Mr. 95. RtiennemnitS'RelIngnnseii: HSonnemrntS- Prei»!»tämimftan># s BicrteljShrl. 830 SRf, monatl. 1,10 Mk„ wSchmUich 28 Pfg, fiei ins Hau«, Einzelne Ninmner S P>g, EonntagS» Nummer nril iDufttifctet Eonntaoi» Beilage.Die Neue Welt- 10 Pfm Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. «Angetragen in bie Post. Zeitung«. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da« üstriae Ausland 8 Marl pro Monat PcLtadonnement« nehmen an: Lelgieii. Dänemark. Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden u»d die Schwei«. 23. Jahrg. ErMtdot«glich nittr«nontag». Vevlinev Volksblakk. Die InlcrtlonS'Geböljr Beträgt für die sechsgespaltene Koloncl- gelle oder deren Raun, SO Pfg,, für politische und gewerlschasiliche Verein?- und BersammlungS-Anzeigen SO Pfg, „Aletne Anzeigen", da« erste(seit- gedruckte) Wort SO Psg,, jede« weitere Wort lO Psg, Stellengesuche und Schlas- siellen-Anzeigen da« erst« Wort 10 Pfg,, jede« weitere Wort S Psg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserat- für die nächste Nummer müsse» bi« 5 Uhr nachmittag« in der ExpedMou abgegeben werden. Die Expedition ist bi« 7 Uhr abend« geössnet. relegramm. Adresse: „snliMentkrat Befll«". Zcntralorgan der fozialdemokrat» feben Partei Deutfchlands. Redaktion: ÖCQ. 68, Llndenstrasse 69. Stern tUTpilirr: Amt IV. Nr. 1983. Mittwoch, den 25. April 1906. Expedition: 8M. 68» binden Strasse 69. Slernsprerher: Amt IV. Nr. 1984. vie russische HnIeiHe und ihre soigen. 11. Wollten die Finanziers, die die neue Anleihe abschlössen, ernsthaft dafür sorgen, daß der russische Staat zahlungsfähig bleibe, dann mußten sie ihn unter die Kuratel einer richtigen Volksvertretung stellen, einer Volksvertretung, die nicht ein Potemkinsches Dorf ist, sondern ein ernsthafter Machtfaktor, gewillt und befähigt, der sinnlosen Wirtschaft, die zum Bankrott fuhrt, em Ende zu machen. Statt dessen beeilen sich die Finanzkönige, die Anleihe zustande zu bringen, ehe noch die Duma zusammentritt, um so von vornherein salbst dieser, ohnehin schon ohnmächtigen und nur die besitzenden Klassen veitretenden Hemmung des Absolutismus noch das bißchen Kraft zu nehmen, das sie aus der Bundesgenos�nschaft mit der europäischen Finanz hätte ziehen können. Diese bietet olles auf, gerade jenes Regime in Rußland zu stützen, das den Staat an deN Rand des Bankrotts führte irni) das seine erbärmliche Existenz nur noch dadurch weiter frijtet, daß es den Ruin der russischen Volkswirtschaft noch mehr beschleunigt als es bisher getan. Sollten die Milliarden Europas zur Wiekeraufrichtung Rußlands dienen, dann müßte dafür gesorgt werden, daß alle unproduktiven Ausgaben möglichst eingeschränkt würden, das Heer verringert, den Unterschleifen der Bcamzten ein Ende gesetzt würde, und die einfließenden Gelder zn produktiven Ausgaben dienen— zur Errichtung von Volksschulen, Ver- sorgung der Bauern mit Vieh. Geräten und Dünger, zum Bau von Eisenbahnen und Kanälen. Dazu wairden freilich auch zwei, und drei Milliarden nicht langen und die Genesung des kranken Volkskörpers ginge nur langsam Aar sich. Aber immerhin, der Weg dazu wäre betreten. Was wt aber das jetzige Regime in Rußland? Die einzigen Ausgaben, die es einschränkt, sind hiie produktiven. Der Eisenbahnbau z. B. wird völlig eingestellt und damit die Krisis erheblich verschärft, unter der die russische Industrie so lange schon daniederliegt. Die Esel in Europa aber, denen ihr Geld zugunsten Väterchens aus den Taschen filou- tiert werden soll, lassen sich einreden, das Land, das zur jetzigen Anleihe am meisten Geld beitrage, werde mit Be- stellungen von Rußland für Eisenbahnschienen und Lokomo- tiven überhäuft werden! Statt neue Volksschulen zu bauen, werden die letzten Lehrer als unzuverlässige Elemente vom Leinde vertrieben, die letzten Schulen geschlossen. Und statt den Bauern Produktionsmititel zu bringen, verwendet der Staat seine Mittel darauf, jeden Bauernhof niederzubrennen, dessen Besitzer sich unzufrieden zeigt, die Bauern von Haus und Hof zu treiben, sye in Bettler zu verwandeln oder in Räuber, die sich gedränast sehen, aus der Brandschatzung von Gutsbesitzern und Postkassen ihren Unter halt zu ziehen. Das Heer wird immer mehr die einzöge Stütze dieses Regimes. Da aber auch die Armee unzuverlässig wird, darf nichts gespart werden, ihr Wohlwollen z« erkaufen. Die Ausgaben für die Armee wachsen und die: Freiheit in der Armee nimmt zu— augenblicklich so ziemlich die einzige Freiheit, die in Rußland gedeiht. Der Absolutismus des Zaren hat tatFächlich aufgehört. Die russische Regierung mußte in den letzte» Monaten weni�- Üens einem Teile ihreS Volkes Freiheit geben— aber sie hatte die Wahl, welchem Teile sie diese«eben sollte. Die Wahl fiel ihr nicht schwer: Sie verlieh sie ferten Klassen, die ihr am nächsten stehen. Fleisch von ihrem Fleische sind. Auf keinen Fall den intelligenten, arbeitenden, Klassen und auf keinen Fall die Freiheit, sich zu organisieren, uni neue Grund- lagen des Staates zu schaffen. Nein, die Soldateska, vor allem die Kosaken, und die Hooligans, die Lumpenproletarier sowie die künstlich in Idiotie gehaltenen Tefle des arbeitenden Proletariats, sie bekommen die Freiheit, ober auch nur die Freiheit des Plündernsl Alle die Elemente, die bisher heim- lich stahlen, von den Generälen und Gouverneuren bis zum kleinsten Taschendieb, sie dürfen jetzt öffeiitz'lich verwüsten und konfiszieren, was ihnen«efällt. Das ist die Freiheit, die heute in Rußland herrscht, dce als Gegengift gegen die Volksfrei- hcit in Anwendung gebracht wird. Das ist die Freiheit, zu deren Schutz die Vertreter von Besitz und Bildung— die ja angeblich stets zusammengehen— in Westeuropa jetzt auf- gefordert werden, Milliarden beizusteuer». Natürlich kümmern sich die Vertreter von Besitz und Bildung einen Pfifferling um die Gemeinheit, die darin liegt, ein derartiges Regime zu unterstiitzlon. Aber sie sollten doch mindestens so viel Grütze im Kopfe Haben, um zu er- kennen, daß mit solchen Methoden eine kranke Volkswirt- schaft nicht geheilt, sondern nur noch rascher ihrem Ruin entgegengetrieben werden kann! ' Bedeutet aber der jetzige Milliarde«pump unzweifelhaft eine Unterstützung-der Elemente, die Rußland ruinieren, so darf man die Bedeutung dieser Unterstüsiung doch nicht über- schätzen. Es ist ein rechtes Wuchergeschäft, das da gemacht wird. Um zweinndeinviertel Milliartden Frank soll die russische Staatsschuld durch diesen Purnp vermehrt werden. Aber wieviel wird der russische Staatssschatz erhalten? Wir haben schon gesehen, daß die Anleihe zu einem Kurse von 88 Proz. ausgegeben wird. Von dem Ertrag müssen wir indes noch die Provisionen und geheimen Bestechungen ab- rechnen, so daß sicher nicht mehr als 1800 Millionen übrig bleiben. 200 Millionen dieser Summe sollen aber in Ruß- land aufgebracht werden, von den russischen Banken, die selbst mühsam um die Existenz ringen, denen die Regierung längst schon erpreßt hat. was zu erpressen war. Diese 200 Millionen sind sicher nur Schwindel. So erhält also Rußland im besten Falle 1600 Millionen Frank. Binnen wenigen Monaten jedoch werden 400 Mil- lionen, nach anderen Angaben sogar 600 Millionen Rubel, 1000 bis 1300 Millionen Frank, kurzfristige Schatz- scheine fällig. Für deren Deckung muß vor allem gesorgt werden, für sie geht der Löwenanteil der großen Anleihe drauf. Da diese Schatzscheine meist in den Händen der hohen Finanz sein dürften, so bedeutet insofern die neue Anleihe in erster Linie eine Rettung aller jener Finanz Magnaten, die sich mit dem Zarismus zu weit eingelassen haben und die nun die Gelegenheit benutze, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen, ehe der Sturm losbricht. Diese 1000 bis 1300 Millionen fließen nicht in den russischen Staatsschatz, sondern in die großen Geldschränke der Besitzer der erivähnten Schatzscheine. Für den russischen Finanzminister bleiben von den zwei Milliarden demnach nur etwa 300 bis 600 Millionen Frank verfügbar, eine Lumperei, wenn man be denkt, daß derselbe Finanzminister bei höchst opti mistischer Aufstellung des Budgets für 1906 ein Defizit von 1300 Millionen Frank zugeben mußte. Der Riesenpump reicht also nicht einmal hin, das Defizit dieses Jahres zu decken: er bedeutet Rußland gegen über nichts als ein Trinkgeld für die Banditen, die das un glückliche Reich plündern und vertvüsten, eine zarte Auf munterung durch Besitz und Bildung Westeuropas, in diesem erhebenden Geschäft noch eine Zeitlang fortzufahren. Die Verschleuderung der Reste des Goldschatzes und die Noten presse können dann noch eine Weile helfen, eine schwinde!- hafte Hochstaplerexistenz sortzufristen, aber das bedeutet nichts als die völlige Verwirrung des Geldwesens, also ein weiteres Mittel, die Verwüstung und Nuinierung der russischen Volks Wirtschaft aufs höchste steigern. Man sieht, je länger es diesem Regime mit Hülfe West europas möglich gemacht wird, sich über Wasser zu halten, desto grauenhafter muß der schließliche Zusammenbruch, nicht bloß des Staates, sondern der gesamten russischen Volks Wirtschaft werden. Desto dringender wird deren Organismus dann zu seiner Wiederherstellung der einschneidendsten Gewaltmaß- regeln bedürfen, rücksichtslosester Konfiskation alles großen Grundbesitzes, aller kapitalistischen Monopole— Eisenbahnen, Bergwerke, Petroleumquellen—, um wieder leistungsfähig zu werden, was auch wieder zum Teil auf Kosten des aus- ländischen Kapitals vor sich gehen wird. Diese Wahrscheinlichkeit rückt um so näher, je länger das westeuropäische Kapital den russischen Absolutismus stützt. Vor zwei Jahren wäre es vielleicht noch möglich gewesen, durch energische Pression der französischen Republik und ihrer Finanzleute, ein liberales Regime in Rußland herbei- zuführen, das eine allmähliche Regeneration Rußlands auf kapitalistischer Basis anbahnte. Je länger dagegen die heutige Wirtschaft dauert, desto mehr stürzt sie Rußland in ein Chaos, aus deni es nur durch ein Regime gerettet werden kann, das frei ist von allen Rücksichten gegen das kapitalistische Eigentum. Noch kein sozialistisches Regime, das kann in Rußland nicht früher aufgerichtet werden als in Westeuropa aber ein Regime, das seinen Tendenzen nach manche Aehn- lichkeit mit dem der Jakobiner der großen Revolution haben dürfte. Diese Erwartung ist nicht ein Produkt frommer Wünsche — wenn wir uns von Wünschen leiten ließen, könnten wir besseres wünschen als diese Art Entwickelung, die für das russische Volk Jahre furchtbarsten Elends, gräßlichster Zerrüttung bedeutet und unsere Partei vor die riesenhaftesten und widerspruchsvollsten Aufgaben stellt, wo- bei dieselbe Entwickelung gleichzeitig die Mittel zur Lösung dieser Aufgaben aufs ärgste verkümmert. Die russische Sozialdemokratie hätte inmitten gräuelvoller Anarchie ein zwar heldenmütiges und begabtes, aber unwissendes und unerfahrenes Proletariat zu brgani- sieren und gleichzeitig auf eine höchst rückständige gewaltige Bauernmasse einzuwirken, zur Lösung von Aufgaben, an denen alle anderen Parteien und Schichten scheitern, zur Neubegründung einer bürgerlichen Ordnung, der dasselbe Proletariat, das sie erringen soll, von vornherein kritisch gegenüberstehen muß. Das ist eine Situation, weit schwie- riger und verworrener als die der Jakobiner in der großen Revolution, und wir hoffen, es wird unserer Partei erspart bleiben, sich in dieser Situation anders wie als Triebkraft, die von unten wirkt, betätigen zu müssen. Auf jeden Fall ist die Erbschaft eines völlig desorganisierten und bankrotten Volkes— vom Volke, nicht vom Staate reden wir hier nicht so verlockend, daß wir sie zu wünschen hätten. Wenn wir erwarten, daß sich die Dinge so gestalten, wie wir eben dargelegt, so rührt dies also nicht daher, daß wir diesen Entwickelungsgang wünschten. Das wünschenswerteste im Interesse aller Beteiligten wäre der rascheste Umsturz dcS Zarismus durch eine Volkserhebung und seine Ersetzung durch ein friedliches, demokratisches Regime. Aber schon dünkt es uns zu spät, als könnte diese Prozedur, auch wenn sie gelänge, noch dem Bankrott des Volkes vorbeugen, der ökonomische Ruin und das Chaos scheinen unausbleiblich. Dies wird aber um so ärger werden, je länger noch der Absolutismus die Macht hat— nicht mehr zu regieren, das vermag er nicht mehr— aber das Land zu verwüsten und das Aufkommen jeder demokratischen Organisation, jeder geordneten Selbst- Verwaltung zu verhindern. Je kolossaler aber der schließliche Zusammenbruch, desto gewaltiger müssen seine Rückwirkungen auf ganz Europa sein. Eben hat das russische Trauerspiel erst begonnen und schon findet es mächtigen Widerhall in Europa— in Oesterreich-Ungarn die Wahlrechtsbewegung, in England das Aufkommen der Arbeiterpartei, die erbitterten gewerkschaft- lichen Kämpfe in Frankreich: das alles legt Zeugnis ab von einer Erregung der proletarischen Massen, wie sie seit langem nicht dagewesen. Nun denke man sich in dieser fieberhaften Atmosphäre einen Krach, der in Frankreich allein mehr als 10 Milliarden mit einemmal vernichtet, einen Krach, hervorgerufen durch die hohe Finanz und deren gehorsame Lakaien in der Presse, den Parlamenten und Regierungen! Und darauf folgend eine Situation, die zur Konfiskation der großen Monopole in Rußland führt! Da dürfte es auch gar manchem kapita- listischen Monopol, gar mancher kapitalistischen Regierung in Westeuropa an den Kragen gehen.. Und die steigende Flut wird dann wohl auch hoch genug anschwellen, in Deutsch- land das Junker- und Monopolistenregime hinwegzu- schwemmen und dessen Zwingburgen in den Landtagen nieder- zuwerfen.* So mögen denn Besitz und Bildung in Westeuropa sich noch weiterhin dazu drängen, das russische Mordbrennertum mit ihren Milliarden zu stützen. Sie haben ihren Lohn dahin!_ Die Revolution in Rntzland. Zur Ermordung AbromowS. Die russische reaktionäre Presse ist buchstäblich aus dein Häuschen geraten über die an dem Offizier Abromow. dem niederträchtigen Peiniger der Spiridonowa, vollzogene Exekution und wehklagt in ihrem löblichen Eifer über die im Volke eingerissene Verwilderung der Sitten. Diese Exekution war umsomehr am Platze, als trotz aller in der ganzen europäischen Presse erhobenen Proteste Abromow nicht nur der strafenden Nemesis überliefert wurde, sondern ungeniert weiter in Amt und Würden verblieb, damit er mit den ihm untergebenen Kosaken die patriotischen Taten auf dem Gebiete des Totschlages und der Tortur fortsetzen könne. Damit sich auch minder eingeweihte deutsche Kreise einen auch nur annähernden Begriff über die aktenmätzig beglaubigte Tätigkeit des„Opfers der Revolution' Abromow und der Persönlichkeit der zum Tode durch Erhängen verurteilten und zu zwanzigjähriger Zwangsarbeit begnadigten„Verbrecherin' Spiridonowa niache» können, zitieren wir hier die Rede des Verteidigers ex officio, des Kosakenrittmeisters Filimonow, welche laut dem Bericht der juristischen Fachzeitung„P r a w 0'(„Das Recht') folgenden Wortlaut hatte: „Die Verteidigung der Angeklagten wird mein erfahrener und talenivoller Kollege TeSlenko führen. Ich dagegen will mein Recht als Verteidiger dazu benutzen, um meinen Gedanken auszusprechen, welcher mich seit Beginn der Sitzung völlig beherrscht. Ich bin zum erstenmal auf einem derartigen Prozeß zugegen und kann die ungewöhnlichen Unistände, unter denen er sich abspielt, nicht abschütteln. Auf der einen Seite sehe ich eine glänzende Ver- sammlung von Offizieren, welche zusammengetreten ist, um nach Ausnahmegesetzen eine politische Verbrecherin zu richten. Auf der anderen Seite erblicke ich ein schwaches, gequältes, kaum volljähriges Mädchen, fast noch ein Kind, das eines Verbrechens angeklagt worden ist, auf welchem der Tod steht. Von der einen Seite hörte ich die leidenschaftlose, rauhe Anklage, welche Verurteilung und Bestrafung forderte, von der anderen erreichte das heiße, aufrichtige Bekenntnis dieses wunderbaren Mädchens mit dem leidenschaftlichen Kopf und einer lebhaften Phantasie da» Ohr, welche sich von süßen, aber nicht zu verwirklichenden Gedanken über das Glück des uns allen teuren Volkes verleiten ließ. Wir haben mit Entsetzen und Zittern ihrer Erzählung über die gottlosen und unmenschlichen Folterungen während ihrer Gefangenschaft gelauscht, welche in )em aufgenommenen medizinischen Bericht ihre volle Bestätigung inden. Wir haben schließlich das Urteil des Arztes der Expertise gehört, welcher bestätigt, daß ihr junger Organismus von einem unheilbaren Leiden befallen ist, welcher dem zarten Alter der An- geklagten besonders gefährlich werden muß. Meine Herren Richter, ich sowohl wie Sie sind in der Mitte des Militärs groß geworden, welches sein ganzes Leben dem Kriegs- Handwerk geweiht hat. Sie alle sind in der Erkenntnis erzogen, dem Tode gerade und kühn in die Augen zu blicken oder ihn im Zalle der Notwendigkeit einem anderen zuzufügen. Aber ich sowohl wie auch Sie wissen es genau, daß der Arm eines ehrlichen Kriegers selbst in heißester Schlacht und in KampfeSwut sich nie gegen eine Frau erheben wird. Wir wissen, daß eine Militärperson keine Frauen tötet. AuS diesem Grunde blicke ich Ihnen niit Unruhe und Zittern i»S Gesicht, um auf demselben Ihre Absicht zu lesen. bersetzte! " Von der SozialIch will es glauben und glaube es, daß Ihre Hände, welche Bekämpfung der Sozialdemokratie ist ebenso geistlos und ver- welche nicht, wie die Sostaldemokratie, damit rechnen bazu bestimmt find, in offenem, ehrlichem Kampfe den Schlag zu logen, wie die des Reichsverbandes. Sie haben den Wahlkampf können, die Mandate von ihren Wählern auf Grund der vorführen, das Todesurteil dieses jungen Mädchens nicht unterschreiben in einer Weise geführt, der sich wie blanker Hohn auf ihren handenen und weiter fortbestehenden gemeinsamen Klassen. werden. Ich glaube, daß Sie einen gesetzlichen Ausweg aus Ihrer Ausspruch ausnimmt, als Partei des Besizes auch die der Bildung interessen einer bestimmten Bevölkerungsgruppe schweren und traurigen Lage finden werden. Diesen Ausweg wird zu sein. Die Taktik ging dahin, durch verlogene, gehäffige An- zu erhalten. Das Wahlglück der Sozialdemokratie wird niemals Ihnen Ihr Gewissen zeigen; auch das Gesetz enthält Hinweise auf griffe auf die Sozialdemokratie die sozialdemokratischen Versamm- in so erheblichem Maße wie das der anderen Parteien davon abdenselben. lungsbesucher zu Zwischenrufen zu reizen, die ihnen dann als hängig sein, wie die Wahlparole heißt. Ich aber erlaube mir, mich an Sie, als meine Waffenbrüder, Beweis für sozialdemokratischen Terrorismus" dienten und ihren demokratie ist allgemein bekannt, daß sie nicht dem Phantom einer mit der heißen Bitte zu wenden: vergeßt nicht, wenn Ihr das Radaukolonnen Anlaß gaben, handgreiflich zu werden. Die Versöhnung der gegensäglichen Interessen innerhalb der Bevölkerung Urteil unterschreibt, daß Krieger keine Frauen töten!" auf den Mann dressierten Prügelhelden und Rausschmeißer nachjagt; daß sie sich nicht einredet, eine Politik treiben zu Die„ ehrlichen" Krieger gingen ins Beratungszimmer und fanden haben ihren Eifer aber dann schließlich so wenig mehr zu können, die„ objektiv" über den Klasseninteressen stehen will. den Ausweg aus der schweren Lage", indem sie das wunderbare zügeln vermocht, daß sie sich auch an bürgerlichen Gegnern ver- Von ihr weiß jedermann und sie selbst am allerbesten, daß sie in Mädchen mit dem leidenschaftlichen Kopf, welches sich vom füßen griffen, auf deren Hülfe die Nationalliberalen bei der Stich- allererster Linie als die Vertreterin der arbeitenden Klaffe Gedanken über das Glück des teueren Volkes verleiten ließ", zum wahl, auf die sie brünstig hoffen, angewiesen wären. In einer auftritt und ihre ganze Kraft innerhalb der gefeßgebenden KörperTode durch den Strang verurteilten. nationalliberalen Versammlung, die vorige Woche in Darm- schaft den Interessen dieser Klasse dienstbar macht. Nur politisch Aber auch die Bureaukratie fand einen Ausweg aus ihrer stadt tagte, wurde der Parteisekretär des liberalen Vereins, furzfichtige Leute können aber daraus den Vorwurf der Verfolgung schweren Lage", indem sie den braven Rittmeister Filimonow, der 53 jährige Herr Haupt, als er zum Vorstandstisch eilte, egoistischer Sonderinteressen gegen sie erheben. Ist doch die arbeitende welcher für seine im legten ostasiatischen Striege bewiesene Tapfer- um das Wort zur Geschäftsordnung zu erbitten, von den in Bevölkerung in Stadt und Land das Fundament des ganzen Wirts keit mehrfach ausgezeichnet wurde, in ein Linienregiment straf- der Nähe des Vorstandstisches gruppierten Nationalliberalen schaftsgebäudes, und wer dieses Fundament stärkt und tragfähiger gepackt, zu Boden geworfen, und als er sich er- macht, der trägt zur Konsolidierung des Staatsganzen weit mehr Und da lamentiert die obskure russische und baltisch deutsche hoben hatte, von einer ganzen Anzahl solcher Helden nach bei als mancher andere, der sich wer weiß wie„ staatserhaltend" Presse über moralische Entartung der Bevölkerung durch die der Tür gedrängt. Und das alles vollzog sich unter Absingen dünkt und von seiner hohen Warte auf die„ Klassenbestrebungen des Liedes:" Deutschland, Deutschland, über alles". der Sozialdemokratie mit verächtlichem Naserümpfen herabschaut. Unser Offenbacher Parteiblatt, das ,, Offenbacher Abendblatt", Werden die Mittelparteien, Nationalliberale wie Bolts. das diese Sorte nationalliberaler Wahlagitatoren aus eigener parteiler, auf der einen Seite von der Sozialdemokratie hart Erfahrung fennt nationalliberale Hauptagitator bedrängt, so tritt ihnen auf der anderen Seite in derber DraufDr. Becker ist der Abgeordnete für Offenbachbeurteilte gängermanier die Agitation des Bauernbundes in den Weg. die nationalliberalen Versammlungstumulte zutreffend, wie An dem Aufblühen der Bauernbundsbewegung und ihren immer folgt: größer werdenden Ansprüchen in bezug auf Mandate sind die MittelMan kann im Wahlkampfe viel entschuldigen, über Ausbrüche parteien selbst schuld. Sie überboten sich bei den Wahlen in Verdes Unwillens, selbst wenn sie heftige Formen annehmen, werden sprechungen, die sie der agrarisch gesinnten Bevölkerung machten, nur Anstandsdamen flennen. Aber was in Darmstadt- Groß- und besonders die Nationalliberalen warben um deren Gunst, indem Gerau vorgeht, das ist faltblütig herbeigeführt. Da foll die fie mit Bolldampf in die Hochschutzzollpolitik hineinfuhren. Jetzt erleben nicht, ordnungstreue" Wählerschaft provoziert werden, es foll wir es nun, daß ihnen all diese Preisgabe der früber hochzu Tumult kommen, damit die nationalliberalen Helden über Terrorismus schreien und so die Ordnungsbestie ent- gehaltenen wirtschaftspolitischen Grundfäße gar nichts genügt hat. fesseln können. Ein Mittelchen, abgeguckt der Staatsmanns- Der Bauernbund, dem sie durch ihr Entgegenkommen in der Zollkunst" politischer Hasardeure. Diesmal aber dürfte der Coup politik den Wind aus den Segeln nehmen wollten, stellt immer vorbeigelingen: die Regisseure Komödie haben die weitergehende Forderungen, die sich vor allem auch auf die AbDrähte verwirrt, ihre Puppen rannten wider Leute, auf deren tretung von parlamentarischen Mandaten beziehen. Hülfe die Nationalliberalen angewiesen sind, falls es zur StichRevolution! ed Die neue Verfassung". K Dem Tag" wird folgender Auszug aus den für un antastbar erklärten Normen" der neuen Verfassung mit geteilt, durch die der im nächsten Monat zusammentretenden Duma die dem Absolutismus nötig erscheinenden Schranten gezogen werden sollen. Die Verfassung soll danach diese Grundsäße enthalten: Der Zar ist Selbstherrscher; er ernennt den Prä sidenten des Ministeriums, die Minister und die Leiter der einzelnen Abteilungen. Ebenso steht ihm das Entlassungsrecht sowie die Firierung der Gehälter, Pensionen und Unterstützungen zu. Jeder russische Untertan hat das Recht, sich frei seinen Wohnort zu wählen. Wegen Vergehen fann er nur auf dem Rechtswege verfolgt. mithin auch nur auf Grund eines geseglichen Haftbefehls verhaftet werden. Den russischen Untertanen ist es gestattet, Versammlungen ab zuhalten, in denen keine regierungsfeindlichen Ziele verfolgt werden. Kein neues Gejez ist gültig ohne die Genehmigung des Reichsrats und der Reichsduma und ohne Bestätigung durch den Zaren. Wenn während der Zeit des Schlusses der Reichsduma wichtige sofortige Beschliffe erledigt werden müssen, ruft das Ministerium die Entscheidung des Zaren an, doch muß dieses Vorgehen vor der Reichsduma verantwortet werden, und zwar innerhalb der ersten zwei Monate nach der Wiederaufnahme der Sigungen der Reichsduma. Reichsrat und Reichsduma müssen alljährlich vom Zaren einberufen und geschlossen werden. Man sieht, daß der Absolutismus alle seine Rechte aufrecht erhalten will, so daß die Duma höchstens reden und resolvieren, aber nichts bestimmen darf! Ebensowenig ist von einem Schutz der bürgerlichen Freiheiten die Rede die Versammlungsfreiheit existiert nur für die Kreaturen des Absolutismus! Zehn politische Gefangene befreit. der der Ein treffliches Beispiel dafür, daß der Bauernbund, den man großpäppelte, weil man von ihm eine Schutzwehr gegen Zentrum einerseits und Demokratie andererseits glaubte erhoffen zu dürfen, der ***************** nationalliberalen Ziehmutter Angst und Schrecken einzuflößen beginnt, Eine glänzende Maifeier rüftet das Proletariat. Aus allen Teilen Deutschlands laufen Meldungen ein, beffer begegnet werden könne, andererseits aber wohl auch, um sich die da zeigen, daß die Arbeitsruhe gegen das Vorjahr große Fortschritte machen wird. Jeder Proletarier tue das Seine dazu, daß die Fortschritte Neuen Juhalt Achtstundentag, Arbeiterschutz, Warschau, 24. April. Heute nacht fam im Hauptgefängnis Bawiat in der Dzielnastraße ein vermeintlicher Gendarmerieoffizier gewaltig werden. mit sechs Polizisten an und händigte dem Gefängnischef einen vers fiegelten Befehl mit der Unterschrift des Oberpolizeimeisters aus, hat dieses Jahr die Maifeier gewonnen. Nicht nur für durch den die Auslieferung von zehn politischen Hauptverbrechern der revolutionären Kampfpartei angeordnet wurde. Da der Befehl für authentisch schien, wurden die zehn Männer ausgeliefert und bestiegen eine Sterkerkutiche. Unterwegs wurde der Kutscher durch die„ Poli- für zisten" chloroformiert und unschädlich gemacht. Die Kutsche richtete ihre Fahrt nach dem großen Gartenviertel, wo sie früh mit Pferden, demonstrieren wir dies Jahr! Säbeln und Polizeiuniformen aufgefunden wurde. Die Polizisten und der Offizier sind mit den Revolutionären spurlos ber= schwunden. Politifche Uebersicht. " Berlin, den 24. April. Rehr' wieder! Die Diätenvorlage hat nicht die gewünschte Anziehungsfraft für die Abgeordneten gehabt der Reichstag war heute, der Reichstag war heute, am ersten Tage seines Zusammentritts nach den Ferien, sehr schwach besetzt. Auch die Tagesordnung für die heutige Sigung hatte das Interesse der Herren Volfsvertreter nicht gereizt, der Präsident, der die sehr vereinzelte Wiederkehr der Abgeordneten nach den Ferientagen kennt, hatte Verhandlungsgegenstände auf die Tagesordnung gesetzt, die ge ringe oder feine Anfechtung erfahren. Und so wickelte sich der Geschäftsgang in entsprechend monotoner Weise ab. Völkerfrieden ist der Landtagswahlbezirk Marbach, in dem am fommenden Mittwoch eine Nach wahl stattfindet. Den Bezirk vertrat bis jetzt ein Lands wirt, der Hospitant bei der Volkspartei war. Die lettere verzichtete jedoch auf die Aufstellung eines eigenen Parteifandidaten zugunsten eines den Nationalliberalen nahestehenden Mannes. Es geschah dies wohl in der Annahme, daß damit der Agitation des Bauernbundes bei den Nationalliberalen für die Abtretung des bisher ihnen gehörigen Wah Kreises Tuttlingen an die Volkspartei zu revanchieren. Das Charakteristische ist nun, daß die Bauernbündler ein Wutgeheul ob dieses gegen sie gerichteten Zusammengebens der beiden liberalen Gruppen anstimmten. Sie verlangten allen Ernstes, daß die National liberalen ihnen nicht in den Weg treten und stügten sich darauf, daß Marbach ein Teil des Reichstagswahlkreises ist, in dem der nationalliberale Prof. Hieber mit bauernbündlerischer Hülfe gegen den Sozialdemos fraten gewählt wurde. Für diesmal haben sie aber mit ihrer Drohung, dem Prof. Hieber das nächste Mal einen eigenen Kandidaten entgegenzustellen, die beabsichtigte Wirkung des nationalliberalen Verzichts auf das Landtagsmandat noch nicht erreicht. In gleicher Art wie hier entwickeln sich die Dinge in allen länd lichen Wahlkretsen und es offenbart sich dann überall die gleiche Verlegenheit der bürgerlichen Mittelparteien, die politisch am Ende ihres Lateins sind. Stets bereit, über das Verblassen des idealen Die Maifeier 1906 ift dem Proletariat Norddeutschlands moments in der Politik zu janimern und δας Betonen vor allem auch Wahlrechtsdemonftration! der materiellen Interessen zu beflagen, bermögen ste Mandate und politischen Einfluß fich doch mur durch Preisgabe der eigenen Jdeale und durch Konzessionen an die materiellen Interessen der hinter ihnen stehenden Bevölkerungsklassen Proletarier, tut das Eure, daß die Kundgebung des 1. Mai zu erhalten. Aber auch das genügt nicht auf die Dauer, da sie in groß und erhebend werde! ************* wahl kommt. Mißhandelt und hinausgeworfen welche erbärmlichen Tröpfe müßten die Freifinnigen und National sozialen sein, wenn sie nach solcher Behandlung noch den nationalliberalen Helden Beistand leisteten!" ihren Versprechungen an die Wähler nie so weit gehen können wie Cie Mittelständler in der Stadt und die Bauernhündler auf dem Lande. Mit den Einhalten der mittleren Linie", dem Versuch des Ausgleichs und der Versöhnung" der verschiedenen Klasseninteressen ist aber heute nichts mehr zu machen. " Aehnlich wie im Marbachher Bezirk sind die Verhältnisse im Landtagswahlkreis Böblingen, der bisher demokratisch ver treten war. Der Demokrat hat bei der letzten Wahl mit sozial demokratischer Hülfe gesiegt. Die Nachwahl findet erst im Mai statt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diesmal die Sozialdemokratie mit dem Bauernbund in Stichwahl tommt. Unsere Genossen haben tapfer und unermüdlich gearbeitet und sind guten Mutes. Ihr Kandidat ist Genosse Bert hold Darmstadt, Abgeordneter für den Hessischen Landtag. Der dritte Bezirk, der eine Nachwahl zu vollziehen hat, ist die gute Stadt" Ellwangen. Sie hat verfassungs 營 Die dritte Beratung der Gesezentwürfe über die EntTaftung des Reichsinvalidenfonds und über die Bewilligung Das Stimmenverhältnis der Hauptwahl 1903 Hauptwahl 1903 war gemäß das Vorrecht eines eigenen Abgeordneten, obgleich von Wohnungsgeldzuschüssen, sowie über die Naturalleistungen folgendes: Cramer( Soz.) 14 144, Dr. Stein( natl.) 8659, nur ein paar Hundert Wähler im Städtchen wohnen. für die bewaffnete Macht im Frieden wurden debattelos nach Dr. Harnack( frs. Vp.) 1997, Dr. Schmidt( 3.) 900, v. Klöden den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen. Nur bei( Bd. d. Ldw.) 1845, zersplittert 4. dem Gesezentwurf über den Servistarif konnte es sich der Abgeordnete Müller- Sagan nicht verkneifen, einige höhnische Worte über die Knickrigkeit der Diätenvorlage zu sagen, weil mit ihr nicht die freie Eisenbahnfahrt durchs ganze Reich verbunden ist, die es den Abgeordneten erst ermöglicht, sich über die im Parlament zur Sprache gelangenden Angelegenheiten an Ort und Stelle zu informieren. Nachwahlen zum württembergischen Landtage. Stuttgart, 23. April 1906.( Eig. Ver.) Drei württembergische Landtagswahltreise stehen infolge des Todes ihrer Abgeordneten vor der Notwendigkeit der Neuwahl. Der Landtag wird zwar nur noch kurze Lebens dauer haben, aber verschiedene wichtige Aufgaben hat er doch noch Der Kreis ist sicherer Bestand des Zentrums. Die Wahl findet bereits am Mittwoch statt. Die liberalen Parteien, so viel sonst in ihrer Presse von der Notwendigkeit des Kampfes gegen das Zentrum und von der schwarzen Gefahr gefchwafelt wird, haben auf jeden Versuch, dem Zentrum Boden abzugewinnen, verzichtet. Die Sozialdemokratie hat jedoch einen Kandidaten aufgestellt und auch an Agitation getan, was auf so steinigem Boden möglich ist. Anken hui- innen pfui! ach diesen schnell erledigten Sachen gelangten noch 30 Berichte über verschiedene Petitionen zur Verhandlung, zu erledigen. Die Gemeindeverwaltungsreform ist Eine tragikomische Geschichte säufelt seit einigen Tagen von denen eine für die Gemeinde Bischheim( Elsaß) Beihülfe von der Kammer der Standesherren in entscheidenden Punkten ab- durch den deutschen Freisinnswald: Für den Umbau des Beraus Reichsmitteln verlangt, weil diese Gemeinde sich durch geändert worden, und die Zweite Kammer wird zu diesen Abände- liner Schauspielhauses waren vom preußischen AbgeordnetenAnlegung von gewerbesteuerfreien Betriebswerkstätten für rungen Stellung nehmen müssen. Ob das Gesetz schließlich zustande hause im Jahre 1904 1 850 000 m. bewilligt worden. Man die Reichseisenbahnen geschädigt sieht; sie wurde an die Kom- tommt oder am Ende ebenso wie die Schulreform von der Adelstammer fam aber mit den Sümmchen von beinahe 2 Millionen nicht mission zurückverwiesen, weil noch weiteres Material zugunsten bereitelt wird, steht noch dahin. Vor allem steht aber noch die Ent- aus, sondern verpulverte ungefähr 3 Millionen für die des Verlangens der Petition in Aussicht gestellt ist. scheidung über die Verfassungsrevision aus. Die Vorlage Flickerei. Das ist in Preußen weder neu noch aufregend. Die Schluß der Sigung 4 Uhr. Mittwoch: Erste Lesung wird gegenwärtig von der Kommission der Ersten Kammer beraten. Geschichte wird erst erwähnenswert durch die Begleitumstände Welche Gestalt sie haben wird, wenn die Edlen und Erlauchten der Kostenüberschreitung. Als es sich nämlich darum handelte, einer Anzahl Kleiner Gesetzentwürfe. Herren ihr Wert vollendet haben, weiß man nicht. Vermutlich dem preußischen geordnetenhause durch Wort und Schrift Die Reichstagserfahwahl in Darmstadt- Großgerau. werden sie die Gleichstellung der Ersten Kammer mit der Zweiten die nachträgliche Mehrforderung mundgerecht zu machen, da Am Mittwoch findet in diesem hessischen Wahlkreise, dessen in der Frage der Budgetbewilligung verlangen. Dann ist die Reform fabulierte der Reiter des Umbaus, Geh. Hofbaurat Genzmer, Mandat durch den Rücktritt des Genossen Cramer erledigt als gescheitert anzusehen. Auch dürften sie wohl dem Ersatz von unvorhergesehener mangelhafter Beschaffenheit des wurde, die Nachwahl statt. Ein heftiger Wahlfeldzug ist zu der aus der Zweiten Kammer ausscheidenden Priviligierten Hauses, von Wasserandrang und dergleichen mehr. Wie sich Ende. Die bürgerlichen Parteien glaubten günstige Chancen durch Abgeordnete, die auf dem Wege des Landesproporzes mittels des nun dieser Tage herausgestellt hat, liegt die Sache in Wirkzu haben, sie bermeinten, die Affäre Cramer werde Ver- allgemeinen und gleichen Wahlrechts gewählt werden, ablehnend lichkeit ganz, ganz anders. ftimmungen im Lager der Sozialdemokratie erzeugt haben, gegenüberstehen. In diesem Falle wäre gleichfalls eine Einigung Am 22. März 1905 dampfte Wilhelm II. nach dem die ihre Lage verschlechtern würde. So stürzten sich denn beider Kammern so gut wie ausgeschlossen. Die noch ausstehende Mittelländischen Meere ab. Tags zuvor, am 21. März 1905, Nationalliberale und Freisinnige mit wütendem Eifer auf den Tagung des württembergischen Landtages ist daher politisch sehr be- follte das Schauspielhaus auf jeden Fall eröffnet werden. So Wahlkreis. Der bekannte Reichsverband für Sozialistentötung bot deutungsvoll und von ihrem Ausgang wird es abhängen, unter hatte es der Kailer, wohl auf Anregung von anderer allge- Seite, mit gewohnter Unparteilichkeit beiden seine Hülfe an die Frei welcher Wahlparole sich die im Spätjahr fälligen allge Seite, verlangt. Und so würde denn mit höchstem sinnigen indessie haben ehemalige Nationalfoziale unter meinen Neuwahlen vollziehen. Hochdruck gearbeitet: Tag und Nacht, in der Woche, am Sonnsich und ihr Kandidat ist ein Naumannianer hatten noch Gegenwärtig ist die politische Lage in der Landespolitik und das Ver- tag, am Bet- und Bußtag. Aber alles nugte nichts, der Um fobiel Reinlichkeitsgefühl, den kompromittierlichen Helfer abzu hältnis der Parteien zu einander noch sehr wenig geklärt. Die Ungewiß baut fonnte auf feinen Fall bis zum 21. März 1905 fertig. weisen. Die Nationalliberalen aber empfingen ihn mit offenen beit in Sachen der Verfassungsrevision wirkt lähmend auf gestellt werden. Mam sollte meinen, es hätte sich unter diesen Armen. Sie konnten das auch mit vollem Recht, denn ihre die Aktionskraft der Parteien, vor allem aber derjenigen Parteien, Umständen ein„ mutiger" Mann finden müssen, der es wagte, " " bor Wilhelm II. hinzutreten und zu sagen: Majestät! Es| sperrung des Gewerkschaftshauses statt, die, wie die Voltswacht"| handenen 15 000 Mann immer neue Truppen ins Feuer zu schiden. ist unmöglich!" Weit gefehlt! Der Furcht vor der kaiser- schreibt, deutlich erkennen ließ, daß es der Polizei um etwas mehr am 30. Mai wird nämlich wieder ein neuer Verstärkungstransport lichen Ungnade wagte sich feiner, keiner auszusetzen!- denn um die Verhinderung der Versammlung zu tun war. Praktisch auf den beiden Dampfern Gertrud Woermann“ und„ Lulu Bohlen" " Da kam der Intendant Herr v. Hülsen- ob höchsteigen- lief sie wieder, im Gegensatz zu der Absperrung der bürgerlichen von Hamburg abgehen. Auf„ Gertrud Woermann" wird die köpfig oder auf Anregung von anderer Seite hin, das wissen Säle, auf eine ganz unerhörte petuniäre Schädigung des 36. Transportkompagnie in Stärke von 8 Offizieren und Beamten, wir nicht auf eine geniale" Idee: Er ließ das Schauspiel- Wirtes im Gewerkschaftshause hinaus! Nicht genug damit, daß die etwa 210 Unteroffizieren und Mannschaften und 400 Pferden, und haus provisorisch fertigstellen! Was heißt das? Alle Ar- Polizei das ganze Stadtviertel absperrte, so daß überhaupt kein Mensch in auf„ Lulu Bohlen" werden 7 Offiziere und Beamte, 165 Unterbeiten, zu deren regulärer Vollendung die Zeit nicht aus- das Gaftzimmer kommen fonnte, ließ sie nicht einmal diejenigen Perfonen offiziere und Mannschaften und 600 Pferde untergebracht werden. reichte, wurden einstweilen in Talmi ausgeführt! Statt durch, die zu den verschiedenen Krankenkassenstellen im Durch die 36. Transportkompagnie werden die Eisenbahntruppen, echten Marmors, statt echter Bronze usw. nahm man Stuck, Gewerkschaftshause wollten, obwohl sie sich durch ihr Krankenkassen- die Feldtelegraphen- und die Funkentelegraphenabteilungen verstärkt den man provisorisch anklebte und mit Similifarben über- buch legitimierten!! Die Delegierten einer Konferenz, die im Ge- und ergänzt werden. tuschte, vergoldete, mit Stoffen und Draperien überspannte! werkschaftshaufe tagen sollte, mußten unverrichteter Sache abziehen. Das sind also zusammen 390 Mann und 1000 Pferde! Die Nachher wurde die ganze unechte Herrlichkeit" wieder zer- Ja, selbst die Personen, die im Gewerkschaftshause wohnen, hatten Kostenrechnung für Südwestafrika schwillt immer ungeheuerlicher trümmert, abgelöst, zerrissen, und nun ging man endlich an die größten Schwierigkeiten, durch die Schußmannsketten zu kommen! an! Trotzdem ist feine Hoffnung, daß durch dies Lehrgeld wenigstens die solide Ausführung. Kein Wunder, daß die tragikomische Deutlich war die Absicht zu erkennen: das Gewerkschaftshaus sollte die Herrschenden Parteien von weiteren Kolonialabenteuern abPotemfin- Geschichte ins Geld lief und schließlich doppelt so unter allen Umständen vereinsamt bleiben. Voraussichtlich geschreckt werden würden. Mag der Herr Erzberger auch den biel verschlang, als Preußens Abgeordneten bewilligt hatten. wird wegen dieser unberechtigten Entziehung feiner Gäfte der Wirt Herrn Stübel und andere gefallene Größen noch so schneidig in die Wie gesagt, die freisinnigen" Zeitungen stimmen ein Klage auf Schadenersatz stellen, damit endlich einmal die Polizei die Schranken fordern das Zentrum macht sich auch fünftig zum lautes Lamento an über die allerdings in ihren letzten Aus- Kosten dieser unerhörten Absperrungsmanier zu tragen hat. Mitschuldigen jedes welt-/ und kolonialpolitischen Aberwizes! läufern geradezu skandalöse Angelegenheit. So schließt z. B. Db's freilich was helfen wird. das Berliner Tageblatt" einen seiner Artikel über die TragiHusland. komödie des Umbaus mit folgenden mannhaften Worten, die Ungarn. sie ihrer liberalen Heldenbrust entströmen läßt: Gewitterschwüle. # Basis des heutigen schändlichen Wahlgesetzes die Volksvertreter ins Jmmer näher rückt die Zeit heran, da zum letztenmal auf der Parlament gewählt werden sollen. Der größte Teil der Kandidaten findet es nicht der Mühe wert, in seinen Neden oder Wahlaufrufen das allgemeine Wahlrecht auch nur zu erwähnen. Dies tommt daher, weil ein eigentlicher Wahlkampf bloß in sehr wenigen Bezirken stattfinden dürfte und zwar da, wo den Koalitionsglücklichmachern entweder ein Nationalitätenkandidat oder ein Mitglied der unabhängigen sozialdemokratischen Bauernpartei gegenübersteht. Wunder, da ja diese schwarz- grüne Interessenmoral zu einer volksDie Gleichgültigkeit der feudal- klerifalen Sippschaft nimmt keinen freundlichen Politik nirgends auf Erden jemals zu haben war. Ueber die Fleischteuerung enthält der Bericht der Verwaltung des Schlacht- und Viehhofes zu Chemnitz für das Jahr 1905 sehr Wie die Dinge sich nachträglich gestaltet haben, bleibt bemerkenswerte Angaben. Sowohl der Marktauftrieb, als auch die dem Landtag gar kein anderer Ausweg übrig, als im Wege einer Schlachtungen haben sich gegenüber dem Vorjahre beträchtlich ber Interpellation an den Finanzminister auf endgültige mindert, troydem die Einwohnerzahl der Stadt sich sehr verKlärung dieser mehr als sonderbaren Baugeschichte des Schaus größert hat. Dem Schlacht und Viehhofe sind insgesamt spielhauses zu dringen. Aber auch dieser Fall zeigt wieder einmal 182 511 Tiere zugeführt worden, 5480 Tiere oder 2,92 Proz. so recht deutlich, wie sehr berechtigt unsere Auffassung war, der wir in unserem Leitartikel onstitutionelle Un weniger als im Vorjahre. Die Zufuhr an Rindern und Schafen stimmigkeiten" in der Abendausgabe vom 21. d. M. Ausdrud war etwas größer, dagegen um 16 835 Schweine geringer. Im Schlachtgegeben haben. Für gewisse Kategorien von Behörden und Ver- hofe wurden insgesamt 130 249 Tiere geschlachtet. 2721 Stück oder waltungen, namentlich für diejenigen, die mehr oder weniger mit 2,05 Proz. weniger als im Jahre 1904. Besonders groß ist der „ höfischen" Aufgaben betraut sind, hat sich das konstitutionelle Rückgang der Schweine schlachtungen. Er beträgt 4628 Stück, Wesen noch immer teine rechte innerliche Anerkennung erworben. während die Pferde schlachtungen um 240 auf 982 und die Für diese Verwaltungsgruppe ist die Verfassung so recht unde schlachtungen um 273 auf 611 gestiegen sind. Die Menge Umsomehr ist das wankende Verhalten der großen" Regierung zu eigentlich noch gar nicht vorhanden! Diesen Herren muß indessen des auf jeden Einwohner entfallenden, in Chemnitz ausgeschlachteten verurteilen, die es sich nicht im Traume einfallen läßt, in uns nachgerade gründlich flargemacht werden, daß das absolute Königtum in Preußen seit dem Jahre 1848 nicht mehr existiert und daß und von auswärts eingeführten, nach dem Schlachthofe gebrachten zweideutigen Worten ein ehrliches Bekenntnis in bezug auf das die preußische Boltsvertretung nicht dazu da ist, um von irgend Fleisches betrug im Berichtsjahre 44,85 Kilogramm, gegenüber allgemeine Wahlrecht abzulegen, obwohl sie doch das Programm wem im Lande genasführt zu werden! 49,06 Kilogramm im Vorjahre. aufgestellt hatte: Durchführung des Wahlgesetes mindestens in dem Maße, wie es die Regierung Fejervary beabsichtigte! Der ungarische Liberalismus, welcher fast vier Jahrzehnte seine korrupte Alleinherrschaft ausübte, ist nunmehr vom politischen Kampfboden Ungarns verschwunden. Sowohl das wirtschaftliche wie das fulturelle Gedeihen des Landes war durch sein gemeingefährliches Wirken gehemmt. Bei dieser mächtigsten parlamentarischen Regierungspartei war der Ausdruck Liberalismus" bloß ein Deckmantel, da stets der Wille der ihr angehörenden Anhänger der Feudal Klerikalen zur Geltung gelangte. Jener„ Liberalismus" ist übrigens bloß scheintot, denn sein Geiſt" lebt Hier muß einmal gründlich Wandel geschaffen werden, und je eher, je besser!" Wie energisch das klingt! Ungefähr so energisch wie die befannten freisinnigen Jeremiaden, wenn im Reiche der Etat überschritten worden ist. Dann lesen wir von ähn lichen„ fonstitutionellen" Blähungen bei Mosse, Ulstein usw. Flüstert dann aber Bülow oder sein Stellvertreter im Reichstage das Wörtlein" Indemnität!" so ist alles vergeben und vergessen, und die Freisinnsseele beruhigt sich bis zur nächsten Verlegung der Konstitution", wo dann dieselbe Posse aufgeführt wird. Weil dem bekanntermaßen so ist, können wir die Aufregung über die Schauspielhaus- Tragikomödie nicht ernst nehmen. Uns ist sie ein Symbol für unsere preußisch- deutsche Similipolitif, unsere preußische, unsere deutsche TalmiEonstitution überhaupt, die von weitem bisweilen ganz nett aussehen, denen man aber in der Nähe ihr Talmigepräge mit Leichtigkeit anmerkt. Außen hui- innen pfui! Deutfches Reich. Die abgehackte Hand. Für alle Viehforten ist im Jahre 1905 eine Steigerung der mittleren Jahresdurchschnittspreise eingetreten. Am bedeutendsten ist die Preissteigerung bei Schweinen. Der Höhepunkt wurde im November mit 80,56 M. für 50 Kilogramm Schlachtgewicht erreicht: Der mittlere Jahresdurchschnittspreis stellte sich auf 71,87 m. gegen 54,58 M. im Vorjahre, so daß hier eine Steigerung um 16,79 m. gleich 30,76 Proz. für 50 Silogramm Schlachtgewicht eingetreten ist. welche Bedeutung diese Preissteigerung für die Ernährung der Bebölferung hat, erhellt daraus, daß allein für die im Chemniger Schlachthofe geschlachteten 61 777 Schweine 988 482 M. mehr bezahlt wurden, als für die gleiche Stückzahl im Vorjahre. " Spizbubentaktik. Die Kölnische Volkszeitung" schließt sich den Klagen der„ Boff. 8tg." darüber an, daß der Flottenverein am Werkte fei, den Flottenparoxysmus noch zu steigern. Das müßte die bedentlichste Wirkung haben. Wenn immer wieder auf Markt und Gaffen geschrien werde, Deutschland müßte unbestritten die erste Militärmacht werden und sich vor allem eine starke Flotte schaffen, um sich ,, durchzusetzen", so provoziere man damit nur die Gegenrüstungen des Auslandes. Ja die ausländischen Regierungen könnten schließlich auf den Gedanken fommen, den deutschen Rüstungen durch einen schnellen und nachdrüdlichen Koalitionskrieg zuvorzufommen. Schambaft hatte der Breslauer Polizeibericht in Wenn das Zentrum dergestalt gegen den Flottenverein eifert, so feiner Darstellung der Straßenschlacht zu Breslau geübt es nur die alte Spizbubentaktit," Haltet den Dieb" zu schreien. meldet:„ Am schwersten verwundet ist ein Arbeiter, dem durch hat doch das Bentrum felbst für die neue Flottenvorlage gestimmt, einen unglücklichen Zufall die linke Hand abgeschlagen wurde..." die für das Ausland eine empfindlichere Provokation bedeutet, als das Durch einen unglücklichen Bufall! So steht's im Geschrei der Flottenfege vom Flottenverein. Und hat sich doch Polizeibericht. Wie dieser unglückliche Zufall" aussah, das zeigen das Zentrum sowohl bei der Beratung der Flottennovelle wie bei die beiden folgenden Meldungen. der Besprechung der Marokkoaffäre zu der weltpolitischen Marime bekannt, daß Deutschland auch allein stark genug sein müsse, um jeder gegnerischen Koalition gewachsen zu sein. Der Breslauer Generalanzeiger" berichtete: " Daß einer Person die linte Hand abgehauen ist, teilten wir gestern schon mit. Es geschah dies im Hause Hildebrandtstr. 25. Der Bierfüller Biewald, der in diesem Hause bei einer Frau Bradtte wohnt, hatte vor der Tür gestanden und eilte vor der eindringenden Polizei die Treppe hinauf. Etwa auf der Hälfte der zum ersten Stock führenden Treppe erreichte ihn der nachstürmende Schuhmann und schlug ihm mit einem gewaltigen Säbelhieb die linke, das Treppengeländer umfassende Hand glatt ab. Das Gerücht, daß Biewald infolge der Verlegung gestorben sei, bewahrheitet sich nicht." Der„ Volkswacht" wurde geschrieben: Das tragische Schicksal des Bierfüllers Franz Biewald, welchem die linke Hand glatt abgehackt wurde, hat mich und meine Familie in große Erregung gebracht, weil uns derselbe bekannt ist. In diesem Falle muß man es laut betonen, daß hier sehr edles und wertvolles Arbeiterblut vergossen wurde, denn Biewald ist ein wohlerzogener, stets nüchterner, arbeitsamer und durchaus solider Mensch, der von seinem Arbeitsverdienst bisher Mutter und Geschwister unterstützt hat. Der Sozialdemokratie steht er meines Wissens vollständig fern nnd feinem Charakter entsprechend hat er fich an den Unruhen bestimmt nicht beteiligt. Wie total sich die Stellung des Zentrums zum Militarismus und Marinismus geändert hat, beweist folgende Stelle aus der Barlantentsrede Windthorsts aus dem Jahre 1874: D " in der neuen Verfassungspartei" weiter. Um so bedauerlicher und bezeichnender, daß der doch stets für wirklich liberal gehaltene Weferle sich gerade der Verfassungspartei" angeschlossen hat, die im ganzen Lande als entschieden agrarisch und voltsfeindlich befannt ist. Dieses Verhalten Wekerles rechtfertigt denn auch die Passivität unserer ungarischen Genossen gegenüber der neuen Regierung. Weferle scheint die Macht der ungarischen Sozialdemokratie nicht genügend zu kennen, da er den Wut hat, mit der Veröffentlichung des Wahlrechtsgefeßentwurfes zu fäumen! Daß unsere Genossen kein Mandat erzielen werden, ist leider zweifellos, aber dessen ungeachtet werden die Programmreden der fozialdemokratischen Kandidaten, wie die in einer Million Exemplaren verbreiteten Flugschriften in allen Landessprachen die gewünschte Wirkung keinesfalls verfehlen. Einerseits werden die bürgerlichen Kandidaten gezwungen, für das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht Stellung zu nehmen, andererseits werden auch die Kandidaten unserer Genossen sogar bei dem heutigen elenden Wahlhitem in so manchen Bezirken wenigstens namhafte Stimmenzahl erreichen. " Der Wucher mit den Mandaten, welcher unter dem Regime der Liberalen" stets üblich war, herrscht in noch höherem Maße bei den Koalitionsglücklichmachern. Sie tragen daher bereits jetzt Sorge dafür, daß die Parteikasse recht voll werde; denn in vielen Bezirken wo befonders großes Elend herrscht gedenken sie mit diesem illegalen Gelde sich das ausgebeutete Wolf zu ertaufen. nicht entsprechen, so find die Tage der Koalitionsregierung gezählt. Sollte dann der Wekerlesche Gefeßentwurf den Erwartungen Unsere ungarischen Genossen haben den unerbittlichen Kampf bereits angekündigt, indem sie besonders betonten, daß sie vor feinen Ge waltsmaßregeln zurückschrecken würden! Jst Wekerle derselbe gea blieben, der er einst gewesen, so dürfte er die Wahlrechtsfrage auch ehrlich lösen; hat aber der Einfluß seiner feudal- flerikalen Gefinnungsgenossen bei ihm bereits im voltsfeindlichem Sinne gewirft, so wird der bereits proflamierte Kampf unserer Genossen gewiß nicht lange auf sich warten lassen. Schweiz. Selbstbestimmung durch das Volt. Zürich, 23. April.( Eig. Ver.) Das eifrige demagogische Wühlen der ländlichen Reaktionäre gegen das neue Lehrlingsgeset abstimmung mit 37 586 gegen 28 007 Stimmen angenommen. Die schamlose Hetze der Gegner war so weit gegangen, daß sie frech den roten Lappen schwenkten, indem sie von fozialistischen Uebergriffen" schwindelten, während das Gesetz doch von einem liberalen minister ausgearbeitet und vom Kantonsrat mit großer Mehrheit angenommen worden war. Das wird mir niemand beweisen, daß eine Armee wie die jezige dauernd erforderlich sein wird. Und wäre sie das, so wäre dies für Deutschland wahrlich eine traurige, sehr entfegliche Perspektive. Denn immer in diesem Feld Lager zu bleiben, in dem wir uns heute befinden, das wäre gewiß fein normaler Zustand. Ich bin der Ueberzeugung, Saß nicht allein Deutschland, sondern daß ganz Europa mehr und mehr sich zu einem Feldlager ausbreitet, und daß es eine Torheit ist, das nicht anerkennen zu wollen. Der Versuch, dieses Feldlager zu perpetuieren, wie es jetzt... ge= macht wird, kann nicht genug bekämpft werden." So prophezeite Windthorst 1874 die militärische war erfreulicherweise vergeblich; es wurde in der gestrigen VolksSchraube ohne Ende, obgleich damals Deutschland für den Militarismus zu Lande und zu Wasser erst 475 Millionen Mark ausgab, während es 1906, die Kolonialausgaben eingerechnet, zirka 1300 Millionen dafür opfert! Aber das Zentrum hat nicht nur dem Dem Biewald wurde die Hand abgehackt, nachdem er bereits Militarismus eine Konzession nach der anderen gemacht und damit den ersten Stock seines Wohnhauses fast erreicht hatte. Wer in der Tat ganz Europa in ein Feldlager verwandelt, sondern es felbst einmal nach dem Hause Hildebrandtstr. 25 übernimmt jetzt auch durch seine Marinebewilligungen die Verhingeht, der wird staunen, welchen Weg der betreffende antwortung für ein noch viel tolleres und gefährlicheres Marine Schuhmann von der Haustür bis dahin erst zurücklegen mußte, ehe er seine brave Tat ausführen fonnte. Eine Heldentat sonder wettrüsten nicht nur Europas, sondern der ganzen Welt! gleichen. Zum Schopenftehlprozeß in Hamburg. Da sich inzwischen noch Das ist der„ unglüdliche Bufall" des Breslauer Polizei- ein junger Hausdiener eingefunden hat, der sich selbst bezichtigt, Die beiden Verbündeten". berichts. Ein unglücklicher Zufall war's also, daß der Schußmann 145 einen Mauerstein in den Laden eines am Schopenstehl wohnenden Rom, 24. April.( B. H.) Hiesige Blätter berichten, in einen Hausflur eindrang, die Treppe hinauf stürmte und dort auf Uhrmachers geschleudert zu haben, werden sich in dem am Mittwoch im September würden große Gebirgstruppen- Manöver an einen friedlichen Mann, der sich in seine Wohnung begeben wollte, vor dem Schwurgericht in Hamburg( Verhandlungsdauer etwa der österreichischen Grenze vorgenommen werden als Antwort mit einer Wucht einschlug, daß er ihm die Hand glatt vom Arme 10 Tage) 30 Personen wegen Aufruhrs in Verbindung mit auf die lebungen österreichischer Truppen an der italienischen trennte. Ein unglücklicher Zufall, daß der Schußmann Plünderung und Hehlerei zu verantworten haben. Bisher find Grenze. die Besinnung verlor, daß er seine Aufgabe, Ruhe zu stiften, bergaß, 113 Bengen geladen, darunter 29 Bolizeibeamte. und glaubte, er sei dazu da, Unbotmäßige zu verhauen. Ein un- Last gelegten„ Verbrechen" recht harmloser Natur. und für viele der un- handlung ergeben wird, sind die der Mehrzahl der Angeklagten zur glüdlicher Zufall, daß der Schutzmann glaubte, durch das Kom- Exzedenten" trifft das alte Sprichwort zu: Mitgegangen mitmando seiner Vorgefeßten habe er einen Freibrief für sinnlose gehangen". Die weiteren Schopenstehler", die hauptsächlich zur Brutalitäten erhalten. Ein unglücklicher Zufall, daß er vom Klasse der„ Halbstarken" zählen, werden sich vor der Straffammer Blutrausch gepackt wurde und wie ein Berserker wütete gegen seine zu verantworten haben. Wir werden über diese Prozesse eingehend berichten. Boltsgenossen! Ein unglücklicher Zufall? Nein, die natürliche Folge des Systems, das die Polizei zur Schußtruppe der Besitzenden macht und sie drillt auf den Kampf gegen die Proletarier. Die Schulb der Vorgefeßten, die das Hirn der Polizisten angefüllt haben mit wüsten Bildern angeblicher sozialdemokratischer Gewaltabsichten und Verworfenheiten! Mann leicht verwundet. Wie die VerDas Jagdgesez ist gleichzeitig mit 40 398 gegen 26 008 Stimmen verworfen worden. Zahlreiche Gegner des Lehrlingsgefezes waren Freunde des Jagdgesetzes; sie haben also eine doppelte Niederlage erlitten. Italien. Schweden. 80 Millionen pro Jahr für den Militarismus 10 000 kronen für die Literatur. feine Jm Budgetvorschlag des Kultusministers war diesmal ein Posten von 30 000 kronen aufgeführt, die- auf drei Jahre berteilt zur Unterstüßung belletristischer Schriftsteller dienen sellten. Die beiden Nachbarstaaten, Norwegen und Dänemark, zahlen derartige Dichtergagen" schon seit einer Reihe von Jahren; bas kleine Dänemark gibt dafür jährlich 70 000 kronen aus. In Schweden wurde ein Antrag auf Staatsunterstützung für schöne Miniſter Bergström gestellt, aber nur von unserem Parteigenoffen Literatur zum ersten Male vor nunmehr 9 Jahren von dem jebigen Branting unterſtüßt. Südwestafrikanische Schlappen und Truppennachschübe! Aus Südwestafrika, wo wir erst vor wenigen Tagen eine empfindliche Schlappe erlitten, kommen neue Hiobsposten. Einer Hottentottenbande gelang es wieder einmal, eine Pferdewache zu überfallen und eine Anzahl Pferde als Beute davonzutreiben. Von In diesem Jahre aber nahm die zweite Kammer jenen Rea den Bachmannschaften wurden fünf Mann schwer und zwei gierungsvorschlag mit 86 gegen 75 Stimmen an, die erste Kammer Von Moreng a hat man trot aber lehnte ihn mit 52 gegen 38 Stimmen ab, wodurch eine geeifriger Verfolgung nicht einmal eine Spur auffinden können. Wohl meinsame Abstimmung beider Kammern notwendig wurde. Diese aber ist ein anderer Hottentottenführer, der Bondels- Kapitän hat am 19. April stattgefunden und führte zur Ablehnung des Johannes Christian, mit 100 Mann über die englische Vorschlages mit 110 gegen 104 Stimmen. Grenze in Deutsch- Südwestafrika eingebrochen, um nach dem aus 10 000 kronen zur Förderung der Literatur zu bewilligen, Schweden gibt jährlich über 80 Millionen für Militärzwede Die aufreizenden Versammlungsverbote zu Breslau werden noch Muster Morengas der Schutztruppe Arbeit zu geben! Nette Aussichten! dazu konnten sich die Voltsvertreter" nicht aufschwingen. Das aufreizender gestaltet durch die Art und Weise, wie die Polizei für Die Regierung hält es denn auch für notwendig, gegen die schwedische Volt gilt bekanntlich als eins der höchst gebildeten die Befolgung dieser Verbote sorgte. Es fand eine polizeiliche Ab- 3 oder 400 Hottentotten, die noch im Felde stehen, zu den vor- Wölfer der Welt; sein Reichstag ist weniger berühmt. Diese eine abgeschlagene Hand erhebt eine furchtbare Anflage gegen die Breslauer Polizei. Sie zeugt in gräßlicher Weise davon, daß die Breslauer Polizei nicht einen Strawall unterdrüdt hat, daß sie sich in wildem, sinnlosen Wüten gegen Wehrlose vergangen hat. " Gewerkschaftliches. Werkstattbesprechungen find nicht anmeldepflichtig! Obgleich das Kammergericht sich von dieser selbstverständlichen Tatsache nicht bedingungslos überzeugen laffen will, hat die Straf fammer in Essen zum zweiten Male in diesem Sinne entschieden. Am 17. Oktober 1904 fand in Rellinghausen eine Werkstatt besprechung von organisierten Arbeitern der Maschinenfabrik Dinnendahl statt. In dieser Versammlung, in welcher Mißstände in der Fabrik gerügt wurden, waren auch die nicht bei der Firma beschäftigten Personen, 1. der Organisationsleiter des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Franz GemoII, 2. der Schloffer Ernst Schmidt, zugegen. Am Schlusse der Versammlung traten die Genannten auch als Redner auf und forderten die Anwesenden auf, der Organisation beizutreten. Die Ortspolizeibehörde erblickte in dieser Veranstaltung eine öffentliche Beriammlung, die der Anmeldung unterlag. Da letteres nicht geschehen war, so erhielt Gemoll, Schmidt und der Wirt Kleinschmidt wegen Uebertretung der Verordnung über das Versammlungs- und Vereinsrecht ein Strafmandat bon je 15 M. Hiergegen beantragten sie richterliche Entfcheidung. Während das Schöffengericht der Berufung des Wirtes stattgab und den Angeklagten Kleinschmidt freisprach, wurde die Berufung der Angeklagten Gemoll und Schmidt berworfen. Das Gericht erblickte in der Agitation für den Deutschen Metallarbeiterverband eine Erörterung öffentlicher Angelegenheiten. Hiergegen legten die Angeklagten abermals Berufung ein, die am 5. Juli vor der 5. Straftammer verhandelt wurde. Das Berufungsgericht hat es dahingestellt sein lassen, ob in der vorgenomemnen Aufforderung zum Beitritt in die Organisation die Erörterung einer öffentlichen Angelegenheit liege und hat nur die Frage geprüft, ob. selbst wenn dies zu bejahen sei, im borliegenden Falle eine Versammlung im Sinne des Gefeßes stattgefunden habe. Das Gericht tam zur Verneinung der Frage und führte in dem Urteil aus, die Bersammlung müßte zum Zwede der Erörterung öffentlicher Angelegenheiten unternommen sein, mit anderen Worten, es mußte von vornherein die Absicht obgewaltet haben, öffentliche Angelegenheiten in der Bersammlung zu bes sprechen. Dieser Annahme stand aber das eibliche Zeugnis des Sandformers Schürmann entgegen. Wäre der Zweck der Versamm Tung die Agitation gewesen, so wäre doch jedenfalls in längerer Rede der Zweck und die Ziele des Metallarbeiterverbandes dargelegt sein; das ist indessen nicht geschehen. Das Gericht war somit der Ansicht, daß unter diesen Umständen nicht für erwiesen erachtet werden könne, daß die Versammlung die Grörterung öffentlicher Angelegen heiten bezweckte und erkannte daher gegen die Angeklagten auf Freisprechung. die Angeklagten abermals frei.Allmann und andere Verbandsvertreter bezeichneten diese Resolution als tattisch unawedmäßig. Die erste, von der Verbands. leitung vorgelegte Resolution wurde einstimmig angenommen, wo durch die zweite Resolution abgelehnt ist. durch die zweite Resolution abgelehnt ist. mit der Meifterkommiffion zu einem für alle Berliner Bädergesellen| ftruktion und schönen masfiben Gebäuben. Die Belegschaft ist über günstigen Abschluß zu bringen. Die Versammlung verwahrt sich 300 Mann start und besteht in der Hauptsache aus unterirdisch aber ganz entschieden dagegen, daß diese gelben Bereine irgendwie beschäftigten Leuten. Das Werk liefert biele Rohtohle in die im Namen oder im Interesse der Berliner Bädergesellen handeln." Fabriken der Tertilbranche nach Gera. Durch ein eventuelles völliges Eine andere aus der Versammlung eingereichte Resolution ver- Stillegen des Werkes würde diese unzweifelhaft in Mitleidenschaft langt, daß die auf Freitag festgefeßten Verhandlungen am Donners- gezogen werden. In den Kohlenflogen eines anderen tag stattfinden sollen und, falls dann feine Einigung zustande Schachtes desselben Revieres brennt es bereits an mehreren tommt, soll der Tarif eingereicht, bis zum 1. Mai Antwort berlangt Stellen zugleich! Die Herren Beamten, welche durchaus keinen und an diesem Tage die Entscheidung gefällt werden. Rat wissen, laufen zu den Arbeitern, bitten, beschwören sie, doch zu kommen, zu helfen, damit der Schaden nicht zu groß werde. Bergebens! Freilich ist der Schaden, der entstanden ist durch Zu bruchegehen einzelner Derter, Streden und Baue groß und zurzeit noch gar nicht zu übersehen. Es sei aber nicht vergessen, daß nicht Zum Streit der Arbeiter in den Norddeutschen Eiswerken. Der die Arbeiter es gewesen sind, welche hartnädig auf ihrem Stand des Streiks ist ein guter. Es verkehren nur wenige Gis- Standpunkte verharrten. Der Schaden ist einzig und allein auf das wagen von den Werken, und diese werden von den Herren Eismeistern Konto des brutalen Herrenstandpunktes des Unternehmertums zu und Inspektoren im Verein mit einigen Arbeitswilligen bedient. feben. Bei dieser Gelegenheit mag gleich die Angabe bürgerlicher Verhandlungen hat die Direktion schroff abgelehnt. Blätter, daß von 15 600 Mann Gesamtbelegschaft nur 4300 Mann sich im Ausstande befänden, widerlegt werden. Abgesehen davon, daß die Zahl der Ausständigen ins sechste Tausend geht, sind aber die Streifenden zu girta 85 Broz. unterirdisch beschäftigte eigentliche Bergleute! Diese machen im ganzen aber kaum 25 Broz. der Gesamtbelegschaft aus. Daraus ist zu ersehen, daß es ein schwerer Jrrtum ist, wenn man die Zahlen der Ausständigen denjenigen der Gesamtbelegschaft gegenüberstellt und nun annimmt, die Beilegung des Streites müsse angels genügender Beteiligung erfolgen. Die Färber der Firma W. Spindler in Spindlers. felbe bei Röpenid befinden sich im Ausstand. Vor Zuzug wird gewarnt. Deutscher Textilarbeiterverband. Filiale Köpenid. Von der Brennfpiritus- Gesellschaft m. b. H. erhalten wir folgende Buschrift: Unter Bezugnahme auf das Breßgefeß und die uns betreffenden Ausführungen in Ihrem Blatte vom 20. April ersuchen wir Sie hiermit um die Veröffentlichung folgender Berichtigung: 1. Es ist zutreffend, daß wir vor ungefähr zwei Monaten die Zahl der bei uns beschäftigten Kutscher verringert haben. Es ist aber unzutreffend, daß wir die anderen Kutscher infolgedessen überlastet haben. Die einzelnen Wagen können sämtlich nur mit einer bestimmten Anzahl von Flaschen, Fässern und Kannen beladen werden, deren Ablieferung an die Kundschaft von jeher durch die Stutscher, ohne eberanstrengung derselben, bewältigt worden ist; einige größere Wagen werden nicht von den Kutschern allein, sondern mit Mitfahrern gefahren. 6 Uhr. Der Gewerberein(..) macht die denkbar größten Anstrengungen, um seine revoltierenden Mitglieder zu halten, die verlorene Pofition womöglich wieder zu gewinnen. Reuerdings weilt jogar Herr Hammacher aus dem Buhrbecken im Streifgebiet. Es ist dies derselbe Hammacher, der den Gewerkverein der Bergarbeiter als Mitglied der Siebenerkommiffion im westfälischen Ruhrstreit vertrat. Am Sonntag sollte der Mann in einer öffentlichen Bersammlung sprechen. Doch, o weh! Es hatten sich kaum ein Dukend Teilnehmer zusammengefunden und so mußte die Veranstaltung unterbleiben, Der Verrat des„ Generalrates" ist nun allgemach auch im eigenen Lager des Gewerkvereins übel beamerkt worden. So schreibt die Westdeutsche Abendpost", Organ des Gewerkvereins, unter anderem:„ Die Mitglieder möchten ihre Beiträge in der Schatulle behalten und nichts an den Generalrat nach Burg abliefern." 2. Es ist unwahr, daß seit Bestehen des Vertrages die Zahl der Lagerarbeiter um einige verringert worden ist. Nach der mit den Stutschern vereinbarten Arbeitsordnung haben die Kutscher die Wagen zu beladen. 3. Gist unwahr, daß von den Kutschern verlangt worden ist, die Arbeit schon um 5 Uhr zu beginnen, die Arbeit beginnt stets um Auf die Mitteilungen der Presse en bezug auf die Werts. wohnungen im Bornaer Reviere hin ist jedenfalls eine Re 4. Es ist unwahr, daß eine Frühstücsvergünstigung entzogen bifion dieser Wohnungen seitens des zuständigen Bezirksarztes erwerden sollte. Nach der mit den Kutschern vereinbarten Arbeits- folgt. Der Herr ist am Sonnabend in Lobstädt und Ramsdorf in ordnung soll die Frühstücspause vor der Abfahrt vom Fabrikhofe Begleitung des Werksdirektors gewesen und hat die Wohnungen erfolgen. Es ist verboten, in Tempelhof und vor dem abzufahrenden besichtigt. Diese befinden sich nicht etwa in neuen, von den GesellBezirk an Wirtshäusern zu halten, statt dessen haben die Stutscher schaften erbauten Häusern, sondern man hat alte ausgeschlachtete bis faft mittags auf den Zufahrtsstraßen zu ihrem Bezirk gehalten Bauerngüter aufgetauft und diese dann notdürftig herrichten lassen. und famen infolgedessen erst nachts zurüd. Dieser dauernde Miß- Es sind zum Teil elende baufällige Buden, die äußerlich und innerstand beranlaßte uns, von den Kutschern zu verlangen, die Frühlich eine verzweifelte Aehnlichkeit mit ostpreußischen Instwohnungen ftüdspause vor Anspannung der Wagen vorzunehmen und das Früh und Schulpaläften" haben! ftüd in Tempelhof in der Zeit von 9-10 Uhr einzunehmen. Es wurde den Kutschern zu diesem Zwecke sogar eine Pause von einer Eben wird bekannt, daß auch eine Grabe im Beiz- Weißenfelser Gegen dieses Urteil legte die königliche Staatsanwaltschaft Re- Stunde, anstatt der in der Arbeitsordnung mit den Kutschern ver- Rebiere in Gefahr ist, zu erfaufen. Bereits find ganze Streden vision beim Kammergericht ein. Nach Prüfung der Sachlage hob einbarten halben Stunde gestattet. Den Kutschern fonvenierte aber das Kammergericht das Urteil auf und verwies die Angelegenheit diese Anordnung nicht, weil sie sich kontrolliert sahen. As die durch schwimmendes Gebirge verschlemmt. Die Lage wird also immer prefärer. zur nochmaligen Feststellung und Entscheidung an die Straffammer. Stutscher wegen dieser Anordnung vorstellig wurden, sind wir auf Die Holzarbeiter Würzburgs find in eine Bewegung eingetreten. Das Gericht fonnte sich auch diesmal nicht überzeugen, daß die ihre Wünsche eingegangen, unter der noch besonders hervorgehobenen Werkstattbesprechung eine öffentliche Versammlung sei und sprach Bedingung, daß gemäß Arbeitsordnung die Fuhrwerke nicht vor dem Sie verlangen von den Unternehmern die 56stündige Arbeitszeit, abzufahrenden Bezirk an Wirtshäusern gemeinsam halten. Durch 5 Pf. Stundenlohnerhöhung, Gewährung eines Minimallohnes bon Kontrolle wurde festgestellt, daß die Fuhrwerte troßdem wieder zu 26 f. pro Stunde, Abschaffung der Affordarbeit, möglichste Be zweien und vieren in Tempelhof und in den Zufahrtsstraßen bis feitigung der Ueberstunden, die, wenn sie nicht zu umgehen find, bis gegen die Mittagsstunde hielten; das bedeutet, daß die Kutscher, die 8 Uhr abends mit 10 Pf., nach dieser Beit mit 25 f. pro Stunde jedesmal eine ganze Tagestour zu machen haben, den Vormittag un- Buschlag vergütet werden sollen. Für Sonntagsarbeit wird ebenbenuht verstreichen lassen. Die Folge dieser gänzlichen Ignorierung falls ein Zuschlag von 25 Pf. pro Stunde verlangt. der in der Arbeitsordnung getroffenen Bereinbarungen und der Anordnungen der Geschäftsführung war, daß denjenigen Kutschern, welche bei der Kontrolle in Tempelhof und den Zufahrtsstraßen zu ihren Bezirken haltend angetroffen wurden, gekündigt wurde. Daraufhin haben dann alle Kutscher die Kündigung ihrerseits ein. gereicht. Werkstattversammlungen sind wie auch alle anderen Versammlungen! nicht anmeldepflichtig, wenn nicht von vornherein die Absicht besteht, öffentliche Angelegenheiten" zu erörtern. Es ist für die Gewerkschaftsbewegung äußerst wichtig, diese Rechtslage zu beachten. So interessant manchmal Arbeiterverhandlungen für Polizei und Unternehmer sein mögen, wenn die Versammlung nur einberufen ist, die Interessen der Beteiligten ohne Grörterung öffentlicher Angelegenheiten wahrzunehmen, braucht man Unternehmern und Behörden von ihrem Stattfinden nichts auf die Nase zu binden. Achtung! Berlin una amgegend. Metallarbeiter! Achtung! Obwohl die Kündigung tarifmäßig erfolgt ist, stellt sich dieselbe doch als eine Arbeitsniederlegung dar, weil sie von allen Rutschern gleichzeitig erfolgte und weil die Kutscher erklärten, daß fie bei Aenderung der Arbeitsordnung zur Wiederaufnahme der Arbeit bereit seien. Hochachtungsvoll! Brennspiritus- Gesellschaft m. b. H. Stötel Die Mühlenarbeiter des Regnit- und Schwabachganes haben den unternehmern vor einigen Wochen einen Tarifentwurf eingereicht, über ben feine Verständigung zu erzielen war. Nachdem die Arbeiter über den keine Verständigung zu erzielen war. Nachdem die Arbeiter das Gewerbegericht in Erlangen angerufen hatten, tam es au einer Einigung, wobei die Arbeiter hauptsächlich ihre Lohnforderungen nahezu durchsetzten und auch das Kost- und Logiswesen völlig be feitigt wurde. Husland. Goldarbeiterstreit. Paris, 28. April. Eva 6000 Juvelier. und Goldarbeiter beschlossen heute abend, von morgen ab in den allgemeinen Ausstand zu treten; fie verlangen den Achtstundentag Von der Organisation der in Nündigung getretenen Rutscher Letzte Nachrichten und Depefchen. Die Berliner Schlossermeister, welche bekanntlich wegen des zurzeit bestehenden Schlosserstreits einen Teil ber hiesigen Schloffer. gesellen hauptsächlich Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterberbandes ausgesperrt haben, suchen in den Zeitungen der Brbving durch Inserate Arbeitswillige. Um eine bessere Uebersicht über diese Werbungen zu haben, ersuchen wir alle Ortsverwaltungen wird uns folgendes mitgeteilt: unseres Verbandes, uns unverzüglich die betreffenden Inferate. ( Ausschnitte mit Angabe der betreffenden Zeitung) zu übersenden. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Die Arbeiterpresse wird um Abdruck ersucht. Auf obige Berichtigung erhvidern wir folgendes: Wir müssen bei unserer Behauptung stehen bleiben, daß nicht die Kutscher, fondern die Firma den Tarif nicht innegehalten hat. Seitdem der Herr Köfel an Stelle des früheren Herrn Föhn den Diref= torenposten übernommen hat, haben die Differenzen zwischen Nuts schern und der Betriebsleitung nie aufgehört. Zunächst wurden die Lagerarbeiter, welche den Kutschern des Morgens die Wagen mitbeladen halfen, entlassen, so daß die Kutscher nunmehr selbst gehalten waren, sich die Kästen mit Flaschen und die Fäffer vom Speicher nach dem Fuhrwerk zu bringen. Die Duma- Wahlen. Lodz, 24. April.( B. H.) In Lodz haben Wahlergeffe ftatt gefunden, wobei mehrere Arbeiter getötet und zahlreiche schwer ver wundet wurden. Hungersnot in Indien. London, 24. April.( W. Z. B.) Das indische Amt veröffentlicht folgenden amtlichen Bericht: Der Stand der Saaten ist in Bandschab, in Bombay und Haiderabad gut, in Agra, Oudh, Radschputana und Zentralindien gering. Die Zahl der Berfonen, bie HungersnotUnterstützung genießen, nimmt zu und beträgt jest 495 000. Interpellation auf Bestellung? Rom, 24. April. Jm Senat interpellierte de Martino gestern wie der Telegraph in letter Stunde berichtet die Regierung: sondern auch nach dem Geifte der internationalen Politik die Grundlage und Richtung der Aktion Italiens im Auslande bleibe! Redner kam zu dem Schlusse, daß Italien weiter treu am Dreibund Der Minister des Aeußeren, Graf Guicciardini, beantwortete Der Interpellant erklärte sich durch die Ausführungen Guicciar Sache war erledigt! Das Ganze scheint einer wohleinstudierten Aufführung mit gut verteilten Nollen berteufelt ähnlich gesehen zu haben. berteilten Rollen berteufelt ähnlich gesehen zu haben. Amtliche Stimmungsmache. Mit der Lohnbewegung der Bäder beschäftigte sich am Dienstag nachmittag wieder eine sehr start besuchte Mitgliederversammlung des Bäckerverbandes. Gauleiter Sessold und Verbandsvorsitzender A I I mann erstatteten Bericht über die Verhandlungen mit der Innungskommission. Die Redner bezeichneten es als einen dem letzten Streit zuzuschreibenden Fortschritt, daß die bis dahin Durch diesen Umstand verzögerte sich die Abfahrt vom Hofe bis so verbandsfeindliche Meisterschaft sich bereit fand, jekt mit den 10, gar 11 Uhr vormittaga. Eine zweite Imgebung des Vertrages Vertretern des Bäderverbandes zu berhandeln und anscheinend auch erblicken die Kutscher darin, daß die Zahl derfelben, welche bei Abgeneigt sei, den Forderungen des Verbandes entgegen zu kommen. schluß des Vertrages 22 betrug, allmählich auf 15 Kutscher reduziert Wenn man auch die Gelben" nicht als Gesellenvertreter anerkenne, wurde. Dagegen wurden die Touren bergrößert, so daß die Kutscher so habe man doch in deren Gegenwart die Verhandlungen geführt, bedeutend mehr mit Arbeit überlastet wurden. Es ist daher nicht ob der Dreibund nicht nur dem Buch sta ben der Verträge nach, um die Verständigung mit den Meistern nicht von vornherein un- richtig, wie oben behauptet mird, daß die Kutscher nur deshalb so möglich zu machen. Im übrigen würden die Vertreter der Gelben" spät von den Touren zurüdkamen, weil sie angeblich zu lange vor in der Kommission nicht beachtet. Unter welchem Namen die den Gastwirtschaften hielten. Das Zuspätnachhausekommen ist nur " gelbe" Organisation eigentlich marschiert, ist immer noch nicht be- auf die große Ueberbürdung der Kutscher mit Arbeit, unter denen fannt. In einer vorliegenden Versammlungseinladung bezeichnet selbst, wie die Kutscher in Gegenwart des Herrn Direktor Köfer festhalten müsse. fich jene Organisation als neugegründeter Verband". Ein Beweis, behaupteten, das Pferdematerial schwer gelitten hat, zurückzuführen. Die Interpellation mit einem Lob- Hymnus auf den Dreibund. daß die Gründung" Hals über Kopf erfolgt ist, so daß den Neu- Mit der Aenderung der Frühstücspause im Sinne obiger Bes gegründeten nicht einmal Zeit blieb, sich einen Namen zu geben, richtigung waren die Kutscher anfänglich selbst einverstanden. Da sinis sehr befriedigt", dantte dem wortreichen Minister, und die weshalb sie denn auch in der Kommission unter dem falschen Namen es aber den Kutschern in den in der Nähe liegenden Wirtschaften „ Chriftlicher Verband" aufgeführt wurden und sich diese Bezeichnung nicht möglich war, ein ordentliches Frühstück erhalten zu können, ruhig gefallen ließen. Im weiteren gaben die Referenten, sowie welches die Kutscher bei der anstrengenden Tätigkeit nötig haben, die Diskussionsredner der Erwartung Ausdruck, daß die Verhand- zumal da sie teine Mittagspause machen, baten fie um Rudnahme lungen doch schließlich zu einem Ergebnis führen würden. Wenn dieser Bestimmung, welche ihnen auch zugestanden wurde. das iedoch nicht möglich sein sollte, dann würden die Berliner Bäcker Die Kündigung seitens der Kutscher ist hauptsächlich wegen der den Kampf aufnehmen. Vom Bureau wurde die nachstehende Ueberbürdung mit Arbeit erfolgt. Vertreter unseres Verbandes Petersburg, 24. April.( Meldung der Petersburger TelegraphenResolution eingebracht: haben auf dem Wege der Verhandlung ihr möglichstes versucht, Herrn Agentur.) Das Zolldepartement veröffentlicht die Angaben über die Die Versammlung nimmt Kenntnis von den Verhandlungen Direktor Rötel zu veranlassen, den Kutschern die Arbeit durch Ver. Bilanz bes Handels Rußlands über die europäische Grenze in am 20. April mit der Innungskommiffion. Mehr als je vorher er- mehrung der Kutscherzahl zu erleichtern. Der Herr Direktor lehnte ben brei ersten Monaten des Jahres 1905. Danach überſtieg die Ausfuhr die Einfuhr um 50 Millionen Rubel. Trotz der erheblichen blickt die Versammlung in dem sogenannten Verband der Vereine dies aber mit einem fategorischen„ Nein" ab. ber Bäcker und Konditoren Berlins, der sich jetzt fogar widerrechtlich Vermehrung der Einfuhr fremder Waren nach Rußland während den Namen„ Chriftlicher Bäckerverband" anmaßt, eine von der dieser drei Monate, welche diejenige aller früheren Jahre übertraf. Meisterschaft gegründete und geleitete Vereinigung von Leuten, die Die Ziffern beweisen, daß die Unruhen teinen Einfluß auf die Hülfssich die Bekämpfung aller ehrlichen Gesellen und ihrer Interessen quellen des Landes ausgeübt haben. zur eigentlichen Aufgabe gestellt haben. Jeder ehrliche Berliner Bädergefelle fann für solche Leute, die sich dazu hergeben, für einen Judaslohn das allgemeine Interesse der Gesellenschaft zu verraten, nur ein Gefühl der Verachtung haben. In dem Einreichen von sogenannten Forderungen an die Innungen seitens dieser Streit brechervereine erblidt bie Versammlung ein sehr durchsichtiges, bestelltes Manöver, das nur den 8wed haben soll, die an sich schon allzu bescheidenen Forderungen der Berliner Bädergesellen zu befämpfen und niederzuhalten. Wie sehr nun auch das Treiben jener Dunfelmänner, denen jedes Gefühl der Scham abhanden gekommen Mit jedem Tage wird die Situation für die unterirdischen Beist, jeden ehrlichen Gesellen aneteln muß, erkennt die Versammlung triebe fritischer, und scheint es, als wollten die Elemente den aber doch die Gründe an, aus denen heraus die Verbandsvertreter Streifenden zu Hülfe kommen. So sind, wie aus dem Meuselwißer trotzdem in Gegenwart dieser sogenannten Gesellenvertreter ver- Rebiere berichtet wird, auf dem Werke" Fürst Bismarc" bei Handelten, allerdings unter scharfem Protest gegen deren Anwesen 3ipfendorf die Grundwasser durchgekommen. Die heit. Die Versammlung erteilt ihren Vertretern auch ferner die Grube steht somit in Gefahr, zu erfaufen. Fürst Bismard" ist ein Bollmacht, je nach Lage der Sache zu handeln und die Berhandlungen großes, noch ziemlich neues Wert mit Maschinen neuester Stone gegeben, andere aber schäßen die Zahl der Toten höher. Berantw. Redakteur; Hans Weber, Berlin. Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin, Drud u. Verlag: Bortvärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblat Vom Vertrage abweichende Forderungen sind also der Direktion weder von den Kutscheru noch von den Verbande zugemutet worden, Zentralverband der Handels-, Transports und Verkehrsarbeiter Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin I. Deutfches Reich. Bergarbeiterstreit in Mitteldeutschland. Beib, 23. April.( Eig. Ber.) Auch der heutige erste Tag der neuen, fünften Streitwoche ist ohne nennenswerte Verschiebung oder Veränderung in bezug auf die 8ahl der Ausständigen geblieben. In den letzten Tagen statt. gefundene Versammlungen der Streifenden erklärten sich ein stimmig für Fortsetzung des Streits. Ermordung eines deutschen Beamten. Asuncion, 24. April.( W. T. B.) Der kaufmännische Beirat des hiesigen deutschen Konsulats Mangels ist ermordet worden. Nähere Einzelheiten fehlen noch. Die Lage in San Francisco. San Francisco, 24. April.( W. T. B.) Die Lage ist jetzt besser, da man bei der Verteilung der Lebensmittel und bei der Beschaffung von Obdach nunmehr systematischer und methodischer vorgeht. Taufende werden mit der Aufräumung der Straßen beschäftigt. Viele Kaufleute treffen Maßnahmen zur Wegräumung der zers trümmerten Gebäude, um, sobald Arbeiter vorhanden sind, mit dem Wiederaufbau beginnen zu können. Von einigen Offizieren wird die Zahl der in San Francisco Umgekommenen auf nur 275 ans Nr. 95. 23. IahrMg. 1. ßdlw Ks Jotniärts" ßfrlintr ZIslksblM Pittwoiti, 25. April 1906. Reichstag. 86. Sitzung vom Dienstag, den 24. April, mittags 2 Uhr. Am Tische des Bundesrats: s�rhr. v. Stengel. Präsidenr Gras Ballesircm erössnet die Sitzung mit folgenden Korten: Während wir eine zwar kurze, aber durch das herrliche FrühlingSwetler begünstigte Erholung hatten, sind über zwei uns besonders befreundete Nationen durch elementare Ereignisse überaus schwere Heimiuchungen verhängt worden. IDie Mitglieder des Hauses haben sich erhoben.) Das uns verbündete Königreich Italien, mit dessen Voll uns alte historische Beziehungen und gegen- wärlig sympathische Gefühle besonders nahe verbiilden, ist durch einen ungewöhnlich heftigen Ausbruch des' Vesuvs schwer beim- gesucht. Hunderte von Mensche» sind demselben zum Opfer gefallen. Tausende sind in' ihrem Eigentum auf daS schwerste geschädigt. Eine blühende Landschaft, mit der schönste Fleck der Erde, ist unter Lava und Asche begraben, wahrlich eine schwere Heinisuchung I Aber noch viel schwerer ist daS Ereignis, welches in allerletzter Zeit daS unS herzlirbst befreundete und stammverwandte Volk der Vereinigten Staaten von Nord- amerika getroffen hat. Durch ein verheerendes Erdbeben und die darauf folgende beispiellose Fenersbrilnst ist die Stadt San Francisco, die Metropole de» Westens der Vereinigten Staaten, eine Stadt von 400(XX) Einwohnern, vollständig vernichtet worden. Die Verluste an Menschenleben und an Eigeurum sind zwar noch nicht festgestellt, aber man kann nach den bisher eingegangenen Nachrichten amiehmen. daß erstcre in die Hunderte, letztere in die Hunderie von Millionen Mark gehen— ein Unglück, wie eS bisher kaum dagewesen ist. Meine Herren, dah deutsche Volk nimmt an diesem schweren Unglück der beiden befreundercn Nationen den innigsten und herz« lichsten Anteil.(Lebhastes Bravo I im ganzen Hause.) Ich bin mir beivutzt, im Namen aller Vertreter dieses Hohen HauscS zu sprechen, loen» ich von dieser Stelle aus meinen Gefühlen Ausdruck gebe. (Beifall.) Sie haben sich zum Zeichen Ihre» Einverständnisses von Ihren Plätzen erhoben: ich konstatiere das. Nunmehr wird in die Tagesordnung eingetreten. DaS Gesetz über die Entlastung des RcichSinvalidenfondS wird in dritter Lesung debattelos angenommen, ebenso die Abänderung deS Gesetzes über die Wohnungsgeldzuschüsse. Es folgt die dritte Beratung deS Gesetzes über den ServiStarif und die Klasseneinteilung der Orte. Abg. Kirsch(Z.)(aus der Tribüne völlig unverständlich) scheint über die zu der Novelle eingelaufenen Petitionen zu sprechen. Abg. Hoffmeister(frs. Bg.) verlangt, dah Glogau in eine höhere Gervisklasse versetzt werde. Abg.«wger(Soz.): «l» ich den Bericht über den vorliegenden Gesetzentwurf er» stattete, habe ich Einzelheiten anzuführen unterlassen, weil die Kam- misfion und auch ich der Meinung gewesen sind, daß. wenn hier jeder Abgeordnete die Städte seines Wahlkreises der Regierung be- sonders empfehle? würde, wochenlang Sitzungen notwendig wären, um das Thema zu erledigen.(Sehr richtig! links.) Die Kommission hat geglaubt, indem sie durch ihren Referenten' die Grundsätze hat aussprechen' lassen, nach denen sie das neue Gesetz eingerichtet zu sehen wünscht, allen berechtigten Ansprüchen auch in bezug auf die Petitionen Berücksichtigung entgegen- getragen zu haben. Ich enthalte mich auch heute, auf Einzel- heiten einzugehen, schließe mich aber dem Wunsche, dem Abg. Kirsch an. daß die verbündeten Regierungen die Zwischenzeit benutzen möchten, um das Material, das ihnen überwiesen, ist, zu studieren und die berechtigten Forderungen deS Materials des Gesetze ein- zuverleiben, umsomehr, als dadurch dem Reichstag die Arbeit erspart wird, in die KlasseneinteUung eingreifen zu müssen. Dem, aus sehr vielen Orten, in denen die Verhältnisse sich verändert haben, wird der Wunsch laut, in eine höhere Klasse versetzt zu werden, um da« durch einen anderen Wohnungsgeldzuschuß zu bekommen. Ich will noch darauf aufmerksam machen, daß der Wunsch de« Reichstages auch in bezug auf die Einteilung deS WohnungSgsldzuschusses dahin Seht, daß andere Grundsätze angewendet werden mögen als bisher. Die letenten können versichert sein, daß es nicht der Einbringung einer einzelnen Petition bedarf, um da» Interesse aller Parteien für diese Frage wachzurufen, und ich glaube, wir haben die Petitionen am richtigsten behandelt, indem wir die verbündeten Regierungen ersucht haben, ernsthaft die Borschläge und Wünsche der Petitionen zu prüfen und hoffentlich auch zu berücksichtigen, damit gerade diesen Wünschen, deren Berechtigung von keiner Seite verkannt wird, Er- füllung zuteil werde. Eine Erörterung über Wünsche, bei denen viele Hunderte von Städten in Frage kommen, hat nach meiner Er- fahrung nicht nur keinen Stutzen, sondern sie kann höchstens durch die Ermüdung, die dadurch hervorgerufen wird, den Petenten schädlich sein.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.) befürwortet freie Fahrkarten durch das ganze Reich für die Reichstagsabgeordneten, damit die« selben die WohnungS- und sonstigen Verhältnisse in den Garnison- orten aus eigener Anschauung kennen lernen können.(Beifall links.) Hiermit schließt die Diskusston. Die Borlage wird ein« stimmig angenommen.,•,, Das Gesetz über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden wird in dritter Lesung debattelos und einstimmig an- genommen. Es folgen Petitionen. Eine Petition betr. Aenderung deS Z 813 deS Bürgerlichen Gesetz- buches(Jmmobilienverkehr) wird nach dem Antrage der Kommission dem Reichskanzler als Material überwiesen. Eine Petition betr. die Arbeitsverhältnisse der Kellner und Hotel- diencr wird auf Antrag Wattendorf(Z.) von der Tagesordnung ab« Eine Petition betr. Erhöhung der Ruhegehälter der vor dem i. April 1897 und 1898 in den Ruhestand versetzten Beamten und Militärkapellmeister wird der Regierung nach dem Antrage der Kommission als Material überwiesen. Eine Petition betr.. Ausdehnung de» Reliktengesetzes vom 17. Mai 1897 wird entsprechend dem Antrage der Kommission der Slcgierung als Material überwiesen: über eine Petition betr. Ein- führnng eines Zolles auf Wolle wird zur Tagesordnung über- gegangen. Eine Petition, die Vivisektion zu verbieten, wird dem Reichs- kanzlet als Material und. soweit sie«ine gesetzliche Einschränkung der Tierversuche fordert, zur Berücksichtigung überwiesen. Ueber eine Petition betreffend Einsetzung einer alljährlich neu zu wählenden parlamentarischen Kontrollkommission für Justiz- und Verwaltungswesen beantragt die Kommission Ucbergang zur TageS- ordnung.> «bg. Thiele(Soz.): Wir haben in der Kommission den Antrag auf Ueberweisung der Petition zur Berücksichtigung gestellt und wiederholen hier diesen Antrag. ES werden eine ganze Anzahl Petitionen jedes Jahr formell vielleicht richtig als.ungeeignet zur Erörterung im Plenum" erklärt, weil der Reichstag nicht zuständig sei. während doch in vielen dieser Petitionen eine Menge. Material enthalten ist, mit dem sich der Reichstag wohl beschäftigen sollte. Der Einwand, daß aus diese Weise eine Parlamentsjiistiz Platz greifen könnte, trifft nicht zu. da der Reichstag kein Urteil fällen, sondern nur erklären soll, ob ein gefällte» Urteil bestehen'bleiben soll oder nicht. Abg. Jtschcrt die Herstellung der Straße A. auf dem Schwartzkopffschcn Gelände zwischen Chausseestraße und dem Vorplatze des Stettiner Bahn- Hofes durch die Stadtgcmeindc Berlin— und die Errichtung eines DüngcrbansenS auf dem Viehhofe. DaS.Rotbuch" der Berliner Gemeindeverwaltung für 1906 ist erschienen. ES umfaßt nicht weniger alS 541 Seiten, d. h. 23 mehr als das letzte. Die Einteilung des für alle städtischen Verwaltungen und Anstalten unentbehrlichen Werkes, besonder? ivegen der Personal- nachweisung, ist in der neuen Ausgabe noch übersichtlicher geworden, und zwar dadurch, daß die Gruppen, die zu einander gehören, zu- sammcngcfaßt find. Den größten Raum, nämlich 110 Seiren. nmimt fco? städtische Armenwesen ein, nicht viel ivcniger, mit 101 Seiten, das städtische Schulwesen, dann folgen die Stenerverwalwng mit 21. die städtischen Werke mit 10, die Gesundheitspflege mit 5 und die Baiiverwalunigen mit 4 Seiten. Die übrigen Verwaltungen be- gnügen sich mit 3 und weniger Seiten. Da« NamcnSvcrzeichniS der in den städtischen Vcrwaltimgen amtlich und ehrenamtlich tätigen Personen umfaßt 129 Seiten mit rund 20000 Namen. Im Kiuderhaus, Blumcnstraße 78, werden von jetzt ab jede Moche einmal Hebungen in der Pflege des gesunden Säuglings für Frauen aus dem Volke abgehalten werden. Anmeldungen in der Wöchnerinnenunterkunft jeden Dienstag und Freitag von 2—4 Uhr. Aus der ErleuchtungSkommission. Unter dem Vorsitz des Stadtrats N a m S l a u wurden am Montag von der Deputation der städtischen Gaswerke für die öffentliche Beleuchtung von Berlin wichtige Beschlüsse gefaßt. Unter anderem wurde be- schloffen, die Zentrale für Millenniumlichtbeleuchtung in der Waiseustraße zu erweitern, damit das bestehende Netz dieser neuen, dem elektrischen Licht wenig nachstehenden Beleuchtung b a l d i g st erweitert werden kann, und eine neue Zentrale für Millennium- lichtbeleuchtung für die Luisenstadt in der Gitschinerstratze zu er- richten. Zurzeit sind die Straßenzüge um das Berliner Rathaus bis zum Spittelmarkt und dem Schloßplatz und Alexanderplatz, der Jannowitzbrücke bis zum Morizplatz und der Gitschinerstratze mit Millenniumlicht auf das vorteilhafteste beleuchtet. Zunächst sollen nur die Gitschiner-, Königgrätzer- und die Potsdamerstraße Millenniumlicht erhalten, dann die Luisenstadt, die Rosenthaler Vorstadt usw. Ferner wurde beschlossen, die Gasglühlicht- beleuchtung in der Rungestraße, am Borsigsteg in Moabit, in der Buchstraße, Türken-, Turnier- und Monumentenstraße(Berlin) zu verstärken, die elektrische Bogenbeleuchtung am Moltkedenkmal auf dem Königsplatz zu erweitern und die neuen Parkanlagen an der Nazarethkirche mit Gasglühlicht beleuchten zu lassen. Schaufrisieren. Die Berliner Barbier-, Friseur- und Perücken- macherinnung hielt am Montagabend in den Sälen der Phil- Harmonie ihr diesjähriges Schaufrisieren ab. Unter den Klängen der Musik zogen die 485 Schüler in den Saal, voran die Damen. An 5 langen, weißgcdeckten Tafeln saßen die zu ftiesierenden Herrschaften, vor ihnen standen die Lehrlinge, alle in weißen Jacken. Nachdem Herr Obermeister Leopold in einer Anrede die großen Fortschritte, welche die Fachschule von Jahr zu Jahr macht, klargelegt,, begann auf ein Kommando des Oberlehrers die Arbeit der Schüler. Es gewährte einen reizenden Anblick, als nach den Klängen eines flotten Marsches sämtliche 485 Schüler im Takt die Köpfe mit Bürsten bearbeiteten. Nach einer halben Stunde war die Arbeit vollendet, und der Rundgang begann. Naturgemäß er- weckten die kunstvollen Damenfrisuren das meiste Interesse; sehr originell war eine Rokokkofrisur. Bei den Herren handelt es sich meist um Scheitelzichen. Viel bewundert wurde der Damenhut, aus Menschenhaaren verfertigt vom Fachschullehrer Herrn Henkel. In den oberen Sälen befand sich die Ausstellung von Perücken- arbeiten, von den Schülern des ersten und zweiten Semester? angefertigt. Von besonderem Interesse waren die Perücken aus den Haaren der Angoraziege und aus gespaltenen Büffelhaaren. Bei dem immer mehr zunehmenden Haarschmuck nimmt die Perückenmacherkunst einen großen Aufschwung. An die Verteilung der Prämien schloß sich ein fröhlicher Ball. Ei« neuer Mord. Ein Leichenfund in P a n k o w beschäftigt die Kriminalpolizei. Auf freiem Felde, in der Nähe des Bahnhofs Heincrsdorf, wurde gestern morgen um 5� Uhr die Leiche eines ManneS unter Um- ständen aufgefunden, die auf einen Mord schließen lassen. Die Leiche weist mehrere Messerstiche auf, die nach dem Ergebnis der vorläufigen Besichtigung den Tod herbeigeführt haben müssen. Außer der Pankower Kriminalpolizei begab sich auch die hiesige Kriminalkommission für besondere Vorkommnisse an den Fundort. Ob dieser auch der Tatort ist. steht noch nicht fest. Wie weiter gemeldet wird, scheint es sich um ein Kapitalver- brechen in Verbindung mit der Betätigung widernatürlicher Neigungen zu handeln..... Der Tote ist ein am 3. November 1877 zu Tore Bonvionw bei Verona geborener unverheirateter Bauarbeiter Luigi Dovigo. der im Norden Berlins, in der Stolpischcnstraße 5, wohnte. Die Leiche liegt etwa 100 Meter vom Bahnhof Pankow-Heinersdorf«nt- fernt auf einem Felde, das bei schönem Wetter oft von Spazier- gängern aufgesucht wird. Sie hat kleine Kratzwunden an den Händen, eine Stichwunde in der rechten Schultevgrube und eine zweite in der Brust in der Richtung der Herzgegend. In der rechten Westentasche fand sich ein Zweimarkstück und ein Porte- monnaie mit einer Zchnpfennigspielmarke und einem Postaufliefe- rungsschein vom 4. November 1905 an Bonetti Teressa. Neben der Leiche lagen einige Zigarcttenstummel und zu ihren Füßen ein offenes Taschenmesser. Mit diesem scheint Dovigo erstochen worden zu sein. Ob es dem Toten oder dem Täter gehört, steht nicht fest. DaS Messer ist zugeklappt 10 Zentimeter lang und hat eine braune Hornschalc, eine große und eine kleine Klinge und einen Korkenzieher. Wer über ein derartiges Messer und seinem Eigentümer etwas mit» teilen kann, wird ersucht, sich schleunigst bei der Kriminalpolizei zu melden. Neben der Leiche wurden auch noch eine gebrauchte Taschen- bürste und ein Uhrkettenkarabiner gefunden, der aber keine Be» schädiguna zeigt. ES ist festgestellt worden, daß Dovigo am Sonntag von 9 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags in der Gastwirtschaft von Richard Bossen in der Damerowstraße 13 zu Pankow mit einem anderen italienischen Bauarbeiter vier Mark vertrunken hat. Zehn Minuten vor 1 Uhr ist Dovigo in der Damerowstraße in Begleitung eines bisher noch nicht ermittelten Mannes gesehen worden, mit dem er sich unzüchtig umarmte. Dieser Begleiter war mittelgroß und sprach italienisch. Beide gingen in der Richtung nach dem Bahnhofe zu. Kurz nach 1 Uhr sind an der Stelle, an der man gestern morgen die Leiche fand, zwei Männer beobachtet worden, die zu ringen schienen. Einer von ihnen fiel hin, worauf der andere sich in der Richtung auf Nieder-Schönhausen entfernt«. Der Erniordete ist 1,65 Meter groß, hat kurzes dunkelblondes Haar, einen starken rötlichen Schnurrbart und etwas große Vorder» zähne und trug einen dunkelgrauen Jackettanzug(Pfeffer- und Salzfarbe), einen braunen weichen Filzhut und ein blaues Hemd. Das Messer, das zu Füßen der Leiche lag, hat auf der braunen Hornschalc ein Messingschild und dort, wo die Klingen und der Korkenzieher in das Horn eingesetzt sind, ebenfalls Messingbeschlag. Die weiteren Ermittelungen führten zu der Feststellung, daß der Mann, mit dem der Ermordete hei Bossen für vier Mark Getränke genoß, ein Bauarbeiter Giovanni Philippi ist, der mit seinem fünf- zehnjährigen Bruder Hanibal und Dovigo in der Stolpischenstraße 5 die Schlafstelle teilte. G. Philippi überraschte Dovigo vor einigen Tagen, als er mit seinem Bruder im Bett unzüchtige Handlungen vornahm und prügelte ihn dafür durch. Trotzdem ging er aber gestern morgen wieder mit ihm aus, um gemeinsam Arbeit zu suchen. Er bestreitet, der Täter zu sein, und behauptet, daß er Dovigo vor der Wirtschaft von Bossen verlassen habe und bereits um 2 Uhr vorgestern nachmittag wieder zu Hause gewesen sei. Ob diese Angaben zutteffen, wird augenblicklich noch von der Kriminalpolizei untersucht. Die Leiche wird einstweilen am Fundort in ihrer ursprünglichen Lage belassen, die für den Charakter der Tat auch bezeichnend zu sein scheint. Die Gerichtskommission wird noch erlvartet. Der Photograph deS Erkennungsdienstes machte von der Lage der Leiche und von dem Fundort mit seinen Einzelheiten mehrere Aufnahmen. Gekentert. Auf dem Langen See kenterte gestern nachmittag da? Segelboot.Flora", welches von dem Besitzer, einem Kauf- mann B. aus Berlin, und zwei seiner Freunde geführt wurde. Der Wind sprang plötzlich um und drückte das Segel flach auf das Wasser. Die drei Insassen stürzten in die Fluten, doch gelang es ihnen, sich an das Boot anzuklammern und sich so lange über Wasser zu halten, bis Hülfe zur Stelle kam. Die Verunglückten, die bei dem Sturzbad glücklicherweise keinen Schaden erlitten hatten, wurden nach Grünau gebracht. Auf der Flucht vor scheugeworbenen Pferden verunglückte gestern vormittag der 6jährige Paul Richter, dessen Eltern in der GotzkowSkystratze 3 wohnen. Der Knabe wollte gegen 12 Uhr den Fahrdamm in dem Gotzkowskystraße überschreiten und hatte fast schon den jenseitigen Bürgersteig erreicht, als die scheugewordcncn Pferde eines Rollwagens heranstürmtcn, dessen Führer sich ver» geblich bemühte, die Tiere zu zügeln. In seiner Angst lief der Junge wieder zurück und rannte blindlings zwischen Vorder- und Hinterrad eines in entgegengesetzter Richtung fahrenden Ge- schäftswagens der Firma Rehfeld, Lindenstraße 107. DaS Rad ging dem Kleinen über beide Beine hinweg, deren Unterschenkel gebrochen wurden. Das verunglückte Kind wurde zunächst nach der Unfallstation in der Huttenstraße und von dort nach dem Kranken. hause Moabit überführt. Die scheuen Pferde des Rollfuhrwerks wurden bald darauf, ehe sie weiteren Schaden anrichten konnten, zum Stehen gebracht. Ein schweres Automobilnnglück ereignete sich gestern, Dienstag mittag gegen 12 Uhr in der Turmstratze. Der den Berlin, e Aus- fliiglem bekannte Gastwirt Seeger aus Lübars war ges: vormittag nach Berlin gekommen und fuhr vom Stettiner Bahn!v' ans mit einem Straßenbahnwagen der Linie 11 nach Moabit. Vai vcr Ecke der Turm- und Sttomstratze verließ S. den Straßenbahnwagen und war im Begriff nach dem Bürgersteig hinüberzugehen, als plötzlich ein Automobil dicht an dem Straßenbahnwagen vorbei- sauste. S. wurde von dem Krastwagen�erfaßt und mit solcher Ge- walt zu Boden geschleudert, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt. Der Schwerverletzte wurde in hoffnungslosem Zustande nach dem Krankenhause Moabit überführt. Der Automobilfahrer suchte, ohne sich um den Verunglückten zu bekümmern, sich durch die Flucht der Personalfeststellung zu entziehen. Dennoch gelang eS fest- zustellen, daß der Kraftwagen die Nummer A oder E 2942 oder 2442 führte. Der Wagen tvieS einen braunen Anstrich auf. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich am Montagnachmittag an der Ecke der Grünauer- und Wienerstraße. Ein Kutscher der Firma Petruschke, Rixdorf. fuhr mit einem mit Brettern beladenen Wagen die Wienerstraße entlang, als vor der genannten Ecke plötzlich daS rechte Hinterrad brach; die Last kippte auf die Straße und be- grub den Kutscher unter sich. Hülfsbereite Passanten befreite» den Bedauernswerten, dessen Kopf fürchterlich zugerichtet war, aus seiner entsetzlichen Lage und sorgten dafür, daß er sofort in ärztliche Be- Handlung kam. Wie uns mitgeteilt wird, soll das Hinterrad und die Speichen total verfault gewesen sein, der Wagen hätte also gar nicht in Be- Nutzung genommen werden dürfen. Aber so sind vielfach die Unter- nehmer: Mit schlechtem Material werden die Arbeiter weggeschickt und passiert daun einmal etwas, so heißt eS: der Kutscher war be- soffen oder er hat geschlafen. Feuerwehrbericht. In der letzten Nacht mußte die Feuerwehr in der Flensburgerstraße 19 einen Küche, rbrand löschen, der um 2 Uhr ausgekommen war. Ein zweiter Küchenbrand entstand in der Turnisttaße 53. Zimmerbrände beschäftigten die Wehr in der Waldensersttatze 40 und am Maybachufer 2. In der Brunnen- straße 79 mußte ein Kellerbrand gelöscht werden. Regale und anderes brannten dort. Ferner hatte die Wehr auf den» Nordbahnhof und auf dem Exerzierplatz an der Schwedterftraße zu tun. Wo Preß- kohlen,«ine Pappel usw. brannten. Vorort- I�admebten. Charlottenbnrg. Bei der gestrigen Stadtverordiicten-Ersahwahl in der II. Ab- teilung wurde Direltor Jachmann(Bürgerpartei) mit 286 Stimmen gewählt. Auf seinen Gegner, den Handelsrichter Ernst(lib.) entfielen »ur 179 Stimnien. Schöneberg. Die Stadtverordnetcnversammlnng hat sich in ihrer letzten Sitzung am Montag wieder einmal eine Vergewaltigung der sozialdemokratischen Fraktion geleistet, und be- liebte eS die Hausbesitzerfraktioli, die über die Mehrheit in der Versammlung verfügt, hierbei in einer ganz hinterlistigen Weise zu Werke zu gehen. ES handelte sich um die Wahl von 6 Stadt- verordneten in die«mischte Deputation zur Festsetzung eines Orts- statutS für die Kanalisationsgebührenordnung. Von den vom Wahl- auSschuß vorgeschlagenen Stadtverordneten waren 4 Hausbesitzer und 2 Mieter. Die beiden letzteren waren Rechtsanwalt v. Glasenapp(Syndikus deS HauSbesitzervereinS) und unser Genosse B ä u m l e r. Stadtv. K n o l I erhebt»amenS der Haus- bcsitzerfraktion Einspruch gegen die Zusammensetzung deS Aus- schusscS, er verlangt, daß nur Hausbesitzer gewählt werde», da Mieter seiner Meinung nach nichts von der Sache verständen. Die Stadtvv. Schüler und Leidig legten sich ganz besonders ins Zeug, um den Standpunkt des Vorredners als berechtigt hinzu- stellen; die Gründe wurden förmlich an den Haaren herbeigezogen. Nur die Hausbesitzer bezahlten Kanalisationsgebühren, infolgedessen hätten auch nur die Hausbesitzer bei der Regelung der Gebühren- ordnung mitzureden Der letztere Redner ging sogar solveit, daß er erklärte, die Hausbesitzer wären Esel, wenn sie die ihnen in der Städteordnung gegebenen Rechte nicht ausnützten, denn nach seiner Ansicht habe die Städteordnung den Hausbesitzern ausdrücklich eine größere Vertretung in der Stadtverordnetenversammlung ein- geräumt, damit sie ihre besonderen Interessen wahren können.— Die Ausführungen dieser Verfechter der Hausbesitzerin teressen fanden bei einem Teile der bürgerlichen Vertreter und bei de» sozialdemokratischen Stadtverordneten den heftigsten Widerspruch. Die Redner der Minderheit kennzeichneten das Vorgehen der Haus- besitzer als die nackteste Jnteressenwirtschaft, die den Bestimmungen der Städteordnung geradezu widerspreche. Nicht nur die Ha»S- besitzer, sondern die gesamte Bürgerschaft sei bei Festsetzung der KanalisationSgebühren interessiert. Unsere Genossen K ü t e r und M a g n a n schlössen sich den Rednern der Minderheit an; wenn die Hausbesitzer bei früheren Gelegenheiten wenigstens den Versuch ge- macht hätten, mit sachlichen Gründen aufzutreten, so trete hier eine Jntcressenpolittk zutage, wie sie krasser nicht gedacht werden kann. Der wahre Zweck der Hausbesitzer fei ja eigentlich nur der. den Stadtv. Bäumler als Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion aus dem Ausschuß hinauszudrängen. Die sozialdemokratische Fraktion werde sich da? nicht so ohne weiteres gefallen lassen. Auch der Oberbürgermeister wandte sich mit drastischen Worten cgen die Hausbesitzer, die nicht das Recht hätten, ihre eigenen Interessen in der Stadtverordnetenversammlung zu vertrete», denn in der Städteordnung wird dies ganz besonders betont. Der Haus- kesitzerstand sei auch keineswegs ein Beruf, zu dem eine besondere Vorbildung nötig sei; mit demselben Rechte könnte auch verlangt werden, daß bei Beratungen über Erhöhung der Hundesteuer nur Besitzer von Hunden hinzugezogen werden. Nach weiteren Auseinandersetzungen, die zum Teil auf das persönliche Gebiet hinübergingen, dokumentierte die Mehrheit durch ihre Abstimmung, daß Macht vor Recht geht. Unser Genosse Bäumler blieb gegen den Hausbesitzer Schüler in der Minderheit.— Der Einspruch gegen den anderen Mieter, den Stadtv. Glasenapp, wurde kurz vor der Abstimmung von den Herren zurückgezogen, da die Persönlichkeit dieses Herren dafür bürgt, die Interessen der Hausbesitzer im weitesten Maße zu vertreten. Dadurch ist aber fest gestellt, daß es jenen Herren nur darum zu tun war, den sozial- demokratischen Vertreter aus dem Ausschuß hinauszubugsieren. Im übrigen hatte die Versammlung eine Reihe von P e t i- t i o n c n zu erledigen. Einige bürgerliche Vereine verlangten die Ausdehnung der Wahlzeit in der zweiten Abteilung; die Versamm lung stimmte dem nur im beschränkten Maße zu, indem sie die Wahlzeit um eine Stunde(von S— 6 Uhr abends) verlängern will. Ueber die Petitionen um Verlegung des Reitweges in der Spcyerer- straße, um Asphaltierung der Würzburgstraße, um Aendcrung der Marktstände auf dem Winterfeldtplatz und um Aufhebung der Wochenmärkte wurde zur Tagesordnung übergegangen. Der Errichtung je einer Bedürfnisanstalt in der Martin Lutherstratze und auf dem Viktoria Luise-Platz wurde zw gestimmt. Letztere soll unterirdisch angelegt werden. Mit dem Antrage des Magistrats um Bewilligung von 660 M. für einen französischen Lehramtsassi st enten erklärte sich die Versammlung ebenfalls einverstanden. Derselbe soll der Gymnasialabteilung der Hohenzollernschule überwiesen werden, damit die Schüler mehr im geläufigen Sprechen der französischen Sprache unterrichtet werden. Die Anstellung derartiger Lehrkräfte beruht auf einem Abkommen, das der deutsche und der französische Kultusminister gegenseitig getroffen haben. Die Lehrer sollen sich gleichzeitig selbst weiter ausbilden. Zu Beginn der Sitzung erfolgte noch die Einfübrung des neuen Stadtrats und Syndikus Bergmann. Ober-Schönewcide. Gemcindcratssitzung. Als dritter Schöffe wurde Herr Friesecke gewählt. Durch das rapide Wachstum des OrteS hat sich die Schaffung von drei weiteren Schieds mannsbezirken notwendig gemacht. Die Wahlen hierzu wurden ebenfalls erledigt. Die erneut auf der Tagesordnung stehende Vergebung deS dritten Schulbaues zeitigte wieder eine längere Debatte. Beschlossen wurde, der Firma S i u t t e r h e i m den Bau unter ge- wissen Kautelen zu übertragen. Der Antrag unserer Genossen auf Vermehrung der Zahl der Gemeindevertrcter wurde wegen Behinderung deS Antragstellers von der Tagesordnung abgesetzt. Britz. Die Errichtung eines Gewerbegerichts für Britz und Umgegend mit dem Sitz in Britz ist in der letzten Gemeindevertretung be- schlössen worden. Zur weiteren Ausführung dieses Planes wurde eine Kommission gewählt, welche mit den in Betracht kommenden Orten in Verhandlungen treten soll. Wird eine Einigung nicht er- zielt, so errichtet Britz für sich ein Gewcrbegericht. Zur Sache selbst ist bemerkenswert, daß die Innungen von Britz diesen Antrag ge- stellt haben. Dieselben planten zuerst die Errichtung eines Innung?- schiedsgerichts, es fiel ihnen aber dabei nicht ein, daß sie auch die Kosten desselben zu tragen gehabt hätten. Insofern ist dieser An- trag�auch ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets da» Gute schafft. Zu der von Rixdorf nachgesuchten Erlaubnis, gegen eine einmalige Entschädigung von 6000 M. und jährlich 000 M. zu leistenden Unkosten, zur Legung eines zweiten Druck- rohres durch die Rudowerstraße wurde beschlossen, dem Verlangen Rixdorfs nur nack�ukommcn, wenn es sich zur Zahlung einer Ent- schädigung von 60 000 M. bereit erklärt. Begründet wurde diese Forderung damit, daß die Rudowerstraße in diesem Jahre asphaltiert werden soll; durch die Auflockerung des Erdbodens, wie es die Durchlegung eines Druckrohres notwendig macht, entständen nach Fertigstellung der Straße Senkungen, die der Gemeinde erneut hohe Geldkosten verursachen würden. Zudem könnte die Gemeinde Britz selbst einmal in die Lage kommen, ein zweites Druckrohr durch» legen zu müssen, was alsdann nur unter großen Schwierigkeiten und hohen Kosten möglich wäre. Die von der Regierung nachgesuchte Genehmigung zur Er- richtung einer Turnhalle ist, wie aus einem eingegangenen Schreiben der Regierung ersichtlich war, erteilt worden. Dagegen wurde das Gesuch der Gemeinde, die Turnhalle auch von Vereinen unentgelt- lich benutzen zu lassen, abgelehnt. Auch wurde auf die einschlägigen Paragraphen verwiesen, nach welchen in jedem Falle die Erlaubnis nachgesucht werden müsse. Genosse Weniger kennzeichnete von vorn- herein die Gesetzesbestimmung, wonach, wie die Erfahrung lehrt, wohl patriotischen Vereinen unentgeltliche Benutzung der Turnhalle gestattet würde, nicht aber Vereinen, die in sozialdemokratischem Geruch stehen. Diese dürften wohl für sich das Recht reklamieren, zu den Kosten mit beizutragen, nur aber nicht Anspruch auf die Benutzung derselben zu erheben. Redner kennzeichnet zum Schluß scharf die starke Bevormundung der Gemeinden burch den Staat, Ivonach erstere nur zum Bezahlen verurteilt seien, ein Bestimmungs- recht über ihre kommunalen Einrichtungen aber nicht besitzen. Der Entscheid der Regierung ist wieder einmal ein Beitrag von der viel- gerühmten Selbstverwaltung. Einen qualvollen Tod hat die Ehefrau des Privatiers Kempin aus Britz erleiden müssen. Sie hatte ihre in Eberswalde wohnhafte Tochter besucht, und als sie abends heimgefahren war, nahm sie den Weg, um abzukürzen, über das städtische Wiescnland. Beim Ueber- schreiten eines seichten Wassergrabens rutschte Frau K. aus und stürzte ins Wasser. Sie kam so unglücklich zu Fall, daß das Gesicht nach unten im Wasser lag. Infolge des plötzlichen Schreckens schien sie unfähig, sich wieder zu erheben, weshalb sie auf diese Weise ums Leben kam. Marienfelde. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich Montag nachmittag um 2 Uhr in der Messing-Gietzerei von Richard Schulz u. Co. in Marienselde. Der Arbeiter Oskar John war im Begriff, einen mit flüssigem Metall gefüllten Schmelztiegel zu transportieren, kam hierbei zu Fall und stürzte mit der rechten Körperseite in die glühende Masse. Schwer verletzt wurde der Verunglückte mittels Fabrikfuhrwerks nach dem Britzer Krankenhause befördert. Boxhagen- Rummelsburg. Unendliche Verwirrung herrschte am Sonntag infolge Wassersnot in dem neuen Ortsteil Boxhagen-Rummelsburg. Schon am Sonn- abendabend spielten sich dort äußerst komische Szenen ab. Es war bekannt gegeben»vordcn, daß das Wasser für längere Zeit ab- gesperrt werde. Zahlreiche Einwohner hatten dies inzwischen wieder vergessen, vielleicht hatten sie auch von der Bekanntmachung keine Kenntnis erlangt. Es kam schließlich die Zeit des Kaffeetrinkens so- wie des Badens der Kinder heran, doch die Wasserleitung streikte noch immer. Auf den Straßen entstand bald ein allgemeines Laufen und Fragen nach Brunnen, und Grundstücke, auf denen sich solche befanden, wurden förmlich bestürmt. Noch ungewaschen irrten viele Vertreterinnen des schönen Geschlechts mit Eimern und Wasserkübcln nmber und endlich nach mehreren Stunden spendeten die Leitungen Wasser, aber was für welches; dicker gelber Schlamm, losgelöster Rost der Leitnngsröhren sprudelte wie zum Hohn den verzweifelten Frauen entgegen, bis schließlich nach 20 weiteren Minuten klares Wasser einsetzte. In Nummelsburg empfand man die Wassersnot weniger schmerzlich als in Boxhagen. Köpenick. Ein gefahrdrohender Brand entstand gestern früh gegen 6 Uhr auf dem Gelände der Pumpstation gegenüber der Kolonie Hirsch- garten. Das Materialicngebäude, bestehend ans drei Holzspeichern. war in Brand geraten und bis auf den Erdboden niedergebrannt. Die alsbald an der Stelle erschienene Köpenicker Feuerwehr konnte verantwortlich-" Redakteur: Hans W-'—" nur noch die naheliegenden Baulichkeiten und den angrenzenden Wald vor dem verheerenden Feuer, welches durch den starken West wind angefacht war, schützen. Weiftensee. Die Zahlstelle Wcißeusec deS Deutschen Holzarbeiter-Verbandes nahm in ihrer letzten Mitgliederversammlung den Kassenbericht vom 1. Quartal 1006 entgegen. Danach hatte die Hauptkasse eine Ein- nähme von 4235,01 M. und eine Ausgabe von 3346.54 M. zu ver- zeichnen; eS verbleibt somit ein Kassenbestand von 888,47 M. Die Gesamteinnahme der Lokalkasse betrug 2l 903.30 M., dem stand eine Ausgabe von 2686,26 M. gegenüber; es verbleibt somit ein Bestand von'10 217,04 M. Die Mitgliederzahl beläuft sich ans 022. davon sind 002 männliche und 20 ivcibliche. Ans Antrag der Revisoren wurde dem bisherigen Kassierer Schlemminger Decharge erteilt Sodann erstatteten die Obleute Bericht. Geladelt wurde der schlechte Besuch in den einzelnen Werkstattsiyungen. Zu Punkt„ErgSnzungS wählen" gab Kollege Fuhrmann diejenigen Milglieder bekannt, welche ihr Amt in der Verwaltung niedergelegt haben. Es sind dies Paul Wehrte als zweiter Bevollmächtigter. Albert Kirchner als Revisor und Obmann und Polulchak als Obmann der Möbelpolicrer. Die Nachwahl hatte folgendes Ergebnis: Es wurden gewählt als zweiter Bevollmächtigter Fritz Eberl, als Revisor Franz Schlemminger und als Obmann der Kollege Karl Mock. Zum Obmann der Möbel- Polierer wurde Wilhelm Lindner und als Leiter der Korbmacher- brauche Kollege Brandt bestätigt. Zu dem Punkt.Stellungnahme zur Maifeier" verpflichteten sich die Kollegen durch Annahme emer Resolution, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. Mit einem Appell des Bevollmächtigten an die weiblichen Mitglieder, immer vollzählig in den Versammlungen zu erscheinen, wurde die gut' besuchte Versammlung geschlossen. Potsdam. Die letzte Stadtverordnetenversammlung schien bei Beginn noch ganz unter dem Zeichen der Osterstimmung zu stehen, der Schluß gestaltete sich jedoch äußerst lebhaft. Von dem verstorbenen Sani' tätsrat Dr. Z i e l e n z i g e r hat die Stadt 4000 M. mit der Be stimmung erhalten und angenommen, die Zinsen alljährlich an 70jährige und ältere Frauen zu verteilen.— Die folgenden.Kleinen Vorlagen" betrafen meist nur Stechnungssachen und einige Etats- Überschreitungen, die glatt genehmigt wurden. Interessant dabei ist die zugegebene Flcischteuerung beim Etat der Krankenhaus- Verwaltung, der sowohl ein« Nachforderung von 7000 M. wie eine Erhöhung des nächstjährigen Etats von 70 000 M. auf 77 000 M. enthält. Für eine wiederholt geforderte Volksbadeanstalt mit Schwimmbassin ist kein Geld vorhanden; für die Renovierung der Heiligengeistkirche werden hingegen ohne weiteres 14 800 M. be willigt. Die gegen die„patriotischen" Reklamepraktiken eines hiesigen Warenhauses gerichtete Interpellation Froehlich wurde vom Magistrat nichtssagend dahin beantwortet, daß ihm kein Fall bekannt geworden sei, in dem städtische Lehrer bei einem aus Anlaß der Silberhochzeit des Kacs erpaares veranstalteten .Preisansschreiben" für Schulkinder mitgewirkt hätten. Da es sich ja um eine.patriotische" Tat handelte, so ist es erklärlich, daß die anrüchige Sache so schnell wie möglich unter den Tisch fiel.— Nach der Wahl eines Ausschusses für die Verhandlungen mit N o- wa'wes-Neuendorf zwecks Anschlusses an die neue elektrische Straßenbahn, wurde zur Beschleunigung des Baues ein Straßenbahnbauausschuß ernannt. Im Herbst dieses Jahres soll bereits mit der Schienenlegung begonnen werden, so daß Potsdam Aussicht hat, im nächsten Frühjahr schon im Zeichen des elektrischen Verkehrs zu stehen.— Für gärtnerische An- lagen resp. die dazu nötigen Vorarbeiten zur Regulierung der 'reigelegten Kaiser Wilhelm- und Hohenzollernstraße werden zu- nächst 9400 M. angesetzt. Der Magistrat wird hierüber noch eine besondere Vorlage einbringen. Durch die Höhcrlcgung der Bahn- trecke Potsdam— Wildpark hat sich die Regulierung der neuen Straße am Kiewitt notwendig gemacht. Die benötigten Kosten be- tragen nach der Magistratsvorlage zusammen 125 500 M.; die Deckung geschieht durch Anleihemittcl. Nach Fertigstellung der Straße müssen die Interessenten die Hälfte der Bausumme zurück- erstatten. Mit der Durchführung dieser Ringstraße wird hier ein ganz neues Viertel entstehen, das bei seiner günstigen Lage an der Bahnstation Charlottrnhof und der Havel bald einen erfreulichen Aufschwung nehmen dürfte. Nun zur piece cke resistance dieser langen Sitzung, die wieder einmal den Beweis lieferte, wie herrlich weit es die meisten unserer Stadtväter" schon gebracht haben. Moderne Sozial« und Kom- munalpolitik ist im Potsdamer Rathause ja noch niemals hoch im Kurse gewesen; aber eine derartige Rückständigkeit. wie sie durch den Stadtverordneten Hennings dokumentiert worden ist, wirkt denn doch zu beschämend. Es handelt sich um die Annahme eines Legats, das der verstorbene Stadtälteste Briet der Stadt hinterlassen hat. Es besteht aus einem Hause in der Kreuzstraße, worin sich die von dem Stifter gegründete Kleinkinderbewahranstalt befindet. Von dem dazu gehörigen Kapitale von 5000 M. sollten die Zinsen teilweise zur Erhaltung der Gräber des Brietschen Ehepaares ver- wandt werden. Der Wert der gesamten Stiftung fiir die Stadt be- trägt zirka 16 000 M., naöbdem die Erben in eine Mddifikation der Ilebernahmepflichten gewilligt haben. Der Magistrat sowie einige Stadtverordnete empfohlen deshalb die Annahme dieser humanen Stiftung, da die Stadt ja event. das Grundstück verkaufen könne, alls sie nicht die Anstalt fortzuführen gedenke. Es besteht in diesem Falle nur die �Verpflichtung, das lastenfreie Kapital als Briet- Stiftung für ähnliche Zwecke zu verwenden. Um aber die Stadt vor der Möglichkeit zu bewahren, event. einige hundert Mark für diese wirtschaftlich und hygienisch durchaus notwendige Anstalt zu- teucrn zu müssen, falls die private Wohltätigkeit nicht ausreichen 'ollte, haben sich die meisten Redner gegen die Annahme der Stiftung ausgesprochen. Die Sache wurde schließlich vertagt. Den Haupt- trumpf spielte aber, wie schon gesagt, der Stadtverordnete Hennings aus. Ja, er scheute sich sogar nicht, die Stadtver- ordnetenversammlung und den Magistrat mit dem„sozialen Z u k u n f t s st a a t" gruselig zu inachen, dem durch die Ein- richtung von— Kinderheimen Vorschub geleistet werden würde. Er warnte in seiner Angst vor der Sozialdemo, kratie vor„sozialen Experimenten", deren Ausführung nur die Eltern leichtsinniger machen würde; die„Herren Arbeiter" würden dann„spazieren gehen' und sich nicht mehr um ihre Familien kümmern usw.... So geschehen im Jahre der Säug- lingSauSstellung... Daß dieser famose„Stadtvater" dabei noch den— Mut hatte, von seiner Liebe zu den armen Kindern zu 'prechen und den Wert einer guten Kindererziehnng hervorzuheben, ei nur zur Vervollständigung dieses charakteristischen Gcnrebildchens aus dem Lager unserer bürgerlichen Gegner angeführt. Spaudau. Eine vom GcwerkschaftSkartell einberufene öffentliche Gewerk- chafts-Versammliing tagte am Mittwocki, den 18. d. M., im Saale von Kumke. Der Besuch der Versammlung war trotz der wichtigen Tagesordnung ein sehr niangelhaster. Zum ersten Punkt der Tages- ordnung erhielt Genosse Ritter- Berlin das Wort zu seinem Vor- trag über:„Arbeiterversichernng". In seinem etwa l'/zstündigen Vortrage wies Redner nach, daß innerhalb der Arbeiterschaft dieser wichtigen Frage zu wenig Interesse entgegengebracht werde. Dies zeige sich so recht bei Wahlen der Vertreter zu Krankenkassen usw.— In der hierauf folgenden Diskussion stellte Genosse Streh lke sest, daß von seiner Gewerkschaft(Verband der Fabrik-, Land- und Hülfs- arbciter) eine große Anzahl Mitglieder in der Versammlung zugegen 'ei. Die? sei beschämend für die Mitglieder anderer Gewerlschaften am Ort, deren Mitgliederbestand bekanntlich viel intelligentere Arbeiter aufweise als der Verband der Fabrik-, Land- und Hülfs- arbeiter.— Der Kassenbericht, den Genoffe Reinhardt gab. zeigt eine Einnahme von l 00,65 M. und eine Ausgabe von 145,04 M., omit verbleibt ein Bestand von 53,71 M. Der Partcispcditcur Genosse Köppen ersucht uns mitzuteilen, daß sein Spcditionöstempel entwendet worden ist»nd bittet, etwaige Sachen, welche mit dem Stempel versehen sind, anzuhalten. Auf 3,74 Meter.— Warthe bei Posen+ 0,48 Meter.— Netze bei ,___,„___._ Usch 0,00 Meter.______ Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke� Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Le Co.. Berlin SW. dem Stempel steht:„Spedition deS„Vorwärts" Parteiliteratur E. Koppen, Spandau, Jagowstr. 9. Vermischtes. Eisenbahnbetrieisstöning infolge Entgleisung. Auf dem Bahnhof Eberswalde trug sich am vorgestrigen Nachmittag ein Eisenbahnunfall zu, durch welchen empfindliche Verkehrsstörungen hervorgerufen lvnrden. Als der von Berlin nach Stettin abgelassene Eilgüterzug 6037 die Stasion Eberswalde passierte, sprang ein Wagen aus de» Schienen und versperrte die beiden Hanptgleise. Die königliche Eisenbahnbetricbsinspektion gibt über den Unfall folgendes bekannt: Aus bisher nock> nicht ermittelter Ursache entgleiste im Eilgüter- zug 6037 in der Nähe der Nordbude auf dem hiesigen Bahnhofe ein Güterwagen mit beiden Achsen, wodurch beide Hauptgleise von nach- niillags 2 Uhr 45 Min. ab auf etwa eine Stunde gesperrt waren. Die Personen- und Schnellzüge 701. 20, 325, 19, 504. 267 erlitten hierdurch Verspätungen von 27 Minuten bis zu einer Stunde. Einen originelle» Boykott gegen die bayerische Staatsbahn will man in Fürth inszenieren. Dort herrscht seit einiger Zeit große Erregung, weil die Leitung der bayerischen Verkehrsanstalten sich trotz aller Vorstellungen beharrlich weigert, die v-Züge in Fürth an- halten zu lassen; wer den O-Zug benutzen will, mutz sich erst nach Nürnberg begeben und von dort ans fahren. Nun wollen die Industriellen die Staatsbahn in der Weiie boykottieren, daß alle reisenden Kaufleule verpflichtet werden sollen, in Bayern keine v-Ziige mehr, sondern nur noch Schnellzüge mit dritter Klaffe zu benutzen. Die Genickstarre nimmt im Landkreise Ruhrort immer weitere Dimensionen an. Seit dem Ausbruch der Seuche sind bis jetzt über 140 Erkrankungen und gegen 100 Todesfälle festgestellt worden. In der verflossenen Woche sind in Hamborn allein vier Sterbefälle und sechs neue Erkrankungen zur Meldung gelangt. Auch aus Troppau werden Fälle von Genickstarre' gemeldet. Dort sind bisher fünf Fälle von Genickstarre, ein Fall mit tödlichem Ausgang, vorgekommen. Zum Untergang deS belgischen Schulschiffes. Antwerpen, 24. April. Unter den Geretteten des belgischen Schulschiffes, deren Namen heute veröffentlicht werden, befinden sich zwei Unter- leutnants, zwei Lehrer, ein Arzt, zwölf Kadetten und neun Matrosen. Das Schiff sank am 10. d. M. auf ungefähr 47 Grad 12 Mimtten nördlicher Breite und 4 Grad 30 Minuten West- licher Länge. Kabclstörungen. Wie die„Times" aus Wellington melden, sind beide Kabel zwischen Neuseeland und Australien heute g e- rissen, voraussichtlich infolge von unterseeischen Störungen. Alle Telegramme müssen daher über die pacifiscbe Route geleitet werden. Die Katastrophe von San Francisco. London, 24. April. Aus San Francisco meldet der Draht: Während die Entfernung Obdachloser systematisch betrieben wird, bleiben die Arbeitsfähigen zurück, um Schutt wegzuräumen. Die Gesundheitsverhältnisse sind im allgemeinen befriedigend. Bis- her ist keine Seuche ausgebrochen, nur vereinzelte Fälle von Pocken. Scharlachfieber und Masern sind zu verzeichnen. Alle Bargeld ent- haltenden Bankgewölbe wurden unversehrt aufgefunden, so daß schon gestern drei Banken ihre Zahlungen wieder aufnahmen. Ein heftiger Rcgensturz kühlte die glühenden Trümmer ab und reinigte Luft und Erde. Es verursacht unter den Flüchtlingen bedeutendes Mißbehagen, daß noch nicht alle Leute mit Zelten und wollenen Decken versehen sind. Die Behörden fangen an, Holzhütten bauen zu lassen und lösten das große Lager auf. Es wurde, um die Verbreitung ansteckender Krankheiten zu verhindern, in kleinere zerlegt. Die Regierung beschloß Steuererlaß und Aufhebung des Schulzwanges für ein Jahr. Für das zum Wiederaufbau der Stadt erforderliche ausländische Stahl wird zollfreie Einfuhr beansprucht. Auch Zement muß eingeführt werden. Bürgermeister Schmitz fordert Architekten, Zeichner und Bauarbeiter auf. sofort nach San Fran» cisco zu kommen. Die gezeichneten Hülfsbeiträge übersteigen bereits 60 Millionen Mark. Eine neue Heldentat der„Ordnungshüter" in San Fran- cisco meldet folgendes Telegramm: New Jork, 24. April. Als das Mitglied des Stabes des Gouverneurs, der Kaufmann Tilden, im Automobil von seinem Landsitz nach San Francisco zurückkehrte, feuerten wachhabende Soldaten auf sein Gefährt, töteten ihn und verletzten mehrere Insassen. Der Brand ist durch den in der vergangenen Nacht gefallenen Regen teilweise gelöscht. New Dort, 24. April.(Auf deutsch-atlantischem Kabel.) In San Francisco wurde gestern abend um 10 Uhr 30 Min. ein drei Sekunden währendes heftiges Erdbeben in der Richtung von Osten nach Westen verspürt. Schaden ist nicht angerichtet. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Marklhallen-Dircltton. Rindfleisch I» 64—66 pr. 100 Psund, IIa 54—63, lila 49-52, IVa 40—48, engl. Bullen. 00—00,'dän. Bullen- 00—00, Holl. Bullen. 00—00. Kalbfleisch, Doppelländer 105—120, la 85-95, Ua 70-82, UTa 56-68. Hammelfleisch la 60-70, Na 54—60. Schweinefleisch 66—71. Kaninchen 0,40— 0,60. Hübner, alte, Stück 1,20—2.40, alte per Psd. 0,00, junge, per Stück 0.00—0,00. Tauben, junge 0.60. alte 0.00-0.00. Enten, junge, per Stück 2,00—2.80. per Psd. 00—00, russ., gesr. per Stück 00—00. Känsc, junge, per Psd. 0,90—1,05, russ. per Psd. 0,00-0,00. Hechte 96-'.09, Schleie 95—103. Bleie 00,00, matt 00—00. Aale, groß 92—99, mittel 00,00, klein 88— 89, unjorliert 63—73. Plötzen 40— 12. Flundern, pomm. II, p. Schock 1.00—2,00. Kieler, Stiege la 4— 7, do. mittel, per Kiste 3—4, do. klein, per Kiste 00-00. Bücklinge, chwed. per Wall 0,00, norm. 0,00, holländ. 2— 2,50, Kieler 2— 4, engl. 0.00. Aale, groß, per Psd. 1,10—1,20, mittelgroß 0,80—0,90, klein E50— 0.60. Sprotten, Kieler, 2 Wall 1,50—2,00, Elb- per Kiste 0,00—0,00. Sardellen, l 902er, per Anker 76,00, 1904er 74,00, 1905er 70.00. Schottische Bollbcringe 1905 00—00, largo 10-44, füll. 36—38, med. 33—35, deutsche 37—44. Heringe, neue MatjcS, per'/, Tonnen 60—120. Hummern, IIa, 100 Psd. 00-00. Krebse, per Schock, große 00,00—00.00, mittelgroße 00,00, kleine 0,00, unsortiert 0,00 0,00. Eier, Land-, per Schock 00—00, srische 2,90—3,10. Butler per 100 Pfund, la 117, IIa 112-116. 1!la 109-111. ab. fallende 108-112. Saure Gurke», Schock 3,50— 3 M., Pscstcrgurle» 3.50—4 M. Kartoffel» per 100 Psd. magn. bon. 2,10-2.35, lote Dabcrsche 2,00-2.20, runde weiße 1,80- 2,00. Wirsingkobl per Schock 0.00-00,00. Welßkodl per 100 Pfd. 5.50- 6.50, Rolkobl per Schock 00-00. Holl. 16-24. Grünkohl, per 100 Psd. 12—15. Rüben, weiße 00—00, Teltower 00-00. Kohlrüben, per Schock 2,50—4,50. tkviiieruiiasüperstevt von, 24. April 1906, uiorgens 8 Uhr. (»« Ii IE» Ih a —1 8 2 4 Wetter- Prognose fiir Mittwoch, den«5. April 1906. Vielfach bester, am Tage etwas mürmer, aber noch veränderlich mit leichten Regensällen und schwachen westlichen Winden. Waflerstnnd am 23. April, Eide bei Anistg-si 1.03 Meter, bei Dresden— 0,30 Meier, bei Magdeburg+ 2,25 Meter.— II n» r» I bei Straußsmt+ 2,03 Meter.— Oder bei Ralibor-f 1,72 Meter, bei Sie-Mail Oberpcgcl st- 5,08 Meter, bei Breslau Ilmerpegel— 0,78 Meter, bei Finiiffmt st- 1,69 Meter.— W e i ch i e l bei Brahemünde "arthc bei Posen st- 0,43 Meter.— Netze