Nr. 96. HbonnemtnU'Btdlngunsen: Abonnements- Preis pränumerando i Merteljährl. 3,30 Dil., monull. 1,10 Mb. »vSchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Siummer S Pfg. Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfa. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband lür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PoftabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark Holland. Italien, Luxemburg, Portngal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 33. Jahrg. eNcheial lZg»ll!«f lllsiilzg». �* Verlinev Volksblcrkt. Die TnlertlonS'GebQltr Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 50 Psg,, für politische und gewerlschastliche Vereins. und Versammlungs-Anzeigen 30 Pfg, „Meine Snreigen". da? erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Psg, Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditwl» ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Adresse! „SozUllicnitknt Berlip". Zcntralorgan der fozialdcmokrati f eben Partei Deutfchlands. Redahtion: 8CCI. 68, Lindcnstraaec 69. ftenifBrerfier: Zimt IV. Nr. 19KS. Der Kompromiß im Kompromiß. Die gegenwärtige landtägliche Ferienpause wird von den Schulkompromitzparteien in Preußen dazu benutzt, um den berühmten„Weg der Verständigung" zu finden. Seit dem Mai 1904 liegt der Schulkompronütz der Oeffentlichleit vor. Er hat eine Reihe von Broschüren gezeitigt; er hat eine lebhafte Erörterung in Versammlungen aller Parteien wachgerufen; ganze Ströme von Tinte sind um ihn ge- flössen; unzählbar sind die Auslassungen der Zeitungen und Zeitschristen über ihn; seit dem Dezember vorigen Jahres liegt das auf der Basis des Kompromisses zusammen gestückte und-geflickte Schulgesetz auf dem Tische des preußischen Abgeordnetenhauses; in dreißig langen und langweiligen Sitzungen hat die Schulgesetzkommission die unbrauchbare Studtsche Vorlage zurechtzukneten versucht— und trotz ade dem hat dieser Tage der nach Pastor Hackenbergs unrühm lichem Verschwinden in der parlamentarischen Versenkung führende nationalliberale Schulpolitiker des Abgeordneten� Hauses, Schiffer, die gegenwärtige Situation in der Schulfrage als fast hoffnungslos dargestellt und den Gesetzentwurf für die Nafionalliberalen als unanehmbar bezeichnet. Freilich darf man diese scheinbar entschlossene Tapferkeit nicht für bare Münze halten. Denn seine Drohung an die verbündeten Kompromißparteien und sein Pochen auf die „Mindestforderungen" der Nationalliberalen, wurde von Herrn Schiffer im selben Atemzuge abgeschwächt durch den charak- teristtschen Satz:„Wir wollen ehrlich, redlich, eifrig mitwirken, um zu einer Verständigung zu gelangen und das große Werk zu vollenden, das für unser(Schulwesen, das für unsere ge- samte innere Politik von ausschlaggebender Bedeutung sein würde." Damit gibt Herr Schiffer zu, daß er bereit ist, von seinen Mindestforderungen unter Umständen noch einiges ab zulassen. � Denn wenn die Nationalliberalen wirklich bis an die letzte Grenze ihrer Nachgiebigkeit gelangt sein sollten, so entfiele für sie jede Veranlassung, am Werke der„Ver ständigung" mitzuarbeiten. Dann hätten sie nur nötig, uiv erbittlich an dem kärglichen Rest festzuhalten, der ihnen noch geblieben ist, und sich dann in der zweiten Lesung in der Kommission auch nicht ein Quentchen abmarkten zu lassen. Sobald sie sich erst auf das Verhandeln einlassen, geben sie damit zu. daß sie geneigt sind, ihre Mindestforderungen nochmals einer Prüfung zu unterziehen und je nach Bedarf daran dieses und, jenes zu streichen. Dann aber entpuppt sich das stolze„unannehmbar" des Herrn Schiffer als eine billige, be langlose Phrase. Eine ebenso hohle Phrase' ist es, wenn Herr Schiffer von einem„großen Werk" spricht. Die gegenwärfige Schulvorlage ist und bleibt selbst dann ein erbärmliches, klägliches und reaktionäres Machwerk, wenn sie wirklich nach den jetzigen Mindestforderungen der Nationalliberalen zustande käme. Zu nächst ist nicht anzunehmen, daß dies geschieht, da die Kou servativen die nachgiebige Charakterlosigkeit ihrer national liberalen Mitverbündeten kennen. Aber wenn selbst die Kou servativen des Abgeordnetenhauses den Natioualliberalen den Spaß einer Zustimmung zu ihren„Mindestforderungen" machen sollten, so würden sie es doch nur tun im Vertrauen auf die untrügliche reaktionäre Zu verlässigkeit der Herrenhausjunkcr, die ohne Besinnen die etwaigen Zugeständnisse ihrer Bundesgenossen aus dein A6 geordnetenhause annullieren würden, und zwar unter dem stillschweigenden Beifall der Abgeordnetenhausjunker. Die nationalliberalen Mindestforderungen sind nicht etwa Ausflüsse grundsätzlicher Gegensätzlichkeit zu den übrigen Kompromißparteien. Es handelt sich dabei lediglich um Unterschiede im Grade, wie weit man der in der Vorbereitung befindlichen Schulverpfaffung freie Bahn lassen will. In drei Fällen gewannen die Verhandlungen in der Schulgesetz- kominission aus diesen graduellen Verschiedenheiten das Aus- sehen einer KrisiS.§ 23 des Entwurfs handelt von dem Recht der konfessionellen Minoritäten auf eigene Schulen. Wenn in einem Schulverbande eine besfimmte Anzahl von Kindern der betreffenden Konfession vorhanden ist, und zwar waren für Städte 60, für Landgemeinden 120 Kinder vor- gesehen, so sollte die betreffende Konfession das Recht zur Er- richtung einer eigenen Schule haben. Da dadurch die Gefahr der konfessionellen Zersplitterung und der Entwertung des Schulweseus durch Neuschaffung zahlreicher leistungsunfähiger Zwergschulen gesetzlich beschleunigt würde, verlangten die Nationalliberalen, daß dann wenigstens dieses Recht nach unten gebunden werden müsse, indem den Gemeinden nicht ohne weiteres gestattet werden solle, ihrerseits Konfesionsschulen selbst dann schon zu gründen, wenn die genannten Mindestzahlen noch nicht einmal erreicht seien. Dieser bescheidene nationalliberale Antrag wurde abgelehnt; aber durch ein geschicktes Manöver des Zentrums wurde bei der weiteren Abstimmung auch der ganze§ 23 abgelehnt, so daß an dieser Stelle eine Lücke im Gesetz klafft. In diesem Falle sagten die Nafionalliberalen zum erstenmal, daß sie eher gegen das ganze Gesetz sümmen würden, ehe sie es in einer ihren„liberalen" Grundsätzen widerstrebenden Form annähinen. Die zweite Krisis entstand beim§ 31, der sich mit der Zusammensetzung und der Zuständigkeit der Schul- vorstände in Landgemeinden und Gutsbezirken be- schästigt. Nach der Regierungsvorlage sollte der Orts« schulinspektor, der in 999 von 1000 Fällen auf dem Lande ein Geistlicher ist, durch Gesetzeskraft Vorsitzender des Schul- Vorstandes sein; dieser sollte außerdem streng konfessionell zusammengesetzt sein und in der Unterstützung des geistlichen Schulinspekiors seine wichtigste Funktton erblicken. Die Absicht dieser Gesetzesbesfimmung lag klar zutage: sie sollte die Ver- pfaffung der Schule noch etwas rascher und gründlicher be- wirken. Dem lebhaften Einspruch der Nafionalliberalen gegen diese Bestimmung gaben die Konservafiven in der Kommffsion nach; aber sie suchten durch Hintertüren einzuschmuggeln, was durch die Haupttüre nicht zugelassen wurde. Sie verlangten für die ländlichen Gemeinden und Gutsbezirke be- sondere konfessionelle Schulkommissionen. Als hierauf die Nafionalliberalen nicht eingingen, benutzte das schlaue Zentrum die Situation zum zweitenmal, um die Einigkeit der Kompromißbrüder zu stören: es stimmte mit den Nationalliberalen gegen den konservafiven Vorschlag und brachte diesen damit zu Fall. Verstimmt zogen daraufhin die Konservattveu ihre Bereitwilligkeit zur Beseifigung der Orts- schulinspektorvorrechte zurück, wobei sie ihrerseits vom Zentrum gegen die Nafionalliberalen unterstützt wurden. Es fielen die entsprechenden nafionalliberalen Anträge und der§ 31 wurde in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen, womit der ohnehin einflußreiche und für die EntWickelung der Schule sehr nachteilige und gefährliche Ortsschulinspektor zum Vorsitzenden des Schulvorstandes eingesetzt worden ist. Zum zweiten Male spielten die Nationalliberalen die gekränkte Leberwurst und erklärten, daß sie unter solchen Umständen das Gesetz nicht annehmen würden. Doch als die„schlimmste Klippe" für das Zustande- kommen des Gesetzentwurfs wurde von der nationalliberalen Presse§ 40 hingestellt, der die Anstellung der Lehrer und Rektoren betrifft und dabei mit echt bureaukratischer Rücksichts-, losigkett das ohnehin krüppelige Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden beschneidet. Weit über 20000 Gemeinden in Preußen würde, wenn§ 40 Gesetzeskraft erlangte, das bisher von ihnen ausgeübte Recht der Lehrerberufung kurzerhand entzogen werden. Noch größer ist die Zahl der Gemeinden, die in ihrem Recht der Rektorenberufung in unerhörter Weise be> schränkt werden sollen. Den Gemeinden wird nur ein Vor- schlags- und teilweise sogar nur ein Anhörungsrccht ein- geräumt, wo sie bisher frei wählen und berufen konnten. Die weniger angenehme Aufgabe des Zahlens für die Schule und ihre Lehrer soll aber den Städten und Gemeinden nach wie vor bleiben. Gegen diese Bestimmungen der Vorlage haben sich besonders die preußischen Städte und der Städte- tag gewandt. Aber trotz dieser Agitation und trotz der flehentlichsten Warnungen, Drohungen und Bitten der nafionalliberalen Mitverfchworeuen stimmte die konservativ- klerikale Mehrheit der Kommiffion für die Regierungsvorlage. Und zum drittenmal rief die nattonalliberale Kassandra„Ach und Wehe". Sie hatte in der Konimission an Zugeständnissen geleistet, was nur irgend möglich war; sie hatte ein Ent- gcgenkommen gezeigt, das die Grenzen der bürgerlichen An ständigkeit weit hinter sich gelassen hatte; sie hatte die furcht- bare Gefahr eines Scheiterns des Gesetzes an die Wand ge- malt— aber nichts hatte geholfen, die schlimmsten Ungeheuer- lichkeiten wurden Gesetz. Was nun? Herr Schiffer hat es verraten: man will „ehrlich, redlich, eifrig mitwirken, um zu einer Verständigung zu gelangen". Wenn die Konservafiven klug sind, tun sie den Nationalliberalen den Gefallen, ihnen noch einige Schein- konzessionen zu bewilligen. Dann haben sie erreicht, was sie wollten, dann haben sie ein reaktionäres Schulgesetz gemeinsam mit den Nationalliberalen zuwege gebracht und es dadurch fester verankert, als wenn sie die stets und unbeschränkt für. solche Zwecke verfügbare klerikale Hülfe dazu in Anspruch genommen hätten. Die Nationalliberalen aber werden dadurch noch fieser in der allgemeinen politischen Ächtung sinken, als es jetzt bereits der Fall ist. Wir haben gegen diese Wirkung der Schulkompromißpolitik natürlich nichts einzuwenden. Wir werden im übrigen unseren Kampf um die Befreiung der preußischen Volksschule nach wie vor mit dem größten Nachdruck auf dem Gebiete führen, auf dem er nach unserer Meinung am ehesten unb am gründlichsten Erfolg verspricht: wir werden uns ein freies Wahlrecht und damit auch eine freie Schule erkämpfen l— Die Revolution in Rntzland. Gärung unter dem Proletariate Petersburgs. Dem„Berk. Tagebl." wird aus Petersburg vom 25. April gemeldet; Seit gestern nimmt die Haltung der vierzigtausend arbeitslosen Fabrikarbeiter einen drohendenCharakter an. Die Arbeitslosen haben der Stadt ein Ultimatum gestellt, ihnen sofort alle von der Stadt auszuführenden Erdarbeiten beim Umbau der elektrischen Bahn und alle technischen Arbeiten bei Brückenbauten zu übergeben. Sollte die Stadt das Ulfimatum ablehne», was mehr als wahrscheinlich ist. weil Mittel und Kräfte dazu fehlen, so drohen sämtliche Arbeiter Petersburgs die Forderung der Arbeitslosen durch Generalstreik zir unterstützen, bis sie die gewünschte Arbeit erhalten. Die Regierung steht der Forderung der Arbeitslosen in alter Weise gegenüber: Kanonen und Bajonett fallen sie befriedigen. In allen Vor- Expedition: SM. 68, Oindenstragse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. I9Se. städten sind so viel Truppen untergebracht, daß man an- nehmen könnte. Petersburg befinde sich im K r i g s° z u st a n d e. Bauernunruhe«. Die„Russische Korrespondenz" erhält aus Petersburg folgendes Telegramm vom 25. April: In verschiedenen Kreisen der Gouvernements Orel, Tscher nigotv, Saratow und Woronesch entstanden Bauernun ruhen. Die Bombe. Bjelostok, 24. April. Heute abend wurde in dem Zentrum der Stadt in einen Laden eine Bombe geworfen. Der Täter ist entkommen. Tifiis, 25. Apfil. Gegen die Fürsten Amilatowari und Matschabeli wurde heute auf der Straße ein Bomben-- a t t e n t a t verübt, durch das zwei sie begleitende Edelleute ver- wundet wurden. Der Täter entkam. Gapon als Verräter hingerichtet? Ueber Gapon werden wiederum allerhand Meldungen ver- breitet, die mehr oder minder sensationell klingen. Wir glauben dieselben wiedergeben zu sollen, ohne natürlich irgend welche Bürg-- schaft für ihre Richtigkeit übernehmen zu können. Nach einer Petersburger Meldung des„Verl. Tagebl." soll Gapon. der vor mehreren Tagen unter sonderbaren Umständen aus Petersburg verschwunden sein soll, in Kolpino, in der Nähe von Petersburg, ermordet aufgefunden worden sein. Da sich in der Tasche des Toten noch der Bettag von 100 Rubeln befunden habe, erscheine ein Raubmord ausgeschlossen, vielmehr scheme ein politischer Racheakt vorzuliegen. Der Manchester„Guardian" vollends will, wie daS „Bureau Laffan" meldet, von einem russischen Korrespondenten folgende verbürgte Nachricht erhalten haben: „Der Pope Gapon ist am Dienstag, den 10. April, von vier der Arbeiterklasse angehörigen Revolutionären im Geheimen ge- hängt worden. Gapon hat niemals in hoher Achtung gestanden, da er ein ausschweifendes Leben führte und eitel uns unwissend war, weshalb er auch mit keiner Aufgabe betraut wurde, die Mut, Entschlossenheit und Intelligenz erforderte. Er seinerseits entdeckte bald, daß er keine Gelegenheit haben würde, als moderner Savonarola zu posieren, daS heißt, daß aus der Revolution nichts sür ihn herauszuschlagen tvar. Er beschloß deshalb, feine Kenntnisse in anderer Weise zu verwerten und trat als Spion in die Dienste der russischen Polizei. Die Revolutionäre entdeckten das bald, besonders da Gapon so unvorsichtig war, ohne Umschweife an einen ihm befreundeten Revolutionär mit dem Angebot heranzutreten, eben- falls Polizeispion zu werden. Die revolutionären Führer be- trachteten ihn als ein zu verächtliches Geschöpf, als daß sie Rache an ihm üben wollten, und beabsichtigten nur, ihn unschädlich zu machen, indem sie ihn zum Rücktritt zivangen. Andere indes, und besonders diejenigen, die er zum Verrat hatte verführen wollen, forderten seinen Tod. Erst mußten jedoch die Arbeiter, bei denen er in hoher Achtung stand, über seinen wahren Charakter aufgeklärt werden. Am 10. April wurde er demgemäß von einem früheren Freunde nach einem Landhaus eingeladen. Hier fand ein Gespräch statt, welches vier revoluttonäre Arbeiter in einem Nebenzimmer mit anhörten. Gapon wurde angekündigt, er werde bloßgestellt und als Spion entlarvt werden.„Ich würde es ein- fach ableugnen; niemand würde es glauben," antwortete Gapon. „Dann muß ich Zeugen rufen," antivortete der andere. Gapon lachte:„Was für Zeugen?" Die Tür flog auf und herein traten die vier Arbeiter, m denen er nicht nur seine Zeugen, sondern auch Richter und Henker erkannte. Die Vier n>achten kurzen Prozeß mit ihm und bald hing der russische Savonarola von der Decke des Zimmers herab."_ poUtifche CUbeiTicht. Berlin, den 25. April. Verschwendung für die Kolonien— Knauserei für die deutschen Krüppel. Der Reichstag beschäftigte sich am heutigen Mittwoch nicht— wie sonst üblich— mit Initiativanträgen der Parteien, sondern mit der Beratung von Regierungsvorlagen. Bei der Rechnungslegung der Kolonien kamen die ungeheuerlichen Etatsüberschrcitungen zur Sprache, die Herr Jesko v. Puttkamer in Kamerun und Dr. Solff in Samoa sich auf Kosten der Steuer- zahler geleistet haben. Da sind Zehntausende von Mark allein für Gegengeschenke an die Eingeborenen, für Geschenke an den Gouverneur ausgegeben worden! Da haben hundert Beamte in Kamerun für 22009 M. Papier, Tinte, Federn. Radiergummi verbraucht und zahllose Etatsposittonen um 300 bis 400 Proz. überschritten! Herr Erzberger„enthüllte" wieder drauf los. und Herr Kopsch schlug sich entrüstet an die freisinnige Männcrbrust und fragte: Wie ist das nur möglich? Nebenbei verlas er Aus- künfte des württembergischen Ministers v. Soden über Herrn v. Puttkamer, aus denen hervorgeht, daß man schon zurzeit von Jeskos Ernennung genau wußte, daß er eine Spieler- natur sei, überall herumlumpte, pumpte und vom Werte des Geldes keine Ahnung hatte. Aber irgendwelche Mittel, um gegenüber der Willkür der Kolonialpaschas die Beschlüsse des Reichstages zur Durchführung zu bringen, gaben die kraftlosen bürgerlichen Kritikaster nicht an. Den Hauptteil der Sitzung füllte die Debatte über eine Novelle zum Bürgerlichen Gesetzbuch, durch die die Schaden« ersatzpflicht der Tierhalter eingeschränkt werden soll: Während jetzt der Tierhalter ohne weiteres für jeden Schaden haftet. den daS Tier, von dem er ja auch den Vorteil hat, anderen Personen zufügt, soll in Zukunft der gewerbsmäßige Tier« Halter nur auf Grund eines besonderen Verschuldens zur Ent« schädigung herangezogen werden können?— Die Agrarier hatten zu Beginn dieser Session eine derartige Aenderung des doch erst sechs Jahre in Kraft befindlichen Bürgerlichen Gesetzes verlangt und der Staatssekretär Dr. Nieberding hatte sich beeilt, ihnen noch in dieser Tagung das gewünschte Gesetz gehorsamst zu apportieren— genau so, wie die kaum in Kraft gesetzte Seemannsordnung nach den Wünschen der Ballin u. Co. abgeändert ivorden war. Die Zollwuchermehrheit, die sich auch heute wieder für die agrarische Regierungsvorlage zusammenfand, suchte ver- geblich durch Erzählung von allerlei kuriosen Rechtssällen die Aufmerksamkeit von dein Grundzuge der Vorlage abzulenken. Die Genossen Stolle und Molkenbuhr stellten unwider- leglich fest, daß man einfach.wieder einmal die Herren Groß- grundbpsitzer auf Kosten der Krüppel, Witwen und Waisen zu bereichern gedenkt— genau so unverschämt, wie man zur Zeit die Kinder-Unfallrenten hat beseitigen wollen, um den Groß- grundbesitzern eine neue Liebesgabe zuzuwenden. Dr. Rieber- ding hatte sich für dieses antisoziale Gesetz auf ein„uraltes deutsches Rechtsprinzip" berufen. Aber Genosse Molkenbuhr entgegnete ihm treffend. der„deutsche Rechtsgedanke", daß jeder durch ein Tier Verletzte zeitlebens betteln gehen solle, werde im deutschen Volte schwerlich viel Verständnis finden. Trotzdem ist kaum daran zu zweifeln, daß dieser Entwurf in der zweiten Lesung im Plenum eine Mehrheit finden wird. Wagte doch selbst von den Freisinnigen die süddeutsche Volks- Partei mit Rücksicht auf ihre großbäuerlichen Wähler auch nicht den leisesten Widerspruch gegen den neuesten Vorstoß agrarischer Begehrlichkeit! Morgen steht unter anderem die erste Lesung der Diäten- Vorlage auf der Tagesordnung. Her mit der einjährigen Dienstzeit? Der preußische Oberstleutiiant a. D. Karl v. Wartenberg oder, wie er sich früher nannte. Freiherr v. Guhlen, hat sich seit einiger Zeit als Mstitärchronist etabliert. In seinem früheren Werl „Zwo ü» et etuGo" hechelte er verschiedene militärische Er- scheinungen aus den Jahren 1900—1003 mit einer belustigenden Bosheit durch und jetzt besorgt er das nämliche Geschäft ebenso mit militärischen Ereignissen aus der Zeit von 1904 und 1905. Der „Vorwärts" hat das letztere Buch,„Ootvrum oenseo" (Verlag von Heinrich Minden, Dresden und Leipzig, Preis 3 M.), zwar schon kurz erwähnt, aber wir möchten dennoch darauf zurück-� kommen, weil es sehr brauchbares Material für den Kamps um die Einführung der einjährigen Dienstzeit bietet. Herr v. Wartenberg hat sich das Verdienst erworben, eine Statistik über die im Jahre 1905 erfolgte Verwendung deutscher Truppen für Paradezwecke aufzustellen. Lassen wir ihn selbst reden: Im Frühjahr gab cS, schreibt er, große Paraden für die Garni- sone» von Straßburg, Metz, Mvrchingen. Wies- baden, Berlin, Potsdam, Hannover und Bromberg, mnßten Spalier bilden die Truppen in Karlsruhe. Metz, Wiesbaden, Berlin, hatten Ehrenkompagnien zu stellen die Jufanterieregimenter in Wiesbaden, Berlin. F r a n k s n r t a. O. Mit Beginn der Kieler Woche ließen die mili- tärischen Schaustellungen allerdings nach. Umso kräftiger und häustger wurde aber die Paradetrommel wieder im Herbste gerührt. Der Heerschau des gesamten preußischen Garde-. korpö auf dem Tempelhofer Felde bei Berlin, die dieses bekannt- lich volle vier Tage in Atem hielt, weil sie immer wieder ver- schoben wurde, folgten die Paraden dcS XVIII. Korps bei Hom- bürg v. d. H. und des VIII. Korps bei Koblenz, neben denen noch so und so viele Ehrenion, pagnien in Funktion zu treten hatten; und da nach den Manövern große militärische Schau- stellungen infolge des geringen Standes paradefähiger Mannschaften nicht gut möglich waren, warf man sich, ohne freilich bei dem Ein- zug deö Königs von Spanien ans den Vorbeimarsch der Garnison von Berlin im dortigen Lustgarten zu verzichten, umso eifriger auf die Pflege der E h r e n k o m p a g n i e n. In den wenigen Tägen vom 25. Oktober bis 6. November 1905 hatten sich nicht weniger als zehn solcher Kompagnien aufzubauen; und zwar am 25. Oktober zwei in Dresden zur Begrüßung des Kaisers; am 29. drei in Berlin, die eine zur Begrüßung des aus der Mandschurei zurückkehrenden Prinzen Friedrich Leopold von Preußen, die beiden anderen aus Pommern und Schlesien herangezogenen zur Teilnahme an der Enthüllung des Moltke- denkmals; am 31. Okiober zwei, die eine in Berlin, die andere an der Wildparkstation bei Potsdam, beide zur Begrüßung des Königs von Griechenland; am 9. November drei zur Begrüßung des Königs von Spanien, deren eine auf dem Bahnhof in Magdeburg, zwei in Berlin. Zum ehrenden Empfang eines regierenden Herrn geht es unter mindestens zwei Kompagnien nicht mehr ab, als wenn man nicht mehr wüßte, wie unsere Truppen noch zu beschäftigen seien und daher jede neue Gelegenheit zu paradieren mit Freuden zu ergreifen wäre. Derselbe Verdacht muß sich auch regen gegen- über der Tatsache, daß ein russischer Großfürst, der sich auf dem Wege nach Berlin zur Teilnahme an der Hochzeit des deutschen Kronprinzen befand, veranlaßt worden war, bei der kurzen Unter- brechung der Reise auf dem Bahnhof von Küstrin eine be- sonders von Frankfurt a. O. dorthin beorderte Kompagnie an sich im.Parademarsch vorüberziehen zu lassen." Man darf bei diesen Ausführungen des Herrn v. Wartenberg nicht vergessen, daß auch die Vorbereitungen für eine Parade Wochen verschlingen. Ebenso geht eS bei der Stellung von Ehrenkompagnien. Da wird bis zum Ekel Ausrichten, Präsentieren und Parademarsch geübt, dann wird die Paradegarnitur blank geputzt usw. Wir unsererseits müssen auch auf die Fälle hinweisen, in denen Soldaten als Treiber auf der Jagd, als landwirtschaftliche Arbeiter und als Streikbrecher verwendet wurden. Letzteres war erst vor kurzem in Magdeburg der Fall. Ferner sei an die Trauerparaden erinnert. Nicht nur jeder aktive, sondern auch jeder mit der Erlaubnis zum Tragen der Unifonn verabschiedete Offizier hat den Anspruch auf ein militärisches Begräbnis. Die Folge ist, daß in den Garnisonen, in denen viele pensionierte Offiziere sich niederlassen, die Truppen fortwährend Abteilungen für Begräbnisse stellen müssen. In Berlin verfließt gewiß nicht ein Tag, an dem nicht mindestens ein militärisches Begräbnis stattfindet. Für die Ausbildung der beteiligten Truppen geht dabei immer ein halber Tag verloren. Aus der Art und Weise, wie die Militärbehörden mit der Zeit umspringen, ergibt sich, daß die zweijährige Dienstzeit z u lang ist. Letzteres ist auch klar. Denn die Vervollkommnung der Waffen und der kriegerischen Hülfsinstrumente erleichtern die Ausbildung des ManneS ungeheuer. Je sicherer ein Gewehr schießt, je gestreckter seine Flugbahn, um so leichter erlernt der Mann seine Handhabung. Die Schießleistungen des deutschen Armeegewehrs wurden in letzter Zeit durch Einführung einer neuen Patrone bedeutend erhöht. Die Ausbildung im Distanzschätzen und diese» selbst wird jetzt durch Distanzmesser wesentlich vereinfacht. Und gezwungen durch die Ersahrungen des rusfisch-japanischen Kriege» hat man das Exerzierreglement der Infanterie wenigstens von einigen zeitraubenden Bewegungen gesäubert. Aus all diesen Gründen ist— selbst vom Standpunkte unseres Militarismus aus— die Forderung der Verkürzung der Dienstzeit auf ein Jahr vollauf berechtigt! � � Deutrcbcö Reich. Schreckensjustiz bei der Marine. Das Oberkriegsgericht der aktiven Schlachtflotte in Kiel hat wider Erwarten ein kriegsgerichtliches Urteil bestätigt, das seinerzeit wegen der entsetzlichen Höhe der Strafen und deshalb, weil bei der Verhandlung der noch nicht mündige Sohn des Kaisers, Prinz Adalbert, mitgewirkt, selbst in Mannekreisen allgemeines Aufsehen erregt hat. Es handelte sich wieder um eine jener unter jungen Leuten gewöhnlichen Rempeleien, die von zivilen Strafgerichten, wenn sie überhaupt verfolgt werden, mit Bagatellstrafen geahndet zu werden pflegen, die aber, betrachtet durch die Brille des Mili- tarismus, plötzlich zu gigantischen Freveltaten verzerrt erscheinen und durch nichts geringeres, als durch die Vernichtung der Existenz der Beteiligten.gesühnt" werden können. Die Opfer dieses neuesten militärischen SchreckenSurteils sind die Heizer Reinhard, Buchholz. Lönz und Bauthner sowie der Ober- Heizer Deutschmann, sämtlich vom Linienschiffe„V r a u n s ch w e i g" — die Anklage lautete auf Meuterei und militärischen Aufruhr. Die Angeklagten hatten anfangs März bei der Heimlehr von einem Reservistenballe nachts in stark angetrunkenem Zustande den Ober- feuerwerlsmaat Knudsen vom Panzerkreuzer„Prinz Adalbert" an- gerempelt und, als der Maat sie zur Rede stellte, ihn mißhandelt, und zwar nicht mit der Waffe, sondern durch Faustschläge und Fußtritte, so daß der Angegriffene irgendlvie ernstliche Verletzungen nicht davontrug. Ihrer Verhaftung hatten sie heftigen Wider- stand entgegengesetzt. DaS Kriegsgericht des zweiten Geschwaders hatte zwei der Angeklagten, die Heizer Reinhard und B u ch h o l z zu fünf Jahren,«inen Monat bezw. fünf Jahren einen Tag Zucht- Haus, die übrigen drei, denen.Gewalttaten" nicht nach- zuweisen waren, zu je sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Das Oberkriegsgericht hat nunmehr dieses Schreckens- urteil, gegen das nicht nur die Angeklagten, sondern auch der Ge- richtsherr Berufung eingelegt hatten, sogar noch verstärkt. Bei Rein- hqrd blieb es bei dem erstinstanzlichen Strafmaß, Buchholz bekam noch zwei Monate Zuchthaus hinzu und die Gefängnisstrafen der anderen drei wurden sämtlich gleichfalls in Zuchthaus- strafen von je fünf Jahren umgewandelt! Und dies, obwohl in der Berufnngsverhandlung festgestellt wurde. daß die Angetrunkenen durch das passive Verhalten eines bei der Affäre mitanwesenden Torpedomaschinistenmaaten zu ihrem unbesonnenen Verhalten noch besonders angereizt worden waren, und obwohl die Angeklagten sämtlich nur ganz unerhebliche Vorstrafen aufzuweisen hatten. Das besonders Tragische dieses Falles ist, daß die Verurteilten unmittelbar vor ihrer Entlastung standen. Bei der Verkündigung des drakonischen Spruches brachen die Unglücklichen in herzzerbrechendes Weinen aus. Hilft alles nichts— der moderne Moloch, genannt Disziplin, muß sein Opfer haben, und er hat es in Gestalt von fünf jungen Menschenleben.—_ Frauen in der Stadtverwaltung. Man schreibt uns aus Baden:, Nach einer Heidelberger Notiz- der„Köln. Ztg." will der Minfter Schenkel sein Wort einlösen, das er im Anschluß an die Ausführungen eines Redners der sozialdemokratischen Fraktion im Monat März gegeben hatte. ES handelt sich um die Abänderung der Gsmeinde- und Städteordnung durch Hinzufügnng einer Bestimmung, welche den Frauen in gewissen kommunalen Vcrwaltuiigszweigcn Sitz und Stimme verschafft. Nach den In- formationen des Offiziosus in der„Köln. Ztg." will die badische Regierung eine beschränkte Anzahl Frauen, höchstens zwei für je eine der drei Kommissionen für A r m c n w e s e n. Beauf- sichtigung der Mädchenschulen und öffentliche Gesund« heitspflege zulassen. Diese Frauen müssen die Eigenschaften besitzen, wie sie die Gemeindewahlordnung für das Wahlrecht der Männer vorschreibt: zweijährige OrtSanwesenheit, zurückgelegtes 29. Lebensjahr, selbständige Lebensstellung sowie Entrichtung einer Gemeinde- und Staatssteuer(bei verheirateten Frauen gilt als Erfüllung des Erfordernisses die vom Ehemann geleistete Ab- gäbe). Der Vorschlag bedeutet' gegenüber der Praxis, wie sie sich seit drei Jahren nach dem Vorgehen der Stadt Offen bürg bildete, in mehrfacher Beziehung einen Rückschritt. Bisher verordnete das Ministerium nur, daß in den betreffende» Kommissionen die Zahl der Frauen in der Minderheit bleiben müsse, ohne sonstige weitere Bedingungen vorzusehen. So zählt z. B. der Offcnburgcr Armen. rat zurzeit sieben weibliche Mitglieder, darunter auch lcdige, der Mannheimer nur zwei. Der Regierungsentwurf schließt in der Praxis den Eintritt von Arbeiterfrauen und Arbeiterinnen in die Kommissionen im allgemeinen aus. Die Tagung der Städtcordnungsvertreter hat be- schlössen, diesen Schenlelschen Entwurf als viel zu engherzig zu verwerfen und den Frauen in den für sie zuständigen Kommissionen eine Gleichstellung mit den Männern zu erlämpfen.— Die abgehackte Hand. Die BreSlauer Zahlstelle des Ver- bandcs der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter befaßte sich am Montag mit den Taten der Polizei. Der von einem.Schutz. mann" zum Krüppel gcjchlagene Kellereiarbeiter Biewald ist Mitglied des Verbandes. Der Referent brandmarkte in äußerst scharfer. schonungsloser Weise das brutale Vorgehen der Polizisten im all- gemeine» und das gegen Biewald im besonderen. Er wurde mehr- fach durch Entrüstungszurufe unterbrochen. Mit Einstimmigkeit und unter lebhafter Zustimmung der Bersammlung wurde folgender Be- schluß gefaßt: „Die Versammlung drückt ihren Abscheu und ihre t,efste Eni- rüstüng gegenüber der ruchlosen Handlungsweise jenes Polizisten aus, der am 19. April 1909 dem braven Kollegen Biewald. der an dem Krawall ans dem Striegauer Platz ganz unbeteiligt und wehr- los war. hinterlistig überfallen und ihm, als er im Begriffe stand. seine Wohnung auszusuchen, aus der Treppe mit scharf geschliffenem Säbel die Hand abgeschlagen hat. Die Versammlung ist damit einverstanden, daß der Verband die Rechte des zum Krüppel Geschlagenen wahrnimmt und ihm zu diesem Zwecke einen tüchtigen Rechtsanwalt zur Seite stellt." Wie besinnungslos die Polizei gewütet hat. das zeigt auch der Umstand, daß der arbeitswillige Maschinenarveiter Sacher. also einer von denen, die geschützt werden sollten, bei der Attacke schwer verwnndet worden ist! Ei» feines Stück aus NordschleSwig. Vor einiger Zeit ging durch die schleswig-holsteinische Presse die Nachricht, daß ein Einjähriger vom Jnfanteriebataillon in HaderS- leben sich die Pulsadern aufgeschnitten hatte und in schwer ver- letztem Zustande ins Garnisonlazarett ges-bafft worden war. wo er längere Zeit in Lebensgefahr schwebte. Di« Militärbehörde war flugs mit eine», Dementi, das sie in der nordschleSwigschen Reptilieiipresjo veröffentlichte, auf dem Posten und behauptete, der Einjährige sei ohne Erlaubnis vom Dienst weggeblieben und bloß deshalb ins Lazarett aufgenommen worden, we,l er sich in der Trunkenheit«ine ganz unbedeutende Hautberletzung am Arme zugezogen habe. Wegen des Ungehorsams sei gegen ihn eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Was es mit diesem Dementi auf sich hat, und was in Wahr- heit dem Vorfall zugrunde lag, ging aus einer Zeugenvernehmung herbor, die am Sonnabend in der Kaserne zu Hadersleben in dieser Angelegenheit stattfand. Eines Nachmittags un Monat März saß"der Einjährige Jörgensen niit ein paar Freunden in einem Haderslebener Restaurant beim Bier. Man war in ver- gnügter Stimmung, und um diese zu erhöhen, gab der junge Mann auf'dem Klabier einige Stücke zum besten. Unter anderm spielte er die Melodie eines dänischen Nationalliedes und die der Marseillaise. Kaum waren die Töne verklungen, als der Hofbesitzer Langen- heim aus Eisbüll bei Hadersleben, der an einem Neben- tische gesessen hatte, demonstrativ das Lokal verließ. Zu- fälligerweise begab sich auch der Einjährige nach draußen. wo ihn der Hofbesitzer zur Rede stellte, wie er sich könne bei- kommen lassen, die Marseillaise zu spielen. Ob er nicht wisse, daß sich so etwas für einen Einjährigen nicht schicke. Jörgenjen war sehr überrascht und versicherte, daß es ihm gänzlich fern gelegen habe, irgend jemandes Gefühle durch sein Spiel zu verletzen. Er habe gegiaubt, die Gesellschaft zu unterhalten. Daß er die Marseillaise gespiell Hab«, sei ein purer Zufall gewesen, er finde eben die Melodie sehr hübsch. Er entschuldigte sich dann noch ausdrücklich bei dem Herrn Hofbesitzer. Dieser aber ließ sich nichr beruhigen, sondern kündigte dem jungen Mann an, daß er die Sache zur Anzeige bringen werde. Zur Würdigung der Situation sei mitgeteilt, daß der junge Jörgensen aus Hadersleben gebürtig ist, einer deutschgesinnten Familie angehört, und daß er nicht im entferntesten daran denkt, mit der Sozialdemokratie auch nur platonisch zu sympathisieren. In seiner Verzweiflung über die Drohung des Herrn Langenheim machte er dann den Selbstmordversuch. Bei der Zeugenvernehiming am Sonnabend zeigte sich die Militärbehörde über den Vorfall genau orientiert. Unter den Er- schicnenen war auch der Hosbesitzer Langenheim. Ihm allein ivnrde die Ehre zuteil, daß er von dem die Untersuchung führenden Offizier gebeten wurde, sich in das OssizierSkasino zu begeben und dort seine Vernehmung abzuwarten. Die übrigen Zeugen mußten mir einem Vorzimmer vorfteb nehmen. Im Laufe der Vernehuumg bezeichnete der Offizier die M a r s e i l l a i sc als das Arbeiter-Ausruhrlied. Auk den Ausgang der Geschichte, die wieder einmal die körrnm- pierende Wirftmg des GermanisierungsknrseS drastisch illustriert, kann man gespannt sein._ Polnisch-katholisch— deutsch-katholisch. Bekanntlich hat Herr Florian v. Stablewski, Erzhischof von Posen, vor einiger Zeit die deutschen Geistlichen seiner Diözese auf- gefordert, aus den Vereinen deutscher Katholiken auszutreten, weil der Verband jener Vereine ans.unkatholischen Grundlagen" aufgebaut sei. Da einige Geistliche diesem Ukas nicht allzu schnell nachkamen, hat der Vertreter des Erzbischofs, der Weihbischof LikowSki, dem Befehl nachgeholfen, indem er sieben Mitglieder des Pösener Domkapitels zwang, aus dem Posener geselligen Verein deutscher Katholiken auszutreten. Darob große Entrüstung bei den Mitgliedern dieses Vereins. Den Vorwurf, eine.unkatholische Grundlage zu haben, wollten sie nicht ans sich sitzen lassen, und so wandten sie sich ganz untertänigst an ihren erzbischöflichcn Seelenhirten mit der Versicherung, daß ihr „Verein nichts anderes bezlvecke, als in seinen Mitgliedern die katholische Religion und eine gute deutsche Gesinnung zu fördern". Zugleich richtete sie mit jenem Respekt, der gewöhnlichen Laien vor der Weisheit hoher Kirchenfürsten geziemt, an Herrn Florian die Bitte, seine den Verein„hart treffende Maßnahme" zurückzunehmen. Eine Anmaßung, die der Herr Erzbischos mit folgender Autwort zurückwies: «Ich habe den mir untergeordneten Geistlichen gegenüber den bestimmten Wunsch ausgesprochen, aus dem Verbände deutscher Katholikenvereine auszutreten, weil ich dieses Ausscheiden nach der ganzen Sachlage für angezeigt erachtet habe. Die betreffenden Geist- lichen sind der an sie erlassenen Aufforderung bedingungslos nachgekommen. Damit erachte ich diese Angelegenheit für er- ledigt." An und für sich hat der Vorgang geringe Bedeutung: aber als Beispiel dafür, was für Bestrebungen die katholische Flagge decken muß und wie viel sich die katholischen„Laien" von ihrem Seelen- Hirten gefallen lassen, ist er immerhin recht interessant. „Vertragsmäßig.� Bekanntlich ist der König Alfons von Spanien zurzeit glücklicher Bvkatigam, und seine Braut, die Prinzessin Ena von Battenberg, steht im Begriff, vom protestantischen zum römisch-katholischen Glauben überzutreten. Der Grund dieses Religionswechsels kann nur in einer innerlichen Glaubensumwälzung der Prinzessin gesucht werden. Allem Anschein nach bat. wie so oft in fürstlichen Familien, auch in diesem Falle ein glücklicher Zufall geWalter. Gerade in dem- selben Augenblick, als sich der Prinzessin die Aussicht eröffnete. Königin von Spanien zu werden, war die religiöse Umwälzung in ihrem Gemüt so weit gediehen, daß sie die Unmöglichkeit ftihlte, dem protestantischen Glauben länger anzugehören. Und die innere Stimme zeigte ihr ebenso zufällig als den allein wahren Glauben gerade den des Mannes, der um ihre Hand anhielt, und ohne den sie nicht spanische Königin werden könnte. Doch keine ungetrübte Freude ward je dem Sterblichen zu teil. Diese glückliche Uebercinslimmung zwischen innerem religiösen Drang und äußerer Rangerhöhung wird der jungen Prinzessin be- neidet. Während König Alfons mit seiner Braut auf der englischen Insel Wight weilt ued beide, wie� englische Zeitungen zu erzählen wissen,„zur Erinnerung an diese glücklichen Tage vor dem Schweizer- Häuschen von Osborne eine Eiche pflanzten", sind die Protestanten in England außer Rand und Band geraten und rufen Protest- Versammlungen gegen den Glaubenswechsel der Prinzessin ein. die bekanntlich eine Nichte deö englischen Königs ist. Wunderlich- berührt uns diese Kunde. Ist denn für die Gläubigen und Frommen Religion nicht eine ttesinnerliche Herzenssache de» einzelnen, in die sich kein anderer zu mffchen hat? Oder ivenn die frommen Eiferer etlva der Meinung sein sollten, daß Fräulem Ena um äußerer Vorteile willen den Religionswechsel vornimmt, müßten sie dann nicht zufrieden sein, daß ihre Kirche von einer Unwürdigen(das wäre sie doch in diesem Falle) gesäubert wird? Ach nein, diese Protestversammlungen geben ein ganz anderes Bild von der Art, wie die Eiferer die Religion auffassen. Wir entnehmen den bürger- lichen Zeitungen folgenden lieblichen Satz:.In einer Versammlung der„Protestant Reformatton Society" in Jxeter-Hall führte der Redner dos Abends. Mr. W. A. Lmbrick, aus. die regierende Dynastie möge nicht vergessen, daß sie dem Lande gegenüber vertragsmäßig Pflichte» zu erfüllen habe. Erne dieser Pflichten sei die Wahrung des Protest, intischcn Glaudenö und die königliche Familie gebe dem Lande ein schlechtes,_ verderbliches Beispiel, wenn eines ihrer Mitglieder die Religion wechsele wie ein paar Handschuhx". Eine wahre Idylle' in der Tat! In demselben Augenblick, in welchem diese GlauoenShelden— mindestens zwischen den Zeilen, aber doch sehr deutlich— der Prinzessin den Vorwurf machen, daß sie ihren Glauben zum Gegenstand geschäftlicher Berechnung mache, in demselben Augenblick genieren sie sich rnchl. genau dasselbe zu tun. Für englische Prinzen und Prinzessiimen ist«S eine „vertrag Sin äßige Pflicht", protestantisch zu sein! Was religiöses Gefühl, wag inneres Herzensbedürfnis, das alles sind Redensarten I Der Glaube ist kontraktlich vorgeschrieben, und dairnt basta 1 Da sollte man cigentlich den Glaubenswechsel als Kontrakt- bruch bestrafen! Die Reichstagsfraktion Begann ihre gestrige Sitzung mit einer eindrucksvollen Trauerkundgebung fiir den verstorbenen Genossen Meister. In den Fraktionsvorstand wurde an seine Stelle Ge- nosse Kaden gewählt; ebenso wurde dieser an Meisters Stelle in den Scniorenkonvent delegiert. Die Fraktion beschloß sodann, die DiStenvorlage in ihrer jetzigen Form mit energischer Begründung abzulehneu. Die BreSlauer Strastenschlacht soll eingehend bei der dritten Beratung des Reichsamts des Innern zur Sprache ge- bracht werden. Schließlich beschloß die Fraktion, daß die Kollegen während der ganzen zweiten und dritten Beratung der Steuervorlagen im Reichstage präsent zu sein haben. Dieser Beschluß bezieht sich auch auf Dienstag, den l. Mai.— „Der Zopf, der hängt ihm hinten"—, nämlich dem preußischen Eisenbahnfiskus. Bekanntlich gilt der so- genannte Karfreitag in der evangelischen Kirche als höchster Feiertag, während ihn die katholische Kirche nur als Feiertag zweiter oder dritter Güte bewertet. Diese Abschätzung kann uns gleich- gültig sein, wenn aber schließlich die verschiedene Bewertung zu einer gemeingefährlichen Kalamität im össent- liche» Leben wird, dann ist es Zeit, gegen das weitere Fort- bestehen einer solchen Zwitterstellung zu protestieren und fiir die öffentliche Einschätzung des genannten christlichen Fest- tages, insbesondere so weit Staatsbetriebe in Frage kommen, eine Einheitlichkeit zu fordern. Sollte ma» es z. B. für möglich halten, daß im Eisenbahnbetriebe innerhalb eineS Direktions- bezirkes der Güterverkehr in vollem Umfange aufrecht erhalten wird, während er im Nachbarbezirke ruht! So war es nämlich, wie uns gemeldet wird, am Karfreitag in den Direktionsbezirken Köln und Essen. Im Direktionsbezirke Köln ging alles seinen gewöhnlichen Gang, im Nachbarbezirke Essen dagegen ruhte der Güterverkehr. DaS gab natürlich allerlei Stauungen und Rangierereien in dem am genannten Tage„kaltgestellten" Direttionsbezirke Essen. Und es ist geradezu ein Wunder, daß es nicht zu Katastrophen gekommen ist. Wenn schon zwei in unmittelbarer Nachbarschaft liegende Direktionsbezirke nicht einheitlich handeln können, so ist im Interesse der Sicherheit des Betriebes eine generelle Regelung durch die höhere Verwaltungsbehörde ein dringendes Erfordernis.— Ein Beitrag zur Fleischnot. Eine skandalöse Nahrungsmittel- fälschung wurde am Sonnabend gegen den Fleischermeister Robert Schäfer von Halle vor der dortigen Strafkammer verhandelt. Der ehrsame„Meister", der ein„blühendes" Ladengeschäft in einer ver- kehrsreichen Straße beweibt, verwendete zur Wurstfabrikation un- gereinigte Rindskaldannen, die mit Kot behastet waren, Nasenspitzen von Hammeln, Kälbern usw. Wenn die Gesellen die Kaldaunen von dem Unrat reinigten, nahm der Meister den Unrat, warf ihn in den Wurstkessel, indem er sagte:„Das kommt mit in die Wurst, bei den teueren Fleischpreisen müssen die Leute das schon mitessen. Der Polka- fleischer wurde nur mit zwei Monaten Gefängnis und 300 M. Geldstrafe belegt. Zu wenig für diese Art Mittelstandsretter I— Militaria! Ein Soldatenschinder schlimmster Sorte stand am Dienstag in der Person des 24 Jahre alten Unteroffiziers Werner von der 2. Kompagnie des Leib-Grenadier-Ncgiments Nr. 100 vor dem Dresdener OberkriegSgericht. Der „Stellverweter GotteS", ein ehemaliger Marienberger Unteroffiziers- schüler, hat bereits 20DiszipIi nur st rasen, darunter fü n wegen Beleidigung und vorschriftswidriger Be- Handlung zu verzeichnen. Kaum 20 Jahre alt, wurde ihm be- reitS 1902 eine Rekrutenkorporalschast zur Ausbildung und Erziehung anvertraut, doch zeigte der MarSjünger einen derartigen Hang zu „Uebergriffen", daß ihn der Koinpagniechef schleunigst wieder von diesem Posten entfernte. Drei Jahre lang wurde W. nun zum Drill der„alten" Leute verwendet, bei denen er sich in seiner Erziehungsmethode etwas vorsichtiger zeigte. Obgleich sich der Marsjünger nach den Bekunduugeu des Hauptmanns allen Er- Mahnungen und Swafen zum Trotz schlecht führte, erhielt er im Herbst 1906 von neuem eine Rekrutenkorporalschaft überwiesen, um ihm abermals Gelegenheit zu geben, seine eigenarttge Erziehungsmethode zu erproben. In der folgenden Ausbildungsperiode hat sich der Unteroffizier an dem größten Teil seiner Leute in wahrhaft schurkischer Weise wörtlich und tätlich vergangen. Bei der geringsten Kleinigkeit setzte eS Ohrfeigen. Fauststöße und Fußtritte gegen den Unterleib, ins Gesicht und ans Schienbein, wat er den Leuten mit den Stiefeln auf die Füße oder schlug er ihnen den Helm ins Geficht. Beim Exerzieren am 5. Februar mußte der Grenadier Borrmann aus dem Gliede heraus- treten und eine Zeitlang allein marschieren. Als er matt wurde, bekam er mehrere mal den Gewehrkolben in die Kniekehlen und in die Waden. Der Soldat Ackermann wurde mehrere Male vom Korporal mit dem Stiefel auf den Fuß absichtlich und heftig getreten und mit den Worten angepöbelt:„Ich werde Dir schon lernen, Unteroffiziere zu veralbern, Du Lump. Du Spitz- bubengefichte, mit Deinen falschen Augen, Dir sieht man es ja an Deinen falschen Augen an, daß Du schlapp bist." Der Grund zu dieser brutalen Behandlung des Mannes war. daß A. auf die Frage eines Offiziers, ob er schon seinen Kaffee erhalten habe, wahrheitsgemäß mit„nein" ge- antwortet. Noch schlimmer trieb es der MarSjünger mit dem Rekruten Bohmberger, dem er einmal den HelminS Gesicht schlug und ein anderes Mal mit dem Stiefel in das Gesäß trat und anS Schienbein stieß, sodaß der Mann noch nach acht Tagen Schmerzen verspürte. Nicht besser erging es zahlreichen anderen Grenadieren. In der ersten Instanz fanden die unerhörten Roheiten des Unteroffiziers eine unglaublich milde Beurteilung. Das Kriegs- g e r i ch t hatte wegen Mißhandlung, vorschriftswidriger Behandlung und Beleidigung Untergebener während des Dienstes und unter Mißbrauch der Dienstgewalt, obgleich es zugab, daß der Angeklagte mit außerordentlicher Roheit und Rücksichtslosigkeit vorgegangen and vom Hauptmann verwarnt worden war, unter Annahme minder schwerer Fälle auf sechs Wochen mittleren Arrests erkannt, weil die Fälle die denkbar leichtesten seien und der Angeklagte eine leicht erregbare Natur besitze. Von Degradation wurde abgesehen. Die Einzel st rafem hatten zusammen zirka 200 Tage mittleren A r r e st betragen; das Gericht begründete die milde Strafe damit. daß nach dem.Gesetz eine höhere Arreststrafe als sechs Wochen nicht ausgeworfen werden könne. Das Oberkriegsgericht gab der Berufung statt, hob das an- gefochlene Urteil auf und erkannte auf fünf Monate Gefängnis und Degradation, außerdem wurde die sofortige Festnahme des Korporals verfügt.—__ Mißgunst. Die ultramontane Presse vergeht fast vor Neid über die Spenden, die das deutsche Proletariat für die Opfer der russischen Revolution aufgebracht hat. So zetert die„Mark. J Für die russischen Revolutionäre haben die deutschen sozial- demokrattschen Arbeiter bis jetzt 307 399 M. gespendet. ES geht dock nichts über die Torheit unserer von den..Genoffen' darum aeschröpften Arbeiter. WaS soll mit dem Gelde denn groß auS- aerickitct werden? Ein paar großmäulige Juden werden eS ein- stecken aber die Maffe der ru, suchen Arbeiter wird weder einen materiellen noch einen ideellen Nutzen davon haben. Die betörten deutschen Arbeiter könnten ihr sauer verdientes Geld wirklich besser verwenden. Interessant wäre es, zu erfahren, wieviel denn die Arbeiter anderer Länder für die.russischen Brüder" gespendet haben mögen. Franzosen, Engländer usw. Pflegen zwar von der Solidarität aller Proletarier und von der intemattonalen Briiderliebe zu schwätze», aber ihr Geld für sich zu behalten. Nur die gutmütigen Deutschen lassen sich durch Phrasenmacher ausplündern." In der Tat, es ist eine Schande, daß das Gros der Arbeiter seine kämpfenden Arbeitsbrüder im Auslande mit Geldmitteln unter- stützt, statt sie in Gestalt des Peterspfennigs ins Ausland zu schicken oder damit im Jnlande Zwingburgen der Dummheit, wie das Leo-Hospiz, bauen zu helfen!— HuelancL Oesterreich. Wahlreform um jeden Preis! Wie», 25. April.(B. H.) Ministerpräsident Gautsch bcr- handelte mit den führenden Abgeordneten über die Parlamentari- sicrung des Kabinetts und über folgende Kompromißvorschläge: Die Deutschen erhalten zwölf weitere Mandate, und zwar je eines in Böhmen und Mähren, Schlesien. Linz und Gottschee, sowie in Niederösterreich, serner die Polen zehn, die Tschechen und die Italiener je eins. In parlamentarischen Kreisen wird die Möglichkeit, zu einer Einigung zu gelangen, nicht als ausgeschlossen erklärt. Den Aeußerungen Gautsch's ist zu entnehmen, daß die Wahlreform nach dem Willen des Kaisers unbedingt � nötigenfalls ohne Parlament— zustande kommen werde. In den Wandelgängen werden bereits zur Parlamentarisierung des Kabinetts Listen kolportiert. Danach sollen Derschatta, Prade, Groß, Ebenhoch, Pakak, Kaccek, Dschieduszhcki, Bobrzynski ins Kabinett eintreten. Von den bis- herigen Ministcrn sollen Gautsch, Bhlandt, Buquoy und Schöneich im Amte verbleiben. Italien. Die authentische Darstellung über das Blutbad von Calimera und die Aktion des Proletariats. Rom, 22. April. lEig.©et.) Je mehr Einzelheiten über den Konflikt in Calimera bekannt werden, umso mehr erscheint er all jenen vorhergegangenen Kon- flikten zwischen bewaffneter Macht und Arbeitern ähnlich, wie sie in den letzten Jahren den'Boden Süditaliens mit Proletarierblut ge- tränkt haben. Entgegen den ersten Darstellungen gibt jetzt auch die bürget- liche Presse zu, daß der Anlaß des ganzen Konfliktes in einem Lohn kämpfe zu suchen ist. Dieser war am Morgen des 17. gerade zu einem den Arbeitern günstigen Austrag gekommen. Vor dem Rathaus wartete die Wtenge, die den Besitzern nicht eben sonderlich traute, die Protolollierung des Friedensschlusses ab. In diesem Augenblick wurde eine Bombe geworfen. Noch heute läßt sich nicht mit Sicherheit entscheiden, von welcher Seite sie kam. Nach den Berichten der„ T r i b u n a", der ,. S t a m p a" und des„Lavoro" ist die Bombe nicht von den Arbeitern geworfen worden, sondern von anderer Seite, und zwar zu dem Zwecke, die Arbeiter zu diskreditieren und die friedliche Beilegung des Streiks zu verhindern. Auch heißt es. daß die städtischen Behörden bei den Verhaftungen un Anschluß an den Bombenwurf dem Willen der Grundbesitzer gefolgt seien und miß- liebige Arbeiter verhaftet hätten, ohne daß Indizien für ihre Be- teiligung am Werfen der Bombe vorlagen. Jedenfalls brachten die nächtlicheriveise vorgenonuneneil Verhaftungen den ganzen Ort in Gärung. Mehrere hundert Personen begaben sich vor das Rathaus und forderten die Freilassung der mischuldig Festgenommenen. Der Polizeibeamte sowie der Leutnant der Carabinieri, die wohl von der Rechtlichkeit der Verhaftungen nicht gerade überzeugt waren, telegraphierten nach L e c c e, um die sofortige Freilassung zu erwirken. Inzwischen kam der Wagen, der die Gefangenen bereits nach Lecce transportiert hatte, zurück, nicht —.wie es zuerst hieß— weil die Menge an den Carabinieri Rache üben wollte, sondern lediglich deshalb, weil sie über den Kutscher empört lvar, der sich zum Transport hergegeben hatte. Der Kutscher begann schnell zu fahren, aber einige Hundert Personen folgten ihm. Da zog auf einmal der Marschall der Carabinieri, ein gewisser Barrone, blank und begann mit dein Säbel um sich zu hauen. Die Menge, die weniger kopflas war als der Carabiniere, rief ihm zu:„Steck den Säbel ein! Wir sind nicht gegen Euch, nur gegen den Kutscher I" Als einzige Antwort hieb der Kerl weiter mit dem flachen Säbel, ivährend die anderen Carabinieri mit dem Bajonett angriffen. Darauf antwortete die Menge mit Steinwürfen und Varrone gab Order zum Feuern. Ein Mann aus der Menge entriß einem Carabiniere den Revolver und schleuderte ihn fort. Da wurde zuerst ein Schuß abgegeben und als die teils aus Frauen und Kindern bestehende Menge sich zur Flucht wandte, sandte man den Fliehenden eine ganze Reihe von Schüssen nach l Bon den sieben Verwundeten ist gestern einer gestorben. Es ist also die alte Geschichte: Man hat ohne Not aus bloßer Kopflosigkeit und Roheit geschossen in der ruhigen Gewißheit, daß in dem Lande, das man„die Wiege des Rechtes" nennt, der Arbeiter- mord straflos bleibt. In den letzten 30 Monaten ist dies das 13. Mal, daß die be- waffnete Macht in der Provinz Lecce ihre Waffen gegen wehrlose Arbeiter kehrt. Sollte die Geduld des italienischen Proletariates nicht endlich erschöpt sein?— Die Generalkammission der Gewerkschaften hat ein Referendum unter den Gewerkschaften und Arbeitskammern angesagt, um sich über die Proklamierung des Generalstreiks zu entscheiden. Am 25. wird die Antwort fallen. Bis jetzt scheinen die Organisationen von Bologna, Foggia, Forli� und mehrere kleinere Städte zugunsten des Generalstreiks zu stimmen. Ueber den Gesamt- entscheid kann man noch keinerlei Boraussagen machen, da überall starke Strömungen für und gegen den Generalstreik bestehen und der Zwiespalt in der Partei sich auch in der wirtschaftlichen Bewegung geltend macht. Die Mailänder Organisationen haben gegen den Streik gestiinmt. Die schleppende Vorbereitung— an der vor allem die mangelhafte Berichterstattung aus dem Tatorte schuld trägt— erhöht natürlich nicht die Festigkeit und Energie der Protestaltion, welche Form sie auch annehmen mag.— Norwegen. Der Militarismus. Als im vorigen Jahre die schwedisch-norwegische Union in Trümmer ging und eine Friedenszone zwischen beiden Ländern geschaffen wurde, konnte man auf den Gedanken kommen, daß nun- mehr der durch den Unionskonslikt groß gezogene Militarismus stark abnehmen würde. Das ist jedoch bisher nicht«ingetroffen, weder in dem einen noch in dem anderen Lande. Das norwegische Storthing hat Ende voriger Woche das Budget für das Heer in der Höhe von 12 476 100 Kronen bewilligt. In der Budgetdebatte stellte Egede Nissen den Antrag, daß die Wehr- Pflichtigen, die im vorigen Jahre wegen des Unionsstreites 13 Tage und länger über die gewöhnliche Zeit eingezogen waren, in diesem Jahre vom Dienste befreit sein sollten. Der Antrag wurde aber gegen 25 Stimmen abgelehnt. Genosse Eriksen erwähnte, daß kürzlich ein Wehrpflichtiger, der aus religiösen Gründen den Dienst verweigert hatte, erst zu einem Tage, dann vom höchsten Militärgericht zu 30 Tagen Arrest verurteilt worden war. Er verlangte zu wissen, ob der Kriegs- minister dies billige. Staatsrat OlSsön fand, daß die Strafe ganz am Platze sei und das Urteil dem geltenden Gesetze entspreche.— Erklärung. Die unterzeichneten Genosse», die den Pariser Vorträgen des Genossen Dr. Michels beigewohnt haben, erklären gegenüber der Entgegnung des Genossen Dr. Michels in Nr. 79 des„Vorw." vom 4. April, daß die in der Pariser Korrespondenz am 27. Februar an das Auftreten des Genossen Dr. Michels geknüpften Be- merkungen die Tendenz und die Wirkung der Vorträge durchaus sachgemäß wiedergegeben haben. C. Mütschler(anwesend bei beiden Vorträgen). Louis Reiß(an- wcscnd bei beiden Vorträgen). G. Kalweit(bei einem Vortrage). Paul Trapp(bei allen Borträgen). Ernst Rogge. Leon Lejeune. Aosef Steiner. Lichtenstein. Soziales. gesetzwidrige Anordnung des Regierungspräsidentt» in Kranlenkassensachen. Die vom Kölner Regierungspräsidenten angeordnete ärztliche Nachunterfuchungskommission ist. in der zweiten Instanz vom Kölner Landgericht für ungesetzlich erklärt worden. Das bereits vor fünf Wochen ergangene Urteil des Amtsgerichts, wonach die vom Re- gierungspräsidenten zwangsweise für sämtliche KölnerKassen eingeführte Nachuntersuchungslommisston für nicht existenzberechtigt und die Kassenmitglieder für nicht verpflichtet erklärt wurden, sich der Nach- untersnchungskommission vorzustellen oder sich deren Anordnungen zu fügen, ist vom Landgericht bestätigt. ES steht nunmehr rcchtslräftig gerichtlich fest, daß die vom Regierungspräsidenten als Zwangs- ftellvertreter der Kassenvorstände durch Vertrag mit dem ärztlichen Verein getroffene Einrichtung der Nachunterfuchungskommission eine Beschränkung der den Kassen in itgliedern gesetzlich wie statutarisch gewährleisteten Rechte enthält. Diese Kominission ist also Uligesetzlich und statuten- widrig. Keinesfalls sind die Mitglieder verpflichtet, sich dieser Nach- untersuchungskommission vorzustellen, trotzdem wird von ihnen auch jetzt noch verlangt, sich zur Nachnntersuchung vorzustellen. Diese Gerichtsurteile lassen klar erkennen, daß der zu Gunsten nicht der Kassenniitglieder.oder der Kasse auf Betreiben des reichen Äerzteverbandes erfolgte behördliche Eingriff in die Selbstverwaltung mit der Wirkung erfolgt ist, daß die Behörde gesetz- und statutenwidrige Anordnungen getroffen hat. Wirkungen der freien Arztwahl in Remscheid. Unseren Lesern ist noch der gesetzwidrige Eingriff des Remscheider Oberbürgermeisters in die Verhältnisse der dortigen Krankenkasse in Erinnerung. Wie das infolge des Vertragsbruchs der Aerzte und des behördlichen Eingriffs in Remscheid eingeführte System der freien Arztwahl gewirkt hat, darüber geben Bchchwerden Auskunft, die bereits in der letzten Generalversammlung der Allgemeinen Ortskrankenkasse über die neuen Kassenärzte zur Sprache ckamen und die man einfach für unmöglich halten sollte. Nach den AuSfiihrnngen des Beschwerdeführers weigerten sich verschiedene Aerzte, nach West- hausen, wo zwei M e.n s ch e n l e b e n auf dem Spiele standen, zu gehen, um bei einer Wöchnerin die ärztliche Geburtshülfe zu leisten. Ein eben solch krasser, unglaublicher Fall er- eignete sich am ersten Ostertage. Eine Anzahl Aerzte weigerten sich trotz allen Bittens der An- gehörigen, an das Krankenbett eines Schwer- erkrankten zu folgen, der infolge dessen noch in derselben Nacht verstarb, ohne daß ihm die ärztliche H ü l f e l e i st un g gewährt wurde. Bis Donnerstagmittag hatte der in der Bergischen Stahlindustrie be- schäftigte Dreher Bunse noch gearbeitet. Er fühlte sich unwohl und schickte zum Arzte. Herr Dr. Mitter konstatierte Influenza. Am Sonnabendabend jedoch stellte er Lungenentzündung fest, doch hielt er den Fall für nicht sehr schwer und erklärte bei seinem Besuch, er wolle den ersten Osterfeiertag verreisen, weshalb er am zweiten Osterfeiertage seinen Besuch machen tverde. Am ersten Feiertag verschlimmerte sich der Zustand aber sehr und eS traten Blutungen ein, so daß die Angehörigen auf die Suche nach einem Arzte sich begaben. Der nächste Arzt Herr Dr. Böhnke war nicht zu Hause, weshalb man zu Dr. Ikäufer schickte. Dieser lehnte es ab mitzugehen mit der Begründung, er dürfe seinem Kollegen Mitter nicht vorgreifen. Man ging alsdann zu Dr. Mittcr, um zu sehen, ob derselbe noch nicht zurück sei. Dr. Mitter war nicht zu Hause, ebenfalls Dr. Arnoldi nicht. Herr Dr. Lndecke, den man zu Hause antraf, weigerte sich mitzugehen. Als er hörte, daß Lungenentzündung vorlag, verschrieb er. ohne daß er den Patienten kannte, eine Arznei. Der Zustand des Kranken verschlimmerte sich aber, es traten stärkere Blutungen ein, weshalb man wieder zu Herrn Dr. Böhnke schickte. Derselbe war zu Hause, doch weigerte auch er sich mitzugehen. Nachdem man ihm die Krankheitserscheinung geschildert hatte, konstatierte derselbe als Diagnose Magenblutung. Er verordnete einige Tropfen zum Einnehme». Nach 11 Uhr trat eine Verschlinnnerung des ZustandeS ein. Die Angehörigen machten jetzt den letzte» Versuch einen Arzt zu bekommen. Sie eilten nochmals zu Herrn Dr. Böhnle und nach zähem Ausharren, nach Bitten und Flehe» ließ sich derselbe endlich bewegen mitzugehen. Doch es war zu spät. Den Arzt, den man erst nach siebcnstündigem Hin- und Herreimen belonimen hatte, konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Die bürgerliche Presse, voran die freisinnige, schweigt diese Vor- fälle tot. Sie hat ja bislang auch nicht de» Mut gesunden, ihre über die Remscheider Krankenkasse ausgestreuten Verdächtigungen zurückzunehmen._ Arbeitcrsckretariat als Gutachter. Ein Richter mit sozialein Verständnis scheint der Landgerichts- Präsident in Frankfurt a. M. zu sein. Er hat das dortige Arbeiter- sekretariat der modernen Gewerkschaften um ein Gutachten darüber gebeten, was ein Arbeiter in Frankfurt a. M. mindestens zu ver- zehren haben müsse, um seine notdürftigsten Lebensbedürfnisse zu befriedigen. Es handelt sich dabei um die Entscheidung der Frage, welche Beträge von einem zur Alimentationspflicht zu verurteilenden Arbeiter in Anspruch genommen werden könnten. Dieses leider bisher in Preußen-Deutschland noch so seltene Beispiel sozialer Einsicht und UnVoreingenommenheit den Ein- richtuiigeu der Arbeiter gegenüber verdiente Nachahmung. Beirat für Arbeiterstatistik. Beirat für Arbeiterstatistik beschäftigte sich gestern mit War- schlagen für anderiveitige Regelung der Lohnbücher in der Kl erder- und Wäschekonfektion, mit der Arbeits- zeit der Arbeiterinnen in der Fischindustrie und mit den Ergebnissen über die Verhältnisse in der Binnen- s ch i f f e r e i. Das Lohnbuch hält der Beirat für abänderungsbedürftig. ES sei wünschenswert, an der Anordnung zur Führung von Lohnbüchern in der Kleider- und Wäschekonfektion festzuhalten. Jedoch könne es für Werkstätten mit Zeitlohn, und für Zwischenmeister, die selbst zuschneiden und kaufmännische Buchführung haben, in Wegfall kommen. Zum Schutz des Arbeitnehmers gegen Schädigungen infolge von Täuschungen und Streitigkeiten bei der Lohnberechmmg und Lohn- zahlung sei eine Aenderung des§ 114a. G.-O. dahingehend wünschenswert, daß das Lohnbuch zu einem A b r e ch n u n g s b u ch durch die Verpflichtung der Arbeitgeber umgestaltet werde, die' für die Abrechnung über den Lohn in Betracht kommenden Angaben und Berechnungen einzutragen. Art und Umfang der abgelieferten Arbeit, die Zeit der Ablieferung, die verdienten Löhne und die etwa vereinbarten oder gesetzlichen Abzüge, sowie Zeit und Betrag der Lohnzahlungen müßten Aufnahme finden. Lediglich solche Ein- tragungen müßten als zulässig bezeichnet werden, die sich auf die übertragenen Arbeiten und die dafür vereinbarten und gezahlten Löhne beziehe». Insbesondere die Eintraaung eines Urteils über die Führung oder die Leistung desjenigen.' für den das Lohnbuch ausgestellt ist. oder eineö den Arbeitnehmer kenn» zeichnenden Merlmals müssen verboten werden Für die fabrikmäßig betriebene Fischindustrie hat der Beirat den Erlaß einer Bnndesratsverordnung angeregt, durch die für 40 Werktage, sofern die gesetzliche elfstündige Arbeirs- M nicht überschrltten wird, erlaubt werden soll. Arbeiterinnen bis. iO uhr abends und an Sonnabenden und den Borabenden von Fest- tagen bis 8'/, Uhr abends zu beschästigen. Die Fragebogen über die Verhältnisse in der Binnen, ch r s t e r e i stnd sehr mangelhast eingegangen. Von3399auSgegebenen Fragebogen sind nur 2112, teilweise iehr lückenhaft ausgefüllt, ein- gegangen. Von 1933 für die Arbeitgeber ausgegebenen Fragebogen md lo55, von 1966 für die Arbeitnehmer ausgegebenen Fragebogen and gar nur 757 ausgefüllt. Besonders mangelhast sind die für die Provinz Brandenburg ausgegebenen Fragebogen ausgefüllt: von 505 ausgegebenen Fragebogen sind nur 460(91,1 Proz.) eingegangen. »Ott diesen sind infolge außerordenilicher Lücken nur 137 <39 Arbeitgeber- und 38 Arbeitnehiner-Bogen— 27,1 Proz.) ver- tvendbar I Ein etwas besseres Resultat wiesen die Eingänge ans dein Rheinlande auf. Von 312 Fragebogen sind 303 eingegangen und 116 sb3 Arbeitgeber- und 88 Arbeitnehmer-Bogen— 12,7 Proz.) verwendbar. Trotz dieses bedauerlichen, anßerodentlich mangelhaften Ergebnisses der Fragebogeneingänge soll eine Verarbeitung der ein- gegangenen Antworten versucht werden. SewerKscKaftlicKes. Die Mctallarbeiterzcitimg erscheint, wie uns aus Stuttgart geschrieben wird, in dieser Woche in festlichem Gewände und besonders umfangreich. Sie hat mit dieser Nummer eine Auflage von 307 500 erreicht, die Mitglieder- zahl des Mctallarbeiterverbandes hat die 300 000 überschritten! Aicher durch die festliche Ausstattung wird dieses für die Arbeiter- bewegung hervorragende Ereignis auch durch den reichen Inhalt der Nummer gewürdigt. Der Leitartikel beginnt mit den Worten: »Dreihunderttausend— in diesem Zeichen feiern wir in diesem Jahre den 1. Mai.' Zahlenmäßig wird sodann das Wachstum des Metall- arbeiterverbandes dargestellt: Ende 1891 Mitgliederbestand 23 205, ZeitungSauflage 23 600 • 1896„ 49 954,„ 50 400 . 1901» 102 905,„ 108 200 . 1904. 198 964,» 207 500 ..» 1905. 259 692,„ 265 300 Ende April 1906„ 300 000,» 307 500 Die Zunahme in den letzten vier Monaten betrug 40 000 und es wird danach das Jahr 1906 noch weit glänzendere Fortschritte bringen als alle Vorjahre. Der Artikel führt auS, daß vor 15 Jahren niemand eine solche Entwickelung für möglich gehalten hätte. Die Leistungen des Verbandes kommen, wenn auch noch nicht ganz voll- kommen in folgenden Zahlen zum Ausdruck: Bisherige Auszahlungen an Reisegeld......... 1 236 320,44 M. » Arbeitslosenunterstützung sseit 1. Juli 1900)...... 1939 411,38, bei Notfällen und Maßregelungen.. 646 396,96, für Rechtsschutz........ 212 102,46„ . Umzugsgeld(seit 1. Juli 1904). 71 221,62. » Streits u. Aussperrung en 7115 188.39„ Zusammen... 11 250 641,25 M. Ein umfangreicher Artikel des Verbandsvorsitzenden Alexander Schlicke„Unsere Gegner im Unternehmerlager und wir' charakte- risiert die Uuternehmerorgane der Metallindustrie im einzelnen und erörtert die Grundsätze der einem solchen koalierten Unternehmertum gegenüber als zweckmäßig anzusehenden Kampfestaktik. S. L a u t e r- b a ch schildert„Unsere Kämpfe und Erfolge im Jahre 1905". Paul Umbreit schreibt über„Die Gewerkichaftsbeivegung. was sie ist, will und kann", und Paul Kampffmeyer liefert einen Artikel über„Die Gewerkschaften und die Partei". In dem letzteren Artikel heißt eS u. a.:„Indem sich nun die Gewerkschaften mit Händen und Füßen gegen eine gewaltsame Verschmelzung ihrer Bewegung mit einer Parteirichtung wehren, verzichten sie aber zugleich nicht auf ihr Erstgeburtsrecht einer umfassenden politischen Betätigung. Die Gewerkschaften treiben nicht die Politik irgend einer politische», religiösen oder sozialen Parteigruppe, sondern diePolitik der ökonomisch als Klasse zusammengefaßten Lohn- arbeiter". Der Artikel schließt mit dem Satz:„Das Lebens- interesse des kämpfenden Proletariats gebietet: die Begründung einer von den Gewerkschaften unabhängigen sozialdemokratischen Partei, die Organisation einer selbständigen, ihre eigenen Wege wandelnden Gewerkschaftsbewegung und ein zielklares Zu- sammengehen beider Richtungen in allen gr und- sätzlichen Fragen desKampfes der gesamten Lohn- arbeiterschaft gegen die Kapitalistenklasse". ES sei noch erwähnt, daß die Nummer größere Artikel enthält von Dr. H. Lux„Fünfzig Jahre technischer Entwicklung", H. R o h r- lack, K. Vorhölzer, OttoHuü, I. German, D. Zinner, sowie zahlreiche größere Korrespondenzen aus dem In- und Aus- lande. Die Nummer gibt ein gutes Bild von der gegenwärtigen Leistungsfähigkeit der Metallarbeiterorganisation. Dieses, sowie die stolze, vom Bewußtsein der Kraft erfüllte Sprache wird den Scharf- machern der Metallindustrie, die an so vielen Orten den Verband noch nicht als gleichberechtigte Organisation anerkennen wollen, hoffentlich zeigen, daß ein solcher Standpunkt bei der Entwicklung, die der Metallarbeiterverband genommen hat und noch weiter nehmen wird, einfach auf die Dauer nicht haltbar ist. Berlin und Clingegciid. Die Rabitzputzer, Spanner und Putzerträger der Firma Otto Stiiwe befinden sich seit dem 18. April im Streik. Die Firma. welche Mitglied des Berliner Betonvereins ist und deren Inhaber zwei Jahre i» der SchlichtungSkommission gesessen hat, bezahlt den bei ihr beschäftigten Leuten nicht den vertraglich festgesetzten Lohn; auch konnte sich Herr Stiiwe nicht an die 8'/zstiindige Arbeitszeit gewöhnen. Als nun einzelne Putzer die 8l/zstündige Arbeitszeit ein- halten wollten, wurden dieselben von Herrn Stüwc mit dem Be- merken entlassen, daß, wer nicht 9 Stunden arbeiten lvill, gehen könne. Nachdem dies die anderen bei der Firma beschäftigten Leute erfahren hatten, legten sie am Montag und Dienstag die Arbeit bei der Firma nieder. Herr Stüwe ist einer von denjenigen Arbeitgebern, die wohl Verträge abschließen, aber mcht im entferntesten daran denken, dieselben innezuhalten. Für Putzer ist der Lohn laut Vertrag 90 Pf., für Spanner 75 Pf. und für Träger 72>/z Pf. pro Stunde. Herr Stüwe aber bezahlt Klassenlöhne, und zwar für Putzer 75—90 Pf. und für Spanner und Träger 60— 70 Pf. In einer Versammlung der bei der Firnia beschäftigten Leute wurde festgestellt, daß die Firma den tariflich festgesetzten Stundenlohn für Spanner und Träger überhaupt nicht bezahlt. Herr Stüwe beliebt derartige unter dem Lohn honorierte Arbeiter als„Lehrlinge" zu bezeichne». Den Vorschlag des ObmamiS der Schlichtungskommission, die An- gelegenheit vor der Kommission zu erledigen, lehnte Herr Stüwe einfach ab. Die Böttcher beschlossen am Dienstag in ihrer Mitglieder- Versammlung demnächst auch in der Packsaßbranche auf eine einheitliche Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen zu dringen. ähnlich so wie dies für die Bierfaßbranche durch den kürzlich beendeten erfolgreichen Streik geschehen ist. In der Hauptsache soll sich die Forderung auf eine gleichmäßige Einführung der neun- stündigen Arbeitszeit für die 22 in Betracht kommenden Betriebe beschränken, wobei allerdings auch eine entsprechende Lohn- regelung ins Auge gefaßt ist. Gegenwärtig wird in einigen Be- trieben 9. in anderen 9Vz und in noch anderen sogar 10 Stunden gearbeitet. Die näheren Schritte zur Einleitung der Lohnbewegung für die Packfaßböttcher wurden dem Organisationsvorstande über- lassen. � Mitgeteilt wurde noch, daß die Bock- und Victoria- brauerei gegen den Böttcherverband eine Beschwerde beim Einigungsamt erhoben hatten, weil die Brauereiböttcher sich bei dem letzten Streik in der Biersaßbranche weigerten, die von Streik- blechern gelieferten Fastagen zu bearbeiten. In dieser Weigerung wollten die Brauereien eine Art Vertragsbruch erblicken. Die An- gelegenheit ist aus dem EinigungSaint jedoch im Wege der gegen- «eittgen Verständigung erledigt worden.— Bezüglich der Mai- fei er wurde beschlossen, überall dort, wo eS ohne größere Nach- teile geschehen könne, die Arbeit ruhen zu lassen. i Streik der Kutscher und Arbeiter in den Norddeutschen Eis- I werken. Der Streik dauert unverändert fort. Die Lohnkommission hatte gestern nochmals, aber erfolglos, den Versuch gemacht, Einignngsvcrhandlnngen anzubahnen. Der Direktor. Frey empfing die Kommission, lehnte aber ab, mit derselben zu verhandeln. Er verlangte bedingungslose Aufnahme der Arbeit unter Ausschluß der KonnnissionZmitglieder und der Streikposten, welche einzustellen er Überhaupt ablehnte. Es ist der Direktion gelungen, einige B i e r w a g e n, welche von Buchhaltern unter Assistenz von Streikbrechern geführt wurden, in Betrieb zu setzen. Auch die Söhne des Direktors und die Inspektoren sowie Kontrolleure geben sich zu Streikbrecherdiensten her. Die Kundschaft hat es zum Teil abgelehnt, sich von Streik- blechern bedienen zu lassen, und hoffen die Ausständigen, den Streik in den nächsten Tagen siegreich beenden zu können. Sämt- liche Arbeiter ans allen drei Betrieben beschlossen daher einstimmig, den Streik unverändert aufrechtzuerhalten, Achtung, Bretterträgcr und Brettschueider! Die Differenzen bei der Firma L a u g s ch, Greifswalderstr. 84, sind noch nicht beigelegt. Der Platz bleibt deshalb immer noch für organisierte Bretlerträger wie für organisierte ungelernte Arbeiter gesperrt. Die Ortsverwaliung des Verbandes der Hafenarbeiter. Deutleb«» Reidi. Achtung, Mühlenarbeitcr! In Brandenburg a. H. streiken in der fünften Woche die Müller, Arbeiter und Heizer der Firma A. T i e d e. Mühsam quält man sich mit einigen arbeitswilligen Müllern, den Betrieb am Tage aufrecht zu erhalten. Die Arbeiter haben ordnungsgemäß ihre Kündigung eingereicht und nach Ablauf derselben die Arbeit eingestellt. Die Firma weigert sich nun zu unter- handeln, da die Leute ordnungsgemäß ausgetreten seien, folglich ein Streik nicht bestehe. Man wundert sich, daß Streikposten stehen und daß die„nütz- lichen Elemente", welche man unter großen Kosten und besonderen Umständen von den Seelenverkäufern Höge und Kawalla- Guben aus den fernsten Winkel» Deutschlands herholt, von uns weggefangen und wieder abgeschoben werden I Wir bitten unsere Kollegen dringend, sich für solch elenden Judasdienst nicht herzugeben, den Zuzug-nach Brandenburg zu meiden und fernzuhalten. Gauvorstand des Mühlenarbeiterverbandes. Der Streik in d»«ittcldeutschcn Braunkohlenrevieren. Zeitz, 24. April,(Eig. Ber.) WaS wir kn diesen Tagen aus dem Meuselwitzer Reviere zu berichten gezwungen waren, nämlich, daß durch Einführung der halbvertierten ausländischen Lohndrücker Seuchen, besonders ansteckende Augenkrankheiten eingeschleppt würden, hat eine entsetzliche Bestätigung erfahren: In der Umgebung von T e u ch e r n, im Zeitz-Wei'ßenfelser Kohlenrevier sind durch Umfrage der Streikleitung fünfzehn Fälle einer schweren Augeuerkranlung festgestellt worden!! Wie lange noch und die ganze Gegend ist verseucht I? Wo bleibt hier die Bergbehörde in Verbindung mit der WohlfahrtS- Polizei? Wenn das so fortgeht, brauchen sich die Behörden nicht zu ivnndern wenn die Empörung über derartige Zustände sich schließlich in elementarer Weise Luft macht. Den kulturellen Stand der Bevölkerung des Streik- gebietes im allgemeinen charakterisiert so recht deutlich die Tatsache, daß auf einem Werke bei D e u b e n zur Arbeit an den Brikett« pressen sich an die zehn erwachsene Mädchen haben anwerben lassen. Es gibt dieS einen weiteren Beleg für die schon gemeldete Tatsache, daß. während die Männer streiken, Frauen und Mädchen Streck- brecherdienste verrichten. In der gesamten deutschen Arbeiter- bewegung dürfte diese Tatsache wohl einzig dastehen. Auf welche Weise man die Arbeiter zu zwiebeln versucht, um sie ins alte Joch zurückzutreiben, davon liefert folgendes Schriftstück einen weiteren Beweis: JakobSgrube, den 23. April 1906. An... Trebnitz. Mit dem kontraktwidrigen Verlassen der Arbeit Ihrerseits ist das Pachtverhältnis betreffs eineS Grundstückes von der hiesigen Grube gelöst. ES wird Ihnen anHeim gegeben, dieses Planstück bis zum 2 4. d. M. zu räumen, widrigenfalls der daraus liegende Dünger in den Besitz des neuen Pächters übergeht. Lüttich, Obersteiger. Hierzu ist zu bemerken, daß das Grundstück bereits seit zwanzig Jahren von dem Arbeiter gepachtet ist, daß der Pachtvertrag auf sechs Jahre lautet, wovon jetzt noch vier in Geltung sind und es daher sonnenklar ist, daß die Grubenverwaltnng auch nicht einen Schimmer von Recht hat, dem Mann sein Pachtfeld zu nehmen._ Die Textilarbeiteraussperrung in Aachen hat eine überraschende Wendung genommen. Die Aussperrung wurde aufgehoben. Gleichzeitig beschloß die seit Montag vor Ostern aus- ständige Belegschaft der Tuchfabrik Meyer in einer heute stattgehabten Belegschaftsversammlung mit 209 gegen 3 Stimmen, die Arbeit ivieder aufzunehmen. Weiter wurde einstimmig beschlossen, die Arbeit ain Sonnabend wieder niederzulegen, wenn die Forderungen der Arbeiter nicht in der Weise erfüllt werden, wie dies vom Arbeitgeberverband in Aussicht gestellt worden ist. Zur Metallarbciteranssperrung in Dresden. Die Zahl der Ausgesperrte»! beträgt 18 000, darunter befinden sich auch eine große Anzahl Fabrikhülfsarbeiter und Angehörige anderer Berufe. Die Metallindustriellen versuchei» durch Plakate und Flugblätter die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen. Das ist vergebliches Beginnen gewesen. In dem letzten Zirkular deS Unter- nehmervcrbandes, das in der bürgerliche» Presse abgedruckt wird, stellten die Herren die Sache so hin, als liege eS nur an den Arbeitern, wenn bisher keine Einigung erzielt worden fei; sie seien zu Verhandlungen bereit; nur nicht mit dem Vorstande deS Metall- arbeiterverbandes. Daraufhin hat eine Versammlung der Ans- gesperrten eine vierzehngliedrige Kommission gewählt, die zunächst mit den Gießereibesitzern wegen Beilegung der Differenzen ver- handeln soll, die zum Gießereiarbeiterstreik geführt habe». Dieser Streik war ein Vorwand zur Aussperrung. Kommt es in diesein Punkte zu einer Einigung, ist ein Ende der Aussperrung wahr- scheinlich. Die Bremer Stellmacher befinden sich im Streik. Die minimalen Forderungen, welche sie an die Meister stellten, wurden abgelehnt. Die Meister suchen nun durch Annoncen in auswärtigen Zeitungen Ersatz für die Steckenden heranzuziehen. Sämtliche Kollegen werden dringend ersticht, Bremen zu meiden, damit die Bremer Meister mit der Zeit zu der Einsicht kommen, daß eS am besten ist, sich mit den Streitenden zu verständigen. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Bremen. „Ehrenmänner." In Augsburg sind die Former und Gießereiarbeiter in den Ausstand getreten. Nach dreitägigem Kampfe hat eine Firma, Zahn- räderfabrik Renk, fast sämtliche Forderungen bewilligt. Die Hirsch- Dunckerschen Gcwcrkvereinler haben an diesem Erfolge keinen Anteil, sie hatten offiziell auf Vorschlag des Oberhirschen Rieger, des besoldeten Beamten deS GewerkveremS. S t r e i k b r u ch be- schloffen und als dieser Herr Rieger diesen famosen Beschluß nach einiger Mühe in der Tasche hatte, erklärte er m seiner Versammlung: „So. jetzt haben wir gezeigt, daß Ivir Ehren- männer> i n d I" Solche„Ehrenmänner" gibt es bekanntlich noch mehrere— zur Freude des Unternehmertums.— In den übrigen Betrieben fmd die Former noch im Ausstand. Zuzug von Formem nach Augsburg ist fernzuhalten._ Die Maurer Würzburgs haben den Unternehmern ebenfalls Forderungen unterbreitet und bis zum 29. April Antwort verlangt. ES wird in der Hauptsacke verlangt die zehnstündige Arbeitszeit, em Minimallohn von 48 Pf. pro Stunde, möglichste Beseitigung der Uebcrstunden, wo solche gemacht werden müssen, Zuschlag von 25 Proz. bis 8 Uhr abends, nach dieser Zeit 100 Proz., für Sonn- und Feiertagsarbeit ebenfalls 100 Proz. Zuschlag. Die Tischler in Schweinfurt haben die Kündigung ein- gereicht, weil ihre Forderungen nicht bewilligt wurden. HusUnd. Ausdehnung des französischen BuchdruckerstreikS. Etwa 1250 Druckereiarbeiter in Marseille haben beschlossen, morgen in den AuS- stand zu treten._ Kapitalistische Schreckensherrschaft in Schweden. In der Nähe der Stadt Gäfle spielt sich zurzeit ein Kampf um das Vereinigungsrecht ab, bei dem der Kapitalismus sich in seiner ganzen Brutalität offenbart. Dort, wo der Winter seine Macht noch nicht eingebüßt hat, werden jetzt 42 Arbeiterfamilien mit 120 Kindern aus ihren Wohnungen vertrieben, und das lediglich, weil die Ar- beiter sich erkühnten, einen Fachverein zu gründen, um zu ge- gebener Zeit Verbesserungen ihrer elenden Arbeitsverhältnisse zu verlangen. Sie sollten eine Erklärung unterschreiben, daß sie nicht dem Fachverein angehören wollten, und da sie sich dessen weigerten, wurden sie alle entlassen und mußten, soweit sie in den Häusern der Aktiengesellschaft wohnten, auch diese verlassen. Aber ohne weiteres gingen sie nicht hinaus in den Schneesturm. Ende voriger Woche hat die Vertreibung begonnen und sie soll im Laufe dieser Woche beendet werden.„Social-Demokraten" zeigt in emem Bilde, wie die obdach» los gemachten Arbeiterfamilien im Schnee am Waldrande stehen, und daneben ihr armseliges Möblenient. In einer Ecke des Bildes sieht man das Porträt des früheren StaatSmini st erS Lundebrog, der einer der drei Leiter des Aktienunternehmenß ist. Er hat bei dem Unionsstreit mit Norwegen das schwedische Volk zu nationaler Sammlung aufgerufen und dann in schönen Worten davon gesprochen, daß Schweden innerhalb der Landes- grenzen das wiedererobern möge, was es an Norwegen verloren habe. Nun führt er hier selbst den Arbeitern vor Augen, wie diese „nationale Sammlung" zu verstehen ist, und sie werden eS begreifen, daß es sich um kapitalistische Sammlung und Eroberung handelt. Letzte Nadmchtcn und Depelchen. Schopenstehlprozeß. Hamburg, 25. April, 9 Uhr 36 Minuten abends.(Privat- d e p e s ch e.) Die Angeklagten Rittner und Bingießer sollen Hehlerei begangen haben. Sie bestreiten dies und wollen die Sachen beim Schopenstehl gefunden und abzuliefern beabsichtigt haben. Rittner sagt, er sei durch die Verhaftung am selben Abend daran verhindert worden. Dann erfolgte Vertagung auf Donnerstag._ Die Nachwahl In Darmstadt. Darmstadt, 25. April.(W. T. B.) Bei der heutigen Reichs- tagSersatzwahl im Wahlkreise Hessen 4(Darmstadt— Groß-Gerau) erhielten Stein(natl.) 10 320, Korell(freist) 5828 und Berthold(Soz.) 13 855 Stimmen. ES findet mithin Stichwahl zwischen Stein und Berthold statt.— Bei der Wahl 1903 erhielt Genosse Crmner 14 144 Stimmen, die gegnerischen Parteien ver« einigten auf ihre Kandidaten 13 401 Stimmen. Demonstration von Ausgesperrten. Braunschweig. 25. April.(W. T. B.) Ueber 2090 ausgesperrte Metallarbeiter veranstalteten heute mittag eine» Protestumzug über die Promenade. Dem Zuge schlössen sich Frauen und Kinder an. Auf dem Keinen Exerzierplatz traten ihnen Polizisten entgegen und lösten den Zug auf._ Attentat auf einen Bischof. Budapest. 26. April.(B. H.) Ein unbekannter Täter hat in Togyer den griechisch-katholischen Bischof Marku durch einen Kopf- schnß getötet. ES scheint ein Racheakt vorzuliegen, Wahlkämpfe. Budapest, 25. April.(B. H.) Im Komitat Bihar findet ei» erbitterter Wahlkampf statt. Die Rumänen zündeten die Häuser der ungarischen Wähler an._ Streikbeendigung. Köuiginhof(Böhmen). 25. April.(B. H.) Der hiesige Textil- arbeiterstreik ist beendet. Die Arbeitgeber haben den Arbeitern die Lohnforderungen zum größten Teil bewilligt. Religiöse Berhetzung. Warschau, 25. April.(B. H.) Neuerdings haben in Lesza blutige Zusammenstöße Mischen Mcrrianiten und Römisch-katholischen stattgefunden. Drei römisch-katholische Geistliche und sechs andere Personen wurden getötet, mehr als 40 schwer verwundet. Ein Kreuz wurde dem katholischen Kirchendiener entrissen und zertrümmert. Maiseier in Paris. Paris, 25. April.(B. H.) In der hiesigen Polizeipräfettur veranschlagt man die-Zahl der Arbeiter, die am 1. Mai sciern, auf 89 900 bis 199 000. von denen mindestens ein Viertel der revolutio- nären Partei angehören. Ihnen stehen insgesamt 49 999 Soldaten und Polizeiagenten gegenüber. Mm» erwartet keine ernsten Zwischen. fälle.— In Lorient hat der Ausstand zugenommen, indc>n die Wäscherinnen sich der Betvegung angeschlossen haben. In Denain ist eine Zunahme der Arbeitswilligen zu vermerken. In Morsai kam es zwischen einer Gruppe von zirka 1000 Ausständigen und P'olizisten in der Nähe der Arbeitsbörse zu Zusammenstößen, wobei einige Kundgeber verletzt und verschiedene verhaftet wurden. Der Staat ist in Gefahr. Pol«, 25. April.(B. H.) Der italienische Schriftsteller Valeria Ratti, welcher hier Vorträge über die italienische Dichtung hielt, wurde wegen angeblicher staatsfeindlicher Kundgebungen in seinen Vorträgen auS Oesterreich dauernd ausgewiesen. Die italienischen Abgeordneten beabsichtigen, wegen dieser Auslieferung im Reichs rate die Regierung zu interpellieren. Raturgewalten. London, 25. April.(B. H.) Bei Panco-Auta in Brasilien hat sich ein neuer Vulkan gebildet. Die Stadt Panca-Auta erhebt sich am Fuße eines Hügels, der bis zur Spitze bewaldet ist. Im Laufe der Nacht wurden die Bewohner durch ein furchtbares Getöse auS dem Schlafe geweckt und stellten mit großer Bestürzung fest, daß der Gipfel des Hügels verschwunden war, während auS dem Krater dichter Rauch aufstieg. Ein in der Nähe der Stadt fließender Bach wurde völlig verschüttet und mußte sich ein anderes Bett suchen. verantw. Redakteur: HanS Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: ltz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VeclagSanstalt Kaul Singer L-Eo.. Berlin SW. HierzuZBeilagenu.UnterhaltunsSblatt Ür. 96. 23. Jahrgang. 1. KtiiGt des Jjttnrlü" Sfrlintt NcksM Donnerstag, 26. April 1906. Rcicbetag. ?; 87. Sitzung vom Mittwoch, den 25. April, nachmittags 1 Uhr. Am Tische des Bundesrats: Prinz Hohenlohe, Dr Nieberding. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung der Ueversicht der Einnahmen und Ausgaben der afrikanischen Schutzgebiete, des Schutzgebietes Neu-Guinea. die Verwaltung der Karolinen, Polau und Marianen sowie des Schutzgebietes Samoa für das RechiiunaS» jähr 1903. ö Abg. Erzberger(Z.): Es ist zu verstehen, dah bei dem Etat der Kolonien die Voranichläge nicht so genau inne gehalten werden können wie in der Heimat; aber Uedcrschrritungrn von 300 und 400 Prozent dürfen wir nicht ohne weiteres hingehen lassen, wenn wir daS Budgetrecht des Reichstages überhauvt uoch achten. tSehr richtigl links.) Ganz besonders verschwenderisch ist in Kamerun gewirtschaftet worden, dessen Gouverneur noch einen Orden ans meinem Heimatland erhalte» hat, ein wahrer Schwabenstreich.(Heiterkeit.) Besonders zu tadeln ist. das; einfach alle Mehreinnahmen dem Reservefonds zugeführt und aus ihm dann die Mehrausgaben bestritten werden. Man ivird zu er- wägen haben, ob man im Etat für 1906 den Reservefonds nicht ganz streichen soll.(Bravo! im Zentrun, und links.) Geh. Legationsrat Sciy: Die Uebcrschreitungen bei einzelnen Posten sind freilich sehr grast; aber der Anschlag ivar wohl auch ganz besonders gering. Bezüglich des Reservefonds ist die Auf- assung des Abg. Erzberger wohl mistvcrständlich. Dieser Fonds dient nur zu unvorhergesehenen Ausgaben. Dast die Mehreinnahmen und Mehrausgaben in ihn, stehen, rührt daher, dast er als Aus- gleichsfonds dienen must; irgend welche austeretatSmästige Ausgabe darf aus ihm ohne Genehmigung der Kolonialverwaltung nicht ge- leistet werden. Direktor im Reichsschatzamt Twele: Der Aeusterung des Ab- geordneten Erzberger, dast in den auheretatsmästigen Ausgaben eine Etatsverletzung� liege, must ich entgegentreten; gegen eine scharfe nochmalige Prüfung im RechnungsprüfungSausschnst ist nichts ein- zuwenden. Abg. Kopsch(frs. Vp.): In Bezug auf die Mistwirtschaft in unseren Kolonien must ich mich dem Abgeordneten Erzberger an- schliesten; in einigen Kolonien ist die Wirtschaft sparsam, eine unrühmliche Ausnahme machen Kamerun und Samoa. Neu war mir, dast Herr v. Puttkamer einen württcmbergischen Orden erhalten hat. In Württemberg ist Herr v. Soden noch Minister, der in einem Bericht an den Reichskanzler Caprivi sagte, als es sich darum handelte, ob der damals 40jährige v. Puttkamer Gouverneur von Kamerun werden sollte:.Das Charakteristische in seinem Charakter ist ein groster Leichtsinn und eine bodenlose Bummelei in Geldsachen.(Hört! hört!) Wo ich auf seine Spuren stietz, überall hatte er einen Pump etabliert(Groste Heiterkeit), selbst in den entlegensten Orten, wo dieö ohne ein gewisses Raffinement gar nicht möglick erschien.(Heiterkeit.) Seine Ernennung erscheint mir zum minvesten als ein sehr gewagter Schritt(Hört I hört I) und nur dann zu empfehlen, wenn kein besserer da wäre, und auch dann nur mit Kautelen, d. h. mir einem möglichst langen Provisorium!'— Trotzdem ist er bald darauf Gouverneur geworden und lange Zeit geblieben. Daher müssen wir für die Mistwirtschaft in Kamerun die Personen verantwortlich machen, die Herrn v. Puttkamer zum Gou- verueur gemacht und so lange auf dem Posten gelassen haben. (Bravo! links.) Abg. Dr. Bachem/z bis i>5'- Mir adcudS statt. Geäsfnet! 7 llbr. Jeder Ansrag, ist ein Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen bcizusiigen. Briefliche Autwort wird nicht erteilt. H. M. 140. Wenden Sie sich an die Stistungsdeputation, Rathaus. — 58 O. 1. Wenn aus dem Inhalt des Testaments nicht das Gegenteil erhellt,»ein. 2. Ja.— W. I. 64. 1. Sie müßten bei der Gewerbe- dcputation, Stralauerstr. 1/3, den Antrag stellen, die Kasse zur Zahlung zu verurteilen. 2. Der Arzt ist berechtigt, von Ihnen das Honorar zu ver- langen. 3. Ohne Einsicht in den Mietsverwag läßt sich nicht beantworten, ob vcm Wirt das Recht zusteht.— 0,82 Meter, bei Franksurk 4- 1,67 Meter.— Weichsel bei Brahcmünde ft. 3,06 Meter.— Warthe bei Posen-tz 0,64 Meter.— Netze bei Usch 0,00 Meter. Vsrsinignng der Haler, tootderer, JUtsfreieher. Engel-Ufer Nr. 13, Zimmer 36 III. Wislk SetUtt. Telephon: Amt IV, Nr. 9730. Donnerstag, den 26. April, abends 8 Dhr, in der Denen Welt, Hasenheide MM: Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 12iI20* Was lehrt uns unsere Lohnbewegung? Diskussion. Zu dieser Versammlung muß ein jeder Kolleqe erscheinen. Die Ortsverwaltung. VerwaUaneuaitelle Berlin. Haupt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Donnerstag, de» 36. April, abends 8 Uhr: Uersammlitiig der Klempner in de»„Musitersälcn". Kaiser Wtlhclmstraste 18«. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen �.ckvlt«tOrmer. 2. Diskussion. gätizungswahlcn der Kommissionen. 4. Verbandsangelegenheiten. —»»»■��» Zahlreicher Besuch wird erwartet. 117/12 3. Er» vi« Ortsrerwaltang. ir««»1 Die Branchen-Bersammlung der WV Stellmacher"WZ am Donnerstag, den LS. April, findet tttthl ________ Die Kommission. Donnerstag, den 36. d. MtS., abend»>/,S Uhr: PSP Versainmlung"WW aller auf Kiifetts arbeitenden Kollegen im Lokale von P. I-itOn(GesellschaftshauS»Ostend"), Memclerstr. 67. TageS-Ordnpng: 1. Bericht der Kommission über ihre Tätigkeit zwecks Ausarbeitung eines Tarijs sür die Branche. 2. Dislussion. MST" In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht jedes Kollegen, zu erscheinen. Einsetzer! Freitag, den»7. April, abends 7'/, Uhr: 34/13 Oeffentliche Versammlung mmammi der Einsetzer Berlins und Umgegend bei Bockcr, Webcrstraste 17. Tages-Ordnung: Fortsetzung der Tarifberatimg. Zahlreichen Besuch erwartet vi« Konunlssion. geltestes kons. Leihhaus Cbarlottenbnrg, Wilmersdorferstr. 40 I. Höh« Baleihung. Oiskr. Sprechzimmer, GetegenheltekUufe in Brillanten, Uhran, Gold- u. Silbersachen.(3291,' Iteioholei Universal-« Magenpulver Mageustärkend. die Berdaauiia unterstützend, stark appetitanregend. Stets prompt in seiner Wirkung. Dose M. I.-, 3 Dosen M. 3.50 srl. Vers. Otto Reiehel, Berlin 43, Eltenbahnetr. 4. AeltesteS TkihahlUNgS-�V Kein I,adcn. :: Rüder.:: Günstigste Bedingungen. i01liöÖart!),Brückens.rS?o'aP., Zur Flugblatt- Verbreitung! Aus taktischen Gründen Flugblatt auch hat der imterzeichnete Ausschuß beschlossen, das geplante am 1. Mai'"WA Schiff- und Boots�auer von Stralau-RummclSburg. Köpenick. FriedrtchShagen, Raiichfangswcrdcr. Zeuthen und Grünau. Donnerstag, den 36. April, abends 8 Uhr, im Rrbeitsnachwelslokat der Schiffs- und Bootsbauer, Berlin 0., Stralauer Allee 17 E: Öffentliche Versammlung in allen Vormittags- und Abend-Versammlungen Berlins u. Umgegend zu verbreiten. Alle diejenigen, welche sich zur Hülfe ohne besondere Wünsche zur Verfügung gestellt haben, werden hierdurch aufgefordert, am Montag, den 30. April, abends 8V2 Uhr, sich in Frankes Festsälen» Scbastianstrasie 30, zu einer Vorbesprechung und Einteilung pünktlich einzufinden. Die betreffende» GesimnmgSfrcnnde, welche bei ihrer Meldung eiue bestimmte Anzahl Flagblätter verlangten, erhalte« diese znr Haus- und Wcrkstatt-Verbreitnng franko zugestellt. Wer zu diesem Zweck noch Wünsche hat, wird ersucht, bis fpäteftens Freitag abend dieselben schriftlich an �Uolptl ttotkmann, Berlin 0. 87, Blumenstmste Ii, einzusenden. Alle Gastwirte, Zigarrenhändler usw.. welche Ausgabe- stellen für Kirchenaustritts- Formulare in Groß- Bern» haben oder wünschen und ihre Sldreffe aus dem Flugblatt veröffentlicht haben wollen, müffen ihre Adresse bis Donnerstag abend(mit Angabo des Postbezirks) an die Druckerei von Singer u. Co.(„Vorwärts"), Lindenstraste 69, einsenden(deutlich schreiben). Austrittsformulare sind bei A. Hoffmann zu bestelle». DW- flcktimgf! Die Gefinnungsfrennde in ganz Deutschland, welche von dem(für ganz Deutschland paffenden) Flugblatt noch Exemplare wünschen und bisher«och nicht bestellt haben, werden schleunigst um Angabe der gewünschten Zahl«nd Adresse vom Unterzeichneten ersucht. Der Agitationsllusschuß der Kerlmer Freireligiösen Gemeinde. �2/14 I. St.: Adolph Hoffmann, Berlin 0. 27, Blumcnstr. 14 I. aller auf Schiffs-, LootS- und Motorwcrften beschäftigten Holzarbeiter aus obigen Orte». TageS-Ordnung: 1. Der Stand uiiserer Lohnbewegung»»d welche Taktik nehmen wir dazu ein 2 Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Diskussion und Anträge. 3. Verschiedenes. 292/5 Die Wichtigkeit der Tagesordnung er unbedingt erscheint. Die~ U. I yj eSordnung erfordert, daß jeder Arbettslollege Lohnkommisston. J. A.: Wich. Dommel. Äntrsl-Verdsnä der Glasarbeiter nnd Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsvcrwaltane Berlin. Donnerstag, den 36. April er., abends 8 Uhr. im„Englischen Garten", Alexauderstr. 37c: Mitglieder-Versammlung famtllchcr Brandiai. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1906. 2. Bericht der OrtSverwaltung. 3. Beschliißfassung über die Malseier. 4. Nochmals unsere Stellungnahme zur HauptvorstaudSwahl. S. Verbandsangelegenheiten. Um zahlreiches und Pünktliches Erscheinen aller Mitglieder ersucht 73ß* Die Ortsverwsltqng. Hstiingen. LBÖSf" gefüttert 4 flj 1 IM Sz 10 IHK. C Leder-gefotterti) m la. Leder g Hosen't!' uk. �•.yu O.OU Abb«wini ww uiaco> ivirv» ww Baer Sohn Spezialhaus grössten Massstabes Chausseestrasse 24*125» 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20. Der Hauptkatalog Nr. 29(Frühjahr und Sommer) wird kostenlos und portofrei zugesandt. » tr=�ii-, Orts-Krankenkasse der ßucbbinder und verwandten Gewerbe. Bekanntmachung! Wir machen hiermit bekannt, daß die von der Generalversammlung vom 8. November v.?>. beschlossene 7. Wanderung des revidierten Kassen- statuts vom BczirlsauSschuj; ge- nebmigt ist und am Montag, den 30,' Zlpril 1906, in Straft tritt. Die Wanderung betrifft erstens den§ 23 Ms. 4, wodurch der Vorstand ermächtigt wird, erkrankte Kassenmitglieder einer Nachunter- suchung durch den Vertrauensarzt zu unterziehen, ferner werden durch Z 23 die Beiträge von 3>/, auf 4 deS durchschnittlichen Tagelohns er- höht, und ztvar: in der I. Klasse aus 87 Pf., II. Klasse 72 Pf.. III. Klasse 57 Pf.. IV. Klasse 36 Pf., V. Klasse 21 Pf. wöchentlich. Druckexemplare der Wanderung sind im Kassenlokale in Empfang zu nehmen. 273/11 Hoi» Vorstand. Bernh. Jost, Georg BäBler, Vorsitzender. Schriftführer. anerkannt beste Fabrikate. AdlkrschnrllnShtr,Kobbm Ringslljiff, Fangschiff, wöchentlich I.OV ohne Anzahlung, fünfjährige Garantie, gebrauchte 12,00. Komme Postkarte. Warslhauerstr. 67, Wicnersir. 6, Ackerstr. III. j�giemscne Bedansarüicel. rteuait. Katalog . Exnpfohl.viel- Aerzte n.Prof. grat. uir B. Dnnr, Oommiwarenlateik Berlin NW.. Friedrichsiraas� Schlaflos denkt die Hausfrau nachts: Wie kann ich bei den enormen Fleischpreisen alle Tage kräftige Fleischbrühsuppen auf den Tisch bringen? Da fällt ihr ein: Bnvrr'S Luppsnlsfew und Lrdsumrst brauchen ja nur mit Wasser wenige Minuten gekocht zu werden und die beste Fleisch brühsuppe ist fertig. Aber wohlverstanden: Bnvrr'S Luppsntsjsln und Srhsumrsf! !! Achtung! OeMerltschaften u. Uereme franke* feftfäle Amt i, 939. ßebaftianftraße 3.9.*»"» 1. 939. Empfehle meine hochsein renovierten AHT' Vostsitl« 1 nebst nroficm Xaturgartcn, beides mit schöner Bühne, zu . Sommerfesten, Versammlungen usw. unter kulantesten Bediir gungen. Sonnabende und Sonntage frei. «nldnin Vrnnli«, Scbastianstraste Zg. Wittk'"�s!S5edlö?e!ikn. Eichwalde,�� Empfehle allen Vereinen und Gewerkschaften zu Ausflügen und Partien mein herrlich am Wald gelegenes Lokal, 3 Minuteu vom Bahnhof. GroBer Saal. X Schattiger Garten. X 2 Kegelbahnen. X Ausspannung. 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Gebunden M. 7,50 — Der Untergang der Erde und die kosmischen Katistrophen. Reich illuftt. Gebunden M. 7,50 — Bon St. Pierre bis Karlsbad. Gebunden M. 8,50 BfalU, Die vulkanischen Erscheinungen. Reich illustriert. Gebunden(anstatt M. 4) M. 1,— Zimmermann, Die Wunder der Urwelt. Reich illustriert (anstatt M. 9.—) M. 5,— *92 napun aap a»,n(K'U|l4dS'43Ui(9Sld|£ � -uasreJcj-ueisoiiisqias uaiBrqneiBaq liauBiou nz—'92 II stq sasazgej'—'OB II siq ubgnuoj� jXßMz qpiqjeuui usaegigiiüii�) ueuiapi Siqoiiaq ur'eapiqux puu usggsavÄio'uojjuSio jaqorpiues rairz gZig�ooasg saggsag' •—'g-pj gsqso� srtrBqsSnzeg-squoraomioqY ojBqSviMeqn sq�sZ euig 'Og'l'K qsqso� eqjBqsSnzea-sjueuieuuoqy savqZuagasqil suuiZ suiz '(o�uea, pun SgvlB) sgsqsioa� OsBrqnsiBaq gswmou suis sqgrq sig usZuv�asA msaqs�gZ wv aaqoia« puaBch BunivBaaa -«u,»z raiuauiaii wsroi� x uo.r oguoqF msp aggu'n ussraa� uazaawnjiiei u'sp uz'ge uspur-p usp aozu�q baqasg nz aeuqosis� j snvfi-saodrai-uejJBSio-orBqY-Eaisn� uisp eis jfvp•puts uopjoii qSsiaSjOA uaajtjqosjsqaQ ua)SiqnG|Saq uaueiou aira uequqa�; uspusZsaisq aap ejefjqieujEuo qvp qjiauissq qorstme?st jame� ' iBrqneiBaq qanpumijn gggi ivnuup-jg uioa})|v uianauEiou rnuj'uq.iag;'amoj ofinH ujjaq siqaijao •jauuuE» sap JBioN iBrug)i map pun uqrsg nz jqgq jb�sq ujjan JOSiAag-jaqong uaißipraaq map uoa pms asisjdua;soqjsqjag atg; •(uajjBjjsönzagj juaiuauuoqw p uasjajd- uaisopqias uajßjqnaißaq liaiJBjou nz ineljjaA-uapeßjO'n-uajjeßjQ {]{ ma)snss{tun|aaA ssnsjL gegen Wirkliche Freude bereitet Ihnen nur ein dauerhaftes erstklassiges SoSidaria-Fahrrad SC—SD Wir liefern Ihnen solches auf W nnsch auch geg Teilzahlungen. _ nzahlnng Mk. 20, 30. bis 50; Abzahlung 1 f monatlich MV. 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Verlagsanstalt Paul Singer Lr Co.. Berlin SV. »t. ae. asjatw Z. Keilllge des Lsmiilts" Keelilltl WIdsdlM. 2«. m«k». Arbeiter, Parteigenossen! Die ürbeitsrube ist die würdigste form der Ifiaifeier! Berliner JVacbricbten. Die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverordneten- Versammlung hat in bezug auf die Arbeits- und Lohnverhältnisse der städtischen Arbeiter Berlins eine Arbeitsordnung ausgearbeitet und der Stadtverordnetenversammlung als Antrag unter- breitet. Diese Arbeitsordnung enthält folgende Bestimmungen: L Allgemeine Bestimmungen. § 1- Diese Arbeitsordnung vertritt die Stelle eines zwischen der Stadtgemeinde Berlin und jedem ihrer Arbeiter abgeschlossenen Arbeitsvertrages. § 2- Jeder Arbeiter, welcher bei der Stadt in Arbeit tritt, hat bei seinem Eintritt die Ouittungskarte der Invalidenversicherung, erforderlichenfalls die Belege über die Krankenversicherung und wenn er noch minderjährig ist, außerdem das Arbeitsbuch vor- zulegen. 8 3. Das Recht, über die Einstellung eines Arbeiters zu entscheiden, steht den einzelnen Betriebsdirigenten resp. Direktionen zu. s 4. Vor dem Eintritt hat jeder Arbeiter die Arbeitsordnung, von welcher ihm ein Abdruck übergeben wird, einzusehen und zu unter- schreiben. Er verpflichtet sich durch die Unterschrift zu genauer Be- obachtung der Arbeitsordnung. Ein Exemplar der Bestimmungen über die Pcnsions- und Reliktenversorgung ist dem Arbeiter ebenfalls auszuhändigen. s S. Der Arbeiter hat sich pünktlich bei der Arbeit einzufinden und die ihm übertragenen Arbeiten sorgfältig auszuführen. Während der Arbeitszeit dürfen ohne besondere Genehmigung andere, als die von den Vorgesetzten übertragenen Arbeiten nicht ausgeführt werden. 8 6. Zu Privatarbeiten für städtische Beamte und Angestellte dürfen städtische Arbeiter auch gegen Bezahlung nicht verwendet werden. 8 7. Schränke und andere verschließbare Aufbewahrungsräume für Garderobe und Werkzeuge sind den Arbeitern anzuweisen. 8 Erleidet der Arbeiter im Dienste Verletzungen auch nur gering- fllgiger Art, so hat er davon ohne Verzug dem nächsten Vorgesetzten zum Zwecke weiterer Meldung Mitteilung zu machen. II. Arbeitszeit. 8 9- Anfang und Ende der regelmäßigen Beschäftigung und die da- zwischen fallenden Ruhepausen werden für jeden Dienstzweig, nach vorheriger Anhörung des Arbeitcrausschusses, durch einen besonderen Dienstplan festgestellt und den Arbeitern bekannt gegeben. Die Arbeitszeit soll nicht mehr als 8 Stunden betragen. In dringenden Fällen ist jeder Arbeiter verpflichtet, auch über die festgesetzte Arbeitszeit hinaus gegen entsprechende Entschädigung zu arbeiten. 8 10. An den Sonn- und Festtagen finden außerordentliche Arbeiten nur in den im§ 105c der Gewerbeordnung näher bezeichneten dring- lichen Fällen, und zwar gegen besondere Vergütigung, statt. III. Arbeitslohn. 8 Für die einzelnen Betriebe werden spezialisierte Lohnskalen von den betreffenden Betriebsdirektioncn in Gemeinschaft mit den Ar- bejterausschüssen und unter Berücksichtigung der von den Arbeiter- Organisationen festgelegten Lohnsätze aufgestellt. Abänderungen der Lohnsätze werden in der gleichen Weise vor- genommen. Wird ein Einverständnis hierbei nicht erzielt, so können die zuständigen Verwaltungsdrputationen resp. die Gemeindekollegien angerufen werden. 8 12. Der Lohn wird allwöchentlich am Freitag während der Arbeits? zeit ausbezahlt. J 13- Einwendungen gegen die Berechnung des empfangenen Lohnes sind innerhalb dreier Tage beim Betriebsdirigenten anzubringen. 8 14- Die in die Woche fallenden gesetzlichen Feiertage werden wie Arbeitstage entlohnt. Muß ein Arbeiter an einem in die Woche fallenden gesetzlichen Feiertage arbeiten, so erhält er neben seinem regelmäßigen Lohn für jede Arbeitsstunde einen Aufschlag von 100 Prozent. Für Uebcrstunden sind 50 Prozent, für außer der Schicht liegende Nachtarbeit 100 Prozent Aufschlag zu zahlen. 8 16. Im Falle einer Erkrankung erhalten die Arbeiter auf die Dauer von 13 Wochen, und sind dieselben über ein Jahr bei der Stadt be- schäftigt, auf die Dauer von 26 Wochen die Differenz zwischen Lohn und Krankengeld ausbezahlt. 8 16. In Fällen militärischer Uebungen ist der Lohn nach Abzug der rcichsgesetzlichen Unterstützungen fortzuzahlen. 8 17. In Fällen von Krankheiten, Entbindungen, Sterbefällen in der Familie, Erfüllung staatsbürgerlicher oder kommunaler Pflichten und Rechte soll von der betreffenden Verwaltungsabteilung ein an- gemessener Urlaub gewährt und der Lohn fortbezahlt werden. IV. Beendigung des Dienstverhältnisses� V. Urlaub. 20. § ia Die Auflündigung des Arbeitsverhältnisses ist an die Be- stimmungen des§ 122 der Gewerbeordung gebunden. Die nähere Bestimmung für die einzelnen Arbeiterkategorien wird in derselben Weise wie die Bestimmung der spezialisierten Lohnskalen getroffen(§ 11). 8 10. Zur Entlassung eines Arbeiters sind nur die für die Einstellung zuständigen Beamten berechtigt. Doch stehen dem Entlassenen als Beschwerdeinstanzen die betr. Verwaltungsdeputation und das Magistratskollegium zu. Die Beschwerde kann durch den Arbeiterau-schuß geltend ge- macht werden.. � Hat der Arbeiter eine dreijährige Dienstzeit bei der Stadt vollbracht, so darf seine Entlassung nur mit Zustimmung der zu- ständiaen Verwaltungsdeputation erfolgen. Die gleiche Bestimmung gilt für die Entlassung eines Arbeiter- «uSfchußmitgliedes ohne Rücksicht auf die Dauer seiner Beschäftigung. Arbeiter, welche sich ein Jahr lang in städtischen Diensten be- finden, erhalten 7 Tage, nach fünf Jahren 14 Tage Sommerurlaub unter Fortbezug ihres Lohnes. VI. Arbeiterausschuh. 8 21. Um den Arbeitern Gelegenheit zu geben, durch sclbstgewählte Vertreter Anträge, Wünsche und Beschwerden vorzutragen, werden für die einzelnen städtischen Betriebe Arbeiterausschüsse errichtet. 8 22. Die Wahl der Ausschußmitglieder ist eine geheime. Wahl- berechtigt und wählbar sind alle volljährigen Arbeiter des Betriebes ohne Unterschied de» Geschlechts. Die Ausschußmitglieder wählen Obleute(Vorsitzende und Stellvertreter) aus ihrer Mitte. 8 23. Unterstehen mehrere Betriebe derselben Verwaltung, so treten die Obleute der Betriebsausschüsse zu einem Gesamtausschuß zu- sammen, um gemeinschaftliche Angelegenheiten zu beraten. 8 24. Zur Beratung von Angelegenheiten, die allen städtischen Ar- beitern gemeinsam sind, können die Obleute sämtlicher Betriebe zu- sammentreten. Auf Antrag von drei Ausschüssen muß dies geschehen. 8 25. Nähere Vorschriften über die Wahl der Ausschußmitglieder, deren Amtsdaucr und Geschäftsführung erläßt der Magistrat unter Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung. VII. Arbeitsnachweis. § 26- Für die städtischen Betriebe ist ein paritätischer Arbeitsnachweis zu errichten. Derselbe wird dem ZentralarbcitSnachweis der Stadt Berlin angeschlossen und nach den Grundsätzen desselben verwaltet. Insbesondere soll einem aus Vertretern und Arbeitern der Be- triebe der Stadt zu gleichen Teilen zusammengesetzten Kuratorium die Beaufsichtigung des Arbeitsnachweises übertragen werden. Wasserleichen werden in Berlin manchmal erst nach Monaten geborgen. Einen Ertrunkenen, der bis auf den Grund gesunken ist, kann man schwer auffinden, wenn man nicht genau die Stelle kennt, an der er verunglückte. Aber selbst wenn sie genau bekannt ist, so ergeben nicht selten die Nachforschungen, daß die Strömung den Leichnam rasch fortgetrieben hat. Da muß dann gewartet werden, bis die Wasserleiche später wieder an die Oberfläche steigt oder sonstwie durch Zufall aufgefunden wird. Die Wochen und Monate, die darüber hingehen können, sind eine trübe Zeit für die Hinter- bilebcnen und im Hinblick auf die öffentliche Gesund- h e i t s p f l c g e, die durch Verpestung der Gewässer nicht gc- fördert wird, dürste es manchem als ein sehr bedenklicher Zu- stand erscheinen, daß so oft zu dem bequemeren Mittel des Ab- Wartens gegriffen wird. Vielfach bleibt, wie gesagt, nichts anderes übrig. Aber mitunter muß man sich doch fragen, warum nicht die zuständigen Behörden etwas tatkräftiger vorgehen und stets auf baldigste Bergung der Wasserleichen hinwirken. Aus der Gegend des Nordhafens wird uns ein Fall gemeldet, über den dort mancher den Kopf schüttelt. Der in den Nordhafen mündende Arm der Panke erweitert sich vor der Mündung zu einem kleinen Bassin, das zeitweise einem sumpsigcn Tümpel gleicht. Der Wasserstand ist nicht hoch, aber unter dem Wasser liegt ein gefährlicher Morast. Ein junger Mensch von 16 Jahren fiel am 14. April gegen Abend in den Tümpel, ging sofort unter und kam nicht wieder zum Vorschein. Man sagt, er habe auf dem Rand des steil abfallenden Ufers gesessen, um zu angeln, und sei dabei von Krämpfen befallen worden, so daß er hineinstürzte und im Morast st c ck e n blieb. Die herbeigerufene Polizei buchte das Ergebnis mit der vorgeschriebenen Gewissenhaftigkeit und benachrichtigte die in der Reinickendorfer- straße wohnende Mutter. Nun hätte man annehmen sollen, daß sofort energische Schritte unternommen worden wären, um die Leiche zu bergen. Auch die Mutter meinte, man werde das tun, aber die Polizei belehrte sie, daß das nicht so rasch gehe, wie sie es sich denke. Die Leiche sei wohl schon fortgetrieben, wenn sie aber noch an der Unfallstelle liege, so werde man sie finden, sobald der Bagger komme. Daß die Leiche fortgctrieben sei, wird dem nicht recht glaubhaft erscheinen, der sich den Tümpel ansieht. Er ist so flach, daß das Kraut aus dem Wasser heraus- wächst und an einer Stelle sogar eine Sandanschwemmung über die Oberfläche hinausragt. Die Vertröstung auf den Bagger ist dahin zu verstehen, daß man bei Gelegenheit der alljährlich wiederkehrenden Ausbaggcrung selbstverständlich die Leiche finden müsse, wenn sie noch in dem Tümpel seil Die Mutter erzählt uns noch, ein Kriminalschutzmann vom Polizeipräsidium, der in ihre Wohnung kam. habe ihr gesagt, wenn sie eine sofortige Bergung der Leiche fordere, so müsse sie das bezahlen, und das koste 50 M. Die Frau lebt in dürftigen Verhältnissen und kann sich daher solchen Luxus nicht leisten. Sie läuft nun von Zeit zu Zeit nach dem Nordhafen und sieht nach, ob nicht der Bagger endlich da ist, um seine Arbeit zu beginnen. Bis heute, wo wir diese Zeilen niederschreiben, ist er noch nicht gekommen. Die Meinung, daß die sofortige Bergung von der Mutter bezahlt werden müsse, ist wohl ein Irrtum. Die sofortige Bergung wäre nicht nur ein Trost für die Mutter. Sie liegt ebenso sehr im Interesse der öffentlichen Gesund- heitspflege und erscheint uns geradezu als eine N o t w c n- digkeit. Uns wird freilich gesagt, auch bei einer früheren Gelegenheit habe man auf den Bagger gewartet. Ein in dem Tümpel ertrunkenes Mädchen sei erst nach Wochen herausgcbaggert worden. Wenn wir uns den Tümpel ansehen und uns den Zu- stand vorstellen, daß eine Leiche Wochen hindurch darin liegen geblieben sei. so können wir beim besten Willen nicht glauben, daß man sich so viel Zeit gelassen habe, che man die Bergung bewirkte._ Der lebte Spritzenmann wird in absehbarer Zeit, vielleicht schon in Jahresfrist, aus der Berliner Feuerwehr ausgeschieden sein. Die frühere Unterscheidung der Feucrwehrmannschaften in Spritzenmänner und Feuermänner ist schon vor einer Reihe von Jahren grundsätzlich aufgegeben worden. Damals wurden die jüngeren Spritzenmänner nachträglich als Feuermäuner aus- gebildet, und es blieb nur nock eine Anzahl älterer Spritzenmänner übrig, die zur Ausbildung für den Jeuermannsdienft nicht mehr geeignet schienen. Durch Pensionierung verminderte sich das Häuflein dieser letzten Spritzemnänncr von Jahr zu Jahr immer weiter. Bis zum Frühjahr 1000 war es auf 54 Mann zusammen- geschmolzen, in den folgenden Jahren verminderte es sich auf 41, 34, 18, 15, 9, und jetzt sind in das neue Etatsjahr 1906 nach den letzten Pensionierungen nur noch 4 Spritzenmänner hinüber- genommen worden. Auch diese vier, die sämtlich auf eine Dienst- zeit von mehr als zwei Jahrzehnten zurückblicken, werden ver- mutlich in nicht zu ferner Zeit das Bedürfnis fühlen, sich zur Ruhe zu setzen. Die Berliner Feuerwehr wird dann aus gleich- artig vorgebildeten Mannschaften einheitlich zusammengesetzt sein. Pastor Bodelschwingh hat bei der Stadt Berlin mit seinen Plänen Glück, seine Arbeiterkolonie„Hoffnungstal" soll von der Stadt subventioniert werden. So hat jetzt der Ausschuß beschlossen, dem eine entsprechende Magistratsvorlage von der Stadtverordneten- Versammlung zur Beratung überwiesen worden war. Der Beschluß wurde gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Vertreter gefaßt. Der energische Dezernent des städtischen Obdachs als eifriger Befür- worter des Planes wird sich freuen ob seiner großen sozialen Tat, mit der er glaubt, dein Vagabundentum Abbruch zu tun. Eine Fortbildungsschule für geistig schwach bcaulagte Jüuglingc uud Mädchen will diesen jungen Leuten daS für ihr Fortlvnmien nötige Wissen und Können bcrmitteln. Da diesen Kindern, die früher aus den untersten Klassen der Volksschule eutlasscii wurden, jetzt aber in den Nebcnklassen unterrichtet werden, nqch dem Austritt auS der Schule bisher nirgends, weder in den fakultativen,»och in den obligato- ri scheu Fortbilduilgsschulen, noch in den Fachschulen eine geeignete Weiterbildung gegeben werden konnte, so komint die Stadt dem dringenden Wunsche vieler Eltern, die bekümmert in die Zukunft ihrer Sorgenkinder sehen, entgegen. Die Schüler sollen vor allen, auch erziehlich be- einflußt niid im gesellschaftlichen Benehme» gebildet werden. Selbst- verständlich sind' die Grundfächer Lesen, Schreiben und Rechnen. Besonders beachtenswert aber ist die praktische Ausbildung der Knaben im Zeichnen, in Papp- und Hobelbaukarbeiteii, der Mädchen im Stricken, Häkeln, Sticken, Nähen, Ausbessern und in Hauswirt- schastlichen Arbeiten. Der Unterricht in dieser städtischen Anstalt ist kostenlos. Sie wird im Schulhaus Bcuniieiistr. 186(2. Hof, Quer- gebäude), in der Nähe des Rosenthaler ToreS, eingerichtet. An- Meldungen nimmt Filialleiter A. Fuchs täglich von 5—6 Uhr in genanntem Schulhause entgegen. Der Unterricht beginnt für Kn a b en am Doniierstag, den 26. April, 6 Uhr, für Mädchen am Freitag, den 27. April, 5 Uhr abends. Aufgelöste JnnungSkrankcukasse. Die JnnungSkrankenIaffe der Struinpfivirkerinnung ist aufgelöst und die Mitglieder derselben der Ortskrankenkasse der Skuinpfwirker, Große Frankfurterstr. 124, über- wiesen worden. Neue RcichSbanknote» zu 50 M. und 20 M. sowie neue Reichs- kaffenscheine zu 5 M. sollen in nächster Zeit ausgegeben werden. Die Reichsbanknoten zu 5V M. sind 10 Zentimeter hoch und 15 Zentimeter breit. Sie bestehen aus Hanfpapier mit gelbbraunem Faserstreifen; die Vorderseite ist in griiner Farbe gedruckt, der Nummerii- und Steinpelausdruck ist dunkelbraun. Der Text der Vorderseite ist von vier Rosetten, welche oben und an den beiden Seiten durch eine guillochierte Leiste verbunden sind, umrahmt.— Die Zwanziguiarknoten sind 9 Zentimeter hoch und etwa 13,7 Zentimeter breit. Sie bestehen ans Hmispapier mit blauem Faserstreifen am rechten Rande der Vorderseite; der Druck der Vorderseite ist in blauer, der Aufdruck der beiden Stempel und der Ziffern in roter Farbe ausgeführt. Außer diesen neuen Reichs- banknoten werden neue Neichskaffenscheiiie zu 5 M. ausgegeben, die 8 Zentimeter hoch und Zentimeter breit und in blauem Kupferstichdruck auf geriffelte»» Hanfpapier hergestellt sind. Die Borgärtc» in der Schönhauser Aller. Nach einer Verein- barung der beteiligten Behörden Ivird bau jetzt ab von der An- legung bezw. Beibehaltung der Vorgärten in der Schönhauser Allee auf Autrag unter der Bedingung abgesehen werden, daß das Vor- gartenland an die Stadtgemeinde Berlin kosten- und lastenfrei ab- getreten und bürgersteigartig befestigt wird, und daß die etwa vorhandenen Vorbauten mit den Vorschriften des 8 14a der Bau- polizeiordnung vom 15. August 1897 hinsichtlich der Vorbauten an Bürgersteigen in llebereinstimmung gebracht oder Dispense von Jiniehaltung dieser Vorschriften erivirkt werden. Zu dem Lcichrnfuild in Pankow sei mitgeteilt, daß der der Täterschaft verdächtigte Bauarbeiter Giovanni Philipp!, der Schlaf- stubengenoffe des Getöteten, vorläufig in Gewahrsam genommen worden ist. Der Mann hat sich bei dem Versuch eines AlibibeweiseS nach und nach in bedenkliche Widersprüche verwickelt und Angaben gemacht, die einer näheren Prüfung nicht standhielten. Während er schon um 2 Uhr zu Hause gewesen sein will, bekundet seine Wiriin und deren Tochter, daß sie ihn in der Wohnung nicht gesehen haben. Dagegen ist jetzt festgestellt, daß er- erst kurz vor 2 Uhr noch auf einem Bau in der Dainerowstraße war. Dort blieb er uur wenige Augenblicke. Das kgl. Polizeipräsidium gibt bekannt, daß es bereit sei, etwaigen Personen, die zu dem Totschlag an dein Italiener Dovigo irgend welche Mitteilungen zu machen imstande sind, gute Belohnungen zu zahlen, deren Höhe sich nach der Wichtigkeit der Mitteilungen richten wird. ES ist festgestellt, daß Dobigo seit Montag mittag um 2 Uhr seine Wohnung nicht mehr betreten hat. lieber einen neue» Raubmordversuch wird auS der Wriezenerstraße, auf dem Gesundbrunnen, berichtet: Dienstagabend in der elften Stunde wurde die 33jährige Schuh- macherfrau Karoline Biamont, Wriezenerstraße 6, von einem jungen Burschen im eigenen Laden überfallen und schwer verletzt. Der Schuhmachcrmeister Albert Biamont. welcher in dem Hause Wriezenerstraße 6 einen kleinen Kcllerladen besitzt, war an diesem Abend gegen 8 Uhr nach einem Gesangverein gegangen. Die Frau blieb währenddem im Keller allein zurück, und ehe sie sich zur Ruhe legen wollte, schloß sie die Ladcntür zu. Da klopfte es plötzlich von außen, und Frau B., welche der Meinung war, das; ihr Mann hennkehre, öffnete auch. Es war jedoch nicht der Schuh- inachermeistcr, welcher geklopft hatte, sondern ein junger, etwa 20jähriger Mensch, welcher nicht gerade einen vertrauenerweckenden Eindruck machte. Er sagte zu Frau B., sie möge ihn doch in die Schusterwerkstatt einlassen, da er ein Paar geflickte Schuhe abholen wolle. Frau B., welcher die Sache nicht recht geheuer vorkam, wies darauf hin, daß bereits Ladenschluß vorüber sei. Doch der Fremde ließ sich dadurch nicht beeinflussen, und wiederholt bat er um die Schuhe, da er sie unbedingt brauche. Frau B. gab schließlich auch nach, sie ließ den jungen Mann in die Werkstatt gehen, damit er sich dort seine angeblich geflickten Schuhe selbst heraussuche. Er fand jedoch die Schuhe nicht, und plötzlich deutete er nach einem Regal und behauptete, dort oben müßten die Stiefel stehen. Cr bat Frau B., die Schuhe herunterzuholen. Kaum hatte sie sich auf einen Stuhl gestellt, so erhielt sie plötzlich einen wuchtigen Schlag auf den Hinterkopf. Sie stieß Hiilferufe aus und brach danu bewußtlos zusammen. Als jetzt das Herannahen von Passanten hörbar wurde, ergriff der Täter die Flucht und entkam auch. Nach einiger Zeit wurde dann die Schuhmacherfrau in besinnungslosem Zustande aufgefunden. AuS einer großen klaffenden Wun.de sickerte unaufhörlich Blut heraus. Durch de» inzwischen erlittenen starken Blutverlust war der Zustand der Geschlagenen noch verschlimmert worden. Sie wurde nach der Unfallstation XVII in der Badstraste gebracht, wo sie unter der Behandlung des Arztes auf kurze Zeit wieder zum Bewußtsein kam. Die Verletzung am Kopfe rührt von einem scharfen Gegenstände, mutmaßlich von einem Messer her; sie ist 8 Zentimeter lang und bis auf den Schädelknochen durchgedrungen. Auch die Schädcldecke ist etwas eingeschlagen. Kurz vor ihrer Ucberführung nach dem Lazaruskrankcnhause ver- fiel Frau B. wieder in Bewußtlosigkeit. Lebensgefahr liegt jedoch vorläufig nicht vor. Tie Nachforschungen nach dem Täter, die sofort von der Kriminalpolizei aufgenommen wurden, sind bisher erfolglos gewesen. AuS dem Straßenverkehr. Ein aufregendes A u t o m o b i l u n g l ü ck fand gestern nachmittag in der Koloniestraße statt. Zwei Former, welche in einer Eisenfabrik in der Müllerstr. öv tätig sind, unternahmen lvährend einer freien Nachmittagsstunde eine Antomobilfahrt. In der Kolonie- straße kamen sie mit dem KrafNvagen in eine äußerst gefährliche Situation. Dickt vor dem in ziemlich schneller Fahrt befindlichen Automobil kreuzte ein GeschästSwagen den Straßendamm und etivas abseits stand ein Kind auf der Straße. Da das Auto unmöglich noch rechtzeitig zum Stehen gebracht werden konnte, so blieben dem Führer nur zwei Möglichkeiten, entweder er bog links ab- und überfuhr dann zweifellos das Kind oder er lenkte geradeaus und führte so einen unvermeidlichen Zusammenstoß mit dckn Geschäftswagen herbei. Der Chauffeur entschloß sich für das letztere und im nächsten Augenblick erfolgte die Karambolage. Die Folgen waren recht schwere. Der Former Paul Arndt, Fennstr. 41- wohnhaft, wurde auf die Straße geschleudert und bewußtlos davon« getragen. Er hatte einen schweren Schädelbruch erlitten und kam in bedenklichem Zustande nach dem Kranlenhause Moabit. Die beiden Gefährte wurden erheblich beschädigt.— Ein Zusammenstoß eines A u t o m o b i l- O m n i b u s mit einem Stratzenbahnzuge fand gester» abend gegen 8/«9 Uhr an der Ecke der Friedrich- und Besselstraße statt. Der Auto-Omnibus Nr. 1391 fuhr in der Richtung nach der Liesenstraße an der Ecke der Besselstraße, einem Fuhrwerk ausweichend, un- mittelbar vor dem Straßenbahnwagen Nr. 1402 der Linie 96 auf die Schienen und hielt dann plötzlich an, um eine aus der Besselstraße kommende Droschke vorbeifahren zu lassen. Der Führer des Straßenbahnzuges vermochte bei der kurzen Entfernung den Wagen nicht rechtzeitig� zum Stehen zu bringen und so fuhr der Straßenbahnwagen aus den Antomobil-Omnibuö auf. Obwohl in- folge rechtzeitiger Anwendung der Gefahrbrenise der Zusammenstoß wesentlich gemildert wurde, wurde an dem Omnibus doch die Hinterplattform eingedrückt, während an dem Straßenbahnwagen nur die Schutzweste beschädigt wurde. Ein Fahrgast des Omnibusses, Kaufmann Franz M., Plan-Ufer 20 wohnhaft, erlitt eine Verletzung am rechten Arm. Er konnte sich, nachdem ihm ein Arzt einen Ver- band angelegt hatte, nach seiner Wohnung begeben. Wohl die meisten Automobilunfälle dürsten sich auf dem Kurfürstendamm ereignen. Der Automobilverkehr ist dort ein so starker, daß nahezu täglich Unfälle stattfinden. Gestern abend wurde an der Ecke der Wichmannstraße der Übjährige Negierungsbauführer Edmund Jßmer, Boeckhstr. 24 wohnhast, von dem Automobil Nr. 3103 von seinem Fahrrad herunteraeschleudert. Er erlitt schwere Quetschungen an der linken Seite und erhebliche Verletzungen am linken Fuß und an der Hand. das Fahrrad wurde vollständig zertrümmert. Der Unfall soll dadurch herbeigeführt worden sein, daß der Chauffeur statt rechts links fuhr.— Als der Kaufmann Wolfenstein aus Friede- berg gestern abend den Alexanderplatz überschritt, wurde er von einer Droschke überfahren und schwer verletzt nach der Unfallstation X ge» bracht. W. hatte Rippenbrüche, einen Nascnbcinbruch und Kopf« Verletzungen erlitten. Er wurde nach dcm Krankcnhause am Friedrichs- Hain gebracht.__ lieber eine Schutzmamistat, die sich am Montag am Nettelbeck- platz zutrug, berichtet eine Korrespondenz in folgender Form: Ein folgenschwerer Exzeß hat sich Montagnachmittag am Nettelbeckvlatz abgespielt. Dort lag der„Gelegenheitsarbeiter" Ernst Scholz aus der Liebenwalderstraße 14 in den Anlagen und schlief. AlS dies ein hinzukommender Schutzmann sah, versuchte er Sch. aufzurütteln. Es gelang ihm die? jedoch nur schwer, und als der Schläfer glücklich wach geworden war, nahm er gegen den Beamten eine drohende Haltung ein. Er griff ihn auch tätlich an und schlug ihin schließlich eine Zigarrenkiste mit solcher Gewalt auf den Kopf, daß der Helm herunterflog. Da der Exzedent nun weiter gegen den Schutzmann vorgehen wollte, blieb diesem nichts anderes übrig, als von der blanken Waffe Gebrauch zu machen. Er schlug dem Sch. mit dem Säbel derart über den Kopf, daß der Getroffene bewußtlos zusammenbrach. Er wurde nach der Unfallstation in der Lindoiverstraße gebracht, wo man einen komplizierten Schädelbruch feststellte. Der Säbelhieb war bis auf den Schädelknochen durchgedrungen. In einem Kranken- wagen wurde Sch. nach der Charitee gebracht. An dem Auf- kommen des Schwerverletzten wird gezweifelt. Wir können nicht beurteilen, inwieweit die Behauptung, daß der anS dem Schlafe gerüttelte Mann eine drohende Haltung an- genommen und den Schutzmann tätlich angegriffen haben soll, zu- treffend ist. Bekannt ist aber, daß in vielen Fällen solche Behauptungen stark übertrieben und auch oft nur aufgestellt werden, uni ein angerichtetes schweres Unglück zu rechtfertigen. Fest steht aber selbst nach der Fassung der obigen Notiz, daß der Arme, der vielleicht keinen Ort hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte, durch- au? nichts verbrochen hatte. Vielleicht mag er auch etwas unwillig gewesen sein, daß er aufgerüttelt, wurde. Fhm aber dann so zuzu- richten, daß der Schädel gespalten wurde, ist eine Tat, die leben Menschen empören muß. Schließlich sind auch die armen Teufel, die kein Heim haben, nicht Spielball polizeilichen UebereifcrS. Boi» elektrische» Strom getroffen und abgestürzt. Ein seltsamer Unglücksfall hat sich gestern nachmittag auf dem Knrfürstendamm ereignet. Der 26jährige Maler Otto Knbe ans der Kl. Alexander- straße 20 war in der Nähe des Straßenbahnhofs am Kurfürsten« damni damit beschäftigt, die Kandelaber der Oberleitung frisch zu streichen. Als er sich an der Spitze eines derselben befand, kam seine Hand mit dem Leitungsdraht in Berührung, und von einem elektrischen Schlage getroffen stürzte K. in die Tiefe hinab. Be- sinnungSloS wurde er nach der Unfallstation am Zoologischen Garten gebracht. Der rechte Oberarm war dem Verunglückte» voll- ständig zertrümmert worden und durch den elektrischen Strom war die Hand geschwärzt. K. mußte nach dem Krankenhanse Moabit gc- bracht werden. Selbstmord eines Oberleutnants. Vor dem Spiegel hat sich in der gestrigen Nacht der 32jührige Oberleutnant v. G. in seiner Wohnung, am Waterlooufer 4, erschossen. V. G. war gestern nacht spät heimgekehrt und fand bei seiner Heimkehr einen Brief vor, welcher angeblich eine Absage der Braut enthielt. Als gestern vor- mittag der Bursche'des Oberleutnants das Zimmer detrat, fand er seinen Herrn vor dein Spiegel auf dem Fußboden liegend als Leiche vor. v. G. hatte sich mit dem Dienstrevolver erschossen. Die Leiche des Offiziers, der bei den Ulanen gestanden hatte, ist poli- zeilich beschlagnahmt worden. Weil er nicht Offizier werden konnte, hat der 19jährige Kauf- manu Kurt M., der bei seinen Eltern in der Augsburgerstraße 28 wohnte, Selbstmord verübt. Das Streben des jungen Mannes ging einzig und allein dahin, in das Heer einzutreten und Offizier zu werden. Diesem Wunsche stellten sich jedoch unüberwindbarc Hindernisse entgegen. Als M. erfuhr, daß ihm jede Hoffnung, Offizier zu werden, genommen war, zog er es vor, lieber zu sterben. Er nahm gestern morgen ein beträchtliches Quantum Morphium zu sich, doch wirkte daS Gift noch nicht tödlich. In der vergangenen Nacht brachte er sich dann nochmals Morphium bei und starb dann auch an den Folgen. Der von der Unfallstation am Zoologischen Garten hinzugerufene Arzt vermochte nur noch den Tod fest, zustellen. Der Arbeiter- Athleteubmid hatte zu einer am Sonntag statt- gefundenen Versanunlung 70 Llthleten- und Artistenvereine Berlins und Umgegend eingeladen. Dieser Einladung waren aber nur eine kleine Anzahl(jefolgt. In der Versammlung selbst beleuchtete Lilfin die Mßstände in den athletischen Verbänden und legte das Unwürdige des Prämien- und Medaillenunfuges und schließlich die Zwecke und Ziele des Arbeiter-AthletenbundeS eingehend dar. In der Diskussion wurden die Mißstände in der Berufsathletik gegeißelt und vom An- schluß an den Bund Abhülfe erwartet. Der Zirkus Busch hat gestern Berlin verlassen und ist mit seinem gesamten Personal und Inventar nach Breslau übergesiedelt. Auf dem Schlesischen Bahnhofe hatte sich gestern nacht ein eigenartiges Bild ciitfaltet. Ein Extrazug nahm die gesamten Tier- und Mobiliar- bestände auf. Zeuge gesucht. Am 12. Januar d. I. hat ein Kaufmann auf seine Nichte zwei Schüsse abgegeben, durch die sie getötet wurde. Der Täter gibt an, der Meinung gewesen zu seilt, der Revolver. aus dem er schoß, sei zunächst mit zwei Platzpatronen geladen ge- loese». Mit der Anschaffung der Waffe habe er einen fremden Mann beauftragt, den er am fraglichen Tage nachmittags gegen 2 Uhr ungefähr an der Ecke der Mittelstraße oder Dorolheenstraße imd Fricdrichstraße getroffen habe. Der betreffende Mann ist ungefähr 50 Jahre alt geivesen, hatte einen Vollbart gehabt und an seiner Mütze ein blankes Schild, wie es die Dicnslmänner zu tragen pflegen. Da die Bekundungen dieses Mannes in dem gejsen den Täter anhängige» Strafprozeß von großem Werte sind, loird der Betreffende gebeten, sich bei dem Verteidiger Rechtsanwalt Georg Lewy, Berlin, Münzstr. 11 zu melden. Unkosten werden vergütet. Im Kasmo-Thenter wird morgen zum erstenmal„Madame B o n i v a r d", ein Schwank in drei Akten von Busse, gegeben. Aguarinm. Neben den im Berliner Aguarium eingetroffenen fremdländischen Gästen haben in der Reptiliengalerie auch einige Beivohner beimischer Erde Unterkunst gefunden, auf die aber ganz besonders hinaeioiesen werden muß, weil jederiilann sie kennen sollte. Es handelt sich um die deutsche Gistschlauge, die Kreuzotter, die leider immer noch m bedenklicher Anzahl an waldigen, bauchigen und moorigen Stellen unserer Mark anzutreffen ist und Leben und Gc- sundheit der jene Orte begehenden Menschen gefährdet. Auch diese Exemplare sind, gleich den unschädlichen Ringelnattern, in der weiteren Umgebung Berlins nach dem Erwachen aus dem Winter- schlaf gefangen worden. In ihrer unmittelbareii Nachbarschaft im Aquarium ist ein junges Krokodil untergebracht worden, welches Herr A. Hoffmann-Berlin dem Institut überwies. Aus der Adria langten vier Stück eines achtsüßigen Tinten-Polypen, dessen Arme mit nur einer Reihe Sauanäpfe besetzt sind und dessen eigenartiges AcnßereS, dessen merkwürdiger Farbwechsel usw. den Beschauer fesseln, an. Die Abteilung der Kruster ist uuter anderem um eine Gesellschaft Gespenstkrabben oder Spinnenkrebse, deren dreieckige Kopfbrust aus ganz ungewöhnlich langen, dünnen, rauhen Beinen ruht, vermehrt worden. Vorort- l�sackrickten. Ordengeschmückte Arbeiter. Wenn ein Bourgeois einen Orden bekommt, so schwebt er im Himmel der Glückseligkeit. Durch ein Glmdenzeichen seines Herrn steigt er im Werte vor seineil Klassengenossen, die vergeblich nach einem Bändchen oder Sternchen seufzen und den Glücklichen bc- neiden, den die Gnadensonne bescheint. Wird einem Arbeiter eine solche Auszeichnung— denn eine Auszeichnung soll es sein— zu- teil, so betrachten ihn seine Klassengenossen mit sehr gemischten Gefühlen, wobei der Neid wohl die geringste Rolle spielt. Eher schleicht sich eine Art Bedauern ein, denn man weiß, was„treue Dienste und langjährige Pflichterfüllung" unter der Fuchtel dcS Kapitalismus bedeuten. Gleich nach den Ostertagen berichteten bürgerliche Blätter, daß mehreren Arbeitern in der Farbenfabrik bo» Gebr. Hcyl in Charlottenburg zu den Feiertagen eine große Freude widerfahren wäre, indem ihnen vom Kaiser das All- gemeine Ehrenzeichen bezw. das Kreuz des Allgemeinen Ehren- zeichcnS verliehen worden fei. In aller Feierlichkeit wurden den Arbeitern die Orden von einem Regierungsrat überreicht, der dar- auf hinwies, daß es ein seltener Fall sei, daß eine Firma acht ihrer Angc st eilten mit dem Allgemeinen Ehrenzeichen bezw. dein Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens geschmückt sähe. Dieser seltene Fall hat auch uns veranlaßt, der Firma Gebr. Hcyl unsere Aufmerksamkeit zu widmen, und da haben wir denn nach genauer Untersuchung recht idyllische Zustände dort gefunden, daö heißt Zustünde einer kapitalistischen Idylle. Die Löhne, die gezahlt werden, sind im allgemeinen nicht höher wie 20 M. pro Woche für alte Arbeiter und 10 M. für jüngere. Die Hofarbeiter haben einen Tagesverdienst von 3 M.! die Arbeiter, die im Fabrikbctriebe beschäftigt sind, 3 bis 3,25 M.; die Grün- mühlenarbciter erhalten 4 bis 4,25 M.; die Zinnobermüller er- halten einen Wochenlohn von 20 M. und auf jeden Zentner 12� Pf. extra. Wer ein wenig mehr verdienen will, muß sich besonders schwer anstrengen, und nun mutz man bedenken, daß diese Arbeit die Gesundheit in hohem Maße schädigt, daß die Wirkung der verarbeiteten giftigen Stoffe den Arbeitern schwere Leiden bringt. Diese Gefährlichkeit der Beschäftigung wäre ein dringender Grund auch dafür, daß die sanitären Einrichtungen jener Farbenfabrik tadellose sein sollten. In den bürgerlichen Blättern wurde anläßlich der Dekorierung der Arbeiter mit Ordens- bändchen viel von dem freundlichen und herzlichen Verhältnis der Inhaber der Firma und den Arbeitern gefaselt. Eine solche Freund- lichkeit müßte sich doch zuerst darin zeigen, daß den berechtigtsten Wünschen der Arbeiter in bezug auf ihre Gesundheit Rechnung getragen würde. Nun sind aber gerade darüber viele Klagen laut geworden. Tie Ankleidcräume, verbunden mit dem Waschraum. sind äußer st mangelhaft und entbehren allen Komforts. Die Schränke bestehen aus Kisten, die sich die Arbeiter selbst her- gerichtet haben. Mit Seife und Handtüchern wird sehr sparsam umgegangen; im Baderaum, wo höchstens zehn Mann Platz haben, sind keine Äleidcrriegel vorhanden. Die Ventilation und Abzugs- Vorrichtungen sind für den heutigen Betrieb durchaus ungenügend, besonders der Grünboden hat darunter zu leiden. Die Arbeiter stehen oft stundenlang in dem gefährlichen Staub und opfern ihre Gesundheit. Die Klosetts sind zu einem Teil nur in einem be» nutzbaren Zustande. Kurz, die sanitären Einrichtungen sind miserabel, und in der Allgeineinen Ortskrankcnkassc von Char- lottenburg hat die Zahl der Erkrankungen unter den Arbeitern jener Fabrik schon öfter Aufsehen erregt. Jetzt hat man dort eine Betriebskrankenkasse eingerichtet, aber die Arbeiter versprechen sich durchaus keine Verbesserung davon. Von den sogenannten Wohl- fahrtseiiirichtungcn der Firma sind die Arbeiter nicht im mindesten erbaut, und von der Generosität der Firma wissen sie auch eigene Sachen zu erzählen. Nach 25jährigcr Tätigkeit erhielt ein Ar- bciter, der eine Familie von sechs Kindern zu ernähren hat und häufig krank war, als Jubiläumsgeschenk von der Firma eine— goldene Uhr. Nach einigen Wochen starb er an der Bleikrankheit, ein Opfer seine? Berufes.— Ucber die Behandlung durch die Meister rtnrd auch viel von feiten der Arbeiter geklagt, besonders ältere Arbeiter müssen sich viel gefallen lassen. Wenn i»an so hinter die Kulissen blickt, dann läßt man sich durch die Dekoration nicht blenden, und die Arbeiter lassen sich auch nicht täuschen durch einige veranstaltete Feiern, z. B. bei Kaiserfesten, wo sie eine Menge schöner Worte und ein paar Zigarren geschenkt bekommen oder durch eine Landpartie mit Militärmusik.(Von jetzt an müssen die Arbeiter diese Landpartie», übrigens selbst bezahlen, jede Woche wird dafür ein Groschen vom Lohn abgezogen: aber in den- Augen der Außenwelt glänzt die Firma damit). Tie Arbeiter verlangen ciiien auskömmlichen Lohn, ausreichenden Schutz vor den Gefahren, die ihre Tätigkeit mit sich bringt, kürzere Arbeitszeit, denn bei einem so gesundhettS. schädlichen Berufe ist die Arbeitszeit von 7 bis 6 Uhr viel zu lang. Wenii die Arbeiter mit ihren gerechten und billigen Forderungen zurückhalten, so tun sie es nur, loeil sie sich viel zu schwach fühlen oder weil sie aus Mangel an Erkenntnis ihrer Lage nicht die Mittel de» Widerstandes finden, aber daß eitel Freude und Zufriedenheit unter solchen Verhältnissen bei den Arbeitern herrscht, wird nie- mand glauben wollen. Trotzdem scheint man es in bestimmten Kreisen zu glauben, sonst wäre ja die Ordensschmückung derjenigen, die am geduldigsten unter der auferlegten Last sich beugen und am wenigsten an Widerstand denken, eine Art Verhöhnung der Ar- beiter, und das darf man doch nicht annehmen. Daß gegenüber den Lobpreisungen in der bürgerlichen Presse über die Wohltätig- keitseinrichtungen in kapitalistischen Unternehmungen und daS harmonische Verhältnis zwischen Arbeitern und Arbeitgebern, was sie so gern entdecken, die Wahrheit gelegentlich an den Tag kommt, ist jedenfalls notwendig und ersprießlich, Charlottenburg. Die Entlarvung eines Spitzels führte dieser Tage in einer Ver- sammlung bürgerlicher Polen in C h a r l o t t e n b u r g zu einer erregten Szene. Dem Leiter der Versaininlung, Redakteur Krysiak, wurde mitgeteilt, daß sich im Saale ein gewisser L. befinde, der angeblich im Auftrage der Polizei die Täligkeit� der Charlottenburger Polen, insbesondere der zahlreichen polnischen Studenten am Orte observiere. Als L. bemerkte, daß man auf ihn aiifmerksam geworden sei, versuchie er. heimlich den Saal zu ver- lassen. Krysiak und einige andere Polen holten ihn aber vor dem Ausgange ein. Der Mann schlvieg auf den ihm gemachten Bor- Wurf, der Polizei Spitzeldienste zu leisten. Er bezeichnete sich als Kriminalbeamter, konnte sich aber als solcher nicht legitimieren. Mehrere Polen brachten ihn auf das Podium, stellten ihn der Versammlung als Spitzel und„Verräter am eigenen Volke" vor und ersuchten die Anwesenden, sich den Mann genau anzusehen, um ihn gegebenenfalls wiederzuerkennen und ihm sein �Handwerk zu legen. Dann wurde er aufgefordert, schlennigst den Saal zu ver« lassen, was er auch unter dem Hohugelächter der Versammelten sofort tat. Mariendorf. Die Plirtcigenosscn in Mariendorf beabsichtigten am 1. Mai einen Umzug zu veranstalten und suchten zu diesem Zwecke die Ge- nehmigung nach. Diese Genehmigung ist aber nicht erteilt worden. Unsere Genossen glaubten, daß sie mit demselben Maße gemessen werden müßten w,e Kriegervereinlcr. JüngliiigSvereiiiler und andere Bereine, denen anstandslos ein Umzug gestattet wird. Da hatten sie sich aber verrechnet. Bei uns in Preußen gilt eben immer noch der Schönstedtsche Satz: Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe. Wilmersdorf. Ein zweites Postamt erhält jetzt Wilmersdorf. Am I.Mai wird dort in dem Hause Kaiierplatz 6 unter der Bezeichnung„WilmerS- dorf b. Berlin 2" eine neue Postanstalt mit Telegraphenbetrieb in Betrieb gesetzt. Diese Postaiistalt wird eine Zweigstelle des Post- amts in Wilmersdorf bei Berlin bilden. Letzteres bat vom gleichen Zeitpunkt ab die zusätzliche Bezeichnung„1" zu führen. Bei der Zweigpostanstalt köniie» Postsendungen jeder Art. auch Pakete mit und ohne Wertangabe, sowie Telegranrine und Rohrpostsendungen eingeliesert und postlagernde Briefseudungen abgeholt werden. Die Entgegennahnie von'ZeitungSbeslellungen und die Ausgabe von Zeitungen findet nicht statt. Für den Verkehr mit dem Publikum wird daS neue Postamt werktäglich im Sommer von 7. im Winter von 8 Uhr vormittags bis 8 Uhr nachmittags geöffnet sein. Die Annahme gewöhnlicher Pakete findet jedoch nur bis 7 Uhr nach- mittags statt. An Sonn- und Feiertagen bleibt das neue Postamt geschlossen. Johannisthal. Am letzten Sonntag hielt der Wahlverein eine gutbesuchte Mit- gliederversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrtö die Versammlung das Aiideiilen des Genossen Meister. Sodann brachte der Lorsitzende Genosse Diesner die letzten Breslauer Er- eigmffe zur Sprache, das Vorgehen der Polizei dabei scharf ver- urteilend. Die Versammlung, die bei der Kennzeichnung dieser Vor- kommnisse ihrer Empörung Ausdruck gab. nahm folgende Resolutton einstlinmig an:„Die heute im Jägerhaus zu Johannisthal tagende Versammlung des WahlvereinS protestiert auf das entschiedenste gegen daS Vorgehen der Breslauer Polizei, die nicht nur auf wehr- lose fliehende Arbeiter mit der blanken Waffe einschlug, sondern selbst Frauen und Kinder verletzte. Die Bersanimelten erblicken in solchem Vorgehen nichts anderes als die Einführung russischer Zu- stände, die eines sogenannteil KulturstaateS unwürdig find. Zugleich Iprcchen die Versainmelten den im Kampf gegen den Protzendünkel der Unternehmer befindlichen Breslauer Arbeitern ihre vollste Stywathie aus und versprechen zugleich, mehr denn ja für die Organisierung der Massen Sorge zu tragen." Hierauf gab Genosse Diesner den Vorstandsbericht des verflossenen Quartals. Danach haben stattgefunden: 10 Vorstandssitzungen und 5 Ver- sammlnngen, worunter 2 Protestversammlungen zu verzeichnen find. Nach Elitgegeiiiiahme des Kassenberichtes und des Berichts über die Spedition gab Genosse Hübnold den Bericht von der KreiSgeneralversammIuiig, mit oeren Be- schlllssen sich die Versanunlung einverstanden erklärte. Hierauf referierte Genosse Dr. M. Schütte über„Die Urgeschichte des Menschen". ES wurde beschlossen, am Sonntag, den 6. Mai, als Ergänzung dieses Vortrages unter Führung des Genossen Schütte daS Museum für Völkerkunde zu besuchen. Den Treffpunkt teilr der Vorstand noch mit. Der Vorsitzende erwähnte alsdann die am Orte. bestehenden Elternabende, zu welchen Lehrer und Eltern zusammen- kommen und ihre Kinder Vorträge religiöser und patriotischer Natur zum Vortrage brächten. Aus verschiedenen Gründen, so auch aus Gesundheitsrücksichten fordert Redner die Genossen auf. ihre Kinder nicht dorthin zu schicken.— Zum Austritt aus der Landeskirche baben sich 23 Genossen gemeldet. Des weiteren wird bekannt- gegeben, daß eine Petition im Orte zirkulieren soll, welche die Bc- schaffung der Lehr- und Lernmittel von der Gemeinde fordert. Zum Schluß verbreiteten sich die Genossen Radumke und Dühring noch in Kürze über die Etatsberatung in der Gemeindevertretung. Friedrichshagen. Urb« die Geschichte des Sozialismus von der Utopie zur Wissen- schast sprach in der letzten WahlvereinSversammlung Genoffe Wach. Zur Frage der Maifeier wurde beschlossen, vormittags und abends je eine Volksversammlung abzuhalten und nach der Vormittags- Versammlung eine» Ausflug nach der Rahnsdorfer Mühle zu uuter- nehmen. Der geplante Umzug, um dessen Erlaubnis man beim Lmtsvorsteher nachgesucht hatte, scheint dem Herrn großes Kopf- zerbrechen zu verursachen, denn bis zur Stunde ist noch kein Bescheid eingegangen. Da das alte Bereiuslokal zum 1. Juni abgeriffen wird,' beauftragte die Bersammlniig den Vorstand, nach einem anderen Lokal Umschau zu halten und in der nächsten Versammlung darüber zu berichten. Weihensee. Die EtatSberatunge« sind endlich auch für unsere Gemeinde zu Ende. Die Ferttgstelluiig deS Etats beschäftigte eine Kommisston in zirka sechs Sitzungen, während die Beratungen iin Plenum in zwei bis gegen Mitternacht währenden Sitzungen erledigt wurden. Die späte Fertigstellung desselben lag in den eigenartigen Verhältnissen des letzten Jahres, die durch den Tod dcS früheren Gemeindevorstehers herbeigeführt wurden, begründet. Eine gründliche Um- gestaltung aller Verwaltungözweige durch den neuen Gemeinde- Vorsteher hat auch dem neuen Etat eine weit bessere Uebersichtlichkeit und Genauigkeit gegeben. Die Wünsche der Sozialdemokraten sind, ttvie von einem'Klassenparlamente nicht anders zu erwarten war, nur in geringem Maße beachtet worden; so sind z. B. Anträge, eine Kommission einzusetzen� welche die Arbeiterlöhne regeln soll, ab- gelehnt: eine Summe von 500 M. zur Speisung bedürftiger Schul- linder in den Etat aufzunehmen, wurde gleichfalls abgelehnt; eben» so den Verpflegungssatz für die Ortsarmen und Siechen prozentual den gestiegenen Teuerungsverhältnissen zu erhöhen, fand kein ge- ueigtes Ohr bei den bürgerlichen Herren. Unsere Vertreter gaben unverhohlen ihrer Meinung Ausdruck, daß eine solche soziale Rück- ständigleit erst beseitigt wird, wenn die Gemeindevertretung auf Grund allgemeiner, gleicher und geheimer Wahlen zusammengesetzt ist. Die Abstimmung für das allgemeine, gleiche Wahlrecht ergab 11 gegen 12 Stimmen. Ob die fünf von bürgerlicher Seite ab- gegebenen Stimmen für das allgemeine, gleiche und direkte Wahl« recht ernst zu nehmen sind, möchten wir bezweifeln, jedoch bekunden sie, das; auch sie mit dem bestehenden Wahlgesetz nicht zufrieden sind. Die ordentliche Verwaltung schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 1 4.87 000 M. gegen 1 168 000 M. im Vorjahre. Die außer- ordeniliche Verwaltung dagegen schließt mit 1760450 M. gegen 410 000 M. im Vorjahre ab. Der Gesamtetat hat den des Vorjahres also uni 1 669 450 M. überschritten. Die außerordentlichen Aus« gaben sollen Verwendung finden für Anzahlung auf den Kaufpreis für das Grundstück Parkstr. 11/12, 30 000 M., für den Bau und Einrichtung einer Gemeinde-Turnhalle 30 000 M., als erste Rate für den Bau einer Realschule 200 000 M.. Bertragsabschlußkosten bei Erwerbung eines Rieselfeldes 40 000 M., Regulierung des Bürger- steiges von Schulgrundstücken in der Rölckestraße 3000 M.. zur Neupflasterung von Straßen und Regulierung von Bürgersteigen 400000 M., Rückzahlung von Darlehen an die Kreissparkasse von Niederbarnim 777 450 M., Rückzahlung einer Zeitanleihe 160 000 M., rür die erste Rate zur Herstellung der Kanalisations- und Wasser- 'leitungsanlage im alten Ortsteil 100 000 M.. Sonstiges 20 000 M. Zur Bestreitung dieser Ausgaben werden in der Hauptsache neue Anleihen notwendig sein. Die Zuschläge zu den einzelnen Steuer- sätzen sind vom 1. April 1906 folgende: Einkommensteuer 155 Proz. statt 165 Proz. im Vorjahre, Gewerbesteuer 247>/g Proz., Betriebs- steuer 30 Proz., Grundsteuer 0,4 Proz. des gemeinen Werte? der bebauten und unbebauten Grundstücke. An indirekten Steuern werden erhoben: Lustbarkeits- und Billetisteuer 16 000 M.(6000 M. im Vor- jähre), Hundesteuer 23 000 M.(18 300 M.), Brau- und Biersteuer 27 000 M.. Umsatz- und Wertzuwachssteuer 130 000 M.(65 000 M.) Das Steuersoll beträgt für die direkten Steuern 679 954 M., die indirekten Steuern 196 000 M. Treptvw-BamnschulcnUicg. Die Beerdigung des verstorbenen Genossen Ernst Hoffmann findet nicht, wie gestern irrtümlich die Annonce, sagt, um 5 Uhr. sondern um 6 Uhr vom Trauerhause, Baumschulenstr. 84/85, aus statt. Die Parteigenossen werden nochmals ersucht, sich recht zahl- reich zu beteiligen. Reinirkendorf. An de» Folge» eines Automobilunfalles gestorben ist der sieben- jährige Schüler Rehfeld, welcher vor etwa 14 Tagen in der Residenz- straße in Reinickeudorf von einem Privatautomobil überfahren wurde. Der Knabe geriet, als er den Fahrdamm überschreiten wollte, unter die Räder des übermäßig schnell fahrenden Kraft- ivagens und wurde so schwer am Kopfe verletzt, daß er nach dem Paul Gerhardt-Stift übergeführt werden mußte. Hier ist er vor- gestern an den erlittenen Verletzungen gestorben. Französisch-Buchholz. Eine Steuer für Neugierige hat die Kircheitgemeinde von Franz.- Buchholz zu erheben beschlossen. Bekanntlich besteht bei einem nicht geringen Teil der Bevölkerung, namentlich bei Frauen, das Be« dürfnis, bei kirchlichen Trauungen als Gast zugegen zu sein? man kann dies Bedürfnis in der Regel auf starke Neugierde zurückführen. Die Kirchengemcinde genannten Ortes ist nnn auf den genialen Gedanken verfallen, von allen sich zur Kirchentrauuug drängenden ungeladenen Hochzeitsgästen ein Entree von 10 Pf. zu erheben. Daß die Kirchengemeinde nun die Neugierde bestrafen will, soll damit nicht gesagt werden, hingegen zeigt sich nur, daß sie in der Erfindung neuer Steuerguellen keineswegs verlegen ist. Hoffentlich ist diese Steuer, welche bereits am 1. Mai erhoben wird, für die Neu- gierigen ein Stein des Anstoßes, um hübsch zu Hause zu bleiben. Vermilcdtes. Aus der feinen Gesellschaft. Bei einer der letzten Vorstellungen kam es in einem Dresdener Opernhaus zu großem Skandal im Zu- fchauerraum. Ein höherer Gerichtsbeamter ertappte im Theater feine Frau, die ihm vor einigen Tagen mit einem Offizier durch- gegangen war, in Gesellschaft ihres Entführers. Nach einem heftigen Wortwechsel verabreichte der betrogene Ehemann dem Offizier und seiner Frau ein paar schallende Ohrseigen und bednohte den Offizier, als dieser sich auf ihn stürzen wollte, mit dem Revolver, bis die beiden Männer von dazwischentretenden Zuschauern getrennt wurden. Aber die Sittlichkeit und fromme Zucht muß natürlich dem„Volke" erhalten werden, Die Ausbreitung der Genickstarre. Aus Essen a. d, Ruhr wird gemeldet: Die Genickstarreepidemie im Landkreise Duisburg dehnt sich lveiter aus. Bisher sind 140 Erkrankungen und 100 Todesfälle festgestellt worden.— In Stettin sind ein Unteroffizier und zwei Soldaten unter dem Verdacht der Genickstarre erkrankt und ins Garnisonlazarett ge- bracht worden,— In K ö r l i n a. d. Persante ist ein zwölfjähriges Mädchen an Genickstarre gestorben. Die Lage in San Francisco. San Francisco, 24. April. Die Lage ist jetzt besser, da man bei der Verteilung der Lebensmittel und bei der Beschaffung von Obdach nunmehr systematischer und methodischer vorgeht. Tausende werden nnt der Aufräumung der Straßen beschäftigt. Viele Kaufleute treffen Maßnahmen zur Wegräunning der zertrümmerten Gebäude, um, sobald Arbeiter vorhanden sind, mit dem Wieder- ausbau beginnen zu können. Von einigen Offizieren wird die Zahl der in San Francisco Umgekommenen auf nur 275 angegeben, andere aber schätzen die Zahl der Toten höher. Der Coroner schätzt auf Grund der ihm vorliegenden amtlichen Angaben die Zahl der Toten auf 1000, meint aber, daß dieselbe vielleicht etwas höher sein könne. Gestern erfolgten in San Francisco wieder eine Reihe schwächerer Erdbeben. Gestern nacht wurde ein stärkerer Erdstoß verspürt, der die Bevölkerung in Aufregung versetzte,«i Mann sprang aus dem Fenster. London, 25. April. Aus San Francisco melden die BlättW daß die Festungswerke am Goldenen Tor durch Erdbeben zerst�„ andere Forts schwer beschädigt sind. Arbeiter sind mit dem Wi�. räumen des Schuttes beschäftigt. Sobald Elektrizität verfügbar � werden die Straßenbahnen den Verkehr wieder aufnehmen. Wagen sind unbeschädigt. Sämtliche Banken einigten sich zur 6,� Öffnung eines zeitweiligen Bankhauses am UinonSyuare. � New Jork, 24. April. Auf eine telegraphische Aufrage i�et Herausgeber der..New D orker Staatszeitung" an den Präsident�» Roosevelt über die Gründe, welche zur A b l e b n u n g a u-' w ä r t i g e r Hülfe für San Francisco geführt haben, ist tm trage des Präsidenten folgende, vom Unterstaatsselretär Bacvx. unterzeichnete telegraphische Antwort ergangen: Die Gaben welche mit solcher Bereitwilligkeit von der amerikanischen Beü völkerung beigesteuert werden, sind genügend, um allen Bedürfnisfi� gerecht zu werden. Die Anerbietungen von Hülfe aus anderere. Teilen der Welt überragen derartig alle Ansprüche, daß es, u% Zurücksetzungen irgend welcher Art zu vermeiden, unter diesen Umje ständen am besten erschien, keine Hülse vom Ausland anzunehmcy� Der Präsident möchte jedoch die Bevölkerung Deutschlands wisse., � lassen, wie hoch ivir ihr von Herzen kommendes Mitgefühl zisx schäveu wissen, und daß wir ihr für die brüderlichen und allgemein- menschlichen Motive ebenso dankbar sind, wie wir es sein würde»,. wenn es möglich wäre, ihre hochherzige Hülfe anzunehmen.„ San Francisco, 25. April. Die Miliztruppen sind alle zurück-- gezogen worden. Gestern ist die telephouische Verbindung mil Oakland wieder zu stände gekommen. Die Gürtelbahn ijt aus den Uferstrecken wieder im Betrieb und vermittelt die Vcr-� teiltmg der Hülfsvorräte. Die elektrische Beleuchtung Ijaf1 gestern abend in der East Street wieder begonnen und' wird in der Nacht auf die Kais ausgedehnt werden. Zweihundert' Aerzte sind damit beschäftigt, die gesundheitlichen Verhältnisse vonj Haus zu Haus zu untersuchen. 107 Gesellschasteit sind an der Ver-' sicherung der zerstörten Gebäude beteiligt. Die Verluste, die in Ne�' Jork auf nicht mehr als 125 Millionen Dollar geschätzt werden, b v' wertet man hier auf 175—200 Millionen Dollar..a eingegangene Druckfcbrifteii. r Plutus. Kritische Wochenschrist für Volkswirtschast und Finanzwesen (Herausgeber: Georg Bernhard). 16. Hest. Abonnements einschließlich der; Plutus-Merktasel vierteljährlich per Post und Buchhandel 3,59 M.» dirclt vom Verlag 4 M. Verlag: Berlin-Charlottcnburg, Goetbestr. 69. Alexander Urlar. Rußlands Wiederausbau. 376 Seiten. Prei? brosch. 4,59 M., geb. 5,50 M. Verlag, L-tuhrfche Buchhandlung Berlin NVf. 7, Dorotheenslr. 32.' Reclams Universum. Illustrierte Bochenschrist. Zu bestellen durck- Buchhandlung oder Post. Jährlich erscheinen 52 Hcstc a 30 Pf= 40«hellet I Bei Vorausbezahlung das Quarlalsabonnemenl(13 Hesle a 27 Ps., 3,50 M. 4 Kr, 20 H.(mit Porto 4 Kr. 46 H.) Berta v. Suttner. Randglossen zur Zeitgeschichte.(Das Jahr 1905.) 62 Seiten. Preis 1 M. Verlag, Karl Siwiiina, Kattowitz i, Schi. Absatzauellen für Schriftsteller. Zweite vermehrte und verbesserte Auslage. Verlag der Feder, Berlin IV. 39. Preis 1,59 M., geb. 2 M. gtür den Jnval» der Inserate übernimm» die Redaktion den, Biiblttum gegenüber keinerlei Veranrioortung. Cbcater. NeueS. Lefstng. Schiller Donnerstag, den 26. April. Ansang 7ff, Uhr: Opernhaus..Samson und Dalfla. Schauspielhaus. Othello, der Mohr von Venedig. Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Westen. EaSparone. Cäsar und Cleopatra. Der einsame Weg. Ansang 8 Uhr: O. jWalltter-Theater.) Weh dem, der lügt. Schiller N.(Friedrich Wilhelm- städtisches Thealer). Der Vogel tm Käfig. Berliner. In der Sommerfrisch'n. Komische Oper. Die schwarze Nina. Kleines. Kinder der Sonne. Residenz. Der Prinzgemahl. Zentral. Der Vogelhandler. Trianon. LoiUoix. Lnftspielhans. Die von Hochsattel. Thalia. Hochparterre links. LitUeit. Der Salontiroler. Ntetropol. Aus ins Metropol. Dentsch-Ameritauisches. Er und Ich. Kasino. Die Herren Söhne. Apollo. Elsentücke. Das bummelnde Berlin. Spezialitäten. Carl Weist. Die Jagd umS Leben. Folieö Capriee. Komiker Schnitzel. Dalles u. Co. Spczialitälen. Wintergarten. Spezialitäten. Belle-Allianee. Spezialitäten. Reichshallen. Slettiner Sänger. Passage. Spezialitäten. Urania. Taiivenstraste 48/40. Abends 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57/62. Ferdinuitd Bonn» Berliner Theater. Gastsp. b- Schlierseer Bauern-Enscinbl. Conrad Dreher. Ans. 8 Uhr. In der Sommerftisilsn. Freitag, Sonnabend, Sonntag: In äer Sommerfrisch'n. Sonntag nachm. 2'U Uhr zu er« mäßigten Preisen: flmerillssepiiel. Heues Theater. Ansang VI, Uhr. Caesar und Cleopatra. Freitag: Ein Sommernachtstraum. Sonnabend: Caesar und Cleopatra. Sonntag: Ein Sommernachtstraum. leines Theater. Ansang 8 Uhr. iiidcr der Somik. rettag: Dar Unverschämte. Hille be. Die Schlangendame._ Zentral-Theater. (Dpercltc.) 8 Uhr: Der Nogelhandler. Trianon-Theater. Ansang 8 Uhr: JLoalon. (Station Zoolog. Garten), Kantstr. 12. Donnerstag V/, Uhr: Gasparone. Freitag: 24. Vorstcll. im Freitags. Abonnement. Schlitzenliesel. Fritz Werner a.®. Sonnabend nachm. 3 Uhr, kleine Preise: Hermann und Dorothea. Ab. �1|t Uhr: SchBtzenliesel. Fritz Werner a. G. Sonntag nachm. 3 Uhr halbe Pr.: Don iuan. Abends 7'/, Uhr: Schlitzen- liesel Fritz Werner a._ Komisehe Oper. Donnerstag, 26. April, abends 8 Uhr Zum ersten Male: Die schwarze Mna. Freitag: Holtmanns ErzSiilunasn. Sonnabend: Die schwarze Nina. Sonntag nachm. 3 Uhr, enn. Pr.: Holtmanns Erzählungen. Abends 8 Uhr: Die schwarze Nina. Luisen-Theater. Ansang 8 Uhr. Der Salontiroler. Freitag: Der Verschwender. Sonnabend: Robert und Bertrain. Sonntag nachm.: Der Salontiroler. Abends: Robert und Bertram. Montag: Wilhelm Tell._' LustspieShaus. Allabendlich 8 Uhr: Die von Hochsattel. Residenz-Theater. Oirchtion: Richard Hieran der. Heute zum 173. Male, und morgen Freitag, Ansang 3 Uhr: Der Prinzgemahl. Sonnabend, 28. April, z. erstenmal: Liebesknnst. Komödie in 3 Akten v. Leon Zanroj und Michel Carrö. Sonntag, 23. April, nachm. 3 Uhr: Der 2 ch l aftu agen-Koutrolleur. Deutsch- Amerikanisch. Theater. Köpenickerstr. 67/68. Abends 8 Uhr: EK und ICH. Sonnabend, den 28. April, 8 Uhr: ARME MÄDCHEN. Von Adolf Philipp. Sonnt, nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Zum letzton Male:"UW Ecber'n groUeu Teich. Nelilllei*- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater). Donnerstag, abendSSUhr: Zum erstenmal: V/eh' dem, der lügt. Lustspiel in 5 Ausz. v. F. Grillparzer. Freitag, abends 8 Uhr: lieber unsere Kraft.(2. Tell.) Sonnabend, abends 8Uhr: Weh' dem, der lügt. Tlieater. Schiller-Theatsr N.(Friedr.-Wilh.TH,) -Lonne rstag, abends« Uhr: Der Vogel im Kafie. Schausp. in 5 Alten v. St. Großmann. Freitag, abendS 8 Uhr, Haus. Sonnabend. abendS 8 Uhr: Holden. kreis Tolksbüime. Sonntag, den 29. April, nachmittags 2'/, Uhr: Mefropol-Thealer. Carl Weiß-Theater. 1./2. Abteilung 6./7. Abteilung Die Frau vom Meere Der Meister. Henrik Ibsen. Hennann Bahr. Hontag, den 80. April 1006, abends 81/, Ehr, 14./15. Abteilung im Carl Weilt Theater; Emiiia Galotti. Trauerspiel in 5 Aufzügen von G. E. Lessing. General-Versammlung Freitag, den£7. April 1006, abends S1,� Ehr, im Gewerksohaftshauso. Tagesordnung: Vorstands- und Kassenbericht vom dritten Quartal. Bericht der Uevisoren. Diskussion. Antrag dos Vorstandes auf Erhöhung de» Beitrages und Statutenhnderung. Nur Mitglieder haben gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte Zutritt._ Die Zahlstelle 14 von H. Ramm befindet sich jetzt Stralauers tr. 3/6. 228/7 Der Vorstund. I. A.: G. Winkler. WVWWWMM Äpoüo-Tiieater. Täglich 8 Uhr: Elfentücke Die glänzenden Spezialitäten. DaS bummelnde Berlin. Sonntag, 29. April, nachm. 3 Uhr: Letzte Nachmittags- Vorstellung bei bedeutend ermäßigten Preisen. Tauben- str. 48/49. Urania Abends 8 Uhr: im Golf von Neapel. Sternwarte"""""""" »tr. 87/62. Stadt-Theater Moabit Alt-Moabit 47/49. Donnerstag, den 26. Slpril 1906: Abonnements- GaStSplel des Berith. Rose-Tlieaters. Gestörte flitteneochen. VollSstilck in 3 Akten von Reislingen. Gastspiel des Herrn Artur Winckler vom Thalia-Theater. Ansang 8 Uhr. Kassenerössnung 7 Uhr, ltor! Weiß-Theater. Gr. Frantsurterftr. 132. Täglich 8 Uhr: Shtrlltck siolniks' Allenttiier oder: Die Jagd«niS Leben. Englisches Scnsatioiis-Lchauspiel mit Gesang und Tanz in acht Bildern von I. Fox._ W. Noacks Theater. Direktion: Roh. Dill. Bruimeustr. 16. Sin gebrochenes jterz. VolkSst. in 4 Akt. v. Ch. Lirch-Pseister, Ansang 8 Uhr. Entree 3V Ps. Morgen: Dieselbe Borstellung. Jeden Sonnabend: Extra- Vorstellung t TORTAMOA Spanisebe Tänzerin und Sängerin außerdem das Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee 1-18. Jeden Sonntag 4 Uhr: Oarten-Konzcrt Reichshalfien. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Idester, Lpeiislltgten Im Saale Extralanz. Gr. Tanzmusik. Bei ungünstigem Wetter Vorstellung im Saal. Anfang/ 8 Ehr. >. • uni Iii u iiiwuuNwi« Großo Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in ö Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Bauchen überall gestattet. jTassaoe-Tlieater. | Ansang 8 Uhr. | DaZorigincllrApril-Programin. Lüde König VortragS-Soubrettc. i fflarka Freya, < Excenlrique. « Teddi-Trlo Trampolin-Alt. �Ferucr 14 neue Spezialitäten, i Kasino'Theater Lothrlligerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Bis Donnerstag, den 26. April: Die Herren Söhne. Freitag, den 27. April, zum erstenmal; Hadame Bonlvard. Sonntag nachmittag 4 Uhr; Herren Söhne. Die Folies Capriee |Budapcster Possen-Theater J Linienstr., Ecke Friedrichstr. Dalles& Co. Vorher: i Komiker Schnitzel.[ jAnf. 8 Uhr. Kaste d. ganz, Tag! ! geöffnet. Vorvcrk, b. Werthelin,! Palast-Thealep m Burgstr. 24, 2 SKin. u.öl). Börse. Täglich 8 Uhr. Entree 50 Ps. = Nur noch kurze Zeit!=- Das gläiizeDiie April-Prcgraim Nur 12 erstkl. Nummern! Daztt: Eine Berliner Grisette. Posse v. Stutz. Musik v. O. Antonius. Faviilicnkarten in Barbier«, Friseur. und Zlgarrengeschästen unentgeltlich. Schluß der Saison t 30. Zlpril. Horltsplntz. Täglich ♦ in de» nutereu Sälen � Oottschalk-Konzert. Sanssouci. 5™'" Dir. Wilhelm Reimer. Sonnt., Moni., DoimerSt.: Hofl'munns Norddeutsche Sänger und Tanzkränzchen. Hochinteressantes, stets neues Programm. Theaterstucke, Ensemble. ezenen usw. olosseum e Drendenerstr. 97. Größter Erfolg IMT* des neuen"Vll Spezialitäten-Progr. Neu eröffnet! Welt-Äussteiluags- ßi'iPplHS«. Louis) Theater lebender Photographien mit abweehselnd. Aimormiläten-Progr. Neu! Die Hungerleider. Neul Soziales Bild aus dem Beben. Den ganzen Tag VorsteUung. Otto Pritzkow,! Münzstraße 16. Susis? Behrens Spezialitäten* Theater Frankfurter Allee 85. vorziigliebe Aprii-Proptnin! Neu! Neu I Die weibliche musikalische Rtickkompagnie. 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Um zahlreiche Beteiligung ersucht 248/4 Der Borstand. Dr. Simtne], Spezialarzt sür 110/ 9« Ilnnt» an«! 10— 2.S— 7. Sonntag» 10— 12. 2—4. Döllt8GlW Metallarbeiter-Verband VerwalwngSstelle Berlin. Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kesselschmied Ulbert Itakow gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung sindet am Freitag, den 27. April, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Nazareth-Kirch. lioses w Reinickendors-West, Kögel strahe, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 117/13 Oie Ortsverwaltung. Berlins und Umgegend. Todes- Anzeige. Hiermit zur Nachricht, daß die Ehesrau dcS Bundesmitgliedes Arve, Marie km geb. Tanke | vom Klub„Weichsclblatt" am 23. April 1906 verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 27. Abril, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle am Krugstege in Lichtenberg aus statt. Der Vorstand. Zentralferband der Handeis-, Transport- u. Verkehrsarbeiter Deutsebiands. Verwaltungsstelle Berlin I. fierdurch diene zur Nachricht, unser Mitglied, der Kollege Eimst lioffmann verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 26. d. M., nach- mittags 6 Uhr, vom Trauerhause Banmschulenweg, Baumschulen. straße 84/85 aus nach dem Treptower Friedhof, Neue Krug- Allee statt. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung Berlin I. 0eul8e!ie? Hotisrbeitei'-Vöi'biuuj I To d es- An zeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Maschinen- arbeiter (justav Tilgner am 22. April verstorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 26. Zlpril, nach- mittags 6 Uhr, von der Leichen- Halle des St. Michaels-Kirchhoses, Maricndorser Weg, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 84/14 Oie Ortsverwallung. Todes-Anzeige. Sonntag, den 22. April, früh ! 10°/, Uhr, verstarb nach langem, schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwa- ] ger und Onkel, der Arbeiter Karl Frey im 57. Lebensjahre. 14376 Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 27. Zlpril, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes in Groß-Lichterselde, Moltkestraße, aus üatL Die trauernden Hinterbliebenen, ZEBtral-Verband der Maurer Deotseblaiiiis. Zweigverein Berlin. Am Montag, den 23. April, verstarb unser Kollege Kan> Freund im Zllter von 32 Jahren an Lungenleiden. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Freitag nachmiilag 5 Uhr von der Leichenhalle des Schöneberger Kirchhofs, Maxstraße, auS statt. Rege Beteiligung wünscht 143/6 Der Borstand. Krankentabrstüble all. Systeme käuflich von 25 M. an, auch leihweise unter koulantesten Bedingungen. Kepgscbe Krankenwagen, Elsasser- straBe 95. 116/4* Danksagung. Für die vielen Beweise der Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Gastwirts Hermann Hobsch sage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten meinen innigsten Dank. Witwe Klara Hobsota. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung! meiner lieben Frau, unserer herzensguten Mutter sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, besonders dem Gesangverein„Freie Feldblume" unseren ttesgesühltestcn Dank. 980L Emst OhSt nebst Kindern. Orts-Krankenkasse der ßilrschntr n. vmv. Gerverbe zu Berlin. vrdentl. Generalversammlung der Delegierten am Montag, den 30. April 1906, abends 8'/, Uhr, in der Brauerei Bötzow, Prenzlancr Allee 247. Tages-Ordnungi 1. Verlesung der Präsenzliste und deS Protokolls. 2. Jahresbericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Aenderung des H 13 I. Nachtrag und§ 21 IV. Nachtrag. 5. Definitive Anstellung der Hülsskrast. 6. Antrag Letz- heim und Genossen: Anstellung eines HauskassicrerS. 7. Sonstige Kastenangelegenheiien. Es wird dringend gebeten, pünkt- lich und zahlreich zu erscheinen. Der Borstand. 273/10 I. A.: 0. Seidenkranz, Vorsitzender. Invaliden-Unterstützungskassa der Gürtler« Sonntag, den LS. April 1906, mittags 12 Uhr, im dewerkschartshanse» Engel-Ufer t5(Saal I): Ordentliche General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Revisoren und W- nabme der JahreSrcchnung. 2, Neu» wähl des gesamten Vorstandes. 3, Per» schiedencs, Berlin, den 26, April 1906. Oer Vorstand. 1423b /ldelt Heller, Vorsitzender. örts-KrauWasse der Gürtler. Zu der am Sonntag. den LS. April, vormittags lO Uhr, im Geworkschaftshanse, Engel- Ufer 15(Saal I) stattjuidenden Ordentlichen General- Versammlung werden die Herren Vertreter der Kässenmitglieder und der Arbeitgeber hiermit crgebenst eingeladen. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Revisoren und?lb. nähme der JahreSrechnung. 2. Zlb» önderung des K 55 Zifier 12 deS Statuts. 3. Regelung der Gehälter sür unsereKassenbeamten.s. Verschiedenes. Berlin, den 26. Älpril 1906. 1424b Oer Vorstand. 0. Kneift. Vorsitzender. Jedes Wort 10 Pfennig, Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. c Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der Haupt- Expedition, Lindenstrasse 69, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. GardtnenhauS Großegranksurler- stratze 9, parterre.__ If Tedbett, Unterbett, Kissen mit glattroiem Inlett, zusammen 10,50, nur(Pfandleihe) Andreasstraße acht- unddreißig._ 1469K* Rotrosa fielt, zwei straße achtunddrclßig. estretstes Deckbett, Unter- issen. 18,00, Andreas- 1470K* PonimerscheS Bauernbett, Deck- fielt, Unterbett, zwei Kisten, 27,00. Großes Laien, Stück 1,00. Pfandlethe Andreasstraße achtunddreißig. Elek- trstche nach überall._- 1471 St» Gardinen- Versandhaus Jeru- saIeilierstraßell/12 Saison-Ausnabme- preise sür Gardinen, Stores, Bett« decken, Portteren, Tischdecken. 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Auch wird Gewicht darauf gelegt, daß der Sekretär in bezug auf rednerische Leistung allen An- sprücheu genügt. AnfangSgehalt 2400 Mark. Bewerbungen mit kurzer Angabe über die bisherige Tätigkbit in der Arbeiterbewegung werden bis zum 1. Fimi unter Beifügung einer Probearbeit über:„Die Aufgaben eines ArbcitersekretärS" erbeten. Die Anffichtskommisfion. Z. A.: V'ram! Klupsch, Dortmund, Kiclstr. S. Verein der Berliner Buehdrueker und SchrirtgielSer. Wir geben den Mtgliedern hiermit bekannt, daß die Firmen Legal, G-, Hochftr. 2. „Merkur", G. m. b. H., Köpenickerstr. 48. Bartels, Wcißensee, Max Liebmann, Stralauerstr. 3—6, für tariftreue Gehülfen gesperrt sind. Bei Konditionsanerbietungen bei den Firmen Auerbach, Ritterstr. 86, Janetzke, Gitschinerstr. 81. Jhring n. Fahrenholtz, Prlnzenstr. 86. Scharschmidt(Galvanoplastik), Beuthstr.2, sind vorher Erkuudigimgen in unserem Bureau, straße 88 I, einzuholen. Ter Gauvorstand. 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Wir ersuchen die Kollegen aller Branchen nach den obigen Be- trieben keine Arbeit anzu- nehmen. 176/9 Die Agttationskommisston. veulseder»oliarbeiter- Verband. Wegen Streik und Differenzen ist Z«!iig ftr»!»hliltci> von Tischler» von Franz Schulz. Franksurier'Allee 28. Ruppel in Reinickendorf: von Treppengeländer- Arbeitern (Drechsler, Tischler, Stellmacher, Polierer, Maschinenarbeiter und Bildhauer) von derTreppengeländer- sabrik Joseph Drechsler, Gubener- sttaße 33,- von Bodenlegern von den Bauten in Buch(Firma Damke, Frankfurt a.O.): von Stellmacher» von sämilichcn Stellmachercicn. Wagensabriken und Drehrollensabrik Plään, Waßmann- straße: Motorwagensabrik Gottschall in Reinickendorf: vonKorbmachernvonBeckert, Lange- sttaßo ZZ; von Meerschaumdrcchslern von Weiih, Köp-nickerstt. 98. von Klavierardeiter» nach Däne- mark. Div OrtsverwaUang. m Bootsbauer! Wegen Nichtanerkennung unserer Lohnforderung sind die Bootswerften von 6. PerdeB in Köpenick und C. Engelbrecht in Zeuthen in v. Mark für Booisbaucr und Holzarbeiter(Tischler) gesperrt. 292/6, Zuzug streng sernhalten. Die Lohnkommission. Stralauer-Allee 17S. Berlin, xruck u. Verlag: Z-orwärtZ Buchdruckerei u. VerlagSanjtalt Paul Singer L- Co.. Berlm svr. Nr. 96. 23. Iahrgaug. ä.Stijt Ks Jmiärte" Jittlintt Jsltisblütt. Hua der frauenbewegung» Maientag! ?lcht Stunden Arbeit, acht Stunden Erholung, ach Stunden Ruhe! Das ist der Ruf, die Forderung, erhoben dom Proletariat am 1. Mai. Und der weltumspannende Gedanke, das Bewußtsein der gleichen Willenskundgebung überall dort, wo Klassenbewußtsein sich durchzuringen vermochte, hat etwas Erhebendes, Stärkendes die Gewißheit des Sieges Auslösendes. Dieses Gefühl muß gerade für die Proletarierin, die doppelt Ausgebeutete, doppelt Entrechtete, Begeisterndes, zum Kampf Anfeuerndes in sich bergen. Zum Kampf? Ja, zum Kampf, zum Krieg gegen Schmach und Schande, gegen Ausbeutung und Unterdrückung' Mit schandbar niedrigen Löhnen wird die weibliche Arbeits kraft abgefunden. Entsetzlich lange muß die Frau Tag für Tag fronden. Die an den Kochherd, an die Kinderstube gefesselte Frau, sie muß beim Morgengranen das Tagewerk aufnehmen und die häuslichen Sorgen nehmen sie in Anspruch bis tief in die Nacht. Hat gar der Kapitalismus die Frau, die Mutter in den Dienst der kapitalistischen Fron gespannt, dann drückt das Joch noch schlimmer. Das Leben solcher Frauen gestaltet sich zu einer ununterbrochenen Kette von Trübsal und Leiden Kaum bleiben der Gehetzten ein paar Stunden für die Nacht ruhe, um notdürftig die verbrauchten Kräfte zu ersetzen. Lasten, Beschwerden und— Pflichten wurden der Frau m reichem Maße zuteil. Größere Lasten als dem Manne Und als Staatsbürgerin die gleichen Pflichten, aber verwehrt sind der Frau die Rechte. die dem Manne wenigstens in bescheidenem Maße zur Verfügung stehen Nicht verschont ist die Frait von der Pflicht zur Arbeitz tributpflichtig ist sie dem Staate als Steuerzahlerin, bei schlechter Entlohnung drückt der Junker Brotverteuerungs Politik sie ganz besonders, sie muß dem Lande den Nachwuchs schenken, ihn erziehen, nieist unter übergroßen Beschwerden und Entbehrungen. Die Frau untersteht in jeder Beziehung den allgemeinen staatlichen Anordnungen und Gesetzen. Der Komplex der Pflichten hat für die Frau nur die eine Lücke: Befreiung von der Wehrpflicht. Dafür bleiben ihr die ungleich schwerer wiegenden Mutterpflichten. Aber von Rechten ist nicht die Rede. Das Wahlrecht zu allen gesetzgebenden Körperschaften und Verwaltungskorporationen wird der Frau vorenthalten. Ihr ist verwehrt jeder Einfluß auf jene Körperschaften, welche die Pflichten des Einzelneu als auch solche von Jnteressenvereinigungen usw. in die Gesetzesform gießen. Das ist schamlose Vergewaltigung. Hier gegen sich aufzulehnen ist der Frauen heiliges Recht, es ist ihre unabwendbare Pflicht. Auch die Männer haben noch längst nicht das volle Wahlrecht errungen. Das allgemeine gleiche und geheime Wahlrecht für die Landtagswahl steht noch aus. Die Maifeier dient zugleich der Erlangung des unbeschränkten Wahlrechts fiir alle gesetzgebenden Körperschaften. Und die Wahlrechts� demoustration schließt ein die prinzipielle Forderung der Zuerkennung des Wahlrechts zu allen öffentlichen Korporationen auch für die Frau. Hat da die Frau nicht doppelt und dreifach Ursache, sich an der Maifeier zu beteiligen? Ganz gewiß) Die Frau demonstriert für Gleichbewertung der weiblichen mit der männlichen Arbeitskraft, sie demonstriert für den Völker frieden, gegen den mcnschenmordendcn, verwüstenden Militaris mus, sie demonstriert für das Wahlrecht, sie demonstriert als Verkäuferin von Arbeitskraft und als das noch besonders ge knechtete, unterdrückte und entrechtete Weib. Darum hinaus ihr Proletarierinnen I Hinaus am I.Mai aus dem Haus, aus der Werkstatt, aus der Fabrik. Hinein in die Versammlungen! Genossinnen, herbei zur Demonstration für Freiheit und Völkerglück l Fort mit der Gefindeordnung! Eine Volksversammlung mit dieser Tagesordnung, ein- berufen von der Vertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen und besonders der Agitation unter den Dienstboten gewidmet, die speziell eingeladen worden waren, tagte am Dienstag unter sehr zahlreicher Beteiligung im Neuen Klubhaus in der Konimandanten- straße. Reichstagsabgeordneter Artur Stadthagen referierte. Im ersten Teil des Vortrages, der die Entstehung der Gesindeordnungen im historischen Zusammenhange behandelte, kenn zeichnete Redner die Gesinderechtsverhältnisse als Ruinen, von den Machthaber» herübergerettet aus längst verflossener Zeit, auf- gebaut auf dem ZwangSgesindedienst und der Hörigkeit, wie sie namentlich seit dem 17. Jahrhundert sich herausbildeten. Von den preusjischen Gesindeordnungen datiert die älteste noch gültige, die des ehemaligen Herzogtums Lauenburg, ans dem Jahre 1782. In Preußen haben ivir l9 Gesindeordnungen, die bezüglich der Unter- werfung und der_ Rechtlosigkeit des' Gesindes sowie der Bevor- rechtung der Herrschaft ziemlich gleich find. Im größten Teile Preußens gilt die Gesindeordnung vom 8. November 1810, die im wesentlichen noch gültig ist. Sic gilt auch für Berlin, wo ihr nach der letzten Zählung 85 RXI>oeibliche Dienstboten unter- stehen. Sie enthalte, so führte Stadthagen weiter ans, beinahe wörtlich dieselben Vertragsbestimmungen, unter denen vorher das hörige Gesinde zu leiden hatte. Tatsächlich seien auch danach die Arbeitslasten und Pflichten ohne Zeitfrage. Zu jeder Zeit, auch nachts müsse danach„das Gesinde" mit„Ehrerbietung und Achtung" die Befehle„der Herrschaft" ausführen. 24 Stunden im Tage köniie die Kraft des Gesindes in Anspruch genommen werden. Vervoll- ständigt werde das Gesindennrecht durch das Gesetz über die Ein- sührung von Gesindedienstbüchcrn und durch das Gesetz vom 24. April 1854, betreffend die Verletzung der Dienstpflichten des Gesindes und der ländlichen Arbeiter. Dies Gesetz bedrohe hartnäckigen Ungehorsam oder Widerspenstigkeit dcS Gesindes mit Strafe, Vertragsverletzungen der Herrschaft aber sind straffrei! Und mit Gefängnisstrafe bis zu einem Jahre ist neben ländlichen Arbeitern und Schiffskuechten das Gesinde bedroht, welches die Arbeitgeber oder die Obrigkeit zu gewissen Handlungen oder Zu- gcständnisse» dadurch zu bestimmen sucht, daß es die Einstellung' der Arbeit oder die Verhinderung derselben bei einzelnen oder mehreren Arbeitgebern verabredet oder zu einer solchen Verabredung auf- fordert. Danach schon sei ein Kampf im Sinne deS gewerkschaftlichen Kampfes für das Gesinde ausgeschlossen. Das Vereinigungsrechtsei zwar ihm nicht genommen, bestehe aber tatsächlich nicht, da ja nach der Gesindeordnung das Gesinde zu gehorchen habe, wenn die„Herrschaft" ihm den Ausgang verbiete. Die zwangsweise Zurückführnng in das Dienstverhältnis, die durch das Reichsrccht, die Zivilprozeßordnung, auch für das Gesinde beseitigt ist, werde immer noch mit Billigung des Ministers des Innern und der Vcrwaltungsgerichte gehandhabt. Wen» man die angeführten und sonstigen bekannten Ausnahme- bcstimmungen gegen das Gesinde zusammennehme, so komme man zu der Feststellung, daß cS sklavenähnlich zur Befolgung aller Bc- fehle der Herrschaft verpflichtet sei. Das gehe sogar so Iveit, daß das Gesinde vielfach bestraft wurde, weil eS rechtswidrige. unanständige, seine Würde nnd seine Ehre, auch seine weibliche Ehre angreifende Zumutungen nicht mit„Ehrerbietung nnd Bescheidenheit"(§ 76 Ge- sindeordnnng) entgegengenommen habe. Wiederholt sei so be� handeltes und deshalb fortgelaufenes Gesinde zwangsweise wieder in den Dienst zurückgebracht worden. Ausdrücke wie Saumensch, liederliche Dirne usw. seien schon als liebenswürdige Kosenainen betrachtet worden, die nicht zum Verlassen des Dienstes berechtigen. Für das Gesinde kenne die Gesindcordnung nur 7 Grunde zum Verlassen des Dienstes ohne Kündigung, dagegen gewähre sie der„Herrschafp 19 Gründe zur plötzlichen Entlassung. Und soweit das Gesinde in Betracht komme, sei zwischen Recht haben und Recht kriegen noch ein gewaltiger Unterschied. Schlimmer noch als der Wortlaut der Bestimmungen sei ihr- Auslegung durch die Gerichte und dornenvoll sei in fast allen Fällen der Rechtsweg. Redner geht darauf näher ein und erwähnt unter anderem ei» Urteil des Obcrverwaltungs gerichtS, das einen Befehl zur Rückkehr in den Dienst für berechtigt erklärte, weil in den Peitschenhieben, die das entlaufene Gc- finde erhalten hatte, keine„Gefahr für Leben und Gesundheit" und auch keine ausschweifende Härte zu erblicken sei. wenn man be- rücksichtige, wie das Gesinde auf dem Lande im allgemeinen behandelt werde. Ein Mädchen ertvies sich den Zudringlichkeiten eines HaussohnS gegenüber unzugänglich. Dieser warf sie darauf zu Boden, miß- handelte sie und bedrohte sie mit Schlägen auf den Kopf, wenn sie etwas sage. Das Mädchen verließ den Dienst. Schleunigst grif- die Staatsanwaltschaft ein, aber nicht gegen den„schwachen Mann", der Notzucht versucht hatte, sondern gegen das Dienstmädchen. Drei Mark Geldstrafe wegen unberechtigten VerlassenS des Dienstes wgren ihr Lohn. Die zweite Instanz hob das Urteil auf. Wenn solche Fälle.an Grund eines Gesetzes vorkommen könnten, so sei ein solches Gesetz eine Schmach für das ganze Volk. Es sei ein unsittliches Gesetz, weil es Freiheit und Sittlichkeit grob verletze. Freilich, dem Klüngel, der in Preußen regiere, möge es ja paffen, wenn durch Schläge nnd Beleidigungen den„Dienenden" die Menschenwürde ausgetrieben werde und lvenn sie arbeiteten m ungemessener Arbeitszeit und mit übermenschlicher Anstrengung. — Was das Züchtigungsrecht der Herrschaft angehe, so sei dieses zweifellos durch das Einführungsgesctz zum Bürgerlichen Gesetzbuch beseitigt, das ergebe dessen Entstchunasgeschichte. und wenn ein Minister des Innern es zehnmal mit geklügelter Polizeidialektik be stritte. Ohne Zweifel dürfe Gesinde, das die Herrschaft schlagen wolle, sich jetzt zur Wehre setzen. Gegen die unzerechten Bedingungen für die Lösung des Dienstverhältnisses, wie sie die Gesindeordming festlege, könnten die Dienstboten sich einigermaßen schützen durch schriftliche Verträge, die jene Bedingungen ausschlössen und andere an ihre Stelle setzten. Nach dieser Richtung müsse kräftig agitiert werden. Eine lebhafte Agitation für die Beseitigung der Gesindeordnung und die Gleichstellung des Gesindes mit den ge- «verblichen Arbeitern müsse einsetzen, aber nicht nur bezüglich des Arbeitsverhältnisses, sondern auch mit Bezug auf die sozialpolitischen Errungenschaften, so die Krankenversicherung, die Unfallversicherung, die Gerichtsbarkeit in Streitigkeiten aus dem Gesindeverhältnis. Nach einem Hinweis auf den ungeheuren Prozentsatz von Dienstboten unter den Prostituierten, der sich erklären läßt aus der wirtschaftlichen und geistigen Not der Dienstboten, und nach einer glänzenden Kritik der die bürgerliche Gesellschaft beherrschenden Heuchelei, schloß Redner: Gegen Unzucht, gegen Unrecht, gegen Unsittlichkeit und gegen Heuchelei trete auf, wer eintrete für die Beseitigung deS Gesindeunrechts. Darum: Fort mit der Gefindeordnung I(Lebhafter anhaltender Beifall.) Die Frauenrechtlerin Frau Deutsch vom Verein für die Hausangestellten der Berliner Organisation der Dienstboten erklärte, der Referent habe in treffender Weise die Gesindeordnung charakterisiert. Tatsächlich sei sie ein Ueberbleibsel aus Mittelalter� licher Leibeigenschast und eine Schmach. Fräulein K o s ch n i tz k i drückte ihre Genugtuung darüber aus, daß Stadthagen so warme und so wahre Worte für die Dienstboten gesprochen habe.— Fräulein H o f f m a n n, die den Abend und den Vortrag mit großer Freude begrüßt, erwartet nichts von der bürgerlichen Frauenwelt nach ihren Erfahrungen auf dem intcniationalen Frauenkongreß, dagegen viel von der Arbeiten Partei.— Auch Fräulein Hall drückte dem Referenten ihren Dank namen? der Dienstboten aus.— Alle Rednerinnen schilderten die Rechtlosigkeit und Leiden des Gesindes.— Frau G u b e l a und Bäcker K n o l l hoben die Bedeutung der Sozialdemo- k r a t i e iin Kampfe gegen die Gefindeordnung hervor.— Ebenso die Einberufcrin und Vorsitzende Ottilie Baader, welche verspricht, daß weitere öffentliche Versa in mlungen, auch SouutagSnachmittags, zur politischen Aufklärung der Dienstboten stattfinden würden. In einer Resolution stellte die Versaminlung folgende Forderungen auf: Beseitigung der Gesindeordnung und der gegen das Gesinde bestehenden Ausnahmegesetze, namentlich des Gesetze vom 24. April 1854. Arbeiterschntz durch Reichsgesetz fiir das Gesinde. Ein volles gesichertes Koalitionsrecht. Rechtliche Gleich- stelluiijj deS Gesindes mit den gelverbliche» Arbeitern rücksichtlich des Dienswertrages, der Kranken- und Unfallversicheruiici. Dienst- botengerichte nack Art der Gewerbegerichte unter Beteiligung der Dienstboten als Beisitzer. Mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die Ver- sammlung._ Britz. Am Donnerstag, den 19. d. Mts., fand die Gencral- versainmlnng des hiesigen Frauen- und Mädchen-Vcreins statt, in der Frau Zeetze einen Vortrag hielt über:„Moderne Welt- anschauung und unsere Schule." Der Vortrag wurde mit reichein Beifall aufgenommen. Am Anfang des vorigen Quartals hatte der Verein 24 Mitglieder, 14 Neuaufnahmen erfolgten. Einer Einnahme von 52,15 M. pro 1. Quartal 1906 steht eine Ausgabe von 27,— M. gegenüber. Der Kassiererin wurde Decharge erteilt. Die Vor- ätzende schloß mit der Aufforderung zum Abonnement auf die „Gleichheit". Treptow. Heute abend 8>/z Uhr findet bei Mohlau, Kiefholz- 'traße 35, eine Frauenversammlung statt, in welcher Frau A. Stern über:„Gibt es ein Fortleben nach dem Tode" referieren wird. Zahlreicher Besuch der Treptower Frauen wird erwartet. £1iis Industrie und Handel. Steigende Ueberschüsse. Die BergwerkSgesellschafien erfreuen sich glänzender Geschäftsergebnisse. Die Bergwerksgescllschafl Hibernia erzielte für das 1. Quartal 1906 einen Ueberschuß von 4 170 179 M. gegen 1353 069 M. für daS 1. Quartal 1905. Das erste Halbjahr 1905 erbrachte 4 314 425 M. In den ersten drei Monaten 1906 wurde mithin fast dasselbe Ergebnis erzielt, als in den ersten sechs Monaten 1905. Die Gewerlschaft Friedrich der Große-Herne schließt das letzte Geschäftsjahr mit einem Betriebsgewinn von 1 573 440 M. ab. Daraus wnrden 447 750 M. Ausbeute verteilt und 624 509 M. zu Abschreibungen verwandt. Gegen den Spiritusring. �Die Königsberger Stadtverwaltung hat einstimmig beschlossen, die Spiritusbelenchtung, die in inehrerrn Straßen eingeführt ist, durch Gas oder eleklrisches Licht zu ersetzen, weil nach Einführung des Spirituslichtes die Preise derart in die Höhe getrieben worden sind, daß die Abschaffung dieser Beleuchtung aus wirtschaftlichen Gründen geboten ist. Auch die Großdestillatenre nahmen zu den durch den Spiritusriug geschaffenen unhaltbaren Zuständen Stellung. Skrupellos«verde» durch den Ring Existenzen zugrunde gerichtet. Man beschloß Maßnahmen zu treffen, um die Willturherrjchaft des Ringes zu brechen.. Russische Schwindeleien. Die dem Russenkonsortimn dienstwillige Presse bringt in den letzten Tagen mehrfach wirtschaftliche Stimmungsbilder ans Rußland, die offensichtlich den Zweck ver- folgen, Kapital nach dort zu dirigieren. Wie es in Wirklichkeit in Rußland aussieht, läßt ein Aufruf des OrganisationsbureanS der altrussischen Kongresse von Vertretern der Industrie und des Handels erkennen. Es heißt darin:„Die Industrie und der russische Handel durchleben also eine schivere Zeit, ihnen droht die größte Gefahr." Und die Prog.-Prmn-Gas entwirft ein trübes Bild. „Die Lager der Werke im Ural sind"— so heißt es in dieser Schilderung—„infolge der Stockung des Eisenbahnverkehrs mit Er- Zeugnissen überfüllt und die Betriebsmittel sind vollständig erschöpft, so daß einige Werke gezwungen sind, ihre Arbeiter mit Gußeisen zu bezahlen. Die Arbeiter nehmen auch das Eise«, zur Fabriktaxe in Zahlung, da der Betrieb sonst gänzlich eingestellt«verde» würde. Daß die Arbeiter mit ihrem in Ware ausgezahlten Lohn so gut wie nichts anfangen können, ist ja wohl einleuchtend. Jetzt naht die NavigationSeröffnnng heran, so daß die Werke hoffen, ihre im Winter angesammelten Erzeugnisse absetzen zu können. Einige an Flüssen belegene Werke besorgen die Verflößung ihrer Erzeugnisse selbst und sind«vährend der Navigation von der Eisenbahn un- abhängig: die anderen Werke dagegen müssen ihr Eisen und Guß- eisen per Eisenbahn bis zur Kama schössen. Die Eisenbahn kann ihnen jedoch nur 27 Waggons täglich zur Verfügung stellen, an- statt 135, deren die Werke bedürfen." Zahlungsschwierigkeiten. Obgleich in San Francisco die Bankiers anfangs erklärt hatten, die Geschäfte ehestens wieder oufiiehinen zu wollen, suchen sie nun um ein dreißigtägiges Moratorium nach. welches in der Weise erwirkt werden soll, daß der Gouverneur durch einen schon eingesetzten Ausschuß ersucht wird, von Tag zu Tag dreißig Tage lang Feiertag zu proklamieren. Die hiesigen Bankiers sind beschäftigt, ein Schutzkomitee für die Fcuerversicherungsgesell- schaften zu bilden, so daß diese von einer umfangreichen Abstoßung von Wertpapieren Abstand nehmen können. Es wird geplant, etwa 40 Millionen Dollar flüssig zu machen. Nebertölpelt. Bisher hieß es imnier, eine der Bedingungen für Auflegung der neuen russischen Milliardenanleihe sei die Zusicherung, daß Rußland im Laufe der nächsten zwei Jahre eine neue Anleihe nicht auflegen dürfe. Und die in Petersburger Blättern ver- öffentlichten offiziellen Anleihebediiigungen enthielten auch den Passus, Ruhland dürfe während der genannten Zeit im Auslande keine neue Anleihe emittieren. Wie die„Franks. Ztg." jetzt mit- teilt, als offizielle Mitteilung, interpretiert Rußland die Bedingung dahin, daß es nur in Frankreich keine neue Anleihe auflegen dürfe. Demnach hätten die russischen Finanzkttnstler wiedermal ein falsches Spiel gettieben.______ Die Präzis des ärDlhe» wiffenschastliliit« Nerbandes für Dentschland. Die aus dem Leipziger Aerztekricg entstandenen Prozesse sind so zahlreich, daß sich ihre Registrierung kann«, noch lohnt. Nur dann und wann muß von einem solchen aus publizistischen Gründen Notiz genommen«Verden, wie z. B. von dem. der sich vorgestern vor dem Schöffengericht gegen den Genossen Heinig, als verantwortlichem Redakteur� abspielte, worin die beiden ehemaligen Hauptführer der Distriksärzte, Dr. Bergmann»nd Dr. Weiß, auf immer moralisch hingerichtet wurden. Die beiden fühlten sich durch die Bc- merkung in einem Gerichtsperhandlungsl>erichte voin 23. September vorigen Jahres beleidigt, daß sie die ersten waren, die ihr Ehrenwort gebrochen nnd an ihren Kollegen Verrat geübt hätten. Um diese Behauptung zu beweisen, mußte gestern ein ganzes Heer ehemaliger Distriksärzte, der Vor- sitzende des Wirtsckxiftlicheii Verbandes der Aerzte, Dr. Hart- mann, der Aerzteagent Töpfer, der die Leute zu kaufen hatte und noch hat, der Vorsitzende der Ortskrankenkasse, Genosse P o l l e n d c r, und der ehemalige Kassierer des Sanitätsvereins, Genosse Ryssel, als Zeugen geladen«verde». Die Verhandlung dauerte denn auch bis spät abends. Die Sache ist kurz folgende: Als sich der Aerztckrieg seinem Ende näherte, ließen sich auch u. a. Dr. Bergmann und Dr. Weiß vom Wirtschaftlichen Verband kaufen, nahmen den Diitgliedern ihres Vereins(fe st b esold ete r K a s sen är z t e) aber gleich. wohl das ch renwörtliche Versprechen ab, sich nicht vom Verband kaufen zu lassen, und ihnen, wen» sie mit dem Ver- band überhaupt in Verbindung zu treten gedächten, vorher Mit- teilung davon zu machen hätten. Einen Arzt, der mit dem Verband unterhandelte, nannte Bergmann wortbrüchig. Deshalb verklagte ihn dieser, der Prozeß endete aber mit dein Freispruch B.s. An das Referat dieser Verhandlung war nun im Bericht die Bemerkung ge- knüpft worden,«vegen deren Bergmann und Weiß Strafantrag ge- stellt haben. Die Zeugenvernehmung ergab nun zweifellos, daß B. und W. vom Wirtsibaftlichen Verband zusammen die Summe von 30 000 M, erhalten hatten. Nunmehr arbeiteten sie im Gegensatz zu den Prinzipien des Vereins daran, daß sich die Distriksärzte einzeln kaufen und von Leipzig abschieben lassen sollten, («mit die Ortskrankenkasse dem Verbände überliefert würde. Der Aerzteagent Töpfer mutzte unter dem Eideszwang aus- sagen, daß einzelnen Aerzten bis zu 40 000 M. Abfindungssummen gezahlt iv u r den. Gegen den Ge- nassen Pollen der, der dem Treiben dieser beide«, Herren entgegentrat, erhoben sie bei den Miigliedern den blödsinnigen Vorwurf, dieser habe sich für 30 000 M. kaufen lasse«, und trete deshalb für den Friedensschluß ein. In der Ver- Handlung lvagtc die klägcrische Partei nicht mehr, den Vorwurf zu wiederholen. Genosse Vollender räumte als Zeuge mit dem Lügen- gewcbe über den Ortskrankenkasscnvorstand auf. Weil sich der Zeitpunkt nicht mehr feststellen ließ, an dem Töpfer an die beiden Herren Aerzte herangetreten war, und diese de.hauptc- ten, daß sie ihr gegebenes„E h r c n w o r t" zur fraglichen Zeit�z u- rückcrhalten hätten, sah das Gericht den Beweis für den Wortbruch nicht als erwiesen an, weshalb es den GpnSffw&rinw zu 200 M. Geldstrafe verurteilte; hingegen sah es d-säi Ve r � rat der beiden an ihren Kollegen als er wiesen an und betonte dies ausdrücklich in seiner Ur» teilsbegründung. Nach diesen gerichtlichen Feststellungen ist die Oeffentlichkeit nun aber auch über den Charakter dieser Aerzteorganisation(den Wirt- chaftlichen Verband für Deutschland) unterrichtet, die man auch in unserer Partei und nnS nahestehenden Kreisen als eine gewerkschaft- liehe Kampfesorgamsation während des Aerztekrieges gnge- sprochen hat._ Gerichts-Zeitung. Milde Richter für zuküustigc Richter. Sie haben uns angelacht, mit diesen Worten war der Rechts- kandidat Fischer eines Abends im Cafe Kronprinz an den ihm gegenübersitzenden Kaufmann Schaffernicht herangetreten. Als letzterer entgegnete:„Das geht Sie doch nichts an," bemerkte Fischer: «Wen«, Sie noch einmal lachen, erhalten Sic Ohrfeigen". Schäffer- nicht nahm aber die dreiste Drohung nicht ernst und amüsierte sich über die HcranSforderung. Erstaunt«var er aber, daß Fischer und sein Freund, der RechtSkandidat Grell, mit Stöcken in der Hand Plötzlich vor die' Tür'deS Cafes liefen, als Schaffernicht nach Hause gehen«rollte. Mit den Worten:„Wollen Sic revozieren" erhielt Schaffernicht, zur Tür hervuSkommend, von Fischer einen Faust- schlag ins Gc s i ch t. Dam« bearbeiteten die beiden Juristen den Kaufmann noch mit ihren Stöcken, bis die Polizei einschritt. Tie beiden RechtSkandidotcn, die am Dienstag vor dem Schöffen- Gericht in Halle wegen gemeinjchajtlichsr Kvrp.ervex. l e h u ng mittels gefährlichen Werkzeuges angeklagt waren, meinten, sie hatten in Notwehr gehandelt, da sie ihrer„dnrch Anlächeln verletzten Ehre" Genugtuung verschaffen mußten. Staats- anwalt Schlutter sagte, von Notwehr könne keine Rede sein. Ter Borfall sei, zumal zwei Rechtsiarididalen dabei in Frage kämen,„sehr unliebsam". sBei Arbeitern nennt man so etwas schlechtweg Roheit.) Berücksichtigen müsse man aber, so meinte der Ankläger, die Empfindlichkeit und die Ehrbegriffe, die in den Kreisen der Angeklagten herrschen, weshalb gegen Fischer eine Geldstrafe von 40 und gegen Grell eine solche von 20 M. zu beantragen sei. Das Gericht verneinte auch, das; gemein. schaftliche Körperverletzung vorliege,„da die Genugtuung ein rein individuelles Motiv sei" und erkannte gegen Fischer auf 30 M. und gegen Grell auf 10 M. Geldstrafe. Schärfer als durch diese Begründung emer minimalen Strafe für anmaßende Provolationen und feigen Ueberfall könnte weder die innere Hohlheit und die brutale Roheit, die nach diesem Zeugnis des Staatsanwalts die Studierten, insbesondere die Juristen bc- herrscht, sowie die Wirkung einer Klassenjustiz kaum gekennzeichnet werden._ Rentenanspruch eines Polizisten. In der Hallenser Stadtverordnetensitzung amüsierte man sich am Dienstag über einen hübschen Prozeß, den ein Polizist gegen die Stadtverwaltung anhängig gemacht hat. Ter Beamte war gclegent- lich der Kaisergeburtslagsscier in eine Menschenansammlung ge. raten, in der die Begeisterung derartig angeschlvollen war. daß für seine Leibesfülle nicht genügend Platz vorhanden gewesen ist. Er verlangte für die Beschädigung seines Leibes eine Rente, die vom Gericht aber, wie in der Sitzung»utgeteilt wurde, abgelehnt worden ist. Der Mann hat sich die Sacho derartig zu Herzen genommen, daß er seinen Dienst als Polizist quittiert bat und Revierförster geworden ist, da im einsamen Walde derartige Folgen der Begeisterung nicht zu erwarten sind. Selbst die Hallenser bürgerlichen Stadtverordneten vermochten einen Rechtsanspruch des Polizeibeamten nicht anzuerkennen. Wenn man die Grundsätze des Unfallversick�rnngsgcsetzeS auf den Polizeibetrieb ausdehnt, könnte man vielleicht„patriotische" Begeisterung als Unfall in diesem Betrieb erachten. Nehmt Euch vor Kautionsschwindleru in Acht! Eine Reihe ganz dreister Kautionsschwindeleien führte gestern den„Magnetiseur" Karl Wagner und dessen Ehefrau vor die 8. Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte spekulierte auf solche Leute, die durch Zeitungsinserate Vertrauensstellungen, Verwaltung von Filialen zc. suchten. Der Angeklagte verfügte über eine ganze An- zahl von Filialen eines„großen Obst- und Konfiturengeschäfts" in den verschiedensten Straßeil Berlins und auch in der Pestalozzi- straße in Charlottenburg. Mit diesen Filialen sah es aber eigen- rümlich aus. Der Angeklagte Wagner mietete irgendwo einen Laden, stattete ihn mit geborgtem Mobiliar aus, steckte Waren im Wene von 50— 60 M. hinein und suchte dann an der Hand der Inserate eine Filialverwalterin. Die Hauptsache war, daß die betr. Frauen oder jungen Mädchen für die„großen" Warenvorräte eine Kantion von b00 M. geben mußten. Dann wurden sie ihrem Schicksal überlassen, er- hielten niemals Gehalt und wenn sie eingesehen hatten, daß sie in der„Filiale" gar nichts zu tun hatten oder das Geschäft wegen aus- bleibender Mietszahlung durch den Hauswirt geschlossen war, so be- mühten sie sich vergeblich, ihre Kaution wiederzuerlangen. Wenn in dieser Weise ein„Geschäftchen" dieser Art erledigt war. begann das Spiel von neuem, es wurde wieder eine„Filiale" begründet und eine Verwalterin für diese gesucht und wieder hatte die Be- treffende den Verlust ihrer Spargroschen zu betrauern. Es lagen gestern 7 solcher Fälle gegen ihn vor, zu denen sich noch 4 anders liegende Fälle des Betruges gesellten. In einzelnen hat er, wenn er von seinen Gläubigern be- drängt wurde, auf seine wertvolle Mobiliar- und Ladeneinrichtung hingewiesen. Kam es dann aber zur Klage, so stellte sich heraus. daß diese Einrichtungen gar nicht sein Eigentum, fondern auf Leih- vertrag entnommen waren. In einem Falle hatte eine resolute Wirtin, die keine Miete erhielt, kurzerhand den Laden geschloffen und ein Vorhängeschloß davvr gelegt. Er machte aber noch kürzeren Prozeß, zog die Stammen des Vorlegeschloffes heraus, tzelrat den Laden und zog mit einem Teil des Mobiliars fröhlich von dannen. Er hat sich dadurch auch eines strafbaren Eigemmtzes schuldig gemacht. In einem anderen Falle ist ihm eine schwere Ür- kundenfälschung mit untergelaufen. Recht übel hat er einem jungen Manne Namens Kehl mitgespielt, der dnrch Inserat eine Vertrauens- stellung suchte. Er setzte sich mit ihm in Verbindung und redete ihm vor, daß er als H e ilm a g n e t i s cur so viel zu um habe, daß er es allein nicht mehr schaffen könne und deshalb einer Hülfe bedürfe; Kehl erklärte sich bereit, sich als Heilmagneliseur ausbilden und dann gegen Zahlung einer Kaution von 1000 M. sich eine Filiale über- tragen zu lassen. Er wurde belehrt, daß, wenn ein Patient komme. er drei Finger der rechten Hand auf die Herzgrube, drei Finger der linken Hand auf den Hinterteil zu legen habe, erhielt dann noch einige Bücher, aus denen er die weitere Wissenschaft einsaugen sollte — und der„Heilmagnetiseur" war fertig. Nachdem Kehl mit Hülse eines Freundes, der'ihm seine gesamten Spargroschen geopfert, die 1000 M. Kantion hingegeben halle, mietete der Angeklagte in der Schönhauser Allee 72s. ein Zimmer mit Badestube, stattete es mit einigen Leihmöbeln aus und schrieb stolz als Firma daran:„ H e i l n, a g n e t i s ch e S Institut für Nerven- kranke". Dieser„Filiale" solne Kehl vorstehen. Er wartete lange Zeit vergeblich auf Patienten, denen er drei Finger aus die Herzgrube legen konnte, und als er des Wartens überdrüssig war und auch das ihm zugesicherte Gehalt ausblieb, gab er die Wurde des Heilkünstlers auf und verlangte seine Kaution zurück. Er verlangte aber vergeblich und auch mit gerichtlichen Schritten war nichts auszurichten.— Der Gerichtshof ver- urteilte den Angeklagten als gemeingefährlichen Schwindler zu vier Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, seine Frau wegen Beihülfe zum Betrüge in zwei Fällen zu drei Monaten Gefängnis. Der Prozeß gegen den Raubmörder Hcimig steht am 30. d. M. vor dem Potsdamer Schwurgericht zur Verhandlung, lieber den- selbei�verdenwi�ingehen��erichtem��������������� fijt Wenn Sie uns fragen würden, warum wir selbst am liebsten Josetti-Cigaretten rauchen, würden wir kurz antworten: „Wegen des würzigen Aromas und des milden, feinen Geschmacks, die ihnen eigen sind". Diese Quaiitäts-Eigentümlichkeiten werden selten vereinigt in türkischen Cigaretten gefunden und in keiner Sorte so vollkommen als in JOSETTI CIGAREXTEN Wir haben viele türkische Cigaretten mit ausgesprochenem würzigen Aroma geraucht, aber die Stärke derselben war für dauerndes Rauchen unerwünscht. Es sipd die bei der Herstellung von Josetti-Cigaretten verwendeten geschickten Mischungen, die das bouquetreiche Aroma der reifsten besten türkischen Tabake vereinigt mit mildem, lieblichem und doch vollsaftigen Geschmack bewahrea Dies kann nur mit absolut harmonisch zusammengestellten Mischungen erreicht werden. Dieses Ziel zu erlangen, ist uns stets als wichtigste Aufgabe in unserer langjährigen Praxis erschienen, und nur durch unermüdliche Bestrebungen ist es uns gelungen, Josetti-Cigaretten zu ihrer jetzigen Vervollkommnung zu bringen und uns den hervorragenden Platz, den wir fa unserer Branche einnehmen, zu gewinnen. f Josetti Juno 10 St. 20 Pfg. Joselt! Griseldis 10 St. 30 Pfg, J ''IUI i % VS& ZusammenstenoBe Tabakblätter(Dt Joaetti-Cigaretta» zum Verpacken i» Ballen. Hur noch kurze Zelt! Inventiir- Ausnahmepreis iiimeiHmirn! Eine große Afuktckf« Partie eofixer" Tischdecken mit reicher Stickerei ta.33V/.iinterPreis! 180X130 cm 75 M. Wert 10.00 140X140 cm 7.85M. �SBO 130X160 cm 10.5OM. Ya00 146X175 cm 13.S0M. �50 — Stach außerhalb— per JVachnabme. Teppich-Spezial-Haus Oranien-StraBe 183. Inventur-Extraliste und der soeben erschienene Katalog 1906 gratis und franko. Rohtabak Geschafls-Eröflfnuns am S4. April. 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