschaft Das notwendige Endziel der Gewerkschaftsbewegung. Vortragender: Simon Katzenstein. Freitag: Rednerschule(Uebnngen im Halten von Vorträgen und in der Diskussionsrede). Heinrich StröbeL Vortragender Der Unterricht beginnt in Katlonalttkonomle: Montag, den 23. April; Geachlchto: Dienstag, den 24. April; Xatnr- ErkcuntnlB: Mittwoch, den 23. April; Cewepkachaftswesen: Donnerstag, den 26. April; Bednepschnlc: Freitag, den 27. April Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 0 Uhr und endet pünktlich um'/»II Uhr. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 Mark und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Der erste Abend jedes Kursus steht jedermann zum unentgeltlichen Besuche frei. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Schullokal dewerksenaftshans, Engel- Ufer 15, Hof link» 8 Tr., und in nachstehenden Zahlstellen; 44 Ott fr. Scholz, Admiralstraße 40a; Hesel, Barnim- straße 42; Vogel, Demminerstrsße 32; Krauae, Müllers traße 7a; Horscb, Engel-Ufer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann lianimä, Berlin S. 59, Preiligrathstraße 3, Quergeb. IV, Geld- _""----- mm- Mi. Kitnlgm,"" fmUmfmrüvhtim»9 frei 1 Laden Mit Wohn. 87.50 monatlich it. 1 Wohn. JfDttlrtpw lo«,75 B. r- pr. f oder d. Ocstttd JÜ. sendun beide 5 roh an den Kassierer zu senden. Berlin S. 59, Hasen- Her Vorstand. SSSBSSE Raucht 99 Arbeiter I Malillda" Zigarren in 100 ten Zigarrengesohäften zu haben. 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Wer viel Zeit und ein großes Portemonnaie hat, kann diese Zeit voll genießen; für das arbeitende und schaffende Berlin ist das schon schwieriger. Um nur das Nötigste zum Lebensunterhalt zu gewinnen, muß tagaus tagein gefrondet werden. Von der Mietskaserne in die Arbeitskaserne, von 'der Arbcitskaserne in die Mietskaserne ist da die Parole. Dadurch gewinnt das ganze Leben einen kasernenartigen Zuschnitt und der Wunsch, einmal diesen Verhältnissen auf Stunden zu entfliehen, wird um so lebhafter und begreiflicher. Will der Arbeiter diesen Wunsch einmal befriedigen, so bleibt ihm nur der Sonntag oder der Feiertag übrig. Wenn auch mit beschränkten Mitteln, wenn ihn auch die überfüllten Eisenbahncoupees das Vergnügen verbittern, es wird versucht zu ermöglichen, die Großstadt auf kurze Zeit hinter sich zu lassen und im Freien einmal andere Luft zu atmen. Draußen in irgend einem Gartenlokal läßt man sich nieder, um sich auszuruhen und zu erfrischen. Sind es Gesinnungsgenossen, die sich da zusammenfinden, stellt man wohl auch hin und wieder Betrachtungen an über unsere so„herrlich eingerichtete" Weltord- nung, wie da ein Teil der Menschen immer nur arbeiten und auf alle Kulturgenüsse verzichten muß, während ein kleiner Teil im Müßiggang und Ueberfluß dahinlebt, alle Genüsse des Lebens bis zur Neige auskostet, um schließlich übersättigt von dem allen in geradezu wahnsinnigen Luxus und Verschwendung zu verfallen. Bei solchen Gedanken kommt dann manchem in immer steigenden Maße zum Bewußtsein, daß man solchen Zuständen nicht apathisch gegen- überstehen darf, sondern daß für Beseitigung dieser Zustände g e- kämpft werden muß. Immer weitere Kreise müssen mobil ge- macht werden. Durch den Kampf gegen die heutigen gesellschaft- lichen Zustände werden weitere Kämpfer gewonnen. Die Mittel in diesem Kampfe sind verschiedener Art, eins derselben ist die Ver- breitung unserer Ideen durch das Wort. Die mündliche Agita- tion ist eine sehr wertvolle, vor allem dann, wenn sich Gelegenheit bietet vor einem größeren Kreise diese Agitation zu entfalten. Nach dieser Richtung hin erwachsen aber erhebliche Schwierigkeiten. In Berlin haben die Arbeiter weniger damit zu rechnen; anders da- gegen unsere Genossen in den Vororten. Saalverweigerungen im Berein mit polizeilichen Nadelstichen und Schikanen aller Art sind die Mittel, uns in unserem Kampfe zu beeinträchtigen. Inhaber großer Lokale»erweigern fortgesetzt ihre Säle zur Abhaltung von Versammlungen. An vielen Orten steht den Arbeitern nur ein kleines Lokal zur Verfügung, in einigen Orten sind dieselben über- Haupt obdachlos. Die Lokalinhaber nehmen wohl sonst sehr gern das Geld der Arbeiter; wenn es sich aber darum handelt, die Säle zu Versammlungen herzugeben, antworten sie mit einem katego- rischen„Nein". Was nützt uns aber das Recht, uns versammeln zu dürfen, wenn wir keinen Ort haben, das Recht auszuüben? Gar nichts! Es müssen deshalb Mittel und Wege gesucht werden, die- jenigen, die uns freiwillig ihre Säle nicht geben, dazu zu z w i n g e n. lind solche Mittel gibt es. Jede, Arbeiter und Parteigenosse meide streng die Lokale, die für den! Berkehr nicht freigegeben sind. Kein Arbeiter und Parteigenosse sollte einen Ausflug unternehmen, ohne die von der Lokalkommission herausgegebene Lokal- liste bei sich zu tragen. Strenge Beachtung der Liste wird unseren Genossen in den Vororten den Kampf um Versammlungslokale wesentlich erleichtern. Es muß den Saalverweigerern deutlich fühlbar gemacht werden, daß die große Masse der arbeitenden Be- völkerung sich nicht rechtlos machen lassen will. Ganz besonders müssen es sich d i e Vereine, die aus Arbeitern bestehen, zur Ehrenpflicht machen, die Lokalliste streng zu beachten. Ein Arbeiter- verein, der gegen die Lokalliste verstößt, dient seinen, unseren Feinden. Wer uns zu unseren ernsten Beratungen nicht haben will, mag uns auch zum Vergnügen missen. Obendrein ist die strenge Beachtung der Lokalliste nicht einmal ein Opfer. Es gibt genug Lokale, die frei sind und dem Bedürfnis genügen. Die Lokalinhaber, die ihre Säle zu Versammlungen hergeben, haben ohnehin durch Behörden und Polizei genug Plackereien zu erdulden, so daß eine Unterstützung durch Besuch nur recht und billig ist. Hier kann die Berliner Arbeiterschaft viel helfen und, wir hoffen, sie wird helfen, ist doch der Kampf gegen die Saalvcrweigerer in letzter Linie schließlich ein Kampf um das Versammlungsrecht überhaupt. Eine strenge Beachtung der Lokalliste bei Ausflügen wird dazu beitragen, den Boden zu ebnen für eine intensivere Propaganda unserer Ideen in den Vororten. Obdachlos sind die Genossen in Wilmersdorf. Nachdem der .Volksgarten" in Gemeindebesitz übergegangen ist, haben die Wilmers- dorfer Genossen kein Versammlungslokal mehr. Es kommt zunächst der. L u i s e n p a r k"(Inhaber Struß) Wilhelms-Auein Betracht, dessen Lokal trotz mehrmaliger Verhandlungen bis jetzt für die Arbeiterschaft nicht frei ist, außer für Vergnügungen; da dürfen auch die Arbeiter ihr Geld verzehren, aber zu ernsten Beratungen ist ihnen das Lokal verschlossen. Mache also jeder Ar- beiter seine Kollegen, Verwandten und Bekannten darauf auf- merksam, dann muß es unS gelingen, auch am hiesigen Ort ein Lokal zu erringen. In RiederschSneweide steht das Lokal„Barbarossa", Berliner. straße Ub, der Arbeiterschaft wieder zur Verfügung. Weiter sei mitgeteilt, daß der„Berliner Radfahrklub Achilles 1004" im Lokal„Kyffhäuser" an der Oberspree eine sogenannte „Anfahrt-Feier" mit anschließendem großem Ball abhält. De» „Gesangverein der Angestellten des Kabelwerks Oberspree" vcran- staltet im Wirtshaus„Loreleh", Niedcrschöneweide, ein Vergnügen. bestehend in Gesangsvorträgen, Theater und Tanz. Diese beiden Lokale stehen der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung, sind also streng zu meiden._ Zur Lokalliste! Am l. Osterfeicrtag veranstaltet der Athleten- Klub„Birke" im„Palmensaal" ein Vergnügen. Genanntes Lokal steht der Arbeiterschaft n i ch t zur Verfügung, ist daher für organisierte Arbeiter gesperrt. In F ü r st e n w a l d e sind alle größeren Lokale bis auf die Schloßkellerei, im benachbarten Ketschendorf alle Lokale bis auf den Gasthof Weidemann für die organisierte Arbeiter- schaft gesperrt._ Die Lokalkommission. Matineen und Ostervergniigen sind zu den Feiertagen von einer Anzahl Parteiorganisationen arrangiert. Ta das Eintrittsgeld uberall ein sehr minimales ist, so wird auf eigen ättassenbesuch gerechnet. Zum Sonntag, den ersten und Montag, den zweiten Osterfeiertag haben einzelne Organisationen sich großer Säle versichert, in denen diese Matineen stattfinden. Am Sonntag, den l. Feiertag findet eine solche für den 3. Wahlkreis bei Buggenhagen am Moritzplatz(im großen Saal) statt. Der 4. Wahlkreis hat am t. Feiertag zwei Matineen arrangiert. Die Lokale find: Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserstr. 4s. und Kellers Festsäle, Koppenstraße 29. Am Montag, dm 2, Feiertag finden folgende Veranstaltungen statt: 2. Wahlkreis in der Berliner Bockbrauerei(Tempel- hofer Berg). 6. Wahlkreis. Neun Matineen und zwar für die einzelnen Vorstädte: Schönhauser Vorstadt. In den Gesamträumen der Brauerei König st adt, Schönhauser Allee 19. und Fröbels Allerlei-Theater, Schönhauser Allee 148. Oranienburger Vor st adt. Germania-Festsäle (Großer Saal), Chausseestr. 193. Rosenthaler Vor st adt und Gesundbrunnen. Ballschmieders Kastanienwäldchen, Badswaße 16. Bernhard Rose-Theater, Badstr. 68. Schirms F e st- s ä l e, Badstr. 19. Wedding. Feldschlößchen, Müllerstr. 142. Moabit. Moabiter Gesellschaftshaus. Wiclef- straße 24, und Brauerei Patzenhofer, Turmstr. 26—26. Lichtenberg. Montag, den 16. April(2. Osterfeiertag): Große Matinee in Gebr. Arnholds»Schwarzem Adler", Frankfurter Chaussee 8/6. Der Beginn dieser Veranstaltungen ist überall auf 12 Uhr mittags festgesetzt. In Schöneberg veranstaltet der sozialdemokratische Wahlverein am Sonntag, den 13. April(1. Osterfeiertag), in ObstS Fest- s ä l e n, Mciningerstr. 3, sein Ostervergnügen, für das der Anfang auf 6 Uhr festgesetzt ist. Da die Polizei das Vergnügen inhibieren will, weil es den Charakter der Oeffentlichkeit trage, ersuchen wir unsere Mitglieder, sich mit ihren Wahlvereinsbüchern zu versehen. Die aus diese Weise geübte Kontrolle wird hoffentlich den„Charakter der Oeffentlichkeit" ausschließen. Sozialdemokratischer Wahlvercin Bezirk Weißrnsee. Montag, den 16. April(2. Osterfeiertag): Heine- Abend im Schloß Weißensee. Anfang 7>/2 Uhr abends. Charlottenburg. Am 3. Feiertag veranstaltet der Wahlvercin im Volkshaus, Rosiuenstr. 3, einen Unterhaltungsabend(Lichtbilder- Vorträge und Musik). Kassenöffnung 6 Uhr, Anfang 7 Uhr abends. Billetts a 39 Pf. sind in allen mit Plakaten versehenen Lokalen, sowie abends an der Kasse zu haben. Nach der Vorstellung Tanz. Recht zahlreiches Erscheinen, auch von Gästen, erwartet Der Vorstand. Friedenau. Dienstag, den 17. April abends 8% Uhr Mitgliederversammlung bei Grube. Kaiser-Allee. 1. Vortrag, 2. Ab- rechnung. 3. Maiseier. 4. Vereinsangelegenheiten. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Tegel. Die nächste Mitgliederversammlung des sozialdemo- kratischen Wahlvereins findet am Dienstag, den 17. April, abends 8'/» Uhr, bei Robert Schmidt, Schlieperstr. 64, statt. Genosse Ad. Stoermer referiert über:„Warum mutz sich das Proletariat organisieren!" Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersticht Der Vorstand. Spandau. Heute mittag II'/* Uhr spricht Schriftsteller A. Stern« Berlin im Lokal von Böhle, Neumeiftcrstr. 6, über das Thema: Die Auferstehung der Natur. Zehlcndorf. Die Versammlung des Wahlvereins findet der Feiertage wegen nicht am Dienstag, den 17. d. M., sondern erst eine Woche später, am Dienstag, den 24. April, statt. Der Vorstand. Grüna». Die am Dienstag, den 17. April, fällige WablvereinS- Versammlung findet an diesem Tage nicht statt, sonvern am Dienstag, den 24. April, abends 6ll2 Uhr, in der„Grünen Ecke". Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Die Generalversammlung des Wahl- Vereins findet wegen der Feiertage am Dienstag, den 24. April, in Speers Festsälen statt. Alles Nähere wird noch bekanntgegeben. Der Vorstand. Schmargendorf. Am 2. Feiertag, vormittags 19 Uhr, findet im Restaurant„Sanssouci" eine Moraensprache statt. Sämtliche Ge- nassen sind ersucht, pünktlich zu erscheinen.- Der Vorstand. Frauzöfisch-Buchholz. Am Dienstag, den 17. April er., findet in Kahnes Festsälen die regelmäßige Monotssitzung der Buch- holzer Genoffen statt. Tagesordnung: 1. Unsere Wahl und ihr Erfolg für unsere Bewegung. 2. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Zahlreiches Erscheinen der Parteigenossen erwartet Der Vorstand. berliner I�ackmdnen. Ostern. Auferstehungsfest! Der Osterglocken feierlicher Klang schwebt von hundert Türmen über das Häusermeer' hin: Hinein, in die Gotteshäuser hinein, in die Kirchen! Zehntausende hören den Ruf. Hunderttausenden dringt die Mahnung ans Ohr. Und Zehntausende, Hunderttausende ziehen hinaus in Feld und Wald, den jungen Frühling zu grüßen. Hinaus, ins Freie hinaus und ins Weite! Das ist alte Sitte und herkömmlicher Brauch für den Ostersonntag, wenn er zum hellen, sonnigen Frühlingstag wird. Auferstehungsfest I Frühlingsfest I! Die Priester der christlichen Kirche haben dem alten Osterfest unserer heidni- sehen Vorfahren einen neuen Inhalt zu geben sich bemüht. Wars wirklich ein neuer Inhalt? Oder war es nur eine neue Hülle, unter der sie alten Kern zu verbergen suchten? Wie vor Zeiten die Hülle des Heidenwahncs zerfiel, so sieht unsere Zeit die Hülle des Christenglaubens zerfallen. Und deutlicher als je tritt der alte Kern hervor, deir keine Kirche und kein Priestertum zerstören konnte. Wir lassen sie zerren an ihren Glocken, wir lassen sie rufen und mahnen: Hinein in die Kirchen, ins Enge hinein, ins Dumpfe und Dunkle! Uns treibt es hinaus, ins Freie hinaus, ins Weite und Lichte. Möchte der heutige Ostersonntag halten, was die letzte Woche mit ihrem lachenden Sonnenschein uns versprach! Möchte er den Hnnderttausenden, die empfinden wie wir. zu einer echten und rechten Frühlingsfeier werden! Ausbeutung armer Zigeuner. Verwundert mag mancher Berliner um sich blicken, wenn er aus einer weit entfernten Stadtgegend jetzt nach dem Norden Berlins, etwa nach der Koloniestratze, hinaus kommt. Ein fremd- artiger Volksthpus fällt ihm überall auf, und er fragt sich vielleicht, ob cr noch in Berlin oder plötzlich nach Ungarn verschlagen sei. Barfüßige braune Kinder, dürftig bekleidet, spielen auf der Straße nsd auf Imsa Llmstelikn lsstjg»Ijtejimndkr, aber dem Fremden gegenüber sind sie scheu und zurückhaltend; Männer und Frauen mit dem Typus des Südländers hocken beieinander in der Nähe ihrer Wohnungen, darunter manches hübsche glutäugige Mädchen, eine kurze Tonpfeife im Munde, aus der es behaglich schmaucht. Die Jugend nimmt das Leben noch leicht, aber die Alten machen meistens sorgenvolle Gesichter. Es sind Zigeuner, die sich hier zahlreich angesiedelt haben. Be« kanntlich ist ihnen das beliebte Ilmherziehen mit Wagen von Ort zu Ort polizeilich verboten worden; sie müssen jetzt einen festen Wohn- sitz haben. Da draußen in der Koloniestraße gibt es noch manches alte, elende Haus, welches den Zigeunern für teueres Geld vermietet wird. Selbst der ärmste Berliner würde vor diesen Löchern zurückscheuen, die den Zigeunern angeboten wurden. Für dieses arme, gehetzte, ausgestoßene und überall verachtete Volk ist es nicht leicht, ein Unterkommen zu finden, und sie nahmen, was ihnen geboten wurde. Wenn man nun hört, daß diese armen Leute noch schmählich hintergangen werden, indem Zwischenagenten sich durch ihre Not bereichern, so kann man sich der Entrüstung über solche Ausbeutung nicht erwehren. In dem Hause Koloniestrahe 97, ein ganz elendes altes Gemäuer, wohnen in etwa fünf Räumen drei Zigeunerfamilien. Zwei haben je sechs Kinder, und eine Familie hat vier Kinder. Für zwei kleine Räume, stallähnlich, zu ebener Erde, aber genannt„Stube und Küche", mußte der eine Familienvater 29 M. pro Monat voraus bezahlen. Der zweite Familienvater muß 19 M. im voraus bezahlen, und der dritte hatte nicht mehr wie fünf Mark, die er bezahlen und dabei feierlich versprechen mußte, daß er den Rest der Miete nachbezahlt. Sämtliche Räume verdienen nicht die Bezeichnung einer menschlichen Wohnung. Das Geld wurde den Leuten von einem Agenten Henkel abgenommen, der sich nicht wieder sehen ließ. Ein Vertreter der Firma Schwerdtfeger u. Hamburger, die neben vielen anderen Grundstücken in der Koloniestratze auch das Nr. 97 besitzt, verlangte bald darauf Räumung des Hauses unter der Begründung, daß das Haus anderweitig vermietet sei und bauliche Veränderungen vor- genommen werden müßten. In der rücksichtslosesten Weise begann er die gemieteten Wohnungen zu zerstören, und die Zigeuner sind machtlos und rechtlos gegenüber dieser Willkür. Mit Müh und Rot erlangten die Leute einen Aufschub bis Montag, den zweiten Ostcr- feicrtag. Die Polizei selbst erklärte, wie die Zigeuner dankbar bezeugen, daß man die Leute nicht plötzlich obdachlos machen dürfe, nachdem sie doch ihre Miete bezahlt haben. Noch wissen sie nicht, wohin sie sich wenden sollen; sie haben kein Geld, keine Möbel, und sie verdienen sich ihren Lebensunterhalt, indem sie als Musikanten durch die Gastwirtschaften ziehen. Wenn dann die Kinder gclegent- lich betteln gehen, braucht man sich nicht zu wundern, denn sechs Kinder in einer Familie wollen auch essen und satt werden. Das Dasein wird den Zigeunern doppelt schwer gemacht; sie leiden nie! k nur unter ihrer Armut, sondern auch noch unter dem Mißtrauen und der Geringschätzung, womit man ihnen überall begegnet; sie gelten als vogelfrei, und wenn ihnen ein Unrecht geschieht, wird nicht viel Aufhebens davon gemacht. Es sind ja nur Zigeuner! Der Gcbührentarif für die Benutzung der öffentlichen Schlacht- Häuser und für die Untersuchung des Schlachtviehes auf dem hiesigen städtischen Schlachthose, wie er durch den Gemeindebeschluß vom 19. /23. März 1993 festgesetzt worden ivar, ist auf Antrag des Ma- gistrats von der Stadtverordnetenversammlung dahin abgeändert worden, daß seit 1. April d. I. für ein Schwein zu zahlen sind: a n Schlachtgebühr 1,25 M., an Untersuchungsgebühr 1.96 M. � Die Fachschule für Tapezierer befindet sich jetzt in den Schul- räumen der früheren 1. Gemeindeschulc, Linienstraße 162(dicht am Koppenplatz). Der Unterricht für das bevorstehende Sommer- semester beginnt am M i t t w o ch, den 18. April, abends 6 Uhr, An diesem Tage, von 6 bis 9 Uhr abends, haben sich die neu aufzu- nehmenden Schüler bei dem Dirigenten der Schule, Herrn Mauer, zur Einschulung anzumelden. Das Schulgeld ist bei öcr Aufnahme zu entrichten und beträgt für Lehrlinge 2 Mark, für Gehülfen 19 Mark für das Semester. Eine neue Rettungsstation für Berliner Sonntagsausflügler hat die Gesellschaft freiwilliger Krankenpfleger vom Roten Kreuz auf dem Kaiser Wilhelmsturm in der Nähe von Lindwerder errichtet und am Karfreitag zum erstenmal in Wirksamkeit treten lassen. Auf der Plattform des hohen Aussichtsturmes ist von jetzt an während der warmen Jahreszeit an jedem Sonntag ein Samariter stationiert, der von hier aus das ganze Havelgebiet zwischen Potsdam und Spandau überschauen kann und so auf schnellstem Wege von den gerade hier recht häufigen Unglücksfällen auf dem Wasser Kenntnis erhält. In solchen Fäl�n werden dann sofort die unten im Turn:- gebäude untergebrachte� beiden anderen Pfleger der Station zur Unglücksstelle gesandt. Die Station ist mit allen nottvendigen Gegen- ständen für die erste Hülfe in Unglücksfällen versehen. Die erste derartige Unfallstation ist schon seit einiger Zeit bei Schildhorn tätig._ Einrichtungen des neuen Kriminalgcrichts. Die technischen Einrichtungen in dem neuen K r i m i n a l g e r i ch t Ng e b ä u d c zeigen alle Errungenschaften der modernen Technik in den verschiedensten Formen und An- ordnungcn. Die Heizung ist ebenso wie im alten Gebäude, Dampfheizung. Zwischen der Küche und der Waschanstalt des Untersuchungsgefängnisses und dem Neubau in der Rathenowerstraße liegt das mächtige Kesselhaus, in dem fünf Cyklop-Flammenrohrkessel von je 120 Quadratmetern Heizfläche aufgestellt sind. Diese erzeugen den für die Heizung erforderlichen Dampf. Die Ventilations- e i n r i ch t u n g e n stehen ebenfalls auf der Höhe der Zeit. Es sind nicht weniger als zwölf Exhmfftoren misgestellt, die elektrisch betrieben werden und die schlechte Lust durch Kanäle, welche bis in die einzelnen Sitzungssäle führen, absaugen. Zugleich sind mehrere elektrisch betriebene Kompressoren aufgestellt, welche frische Lust, die im Sommer erst durch eine besondere Kühlanlage geleitet wird. in die Räume führen. Selbst ein eigenes Wasserwerk ist für das neue Kriminalgericht vorhanten. Aus zwei Tiefbrunnen von 35 und 28 Metern Tiefe wird das durch chemische Untersuchungen für ausgezeichnet erklärte Wasser zur Oberfläche gebracht, von wo es durch zwei weitere elektrische Pumpen in das 169 Kubikmeter haltend« Reservoir befördert wird, tvelches in der Rundkuppel des Gebäudes a» der Ecke der Turmstraße untergebracht ist. Von diesem aus soll auch das alte Gebäude, welches vorläufig noch an die städtischen Wasserwerke angeschlossen ist, nach erfolgtem Umbau mit Waffer ver- sehen werden. Für die Bequenilichkeit des Publikums und auch der Beamten sorgen zahlreiche elektrische Aufzüge. In dem Saalbau befindet sich ein großer Pcrsonenlift für das Publikum, ferner sind zwei Lastauszüge und sechs Aktenaufzüge vorhanden.— Hinter dem Kesselhaus befindet sich die c l e k t r i s ch e Zentrale. Auch in dieser kommen verschiedene Erfindungen der Neuzeit zur Gel- tung. Es sind zivci mächtige Zwcizylindcr-Wärmmotore, sogen. „Diesel-Motorc" von je 149 effekt. Pferdekräfteu aufgestellt. Mit den beiden Motoren sind zwei Siemcns-Schuckert-GIdchstrom- dynamos direkt gekuppelt, die einen Strom von 229 Volt liefern. Eine große Akkumulatorenbatterie, lvclche von den Dynamos ge- speist wird, speichert den für die Beleuchtung der Säle, des Unter- suchungsgcfängnisscs II und den Betrieb der verschiedenen Motore erforderlichen Strom auf. Die Dieselmotore selbst werden mit einer überaus billigen Betriebskraft betrieben, nämlich mit den bei der Petroleumrafsinerie erhaltenen öligen Rückständen, ungereinigtem Paraffinöl. Nach dem Umbau soll auch das alte Kriminalgericht und die in diesem liegenden Teile des Untersuchungsgefängnisses elektrisch beleuchtet werden. Auch die Schwachstromtechnik hat durch Anlage von zahlreichen Läutewerken, Telephonen und elektrischen Uhren die ihr gebührende Achtung gefunden. Für die Anwälte ist es ein großer Portal, daß guj den Korridoren Telephone mge» frffcfji ftnS, We mit Sem AnMlltAzMmsr in Verbindung stehen und durch die sie rechtzeitig von dem Beginn der sie betreffenden Sache verständigt werden können. Die große Glocke auf dem„grünen Tisch" wird ebenfalls verschwinden, da sie von elektrischen Läute- werken verdrängt worden ist. In jedem Sitzungszimmer befindet sich ferner eine elektrisch von der Zentrale aus regulierte Uhr— kurzum, es handelt sich um eine große Reihe der vorzüglichsten tech- nischen Einrichtungen, die aber schwerlich die Lust, in diesen modernen Räumen als Angeklagter, Zeuge oder Sachverständiger aufzutreten, wesentlich erhöhen werden.— Nicht genügende Rücksicht ist auf die Zeugenräume und auf die Presse genommen. Ebenso bleiben die Unfallverhütungsvorkehrungen gegen Unfälle im Moabiter Recht- sprechungsbetrieb außerordentlich mangelhaft. Freilich trägt hieran nicht der Baumeister Schuld. Bei dem großen Brande von„Jakobshos" in der Alten Jakob- straße 24 sind zwei Feuermänner nachträglich erkrankt. Beide haben Rauchvergifrungen erlitten. Einer von ihnen wurde infolge des großen Qualmes im Keller ohnmächtig und der andere erst später auf der Wache._ Ein Rauvmordversuch ist gestern früh gegen 8 Uhr an der am Zionskirchplatz 15 wohnenden Trödlerin Ehrhardt verübt worden. Um diese Zeit erschienen zwei Männer und ließen sich Möbel zum Kaufe vorzeigen. Sie ent- fernten sich mit dem Bemerken, noch ihre Frauen holen zu wollen. Nach etwa% Stunde kehrte der eine von ihnen jetzt in Begleitung eine? anderen Mannes zurück. Sie besichtigten nochmals die Möbel und überfielen plötzlich in einem Nebenraum des Kellers die Händlerin, welche sie würgten, mit einem stumpfen Werkzeug auf den Kopf schlugen und mit einem ledernen Riemen an den Händen fesselten. Sie raubten der bewußtlos gewordenen Händlerin darauf aus einer Ledertasche, welche sie am Gürtel trug, 53 M. in Silber- geld, rissen die Fessel loS und ergriffen die Flucht. Die Ueberfallene hat eine Schädelverletzung auf der linken Seite und erhebliche Schwellungen im Gesicht davongetragen. In einem Krankenwagen wurde die Wjährige Frau nach einem Krankenhause gebracht. Die Täter werden beschrieben: 1. großer Mann, Ende der zwanziger Jahre, mit blondem Schnurrbart, graumeliertem Anzug und sdstöarzem steifen Hut. 2, Mann Anfang der zwanziger Jahre, mittlerer Figur, von jüdischem Aussehen mit schwarzem Schnurr- bart, Kneifer, schwarzem Anzug und schwarzem weichen Hut. Der Begleiter des einen der Täter bei dem ersten Besuche war 25 bis 30 Jahre alt. klein, untersetzt, trug blonden Schnurrbart, Arbeiter- anzug und schwarzen, steifen, abgetragenen Hut. Der Polizeipräsident hat 1000 M. Belohnung ausgesetzt für Per- sonen, die die polizeilichen Ermittelungen durch geeignete Angaben fördern. Nachträglich wird gemeldet, daß verschiedene Verhaftungen er« folgt seien, die sich aber nicht aufrecht erhalten ließen. Die Kriminal- Polizei hat in dem Ladenleller der Trödlerin Erhard von den Blut- spuren usw. photographische Aufnahmen herstellen lassen, um dadurch in den Besitz von Fußspuren der Täter zu kommen. Zweifellos sind die beiden Raubgesellen während des Kampfes niit ihrem Opfer mit Blut besudelt worden. Wie gewaltsam die Burschen vorgegangen sind, geht daraus hervor, daß sie die Geldtasche, welche verschlossen war, obne weiteres mit dem Messer aufschnitten. In dem Be- finden der Pattentin ist im Laufe deS Tages eine Besserung ein- getreten.__ Einen ergiebigen Raubzug hat in der gestrigen Nacht eine Ein- brecherbande in Tegel unternommen. Zunächst drang sie in die Villa deS Kaufmanns Max Vogel in Berlin, die in Teael-Ost gelegen ist. Herr V. hatte mit seiner Frau eine Reise nach Italien angetreten und währenddes blieb die Villa unbewohnt. AIS die Besitzer gestern wieder heimkehrten, wurde ihnen eine recht unangenehme Ueber- raschung zuteil. Alle Türen, Schränke usw. waren gewaltsam auf- gebrochen und ausgeplündert. Wäsche, Wirtschaftsgegenstände, Schmuckstücke im Werte von etwa 2000 M. hatten die Diebe ge- stöhlen. Selbst zwei Revolver ließen sie nicht unvcrschont. Außer- dem raubten die Einbrecher noch die Villen des Baumeisters Fritz Schmidt aus Charlottenburg und des Schlächtermeisters Kühl aus Berlin auS. Sie verschafften sich dadurch Eingang in die Zimmer, daß sie mit einer Lochsäge die Türfüllungen herausschnitten. Die Täter konnten um so ungestörter„arbeiten", als die Villen isoliert am Waldrand liegen. Große» Aufsehen erregte am Sonnabendvormittag am Halle- schen Tore die Sistierung eines StraßenreinigerS. Der Mann hatte mit einem Radfahrer eine Karambolage gehabt und der Radler holte einen Schutzmann, um den Straßenrcinigcr festzustellen. Da der letztere schwer betrunken war, muß er wohl nach Ansicht des herum- stehenden Publikums die Aufforderung, nach der Wache zu kommen, nicht verstanden haben, als der Schutzmann den Mann in einer Weise behandelte, die bei dem Publikum heftige Aeußerungen der Ew- pörung hervorrief. Das wurde auch nicht besser, als ein berittener Schutzmann kam und den Mann mit den Worten:„Gebt ihn mir her", zwischen die Zügel nahm, die Hand mit dem Lederriemen fest- geklemmt. Wegen einer Kleinigkeit solche Mittel anzuwenden bei einem Manne, der schwer betrunken ist, wollte niemandem so recht einleuchten und mancher meinte. Hennig sei anders behandelt worden. Einen Gautag für die Provinz Brandenburg hält der Arveiter- Radfahrerbund„Solidarität" heute In Peters Festsälen in der Wiclefstraße ab. Der Gau umfaßt zur Zeit 172 Vereine mit 6000 Mitgliedern._ Sieben Arbeiter bei einem Gerüsteinsturz verunglückt. Der Neubau der städttschen Irrenanstalt in Buch scheint ein UnglückSvau zu sein. Erst vor einiger Zeit berichteten wir über eine schwere Katastrophe, die sich dort zugetragen und bei der mehrere Arbeiter erheblich verletzt wurden. Gestern vormittag hat sich wiederum auf dem Neubau ein schweres Unglück ereignet. ES brach ein Gerüst ein, wobei sechs Arbeiter leichter und einer schwer verletzt wurde. Die Leute waren mit dem Tragen und Verarbeiten von Zement beschäftigt und anscheinend infolge allzugroßer Belastung stürzte plötzlich ein Teil deS Gerüstes ein und riß sieben Arbeiter mit in die Tiefe hinab. Sechs der Verunglückten vermochten sich von selbst aus den Trümmern heraus zu befreien. Sie waren glücklicherweise mit leichteren äußeren Quetschungen und Verletzungen davongekommen. Dagegen hatte der 30 jährige Zementarbeiter Antilo Maraldo, Nollendorffstr. 24 wohnhast, so schwere Verletzungen erlitten, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Dem Be- dauernSwerten war der Schädel gebrochen und außerdem war er innerlich verletzt. Er wurde nach dem Krankenhaus am Friedrichs- Hain gebracht._ Ein KindeSmord ist an der Landsberger Chaussee entdeckt worden. Auf dem Grundstück Nr. 51 fand ein Polizeibeamter unter einer Fußgängerbrücke verborgen ein Paket, das die Leiche eines neugeborenen Kindes männlichen Geschlechts enthielt. Der Hals des toten Säuglings war mit einer Zuckerschnur so fest zusammen- geschnürt, daß sie tief in das Fleisch eingedrungen war. Im Mund stak ein Tuchknebel. Das Kind ist demnach gewaltsam getötet worden. Das Paket mit der Leiche stand in einem Kartondeckel, auf dessen Außenseite die Zahl 236 eingedruckt ist. Von der Kindesmörderin fehlt bisher-ede Spur. Den Gipfel des Leichtsinn? stellt ein Unglücksfall dar, welcher sich in vergangener Nacht im Straßenbahnbetriebe ereignet hat. Die 27 jährige Verkäuferin Helene S.. die in allernächster Zeit einem freudigen Ereignis entgegensehen sollte, befand sich auf dem Straßenbahnwagen Nr. 2713 der Linie 73 und sprang trotz aus- drücklichster Warnung des Schaffners an der Ecke der Augsburger- »MZ ßanltäiafc wehrend der Fahrt ab. Sie kam dabei zu Fall und erlitt schwere innere Blutungen. In der FrSUKiklinik, tsso män die Unvorsichtige hinbrachte, schentte sie bald nach ihrer Einlieferung einem Kinde das Leben. Zugentgleisung auf der Stadtbahn. Eine große Betriebs- störung auf der Stadtbahn wurde gestern, Sonnabend nachmittag, durch die Entgleisung eines StadtbahnzugcS herbeigeführt. Als der um Vid Uhr auf Bahnhof Charlottenburg fällige, vom Schlefifchen Bahnhof kommende Südring-Zug unmittelbar vor der Einfahrt zur Station Charlottenbnrg die dort liegende Zungenweiche passierte, setzte der hinter der Maschine 1060 befindliche Personenwagen dritter Klasse an der Weichenzunge auf und sprang aus den Schienen, die Maschine und den nachfolgenden Personenwagen mitreißend. Der übrige Teil blieb auf dem Gleise stehen. Die Maschine fuhr noch eine kurze Strecke über die Weiche weg, bohrte sich mit den linken Achsen tief in den Boden ein und legte sich halb auf die Seite. Auch die Achsen der Personenwagen wühlten das Erdreich auf und lagerten mit den Kästen derartig auf dem Bahnkörper, daß die Freilegung der Schienen Schwierigkeiten verursachte. Der Zug war außer- ordentlich stark besetzt, so daß Hunderte von Personen in den Waggons standen, die durch die heftige Erschütterung durcheinander- geschleudert wurden. Trotzdem sind, soweit bekannt, Passagiere nicht verletzt worden. Auch das Zugpersonal kam ohne Verletzungen da- von. Der Bahnunfall hat eine ganz gewaltige Berkehrssiörung her- vorgerufen, die um so empfindlicher war, als aus Anlaß des Oster- festes ein verstärkter Betrieb herrschte. Im wissenschaftliche» Theater der Urania wird der Vortrag: „Am Golf von Neapel", welcher die gegenwärtig durch die Kata- strophen am Vesuv im Vordergrund des Interesses stehenden Ge- biete an der Hand zahlreicher farbiger Bilder und Wandelpanoramen zur Darstellung bringt, am Sonntag, Montag, Mittwoch, Donners- tag und Sonnabend wiederholt. Dienstag und Freitag wird der Vortrag:„Aus dem Innern Ostafrikas" gehalten; außerdem finden in dieser Woche, wegen der Schulferien, ebenfalls NachmittagSvor- stellungen zu kleinen Preisen statt, und zwar wird am Dienstag und Donnerstag der Vortrag:„Im Lande der Mitternachtssonne" und am Mittwoch und Sonnabend der Vortrag: Tierleben in der Wild- nis" zur Wiederholung gelangen. Die Direktion der Treptow-Sternwarte hat für den 1. O st e r. feiertag, Sonntag, den 15. April, die Einrichtung getroffen, daß jeder Erwachsene das Recht hat, einen Schüler oder eine Schülerin frei einzuführen. Auch werden die Vorträge, die Herr Direktor Archcnhold um 5 Uhr(„Im Reiche der Unendlich- keit") und um 7 Uhr(„Die Sternbilder mit praktischen liebungen") auf der Treptow-Sternwarte hält, dem Verständnis der Schüler angepaßt sein. Das Thema für die Vorträge am 2. O st e r- feiertag lautet:„Die Bewohnbarkeit der Welten." Mit dem großen Fernrohr werden während der ganzen Woche von 2— 6% Uhr VenuS oder Sonne, von 6%— 8 Uhr Jupiter und von 3— 12 Uhr interessante Doppeissterne beobachtet. In Castans Panoptikum nahen die letzten Aufenthaltstage der Abessinier heran. In der letzten Woche haben eine. Anzahl Schulen das interessante Bergvolk besucht. Feurrwehrtcricht. Infolge der zunehmenden Wärme hat auch die Feuerwehr viel zu tun. Die Alarmicrungen waren am Kar- freitag wieder sehr zahlreich. In der letzten Nacht gegen 4 Uhr stand ein Schuppen in der Jungfernhcide in Flammen. Von der Müller- straße aus mußte der 16. Zug ein« lange Schlauchleitung legen, um das Feuer zu löschen. In der Koppenstraße 76 hatte der 7. Zug längere Zeit zu tun. Dort brannten Preßkohlen, Kisten u. a. im Keller. Wegen der vollständigen Verqualmung, die sich im ganzen Hause bemerkbar machte, wurde ein Rohrführer mit einem Giers- bcrgschen Rettungsapparat ausgerüstet bis zum Brandherd borge- schickt. Diesem gelang es durch kräftiges Wassergeben, die Flammen zu löschen. Auch in'der Kaiser Wilhelmstraße 32, wo ein Neubau brannte, mußte die Wehr tüchtig spritzen, um des FeuerS Herr zu werden.— Naphthalinpapier u.a. brannte gestern früh in der Trcs- kowstraße 9, Teer u. a. auf dem Dache Swincmünderstraße 43. Kohlen auf dem Lagerplatz in der Badstraße 61a, Sägespäne usw. auf dem Hofe Adalbertstraße 92, Möbel, Gardinen u. a. in der Rostockerstraßc 15, Wiesenstraße 27 und an anderen Stellen. Keller- brände beschäftigten die Feuerwehr in der Schlvcdterstraße 50, Thaerstraße 23 und an anderen Orten. Grober Unfug lag einer Feuermeldung aus der Demminerstraße 25 zugrunde. Außerdem hatte die Wehr in der Stettinerstraße övd, GreifSwalderstraße 47, Revalerstraße 11, Madaistraße 7, Kleine Frankfurterstraße 10 und an anderen Stellen zu tun. Strafiensperrung. Die Rungestraße östlich der Brückenstraße wird behufs Umpflasterung vom 17. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Vorort- l�ackrickteu. Die Organisationen unserer Bororte magschleren. Unaufhaltsam geht eS in unseren Nachbarorten vorwärts. Während sich die Reihen unserer Gegner lichten, schließen sich die Organisationen deZ Proletariats fester und dichter zusammen. Fast keine Versammlung ohne die erfreuliche Mitteilung von einer nennenswerten Zunahme der politischen Organisation. So wußte der Vorsitzende in der letzten Generalversammlung des Spandauer Wahlvereins zu berichten, daß in dem vergangenen Quartal die Organisation um III M i t g l i e d e r zugenommen hat. In Köpenick hat die letzte so bewegte Zeit dem Wahlverein 182 neue Kämpfer zugeführt. Der Generalversammlungsbericht Rummels- burgs weist eine Zunahme von 126 Mitgliedern auf. In Adlershof sind in letzter Zeit 39 Genossen der Organisation beigetreten, in WaidmannSlust in der letzten Versammlung 22 und in Mariendorf 16. TaS sind Resultate, wie sie nur die Kulturbewcgung des Prole- tariats aufweisen kann. Immer mehr erblickt die Arbeiterschaft in den Organisationen den mächtigen Schutzwall, hinter den sie sich in den grandiosen Kämpfen zum Angriff und zur Abwehr stellt. In dem Anschwellen unserer Organisation ist eine viel intensivere Werbung neuer Anhänger für den Sozialismus verbürgt. Deshalb muß die Parole lauten: Hinein in die Organisation! Charlottenburg. Unter einem Bretterhaufen förmlich begraben wurde gestern morgen in der Mommsenstraße in Charlottenburg ein neunjähriger Knabe. Derselbe hatte sich beim Spielen auf dem Fahrdamm an einen Brctterwagen einer Charlottenburger Schneidemühle an- gehängt. Plötzlich riß die hintere Spannkette deS Wagens und begrub den Knaben unter den zusammenstürzenden Brettern. Wie durch ein Wunder gerettet, holte man den am ganzen Leibe zitternden Knaben unversehrt unter dem Haufen hervor. Zehlendorf. Bor einiger Zeit berichteten wir über die tödliche Verunglückung des Bauarbeiters Erbgut und die haarsträubende Tatsach«, daß die Witwe des Verstorbenen erst 18 Tage nach der Auffindung seiner Leiche und 14 Tage nach deren Beerdigung von dem schweren sie betroffenen Unglück benachrichtigt wurde, obwohl sie nicht nur das Ver- schwinden ihres Mannes sofort gemeldet, sondern der Tote die besten Legitimationspapiere bei sich geführt hatte! Die Witwe hat daraufhin eine Beschwerde an den Landrat eingereicht und Ende März von diesem den Bescheid darauf erhalten. lieber den Inhalt dieses Bescheides erfahren wir nun soviel, daß alle von uns seinerzeit mitgeteilten Tatsachen von dem Landrat Stubenrauch als tatsächlich vorliegend an- erkannt und der ganze Vorgang von ihm nttt lebhaften Worten deS Bedauerns zugestanden worden ist. Nur in einem Punkte liegt die Wirklichkeit noch krasser als wir berichleten: obwohl die Todes- Ursache auch von dem Charlottenburger GerichtSarzte nicht hat fest« gestellt werden können(aller Wahrscheinlichkeit ist der schon vorher herzkranke Mann am Herzschlag gestorben), ist er doch ohne weiteresaufdemSelbstmörderfriedhofinSchild- Horn beerdigt worden. Wie der Landrat schreibt, trifft dte ganze Schuld allein das Polizeiamt Forsthaus Grunewald, nicht auch das Polizeiamt Zehlendorf. In ihrem Beschwerdeschreibcn hatte die Witwe Erbgut auch die Bestrafung des oder der Schuldigen verlangt. Auch in dieser Be- ziehung ist ihrem Verlangen laut Schreibens des Landrats wenigstens insofern entsprochen worden, als der Bureanangestellte, der den Fall Erbgut zu bearbeiten hatte und der am Tage nach der Auf- findung der Leiche von seinem Amtsvorsieher den Aufwog erhalten habe,„alles Sachdienliche zu ver- anlassen". aber gerade das Wichtigste, die Benachrichtigung der Witwe Erbgut unterlassen habe, aus seinem Amte entfernt worden sei. Unseres Erachtens gibt es aber noch einen zweiten Schuldigen, der noch viel mehr eine Bestrafung wie sein Angestellter verdient hätte, nämlich der Amtsvorsteher deS Forsthauses Grunewald. DaS geht aufs beut- lichste aus dem Wortlaut deS landrätlichen Schreibens hervor. Darin heißt es nämlich: „Daß die Leiche Ihres Mannes Sonntag, den 18. Februar, nachmittags gegen 5 Uhr, in der Oberförsterei Grunewald von Spaziergängern gefunden wurde, und daß der benachrichtigte Amlsvorsteher im ForsthauS Grunewald die Leiche etwa 1>/z Stunden später untersuch: hat. Der Fund ist dem Amtsgericht Charlottenburg sofort gemeldet worden... Bei Untersuchung der Leiche hatte der Herr AmtSvor- st eher die Papiere Ihres Mannes an sich genommen und hat diese am Montag früh, kurz ehe er zu einem Holzverkaufstermine in gehlen- d o r f(!), der bis zum Abend dauerte, fortging, in seinem Bureau einen Bureaugehülsen abgegeben, mit dem Austrage, die Sache wie üblich zu bearbeiten, insbesondere die Ermitte- lung der Personalien zu bewirken..." Daraus geht die persönliche Mitschuld dcS Amtsvorstehers hervor. Er hätte bereits am Sonntagabend zu derselbenZeit, wie das Amtsgericht in Charlottenburg, so auch die Angehörigen deS Toten benachrichtigen müssen: ein einziger Blick auf die Jnvalidenkarte desselben hätte dazu genügt. Unterließ er das aber, so war eS. wenn nicht seine amtliche, so doch seine s e l b st- verständliche menschliche Pflicht, am Tage darauf, den er gänzlich in Zehlendorf verbrachte, die in Zehlendorf wohnende Witwe zu benachrichtigen. Auch der Auftrag, den er am Montagmorgen seinem Gehüljen gab. „die Ermittelung der Personalien zu bewrrken" beweist die Fahrlässigkeit, deren er sich in diesem Falle schuldig gemacht hat: denn es war überhaupt nichts in bezug auf Per- sonalien zu ermitteln. Indem er einen solchen Auftrag gab, bewies er, daß er die Papiere des Toten bei dessen ersten Inspektion gar nicht eingesehen haben kann. Während nun aber der schuldige Bureaugehülfe seines Amtes entsetzt worden ist, hat zu derselben Zeit sein Vorgesetzter eine sehr stattliche Beförderung erfahren: im„Zehlendorfer Anzeiger" vom 10. April d. I. stand nämlich zu lesen, daß „zum Oberförster ernannt ist der F o r st a s s e s s o r Hillenkamp auf Oberförsterei Grunewald". Erkundigungen, die wir in der Redaktion deS genannten Blattes einzogen, ergaben, daß dieser Forstassessor. Herr Hillenkamp, der bisherige AmtSvor ft eher gewesen ist. So endet der traurige Fall deS preußischen Pro- letarierS Erbgut überdie Maßen charakteristisch: der Bureaugehülfe wird entlassen, sein Bor- gesetzter befördert. Es lebe Preußen I Schmargendorf. Ein Bauunfall, der auf mangelhafte Rüstung zurück« geführt wird, ereignete sich gestern stiih 7 Uhr auf dem in der Cunostraße befindlichen Neubau deS Schlossermeisters Franz Hebold. Der dort beschäftigte Putzerträger H. Schmidt stürzte von der dritten Etage des Gerüstes auf die Straße und zog sich schwere äußerliche und innerliche Verletzungen zu. Wie uns mitgeteilt wird, ist die Baukommission der Berufsgenossenschaft Sektion I vor kurzer Zeit wegen der mangelhaften Ausführung der Baurüstung vorstellig geworden. Es erscheint einem nachgerade unverständlich, daß trotz- dem ein Unfall passieren konnte, der ein Menschenleben zugrunde richtet. Hohen- Schönhausen. Tausend Mark im Müllkasten gefunden. Ein wertvoller Fund ist in Hoben-Schönhausen von einem Schulknaben gemacht worden. Beim Spielen auf dem Hofe des Grundstücks Berlinerstt. 97 ent- deckte der Schüler Max Sager in einem Müllkasten einen Geldbeutel. welcher 273,43 M. in Gold-, Silber- und Kupfermünzen sowie ein Kuvert mit acht„blauen Lappen" entbleit. Aus Grund der auf dem Kuvert befindlichen Adresse konnte der Verlierer des wertvollen Geld- beutels in der Person des SteinmetzmeisterS Hahn aus Hohen-Schön- Hausen ermittelt werden. Eine den bürgerlichen Gemeindevertretern gerade nicht Ehre machende Auseinandersetzung ereignete sich in der letzten Gemeinde- vcrtretersitzung. Unsere Genossen hatten gegen die Wahl der bürgerlichen Vertreter Protest eingelegt und beriefen sich auf A 56 der Landgcmeindeordnung, wonach die Wählerliste nicht vom lb. bis 30. Januar, sondern im Februar hätte ausliegen müssen. Des weiteren müsse einer der Gewählten Angesessener sein. Als letzten Grund führte unser Genosse Thiele an, daß das Wahlprotokoll die Bestimmung enthalte, wonach die Vertreter von Vollmachten mit eingetragen werden müssen— was nicht geschehen sei. AuS der Verhandlung ergab sich nun, daß dem Gemeindevorsteher sowohl, wie auch den bürgerlichen Vertretern diese Bestimmungen böhmische Dörfer waren. Trotzdem nun Genosse Thiele die einzelnen Para- graphen wörtlich vorlas und die Herren auf daS ungesetzliche ihrer Handlungsweise aufmerksam machte, beschloß man, sich erst vom Landrat über die Landgemeindeordnung aufklären zu lassen.— Die alsdann zur Beratung stehende, vom Landrat beantragte Grundwcrtsteuer zeigte die Herren mit dem Daumen auf ihrem Geldbeutel. Man wußte sich den treffenden Ausführungen unseres Genossen gegenüber nicht anders aus der Schlinge zu ziehen, als die ganze Sache zu vertagen. Waidmannslust. Warum muß sich der Arbeiter organisieren? lautete das Thema. über welches Gen. Störmer in der letzten Versammlung des Wahl- Vereins referierte. Seine, die gesamte politische und wirtschaftliche Situation kennzeichnenden Ausfuhrungen wurden mit lebhaftem Bei- fall aufgenommen. Zur Maifeierfrage wurde beschlossen, den 1. Mai in Hermsdorf bei Dimke(Forsthaus) durch geselliges Beisammensein mit Feswede zu seiern, und zwar von nachmittag 4 Uhr ab. Als Lokal-Kommcsfions- Mitglied wählte die Versammlung den Gen. Sohrauer, HermS- dorf. Die Gemeindewahlen haben dem Bezirk WaidmannSlust einen Zuwachs von 7 Mandaten gebracht, so daß unsere Genossen jetzt 11 Sitze inne haben. Trebbin(Kreis Teltow). Zu einer lebhafte» Auseinandersetzung über Sozialismus und Liberalismus kam es in einer am Sonnabend, den 7. d. M., vom freisinnigen Wahlverein für Teltow-BeeSkow-Charlottenburg im „Schützenhause" einberufenen Volksversammlung. Schon die Zu- sammensetzung der Versamnilung stellte eine Kritik des Referats eines Herrn Lehrer Rosin- Berlin über„Feudalisnms. Sozialismus und Liberalismus' in sichere Aussicht. Etwa 50 Freisinnige und 150 unserer Genossen mochten anwesend sein. Den eigentümlichen Darlegungen des Referenten über den Sozialismus trat Genosse Groger-Rixdorf gegenüber, der den Liberalismus von heute, als das von dem Referenten bezeichnete„Mittelding" zwischen Feudalismus und Sozialismus in grelle Beleuchtung rückte. Wie allenthalben, so hat auch hier der Freisinn nichts anderes als Altersschwäche gezeigt. Unsere Genossen werden durch diese Versammlung in ihrer Ueber» zeugung sicherlich nur bestärlt worden sein. 0cHd)t9-Zcitimg. Berliner Theater vor de« Gewerdegericht. In Sachen Ferdinand Bonns und seiner ehe- maligen Theaterarbeiter stand gestern wieder Termin bor dem Gewerbegericht an. Zu einer Entscheidung Abgesehen von ein paar Versäumnisurteilcn) kam es auch diesmal nicht. Der Zeuge Matull war trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht erschienen. Es wurden gegen ihn Geldstrafen erkannt, die nun mit der von neulich verhängten zusammen über 200 Mark ausmachen. Außerdem wurden ihm die Kosten des Termins auferlegt. Zum nächsten Termin hat er zwangsweise Vorführung zu erwarten. Berliner Theater vor dem Schöffengericht. Aus einen Teil der männlichen Mitglieder des Berliner Theaters übte eine bor dem Schöffengericht geführte Verhandlung eine große Anziehungskraft aus. Wegen Beleidigung war der Sckianspieler und Regisseur Ernst Benzinger angeklagt, xm der Schauspieler Feistel als Kläger gegenüberstand. Die von dem Vorsitzenden Assessor Hell eingeleiteten Vergleichsversuche scheiterten. Den Gegenstand des Prozesses bildet folgender Vorfall: Der Beklagte erfreute sich infolge seiner bühnenreformatorischen Ideen der besonderen Gunst des Direktors Ferdinand Bonn, der ihm deshalb den Posten des Regisseurs übertrug. Am 2. Februar d. I. sollte im Foyer eine Leseprobe eines Stückes stattfinden. Herr B- und der Inspizient warteten längere Zeit auf das Erscheinen der übrigen Mitglieder, die im Theaterrestaurant saßen. Wiederholte Aufforderung, doch zur Probe zu kommen, verhallten ungehört. Endlich erschien B., der Nichterscheinen als Ehikane auffaßte, in dem Restaurant und rief mit Stentorstimme:„Wollen Sie nun endlich zur Probe kommen?* Der Kläger fühlte sich durch dieses „Anschnauzen" getroffen und verbat sich diesen Ton. Als Antwort rief ihm B. zu:„Wenn Sie nicht sofort ruhig sind und Ihre Lausbubenstreiche unter- lassen, haue ich Ihnen eine'runter!" Bor Gericht gab der Beklagte zu. diese Aeußerung getan zu haben, behauptete aber, er wäre durch das Benehmen des Klägers, der ihn direkt ausgelacht habe, auf das höchste gereizt. Er Wiste, daß er sich straffällig ge- macht habe und nehme gern eine Strafe auf sich, doch demütig Ab- bitte zu leisten, könne er nicht mit seiner Würde als Regisseur ver- einbaren, da man ihm sonst noch mehr auf der Nase herumtanzen würde. Der Gerichtshof erkannte auf 30 M. Geldstrafe. ähnlicher furchtbarer Massenverunglückungen deutscher Bergleute wie sie bei der„Borussia" sich ereigneten, dürfte eS angebracht erscheinen, endlich fe st zu st ellen, auf welche Ursachen die Tötung der 39 Bergleute zurückzuführen ist, und den oder die Schuldigen zu ent- decken. Ist denn für die preußische Justiz die Betreibung solchen Formelkrams, wie sie die Grabredeverfolgung bei der günstigsten Beurteilung darstellt, wichtiger als die Ermittelung: wer ist schuld an dein Tode der 39 Bergleute, deren Ehrung die Behörde verfolge» zu müssen glaubt?_ Gültiges Verbot von Fleischtransport durch Hunde. Für rechts- gültig erklärte das Kammergericht am Donnerstag eine Polizei- Verordnung für Hanau, welche es verbietet, Hunde zum Ziehen von Wagen zu benutzen, auf denen Fleisch transportiert wird. Die Gültigkeit der Verordnung sei aus dem§ 6 des Polizeiverwaltungsgesetzes zu entnehmen, wonach zu den Gegenständen polizeilicher Regelung auch der Schutz von Leben und Gesundheit des Publikums gehöre. Die Verordnung diene diesem Schutze, indem sie verhindern wolle, daß das transportierte Fleisch von den Hunden beleckt und angefressen werde, wodurch sehr leicht Kokken und Blasenwürmer usw. auf die Konsumenten übertragen werden könnten. Die Zweckmäßig- keit der Verordnung habe der Richter nicht nachzuprüfen.— Die Verurteilung eines Angeklagten Mickler wegen Uebertretung der Verordnung wurde aufrechterhalten. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, lO*/, Uhr, in der Schulaula, Kleine Franksurterstr. S: Versammlung. Die anstößige Grabrede. Als eines der Opfer der„B o ru fsi a"-Katastr oph e auf dem Friedhofe in Eichlinghofen bestattet wurde, legte Genosse Hausmann für die Zahlstelle Eichlinghofen des Deutschen Berg- arbeiter- Verbandes am Grabe einen Kranz nieder, wobei er etwa folgendes sagte:„Im Namen der Zahlstelle lege ich diesen Kranz nieder. Der Verstorbene war ein treues Mitglied und ein guter Kamerad. Wir werden sein Andenken wahren. Hier ruht ein Opfer vom Schlachtfelde der Arbeit. Ich fordere Euch auf zum Zusammen- schlusse in einem großen Verbände; dann werden solche Unfälle für die Zukunft vermieden werden."— H. wurde später wegen der„Rede" auf Grund de« Vereinsgesetzes in zweiter Instanz vom Dortmunder Landgericht zu einer Geldstrafe von 30 M. verurteilt. Das Land- gericht führte aus, daß zwar gewöhnliche Leichenbegängnisse nach § 10 des Vereinsgesetzes nicht den vereiusgesetzlichen Beschränkungen unterlägen, daß hier aber daS Leichenbegängnis durch die Propa« gandarede des Angeklagten zu einem außergewöhnlichen geworden sei. Ueber die Erlaubnis deS Pfarrers Niemeyer, die Kranzspender am Grabe kenntlich machen zu dürfen, sei G. weit hinausgegangen. DaS Landgericht nahm an, daß die§§ 9 und 12 des Vereinsgesetzes anzuwenden seien, welche die Abhaltung nicht angezeigter Versamm- lungen verbieten. Auf die Revision des Angeklagten hob daS Kammergericht das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Auf§ 12, der Strafbestimmung für Uebertretungen des 8 1 des Vereinsgesetzes, könne die Verurteilung nicht gestützt werden. da es sich offensichtlich um eine Versammlung unter freiem Himmel handelte, auf die 8 1? zur Anwendung zu bringen sei. Das Nötige zur Aufhebung und Zurückverweisung an die Vorinstanz, die zu prüfen habe, ob das Begräbnis ein Aufzug oder eine Versamm« lung unter freiem Himmel und zwar„in Städten, Ortschaften oder aus öffentlichen Straßen" gewesen sei und ob dem Genossen Hausmann bei Ausübung seiner Pietätspflicht berannt gewesen, daß der„Aufzug" oder die„Bersanimlung" nicht gestattet sei.— Man wird den Behörden zugestehen, daß sie einen außerordentlichen Eifer entwickelt haben, um die Bezeugung der Pietät gegenüber einem durch die„Borussia"-Katastroph e ums Leben gekommenen Bergmann als eine strafbare Handlung zu verfolgen. Im Interesse der Verhütung den 15. Mril er., vormittags erstr. 6: Versammlung. Fest« Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille7— Montag, den IS. April, vormittags lO*/, Uhr, ebendaselbst. Festvortrag des Herrn Sldols Stern. Vor- und Nachspiel aus dem Mustel-Harmonium aus Paris. Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Zentral-Kranken« und Begrnbniökafle für Frauen und Mädchen Deutschlands(E. H. 26.) Oftenbach a. M. Verwaltungsstelle Berlin I. Dienstag, den 17. April(3. Osterseiertag), abends 7 Uhr, im Gewerk schastshause, Engel-User 15, Saal 2 und 3: Hauptversammlung. 1. Kassen> bericht vom l. Quartal 1906. 2. Vortrag des Herrn Dr. Vallentin über: „Die Bedeutung der Haut in der Nawr, in Gesundheit und Krankheit. 3. Verschiedene Kassenangelegenhciten. Zentral-Kranken- und Sterbekaffe der Zimmerer(E. H. Nr. 2 in Hamburg). Dienstag, den 17. April, abends 81/, Uhr, in Rixdors bei Gellert, Eteinmetzstr. 113: Mitgliederversammlung. Abrechnung vom ersten Quartal 1996. Aufstellung der Kandidaten zur 13. Generalversammlung. Kassenangelegenheiten._ Mocken Spielplan der ßerUnei* Zhc&tcr. OpernhanS. Sonntag: Orpheus und Eurydike. Montag nachmittag 2st, Uhr: Hänsel und Grete!. Die Puppensee. Abends 7'/, Uhr: FigaroS Hochzeit. Dienstag: Tannhäuser.(Ans. 7 Uhr.) Mittwoch: OavaUeria rusticana. Bajazzi. Donnerstag: Orpheus und Eurhdile. Freitag: Der Pseiscrtag. Sonnabend: Die lustigen Weiber von Windsor. Sonntag: Der Freischütz. Montag: Tristan und Isolde.(Ans. 7 Uhr.) Schauspielhaus. Sonntag: Götz von Berlichingcn.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Der Schwur der Treue. Dienstag: Die Ouitzows. Mittwoch: FieSco. Donnerstag: Wie die Alten sungen. Freitag: Wilhelm Teil. Sonnabend: Der Erbsörfter. Sonntag: Die Ouitzows. Montag: Othello. Neues Königl. Opcrntheater. Sonntag: Narziß. Montag: Faust. Dienstag bis Sonnabend: Geschloffen. Sonntag: Der Barbier von Sevilla. Slavische Brautwerbung. Montag: Geschlossen. Lcsstng- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Biberpelz. Mends: RoSmerSholm. Montag nachm. 3 Uhr: Bcnignens Erlebnisse. Hanncles Himmelfahrt. Abends: Kater Lampe. Dienstag: RoSmerSholm. Mittwoch: Und Pippa tanzt. Donnerstag: Der einsame Weg. Freitag: Kater Lampe. Sonnabend: RoSmerSholm. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Weder. Abends: Der einsame Weg. Montag: Kater Lampe. Deutsches Theater. Sonntag und Montag: Der Kaufmann von Venedig. Dienstag: Der Gras von Charolats. Mittwoch und Donnerstag: Der Kaufmann von Venedig. Freitag: Oedipus und die Sphinx. Sonnabend, Sonntag, Montag: Der Kaufmann von Venedig. Schiller- Theater v.(Wallner- Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Macht der Finsternis. Abends: GygeS und fein Ring. Montag nachmittag 3 Uhr: Ueber unsere Krast.(il. Teil.) Abends: Heimat. Dienstag nachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends: Zwei glück- liche Tage. Mittwoch und Donnerstag: Der Militärstaat. Freitag: Der Vogel im Käsig. Sonnabend: Der Militärstaat. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Macht der Finsternis. Abends: Der Militärstaat. Montag: Helden. Schiller-Theater N.(Friedrich-WUHelmstädtischeS Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der ßVwissenswurm. Abends: Das Glück im Winkel. Montag nachmittag 3 Uhr: Helden. Abends: Zlvei glückliche Tage. Dienstag: Der Vogel Im Käfig. Mittwoch und Donnerstag: Helden. Freitag: Ueber unsere Kraft. II. Teil. Sonnabend: Helden. Sonntag .nachmittag 3 Uhr: Zapsenstreich. AbmdS: Heimat. Montag: Ueber unsere Kraft. II. Teil. Berliner Theater. Sonntag nachm. Q'/s Uhr; Jägerblut. Abends: In der Sommersrisch'n. Montag nachmittag' 2'/, Uhr: Die Millibäuerin. AbendS: I» der Sommersrisch'n. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag: In der Sommersrisch'n. Sonnabend: Amerikascppel. Sonntag, Montag: Unbestimnit. Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. SlbendS: Hille Bobbe. Unverschämt. Montag nachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Wenk«: Hille Bobbe. Unverschämt. Dienstag nachmittag 3 Uhr: Anttgon«. AbendS: Hille Bobbe. Unverschämt. Mittwoch: Kinder der Sonn». Donnerstag, Freitag, Sonnabend und Sonntag: Hille Bobbe. Unver- schämt. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Montag: Kinder der Sonne. Lustspielhans. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Jugend. Wends: Die von Hochsattel. Montag nachmittag 3 Uhr: Logenbrüder. AbendS: Die von Hochsattcl. Mittwoch bis Montag: Die von Hochsattel. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Jugend. Nenes Theater. Sonntag: Ein Sommernachtstraum. Montag: Erdgeist. Dienstag: Ein Sommernachtstraum. Mittwoch: Salome.(Ansang 8 Uhr.) Donnerstag: Cäsar und Cleopatra. Freitag: Ein Sommernachts» träum. Sonnabend: Cäsar und Cleopatra. Sonntag: Ein Sommernachts- träum. Montag: Erdgeist.„. ,,, Luisen-Theater. Sonntag: Ein Sommernachtstraum. Nachmittags 3 Uhr: Käthchen von Heilbronn. Montag: Robert und Bertram. Nach- mittags 3 Uhr: Wilhelm Tell. Dienstag: Der Verschwender. Nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Mittwoch: Robert und Bertram. Donnerstag: Der Salontyroler. Freitag Modert und Bertram. Sonnabend, Sonntag: Der Salontyroler. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Kaufmann von Venedig. Montag: Der Verschwender. Koniische Oper. Sonntag: Hoffmanns Erzählungen. Nachmittags 3 Uhr: Figaros Hochzeit. Montag: FigaroS Hochzeit. Nachmittags 3 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Dienstag: HoffmannS Erzählungen. Mittwoch: Figaros Hochzeit. Donnerstag: HoffmannS Erzählungen. Freitag: Don Pasqnale. Sonnabend und Sonntag: HoffmannS Erzählungen. Sonntag nachmittag 3 Uhr: FigaroS Hochzeit. Montag: FigaroS Hochzeit. Theater des Westens. Sonntag: Die Schützenliesel. NachmtttagS 3 Uhr: Die Zauberflöte. Montag: Die vier Grobiane. NachmtttagS 3 Uhr: far und Zimmermann. DicnStag: Die vier Grobiane. Nachmittags Uhr: Der Freischütz. Mittwoch: Die Schützenliesel. Donnerstag: Die vier Grobiane. Freitag: Die vier Grobiane. Sonnabend: Die Schützenliesel. Nachmittags 3 Uhr: Aennchen von Tharau. Donntag: Die vier Grobiane. Nachmittags 3 Uhr: Die Hugenotten. Montag: Der Zigeunerbaron. Trianon-Theater. Sonntag: Loulou. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die herbe Frucht. Montag: Loulou. Nachmittags 3 Uhr: Die herbe Frucht. Dienstag bis Montag: Loulou. Residenz-Theater. Sonntag: Der Prinzgemahl. Nachmittags 3 Uhr: Der Schlaswagen-Kontrolleur. Montag: Der Prinzgemahl. Nachmittags 3 Ilhr: HcrkulcSpillen. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag: Der Prinzgemahl. Sonnabend, Sonntag, Montag: Liebeskunst. Sonntag nach- mittag 3 Uhr: Die Höhle des Löwen. Carl Weist> Theater. Sonntag und folgende Tage: Die Jagd ums Leben. Dienstag nachmittag 3 Uhr: Dornröschen. Zeutral-Theater. Sonntag: Landstreicher.(Ansang 7'/, Uhr.) Nachmittags 3 Uhr: Die Fledermaus. Montag: Landstreicher.(Ansang Vj, Uhr.) NachmWags 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Dienstag: Die Fledermaus. NaiMiittagS 3 Uhr: Die Geisha. MUtwoch: Landstreicher. Donnerstag: Der Bettelstudent. Freit»»: Landstreicher. Sonnabend: Der Zigeuncrbaron. Sonntag: Der Bettelstudent.(Anfang 7>/, Uhr.) Nach- mittags 3 Uhr: Die Geisha. Montag: Die Fledermaus. Thalla-Theater. Sonntag: Hochparterre links. Nachmittags 3 Uhr: Der Hochtourist. Montag: Hochparterre links. Nachm. S1!, Uhr: CharleyS Tante. Dienstag bis Montag: Hochparterre links. Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: CharleyS Tante. Deut ich- Amerikanisches Theater. Sonntag und folgende Tage: Er und Ich. Sonntag und Montag nachmittag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Sonntag, den 22. Aprll, nachmittags 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Walhalla-Theater. Sonntag und solgende Tage: Einer von unsere Leut'. Ansang 8 Uhr, Sonntags TU Uhr. Casino> Theater. Allabendlich: Die Herren Söhne. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Ein Sohn des Volles. Montag nachmittag 4 Uhr: Arbeit schändet nicht. Belle- Alliaiiee- Theater. Allabendlich 8 Uhr: Spezialitäten. ffolies Caprice. Allabendlich: Der Schmoll. Dalles u. Co. Apollo-Theater. Allabendlich: Elsentücke, DaS bummelnde Berlin. Spezialitäten. Sonntag und Montag nachmittag 3 Uhr: Venus auf Erde». Spezialitäten. Sonntag, den 22. April, nachmittags 3 Uhr: Venus aus Erden und Spezialitäten. Passage- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang S Uhr. Wintergarten. Spezialitäten. Rrichshalleu> Theater. Stettiner Sänger. Urania- Theater. Taubenstraßc 48/49. Sonntag, Montag, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend: Am Gols von Neapel. DienStag und Donnerstag nachm. 4 Uhr: Im Lande der Mitternachtssonne. Mittwoch und Sonnabend nachm. 4 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Lriefkarten der Redafttten* Tie snrlstlfche Tpreihstiinde ftndet täglich mit SlnSnahme deS Sonnabend« von?>/, vi?»>/, Nbr abend« Natt. Geöffnet: 7 Übe. Jeder Anfrage ist ein Buchstabe uiid ein« Zahl alS Merkzeichen beizufügeo. Briefliche Aiitworr wird nicht erteilt. Rheinland. Wenn Sie Wohnung und Benutzung des Gartens ge- mietet haben, so bleibt Ihr Mietsvertrag rechtsgültig, und zwar auch dem Nachsolger deS Besitzers gegenüber, wenn der Aerkaus freihändig statt- gesunden hat. Nur bei zwangsweisem Verkauf(Subhastation) kommt der Satz„Kauf bricht Miete" zur tcilweisen Anwendung.— R. 10«. Haben Sie, was die Regel, im Vertrage ausdrücklich versichert, daß die Möbel Ihr Eigcnwm sind, so kann Betrug als vorliegend erachtet werden, wenn sich herausstellt, daß Ihre Angaben unrichtig sind. Ist Ihre Wohnung aus den von Ihnen angegebenen Gründen mwrauchbar, so klagen Sie beim Amtsgericht aus Aufhebung des MictsvertrageS und aus Schadenersatz. Sozialdemokrat Waölverein tlUerLReiebstapatilkfeis (Köpenicker Viertel.) Den Mitgliedern hiermit zur KennwiS, daß unser Genosse, der Gastwirt Paul Stark wohnhaft Wrangelstr. 5, Stadtbezirk 99, gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Montag, den 16. Aprll, nach- mittaas 2 Uhr, vom Trauerhause nach dem Thomas-Kirchhose statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Borstaul). Deu(scher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kolleg«, Stockarbeiter Atartin Szinai am 12. April nach langer Krank- heit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet an, Montag, den 16. Aprll, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen« Halle der Pius« Gemeinde in WilhelmSberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 84/2 Mo Ortovarwaltiing. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der frühere Zigarrensabrikant und jetzige Restnurateur Heinrich Vorimann sanst entschlafen ist. via trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am zweiten Osterseiertag, nachmittags 31/, Uhr, vom Trauerhause Rixdors, Emserstr. 86, nach dem neuen Rixdorser Kirchhof, Mariendorser Weg statt. SozialdemoMeliJaiilvereiD de» 6. Berlioer Wahlkreises. TodeS-Anzeige. Am 11. d. M. verstarb unser Mitglied, der Sattler Karl Oelmano, Oderbergerstr. 43. Am 12. d. M. verstarb unser Mitglied, der Schankwirt iVlax Behnfeld, Hochmeisterstr. 18. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung des Genossen Oelmaim findet am Sonntag. vormittag 9 Uhr auf dem Charito- Kirchhos statt. Die Beerdigung deS Genossen llvlink'sld findet am Sonntag- nachmtttag S Uhr vom Trauerhause aus auf dem Gethsemane- Kirchhos in Nordend statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 248/3 Der Borstand. Todes-Anzeige. Am Donnerstag, den 12. Aprll, vormittags 12 Uhr, entschlief sanst nach langen, schweren Leiden mein lieber Mann, unser Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Schank- Wirt 1203b Max Schmidt im Alter von 30 Jahren. Johannisthal, 12. April 1906. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Svlm» t�oliinldtgeb. paoohde nebst Eitern und Geschwistern. Die Beerdigung smdet am ersten Osterseiertag, nachmittags 3>/, Uhr, von der Leichenhalle de« Britzer Kirchhofes, Ring�hauffee, Britz, aus statt. Kränze F.Jacobitz, Koppeustr. 4t. Allen Verwandten, Bekannten und Freunden hiermit die traurige Nachricht, daß am Donnerstag, den t2. Aprll, mein lieber Gatte und Valer, Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Schankwirt Max Behnfeld nach langem, schweren Leiden sanst verschied. 1217b Im Namen der Hinterbliebenen: die tteftranernde Witwe Berta Behnfeld und Tochter, Emil Behnfeld, ru»,™ Friederike Behnfeld, Eltern. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 15. April, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhaufc, meistcrstr. 18, aus statt. Wand der freien Gast- und Scfiankwirte Deutsctiiands. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser Kollege Max Behnfeld Hochmeisterstr. 18, am 12. April nach längerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 15. Aprll, nach« mittags 2 Uhr vom Trauerhause aus nach dem Gethsemane-Ktrch- hos in Nordend statt. 69/19 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltnng. I.A.: Emilfleriin. Ich zeig« hiermit /an, daß meine lieve Frau 1233b Friederike Schulze am 12. Aprll verstorben ist. Die Beerdigung findet am 15. Slpril, nachmittags 4 Uhr. von der Leichenhalle des Emmaus- KirchhosS�ermannftraße. auS statt. E. Schulze, Köpenickerstr. 190. £ugusta-8ad,Kassenbädßr jeder Art Köpenickerstr.««.[17076* Todes-Anzeige. Am 13. Aprll,!>/, Uhr, ver- schied nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser auter Vater, Schwiegervater und Großvater, der Tischler Hermann Heubecker im Alter von 62 Jahren. Die Beerdigung findet am zweiten Feiertag, nachm. 2lL Uhr, von der Leichenhalle deS Luisen- Kirchhofs, Fürftenbrnnner Weg, aus statt. Die trauernde Witwe 1227b nebst Kindern. Am Sonnabend, den 14. April, morgens 6 Uhr, starb nach län- gerem Leiden im 60. Lebensjahr« der Vuchdruckerei-Faktor Hugo I�ebmann. Ein ehrendes Andenken werde» ihm bewahren 1231b Die GehLlfrn der Buchdruckerei W. Moeser. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 17. April, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Georgen- Kirchhofs, Landsberger Allee, aus statt. Duiih«»xuii£. Für die vielen Beweise herz- licher Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, Großmutter, Schwieger- mutier, Schwägerin und Tante Augvete Schmidt geb. Schwlerse sagen wir allen denen, dse der lieben Verstorbenen die letzte Ehre zu teil werden ließen, insbesondere dem Gesangverein„Friedrichs- berger Liedertafel", dem Wahl- verein, Stadtbezirk 180(1, und dem Personal der Firma Faul Heinae unseren innigsten Dank. 1218b Berlin, 14. April 1906. Oshiu' Schmidt n. Kindern. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Charlottenburg. Todca-Anxelee. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Tischler Hermann Heubeeker gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am 2. Feiertag, nachm. 2'/? Uhr, von der Leichenhalle des neuen Louisen-Kirchhoses am Fürsten brunner Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 83/20 via Ortsverwaltung. SozialdemokratlscIierWaliherein Charlottenburg. Am Freitag starb unser Mitglied (Mitbegründer des Vereins), der Tischler Hermann Neubecker im Mter von 62 Jahren. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am 16. April(2. Feiertag) nachmittags 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Luisenkirchhoses, Fürsten- brunner Weg aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht «er Vorstand. Die Parteigenossen versammeln sich um 1 Uhr im VolkShaus«. Zsttsstes Kon?. Leihhaus Charlottenhargb Vilmersdorferstr. 40 I. Hohe Beleihung. Diskr. Sprecluimmer, Gelegenheitskäufe in Brillanton, Uhren, Gold- u. Silbersachen.[829L* Bixdorf. Todes-Anzeige. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Tischler 2 Franz Friedrich (Abt. Bez. D.) versterben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittag? 2'/, Uhr, von der Leichenhalle deS neuen Jakobi-KIrchhoseS, Hermannftraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Deutscher Holzarheiter-Verhand. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Franz Friedrich am 11. April! nach kurzer Kran!- heit verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 15. Slpril, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle deS neuen Jakobl-Kirchhofes in Rixdors, Hermannftraße, auS statt. Um rege veteiltgung ersucht 84/1 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie reichen Kranzspenden beim Hinscheiden meines teueren Gatten, vaterS, Schwieger- und Groß- vaterS 1216b Albert mitxsche sagen wir allen Verwandten und Be- kannten, dem Meister, den Kollegen der Firma Goedtke«. Behnke sowie dem Vorstand der freien tzülfskaffe der Drechsler unseren innigsten Dank. Die trällernden Hinterbliebenen. Wwe. Kitesche und Sohn. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr; zühlen doppelt. r als IS Buchstaben Verkäufe. Inventur-Ausverkauf. Gardinen Slores, 10 Prozent Rabatt. Fenster (ztvei Schals) 140, 183, 223, 283. 830. 483, 573, 033 usw. 13215� Inventur- Ausverkaus. Vorsieh. 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Wir ersuchen die Kollegen alle» Branchen nach den obigen Be- trieben keine Arbeit anz«. nehmen. 176/3 Die Agitationskommissto«. Ss! Bauklenipner! Folgende Firmen und Bauten find gesperrt: Firma Rumor. Spandauerstr. 15) Charlottenburg. Firma Böttcher, Sellerstt. 35. Firma Glindemann, MatthSikirch« straße 7. Firma Riemann. TMterftt. 82. Firma Perifc, Lützowstt. 48. Firma Pape, Oranienstt. 169. Neubau Stiebitz& Köpchen, Cha» lottenburg, Kantstraße. Firma Walther, Elsasserstt. 34. Firma Winter in RummclSburg, auch für Rohrleger und Heiser. DleFirmaA.Pietschmann, Libauer« sttaße 5, ist ebenfalls noch gesperrt, da die Firma aus die damalige Bc- schwerde wegen Tarisbruch nicht geantwortet hat. Die Firma G. Seeger, jetzt Gneisenaustt. 46/47, hat im vorigen Jahr erklärt, daß sie den ab« geschlossenen Tarif nicht anerkenne, aus diesem Grunde bleibt auch diese Firma sür unsere Mitglieder gesperrt. ntf- An die Bauhaudwerker appellieren wir, aufdie Klempner einwirken zu wollen. Die Firmen und Bauten sind nur dann frei» wenn unsererseits die Sperr« aufgehoben wird. 116/12 Tie Lrisverwaliuug. Deutscher Holzarbeiter- Verbanö. Wegen Streik und Differenzen ist Jpg sttllstlljlittc» von Tifchltz*« von Franz Schulz, Frankfurter Allee 28, Ruppcl in Reinickendorf; von TrePPcngeläuder- Arbeitern (Drechsler, Tischler» Stellmacher. Polierer, Maschinenardeiter und Bildhauer) von dcrTrcppengeländer- sabrik Joseph Drechsler, Gubener- straße 33; von Bodenlegern von den Bauten In Buch(Fttma Damke, granlsurt a.O.); von Stellmachern von sämtlichen Stcllmachereicn, Wagensabriken und Drchrollensabril Plään, Waßmann- straße; Motorwagensabrik Gollschalk in Reinickendorf; von Korbmachern von Bcckert, Lange« straße 35: von Meerfchaumdrechslern bot) Weith, Köpcnickerstt. 98. bon ftiabicrarbcitcrn nach Dänemark. Die Ortsverwal tnng. Der Gesamt-Auflage unserer heutigen Nummer liegt ein Pro- spekt der Tuchfabrik Dtto Scbwctascb in Görlitz bei.