P». 94. Nbonnementz-keSingungen: vionnemmls• PreiZ vrSnumermdo; «iertcljährl. 3,30 m., monotl. 1,10 Mk,. »vöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mil illustrierter Sonntags, Vellage»Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- «bonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zeitungs. Preisliste, Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat, Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, polland, Italien. Luxemburg, Portugal. 'nien, Schweden und die Schweiz. 33. Jahrg. «chel», täglich uBn Illnttg». Nerlinev Volksblatt. Die TnlerllonS' Gebühr »elrägt für die sechsgespaliene Kolonel. zeile oder deren Raum M Pfg,, für politische und gewerlschiftliche BereinS- und Versammlungs. Anzeigen 30 Pfg, „meine Snrelgen", da» erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bi» 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse! „S»Izieem»Iint«tili»". Zcntralonyan der rozialdcrnohratSfchcn Partei Deutfchlands. Redaktions SCQ. 68» Lindenstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 34. April 1906. Expedition: 8M. 68, Lindenstraase 69. Kernsprecher: Amt IV. Nr. 1984._ Die niMche Anleihe und ihre folgen. t. Wenn nicht etwas ganz Unerwartetes dazwischen kommt. ist die neue russische Milliardenanleihe perfekt. Noch einmal schickt sich die Kapitalistenklasse Westeuropas an. dem russischen Henkerregiment bei der Erwürgung seines Volkes hülfreich zur Seite zu stehen. Niemand wird sich darüber verwundern, der das Wesen des Kapitals kennt und sich nicht durch die bürgerliche Wissenschaft beschwindeln läßt. Sicher ist es geradezu ein Verbrechen gegen Menschheit und Menschlichkeit, in dem russischen Bürgerkriege zwischen Volk und Absolutismus den letzteren zu unterstützen. Aber � das Kapital ist aus derartigen Verbrechen geboren und zieht neue Lebenskraft aus weiteren Verbrechen: Es begann in der Kolonialpolitik mit Mord und Plünderung, Seeraub und Sklavenhandel, und mitten in der Zivilisation zieht es heute noch Profite daraus, daß es kranke Frauen, zarte Kinder langsam zu Tode martert— siehe die Heimarbeitsausstellung. Wer kennt nicht den Satz des Marxschen„Kapital":„Wenn das Geld, nach Augier, mit natürlichen Blutflecken auf einer Backe zur Welt kommt, so das Kapital von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, blut- und schmutztriefend." •lai Nur naive Leute, die vom Wesen des Kapitals und des � von ihm beherrschten Staates keine Ahnung haben, können sich auch darüber wundern, daß den Reigen der Helfer des Absolutismus, der tückischsten Feinde der russischen Demo- krasie, die demokratische Republik Frankreich an- führt. Wer noch den republikanischen Aberglauben gehegt, als ob die bürgerliche Republik etwas anderes bedeutete, wie die rücksichtsloseste Herrschaft ,des Kapitals, wird nun wohl eines besseren belehrt sein— wenn er überhaupt belehr- bar ist. Ueberraschend könnte es höchstens wirken, daß in der repu- blikanischen Regierung, die dem Zarismus die Kriegsmittel zur Niederwerfung seines Volkes zuführt, auch ein S 0 z i a l i st zu finden ist. Aber diese Tatsache beweist auch nur die von uns seit jeher anerkannte Tatsache, daß der sozialistische Ministerialismus, die Teilnahme eines Sozia- listen an einem bürgerlichen Ministerium in normalen Zeiten nichts sein kann, als eine Quelle der Korrumpierung von Sozialisten. Im Falle Briand hören jedenfalls alle Mei- nungsverschiedenheiten auf. Ein Sozialist, der es in einer Regierung aushält, die in der heutigen Krisis der russischen Demokratie in den Rücken fällt, ist einfach ein ehrloser Lump. Die Dinge liegen hier zu klar, als daß auf mildernde Umstände plädiert werden könnte. Liegt aber das Verbrechen klar zutage, das da verübt wird, so weniger klar das Motiv des Verbrechens. In einer Fußnote zu dem oben zitierten Satz führt Marx einen englischen Schriftsteller, Dunning, an, der erklärt: „Das Kapital hat einen Abscheu vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent ' sicher, und man kann es überall anwenden: 20 Prozent, es wird lebhaft: 50 Prozent, positiv waghalsig: für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß: 300 Prozent und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens." Wo aber sind bei der russischen Anleihe die hohen Profite zu suchen, die das Verbrechen erklärlich machen? Wo kein hoher Profit winkt, da ist das Kapital stets höchst respektabel und aller christlichen Tugenden voll. Zum Teil wird die Begeisterung der Kapitalistenwelt erklärt durch den hohen Zinsfuß der Anleihe. Diese wird zu dem Kurse von 88 ausgegeben und mit fünfProzent verzinst, mit allen möglichen kleineren Vergütungen, die die tatsächliche Verzinsung auf fast s i e b e n Prozent an- schwellen lassen— unter den heutigen Verhältnissen eine un- erhört hohe Verzinsung für eine Staatsanleihe. Ausgenom- men vielleicht Griechenland und Portugal, dürfte es keinen Staat geben, der zu diesem Zinsfuß nicht Geld bekäme. Aber freilich steht auch keiner so nahe vor dem Bankrott wie Rußland. Es muß noch ein anderes Motiv sein, das die Anleihe begünstigt. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir annehmen, daß hier Provisionen, das heißt in ehrlichem Deutsch Bestechungen, den Unternehmern und För- derern der Anleihe in hohem Ausmaße winken. Bei einer Anleihe kommen ja zwei Parteien in Betracht: einmal die eigentlichen Geldgeber, die kleinen Geldbesitzer, die„Sparer", die nicht Gelegenheit haben, ihr Geld in einem eigenen Betrieb als Kapital anzulegen und daher nach einer Anlage in Papieren suchen, und dann diejestigen, welche diese Geldgeber dem Borgenden zutreiben und beflissen sind, jenen das Geld aus der Tasche zu ziehen: die Banken und deren Helfershelfer in der Presse, den Parlamenten und Regie- rungen. Diesem zweiten Faktor kommt es weder auf die Höhe der Verzinsung, noch auf die Sicherheit der Anlage an, sondern nur auf die Höhe der Provision, welche bei dem Geschäft winkt. Und die ist in diesem Falle aufs reich- lichste bemessen. Die Anleihe soll zu dem Kurse von 88 emittiert werden. die mit der Emission betrauten Banken übernehmen sie aber zu einem Kurse, der ihnen ungefähr 5 Proz. des Erlöses zu- schanzt, d. h. rund IVVMillionen Frank. Das ist aber nur der offen zustandene Kommissionsgewinn. Die Geschichte der Panamagesellschaft zeigt aber, wieviel daneben in solchen Fällen noch unter der Hand an Bestechungsgeldern für Bank- direktoren, Journalisten, Abgeordnete, ja Minister veraus- gabt werden. Man kann nach den Erfahrungen von damals ruhig sagen, daß diesmal mindestens ebensoviel, wie für offi- zielle Provisionen, für geheime Bestechung verwendet wurde. Hatten doch aus dem Bestechungsfonds der Panamagesell- schaft einzelne Zeitungen und einzelne Minister je eine halbe Million Frank erhalten. Und damals galt es bloß den fran- zösischen Markt zu bearbeiten, diesmal den Geldmarkt der Welt. Nur aus derartigen„Anregungen" wird es erklärlich, wenn sogar in Ländern, die selbst in ewiger Finanzklemme stecken und auf auswärtiges Kapital angewiesen sind, wie in Oesterreich, Finanzmöchte aufgetrieben wurden, die mittun. Neidisch blicken deutsche Finanzkreise auf ihre glücklichen österreichischen Nachbarn und jammern über das schreckliche Unglück, daß sie von dem„lukrativen Geschäft" ausgeschlossen bleiben, den teuren Landsleuten einige hundert Millionen aus den Taschen locken zu dürfen, zu dem edlen Zwecke, diese Millionen auf Nimmerwiedersehen den Schlächtern aller Reußen auszuliefern. Das sind dieselben Kreise, die am lautesten über die Vaterlandslosigkeit der Sozialdemokratie zetern und ihren eigenen Patriotismus am teuersten bezahlt bekommen, z. B. bei Schienen- oder Geschützlieferungen. Daß diese Hunderte von Millionen verloren sind und alle Milliarden dazu, die man dem Zarismus bisher borgte, daran kann aber kein Zweifel sein. Selbst wenn es der russischen Regierung gelänge, unbestritten im Lande zu herrschen und die Revolution wie weggeblasen wäre, ohne Spuren zu hinterlassen, läßt sich doch der Staatsbankerott Rußlands nicht mehr verhindern, denn nicht bloß die russische Regierung, sondern auch die russische Volkswirtschaft ist bankerott, und dieser Bankerott läßt sich durch Schwindelmanöver nicht aufhalten und auch nicht lange mehr verschleiern. Da kommen freilich die klugen Leute und versichern, Rußland sei em so ungeniein reiches Land, das könne gar nicht bankerott werden. Und sie zählen uns alle die Natur schätze auf, über die Rußland verfügt. Es sind sehr gelehrte Oekonomen darunter und doch beweisen sie alle, wie wenig sie von der Oekonomie verstehen und wie viel selbst für die alltägliche Börsenpraxis aus den Theorien von Karl Marx gelernt werden kann. Hätten sie eine Ahnung davon, dann verständen sie auch den Unterschied zwischen natürlichem und gesellschaftlichem Reichtum. Vor allem ist es klar, daß auch das größte Einkommen nicht vor Bänkerott schützt, wenn man die Kunst versteht, mehr auszugeben, als man einnimmt. Dann aber hängt das Ein kommen des Besitzers von Bodenschätzen keineswegs von deren Vorhandensein allein ab. Diese Schätze sind wertlos, so lange sie im Boden liegen; sie erhalten erst einen Marktwerts sobald menschliche Arbeit sie zu Tage gefördert und auf den Markt gebracht hat. oder sobald wenigstens die Möglichkeit besteht, daß dies geschieht. Aber noch mehr. Sie erhalten einen lohnenden Wert auf dem Weltmarkt nur dann, wenn sie mit dem durchschnittlich in der Weltproduktton üblichen Aufwand von Arbeit produziert und auf den Markt gebracht werden, populär gesprochen, wenn ihre Produkttonskosten die durchschnittlich erforderlichen nicht überschreiten. Ob das der Fall, das hängt aber nicht bloß von der Menge der vorhandenen Bodenschätze ab. sondern auch von ihrer Zugänglichkeit, und in der Beziehung ist Ruß- land vielfach sehr schlecht daran. Es ist von dem Weltmärkte abgeschnitten, viele seiner Bodenschätze sind in den ab- gelegensten, unwirtlichsten Gegenden zu finden. Der Arbeitsaufwand, der erforderlich ist, ein Produkt her- zustellen und zu Martte zu bringen, hängt aber ferner ab von der Art der vorhandenen Arbeitskräfte. Je besser diese geschult, je mehr ihre Intelligenz durch Zeitungen. Wcher, Vereinswesen entwickelt ist, desto mehr werden sie leisten, desto billiger produzieren, auch bei hohen Löhnen und kurzer Arbeitszeit. Was finden wir aber in Rußland? Ein Proletariat, dem bisher jederWegzur Intelligenz, zur selbständigen Betätigung und Entwicklung seiner geistigen Kräfte von Regierungswcgen gewalt- sam verschlossen wurde, sodaß die Leistungsfähigkeit des russischen Arbeiters, die Produktivität seiner Arbeit eine ungemein geringe ist. Endlich aber hängt der Arbeitsaufwand, der erforderlich ist. eine Ware zu produzieren und zu Martte zu bringen, von der Güte und Menge der vorhandenen Produttions- und Verkehrsmittel ab. Das ist aber in der heutigen Produktions- weise vor allem eine Frage des Geldes, des Kapitals. Wem die größten Kapitalmassen und die besten Arbeiter zu Gebote stehen, der wird stets seinen Konkurrenten voran sein können. Rußland aber besitzt nur geringes Kapital, weil es von seiner Regierung von den Anfängen der kapitalistischen Produkttonsweise an so ausgesogen wurde, daß eS nur wenigen seiner Bewohner gelang, erhebliche Geldmittel anzusammeln und kapitalistisch anzuwenden. So sind die Eisenbahnen un- zureichend geblieben, die zu den Bodenschätzen führen, sind die Maschinen unzureichend, die die Bodenschätze zutage fördern und verarbeiten- Alles das bewirtt, daß die russische Industrie bis heute nicht gedeihen konnte, auf dem Weltmarkte nicht konkurrenz- fähig ist und im Lande selbst sich vielfach nur durch Sub- venttonen der verschiedensten Art behauptet, die sie von der Regierung erhält. Auf dem Weltmarkte erscheint Rußland als Verkäufer fast ausschließlich mit Produkten der Landwirtschaft— diese im weitesten Sinne genommen, so daß auch die Holzproduktion dazu gerechnet wird. Neben diesen Produtten kommt nur noch Petroleum für die Ausfuhr in Bettacht. Aber für die Landwirtschast gilt dasselbe wie für die Industrie. Der Mangel an unterrichteten Arbeitsttäften und der Mangel an Kapital sowie an Verkehrsmitteln bewirken. daß die russische Landwirtschaft weit mehr Arbeitsttäfte erfordert, dieselbe Produktenmenge zu erzeugen und auf den Markt zu bringen, als etwa die deutsche. Ein Hektar des fruchtbaren russischen Bodens ttägt weniger als ein Drittel des weniger fruchtbaren deutschen(Marttn, Die Zukunft- Rußlands, S. 11). Sie kann sich auf dem Weltmartt nur dadurch behaupten, daß sie ihre Produtte unter den Produktionskosten verkauft. Ein kapitalisttscher Produktionszweig würde unter diesen Umständen sofort aufhören. Wo kein Profit zu holen ist, dort verschwindet das Kapital. Der Bauer ist zäher und muß zäher sein, denn er kann nicht so leicht die Ertverbsweise ändern. Und er muß verkaufen, die Steuerschraube zwingt ihn dazu. Dieser zähen Ausdauer des Bauern hat es in letzter Linie der russische Staat zu danken, daß er in den letzten Jahrzehnten dem Bankerott immer wieder entging, so oft er ihn auch mit dem Aermel streifte. Aber diese Zähigkeit konnte der Bauer nur dadurch entwickeln, daß er sich, seine Familie, seinen Boden, seinen ganzen Betrieb vollständig ruinierte. Wer dauernd unter den Produktionskosten verkauft, kann seinen: Betriebe nicht.n jedem Jahre so viel wieder zuführen, als er ihm ent- nommen hat. Der Bauer degeneriert, weil er sich nicht mehr genügend ernähren kann, oder er entflieht seiner Scholle, um als Wander- arbeiter oder sonstwie Geld zu verdienen, und überläßt seinen Betrieb der Frau und den Kindern, die nicht genügen, ihn zu bauen. Alle Reserven werden aufgezehrt. Kommt ein Miß jähr, so muß das Vieh geschlachtet oder verkauft werden. Ohne Vieh kein Dünger, keine richttge Feldbestellung. Diese geht immer mehr zurück, die Landwirtschaft wird immer unfruchtbarer, indeß die Ausgaben des Staates immer mehr steigen. So ist das notwendige Ende der Bankerott, der Bankerott der Landwirtschaft, aber auch der des Staates. Das hatten die Theorettker der Sozialdemottatte schon lange erkannt(z. B. Plechanoff, Parvus), jetzt haben es Krieg und Revolutton so offenkundig gemacht, daß es auch das blödeste Auge erkennen konnte. Als nun der Regicrungsrat Martin wiederholte, was die Sozialdemokraten vor ihm gesagt, da verfehlte es einen Moment lang seine Wirkung nicht. Aber wer nicht sehen will, dem kann niemand die Augen öffnen, und so läßt sich das kapitalistische Wild von neuem durch die Hetzhunde des Zaren in dessen Netze blind- lings hineinjagen. Wir brauchen uns darüber nicht allzusehr aufzuregen. Die neue Anleihe wird dem Zarismus nicht so viel helfen wie seine Freunde hoffen, dem kapitalistischen Regime Westeuropas kann sie aber tiefe Wunden schlagen. Die Revolution in Rutzland. Aus dem Kaukasus. Täglich bringt die russische Presse immer traurigere und grauen- erregendere Nachrichten aus dem Kaukasus. Die Schrecken von Moskau, die blutige Henkerarbeit in den Ostseeprovinzen erblassen im Vergleich mit dem Wüten der Reaktion in Armenien und Georgien. Das einst blühende Land ist verwüstet, rauchende Trüinmerhaufcn zeigen die Stätte, wo sich stüher Dörfer und ganze Städte befanden, die Felder sind unbebaut, die Gärten vernichtet, die Bevölkerung' ist in die Berge geflohen. Dies ist die Strafe. welche die russische Selbstherrschaft über die freiheitS- liebenden Kaukasier dafür verhängt hat, daß sie schon seit mehreren Jahren in den Vorderreihen der Kämpfer für Freiheit und Recht stehen. Infolge der eigentümlichen kaukasischen Verhältnisse und der hohen revolutionären Energie der armenischen und namentlich der georgischen Bevölkerung wollte eS der Regierung lange Zeit nicht gelingen, der Bewegung Herr zu werden: aber jetzt, wo sie eS ist, oder vielmehr zu fein glaubt, ist ihre Rache furchtbar. Ganz Kaukasien ist in Kriegszustand erklärt; Generalgouverneure und sogenannte besondere Kriegsgouverneure schalten und walten nach Belieben; Versammlungsverbote, ZeitlingS- Unterdrückungen, Ausweisungen, Verhaftungen, Kriegsgerichte und Hin« richtungen sind an der Tagesordnung: Militär und Kosaken sind unum« schränkte Herren im Lande. In die Gegenden, wo die revolutionäre Bc- wegnng am stärkste» war. werden Strafexpeditionen auSgesandt, die den Raub- undMordzügen des berüchtigtenGenerals OrloffinKurland würdig zur Seite stehen. Diese Expeditionen haben den Aufttag erhalten, die von der Bevölkerung seit längerer Zeit verweigerten Steven: einzutreiben, die bis dahin ebenfalls verweigerte Stellung der i> 0- kruten zu bewirken, die Bevölkerung zu entwaffnen und selbst- verständlich alle„verdächtigen" Personen unschädlich zu machen. In welch unerhörter Weise diese Soldateska vorgeht, davon reden am besten die Tatsachen selbst, deren wir einige aus den i Berichten der Petersburger und der kaukasischen Presse aufs Geratewohl entnehmen. Aus dem Kreise Schuscha wird der„Njetsch" gemeldet: „400 Kosaken bombardierten das Dorf Tog von allen Seiten, wodurch 25 Häuser zerstört wurden; hierauf drangen sie in? Dorf ein, durchsuchten die Häuser nach Waffen, und nach Be» schlagnahme von 25 Gewehren und 900 Rubel als Strafe fiir nicht« gestellte Rekruten begannen sie das Dorf zu plündern und brannten es schließlich nieder, vernichteten dabei daS ganze Getreide, verwüsteten die Gärten und zer- stampften die Saatfelder; 15 Bauern wurden halb- tot gepeitscht, Frauen, alte und junge, Kinder, wurden vor den Augen ihrer Angehörigen vergewaltigt. Die Ein- wohncr haben sich in die Wälder geflüchtet und wagen sich nicht hinaus. Dasselbe wird auch aus den Dörfern Taglar, Osoch, S u s und einer ganzen Reihe anderer gemeldet."— Im Dorf A k e t i sGurien) kamen zwei Kosaken„zu Besuch" zu einem Bauer und benutzten einen Augenblick seiner Abwesenheit, um seine Frau zu vergewaltigen; der Mann kam aber noch zur rechten Zeit zurück und vertrieb die Kosaken mit Arthicben vom Hause. Zur Strafe dafür erteilte Krilow, der Chef der Strafcxpedttion, den Kosaken die Erlaubnis, zu„tun was sie wollen", und diese brannten das Dorf an allen Ecken an und plünderten es. Ucbcr vierzig Häuser kamen in den Flammen um. Die Dörfer Tschochtauri und Latschutt sind dem Erdboden gleich gemacht. Nach amtlichen Angaben sind in Ratais am 3; Februar 88 Läden ausschließlich durch Militär geplündert und air gezündet worden, im Monat Januar allein über 20 größere Ortschaften niedergebrannt, die Zahl der kleinen kann gar nicht fest gestellt werden. Das Dorf Karageschisch in Armenien ist zertrümmert, alle Einwohner ohne Ausnahme, ohne Unterschied von Alt und Jung, von Man» und Weib unmenschlich ausgepeitscht. Infolge der horrenden Zahl der Vergewaltigungen von Frauen durch Kosaken »imnit dir Siphylis, die bisher beinahe unbekannt war, in erschreckendem Maße zu und die kommenden Generationen werden die Folgen davon zu tragen haben. Und von diesem unglücklichen, seines ganzen Lebensunterhaltes, seiner Gesundheit beraubten Volke werden drei- und vierfache Steuern eingefordert, Hunderte von Rubeln Strafgelder für konfiszierte Waffen, für fehlende Rekruten, für entflohene Verhaftete, für die Berbergung der„Rädelsführer und dergleichen. Die Folge einer solchen Plündernngspolitik läßt sich schon spüren: in verschiedenen Gegenden des Kaukasus ist Hungersnot ausgebrochen. Aber auch die zweite Folge— eine furchtbare Erbitterung gegen den Zarismus und seine Bluthunde- stellt sich auch ein und wird zweifellos früher oder später zum Aus bruch kommen und wehe dann den zarischen Henkern! Polizeischreckcn in Petersburg. Petersburg, Lll. April. An den Bororten wurden heute außerordentliche SicherhettSmaßregeln vorgenommen. Die großen Fabriken waren von Soldaten und berittenen Schutz lcutcn bewacht. In der Straßenbahn, die nach Newskaja Sastawa, dem belebtesten.Arbeiterquartier führt, waren Schutzleute postiert, mit Flinten bewaffnet. Dortselbst wurden tn einer Arbetterversammlnng 30 Persoüen, darunter sieben Frauen verhaftet. Die Zahl der Arbeitslosen vergrößert sich, ihre Organisation geht vorwärts, täglich erscheinen die be- ziigliche« Aufrufe, verlangen Arbeit vom Magistrat. Es wurde ein Rat von Deputierten der Arbeitslosen gewählt. Llassenhafte Ausschließungen. Vorversammlungen der Wahl männer von Universitäten und Wissenschaftsakadcmtcn be- schlössen energischen Protest gegen die Haussuchungen tn den Dorpater und Odessaer Universitäten. Amtliche Schönfärberei. Die amtliche Petersburger Telcgraphenagentur lügt das Blaue vom Himmel herunter, um die Zustände in Rußland im rosigsten Lichte erscheinen zu lassen. Nicht nur die finanziellen Ver- Hältnisse werden— um den Pump einheimsen zu können— als die günstigsten geschildert, sondern es werden auch Darstellungen ver- breitet, daß die befürchtete Baucrnerhebung ganz aus- geschlossen sei, da zuverlässiges Militär in mehr als ausreichender Zahl zur Verfügung stehe, um alle Unruhen schnell und gründlich unterdrücken zu können. Die getäuschten Gläubiger werden zu spät ihre BertrauenSseligleit bereuen! poUttfeKe CkbciTicbt. Berlin, den 23. April. Zur preußischen..Landtagswahlreform". Die Ncueinteilung der Stadt Berlin in zwölf LandtagSwahl- kreise, auf Grund der famosen„Landtagöwahlreform" ist endlich zu- stände gekommen. Pie Verzögerung ist angeblich entstanden, iveil man die Kreise nach der„historischen EntWickelung" abgrenzen wollte. Daß das. wenn eS überhaupt gewollt war. geglückt ist. kann man, wie aus Nachstehendem ersichtlich ist, nicht behaupten. Aber es ist auch ganz gleichgültig, denn bei diesem blödsinnigen Wahlvcrfahren wird auch die vernünftigste Einteilung zu Schanden. Wenn dir Macher glauben, etwas durch diese Einteilung zur Be- ruhigung beigetragen zu haben, so irren sie sich gründlich. Das Gegenteil wird eintreten, denn nun erst recht wird den Massen das Unrecht klar vor Augen treten, nun erst recht wird sich der Sturm entfachen, der früher oder später daS„elendeste aller Wahlsysteme" beseitigt. Der erste Wahlkreis, bestehend aus den Stadtbezirken Nr. 81, 32. 83. 34, 85. 33, 87. 88. 3S. 40. 41. 42. 43. 44. 45, 46. 47». b. 48a, b, 49, 50a, b, 288,. 283», b, 61, umfaßt daS ganze Tier- garte ii viertel und die Potsdamer Vorstadt, dazu von der Tempelhofer Vorstadt die Katzbachstraße sowie einen Teil der Dork- und Möckernstraße. Diese Straßen haben mit dem Hauptteil des Kreises gar keinen historischen Zusammenhang, da sie durch die Potsdamer und Anhalter Bahn getrennt werden. Der zweite Kreis wird gebildet aus de» Stadtbezirken Nr. 6, 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 13. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26. 27. 28. 29. 30. 50. 61. 52. 53. 54. 55. 57, 53. 59. 69. 62, 63, 64 a, b, 65 und zieht sich vom Tempelhofer Feld(Bockbrauerei) bis zur Weidcndammer Brücke und zwar so, daß die historisch und wirtschaftlich eine Einheit bildende Tenipelhofer Vor- stadt vollständig auseinandergerissen wird. Einen Trost haben die Wähler dieses Kreises wohl dadurch, daß in demselben auch das Schloß und der Mühlendamm liegt. Die Wahlkreise 3, 4, 5, 6, 7 find verhältnismäßig gut ge- schnitten. Der dritte Kreis besteht auö den Stadtbezirken 32. 83. 64. 65. 97, 98. 99, 100, 101, 120, 122, 123, 124, 125, 126, 127, 128, 129, 130, 181, 132, 183, 134, 135, 136, 138, 139, 140, 141. 142, 143, 144. b vierte Wahlkreis aus den Bezirken 147, 143, 149. 150, 161, '54, 155, 156, 159, 161, 162, 163, 164, 165, 166, 167», b, 171, 172, 173, 174, 175», b, 178, 177, 178, 179». e Kreis aus den Bezirken 79. 80, 81, 86, 87, 83, 90, 96. 96. 102, 103. 104, 105, 106. 107», b. 108», d. 112», d, 113», b. W crti Der sechste Kreis aus den Bezirken 147, 148, 149, 150, 151 152, 153, 154. 155, 156, 159, 161, 162. 163, 164, 165, 166, 167», d, 163, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175», b, 170, 177, 178, 179». Der siebente Kreis aus den Bezirken: 157, 158, 160, 179b, o, 130», b, 0. d, 181», b, 0, d, s. 189», b, c, d, 190», b, 0, 191, 102, 193 b, o. Der achte Kreis enthält nicht weniger als 51 Bezirke und zieht sich von dem Landsberger Tor bis zur Aiiklamcrstraße, umfaßt das ganze„Alt-Berlin" und erstreckt sich von der Kurfürstenbrücke bis zur Danzigerstraße. also auch hier fehlt jeder historische Zusammen- hang. Diese 51 Bezirke tragen die Nrn. 1, 2, 3, 4, 5, 145, 146, 182, 183. 184, 185, 186, 187, 188, 193», 194, 195, 196, 197, 198, 199. 200, 20t, 202, 203, 204, 205, 200, 207, 208, 218, 219, 220, 221, 222, 223, 224, 225, 226, 228, 229, 230, 231, 237, 238, 239, 240, 241, 242». b, c. Der neunte KreiS dehnt sich aus von der Gasanstalt in der Danzigerstraße bis zur Wiesenstraße und zerschneidet den Gesund brunnen in zwei Teile. Gewiß ein Meisterstück, den historischen Zusammenhang aufrecht zu erhalten. Dafür hat er auch nur 22 Stadtbezirke, wie folgende Nrn. ergeben: 244, 245, 246», b, c, 247», b, c, 248, 249, 250, 244», b, 0, d, o, 320», b, 321, 322, 323, 324. Der zehnte Kreis wird gebildet aus den Stadtbezirken Nr. 209, 209, 210, 211, 212, 213, 214, 215, 216, 217, 227, 232, 233, 234, 285, 236, 251, 252, 253, 254b. 253, 256, 257, 238, 259, 260. 261», d. 262. 266, 264, 265, 266, 267. 263, 269, 270, 271, 272, 273, 274, 275, 276, 277, 278. 279, 230. 231, 282. 303. Er erstreckt sich vom Hackcschen Markt bis zur Lynarstraße und von der Eberswnlder straße bis zum Nordufer, besteht also auö Teilen der Rosenthaler Borstadt, der Hamburger Vorstadt, Oranienburger Vorstadt und des WeddingS. Der elfte Kreis besteht aus dem nördlichen Teil dcS WeddingS und GesundbriiniieiiS, den Stadtbezirken Nr. 306, 307, 308», b, 310, 311, 313, 313, 314», b, 315, 816, 317, 318, 319, 325, 326», b. (Rüstet zum 1.(Hai! Am 1. Mai demonstriert daS Proletariat für die Ver- kürzung der Arbeitszeit. Trotz aller Bemühungen der Ge- werkschaftsorganifationen ist noch immer die Arbeitszeit in den meisten Berufen eine überniäßig lange. Da.aber die Gesundheit das einzige Gut des Proletariers ist, mit dem er nicht nur seinetwegen, sondern auch im Interesse der Seinigen haushalten muß, hat das Proletariat die Pflicht, künftig durch verdoppelte gewerkschaftliche und politische Anstrengungen eine Herabsetzung der Arbeitszeit auf zunächst höchstens acht Stunden zu erzwingen I Erst dann wird das Proletariat auch die nötige Muße finden, sich geistig zu vollem Menschentum emporzuarbeiten. Die Maidemonstration ist aber auch ein wuchtiger Protest gegen die kapitalistische Lölkerverhetznng, eine eindringliche Absage an das weltpolitische FItbusttertum, das gerade in unseren Tagen sein Unwesen treibt. Am 1. Mai gelobt das internationale Proletariat einander brüderliche Treue, erklärt eS dem Chauvinismus tn allen Ländern unerbittlichen Krieg. Der 1. Mai ist in diesem Jahre für das deutsche Prole- tariat endlich auch eine erneute Kundgebung gegen die schmäh- liche preußische Wahlcntrechtung! Der 1. Mai soll die Wahl- rechtöbewegung verschärfen und vertiefen. Immer erbitterter und immer nachhaltiger muß der Kampf entbrennen. Gegen die Regierung, die die proletarischen WahlrechtSforde- rungen erst mit dem Militäraufgcbot und dann mit einem elenden Flickwerk von einer Wahlreformvorlage beantwortete, daS den ätzendsten Hohn auf die Forderungen der Arbeiter- klaffe darstellte. Und gegen die bürgerlichen Parteien, die entweder das Wahlrecht mit brutalem Hohn verweigern oder aber unter der verlogenen Vorspiegelung, für die Forde- rungen der Arbeiter einzutreten, an dem Proletariats schnöden Verrat üben! Der 1. Mai wird eine Probe für das Klassenbewußtsem und die Kampfesenergie des deutschen Proletariats sein l Darum sorgt für«in Massenaufgebot, für eine imposante Feier! Der zwölfte Kreis umfaßt das ganze Moabit, die Stadtbezirke Nr. 285, 286, 287», b, o, 288, 289, 290», b, 291a, b, 292a, b, o, 293», b, 204, 295, 206, 297, 208, 209, 300, 301, 302, 803», b, 304, 309. Hier ist also der historische Zusammenhang am besten ge- wahrt. Die Einteilung wird den Freisinnigen manche Zähren entlocken. denn nicht nur von links, sondern auch von rechts dürfte der An- stürm auf ihren alten Besitzstand erfolgen, ja bei etwas BoSheits- Politik von unserer Seite dürsten sie fast ganz aus Berlin ver- schwinden, umsomehr, als es diesen„Fortschrittlern"? nicht gelungen ist, die Drittelung in den UrWahlbezirken zu beseittgen. Jndeß, wie sich die Dinge auch gestalten möge«, für die Arbeiterklasse kann eS nur eine Parole geben:»hinweg mit dem Dreiklassen« Wahl unrecht". Mit dem Linsengericht dieser sogenannten Wahl- reform läßt sich das Proletariat nicht abspeisen.— Zum Blutbad-Versammlungsverbote J Nachdem die Breslauer Polizei Arbeiterblut vergossen hat,„beruhigt" sie! Der Breslauer Arbeiterschaft wird das Vers am mlungsrecht genommen, damit sie nicht sage, was sie empfindet, was sie denkt I Der Zorn, der Groll darf nicht nach außen kundgegeben werden I Das ist polizeiliche „Beruhigung" in Preußen. Die Polizei darf den Säbel auf den Rücken der Bürger tanzen lassen, aber der Bürger darf ich nicht einbilden, daß er solche Säbelheldcntaten vor der Oeffentlichkeit kritisieren, vor der Oeffentlichkeit brandmarken dürfe. Die Polizei ist sakrosankt in Preußen und wenn Un- botmäßige sich unterfangen wollen, despektierlich von ihr zu reden, so verbietet ihnen die Polizei einfach das Reden. Was kann einfacher sein? Es gibt wohl kaum etwas Aufteizenderes als solches Ver- fahren! Und wir begreifen es vollkommen, daß die Leiter der Breslauer Arbeiterbewegung, als sie die Verbote der Ver- ämmlungcn erfuhren, Anschläge erließen, worin sie die Ar- beiter aufforderten, die Ruhe zu bewahren. Sie mußten es tun trotz der weltbekannten Disziplin der Kassenbewußten Arbeiter. trotz der bewunderungswürdigen Selbstbeherrschung, die die Ausgesperrten in den Versammlungen am Freitag abend bewahrt hatten. Denn die Verbote der Versammlungen in solcher Situation mußte wirken, wie Ocl ins Feuer, und schließlich hat auch die Selbstbeherrschung der Besonnensten ihr Maß! Und bei solcher Lage der Dinge bringen es„liberale" Blätter fertig, der Polizei bcizuspringcn, wagt es das Mossc- Blatt, das natürlich die Sprache des„Vorwärts"„maßlos" nennt, zu schreiben: In Breslau selbst versuchen beide Teile allen Zündstoff möglichst aus dem Wege zu räumen. Ein P r i v a t t e l e g r a m in berichtet uns: Die für Sonntag vormittag anberaumten sechs P r o t e st- b l a t t e s fordern die Arbeiter auf, sich ruhig zu ver-- halten." Das sogenannte freisinnige„Berliner Tageblatt" hat also nicht nur nichts daran auszusetzen, daß das Versammlungs- recht preußischer Staatsbürger durch den Zug einer Polizei- feder einfach aufgehoben wird— das Vereins- und Ver- sammlungsrecht kennt nebenbei nicht einmal ein Recht der Polizei zu solchem Verfahren,— nein, es glorifiziert die Tat noch als eine beruhigende, als eine„die Zündstoff aus dem Wege räumt"! Es begeistert sich für die polizeiliche Bevor- mundung des Bürgers, Notabene, wenn er Proletarier ist. Der Liberalismus ist zum Brechen l *** Die Breslauer„Volkswacht" schreibt in ihrer Sonntags- nummer, in der sie das Verbot der Versammlungen noch nicht mitteilen konnte: „In den nächsten Tagen werden die zum Klassenbewußtsein erwachten Arbeiter Deutschlands von dem Breslauer Blutbad« zu reden haben. Weil ein paar Hundert Former und Gießerei- arbeiter Forderungen gestellt haben, werden Tausende von Familienväteni auf das Pflaster gesetzt. Die Aktionäre der tvlaschinenbauanstatt verdienen für ihr Nichtstun 16 Prozent Dividende. Weil die Former einen Stundenlohn von 40 Pfennigen garantiert haben wollen, werden ihre Arbeits- lameradcn ausgesperrt. Anstatt die Kapilalsprotzen. die Taufende von der Arbeit und vom Verdienst fernhalten, in ihre Schranken zu weisen, taucht die Polizei plötzlich als Irene Dienerin des Kapitals auf, besetzt die Plätze, die vor den Fabriken liegen, und sorgt, daß den Unter- nehmern und ihren Schützlingen kein Haar gekrümmt werde. Mehr noch I Blindlings schlägt sie in die wehrlosen Menschen- masscn hinein, Ströme von Blut zeugen von der ruhmvollen Tätigkeit der Schutzmannschaft des Unternehmer- tu ms. Es ist, als hätte die Sicherheitsbehörde wirklich Sorge darum, daß die Sozialdemokratie zu schwach werden könnte. Was ein Dutzend guter Reden, was ungezählte Leitartikel unserer Preffe nicht fertig bringen konnten, das hat die Schlacht oder dasSchlachtrn voni 19. April vollbracht: Eine solche Erbitterung gegen das herrschende System vermögen wir nicht zu erzeugen I ... Was in den Herzen und Köpfen der Schutzleute vor- gegangen ist, wir wissen es nicht. Aber als sie auf Fliehende und Wehrlose mit der Waffe einhieben, da hatten sie das menschliche Gewand abgestreift. Sie fühlten sich nicht als Menschen gegenüber Menschen, sondern als Staatöstützen gegen— Sozialdemokraten l Darin liegt die ganze Erklärung. Wir wiffen nicht, was die Klaffenfcheidung der Gesellschaft schärfer zum Ausdruck bringen könnte, als das Sausen der Nagaiken— ach nein, der Schutzmannssäbel am Donnerstag- abend... Zahlreiche Zeugnisse bringt unser Breslauer Bruderblatt für die Tatsache bei. daß die Schutzleute blindlings wütend auf Fliehende, auf harmlose Straßenpassanten eingeschlagen. So schreibt es u. a.: Fast nur Fliehende verwundet! WaS wir lange nicht glauben wollten, ist nun doch als Wahrheit, als bitterste Wahrheit fest- gestellt worden: Die Polizisten haben in der Haupt- fache die Fliehenden von hinten ge stachen und g e s ch l a g'e n! l I Wir haben uns an 8—10 verwundeten Personen. die zu uns in die Redaktion und auf das Arbeitersekretariat kamen, durch den Augenschein überzeugt, daß fast alle die Ver- wundungen von hinten verursacht sind I Was daS heißen will, ermißt nur der in vollem Rkaße, der da weiß, daß'nicht ein« mal im Kriege auf Fliehende geschossen wird und daß im ostasiattschen Kriege die heidnischen Japaner diese Regel mit äußerster Strenge, auch nach der bluttgsten Schlacht inne- gehalten haben. Die christlichen preußischen Poli« isten aber stechen wehr« und waffenlose liehende in den Rückeniii Selbst ein bürgerliches Blatt, das eine erfreuliche Ausnahme darstellt, die„Breslauer Morgenzcitung", muß diese Feststellung der„Volksmacht" bestättaen l Von den zahlreichen Zeugnissen, die da zeigen, in welchem Maße die Schutzleute die Besinnung verloren hatten, sei nur eines herausgegriffen, eine Zuschrift, die im„Breslauer Gencral-Anzciger" erschien:, „Als ich gestern abend 8 Uhr von der Kleinen Kirchflraße (Diana-Bad) nach meiner Wohnung gehen wollte und dazu den Weg durch die Kurze Gaffe nahm, kamen aus einem Hause kurz vor der Alsenstraße zwei Schutzleute mit gezogenem Säbel. Ich stutzte einen Augenblick. In diesem Moment kam ein Dritter auf mich zugesprungen, brüllte mich an. stieß mich und holte zum Schlagen mit dem Säbel aus. Alles dies war daS Werk eines Augen- blickes. Ich wußte aber nicht, was los war und um was eS sich handelte. Ich sah nur noch, daß verschiedene andere Passanten. welche wie ich ruhig nach ihrer Wohnung gingen, behelligt und geschlagen wurden. Die Tochter meines Nachbars, eine Buch- halterin. erhielt einen Säbelhieb über die rechte Schulter, diese kam ans dem Geschäft und hatte denselben Weg wie ich. Meine Tochter, welche um diese Zeit ebenfalls aus dem Geschäft kommt. sagte mir, daß sie aus Angst vor den Schutzleuten aus einer Straße in die andere gerannt sei, so daß sie erst um �«10 Uhr aus Umwegen nach Hause kommen konnte." *** Die ganze Selbstcntwürdigung der liberalen Blätter vom Schlage des„Berliner Tageblatt" erscheint in ihrer vollen Größe angesichts des Nmstandes, daß die versammelten Hirsch-Dunckerschen Metallarbeiter jfii Breslau eine Resolution angenommen haben, in der sie das Verfahren der Polizei aufs schärffte tadeln und fordern, daß der Reichstag sich mit der Sache befasse und die Regierung diejenigen, welche unter Mißbrauch ihrer Ämtsgewalt harmlose Arbeiter, welche von ihrer Arbeit nach Hause gingen, brutal mißhandelten, zur Rechenschaft ziehen wird. Der Referent in dieser Versammlung crNärte. er sei sonst mit der Schreibweise der„Volkswacht" nicht einverstanden, aber bei der Schilderung der vorgekommenen Gewaltakte sympathisiere er mit ihr. Die Berichte seien durchaus objektiv gehalten.## • Die Scharfmacherpresse benutzt die Vorkommnisse natürlich zur skrupellosen Hetze gegen die Arbeiterschaft. Die„Kons. Korrespondenz" schreibt von einem„offenbar vorbereiteten, besonders heftigen Vorstoß der Streikenden." So wird mit frecher Stirn die Wahrheit ins Gegenteil verkehrt. In ganz Deutschlands klassenbewußte Arbeiterschaft hat die Kunde von Breslau wie eine Bombe eingeschlagen. Hell» lodernde Empörung ist aufgeschossen, wo organisierte Prole- tarier sind. Die Polizei von Breslau darf sich rühmen, daß sie mit jener von Dresden ein Meer von Erbitterung hat erstehen lassen. Die Arbeiterschaft muß und wird den Grimm zügeln, der ihr im Innern stürmt. Sie muß ihn umsetzen in zähe, kraftvolle Arbeit für ihre großen Ziele. Und so darf sie sagen, was in Breslau einem Augenzeugen der Straßenschlacht aus die Lippen trat: Wehe den„(aiegernM— •„'j Dcutlcbce Reich. Di« Diättiivorlage findet in der Presse keineswegs jenen ein- mutigen Widerspruch, den man hätte erwarten sollen. Eigentlich ist es nur die freisinnige Presse, die eine direkt ablehnende Stellung einnimmt. So erklärt die«Freie Deutsche Presse", daß die Abänderung des Artikels 28 der Verfassung die schwersten Bc- denken hervorrufen müsse. Auch(LeschäftSordnungsfragen könnten häufig von großer Bedeutung sein. Aber auch die komische Be- stimmung, daß für eine jede versäumte Sitzung der Betrag von 30 M. abgezogen werden solle, stelle eine außerordentliche Härte dar Die ultramontane Presse schlägt bereits einen viel unentschiedeneren Ton an. So meint die«Germania" daß die Abänderung des Artikels 28 einen Widerspruch zu der Gc Währung der Diäten enthalte, durch die doch ein beschlußfähiger Reichstag herbeigeführt werden solle. Setze man aber für gewisse Abstimmungen die BeschlußfähigkeitSzisfer herab, so arbeite man damit ja der Absicht der Diätcngewährung wiederum entgegen Gerade dicS Moment lasse diesen Abänderungsvorschlag einer«sehr ernsten und reiflichen Prüfung" bedürftig erscheinen. Gegen die Einschränkung der Redefreiheit, gegen die beabsichtigte Per gewaltigung der Minoritäten scheint danach die «Germania" eigentlich nichts einzuwenden zu haben! Durchaus befriedigt von der Vorlage ist die konser v a t i v e Presse. So ist die«D e u t s ch e T a g e S z e i t u n g" nicht nur, wie selbstverständlich, mit der Vergewaltigung der Minderheit durchaus einverstanden, sondern auch das famose Slrafsystem bei den Diätenabzügcn findet durchaus ihre Billigung. Es müsse un- bedingt dafür gesorgt werden, daß ein Abgeordneter keine End schädigung enthalte, wenn er längere Zeit dem Reichstag fern geblieben sei. Daß durch diese Bestrafung der systematischen EitzungSschwänzerei auch höchst fleißige und gewissenhafte Parlamen tarier getroffen werden können, die Krankheit am Erscheinen hinderte, zieht das Agraricrblatt nicht in Betracht.— Eine sehr drollige Bemerkung macht«D a S Reich" über die Vorlage. Die Sozialdemokraten, meint das fromme Blatt, würden die Vorlage mit einem lächelnben und einem weinenden Auge begrüßen Gerisch werde weniger zu zahlen, Singer aber n'aer zu sagen haben.„Wäre Calivcr heute noch Abgeordneter, si. nie er aw den Jraktionsverband pfeifen!" Das„Reich" ist c. der höchst naiven Meinung, daß die Geschlossenheit der soziald mokratischcn Fraktion hauptsächlich durch die Abhängigkeit von dem Diätcnsäckcl bedingt gewesen sei, und daß deshalb künftig viel leichter Jnsur rektionen ausbrechen könnten. Das Reich" vergißt dabei ganz, daß ein solcher Insurgent die Freuden seiner disziplinwidrigen Un abhängiglcit höchstens bis zu den nächsten Neuwahlen genießen würde. Er würde dann einfach nicht wiedergewählt werden! Obendrein ist es eine ziemlich ehrenrührige Auffassung. daß anständige Politiker nur deshalb Order parierten, weil sie sich in materieller Abhängigkeit befänden. Eine solche Gcsinnungs lumpcrci möchten wir denn doch Parteigenossen nicht zutrauen.— Zur ReichStagSersatzwahl in Hannover-Linden. Die Wahl ist jetzt durch den Regierungspräsidenten endgültig auf Freitag, den 22. Juni festgesetzt. Der Vorstand des sozialdemo kratischen Wahlvereins wird in einer am 28. dieses Monats statt findendenMtgliederversammlung Genossen August Brey, den Haupt' Vorsitzenden des Verbandes der Fabrik«, Land- und HülfSarbeiter, als Kandidaten in Vorschlag bringen. Die Nationalliberalen scheinen, nun fie eS nicht mehr mit H e i n r i ch M e i st e r zu tun haben, des Glaubens zu sein, eS könne einem vereinigten bürgcr lichen Vorstoß gelingen, der Sozialdemokratie das Mandat zu ent reißen. Sie haben sich der w e l f i s ch e n Parteileitung mit folgendem Schreiben genähert: „Anläßlich der durch das Ableben des Reichstagsabgeordneten Meister nötig gewordenen Ersatzwahl ist in den Kreisen der nationalliberalen Wähler die Frage aufgetaucht, ob eS bei dieser Ersatzwahl nicht möglich sei, ein Zusammengehen der sämtlichen bürgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokratie herbeizuführen. Allen Wählern, die auf dem Boden der bürgerlichen Parteien stehen und in dem Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen eine große Gefahr für die ruhige Entwickelung unseres deutschen Vaterlandes erblicken, muß daran gelegen sein, in einem Wahlkreise. wie dem unserigen, die besonderen Parteiinteressen hintanzusetzen und sich zur geineinsamen Abwehr zu vereinigen. In anderen Wahlkreisen rst durch das Zusammenfassen der verschiedenen bürgerlichen Parteien es gelungen, einen Erfolg zu erringen. Die jetzige Lage macht es unseres Erachtens zur Pflicht, daß auch die Wähler des 8. Wahlkreises denselben Weg einschlagen., Wenn die hochverehrliche Parteileitung diesem Gedanken ihren Beifall schenkt, bitten wir um bald gefl. Erklärung, daß Sie mit uns in Verhandlungen eintreten wollen." Die welfische Antwort an die Nationalliberalen lautet un wesentlichen: «Der Gegenstand Ihrer Anfrage findet dadurch seine Erledigung. daß parteiseitig bereits Herr v. Dannenberg als Kandidat der deutsch-hannoverschen Partei aufgestellt ist und die Kandidatur angenommen hat, mithin der nationalliberalen Parteileitung überlassen bleiben mutz, für ihn als Vertreter einer bürgerlichen, monarchischen und antirevolutio nären Partei gemeinsain mit unS einzutreten. Ein Aufgeben oder Hintanstellung des unabänderlichen grund- sätzlichen Programms der deutsch-hannoverschen Partei— d. i. das Eintreten für das Recht—, gegen welche Partei es auch sei, erachtet das Direktorium als nicht diskutabel." Die nationalliberalen Pousseure haben sich also bei den spröden Welsen einen Korb geholt. Mcht einmal Charakter und" sinnung wollen die Welsen„hintansetzen", wenn's an die vereinigte Abmurksung der Sozialdemokratie geht! Und für einen erklärten Welsen können königlich preußische Nationalliberale in der Hauptwahl unmöglich ins Feuer gehen. Also ist es leider mit dem weifisch- nationalliberalen Techtelmechtel nichts. Die sogenannte Deutsche Mittel st andsvereini- g u n g will auf eine eigene Kandidatur„verzichten", weil ihr Geld- onkel Max Küster sich erst von seiner bekannten städtischen Submissionsblamage und die Mittelstandsvereinigung selber sich von ihrem Dalles erholen muß. Auf eine bürgerliche Durchfallskandidatur mehr käme es aber auch in Hannover nicht an.— Standesamtliche Fürsorge für Rasscreinheit. Eine seltsame Meldung konimt aus Deutschostasiila. Das Gouvernement von Deutschostafrika hat, wie die„D e u t s ch« o st a f r i k a n i s ch e Ztg." berichtet, die Standesämter angewiesen, ihre Mit- Wirkung zu versag en. wenn ein Europäer eine Eingeborene heiraten will. Den Anlaß soll die Absicht eines«den Missions- kreisen nahestehenden" Europäers, eine Eingeborene zu heiraten, gegeben haben. Die genannte Zeitung lobt das„rasche Eingreifen der Regierung" als„ebenso selbstverständlich wie daukeuswert". Es ist ein Beweis für den brutalen Herrenmcnschendünkel, der sich in unseren kolonialfreundlichen Kreisen eingenistet hat, daß man bei nnS in diesem Ukas des Gouvernements gar nichts Unerhörtes erblickt. Dabei kann bei uns in Deutschland anstandslos jede Ehe mit einem Farbigen geschlossen werden! Selbst die fromme„Ger- m a N i a", für die doch alle Menschen ohne Unterschied der Haut- färbe Brüder sein sollten, hält zwar die Verfügung des Gonverne- mentS für rechtswidrig, doch erllärt sie gleichzeitig, daß es nicht gerade zu wünschen sei, daß ein Europäer eine Schwarze heirate! Die schönen Zeiten, wo man sich in Deutschland über die Amerikaner und anderen Nationen entrüstete, die in einem„Nigger" nur eine Art höheren Tieres sahen, sind dank unserer Kolonialpolitik längst dahin!— Ein billiger Agitator auf Kosten der protestantischen Stadt Halle erwächst der Zentrumspartei in dem bisherigen Stadtrat Winter von Halle. Herr Winter ist von den„entschiedenen Protestanten" aus dem städtischen Dienst herausgegrault worden, weil er seine katho tischen Glaubensgenossen in seinem Amt als Stadtrat bevorzugt haben sollte. Er bekommt aus der Halleschen Staatskasse eine Jahrespension von 3490 Mark und ist jetzt als Parteisekretär in Düsseldorf für das Zentrum in Aussicht genommen worden.— Schutz vor Schutzleuten. Vor der Strafkammer in Köln stand der Schutzmann Christian Ackernrann. Er hatte einen Mann wegen verbotenen Straßenhandels zur Wachtstube geführt, ihn dort mit der Faust ins Gesicht geschlagen, ihn am Halse gewürgt und ihm dann noch zwei Hiebe mit dem blanken Säbel versetzt, die den Mann erheblich an der Schulter verwundeten. Der Mann war zwei Wochen lang arbeitsunfähig. Da-s Gericht erkannte auf vier Monate Gefängnis.— Einen bösen Schlag haben die Leipziger OrdmingSmannen durch einen von ihren Leuten erlitten. Der 52 Jahre alte Kanzlei sekretär am Reichsgericht Hermann Christian G o r n wurde heute vom Landgericht wegen Urkundenfälschung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Welch' tüchtige Ordnungs stütze Gorn war, geht aus den Aemtern hervor, die er bekleidete. Im Kirchenvorstand der Trinitatisgemcinde war er Rechnungsführer. ferner Vorsteher des 49. ArmenSdistrikts, Vizepräsident der Kinder- bewahranstalt und Vorsitzender deS Hausbesitzervereins im Osten Leipzigs. In Leipzig-Rendnitz besaß er ein Grundstück im Werte von 140 000 M Da hatte er allerdings notwendig in seiner Eigenschaft als Kassenverwalter des Vereins für Gemeindepslege, sich an dessen Geldern zu vergreifen und in dem Kassabuche Rasuren vorzunehmen. wie ihm die Anklage zur Last legte. 212,75 Mark soll er sich angeeignet haben. Da ihm dies aber nicht nachgewiesen werden konnte, mußte er wegen des Betruges freigesprochen werden. Um seine Unterschleife zu verdecken, ließ er sich von den Geldempfängern OnittungSduplikate ausstellen, womit er die Revisoren dann täuschte. Auffällig ist auch, daß die betrogene Gemeinde keine Anzeige erstattet hat, sondern daß es erst einer anonymen Anzeige eines Ein- geweihten bedurste, ehe der Ordnungsmann vor das bürgerliche Ge- richt gestellt werden konnte. Jedenfalls sollte die Sache im Interesse der„Ordnung" vertuscht werden. Eine merkwürdige Art Sozialpolitik betreibt die Stadtvertretung Würzburgs gegenüber den bei der Stadt beschäftigten Arbeitern Der sozialdemokratische Gemeindcbevollmächtigte Büchlein hatte im Gcmeindekollegium den Antrag gestellt, aus den Erübrigungen des Jahres 1904 25 000 Mark zu entnehmen und zur Auszahlung einer Tcucrungszulagc an die städtischen Arbeiter und Bediensteten zu verwenden. Ferner hatte der sozialdemokratische Magistratsrat Eberhard beantragt, den städtischen Arbeitern die in die Woche fallen. den Feiertage, die in dieser katholischen Gegend sehr zahlreich sind zu bezahlen. Beide Anträge wurden jedoch abgelehnt„mit Rücksicht aus die sich daraus für die Privntgewerbe betriebe ergebenden Kon. sequenze» und mit Rücksicht auf die finanzielle Lage der Stadt l" HuölaiuL Frankreich. Der Ausstand der Kohlcngräber. Die öffentliche Gewalt stellt sich nun vollständig in den Dienst des Kapitals. Um die Arbeiter zu desorganisieren, werden die Führer verhaftet. Am Montag nachmittag hat man das Mitglied der Federation Syndicale der Bergarbeiter, Noualle, und den Dcle gierten des Bergarbeitersyndikats von Avion, Mainir, unter der Anklage der revolutionären Agitation verhaftet. Der� Gerichtshof in Bethune verurteilte mehrere Ausständige zu Gefängnisstrafen von acht Tagen bis zu drei Monaten. Die Untersuchung, die in Lens und Lievin eingeleitet worden ist, um festzustellen, wer Haupt. sächlich für die dortigen Borgänge verantwortlich zu machen ist, wurde gestern abend abgeschlossen. Es wurden dreißig Vorführungs. befehle erlassen, deren sich etwa neunzig Gendarmen mit Hülfe von zwei Bataillonen Infanterie und vier Eskadrons Kavallerie noch in der Nacht entledigten. Die in Haft genommenen Personen wurden sofort in einem bereit gehaltenen Eisenbahnznge nach dem Gefängnis in Bethune gebracht. Die Verhaftungen riefen einige Unruhe her- vor, aber es kam zu keiner Kundgebung. Unter den Verhafteten befinden sich zwei ganze Familien. Alle Verhafteten haben an den Unruhen, der Plünderung, der Zerstörung von Denkmälern und ge- meinnützigen Einrichtungen teilgenommen, aber sie sind nur Mit- läufer und die Verhaftungen der Rädelsführer stehen noch bevor. Dem Bürgermeister Basly sind heute vormittag zahlreiche Proteste gegen die vorgenommenen Verhaftungen zugegangen und von ihm an das Gericht in Bethune weitergegeben worden. Ueber die Vorgänge im Ausstandsgebiet wird aus Lens be. richtet: Sonnabend abend fanden wieder Zusammenstöße zwischen Ausständgen und Truppen statt. Mehrere wurden verletzt. Ein Aus- ständiger verletzte einen Soldaten durch Glasscherben, worauf dieser ihm mit dem Bajonett den Arm durchstach und verhaftete. In Lievin sollen zwei Ausstandige ihren Verletzungen erlegen sein.— Der Präfekt des Pas de Calais verfügte, daß alle Wirtschaften bis 9 Uhr abend geschlossen sein müssen. Gestern abend wurden 14 Haft- befehle gegen Ausständige, die Anarchisten sind, erlassen. Zwölf In. fanterie-Bataillone und sechzehn Schwadronen Kavallerie sind ver- gangene Nacht nach Lens abgegangen. In Dtontignh versuchten Ausständige Sonntag nachmittag eine Fußgängerbrücke, die sie benutzen wollte», um auf den Eisenbahn- dämm zu gelangen und dort Verwüstungen anzurichten, wieder her- zustellen. Militär trieb sie jedoch zurück, wobei ein Ausständiger verletzt wurde. Gegen den Bürgermeister von Montigny und seine Frau ist eine Untersuchung eingeleitet, weil sie an einem Zuge der Manifestanten teilgenommen haben. Gegenwärtig befinden sich 21 000 Mann Truppen in dem hiesigen Kohlenbecken. Der Präfclt weilt beständig in Lens. In Ostricourt wurde während der Nacht eine Dynamitbombe an eine Schiene der Grubenbahn gelegt, die explodierte und eine Weiche zerstörte. Die ganze nordfranzösische Kohlenregion, die ungefähr 70 englische Quadratmeilen umsaßt, befindet sich im Zustand der Revo- lution. Ernste Befürchtungen werden für den Fall gehegt, daß die Masse in eine feste Organisation gebracht wird. Infolge der Klein- mütigkeit der Regierung hat der Mob, trotz der Anwesenheit von 28 000 Mann Militär, das stündlich verstärkt wird, gegenwärtig im Kohlengebiet die Herrschaft. Fast alle Häuser sind verbarrikadiert. Alle Unterkunftsräume sind vom Mlitär in Anspruch genommen, das anscheinend Befehl hat, gegen die Streikenden nicht einzu« chreiten, falls sie nicht selber gegen die Soldaten gewalttätig bor» zehen oder die Bergwerke angreifen. Die Folge ist, daß die Zcr- törung des Privateigentums unter den Augen der Soldaten, die Gewehr bei Fuß dabeistehen, vor sich geht. In verschiedenen Orten fanden am Sonntag Versammlungen tatt, in denen beschlossen wurde, im Ausstand zu verharren, bis die Forderungen erfüllt sind. Kundgebungen wurden vom Militär unterdrückt. Agitation gegen dir russische Anleihe. Unsere französische Bruder« Partei hat gestern abend Plakate anschlagen lassen, worin sie gegen die russische Anleihe, deren größter Teil in Paris aufgelegt ist, protestiert. In den Maueranschlägen werden namentlich die kleinen Rentner ersticht, nicht zu zeichnen, da ihnen ihr Geld nicht mehr zurückerstattet würde. Türkei. Dalles. Koustautinopel, 2!. April.(Meldung des Wiener K. K. Telcgr.- Korresp.-Buraus.) Die Pforte leistete nicht die am 13. d. MtS. fällig gewesene Monatsquote von 03 546 Pfund zur Deckung des Defizits deS mazedonischen Budgets. Die Gehälter mußten aus dein reglementsmäßigen Vorschuß von 100 000 Pfund von der Ottoman- bank gezahlt werden. Türkischerseits wird erklärt, daß die Zahlung der am 13. Mai fälligen mazedonischen Gehälter unmöglich sei, wenn bis dahin eine dreiprozentige Zollcrhöhung nicht angerronimen würde. Wenn Rußland seinen neuesten Pump aufgebraucht hat— was nicht lange dauern dürfte— wird es ihm genau so gehen wie dem kranken Männchen am Goldenen Horn. Amerika. Sozialistische Stimmen. Bei den FrühjahrSwahlen, die anfangs dieses Monats m einer Reihe von Städten stattfanden, haben sich die Stimmenzahlen für die Sozialistische Partei wieder erhöht. So wurden für den sozialistischen Bürgermeisterkandidaten von Chicago 27715 Stimmen abgegeben(gegen 23 034 im Jahre 1905 und 14 702 im Jahre 1904.— In Milwaukee hatte man ein noch besseres Resultat erwartet, obivohl sich dort die Stimmen der Sozialisten um etwa 1800 gegen das Jahr 1904 ver- mehrt haben. Auf den Bürgermeisterkandidaten der Partei sielen nur 10 837 Stimmen, dagegen wurden drei neue Sitze im Stadtrat erobert, der jetzt 12 Sozialisten unter seinen Mitgliedern zählt. Die höchsten Stimmen— und damit den Bürgermeister— erhielten die Republikaner mit 22 905 Stimmen. Die Demokraten brachten es auf 21 193 Stimmen.(Die einfache Majorität entscheidet.) Ein Vergleich mit den Stadtwahlen der letzten Jahre zeigt die Fortschritte der Partei in Milwaukee: Im Jahre 1900 wurden 2473 Stimmen abgegeben, 1902 wuchs diese Zahl auf 8373, 1904 auf 15 050 Stimmen, 1900— wie bemerkt— waren es 10 837 gc- worden. I» Racine im Staate Wisconsin haben die Sozialisten vier Stadträte und in Red Lodge im Staate Montana den Bürger- meister erwählt. Noch in vielen anderen Orten hat die Partei kleine Erfolge errungen.— Neben der Sozinlistlschen Partei hatte die Sozialistische Arbeiterpartei in einigen Städten Kandidaten im Felde, aber mit sehr geringem Erfolge.— Euq der partei. Zum 1. Mai. DaS Gewerkschaftskartell zu Breslau nahm dieser Tage nach einem Referat des Genossen Albert folgende Resolution einstimmig an: In Uebereinstimmung mit der Mehrheit deS Kölner Gelverk- schaftskongresseS und dem Beschlüsse des Jenaer Parteitages fordert das Gewerkschaftskartell die organisierten Arbeiter auf, mehr als bisher die Maidemonstration durch A r b e i t s r u h e zu be- gehen. Das Kartell begrüßt das Borgchen der BreSlauer Holzarbeiter," die sich in stattlicher Anzahl(an 1500. Red. des„Vorw.") schriftlich verpflichtet haben, am 1. Mai nicht zu arbeiten, und spricht die Hoffnung aus, daß auch andere Organisationen baldigst dem Beispiel folgen. Unter allen Um- ständen aber müssen die GewerlschaftSleiter dafür sorgen, daß in ihren Organisationen der Wert der Mai- demonstration und die gewaltige Bedeutung der Verkürzung der Arbeitszeit mehr als bisher dar- gelegt und dafür gesorgt werde, wenigstens de» Versuch zu machen, die Arbeitsruhe am 1. Mai zu erringen. Das Kartell macht es ferner den organisierten Arbeitern zur dringenden Pflicht, die Veranstaltungen der Partei am 1. und 0. Mai vollzählig zu besuchen und auch weiteste Kreise der Indifferenten dafür zu geivinnen. Die Maifeier ist in Stuttgart nunmehr in folgender Weise geregelt. Vormittags finden fünf vom Gewerkschafts- k a r t e l l einberufene Industrie- Gruppenversanim- l u n g e n statt. Nachmittags uin3 Uhr findet der gleichfalls von den Gewerkschaften veranstaltete F e st z u g mit Musik, Fahnen und Vereinstafeli: statt, der durch das Zentrum der Stadt geht. Für den Abend sind von der Parteiorganisation drei Feiern veranstaltet, eine im Zentrmn der Stadt und zwei in den neu eingemeindeten Außenbezirken Cannstatt und Untertürkheim. Die„Holzarbeitcr-Zeitung" wendet sich dagegen, daß wir ihre Anerkennung der wohltätigen Wirkung der Parteipresse für die Gewerk- schasten, wie geschehen, gegen den bekannten Angriff des„Zimmerer" angeführt haben. Sie erklärt, daß sie vor und nach dem Aussprechen jener Anerkennung oft genug„gegen das gewerkschastsfeindliche Treiben einiger Parteiblätter" sich habe wenden müssen. Das habe sie freilich nie abgehalten, die Bedeutung und die großen Verdienste der Parteipresse uni die Gewerkschaftsbewegung zu würdigen. Sic werde stets für die Partei, für die sie immer in den vordersten Reihen gekämpft. mit Wärme eintreten.„Dieses unser Eintreten für die Partei sollte aber nie dazu dienen, eine in der Sache durchaus berechtigte gewerkschaftliche Kritik des gewerkschaftsfeindlichen Verhaltens einiger Parteiblätter herabzuwürdigen." Die„Holzarbetterzeitling" macht sich also leider auch die un- gerechte und total unrichtige Beschuldigung des„Zimmerer" zu eigen, daß ein Teil der Parteipresse„gewerkschaftL- feindlich" sei. Beide Blätter wissen ganz genau, daß kein Parteiblatt sozialdemokratisches Organ bleiben könnte. das die Gewerkschaftsbewegung bekämpfte. Die Parteiblätter, die sie als gewerkschaftsfeinblich bezeichnen, messen der Gewerkschafts- bewegung eine gleich hohe Bedeutung bei, wie alle anderen Parteiorgane und tun für ihre Förderung ebensoviel. Ihr ganzes Verbrechen besieht darin, daß sie an einzelnen Erscheinungen des Gewerkschaftslebens Kritik übten. Und das Recht dazu dürfen sie ich nicht nehmen lassen. Die„Gleichheit" hat jetzt die stattliche Zahl von 37 000Abonnenten. Glückauf zur baldigen Bollendung der ersten 50 000 l poHzeUledes. OcrlchtHcheo üb». Preßprozesse. In der. Sächsischen Arbeiterzeitung" hatte Genosse F l e i ß n e r das Verfahren eines Gendarmen gckenn» zeichnet, der einen zu Unrecht des Diebstahls verdächtigten Arbeiter aus Lockwitz nach Dresden transportiert hatte, obwohl eine nähere Untersuchung an Ort und Stelle die Unschuld des Verdächtigten hätte zutage fördern müssen. Der Mann hatte dadurch eine Lohn- einbüße von 3 Mark und auch sonstige Verluste. Genosse Fleißner hatte das Verfahren als unpassend bezeichnet und die Frage auf- geworfen, ob mit einem Wohlhabenden ebenso verfahren worden sei. Darin erblickte die Becker-Kammer des Dresdener Landgerichts eine B e a m t e n beleidigung, und Genosse Fleißner wurde zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Genosse A. Henke, Redakteur unseres Bremer Partei- organS, war vom Schöffengericht wegen Beleidigung eines„Stell- Vertreters Gottes" zu 300 M. Geldstrafe verurteilt worden. Ans eine Berufung hin wurde das Urteil vom Landgericht Brenken auf 200 M. ermäßigt. Entwischter Preßsünder. Bor zirka 1'/« Jahren soll sich die „Görliver Bolkszcitung" eines Preßverbrechens schuldig gemacht 5aBett und erst am Sonnabend wurde der V e r s u ch gemacht, es zu siihnen. Am 24. August 1904 brachte sie nämlich nach dein Hannoverschen Parteiblatt, dem„Volkswille", einen Bericht über die angeblich ungehörigeBehandlung eines auf der Straße verunglückten Invaliden in Hannover. Die Angaben erwiesen sich als unwahr, der verantwortliche Redakteur des„Volkswille. Genosse Leinert, erhielt deshalb seinerzeit einen Monat Gefängnis, der mit angeklagte Ur- Heber der Notiz, der angeblich mißhandelle Invalide 4 Monate Gefängnis zudiktiert. Genosse F r i ck e von der„Dortmunder Arbeiter-Zeitung" erhielt wegen Nachdrucks der Notiz, an die eine scharfe Kritik geknüpft jtmrde, fünf Monate Gefängnis. Auch Genosse Riem- Dresden erhielt damals als verantwortlich zeichnender Redakteur des politischen Teils der„Görlitzer Volkszeitung"— die ein Kopfblatt der Dresdener „Sächsischen Arbeiterzeitung" ist— eine Anklage, außerdem aber Genosse W a l l f i s ch- Dresden als Drucker und Genosse Müller- Görlitz, der Redakteur des lokalen Teils der Görlitzer.Volkszeitung". als Verleger. Genosse Riem lehnte die Verantwortung ab, da er damals nur irrtümlich als verantwortlicher Redakteur angegeben worden sei. Er habe in der entsprechenden Zeit als Delegierter auf dem Krankenkassentag in München geweilt. Die Sache ruhte nun bis jetzt. Am Sonnabend zierten nun die drei Genossen die Anklage- bank des Görlitzer Landgerichts. Genosse Riem wies durch das Protokoll der Münchener Tagung seine Abwesenheit von Dresden nach und gab den Genossen D ü v e l l als Täter an. der als Zeuge anwesend war und diese Angabe bestätigte. Die Genossen Wallfisch und Müller wiesen ihre Schuldlosigkeit ebenfalls nach. Trotzdem gab der Staatsanwalt sich noch nicht zufrieden. Er be- antraate Vertagung der Sache, um Recherchen darüber anstellen zu lassen, ob Genosse Düvell auch wirklich der Täter sei. Bestraft kann er ja nicht mehr werden, da die Sache gegen ihn verjährt ist. Das Gericht sprach gegen den Widerspruch des Verteidigers die Ver- tagimg aus. Interessant bei der ganzen Angelegenheit ist außer der Zähigkeit, mit der man mutmaßliche Preßverbrecher noch nach zwei Jahren vor das Forum zieht, auch die Tatsache, daß auch diesmal die Zeugen in dem Prozeß in Hannover, Stade und Hameln kommissarisch ver- nommen wurden.— Nach Lage der Sache muß ja diese ganze Aktion der Görlitzer Staatsanwaltschast ausgehen wie das Hornberger Schießen. Nur schade um die vielen Kosten und Mühen, die sich Frau Justitia hier umsonst macht I Zweimal freigesprochen von der Anklage, durch Boykott- po st en stehen groben Unfug verübt zu haben, wurden drei Genossen in Verden. Am IS. März sprach sie das Schöffengericht frei, am 21. das Landgericht, vor das der eifrige Staatsanwalt die wichtige Sache gebracht hatte. GewerKscdaftttcKes. Berlin und Unigegend. Der Streik und die„Aussperrung" der Berliner Schlosser haben auch jetzt noch keine wesentliche Veränderung erfahren. Obwohl sich der Jnnuugsvorstand die größte Mühe gibt, durch Annoncen in auswärtigen Blättern Schlosser nach Berlin zu locken, so ist der Zuzug dank der Aufmerksamkeit der organisierten Metallarbeiter in den Provinzorten ein derartig minimaler, daß der Stand des Streiks dadurch nicht im geringsten beeinflußt wird. Bewilligt haben bisher 17 Firmen, während bei 21 Firmen gestreikt wird. Ausgesperrt sind im ganzen nur etwa 400 Schloffer. Die große Mehrzahl der Meister verhält sich trotz aller Scharfmachereien des Jnnungs- Vorstandes nach wie vor völlig passiv und scheint sich an der Aussperrung überhaupt nicht beteiligen zu wollen. Bislang ist die Ernennung von 30..Bezirksführern", die im Jnnungsauftrage ihre Meisterkollegen zur Aussperrung anspornen sollten, also so gut wie nutzlos gewesen. Eine kleine Polizeiattacke auf die Streikenden erregte gestern vormittag im Gewerkschaftshause be- rechtigtes Aufsehen. Die Ausständigen mehrerer Werkstätten waren dort nämlich im Saal I V zusammengekommen, um sich über einige Vorkomm- nisse beim Streik zu unterhalten. Plötzlich erschienen zwei Polizeibeamte, um die nicht angemeldete„Versammlung" zu überwachen. Als ihnen gesagt wurde, daß in der Besprechung keinerlei öffentliche Angelegenheiten erörtert würden, erklärte der Wachtmeister die Versammlung für aufgelöst und forderte die sofortige Räumung des Saales. Die Streikenden leisteten dieser Aufforderung auch Folge, blieben aber teil- weise im Hofe des Gewerkschastshauses stehen. Jetzt erschien ein Polizeileutnant mit ungefähr einem halben Dutzend Schutzleuten und verlangte, daß sich die Ausständigen auch vom Hofe entfernen sollten! Dies offenbar gänzlich unberechtigte Verlangen rief allerdings den Mißmut der Streikenden hervor. Trotz alledem suchten sie der Anordnung des Leutnants nachzukommen, indem ein Teil nach den Arbeitsnachweisräumen des Metallarbeiter- Verbandes hinaufging und der andere Teil sich in die Restauration des Gewerkschaftshauses begab. Die Räumung des Hofes muß dem Herrn Leutnant nun « wohl nicht schnell genug gegangen sein. In auffallender Er- regung herrschte er die Leute an, sich sofort zu ent- fernen, sonst werde er andere Maßnahmen ergreifen. Er ergriff diese Maßnahmen denn auch höchst persönlich, indem er einen der ihm zunächst stehenden Schlosser derartig vor die Brust stieß, daß dieser taumelte. Damit nicht genug, packte er den völlig passiv da- stehenden Mann am Kragen, drehte ihn um und stieß ihn mehrere Schritte nach dem Ausgange zu. Die Schutzleute selbst waren zurück-. haltender als ihr vorgesetzter Offizier. Sie erreichten die Räumung des HofeS auch ohne Handgreiflichkeiten. Gegen das Vorgehen des Polizeileutnants wird an zuständiger Stelle Beschwerde erhoben werden. Man wird dann ja sehen, ob der Polizeipräsident es billigt, daß ein Polizeioffizier sich ohne erkennbare Ursache in Privat- räumen, in denen er nichts zu suchen hat, zu Tätlichkeiten gegen das Publikum hinreißen lassen darf. Streik der Kutscher und Arbeiter bei den Norddeutschen Eis- werken A.-G., Schützenstraße 63. Am 8. April beschlossen die in obigen Betrieben beschäftigten Kutscher und Arbeiter aus allen drei Betrieben Rummelsburg, Berlin und P l ö tz e n s e e, der Firma einige Wünsche betreffend Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu unterbreiten. Mit der Verhandlung wurde die Organisation der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter betraut. Die bisherigen Löhne betrugen 19,50 bis 22,50 M. pro Woche bei einer 14 bis 16 stündigen täglichen Arbeitszeit. Verlangt wurde eine 12 stündige Arbeitszeit und ein Wochenlohn von 24 M. für Arbeiter und 26 M. für Kutscher, außerdem Bezahlung der Ueberstunden und Sonntagsarbeit. Obgleich die Forderungen be- reits am 9. d. M. unterbreitet und Antwort bis zum 20. d. M. er- beten wurde, hat es die Direktion nicht für nötig gehalten, der Lohnkonrmission eine Antwort zu erteilen. Hierauf beschlossen sämt- liche Beschäftigten, am Montag früh die Arbeit niederzulegen. Dies ist geschehen. Im Streik stehen zirka 250 Personen. Davon entfallen auf den Rummelsburger Betrieb 120, Plötzensce 88, Berlin(Kühl- anlage Köpenickerstratze) 45 Personen.— Streikbrecher haben sich in ganz geringer Anzahl gesunden. Obgleich das gesamte Kontor- personal zum Verladen des Eises und zum Bierfahren herangezogen wurde, toar es doch nicht möglich, mehr als zwei Bierwagen und fünf Eiswagen vom Hof zu schicken. Die Stimniung unter den Streikenden ist«ine zuversichtliche und sind dieselben gewillt, die Arbeit nicht früher auszunehmen, als bis ihnen annehmbare Zuge- ständnisse seitens der Direktion gemacht tvcrden. Mustcrkonfektiouöschncider-Bewczung. Von der Sitzung, die die Lohnkommission der Musterkonfektion am Freitag, den 20. April, mit der Siebenundzwanzigerkommission der Vereinigten Berliner und Ripdorfer Damenmäntelinnung und der Freien Vereinigung der Berliner Damenmäntelschneideimeister hatte, geht uns seitens der Arbeiterorganisation folgender Bericht zu: Die Verhandlungeii sind, wie man es schon>m voraus geahnt hatte, v o l l st n n d i g gescheitert. Das Angebot der Sieben- lindzivanzigerkoinmissioii war gleich Null. Eine Regelung der Löhne und der Arbeitszeit für Arbeiterinnen lehnte man vollständig ab. Für die Arbeiter sollte sechs Wochen während der Musterzeit, soweit sie beschäftigt werden könnten, ein Minimallohn von 45 Pf. die Stunde bezahlt werden. In der übrigen Zeit sollen nach wie vor Stücklöhne bezahlt werden. Die Stückpreise sollen den freien Vereinbarungen des einzelnen Meisters mit seinen Arbeitern überlassen bleiben. Die Arbeitszeit soll während der Musterzeit 9� Stunden betragen. Diese Vereinbarung sollte auch noch auf die'Dauer von drei Jahren festgelegt werden. Daß von den Arbeitervertretern ein solches Angebot mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen wurde, ist selbstverständlich, hatten doch die Zwischen- meister der Musterkonfektion, an welche die Arbeiter ihre Forderung zunächst gerichtet hatten, durch eine Kommission den Arbeitern weit größere Zuge st änd nisse gemacht. Obgleich die Meister die Forderungen der Arbeiterschaft als berechtigt anerkennen mußten, verschanzten sie sich hinter den Vorwand, daß ihnen(den Zwischenmeistern) die Preise von den Konfektionären so gedrückt würden, daß sie die berechtigten Wünsche der Arbeiterschaft nicht erfüllen könnten. Von den Arbeitervertrelern wurde darauf erwidert, daß die Zwischeumeister selbst Schuld daran wären, sie hätten schon längst Stellung gegen die Konfektionäre nehmen sollen. Wenn die Arbeiter und Arbeiterinnen in der Konfektion über unzulängliche Löhne klagten, wie es gelegentlich der Heimarbeitausstelluug ge- schehen, dann kämen dieselben Leute, die heute erklärten, den Forderungen nicht gerecht werden zu können, und behaupten, die Arbeiter trieben Schwindel. Die Löhne in der Konfektion seien die besten mit. Da brauche man sich nicht wundern, wenn die Kon- fektionäre sich wehren, höhere Preise zu zahlen. Hier handle eS sich um eine Konfektion, die bezüglich der Preise für die Konsumenten der Maßarbeit nichts nachgebe,' wie auch die Anforderungen, die an die Arbeiterschaft gestellt würden, die denkbar größten wären, die Ar- beiter würden, wenn auch die Zwischenmeister alles ablehnten, ihren berechtigten Forderungen, soweit ihre Macht dazu ausreiche, Geltung verschaffen. Es bleibt nunmehr bei dem letzten Versammlungs- beschluß, wonach Muster nicht angefertigt werden, und diejenigen Arbeiter und Arbeiterinnen, die dadurch arbeitslos werden, als Streikende zu betrachten sind, und sich sofort auf dem Verbands- bureau der Schneider, Engel-Ufer 2t, parterre zu melden haben. Zu bemerken ist noch, daß schon 12 Meister den Tarif, wie er in der ersten Sitzung mit einer direkt beteiligten Arbeitgeberkommission vereinbart wurde, unterschrieben haben, obgleich er in einer Zwischen- meisterversammlung nicht die Zustimmung fand. Lohnforderungen der Berliner Schuhmacher. Gestern abend fanden für Berlin und die westlichen Vororte(Schöneberg, Char- lottenburg und Grotz-Lichterfelde— Steglitz) vier öffentliche Schuh- macherversammlungen statt, woselbst einmütig beschlossen wurde, für die zirka 2400 Mann starke Branche der Schoßarbeiter einen neuen verbesserten Minimal-Lohntarif aufzustellen. Der jetzige Tarif gilt bereits seit dem Jahre 1901. Nun hat zwar die Schuhmacher-Jnnung seit dieser Zeit die Preise für die Schuh- waren erhöht, eine Erhöhung der Löhne ist jedoch nicht erfolgt. Es wurde nun festgestellt, daß der Durchschnittsverdienst der Berliner Schotzschuhmacher etwa 18—19 M. pro Woche beträgt, teilweise etwas darüber, recht häufig aber auch darunter. Angesichts derartig niedriger Löhne hält es der Schuhmacherverband für dringend er- forderlich, eine Erhöhung der Tarifpositionen um rund 10 Proz. durchzusetzen. Wo Wochenlöhne gezahlt werden, sollen dieselben eine Erhöhung auf 24 M. im Minimalsatz erfahren; der Mindest- stundenlohn soll auf 45 Pf. festgesetzt werden. Mit diesen von der Lohnkommission ausgearbeiteten Forderungen erklärten sich die Versammlungen einverstanden. Beschlossen wurde, den neuen Tarif der Innung sofort vorzulegen. Die Antwort wird bis zum nächsten Montag erwartet. Achtung, Former! In den Ambroin-Werken, Pankow, Wollank- straße, sind Differenzen zwischen der Firma und den Formern und Gießereiarbeitern ausgebrochen. Zuzug ist fernzuhalten. Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Achtung, Schmiede! �Der Streik der Hammerführer und Hülfs- arbeiter bei der Firma Schwartzkopff ist durch einen Vergleich beendet. Die Direktion hat den Hammerführern 4 Pf. pro Stunde, den Hülfsarbeitern 3 Pf. Lohnerhöhung zugebilligt, womit sich die Beteiligten einverstanden erklärten. Matzregelungen sollen nicht vorgenommen werden. Damit ist auch der Ausstand der Schmiede beendet. Die Wiederaufnahme der Arbeit erfolgt am Dienstag, den 24. April, früh. Zentralverband der Schmiede, Zahlstelle Berlin. veurkebe» Rckdi. Achtung! Kiirbclstickcr und-Stickerinnen! In L o n d o n ist ein Streik der Kurbelsticker ausgebrochen. Da die dortigen Unternehmer versuchen, in Deutschland Arbeitskräfte zu bekommen, so ersuchen wir die hiesigen Kollegen, sich nicht verleiten zu lassen, nach England zu machen. Arbeiterfreundliche Blätter, hauptsächlich Sachsens, werden ge- beten, Vorstehendes zu veröffentlichen. Zentralverband deutscher Textilarbeiter. Die Maler in Ebers walde sind seit dem 19. April ausgc- perrt. Zuzug nach hier ist fernzuhalten. Da versucht wird, die lrbeit durch austvärtige und Berliner Arbeitgeber fertigstellen zu lassen, ist jegliche Malerarbeit für Eberswalde zu verweigern.— Tie Maler in L i s s a i. P. haben die Arbeit eingestellt. Zuzug ist fern- zuhalten. Die Agidationskommission. Die Danziger Böckergehülfen sind in eine Lohnbewegung ein- getreten. Am 21. April sind der Innung die Tarifvorschläge über- mittelt worden mit dem Ersuchen um Antwort bis zum 3V. April. Ueber das bis dahin erzielte Resultat wird eine am 3. Mai tagende Versammlung entscheiden. Die Hauptforderungen sind: Abschaffung von Kost und Logis, ein Mindestlohn von 20 M., die Bundes- ratsverordnung und die Sonntagsruhe sind st r i k t e innezuhaltenuiig dei* chirwgiscSiGEi Branche. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Max Kiesel über: Friedrich Schiller, ein Sänger der Freiheit. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes._ Mittwoch, den 25. April 190«, abends 8'/, Uhr, im Lokale von K u m k e, Spandau, Schönwalderstrahe 80: M Hezirks-Uersammlung für Spandau und Umgegend. Tages-Ordnung: l. Maifeier. 2. Dampscrpartie. 3. Arbcitslosenkontrolle. S.Verbands« angelegenhcitcn.— Zahlreicher Besuch wird erwartet. Mtung! Achtung! Mittwoch, Bauanschläger! den SS. April, abends 8 Uhr, im Englischen Garte», Alexanderstrasie S7o: WM- Versammlung"AU der Bananschläger Berlins und Umg. Tagesordnung: 1. Unsere Erfahrungen im ersten Lahre des neuen Tarises. 2. Diskussion. g. Verbandsangelegenheiten.. 117/7 iV Bezirk CharSotienbursg. Die Hanskassierling ist seit dem 4. April eingestellt, dafür sind vom 18. April folgende Zahlstellen errichtet: Fcrd. Pasche, Potsdaincrstr. 44 tKassierer): Emil Mütter, Rosinenstr. 3(Vollshaus); Mertens, Krunimestr. 44(Restaurant). Die bisher im Lokale von Köpke gelegene Zahlstelle wurde nach dem Lokale von Lüh, R t x d o r f, Wihuiannstr. 10 verlegt. VI« Ortsverwaltang. Mittwoch, den 25. Aprils abends S'/o Uhr, in Frankes Festsälen, Sebasttanstrahe 39: Kranchen-verlammlung aller in der Lolck' unS Silbemsren-lnSustkie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tages-Ordnung: 1. Stelluugnahme zu der von den Arbeitgebern unseres Gc> werbcS geplanten ArbeitS-Ordnnug. 2. Diskussion. Der Wichtigkeit der TagcS-Ordnung wegen ist es Pflicht jedes Kollgen und jeder Kollegin, in der Ber-sammlung zu erscheinen. 117, S. v«i- Gescllcn-Anssclmli. l» Iii Mittwoch, den SS. April, abends 8'/, Uhr, bei Keller, Koppcnstr. SS: Vertrauensmänner-Versammlung - sämtlicher Bezirke und Branchen.------------ Tages-Ordnung: l. Die Maifeier. 2. Der Bcrrat der Hirsch-Duuckersche» Ge- werkvereinler in Frankfurt a. O. 3. Streik nnd Differenzen. Mitgliedsbuch nebst Bcrtrauensmänuerkarte legitimiert. Jede Werkstatt muß vertreten sein. SHOI* Die Ortsverwaltung. Miiing! ssottefeuillei'! iieweg! zlerband der Portefeuitler und Federgalanttrie-Ardeittr und Arbeiteriliuen. Mittwoch, de» SS. April er., abends 81/, Uhr, 1» Graamanns Festsälcn, Nauuhnstr. 27; General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Orlsverwaltung, dcS Kassierers, dcS ArbcitsnachwelseS. 2. Llntrag Halm beiressend Erhebung einer Extrasleuer. 3. Wahl der Angestellten. 4. Ersatzwahl der Revisoren. 5. Bericht der Rechtsschutz-Kommissio» und Neuwahl derselben. 6. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. ■■ Mitgliedsbuch legitimiert.- Das bestimmte und pünktliche Erscheinen aller Mitglieder erwartet �09/4 Die Ortsverwal taug. Die Versammlung wird Punkt 9 Uhr erössnet. .AMNin-HaJicn? Kommandantenstraße 20. Zur bevorstehenden Saison empsehlen wir unseren 1000 Personen sassende» Naturgarten sowie unseren grollen Saal mit Nebenräumen und Hallen, auch 1000 Personen fassend, zur»ddallung von Sommerfeaten usw. Für Vereine auch KaffeekUche. 8 Vereinsrimmer.— Tel. Amt 1, 8985.— Gebr. Mielth. Dienstag, Ä4. April, abends 8'/z Uhr, im Neuen Klnbhaits, Kottuuandantenstrahe 72: V olksv ersammlung. Tages-Ordnung: 1 Fort mit der Gefinde-Ordnung. Referent: Reichstags-Abgeordnetcr 2. Diskussion. Genossinnen! Sorgt dasür, dag diese Versammlung namentlich von Dienstboten zahlreich besucht werde, denn es gilt ein Stück Kncchlschast zu beseitigen. Ui* Die Vertrauensperson. Achtung! Putzer- Achtung! Zentral-Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Mittutuch. 25. April, abends 6 Uhr, in den Armmhallen, Kommaudauteustr. 29: Mitglieder-Kersammlung. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom I. Quartal. 2. Verschiedene sehr wichtige Vereinsangelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 133/19» vi« örtliche Verwaltung. I. A.: H. Neumauu. Jreie Vereinigung der lanrer Deutsehlands. ———— Ortsverein Berlin.——— Mitttvach, den 25. April, abends S1!* Uhr, im Gefellschastshatife Kerliuer Musiker, Kaiser Wilhelmsiraße 18m: S1 General-Bersammlnng. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung de? Kassserers vom I. Quartal 1906.— Wahl eines Revisors. 2. Berichterstaitnng vom 7. Kongresi der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschasten und 15. Konserenz der Maurer DeulschlandS. 3. Ergänzungswahl der ÄeschästSleilung. 4. Vereinsangelegenheiten. >> Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 129/16 Der Vorstand. KB. Wegen der Wichtigkeit und Neichhaltigkeit der Tagesordnung erwartet piinktlicheS und zahlreiches Erscheinen der Mitglieder D. O. veutscksr PkotvKrapÄen-deküiken-VerbanÄ �rV Donnerstag, den S«. April, abends 8 Uhr, in PachuraS Klubhaus, Landsbergerstr. 39(Nähe Alexanderplatz): > LrsKs ÄkteutsSO�e Versamiuiung. Tages-Ordnung: 1. Der Gesekentwnrf zum Schuhe des Urheberrechts an Werken der bildenden Kunst und der Photographie. Reserent Reichstagsabgeordneter Genosse Ldninnd Ks 1 s c h e r» Dresden. 2. Diskussion. Sllle Interessenten sind dringend eingeladen. Zahlreichen Besuch erwartet__ Der Einbernfer. Zentral-Verband der Glasarbeiter nnd Arbeiterinnen Sentsehlands. Orlsvorwaltuiig Berlin. Donnerstag, den 2«. April er., abends 8 Uhr, tm„Onsll-ohon Garten", Alexandcrstr. S7o: Mitglieder-Versauimlnng tämttkhzr Wraneksn. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1906. 2. Bericht der Orlsverwaltung. 3. Beschlusisassung über die Maifeier. 4. Nochmols unsere Stellungnahme zur Hauptvorstandswahl. 5. Verbandsangelegenheiten. Um zahlreiches und pünllllcheS Erscheinen aller Mitglieder ersucht 73/4»___ IHe Ort.verwaUnwg. Cliarlottenburg. F. Kunsimann, nur Wallstr. 1 Uhren und Qoldwaren. Großes Lager'' Reparaturen schnell und billig Billige Preise. 80 Inventur- Eitrapreis! 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M. abgerechnet werden. Zahlreichen Besuch erwartet 23/19__ Ple Ortavcrwaltnns. Selowskys AM» Zemth-Zigaretten K Bolero-Zigaretten Garantiert feinste Hanharheit! Uon jedem mirklidien Keuner bevorzugt! i«. H.& P. Uder, InÄ s.| Fabrib-Iioger sämtlicher gangbarer Kautabake. I; Nordhäuser Kautabak stets frisch zu billigsten Kngros-Preisen. 696L* _ Amt«. 301». Sebmi>ek«iN» s-w » 1»»!(Endstalion der l,$tern".Dampfer) Hermann Peter« Telephon: Grünau Mo. 39. Empfehle mein allbekanntes, herrlich am Wald und Wasser belegenes Lokal den geehrten Vereinen und Gesellschaften zu Ausflügen.» Ausspannung und Dampserftege, Kegelbahnen, grosse Kaffeelüche. ' Säle, Hallen, grollen schattiger Garten, 2000 Personen fassend. SSW Lebuserstrahe 13 frei 1 Laden mit Wohnung 87,50 und 1 Wohnung 42,75 monatlich d. Hentschel, III.* Or. med. A. Herz r | Funkt! ■ Litera V broohi V.S u. Smith'sches Ambulatorium für Nervenkranke Berlin W- 2, Potsdamerstr. 52. Funktionelle Untersuchung und Behandlung. Ausführliches Im Proepekt(frei). Literatur; Dr. med. Max Asoh, Herz- u. Nervenleiden u. Ihre Behandlung mit unter- broohenen- u. Wcohselströmen.— Historisches, Theoretisches u. Praktisches I gsmolnverständl. Darstellung.(Zu bezieh, d. alle Bncbbdl. Preis SO Pf) rret).| ter-» s In# Von der Arlikittr- Gcsiiiidhcits- S ibtiiithck sind bisher folgende Hefte erschienen: 233/19» lieft t Die erste Hülfe bei Uugliicksfiilleu v°n Dr. Christe«-- Mutz in Fabriken, Werkstätten, aus Bauplätzen vorhanden sein. üeft 2 Das erste Febeusjahr..... vo» D-. Silberstei» Jeder jungen Mutier zur Anschaffung zu empfehlen. Heft 3 Gesundhettspstege des NerveustistemsvonDr.Hirschlan Wer seine Nerven gesund erhalten will, lese diese Anleitung dazu. Üeft 4 Der Achtstuudeutag......... von D». sab« Eine ärztliche Begründung der sozialdemolratffchen Forderung. Üeft z Alkoholfrage und Arbeiterklaste.°°n Dr. Fröhlich " Emc empschlenswcrte Agitalionsbroschüre. Üeft 6 DaS SlhillKtUd......... von Dr. Silverstein Die Kinder vor Schullrankheiicn schützen, ist Zweck de» Büchleins. Üeft 7 Geflhlelhtsverkehr und Gefthlechtskraukheiteu von Dr. Gebert Belehrend über diese, sür jeden Menschen wichtige Frage. üeft 8 Nahrung und Ernährung.....°°n Dr. Eh-je» Ein wichiigcS Kapitel für die Arbeitersamilie. üeft y Wie fallen wir uns kleiden? v°n Dr. P. Eine belehrende Abhandlung über diese wichtige Frage. Üeft to Der Arbeiterschutz mit besonderer Berücksichtigung der Werl. statthhgiene....... von Dr. M. Epstcin-München. Jedes Heft kostet 2V Pfennig. Diese Abhandlungen sind für jedermann verständlich geschrieben und sollten in keiner Familie fehlen."WO Sxpcdition des„Vorwärts" Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, Laben. % lin«* Gustav r/ LUSTIG 5� (gesetzlich geschützt) das Pfund 2.85 Mark. 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Referent: Genosse W. Dülvell. Vereins- nngelegcnheiteu. Verschiedenes. Der Antrag Steuermann.— Die Mitgliedsbücher sind vorzuzeigen. Der Vorstand. Rixdorf. Heute, Dienstag. S1',, Uhr, im Lokale von Thiel, Berg- straße 151/52, ordentliche Generalversammlung- In Anbetracht der »vichtigen Tagesordnung ist zahlreiches und pünktliches Erscheinen geboten. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Charlottcnburg. Heute Dienstag, abends 8'/z Uhr, findet im Volkshausc, Rosinenstr. 3, die Generalversammlung des Wahl- Vereins statt. Der Wichtigkeit der Tagesordnung halber(siehe Sonntagsnummer des„Vorwärts") erwarten wir ein volles Haus. Der Vorstand. Zchlendorf. Heute abend 8 Uhr findet im Lokale von Benno Mickley, Potsdamerstr. 25, die Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins statt. Da die Tagesordnung eine sehr richhaltige ist, werden die Genossen ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Gäste sind willkommen. Der Borstand. Fricdrichsfeldc.> Heute abend 8V3 Uhr findet im Lokale des Herrn F. Haberland, Wilhelmstr. 38, die Mtgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Schriftstellers Gerhard Hildebrand über:„Sozialdemokratie und Kirche". 2. Mai- feierfrage. Frauen und Gäste willkommen. Mitglieder werden auf genommen. Pankow. Laut Beschluß der Versammlung vom 28. v. Mts. finden die Mitgliederversammlungen des Wahlvereins nicht mehr am Mittwoch, sondern am letzten Dienstag im Monat statt. Nächste Versammlung heute abend 8Vz Uhr bei Roczycki, Kreuz- straße 3/4. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Paul John über:„Die Mai-Jdce". 2. Diskussion. 3. VcreinSangelcgenheitcn und Verschiedenes. Unter Hinweis auf die Wichtigkeit der Tages- ordnung fordern wir die Genossen, auch die aus den entfernteren Bezirken, auf, sich sämtlich einzufinden und Nachbarn und Be- kannte als Gäste mitzubringen. Der Vorstand. Zossen. Am Mittwoch, den 25. April, abends 9 Uhr, findet bei Schimke unsere Generalversammlung statt. Der wichtigen Tages- ordnung wegen ist es unbedingte Pflicht jedes Genossen, pünktlich zu erscheinen._ Berliner jVaebnebten» Wohltätigkeitssammlungen. Sammlungen für wohltätige Zwecke sind bei uns etwas Alltägliches und sie beziehen sich auf die verschiedensten Unter- nehmungen. Und weil seit Eröffnung der Ausstellung für Säuglingspflege in den besitzenden Kreisen bekannt geworden ist, daß die Kaiserin dem Säuglings- und Kinderschutz ein er- höhtes Interesse entgegenbringe, so wollen auch diese Kreise ein gleiches Interesse bekunden. Nicht etwa, daß Staat oder Gemeinde diese gesellschaftlichen Pflichten erfüllten, nein, das überläßt man der Privatwohltätigkeit. Es sind infolge dessen auch in letzter Zeit Stiftungen zu diesem Zweck geradezu aus der Erde gewachsen, man hatte auf einmal sein wohltätiges Herz wieder entdeckt, mancher vermutlich deshalb, weil es ihm nach einem Bändchen im Knopfloch gelüstete. Mag aber bei dem Wohltun eine Absicht obwalten, welche da wolle, an sich ist gegen die Sache nichts einzuwenden. Da hat sich beispielsweise ein Deutscher Verein für Kinderasyle aufgetan. Seit vier Jahren gehört ihm das in Schöneberg, Martin Lutherstraße 55, belegene Kinderasyl. Dieser Verein sucht nun ebenfalls auf dem Wege der öffent- lichen Sammlungen Mittel zur Erweiterung seiner Anstalt zu erlangen. Eine sogenannte Hauskollekte wird veranstaltet und auch alle nötigen Vorbereitungen werden dazu getroffen. Der Oberpräsident genehmigte dieselbe, der Polizeipräsident unterstenipelt sie. und nachdem alles in Ordnung gebracht ist, kann das Sammeln beginnen. Das machen sich aber die Wohltäter recht einfach und geschäftsmäßig: mit dieser Sammeltätigkeit wird die Paketfahrtgesellschaft beauftragt, die wiederum die Hausbesitzer in Anspruch nimmt. Und damit sich Hauswirte, Verwalter oder Portiers Mühe geben, recht viel zu sammeln, liegt bei jeder Sammelliste ein Zettel folgenden Inhalts: ?.?. Wir bitten, sich von dem Erlös 10 Proz. für Ihre Be- mühungen abzuziehen. � � Berliner Paketfahrt-Gesellschaft Starke u. Co. .... M..... Pf. Prodision erhalten Name...... Verwalter, Portier Straße und Nr. Die Provisionsgewährung soll jedenfalls die Sammler anregen, in ihrem Hause recht eifrig zu sammeln, denn je reichlicher das Ergebnis, desto höher ist auch der Prozentsatz, den der betreffende Verwalter oder Portier erhält. Finden sich in dem betreffenden Hause einige Wohltäter, die einmal etwas tiefer in den Beutel greifen und eine namhafte Summe zeichnen, so dürfte in diesen Fällen die Provision eine ganz respektable Höhe erreichen. Vielfach liegt aber die Sache so, daß diejenigen, die eine größere Summe hergeben, dies direkt an die Vereinsstelle senden, schon deshalb, um ihren Namen in dem gedruckt herausgegebenen Jahresbericht glänzen zu sehen. Immerhin aber bleiben noch genug Leute übrig, die für solche Zwecke Gelder auf die Hauslisten zeichnen. Ob sie aber dies tun würden, wenn ihnen bekannt wäre, daß die Gelder nicht unverkürzt ihrem Zwecke zufließen, ist noch eine große Frage. Natürlich ist diese Art der Wohltätigkeits- sammlung für die Veranstalter recht mühelos; sie unter- zeichnen einfach die großen Aufrufe, brauchen sich im übrigen um nichts zu kümmern und gelten doch als große Wohltäter. Arbeitern gegenüber verfährt man bei Sammlungen anders. Wenn es da gilt, für im Kampf stehende Kollegen zu sammeln, so verweigert man ihnen nicht nur ständig eine Genehmigung zu einer Hauskollckte, sondern macht ihnen nlit den Sammlungen für ihre notleidenden Kameraden auch sonst die größten Schwierigkeiten. Und dabei werden die Ergeb- nisse dieser Sammlungen unverkürzt ihrem Zwecke zugeführt. Es ist eben ein großer Unterschied zwischen den Sammlungen, die Arbefter veranstalten, und denen, die von Wohltättgkeits- vereinen veranlaßt iverden. Hier die größte Opferwilligkeit um der Sache willen, dort schöne Redensarten, ohne sich persönlich bemühen zu brauchen. Der Ausschuß zur B-rberatung der Magistratsvorlugc betreffend die Erörterung der Bcamtengehälter setzte gestern seine Beratungen fort. Die Verhandlungen nahmen infolge der vielen Petitionen einen schleppenden Verlauf. Aenderungen an der Magistratsvorlage wurden nur auf Antrag Singer und Genossen bei' den Straßen- reinigungsaufsehern beschlossen, und zwar das Anfangsgehalt auf 1800 M. und in sechs Steigerungen nach 15 Jahren auf 2500 M. festzusetzen; außerdem den Magistrat zu ersuchen, diesen Beamten, periodisch wiederkehrend, einen ganzen freien Tag zu gewähren. Zu Beginn des neuen Schuljahres 1906 07, der für die höheren Schulen auf den 24. April gelegt worden ist, eröffnet die Stadt- gemeinde Berlin drei neue höhere Schulen, in der Chorinerstraße eine Oberrealschule, in der Fürbringerstraße ein Niädchen-Realgymnasium und in der Pankstraße eine höhere Mädchenschule. Hierdurch steigt die Zahl der Obcrrealschulen der Stadt auf drei und die der städtischen höheren Mädchenschulen auf sieben, während das Mädchen-Nealgymnasium das erste für Berlin ist. Die Zahl aller von der Stadtgemcinde errichteten und unter- haltenen höheren Lehranstalten für Zöglinge beider Geschlechter, also der Gymnasien, Realgymnasien und Oberrcalschulen, sowie der höheren Mädchenschulen, stellt sich nun auf 29(darunter 11 Gym- nasien, 7 Realgymnasien usw.), wozu noch 14 Realschulen kommen. Der Staat hat in Berlin 7 höhere Schulen für Zöglinge beider Ge- schlechter(4 Gymnasien, 1 Realgymnasium und 2 höhere Mädchen- schulen). Plötzliche Eile im Waiscnhause. Unser Artikel„Waisen- pflege und Familienzugehörigkeit"(in Nr. 90 vom 19. April) hat eine sonderbare Wirkung gehabt. Was in dem von uns geschilderten Fall an schuldiger Rücksicht auf die Familie der zeitweilig in Waisenpflege gekommenen Kinder versäumt toorden war, das ist nun ganz unerwartet nachgeholt worden. Dem Vater des Kindes, das aus dem Waisenhause an der Alten Jakobstratze tvegen schwerer Erkrankung nach dem Waisenlazarett in Rummelsburg ge schafft worden und dann dort gestorben war, ist jetzt— erst jetzt I— ein Brief der Verwaltungsdirektion des Waisenhauses zugegangen, der die unterbliebene Benachrichttgung, daß das Kind erkrankt und nach Rumn:el§burg gebracht worden sei, noch nachliefert. Die Nachricht ist natürlich jetzt ohne Wert, da das Kind ja längst im Lazarett gestorben und der Erde übergeben ist. Der Brief ist datiert vom 3. April und meldet, daß das Kind„heute"(also am 3. April) an das Lazarett in Rummelsburg überwiesen worden sei. Der Poststempel dagegen, den das Kuvert trägt, zeigt das Datum „20. April". Wie erklärt sich dieser Widerspruch? Ist da am Ende der Brief auf der Post verbummelt worden und hat siebzehn Tage in irgend einem Winkel gelegen, ehe er weiterbefördert und dem Adressaten zugestellt wurde? Zunächst kamen auch wir auf die Vermutung. Aber bei genauerem Zusehen entdeckten wir, daß da, wo die Briefmarke klebte, ursprünglich der Stempel des„Zcnttalbureaus" des Magistrats aufgedrückt worden war. An das Zentralbureau gelangen die Sendungen, die durch eigene Boten ausgetragen werden sollen. Auch dieser Brief war zunächst an das Zenttalbureau gelangt, und dann erst hatte man ihn der Post zur Beförderung übergeben. Wir waren neu- gierig, einmal zu sehen, an welchem Tage denn der vom 3. April datiette Brief durch das Zenttalbureau gewandert sei. Vorsichtig lösten wir die Bnefmarke ab, und— siehe dal— auch der darunter zum Vorschein kommende Stempel des Zentralbureaus zeigte das Datum„20. April". Merk- würdig, nicht wahr? I Also am 3. April brachte man daS Kind nach dem Lazarett in Rummelsburg, ohne daß die Eltern, die in Berlin wohnen und deren Adresse dem Waisenhause bekannt war, eine Nach- richt erhielten. Am 10. April starb das Kind in Rummelsbnrg, ohne daß die ahnungslosen Eltern es noch einmal besucht und gesehen hatten. Am 11. April sandte das Waisenhaus den Eltern die Todesnachricht, die auch richtig ankam. Am 14. April wurde das Kind beerdigt in Gegenwart der Eltern, die über den Zeitpunkt der Beerdigung sich persönlich in Rummelsburg hatten Auskunft holen müssen. Hinterher teilten die Eltern den Sachverhalt uns»int, worauf wir am 19. April unseren Artikel veröffentlichten, der die hier zutage gettetcne R ü ck s i ch t s- l 0 s i g k e i t rügte. Und zum Schluß gelangt am 20. April — ivohlgemerkt am SO. April!— an das Zenttalbureau des Magistrats die bis dahin ausgebliebene Nachricht über die Er- krankung, ausgestattet mit dem Datum des 3. April— wohlgemerkt: des A. April! Da ist wirklich«jeder Kommentar überflüssig". Die Lieferung von Pflanzen für den Unterricht in der Botanik beginnt in den Schulen der Stadt Berlin mit dieser Woche. Die Pflanzen der ersten Woche sind die bekannten Frühlingserzeugnisse, für alle Schulen Spitzahorn, Birke, Birnbaum, Hyacinthe, Tulpe, Gänsekresse, für die höheren Schulen außerdem noch Ackerschachtel- Halm, Mahonie, gemeine Marbel. Der Hauptblütensonntag in Werber. Das Blütenstädtchen Werder, die„Obstkammer Berlins", stand unter dem Zeichen seines goldenen Sonntags. Wenn auch am Nachmittage düstere Wolken den Himmel trübten, so war der Besuch dadurch keineswegs so sehr beeinträchtigt, als die Werderaner befürchtet hatten. Am Vor- mittage bestanden die Besucher hauptsächlich aus Radfahrern und Automobilisten. In der frühen Vormittagsstunde bildeten sich auf der Potsdamer Chaussee förmliche Ketten von Radlern, auch die fahrplanmäßigen sowie die Extrazüge brachten bereits vormittags viele Tausende nach der Blütenstadt. Nachmittags erhöhte sich der Verkehr von Stunde zu Stunde. Die Besucher kamen auch voll auf ihre Kosten. Die Baumblüte stand am Sonntag in herrlichster Pracht. Sämtliche Kirschbäume, welche in überwiegender Mehr- zahl vorhanden sind, wiesen ihre schneeweißen Blüten auf. Die rote Blüte der Pfirsiche gab gleichfalls einen prächtigen Anblick. Die Blüte der Aepfcl- und Birnbäume wird sich erst im Laufe dieser Woche entwickclu. Nach Ansicht der Obstzüchter steht in diesem Jahre eine äußerst günstige Obsternte bevor. Der süffige Obstwein hatte auch am Sonntag wieder seine Wirkung getan. Die meisten Rad- fahrer zogen es vor, samt ihrer Maschine auf dem weit sichereren Wege der Eisenbahn heimzufahren. Der kommende Sonntag ist der letzte Blütensonntag für dieses Jahr. Ein nobler Arbeitgeber. Im„Gcmeindeblatt" wird folgende öffentlicheZustellung veröffentlicht:„Der Reisende Gustav Brombeck zu Rixdorf, Elbestraße 81, klagt gegen den Kaufmann Edmund Großmann, zuletzt in Rixdorf, Weichselstraße 02 wohnhaft, zurzeit unbckanten Aufenthalts, wegen rückständigen Gehalts für die Monate Januar, Februar uird März 1900 mit dem Antrage, den Beklagten kostenpflichtig zu verurteilen, an ihn 300 M. abzüglich eines Vorschusses von 40 M., also 200 M. zu zahlen und das Urteil für vorläufig vollstreckbar zu erklären. Zur mündlichen Verhandlung des Rechtsstreites ist ein Termin auf den 9. Juni 1900, vor mittags QVj Uhr. bor der Kammer II des KaufmonnsgeriHtS zu Berlin, Zimmerstraße 90/91 III Treppen, Zimmer 30, anberaumt, Zu diesem Termin wird der Beklagte hiermit vorgeladen." Die Nntersuchungen wegen des Verkaufes alter MUitärgcwehre ziehen immer weitere Kreise. Beteiligte, die bereits verhaftet sind, fangen an, auch ihre Hintermänner zu nennen. Neuerdings wurde daraufhin auch ein Zeugleutnant in Spandau in Untersuchungshaft genommen. In der Chausseestraße wurden vor einigen Tagen ganze Kisten voll Gewehrschlösser gefunden. Ein Arbeiter D., der in den Militärwcrkstätten in Spandau beschäftigt war, sich hier aber Büchsenmacher nannte und in der Scharnhorststrahe wohnte, hatte kurz vor seiner Verhaftung die alten Schlösser vom Gewehr Modell 71 in Kisten verpackt und durch einen Fuhrmann mit sechs Arbeitern nach einem eigens dazu gemieteten Keller in der Chaussee- straße bringen lassen. Die ganze Wagenladung wurde hier be- schlagnahmt. Auch Munition und alte Säbel wurden im Keller gefunden und mit Beschlag belegt. In dem Hause, wo der ver» haftete D. wohnte, fand man vorgestern noch 40 vollständige Ge- wehre. Die alten Gewehre wurden vor langer Zeit ohne die Schlösser verkauft. Diese sollten vernichtet werden, gelangten aber auf Um- wegen durch ungetreue Arbeiter und Angestellte der Militär- Verwaltung doch in den Handel und wurden in die Gewehre wieder eingefügt. Seine Niederlage in der Chausseestraße hatte D., der schon seit acht Wochen in Untersuchungshaft sitzt, immer noch ver- heimlicht. Die Nachforschungen der Kriminalpolizei führten aber zur Ermittelung eines Fuhrmannes, der die Ueberführung von der Scharnhorststraße nach der Chausseestraße besorgt hatte. Zur Ver- Packung hatte D. Kisten in Spielwarengeschäften gekauft, um den Fuhrhcrrn und seine Leute und den Hauswirt über den Inhalt zu täuschen. Die Kriminalpolizei beließ die beschlagnahmten Sachen am Fundorte, versiegelte aber den Keller. Es ist festgestellt, daß andere Besitzer unredlich erworbener alter Gewehre jetzt versuchen, den sie belastenden Besitz nach dem Auslände abzuschieben. Auch mit Erfolg. So erhielten die Behörden erst kürzlich Kenntnis von einem solchen Transport nach der belgischen Grenze zu. Man ver- suchte noch, ihn anzuhalten. Die telegraphische Weisung kam aber schon zu spät, die Sendung hatte die Grenze bereits überschritten. Ein schwerer Automobilunfall hat sich Sonntagabend an der Corneliusbrücke ereignet. MS der 19 jährige Arbeiter Franz Werner, Spenerstr. 19 wohnhaft, an der genannten Stelle den Fahrdamm des Ufers überschritt, wurde er von hinten von dem Droschken- automobil Nr. 9131 angefahren, zu Boden gerissen und etwa dreißig Meter weit»nitgeschleppt. W. hatte schwere Unterschenkelquetschungen und andere erhebliche Verletzungen erlitten. Er wurde nach der Unfall- statton ain Zoologischen Garten gebracht. Die Tragödie einer Zwölfjährigen. Die Chronik der KindeS- morde ist um ein tragisches Beispiel reicher. Die 12>/z jährige Schülerin Elisabeth B.. deren Eltern in der Gitschinerstr. 17 wohnen, hatte ihren Angehörigen schon viel Kummer bereitet. Trotz ihrer großen Jugend verkehrte die B. bereits mit einem 21jährigen Menschen. Natürlich wollten die Eltern davon nichts wissen und sie verbaten ihrem Kinde auf das strengste, jemals wieder mit dem jungen Mann zusammenzutreffen. Vor acht Tagen verschwand das Mädchen plötzlich. Vergeblich forschten die Eltern nach ihrem Kinde. Gestern abend traf die Mutter zufällig ihre Tochter in der Nähe deS neuen kaiserlichen Patentamtes. In der Begleitung deS Mädchens befand sich auch der junge Mann. Als das Kind die Mutter erhlickt hatte, lief es davon und eilte nach dem Eltern- Hause. Sie betrat jedoch nicht die Wohnung, sondern lief nach dem Boden hinauf. Sie wußte, daß dort Chankali, das ein ehemaliger Mieter zurücklassen hatte, lagerte. Ehe die Mutter hinzukommen konnte, hatte die Kleine das Gift genommen, war damit nach der Wohnung hinuntergeeilt und nahm es dort zu sich. Bewußtlos fand dann Frau B. ihre Tochter auf dem Fußboden liegend vor. Es wurde sofort ein Arzt hinzugerufen, doch vermochte er nur den eingettetenen Tod festzustellen. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Der junge Mann, welcher angeblich»nit dem Mädchen unlauteren Umgang gepflogen haben soll, tvar früher bei der B.schen Familie als Schlafbursche gewesen. Ans der Selbstmordchronik. Einen traurigen Abschluß hat da? Verlöbnis zwischen einer hiesigen Oberschwester und einen Zahn- techniker aus der Provinz gefunden. Die in einer Privatklinik in der Potsdamerstraße tätig gewesene Oberschwester Emmy B. hatte sich in den Zahntechniker D., dessen Schwester gleichfalls Kranken- Pflegerin ist, verliebt und ans dem Verhältnis zwischen den Beiden entstand schließlich ein Verlöbnis. Gestern traf unerwartet von D. ein Schreiben ein, in welchem er der Oberschwester mitteilte, daß er das Verlöbnis aufgeben müsse. Frl. B. geriet über diese Nach- richt in solch verzweifelte Stimmung, daß sie aus dem Leben zu scheiden beschloß. Sie spritzte sich ein großes Quantum Morphium ein und wollte dann noch die in der Nähe wohnende Schwester deS Zahntechnikers aufsuchen. Kaum hatte sie jedoch die Straße be- treteiu so brach sie bewußtlos zusammen und wurde von einem Schutzmann nach der Unfallstation XX und von dort in äußerst be- denklichem Zustande nach dem Krankenhause Moabit gebracht.— Ebenfalls wegen Liebeskummer hat sich die 27jährige Emma St. das Leben genommen. Das junge Mädchen, welches in der Aork- straße 40 wohnte, vergiftete sich in der vergangenen Nacht mit Lysol.— Auch die in der Fruchtstraße 29 wohnhafte Bertha P. nahm in der Verzweiflung ihre Zuflucht zu dem Modegift. Die Leichen der beiden letztgenannten Lebensmüden wurden nach dem Schauhause gebracht. Auf einen Kindesmord läßt ein Leichenfund schließen, welcher in der Oderstr. 2 gemacht würde. Arbeiter entdeckten dort auf einem Bauplatz die Leiche eines männlichen Säuglings. DaS tote Kind ist vermutlich von der Straße aus über den Zaun nach dem Bauplatz geworfen worden. Ob der Knabe eines gewaltsamen TodeS gestorben ist, dürste die gerichtliche Obduktion ergeben. Ein seltsamer Todesfall beschäftigt seit Sonntagnacht die Polizei« behörde. Sonnabendabend gegen'/.�lO Uhr lieferten zwei Männer auf der Unfallstation Vlll am Grünen Weg einen Toten ein, dessen Personalien bis heute noch nicht festgestellt werden konnten. Seiten? des Arztes konnte eine bestimmte Todesursache nicht konstatiert werden, doch hat cS den Anschein, als ob sie auf einen Schädelbruch zurückzuführen sei. Kaum hatten die beiden Männer den Fremden abgeliefert, so entfernten sie sich wieder eiligst. ES lourde nun die Polizei benachrichtigt, welche die Leiche beschlagnahmte und zur Ob- duktion nach dem Schauhause bringen ließ. Die beiden Männer wurden in den Personen des Konrad K. aus der Koppenstraße 97 und des Julius I. ans der Langesttaße 87 festgestellt. Nach ihren Angaben fanden sie den unbekannten Mann, jedenfalls einen Bettler, auf dem Boden des Hauses Koppcnstraße 97 schlafend vor und als sie ihn entfernen wollten, zeigte er sich widerspenstig. Der Fremde. welcher angettunken schien, schlug, als er sich erheben wollte, mit dem Kopfe auf den Treppenabsatz, wodurch der Schädelbruch an« geblich herbeigeführt wurde. Die polizeilichen Ermittelungen dürsten ergeben, ob der Tod durch dritte Hand herbeigeführt worden ist. Zwei Boote mit nenn Personen kenterten Sonntagnachmittag auf dem Müggelsee in der Nähe von Rahnsdorf. Die beiden Fahr- zeuge durchkreuzten, von der Spreemündung kommend, die Meine Mügge!, als das gröhire Boot, in welchem sich fünf Zunge Leute befanden, Plötzlich von hochgehenden Wellen ersaht und umgeworfen wurde. Die Insassen duS zweiten Bootes versuchten den Ber- unglückten Hülfe zu leisten, wobei auch dieses Fahrzeug infolge zu groher einseitiger Belastwng kenterte und alle neun Ruderer gerieten nunmehr in ernste Lebensgefahr. Der Unglücksfall war sowohl von den Manuschaften der Retwugsstation, als auch von Schiffern in Rahnsdorf beobachtet worden, welche mit mehreren Booten zu Hülfe eilten. Es gelang auch, die sämtlichen mit den Wellen Kämpfenden zu retten und nach Rahnsdorf zu bringen. Das kühle Sturzbad scheint aber den leichtsinnigen jungen Leuten keine genügende Lehre gegeben zu haben, denn als einer der Schiffer auf die Fahrlässigkeit hinwies, mit welcher dije Ruderer ihr Leben auf das Spiel gesetzt hatten, antwortete ihm einer der Geretteten:„Das geht Sie gar , nichts an/' Bon einer..Äusweksung" durch den Oberbürgermeister erzählt man sich in den Kreisen der städtischen Beamten nachstehendes wohl- verbürgte Gcschichtchen. Eine Kategorie städtischer Beamten, denen auch diesmal wieder kerne Gehaltsaufbesserung bewilligt worden war, beauftragte zwei Koklegen damit, ihre Wünsche einem einfluh- reichen Mitgliede des Etatsausschusses zu unterbreiten. Die Dcle- gierten trafen das Ausschußmitglied nicht zu Hause und wollten es, da die Zeit drängte, im Rathause aufsuchen. Sie hatten aber die Rechnung ohne Oberbürgermeister Kirschncr gemacht. Er stand plötzlich in der Garderobe vor ihnen und sagte, als er von ihrem Begehren Kenntnis erhielt, wörtlich:„Die Herren vom Ausschusse haben sich beschwert, daß sie durch Sie belästigt werden. Ich ver- anlasse Sic, sofort das Rathaus zu verlassen!" Die„Berliner Beamten-Zeitung". der wir diese Mitteilung entnehmen, bemerkt dazu:„Zum mindesten hätte der Herr Oberbürgermeister sich nicht dazu verleiten lassen sollen. Herren, die als städtische Bürger und städtische Beamte ein gutes Recht darauf haben, in persönlichen An- gelegenheiten im Rathause zu weilen, in so schroffer Weise hinauSzu- weisen. So sollte der erste Beamte der Stadt auch nachgeordneten Beamten gegenüber nicht handeln." Aufgehängt hat sich der Maler Klimatschka, Kopenhagenerstr. 83. Klimatschka gehört zu denjenigen, die sich in der Osterwoche ihren in der Lohnbewegung befindlichen Kollegen nicht anschlössen und arbeiteten. Auf dem Bau hatte er ein Bett, in dem er hin und wieder schlief, jedenfalls war er sich seiner unsolidarischen Handlungsweise bewußt. K., der sonst«inen ganz guten Verdienst erzielte, konnte aber kein Geld leiden. Sobald er solches bekam, war es auch bald wieder weg. Seine Frau machte infolgedessen vor kurzem den Versuch, sich aus Verzweiflung mit Gas zu ver- giften, sie liegt jetzt im Krankenhause schwer danieder. Klimatscha hatte am Osterheiligabend einen erheblichen Betrag ausgezahlt erhalten, ihn aber bald wieder verjubelt, so daß er sich bereits am 2. Feiertag früh von seiner Wirtin 3 M. leihen mußte. Am dritten Feiertag kam er nicht zur Arbeit, auch an den folgenden Tagen nicht, bis endlich ein Arbeiter sich nach ihm erkundigen mußte. Dabei ergab sich, daß Kl. sich in seiner Stube aufgehängt hatte und schon seit dem 2. Feiertag in seiner Stube hing. Seine Wirtsleute hatten nicht nach ihm gesehen, weil sie glaubten, er schliefe wieder auf dem Bau. Bon einer Droschke überfahren' und schwer verlebt wurde gestern die 6jährige Lehna Kylat aus der Stettinerstraße 46. In der Nähe dcS Elternhauses wollte die kleine den Fahrdamm überschreiten, sie lief dabei einem Omnibus entgegen und als sie diesem auswich, rannte sie in eine Droschke hinein und wurde überfahren. Schwer verletzt brachte man das Mädchen nach dem städtischen Kinder- krankenhause in der Rcinickendorferstraße. Wer ist der Tote? Am 13. d. Mtu. wurde im Mühlenkanal in Tegel die Leiche eines unbekannten zirka 35— IDjährigen Mannes aufgefunden. Der Ertrunkene ist zirka 1.55 Meter groß, von unter- fetzter Gestalt, hat dunkle« Haar, hohe Stirn, dunlle Augenbrauen, blaue Augen, stumpfe Nase, kleine» Anflug von dunkelem Schnurr- bart und sogenannte Koteletten, defekte Zähne und rundes Kinn. Bekleidet ist die Leiche mit dunkelblauem Cheviotanzug, grauen Unterhosen, grauen Strümpfen, brauner Jagdweste, grauwollener Unterzacke, grauaestreistem Halstuch, braunrotgeftrciftem Barchend- Hemd, Schnallenschuhen, dunklem Stoffchemisett und dunklem Filz- Hut. RekognoSzenten wollen sich im Amtsbureau Tegel melden. 2601 IV. 43. 06. Bei einer Gasexplofüm schwer zu Schade» gekommen ist gestern nachmittag in der Jägerstraße 61a der 30jährige Bauarbeiter Max KalieS aus der Gartenstraße 05. Der Mann war in dem bezeichneten Hause damit beschäftigt, eine schadhaft gewordene Gas- leitung abzuleuchten, als plötzlich eine Erplosion erfolgte. Er wurde zurückgeschleudert und von den Stichflammen erfaßt, so daß er schmerzhafte Brandwunden im Gesicht und an den Händen erlitt. Nachdem ihm auf der Unfallstation in der Kronenstratze die erste .Hülfe zuteil geworden war, muhte er nach dem Krankenhause Am Friedrichshain geschafft werden. Zeugengesuch. Der Droschkenkutscher, der am 23. Oktober, gegen Mittag, gesehen hat. wie in Alt-Moabit, gegenüber der Spenerstraße, eine Frau von einem Automobil überfahren wurde. wird gebeten, seine Adresse bei Wilhelms, Gneisenaustraße 6, Hof, rechts, IV., abzugeben. Radrennen zu Treptow. Der Kölner Peter Günther unternahm am Sonntag einen Angriff auf den von B. Demke mit 68 Kilometer 020 Meter gehaltenen Bahnrekord über 1 Stunde. Günthers Versuch war erfolgreich, denn nach Verlauf einer Stunde hatte er 70 Kilometer 850 Meter zurückgelegt. Feucrwehrbericht. Wegen eines Ladenbrandcs wurde am Sonntag die Feuerwehr nach der Chausseestr. 2b, am Oranienburgertor ge- rufen. Die i. Kompagnie mußte mit mehreren Schlauchleitungen ** Iräftig Wasser geben, um die Gefahr zu beseitigen. In der Thaer- straße 36 stand ein Drogenlager in Flammen. Später erfolgte ein Alarm nach der Zosfenerstr. 9, wo das Berliner Elektrizitätsiverk infolge eines Wasserrohrbruchs überschwemmt worden war. Durch Abstellen der Wasserleitung wurde eine weitere Gefahr beseitigt. Gleichzeitig hatte die Wehr einen Kellerbrand in der Blücherstr. 3 zu löschen, Ivo Polstermaterialien u. a. in Brand geraten waren. Durch Umfallen einer Petroleumlampe kam in einer Wohnung in Königs- bergerstr. 37 Feuer aus. Ferner mußte die Wehr noch Wohnungbrände in der Markgrafenstr.75, Grünanerstr. 25 und Reichenbergerstr. 140 löschen. In der Albrechtstr. 10 brannte Stroh auf dem Dache eines Stalles, auf dem Anhalter Güterbahnhofe ein mit Preßkohlen beladener Eisenbahnwagen. Außerdem hatte die Wehr noch in der Frnchtstr. 2, Friedrichstr. 221 unter anderen Stellen zu tun. Vorort- I�aebrickten. Maulwiirfsardeit. Seitdem unter MugdanS Führung ein Teil der sich mit einem freisinnigen Air umgebenden, meist von Lokalklatsch ihre Existenz zuannsten von Cliqueninteressen fristenden Porstadtpresse, die Maul« Wurfsarbeit gegen die Selbstverwaltung der Krankenkassen in ihr Repertoir ausgenommen hat, gehört zu den eifrigsten Wühlern die „VolkSztg. für die Kreise Ober- und Nieder-Baruim". Daö Wurscht- ölättchen. das sich der Qualifikation als amtliches Organ erfreut, feinen Abonnentenstand bei den Inserenten, einigen Grundstücks- spekulanten und anderen Jnteressencliquen findet, macht eine Spezialität daraus, Krankenkaffenv-rwalwngen. in denen Sozial- demokraten sitzen, herunter zu reißen, sie der Unfähigkeit und Korruption zu beschuldigen. Den Befähigungsnachweis dafür glaubt das Blatt wohl'u seiner Vergangenheit zu finden, in der es sich durch mehrfache Manifestationen einen gewissen Respekt zu verschaffen wußte. Weil die Spalten des OrgänchenS Strebern und Schmarotzern als Tummelplatz dienen, glaubt es wohl das Recht zu haben, an- ständige Laste besudeln zu dürfen. Besonders auf die Lichtenberger OrtSkrankenkasie hat es das bösartige Tierchen abgesehen. Mit infernalem Haß verspritzt es skin Gift speziell gegen den Rendanten, den Genossen Grauer. Den Gipfel der Niedertracht erklettert der Mugdansche Nachäffer mit einem Artikel, in dem der letzte Jahres- Bericht der Kasse kritisiert wird. Die früher unter freisinnig- orduungsstaatlicher Leitung mißverwaltete Kasse, hat unter der Verwaltung unserer Genossen einen hochcrfreulichen Aufschwung genommen. Die Leistungen an die Mitglieder wurden erhöht, die finanzielle Grundlage gesundete und zu der diesmaligen General- Versammlung konnte die Verwaltung durch Anträge auf weitere Erhöhung der Leistung für die Mitglieder angenehm über- raschen. DaS war den Maulwürfen gegen die Selbstverwaltung natürlich fatal, aber kein Hindernis für niederträchtige Verleumdung. Der den Delegierten vorgelegte Rechenschaftsbericht weist trotz einer gegen das Vorjahr um über 30 000 M. erhöhten Ausgabe für ärzt- liche Behandlung, Heilmittel usw., sowie für Krankenunterstützung und Krankenhauskosten einen Ueberschuß von über 46 000 M. aus. Dies Resultat wurde in der Hauptsache durch Reorganisationen erzielt. Angesichts des für die Verwaltung schmeichelhaften Resultats bringt es das Blättchen fertig, hinterlistig, infam, bei dem Genossen Grauer die Möglichkeit der Unterschlagung von 16 000 M. offen zu lassen. ES gibt dieses von sich: Im Jahre 1M4 sind für 50 000 M. Wertpapiere verkauft und für 104 500 M. Wertpapiere gekauft. Beide Posten sind bei den Einnahmen und Ausgaben in Rechnung gestellt, berühren aber nur zum Teil die Werte, welche durch ordentliche Beiträge vereinnahmt bezlv. durch Krankengeld verausgabt sind. Die Einnahmen von 50 000 M. an veräußerten Wertpapieren resultieren nämlich aus Beziigen vergangener Jahre, während sich die Ausgaben an Bank- einlagen von 104 500 M. zusammensetzen aus erstens den wieder- gekauften Papieren für 50 000 M. und zweitens aus 54 500 M.. die aus den laufenden Einnahmen beglichen sind. Diese 54 500 M. mußten unverkürzt zu dem Betriebsfonds von 20 513,21 M. hinzugezählt werden, um de» wahren Ueberschuß des Jahres 1lX)4 zu finden. Dieser beträgt demnach rund 75 013,21 M. Nun zeigt eS sich aber, daß ini Jahre 1V04 nur 39 500 M. an den Reservefonds abgeführt worden sind, mithin nur 39 500 pluS 20 513,21--- 60 013,21 M. an Ueberschuß verbucht worden sind.— Die nächste Frage ist die: Wohin hat sich die Differenz von rund 15 000 M. verkrümelt? Wir nehmen an, daß sie in den 18000 M. enthalten sind, für welche im Jahre 1905 Wertpapiere angekauft worden sind, müssen aber gestehen, daß sich etwas Be- stinimtes hierüber nicht aussagen läßt. Die Rechnungsprüfer haben die Rechnungen geprüft und für richtig befunden, die Aufsichtsbehörde hat bei ihren Revisionen den ordnungsmäßigen Gang der Geschäfte konstatiert, also haben wir keine Veranlassung, weiter nach dem Verbleib(!) der 15 000 M. zu recherieren... Dieses Elaborat zeichnet sich mehr durch Bosheit als durch Raffinement aus. Jeder Sextaner findet schließlich heraus, daß sich der Kassenbestand nach Ausgleich der gesamten Ein- und Ausgaben ergibt, es demnach etwas niehr als frech ist, zwei Posten aus der Jahresrechnung herauszugreifen— Einnahme aus verkauften Wert- papieren und Ausgaben für dieselbe Position— und das Plus hieraus wieder zu dem, sich aus der Gesamtabrechnung ergebenden Kassabestand zuzuzählen. So dumm auch die Bosheit im vor- liegenden Falle, die anderen Maulwürfe gegen die Selbstverwaltung der Krankenkassen werden darüber herfallen und in den nächsten Tagen hat man in der freisinnigen Mugdanpresse wieder Gelegen- heil, über die Korruption in den von Sozialdemokraten verwalteten Kassen sich zu entrüsten. Der Zweck heiligt ja die Mittel! In der am Sonnabend stattgefundcnen Generalversammlung der Delegierten kam natürlich die Angelegenheit zur Sprache. Ein Arbeitgebervertreter bemäkelte am Geschäftsbericht eine kleine Neu- ordnung in der Aufstellung. Der Rendant Grauer wies nach, daß die jetzige Aufstellung richtig sei, die stühere den Vorschriften nicht entsprochen habe. Im übrigen wurde noch ein— Fehler(!) konstatiert. In der vergleichenden Zusammenstellung ist in einer Position der vorjährigen Abrechnung ein Pfennigbetrag— vielleicht durch Druckfehler— nicht mit eingestellt. An der Ab- rechnung pro 1905 war kein Titelchen Tadelnswertes zu finden und auf Antrag des ArbeitgebervertreterS wurde dem Rendanten ein- stimmig Decharge erteilt. Auf Anfragen aus der Versammlung bemerlte Genofle Grauer, er habe absichtlich nicht sofort eine Erläuterung zu dem Bericht ge» geben, er wolle er den Delegierten überlassen, sich zu den von der „VolkS-Ztg." gegebenen Zerrbild zu äußern. Er sei ja vieles ge- wohnt; nach den Proben, die das Blatt schon ablegte in persönlicher Begeiferuna, habe er dem Organ tolle Sachen zugetraut, aber doch nicht eine solche niederträchtige Verleumdung. Leichtfertiger als in diesem Falle sei wohl noch keine Beschuldigung solcher Qualität erhoben worden. Die Gemeinheit liege dann, daß man die Möglichkeit einer Unterschlagung offen läßt.— Rufe:„Pfui I"— das ist die Art, wie Erpressungen ausgeübt werden—(Herr Verfasser wie schmeckt das? A. d. Berichterst.) � Das ist die Gepflogenheit der Revolverpresse! Selbstverständlich werde ich mich nicht herablassen, dem Blatte eine Berichtigustg zu schicken, eS steht zu tief I— Rufe: „Richtig 1"„Sehr gut!"— Herr Groß, Arbeitgebervertreter, meinte, wer im öffentlichen Leben stehe, müsse Kritik aushalten, die Angriffe der„Volksztg." allerdings gingen zu weit. Zu einer schärferen Kritik schwangen sich die Arbeitgeber nicht auf. Dagegen nahm die Verurteilung des Blattes aus den Reihen der Arbeitervertreter eine die Kritik des Genossen Grauer weit hinter sich lassende Schärfe an. Und das Urteil wurde unterschrieben durch das einstimmige Votum für den Rendanten. Es kamen dann noch einige Fälle zur Sprache, zu denen die „Volksztg." ebenfalls die Veranlasiung gegeben hat. DaS Blatt hatte behauptet, bei der Anstellung von Beamten seien parteipolitische Er- wäguugen ausschlaggebend. Einer der angeblich Protegierten ist ver- storben, der andere, Genosse Levin, war in der Versammlung an- wesend. Ein Vorstandsmitglied gab unter Zustimmung der Arbeit- gebervsrtreter eine Darstellung der Vorgänge. ES ist immer ord- nungSmäßig verfahren worden. Genosse Levin z. B. hat sich erst nach wiederholtem Drängen seitens der Arbeitgeber- Vertreters!) zur Annahme der Stelle bereit erklärt. Die frei- sinnigen Arbeitgeber hatten ihm dabei ausdrücklich erklärt, man werde für ihn eintreten, falls er in der„BolkSztg." an- g e f l e g e l t w e r d e. In der Versammlung»rußten sich die Herren sagen lasten, daß sie ihr Wort allerdings nicht gehalten haben. Herr Groß entschuldigte die Unterlassung, man wolle sich als Vorstands- milglieder der Kasse nicht um ZeitimgSkrakeel lümmern, das könne schließlich daS Einvernehmen im Zusgmmenarbeiteu, daS doch ein gutes sei, nur stören.— Schön gesagt— aber nicht tapfer. In Lichtenberg ist der Maulwurf nun abgetan, aber der von ihm auf- geworfene Dreckhügel wird noch vielem Ungeziefer Futter bieten. Charlotteubnrg. Bei der gestern stattgehabten Stabtverordnetenwahl im siebenten Bezirk erhielt der bürgerliche Kandidat 475 Stimmen, unser Ge- nasse Klick 408 Stimmen. Da weitere Kandidaten nicht aufgestellt waren, ist somit der Bürgerliche gewählt. DaS liberale Kartell scheint in die Brüche zu gehen. Während sich bekanntlich bei den letzten Stadtverordnetenwahlcn die Liberalen aller Richtungen zum geinsamen Kampf gegen die Sozialdemokratie zusammenschlössen, stehen sich bei der am Dienstag für die zweite Abteilung des vierten Bezirks stattfindenden Ersatzwahl die Frei- sinnigen und die Nationalliberalen gegenüber. Die National- liberalen sind dabei so ehrlich, ihren Kandidaten wenigstens als nationalliberalen zu bezeichnen, während die Freisinnigen ihren Kandidaten zum alleinigen Kandidaten aller Liberalen stempeln. Mir Recht schreibt ein nationalliberales Blatt, daß es nicht das erste Mal ist, daß die Freisinnigen CharlottenburgS unter falscher Flagge segeln. Aber trotzdem werden die Nationalliberalen selbstredend bei allen sich bietenden Gelegenheiten nach wie vor dem Charlottenburger Kommunalfreisinn HcereSfolge leisten, mögen sie über dessen„illoyales Gebaren" augenblicklich auch noch so entrüstet tun. Uns Sozialdemokraten kann es gleichgülttg fem, wen die zweite Wähleravteilung zu ihrem Vertreter ernennt, wir begnügen uns damit, diesen Zwist unter den edlen Brüdern zu konstatieren. Rixdorf. Den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern beschloß die letzte Generalversammlung des Holzarbeiter-Verbandes, Zahlstelle Rixdorf. Außer der Abrechnung vom ersten Quartal stand der Bericht vom Gautag zur Tagesordnung; denselben gab Kollege Karle. Die Ur- abstimnumg zur Einführung der Krankenunterstützung hat folgendes Resultat ergeben: Abgegeben wurden 530 Stimmen, von diesen stimmten 865 für die Einführung und 151 dagegen, 14 Stimmen waren ungültig. Des weiteren wurde der Beschlutz gefaßt, den er- öhtcn Beitrag von 80 Pf. am 1. Mai zu zahlen und am 1. August ereits mit der Zahlung der Unterstützung zu beginnen. Als Dele- gierter für den Verbandstag wurde Lusch und als Ersatzwann Karle gewählt. Den Delegierten beauftragte die Versammlung, auf dem Verbandstag für die Erhöhung der Gehälter des Hauptvorstandes sowohl wie auch der Gauvorsteher zu stimmen. Gemciiigesährliche Schützen treiben seit einiger Zeit in Rixdorf ihr Uiilvese». Es sind Schulknaben und halbwüchsige Burschen, welche sich eine Schußwaffe kaufen, um damit allerhand Unfug und Schaden anzurichten. Durch daS Treiben der gefährlichen Burschen schweben die Anwohner oft in größter Lebensgefahr. So wurde kürzlich in daS Schlafzimmer des Kaufmanns Schulz. Saalestr. 3. hineingeschossen, während sich Frau Sch. am Fenster aufhielt. Sie wurde durch Glassplitter der zertrümmerten Fensterscheiben verletzt. doch drang die Kugel glücklicherweise in die Wand ein. Auch in die Wohnung dcS Malers' Ehlert, Thüringerstr. 85. wurde durch mut- willige Hand ein Schuß abgegeben. Die Schützen wurden bisher noch nicht ermittelt. Ober- Schöncweide. Ucber„Massenstreik" sprach am 13. d. M. Genosse Borchardt in der Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Die Diskussion hier- über war sehr lebhaft; Genosse Dr. Maurenbrecher wandte sich gegen den Parteivorstand, der. wie er gehofft habe, nach dein 21. Januar andere Schritte hätte unternehmen müssen. Die Ber- sammlung stimmte dielen Ausführungen allgemein zu. Zum Schlüsse ermahnte der Vorsitzende, Genosse Jakobsen, die Versammelten, eine rege Agitation dafür zu entfalten, daß am I.-Mai am Ort völlige Arbeitsruhe herrschen möge. Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„ZokrateS». Sibung am Mittwoch bei Zintz. Warschaucrstr.(31. Tagesordnung: Vortrag und Diskussion. Gäste, auch Frauen willkommen. VerrnifeKtes. Ein furchtbares Brandunglück hat sich am Sonnabend in Torgau ereignet. Es wurden Gebäude der katholischen Pfarrgemeinde, die Kirche, die Pfarrerwohnimg und die Erziehungsanstalt durch Feuer zerstört. In den Gebäuden wohnten außer dem Pfarrer noch sechs Diakonissinnen und 24 Zöglinge. Zwei Diakonissen sowie zwei der Kinder fanden den Tod in den Flammen. Die Eni- stehungsursache des Feuers ist nicht bekannt. Zum Besnvausbruch und über neue Erdbeben in anderen Teilen Italiens liegen folgende Meldungen vor: Neapel, 22. April. Professor Matteucci meldet, daß der Vesuv immer ruhiger werde und die Instrumente des Observatoriums sehr ruhig seien. Wenn nicht unvorhergesehene Hindernisse sich ein- stellten, habe er die Absicht, morgen vormittag einen Weg zur Er- steigung des Berglegels zu suchen. Tarent, 22. April. Gestern abend wmde hier ein leichter Erdstoß verspürt. S i e n a, 22. April. Die Bevölkerung der Ortschaft Poggibonsi verbrachte die Nacht infolge des gestrigen Erdbebens auf den Plätzen und den Feldern der Umgebung. Während des gestrigen TageS wurden in Poggibonsi insgesamt sieben Erdstöße verspürt, von denen jedoch nur die ersten ziemlich stark waren. DaS Rathaus wurde beschädigt, Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Siena, 22. April. Die Bevölkerung hat sich wieder beruhigt und ist in die Wohnungen zurückgekehrt. Läden und Restaurants sind wieder geöffnet. Eine Grubenrxplofion. Trinidad(Kolorado), 23. April. Durch eine Kohlenstaub-Explosion in dem der Kolorado-Kohlen- und Eisen-Gcsellschaft gehörigen Bergwerk sind am Sonntag 22 Arbeiter, preist Indianer und Japaner, getötet. Ein schwerer Raubanfall, welcher in der vorgestrigen Nacht in Strasburg(Uckermark) verübt worden ist, beschäftigt die Polizei in Berlin und den Vororten. Am Sonntagnachmittag erschien bei einer Zimmervermieterin in SttaSburg ein unbekannter Mann und mietete ein Zimmer. In der folgenden Nacht schlich sich der Unhold in daS Sckilafzimmer seiner Wirtin, überfiel, knebelte und ver- gewaltigte sie in der brutalsten Weise. Sodann raubte er die Wohnung aus und entfloh mit seiner Beute. Erst am nächsten Morgen wurde die Uebersallene in ihrer Hülflosen Lage entdeckt und befreit. Wie die verfolgten Spuren ergaben, hat sich der gefährliche Räuber nach Berlin gewandt. Er ist etwa 35 Jahre alt, von mittlerer Figur, hat längliches Gesicht, hellblondes Haar, kleinen, blonden Schnurrbart und kurzen, unentwickelten Kinnbart. Bekleidet war der Verbrecher mit dunklem Jackettanzug, dunkelbraun gestrickter Weste, schwarzem,, steifen Hut und Gummizugstiefeln. Der Flüchtling dürfte jedenfalls versuchen, die geraubte Beute, worunter sich zahl- reiche Wertgegeustände befinden, m Berlin zu verkaufen. Großfeuer. In dem russischen Grenzstädtchen Pilwischki brach gestern ein Brand aus, durch den 80 Gebäude eingeäschert und zahlreiche Familien obdachlos wurden. KriefKs.ften der Redafttfdti. Tlt jnelstisch« Spr«ll>fti»lde gilbet täglich mit Sliisiiahm« be? Soiiiiabeub» von?>/, bis U'l, Ubr obcnb? ftntt.(ßeüffnet:? Nvr. Jeber Zlnfraac ist ein Buchstabe unb eine Zahl als Merkzeichen beizufügen. Briefliche Zlutwort wirb nicht erteilt. R: H. 5K. Die Gesellschaft ist im Recht.— 91. 91. 35. Nein.— ». I. 7. In Preußen büifen Hebammen bei Ihrer Anstellung das 30. Lebensjahr nicht überschritten haben. Zudem kommt eine Wartezeit und eine Ausbildungszeit, die zusammen 3 bis 4 Jahre erfordern. Die Ver- hältnisse in Oesterreich sind uns nicht bekannt.—e� lauft Jiiden. > Prozent. iiausv uiuig._- ftraße 47, Konopka,__—- T— gürnptgDttlidf;et Redakteur: Hans Weber, Berlin. � gut den' �nsc.Glücke, I�rlin, Tnick u. Mllag: Bö.r!vürtS Iu.chdrnckerei u. Nerlagsänjtast Paul Singer Li Co.. N erlitt LÄ» 117/1 Nähmaschinenreparatnren wer» den schnell und billig in meiner eignen Werkstatt auSgesührk. Bell- mauii, Gollnowstraße 26, nahe der Landsbergerstraße. 1133K* Vermietungen. Zimmer. 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Co., Grünerweg 36. 117/10 Farbigmacher straße 63. verlangt Frucht 117/9 Grundierer sofort verlangt bei C. Rulhenberg Nachjolger, Weißensee, Langhansslraße 126/123. 237/20*� Farbigmacher verlangt Weißensee, Weißenburgstraße 5.__+139 3 Schlosser sür Bau- und Gitter werden sofort verlangt W. Rosen- wald, Fabrik sür Eisenkonstrukitonen, sccbad Misdroh._ lumen, 14056 Bersilbercr und(j verlangt-Schuttime, Bcrltnerstratze * Blusenstepperin. Handnäherin, verlangt Sachse, Rirdors, Pannter. straße 63._+121 Zeitungsfrauen finden sofort dauernde und lohnende Beschäftigung Königslraße 36/57._ 117/8' Stepperin, Qandnäherin aus Maßhosen. Ein Hausmädchen ver- langt Weisbrod, RüderSdarferstr. 28 Lehrmädchen und Näherin zur Schneiderei verlangt Wesche, Münche- bergerftraße 3._+69 Rockarbeiteri», Garniererin, Lehrfräulein sucht Werner. Greifs- walderstraße l92._ 14025 BerufSbekleiduag-Heimarbcitciin verlangt Kramer, Rosenihalerstraße 13. chil verlangt straße 16. Schneiderin en für nachmittags er, Rixdorj, Erlanger- _ 13936 ,.______ verlangt Weichen- bergerftraße 38, parterre rechts. Verein der Berliner Bnehdrueker und SchriftgieOer. Wir geben den Mitgliedern hiermit bekannt, daß die Firmen Legal, G-, Hochstr. 2. „Merkur", G. m. b. H.. Köpcnickerstr. 48, Bartels, Weißensee. für tariftreue Gehülfen gesperrt sind. Bei Konditionsanerbietungen bei den Firmen Auerbach, Ritterstr. 86, Janetzke, Gitschinerstr. 81, Jhring«. Fahreuholtz, Prinzenstr. 86. Scharschmidt(Galvanoplastik). Beuthstr. L, Max Liebmann, Stralauerstr. 3—6, sind vorher Erkundigungen in unserem Bureau, Ritter- straffe 88 I. einzuholen. 36/14 Der Gauvorstand. Zeitnngsfraiien für Potsdamer- straße verlangt Kronenstraße 63.* Detacheure und Detacheusen ge. sucht. Max Fischer, Inhaber B.Gumpcl, chemische Waschanstall, Weißensee. Frisickeflraße 2._ 1475R Zeitungsfraue« verlangt Kronen. straße 65._ 12806* Zeitungsfraue« finden sofort lohnende Beschästtgung Schützen- straße 22/23(Tour Friedrichftraße, am Belle-Allianceplatz),_ 116/6* Zeitungsfrauen finden fosovi dauernde und lohnende Beschästtgung Königslraße 36/57, Alt-Moabit 138, Gerichtstraße 14, 115/18* Im Arbritsmarkt durch besondere» Druck hervorgehobene Anzeigen koste» 50 Pf. die Zeile. Farbigmacher für Goldleiftenfabrik finden bei Fischler& Co. in Budapest, Lehel- gasse 23, dauernd Beschästtgung.* st ftVHJJ» UIHOSIIISU• In den Wagensabrtken von Kühlstei», Charlottenburg, L. Rühe Jnh. Lsusohnor, Enckepl. 6, Kliemt, Neue Königslraße, Gebr. Wienicke, Pankow, Franke, Jnselstraße, Gottschalk, Motorwagensabrik in Reinickendorf, befinden sich die sämtlichen Arbeiter im Streik. Wir ersuchen die Kollegen aller Branchen nach den obige« Be- trieben keine Arbeit a«zu> nehmen. 176/9 Die Agitationskommisfion. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Wegen Streik und Differenzen ist Zilsiig striislilfliltt« von Tischlern von Franz Schulz. Frankjurter Allee 28, Ruppel in Reinickendorf; von Treppengeländer- Arbeitern (Drechsler. Tischler, Stellmacher. Polterer, Maschinellarbeiter und Bildhauer) von der Treppengeländer» jabrik Joseph Drechsler, Gubener- straße 33: von Bodenlegern von den Baulen in Buch(Firma Damke, Frankfurt a.O.): von Stellmachern von sämtlichen stellmachereien. Vagenfabriken und Drehrollenjabrik Plään, Waßmann- � � straße: Motorwagensabrik Goltschall lu Reinickendorf: von Kordmachern von Beckert, Lange- siraße 35: von Meerschaumdrechslern von Weilh, Köpenicker+tr. 98, von Klavierarbettern nach Däne- mark. Dl« Ortuvcrwaltnng. Zentralverband der Töpfer. Bf Filiale Berlin.-M» Die Sperren über die Firmen Emil Brucks und Steffen& Behrend (tnb_SV aufgehoben.-MW e DrtsveeHenltnng.