Dr. SS. flbonncmentS'Redlnsu ngen: ASonnenieiltS- Preis pränumerando: Bierteljädrl. Z.M Mk>, monatt. 1,10 Mk, Wöchentlich W Pfg. frei ins HauS. Einzelne Slummcr S Pfg. Sonntags- numincc mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pjg. Po>l- Monnement: l.lO Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Vreisliile. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonncnisiitS nehmen an: Belgien, Dänemarl. Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Klimänien, Schweden und die Schweiz. 23* Jahrg. erlchcint täglich illlStf montags. � G. Vevltnev Volksblatk. vis lnsentionz-Lebilhi' telrägt für die sechSgefpaltene Kolonel. zcilc oder deren Raum b0 Psg„ für politische und gewerlschaftliche PcreinS- und PcrsainmIungS.Anzeigen 30 Pfg, „Kleine Hnselgen", das erste(feil- gedruckte) Wort 20 Psg„ jedes weitere Wort l0 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen das erste Wart 10 Pfg, jedes weitere Wort ö Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition Abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SozIallKflioknt neriin". Zcntralorgan der fozialdemobrattfchen parte» Deutfchtands. Redaktion: 8W. 68. Llndenstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 29* April 1906. Expedition: SM. 68, Lindenstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. '" Schließt die Reihen! Gewaltiger denn je zuvor rüstet das Proletariat zur diesjährigen Maifeier. Nicht nur im Ausland, sondern vor allem auch in Deutschland. Höhnisch hatten unsere Gegner den Maigedanken bereits totgesagt. Sie begriffen in ihrer blöden Kurzsichtigkeit nicht, daß der Maigedanke nichts anderes ist, als der sozialistische Gedanke selbst: die kampffreudige, Forderung der Freiheit, Gleichheit und Wohlfahrt für alle! Ij Dieser proletarische Erlösungsgedanke kann niemals aus dem Herzen der Arbeiterklasse terissen werden, solange in ihm noch ein Funken von Menschheitswürde, noch ein Gefühl für ie Schmach politischer Entrechtung und sozialer Knechtung vorhanden ist, solange in Prole- rriorseelen noch das brennende Verlangen nach Licht und Schönheit glüht I Das jahrtausendalte Sehnen der Menschheit, das philosophische und religiöse Systeme Mar, die die ringende und sich selbst zerfleischende Menschheit zu brüderlicher Eintracht und zuedler Schaffensfreude erziehen wollten, ist in dem modernen Sozialismus zu neuem, zugungskräftigem Leben erwacht. Die Philosophie entartete in greisem Formalismus oder drrer Skepsis, die Religion versteinerte im herrschsüchtigen, unduldsamen Kirchentum, der toderne Kapitalismus verwandelte den Vorkämpfer des Fortschritts und der Demokratie, das iiirgertum, in eine raffgierige Bourgeoisie, bar jedes Idealismus, jedes Gemeingefühls. Und jenn auch der Kapitalismus die engen Schranken des Feudalismus niederriß und gewaltige Nationalstaaten schuf, die Aera der kapitalistischen Weltpolitik entfesselte erst recht die Zwie- tracht unter den Völkern und verwandelte den Erdball in ein waffenstarrendes Heerlager. Ein Ungefähr— und Millionen von Menschen zerfleischen sich in grauser. wahnwitziger Sclbstvernichtung I Aber die Menschheitsideale sind nicht spurlos verschwunden. Sie haben Hüter und Versechter gefunden in der melmillionenköpsigen Armee der Selihlosen, im modernen Proletariatc. Durch keine Ausbeutungsgelüste korrumpiert, durch kein Genuß- leben entnervt, hat das Proletariat den Kampf um den Fortschritt der Menschheit auf- genommen. Gerade weil das Proletariat die Klasse der Enterbten ist, ist ihm das Erbe aller mensch- lichen Kulturbestrcbungcn zugefallen. Die große Gebärerin des Fortschritts, die Not, treibt es zum Kampf gegen alle Barbarei der Gegenwart! In erster Linie gegen die Karbarei des Krieges! - Die besitzenden Klaffen schrecken auch vor einem Ozean von Menschenblut nicht zurück, wenn es gilt, ihre Macht, ihren Besitz zu vergrößern. Dies beweisen die entsetzlichen Greuel der Kolonialkriege, das beweist das entsetzliche Morden in Ostasien, das beweist das frivole �vlomatenspiel um Marokko willen! Ja, den besitzenden Klassen gilt auch Leben und- Blut de eigenen Volksgenossen nichts, wenn es sich um ihren Profit, um ihre Privilegien handelt. Da- beweist Courriöres, das beweist— Breslau! �>as Proletariat hat keinen Vorteil von der Eroberungs- und Beutepolitik, es hat ledigl. die erdrückenden Kosten des tollen Wettrüstens aufzubringen, es verspritzt nur sein Blut ll'�den internationalen Schlächtereien. Wohl aber ist der ausländische Proletarier sein Bruder.�n Mitstrebender, sein Kampfgenosse; führt doch auch er den Kampf gegen die kapitalistij� Tyrannei und das Verbrechen des Völkermordes I Darut- jst die proletarische Kundgebung am 1. Mai die nachdrücklichste Demonstration >, \ für den Uölkerfriede«! Eine freche �ijge aber ist es. zu behaupten, das sozialistische Proletariat sei deshalb unpatriotisck� Nein, sein Stolz ist es, die Nation groß zu machen! Und zwar in der einzig würdigen W�- durch Hebung der Bottswohlfahrt, durch Taten der Kultur und der Gesittung! � Das Proletariat �npfindet es als brennende nationale Schmach, daß die Masse der Nation in leiblichem uu�etfligem Elend schmachtet, daß sie ausgeschlossen ist von allen Kulturgütern. Der Sozi at„Z will den Proletarier aus einem stumpfen Arbeitssklaven erst f. Mann der Arbeit, aufgewacht, Und erkenne deine Macht! zu einem Menschen machen, der sich frei und freudig für das eigene Wohl und das Wohl der Gesamtheit betätigt. Er will ihn erlösen von der entwürdigenden kapitalistischen Fron, er will das System der heutigen Ausbeutung abschaffen, das die Früchte des proletarischen Schweißes einer kleinen Minderheit von Besitzenden in den Schoß wirft und die Erzeuger aller gesellschaftlichen Werte mit kärglichen Almosen abspeist. Um dies verwerfliche System zu beseitigen, sucht der Sozialismus die Lage der Arbeiterklasse stufcnweis zu verbessern. Er der- langt deshalb eine Verkürzung der Arbeitszeit, den achtstündigen Marimalardeitstag! Diese Arbeitszeitverkürzung ist nicht nur notwendig zur körperlichen Stählung der Arbeiterklasse, sondern auch die erste Vorbedingung der, geistigen Hebung, des kulturellen Auffticges der Masse der Nation! Aber diese wahrhaft nationalen Bestrebungen des Proletariats begegnen dem erbitterten Widerstand der Besitzenden und Privilegierten, die nicht nur die Regierung, sondern auch die gesetzgebenden Körperschaften beherrschen, namentlich in den Parlamenten der Bundesstaaten. Besonders skandalös sind die Zustände in Preußen, wo ein Dreiflassenwahlrecht, das selbst Bismarck einmal das elendeste aller Wahlsysteme nannte, dem Kraut- und Schlotjunkertum ununtschränkte Willkür verleiht. Die Arbeiterflasse hat ja nicht einen einzigen Vertreter im preußischen Abgeordnetenhause, trotzdem sie bei der letzten Reichstagswahl 1 600 000 Stimmen für die Sozialdemokratie abgab. Trotzdem selbst bei der öffentlichen Stimmenabgabe bei der Landtagswahl im Jahre 1903 314000 sozial- demokratische Stimmen abgegeben wurden. Die Konservativen und Freikonservattven erhielten bei 372000 Stimmen nicht weniger als 208 Abgeordnete, während auf die Sozialdemokratie nicht ein einziger Abgeordneter entfiel. So sicher hat sich die herrschende Klasse durch ein ungeheuerliches und schmachvolles Wahlrecht gegen den Ansturm der Arbeiterklasse verschanzt! Die herrschende Klasse verweigert dem Proletariat seine Bürgerrechte unter dem heuchlerischen Vorwand, es wolle den„gewaltsamen Umsturz". Infamer Schwindel! Das Proletariat heischt das gleiche und allgemeine Wahlrecht zu allen gesetzgebenden Körperschaften, um die heutigen unerträglichen Zustände ftiedlich umgestalten zu können! Wenn aber die herrschende Klasse dem Volke die ihm gebührenden Bürgerrechte höhnisch verweigert-» ist dann nicht gerade sie es, die es zu Konflikten treiben will?! Zweimal bereits hat das preußische Proletariat in gewaltigen Kundgebungen seinen: unerschütterlichen Willen Ausdruck verliehen. Die herrschenden Klassen haben nur ein der- ächtlichcs Achselzucken dafür gehabt. Sie halten die Massen für zu stumpfsinnig und zu versflavt, um sich zu mannhaftem Eintreten aufzuraffen. Aber sie täuschen sich darin! Der proletarische Vorstoß wird immer unwiderstehlicher werden! Der Ruf .Mn mit ftr flmldliWlljiBch!" wird zum Orkan anschwellen und die offene wie die verkappte Reaktion hinwegfegen l Der 1. Mai ist die dritte Demonsttation gegen Volksenttechtung und Volksknebelung. Sie wird der Armee des flassenkampfbewußten Proletariats Zehntausende von Rekruten zuführen. Sie wird die Heerschau sein für den TageSkampf gegen alle reakttonären Mächte, den eS mit verdoppelter Energie zu führen gilt. Mann der Arbeit, aufgewacht! Kein Zagen darf es mehr geben! Es gilt den großen Befreiungskampf der Völker im Zeiche« des menschheitkefreiende« Sozialismus! Es gilt die erste Schanze zu nehmen in unwiderstehlichem Anprall! Vorwärts mit dem Feldgeschrei: Her m» dem allgemeinen, gleichen, \ direkten und gekeimen'' „Kreuz'Zeitunas"' Rationalökonomie. Sn ihren Nummern 192 und 194 findet die„Kreuzztg." endlich die Muße, auf unsere Artikel„Die Produktivität des Unternehmerwms und der Arbeiter"(Nummer 90 und 91 des„Vorwärts" vom 19. und 20. April) zu antworten— etwas spät, doch gut Ding will bekanntlich Weile haben, und gerne gestehen wir, daß das feudale Organ durch seine neuesten Leistungen die Erwartungen, die wir auf seine Volkswirtschaft- lich-theoretischen Kenntnisse setzten, noch beträchtlich über- troffen hat. � Neues ist es zwar nicht, was die„Kreuzztg." zu erwidern weiß. Sieht man von den bekannten Redensarten ab, der llnternehmergewinn sei eine gerechtfertigte Risikoprämie und ider Zins deshalb angebracht, weil der Zinsempfänger doch sein Kapital hingebe: Redensarten, die schon vor mehr als 40 Jahren Lassalle in seinem„B a st i a t- S ch u l z e von Delitzsch" abgetan hat. so bietet die„Kreuzztg." nichts als verklausulierte Bestätigungen unserer Ausführungen. Wir könnten uns deshalb eigentlich darauf beschränken, ihren ersten Behauptungen einige Zitate aus ihren beiden letzten Artikeln gegenüberzustellen: doch der Eiertanz, den sie aufführt, und die komischen Verrenkungen, die sie sich in der Rolle der „Pippa" leistet, sind so possierlich, daß sich, wenigstens vom humoristischen Standpunkt aus, ein näheres Eingehen auf ihre Produktionen lohnt. Gleich im Anfang bietet sie eine recht ansehnliche Leistung. In der Nr. 172 hatte das ehrsame Blatt die Marxsche Mehrwertstheorie, nämlich die Lehre, daß der Arbeiter in seinem Lohn nur den Preis seiner Arbeitskraft erhalte, der Unternehmer ihn aber länger arbeiten lasse, als er zur Er- zeugung des im Arbeitslohn erhaltenen Wertes gebrauche, )aß also der Arbeiter„Mehrarbeit" leisten müsse, und aus dieser Mehrarbeit Kapitalprofit und Grundrente stammen, als falsch bezeichnet und das Einkommen des Unternehmers ' ls Vergütung für die von ihm in seinem Betrieb geleistete lrbeit hinzustellen versucht. Die sozialistische Theorie berück- ichtige, behauptete die„Kreuzztg.", gar nicht die„wert- schaffende Tätigkeit der Unternehmer." Demgegenüber wiesen wir darauf hin, daß die Arbeit der Unternehmer, soweit sie für den Betrieb nötig ist, ebenfalls wertbildend sei, ja daß sie, wenn sie höhere, kompliziertere Arbeit sei, sich auch in höheren Werten vergegenständliche, als gewöhnliche Durchschnittsarbeit. Von dieser Mitarbeit des Unternehmers in seinem Betriebe sei aber seine eigentliche Unternehmertätigkeit zu trennen, wie sich z. B. deutlich bei den Aktiengesellschaften zeige, wo die Lester nicht mit den Unternehmern(Aktionären) identisch seien. Was erwidert darauf das Blatt der Hammerstein-Epi- gonen? Es berichtet entrüstet seinen Lesern: „Hier haben wir den bekannten dialektischen Kniff der „petitio principii": Das erst zu Beweisende, nämlich daß der Arbeiter allein es ist, der„Wert erzeugt", wird als bewiesen angenommen. In Wirklichkeit wird Wert durch zweckmäßiges Zusammenwirken aller Produktionsfaktoren er- zeugt, nicht durch die Arbeit allein." Das Blatt behauptet also ungeniert, und zwar wider besseres Wissen(denn so gering wir auch die Ver- standeskraft seines Redaktionsstabes einschätzen, ver- mögen wir doch nicht_ anzunehmen.< daß er unsere Ausführungen nicht kapiert hat), wir hätten den Satz aufgestellt, nur der Arbeiter allein erzeuge Wert. Während wir von der Arbeit allgemein sprachen und unter dieser ausdrücklich alle Arbeit begriffen, sowohl die der Arbeiter wie die der Angestellten und der als Leiter ihrer Betriebe fungierenden Unternehmer, ja deren höherer, kom- plizierterer Arbeit auch einen höheren Wert beimaßen, ver- wechselt, weil es ihm besser in seine Deduktionen paßt, das ehrsame, orthodoxe Blatt absichtlich den Begriff der Arbeit mit dem Arbeiter und schwindelt dann seinen Lesern vor. wir behaupteten, daß nur der Arbeiter allein es sei, der Werte schaffe. Eine niedliche Probe konservativer Nabu- listik, die sich noch durch verschiedene andere ergänzen ließe — doch ist es schließlich selbstverständlich, daß das Blatt die kleinen rabulisttschen Kunststückchen, die es seit Jahren im Zollkampf anwendet, auch auf andere Gebiete überträgt. Lassen wir deshalb diese Mätzchen unbeachtet und prüfen wir, was die„Kreuzztg." gegen die Mehrwerttheorie einzuwenden weiß. Sie zitiert zunächst folgenden Satz aus unserem ersten Artikel: „Zahlt der Unternehmer dem Arbeiter zum Beispiel pro Tag 4 M. so läßt er diesen nicht nur so lange arbeiten, biS dieser dem von ihm bearbeiteten Gegenstände 4 M an Wert zugesetzt hat, sondern darüber hinaus. Schüfe der Arbeiter nur so viel neuen Wert, als er an Lohn erhalten hat, so hätte für den Unternehmer das ganze Verfahren keinen Zweck; denn er würde dann an seinem Arbeiter rein gar nichts verdienen und hätte obendrein noch die Last und Sorge, die hergestellten Erzeugnisie zu ihrem Werte an den Mann zu bringen. Der Unternehmer läßt also den Arbeiter länger arbeiten, als dieser zur Erzeugung eines seinem Arbeits- lohne entsprechenden Wertes gebraucht, und diese unbezahlte Arbeit nennt Marx Mehrarbeit und den durch solche Mehrarbeit ge- schafsenen überschüssigen Wert„Mehrwert". Was weiß sie darauf zu erwidern? Folgendes: „Klarer als in diesen Worten des„Vorwärts" kann die ganze sophistische Unwahrheit der sozialdemokratischen Theorie uns gar nicht zum Bewußtsein gebracht werden. Das Blatt gesteht selbst zu, daß„das ganze Verfahren" für den Unternehmer„keinen Zweck" hätte,„schüfe der Arbeiter nur so viel neuen Wert, als er an Lohn erhalten hat" usw. Jeder vernünftige Mensch muß hieraus doch folgern, daß der Unter- nehmer aus dem Absätze der Betriebs»(nicht Arbeits-) Pro- dukte von Rechts wegen mehr herausholen darf, als die Auslagen einschließlich der Arbeitslöhne, um für seine eigene Arbeit sowie„Last und Sorge", die ja der „Vorwärts" selber anerkennt, entschädigt zu werden. Der„Vor- wärts" dagegen hält seine Leser für stumpf genug, um ihnen vorreden zu können, in dieser berechtigten Mehr- forderung liege nur das Ansinnen an die Arbeiter, unbe- zahlte Arbeit zu leisten. In Wirklichkeit verlangt doch offenbar er selbst, daß der Unternehmer rein aus„gutem Herzen" etwas tut, was für ihn„keinen Zweck" hat. Er soll zugunsten seiner Arbeiter unbezahlte Arbeit, Lasten und Sorgen übernehmen." Ein prächtiges Zugeständnis! Die„Kreuzztg." gibt selbst zu, daß für die Unternehmer die Beschäftigung von Arbeitern. d f) das Kaufen und Verwerten von Arbeitskrästen im Pro- d'.ktionsprozeß nur dann einen Zweck hat, wenn sie(die Unter- den hergestellten Produkten mehr heraus- Summe der Arbeitslöhne �ellte usw. gezahlten der Unternehmer dieses„Mehr" heraus? Aus den Roh- stoffen? Sie haben ihren bestimmten, in ihrem Marktpreis zum Ausdruck kommenden Wert, wie jede andere Ware; und wenn sich dieser Wert im Produktionsprozeß erhöht, so nicht deshalb, weil er auf irgend eine bisher noch unaufgeklärte Weise ohne Zutun der Arbeitskraft plötzlich sich aus sich selbst vermehrt, sondern weil den Roh st offen durch ihre Bearbeitung neuer Wert zugesetzt wird, weil neue Arbeit auf sie angewendet wird. Und das- selbe gilt von den Arbeitsmitteln(Maschinen, Werkzeugen, Fabrikgebäuden usw.). Auch sie vermögen den Produkten keinen anderen Wert hinzuzufügen, als den, den sie selb st besitzen, d. h. den, der ihnen im Arbeitsprozeß durch Verschleiß verloren geht. Wo holt nun der Unternehmer das„Mehr" heraus? Aus der Arbeitsleistung der von ihm Beschäftigten; aus der „Mehrarbeit", die er seine Arbeiter leisten läßt. Das ist es, was wir immer behauptet haben; und es macht uns köstlichen Spaß, daß die„Kreuzztg." schließlich, wenn auch mit allerlei Verklausulierungen, sich zum Ein- gestehen dieses„M e h r h e r a u s h o l e n s" gezwungen sieht. Ob sie von ihrem kapitalistischen Standpunkt aus meint, dieses„M e h r h e r a u s h o l e n" erfolge von rechtswegen und sei ganz berechtigt, ist neben- sächlich, denn wir haben nie geglaubt, daß sie die Grund- bedingungen der heutigen kapitalistischen Warenproduktion nicht für berechtigt hält, wenn sie auch als Vertreterin'des Großgrundbesitzes sich mit den Industriellen hin und wieder um den Anteil am Mehrwert zankt. Für den Verfasser der„Kreuzzeitungs"-Nrtikel vermischt sich stets die Rechtsfrage mit der Frage nach dem Ursprung einer ökonomischen Erscheinung, in gewissem Sinne identi- fiziert er sogar beide. Infolge dieser Nichtttnterscheidung srägt er stets zugleich nach der Berechtigung des Mehrwertes, Zinses, der Grundrente usw. Diese Frage kommt jedoch erst in zweiter, dritter Linie. Zunächst handelt es sich um die Frage der Entstehung. Erst muß der Mehrwert da sein, ehe er an- geeignet oder verteilt werden kann. Nun noch ein Wort über die Beschuldigung der„sophi- stischen Unwahrheit", welche die„Kreuzztg." gegen uns erhebt, weil wir anerkennen, daß der Unternehmer ohne eine Mehrarbeitsleistung seiner Arbeiter unter den heutigen Wirt- schaftsverhältnissen nicht zu existieren vermag, trotzdem aber gegen diese Mehrarbeitsleistnng Front machen. Die „Kreuzzfg.", die gegen uns den Vorwurf erhebt, wir benutzten den Kniff der petitio prioeipii, leistet sich hier selbst diesen Kniff, denn ihre ganze Beschuldigung hat mir dann einen Sinn, wenn sie von vornherein annimmt, daß wir das heutige Wirtschaftssystem aufrecht erhalten wollen. Sie selbst aber weiß, daß diese Unterstellung unrichtig ist. Wir erkennen zwar an, daß der Unternehmer unter den heutigen Umständen gezwungen ist, von seinen Arbettern„Mehrarbeit", d. h. un- bezahlte Arbeit zu fordern, aber damit erscheint uns diese Forderung noch keineswegs als berechtigt. Wir stehen viel- mehr auf dem Standpunkt, daß die Verhältnisse geändert werden müssen, die einen derartigen Zwang bedingen— und da unter dem System der heutigen Warenproduktion diese Aenderung nicht möglich ist. fordern wir die Abschaffung dieses Systems. Nun begriffen, edle Tante? Auch an anderer Stelle sieht sich die„Kreuzztg." zum Eingeständnis gezwungen, daß der Unternehmer- gewinn keine Vergütung für die Arbeits- l e i st u n g d e r U n t e r n e h m e r i st. Im zweiten ihrer letzten Artikel(Nr. 194) schreibt sie, nachdem sie versichert hat, die Einnahme des Unternehmers keineswegs mit dessen Arbeits- verdienst identifiziert zu haben: „Gewöhnlich stecken in ihm(dem Einkommen der Unter- nehmer) auch noch Kapitalgewinn(ZinS- und Risikoprämie) oder auch Bodenwerte oder wenigstens eins von beiden. Aber diese Einkommenszweige brauchen nicht aus unbezahlter Arbeit zu entstehen. Das wäre nur richtig, wenn alle? Einkommen und alle Werte lediglich auS Arbeit und zwar äußerlich meßbarer Arbeit entspringen, wie die Sozialdemokratie eS lehrt, während in Wirklichkeit die Werte aus dem Zusammenwirken aller Produk- tionöfaktoren entstehen. Wer Kapital geschaffen oder in rechtlich und sittlich unanfechtbarer Weise in seinen Besitz ge- bracht und dann zur Produktion hergegeben hat. darf ebenso wie der Arbeiter einen Anteil an dem Produktions-(nicht Arbeits-) Ertrage in Anspruch nehmen. Ja, er darf es auch dann, wenn man nur der Arbeit, nicht dem Kapital selbständigen Anteil an der Wertbildung zuerkennt. Denn eine„Ausbeutung" braucht trotzdem nicht vorzuliegen; ob das Kapital selbständig produktiv ist oder nur die Produktivität der Arbeit steigert, ist eine reine Doktorfrage; im letzteren Falle ge- bührt dem Kapitalisten sein Anteil am Ertrage eben dafür. daß er durch Hingabe seines Kapitals die Produktivität der Arbeit gesteigert hat." Die„Kreuzztg." gibt also zu, dcitz der Unternchmer außer der Entschädigung für seine Arbeitsleistung noch etwas anderes in die Tasche steckt, nikmlich den Unternehmer- gewinn, den sie nach der bekannten Nomenklatur der seichtesten Vulgärökonomie einfach als„Risikoprämie" klassifiziert. Aber, meint sie, aus unbezahlter Arbeit brauche doch diese schöne Prämie nicht zu stammen— allerdings weiß sie auch nicht anzugeben, woher er denn sonst stammen könnte, und hilft sich deshalb mit der nichtssagenden, beweislosen Versicherung, daß die Werte in Wirklichkeit„aus dem Zusammenwirken aller'Produktionsfaktoren" entstehen. Damit ist ihre nationalökonomische Weisheit zu Ende. Das„Wie" und„Warum" überläßt sie dem Nachdenken ihrer Leser. Nur betreffs des Zinses hat sie einen Beweis dafür ent- deckt, daß er nicht aus unbezahlter Arbeit stammt. Erstens, weil der Geldgeber einen Anteil am Produktionsertrage in Anspruch nehmen darf, zweitens, weil er sein Geld hingibt. und drittens, weil durch diese Hingabe die Produktivität gesteigert wird.- Die beiden ersten Gründe haben nur insofern einen gewissen Kuriositätenwert, als sie beweisen, welchen volkswirtschaftlichen Blödsinn eine konservative Zeitung ihren Lesern vorsetzen darf, ohne der allgemeinen Lächerlichkeit zu verfallen. Inwiefern ergibt sich denn daraus, daß heute nach Recht und Brauch der Geldgeber für sein Geld Zinsen oder. wie die„Kreuzztg." sagt, einen Anteil am Produktionsertrage beanspruchen kann, der Beweis, daß diese Zinsen nicht aus unbezahlter Arbeit stammen? Es ist wieder das absolute Un- vermögen, zwischen Rechts, und ökonomischen Fragen zu unter- scheiden, das hier zum Vorschein kommt. Es handelt sich zunächst gar nicht darum, ob der Kapitalprofit und das Kapital rechtlich oder sittlich anfechtbar ist, auch nicht, ob der Kapitalist etwas darf oder nicht darf, resp. ob ihm etwas gebührt oder nicht gebührt; es handelt sich einfach darum, wo der Kapttal- Im Kopf des Natiönalökonomen der „Kreu'zzig.", der allem Anschein nach weit mehr Jurist ist als Volkswirtschaftler, schwirren jedoch alle diese Fragen durch« einander— kein Wunder, daß das Resultat der Gedankew Melange schließlich eine heillose Konfusion ist. Bleibt demnach nur der dritte Grund: die angebliche-' Steigerung der Produktivität. Sicherlich kann jemand ohne Kapital keinen Betrieb gründen und führen; man kann also deshalb in gewissem Sinne sagen, das Kapital ist die Vor- bedingnng'der Unternehmertätigkeit; und ebenso ist sicher, daß oft derjenige, der neues Kapital in seinen Betrieb hineinzu- stecken vermag, durch Vermehrung seiner Arbeiterzahl, Ver- besserung der maschinellen Einrichtungen usw. den Pro- duktionsertrag steigern kann z aberwas wird dadurch an dem Verhältnis der Produktions- faktoren zu einander ge-ändert? Dadurch, daß der Unternehmer statt 300 nun vielleicht 400 Arbeiter be- schäfligt, daß er durch Anwendung verbesserter Maschinen die Arbeit intensiver gestaltet, steigt zwar seine Profitmenge, und es mag deshalb vom kapitalistischen Standpunkt als ganz ge- rechtfertigt erscheinen, daß er dem Kapitalisten, der ihm durch' Hergabe von Kapitalien zu solcher Gewinnsteigerung verholfen hat, von dem Mehrertrage etwas abgibt; doch an der Tatsache, daß dieser Gewinn aus der Mehrarbeit, der unbezahlten Arbeit stammt, wird dadurch nichts geändert. Der Unter- schied ist nur, daß jetzt mehr Arbeiter zum Profit beitragen und daß infolge verbesserter Maschinerie ihre Arbeitskrast noch intensiver ausgenutzt wird. Noch wertvoller aO> der obige Passus in der großen Retirade ist jedoch folgende Stelle: „Daß die Arbeiter— worunter die landläufige Agitation aller Ableugnung zum Trotz ja auch immer nur die niederen Arbeiter begreift— im allgemeinen„unbezahlte Arbeit" leisten, ist eben eine Annahme, die erst bewiesen werden soll, und deren Unrichtigkeit nicht etwa wir zu beweisen haben. Daß der „Kapitalprofit" unabhängig von der Vergü- tung der etwaigen eigenen Arbeitsleistung des Unternehmers berechtigt ist, haben wir oben dar- getan. Er ist es a l s Z i n s für die Mitwirkung des Kapitales bei der Produktion, als Unternehmerprofit für die vom„Vorwärts" ja selbst ausdrücklich anerkannten„Lasten und Sorgen", d. h. das Risiko des Unternehmers. Wer den Verlust zu tragen hat, dem gebührt auch der Gewinn. Ob der Bezug von Grundrente ohne eigene Arbeit z u l ä s s i g. ist. hängt davon ab, ob man alles in allem das Privateigentum an Grund und Boden auch für die Gesamtheit der Volkswirtschaft als vorteilhafter ansieht als da? Gesamteigentum: eine Annahme. welche die bisherige EntWickelung aller Kulturstaatcn bestätigt hat." Resümieren wir: der Lkapitalprofit, der aus Zins und Unternehmerprofit besteht, ist nach eigenem Eingeständnis der „Kreuzztg." keine Vergütung für die eigene Arbeitsleistung des Unternehmers, er ist unabhängig davon; er wn demnach auch nicht aus der Arbeit der Unternehmer stammen.-- Woher kommt er aber dann? Das wissen die Gelehrten ber „Kreuzztg." nicht. Sie wissen nur, daß er irgendwo her- stammen muß— aus dem einfachen Grunde, weil er da ist: Nur das eine kann nach ihrer Ansicht nicht richtig sein, dasi e. aus„unbezahlter Arbeit' stammt— allerdings bewcifer können sie auch dies nickst; sie lehnen es vielmehr bescheidin ab, die Unrichtigkeit der gegenteiligen Marx scheu Lehre nachzuweisen. Und die Grundrente? Für deren Berechtigung weiß dos feudale Blatt keinen anderen Grund, als daß nun einmal daS Privateigentum an Grund und Boden existiert. Mit anderen Worten: die Grundrente ist deshalb berechtigt, weil sie nun einmal da ist und den großgrundbesitzenden Hintermännern der„Kreuzztg." nützt. Auch ein Argument! Auf die nochmals von der„Kreuzztg." erörterten tief« gründigen Fragen einzugehen, ob die Herstellung„klassischer Bauten" zur Warenproduktion gehört, ob Goethe ein Unter- nehmer war und inwieweit sich die Tätigkett eines Schlachten- lepkers mit der eines industriellen Unternehmers vergleichen laßt, müssen wir leider aus Rücksicht auf den heutigen Raum unseres Blattes verzichten, so spaßig die Deduktionen des Hammersteinschen Blattes auch sind. Nur den grandiosen- Schluß, mit dem die„Kreuzztg.", um ihre Blamage zu ver« decken, ihre Artikelserie endet, wollen wir unseren Lesern nicht' vorenthalten. Er lautet: „DaS Verdrehen ist eben dem„Vorwärts" und Genossen" zur zweiten Natur geworden. Mögen sie aber unferthalben in der bisherigen Manier uns anfallen so oft sie wollen: wir können dem mit voller Gelassenheit entgegensehen und werden uns durch Unwahrhaftigkcit und Gehässigkeit nicht abhalten lassen, ihnen, sobald sie es wieder einmal gar zu arg treiben sollten, ganz gehörig auf die Finger zu klopfen." Das feudale Blatt erfreut uns hoffentlich recht bald durch weitere Exkurse-auf das theoretisch-volkswirtschaftliche Gebiet.. Wer bei der: Fingerklopferei dm kürzerm zieht, wird sich zeigen._ politifcbe acbcrficbt. Berlin, den 28. Apri Stinkwagen nnd Singvögel. Der Reichstag beschäftigte sich heute zunächst i' erster Lesung mit dem Gesetzentwurf zur Verschärfung der Hftpflicht der Automobile, die in Zukunft gleich den Eisenk>-;nen bis zur Grenze der höheren Gewalt jeden durch sie rrursachten, vom Verletzten nicht selbst verschuldeten Schaden getzen sollen. Leider ist der Gesetzentwurf— einen so erfreuliche Fortschritt dieser Gruüdgedanke bringt— in den Einzelbten gegen die hochherrschaftlichen Automobilbesitzcr noch viel.u rücksichtsvoll. Genosse Stadthagen protestierte im Namen unserer Fraknon mit aller Entschiedenheit dagegen, daß ma- den Opfern der Automobile, vor allem den Chauffeurer der Grafen und Kommerzienräte jeden Schadenersatzanspr») verweigern will, und daß man durch eine sonderbare Defftion des Wortes Be- ttiebsuntcrnehmer die Schadenersatzpflil vielfach auf leistungs- unfähige Personen abzuwälzen gestst hat. Neben diesen positiven Mängeln ist an dem Getzentwurf besonders zu tadeln, was nicht dann steht, aber-n dem von der sozial- demokratischen Fraktion eiugebrackn Gesetzentwurf enthalten ist. nämlich die Bildung ein« Zlvangsgenosseuschast der Automobilbesitzer, die allein ,s dem Verletzten ersparen könnte, nach einem obsiegen»- prteil nichts zu erhalten. Aus Gründen, die sie uftlst kennen weiß und von denen selbst die bürgerlichen Redn nicht unternchtet waren, will die Regierung die notwe'ige Schaffung dieser Haftpflicht- genossenschnft auf die»'w' Bank schieben. Der Staats- sekretär Dr. Niebcrdim mußte den Schmerz erleben, daß seine Vorlage von mcr einzigen Partei unbedingt zu- stimmend aufgenommen wurde. Wenn sie auch an Schärfe der Kritik hinter unserem Redner zurückblieben, hatte doch jede von ihnen dieses oder jenes an dem Entwurf auszusetzen. In einer Kommission von 14 Mitgliedern soll sie verbessert und annahmefähig gemacht werden. Der zweite Gegenstand der Tagesordnung, eine schwächliche Erweiterung des V o g e lsch u tz g es e tz es, nahm wider Erwarten noch viel längere Zeit in Anspruch als diese Vorlage. Deutschland hat sich in dieser Novelle zum Vogelschutzgesetz wieder einmal damit begnügt, das Mindestmaß dessen zu leisten, wozu es durch die internationale Pariser Konvention von 1902 ver- pflichtet ist. Genosse Ledebour geißelte mit aller not- wendigen Schärfe diese Rückständigkeit und verlangte vor allem das völlige und unbedingte Verbot des Fanges der 51rammctsvögel. die heute in großer Zahl mit unglaublicher Roheit hingemordet werden, nur um einigen reichen Gourmands einen Gaumenkitzel zu verschaffen. Das fronime Zentrum nahm es auf sich, die Barbarei zu verteidigen. Der frciherrliche Oberförster Wolff-Metternich verteidigte unter dem Schmunzeln der Feinschmecker auf der Junkerseite das einzige Menschenrecht, das er anerkennt, das Recht auf den guten Braten. Und der gräfliche Rohling Bernstorff verstieg sich zu der Behauptung, daß der Krammctsvogel ein Volks- Nahrungsmittel sei und Tausende von Proletariern davon lebten. Unsere Anregung auf Kommissionsberatung fand nirgends Unterstützung, so daß die zweite Lesung der Vorlage im Plenum vorgenommen werden wird.— Am Montag beginnt die zweite Lesung der neuen Steuervorlagen mit der Brausteuer.—_ Die Stichwahl in Darmstadt- Großgcrau. Die Stichwahl ist auf Freitag, den 4. Mai, angesetzt worden. Die Nationalliberalen werben eifrig um die Hülfe der von ihnen bei der Hauptwahl aufs schäbigste, selbst mit Prügeln bekämpften„vereinigten Liberalen". Die haben bis jetzt noch keine Wahlparole ausgegeben, in ihrer Presse außerhalb des Wahlkreises aber macht sich ein buntes Gewirre bemerkbar. Die der Freisinnigen Volks» Partei erweist sich ihrer Vergangenheit würdig, die„Vossische Zeitung" und die„Freie Deutsche Presse" treten heftig für den Reaktionär Dr. Stein ein. Die der Freisinnigen Vereinigung gibt zwar keinen ausdrücklichen Rat, meint aber, daß der Nationalliberale in der Stichwahl kaum siegen werde. Die der Demokraten endlich, die„Frankfurter Zeitung" schreibt entschieden gegen die Unterstützung Dr. Steins, den sie direkt einen Konservativen nennt. Sie gibt auch zu verstehen, daß sie wisse, das Wahlkomitee für Korell könne angesichts des reaktionären Charakters der hessischen Nationalliberalen— ganz abgesehen von ihrer gc- meinen und gewalttätigen Agitation— nicht anders als gegen sie entscheiden. Da verschiedene ihrer Redakteure am Wahl- kämpfe teilgenommen haben, kann sie es wissen. Die „Vossische Zeitung" ist denn auch arg erbost auf die Frank- furterin und erklärt in ihrem Eifer, der nationalliberalen Reaktion Zutrciberdienste zu leisten: „Nun versuche sie es doch, ob sie die Kaufleute und die Hand« werker, die kleinen und die großen Industriellen, die Beamten und die Lehrer für die Sozialdemokratie an die Wahlume zu kriegen vermag. Wir unsererseits sind überzeugt, daß die Feisinnige Bolkspartei, die 1903 für den Professor Dr. Harnack rund 2000 Stimmen auf- brachte, einmütig für Dr. Stein eintreten wird. Das Gleiche erwarten wir von den Mitgliedern der Freifinnigen Vereinigung, soweit sie der alten Freisinnigen Vereinigung angehören. Daran wird auch das Komitee für die Kandidatur Korell nichts ändern, falls es wirklich, wie eine uns vorliegende Zuschrift aus Frank- furt wissen will, zur Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten auffordern sollte." Warten wirs ab, ob die„Vossin" recht hat, ob wirklich der größte Teil der Wähler Korells auf dem Niveau ihrer Politlk steht. Stimmts, so wäre die Aussichtslosigkeit der Versuche zur Wiederbelebung des Liberalisinus erwiesen. as„Offenbacher Abendblatt", unser Offenbacher Partei- cgan. schreibt zu diesem Thema: „Wir haben den„Vereinigten Liberalen" nicht zu raten, wir sehen auch ruhig der Stichwahl entgegen. Mit der Ruhe, aber auch mit dem Interesse, mit dem der Forscher den Ausgang eines „aturwisseilschaftlichen Experiments erwartet. Die Haltung der Dannstädter„Vereinigten Liberalen" wird anzeigen, Ivie künftig die politische EntWickelung Hessens sich vollzieht, zumal unter welche» Formen der Kampf um das hessische LandtagSwahlrecht ausgefochten wird. Fallen die Vereinigten Liberalen Stein zu, dann kann Hehl triumphierend sagen, der Widerstand, den ein Teil der Liberalen noch seiner Politik entgegensetzte, sei völlig überwunden, nur die Sozialdemokratie sei ein ernst zu nehmender Gegner." Die Genossen des Wahlkreises sind eifrig an der Arbeit. Mit vollem Recht verlassen sie sich nur auf sich selbst l— » �» Deiitrcbes Reich. Minister von Budde. Der Telegraph bringt die Meldung, daß heute morgen der Minister der öffentlichen Arbeiten, Hermann v. Budde, im 66. Lebensjahre gestorben ist: eine Meldung, die nach den letzten Nachrichten über den Zustand dcS an einem unheilbaren Leiden (TarmkrcbS) erkrankten Ministers nicht unerwartet kommt. Herr v. Budde ist aus dem Militärstand hervorgegangen. Am 15. No- vember 1851 zu Bensbcrg geboren, erhielt er dort im Kadcttcnhause seinen ersten Unterricht, wurde dann Leutnant, machte den deutsch- französischen Krieg mit, trat dann später zur Eiscnbahnabteilung des Großen GeneralstabeS über und wurde darauf zu deren Ab- teilungschef befördert. Nachdem er inzwischen bis zum General- major aufgestiegen war. schied er 1900 aus dem aktiven Militärdienst aus, um die Stellung als Generaldirektor der Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken zu übernehmen. Nach dem Abgang des Ministers v. Thielen trat er 1902 an die Spitze des Eisenbahn- niinistcriums. An seine Uebernahme dieses Ministeriums wurden damals hohe Hoffnungen geknüpft, die sich jedoch nur zum aller- kleinsten Teil erfüllt haben. Die Fahrt blieb im alten Thielenschen Gleise, nur wurde der zu einem Hemmnis allen Fortschrittes ein- gerissene BureaukratismuS etwas gemildert. Auch führte Budde einige WohlfahrtSeinrichtungen, sowie zu Anfang diese? Jahres den neunstündigen Arbeitstag für die Arbeiter der Eisenbahnwerkstätten ein, zeigte sich aber sonst als entschiedener Gegner aller politischen und gewerkschaftlichen Bestrebungen der Arbeiter. Besonders hat unsere Partei mit ihm manchen Strauß auszukämpfen gehabt. Zur AuSwcisimgSschmoch. Wie wir hören, hat die p o l i t i s ch e Polizei in den letzten Tagen wieder ganze Serien von AuSweisungS- befehlen losgelassen z die Betroffenen sind zum Teil seit vielen Jahren hier ansässig, einige stehen mitten im Examen. Auch ganze Familien sind wiederum nicht verschont geblieben. Auf besonders gravierende Einzelheiten werden wir noch zurückkommen, nur das sei heute noch bemerkt, daß keiner der neuen„Schnorrer und Ver» schwörer" sich das geringste hat zuschulden kommen lassen, und daß auch hier wieder die 18. März-Versammlungen eine be« sondere Rolle spielen sollen. Wie. weit will die Polizei die Er- niedrigung Deutschlands vor der zivilisierten Welt treiben? Quousque tandem? fragen wir. Das deutsche Bürgertum aber schweigt und deckt die Schmach noch immer.— Rußland expatriiert l In Rußland wird jetzt den„Ver- dächttgen" vielfach offiziell die Wahl gestellt, sich entweder nach Sibirien verschicken zu lassen oder aus Rußland dauernd zu ver- schwinden. Offenbar fürchtet man die sibirische Revolution, und will ihr keine neuen Kämpfer zutreiben. Vielleicht ist aber in dieser neuen Praxis die Anerkennung zu finden, daß für die Expatriierten Preußen nicht besser ist als Sibirien für die Verbannten— was, wie die letzten Monate zeigen, den Nagel auf den Kopf treffen würde. Jedenfalls schärft diese ExpatriierungSpraxis für daS Deutsche Reich die Pflicht, sich ohne Verzug zu einem zivilisierten Ashlrecht zu bekehren.—_ Zur ReichStagswahl in Hainiover-Lindr». Die Nationallibcralen haben jetzt auch einen Kandidaten gc« funden, den Senator F i n k- Hannover, der für die Stadt Hannover auch Landtagsabgeordneter ist. Am Freitagabend wurde er auf- gestellt. Senator Fink war schon 1893 Kandidat dieser Partei, lehute aber 1903 die undankbare Aufgabe, Durchfallskandidat zu sein, ab. Nun er bei der Nachwahl im vorigen Jahre Landtagsabgeordnetcr geworden, konnte er schon aus Dankbarkeit für das„viele Vertrauen" diesmal nicht„Nein" sagen. Eine Unterstützung ist den National- liberalen schon zugesichert. Der. Skatklub Eugen Richter" will die Nationalliberalen eifrig unterstützen mit seinen 727 fleisinnigen Stimmen. Die Nationalliberalen erzielten bei der letzten Wahl 10 941 Stimmen gegen 29 381 sozialdemokratische. Eine Klärung, wie die Mittel st andsvereinigung sich verhält, lvird nun wohl auch bald erfolgen. Die Nachricht, daß Eisenträger aufgestellt ist, scheint nur eine Reportcrnotiz für auswärtige Blätter gewesen zu sein. Hannoversche Blätter berichten, daß der Vorstand der Mittelstands- Vereinigung keinen Kandidaten aufstellen will. Das Zentrum, das 1903 erstmalig einen Kandidaten normierte, und 2907 Stimmen erhielt, will dem Weifen zum„Siege" verhelfen. Die Situation ist so, daß diesmal nur drei Parteien gegen fünf im Jahre 1903 sich mit folgenden Kandidaten um das Mandat bewerben: Sozialdemokraten: Verbandsvorsitzender August Brey. Weifen: Rechtsanwalt v. Dannenberg. Nationalliberale: Senator Fink. Die Nationalliberalen und der mit ihnen verbündete.Skatklub Eugen Richter" wollen oder müssen sich der Hülfe des Reichsverbandes bedienen, vielleicht weil sie sonst kaum bcinerkbat auf- treten können.—•_ Des BreSlaucr Polizeipräsidenten Meinung öder daS Blutbad. In Nr. 32 der soeben erschienenen„Notizen für die BreSlauer Polizei- beamten" ist folgender Erlaß zu lesen: An die Schutz nr annschaft. Mit besonderer Befriedigung habe ich davon Kenntnis ge- nommen, daß die Schutzmannschaft bei der Unterdrückung der tumultarischen Ausschreitungen am 19. d. Mts. auf dem Striegauer Platze»nd den angrenzenden Straßen mit großer Umsicht und Entschiedenheit vorgegangen und daß es lediglich diesem llnistande zu danken ist, ivenn lveitere Exzesse unter- blieben sind. Für dies tatkräftige und besonnene Verhalten spreche ich hiermit dem Herrn Kommandeur der Schutzinannschaft, den beteiligten Herren Polizeiinspeltorc» und Konimissarcn, sowie allen übrigen beteiligten Exekutivbeamten meine vollste Anerkennung auS. Breslau, den 22. April 190(5. Der" Polizeipräsident. Dr. Bienko. Von der„Umsicht" und dem„besonnenen" Verhalten der Schutz- Mannschaft zeigt neben vielen anderen Tatsachen besonders cindrucks- voll die auf der Innentreppe eines Hauses abgehackte Hand! Ob der Herr Dr. Bienko davon nichts weiß...? Oder hält er die-Verfolgung Flüchtender in die Häuser und die B e- arbeitung der Flüchtenden in den Häusern mit dem Säbel für umsichtig und besonnen? Dann reden die Ar» beiterschaft und die Polizei nicht mehr dieselbe Sprache! Personeutarifreform. Nachdem jüngst verkündet wurde, dke Reform der Personeutarife hätte einige weitere Fortschritte gemacht, scheint jetzt wieder ein Zu- stand der Stagnation eingetreten zu sein. Wie der„Schwäbische Merkur" erfährt, stehen der Personentarifreform auch abgesehen von den noch schwebenden Detailfragen Schwierigkeiten erheblicher Art entgegen. Die oldenburgische Regierung hat sich bis jetzt nicht dazu entschließen können, die in Oldenburg nach dem Vorbild Württembergs eingeführten Landeskarten mit Einführung der Tarifreform aufzuheben. Falls die oldenburgische Regierung nicht zu diesem Entschluß gelangen sollte, würde voraussichtlich auch in Württemberg die Beseitigung der LandcSkarten in Frage gestellt, und dann würden wohl auch andere Eisenbahnverwaltuiigen zur Aufrcchterhaltung ihrer Sondereinrichtungen veranlaßt werden. Dies würde aber eine weitere Durchbrechung der bereits durch das Vor- gehen von Bayern und Baden beeinträchtigten Einheitlichkeit der Reform bedeuten._ Frauen in der Verwaltung. Unter den außerordentlichen Mit- gliedern dcS badischen LandesgewerbeschulrateS, welche soeben auf die Dauer von drei Jahren ernannt wurden, be- findet sich zum erstenmale eine Vertreterin deS weiblichen Geschlechtes, die Frau deS Landtagsabgeordneten und Obcrschulrates R e b- m a n n. Der Arbeiterstand ist in diesem Kollegium vertreten durch den Parteigenossen T a p p e r t, Schreinergeselle in Karlruhe. Berichtigung. In unserem gestrigen Leitartikel muß eS Spalte 1 Zeile 20 von oben heißen:„freisinnige Presse", statt„leitende Presse". Der vorletzte Absatz ist verstümmelt: er muß lauten:„Die Sicherung... stand aus Veranlassung unserer Fraktion... zur Debatte". /Zuvlanck. Ungarn. Bor Torrsschluß. Die schwarz-grüne Jntereffengruppe hat daS ganz« Land unter sich aufgeteilt, indem sie in den Wahlbezirken nur solche Vertreter kandidieren läßt, die ihr Zentralwahlausschuß gutgeheißen hat. Dessenungeachtet dürfte die nach Alleinherrschaft lechzende Koalition im Parlament kaum ohne Opposition bleiben; denn wenn die Zeichen nicht trügen, wird sie in fast allen Bezirken heiße Wahlkämpfe durch» machen niüssen. Sogar unsere Genossen erscheinen— was nicht vorauszusehen war— in Südungarn als ernste Feinde der Koali- tionssippe. Daß die Behörden diesem Umstände zufolge schändlich vorgehen, ist selbstverständlich. Daß aber die„große" Regierung, die den Wahlkampf unter der Parole„Nationale Demokratie" auf- nimmt, jeden Schurkenstreich der Bezirksbehörden gutheißt, das liefert wiederum den Beweis, daß die Ankündigung unerbittlichen Kampfes seitens unsever ungarischen Genossen gerechtfertigt ist. Sämtliche Mitglieder der Regierung haben bereits vor Wähler« deputationen oder in den Bezirlen Programmreden gehalten. Doch wieviel Mitglieder das Kabinett zählt, so viel verschiedene Aeuße- rungen kann man über das allgemeine Wahlrecht verzeichnen. ES ist wirtlich charakteristisch, daß ein jeder Minister bloß als Ab- geordnetenkandidat oder als Mitglied seiner parlamentarischen Partei sprach, was stets besonders betont wurde! Dieser Umst läßt aus einen weiteren Bolköbetrug schließen; denn daß Kabinett erst im Parlamente sein Programm verkünden will, � ist eine faule, aber begreifliche Ausrede, da ja das eventuelle vo feindliche RcgicrungSbekenntniS einen großen Einfluß auf i Ausgang der Neuwahlen haben würde. Von den Feudal-Klerikalen erwartet das Volk rein gar nid Daß aber auch die Kossuthpartei ihre Popularität aufs Spiel s, ist jetzt zweifellos. Kossuth behauptete stets, daß das allgemc gleiche und geheime Wahlrecht die Hauptforderung seiner Partei Wenn dies wirklich der Fall wäre, so dürfte es nicht vorkomm daß eine bedeutende Zahl seiner Gesinnungsgenossen entschic gegen daS allgemeine Wahlrecht Stellung nimmt. Trotzdem dul Franz Kossuth sie, ja er erklärt sie sogar als offizielle Kar baten seiner Partei, obwohl die treuesten Anhänger seines Bat ihn auf sein verfehltes politisches Wirken aufmerksam macht Aber das nützte nichts. Sein einziger Wunsch war stets: Minij zu werden, und dieser Wunsch ging in Erfüllung. Was mit. Politik seines Vaters geschieht, ist ihm gleichgültig. Besonders ist noch das Verhalten der Siebenbürgcr Sachsen verurteilen, deren Kandidaten auch nicht einstimmig für das all meine Wahlrecht eintreten. Die„guten Sachsen", die stets gcc den magyarischen Chauvinismus gekämpft haben, erklären sich ni mehr mit dieser Regierung solidarisch! Wie lange diese Freu schaft dauern wird, darauf darf man wirklich neugierig sein. Mit um so größerer Begeisterung verfolgt daS Volk unter die Umständen die Programmredcn unserer Genossen. Die Zcntr ortschaftcn der Wahlbezirke gleichen einer Pilgerstätte. Welche Erfolge die enorme Agitation unserer Genossen erzh das wird der Ausgang der bevorstehenden Wahl sogar unter d elenden ungarischen Wahlsystem zeigen. Frankreich. Paris in, Fieber. Die Schlottsrangst, die Frankreichs Spießbürger und Rcgierun; leiter ergriffen hat, wurde gestern von uns in kurzen Zügen, schildert. Zur Angelegenheit der Haussuchungen lief am Tonnabe auS Paris eine Nachricht ei», die— wenn sie sich als wahr heran stellt— die zitternden»nd bebenden Haussucher lächerlich zu mach geeignet ist. Nationalistische Blätter behaupten nämlich, die Poliz habe bei einein Pariser Professionsbettler eine Schnorrliste m Adressen wohltätiger Leute entdeckt. Diese Liste wurde als ei großartiger„Fund" angesehen, und die auf ihr verzeichneten Hann losen Wohltäter mußten zu ihrer Ucberraschung die Polizei in hellen Haufen anrücken sehen und sich die Durchschnüffelung ihrer Wohn- räume gefallen lassen l So ähnlich dürften sich wohl bald die grausigen BeHmiptungev von der Entdeckung geheimer Umtriebe und Verbindungen, Plan zum Sturz der Regierung, Proklamationsentwürfe an Heer m Volk usw. als Hirngespinste vom Verfolgungswahn gepackter Acng linge entpuppe». Jedenfalls wird die Polizei und die Regierung von Stunde � Stunde nervöser: Man überwacht die Arbeiterversammlungcn auf peinlichste, man verhaftet und hauSsucht engroS, ja— die Regier»» ließ sogar an cher belgischen Grenze ein in Brüssel erscheinende illustriertes Blatt beschlagnahmen, Iveil es ein Bild enthält, das- allerdings recht geschmacklos-- a la Scherls„Woche"„Paris mi Straßenkämpfen und Krawallen an: 1. Mai" darstellt I An Truppen hat man allmählich gegen 100 000 Mann in Pari zusammengezogen, sodaß Frankreichs Hauptstadt am Dienstag tai sächlich ein ebenso lauzen-, kanonen» und gewehrstarreudes Aussehe haben wirb wie Berlin am 2l. Januar d. I. Damals machte mo sich in Frankreich mit Recht über uns lustig, jetzt werden«vir d französischen Regierung diesen Spott mit Zinses-Zinsen zurückzuzahl: haben.— Italien. Ein fetter Happen. Mailand, 28. April.(B. H.) Das Blatt„Sera" teilt mit, da der Grncralvikar der Jesuiten die frühere Kaiserin Eugemc ver anlaßt habe, ihr ganzes Vermögen in: Gesamibelrage vor 250 Million«: Frank dem heiligen Stuhle zu vermachen. Da Testament soll sich bereits in den Händen der Jesuiten befinden.- Türkei. Konflikte. Der„kranke Mann", der nicht leben noch sterben kann, keifte sich gleich zwei politische Konflikte auf cimnall Erstens einen Grenz- streit mit Pcrfien, bei den: cS sich darun: handelt, ob P a f f o b a l als türkisch oder als persisch zu gelten habe, dann aber einen Kon flikt mit England, bei dem Grenzstreitigkeiten in Aegypten eine Rolle spielen. Englische Jingo-Blätter behaupten, die Pforte würde nicht den Mut haben, Englands Wünschen so energisch Widerstand zu leisten, wem: nicht Deutschland von hinten herum den Suttan zum Widerstand anfeuerte I?— Die Revoltttion in Rußland. Die Wahlen Unaufhörlich laufen neue Wahlresultate ein, sodaß sich eine einigermaßen Übersichtliche Gruppierung nach Parteischattieruugen noch nicht geben läßt; doch scheint eS, daß die„Konstttionell- Demokraten' f„Kadetten) große Fortschritte machen.— Wie du Volkskontrolle der Duma-Sitzungen beschaffen sein wird, davor kann man sich ein Bild machen, wenn man folgende Depesche liest: Petersburg, 28. April. sB. H.) Alle Journalisten, welche den Sitzungen der Reichsduma beiwohnen wollen, müssen sich bei der Polizei Erlaubnisscheine ausstellen lassen, welche mit ihrer Photo- graphie versehen sind l Die Amnestieftage ist vom Ministerrate„auf«nvestimntte Zeit Vertagt' worden; dafür aber will Nikoläuschcn— wie verlautet— am Tage der Eröffnung der Duma mehreren hundert wegen politischer Vergehen Verurteilten die Strafe ganz oder teilweise durch Gnadenakt erlassen. Noch eine Anleihe? Das russische Blatt,„Das 20. Jahrhundert" behauptet: In nächster Zeit solle noch eine Anleihe aufgenommen werden. Diese Mitteilung wird von der„Petersburger Telegraphen- Agentur" sofort und mit verdächtigem Eiser dementiert; aber wenn man die Berichte von der ungeheueren Arbeitslosigkeit in ganz Rußland liest, wenn man liest, daß die russische Regierung sich trotzdem gezwungen sieht. Tausende von Arbeitern au? den Staatswerkstätten zu entlassen, so muß man einsehen, daß der Zarismus seinen Bankrott nur hintanhalten kann, wenn ihm eist neuer Riesenpump gelingt. Gapon. Die ungeheure Arbeitslosigkeit in Rußland, die Duma-Komödie — nichts interessiert die bürgerliche Presse im Augenblick; sie hat wichtigere Dinge zu melden; denn Herrn Gapon bchagt eS wieder einmal, von sich reden zu machen. Kaum hieß es, er sei ermordet, da verlautete schon wieder: er sitze in irgend einem Kloster. Und nun plötzlich soll er sein Domizil gar nach— Berlin verlegt haben! Ueber die romanhaften Ncbenumstände, die zusammen mit der Er» Zählung dieses neuesten Gapon-SchwindelS kolportiert werden, haben wir nichts zu berichten; denn schließlich gibt es Wohl Wichtigeres zu tun als— nach Art der Scherl und Konsorten— allen Winkelzügen des effekthafcherifchen Herrn Gapon zu folgen und ihn zu einer„Größe" zu machen, für die er nicht die mindeste Veran- lagung zu haben scheint» Hus der Partei. Eine imposante Protcsiversamiiiliing gegen die BreZlauer Polizei- en fand, wie wir schon kurz meldeten, am Donnerstag abend in ille a. S. statt. In Schaaren waren die Arbeiter und Arbeite- neu herbeigeströmt, um den Ausführnngen des Genossen Zimmer- eslau, der die Straßenschlacht nnt erlebt hat, zu lauschen. Die �konservative„Hallesche Zeitung" hatte die Unverfrorenheit be- en, die Behörden aufzufordern, die Versammlung nach dem Bres- er Beispiele e i n f a ch zu verbieten. Ein' Gefii hl des Ab- .us und der Entrüstung ging durch den überfüllten Bellevuesaal, dem nach dem Fall des Sozialistengesetzes der erste Parteitag itfand, als der Genosse Zimmer die Ordnungsrettung brandmarkte, d stürmischer Beifall brauste durch den Saal, als'gesagt wurde, Z Arbeiterblut dürfe nicht umsonst geflossen sein! Die Versamm- lg bekundete den Vrcslauer Blutopfern das lebhafteste Mitgefühl d nahm eine Protestresolution gegen die Polizeitaten an. In der M ü n ch e n e r Polizei hat die Breslauer Schutzmann- rft eine gleichgestimmte Seele gefunden. Denn aus einem Plakat, S zu einer Versammlung der Münchener Metallarbeiter einladet, d die Worte: Blutbad in Breslau, das Mas s a k e r Breslau und Scharfmacherei von Behörden von : polizeilichen Zensur gestrichen worden.— Das Wachstum der Organisation. Der sozialdemokratische Ver- � für Breslau gedeiht bei der allgemeinen Hetze gegen die lzialdemokratie ganz kräftig. Während'im ganzen Jahre l'vOS der rein 1600 neue Mitglieder gewann, beträgt die Zahl der seit fang des JahreS 1306, als», seit nicht ganz vier Monaten, neu- oonnenen Mitglieder bereits jetzt 26291 Seit Anfang 1903 sind o 4200 Mitglieder gewonnen worden. Der Verein zählt jetzt thin KK39 zahlende Mitglieder. Bei den Stadtucrordnctcncrsaliwahlen der 3. Abteilung in Herne .ihrrevier), die am 23., 26. und 27. April stattgefunden haben. fielen auf die Kandidaten der Sozialdemokratie 817. 730 und l Stimmen. Zwei Bürgerliche sind mit 1347— 1284 Stinimen wählt. Der Genosse Henck konimt mit einem Bürgerlichen, der 7 Stimmen erhielt, in die Stichwahl. Die Sozialdemokratie hat .t 1304 über 200 Stimmen zugenommen. Einen recht unglücklichen Angriffspunkt auf den„Vorwärts" at sich unser Bielefelder Parteiblatt, die„Volkswacht", ausgesucht, ndein sie folgende Notiz veröffentlicht: „Wo bleibt die Konsequenz? Die„Neue freie Volksbühne" in Berlin ist von der Partei boykottiert worden, weil sie nicht davon absteht, die der Partei nicht zur Verfügung stehende„Phil- Harmonie" zu ihren künstlerischen Aufführungen zu benutzen. Man braucht mit dieser Maßregel nicht einverstanden zu sein, wir sind es z. V. nicht, aber respektiert muß der Beschluß der Partei werden, wozu hätten wir denn sonst eine Parteidisziplin. Da verstehen wir es nicht, daß der„Vorwärts" eine Kritik über die Bcethovcn-Feier in der„Philharmonie" bringt, und daß sogar in dieser Kritik die„Neue freie Volksbühne" zu diesem Abend auf- richtig beglückwünscht wird. Dadurch wird der Boykott zur reinen Komödie." Für diesen Angriff auf den„Vorwärts" fehlt jede Unterlage, enn eine Kritik über die Beethoven-Feier der„Neuen freien Volks- ühne" in der„Philharmonie" hat ini„Vorwärts" gar nicht ge- anden. Sollte die Bielefelderin in ihrem Eifer, unserni Blatt etwas nzuhängen, eine Besprechung der am 2. April in der„Neuen Welt" bgehaltenen Beethoven- Feier des Berliner Volks chors mit der >n der„Neuen freien Volksbühne." arrangierten verwechselt haben? ann aber kann der„Volkswacht" der Vorwurf der Leichtfertigkeit cht erspart werden! polireilicbes, OcrichtHchea ufw. Ein neues sozialdemokratisches Organ in der Schweiz. Unsere enossen in dem industriell bedeutenden Kanton Aargau, in dem ber leider die Arbeiterbewegung noch sehr zurückgeblieben ist, geben om 1. Mai ab in Aarau unter dem Titel„Der freie Aargauer" in neues Arbeiterblatt wöchentlich zweimal heraus. Ferner ist die rrichtung eines kantonalen Arbeilersckretariats mit dem Sitze in >adeii beabsichtigt. Freigesprochen wurde in einem BelcidigungSprozeß, den ein i erczeant Friedrich Weng der 2. Eskadron des 1. Schweren Reiter- Regiments zu München gegen den verantwortlichen Redakteur er„Münchener Post" angestrengt hat, vom Schöffengericht der Genosse G r u b e r. Ehre den Polizisten. Wegen höhnischen A n l a ch e n s i n e s Polizisten wurde vom Schöffengericht zu Schwelm Westfalen) der Genosse H o o S ans Gevelsberg zu 20 M. Geld- irafe verurteilt. Er hat das schwere Verbrechen begangen, als am t. Januar ein eifriger Polizist bei der Flugblattjagd einen Schul- ornister und einen Bügeleisenbolzen erwischte. /Zus Industrie und Handel 100 Millionen Darlehen. Eine Anzahl Kaufleute beschlossen in ftter Versammlung, beim Kongreß uni Bewilligung eines Darlehens n bitten, aus dessen Mitteln die hunderte kleiner Geschäftsleute und gewerbetreibender in San Francisco in den Stand gesetzt werden ollen, ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen. Das Darlehen soll 00 Millionen Dollar betragen, mit 2 Proz. verzinst und auf eine ange Frist gegeben werden. Die Versamnilung wählte einen Ver- eeter, der sich nach Washington begeben wird, um mit dem Prä- idenscn Roosevelt zu unterhandeln. Ein feines Geschäft. In der Klage der Charlottenburger Wasser- iverke gegen die Stadt Charlottcnburg hat bekanntlich das Gericht -ugunstcn der Gesellichast entschieden. Die Stadt will nun zuni 1 Oktober d. I. den als G. m. b. H. abgezweigten alten Teil der Wasserwerke übernehmen. Durch ihre Manipulationen hat die Ge- ,'cllschast es fertig gebracht, daß ihr bei dem Geschäft ein Millionen- vrofit zufließt. Die Anlagen der G. m. b. H. stehen mit einem Be- trage von vier Millionen Mark zu Buch. Die Gesellschaft berechnet der Stadt aber einen Erwcrbsprcis von 15 830 000 M. Damit würden die Aktionäre für dieses Jahr einen Gewinn zur Verfügung gaben, der zirka 80 Prozeikt des GciämtaktienkapitalS entspricht. So wird durch das Privatkapital Beute gemacht, auf Kosten der Konsu- mcnten und Steuerzahler. Hibernia. Der preußische Fiskus hatte bcini Amtsgericht in Bochum den Antrag gestellt, die BcrgwerkSgesellschaft Hibernia zu w-rpflichten, die Beschlußfassung über die Genehmigung des Rech. nungsabschlusscs und die Ausschüttung der Dividende au die 6�2 Millionen Mark junge(am 27. August 1904 geschaffenen) Aktien bis zu der Zeit zu vertagen, bis das Reichsgericht in der vom Fiskus erhobenen Anfechtungsklage bezüglich der Rcchtsgültigkeit der jungen gtktien entschieden habe. Das Gericht entschied dem Antrage gemäß. Die Begründung des Urteils steht noch aus. Soziales. Nochmals von einem Postor der Fürsorgeerziehung. Zur Jllustrierimg der liebevollen Tätigkeit deS Pastor Rohr zu Sieversdorf(Kreis Neu-Ruppin) gehen uns fortgesetzt neue durch Zeugen beglaubigte Mitteilungen zu. Im Februar waren vier junge Leute(darunter zwei Mädchen im Alter von 17 Jahren) wie es scheint infolge der Prügelpädagogii des Pastors ausgerückt. In Neustadt an der Dosie wurden sie voO dem Pastor und den Bauern Äuqust Böhl und Wilhelm Schröder eingeholt. Die vier Fürsorge- 'öqlinge wurden an den Wagen gebunden. Unterwegs back- »feiste' der Pastor. In Sieversdorf erhielten dann die Mädchen je 15 Hiebe mit einem Rohrstock, die beiden Knechte je 23 Hiebe mit einer Weidenrute auf das Gesäß,__ Ccrontp. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: Abgesehen von der Prügelmethode des Herrn Pastor ist m Siebersdorf noch ein System der Bestrafiing durch den Lohnabzug von den geringen Löhnen in Uebung. Die' Strafgelder sollen für ein Armenhaus verwendet werden. Eine derartige Behandlung von armen Waisen und Fürsorge- zögliugen erfordert schleimiges behördliches Einschreiten. Schleuniges Einschreiten ist umsomehr geboten, als der Pastor junge Leute, die seiner Fiirsorgctätigkeit zugeschaut haben, in einer so eigenen Weise ermahnt, daß Zeugen die Mahnungen als Beeinflussungen zur Ab- kehr von der Wahrheit auffassen. Zugegeben werden muß leider, daß solche geschilderte Fürsorge- tätigkeit nicht vereinzelt dasteht. Den Stöckerblättern„Reich" nnd „Slaatsbürger-Zeitniig", die freilich über den letzten von uns ge- schilderten Fall noch nicht berichtet haben, mag der Fall eines Pastors in Eriniieriuig gerufen werden, dessen Mißhandlungen seinerzeit ähnliches Aufsehen, wie die durch Pastor Rohr geübte Tätigkeit hervorriefen. Es betraf da? einen Pastor Rhode in Verden. Auch in diesem Falle schritt vorab die Behörde nicht ein. Sie wurde dann zum Einschreiten gezwungen, als sich durch junge Erdenbürger herausstellte, daß der Pastor in Verden seinen sexuellen Einpfindungen nicht nur durch Verprngeluiig seiner Obhut anvertrauten Kinder,, sondern auch durch intimsten Geschlechtsverkehr nach- gegeben hatte. Der Pastor wurde dann zu Zuchthausstrafe ver- urteilt. Der Fall des„zur Zucht" prügelnden Pastors Rhode beweist, sofern es noch eines Beweises bedarf, daß das Hinaus- prügeln jeder Selbständigkeit an Erwachsenen oder fast Erwachsenen die armen Getroffenen zu willenlosen, selbst Verbrechen gegenüber widerstandslosen Menschen zu machen vermag. Darf das Zweck einer Fürsorgeerziehung sein? Schleunigste Abhülfe der Sievcrsdorfcr Mißstände verlangen wir im Interesse der armen, elternlosen Kinder, deren Behandlung und Ausnutzung himnielschreiend ist. GerverK fd�aftlicbea. Berlin und llmgegenck. Die Knhneuiänner und die Maifeier. In einer Reihe von Betrieben, die dem Verbände Berliner M e t a l l i n d n st r i e l l e r angehören, haben die Arbeiter niit großen Majoritäten beschlossen, sich diesmal einmütig durch Arbeitsruhe an der Maifeier zu beteiligen. So u. a, in den A. E. G.-Werken der Brunnenstraße und von Ober-Schöneweide, bei K e y l i n g u. T h o m a s, im Deimler- Werk zu Marienfelde und bei der Firma Bergmann, Werk Oudenarderstraße. Selbstverständlich blieben diese Be- schlüsse den Kühncmäunern nicht unbekannt, und sie pflogen daher weisen Rats, wie sie den maifeiernden Arbeitern gegen- über wohl ani besteil ihren bekannten Herrenstandpunkt zum Ausdruck zu bringen vermöchten. Die Frucht ihrer Beratungen war ein Maßregelungsukas, wie er sich in folgendem Fabrik- anschlag der A. E. G.-Werke widerspiegelt: Bekanntmachung! Auf Beschluß des Verbandes Berliner Mctalliiidiistricllcr machen wir hierdurch bekannt, daß in allen Betrieben des Verbandes, also auch in den unsrigen, am 1. Mai wie gewöhnlich gearbeitet wird und daß Arbeitnehmer, loclche am 1. Mai ohne g e- nügende Entschuldigung von der Arbeit fern bleiben oder die Arbeit vorzeitig verlassen, damit entlaffc» sind. Ncucinstcllung Ausgeschiedener findet nicht vor Montag, den 7. Mai, statt. Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft. Aehnliche Anschläge sind auch in den anderen Betrieben erfolgt. Hoffentlich lassen sich die Kühnemänner darüber belehren, daß die Teilnahme an der Maifeier eine durchaus g e- nügende Entschuldigung für die Arbeitnehmer ist, am l. Mai der Arbeit fernzubleiben. Wo die großen Kühnemänner so schneidig vorgehen, da dürfen die kleinen natürlich nicht fehlen. Und so leistet sich der Vorstaud der Schiiiiede-Jnuung den folgenden Herzens- ergllß an seine Mitglieder, den wir bereits eher zu veröffcnt- liehen in der Lage sind, ehe ihn die Schmiedemeister in die Hände bekommen. Das Ding lautet: Achtung!— Mitteilung.— Achtung! Die außerordentliche Generalversammlung der Berliner Schmiede-Jmimig vom Freitag, den 27. April d. I., hat ein- stimmig beschloffen,„fich durch NameiiSunterschrift zu verpflichten, diejenigen Geselle», welche am 1. Mai d. I. dir Arbeit nicht auf- nehmen, sofort zu entlassen." Wir appellieren an die Ehrenhaftigkeit aller Kollegen, namentlich an diejenigen, welche verhindert waren, die Versammlung zu be- suchen, sich diesem Beschlüsse zu fügen. Es wird serner ersucht, diejenigen Gesellen, welche die Arbeit am 1. Mai niederlegen oder feiern, sofort beim Obermeister namhaft zu machen. Diese Ihre Unterschrift— welche Sie gest. ans beifolgender Karte geben wollen— soll Zeugnis werden und eine Kraftprobe der Meisterschaft sein, daß wir nicht länger gewillt sind, allen solchen unerhörten Forderungen der Gesellen ferner noch Gehör zu schenken resp. Folge zu leisten. Wir bitten nochmals unseren Beschluß durch Vollziehung ihrer Unierschrift auszuführen und die Karte vor_ dein 1. Mai zurückzusenden. Falls diese Karte nicht zurückgesandt werden sollte, muß leider angenommen werden, daß Sie fich diesem Beschluß nicht fügen. Mit kollegialischem Gruß Berlin. 28. April 1906. Der Vorstand. I. A.: F. W a r n ck e. Obermeister. Wir wollen dem nur hinzufügen, daß die organi- s i e r t e n Schmiede jüngst e i n st i m m i g � b e- schlössen haben, den 1. Mai durch allgemeine Arbeitsruhe zu feiern. T�er Jnnungsvorstand dürfte demnach wohl über manchen Jnnungsbruder trauern müssen, der es doch lieber vorzieht, seine Gesellen zu behalten, anstatt sie törichterweise wegen der Maifeier zu entlassen. Der Streik in den Norddeutschen Eiswerken dauert unverändert fort. Es ist der Direktion zwar gelungen, eine erhebliche Anzahl Arbeitswilliger anzuwerben, jedoch lehrt der Augenschein, daß der Betrieb nur sehr mängelhaft aufrecht erhalten werden kann. Die Streikenden sind gewillt, sich lieber andere Arbeit zu suchen, als zu den alten unwürdigen Bedingungen wieder in die Tretmühle der Eiswerke zurückzukehren. In diesem Sinne wurde auch in der gestrigen Streikversammlung beschlossen. Achtung! Brauereiarbcitcr! Auf den von der Agitations- kommission an sämtlicke Lagerbierbrauereien Berlins und llmgegend und an einige Weißbierbrauercien gestellten Antrag, denjenigen Kollegen, die den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern gedenken. diese» Tag frei zu geben, haben die Brauereien: Stadt- brauerei. Norddeutsches Brauhaus Grünau, Bötzow, EnderS- Weißensee und Weißbicrbrauerei H i l s e b e i n geantwortet. Die Antworten lauteten im allgemeinen dahin, daß den darum nachsuchenden Kollegen der 1. Mai freigegeben werden solle. Die Betriebsleitung der Brauerei Bötzow will die ein- gehenden Urlaubsgesuche ftir den 1. Mai soweit berücksichtigen, als es bei Vermeidung einer Störung des Geschäftsbetriebes möglich ist. Die Ringbrauereien haben mit Ausnahme der Xh. Glocke. Berlin. Druck u.Verlag: VouvärtsBuchdr.u.Berlagsanstalt Brauerei Bötzow den Antrag gar nicht beantlvortet. Die Per« trauciismänner, welche von der Agitationskommission den Auftrag erhielten, außerdem noch persönlich bei den Betriebsleitungen betreffs Freigabe des 1. Mai vorstellig zu werden, erhielten durchgehendS die Antwort: So lange der Verein der Brauereien den 1. Mai nicht freigibt, wird am 1. Mai gearbeitet. Einige Antworten stehen noch aus. Kollegen! Versucht so viel wie möglich, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern und besucht zahlreich die am 1. Mai, vor- mittags 10 Uhr bei Buggenhageu am Moritzplatz stattfindende Versammlung der Nahrungs- und Gemißmittelbranche. Die Agitationskommission der Brauereiarbeiter. An die Arbeiter der Nahrungs- und Gemißmittelbranche, Tabakarbeiter, Bäcker, Schlächter usw.! Den Arbeitern obiger Branchen hiermit zur Nachricht, daß die diesjährige M a i- V e r s a m m l n n g nicht wie seit zirka vierzehn Jahren in der Weber st r. 17 stattfindet, sondern am Dienstag, den 1. Mai, vorn: ittags 10 Uhr bei Biiggenhagen(Parterre-Saal) am Moritzplatz. Gleichzeitig ersuchen wir alle Kollegen und Genossen der obigen Branchen, auf diese Uinänderung aufnierksam machen zu wollen, damit unliebsame Irrtümer vermieden werden können. Die Kommission. I. A.: Karl Butry. Oeutkches Reidt. Achtung! Velten i. d. Mark. Anläßlich der Maiseier Haben die Veltener Ofenfabrikanten beschlossen, sämtliche in den Betrieben Be- schästigten bis auf weiteres auszusperren. Zuzug von Töpfer», Hülfsarbeitern und Kutschern ist streng fenizuhalten. Der Streik im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau. Zeitz, den 27. April.(Eig. Ber.) Die Streikenden haben diese Woche bereits in größerer Anzahl Arbeit in benachbarten Städten und Ortschaften angenommen. Eine weitere Anzahl ist in andere Berufe übergetreten. Täglich treten weitere Arbeitsangebote an die Leute heran. Das Frühjahr mit seinem Mehrbedarf an Arbeitskräften kommt sehr gelegen. Hervor- zuheben ist auch, daß die mitteldeutschen Braimkohleiibergleute als tüchtig, fleißig und träftig bekannt sind. Sie find Schachtmeistern und Tiefbauunteniehmern eine äußerst willkommene Hülfe. Wenn es also noch eine Zeitlang dauern sollte, wird ein ganz beträchtlicher Teil der Ausständigen, naturgemäß die Jüngsten, Tüchtigsten und Besten anderweitig untergebracht sein. Anr Sonntag' findet in Halle a. S. eine öffentliche Konferenz der Bergarbeiter statt, in welcher der Streik behandelt wird und zu der die Werlsvertreter und Generaldirektoren Einladungen erhalten haben._ Der Weber streik in Aachen ist endgültig beigelegt. Die Arbeiter- schaft der Firma F. Vi. Meyer nahm niit 149 gegen 36 Stimmen das zwischen dem Arbeiterausschuß und der Firma getroffene Ab- kommen an, so daß die erneute Einstellung der Arbeit und die damit verbundene allgemeine Aussperrung ausgeschlossen ist. Zur BrcSlauer MetallarbeitcrauSspcrrung. Die streikenden Former der Maschinenbauanstalt Breslau haben das Ansinnen der Metallindustriellen, die Arbeit bedingungslos wieder aufzu- nehmen, durch einstimmigen Beschluß abgelehnt. Zur Mctallarbeiteraussperrung in Dresden. Einer Versammlung der streikenden Gießereiarbeiter wurden am Sonnabendvormittag die Resultate der Verhandlungen mit den Unternehmern unterbreitet. Es ging aus den Darlegungen der Berichterstatter hervor, daß die Unternehmer alle wesentlichen Forderungen der Gicßereiarbeiter ab- gelehnt und nur geringfügige Zugeständnisse gemacht hatten. Die Versammelten nahmen eine Resolution an, in der sie erklärlen, daß sie die Angebote der Gießereibesitzer als Zugeständnisse überhaupt nicht betrachten könnten. Die Kommission wurde aber beauftragt. weiter zu verhandeln, wenn fich in Gestalt diskutabler Vorschläge der Unternehmer die Boraussetzungen dazu bieten. Vorläufig ist nunmehr ein baldiges Ende der Aussperrung nicht mehr zu erwarten. Eingegangene Druckschriften. Neueste Armee-Einteilung. Vollständige Uebcrsicht und Unterkunjis- liste des gesamten Reichsheeres. Verlag R. Schröder, Berlin W, Heil- bronncrstraße 28. Geschäftsbericht der Allgemeinen Ortskrankenkasse zu Berlin für das Jahr 1905. 61 isciten. Bericht des Vereins sür Wohnungsrcsorm für das achte Geschäfts. jähr 1905. 46 Seiten. Geschäftsstelle des Vereins, Frankfurt a. M., Ooch- ftraße 23, II._ Letzte Nachrichten und Depefchen. Ein Polizeiwachtmeistrr als Doppclmördcr. Augsburg, 28. April.(B. H.) Heute vormittag erschoß der Polizeiwachtmcistcr Walbrunn in einer hiesigen Gastwirffchaft die Wirtin Mayer und einen Arbeiter und entleibte sich hierauf durch einen Schuß in den Kopf. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Maifeier unserer russischen Genossen. Petersburg, 28. April.(B- H.) Das hiesige sozialistische Parteikomitee beschloß, für den 1. Mai alten Stils einen ein- tägigen Streik zu proklamieren und an diesem Tage Massen- Meetings zu veranstalten._ Streikdcmonstranten in Paris. Paris, 28. April.(SB. T. B.) Ein Haufe von etwa 100 aus- ständigen Juwelierarbeitern zog gegen 3 Uhr nachmittags nach dem Place de lDpera, um vor den Läden in der Rue de la Paix eine Kiindgebniig zu veranstalten, Munizipalgarden und Polizei- Mannschaften trieben sie auseinander. Es wurden einige Ber- Haftungen vorgenommen._ Haussuchungen. Roubaix, 28. April.(W. T. B.) Entsprechend einem Auftrage der Pariser Staatsanwaltschaft wurde im Lokal der anarchistischen Gruppe eine polizeiliche Durchsuchung vorgenommen und eine Anzahl Scbriststücke. darunter mehrere von dem revolutionärcii Arbeiter- vcebandc ausgehende Briese, betreffend die Maikundgebungen, be- schlagnahmt._ Stcphany wird ausgeliefert. Lausanne, 28. April./z Uhr. hält bei Thiel, Bergstr. 151/152, der Verein gewerblich täliger Frauen und Mädchen seine Mitgliederversammlung ab. Genossin Baader spricht über:„Die Eiitwickclnng und Wirkung der Heimarbeit". Gäste sind willkommen. Recht zahlreiches Erscheinen erwartet _ Der Vorstand. Die weibliche Arbeitskraft in der Industrie in Preußen. Nach den Zusammenstellungen der preußischen Gewerberäte hat im Jahre 1905 die Zahl der in Fabriken, Hütten und Bergwerken beschäftigten weiblichen Arbeitskräsle wieder erheblich zugenommen. Die Gesamtzahl der in den der Aufsicht unterstellten Betrieben— außer Gruben— Beschäftigten stieg von 2 5lS 783 im Jahre 1003 auf 2 838 625 im letzten Jahre. Das ist eine Zunahme nm 12,8 Proz., die Zahl der beschäftiglen weiblichen Arbeitskräfte aber nahm zu um 20,6 Proz., sie stieg von 480 022 auf 579 016. In noch stärkerem Verhältnis nahm die Zahl der beschäftigten jugendlichen weiblichen Personen zu, sie stieg von 50 240 auf 69 016, gleich 37 Prozent. Dabei mag ausdrücklich hervorgehoben werden, daß die Ergebnisse der beiden letzten Jahre unbedenklich zu Vergleichen herangezogen werden können, weil in dem letzten Jahre der Kreis der der Aufsicht unterstehenden Betriebe nicht erweitert worden ist. Ganz interessant ist eine Zusammenstellung über Verteilung der erwachsenen männlichen Arbeiter einerseits sowie aller jugendlichen und weiblichen Arbeitskräfte anderseits. Eine solche Zusammen- stellung ergibt folgendes Bild: In den Anlagen, in denen überhaupt weibliche Personen b» schäftigt wurden, sind für 1005 und Preußen gezählt: erwachsene Industrien männliche Arbeiter Bergbau und Hütten...... 108 077 Wa�- und Hammerwerke.... 74313 Drahtzieherei........ 155 Zinkhütten......... 10 850 Steine und Erden....... 145460 Ziegeleien.......... 148 777 Glashütten......... 32 510 Metallverarbeitung...... 264 130 Maschinen usw........ 421 365 Akkumulatorenfabriken..... 2 684 Chemische Industrie...... 61 012 Zündhölzerfabrikcn...... 1 415 Bleifarben und Bleizucker.... 1 983 Alkali-Cbromalfabriken...... 397 Verarbeitung von Thomasschlacke. 1 243 Forstivirischaftliche Nebenprodukte. 36 168 Textiliirdustrie........ 137 330 Spinnereien......... 32072 Hechelräume......... 1 573 Papier........... 42 110 Lcder........... 35 133 Roßhaarverarbeitung...... 321 Holz........... 169 795 Bürsten, Pinsel........ 1 938 Nahrungsmittel....... 99 355 Rohzucker.......... 60 167 Zigarren.......... 20 373 Meiereien......... 8614 Bäckereien......... 6 649 Konservenfabriken....... 1 611 Getreidemühlen...„.. 33 303 Zichorienfabriken....... 1 261 Bekleidung und Reinigung.... 37 653 Wäsche.......... 6 885 Baugewerbe......... 57 445 Polygraphische Gewerbe..... 7 643 Buchdruckereien....... 49 892 Sonstige Industrien...... 3 213 weibliche und jugendl. Personen 7 282 4 562 39 1880 19 056 27 140 8 783 55 131 47 234 145 10 600 1983 50 5 28 6174 137 297 51041 1 569 34 039 8 757 636 20 315 1 483 31373 5 631 42 005 8 145 1054 4 029 1285 895 59 367 78 775 4 010 5 769 20134 1951 Insgesamt 2124 915 711613 Die weiblichen und jugendlichen Arbeilskräfte machen mithin bereits der Zahl der erwachsenen männlichen Arbeiter ans, in einzelnen Industrien überwiegen die weiblichen Arbeitskräfte und auch in solche» Betrieben, in denen sie bisher noch weniger ein- gedrungen waren, stellen sie jetzt bereits ein erhebliches Kontingent der Gesamtbelegschaft. Damit wird die Lohnfrage zu einem Moment. das in wachsendem Maße auch die männliche» Arbeiter interessieren muß. Diese müssen energisch mit dafür eintreten, daß die weibliche Arbeitskrast genau so gut bezahlt wird wie die der Männer. Das bedingt nicht nur die Gerechtigkeit, sondern auch das Selbstinteresse der Männer. Marirndorf. Der hiesige Frauen- und Mädchen-BildungSverein hielt am Mittwoch, den 25. April, bei Hermann Sieichert, Marien- darf, seine regelrechte Monatsversammlung ab. Herr Wilhelm Miethke sprach über„Erb- und Feuerbestattung". Es wurde sodann bckamitgegeben, daß am HimmclfahrtStage ein gemeinsamer Aus- flug nach Marienselde stattfindet. Die Genossinnen versammeln sich nachmittags 2>/z Uhr bei Reichert, Chausiecstr. 10. Aufgenommen wurden drei neue Mitglieder. Die nächste Versammlung tagt am Mittwoch, den 10. Mai, bei Martin Müller, Tempelhof, Berliner« straße 41/42. Borsigwalde-Tegel. Der hiefige Frauen- und Mädchcn-BildungS- verein hielt am 25. April im Lokale des Herr» Schmidt, Tegel seine Mitgliederversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Herrn A. Stürmer über:„Unfallgesetz". Von dem bei Vergnügen erzielte» Uebcrschuß wurden 20 M. der Bibliothek überwiesen. Dann wurde noch bekanntgemacht, daß die Vorsitzende ihr Amt niedergelegt und die nächste Versammlung als außerordentliche Generalversammlung einberufen wird. Sie findet statt in Borsig- walde bei Kube. Aufgenommen wurden zwei neue Mitglieder. Der Borstand. Teltow. Der hiesige Frauen- und Mädchcn-Bildimgsverein hielt am Donnerstag, den 20. April, seine Monatsversammlung ab. Fräulein Baader referierte über„Kinderarbeit". Das Referat wurde von der gutbesnchten Versamnilmig mit großem Beifall aufgenommen. Die nächste Bcrsammlimg findet am 31. Mai, abends 8 Uhr, statt. Gleichzeitig wird an Zahlung der Beiträge erinnert. Zur Berichtigung des Herrn Dr. jur. Popert schreibt uns Ge- nosie Miethke: Ich kann der Verfasserin des in Frage stehenden Artikels be- zeugen, daß Herr Dr. Popert in seinem gieferat in Dresden gesagt hat:„Die Gerichte find, nicht dazu da, Gerechtigkeit zu üben, sondern sie sind Feldwachen der bürgerlichen Gesellschaft und haben diese gegen den inneren Feind zu schützen." Am Tage nach dem Referat habe ich übrigens mit Herrn Dr. P. über diesen Ausspruch mich unterhalten. Damals bestritt er nicht, ihn gemacht zu haben, er bedauerte ihn nur, da er ihn nicht so habe machen wollen. W. Miethke-Berli». doeben-Spielplan der Berliner Cbeater. Opernhaus. Sonntag: Der Waffenschmied. Montag: OrpheuS und Emhdilc. Dienstag: Cmrncn. Mitlwoch: Die Walküre.(Ans. 7 Uhr.) Donnerslag: Don Juan. Freitag: Der Waffenschmied. Sonnabend: Margarete. Sonntag: Robert der Teufel. Montag: Sinfonie-Konzert der kgl. Kapelle.„ �_ Schauspielhaus. Sonnlag: Othello. Montag: Der Schwur der Treue. Dienstag: Die Ouitzows. Mittwoch: Maria Stuart.(Ansang 7 Uhr.) DmmcrSiag: Romeo und Julia. Freitag: Othello. Sonnabend: Faust. (Ansang 7 Uhr.) Sonntag: Götz von Berlichingen.(Ansang 7 Uhr.) Mon- tag: Wie die Alten jungen. Neues Kiiiiigl. Qpcrntheater. Sonntag: Der Evangclimann. Mon-az, den 7. R!ai: Sinsonie-Matinee. Ansang mittags 12 Uhr. Lefsing-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Roscnmontag. Wends: RaSmcrSholm. Montag: Die Wildente. Dienstag: Der einsame Weg. Mitüvoch: Und Pippa tanzt. Donnerstag: Die Weber. Freitag: Kater Lampe. Sonnabend: Und Pippa tanzt. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die versunkene Glocke. Abends: Der Biberpelz. Montag: Die Weber. Deutsches Theater. Sonntag: Der Tartüff. Die Mitschuldigen. Montag: Oedipus und die Sphinx. Dienstag: Der Kausman» von Venedig. Mitlivoch: Der Tartüff. Die Mitschuldigen. Donnerstag: Der Kaufmann aan Venedig. Freitag: Der Tartüff. Dle Mitschuldigen. Sonn- abend und Sonntag: Der Kaufmann von Venedig. Montag: Der Tartüff. Die Mitschuldigen. Schiller.'Tlicntcr O.(Wallner. Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Macht der Finsternis. Abends: Weh' dem. der lügt..Mon- tag: Zmci„lückliche Tage. Dienstag: lieber unsere Kraft.(II. Teil.) Atittlvoch: Weh' dem. der lügt. Donnerstag: Helden. Freitag: Weh' dem, der lügt. Sonnabend: Die Macht der Finsternis. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Macht der Finstcmis. Abends: Romeo und Julia. Montag: Weh dem. wer lügt. Tchiller-ThcaierX.(Friedrich-WilhelinstädtischeS Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Zapsenstrcich. Abends: Die Hanbenlerche. Montag: Hans. Dienstag: Helden. Mittwoch: Der Bogel im Käsig. Donnerstag: Der Militärstaat. Freitag: Helden. Sonnabend: Der Mililärslaat. Sonn- tag naä mittag 3 Uhr: Zapsenstreich. AbendS: Der Vellchenfresser. Montag: Der Vogel im Käfig. Berliner Theater. Sonntag nachmittag 2'/, Uhr: Amerikaseppel. Abends: In der Sommersrisl�n. Montag: Geschlossen. Dienstag bis Montag: Die lustige Witwe. Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Nachtasyl. Abends: Der Unverschämte. Hille Lobbe. Die Schlangendame. Montag: Der Unverschämte. Hille Lobbe. Die Schlangendame. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Tragödie der Liebe. Freitag: Der Unverschämte. Hille Lobbe. Die Schlangendame Sonnabend und Sonntag: Tragödie der Liebe. Montag: Der Unverschämte. Hille Lobbe. Die Schlangendame. Luftspielhaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Nora. Abends: Die von Hochsaltei. Montag bis Sonnabend: Die von Hochsattcl. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Familientag. Abends: Die von Hochsattel. Mon- tag: Die von Hochsattei. Neues Theater. Sonntag und Montag:: Ein Sommernack Dienstag: Cäsar und Cleopatra. Mittwoch: Ein Sommernack Donnerstag: Cäsar und Cleopatra. Freitag: Ein Sommernack Sonnabend: Erdgeist. Sonntag und Montag: Ein Sommernack Luisen-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Abends; Robert und Bertram. Montag: Wilhelm Sonntag: Geschloffen. htstraum. htswaum. htstraum. htstraum. Der Salontiroler. Teil. Dienstag bis Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: HoffmannS Erzählungen. Abends: Die schwarze Nina. Montag: HoffmannS Erzählungen. Dienstag: gi P igaros Hochzeit.' Mittwoch: Die schwarze Nina. Donnerstag: Don tasqualc. Freitag: Die schwarze Nina. Sonnabend: HoffmannS Er- znblungcn. Sonntag nachmittag 3 Uhr und Abends: HoffmannS Er- zählungen. Montag: Unbestimmt. Theater des Westens. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Don Juan. Abends: Schützenlieset. Montag: Der Freischütz. Dienstag: Der Zigeuner- baro». Mitüvoch nachmittag 3 Uhr: Musikalische Aufführung. Abends: Schützenliescl Donnerstag: Undine. Freitag: Gasparone. Sonnabend nachmittag 3 Uhr: Fraueukamps. AbendS: Fcodora. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Waffenschmied. Abends: Schützenliescl. Montag: Fcodora. Triauon-Theatcr. Sonntag: Loulou. Montag bis Sonntag: Loulou. Montag: Loulou. Rcfidcnz-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Schlaswagm- Montag bis Montag: LicbeSkunst. <5nrl Weist> Theater. Sonnlag und solgende Tage: Die Jagd ums Leben. Montag: keine öffentliche Vorstellung. Zeutral-Thenter. Sonntag nachmittag« 3 Uhr: Der Vettelstudent. AbendS: Die Fledermaus. Montag: Der Zigcunerboron. DIcnStag: Die Puppe. Mittwoch: Die Fledermaus. Donnerstag, Freitag und Sonnabend: Das Narrcnhaus.' Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Fledermaus. Abends: Das Narrcnhau». Montag: Der Bettclstudent. Thalia-Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Glöckner von Nowe Dame. Abends: Hochparterre links. Montag bis Sonnabend: Hochparterre links. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Opernaufführung. Abends und Montag: Hochparterre links. Deiitsch-ZlinerikanischeS Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ueber'n große» Teich. AbendS: Anne Mädchen. Bon Montag bis Sonn» tag: Arme Mädchen. Easino> Theater. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Die Herren Söhne. Allabendlich: Madame Bonivard. stolies Eapriee. Allabendlich: Komiker Schnitzel. Dalle» u. Co. Nrania-Theater. Taubenstraß« 48/49. Sonntag und Montag: Am Eols von Neapel. Dienstag:: Aus dem Innern OstasrikaS. Mittwoch und folgende Tage: An: Golf von Neapel. Ansang 8 Uhr. Apollo-Theatcr. Sonntag nachmittag 3 Uhr: DaS bummelnde Berlin. Spezd iilälen. AbendS und Montag: Elsentücke. DaS bummelnde vcrlln. Spezialitüten. DicnStag und solgende Tage: Dle amerikanische Burleske- Eompagnie. Vorn und hinten. Sonntag, den 6. Mai, nachmittag» 3 Uhr: Elsentücke. Spezialitäten. Passage- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang S Uhr. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Miil-VeM der Maurer Zweigvcrciii Berlin. Am 25. April er. verstarb unser Kollege Julius Rechner im Alter von 47 Jahren am Herzschlag. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. d. Mts., nach- mittags 3 Uhr. vom Trauerhause. Freienwalderstr. 13», aus nach dem Sophien-Kirchhof statt. Um rege Beteiligung ersucht 143/8 Oer Vorstand. Wter-RäBCIsEr-Biil Berlins und Umgegend. Todes- Anzeige. Hiermit zur Nachricht, daß unser Bundesmitglied dulius Rechner aus Klub„Kairo" am 25. April verstorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. April 190S, vom Trauerhause Frelenwalder- jlraße 13 aus statt. 292/15 ver Vorstand. Dr. Schiinemann Spezlal-Arzt für ♦ Bant- in nid llnen leiden, Frnnonkruiikhclten. Fricdrichsfr. 203, Ecke Schützeustr. 10-«, 5-7, Sonnt. 10-1« Uhr. Berlins und Umgegend. Todes- Anzeige. Hiermit zur Nachricht, daß unser Bundesmitglied Rrto Jänicke au« Klub.Havanna II" ver- starben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. April 1906, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Nowawescr Kirchhofes aus statt. 292/11 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Rohrleger kndoü Hoffmann gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. April, nach- mittags 4�j, Uhr, von der Leichen« halle dcS Zions-Kirchhofes in Nieder-Schönhausen aus statt. Rege Beteiligung erwartet 117/19 Die Ortsverwaltung. Dr. Simmel, �7,°' Spczialarzl sür 110/9» Haut- and Harnleiden. 10—2, 6—7. Sonntag» 10—12, 3—4 Oeutseber Senetelder-Buud. Todes- Anzeige. Am 25. April verstarb unser Mitglied, der Steinschleiser Heinrich Lchutee im Alter von 55 Jahren an Lungenentzündung. 292/13 Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. April, nach- mittags 4'/, Uhr von der Leichen- Halle des Kirchhoses in Tegel aus statt. Hie Verwaltung»er piliele I. Danksagnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne», meines guten Baiers Aldert Rackow, sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, besonders den Kollegen der A. E.-G., Bnnmenstraße. Abt. Tiedemann. und dem Deutschen Atetallarbeiterverband unseren innig. flen Dank. 1533b Tie trauernde» Hinterbliebenen. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, sage allen Teil- nehmern herzlichen Dank: WS- besondere dem Wahwerein von Trepww-Baumschulenweg, dem Ver- band der Handels- und Transport- arbeiter, dem Gesangverein LiedeS- sreundschast. seinen Arbeitskollegen, sowie allen Verwandten, Bekannte» ui:d Parteigenossen. t023L Die trauernde Witwe 1. ttottmeaa. Singer Nähmaschinen. Etufaehe Handhabung! 3302» Graste Haltbarkeit! Hohe Arbeitsleistung! Weltausttellung SlfanH Dfiv Weltausstellung Parle 1900: VJI dUU rilA st. Louis 1904. St. Louis 1904. 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Das GemritslhaftsKartell str Sellin nvd Umgegend ersucht uns um den Abdruck der folgenden Resiluti»«. „Den Beschlüssen der internationalen Kongresse folgend, feiert heute, am 1. Mai 1906, die klassenbetrmtzte Arbeiterschaft aller �Kulturländer zum 17. Male den Ruhetag der Arbeit, welcher den Forderungen des Proletariats auf internationale Verbrüderung und vor allem dem Weltfrieden gewidmet ist. Die Versammelten legen heute aufs neue das feierliche Gelöbnis ab, unentwegt und unbeirrt für die Ziele des Sozialismus mit zäher Ausdauer und Opfermut einzutreten. Die Versammelten erheben den schärfsten Protest gegen eine Weltpolitik, die durch das ränkesüchtige, komödienhafte Diplomaten- spiel seh: leicht über Nacht zwei friedliebende Kulturvölker in einen verderbenbringenden Krieg gestürzt hätte. Ferner protestieren sie auf das heftigste gegen die noch immer fortbestehende politische Eni» rechtung der besitzlosen Klasse in Preußen, wurzelnd in dem Drei- klassenwahlshstem dieses Staates. Die Versammelten fordern auf das energischste die Beseitigung dieses Wahlsystems und die Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für alle Körperschaften der staat- lichen und kommunalen Gesetzgebung und Vcrwaltungskontrolle. Ferner fordern sie die uneingeschränkteste Ausübung des Ver- sammlungs- und Koalitionsrechts, vermöge dessen es der Arbeiter- schast nur möglich ist, sich gegen übermäßige Ausbeutung zu wehren. Mit Trauer und Wehmut verfolgt die klassenbewußte Arbeiter- schaft das Wüten der Reaktion in Rußland. Sie ist aber der Hoff- nung, daß es der revolutionären russischen Arbeiterschaft dennoch gelingen wird, die Befreiung des russischen Volkes aus den Banden des Zarismus zu erreichen. Den Helden und Heldinnen der russischen Revolution senden sie ihre Sympathie und brüderlichen Grütze. Wohl sind sich die Anwesenden klar, daß es noch harter Kämpfe und schwerer Opfer bedürfen wird, um die mit allen Mitteln ihren Besitz verteidigende herrschende Klasse zu beseitigen. Als beste Waffe im proletarischen Befreiungskampfe erblicken die Anwesenden die Propagierung der Idee des Massen- oder Generalstreiks und die Erziehung der Arbeiter zum Sozialismus. Tie Versammelten reichen allen denen brüderlich die Hand, ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubens, die mit uns den unerbittlichen Klassenkampf führen und erheben die Hand zum Maienschwur, alles daran zu setzen und nicht früher zu rasten, bis die Ausbeutung beseitigt und Freiheit eingezogen ist für alles, was Menschenantlitz tragt."_ 1 Versammlungen. Maifeierbeschlüsse. Den 1. Mai durch strikte Arbeits- ruhe zu feiern, beschlossen in ihrer letzten Branchcnversammlung die Speicherarbeiter, die Leitergerüstbauer und die Zementlagerarbeiter. Die M ü l l k u t s ch c r faßten den Beschluß, am 1. Mai nur morgens eine Tour zu fahren und dann einmütig an der Feier teilzunehmen. Zentralverband der Schmiede. Am Donnerstag tagte im Lokale von Boeker, Weberstraße 17, eine öffentliche Versammlung aller bei JnnungSmeiftern Berlins und Umgegend beschäftigten Schmiede, welche stark besucht war. Die Tagesordnung lautete: Die Bedeutung des 1. Mai. Bekanntlich hatte die am 9. April stattgehabte Generalversamm- lung der Zahlstelle Berlin dos Zentralverbandes der Schmiede ein- stimmig den Beschluß gefaßt, die bei den JnnungSmeiftern und in Kleinbetrieben beschäftigten Kollegen zu verpflichten, den 1. Mai durch Ruhenlassen der Arbeit zviirdig zu feiern. Ferner den in Groß- betrieben beschäftigten Kollegen zu empfehlen, unverzüglich mit ihren Arbeitsbrüdcrn in Verbindung zu treten, um die Vorbereitungen zu treffen, dasselbe tun zu können. Erstere Kategorie nahm nun nach einem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referat des Kollegen Kaulfuß über obiges Thema folgende Re- solution an: Die heute, am 26. April 1906, bei Boeker, Weberstr. 17, tagende Versammlung aller in Jnnungsbetrieben beschäftigten Schmiede Berlins und Unigegend erklärt sich mit dem Referenten voll und ganz einverstanden, und verpflichten sich die Anwesenden, dafür Sorge zu tragen, daß in allen Werkstätten genannter Art am 1. Mai die Arbeit ruht und endlich die.Schmiede einmal den Beweis erbringen, daß sie ernstlich gewillt sind, durch Teilnahme an der Demonstration für den Achtstundentag am Wellfeiertage für die Befteiung der Arbeiterklasse auS den Fesseln des Kapitals einzutreten! Berichtigung. In dem gestrigen Bericht deS„Vorwärts" über die Generalversammlung der Buchoinderzahlstelle Berlin heißt es: „Bei verschiedenen Firmen wurden Mißstände durch Verhandlungen beseitigt. Unter anderem berichtete der Redner über Verhandlungen mit dem Geschäftsführer des„Vor« ivärts". Hier wurde die Forderung gestellt, daß bei AuShülfS« arbeit in der Buchbinderei derselbe Lohn gezahlt werde, der nach der vor kurzem gewährten Lohnzulage für die fest angestellten Gehülfen der Minimallohn ist. Der Geschäftsführer machte einen Vcrgleichsvorschlag, der jedoch von den Organisationsvertretern nicht angenommen wurde." Demgegenüber erklären wir: Das Tarifminimum für Buchbindergehülfen beträgt in Berlin pro Woche 25,92 M.; in der Buchbinderei der„Vorwärts"-Druckerei wird kein Gchülfe unter 27,65 M. eingestellt, also mit einem Lohne, der 1,73 M. höher ist, als es der Tarif fordert. Nun kam Ende März der Vorstand der Zahlstelle und forderte, daß wenn wir Gehülfcn zur Aushülfe auf kürzere Zeit einstellen, wir immer den Lohn zahlen sollen, den der jeweils letzteingestellte Gehülfe erhalte. Auf die Frage, wieviel in anderen Geschäften in solchen Fällen gezahlt werde, erhielten wir keine bestimmte Antwort, sondern nur den Bescheid, alle anderen anständigen Geschäfte erfüllten diese Forderung. Wir konnten sofort erwidern, daß sogar in allen für uns in Betracht kommenden Konkurrenzgeschäften niedrigere Löhne als im„Vorwärts" gezahlt würden; ferner wiesen wir daraus hin. daß es im.Vorwärts"betriebe Gepflogenheit sei, den Arbeitern, die länger als 1 Jahr im Geschäft tätig seien, Lohnzulage zu gc- währen, und daß in den 3 Jahren unteres Betriebes auch bereits dreimal die Löhne erhöht worden seien. Daß man aber doch nicht verlangen könne, daß wir Neueinge st eilten denselben Lohn zahlen müßten wie den schon länger im Geschäft tätigen. Um aber dem Vorstande entgegenzu- kommen, erklärten tvir uns bereit, künftighin Aushülfsarbeit bis zu einer Woche stets mit 28 M. zu zahlen, obgleich der Tarif nur •25.92 M. fordere. Dieser Vorschlag wurde von dem Vorsitzenden der Zahlstell, Berlin ausdrücklich akzeptiert— und wi.r waren daher nicht tvenig erstaunt, heute, nach vier Wochen, plötzlich im„Vorwärts" zu lesen. daß unser Vorschlag von den Orgamsationsvertretern nicht ange> nommen worden sei. Um wenigstens unseren Genossen den klaren Sach- verhalt mitzuteilen, glaubten wir ihnen diese Richtigstellung schuldig zu sein. Die Geschäftsleitung der Vorwärts-Druckerei Kettentrmbiiider in echt Silber, von M. I.SO— 1—, auch init reiz. Anhängern in Oold platt, v. ALO— 15» Goldene Glieder- ond Ketten-ArmMader all Edelsteinen verziert bis 300 M. Spazierstöcke MÄ edra ectawere. zMllate MeM. { Gsldene Mer-lenoatoir-fferremhr en«n ö®«—| alt u Rubis, efegntes ZWertMt, 1 Jabre............ W WWW Belmonte& Co. Leipziger Str. 35«» Königstrasse 46 Ukar. goldene Herren-Ketten 585/1000 eesetzl. gestemp., solide Panzerform Inkl. Fasson, per Qramra M. 2.—. Das Gewicht ist auf jed. 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Mai, abends 8'/, Uhr. in Graumanns FestsSlen, Nannynstraste 37: Werlistatt- Dclcfjicrttil- Ntrsammliiilg. Tages-Ordnung: 1. Der Verlauf des 1. Mai. 2. Werkstattangelegenheiten. Jede Fabrik muß vertreten sein._ Der Borstand. U Schuhmacher! Montag, den 30. April, abends 81/" Uhr, in den Residrnz-Sälen, LandSbergerstr. 31. Gtffciillilhe Slhiihiiialher- Ncrsllimillitils. TageS-Ordnung: 1. Bericht über die Verhandlung mit der Innung. 2. Dtskusfion. 169/11 3. Verschiedenes. Ber Elnbernfer. ZentralYerbandterSehmietie. Achtung! Schmiede! Achtung! Montag, den»0. April 1906, abends 8'/, Uhr: Versammlung sämtlicher Jnnungssesellen in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstr. SS. TageS-Ordnung: 1. Unsere Stellungnahme zu dem AussperrungSbeschluß der Arbeitgeber anläßlich der Maifeier.» 2. Diskussion. Kollegen! Sie JnmmgSmeister haben am Freitagabend beschlossen. alle diejenigen, welche den 1. Mai durch Arbeitsruhe feiern, zu entlassen und bei keinem Jnnungsmeister wieder einzustellen. SaS soll und dar" nicht geschehen I Diesen Plan der Arbeitgeber müssen wir durch kreuzen. Wir können nicht zugeben, daß Kollegen längere Zeit brotlos gemacht werden; deshalb ist es unsere Pflicht, Mann für Mann in dieser Ber sammlung zu erscheinen. IM" Kein Kollege darf fehlen!"WU Mit Gruß Die OrtS,>crwalt»»g. I. A.: VI. Slerlng, Stralauerstrahe 48.. Filiale Berlin. Freitag, den 4. Mai, abends 6'l3 Uhr: Sauvertrauensmännersitzung im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer IS, Saal 7. Tag�es-Ordnung: 1. Die Bedeutung der VertrauenSmännersystemS. 2. Die Taktik bei Sperren. 3. Verschiedenes. Es ist notwendig, daß jeder Bau vertreten ist, da die nicht vertretenen Bauten veröffentlicht werden. DM" Anfang pritzise«>/, Uhr.-WM Igg/Z Her Verstand, Achtung! Achtung! Sonntag, den 29. April, nachmittags 6 Uhr, in den Berolinasälen, Schönhauser Allee 28: Oeffentl. Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Der Wuchertarls und seine Abwehr. Referent: Genosse Aid. Störmar. 2. Diskussion.. m..,, t„ 205/4 Nachdem: Geselliges Belsammcnsein und Tanz. Um zahlreiches Erscheinen der Genossinnen und Genossen wird gebeten. I. A.: dniins Stange. Sonnta Zentral-Rrankenkasse der Maurer „Grundstein zur Einigkeit". ag. den« Mai, vormittags 10 Uhr. im„Gcwerkschaftshause«: Mitglieder-Versammlung, Tages-Ordnung: 1. Kassen- und Revisionsbericht. 2. Vortrag deS Herrn Br. Cht�Jes übet:„Lungentuberkulose und Wohnungsfrage". 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert.. Allgemeine Orts- Krankenkasse für Kiixdvrf. An: Montag, den 7. Mai, abends 8'/, Uhr, findet in Hoppes Festsälen, Hermannstraße 49, kleiner Saal, die erste diesjährige Ordentliche General-Versammlung statt. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht für 1905. 2. Bericht der Rechnungsprüfungskommission. 3. Ersatzwahl zum Vorstand(ein Arbeitnehmer). 4. Verschiedenes. Bei der Wichtigkeit der Tages- ordnung ist vollzähliges und pünkt- liches Erscheinen Pflicht. Rixdors, den 28. April 1906. Ber Vorstand. E. Wagner, Vorsitzender. BW' Die den Delegierten zu- gestellte Einladungskarte dient als Legitimation�_ 273/14 mUM — gegr. 1878----- (M. d. A.-S.-B.) tagt jeden Donnerstag abend bei �.ngnstln, Oranienftr. 103. Sangeskundige Herren, besonders erste Tenöre, herzlich will. kommen. 1478b hWMdMMdMWMMM PlioloyrapliUes Stier Emil Bess, Kreutzigcrstraßc 15 zwischen Frankfurter Allee und Boxhagener Chaussee. 1 Dutzend Visit 1,80 M, 1 Dutzend Kabine« 4,80 M. TllSlb Ganz besonders empfehle: 2 Kabinett und 10 Visit SEiisnmnien nur 2,50 M. 1 großes Wandbild 18/24 und 6 Kabinett zusammen nur 8 M. Gruppen- und Kinderbilder mäßige Erhöhung. ErstklassigeAusfUhrung garantiert. Auch Sonntags den ganzen Tag geöflnet.— '- WWWMMWWWWWWWWW Kassenticiii.er jeder Art„Augusta Bad'', Köpenickerstr. 60. Gegründet 1804. �Räumungs Ausverkauf� TtaniOll..Kostame< Havelocks, llnlilClI 8taiibmUntel namon-jacke,l8> Boleros, II oll! Cll Paletots, Sakkos Mark 5,7,8)10,12-20 früherer Preis Uber das Doppelte. 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Stockarbeiter bei Bareinz, Brandenburger User 6. jHCodeUtischler bei Schmidt, Gartenstr. 6. ftahmenmacker bei Stramm, Ritterstr. 123. Kamtnacher bei Krause, Adalbertstr. 59, �erlmuttarbelter bei Komnik, Köpenickerstr. 34. Bürtenmaeher bei Lindemann, Moritzstr. 9. Kistenmacher bei Baudach, Breslauerstr. 28. Bodenieger im Gewerkschaftshause* Sittsetzer im Qewerkschaftshause. Stellmacher im Rosenthaler Hof, Rosenthalerstr. 11112. Korbmacher bei Krause, Adalbertstr. 59. Korbmacher in Friedrichsberg und Friedrichsfelde bei Wilke in Lichtenberg. Dorfftr. 14. Die Tischler und Brechsler treffen sich»n ihren Verkehrslokalen und gehen von dort aus nach der„Reuen ÜSelt". Sittsetzer!®ie Kollegen treffen sich am 1. Mai. früh 8 Uhr, im Gewerkschartshanse, Saal III, zum gemeinsamen Abmarsch. Die Zftobelpolierer treffen sich mit dm Tischlern der Betriebe, in welchen sie beschäftigt find, um dann gemeinsam nach der„Reuen Welt" zu gehen. Jeder an der Maifeier teilnehmende Kollege erhält eine Maimarke. Bezirk; Oestliche Vororte. Die Kollegen treffen sich am I.Mai morgens S Uhr. um dann gemeinsam zur Versammlung zugehen w Friedrichsberg bei Wüdner, Friedrich Karlstt. 11. Rummelsburg bei Karl, Kant- und Goethestt.-Ecke. Friedrichsfelde bei Schulz, Prinzen-Allee 6. Die Verbandsbücher sind betreffs der Kontrolle mitzubringen. Kollegen, erscheint recht zahlreich. AchttlNg, Arbeitslose» Die arbeitslosen Kollegen werden ersucht, am Dienstag, den l. Mai» nicht die Arveitsnachtoeise zu besuchen. Die Arbeitslosenkarten brauchen an diesem Tage nicht abgestempelt zu werden. Jeder Kollege finde sich vormittags 40 Nhr in der 84/17 Versammlung m d«„Beuen Welt" Verbanpsbureau und Arbeitsnachweis ist am 1. Mai geschlossen. ___ Die Ortaverwaltang, Verhaiift der Tapezierer ===== Filiale Berlin.===== Donnerstag, de« 3. Mai 1906, abends 8'/? Uhr, bei Mendt, Beuthstraße 20: Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zum BerbandZtaae. 2. Stawtenberatung und Anttäge. 3. Wahl der Delegierten. 178/1—■ Mitgliedsbuch legitimiert.——— Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Ortavcrwaltaag. Achwng: Kauschlofler! Mümi Seit Freitag, den S. April früh stehen die Kollegen in 2t Werkstätten im Streik. Die übrigen in Betracht kommenden Firmen haben bewilligt, darnnter auch eine Anzahl Jnnungsfirmen. Von Montag, den v. April ab, dürfen sämtliche Bauschlosser nur noch mit Berechtigungskarten arbeiten, diese sind Sonnabend, den 7. Zlpril den Vertrauensleuten ausgehändigt.— Die Bauarbeiter ersuchen wir, uns dadurch zu«nterMüen, daß sie die auf die Bantcn kommenden Schlosser nach den Arbcitsberechtigungskarten fragen. 117/17 eder Schlosser ohne Karte ist als Arbeitswilliger zu betrachten. Des weiteren machen wir alle Bauschlosser darauf aufmerksam, datz ohne Zustimmung des Streikkomitees die Arbeit niedergelegt werden darf. S»s Streikkomitee. Cohen. Dr. med. Ad. Schlesinger, pr. Naturarzt und Magnetopath wohnt jetzt 29619/9* Belle-Alliancestr. 5 nahe HalleschepTorlSpr. 11-2, 5-7) . Telephon Amt 6a, 14914. Mitglied des Vereins der freigewählten Kassenärzte. amÄÄÄÄa »MMaMMMMMMM«! Anton Boeker* Ball-Salon, empfiehlt den geehrten Gewerkschasien und Vereinen seinen grossen Saal mit Garten zu Festlichkeiten und Versammlungen, auch Sonntags. WM" Im Garten: ff. Weißbier.-WW { Auch find noch zwei grosse Vereinszimmer einige Tage in der Woche I zu vergeben. 323L' Um recht regen Zuspruch ersucht Ästigst GstöltLP, st�sse??. » VMWWWWW« DWWMWMMMMWWWWMWWIWWW, I Brauerei Germania Aht-Ges. Frankfurter Allee 53« WM" in sämtlichen 100 Filialen 8822* Malzbier» 4/io Liter alkoholarm, nahrhaft, wohlschmeckend. si/eai 18 Flaschen 1,50 Alark, durch eigene Gespanne frei Haus. A U»- Versanunlmip 1906 der im ft Ceaerkschatls- Kartell pir BerHii mck Umgegeiii wreimatai örgmmlmell. Dienstag, den i. Mai. vormittags 10 llhr. Tagesordnung in alien Versammlungen: Sie Bedeutung des 1. Mai. Bauarbeiten „Englischer Garten", Alexanderstraße 27o. Referent: Genosse Fritz Kater. jHirfeuleger u Bütf sarbelter Neues Klubhaus, Kommandantenstraße 72. Referent: Genosse Alfred Schröder. Isolierer u. Steinholzleger Boekers Festsäle, Weberstr. 17(nachmittags 2 Uhr). Referent: Genosse Ehrhard Schlenker. Kürfchnen Altes Schützenhaus, Linienstr. 5. Referent: Genosse Heinrich Ströbel. Maler. Feuersteins Festsäle, Alte Jakobstraße 75. Referent: Albert Weidne». Maurer. Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10/11. s Weber. gtufthinftrumenten- rbeiter. Bei Graumann» Naunynstr. 27(vormittags 9 Uhr). Referent: Genosse Engelbert Graf. Bohrer. Patts Vereinshaus, Dragonerstraße 15. Referent: Genosse Richard Schonheim. Schiff- und Bootsbauer. Vereinslokal, Stralauer Allee 17o(vormittags 8 Uhr). Referent: Genosse Jonny Hinrichsen. rifchler, Sink», Zinn- und Bleigießer. Bei Zöls, Köpnickerstr. 137/138. Referent: Genosse Hermann Puttlitz. Töpfer. Ausflug nach Johannisthal. Treffpunkt: 10 Uhr früh bei Senftleben. Zimmerer. Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee 11/13. Referent: Genosse Dütvell. Metallarbeiter. j Brunnen-Säle, Brunnenstraße 15. Referent: Genosse Andreas Kleinlein. Gruppenverkammlung der Sursfentnacher, Sielglaser, KonfeUtionsarbeiter, 7rauenvereitt, Kausdiener, Tapezierer, jfiarki- baNen Arbeiter» Stukkateure und Sarbiere. Brunnen- Säle, Brunncnstraße 15. Referent: Genosse Andreas Kleinlein. Vereinigte Gewerfcfehaften Chartottenburgs. Bei Schulz, Kaiser Friedrichstr. 24. Referent: Genosse Ernst Obst. Vereinigte Gewerkschaften Ripdorfs. Flicks Gesellschaftshaus, Hermannstraße 170. Referent: Genosse Heinrich Weisel. Referent: Genosse Hans Die Organisationsmitglieder treffen sich eine Stunde vor Beginn der Versammlungen in ihren Verkehrslokalen und begeben sich dann zu den Versammlungen. Sie Versammlungen finden mit Frauen statt. Ueber den Verlauf und Much der Verfaniinlnugen ist dem Kureau des Kartells Mitteilung\\\ macheu. Der Ausschuß. UnHiM lir aiittr Msi Filiale Berlin. Dienstag» den 1. Jßal, vormittags 0 Uhr» Oeffentliche Versammlung in der Königsbank» Große Frankfurterstr. 117. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen HVIe.entval über: 2. Verschiedene?. „Der 1. Dlai". 169/12 Die Ort.venraltnng. Allgemeiner Oentscher Gärtner-Verein Ortsvern-altans Gro.s-Berlin. Sonntag, den LS. April ISO«, abends Uhr: > Maifeier im„GewerkschaftShause", Engel-Ufer 15. Die Kollegen mit ihren Angehörigen werden ersucht, sich zahlreich einzufinden� 292/8' v Oer Ortsvorstand. Iffaifeier in Steglitz. Im„Birkenwäldchen", Im„Gambrinus", vormittags 10 Vhr, abends 7'!, I hr, MF" Versammlung."WD Referent: Genosse Bnoll. Reserent: Genosse SobUtte. Zlaekmlttags von.1 Uhr ab in beiden liokalen: Uarten-Treikonzert und Tanz. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 30 Ps. am- Tic Ausgabe der Maimarken erfolgt vormittags von 8— ßlllit im„Birkenwäldchen." 202/11 Achtung! Achtung! Asphalteure und Pappdachdecker! Wir machen nochmals anfmerlsam, daß unsere feiemden Kollegen sich am t. Mai, frtih 9 Uhr, im GewerlschaftShause zur Entgegen- nähme der M a i m a r k e n einzufinden haben. Wer an dem Ausflug mit Familie teilnehmen will, sende seine Adresse sofort an Kleinsehmidt, Sauerste. 25, Charlottenbnrg. Rcftaurant ttZum Jägerheim" j ' Inhaber: Josef Knra.- Treptow, an der Verbindungsbahn 19, Köpcnicker Landstrahe 10. Meinen zirka 1500 Personen fassenden Garten empfehle zu allen Fest- lichketlen.— Saal.— 4 uegcibalmen.— Stofjeclüche von L Uhr an. Telephon: Am IV, 5777.>> 8622» |IotöÄ(lIll. IHoifeier. Volks- Versaramlungen im.Viktoriagarten«(Maurer, Zimmerer, Töpfer); im Lokal Ladentftin (alle übrigen Gewerkschaften). Kontrolle von 8 Uhr ab in beiden Lokalen. Nachmittags »'/, Uhr: im.Viktoria- garten». 7'/, Uhr abends! Festrede. ml MellerlHll DeiUU. MwsstelleBirllil. „GewerkschaftShaus», Engel-Ufer 15 II. Zimmer 13—17. Arbeitsnachweis: Tel. Amt 4, Nr. 3348.— Bureau: Tel. Amt 4, Nr. 4747. xodwns, pgjißiißr aus aiien Branchen! Wir bringen hiermit zur KeimtniS, daß unsere sämtlichen Bureau? am TienSlag, den 1. Mai. geschlossen sind. 68/5 Ble Ortsverwaltnng. Maileier d. Gewerkschalt. Zehleodoris im Lokal von August KUter, Neues GesellschastshauS, Schlachtensee, Eitel Fritzstr. 12, vormittags 10 Uhr: Bersaniinlung, nachm. 4 Uhr: Garten-Konzert, Kindervclustlgungen. Schaltiger Gar- ten. Im Saale Tanz. Für Speisen und Getränke ist bestens Sorge ge- tragest. Stnkkatenre! Infolge beständigen Tariwertrags- brucheS ist die Firma Oskar Thile» Friedenau, Güterbahnhof, bis aus weiteres gesperrt! Filiale Berlin deö Zentratverbandes».Stukkateure. Miiggsisektösseken(Triedrichshagen). Als geeignetsten Ansflngsort Ihnen mein herrlich am Müggelsee Ä «nd im Walde gelegenes 1459b zum 1. Mai cinpsehle � Lokal. � Emil HUbner. ich Milligmufalh krprslit«. bcwiihr!'SS": Kognak, Rum, Zten Likören zc. 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Prinz Adalber-tstraße.— Abends 7'/, Uhr: Versammlung bei Hupsch(„HVald» achttnke"). Referent: Genosse StUhmcr. ■f aklednuf Vormittags 10 Uhr: Versammlung In Bamauns Gesellschaftsbaus in mamSQOn. Kanlsdorf.— Nachmittags 4 Uhr: Maifeier bei Wernleke in Mahlsdorf. FrledrlchsbageD.»Älgr ttSS:!)1" Waidmannslasl. 1 Taieal Vormittags 10 Uhr: Versammlung bei KItppensteln. Referent: Genosse SHIIer. 1 cy BI. Abends 8 Uhr: Maifeier in Trapps FestsiUen, Bahnhosstr. 1. Ref.: Gen. P. John. Ober-SChöneWeide. Nachm. 4 Uhr: Maifeier im SehloSpark HFflhelnafnenhok. Pankow- Hleder-SchUnliauseD.""ÄÄ1 Nachmittag» 6 Uhr: Maifeier im ,4larf ürsten",£b< Versammlung bSi Boczrcki, ent; Genosse tVcrmnth. Bbersbocb, Berlinerstr. 101. Reinickendorf-Ost. Sci B««nlow(frit9« Abraham), schönholzerstr. 14. Wae! Versammlung abend» 8 Uhr, bei Franke, Eichborn straße 18. ,,-HCnl. Referent: Hesse. Wilhelmsruh 8 l�r' 3,le'tam:anJ"Paal,,,e,lol,e"» Hauptstraße. 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Auf der Tagesordnung stehe noch als Gegenstand die Gewinnung der weiblichen Angestellten und des Hülfspersonals, ferner die Ausgestaltung der internationalen Organisation. Dazu solle die Agitation viel mehr als bisher gefördert werden, damit der Verband mehr Ätacht gewinne. Das alles aber sei nicht möglich, wenn die geforderten Beamten nicht bewilligt werden. In Zukunft könne auch nicht mehr davon die Rede sein, dag man ihn, den Vorsitzenden und Redakteur, in dem bisherigen Maße zu den Bureau- arbeiten heranziehe. Mit dem Anwachsen des Verbandes wüchsen auch die Aufgaben. Und von dem Vorsitzenden und Redakteur müsse verlangt werden, daß er der Theortiker des Verbandes sei, daß er zu den sters neu auftauchenden Fragen Stellung nehme. Er denke z. B. an die Biersteuer, an die immer mehr in den Vordergrund tretende Frage der weiblichen Arbeit, des paritätischen Arbeitsnach- weises usw., die alle des Studiums bedürfen. Wenigstens e i n Mpnn im Verbände müsse doch da sein, der die Literatur über diese Tinge beherrscht. Ferner seien zu nennen die Fragen der gerade für die Gastwirtsangestellten so wichtigen Sozialpolitik. Wenn die Mitgliederzahl stärker geworden sei, komme auch eine andere Frage, der der Verband dann nicht länger mehr ausweichen könne: die Trinkgeldfrage, die der Verband als Gewerkschaft endlich lösen müsse. In namentlicher Abstimmung beschloß der Verbandstag mit 38 gegen IS Stimmen die Erhöhung des Beitrages von 36 auf 40 Pf. mit der Bedingung, daß die dadurch erwachsenen Mehreinnahmen lediglich zu den ins Auge gefaßten Agitations- zwecken, nicht aber zur Erhöhung der Unterstützung verwendet werden sollen. Nach der Annahme dieses Antrages ziehen die bis- herigen Gegner der Neuanstellung eines fünften Beamten ihren Widerspruch zurück, worauf dann einstimmig die geforderten zwei Beamten bewilligt werden, von denen einer als Gauleiter in Rhein- land-Westfalcn seinen Sitz haben soll. Ter Verband hat nun fünf besoldete Beamte, darunter den einen Gauleiter. Auch einer der anderen Beamten soll, soweit sich das als möglich erweist, vorwiegend in der äußeren Agitation tätig sein. Der von P o e tz s ch vorge- schlagenen Art der Gaueinteilung stimmt der Verbandstag nicht un- bedingt bei, vielmehr soll die Hauptverwaltung die Gaueintcilung bornehmen, ferner den Sitz des neuen rheinisch-westfälischen Gau- leiters bestimmen. Die Anstellung erfolgt am 1. Januar. Zum Punkte Organisation referiert zunächst R i e m a n n- Königsberg über die Organisierung des H ü l f s p e r s o n a l s. Er wies darauf hin, daß der Verband keine spezielle Kellnerorgani- fation, kein Branchen verein, sondern ein sogenannter Industrie- verband sei, der alle Angestellten des Gastwirtsgewerbes um- fassen wolle. Schon längst hatte man die Heranziehung des Hülfs- Personals ins Auge fassen müssen. Daß es nicht eher geschah, be- ruhe wohl darauf, daß man fürchte, nach der Heranziehung des Hülfspersonals die Kellner noch schwerer als bisher zu gewinnen. Es gebe ja sogar Kollegen, die nicht mal die ungelernten Kellner im Verband haben wollen. Die Grenzen zwischen der Tätigkeit des Kellners und des Hülfspersonals seien doch vielfach sehr verwischt. Zum Bedienen der Gäste würden Hausdiener und Zimmermädchen ebenso oft verwandt, wie der Kellner andererseits zu den etgent- liehen Arbeiten des Hülfspersonals, wie beispielsweise Putzen und dergleichen, das mit seinem Fach gar nichts zu tun habe. Es sei deshalb verfehlt, wenn man annehme, die einen würden nicht ge. gebenenfalls gegen die anderen Streikbrecherdienste leisten. Unter Umständen würden solche Arbeiten gar nicht als Streikbrecherdienst betrachtet werden. Das Hülfspersonal zerfalle in zwei Gruppen: erstens Hoteldiener, Zimmermädchen und dergleichen, deren Haupt- einkommen aus Trinkgeld besteht, zweitens Küchen- und Wasch- mädchen, Hausdiener und andere, die einen festen Lohn bekommen. Die erstere Gruppe sei ebenso schlecht wie die Kellner gestellt, während die letzteren, wenigstens im Osten Deutschlands, etwas besser daran seien. Tatsächlich sei für die Arbeitgeber im Osten wie im Westen das Hülfspersonal schwieriger zu haben als die Kellner. Auch bei den Hoteldienern sei im Gegensatz zu dem übrigen Hülfs- Personal ebenfalls das Angebot der Arbeitskräfte größer als die Nachfrage. Der Redner empfiehlt die staffelweise Abstufung der Beiträge, da besonders dem weiblichen Hülfspersonal der jetzige Bei» trag zu hoch sei. Zu diesem Gegenstand wird von der Ortsverwaltung Hamburg beantragt, in den großen Städten eine Agitation unter den Destillationsgehülfen, Bierzapfern und Hausdienern zu entfalten, die man in einer besonderen Sektion organisieren könne, sobald an einem Orte mehr als fünfzig sich dem Verbände angeschlossen hätten. Die Ortsverwaltung Dresden beantragt, alle Personen, die im Gastwirtsgewerbe tätig sind, zur Organisation heranzuziehen und zu diesem Zweck für die einzelnen Branchen von Zeit zu Zeit be- sondere Versammlungen zu veranstalten.— Die Ortsverwaltung Berlin wünscht, für Hülfspersonal, wie Zapfer, Gläserspüler, Haus» diener usw., besondere Branchensektionen zu errichten. In der Diskussion wird die Organisierung des männlichen Hülfspersonals auch deshalb gefordert, weil dieses meist das Streben habe, auch einmal Kellner zu werden. Er wird weiter die Ge- winnung des Büfettpersonals und der Köchinnen gefordert, die alle unter den nämlichen miserablen Lohn-, Gesundheits- und Arbeits- zeitverhältnissen leiden. Zur Gewinnung des Hülfspersonals und der weiblichen Ange- stellten beschließt der Verbandstag, bei den Ortsverwaltungen der größeren Organisationsorte besondere Branchensektionen zu bilden, ferner trotz des um 10 Pf. geringeren Wochenbeitrages den lveiblichen Mitgliedern und dem Hülfspersonal angesichts deren schlechteren Lohnverhältnisse die nämlichen Unterstützungen wie den anderen Mitgliedern zu zahlen. Ueber„Doppelarganisation" referiert Meier- Altona: Von Verbaudstag zu Verbandstag befasse man sich mit der Frage: Wie ist der lästigen Konkurrenz, die den Kellnern die Alt- gehörigen anderer Gewerbe vielfach durch billigeres Anbieten ihrer Arbeitskraft bereiten, entgegenzuwirken? Vmi manchen Ortsver- waltungen sei durch die Aufnahme der„Ucberläufer" in den Ver- band ein Erfolg erzielt worden. Die Mitgliedschaft der Ueberläufer verhindere, daß diese den Lohn drücken; denn als Verbandsmitglieder dürften sie nicht billiger arbeiten, als der Tarif festsetzt. Wenn dann der Handwerker als Kellner dieselben Löhne fordert wie der gelernte Kellner, so werde der Unternehmer nicht mehr dem Handwerker, sondern dem gelernteil Kellner den Vorzug geben. Aber nicht nur in den Verband der Gastwirtsgehülfen müßte man jene Leute hinein- ziehen, sondern man müsse auch dahin wirken, daß sie in ihrem Hauptberuf organisiert seien. Dort werde er aufgeklärt, daß es allen gewerkschaftlichen Grundsätzen ins Gesicht schlägt, sechs Tage der Woche in irgend einem Betriebe zu arbeiten, um dann am sieben- ten Tage, statt sich zu erholen, jenen das Brot zu nehmen, die die ganze Woche wenig oder gar keine Arbeit hatten. Bei dem Arbeits- Nachweis dürfe der Handwerker natürlich nicht als vollwichtiger Kellner figurieren, sondern er habe dort als Aushülfsarbeiter oder als Bierkellner zu gelten. Er sei immer nur seinen Kenntnissen ent- sprechend zu beschäftigen. Der Verbandstag faßte in dieser Sache folgenden Beschluß: „Personen, die alljährlich ununterbrochen langer als sechs Wochen oder dauernd als Aushülfskellncr, Büfettier, Zapfer usw. im Neben« berufe im Gastwirtsgewerbc tätig sind, sind verpflichtet, sich dem Verbände deutscher Gastwirtsgehülfen allzuschließen. Andererseits ist darauf zu dringen, daß Mitglieder, die außer im Gastwirtsge- werbe noch in einem anderen Berufe in dem oben bezeichneten Um« BAEB SDH1V Spezial-Haus grössten Massstabes. R>"S Chausseestrasse 24a/25 o 11 Bruckenstrasse 11• Cr. Frankfurterstr. 20. Vornehme, solide MassanfeiiigungJorrenldeiduiig aus modernsten deutschen und englischen erstklassigen Erzeugnissen unter Verwendung haltbarster Futterstoffe, Sauberste Abarbeitung.— Tadelloser Sitz, Kleidsamste Fassons.— Niedrige Preise. — nur so sieht ein Paket des echten „Kathreiners Kneipp-Malzkassee" aus! Darauf achte man beim Einkauf! 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Einlage Dutzend 2.50 Esslöffel Alpacoa Teelöffel Teelöffel Aipsoea Tischmesser Bestecke Küchenmesser Limonadenlöffel Gurkenhobel Schraubgläser 2 Gasplätten mit Erhitzer Spiritusplätten Gaskocher 2 Loch Petroleumkocher 1 Loch Petroleumkocher 2 Loch Spirituskocher Plättbretter bezogen Ärmelplättbretter Waschbretter Gazeschränke Dutzend 3.65 Dutzend 48, 65, 1.25 Dutzend 1.65 StQcic 12, 22 P£ Ftar 42, 55, 65 Pt 8, 12 Pt 7 Pt 28, 35, 42 Pt 8, 10, 15 Pt 4.35 6.75 4.95, 5.75, 6.75 1.35, 1.85, 2.65 3.95, 4.95 25, 35, 48 Pt 1.85, 2.10 45 Pt 45, 55, 65 Pt 4.25, 4.95, 5.95 Eisschränke 14.95, 21.50, 24.50 Giesskannen laeMert 35, 45. 70, 95 pt Gartengiesskannen Giesskannen Biech Blumensprflher Blumengitter Blumenbretter Blumenampeln Blumentopfhalter Gartenschläuche Tischtuchklammern Fensterklammern Ausgiesskorken Salz- und Pfefferstreuer Menagen steiiig 2.45, 2.95 65, 85, 1.10 28, 35 Pt 48, 75, 95 Pt 98 Pt 35, 48 Pt 25 Pf. Ueter 1.65, 2.10 3, 6 Pf. Dutzend 25 Pt 33 Pf. 5 Pt 95 Pf. Gläserteller mit bunter Einlage Dutzend 1.35 Tabletts mit Einlage 93, 1.25 Tabletts siech 10, 18, 28 Pt Gaze-Glocken nraa 22, 28, 35 pt Gaze-Decke! 15, 22, 28 pt kon Eisen 1.95 Feldstöhle Fussbank Stuhl Bank ca so cm lang Tisch rund Tisch ea 68/85 Triumpfstühle 1.95, 2.65, 3.45 Korb-Höbel rot oder grün 45, 60, 85 Pt Kindersportwagen �LÄÄÄe«' 6.00, vÄ 13.00 GLAS 7.50 5.50 Gambrinusbecher 9Pf. Gambrinustulpcn 33 pt Oiktoriabecher geschliffen 23 Pt Biertulpen geschliffen 25 pt Sturzflaschen geschliffen 33, 45 pt Sturzflaschen 25 Pt bemalt 42 pt Käseglocken geschliffen 45 pt Kompotteller geschaffen 22 Pf Wasserflaschen geprent 28, 38 Pt Kompotteller gepresst 5pf. Zitronenpressen 9pf. Milchsatten 7pt Weissbierpokale uein 18, gross 30 pt Kompottschalen ouvenseuiff ca. 13 18 21 23 cm 33 58 70 85 Pt weiss PORZELLAN dekoriert Kaffeetassen püt Untertassen 9, 15 Pf. Dessertteller rocosco 13 pt Zuckerdosen 9Pf. Milchtöpfe 18 pt Kaffeekannen 48 pt Saucieren 42 Pt Salatschalen 5, 10pt Kartoffclsch Ossein 68 pt Kompottschalen gerippt 38, 48 pt Dessertteller 15 Pt Dessertteller durchbrochen 15, 18 Pf. Körfachen durchbrochen 20, 2t>Pt Spargelschalen 18 Pt Salatschalen mit Ooia 48 Pt Kompottschalen miteschUohen 75pt Kompottschalen mit ooid 18 pt Dejeuners Wr 2 Personen, 4 teilig 98 Pf. Tcl'f V1CC fein dekoriert für 6 Personen'23 Teile 16.00» für 12 Personen 60 Teile 42.00 Restaurationsteller nach, massiv 18 pt Dessertteller massiv 12 pt Kompotteller massiv Obertassen massiv 9pt 9pt Kaffeeservice elegant dekoriert für 6 Personen Steilig 1.95, 9 teilig 3.25» 3.95 für 12 Personen ISteilig 9.50 STEINGUT Speiseteller 6pt Dessertteller 5pf. Kompotteller 4pf. Doiratstonnen blau Zwiebelmnster 33 Pf. Gewörztonncn blau Zwiebelmuster 14 Pf. Essig- u. Oelflaschcn �viebeim. 22 Pt Satztöpfe blau Zwiebeln», Satze St 1.65 Kaffeebecher weiss 8pt Kaffeebecher biau zwiebeim. 8, 10 Pt Salatieren gerippt oderPond Satz» st 1.20 Majolikateller 15, 20Pf. CyahHprpn mit Fond oder blau Zwiebel- 1 ec aaianeren mtlater BatI 7 Staek i.oo Waschgarnituren 4 teilig 1.45, 2.85, Steilig roter Fond 5.25 5 teilig Druckmuster 3.55, grosseForni Steilig rn. Fond 8.75 EMAILLE Wannen oval 1.25, 1.45, 1.65 Eimer weiss, neuhlao, grau 75 Pt Schmortöpfe ohne Ring 30, 38, 48 Pt Schmortöpfe mit Eing 55, 65. 80pf. Lasserollen ohne»wg 30, 38, 45pf. Lasserollen mit Bing 38, 48, 55 pt Wasserkessel für gm 48, 60, 75pt Wasserkessel dekoriert 2.10 Milchtöpfe neublan oder weis. 42, 55, 75 Pt Eierkuchenpfannen 18, 22, 30pt Setzeierpfannen Brotdosen oval Kaffeekannen Milchkannen Maschinentöpfe Waschgarnitur steiug 33, 48, 55 Pt 2.25, 2.95, 3.95 48, 65, 85 Pt 25, 30, 35 Pf. 28, 33, 42 Pf. 2.95, 3.25 Toiletteneimer mit Rohrbügel weias 2.45 Console, Sand, Seife, Soda AK' 1.75 Milchtöpfe, dekoriert Satz« Stück Z.7S Kehrschaufeln 28, 33, 42 Pt Seifenbehälter für die Wasserleitung 12, 15 Pt Muschelseifenbehälter t die wand 20, 33 pt Schüsseln weiss od. neubku, Lach 15, 18, 22pt Schüsseln weiss, tief 33, 33, 42Pt Bratenschüsseln oval, weiss 42, 55, 70«, Gemüseschüsseln weiss 25, 28, 35 Pt Ascheeimer 98, 1.25 1.45 Topfdeckel 8, 10, 12pt Löffel weiss 5, 8pt Leuchter weist 10pt Eimer dekoriert mit Deckel, Messing-<-) pc Bügel und Knopf �.00 Panzer-Emaille Hervorragende Qualität. Grösste Auswahl. Bttontwortl'�r Redakteur: Hans Weber, Berlin.'Kür den Inseratenteil Verantw.: Th. Glücke» Berlin. Druck u. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Nr. 9S. 23. 4 Ktiiqe»es Jorairts" Sfrlian lolbHotl Zovvtag, 29. April 1906. IviUraritdit Rundfcbau. CtKiK und matcmUrtifcbe Gcrchicbtsauffafrung. in. Nach der Kritik des Kantschen SiitengesetzeZ lsiehe den ersten Teil dieser Besprechung in Nr. 88 des„Vorwärts" vom 15. d. M.) schreitet Kautsky zur Begründung seiner eigenen Auffassung vom Ursprünge und Weseu der' Ethik. Kautsky geht dabei vom Darwinismus ans. Indem Darwin in seinem Buche über die Abstammung des Menschen nachwies, daß die sogenannten moralischen oder„altruistischen" Gefühle keine besondere Eigentiimlichkeit der Menschennatur sind, daß wir sie vielmehr auch in der Tierwelt finden-und daß sie hier wie dort den gleichen Ursachen entspringen, tat er einen entscheidenden Fortschritt über die bisherigen Ausfassuugen der Ethik hinaus. Nach ihm sind die moralischen Gefühle nämlich nichts weiter als Resultate des Kampfes ums Dasein, der nicht nur gewisse Kräfte und Fähig- leiten, vornehmlich die Eigenbewegung und das Erkenntnisvermoge», sondern zugleich auch den Selbsterhaltungstrieb, den ursprünglichsten aller tierischen Triebe, entwickelt. Doch dieser Trieb dient nur der Erhaltung des Individuums. Wie lange aber dieses auch bestehen mag, schließlich vergeht es, ohne Spuren seiner Individualität zu hinterlassen, wenn es sich nicht fortpflanzt. Nur jene Gattungen von Organismen vernlögen sich im Kampfe ums Dasein zu be- Haupte», die eine Nachkommenschaft hinterlassen. Mit dem Selbsterhaltungstriebe entwickelt sich, wie Kautsky weiter aus- führt, der Trieb nach Fortpfkanzung und Be- schützung der Nachkommen, der Trieb nach„Erhaltung der Art", wie er von manchen Naturwissenschaftlern genannt wird! und dieser wieder führt in seiner Verbindung mit dem SelbsterhaltungS- triebe zum Zusammenschlüsse der gleichartigen Individuen zu Nudeln und Schwärmen, zur Bildung von Gemeinschaften. Schon an und für sich sei es, sagt Kautsky, das Natürlichste, daß die Jungen bei de» Alten bleiben, wenn nicht äußere Verhältnisse dazu zwängen. daß sie sich von ihnen entfernten.„Das Beisammenleben von Individuen der gleichen Art, die urwüchsigste Form des gesellschaft- lichen Lebens ist auch die urwüchsigste Form des Lebens überhaupt. Die Trennung von Organismen, die einen gemeinsamen Ursprung haben, ist erst ein späterer Akt." Teils sind es Nahrungsmangel, teils die besonderen Arten der Nahrungsbeschaffung, oft auch die Notwendigkeit, sich vor seinen Feinden möglichst verborgen zu halten, die manche Tiere die Isolierung suchen läßt. Andere dagegen ziehen aus einem gemeinschaftlichen Leben Borteile. „Die Vereinigung mehrerer schwachen Kräfte zu gemeinsamen Tun kann eine neue, größere Kraft erzeugen. Dann aber kommen in der Vereinigung hervorragende Kräfte einzelner allen zugute. Wenn die Stärksten jetzt für sich kämpfen, kämpfen sie auch für die Schwächeren: wenn die Erfahrensten für ihre Sicherheit sorgen, für sich nach Weideplätzen suchen, tun sie das auch für die Unerfahrenen. Jetzt lvird es aber auch möglich, eine Arbeits- teilung unter den vereinigten Individuen herbeizuführen, die, so flüchtig sie sein mag, doch ihre Kräfte und ihre Sicherheit erhöht. ES ist unmöglich, mit vollster Aufmerksamkeit die Umgebung zu beobachten und gleichzeitig mit voller Gemütsruhe zu fressen. Während des Schlafens hat natürlich jede Art des Beobachten? ein Ende. Aber in der Vereinigung genügt ein Wächter, den übrigen Sicherheit beim Mahle oder Schlafe zu verleihen." Solches Zusammenleben aber erfordert eine gewisse Anpassung der Einzelnen an einander, ein Zusammenhalten und eine gewisse Einheitlichkeit des Wollens, ans welchem sich wieder eine Reihe anderer Triebe entwickelt, die Kautsky„soziale Triebe" nennt. „Bei Tiergattungen, bei denen der gesellschaftliche Zusammen- halt zu einer toirksamen Waffe im Kampfe ums Dasein wird, züchtet dieser daher gesellschaftliche, soziale Triebe, die bei mancher Gattung und manchem Individuum zu einer erstaunlichen Kraft anwachsen, so daß sie selbst die Triebe der Selbsterhaltung und der Fortpflanzung zu überwinden ver- mögen, wenn sie mit diesen in Konflikt kommen. Diese Triebe selbst können je nach den verschiedenen Lebens- bedingungen der verschiedenen Arten verschieden sein, aber eine Reihe' von Trieben bildet die Vorbedingung für das Gedeihen jeder Art von Gesellschaft. So vor allem natürlich die Selbst- losigkeit, die Hingebung für die Allgemeinheit. Dann die Tapfer- keit in der Verteidigung der gemeinsamen Interessen: die Treue gcgeu die Gemeinschaft: die Unterordnung unter dem Willen der Gesamtheit, also Gehorsam oder Disziplin: Wahrhafsigkeit gegen die Gesellschaft, deren Sicherheit man gefährdet, oder deren Kräfte man vergeudet, wenn mau sie irreführt, etwa durch falsche Signale. Endlich Ehrgeiz, die Empfänglichkeit für Lob und Tadel der Gemeinschaft. Das alles sind soziale Triebe, die wir schon in tierischen Gesellschaften ausgeprägt finden, manche davon oft in hohem Maße. Diese sozialen Triebe sind aber nichts anderes als die er- habensten Tugenden, ihr Inbegriff das Sittengesetz. Höchstens fehlt unter ihnen noch die Gerechtigkeitsliebe, das ist der Drang nach Gleichheit. Für deren EntWickelung ist in den tierischen Gesellschaften freilich kein Platz, weil sie nur. natürliche individuelle, nicht aber durch gesellschaftliche Verhältnisse hervorgerufene, soziale Ungleichheiten kennen. Das. erhabene Sittengesetz, » daß der Genosse niemals bloßes Mittel zum Zweck fein solle,- welches unsere.Kanti aner als die gewaltig st e Leistung des Kantschen Genius und alS das„sittliche Programm der neuen Zeit und aller Zukunft der Weltgeschichte" betrachten, ist in den tierischen Gesellschaften eine Selb st ver- ft ä n d l i ch k e i t. E r st d i e E nt w i ck e l u n g d e r m e n s ch- lichen Gesellschaft hat Zustände denen der Mitgliedfchaste geschaffen, in zum bloßen Werk- zeug anderer wurde!" Das Sittengesetz ist demnach, wie Kautsky sagt, ein„ t i e r i- scher Trieb", nichts anderes. Deshalb seine Kraft, deshalb sein Drängen, dem wir ohne Ueberlegen gehorchen, deshalb unsere rasche Entscheidung in einzelnen Fällen, ob eine Handlung gut oder böse, tugendhast oder lasterhaft: deshalb die Entschiedenheit und Energie unseres sittlichen Urteils und deshalb die Schwierigkeit, cS zu de- gründen, wenn die Vernunft anfängt, die Handlungen zu zergliedern und nach ihren Gründen zu fragen. „Nicht aus unserem Erkcnntuisvermögey, sondern aus unserem Triebleben stammt mit dem Sittcngesetz auch das sittliche Urteil, sowie das Gefühl der Pflicht und das Gewissen." DaS ist, kurz skizziert, der Gedankengang Kautskys, dem ich in seinem ersten Teil völlig zustimme, während sich mir in bezug auf die letzten Ausführungen verschiedene Einwände aufdrängen, die jedoch weniger den eigentlichen Gedankeninhalt der Ausführungen Kautskys als die Form der Deduktion betreffen. Kautöky spricht verschiedentlich von e i n e m sozialen Trieb, dann wieder von sozialen Trieben, er nennt das Sittengesetz einfach einen„tierischen Trieb" und bezeichnet es andererseits wieder als„Inbegriff der sozialen Triebe"; er stellt den sozialen Trieb in Gegensatz zum SelbsterhaltungS- und Fort- pslanzungstrieb und sagt dann wieder imobigenZitat:,, Aus unserem Triebleben s das doch auch den Fortpslanzungs- und SelbsterhaltungS- trieb einschließt) stammt mit dem Sittengesetz auch das sittliche Urteil." Es fehlt an einzelnen Stellen nach meiner Ansicht die scharfe Begriffsscheidung, und zwar erklärt sich, soweit ich zu ersehen ver- mag, dies daraus, daß Kautsky trotz seines höheren, steteren Stand- Punktes, der ihn z. B. sehr fein zwischen den Funktionen des tierischen und des sogenannten gesellschaftlichen Organismus unterscheiden läßt, doch noch stark unter�dem Einfluß der biologisch-soziologischen Auffassung darwinistischer Sozialthcoretiker steht und die Ergebnisse der die primitiven menschlichen Gemeinschaftsformen betreffenden ethnologischen Untersuchungen erst in zweiter Reihe in Betracht zieht. Ethnologisch erscheint als Ausgang der Ethik der Trieb zum Zusammeilfchluß, der Gemeinschaftstrieb, von monchenr Biologen und Ethnologen auch als Herdentrieb, Gesellig- keilstrieb, sozialer Trieb usw. bezeichnet. Die anderen Triebe, die Kautsky als„soziale Triebe" bezeichnet(manche Sozialtheorctiker nennen sie„altruistische Triebe"), z. B. Selbstlosigkeit, Hingabe au das Gemeinwesen, Disziplin usw., sind lediglich Produkte des Zu- sammculebens, d. h. teils neue Triebe, die sich unter den Bedingungen des Gemeinschaftslebens und seiner Aufrechterhaltung entwickeln, teils Modifikationen schon vorhandener Triebe. Nicht aber nur diese besondere Reihe von Trieben, die sich übrigens kaum abgrenzen läßt, da sich die verschiedenen Triebe vielfach wechselseitig bedingen und ergänzen, bildet den Inbegriff des Sittcngesetzes, sondern die Gesamtveränderungen des Trieblebens unter dem Einfluß des Zu- sammenlebens. Alles Trieblebcn erfährt unter den im Laufe der EntWickelung mannigfach wechselnden Bedingungen des Gemein- schaftslebens größere oder geringere Veränderungen, teils Ein- schränkungen, teils Fortbildungen(Erweiterungen); und alle diese sich ergebenden Regulative, mögen sie instinktive bleiben, oder sich zu bestimmten ungeschriebenen oder geschriebenen Satzungen verdichten, sind Teile des Sittengesctzes. Demnach läßt sich auch meiner An- ficht nach der Gegensatz zwischen den sogenannten„sozialen Trieben" und dem Fortpflanzungstrieb, dem Selbsterhaltungstrieb, der Mutterliebe usw., den Kautsky mehrfach annimmt Nicht aufrecht- erhalten. Der Fortpflanzungstrieb als solcher bilßet zwar keinen Bestandteil des Sittengesetzes, wohl aber die bestimmten Formen seiner Einschränkung, seiner, wenn man so sagen darf, gesellschaft- lichen Regulierung. Die Verbote des geschlechtlichen Verkehrs zwischen verschiedenen Altersklassen und verschiedenen Verwmidtschafts- gruppen, die wir bei primitiven Völkerschaften finden, gehören z. B. sicherlich zum Sittengesetz. Aus den wechselnden Bedingungen des gesellschaftlichen Zu- sammenlebens ergeben sich an den einzelnen die verschieoenartig- sten Anforderungen, sowohl in bezug auf sein Verhalten gegenüber der Gemeinschaft, in der er lebt, als gegenüber deren einzelnen Mitgliedern: Anforderungen, die ihm als e i n S o l l e n gegenüber- treten und die sich, indem dieses Sollen mehr oder minder bewußt von ihm als Richtschnur seines Verhaltens anerkannt wird, zu Faktoren seines Willens gestalten. Das Sollen ist demnach nicht, wie die Kantische Ethik behauptet, etwas, das uns als Gebot einer„intelligiblen" Welt entgegentritt, sondern als eine Forde- rung der gesellschaftlichen Lebensbedingungen. Einige Beispiele mögen das veranschaulichen. Die Unsicherheit des Nahrungs- erwerbs, die Unmöglichkeit, große Lebensmittelvorräte auf den stetigen Wanderzügen mitzuschleppen und die Unkenntnis aller Methoden einer künstlichen Konservierung der erjagten Nahrung, haben bei den meisten australischen Horden dazu geführt, daß niemand größeres Jagdwild, selbst wenn er es allein erlegt hat, ausschließlich für sich beanspruchen darf; er muß seinen Horden- genossen davon abgeben. Bei einem Teil der niederen Horden tritt uns diese„Verpflichtung" nur erst als ein« aus den gemeinschaft- lichen Lebensbedingungen sich ergebende ziemlich vage Forderung entgegen; wo aber die Verteilung des Wildes zu einer der Grund- bedingungen der Gemeinschaftsexistenz geworden ist, da zeigt sie sich als„sittliche" Forderung, die ihren Ausdruck in genau be- stimmten Verteilungsregeln gefunden hat und die niemand un- beachtet lassen darf, ohne sich dem Unwillen seiner Genossen, ja der Ausstoßung aus ihrem Kreis auszusetzen. Ein anderes Beispiel, das wir bei Wanderhorden der ver- schiedensten Rassen finden: die Tötung neugeborener Kinder. Aus der Unmöglichkeit für die Frau, auf den stetigen Wanderzügcn mehrere Säuglinge zugleich zu tragen und zu säugen, ergibt sich die Notwendigkeit, dann, wenn eine Frau gebiert und das früher Geborene noch auf den Märschen getragen werden mutz, den neuen Ankömmling zu töten. Das ist einfach ein Zwang der Lebensbedingungen, und als solcher wird er zunächst auch empfunden: später, wenn er Brauch geworden, sehen wir ihn aber bielfach als„sittliche" Forderung zur Erhaltung einer kräftigen Nachkommenschaft auftreten, als eine Forderung deren Erfüllung sogar von der Gemeinschaft, falls die Mutter sich weigert, ihrer „Pflicht" gegen ihre erstgeborenen Kinder nachzukommen, gewalt- sam erzwungen wird. Aber mit dieser Ableitung des Sittengesetzes aus den„sozialen Trieben" ist noch nicht das ganze ethische Problem gelöst. Lassen sich auch der sittliche Drang. Pflicht und Gewissen, sowie die Grund» typen der sogenannten Tugenden aus den sozialen Trieben erklärcu, so versagen diese doch, wo es sich um die Erklärung des sittlichen Ideals handelt. Dieses Geheimnis enthüllt uns bis Marxsche materialistische Geschichtstheoric, Kautsky zeigt zunächst die Wurzeln dieser Theorie und erörtert dann die Abhängigkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse von der Wirtschaftsweise, sowie die Wandlungen der soziale» Triebe unter dem Einfluß der gesellschaftlichen Veränderungen, besonders unter der Klassenteilung. Das Sittengesctz gflt zunächst nur für die Mitglieder der eigenen Gemeinschaft: erlangt aber mit dem Fortschritt der sozialen Eni- Wickelung eine immer ausgedehntere Geltung, weit über den Kreis der eigenen Gemeinschaft, des eigenen Schwarmes, Stammes, Staates hinaus. Dafür aber findet in den Gemeinschaften selbst mit ihrer Spaltung in herrschende und unterdrückte Klassen eine Diffe- renzierung der Sittenanschauungen statt. Die unterdrückten Klassen setzen der alten Moral, welche die herrschende Klasse zu erhalten sucht, eine aus ihren besonderen Lebensverhält- nissen entsprossene neue Moral entgegen. „Je länger aber die überlebten moralischen Satzungen in Kraft bleiben, indes die ökonomische Entwickelung fortschreitet und neue gesellschaftliche Bedürfnisse schafft, welche neue sittliche Normen erfordern, um so größer wird der Widerspruch zwischen der herrschenden Moral der Gesellschaft und dem Leben und Streben ihrer Mitglieder. Aber dieser Widerspruch äußert sich in den verschiedenen Klassen auf verschiedene Weise. Die konservativen Klaffen, jene, deren Existenz auf den alten gesellschaftlichen Bedingungen be- ruht, halten fest an der alten Moral. Jedoch nur in der Theorie. In der Praxis können sie sich keinesfalls den Einwirkungen der neuen gesellschaftlichen Bedingungen entziehen. Der bekannte Widerspruch zwischen sittlicher Theorie und Praxis setzt hier ein. Er gilt manchem als ein Naturgesetz der Moral; deren For- derunaen erscheinen als etwas sehr Wünschenswertes, aber Un- erfüllbares. Der Widerspruch zwischen Theorie und Praxis in der Moral kann aber hier wieder zweierlei Formen annehmen. Klassen und Individuen voll Kraftgefühl setzen sich' offen über die Forderungen der überlieferten Sittlichkeit hinweg, deren Notwendigkeit für die anderen sie wohl anerkennen. Klassen und Individuen, die sich schwach fühlen, übertreten dagegen heimlich die sittlichen Gebote, die sie öffentlich predigen. So schafft diese Phase je nach der historischen Situation in den untergehenden Klassen entweder Zynismus oder Heuchelei." Zu ganz anderen Ergebnissen führt hingegen der wachsende Widerspruch zwischen den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen und der alten Moral in den aufstrebenden Klassen. „Sie haben nicht den mindesten Grund, an ihr zu hängen, sie haben allen Grund, ihr entgegenzutreten. Je mehr sie sich ihres Gegensatzes zur herrschenden gesellschaftlichen Ordnung be- mutzt werden, desto stärker wächst auch ihre sittliche Empörung, desto mehr setzen sie der alten, überkommenen Moral eine neue entgegen, die sie als Moral der ganzen Gesellschaft durchsetzen wollen. So ersteht in den aufsteigenden Klassen ein sittliches Ideal, das immer kühner wird, je mehr diese Klassen an Kraft gewinnen." „Der Inhalt des neuen sittlichen � Ideals ist nicht immer ein sehr klarer. Er geht hervor nicht aus irgend einer tiefen wissenschaftlichen Erkenntnis des gesellschaftlichen Organismus, der den Urhebern des Ideals vielfach ganz unbekannt ist, sondern aus einem tiefen gesellschaftlichen Bedürfnis, einem heißen Sehnen, einem energischen Wollen nach etwas anderem als dem Bestehenden, nach etwas, was das Gegenteil des Bestehenden ist. Und so ist auch dieses sittliche Ideal im Grunde nur etwas rein Negatives, nichts als der Gegensatz zur herrschenden Sitt, lichkeit. Seitdem es eine Klassengesellschaft gibt, schützt aber die herrschende Sittlichkeit, sobald sich ein scharfer Klassengegensatz gebildet hat, stets Unfreiheit, Ungleichheit, Ausbeutung. Und so ist denn auch das sittliche Ideal aufstrebender Klassen in historischer Zeit stets anscheinend dasselbe gewesen, stets jenes, das die französische Revolution zusammenfaßte in den Worten: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit." Das sittliche Ideal ist also nichts anderes als der Komplex der Wünsche und Bestrebungen, die durch den Gegensatz zum be- stehenden Zustand hervorgerufen werden. Deshalb gelangte dieses Ideal auch in den bisherigen Klassenkämpfen immer nur teilweise zur Verwirklichung, denn der neue gesellschaftliche Zustand, der an Stelle des alten tritt, hängt nicht von der Gestaltung des sitt- lichen Ideals, sondern von den gegebenen materiellen Bedingungen zu seiner Verwirklichung, von den ökonomischen Verhältnissen ab. Diese uns durch die materialistische Geschichtsauffassung über- mittelte Erkenntnis kann jedoch in unserem gegenwärtigen Kamps unsere Energie nicht lähmen; denn was bisher allen Erneuerern der ßiesellschcrft als sittliches Ideal vorschwebte, aber von ihnen nicht erreicht werden konnte, dazu sind jetzt zum erstenmal die ökonomischen Bedingungen gegeben, das können wir zum erstemnal in der Weltgeschichte als notwendiges Resultat der ökonomischen Entwickelung erkennen: die Aushebung der Klassen. „Nicht die Aufhebung aller beruflichen Unterschiede, nicht die Auf-, Hebung der Arbeitsteilung." wie Kautsky in Abwehr Voraussicht- sicher gegnerischer Angriffe hervorhebt,„wohl aber die Aufhebung jener gesellschaftlichen Unterschiede und Gegensätze, die aus der ausschließlichen Fesselung der Masse des Volkes an die materielle Produktionstätigkeit entspringen." Wie regelmäßig, wenn eine marxistische, die historisch-materia- listische Betrachtungsweise anwendende Schrift erscheint, hat auch diesmal die bürgerliche Presse vom Schlage der„Post" und der „Täglichen Rundschau" nicht versäumt, gleich nach dem Erscheinen der Kautskyschen„Ethik" über deren rohen Materialismus zu jammern, ohne zu beachten, daß sie damit nur die Ausführungeil Kautskys über den Zynismus und die Moralhcuchelei der unter- gehenden Klassen bestätigen. Dieselben Blätter, die kein anderes Ideal als die Aufrechterhaltung der heutigen Klassenherrschaft und Klaffenvorteile kennen, für die alle Sittlichkeit nichts mehr ist als eine Modesache, die den „Herrenmenschen" nichts angeht, dieselben Blätter ent- rüsten sich, daß Kautsky die Geltung ewiger Moralgrundsätze leugnet. Eine Entrüstung, die um so komischer wirkt, als sie nicht imstande sind, auch nur einen einzigen derartigen„ewigen" Moral- grundsatz, der zu allen Zeiten Geltung gehabt hat. zu nennen. In Wirklichkeit bedeutet gerade Kautskys Untersuchung eine Ver, ankerung der Moral, indem er nachweist, daß diese keine„leere Formel", auch nichts bloß Gewohnheitsmäßiges oder Erfundenes ist. sondern das notwendige Ergebnis der Lebensverhältnisse, der gesellschaftlichen Existenzbedingungen der Menschheit auf ihrer Eftfc Wickelungsbahn und zugleich ein Hebel ihres Fortschrittes. Hoffentlich findet Kautskys neueste Schrift weiteste Ver- breitung, denn indem er eine systematische Untersuchung der Ethik nach ihrem historischen Ursprung und ihrem EntwickelungSgang unternimmt, bietet er nicht nur ein Stück sozialistischer Welt- anschauung in populör-analytischer Form, sondern weist zugleich alle neueren Verhiche zurück, dem Sozialismus ein anderes Fun, dament zu geben, als die ökonomischen Entwickelungstatsachen. H. C. Eingegangene Drudtfchriftcn. Aussätze zur Warnung und als Dokumente de« Preis l M. Plutils Verlag, Charlottenburg, Rusilauds Bankrott. Zeitgeschichte. 125 Seiten. Berlin, Goethesw.«9. Prof. Dr. Nrank«'. �Soziale Praris", Zentralblait siir Sozialpolitik Nr- 29 des 15. Jahrg. Preis vierteljahrlich 2,50 M.— Verlag, Duncker u. Humblot, Leipzig. Löffler, Rechtsanwalt. Wieder nichts gewonnen! 15 Selten. Kom- missionsoertrieb F. E. Fischer, Leipzig. Dr. A. Braß. Niiiersilchungen über das Licht und die Farbe». I.Teil. 70 Abbildungen. 192 Seiten. Preis IM. Verlag A. W.Zich'eldt, Osterwick im Harz. Dh. Stöckman». Ein neues Naturmittel gegen Krankheit und Laster. 20 Seiten. Selbstverlag, Göttingen. Dr. I. Wolf. Zeltschrist für Sozialwissenschass. Heft 4. Monatlich 'in Heft. Preis Viertels- 5 M. Einzelh. 2 M. 12 Hoste bilden einen Band. Verlag G. Renner, Berlin, W. 35, R. H. France. Das Leben der Pflanze. Die erste Abteilung(Das Pflanzenleben-Deutschlands) nmsatzt 2ö Licserungen a> M. Gesamtpreis 26 M. Lieferungen 5 bis 10 soeben erschienen. Verlag Kosmos Ge, sellschast der Staturfreunde, Franlhsche Veilagsbuchhandlung Stuttgart. 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Es ist Pflicht der Genossen, für regen Bestich der Versammlung Sorge zu - tragen. Um s'z4 Uhr findet alsdann ein allgemeiner Ausflug zum Genossen Ende,' Wald- und Seeschloß Dabendorf, statt. Potsdam. Am 1. Mai finden hier um 9>/z Uhr vormittags zwei Volksversamnr langen statt: im„Viktoria- garten" für Maurer, Zimmerer und Töpfer; im Restaurant L a d e n t h i n für alle ü b r i g c n G c Iv c r I s ch a f t e n. Kontrolle von 8 Uhr ab in beiden Lokalen. Der sozial- demokratische Wahlverein veranstaltet nachmittags 8'/o Uhr im„Viktoria-Garten" Konzert, Gesang und Tanz.— Die Festrede(Genosse Redakteur Alb. Meyer- Brandenburg) findet abends T'/o Uhr statt. Zi, zahlreicher Beteiligung laden ein Der sozialdemokratische Wahlverein. Das Gewerkschaftskartell. lVerlmer l�admcbtm De» Biirgcrvcrcinell Berlins, die ivie ein Veilchen im Ver- borgcnen blühen, sucht der Deutsche Biirgemrein Dorothecu- uud Friedrichstadt neues Lebe» einzuhauchen. Dieser Verein Verbreiter einen Aufruf, in welchem aufgefordert wird, daß jeder Deutsche seinen Brüdern beispringe, die er in den Bürgervereinen findet und dafür kämpfe, daß der eiserne Demokratenring durchbrochen wird, der Berlin umschließe. Wer sein Vaterland lieb habe, breche mit dem erbärmlichen Freisinn und der Sozialdemokratie und komme in die Reihen der Bürgervereinc. � Ein• großes Ziel haben sie sich gesteckt und da die Bürgcrvcreinlcr in Berlin keinerlei Vertretung mehr haben— sogar die letzte Stütze in der Berliner Stadtverordneten-Versammlung. Herr Prctzel, ist aus derselben hcrausgewählt worden— so haben sie sich vorgenommen, wenigstens den I. Wahlkreis zu erobern. In den anderen Wahlkreisen hängen ihnen die Trauben wohl zu hoch. In dem Aufruf heißt es u. a.: „Mitbürger I Zurück mit der Zipfelmütze! Frage Dein Gewissen, ob mit Deiner Schuld der I. Reichstagswahlkreis von Sozial- demokraten oder Freisinn beherrscht wird. Wir fordern die Rentters, die Männer der Kunst und Wissenschaft, den Fabrikbesitzer, den Kaufniann, den Hnndwerker, den Beamten, den Arbeiter, alle, alle, aus. kommt und helft uns! Uebernehmet Ehrenämter, zahlt Bei- träge; wir leben in einem lonsttintionellen Staate; jeder Bürger muß helfen I Oder haben wir die Konstitution zu früh bekommen? Jeder regiert niit und wer dies nicht tut, vergibt sich sein größtes Recht und hat schuld an allen schlechten Zuständen. Ein jeder muß bei sich anfangen! Der deutsche Bürgerverein will in dem Bezirk, in welchem das Schloß des deutschen Kaisers liegt, einen Sammelpunkt bilden für alle, welche sich noch Königstreue und Vaterlandsliebe bewahrt haben. Er kämpft gegen alle Feinde der Monarchie mit der Losung:„Mit Gott für Kaiser und Reich I" Diese Proben mögen genügen, um zu zeigen, daß diese Herren den Mund immer recht voll zu nehmen wissen. Wir versagen es uns, die Stilblüten im einzelnen zu zerpflücken. Interessant ist aber doch der Passus, in dem es heißt!„Frage Dein Gewisien, ob mit Deiner Schu.ld der I. Reichstagswahlkreis von Sozial- demokraten oderFreisinn beherrscht wird". Erstens ist der I. Kreis noch durch einen Freisinnigen im Reichstag ver- treten und das war nur möglich, daß die Herren Königstreuen Mann für Mann für ihn stimmten. Im andern Falle wäre der Kreis der Sozialdemokratie anheimgefallen. Also sind diese Herren doch schuld, daß der Kreis dem Freisinn gehört. Natürlich wollen sie noch weniger, daß ein Sozialdemokrat gewählt wird, aber alle Anstrengungen, dies auf die Dauer zu verhindern, werden nichts nützen. Uns soll es Spaß machen, dafür zu sorgen, daß der Kreis, in dem das Schloß des Kaisers liegt, bei der nächsten Wahl unser wird und Berlin in allen sechs Wahlkreisen von Sozialdemokraten vertreten wird. Spediteure und Wieder» erkäufer werden darauf aufmerksam ge- macht, daß die Nr. 9 des„Wahren Jakob", bereits am Montag den 30. April wegen des 1. Mai erscheint. Zur Maifeier wird uns aus den Kreisen der Bureauangestellten eschrieben: Recht viel können die Arbeiter und Arbeiterfrauen dazu eitragen, der diesjährigen Meifeier einen besonders imposante» und eindrucksvollen Charakter zu verleihen, wenn sie ihre geschäftlichen Einkäufe und dergleichen nicht ausgerechnet am Weltfeiertag der Arbeit, sondern schon am Tage zuvor oder später besorgen. Eine leider noch sehr große Anzahl Arbeiter und Arbeiter- frauen denkt noch zu wenig daran, diesen selbstgeschaffenen Feiertag zu einem wirtlich vollkommenen zu machen. und auch diejenigen an diesem Tage zum unfreiwilligen Feiern zu zwingen, die dem erhabenen Gedanken, welcher der Maifeier zu- gründe liegt, feindlich gegenüberstehen. Das könnte nach Möglichkeit erreicht werden, indem man— wie bereits erwähnt— g r u n d- sätzlich am proletarischen Feiertag keine Einkäufe besorgt, weder in Geschäften noch bei Handwerkern und dergleichen, daß man an diesem Tage auch weder den Barbrer, den Rechts- anwalt, die Krankenkassen usw. aufsucht. Ob man die Bureaus der Rechtsanwälte, Krankenkassen und anderer Institute einen Tag ftüher oder später aufsucht, dürste bei einiger Einsicht ziemlich gleichgültig sein, für die Angestellten dieser Betnebe bedeutete dies aber eine Mahnung bezw. eine Erleichterung, den Tag durch Arbeitsruhe zu begehen; außerdem würde eine solche Fernhaltung auch sehr wesentlich demonstrativ wirken. In den Arbeitervierteln werden bei solchem Verhalten der Arbeiter- lundschaft die Geschäftsleute ganz von selbst auf den Gedanken komnien, daß eS besser ist, an diesem Feiertage ihre Geschäftsräume vollständig zu schließen, um nicht vor Langeweile Fliegen zählen zu m�ü s s e n I Die Häufung der Eheschließimgen war in Berlin in den Wochen vor und nach dem 1. April diesmal nicht ganz so stark wie im vorigen Jahre. ES sind besonders die letzte Woche des März und die drei ersten Wochen des April, die alljährlich durch eine ungewöhn- lich hohe Zahl von Eheschließungen den Standesämtern zu schaffen machen. Die vier Wochen vom 25. März /Sonntag) bis zum 21. April (Sonnabend) brachten in diesem Jahre 3360 Eheschließungen, während im vorigen Jahre in den vier Wochen vom 26. März(Sonntag) bis zum 22. April(Sonnabend) 3420 Ehen geschlossen worden waren. In beiden Jahren war die erste Woche des April mit der höchsten Zahl beteiligt, in 1906 mit 1045, in 1905 sogar mit 1056. Im übrigen jedoch war die Verteilung diesmal gleichmäßiger als sonst. Die zweite Woche des April brachte in diesem Jahre, wo sie Kar- ivoche war, sehr viel weniger Eheschließungen als im Vorjahre, 760 gegen 1038. Dafür wurden aber in der letzten Woche des März und in der dritten Woche des April diesmal 714 und 841 Ehen ge- schloffen, während im Vorjahre auf diese Wochen nur 666 und>660 Eheschließungen entfielen. Straßenbahn und Hochbahn. Zu einer im Sttaßenbahnbetriebe seltenen Verkehrsstörung kam es gestern infolge eines durch eigen- artige Umstände verursachten Kurzschlusses in der Gitschinerstraße. Von dem Motorwagen Nr. 1390, welcher auf der Linie 89 verkehrte, entgleiste die Kontaklstange und schlug gegen das Eisengerüst der Hochbahn, wodurch Kurzschluß herbeigeführt wurde. Durch den letzteren schmolz der Leitungsdraht her Straßenbahn durch. Gleich- zeitig sprangen infolge des Kurzschlusses die Automaten der zu- sammengeschalteten Speisepunkte V und VI in der Unterstation Mariannenstraße aus, wodurch die Bezirke der Statton stromlos wurden. Hierdurch entstand in der Oranien-, Kommandanten-, Bcuth-, Ritter-, Prinzen- und Gitschinerstraße eine Betriebsstörung, die jedoch schon nach 6 Minuten gehoben werden konnte. Länger dauerte die Störung an der Unfallstelle, woselbst die Reparatur- arbeiten fast eine Stunde in Anspruch nahmen. Die Wagen der Linien 82, 89 und 90 mußten für die Dauer der Störung durch die Admiral-, Grimmstraße und Hasenheide abgelentt werden. Unterbrechung einer Straßenbahnlinie. Die Straßenbahnlinie 8 Straßenbahnhof— Stadtbahnhof Charlottenburg muß unterbrochen werden. Die Schloßstraße daselbst wird zwischen der Spandauerstraße und der Potsdamerstraße asphaltiert. Es wird deshalb not- ivendig, den Betrieb der Linie in der Schloßstraße eingleisig zu führen und ihn nur zwischen dem Stadtbahnhof und der Spandauer- straße bis zur Ecke der Schloßstraße auftecht zu erhalten. Die Weiterbeförderung der Fahrgäste bis zum Straßenbahnhof erfolgt mit den Wagen der Linie U Kupfergraben— Charlottcnburg, P Dönhoffplatz— Westend und B Dönhoffplatz— Spandauer Bock. Dir alte Unsitte, während der Fahrt vom Straßenbahnwagen herabzuspriugen, hat gestern abend wieder einen schweren Unglücks- chll herbeigeführt und einen im besten ManneSalter stehenden Menschen zum Kriippel gemacht. Der 30jährige Burcaudiätar Christian Frank, Sckn>lstraße 27 wohnhaft, hatte einen Straßenbahn- zng der Siemens& Halske'schen Linie Friedrichsiraße— Panlow be- nützt, und iu der Spandauerstratze in Panlow sprang F. während< der Fahrt von dem Motorwagen ab. Er verfehlte dabei den Tritt, geriet unter den nachfolgenden Anhängewagen, wobei ihm der rechte Unterarm vollständig abgefahren wurde. Der Unvorsichtige wurde nach der kgl. Klinik in der Ziegelstraße gebracht. Ein schwerer Unglücksfall im Sttaßciibahnbettiebe fand gestern (Sonnabendmittag) in der Reinickendorferstraße statt. Die 6jährige Tochter der in der Dalldorferstratze 5 wohnenden Knänlschen Eheleute versuchte vor dem Hause Reimckcr.dorferstroße 8 unmittelbar vor einem vorbeifahrenden Straßenbahnwagen der Linie 34(Kreuz- berg— Gesundbrunnen) den Fahrdamm zu überschreiten, glitt aus und fiel so unglücklich, daß sie mit den Füßen auf das Straßenbahngleis zu liegen kam. Wiewohl der Führer des Motorwaggons die Gefahr- bremse zur Anwendung brachte, vermochte er doch nicht zu ver- hindern, daß das Mädchen unter die Plattform und mit dem linken Beine unter den Schutzrahmen geriet. Der Wagen mußte durch Winden angehoben werden, damit das Kind aus seiner entsetzlichen Lage befreit werden konnte. Anna Knäul hatte einen Bruch des linken Unterschenkels, eine starke Quetschung des linken Beines sowie infolge des Sturzes eine Kopfwunde davongetragen. Sie wurde nach dem Lazarus-Krankenhause übergeführt. Einer verhängnisvollen Flascheiivcrwcchfelung ist der 15 jährige Schüler Walter Lange zum Opfer gefallen. L. war seit einiger Zeit krankheitshalber bettlägerig uud es war ihm vom Arzt eine Medizin verschrieben worden. Als der Patient gestern nachmittag von der Flüssigkeit einnehmen wollte, ergriff er versehentlich ein Fläschchen mit Sublimatlösung und trank ein beträchtliches Quantum von dem Gift. Der bedauernswerte junge Mann wurde nach dem Lazarus- Krankenhaus gebracht, und es ist nicht ausgeschlossen, daß er den ver- hängnisvollen Fehlgriff vielleicht noch mir dem Tode büßen muß. Sturz in eine Bccrdiguiigsgruft. Auf dem Jerusalemer Begräbnis- platz in der Hermannstraße hat sich gestern ein eigentümlicher Unglücksfall zugetragen. Der Äirchhofsarbeiter Alfred Langer, Wiß- mannstr. 47 wohnhaft, war mit der Herstellung eines Grabes be- schäftigt, und als er die Grufi tief genug ausgegraben hatte, kletterte er wieder heraus. Oben angelangt glitt er.plötzlich aus und stürzte rücklings in das Grab hinab. Schwer verletzt wurde L. davon- getragen. Ein Arbeitgeber, der von seinen Befugnissen sehr merkwürdige Vorstellungen zu haben scheint, ist Herr Otto Rackwitz, Inhaber einer Großdestillation, Plannfer 24. Unter seinen Gästen wird ein Auftritt besprochen, den er kürzlich mit den in seinem Ge- schüft tättgen Verkäuferinnen gehabt haben soll. Mitteilungen hierüber sind uns von verschiedenen Seiten ziemlich übereinstimmend gemacht worden. Die Verkäuferinnen, die gewöhnlich vom Morgen- grauen bis zum späten Abend hinter dem Ladentisch stehen müssen, sind oft genötigt, die kleinen Arbeiten zur Instandsetzung ihrer Garderobe usw. nach Schluß des Ladens in den Nachtstunden vor- zunehmen. Bei dieser Tätigkeit benahmen sie sich in einer der letzten Nächte etwas lauter und lustiger, als Herrn Nackwitz lieb lvar. Als noch jemand spät nach Hause kam, öffneten sie die Tür ihres im Keller gelegenen Zimmers, um zu sehen, wer das sei. Die eine meinte. es spuke wohl, worauf die anderen mit herzlichem Gelächter antworteten. Nun hat Herr Rackwitz sich ein elektrisches Läutewerk anlegen lassen, mit dem er seine Angestellten kontrollieren kann, falls sie erst in später Nacht heim- kommen. Durch dieses Läutewerk, das Ivohl beim Oeffnen der Tür in Betrieb gesetzt wurde, scheint der gestrenge Herr alarmiert worden zu sein. Denn kurz darauf kam er heruntergestürmt, ritz die Tür auf, begann zu lärmen und darüber zu schelten, daß die Ler- käuferinne» noch nicht im Bett seien, und ließ sich sogar dazu hin- reißen, die eine von ihnen zu schlagen. Er kommandierte, sie hätten sich sofort auszuziehen und sich niederzulegen. Es wird behauptet, er sei auch an ein Bett herangetreten, in dem schon eines der jungen Mädchen lag, und habe sich zu vergewissern versucht, ob sie wirklich schon ausgezogen sei. Wenn das alles wahr ist, so müssen wir an- nehmen, daß dieser Herr sich seinem Personal gegenüber ungefähr ebenso vorkommt, wie ein ostelbischer Junker gegenüber seinem Gesinde. Folgende Warnung erläßt der Polizeipräsident: In hiesigen Zeitungen wird von einem Dr. W. S. Rice 8 und 9 Stonecutter Street in London E. C. Bruchleidenden ein Gratisverstlch seiner Hauskur angeboten, die auf einem„wunderbaren Vcrfabren" be« ruhen soll. Auf Anftage hei Rice erhält man ein Probefläschchen „Lymphol" mit mehreren Broschüren und Prospekten zugeschickt, in denen gleichzeitig ein Bruchband angepriesen wird. Das„Lymphol" soll auf die Bruchstelle gebracht werden und dort eine Schließung der in den Muskeln des Unterleibs vorhandenen Bruchöffnung unter der Bedingung hervorrufen, daß der Kranke den„adjustierbaren. elastischen Bruchgürtel" von Rice angelegt hat. Das im wesentlichen aus einer alkoholischen Lösung von ätherischen Oelen, insbesondere Pfefferminzöl und einem gerbsioffhaltigen PflanzenauSzuge bestehende „Lymphol" vermag indessen die ihm beigelegten Wirkungen nicht auszuüben. Ueberdies ist der Preis für das angepriesene Bruchband von 30 M. für Kinder, bis zu 60 M. für Erwachsene unVerhältnis- mäßig hoch. Es kann daher vor einer Geschäftsverbindung mit dem p. Rice nur gewarnt werden. Verhaftung eines StadtbahnflcddererS. In einer Lungenheilstätte eines östlichen Nachbarorts ist ein Stadtbahnfledderer von seinem Schicksal ereilt worden. Vor einiger Zeit hatte der Langfinger ge- meinsam mit zwei Komplizen einem Passagier, welcher aus einer Stadtbahnfahrt eingeschlafen war, 1200 M. geraubt. Es gelang bald darauf, die beiden Diebesgenossen zu ermitteln und in Hast zu nehmen, doch vergeblich suchte man nach dem dritten Räuber. Durch einen Zufall hat sich jetzt herausgestellt, daß dieser in einer Lungenheil« statte in einem östlichen Vororte Aufnahme gefunden hatte. Er konnte nun auch hinter Schloß und Riegel gebracht werden. Vermißt. Der Metalldreherlehrling Max Hoppe, 30. September 1890 in Berlin geboren, Perlebergerstr. 57 bei den Eltern wohnhaft, wird seit dem 23. April vermißt. Er befand sich auf dem Wege nach seiner Arbeitsstelle bei Spiel, Jagolvftratze. ist groß und schlank gewachsen, trug bei seinem Fortgänge weichen schlvarzen Hut, dunkel- graues Sommerjackett, grauwollenen Serviteur, schwarze Cheviot- hose und hohe Schnürstiefel; außerdem trug er bei sich in Zeitungs- papier gewickelt einen grauen Mechanikerkittel. Nachrichten wolle man an das nächste Polizeirevier oder an die Eltern gelangen lassen. Ein schwieriges RcttungSwcrk vollbrachte gestern bei Tcgelort der 23jährige Schiffer Koch aus Rathenow. K. befand sich aus einer Steinzille, welche die Havel an der Mündungsstelle zum Tegeler See entlang fuhr, und bemerkte, wie ein junges Mädchen, welches in einem kleinen Kahne das Wasser kreuzte, plötzlich aus dem Nachen in die Fluten sprang. Der Schiffer stürzte sich in voller Kleidung ofort in das Wasser, und als vorzüglicher Schwimmer gelang es ihm auch, die Unfallstelle zu erreichen und die Ertrinkende am Arme zu erfassen. Die Lebensmüde wehrte sich jedoch mit aller Kraft gegen ihre Rettung und versuchte sich von K. loszureißen; bei den verzweifelten Anstrengungen des Mädchen? geriet auch der Schiffer in ernste Lebensgefahr. Zwei andere Schiffer der Zille hatten sich inzwischen da§ Rettungsboot freigemacht und kamen ihren, bedrängten Kollegen zu Hülfe. Es gelang ihnen auch, beide aus dem Wasser zu ziehen. Die Gerettete, welche über ihre Personalien keinerlei Angaben machte, wurde in Tegelort gelandet. Die Arbeitrr-Samariterkolonne hat sich, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, sehr günstig entwickelt. ES konnte eine dritte und vierte Abteilung gegründet lverden, eine fünfte, für das Schönhauser Viertel bestimmte, fand nicht genügend Teilnehmer. Zu dem ver« flossencn Winterkursns hatte der Arbettcr-Radfnhrcrverein eine Anzahl Mitglieder- zur Ausbildung delegiert. Vom Verband der Wahlvereine erhall die Kolonne eure jährliche llntersiützung von LLO M. Die dienstiuende Abteilung hatte iui berflosseiien Jahre 58 Auf- trZge zu erledigen. Hülfe wurde geleistet in 104 Fällen. Die laufende Nummer der Statistik ist 1078. Der neue Kursus beginnt in der ersten Abteilung am 7. Mai, in der zweiten am 14. Mai, in der dritten am 10. Mai und in der vierten Abteilung am 17. Mai und zwar mit einein Bortrage über Anatomie(Bau des menschlichen Körpers). Zahlreiche Beteiligung ist erwünscht, namentlich werden diejenigen aufgefordert, sich an dem Kursus zu beteiligen, welche iil Fabriken, Werkstätten und auf Bauten die Funktion des Samariters zu der- richten haben. Es ist festgestellt, dag viele Berbandskästen sich in nicht ganz einwandfreiem Zustande befinden, zum Teil wird auch noch niit ganz veralteten Mitteln behandelt. Sache der Arbeiter ist eS, darauf zu dringen, dafi Leute vorhanden sind, die genügende Borbildung zur ersten Hülfeleistung besitzen. Die Arbeiter-Samariterkolonne gibt jedem Gelegenheit, sich Kennt- nisse zu erwerben, um in der Stunde der Gefahr� seinen Mitmenschen beizustehen. Wer sich an dem Kursus zu beteiligen wünscht, kann durch den Lorsitzenden E. Steiu-Charlottenburg Lehrpläne beziehen. Zu rekognoszieren. An, 22. d. Mts. verstarb in dein Schank- lokal von Fraedrich, Camphausenstr. 16, ein unbekannter, dem Arbeiterstande angehörender, ungefähr 60 bis 65 Jahre alter Mann. dessen Persönlichkeit biö jetzt noch nicht feststeht. Er ist 1,58 Meter groß, hat dunkelblondes, mehr ergrautes Haar, graubraune Augen, vollständige, sehr gute Zähne, sehr ergrauten, starken Schnurrbart, längliche volle Gesichtsbildung und schlanke untersetzte Gestalt. Bekleidet war er mit schwarzem, steifein Filzhut, schwarz und weiß gesprengelten Kammgarnanzug, schwarzen Gummizugstiefelii, grauwollenen angestrickten Strümpfen, rot und blau gestreiftem Barchendhemd, weißem Vorhemd, Umlegekragen und Stulpen und langer roter halbseidener Krawatte. In den Taschen des Unbekannten besanden sicki ein weißleinenes Tascheiituck,. ein schwarzes Portemonnaie mit 7,88 M. Inhalt, ein Taschenmesser, ein Kamm und ein Schlüssel. Nachrichten über die Persönlichkeit des Unbekannten werden in jedem Polizeirevier und bei der Kriminal- Polizei, Alexanderstr. 8/8, 2 Treppen, Zimmer 33d, schriftlich und mündlich zu Tagebuchnmnmer 3363 IV 4106 entgegengenommen. Berliner Aquarium. Der Eintrittspreis beträgt heute am letzten Sonntag im Monat nur 25 Pf. pro Person. Im wiffenschaftlicheu Theater der Urania wird am Sonntag, Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag der mit zahlreichen farbigen Bildern ausgestattete Vortrag„Am Golf von Neapel" zur Darstellung gelangen. Am Dienstag findet noch einmal eine Wieder- holung des Vortrages„Aus dem Innern Ostasrikas" statt. Auf der„Trcptow-Sternwarte" spricht Herr Direktor F. S. Archen- hold am Sonnabend, den 2g. d. M., nachmittags 5 Uhr, in einem, mit zahlreichen Lichtbildern ausgestatteten Vortrage über:„Wie finden unsere Schiffe ihren Weg über den Ozean?", um 7 Uhr über: „Altes und Neues voin Mond". Das Thema für den Vortrag am Montag, abends g Uhr lautet:„Festsetzung der Lebensbedingungen auf einem Himmelskörper". Mit dem großen Fernrohr wird während der ganzen Woche von 2 bis 6'/� Uhr die„Sonne", von d'/.3 bis 8 Uhr „Jupiter" und von 8 bis 12 Uhr der„Mond" beobachtet. Kasiuo-Theatcr. Das neue Programm des Kasino-Theaters hat steich seinen Vorgängerinnen den gleichen Charakter beibehalten: Spezialitäten Wechsel» ab mit einem einaktigen Liedcrspiel und einen: nehraktigen Schwank. Der Schwank„Madame Bo Nivard" ist fürs Kasino-Theater besonders bearbeitet worden und versetzte ZaS Publikum in wahre Lachkrämpfe, Dazu trug in erster Linie -as Spiel des Direktors Hans Berg bei, der in der ihm eigenen klrt einen von der Schlviegermutter Verfolgten darstellte und in dieser Rolle, in der er schließlich zum Schwiegersohn seiner ersten '�ran wurde, recht Anerkeimeuswertes leistete. Der Spezialitätenteil iirachte Hundedressuren Licksens, die bewiesen, zu welcher erstaunlichen Wertigkeit es auf diesem Gebiete gebracht werden kann, außerdem ersreule» sich die amerikanischen Akrobaten Tower und Cleyton des wohlverdientes Beifalls des Publikums. Feuerwehrbcricht. Gestern früh 6>/z Uhr wurde der 16, Löschzug «ich der Kapernaumkirch« in der Seestraße, der neuen Kirche iahe dem Rudolf Virchow-Krankenhause, gerufen. Dort war im Kirchenkeller, wo Brennmaterialien aufbewahrt werden, Feuer aus- gekommen. Es brannten Kohlen und mußte der 16. Zug kräftig Wasser geben, um die Gefahr für die Kirche zzi beseitigen. Um ä'/a Uhr konnte die Feuerwehr Ivieder abrücken. Die Ermittelungen .räch der Ursache des Kirchenbrandes lassen auf Brandstiftung schließen. Ferner hatte die Feuerwehr heute früh längere Zeit in aer Schwcdterstr. 52 zu tun, Ivo in einem Bäckerkeller Feuer ans- zekommen war und Holzvorräte ergriffen hatte. Durch kräftiges Wassergeben gelang eS, den Brand ans den Keller zu beschränken. Ein dritter Kellerbrand beschäftigte die Wehr in der Choriner- straße 42. Vorort- s�ackrickten. Rixdorf. Di« Stadtverorbnetenversaiiimlung erledigte in ihrer Sitzung im Donnerstag im Geschwindschritt die Tagesordnung. Fast sämt- ,ichc Vorlagen wurden debattelos angcnoininen. Die wichtigste darunter war der Antrag deS Magistrats auf Srlaß eines Ortsstatuts, betreffend die Zahl der Stadtverordneten and der Magistratsmitglieöer. Mit Rücksicht auf die außerordcnt- ach beschränkten Raumverhältnisse des Sitzungssaales war es bisher vi der Zahl von 48 Stadtverordneten belassen worden, obwohl nach jec Stadtcordnung im Hinblick auf die gewaltige Bevölkerungs- zunähme eine Vermehrung schon vor längerer Zeit hätte eintreten .nüssen. Diese Schwierigkeiten werden durch die voraussichtliche Fertigstellung des neuen Rathauses zum 1. April 1907, in dem .-in geräumiger Sitzungssal vorgesehen ist, behoben, so daß nunmehr oeschlossen werden konnte, bis auf weiteres 60 Stadtverordnete und 10 unbesoldete Stadträte als Norm aufzustellen. Die Stelle des Bauleiters für das neue Krankenhaus ist durch sie Wahl des bisherigen Inhabers zum Gemeindcbaumeister eines Berliner Vorortes freiaeworden. Um für diesen wichtigen Posten einen ferneren Wechsel zu vermeiden, wird dein Vorschlage des Magistrats, dem neuen Bewerber die feste Anstellung als Stadtbau- infpektor in Aussicht zu stellen, zugestimmt. Der Richardplatz soll zwischen der Schmiede und den anderen auf demselben belegenen Privatgrundstückcn eine gärtnerische Aus- schmückung erhalten. � In geheimer Sitzung wurde schließlich noch u. a. der Ankauf eines Grundstückes in der Richardstraße genehniigt, als dessen Aweckbestimuiung auch der Bau einer Bolksbadcanstalt mit Schwimm- bassin in Aussicht genonimen ist. Charlottenbnrg. Verein Freier Kindergarten. Dem bor kurzem im„Vorwärts" erschienenen Aufruf ist die Tat auf dem Fuße gefolgt. Unter dem Namen„Verein Freier Kindergarten" ist eine Organisation ge- schaffen worden, welche der Kindcrgartenidee neue fortschrittliche Impulse zu geben bestrebt sein wird. Der neue Verein hat sich die Aufgabe gestellt, von modernem Geiste'erfüllte Kindergärten zu errichten, in welchen unter AuS- schluß ieder religiösen oder politischen Gesinnungsmache noch nicht schulpflichtige Kinder zu harmonischer Entfaltung ihrer geisiigen und körperlichen Kräfte herangebildet werden sollen. Er will durch den Ausbau von Musteranstalten Interesse und Bedürfnis für Kindergärten in der Arbeiterschaft erwecken und so umfassenderen Forderungen an die öffentlichen Gewalten auf diesem besonderen Erziehungsfelde die Wege bahnen. Ter erste freie Kindergarten wird am 2. Mai d. I. in Charlottenburg. Berlinerstr. 86a(bei Bauer) ins Leben treten. Anmeldungen von Kindern, sowie Beitrittserklärungen sind zu richten an Frau Toni Sutzmann, Berlinerstr. 102, Tchöneberg. Einer wahrhaft rührenden Fürsorge durch die Polizei erfreuen sich seit einiger Zeit unsere Parteigenossen in Schöneberg. Wir konnten schon vor kurzem berichten, daß die Polizei aus Anlaß eines vom Wahlverein veranstalteten Ostervergnügens in gänzlich un- motivierter Weise in dieses geschlossene Vereinövergnüg'en eindrang und die Musiker, die zum Tanz ausspielten, zur Wache brachte. Jetzt wird uns mitgeteilt, daß die Polizei unseren Genossen zum 1. Mai die nachgesuchte Tanzerlaubnis verweigert, auch die Gesangsauf- führuiigen verboten hat. Die Bühne im Obstschen Saale soll den polizeilichen Anforderungen nicht entsprechen, ob- wohl seit Jahren die Polizei dies nicht herausgefunden hat. Natürlich werden diese Maßnahmen von iinseren Genossen als kleinliche Schikane aufgefaßt; sie sollen jedenfalls dazu dienen, eine imposante Maifeier zu verhindern. Das Gegenteil wird aber ein- treten, erst recht wird der Besuch der Maifeier der Polizei den Beweis liefern, daß durch solche Nadelstiche unserer Bewegung nicht der geringste Abbruch getan werden kann. Diese Maßnahmen bewciien aber, daß die Polizei recht viel Zeil haben mutz, wenn sie sich so um uns bemüht. Wir verzichten auf diese Fürsorge und sind der naiven Meinung, daß dieselbe an ganz anderen Stellen wirklich am Platze wäre. Dann würden auch die Unkenrufe nach mehr Polizei verschwinden. Steglitz. Der als vermißt gemeldete Wächter August Vidder ist im Grunowald erhängt aufgefunden worden und sollte am Freitag als Unbekannter auf dem Selbstmörderfriedhof bestattet werden. Ob- wohl bereits am Sonntag durch die hiesige Polizei die Nachbar- behörden von dem Verschwinden des V. benachrichtigt waren, hat Grunewald keine Nieldung von dem Auffinden der Leiche hierher gelangen lassen. Durch Zufall erfuhr unsere Polizei von dem Leichenfund und benachrichtigte die Familie des Toten. Dieser Fall reihp sich dem vor einiger Zeit gemeldeten Zehlendorfer würdig an. Treptolv-Baumschutenlveg. Ein unnatürliches Leichenbegängnis sollen die Genossen von Trcptow-Baumschulenweg veranstaltet haben, als sie am Donnerstag ihren treuen Genossen Ernst Hoffmann das letzte Geleit gaben. Der Verstorbene gehörte dem Wahlverein und seiner Be- rufsorganisation an. Was war selbstverständlicher, als daß seine früheren Genossen sowohl als auch seine Berufskollegen ihm mit der letzten Ehrenbezeugung, mit Kränzen mit roten Schleifen, hinter seinem Sarge folgten. Nun sind ja Kränze mit roten Schleifen schon oft Gegenstände gewesen, die unsere Polizei scheu gemacht haben. So sollte auch tu diesem Falle der Leichenzug nicht die Grabstätte erreichen, bevor nicht ein„Hüter der Ordnung" im Interesse„der öffentlichen Sicherheit" die Entfernung der roten Schleifen gefordert hätte. Ein Gendarm war's, dessen Augen den roten Schleifen nicht widerstehen konnten und der deshalb kategorisch die Entfernung der- selben forderte. Auf die Einwände eines Genossen, daß doch eine solche Anordnung ein Unrecht sei, erhielt er die Antwort: daß,„wenn ein Leichenbegängnis einen unnatürlichen Charakter annehme, er den Leichenzug in Ordnung zu bringen habe." Selbstverständlich drohte er bei Nichtstattgeben seiner Anordnung mit weiteren Maß-' nahmen. Nicht erwähnen wollen wir die mehr als komische De- duktion, welche der Beamte unserem Genossen über«inen Leichenzug, in welchem Kränze mit roten Schleifen getragen werden, inachte. Wir begnügen uns damit, festzustellen, daß nur dann rote Schleifen etwas die„öffentliche Ordnung und Sicherheit Gefährdendes" in sich bergen, wenn aus einem ernsten und friedlichen Zug deren Beseitigung gefordert wird. Eine solche Maßnahme wird jedesmal bei den Beteiligten eine gewisse Empörung sich bergen, wenn in ganz unsinniger Weise aus einem ernsten und friedlichen Zug deren Beseitigung gefordert wird. Eine solche Maß- nähme wird jedesmal bei den Beteiligten eine gewisse Empörung hervorrufen. So groß die Empörung aber auch immer fein mag, es muß den Beteiligten nur um so mehr zum Bewußtsein kommen, daß das Uebcl der' Rechtsunsicherheit nur mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden kann, wenn das Gros der Arbeiterklasse der Arbeiterbewegung angehört. Jene Polizeimaßnahmen erwachsen aus unserer bürgerlichen Gesellschaft und können nur mit der Beseitigung derselben verschwinden. Ober-Schönetveide. Dir hiesige Parteibeweguiig hat im vergangenen Bierteljahr einen erfreulichen Aufschwung genommen. Aber nicht allein der Wahl« verein hat einen stattlichen Zuwachs von Mitgliedern erhalten, auch die sozialistische Presse, der„Vorwärts", beginnt sich in immer er- höhter Weise Eingang zu verschaffen. Die Abonnentenzahl auf den- selben ist von 720 auf 890 gestiegen. Die P a r t« i s p e d i t i o n hat im Vierteljahr 200 Mark Ueberschüsse an die Wahlvercinskasse abgeliefert. Die Abonnenten, welche ihre Zeitung noch von Privat- spediteuren erhalten, würden gut tun, ihr Abonnement bei der Parteispedition zu bewirken.— Für die Opfer der russischen Revolution sind 1006 Mark aufgebracht worden. Die Teller- sammlnng am 21. Januar brachte allein 144 Mark. An den KrciS hat der Wahlverein 350 Mark abgeliefert.— Für Agitation am Orte sind 200 M. verausgabt. Der Besuch der Volks-' und Wahlvcreins-Versammlungcn ist ein sehr guter. Für den Wahlverein genügte das bisherige Vereinslokal nicht mehr. Recht erfreulich ist das LesebedürfniS und damit die Erweiterung der Wahlvereins- Bibliothek. Vom Wahlverein sind hierfür im letzten Jahre zirka 500 M. aufgewendet worden. Es ist ein Bestand von zirka 300 Bänden borhaiidcn. Die Ausgabe derselben erfolgt jeden Sonntag von 11—12 Uhr. Sache jedes einzelnen Genossen muß es sein, diese Errungenschaften möglichst zn vervollständigen. Kleitt-Schönebeck. Der konservative Bolksverein des Kreises Niederbarnim plant zum 1. Mai in Klein-Schönebeck eine Versammlung abzuhalten mit der Tagesordnung: Dir Bedeutung deS 1. Mai! Wie wir erfahren. hat man in Friedrichshagen 500 VersamiiilungSeinladungeii bestellt und hofft im genannten Orte eine„konservative Maidemonstratton" zu veranstalten. Man geht von dem Gedanken aus. bei unseren Genossen am Orte herrsche große Uneinigkeit und müsse man des« halb„besonders ausholen", die Sozialdemokratie am Orte zu der« Nichten. Die Uneinigkeit ist allerdings nur konservative Dichtung. Die letzte Wahl hat daftir den besten Beweis erbracht. Konservatives Elaborat dürste deshalb bei den Arbeitern und Parteigenossen Klein- Schönebecks am 1. Mai keinen fruchtbaren Boden finden. Weistensee. Titel-Avaucemcnts in den Vororten. Nachdem die Regierung den Gemeindevorstehern der großen Berliner Vororte den Titel „Bürgermeister" verliehen hat. sollen jetzt die Gemeinde-Bureau- Vorsteher den Titel„Bureaudirektor" und die Amtsbureauvorsteher den Titel„Polizeikommissar" erhalten. Den beiden in Betracht komniendeil Weißenseer Beamten ist der Titel schon verliehen worden. Die Titelsucht ist, wie wir sehen, in fortgesetztem Steigen begriffen. Pankow. In der lebten Mitgliederversammlung, die im großen Saal des GesellschastshanseS stattfand, referierte Genosse John über die„Mai- seier". An den mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine anregende Diskussion. Hierauf berichtete der Kassierer über den Abschluß des letzten Onartals. Darnach betrug die Einnahine 331,95 Ni. und die Ausgabe 266,87 M. Es verbleibt ein Bestand. inkl. deS vorigen Quartals, von 341,26 M. Der Vorsitzende gab noch bekannt, daß die Mitgliederversammlungen fortan am letzten Diens- tag im Monat stattfinden. Nowawes. In der lebten Gemeindevertretersibung in NoivaweS, welche am Mittwoch stattfand, teilte der Amtsvorsteher das Resultat der letzten Volkszählung mit; danach beziffert sich die Einwohnerzahl auf 6016 männliche und 6132 weibliche, zusammen 12148 Personen, die sich auf 3084 Haushaltungen verteilen.— Zu der vom 15. bis 25. Iura Hierselbst stattfindenden Industrieausstellung wurden auf Antrag des Vereins für Handel und Gewerbe 30 M. zur Anschaffung von Auszeichnuiigeii für die Aussteller bewilligt.— Hierauf erfolgte de Neuwahl der Grundwertsteuer-Kominission, der u. a. Genosse Gruhl angehört.— Ferner wurde eine Neunumerierung der Ackerstraße beschlossen, und zwar in der Weise, daß die Häuser auf der Südseite ungerade, die auf der Nordseite gerade Nummern erhalten.— Ter folgende Punkt betraf den Antrag des Gemeiiidetirchenrats um Ueberlassung eines Platzes für den Neubau einer evangelischer� Kirche. Ter Gemeindevorstand machte hierzu den Vorschlag, den Plautagenplatz der Kirchengemeinde zu diesem Zwecke kostenlos zn überlassen. Gegen diesen Antrag wandten sich unsere Genossen Gomoll, Hähnchen und Zöllner, indem sie erklärten, daß ein Be- dürfnis für den Neubau einer Kirche nicht vorliege, da die Geist- lichen selbst erklärt haben, daß der Kirchenbesuch und die Teilnahme am Abendmahl in letzter Zeit immer schwächer tverdcn. Der Plan- tagenplatz könnte viel besser zu anderen Zwecken s Schulbauten usw.) verwendet werden; loollten aber die Frommen durchaus eine neue Kirche bauen, so mögen sie einen Platz kaufen und auch bezahlen und nicht die Mittel der GSmeinde in Anspruch nehmen. In der weiteren Debatte vollführte der dem Hirsch-Dunckerschcn Gcwerkverein an- gehörige„zweitklassige" Vertreter Dartsch ein hübsches Jongleur- stückchen. Zuerst erklärte er. daß er sich den Ausführungen unserer Genossen voll und ganz anschließe; er beantragte, die ganze Ange- legenheit zurückzustellen, da die Gemeinde jetzt wichtigere Aufgaben zu erfüllen habe. Als aber der Aintsvorstehw erklärte, daß kein anderer geeigneter Platz für einen Kirchenbau zur Verfügung stete und die alte Kirche ihres historischen Wertes wegen erhalten werden solle, war es mit dem„Radikalismus" dieses Herrn zu Ende, und mutig— zog er seinen Antrag zurück. Eine echte FreisinnSfeelel Nachdem noch einige bürgerliche Vertreter für die Annahme de! Antrages des Gemeindevorstehers plädiert hatten, wurde�derselbe gegen die sozialdemokratischen und ein paar bürgerliche stimmen angenommen.— Einem Gesuch des Vereins für Volksbildung um Erhöhung des bisher gezahlten jährlichen Beitrages von J50 M. für die Volksbibliothek, wurde stattgegeben und die jährliche Subvention auf 50 M. festgesetzt.— Ferner lag ein Antrag des Gemeinde- bcamten-Vcrbandcs vor um Gewährung eines Beitrages für ein Erholungshciiii an der Osffce. Gegen diesen Antrag wandte sich Genosse Hähnchen, indem er ausfiihrte, daß von unseren weniger Beatnten wohl taum einer die Vorteile dieser Einrichtung genießa würde; träte einmal der Fall ein, daß einer unserer Beamten einer längeren Erholung bedürftig sei, so halte er es für selbstverständlich, daß die Vertretung die Mittel hierzu bewillig«, und könne sich danr derselbe den Kurort nach seinem Bedürfnis wählen. Da auch die Finanzkommijsion den Antrag nicht zur Annahme empfahl, wurd: derselbe abgelehnt.— Der letzte Punkt der öffentlichen Sitzung be- traf die Beschlußfassung in der Schulstreitsache Nowawes geger Neuendvrf. Es handelt sich hierbei um die Festsetzung des Beitrags, den die Gemeinde Neuendorf an Nowawes zu den Schullasten sir die Kinder, deren Eltern in Nowawes wohnen, aber in Neuendon arbeiten, zahlen soll. Die Angelegenheit schwebt bereits vier Jahre, da sich Neuendorf weigert, die Ansprüche der Gemeinde Nowawe» zu erfüllen. Ilm die Angelegenheit endlich aus der Welt zu schaffen hat der Gemeindevorstand von Nowawes kürzlich in einer.Konferenz mit dem Kreisausschutz, bei der auch der Neuendorscr Gemeinde. Vorsteher zugegen war, den Vorschlag gemacht, daß Neuendorf jähr- lich 3000 M an Ncpvawcs zahlen soll. Vorbehaltlich der Zustimmung seiner Gemeindevertretung hat sich der Neuendorscr Gcmeindcvor-. steher hiermit einverstanden erklärt, und zwar soll dieser Betrag für die Jahre 1902 bis 1911 maßgebend fein; zu den wegen diese, Sache entstandenen Prozeßkosten zahlt jede Gemeinde die Hälfte die Versammlung erklärt« sich mit dieser Regelung der Angelegenhei. einverstanden.— In der nichtöffentlichen Sitzinig lag wieder ein Gesuch des Gemeindekirchenrates vor um Bewilligung eines Zu- schusses zu dem Gehalt des Predigers Dessin. In der letzten Sitzung war dieser Antrag, der 600 M. jährlich forderte, abgelehnt worden: hierauf hatte man sich an die Kirchenbehördc mit demselben Antrag gewandt; das Konsistorium sah ein, daß das Einkommen des ge- nannten Geistlichen nicht ausrcickN, um ein Leben zu führen, tvie eS der Nachfolger des Jesus von Nazareth, der nicht wußte, wo ev sein Haupt hinlegen sollte, würdig ist; da es aber bei der oberen Kirchenbehördc angeblich an Geld mangelt swo ist Mirbach?!), se will sie dem Nowaweser Scelenhirten jährlich nur 300 M. Zuschuß bewilligen, und auch nur dann, wenn auch die Gemeinde Nowawe» 300 M. bewilligt. Diesnral waren nun auch unsere bürgerlicher Vertreter mitfühlender und bewilligten die 300 M., so daß der Pastor demnach eine Lohnzulage von wöchentlich über 10 M. erhält. Potsdam. Unlautere Konkurrenz des Militärs. Es ist ja nichts neurt. daß Soldaten zu allen möglichen Arbeiten verwandt werden, di« mit ,'hrer militärischen LluSbildnng absolut nichts zu tun haben. Die sogenannten„Burschen" der Offiziere usw. können ja in dieser Beziehung interessante Geschichten erzählen. Die Unsitte aber, daß Soldaten nicht bloß als„Küchenmädchcn". Kutscher, Gärtner. Diener usw., sondern auch als Handwerker für Privatzwecke beschäftigt werden, scheint sich in der Soldatenstadt Potsdam immer mehr breit zu machen. Einen neuen Beweis hierfür lieferte der ip der Jägerallee 24 wohnhafte Hauptmann v. G., der zu Reparaturen seines Hauses einige Soldaten der Unteroffizierschule verwandte. Da hier noch genügend Bauhandwerker vorhanden sind, so liegt durchaus kein Anlaß vor, die angeblich zu kurz bemessene militärische Ausbildungszeit noch dadurch zu verkürzen, daß die Soldaten ge- legentlich das Gewehr mit der Maurerkelle usw. oertauschen. Sonst gewinnt der Gedanke immer mehr an Boden, daß tatsächlich die zweijährige Dienstzeit noch zu lang ist. Da wäre es doch viel ein» jacher, zweckmäßiger und billiger, die anscheinend vorhandene Lange- weile in der Kaserne durch die einjährige Dienstzeit zu beseitigen. Damit wäre dem Staat geholfen und der ehrlichen Arbeit gedient. Es wäre somit die mehr oder minder„freiwillig" geleistete Hand- Werkstätigkeit der Soldaten, die oft weiter nichts ist als Schmutz- konlurrcnz, mit einem Male beseitigt. Genekts-Leitung. Mängel des KinderfchutzgefetzeS. Wegen Vergehens gegen das Kinderschutzgesetz wurde der Gärtnereibesitzer Karl Weber zu Lichtenberg vor dem Schöffen« geruht II zur Verantwortung gezogen. Ihm wurde vorgeworfen, einen noch nicht 12 Jahre alten Schüler in seinem Handelsgelverbs länger als 3 Stunden täglich beschäftigt und ihm eine Arbeitskarte nicht eingehändigt zu haben. Der Verteidiger beantragte nicht nur, den Angeklagten freizusprechen� sondern auch die Kosten der Verteidigung der Staatskasse zur Last zu legen, indem der folgendes ausführte: Das Rcichsgesetz vom 30. März 1903 beziehe sich lediglich auf das Verbot der Kinderarbeit im gewerblichen Betriebe. Ter Angeklagte habe aber keinen gewerblichen Betrieb. Er besitze in Lichtenberg etwa 4 Morgen eigenes Gartenland und habe außerdem zirka 50 Morgen Feld gepachtet, auf welchem er Gemüsckultur und Kartoffelbau betreibe. Seine Erzeugnisse verkaufe er teils an Händler, die ihn in scincm Wohnort auf- suchen, teils in der Zentralmarkthalle, wo er zu diesem Zweck einen Engrosvcrkaufsstcmd besitze. Er betreibe weder ein Ladengeschäft, noch verkaufe er seine Erzeugnisse im Kleinhandel. Er sei auch nicht zur Gewerbesteuer veranlagt. Seine Tätigkeit beschränke sich lediglich ctuf die Gewinnung und Verwertung von Urproduktcn und stelle sich daher als eine landwirtschaftliche dar. Hieran ändere auch der Umstand nichts, daß der Angeklagte die selbstgewonnenen Erzeugnisse nach vorheriger Zubereitung durch Ordnen und Zu» sammenbinden nach Berlin schaffe und dort in der Zentralmarkt» halle engros verkaufe. In diesem Verkaufe könne ein Gewerbe- betrieb auch deshalb nicht gefunden werden, weil er sich lediglich auf die sclbstgewoniicncii Erzeugnisse des Angeklagten erstrecke. Der in Frage stehende Schüler sei von dem Angeklagten lediglich damit beschäftigt worden, Radieschen und Rettiche zu zupsesij Petersilie zu pflücken und zu binden und Unkraut in den Gemüse- beeten hcrauSzuzicheu. Seine Beschäftigung stelle sich also auch nur als eine im landwirtschaftlichen Betriebe benötigte dar.— Das Gericht kam zu demselben Ergebnis. Es sprach den An- geklagten frei und legte auch die dem Angeklagten entstandenen notwendigen Kosten und Auslagen der Staatskasse zur Last. Daß das Kindcrschutzgesctz durch die Beschränkung auf ge- werbliche Betriebe sehr an Wert verliert, ist von sozialdemokratischer Seite häufig hervorgehoben. Im vorliegenden Falle ist nach den von uns erst kürzlich gemachten Ausführungen über die Frage, warum eine Gärtnerei ein gewerblicher Betrieb ist, rcchtsirrtüm- lich angenommen, des Angeklagten Gärtnereibctricb rechne nicht zu den gewerblichen.__ Der Abschluß einer Eheimmg. Aus dem Zuchjhause in Delitzsch wurde die geschiedene Frau Rechnungsrat Dalimann geb. Schüler der 6. Strafkammer des Landgerichts I vorgeführt. Der gegen sie erhobenen Anklage wegen Ehebruchs lag eine schon mehrere Jahre zurückliegende Ehctragodie zu gründe, deren Folgen schon wiederholt die Gerichte beschäftigt haben. Im Jahre 1809 wurde die Angeklagte, die Tochter eines reichen Bauerugulsbesitzcrs, mit dem RechmuigSrat D. bekannt und schloß mit ihm die Ehe. Diese gestaltete sich bald recht unfreundlich, da die lebenslustige, damals 25jährige Frau mit ihrem 48jährige!i Gatten nach berschiedeueu Richtungen hin nicht zufrieden war. Es kam zu ernsten bäuSlichen Szenen und schon nach einem Jahre wurde eine Scheidung der Ehe geplant, die jedoch nicht zur Ausführung kam, da die Angeklagte Mutter wurde. Im Jahre 1002 lernte die Angeklagte einen Kaufmanu Kuollmann keimen, der unter der Angabe, er sei Marincofsizier a. D., mit der Angeklagten in intimen Verkehr trat. Schließlich überredete der angebliche Marineoffizier die Frau D., mit ihm zu flüchten. Die Angeklagte erlebte dann mit Knollmann große Enttäuschungen. Ihr Entführer entpuppte sich als ein ehemaliger Marinefeldwebel, der seinerzeit wegen verschiedener Vergehen den Dienst quittieren mußte und auch später wiederholt mit dem Strafgesetz in Konflikt gekommen war. Der Verlassene strengte die Ehescheidungsklage an, die mit einer Widerklage wegen Mißhandlung beantwortet wurde, um Alimente zu erlangen. Im Lause dieses Verfahrens trat die Angeklagte mit verschiedenen Per- fönen in Verbindung und vcrfiichte diese zu bestimmen, in dem Ehescheidungsprozeß für sie günstige Aussagen abzugeben. Diese versuchte Verleitung zum Mein- e i d e wurde zur Anzeige gebracht und Me Angeklagte zu einem Jahre Zuchthaus verurteilt. Auf eine zweite Anzeige des betrogenen Gatten hin wurde der V er- führer Änollmann zu s e ch s W o ch e n, die Angeklagte zu einer Woche Gefängnis wogen Ehebruchs verurteilt. Gegen dieses Urteil legte die inzwischen geschiedene Frau Nechnungsrat Berufung ein. Nach einer bis in die späte Abendstunde dauernden Beweis- aufnähme, die unter Ausschluß der Oeffeittlickkeit stattfand, hielt das Berufungsgericht für festgestellt, daß es tatsächlich zwischen der An- geklagten und dem Kaufmann Knollmann zu einem strafbaren Ver- lehr gekommen war. Das Urteil des Schöffengerichts wurde des- halb bestätigt._ Eine totliche Ohrfeige. Wegen Körperverletzung mit tätlichem Ausgange war der Former Max Bilse vor dem Schwurgericht am Landgericht I angeklagt.— Dem unbescholtenen Angeklagten wurde zur Last gelegt, den Tod des Oberpostschaffners Franz Marten durch eine einzige Ohrfeige ver- ursacht zu haben. Der Angeschuldigte hatte am 20. Oktober v. Js. eine Bierreise unternommen und zieinlich stark dem Bier und den Spirituosen zugesprochen. Gegen 11 Uhr kam B. in Begleitung eines Vizefekdwebels und eines Unteroffiziers in das Lokal von Müller in der Boyenstraße 12. Da der Angeklagte, nachdem er noch inehrere Kognaks getrunken hatte, Lust zeigte mit anderen Gästen Slandal anzufangen, verließen die beiden Soldaten da» Lokal. Um einer Ausschreitung vorzubeugen, gebot der Wirt Feierabend und ersuchte den Angeschuldigten, seine Zeche zer bezahlen. In diese Unter- redung mischte sich der ebenfallsanwosendoOberpostschaffner Marten hin- ein und ließ dabei die Acußerung fallen, daß jeder anständige Mensch seine Zeche bezahle. B. hatte sich nämlich geweigert, seine Zeche zu bezahlen. Es kam zu einem Wortwechsel, der sich später auf der Straße fortsetzte. Als Marten ein Schimpfwort gebrauchte, versetzte ihm der Angeklagte eine Ohrfeige. Der Geschlagene stürzte zu Boden und schlug so unglücklich auf das Straßenpflaster auf, daß er einen Schädelbruch erlitt und wenige Minuten später verstarb.— Dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß wurde der Angeschuldigte unter Zubilligung mildernder Umstände zu sechs Monaten G e- fängnis verurteilt. Die Normalzeit als Richtschuur für den Dieustantritt. Ist die Geschäftsuhr oder die Normalzeit für die strikte Jnne- Haltung der Arbeitszeit maßgebend? Um diese wichtige Frage handelte es sich in einem Streitfalle, der gestern vor der vierten Kanuner des Kaufmannsgerichts zum � Austrag kam. Der Korrespondent Ludwig Sch. war von der Versicherungsgesellschaft„Thuringia" sofort entlassen worden, weil er trotz wiederholter Verwarnung zu spät ins Geschäft kam. Nach Angabe der beklagten Gesellschaft, betrat der Kläger am Entlassungstage die Geschäftsräume erst 20 Minuten nach 8 Uhr. Der' Kläger bestritt das auch nicht, machte aber geltend, daß die Ge- schäftsuhr fünf Minuten vor acht Uhr zeigte, als er ins Ge- schüft kam. Man habe sich im Geschäft stets nach dieser Uhr gerichtet, und er betrachte seine Entlassung als zu Unrecht geschehen, da er ja tiach der GeschäftSuhr sogar noch fllns Minuten vor dem Arbeitsbeginn eingetroffen wäre. Das Kaufmannsgeeicht erachtete die sofortige Entlassung für begründet und wies den Kläger mit seiner Forderung a b. Nicht die Geschäftsuhr sei gemeinhin für die Regelung der Arbeitzeit und speziell für den Dienstantritt maßgebend, sondern die Normalzeit. Wenn der Kläger auch nach der falschgehenden Bureau-Uhr pünktlich gekommen sei, so sei er doch nach der wirklichen Zeit zu spät gekommen, und da dies trotz vor- heriger Verwarnung geschehen sei, so sei damit die Entlassung ge- rechtfertigt.— Der Ansicht des KaufmamtSgerichts vermögen wir nicht beizutreten. Ist eine Geschäftsnhr eingerichtet, so soll— mangels entgegenstehender Abreden sie für die Angestellten maß- gebende Zeit angeben. Todesurteil bestätigt. Das Reichsgericht verwarf gestern die Revision der Eheleute Schellbaas, ivelche am 23. Februar vom Schwurgericht München wegen Ermordung des Privatiers Cramm in Pasing zum Tode verurteilt worden find. Vmmlebtes. Erdstöße im Bogtlande. Die„Vogtländische Zeitung" meldet aus Adorf: Sowohl gestern als auch heute sind in Schön borg, Brambach und anderen vogtläudischen Grenzorten vier sich verstärkende Erdstöße bemerkt worden. Am heftigsten war die Sonnabend früh 4 Uhr 52 Minuten beobachtete Erderschütterimg, welche von Süden(aus der Gegend des Kammerbühls, eines erloschenen Vulkans) kam und unter starkem Rollen nach Norden zu verlief. Irgend welcher Schaden wurde durch die Erdstöße nicht verursacht. Die Grenzbewohner sind etioas beunruhigt._ Ein grausiger Kindesmord ist gestern nachmittag an der Siettiner Bahn bei E b e r§ w a l d e entdeckt worden. In einem Tümpel neben der Eisenbahn-Hauptwerkstätte fand ein Eisenbahnarbeiter die Leiche eines neugeborenen Mädchens. Der Rücken des toten Körpers mar vollständig verbrannt. Aus dem Befund geht hervor, daß die Leiche schon einige Tage in dem Wasser gelegen hat. Nach den bisherigen Ermittelungen ist es zweifellos, daß das Kind in der grausamsten Weise gelötet und, um das Verbrechen zu verdecken, in den ab- gelegenen Tümpel geworfen worden ist. Von der unnatürlichen Mutter fehlt vorläufig noch jede Spur. Die Genickstarre breitet sich im Kreise Waldenburg weiter aus. Krankheitsfälle sind vorgekommen in Altwasser. HermSdorf, Ditters- Deich und Waldenburg. Die höhere Mädchenschule in Waldenburg wurde gestern vorläufig auf drei Wochen geschlossen. Mehrere Fälle sind tödlich verlaufen. Die umfassendsten Maßregeln zur Abwehr der Epidemie werden getroffen. Ein neues Erdbeben in Kalifornien. New Dort. 28. April. In SalinaS(Kalifornien) erfolgten gestern drei starke Erdstöße. Das dortige Flußbett sank um 12 Fuß ans meilenlange Strecken. In San Francisco gehen schwere Regengüsse nieder, worunter die Not- leidenden sehr zu leiden haben. Unglück auf See. DaS an Bord des deutschen Dampfers „Lugano" ansgebrochene Feuer ist noch nicht gelöscht. DaS Schiff wurde gestern in den Hafen HastingS eingebracht. Der Kapitän sprach die Hoffnung auS, daß ein großer Teil der Ladung gerettet werden könne. Untergang eines Dampfers. Singapore, 28. April. Das Truppen- transportschiff„Haversham", mit 3000 Russen nach Odessa an Bord, stieß mit dem Dampfer„Bentoug" in der Malakkastraße zusammen; letzterdr sank. Man glaubt, daß 30 Chinesen ertrunken sind. Die„Haversham" nahm 71 Mann und ein anderes Schiff,„Bingo- maru", weitere Leute auf. Die„Haversham" kam in Singapore mit von Wasser angefülltem Vorderraum an. Europäer sind bei dem Zusammenstoß nicht umgekommen. Maxim Gorki trat am Mittlvoch in einer großen Versammlung in New 9) ort als Redner auf, zum erstenmal nach dem Moral- Spektakel über seine Frau, die nicht seine feierlichst angetraute Ehe- Hälfte sein sollte. Maxim Gorki wie auch Madame Pieschkoff, mit der er zusammen erschien, wurden nach der„New Bork Tribüne" mit großem Beifall empfangen und eine veranstaltete Geld- sammiimg ergab 2500 Dollar zugunsten der russischen Revolutionäre. Gorki sprach über den Antisemitismus und nahm init Begeisterung die Partei der verfolgten Juden. Lese- und Tistutieeklub„Moabit«. Montag, den 30. April, abends 9 Uhr, Sitzung. Gäste willkommen. Deutsche Gesellschaft zur Bckämpfnug der Geschlechtskrank. Helte». Die Berliner Ortsgruppe der Deutschen Gesellschast zur Bc- kämpsung der Geschlcchlslraiilheiten veranstaltet am Freitag, den 4. Mai, abends 8 Uhr präzise, im Bürgersaale des Rathauses einen öffentlichen Vortragsabend. Aus der Tagesordmma steht ein Dortrag des Herr» Proscssor Dr. H. Oppenheim:„Gclchlechtstranlheitcn und Nervenleiden". Der Zutritt ist jedermann gestattet. Kriefkatten der Redaktion« Tie jiirlftischc Sprcchstinidc findet täglich mit Slnsnahine de? Eaiinabeud» von die H'l, lldi' nbcnd? statt,(flciiifnct! 9 Nbr. Jeder Zlnfragc ist ei» Buchstabe und eine Zahl als Merkzeichen beizufüge». Brieflich» Diitwort wird nicht erteilt. L. it. 4. Leider ist das teilt Grund, aus dem Sie Rechte herleiten könnten.— Stahlbcrg, Vorwärts I. Nein.— L. K. 13. Eine solche gibt cS unseres Wissens nicht. Wenden Sie sich eventuell direkt an den Verein.— P. L. 10. Beendigt.— gl. tili. Wenden Sie sich an das amtliche Bureau für Auswanderer, Schcllingstr. 4.— W. R.(46. Ohne genaue Kenntnis der Verhältnisse, insbesondere der ScheidungSProzchatten, ist Ihre Frage nicht zu beantworten.— M. F. 777. Handelt es sich um eine Forderung, die bereits vor t90Z verjährt war, so ist ein dann ab- gegebenes mündliches Anerkenntnis unerheblich. Daß es sich um solche Forde- ruug handelt, ergibt Ihre Anfrage nicht.— M. I. Ihre Braut sollte sich an die hiesige russische Botschaft wenden. Eine Trauung in London ist weniger umständlich. Wenden Sie sich an den Londoner Magistrat.— Fr. K. Wenden Sie sich direkt an eine Giesicrel oder an eine Stantolsabrik. — K. Ä. t. Offenbachcr Krankenkasse, Prinzenstr. SS bei Hinz. 2. Inner» halb d e S LS. und 42. T a g c S nach Eingang Ihres Antrages müssen t e ohne Vorladung erhallen z Ii li a b c>», den Austritt aus der Landeskirche z n gerichtlichem Protokoll er- k l ä r e n. Sie können den KoiisirinationSichein inilnehinen.— O. K. 81. Beides ist ungüllig.— Treptow. Wenn Sie die Fristbestimmmig beweisen können, so würde die Zurücksendung für berechtigt erachtet werden.— E. 100. Wenn Sie volljährig sind, so sind Sic. nicht aber Ihr Mann. zur Zahlung verpslichtct.— T. Tchöneberg 7. 1. Gcwcrbesteucrpflichtiz sind Sic nicht. 2. Was vom Einkommen in Abzug gebracht werden kann, ist zuletzt im lokalen Teil am L2. April dargelegt.— Gutzeit. Wenden Sic sich an die Lungenheilstätte in Belzig und an die Viktoria Luise-Kiuderhcilstätte vom Roten Kreuz zu Hohcnlnche»(Uckermart). — F. G. 80, G. W. 23. Ja.— E. P. 79. Sie müssen an den .Kassenvorstand oder an die Versicherungsanstalt den Antrag richten.— Ttrgman». Sie könnten einen Versuch mit Terpentin machen. Besser ist es, Sie wenden sich an eine chemische Reinigungsanstalt.— H. H. 30. Wir lehne» grundsätzlich ab, sogcuannie Mittel gegen Leiden anzugeben. Was von dem Zeug angepriesen wird, hilft dein Verkäufer und würde im besten Falle Ihnen nicht schaden. Wende» Sie sich an einen Arzt.— SvttteruiigoÄbeesicht vom 28. April 1900, inorgens 8 Uhr. Stationen Swlucmde. Berlin 0 Frankj.a.M. München Wien O OT 85 » II LZi 8 12 8 4 6 Wetter-Prognose fiir Sonntag, den 29. April 1906. Vorherrschend trubeS, ziemlich kühlcS Wetter bei frischen westlichen Winden; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Wasserstand ani 27. April. Eibe bei Ausfig-ff 0,75 Meter, bei Dresden—0,74'Meter, bei Magdeburg-ff 1,90 Meter.— Nnstrut bei Sttansifurt+ 1,80 Meter.— Oder bei Ratibor 0,00 Bieter, bei Breslau Obcrpegel 0,00 Meter, bei Breslau llntcrpegel 0,00 Meter. bei Frankfurt-ff 1,52 Meier.— Weichsel bei Brahemünde -ff 3,46 Meier.— Warthe bei Posen-ff 0,64 Meter.— Netze bei Usch 0,00 Bieter. »Isciss Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.i das erste Wort (lettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. 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Polierer, Maschinenarbeiter und Bildhauer) von der Treppengeländer- sabrik Joseph Drechsler, Gubener« sttaße 33; von Bodenlegern von den Bauten in Buch(Firma Damlc, Frankfurt a.O.); von Stellmacher» von sämtlichen Stellmachercicn, Wagensabriken und Drehrollcnsabrik Plään, Waßmann- straße; Motorwagensabrik Gottschall in Reinickendorf; vonKorbmachern von Becker!, Lange- straße 35• von Tischlern, Polierern, Ma- schinenarbeitern und Hülss- arbeiter» von der Nähmaschinen- sabrik Frister und Roßmann und nach Frankfurt a. O.: von Klavicrarbeitern nach Däne« mark. Die Ortsverivaltang. Achtung! Sootsbauer! Die Firma D. Perdess zu Köpenick ist wegen Nichtanerkennung unserer Lohnforderung äMF" gesperrt."ME Die sperre über die Firma «neelbi-eelit. Zeuthen(Mark), ist aufgehoben."MG Die liohnkomniteBion. Stralauer Allee 17 B. Für den Südosten Berlins, Baumschulenweg und Johannis- tha« liegt ein Prospekt de« Käufcrvereins„SelbntliUfo" bei. H-us Web«, Berlin. Mr den Jü&jteÄäl WÄe-Scrüs. Lruck-U. 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