Nr. 89« nbonnemeiifi'Bedlngangtn: HBonntmenM• Pret» pränumerando I «iertcljährl. ZL0 Mi, monall> 1,10 MI, wöchentlich 2S Pfg. frei in» HauZ. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntag?. nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue ffleli" 10 Pfg. Post. «bonnement: 1,10 Marl pro Monat. Etnaetrageu in die Post. Zettung». Preiilifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarf, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. vl»«W agil» luStr OtoUgi. SS. Jahrg. Vevlinev Volksblntk. vi« fnlesNom.Stdüh» »«trägt für die fechSgefpaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Pfg, für politische und gewerlschastliche Perein»» und BersammlungS-Anzeigen 80 Pfg. „Klein* Hnzcttren", da» erste(fett. gedruckte) Wort 20 Pfg, jede» weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf» slellen-Nnzeigen da» erste Wort 10 Pfg, jede» weiter« Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächst« Nummer müssen bis S UhrnachmittagS in der Expeditton abgegeben werden. Die Expeditton ist bi» 7 Uhr abend« geöffnet, Zelegramm. Adresse: „SoiliUcBoknl»tlll»". Zentralorgan der rozialdetnokratifchen Partei Deutfcblaridd» Redaktion i SCQ. 68* Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Mittwoch, den 18. April 1906. Expedition» SM. 68. Lindenstrasse 69. Kernsprecher: Amt IT. Nr. 1981. Sie bleiben im Turm. Seit Wochen beschäftigt sich die Presie lebhaft mit einem Artikel, in dem Herr Dr. I u l i u s B a ch e m, der Verleger der„Kölnischen Lolkszeitung", für das Zentrum die Parole ausgab: Heraus aus dem Zentrumsturm. Dieser Vorschlag lief darauf hinaus, dem Zentrum den konfessionellen Charakter zu nehmen und es noch mehr als jetzt zu einer großen Sammelstätte aller konservativen Elemente zu machen. Der Vorschlag des Dr. Bachem hat jedoch in der Zentrums» presse selbst sehr wenig Gegenliebe gefunden. Man erklärte. daß das Bild von dem Zentrumsturm ein sehr schiefes sei. Das Zentrum stecke keineswegs in einem Turme, es sei keineswegs eine exklusiv konfessionelle Partei; aber ein Ver» lassen der gegenwärtigen Zentrumstaktik würde schließlich nur darauf hinauslaufen, durch Zentrumswahlhülfe anderen Leuten in den Sattel zu helfen, ohne dafür entsprechende Gegen» leistungen zu empfangen. Das Zentrum würde auch eine keineswegs kluge Politik treiben, wenn es dem Rufe„Heraus auS dem Zentrumsturm" Folge leisten wollte. Es hat es auch so, ohne das konfessionelle Band, das die Partei zusammenschweißt, zu lockern, bis zur Regierungspartei gebracht, d. h. zu einer Partei, ohne deren Zustimmung die Regierung keinen Schritt zu tun vermag. Diese Stellung, die die Regierung zwingt, sich mit dem Zentrum auf guten Fuß zu stellen, verschafft dem Zentrum die Vorteile einer Regierungspartei, ohne ihm doch den offiziellen Stempel einer solchen aufzudrücken. Wer aber weiß, daß eS gerade der Schein einer Oppositionspartei ist, der dem Zentrum noch heute seinen starken Anhang sichert— und das Zentrum selbst, das ja seine Provinzpresse mit Vorliebe bis zur Ruppigkeit oppositionelle Töne anschlagen läßt, weiß das nur zu genau— der wird es für das denkbar verkehrteste halten, das Zentrum dieses oppositionellen Nimbus zu entkleiden. Ebensowenig wird eS einem ein» sichtigen Zentrumspolitiker einfallen, seiner Partei das spezifisch konfessionelle Gepräge. daS ihren stärksten Kitt bildet, zu rauben. Zumal die agitatorische Kraft des Zentrums hauptsächlich in dem ebenso eifrigen wie zahlreichen Agitatoren- stab besteht, den die katholische Geistlichkeit bildet. Das Zentrum weiß also ganz genau, warum es von einer Entkonfessionierung nichts wissen will. Allerdings könnte sich ja Herr Bachem darauf berufen, daß kein geringerer, als W i n d t h o r st selbst seinerzeit das Zentrum in seiner jetzigen Gestalt für eine vorübergehende Erscheinung erklärt hat. Erklärte doch der verstorbene Führer des Zentrums bereits im Jahre 1872, daß daS Zentrum bereitwillig sich selbst auflösen werde, wenn die Gründe, die es ge- schassen, fortgefallen seien. Windthorst sagte damals wörtlich: „UebrigenS wird da» Zentrum jederzeit bereit sein, sich auf- zulösen und in die anderen Fraktionen überzutreten, wenn eine der anderen Fraktionen ein akzeptables Programm aufstellt. Ja im Interesse des Friedens würde eS noch weilergehen. Wenn die brennenden Beschwerden der Katholiken endlich beseitigt find, wenn der Angriff, der konzentrisch auf die katholische Kirche gemacht, nachgelassen hat, dann wird das Zentrum sich gern auflosen, weil eS in der Tat der Ruhe bedarf, die der nun schon lange dauernde Kampf täglich mehr wünschenswert macht." Nun, die Regierung hat inzwischen längst ihren Frieden mit der katholischen Kirche geschlossen. Auch die geschorene und die gescheitelte Geistlichkeit vertragen sich trotz gelegent» licher kleiner Häkeleien ganz ausgezeichnet. Zentrum und protestantische Kirche haben ja erst bei dem Schulverpfaffungs- gcsetz wieder gemeinsame Sache gemacht, und zivar jedenfalls nicht zum Schaden der katholischen Kirche. Es läge also nicht der geringste Anlaß mehr vor, das Versprechen Windthorsts nicht einlösen zu wollen. Aber das Zentrum hat sich in- zwischen als ein so ausgezeichnetes Mittel nicht nur zur Vertretung der Interessen der katholischen Kirche, sondern auch zur Verfechtung der p o l i t i s ch e n I n t e r e s s e n der verschiedensten Ausbeuterschichten erwiesen, daß es nicht nur vom kirchlichen, sondern auch vom Politischen Standpunkt aus ein großer Fehler des Zentrums wäre, die heutige Organisation der Partei preiszugeben. Daß die katholische Kirche alles Interesse daran hat, den konfessionellen Charakter des Zentrums zu erhalten, liegt ohne weiteres auf der Hand. Denn so sehr die pro» teslantische und die katholische Kirche darin übereinstimmen. daß es im Interesse von Thron und Altar notwendig ist. die Volksmassen in möglichster geistiger Unmündigkeit zu erhalten, so besteht gleichwohl die alte Rivalität zwischen Katholizismus und Protestantismus. Gewiß werden beide dem gemeinsamen Gegner gegenüber zusammenhalten, wie das ja bei der preußischen Schul- verpfaffungsvorlage der Fall gewesen ist! allein die jeweiligen Grenz st reitigkeiten dauern gleichwohl fort und machen für die katholische Kirche eine starke politische Vertretung wünschenswert. Daß das Zentrum nach außen seinen kon- fessionellen Charatter möglichst zu verschleiern sucht, liegt bei alledem in der Natur der Sache. Es ist ja die bekannte kirchliche Taktik, sich selbst stets als das Lämmlein hinzustellen. daS niemand das Wasser trübt. Nach der Behauptung dcS Zentrums selbst tritt das Zentrum nicht etwa fiir möglichste Bewegungsfreiheit der katholischen Kirche ein. sondern fiir das „Prinzip der religiösen Freiheit", weshalb es die Freiheit und Selbständigkeit der evangelischen Kirche ebenso verfechte, wie dte der katholischen Kirche. Ja. schon Mallinckrodt behauptete seinerzeit tm Reichstage, daß das Zentrum sogar die Rechte der Juden und Dt sst deuten schütze! Dies Zurschau- tragen einer angeblichen Toleranz war eine Taktik, die sich zur Zeit deS Kulturkampfes schon ganz von selbst gebot. Daß das Zentrum heute als Regierungspartei nicht minder vor- sichtig auftreten muß, liegt auf der Hand. Trotzdem aber ist es lächerlich, wenn die Zentrumspresse sich jetzt so stellt, als spiele der Konfessionalismus im Zentrum so mit wie gar keine Rolle. Ist doch gerade der konfessionelle Fanatismus das Mittel, breite Schichten der nichtbesitzenden Klasse an das Zentrum zu fesseln. Auch zeugt es doch von der innigen Verbindung zwischen Zentrum und Katholi- zismus, daß die großen Zenttumsparaden statt aus eigentlichen Parteitagen aus Generalversammlungen katholischer Organi- sattonen bestehen. Auch ist es ja bekannt, daß ein Teil des Zentrums sogar konfessionelle Berufsorganisattonen der Arbeiter protegiert. Man braucht also gar nicht auf die Enfitehungs- geschichte des Zentrums zurückzugreifeu, um den Nachweis deS konfessionellen Charakters desselben zu führen. Liegt es so im Interesse der katholischen Kirche, daß am Wesen des Zentrums nicht das geringste geändert werde, so liegt daS gleiche auch im Interesse der besitzenden Elemente dieser Partei. Den ultramontanen Kraut- und Schlotbaronen des Zentrums könnte es schließlich egal sein, ob ihre Klasseninteresien von einer mehr oder weniger kon» fessionell gefärbten Partei vertreten werden, wenn nicht daS Zentrum gloichzeittg den Vorzug besäße, durch seinen kon- fessionellen Charakter einen Einfluß auch auf das katholische Proletattat auszuüben, den eine entkonfessionalisierte Partei des gleichen polittschen Charakters niemals auszuüben ver- möchte. Politisch und sozialpolittsch unterscheidet sich ja das Zentrum längst nicht mehr von den Konservattven oder National- liberalen. Man braucht nur einmal die Reden von Mallinckrodt und Windthorst über den Militarismus in den siebziger Jahren mit den heutigen Zentrumsreden zu vergleichen, um sich die vollständige Wandlung des Zentrums aus einer Opposittonspartei in eine Regierungspartei zu Vergcgentvärttgen. Oder man braucht nur daran zu erinnern, daß das Zenttum zwar im Jahre 1873 im preußischen Abgeordneten Haus den Anttag auf Einführung deS allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts stellte, heute aber die Einbringung eines solchen Antrages der Regierung überlassen zu müssen erklärt I Dieser Verrat an den Jntev essen des Proletariats, diese skrupellose RegierungS- und Aus beuterpolittk würden auch den rückständigeren Kreisen deS katholischen Proletariats längst die Augen geöffnet haben, wenn es nicht die katholische Geistlichkeit, teils durch ihren persönlichen Einfluß, teils mit Hülfe der Kaplanspresse ver- standen hätte, den Arbeitern durch alle Mittel der Veo leumdung und Verhetzung Sand in die Augen zu streuen. Der konfessionelle Charakter deS Zentrums, die Verquickung der Religion mit einer Polittk, die einen nichts weniger als christlichen Charakter trägt, hat so— die Sozialdemokratte hat das niemals geleugnet— das Zentrum zu derjenigen Partei gemacht, deren Widerstandskraft gegen die sozialdemokrattsche Bewegung sich noch am stärksten erwiesen hat. Deshalb wäre es auch eine gewaltige Dumm- heit, wenn das ultranwntane Unternehmertum aus dem Zentrum gerade das Element der geistlichen Demagogie aus- scheiden wollte, ohne das die Desertion des proletarischen Anhangs aus der Zentrumspartei bald einen gewalttgen Umfang annehmen würde. Der Diskussion in der Zentrumspresse über den Vorschlag des Herrn Bachem darf also keinerlei Bedeutung beigelegt werden. Der Vorschlag, den vielberannten, aber noch immer festgefügten Zentrumsturm selbst zu sprengen, kann in den maßgebenden Kreisen des Zentrums auch nicht eine Sekunde lang ernst genommen werden. Ueberhaupt sollte man auf die innere Zersetzung des Zentrums nicht allzu große Hoffnungen setzen. In den Zentrumsturm wird nur von außen Bresche gelegt werden können, durch die Sozialdemokratte, die der Verdummungs- arbeit der Zenttumsdemagogie eine verdoppelte Aufllärungs- arbeit entgegenzusetzen hat. Nur eine unablässige und scharfe Kritik der Zentrumstaten durch dte sozialdemokrattsche Partei und die auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Gewerkschaften kann die katholischen Arbeiter die Zentrumsheuchelei durchschauen lehren und zum Klassenbewußt- sein erziehen!_ Die Revolution in Rußland. Der bevorstehende Nmfall der Kadetten. Je näher das Ende der Wahlkampagne, je mehr es sich heraus- stellt, daß die„K.-D." in der Duma die tonangebende Partei sein werden, desto klarer tritt ihr wahrer Charakter zutage. In der Hitze der Wahlagitatton, wo eS galt, möglichst viel Stimmen zusammen- zubringen, haben sie auf ihre volksfrenndlichen Bestrebungen gepocht. da haben sie hoch und teuer auf daö Wohl des Bolls geschworen, sie haben versichert, in der Duma vor allem darauf zu bestehen. eine konstituierende Versammlung auf Grund eines allgemeinen. gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts einzuberufen. Das war früher, jetzt ist es anders. Jetzt, wo die K.-D. die gettäumte Höhe er- klommen, jetzt, jetzt, wo sie darauf rechnen können, ein Stückchen Regierungsmacht in ihre Hände zu bekommen, haben sie ihre Ber- sprechen vergessen und führen eine ganz andere Sprache. Hören wir einmal, was die Häupter der Partei über die bevorstehende Arbeit in der Duma sagen. Ein Mitarbeiter der Petersburger Zeitung „Das 20. Jahrhundert'(anstatt der„Ruß") hat eine ganze Reihe hervorragender K.-D. interviewt, unter ihnen P. Struwe. Winawer, Kedrin u. a.: Wie aus den nunmehr ver- öffentlichten Gesprächen hervorgeht, bettachten sie alle als die erste notwendige Arbeit in der Duma Dinge, wie die„vier Freiheiten". die Abschaffung des Gesetzes über den Staatsrat, die Agrarfrage und dergleichen mehr, die Erfüllüng ihres Versprechens wegen der Einberufung der konstituierenden Versammlung verschieben sie alle in eine mehr oder weniger entfernte Zukunft; für die erste Session ber Duma gehen sie nicht über die Ver- wirklichung des Manifestes vom 30. Oktober hinaus. Hochinter- essant ist die Aeutzerung P. S truw eS über die künftige Taktik der K.-D. in der Duma:„Die Fragen der Taktik werden von der Partei nur in ihren Hauptzügen besprochen, und sie urbi od orbi*) zu verkünden wäre ein großer Fehler: je weniger man darüber weiß, wie wir in der Duma vorzugehen gedenken, desto besser.' Allerdings ist eS fiir die K.-D. besser, tvenn ihre Wähler möglichst wenig über ihre Absichten erfahren, denn sonst würden diejenigen Wähler, die im guten Glauben an die Aufrichtigkeit ihrer Versprechungen für die K.- D. gestimmt haben, ihnen schleunigst den Rücken kehren. Durch ihre ver- räterische Taktik aber wenden sich die K.-D. von den Forde- rungen des Proletariats, unter denen die der konstituierenden Versammlung den ersten Platz einnimmt, ab und berauben sich selbst dadurch der mächtigen Stütze, die sie im Proletariat haben könnten, würden sie in der Duma als Vertreter eines wahren Libe- raliSmuS im besten Sinne des Wortes, als echt« Demokraten auftreten. In diesem Falle könnten die K.-D., könnte auch die Duma auf eine wirksame Unterstützung seitens der Arbeiterklasse rechnen. Aber eine Duma, die von der Regierung keine Rechenschaft für ihre zahllosen Verbrechen fordert, sondern diese Regierung still- schweigend anerkennt und mit ihr um ein paar elende Fetze» angeblicher Freiheit verhandelt— läßt daS Proletariat vollständig kalt. zur Verteidigung dieser Duma, d i e s e r„VolkSvertteter" rührt eS keinen Finger. Sein Klassenbewußtsein, welches ihm schon früher den Weg des Boykotts der Duma gewiesen hat. verbietet ihm die Unterstützung derer, die unter der Maske der Volksfreundlichkeit im Grunde genommen die erbittertsten Gegner seiner Klasseninteressen sind, in deren Händen die Duma nur ein Mittel ist, dem nahenden Sieg der Revolutton. deren Vorkämpfer das Proletariat ist. Ein- h a l t zu gebieten. Finanzprojelt» der Regierung. Petersburg, IS. April.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) In einem an den Finanzminister gerichteten kaiserlichen UtaS wird der ReichShauShaltSetat für 1S0S bekanntgegeben. Der Etat sieht Finanzoperattonen vor, um 481 Millionen Rubel außer- ordentliche Ausgaben, ferner 160 Millionen Rubel zur Tilgung von Schatzanweisungen, die auf Grund eines Beschlusses des Finanz« ausschusseö im Jahre 1906 ausgegeben worden sind, und 180 Millionen Rubel an KriegSausgaben zu decken. Zu diesem Zwecke soll eine Anleihe von russischen und ausländischen Banken aufgenommen werden. Zusammenstoß zwischen Arbeitern und Kosaken. Petersburg, 17. April. Am Sonntagabend entstand in einem übelberüchtigten Hause in der WerejSkajastraße eine Schlägerei zwischen Soldaten und Arbeitern! infolge derselben sammelte sich ein Haufe von etwa 2000 Arbeitern an, die gegen die Soldaten vorgingen und das Innere des Gebäudes verwüsteten. Polizei und Kosaken, die zur Wiederherstellung der Ordnung erschienen, wurden mit Steinwürfen empfangen. Sie mußten mit blanker Waffe vor« gehen, doch erlitten nur wenige Personen Verletzungen. Von den bei der Schlägerei Verwundeten ist einer gestorben. politifebe deberricbt. Berlin, den 17. April. Die VrüSkiernng Italiens. In Italien war e» sehr aufgefallen, daß die Vesuv-Katasttophe von der sonst so redeseligen und telegraphiereiftigen deutschen Re- gierung völlig unbeachtet geblieben war. Als nun gar noch mehrere deutsche Blätter, so die„Berk. Neuest. Nach r.' und die .Germania', die unerhörte Behauptung aufstellten, diese Haltung der deutschen Regierung sei keineswegs Zufall, sondern kränkende Absicht: man wolle sich an Italien dafür rächen, daß eS in AlgeciraS nicht mit Deusschland durch dick und dünn gegangen fei, mußte begreiflicherweise die Erbitterung Italiens einen hohen Grad erreichen. Die italienische Presse schlug denn auch fast aus- nahmSlos die fchärssten Töne gegen das.verbündete' Deutsch- land an. Jetzt endlich begreift die deussche Regierung, wie töttcht eS sei, die seit dem AlgeeiraShandel ohnehin ttostlofe Situation noch geflissentlich zu verschlechtern. Me daS offiziöse Telegraphenbureau vom 16. April meldet, Achtete der deutsche Botschafter an den italienischen Minister deS Aeußern ein offizielles Schreiben, in dem er fein Beileid zu den schmerzlichen Ereignissen am Vesuv aussprach. In dem Schreiben hieß e», der schreckliche Ausbruch des Vesuvs, der die blühende Umgebung von Neapel verwüstete, habe in Deutschland die lebhafte st en und aufrichtig st en Shm- pathien hervorgerufen. Jetzt, wo die unmittelbare Gefahr vor- über zu sein scheine und man die Größe des Unglücks abmessen könne, wünsche die kaiserliche Regierung der königlichen Regierung und der italienischen Nation ihr Beileid und ihr herzlichstes Mitgefühl zu dem Unglück. daS Italien durch diese neue Katastrophe gettoffen habe, auszudrücken. *) Das heißt der Stadt»md dem Erdkreis. -"Ol,»ot>v, tmi dt??««ttleivsninogeoung lolange zu warten, bis die eigene Presse das auffällige Schlveigen als hamrsches Uebelwollen deutele, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls ch zu konstatieren. � daß die öffentliche Meinung Italiens dies Schreiben nur als eine sehr verspätete und wen'g überzeugende Korrektur des früheren Verhaltens betrachtet. Und zu diesen früheren 5kundgebuiigen positiver und negativer Art rechnet man mich ein Telegramm, das der deutsche Kaiser dein Grafen Goluchoivöki zugehen ließ und welches wörtlich folgender- maßen lautete: «In dein Augenblick, da ich mit Genehmigimg Ihres aller- gnädigsten Herrn dem Grafen Welsersheiuib das Großkrcuz des Siote» AdlerordcnS übersende zum Dank für seine erfolg- reichen Bemühungen in Algeciras, drängt es mich. �hnen von Herzen aufrichtigen Dank zu sagen für Ihre un- erichütterliche Unterstützung meiner Vertreter.— Eine schöne T a t des treuen Bundesgenossen.— Sie haben sich als b r sllanter Sekundant auf der Mensur erwiesen und können gleichen Dienstes in gleichem Falle auch von mir gewiß fein. Wilhelm I. E." Man versteht es, daß dies Telegramm an Goluchowski als in- direkter Nüsfel für Italien aufgefaßt wird. Ob aber durch solche Zensuren die Bundestreue Italiens gefestigt wird, darüber kann mau ebenfalls sehr verschiedener Ansicht sein! Pariser Blätter be- sprechen die Vorgänge bereits unter der Ucberfchrift:„Das Ende des DrcibtmdcS— Spiridonowa. Borrisioglrbsk sGouv. Tambow), 16. April.(Meldung der Petersburger Telegraphcn-Agentur.) Der Kosaken- oifizier Abrain ow, der gegen die nach Ermordung eines Gouverneurs verhaftete Marie Spiridonowa Gewalttaten begangen hatte, wurde gestern im Zentrum der Stadt von einem Unbekannten durch drei Revolverschüsse vcrtvundet und erlag heute seinen Wunden. Der Mörder ist entkommen. Wir sind fest davon überzeugt, daß die konservative, wohl auch die Zeutrumsprcsse und bürgerliche Organe anderer Parteien auf obige Nachricht hin ein Wutgeheul anstimmen werden über die neueste ruchlose Schreckenstat des revolutionären„Mörders". Die- selbe Presse, die kein Wort, im günstigsten Falle ein paar schale Phrasen gebracht hat über die Tragödie der schändlich gemarterten Spiridonowa! Dieselbe Presse, die wohl gar das russische Mädchen mit einem Kübel preußischen Unflats übergössen hat. Darum scheint es angebracht, den tragischen Fall kurz zu rekapitulieren: Der Gouverneur LuschenowSki, ein Scheusal in menschenähnlicher Gestalt, tat sich im Dienste der russischen Reaktion die letzten Monate ganz besonders hervor: Er„beruhigte" das Tambowsche Gouvernement, das heißt: er raubte und mordete, sengte und plünderte, peitschte und hurte. Und seine Offiziere und Soldaten setzten eine Ehre darein, eS dem schurkischen Gebieter glcichzutun. Da beschloß das Tambower Komitee der russischen rcvolu- tionären Sozialdemokratie, den elenden Buben aus der Welt zu schaffen. Das Los, ihn zu töten, fiel auf Fräulein Spiridonowa, ein idealistisch veranlagtes sechzehnjähriges Mädchen, ein Kind, das sicherlich weniger von politisch ausgereiften Motiven als von edel- menschlichen Regungen beseelt war, da es— stolzer Freude voll— die herbe, aber ehrenvolle Mission übernahm. Von den Kugeln aus dem Revolver der Spiridonowa tödlich getroffen, hauchte das Scheusal LuschenowSki seinen Geist aus. Die sechzehnjährige„Mörderin" fiel zwei Halunken im Lcnt-- Nantsrang in die Hände: dem Kosakenoffizicr Abramow und dem Polizcileutuant Schdanow. Diese schlugen ihr ins Gesicht, traten ihr auf den Leib, stießen sie mit dem Gewehr- kolbcn, hoben sie am Zopf in die Höhe und ließen die bereits Bewußtlose mit voller Wucht zu Boden schlagen. Am Fuße zerrten sie die Ohnmächtige die Bahnhofstrcppe herunter und schleuderten sie in die bereit gehaltene Droschke. Man brachte sie zur Polizei, entkleidete sie bis aufs Hemd auf sperrte die Federnde in eine kalte, mit Steinflicscn belegte Kammer. Hier spielten die Schufte Schdanow und Abramow Fußball mit dem Kinde, peitschten und folterten. Sie löschten ihre Zigaretten am nackten Leibe des Mädchens, rissen ihm die Haare einzeln aus. Alle diese Hand- lungen waren natürlich von den gemeinsten Beschimpfungen be- gleitet. Dann folgte das Ekelhafteste: Spiridonowa wurde auf der Bahn nach Tombow gebracht. Unterwegs vergewaltigte der Halunke Abramow das Kind und steckte es mit Shphilis an!! Am S. April trug Bebel im deutschen Reichstage den Fall Spiridonowa vor. Er hat— wir zitieren unter Fortlassung der Zwischenrufe, die von der Empörung im Hause Zeugnis ablegen, nach dem offiziellen stenographischen Protokoll— den ärztlichen Befund zur Verlesung gebracht. Der lautete: „.... DaS Gesicht ist geschwollen, voll roter und blauer Narben. Beide Augen so furchtbar geschwollen, daß die Kranke sie nicht öffnen kann. Ein Auge hat die Sehkraft ganz ein- gcbiisit, das andere wird wohl geheilt werden können. Der Mund kann nicht geöffnet werde», da die Lippen geschwollen sind. lieber dem linken Auge ist die Haut abgerissen in der Größe eines Markstückes, so daß das Fleisch bloßgelegt ist? dasselbe auch rechts am Haar, mitten auf der Stirn, ein eiternder Streife», wo die Haut auch abgerissen ist. Die beiden Hände sind blau geschwollen und tragen zahlreiche Spuren von Nagaikahiebcn, desgleichen auch Arme und Schultern. Die beiden Füße sind blau und gesä, wollen, an vielen Stellen ist die Haut abgerissen, Spuren von Nagaikahicben. Der HalS ist geschwollen, die Lungen sind stark beschädigt, infolgedessen hat Blutung statt- gefunden... Während Bebel dann von der Syphilis-Jnfizierung des Kindes durch den Strolch im Offiziersrock berichtete, fiel der Reichskanzler Graf Bülow in Ohnmacht! Wer Symbole liebt, dem mag diese Fügung des Zufalls als ein Symbol gelten für die Ge- fühle, die einen sich zum zivilisierten Teile der Menschheit rechnenden Menschen beseelen müssen bei der Kunde von der Ver» tierung, in der Rußlands Staatsstützen dahinleben. Die Spiridonowa wurde zum Tode verurteilt, aber zu LOjähriger Zwangsarbeit„begnadigt". In derselben Reichstagssitzung, da Bebel sprach und Bülow in Ohnmacht fiel, hat Herr Liebermann v. Sonnenberg sich mit Stolz zum Kosakentum bekannt, hat er sich in die Brust geworfen, die Abramow, Schdanow und Konsorten liebevoll an sein weites Anti- scmitenherz gezogen. Der Ekel muh jeden Menschen, solange er noch Spuren menschlichen Empfindens in sich trägt, packen bei der Erinnerung daran, wie deutsche Reichstagsabgcordnete im deutschen Reichstage und deutsche Zeitungen zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts pc>5t Obristum natum barbarische Scheusäligkeiten beschönigen, ja verteidigen, für die Vorgänge in der Seele einer Spiridonowa aber nicht das geringste Verständnis besitzen. Die Antisemitenpressc, die Junkerpresse, die Zeutrumsprcsse hat dem Fall Spiridonowa das gleiche„Verständnis" entgegen- gebracht. Sic versteht sich meisterhaft aufs Totschweigen. Wenn einem Deutschen in unseren Kolonien demnächst einmal ein Härchen gekrümmt, oder wenn ein baltischer Adliger beleidigt werden sollte, dann werden jene Edclmcnschcn wohl die Sprache wiederfinden.—* »* 4. Deutfcbco Reich. Ter RcichSverband gegen die Sozialdemokratie. Die Werbcnbteilung des NcichSvcrbandcs entfaltet in letzter Zeit eine intensive Tätigkeit. Eifrig werden die' Adreßbücher, StaatSkalendcr, Bcamtcnlistcn nstv. studiert, die Namen derjenigen, die sich„vermöge ihrer sozialen Stellung und nationalen Betätigung voraussichtlich für die Bestrebungen des RcichsverbandeS interessieren dürften", in die Namensrcgistcr eingetragen und dann diese Per- sonen mit Zirkularen und Aufforderungen überschüttet, deren ewiger Schlußrefrain darauf hinausläuft:„Zur Rettung des Vaterlandes vor der sozialdemokratischen Gefahr ist absolut nötig, daß Ihr den Reichsverband nicht nur durch beträchtliche einmalige Spenden, sondern auch durch regelmäßige Jahresbeiträge unterstützt". Und diese Bettelei hat, da sie mit anerkennenswerter Zähigkeit betrieben wird, gute Erfolge aufzuweisen. Nach den letzten Veröffentlichungen, die der Reichs- verband seinen Mitgliedern zugesandt hat, beläuft sich die Zahl der Mitglieder, die sich zu regelmäßigen Jahresbeiträgen verpflicktct haben, über 100 000. die Anzahl der Ortsvcreine des Reichsverbandes ist auf 91 gestiegen, und ferner haben sich ungefähr 250 selbständige nationale Vereine(meist konservative und nationalliberale Wahl- vereine, Beamtenvereine usw.) dem Reichsverband angeschlossen. Wenn in der letzten Zeit die agitatorische Tätigkeit des Reichs- Verbandes etwas nachgelassen hat, so darf daraus nicht geschlossen werden, daß seine Energie verpufft ist. Er trifft schon jetzt um- fassende Vorbereitungen für die ReicfistagSwnHl im Jahre 1908. Es ist ein SpezialwahlfondS eingerichtet worden, dem bereits namhafte Beiträge zugeflossen sind. Aus ihm sollen die Kosten für die vor den nächsten Reichstagswahlcn geplante aus-- gedehnte antisozialdemokratische Agitation bestritten werden. Man gedenkt einige Millionen Flugblätter und Broschüren in die„sozial- demokratisch verseuchten" Wahlkreise zu werfen, und außerdem niehrere Dutzend der bekannten, in der„Redncrschule" des Verbandes ge- drillten„Wanderredncr" loszulassen. Auch die Heransgabe eines antisozialdemokratischcn politischen Handbuch» ist geplant. Ferner ist eine Erweiterung der schon jetzt vom Reichsverband unterhaltenen„ZcitungSkorrcspondenz" beabsichtigt. Bekanntlich hat der Reichsverband hier in Berlin eine Art Prcßbureau eingerichtet, in dem die sozialdeinokratischen Parteiblätter sowie die größeren GciverkschaftSblätter daraufhin durchmustert werden, ob sich nicht in ihnen Aeutzerungen befinden, die sich, den Zwecken dcS ReichSverbaudeS entsprechend zurechtgestutzt oder interpretiert, gegen die sozialdemokra- tische Bewegung ausschlachten lassen. Die gehässigen, verlogenen, die Sozialdemokratie begeifernden Nottzen, die fast täglich in den Blättern vom Schlage der„Post", der„Staatsbürger-Ztg.", des „Reich", der„Deutschen TagcSztg." und in der konservativen Kreis- presse erscheinen, sind nur zuni kleinsten Teil Selbstfabrikate dieser Zeitungen, meist stammen sie aus der Preßabteilung des ehrsamen Reichsverbandes. Diese Korrespondenz gedenkt man zur nächsten Reichstagswahl auszubauen, mit speziell auf die Wahlbewcgung be- rechneten Artikeln und Notizen vollzustopfen und sie zum niicntgclt- lichen Abdrucke der gcsanttcn bürgerlichen Presse, von den freisinnig- polksparteilichcn Blättern bis herab zum reaktionärsten Krcisblättchen, zur Verfügung zu stellen. . ES sind also bedeutende Vorbereitungen, die der RcichSverband für die nächsten NeichslagSwahlen trifft, und wenn auch wohl kaum alle seine schönen Pläne sich so leicht verwirklichen lassen werden, ivie er denkt, so ergibt sich doch daraus für die Leitung unserer Partei die Aufgabe, rechtzeitig ihre Gegenmaßregeln zu treffen.— Das große Mißverständnis. In Nr. 82 des„Vorwärts" veröffentlichten wir einen kurzen Auszug aus einen, Bericht des dänischen Universitätsdozenten Dr. Oeftnip, nach welchem der Haupt- und Spezialtheoretiker der kon- scrvattven ReichStagSfraktion Graf Kanitz-Podangen in einem Gespräch gesagt haben sollte:„Wir können den Fleischverbrauch (in Deutschland) ja doch nicht decken, und die hohen Flcischprcise, mit denen wir natürlich sehr zufrieden sind, würden nicht sinken, selb st wenn die dänische Grenze geöffnet werden würde. Dazu kommt, daß auf der Südseite der Grenze manche Agrarier direkt interessiert sind an einem erleichterten Zugang mageren dänischen MehcS. Und schließlich wäre es ja willkommen, eine Gelegenheit zu erhalte», den Städten zu zeigen, daß die Agrarier nicht so despotisch und unumgänglich sind. wie man sagt. Es geht uns Agrarier» wie so vielen, wir sind i» Wirklichkeit viel besser als unser Ruf. Ja, wenn die Verhältnisse sich ändern und Deutsch- land einmal wirklich in die Lage kommen sollte, sich selber mit Fleisch zu versorgen, so würden die Agrarier natürlich einen anderen Stand- Punkt einnehmen; aber wie die Dinge vorläufig stehen, wird man in uns keine prinzipiellen Gegner finden, wenn Dänemark in diesem Punkte mit Deutschland reden will." Der„Deutschen Tageöztg." war diese Notiz höchst unbequem; sie behauptete, die Aeußcrung des Grafen Kanitz würde wohl anders gelautet haben, und richtete schließlich an diesen die Aufforderung, die Angaben des Dr. Oestrup richtigzustellen. Die Richtigstellung unterblieb; dafür aber brachte am letzten Donnerstag das Oertelsche Organ folgende nichtssagende Notiz: Durch die Presse ging kürzlich, wie wir mitteilten, die Nach« richt, Abg. Gras Kanitz habe einem dänischen Gelehrten, dem Herrn Dr. Oestrup gesagt, die deutsche Landwirffchaft sei bekanntlich nicht im stände, den einheimischen Fleischbcdarf zu decken; des- halb werde sie über die Oeffnung der dänischen Grenze mit sich reden lassen. Wir mußten von der Mitteilung, da sie durch die ganze Presse ging. Notiz nehmen, fügten aber sofort hinzu, daß wir ihre Nichtigkeit bezweifeln müßten. Wie unsere Zweifel berechtigt waren, da» bestätigt un» heute eine Zuschrift des Grafen von Kanitz, in der er ausführt, daß ein Mißverständnis vorliege und daß er stets den entgegengesetzten Standpunkt vertrete» habe. Die Notiz konnte ihrer ganzen Fassung nach nur als eine jämmerliche Ausflucht gelten. Jedenfalls ist sie weit mehr geeignet, den Bericht des Dr. Oestrup zu bestätigen, als zu dementieren. Anstatt einfach zu sagen, was er dem Dr. Oestrup gesagt hat und was nicht, verschanzt sich Graf Kanitz hinter dem be- kannten großen Mißverständnis und erklärt, daß er stets den entgegengesetzten Standpunkt vertreten habe— was, soweit sein Auftreten in der breiten Oeffentlichkeit in Betracht kommt, bisher unseres Wissens niemand bezweifelt hat, handelt es sich doch gerade darum, daß die von Dr. Oestrup behauptete Privatäußenmg des Grafen Kanitz zu dessen öffentlichen Reden in krassem Widerspruch steht. Trotz dieser absoluten Wertlosigkeit ihrer Richtigstellung fühlt sich die„Deutsche Tageszeitung" veranlaßt, uns und den übrigen Blättern, die jene Notiz gebracht haben, den Vorwurf der Un- ehrlichkeit zu machen, weil wir das komische Dementi unbeachtet gelassen haben. „Fast die gesamte liberale, freisinnige und sozialdemokratische Presse", sagt daS Blatt,„hatte von dem Mißverständnis Notiz genommen und daran einige mehr oder minder hämische Be- merkungen geknüpft. Man hätte demnach erwarten müssen, daß nnumehr diese Blätter von der Erklärung des Grafen Kanitz ihren Lesern Kenntnis geben tvürden. Das ist aber, soweit wir gesehen haben, nur von zwei Blättern geschehen, nämlich von der„Vossischen Zeitung" und von der„Frankfurter Zeitung". Wir glauben des- halb, die Erklärung des Grafen Kanitz nochmals ausdrücklich hervor- heben zu sollen, daß er immer den Standpunkt vertreten habe, daß die deutsche Landwirtschaft den heimischen F l c i s ch b e d a r f decken könne." Die Unverschämtheit des bündlerischen BlatteS ist fast noch größer als seine Einiälligkcit. Weil es ihm beliebt, einen Bericht ohne jeg- liche näheren Angaben einfach als Mißverständnis zu bezeichnen, mutet cö der gesamten Presse zu, zu glauben, daß Graf Könitz gerade das Gegenteil von dem gesagt hat, was ihn Dr. Oestrup sagen läßt— und das, nachdem in den letzten Jahren die agrarischen Autoritäten so häufig bewiesen haben, daß sie des so- gcuaimten guten Zweckes wegen auch gegen ihre Ueber- zeugnng zu sprechen vermögen. Wir erinnern hier nur an Preußens höchste landwirtschaftliche Autorität, den LandwirtschaftS- minister v. Podbiclski, der uach seiner eigenen Angabe schon damals, als er in seiner Rede beim Kaiscrhof-Dincr die Behauptung aizf- stellte, die Schweinepreise würden schon in vier bi» fünf Wochen sinken, ganz genau wußte, daß dieser Fall nicht eintreten werde, trotzdem aber des guten agrarischen Ztveck» Ivegen sich nicht genierte, auf seine Autorität hin etwas zu versichern, daS er selbst für falsch hielt.—_ Eine Empfehlung der Prügelstrafe leistet sich der Erste Staats- anwalt Langer in Gnesen in der., D e n t s ch e n I n r i st e n- Zeitung". Er bedauert, daß diese barbarische, verrohende Strafe den verlorenen Platz nicht wieder gewinne» könne, trotz „der in die Augen springenden Vorteile ihrer Billigkeit und Ein- dringlichkeit", und obgleich cS nicht viele Deutsche geben möge, die nicht beim Lesen ihrer Zeitung oder wenn sie sonst von einer rüpelhaften Straftat erfahren, durch den Gedanken oder gar den Ausruf,„der Mensch verdiene Schläge", das Bedürfnis nach dieser Straftat gefühlt und anerkannt haben. Einer der Gründe für diese Erscheinung scheint ihm ihr„altmodischer grober Name" zu sein, und viel wäre seiner Ansicht nach schon gewonnen,„wenn man eine feine, das Mitleid weniger anregende Bezeichnung, vielleicht gar in einem wohl- klingenden Fremdlvort, für sie fände." Herr Langer sucht dem Vorwurf der Barbarei schließlich zu entgehen, in- dem er darauf hinweist, daß sich die Knutensreunde in der Gesellschaft Englands, des freisinnig regierten Dänemarks und des Präsidenten der Union Theodore Rooscvelt befinden. Was uns wenig imponiert. Roosevelt ist leine Autorität in Knlturfragen, die sogenannten„Liberalen" Dänemarks sind's ebeusoivenig, und daß in England neben manchem, das wir uns zum Muster nehmen könnten, noch viel Barbarei besteht, haben wir längst gewußt. Die sich mehrenden Stimmen aus Juristcnkreisen für die Prügelstrafe beweisen uns nur, daß iin Zeitalter der Brausewetter und Frommhold ein allgemeiner Niedergang des Niveaus unserer Justiz stattfindet.— Nochmals die Roosevelt-Redc. Auch die offiziöse„Nordd. Allg. Ztg." hat die famose Rede Roosevelt» an der Spitze des Blattes gebracht. Bei einer solchen Bewertung dieser Rede ist es nicht uninteressant, das Urteil der„Köln. Volksztg." darüber zu hören. Das Blatt schreibt: „Es geht schon lviedcr los! Nämlich das Jubeln über angeblich„deutschfreundliche" Kundgebungen im Aus lande. Die Ansprache, welche Präsident Rooscvelt an eine ihm von dem Botschafter Speck v. Sternburg vorgeführte Abordnung deutscher 5iriegerbundsinitglieder von Nordamerika hielt, hat den „Tag" bezw. den„Berliner Lokalanzeiger" augenscheinlich in einen Taumel des Entzückens versetzt. Diese Blätter bringen die An- spräche auf der ersten Seite in fetter(!) Schrift unter der jauch- zcnden Ucberschrift: Eine deutschfreundliche Kundgebung des Präsidenten Roosevelt. Im Texte wird dann von einer„hoch- bedeutsamen" Rede gesprochen, was geradezu lächerlich ist. Präsident Roosevelt hat bekanntlich einen„guten Zungenschlag" und hält Ansprachen ohne Zahl. Ueber die Häufigkeit seiner rhetorischen Ergüsse werden in der amerikanischen Presse auch recht gesalzene Witze gemacht. Daß der Präsident im politischen Leben recht energisch austreten kann, hat er schon manchmal bewiesen, zu- gleich hat er sich aber in seinen Gelegenheitsansprachen stets als ein Komplimentcnmacher erster Güte bewährt. Von den Deutschamerikanern hat er gesagt, keine Rasse habe den Amerikanern bessere Eigenschaften gegcb,n, als die Männer deutschen Stammes und Blutes. Sehr nett, aber wer Roosevelts Ansprachen kennt. ivciß auch, daß er so zu allen spricht. Den Juden hat er anläßlich des Jubiläums ihrer LSOjährigen Existenz auf amerikanischem Boden im November v. I. noch viel größere Schmeicheleien, und sogar schriftlich, gesagt. Vor der Konferenz versicherten optimistisch angehauchte Blätter, Amerika werde sich entschieden auf unsere Seite stellen, aber diese Hoffnung hat getrogen. Der amerikanische Delegierte White bat sich mehr auf die französische, als auf die deutsche Seite gestellt und zum Schluß das Protokoll nur mit dem Vor- behalt unterschrieben, daß Amerika jede Verantwortlich- keit für die Durchführung ablehne. Das heißt doch wohl: wenn Frankreich sich Ucbergriffc erlaubt, z. B. in bczug auf die Handhabung der Polizeigewalt, dann wird das den Dankccs gcknz gleichgültig sein. Wir haben also sicher keinen Anlaß, den Amerikanern Tank für Algeciras zu spenden, und überdies sagt Roosevelt in der angeblich„hochbcdeutsamen"(!) Rede ja auch nur, es wäre gut, daß die Konferenz friedlich verlaufen sei."— Die bayerische Mittelstandspartei. Die angeblich zur Wahrung der Interessen des werktätigen Mittelstandes gegründete bayerische Mittelstaudspartei befindet sich in einer bösen Klemme. Sie hatte vor kurzem ihren Sekretär, den Schuldenauskäufcr und-Eintreiber Biclmeier beauftragt, zur Deckung der Kosten für die letzte Landtagswahlagitation von den aus der Mittelstandspartei ausgetretenen Mitgliedern die rück- ständigen Beiträge zwangsweise einzutreiben. Bei der Nach- Prüfung stellte sich heraus, daß die Kasse der Mittelstandspartei ein Manko von 8000 M. aufweist. Quittungen und Belege fehlen. Tie Mittelstandspartei hat nun nicht nur den Sekretär Biel- meier, der bor einigen Tagen wieder einmal vor dem hiesigen Schöffengericht als Wucherer ersten Ranges bezeichnet wurde, seines Amtes enthoben, sie hat ihn auch einstimmig ausgeschlossen und ruft nun zur Aufklärung der Kassen- und Büchervcrhältnisse die Hülfe der Staatsanwaltschaft-«n. Daß die Mittelstaudspartei, die während der Landtagsagitation die Bedrückung der kleinen Gewerbetreibenden durch die„un- verschämten" Forderungen der Arbeiter als Feldgeschrei erkoren hatte, einen Mann als Sekretär anstellen konnte, der als einer der ärgsten Ausbeuter der kleinen Leute galt, ist bezeichnend für das mittelstandsrettcrische Partcigcbilde.— Tie Liberale» in Ostpreußen. Die„Hartungsche Zeitung" verkündet, daß für die nächsten ReichslagSwahlen zivischen den liberalen Parteien der Provinz Ost- Preußen, der Freisinnigen Volkspartei, der Freisinnigen Ver- einigung und der Nationalliberalcn Partei eine Verständigung er- zielt worden ist, die unter voller Aufrcchterhaltung der Selbständig- keit der Parteien ein gemeinsames Vorgehen aller drei Parteien auf breitester Basis garantiert. Solche„Verständigung" ist in Königsberg schon bei der letzten Wahl vorhanden gewesen; in der Provinz aber haben alle drei Par- tcien recht wenig Einfluß. Ob es gelingen wird, die Stimmen der Nationalliberalcn in der Provinz, die gewöhnlich bisher den Kon- servativen zufielen, der Freisinnigen Volkspartei zuzuwenden, ist fraglich. Gelvih ist nur, daß in den Kreisen, wo der liberale Klüngel bei den Stichwahlen zwischen den Konservativen und Sozialdemokraten den Ausschlag gibt, er zugunsten der Konserva- tiven entscheiden wird. Dafür erhält er dann in Königsberg von den Konservativen in der Stichwahl— wenn eine solche wieder stattfinden sollte— die nachdrücklichste Wahlhülfe.— Schwere Verluste in Südwestafrika. Amtlich wird gemeldet: Major von Estorff ging am 2. Avril 1906 mit den Abteilungen Täubler und Heuck in Richtung Gamsibkluft vor. Durch diesen Vor- marsch wurden die dort befindlichen Hottentotten gezwungen, auf britisches Gebiet überzutreten. Eine starke Hottentottenwerft mit 40 Männern und 300 Weibern und Kindern wurde von der Kap- Polizei von Aris nach der Gegend von Rietfontein L. 0. abtrans- portiert. H � Anscheinend hierdurch veranlaßt, kehrte M o r c n g a, der auf britischem Gebiet in Höhe von Ariam gemeldet war, mit etwa 70 Gewehren auf deutsches Gebiet zurück. Am 5. April überschritt er die Päd Nababis- Ukamas und schlug die Richtung auf Heirachabis und Amas ein. Hierbei wurde ein Teil seiner Bm>de durch die von Nababis in Anmarsch befindliche Funkcnstation von Milczewski angegriffen und nach kurzem Fcucrgefccht nach Norden zurück- geworfen. lieber Ukamas auf Heirachabis folgte die Abteilung Hornhardt, deren Führung Major Siebert übernommen hatte, während sich Ab- teilung Heuck in Hudab zusammenzog unter Besetzung von Gapüts Datvignab und Oas. Inzwischen hatte Morcnga die Richtung auf Amas verlassen und war über Wehlers Tamm auf Fettkluft ab- gebogen. Dort stici; am 8. April ein Zug der 1. Kompagnie 2. Fcldrcgimcnts in tief eingeschnittener Felsschlucht auf starke feind- liche Banden. Diesseits fielen 8 Reiter, schwer verwundet wurden Leutnant Garde nnd 4 Reiter, leichtverwundet 1 Reiter, vermißt 1 Unteroffizier, 1 Reiter. Vor Teilen der anrückenden Abteilung Heuck floh der Gegner in Richtung Oas, wo die 11. Kompagnie 1. Fcldregiments die Verfolgung aufnahm. Am Morgen des 10. April griff diese Kompagnie unter Ober- lcutnant von Baehr die nördlich Oas lagernde Bande an und warf sie nach zlveistündigem Gefecht in östlicher Richtung zurück. Ober- leutnant von Baehr wurde le i ch t. ein U n t e r o f f i z i e r schwer verwundet. Am Nachmittage des 10. April stieß eine Patrouille der 11. Kompagnie 1. Fcldregiments in Gegend westlich Oas auf weitere von Süden kommende Hottentotten. Diesseits werden zwei Reiter vermißt. Major von Estorff setzte die Verfolgung� fort. . HuslancL Ungarn. Vor der Schlacht. Die bürgerliche Presse Ungarns bedient sich bei Besprechung der eben beendeten Krisis der ebenso alten wie faulen politischen Phrase: es gebe hier weder Sieger noch Besiegte l In Wirklichkeit ist natür- lich die großmäulige Koalition besiegt; denn ihre Führer, die nun nach einem 5lampf von mehr als Jahresdauer Ministersessel er- gnttert haben, konnten diesen„Sieg" doch nur erringen, indem sie die von ihnen vorher aufs bitterste bekämpfte Forderung akzeptierten: Das allgemeine, gleiche, geheime Wahlrecht mindestens in dem Maße zu verwirklichen, wie es die Regierung Fejervary hatte durchführen toollcn. Obwohl mit der Durchführung des Wahlgesetzes eine der Haupt- forderungen der ungarländischcn Sozialdemokratie erfüllt würde, sind unsere Genossen, wie wir schon gleich nach Beendigung der Krise andeuteten, vom Ministerium Weierle durchaus nicht entzückt. Wir haben die Zusammensetzung des neuen Kabinetts bereits ckxrrakteri- sicrt, das mau am treffendsten als das„Ministerium der Millionäre" bezeichnen könnte. Weierle hat sich dahin geäußert: er sei derselbe geblieben, der er gewesenl Selbst wenn man ihm das glauben, auf seine Willens- kraft, seine polirische Vergangenheit bauen will, so fragt es sich doch immer noch, ob er imstande sein wird, die feudalen Herren Agrarier zu bclvegcn, von ihrer volksfeindlichen Politik abzulassen. Soviel steht fest: Auf Grund des bestehendem Wahl- gesetzes wird in Ungarn nur noch ein einziges ldas letztel) Mal ge- wählt werden. Wie früher werden unsere ungarischen Genossen auch diesmal wieder in den aussichtslosen Kampf ziehen.„Aus- sichtslos" insofern, als es ihnen unmöglich sein wird, einen ihrer Kandi- baten durchzudringen. Aber dennoch wird ihre Agitation nicht nutz- los sein; denn auch jeder bürgerliche Kandidat wird klipp und klar mit seiner Stellung zur Wahlrechtsfragc herausrücken müssen. Aufgabe unserer Genossen wird es sein, jenen Herrschaften den Mund zu öffnen und zu bewirken, daß— wenn auch noch kein Sozial- deniokrat ins Parlament gelangen kann— doch jeder Wahlrechtsfeind sich im Wahlkampfe das Genick bricht. Unter diesem Zeichen werden wir den Kampf bald entbrennen sehen. Ter Agitation für die bevorstehenden Wahlen ordnet denn auch ganz folgerichtig die ungarische Sozialdemokratie im Augen- blick alle anderen Fragen unter. So hat sie z. B.— wie aus einem soeben in der„Ncpszava" veröffentlichten Aufruf der Partei- lcituug hervorgeht— beschlossen,„daß im Hinblick auf die in Fluß ae- rateue Wahlbewcgung, die alle agitatorischen Kräfte täglich und stündlich voll in Anspruch nimmt, der für Ostern anberaumte Partei- tag verschoben wird und zu Pfingsten(3. bis 5. Juni) stattfinden soll. In der Wahlbewcgung sollen die Kandidaten der bürgerlichen Parteien zur klaren Stellungnahme zum allgemeinen Wahlrecht ge- drängt und diejenigen, die sich nicht strikte dafür erklären, aufs heftigste bekämpft werden." England. Die Schulvorlage des Gewerkschaftskongresses. London, 14. April. fEig. Ber.) Genosse William Thorne hat im Namen der britischen Gewcrk- schaften folgende Schulvorlage im Unterhause eingebracht: „1. Vom 1. Januar 1907 an sollen alle von der Regierung unterstützten Elementarschulen unter die Autorität der Lokal- behörden in ihren Distrikten und Gemeinden gestellt werden. 2. Die lokale Schulbchörde ist ermächtigt, Anstalten zu treffen. die konfessionellen und privaten Volksschulen zu kaufen oder zu mieten unter Bedingungen, die der Bestätigung durch daS Unterrichtsministerium bedürfen. Können sich die Lokalbchördcn und die Verwaltung solcher Schulen nicht einigen, so haben die Lokal- behörden eine neue Schule einzurichten, in welchem Falle die Regierungszuschüsse an die konfessionellen Schulen aufhören. 3. In allen vom Staate unterstützten Schulen soll der Unter- richt weltlich sein; ihre Lehrer und Beamte sind keinen thcolo- gischen oder konfessionellen Prüfungen unterworfen. 4. Die Lokalbchörden haben auch für Mittel- und technische Schulen zu sorgen; ebenso soll eine genügende Zahl von Stipendien für fähige Schüler eingerichtet werden, um sie in den Stand zu setzen, ihren Studien bis zur Absolvierung der Universität sorgenlos nachzugehen. 5. Die Lokalbehörden sollen ebenfalls für die Mittel sorgen, die den Lehrern nötig sind, um ihre professionelle Ausbildung zu vollenden. 6. Die Kosten, die zur Ausführung dieser Bill nötig sind, sollen durch die Zcntralregierung gedeckt werden sowie durch die Ueber- führung der Vermögen und Vermachungen der einzelnen Schulen an den Staat. 7. Jede Lokalbehörde i stverpflichtet, mindesten? eine Mahlzeit täglich an die Schulkinder zu gewähren. 8. Jede Lokalbehörde ist verpflichtet, Höhe, Gewicht, Brust- umfang der die Elementarschulen besuchenden Kinder festzustellen und darüber den ersten Bericht vor dem 30. Dezember 1906 an das Unterrichtsministerium zu schicken. 9. Jede Lokalbchörde soll einen oder mehrere Aerzke bestellen, die die Pflicht haben, die Kinder zu untersuchen und die leidenden zu behandeln."—< Portugal. Meuterei. Von der Empörung der Matrosen des Admiralschiffes„Don Carlos I." haben wir bereits am 11. d. M. kurz berichtet. Vergangenen Donnerstag ist auch auf dem Kreuzer„Vasco da Gama" sowie auf den zu diesem Kreuzer gehörigen Kanonenbooten im Hafen von Lissabon eine Meuterei ausgebrochen. Ferner verlautet: Auch in mehreren Garnisonen des Landes seien Insubordinationen schwerer Art vorgefallen.— Da die Zensur wahrheitsgetrene Nachrichten nicht passieren läßt, so ist im Augen- blick noch nichts Gewisses über die angedeuteten Vorfälle zu ermitteln.— Norwegen. Zum Schutze der Naturkräfte vor dem Kapitalismus. Die unermeßlich wertvollen Naturkräfte, die Norwegen in seinen Wasserfällen besitzt oder besser gesagt noch besitzt, locken immer mehr Kapitalisten an, die sie für billiges Geld ankaufen, um sie zu einem großen Teil— brach liegen zu lassen, bis die industrielle Entwickelung und die Fortschritte der Technik es ihnen möglich machen, sie für das hundertfache wieder zu verkaufen oder mit nicht geringerem Profit selbst auszubeuten. Zumeist ist es ausländisches Kapital, das sich hier breit macht; denn die nor- wegischen Kapitalisten sind weniger zahlreich und weniger leistungs- fähig. Darin liegt die Gefahr, daß das Land in eine Abhängigkeit vom Ausland gerät, die drückender ist und schwerer zu überwinden sein wird als die politische Abhängigkeit von Schweden, von der es sich im vorigen Jahre endgültig freigemacht hat. Das Odelsthing und das Lagthing haben nun in geheimen Sitzungen ein provisorisches Gesetz beschlossen, wonach Ausländer oder Gesellschaften, deren Mitglieder nicht alle persönlich haftbar sind, das Eigentumsrecht oder Nutzungsrecht an Wasserfällen bis auf weiteres nicht ohne Genehmigung der norwegischen Regierung erwerben können. Das Gesetz ist am Sonnabend vor 8 Tagen von der Regierung gutgeheißen worden und sofort in Kraft getreten. Es bleibt nur bis zum Ablauf der jetzigen Storthingspcriode in Geltung. Die Regierung hat beschlossen, dem Stovthing außerdem den Entwurf zu eincin neuen, für die Dauer bestimmten Gesetz vorzulegen, dessen wichtigste Bestimmung die ist, daß die Geneh- migung zum Ankauf von Liegenschaften— wie Bergwerke, Wasserfälle, Wälder und so weiter— nur dann erteilt werden darf, wenn mindestens die Hälfte des Kapitals norwegisch ist. Das provisorische Gesetz hat den Zweck, zu verhindern, daß das ausländische Kapital sich noch kurz vor Toresschluß alle die Reichtümer aneignet, die durch das kommende Gesetz dauernd ge- schützt werden sollen. Wie es scheint, will man aber gegen den inländischen Kapitalismus wenig oder gar nichts unternehmen, so daß Staat und Gemeinden, wenn sie einmal der Wasserkräfte bedürfen, trotz aller Gesetzgebung vom Kapitalismus abhängig sind. Amerika. Ketzer Rooscvclt. „Wolffs Bureau" meldet: Am Sonnabend hielt Präsident Rooscvelt bei Gelegenheit der Grundsteinlegung des neuen KougrcßgebäudeS in Washington eine Rede, in welcher er ausführte: ES müsse etwaS Ernstliches gegen die Ansammlung von so ge- waltigen Vermögen, wie sie jetzt bestände», unternommen werden. Er persönlich sei überzeugt, eS sei durchaus notwendig, die Annahme eines nationalen Systems für eine progressive Steuer zu erwägen, welche bei der Uebertragung von Vermögen zu erheben sei, die über eine vernünftige Grenze angeschwollen sei, und ferner zu verhindern, daß irgend jemand über einen gewissen Betrag hinaus erben könne. Roofebelt ist von den amerikanischen Kapitalisten schon öfter ob seiner ketzerischen Anwandlungen scharf angegristen worden. Jetzt wird ihn die Mente ivohl wieder tüchtig umbellen und zausen. Ge- schieht ihm schon recht. Warum redet er so rabiat, wenn'? ihm schließlich doch nicht im vollen Ernst darnni zu tun ist, den von ihm erkannten Uebelständen an die Wurzel zu gehen!— Soziales. Bon einem Pastor der Fürsoracerzichmig. DaS preußische Gesetz über die Fürsorgeerziehung Minder- jähriger vom 2. Juli 1900 verfolgt den Zweck, Minderjährige unter 18 Jahren, die ein�r geeigneten Erziehung entbehren, staatlicher Er- ziehnng zu überweisen. Der an sich verständige Zweck, Kinder, die einer hinreichenden elterlichen Erziehung entbehren oder gar gegen Eltern geschützt werden müssen und deshalb der Verwahr- losung anheimfallen könnten, wird durch verschiedene Be- stimmungcn des Gesetzes, viel mehr aber noch durch die Ausführung des Gesetzes beinahe in sein volles Gegenteil verwandelt. Ueberblickt man die Aus» führung des Gesetzes, so ist das Urteil nicht zu hart, daß in der Regel die armen Kinder, denen gegenüber Eltern ihre Pflicht ver- nachlässigt hatten oder die aus den sonstigen im Gesetz angeführten Gründen einer Fürsorgeerziehung überwiesen sind, nicht als Mit- glieder der Gesellschaft behandelt werden, denen gegenüber eine be- sonders liebevolle Fürsorge am Platze ist, nm ihnen den späteren Kampf um das Leben z» erleichtern. Vielmehr gelangt man zu der Ueberzeugung, daß die Kinder deshalb/ weil andere die Erziehnngspflicht ihnen gegenüber vernachlässigt haben, bestraft werden und daß die Wirkung der Fürsorgeerziehung viel weniger dahin geht, die körperlichen und geistigen Fähigkeiten der Kinder zu entwickeln und zu starken, als diese arme», Hülflosen Kinder als Ausbeutungsobjekte zu behandeln, denen nicht menschlich entgegengetreten lvird, auS denen vielniehr daS Mensch- liche Heransgetrieben tverden soll, unr sie als Ausbcutungsobjckte, insbesondere in der Landwirtschast bester mißbrancheu zu können. Nicht wenig hat zu dieser Ausbeutung der Kinder die ministerielle AnssührnngSbestimmung beigetragen, in der zwar allerlei von Bclvahrnng der Zöglinge vor weiterem sittlichen und moralischen Verfall geredet wird, in der es aber gleichzeitig heißt: „Bei der Fürsorgeerziehung ist das Hauptaugenmerk darauf zu richten, �daß die Zöglinge der Verwahrlosung entnommen, zu rcligiös-sittlichen Menschen erzogen und zu brauchbaren Ar- bestem vorzugsweise für die Landwirtschaft auS- gebildet werden." Die Mängel der Ausführung des Gesetzes lasten leider daS Fürsorgegesetz als eines der reaktionärsten Gesetze er- scheinen, daß daS preußische Dreiklassenparlament verabschiedet hat. Die Erfahrungen, auch die Kriminalstatistik, weisen schon in der kurzen Zeit des Bestehens des Fürsorgcg sctzes darauf hin. das in der Tat die Wirkung des Ge- sctzeS leider nicht die ist, Kinder der Verwahrlosung zu cntzich'cn. sondern die körperliche nnd geistige Verelendung der armen Kinder zu vergrößern, sie während der Dauer der sogenannten Fürsorge nicht als Fürsorge-, sondern als AuSbentclinder zu be- handeln und sie doppelt und dreifach den Unbilden des Kampfes ums Dasein auszusetzen..„ � Wiederholt haben wir Fälle angeführt, die das vorstehende Urteil vollauf zu rechtfertigen geeignet sind. Traurige Fälle waren ja selbst aus den der Berliner Stadtverlvaltung unterstellten Gebieten zu melden. Wie sieht es erst da um arme Fürsorgezöglinge aus. wo die Träger der Fnrsorgelast Landgemeinden sind l Heute wollen wir einsge Fälle an? derFürsorgetätigkeit eines Pastors anführen. Pastor Rohr beaussichtigt in Sievers- dorf(KreiS Lebus) über 100 dort untergebrachte Fürsorgezöglinge. In welcher Weise dieser Pastor sein Amt auffaßt, dafür einige Beispiele. Am 26. März war aus Anlaß der Kontrollvcrsammlnngcn ain Abend in Sieversdorf Tanzvergnügen. Die 17jährige Klara Lehmann, die bei dem Halbbauer Gustav Moritz dient, nahm an dem Tanz teil. Der Pastor ließ sie darauf durch einen Knecht auffordern, zu ihm zu kommen. Nach wiederholter Aufforderung kam sie dem Verlangen nach. Bei dem Pastor waren acht Mädchen „fürsorglich mit Fcderrcißen beschäftigt". In Gegenwart dieser im- glücklichen Mädchen, die nichts getan haben, weswegen sie mit Zuchthausarbeiten beschäftigt werden sollten, schlug der Herr Pastor der 17jährigen Klara Lehmann so ins Gesicht, daß ihr das Blut aus der Nase spritzte und die anderen Mädchen beschmutzte. Der Mund schwoll dick an. Dann schlug der Herr Pastor sie auf den Kopf, so daß ihr die Kämme aus den Haaren flogen. Der Fürsorgeherr befahl dann, sie solle sich waschen und dann in die Stube kommen, um dann noch eine tüchtige Tracht mit dein Stock zu bekommen. Dies ist nicht das erstemal, daß der Herr Pastor die 17 jährige Waise ge- schlagen hat. DaS Verbrechen dieses armen Mädchens besteht darin, daß ihre Eltern tot sind und sie Landarme ist. Verdient in der Tat ein Gesetz den Namen Fürsorgegcsctz, das solche Wirkungen zeitigt? Ein zweiter Fall der Erziehung durch den Pastor Rohr. Der 18 j ä h r i g e K n e ch t Walter Primm bei A. Moritz im Dienst sollte auf einem Ball zugunsten der Fürsorgetätigkeit etwas vortragen. Bei der Probe war der Pastor mit ihm nicht zufrieden, darüber ärgerte sich der Knecht und ging nachHanse. Darauf ließ der Pastor ihn zurückholen. Andere Zöglinge mußten Weidenruten schneiden, dann mußte der 18jährige Primm sich in Gegenwart der anderen überlegen, bekam 2ö H i e b e il n d d a n n n o ch von d e m P a st o r links und rechts Backpfeifen. Ein dritter Fall. Ein etlva 17 jähriges Mädchen, Frieda Rogge, bei dem Halbbauer Ernst Moritz im Dienst, hatte das Verbrechen begangen zum Tanz zu gehen. Zur Strafe mußte sie in e i n e nr ll n t e r r o ck und N a ch t j a ck e sich über einen Stuhl legen. Auf Befehl des Herrn Pastors, der das Mädchen fe st hielt, hieb der Halb- b a n e r E r n st Moritz f ü n f z e h n m a l auf sie ein und nach den Schlägen verabreichte ihr der Pastor noch h ö ch st persönlich Backpfeifen. Es liegt auf der Hand, daß hnlflose Kinder, denen solche Be- Handlung zuteil wird, jedes bessere Gefühl verlieren müssen und direkt zur Roheit hinneigen miisten. Eine derartige Behandlung seitens eines Pastors legt die Frage nahe, ob denn in der Tat die kosakische Freude an der Znfügung von Schmerzen andern gegenüber in Deutschland infolge der Junkerherrschaft soweit gediehen ist, daß man es wagt, ein Gesetz als Fürsorgegcsctz anzupreisen, daS solche Brutalitäten zeitigt? Uns ist nicht bekannt, welcher Gemeinde die armen Zöglinge, über die der Pastor Rohr die Aufsicht führt, überwiesen sind. Es wäre aber v e r d a m nr t e Pflicht rr rr d Schuldigkeit dieser Gemeinde ebensowohl, tvie der Staatsanloalt» schaft, hier einzugreifen. Prügeleien tvie die eben be« schriebene» an 17- und 18jährigen Menschen, die einer besonderen Liebe und liebevoller Behandlung bedürften, sind Roheiten, die auch daS Strafgesetz selbst einem Pastor nicht gestattet. Daß der Pastor Rohr in eifriger Bekäinpfung der Sozialdemokratie, der Feindin jeder Roheit, Ausbeutung und Unterdrückung, sich in den Muße- stunden versucht, die ihm die 300 Ruhetage im Jahre lassen, ist selbstverständlich._ Was bei„Patriotischen Festen" sittlich wird. In den meisten preußischen Kreisen ist durch Polizeiverordnnngcn dafür gesorgt, daß Kinder unter 16 Jahren sich ans sittlichen Gründen an öffentlichen Tanzlustbarkeiten nicht beteiligen dürfen. Wirte, die die Beteiligung noch nicht 16 Jahre alter Kinder an öffentlichen Lustbarkeiten zulassen, machen sich danach strafbar. So steht es auch im Kreise Krassen, ja da ist sogar das Z u s ch a u e n beim Tanz verboten. So hat der Landrat von Krassen eine am 1. April d. I. in Kraft getretene Polizeiverordnung erlassen, die eine Ausnahme für sogenannte patriotische Feste zuläßt. Der in Betracht kommende Teil der Verordnung lautet: „Kinder unter 16 Jahren dürfen sich lvährend der Dauer der öffentlichen Tanzlustbarkeiten in allen dazu benutzten Räumen und in denjenigen Räumen, von denen ans ein Zuschauen zu den Tanzlustbarkeiten möglich ist, nicht aufhalten. Die OrtSpolizei- behörden können Ausnahmen von dieser Vorschrift zulassen, z. B. bei der Feier patriotischer Feste." Wunderbare Logik: Die öffentlichen Tanzlustbarkeiten sind nach diesem landrätlichen Erlaß so schlimm, daß schon daS Zuschauen Geist und Sittlichkeit der noch nicht 16 Jahre alten Kinder gefährden kann. Die Gefährdung darf aber mit ortspolizeilicher Erlaubnis insbesondere dann eintreten, wenn es sich um patriotische Feste handelt._ Ein Beitrag zur Lage der Landarbeiter. Dieser Tage ist eine Klage eines Landarbeiters gegen Amtsrat Dr. R i m p a u S Erben in Schlanstedt gewonnen. Die Klage ist für die Verhältnisse der Landarbeiter und des dem ReichstagS-Abg. Rimpan nahestehenden Rittergutes bezeichnend. Kläger war als Landarbeiter seit Martini 1902 im Dienste von Rimpans Erben. Der Kontrakt wurde von Martini zu Martini geschlossen. Der Lohn betrug täglich 1.75 M. Hiervon wurden jedoch 25 Pf. bis Ablauf des Jahresvertrages einbehalten. Ferner standen dem Landarbeiter 30 M. Mietsentschädigung zu. Mitte August arbeitete der Land- arbeitcr mit seiner Frau aus dem Felde. Die beiden 4 und 1 Jahr alten Kinder waren zu Hause ohne Aufsicht eingeschlossen. Die Frau hatte von morgens 6 Uhr Bis mittags>/g 1 2 Uhr nnd von mittags 1 Uhr bis abends Vz7 Uhr auf dem Felde gcarbefttet. Um diese Zeit sagte sie, sie müsse nach Hause zu ihren Kindern, sie habe große Angst; auch müßten die Kinder Abendbrot erhalten, ihre Ordnung haben und zu Bett gebracht werden. Der Aufseher Kühne befahl' der Frau dennoch. weiter zu arbeiten. Die Frau erklärte, das könne sie nicht, sie müsse nach Hause; ihr Mann kam hinzu und er- klärte, sie solle nur nach Hause gehen. Das tat sie. Er selbst arbeitete mit den anderen Arbeitern bis y�O Uhr weiter. Am folgenden Werktage wurde darauf der Arbeit c�r wegen Ungehorsam eni- lassen. Der Arbeiter legte mm in der Klage dar, daß diese Entlassung eine Vertragsverletzung sei. Denn der Befehl des Aufsehers war völlig unberechtigt. Eine Arbeitszeit von elf Stunden für eine Fa Milien rnntter, die kleine Kinder zuHausc hat. sei bei 90 Pf. Tage- lohn außerordentlich reichlich. Dem Landarbeiter war der für 244 Arbeitstage mit je 25 Pf. ciubehaltcne Lohn in Höhe von 61 M. auch nicht ausgezahlt. Er verlangte im Klage wege Zahlung des bis zum Entlassuugstage rückständige» Lohnes einschließlich jener 61 M., in Summa 80,80 M. R i m p a u L Erben wurden denn auch auf die Klage hin verurteilt. Hoffentlich stellt der Landarbeiter nun auch eine Schadenersatzklage für die Zeit nach seiner Entlassung an. Freilich steht der Schadenersatzklage der Umstand entgegen, daß ein Arbeiter, der unter so jämmerlichen Löhnen zu arbeiten hat, durch die Entlassung eher Vorteil als Nachteil hat. Daher zieht der Vertragsbruch der Großgrundbesitzern selten vermögensrechtliche Nachteile nach sich. GewerhfcbaftUcbed. Gin nrurr„'christlicher" Verrat. Die Aussperrung in der Mechanischen Weberei zu Hannover-Linden ist durch Ver- gleich beendet worden. Die Streikenden verlangten eine Lohnerhöhung von durchschnittlich 10 Proz.. die zu bewilligen die Direktion ablehnte, weshalb durch die Arbeitsnieder- legung die von der Lohnbewegung betroffenen Abteilungen des Betriebes stillgelegt wurden. Da die Firma den Be- trieb nicht mehr aufrecht erhalten konnte, sperrte sie etwa 600 Arbeiter aus, wobei sie glaubte, auf die 360 Streikenden einen Druck ausüben zu können. Darin hatte sie sich aber getäuscht. Doch erschien ihr ein Retter in Gestalt des— christ- lichen Textilarbeiterverbandest Hinter dem Rücken des Fabrik, und Textilarbeiterverbandes trat die christliche Organisation, die hier kaum anderthalb Mann zählt, mit der Direktion in Verbindung und erzielte auf diese fromme Weise etwa 6—7 Proz. Lohnerhöhung. Damit war sie natürlich aufs höchste befriedigt, meinte sie doch, mit diesem Judaslohn die„sozialdemokratischen" Verbände kalt zu stellen. Allein ihren Zweck erreichte sie nicht. Die Leiter des Fabrik- und des Textilarbeiterverbandes kamen mit der Direktion überein, daß eine Einigungskommission, als welche der Krankenkassenvorstand bestimmt wurde, über die Streit- frage verhandelt. Dabei wurde mehr erreicht als die christlichen Unterhändler ihren Mitgliedern in dem Separat- abkommen bieten konnten, nämlich eine Lohnerhöhung von 8—10 Proz. Einige Gruppen, die 10 Pf. pro Tag mehr haben sollten, bekommen 20 Pf. mehr, die 25 Pf. erhalten sollten, 35 Pf., einige, deren Lohn gar nicht erhöht werden sollte, bekommen 10 Pf. mehr. Alle Streikenden werden wieder eingestellt; ein Erfolg, um den sich die Christlichen überhaupt nicht bemüht haben! Nur den Verband will die Direktion nicht anerkennen— aus Prinzip! Dieses Prinzip ist nicht viel wert, da die Einigungskommission doch im Auf- trage und im Interesse der Organisation handelte, also im Wesen dem Verbände gleich war. Aber das Prinzip ist ge- rettet: die Lohnerhöhungen sind nicht dem Verbände bewilligt, aber durch den Verband errungen worden. Die schäbige Haltung der Christlichen wird diesen keinen Erfolg bringen, denn deren ganzes Gebaren lief darauf hinaus, die Einigung mit der Direktion zustande zu bringen, um die„sozialdemokratischen" Verbände zu hindern, etwas zu erringen. Eine echte christliche Tugend! »«rfln und amgefftnd. Die Musterkonfektionsschnriber und-Schneiderinnen hatten gestern nachmittag im„Englischen Garten" eine gut besuchte Ver- sammlung. um über das weitere Vorgehen in ihrer Lohnbewegung Beschluß zu fasten. Seit der letzten Versammlung haben ver- schiebene Firmen den Tarif in der ein wenig modifizierten Fastung anerkannt. Im ganzen haben neun Firmen bewilligt. Inzwischen hat auch die Siebenundzwanziger-Kommission der organisierten Meister sich gemeldet und Verhandlungen nachgesucht. Knop referierte. Es wurde folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung stimmt den Ausführungen des Referenten zu und erklärt im Hinblick auf die von der Siebenundzwanziger- Kommission der organisierten Meister nachgesuchten Verhandlungen. von einem offiziellen Streikbeschluß abzusehen. Die Versammelten verpflichten sich jedoch, die Anfertigung von Mustern strikt zurück- zuweisen und die hierdurch arbeitslos werdenden Kollegen und Kolleginnen als Streikende anzusehen, sowie alle weiter zu treffen- den Maßnahmen der Lohnkommission und der Ortsverwaltung des Verbandes zu übertragen." Die Fensterputzer der Firma Karl Juhre, Pallisaden- straße 17, befinden sich im Streik. Da die in diesem Institut an- gestellten Fensterputzer bei den stetig steigenden Preisen für Lebens- mittel, Wohnungsmieten usw. mit einem Wochenlohn von IS M. nicht auskommen können, so forderten sie eine Zulage von 2 M. pro Woche. Aber auch diese gewiß bescheidene Forderung lehnte Herr Juhre als„unverschämt" ab. DieS ablehnende Verhalten steht aber im direkten Widerspruch mit seinem sonst sehr menschen- freundlichen Herzen, da er die Arbeiter ja stets aus purem Mit- leid beschäftigte. Zuzug ist unbedingt fernzuhalten. Die SektionSleitung der Fensterputzer. DcutTdita R((d>- 150 Stettiner Hafenarbeiter haben gestern die Arbeit ein- gestellt, weil ihnen eine Erhöhung des TagelohneS von 2.50 M. auf 3 M. verweigert wurde. Der Streik der Maler, Lackierer und Weißbinder in Bad Hont- bürg v. d. H. ist nach vierwöchentlicher Dauer mit einem Erfolg für die Arbeiter beendet. Erreicht wurde die Einführung der 9'/,- stündigen Arbeitszeit. 35 Pf. Mindestlohn für die Junggesellen und 45 Pf. für die übrigen Gehlllsen. Damit ist em Kampf in der „bekannten" Bäderstadt beendigt, der mit der größten Entschiedenheit geführt und der erste Streik in Homburg seit Jahrzehnten war. Der Streik der Maler und Tllncher in'W i e s b a d e n dauert un- verändert weiter. Die Arbeitgeber hegten die Hoffnung, daß die Streikenden nach Ostern bedingungslos die Arbeit aufnehmen, weil nach ihrer Annahme die Organisation infolge der vielen größeren Streiks und Aussperrungen die Mittel für die Streikunterstützung „ich, mehr aufbringen könne. Diese Illusion ist nunmehr auch noch durch die Beendigung des großen Streiks in Berlin vollends zu nichte gegangen.— Zuzug von Malern. Anstreichern. Lackierem, Tünchern und Stukkateuren ist also nach wie vor fernzuhalten. Die Schlosser, Schmiede und Kesselschmiede in der vernburger Dampfkesselfabrit lzur Bodenbenderschen Maschinenfabrik gehörig) befinden sich seit 27. März im A u s st a n d e. Sie forderten eine bescheidene Lohnerhöhung, die aber rundweg abgelehnt wurde, ob- gleich im selben Augenblick neun Prozent Dividende an die Aktionäre zur Verteilung kamen. Die Ausständigen— 50 an der Zahl— hoffen zuversichtlich auf einen Erfolg, da auS den eigenen Reihen noch kern Streikbrecher zu verzeichnen ist. Sie bitten jedoch um strengste Kernhaltung von Zuzug von außerhalb. Zum Streik der Hamburger Seeleute. Wie bürgerliche Blätter berichten, soll der Vertreter des Generaldirektors Ballin, der sich zurzeit auf einer Geschäftsreise befindet, geäußert haben, die Amerika-Linie sei bereit, mit den Vertretern der Seeleute zu verhandeln. Diese Mitteilung ist nicht zutreffend. Der Vertreter der Amerika-Linie hat gegenüber der Lohnkommission der Seeleute nur durchblicken lassen, daß die Reeder nach den Feiertagen, am Dienstag, zu den Streitfragen Stellung nehmen würden. Die Seeleute haben den„Stein des Anstoßes" beseitigt, indem sie auf Vorschlag des Zentralvorsitzenden Paul Müller eine Kommission gewählt haben, der der Antragsteller nicht angehört. Da Herr Ballin nach eigener Angabe kein Gegner Kerantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw,; ttan Verhandlungen mit Arbeiterorganisationen sein soll, stehk nun- mehr den Unterhandlungen kein Hindernis mehr entgegen. Es wird sich nun zeigen, ob eS den Reedern, die schon recht tief in den Geldbeutel haben langen müssen, um aus aller Herren Länder arbeitswillige„Seeleute" aufzutreiben, Ernst ist mit ihren bisher unverbindlichen Erklärungen. Die mit dem Dampfer„Poseidon" nach Hamburg beförderten russisch-finnischen Seeleute weigern sich, an Bord der Schiffe der Amerika-Linie als Streikbrecher zu gehen, da ihnen am Werbeort(Helsingfors) falsche Angaben über den Stand der Dinge in Hamburg gemacht worden sind. Ebenso haben sich andere ausländische Seeleute mit den streikenden See- lcuten solidarisch erklärt. Obwohl die Hamburg verlassenden Schiffe durchgehends eine Unterbemannung aufweisen, lancieren die Reeder die Nachricht in die Presse, daß die Schiffe vollzählig besetzt seien. So verließ am Dienstag vormittag ein Dampfer den Hafen, ohne über die nötige Mannschaft zur Bedienung der Kessel zu verfügen. Obwohl fortgesetzt in den Versammlungen der streikenden Seefahrer darüber Mitteilung gemacht wird, unter Hinweis auf die diesbezüglichen gesetzlichen Bestimmungen, scheint die Behörde daran keiyen Anstoß zu nehmen. Hamburg, 17. April.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Heute tagte der Reeder-Verein. Er setzte die Beratung über die Eingabe der Seeleute wegen oiner Verhandlung aus, mutmaßlich, weil Direktor Ballin von der Hamburg-Amerika-Linie verreist ist. Der Schnelldampfer„Deutschland", der morgen nach New Dork auslaufen sollte, engagierte Engländer und Italiener. Diese stellten jedoch die Arbeit ebenfalls ein; sie wollten nicht Arbeits- willigendienste leisten. Auf dem von Eherbourg kommenden Turbinendampfer„Kaiser" haben die Leute gekündigt. Auf mehreren Dampfern werden die Leute widerrechtlich zurück- gehalten._ Die Textilarbeiteraussperrung in Aachen. Eine gestern abgehaltene Versammlung der Arbeiterschaft der Firma F. und M. Meyer hatte als Ergebnis die Weigerung der Ausständigen, die Arbeit aufzunehmen sowie den Beschluß, unter allen Umständen an ihren Forderungen festzuhalten. Gemäß dem vor einigen Tagen gefaßten Beschlutz der Arbeitgeber der Aachener Textilindustrie bedeutet dies die endgültige Aussperrung der in den Fabriken des Arbeitgeberverbandes für das Tcxtilgewerbe be- schäftigten Weber. Diese Aussperrung ist denn auch inzwischen ein- getreten, hat jedoch— wie uns ein Privattelegramm meldet — nur einen geringen Umfang angenommen. Bis Mittag zählte man nur 150 Ausgesperrte.— Der christliche Verband lehnte die Unterstützung seiner Mitglieder abl Die Augen auf, Ruhriergmann! Man schreibt uns aus dem Ruhrrevier: Durch die Werkspresse geht in den letzten Tagen eine Notiz, daß am Sonntag, den 8. April, eine BertrauenSmännerlonferenz der Bergarbeiter beschlossen habe. imRuhrgebiet in diesem Jahre nicht in einen Streik einzutreten. Welcher Organisation mögen diese Vertrauensmänner angehören? Der alte Verband hat für den 8. April keine Konferenz einberufen! Sollte, was die Werksblätter schreiben, auf den „christlichen" Gewerlverein zutreffen? Möglich wäre es schon! Auf die Antwort von feiten der Bergarbeiter brauchen dann jedenfalls die Herren vom Gewerkverein nicht lanze zu warten. Denn es wäre ein Arbeiterverrat ohnegleichen, in dieser krittschen Zeit eine solche Erklärung vom Stapel zu lassen. Es wäre eine Ermächtigung für die Unternehmer, die Löhne noch mehr zu redu- zieren, dem Bergarbeiter vollends das Fell völlig über die Ohren zu ziehen, den» nach dieser Erklärung ließe er sich ja alles ge« fallen; gestreikt würde ja nicht l Die Ruhrbergleute haben auf den meisten Zechen Lohnforderungen eingereicht, in Mitteldeutjchland stehen die Bergsklaven im Streik. In Frankreich streiken ihre Arbeitsbrüder.— Run ein solches Bor- gehen! Die Unternehmer werden sich den Beschluß natürlich gut merken. Das Antreiben zum Ueberschichtenmachen wird auf den Gruben noch mehr forciert werden, um den französischen Unternehmern in der Bedrückung der Bergarbeiter beizustehen. Wie lange wird der Bergmann sich noch von Zersplitter- organisationen zum Werkzeug gebrauchen lassen? Nach dem freund« schaftlichen Verkehr des„christlichen"„Bergknappen"- Redakteurs R ü r u p mit dem französischen Streikbrecherhäuptling C o t t o n in Frankreich, der vor Jahren seine Streikbrecherbande mit Revolvern ausrüstete und auf die streikenden Bergleute losließ, konnte man schon auf manches gefaßt sein. Eine Erklärung aber, in diesem Jahre geduldig alles zu ertragen, die Unternehmer nach Gutdünken ihr Schäflein scheren zu lassen und nicht zu streiken, schlüge dem Faß den Boden aus. Doch wundern braucht man sich nicht mehr über dergleichen, die „christlichen" Gewerkschaften bringen eben alles fertig I Di» WrberauSfperruug in Aachen. In der Tuchfabrik von F. u. M. M e h e r traten am Montag der vergangenen Woche die Weber in den Ausstand, nachdem sich Unterhandlungen wegen Ein- führung von Verbesserungen an dem seit 10 Jahren bestehenden Lohntarif und wegen Gewährung eines Durchschnittslohnes bei so- genannter schlechter Arbeit zerschlagen hatten. Bor einigen Jahren haben die. Christlichen' unter Ausschaltung des Deutschen Textilarbeiter- Verbandes in Aachen ein„Schiedsgericht" flir die Texttlindustrie mit den Unternehmern vereinbart. Der Arbeitgeberverband behauptet nun, die Differenzen bei F. u. M. Meyer hätten zunächst vor das Schiedsgericht gehört, was die„Christlichen" entschieden bestreiten. Darauf hat der Arbeitgeberverband am 10. beschlossen, eine all- gemeine Aussperrung der Weber in den Betrieben der Mitglieder des Arbeitgeberverbandes der Texttlindustrie zu Aachen am Dienstag, den 17. April, auf Grund der jeweiligen Arbeitsordnung stattfinden zu lasten, wenn die ausständige Beleg- schaft von F. u. M. Meyer nicht bis zum 14. die Arbeit auf- genommen haben würden. Die Ausständigen, etwa 180, haben aber einstimmig beschlossen, die Arbeit trotz der Drohung des Arbeitgeber- Verbandes nicht auszunehmen, und so würde die Aussperrung am OsterdienStag beginnen. Wir haben in der Nummer 84 im Hauptblatt den Berrat ge- schildert, den die christlichen Führer an den Aachener Webern be- gangen haben, indem sie an dem Schiedsgericht der Einführung des ZweistuhlsystemS gegen den Willen der gesamten Textilarbeiterschaft den Unternehmem zuliebe zustimmten. Inzwischen haben die Ar- beiter schon in heftigster Weise ihrer Empörung gegen den Verrat der christlichen Führer Luft gemacht. Möglich, daß der Unternehmer- verband den verflucht gescherten Gedanken gehabt hat. durch die an sich völlig sinnlose Aussperrung die Weber von dem eben loS- gebrannten Protest gegen das Zweistuhlsystem abzulenken l Eine Aussperrung der vauarieiter im bayrischen Oterland. In dem idyllisch gelegenen Kurort Reichenhall tobt zur Zeit ein Kampf zwischen Arbeit und Kapital. Die Arbeiter im Baugewerbe haben im vorigen Jahre mit den vereinigten Bauunternehmern einen Tarif abgeschlossen. Diesen Tarif haben die Unternehmer nunmehr durchbrochen, weshalb die Maurer, Zim merer und Bauhülfs- arbeiter in den Ausstand traten. Dieser Streik kam den Unternehmem unbequem. denn sie wollten mit dem Beginn der Sommersaison(1. Mai) mit den in Angriff genommenen Bauten fertig werden und dann die Arbeiter aussperre». Die Arbeiter haben aber den Scharfmachern in die Suppe gespuckt und haben die Arbeit niedergelegt und forderten nunmehr eine zehnprozentige Lohnerhöhung. Die Unternehmer verbreiteten ein Flugblatt und beschlossen, falls die Arbeit nicht sofort auf- Zß. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsantzglt genommen werde, werden sämtlich« Arbeitgeber von Reichen» hall ihre Betriebe schließen. Dieser UkaS ist von 48 Arbeit« gebern unterschrieben. Die Arbeiter hielten eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, auf ihren Forderungen stehen zu bleiben. Während der Versammlung traf ein Eilbote des Arbeit- geberveroandes ein mit der Mitteilung, daß die Unternehmer zu Unterhandlungen bereit seien. Diese Unterhandlungen verliefen jedoch resultatlos, worauf der Arbeitgeberverband eine Versamm- lung abhielt und den Beschluß faßte, sämtliche Arbeiter in R e i ch e n h a l l auszusperren. Die Unteniehiner warfen in der Tat sämtliche organisierte Arbeiter noch vor d e m O st e r f e ste aufs Pflaster. Dabei zwangen sie auch die Tischler« und Schlossermeister, ihrem Beispiel zu folgen, ob- wohl diese erst vor einigen Tagen mit dem Holzarbeiter- bezw. Metallarbeiter-Verbande Tarifverträge abgeschlossen haben I Die Scharfmacher machten derart gründliche Arbeit, daß sogar der einzige am Orte befindliche Glasergehülfe ausgesperrt wurde.— Nun, den Bauprotzen wird der von ihnen heraufbeschworene Kampf teuer zu stehen kommen. Die Arbeiter in Reichenhall find bis zu 95 Proz. organisiert. Zuzug von Maurern, Zimmerern. Bauhülfsarbeitern, Schreinern, Schlossern. Schmieden, Malern. Tapezierern und aller nnt dem Baugewerbe verwandten Berufe nach Reichenhall ist strengstens fern- zuhalten. Metallarbeiter! Sämtliche Former und Gießer der Firma Küstermann in München haben wegen Nichtbewilligung ihrer Forde- rungm die Arbeit niedergelegt. Versammlungen. Der Verband der Friseurgchülfen(Zweigvcrein Berlin) be- schäftigte sich in seiner außerordentlichen Generalversammlung am 6. d. M. mit dem Bericht der Schlichtungskommission und dem Vor- schlag der Freien Vereinigung selbständiger Barbiere auf Einfüh- rung eines Staffeltarises mit Löhnen von 10 bis 12 M. bei halber Kost. Nach der Begründung soll diese Maßnahme dazu dienen, die im Berufe herrschende Lehrlingszüchterei zu beseitigen. Allgemein wurde indes der Meinung Ausdruck gegeben, daß die vorgeschlagenen Löhne bereits 1834 gezahlt worden sind, ohne die überaus große Lehrlingsausbildung zu verringern. Di« Versammlung lehnte ein- stimmig den Vorschlag ab. Ebenso abgelehnt wurde der Vorschlag des Lokalverbandes der Barbiere, die Aushülfen mit Kost zu belassen. Die Zahlstelle Berlin des Verbandes der Dachdecker beschloß in ihrer letzten Mitgliederversammlung absolute Arbeitsruhe am 1. Mai. In den Ausschuß wurden an die Stelle der zurückgetretenen Kollegen tö r n i tz und Friede! H a u s ch i l d und Fuchs gewählt. An telle des Vorstandsmitgliedes Kühn, welcher sein Amt nieder- gelegt hatte, wurde Arndt gewählt.— Als weiterer Delegierter zur Gewerkschaftskommission wurde H. M« h r l e i n gewählt.— Nach einer längeren Diskussion über die Verhandlungen des Verbands- tages wurde eine Resolution angenommen, in welcher die Versamm- lung ihre Zustimmung zur Tätigkeit der Verbandsdelegierten auS. spricht und sich verpflichtet, für die gefaßten Beschlüsse einzutreten, um die Organisation nach innen und außen zu stärken. Die Blumen-, Palmen- und Putzfeder-Arbeiter Und Aririte» rinnen hielten in den Arminhallen ihre Mitgliederversammlung ab. Die Vorsitzende berichtete über die zehn Agitationsversammlungen in Sachsen, welche alle stark von Heimarbeitern besucht waren. In Krippen bei Schandau waren 400 Frauen und Mädchen erschienen. In diesem Orte, in Pirna, sotvie in Leipzig wurden neue Zahlstellen des Verbandes gegründet. Es wurde in allen Orten festgestellt, daß die Behauptungen der Blumen- und Federfabrikanten, es verdienten die Heimarbeiterinnen bei einer sechsstündigen Arbeitszeit einen reichlichen Lohn und die Fabrikarbeiterinnen hätten Monatsgehälter von 100 Mark durchschnittlich, mindestens jedoch 75 Mark, von den Arbeiterinnen bestritten werden. Die Fabrikarbeiterinnen m Berlin und Leipzig haben einen Durchschnittslohn von 45 Mark pro Monat. Die Heimarbeiterinnen treten dafür ein. daß die auf der Heim» arbeit-Ausftellung angegebenen Löhne der Wahrheit entsprechen. Folgende Resolutton fand überall Annahme:.D« versammelten Arbeiter und Arbeiterinnen bekunden, daß sie mit den Ausführungen der Referentin bezüglich niedriger Löhne und langer Arbeitszeit sich in Uebereinstimmung befinden. Die auf der Heimarbeit-AuSstellung gemachten Angaben sind richttg und erscheinen eher noch zu rosig. besonders in bezug auf die Dauer der Arbeitszeit. In der Saison wird die Nächte durch gearbeitet. Die Arbeitszeit der verheirateten Frauen beträgt nicht 6 Stunden sondern 12 Stunden und darüber. Alle versprechen, sich dem Verbände anzuschließen." In einer Ver- sammlung meldeten sich 54 Arbeiterinnen zur Aufiiahme.— Ferner wurden Anträge für den Pfingsten in Sebnitz stattfindenden Ver» bandstag beraten. CS sollen die Beiträge sowie die Krankemmter- stützungSsätze erhöht werden. Letzte IVaebnehten und Oepescben. ArbeiterauSstanb. Mannheim, 17. April.(B. H.) 400 Arbeiter der Zellstoff- fabrik Waldhof sind heute vormittag in den Ausstand getreten. Als Grund werden Maßregelungen angegeben. Nach dem„Mann- hcimer Volksbl." sollen auch die übrigen Arbeiter der Fabrik, die 1800 Mann beschäftigt, sich de« Streikenden anschließen. Grubenunglück. Straßburg, 17. April.(B. H.) In der Grube Sterkcrade- Steinberg bei Oettingen im Kreise Diedenhofen, der Guten Hoff- nungshütte gehörend, hat sich ein Unglück ereignet. Bier Bergleute sind verschüttet worden. Drei konnten lebend, der vierte nur als Leiche zutage gefördert werden. Bon den dreien starben zwei an den erlittenen Berletzungen. Der Zustand des dritten Geretteten ist bedenklich. Bergung von Opfer». LenS, 17. April.(B. H.) Im Laufe des heutigen TageS find 26 Leichen aus den Gruben heraufbefördert worden, welche sämtlich nicht rrkognosjiert werden konnten. Kabinettskrise in Serbien. Serbien, 17. April.(W. T. B.) Das Kabinett Gruitsch hat dem König die Demission überreicht, die angenommen wurde. Der König betraute das Kabinett mit der einstweiligen Fortführung der Geschäfte. Kesselexplosion auf einem englischen Schiffe. Malta, 17. April.(W. T. B.) An Bord des Linienschiffes „Prince of Wales" ereignete sich heute auf See, als es mit voller Geschwindigkeit manövcricrtc, eine Tampfexplosion, durch dir drei Heizer getötet und vier Mann verletzt wurden. Der amerikanische KohlenarbeiteranSstand. New Jork, 17. April.l) inS Leben. Seit dem Uebergang deS Verlages in den Alleinbesitz Adolf GeckS am 1. Juni 1882 steuerte der Kurs des Blattes vorsichtig immer weiter nach links. Die Folge war Verfolgung durch Polizet und Justiz und allmählicher Verlust der bürgerlichen Leser, die aber ersetzt wurden durch die zunehmende Unterstützung der Arbeiterschaft. Die badische Regierung öffnete damals dem Bismarck- schen AuSnahmegesetz-Terrorismus die Grenzen des„liberalen' Musterstaates. Eine wilde Jagd gegen den„Volkssreund" Hub an. Die Prozesse, die fich gegen die Verantwortlichen vor den Ge- gerichten abspielten, waren' von großer Zahl, kosteten enorme? Geld und forderten viel Tage Gefängnis-Unfteiheit. Durch vexa- torische Unterdrückungen einzelner Nummern, verbunden mit lächer« lichen Konfiskationen der einzelnen Exemplare bei Abonnenten sollten die Leser furchtsam gemacht werden. Am berüchtigten Faschiugswahltag deS Jahre? 1387 fiihrtcn die Handlanger des Sozialistengesetzes den schärfsten Streich. „Volksbote' und„Rheinbote' wurden verboten. Sosort gab Genosse Geck die unpolitische„Parlaments- und Gerichtszeitung' herau», die schon bei der 4. Nummer unterdrückt wurde. Ihr folgte das Anzeigenblatt„Offenbura er Nachrichten' im Duodez- format von 18X26 Zentimeter. Ende 1888 hatte sich das Organ wieder langsam zu einer stattlichen Zeitung ausgewachsen und bekam den Titel: Südwest beut(che? Bolksblatt(Offenburger Nach richten). Als solches erschien eS mit textlichen Aenderungen für E l s a h- L o t h r i n g e n, für die Residenz Karlsruhe und fürs übrige Badenerland: es verschaffte fich von Mannheim auS auch Eingang in die fröhliche Pfalz. Nach dem Sturze des Schmachgesetzes, als der bisherige Redakteur Adolf Geck noch eine lange ftrafgesetzliche Rechnung im Gefängnis zu erledigen hatte, übernahm Genosse Otto ZielowSki (jetzt in Frankfurt a. M.) die redaktionelle Leitung und holte sich manche Freiheitsstrafe. Am 1. Oktober 1890 trat der alt« Titel„Volksfreund' wieder in fein Recht. Nach langwierigen Kämpfen auf den badischen und deutschen Parteitagen wegen Verlegung deS„VollSsreundeS' von Offcnburg nach Karlsruhe und Uebcrfiihrung in das Parleieigenttim wurde am 1. April 1898 das V e r l a g S r e ch t an die Partei abgetreten, am 1. April 1899 wurde der Druck des Blattes in Karlsruhe hergestellt. Die Redaktion übernahmen die Genossen Fendrich und Kolb. Der erstere ist inzwischen wieder ausgeschieden. Seit dem vorigen Jahre erscheint der»Volkssreund' in der eigenen Karlsruher Parteidruckerei. Der„Volksfreund' hat zu seinem Jubiläum eine Gedenk- nummer herausgegeben, die m einer Auflage von 25000 und im Umfange von 1« Seiten in» Land ging. Die Geschichte des„Volks- freund', die Geschichte der kämpfenden Sozialdemokratie Baden? spiegelt sich in ihr wieder. Mit Gcnugtuimg können heute die badischen Genossen auf das Erreichte blicken. ES wird ihnen ein Ansporn sein zum mutigen Weiterstreben. Glückauf dazu! Genossin Zetkins Augenleiden ist durch erfolgreiche Operationen behoben, die Herr Professor Dr. KönigShöfer in der Charlottenheil- anstatt Stuttgart ausführte. Diese erfreuliche Nachricht bringt die „Gchwäb. Tagwacht.' Genossin Zetkin bedarf indeß noch längere Zeit großer Schonung und kann ihre Tätigkeit noch nicht in dem früheren Umfange aufnehmen. Parteipreffe. In Nr. 82 des.Vorwärts' nimmt der Verlag der „Bergischen Arbeiterstimme" zu der Kündigung der Redakteure daS Wort und behauptet, die Ursache läge nicht in den Streitigkeiten zwischen Lokalgewerkschaften und Zentralverbänden sondern darin, daß wir einer Auseinandersetzung zwischen uns und dem Genossenschasts- vorstand aus dein Wege gehen wollten. Wir halten unsere Dar« stelluna vollinhaltlich auftecht; die Streitigkeiten zwischen den Gewerkschaften, die noch heute fortdauern, übertrugen sich auf da» polittsche Leben und sckmfen un? so zahlreiche Widersacher, daß wir trotz- des Schutze» der Preßkommission nicht so zu arbeiten ver- mochten, wie wir wollten. Die Sitzungen des GenoffenschaftS-Bor- standeS haben wir seit Jahr und Tag nicht besucht und waS man dort„als peinliche Angelegenheiten' behandeln wollte, war uns gleichgültig. Bemerken wollen wir noch, daß wir schon mehreremale unsere Demission angeboten haben. Die Redakteure der.Bergischen Srbeitersttmme'. Solingen. Sem belgischen Parteitage. AuS Brüssel meldet da» Bureau Herold vom 16. April: Gestern trat hier der nationale Arbeitet- kongreß zusammen. 451 Delegierte waren erschienen. Ueber die parlamentarische Tätigkeit der sozialisttschen Abgeordneten kam eS zu einer hefttgen Debatte, in Verfolg deren zwei Resolutionen angenommen wurden, deren eine verlangt, daß in den sozialistischen Blättern bei wichtigen Parlamentsabstinmntngen die Liste über den Namensaufruf veröffentlicht werde; eine zweite Refolutton verlangt, daß über die Anwesenheit der sozialisttschen Abgeordneten bei wichtigen Ausschußsitzungen deS Parlaments Kontrolle geführt werde. Der„Fall Briand". Pari». 15. April(Eigener Bericht). Die Loire-Föderation hatte es abgelehnt, Briand einen Kandidaten der Partei entgegenzustellen und hatte überdies einen höchst zweideutigen Beschluß gesaßt, der dem UnterrichtSminisler sozusagen einen Partei- urlaub zubilligte. Die Adminlstrativkommission der Partei erinnert nun die Genossen deS Loire-DepartementS an den Beschluß deS NalionalratS, daß sich ein Sozialist schon durch seine Teilnahme an einer bürgerlichen Regierung, ja sogar durch seine bloße Verhaudlung darüber außerhalb der Partei stelle und crttärt. die Sektionen, die dieser Entscheidung Trotz bieten, in der nächsten Versammlung des Rationalrats zur Verantwortung zu ziehen. Der 26. K»»lreß»er Sozialdemokratischen Föderation. London, 15. April. Die Sozialdemokrattsche Föderation(S. D. F.) hielt in den letzten drei Tagen in Bradsord ihren 26. IahreSkongreß ab. Er war von 90 Delegierten besucht, die 150 Zweigvereine vertraten. Am Vorabend der Kongreßeröffnung fand eine öffentliche Volks- Versammlung statt, dl« stark besucht war. Genosse Hyndman war der Hauptredner, der unter anderem folgendes sagte:„Im Unter- hause gibt es gegenwärtig etwa zehn ausrichtige Sozialisten, die mehr wert sind als alle übrigen zusammengenommen. Die Beweisführungen der Minister sind an diese zehn unserer Genossen gerichtet. Die Regicnmg weiß, daß die Macht und die Zukunft dem Sozialismus gehören. Der Begriff des Sozialismus ist leicht verständlich. Er sagt dem Arbeiter: „Schaffet bewußt für Euch selber und nicht unbewußt im Interesse anderer.' Die gebildeten Klassen beginnen nunmehr zu begreisen, daß ihr eigenes Lustgefühl, ihr eigener Begriff von Schönheit, ihre eigene Kunst sich nicht unter dem miserablen System von heute ver- wirklichen lassen. Nach und nach beginnen sie die Ueberlegenheit des Sozialismus zu merken und ihr unwillkürlich Achtung zu zollen. Für die Arbeiter ist indes keine Frage von so im- mittelbarer Wichtigkeit als die Erhaltung der Ki�er aus öffentlichen Mitteln. Erstens würden wir dadurch gesunde, gut entwickelte Mitbürger haben; zweitens würde eine solche Maßregel den Kampf der Arbeiter gegen das Kapital bedeutend erleichtern, und dieser Kampf ist gegenwärtig um so schwerer, als daS Kapital in noch nie dagewesenem Matze zusammen- geballt ist. Der Präsident deS Kongresse? war Genosse Hartley, der die Verhandlungen mit einer versöhnenden und die ganze sozialistische Bewegung ins Auge fassenden Rede einleitete. Er beklagte die Zersplitterung der lozialistischen Kräfte, das fortgesetzte Diskutieren der die Sozialisten trennenden Punkte, wo eS doch doch das ernste und erste Bestreben aller Genossen sein müßte, die Kräfte zusammen« zufassen und eine große Presse zu schaffen. Die Notwendigkeit einer sozialistischen Presse zeigte sich besonders bei der Ernennung von John Burns zum Minister, deren Bedeutung den Arbeitermassen nicht im richtigen Sinne erklärt werden konnte Nur wenige konnten voraussehen, daß John BurnS, der Revoluttonär von 1835—87, KabinettSniinister einer liberalen Regierung sein werde und ihm gegenüber eine Arbeiterfraktion sich befinden werde, die zur Oppo- sition gegen diese Regierung verpflichtet sei. Er— der Redner— glaube', daß die neue Arbeiterpartei sich offen der sozialistischen Be- wegung anschließen werde. Trotz dleser versöhnenden EinleitungSrede wurden die Anträge auf Wiederanschluß an die neue Arbeiterpartei abgelehnt. Zu diesem Punkte lagen Anträge vor, die folgendermaßen lauteten: „Der Kongreß ist der Ansicht, daß die Zeit gekommen sei, fich der Arbeiterpartei anzuschließen." Der Antrag wurde mit 55 gegen 29 Stimmen abgelehnt und an dessen Stelle der folgende von Hyndman begründete Antrag an- genominen: „Dieser 26. Kongreß der S. d. F. shmpathifiert in herzlicher Weise mit dem selbständigen Vorgehen der neuen Arbeiterpartei und ist bereit, sich ihr anziifchließen, sobald ihre Organisationen und Abgeordneten sich öffentlich fttr den Sozialismus erllären und ein in diesem Sinne gehaltenes Programm annehmen". Für diesen Antrag stimmten 52, gegen 18. Der Antrag auf Verschmelzung mit der sozialistischen Nnab- hängigen Arbeiterpartei wurde mit 43 gegen 48 Stimmen abgelehnt. Aber eS soll ausdrücklich hervorgehoben werden, daß die Ablehnung mir deshalb erfolgte, weil die Unabhängige Arbeiterpartei fich noch nicht entschließen konnte, der Verschmelzung zuzustimmen. Prin- zipielle Unterschiede und Fragen kommen hierbei nicht in Betracht. Die Mitglieder beider sozialistischen Orgamsattonen gehen schon seit einigen Jahren bei Wahlen und Demonstrationen freund- schaftlich zusammen. Der Zusammenschluß ist nur eine Formalität, die früher oder später ohne jede Schwierigkeit vollzogen werden wird. Die Zweiteilung ist nur eine oberflächliche und hat jetzt keine schädlichen Folgen mehr.— In der Schnlpolilik deckt fich die S. D. F. mit der Borlage von Thorne, nur besont die S. D. F. nachdrücklicher die Notwendigkeit der Erhaltung der Schulkinder aus öffentlichen Mitteln. Der dänische Parteitag. Z» Ostern fand in Kopenhagen der 11. Kongreß der sozialdemokratischen Partei Dänemarks statt. Er- schienen waren 225 Delegierte und 46 Mitglieder deS Hauptvorstandes des Sozialdemokratischen Verbandes. Im ganzen waren 143 Ab- teilungen des Verbandes vertreten, die zusammen 29 651 Mitglieder zählen. Der Parteivorsitzende P. Knudsen berichtete über die Tätigkeit der Partei in den seit dem vorigen Kongreß verflossenen drei Jahren, Er wieS auf die Erfolge der letzten Folkethingswahl hin, bei der 55 479 Stimmen für die sozialdemokratischen Kandidaten in 55 Wahlkreisen abgegeben wurden und die Zahl der Vertreter imFolkething von 14 auf 16 stieg. Sodann schilderte er ausführlich die Tättgkeit der Fraktion und besonders den Kamps gegen daS reaktionäre Treiben der „liberalen' Regierungspartei und ihrer Minister. Schließlich er« wähnte er die Erfolge bei den letzten Gcmeinderatswahlen, die der Partei in 50 Gemeinden 155 Vertreter gaben, wogegen bei den vorigen Wahlen in nur 25 Gemeinden 56 Vertreter der Sozialdemokratie gewählt wurden. In der Debatte über den Bericht wurde von einigen Delegierten Kritik an der Tättgkeit der Fraktion geübt. Unter anderem wurde bemängelt, daß sie für den Wieder« aufbau des Schlosses KrtstianSborg, das bekanntlich dem Folkething und Landsthing, sowie dem höchsten Gericht ein Heim bieten, aber auch Repräsentationsröunle für den König enthalten soll, gestimmt hatte. Der Fraktion Mißbilligung wegen ihrer Haltung in dieser Angelegen- heit auszusprechen, wurde jedoch mit 200 gegen 26 Stimmen abgelehnt. Der ganze Tättgkcilsbertcht wurde dann mit 250 gegen 4 Stimmen gutgeheißen. Bei dem wichtigsten Punkt der Tagesordnung: die Stellung der Partei zu den bevorstehenden Follethingswahlen, wandten sich einige Redner gegen jedes Wahlbündnis mit den Radikalen. Es wurde jedoch mit 214 gegen 49 Stimmen eine von den Genossen Borgbjerg und Harald Jensen vorgeschlagene Resolution angenommen, durch die den Parteigenossen in solchen Wahlkreisen, wo e» nicht zweckmäßig erscheint, eigene Kandidaten aufzustellen, empfohlen wird, den radikalsten Kandidaten gegen den mehr konservattven zu unter- stützen; unbedingte Voraussetzung ist jedoch, daß diese Kandidaten geloben, für das allgemeine gleiche Wahlrecht auf Grund der durch vir Verfassung gegebenen Mttel wirken zu wollen. Ferner werden in der Resolutton 62 Wahlkreise(von im ganzen 114) angeführt, in denen eigene Kandidaten der Sozialdemokratte aufgestellt werden sollen.— Der nerwegische Parteitag. Die Landesversammlung der sozial- demokratischen Arbeiterpartei Norwegens wurde am Karfreitag mit einer Ansprache de» Parteivorsitzenden Hornsaud zu.Kristiania er- öffnet. Redatteur Liiidblad, einer der vier anwesenden Vertreter der schwedischen Sozialdemokratie, überbrachte die Grütze dieser Bruderpartei, grau Professor TiraspolSki auS Rußland sprach über die Kämpfe der russischen Arbeiterschaft. Der Parteitag nahm eine vom StorthingSmann Eriksen vorgeschlagene Resolution an, in der den rusfischen Arbeitern die wärmste Sympathie kundgetan und die Hoffnung ausgesprochen wird, daß ihr Freiheitskampf bald von Erfolg gekrönt werden möge. Anwesend waren 211 Delegierte. außerdem die Mitglieder des HmiptvorstandeS und die vier schwedischen Vertreter, im ganzen 228 Teilnehmer. Die eigentlichen Verhandlungen begannen mit der Beratimg über Vorschläge zur Abänderung einiger Punkte deS Parteiprogramms. Mit 160 gegen 86 Stimmen wurde beschlossen, den Punkt:„All- gemeine Volksbewaffnung' zu streichen und dafür zu setzen:.«bschassuna de« MilltariSmus. Errich« naler-- tung internatio, Schiedsgerichte� Aligtinkiner zandelshSlfsarbeittt-Kongreß. Berlin, 16. April. Erster Verhandlungstag. Am zweiten Ostertage wurde im Berliner Gewerkschaftshause der erste Kongreß für alle im Handelsgewerbe beschäftigten Hülss- arbeitet eröffnet. Erschienen waren 117 Delegierte aus 80 Orten Deutschlands, die außer dem Zentralverband der Handels- und Transportarbeiter auch«ine Reihe der bedeutenderen Lokalvereine verschiedener Städte, wie Berlin, Hamburg, Breslau, Mannheim und Hannover vertraten. Außerdem nahmen an den Verhandlungen teil: die Reichstagsabgcordneten Molkenbuhr und Pfannkuch als Vertreter der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, der Ab- geordnete Legten im Auftrage der Gencralkommission der Ge- iverkschaften Deutschlands, die Genossen Link und Ritter von der Berliner Gewerkschaftskommission, sowie Vertreter von den Zcntralverbänden der Handlungsgehülfen, der Hafenarbeiter und der Maschinisten und Heizer. Wie der Verbandsvorsitzende Schumann in seiner Eröffnurlgsrede mitteilte, waren Re- gierungsvertreter nicht eingeladen worden, weil die Erfahrung gelehrt hat, daß sie doch nicht kommen. Eine Sympathie- depesche des österreichischen Bruderverbandes wurde mit allgcmeGcr Freude zur Kenntnis genommen. Hierauf begrüßte der Genosse Molkenbuhr den Kongreß namens der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion mit einer An- spräche, in der er den Beratungen einen gedeihlichen Fortgang wünschte zum Besten der unter einer besonders starken Ausbeutung leidenden Handelshülfsarbeiter. Ueber die Arbeitsverhältnisse der Handelshülfsarbeiter und deren Forderungen sprach sodann der Verbandsvorsitzende O. Schumann- Berlin. Schon seit Jahren, so führte der Referent aus, sei die Organisation bemüht gewesen, Material über die Berufsmißstönde zu sammeln, um Forderungen zur Abhülfe derselben an die gesetzgebenden Körper- schaften zu stellen. Eine Eingabe vom Jahre 190L an den Bundes- rat blieb jedoch unbeachtet. Als dann später in der Reichs- kommission für Arbeiterstatistikdie Mißstände, unter denen die Handlungsgehülfen so schwer zu leiden haben, erörtert wurden, gedachte man im Beirat schließlich auch der Hülss- arbeiter, der großen Schar der Hausdiener und Packer. Es wurden vom Beirat an 19 Vcrbandsfilialen und 12 Lokalvereine Fragebogen versandt, um ein Bild über die Lage der Handelshülfsarbeiter zu gewinnen. Das Ergebnis brachte den siieirat denn auch zu der Ueberzeugung, daß gesetzliche Maßnahmen zum Schutze dieser bisher gänzlich unbeachteten Arbeiterkategorie durchaus notwendig seien. Im Jahre 1905 fand im Anschluß hieran sodann eine mündliche Vernehmung von 8 Auskunftspersonen aus dem Berufe statt. Wenn die Vernehmung nun auch im Beisein gewichtiger Vertreter der Kaufmannschaft erfolgte und eine erklärliche Befangenheit der Ver- nommenen zeitigte, so wurde doch festgestellt, daß die Handclshülss- arbeiter von der Kaufmannschaft in einer überaus langen Arbeitszeit übermäßig ausgenutzt werden. Die Herren Kaus- leute suchten diese für sie so äußerst beschämende Tatsache bei jener Vernehmung anfangs zwar zu bestreiten, mußten sie später jedoch selbst als wahr eingestehen. Durchgreifende gesetzliche Schutzmatz- nahmen hat die Enquete des Beirats der Reichskommission außer einer Verordyung betr. Gewährung einer ununterbrochenen elf- stündigen Ruhepause für die Hülfsarbeiter jedoch nicht zur Folge gehabt. Es sind wohl einige Verbesserungsvorschläge gemacht worden, doch sind in denselben wieder eine ganze Anzahl der üblichen Ausnahmebestimmungen vorgesehen, so daß ein wirksamer Schutz ausgeschlossen erscheint, selbst wenn jene Vorschläge des Bei- rats Gesetz werden sollten. Nun hat der Zentralverband im Oktober v. I. selbst Erhebungen über die Lage des Hülfspersonals im Handelsgewerbe durch Heraus- gäbe von Fragebogen veranstaltet. Antworten gingen ein aus 83 Orten für 2323 Betriebe mit 23 777 beschäftigten Arbeitern. In Betracht kommen naturgemäß nur Großstädte und größere Mittel- städte, woselbst folgende Branchen in die Erhebungen aufgenommen wurden: die Nahrungs- und Genußmittelbranche, Hausbedarfs- artikel, Konfektions- und Manufakturgeschäfte, Putz- und Weiß- Warenbranche, Buchhandel- und Verlagsanstalten. Es beschäftigten: 1385 Betriebe bis zu 5 Personen, 698 bis zu 29 Personen, 175 bis zu 59 Personen und 65 über 59 Personen, das heißt nur Hausdiener und Packer usw. lieber 18 Jahre waren davon 21 699 und unter 18 Jahren 2987 Personen. Eine reguläre Arbeitszeit bis zu 19 Stunden hatten 936 Personen— 7,4 Proz.z bis zu 12 Stunden arbeiteten 12 914 42,4 Proz.; bis zu 14 Stunden arbeiteten 8148:= 32,5 Proz, und der Rest arbeitete über 14 Stunden. Es ergibt sich somit eine reguläre tägliche Arbeitszeit von 12i4 Stunden bei 1— Zstündigen Pausen, die jedoch je nach Bedarf eingeschränkt werden. Soweit würde das Ergebnis mit dem der Reichskommission für Arbciterstatistik übereinstimmen. Was das Verhältnis aber wesentlich ungünstiger gestaltet, das ist die regelmäßig wiederkehrende Verlängerung der Arbeitsdauer an gewissen Wochentagen und während der„Saison". Haben doch einige Branchen, wie beispielsweise die Konfektionsbranche, jährlich mehrere Monate, ja fast ein halbes Jahr lang„Saison". In dieser Zeit werden dann die Kräfte des Hülfspersonals derartig ausgenutzt, daß bis zu 18 Stunden t ä g l i ch gearbeitet werden müssen. Auf den Durchschnitt berechnet ergibt sich demnach eine Arbeitszeit von 1414 Stunden. Die Art der Arbeit ist anstrengender und unangenehmer. als wie es dem Uneingeweihten auf den ersten Blick erscheint. Es heißt nur immer: Friedrich hinten, Friedrich vorne. Besonders während der Saison gibt es ein ewiges Hasten und Jagen, treppauf. treppab; bald auf der Straße bei der Kundschaft oder der Post, bald im Geschäft. Hinzu kommen noch Privatarbeiten für den Chef und dessen Familie, so daß der Hausdiener vielfach erst gegen Mitter- nacht müde und erschöpft sein Lager aufsuchen kann, um es um 5 oder 6 Uhr morgens wieder zu verlassen. Zudem ist die Be- Handlung vielfach eine ausgesucht schlechte; nicht zum mindesten von der Unzahl kaufmännischer„Vorgesetzter", unter denen sich das„höher" stehende weibliche Element, wie Direktricen und Abteilungsvorsteherinnen, durch abstoßendes, schnippisches Benehmen meistens noch besonders hervortut. Was d i e Beschaffenheit der Pack- und Arbeits» räume anbelangt, so existieren hier geradezu empörende Miß- stände. Vielfach müssen die Packer in Löchern arbeiten, wo weder Sonne noch Mond hineinscheint. Dumpfe, feuchte Keller, wo den ganzen Tag über künstliches Licht gebrannt werden muß, werden häufig als Packräume benutzt; oder es dient hierzu der Hof, der zugige Hausflur oder eine rattenbevölkerte Remise. In Farben- und Drogengeschäften leiden die Hülfsarbeiter unter einer gesund- heitsschädlicben Staubentwickelung, die beim Zureiben der Farben und beim Mischen von Chemikalien entsteht. Für Ventilation ist hier durchweg so gut wie gar nicht gesorgt. Ueberaus schlecht ist es mit Waschvorrichtungen, Umkleideräumen, Speiseräumen und mit den Abortverhältnissen bestellt. Nicht selten liegen die Speise- und Umkleidebuchten in unmittelbarer Nähe der schlecht angelegten und noch schlechter gereinigten Klosctträume, und ein Klosett dient mitunter 29 bis 39 Personen beiderlei Geschlechts zur Benutzung. Redner kam zu dem Schluß, daß die Arbeitsverhältnisse der Handelshülfsarbeiter einer baldigen Verbesserung dringend be- dürftig seien, wenn nicht die Hunderttausende dieser Arbeiter in ein stumpfsinniges Kulitum versinken sollen.(Lebhafter Beifall.) Die Forderungen an die Reichsregierung zum Schutze der Handels- arbeiter sollen in einer einheitlichen Resolution niedergelegt werden, die alle Verhandlungspunkte des Kongresses gemeinsam umfaßt. Die Diskussion war eine äußerst ergiebige. Es beteiligten sich an der Debatte nicht weniger als 26 Redner, ebensoviele waren noch eingezeichnet, als ein Schlußantrag angenommen wurde. Das vom Referenten gezeichnete allgemeine Bild des Elends und der Ausbeutung wurde durch Einzelschilderungen aus allen Gauen Deutschlands noch wesentlich vervollständigt. Von den Klagen über schlechte Behandlung, Arbeitsüberbürdung und zu lange Arbeits- zeit war eine immer drastischer wie die andere. Auch über die miserable Entlohnung wurden Angaben gemacht, die da zeigten,'wie sich selbst die steinreichsten Handelshäuser das große Angebot von Arbeitskräften zunutze machen, um die Löhne auf daS denkbar niedrigste Maß herabzudrücken. So ist es in den Mittelstädten gang und gäbe, daß jugendliche Hausdiener bei Kost und Logis nur 5— 8 M. pro Woche erhalten. Verheiratete Leute werden nicht selten mit Jammerlöhncn bis herunter zu 12 und 19 M. entlohnt. Auch in Großstädten trifft man Löhne von 15 M. an. Von mehreren Rednern wurde es auf Grund ihrer eigenen Erfahrungen geradezu als g e f ä h r l i ch bezeichnet, die Polizeiorgane gelegentlich auf die Mißstände in den Packräumen oder die Nichtinnehaltung der gesetzlichen Mindestruhezeit aufmerksam zu machen. Es ist vor- gekommen, daß solche Beschwerdeführer von den Beamten dem Chef namhaft gemacht und daraufhin kurzerhand entlassen wurden. Direkt berüchtigt wegen ihrer Gesundheitsschädlichkeit sind in Berlin der„Börsen-" und der 29 Stufen tief gelegene„Petrikeller", wo- selbst die sogenannten„Kellerwürmer" zeitweise in Wasser und Hohem Schlamm arbeiten müssen. Welche Ansprüche aber zuweilen an einen Hausdiener gestellt werden, das geht in geradezu grotesker Weise aus einem Offertenschreiben hervor, das die Firma M. Neumann, Hoflieferant, Berlin, Friedrichstraße, kürzlich an einen Stellennachweis für Hausdiener richtete. Die Firma ver- langte„einen patenten gewandten Menschen mit intelligenter Rede- weise und nur besten Zeugnissen" unter folgenden Bedingungen: Alter 22— 27 Jahre, unverheiratet, wenn möglich Soldat gewesen, muß in Berlin gut Bescheid wissen, saubere Kleidung resp. erhält Livree, nettes Aeußere, gewandte Manieren, muß in Berliner Detailgeschäften tätig gewesen und guter flotter Packer sein. Und das alles für einen Lohn von— 29 M. pro Woche! Andere Firmen suchen Hausdiener, von denen sie sogar die Kenntnis der englischen Sprache verlangen. Mehrere Redner meinten launig, es fehle schließlich nur noch die Vorlegung des Einjährigen-Zeugnisses.— Eine eingehende Erörterung fand auch die verwerfliche Dreirad- q u ä l e r e i, durch welche besonders die jugendlichen Arbeiter zu- weilen bis zur völligen Erschöpfung überanstrengt werden. Eben der Schule entwachsene Jungen, die mit den Füßen kaum an die Pedale heranreichen, werden da häufig 2— 3 Zentner Waren in die„Mordkarre" gepackt, so daß sie das allgemeine Mitleid der Passanten erregen. Nur der„Chef" empfindet kein Mitleid. Sämt- liche Redner waren sich darin einig, daß diese Zustände förmlich nach Abhülfe schreien.— In seinem Schlußwort bemerkte Schumann, er sei in seinem Referat absichtlich nicht auf die Lohnverhältnisse der Handelshülfsarbeiter eingegangen, weil eine Aufbesserung der Löhne nicht Sache der Gesetzgebung, sondern Sache der Organisation sei, die zu stärken eine ebenso wichtige Aufgabe für die Arbeiter sein müsse, als wie alle Matz- nahmen zur Herbeiführung gesetzlicher Schutzvorschriften. »» * Berlin. 17. April. Zweiter Verhandlungstag. Das nächste Referat hielt Werner- Berlin. Er behandelte die Mangelhaftigkeit der gegenwärtigen gesetzlichen Bestimmungen über die Sonntagsruhe. Redner drückte sein Bedauern darüber aus, daß unsere Gesetz- gebung eine Einheitlichkeit in der Handhabe der Sonntagsruhe bisher noch immer nicht gelten läßt. Während für die gesamte Industrie eine lückenlose Sonntagsruhe gilt, existiert sie für das Handelsgewerbe nur teilweise. Es stehe aber außer allem Zweifel, daß eine vollständige Sonntagsruhe dem Handclsgcwerbe ebenso- wenig schädlich sein werde, wie sie der übrigen Industrie schädlich geworden ist, wenn sie nur erst allgemein zur gesetzlichen Einführung gelangt. Wie aber steht es jetzt? In einem Orte gilt die Sonntags- ruhe, im anderen nicht, je nachdem sie durch Ortsstatut beschlossen ist. Ueberall gelten aber noch allerhand Ausnahmebestimmungen, durch welche die örtlichen Vorschriften wieder durchlöchert' werden. Den Schaden davon haben natürlich in erster Linie die Handels- hülfsarbeiter, wie auch die Handlungsgehülfen und-Gehülfinnen. Besonders stark leiden sie unter den vielfachen Uebertretungen der Vorschriften. Laut amtlicher Statistik gab es im Jahre 1994 in Deutschland 9956 Verurteilungen wegen derartiger Uebertretungen. Ungleich größer ist aber zweifellos die Zahl der- jcnigen Uebertretungsfälle, die überhaupt nicht zur Anzeige und damit auch nicht zur Ahndung kommen. Es ist geradezu„Usus" in vielen Geschäften, die Leute während der gesetzlichen Ruhezeit hinter verschlossenen Türen und verhangenen Fenstern stundenlang arbeiten zu lassen. Von der Organisation sind in verschiedenen 'Orten Komitees gebildet worden, die auf solche Ungesetzlichkeiten der Firmeninhaber zu achten und Uebertretungen der Polizei- behörde mitzuteilen haben. Doch läßt sich fast allgemein kon- [tatieren, daß die Polizeiorgane bei ihrem Einschreiten nur sehr lax verfahren. Häufig werden die beschwerdeführenden Arbeiter von den Beamten mit den Worten angefahren: Was geht Sie das an, wenn dort gearbeitet wird! Erst wenn darauf hingewiesen wird, daß die Beschwerdeführer im Interesse ihrer ungesetzlich ausgebeuteten Mitarbeiter handeln, entschließen sich die Beamten dann mißmutig zum Einschreiten. Nun hat die Organisation im Jahre 1995 die bereits erwähnten istischen Erhebungen auch über den Umfang der Sonntags- arbeit im Handelsgewerbe ausgedehnt. Von den 23 777 Beschäf- tigten der 83 Orte mußten 57,2 Proz. des Sonntags arbeiten, 28,6 Proz. hatten vollständige Sonntagsruhe; leider hatten 14,2 Proz. keine Angaben gemacht. Von den zur Sonntagsarbcit Her- angezogenen mußten 35,3 Proz. 1— 3 Stunden arbeiten; 23 Proz. arbeiteten bis zu 5 Stunden; 21,7 Proz. arbeiteten über 5 Stunden; der Rest arbeitete unbestimmte Zeit. Redner gelangte zu dem Schluß, daß diese Zahlen teils den Beweis für die allgemeine Durchführbarkeit der Sonntagsarbeit ergeben, teils aber auch be- weisen, welchen großen und schädlichen Umfang die Sonntagsarbcit im Handelsgewerbe noch einnimmt. Es gelte, unter allen Umständen für die gesetzliche Durchführung der Sonntagsruhe einzutreten.(Beifall.) In der Diskussion wurde von allen Rednern übereinstimmend besonders die Lauheit der Polizeiorgane beim Einschreiten gegen Uebertretungen der Unternehmer getadelt. Vielfach könne man die Beamten erst dann interessieren, wenn man eine Verletzung des religiösen Gefühls erheuchelt. Für die sozialpolitische Seite der Sache zeigten sie dagegen nur sehr wenig Verständnis. Ueber die Unfallversicherung der Handelshülfsarbeiter 'prach hierauf Zimmer- Breslau. Die Ausführungen des Red- ners gipfelten in der Forderung auf Ausdehnung der Unfallversicherungspflicht für alle Handels- betriebe. Bisher sind bekanntlich nur diejenigen Betriebe ver- sicherungspflichtig. die ins Handelsregister eingetragen sind und über eigene Lagerräume verfügen. Auch schärfere Unfall- Verhütungsvorschriften seien erforderlich, weil die Zahl der Unfälle nachgerade eine erschreckende Höhe erreicht hat. So gibt die Lagerei- und Fuhrwerks-Berufsgenossenschaft für 1994 folgende Zahlen bekannt: Versichert waren 337 716 Personen, davon 332 532 Voll- arbeiter. Verletzt wurden 4769, darunter 437 tödlich, das sind rund 19 Proz. Auf 1909 Versicherte verunglückten 14,99 Proz. Lächerlich gering erscheinen die Beträge, die von den Berufsgenossenschaften 'ür Unfallverhütung ausgegeben werden im Vergleich zu den enormen Verwaltungskosten. Schon die Art der Unfälle zeigt, wo der Hebel zur Besserung anzusetzen ist. Die Ver- unglückungen erfolgen hauptsächlich durch Motore, Hebemaschinen, Fahrstühle, Aufzüge, Flaschenzüge, Explosionen von Dampfleitungen usw.. Umfallen und Herabfallen von Gegen st änden in Packräumen. Fall von Leitern und Treppen, Ueberfahren und Hufschlag. Als Unfallursachen wurden ferner bezeichnet die ungenügende Be- lcuchtung, schlechte Leitern und morsche Treppen. Redner verweist aber auch auf die chronische Unterernährung der Handelshülfsarbeiter, die infolge der schlechten Löhne zur Regel geworden ist. Auch auf diesem Gebiete erwachse der Reichs- regierung die unabweisbare Pflicht, zugunsten der Arbeiter endlich Wandel zu schaffen.(Beifall.) Die Diskussion zeitigte besonders eine herbe Kritik des Systems der Vertrauensärzte und der Rentenquetschen. Bemängelt wurde auch das häufige Fehlen von Verbandsutensilien in den Betrieben. Einer Anregung des Genossen Stelling- Lübeck zufolge er- örterte der Kongreß alsdann kurz die Frage der Zweckmäßigkeit einer Einhcitsorganisation für sämtliche bestehenden Handclshülfs- arbeiter-Vereine. Auf Antrag Werner- Berlin wurde hierzu beschlossen, von einer Debatte über diese Frage Abstand zu nehmen. dagegen den anwesenden Vertretern der Lokalvcreine anHeim zu geben, die Anregung in ihren Vereinen zur Sprache zu bringen. Das Resultat der Besprechungen soll dann baldigst dem Haupt- vorstand des Zentralvcrbandes der Handels- und Transportarbeiter übermittelt werden. Je nach dem Ausfall bleibt es dem Haupt- vorstand dann überlassen, demnächst eine Konferenz einzuberufen, wo die Vertreter aller Organisationen das weitere in der Sache beraten werden. Mit dieser vorläufigen Regelung der Angelegen- heit erklärten sich auch sämtliche Vertreter der Lokalvcreine einver- standen. Zu der geplanten Konferenz sollen auch die auf dem jetzigen Kongreß nicht vertretenen Vereine eingeladen werden.— Hierauf referierten Bender- Magdeburg und Wagner- Hamburg über den Achtuhr-Ladenschluß und den Sechsuhr-Postschluß. Die Ausführungen der beiden Redner liefen in ihrer Quint- essenz auf eine warme Empfehlung dieser Forderungen hinaus. Eine Schädigung der Kaufleute durch Einführung des Achtuhr- LadenschlB�-es sei um so weniger zu befürchten, als diese Einrichtung sich bereit» in 139 deutschen Städten sehr gut bewährt hat. Es kicge nur»n der Rückständigkeit und dem starren Festhalten an veralteten Gewohnheiten, wenn die Kauf- und Handelsherren der übrigen Städte Deutschlands sich nicht zu einem rechtzeitigen Ge- schäftsschluß aufzuschwingen vermögen. Im Interesse des Personals sei die einheitliche Einführung des Achtuhr-Ladcnschlusses dringend geboten. Ganz ähnlich verhalte es sich mit der Forderung des Sechsuhr-Postschlusses. Bei den jetzigen Verhältnissen auf den Postämtern haben sich für die Hausdiener der Handelshäuser ganz unleidliche Zustände entwickelt. Die Abfertigung der Pakete ver- zögert sich häufig bis nach 9 Uhr abends, was natürlich eine erheb- liche Ausdehnung der Arbeitszeit des Personals zur Folge hat. Nach Ansicht den Arbeiter ist der Sechsuhr-Postschluß bei einigem guten Willen sehr wohl durchführbar und würde zu einer wesent- lichen Erleichterung des schweren Loses der Handelshülfsarbeiter beitragen.(Beifall.)_ Urrbandstag der Wäsche- und Krawattenarbeiter. Während der Osterfeiertage wurde im Berliner Gewerkschafts- hause der zweite Verbandstag der Wäsche- und Krawattenarbeiter und-Arbeiterinnen Deutsch- lands abgehalten. Derselbe war beschickt von 29 Delegierten aus Berlin,. Bielefeld, Bremen, Chemnitz, Kottbus, Leipzig, Oerling- hausen, Köpenick und Weißensee. Der Verbandsvorstand war ver- treten durch seinen Vorsitzenden Keller und den Kassierer Eue, die Gencralkommission durch den Genossen B r u n n e r und das Frauen-Agitationskomitee durch Frau T i e tz. Nachdem sich der Verbandstag konstituiert hatte, erstattete der Vorsitzende Keller den Geschäftsbericht. Aus demselben sowie aus dem gedruckt vorliegenden Bericht ist folgendes hervorzuheben: Seit dem ersten Verbandstage, der vor zwei Jahren abgehalten wurde, hat der Verband so bedeutende Fortschritte gemacht, daß keiner der Teilnehmer am ersten Ver- bandstage an eine solche Entwickelung geglaubt haben würde. Die Mitgliederzahl ist in dieser Zeit von kaum 1999 auf 6599 gestiegen. Diese Zunahme ist um so höher anzuschlagen, da 93 Prozent der Berufsangehörigen Arbeiterinnen sind, die für die Organisation gewöhnlich kein großes Verständnis haben. Vor zwei Jahren wurde auf dem Verbandstage ausgesprochen, daß die noch junge Organi- sation vorläufig nicht an Lohnbewegungen denken könne. Aber durch das Vorgehen der Unternehmer ist der Verband im vorigen Jahre in mehrere Streiks gedrängt worden, die er mit Erfolg durchgeführt hat. Der bedeutendste dieser Streiks war der in Berlin, an dem 6999— 8999 Personen beteiligt waren.-Die Kosten dieses Streiks betrugen 54 727 M.— An einem Streik in Biele- feld waren 1999 Personen beteiligt; derselbe kostete 28771 M. Gleichzeitig wurde auch ein Streik in Oerlinghausen geführt. Ein Streik in einer einzelnen Berliner Fabrik, an dem 53 Personen beteiligt waren, kostete 661 M. Vor zwei Jahren hatte der Verband erst 5 Filialen, jetzt sind eS deren 12, die alle gut fundiert dastehen. Der vom Kassierer Eue vorgelegte Kassenbericht erstreckt sich auf die Zeit vom 1..April 1994 bis 31. Dezember 1995. Er zeigt eine Einnahme von 96 569,71 M., darin sind jedoch 59 990 M. Dar- lehen enthalten, die anläßlich der Streiks aufgenommen wurden. Ausgegeben sind 89 282,16 M. Davon kommen 76 496 M. auf Streikunterstützung, 2979 M. auf Krankenunterstützung. 497 M. auf Rechtsschutz, 27 M. auf Gemaßregeltenunterstützung. Für Agitation wurden 2128 M. ausgegeben; daS Verbandsorgan ver- ursachte eine Ausgabe von 2552 M. In der Debatte, die dem VorstandSbericht folgte, wurden nennenswerte Ausstellungen an demselben nicht gemacht. Abgesehen von einigen unerheblichen Monitas war man allgemein mit der Tätigkeit des Vorstandes einverstanden. Im weiteren Verlauf der Sitzung gaben einige Delegierte kurze Darstellungen über die Verhältnisse in ihren Filialen.— Dann folgte der zweite Punkt der Tagesordnung: Die Agitation und die Tarifbewegung. Der Referent Keller führte in der Hauptsache aus: Mit dem bisherigen System, durch Agitationstouren Mitglieder zu ge- Winnen und die EntWickelung neu errichteter Filialen diesen selbst zu überlassen, könne der Verband nicht auskommen. Es sei leichter, Mitglieder zu gewinnen, als die gewonnenen zu erhalten. Aber auch die Gewinnung von Mitgliedern in Orten, wo die Organi- sation noch nicht festen Fuß gefaßt hat, sei schwierig, wenn die ganzen Agitations- und Organisationsarbeitcn von wenigen Kol- legen in ihrer freien Zeit verrichtet werden sollen und außer dem einen Verbandsbeamten, dem Vorsitzenden, keine unabhängigen Kollegen vorhanden sind, welche sich den Arbeiten für die Organi- sation widmen können. Die Anstellung von Beamten in den großen Filialen sowie die Anstellung von Bezirksleitern sei eine Aufgabe, die der Verband nicht länger von der Hand weisen dürfe, wenn er nicht befürchten wolle, daß die ungeahnten Fortschritte, welche er in letzter Zeit gemacht hat. verloren gehen könnten. Die Anstellung von Bezirksleitern habe sich bei anderen Organisationen gut bewährt; sie würde auch dem Verbände der Wäsche- und Krawattenarbeiter weitere Erfolge bringen. Die Zeit der Ruhe. welche jetzt nach den erfolgreichen Streiks eingetreten sei, müsse zum weiteren Ausbau und zur Festigung der.Organisation benutzt werden. Wenn die jetzt auf zwei Jahre abgeschlossenen Tarife abgelaufen sind und der Verband von 6909 Mitgliedern auf 12 999 angewachsen sei, dann würde sich eine Verbesserung der Tarife leicht durchsetzen lassen. Eine derartige Vermehrung der Mitglieder- zahl sei zu erwarten, wenn der Verbandstag die Anstellung von Bezirksleitern beschließe. Vor den Kosten einer solchen Ein- richtung dürfe man nicht zurückschrecken. Zu diesem Punkt lag ein Antrag der Filiale Bielefeld bor, welcher die Anstellung eines Bezirksleiters für den dortigen Bezirk fordert. Mit diesem Antrage zugleich wurden verschiedene An- träge zur Debatte gestellt, welche die Erhöhung der Beiträge teils mit Rücksicht auf die Anstellung von Bezirksleitern, teils im Hin- blick auf beantragte Erhöhungen der Unterstützungssätze fordern. Der gegenwärtige Wochenbeitrag beträgt für männliche Mit- glieder 25 Pf., für weibliche 15 Pf. Sämtliche Diskussionsredner, die noch gegen Ende des ersten Verhandlungstages(Sonntag) zum Wort kamen, befürworteten die Anstellung von Bezirksleitern sowie die Erhöhung der Bei- träge. Von einer Seite wurde die Anstellung eines Bezirksleiters nicht nur für Bielefeld, sondern auch eines zweiten für Sachsen und eines dritten für Schlesien empfohlen. Am zweiten Verhandlungstage(Montag) erhoben mehrere Redner Bedenken gegen die Anstellung von Bezirksleitcrn. Be- sonders war es B r u n n e r, der Vertreter der Generalkommission, der die Kassenverhältnisse des Verbandes nicht für so günstig hielt, daß der Verband zur Anstellung von besoldeten Bezirkslcitcru übergehen könne, und deshalb meinte, die Agitationsarbeit könne einstweilen noch von nichtbcsoldeten Mitgliedern geleistet werden. Andere Redner traten diesen Ausführungen ei �tgegen. indem sie sich darauf beriefen, daß sie. gestützt auf genaue Kenntnis der Ver- hältuisse des Verbandes, die Anstellung von Bezsrksleitern für not- wendig und nützlich halten.— Nach Schluß der Debatte, die noch den größten Teil des Tages in Anspruch genMnpen hatte, wurden in namentlicher Abstimmung folgende Beschlüsse gefaßt: Der Zentralvorstand wird beauftragt, je mach Bedarf Gau- leiter anzustellen. Für Bielefeld und Umgegend ist ein Bczirksleiter an- zustellen. In Berlin ist der Kassierer als GcschäftsHeiter anzustellen. der die Kassengeschäfte und die Leitung der.Filiale zu über- nehmen hat. Die Anzustellenden dürfen keine Geschäftsinhaber sein. Der nun folgende Punkt der Tagesordnun,; lautete: Die Heimarbeiter in unserem� Beruf. Hierzu hielt der zweite Verbandsvorsitzend>e Trinis ein Referat, dem eine rege Diskussion folgte. An derselben beteiligten sich unter anderem Frau Ihrer, die an Mesem Tage das Frauen-Agitationskomitee vertrat, Frau R o s e» st e n g e l, die als Mitglied des Verbandes besonders mit der Agitation unter den Heimarbeiterinnen zu tun hat. sowie der erste Vexbandsvorsitzcnde Keller und der Kassierer Eue. Alle Rcdnei; schilderten auf Grund eigener Erfahrungen das Elend der Heim-rbciter, sie ver- traten die bekannten Forderungen zum Schutz demselben und be- sürworteten eine rege Agitation, um die Heima ck eiterinncn für die Organisation zu gewinnen.— Hierzu wuulr folgende Re- solution angenommen: Die in unserem Berufe so umfangreiche Heiir mrbeit bewirkt in erster Linie eine immer weitere Kürzung de� Saison sowie einen fortwährenden Lohndruck für Fabrik- u«t, Heimarbeiter. Der Verbandstag sieht als dringendste Aufgabe an, die Heim- arbeiterinnen aufzuklären und für die Orgarlf.sation zu ge- Winnen, um endlich dem ein Ziel zu setzen, daß d-»e Heimarbeiter von den Unternehmern gegen die Fabrikarbeiter ausgespielt werden. Der dritte Verhandlungstag(Dienstag) bracht r zunächst eine Besprechung über das Verbandsorgan„Der Wäsche böte". Grund- sätzliche Einwendungen gegen die Haltung des Blatte£ wurden nicht erhoben, es wurden nur Wünsche geäußert über eii ie bessere Aus- gestaltung des Blattes, Erweiterung des Raumes un'b des Inhaltes desselben. Daun folgte der Bericht über den letzt«: n Gewerk- schaftskongreß, den Keller erstattete. Dem Bericht folgte «ine kurze Debatte, die sich in der Hauptsache um t ms Verhältnis des Wäschearbeiterverbandes zum Schneiderverband drehte. Nach einem Beschluß des Gewerkschaftskongresses sollte die General- kommission eine Verständigung zwischen beiden Verl iänden herbei- führen, weil Differenzen bestehen, die daraus her vorgehen, daß der Schneidervcrband den Verband der Wäschcarbe ster nicht als existenzbercchtigt betrachtet.— Der Generalkommissi on wurde jetzt der Vorwurf gemacht, sie habe die Verständigung nicht betrieben. Demgegenüber bemerkte B r u n n e r, die Generalko mmission habe wohl den Versuch der Verständigung gemacht, abe c im Oktober borigen Jahres hätten die Vorstände beider Vcrbänhe erklärt, die Zeit sei nicht günstig zu Verhandlungen. Nachdem also die be- teiligten Vorstände gezeigt hatten, daß sie kein Jntft resse an der Einigung haben, könne die Gcneralkommission in diasezr Angelegenheit nichts mehr tun. Im weiteren Verlauf der Debatte trat ein Berlirr�r Delegierter dafür ein, daß die Wäschcarbeiter für die Arbeitsruh� am 1. Mai eintreten und dieselbe von den Unternehmern fc»rdern sollten. Von anderer Seite wurde dazu bemerkt, gewiß mü ßten auch die Wäschearbeitcr für die Arbeitsruhe eintreten, aber>«ach Lage der Verhältnisse könne dieselbe jetzt noch nicht für den ganzen Beruf durchgeführt werden. Nun folgte die Beratung von Anträgen, die sich au s den Ausbau des Unterstützungswesens beziehen. Beschlossen wur de, den Bei- trag für männliche Mitglieder auf 40 Pf., für weiblic he auf 20 Pf. pro Woche zu' erhöhen.— Die Krankenunterstützung, welche bisher 5 M. für männliche, 3, öl) M. für weibliche Mitglieder betrug, wurde auf 7 M. bezw. 4,Sl) M. erhöht.— Ein vor.t. der Filiale Berlin eingebrachter Antrag auf Einführung eines-Sterbegeldes wurde abgelehnt.— Der Verhandsvorstand wurde beauftragt, Ermittelungen zum Zweck der Einführung einer Arbeitslosen- Unterstützung anzustellen, und zwar so, daß der nächste Verbandstag über die Frage der Arbeitslosenunterstützung eine Entscheidung treffen kann.— Ferner wurde beschlossen, das Verba indsorgan in größerem Format erscheinen zu lassen.— Eine Reihe anderer Be- schlüsse betreffen Statutenänderungen, die kein allgem eines Jnter- esse haben. Das Jahresgehalt des Verbandsvorsitzenden wurt se auf 2000 Mark, das der Gauleiter auf 1800 M. festgesetzt. Aus jerdem wird für die Angestellten die Hälfte der Beiträge zur Kr-unken- und Invalidenversicherung sowie zur Unterstützungs-Vcreinig zmg gezahlt. Als Verbandsvorsitzender wurde Keller- Ber tin wiedergewählt. Der bisherige Kassierer Eue lehnte eine Wie derwahl ab; an seiner Stelle wurde Bock-Berlin gewählt. Als Sil« des Aus- schusses wurde Bielefeld bestimmt und B ü sch e r- Bitelefeld als Vorsitzender des Ausschusses gewählt.— Der nächste! k�erhandstag findet Ostern 1008 statt._ 8. Gelttral-Versalumlimg des Dentschen Tezt ilarbeiter- verbandes. Mühlhausen i. Th.. 13. April. Erster Verhandlungstag. Zum ersten Male tagt in den Mauern Mühlhausc SiS ein Ar- beitcrkongretz. Ter Saal des Gewerkschaftshauses s �angt aus diesem Anlaß im duftenden Tannen- und bunten Fa. hnenschmuck, um den aus allen Gauen Teutschlands herbeigeeilten Delegierten ein freundliches Willkommen zu bieten. Anwesend sind 128 Delegierte. Der Verbandsvorstw ad ist durch 3 Mitglieder vertreten; die Generalkommission hat U imbreit- Berlin, die Union der Textilarbeiter Oesterreichs Hai nu s ch und P e k a n z- Wien entsandt. Tie Fachpresse ist durch 8 Mitglieder vertreten, ferner nehmen die 7 Gauleiter an den Berat ungen teil. Den Geschäftsbericht des Vorstandes erstattet der Zentralvorsitzende Hübsch. Wir entneh: nen demselben folgende Punkte, die für die Allgemeinheit Inten ssse haben: Nach der vor zwei Jahren in Hannover stattgefundenen! General- Versammlung ging die Mitgliederzahl erheblich zurück. L sie Ursache des Rückgangs soll die beschlosseue Beitragserhöhung gel oesen sein. Der Zentralvorstand aber ist der Meinung, daß kein Rück schlag ein- getreten wäre, wenn nicht in ganz unverantwortlicher D leise durch das Lamentieren in den Versammlungen wankclmüti gen Mit- gliedern die Parole zum Austritte aus dem Verband« t gegeben worden wäre. Der Mitgliederverlust war aber bald w ieder ausgeglichen. Im 4. Quartal 1905 war nicht nur der V erlust von 9721 Mitgliedern weit gemacht, sondern es war mit 77 800 Mit- gliedern eine Zunahme von 15 570 erreicht. Gegenwärt- p hat der Verband die 90 000 bereits überschritten. Ar der Zun ahme sind vornehmlich die Arbeiterinnen beteiligt, die jetzt ein Drittel aller Verbandsangehöriger aus«»lachen. Ferner sind in der Zeit vom 1. Januar 1904 bü i' 31. Dezember 1905 73 Zahlstellen neu gegründet. Erloschen sinl> 21 Zahl- stellen und 8 Zahlstellen sind mit anderen verschmolzen chorden. Als einen der glücklichsten Beschlüsse, welchen die E cneralver- stnnmlung in Hannover faßte, hat sich die Anstellung von' Bauleitern bewiesen. Gegenwärtig sind 7 Gauleiter tätig; in de: r Zentral- lcitung arbeiten 4 besoldete Beamte, außerdem sind in 17 Filial- vereinen 19 Angestellte tätig. Zur Regelung interner VcrbandSangelegcnhcitcn hielt der Vorstand zwei Konferenzen ab. Die eine beschäftigte Munter Zuziehung der Gauleiter mit der Taktik bei Lohn- Bewegungen, während die andere sich mit der ev. Ver- legung des Verba ndsorgans nach dem Sitz des Zentral- Vorstandes beschäftigte. Neben anderen Erleichterungen soll mit der Verlegung des seither in Chemnitz hergestellten„Textilarbeiter" eine Verminderung der Druckkosten erzielt werden. Die Konferenz gelangte zu dem Beschluß, der Generalversammlung die Zusammen- legung von Fachorgan und Vcrbandssitz zu empfehlen. In der Berichtsperiode beteiligte sich der Verband an dem Gewerkschaftskongreß in Köln, an dem internationalen Textil- arbeiterkongreß in Mailand und an der Heimarbeitausstellung in Berlin. Ueber die Einführung der Arbeitslosenunterstützung hat eine vorgenommene Urabstimmung im ablehnenden Sinne entschieden; von 46 118 Mitgliedern, die sich an der Abstimmung beteiligten, waren 33 646 dagegen. Die eingeführte Krankenunterstützung hat sich vor- züglich bewährt, aber den Verband ziemlich stark belastet. In den zwei Jahren erhielten 16 379 Mitglieder für 322 505 Krankheits- tage 190 413,89 M. Unterstützungsgelder. Die Häufigkeit der Er- krankungen und deren Art beleuchten grell das Elend des Textil- fabrik-Proletariats. Die Lungenschwindsucht fordert die meisten Opfer. Mangelnde Schutzvorrichtungen an den Maschinen ver- schulden die häufigen Unfälle, der aufreibende Riaschinenlärm nervöse Kopfschmerzen. Durch die stehende Beschäftigung wurden bei den Arbeiterinnen häufig Aderbrüche und Unterleibslciden her- vorgerufen. Der Verband erstrebt durch die Verkürzung der Ar- beitszeit, die vielfach noch 11 Stunden pro Tag beträgt, eine Ver- Minderung der Krankheitsziffer. Deshalb inuß bei Lohnkämpfen die Verkürzung der Arbeitszeit in den Vordergrund gestellt Iverden. An Lohnbewegungen, die mit Arbeitseinstellungen ver- bunden waren, hatte der Verband 24 Angriffs- und 18 Abwehr- srreiks, sowie 21 Aussperrungen auszufechten. An den Kämpfen, die einen Kostenaufwand von 592 858 M. verursachten, waren 37 766 Personen beteiligt. In 19 Fällen ist ein voller Erfolg, in 21 ein teilweiser erzielt worden; 22 Bewegungen verliefen resultat- los. An den zahlreichen Lohnbewegungen, die ohne Streik ver- liefen, waren 20 225 Personen beteiligt. In 7 Fällen wurden Tarifverträg? mit den Unternehmern abgeschlossen. Die Gesamteinnahme des Verbandes betrug 2 179 313,96 M., die Gesamtausgabe 2 084 406,75 M. Von den Ausgaben heben wir folgende größere Summen hervor: Abonnement„Deutscher Textilarbeiter" 152 809,30 M., Abonnement„Gleichheit" 167 797,73 M., Drucksachen 19 937,30 M., Krankenunterstützung 190 413,89 M., Reiscunterstützung 16 079,92 M., Umzugsunter- sriitzung 3222,99 M., Rechtsschutz 7612,12 M., Agitation 5014,18 Mark. Die Ouartalsbeiträge an die Generalkommission betrugen 17 982.60 M. Den Ausschußbericht gibt La st-Berlin. Redner betont, daß nur 7 Beschwerden, hauptsächlich wegen Ausschlusses einzelner Kol- legen, eingegangen seien, die sehr rasch erledigt werden konnten. Eine lebhafte Debatte entspinnt sich über den Vorstandsbericht; derselbe wird sehr scharf kritisiert. Es sprechen zu diesem Punkte zirka 20 Delegierte. Auf Antrag wird dem Vorstand Techarge er- teilt und die Debatte, obgleich noch 9 Redner eingezeichnet sind, gc- schlössen. Als nächster Punkt gelangt die Arbeitslosenunter- st ü tz u n g. obgleich dieselbe durch Urabstimmung abgelehnt ist, zur Verhandlung. Ter Referent, S ch r a de r- Hannover, betont, daß wohl heute kaum noch prinzipielle Gegner der Arbeitsloscnunter- stützung vorhanden sein dürften. Die Ansicht, daß durch die Ar- beitslosenunterstützung der Kampfescharakter der Gewerkschaften vcr- loren gehe, sei glücklicherweise verschwunden. Mehr und mehr breche sich die Ansicht Bahn, daß die Arbeiter aus eigener Kraft sich Institutionen schaffen müssen, um gegen die. Rücken und Tücken der Kapitalsgewalt gewappnet zu sein. Redner empfiehlt, schon jetzt die Beiträge zu erhöhen, um später desto leichter die Erwerbslosen- Unterstützung einführen zu können. S t e i n b r i ck-Elberfeld glaubt, daß die schwache Beteiligung an der Urabstimmung beweise, daß die Mitglieder noch gar kein Ver- langen nach der Einführung der Arbeitslosenunterstützung tragen. daher halte er dieselbe für verfrüht. U m b r e i t- Berlin versucht durch Zahlenmaterial, welches der Arbeitslosenzählung aus dem Jahre 1893 entnommen ist, den Nachweis zu erbringen, daß die Einführung der Arbeitslosenunterstützung im Textilarbeiterverband schon heute möglich sei ohne Beitragserhöhung. Nach genauer Be- rechnung haben 100 Mitglieder die Unterstützung für einen Arbeits- losen aufzubringen. Redner befürwortet eine rege Agitation für die Einführung der Arbeitslosenunterstützung. Hierauf wird die Sitzung vertagt. Mühlhausen. 15. April. Zweiter Verhandlungstag. Die Debatte über die Einführung der Arbeitslosenunterstützung nimmt noch eine geraume Zeit in Anspruch, prinzipielle Gegner melden sich nicht zum Wort. Durch Schluhantrag wird die De- batte, obgleich noch 19 Redner eingetragen sind, abgebrochen.' Fol- gende Resolution findet mit 53 gegen 45 Stimmen Annahme: Die in Mühlhausen i. Th. tagende 8. Generalversammlung des Verbandes deutscher Textilarbeiter erkennt an, daß in der Arbeitslosenunterstützung den Gewerkschaften ein geeignetes Mittel der inneren Befestigung gegeben ist, auch dazu bestimmr, die ökonomische Lage der Arbeiterschaft insofern zu heben, als letztere in Zeiten der Arbeitslosigkeit vor den schlimmsten Folgen derselben geschützt wird. Die Generalversammlung hält daher diese Unterstützung in Verbindung mit den bereits bestehenden Unterstützungen in Krankheitsfällen in Form der Erwerbslosenunterstützung für dringend notwendig. Da aber das Vorhandensein einer sicheren finanziellen Unterlage die erste Vorbedingung für Einführung der Erwerbslosenunterstützung ist,— soll nicht die Aktionsfähigkeit der Orgmusation darunter leiden,— diese Unterlage zurzeit aber noch nicht gegeben ist, beschließt die Generalversammlung: Der Hauptvorstand hat ein Regulativ zur Einführung der Er- werbslosenuntcrstützung auszuarbeiten, selbes mit dein Aus- schütz und den Gauleitern eingehend durchzuberaten und dann der nächsten Generalversammlung zur Beschlußfassung vorzulegen. Mindestens sechs Monate vor Stattfinden der nächsten Generalversammlung ist der geläuterte Entwurf zu veröffent- lichen. Zur Frage der Verlegung der Fachpresie sind Referent und Korreferent bestellt. Als erster Redner erhielt Rössel- Berlin das Wort. Redner erläutert alle Verhandlungen, die betreffs der Verlegung des„Textilarbeiter" stattgefunden haben. Redner betont weiter, daß der Vorstand bis jetzt dunhaus keinen Einfluß aus den Inhalt des„Textilarbeiters" habe ausüben können. Dieser Zustand sei einfach für eine moderne Organisation unhalt- bar, und deshalb müsse mit diesen antiken Einrichtungen gebrochen werden. Grund für die Zusammenlegung von Vorstand und Presse sei auch in der Preisdifferenz gegeben. Nach Feststellungen und Be- rechnuugen sei erwiesen, daß die Herstellung des„Textilarbeiter" in Chemnitz entschieden höhere Kosten erfordere, als wenn derselbe in Berlin gedruckt würde. Durch den bestehenden Zustand stelle sich der„Textilarbeiter" im Preise viel höher, als wie andere Gc- werkschaftsblätter. Auf der am 30. Oktober 1904 in Berlin statt- gefundenen Konferenz, die sich mit dieser Frage beschäftigte, habe selbst Re icke l t- Chemnitz erklärt:„Wenn der Unterschied im Preise s o g r o ß i st. d a n n muß der„Textilarbeiter" nach Berlin, die„Volksstiinme" mutz dann rasend verdient haben. Die Rech- nung des„Vorwärts" jedoch hinke und stinke, und es könne sich nur um ein unlauteres Manöver der Druckerei des„Vorwärts" handeln, um Schmutzkonkurrenz zu machen."*) Ferner erklärte Landgraf- Die„Vorwärts"-Druckerei hat selbstverständlich nur auf Ver- langen der Verbandsleitung eine auf Grund des Tarifes aufgestellte Berechnung eingereicht; eine von einer anderen Berliner Druckerei eingereichte Offerte war sogar noch niedriger. Dadurch falle» alle die unschönen Redensarten von„Schmutzkonkurrenz",„unlauteren Motiven" ünd dergleichen in sich selbst zusammen. Limbach, daß der„Vorwärts" mindestens leichtfertig feine Auf« stellung gemacht habe, die Aufstellung sei falsch.— Der Referent versteht durch ausgezeichnetes Material all die Vorteile, die dem Verband aus der Zusammenlegung erwachsen, zu schildern, und be- tont, nur durch dieselbe sei es möglich, den„Textilarbeiter" zu einer gewichtigen Waffe für den Verband auszugestalten. R e i ch e l t als Korreferent schildert die elenden Verhältnisse, unter denen der„Textilarbeiter" in Chemnitz groß geworden und ersucht, Chemnitz auch ferner als Erscheinungsort gelten zu lassen. In der nunmehr eröffneten Debatte erhält Landgraf als Vertreter der Druckerei das Wort. Redner verwahrt sich dagegen, den„Textilarbeiter" zu hoch berechnet zu haben. Nach sehr gc- nauer Kalkulation und nach Prüfung der Preise durch das Ehren» und Schiedsgericht des Tarifamts der Buchdrucker.seien die Ansätze als richtig anerkannt worden. Die günstigen Angebote, die jetzt gemacht werden, seien nur in Anbetracht der hohen Auflage und durch Verwendung von schlechterem Material möglich; teils resul, tiere der Preisunterschied auch aus den verschiedenen Berechnungen der Buchbinderarbciten. Die Debatte nimmt einen lebhaften Verlauf; am Schluß der Sitzung sind 28 Redner zu diesem Punkte vorgemerkt. Mühlhausen, 16. April. Dritter Verhandlungstag. Nachdem die Eröffnungsformalitätcn erledigt sind, beginnt die Sitzung mit der Debatte über die Verlegung der Fachpresse. Die Vertreter aller Gegenden kommen zu diesem Punkte zum Wort und behandeln gleichzeitig die hierzu gestellten Anträge, die fast alle eine inhaltliche Verbesserung des„Textilarbeiters" fordern. Die vorliegenden Kostenanschläge der Buchdruckerei des„Vorwärts" sowie der Leipziger Buchdruckerci-Aktiengesellschaft, � Abteilung Gera, bieten den Delegierten Gelegenheit, selbst genaue Vergleiche anzustellen. Ein Vertreter der„Vorwärts"-Druckcrei bedauert, daß zwei Parteigcschäftc derart in Konflikt kommen, daß eventuell eine Privatdruckerci der lachende Erbe sei, denn auch eine Privat- druckerci hat auf Ersuchen einen Kostenanschlag eingesandt. Nach- dem noch der bisherige Redakteur W a g e n e r das Wort erhalten, der in kurzen Worten die unhaltbaren Zustände, die in Chemnitz herrschen, geschildert, wird ein Schluhantrag gegen 57 Stimmen angenommen. Rössel und R e i ch e l t erhalten beide ein kurzes Schlutzrcsümee, worauf durch namentliche Abstimmung mit 107 gegen 21 Stimmen die Zusammenlegung der Fachpresse und des Vorstandes für Januar 1907 beschlossen wird. Die Abstimmung über den gemeinschaftlichen Sitz ist eine namentliche. Für.Berlin stimmen 74 Delegierte, die 33 889 Mitglieder vertreten, für Gera 52 Delegierte mit 31 414 Mitgliedern; damit hat sich die General- Versammlung für Berlin entschieden. Auf Vorschlag des Bureaus werden die Kollegen Rössel und, W a g e n e r als Vertrauensleute des internationalen Sekretariats gewählt; gleichzeitig werden die beiden bestimmt, am internationalen Kongreß in Brüssel teilzunehmen. Die Nachmittagssitzung ist eine geschlossene. In derselben soll über Tarifverträge und Streiktaktik verhandelt werden. Krätzig» Mülhausen i. E. hat dazu das Referat übernommen. Vermisckres. Bier Personen ertrunken. Wie die„Stettiner Neuesten Nach- richten" melden, ertranken am 2. Feiertage auf dem Kamminer Bodden infolge Kentcrns eines Bootes vier Personen, der Betriebsleiter der Stettin-Gristowcr Zementfabrik Dr. Seidel, der Buchhalter Riedel von derselben Fabrik und zwei Fährleute. Aus dem Bcsuvgebiet telegraphiert Professor Matteucci, daß die Nacht, abgesehen von einigen Stunden sehr ruhig verlaufen sei. Die Tätigkeit des Vesuvs bestehe nur noch in dem vcrmiii- derten Auswerfen von Sand, der nach der özilichen Seite nieder- falle. Die Apparate zeigen weniger Bewegung. Außer einem mit verhältnismäßiger Dunkelheit verbundenen Aschenregen in den Gemeinden Ottajano und St. Anastasia wird aus den Vesuv» ortschaften nichts Bemerkenswertes gemeldet. Explosion auf einem Kriegsschiff. Wie aus New Dork ge- meldet wird, hat sich während einer Schießübung in der Nähe von Culebra eine Explosion in dem vorderen Turm des Schlachtschiffes „Kearsarge" ereignet. Ein Offizier und fünf Mann wurden ge- tötet, ein Offizier und mehrere Mann wurden verletzt. Die „Kearsarge" ist ein erstklassiges Schlachtschiff, das im Jahre 1893 in Newport News vom Stapel lief und im Jahre 1900 in Dienst gestellt wurde. Mehr als hundert Häuser durch Feuer zerstört. Nach einer Meldung aus Budapest sind im Orte Scavnik(Komitat Zips) mehr als hundert Häuser samt Nebengebäuden durch Feuer zerstört worden. Auch die Schule und die Kirche sind niedergebrannt. DaS letzte Erdbeben auf Formosa, das die Insel am letzten Sonnabend heimgesucht hat, war heftiger als das am 17. Mörz. Die Stadt Kagi hat wiederum am meisten gelitten. Alle Häuser, die bei dem vorhergehenden Beben der Vernichtung entgangen waren, liegen jetzt in Trümmern. Nach den bisher in Tokio ein- gegangenen amtlichen Meldungen sind in Kagi und anderen Orten neun Personen getötet und 43 verletzt worden. Außerdem sind 1697 Gebäude beschädigt, von denen 1044 vollständig ein- gestürzt sind. Die Ermittelungen sind ntzch nicht vollständig ab- geschlossen, man fürchtet vielmehr, daß weitere ausführlichere Nach- richten die Totenlisten noch anschwellen lassen werden. Bei vielen Städten und Dörfern sind Erdrutschungen vorgekommen, die viel- fach die Bodenbcschaffenheit des Landes völlig verändert haben. Taujende sind obdachlos. Erschütternde Szenen ereigneten sich. Mittelalterliches Urteil. In Chicago erscheint eine Wochenzeitung „Lucifer", deren ernstes Bestreben ist, die Sittlichkeit zu fördern durch eine freie Auffassung über die Geschlechtsmoral. Der Redakteur Moses Harman, ein 76jähriger sehr geachteter Mann, bekämpft seit Jahren die herrschende Heuchelei, die Lüge und das Vorurteil ans diesem Gebiete und hat sich den Haß aller bornierten SittlichkeitS- Wächter zugezogen. Schon oft wurde er angeklagt und vor einigen Monaten erkannte ein Richter auf ein Jahr Gefängnis als Strafe gegen ihn, weil er einige Artikel veröffentlicht hatte, die nnsittlich sein sollten. Gibt es in Amerika nicht unbedingte Preß- freiheit?— Natürlich, aber wenn man einen hängen will, so findet sich auch der Strick I Die Anklage lautete auf Mißbrauch der Post durch Versendung„unsittlicher Schriften". Das Urteil wurde be- stätigt und Harman mußte in diesen Tagen das Gefängnis beziehen. — Die„Arbeiter-Zeitung" in St. Lonis bemerkt dazu:„Kommende Geschlechter werden auf diese Verurteilung schauen, wie wir aus die Urteile zurückblicken, die im finsteren Mittelalter und noch darüber hinaus in den Hexenprozessen ergingen. Es wird späteren Generationen unfaßbar erscheinen, daß im„erleuchteten" 20. Jahrhundert ein Stichler sich sindsn konnte, der einen ehrwürdigen Greis dem Ge- fängnis überantwortete, weil dieser der Welt frei und offen seine Ansichten- über die Beziehungen der Geschlechter zu einander kundgetan. Moses Harman gegen den Vorwurf der Sittenlosigkeit verteidigen, hieße den greisen Kämpfer für Aufklärung und Siitenreipheit beleidigen. Sittenlos sind seine Richter, die, selber schmutzig, aus seinen Schriften Schmutz herausgerochen habe». Die Nachwelt wird diese jammervollen Puritaner richten, die noch heute in der einen Hand eine Bibel, in der anderen den Knotenstock tragen, womit sie jeden Freidenker zu Boden schlagen möchten." In dieser Weise sollten wir in Preußcn-Dcutschland einmal gegen ein richterliches Urteil loslegen, einige Monate freies Quartier wäre der Lohn. eingegangene Vrucklckriften. 7. Jahresbericht sür 1905 des ArbeitersetretariatS Frankfurt a. M. nebst Jahresbericht des GewerkschasiSsclretärS und einer Abhandlung: Die RechlSsähigkeit der BerusSvercine. 169 Seiten. Verlag: Arbcitcrjckrctariat Frankfurt a. M., Am Schlvimmbad 8—19. A.JANDORF&C9 ßdU-HUlanc«8tra88e Groeee fVankfurtcretrasec ßrunnenstrasee Hysiiiialbme-Prigfeig fM WeickevstsM. Soweit 6er Vorrat retckt Voschstoffs Llusenleinsa � �"K 18, 25 n (Dousseline°-dÄ 28, 45 w. ffloussellne ÄÄ 75, 98 w. Zephir«>«?»»>» smu am« 35, 45 n Organdy A» wen« oieta 58, 95 n Seiden-Batist pÄ" � 85 w. Ccnnissfoffe m«-, 75, 98 pr. Satin,«"» �60,85«. 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Gestern vormittag liegannen die Verhandlungen des siebenten Kongresses der Freien V rmniguug deutscher Gewerkschaften, nachdem am Tage vorher eine t Eröffnungsfeier stattgefunden hatte, an der eine außerordentlich gro'z,? Zahl von Gästen teilnahm, so daß die Räume des Moabiter Ge sellschaftshauses, wo der Kongreß tagt, über- füllt waren. Begrützungsschreibei t waren vom Genoffen Dr. Friedeberg aus Ankona sowie von Ean Erkel, dem Vorsitzenden des nieder- ländischen nationalen S trbeitersekretariats, eingegangen. Beide be- dauerten, an dem Kongreß nicht teilnehmen zu können. Die Mandatsprüfung ergab, daß 66 Delegierte von 19 Berufen anwesend waren. Das Mandat des Vertreters der Barbiere, Friseure und Perückenmacher wurde nicht anerkannt, weil diese Organisation nicht der Freien Vereinigung angeschloffen ist, doch wurde gegen die Anwesenheit des Vertreters nichts eingewandt. Von der Geschäfts- kommission waren sämtliche Mitglieder anwesend. Der Geschäfts« und ib-echenschastsberichr über die seit dem vorigen Kongreß verflossene Zeit» vom 1. September 1903 bis zum 31. De- zember 1905, liegt in eiver 54 Seiten starken Broschüre gedruckt vor. Zu dem Geschäftsiericht gab der Vorsitzende der Geschästskommisston, Kater, einige mündliche Erläuterung, m und Ergänzungen. In der Zusammen- sctzung der Kommission sind bald nach dem vorigen Kongreß ver- schiedcne Veränderungen eingetreten, nachdem es sich herausgestellt hatte, daß einige der gew ählten Mitglieder ihre Pflichten nicht hinreichend erfüllten. Seit Ende Februar besteht nun die Geschästskommisston aus folgenden Personen: Kater, Vorsitzender und Redakteur; K l e i n l e i n, Expedient und Kassierer; Schonheim, Haffner und Hürtler Beisitzer; Theodor Fischer und Gehl Revisoren und Beschwerdekommissien. In dem Bericht werden dann die im Jahre 1903 vom sozialdemokratischen Parteivorstand angebahnten Einigungsverhandlungen zwischen dem Berliner Gewerkschaftskartell und der Berliner GeweÄschastskommissiou geschildert, die bekanntlich ergebnislos verlaufen And. Weiter wick des im Juli 1904 ver- storbenen Genoffen GuAav Keßler gedacht. Dazu wird bemerkt, daß die Hoffnungen, die von Widersachern an das Ableben Keßlers geknüpft wurden, sich ivicht erfüllt haben» indem keinerlei Störung in der Leitung und Entwicklung der Organisation eintrat. Die Geschäftskommft'fion war mit Arbeit überlastet. Dennoch hat sie ein gut Teil Agitation geleistet; Mitglieder der Kommission traten im Laufe der Berichtsperiode in nicht weniger als 60 Ver- sammlungen an verschiedenen Orten Deutschlands als Referenten auf. Die Kosten dieser Agitation beliefen sich auf 3660,62 M.; baju kamen 1159 M. für Flugblätter und 449,80 M. für die Beschickung des internationalen Kongresses in Amsterdam. Die der Vereinigung angeschlossenen Gewerkschaften hielten für ihre Berufe 19 Konferenzen ab. Nach dem Geschäftsbericht von 1903 waren der Freien Vereini- gung 28 Organisationen angeschloffen, die 14 263 Mitglieder und 128 340,42 M. Kaffenbestocnd hatten; seitdem ist die Zahl der Organi- sationen zwar auf 22 mit 13 140 Mitgliedern zurückgegangen, ihr Kaffenbestand jedoch auf 211464,39 M. gestiegen. Für Streiks und Lohnbewegungen wurden, nach den Angaben, die von 15 Organisationen eingegangen sind, 196 688,53 M. ausgegeben. Eine Tabelle Wer den Verlauf der Streiks und Lohn- bewegungen ergibt, daß 2 mit vollem Erfolg endeten, 27 mit Ver- gleich und 24 waren erfolglos. Tarifverlräge wurden in 25 Fällen abgeschlossen. Hierzu wird bemerkt, daß der größte Teil dieser Tarifabschlüffe darauf zurückzuführen ist, daß an den betreffenden Orten Zentralverbände bestehen, deren Streben auf solche Verträge gerichtet ist, wodurch sich die Lokalorganisationen, um den Einfluß auf die Lohn- und Arbeitsbedingungen nicht einzubüßen, genötigt sahen, sich an den Verträgen zu beteiligen. Der Kaffenbericht der Geschäftskommission schließt mit der Einnahmesumme von 107 971 M. und der Ausgabesumme von l'Ol 148,04 M., so daß der Bestand am 31. Dezember 1905 6822,96 Mark betrug. Für Streiks wurden 16433 M. ausgegeben. Die Ausgaben für die Preffe beliefen sich auf 63879,13 M., denen 67300,03 M. Einnahmen gegenüberstehen. Für die streikenden und ausgesperrten Weber in Crimmitschau gingen bei der Geschästskonrmission 1933,40 M., für die streikenden Bergarbeiter 1762,40 M. ein. Die Gelder wurden sämtlich ihrer Bestunmung gemäß abgeliefert. Die Zahl der Abonnenten der„Einigkeif ist im Laufe der Berichtszert von 10 393 auf 13 708 gestiegen. Da« Organ ist in 23 Organisationen obligatorisch eingeführt, während 2 Organisationen, die der Metallarbeiter und der Kürschner, eigene Fachblätter haben. Im Anschluß an die Berichte beantragte Gehl im Namen der Revisoren, der Geschäftskommission Decharge zu erteilen. Bei dem jetzigen Kassierer seien Kasse, Bücher und Belege in bester Ordnung befunden worden, was wan allerdings von der Tätigkeit des früheren, auf dem vorigen Kongreß gewählten Kassierers nicht habe sagen können. Es folgte eine mehrstündige Debatte, die sich hauptsächlich auf die Agitation bezog sowie omf die Presse und das Programm, wozu Anträge vorliegen, über die bei anderen Punkten der Tagesordnung beschlossen werden soll. Im übrigen wurde in der Debatte auch der Wunsch nach internationaler Verbindung laut. Hierzu bemerkte Kater in seinem Schlußwort, daß, so lange die internationalen Sekretariate in ihrem jetzigen Umfange bestehen, auch die aus- ländischen Gewerkschaften, welche nicht mit der Taktik der deuffchen Zentralverbände herrmonieren, doch mit ihnen international verbunden sind, der intecoationale Anschluß für die Freie Ver- ciniguna nicht möglich ist. Der Redner sprach die Erwartung aus, daß dieser Znstand sich in ulichster Zeit für eiuzelne Länder andern werde. Auch wurde darauf hingewiesen, daß durch Versendung der „Einigkeif nach den, Auslamde und durch Korrespondenz eine gewisse internationale Verbindung hergestellt oder doch angestrebt wird. Der Geschästskommissioin wurde einstimmig Decharge erteilt. Ferner beschloß der Koeigreß, die Schulden, die einige Gewerk- schaften beim Garantiefonds— im ganzen 8657,95 M.— sowie beim Umlageverfahren— 10 307,70 M.— habeu, niederzuschlagen. Der nächste Punkt der Tagesordnung war der Bericht vom internationalen Sozialistenkongreß in Amsterdam. Der Referent Kater bedauerte, daß sein Mitdelegiertor auf dem internationalen Kongreß, Dr. Friedeberg, durch Krankheit ver- hindert war, den Bericht zu gelben. Der Redner schflderte besonders das Schicksal der beiden Resolutionen von den Berliner Kartellgewerkschaften über den Generalstreik und die Maifeier aufdein intenlationalenKongreß und verlas sodann die von diesem Kongreß angenommene Resolution über den Generalstreik. D«r Redner bemerkte hierzu, daß es für ihn keinen„anarchistischen" o«?er Generalstreik anderer Richtung gäbe, soildcrii nur einen Generalstreik als Mittel zur Niederwerfung der Klassenherrschaft. Aufgabe der in der Freien Vereinigung zusanimen- geschlossenen Gewerkschaften müffe eS fein, für die einmal erfaßte Idee mit voller Kraft zu wiircken. Ein Antrag, den nächsten internationalen Kongreß nicht mehr zu beschicken, wurde vorläuffig zurückgestellt, um spater darüber zu beschließen. Danach wurde der erste BerhandlungStag geschloffen, 8. SeveralversaUtttlitttg des Ievtraloerbavdes der Maschimstev und Heizer. Mannheim, 16. April. An den beiden Osterfeiertagen hielt der Zentralverband der Maschinisten und Heizer im Lokale„Zum Karl Theodor" dahier seine 3. Generalversammlung ab. Es waren 65 Delegierte er- schienen. Nach dem Rechenschaftsberichte des Vorstandes und des Ausschuffes waren bei Abschluß des Geschäftsjahres 1904 171 Zahl- stellen mit 8650 Mitgliedern vorhanden, am Schlüsse des Jahres 1905 196 Zahlstellen mit 11 383 Mitgliedern. Zur Erledigung der Geschäfte waren 13 Vorstandssitzungen erforderlich, Der Vorsitzende des Verbandes, K ir s ch ni ck° Berlin, be- richtet über die seitherigen Versuche nach einer Einigung mit dem sächsischen Verbände, die trotz aller weitgehenden Propositionen von feiten des Zentralverbandes fehlgeschlagen seien. In der Debatte gelangte allgemein zum Ausdruck, daß der Vorstand in seinem Eni- gegenkommen schon zu weit gegangen sei. Gegenüber dem säch- sischen Verbände, der sich zu einer reinen Streikbrecherorganisation herausgebildet habe, könne der Kampf bis zur Vernichtung desselben die einzige Losung sein. Ungricht-Ludwigshafen erstattete den Be- richt über die Tätigkeit des Ausschusses. Im ganzen sind 37 Briefe eingelaufen, 80 sind hinausgegangen. Ausgeschlossen wurden 7 Mitglieder. Holz und Insel- Berlin sowie Schlicht, ng- Kiel tadeln die ablehnende Haltung des Zentvalvorstandes gegenüber dem Antrage Berlin auf Bewilligung von 2000 M. für die russischen Freiheitskämpfer. Der Rechenschaftsbericht für das Jahr 1904 tveist auf in Einnahme 79 935,90 M., in Ausgabe 60 622,41 M., jener für das Jahr 1905 113 015,12 bezw. 100 545,70 M. Seitens des Kassierers Klein wurde Klage geführt über das mangelhafte Eingehen der Beiträge. Das Verbandsorgan hatte 1904 eine Einnahme von 20 632,83 M., eine Ausgabe von 20 175,27 M. 1905 24 652,32 bezw. 24 314,20 M. Verbandsvorsitzender K i r s ch n i ck begründete in eingehender Weise den Antrag des Verbandsvorstandes, den Verbandsbeitrag von 20 auf 30 Pf. pro Woche und Mitglied zu erhöhen. Es sei endlich an der Zeit, daß der Verband aus seiner mehr unterstützenden zur aggressiven Tätigkeit übergehe, zur Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen. Hierzu lagen eine ganze Reihe von An- trägen vor, die eine lange Debatte hervorriefen, wovon wohl die Hälfte Zeit für Geschäftsordnungsmeldungen in Anspruch genommen wurde. Es wurde schließlich der Antrag des Zentralvorstandes an- genommen, den Beitrag für die Zentralkasse auf 30 Pf., für die Lokalkasse auf 10 Pf. festzusetzen und besser situierten Lokalkassen zu überlassen, einen höheren Beitrag zu erheben. Zur Prüfung des weiteren Antrages des Zentralvorstandes: Anstellung von vier be- soldeten Gauleitern(für Rhcinland-Westfalen, Provinz und Königreich Sachsen, Posen und eines Agitationsleiters für die Binnen- schiffahrt), der mit der Beitragserhöhung zur Debatte stand, wurde schließlich eine, siebengliedrige Kommission gewählt. Eine lange Debatte, die sich bis zum Schlüsse des ersten Ver- handlunastages abends%10 Uhr ausdehnte, knüpfte sich an den Bericht der Redaktion und der Zeitschriftverwaltung über die Aus- gestaltung des Verbandsorgans, namentlich über die Zweckmäßigkeit der technischen Beilage. Der Antrag Hamburg auf Fortfall der- selben, im Raum zu gewinnen für Artikel sozialpolitischen Inhalts, fiel schließlich mit 41 gegen 29 Stimmen. Trotz des späten Schlusses am ersten Verhandlungstage mußten die Kongreßteilnehmer schon anderen Tags 7 Uhr früh wieder aus den Federn zur Teilnahme an der von den Zahlstellen Mannheim und Ludwigshafen arrangierten Hafenfahrt. Sämtliche Teil- nehmer. nanientlich jene aus dem Binnenlande, äußerten sich in hochbeftiedigender Weise. Um s>hl0 Uhr wurden die Verhandlungen wieder aufgenommen. Ziemlich glatt verliefen die Beratungen über die Abänderung des Verbandsstatuts. Als einschneidende Aenderung ist hervorzuheben, daß anstelle der Arbeitslosen- die Erwerbslosen Unterstützung tritt, also auch Mitglieder in Krankheitsfällen Unterstützung er- halten. Außer diesem wurde ein Antrag Leipzig angenommen, wo- nach Personen, welche aus einer anderen Organisation, gleichviel welcher Richtung, übertreten, ohne weiteres als unterstützungs- berechtigte Mitglieder gelten, sofern die Zugehörigkeit zur früheren Organisation die im Verbandsstatut vorgeschriebene Karenzzeit er- reicht. In außerordentlichen Fällen erhält der Vorstand das Recht, von seiner Stellung abzuweichen. Weiter erhält der Verbandsvor- stand die Berechtigung, in besonderen Fällen bei Streiks die Unter. stützung Unorganisierter sowie nicht vollberechtigter Mitglieder aus der Verbandskasse vorzunehmen, wenn ohne diese Mahnahmen der Streik aussichtslos erscheint. Gemaßregelte erhalten eine Unter- stützung von 13 Wochen. Angenommen wurde ferner ein Antrag Ludwigshafen, nach dem es den Zahlstellen gestattet sein soll, mit Genehmigung des Ge- Werkschaftskartells in einen Streik einzutreten, ohne vorherige Zu- stimmung des Verbandsvorstandes. Em Antrag Staßfurt, der eben- falls zum Beschlüsse erhoben wird, gewährt den sofortigen Rechts- schütz bei Eintritt eines jeden Kollegen. Diverse Anträge fielen unter den Tisch, einzelne wurden dem Vorstande als Material über- wiesen. Angenommen wurde folgender Vorschlag der Siebenerkom- Mission: 1. Der erste Vorsitzende des Verbandes ist anzustellen. Derselbe tritt sein Amt am 1. Mai an. 2. Es ist ein Gauleiter für den Osten, Süden und Westen Deutschlands anzustellen, der Norden verbleibt vorläufig dem Vorstand zur Bearbeitung. Die Posten werden vom Vorstand ausgeschrieben; derselbe hat die Anstellung endgültig zu vollziehen. Die Anstellung soll tunlichst beschleunigt werden und wenn möglich bis zum 1. Juli erledigt fein. 3. Das Gehalt des ersten Vorsitzenden wird auf 200Ö M festgesetzt; das Gehalt des ersten Kassierers und Redakteurs wird unter Anrechnung ihrer längeren Tätigkeit für den Verband auf 2200 M. festgesetzt. Das Gehalt der Gauleiter beträgt 1300 M. Die Diäten toerden auf 6 M. pro Tag festgesetzt. Im übrigen richten sich die Gehälter nach den Beschlüssen des Stuttgarter Gewerkschaftskongresses im Jahre 1902 mit der Maßgabe, daß daS Höchstgehalt 2400 M. beträgt. Als Sitz des Ausschusses wurde wieder Ludwigshafen, als Ort der nächsten Generalversammlung Köln gewählt! Gemeldet hatten sich außerdem Hannover-Linden, Berlin, Kassel und Essen. Die Enffchädiguna des Schriftführers wurde auf 250 M. festgesetzt. Als erster Vorsitzender wurde S ch ä f fe l- Leipzig gewählt. Als Redakteur wurde K i r s ch n i ck- Berlin, als Kassierer Klein wiedergewählt. Das Schriftführeramt wird Jnsel-Berlin über- tragen. Zu Revisoren werden ernannt: W a g n e r- Berlin, M a t a s ch- Spandau und S ch ö n r a t h°Chemnitz. Zum inter- nationalen Kongreß in Mailand wurde der nunmehrige Vorsitzend« Schaff el delegiert. 6. SMer-Derbandstag in Dresden. Montag, 16. April. Der Verbandstag wird durch den Sekretär des Zentralvorstandes, P. Blum- Berlin eröffnet. Er verliest em Be- grützungsschreiben des erkrankten Vorsitzenden Sassenbach und konstatiert, daß sich die Mitgliedcrzahl des Verbandes seit der Generalversammlung in Kassel 1903 verdoppelt habe. Er heißt die erschienenen Gäste ausländischer Brudervereine sowie den Ver- treter des Portefeuillerverbandes willkommen und konstatiert, daß als Vertreter der Generalkommission der Gewerkschaften Deutsch- lands S i l b e r s ch m i d t- Berlin delegiert ist. der Dienstag früh eintrifft. Von fremdländischen Bruderverbänden wurden delegiert: van B en ed er e- Brüssel. W ermuth-Bern, Jönfon-Kopen- Hagen, Pauls-Wien; vom Portefeuillerverband Weinschild- Offenbach. Nach den Begrüßungsansprachen wird in die Tagesordnung eingetreten und gibt den Bericht des Vorstandes Blum- Berlin als Verbandssekretär. Es gereicht ihm zur Freude, konstatieren zu können, daß der Verband sich seit der letzten Generalversamm- lung in Kassel verdoppelt habe. Die dort getroffenen Einrichtungen hätten sich also bewährt und es hieße, dieselben weiter auszubauen. Wegen Einzelheiten verweise er auf den Rechenschaftsbericht, der später zu brauchbarem Agitationsmaterial noch mehr auszubauen fei, jedoch auch bereits in der vorliegenden Form Anerkennung gefunden habe. Während der Verband 1903 in 63 Zahlstellen etwa 3600 Mitglieder zählte, wären heute in 84 Zahlstellen zirka 6400 Mitglieder zu verzeichnen. Unter den Filialen gäbe es mancki« Eintagsfliegen, da sie als Produkte eines Augenblicksimpulses mit einer verlorenen Lohnbewegung wieder verschwänden, doch fei gegen früher eine erhebliche Stabiltät zu konstatieren. Es wird Auf- gäbe der Generalversammlung sein, durch Anstellung besoldeter Agitationsleiter dafür zu sorgen, daß mehr unabhängige Kräfte die Agitation einheitlicher als bisher gestalten. Unsere Gegner, die Unternehmer, treiben uns dazu, alles zu tun, was der Stärkung unserer Position dienlich ist. In den letzten drei Jahren habe die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen im Sattler- gewerbe eine größere Rolle gespielt, als alle 14 Jahre vordem zu- sammengenommen. Auch die Tarifbewegung ist vorwärts gc- gangen und wurden die dafür nötigen Opfer gerne gebracht. Redner hofft, daß auch dieses Jahr die Lohniämpfe eine ähnliche Rolle spielen werden, wie in der Berichtszeit. Der Zuzug zur Organisation wächst ständig, wenngleich die früher geradezu unge- heuerliche Fluktuation sich auch heute noch störend bemerkbar mache. Hoffentlich werde auch die Regelung internationaler Fragen künftig zufriedenstellender sein. Bezüglich des Gegenseitigkeitsverhältnisses mit den Tapezierern sei entsprechend den Intentionen des Kasseler Berbandstages ehrlich versucht worden, ein zufrieden- stellendes Verhältnis zu erzielen, doch ließe der Erfolg recht sehr zu wünschen übrig. Doch müsse er erklären, daß man jetzt nicht mehr so sehr wie früher auf gemeinsames Zusammenarbeiten angewiesen sei. Es tue ihm leid, daß kein Ver- trefer der Tapeziererorganisation zugegen sei. denn er müsse es aussprechen, daß er seinerseits ein Gegenseitigkeitsverhältnis für zwecklos halte, welches nur von einer Seite beachtet würde. Das Zusammenarbeiten des Zentralvorstandes mit der Berliner Mit- gliedschaft sei ein gutes und auch die Geschäfte der Hauptverwaltung wären sehr gut geregelt, so daß Klagen bezüglich des Verkehrsamt derselben kaum zu erwarten ständen. Tatsächlich müsse gegen früher ein Fortschritt in bezug auf Pünktlichkeit konstatiert lverden und es gereiche ihm zux besonderen Genugtuung, wenn man auch in bezug auf die Finanzverhältnisse diesen Fortschritt anerkenne. In Kassel habe man mit einem Bestände von 8000 M. gerechnet, heute sei trotz der gewaltig gestiegenen Ausgaben ein solcher von über 74 000 M. vorhanden. Dazu kämen noch 28 000 M. in den Lokal- fonds, worüber aber natürlich dem Haupworstande kein Verfügung«- recht zustände. 9hm müßte man ja damit rechnen, daß in Zukunft noch größere Mittel als bisher flüssig gemacht würden, da auch die Kampfe zahlreicher würden und wir den Unternehmern erfolg- reich entgegentreten wollen. Die Einführung deS Unterftützungs- wcsens sei für den Verband von größtem Erfolge gewesen und er hoffe, daß auch die Kollegen, welche in Kassel noch Gegner desselben waren, sich inzwischen anders besonnen haben. Er darf ruhig sagen, daß er sein Möglichstes im Interesse des Verbandes getan und hoffe auch auf die Anerkennung der Generalversammlung, daß der Zentralvorstand im allgemeinen zur Zufriedenheit der Mit- glieder gearbeitet habe.(Bravo!) In der Nachmittagssitzung erstattete zunächst R. Hacke!» b nsch- Berlin als Vorsitzender des Ausschusses Bericht. Der AuS- schüfe betrachte sich lediglich als eine kontrollierende Körperschaft und seine Verlegung von Berlin, die früher beantragt, aber ab- gelehnt wäre, würde auch keineswegs im Verbandsinteresse liegen. Zusammen mit dem Vorstande hätten sie ohne Mandat oder Er- mächtigung für Rheinland-Westfalen einen besoldeten Gauleiter an- gestellt, da dies eben im Interesse deS Verbandes gelegen habe. Darüber werde die Generalversammlung zu befinden haben, zu- gleich aber auch die weitere Anstellung besoldeter Gauleiter be- schließen müssen. Auch ein weiterer Houptbeamter muß infolge deS rapiden Steigens der Mitgliederzahl angestellt werden. Der AuS- schuß denke sich die Sache so. daß künftighin der erste Vorsitzende zugleich Redakteur der Fachgeitung sei, während ein besoldeter Hauptkassierer zugleich die Expedition der Zeitung zu übernehmen habe. Auch die Gehaltsfrage müsse geregelt werden. Mit der Schreibweise der„Sattler-Zeitung" könne man sich einverstanden erklären bis auf die Stellungnahme Blum's zum„Vorwärts"- Konflikt, die er nicht gutheiße. Die Kassenführung Blum'S fei tadellos gewesen und beantrage er namens des Ausschusses, ihm dafür Decharge zu erteilen. Die Debatte war eine recht lebhafte. Das Hauptinteresse dürfte für die Oeffentlichkeit die Erörterung der Fragen bieten: war die Stellungnahme des Redakteur? der„Sattler-Zeitung" zum Konflikt der ,.VorwärtS".Redakteure gerechtfertigt oder nicht, und in Verfolg dieser Frage die weitere: gehört Politik überhaupt in ein Gcwerkschaftsblatt? Als Ergebnis der Debatte dürfte zu be- trachten fein, daß man das Eintreten Blum's für die entlassenen „Vorwärts"-Redakteure als ein von kollegialem Geiste getragenes betrachtete, daS indes als ein ungerechtfertigtes Einmischen in eine politische Verwaltungsangelegenheit nicht in den Rahmen eines Gewerkschaftsblattes hineinpasse, was übrigens auch von dem an die Gewerkschaftsredaktionen verschickten Artikel der General- kommission gelte. Dagegen solle und müsse die Gewerkschaftspresse ihre Mitglieder auf sozialpolitischem Gebiete nach Tunlichkeit schulen und an der Hand der Tagesereignisse demanstrieren, daß ohne Rück- halt an die politische Partei auch die Arbeit der Gewerkschaften bezüglich der Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen, Sicherstellung des Koalitionsrechtes, Ausbau der Arbeiterschutz- gesetzgebung usw. erfolglos bleiben würde. In diesem Sinne sei Bömelburgs Wort auf dem Kölner GewerlschaftSkongreß aufzufassen: Sozialdemokratie und Gewerkschaftsbewegung sei cinS. Die Anschauung, daß die Partei uns noch keine Stunde Arbeitszeit- Verkürzung und keinen Groschen Lohnerhöhung gebracht habe, zeuge von einer kurzsichtigen Auffassung der Verhältnisse. Die Aus- sperrungen der letzten Zeit schrieben den Gewerkschaften ihre Stellungnahme vor. Nach Schluß der Debatte wird Blum für seine Kassenführung einstimmig Decharge erteilt. Sechste«eneralversammlnng des Verbandes der Vergolder. Leipzig. 16. April. Heute vormittag wurde die Generalversammlung eröffnet. In seiner Begrüßungsrede führte Späths- Berlin. der Verbands- Vorsitzende der Vergolder. aus. daß eS ihnen zum ersten Male möglich sei, unter polizeilichem Schutz, im Lande des„Juwels", genannt sächsisches Vereinsgesetz, aus dem historischen Parteiboden in Leipzig ihre Generalversammlung abzuhalten. Der Verband habe sich in den 16 Jahren seine» Bestehens ebenbürtig den anderen Gewerk» schaften entwickelt, aber die Zentralisation der Unternehmer zwinge den Bergolderverband zum Anschluß an den Deutschen Holzarbeiter- verband. Das ist die Hauptansgabe, welche die Generalversammlung glücklich lösen möge. Buf der Generalversammlung sind anwesend: 23 Delegierte, Robert Schmidt- Berlin von der Generalkommission, Alois Schmidt« Wien vom Verband der Vergolder Oe st erreich s, S ch n e e g a ß« Stuttgart vom Deutschen Holzarbeitcrverband und Spät he, Langner und H i r s ch n a g l vom Vorstand und Ausschuß des Vergolderverbandes. Begrüßungsschreiben sind eingegangen von den französischen, dänischen und schwedischen Bruderorganisationen. In seiner Begrüßungsrede führte Alois Schmidt-Wien auS, daß es der österreichischen Vergolderorganisation erst nach der Verschmelzung mit dem österreichischen Holzarbeiterverband gelungen sei,_ der böhmischen Schinutzkonkurrenz, dem Zwischenmeistersystem sowie den niedrigen Löhnen und langen Arbeitszeiten mit bedeutenden Erfolgen zu Leibe zu rücken. Jetzt seien% aller Vergolder Wiens organisiert. Möge auch die Entwickelung in Deutschland so fortschreiten. Beim VorstandSbericht kritisierte Späthe-Berlin scharf die Politik der Züricher Filiale, die statutenwidrig auf einen Lokalstreikzuschlag drang. Ein Antrag Späthe, eine neue Art der Statistikfnhrung vom Vorstand durchzuführen, sowie ein Antrag, daß alle Filialen ihre Schulden beim Hauptvorstand noch decken müssen. wurde angenommen. Nachdem noch die starke Fluktuation der Mit- gliedcrzahlen(42 Proz.) und die Tatsache, daß das Hamburger und Leipziger Gewerkschaftskartell als Ausnahme nichts zu den Streiks gegeben haben, kritisiert wurde, wurde dem Vorstand und Kassierer einstimmig Decharge erteilt. Damit war der erste Ver- Handlungstag beendet. Hud Induftrie und rtand�l Mehrwertrate. In ihrer bekannten dumm-frechen Art unternimmt es die .Arbeitgeberzeitung"(unter albernen Ausfällen ans„Singer, Bebel und Genossen"), an der Hand der Geschäftsergebnisse der Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft— ausgerechnet der Gelsenkirchener Bergwerks gesellschaft— die Glückseligkeit der Arbeiter unter der kapitalistischen Herrschaft nachzuweisen. In witzig sein sollender Weise schreibt das Blatt in seiner Nr. 14 folgendes: „... Diese Scharfmacher scheinen überhaupt merkwürdige Leute zu sein. Ich habe hier den Bericht der Gelsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft bor mir liegen. Danach wurde bei der Kohlengewinnung im Durchschnitt ein Arbeitslohn von ö,18 M. bei achtstündiger Schicht erzielt. Im Gesanttdurchschnitt errechnet man für Kohlengewinnung, Gesteinsarbeiten, Rcparaturhaner, Schlepper und Bremser einen Verdienst von 4,3S M. Dieser „Hnngerlohn" multipliziert sich aber mit der Durchschnittszahl der Arbeiter(23 307) und 300 Arbeitstagen zu dem niedlichen Gesamt- sümmchen von rund über 30 Millionen Mark. Abgesehen davon aber zahlt die„Ansbeuter"-Gesellschast an staatlichen Lasten(ohne die von den Arbeitern zu tragenden Zuschüsse) die kleine Summe von 3 S38 505 M., gleich 44,68 Proz. vom Reingewinn. Also eine Summe von nahezu der halben Höhe des Reingewinns geht an Staats- und Gemeindestenern, Knappschastsgcfälle, Berufs genosienschaft und Jnvaliditäts- und Altersversichernng darauf." Die„Arbeitgeberztg." vergißt die Hauptsache, nämlich anzugeben, daß alle die angegebenen Wertsummen und noch viel mehr, der produktiven Arbeit entsprossen sind. Daß den Arbeitern, den Physisch und geistig Produktiven, etwas von den Suminen zu gute kommt, ist keine Ruhmestat für die Nichtarbeiter. Man versucht es gern, den auS der Arbeit herausgepreßten Mehrwert als den auf die geistige Arbeit entfallenden Anteil am Produktionsertrage hinzu stellen. Von solcher geistigen Produktivität kann natürlich bei einer Aktiengesellschaft keine Rede sein; die Mehrwert schluckenden Aktionäre leisten kein Quentchen geistiger Arbeit für die Produktion. Und es sind gewaltige Summen, die die produktive Arbeit für das Kapital aufbringen muß. Zur Illustration des Verhältnisses zwischen Kapital und Arbeit wählen wir, wie die„Arbeitgeberztg.", die Geschäftsergebnisse der— Gelsenkirchener Bergwerks-Gesellschaft. Der Bergarbeiterausstand hat natürlich auch das finanzielle Ergebnis dieser Gesellschaft etwas beeinträchttgt; die Förderung ging nämlich gegen das Vorjahr um 5,13 Proz. zurück; dazu ist der Schichtlohn der Arbeiter um 8 Pf. gestiegen. Trotz dieser ungiinstigeir Umstände dürfen die Aktionäre zufrieden sein. Die Gesamtzahl der Arbeiter belies sich auf 23 905 Mann, die Jahreslohnsumme pro Kopf der Beschäftigten auf 1204 M., das sind 27 M. weniger als im Vorjahre. Der erzielte Rohgewinn stieg auf 26 798 808 M., darunter 5 806 974 M. aus Beteiligungen bei anderen Gesellschaften. Den Reingewinn weist der Geschäfts bericht mit 13 744 210 M. aus. Eine vergleichende Zusammew stellung ergibt nachfolgendes Bild. Auf den Kopf der Arbeiter entfällt: Gewinn nach Jahreslohn Rohgewinn Abzug aller Reingewinn u Tantieme Lasten M. M. M. M. M. 1204 1121 842 573 554 Was sagt die„Arbeitgeberzeitung" zu dieser Aufmachung? WaS sie zusammenstellte, ist keine Belastung der Aktionäre, jene Ab- gaben ruhen auf der Produktion. Aber nach Abzug aller der auf- geführten Ausgaben und nach Absetzung der Kosten für geistige Arbeit— Gehälter für 972 Beamte— verbleibt noch pro Kopf der Arbeiter ein Ueberschuß von 842 M. Nachdem dann noch 6 411829 M. für Abschreibungen abgesetzt sind, sehen wir— immer pro Kopf der beschäftigten Arbeiter— noch einen Neingewinn von 575 M., fast halb so viel als der Arbeiter an Lohn bekommen hat. Etwas weniger, 554 M. mußte jeder Arbeiter für Dividende und Tantieme aufbringen! Nehmen wir alle Produktiven, Arbeiter und Beamte zusammen, so entfällt auf den Kopf der Kapitalsdiener ein Ge- winn von 810 M. und 532 M. für Dividende und Tantieme. Läßt man den bei anderen Beteiligungen erzielten Mehrwert von 5 806 974 M. ganz außer Berechnung, dann bleibt doch immer noch auf den Kopf aller Beschäftigten ein Gewinn— nach Spalte 3— von 577 M. und eine Dividendensumme von rund 300 M. Mit der oben zitierten Zusammenstellung erweckt das Blatt den Anschein, als ob die aufgeführte Sumnie der Steuern und Beiträge 44,58 Proz. des Reingewinnes der Gesellschaft ausmacht. Das stimmt aber nicht! Den Gewinn aus anderen Beteiligungen hat man einfach nicht mit eingestellt. Die Gesellschaft muß aber doch von den gesamten Erträgnissen Steuern zahlen. Von dem gesamten Reingewinn stellt die obige Summe nur 25,75 Proz. dar und die für Beiträge zu den sozialen Einrichtungen aufgewendete Summe macht nur 16,00 Proz. des ganzen Reingewinnes aus. Bei solchen Ergebnissen wagt es die„Arbeitgeberzeitung" noch, die Aktionäre als die zugunsten der Produzenten Ausgebeuteten hin- zustellen I Die Unternehmer sind wirklich sonderbare Leute, daß sie für solche, auf dem Niveau der plumpen, aufdringlichen Art reisender -JahrmarktStaschenspieler stehenden Gaukeleien ein Blatt aushalten. Kein Scharfmacherorgan liefert der Arbeiterbewegung mehr und besseren Agitationsstoff, als das widerlich gespreizt auftretende Jgnörantentum in der„Arbeitgeberzeitung". „Das nennt man Regelung der Kohlcnpreisc." Zu dem Artikel unter obiger Ueberschrift in Nr. 85 des„Vorwärts" macht uns die Redaktion des„Kohlenhändler" auf eine Berichtigung der von ihr in Nr. 4 veröffentlichten Preise für Kleinhändler aufmerksam. Die Berichtigung ist in Nr. 6 des„Kohlenhändler" enthalten. Nach seiner Berichtigung sind jetzt tatsächlich die Preise für„Ilse" gleichgesetzt mit den Preisen für Anhaltische Kohlenwerke und„Monopol". Der Pump unter Dach. Die russische 5prozentige Anleihe im Bettage von 2250 Millionen Frank ist, wie aus Paris gemeldet wird, glücklich unter Dach gebracht. Die russische Regierung wird so glücke lich sein, als das nur ein dem Ertrinken Naher sein kann, dem in letzter Minute noch ein zutreibendes schwankes Brett Rettungshoffnung einflößt. Aber Opfer kostet die Geschichte. Dieser Pump ist der größte, den je ein Staat im Auslande placierte, aber er ist trotzdem ein Beweis für Ruß- lands Banttottreife. Der Emisstonskurs beträgt nämlich nur 88 Prozent. Mit seiner 600 Millionen-Anleihe, die im Januar 1905 in Berlin emittiert wurde, erzielte Rußland noch einen Emissions- knrs von 95 Prozent, jetzt muß es sich bei der fünf prozentfgen Anleihe mit 88 Prozent begnügen. Wer aber in letzter Linie die Zeche bezahlt, ob Rußland nicht trotz der schweren Bedingung ganz billig Geld bekommen hat, das steht auf einem anderen Blatt. ES gehört außerordentlich viel Optimismus dazu, heute noch an eine organische Sanierung der russischen Finanzen zu glauben und die Zwangsmaßregel, die in Aussicht steht, wird Löcher in die Geldbeutel der Gläubiger reißen. )üus der Frauenbewegung. Treptow-Baumschulcnweg. Am Donnerstag, den 19. April abends 8>/z Uhr, findet bei E. Christ, Marienthalerstraße, Ecke Ernst- straße, die regelmäßige Mitgliederversammlung des hiesigen Bildungs- Vereins für Frauen und Mädchen statt. Herr Weise spricht über: „Was ist Glück und haben wir ein Recht darauf?" Gäste will- kommen. Pünktliches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Zehlendorf. Am 11. d. M. hielt der hiesige Frauen- und Mädchenbildungsverein seine Mitgliederversammlung bei Rüter, Schlachtensee, Eitelfritzplatz ab. Dr. Hentzelt referierte über„Frauen- krankheiten". In der gut besuchten Versammlung wurden 7 neue Mitglieder aufgenommen. Der Vorstand. Wilmersdorf. Am 19. d. M., abends 8'/z Uhr, findet bei Käsler, Lanenbnrgerstr. 20, die regelmäßige Vereinsversammlung für Frauen und Mädchen statt. Herr Stripp spricht über„Anzengruber". Dem Vortrage folgen Rezitationen. Gäste haben Zutritt. Britz. Am Donnerstag, den 19. d. M., findet bei Weniger, Werderstr. 27, die Generalversammlung des Frauen- und Mädchen- Bildungsvereins von Britz statt. Frau Götze spricht über„Die moderne Weltanschauung und unsere Schule". Zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Vorstand. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 23. April, abends 9 Uhr, im Neuen Klubhause, Kommandanten- straße 72: Vortrag des Herrn Rechtsanwalts Roth:„Eltern und Kinder nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch". Gäste willkommen. griff sich auf, Ehe- nach Gericbts-Leitung. Schutz vor Schutzleuten! Aus München wird über folgenden auffaflenden Heber- griff eines Schutzmanns berichtet: Die Frau eines Schuhmachergehülfen wurde von dem Gastwirt Bernhard Grieb in der Anglerstratze in München beschuldigt, ein Portemonnaie mit 22 M. Inhalt gestohlen zu haben. Die Frau wies diese unberechtigte Beschuldigung mit Entrüstung zurück und erklärte sich bereit, in die Gastwirtschast zurückzukehren, um sich durchsuchen zu lassen. Der von der Arbeit heimkehrende Ehemann der Beschuldigten begab sich kurz darauf gleichfalls in die Wirtschaft und verlangte die Zuziehung eines Schutzmanns. Ein Schutzmann erschien. Die Frau stülpte ihre Kleidertaschen um. Der Schutzmann die Kleider ab— das Portemonnaie fand nicht. Nunmehr forderte der Schutzmann die Frau ihm nach der Wache zu folgen. Das lehnten die leute ab, da sie sich vor dem Transport der Wache durch die Menschenmenge genierten. Dann meinte der Schutzmann, müsse eine Hebamme zugezogen werden. Die Eheleute willigten aus Scheu vor dem Gang nach der Wache ein. Die Hebamme wurde zugezogen. Die genauere Leibesvisitation der bis aufs Hemd entkleideten Frau wurde in Gegenwart des Schutzmanns vorgenommen. Das Resultat war erfolglos und mutzte erfolglos seisn, da am folgenden Tag der angeblich bestohlene Gast Wirt erklärte, er habe das Portemonnaie, das übrigens nicht 22, sondern 26 M. Inhalt habe, in einem Schubkasten aufbewahrt und nunmehr wiedergefunden. Von der Frau wurden für die Hebammenuntersuchung auch noch die Kosten im Betrage von 1 M. gc- fordert. Weder der Schutzmann, noch der Gastwirt ent schuldigten sich wegen ihres Verhaltens. Ein derarttges Vorgehen eines Schutzmanns widerspricht auf das allerentschiedenste den bestehenden Gesetzen und ist ein außerordentlich schwerer Amtsmißbrauch, zu dem der Gast- Wirt als Anstifter gelten nmg. Vor kurzer Zeit erklärte der bayerische Polizeiminister Graf Feilitzsch im bayerischen Landtag, die ganze Welt beneide die Bayern um ihre Münchener Polizei. Das geschilderte Vorgehen des Schutz mannes ist umsomehr ein strafbarer Mißbrauch der Amts gewalt, als nach zutreffender Ansicht nicht einmal der Richter zu einem derartigen, die Scham und Sitte verletzenden Vorgehen berechtigt ist. Es wäre im höchsten Grade bedauerlich, wenn- gleich erklärlich, wenn die so schwer beleidigte Schuhmacherfrau keine Schritte gegen den Gastwirt und gegen den Schutzmann unternähme. Daß der Ehemann der durchsuchten Frau diese Privattintersuchung zuließ, dürfte weniger seinen Mangel an Rechtsgefühl als ein Mitzttauen gegen die Möglichkeiten kennzeichnen, die sich auf der Polizei abspielen könnten. Das entschuldigt seine halbe Zustimmung keineswegs. Als der Sachverhalt in der„Münchener Post" in seinen wesentlichen Punkten veröffentlicht wurde, erschien tags darauf ein Kommandant der Schutzmannschast bei der Frau, erstattete ihr die rechtswidrig abgeforderte Mark und entschuldigte sich wegen des taktlosen Benehmens des Schutzmannes. Gegen den Schutzmann ist das Disziplinarverfahren wegen seines Verbleibens im Zimmer während der Hebammenuntersuchung eröffnet. Die vorgesetzte Dienstbehörde nimmt an, er habe aus übertriebenem Diensteifer gehandelt. Das mag sein. Aber weder dies, noch das unschickliche Verbleiben des Schutzmannes im Zimnier während der Hebammenuntersuchung trifft die grund- sätzliche Seite des Falles. Ist es im Interesse einer gerechten Justiz— und Justiz soll ja eigentlich die Gerechtigkeit ver- körpcrn— schon bedauerlich genug, daß im Strafverfahren einer Vertvaltungs behörde die Staatsanwaltschaft als eigentliche Herrin des Prozesses fungiert und daß die Polizei- behörden mit mehr oder minder vom Gesetz unklar gelassenen Befugnissen als Organe dieser anderen Verwalttings- behörden in Bewegung gesetzt werden, so ist im Interesse der persönlichen Sicherheit und Freiheit unbedingt jede unter- uchungsähnliche Tätigkeit eines einzelnen Polizei- beamten zu verurteilen und nach dein Gesetz unerlaubt. Selbst unsere wahrlich die Rechte des Einzelnen und der Ge« samtheit gegenüber Nebergriffen von Behörden und einzelnen Beamten nur ävenig wahrende Strafprozeßordnung schreibt, von Ausnahmefällen abgesehen, vor, daß Beschlag- nahmen und Durchsuchungen anzuordnen lediglich Sache des Richters ist(§Z 99, 105 Str.-Pr.-O.). Eine körperliche Durchsuchung, insbesondere einer weiblichen Person, ist nach dem Gesetz nicht gestattet. Einer von diesem Grund- satz abweichenden Rechtsprechung des Reichsgerichts trat der Reichstag durch Annahme eines Antrages des Abg. Rintelen wiederholt, steilich erfolglos entgegen. Stellt danach die Unter- suchung der Frau in dem Münchener Fall— trotz der durch die Umstände erzwungenen Einwilligung der Eheleute— den objekttven Tatbestand eines Amtsmißbrauchs und einer schweren Beleidigung dar, so ist weit schwerer als der Schutzmann der leichtfertige Ga st Wirt zu ver- urteilen, der bei diesen Handlungen als Anstifter und Mit- täter mitgewirkt hat. Würde die Frau eines hohen Beamten in der geschilderten Art behandelt, so würde die öffentliche Anklagebehörde schwerlich säumen, wegen Amtsmißbrauchs, Nötigung, Erpressung und schwerer Beleidigung im öffentlichen Interesse gegen den Gastwirt und den Schutzmann die Unter- suchung einzuleiten. Da vor dem Gesetze jeder gleich sein soll, so zweifeln wir nicht, daß, wenn die schwer gekränkten Schuh- macher-Eheleute Sttafanttag stellen, die Münchener Anklage- behörde die Untersuchung einleiten wird. Von dem Ergebnis derselben werden wir unsere Leser in Kenntnis setzen. Aushebung eines berüchtigten Hehlernestes in der Adalbertstrafie. Die Wohnung der Witwe Emilie Miesczalok stand schon längere Zeit in dem Rufe eines HehlernesteS, ohne daß es gelang, bestimmte Beweise hierfür zu erbringen. Ende Februar d. I. erschienen mehrere Beamte in der Wohnung und konnten nicht nur die Wohnungsinhaberin der Hehlerei überliefern, sondern auch mehrere längst gesuchte„schwere Jungens" festnehman, die eben die„Gore" (Diebesbeute) zu der Hehlerin gebracht hatten. ES waren dies Wilhelm Walto wiak und Hugo V a u m g ä r t n e r, Engen Stamm Witz und Richard Mischnick, die sämtlich mit dem Gefängnis schon auf längere oder kürzere Zeit Bekanntschaft gemacht hatten. Die weiteren Ermittelungen ergaben, daß die vier Ge« nannten erst wenige Tage zuvor"bei dem Gastwirt Kieburg einen dreisten Diebstahl verübt hatten. Während drei der Angeklagten den Lokalinhaber in ein Gespräch verwickelten und zugleich einen Musik- automaten fortwährend spielen ließen, um etwaige Geräusche zu über- tönen, brach der vierte Angeklagte in criler Gemütsruhe in dis Wohnung des K. ein und stahl sämtliche Goldsachen und Schmuck- gegenstände im Werte von 400 M. Außerdem wurden den An- geklagten noch zwei mit gleicher Frechheit verübte Diebstähle zur Last gelegt.— Der Gerichtshof verurteilte S t a m m iv i tz zu 3 Jahren Zuchthaus, Baumgärtner zu 2'/., Jahren ""efängnis, Walkowiak und M i f ch n i k zu j e 9 Monaten efängnis und die Miesczalok zu einem Jahre Zucht» h a u S wegen gewerbsmäßiger Hehlerei. „Billiges EiSbeincssen". Unter der Anklage der Hehlerei stand der Gastwirt Emil Rutsch aus Rummelsburg vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I. Mit ihm mußte sich der Vieh- treiber Paul K r a w c z a k wegen schweren Diebstahls im Rückfall verantworten.— Am 16. November v. I. hatte der Schlächter- mcister Hiller in dem Hause Landsberger Allee 123 geschäftlich zu tun. Als er nach wenigen Minuten wieder auf die Straße trat, war sein Fuhrwerk, auf dem sich sechs halbe Schweine befanden, verschwunden. An demselben Abend beobachtete der Schlächtermeister K. in Rummelsburg, daß vor dem Lokal des Angeklagten Rutsch mehrere halbe Schweine abgeladen wurden. Da ihm die ungewandte Art des Abladens auffiel, sah er sich das Fuhrwerk näher an und entdeckte den Namen des bestohleneu Hiller. Er benachrichtigte diesen sofort telephonisch und erhielt Kenntnis von dem Diebstahl. Der Angeklagte Nulsch hatte unterdessen seinen Stammgästen schon erzählt, daß er am nächsten Tage ein großes Eisbein- und Well- fleischessen veranstalten werde und die gesamte Konkurrenz über seine billigen Preise erstaunt sein würde. Aus dem geplanten Eisbeinessen wurde jedoch nichts, denn während Nutfch und seine Gäste schon im Vorgefühl der kommenden Genüsse schwelgten, erschien der Bestohlene in Begleitung des Gendarms Farin in der Tür. Eine sofortige Haussuchung forderte nur einen kleinen Teil der gestohlenen Ware zutage. Auf die Frage, ob N. noch einen zweiten Keller habe, verneinte er dies. Als man ihm das Gegenteil nachwies, erklärte der Angeklagte, sein Hausdiener habe den Schlüssel, während er ihn. ratsächlich bei sich trug. Schließlich wurde der Keller gewaltsam geöffnet und der übrige Teil der DiebeSbeute beschlagnahmt. Vor Gericht bestritten beide An- geklagte jede Schuld. Nach längerer Beweisaufnahme wurden der Dieb wie auch der Hehler für völlig überführt erachtet. Das Urteil lautete gegen Krawczak auf 3 Jahre Zuchthaus, gegen Rutsch wegen Hehlerei auf 1 Jahr Gefängnis. Zugleich wurde N., weil bei der Höhe der erkannten Sttafe Fluchtverdacht vorlag. sofort in Haft genommen, sodaß er nunmehr lange Zeit über daS billige Eisbeinessen nachdenken kann. Versammlungen. Zentralveriand der Töpfer. Am Donnerstag fand im GeWerk» schaftshause eine Generalversammlung der Filiale Berlin statt. Die- selbe verhandelte zunächst über einen Antrag, welcher besagt, den Kollegen, welche die Kontrolle versäumt haben, nachträglich die Unter- stützung zu zahlen. Dieser Antrag tourde abgelehnt.— Hierauf erstattcre der Vorsitzende R e i n i ck e den Geschäftsbericht über seine neun Wochen währende Amtstätigkeit. Die wichtigste Begebenheit während dieser Zeit sei die Einrichtu.ng der Arbeitslosenkontrolle.. Dieselbe sei im März von 852 Kollegen besucht toordcn, sie habe ich also gut bewährt. An 581 Kollegun seien. 11 783 M. Arbeits- osenunterstützung aus dem gesammelten! Fonds gezahlt ivorden. In einer Amtstätigkeit ist der Redner auf Wunsch von Kollegen 30 mal zur Schlichtung von Differenzen auf Bauten gerufen worden, die zur Zufriedenheit der Beteiligten erledißt wurden.— Der Kassierer Bamham mel erstattete hierauf den.Kassenbericht für das brste Quartal. Die Abrechnung der Hauptmasse zeigt in Einnahme und Ausgabe die Summe von 16 753,42 Mf, für die verschiedenen Unter- tützungszweige wurden 4943,97 M. ausgegeben. Die Lokalkassa hatte eine Einnahme von 20 335,(17 M., eine Ausgabe von 17 733,89 M. Das Vermögen der Filiale beträgt 41 450,13 M.—■ Die Mitgliederzahl am Quartalsschluß, betrug 2224.— Die nun vorgenommene Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis: 1. Vor- itzender S e g a v e, 2. Vorsitzender Huhn, 1. Kassierer B o m- Hammel, 2. Kassierer Kunze, Schriftführer R a p p u t a n juu., Beisitzer G ä d e und Wolf. Revisor der Ortsverlvaltung wurde K e man n i tz, Revisor des Hauptvorflandcs K a l v c. Auf Antrag aus der Versammlung wurde beschlossen, den Angestellten der Orts- Verwaltung,' welche bisher 45 M. wöchentlich erhielten, den tarif- mäßigen Lohn von 43 M. zu zahlen.— Hierauf folgte eine DiS- kuffion über den Tarif für Chamotteachbeiten, wie er in der beider- bitigen Kommission festgestellt worden ist. Die Abstimmung in den Aezirksversammlungen hatte bereits c'ine große Mehrheit für den Tarif ergeben. Auch die gegenwärtige Generalversammlung nahm den Tarif gegen wenige Stimmen an. Ter Zcntralverband der1 Maurer(Zweigverein Berlin) hielt am 21. März in Kellers Saal für säintliche Bezirke und Zahlstellen der Maurer und die Sektionen der Putzer und der Gips- und Zementbranche, sowie der Gruppe der Fliesenleger eine General. Versammlung ab. Zum GeMAsbericht für das Jahr 1905,.' tcn die Mitglieder gedruckt erhalten haben, Nahm ThönZ das Wort, um eine 5usammenfassende Uebcrsicht zu geben und einige Er- läuterungen und Mahnworte hinzuzusiigen. Unter anderem hob er auch hervor, daß die Maifeier eine glänzende gewesen sei, obwohl für die von den Unternehmern schon vorher angekündigte eintägige Aussperrung diesmal keine Unterstützung vorgesehen war. Ter Beschlutz aus Fortfall der Unterstützung sei nicht etwa gefaßt worden, um gegen die Maifeier zu wirken. Im Gegenteil bleibe es im Zweigverein nach wie vor Grundsatz, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu begehen. Trotz der Bemühungen der„feindlichen Brüder" hätten im verflossenen Jahr dem Zweigverein 2S(M) neue Mitglieder zugeführt werden können. Es bleibe aber doch noch ein gutes Stück Arbeit in bezug auf die Organisation nach innen und autzen zu leisten. Mancher Mitzstand würde verschwinden, wenn die Kollegen selber mehr die aufgestellten Grundsätze durchzuführen bemüht wären, z. B. auch wegen Nichtinnehaltung der tarifmätzigen Arbeitszeit. Das wäre bei gutem Willen meist möglich, ohne datz man erst die Vcr- bandsleitung in Anspruch nehme. Das Baudeputiertensystem müsse wieder mehr gefördert werden. Der Kassierer Wartenberg erstattete den Kassenbericht für das vierte Quartal 1903. Die Zahlstellen und Sektionen hatten am Schluß des dritten Quartals einen Bestand von 117 063,53 Mark. Einschließlich dieses Bestandes wurden im vierten Quartal 138 774,72 Mark eingenommen. Ausgegeben wurden 11 714,84 Mark, so daß am Jahresschluß für die Zahlstellen und Sektionen ein Bestand von 127 959 Mark verblieb.— Die Zweigvereinskasse hatte einschließlich eines Bestandes öom dritten Quartal(141711,33 M.) im vierten Quartal eine Ein- nähme von 266 963,13 Mark, der eine Ausgabe von 122 796,16 Mark gegenüberstand. Der Bestand der Zweigvereinskasse betrug danach am Schlüsse des vierten Quartals 144 261,97 Mark.— Die Zahlstellen und Sektionen und die Zweigvereinskasse zusammen wiesen am Jahresschluß einen Bestand von 271 321,85 Mark auf. Mitglieder hatte der Zweigverein am 31. Dezember 15 466, wovon 9382 auf die Maurer, 2479 auf die Putzer und 3114 auf die übrigen Sektionen entfielen.'— Bezüglich der Jahresübersicht über die Finanzgebarung verwies der Kassierer auf den gedruckten Bericht. Nach einer Diskussion über verschiedene Vorkommnisse aus dem Vcrbandsleben und aus der Maurerbewegung des verflossenen Jahres wurde dem Kassierer einstimmig Decharge erteilt.— Dem Zweigvereinskassierer bewilligte man ein Mankogeld von 299 Mark, den übrigen Kassierern ein solches von ein Zehntel Prozent ihrer Einnahme. Thons teilte darauf das Resultat der Wahl des Zweigvereins- Vorstandes mit. Danach setzt sich dieser jetzt so zusammen: E. ThönS, erster Vorsitzender; O. Hanke, zweiter Vorsitzender; A. Wartenberg, erster Kassierer; E. Lehmann, zweiter Kassierer: K. Haase, erster Schriftführer; Eichberg, Beisitzer. In die Achtzehnerkommission wurden gewählt: H. Silber- schmidt, L. Kinzel und A. Wju l f, sowie als Stellvertreter O. Blume. A. Wittig und A. Fädrich. Revisoren wurden Graul, Wittkopf und B r e i S k e; Mitglieder der Beschwerde- kommission Griese, Karmosin, Nitschke, Rudolph und P r a n z k a t. Bei der Ergänzungswahl zweier Ausschußmit- glieder wurden noch gewählt M. Kracht und W. P o r e k e i t. Verein der Lehrlinge und jugendliche« Arbeiter Berlin» und Umgegend.(Abt. VL) Donnerstag, den 19. April, bei Schmidt, IaSmunderstr. 4: Mitalicdcrversammlung. Vorwag deS Kollegen Hans Reinhard über:.Die Entwickelung der Werkzeuge und Maschinen.' Zentralverband der Konditoren. Donnerstag, den 19. April er., abends Sst, Uhr, im Englischen Garten, Alexandersw. 27o: General» Versammlung. Tagesordnung: 1. OuartalSberichte. 2. Wahl von zwei Delegierten zum Verbandstage. Z. Die Lohnbewegung in den Backgeschästen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Sozialdemokratischer Agitation»-Berein für den Wahlkreis ArnSwalde- Friedeberg. Sonntag, den 22. April, nachmittags 4'/, Uhr, bei Boeker, Webersw. 17: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht von der Flugblatwerbrettung im Kreise. 2. DtStussion. 3. VereinS- angelegenheiten und Verschiedenes.— Gäste willkommen. Eingegangene Drucfefcfmften. Leibesübungen für Kranke und Leidende. Herausgegeben von einem deutschen Arzte. Leipzig, Verlag von Krüger& Co. 1906. Preis 1,50, eleg. Lnbd. 2,—. Gelb- und Kreditwirtschaft deS deutschen Mittelstandes. Von Dr. A. Hugenberg. München, I. F. Lehmanns Verlag, 1996. Preis drosch. 3 M.. geb. 4 M. »1». M. Hirschfeld. Alkohol und Familienleben. 24 Seiten. Preis 25 Pf. Verlag Fr. Stall, Berlin-Charlottenburg, Knesebeckstr. 3. W. Jiillmer. Die deutschen Kolonien. Monatsschrift deS Deutsch- voltlichen wolonialvereinZ. Nr. 4. Abonnement jährlich 6 M., Einzelhest 60 Ps. Verlag W. Süsserot, Berlin IV. 30. Dr. R. Lennhoff. Wochenschrift für soziale Medizin. Nr. 15. Preis: vierteljährlich 1,50 M. Einzelnummer 30 Pj. Verlag„Gutenberg'-Druckerei, Berlin W. 35. Dr. med. F. Eberhart. Ein Kampf umZ Recht. 79 Seilen. Verlag A. Dauer, Köln und Wermelskirchen. Max Peters. SchiffsahrtSabgaben. Erster Teil: Die Rechtspflege. 339 Seiten. Preis: 7,40 M. Verlag Duncker u. Humblot, Leipzig. Dr. med. Grüllich. Aerztliche Hülfe, Kranke und Krankenkassen ans dem Lande. Ein Beitrag zur freien Arztwahl. Franlsurt a. M. 1906. Verlag Dr. E. Schnapper. Preis 80 Pf. Erster Jahresbericht des Arbeitersekrelariats Fürth jür 1905. 43 S. Fränkische Verlagsanstalt und Buchdruckerci in Nürnberg. Joh. Laikos, O, datz Du es doch erkennen wolltest, waZ Dw zum Frieden dient. Verlag: Cäsar Schmidt, Zürich. P. Ramus, Die Urheberschaft des Kommunistischen Manifestes. 40 S. 20 Ps. Verlag:.Freier Arbeiter" Wetter-Prognose für Mittwoch, den 18. April 1999. EtlvaS kühler, veränderlich, vielsach wolfig mit Gewitterregen mätzigen nördlichen Winden. Berliner Wetterbureau. -1 1 9 2 S und ktziir den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Zhcater. Mittwoch, den 18. April Ansang Vj, Uhr: Opernhaus. Cavalleria rusticana. — Bajazzi. Schauspielhaus. Die Verschwörung des Fiesco zu Genua. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Westen. Schützenliesel Berliner. In der Sommersrisch'n. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner-Theater.) Der Militärstaat. Schiller Iii.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Helden. Neues. Salome. Leiiing. Und Pippa tanzt. Komische Oper. Figaros Hochzeit. Kleines. Kinder der Sonne. Nestdeuz. Der Prinzgemahl. Zentral. Landstreicher. Triano». Loulou. Lnsispielhaus. Die von Hochsattel Thalia. Hochparterre links. Luisen. Robert und Bertram. Metropol. Aus inS Metropol Walhalla. Einer von unsere Leut'I Deutsch-AmerikanischeS. Er und Ich- Kasino. Die Herren Söhne. Apollo. Das bummelnde Berlin. Spezialitäten. Eari Weift. Die Jagd umZ Leben. Folie» Caprice. Der Schmock. Dalles u. Co. Spezialitäten. Winlergarte». Spczialilälen. Bellc-All i a»ce. Spezialitäten. Rcichshallr». Stcttiucr Sänger. Passage. Spezialitäten. tlr»»in. Tauvenstraste 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Abends 8 Uhr: Am Gols von Neapel. Stcrulvurlc, Jnvalidenstr. 57/62. IferÄinan«! Bonns Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Gastsp. d. Schllerseer Bauern. Ensembl. Conrad Dreher In der Sommerftisch'n. Donnerstag: In äse Sommseteieeh'n. Freitag: in ilse Sommeffrisch'n. Sonnabend: Amerikaseppl._ Neues Theater. AbenbS 8 Uhr: Salome. Donnerstag: Caesar und Cleopatra, Anfang 71/, Uhr. Freitag: Ein Sommernachtstrauw. Kleines Theater. SlbendS 8 Uhr: Kiiider der Sotnir. Donnerstag: Hille Bobbe. Hieraus: Oer Unverschämte. (Station Zoologischer Garten) IM» Kantstraß« IL."VS Mittwoch: Schützenliesel. Josef König a. G. Ansang 7>/, Uhr. Donnerstag: Oie vier Grobiane. Freitag: 23. Vorstellung im Freitags-Abonnement: Die vier Grobiane. Sonnabend nachm. 3 Uhr kleine Preise: Aennchen von Tharau. Abends VI, Uhr: Schützenliesel. Komische Oper. Mittwoch, den 18. April 1906, abends 8 Uhr: Figaros Hochzeit. Donnerstag: Haffmanns Erzählungen. Freitag: Don Pasquale. Sonnabend zum 100. Male: Hoffmanns Erzählungen. Äcliiiler- Schlllar-Theater 0.(Wallner-Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Dei» Billiarstaat. Lustspiel in 4 Aufzügen von Gustav v. Moser und Thilo v. Trotha. Donnerstag. abendS8Uhr: ver nniltürstaat. Freitag, abends 8 Uhr: ver Vogel im Käfl|p. Tbeater. Schiller-Theater N.(Friedr.-Wilh.TH.) Mittwoch, abend» 8 Uhr: Ilelelen. Komödie in 3 Auszügen von Bernard Shaw. Deutsch v. Siegfried Trebitsch. Donnerstag, abendS8Uhr: Beißen. Freitag, abends 8Ubr: IJebcrnnsere Kraft.(2. Teil). Zentral-Theater. (Operette.) 8 Uhr halbe Preise: Die Landstreicher. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Robert und Bertram. Donnerstag Benefiz für Marten: Der Salontyroler. Freitag: Robert und Bertram. Sonnabend: Der Salontyroler. Sonntag nachm.: Der Kaufmann von Venedig. Abends: Der Salontyroler. Montag: Der Verschwender. l-usKspsvIksus. Allabendlich 8 Uhr: Die von Hochsattel. Dvntscl»- Amerikanisch. Theater. Köpemokerstr. 67/68. jeden Abend 8 Uhr: Er und Ich Sonnt nachm. 3 Uhr, halbe Preise; Ueber'n großen Teich. Kasino�Theater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Bis Donnerstag, de» 26. April: Die Herren Söhne. Freitag, den 27. April, zum ersten- mal: Brulame Itonlrard. Sonntag nachm. 4 Uhr: Ein Sohn des Volkes. Urania 4 Uhr: Tierleben In der Wildnis. Abends 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Sternwarte irÄ Passage-Theater. Ansang 8 Uhr. Das originrlleApril-Programm. toicie König| VortragS-Soubrette. Barka Frey», Exeentrique. Teddl-Trlo Trampolin-Alt. j Ferner 14 neue Spezialitäten. Apollo-Theater. Täglich 8 Uhr: Elfentiicke von Tellheim. Musik von A. Ferren. Die glänzenden Spezialitäten und: Das bummelnde Berlin. Im 3. Bild: La matschiche. Sonntag, den 22. April, nachm. 3 Uhr: Familien-Borstellimg. Erm. Preise! Benus auf Erden u. Spezialitäten- Singer Nähmaschinen. Einfache Haudstabung! 3302« Grefte Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleistung! 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Täglich abends 8 Uhr: Die Jagd ums Leben. Sonntag, 22. April bei günstigem Wetter im Garten: Grefte Speziali- täten-Vorstelliiug. Ansang 4 Uhr. Trlanon-Theatvi-. Ansang 8 Uhr: I-onlon. Belle» Alliance Eintritt 50 Ps. Theater- Varihtö.| Ansang 8 Uhr. Allabendlich: HeinZ Budcll der Sänger mit der Laute und das neue glänzende April-Konkurrenz-Programm. SaüSsouciÄim Dir. Wilhelm Reimer. Sonnt., Moni, Donnerst.: HoIS'iiiuuiih Norddsiitsche Sänger und Tanzkränzchen. Hochinteressantes, stets neues Programm. Theaterstücke, Ensemble- Szenen usw. Berliner 1 1 ik-Trio. Felix Scheuer ATahuioitlr.l. Brauerei Triedriehshain früher Lipps(Oekonom; E. Niemann) am Königstor. = Größter Konzertsaal Berlins._ Heute und folgende Tage, auf kurze Zeit; Populäres Konzert von Johann Strauß« Wien Dirigent der k. u. k. fieterreich. Hofballmuelk mit seiner gesamten Kapelle. 1 Anf. SUhr. Bntree 50 Pf., Reserv. PI. IM., Numer. Tisch 1,25 M. | Billetts im Yorverkauf bei Bote u. 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Verantwortlicher Redakteur: HanS Weber» Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke» Arbeiter-BUMys-Gcbnle. Gewerkscbaftshans, Engel-Ufer 15, Hol links 2 Tr. Sehrplati für das 2. Quartal 1906. Montag: Nationalökonomie(Die Kartelle). 1. Begriff und Gaaohiohte der Kartelle.— �Einzelne deutsche Kartelle: Koblensyndikat; Stahlwerksverband; Kalisyndikat; Druckpapierfabriken-Verband; Zentrale für Spiritusverwertung; Zuckersyndikat; Zentrale für Milchverwertung; Buchhändler-Kartell.— 3. Die Trusts.— 4. Die Kartelle in ihrer Bedeutung für die Entwiokelung der kapitalistischen Weltwirtschaft. Vortragender: Max Grunwald. Dienstag: Geschichte(Die politischen Parteien der Gegenwart). 1. Die Reorganisation der Sozialdemokratie(1875).— 2. Wiederbelebung der konservativen Partei.— 3. Die Parteien und das Sozialistengesetz(1878— 1890).— 4. Das Zentrum im letzten Jahrzehnt Bismarcks.— 6. Zersetzung des Liberalismus in den achtziger Jahren.— 6. Aufschwung der Sozialdemokratie (1890— 1903).— 7, Das Zentrum unter Wilhelm II.— 8. Der Bund der Landwirte.— 9. Liberale und reaktionäre Parteisplitter.— 10. Die Zusammenschmeißung aller bürgerlichen Parteien gegenüber der Sozialdemokratie. Vortragender: Dr. Max Maurenbreohe r. Mittwoch: Natur-Erkenntnis(Grandzüge der allgemeinen Lebenskunde[Biologie]). 1. Begriff des Lebens. Aufgabe der Lebens künde und ihr Verhältnis zu den übrigen Wissenschaften.— 2. Keimzeichen der lebendigen Substanz(Physik, Chemie und Struktur des Plasma).— 3. Die Zelle als Elementarorganismus. Einfache und zusammengesetzte Organismen.— 4. Die Ernährung(Aufbau und Zerfall des Plasma).— 5. Die Portpflanzung(die verschiedenen Arten der Zeugung).— 6. Die Bewegung(Mechanik des Plasma). 7. Die Empfindung(unbewußte und bewußte Empfindung. Reaktion auf Reize usw.).— 8. Das Geistesleben(Gehirn und Seele).— 9. Ursprung des Lebens(Vergleich zwischen unbelebter und belebter Natur. Die einfachsten Organismen).— 10. Die Entwickelun g des Lebens(Abstammungslehre, Darwinismus, Keimes- und Stammesgeschichte usw.). Vortragender: M. H. B a e g e. Donnerstag: Wesen und Wirken der Gewerkschaften. 1. Entstehung einer Gewerkschaft. Organisations- fähigkeit. Branchen- oder Betriebsorganisation. Organisation der Frauenagitation.— 2. Verfassung und Verwaltung. Lokal- und Zentral Organisation. Selbstverwaltung und Berufsbeamte. Industrieverbände. Gauverwaltung. Generalversammlung.— Die Gewerksch a f t s karteile. Die Generalkommission. Internationale Organisation.—'3. Finanzielle Gestaltung. Beitragshöhe. Beitragsklassen. Lokalfonds. Anlage des Gewerkschaftsvermögens.— 4. Unterstätzungswesen. Arbeitsnachweis. Herbergen.— 5. Die Beeinflussung des Arbeitsmarktes. Arbeiterinnen. Lehrlingswesen. Ausländer. Recht auf bestimmte Arbeiten. Die Maschine.— 6. Das Verhältnis zu den Unternehmern. I. Das Rechtsverhältnis. II. Arbeitszeit. IH. Lohnhöhe und Lohnformen. TV. Regelung des Betriebes. Arbeiterausschüsse. Interessengegensatz und Klassenkampf.— 7. Die Kampfes- formen. I. Streik und Streiktaktik. Boykott. Kontrollmarke. II. Aussperrung und schwarze Listen. Arbeitgeberverbände.— 8. Gemeinschaftliche Regelung. Tarifverträge. Einigunps- ämter. Paritätische Einrichtungen.— 9. Sozialpolitische Aufgaben: Statistik. Arbeite rschntz. Arbeiterversicherung. Gewerbegerichte. Proportionalwahl. Rechtshülfe. Kinderschutz. Die Arbeitersekretariate.— 10. Bildn n g s p f 1 e g e. Moralische und hygienische Erziehung. Vorträge. Bibuotheken. Die Alkoholfrage.— 11. Die Stellung zu Staat und Gemeinde. Koalitionsrecht und Rechtsprechung. Zweierlei Recht Gute Sitten. Arbeitslosenfürsorge. Staats- und Qemeindearbeiter.— 12. Die Stellung zur Politik. Neutralität. Syndikalismus. Intornafcionalität und Krieg. Maifeier. Generalstreik,— 13. Gewerkschaft und Genossenschaft: Produktivgenossenschaften. Der organisierte Konsum. Die Genossenschafts- angestellten. Die Macht der Arbeiterklasse.— 14. Gewerkschaft und Sozialismus: Erfolge und Grenzen des Gewerkschafts- wesens im Rahmen der kapitalistischen Gesellschaft. Das notwendige Endziel der Gewerkschaftsbewegung. Vortragender: Simon Katzenstein. Freitag/: Rednerschule(Hebungen im Halten von Vortragen und m der Diskussionsrede). Vortragender: Heinrich Ströhe I. Der Unterricht beginnt in Matlonalökonomle: Montag, den 23. April; Geschichte: Dienstag, den 24. April: Natnr- Erbenninls: Mittwoch, den 25. April; Gewepliscnartswesen: Donnerstag, den 26. April; Rednerschale: Freitag, den 27. April. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um O Ehr und endet pünktlich um V,!! Uhr. Des Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichts- geld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 Mark und ist spitestens am zweiten Abend zu zahlen. Der erste Abend jedes Kursus steht jedermann zum unentgeltlichen Besuche frei. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Gewerbschaftshaas, Engel- Ufer 15, Hof links 2 Tr., und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Schals, Adrairalstraße 40a; Real, Barnimstraße 42; Togel, Lortzingstraße 37; Horsch, Engel-Ufer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann EammC, Berlin S. 59, Freiligrathatraße 3, Quergeb. IV, Geldsendungen an den Kassierer H. Königs, Berlin S. 59, Hasenheide 66, zu senden. Der Torstand. Bruch-Pollmann empfiehlt sein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden. Ceradehaltern, Spritzen, Suepentorfen sowie eämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werketatt. Lieser. f. Orts. n. Hülss-Kranten tast en Rcrlin O., 6939S1» 80. Fimen-Straße 80. Sitte Bruchbänder mit elastischen Pe- lotten, angenehm u. weich am Körper. Beste Bettenfflllimg find die borjüglid ÄalHftbnCi Monopoldaunen (gcW gefchflpt) SSfun» Ol».«,8». *-A Vtunb genügen> gt, Cbnbrtt »•rt geg. Siachnabm«. Verpackung st ei. 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Für die vielen Beweise Herzitcher Teilnahme und die reichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unsere» unvergeß- lichen Vaters, sagen wir allen Ver- wandten, Freunden und Bekannten, insbesondere dem Sozialdemokrati- schen Wahlverein Charlottenburg, dem Holzarbeiter-Verband und den Kollegen der Bauttschlerei A. Seiler unseren herzlichsten Dank. 906L Wi-we Anna Heubecker nebst Kindern. Dr. Simmel, Epezialarzt für 29/14* Hant- and Harnleiden. 10—2,5—7. sonntags 10—12, 2—4 Speztal-Arzt für* Bant- nnd Harnleiden, Eranen krank holten. Friedrlcbstr. 203, Ecke Schützenstr. IO-», 5—7, Sonnt. 10-1» Uhr. Ortgwalpreisen.' 206/ Ed. Sewftert Nachfolger Fritz Richter, Konbitoret _ Berlin, Jerusalemerstr. 57._____ Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts" Bucüdruckerei u. Verlägsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, An allen Orten werden Verkautsstollen errichtet. Tertreter gesucht. Gebrüder Krayer, Mannheim. h si» Kiesenposten ISO cm breite bunte ocket- piüsche vornehm, haltbarst. 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Unsere Parteigenossen aber werden daraus ersehen, wie schwer es den Genossen in Wilmersdorf gemacht wird, ein Lokal zu erlangen, wagt man doch, sie noch mit Spott und Hohn zu überschütten. Gegen ein solch übermütiges Auftreten eines Gastwirtes müssen vor allem die Genossen Wilmersdorfs, die dortigen Gewerkschaften wie überhaupt alle dortigen Vereine, denen Arbeiter angehören, mit aller Energie vorgehen und den Saal- inhabcrn ihre Kundschaft entziehen. Wird mit aller Ausdauer und Zähigkeit dieses Ziel verfolgt, so muh eS gelingen, auch Säle für Versammlungen zu bekommen. Schon mancher andere als Herr Strust hat unter solchen Umständen vor der Arbeiterschaft kapitulieren tnüssen._ Ober Schöncwcide. Die Mitgliederversammlung deö Wahlvereins findet am heutigen Abend im.Krug zum grünen Kranze" bei Höflich, Ostend, statt. Tagesordnung: Vortrag des Genosien Julian Borchardt über.Maisenstreik". Diskussion. VereinSangelegenheiten. Ver- schiedenes. Es ist Pflicht der Genossen und Genossinnen in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. berliner I�acbncKten. Tie Berichte der Schulärzte Schöncbcrgs sind für das Jahr 1904/05 kürzlich zur allgemeinen Kenntnis gelangt. Sie geben ein trauriges Bild des ge- fundheitlichen Zustandes der Proletarier- fugend. Indem sie das soziale Elend beleuchten, werden sie zu einer schweren Anklage gegen die Gesellschaftsordnung und ihr kapitalistisches System, dessen Folge die Vernach» lässigung der jungen Generation ist. Daß die Kommune für Volksgesundheit und Volksbildung wenig tut, erklärt sich aus der Gleichgültigkeit und Verständnislosigkeit der Herr- schendcn Klasse, die nur für ihre eigenen Bedürfnisse sorgen möchte und an Fürsorge für die unbemittelte Bevölkerung sich kaum das Allernotwendigste abringen läßt. Zahlreich sind wieder die Mängel körperlicher und g e i st i g e r E n t w i ck e l u n g, die von den sechs Schulärzten an den von ihnen untersuchten und beobachteten Kindern festgestellt wurden. Die Untersuchung bei den Neu- aufnahmen zu Beginn des Schuljahres ergab, daß 145 Kinder vorläufig noch vom Schulbesuch zurückgestellt werden mußten, weil sie noch gar nicht mal genügend ent- wickelt waren. Auch unter den aufgenommenen Kindern waren noch 391, deren gesundheitlicher Zustand es ratsam er- scheinen ließ, sie bis auf weiteres in ärztlicher Ueber- wachung zu behalten. Da von früher her bereits mehr als anderthalbtausend Kinder in Ueberwachung waren. so mußten nun 1927 Kinder von den Schulärzten überwacht werden. Aus dem Ergebnis der von den sechs Schulärzten ge- machten Beobachtungen greifen wir uns ein paar Haupt- zahlen heraus. Da werden 397 Kinder als s k r o p h u l ö s bezeichnet, da wird 283 Kindern das Prädikat r h a ch i t i s ch gegeben, da wird bei 487 Kindern B l u t a r>n u t festgestellt. Da wird berichtet über 174 Fälle von Herabsetzung des Seh- Vermögens, 109 Fälle von Sprachstörung, llölmal wurden Mandelwucherungen beobachtet, 766 Kinder hatten Zahn- defekte. Groß war die Zahl der V e r k r ü ni m u n g e n: 80mal fand sich Wirbelsäulenverkrümmung, 142mal Ver- krümmung der unteren Gliedmaßen, dazu kamen 170 Fälle von schlcrbaftcm Bau des Brustkorbes. Die Tatsache, daß L u n g c n k r a n kh e i t e n nicht weniger als 133mal fest- gestellt wurden, eröffnet einen trüben Ausblick in die Zu- knnft vieler dieser Kinder. Auch Herzfehler waren mit 53 Fällen zahlreich genug vertreten. Soll die schulärztliche Aufsicht Gewinn bringen, so iiiiissei! die Aerzte den Eltern niit Ratschlägen zu dienen suchen und die Eltern den Rat der Aerzte befolgen. Wie schon im vorigen Jahre, so wird auch diesmal wieder hervorgehoben, daß die Eltern den Ratschlägen„im wesentlichen" »achkamen. Doch hebt der Bericht hervor, daß z. B. bei Wirbelsäulenverkrümmung die Vorschriften teils wegen der Unbequemlichkeit ihrer Befolgung, teils aus Scheu vor den etwa damit verbundenen K o st c n vielfach trotz dringender Ermahnung unbeachtet blieben. Hier könnte ein besonderer Turnunterricht, an welchem teilzunehmen die Kinder verpflichtet würden, manches bessern. Die Kommune darf solche Einrichtungen nicht zu kostspielig finden, sie hat oft für weniger wichtige Zwecke viel Geld ausgegeben. Daß durch Fürsorge fiir das leibliche Befinden der Kinder der Erfolg des Schulunterrichts ge- fördert wird, ist unzweifelhaft. Aber an Ratschlägen allein darf man sich da nicht genügen lassen, wenn etwas erreicht werden soll. Oft fehlt es am Allernötigsten, an einer zulänglichen Ernährung. Ein voller Bauch studiert nicht gern, aber ein leerer erst recht nicht. Wir sehen's an den Kindern, die mit hungrigem Magen zur Schule kommen und dann im Unterricht nichts leisten. Wieder wird in den Be- richten zugegeben, daß nur zu viele Kinder lvcgen Mangel- haftigkeit der Ernährung dem Unterricht nicht mit dem wünschenswerten Interesse folgen konnten. Sehr werden die Erfolge der Beköstigung gerühmt, die die Volks- kiiche schwächlichen und armen Kindern gewährt. Die Zu- stände müssen schlimm genug fein, wenn schon dieser Not- bchclf die Aerzte befriedigt. Für die Minderbegabten haben wir die Hulfs- klassen: im Winter 1904/05 bestanden zwei Klassen mit 50 Kindern. Diese Einrichtung erfüllt im allgemeinen die Erwartungen, die an sie geknüpft wurden, und man kann nur wünschen, daß sie weiter ausgebaut werde. Aber oft wird ciiicin„Minderbegabten" Kinde schon damit nicht wenig I geholfen, daß es eine ordentliche körperliche Pflege er- , hält. Die Schulärzte empfehlen, daß in dieser Beziehung für die Minderbegabten noch mehr als bisher geschehe, damit die Teilnahme am Unterricht der Hiilfsklassen noch erfolg- reicher werde. Die traurige wirtschaftliche Lage der Eltern ist— das wissen die Schulärzte— die Hauptursache der Leistungsmängcl dieser Kinder. Nicht selten gesellt sich zur Not noch die Trunksucht, die den Nachwuchs von Geburt an erblich belastet. Je elender die häuslichen Verhältnisse der Kinder sind, desto mehr sollte die Schule bestrebt sein, allen hygienischen Anforderungen zu genügen. Von unseren Schulhäusern kann man das nun gerade nicht sagen, sogar Neubauten(wie z. B. die Schule in d.er Berchtes- gadenerstraße) sind nicht frei von Mängeln. Die Aerzte klagen hier und da über ungenügende Zufuhr frischer Luft, über ein Ucbermaß von Straßenlärm, bei dem das Oefsnen der Fenster im Sommer fast unmöglich ist. Auch an Klassen- Überfüllung hat es nicht gefehlt. So wird aus der 10. Schule gemeldet, daß auf 7X7 Plätzen 57 Kinder sitzen mußten. Soll es den Schulärzten möglich werden, erfolgreich an der Besserung des hygienischen Zustandes unserer Schulen zu arbeiten, so muß ihnen ein größeres Maß von B e- wcgungsfreiheit gewährt werden. Zu wünschen ist auch eine Verminderung ihrer Arbeitslast, die natürlich nur von einer Vermehrung der Schulärzte zu erwarten wäre. Die Gtadtverorduetenversammlung in dieser Woche fällt aus. Dir Bcvöltcruiigszahl Berlins hat im März wieder den Rückgang gehabt, der fast in jedem Jahr um diese Zeit beobachtet wird. Nach- dem die Bevölkerung im Januar uni reichlich 8500 Personen und im Februar um ziemlich«000 Personen zugenommen hatte, hat der März infolge zahlreicher Wegzüge eine Abnahme um rund 6000 Per- sonen gebracht. Daher war Ende März die Bevölkerungszahl mit nur 2 051 Vg4 fast genau dieselbe, wie diejenige von Ende Januar (2 0b t 928). Im April pflegt die Zunahme der Bevölkerung infolge zahlreicher Zuzüge um so reichlicher auszufallen. Das erste Grün, mit dem an den sonncnwarmen Tagen der vorigen Woche sich Baum und Strauch geschmückt hatten, ist in den Osterfeiertagen manchem Ausflügler verhängnisvoll gelvocden. Viele konnten der Versuchung nicht wiedersteheu,„ein bißchen GrüueS" mit nach Hause zu nehmen. Namentlich die Birken, deren junger Blätterschmuck ja am weitesten entwickelt war. wurde» rücksichtslos geplündert. Doch mancher, der seinen statllichcn Busch österlicher „Pfingstmaien" mit besonderem Stolz heimtrug, erregte auf dem Wege zum Bahnhof die Ausinerksamkett der dort auf Posten stehenden Gendarmen und wurde herangewinkt, um aufgeschrieben zu werde». Da dürfte„das bißchen Grün" ein bißchen teuer geworden sein. Zwei neue Omnibuö- Berbiiidinigen mit Pferdebetrieb werden Mittwoch, den l8. April, von der Allgemeinen OmnibuS-Gesellichaft eröffnet. Vollständig neu eingerichtet wird eine Linie 31 Sckilesische Brücke(Ecke Gvrlitzer Ufer)— HauSvogteiplatz, Sonntags 7�. Der letzte Wagen geht vom Osten Werktag» 10°°, Sonntags 10«, vom Westen werktags 10�°, Sonntags II15. Die Wagen fahren in Abständen von b Minuten. Gleichzeitig wird der Weg der Linie 2« Winterfeldtplotz— Moritzplatz verlegt. Die Wagen fahren nicht mehr von der Blücher- durch die Urban-, Tempelherrn-, WilmS- und Bär- waldstraße, sondern über das Waterloo-Ufer und Waterloo-Straße. die Alexandrinen-, Ritter- und Prinzenstraße nach dem Moritzplatz, wo sie einem weit größeren VerkehrSvedürfniS entsprechen. Neu ein- gerichtet werden hier die beiden Teilstrecken zu b Pf. Vorkstraße, Ecke Möckernstraße— Alexandrinenstraße, Ecke Gitschinerslraße und Bellealliancestraße, Ecke Norkstraße— Alexandrinenstraße, Ecke Ritter- straße. Zwei Linien der Straßenbahn müssen wegen KanalisationS- arbeiten in Friedenau vorübergehend verkürzt werden. Es sind dieS die Linien«0 Weißensee-Friedeiiau und 88 Schlesische Brücke- Friedenau. Die Tiefbauarbciten finden in der Rubensstraße statt. Die beiden Straßenbahnlinien mußten deshalb zwischen der Becker- und Eanovastraße außer Betrieb gesetzt werden. Die Endhaltestellen sind nach der Becker-, Ecke der NubenSstraße zurückverlcgt worden. Die Dauer der Arbeiten ist noch nicht bestimmt. Der Präsident des königlichen Landgerichts I ersucht um die Aufnahme folgender Mitteilung:„Der Erweiterungsbau des .ttriminalgerichts ist am Ostersonnabend den Vertretern der Justiz- behörden übergeben worden. Infolge der Streiks der Maler- gehülfen und>«chlosser konnte die Mittelhalle des Gebäudes noch nicht fertig gestellt werden. In diesem Teile befinden sich die SchwurgerichtSsälc. Das alte Gebäude wird von dem Landgericht I und II, den Amtsgerichten I und II sowie der Staatsanwalt- schaft zum Zwecke des Neubaues geräumt bis auf die beiden darin befindlichen Schwurgcrichtöfäle. Die Verhandlungen vor den Schwurgerichten finden borläufig also noch im alten Gebäude statt, dagegen finden vom 19. April ab alle Verhandlungen vor den Strafkammern und Schöffengerichten in dem neuen Gebäude, Turmstraße 90 bezw. Rathenowerstraße 79, statt. Die Bureaus und Kanzleien der Strafabteilungcii der Land- gerichtc I und ll sowie der Staatsanwaltschaften bei denselben siedeln am 3. Ostcrfeiertag und an den folgenden Tagen nach dem Neubau über, die Bureaus und Kanzleien der Schöffengerichts- abteilungcn des Amtsgerichts I verbleiben ober bis nach Bc» endigung des Umbaues des alten KriminalgerichtSgebäudeS Alt- Moabit 11 noch in dem Hause Wcrftstraße 7, welches von dem JustizsiskuL angemietet ist." t' Gegen Schwindelinserate einiger hiesige» Zeitungen veröffent- licht dckr Polizeipräsident folgende Warnungen: „In hiesigen Zeitungen ist in letzter Zeit wiederholt eine Annonce mit der Ueberschrift„Gratis an Fettleibige" und der Abbildung cineS korpulenten Paares erschienen, in der die„.AnticeUs-i�ssoemliem, 02 Chancery Laue, London W. C." eine Gratisprobe ihrer„Anticelta-Tablctten" gegen Fettleibigkeit anbietet. Der Gratisprobe liegt dann ein Schreiben bei. in welchem dem Besteller angekündigt wird, daß der Spediteur der Firma in Paris, um Portoauslagen und Zeitverlust zu sparen, sofort eine Portion Tabletten abgesandt habe, wofür 10 M. 20 Pf. Nach. nähme erhoben werde. Für letzteren Betrag erhält man 70— 90 Stück weißer Plätzchen, die im wesentlichen aus doppelkohlen- saurem Natron(BullrichS Salz) bestehen, wie sie in jeder hiesigen Apthelc für geringes Geld zu haben sind. Es ist selbstverständlich, daß die Plätzchen die ihnen beigelegte Wirkung auf die Fett- leibigkcit nicht ausüben können. Vor dem Bezug dieser teuer bezahlten Tabletten, deren An» preisung eine Ausbeutung de? Publikums enthält, kann daher nur dringend gewarnt werden. Eine andere Warnung besagt: In hiesigen Zeitungen bietet ein gelvisser A. Stroop in Neuenkirchcn Kreis Wiedenbrück in West- falen eine Schrift über Krebs-, Magen- und Leber» leiden und ihre Heilung unentgeltlich an. Wer sich an Stroop wendet, erhält einen gedruckten Prospekt zugeschickt, in welchem ein Mittel gegen die genannten Krankheiten angepriesen wird, das ebenfalls bei Stroop zu haben ist und von diesem auf Bestellung zugesandt wird. Das Mittel besteht aus drei einzelnen kleinen grünen Pulvern von fein zerteilten Pflanzcnblättcrn. wofür der unverhältnismäßig hohe Preis' von 10 Marl 20 Pf. zu zahlen ist. Nach der Gebrauchsanweisung soll je eins der kleinen Pulver, um einen Erfolg damit zu erzielen, an bestimmten Tagen eingenommen werden, und zwar jedesmal am Morgen nach Neumond vor Sonnenaufgang. Ein heilender Einfluß der Pulver auf die oben genannten Leiden ist ausgeschlossen, vielmehr ist es, wie die an mi t t c l- alterlichen Aberglauben erinnernde Kur zeigt, lediglich auf eine Ausbeutung schwerkranker Menschen ab- gesehen. Vor dem Bezug des Mittels muh daher dringend gewarnt werden. Endlich wird in letzter Zeit von der Firma„Coro Institut 62 Chancery Lane, London W. C." eine Gratisprobe von dem „wunderbaren Eozapulver" angeboten. Eozapulver soll die Wirkung haben, daß durch seinen Zusatz zu den Getränken dem Trinker die Spirituosen widrig vorkommen, und er deshalb daS Trinken unterläßt. Das Mittel besteht im wesentlichen auö ver- unreinigtem doppelkohlensaurem Natron und besitzt keineswegs die ihm beigelegten Eigenschaften. Da es für 10— 20 M. abgegeben wird, obwohl der wahre Wert des Mittels nur wenige Pfennige beträgt, so wird vor einem Bezüge durch das Coza Institut dringend gewarnt." Der Gautag für den Gau S deS Arbeiter-RadfalirerbmideS „Solidarität" tagte am 1. Ofterfeiertag in PeterS GesellscbaftSbans, Wiclefstraße. Anwesend waren 31 Delegierte, die 6000 Mitglieder verlrate», ferner der Gauvorstand, die Bezirksführer und der Sie- daktenr des„Arbeiter-Radfahrer". Genosse Karl Fischer, als Gau- Vorsitzender, gab den VorstandSbericht, aus dem hervorging, daß der Gau(Provinz Brandenburg) mit seinen 172 Vereinen mit 6000 Mit- gliedern den ersten Platz in, Bunde einnimmt: der Berliner Verein allein zählt 1450 Mitglieder, während vor zwei Jahren noch 19 Ver- eine bestanden, die im ganzen über 750 Mitglieder verfügten. Zur Agitation wurden 75 000 Flugblätter herausgegeben, die bei Ans- fahrten zur Verteilung gelangten. Im Einverständnis mit den BczirkSführern sei auch die Herausgabe eine» BiitteilungSblaties be- schlössen, das monatlich einmal erscheinen und den Vereins- vorständen unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden soll. Wichtig sei die Lokalfrage. Pflicht aller Delegierten sei eS. dafür zu sorgen. daß die Vereine nur in freien Lokalen verkehren und für Freigabe ge- sperrter Lokale einträten. Der Kassenbericht wird vom Kassierer Lanibcck erstattet. Die Einnahmen setzen sich zusammen aus lOProz. der Mitglicdcr- beiträge und ans Ueberschüsseu von den Gauvergnllgungen und bc- tragen 1236.32 M. Die Ausgabe von 1143.45 M. sei erwachsen durch Agitation und Gewährung von Rechtsschutz. Die Debatte dreht sich hauptsächlich um die Agitation. ES wurde betont, daß in der Provinz an der Lokalfrage oft die besten Absichten scheiterten. Den Radfahrern werden wohl Lokale zur Bersügung gestellt! verlange man aber, daß die Lokale auch für Gewerkschaften und Wahlvereine hergegeben werden sollen, werde man obdachlos gemacht. Bemängelt ivurde. daß die Lokalliste sich auf einen zu engen Rahmen beschränke. Die Gründung eines Mitteilungsblattes wurde beschlossen und dem Gauvorstande die weitere Ausgestaliuiig und Verbreitung übertragen. Zu dein Pfingsten in München stattfindenden Bundestage wurde bc- schlössen zu beantragen, im Statut einzufügen, daß Bildung und Aufklärung in den Vereinen zu pflegen sei, daß der Beitrag auf 40 Pf. pro Monat festgesetzt werde, von dem 50 Proz. der Vereins- lasse und 15 Proz. der Gankasse zufließen. Auch die Unfalluiiter- stiitzung sei zn erhöhen. Das Bundesorgan, das nicht Eigentnin des Bunde» ist, soll t» eigene Regie übernommen werden. Die Berüber deö Raubmordanfalles auf die Trödlerin ErHardt am ZionSkirchplatz sind ermittelt und zur Hast gebracht. Weil die Kriminalpolizei in diesem Falle glücklicher war, wie in so vielen anderen Fällen, wird auch die Tätigkeit derselben in ein um so helleres Licht gerückt. Eine Korrespondenz meldet über die Ermitic- lung und Verhaftung folgende Einzelheiten: Die Kriminalpolizei ermittelte am Sonnabend abend drei stelluiigslose Leute, die viel in Kaschemmen umherlagen und von dem Raubmordplane mehr wissen sollte». Einer von ihnen, ein gewisser H., machte denn auch eine sehr beachtenswerte Bekundung. In einer Herberg« in der Auguststraße forderte am vergangenen Donnerstag etil ihm unbekannter Mann den H. ans, mit ihm zu gehen, um sich Geld zu verschaffen. Beide gingen in den Trödelladen der ErHardt, der Uiibekannte unter dem Vermerk, daß er Möbel kaufen wolle. Unterwegs stagte der Mann den H.:„Na, wie wär's? Wollen wir nicht ein Ding drehen? Die Olle hat etwas." H. ging aber darauf nicht ein, und beide verließen den Laden wieder, nachdem der Unbekannte gesagt hatte, er wolle mit seiner Frau wiederkommen. Am Sonnabend früh traf H. diesen Mann wieder in der Herberge, diesmal mit einem anderen zusammen, der eine Brille trug. Als er später noch einmal nach der Herberge kam, erfuhr er von zwei anderen Gästen, daß die beiden, die morgens kein Geld hatten, weggewesen und nach ihrer Rückkehr etwas verzehrt und bezahlt hatten. Die Kriminalpolizei erniittelte noch in der Nacht auch jene zwei Gäste, und hatte nun von drei Personen eine übereinstinliiiendo Beschreibung der beiden mutmaßlichen Täter. Sie hielt sich jetzt an diese und ließ die Angaben der Ueberfallenen außer Betracht. Krimiiialkoinmissar Wehn und ein Kriminal- schutzmann suchten nun die Schlupfwinkel auf, in denen sich nach Angabe des H., den sie niitnahmen, die beiden Verdächtigen öfter aufgehalten hatte». Einer wurde schließlich am Alexander» fer früh UM 3 Uhr ermittelt, wo er.sich ein Nachtlager suchen wollte. Um S Uhr morgens gelang es auch, in einer Kaschemme in der Oranien- burgerstraße de» zweiten zu fassen. Es handelt sich um den mehrfach bestraften, aus Berlin ausgewiesenen, verheirateten Stein- setzer Karl Schäfer. Er lebte im wesentlichen davon, Möbel aus Teilzahlung zu nehmen und sofort in Trödelläden zu ver- kaufen. So ivurde er mit der ErHardt bekannt und vennutete viel Geld bei ihr. Unterschlupf fand er überall in den Kaschemmen. In der letzten Zeit ging eS ihm schlecht. Jetzt dachte er an die alte Trödlerin. Als fein Plan am Morgen zum Donnerstag fehlgc- schlagen war, wandte er sich an den am 12. November 1885 zu Altona geborenen Friseur Karl Brandt, der sich ebenfalls ohne Wohnung in Berlin umhertrieb. Bei Brandt fand er Gehör. Jetzt aber will Schäfer, der ohne Zweifel der„Unternehmer" lvar. am wenigsten schuldig sein. Brandt, den er sich dang, sollte die alte Trödlerin allein geschlagen haben. Das glaubt man ihm jedoch um so weniger, als man bei ihm das Werkzeug fand, mit dem er wahrscheinlich seinem Opfer den Schädel eingeschlagen hat, einen Giimmischlauch. in dem an einem Ende eine 10 bis 12 Zenti- meter lange, 3 Zentimeter im Durchmesser haltende Muttcrschraube mit einen, Draht befestigt war. Brandt wiederum schiebt alle Schuld aus seinen Verführer. Er aber hat der Ueberfallenen wahr- scheinlich mit dem Stieselabsatz das Gesicht zertreten. Am Absatz seines rechten Stiefels befindet sich noch Blut. In der Geldtasdie der Trödlerin fanden die Räuber nicht 55 M.. wie man erst glaubte, sondern nur 13 M. Diese teilten sie sich. Von der Herberge i» der Auguststraße, wo sie nun etwas verzehren konnten, ging Brandt zu einem Llthändlcr und kaufte sich für 2 M. seinen Winternbezieher und für sein altes Jackett ein neues Jackett. Beide zusammen besuchten dann verschiedene Lokale, zuletzt einen Bouillon« keller in der Oranienstraße. Hier verließ Brandt den Schäfer. Dieser schlief jetzt eine geraume Zeit, und als er bei Schluß des Geschäfts hin 2 Uhr morgens geweckt wurde, entdeckte er. daß man ihm den Rest des Raubes, 7 M. 50 Pf., gestohlen hatte. Jetzt inußte er wieder ein kostenloses Nachtquartier am Humboldthafen suche» und geriet dabei den Verfolgern in die Hände. Brandt kneipte, nachdem er den l�JuilloiiIeHer verlassen hatte, in einer Kaschemme in der ssinnncrstrasze und wollte um 6 Uhr früh in einer„Klappe" in der Oranicnburgerstrahe Kaffee trinken. Dort empfing ihn der Kriminal- schutzmann. Er hatte noch 75 Pf. Die beiden Verhafteten wurden noch gestern wegen versuchten MordeS und gemeinschaftlichen Raubes dem Untersuchungsrichter vor- geführt. Ein dritter Mann ist bei dem Verbrechen nicht beteiligt. Die Gefahren der LnftschauW. Am zweiten Feiertage hat sich auf dem Rummelplatz an der Frankfurter Allee ein schwerer Unglücks- fall zugetragen. Der sechzehnjährige Arbeitsbursche Ranka, der bei dein Molkereibesitzer Buchholz, HeinerSdorferweg 2t, beschäftigt ist, wollte mit einem Freunde in eine Luftschaukel einsteigen und erhielt dabei von einer ziveiten, in Bewegung befindlichen Schaukel einen so heftigen Stoff gegen den Kopf, daff ein Schädelbruch herbeigeführt wurde. R., an dessen Aufkommen gezweifelt wird, wurde in das Krankenhaus am Friedrichshain eingeliefert. Gemeinsam in den Tod. Ein eigentümlicher Doppelselbstmord wurde in den Osterfeiertagen entdeckt. Die Dienstmädchen Emma Metschcr und Elise Müller zu Magdeburg hatten ihre Stellung verloren und beschlossen� gemeinschaftlich in den Tod zu gehen. Vor ungefähr vierzehn Tagen entfernten sich die neunzehn Jahre alten Mädchen aus Magdeburg und hinterlieffen ihren Angehörigen, daß sie nach Berlin gefahren seien, um sich dort in der Nähe des Potsdamer Bahnhofes zu ertränken. Die Nachforschungen, die hier nach ihrem Verbleib angestellt wurden, hatten kein positives Er- gebnis. Man glaubte schon, daß die Mädchen absichtlich eine falsche Ortsangabe gemächt hätten, um ihre Angehörigen bei den Rachforschungen irrezuführen. Jetzt aber hat sich ergeben, daff die beiden Unglücklichen den Selbstmordplan wirklich ausgeführt haben. Am Ostcrsonntag wurde das eine Mädchen an der Hohenzollern- straffe, gestern das andere an der Königin Augustastraffe als Leiche im Landwehrkanal aufgefunden. Die Ursache der Entgleisung des Südringzuges vor dem Bahn- Hof Charlottcnburg konnte bisher nicht ermittelt werden. Die An- nähme, daff eine vorzeitige Umschaltung der Weiche von der Zentral- Wcichenstelle aus stattgefunden habe, hat keine Bestätigung ge- funden, und nach den bisherigen Feststellungen trifft keinem Be- amten ein Verschulden. Die Weiche, an welcher der Unglücks- fall passierte, scheint eine förmliche Unglücksstelle zu sein, denn dort haben schon mehrfach Bahnunfälle stattgefunden. So erfolgte im Herbste vorigen Jahres ein Zusammenstoh dreier Füge, indem ein Nordringzug einen nicht genügend über die Weiche hinaus- gefahrenen Leerzug streifte und die Maschine desselben gegen einen «ms entgegengesetzter Richtung kommenden Vorortzug schleuderte. Auch damals lief der Unglücksfall ohne ernstere Folgen für die Fahrgäste ab. Beim Abspringen von einem fahrenden Straßenbahnwagen ver- unglückte gestern morgen der Kellner Karl Hertzog, der, von seiner Arbeitsstätte kommend, sich nach seiner Wohnung Gerhardtstr. 16 begeben wollte. Er befand sich auf der Vorderplattform eines An- Hängewagens eines Straffcnbahnzugcs der Linie 11 und sprang in der Turmstrahe kurz vor der Haltestelle an der Wilsnackerstraffe von dem noch in der Fahrt befindlichen Waggon ab. Hertzog stürzte so unglücklich, daff er einen Schädelbruch erlitt und nach dem Krankenhause Moabit übergeführt werden muffte. Vo» einem Schnellzug totgefahren wurde in der Nacht zum ersten Ostcrfcicrtage der 37jährige Eisenbahnrangierer August Köhler aus der Gefflcrstr. 16 in Schöneberg. K. war auf dem Potsdamer Rangierbahuhof tätig gewesen und als er kurz nach elf Uhr von der Arbeit heintkehren wollte, benutzte er die Gleise der Potsdamer Bahn. Er ivurde dabei von dem um Uhr eintreffenden Schnellzug erfafft und vor die Lokomotive geworfen. Die Wagen des ganzen Zuges gingen über den Unglücklichen hinweg und zermalmten ihm den Kopf vollständig. K. war auf der Stelle tot. Seine Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Mehrere Bootsunfälle haben sich an den beiden Osterfeiertagen ereignet. Auf dem Müggelsee am„Strandschlöffchen" fuhren zwei Lehrlinge in einem MictSboote, ohne daff sie zu rudern vermochten. Während der Fahrt wechselten sie so ungeschickt die Plätze, daff das Boot umschlug und beide Insassen in die Fluten stürzten. Wären nicht auf die kläglichen Hülferufe der Lehrlinge mehrere Kellner aus dem Restaurant zur Rettung herbeigeeilt, so wären die des Schwimmens unkundigen Bootsfahrer zweifellos ertrunken. Auf dem Tegeler See bei Tegelort erging es zwei anderen jungen Leuten ebenso. Glücklicherweise konnten auch sie noch gerettet werden. Auf der Havel bei Pichelsdorf halte sich eine junge Dame, deren Hut ins Wasser gefallen war, über den Bootsrand hinweg gebeugt und dadurch das Fahrzeug zum Kentern gebracht. Durch den Führer des Bootes konnte die Gefährdete in Sicherheit gebracht werden. Die K'uidcsleiche in der Zigarrenkiste. Einen unheimlichen Fund machten Ausflügler, ivelchechinter Pankolv am Bahndamm entlang gingen. Auf einer Wiese im Grase versteckt, entdeckten sie eine sorg- fältig in Papier verpackte Zigarrenkiste. Beim Oeffnen derselben bemerkten sie die Leiche eines Säuglings, die gewaltsam in die Kiste hineiugepfercht war. Es ist anzunehmen, daff hier ein KindeSmord vorliegt. Der unheimliche Fund wurde der Kriminalpolizei über- geben. TodeSstnrz vom Wagen. Ein tödlicher Unglücksfall hat sich gestern nachmittag auf dem Markgrafendamm zugetragen. Der Kutscher Daube, der bei einer hiesigen Holzhandlung angestellt war, suhr mit einem hochbeladenen Brelterwagen den Markgrafendamm entlang. Während der Fahrt kam die Ladung ins Rutschen und stürzte vom Wagen herunter. D. wurde mitgerrssen und unter den Brettermassen begraben. Der Bedauernsiverte konnte nur nöch als Leiche aus den Trümmern hervorgezogen werden; er war von den Brettern erschlagen worden. Radrennen zu Steglitz. An beiden Tagen erfreute sich die Bahn eines guten Besuches. Die Hauptuummer des Sonntags bildete der Preis von Steglitz, ein 50 Kilometer-Rennen(700, 600, 500 und 400 M.) mit Motor-Schrittmachern, das von dem Münchener H u b e r in überlegener Weise vor dem Lütticher Goor, dem Schweizer Ryser und Bruno Demke gewonnen wurde. Der letztere, iin vorigen Jahre der beste Berliner Fahrer, versagte diesmal ganz; er endete mir 15 Runden Verlust als Letzter; auch Ryser vernrochte sich nicht zur Geltung zu bringen; dagegen fuhr Goor ganz vor- züglich, da er nur drei Runden hinter dem Sieger endete.— In den größeren„Fliegerrennen" wurden nur die Vorläufe aus- gefahren, um am Montag zur Entscheidung zu gelangen. Am Montag startete in dem Steglitzer Osterpreis, einem Stunden- rennen niit Motorführung, und 1000, 800, 700 und 600 M. an Preisen aufweisend, außer Hub er und Goor noch der Holländer Piet D i ck e n t m a n n und der Hannoveraner Willy A r e n d, der in diesem Jahre zu den„Dauerfahrern" übergegangen ist und nun, nachdem er schon vor vierzehn Tagen in Hannover ganz achtbar gefahren war, sich in dem neuen Berufe zum ersten Male den Berlinern zeigen wollte. Leider war das Rennen reich an störenden Zwischenfällen: denn Arends Motor versagte, so daff er zeitweise ohne Führung fahren muffte; am schlimmsten erging es Dickentmann. dessen Fiihruiigsn, aschine— ein Zweisitzer — zu Falle kam, wobei das Benzin in Brand geriet nnd den Motor Vernichtetete. Zum Glück konnten die beiden Schrittmacher noch rechtzeitig abspringen, so daff sie ohne wesentlichen Schaden davonkamen. Dickentmann, der bis dahin an erster Stelle vor Hnber. Goor nnd Arend gefahren, kam durch dieses Ereignis, das wohl lähmend ailf ihn wirkte, ins Hintertreffen; Huber übernahm nun die Spitze; aber auch dieser hatte sich lvack« den zuletzt gut auskommenden Goor zu lvehren. der nur tun 310 Meter hinter Huber endete; dieser hatte in der Stunde 76 Kilometer 400 Meter zurückgelegt, Dickentmann 67 Kilometer 750 Meter und Arend nur 60 Kilometer 500 Meter. Das Große Hauptfahren gewann B a a d e r vor Scheuer- mann, Nedela und Peter. 27 Fahrer waren an den Vorläufen be- teiligt. Das K l e i n e H a u p t f a h r e n sah den Neger H e d s p a t h vor Conrad, Wegener und Kudela siegreich. 23 Fahrer in den Vor- läufen. Das Vorgabefahren wurde von dem Malmann Bader vor Wegener(30 Meter Vorgabe). Kudela(10), Nedela(10), Conrad (30) und Techiner(70) gewonnen. Im Tandem fahren siegten Scheu er mann-Bader vor Thcile-Wegener und Nedela-Courad. An beiden Tagen fanden noch Nennen' für dem Deutschen Radfahrer-Bunde ungehörige Herrenfahrer statt, die von Martens vor Götzke und Schreiber gewonnen wurden. In einem von 23 Fahrern bestrittenen Prämienfahren siegte Kudela vor Conrad und Wegener. Radrennen zu Zchlcndorf. Auch die hübsch gelegene Zehlen- dorfer Bahn hatte an beiden Ostcrtagen Radrennen, gleichzeitig mit der Vorführung von Läufern und Ballon-Äufftieg veranstaltet. Auch hjer waren es die Dauerrennen, welche das größere Interesse fanden. Am Sonntag siegte in einem 20 Kilomeier-Fahren mit Motor- führung P o ff z e r t(Budapest) vor Bäumlec(Weiden in Bayern) und Beeler(Zürich). Das 30 Kilometer-Fahren sah den Berliner Lehmann vor Müller(Gößnitz) und Stein(Selb in Bayern) siegreich. Am Montag wurde ein Stuudenrennen mit Motorführung aus- gefahren, daS Lehmann mit 58 Kilometer 270 Meter vor Müller (43 Kilometer 70 Meter) gewann. Poffzert hatte, da sein Motor versagte, aufgegeben. In dem Fliegerrennen zeigte sich Freudenberg von der besten Seite, da er viermal als Sieger durch das Ziel ging. Die Radreimtn in Treptow boten mehr in Bezug auf die Ouantität als auf die Qualität. Sowohl in den Fliegerrennen als auch in den Dauerrennen gab es sehr stark besetzte Felder und machten sich zahlreiche Vorläufe notwendig, um die zum Endlauf Berechtigten an den Start zu bringen. Das Hauptinteresse nahm ein 50 Kiloineter-Dauerrennen in Anspruch; hierzu wurden am Sonntag die Vorläufe über je 30 Kilometer ausgefahren. Der erste Lauf sah Przyrembel siegreich vor Gliedermann und Schulze. die in weiten Abständen folgten. Im zweiten Laufe erwies sich A l e ck n a als der beste Mann, der ebenfalls weit voraus das Rennen landete, gefolgt von� Puhlmann, Braun-Elberfeld und Puspöcki- Budapest. Letzterer, sowie der Zehlendorfer Schulze wurden des öftere» durch ihre Motore im Stich gelassen und kamen arg ins Hintertreffen. Der Endlauf wurde von Przyrembel in über- legener Weise vor Gliederniann und Aleckna gewonnen. Die vier anderen ausgeschiedenen Fahrer lieferten sich im„Kleinen Osterpreis" ein Treffen, in dem Schulze Sieger wurde. Die Fliegerrennen wurden von Hellemann, Kelbel und Rabe mit Erfolg bestritten und boten die Endläufe schönen Sport.— Das Motorrennen wurde eine Beute für Geppcrt, dem aber Wiwerall und Starke dicht auf den Fersen folgten. Der Besuch war dank dem prächtigen Wetter an beiden Tagen ein sehr guter. Drei Arbeiter wurden am Sonnabendabend in der Chemischen Fabrik vorm. Schering am Tegeler Weg erheblich verbrannt. Ein Faß mit Natronlauge hatte sich beinr Wegrollen geöffnet und die ätzende Flüssigkeit ergoß sich über die Füße der Arbeiter. Mit schmerzenden Brandwunden wurden sie nach der Unfallstation XI gebracht. Straßensperrung. Die Mauerstraffe vor dem Hause Nr. 5 wird behufs Abbruches dieses Hauses vom 14. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Im Zirkus Albert Schumann findet heute die Abschieds- Vorstellung statt. Die Gesellschaft reist sogleich nach der Vorstellung nach Wien, wo Direktor Schumann ein längeres Gastspiel absol- viert. Dann siedelt der Zirkus nach Frankfurt a. M. über und schließlich im Hochsommer nach dem Nordsecbad Schevcningen, bis der Herbst ihn wieder nach der deutschen Metropole zurückführt. Es gelangen heute nur rein gymnastische und equestrische Piecen zur Vorführung. Orgelkonzert. Mittwoch, den 18. April, abends 7'/a Uhr, veranstaltet der kgl. Musikdirektor Berich. Jrrgang in der St. Marien- k i r ch e das nächste Orgelkonzert unter Mitwirkung von Frau Martha Dreyer-Wolff(Sopran), Herrn Kurt E. Wieck(Violine), Herrn Heinrich Scholz(Orgel) und dem Kirchenchor der Zionskirche(Leitung: Herr Organist Arnold Dreher). Treptow- Sternwarte. Der Erfinder der Rettungsapparate, die bei dem Grubenunglück in Courriöres von der deutschen Kolonne mit so großem Erfolge verwandt worden sind, Herr Dr. Michaelis, spricht am III. Beobachtungsabend des„Vereins von Freunden der Treptow-Sternwarte" Mittwoch, den 13. April, abends 8l/2 Uhr, auf der„Treptow-Sternwarte" unter Vorführung der Apparate über „Die historische EntWickelung von Rcttungsapparaten im Berg- bau".— Mit dem großen Fernrohr wird vor dem Vortrage „Jupiter", nach dem Vortrage der neue Komet gezeigt. Gäste haben Zutritt. Ter Berliner Zoologische Garten besitzt seit einigen Tagen als Gegenstück zu dem höchst merkwürdigen Panda oder Katzenbären nun auch einen Binturong oder Marderbären, der sich eben- falls in dem alten Hause am Hauptrestaurant befindet. Dieser Be- wohner der Gegenden vom Süd-Himalaya an bis zu den Sunda- Inseln führt auf den Bäumen eine nächtliche Lebensweise und nährt sich von Früchten und Fleisch. Das ungemein langgestreckt gebaute, langschwänzige Geschöpf trägt ein fast schwarzes dichtes Fell, aus dem die weißen Ohrränder und Schnurrhaare scharf abstehen. Seiner Organisation nach gehört das Tier übrigens nicht zur Gruppe der Bären, sondern steht den Mardern näher, so daff der Name„Bären- marder" wohl richtiger wäre. Baumblüten-Sonderziigc. Nach Bekanntmachung der Eisen- bahndirektion Berlin werden während der Baumblüte in Werder von heute ab bis zum 30. d. M. die folgenden Sonderzüge von Berlin, Potsdamer Fernbahnhof, nach Werder verkehren: ab Berlin: Potsdamer Fernltzihnhof 1.05 nachm.(an Werder 1.55 nachm.) 2.35 nachm.(an Werder 3.25 nachm.); aber Werder: 5.37 nachm(an Berlin Potsdamer Fernbahnhof 6.23 nachm.), 7.59 abends(an Berlin 8.50 abends).— Am nächsten Sonntag, 22. d. M., sowie am darauffolgenden Sonntag, 29. d. M., werden außerdem noch weitere Sondcrzüge vom Potsdamer Fcrnbahnhof und von Werder abgelassen werden. Die Vorortkarten sind für diese Züge gültig. Die Verwaltung empfiehlt den Besuchern der Baumblüte, die Fahrkarten für die Rückfahrt schon bei der Abfahrt vom Potsdamer Bahnhofe zu lösen. Fcuerwehrbcricht. Während der Feiertage hatte die Feuerwehr über ein Dutzend Brände zu löschen. In der Neuen Roßstr. 3 stand nachts um 11 Uhr im vierten Stock eine Wohnung in Flammen, die auch den Fuffboden, Türen, Schaldeckcn usiv. ergriffen. Auch in der Kochhannstr. 58 muffte ein solcher Brand gelöscht werden. Küchenbrände beschäftigten die Wehr in der Chorinerstr. 34. Falckenstein- straffe 14 u. a. Stellen. Kellcrbrände mußten in der Barnimstr. 28, Fichtestr. 25, Bandelstr. 1, Sophienstr. la, Mittenwalderstr. 46a usw. gelöscht werden. Nachts um 11 Uhr hatte die Wehr in der Löwe- straße 5 zu tun, wo infolge eines Wasserrohrbruchcs das Haus über- schwemmt war. In der Alvenslebenstr. 24 brannten Sarg- dekorationen in einem Sargmagazin. Auf dem Nordbahuhof standen Preßkohlen in Flammen. Vor dem Hause Schönhauser Allee 182 war ein Pferd unter einen Omnibus geraten. Teer u. a. brannten Swinemünderstr. 43, Möbel und Gardinen in der Rostockerstr. 15. Ferner liefe» noch Alarme aus der Andreasstr. 16. Lausitzerstr. 9, Bergmannstr. 110, Brncken-Allee 10, Schwedterstr. 252, Oderbcrger- straffe 13 u. a. Stellen ein. Vorort- l�admckten. Schöneberg. Ein nettes Polizcistückchcn ist auf dem Osterbergnügen deS Schöneberger Wahlvereins geliefert worden. Was hier geschehen, dürfte die älteren Genossen»och lebhaft an die Zeiten des Sozialisten- gesetzes erinnern. Etwa sechshundert Personen, meistens Familien, mochten sicb am 1. Feiertag im Obstschen Lokal zu einem ge- schlossenen Vergnügen eingefunden haben, um in wenigen Stunden fröhlichen Beisammenseins die Sorgen des Alltagslebens zu ver- gessen. Die lustigen und ernsten Darstellungen Lewandowskis, sowie des Artisienklub„Apollo" waren auch voll und ganz ge- eignet, diesen Zweck zu ersiillen. Bestand das Publikum zum weitaus größten Teil aus Freunden und Bekannten, so muffte es doppelt auffallen, weshalb sich die Polizei forlgesetzt in den Saal einzuschmuggeln bemüht war. Unsere mit der Anfrechterhaltung der Ordnung betrauten Genossen machten bei den Versuchen der Polizei, in den Saal einzudringen, von ihrem Hausrecht Gebrauch, was wohl mit kleinen Zwischenfällen, jedoch nicht mit einer Unterbrechung der Vorführungen verbunden war. Die Sache sollte indes nicht so ruhig ablaufen; um �12 Uhr, als die letzte Nummer des Programms, der luftige Schwank„Der be- kehrte Streikbrecher", über die Bretter gehen sollte, erschienen mit einemmale unter Vorantritt eines Polizeileutnants eine Anzahl Polizeibeanite und erzwangen sich den Zutritt zum Lokal. Der hierdurch hervorgerufene Tumult halte die Schauspieler in ihrem Spiel jäh unterbrochen. Die Musiker hatten kaum den ersten Geigenstrich getan, als auch schon der Polizei- leutnant unter starker Bedeckung an der Rampe erschien und kategorisch die Einstellung der Musik forderte. Auf die Einwände des MusikleiterS, daff er doch an die Abmachungen, welche er mit dem Verein eingegangen sei, gebunden wäre, forderte der Polizei- gewaltige die ganze Musikkapelle auf, mit zur Wache zu gehen. Die Musiker packten hierauf ihre Noten ein, die Schutzleute ließen die Schuppenketten herunter und unter dem vom Publikum an- gestimmte» Gesänge der Marseillaise verließ die heilige Hermandad mit den Musikern den Saal. Das so schön begonnene Fest schien sein vorzeitiges Ende erreicht zu haben— insoweit natürlich, als die Tanzlustigen momentan in Verlegenheit waren. Wurde doch sämtlichen Musikern nach Aufnahme ihrer Personalien strengstens verboten, an den Ort ihrer bisherigen Tätigkeit zurückzukehren. Der Dirigent, Herr Kisiel, muffte sogar auf Ehrenwort ver- sichern, nur zwecks Abholung des Musikerhonorars in dieser Nacht das Obstsche Lokal zu betreten. Indes wurde auch hierin Rat geschaffen. Es dauerte nicht lange, so war für die„entführte" Musik Ersatz geschaffen. Unter den Klängen von Klavier und Geige, abivechselnd sogar eines Schifferklaviers, wurde bis zum frühen Morgen in heiterster Stimmung getanzt. Unwillkürlich muff man sich fragen, was eine solche Polizei- attacke gegen ein harmloses Arbeitervergnügen bedeuten soll? Ist dies geradezu unerhörte Vorgehen vielleicht auf die zufällige Ab- ivesenheit des Leiters der hiesigen Polizeiverwaltung zurückzuführen? Würde mit den Krieger-, Schützen- und ähnlichen patriotischen Vereinen in dieser Weise verfahren, man würde sicherlich ein solches Gebaren in der schärfsten Weise verurteilen. Indes die Arbeiterklasse hat sich bereits mit der eigenartigen Behandlung, die ihr von der Polizei zu teil wird, abgesimden. Solch nervöse Traktätchen werden hohnlächelnd verspottet. Diese neue Maßnahme dürste das ohnehin nicht zu große Ansehen der Polizei noch ganz gewaltig herabzu- mindern geeignet sein. Die weitere Verfolgung dieser Angelegenheit wird noch an anderer Stelle beleuchtet werden. Der sozialdemo- kratischen Bewegung Schönebergs hat dieser neue Geniestreich sicherlich auch nicht den geringsten Schaden zugefügt. Charlottenburg. Charlottenburger GewerkschaftSkommission. In der am Donnerstag, den 12. April, stattgefundenen Delegiertensitzung, zu der auch die Gewerkschaftsvorstände eingeladen waren, gab zunächst der Kassierer, Genosse Jost, den Kassenbericht vom ersten Quartal dieses Jahres. Der Bericht ist recht erfreulich, ein Beweis, daff die Gewerkschaften Charlottenburgs im Aufblühen begriffen sind. Von den Revisoren war alles in bester Ordnung befunden und wurde somit dem Kassierer Decharge erteilt. Ein Antrag deS Ge- noffen Busse: die nachträglich eingegangenen Beträge für frühere abgeschlossene Streiks, die jetzt ungefähr 500 M. betragen, als Eigentum der Gewerkschaftskommission zu betrachten, wurde ein- stimmig angenommen.— Zum zweiten Punkt der Tagesordnung wurde vom Genossen Flemming die Notwendigkeit der Anstellung eines besoldeten Arbeitersekretärs den Anwesenden vor Augen ge- führt. An der Hand von Zahlen wies er nach, daff die Arbeiten seit der Einrichtung des Auskunftsburcaus im Jahre 1902 bis jetzt ständig zugenommen haben. Gegenwärtig haben sich die Arbeiten so angehäuft, daß man die Auskunftsuchenden mitunter abweisen müsse. Die leidige Kostenfrage spiele bei dieser Angelegenheit die Hauptsache. Aus den Kartellbeiträgen lasse sich die Besoldung des Sekretärs nicht bestreiten. Der Ausschuß, der sich in einigen Sitzungen mit dieser Materie eingehend befaßt hat, sei der Ansicht, wenn jeder gewerkschaftlich organisierte Arbeiter vierteljährlich eine Marke zum Preise von 15 Pf. entnehme, alle damit ver- bundenen Kosten gedeckt werden können. Die Entscheidung über das vorgetragene Projekt soll den einzelnen Gewerkschaften selbst überlassen sein und ersuchte Genosse Flemming die Gewerkschafts- vorstände, in ihren nächsten Mitgliederversammlungen diese Frage zu diskutieren und dann Bericht zu erstatten. Er unterbreitete eine in diesem Sinne gehaltene Resolution.— In der sehr lebhaften Debatte wurde von allen Rednern, mit Ausnahme von Genossen Hermann Pohl(Holzarbeiter), der Notwendigkeit der Besoldung des Sekretärs durchaus zugestimmt, nur gingen die Meinungen in puncto Aufbringung der Kosten auseinander. In namentlicher Abstimmung wurde die Resolution des Ausschuffes mit 20 gegen 15 Stimmen angenommen.— lieber den Streik der Maler Berlins und der Vororte, der am Sonnabend seinen Abschluß erreicht hat, berichtete kurz der Genosse Flemming. Genosse Boltz verbreitete sich über die Lohnbewegung der Barbiere und Friseure und er- mahnte, unter den Arbeitern dahin zu wirken, daß sie an den drei zweiten Feiertagen sowie am 1. Mai die Barbiergeschäfte meiden möchten. Genosse Huxol von den Schneidern berichtete noch über deren stattgehabte Lohnbewegung am Orte und gab des weiteren die Firmen bekannt, die nicht bewilligt haben.— Wegen vorgerückter Zeit wurden einige Angelegenheiten bis zur nächsten Sitzung vertagt. Treptotv-Banmschnlenweg. Die Maifeier wird in diesem Jahre nicht wie bisher nur am Abend, sondern von nachmittag 3 llhr an in Zabangs Konzertgartcn, Baumschulenweg. abgehalten. Für Unterhaltung wird der Sport- verein, der seine Mitwirkung zugesagt hat, Sorge tragen. Am Abend wird ein großes Brillantfeuerwerk stattfinden. Für die Festrede ist bereits Genosse Fritz Ebert gewonnen. Den Beschluß des Wahlvereinsvorstandes, die Feier in der Mitte des Ortes beim Genossen Preuh abzuhalten, hat die ordentliche Mitgliederversamm- lung in Baumschulcnwcg abgelehnt. Hiermit beschäftigte sich am Mittwoch die Wahlvereinsversammlung für den Ortsteil Treptow. Die zirka 50 anwesenden Parteigenossen gaben in einer Resolution ihrem Bedauern Ausdruck, daff den örtlichen Verhältnissen nicht mehr Rechnung getragen worden ist, wodurch der Hälfte des Ortes die Beteiligung an der Feier unmöglich gemacht sei. Da die Eisen- Kahnfahrt nach Baumschulenweg für die Familie zu kostspielig und umständlich ist, wurde beschlossen, die Feier am Nachmittage bei Prcuß, Neue Krugallce 59, abzuhalten.— Ein Antrag, welcher verlangt, daff den neu eingetretenen Mitgliedern die Mitglieds- bückier ins Haus gebracht werden sollen, wurde mit Stimmen- glcichheit abgelehnt. Somit sind die Mitglieder verpflichtet, sich dieselben aus der Zahlstelle oder aus den Versammlungen abzu- holen. Treptow. Im Gedränge des OstcrverlehrS verunglückten am 2. Feiertag an der Straßenbahnendhaltestelle in Treptow die in der Veteranen- straße 24 wohnende Frau Baumbach und eine Frau, deren Perso- „alten nicht festgestellt werden konnten. Gegen 8 Uhr abends drängten sich Tausende von Personen, die im Laufe des Tages nach Treptow gefahren waren, fast gleichzeitig an der Straßenbahn- cndhaltestelle zusammen und erstürntten die an die Abfahrt- stelle heranfahrendcn Straßenbahnzüge. Frau B, versuchte während der Fahrt einen Straßenbahnwagen der Linie 11 zu ersteigen und befand sich bereits auf dem Trittbrette der Plattform, als gleichzeitig eine Frau hinterher drängte und der vor ihr Befind- lichcn auf das Kleid trat. Beide Frauen stürzten infolgedessen zu Boden und wurden unter die Vorderplartform des Anhängewagens gestoßen, Frau B. erlitt eine Verrenkung des Gelenkknochens des rechten Oberschenkels und mußte nach dem Krankenhause am Urban überführt werden. Die zweite Verunglückte, die nur eine leichte Kontusion im Gesicht davongetragen hatte, war, bevor ihre Personalfeststellung erfolgen konnte, mit einem Straßenbahnzuge fortgefahren. Pankow. Entschlüpfte Diebe. Die Klärstation der Gemeinde Pankow, welche durch die Schwemmkanalisation überflüssig geworden ist, birgt in ihrem Innern noch sehr wertvolle Maschinen u. a, auch eine große Dhnamontaschine. Da das Gebäude unbewacht ist, benützten wieder- holt Spitzbuben die Gelegenheit, um nach und nach sämtliche wert- vollen Teile der Maschinen zu stehlen. Nachdem man auf den unein- geladenen Besuch atisinerksam wurde, beschlossen einige Kanalisations- arbciter, ein paar Nächte zu wachen, um die immer Wiederkehrenden einmal zu fassen. Die freiwilligen Beschützer des Genieindeeigentums bewaffneten sich mit allerlei Gegenständen, wie Brechstangen, TcschingS und handfesten Stöcken. Nach einigen vergeblich durch- wachten Nächten kam der sehnsüchtig erwartete Besuch in Gestalt von zwei Männern, die sich mit dem Bemerken an die Arbeit machten, heute ntal gründlich anfziiräumen, wobei sie natürlich gestört wurden, Es entspann sich ein heftiger Kampf, bei welchem es einen der Diebe gelang, zu entkommen, trotzdem noch einige Arbeiter aus der in der Nähe gelegenen Pumpstation ztt Hülfe eilten. Der andere sollte nun zur Wache gefiihrt werden. Da man keine Stricke zum Fesseln hatte und der Delingnent himmelhoch bat, man möge ihm doch nichts tun, er wolle ja zur Wache gehen, begann der Transport; der mit dem Desching Bewaffnete voraus, einige Arbeiter hinter und zur Seite des Gefangenen, Kaum war man ans dem Gebäude heraus und an die nächste Ecke gekommen, so riß sich der Spitzbube los, gab dem Voransgehenden einen Stoß, daß Mann und Gelvehr in großem Bogen auf den Damm flogen, und— Roß und Reiter sah man niemals wieder. Nun verdient hervorgehoben zu werden, daß die Sicherheitspolizei am Orte viel zu wünschen übrig läßt. An Sicherheitsbeamten sind vorhanden: sechs Gendarmen, ein Kriminalwachtmeister mit vier Schutzleuten, ein Amtswachtmeister mit dreizehn Polizeibeamten und fünf Nachtwächter, letztere mit dem kolossalen Gehalt von 500 Mark pro Jahr. Der Anzahl nach kein Mangel, aber die Organisation! Nachtpatrouillen gibt es nicht. Auf der Wache, die von einigen Punkten des Ortes erst in% Stunden zu erreichen ist, sind des Nachts ein, höchstens zwei Beamte anwesend. Am Tage werden die Ortspolizisten zum großen Teil mit dem Austragen von amtlichen Schriftstücken be- schäftigt und des Sonntags ist eben— Sonntagsruhe. Recht ostelbischcn Zuständen sind die ledigen Lehrer Pankows atiSgesetzt, Denselben werden als Dienstwohnungen in der Schule gelegene Giebelwohnungen zugewiesen, die auch die bescheidensten Anforderungen als Dienstivohnungen vermissen lassen. Eine Petition an die Gemeindevertretung fordert die Kassierung dieser Räume unter folgender Begründung: Um zu den Räumen zu gelangen, muß man über den Trockenboden, von welchem die Wohnungen nur durch Rabitzwäude abgeschlagen sind. Die Größe der Räume ist zirka 9 Onadratmeter und 2tK Meter hoch. Koch- und Heizgclegenheit ist nicht vorhanden! die Klosetts befinden sich auf dem Hofe bei den Schülerklosetts und sind nur durch mannshohen Verschlag von diesen getrennt. Die Benutzung zu gleicher Zeit mit den Schülern bedeutet eine Ver- lctznng des Schamgefühls. Wenn auf dem Boden Wäsche getrocknet wird, müssen die Lehrer darunter wegkriechen: außerdem lagert auf dem Boden noch altes Gerümpel, Bei Feuersgefahr ist eine Rettung fast ausgeschlossen. Für eine derartig beschaffene Diensttvohnung wird 240 Mark angerechnet. Die Bau- koinmission erklärt die Zustände ffir stark übertrieben. Genosse Frciwaldt hatte in der Kommission gegen die Petition gestimmt und motivierte seine Stellungnahme dannt, daß er die gerügten Uebelstände anerkennt, aber verlangt, daß die Lehrer bei der Regierung Beschwerde erheben, um so die Regierung zu veran- lassen, neben den Lchrerwohnungen auch die in den Dachgeschossen untergebrachten Klassen, welche genau dieselben Mängel ausweisen und mit nichr als 50 Schülern besetzt sind, zu kassieren. Mit dem- selben Recht, wie die Lehrer die Entfernung solcher Wohnungen ver- langen, müßten sie auch auf die Beseitigung solcher Klassenräume hinstreben, eventuell den Unterricht verweigern. Auf Antrag eines bürgerlichen Vertreters wurde der Antrag der Lehrer nunmehr der Schulkommission überwiesen. Spandau. Die Generalversammlung des sozialdemokratischen WahlvereinS tagte am Dienstag im Lokale von Knmke. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Reichstagsabgeordneten Meister in üblicher Weise.— Sodann erstattete der Borsitzende, Genosse P i e s e r, den Vorstandsbcricht vom letzten Quartal. ES haben im Laufe des verflossenen Quartals statt- gefunden: Vier Vorstandssitzungen, drei Sitzungen der erweiterten Parteileittmg, zwei Generalversammlungen und sieben Volks- Versammlungen. Die letzteren waren Protestversammlungen gegen das preußische Dreiklassenwahlsystem. Hiervon fanden am 21. Januar drei und am 18. März vier statt. Bemerkenswert ist, daß die Presse erfreuliche Fortschritte gemacht hat. So hatte der .Vorwärts" am Ende des Jahres 1905 784 Abonnenten, jetzt sind es bereits 967. also eine Zunahme im verflossenen Quartal von 183 Abonnenten. Die Abonnentenzahl der„Brandenburger Ztg." Bmligt genau wie im vorigen Quartal 32. Hieraus ist zu schließen, daß der „Vorwärts" für die Spandauer Genossen nur allein in Frage kommt. Der Kassenbericht, den Genosse Schuster gab, zeigt eine Einnahme von 839,26 M. und eine Ausgabe von 794.01 M. An die KreiSkasse sind 288,64 M. abgeführt, somit verbleibt ein Bestand von 45,25 M. Unter den Einnahmen befinden sich 60,05 M. von den Staatswerkstätten- nrbeitern, und zwar der Ucberschuß von der Sammlung zum März- kränz, Dem Kassierer wurde auf Antrag der Revisoren Decharge erteilt. Zum Punkt Maifeier nahm Genosse Pieper das Wort. Er teilte mit, daß die Kommission beim Oberbürgermeister Kölze vorstellig war, um die Erlaubnis zu eineni Umzüge mit Musik erteilt zu erhalten. Der Oberbürgermeister habe erklärt, daß er zunächst Erkundigungen einziehen wolle, ob andere Stadtverwaltungen ähnliches erlaubt hätten. Genosse Senstleben erklärte im Namen des Maifest-Komitecs, daß alles so vorbereitet sei, das Fest zu einem würdigen zu ge- stalten.— Beim Punkt Verschiedenes legte Genosse Gols sein Aint als Schriftführer nieder, an dessen Stelle wird Genosse Pieper ge- wählt.— Nunmehr erhielt Genoffe Heilmann-Berlin das Wort zu seinem Vortrag:„Deutschland und Frankreich", wofür er lebhaften Beifall erntete. eingegangene Dnichrchnften. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 29. Heft des 24. Jahrganges erschienen. Es hat folgenden Inhalt: Heinrich Meister.— Gorki als proletarischer Literakurkritiker. Von Henriette Roland« Holst.— Die politische Lage in Ungarn. Von Dr. Sigmund Kunsi.— Die revolutionären Parteien in Rußland während der Jahre 1898 bis 1998. Von Dr. Ida Axelrod.(Fortsetzung.)— Die Unsall-Cnquete des Reichs- versichmtttgSatnIes im Jahre 1907. Von G. Heinke.— Die Ernährung der Schulkinder. Von Therese Schlcsinger-Eckstein.— Literarische Rundschau: Dr. Wilhelm Feld, Die Kinder der in Fabriken arbeitenden Frauen und deren Verpflegung. Von Therese schlcsinger-Eckstein. Charlotte Kitoeckel, Kinder der Gasse. Von Karl Korn, Kiel. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu bezichen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Pf. Probcnummcrn stehen jederzeit zur Verfügung. Von der„Gleichheit--, Zcitschrist sür die Interessen der Arbeiteriime» (Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 8 des 16. Jahr- ganges zugegangen. Sie hat solgcnden Inhalt: Heinrich Meister f.— Ehe und Sittlichkeit. I.— Die Stellung der Genossinnen und der Frauen- rechtlerinnen in Oesterreich zur Wahlrcchtsresorm. Von Emmh Freundlich. — Aus dem tollen Jahre. Von Wilhelm Bios.— Der Kampf um die Rente. Von E. G.— Aus der Bewegung: Vvn der Agitation.— Ein neues Stadium der Hamburger Frauenbewegung.— Halbjahrcsbericht der Vertrauensperson vom sünsten Dresdener Wahlkreis.— Noch eine Anklage gegen die Genossin Zietz.— Die Behörden im Kampfe gegen die prolc- tarischen Frauen.— Agitation am Niederrhein.— Politische Agitation. Von Ll. L.— Genossenschaftliche Rundschau. Von Simon Katzenstein.— Notizenteil: Lohnbewegung der Lausitzcr Textilarbeiter.— Gcwerkschasiliche Arbcitcrinncnorganisation.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— Frauenstimmrccht. Frauen- bcwegung.— Verschiedenes. Feuilleton: Der Tag des Herrn. Von Ludwig Pfau.(Gedicht.)— Rahcl. Von Ada Christen.(Schluß.)— Aus dem Osterfpaziergang des„Faust". Von Wolfg. Goethe. Für unsere Kinder: Mahnung. Von Tegnör.(Gedicht.)— Acht Stunden. Von Ernst Almsloh.— Das Osterhäslein. Von Franz Mäding. (Gedicht.)— Sepp, der Tunichtgut. Von Anton Fendrich. II.— Zu was allem ein gut Ding nütze ist. Von Anna Maria Biel.— Zum Andenken an Jumbo. Ein Äalurmärchen von Hebe.(Schluß.) Die„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der AbonneinentSpreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Pf. JahreSabonnemcut 2,60 M. Die Maifeftuummcr des„Wahren Jacob" ist soeben erschienen. In rotbraunem Ton gedruckt ist daS große Mittclbild„Zum ersten Mgi", das Hans G. Jentzsch gezeichnet hat. Ein Fcstzug der Arbeit, alls Ver- tretern aller Bcrusc bestehend und mit den BcrusSinsignien versehen, ist eS,- dcr hier vor der Vertreterin des Sozialismus huldigend vorbeidesiliert. In diesem Zuge ist jeder einzelne Typus scharf beobachlct und in der sür ihn charakteristischen Weise wiedergegeben. Das sarbensrohe Titelbild„Der Zukunft entgegen", nach einem Böcklinschen Motiv von M. Vanstlow gezeichnet, zeigt die Gottin der Freiheit trinniphicrend aus den schultert! des Königs Mammon:„Die- selben Füße, die die heiligsten Gesetze zertreten, tragen mich in daS Land der Gerechtigkeit." Das sarbige Rückbild.Zweiseihaste Wertobjekte" von Rata Longa ist eine beißende Satire aus das Institut deS Gottesgnadentums. Außerdem bringt der illustrative Teil der Nummer noch die Bilder„In Courriöres", „Ein Unzufriedener",„DaS Vorurteil",„Im Vorteil",„Rentner", „Frühlingslied",„Für freies Wahlrecht!",„Wcitzs gleich ist",„Eine Münch- Hausiade" und„Vertrauenswürdig". Der textliche Teil der Nummer wird mit einem schwungvollen Gedicht „Der erste Mai" eingeleitet. Er enthält sodann noch ein von der ver- storbcnen Dichterin Clara Müller herrührendes Gedicht„Generationen", das allegorische Feuilleton„Die Kohle", die Gedichte„Preußische Wahlrcsorm", „Des Spitzels Trauersang",„Elsentanz"(illustriert),„Richter und Bismarck", „Leutnant Schmidt",„Bitte um Krieg!",„Die Unentwegten", sowie zahl- reiche kleinere satirische Beiträge in Poesie und Prosa. Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 Pf. Von der„Neuen Gesellschaft", Sozialistische Wochenschrist, Heraus- geber Dr. Heinrich Braun und Lily Braun(Verlag: Berlin IV. 15. Preis sür das Einzclhcst 10 Pf., pro Monat 40 Ps., pro Vierteljahr 1,20 M.).ist soeben das 16. Hest des 2. Bandes erschienen. M. Friedman». Die russischen Finanzen. Eine wirlschastlichc Bilaiiz des absoluten Regiments in Rußland. 92 Seiten. Preis 1,20 M. Verlag: S. Cronbach, Berlin W. 57. □ □ Gegründet 1825 Berlin C. 25 Alexander-Platz. 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April, abends 8 Uhr, im großen Saale des Englischen Gartens, Alexanderstraße 27c: PC OeffentNche Versammlung"Vi der Bauarbeiter Berlins und Umgegend. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Franz Liith aus Hamburg über:„Die deutsche GeWerk- schastsbewegung wie sie ist und wie sie sein sollte." 2. Diskussion. 31/3 Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Einberufer. I. A.: Hermann Norgel. ttr Tcrn-altnngssteUe Berlin. Haupt-Bureau: Engel-Nfer tS, Zimmer l— S. Fernsprecher: Amt IV. 3679. Arbeitsnachweis: Zinimer U. Amt IV, 3353. Jlehtnng! SßStSOSSßF I �ebtung! Heute Mittwoch, den 18. April, abends 8% Uhr, in der Aksuen Veit, Hasenheide 108/114: Ungemeine Versammlung der Schloffer Berlins u. Umgegend. Tages- Ordnung: Kericht über den Staad unserer Kewegung. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Donnerstag, de» IS. April, abends S1/, Uhr, in Frankes Festsölen. Sebaftianstraße 39: Branchen-Versammlung der Elektromonteure u. Hülfsmontenre. TageS-Ordnung: 1. WaS haben wir von den Unternehmern zu erwarten? Reserent: Kollege A. Wusctalck. 2. Diskussion. 3. VerbandSangelegcnheiten. 4, Verschiedenes. 5. Aus. Sahme neuer Mitglieder. Pflicht eineS jeden Kollegen ist eS, in dieser Versammlung zu erscheinen. Sezlirk Lkarlottendurg. Die JtSUSkSSSisrung ist seit dem k. April eingestellt, dafür werden vom 18. April folgende Zahlstellen errichtet: Fsrtt.?ssobs» Potsdamerftr. 44(Kassierer), Lttlil Mtter. Rosinenstr. 8(Volkshaus), KZertens, Krummestr. 23(Restaurant). 1 16/18__ Die Ortaverwaltnng. Zentralverband deutscher Textilarbeiter Filiale Berlin. Mittwoch, den 25. April, abend? 8 Uhr, in de»„Andreas-Festsalcn", Andreas-Straße Nr. 21: Mk" Versammlung'MG Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. Abrechnung vom ersten Quartal 1966. 3. Wahl deS Borsitzenden und des Kassierers. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet_ Der Borstand. Meiter-Sildungsschule Berlin Donnerstag, den 19. April, abends'1,9 Uhr, im deworkschaftshaase(Saal 8), Engel-Ufer IQ: General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstand e», des Lehrerkollegiums und der Revisoren. 2. Sehulangelegenheiten. 3, Anträge. 4. Neuwahl des Vorstandes, der Unterrichtsvertreter und zweier Revisoren. 5. Verschiedenes. 4/14' ■ IKltglledsbach legitimiert.■ Beiträge werden entgegengenommen.'W Sonntag, den 88. April, abends 7 Ubr: Vortrag von Trau Bubens über das dreiaktige Drama von Lsop. Asmpli .Am Vorabend." WM" Rcsltatlon. w Nach dem Vortrag; Gemütliches Beisammensein und Tanz. Kintritt 80 PL— Garderobe frei. Vereinigung der Fliesenleger Deutschlands. (Ortsverein Berlin. Abteilung I und 11.) Oonnerstaj. den 19. April 1906, im Neuen Klubhaus, Kommandantenstr. 72: Mgtgliefliep-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Ouactai 1906 und Ergänzungswahl des Vor« standeZ. 2. Stellungnahme zum l. Mai. 3. Der Stand unserer Organi- tatio» im liande. Nesereiite»: die Kollegen Wlndhoff-Ollttsldorf und Bayer-Dresden. Wir ersuchen die Mitglieder pünktlich und zahlreich zu erscheinen. 591/18 Der Borstand. Orts-Krankenkasfe der Strumpfwirker. D? die am 12. April sestgesetzte Kellers!- Versammlung nicht stattgefunden hat, so findet die. selbe am Donnerstag, den SK. April d. F.. abends 8'/, Uhr, bei Feind, Weinstr.ll, statt. TageS-Ordnung: 1. Rechnungslegung für 1903. 2. Bericht des RechnungSprüsungS- Ausschusses und Erteilung der Decharge deS Rendanten. 3. Ersatzwahl zweier ausgeschiedener Vorstandsmitglieder. 4. Statutenänderung. Das pünktliche Erscheinen aller Delegierten erwartet 272/18 Der Borstand. Orts- Krankenkasse der Schlosser nnd verwandten Gewerbe am DonnerStag, den 8K. April 1906, abend? 8 Uhr, tmSaal der»Armiu.Hallen-, SW., Kommandantenstr. 80: General- Versammlung. TageS-Ordnung: I. Sitzung der Arbeitnehmer. Ersatzwahl sür die durch Erlöschen der Kassenmitgliedschast ausscheidenden Vorstandsmitglieder Gust. Lubatsch und Aug. Rosenberg. Es sind daher zu wählen zwei Arbeitnehmer aus die Dauer des lausenden Jahres. U. Gemeinschaftliche Sitzung der Arbeitgeber und Arbeitnehmer. 1. Bericht derKommission zur Prüfung der Jahrcsrechnung pro 1903. 2. Entlastung deS ZtechnungSlcgerS. 3. Statuten-Abänderung.(Laut über« sandte», Entwurf.) 4. Verschiedenes. Die zugesandte Legitimation ist am Eingang vorzuzeigen. Delegierte, welche durch die Lohnbewegung zurzeit freiwillige «asseninitglieder geworden sind, wolle« diese Legitimation ge- fälligst im Kassenlokal, August. strahe 60, in Empfang nehmen Der Vorstand. P. Heinrich, Vorsitzender. Neu« WUH-Imstr. 12. 123Sb Ortskrankettlmjfe der SureauangesteUtett. Die für daS Jahr 1906 gewählten Delegierten unserer Kasse werden hiermit zu der am 272/17 DonnerStag. den 26. April d. I., abends 8'/, Uhr. in den„Arinlnhallen", Kommandantenstraße 20 stattfindende» Zentralverband der Ktanrer Oentsehlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zement-Branche. Freitag, den SO. April 1906, abends S'/s Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel- Ufer Nr. IS(großer Saal): N General-Versammlttug. � Tages-Ordnung: 1. Vortrag teä Genossen Ad. Stürmer über den politischen Massenstreik. 2. DtSkusfion. 3. Stellung- nähme zum 1. Mai. 4. Abrechnung vom ersten Quartal 1906. 3. Verschiedenes. 143/3» LV In Anbetracht der wichtigen und interessanten Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollege», tn dieser Versammlung zu erscheinen.-MG _ Mitgliedsbuch legitimiert.__ Der Sebtlonsvorsinnd. Etveiperein Berlin nnd Umgegend. Freitag, den 20. April 1906, abends 8 Uhr, in den„Jndustrie-Festsäleu", Benthstr. 19—20: Ordentl. Qeneral-Versammtung. TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 1. Quartal 1906. 2. Stellungnahme zum 1. Mal. 3. VerbandSangelegcnheiten und Verschiedenes. Der wichtigen Tages-Ordnung wegen ist das Erscheinen aller Kollegen erforderlich. 34/2«_ Der Zwelgvereins-Vorstand. I. A.: Karl Heidemann. Maler eingeladen. TageS-Ordnung: 1. Abnahme der JahreSrechnung der Kaste pro 1903. 2. Antrag des Vorstandes auf Stellenzulage sür einen Kassen- angestellte». Berlin C, den 18. April 1906. Stralaucrstr. 66. Der Vorstand. I. S(.: Bauer. Billige Bauparzellen. am Bahnhof Biesdorf, günstige Geldanlage für jedermann. Siadtbahn- Verbindung io Pi.-Tour. Gas Wasserleitung, erstklassigen Boden. und Quadrat-stute von 15 Mark an. Bes. Nieschalke, Rieger& Co., LandS- bergerstratze 66, Auskunft täglich von nachmittags S Uhr, sowie Sonntags von srüb 40 Uhr durch den Vertreter Herrn Kraat« int Restaurant Liebske am Bahnhof Biesdorf. 9986* PitMj, den 18. April, abends 8V2 Zlhr, bei Bookvn, Meberfiraße 17: Versammlung:. TageS-Ordnung: l. War eS nötig vom Zentralverband unter derartigen Dartfbediugunge» de« Streit aufzu- geben? Und welche Stellung nimmt die Gewerkschaft der Maler Berlins und Umgegend hierzu ctu? 2. Stellungnahme zum l. Mai. Jedes Mitglied unserer Organisation ist verpflichtet tn dieser Versammlung zu erscheinen, in welcher die grüne Berechtigungskarte Nr. 2 ausgegeben wird. Bernsskollegm als Gäste haben Zutritt. 133/6«__ Der vorstand. I. A.: W. Berndt. Achwng: Kauschlosser! Seit Freitag, den<». April früh stehen die Kollegen in 23 Werkstätten im Streik. Die übrige» in Betracht kommenden Firmen haben bewilligt, darunter auch eine Anzahl Jnnungsfirmen. Bon Montag, den S. April ab, dürfen sämtliche Bauschlosser nur noch mit Berechtignngskarteu arbeiten, diese find Sonnabend, den 7. April den Vertrauensleuten ausgehändigt.— Die Bauarbeiter ersuchen wir, uns dadurch zu unterstützen, dah sie die auf die Bauten kommenden Schloffer nach de« Arbcitsberechtigungskartcu fragen. teder Schloffer ohne Karte ist als Arbeitswilliger zu betrachten. es weiteren machen wir alle Bauschlosser darauf aufmerksam, dast ohne Zustimmung des Streikkomitees ��r��d�s die Arbeit niedergelegt werde» darf. 116/19 DasStrclkliomitee. Cohen. Verband der an Holzbearbeitungsmaschinen beschäftigt. Arbeiter Berlins und Umgegend. Freitag, den 20. April, abends 8»/, Uhr: Aerkitattltelegiettenversammlung im Gcwcrkschaftshans«, Engel-Ufer 15, Saal 1. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. In Anbetracht der Wichtigkeit der Versammlung ist jede Werkstatt verpflichtet, einen Delegierten zu senden. 73/9* _ Der Vorstand. n •••••••••••••••••»♦• n Der Deutschlands.(Zahlstella Berlin.) Freitag, den 80. April 1906, nachmittags S Uhr: General-Versammlung beim Kollegen Litstn, Memclerftrafte«7. Tages-Ordnung: Bericht der Ortsverwaltung und des Kassierers. 2. Bericht der RechtSschutzkommilsion. 3. Ausnahme neuer Mitglieder. 4. Neuwahlen zur OrtSvcrwaltung und RechtSschntzkommtsston. 8. Bericht der«Statuten' bcratungSkommission. 6. Verbandsangelegenheiten. Die Ortsverwaltuug. CH | Funk ■ Lltir \ fcroof VJ Dr. med. Herz A. Smlth'sohes Ambulatorium für u. Nervenkranke Berlin W. 2, Potsdamerstr. 52. 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Es rief allgemeine Befriedigung hervor, als SchltebS erklärte, daß die Wünsche aller Korrektorenvereine, in die Tarifgemeinfchaft aufgenommen zu werden, gute Aussicht auf Erfüllung haben. Ueber die Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Korrektorenberufe referierte F. I l l e- Berlin. Er legte eine fleißig bearbeitete Statistik vor. Aber die angeführten Er- Hebungen hatten wenig Wert, weil sie nicht umfangreich genug waren. Es ließ sich immerhin daraus ersehen, daß die Verhält- nisse im allgemeinen sehr ungünstig liegen. Es soll eine neue Statistik unter Mitwirkung des Buchdruckerverbandes auf- genommen werden. Es wurde betont, daß sich die Korrektoren- vereine entschieden gegen die Heimarbeit wenden müßten. Angestellte Gymnasiallehrer, Studenten und andere Leute in festen Stellungen fügen durch die Heimarbeit den Korrektoren oft schweren Schaden zu. Eine Verkürzung der Arbeitszeit wurde als dringend notwendig bezeichnet; Hülfsliteratur müßte den Korrektoren zur Verfügung gestellt werden; bei der auf- reibenden und nervenzerrüttenden Arbeit seien Ferien für den Korrektor unbedingt notwendig. M a u f f- Leipzig referierte über„Die Verantwortlichkeit der Berufskollegen" und erklärte, daß in dieser Beziehung oft zu hohe Anforderungen an den Korrektor gestellt werden; er brachte dazu folgende Resolution ein, die angenommen wurde: „In gewerblichen Streitigkeiten sind die Gewerbegerichte, nach Aufnahme der Korrektoren in die Tarifgemeinschaft die Tarifschiedsgerichte anzurufen. Den Korrektorenvereinen wird empfohlen, den zuständigen Instanzen geeignete Sachverständige namhaft zu machen und von allen Bcrufsangehörigen wird erwartet, daß sie sich in ge- werblichen Streitfällen auf diese Sachverständigen berufen." Ueber die Heimarbeit gelangte folgende Resolution zur An- nähme: „Der l. Deutsche Korrektorentag erblickt in der Erledigung von Korrekturen außerhalb der Druckereien eine wesentliche Ursache der ungünstigen Berufsverhältnisse der Korrektoren und erstrebt mit der Aufnahme der Korrektoren und Revisoren in die Tarifgemeinschaft der Deutschen Buchdrucker die Beseitigung der Heimarbeit als Grundbedingung für die Bessergestaltung der Arbeitsbedingungen der Korrektoren. Der Korrektorentag erwartet in diesem Bestreben die Unter- stützung aller interessierten Kreise, insbesondere aller organi» sierten Buchdruckergehülfen.", Stalmach aus Wien hielt einen längeren Vortrag über die Verhältnisse im Korrektorenberuf in Oesterreich-Ungarn. Er erklärte, daß die Lage außer tn Wien und Budapest eine sehr schlechte sei. In Galizien müsse ein Korrektor vier Sprachen be- herrschen und erhalte etwa 24 M. Lohn pro Woche. Jn Dalmatien gibt es überhaupt keine Korrektoren. Durch gute Organisation ist es in Wien und Budapest gelungen, bessere Verhältnisse ein- zuführen, besonders für Zeitungskorrektoren. Die Anträge zur Tarifrevision wurden einer KoM- Mission von sieben Mitgliedern überwiesen und das Resultat der Kommissionsberatungen als vertrauliche Angelegenheit behandelt.— Die Fragen der Spezialorganisation führten zu einer längeren Diskussion, und eine Kommission von drei Mitgliedern wurde beauftragt, bestimmte Vorschläge nach eingehender Prüfung aller Anträge zu machen. Diese Vorschläge, durch welche der weitere Ausbau und die Verbesserung der Organisationsform be» zweckt wird, wurden angenommen.— Bei der Besprechung der Mißstände im Korrektorenberufe wurde über die Verschiedenheit in der deutschen Orthographie viel Klage geführt. In einer Re- solution wurde eine größere Einheitlichkeit verlangt und empfohlen, die Orthographie, wie sie im Buchdrucker-Duden festgelegt ist, vor- läufig als maßgebend zu betrachten. Etwa 400 Mitglieder gehören bis jetzt den Vereinen an, die aber ihre Mitgliederzahlen bald zu erhöhen hoffen. Der erste Tag der Kongreßverhandlungen �fand in der„Neuen Welt", der zweite im Graphischen Vereinshause in der Alerandrincn- straße statt._ XI. Kerbimdstag des Zentraloerbandes der Glaser. Mannheim, 14. April. Der VerbandStag der Maser ist besucht von 44 Delegierten. Vom Hauptvorstand sind anwesend der Vorsitzende Eichhorn»nd Kassierer S ch w e r d t-Karlsruhe, vom Verbanbsausschutz Graß- Leipzig, von der Pretzkommission Tritt-Karlsruhe; die General- kommission ist durch Genosse S a b a t h verweten. AIS Gast ist vom schweizerischen Glaserverband Geisendörfer anwesend. Nach längerer GeschäftsordnungS- Debatte wurde beschlossen, sowohl die Frage des UebertrittS zum Holzarbeiter- Verband als auch die M a i f e i e r als besondere Tagesordnllngs- punkte zu behandeln. Den Geschäftsbericht gab der VerbandSvorsitzende Eichhorn. der besonders die in den letzten Jahren gemachten Fortschritte des Verbandes hervorhob und im übrigen auf den gedruckten Ge- schäftsbericht hinwies. Bus diesem sei hier folgendes wieder- gegeben: Der Verband ist von rund SVOO Mitgliedern im Jahre 1003 auf 5000 angewachsen. In der Berichtsperiode wurden IS neue Zahlstellen gegründet, S mußten geschlossen werden, so daß zurzeit 34 Zahl- stellen gegen 74 im Jahre 1903 vorhanden sind. Die Fluktuation im Verbände ist eine sehr starke; 4700 Mitglieder sind im Lause der Berichtsperiode in den Verband eingetreten und 2300 sind aus« getreten bezw. mußten ausgeschlossen werden, unter letzteren 81 wegen Vergehens gegen die BerbandSinteressen und Streikbruch. Gestorben sind 92 Mitglieder. In Berlin, Dresden, München und Stuttgart sind Sektionen der Blei- und Kunstglaser gebildet worden. Die Ausgaben für Streiks und Aussperrungen beliefen sich seit 1903 auf 38 833 M. Warenhaus Fr. 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Da die Berösfentlichnng der Sperre heute zum lefften» mal erfolgt, ersuchen wir die Kollegen, auf dem Bureau sich zu erkundigen, ob die Firma be- willigt hat oder ob dieselbe ge- sperrt ist. 116/12 Tie Ortöberwaltnng. Zentral-Berband der Töpfer» Deutschlands. 1. Aus den Bauten der Finna ftni! Brucks, wohnhast Neuenburgerstr. 15, find Lohndifferenzcn ausgebrochen. Diese Bauten sind somit als gesperrt zu betrachten. 195/20 2. Die Firma Btössen& Belireud ist wegen Lohnaussall gesperrt. Der Borstand. Volkshaus Köln SeverlnstraOe 107— 109. Suchen zum 15. Mai einen durchaus tüchtigen 205/2 Herbergsverwalter. Derselbe muß mit allen in diesem Fache vorkommenden Arbeiten vertraut sein. Die Vor« alt uns des Volkshanscn. KttantSortliKr Sledaktcur: Kg»s Weber, Berlin. Für den Inseratenteil vcrmüw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstult Paul Singer Si Co., Berlin SW,