Nr. 98. HbonncmentS'Bedlngungen: Abonncnients- Preis pränumerando: Bierleljährl.».zo Mr., monatl. I.io Mr., tvöchenliich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonnlags. Nummer mit Austrierter Sonntags. Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs. Preislisle. Unter Kreuzband:ür Deutschland und Ocslerreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweis, CridKlBt tigilch außer IHontaa». Verlinev Volksblcrkk. 83. Jahrg. VIe»nkektlonk-Sedohr deträgl für die sechSgespollene Kolonel- geile oder deren Raum bO Pfg., für politische und gewerlschaftliche Berelns. und Berfammlungs-Anzeigen SO Pfg. „Klein» Hnzeiaoi", das erste(fest. gedruckte) Wort 20 Pfg., jede» weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Lnzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort E Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis Ii Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geäffnet. Telegramm-Adresse! „SMlaUcnskrit Berlin". Zcntralorgan der fozSaldcmokratifchcn Partei Dcutfchlatids. Redahtion: 8M. 68, Lindcnatrasse 69. SvcnifpitTdicr: Zimt IV. Rr. 1983. Sonnabend, den 28. April 1903. Expedition: 8M. 68, Lindenstpaeac 69. jpernivrecher: Mmt IV. Nr. 1984. Zur üusiveiiungslchmach. In den letzten Tagen ist einigen bürgerlichen Zeitungen die Zunge gelöst. Sie haben sich zu Protesten gegen die Ausweisungspraktiken aufgerafft. Nur„Die Welt am Montag" und die„Tribüne" nehmen sich der angeblich„Politischen" an. Das„Berliner Tageblatt" schreibt mancherlei, aber auch nicht ein Wort der Kritik an diesen Ausweisungen, nicht ein Wort zum Schutz dieser Ausgewiesenen. Im Gegenteil, es fährt fort, das skandalöse Verfahren der Polizei zugunsten des Spiridonowa- Zarismus zu decken, indem es allerhand Polizei- offiziösen Ausstreuungen Raum gibt und durch seine Kritik eines anderen Teils der Ausweisungen zu verstehen gibt, daß es gegen die politischen Ausweisungen nichts ein- zuwenden hat. Das muß festgenagelt werden l Was sollen die„Politischen" verbrochen haben? Auch nicht einem einzigen ist, wie wir hören, reiner Wein ein- geschänkt worden; einigen ist, wie schon mitgeteilt, als Ur- fache der Ausweisung angedeutet, daß sie sozialdemokratische Versammlungen besucht hätten. Uebrigens wäre das kein stich- haltigcr Anlaß zur Ausweisung— außer etwa für Blätter vom Schlage der„Post". Aber auch die leitende Presse ist liberal genug— gegen die Polizei, diese Behandlung zu akzeptieren. Ter Hehler ist schlimmer als der Stehler— das gilt auch im öffentlichen Leben. Pfui über diese liberalen Hehler der Polizeischmach I Tatsache ist aber, wie uns bestimmt versichert wird, daß jene Ursache bei allen zwanzig, oder wenigstens bei den meisten von ihnen, nicht vorliegt. Das wäre leicht erweislich. Aber in Ausweisungssachen gibt's für Ausländer keine Klage und damit keine Möglichkeit eines geordneten Beweisverfahrens. Ueberall sonst gilt der Satz„in dubio pro reo"— im Zweifel ist zugunsten des Beschuldigten zu entscheiden. In Aus- Iveisungssachen nicht. Da entscheidet despotisch das mehr oder weniger weite Gewissen jener dunklen Spitzel-Ehren- männer, die ein anständiger Mensch nicht mit Handschuhen anfaßt; man ist dieser Sorte von Menschen auf Gnade und Ungnade, ohne die Möglichkeit einer Abwehr ausgeliefert. „An eines Spitzels Wort soll man nicht drehen noch deuteln"— so heißt's auf Polizei-Deutsch. Wer nicht einsieht, daß dieser Zustand eines Kulturstaates, der doch Deutschland zu sein vorgibt, unwürdig ist, mag nach Rußland ziehen, unter die Fittiche Durnowos. Mit anerkennenswertem Eifer hat sich in den letzten Tagen das„Berliner Tageblatt" der nicht politischen Aus- gewiesenen angenommen, die von Abteilung V des Polizei- Präsidiums„bearbeitet" worden sind und werden. Aber, und das ist wiederum charakteristisch für die Sorte Liberalismus, wie sie im„Tageblatt" ihr Wesen treibt: Die ganze Eni- rüstung des„Tageblatts" richtet sich dagegen, daß auch viele wohlhabende, selbst reiche Russen der Polizeiwillkür zum Opfer gefallen sind. Wir hatten ganz richtig taxiert, als wir vor einigen Tagen damit rechneten, daß eine solche Mißachtung des heiligen Mammons den„Tageblatt"-Liberalis- mus auf die Beine bringen würde. Natürlich stehen wir auch diesen Ausweisungen nicht kühl gegenüber, und die unglaub- lichen Sinnlosigkeiten, die sich die Polizei in ihrer Aus- Weisungspraxis beikommen läßt, sind geeignet, diese ganze Praxis als eine hilf- und ziellose nach jeder Richtung hin zu diskreditieren. Aber die Arbeiter, Arbeiterinnen und Klein- Handwerker, die man aus Deutschland hinauswirft, sind natürlich weit schlimmer daran, als die paar vermögenden Leute, die ihr Geld schließlich auch anderwärts verzehren können, jedenfalls nicht in unmittelbare Hülflosigkeit und Not getrieben werden. Was sollen die Tausende von Ausgewiesenen anfangen, denen kein Kapital zur Verfügung steht, denen auch das Reise- geld zur Uebersiedelung fehlt! Zahlreiche Fälle wissen wir, Ivo ganze Familien mit kranken und schwangeren Frauen, Kindern im zartesten Alter in eisige Kälte erbarmungslos hinausgejagt worden sind— ohne jeden Grund. Zeugen traurigster Szenen, die Steine erweichen könnten, waren in den letzten Monaten alle, zu denen diese Bedauernswerten, die da nicht wußten, wo sie ihre Häupter hinlegen sollten, hülfesuchend kamen, ohne daß ihnen doch geholfen werden konnte. Unwahr ist es, daß diese Ausgewiesenen arbeitslos oder armenpflegebedürftig gewesen wären: durchweg handelte es sich, soweit wir ermitteln konnten, um tüchtige Arbeiter mit auskönimlichem, häufig sehr gutem Verdienst, die durchaus nicht als Lohndrücker auftraten, meist eine feste Existenz in Deutschland begründet hatten und gegen deren Ausweisung sich selbst oft die Arbeitgeber verwandten. Wir haben über- reichliches Material hierfür in der Hand, das eine schwere Anklage gegen die preußische Polizei bildet. Und ist es denn nicht Humanitätspslicht des Deutschen Reiches, angesichts der furchtbaren politischen und wirffchast- lichen Misere in Rußland die Mühseligen und Beladenen, die sich aus dieser Misere flüchten, mit Barmherzigkeit zu begegnen, statt ihnen Fußtritte über Fußtritte zu applizieren? Wir leben doch angeblich in einem„christlichen" Staate! Die Polizei behandelt die Reichen und die Armen übrigens grundsätzlich ganz verschieden— wie sichs im Lande des Drei- klaffenivahlsystems gebührt. Die Wohlhabenden erhalten in der Regel die freundliche Mitteilung, daß ihr dauernder Aufenthalt nicht weiter geduldet werden könne, und daß sie, wenn sie sich innerhalb einer— meist recht geräumigen— Frist nicht aus Preußen entfernt hätten, ihre Aus- Weisung zu gewärtigen hätten; die Armen und be- sonders Berücksichtigungswerten aber werden einfach mit kurzer Frist sofort hinausbefördert. Dabei nimmt die Polizei sich neuestens wieder gar nicht die Mühe, die „Lästigkeit" ihrer Opfer auch nur zu behaupten: sie verfügt einfach die Ausweisung, Ipeil der Betreffende Ausländer ist, „welchem ein gesetzlicher Anspruch auf Ge- stattung des Aufenthalts in dem Gebiete des preußischen Staates nicht zusteht": ein Ver- fahren, das nicht nur dem Völkerrecht, sondern auch dem Arttkel 1 des deutsch-russischen Handels- und Schiffahrts- Vertrages vom 28. Juli 1904 ins Gesicht schlägt. Wie verlautet, hat der Polizeipräsident in den letzten Tagen dem Minister über die Ausweisungspraxis Vortrag halten müssen. Was dabei herausgekommen sein mag, zeigt folgende Notiz des„Berliner Tageblattes": In einer Unterredung, die einer unserer Mitarbeiter in Sachen der Ausweisung russischer Staatsangehörigen mit dem Unter- staatssekretär im Ministerium des Innern Herrn Bischoffshausen hatte, betonte der Unlerstaatssekretär ausdrücklich, datz für die Ausweisung weder politische noch konfessionelle Gründe matzgebend seien, sondern daß die Ausweisungsbefehle lediglich nur dann er- folgen sollen, wenn zu befürchte:: sei, datz die Ausländer der öffentlichen Armenpflege zur Last fallen, datz sie sich irgendwie lästig machen oder politisch betätigen. Der Unterstaatssekretär, der von der schemci tischen Ausübung der polizeilichen Verordnung selbst überrascht zu sein schien, bestätigt demnach unsere früheren Ausführungen, Der Grund, den der Polizeipräsident in Schöne- berg in einer eine Ausweisung betreffenden Anfrage gab:„die preuhische Regierung wünsche nicht eine Ansammlung russischer Juden in Berlin oder in Preutzen," scheint daher nicht stichhaltig zu sein. Es dürfte sich zunächst empfehlen, die Polizeibehörden schleunigst dahin zu verständigen, datz bei Beurteilung der augenblicklich vorliegenden und etwaiger späteren Fälle auch die soziale und wirtschaftliche Stellung der einzelnen in Berücksichtigung zu ziehen ist. Das ist köstlich-dumm oder schamlos. Das Moffeblatt ist befriedigt, weil„Ausweisungsbefehle"„lediglich nnr" dann „erfolgen" sollen(ein Deutsch, um Hühneraugen zu kriegen!), „wenn zu befürchten sei, daß die Ausländer der öffentlichen Armenpflege zur Last fallen, daß sie sich irgendwie lästig machen oder sich politisch betätigen". „Lediglich nur" die polizeiliche Befürchtung künftiger Notlage, die polizeiliche Befürchtung künftigen Lästig- Werdens, die polizeiliche Befürchtung künftiger politischer Betättgung soll enffcheiden!©in Blinder sieht, daß solche Ausweisungsgrundsätze den schlimmsten Pessimismus, den wir bisher hegten, als rosigen Optimismus erscheinen lassen. Dazu bedarf es gar nicht des Hinweises, wie hasenherzig, wie ncrvös-ängstlich die Polizei alles, selbst die Fliege an der Wand zu„befürchten" weiß, wenn's— ihr in den Kram paßt! Aber dies über alle Maßen absolutistische Programm des Ministers befriedigt das edelste aller liberalen Blätter. In der Tat: köstlich-dumm oder schamlos!— Der Schluß aber ist echt liberal- unanständig und ganz eindeutig: wenn er die„Berücksichtigung"„auch der sozialen und wirtschaftlichen Stellung des einzelnen" fordert, so heißt das nicht mehr und nicht minder, als: die Armen und die Arbeiter mögen ruhig weiter hinausgesetzt werden, wenn nur die Wohlhabenden, die Fleisch von unserem(der Mosse und Konsorten) Fleische sind, unbehelligt bleiben. Hat der Liberalismus gar keine Empfindung für die Jämmerlich- keit seiner Haltung? Aber mit der Preisgabe und Brandmarkung der Polizei und ihrer Hehler ist nicht genug getan. Wiederholt schon haben wir darauf hingewiesen, wie not- wendig eine gesetzliche Regelung des Frcmdcnrechts, eine gesetzliche Sicherung der Aufenthaltsverhältnisse der Fremden in Deutschland ist; wiederholt schon zeigten wir an dem Beispiel Englands, wo Ausweisungen an ein geordnetes, mit Rechtsgarantien versehenes Verfahren gebunden sind, daß ein solches Verfahren notwendige Voraussetzung eines jeden Fremdenrechts ist. Die Statuierung der Pflicht zur ausführlichen schriftlichen Begründung der Ausweisungen, die Aufhebung des§ 130 Abs! 3 des Landesverwaltungsgesetzes vom 30. Juli 1883, der dahin lautet: „Gegen die Landesverweisung steht Personen, welche nicht Reichsangehörigc sind, die Klage nicht zu", und die Beseitigung des§ 53 ebenda, soweit er unter einer Kautschuk-Voraussetzung die Vollstreckung einer Ausweisungsorder vor Rechtskraft zuläßt, ist für Preußen das mindeste an pro- zessualem Schutz, was sofort verlangt werden muß.— In materieller Beziehung ist gesetzlich festzulegen, daß Ausländern grundsätzlich dieselben Rechte zustehen, wie den Reichsangehörigen. Unsere Veröffentlichungen aus den Jahren 1903/1901 über die Fälle Krassikoff und Schekoldin haben ge- zeigt, daß preußische Behörden aller Kategorien den Aus- läudern die Grundrechte der preußischen Verfassung(die 'ogenannten„Rechte der Preußen") einfach absprachen und so ür die Ausländer— auf daß sie nicht aus der Uebung kämen— in Preußen einen ultrarussischen Polizei- Absoluttsmus, eine völlige Verfassungslosigkeit förmlich cta- blierten. Hier gilt es insbesondere einen Schutz zu er- richten gegen die in neuester Zeit, anscheinend srettich fast außer Uebung geratene Administtattvverhaftung. Administrativdurchsuchung und Administrativbeschlagnahme, die früher„zur Vorbereitung von Ausweisungen" vielfältig in brutaler Weise praktiziert wurden und jeden Tag von neuem in Schwang kommen können; auch diese Zwangsmaßregeln müssen der ausschweifenden polizeilichen Willkür entzogen und mit Rechtsgarantien umgeben werden. Den Ausländern steht auch das Recht zum Aufenthalt in Deutschland zu, es wäre das ausdrücklich auszusprechen. Die Sicherung und Regelung des materiellen Fremdenrechts stand Veranlassung unserer Fraktion bereits in den denkwürdigen Rcichstagsverhandlungen vom 19. Januar, vom 28./29 Februar 1904 und vom 15. bis 17. März 1905, Die Sozialdemokratie zeigt sich auch hier als die einzige Partei, die die Kulturehre Deutschlands rettet, die für die Pflichten der Zivilisatton und Humanität rücksichtslos und ohne Vorbehalt eintritt._ Die Revolution in Rntzland. Zur Lage in den Ostsccprovinzen. Während die ganze deutsche bürgerliche Preffe alle Mittel. welche die Regierungsbestien gegen die lettischen und estnischen „Revolutionäre" in den Ostseeprovinzen bisher anwandten, für er- laubt und„der Lage entsprechend" fand, wobei die örtlichen deutschen Blätter nach dem Auftauchen einer Proklamation sofort nach neuen Strafexpeditionen,„besonderer Strenge" und„dauerndem Unschädlichmachen" nicht allein der Revolutionäre, sondern auch ihrer Angehörigen, schrien, hat die ruf si s ch e bürgerliche Presse bedeutend mehr Objektivität und Intelligenz auch in dieser Frage an den Tag gelegt. Auch die blutigen Ziffern, die vor einigen Tagen über die„Beruhigungsarbeit" in den baltischen Provinzen gebracht wurden. haben nicht vermocht der bürgerlichen deutschen Presse einen Eni- rüstungSruf zu entlocken. Nein, die bürgerliche Presse hat erfahren, datz auch in Berlin sich einige lettische und eswische Flücht- linge aufhalten und schreit nach Polizei. So finden wir zum Beispiel in dem Blatte„Das Reich" folgenden Passus:„Die sichtlich von estnischen und lettischen Agitatoren geschriebenen Artikel(der bürger- liche Tintenkuli meint in diesem Falle den„Vorwärts") atmen einen so revolutionären Geist und tragen eine so wilde Entschlossenheit zur Schau, datz es sich empfehlen würde, wenn unsere Regierungen den ungebetenen fremdländischen Gästen ihre Aufmerksamkeit ein wenig zuwenden wollten." Während die preutzische Regierung nun gerade mit der Ausweisung russischer Studenten beschäftigt ist und im Reichs- tage ein Liebermann v, Sonnenberg sich mit den Vergewalttgern der russischen Revolutionärin Spiridonowa für solidarisch erklärt, kommt das„liberale"„Berliner Tageblatt" mit dem echt russischen Vorschlage, es mühten sich Herren der guten Gesellschaft, wie in Rußland, entschlietzen, geheime Beamte der Polizei zu werden. Wir haben selbstverständlich nichts dagegen, wenn einige Herren der sogenannten guten Gesellschaft zu Polizeispitzeln werden, wir wollten nur darauf hinweisen, wie die russischen Verhältnisse Preutzen bis zur liberalen Presse hinauf anstecken. Wie unsere Leser wissen, erfüllen gerade diese Herren der guten Gesellschaft z. B. in den Ostseeprovinzen augenblicklich die Rolle der Henker, und die deutsche Presse selbst hat sie mit dem Namen der„Ehren- Polizisten" belegt. Seit einigen Wochen hat man zwar die Tätigkeit dieser„Ehren- Polizisten" in den Ostseeprovinzen etwas eingeschränkt— an Stelle der Feldgerichte sind die Kriegsgerichte getreten. Und hierin liegt gerade der Verdienst der russischen liberalen Presse. Als der Tätigkeit der Feldgerichte kein Ende abzusehen war, als einem jeden Leutnant und adligen KrcispolizeichefSgehülfen das Recht eingeräumt worden war, ohne Verhör und Gerichtsspruch Menschen an den Telephonpfosten aufzuknüpfen und dieselben wie Hasen an den Landstratzen zu erschießen, da war es ein russischer Professor der Petersburger Kriegsakademie, KuSmin- Karawajew, der zuerst.in dem russischen Blatte„ R u s s j" streng wissenschaftlich nachwies. daß sogar nach dem russischen Gesetze über den Kriegs- und Belagerungs- zustand die Massenmorde in den Ostseeprovinzen nicht entschuldigt werden können. Ohne Untersuchung und Zeugenverhör dürfe man auch nach dem Kriegsrechte leinen Menschen erschießen; autzerdem preche das Gesetz nur von einer autzerordentlichen Geivalt des Oberbefehlshabers der Armee, während in den Ostsee- Provinzen dieses Recht sich alle Kadetten und jüngeren Offiziere an- geeignet hätten. In einigen Fällen hatten die adeligen Offiziere dieses Recht sogar den Unteroffizieren übertragen, die, da sie des Lesens unkundig waren, in der Mitauschen Gegend mehrere Menschen erschießen lietzen, weil man bei denselben hektographierte Rechnungen vorgefunden hatte. Wer kann alle diejenigen jetzt aufzählen, die vollständig unschuldig hingerichtet wurden, ohne daß sie irgendwelchen Anteil an der revolutionären Bewegung genommen hätten. Die lettische und russische Presse hat mehrere Fälle beschrieben, wo die Offiziere und„Ehrenpolizisten" einfach auS per- 'önlicher Rache Menschen erschossen und mißhandelt haben. hier sei nur folgendes Beispiel aus dem„Rischsk. Wjedomosti" an- geführt: Im Januar hatte der Generalgouverneur Ssollugub den Befehl erteilt, den Lehrer der Olustferschen Gememde, Janson, zu verhaften und dem Kriegsgericht zu übergeben, weil er nach dem 39. Oktober ein Volksmeeting geleitet habe, auf welchem die Schulfrage besprochen worden sei. Das Kriegsgericht zu Walk prach den 19jährigen Lehrer frei und I. kehrte in feine Gemeindo zurück. Als die Strafexpedition des Hunnengenerals Orloiv darauf die Gemeinde Olnftfer besuchte, wurde I. wiederum als„Politischer" denunziert, jedoch auf Fürbitte des örtlichen rechtgläubigen Priesters, die überhaupt in der SchreckenSzeit humaner sich benommen haben oT8 die lutherischen Pfarrer, wieder in Freiheit gesetzt. Kaum war Orlow weg, da befahl der zurückgebliebene deutsche Offizier, I. zu erschiehen. Das in Reval erscheinende russische Blatt„Rewelsk. JSWest." behauptet direkt, dafi die Strafexpeditionen die Bestrafung nach den von den örtlichen Gutsbesitzern ausgestellten Listen vorgenommen haben. Oft seien auf den Listen alle Beamten und die ganze örtliche Intelligenz Mchtdentsche— verzeichnet gewesen. Ein Entrüstungsschrei durchflog die russische Presse, als die „Nordlivländische Zeitung" die Behauptung des deutschen Arztes Dr. K. abdruckte, wonach die Körperstrafe nur als ein mildes KorrektionSmittel anzusehen sei. Als Beweis wurde ein Fall auS der Tätigkeit der Strafexpeditionen angeführt, in welchem ein Mann nach 400 Rutenhieben noch selbst habe nach Hause gehen können. Aus diesen Fall hier näher einzugehen haben wir keinen Grund, da der„Vorwärts" ihn schon geschildert hat. Proteste dagegen ab- zudrücken, weigerte sich die deutsche Presse. Es mutzte sogar von deutschen Aerzten die russische Presse in Anspruch genominen werden. Der„Rischsk. Wjed." druckte eine gauze Reihe von Briefen deutscher und russischer Aerzte ab, die das Gegen- teil behaupteten und bewiesen. So schreibt einer der Aerzte folgenderMatzen:„Der Anblick, der sich mir nach dem Aus- kleiden des Patienten darbot, war so schrecklich, dah denselben auch meine, während einer zehnjährigen ärztlichen Tätigkeit an Ort und Stelle und einer halbjährigen Tätigkeit in der Mandschurei ab- gestumpften Nerven, nicht aushalten konnten: ich mutzte mich von dem Patienten wegkehren, um demselben nicht meine Aufregung zu zeigen. Der Schmerz, den dieser Unglückliche zu ertragen hatte, mutzte fürchterlich sein, da? konnte man an seinen entstellten Gesichts- zügen merken. Die Leibwäsche bildete mit der abgehobenen Haut eine blutige, kompakte Masse..." Und dieser Unglückliche hatte nur Ivo Schläge erha ltenl lieber die Zahl der Menschenopfer hat schvn das Laffausche Telegraphenbureau berichtet, nur sind diese Zahlen viel zu niedrig gegriffen. Es sind nicht in den Monaten Januar und Februar 13 Personen erhängt worden, sondern wenigstens 2ö. Die Zahl der „standrechtlich" Erschossenen übersteigt bei weitem die Ziffer 1000. DaS Telegraphenbureau spricht von 07 eingeäscherten Bauernhäusern, dabei gibt die„Düna-Zeitung" die Zahl der im Hasenpotschcn Kreise allein niedergebrannten Bauernhöfe mit 30 an. Wie hoch der von den Strafexpeditiouen angerichtete Schaden in den Provinzen Kur- und Livland sich beläuft, darüber haben Agenten einiger Moskauer Fenerversicherungsgesellschaften Berechnungen an Ort und Stelle angestellt. In Kurland belauft sich der Schaden nach diesen Berechnungen auf acht Millionen Rubel, in Livland auf— fünfzehn Millionen. Der Schaden der Edelleute beläuft sich nach den Angaben der Gutsbesitzer auf zehn Millionen Rubel, von welchen dem Adel aus dem Staatssäckel schon jetzt drei Millionen leihweise ohne Zinsen ausgezahlt werden sollen. Den übrigen Teil hat man den Gutsbesitzern erlaubt, mit den gemeinsten Mitteln schon jetzt von den Genieinden zu er- pressen. Dazu mutz der Belagerungszustand verlängert und das Militär im Lande belassen werden. So wurde den versammelten Gemeindemitglicdern von Mesothen(Kreis Mitau) mitgeteilt, datz für die zwei auf dem Guts- boden umgestürzten Telephonpfosten jedes Mitglied B0 Pf. Strafe zahlen müsse; den Nichtzahlcuden sei die Todesstrafe sicher. Im Kreise Wesenberg(Estland) hat nach einer Notiz des„RiSschk. Westn." der die Strafexpedition leitende Kapitän Richter in der Ge- meinde Saksimoise neulich vier Personen grausam durchprügeln lassen und von der Gemeinde 1800 Rubel als Strafe dafür beitreiben lassen, weil dieselbe sich unterstanden habe, mit einer Petition um Herabsetzung der Gefälle an den Gutsherrn zu treten I Kann man noch weiter in der Unterstützung der„armen Junker" gehen I? Die letzte„Säuberung" der Gemeinde wird so vorgenommen, datz man die intelligenteren Elemente als„Verdächtige" bezeichnet und dann die Gemeinden zwingt, dieselben hinauSzuballotieren. Dieses soll der„gesetzliche" Weg sein, um die besseren Elemente nach Sibirien oder Archangelsk zu verschicken. Die Ver- schickungskosten werden dabei der Gemeinde auf- erlegt. Die Landbevölkerung ächzt unter der Abgabenlast. Die Proletarisierung schreitet rasch vorwärts. Die Regierung hat wieder einmal so die Geschäfte der Sozialdemokratie besorgt. Zarendienste in der Schweiz. Wie aus B e vn gemeldet wird, wurde dort der russische Student David Mochltn verhaftet. Die in dessen Besitz befindlichen Briefe und Dokumente sowie der auf den Namen Koral lautende Reisepaß wurden mit Beschlag belegt. poUttfeKe CUbcvficbt. Berlin, den 27. April. Demaskiert. Wenn wir gestern erklärten, daß der Hauptzweck der Diätenvorlage nicht die Erhöhung der Reichstagspräsenz im Interesse der Würde des Reichstages und der stärkeren Anteil- nähme der Süddeutschen sei, wie vom Grafen Posadowsky vorgeschoben wurde, sondern die ganz unverhüllteund brutale Knebelung der Opposition, so gibt uns heute die„G e r m a n i a" eine unverblümte Bestätigung dieser Annahme. Vom Zentrum h/ingt das Schicksal dieser Vorlage, dieses Anschlages gegen dib Rechte des Parlaments, ab! Und das Zentrum ist abermals bereit, das niederträchtige Attentat gegen die Volksrechte mitzumachen, wofern nicht gerade auch das Zentrum schon an der Initiative zu diesem Anschlag beteiligt war. Das führende Zentrumsorgan ge- fällt sich nämlich in folgender zynischen Selbstentblößung: Am ausfälligsten ist jedenfalls die Stellungnahme der sozial- bemokraten zu der Diätenvorlage. Man sollte annehmen, daß gerade bie Sozialdemokraten, welche ihre Neichstagsabgeordneten, deren Zahl jetzt 77 bczw. 73 beträgt, bisher mit Parteidiäten auS- gestattet haben,— was freilich auch den Absentismus unter den sozialdemokratischen Abgeordneten nicht hat verhindern können— mit wahrer Begier die Diätenvorlage, Welche die Parteikasse um eine erhebliche Summe entlastete, die Reichskasse dagegen belastete, angenommen haben würden. Weit gefehlt! Die wahren Gründe dieser Ablehnung hat der Abgeordnete Singer freilich nicht verraten. ES ist nicht die„Schuljungenkontrolle", worüber Herr Ab- geordneter Singer so große Schmerzen empfindet, sondern das Be. wußtsein, daß ein durch die Diätcnoorlage herbeigeführter beschluß- fähiger Reichstag die bisherige sozialdemokratische Beherrschung des GeschästSganges unmöglich macht und daß ferner die einzelnen sozialdemokratischen Abgeordneten, wenn sie Reichsdiäten beziehen und nicht mehr auf Parteidiäten angewiesen sind, von der Partei. leitung und deren Geldbeutel unabhängiger gestellt sind. Auch Obstruktion werden die Sozialdemokraten in Zukunft in einem beschlußfähigen Reichstage nicht mehr treiben können. Jede Eni- fernung eines sozialdemokratischen Abgeordneten vor jeder Ab- stimmung wird in Zukunft für jeden sozialdemokratischen� Abgc- ordneten einen Abzug von>30 M. bedeuten. Und das wirkt vielleicht stärker als Singers Parteibefehl. Die„Germania" gesteht es also umimwunden ein, daß jie Diätenvorlage lediglich aus der edlen Absicht heraus ge- boren ist und dem Zwecke dienen soll, der Reichstagsminderheit die pflichtgemäße Kritik an der bolksseindlichen Politik der Mehrheit zu unterbinden. Die Flotten- und Militärvorlagen, die Kolonialforderungen, die Steuevausplünderungspläne der Mehrheit sollen noch schneller durchgepeitscht werden als bisher! Und diese Vergewaltigung der Minderheit ist um so empörender, als ohnehin schon dank der skandalösen Wahl- kreiseinteilung die industrielle Bevölkerung außerordentlich benachteiligt ist. Zahlen beweisen. Sämtliche reaktionäre Parteien, Konservative, Zentrum, Nationalliberale, Anti- semiten einschließlich der Elsässer, Dänen. Welsen usw. er- hielten 1903 5 518 000 Stimmen, die Linke(Sozialdemo« kraten, Freisinn und Volkspartei) 3 873 000 Stimmen. Dabei entsendete— abgesehen von den„Wilden"— die Reaktion 272 Slbgeordnete ins Parlament, die Linke nur 117 Abgeordnete. Da durchschnittlich aus 21000 Stimmen ein Abgeordneter entfiel, hätte die Linke eigentlich 161, die Reaktion dagegen nur 229 Abgeordnete in den Reichstag ent- senden Müssen! Dem Zentrum genügt aber diese Benachteiligung der Minorität, der hauptsächlich das I n d u st r i e p r o l e- taritat angehört, noch nicht: ihre Vertreter sollen jetzt sogar an der Kritik gehindert werden! Schnöder können die proletarischen Interessen nicht mit Füßen getreten werden, als durch diese neueste Vergewaltigung durch das Zentrum!— Rcichsfinanzreform. In der gestrigen Sitzung der Fiiianzreforuikommisston erstattete der Reichsschatzsekretär Bericht über die Schätzungen des finanziellen Effekts der bisherigen Koininissionsbeschlüsse. Die beschlossenen Steuern würden, ihre Annahme vom Reichstage und Bundesrat vorausgesetzt, danach für das Finanzjahr 1307 folgende Ergebnisse für die Reichskasse zur Folge haben: Biersteucr 29 Millionen. Zigaretten 14 Millionen, Frachturkunden 14 Millionen, Eisen- bahnfahrkarten 50 Millionen, Kraftfahrzeuge(Automobile) drei Millionen, Tantiemenquittungen zehn Millionen, Erb- schaftSsteuer 43 Millionen und Erhöhung des PortoS auf den Ortsverkehr in Drucksachen 12 Millionen; also eine Gesamt- summe von 180 Millionen. Da sich aber für die beiden leisten Quartale des Jahres 1306 nur im allerhöchsten Falle 46'/, Millionen ergeben würden, bliebe für dies Jahr noch eine erhebliche Summe zu decken. Woher er diese nehmen solle, sei ihm noch nicht klar. Alsdann begann die Beratung der vom Graf K anitz einge- brachten Resolution betr. ein Gesetz wegen Erhöhung von AuSftihr- zollen auf: 1. Steinkohlen 2. Braunkohlen 3. Koks, Pretzkohken usw., 4. Kali und Kaliprodukte, 5. Lumpen aller Art, 6. abgenutzte Leder- stücke und Lederabsälle und 7. Abfälle von Kautschuck und Gutta- Percha. Nach eingehender Begründung der Resolution durch den Ein- bringer als einer nicht nur finanzpolitischen, sondern auch Wirtschaft- lich wertvollen Maßnahme ergriff der Bnndesratsbevollmächtigte für die drei Hansestädte Dr. Klügmann das Wort, der sich mit einem reichen statistischen Material gegen den Lliurpenzoll als gegen die Interessen des deutschen Handels und der Schiffahrt gerichtet aussprach. Graf Posadowsky bekämpfte die ganze Resolution in längeren Ausführungen, die er in ihren Hanptteilen sekret Gehandelt wissen will, vom handelspolitischen Standpunkt aus, warnend, datz man auS dem Glashause heraus, in dem man fitze, nicht mit Steinen werfen möge. Da böse Beispiele gute Sitten zu verderben pflegen, sei es nicht ratsam, die seit dem Jahre 1373 beseitigte Ausfuhrzoll- Politik wieder ins Leben zu rufen. Es stehe zu befürchten, dah sich die am meisten durch die vorgeschlagenen Ausfuhrzölle betroffenen Staaten Amerika, Schweden, die Schweiz und Oesterreich-Ungarn durch Prohibitivmatzregcln dagegen wehren würden. Bernstein bestritt mit großer Entschiedenheit der Kommission da? Recht, auf ein neues Zollprinzip bezügliche Beschlüsse zu fassen. Sie habe den Auftrag Steuervorlagen zu beraten, nicht aber Zoll- vorlagen. Die Resolution selber berurteilte er von denselben Handels- und wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten auS wie der Staatssekretär, auch zu demselben Schlutz kommend: sie müsse hier in der Kommission schon abgelehnt werden und dürfe nicht erst an das Plenum gelangen. Dies liege sowohl im Interesse der Unter- nehmer der in Frage kommenden Erwerbszweige wie auch der darin beschäftigten zahlreichen Arbeiter. Dagegen sprachen sich auch noch auS Dr. Wremer, Büsing, Dr. Arendt und der Reichsschatzsekretär. Dahingegen verteidigte Müller- Fulda die Resolution, erklärte aber am Schluß seiner Ausführungen, dagegen stimmen zu wollen. Darüber war Graf K a n i tz. für den die Bedenken der Regierungsvertreter federleicht wiegen, sehr aufgebracht. Bei der Abstiinmung über die einzelnen Nummern stimmten Dr. Jäger. Speck und Klose vom Zentrum mit den Kon- servativen und der Wirtsch. Vereinigung für die Nummern 1 und 4, so datz diese mit allen gegen 7 Stimmen, alle übrigen Nummern gegen die 6 Stimmen der Konservativen und Wirtsch. Vereinigung abgelehnt wurden. Mit dem gleichen Stimmenverhältnis wurde die in der ersten Lesung angenommene Resolution betreffend AnSfuhrzoll auf Kali und Luinpen abgelehnt. Damit war das ganze Ausfuhrzollprinzip erledigt. ES folgte die Beratung einer von Dr. I a e g e r/� Uhr abends zogen, die Marseillaise singend, etwa 6000 Personen vom Adolfsplatz über die Adolfsbrücke, um nach dem Neuen Wall einzubiegen, wurden aber mit blanker Waffe gezwungen, weiter zu marschieren. Oberwachtmeister Becker bekundet: Um S'/s Uhr kam ein zweiter Zug, die Marseillaise singend und rote Taschentücher schwenkend, nach der Hermannstraße, um nach den» Rathausmarkt zu ziehen. Auf Anordnung der Führer wurde die Richtung nach dem Jungfenlstieg eingeschlagen. Kurz darauf kam ein zweiter Zug von entgegengesetzter Richtung, der von den Schutzleuten angehalten wurde und dann nach dem Pserdemarkt marschierte. Einige Führer sagten zu der Menge:«Geht n a ch H a n s e, unser Zweck, zu demonstrieren, ist erfüllt I" Aber die Menscheumassen reagierten nicht darauf. Wir bemerkten, wie Personen Eiscnstangen zum Stellen der Straßenbahnweichen ergriffen und eine bedrohliche Haltnna einnahmen. Oberwachtmeister Ruwoldt hat beobachtet, wie Ecke RathauS- markt und Schanmburgerstraße Leute sich des dort lagernden Bau- Materials bemächtigten und damit auf die Beamten Ivarfen. Andere Personen hätten nnt Latten, Eisenstücken, Petroleumkannen zc. bombardiert. Erst jetzt seien die Schutzleute mit blanker Waffe bor- gegangen. In den anliegenden Straßen wiederholten sich die Angriffe auf die Schutzleute, Straßenbahnen wurden angehalten und durch Wegnahme der Kurbel am Weiterfahren behindert. Aus dem Fisch- markt wurden die Schutzleute mit einem großen Steinhagel über- schüttet. Ans d«n Verbrecherkellern eilten Gestalten herbei, welche die Laternen ausdrehten und die Demoliernngen begingen. Aus Bänken, Ascheimeru, Karren usw. errichtete man am Schopenstehl Barritaden und die Menge machte wiederholt Vorstöße, so daß sich die mit Steinen belvorfenen Beamten zurückziehen mußten, lim den Durchbruch der Menge nach dem Rathaus- markt zu hindern. Bei dem Versuch, dre„Barrikade" zu durchbrechen, kam ein berittener Schutzmann zu Fall. Mehrere am Schopenstehl wohnende Zeugen, welche die Vor- gänge aus nächster Nähe beobachtet haben, sagen ans, daß zur Zeit der Demolicruilgcn und Plünderungen keine Polizeimannschaften im Schopenstehl waren. Der eine Zeuge, ein Weinhändler, hat schon einen Kraivall in Barcelona miterlebt, ist aber der Meinung, daß dieser sich mit dem vom Schopenstehl nicht messen könne. Vom Kattrepel beginnend wurden sämtliche Schaufensterscheiben ein- geschlagen. Die Zeugen haben sich nicht aus ihren Häusern getraut, weil fortgesetzt mit großen Steinen und Gegenständen aller Art bombardiert wurde. Die Straße sei mit Scherben und Sachen, die aus den Läden geworfen wurden, wie besät gewesen. Am Eingang zum Schopenstehl sei eine«Barrikade" errichtet worden, von der junge Bursche mit Steinen warfen. Nach der Aussage der Geschäftsleute vom Schopenstehl und anderer Zeugen haben sich an der Plünderung überwiegend die aus den um- liegenden Verbrecherkellern hinzugeeilten Gestalten und halbwüchsige Burschen beteiligt. In einem der geplünderten Läden soll ein junger Mensch von der Toonbank aus die Plünderer mit„Genossen" an- geredet und sie aufgefordert haben, weiter zu wüten. Die Feuerwehr wurde vor der„Barrikade" mit Steinen beworfen. Diese Zeugen vermögen keinen der Angeklagten als Täter zu bezeichnen. Rur die Angeklagte Elise Rudolph soll, kenntlich an ihrer Sportmütze, die sie auch heute noch trägt, im Menschengewühl beobachtet worden sein. Daß sie sich aber aktiv beteiligt hat, vermag keiner der bisher vernomnienen Zeugen auszusagen. Dem einen Zeugen kommt es so vor. als wenn sie bei ihrer Verhaftung Widerstand geleistet hätte.(Heiterkeit.) Stach weiteren belanglosen Zeugenvernehmungen wird die Ver- Handlung auf Sonnabend vertagt.— Hirn der Partei. Glückauf dem„König von Gotha"! Unserem Genossen Wilhelm Bock, der heute sein sechzigstes Lebensjahr vollendet, rufen wir ein herzliches Glückauf zu. Den jungen Schuhmachergesellen Wilhelm Bock führte die Lektüre des Weitlingschen„Evangeliums der Freiheit" zum Sozialismus. Das heute wenig bekannte Buch studierte er manche Nacht hindurch und suchte nach weiterer Klarheit. In Hamburg gewann auf ihn, den Bevollmächtigten des Allgemeinen Arbeitervereins, Geib nachhaltigen Einfluß. Seit dem Jahre 1868 gehörte Bock der modemen Arbeiter- bewegung an. Der ehemalige Laffalleaner trat bald zu den Eisenachern über. Lebhaft trat Bock für die Einigung ein: den Einigungs« Kongreß in Gotha( 1876) er- öffnete er. Der rührige Agitator für die sozialdemo« kratischen Ideen erwarb sich eine außerordentliche Beliebtheit, besonders in Thüringen, wo er wiederholt in allen Wahl- kreisen als Reichstagskandidat aufgestellt wurde. Der Scherzname «König von Gotha", den ihm seine Freunde vor Jahrzehnten bei» gelegt hatten, spielt auf seine große Popularität und seine erfolg- reiche Wirksamkeit in Gotha an. Im Jahre 1884 wurde er von Gotha in den R e i ch S t a g gewählt. 1887 unterlag er. 1300 wählte ihn Magdeburg an Stelle des doppelt gewählten Genossen v. Bollmar. Seit dem Jahre 1893 hat Gotha ihn ständig in den Reichstag ent- sendet. Seit langer Zeit ist er auch Mtglied des gothaischen Land- t a g e s. Die Stärke der sozialdemokratischen gorhaischen Fraktion hob ihn vor einigen Jahren auf den Vizcpräsidentensessel. Auch als Mit- glied des gothaischen Landesausschusses und des koburg-gothaischen BerwaltungsgerichtshofeS nahm er eifrig die Interessen der Arbeiter- Nasse wahr. Seit dielen Jahren ist Bock Mitglied der Kontroll- kommisfion der Partei. Ebenso rastlos wie fiir den politischen ist Bock für den gewcrl- schaftlichen Zweig der Arbeiterbewegung tätig. Die Schuhmacher- gewerkschaft verdankt seiner energischen seit Anfang der 70cr Jahre entwickelten Tätigkeit auf gewerkschnstlichcm�ebiet ihren Aufschwung. 1873 wurde er zun: Leiter der Schuhmachergewerkschaft gewählt. 2 Jahre später gründete er das Fachblatt„Der Wecker". Im Jahre 1873 fiel es dem Sozialistengesetz zum Opfer. Noch in demselben Jahre wurde der „Schuhmacher" ins Leben gerufen. Auch dies Blatt wurde— 1833— auf Grund des Sozialistengesetzes verboten. Den Nachfolger, das „Schuhmacher-Fachblatt" leitet Genosse Bock noch heute. Frisch und unermüdlich wie einer der jüngsten widmet unser Freund Bock seine Kräfte unserer gemeinsamen politischen und gewerkschaftlichen Arbeit. Möge die Jugendfrische und Unermüdlich- keit unseres«Königs von Gotha" noch recht lange der Partei er- halten bleiben I_ Unehrliche Polemik. Der«Zimmerer" schreibt in seiner neuesten Nummer: Der„Vorwärts" erwidert uns in seiner Nummer vom 21. April mit einer persönlichen Pöbelei. Damit ist die Aus- einandersetzung mit ihm und die Klärung der Sachlage in diesem Falle erschöpft. Wir überlassen das Urteil darüber, ob unsere Erwiderung eine «persönliche Pöbelei" war, getrost unseren Lesern. Da dem .Zimmerer" die Gründe ausgehen, wird er vornehm und drückt sich um die Erörterung des ihm unangenehmen Inhalts unserer Er- widerung herum mit der Unwahrheit, sie sei eine persönliche Pöbelei. Sehr hübsch macht sich angesichts dieser neuesten Leistung des „Zimmerer" seine Beschwerde darüber, daß wir seinen Artikel nicht abgedruckt haben! In derselben Nummer greift der„Zimmerer" wütend den Ge- nassen Kautsky wegen seiner Verteidigung der Genossin Luremburg gegen die leichtfertigen Verdächtigiuigen der«Zeitschrift für Graveure und Ziseleure" an. Wenn es Genosse Kautsky für nötig hält, die Verdrehungen- des„Zimmerer", der aus fehlen Ausführungen gewerkschaftsfeindliche Tendenz herausliest, zurückzuweise», so'wird er das selbst tun. wir wollen ihm darin nicht vorgreifen. Aber zur Charakterisienlng der„Zimmerer"-Polemik wollen wir eine Stelle hier anführen, die uns betrifft. Sie lautet: Die„Zeitschrift für Graveure und Ziseleure" hatte, wie sich aus frühereu Rununern des„Vorwärts" ergibt, eine Auseinander- setzung über das Verhältnis zwischen Partei- und Gewerkschafts- bewegung gebracht und dabei die Genossin Luxemburg erwähnt. Wir bekommen die„Zeitschrift" nicht zu Gesicht und kennen daher den Artikel nicht: aber nach den bisher im„Vorwärts" gepflogenen Auseinandersetzungen zu urteilen, hat der„Vorwärts" aus dem Artikel der„Zeitschrift für Graveure und Ziseleure" eine Stelle ans ihrem Zusammenhange gerissen, um, loie es seine Gewohnheit ist, schweres Geschütz dagegen aufzufahren.... Der„Zimmerer" kennt die Angelegenheit, um die es sich handelt, also gar nicht, aber für ihn ist es selbstverständlich, daß der«Vor- wärts"«eine. Stelle au» deni Zusammenhang gerissen" hat. Wir können un-Z jeden weiteren Zusatz ersparen. Bom Witchötum der Organisation. 7200 Mitglieder zählt jetzt der Sozialdemokratische Wahlvercin für den Reichstags- Wahlkreis Hannover-Stadt. Die letzte Woche brachte allein 500 neue Mitstreiter. Das berechtigt zu den schönsten Hoffnungen für die bevorstehende Nachwahl. pollreilicbe». Sericbtlicbes ukw. Boykottpostcnprozcssc werden jetzt den BreSlauer Genossen beschert. Am Dienstag wurden fünf Genossen wegen groben Unfugs und Uebertretung des PrcßgesetzeS zu je 6 M., am Mittwoch neun zu je 10 M. und zwei zu je 20 M. verurteilt. 8o2ia!e3. WohnniigSclend auf dem Lande. Daß manchmal die Schweineställe in Ostelbien bester find wie die ländlichen Arbeiterwohnungen, ist ja auch vom Cadiner Schloß- Herrn anerkannt. Aber trotzdem geschieht nichts, um auch nur das schreiendste Wohnungselend zu beieitigen. Vor einigen Jahren erbot sich die Landesversicherungsanstalt in Ostpreußen, zum Bau von Landarbeiterwohnungen den Agrariern, den Genossenschaften oder auch den Arbeitern direkt, sobald ihre Arbeitgeber dahinter stehen, Geld zu mäßigen Zinse» zu geben. Doch von diesem Angebote ist nicht viel Gebrauch gemacht worden. Die Arbeiter lehnten es ab, sich auf die gewünschte Weise auf ihre Kosten an die Scholle zu fesseln. Von ihnen ivurde— falls sie den Bau eines Häuschens wünschten— eine Anzahlung und eine jährliche Verzinsung und Amortt- sation verlangt. Die Summe, die pro Jahr entrichtet werden sollte, war recht beträchtlich, so daß schon deshalb die Arbeiter nicht„bauen" konnten. Heute hört man nichts mehr von dem Plane der LandesversichcrungS- anstatt, und die JnstHäuser in Ostelbien sind dieselben geblieben. Da ist es notwendig, von Zeit zu Zeit in dieses Elend hineinzu- leuchten und der Welt zu zeigen, unter welchen Verhältnissen die Landarbeiter leben müssen. Uns geht folgende Schilderung zu: Auf dem Gut Borken bei Rastenburg befindet sich ein Inst- Haus, dem man die Baufälligkeit schon von weitem ansieht. Die „HanStllre" weist große Spalten auf, so daß, ohne geöffnet zu werden, allerlei Tiere in den Hausflur hineinspazieren können. Im Flur befindet sich der Schornstein, durch den der Rauch und die Flammen dringen, wenn im Herd Feuer angezündet wird. Die größten Löcher, durch die die Flammen kommen, sind mit Lehm und ähnlichen Dingen verstopft. Geht man auf den Boden, so muß man befürchten, jeden Augenblick durch die Decke zu brechen. Die Stubentüre weist ähnliche Spalten wie die HauStüre auf. Schnee, Regen usw. können ungehindert in die Stube hinein. Die Ratten, deren es viele gibt, fühlen sich als Haustiere und Schlaf- genossen. Der Fußboden in der Stube ist hügelig. Die Decke wird von vier Balken gelragen, von denen die beiden, die in der Mitte liegen, große Locher aufweisen ititd die Tragfähigkeit sehr ver- mindern. Sie sind so durchgebogen, daß der Einsturz der Decke jeden Moment zu erwarten ist. Die Schalung besteht aus vermorschten Brettern, die an 6—8 Stellen große Löcher aufweisen und durch die Esttich, Staub, Spreu, von den Ratten klein gefressenes Stroh fortwährend in die Stube fallt und zwar des Nachts den Leuten während des Schlafens ins Gesicht und am Tage ins Essen. An einer Stelle, wo das Bett steht, regnet es durch. Die Wände gleichen MaulwursSgängen und dienen dem reichlich vorhandenen Ungeziefer als Unterschlupf. In der Stube befindet sich der Backofen, aus dem gleichfalls die Flammen heraus- schlagen. Auch hier hat man, die größten Löcher mit Lehm ver- schmiert. Wenn Landarbeiterkinder— loie da? so oft passiert— verbrennen, so braucht man sich nicht wundern. In dieser Stube wohnt eine Familie bestehend aus sechs köpfen. D a S entsetzliche WohnungSelend tn den größten Städten bleibt weit hinter dem auf dem Lande zurück. Das Gesinde auf demselben Gute hat eine noch elendere Schlafftelle. Diese befindet sich wie gewöhnlich— im Pferdestall. In einem Winkel des Stalles ist eine Stellage aufgebaut, aus der sich die Betten befinden. Um zu diesen zu gelangen, muß man eine Leiter benutzen, die sich im gefährlichen Znstande befindet. Bon der Decke fällt fortgesetzt Lehm und Schmutz. Die Bretter, �uf denen sich die Betten befinden. sind so dünn, daß man glaubt, jeden Augenblick durchzubrechen. Und kürzlich ist auch ein Knecht mit den Betten in den unteren Raum deS Stalles-gefallen. Ratten sind auch hier ständige Wohn- und Schlafgenossen. Von einem kleinen Fenster fällt das Licht in den Stall. Ringsum sind Spalten, so daß Regen und Schnee un- gehindert hinein können. In den Betten kann sich niemand im sitzenden Zustande aufhalten, da man sonst mit der Decke, die aus vermorschten Brettern besteht, in Berührung kommt. So sieht das.Heim" der Landarbeiter in Ostelbien au§. Und es gibt immer noch Leute, die sich über die Landflucht wundem.— Wegen Tötung eines Landarbeiters freigesprochen! Wie wir seinerzeit berichteten, kam am Sonntag, den 27. August v. I., der 27 Jahre alte unverheiratete Landarbeiter Adolf Wolter nach dem Gute Kutkehmen im Kreise Jnstcrbnrg, wo er seit einer Woche zu arbeiten aufgehört hatte, um sich seine Jnvalidenkarte zu holen. Kurz vor dem Gutshofe, auf der Landstraße, begegnete er dem Inspektor Ncufang, mit dem er sich nicht gut stand. Bei Forde- derung der Ikarte gerieten beide in Wortwechsel, worauf der Inspektor in den Hof eilte und alsbald mit einem Gewehr zurückkam. Er legte auf den Arbeiter an, der erschrocken die Arme gegen ihn streckte und rief:„Was, Herr Inspektor, Sie wollen schießen?" In diesem Augenblick krachte auch schon der Schuß. W. fiel einem seiner hinzuspringenden Kollegen in die Arme. Die Schrotladung aus ganz nächster Nähe hatte edele Körperteile verletzt. Das Blut floß unaufhörlich aus den Wunden sowie aus Mund und Nase. Auch die Kleider lvaren durch den nahen Schuß in Brand geraten. Der hinzugerusene Arzt machte einen Notverband. Dann wurde der schwerverletzte Arbeiter am anderen Morgen mit der Bahn nach dem Jnsterbnrger Krankenhause geschafft. Bald darauf verstarb er. Der auf diese Weise umS Leben Gekommene war ein ruhiger, höchst ordentlicher Landarbeiter. Der schießlustige Inspektor, der Unter- offizier bei den Kürassieren gewesen, hatte auch schon andere Arbeiter gelegentlich gemißhandclt. Er wurde wegen dieses Tot- schießens aber nicht etwa in Haft genominen, wie es wohl dem Arbeiter im uingekehrten Falle gegangen wäre, sondern auf freiem Fuße gelassen. Dann wurde gegen ihn Anklage nur wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Am 23. April fand gegen den Inspektor vor der Jnstervurger Strafkammer die Verhandlung statt. Vor Gericht wurde der Vor- gang so dargestellt, als habe sich der Arbeiter, der zur Zeit des Vorfalls auf dem Gute ja gar nicht mehr in Arbeit stand, „renitent und herausfordernd" verhalte». Deshalb habe der In- spektor, um auch etwaigen Angriffen von vielleicht hinzukommenden anderen Arbeitern zu begegnen, die Flinte geholt. Der� Vertreter der Staatsanwaltschaft hielt den Tatbestand der Fahrlässigkeit für erwiesen und beantragte neun Monate Gefängnis. Der Gerichtshof war jedoch der Meinung, daß der Au- geklagte sich mit Recht gegen zu erwartende Angriffe be- waffnet habe. Er mußte als B-rtrcter des abwesende» Gutsherr» energisch auftreten und habe nur seine Pflicht erfüllt, wenn er sich mit gespanntem Gewehr zum Kampf bereit hielt. Wenn bei dem Ringen das Gewehr losgegangen sc«—(mehrere Augenzeugen behaupten, es habe kein Ringen stattgesimden)— könne ihm, dem Angeklagten, eine Fahrlässigkeit nicht bcigeincjscu werden, die Schuld treffe vielmehr de» angreifende» Wolter. Deshalb erkannte die Strafkammer auf Frei- sprechung. Wie gering wird nach diesem Urteil das Leben eines Land-- arbeiters bewertet und wie unsagbar weit hält sich das Urteil von der Anerkennung der Gleichberechtigung eines Arbeiters. Ein Arbeiter, der sein Recht— Herausgabe der Jnvalidenkarte— verlangt, gilt als„wütend und herausfordernd", weil er sich nicht alles bieten läßt. Der Inspektor wird für berechtigt erachtet, sich schuß- bereit zu halten. So weit ging selbst die Staatsanwaltschaft nicht. Das llrteil ist geeignet, den Laudarbeiter gegen die Un- gerechtigkeit der bestehenden Zustände, insonderheit auch gegen die Vorenthaltung der Gleichberechtigung, die ihm verfassungsmäßig zu- steht, aufzupeitschen._ Kennzeichnung von Quittungskarten. Am 24. März teilten wir mit, daß auf eine Beschwerde des Gewerkschaftssekretärs der Polizei- Präsident angeordnet hat, bei Ausfertigung von Ouittungskarten Zusätze zum Beruf, welche die Arbeitsstellung des Versicherten kenn- zeichnen, wie zum Beispiel Schlosser in einer elektrischen Fabrik, Arbeiter in einem Theater und dergleichen, in Zukunft nicht mehr zu machen. Da dainit airerkannt ist, daß die Zusätze unzulässig sind, so sind die unzulässig gekennzeichneten Karten ohne Entgelt umzu« tauschen. Trotzdem erhebt das Polizeirevier in der Brunnenstraße von allen Inhabern einer solchen Karte, die deren Umtausch be- ziehentlich eine neue Karte verlangen, 5 Pf. Umtauschgcbühr, falls die zum Umtausch vorgelegte Karte weniger als 3l Marken enthält. Eine solche Gebührenerhebung verstößt gegen das Gesetz, gegen die preußische Ministerialanwcisnng vom 17. November 1899 und gegen die eingangs gedachte Polizeipräsidialverfllgnng. Mag sein, daß das für die Allgemeinen Elektrizitätswerke zuständige Polizeirevier in- folge der angedrohten Meiaussperrung stark von Arbeitern in An- spruch genomincn wird, um eine ordnungsmäßige Karte zu erhalten. Das berechtigt aber nicht, eine Gebühr von den durch den unzu- lässigen Zusatz geschädigten Arbeitern zu erheben. Wäre eine Ge- bllhr zu erheben, so wäre diese von bei« Personen zn erheben, die einen unzulässigen Vermerk gemacht haben. Es wäre eine schleunige neue Belehrung der Polizeireviere an« Platze. 4f 4_ Hud Industrie und Handel. Der Staat als Verwalter des BslkseigcutmncS. An der Ge- werkschaft„Asse" ist der braunschweiger Fiskus mit 501 Kuxen beteiligt. Kürzlich verlautete, der FisluS wolle einen Anteil abstoßen. Seitens der Gewerkschaft wurde eine solche Absicht in Abrede ge- stellt. Wie Ausführungen des StaatsministerS Dr. von Otto im braunschweigischen Landtag bestätigen, liegen aber nicht nur Kauf- offerten vor, die Regierung ist auch bereit, zu verkaufen, lediglich der Kaufpreis ist entscheidend dafür, ob der Wille zur Tat führt. Dr. von Otto führte aus: «Ich ivill zunächst bemerken: ES ist richtig, daß an daS StaatSministerium oder eigentlich zunächst an ineine Person An- fragen wegen etwaigen Verkaufs gerichtet sind, und zwar lvegen deS Verkaufs der braunschweigischen Anteile, ivegen Verkaufs deS ganzen Werkes(worüber wir nicht allein verfügen können), endlich wegen Ver« kaufeS der gesamten Berechtigungen auf Kali i,n ganzen Lande. Solcher Anfragen sind zwei an mich ergangen, eine mündlich und eine telegraphisch, und zwar letztere erst vorgestern. Ich ,nuß bemerken, es hat sich bis jetzt nur um Anfragen ge- handelt, ich habe aber keinen Grrmd, anzunehmen, daß hinter diesen Anfragen nicht ernste Kaufabsichtcn ständen, doch sind die Verhandlungen, die sich an die mündliche Anfrage ge- knüpft, noch nicht so weit gediehen, daß irgendwie wescirtliche Grundlagen berührt worden sind, die bei einem solchen Verkarlfe in Betracht koinmen müssen. Das ist insbesondere der Fall bezüglich des Preises. ES ist wohl allgemein gesagt worden, daß-der Staat Braun, chweig darauf rechne, nicht nur zu erhalten, was er für das Werk ausgegeben, sonder» auch das. was er von dem Werk«As, ef' erwarte, weiter sind die Sachen noch nicht gediehen. Ich weiß nicht, wie die Herren darüber denken. Das Ministerium hat noch keinen Beschluß darüber fassen können, noch viel weniger ist an maßgebender Stelle darüber Vor- trag gehalten worden, mein persönlicher Standpunkt ist der, daß. wenn etwa ein Verkauf möglich sein würde, der im vollsten Maße erfüllt, das, was ich eben un allgemeinen als unsere Forderung bezeichnet habe, daß ich dann meinerseits gegen den Verkauf nicht» zu erinnern haben würde." Nach diesen Ausführungen ist die Regierung bereit, nicht nur die Anteile von„Asse" abzugeben, sondern auch die Berechtigung zur Ausbeute deS aesamten KattS im Lands zu verkaufen. Mit einem solchen Verkauf würde wiederum Volkseigentum zu einem Mittel des Kapitals werden, die eigentlichen Eigentümer zu belasten. Ver- kauft die Regierung die Berechtigung zur Ausbeute, so hat sie tat- sächlich dem Privatkapital die unbeschränkte Herrschaft über den Naturschatz eingeräumt und daS Kapital zieht Riesengewinne aus dem VolkSeigenttim. Befriedigend� Aussichten. J» der Generalversammlung der SSckis.-Thiiring. Aktiengesellschaft für Braunkohlenverwertung be- zeichnete Oberbergrat Loh», am, die Aussichten für daS laufende Jahr als befriedigend, trotz des Streiks!— Wenn die Aussichten befriedigend sind, warum bewilligt man dann nicht die bescheidenen Forderungen der Arbeiter?— A. Jasmatzi A.-G.»Dresden. Der Bericht des Vorstai.Ses an die am 24. April stattgefundene Generalversammlung besagt: Als Resultat unseres Geschäftsjahres verbleibt nach Rückstellung für zweifelhafte Debitoren usw. und Abschreibungen auf Gebäude, Maschinen usw. im Gesamtbetrage von 125 062,43 M. ein Reingewinn von 477 867,81 M. Nach Ueberweisung von 3 Proz. 23 893,39 M.) an den gesetzlichen Reservefonds verbleiben 433 974,42 M., diese zuzüglich des Gewinnvortrages aus 1904 von 28 639,87 Mark ergeben einen Reingewinn von 482 613,99 M. Wir schlagen vor, denselben zur Zahlung von einer 6 Proz. Dividende— 60 M. per Aktie zu verwenden und den Rest von 182 613,99 M. auf neue Rechnung vorzutragen. Wir glauben die Ausschüttung einer höheren Dividende wegen der bevorstehenden Einführung einer Zigarettensteuer nicht befürworten zu können, da sich noch nichl übersehen läßt, wie die vorgeschlagene Steuer den Gang unseres Geschäftes beeinflussen wird.— Schließlich wird in dem Bericht noch bemerkt, daß für den Fall der Annahme der vor- geschlagenen Zigarettensteuer die Preise entsprechende Heraufsetzung erfahren würden. Die Generalversammlung stimmte den Vor- schlügen zu. Aktiengesellschaft für Bergbau, Blei- uud Zinkfabrikation zu Gtollberg. Der Reingewinn pro 1903 stellt sich auf 1 783 392 M. — 150 000 M. mehr als im Vorjahre—; die Dividende wurde auf 10 Proz. gegen 9 Proz. für 1904 bemessen.— Die russische Anleihe ist glänzend unter Dach und Fach gebracht, wenn man nur da» Resultat der Zeichnung in Betracht zieht, die Mittel, die zur Erlangung des Resultats führten, nicht wertet. Ruß- land wollte Geld haben, unter allen Umständen! Man bot Ber- Mittlern für die Zuführung von Geldgebern hohe Provision. Der Weg führt zum Ziele. Um von der Wucherprovision ordentliche Happen einzusacken, wurde das Publikum in der unverschämtesten Weise beschwindelt. Prospekte mit glänzenden Schilderungen über die Wirtschaftslage Rußlands flatterten in die Welt, die von den Jittercssentencliquen abhängige Presse unterstützte willig jeden Schwindel. Pariser Provisionsjäger zeichneten sogar in London große Beträge, um dort die Begeisterung zu wecken. Die Geschichte der russischen Anleihe ist ein krasser Beleg für die Korruption des internationalen Kapitals. Zwei Betrüger arbeiteten sich in die Hände: Die russische Siegierung, welche Geld brauchte, um das eigene Volk und die ausländischen Geldgeber zu betrügen, und die mternationalen Vermittler, die für den Preis hoher Provision Handlangerdienste leisteten bei dem Betrug des russischen Volkes und der Geldgeber im eigenen Lande. Aufhebung der AuSfuhrvergütung. Dem Vorgehen des Kohlen- syndikats, welches pro III. Quartal die Ausftihrvergiitung aufhebt, folgte mit gleichem Beschlutz das Roheisensyndikat. Für die reinen Verarbeitungswerke wird damit die gute Konjunktur zu Ende gehen. Gerichts-Leitung. Nntcrlasscuc Belehrung einer wißbegierigen Polizei ist strafbar. Unsere preußische Polizei sollte imstande sein, durch schriftliche, telegraphische oder telephonische Requisition alleS über einen in Preußen befindlichen Erdenbürger zu erfahren, sobald sie die Gemeindebehörde oder die Polizeibehörde des Ortes, Ivo der Mann wohnt, um Auskunft ersucht. Wer annimmt, das sollte zur Be- friedigung �polizeilicher Wißbegier genügen, ist nach Ansicht des Kammergerichts im Irrtum. Auch Vorsteher von Vereinen sollen nach Ansicht des höchsten preußischen Gerichts auf polizeiliches Er» fordern über die Straßen und Nummern der Wohnungen der Bereinsmitglieder und ihrer Geburtstage Auskunft geben und bei Vermeidung einer Strafe aus Z 2 und 13 des Vereinsgesetzes die Lücken im Polizeiwissen ausfüllen. Der Prozeß, in dem das Kammergericht den Vereinsleitern solche Allwissenheit zumißt, betraf den Hauptvorstand des Deutschen Bergarbeiterverbandes, den Reichs- tagsabgeordnelen Sachs« und die Bergleute Schröder, Horn, Böhm und Günter. Zufolge einer höchstinstanzlichen früheren Entscheidung meldet seit einiger Zeit der Hauptvorstand bei der Polizeivcrwaltuug zu Bockum die Berände- rungen im Mitgliederbeslande des ganzen Verbandes an. Die Polizei hatte nun bezüglich einer Anzahl Mitglieder auS verschiedene» deutschen Gauen Auskunft erlangt, indem sie die An- gäbe der Wohnungen(Straße und event. Nummer), sowie bei einigen auch des Geburtstages forderte. Darunter befanden sich auch einige, die zur Zeit des Erlasses der Aufforderung nicht mehr Mitglieder waren. Die Angabe der Wohnungen und Geburtstage wurde prinzipiell verweigert, weil die betreffenden mit der Sache befaßten Vorstandsmitglieder die Verpflichtung dazu bestritten, und zwar be- züglich der Wohnungen deshalb, weil es sich nur um kleine Orte handelte. Auch bestritt man die Verpflichtung zu Angaben über schon ausgetretene Mitglieder. Abgelehnt wurde auch eine Auskunft darüber, wer zurzeit den Vorftand eines bestimmten Zweigvereins bilde. DaS Landgericht Bochum sprach als Berufungsinstanz die beiden Kassierer Horn und Böhm und den Schriftführer Günter ftei, weil diese drei nur innere Funktionen hätten und deshalb nicht zu den „Vorstehern' gemäß§ 2 und 13 des Gesetzes gerechnet werden könnten. Es ging davon aus, daß.Vorsteher' nur die wären, die berufen seien, den Verein nach innen und außen zu vertreten. Das seien die beiden Vorsitzenden Sachse und Schröder. Diese wurden vom Landgericht zu Geldstrafen verurteilt. Das Landgericht nahm zunächst an. daß eine Auskunft im Sinne des Z 2 auch die Wohnungsangabe um- fassen könne. Allerdings dürfte die Polizei die Vereinsvorsteher nicht ohne weiteres, nicht ohne festzustellen, ob die Perlonen ohne genaue Adresse aufzufinden seien, als Auskunstsburcaus benutzen. Die Vereinsvorsteher seien auch nicht verpflichtet, besondere Rechercken nach dem Aufenthaltsort der Mitglieder anzustellen. Hier hätte» sich Sachse und Schröder schuldig gemacht durch prinzipielle Mitglieder hätte jene Auskunft verlangt Wersen lonnen. und von den Vorstehern erteilt werden müssen, natürlich auch hier nur soweit, als sie etwas über Wohnort und Wohnung der ausgeschiedenen Mitglieder aus den Vereinslisten wüßten. Dagegen hätte nach dem Vereinsgeseh für die Vorsteher keine Verpflichtung bestanden, Aus- kunft über die Zusammensetzuiig des Vorstandes eines Zweigvcreins zu erteilen. Sachse und Schröder legten, soweit Verurteilung erfolgt war. Revision ein, und die Staatsanwaltschaft, soweit Freisprechung er- folgt war, also auch gegen die Freisprechung der anderen drei Mit» glieder des HauptvoritandeS. DaS Kammergericht hob am Donnerstag das landgerichtliche Urteil auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht Bochum zurück. Unter anderem wurde ausgeführt: Mit Recht habe das Landgericht die Verpflichtung zur Auskunfterteilung über die Zusammensetzung des Vorstandes einer Zahlstelle verneint. Entweder seien diese schon als Ver- b a n d s Mitglieder im Verzeichnis und dann wäre die Polizei nicht berechtigt, mit Bezug auf ihre spezielle Stellung in der Organisation eine Auskunft zu fordern; oder aber der Ortsvercin führte ein ganz s e l b st ä n d i g e s Vereins- leben und dann brauchten die Angeklagten deshalb über die Mit- glieder dieses Vereins keine Auskunft geben.— Wenn das Land- gericht Horn, Böhm und Günter nicht als„Vorsteher" gemäß 82 und 13 ansehe, so sei das falsch. Als Vorstandsmitglieder seien sie V o r st e h e r, auch wenn sie nur im Innern wirkten. Zu b e- achten sei jedoch, daß sämtliche Vorsteher für die unberechtigte Unterlassung einer Auskunft nur haftbar seien, wenn das Erfordern der Polizei an den Verein, zu Händen seiner Vor st eher,(an den Vorstand) ergangen sei. Habe sich die Polizei dagegen nur an Herrn Sachse mit ihrem Ersuchen gewandt oder an Herrn Schröder, so hafte strafrechtlich nur der betreffende, wenn er nicht richtig oder gar nicht antworte. In dem Falle der allgemeinen Haftung könne von der Bestrafung nach§ 13 nur ausgenommen werden der Vorsteher, der nachweisen könne, daß er an der Unterlassung ganz ohne Ver- schulden sei.—§ 2 spreche nun wörtlich von„jeder darauf bezüglichen" Auskunft, indem er sich auf das Verzeichnis der Mit- glieder, die Veränderungen usw. usw. beziehe. Nach seinem Inhalt habe das die Bedeutung: Gehe die Polizei davon aus, daß eine Person noch Mitglied sei, und wolle sie etwas über dieses Mitglied wissen, dann müsse die Auskunft sich auch auf spezielle Fragen erstrecken, wenn dies nötig sei, um die Identität der Person fe st- z u st e l l e n. Dafür könne auch die Wohnung und das Alter, der Geburtstag, wichtig fein, also könne die AuökunftSpflicht auch darauf ausgedehnt werden. Wenn zugleich mit der Antwort auf ein Auskunfsersuchen die Abmeldung eines Mitglieds erfolge, so bestehe zu der Zeit noch die Auskunftspflicht. Sei aber ein Mitglied bereits abgemeldet und die Polizei wisse dies, dann könne sie über dies bereits ausgeschiedene Mitglied eine Auskunft über seine Wohnung usw. nicht mehr verlangen. In solchem Falle genüge es, wenn der Polizei auf ihr AuskunftSverlangen geantwortet werde: Er ist nicht mehr Mitglitzd.— Was hier ausgesprochen sei, müsse das Land gericht in der neuen Verhandlung beachten.— Nach diesem Urteil des Kammergerichts wäre an, Ende ein Verbandsvorsitzender auch verpflichtet, auf polizeiliches Erfordern mitzuteilen, ob ein Vereins- Mitglied schwarze Haare, blaue Augen oder einen Leberfleck unter der kleinen Zehe des rechten FuheS habe, damit seine„Identität" festgestellt werden könne. Die Entscheidung deS Kammergerichts verwechselt offensicktlich die Aufgaben eines Vor- stehers von Vereinen mit der Allwissenheit, deren Vorhandensein bei der Polizei sonst vom höchsten Gericht fingiert wird. Ist Friedrich Nikolajcwitsch Nepomuk in Buxtehude als Mitglied cincS Vereins angemeldet, so kann keinesfalls der Vereinsvorsteher für verpflichtet erachtet werden, die Polizei darüber zu belehren, in welcher Straße oder in welchem Slockiverk der alleinige Träger des NamcnS Nepomuk in Ritzebüttel in Schlafstelle oder in eigener Wohnung oder als möblierter Herr wohnt, wann, vielleicht auch wo und wie er geboren ist. Will die Polizei das wissen, so ist es ihre Sache, bei Behörden danach anzufragen. Das Gesetz steht trotz des kammergerichtlichen Urteils nicht auf dem Standpunkt, daß der Vereinsvorsteher als stellvertretende Polizeibehörde deren Pflichten erfülle._ Lex Hcinze scheitert einmal beim Reichsgericht an der tat- sächlichen Feststellung des Landgerichts. Die von Dr. Sokulowski übersetzten Novellen des Mosanio(aus dem 13.-Jahrhundert) hatten es einem Mitglieds des Kölner Männervereins zur Hebung der Sittlichkeit angetan. Flugs wl»de denunziert, vom Staatsanwalt zunächst die Erhebung einer Anklage reprobiert, auf erhobene Be- schiverde infolge Weisung des Oberstaatsanwaltes dann Anklage doch fonnuliert und der Verleger Ungar und der Verfasser Dr. Solu- lowSki vor das Altenburger Landgericht zitiert. Gegen die Freisprechung legte die Staatsanwaltschaft Revision ein. Das Reichsgericht hob das Urteil jedoch nicht wie in ähnlichen Fällen zur Aufsuchung des Menschen mit dem normalen Sittlichkeits- gefühl auf, sondern verwarf am Mittwoch die Revision. AuS der Begründung zitteren wir folgende interessanten Ausführungen: Die Entscheidung wird durch die Feststellung getragen, die dem Zusammenhange der Urteilsgründe zu entnehmen ist uud die dahin geht: die Schrift ist die Uebersetzung eines alten Originals und ein wertvoller Beitrag zur Kenntnis der Kulturgeschichte; sie ist ein be- deutendes Hilfsmittel für die literarische Wissenschaft und ein novellisti- sches Kunstwerk. Diese Fe st st eilung ist tatsächlich und in der Revisionsinstanz unanfechtbar. Wenn auf dieser Grundlage daS Tatbestandsmerlmal der Unzüchtigkeit verneint ist. so kann darin ein Rechtsirrtum nicht erblickt werden. Richtig ist zwar, daß eine Schrift des hier festgestellten Inhaltes nicht rechts- grundsätzlich auch dann als straflos zu gelten hat, wenn dieser In- halt sonst» geeignet ist, das Scham- und Sittlichkeitsaefühl zu ver- letzen. Entscheidend sind vielmehr die Umstände des einzelnen Falles und es komnit darauf an zu prüfen, ob die Dar- ftellung der geschlechtlichen Beziehungen durch daS Vorherrschen des wissenschaftlichen und künstlerischen Zweckes derart in den Hintergrund gedrängt wird. daß das normale Scham- und Sittlichkcitsgefühl nicht verletzt wird. ES kann sein, daß der geschlechtliche Stoff zum Selbstzweck wird und beabsichtigt ist, auf den Leser einen geschlechtlichen Reiz auszuüben; cö kann auch fein, daß der Verfasser die Behauptung, sein Buch sei didaktisch und wertvoll zur Bereicherung der Kenntnisse über eine bestimmte Kultur- epoche. nur aufstellt, um sich vor abfälliger Kritik zu schützen. Wenn aber die Gesamttendenz dahin geht, den lehrhaften und künstlerischen Inhalt zum ausschließlichen Zweck zu gestalten, derart, daß dieser Zweck nur erreicht werden kann, wenn auch geschlechtliche Dinge herangezogen werden, dann entfällt für das fragliche Werk der Charakter der Uuzüchtigkeit. Hier kommt auch der Kreis derLeser in Betracht, für diedasBuchbestimmt ist. Besteht er nur aus solchen Personen, welche künstlerische und wissenschaftliche Zwecke b�i der Lektüre verfolgen, so wird als Norm anzunehmen sein, daß das Buch nicht als unzüchtig anzusehen ist. War daS Buch vom Verfasser für diesen Zweck bestimnit, so ist der Schluß auf den guten Glauben und den Mangel des Bewußtseins der Unzüchtigkeit gerechtfertigt. Von diesem Gesichtspunkte aus hat das Landgericht den Sachverhalt geprüft und aus tatsächlichen Gründen ist es zu dem Ergebnis gelangt, daß der § 184, Str.-G.-B. im vorliegenden Falle keine Anwendung findet. Das Landgericht hat auch insbesondere die von der Revision be- mängelteu Feststellungen getroffen. Es hat tatsächlich festgestellt, daß die moralischen Betrachtungen des Originals nicht weggelassen sind, um die geschlechtlichen Dinge in den Vordergrund treten zu lassen, sondern aus rein künstlerischen Rücksichten. DaS Landgericht hat auch die Frage geprüft, ob etwa auS dem nur dem Buchhandel zu- zänglich gemachten Prospekt auf eine unlautere Absicht zu schließen (ei, und es hat wiederum festgestellt, daß der Prospekt aus rein buchhändlerischen Rücksichten so abgefaßt worden ist, um den Fach- genossen Gelegenheit zu geben, zu prüfen, ob sie das Buch verbreiten können. Diese Ausführungen deS Reichsgerichts gewähren zwar keines- wegs künstlerischen und wissenschaftlichen Darlegungen aus dem erotischen Gebiet die Sicherheit, daß sie nicht verfolgt werden, ent- halten aber gegenüber so manchen Entscheidungen des Reichsgerichts auf diesem Gebiete immerhin den Borzug, daß sie die tatsächlichen Feststellungen des freisprechenden Erkenntniffes respektieren und dem Wunsch der Lex-Heinze-Männer nicht auch über den Rahmen der Strafprozeß ordnung hinaus Rechnung tragen. Und das will bei der Richtung der Rechtsprechung des Reichsgerichts schon viel sagen._ Akkordlicher Mordlohn. Wegen fahrlässiger Tötung ist am 11. Mai v. L. vo>n Land- gericht Zaber» der Steinbruchbesitzer August Picard zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Beim Sprengen war ein Arbeiter von einem 13 Pfund schweren Steine getötet worden, iveil er, um beim Akkordlohne nicht zu viel Zeit einzubüßen, nicht weit genug von der Sprengung weggegangen war. Auch war die Sprengstelle nicht gedeckt worden, die Arbeiter wußten gar nicht, daß Faschinen zu diesem Zwecke da waren. Der Aufseher war erkrankt, und dtr An- geklagte hatte einen nicht zuverlässigen Arbeiter mit der Aufsicht betraut, der sich nach seinen Pflichten und Obliegenheiten nicht ge- nügend erkundigte.—' In seiner Revision bestritt der Angeklagte seine Verantwortlichkeit. Akkordarbeiter seien selbst als Unternehmer anzusehen!— Das Reichsgericht erkannte am Donnerstag auf V e r- w e r f u n g der Revision._ Zweierlei Maß für Roheitsvergehen. In Königsberg sind die Richter der Ansicht, durch strenge Strafen als Roheitsvergehen erachtete Handlungen der Arbeiter aus der Welt schaffen zu müssen. Dieser Tage standen ein Unter- nehmer und ein Polier vor dem Königsberger Gericht und zwar als Angeklagte wegen Roheitsvergehen gegen einen Ar- b elter. Beide hatten einen Maurer, der nach seinem Lohne gekommen war. in der schiversten Weise mißhandelt, so daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte und acht Tage arbeits- unfähig' war. Da der Maurer Strafanzeige machte, mußten die beiden Herren vor dem Straftichtcr erscheinen, und der Staats- anivalt beantragte gegen den Unternehmer, der den Maurer mit epner Latte bearbeitet hatte, zwei Monate Gefängnis und gegen den Polier, der dem Unternehmer bei dem Prügeln be- hilflich gewesen war, einen Monat Gefängnis. DaS Urteil des Gerichts lautete gegen den Untcrnehiner auf 100 Mark Geldstrafe und gegen den Polier auf 30 Mark Geldstrafe. Billige Zeitungsspedition. 63 441,70 M. muß der Breslauer„Generalanzeiger" wegen Post« defraudation nach einem nun bereits drei Jahre währenden Prozesse zahlen. Es handelt sich darum, daß jenes„unparteiische Blatt' mit der Riesenauflnge teilweise derart nach der Provinz expediert worden war, daß Boten des Blattes ein ganzes Wagenabteil der Personen- oder Schnellzüge besetzten und die Zeitungen als Handgepäck mit- nahmen. Partei- Speditionen: Berlin Zweiter Wahlkreis: Hermann Werne r, Mittenwalder- striche 30, v. pari.— Dritter Walilkrels; St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hos rechts part.— Vierter Wahlkreis O.; Robert Wenzels, RüderSdorserstr. 3, am Küstrinerplatz.— 8D.: Paul Böhm, Lausitzer- platz 11/15(Laden).— Fünfter Wahlkreis: Leo Z u ch t, Keidelstr. 42 (Laden).— Sechster Wahlkreis(Moabit): Karl Anders, Salzivcdclerstr. 8, im Laden.— Weckdln«: Karl Weiße, Wiescn- straße 41/42.— Kosenthaler und Oranienburger Vorstadt: E ermann Raschte, Ackerstr. 36, Eingang Anllamersw.— Oesaad» rnnnen: F. Trapp, Nügenerstr. 24, vorn part. links.— SchUn- hanser- Vorstadt: Karl Mars, Lychcncrstr. 123.—.Alt- Glienicke: Reinhold Schulz, Rudowerstr.83.— Charlottonburg;: Gustav Scharnb erg, Sesenhelinerstr. 1, Ecke Gocthestr., v. I.— Wlliuers» dorf-llalensce; Georg F e e s e, Berlinerstr. 46, Laden.— Uchten- ber«, Frledrlchsfcldc, Wllhelnisberg, Boxhagen, Stralau u. Bninnielsburg: Otto Seile!, 0. 112, Kronprmzen- straße 50, I.— Grüna»: H. Ivluhme, Viktoriastr. 2.— Rixdorf; M. Heinrich, Prinz Handjerhstraße 7, im Laden.— Schmargendorf: Gustav KaminSky, Cunvstraße 2.— SchUneherg: Wilhelm B ä u m l e r, Martin Lutherstt. 31, im Laden.— Tenipelhof: M. Müller, Berlinerstr. 41/42.— Ober- Schüneweldc: Justus G run o w, Edisonstr. 10, I.— Nieder- Schünoweide:Bonakowslh, Hasselwerderstr. Id.— Johannisthal; Franz Hünold, viSmarckstr. 7.—.Vdlershof: Erich Steuer, Roonstr. 8, 1.— Künlgs-WaMtorhanson: Friedrich Bau mann, Luckenwalderstr. 4b.— Köpenick: Friedrich Wold, Grünstr. 4.— Friedenau- Steglitz-Siidendc: H. Be r n s e e, Schloßstr. IIS, Gartenhaus I, in Steglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 8, u. Fr. S lh e l l h a s e, Slhornstr. 15g.— Marlen» dorfs: Hermann R e i ch a r d t, Chausseestriche 16.— Baumschulen. weg: Stock. Ernststr. 2, II.— Treptow: ist. Voigt, Elsenstr. 87, vorn III I.— Neu- Weißensee: W. N e S k e, Sedanftr. 105, Part. — Relnickentlorf- Ost, Wilhelmsruh und Schün- hol«: P. G u r s ch, Provinzstraße 103,11.— Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidniannslust, Hcnusdorf und Kclnickondorf• West: Paul Kienast, Borstaivalde, Schubart- straße 43.— Fankow-Vlederschünhaasen: G. F r ei iv a l d t, Mahlenstr.73,— Flehwalde, Reuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: AlsonS G r ä tz, Sichwaldo, Kronprlnzenslr. 82, 1.— Teltow: ' ermann Krüger, Ncuestr. 2.— Nowawes; Wilhelm gappe, irichstr. 1.— Spandau: Koppen, Jagoivstr. 9. Außerdem(st sämtliche Partellitcratur sowie alle wtssenschastlichen Äerke dort zu haben. Ltttch werde»» Inserate für de»»„Vorwärts" etltgege»»ge»»oi»»men. DM- Bitte ansschnoldon.-M» ir»n m i.ir-ufri nur i• s-«» Seif® iinlicht rdalgi all« vaKhbaro Gegtittjadt nd Slofte ia toilkommitKr Gel». _ Sit artlfl dabei«ewede Farbe»»khi aa, toadtni frttcbl»h aal. tsdatt alle» vle ata embelat. Wie»n erhielt die Raatfraa kolbare(UäsdKttlche btscbädlgi- durch viele, Reiben aad, chatte ZatKzt, oder aar halbrela- l, folge Uerveadaag gettager Seile» zaritk. Bot«!)« Sie deshalb daraal, da», za Ihm tübebe aar Swlicbt Seile Oenveadaag nadti. an der dderraicbeade RttKltatt bei einfacher flawadaag erzieh werde». Die UcrwcBdung von Sunlicbt Seife jsf eine ßarantk für lange BaitbarkeH der feinsten Oiascbestflcbe, Achtimg, Grwrrkschaftr»! Geflentliche Kai- Versaitinlnngen am Vormittag des 1. Mai. Samtliebe Vertammlungen finden mit ItiZlfsarbeitern und f raucn ttatt. Die Tagesordnung in sämtlichen Versammlungen lautet: Die Bedeiiiiiiigf des f. ülai. Bckleldnngs-lndnstrle. Holzarbeiter. GrupPeiMersamuilmig bei Ulbricb(fr. Fiebig), Gr. Kranrfurterstr. 28, vorm. 10 Uhr. Referent: Fran« Kotzkc. Treffpunkt der(Ztickereibranche, 8ll,—0 Uhr bei Engel, Seydolstr. 30.— Treffpunkt der Posameutiere, 8>/. Uhr bei vlume, Alte igtcebstr. 1 1g.— Textilarbeiter, Wüfchcbranche, Hutmacher, Färber, Kürschner, Dekateure usw. gehen direkt in die Gruppcnverfammlung.— Nachmittags Anschluß an die Partei. HaMels-, Trausport- u. Verkehrsgewerbe. Referent: F. Ebert. Handlungsaehülfen und Gehülsinnen, Burcau-Angeftellte, Kauflente, Handelshülfsarveiter, Geschäfts-, Arbeits- und Drofchkenkutfcher, Lagerhalter, Fensterputzer kommen im Versammlungslokal zusammen. laeiterserliZldsuei', Jpöjeköreiili'vejtöi'. 8ö!tftonön des Z.-V. d. H.- u. T.-Arb. in Frankes Festsillen, Sebastianftrafte 39, vormittagö 10 Uhr. Referentin: Frau P. Thiede. Gruppenversammlnng:„KeneWelt", Hascnheide Nr. 108—114, vormittags 10 Uhr. Referent: Reichstagsabgeordneter<«. Ecdcbonr. SHf Die Mitglieder der einzelnen Branchen treffen sich um 8 Uhr morgens in folgenden Lokalen: Klavierarbeiter bei Möhring, AdmiralfU. 18c.— Jalouficarbeiter bei Friedrich, Prinzenslr. 9.— Stockarbeiter bei Bareinj, Brandenburger Ufer 6.— Modelltischler bei Schmidt, Gartcnftr. 6.— Nahmen- macher bei Stramm, Ritterstr. 128.— Kammacher bei Krause, Adalbertstr. 59.— Perlmuttarbeiter bei Xonmili, Köpeniclerstr. 34,— Bürstenmacher bei Undemsnn, Moritzstr. 9.— Kistenmacher bei Baudach, Breslauerstr. 28.— Bodenleger im Gewerkschaftshause.— Giuseher im Gewerkschaftshause.— Stellmacher im„Rosenlhaler Hof", Rofenthalcrftr. U/12.— Korbmacher bei Krause, Adalbertstr. 59.— Korbmacher in Friedrichsbcrg und Friedrichsfelde bei Mike in Lichtenberg, Dorfftr. 14. Die Tischler, Polierer und Drechsler treffen sich in ihren Verkehrslokalen und gehen von dort aus nach der„Neuen Welt". ■nBBBTCBB Jeder an der Maifeier teilnehmende Kollege erhält eine Maimarke,■khhmhb Hellirmutaeliei*. Die Mitglieder gehen direkt in die Versammlung der Holzarbeiter. Höttebei' � 6e' Werkowski, Andreasstraße Hr. 26,»ormittags 9 Uhr und gehen nach der „i�enen'IVelf*. Grnpven- Versammlung vormittags 10 Uhr in t ie. her KUnlgsbanh, Frankfnrterstr. 117. Referent: Ii. IVlesenthal. Bauarbeiter.„Brancrcl Frlcdrlchahain", vormittags 10 Uhr. Referent: 31. Slanrenbrechcr. Buehbiuder und Buchbinderei-irbeiterinnen, Etui- und Ledergalanterie- ÄFbeiler und Ärbeiterinnen, Bei Bnssen,,asen Ä?rÄ?' bot",utrt8' 10 U9t Referent: Dr. H. Weyl. Galanteriearbciter s Treffpunkt bei Manzey, Reichenbergerstr. 16, vormittags 8 Uhr. Ciasarbeiter, Glaser, Classcltleifer, Referent; E. Kloth. Glasarbeiter und Glasschleifer treffen sich bei Kaufeidt, Markusstr. 47, vormittags 8>/. Uhr. Haehdeeker bei Feind, Weinstr. 11, vormittags 10 Uhr. Referent: Ernst Klar. Asphalleure und Pappdaclideeker. Ausflug mit Familie.— Abends: Teilnahme an der Feier im„Gewerkfchastshaufe". GraYeure und Ziseleure. Drc8denTnmuÄnio®«ö1.bcnerfrt* 15' Referent: Dr. J. Zadek. HolzbearbeKungsinaschlnen-ArbeileF. Andrea"' �nÄs�io �*h Rcferentin: Fran Klara Weyl. Holz-, Siein- und Gips-BIldhaueF und Modelleure. Referent: K. Grnnwald. Haler und Eaeklerer."Deo,",'er,Ä'Ä%T''',t Referent: tZnatav Elnk. MM,, in Beritner Bock- Branerol, Xempelhofer Berg. vormittags 0'/, Uhr, -ilKiT II>.. Referent: ReichStagSabaeordiicter Illlolkenbalir. Flieseuleger-Sektion: vormittags 8'/, Uhr, in Havels Brauerei, Bergmaimstr. 5/7. zwecks Kontrolle. ?OFzellanaFbelieF und SeluldeFmaleF. Gcwepk8ChÄffi ioanUr®,,9Ct"UfC113' Putzer. Gips- und Zementbranebe. Kellers FcstsUlc, Koppenftrafte 29, vormittag? 10 Uhr. Referent: Albert Hasslni. Kllcm, Hasenhaide 13—15, mittags 10 Uhr. Referent: Albrccht Fülle. vor» Hafenarbeiter(Bretterträger), m a"ul fr Ä 72dv�"�""''f1o!v vormitt. 10 Uhr. SltFrrontmlintftFti 1* Fcenpalast, Burgstraffe. Ecke Wolf- zirrjllllimillllgru. gangstraffe, vormittags 10 Uhr. Referentin: Frl. Ida Altmann. Referent: P. Barthel. Hetallarbeiter. o z»rkfui»i»i»l»»Nkü. ga»gstraffe. Referent: Reichstagsabgeordneter A. Bebel. 2. Piermanla-Süle, Chausseestraffe 103, vormittags 10 Uhr. Referent: Reichstagsabgeordneter P. Singer. 3. Feldschlößchen, Müllerstr. 112, vormittags 10 Uhr. Referent: Engen Brückner. Nahrnngs- und Genußmittel-Gewerbe. Buggenhagen, am Moriiivlali(unterer Saal), vormittags 10 Uhr. Referent: Karl Koblenzer. Konditoren: Treffpunkt vormittags 81/. Uhr, bei Arlt, Brunnenftr. 30. Musiker, Schlächter, Bäcker, Brauer, Hülfsarbeiter, Tabakarbeiter. Müller und Barbiere gehen direkt in die Gnlppenverfammlung. Gastwirts- gehülsen treffen sich im Lokal, Dirckseustr. 39 I, vormittags 9 Uhr. Fabrik- nnd Httlfsarbeiter. Referent: C. Brnhns. Grnvpenversanimlnng: Bock-Brancrel(Heiner am Tempelhoser Berg, vormittags 10 Uhr. Grapbiseb.es Gewerbe. Saal), Referent: J. Haß. Zllle dazu gehörigen Branchen: Buchdrucker, Buchdruckerei-Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen, Schriftgießer, Photographen, Stereothpeure, Lithographen und Steindrucker, Xylographen, Formftecher und Tapetendrucker kommen in der Gruppenverfammlung zusammen. Gruppenversammlnng: Zlarlenbad, Badstraffe 30 (Gefundbrunnen), vormittags 10 Uhr. Referent: Bax Schütte. Lohgerber, Weißgerver, Lederzurichter, Lederfärber gehen direkt in die Gruppenverfammlung. Handschuh- macher treffen sich früh 8 Uhr im Vereinslokal, Rofenthalerftr. 57. 11 as. Fürstenhof, Köpenickerstraffe 137/138, vormittags 10 Uhr. JL UX l-CldlAlAd• Referent: Ernst Brückner. Treffpunkt bei Rudolf Hahn, Adawertstr. 4, vormittags 9 Uhr; für Ripdorf, bei Lnff, Wißmannftr. 10, vormittags 8ff, Uhr; für die Kollegen im Norden: Am Königstor, vormittags 8'/, Uhr. as. A. Bockers Fcstsülc, Weberstraffe 17, vormittags 10 Uhr. Referent: EnUI Dittmer. Xoack, Brunnenftr. 16, vormittags 10 Uhr. Referent: W. Sierlng. Brunnenstraffe 188. vormittags 10 Uhr, Referent: C. Hübsch. ILederbearbeitnug. Referent StelnaFbeiteF, Granii- u. MarmoraFbeiter. Steinsetzer. F- Wilke' Gcwerkschaftshans, Engel- User 15(großer Saal), vorm. 10 Uhr. 1? sa sss SMS ass» Bergstraffe 12. vormittags 10 Uhr. .nHmmvF• Referent: F.«alda. Stukkateure, Gip*gIelSer.»«»»ker�le�KaUe�W�elmstr. 18m, Referent: B. Ecopold. Die Mitglieder treffen sich um 0 Uhr in de» Zahlstellen deS Verbandes. Scbiniede d. Kupferschmiede. �äf'Äb'm�arwmTo�rr'. Referent: C. GIrbig. Schneider u. Schneiderinnen. Referent: Klinilng. nTussAvsAs.As. Wcndt(Cohns) Festsüle, Beuthstraüe 20, vormittags 10 Uhr. Jl apezierei• Referent: Otto Wels. Kronen-Branercl, Alt-Moabit 17/49(an der Gotzkowskhbrücke), vorm. 10«Hr. —*' J*' 1.1• Referent: Morlts Eother. Verein Berliner Hausdiener. zlr%TeI32?«'ÄT2eigf6' Referent: P. Dnpont. 'K7as.«'ss1s1sss. Sophien-Sttle(oberer Saal), Sophienstraffe Nr. 17, vormittags 10 Uhr. V"K gsIKU>.R?M.» Referent: Reichstags-Abgeordneter Zlahlke. «tikltischesVrbeiter. mlttaqi 18 Vlssssss as.as. 3 Tersammlangcn, vormittags 10 Uhr: 1.„Alhambra", Wallner. ÄI1IIII1I5A CJ.• Theaterstr. 15. Rcferentin: Fran E. Braan.— 2. Ballsehntleder, Badstr. 16. Rcferentin: Fran B. Ihrer.— 3. Viktoria- Brauerei, Referent: Redaltcur Block. Liiffowstraffe Nr. 111/112. lZllilslMNlllll'g. 3. Bauers 4 Versammlungen vormittags 10 Uhr: , Rosiuenstr. 3(großer Saal): Maurer, Putzer, Zj „(kl, Saal): BanhülfSarbeitcr, Maler, Äteinsef l, BolkShanS, 2. lmmercr, etzer, Töpfer, tzcstsäle, Berlinerstr.80a: Holzarbeiter, Handels- u, Transportarbeiter u, die Bckleidnngsbranche. 4. Schulst' Festsäle, Kaiser Friedrichsir. 21(unterer Saal): Fabrikarbeiter, Metallarbeiter, Maschinisten und Heizer, Porzellanarbcitcr, Schmiede und die übrigen Gewerkschaften. Referenten: C. Giebel, A. Gebert, Fr. Klotz, F. Zietsch. AI"» Vormittags 10 Uhr bei Obst, Meiningerstr. 8: SCIlOIISuBfQi Versanuulnng sämtlicher Gewerkschaften. vivllakf 3 Versammlungen: StoFtiÄgigiJS«»' PlIAuUl Ii Für die übrigen> 2, bei Hoppe, idcrmannstr, 49/50, Res,: ReikhStaaS-Abg. Ed. Bernstein. Gcwcrkfchaften: I 3. bei HeikhauS, Karlsgartenstraße, Referent: G. Davidsohn. n i■ L f II A Vormittags 10 Uhr bei M e i ff n e r. BtSmarckttr. 60: AlllksLWl U. uMgögkIill. Vsraammluag zlmllick-r hm-rkaedaftn »»>»»>« a I Vormittags 10 Uhr im Stadt-Theater. KöpeniCR u. Umgeyend. vertMm>mgzzmi>i°i.tt�g°mr>izciisft°>r ■■ I I? II« Vormittagö 10 Uhr bei Borgfcldt, Fcldstr. 44: tvlgsiömlisi u. Umgegend. V6rsamraisÄ »»» ia__ Vormittags 10 Uhr D chloff Weiffensee: Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Referent: Fendel. AA.«!«.. Vormittags 10 Uhr im Cafb Bellevur, Hauptftr. 2: 8tseiell-»nmmel8nnsg.v»>aazZm.ii� fsiedsiel>8liesg-l.iel!!enbesg. Uersammlullg sämtlichkr Gelverkschastt» vormittags 10 Uhr im Schwarzen Adler» Franks, Chaufscc 5, Referent: llax Jakobscn, llf'l___ BormittagS 10 Uhr in l8ch»neberg, WilHelmöHof, EberSstr. 80: H fflfiHHjIHli Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. »U«IIIIVI VSVVV VI» Referent. B»ske. SS I... Vormittagö 10 Uhr in Rozyckia Gescllfchaftshaus, Kreuzstr. 3/4: fssslllWi Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. I»IIIIVIII Referent: Wermnth. >»» i Vormittags 10 Uhr bei I. Klippenstein, Spandauerstr, 4: IBUfili Versammlung s ä»n t l i ch e r Gewerkschaften. I VIZVII Referent: Otto Stilller. • i Vormittagö 10 Uhr im GesellschastshanS, Zihcinftraße: Fr eoenau. Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. I I ivtaviifvai Referent: Kaspar. 8elimesgendess. obsr-svbLnsvvmds- lobannislbsi. Vormittags 10 Uhr in Sanssouci, Ruhlaerstr, 21123: Allgemeine Versammlung Referent: F. Schneider. Allgemeine Tcrsammlnng vormittags 10 Uhr im Schloffpark Wilhelmincnhof. Referent: Otto Handtke. Versammlnng Referent" Paul1 John. Die Gewerkschaften resp. die Einberufer der Gruppenversammlnngen haben ihre Versammlungen selbst anzumelden. Bei den vorherigen Zusammenkünften bedarf es keiner Anmeldung.— Gleichzeitig werden die Bureaus der Versammlungen beauftragt, über die Zahl der Versammlungsbesucher dem Gewerkschafts- Bureau, Gugel-User IZ», Gewerkschaftshaus, Ä. Flureingang, schriftlich Kenntnis z« gebe«. Hop Ausschuß der ßsrliner ßewerkschaftskominiission. ' 1 verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:-TH. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: VorwältS Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer St Co.. Berlin SW. 8r.98. zz.zchMg. Z. Ktllllge des„UllMlilts" Kttüvel VsIdsdIM. sm«k«d.WM»M. Huq der frauenbevvegung. Weißcnsee. Der hiesige Verein der Frauen und Mädchen der Srbeiterllasje feiert am Sonnabend, den 12. Mai, sein 3. Stiftungsfest im Lokale Schloß Weißensee(Wintersaal). Beginn abends 8Vz Uhr. Ein reichhaltiges Programm. Konzert. Theater und Vor- träge der Theatergesellschaft Lewandowski, werden den Mitgliedern einen genußreichen Abend bieten. Eintrittskarten sind bei Frau Teuber. König- Chaussee 39-» III. Frau Demmig, Friedrichstraße 1 Und Frau Brandenburg, Roclkestratze 9, zu haben. Uroletariermnen, Genossinnen! Rüstet zur Maiseiei'! Erscheint in Masse zu den Demonstrations- Versammlungen! Potsdam. Die moderne Frauenbewegung steht hier noch auf sehr schwachen Füßen. Die Ursachen dieser unerfreulichen Erscheinung liegen teils in der durch eine seichte Klatschpresse geförderten Gleich- gültigkeit der hiesigen Frauen für das öffentliche Leben, teils in der ungenügenden Aufklärung durch die Männer und die berufeneu Organisationen. Was weder Ermahnungen noch Belehrungen zuwege brachten, das haben aber die öffentlichen Vorkommnisse derlctztenZeithier angebahnt. Besonders die rapide gestiegenen Preise fiir die wichtigsten Nahrungsmittel, namentlich des Fleisches, das hier noch durch die Schlachtsteuer extra belastet wird, haben den proletarische» Frauen endlich die Augen geöffnet und sie zum Nachdenken über ihre Klassen- läge gebracht. Wie groß das Interesse auch der Arbeiter f r a» e n für d,e sozialen und kommunalen Vorgänge, für die wirtschaftlichen und politischen Konflikte ist, das erfährt man am besten, wenn man sich die Mühe nimmt, auf Vergnügungen usw. auf die Unter- Haltungen der intelligenten Frauen zu achten und sich an ihnen zu beteiligen. Auf diesem Erfolg versprechenden Felde die Arbeit mit neuer Energie auszunehmen, dazu gibt die kommende Maifeier die beste Gelegenheit. Sorgen wir alle dafür, daß der t. Mai auch hier nicht bloß eine imponierende Demonstration der Männer gegen das Unrecht der zurzeit noch herrschenden Gewalten zum Ausdruck bringe, sondern auch der arbeitenden Frauen. Mögen sie zahlreich an den Veranstaltungen des Maifestes der Arbeit teilnehmen und auch ihrerseits die würdigste Form der Feier in der Arbeitsruhe erblicken. Kierter Nerbaudstag des Verbandes dentscher Gastwirts- gehiilftn. Köln, 2ö. April. Der Bericht der Mandatsprüfungskommission ergibt die Anwesenheit von 51 Delegierten, die 38 Ortsverwal- tungen vertreten. Es sind vertreten: Berlin durch 3, Hamburg durch 4, Altona, Leipzig und München durch je 3, Köln. Dresden und Offcnbach durch je 2 Delegierte und die übrigen Orte durch je einen. Es ist bemerkenswert, daß zum erstenmal weibliche Delegierte erschienen sind, nämlich die beiden Vertreterinnen der Münchcner Sektion für weibliche Gastwirtsgehülfen; ferner sind anwesend je ein Delegierter der englischen Ortsverwaltungen Bath und London. Bei dem Bericht der Hauptverwaltung weist P o e tz s ch darauf hin, daß diejenigen Ortsverwaltungen bei weitem am besten ge- diehen sind, die sich sofort bei ihrer Gründung dazu bekannten, daß sie auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehen, und die sich dem örtlichen Gewerkschaftskartcll anschlössen. Ein Schmerzenskind der Organisation war der Vcrbandsarbcitsnach- weis. Eine ganze Anzahl von Kollegen trat des Arbeitsnachweises wegen dem Verbände bei, wurkke naturgemäß enttäuscht und fiel bald ab. Der Verbandsarbeitsnachweis war vielfach auch die Ursache zu Zwistigkeiten, weil sich beim Stellenzuteilen manche benachteiligt glaubten. Nur durchaus gutorganisierte und gefestigte Zahlstellen sollten einen Arbeitsnachweis einrichten. Der Arbeits- uachweiL soll der Organisation nicht vorauseilen. Manche Zahl- stellen gediehen erst, als sie die Arbeitsnachweise abschafften. Von den„christlichen" Kcllnervcrcinen und Kellnerhcimen wird der Ar- beitsnachwcis benutzt, um Arbeitswillige und Streikbrecher zu be- schaffen. Ursprünglich haben diese Vereine behauptet, daß sie sitt- lich erziehend auf die Kellner einwirken wollten; es hat sich aber gezeigt, daß sie Brutstätten des Arbeitswilligen- und Lohndrücker- tums sind. Ueberdies aber liegt wahrlich ein Bedürfnis nach diesen christlichen Kellnerorganisationen vor; denn erstens ist die Kellner- organisation ohnehin wie keine zweite in zahlreiche Richtungen zersplittert, und zweitens ist der Gastwirtsgehülse so schon zu Demut und Unterwürfigkeit erzogen; wird ihm doch schon in der Lehrzeit das Rückgrat gebrochen. Im übrigen muß der gegen- wärtige Verbandstag darauf bedacht sein, wie der Verband mehr Mitglieder und mehr Macht gewinne, wie er in einem noch viel schnelleren Tempo voranschrcite. Für den Verband ist endlich die Zeit gekommen, wo er sich in ganz anderem Matze als bisher der eigentlichen gewerkschaftlichen Tätigkeit zuwenden muß. In der Debatte äußerten sozusagen cklle Redner ihre An- crkcnnuna gegenüber der Tätigkeit der Hauptverwaltung. Bezüg» lich des Arbeitsnachweises stellte man sich durchweg auf den Stand- Punkt, daß andere Bahnen als bisher eingeschlagen werden müßten. Es sei nötig, die Kollegen aus Interessenten des Ar- beitsnachweiscs zu wirklich gewerkschaftlich geschulten Kämpfern zu machen. Andererseits müsse man dort, wo eine wirklich große und starke Ortsverwaltung besteht, den Arbeitsnachweis des Ver- bandes Pflegen als ein Mittel, die Kollegen aus den Ketten der Stellenvermittler zu befreien. Dann aber schließe die Beseitigung des Vcrbandsarbeitsnachwcises nicht aus, daß man ohne Bureau unter der Hand die Mitglieder fleißig plaziere. Auf die Befolgung der Bundesratsverordnung durch die Arbeitgeber müsse viel mehr geachtet und rücksichtslos vorgegangen werden. In Köln seien in den beiden letzten Jahren über hundert Bestrafungen von den Ge- hülfen herbeigeführt worden. Allenthalben müsse von den Orts- Verwaltungen Fühlung mit der Arbeiterbewegung gehalten und Aufklärung und Schulung unter die Mitglieder getragen werden. Leipzig habe prozentual die höchste Steigerung der Mitgliedcrzahl auszuweisen, was nur darauf zurückzuführen sei, daß die Kollegen sich dort mit der allgemeinen Arbeiterbewegung in Verbindung gesetzt und in den Verkehrs- und Versammlungslokalen der Partei und der Gewerkschaften die Wirte zur Anerkennung der Forde- rungen des Verbandes gezwungen hätten. Den„Christlichen" müsse man überall entgegentreten und die Gehülfen über deren dunkles Treiben ausklären; die vielen Verrätereien im Holzarbeiter-, Gärtner-. Textilarbeiterverband und in anderen Berufen böten da erdrückendes Material. Tie weiteren Ausführungen betreffen innere Verbandsange- legenheiten. Uebcr den Punkt Agitation referiert ebenfalls P o e tz s ch. Er empfiehlt die Ausdehnung der Agitation auch auf das HulfS- personal und überhaupt eine viel umfangreichere und systematischere Agitationsarbcit. Er schlägt deshalb vor, das Deutsche Reich zu- nächst in folgende fünf Gaue einzuteilen: l. Nordostdcutschland Ismit Königsberg. Stettin. Berlin. Breslau usw.); 2. Nordwest- deutschland und die Hansestädte; 3. Königreich Sachsen und Mittel» deutschland; 4. Rheinland und Westfalen; 5. Süddeutschland(mit Mainz und Frankfurt). Ein besoldeter Gauleiter soll zunächst nur für Rheinland und Westfalen angestellt werden; in den übrigen Gauen soll die Hauptkasse Agitationszuschüsse ge- währen. Ferner soll zu den jetzigen Verbandsbeamten(Vorsitzen- der, Kassierer und eine Hülfskraft) noch eine weitere angestellt werden. Um die Kosten zu decken, soll der Beitrag von 39 auf 49 Pf. pro Woche steigen, wovon die Hauptkasse 25 Pf. erhält. Ucber diese Vorschläge entspinnt sich eine sehr ausgedehnte Debatte, in der die Anstellung des rheinisch-westfälischen Gauleiters zum Teil, besonders von Berlin, Leipzig und Dresden be- kämpft wird. Auch die Beitragserhöhung findet bei diesen sowohl wie bei den Hamburger Delegierten Widerspruch, während rheinische, süddeutsche und andere Delegierte den Gauleiter für Rhcinland-Westfalen befürworten. Eine der weiblichen Delegierten wendet sich gegen die Beitragserhöhung, sofern sie auf die weiblichen Mitglieder ausgedehnt werden solle; die Münchner Kellnerinnen seien bezüglich des Lohnes so schlecht gestellt, daß sie einen höheren Beitrag vorderhand nicht leisten könnten. Auch sei die Münchencr Sektion der weiblichen Gastwirtsgehülfen zunächst noch zu jung. Der Hauptkassierer beantragt, für Hülfspersonal und weibliche Mitglieder nötigenfalls einen niedrigeren Beitrag festzusetzen. Die Debatte wird fortgesetzt. Versammlungen. Deutscher Buchbinderverband. Die Zahlstelle Berlin hielt am Donnerstag im Gewerkschaftshaus ihre Generalversammlung ab. Aus dem Geschäftsbericht, den der Vorsitzende Klar gab, ging hervor, daß die Zahlstelle im verflossenen Vierteljahr wiederum Fortschritte gemacht hat. Die Streitigkeiten, die zu langen Ausein- mrdersetzungen führten, sind überwunden, so daß die ganze Kraft wieder der Organisationsarbeit gewidmet werden konnte. Die Mit- gliederzahl ist gestiegen: Die Zahl der männlichen Mitglieder von 2887 auf 3998, die der lveiblichcn von 2584 auf 3996, so daß die Gesamtzahl am Vierteljahrsschluß auf 6974 berechnet wurde. Tat- sächlich ist die Mitgliedcrzahl noch größer, da ein Teil derjenigen, die ihre Beitragsreste an HülfSkassierer bezahlt haben, ohne daß die Verwaltung rechtzeitig davon Kenntnis erhalten konnte, nicht mit- gezählt sind.— Um dies in Zukunft zu vermeiden, stellte die Ver- waltung den Antrag, daß BeitragSreste von über acht Wochen nur noch im Bureau der Zahlstelle entgegengenommen werden sollen, was dann auch von der Generalversammlung beschlossen wurde.— Innerhalb der verschiedenen Branchen ist lebhaft für die Or- ganisation agitiert und für Verbesserung der Arbeitsbedingungen und' Abwehr von Verschlechterungen gewirkt worden. Einzelne Branchen, besonders solche, die auf den Export angewiesen sind, hatten schwer unter Arbeitsmangel zu leiden, lvas hauptsächlich auf den neuen Zolltarif und die damit zusammenhmrgende Verzögerung im Abschluß von Handelsverträgen zurückzuführen ist. So wird in der Albumbranche in fast allen Betrieben mit verkürzter Arbeitszeit gearbeitet, und in der Galanteriebranche ist das FrühjahrSgefchäft fast ganz ausgeblieben. In der Kartonbranche ist der Nietcrtaris allgemein durchgeführt worden, und die Organisation beginnt selbst in den größten Betrieben festen Fuß zu fassen. Innerhalb der Luxuspapierbranche entwickelt sich die Organisation ebenfalls recht gut, und es ist ein Zeichen des Fortschritts, daß Firmen, die noch vor kurzein den Organisationsvertretern die Tür wiesen, sich nun zu verhandeln bereit fanden. Am lebhaftesten war die Bewegung in der Buchbindcrbranchc. Hier haben 43 Sitzungen der Tarif- kommission und vier des Tariffchiedsgerichts stattgefunden. Bei der Firma Weimann haben die Arbeiterinnen gestreikt für Abschaffung des Prämiensystems und Anerkennung des Tarifs für das Maschinen- salzen, was auch beides erzielt wurde. Bei verschiedenen Firmen wurden Mißstände durch Verhandlungen beseitigt. Unter anderem berichtete der Redner über Verhandlungen mit dem Geschäftsführer des..Vorwärts". Hier wurde die Forderung gestellt, daß bei Aus- hülfsarbeit in der Buchbinderei derselbe Lohn gezahlt werde, der nach der vor kurzem gewährten Lohnzulage für die fest angestellten Gehülfen der Minimaflohn ist. Der Geschäftsführer machte einen Verglcichsvorschlag, der jedoch von den Organisationsvertretern nicht angenommen wurde.— Die Abrechnung über das erste Vierteljahr schließt für die Zentralkasse mit der Bilanzsumme von 27 485,73 M. An die Verbandskasse wurden 11 979,65 M. gesandt. Der Bestand des Extrasonds erhöhte sich von 14 965,94 M. auf 17 279,99"M; der Bestand der Lokalkasse von 8382,39 M. auf 9019,81 M. Die Generalversammlung erteilte dem Kassierer B y t o m s k i einstimmig Dccharge. Der Bericht des Arbeitsnachweises ergibt, daß sich im Laufe des Vierteljahres 657 männliche und 673 weibliche Arbeitslose meldeten. Verlangt wurden 557 Gehülfen und 999 Ar- bciterinncn. Besetzt wurden von den Stellen für Gehülfen 392. von denen für Arbeiterinnen 519. Wie der Arbeitsvermittler Bhtomski berichtete, kommt es immer noch vor, daß einzelne Arbeitgeber Arbeitskräfte unter dem Minimallohn verlangen.— In der Diskussion wurden verschiedene Klagen über den Arbeits- Nachweis laut namentlich über dos Aussuchen von Arbeitskräften durch die Arbeitgeber. Ein Antrag, der hierin Wandel schaffen soll, wurde dem Kuratorium des Nachtveises überwiesen. Der Bibliothekar Schmidt berichtete, daß der Bücherbestand von 1274 Bänden auf 1294 vermehrt worden ist. Die Bibliothek wurde 593mal von männlichen und 292mal von weiblichen Mit- gliedern benutzt. Dem Bibliothekar wurde einstimmig Decharge erteilt. Zum Schluß verlas der Vorsitzende die von der Mitglieder- Versammlung am 4. April angenommene Mairesolution. Sie wurde von der Generalversammlung gutgeheißen. Ter Vorsitzende forderte zu reger Beteiligung an der Mkrifeier und zum Besuch der vor- mittags 19 Uhr bei Buggenhagen stattfindenden Versammlung auf. Eine gut besuchte Branchenversammlung der Stock- und Cellu- loid-Arbeiter fand am Montag im„Englischen Garten" Jtatt. Die Versammlung nahm Stellung zu den neugestellten Anträgen. Zum 1. Mai wurde einstimmig eine Resolution angenommen mit folgen- dem Wortlaut:„Die heutige Versammlungen der Branche der Stock- und Celluloid-Arbeiter sieht es als eine Ehrenpflicht an, den 1. Mai nach wie vor durch Arbeitsruhe zu seier». Die Versammlung er- wartet von jedem Kollegen, daß er sich an der Versammlung in dem von der Kommission festgesetzten Lokale rege beteiligt, um dadurch der Demonstration einen würdigen Charakter zu geben." Weiter wurde, die Gehälter der Berliner Verbandsbeamten bctreffeud, gegen eine Stimme folgende Resolution angenommen:„Die Versammlung der Branche der Stockarbeiter(Deutscher Holzarbeiterverbaud) be- dauert, daß die Erhöhung der Gehälter der Verbandsbeamten mit 5999 gegen 3999 Stimmen abgelehnt ist, und ersucht die Beamten, aus ihren Plätzen zu verharre», bis eine Regelung zugunsten des Antrages der Ortsverwaltung stattgefunden hat." Zentralverband deutscher Textilarbeiter. Die Filiale Berlin hielt am Mittwoch in den Andrcas-Festsälcn ihre Mitgliederver- sammlung ah. Genosse Eugen Brückner hielt ein mit lebhaftem Beifall aufgenommenes Referat über„Die GewerkschaftSbcwcgnng einst und jetzt". Den Kassenbericht vom letzten Quartal erstattete Schein. Die Einnahmen beliefen sich auf 5761,97 M., die Ausgaben auf 2998.61 M., bleibt ein Bestand von 2763,36 M.. Auf Antrag der Revisoren wurde dem Kassierer Decharge erteilt. Hierauf wurde Prillwitz als 1. Vorsitzender wieder-, Schein als Kassierer neugewählt. Hub s ch gab einen Bericht von der Lohiibciveguug der Färber in Köpenick bei"der Firma Spindlcr, Prillwitz von dem Streik der Äurbelstickcr in London. Beide Redner wiesen darauf hin, daß wahrscheinlich in Berlin Arbeirswillige gesucht werde» und bitten energisch Zuzug nach den betreffenden Orten fernzuhalten. Dörr crmahnte zu reger Beteiligung an der diesjährigen Maifeier; es solle so viel als möglich auf Arbeits ruhe hingearbeitet werden. Angenommen wurde folgende Resolution zur Straßen- schlacht in Breslau:„Die heute in den Andreas-Fcstsälen tagende Mitgliederversammlung des Zentralverbandes deutscher Textil- arbeiter spricht der von dem Blutbade betroffenen Arbeiterschaft Breslaus ihre Sympathie und Teilnahme aus. Sic erblickt� in diesem Vorgehen der Polizei eine Folgeerscheinung des Klassen- staates, in dem die Arbeiterschaft nur als ein notwendiges Uebel betrachtet wird. Die Textilarbeiter geben dieser Bekämpfung der Arbeiterschaft dadurch die treffendste Antwort, daß sie sich feierlich geloben, mehr wie bisher an der Aufklärung der Arbeitcrmassen zu arbeiten. Stärkung der gewerkschaftlichen und politischen Organs- sationen: gegen den Klasscnstaatl" Die Putzer hielten am Mittwochabend eine zahlreich besuchte Mitgliederversammlung in den Arminhallen ab. � Nach dem Bericht des Kassierers über das erste Quartal 1996 balanzierten die Einnahmen und Ausgaben der Zweigvcreinskasse mit 3994,15 M. Die Lokalkasse buchte Einnahmen mit 84 228,53 M., Ausgaben mit 4512,82 M., somit blieb ein Bestand von 79 715,71 M. Die Mit- glicderzahl betrug am Ende des Quartals 2483 M., darunter 49 Ehrenmitglieder und 17 Ausländer, meist Böhmen. Im Monat März hatten sich 15 neue Mitglieder angemeldet. Nach Erledigung einiger Angelegenheiten über Bausperren kam eine interessante Abstimmung aus den Bezirksversammlungen zur Sprache. In einer Obmänner- sitzung war ein Antrag angenommen worden, nach welchem bei Todesanzeigen nicht mehr der Wunsch nach einer zahlreichen Be- teiligung der Verbandsmitglieder ausgesprochen werden sollte, so- bald bekannt geworden sei, daß ein Prediger dem Begräbnis bei- wohne. Dieser Antrag lag in den Bczirksvcrsammlungm zur Ab- stimmung vor und wurde mit 286 gegen 125 Stimmen angenommen. Auf Wunsch verschiedener Mitglieder nahm auch die tagende Versammlung zu dem Antrage Stellung und erklärte sich gegen sehr wenige Stimmen dafür. Aus den Bezirken lagen verschiedene Anträge vor, die den Vorsitzenden veranlaßten, zu er- klären, daß die Bezirke in Zukunft ihre Anträge genauer formulieren und begründen möchten. Einige Vorstandsangelegenheiten konnten ihre Erledigung nicht mehr finden und die Versammlung wurde deshalb vertagt und beschlossen, zu diesem Zweck eine neue Ver- sammlung einzuberufen. Eine VerbandSvcrsammlung der Berliner Maler und Anstreicher, die mir verhältnismäßig schwach besucht war, befaßte sich am Frei- tag in der„Neuen Welt" sehr eingehend mit einer kritischen Würdi- gung der Ergebnisse des kürzlich beendeten Malerstrciks. Der Vor- sitzende M i c tz bezeichnete in seinem Referat die Errungenschaften wenn auch nicht als glänzende, so doch als annehmbare. Unter den gegebenen Verhältnissen sei es leider nicht angängig gewesen, die ursprünglichen Forderungen in vollem Umfange durchzusetzen. Immerhin sei es eine nicht zu unterschätzende Verbesserung, daß der Mimmallohn auf die jetzige Höhe von 65 resp. 69 Pf. gebracht worden ist. Es bestehe auch begründete Aussicht, den Vertrag auch für Potsdam und Spandau zur Anerkennung zu bringen. Wenn auch nicht alle Wünsche der Kollegen befriedigt werden konnten, so sei es doch Pflicht jedes einzelnen, an der Organisation festzuhalten und durch deren Ausbau dafür zu sorgen, daß sich die große Mehr- zahl der Bernfsangehörigen baldigst einen höheren als wie den Mindestlohn erringt. Unger pflichtete diesen Ausführungen im wesentlichen bei. Dagegen richtete Georg Müller heftige An- griffe gegen die Ortsverwaltung und besonders gegen die Verbands- beamten, denen er die Schuld daran zumaß, daß der„Schandtarif" nicht bessere Lohnbedingungen enthalte. Ein anderer Redner kriti- sierte die Streikleitung und ihre Taktik in ähnlich schroffer Weise. Unter allgemeiner Unruhe legte Müller der bereits stark gelichte- ten Versammlung dann folgende Resolution vor: „Die heutige Versammlung kann das Verhalten der Ver- waltung bei der Führung des Streiks nicht billigen und erwartet, daß die beamteten Verwalwngsmitglicder ihre Verwaltungs- ämtcr in die Hände der Kollegen zurücklegen." Zur Abstimmung über diese Resolution kam es indessen nicht, da sowohl der vorgerückten Zeit halber wie auch wegen des schwachen Besuchs die Vertagung der Angelegenheit bis zu einer dem- nächst einzuberufenden neuen Versammlung beschlossen wurde. Mietz ersuchte zum Schluß noch um eine möglichst rege Beteiligung an der Maifeier. Der Schuhmrtcherverbaud(Zahlstelle Berlin) hielt am 23. April eine Generalversammlung ab. Weber gab den Kassen. bericht für das erste Quartal. Die Zentralkasse hatte eine Gesamteinnahme von 11 896,69 M. Zu der gleich hohen Ausgabe ge- hören 4923,11 M., die der Hauptkassc, und 2323,39 M., die der Lokal- kasse überwiesen sind. Als Arbeitslosenunterstützung wurden 1868,55 M. und als Krankenunterstützung 2285,95 M. ausgegeben. — Die lokale Z u s chu tz ka ss e hatte einschließlich der alten Kapitalanlage eine Einnahme von 8349,49 M. Die Kapitalanlage wuchs in dem Vierteljahr von 7384,59 M. auf 8959,35 M.—-Ein- schließlich einer alten Kapitalanlage von 3599 M. und des früheren Bestandes von 199,6t M. nahm die Lokalkasse 7927,83 M. ein. Nach Verrechnung der Ausgaben verblieb eine Kapitalanlage von 4179,22 M. und ein Kassenbe stand von 89,79 M.—Die Mitglieder- zahl der Filiale stieg in dem Quartal um 232 männliche und 31 weibliche. Am Schluß des Quartals waren 2949 männliche und 158 weibliche Mitglieder vorbanden.— An diesen Bericht schloß sich der Geschäftsbericht des Vorsitzenden Hildebrand. Unter andc- rem hatte er über cmc Anzahl von Differenzen zu berichten, die im Laufe des Vierteljahrs zu schlichten waren. Nach längerer Debatte wurde Weber, als dem bisherigen Kassierer, Decharge erteilt. Dann erledigte man noch einige interne Verbandsangelegenheiten. (Wiederholt, weil nur in einem Test der Auflage.)� Oesseutliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be» »uisung sür jedermann, SW., Sllexandvinenstr. 26. Geöffnet täglich von 5>>/z— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertage» von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeisschristen jeder Art und Richtung aus. Sozialdemokratischer Lese- und DiSkutierklub„Karl Marx II". Heute Sitzung bei Caro, Müllerstr. 35. Tagesordnung:„Soziallsiemng der Gesellschas!'. Gäste willkommen. Bildnngövcrei»„Spinoza". Mittwoch, den 2. Mal, abend« 9 Uhr. Bötzowstr. 8 bei Krause: Bortrag des Genossen Borchardt über das Wesen des Kapitals. Sozialdemokratischer Ortsvereln für den Wahlkreis Brieg- Ramsla«. Sonntag, den 6. Mai, abends 6 Uhr, bei Krumbein, Skalitzcr- straffe 22: Mitgliederversammlung. Gäste willkommen. AUgemeiue Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. (E. H. 29.) Filiale Baumschulenweg. Sonnabend, den 28. tzlpril, abends 81/, Uhr: Mitgliederversammlung. Freireligiöse Gemetiide. Sonntag, den 29. Zlpril er., vormittags 8*/, Uhr im Nathause, Saal 109, Eingang Jüdenstrahe, Versammlung: '.Freireligiöse Vorlesung".— Um 10'/, Uhr vorm. in der Schulaula, Kleine FranksurtersN'. 6: Vortrag des Herrn Professor Dr. A. Gchrke:„Kirche, Wissenschaft und Schule". Herren und Damen als Gäste sehr willlommen. Eingegangene Druchrebriften. „Kommunale Praxis" Nr. 17, W o ch e n s ch r i s t sür Kam- munalpolitik und Gemeindesoztalismus. Herausgeber Dr. Albert Südekum. Verlag von P. Singer, Berlin, Lindenstr. 69. PlutuS. Kritische Wochenschrift sür Volkswirtschaft und Finanzwesen (Herausgeber: Georg Bernhard). 17. Hest.(Abonnements einschließlich der Pwtus-Mcrktasel vicrleljährllch per Post und Buchhandel 3,50 M., direkt vom Verlag 4 M. Verlag Berlin-Chariottenburg, Goetheslr. 69.) Tlorrlson J. Swift, Marriage and Race Death.(New York, The Jlorrison J. Swift Riol!.) Dr. jur. Freund. Das Jnvalidenverficherungsgefetz vom 13. Juli 1899. 339 Seiten. Dritte, vermehrte und verbesserte Auflage. Elegant gebunden. Vertag, I. Gustentag G. m. b. H, Berlin V. 35. Jiir bei» Inhalt der Inserat« übernimmt die Redaktion dem Vnbliknm gegenüber keinerlei Verantwortung. UKeater. Sonnabend, den 29. April. Ansang 7'/, Uhr- Opernhaus. Die Meistersinger von Nürnberg.(Ans. 7 Uhr.) Schauspielhaus. Sappho. Deutsches. Der Kausmann von Venedig. Weste». Schützenliescl. Nachmittags 3 Uhr- Hermann und Dorothea. Neues. Caesar und Kleopatra. Lesstng. Der einsame Weg. Ansang S Uhr- Schiller o./, Uhr: Schlltren. Hesel. Fritz Werner a. G. Montag: Der ssrelschlltr. Dienstag: 24. Vorstell, im Dien». lags«Abonncment. Der Zigeunerbaron. Komische Oper. Sonnabend. 28. April, abends 8 Uhr: Die schwarze Kwa. Sonntag nachm. 3 Uhr, erm. Pr.: Hottmanns Erzählungen. Abends 8 Uhr: Die schwarze Nina.__ Zentral-Theater. (Operette.) 8 Uhr: Die Qeisha. Luisen-Theater. Ansang 8 Uhr. Robert und Bertram. Sonntag nachm.: Der Salontiroler. Wend»: Robert und Bertram. Montag- Wilhelm Tell. _(Schlug der Saison.)_ Lustspielhaus. Abend» 8 Uhr- Die von Mochsattel. Morgen nachm. 3 Uhr; Her«. lientHch•Amerikanisch. Theater. Köpenickerstr. 67/08. Hente abend 8 Uhr: ARME MÄDCHEN. Von Adolf Philipp, Sonnt, nachm. 3 Uhr, halbe Preise! WWW- Zum letzten Mala:-MShtz Uebcr'n großen Teich. Abends 3 Uhr: Arme Mädchen. Carl Veifi-Tbeater. Gr. Franlsurterstr. 132. Täglich S Uhr: Sherlotk Holmes' Abenteuer oder: Die Jagd«ms Leben. Englisches Sensations-Schausptel mit Gesang und Tan» in acht Bildern von I. Fox. -1118 Große Jahresrevne mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jnl. Freund. Musik von Viktor Hollaender. Bauchen überall gestattet Residenz-Theater. Oirchtlon: Richard Htexandcr. Heute zum 1. Male: Morgen und folgende Tage Ans. 8 Uhr Liebesknnst. Komödie in 3 Akten v. Läon Zanros und Michel Carrä. Sonntag, 29. April, nachm. 3 Uhr: Der Schlafwagen-KontroUeur. Passage-Theater. Ansang 8 Uhr. DaS orlginelleApril-Programm. l�ucie Könix VortragS-Soubrette. Alaeh» b'ro�a Excentrique. Teddl.Tcl» Trampolw-Akt. Ferner 14 neu« Spezialitäten. TORTAJADA nn außerdem das Folies Caprice | Budapester Possen-Theater| Linienstr, Ecke Friedrlohstr. Dalles& Co. Vorher: JKomikerSchnitzel. lAnf. SUhr. Kasse d. ganz. Tagl I geöffnet. Vorverk.b. Werlheim. s V.«oaellL Ibealer. Direktion: Roh. Olli. Brumienstr. 16. Große Extravorstrllung. Die Schule der Liebe. Schauspiel in S Akten V. Feder v.Webl. Ansang 8 Uhr. Entree.10 Ps. Ball. Von Dienstag bis Freitag:(sie- schloffen. Nächste Vorstellung: Sonnabend, de« S. Mai. BenM Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstratze 68. Morgen Sonntag, den 29. April 1906: ÜKtiirte JHlterroochen. Polksstück in 3 Sitten von Reislingen. Gastspiel des Herrn Artur Vtinoklor vom Tlialia-Theater. Bei gitiisliger Witterung: Große Gartell'Dorstellung. Konzert, Auttret. eretkl. Spezialitäten. Großer Ball. Ansang 4 Uhr. palast-Theater m Burgstr. 2«, 2MW.V.BH. Börse. Täglich 3 Uhr. Entree 50 Ps. ----- Rur noch kurze Zeit k------ Mar 12 erstkl. Nummern 1 Dazu: Eine Berliner Grisette. Posse v. 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April verstorbenen Herrn Heintick Schulze findet Sonntag, den 29. April, nachm. ill2 Uhr, von der Leichen- halle des Gemeindekirchhoses in Tegel auS statt. 1474b Bas Komitee. r Hs bdiI liijepd. Todes- Anzeige. Hiermit zur Nachricht, daß unser Bundesmitglied Otto Henkel vom Klub„Eintracht* ver- schieden ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. April 1906, nachmittags 3 Uhr, vom Trauer- hause Straßmannstt. 23 aus nach dem Auserstehungs-Kirchhofe in Weißens« statt. 292/10 Der Toratand. Danksagung. Für die Beweise liebevoller Teil- nähme beim Hinscheiden meines lieben ManncS, unseres liebevollen Vaters E:dimrd Meßmer sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, den Kollegen der Firma H. S. Hermann und dem Gesangverein„Thpegraphia' unseren herzlichsten Dank. 1455b Maria Meftmcr nebst Kindern. Bnnleanjgnng. 1460b Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes und Vaters, des Uhrmachers Martin Klein sage ich allen Freunden und Bekannten, insbesondere dem Gesangverein«Wed- dtnger Harmonie", herzlichen Dank. Wwe. Elisabeth Klein nebst Tochter. Berlin 8W. 68 i-1"19"- Lindenstr. 69 • lebet Erdbeben• und Ausbrüche des Vesuv ist das Wissenswerteste enthalten in> BUIsche, Entwickelungs- geschichte der Natur. 2 illustrierte Bände M. 15.-. Bommcll, Geschichte der Erde. Reich illustriert in Prachtband M. 5.— Helderich, Die Erbe. Reich illustt.(anstatt M. 20,—) M. 8»— Kühler, Die Wunder des KosmoS. Reich illustriert. Gebunden M. 5.- Meyer, Die Entstehung der Erde und des Irdischen. Reich illusw. Gebunden M. 7,50 — Der Untergang der Erde und die kosmischen Katastrophen. Reich tllustr. Gebunden M. 7.59 - Bon St. Pierre bis KarlSdad. Gebunden M. 8,59 Pfatr, Die vulkanischen Erscheinungen. Reich illustriert. Gebunden(anstatt M. 4) M. 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Tie Ortsvcrwaltung. Vkrsntvörtllcker Wetaiteusx ÄStbw, billig, Kui dko Lnferatenteil ver«»»./: Tb» G(»«ke. Berlio. Krück u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VertagSanjtajt Mut Sitiger& Sa.. Berti» SVä- ir. 98. 23. mm. 3. Ktilllge des JotmW Kerlilltt Wldsllllltt. 28. APN..99«. kirdeiter, Patteigenossen? Die TÄ partei-Hngelegcnbeitcn» Rummelsiurg. Am Sonntag, den 29. April, nachmittags 4 Uhr, veranstaltet der hiesige Wahlverein eine Uraniavorstellung. Zur Auf- führung kommt„Am Golf von Neapel". Billetts zu dieser Vor- stellung a 7l) Pf. sind bei den Bezirksführern und in den Zahlstellen zu haben. Gleichzeitig findet am Sonntag früh eine Flugblatt« Verbreitung zur Werbung neuer Mitglieder und«Vorwärts"- Leser statt. Die Maifeier für den Bezirk Rummelsburg wird in diesem Jahre im Restaurant Cafs Bellevue abgehalten. Und zwar findet vormittags um 19 Uhr eine Versammlung der Gewerkschaften und nachmittags von 4 Uhr ab die allgemeine Feier des Wahl- Vereins statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Stralau. Sonntag, den 29. April, morgens 8 Uhr, findet für Stralau eine Flugblattverbreitung statt. Wir ersuchen die Genossen, sich recht zahlreich hieran zu beteiligen und sich pünktlich im Lokale Paul Schöps, Alt-Sttalau 17, einzufinden. Friedrichshagcn. Am 1. Mai finden zwei Versamm- l u n g e n statt, und zwar vormittags 9 Uhr und abends 8 Uhr, im Restaurant„Eiskeller". Tagesordnung in beiden Versammlungen: Vortrag:„Die kulturelle Bedeutung der Maifeier". Referenten: Genossen Hildebrandt und Wuschick. Gesangsvorttäge des Gesang- Vereins„Maiengrufi". Nach der Vormittagsversammlung: Ausflug nach der Rahnsdorfer Mühle. Nach der Abendversammlung: Ge- mütliches Beisammensein. Die bei der Ortsbehörde nachgesuchte Genehmigung eines Straßenumzuges ist durch Verfügung des Land- rats untersagt. Tcmpelhof. Den Genossen zur Kenntnis, daß morgen, Sonntag früh, von M. Müller, Berlinerstr. 41/42, und Wilhelmsgarten. Berlinerstr. S, eine Agitationsausgabe des„Vorwärts" zur Ver- teilung gelangt. Wir ersuchen die Genossen, fich an dieser Arbeit zahlreich zu beteiligen. Steglitz. Die hiesige Arbeiterschaft begeht die Maifeier durch eine Vormittagsversammlung im„Birkenwäldchen" und eine Abendversainmlung im„Gambrinus". Von nachmittags 3 Uhr ab findet in beiden Lokalen Tanzvergnügen statt, im„Birkenwäldchcn" außerdem noch großes Gartenkonzert. Die Maimarken werden von 3—12 Uhr vormittags im«Birkenwäldchen" ausgegeben. Eichwalde. Der Wahlverein hält am Sonntag, den 29. April, nachmittags 4 Uhr, bei Witte. Eichwalde, seine Mitgliederversamm- lung ab. Die Parteigenossen haben ihre Mitgliedsbücher zwecks Um- tausch mitzubringen. Zisscn. Genossen! Am morgigen Sonntag findet morgens 7 Uhr von den bekannten Stellen aus Flugblattverbreitung statt. Ehrenpflicht der Genossen ist es. sich an dieser Arbeit zu be- berliner IVadmcbten. Gefälligkeitspolitik in der Kommune? Seit langer Zeit übt die städtische Park- und Gartenverwaltung da? Verfahren, jeden Baum in den Straßen Berlins sorgfältig zu schützen, auch dann, wenn der Baum ein Verkehrshindernis dar- stellt. Damit hat sich die Parkverwaltung zweifellos ein Verdienst und viel Freunde erworben, denn jeder solcher Baum wirkt wohl- tuend für das Auge des an den Steinhaufen ermüdeten Großstadt- bewohners. Umsomehr werden die Passanten des Alexanderplatzcs mit Verwundern wahrgenommen haben, wie an den Anlagen an der Berolina ein halbes Dutzend schön entwickelter, mit jungem Grün geschmückter Lindenbäume, die erst vor 8 oder 9 Jahren dort an- gepflanzt sind, einfach herausgerissen wurden. Diese Bäume sind dem WarenhauSTietzzumOpfergefallen. Die Firma Tietz hat es verstanden, einflußreiche Personen in Bewegung zu setzen, die der Parkverwaltung plausibel zu machen wußten, daß die Bäume störend wirken und daß hier Rasenstreifen mit Blumen und Coniferen besser am Platze seien. Zwar hatte die Partverwaltung kein Geld im Etat zu solchen Veränderungen. Herrn Tietz wurde daher mitgeteilt, man würde ihm gern entgegen kommen, wenn die dazu nötigen Mittel vorhanden wären. Herr Tietz hat sofort richtig verstanden und eine Summe— man spricht von 3009 Mark— zur Verfügung gestellt und flugs hat die Park- Verwaltung das vor 9 Jahren Geschaffene zerstört. Nun steht noch eine Bedürfnisanstalt und eine Trinkhalle im Wege. Und damit das Warenhaus recht zur Geltung kommt und die 3999 Mark ihre Verwendung finden, sollen diese„Störenfriede" auch noch beseitigt werden. Sicherlich haben die Schöpfer dieses Warenhausneubaues, die Herren Stadtverordneter Cremer und der Neffe des Stadtbaurats Gotthciner bei Aufstellung des Bauprojektes die „Regulierung" dieses Platzes mit ins Auge gefaßt. Da die Parkverwaltung anscheinend auch hier wieder aufwem Standpunkt steht, es habe in eine solche Umgestaltung eines öffent- lichen Platzes niemand hineinzureden— ähnlich wie bei dem „Garten" bor dem RaihauS—, so wird das Projekt wohl im vollen Umfange zur Durchführung kommen, selbst wenn man die nicht zu entbehrende Trinkhalle und Bedürfnisanstalt, von denen man auch nicht recht weiß, wohin man dieselben bringen soll, ganz verschwinden lassen müßte. Daß die Firma Tietz sich so schnell bereit finden ließ, die nötigen Mittel herzugeben, ist ganz erklärlich und von ihrem geschäftlichen Standpunkte sehr begreiflich. Begreiflich scheint es uns auch, daß eS unterlassen ist. der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage zu machen, denn sonst wäre Gelegenheit gegeben gewesen, die Ge- fälligkcitspolitik unserer Kommune ins rechte Licht zu rücken. So etwas macht mau besser hinter den Kulissen ab. Es ist doch gut, wenn man einflußreiche Freunde hat. Tos Aubrcas-Rcalgymnasiuin, das erst am 39. April in das neue Schulhaus in der Koppcnstraße übersiedeln soll, zieht nun zun: zweitenmal um und bekommt sein drittes Heim. Vierzig Jahre hatte die Anstalt ihr erstes Heim am Stralauerplatz inne gehabt, dreiunddreißig Jahre hat sie das in der Langestraße für sie erbaute Haus benutzt. Am Stralauerplatz wurde sie im Herbst des Jahres 1833 als Bürgerschule unter der Bezeichnung„Stra- lauer Stadtschule" eröffnet. Ihr Schulhaus war in den Jahren Igzi— 1832 an der Stelle gebaut worden, wo heute das neue Haus der zweiten Handwerkerschule steht. Das Schulhaus in der Lange- straße entstand in den Jahren 1871— 1873. Als es im Herbst 1873 bezogen wurde, galt es als ein sehr stattlicher und geräumiger Bau. Inzwischen hatte die einstige„Stralaucr Stadtschule" sich jn den bller Jahren zur„Realschule" ausgestaltet, war als eine „höhere Bürgerschule" anerkannt worden und hatte schließlich den �iamen„Andreas-Realschule" bekommen. Zu Ansang der 89er Jahre wurde dann aus ihr das„Andreas-Realgymnasium". Das stattliche Haus aus den 79er Jahren erwies sich später als unzu- länglich, und auch der Lärm der an der Hoffront vorüberlaufenden Stadtbahnzüge nötigte zum Auszug. Für den nun fertigen Neu- bau in der Koppenstraße sind die Baukosten auf 943 599 M. veranschlagt worden; der Bau des ersten Heims am Stralauerplatz hatte nur 13 963 Taler gekostet. Berlin— Dresden. Eine VerkehrSverbeff erung plant die Staatsbahnverwaltung auf der den Uebergang nach Oesterreich vermittelnden Eisenbahnstrecke Berlin— Dresdem Für den Ver- kehr von der preußischen nach der sächsischen Haupt- und Residenz- stadt stehen bekanntlich zwei Linien zur Verfügung: Jüterbog— Röderau und Elsterwerda, von denen die letztere 13 Kilometer kürzer ist gls die erstere. Beide Linien sind schon jetzt stark be- lastet. Bis Jüterbog verkehren nicht weniger als 156 fahrplan- mäßige Züge, über Elsterwerda 47 fahrplanmäßige Züge, ab- gesehen von Sonder- und Doppelzügen, Arbeitszügen usw. Daß auf der kürzeren Strecke nicht mehr Züge eingelegt werden können hat seinen Grund darin, daß zwischen Zossen und Elsterwerda, der Uebergangsstation nach Sachsen, nur ein Gleis zur Verfügung steht. Es soll nun der noch eingleisige Teil der ehemals Dresdener Bahn lZossen— Elsterwerda) zweigleisig ausgebaut werden. Die Ausführung des zweiten Gleises wird insgesamt 5,19 Millionen Mark kosten. Der Bau soll noch in diesem Herbst in Angriff genommen werden. Dampfersonderfabrten.�Die erste Sonderfahrt veranstaltet die Sterngesellschaft nächsten Sonntag um 9 Uhr von der Jannowitz- brücke nach Woltersdorfer Schleuse. Außerdem gehen von dort um 9. 19, 11, ILM- und 2— 6 Uhr Dampfer bis Grünau, um 12 und 1%.— 5% Uhr stündlich bis Loreleh. Von Grünau gehen von 19 Uhr 23 Min. bis 6 Uhr 23 Min. Dampfer stündlich nach Schmöckwitz. Von Erkner ist von 19 Uhr an stündlich Verkehr auf der Löcknitz bis Alt-Buchhorst. Zur Baumblüte in Werder geht ein Sonder- dampfer von Berlin Weidendammerbrücke 9 Uhr früh, von der Moabiter Brücke 9 Uhr 25 Min., Charlottenburg 9 Uhr 59 Min., Spandau 9 und 11 Uhr, Potsdam 9— 6 Uhr halbstündlich. Zurück geht 6% Uhr ein Dampfer bis Spandau, sonst halbstündlich bis Potsdam. Von Wannsee nach Potsdam ist von 19 Uhr 49 Min. bis 7 Uhr 49 Min., von Potsdam nach Wannsee von 19— 7 Uhr stündlicher Verkehr, zum Teil über Cladow. Auf dem Müggelsee und dem Wannsee werden wieder die Ueberfahrten eingeführt. Der Unfall des Malers Otto Kube, der beim Streichen eines Straßenbahnmastes in der Wcstfälischenstraße in Wilmersdorf von der Leiter stürzte, ist, wie die Untersuchung ergab, nicht durch elektrischen Strom verursacht worden, K. hatte die von ihm benutzte. mit einer Sicherung versehene Leiter zwar angelegt, aber die Kette nicht umgelegt und verabsäumt, den Rcttungsgürtcl zu benutzen. Die Entwürfe für das Rudolf Birchow-Denkmal— es handelt sich um 72 Modelle— sind von heute ab auch für das Publikum im Rathause zugänglich gemacht worden. Die Modelle sind im großen Festsaal und der Bibliothek ausgestellt. Die Bluttat bei Pankow. Der Verdacht, den Italiener Luigi Dovigo erstochen zu haben, hat sich gegen seinen Landsmann, den Bauarbeiter Giovanni Philippi so verdichtet, daß die Kriminal- Polizei diesen gestern dem Untersuchungsrichter vorgeführt hat. Es ist Philippi nicht gelungen, über seinen Aufenthalt von 1214— 1% Uhr am kritischen Tage Aufklärung zu geben. Es ist erwiesen, daß Philippi das bei der Leiche des Erstochenen gefundene Messer be- sessen hat. Daß ein Mord vorliege, wird nicht mehr angenommen. Vermutlich hat Philippi seinen Landsmann im Streite erstochen, als dieser ihn in der Angctrunkcnheit zur Duldung unzüchtiger Handlungen zwingen wollte. Er ist daher unter dem Verdacht der Körperverletzung mit tödlichem Ausgange vorgeführt worden. Die Kriminalpolizei setzt ihre Nachforschungen noch fort. Eine rinstündige Verkehrsstörung im Sttaßenb ahnbetriebe gab eS gestern nachmittag im Südwesten der Stadt. Jn der Lindenstraße war das Kabel in einem sogenannten Speisepunkt durchgebrannt, wodurch eine Sttomunterbrechung hervorgerufen wurde. Diese erstreckte sich auf die Linien Linden-, Jerusalemer-, Kommandanten- und Oraniensttatze. ES währte über eine Stunde, bevor die Leitung wieder repariert war und der Betrieb wieder auf- genommen werden konnte. Der Vorgang führte auch zur Mar- mierung der Feuerwehr, die indes ohne weiteres wieder abrückte, da das herunterhängende Kabel bereits stromlos und daher für das Publikum ungefährlich war. Mädchenhändler sind wieder an der Arbeit. Nachstehendes„Auf- tragschreiben" ging einer Anzahl Berliner Stellenvermittler zu.' Es lautet:„Ich suche eine unverheiratete Amme, die möglichst wie folgt beschaffen sein muß: 1. Alter: 17 bis 29 Jahre. 2. Figur: Schlank. zierlich, enge Taille. 3. Haare: Dicht und lang, blond oder dunkel. 4. Augen: Blau oder grau. 5. Mund: Klein. 6. Gesichtsfarbe: Frisch, rot und weiß. 7. Größe: 1,56 bis 1,66 Meter. 8. Körper- gewicht: 45 bis 69 Kilo(mit Kleidern). 9. Gestchtsbildung: Schmal (nicht breit und dick). Lohn 199 M. monatlich bei freier Station und Reiscvergütung. Senden Sie mir neueste Photographie(kein Brustbild, sondern die ganze Figur darstellend). Die Photographie erfolgt franko zurück. Die Amme darf keine schlecht geformte Nase haben. Für die Besorgung einer mir zusagenden Person zahle ich Ihnen ein Honorar von 199 M. Es braucht kein Landmädche» zu sein. Adressieren Sie: A. Lamberth, postlagernd Riva am Garda- fce." Hoffentlich gelingt es den Behörden, diese Angelegenheit klar- zustellen. »Das Weib hat zu schweigen in der Gemeinde!" lautete das Thema eines Vortrages, den am letzten Mittwoch die Genossin Fräulein Krauß im Lese- und Diskutierklub„Südost" halten wollte, denn zur Ausführung dieser staatsverbrecherischen Absicht kam unsere Genossin nicht, dank der Umsicht und Tatkraft der Polizeibehörde. Diese hat beim Durchlesen des„Vorwärts"- Vercinskalcnders jedenfalls geglaubt, galanterweisc der Dame die Mühe abzunehmen und zu bestätigen, daß das Vortragsthcma nur eine Tatsache enthält. In der Sitzung des Klubs erschien nämlich ein lange nicht gesehener Gast in der Gestalt eines Kriminal- bcamten, forderte die Entfernung der anwesenden Frauen und inhibierte die Abhaltung des Vortrages. Hatte also auch diesmal„d a s W e i b n o ch z u s ch w e i g e n". so wird doch dafür gesorgt werden, daß in einer anderen Gemeinde rcsp. Versammlung desto lauter und eindringlicher sein Ruf ertönt nach Gleichberechtigung beider Geschlechter in wirtschaftlicher wie politischer Beziehung! Eine wichtige postalische Einrichtung wird noch immer nicht genug beachtet, und so erwachsen daraus oftmals Ungelegenheiten, welche leicht zu vermeiden wären. Es kommt immer wieder vor, daß während der Nacht Postsachen vom Publikum in die in den Straßen angebrachten Postkästen gelegt werden in der Annahme, daß sie mit der ersten Bestellung am folgenden Morgen in die Hände der Adressaten gelangen. Das ist indessen nur bei jenen Postsachen der Fall, die vor der letzten Spätleerling. also bis 1114 resp. 11� Uhr in die Kästen gegeben werden. Die dann folgende Kastenleerung um 51h Uhr geht erst mit der zweiten Morgenpost an die Empfänger. Es ist daher ratsam, bei den in der Nacht aufgegebenen Sendungen, die unbedingt mit der ersten Be- stellung befördert werden sollen, den Gang bis zur nächsten Post- anstalt nicht zu scheuen. Die dort angebrachten Kästen werden so zeitig geleert, daß ihr Inhalt mit der ersten Frühbestellung zur Austragung gelangt. Vermißt. Die Schülerin Anna Martha Dorna», 8. Dezember 1891 in Schönwalde geboren. Jahnstraße 17/13 bei Gorciki wohnhaft gewesen, welche am 17. März dieses Jahres kon- firmiert werden sollte, entfernte sich tagszuvor aus der Wohnung ihrer Stiefeltern und wird seitdem vermißt. Sie ist 1,65 Meter groß, hat blondes Haar, blaue Augen, gute Zähne, gesunde Gesichts- färbe und ist von kräftiger Gestalt. Bei ihrem Fortgange war sie bekleidet mit rot- und graugestreiftem Rock, Halbichuhen, schwarzen Strümpfen, weißer Wäsche; sie war ohne Kopfbedeckung. Die Ver- mißte ist für ihr Alter sehr stark entwickelt, und es besteht daher die Vermutung, daß sie in schlechte Gesellschaft geraten, von dieser aus- genützt und verborgen gehalten wird. Nachrichten, die zu ihrer Er- Mittelung beitragen könnten, werden in jedem Polizeirevier und bei der Kriminalpolizei, Alexanderstr. 3/6, 2 Treppen, Zimmer 334, schriftlich und mündlich zu Tagebuchnummer 2121 II.' 4. 06 entgegen- genommen. Feuerwehrbericht. Die böswilligen Alarmierungen wollen trotz aller Warnungen und Strafen kein Ende nehmen. Gestern wurde der 16. Zug wieder einmal böswillig nach der Wiesenstraße 55 ge- rufen. Der Täter ist unerkannt geblieben. Gleichzeitig wurde der 15. Zug nach der Altonaerstraße gerufen. Dort brannte auf dem Eiscnbahndamm der Stadtbahn Holzschwellen und zu derselben Zeit in der Stralauerstraße 39 Kisten, Packmaterialien usw. Wegen eines Kellerbrandcs wurde der 11. Zug nach der Berg- mannstratze 67 alarmiert. Lumpen und anderes brannten dort. Gestern abend um 9 Uhr wurde die Wehr von mehreren Seiten nach der Gr. Frankfurtcrstratze 27 verlangt. Dort waren Films bei der Vorführung eines Kinematographen in Brand geraten. Das Publikum blieb zum Glück ruhig und konnte die Gefahr bald beseitigt werden. Durch Umfallen einer Petroleumlampe kam nachts in der Triftstraßc 5 in einer Wohnung Feuer aus. Ferner liefen Feucrmeldungen aus der Wolgasterstratze 13, vom Anhalter Güterbahnhof, wo Preßkohlen brannten, aus der Zossencrstraße 59, Chausseestraße 191 und anderen Stellen ein. Vorort- I�acbricbten. Charlottenburg. Der sozialdemokratische Wahlvrrcin hielt am vergangenen Dienstag im Volkshause seine Generalversammlung ab. Vor Ein» tritt in die Tagesordnung rief der Vorsitzende den Versammelten in warmen Worten die Verdienste und die durch sein Scheiden aus dem Leben entstandene Lücke des Genossen Meister in Erinnerung; ferner gedachte er der verstorbenen Genossen Albert Schulze, Her- mann Neubecker und Ernst Erdmann, deren Andenken die Versamm« lung in üblicher Weise ehrte. Sodann berichtete Genosse Kley zu Punkt 1 über die letzte Kreis-Generalversammlung. Redner kritisiert hauptsächlich, daß der Antrag, die proportionelle Vertretung betreffend, nicht an- genommen sei. Genosse Müller ergänzte den Bericht und teilte noch mit. daß uns zur Agitation der Kreis West-Havelland zu- geteilt worden ist. Weiter bemängelt er. daß in den neuen Mit- gliedsbüchern die beantragten Rubriken des Eintritts und Ueber» tritts eines Mitgliedes nicht vorgesehen sind. Zur proportionellcn Vertretung auf Kreis- Generalversammlungen wies Genosse Dr. Borchardt noch darauf hin, daß man KreiS-Generalversamm- lungen nicht mit Parteitagen vergleichen könne. Während bei letzteren die Kosten von den einzelnen Orten getragen werden, trägt bei elfteren der ganze Kreis die Kosten, schon daraus rechtfertige sich eine gerechte Verteilung der Mandate. Die Tatsache, daß Orte mit 15—59 Mitgliedern dasselbe Recht haben wie große Orte mit mehreren Tausend Mitgliedern, bedeutet an fich eine Vergcwal- tigung der Majorität durch die Minorität.— Genosse Eberhardt wies darauf hin, daß er diesbezügliche, die Abänderung des jetzigen Modus geeignete Anträge eingebracht habe, jedoch als schon„alte" Anträge nicht verhandelt worden seien. Ueberdics habe Genosse Z u b e i l. als Vertreter des Kreises, noch in letzter Minute seiner Aiffchauung dahin Ausdruck gegeben, daß, solange nicht der Partei- tag Anweisungen zur proportionelle» Vertretung gebe, ein einzelner Kreis an dem bestehenden Zustand nichts ändern soll. Hierauf sei der Antrag mit 76 gegen 37 Stimmen gefallen. Redner schlägt der Versammlung vor, den Antrag auf Abänderung des§ 5 bei der nächsten Kreis-Generalversammlung erneut zu stellen. Auch soll der Antrag, den Genosse Eberhardt schon aus der letzten General- Versammlung gestellt hat, der nächsten Kreis-Generalversammlung von neuem vorgelegt werden. Dieser Antrag fordkrt bekanntlich bis 259 Mitgliedern die Wahl von 2 Delegierten, von 259— 599 Mitgliedern 3 Delegierte und für je weitere 199 einen Delegierten, so daß nach dem jetzigen Stand der Organisation 98 Delegierte zu wählen wären. Es kämen dazu noch 15 Funktionäre, macht im ganzen 113 Delegierte. Nach dem sodann vom Vorsitzenden Genossen Schmidt er- statteten Vorstandsbericht haben stattgefunden: 7 öffentliche und 3 Mitgliederversammlungen, 15 Äorstandssitzungen, 3 Vorstands- sitzungen des Kreises und 2 Agitationstouren. Zur Ergänzungswahl deS Vorstandes wurden gewählt: 2. Vorsitzender Genosse Max Kley, Schriftführer Genosse Georg Felsmann und Revisor Genosse Rosen- thal. Zu Mitgliedern der Lokalkommission wurden die Genossen Prill, Bartelt und Schcucrmann gewählt. Außerdem wurde die Wahl von 11 Bezirksführern vorgenommen und wurden mit diesen Posten die Genossen Richter, Schütze, Schröter, Reinsch, Will, Schmock, Hartfiel, Henschke, Gaebel, Vier! und Weisheit betraut. Dem Kassenbericht, ben Genosse Müller gab, ist zu entnehmen, daß einer Einnahme von 2244,97 M. eine Ausgabe von 1929,34 M. gegenübersteht. Es verbleibt somit ein Kassenbestand von 314,73 M. Die Revisoren stellten hierauf den Antrag auf Entlastung, was ein- stimmig geschah. Uehcr die Nachwahl im 7. Bezirk berichtete Genosse V i e r k. Derselbe kennzeichnet kurz die Mittel, mit welchen die Gegner in der Wahl arbeiteten und erwähnt dabei, daß ungefähr 15 Brief- träger in Zivil für die Gegner tätig waren. Nichtsdesto- weniger könne er einigen Genossen den Vorwurf der Lauheit nicht ersparen, sonst hätte, trotz aller Machinationen der Gegner, der 7. Bezirk der Sozialdemokratie gehören müssen. Genosse Kley rügte hierauf das Verhalten der lokalorganisierten Zimmerer Charlotten- burgs, die an einem Tage mit der Partei ihre Versammlung ab- hielten. Genosse Sellin wies auf die am Orte bestehende Produktiv. gesellschaft hin und forderte zu deren lebhafter Unterstützung auf. Ter Vorsitzende erwähnte noch die im Mai vorzunehmende HauSagitation und forderte zu reger Beteiligung für dieselbe auf; das gleiche legte er den Versammelten ans Herz, unausgesetzt für den„Vorwärts" zu agitieren. Nachdem noch darauf hingewiesen. daß Beiträge nur noch in den Zahlabenden entrichtet werde», schloß der Vorsitzende die Versammlung. Rixdorf. Der Wahlvirein hielt a\\x 21. d. M. seine ordentliche General- Versammlung in Thiels Festsälen ab. Zu Punkt 1: Bericht des Aorsiaiides. bemerkt Genosse Heinrichs, daß das letzte Quartal ein arbeitsreiches und, was mit Genugtuung zu konstalieren, auch er- folgreiches gewesen sei; haben uns doch die Demonstrationen gegen das Landtagswahlunrecht einen Zuwachs von 785 Mitgliedern ge- bracht, so daß der Mitgliederbestand am Schlüsse des vorigen Quartals sich auf 4869 bclies. Auch der Abonnentenbestand des „Vorwärts" ist im letzten Vierteljahr bedeutend gestiegen; in der Spedition gelangen gegenwärtig über 7700 Exemplare zur Ausgabe. Zieht man aber in Betracht, dast Rixdorf vorwiegend von Arbeitern bewohnt ist, so möchte man diese Zahl eher als zu niedrig bezeichnen. Beschäftigt sind in der Spedition gegenwärtig zwei Spediteure und 63 Frauen.— Aus dem Kassenbericht— gegeben vom Genossen Stieler— ist folgendes zu entnehmen: Gesamteinnahme 5768,26 Mark, an die Kreiskasse abgeführt 3845,50 Mark, Ausgabe ant Ort 752,40 Mark, mithin Bestand 1170,36 Mark.— Die Bibliothek des Vereins erfreut sich, wie der Verwalter derselben berichten kann, fortdauernd des regsten Zuspruchs der Mitglieder.— Außer der auf Antrag der Revisoren erfolgten Dechargeerteilung des Kassierers findet eine Diskussion icher die gegebenen Berichte nicht stattl Zum 3. Punkt der Tagesordnung:„Unsere Parteispcdition", führt Gc- nosse Heinrichs kurz aus, daß durch das Anwachsen der Abonnenten- zahl des„Vorwärts", den Vertrieb der Gewerkschaftsblätter und aller anderen Parteiliteratur die Arbeit in der Spedition eine so gewaltige sei, daß sie von den beiden Spediteuren nicht mehr belvältigt werden könnte, dieselben seien an den Vorstand herangetreten und habe man noch längeren Beratungen beschlossen, einen dritten Beamten anzu- stellen. Geiwsse Pagets begründet in kurzen Zügen die Notwendig- kcit dieses Beschlusses.— In der Diskussion begrüßt es Genosse Straube als ein erfreuliches Zeichen, daß die Abonnentenzahl derart gestiegen sei, daß eine dritte Kraft notwendig sei und hofft, daß man dann bei geregellerem Betriebe den Wünschen der Frauen mehr als bisher gerecht werden könne.— Die Anstellung des dritten Spedi- teurs wird einstimmig beschlossen und wird als solcher Genosse Rohr gewählt.— Unter Vereinsangelcgenheiten teilt Genosse Dr. Silber- stein mit, daß der Stadtverordnete Gericke, der von uns als Haus- bcsitzer gewählt ist, schon zu wiederholten Malen entgegen den Be« schlöffen der Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung gc- stimmt habe. Die Versammlung beauftragt daraufhin einstimnng den Vorstand, den Stadtverordneten Gericke zu ersuchen, wegen Dis- ziplinlosigkeit bei Abstimmungen sein Mandat als sozialdemokra- tischer Stadtverordneter niederzulegen.— Gegen das Mitglied Schneider, Weichselstraße 7, wird auf Antrag des Handels-, Trans- Port- und Verkehrsarbeitcr-Verbandes das Ausschlußverfahrcn Ivegen unehrlicher Manipulationen eingeleitet.— Der bisherige Schriftführer, Genosse Müntner, legte sein Amt infolge seiner Wahl zun: Hauptkassierer seiner Gewerkschaft nieder, cm seiner Stelle wurde Genosse Gemmecker gewählt, und der durch dessen Wahl vakant ge. wordene Posten eines Revisors durch den Genossen Breslauer be- setzt.— Unter Verschiedenem macht Genosse Heinrichs die Mit- tcilung, daß in verschiedenen Schulen von einigen Lehrern den Kindern bestimmte Angaben gemacht worden seien, wo sie ihre Bücher zu kaufen hätten. Heinrichs ersucht die Parteigenossen, sich dadurch nicht beeinflussen zu lassen, sondern erst recht ihren Bedarf an Schul- ortikeln in der Spedition zu decken.— Genosse Hendrischkc teilt mit, daß zu den Rixdorfer Maiversammlungen die Genossen Eduard Bernstein, Davidsohn und Zubeil gewonnen seien und wünscht, daß die Parteigenossen mehr als sonst die Maiversammluugen am Orte besuchen.— Ein Antrag des Genossen Pühl, die Generalversamm- lungen in der„Neuen Welt" abzuhalten, da die Säle in Rixdoxf sich als zu klein erwiesen, wurde dem Vorstand überwiesen. Ein weiterer Antrag Puhls, die freien Gast- und Schankwirte aufzu- fordern, mn 1. Mai zu schließen, wurde nach längerer Diskussion durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt.— Genosse Schlecks fordert die Genossen auf, die Handlungsgehülfen in ihrem Kampfe um den Achtuhr-Ladenschluß dadurch zu unterstützen, daß sie nach acht Uhr möglichst das Betreten der Ladengeschäfte vermeiden.— Ein Genosse(Arbeiter im Kabelwerk Oberspree) beschwert sich über den Borstand Groß-Berlins. Die Arbeiter des Werkes, zirka 6000, wollten zum 1. Mai Stellung nehmen und hätten einen Refe- reuten für ihre Werksversammlung verlangt. Das Bureau habe aber die Vermittelung eines Redners abgelehnt. Genosse Düwell, Redakteur am„Vorwärts", habe trotzdem schriftlich zugesagt, sei aber in der Versammlung nicht erschienen. Derselbe sei vom Vor- stand oder vom Engelufer aus(Metallarbeiterverband) beeinflußt worden, sein schriftliches Versprechen nicht innezuhalten.'Genosse Boeske stellt die Angelegenheit klar. Das Verbandsbureau vcr- mittele aus Vorstandsbeschlutz nur Redner für politische Versanim- lungen und auf Verlangen auch für gewerkschaftliche, in welchen soziale und politische Themata verhandelt werden, niemals aber für Fabriks-, Werks- oder Werkstatts-Versammlungen. Der Obmann des Kabelwerks habe ausdrücklich eine„Größe" zum Referate ver- langt, es soll ein Parteivorstandsmitglied oder Rcichstagsabgc- ordneter radikaler Richtung bestimmt werden. Die Statuten des Metallarbeiterverbandes schreibe,! ganz bestimmte Bedingungen vor. welche zu einem derartigen WerkSbeschlusse notwendig seien. Der Obmann habe erklärt, er sei deshalb zum Parteibureau gekommen weil der Metallarbciterverband stets bremse. Das Bureau habe aber keine Veranlassung, die Arbeiter eines so großen Betriebes besonders zu beeinflussen und die Reibungsflächen zwischen Partei und Gewerk- schaft zu vergrößern. Nur aus diesen angeführten Gründen sei die Vermittelung unterblieben. Niemals aber sei der Genosse Düwell vom Bureau beeinflußt worden; wäre er schließlich nicht erschienen. so sei das seine Sache.(Hierzu habe ich meinerseits zu bemerken, daß wie längst aufgeklärt ist. lediglich ein Irrtum bezüglich des Lokals mein Nichterscheinen verschuldete. Von Beeinflussung kann keine Rede sein'. Ich habe den Genossen Cohen vom Stattfinden der Versammlung in Kenntnis gesetzt, er hatte nicht einmal ein Bedenken dagegen geäußert. Düwell.) Wenn die Arbeiter des Kabelwerks dann m gänzlich unbeeinflußter Weise beschlossen hoben, den 1. Mai zu feiern» so sei dies besonders erfreulich und werde die betreffende Gewerkschaft belehren, daß der Maigedanke nicht künstlich hervorgerufen sei, sondern aus der Masse der Arbeiter heraus feine feste Begründung finde. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen zwei Schuhleuten und einem Droschkenkutscher ereignete sich am Mittwoch abend in der Reuterstraße in Rixdorf. Dort war der Droschkenführer Steffen aus der Drontheimerstraße 26 mit einem Fahrgast über den zu zahlenden Fahrpreis in Differenzen geraten. Im Anschluß daran entstand die bei solchen Anlässen übliche Menschenansamm- lung. Ein hinzukommender Schutzmann forderte schließlich den Droschkenkutscher auf, nach der nächsten Polizeiwache in der Elbe- straße zu fahren. Der Droschkenkutscher weigerte sich, dies zu tun und verwies den Beamten auf die Stummer seines Wagens. Er soll dem Beamten außerdem noch Legitimationspapiere angeboten haben. Der wiederholten Aufforderung, nach der Wache zu sahren, kam der Kutscher nicht nach, er geriet vielmehr mit dem Beamten in ein Handgemenge, m dessen Verlauf der Schutzmann blank zog und von Gebrauch machte. Inzwischen toar die Revierwache be- nachrichtrgt worden, und es eilte ein zweiter Schutzmann herbei, um seinen Kollegen zu unter, tutzen. Der Droschkenkutscher erhielt dabei eine Anzahl wuchtiger Säbelhiebe, die namentlich am Kopfe schwere Verletzungen herbmfuhrten. Es gelang dem Schwerverletzten, in das Lokal von Bachhofer. Kaiier Friedrichstraße, zu flüchten, wo er besinnungslos zu, ammenbrach. Die Schutzleute schafften dann ihren nunmehr vernehmungsunfahig gewordenen Arrestanten nach der Rettungswache des Krankenhauses in der Cannerstratze von wo der Droschkenkutscher als Polizeigefangener nach der Charite übergeführt wurde. Seine Verletzungen sollen so schwerer Natur sein daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Die Angelegenheit durfte noch ein gerichtliches Nachspiel zur Folge haben. Schöneberg. Seine Generalversammlung hielt der Wahlverein Schönebergs am 24. April im Obstschen Lokal ab. Der Vorsitzende Genosse Küter gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung mit warmen Worten des Rrsto ebenen Genossen Meister, sowie der verstorbenen Mitglieder Genossen Gerlach und Hankel, deren Andenken die Versammelten durch Erheben von den Plätzen ehrten. Alsdann referierte Genosse Düwell über das Thema:„Der politische Massenstreik". Nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag entspann sich eine recht rege Diskussion, an welcher sich zehn Redner beteiligten, in prin- zipieller Beziehung jedoch mit dem Referenten übereinstimmten. Unter Vereinsangelcgenheiten wurde zunäckjst an Stelle des ver- zugshalber ausscheidenden Kassierers Genossen Emil Lehmann der Genosse Kister gewählt. Weiter forderte der Vorsitzende zum Massen- besuch der Maifeier auf, als beste Autwort auf das von der Polizei beliebte Vorgehen anläßlich unseres Ostervergnügens; er bemerkte hierbei noch, daß das Entree nicht 25, sondern nur 20 Pf. betrage. Ferner teilte er mit, daß die neuen Mitgliedsbücher am nächsten Zahlabende ausgegeben werden.— Sodann gab Kassierer Genosse Lehmann den Kasse, chericht des ersten Quartals. Derselbe schließt bei einer Einnahme von 2021,53 M. und einer Ausgabe von 1712,64 Mark mit einem Bestand von 303,89 M. ab. Unter den Einnahmen stehen: Beiträge 1130,25 M., Bons 252,20 M., von der Spedition 450 M., Bestand aus 1905 91,83 M.; unter den Ausgaben sind an den Kreis 1350 M. abgeführt. Auf Antrag der Revisoren wird der Kassierer entlastet. Der noch auf der Tagesordnung stehende Antrag Steuermann wurde zur nächsten Versammlung vertagt. Rcinickendorf-Ost. Am Dienstag, den 24. d. M., hielt der Wahlverein im Restaurant Sadau, Residenz st raße, seine Mitgliederversammlung ab, in welcher Gen. S t ö r m e r über:„Die Gleichberechtigung der Menschen in der Theorie und Praxis" sprach. In der darauf folgenden Diskussion befürwortete Gen. A. Schmidt in Hinsicht auf die Breslauer Vorgänge folgende von ihm ein- gebrachte Resolution:.„Die heute tagende Versammlung des sozial- demokratischen Wahlvereins Reinickendorf- Ost protestiert energisch gegen das überschneidige Vorgehen der Breslauer Polizei gegen wehrlose, um Verbesserung ihrer Lebenslage ringende Arbeiter. Sie bedauert das geflossene Arbeiterblut und spricht dem Breslauer Proletariat ihre vollste Sympathie aus. Als würdigste Ant- wort auf derartige Brutalitäten fordert die Versammlung den Parteivorstand auf, bei derartigen Anlässen das Proletariat zu einem kurzfristigen Massenstreik aufzurufen. Diese Resolution wurde, nach den zustimmenden Erklärungen einiger Redner, ein- stimmig angenommen. Unter Vereinsangelegenheiten gibt zunächst der Kassierer Genosse Hermann den finanziellen Bericht vom Herbstvergnügen. Die Einnahme betrug 181 M., die Ausgabe 211 M., so daß ein Defizit von 30 M. entstanden ist. Nachdem sich in der darauffolgenden Diskussion alle Redner sympathisch über den vom Vorstand eingebrachten Antrag, künftighin nur noch das Stiftungsfest und die Maifeier in hergebrachter Weise zu begehen, die anderen Vergnügeir aber fortfallen zu lassen, dafür aber von Zeit zu Zeit Kunstabende zu veranstalten, geäußert hatten, wurde dieser Antrag angenommen. Der Besuch der Urania wurde bis zuin Herbst vertagt. Ferner würde be- schlössen, den Diskutierabend und die Bibliothek in das Lokal des Genossen Brückner, Provinzstr. 82, zu verlegen. Der Diskutierabend findet wie bisher am ersten Dienstag im Monat statt; nur im nächsten Monat fällt er auf Beschluß der Versammlung wegen des Zusammentreffens mit der Maifeier aus. Die Bibliothek ist künftig Sonntags von 9— 10 Uhr und am Diskutierabend von 8 Uhr ab geöffnet. Von den Bezirken wurden folgende Anträge ge- stellt und von der Versammlung angenommen: Der 1. und 2. Be- zirk verlegen ihren Zahlabend zum Genossen Kirsch, Markstr. 2/3; von, 3. Bezirk wird die JustuSstraße bis zur Residenzstraße, die Residenz- und die Seestraße von der Justusstraße bis zur Berliner Weichbildgrenze dem 2. Bezirk einverleibt. Der 4. Bezirk hat sich infolge der starken Vermehrung der Mitgliederzahl ge- teilt. Der alte(4.) Bezirk(vom Grünen Weg ab die Provinzstraße links und deren linke Nebenstraßen) tagt wie bisher beim Genossen Göricke in der„Tanne"; der neue 5. Bezirk (von der Spritfabrik ab die rechte Seite der Provinzstraße und deren rechte Seitenstraßen sowie Schönholz beim Genossen Schiller. Als Bezirksführer wurde der Genosse Führbach bestätigt. Nachdem noch beschlossen, zu der am 8. M a i ini R e st a u r a n t B e n k e r stattfindenden öffentlichen Versam»n lung der Frauen am Sonntag, den 6. Mai, früh 7,U Uhr, die Handzettelverbreitung zu übernehmen, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit der Aufforderung zum recht regen Besuch der Maifeier. Ariedrichsfelde. Ueber Sozialdemokratie und Kirche referierte am 24. April Genosse Hildebrand in der Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Die Versammlung wurde insofern interessant, als sich an den Vortrag eine sehr lebhafte Diskussion schloß. Ausgehend von der gegenwärtigen Situation angesichts des Volksschulgesetzentwurfs in Preußen, in dessen Bekämpfüng unsere Partei allein stehe, erörtert der Redner die Stellung der Sozialdemokratie zur Religion und Kirche, sowie die Stellung der Kirche im Staat als ein Macht- mittel der herrschenden Klassen zur Niederhaltung der aus- gebeuteten Klassen. Für die Sozialdemokratie könne es nur eine Parole geben: alle die, welche bereits innerlich der Kirche ent- fremdet sind, zum Austritt aus derselben zu veranlassen. Redner geht sodann näher auf den philosophischen Gegensatz zwischen Christentum und Sozialdemokratie ein, erläutert die EntWickelung des ersteren von einer Religion der Besitzlosen zu einem Dogma der Herrschenden und beweist, daß, wie die Kirche für den sozialen Kankpf der Armen nichts übrig habe, so auch der Sozialdemokratie angesichts ihrer gewaltigen Aufgaben der Menschheitsoefreiung kein Raum für ein Jenseits bleibe. Die Trennung von der Kirche, der man innerlich entfremdet ist, müsse schon aus bloßem Reinlichkeits- gefühl vollzogen werden. Der als Gast anwesende S u p. Dr. K l ü g e l unternahm in langen Ausführungen den Versuch, das Christentum als außerordentlich segensreich für das wirtschaftliche Wohlsein, für das gesundheitliche Gedeihen, für die sittliche Wieder- geburt und für die Verbreitung von Menschenliebe zu schildern, sein Eintreten für die Armen und seinen mächtigen Einfluß auf die Sterbenden hervorzuheben. Religion gebe es bei allen Völkern, aber besonders habe das Christentum veredelnd auf die heidnischen Völker gewirkt. Redner vermißt jeden Zusammenhang zwischen der Schulvorlage und dem Austritt aus der Kirche, die mit diesem Entwurf seines Erachtens nichts zu tun habe. Eine geistliche� Schul- aufsicht habe es schon längst gegeben; wo sie abgelöst sei, hätte die Kirche kaum davon Nachteil gehabt. Gen. R o s e n f e l d widerlegt in trefflichen Ausführungen die Pastorale Verherrlichung des Christentums. Eine Religion, die trotz einer beinahe 2000jährigen Herrschaft keine besseren Zustände herbeizuführen vermochte, habe keine Zukunft. Lehrer Bachnick verteidigt die Religion als ein hohes Kulturgut der Menschheit, kann sich aber als Fachmann auf dem Gebiete, das er sachverständig zu beurteilen vermag, mit der preußischen Schulvorlage nicht befreunden. Sie sei ein Versuch der Kirche, die Schule völlig in ihre Gewalt zu bringen. U m b r e i t hält dem Herrn Klügel entgegen, daß er sich den Anschein gebe, auf dem Boden einer von jedem staatlichen Zwang und Schutz losgelösten Religion zu stehen, während die christliche Kirche auf den staatlichen Zwang keineswegs verzichte. Dr. Klügel nahm darauf noch ein- mal das Wort, um die materialistische Weltauffassung des Re- ferenten als einen von der anerkannten Wissenschaft längst über- wundenen Standpunkt zu kennzeichnen. Er berief sich auf einige Dutzend Namen von Naturforschern der letzten vier Jahrhunderte, die auf religiösem Boden gestanden hätten, abschließend mit Goethe, Gladstone und Bismarck. In seinem Schlußwort wies Genosse Hildebrand diese Klügelei mit überzeugendster Beweisführung zurück und forderte zum Schluß erneut zum Massenaustritt aus der Landeskirche auf. Sein Appell fand stürmischen Beifall. Sodann wurde zur Maifeierfrage beschlossen, von der Ver- anstaltung einer Abendfestlichkeit Abstand zu nehmen, dafür aber am Vormittag eine Demonstrationsversammlung und am Nach- mittag einen Agitationsausflug nach Biesdorf zu arrangieren. Der Borsitzende teilte mit, daß die neuen Mitgliedsbücher zur Ausgabe fertig seien und daß der Zahlabend, gemeinsam mit der Regelung in Berlin, aln 2. Mitttvoch des Monats stattfinde. Am Sonntag findet eine Agitation für den„Vorwärts" statt. Es wird ferner die Ab- rechnung vom Stiftungsfest gegeben und Decharge erteilt. Genosse Rasch empfiehlt den jüngeren Genossen den Anschluß an den Verein jugendlicher Arbeiter und Lehrlinge. Nach Erledigung einiger Beschwerden konnte die Versammlung um Iii Uhr nachts geschlossen werden. Weißensee. Ein etwas seltsames Tiebstahlsobjekt hatte sich gestern nach- mittag ein 18jähriges Dienstmädchen in Weißensee ausgesucht. Vor dem Hause Paristraßc 1 lockte es ein dreijähriges Kind an sich und entfloh damit. Der Diebstahl war jedoch bemerkt worden, und nach etwa einer Stunde geling es, das junge Mädchen in der Lothringenstraße wieder einzuholen. Es wurde zur Polizei � gebracht, und dort stellte sich heraus, daß man es mit einer Geistes- kranken zu tun hatte. Das Mädchen hatte sich vor sechs Tagen von ihren Eltern in Berlin entfernt und war seitdem umher- geirrt. Das gestohlene Kind konte dem Elternhause wieder zu- gestellt werden. Notvawes. Wegen Beleidigung des Bauunternehmers Schröder in Nowawes hatte sich gestern der frühere verantwortliche Redakteur unseres Blattes Genosse Büttner vor dem Schöffengericht in Potsdam zu verantworten. Der Kläger fühlte sich durch eine Notiz„Eigenartige Praktiken eines Bauunternehmers" in der Vorortbeilage vom 21. Oktober v. I. beleidigt. In dieser Notiz wurden Unregelmäßigkeiten zur Sprache gebracht, die bei einem Erweiterungsbau einer Mädchenschule, den Kläger für die Gemeinde Nowawes- Neuendorf ausführte, vorgekommen sein sollen. Diese Angelegenheit, die seiner- zeit die Gemeindevertretung beschäftigte und dazu führte, daß Schr. ftir die nächsten Jahre zur Ausführung von Arbeiten für die Ge- meinde nicht herangezogen werden soll, wurde in der gestrigen Ver- Handlung zwar mit erwähnt, liegt der Klage gegen B. aber nicht zu- gründe. Die Beleidigung wurde vielmehr in dem folgenden Schlußsatz der Notiz gefunden:„Bemerken wollen wir noch, daß Schröder zu den Emporköninilingen in, Baugewerbe gehört, die da glauben, ihre Unternehmerautorität am besten dadurch zu bewahren, daß sie ihre Arbeiter in möglichst rücksichtsloser Weise behandeln."— Als Zeugen waren zur gestrigen Verhandlung außer dem Gemeindevorsteher von NowaweS noch einige Maurergesellen, welche bei Schr. beschäftigt waren resp. noch sind, geladen. Die Beweisaufnahme förderte jedoch nichts zutage, wodurch obige Kennzeichnung gestützt lvürde. Die Verhandluiig endete denn auch niit einem Vergleich. Der Beklagte nimmt die Beschuldigung mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück und trägt die Kosten des Verfahrens. Spandau. Em Schiffszusammenstoß auf der Havel fand zwischen Spandau und Schildhorn statt. Dortselbst fuhr ein Dampfer, jedenfalls in- folge falscher Steuerung, gegen die stromaufwärts fahrende Zille des Schiffseigners Segall aus Rüdersdorf, und zwar mit solcher Gewalt, daß das Fahrzeug sofort zu sinken begann. Der Schiffer und die Bemannung vennochten nur das nackte Leben zu retten. Der Dampfer, der imr leichtere Beschädigungen davongetragen hatte, konnte die Fahrt fortsetzen. Wegen des Handels mit Militärwaffen ist in Spandau von neuem eine aufsehenerregende Verhaftung erfolgt. Ein wohlhabender, in besten! Rufe stehender Kaufmann ist durch Kriminalbeamte aus seiner Wohnung abgeholt und in Untersuchungshaft abgeführt worden. Er hat den Vertrieb von Jnfanteriegewehren, Modell 7t. jahrelang in voller Oeffentlichkeit betrieben und diese sogar in einem Schaufenster ausgestellt. Ein in dieselbe Angelegenheit verwickelter Zeug- oberleutnant der Spandaucr Garnison ist wegen„Geisteskrankheit" in das Garnisonlazacett aufgenommen worden. Ein Landrichter aus Posen, in dessen Hand die Untersuchung der über verschiedene Garnisonstädte verbreiteten Affäre liegt, ist in Spandau eingetroffen, um die Angeschuldigten und Zeugen selbst zu vernehmen. Bei den, verhafteten Kausinann sind auch zahlreiche Schriftstücke beschlagnahmt worden, die sich auf den Waffenhandel beziehen. In Spandau sind jetzt drei Zivilpersonen in dieser Angelegenheit verhaftet. Der Ver- kauf alter Waffen aus den militärischen Depots ist seit einiger Zeit gänzlich eingestellt worden. Vermifcbtes. Ein Orkan. Bellevue(Texas), 27. April. Gestern abend wütete hier ein Tornado, der eine große Anzahl Häuser niederriß, die dann durch einen infolge des EinstürzenS entstandenen Brand vollständig zerstört wurden. Elf Personen sollen hierbei ums Leben gekommen und zahlreiche verletzt sein. KnefftaCten der Redahtfon. O. H. 10. 1. Die vorbehaltlichc Ervin ervt die Schulden mit. 2. Nein. 3. Soweit fie unentbehrlich ist: nein.— M. P. 17. Ist keine Kundigungs. srist vereinbart, so bewägt dle Frist für Dienstmädchen ö Wochen zum Ouartaisersten. Es ist also bis zum 1. Juli Lohn zu zahlen, sallS nicht etwa Ihre Schwägerin sich mit Entlassung zum 15. Mar einverstanden er. klärt hat.— Lber-Schö»ieweide. Leider»st das nur durch gütliche Vereinbarung zu ermöglichen.— W. P. 74. 1. und 2. Nein: der Kirch» Hossvorstand hat zu entscheiden. 3. Ja.— H. S. SO. Zur Eingehung einer zweiten Ehe ist die Erteilung eines Auseinaiidersetzungsscheines er. forderlich. Ein Beispiel sür einen Anwag aus Ertellung solchen Scheins sinden Sie S. 224 Nr. 19 des dem Arbeiterrecht beigesügten Führers. DaS Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bericht der städtischen Markthallen-Direktion. Rmdffcisch In 63—89 pr. 100 Psund, Ha 56—65. lila 52—55, IVa 42—50, engl. Bullen- 00—00, dän. Bullen- 00—00, Holl. Bullen. 00-00. Kalbfleisch, Doppelländer 105—120, la 85—95, IIa 70—82, ITIb 56—68. Hammelfleisch la 60—70, IIa 54—60. Schweinefleisch 63—69. Kaninchen 0,40— 0,60. Hühner, alte, Stück 1,50— 3,50, alte aper Psd. 0,00, junge, per Stück l,60— 1,80. Tauben, junge 0,55—0,65, alte 0,00. Eliten. junge, per Stück 2,40—2,80, per Pfd. 00—00, russ., gesr. per Stück 00—00. Gänse, junge, per Psd. 0,80—1,10, ruff. per Psd. 0.00-0.00. Hechte 102-117, Schleie 112-113. Bleie 64, matt 00—00. Aale, groß 94—101, mittel 100—101, klein 00—00, unsortiert 95. Plötzen 47—52. Flundern, pomm. I, p. Schock 4—8, Kieler» Stiege la 4-7, do. mittel, per Kiste 3—4, do. klein, per Kiste 00-00. Bücklinge. schweb, per Wall 0,00, norw. 0,00, Holland. 2—2,50, Kieler 2—4, engl. 0,00. Aale, groß, per Psd. 1,10—1,30, mittelgrob 0.80— 0.90, klein 0.50—0,60. Sprotten, Weier, 2 Wall 2,00, Elb« per Kiste 0,00—0,00. Sardellen, 1902er, per Anker 78,00, 1901er 76,00, 1905ci 74,00. Schottische Vollhcringe 1905 00—00, large 40-44, füll. 36—33, med. 33—35, deutsche 37—44. Heringe, neue Masses, per'/, Tonnen 60— 120. Hummern, IIa, 100 Psd. 00—00. Krebse, per Schock, große 13,50, mittelgroße 00,00, kleine 0,00, unsortiert 7,50. Eier, Land-, per Schock 00—00. frische 3,00. Butter per 100 Pfund, la 117, IIa 112—116, lila 109—111, ab- sallende 108—112. saure Gurken, Schock 3,50—4 M., Pseffergurkeu 3,50—4 M. Kartoffeln per 100 Psd. magn. von. 2,10—2,35, rote Dabersche 2,00—2,20, runde weiße 1,80—2,00. Wirsingkohl per Schock 8.00—24,00. Weißkohl per Schock 7,00—9.00, Roikobl per Schock 00—00, Holl. 16,00—24,00. Grünkohl, per 100 Psd. 00—00. Rüben, weiße 00—00, Teltower 00-00. Kohlrüben, per Schock 2,50—4,50._ «ttternngsüberllcht vom»7. April ISO«, morgens 8»he. Stationen Swwemde Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wie, e E |i o-£ = 3 - 3 s Z 755 D 754 NO 750N 75033 751 SO »eUer 2 wolkig 4 wolkig 2 bedeckt 4 bedeckt 3 wolkenl Sf IM io Stationen se o 2 Ii Haparanda 757 NNW Petersburg 754 SO Sctlly Aberdeen Pari» 761 NNW 755 S 754 NNO Weller 2�ebeckt 3 wolkenl 4 halb bd. 2 wolkig 3bedeckt so? e�i a Ii -vi 2 11 8 6 6 Wetter-Prognose für Soniiavcnd. de» L8. April 1906. Ziemlich kühl, vorherrschend wolkig mit meist nördlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner W e t terb u r e a u. Weranlwortlicher Rewkteux; Hans Weber. Berlin. Fffx Hxg Inseratenteil vercmtw..: Glecke, Berlin. f£ni(k u. Verlag; Vorwärts BuKdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co., Verlin SW,