Ur. 92. BbonnementS'Bedliwingen; NbounementZ• Preis drSnumerando: Bicrteljährl. 830 Mk, monatl. 1,10 Mi. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonniag?. nummer mit illustrierter Sonntags» Vellage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: l,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Post. ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mari, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnemcnlS nebnicn an: Belgien. Dänemari. Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz. 23. Jahrg. «chew täglich aoCtr mcntigi. yt** Devlinev VolksblÄkk. vle InlefNank-Ltdaht dciriigt für die sechsgespaltene Kolonel» zcile oder deren Raum 80 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen SO Psg. „Kleine Anreizen", das erste(feit- gedruckte) Wort 20 Pfg.. jedes wettere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- Itellen-Anzeigcn daS erste Wort w Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnseraie für die nächste Nummer müssen biS S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abend! geöffnet, Iclegrainm- Adreffe: „SHlMemslinl Birlli". Zcntralorgan der foz«aldemokrat» feben Part«» Deutfcblanda. Redaktion: 8 Tl. 68, binden Strasse 69. a?ernit>rechcr: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den 21 April 1903. Expedition: 8 Tl. 68» Lindenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr.»984. > Die Dchtitunckenbemglivg in Frankreich. Paris, 17. April. Die großen Streiks, die in den letzten Tagen die öffent- liche Meinung Frankreichs beschäftigt haben, erscheinen— trotz ihrer besonderen Ursachen— wie ein Vorspiel zur großen A ch t st u n d e n a k t i 0 n. die von der Conföderation du Tra- vail für den 1. Mai dieses Jahres vorbereitet worden ist. Schon geraten auch andere Arbertcrschichten in Bewegung, selbst in der Provinz entfalten die Arbeiter eine ungewöhnliche Tätigkeit. Die reaktionäre Presse deutet diese Zeichen auf eine ge- Ivaltsame Revolution mit Mord und Brand, die am 1. Mai losbrechen soll; sie malt dem Spießbürgertum mit offenkundig auf Wahleffekte berechneter, greller Uebertreibung Schreckens- bilder an die Wand. Seit Wochen kann man im„Echo de Paris" aus entstellten Tatsachen und wüstem Klatsch zu- iammengebraute„Enthüllungen" über die Pläne und Vor- bereitungen der Revolutionäre lesen, und der ganze ChoruS der gemäßigten Presse fällt mehr oder minder laut in die Melodie ein. So übertrieben die Darstellungen der Arbeiter- feinde sind, so steht doch fest, daß»vir vor einer in ihren Formen und Wirkungen nicht absehbaren Massenbewegung stehen, in der sich die revolutionäre Energie des Proletariats kundgeben soll. Die Konföderation hat unzweifelhaft, mag man über die Methoden und über die Phraseologie ihrer derzeitigen Leiter wie immer denken, eine ungemein wirksame Agitattonsarbeit geleistet. Man darf sagen, daß der durch die einseitige politische Aktion eingeschläferte proletarische Klassenwille von ihr wieder lebendig gemacht worden ist. Sicher wären die inneren Wirren und die Entgleisungen der sozialistischen Politik im letzten Jahrzehnt nicht möglich gewesen, hätten sich die sozialistischen Abgeordneten als Vollzugsorgane organi- sierter Proletariermassen und nicht als Jnteressenvertteter gestaltloser, von unbestimmten republikanischen Tendenzen beherrschter Wählermassen gefühlt. Daß unter den gegebenen Verhältnissen eine Agitation starken Anklang fand, die der im Parlament betriebenen Staats- und Bezirkspolittk entgegentrat und an ihre Stelle die Verfechtung der Klasseninterefsen setzen wollte, das ist nicht zu verwundern. Allerdings— genau besehen— bedeutete der AntiParlamentarismus in einem Lande mit so eingewurzelter Demokratte bei den Wahlen nicht etwa einen prinzipicntteuen Boykott des„Stimmkastens", sondern die Zersplitterung der Arbeiterstimmen für sym pathische Kandidaten irgend einer radikalen Färbung. Und die berühmte„direkte Attion" ist, sofern man von ihrer Ver- guickung mit einem biswellen trivial-freidenkerischen Anti- Militarismus absieht, von der auch anderswo geübten Taktik des Proletariates im wirtschaftlichen Kampfe im Grunde wenig verschieden. Auch in Ländern mit starker sozialisttscher Parlamentsvertretung hat sich die Partei nie der Illusion hingegeben, daß man durch Gesetze der ökonomischen Wirklich keil vorauslaufen und Reformen, die nicht durch die lebendige Masse deS Proletariats vorbereitet sind, parlamentarisch durch setzen könne. Andererseits haben auch die der antiparlamen tarischen Führung nahestehenden Gewerkschaften die Unter stützung ihrer Ääntpfe durch eine Aktton von Deputierten, sei es im Parlament selbst, sei es durch eine Vermittelung bei den Ministern nicht abgelehnt. Daß aber Gewalt- alte, wie die kürzlich vollbrachte Nicderbrennung einer Unternehmervilla oder die absurde Gefangcnhalwng eines Polizeikommissars in der Arbeitsbörse von Toulon, zum Be- griff der direkten Aktion gehören. das wird von den theoretischen Verfechtern dieser Bewegung selbst nicht be- hauptet. Man geht nur so weit, die Gewalt unter Um- st ä n d e n als das geeignetste Mittel zuzulaffen. Die G e- >v alt anwenden, soweit sie zweckmäßig i st— diese Formel läßt in der Praxis Instinkten und Leidenschaften, die niit revoluttonärer Gesinnung nichts zu tun haben, bedenk- lich viel Spielraum. Mögen die heuttgen. in einer Epoche organisatorischer Schwäche des französischen Proletariats erwachsenen Tendenzen der Konföderation das Putschverfahren und die lokale Revolte auch als rätlich begünstige, t. das eine große Verdienst mutz man diesem Verbände lassen, daß er den Kampfruf gefunden hat. der den rückständigen Gewerkschafts organisattonen frisches Blut einflößte. Die Achtstundenbeivegung erneuert in glück- lichstcr Weise das revolutionäre Feuer, das im Jahre der ersten Maifeier das Proletariat ergriffen hat. Man kann der Meinung sein, daß auf die Dauer auch die französische Ge- werlschaftsbewegung ohne intensive Organisationsarbeit nicht auskommen, daß sie ohne Schaffung von Widerstandssonds und Erziehung ihrer Mitglieder zu höherer Opferwilligkeit nicht die Kraft erlangen wird, in ungünstigen Situattone» das Errungene festzuhalten. Man kann der Gewerkschaft im proletarischen Kampfe einen größeren Aufgabenkreis zu- teilen als eine bloße Stoßtakttk. Aber die notwendige Vor- aussetzung jeder sozialistischen Aktion: die Kampflust und die Zttvejfficht der Massen, hat die Achtstundenagitatton wirklich zu erwecken vermocht. Allerdings, wie sich der Kampf wirklich gestalten wird, da" vermag heute noch niemand zu sagen. Soviel aber ist in höchstem Maße wahrscheinlich, daß er sich in größere und kleinere Einzelgefechte unter verschiedenen Bedingungen und mit verschiedenem Ausgange auflösen wird. Die Formel, die der Gewerkschaftskongreß in Vourges im September 1904 fanden hatte, war freilich ungemein einfach: Nach dem Mai 1906 sollten alle Arbeiter nur acht Stunden arbeiten — ohne eine Verminderung des Lohnes zu akzeptieren I Die Durchführung stellte man sich gemäß jener Parole vor, die seinerzeit die Anarchisten von Chicago ausgegeben haben: Nach achtstündiger Arbeit sollten die Arbeiter die Werkstätten ohne weitere Umstände verlassen.— Nun lag es auf der Hand, daß diese Art der Durchsetzung zu hefttgen und viel- leicht oft gar nicht notwendigen Konflikten führen müßte. Wollte man nicht geradezu auf eine zum Generalstteik führende Situatton hinarbeiten, so empfahl es sich, in jedem Gewerbe ans die durch die besonderen Verhältnisse gegebene Art vor- zugehen und neben der Abkürzung der Arbeitszeit andere Forderungen spezieller Natur aufzustellen. Je tiefer der Gedanke der Bewegung in die Massen drang, desto mehr differenzierte sich das Programm, das in der riesigen Auffchrist an der Pariser Arbeitsbörse„Vom 1. Mai 1906 an arbeiten wir nur acht Stunden!" so simpel ausgesehen hatte! Ungemein interessant ist die Geschichte der Achtstunden- agitation in den verschiedenen Gewerkschaften, wie man sie insbesondere an der Hand der vom Genossen Thomas mit musterhafter Unbefangenheit redigierten„Revue Syndicaliste" verfolgen kann. Es ist klar, daß von von, herein diejenigen Kategorien ausschieden, die den Achfftundentag schon haben: die Marine- und die Postarbeiter sowie die Tabakarbeiter. Auf der anderen Seite konnten sich die Arbeiter anderer Industrien, in denen heute eine besonders lange Arbeitszeit herrscht, der Erwägung nicht verschließen, daß der plötzliche Sprung auf 8 Stunoen aus technischen und Volkswirtschaft- lichen Gründen sowie infolge der unzureichenden Organisatton undurchführbar ist. Von den großen Gewerkschaften waren eS zuerst die Textilarbeiter, die mit starker Mehrhett die Durch- führung des Beschlusses von Bourgcs ablehnten! Die Eisen- b a h n e r folgten. Auf ihrem letzten Kongresse wurde eine Resolutton angenommen, die die Vervollkommnung der Or- ganisation und Erziehung der Arbeiterschaft fordert, um die Abkürzung der Arbeitszeit auf acht Stunden in methodischem Vorgehen möglichst bald zu bewirken. Diejenigen Gruppen der Bahnnetze allerdings, die jetzt schon in den Kampf um den Achtstundentag eintreten wollen, sollen moralisch und materiell unterstützt werden. Die Buchdrucker beschlossen: vorläufig den Neun- st u n d e n t a g— an Stelle des bisherigen Zehnstunden- tage»— zu fordern, aber diesen Kampf mit aller Energie durchzuführen. Die Unten, ehmer erklärten sich zur Abkürzung der Arbeitszeit bereit, lehnten aber die von den Arbeitern gleichzeitig geforderte Tarifreform ab, und diese Differenzen haben jetzt schon den Streik zum Ausbruch gebracht, so daß die wegen ihrer„Unsolidarität" nicht wenig geschmähten Typographen die ersten Marschbataillone der Konföderation ins Feld stellten l— Von größeren Organisattonen haben endlich„och die Handschuhmacher die Befolgung des von der Konfoderatton ausgegebenen Schlagwortes abgelehnt, da die starke Verbreitung der Heimarbeit in ihrer Branche die Achtstundenarbeit prakttsch undurchführbar macht. Bleibt als besonders wichtige Gewerkschaft noch die der Metall- a r b e i t e r zu nennen, deren Leitung in den Händen der Anhänger der„direkten Aktton" ist. In dieser Gelverkschaft wurde eine sehr rege Agitation entfaltet, indes lauten die Berichte vieler Provinzgruppen nicht eben opttmistisch noch allzu streiklustig. Größere Aktionen sind in anderen Branchen zu erwarten wie bei den Holzarbeitern, den Bildhauern, den Schneidern, den Bauarbeitern. Allerdings sind— die Holzarbeiter ausgenommen— diese Organisationen äußerst schwach, sowohl an Mitgliedern wie an Finanzen. Und mögen die Leute von der „diretten Aktton" das Sammeln von starken Gewerkschafts- fonds auch als überflüssig und verspießernd hinstellen, die Tatsachen zeigen, daß der Schneid der intelligenten Minori- täten nicht immer ausreicht, die Indifferenz und das vorsichtige Abwägen von Aufgabe und Mitteln zu überwinden. Man hat auch speziell für die Achtstundenagitatton gesammelt; allerdings sind die so zusammengebrachten Summen höchstens als Propaganda-, nicht als Widerstandsfonds anzu- sehen.— Bei alledem ist zu hoffen. daß namentlich in den Pariser LuxuSgewerben die Arbeiter Verbesserungen erringen werden, die schon lange reif sind und nur infolge der mangelnden Energie auf Verwirklichung warten mußten. Die Verkürzung der Arbeitszeit steht hier in erster Reihe. Man sieht, von dieser Takttk des aufgelösten Gefechts bis zur Idee des revoluttonären Generalstreiks, der manchem Be- fürworter des Beschlusses von Bourges vorgeschwebt haben mag, ist ein weiter Abstand, aber darum wird der revoluttonäre Wert der Achtstundenbewegung dem Sozialisten nicht geringer scheinen. Es ist bemerkenswert, daß, je näher der Terniin des Achtstuudenkampfes rückte, die Führer der Kotisöderation selber über den Inhalt und die Form der Bewegung krittscher zu denken geneigt wurden' �- Sie fanden selbst, daß der Be- schluß von Bourges nur eine Tendenz, nur die Einleitung einer neuen Aera anzeigen solle und keineswegs buchstäbliche Anwendung heische! Die gemeinsame Tagung der Delegierten der GeWerk- schaftsverbände und der Arbeitsbörsen hat nun zur Annahme einer Resolutton geführt, die in mancher Hinsicht bemerkens- wert ist. Vor allem wurde der Beschluß von BourgeS in d e r Weise ausgelegt, daß es den Organisattonen freigestellt wird. nach acht Sttmden die Arbeit zu verlassen oder an: 1. Mai in den Streik zu treten, der bis zur Er- fülluug der Forderungen zu dauern hat. Der Schluß der Resolution lautet: „Die Konföderation erinnert die Organisattonen daran, daß die R e s u l t a t e der angeivendeten Energie entsprechen werden. Sie zählt auch darauf, daß die Arbeiter ihr Bewußtsein zur Hohe ihrer Interessen erheben und in einem mächtigen solidarischen Ansturm dem Unternehmertum ein wenig Wohlfahrt und Freiheit entreißen werden." Die Resolution schließt also den Gedanken ein, daß die Resultate in den verschiedenen Industrien, vielleicht sogar in den verschiedenen Orten verschieden sein werden, daß es sich also darum handett, die proletarischen Kräfte mit denen des Kapitalismus zu messen, kcincslvegs aber darum, den Kapitalismus durch den Streik selbst zu beseitigen. Und in dem ersten Gebot, das die Resolution aufstellt: Feier des 1. Mai durch Arbeitsruhe, als Kund- ebung der Tatkraft des organisierten roletariats, stimmt sie mit der Idee der Maifeier, tvie sie von den sozialistischen Parteien stets pro- pagiert worden ist, vollkommen überein. So darf man von der Maibewegung eine Steigerung und dauernde Belebung der spezifisch sozialistischen Energie des Proletariats erhoffen. Um ihrettvillen kann man die fragwürdige» Arabesken in Kauf nehmen, mit denen die leitenden Männer der Konföderation ihre Proklamation umrahmt haben. So ist in der letzten Nummer des Konföderattonsorgans„Voix du Peuple" ein Aufruf der Propagandakommission an die Arbeits- börsen und Gewerkschaften zu lesen, wonach— zur Ausnützung der besonderen Versammlungs- und Stempel- frei heiten zur Zeit der Wahlagitation— in der jetzigen Wahlperiode eigene Achtstunden-Kandidaten auf- gestellt werden sollen, die nur für diese eine Forderung agitieren, aber weder für noch gegen einen Kandidaten auftreten dürfen, also auch nicht für einen Sozialisten 1 1 Zur Erklärung heißt es im Blatt: Die Kommission vergißt nicht, daß die Arbeitskonföderation ein wirtschaftlicher Organismus ist, der in sich Arbeiter aller politischen Meinungen faßt. Folglich wäre es widersinnig, diesem Organismus den Hintcrgedankcil einer Wahl- oder Absentierungspolitik zuzumuten. Das ist freilich eine Verwahrung gegen die anttparla- mentarische Tendenz, aber ein überraschendes Bekenntnis zur — Neutralität der Gewerkschaften, zu einer so weitgehenden Neutralität, wie sie die Anhänger dieses Prinzips auf dem rechten Flügel der proletarischen Bewegung kaum je vertreten haben. Schaden anrichten werden jene„Kandidaten" der Konföderation schwerlich. Wenn die„Voix du Peuple" die sonderbare Unterscheidung von„Meinungen" und „Interessen" macht(ivelch letztere von der Konföderation ver- treten würden, wogegen den„Meinungen" das politische Ge- biet gehöre!), so haben die französischen Arbeiter in ihrer Mehrzahl doch die Erkenntnis oder zumindest den Instinkt, daß es sich auch im Parlament gar wohl um Int er- essen, und im besonderen um proletarische Interessen handelt. Der gezivungene Scherz mit den„Achtstunden- Kandidaten" dürste wahrscheinlich kaum Beachtung finden— die Arbeiter werden diesmal in größerer Zahl als je sozia- listisch stimmen. Das verhindert sie nicht, auch in der Ge- tvcrkschaft ihre Pflicht zu erfüllen, um ihres Interesses und um ihrer revolutionären— Meinung willen. Sicherlich, auch in die Wählerversammlitng gehört das Thema vom Achtstundentag. Aber in einer höchst notwendigen Variatton, als Propaganda für den Kandidaten, der für die gesetzliche Durchfiihrung des Achtstundentages und für die vollständige Koalitionsfreiheit der Arbeiter eintritt. Hunderttausende von französischen Arbeitern haben auf den 1. Mai d. I. große Hoffnungen gesetzt und nicht minder — die Arbeiterfeinde, die gerne eine Revolte mit blutiger Unter- drückung und mit einer Rückwirkung auf die Wahlen zugunsten der Reattionäre sähen. Die Ungeschicklichkeit und Brutalität der neuen Regierung, die sich m Arbeiterfragen vom Erz- reakttonär B a r t h 0 u. dem alten Mitarbeiter Mvlines, leiten läßt und durch eigene Schuld vielleicht in den nächsten Tagen in einen Kampf mit einem großen Teile der Staats- arbeiterschaft geraten wird, leistet den reaktionären Wünschen und Absichten Vorschub. Im Interesse der Arbeiterklasse ist zu wünschen, daß die Achtstundenbewegung, wie sie sich bisher schon— durch ihre bloße Berührung mit der Wirklichkeit— von mancher Illusion und mancher Phrase befreit, an wirklich revoluttonärem Gehalt aber nur gewonnen hat, an den Klippen einer zwecklosen Putschpolittk glücklich vorbeikomme und der Ausgangspunkt einer zielbewußten und erfolgreichen prole- tarischen Klassenaktton»verde. Die Revolution in Rntzland. Russische Preßfreiheit. Während die russische Regierung die uniformierten und dekoritrien Urheber der Massakers in Odessa und Minsk, die«Herren" Neidhart und Kurlow, freisprechen ließ, weil diese angeblich„im Interesse des Staates und nach den Intentionen der Regierung gehandelt hätten, und nachdem die Regierung die„berühmt" ge« wordenen Peiniger der unglücklichen Spiridonowa, die Schurken Abramow und Schdanow, nicht einmal unter Anklage gestellt hat, ist sie unermüdlich, die öffentliche Meinung zu vergewaltigen und die Presse durch„temporäre" Mastregeln und Geheim- erlasse zu knebeln. Die russische Burcaukratie glaubt allen Ernstes, durch solche Mastregeln den Lauf der Geschickte und der Kultur ein- zudämmen und durch die täglichen Verhaftungen von Schrift- stellern und Redakteuren dem Volke einen Maulkorb anlegen zu können. Besonders reich an Prehprozeffen ist die allerjüngste Zeit; denn die Regierung Witte-Duniowo fühlt, dast die Tage ihrer Unglück- seligen Herrschaft gezählt sind, und sie will vor ihrem Ende Exempel statuieren; denn„nobel must die Welt zu Grunde gehen I" Einen schönen Belag für die Empfindlichkeit und„Gerechtigkeit" der russischen Regierung lieferte die Gerichtsverhandlung(ohne Zu- ziehung von Geschworenen) gegen den Ingenieur Mendelsohn, der unter der Anklage stand, die temporären Prehgesetze vom 24. November 190S verletzt zu haben. Einen erschütternden Ein- druck machte es. als der Angeklagte in einem Rollstuhl in den Ge« richtssaal gefahren wurde, da er infolge eines vor einigen Jahren erlittenen Unglücksfalles weder Hände noch Füste besitzt. Die gegen Mendelsohn erhobene Anklage stützt sich auf folgenden Tatbestand. Zu Beginn des Januar IVOS erschien eine Nummer des von ihm redigierten politisch-satirischen Journals„Wodoworot"(„Der Strudel"). in der unter anderem die Gedichte„Der Kampf beim Technologischen Institut" und„Die Kosaken", ferner ein Artikel, betitelt„Unter dem Teufel" und die Zeichnung „Der Belämpfer" abgedruckt waren. Das erstgenannte Gedicht beginnt fvlgendermahen:„Sage mir Alter I Nicht vergeblich hat wohl das Heer, in Glut entsacht, mit dem Volt gekämpft?" Weiterhin heistt es bei der Beschreibung der Teilnahme der Garde an der Unterdrückung der am Technologischen Institut ausgebrochenen Unruhen:„Es gibt wohl Helden zu unserer Zettl Ein mitleidloses Volk das— unsere Garde. Man schickt sie nicht in den Krieg; sie tummeln sich hier in Petersburg und verteidigen die Hauptstadt vor den inneren Feinden." In bezug auf einen der Regimentskommandeure hiest es weiter:„Er war ein groster Held; er rief sogleich den Soldaten zu:„Kinder. stellt Euch in Reih und Glied! Wir gehen gegen die Auftührer los, die Studenten werden wir lebendig braten, werden ihnen ein Blut- bad machen. Mir nach I"— Im Gedicht„Die Kosaken" zieht der Autor eine Parallele zwischen dem. was die Kosaken im Mittel- alter waren, und dem, was sie jetzt geworden sind.— Die Zeichnung„Der Belämpfer" zeigt einen Kosaken, der mit gespreizten Beinen lächelnd vor der Leiche eines Bauern steht; neben dem letzteren ist eine Blutlache und in einiger Entfernung liegt die Leiche einer Frau. Das Ganze ist vom Feuer eines Brandes be- leuchtet. In alledem sah die Hauptzensurverwaltung eine Beleidigung des russischen Heeres und zog Herrn Mendelsohn zur Verant- Wartung. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Margolin. führte ungefähr folgendes aus: Die Anklage gegen Mendelsohn stütze sich auf einzelne Strophen, welche— in ihrer Gesamtheit genommen— einen ganz anderen Sinn haben. Sie beschreiben die politische und agrarische Lage Rußlands. Der Angeklagte spreche von Männern, welche die Schuld an vielen Leiden des russischen Volkes tragen, er spreche von den verbrecherischen Taten der Bureaukratie und weise darauf hin, wie viel Unglück sie dem Lande gebracht, wie sie es in ein Meer von Kummer, Tränen und Leiden verwandelt haben. DaS Journal des Angeklagten sei eines jener wenigen Prestorgane. die einzig der Wahrheit und der Gerechtigkeit dienen wollen.„Ist nun alles das, was in jenen Artikeln steht. wahr? Ist es wahr, dast die Kosaken früher keine Polizeipflichtcn zu erfüllen hatten? Ist es wahr, dast die Soldaten unbewaffnete Studenten überfielen? Ist es wahr, dast ein Teil der Offiziere vom Kampfplatze floh?" Der Angeklagte forderte die Richter im Gegensatz zu seinem Verteidiger, der an das Mitleid der Richter mit dem verkrüppelten Mann appelliert hatte, auf. seinem Zustande bei der Strafabmessung keine Beachtung zu schenken. Das Gericht verurteilte den An- geklagten zu vier Monaten Gefängnis! Es verdient erwähnt zu werden, dast der Gerichtshof in seiner Motivierung des Urteils unumwunden zugibt, dast die von Mendelsohn geschilderten Tatsachen aus dem Leben gegriffen und wahr sind, somit keine falschen Beschuldigungen gegen das Heer vorgebracht worden sind, hält eS jedoch für geboten, den„Verbrecher" exemplarisch zu bestrafen„wegen der schändlichen, sozial-demokra- tischen Richtung der von ihm redigierten Zeitschrift". Spitzel überall! Petersburg, 20. April. Wegen des Besitzes von revolutionären Schriften wurden mehrere Soldaten des Preobraschcnsky-Gardercgi- ments verhastet. � Odessa, 20. April.(Von einem Privatkorrcspondenten.) Hier herrscht graste Aufregung über von Kosaken und Polizisten vor- genommen« Durchsuchungen der Hörsäle und Kliniken der Universi- tat und der Wohnungen mehrerer Professoren nach Waffen und Bomben. Es wurden nur alte Kränze und eine Anzahl verbotener Schriften gefunden. Professor Kazanetsky, dem die letzteren ge- hörten, wurde sofort verhaftet. Der Vorfall gilt als der erste Fall der Durchsuchung einer autonomen Universität. • Gegenminen. Petersburg, 19. April.(Meldung der Petersburger Tele- graphen-Agentur.) Fortgesetzt werden politische Gefangene befreit. Heute wurden in der Provinz Wladimir etwa 100 und in der Provinz Jekaterinoslaw 279 solcher Gefangenen befreit. » Die Komödie. Petersburg, 20. April. Dem„Sloivo" zufolge wird die Reichs- duma sofort aufgelöst, falls dieselbe verlangen sollte, dast der Zar den Verfassungseid zu leisten habe, oder wenn man den Rücktritt des Gesamtkabinetts fordern sollte! Der Sesfionsschluh wird bereits am 14. Juni erfolgen._ politifche CUbcrflcbt. Berlin, den 20. April. Ein edler Wettstreit. Die sächsische Justiz ist unermüdlich in der Erfindung neuer ileberraschungen; im edlen Wetteifer mühen sich die Staatsanwalt- schaften zu Dresden und Leipzig, einander in diesem edlen Wirken den Rang abzulaufen. In Dresden fabriziert die Staats- anwaltschaft eine Anklage wegen Verleitung zum Massenbetrug gegen die. Sachs»ich e Arbeiterzeitung", in Leipzig aber kann'S Herr Böhme doch noch besser. Er geht wegen eineS Artikels gegen vier Redakteure der„Leipziger VolkSzeitung" vor. Wie dieses juristische Kunststück fertig gebracht wurde, da» wollen wir die„Leipziger VolkSzeitung" selbst erzählen lassen. Sie schreibt, nachdem sie mitgeteilt hat. dast die Genossen M e hsr i n g, L e u s ch und Harnisch von der politischen Redaktton und Genosse Kr es sin als Verantwortlicher in die Sache verwickelt sind: .... Es handelt sich um den Artikel: Der Tiger als Affe, durch den die Ministerien des Krieges und des Innern in Preusten und Sachsen partout beleidigt sein wollen. Oder viel- mehr: diese vier Institute rannten zu Herrn Böhme, weil durch den Artikel die ausführenden Beanncn und die Organe der be- waffneten Kriegsmacht, die am roten Sonntag zum Bürgerkrieg gerüstet dastanden, beleidigt sein sollen. Der Artikel erschien in der Montagsnnmmer der„Leipziger VolkSzeitung" vom 22. Januar. Wie man sieht, hat das Gefühl der Beleidiguna sehr lange in den Heldenbrüsten dieser vier Ministerien geschlafen, ehe eS seine Spannkraft auszuüben begann. Augenicheinlich benutzte man die Zeit dazu, um den Artikel der„Leipziger VolkSzeitung" in allen Kaserne», die den beiden Kriegsministerien, und in allen Schreib- stuben, die den beiden Ministerien des Innern unterstehen, kursieren zu lassen, und sodann die Beamten und die Soldaten aufzufordern, sich nach einem bestimmten Reglement beleidigt zu fühlen. Denn es versteht sich, daß die vorgesetzte Behörde nicht wegen Beleidigung ihrer Beamten klagen kann, wenn sich diese Beamten nicht beleidigt fühlen. Da nun den Militärpersonen die Lektüre sozialdemokratischer Zeitungen verboten ist. sie also un- möglich den Tigerartikel der„Leipziger Vollszeitung" gelesen haben können, so bleibt nur die Annahme übrig, daß ihnen die „Leipziger BolkSzeitung" im Dienstwege zugestellt wurde. Der Artikel behandelte die Mastregcln, mit denen am 21. Januar die herrschenden Klassen Deutschlands zur Straßen- schlacht rüsteten. Er erfüllte seinen Zweck so vortrefflich, dast der nationalliberale Jammermann Rechtsanwalt Bassermann als Worlführer dieser Klassen den ganzen Artikel vom ersten bis zum letzten Buchstaben mit wutbebender Stimme im Reichstage vorlas. Von den Ministerien des Krieges und des Jimern war weder in ihrer schwarz-weisten noch in ihrer grün-weistcn Couleur die geringste Erlvähmmg geschehen. Und trotzdem die Klage. Doch an derartige juristische Kunstschlosserei wird man ja allmählich gewöhnt. Wenn inan Friedrich August von Sachsen beleidigen kann, ohne an ihn zu denken, geschweige denn ihn zu nennen, warum denn nicht auch die Ministerien? Nächstens werden alle Leute wegen Beleidigung klagen, die wir in unseren Artikeln nicht genannt haben. Die Nummer war vom Genossen Kressin verantwortlich ge- zeichnet, und soweit sich gegen ihn das Verfahren richtete, hätte man nur die allgemeine Tendenz der Prestverfolgung wieder einmal an diesem Falle demonstrieren können. Aber Herr Böhme wollte doch noch etwas aus eigenem hinzutun! Er begann ein Verfahren gegen den nnitmastlichen Verfasser des Artikels, den er unter den drei politischen Redakteuren des Blattes sucht, um diesen dann neben dem Verantwortlichen ebenfalls noch auf die Anklagebank zu zerren. Selbstverständlich wird dieser Böhmische Feldzug gegen die Personen unserer politischen Redakteure ebenso mit Fiasko enden, wie die bisherigen Feldziige gegen unsere Zeitung. Aber zur Charakterisierung unserer Prestjustiz ist dieses Bemühen der Staatsanwaltschaft von syniptomatischer Bedeutung. Vielleicht geht Herr Böhme noch einen Schritt weiter und verlanlaßt das ZeugmSzwanaSverfahren gegen unsere politischen Redakteure! Pro Mann sechs Monate Ge- fängniS für nichts und gar nichts, dazu die angenehme Aussicht, das Erscheinen der„Leipziger VolkSzeitung" schwer zu gefährden und zugleich eine kühle Rache zu nehmen für die bitterböse Lektion, die ihm die drei seinerzeit vor der gesamten Oeffentlichkeit er- teilten I Nun, Herr Böhme, wie wär'S denn?— Der Prozeß wird uns Gelegenheit geben, die Vorbereitungen zur Straßenschlacht am 2k. Januar vor Gericht ,u bringen. Nach dem roten Sonntag war die Empfindung bei unseren Gegnern all- fiemein, daß man sich bis auf die Knochen blamiert habe. Die anti- ozialdemokratische Korrespondenz schrieb, als es sich darum handelte, ob für den 18. März ähnliche Vorbereitungen zum Gemetzel ge- troffen werden sollten: eine solche Riesenblamage hält der stärkste Staat nicht zum zweiten Male aus. Jetzt gelüstet eS unseren Gegnern, sich diese ihre Riesenblamage durch einen Prozeß gegen die„Leipziger VolkSzeitung" gerichtlich beglaubigen zu lassen. Ein etwas merkwürdiges Verlangen, aber des Mensche» Wille ist sein Himmelreich, und nicht wir sind eS, die auf der Anklagebank sitzen werden, sondern die Helden vom 21. Januar!" Bon der Auswcisungsschmach. Die Polizei setzt, wie jetzt verlautet, ihrem Treiben die Krone auf. Nach§ 127 ff, 130 des Gesetzes über die allgemeine Landes- Verwaltung steht Ausländern gegen Ausweisungen zwar keine Klage. wohl aber das ordentliche Rechtsmittel der Beschwerde im Ver- waltungSwege zu. Diese Beschwerde ist für Berlin an den hiesigen Polizeipräsidenten zu richten und von dem Oberpräsidentcn zu Potsdam zu entscheiden. Sie hat, wie§ 53 a. a. O. bestimmt, auf- schiebende Wirkung, d. h. sie hindert bis zu ihrer Erledigung die Vollstreckung. Diese Beschwerde ist von allen oder dock, so weit wir hören, von einer großen Zahl der Ausgewiesenen eingereicht, die natürlich im Vertrauen auf das Gesetz nicht daran denken, zu der gesetzten Frist Preußen zu verlassen. Oder soll auch hier Polizei vor Recht gehen, soll sich auch hier das bekannte schneidende Wort Gneist'S bestätigen, daß in Preußen die Verwaltung, die Polizei es stets verstehe, das Gesetz in sein Gegenteil zu verkehren? Inzwischen haben einige der Ausgewiesenen heute von allerhand Kriminalbeamten oder auch von dem Polizeipräsidium die Mit- tcilung erhalten, dast sie den Bescheid auf ihre Beschwerde nicht hier abwarten dürften; dieser Bescheid dauere zu lange; eS sei sehr naiv, zu glauben, dast der Minister oder der Obcrpräsident den Beschwerden stattgegeben werden, den Bescheid würden sie schon be- kommen, wenn sie Preußen verlassen haben würden. Ein unerhörter ChnismuS, wie ihn nur die preußische Polizei fertig bringt. Und dabei lassen die Andeutungen über die angcb- lichen Verfehlungen der Ausgewiesenen deutlich erkennen, daß die Polizei ganz falsch unterrichtet, offenbar von allerhand Spitzel- gesindel betrogen und belogen ist! Wir raten den Ausgewiesenen, nicht freiwillig der Aus- Weisung und der Ungesetzlichkeit der Polizei Folge zu leisten, sondern die Polizei zu nötigen, sich durch schmähliche Gewaltanwendung, der natürlich kein Widerstand entgegenzusetzen ist, vor der Kulturwclt doppelt bloßzustellen. Noch eins: heute abend nehmen endlich einige bürgerliche Zeitungen von den Ausweisungen Notiz, aber z. B. das„Berliner Tageblatt" in einer so feigen Weise, daß man sich wirklich in den März 1904 zurückversetzt glaubt. Es nicldet die Ausweisung von 200 Russen, registriert kurz die dreitägige Frist und schließt mit dem Satz:„Es verlautet, dast sich die aus politischen Gründen ausgewiesenen Russen in Berlin in oppositioneller Weise betätigt haben sollen." Kein Wort der Kritik! Und auch diese Zeilen im lokalen Teil! Fast hat es den Anschein, als gäbe sich auch das„Tageblatt", das sich neuestens in Angelegenheiten der hiesigen russischen Kolonie manch- mal oppositioneller Anivandlungen gerühmt hat, einfach zum Sprach- rohr polizcioffiziöser Verdunkelungsversuchc her. Das nennt sich Liberalismus! Wie Diogenes mit der Laterne vergeblich einen Menschen suchte, so suchen wir noch immer vergeblich nach einem Retter der Ehre unseres sogenannten Liberal, smuö, unseres Bürgertums.— Aufstand in Kamerun t In Kamerun gärt eS schon lange. Nicht nur unter den Küsten« bewohnern, die ia, wie die Geschichte der Beschwerde der Akwaleute beweist, ebenfalls schon dicht vor der offenen Erhebung gestanden haben, sondern vor allen Dingen auch im Inneren des Landes. Wenn schon die Gouvernementsverwaltung den Küstenstämmen gegenüber den rücksichtslosen Herrenstandpunft berauskehrte, so läßt sich denken, wie man erst im Inneren des Landes mit den Ein- geborenen umsprang. Kenner der Verhältnisse erzählen die ungeheuerlichsten Dinge von Brutalitäten, die namentlich von den eingeborenen Soldaten verübt worden sind. Taten, deren Verantwortung mit Recht auf die Verwaltung zurückfällt. Rechnet man noch die ganz natür- liche Abneigung der Eingeborenen gegen die Fremdherrschaft hinzu, so ist eS höchstens verwunderlich, dast der Aufstand der Eingeborenen so lange auf sich hat warten lassen. Nunmehr scheint sich die Gärung jedoch in allgemeinem Aufstand entladen zu wollen. Die „Koloniale Zeitschrift" macht über teils bereits auS- gebrochene, teils drohende Unruhen folgende Mitteilungen: „Nack gestern hier eingetroffenen Meldungen sind sämtliche Affobam-Allamandörfer in vollem K r i e g s z u st a n d e. Selbst das im Nzimuaufftande ganz rührige Besam ist in voller Gärung, und das Leben der dortigen Weißen ist bedroht. Hauptmann Scheunemann hielt aus diesem Grunde den geschäftlich gerade in Lomie anwesenden Faktoristen der Gesellschaft Südkamerun zurück. Danach scheint er nicht in der Lage zu sein. daS naheliegende Besam gegen die Buschleute zu schützen. Nach den ein- gelaufenen Nachrichten zu schließen, werden die Assobamkannibalen, die der Regierung über zwei Jahre lang höhnend Trotz geboten) haben, diese zum Kampfe herausgefordert haben, nunmehr selbst nach Lomie, dem Sitz der Verwaltung ziehen, um Hauptmann Scheunemann in seiner befestigten Station anzugreifen. Man kann an Ort und Stelle noch immer nicht verstehen, weshalb die notwendigen Verstärkungen nicht eingetroffen sind, um die herausfordernden Assobamkannibalen zu bestrafen und sie niederzuhalten. Allerdings besitzen sie T a u s e n d e von Gewehren und Zehn taufen de von Kilo- g r a m m P u l v e r. ES sei hier nochmals darauf hingewiesen, daß der ftühere Chef Preuß mit nur dreißig Manu gegen diese Dörfer vorging, aber nach heftigstem Kamps in den Sümpfen Schutz suchen mußte. Würden wir jetzt eine Schlappe er- leiden, so hätten wir hier den Generalaufstand aller NzemS, Nzimus und Bangandus, dem sich die ganz unsicheren OstbuliS dann wohl anschtießcn würden. Das ist— so fügt die Zeitschrift hinzu— das Resultat einer Politik, die jede Auf- standsgefahr von mehr als lokaler Bedeutung verneinte und die Schutztrnppe sogar vermindern wollte.— Nach weiteren Mitteilungen aus den Nordbezirken ist in der B i ä m e g e g e n d, nördlich von Bertua Krieg ausgebrochen, der"hervor- gerufen ist durch das Vorgehen der Jaundehändler. Viele Händler und Träger derKüstenfirmen sind er- schlagen. Infolge dieser Vorgänge zogen die Firmen ihre Händler und Träger aus Biäme und der Bertuagegend zurück." Wie aus dieser Darstellung hervorgeht, haben auch hier wiederum die Praktiken der Händler das Maß der Erbitrerung überschäumen lassen! Bei den AssobaM scheint nach der Darstellung, die natürlich zuungunsten der Eingeborenen gefärbt ist, der Freiheits- stolz eines kriegerischen Stammes zur Auflehnung gegen die ja so wenig angenehme deutsche„Schutzherrschaft" geführt zu haben. Und da diese Stämme so trefflich bewaffnet sind, dürste ihre Nieder« iverfung keineswegs ein Kinderspiel sein. Wenn nicht alles trügt, teht uns also— zu den noch unabsehbaren Kriegen in Südwest- afrika und Ostafrika— auch in Kamerun ein Kolonialkrieg bevor, besten Umfang und Dauer ebenso unabsehbar sein dürfte! Für die Wörmann und TippelSkirch sind das angenehme Aussichten— nicht aber angenehm für die deutschen Steuerzahlerl » Deutrehee Rdeb. Christliche Nächstenliebe. Man sollte meinen, dast die„Germania" nach ihrer letzten Er- bärmlichkeit, der Ermahnung zur Unmenschlichkeit bei der Besuv» katastrophe, für längere Zeit die Lust zu neuer Niedertracht verloren hätte. Das fromme Zentrumsblatt scheint aber die Taktik erkoren zu haben, die eine Niedertracht rasch durch eine neue in Vergessen- heit zu bringen. So bespritzt es heute zwei Menschen mit eklem Speichel, von denen der eine nichts verbrochen hat, als sich den Ruf eines großen Poeten zu erwerben, während die andere durch ihren durchaus privaten Charakter von Rechts wegen selbst gegen die Nichtswürdigkeiten eines„christlichen" Blattes vom Schlage der „Germania" geschützt sein sollte. Die Opfer der frommen Büberei sind Maxim Gorki und seine Begleiterin, eine Petersburger Schauspielerin. Gorki ist be» kanutlich der russischen Barbarei entflohen und sucht nun im Aus» land für die Sache der Revolution zu wirken. Da er bei seinem Aufenthalt in Berlin in seiner Eigenschaft als Dichter von den Berliner Literatenkrcisen mit Beschlag belegt wurde und sich auch mit seinen Kundgebungen politischer Art an diese liberalen Literaten- kreise wendete, haben wir keinerlei Ursache gehabt, uns im politischen Teile unseres Blattes mit ihm zu beschäftigen. Daß er sich in dem naiven Optimismus des Poeten in Berlin in der Wahl seines Publikums vielleicht vergriffen, konnte uns freilich ebensowenig zu einer Kritik seines Verhaltens veranlassen, wie seine darauf folgende Reise nach Amerika, um auch dort innerhalb der Bourgeoisie um Sympathien und materielle Unterstützung für die russischen Freiheitskämpfer zu werben. Es konnte uns eben nicht in den Sinn kommen, den revolutionären Dichter und sympathischen Freiheitskämpfer vom Standpunkte der P a r t e i aus zu beurteilen. Andererseits lag auch für die„Germania" nicht die geringste Ursache vor, Gorki mit frommem Kot zu bewerfen. Als Dichter hat er sich niemals durch tendenziöse Kirckenfeindschaft hervorgetan, auch gehört ja die Heiligkeit des zarischcu Absolutismus keineswegs zu den Glaubensdogmen der römischen Kirche. Dafür aber, daß sich die liberalen Schmocks geschäftig um den be- rühmten Gast herangedrängt hatten, konnte ein vernünftiger Mensch doch Gorki selbst nicht verantwortlich mache»! Trotz alledem nimmt die„Germania" das liberale Preßgebahren zum Vorwand. um ganze Kübel christlich-latholischen Unrats über Gorst und seine Begleiterin auszuleeren! Mit der wollüstigen Schadenfreude einer bekehrten Betschwester verbreitet die„Germania" den Klatsch, dast Gorst drüben im „Lande der Freiheit" bereits aus den Hotels herauskomplimentiert worden sei, weil seine Begleiterin nicht sein angetrautes Eheweib, das in Rußland verblieben, gewesen sei, sondern seine Geliebte. Aber nicht genug damit: die„Germania" hofft, dast die„Geliebte" des Dichters vollends„über das Wasser zurückspediert" werden wird. da das amerikanische Einwanderungsgesetz D i r n e n den Eintritt in das Land der Freiheit versagt." Wir fühlen keinerlei Beruf, uns mit der amerikanischen Heuchelei zu beschäftigen, die im Falle Gorst wieder ein» mal wahre Orgien gefeiert zu haben scheint. Wohl aber verdient die beispiellose Gemeinheit gebrandmarkt zu werden. mit der daS führende deutsche Zeittrinusorgan die Ehre von Personen zu besudeln unternimmt, die nicht nur intellektuell, sondern auch moralisch turmhoch über den traurigen Tartüffes der „Germania" stehen!— Zentrum und Polen. Die Spannung zwischen Polen und Zentrum erweitert sich mehr und mehr, wozu das offensive Vorgehen der Polen in Oberschlesien wesentlich beiträgt. Die.Germania" bringt es sogar fertig, dem Erzbischof Stablewski von Posen ihre indirekte Mißbilligung auszusprechen. Zu dem von ihm an seine Geistlichen erlassenen Mas, sich nicht an dem Verband deutscher Katholiken zu beteilige», bemerkt sie mit einer sonst bei ihr gegenüber sogenannten Kirchen- fürsten nicht üblichen Nespekllosigkeit: „Wir haben schon früher bemerkt, daß wir es an und für sich nicht als unzulässig und ungehörig betrachten können, wenn die Vereine sich bemühen, eine angemessene Berücksichtigung der Wünsche und Bedürfnisse der deutschen Katholiken in kirchlichen Dingen(Predigt usw.) zu erzielen. Wir können das um so weniger, als für uns gar kein Zweifel darüber besteht, daß man auf polnischer Seite vielfach bestrebt ist, die deutschen Katholiken kirchlich zurückzusetzen und zu ver- gewaltigen. Es käme also auf die Form an, in welcher die Vereine die kirchlichen Interessen der deutschen Katholiken geltend zu machen gesucht hätten. Wir können nichl beurteilen, inwiefern sie sich ungehörige„Eingriffe in kirchliche Angelegen- heilen" u. a. haben zuschulden kommen lassen, halten es aber auch keineswegs für ausgeschlossen, daß der Erzbischof in dieser Beziehung durch polnische Heißsporne verschiedentlich falsch berichtet worden ist. Jedenfalls haben die polnischen Hetzer und Fanatiker, die in der drei sie st en Weise Kirche und Religion politisch mißbrauchen, wie eS in Berlin geschehen ist, und denen nur zu oft der Katholizismus als Deckmantel für ihre nationalen und deutschfeindlichen Bestrebungen dienen muß, nicht die mindeste Berechtigung, den Vereinen deutscher Katholiken Vor- würfe zu machen."—_ Reichstagsersatzwahl in Hagen-Schmelm. Das Zentrum scheint sich nach und nach mit der Kandidatur des Oberbürgermeisters Cuno sin ehemaligen Eugen Richterschen Wahlkreise auszusöhnen. Die „Köln. Volksztg.", die zuerst entrüstet gegen Cuno eiferte, bringt eine Korrespondenz aus Hagen, in der versichert wird, die Stimmung der Hagener Zentrumspartei sei für Cuno gar nicht so ungünstig; überhaupt sei der Kandidat in Hagen wegen„seiner fortgeschrittene» sozialen Gesinnung" sehr beliebt. In kirchenpolitischer Beziehung habe Cuno sicher seit 1902 viel gelernt.— Agrarische Theorie und Praxis. Einen interessanten Beitrag zum Kampf der Agrarier gegen die„ekelhaste" Margarine liefert die „Wormser Ztg." Ihr Berichterstatter besuchte jüngst einen Freund in einem Landslädtchen der dortigen Gegend, einen Geschäftsmann mit fast ausschließlich ländlicher Kundschaft. Vor der Ladentür, un- mittelbar am Hauseingang fiel ein großes Plakat in die Augen. Es enipfahl ein künstliches Pflanzenfett, also etwas wie Margarine. „Aehnlich wie die feinste Milchbutter" stand da zu lesen. Nun entwickelte sich folgendes Zwiegespräch:„Aber, Freund, wie kannst Du so etwas vor Deiner Ladentüre aufhängen? Denk' doch an Deine Banernkundschast. Du wirst doch die Geschichte nicht führen?"„Was? Nicht führen? Ist mein lukrativster Artikel. Geht reihend ab, und die besten Käufer sind— die Bauern. Ihre eigene Milch verkaufen die Bauern olle in die Molkerei, so daß von Hausbutter keine Rede mehr ist. Die Molkereibutter aber ist ihnen zu teuer, die kommt in die Städte. Für den eigenen Hanshalt wird dann das gekauft.„.." Auch in den ländlichen Gegenden des östlichen Preußens wird die meiste Margarine von der Landbevölkerung gekauft— allerdings wicht von den Bauern, sondern von den Herren Rittergutsbesitzern, und nicht für den eigenen Genuß, sondern fiir das liebe„Ge- finde".- Hueland. Frankreich. Humanität vor den Wahle». LehgueS, der französische Kolonialminister, hat soeben an den Generalgouvereur von Französisch-Westafrika, Herrn Roume, einen Erlaß gerichtet, in dem er strengste Strafen androht für jeden, der sich Uebergriffe irgend welcher Art gegen Eingeborene zu schulden kommen läßt.— Die gegen französische Kolonialbcamte schwebenden Untersuchungen sollen mit allen Mitteln betrieben und beschleunigt werden. Man merkt, daß die Wahlen in Frankreich vor der Tür stehen I—_ Dänemark. Polizei gegen die antimilitaristische Agitation. Der Sozialistische Jugendverband hat eine antimilitaristische Agitationsnummer seines Organs„Ny Tid" in 50 000 Exemplaren herausgegeben, die hauptsächlich zur Verbreitung unter den Wehr- Pflichtigen bestimmt sind. Zu dieser Verbreitung hatten sich letzten Dienstagabend vor den Kasernen und dem Kastell in Kopenhagen 60 Mitglieder des Verbandes eingefunden, um das Blatt an die in großer Zahl von ihrem Urlaub heimkehrenden Rekruten zu verteilen. 400 Exemplare waren bereits verteilt, teils an Soldaten, teils an Zivilpersonen. Da griff plötzlich, obwohl alles in bester Ordnung von statten ging, die Polizei ei», sistierte 13 der Flugblattvcrbreiler. unter ihnen zwei weibliche, und konfiszierte die Blätter. Die Namen und Wohnungen der Sistierten wurden notiert; darauf wurden sie wieder freigelassen. Der Jugendverband hielt tags darauf eine Protestversannnlung gegen das Vorgehen der Polizei ab.— Afrika. Die Krifis in Natal. AuS Durban kommen weitere, sehr beunruhigendesNachrichtcn. Vor kurzem sind bekanntlich 12 Eingeborene(Zulus) vom dortigen englischen Kriegsgerichte zum Tode verurteilt und erschossen worden, weil sie an einer Atacke gegen englische Polizei- soldaten beteiligt waren, bei der zivei von diesen umgebracht wurden. Jene Schreckensjustiz Hatto nun aber durchaus nicht den gewünschten Erfolg gehabt; im Gegenteil— es gärt unter den Eingeborenen überall. Der Häuptling Bap'baata ist niit seinem Stamm in den Busch entwichen, und zwei andere Häuptlinge, Siganandi und Dubi, weigern sich, gegen ihre Stammesgenossen zu ziehen: sie wollen sich vielmehr mit ihren Kriegern diesen anschließe». Durch den dreijährigen Burenkrieg und durch die langen Kämpfe in Deutschwestafrika hat die kriegerische Stimmung unter den Ein- geborenen des ganzen südwestafrikanischen Gebietes eben sehr zu- genommen, und Kenner der südafrikanischen Verhältnisse sagen, daß vielleicht bald die Zeit kommen werde, wo die Eingeborenen sich unter dem Rufe:„Afrika den Afrikanern!" gegen die weißen Ein- dringlinge erheben. Die Engländer benehmen sich, als liege ihnen nicht im ge- ringsten daran, den drohenden Aufstand zu verhindern. So wird aus Grehtown genieldet, daß weitere 23 Eingeborene verhaftet, nach Pieterinaritzburg transportiert und vor das dortige Kriegsgericht ge- stellt werden sollen, loeil sie unter dem Verdacht stehen, an der Rebellion des Bambaata beteiligt gelvescn zu sein. Natal, 19. April.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Nach einer amtlichen Meldung hat der Gouverneur von Natal das An- erbieten des Burenkomniandanten Cherry Emmett, eine Burentruppe von 250 Mann aus dein Vryheiddistrikt zum Kampf gegen die Zulus zu stellen, angenommen._ Huq der parteu Allen lieben Freunden und Genossen, die mir zu meinem 60. Geburtstage ihre Aufmerksamkeit und Glückwünsche über- Mittelteil, sage ich auf diesem Wege meinen innigsten Dank. Hoffentlich gehen die in den Glückwünschen so vielfach ausgesprochenen Wünsche und Erwartungen in Erfüllung und ist eS mir gestattet, der Partei auch weiterhin zu dienen. Herzlichsten Dank allerseits und sozialdemokratischen Gruß und Handschlag. I. Auer. „Der Zi»,», cm" wird in der Erwiderung auf unsere gegen ihn gerichtete Notiz in unserer Nr. 85 deiitlicher. Er nennt jetzt direkt den„Vorwärts" als eines der Parteiblätter, durch die„ein geradezu gewerkschaftsfeindlicher Zug geht." Dann beschwert er sich darüber, daß wir den Artikel, gegen den wir polemisierten, nicht abgedruckt haben— er ist beiläufig mehrere Spalten lang. Wir bedauern, ihn nicht für so wichtig halten zu können, wie der„Zimmerer", daß wir ihn unseren Lesen: vorsetzen müßten. Zum Verständnis der Polemik ist das nämlich absolut nicht nötig, wenn der„Zimmerer" auch behauptet, der Artikel habe einen ganz anderen Sinn, als eS nach der Polemik des„Vorwärts" den Anschein habe. Was außer den Angriffen auf den angeblich gewerkschaftsfeindlichen Teil der Parteipresse noch darin steht, der Hinweis auf die großen Aufgaben, vor die die Gegenwart die Arbeiterbewegung stellt und auf die Not- wendigkeit, die Landarbeiter zu organisieren. Hinweise, die mit den im„Zimmerer" obligaten Ausfällen auf die„theoretischen Silben- stechereien" gegeben werden, das hängt mit der Anklage des „Zimmerer", die wir wiedergegeben haben, nur sehr lose zu- sanimen und ändert an der Ungerechtigkeit der Anklage nicht das geringste.„Der Zimmerer" beruft sich�bei seinem Verlangen nach Abdruck seines Artikels auf das Protokoll de» Jenaer Parteitages, auf die Beschlüsse deS Parteitages und speziell auf eine Rede des Genossen Molkenbuhr, gegen deren Intentionen wir gefehlt haben sollen. Wir wollen die Liebenswürdigkeit vergelten, indem wir den„Zimmerer" auf jene Stellen des Protokolls aufmerksam machen, in denen von schwerer Parteiscbädigung durch den Redakteur des„Zimmerers" die Rede ist, eine Anklage, die die fast ungeteilte Zustimmung des Partei- tagcs fand. Wir haben dazu umsomehr Anlaß, da der„Zimmerer" auf unsere Bemerkung, daß wir die Gewerkschaften nicht als Staffage für die Beamten denunziert, sondern uns vielmehr dagegen gewendet haben, daß man sie dazu mache, mit folgender klotziger Antwort kommt: „. Wortspiel für Dumme I Der„Vorwärts" hat die niederträchtige Wortprägung in die Arbeiterwelt geworfen; sie ist im Munde solcher Leute, die alle Errungenschaften der modernen Arbeiterbewegung gern genießen, für dieselbe aber gar nicht gern Opfer bringen, die jeder Pfennig ärgert, den sie für die Partei und die Gewerkschaften ausgeben. Die Quertreiber, die sich von jedem Streber als Claqueurs benutzen lassen, sind um ein Schlagwort bereichert. Der„Vorwärts", das„Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands", hat es ihnen geprägt. Ob mit oder ohne Absicht, kommt weniger in Betracht. In der Politik gilt bekanntlich niemals die Absicht, sondern die Wirkung. Wenn eine Absicht nicht bestanden hat, kann nur Mangel an proletarischem Empfinden es erklären, wenn jene Wirkung nicht vorausgesehen worden ist. Entschuldigen läßt sich die Takt- losigkeit nicht." Der}„Vorwärts" soll also dafür verantwortlich sein, wenn Böswillige seine Worte verdrehen I Das ist wirklich heiter! Der Wortlaut unserer Notiz, worin jene Stelle vorkam, ist so deutlich und zweifelsohne, daß kein Mensch mit fünf gesunden Sinnen und normal entwickelter Ehrlich- keit den„Vorwärts" für die Rechtfertigung von solchen Ouer- treibereien, wie sie der„Zimmerer" anführt, verwenden kann und darf. Unsere Leser, die deutschen Sozialdemokraten, aber dürfen wir im allgemeinen wohl für intelligente und anständige Leute taxieren. Ganz anders steht eS mit jener Broschüre, die den Redakteur des„Zimmerer" zum Verfasser hat und die auf dem Jenaer Parteitag behandelt wurde. Aus ihrem Wortlaut konnten auch leidlich gescheite und ehrliche Leute die Meinung herauslesen, daß die politische Arbeiterbewegung unnütz sei. Der Redakteur des „Zimmerer" hat die Absicht zur Erwcckung solcher Meinung be» stritten und wir wollen sie ihm nicht unterstellen. Aber wenn, wie der„Zimmerer" sagt, in der Politik niemals die Absicht, sondern die Wirkung gilt, dann hat er seinen eigenen Redakteur gerichtet. Zum 1. Mai. Die Holzarbeiter und die S t u k k a t e u r e zu Magdeburg beschlossen, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern.— Der geplante Maifeierumzug der Magde- b u r g e r Genossen wurde auch diesmal von der Polizeibehörde verboten. Ans E i s e n a ch meldete die„Erfurter Tribüne": Am vorigen Freitag fand eine Sitzung sämtlicher Vorstände der Gewerkschaften statt. Zur Beratimg stand die Maifeier. Um die Meinung der Gewerkschaften über die Frage: Arbeitsruhe am 1. Mai zu hören, ist beschlossen worden, daß bis zum Donnerstag, den 26. April fäintliche Gewerkschaften in ihren Versammlungen darüber beschließen sollen, ob die Arbeitsruhe durchführbar ist. Die Steinsetzer Lübecks und die baugewerb- lichen Hülfsarbeiter Breslaus beschlossen die A r b e i t s- ruhe. Ein erfreulicher Stadtverordnetenwahlsieg wird aus Kassel gemeldet. Bei den Wahlen in den eingemeindeten Vororten Betten- Hansen und Kirchditmold wurde je ein Genosse gewählt, so daß die sozialdemokratische Fraktion im Kasseler Stadtpe.rlament jetzt, im ersten Jahre ihres Bestehens auf vier Köpfe gewachsen ist. Das„Hamburgcr Echo" feierte am Ostermontag ein Jubiläum. ES war an diesem Tage vor fündrmdzwanzig Jahren, daß die erst� Nummer der„ B ü r g e r z e i t u n g", der Vorgängerin des„Ham-� bnrger Echo" unter Ausnahmegesetz und Belagerungszustand, erschien. Die srühercn sozialdemokratischen Zeitungen Hamburg-Altonas waren der Verbotspraxis zum Opfer gefallen. Es war bekannt, daß jede im Verlage von I. H. W. Dietz erscheinende Zeitung sofort das gleiche Schicksal treffe» würde. Da sprang Genosse Johannes Wedde ein und gründete die„Biirgcrzeitung", ohne nachweisbaren Zusammen- hang init der Partei und dem Dietzschen Verlag. Einige Jahre ging eS gut, dann fiel das Mesier der Verbotsguillotine. Es lag ein grimmiger Humor darin, daß ein Artikel:„?oros i« wo romeä�"(„Die Gewalt ist kein Heilmittel") den Grund für dies Verbot abgeben mußte. Doch schnell folgte der„Bürgerzeitung" das„Hamburger Echo" und das zählt jetzt 50 000 Abonnenten! Personalien. Als Parteisekretär für den Nieder- r h e i n wird, da Genosse Fanre aus dieser Stellung ausgeschieden ist, vom 1. Mai an Genosse Haberland täng sein. An seine Stelle tritt in die Redaktion der Elberfelder„Freien Presse" Genosse Otto May ein, der bis jetzt Redakteur der ., Bergischen A r b e ite r st i m m e" in S o l i n g e n war.— Genosse F a b e r tritt aus der Redaktton des S t e t t i n e r „Volksboten" aus, um in die Redaktion eines süddeutschen Parteiblattes einzutreten.— Als Reichstagskandidaten fiir »l a s s e l- M e l s u n g e n ivollen die Kasseler Genossen der Kreis- konferenz den Genossen H u t t m a n n- Frankfurt a. M., Leiter der dortigen Maurerorganifation, vorschlagen.— Als zweiter Arbeite rsekretär für K ö ln ist der in Charlottenburg seit drei Jahren in gleicher Eigenschaft tätige Genosse Jost gewählt worden. Der Landespartcitag der uiedcrösterreichischcn Sozialdemokratie, also der Parteiorganisation jenes KronlandeS, das die Hauptstadt Wien einbcfaßt. fand an den Ostertagen statt. Wir haben aus dem Bericht der Parteileitung vor kurzem schon ein Bild der erfreulichen Entwickelung der Partei in Niederösterreich gegeben und heben daher aus den Verhandlungen nur das folgende Wesentlichste hervor: Nach Erledigung deS Vorstandsberichtes sprachen Höger und Da vid über die„Volkstribüne". E mm erlin g über die „Arbeiterzeitung" und Frau Popp über die„Arbeiterinnenzeitung". Alle konstatierten einen großen Aufschwung der Parteiblätter. Ueber den Kampf um daS allgemeine gleiche Wahlrecht referierte Winarskh. Er empfahl folgende Re- folution, die zugleich auch die Maifeier bettifft: „Der Landesparteitag sieht in der Wahlreformvorlage des Ministeriums G autsch einen besonderen Erfolg der sozial- demokratischen Arbeiterschaft. Er begrüßt in ihr einen der wichtigsten Schritte zur Durchsetzung des allgemeinen, gleichen Wahlrechtes. Der Landesparteitag verhehlt sich aber nicht die schweren Mängel, die dem Gesetzentwurf der Regierung noch anhaften. Besonders verurteilt er die Bestimmung einer einjährigen Seßhaftigkeit als WahlrcchtserforderniS, die nahezu unveränderte, teilweise sogar in verschlechterter Form erfolgte Uebernahme der alten Wahlordnung in den Entwurf des neuen Gesetzes und die WahlkreiSeinteilung in Niederösterreich, durch die Wien und die niederösterreichischcn Städte benachteiligt werden gegenüber den Landbezirken und in Wien wieder die proletarischen Bezirke gegenüber den Wohnbezirken der reiche:: Klassen. Der Landes- Parteitag fordert den Sozialdemokratischen Verband im Abgeordneten- Hause auf, mit der größten Energie für die Beseitigung dieser Be- stimmungen zu wirken. Doch während der LandeSparteitaa in dieser Weise innerhalb des Rahmens der Regierungsvorlage für ihre möglichste Verbesse- rung eintritt, verurteilt er zugleich auf das entschiedenste die gegen das ganze Reformwerk gerichteten Intrigen und Machenschaften der alldeutschen Volksbetrüger, der Großgrundbesitzer aller Schattterungen und der Volksfeinde des Polenllnbs. � Der Landesparteitag erklärt, daß die Arbeiterklasse nicht gesonnen ist, den fortwährenden Verschleppungsversuchen der Wahlreformgegner ruhig zuzusehen, sondern daß sie mit zäher Entschlossenheit den Kampf fortsetzen wird und bereit ist, in: gegebenen Falle den Massen- streik für die Eroberung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts ins Werk zu setzen. Der Landesparteitag beauftragt ferner die Landespartei- verttetung, dafür zu sorgen, daß die diesjährige Maifeher in ganz Niederösterreich durch Arbeitsruhe in größt« möglichem Umfange begangen und so eine machtvolle De- monstration für die Durchführung der Wahl- reform werde." Der Jahreskongreß der Unabhängigen Arbeiterpartei Englands. Am zweiten Tage kam die Frage der Namensänderung und die Verschinelzungsstage zur Verhandlung. C o a t e s beantragte eine Resolution, in der der nationale Verwaltungsrat(Parteivorstand) be- auftragt wird, wenn möglich in Gemeinschaft mit anderen fozialistischen Korporationen eine Namensänderung in die Wege zu leiten, durch welche die sozialistische Basis der„U. A. P." klar zum Ausdruck kommt. Der Parteivorstand soll im nächsten Jahre hier- über berichten. Dieser Antrag wird mit 91 gegen 88 Stimmen an- genommen. Sodann wird von Johnsen eine Resolution begründet, w der es heißt, daß der Kongreß die Zeit für gekommen erachte, ent- sprechend dem Amsterdamer Beschluß von 1904 eine Einigung mit den übrigen sozialistischen Parteien Englands herbeizuführen.— Burgers- Glasgow bringt hierzu ein Amendement ein. in welchem zum Ausdruck kommt, daß der Kongreß der Einigung syn:pathisch gegenüberstehe, daß es aber für das Wohl des Sozialismus und der Arbeitersache wesentlich sei, wenn die„U. A. P." ihre gegen- wältige Organisation und ihr Programm aufrecht erhalte. Hieran schließt sich eine Diskussion, bei der es zu heftigen Auseinander- fetzungen kommt. Keir Hardie erklärt, daß er mit den Führern der Sozialdenwkrattschen Föderation wegen der Fusion in Verbindung gestanden habe. Er müsse offen gestehen, daß er von der Stellung- nähme der Federation in Bradford aufs höchste enttäuscht sei.�Es fei gesagt worden, daß die Sozialdemokratische Federation den Wieder- anschluß an das Arbeitervertteterkomitee wünsche, aber in einer ge- schlossenen Sitzung haben Hyndman und Queich gegen den Wiedereintritt gesprochen. D:ese beiden wüßten aber ganz genau. daß die Frage einer Vereinigung der beiden sozialistischen Organi- sationen außerhalb jeder Möglichkeit liege, so lange die Federation nicht dem Arbeitervertteterkomitee angeschlossen sei. Hierauf wurde das Amendement mit 108 gegen 68 Stimmen angenommen, als selbständige Resolution erklärt und als solche votiert. Vorher war eine Reiolutton zur Annahme gelangt, durch welche die Fraktion beauftragt wird, einen Gesetzentwurf einzubringen, nach welchem de:: Frauen das Wahlrecht unter den glerchen Be- dingnngen zu geben ist wie den Mäimern.— Nach Annahme weiterer Anträge wird als Ort des nächsten Kongresses Derby bestimmt und hierauf der Kongreß geschlossen. polizelllchM, OerfcbtHchts uf». Noch immer verpuffte Staatsaktionen wegen des Wahlrechts- flugblattes. Das„Bochumer Volksblatt" meldet: Die Justizaktion gegen die Wahlrechtsflugblätter nimmt ein klägliches Ende. Eine Anzahl Genossen war, Ivie bekannt, in Anklagezustand versetzt worden; jetzt erhält einer nach dem andern die Mitteilung, daß das Verfahren eingestellt worden ist. Die„Dortmunder Arbeiterzeitung" berichtet aus Essen: Die Staatsanwaltschaft hat das Sttafverfahren gegen eine ganze Reihe von Parteigenossen des Wahlkreises Esten einstellen lassen. Als letzter Sünder erhielt unser Parteisekretär Bühler die Nachricht. Eine angebliche Richterbeleidigung führte am Mittwoch die Ge- noffen Ennl M a i e r, verantworilicher Redakteur der Mannheimer „V o l k s st i m m e", und den Genossen'Jos. Steubert, Filialleiter der„Volksstimme" in Weinheim. vor das Mannheimer Schwurgericht. Sic sollten das Weinheimer Schöffengericht beleidigt haben durch Nebcneinanderstellung und Kritik zweier Urteile, die jenes Gericht an einem Tage gefällt hatte. Es handelte sich beide Male um Straftaten, die in der Trunkenheit verübt wurden. Ein Bau« techniker hatte Frauen unsittliche Zumutungen gemacht und war gegen eine schließlich handgreiflich geworden. Ein Arbeiter hatte vier Wirte um die Zeche(ganze 72 Pfennige) geprellt. Der Bau- techniker wurde freigesprochen, der Arbeiter zu einer Woche Ge- sängnis verurteilt. Die Geschworenen sprachen Maier schuldig, Steubert hingegen nichtschuldig. Das Gericht verurteilte den Ge- nassen Maier darauf zu 400 M. Geldstrafe. Freigesprochen von der Anklage deS groben Unfugs» der durch eine Boykottnotiz verübt sein sollte, wurde Genosse Kl üß von der Breslauer, Volkswacht" vom Landgericht. Das Schöffengericht als erste Instanz hatte auf 30 Mark Geldstrafe erkannt. Indes läßt die Breslauer Staatsanwaltschaft deswegen nicht locker. Am selben Tage stand Genosse Albert von der„Volks- wacht" unter gleicher Anklage vor dem Schöffengericht. Die Ver- Handlung wurde vertagt. Dir nackte Ena v. Battenberg» die auf dem Titelbilde einer der letzten Nummern des„Süddeutschen Postillons" beim Glaubens- bezw. Hemdwechscl dargestellt war und zu Straßburg in der Buchhandlung der Freien Presse beschlagnahmt wurde, ist wieder freigegeben worden. Dem Geschäftsführer Genoffen Heinrich ging eine staatsanwaltschaftliche Verfügung zu. die besagt: „In der Anlage erhalten Sie die bei Ihnen beschlagnahmten Exemplare der Nr. 6 deS„Süddeutschen Postillons" zurück. Einstellung des Strafverfahrens und Auf- Hebung der Beschlagnahme ist erfolgt, weil nicht nach- gewiesen ist, daß Ihnen bei Aushang und Verkauf der beschlag- »ahmten Nummern das unzüchtige Titelbild bekannt war." Die„Freie Presse" findet die Begründung widerspruchsvoll und darin hat sie recht. Denn wenn daS Titelbild wirklich unzüchtig gewesen wäre, wie auch jetzt noch behauptet wird, so durfte doch die Beschlagnahme nicht aufgehoben werden. Aber die Begründung erspart dem Staatsanwalt das Eingeständnis, daß er sich be: Taxierung deS Bildes als unzüchtig bös geirrt hat. 6ewevhrchaftlid)C9« Berlin und Omgegend. Lohnbewegnng der Böcker. Am Freitag tagts im Germania- nnungshause die aus Meistern und Gesellen zusammengesetzte ommission, um über die von den Bäckergesellen gestellten Forde- rungen zu beraten. Vertreten waren die Arbeitgeber durch die Obermeister der beiden Berliner und Its Innungen der Vororre. Die Arbeitnehmer waren vertreten durch die Altgesellen derselben Innungen, sowie durch sechs Mitglieder des Väckerverbandes, darunter der Vcrbaudsvorsitzcnde Allmann-Hamburg. Außerdem waren drei Vertreter eines christlichen Verbandes der Bäcker und Konditorgehulfen anwesend.— H e tz s ch o l d, als Vertreter dcö Deutschen Bäckcrverbandcs, protestierte gegen die Zulassung der Vertreter des christlichen Verbandes. Ter christliche Verband sei eine ganz neue Organisation, entstanden aus dem Zusammenschluß verschiedener Vereine, die von den Meistern oder aus deren Be- treiben begründet seien und nur als Schützlinge der Meister cxi- stieren. Die Zeitung dcS Verbandes oder der Vereine werde auf Kosten der Innungen hergestellt. Diese Vereine seien selbst in den Initungszcitungcn als„Gesellenvereine der Mcistervereinch' be- zeichnet worden. Nach alledem könnten die Mitglieder des cht ist- lichen Verbandes nicht als Vertreter der Gesellen angesehen werdet', sie seien vielmehr Vertreter der Meisterintcressen und jedenfalls von den Meistern nur deshalb zu diesen Verhandlungen hinzugezogen worden, um angebliche Gesellenvcrtrctcr zur Stelle zu haben, die gegen die Forderungen des Deutschen Bäckcrverbandes auftreten. — Die Wortführer der Dieister ivandten dagegen ein. der chriir- liehe Verband habe ebenfalls Forderungen eingereicht, er sei de-Z- bald zu den Verhandlungen hinzugezogen worden. Nachdem über die Frage der Zulassung IVj Stunden diskutiert worden lvar, wurden aus Antrag der BerbairdSvertretcr die Forderungen der Christlichen kickannt gegeben. Sie lauten in der Hauptsache: Kostenloser Arbeitsnachweis, Abschaffung des Kommissionärwesens. Bei 1— 3 Gesellen soll einer, bei 3— C Gesellen zwei, bei ß und mehr Gesellen 3 von ihnen außer dem Hause des MeisterS Kost und Logis haben. Mindestlohn bei voller Kost Ist M. Für halbe Kost sind 3 M., für Kost und Logis 12 M. zu vergüten. Nach der Verlesung dieser Forderungen zogen sich auf Antrag Allmanns die Verbands Vertreter mit den Altgesellen zu einer turzen Besprechung zurück. Als Ergebnis derselben verkündet H e tz s ch o l d: Wir sind alle darüber einig geworden, daß die von dem christlichen Verband aufgestellten Forderungen nicht diskurabel sind. Sämtliche Altgesellen haben sich gegen diese Forderungen er- klärt, selbst diejenigen, die nickst dem Deutschen Bäckervcrbande an- gehören. Wir sind an den Beschluß unserer Versammlung gebunden, der dahin geht, nicht mit den Christlichen gemeinsam zu verhandeln. Wir möchte»! aber die Verhandlungen nicht scheitern lassen, denn es liegt uns sehr an einer Verständigung. Wir bleiben bei unserem Protest gegen die Zulassung des christlichen Verbandes, wir sind aber bereit zu verhandeln, aber nur unter der Bedingung, daß unsere Forderungen als Grundlage der Verhandlungen genommen werden. Wir möchten die Innungsvcrtretcr ersuchen, unsere» Forderungen ihre Gegenvorschläge gegenüber zu stellen, die wir unserer nächsten Versammlung vorlegen und dann weiter verhandeln können. Nach kurzer Gcschäftsordnungsdcbatte einigte sich die Kom- Mission dahin, daß die Forderungen des Deutschen Bäckervcrbandcs Punkt für Punkt beraten werden. Tie Verhandlungen begannen nun mit der Forderung: Ab- schaffung des Kost- und Logiswcsens.— H e tz s ch o l d begründete diese Forderung. Wischncwsky, der Vertreter der Christlichen, bezeichnete dieselbe als zu radikal. Diesen Standpunkt vertraten im allgemeinen auch die Meister. Die Sitzung, welche um 3 Uhr begonnen hatte, wurde um 8 Uhr vertagt, ohne daß auch nur dieser eine Punkt der Forde- rungen erledigt ivorden war. Die nächste Sitzung soll am Mitt- woch stattfinden. Ein Streik der Schmiede ist bei der Firma Schwartzkopff, Werk Scheringstraße, ausgebrochen. Von der OrganisationSlcitung wird uns darüber folgendes geschrieben: Bereits vor zirka einem Jahre hatten die Hammcrführer eine Lohnzulagc von 5 Ps. gefordert. Nach längeren Verhandlungen »vurde ihnen seinerzeit ein Pfennig zugebilligt. Jetzt haben die HainmerfüHrer diese Forderung erneut eingereicht, und da ihnen das Geforderte nicht bewilligt wurde, die Arbeit eingestellt. Es kommen zirka 1b Mann in Frage, wovon der eine, welcher zirka tzst Jahre in der Fabrik beschöftigt ist, 37 Pf. pro Stunde verdient, 2 weitere Kollegen, welche 18— 20 Jahre beschäftigt fi»d, erhalten'6 6 Pf., alle übrigen Kollegen jedoch nur 35 Pf. Ein Kommentar zu diesen Löhnen ist überflüssig. Es besteht in Berlin und Umgegend kein emziger Betrieb, wo die Hammcrführer derartig schlecht entlohnt werden. Es wurde von ihnen verlangt, daß sie bis Montag weiter arbeiten sollten,»vas sie ablehnten; sie haben lange genug gewartet. Die Arbeitsniederlegung hat bereits ivcitcrc Kreise in Mitleiden- schaft gezogen, indem fast alle Schmiede die Arbeit einstellen mußten, da sie ohne Hammcrführer naturgemäß nicht arbeiten tonnten und mochten. Wir ersuchen die Arbeiter des Werkes, von Vorstehendem Notiz zu nehmen. In der Schmiede darf kein HülfSarbeiter oder Hammcrführer Arbeit nehmen. Zcntralverband der Schmiede. Zahlstelle Berlin. Ter Streik in den Wagenfabriken dauert unberändcrt fort. Seitens des Berliner Gewcrbegcrichts waren die streitenden Par- tcicn vor das Einigungsamt geladen. Während die Arbeitnehmer ohne weiteres dazu bereit waren, lehnten die Arbeitgeber ab, indcin sie erklärten, sie wollten nichts mit den Vertretern der Organisationen vor dem EinigungSamt zu tun haben. In demselben Schreiben gaben sie bekannt, daß s i c sich c i n e O r g a- nisation geschaffen haben! Welch ein Widerspruch da- rin liegt, bemerken die Herren gar nicht. Im übrigen betonen sie, daß sie bereit seien, mit ihren eigenen Arbeitern zu verhandeln. Tic streikenden Arbeiter-haben nun beschlossen, auch diese in Wunsche nachzukommen mit der Maßgabe, daß diese Verhandlungen vor dem Einigungsamt stattfinden sollen. Die Situation ist nach wie vor eine äußerst günstige. Die Streikenden sind gewillt, den Lohnkampf nur mit Erfolg abzuschließen, da die Stimmung der Arbeiter eine ausgezeichnete ist. Die Arbeitgeber haben geglaubt, »oenn erst die Osterfeiertage vorüber seien, werden die Arbeiter de- und wehmütig zur Arbeit zurückkehren. Daran ist gar nicht zu denken. Die Arbeiter haben Zeit, noch mehr Zeit als die Arbeit- gebcr, welche zirka 8 Tage gebrauchten, um darüber schlüssig zu werden, ob sie vor dem Einigungsamt erscheinen sollen oder nicht. Dann allerdings erhielt die„Berliner Morgcnpost" erst den er- folgten Beschluß zugestellt, und danach erst das Einigungsamt. ilebcr allzuviel Anstand verfügen die Herren also nicht.— Zuzug ist nach wie vor streng fernzuhalten. Bretterträger n»d Brettschneider! Bei der Firma Hermann Laugsch. GreifSwalderstr. 84, sind Differenzen ausgebrochen. Der Platz bleibt für Organisierte bis auf weiteres gesperrt. Die OrtSvcrwaltung des Verbandes der Hafenarbeiter. Eine wahre Strrilpoftenjagd wird gegenwärtig von der Ehar- lottenburger Polizei inszeniert. Ms jagdbares Streikpostenwild dienen die auSstänvigen Schlosser der Firma Blume in der Schillerstraße. Allein am Donnerstag wurden daselbst nicht weniger wie 1ö Streikposten polizeilich fistiert, und am gestrigen Freitag waren bis 10 Uhr vormittags bereits wieder S Mann verhaftet. Wie gewöhnlich so wird auch jetzt den Posten zur Last gelegt, den Ver- lehr behindert zu haben. Selbstverständlich lasten sich'die Schlosser durch die Maßnahmen der Polizei in der Ausübung ihres gesetzlichen Rechts keinen Augenblick beirren. Wird ein Streikposten verhaftet. Perantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin, Inseratenteil verantw.: so tritt sofort ein anderer an sein« Stelle. ES ist ein eigenartiger Anblick für das Publikum, zu sehen, wie eine Verhaftung nach der anderen erfolgt. Prompt geht es den ganzen Tag vom Posten zur Wache und von der Wache wieder auf Posten. So arbeitet die Polizei an— der Aufklärung der Arbeiterschaft über ihre absolute Rechtlosigkeit! Der Stellmacherstreik iu Schönwalde ist zugunsten der Aus- ständigen beendet. Die Arbeitgeber bewilligen jetzt die Verkürzung der Arbeitszeit von 1t auf 10 Stunden pro Tag, ferner die Abschaffung der Akkordarbeit und ebenfalls die Abschaffung des Kost- und Logierwesens. EZ wurde sodann ein Mindestlohn von 40 Pf. pro Stunde vereinbart, der für leistungsfähigere Arbeiter sofort au 42'/� Pf. steigt. Diese Errungenschaften sind für die Organisation insofern von einiger Bedeutung, als fast die ganze Schönwalder Arbeit im Fertigprodukt sLcitem und Trittleitern) nach Berlin geht. OeutM,» Rcfcb. Arbeiter der Schwarzglasbranche. Achtung! In einer Bewegung zwecks Erringung geregelter Arbeits- Verhältnisse und besserer Löhne befinden sich die Schablonenschneider >md Zeichner Sachsens.— Es wird gebeten Zuzug streng fern- zuhalten._ Im Baugewerbe zu Jena ist ein Streik ausgebrochen. Wegen Lohnforderungen sind dort, wie uns ein Pri vatte leg ramm mitteilt, 180 organisierte Maurer und 70 Bauarbeiter in den Aus- stand getreten. Der Ausstand der Kaiarbciter und Segelmacher in Hamburg ist durch Vereinbarung beigelegt. Der Streik in der Hamburger KonfrktionSbranche wurde durch eine Verhandlung vor dem EiingungSamte beigelegt. Die Rhcinischc Gummi- und Zelluloidfabrik zu Mannheim hat auf die Lohnforderungen eines Teiles ihrer Arbeiter mit der Aussperrung der gesamten Arbeiterschaft geantwortet. 2000 Arbeiter find davon betroffen. Zlusland. Die Marmor- und Granitschleifcr Kopenhagens haben die A r b e i t niedergelegt, nachdem die Verhandlungen über eine neue Regelung ihres Tarifvertrages scheiterten. Der Ausstand der Pariser Postbeamten soll nach einer offiziösen Meldling beendet seilt. Die Weber von Manchester haben sich mit großer Mehrheit für einen allgemeinen Ausstand erklärt, falls die geforderte Lohnerhöhung von S Proz. nicht bewilligt loird. Die Katastrophe von San Francisco. San Francisco zerstört. San Francisco» 20. April. Die ganze Stadt ist rettungslos dem Untergang verfallen. Das Jener hat bereits das vornehme Biertel erreicht, wo die Paläste der Millionäre liegen. Alle diese Pracht- strnßen bilden jetzt ein einziges tobendes Flammen- und Nauchmecr. Diejenigen, die sich zuerst dort noch sicher glaubten, fliehen jetzt sinnlos vor Angst unter Zurücklassung all ihrer Habe auf die Hügel. In das innere Viertel wird niemand mehr zurückgelassen. Die Eigentumsbestie im Menschen wütet in den schauerlichsten Formen. In den eingestürzten Bankgcbäuden liegen Millionen Dollars in barem Gelde bloß. Dir dort aufgestellien Wachen schießen sofort jede sich nähernde unbekannte Person nieder. Aus den Trümmern der eingestürzten Häuser in der Market Street, der Hauptstraße der Stadt, wurden 000 Frauen gerettet. Unter der Einwohner- schaft tritt infolge Mangels an Schlaf und Wasser Wahnsinn auf; viele bleiben in einer Art Betäubung in ihren Häusern liegen und fliegen mit diesen, falls sie nicht von den Genietruppen bemerkt werden, bei der Aufsprengung in die Luft. In einem Umkreise von einem Hundertmeilenradius von San Francisco ist das Land von der Katastrophe heimgesucht. Die meisten Ortschaften sind beschädigt. Eine Depesche aus Los Angeles kündigt neue Erdbebens an. Die Häufer dort schwanken gleich Schiffen. In Tcnnessee, Utah und Nevada sollen heute ebenfalls starke Erschütterungen stattgefunden haben. Auch Eantarosa scheint völlig zerstört. Eintausend von den 20 000 Bewohnern der Stadt werden als tot gemeldet. San Jose sowie viele kleinere Orte sind furchtbar verwüstet, einzelne, wie Brawley» geradezu vom Erdboden verschwunden. Schrcckensszenrn in einem Krankenhause. Der Sonderberichterstatter der Daily Mail in Los Angeles meldet, daß sich die schrecklichsten Szenen bei dem Brande eines temporären Krankenhauses abspielten. Tie Maschinenhalle in San Francisco war in ein Krankenhaus verwandelt worden, um die Ver- mundeten aufzunehmen. Fünfzig Aerzte waren damit beschäftigt, einigen hundert Verwundeten ärztliche Hülfe zu leisten. Plötzlich kamen Polizisten und befahlen den Aerzten, die Patienten rasch hinauszutragen, da das Gebäude in Brand geraten sei. Eine Panik erfolgte. Alles rannte verzweifelt hin und her. Nach zehn Minuten war das ganze Gebäude in Flammen gehüllt. Viele Aerzte wollten die Patienten nicht verlassen und mußten gewaltsam fortgeschleppt werden. Dutzende von mutigen Männern drangen wiederholt in das brennende Gebäude ein, un� die hülflosen Ver- wundetcn zu retten. Alles vergebens. Die Mehrzahl der Ver- wundctcn tonnte nicht gerettet! werden und verbrannte bei leben- digem Leibe. Oakland, 20. April. Santa Rosa ist ebenfalls beim zweiten Erdstoße, welcher gestern nachmittag stattfand, vollständig zerstört worden. Die Zahl der Opfer übersteigt 1000. Andererseits wird durch ein amtliches Telegramm des Generals Funston mitgeteilt. daß der Badoort Terminal Island, zwanzig Meilen von Oatland entfernt, durch eine Springflut zerstört wurde. Die Zahl der Opfer ist noch nicht bekannt, jedenfalls aber bedeutend. 5000 Personen umgekommen. New Aork» 20. April. In San Francisco und den Vorstädten sind, wie„Western Union Telegraph Company" mitteilt, 5000 Per- sonen umgekommen. Der bis jetzt festgestellte Schaden wird auf 300 Millionen Dollar geschätzt, welche Ziffer stündlich steigt. Tie Hülfsaktion. New Jork, 20. April. Das ganze Land hat sich zur Hülfelcistung für San Francisco erhoben. Präsident Roosevelt veröffentlichte einen Aufruf zu Sammlungen durch Vermittelung der nationalen Rote-Kreuz-Gcsellschaft. Die Bürgermeister aller größeren Städte haben Geldsammlungen angeordnet. Obgleich sonach Millionen an Geld verfügbar sind, leidet San Francisco zunächst Hunger. Die Southernpacific-Eisenbahn hat einen Zug von 20 Wagen von Port- land in Oregon mit Aerzten, Pflegepersonal und 800 Zentnern Proviant abgesandt. Ein zweiter ähnlicher Zug geht heute mit zwei Wagen Kartoffeln und einem Wagen Brot von Salem in Oregon ab. Andere Städte senden Lebensmittel, Kleidung. Zelte und so weiter. New Aork. 20. April. Der Kongreß bewilligte eine Million Dollar als Untcrstützungsgelder. Das Schatzamt überwies den Notleidenden 10 Millionen Dollar. Einzelne New Dorkcr Häuser steuerten Beträge bis zu 75 000 Dollar bei. xh.Glpcktt Berlin. Druck u. Verlag: VorwärtSBuchdr.u.PxrlagSanstaU Hamburg, 20. April. Die Hamburg-Amerika-Linie hat an den Präsidenten Roosevelt eine Sympathiekundgebung gesandt und sich mit hunderttausend Man! an die Spitze eines HülfSkomitees für San Francisco gestellt. Washington, 20. April. Eine Depesche de» Generals Fmiston in San Francisco an das KriegSSepartcment desagt, eine Hungere- not scheine»nvermeidlich zu sein, denn alle großen Proviant- Häuser seien niedergebrannt. Rur energischste Maßnahmen der Außenwelt könnten die furchtbare Rot unter den 300000 Obdach- losen mildern. Die letzte Nacht sei für die Obdachlosen, die zumeist ohne Wasser und Nahrungsmittel feien, schrecklich gewesen. Washington, 20. April. Das Kricgsdepartement hat aus San Francisco ein von 5 Uhr 19 Minuten morgens datiertes Telegramm erhalten, nach dem das Feuer jetzt auch die Gebäude auf dem Telegraphen- Hügel ergriffen hat und man befürchtet, daß es alle Häuser bis zur Wasserseite zerstören wird. Auf der Van Rees Avenue und westlich derselben hat das Feuer die Octaviastraße erreicht und schreitet mit großer Geschwindigkeit fort. Um Mitternacht war daS Feuer im Enden von neuem ans- gebrochen und griff schnell um sich. Oakland, 20. April. In Napa hat das Erdbeben großen Schaden angerichtet. Die Zahl der Toten ist noch nicht bekannt. Aus den Orten Haldsbnrg, Kaiserville und Ukiah fehlt jede Nachricht, man befürchtet, daß auch diese Ortschaften zerstört sind. Meilenweit sind die Gleise zerstört. New Zork, 20. April. Das Feuer greift noch immer in San Francisco nach zwei Richtungen um sich, doch hat seine Heftigkeit nachgelassen, so dast man hofft, ein Biertel der Stadt retten zu können. Die Polizei hat Beschlag auf alle Unterstützungen au Lebensmitteln gelegt und teilt sie in sparsamer Weise an die Not- leidenden aus. Die Regierung hat den Armeeoffiziere» den Befehl erteilt, Nahrungsmittel in den Läden in Seattle und Los Angeles anzukaufen. Eine Million militärischer Rationen sind bereits nach San Francisco unterwegs. New Jork, 20. April. In San Francisco sind drei Unter- stützungsstationen zur Erquickung der Leidenden und Obdachlosen eingerichtet worden. Viele Leichen liegen noch unbeerdigt. Die Soldaten treiben mit dem Bajonett die Bürger dazu an, bei dem Begräbnis zu helfen. Jeder Bürger, der durch die Soldaten dazu befohlen ivird, ist verpflichtet, Gräber zur Aufnahme der Leichen wenigstens eine Stunde laug auszuheben. San Francisco, 20. April. Soldaten» welche die Münze be- wachen, erschossen heute vierzehn Personen wegen Raubversnches. Letzte rsfaebnebten und Dcpefcben, Die Antwort der Seeleute. Hamburg, 20. April. sPrivatdepesche des„Vorwärts".) Tie heutige Versammlung der Teeleute wies das Ansinneir der Reeder scharf zurück. Die Versammlung erklärte sich mit der bisherigen Streikleitung und dem Verbandsvorstand solidarisch und beschloß, den Kampf in verschärftem Maße fortzusetzen._ Forderung des Generalstreiks. Ron«, 20. April.(Privatdepesche unseres römischen Korrespondenten.) Die letzten Nachrichten über den Konflikt von Ealimara/sprechen von einem leichtfertigen und kopflosen Vorgehen der Truppen. Mehrere Partciscktionen und Arbeits- kammern sowie der sozialistische Stadtrat von Piombino fordern die Proklamierung des Generalstreiks für den kommenden Sonntag._ Der Breslaucr Metallarbeiterstreik. BreSla», 20. April.(W. T. B.) Die Metallarbeiter hielten heute vier Versammlungen ab, au denen etwa 5000 Personen teil-. nahmen. Beschlüsse wurden nicht gesaßt, eS wurde nur über die gestrigen Vorgänge Bericht erstattet und zur Ruhe und Ordnung gemahnt. Die Versammlungen verliefen in völliger Ruhe. Unglücksfall bei einer Marineübnng. Kiel, 20. April.(Wi. T. B.) Bei einer Sprengübung, die das Torpedoboot S 105 in der Stranderbucht heute vormittag"vornahm. erfolgte vorzeitig eine Explosion der Sprengkörper. Der Komman- dant des Bootes, Kapitänleutnant Pfeiffer, wurde schwer verlebt »nd verstarb aus dem Transport zum Marinelazarett. Ter Pariser Buchdruckerstreik. Paris, 20. April.(W. T. B.) Etwa viertausend ausständige Trucker und Setzer hielten heute morgen eine Versammlung ab, in der sie erklärten, das? sie den Ausstand bis zum Arußcrstrn durch- führen würden. Die Unruhen im französischen Kohlenrevier. LenS, 20. April. ib. 92. 23. M«. i. jpfildgt des ,|orniürtf Kerlimr iollioHst!. A. m wo« Das Verbrechen von Courriöres. Der Bergariciterausstmld. Ueber die Begleiterscheinungen der AusstandSbelvegung werden teilweise offensichtlich übertriebene, bielleicht gar reine Phantasie- Nachrichten verbreitet. In den Schilderungen über Zusammenstöße zwischen Zivilisten und der bewaffneten Macht liest man seltsamer- weise immer nur von Verletzungen der Bewaffneten. Gerade als ob die Soldaten und Gendarinen, Hahn und Säbel in Ruhe, sich geduldig den Steinwürfen preisgeben und sich mit Fäusten verhauen laffen. Ueber solche Stimmungsbilder braucht man sich allerdings nicht zu wundern, wenn man die Quellen kennt. So meldet„W. T. B." aus Paris: Die Berichte der konservativen und nationalistischen Blätter stellen die Lage im Kohlengebiete fortdauernd als sehr bedenklich dar. Man befürchtet besonders in Denain und Valenciennes sehr ernste Zusammenstöße zwischen den Truppen und den?lus- ständigen, da auf beiden Seiten die Erregung eine außerordent- lichc sein soll. Gerüchtweise verlautet, daß über die genannten Qrtschaften der Belagerungszustand verhängt werden soll. Man wird daher alle Meldungen mit einer gewissen Skepsis genießen müssen. Es liegen folgende Nachrichten vor: Paris, 20. April. Wie aus Denain gemeldet wird, hatten auch gestern nachmittag fünf- bis sechstausend Ausständige Barrikaden errichtet. Die Fabrikgebäude der Gesellschaften in Denain und Anzin werden belagert und die Ingenieure und alle Angestellten sind in ihnen eingeschlossen. Die Arbeit mutz voll- ständig niedergelegt werden. Es heitzt, daß die Regierung sich veranlaßt sehen wird, den sozialistischen Deputierten Basly des Postens als Bürgermeister von LenS zu entheben. Minister Clemenceau hatte in Denain eine Unterredung mit Vertretern der Ausstänoigcn, die die Zurückziehung der Truppen verlangten. Clemenceau erwiderte, er könne diesem Wunsche angesichts der von den Ausständigen begangenen Ausschreitungen nicht will- fahren, die Regierung wolle aber nochmals die Bergwerksgesell- schaftcn ersuchen, die Forderungen der Streikenden mit Wohl- wollen zu prüfen. Lcns. 20. April. Der Minister des Innern. Clemenceau, traf heute vormittag wieder hier ein und besuchte eine Anzahl von Grubenarbeitern in ihren Wohnungen und nahm ihre Be- schwerden entgegen. Der Minister versammelte sodann die Direktoren der Grubengesellschaft um sich und ließ sich Angaben über die den Arbeitern bewilligten Verbesserungen machen, da er befürchtete, daß die Arbeiter die Grubendirektoren mißverstanden hätten. In einer zweiten Zusammenkunft, die heute nachmittag stattfinden wird, soll ein Aufruf an die Arbeiter und die Bc- völkcrung verfaßt werden. Lens, 20. April. Eine Bande von Ausständigen plünderte heute vormittag auf dem Markte des an der Straße nach Vieux- Condc gelegenen Ortes Cantin die Eier- und Fischkörbe und schleuderte Steine nach den benachbarten Häusern. Als die Soldaten, die zugegen waren, Verstärkung erhielten, ergriffen die Ausständigen die Flucht, wobei sie mit Steinen warfen. In der Nacht trafen neue Truppen hier ein. Minister Eticnnc kam heute vormittag ebenfalls hier an und verteilte an die Offiziere, Soldaten und Gendarmen, die Verwundungen davongetragen haben, Auszeichnungen. Auf den Sarg des vorgestern getöteten Leutnants Lautour legte der Minister das Kreuz der Ehren- Icgion nieder. Lens, 19. April. Der Tag ist hier ruhig verlaufen, nur in der Umgegend sind einige Zwischenfälle zu verzeichnen. Bei Sallaumincs haben die Ausständigen eine Patrouille angegriffen, die von ihren Schußwaffen Gebrauch machte. Drei Gendarmen sind leicht verletzt.(I) Außerdem kamen»och einige andere Zu- sammcnstöße vor, doch wurden die Ausständigen überall ausein- ander getrieben. Paris, 20. April. Wie die Blätter aus Lens melden, hatten mehrere Hunderte von Ausständigen den Plan gefaßt, den Kam- Mandanten der Truppen im Strcikgcbietc. General Jaquclct, der sein Hauptquartier am Bahnhof hat. gefangen zu nehmen, doch wurde dieser Anschlag durch die starke Besetzung der ZufahrtL- straßen mit Militär vereitelt. Lille, 20. April. An der Grenze wurden gestern belgische, In französischen Bergwerken beschäftigte Arbeiter trotz der ihnen zun, Schutze beigegebenen Gendarmen von französischen Aus- ständigen mißhandelt. Auf belgischem Gebiete an der Grenze ansässige Kaufleute suchten um Schutz durch Gendarmerie nach, weil sie Plünderung ihrer Läden befürchten. Billy Montiguy, 20. April. Tie Zusammenstöße zwischen Truppen und Ausständigen erneuerten sich gestern abend. Die Truppe» wurden fortwährend von den Ausständigen mit Steinen und Flaschen bombardiert. Lille, 20. April. Heute morgen kam cS zwischen Dragonern und Ausständigen, die»ach Haveluy gingen, zu einem Zusammen- stoß. Die Ausständigen schleuderten Wurfgeschosse('<) auf die Dragoner, die absaßen und Karree bildeten. Ein Dragoner ist tödlich verletzt, zwei andere werden vermißt. Man befürchtet neue Unruhen. Lens, 20. April. Heute morgen fand dw fererliche Beisetzung des Leutnants Lautour statt. Der Trauerfeicr wohnten die Minister Clemenceau und Eticnne bei. Der Kriegsministcr brachte die ehrerbietige, schmerzliche Hochachtung der Regierung vor Leutnant Lautour zum Ausdruck. Also die Soldaten machen von der Schußwaffe Gebrauch— Gendarmen werden verletzt! Soldaten bildeten Karree,— ein Dragoner wird tödlich verwundet, zwei werden vermißt?-- Unter solchen Umständen wäre cS doch vernünftiger, die Soldaten zurück- zuziehen, anstatt sie noch weiter wegfangcn uird verwunden zu lassen._ Der 12. Parteitag der somtdemokratischen Arbeiter- partei Hollands. Utrecht. 17. April 190«. Zweiter Tag.(16. April.) Nach dem Berichte des Parteivorstandes kam eS zu einer Debatte über dessen Verhalten bei den Kammer-Etichwahlen.— Der vorige Parteitag hatte einen Beschluß angenommen, demzufolge bei Stich- wählen nur Befürworter des allgemeinen Wahlrechts unterstützt werden dürfen. Dementgegen hatte der Parteivorstand nach dem ersten Wahlgange den Parteigenossen anheimgestellt: da wo nur Gegner des allgemeinen Wahlrechts zur Stichwahl standen, nach eigenem Ermessen zu handeln! So wurden die Liberalen allenthalben unterstützt und die klerikale Regierung mit Kuypcr an der Spitze fiel.. � Pannekoek- Lehden tadelte die Haltung des Parteivorita»des und des Parteiorgans„Het Volk" in dieser Frage. Skach längerein Für und Wider billigte der Parteitag das Berhaktcn des Partei- Vorstandes— ohne Abstimmung. Roch schärfer war der Konflikt zwischen dem Parteivorstand und der Kammerfrattion auS Anlaß der Agitation gegen das Arbeits- kontraktsgefetz.(Wir haben über diesen Konstikt in der Rummer vom 18. März dieses JabreS berichtet.) Die Diskussion über diese leidige Angelegenheit dauerte fast einen ganzen Tag mid endete mit der An- nähme folgender Resolution: „Der Parteitag erklärt sich— nach Anhören der Diskussion über daS Verhalten der Kammerfraktion zur Sache des Arbeits- kontrakts und nach Anhören der Erklärniigen des Parteivorstandes und der Kammerfraktion— mit dein Verhallen des Partei- Vorstandes gegenüber dem Agitationskomitee solidarisch." Wie ausdrücklich erklärt wurde, soll die Annahme dieser Resolution keinen Tadel gegen die Kammerfraktion bezwecken. Im Auftrage der am ersten Kongreßtage ernannten„Kom- Mission für Taktik und Organisation" erstattete Vliegen Bericht: Er konstatierte mit Bedauern die Zwistigkeiten, die in de» letzten Jahren in der holländischen Partei Platz gegriffen haben. Er führt die Spannung auf das Verhalten der Genossen der Richtung „Nicuwe Tyd"(wissenschaftliche Monatsschrift der holländischen Partei) zurück, die sich als„Partei- und Prinzipienretter" aufgespielt hätten.(Gorter, van der Goes, Noland-Holst, Pannekock, Mendels u. a. m.) Im Austrage der Mehrheit der Kommission(Troelstra, Vliegen, Schaper, Tak) unterbreitete der Referent dem Parteitage folgende Resolutionen: � „In Erwägung, daß die Sozialdemokratie in Wesen und Endziel der bürgerlichen Gesellschaft gegenübersteht, ober den Klassenkampf führt mit Mitteln, welche ihr diese Gesellschaft selbst bietet, während sie nach politischen und sozialen Reformen zur größeren Wehrbarkeit der Arbeiter strebt! in Erwägung, daß hieraus hervorgeht, daß die Partei aus verschiedenen Elementen besteht, wovon das eine mehr Gewicht legt auf die theoretische und prinzipielle Propaganda, während das andere seine Tätigkeit mehr der Aktion für direkte Reformen und der Umgestaltung der Wirklichkeit in der Richtung unseres Prinzips zuwendet; erwägend, daß beide Elemente notwendig sind für die Befreiung des Proletariats, daß sie also in guter Kameradschaft zusammenarbeiten müssen; erklärt sich der Parteitag gegen jedes Streben, diese not- wendigen Aeutzerungen der sozialistischen Bewegung mit einander in Gegensatz zu bringen, die Bedeutung der einen Richtung auf Kosten der anderen zu überschätzen und die Einheit der Partei zu untergraben." � „Erwägend, daß seit einigen Jahren in der Partei die Er- scheinung zu konstatieren ist, daß systematisch gewissen Partei- genossen der Stempel der Prinzipienschwäche, des Opportunismus, Revisionismus usw. durch andere Parteigenossen aufgedrückt wird, die sich insbesondere berufen und verpflichtet fühlen, die Partei vor „Verwässerimg", vor Abweichung von dem durch das Prinzip vor- geschriebenen Wege zu beschützen; in Erwägung, daß diese Erscheinung Widerstand provoziert hat auf der anderen Seite, welche sich ebenso verletzender Oualifi- kationen bedient; in Erwägung, daß infolgedessen die Einheit der Partei in Gefahr gerät, bedauert der Parteitag den Mißbrauch der Kritikfreiheit, welche Freiheit in unserer Partei über jeden Zweifel steht, und legt er allen Parteigenossen die Pflicht auf, die Kritik innerhalb solcher Grenzen zu halten, daß die Genossen ihre gegenseittge Gleichwertig- keit und die Einheit der Partei hochhalten." Resolution III(von der gesamten Kommisston unterzeichnet) fordert den gesetzlichen Zehnstundentag nebst Uebergangsbestimmungen zum Neun- und Achtstundentag, ferner Abschaffung der Nachtarbeit, Erweiterung des Kinderschuhes. Resolution IV fordert den Parteivorstand auf, eine Reorganisation der Parteileitung vorzubereiten.— Resolution V beauftragt den Parteivorstand, das Verhältnis des wissenschaftlichen Organs zur Partei zu untersuchen und dem nächsten Parteitage entsprechende Anträge zu unterbreiten.(Die„Nieuwe Tyd" ist zurzeit noch Privateigentum einiger Genossen!) Gorter(Mitglied der M i n d e r h e i t der Konnnission) be- kämpft die Parteitaltik der Richtung Troelstra-Vliegen-Schaper, die zu nahe an die bürgerlichen Parteien heranführe.— Im gleichen Sinne spricht van der Goes. Troelstra polemisiert gegen van der Goes und empfiehlt die Annahme der Resolutionen der KommissionSmehrheit.— Frau R o l a n d- H o l st wendet sich scharf gegen die Resolution Nr. II. Die Minderheit der Kommission beantragt nunmehr: Den ersten und zweiten Satz der Rcsolnlion Nr. II durch folgende Worte zu ersetzen: „In Erwägung, daß im Kampfe, den die Parteigenossen beider Richtungen dann und wann gegen einander führen(alle in der lleberzeugung, daß ihre Richtung am meisten zum Heile der Partei dient) und daß die Grenzen der kameradschaftlichen Kritik bis- ivcilcn ans beiden Seiten überschritten worden..(Rest der Resolution wie oben.) Dieser Antrag der Minderheit wird mit 130 gegen 62 Stimmen (bei 25 Enthaltungen) abgelehnt. Die Mehrheitsresolntion Nr. II wird mit großer Majorität an- genommen.— Die Resolutionen Nr. I. III und V werden ein- stimmig, Resolution IV gegen wenige Stimmen angenommen. Der Parteitag beschloß, nachdem Genosse Tak als Haupt- redaktcur von„H et V o l k" seine Entlassung genommen hat, auf Antrag der gesamten Redakteure von„Het Volk" keinen neuen Hanptredakteur anzustellen, sondern eine kollektive Redaktion einzu- führen. Nach Erledigung einiger minder wichtiger Anträge wurde der Parteitag geschlossen._ 6. Verbandstag der Sattler in Dresden. Donnerstag, 19. April 190«. Vor Eintritt in die Tagesordnung erinnert Schulze- Berlin als Vorsitzender des Verbandstages daran, daß Jgnaz Auer heute seinen 60. Geburtstag feiere. ES sei ein Berufskollege, der in früheren Jahren außerordentlich viel für den Verband geleistet, jetzt als langjähriges Mitglied des Parteivorstandes zum Wohle der Gcsamtarbeitcrschaft wirke, und er halte die Absendung eines Glückwunschtelegramms für angebracht. Einstimmig wird demgemäß beschlossen. Von den bis heute währenden Siatutenberatuiige» wollen wir lediglich die Staffelungen der einzelnen Unterstützungssätze kurz skizziere»: ES wird Reiseunterstlltzuug bezahlt 1 M. pro Tag und zwar bei einer Milgiiedichaft von 52 Wochen auf die Dauer von i2 Tagen, bei 156 Wochen 52 Tage und bei 260 Wochen 63 Tage. Arbeitslosenunterstützung gibt eS 42 Tage lang und zwar bei einer Mitgliedschaft von 52 Wochen 1 M., bei 156 Wochen 1,25 M., bei 260 Wochen 1.50 M. Kranlemmterstiitzimg wird gleichfalls 42 Tage lang gezahlt und zwar bei einer Mitgliedichaft von 52 Wochen 1 M., bei 156 Wochen 1,25 M. und bei 260 Wochen 1,50 M. Bei der Beerdigungsbeihülse bleiben die alten Sätze in Kraft. Diese beträgt beim Tode des Mitgliedes selbst nach einer Mitglied» schaft von 52 Wochenbeiträgen 30 M., bei 104 Wochen 40 M., bei 156 Wochen 50 M. Beim Tode der Frau eines Mitgliedes werden nach den gleichen Karenzzeiten gezahlt: 15 M.. 20 M,. 25 M. Beim Tode eines KindeS unter 14 Jahren werden gezahlt: 13, 15 oder 20 Mark. Gemaßregeltenunterstützung wird nach denselben Sätzen wie Streikunterstützung behandelt. Sodann zahlt der Verband noch Beihülse zu Umzugskosten, solvie llnterstütziiiig in besonderen Not- fällen. Reise-, Arbeitslosen- und Krankcnuntcrstützung wird zusannnen- gezählt. Das neue Statut tritt am 1. Juli d. I. in Kraft. Punkt 5 der Tagesordnung:„Errichtung eines Zentral-Arbeits- nachweise»" wird in Anbetracht der vorgeschrittene» Zeit abgesetzt. Punkt 6:„Bericht vom Gewerkschaftskongreß" wird nach einer Erklärung Blum«, daß die Sattler bezüglich der Maifeier sich selbstverständlich den gefaßten Beschlüssen anvassen, bezw. dieselben beachten werden, sowie unter dem Hinweise auf die zu Punlt 1 gepflogenen DiSkusstnaen imd die Berichte der Tages- presse als erledigt betrachtet und gleichfalls von der Tagesordnung abgesetzt. Im Anschluß daran bessimmt noch die Generalversamm- lung, daß der nächste Gewerkschaftskongreß seitens des Verbandes von zwei Delegierten beschickt werden soll und zwar soll der Zentral- vorstand einen und die Verwaltungsstelle jener Stadt, in tvelcher der Gewerkschaftskongreß stattfinden wird, den zweiten Delegierten stellen. Zu Punkt 7: Wahl der VerbandSleitung wird zunächst beschlossen, zwei besoldete Beamte anzustellen und das Gehalt für den ersten Vorsitzenden auf 2400 M., für den Hauptkassierer auf 2000 M., jährlich um 100 M. steigend bis 2300 M., und für die Gauleiter auf 1800 M. festgesetzt. Änzustellende müssen mindestens drei Jahre politisch und fünf Jahre gewerkschaftlich organisiert sein. Da S a s s e n b a ch wegen anderweiter Hindernisse auf eine Wiederwahl als erster Vorsitzender verzichtet hat, wird Blum als erster Vorsitzender und Redakteur der„Sattler- Zeitung" gewählt und S a s s e n b a ch als zweiter Vorsitzender. Als Hauptkassierer wird M ii n t n e r« Berlin und als Vorsitzender des AilsschusseS H a ck e l- husch- Berlin gewählt, der dieses Amt auch bisher bekleidete. Beim letzten Punkt der Tagesordnung:„Anträge und Lcr- schicdenes" entspinnt sich eine längere Debatte über die Frage des Zusammenschlusses mit verwandten Verbänden zu einem allgemeinen Ledcrarbeiter-Verbande. Es kämen bei einem solchen Industrie- verbände in Betracht die Zentralverbände der Handschuhmacher, Lederarbeiter, Saltler, Schuhmacher und Portefeuiller. Der Zug der Zeit treibt offensichtlich zu einem engeren Zusammenschluß, und in den großen Lederfabriken Rheinland-WestfalenS hängt es rein vom Zufall ab, ob sich einer der in Betracht kommenden Arbeiter bei den Lederarbeitern oder Sattlern usw. orga- nisiert. Der immense Nutzen eines Zusammenschlusses wird allseitig anerkannt, doch von einzelnen Seiten der jetzige Zeitpunkt noch als nicht ganz spruchreif betrachtet. Mit Recht wird aus da« ähnliche Vorgehen der Metall« und Holzarbeiter hingewiesen, das zu einer gewaltigen Hebung der Organisationen geführt habe. Durch eine solche Verschmelzung ließe sich daS llebel der Hausindustrie bei den Portefemllern, sowie das Kost- und Logiswesen bei den Schub- machern und manches andere viel leichter und mit mehr Aussicht auf Erfolg bekämpfen. W e i n s ch i l d- Offenbach als Vertreter des Portefeuillerverbandes spricht sich in dem Sinne aus, daß er der BerschmelzilNgSftage sympathisch gegenüberstehe, doch würde es noch einer gewissen Zeit bedürfen, um alle Fragen gründlich zu ventilieren. Auch könne nur eine Angliederung als selbständige Sektion in Frage kommen. Auf Antrag Schulze wird ein vorliegender Antrag Görlitz in folgender Fassung angenommen, und zwar einstimmig: „Die 6. Generalversammlung des Verbandes der Sattler beauftragt den Zentralvorstand, in absehbarer Zeit die Zentral- vorstände der Handschuhmacher-, Lederarbeiter-, Sattler«, Schuh- macher- und Portefeuiller- Verbände zu einer Konferenz eiuzu- berufen, um eine Aussprache zwecks Gründung eines allgemeinen Lederarbeiter-Jndustrieverbandes herbeizuftihreii." Die nächste Generalversammlung findet in Köln a. Rh. statt und soll tiiiilichst zwischen Ostern und Pfingsten abgehalten werden. Als Diätensatz werden 3 M. täglich bestimmt, ohne Nachtlogis 6 M„ dazu werden als Lohnausfall im Minimum 5 M. täglich be- stimmt; sofern größerer Lohnausfall vorhanden, wird natürlich dieser ersetzt. Eii, Antrag, welcher den Zentralvorstand beauftragt, 1908 über Erwerbsverhältnisse im Berufe sowie im Zusammenhang damit ciue Wohiiungsenqnete vorzunehmen, wird dem Vorstande als Material überwiesen, desgleichen verschärfende Bestimmungen bezüglich der Behandlmig gewesener Streikbrecher im Falle der Wiederaiimckdimg zun, Verbände. Diejenigen znreisenden Kollegen, die unter Umgehung des Arbeits- Nachweises bereits mit einer Stellung in der Tasche im Orte ein- treffen, gehe» der Reisennterstütziing verlustig. Nach Erledigung einiger für die Oeffentlichkeit minder wichtiger Anträge wird die Generalversammlung mittags nach den üblichen Dankes- und Schlußworten des Vorsitzenden und der Gäste mit cinei» Hoch auf den Verband und die moderne Arbeiterbewegiiug geschlossen,_ Soziales. Bcrschlimnicruiig eines schon vorhandenen RückenmarkSlriden durch eine Quetschung der linken Hand als mittelbare Unfallfolge. Der Weitzsieder Karl F. hatte sich in einer Pianofabrik am 16, August 1004 eine Quetschung der linken Hand dadurch zugezogen, daß er infolge Ausgleitens zur Erde fiel und hierbei mit der linken Hand gegen einen Kasten schlug. Am anderen Tage mußte er ärztliche Behandlung aufsuchen und wurde während 13 Wochen von, SanitätSrat Dr. S. behandelt. F. konnte die Arbeit nicht wieder aufnehmen und stellte bei der B c- r u f S g e n o s s e n s ch a f t der M n s i k i n st r u m e n t e n- I u« dnstrie den Antrag ans Nenteneiitschädigimg. Er wurde indesteii damit abgewiesen:„da ein Betriebsunfall nicht erwiesen sei." F. wandte sich nunmehr an das Berliner Arbeitersekretariat. Der von dem Sekretär L. gegen den Ablehnuiigsbescheid eingelegten Berufung beim Schiedsgericht für Arbeiterversicherling Berlin wurde stattgegeben. F. wurde auf Veraiilassuiig des Schiedsgerichts von dessen Vertrauensarzt Sanitätsrat Dr. K. untersucht. Dieser stell!.- außer der Fingerverletzung ein altes Nervenleiden(Rückenmarkleidcn, das nach der Ansicht des Arztes schon vor dem fraglichen Unfall b- standen haben müsse, fest. Ob der Unfall, wie ihn F. erlitten Hab., geeignet sei, eine Verschlimmerung des Rückenmarkleidens zu br- tvirken, darüber wolle er sich nicht äußern. Diese Frage müsie von einem Ncrvenspezialisten gelöst loerden. DaS Schiedsgericht hörte nunmehr den Nervenarzt Privatdozenten Dr. Sch. über die Frage des ursächlichen Zusammenhanges. Der Gutachter stellte eine Krankheit fest, deren Wehen durch das Bestehen von„spastische» Zähmungen" und das gleichzeitige Bestehen von Degeneration von Muskelatrophien charakterisiert ist. Diese sogenannte amyotro- phische Lateralsklcrose beruht auf einer gleichzeitigen Erkrankung des Gehirn? und des Rückenmarks. Ueber de» ursächlichen Zusammenhang äußert sich der Giitachtcr dahin— daß, da nach den neueren Forschungen der Wissenschaft durch peripherische Berletzungen Krankheilen des Rückenmarks ent- stehen können und der Verletzte bis zu seinem Unfalltage trotz seines Leidens gearbeitet hat— mit ausreichender Wahrscheinlichkeit die Verschlimmerung des RückenmarkleidenS durch die Verletzung der linlen Hand angenommen werden müsse. DaS Schiedsgericht nahm darauf au, die direkten Folgen des Unfalls beständen allerdings nur in einer leichten Berdickiing des Grundgelcnks des linken Mittel- fingerS; dagegen sei indes bei demKläger das schon seitJahrenbestcheude Nervenleiden, welches ihn in nennenswerter Weise bisher in seiner Erwcrbsfähigkeit nicht behinderte, wesentlich verschlimmert worden. so daß F. seit dem 16. November 1904 als völlig erwerbS- unfähig angesehen werden müsse. Die Berussgenossen- schaft wurde verurteilt, dem Kläger die Vollrentc zu zahlen. Die B e r u f s g en o ss en s ch a ft legte gegen diese Eni- schcidung Rekurs beim Aeichsversicheruiigsauit ein; sie bestritt, daß überhaupt ein Unfall im Bei riebe vorliege, vor allem aber, daß der ursächliche Zusammenhang zwischen dem seit Fahren bestehenden Nervenieiden und der geringfügigen Brrlctzuiig gegeben sei." Das ReichSversicherungSamt erhob zunächst Beweis über die Arbeitsleistungen deS F. vor dem Unfall; dieselben ergaben, daß F. bis zum Unfalltage— weim auch nur mit leichten Arbeiten beschäftigt, so doch dauernd gearbeitet hatte.(Arbeiten, die von einem 14 jährigen Burschen ebenso gut hätten verrichtet werden können, fügte der Arbeitgeber hinzu: nur weil F. schon 20 Jahre im Geschäft gewesen sei habe man ihn behalten.) Darauf wurde ein ärztliches Okergutachten vom Mcdizinalrat Dr. L. ein- f Die Entfaltung der amerikanischen Rübenznckcrindustrie hat in gefordert. Dieser Gutachter weicht in der Diagnose von dem Privat- den letzten fünf Jahren ganz beträchtlich zugenommen. Im Jahre dozenten Dr. Sch. ab. In diesem Falle, sagt er. handle eZ sich um die durch„SpannungSzustände gekennzeichneten und oft sehr langsam vcr laufenden„spastischen Spinallähmnngen", d. i.„Rückenmarkslähmnng mit Muskelspannung." Die von dem Privatdozcnten Dr. Sch diagnostizierte Krankheit verlaufe in einigen Jahren tödlich. Für die Beurteilung der Frage sei dies aber von untergeordneter Be deutung, denn beide Krankheiten haben ihren Sitz im Rückenmark und die, ziemlich allen Krankheiten dieser Sphäre gemeinsame Mög lichkeit einer wesentlichen Beeinflussung ihres Verlaufs durch Unfälle sei im Einzelsall auch überall ungefähr aus den gleichen Gesichts punkten zu beurteilen. Der Gutachter gelangt dann nach eingehender Begründung zu dem Ergebnis: „datz das Rückenmarkleiden des Klägers keine Unfallfolge ist, durch den Unfall vom 16. August 1304 indessen wesentlich v e r s ch l i m m e r t wurde und F. durch diese Unfallfolge völlig crwerbs unfähig geworden ist." Der erkennende Senat des R.-V.-A. wies darauf den Rekurs der Genossenschaft zurück. In den Gründen der Rekursentscheidung heißt es unter anderem:„Das R.» V.-Ä. hat keine Bedenken getragen, zunächst� dem Schiedsgericht darin beizutreten, daß der von dem Kläger behauptete Unfall bei dem Betriebe ausreichend wahrscheinlich g e macht ist, wiewohl Zeugen des Unfalls nicht vorhanden sind, dem Arbeitgeber von einem solchen aus nichts bekannt geworden und der Unfall von dem Kläger nicht rechtzeitig angemeldet worden war. Müsse somit der Betriebsunfall des Klägers vom 16. August 1904 für überzeugend wahrscheinlich erachtet werden, so konnte das Rekursgericht auf Grund des von ihm beigezogenen Gutachtens des Med.-R. Dr. L. in Berlin, eines auf dem Gebiete der Nervenkrank heitcn als besonders erfahren und zuverlässig geltenden ärztlichen Sachverständigen, auch fernerhin kein Bedenken tragen, dem Schieds- gericht auch darin beizutreten, daß durch diesen Unfall das bereits bestehende Leiden des Klägers eine wesentliche Verschlimmerung er- fahren hat dergestalt, daß der Kläger seit dem Unfall als völlig erwerbsunfähig gelten muß. Denn wenn auch die gehörten beiden Nervenärzte in der Beurteilung des Leidens des Klägers auseinander gehen, so nehmen doch beide übereinstimmend einen mittelbaren ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Unfall und der seit diesem eingetretenen Verschlimmerung des bereits unabhängig von diesem Unfall vorhanden gewesenen Leidens bis zur völligen Erwerbsunfähigkeit an. Eine Kürzung der dem Kläger nach dem Gutachten der ärzt lichen Sachverständigen zustehenden lliente für völlige Erwerbs Unfähigkeit vermag auch der Umstand nicht zu rechtfertigen, daß nach dem Zeugnisse des Vertreters des Arbeitgebers der schon vor seinem Unfall in feiner Erwerbsfähigkeit erheblich beschränkte Kläger den vollen Tagekohn eines unverletzten gleick, artigen Arbeiters in dem letzten Jahre vor dem Unfall nur vergünstigungsweise erhalten hat, obwohl die von ihm geleistete Arbeit bei weitem nicht diesem Lohn entsprach. Denn nach Z 10 des G.-U.-V.-G. ist die Rente nach Maßgabe desjenigen Jahresarbeitsverdienstes zu berechnen, den der Verletzte während deS letzten Jahresseiner Beschäftigung indemBetriebe an Geyalt oder Lohn bezogen hat. Der Gesetzgeber ist hierbei von der Erwägung ausgegangen, daß die Erwerbsfähigkeit eines gewerblichen Arbeiters sich in der Regel in der Höhe seines Lohnes ausdrückt dergestalt, daß einer verminderten Erwerbsfähigkeit auch ein ge ringerer Lohn entspricht. Verwirklicht sich aber diese Erwartung des Gesetzgebers im einzelnen Falle nicht, so muß gleichwohl die Berechnung deS JahresarbcitsverdiensteS nach der angegebenen Vor� schrift erfolgen, da die besonderen Gründe, die ausnahmsweise für eine andere Bemessung des Lohnes maßgebend waren, grundsätzlich nicht zu berücksichtigen sind. Mit Recht hat das Schiedsgericht den Jahresarbeitsverdienst von 1130,40 Mark der Berechnung der Rente zugrunde gelegt." Damit ist dem Verletzten sein Recht auch in der letzten Instanz geworden. Der Fall lehrt aber, wie schwer häufig der ursächliche Zusammenhang zwischen Unfall und Verminderung der Erwerbs- fähigkcit zu beweisen ist und lo i e dringend notwendig eine s o f o r t i g e M e l d n n g auch d e r g e r i n g f ü g i g st e n Verletzungen ist, da schwere Folgen eines scheinbar gleich- gültigen Unfalls sich oft erst nach geraumer Zeit bemerklich machen. Em Induftne und F>andeU Bndische Anilinfabriken. Das erste Jahr der Jntercssengemeiw schaft mit den Farbenfabriken Elberfeld war von Vorteil, eS kann eine um 3 Proz. höhere Dividende verteilt werden. Im Vergleich zum Vorjahre ergeben sich folgende Ziffern: 1904 14 875 578 M. 1 256 305„ 3 626 063„ 450 000„ 4 607 339„ 4 840 000„ 24 1 033 947 M. Rohüberschuß..... Dazu Zinsen und Vortrag Allgemeine Unkosten.. Anleihezinsen..... Abschreibungen.... Dividende...... in Proz... Tantieme...... M. 1905 16 228 901 1 222 550. 4 094 298„ 450 000„ 4 423 825„ 5 670 000„ 27 1 278 510 M. Aus dem Vermögensausweis seien folgende Ziffern herbor- gehoben: das Aktienkapital beträgt 21 Millionen Mark, die Anleihe 10 Millionen Mark. Diesen Summen steht nach der letzten Bilanz eine Reserve in gleicher Höhe des Aktienkapitals gegenüber. Die Anlagen stehen mit 29 492 170 M. zu Buche. Der Bestand an bar, Wechseln und Bankguthaben erhöhte sich nach der vorigen Bilanz um 7% Millionen Mark auf 13 217 849 M. Das Wertpapicr konto weist 1 169 519 M. aus. An Außenständen sind gebucht 15 810 329 M. gegen 13 610 140 M. in der vorjährigen Uebersicht Die laufenden Verbindlichkeiten beziffern sich auf 4 390 163 M. Der Vermögensstand ist geradezu glänzend i mit gewaltigen Rückstellungen wird der Gewinn herabgedrückt. Trotzdem wurden noch glänzend' Gewinne verteilt und die Tantiemenempfänger dürfen auch zufrieden sein. Rechnen wir zu diesen alle Direktoren, Prokuristen nnd Auf- fichtSräte, so entfällt auf den Kopf ein Betrag von fast 40 000 M. Die Zellstofffabrik Waldhof in Mannheim erzielte im verflossenen Jahre einen Bruttogewinn von 4 434 100 M. 20 Prozent Dividende gelangen zur Verteilung, 1 181 523 M. werden auf neue Rechnung vorgetragen. Gewinnsteigerung. Die Gewerkschaft„Königin Elisabeth" schloß daS I. Quartal mit einem Betriebsüberschuß von 515 929 M. ab, gegen 212 712 M. im I. Quartal 1905. Die vorjährige Quartals- ausbeute belief sich auf 100 000 M., diesmal werden 250 000 M. verteilt. Vom Sviritusring. In Süddeutschland sind mehrere Sprit- fabrikcn schon seit einiger Zeit an der Arbeit, eine besondere Ver- eimgung als Gegengewicht gegen den Spiritusring zu schaffen. Obwohl im allgemeinen in Nord und Süd die Spirituserzeugung gleiche Interessen hat, ist doch insofern ein Gegensatz vorhanden, als Norddeutschland die Ueberproduktion für sich in Anspruch nehmen kann, also an den Ringopfern auch Süddeutschland teilnehmen läßt. Nnd von denjmrch die Neberproduktion bedingten Lasten wollen die süddeutschen Spritfabriken sich befreien und finden mit ihrem Plan nim auch vielfach bei den Brennern Anklang. Ob unter solchen Umständen der Spiritusring nicht ernstlich in Gefahr kommt, ist noch nicht abzusehen. Neuregelung der Handelsbeziehungen zu Spanien. Der Handels- vertragsverem ist jetzt damit beschäftigt, die zahlreichen gegen den neuen spanischen Tarifentwurf einlaufenden Reklamationen zu einer Eingabe zn verarbeiten, damit diese bei den bevorstehenden VertragSvcrhandlnngen mit Spanien Berücksichtigung finden können. Da das Mcistbegünstigungsverhältnis bereits mit dem 1. Juli ab- laust, ist Eile geboten. Der Handclsvertragsverein stellt es den Interessenten anheim. ihm weiteres Material mit möglichster Be- jchleuiiiguiig zu übergeben. 1900 hatte die Produktion der Rübenzuckerindustrie der Vereinigten Staaten einen Wert von 7,32 Millionen Dollar, 1905 dagegen schon einen solchen von 24,39. Die Steigerung stellte sich demnach auf 233,1 Proz. Ein eingehenderer Vergleich der beiden Jahre 1900 und 1905 ergibt folgendes Bild: 1900 31 20958 519 350 356 675 1970 1 092 207 1905 51 55 923 359 763 1004 636 3 963 2 486 702 4 803 796 14 486 876 Zahl der Betriebe.. Kapital in Dollar.. Beamte und Gehülfen Deren Gehälter in Doll. Lohnarbeiter.... Deren Löhne in Dollar Materialienverbrauch in Dollar... Verarbeitctete Rüben in Tonnen... Deren Kostenivert in Dollar.... 3485320 11343785 225,5 Berstadtlichnng. Der Wiener Gcmeinderat nahm einstimmig einen Antrag an, nach welchem die Gemeinde Wien mit dem 1. Mai- 1908 die Wiener ElektrizitäSerzengnngs- und LiefernngSanlagen Internationalen Elektrizitätsgesellschaft erwirbt. 794 658 2175 417 Zunahme gegen 1900 in Proz. 64,5 166,8 118,0 181,7 101,2 127,7 201,6 173.8 der Genkralversammlungen schivkijelMer Gelverkschasts- verbände. Zürich, 18. April.(Eig. Ber.f An den Ostertagen hielten eine ganze Anzahl von Verbänden ihre Generalversammlungen ab, die meisten in Basel. Hier tagten auch die Metallarbeiter, deren Verband 1905 11 187 Mitglieder zählte gegen 4468 Ende 1903 nnd einen Vermögensbestand von 161 945 gegen 65 033 Fr. hatte. Der Verbands- tag in Basel beschloß die Anstellung eine? vierten Beamten und zwar speziell für die Ostschweiz(Zürich usw.), die Bewilligung von 10 000 Fr. an den Zcntralvorstand zur Errichtung einer Bibliothek, die Aufstellung der Forderung der 57 stündigen Arbeitswoche überall da in der Maschinenindnstrie, wo noch eine längere Arbeitszeit besteht, die Gewährnna eines Kredits von 2000 Fr. zur Honorierung von Mitarbeitern an der„Schw. Metallarbeiter-Ztg.", die Erhöhung 10 Rappen, die Erhöhung der Gehälter 200 Fr. jährlich nnd Urlaub von 14 Tagen wurde Bern bestätigt. Eine gegen den schweizerischen Maschinenindustriellen und �ulzer-Zierzler in Winter- deS Wochenbeitrages um der Sekretäre um 100 bis jedes Jahr. Als Vorort Scharfmacherverband der insbesondere gegen deren Oberscharfmacher thur gerichtete Resolution fand einstimmige Annahme. Auch die Holzarbeiter tagten in Basel. Ihr Verband ver- mehrte seine Mitgliederzahl von 3306 Ende 1903 auf 6001 Ende 1905. Heute zählt er 7016 Mitglieder in 90 Sektionen. Der Verbandstag erhöhte die Wochenbeitrage von 40 auf 50 Cts. Der Verband hat viele erfolgreiche Kämpfe geführt nnd im Jahre 1905 dafür 87 482 Fr. ausgegeben. Die Einführung der Arbeitslosenunterstützung tvurde noch einmal mit 51 gegen 48 Stimmen abgelehnt, dafür aber die Gründung eine? eigenen Verbaudsorgans beschlossen. Die Anerkennung des christlichen Holzarbciter-Verbandes, der einen eigenen Vertreter gesandt hatte, lehnte der VerbandStag ab. Dagegen stellte er es den Sektionen frei, bei Lohnbewegungen mit den„Christlichen" gemeinschaftlich vorzugehen. Es wurde die Anstellung eines zweiten Vcrbandsbeamten mit 2400 M. Anfangsgehalt beschlossen und schließ- lich Basel als Vorort bestätigt. Der Z i m ni e r e r v e r b a n d, dessen Generalversammlung ebenfalls in Basel abgehalten tvnrde. zählte 1903 524, 1905 1280 Mitglieder in 20 Sektionen. Die Einnahmen in 1905 betrugen 19 357 Fr., die Ausgaben 17 532 Fr., der Vermögensbestand aus 1906 6028 Fr. Der VerbandStag lehnte die Verschmelzung mit dem Holzarbeiter-Verbande ab und beschloß die Anstellung cincs ständigen Verbandsbeamten und die Herausgabe eines eigenen Verbandsorgans. Die im Holzarbeiterverband organisierten Parkett- bodenleger hielten in Basel eine besondere Konferenz ab, die sich mit Fragen der Tarifgemeinschaft, mit Lohn- und Streik- bcivegungen, mit den schwarzen Listen der Unternehmer beschäftigte und u. a. die Errichtung eines Zentralarbeitsnachweises sowie das Umschanverbot beschloß. II Die Organisation der in der schweizerischen Arbeiter- ewegung tätigen Ange st eilten hielt im Anschluß an den Gewerkfchaftskongreß eine Versammlung von zirka 20 Ver- tretern ab. Es wurde die definitive Konstituierung des Verbandes vorgenommen und das Statut definitiv aufgestellt, das einen Jahres- beitrag von 5 Fr. im Minimum vorsieht. Der Verband der H ü l f s a r b e i t e r und-Arbeite- rrnnen im graphischen Gewerbe hielt in Solothnrn seine Delegiertenkonferenz ab. Er hatte 1905 eine Einnahme von 6210,85 Fr., eine Ausgabe von 1895,50 Fr. und Ende des Jahres einen Vermögensbestand von 5201,34 Fr. Beschlossen wurde die Erhöhung deS WochenbeitrageS von 5 auf 10 Cts., die Gewährung eines Sterbegeldes von 25 Fr. an die Hinterlaffenen eines ver- 'torbenen Mitgliedes. Der Zentralvorstand erhielt den Auftrag, für die verschiedenen Plätze in der Schweiz Lohntarife zu Händen der betreffenden Sektionen auszuarbeiten und bis Oktober d. I. eigenes Verbandsorgan zu schaffen. Gericbrs Leitung. LchrverhältniS zwischen Bater und Sohn und Fortbildimgsschulpfiicht. In seinem Eifer, jede Handlung oder Unterlassung eines Arbeiters auf Verlangen der Anklagebehörde daraufhin zu prüfen, ob nicht eine strafbare Handlung vorliege, ist da? Kammergericht zu einer unbewußten Anerkennung der Notwendigkeit gelangt, die Recht- Verhältnisse aller ländlichen Arbeiter und des Ge- 'indes. reichsgesetzlich zu regeln. ES hat nämlich das Kammergericht am Donnerstag die Frage, ob zwischen Vater und Sohn ohne jeden Vertrag ein Lehrverhältnis zu- tande kommen kann, bejaht. Der Mechaniker Deubner zu Kreuznach hatte feinen Sohn, der bei ihm und ftir ihn tätig war, nicht in die FortbildungSschiile gehen lassen. Von der Anklage, das fragliche Ortsstatut über die Fortbildungsschulpflicht übertreten zu haben, wurde er in zweiter Instanz vom Landgericht Koblenz freigesprochen. Das Landgericht ging davon aus, daß Angeklagter den Sohn in einem Gewerbe habe freiwillig arbeiten lassen, so datz der Sohn jederzeit hätte aufhören können. Darauf, daß der junge Mann dann und wann eine Arbeit ganz selbständig machte(Anlegung einer elektrischen Leitung), sei kein besonderes Gewicht zu legen. Von einem gewerblichen Arbeits- bezw. Lehrliugsverhältnis kann hier nicht die Rede sein.— Das K a m m e r g e r i ch t als Revision?- instanz hob indessen die Vorentscheidung auf und verwies die Sache mit folgender Begründung an das Landgericht zurück: Die vor- liegende Frage fei für das Gewerbe von großer Bedeutung. Daß ein schriftlicher Lehrvertrag nicht immer notwendig sei, ein Lehr- Verhältnis zu begründen, habe der Senat schon entschieden. Nun gehe er weiter, indem er sage: Wenn ein Vater die Absicht habe, einen Sohn in seinem Gewerbe auszubilden, ihn systematisch uirch Zeit hindurch zu unterrichten in dem, waS er selbst weiß, so ei der Sohn bei ihm Lehrling. Mit sich selbst kontrahieren könne und brauche der Vater nicht. Es genüge, ivenn er die Absicht habe, den Sohn so auszubilden, und daß der Sohn sich ausbilden ließ. Der Sohn könnte ja gegen den Willen des Vaters das Vormund- chaftSgericht anrufen. Jedenfalls sei zwischen Vater und Sohn sehr wohl ohne jeden Vertrag ein LehrverhältniS möglich. Es gäbe ganze Gewerbe, wo der Sohn dasselbe lerne wie der Vater, und von ihm die Anweisungen erhalte. Man denke an die Weber usw. Es würde nicht im Sinne des Gesetzes liegen, wenn ganze Klaffen jugendlicher Arbeiter bezw. Lehrlinge den Wohltaten des Fort- bildungSunterrichtS entzogen würden. DaS Landgericht müsie nun näher feststellen, wie sich das Verhältnis zwischen Vater und Sohn im einzelnen gestaltet habe, ob die oben angedeuteten Voraus- fetzungen eines Lehrverbältnisses gegeben seien.— Diese voni Kammergericht getroffene Entscheidung will sicherlich dem Sinne des§ 120 der Gewerbeordnung gerecht werden, der von dem statutarisch zulässigen Fortbildungsschulzwange für männ- liche Arbeiter unter 18 Jahren spricht. Zutreffend dürfte sie aber nicht in vollem Umfange sein. Nach ß 120 G.-O. können alle Arbeiter, gleichviel ob sie Lehrlinge sind oder nicht, und gleich- viel ob sie auf Grund eines ausdrücklichen Ver- träges Arbeit verrichten, dem statutarischen Fortbildungs- schulzwange unterworfen werden. Daher ist es mit Recht als un- erheblich erachtet, ob ein ausdrücklicher Vertrag vorliegt. Aber eS übersieht die Kammergerichtsentscheidung ein anderes. Nach§ 1617 B. G.-B. ist das Kind, solange eS dem elterlichen Hausstande an- gehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, ver- pflichtet, in einer seinen Kräften nnd seiner Lebensstellung ent- sprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten. Liegt solche kraft Gesetzes dem Kinde ob- liegende und vom Vater auf Grund seiner elterlichen Gewalt bestimmte Arbeit vor, so liegt weder ein Lehrlings- noch ein Arbeits- Verhältnis vor. Diese Verhältnisse hat K 120 G.-O. nicht umfaßt und nicht umfassen können, weil§ 120 lediglich für Arbeiter und Lehrlinge in gewerblichen oder Handlungsbetrieben Vorschriften treffen konnte. So zweckmäßig eine rcichsgesetzliche Regelung des Fortbildungs- und des Schulunterrichts im allgenicinen für alle Kinder im Jntereffe einer Bildung ist— das Reich hat diesen gesetzgeberischen Zweig bislang leider noch den Partikular- ftaaten überlassen. Bezweifeln möchten wir, ob das Kammergericht auch zu einer ausdehnenden Auslegung deS§ 120 G.-O. gelangt wäre, wenn es sich um einen Hütejungen oder um einen anderen ländlichen Arbeiter oder um die als Gesinde geplagten Kinder gehandelt hätte. Ein auf Grund des Z 1617 B. G.-B. be- schäftigtcs Kind verrichtet die Arbeit nicht als Arbeiter, sondern als Hauskind. Die Absicht zu lernen muß es nach dem Gesetz geben, weil der Vater das Lernen befohlen hat, nicht weil es ein Gewerbe erlernen will. Die irrige Auslegung des§ 120 G.-O. mag man dem Kammergericht zugute halten, d a eS, wenn auch unbewußt, durch seine Ausführungen auf den schmachvollen Z n st a n d hingewiesen hat, daß unsere preußischen Schul- Verhältnisse weit davon entfernt sind, die körperlichen und geistigen Fähigkeiten eines KindeS zu bilden. Eine Aenderung ist vom Dreiklassen- Parlament nicht zu erwarten. Schon aus diesem Grunde ist eine Ausdehnung des§ 120 G.-O., insbesondere auf ländliche und Gesindeverhält nisse dringend erforderlich._ lliigültige Polizeiverordnung. Für Graudenz war eine Polizei- Verordnung erlassen worden, die alle Inhaber von Gastwirtschaften mit Kelliienuneiibediennng verpflichtet, binnen drei Tagen nach dem Antritt einer Kellnerin ein Gesnndheitsattest über die'e der Polizei einzureichen, und dann immer alle 14 Tage für jede Kellnerin ein neues Gesundheitsattest beizubringen. Der Gastwirt WarkieS, der wegen Uebcrtrctung der Verordnung angeklagt worden Ivar, wurde in zweiter Instanz vom Landgericht Graudenz frei- gesprochen, weil die Verordnung den Nahmen der polizeilichen Be- fugüisse überschreite und deshalb ungültig sei.— Das Kammer- gericht billigte am 19. April die Freisprechung und erklärte die Vcr- ordnung mit folgender Begründung ebenfalls für ungültig: Der Zweck der Verordnung sei offenbar, der Verbreitung ansteckender Krankheiten entgegen zu lvirken. DaS sogenannte Menschenseuchen- gesetz von 1905 regele aber diese Materie erschöpfend und hebe alle zur Zeit seines Erlasses bestehenden gesetzlichen Bestimmungen über die Bekäinpsting ansteckender Krankheiten auf. Dazu gehörten auch Polizeiverorduungen. Schon deshalb sei die Verordnung ungültig. — Wenn die Graudenzer Hvchlöbliche ein Gesundheitsattest über die Kellnerin begehrte, weshalb stellte sie nicht dasselbe Verlangen rück- sichtlich jedes Gastes. Sind nur Kellnerinnen, nicht Gäste ansteckend? Die Weihnachtsgratifikation. Ist die Weihnachtsgratifikation ein Bestandteil des festen Einkommens oder eine freiwillige Zuwendung? Diese wichtige Frage wird von den verschiedenen KaufmannSgerichten in den widersprechendsten Urteilen beantwortet. So verurteilte dieser Tage das Kaufmannsgericht in Erfurt einen Chef zur Zahlung der seinem Reisenden jahrelang regelmäßig erteilten Weihnacht?- gratifikation, nachdem der Reisende nachgewiesen hatte, daß diese- Gratifikation auch zur Staats- und Genieindebesteuerung heran- gezogen tvurde. In einem ganz analogen Fall, der gestern vor der vierten Kammer des Berliner KaufmaunsgerichtS zum Austrag kam, entschied daS Gericht in entgegengesetztem Sinne. Die Korrespon- dentin Agnes B. hatte während ihrer achtjährigen Tätigkeit bei der Rohseidenfirma Scharnagcl u. Schmuckert alljährlich eine Weihnachtsgratifikation erhalten, die zuletzt bis auf 100 M. stieg. ES wurde ihr zum September vorigen Jahres gekündigt, und to stellte sie eine Forderung von 90 M. als Anteil der Gratifikation für das Jahr 1905. Die Klägerin stützt sich nicht nur auf das oben er- wähnte Urleil des Erfurter KaufmaunsgerichtS, daS sie nach einem Zeitungsausschnitt zur Verlesung bringt, sie betont, daß sie die Gratifikation als einen Teil ihrer Einnahme anzusehen sich für berechtigt hielt, da es sich nicht um eine gelegentliche Zn- Wendung, sondern um eine regelmäßig wiederkehrende Zahlung handle. DaS KaufmannSgericht schloß sich den AuS- führungen der Klägerin nicht an, sondern wies sie mit ihrer Klage a b. Aus der wiederholten Schenkung sei für den Chef noch keine Verpflichtung herzuleiten. auch dann nicht, wenn die Schenkung regelmäßig Jahre hindurch geschieht. Erst wenn van feiten deS Chefs beini Engagement oder im Laufe des Vertragsverhältnisses in irgend einer Form eine Zu- sage bezüglich der Gratifikation gemacht wird, könne von einem recht- lichen Anspruch deS Angestellten die Rede sein. Der Anficht des Berliner Kaufmaimsgcricht vermögen wir nnS nicht anzuschließen. Weihnachtsgratifikationen werden in ständiger Praxis des ReichsvcrsichcrungSaintes dem Lohn in Uiifallsachcn bei Er- Mittelung deS JahreSarbeitsvcrdiensteS zugerechnet, wenn bei Fest- setzung deS Lohnes ausdrücklich oder stillstbweigend die Gewährung der Gratifikation vorausgesetzt war. Wird Jahre hindurch Weihnacht?- gratifikation gewährt, so ersetzt wie bei allen daS Arbeitsverhältnis detreffenden Regelungen die geübte Praxis eine ausdrückliche Zusage. Schutz vor Schutzleute». Ein schwer, betrunkener Küfer leistete in München der Aufforderung zweier Schutzleute, ihnen zu folgen— er hatte seine Braut bedroht— keine Folge und setzte seiner Ver- Haftung Widerstand entgegen. Darauf zog der eine der Schutzleute blank nnd versetzte dem Betrunkenen zwei Säbel- hiebe über den linken Arm, sodaß der Mittel- knochen der Hand bis zur Hälfte abgeschlagen wurde. Nach der chirurgischen Klinik verbracht, mußte zu einer Amputation des kleinen Fingers geschritten werden. Am zweiten Tage trat an dem verletzten Arme Blutvergiftung ein, so daß ein weiterer operativer Eingriff notwendig war. Nach achtwöchent- lichem Aufenthalt tvurde der Küfer aus der Klinik entlassen. Der damals Betrunkene ist nun zeitlebens ein Krüppel. Der linke Arm und die Hand find total unbrauchbar, da sämtliche Sehnen durchschlagen sind, die Hand ist gräßlich verstümmelt. Die Staatsanwaltschaft schritt— nicht gegen den schlagenden Schutzmann, fondern gegen den zum Krüppel gewordenen Küfer ein. Das Landgericht lehnte jedoch die Eröffnung des Verfahrens wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt ab, weil der Küfer zur Zeit der Tat zweifellos sich in zurcchnungSunfähigem Zustande befand. Nunmehr hat der Küfer Slrafantraa gegen den schlagenden Schutz» mann gestellt. Das Zuschandenschlagen des Küfers ereignete sich just um dieselbe Zeit, als der bayerische Polizciminister v. Fcilitzsch im bayerischen Landtag der Ansicht Ausdruck gab, die ganze Welt beneide München um seine Schutzmannschast. Wir gehören nichr zu diesen Neidern. Für Seil Jnliali der Fnfcrnte iibcniimutt die N>.d>,ktio» dem Publikum gegciliiber keinerlei Beraulworinng. HKeater. Sonnabend, den 2!. April. Slnsang VI, l!hr: OPernhuus. Die lustigen Weiber von Windsor. Schauspielhaus. Der Erbsörster. Deutsches. Der Kausmann von Venedig. Westen. SchiitzenliescI. Nachmittags 3 rihr: Asnnchen von Thurau. Neues. Caesar und Cleopatra. Lessing. RoSmersholm. Anfang 8 Uhr: Schiller<>.Ieuerüffaet! Welt-jUlliings- Biogpaph-(8«. touis) Theater lebender Photographien mit aiiweciiselDd. Atmormitäten-Progr. Neu! Die Hungerleider. Neu I Soziales Bild aus dem Leben. Den ganzen Tag Vorstellung. Otto Pntzkow, Münzstraße 16. Gustav Behrens Spezialitäten- Iheater Frankfurter Allee 85. vorzügliebe Ipril-Piwamm! Neu l Neu! Die weibliche musikalische Ruckkompagnie. Posse mit Gesang und Tanz. Hochsens atiouell! 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Kekt 3 Gtssudhettspstege des Nervensystems°°nDr.Hirschlaff Wer seine Nerven gesund erhalten will, lese diese Anleitung dazu. fiekv 4 Der AWnndentag............... Zadel Eine ärztliche Begründung der sozialdemokratischen Forderung. z AlKohvlfrage nnd ArbeiterKlaffe. v°n Dr. Fröhlich Eine cmpschlenSwcrte Agitattondbroschürc. 6 DaS Slstulbinb......... von Dr. Dilberstein Die Binder vor Schulkranlhciten schütze», ist Zweck des Büchleins. V>eft 7 Keschlechtsverbehr und Gtlchlkchtsjtravlchejten von Dr. Gebert Belehrend über diese, für jeden Menschen wichtige Frage. Refr 8 Nahrung und Ernährung..... vo» Dr.«Hajes Ein wichtiges Kapitel sür die Arbcilcrsamilic. k>efr � Nie sollen vir uns kleiden? von Dr. P. Bernstein Eine belehrende Abhandlung über diese wichtige Frage. I�eft io Der Arbeilerslhnl» mit besonderer Berücksichtigung der Werl. statthygiene...... von Tr. M. 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StillP dkg.HmUg" Snlim WllsdlM Zaunabend, 21. April 1996. partei-)Zngelegendeiten. Reinickendorf-West. Am Dienstag, den 24. April, findet die Mitgliederversammlung des Wahlvereins im Lokale von Franke, Gidjbornstr. 18, statt. Der äutzerst wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Parteigenossen, zu erscheinen. Frauen haben Zutritt. Der Vorstand. Charlottenburg. Den Genossen zur Kenntnisnahme, daß morgen vormittag Wielandstr. 4 bei Graffunder eine Flugblattver- breitung stattfindet. Zahlreiche Beteiligung erwünscht. Der Vorstand. verlmer l�ackrickten. Schutz vor Schutzleuten! Wegen mehrerer Akte groben Amtsmißbrauchs hatte sich der vorläufig vom Amte suspendierte Polizeisergeant Carl Berger in Köpenick gestern vor der zweiten Straf kammer des Landgerichts II zu verantworten. Er wurde beschuldigt, in mehreren Fällen Personen unberechtigt verhaftet, körperlich vorsätzlich mißhandelt und beleidigt zu haben. Der Angeklagte ist seit dem Jahre 1800 bei dem Magistrat in Köpenick als Polizeisergeant angestellt. In dem ersten Anllagefalle behauptete der Belastungszeuge, Maschinenmeister Mareusch, folgendes: Er sei in der Nacht vom 8. zum 7. Juni 1SV4 auf der Rückkehr von außerhalb nach Berlin von einem Automobil mitgenommen, das gleichzeitig mit einem anderen Automobil nach Berlin fuhr. In Köpenick wurde das eine Automobil defekt und die Chauffeure hatten viel Arbeit, um die Reparatur herzustellen. Als er dabei gestanden, sei plötzlich der Angeklagte auf der Bildfläche erschienen und habe gefragt, was denn da loS fei. Da diese Frage in schroffem Tone erfolgte, habe er ihm geantwortet, daß ihn das gar nichts angehe. Dies sei die Veranlassung gewesen, daß der Angeklagte ihn mit zur Wache nahm. Unterwegs habe er gesagt:„Sie großschnäuziger Berliner. Sie denken wohl. Sie sind in Berlin? Sie sind hier in Köpenick, hier herrscht Ordnung Auf der Treppe zur Wache habe ihn der Angeklagte plötzlich ins Genick gefaßt und mit dem Knie in den Rücken gestoßen. Auf der Wache habe ihn der Angeklagte angeherrscht:„Ziehen Sie sich aus!" und bei seiner Weigerung habe der Angeklagte ihm ge- waltsam Rock und Weste ausgezogen, mit einem Kniestoß in den Rücken in die Zelle bugsiert und ihm gesagt:„Du v e r- fluchter Hund, da kannst Du Dich niederlegen So habe er die Nacht auf der Wache zubringen müssen. Später habe ihn der Angeklagte wegen Beleidigung zur An zeige gebracht, das Verfahren habe aber mit Freisprechung geendet.— Der Angeklagte bestritt diese Behauptungen in jeder Beziehung. Der Zeuge habe sich laut und ungebührlich auf der Straße benommen, er sei offenbar betrunken gewesen, habe ihm schnodderig geantwortet und da kein Zug mehr nach Berlin ging, habe er ihn „zu seiner eigenen Sicherheit" mit zur Wache genommen. Die Zeugen bekundeten. daß Marensch allerdings ein wenig vorlaut, aber durchaus nicht betrunken war, und ein Grund ihn zur Wache mitzunehmen und dort längere Zeit zu behalten, nicht vor- gelegen habe. Der zweite Vorgang spielt etwa ein Jahr später. Am 8. Mai 1905 erschien der Ä r b e i t e r R a u s ch im angeheiterten Zustande auf dem Rathaus, um sich über einen Mann zu be- schweren, der ihn auf der Straße angerempelt habe. Er wurde nach der Polizeiwache gewiesen und dort spielte sich nach seiner Behauptung folgendes ab:„Was wollen Sie hier? Sind Sie aus Köpenick gebürtig?" Antwort:„Nein, aus Ncutomischl!"— Darauf fragte der Angeklagte:„Also Sie sind ein Pollacke? — Antwort:„Nein, evangelisch!" Darauf erhielt er gleich einen Fan st schlag ins Auge, so daß er zur Erde st ü r z t e. Der Angeklagte stieß ihn mit dem Fuße, indem er ihn anschrie:„Hund, verfluchter. Dir werde i schon bei evangelisch!" Das Blut strömte gleich aus dem Gesicht und der Angeklagte herrschte ihn an, sich zu waschen. Der Zeuge wollte es aber nicht, sondern verlangte,, sofort zum Arzt gc bracht zu werden. Der Angeklagte packte ihn darauf und warf ihn in die Arrestzelle. Dort rief der Zeuge Rausch verzweifelt um Hülfe, und um die Ans inerksamkeit Außenstehender auf sich zu lenken, schlug er die Fensterscheibe ein und schrie immer lauter. Darauf erschien der Gefangenenaufseher Jankowski und mit ihm der Angeklagte Berger. Letzterer schlug den Zeugen Rausch sofort wieder mit d>.r Rechten ins Gesicht,„daß alles so krachte", holte dieKette und schloß dem Zeugen wie einem Ver- brecher die Hände auf dem Rücken zusammen. Dann wurde Rausch in eine andere Zelle gebracht und dort von Berger mit solcher Gewalt hineingestoßen, daß er zu Boden stürzte. Dann gab ihm Berger wieder einen Fau st schlag ins Gesicht, sodaß er noch mehr blutete. Nach längerem Aufenthalt in der Zelle ist er dann von Lerger entlassen worden, nachdem er auf dessen Geheiß sick an der Wasserleitung vom Blute gereinigt hatte.— Auch in diesem Falle bestritt der Angeklagte die Aussage des Zeugen. Er behauptete, daß der Zeuge ein aufbrausender Mensch sei, der absolut nicht aus dem Rathause sich entfernen gewollt. Wegen seiner Betrunkenheit habe er ihn zu seiner Sicherheit festgehalten. Die blutenden Wunden habe sich der Zeuge wahr scheinlich durch einen Fall selbst zugezogen. Die Darstellung des Zeugen Rausch wurde aber im wesentlichen durch den Gefangenenaufseher Jankowski bestätigt, der auch am nächsten Tage eine Anzeige über die Mißhandlung des Rausch durch den Angeklagten bei dein Bürgermeister Dr. L a n g e r h a n s erstattet hat. Danach sei bei dem Schlage, den in der Zelle der An geklagte dem Zeugen Rausch versetzt, das Blut gleich einen Meter weit gespritzt. Bürgermeister LangerhanS hat die Sache dem vtegierungspräsidenten unterbreitet und die Eröffnung des Disziplinar- Verfahrens und vorläufige Amtssuspension beantragt. Im letzten Anklagefalle. der 5 Tage später sich abspielte. handelt es sich um einen Konflikt, welchen der Kutscher Scholz bei einer Fahrt durch Köpenick»üt Hundefängern wegen seines Hündchens gehabt hat. Dabei hat Berger mit eingegriffen »ind hieb auf den Kutscher ein, indem er ihn so heftig ins Gesicht schlug, daß er, aus Auge und Nase blutend, zu Boden stürzte. Der Kutscher Scholz ist acht Tage arbeitsunfähig gewesen und beansprucht nun als Nebenkläger 60 M. Entschädigung.— In diesem Anklagefalle wurde durch einige Zeugen bekundet, daß der Kutscher Scholz nach dem Gesicht des Au- geklagten gestoßen und der Angellagw ihn sich abgewehrt hatte. Einige vernommene Leumundszeugen gaben dem An- geklagten das Zeugnis eines anständigen und zuvorkommenden Mannes. Nach Schluß der umfangreichen BeweiSaustrahme beantragte StaatsanwaltSrat Keßler die Freisprechung des An- geklagten im letzten Fall«. In den beiden anderen Fällen habe sich Berger im Sinne der Anklage schuldig gemacht. Insbesondere spotte in dem Falle Rausch das Verholten de« Angeklagten jeder Beschreibung i hier habe er sich als ein total brutaler Mensch erwiesen. Die Behauptung, daß er den Rausch zu seiner eigenen Sicherheit festgenommen, sei doch beinahe kindisch, denn in einer Räuberhöhle wäre es d e m R a nsch wohl kaum schlechter gegangen, als in diesem„ S i ch e r h c i ts"- O r r e. Wenn auf der einen Seite die Polizeibeamten dem Publikum gegenüber auf das äußerste ge- schützt werden müssen, so müsse andererseits das Publikuin vor Aus- � schreitungen eines Beamten, wie sie hier vorliegen, ganz besonders geschützt werden. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr neun Monate Gefängnis und Aberkennung der Fähigkeit zur Be- kleidung öffentlicher Aemter. In später Nachnnttagstunde erging durch den Mund des Land- gerichtsdirektors P u s ch das Urteil. Der Gerichtshof erkannte in dem Falle Scholz auf Freisprechung, im Falle Mareusch wegen Beleidigung auf drei Tage, wegen Mißhandlung auf drei Monate Gefängnis, im Falle Rausch wegen brutaler Körperverletzung und unberechtigter Verhaftung auf neunMonate und sechs Monate Gefängnis. Insgesamt wurde der An- geklagte zu einem Jahr drei Monaten Gefängnis ver- urteilt und ihm die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Dauer von fünf Jahren abgesprochen. Das Gesetz bedroht in ß 34V Str.-G.-B. Beamte, die vorsätzlich eine Körperverletzung begehen, mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bis zu fünf Jahren. Eine widerrechtliche Freiheitsberaubung ist außerdem mit drei Monaten bis zu fünf Jahren bedroht. Der An- geklagte ist demnach außerordentlich billig fortgekommen. Wie viele Jahre würden wohl zu erkennen sein, wenn jede gesetzwidrige Brutalität von Beamten zur Bestrafung gelangen würde? Eröffnung des Dampferverkehrs von Berlin nach Werder, Grünau, Schmöckwitz usw. Dampferfahrten werden am nächsten Sonntag, den 22. April, von der Sterngesellschaft auf fast allen Linien eingerichtet. Zum ersten Male gehen Dampfer von Berlin nach Werder zur Baumblüte, ab Weidendammer Brücke 9,00, ab Moabiter Brücke 9,25, ab Schloßbrücke in Charlottenburg 9,50, ab Spandau, Charlottenbrücke 9,00 und 11,00 ab Potsdam von 10 bis 6 Uhr alle halbe Stunde. Von Werder zurück gehen die Dampfer von 11,25— 7,25 halbstündlich bis Potsdam, um 5,15 nachmittags bis Spandau. Zum ersten Male geht ferner von der Jannowitzbrücke in Berlin ein Dampfer um 9,00 nach Woltersdorfcr Schleuse, um 9, 10, 11, 12Vj, 2, 3, 4 und 5 Uhr bis Grünau, um 12, l�h, 2%, 3%, 444, und 5% bis Loreley. Bon Grünau gehen von 10,23 bis 6,23 stündlich Dampfer nach Schmöckwitz. Von Wannsee gehen Dampfer 10,40— 7,40 stündlich, die Dampfer ab 10,40, 11,40, 2,40 und 5,40 über Cladow. Auf dem Müggel- und dem Wannsee finden Ueberfahrten statt. Von Erkner geht von vormittags 10,00 an täglich ein Dampfer jede volle Stunde auf der Löcknitz bis Alt-Buchhorst. In die städtische Berkehrsdeputatio» ist an Stelle des ver» storbencn Stadtrats Kelle der Stadtkämmcrer Dr. Steinmger ein- getreten, Neue Automobil-Omnibuslinien. Ein hiesiges Konsortium hat bei den: Polizeipräsidium die Konzessionierung einer Anzahl Auto- mobil-Omnibuslinien beantragt. Es sind dies folgende Strecken: 1. Zoologischer Garten, Schmargendorf, Hundeiehle, Kolonie Grüne wald, Zoologischer Garten; 2. Rixdorf-Berlin-Reinickendorf; 3. Pots damer Bahnhof-Spittelmarkt-Treptow; 4. Bahnhof Beusselstraße, Rummelsburg; 5. Weddingplatz-Friedrichsberg-Lichtenberg; 6. Ring- bahnhof Landsberger Allee-Halensce; 7. Pankow-Brunnenplatz- Wedding; 8. Kreuzberg-Pankow; 9. Treptow-Rixdorf. Das Polizei- Präsidium hat im Prinzip gegen die geplanten Linienführungen nichts einzuwenden, hat jedoch das Konsortium aufgefordert, eine Rentabilitätsberechnung einzureichen. Die Anträge auf Kon- zcssionserteilung sind auch den beteiligten Vorortsgemeinden zu- gegangen, von denen Pankow bereits hierzu Stellung genommen hat. Auch die Linie Pankow-Weddingplatz, welche eine Konkurrenz der städtischen Straßenbahnlinie Pankow-Mittelstraße bilden würde. dürfte wohl genehmigt werden. Tie Mitteilung einer Korrespondenz über Bohrungen in den Straßen Berlins sür den Bau der Untergrundbahn„Nord-Süd werden magistratsoffiziöserseits als unzutreffend bezeichnet. Zwanzig Mann entsprungen. Den Aufenthalt im Freien haben zwanzig Insassen� des Rummelsburger Arbeitshauses benutzt, um zu entspringen. Sie waren zur Beschäftigung auf die Güter Falten- berg, Rosenthal, Neu-Bieden und Wartenberg verteilt worden, und erst vorgestern morgen mit ihren Kolonnen hinausgegangen. Die Massenflucht geschah anscheinend auf Verabredung. Die meisten der Flücktlinge haben sich nach der Großstadt gewandt und sind hier vorläufig untergetaucht. Ihrem Schicksal entrinnen sie aber kaum, und vor allem müssen sie jene Tage, an denen sie sich der Freiheit erfreuten, später im Arbeitshause„nachdienen". Zeitlebens im Irrenhaus. Ein Mord in der Rückcrstraße wird ungesühnt bleiben müssen. Am 26. September 1903 wurde die 31 Jahre alte Schlächterfrau Justine Grabowski geborene Foberka in ihrer Wohnung in der Rückerstraße 6» im Scheunenviertel er- mordet aufgefunden. Die Nachforschungen der Kriminalpolizei führten zur Verhaftung des Ehemannes der Ermordeten, des jetzt 33 Jahre alten Schlächters Theodor Grabowski aus Czarnowka im Kreise Bromberg, dessen Alibibeweis mißlang, und der wohl ver- urteilt worden wäre, wenn man ihn nicht als geisteskrank erkannt hätte. Grabowski kam nach der Irrenanstalt L>erzberge, von dort wurde er später als geheilt entlassen, auf Ersuchen des Polizei- Präsidiums aber sofort wieder nach der Charitä und dann nach der Irrenanstalt Dalldorf gebracht. Jetzt hat das Medizinalkollegium der Provinz Brandenburg über sein Schicksal entschieden. Nach seinem Obergutachtcn ist Grabowski nie normal gewesen, epileptisch belastet, nicht zurechnungsfähig, und unheilbar. Er kann daher auch nicht aus der Irrenanstalt entlassen und in Pfleg« gegeben werden, sondern bleibt Zeit seines Lehens in Dalldorf. Hennig im Polizeipräsidium. Hennig wurde gestern vormittag unter sicherer Bewachung, damit er nicht nochmals entspringe, vom Untersuchungsgefängnis nach dem Polizeipräsidium gebracht. Hennig ist wieder ganz ruhig geworden. Wie schon wiederholt mitgeteilt wurde, schiebt er aber nach wie vor alle Schuld auf seinen Freund Franz. Er will ihn zwar nicht weiter dem Namen nach, wohl aber von Angesicht kennen, und zwar als einen Verbrecher. Da ihm nun kein Mittel zum Beweise seiner Unschuld, das ihm nach der Straf- Prozeßordnung zusteht, versagt oder verkürzt werden soll, so wurde ihm gestern Gelegenheit gegeben, sich seinen„Franz" aus dem Ver- brecheralbum herauszusuchen. Es ist möglich, daß er durch diese oder jene Angabe wleder Nachforschungen notwendig macht. Die Durchsicht der 23 Bände des Verbrecheralbums nimmt viele Stunden in Anspruch. Nach ihrer Beendigung wird der Raubmörder wieder nach Moabit in das Untersuchungsgefängnis gebracht werden. Die Untersuchungshaft ist Hennig schlecht bekommen. Seine Wangen sind hohl und bleich geworden. Einem äußerst raffiniert angelegten Rauvanfall ist der Kauf. mann Sch., Stromstr. 48 wohnhaft, zum Opfer gefallen. Sch. fuhr kürzlich auf dem Nordring. Er war auf Bahnhof Friedrichstraße in den Zug eingestiegen und kurz vor der Abfahrt folgte ihm iwch ein zweiter Fahrgast in das Coup« nach. Außer den beiden befand sich niemand in dem gesamten Wagenabteile. Der Fremde, welcher sehr elegant gekleidet ging und einen Kneifer trug, ließ sich bald mit Herrn Sch. in eine rege Unterhaltung ein und lenkte dabei das Gespräch auf das Rauchen. Er selbst rauchte eine Zigarette und konnte deren Güte nicht genug hervorheben. Damit sich Herr Sch. auch davon überzeuge, bot ihm der Fremde in zuvorkominenster Weise eine Zigarette an. Ohne weiteres nahm sie der Kaufmann auch entgegen und zündete sie an dem von dem Fremden hin- gehaltenen Streichholz ahnungslos an. Als er eine kurze Zeit geraucht hatte, überfiel ihn plötzlich eine seltsame Müdigkeit. Nach einigen weiteren Zügen auS �er Zigarette schlief Herr Sch. ein. Der Fremde holte jetzt eine Schere aus der Tasche, ging an den Schlafenden heran, schnitt ihm an der Hose die Seitentasche auf und raubte daraus ein Portemonnaie mit 300 M. Herr Sch. schlief währenddes fest weiter, und erst als der Zug auf der Station Westend eingestellt wurde, mußten Beamte den Schlafenden gewalt- sam aufrütteln. Herr Sch. machte nun die unangenehme Eni- deckung, daß ihm während der Fahrt seine Börse gestohlen worden war. Die Müdigkeit wollte noch immer nicht von ihm weichen, und es stellte sich nun heraus, daß die Zigarette mit Morphium ver- sehen war. Der gefährliche Räuber hatte sie zu seinen ver- brecherischen Zwecken eigens hergestellt. Herr Sch. ist durch den Verlust um so mehr betroffen, als die 300 M. einem Dritten gehörten. Bon einem Straßenbahnwagen umgestoßen und schwer verletzt wurde in der verflossenen Nacht gegen 1 Uhr in der Frankfurter Allee ein unbekannter, etwa 60jähriger Mann. Derselbe ver- suchte in der Nähe der Jungstraße unmittelbar vor einem Straßen- bahnzug der Linie 69 den Fahrdamm zu überschreiten, rannte gegen die linke Perronecke der Vorderplattform, wurde zur Seite ge- schleudert und stürzte neben dem Motorwagen auf das Straßen- Pflaster. Der Verunglückte wurde in besinnungslosem Zustande mit einer schweren Schädelverletzung zunächst nach der Unfallstation in der Warschauerstratze und von dort nach dem Krankcnhause Friedrichshain überführt. Tie Finger der linken Hand zerquetscht wurden gestern dem 12jährigen Schüler B., welcher vom Schlesischen Bahnhof aus nach Friedrichshagen fahren wollte. Der Knabe sprang auf den bereits in Bewegung befindlichen Zug und griff, beim Einsteigen sich mit der linken Hand stützend, in die Türfüllung. In diesem Augenblick wurde die Tür zugeschlagen und dem B. die obersten Glieder der vier Finger zerquetscht. Der Verunglückte erhielt auf der Unfall- station in der Warschauerstraße die erste Hülfe. Großfeuer kam gestern früh um 44b Uhr in einem Speicher in der Mühlenstraße 11, wo die Feuerwehr schon einmal einen größeren Brand zu löschen hatte, aus noch nicht ermittelter Ursaclje zum Ausbruch und machte der 2. Kompagnie viel Arbeit. Als die ersten Löschzüge an der in der Nähe des Oberbaums und der schlesischen Eisenbahn liegende» Brandstätte ankamen, stand der nördliche Flügel des Speichers in Flammen. Diese hatten an den dort lo>' üben großen Vorräten der Papierfabrik von Josef Schimek reiche Nechnmg gesunden und griffen unter großer Qualmentwickelung schnell um sich. Der Brandherd lag im obersten Geschoß. Dieses und der Dachstuhl bildeten ein Flammenmeer. Die Feuerwehr nahm von vier Dampfspritzen Schlauchleitungen vor und gab mehrere Stunden kräftig Wasser. Dadurch gelang es, das Feuer aus den nördlichen Flügel des Speichers zu beschränken und die angrenzenden unter offenen, freistehenden Schuppen lagernden Papiervorräte— besonders Ballen mit Papierschnttzeln— zu schützen. Das Dach- geschotz ist total ausgebrannt, im 2 Geschoß ist die Decke mit dem Fußboden und einem Teil der Vorräte teils durch Feuer, teils durch Wasser beschädigt. Das bis in den Keller eingedrungene Wasser wurde von der Feuerwehr später wieder ausgepumpt. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Im Zoologischen Garten sind dieser Tage wieder ein Paar virginische Hirsche eingetroffen, und zwar ist es diesmal der echte Cariacus virginianus Bodd. auS den nordatlantischen Staaten der amerikanischen Union, waS schon die stattliche Größe der Tiere beweist. Obwohl es offenbar noch ganz junge Tiere sind, namentlich der Hirsch, der anscheinend noch gar kein Geweih getragen hat, ragen sie doch sehr merklich über ihre Gehegenachbarn empor, die zugleich ihre Verwandten im wissenschaftlichen System sind. Sie sind im sogenannten grünen Hirschhause untergebracht, dem interessanten etwas an die Gothik anklingenden Fachwerkbau in der Nähe des Leucht-Springbrunnens, unmittelbar hinter dem chinesischen Musik- tcmpel.— Auch der starke, durch eine dichte eigenartige Behaarung platt erscheinende Wedel(Schwanz) zeichnet sie aus, um so auf- fallender, wenn sie ihn in schreckhafter Erregung hochstellen, so daß die weiß behaarte Unterseite in die Erscheinung tritt. Diese Eigen- tümlichkeit ist ganz dem weißen„Spiegel" unseres RchcS zu vergleichen, den es ebenfalls beim Flüchtigwerden auseinandersträubt, so daß er weithin über die Flur leuchtet: nach den Ansichten der modernen Naturforschung vielleicht eine Signal- und WarnungS- einrichtunA. Echte Virginierhirsche, deren charakteristische, nach vorn gekrümmte Geweihe man aus früheren Zeiten noch viel als Wandschmuck sieht, müssen jetzt als eine Seltenheit bezeichnet werden. da sie, wie die meisten Grohticre der nordamerikanischen Oststaaten, der rapide dort fortschreitenden Kultur und Bevölkerung zum Opfer gefallen sind; was man in den zoologischen Gärten heute als „Virginier" hält, sind gewöhnlich die kleineren„Mexikaner". Feuerwchrbericht. Ein großer Brand beschäftigte vorgestern abend die 2. Kompagnie in der Annenstraße 8. Dort war in der Etuisfabrik von A. DembinSki Feuer ausgekommen und hatte schnell an Ausdehnung gewonnen. Die Flammen hatten die Schaldecken, Fußböden, Fenster, Türen usw. ergriffen, so daß es längerer Lösch. tätigkeit bedurfte, um die Gefahr für die angrenzenden Räume zu beseitigen. Die Ursache des Feuers, das dort längere Zeit geschwelt haben mutz, war nicht zu ermitteln.— Auch in der Großen Frank- furterstraße 58, wo um Mitternacht im Erdgeschoß des Qucr- Scbäudes Feuer ausgekommen war, hatte die 2. Kompagnie längere eit zu tun. Regale, Stützen, Fußboden, Balken, das Zwischen- gebälk u. a. standen dort in Flammen, die durch kräftiges Wasser- geben auf das Erdgeschoß beschränkt werden konnten.— Ilm 7 Uhr mußte am Kottbuscr Ufer 1, wo in einem Heizraum der Dach- pappcnfabrik von W. Wolff ein Feuer entstanden tvar, die Feuer- wehr eingreifen. Es brannten dort u. a. Balken, sowie das Zwischen- gebälk.— Wegen eines Brandes in einem Kinematographeu, der durch die Entzündung von Zelluloidfilms entstanden war, wurde die Feuerwehr nach der Königstraße 1/6 gerufen. Die Gefahr konnte bald beseitigt werden.— Luiscnstraße 64 brannte ein Keller und Oppelnerstraße 5 Petroleum u. a. Außerdem hatte die Wehr noch in der Kulmstraße 32 und anderen Stellen zu tun. Am Freitag wurde die Wehr nach der Wilmsstr. 4 gerufen. Dort hatte sich im ersten Stock des Quergcbäudes eine Frau NieStc mit Karbol vergiftet. Die noch lebende Frau wurde von der Feuer- wehr nach dem Krankenhause Am Urban gefahren. Gleichzeitig hatte die 1. Kompagnie am Alexandcrplatz 2 zu tun, wo HauSrat, Türen und anderes brannten und die Wehr kräftig Wasser geben mußte, um die Flammen zu löschen. Vorort- I�acdrickten. Charlottenbnrg. Die Stadtvrrordnctcnersatzwahl im 7. Bezirk findet am Montag, den 23. April, von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 3 Uhr statt. Als Wahllokale sind bestimmt für den Ab- stimmungsbezirk A. das Restaurant„Hippodro m". Hardenbergstr. 42, und für den Abstimmungsbezirk L. das Restaurant„Leibnizsäle", Leibnizstr. 28. Der Kandidat der Sozialdemokratie ist Genosse Kanfman» Hugo Klick, Krumme- st r a ß e 48. ES ist außer unserem Genossen nur noch ein biirger- licher Kandidat aufgestellt, so daß Stichwahl ausgeschlossen ist. Um so lebhafter müssen unsere Genossen die kurze Zeit der Agitation ausnutzen, um den sicheren Sieg vorzubereiten. Gewählt wird nach der alten Wählerliste von 1905; eS ist deshalb Pflicht eine» jeden. zur Wahl zu gehen, auch wenn er nicht mehr in Charlotten- bürg wohnt. Schöneberg. Ein aufregender Selbstmord ist gestern morgen auf der Wann- seebahn verübt worden. In der EbcrSsrraße in Schönebcrg schwang sich plötzlich eine unbekannte Frau über das Geländer nach der Wannseebahn hinüber und warf sich mit einem Aufschrei vor einen in diesem Augenblick vorüberfahrenden Eisenbahnzug. Die Räder der Lokomotive gingen über den Kopf der Unglücklichen hinweg und zermalmten ihn vollständig. Der Tod trat auf der Stelle«in. Die unbekannte Selbstmörderin war besser bekleidet und dürfte etwa 4ä— 50 Jahre alt gewesen sein. Die Leiche wurde nach dem Schau- Hause in der Maxstratze gebracht. Rixdorf. Berhaftung einer Diebes-«nb Helilervandc. Die Rixdorfer Kriminalpolizei hat die Handelsleute Emil Kleinschmidt vnd Walter Seifert, sowie die Mutter des ersteren, die in der Jägerstr. 47 wohn- hafte Produktenhändlerin Kleinschmidt, wegen Diebstahls bezw. Hehlerei festgenommen. Auf dem Ritterguts des Herrn v. Treskow in Hoppegarten wurden kürzlich während der Nachtstunden etiva 700 Meter fingerdicker Kupferdraht sowie 20 Kuppelungen gestohlen. Der Verdacht der Täterschaft verdichtete sich gegen die drei genannten Personen dermaßen, daß die Polizei zu ihrer Verhaftung schritt. Das Kleeblatt wurde in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert.. Mariendorf. Die bürgerlichen Vertreter unseres Ortes können sich mit der Tatsache, einen Sozialdemokraten in ihrer Mitte im Gemeinderat zu haben, immer noch nicht abfinden. Man ist fortgesetzt auf der Suche noch Gründen, um die Wahl des Genossen Rcichardt für ungültig zu erklären. Bei der letzten Gemeindcvertretersitzung wurden die neugewählten Vertreter eingeführt. Unserem Genossen wurde vor- her schon amtlich bekannt gegeben, daß gegen seine Wahl Einspruch erhoben sei. Als Gründe wurden angegeben, erstens: Im Wahl- bureau habe eine Person gesessen, welche nicht wahlberechtigt gewesen sei, zweitens sei Genosse Neichardt nicht Angesessener. Die Herren versteifen sich jetzt mit einem Male auf den staatlichen Grund- und Gebäudcsteuersay von 3 M., den Neichardt nicht mehr bezahlt hat. Die Anmerkung des§ 41 der Landgemeindeordnung besagt nun aber, das; die staatliche Grund- und Geböudesteuer seit dem 1. April 1805 nicht mcbr erhoben wird. Man überinies die Untersuchung über die Gültigkeit der Wahl einer viergliedrigen Kommission. Was hier herauskommen wird, kann man sich bereits denken; immerhin kann es sich nur um ein Aufschieben der Wahl handeln. Des weiteren beschäftigte sich die Gemeindevertretung mit der Anschaffung eines Apparates, um den beim Straßenbau zu ver- wendenden Zement zu prüfen. Es wurde beschlossen, einen der- ortigen Apparat zu besichtigen. Einem Antrag, die Wohnung deS Lehrers Paul auszubessern, wurde zugestimmt und dafür 100 M. festgesetzt. Für die Verschönerung der Dorfstrahe versagte man die Mittel. Trotzdem diese Straße die Zierde des Dorfes sein soll und der Aufbesserung dringend bedarf, blieb der Antragsteller allein. Hier zeigte sich namentlich der Herr Herzberg, in welchem die Mariendorfer Arbeiterschaft noch einen ihren Wünschen entsprechen- den Herrn zu haben glaubte, in seiner ganzen Gestalt. Dieser Herr spielt insofern eine große Rolle, als er sich den anderen, nach der Gemeindeverwaltung neigenden Gemeindevertretern immer an- schließt. Steglitz. Ein seltsamer Tiebcsspczialist ist der Steglitzer Kriminalpolizei in die Hände gefallen. Seit einiger Zeit wurden in der Versuchs- station für drahtlose Telegraphie, die hinter dem Schloßpark liegt, fortgesetzt Diebstähle verübt. Es fielen dem Täter bei den Ein- brächen Mengen wertvoller Bronzedrähte und Instrumente aller Art zur Beute. Ter Kriminalpolizei ist es jetzt gelungen, den Ur- Heber der Diebstähle in der Person des Arbeiters E. aus der Schild- Hornstraße in Steglitz zu ermitteln und festzunehmen. E. hat die Diebstähle bereits eingestanden. Groft- Lichterfelde. Großes Aufsehen verursacht in Groß-Lichterfelde die Verhaftung des in der Manteufselstraße wohnhasten Maurermeisters L. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft wurde L. gestern unter dem Verdacht, eine Reihe von Wechsel- und Urkundenfälschungen verübt zu haben, in Haft genommen. Der Selbstmord eines Anwohners gab die Veranlassung zu dem Einschreiten gegen den Maurermeister. Die Fälschungen liegen teilweise Jahre zurück. Töpchin(Kreis Teltow). Ein Eisenbahnunglück» welches leicht schwere Folgen haben konnte, ereignete sich in der Nähe des Haltepunktes Gallun der Mittcnwalder-Töpchiner Bahn. Als der 0,53 morgens fahrplan- mäßig von der letztgenannten Station abgelassene Personenzug Nr. 3 sich dem Haltepunkte Gallun näherte, bemerkte der Lokomotivführer, daß die vor dem Bahnhof liegende Weiche für das Güter- gleis falsch stand und gab sofort Gegendampf. Es gelang ihm je- doch nicht mehr den Zug zuiH Stehen zu bringen, der auf das Güter- gleis hinauffuhr und gegen zwei auf diesem stehende Güterwagen anprallte. Glücklicherweise war die Fahrgeschwindigkeit des Per- sonenzuges durch die Aufmerksamkeit des Lokomotivführers derartig gemindert, daß, abgesehen von der Vernichtung des Prellbockes und Beschädigung verschiedener Puffer, kein größerer Materialschaden herbeigeführt wurde. Leider wurden bei dem Unglücksfall mehrere Personen verletzt. Lokomotivführer und Heizer retteten sich unmittel- bar vor dem Zusammenstoß durch Abspringen von der Maschine, wobei der erstere stürzte und leichtere. Kontusionen davontrug. Der Zugführer Rodach erlitt eine Gehirnerschütterung und muhte nach dem Kreiskrankcnhause in Britz überführt werden. Ebenso erlitt ein Passagier leichtere Verletzungen. Pankow. Ter königliche Schloswark Nieder-Schönhausens, welcher an unsere Gemeinde angrenzt und nach dem Eingehen der Schönholzer Heide der einzige Erholungsort im Norden Berlins ist, der jedem Spaziergänger und Naturfreund unentgeltlich zur Verfügung steht, droht eine Beute spekulativer Gastwirte zu werden. Am östlichen Ende ist die sogenannte«trauchwiese, wo noch vor zwei Jahren sich Jung und Alt im Grünen lagerte, von? königlichen Hofmarschallamt verpachtet und von dem Pächter eingezäunt ivordcn. Ein modernes Sommerlokgl• mit Militärkonzert und großem Tanzsaal ist ent- standen, dessen größter Teil gepackitet ist. Westlich der Pankower Grenze entlang ist der Park durch dichte Dornhecken abgesperrt. Vergebens hat die Gemeinde Pankow Eingaben au das Hofmarschall- amt gerichtet, im Zuge der Mendelstratze einen Eingang für Fuß- aänger auf Kosten der Gemeinde zu schaffen. Slatt dessen ist auch hier ein 15 Morgen großer Teil des Schloßparks an eine Gastwirt- schaft auf 13 Jahre für den Preis von 000 M. verpachtet und eingezäunt worden. Am Eingange droht jedem, der den Schloß- park betreten will, eine Tafel mit der Inschrift:„Ter Durchgang ist nur meinen Gästen gestattetl" Die Gemeinde gedenkt nun auf gütlichem Wege den Wirt zu bewegen, die Tafel abzunehmen, um auch den nicht Biertrinkenden den Eintritt in den Schloßpark zu ermöglichen. Sollte dies keinen Erfolg haben, so will man eine Immediateingabe an den Kaiser abschicken. Unserer Meinung nach wäre es besser gewesen, wenn die Gemeinde dieses 15 Morgen große Terrain für den lächerlich niedrigen Pachtzins selbst gepachtet und mit Anlage» versehen hätte, noch dazu da daS neue Pankower Krankenhaus dicht daran gelegen ist. Nieder- Schönhausen. Tie kiesige Gemeinde hat gegen die Erbauung eines Inspektor- Wohnhauses ans dem in der Schönholzer Heide gelegenen Pankower Begräbnisplatze Einspruch erhoben, weil keine Wohnhäuser an nn- geregelter Straße erbaut werden dürfen. Tie Gemeinde Pankow bestreitet, daß dieses Gebäude als Wohnhaus im Sinne des Flucht- liniengesetzes angesehen wird und behauptet, daß die Bismarckstraße bebauungsfähig ist. weil d,«selbe schon seit drei Jahren gepflastert und als alte Verbindungsstratze zwischen Schönholz und Nieder- Schönhansen anzusehen sei. Sollte keine Einigung zu erzielen sein. so will Pankow im Verwaltungswege klagen. Königs-Wusterhausen. An schwarzen Pocken erkrankt ist die neunjährige Tochter des Arbeiters Gärtner in Königs-Wusterhausen, welche in das Kreis. krankenhauS zu Britz eingeliefert wurde. Auf Veranlassung der Polizeibehörde in König-Z-Wusterhaiisen lvurden die übrigen Familienmitglieder zur Beobachtung, nach dem Kreiskrankenhanse überführt und dort ist nunmehr auch bei Frau G. der Ausbruch der gefährlichen Seuche festgestellt. Seitens der Sanitätsbehörden sind alle erforderlichen Matznahmen getroffen worden, um eine weitere Ausdehnung der Krankheit zu verhindern und sämtliche Per- sonen, welche in letzter Zeit mit G. oder dessen Familienangehörigen in Berührung gekommen, der Schutzimpfung unierworfen. Wie es heißt, soll die kleine G. durch Schiffer aus Stettin infiziert worden sein. Oranienburg. Im Lehnitzsee ertrunken ist wahrscheinlich der siebenjährige Schüler Zöpel aus Oranienburg, welcher mit anderen Knaben sich nach dem genannten Gewässer begeben hatte, um dort zu angeln. Während die übrigen Kinder nachmittags nach den elterlichen Wohnungen zurückkehrten, blieb der kleine Z. allein am Wasser zurück und ist seit dieser Zeit spurlos verschwunden. Zweifellos ist der Knabe ertrunken, wenngleich trotz sorgfältiger Absuchung des Gewässers die Leiche bisher nicht gefunden werden konnte. /Zus cler fraiienbewegimg. Witz oder Hohn? B. v. Kröcher und Gräfin Adeline Rantzau- Vizelberg fühlen sich berufen, die soziale Frage zu lösen und sie gründeten ein Organ, das sie„Kapellenblatt" tauften. In einein Prospekt der zum Abonnement einladet, heißt es: Was will das., Kapelle nblatt"? Die christlich- konservativen Kreise erwärmen und auffordern zur Beteiligung an dem Kampfe um die heiligsten Güter und Rechte der Frau. Es ist das schönste Borrecht der Frauc» des deutschen Adels» sich jetzt an die Spitze einer guten und durchaus notwendigen Be- wegung zu stellen und einzutreten für ihre schwer arbeilenden Schwestern, sei es im Kampfe ums leibliche oder geistige Brot. Wenn die Bucck, Tille, v. Zedlitz, Dr. Oertel, v. Kardorff und Genossen für volles Koalitionsrecht und für politische Gleichstellung der Frau mit dem Manne eintreten, ivenn die adeligen Damen es als Vorrecht betrachten, für Rechte der Frauen einzutreten, dann sollen wir glaukben, es sei dieser Gesellschaft ernst mit ihren Versicherungen. Aber das ist ja ausgeschlossen. Die Gründung ist entweder nur eine Gesichäftsspckulation, oder es soll ein neuer Sport kultiviert werden. Die Delegiertenversaminlung des schweizerischen Arbeiterinnen- Verbandes» die am Ostermontag in Basel stattfand und inklusive dreier Vorstandsmitglieder des Zentralvorstandes von 15 Delegierten besucht war, beschloß unter anderem die Herausgabe eines eigenen Verbandsorgans, das unter dem Titel„Die Vorkämpferin" monatlich einmal nnd zwar je am Ersten des Monats in Zürich erscheinen wird. Als Redakteuriir wurde die Genossin Faas, Sekretärin des Gewerkschaftsbundes in Bern, gewählt. Die erste Nummer erscheint bereits am 1. Mai. Ms Vorort wurde Winterthur einstimmig wieder bestätigt. Dem Verbandstag wohnte auch die Basler Gewerbeinspektorin bei. Marieiidorf. Am Mittwoch, den 25. April, abends Z'/z Uhr, hält der Frauen- und Mädchen-Bildungsverein für Mariendorf und Umgegend seine Monatsversammlung bei Reichardt, Chausseestr. 16, ab. Gäste, Männer und Frauen, haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Wcifiensee. Der Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiter- klaffe für' Weißensee und Umgegend hielt im Saale des„Prälaten", Lehderstrcrße, eine öffentliche Fraucnversaminlung ab, in welcher Genosse Dr. Levenstein einen Vortrag über„Die Prostitution" hielt. Die auch von Parteigenossen stark besuchte Versammlung folgte mit regem Interesse dem durch zahlreiches statistischen Material gestützten Referat. In der Diskussion würde von den Rednern hauptsächlich auf die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen und politischen Organi- sation der Mädchen und Frauen, als ein Mittel zur Bekämpfung der Prostitution Hingewiese». Genosse Harms betonte besonders die Notwendigkeit einer sorgfältigen Auswahl in der Lektüre für die Frauen und forderte zum Abonnement der„Gleichheit" und des „Vorwärts" auf. Die Leiterin der Versammlung wies auf den Frauenverein hin und ersuchte um Beitritt zu demselben. Ferner machte sie bekannt, daß Genosse Maurenbrecher bei Keller, Koppen- straße 29, einen Zyklus von Vorträgen halten wird, deren Besuch dringend zu empfehlen sei. Versammlungen. Die in Deckenbaugeschüften beschäftigten Hülfsarbeiter» welche im Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter organisiert sind, hielten am Donnerstag bei Augustin eine Branchenversammlnng ab. Nach Mitteilungen aus der letzten Vertretersttzung des Berliner Zwcig- vereins erörterte man die M a i f e i e r f r a g e. Es wurde als sehr erfreulich bezeichnet, daß in der Vertretersitzung Einmütigkeit darüber herrschte, die Maifeier durch strikte Arbeitsruhe zu begehen. Nach den Beschlüssen der Vertretersitzung sind die Maimarken am 1. Mai in der Zeit von 7 bis 9 Uhr vormittags in den Verkehrslokalen entgegenzunehmen. Nach 9 Uhr werden keine mehr ausgegeben. Wer es verabsäumt, in der angegebenen Zeit die Maimarke sich zu besorgen, der muß gleich denen, die am 1. Mai doch arbeilen, die Maimarke mit 1 M. bezahlen. Ohne Maimarke gelten die Mitglieds- bücher als nicht in Ordnung. Die Freie Bcrcinignng der Fliesenleger hielt am Donnerstag im „Neuen Klubhaus" für beide Abteilungen der Organisation(Fliesen- leger und Hülfsarbeiter) eine gemeinsame Mitgliederversammlung ab. Einstimurig wurde auch hier die bereits in der letzten Hülfs- arbeiterversammlung beschlossene Resolution angenommen, den I.Mai durch strikte Arbeits ruhe zu feiern. Es ge- langte alsdann die Abrechnung vom 1. Quartal d. I. zur Verlesung. Die Einnahme belief sich auf 4276,69 M. und die Ausgabe auf 1353,67 M., so daß ein Kassenbestand von 2923,02 M. verblieb. Hierauf wurden zur Ergänzung des Vorstandes M a t u l l als Kassierer und N o a ck als Schriftführer gewählt. Zum Schluß gaben die anwesenden Kongreßdelegierten aus Dresden und Düsseldorf einen Ueberblick über die Entwickelung der dortigen Fliesenleger- organisation. � Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu uneutseltlicher Be. Nutzung für jedermann, SW., Alexandrinenftr. 26. Geöffnet täglich von S'/a— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9— t und 3—6 Uhr. Iis den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschristen jeder Art und Richtung auS. Nllgemeiue Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. iE. H. 29).Hamburg. Filiale Berlin 3. Sonnabend, den 2t. Avril, abends 8l/3 Uhr, bei Kahler. Reichcnbergersw. 157. Wahl eines Revisor. Verein ehemaliger Giitergoncr zur Bekämpfung der Tuberkulose. Heute abend 9 Uhr Musikcrhaus, Kaiser Wilbclmsw. 18 m. ' Diskutierklub„Freie Zusammenkunft". Sitzung Sonnabend, den 21. April, im Gcwerlschaflshaule. Zimmer 16. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Kreplin über:„Das Frankfurter Parlament." Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 22. Zlpril er., vormittags S3!, Uhr im Rathause, Saal 109, Eingang Jüdenstraße,� Versanimlung: „Freireligiöse Lorlesung".— Um 10'/, vonnittagS in der Schulaula, Kleine Franksurterstr. 6: Vortrag des Herrn M. H Baege:.Höckels Welt- an chauung". Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen, Vmrnlcktes. Vom Vesuv. Rom, 20. April. Eine Depesckie des Professors Matteucci vom Vesuvobfervatorium von heute besagt, der Vesuv scheine zur Ruhe zurückgekehrt und er halte dafür, daß weitere l ernstere Vorgänge nicht zu befürchten feien. t Ein Riesenbrand. Krakau, 20. April. In der Stadt Sl!a- tion brach abends Großfeuer aus. Das ganze Judenviertel, be- stehend ans 150 Wohn- und 180 Nebengebäuden ist eingeäschert. Ucder 1500 Familien sind obdachlos. Der Schaden beziffert sich auf über 1 Million Kronen._ Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion. Rindfleisch la 64—66 pr. 100 Psund, IIa 54— 63, nia 49-52, IVa 40—48, engl. Bullen. 00—00, dän. Bullen- 00—00, Holl. Bullen- 00—00. Kalbfleisch, Dopvelländer 105—120, la 82—90, IIa 67— 80, Illa 54—04. Hammelfleisch la 60— 70 IIa 54— 60. Schweinefleisch 65—70. Kaninchen 0,40—0,70. Hübuer, alte, Stück 1,00—1,73, alte per Psd, 0,00, junge, per Stück 0,90—1,10. Tauben, junge 0,60—0,70, alte 0,00—0,00. Enten, junge, per Stück 2,00—2,40, per Pfd. 00—00, russ., gefr. per Stück 00—00. Gänse, junge, per Psd. 0,80—1,13, russ. per Pid. 0,00— 0,00. Hechte 80— 103, Schleie 90— III. Bleie 61,00, groß 0,00, Aale, groß 95—103, mittel 99—102, klein 60—62. unsortiert 80—92, Plötzen 19—33. Flundern, pomm, II, p. Schock 1,00—2,00, Kieler, Stiege la 4—7, do, mittel, per Kiste 3—4, do. klein, per Kiste 00—00, Bücklinge, schweb, per Wall 0,00, norw. 0,00, Holland. 2.50, Kieler 2—4, engl. 0,00. Aale, groß, per Bsd. 1,10—1,20, mittelgroß 0.80—0,30, klein 0,50—0,60. Sprotten, Kieler, 2 Wall l,50— 2,00, Elb- per Kiste 0,00—0.00. Sardellen, 1902er, per Anker 74,00, 1904er 72.00, 1905er 70,00. Ichotiiiche Vollheringe 1905 00— 00, largo 40—44, fall. 36— 38, rnod. 33— 35, deutsche 37— 44. Heringe, neue Masses, per-/. Tonnen 60—120. Hummern, IIa, 100 Pfd. 00—00. Krebse, per Schock,' große 00—00. mittelgroße 14.00, kleine 0,00 bis 0,00, unsortiert 6,50. Eier, Land-, per Schock 00—00, frische 2,90— 3,10. Butter ver 100 Pfund, la 117, Ifa 112-116, Illa 109-111, abfallende 108—112. Saure Gurken, Schock 3—3,50 M., Pseffergurken 3—3,50 M, Kartoffeln per 100 Psd. rnagn- bon. 2,10—2,35, rote Dabersche 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl per Schock 0,00—00,00. Weißkohl per 100 Psd, 4,50-5,50, Rotkohl per Schock 00-00. Holl. 16—24. Grünkohl, per 100 Pfd. 12—15. Rubelt, weiße 00—00, Teltower 00—00. Kohlrüben, per Schock 2,50—4,50. WttteriingeüdcrNcht vom SO. April 1906, morgens 6»Hr. Wetter-Prognose für Sonnabend, de« LI. April 1906. Zunächst ausklarend, nachts etwas kühl, am Tage etwas wärmer bei mäßigen nordwestlichen Winden, später neue Trübung mit etwas Regen. Sozialileoiokrat. Wafilverein für den lOerlinerReieöslaiswahllra (Landsberger Viertel). Todes-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, derRafchmacher Otto Lazarus im Fronen fürs Kapital sein Leben einbüßen ninßte. Ehre seinem Andenken! _ Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2t. April, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des städttschen Friedhofes in Friedrichsfelde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 243/1 Der Voritand. ZeDy-KrankEH-SterliekassEi Her Zimmerer. (E. H. Nr. 2, Hamburg.) Bezirk 4. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß daS Mitglied, der Zimmerer -�.nton Koplin am 18. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am 2l. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Hedlvigs- Ktrchhoses in Reinickcndors-Wcsl, Bcrlinerstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 259/9 Der Borstand. Beiiiirc und Umgegend. Todes-Anzeige. Die Ehestau unseres Bundes- Mitgliedes Qerlich vom Klub„Neuer Berliner" ist verstorben. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 22. April, nach- mittags 4 Uhr, aus dem Kirchhos der St. csimions- Gemeinde in Mariendorf, Tempelhof- Britzer j Weg, statt. Vez» Voestnnd. iDvaliden-ünterstützuntiskasse üteiDiiruekenütlioppIien. Die Beerdigung des am I 18. April verstorbenen Stein- druckcrS Huxo Schindler findet statt am Sonntag, dcnl 21. April, nachniittags 3 Uhr,| van der Leichenhalle des Zions- Kirchhoses in Nordend. 1306b Das Komitee. Verband d.baugewerbiiGhenj Hülfsarbeiter Deutschlands.! === Bezirk Osten. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Tode» Anzeige. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Arbeiterin ö�nna k�ick gestorben ist. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 2t. April, nachmittags 5 Uhr, von bei Leichenhalle des Gemeindc-Kilchhofcs in Ober-Schöneweide aus statt. Rege Beteiligung erwartet 117/3 Oie Ortsverwaltung. Todes-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Aniireas Kurzmaim am 18. d. Mts. nach längerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 21. d. MtS., nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- balle'des AndreaS-KirchhoseS in WilhclMsberg aus statt. 34,5 Um rege Beteiligung ersucht 0er �weigvereins-Verstand Nach langen Leiden verstarb am Donnerstag Misere liebe Mutter und Großmutter, die Witwe Bröcker geb. Gollschalk. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 22. April, um 5 Uhr von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhoses aus slatt. 936L Oie trauernden Hinterliliedenen. Am Sonntag, den Ä». April 10Ü6: Extrafahrten-i, Musik(Baumblüte in Gosen) nach Zwiebusch, Berliner Schweiz(Gosener Berge) ,} Restaurant Sehultheip{ Absahrt: 9 Uhr früh 2 Uhr mittags 1 J\CiiaUU»l\ Brücke. Preis bin und zurück 75 Pf. Kinder 50 Pf. 9371, Dampfer für Vereine etc. sind billigst zu haben. gä ladet jmmblichst ein Hermann Gärtner. Wirtshaus Schloß Woltersdorf empfiehlt sich den geehrten Gewerkschaften-c. zu seinen Ausflügen. Große Säle, großer schattiger Karlen und alter Park, herrlich am Flakeilsee. Villige möblierte Zimmer init auch ohne Pension, per Kops von 3 M. täglich an. auch für die Psingstfeiertage. Ebenso habe noch Himmcisahrt, Juni, Juli u»d'August einige Sonnabende und Sonntage frei. 910L* Um recht zahlreichen Besuch bittet Friedrich Safewert. Orts-Krankenkasse J Orts- Krankenkasse der Sattler d. Handschuhmacher und vcrw. Gewerbe z» Berlin. Sonnabend, de» 28. Zlpril 1906, abends 8'/, Uhr: = Ordentliche- General- Versammlung der gewählten Vertreter der Kassen- initglieder und Arbeitgeber im Gewerkschaftshause, Saal I," Engel- User Nr. 13. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes über das verflossene Gcjchästsjahr. 2. Bericht des NcchnungsnusschusseS und Abnahme der Jahresrechnung. 3. Antrag des Vorstandes aus Gehalts- regelung der Kasscnangestellten. 4. Verschiedenes. 273/4 IM" Nur die mit Delegierten- karte eventuell Mitgliedsbuch ver- sehcnen Delegierten haben Zutritt. XL. Beschwerden der Mitglieder, wozu die Einsichtnahme der Bücher notwendig ist, sind drei Tage vorher schristlich beim Vorstände einzureichen. Um pünktliches und zahlreiches Er- scheinen ersucht Her'Vor«tnnd. Ernst Uhlisch, Walter Dlttmann, Borsitzender. Schristsührer. Orts-Krankenknsie der Zteinlisuvkös u. Lithographen. Am Montag, den 30. April. abends 8'/, Uhr, findet im großen Saale des Lav/erkscliaftsstauses, Engel-User 15, die I. Ordentliche General-Versammlung pro 1006 statt, zu welcher die Herren Delegierten der Arbeitgeber sowie der Arbeitnehmer ergebenst eingeladen Ivcrdcn. 13v5b Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht pro 1905. 2. Bericht des Neuuer-Ausschusses. 3. Beschluß über Abnahme der Jahresrechnung. 4. Verschiedenes. Berlin. 20. April 1906. Oer Vorstand. I. A.: Max Stuhlmann, Vorsitzender. und verw. Gewerbe zu Berlin. Sonnabend, 28. April, abends 9 Uhr, Vcteranenslr. 18 bei Prothmann: . Ordentliche �=i General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Rendanten pro 1905. 2. Bericht der Revisoren und event. Erteilung der Decharge. 3. NeiiwaHl eines Arbeitgebers zum Vorslaude. 4. Verschiedenes. 273/7 Die Delegierten werden ersucht, pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Berlin, den 21. April 1906.' Oer Vorstand. I. A.: lterm. Hinz, Vorsitzender. Orts-Krankenkasse für das Gewerbe der Ver- fertigung von Musik- In- struinenten. Sonntag, den 29. April 1906, vormittags 9>/, Uhr: General-Versammlung sämtlicher Arbeitgeber-»nd Ar- beit»ehmer-B ertreter im Restaurant Pfeffer, Rosenthaler- straße 57, Hos Part. TageS-Ordnung: 1. Jahresbericht für 1905. 2. Bericht der Revisoren und An- trag aus Entlastung des Rendanten. 3. BorstandSwahl(1 Arbeitgeber- Vertreter). 4. Anträge aus Abänderung der ßtz 13, 21 und 25 des Statuts. 5. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht höflichst 273/8 Der Borstand. Krankenfahrstühle all. Systeme käuflich von 25 M. an, auch leihweise unter toulantesten Bedingungen. Koppsche Krankenwagen. Elsasserstraße 95. 116/4* Achtung!"M Am Sonnabend, Z WM" Achtung!-MW den Äl. 3kprit, eröffnen wir in Wer'Wtievikiile. Serllnerstr. 19 d, Sckeftassel- werderstrape(vis-a-vis schuinaus) eine Filiale. 1310B Jeder Käufer, der am Eröffnungstage diesen Zeitungsausschnitt vorlegt, erhält eine X)üte ff. 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Hermann T�entz, Vorsitzender, Gneisenauslraße 102. Ortskraukenkasse der Buchbinder und verwandten Gewerbe. Montag. 30. April, abends 8-/, Uhr. in Frankes Festsälen, Sebassian- straße 39: Ordentl. Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Or. med. Felix Davidsohn, Spezialarzt für Lichtheilbehandlung:„Eine Wanderung durch das Reich der Träume." 2. Ab- nähme der Jahresrechnung sür 1905. 3. Verschiedene Kassenaugeiegenheiten. Mitglieder der Kasse haben Zutritt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Bern h. Jost, Georg Bäßler, Vorsitzender. Schristsührer. Ferner teilen wir mit, daß der Jahresbericht erschienen und im Kassenlokale in Empjang genommen werden kann. D. O. fs Diann 50 M., bis/7, Sonntag2, billig! Il.I iaitU Gerichtstr. 32. 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Die Ortsverwaltnng. r irwei Zweigverein Berlin, Sektion 1(Brauer). Gcsohartsstclle Berlin C. 54, Linienstr. 19 I. Fernspr. VII, 2340. Sonntag, d. S£. April, nachmittags 3'l, Uhr,"•B Versammlung; im Crowerkschaftshanse, Engel- User 15(«aal 1). Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Redakteurs Lieddol über: Partei und Gewerkschast. 2. Abrechnung vom Maskenball und llraniavorstellung. 3. Innere Vereinsangelcgenheiten. 4. Verschiedenes. (MV- Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Es wird daher am pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht. Der Borstand. dtö. Diejenigen Mitglieder unserer Sektion, die heute arbeitslos sind, werden ersucht, ihr Wahlrecht zur Delegicrtenwahl in unserem Bureau hente von 9—1 und von 4—8 Uhr auszuüben. 41/9 D. O. Dentschlands. = Verwaltungsstelle Berlin nnd Umgegend.= Sonntag, den 22. April, nachmittags 4 Uhr, bei Voigt, Ritler straße 75: General° Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht deS Delegierten vom Schutzkongreß. 2. Bericht der Delegierten von der Generalversammlung in Mannheim. 3. Bericht vom Stistungssest. 4. Anträge. 138/13 Die OrtSverwaltung. M in Kmchc der MlOinstmlieiiteil-Arbeiter. Montag, den 23. April, abends 8'/, Uhr; Branchenmitgliederversammlung im Gewcrkschaftshanse, Engel-Ufer Nr. 15, Saal I. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deZ Genossen Stürmer über„Gesellschaftsordnung und Klassenbewußtsein". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 84/17 Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Branchenkommission. Mitgliedsbuch legitimiert.— Gäste willkommen. Treppvngeliiudrr-Krauche! Montag, den 23. April 1906, abends 8'/- Uhr- Versammlung alier inlreppengeländerfabriken beschäftigten Tischler, Stellmacher, Drechsler, Maschinen- arbeiter» Bildhauer usw. im„Königstadt-Kasino", Holmarktstrafte 72. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Bericht über die Differenzen. 3. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Wir ersuchen die Kollegen, alle in der Versammlung zu erscheinen. Die Konunlssion. Nerlmud städtischer Arbeiter Filiale Groß-Kerlin. Sektion V(Straßenreiuiger). Sonntag, den 22. April, nachmittags k Uhr, in den Arminhallen, Romwandantenstr. 20(großer Saal): Versammlung mit Frauen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Genossin Anns Masch. 2. Diskussion. Versammlung: KLMÜtl. SelLSMMKNZelN. �Entr��Pf�� Zu recht zahlreichem Besuche ladet ein * Die Sektlonsleltnng. I. A.: H. Müller. Achtung!|C8Gl9@l*s Von Montag, den 23. April, an tritt für die folgenden 14 Tage die graue Marke in Kraft, und muß sich dieselbe im 8. Felde der Karte befinden. Die Marken werden verabfolgt Sonntag, de« 22. April, von 9—12 Uhr vormittags in folgenden Lokalen: Krüger, Lhchener- straße 3/ Stephan, Wienerstr. 31: Pankow, Perlebergerstr. 32: Rickert, Steinmetzstr. 35; Büttner, Fruchtstr. 54: Döhling, Kolbergerstr. 28/29, sowie Sonnabend und Sonntag bei Merker, Bergstr. 10; Raikh, Charlottenburg, Pestalozzistr. 23/29, und im Berbandsbureau, Engel- Ufer 15, Zimmer 35. Jeder zu tarifmäßigen Preisen arbeitende Kleber muß im Besitze obiger Karte sein. i?7/ig Die Verbandsleitung. Drhsels Feststtle, Neue Friedriehstr. 35, Montag und Dienstag, den 23. und 24. April, abends S'/j Uhr etjrr von Dir. Scholz vurirdg(Zürich) über SeIbst=HeiIung der IVervo nnd deren Folgen durch Suggestion und Willensimpulse (ohne Hypnose). Neue Methode, mit großem Erfolge bei Nerven- Störungen aller Art. Wichtig für jeden Kranken und Gesunden. Eintritt: M. 1,50»), 1,25'), 1,00') 0,70 und 0,30. •) Broschüre(7. Aufl.) mit vollst. Anleitung zur Selbstbehandlung gratis a. d. Kasse dazu,— oder durch Post für M, 1,50 von R. Scholz, Görlitz, Obermarkt 4. Alles Nähere Plakatsäulen. NB. Die Vorträge sind nnab- hängig von einander. a ftempe? 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Rühe Jnh. bouschner, Enckepl. 6, Kliemt, Neue Königstraße, Gebr. Wienicke, Pankow, Franke, Jnfelftraße, beftndcii sich die sämtlichen Arbeiter im Streik. Wir ersuchen die Kollegen aller Branchen nach den obigen Be- trieben keine Arbeit au, zunehmen. 176/9 Die Agitationskommission. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Aerlin, Wr den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Verein der Berliner Buchdrucker und Schriftgießer. Wir geben den Mitgliedern hiermit bekannt, dag die Firmen Legal, G., Hochmeisterstr. 2,„Merkur", G. m. b. H., Köpenickerstr. 43, Bartels, Weißcnsce, für tariftreue Gehülfcn gesperrt sind. Bei Konditionsanerbietungen bei den Firmen Auerbach, Ritterstr. 86. Jauetzke, Gitschinerstr. 81, Jhring u. Fahreuholh, Prinzenstr. 86, Scharschmidt(Galvanoplastik), Beuthstr. 2, sind vorher Erkundigungen in unserem Bureau, Ritterstr. �8 I, einzuholen. 30/13 Der Gauvorstand. Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.