Kr. 100. Hbonn«ment$'Bedingungen: Abonnements- Preis pränumerando! VierteljShrl. 8.30 Mk., monatl. I.lv Mb, wöchentlich 28 Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' tll Pfg. Posi- Wonnemeni: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zciwngs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Däncmarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, "'nien. Schweden und die Schweiz. CrMxIgt liigll» auBcr Dlontast. srwör 23. Jahrg. Verlinev Volksblatk. Zcntralorgan der fozialdemohratirchcn Partei Deutfchlands. Die Tnfertions-Gcbüfir ketrögt für die sechsgespaltenc Kolonelzeile oder deren Raun, 50 Pfg.. für politische und gewerlschaftliche Vereins- und Vcrsammlungs-Anzeigen 30 Psg. „Kleine Znrelgen", das erste(seit- gebrurltc) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. 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J�eue Kräfte seh' ich glühen, J�eue Säfte seh' ich blühen, Lichtwarm steigt die neue Welt. Das Gemeine weicht von Grden, Was nie war, nun will es werden, dnd das Sklavenschiff zerschellt. Karl nendtcll. Der Nettfeiertag der Arbeit. Als gewaltige internationale Kundgebung für den Acht- fhtnbcntng war ursprünglich der t. Mai gedacht. Aber mit dem wachsenden Kampfe des Proletariates wuchs auch der Inhalt des proletarischen Wcltfeiertages. Die abenteuerlichen, den Völkcrfrieden immer ärger bedräuenden Militärrüstungen der internationalen Bourgeoisie stempelten den t. Mai zugleich zu einer wuchtige» Demousttation gegen die internationale Ränkesncht der herrschenden Klasse aller Länder, zu einem millioncnstimmigen Protest des international verbrüderten Proletariats. Und als der Vormarsch des Proletariates die Arbeiterklasse vor die Aufgabe stellte, zur allniählichen Ver- wirklichung ihrer Kulturideale die Wahlrcchtsbarrikaden der herrschenden Klasse niederzuwerfen, wurde der 1. Mai zugleich zu einer Heerschau der Arbeiterklasse für ihre Wahlrechtskämpfe I Im Klassenbewußtsein des Proletariats verschmilzt diese dreifache Demonstration zu einer unlöslichen Einheit. Die kolossalen Heeresrüstungcn der herrschenden Klasse bedrohen die Völker in ihrem ruhigen Kulturfortschritt. Ein moderner Krieg mit seinen ungeheuerlichen Verwüstungen an Gut und Blut muß namenloses Elend über die beteiligten Nationen bringen. Wenige Monate des Völkermordens würden niederreißen, was in langen Jahrzehnten friedlicher Arbeit mit unendlicher Mühe geschaffen worden. Aber selbst der„bewaffnete Frieden" ist mehr und mehr zu einer entsetzlichen Geißel für die Nationen geworden. Haben sich doch binnen wenigen Jahren überall, in Deutschland, Frankreich, England, die militärischen Aus- gaben ins maßlose gesteigert. Die Kulturaufgaben werden immer mehr zurückgedrängt, immer unerhörtere Ansprüche werden an die arbeitenden Klassen gestellt, die überall, namentlich aber in Deutschland, die Lasten für den Milita- rismus zu tragen haben. Dabei bildet das tolle Wettrüsten nicht etwa eine Garantie des Friedens, vielmehr die furchtbarste Bedrohung desselben. Zumal auch die weltpolitischen Rivali- täten sich immer mehr zugespitzt haben. Stand doch erst in den letzten Monaten der europäische Friede nur auf eines Messers Schneide I Obendrein aber ist der Militarismus auch die schwerste Gefährdung des inneren Friedens, der nationale» Kultur- entwickelnng! Erlebte nicht erst am 21. Januar das deutsche Proletariat das russische Schauspiel eines militärischen Massen- aufgebots? Und hat man jetzt nicht auch tn Frankreich die Truppen gegen das Volk aufgeboten? Unsere herrschende Klasse betrachtet die Bajonette als den sichersten Schutzwall ihrer Privilegien gegenüber dem Proletariate, das sich endlich auf seine Menschenrechte besonnen hat und gleiche Rechte für alle Volksgenossen heischt! Deshalb gilt der 1. Mai den Kampf gegen die Volks- Verhetzung, gegen das sinnlose Wettrüsten, gegen die koloniale Ranbpolitik, gegen das ganze kultnr- und volksfeindliche System unseres heutigen Militarismus! Der Kampf gegen den Militarismus ist die unerläßlichste Vorbedingung für den sozialen Auffticg der Arbeiterklasse, als dessen vornehmstes Mittel die Beschneidung der kapitalistischen Arbeitsfron, die Verkürzung der Arbeitszeit zu gelten hat. Jeder sozialpolitisch geschulte Arbeiter weiß, daß Arbeitszeit- Verkürzung auch Steigerung des Arbeitslohnes bedeutet— also Erhöhung der Volksgesundheit, der Volksgesittung. Das grausige Wohnungselend, das Laster des Alkoholismus. die physische und geistige Entartung der Arbeiterklasse sind die Folgen, die nie fehlenden Begleiterscheinungen einer ab- stumpfend langen Arbeitszeit. Die Verkürzung der Arbeitszeit » � 1■'■.....................'■■■. Der erste Mai und der Philister. Der 1'. Mai und der Gendärm: der 1'. Mai und der Fabrikdirektor: der 1. Mai und der Herr Landrat— alles Kombinationen, über die zu reden jedes Jahr uns Anlaß gegeben wird. Ja, sie beschäftigen uns so stark, daß der- jenige, dem wir doch auf Weg und Steg begegnen, Gefahr läuft, vernachlässigt zu werden: der Philister. Und es wäre nicht recht, wenn wir ihm Gnmd gäben, sich über Zu- rücksetzung zu beklagen. Denn er verschafft uns doch manchen vergnügten Augenblick, und an keinem Tage tritt er uns in feines Wesens Reinheit so deutlich entgegen wie am 1. Mai. Der Bourgeois hat»icht immer dasselbe Verhältnis zur Sozialdemokratie. Ais Arbeitgeber wünscht er sie kurzerhand — und durchaus mit Recht— zum Teufet. Als Christ und Ehemann empfindet er ehrlichen Abscheu vor ihren vertverf- lichen Lehren. Als teutscher Patriot nimmt er Verteidigungs- stellung an, um das Vaterland vor dem sozialistischen Ansturm zu retten. Als„gebildeter" Europäer aber kommt er erst zum vollen Bewußtsein seines Wertes und seiner Aufgabe, die in nichts geringerem besteht, als in der Wahrung der durch uns bedrohten heiligsten Güter der Menschheit. Er fühlt sich als Mensch: wir sind„Masse". Für ihn gibt es Ideale: für uns Würste. Und während wir Sozialisten unser Bebagen finden in einem rohen Kommunismus, der sich unter günstigen Umständen bis auf die Weiber erstreckt, finden bei ihm die Bedürfnisse der verfeinerten Kultur liebevolle Pflege. Und wir dürfen sagen: Keine Rolle liegt unserem Philister so gut wie diese. Ob er nns als Pfeffersack oder als Oberlehrer entgegentritt, als Vertreter des Nähr-, Wehr- oder Lehrstandes: immer ist er wenigstens im Nebenamte Banner- träger der„Zivilisation" und der mit dem Visum des Ber- liner Polizeipräsidiums versehenen„göttlichen Weltordnung". Die Komik dieser Figur wirkt nie drastischer als am ll'. Mai... Hier Millionen, vereint durch den Glauben an eine bessere Zukunft, an die Erfüllung der Hoffnungen, die zu allen Zeiten' die Besten mit ihrem Herzblut genährt— Millionen, getragen von stolzer Siegeszuversicht und einer freudigen Stimmung, in der daS beste zusammenklingt, was den Menschen in guten Stunden bewegt. Und dort unser Phi- lister, der. verärgert, ohne Verständnis und ohne Humor, mit dürftigem Spott sich mit dem gewaltigen Schauspiel abzu- finden sucht, das der 1. Mai uns bietet. Was ist ein Philister? Ein hohler Darm, Voll Furcht und Hoffnung, daß Gott erbarm Seine letzte Hoffnung aber ankert im Glauben au die Polizei, die ihre schützende Hand über die bewußten„heiligsten Güter" hält.«Herr ist, der»us iwasft." auf ein menschenwürdiges Maß ist der Hebel für die intellek- tuelle und sittliche Neugeburt des Proletariats! Darum ist der Achtstundentag für den Arbeiter die Durchgangspforte zur Befreiung der Arbeiterklasse, zur Erlösung der Menschheit! Die Befrciungsschlachten des Proletariats werden aber nicht nur auf sozialem Gebiete geschlagen wie manche Phan- tasten sich einbilden. Wohl sind die wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiterklasse von höchster Wichtigkeit. Wohl ist jeder Arbeiter, der nicht Mitglied seiner Berufs- organisation ist, ein Hemmschuh des proletarischen Klassen- kampfes. Aber gerade bei der ungemeinen Wichtigkeit der Gewerkschaftsorganisationen und ihren vielseitigen Funktionen können die Gewerkschaften nicht auch gleichzeitig den politischen Kampf führen. Sie können und müssen wohl das Fundament des politischen Kampfes sein, aber nicht seine spezifischen Träger. Der politische Kampf bedarf seiner besonderen Mittel, der Politischen Partei, der Sozialdemokratie. Und einer der wich- tigsten Faktoren des politischen Kampfes ist die p a r l a m e n- tarische Aktion. Die Voraussetzung dieser parlamen- tarischen Betätigung ist aber ein demokratisches Wahlrecht. Um ein solches allgemeines und gleiches Wahlrecht ist gegenwärtig in allen Ländern der Kampf entbrannt! Die Heerschau des 1. Mai soll die Proletarierarmeen formieren, um die wahlrechtsweigernden herrschenden Klassen niederzuringen! Ein gewaltiges Wehen geht durch ganz Europa. In Rußland tobt unablässig, unaufhaltsam der Kampf des Proletariats gegen den Zarismus. In Oesterreich- Ungarn steht die Arbeiterklasse inmitten der imposantesten Wahlrcchtskämpfe. In Frankreich unternimmt das Prole- tariat einen gewaltigen Vorstoß zur Erringung des Acht- stundentages. In England hat das Proletariat soeben einen ersten, viclverheißenden politischen Sieg als Klassenpartei erstritten und ringt jetzt nach innerer Klarheit und Festigung. Und Deutschland durchbraust der Wahlrechtssturm I Mit Grimm und Trotz verteidigt die europäische Reaktion das splitternde Pfahlwcrk seiner Schanzen. Die ganzen Machtmittel des Klassenstaates bietet es auf gegen das heran- drängende Volk I Ungeheuer schwer ist der Kampf, aber es gibt kein Zaudern, kein Schwanken! Vorwärts heißt die Losung! Nieder mit allen Klassenprivilegien! Hoch der menschheitbefreiende Sozialismus! Sie sehen, meine Herren, wenn die Revolution von 1789 die Revolution des TierZötat, des dritten Standes war, so ist eS diesmal der vierte Stand, der 1789 noch in den Falten des dritten Standes verborgen war und mit ihm zusammenzufallen schien, welcher jetzt sein Prinzip zum herrschenden Prinzip der Gesellschaft erheben und alle ihre Einrichtungen mit demselben durchdringen will. Aber hier bei der Herrschaft des vierten Standes findet sofort der immense Unterschied statt, daß der vierte Stand der letzte und äußerste, der enterbte Stand der Gesellschaft ist, welcher keine ausschließende Bedingung weder rechtlicher noch tatsächlicher Art, weder Adel noch Grundbesitz, noch Kapitalbesitz, mehr aufstellt und aufstellen kann, die er als ein neues Privilegium gestalten und durch die Einrichtungen der Gesellschaft hindurch führe» könnte. Dieser vierte Stand, in dessen Wegfallen daher kein Keim einer neuen Bevorrechtung mehr enthalten ist, ist eben deshalb gleich» bedeutend mit dem ganzen Menschengeschlecht. Seine Sache ist daher in Wahrheit die Sache der g e s a m t e n M e n s ch« heit. Seine Freiheit ist die Freiheit der Menschheit s e l b st. Seine Herrschaft ist die Herrschaft aller. Ferdinand Lassalle. Ein Charakteristikum des Philisters: Er hält sich für den Normalmenschen. Was e r macht, denkt, fühlt, das ist das Normale. Wer seine kleinen Exzesse mitmacht, vergibt sich noch nichts: soweit reicht die gesellschaftliche Nachsicht. Die Dinge, für die er sich begeistert, sind den Göttern empfohlen. Jenseits dieser Grenze beginnt die Narrheit. Er ist Näsoneur «ud macht, wo es die„Ueberzeugung" verlangt, der Regierung Opposition. Aber er bleibt dabei treuer Untertan und weiß stets, auf welche Seite er sich zu stellen hat, wenn das Anselien der Obrigkeit in Frage steht. Seine Ehe ist die Normalehe. seine Partei die Normalpartei, sein Staat der Normalstaat. Was davon abweicht, ist im bestm Falle Unsinn, im schlimmsten Falle Verbrechen. Oh! man tue unserem Philister kein Unrecht. Er ist durchaus kein Reaktionär und für einen gesunden Fortschritt immer zu haben. Er ist ein„gebildeter Mann" und glaubt durchaus nicht alles, was der Geistliche von der Kanzet her- unter predigt. Und wenn er nicht immer sagt, was er denkt und manchmal die Faust in der Hosentasche läßt, statt auf den Tisch zu klopfen, so sind daran nur die Sozialdemokraten schuld, die so wie so schon alle Autorität untergraben. Unser Philister ist auch kein Banause und kein Sittenrichter. Er war„auch einmal jung", und auch später hat er, unter Wahrung des Dekorums freilich, am Laster ein bißchen ge- nascht. Er ist gar nicht mit allem zufrieden und übt manchmal sehr scharfe Kritik an den sozialen Verhältnissen. Aber: „Alles mit Maß!" Es gibt doch schließlich Grundlagen, die man nicht antasten soll, und Dinge, vor denen die Menge den Respekt nicht verlieren darf, wenn man sie im Zügel halten will... Schließlich laufen all diese rührenden Redensarten darauf hinaus: Mit dem Jabre 1900 hat die Weltgeschichte ihr Ende erreicht. Wenigstens bei uns. So wie es ist, kann's bleiben, weil es unmöglich noch besser kommen kann. Das letzte Jahr- tausend deutscher Geschichte ist angefüllt von den tiefgreifendsten llmwälzungcn, in denen ganze Völker durcheinander gerüttelt, Hunderttausende aus Nacht und Dunkel emporgehoben, Hunderttausende vernichtet wurden. Aber das alles muß doch einmal ein Ende nehmen, lehrt uns der Philister, voll Stolz darauf, wie wir's zuletzt„so herrlich weit gebracht". Herr Nachbar, ja— so laß ich'8 auch geschehn: Sie mögen sich die Köpfe spalten, Mag alles durcheinander gchn; Doch nur zu Hause bleib'S beim Alten. - Im frischen Morgenwind wehen die roten Banner. In ungezählten Scharen strönck das Proletariat zusammen, dürstend nach Freiheit und Schönheit. In allen Sprachen bekennt es sich zu dem Glanben an den Sieg des Sozialismus: und es fchöpft dieses Vertrauen gleicherweise aus der Ent- Das freie Wahlrecht ist Zeichen.... Die Maifeier dieses Jahres ist in Deutschland zugleich eine Wahlrechtsdemonstration. Zum dritten Male heischt das deutsche Proletariat in imposanter Massenkundgebung das all- gemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für die Land- tage der Einzelstaaten, speziell Sachsens und Preußens. Aber keine bloße Demonstration soll die Maifeier fein, keine Prunkende Parade, von der man nach Hause geht, um sich wieder dem Alltagsschlendrian zu ergeben, sondern eine Schlacht, geliefert den Wahlrechtsfeindm. Nach dein ersten heillosen Schrecken, der ersten kopflosen Nervosität am 21. Januar, hat sich die Reaktion bald wieder dem Gefühle wohliger Sicherheit hingegeben. Demonstra- tionen, so glaubt man, können ja dem Geldsackswahlrecht nicht gefährlich werden, hinter dem man sich gegen alle Forderungen des Volkes verschanzt hat. Man läßt die Masse eben schreien, stopft sich Walte in die Ohren und schneidet seine Coupons oder ißt seine Austern. Und wenn sich dann der„Pöbel" heiser geschrien hat, geht er wieder nach Hause und streckt sich ab- gemattet auf seinen Strohsack. So denkt die Bourgeoisie. Und sie hätte recht, wenn die Demonstrationen wirklich nichts wären, ais müßige Paraden. Aber das sind sie eben nicht. Ihre Aufgabe erschöpft sich nicht in der einmaligen Willenskundgebung, sondern sie besteht viel- mehr in der Anfeuerung der Massen zum unermüdlichen Tageskampf._ Und es liegen die überzeugendsten Beweise dafür vor, wie erfreulich die großen Demonstrationen den Kampf des Proletariates vertieft und verschärft haben. Das Wachstum der Parteiorganisationen und die Verbreitung der Parteipresse gewährleisten eine intensivere Agitationsarbeit. Und daß gerade in den Kreisen der gewerkschaftlich organi- sierten Arbeiter die diesjährige Maifeier einer so tiefgehenden Teilnahme begegnet ist, ist nicht minder ein Beweis dafür, welche Resonanz die Parole des Wahlrechtskampfes in den breitesten Arbeiterschichten gefunden hat. Noch ist das alles lange nicht genug, noch muß die Wahlrechtsbewegung viel weitere Kreise ziehen, noch muß die Empörung der Massen einen ganz anderen Grad erreichen— aber das Eis ist doch gebrochen, die Wahlrechtsbewcgung ist im Flusse und wird ihre Wogen immer unwiderstehlicher über das Land wälzen! Maifeier und Wahlrechtskampf— diese beiden Programme passen trefflich zusammen. Tie Idee der Maifeier ist der proletarische Klassenkampf, der moderne Killturkampf der Menschheit. Und die Wahlrechtsforderung, der Wahl- rcchtskampf sind nichts anderes als angewandter, auf ein be- stimmtes Ziel konzentrierter proletarischer Klassenkampf! Jeder vernünftige Sozialdemokrat weiß, daß sich der moderne Klassenkampf nicht im parlamentarischen Kampfe erschöpft. Er weiß, daß der gewerkschaftliche Kampf ein ebenso wichtiger und notwendiger Bestandteil des Klassen- kampfes ist, wie die politische Aktion. Und der Parla- mentarismus ist obendrein wiederum nur ein Teil dieser politischen Aktion. Andererseits aber gibt es nichts Kurzsichtigeres, als hie Bedeufting der parlamentarischen Aktion für den proletarischen Klassenkampf zu unterschätzen. Welchen Krisen auch die parla- m entarische Aktion des Proletariates unterworfen sein mag, und welcher Mittel es im Laufe der Entwickelung auch be- dürfen mag, um diese parlamentarische Aktion zu ermöglichen und zu sichern: die Gesetzgebungskörper sind in modernen Staaten min einmal die Instanzen, von denen die poliftsche und soziale Gestaltung des nationalen Lebens abhängt. Selbstverständlich steht es nicht in der Willkür der Parlaments- Mitglieder, das Staatsleben in diese oder jene Form zu kneten, vielmehr sind es die großen wirtschaftlichen Triebkräfte, sind es die daraus resultierenden Klasseninteressen. welche den Charakter der Parlamente und ihrer gesetzgeberischen Arbeit bestimmen. Aber gerade weil dem so ist, gipfelt der Widerstreit der sich durchzusetzen suchenden sozialen Tendenzen, wickünng, die sich vor seinen Augen vollzieht, wie auch aus der eigenen Kraft, mit der in allen Ländern die Unterdrückten um ihre Befreiung ringen. Wir sehen die Frucht jahrhunderte- langer Arbeit reifen. Ein Geschlecht löste das andere ab in der harten Fron, welche die herrschende Klasse ihm auferlegte. Aber während dem Arbeiter oft nicht so viel vom Ertrag seines Fleißes blieb, als die Notdurft des Lebens heischt, häuften sich Reichtümer an, für die weder der raffinierte Luxus noch die Profitsiicht Verwendung hat. Der Mensch zwingt die Kräfte der Natur unter sein Machtgebot und schafft Werke und Werte, die ans Riesenhafte grenzen. Während so heute noch die-Arbeit Sorge und Not zum nächsten Nachbar hat, sind schon die Bedingungen für eine neue Ordnung des wirtschaftlichen Lebens vorbanden. Wir brauchen nur die gewaltigen Produktionskräfte, die das letzte Jahrhundert ent- stehen sah, in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen, um die Grundlage für eine gesunde materielle Kultnr zu gewinnen, auf der ein ebenso reiches Geistesleben, von dem keiner ans- geschlossen zu sein braucht, erblühen kann. Drum sehen wir, wo der Philister in sattem Behagen den Höhepunkt der Ent- Wickelung wähnt, den Anfang einer neuen Epoche in der Menschheitsgeschichte. Und wir fühlten ihr Nahen noch an keinem Maienfeste so deutlich wie an dem heurigen, das auch vom russischen Proletariat mit unS gefeiert wird. Freilich dämmert auch in manchem Vertreter des Bürger- tums die Erkenntnis auf, daß im Grunde die ganze bisherige Leidensgeschichte der Völker unsäglich traurig und sinnlos wäre, wenn auf das blutgetränkte Zeitalter der Erfindungen und Eiftdeckungen nicht eine Epoche des Friedens folgte, die ihre Aufgabe darin erblickt, diese Kräfte und Schätze im Dienste der Gesamtheit zu organisieren und zu nützen und allem, waö Menschenantlitz trägt, die Möglichkeit freier Ent- Wickelung zu gewähren. Und auch unser Philister würde so gerne an diesem Gedanken sich erwärmen, wenn er nur über e i n Bedenken hinwegzukommen vermöchte, das der Verwirk- lichung all dieser schönen Träume im Wege steht: Soll er denn, bevor er an sein Tagewerk geht oder der Einladung zu Ge» Heimrats folgt, sich eigenhändig seine Stiefel wichsen?! Die roten Banner wehen, und Millionen zuknnftsfroher Menschen vergessen Not und Leid und sehen leuchtenden Auges der Sonne entgegen. Ich höre ein heimliches Dröhnen gehn. Fern in der Gebirge dämmerndem Blau. Dre Schnitter so stumm an der Arbeit stehn, Sie schneiden die Sorge auf �brennender Au. Sie sehnen sich m.ch Gewitternacht. Nach Sturm und Regen und Donnerschlag, Nach einer wogenden Freiheitsschlacht Und einem entscheidenden Völkertag. iU Zgvg, gchfelt der Klassenkanchs schließlich in den parlamentarischen Kämpfen, in denen zugleich das Wesen des Klassenkampfes auch für den ökonomisch und historisch minder Geschulten deutlich zu erkennen ist Nicht trotz, sondern gerade wegen seines Klassen- kampfcharakters bedient sich das sozialistische Proletariat der parlamentarischen Aktion. Nur wenn es als selbständige und geschlossene Partei in den Parlamenten vertreten ist. und zwar in entsprechender Stärke vertreten ist, vermag es seine Klassenforderungen durchzusetzen. In normalen Zeiten geht es einfach nicht ohne Parlament, selbst eine Diktatur des Proletariates würde eine Volksvertretung'keineswegs aus- schließen, sich auf die Dauer vielmehr nur durch eine solche aufrecht erhalten können. Der Wahlrechtskampf in Preußen, Sachsen und den anderen Bundesstaaten ist deshalb eine echte und unerläßliche Betätigung des proletarischen Klassenkampfes. Will die Arbeiterklasse ihre Forderungen zu Gesetzen erhoben sehen, so muß sie, wie im Reichstag, so im Landtag zur herrschenden Partei zu werden suchen. Welchen gesetzlichen oder ungesetz- lichen Widerstand die herrschende Klasse auch diesem Bestreben entgegensetzen mag, er mutz überwunden werden! Und gerade daß die herrschende Klasse vor keinem Mittel zurückschreckt, um das Proletariat, das doch die Mehrheit des Volkes bildet, an der Erlangung der parlamentarischen Mehrheit zu hindern, ja um es überhaupt von jeder parla- mentarischen Betätigung auszuschließen, ist ein ausgezeichnetes Mittel zur Verständlichmachung und Förderung des Klassen- kampfes! Mag die besitzende Klasse es anstellen, wie sie will, mag sie dem Proletariat politische Ellenbogenfreiheit gewähren oder mag sie in der Politik der Volksentrechtung und Volks- knebelung beharren: sie führt in beiden Fällen Wasser auf die Mühle der Sozialdemokratie. Und dem Proletariat wird schließlich so oder so der Sieg zufallen, gleichviel, ob die pro- letarische Flut in den Parlamenten allmählich, aber sicher steigt oder ob sie, lange künstlich zurückgehalten, plötzlich die unterspülten Dämme hinwegreißt. In Preußen übte man bisher die Vorbeugungstaktik schamlosester Volksentrechtuna. Durch ein geradezu aberwitziges Wahlsystem, das in erster Linie dem Junkertum, in zweiter Linie dem kapitalisüschen Geldsack zugute kommt, schloß man das Proletariat von jeglicher Vertretung aus. Zu allen anderen Schändlichkeiten dieses verfassungswidrig dem preußischen Volke aufoktroyierten Wahlunrechts kommt auch noch die Oeffentlichkeit der Abstimmung, die für eine Unmasse von protzigen Arbeitgebern abhängiger Proletarier, ferner für alle Beamten von vornherein jede Stimmabgabe nach ehrlicher Ueberzeugung ausschließt. Trotz alledem wurden im Jahre 1903 inehr als 300000 Stimmen für die Sozial- demokratie abgegeben, d. h. nur 10000 Stimmen weniger, als für die Konservativen abgegeben waren. Die letzteren aber erhielten 143, die Sozialdemokratie 0,00 Abgeordnete l Man sollte meinen, daß denn doch selbst die bürgerlichen Parteien die Reform eines so unnatürlichen, die Arbeiterklasse geradezu verhöhnenden Wahlsystems für zeitgemäß erachten sollten. Aber das fällt ihnen gar nicht einl Das Zentrum, eine Partei, der beschämenderweise noch Hunderttaufende von Arbeitern angehören, hat wohl im Jahre 1873 einmal den Antrag auf Einführung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts gestellt, dagegen im Jahre 1906 erklärt, das Embrinaen eines solchen Gesetzentwurfs der— Regierung überlassen zu müssen. Ja, sogar gegen den Antrag auf eine die ehemalige Gleichheit wiederherstellende Neueinteilung der Wahlkreise hat das Zentrum gestimmt! Schon aus diesen Fakten vermag jeder denksähige Pro- letarier zu lernen, mit welch' beispiellosem Klassenegoismus die besitzende Klasse ihre politischen Vorrechte verteidigt, um nur ja nicht in ihren Ausbeuterpraktiken behindert zu werden I Freilich, von ihrem Klassenstandpunkt aus hat die Bourgeoisie alle Ursache, sich die Herrschaft in Preußen zu sichern. Ist doch gerade der Landesgesetzgebung das größte und wichtigste Gebiet der staatlichen Aufgaben vorbehalten. Dem Reichstag ist im großen und ganzen nur die Aufgabe zugedacht, den Militarismus und Marinismus großzupäppeln, und zwar aus den Erträgen der indirekten Steuern, deren Löwenanteil von der nichtbesitzenden Klasse aufgebracht werden muß. Verschlingen doch die Ausgaben für den Militarismus und was mit ihm zusammenhängt neun Zehntel der ganzen Nettoeinnahmen des Reiches. Alle Verwaltungs- aufgaben des Staates, alles, was eigentlich zu den Kultur- aufgaben gerechnet werden muß, bleibt in Deutschland der Gesetzgebung der Einzelstaaten überlassen. So regelt z. B. der preußische Landtag die gesamte direkte Steucrgesetz- gebung, so»mtersteht ihm das preußische Eisenbahnwesen mit seinen Hunderttausenden von Angestellten, die Schule, die Justiz, die Polizei, das Armenwesen usw. Und über alle diese Dinge hat das preußische Proletariat kein Wort mitzusprechen. Wenn die preußische Eisenbahn- Verwaltung bei Bahnbauten billigere ausländische Arbeits- kräfte heranzieht und dadurch die Löhne drückt und die Arbeitslosigkeit vergrößert, wenn sie den Bahnproletariern das ihnen gesetzlich zustehende Koalitionsrecht einfach ab- spricht— so hat das arbeitende Volk in Preußen kein Wort dreinzureden I Und wenn das ohnehin jämmerliche Schulwesen noch mehr verschlechtert wird, wenn man die Schule zu einer Brutstätte erbärnilichen konfessionellen Haders macht und sie vollends den Junkern und Pfaffen ausliefert, damit die Kinder des Proletariats zwar möglichst wenige nützliche Kenntnisse erwerben, dafür aber durch hurra- patriotischen Drill um so mehr den Idealen ihrer Eltern ent- fremdet werden— so hat wiederum das arbeitende Volk Preußens kein Wort mitzusprechen! In ohnmächtigem In- grimm muß es sich auch gefallen lassen, wenn die Justiz immer mehr in eine Klassenjustiz verwandelt wird oder wenn man das Organ der öffentlichen Sicherheit, die Polizei, geradezu auf die Arbeiterklasse dressiert! Und diese ungeheuerlichen Zustände vermöchte das Pro- letariat für alle Ewigkeit fatalistisch zu ertragen? Nein, der moderne Proletarier ist nicht mehr der stumpfsinnige Helote von ehedem, der eine solche„Ordnung" als eine„gottgewollte" resigniert hinnahm. Er ist zur Menschenwürde, zum Klassen- belvußtsein erwacht, zun, Gefühl seiner Rechte und seiner Macht I Er weiß, daß er sich nur mit seinen Leidens- geführten zusammenzuschließen braucht, um eine Macht zu werden, gegen die keine andere Macht aufzukommen vermag. Freilich: noch gibt es viele Hunderttausende, gibt es Millionen Rückständiger, die noch in blindem Autoritätsglauben dahinvegetieren, die sich noch von den bürgerlichen Parteien als Stimmvieh mißbrauchen lassen, um ihren einsichtigeren Klassengenossen in den Rücken zu fallen. Diese gilt es zu gewinnen! Der Unverstand dieser Proletariermassen ist das festeste Bollwerk der Reaktion. Ist es erst überstiegen, so bleibt den herrschenden Klassen nur noch die Kapitulation übrig. Unser Wahlrechtskampf ist deshalb gleichbedeutend mit dem Kampf gegen die Einsichtslosigkeit der betörten prole- tarischen Brüder! Unser heutiger Weltfciertag ist kein Tag des Triumphes und der Siegesfeier, er ist ein Tag des Kampfes, der Kampfesrüstung und des Kampfesgelöbnisses. In der ganzen Ausdehnung der feindlichen Schlachtlinie muß der Kampf entbrennen, zäher, energischer, aufopferungsvoller, als je zu- vor. Keine Rast, bis der Feind geschlagen ist! Nur, was zerfällt, vertretet ihr! Seid Kasten nur, trotz alledem! Wir sind daS Volk, die Menschheit wir, Sind ewig drum, trotz alledem! Trotz alledem und alledem! So kommt denn an, trotz alledem! Ihr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht— Unser die Welt trotz alledem! Freiligrath. Mai-Ideale und wirtschaftlicher Kamps. Nach den Debatten von Köln hatte es den Anschein, als sei es mit der Maifeier vorbei. Wie ein kalter Hauch des noch einmal wiederkehrenden Winters eine junge Blüte, schienen die dort geäußerten Zweifel und Bedenken gegen den Weltfeiertag den köstlichen proletarischen Mai-Wagemut zerstört zu haben. Aber bald machte sich unter der Arbeiterschaft eine Reaktion dagegen geltend. In zahlreichen Versamm- lungen trat das gewerkschaftlich organisierte Proletariat für den einmal lieb gewonnenen Maigedanken ein und heute stehen wir vor einer Maifeier, wie wir sie nie erlebt haben. Was die Massen veranlaßte, trotz aller gewiß wohl- meinend vorgetragenen Bedenken dennoch an der Maifeier festzuhalten, ist ja vorwiegend das Gefühl, daß man einmal Errungenes nicht kanipflos preisgeben dürfe, daß man es vielmehr verteidigen und ausbauen müsse. Und der Welt- feiertag der Arbeit schien der Masse wert, schon um seiner selbst willen fürKhn einzutreten. Er hat aber auch für den gewerkschaftlichen Kampf eine ungeheure praktische Bedeutung. Wer schon in der Mitte der achtziger Jahre des der- gangenen Jahrhunderts oder gar noch früher im gewerkschaft- lichen Leben stand, wird sich erinnern, wie ungeheuer schwer es damals war, eine größere Arbeitermasse für den Kampf um eine Verkürzung der Arbeitszeit zu begeistern. Eine Bewegung zur Erhöhung des Lohnes ließ sich mit Leichtigkeit in Szene setzen, weil auch die der Gewerkschafts- bewegung noch nicht gewonnenen Massen es schnell begriffen, daß eine Lohnerhöhung ihnen Vorteile bringen müßte. Zu einer Bewegung für die Verkürzung der Arbeitszeit konnte man aber die Masse schwer heranziehen und mußte sehr mit dem Unverstände der Indifferenten rechnen, die noch in dem ihnen von bürgerlicher Seite eingeinipsten Irrwahn lebten, eine Verkürzung der Arbeitszeit würde ihnen auch eine Ver- ringerung ihres Einkommens bringen. Auseinandersetzungen nationalökonomischer Art vor diesen Massen bewirkten, obwohl sie damals mehr als jetzt an der Tagesordnung waren, nur schwer einen Umschwung in diesen Verhältnissen.— Da kam der Pariser Maifeierbeschluß und er schaffte Wandlung fast unmittelbar. Seit 1889 ist es gelungen, die Arbeitszeit in fast allen Berufen, manchmal um viele Stunden, herabzusetzen. Das ist kein Zufall I— Die Bestrebungen zur Verkürzung der Arbeitszeit, die vorher gepflogen waren, zersplitterten sich, betrafen nur wenige fortgeschrittenere Gewerbe. Und da in den zurückgebliebenen Berufen sich noch nichts regte, belastete die dort übliche überlange Arbeitszeit wie ein Bleigewicht die Kämpfer um einen kürzeren Frondienst. Das wurde erst anders, als mit der Maifeier eine planmäßige Agitation zur Verkürzung der Arbeitszeit einsetzte, die sich an alle Proletarier gleichmäßig wandte und nicht an die Angehörigen eines Berufes oder auch nur eines Landes allein, sondern an die der ganzen Kulturwelt. Wenn man etwas erkämpfen will, muß man alle seine Kräfte auf einen Punkt konzentrieren. Und seit dem Pariser Kongreß im Jahre 1889'galt für die Gewerkschaftsbewegung fast allgemein die Parole: Keine Bewegung ohne die Forderung einer ver- kürzten Arbeitszeit! Zugleich aber verbreitete gerade das Maifest den Ge- danken der internationalen Solidarität bis hinein in die Kreise, die kurz vorher den Geivcrksch ästen in ihren Kämpfen für eine verkürzte Arbeitszeit noch so gefähr- lich geworden waren. Es ist kein bloßer Zufall, daß heute der Zuzug von„Arbeitswilligen" aus Italien, der Zuzug von solchen aus den österreichischen Kronländern und von ander- wärts so rapide abgenommen hat. Daß der russische Muschik, der jetzt im Kampfe gegen seine Regierung und den Kapitalismus steht, unter allen seinen wirtschaftlichen Forderungen stets auch gerade die des A ch t st u n d e n t a g e s aufstellt, zeigt, daß hierbei die Maiidee eine gar nicht fort- zulengncnde und für den praktischen gewerkschaftlichen Kampf nicht hoch genug zu veranschlagende Rolle spielt. Nun sagen freilich die Gegner der Maifeier in ihrer heutige Form, daß ihr Schaden für die Gewerkschaftsbewegung ihren Nutzen weit übersteige. Ein Einwand ist: Die Maifeier durch Arbeitsruhe gebe den Unternehmern einen Vorwand zu Aussperrungen.— Nun, die zahllosen Aussperrungen im Vorjahre und auch schon in diesem zeigen, daß das Scharfmachertum um solche Vorwände n i e verlegen war! Die Maifeier durchkreuze die gewerkschaftliche Taktik, sich die Zeit zum Kampfe selbst zu wählen, den günstigsten Moment für denselben herauszugreifen, sagtman.— Das wäre richtig, wenn den Ge>verkschaften zugemutet würde, ihrerseits den I.Mai als den Termin für den Beginn der wirtschaftlichen Kämpfe anzusehen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Es widerspricht sogar dem Gedanken, der sich in der Maifer verkörpert, an diesem Tage neben der Demonstration für eine Verkürzung der Ar- beitszeit, neben der für die Völkersolidarität, neben der gegen die politische Entrechtung der Arbeiterklasse, noch an anders geartete wirtschaftliche Forderungen zu denken. Damit wäre sofort e i n Vorzug der Maifer zerstört, der der Konzen- t r a t i o n a u f e t n e b e st i m in t e Forderung, die in ihrer Totalität zunächst durchzusetzen, das gewerkschaftlich und politisch organisierte Proletariat sich am 1. Mai anfeuert. Daß die Bourgeoisie dem Proletariat seinen Maitag nicht kampflos schenken wird, ist klar. Aber der Haß der Herr- schenden gegen die Maifeier gilt nicht dem Feiertag, er gilt der F o r d e r u n g, für welche die Arbeiterschaft an diesem Tage demonstriert. Diese Forderung ist aber mindestens ebenso sehr eine gewerkschaftliche wie sie eine der politischen Partei ist. Auch für die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter kann es nur heißen: f och der Achtstundentag! och der 1. Mai! (Der Arbeiter an den Kapitalisten:)... Durch matzlose Ver- längerung des Arbeitstages kannst Du an einem Tage ein grötzeres Quantum meiner Arbeitskraft flüssig machen, als ich in drei Tagen ersetzen kann. Was Du so an Arbeit gewinnst, verliere ich an Arbeitssubstanz. Die Benutzung meiner Arbeitskraft und die Be- raubung derselben sind ganz verschiedene Dinge. Wenn die Durch- schnittsperiode. die ein Durchschnittsarbeiter bei vernünftigem Arbeitsmah leben kann, 30 Jahre beträgt, ist der Wert meiner Arbeitskraft, den Du mir einen Tag in den anderen zahlst Viobso ihres Gesamtwertes. Konsumierst Du sie aber in 10 Jahren, so zahlst Du mir täglich Viobw statt'/seso ihres Gesamtwertes, also nur Vs ihres Tageswertes, und stiehlst mir daher täglich 2/a dcS Wertes meiner Ware. Du zahlst mir eintägige Arbeitskraft, wo Du dreitägige verbrauchst. Das ist wider unseren Vertrag und das Gesetz des Warenaustausches. Ich verlange also einen Arbeitstag von normaler Länge, und ich verlange ihn ohne Appell an Dein Herz, den» in Geldsachen hört die Gemütlichkeit auf. Du magst ein Musterbürger sein, vielleicht Mitglied des Vereins zur Ab- schaffung der Tierquälerei und obendrein im Geruch der Heiligkeit stehen, aber dem Ding, das Du mir gegenüber repräsentierst, schlägt kein Herz in seiner Brust. Was darin zu pochen scheint, ist mein eigener Herzschlag. Ich verlange den NormalsarbeitStag, weil ich den Wert meiner Ware verlange, wie jeder andere Verkäufer. Marx, Kapital. Der 1* Mai in Belgien. Ueber den 1'. Mai ist schon alles gesagt worden, seitdem das Proletariat— vor 16 Jähren— sich diesen Tag erkor, um in allen Ländern Demonstrationen für„die drei Achten" zu veranstalten. Darum halte ich es für unangebracht, auf die freundliche Aufforderung der„Vorwärts"-Redaktion etwa in der Weise zu reagieren, daß ich mir Zwang antue, zu Ehren des Festes der Arbeit ein paar ebenso hochtrabende wie unnütze Phrasen zu drechseln. Größeren Nutzen kann man— wie mir scheint— unseren Spezialartikeln zum 1. Mai dadurch verleihen, daß man für jedes Land die Anstrengungen, die gemacht, die Resultate, die im letzten Jahre bezüglich der Verkürzung der Arbeitszeit er- zielt worden sind, aufzeigt. In diesem Sinne hat sich denn auch das Internationale Sozialistische Bureau an seine Korrespondenten aller Nationen gewandt und sie ersucht, nach einem vorgeschriebenen Schenia einen gedrängten Bericht zu geben: über die Gesetzgebung be- züglich der Dauer der Arbeitszeit und über die gegenwärtige Lage in den Hauptindustriezweigen. Sämtliche Korrespondenten haben Antwort erteilt, und ihre Berichte sind als Broschüre gedruckt worden. Wenn die Arbeiter aller Länder diese Broschüre heute— am 1. Mai— lesen, so werden sie ihre Lage mit der ihrer Arbeitsbrüder vergleichen und die Eni- fernung ermessen können, die sie noch voin gemeinsamen Ziele trennt: dem gesetzliche»! achtstündigen Maximalarbeitstag. In Belgien sind wir leider von diesem Ziele noch weit entfernt. Wir haben kein Gesetz über die Arbeitszeit der Erwachsenen— Männer oder Frauen. Das Gesetz von 1889 bezieht sich auf Kinder und auf Frauen unter 21 Jahren: es gibt den Fabrikanten das Recht— unbeschadet der durch königliche Verordnung vorgesehenen Ausnahmen— zwölf Stunden täglich arbeiten zu lassen! Die letzte Gewerbe- Zählung(1896) weist folgende Ziffern über die durchschnitt- liche Arbeitsdauer auf: Es arbeiteten von 500 000 Arbeitern(in abgerundeten Zahlen— die in den Bergwerken beschäftigten Arbeiter nicht einbegriffen): SS wo d. h. ungefähr V10 weniger als 10 Stunden 170 000.„ Va etwa 10 75 000„.-/,„ lOVa.. 60 000... V»„ 11 110 000„„ Vg mehr als 11 Seit jener Zählung haben nur wenige Industriezweige die Arbeitszeit verkürzt. So setzten z. B. die Diamantschleifer von Antwerpen nach langem Ausstand den Neunstundentag durch. Im vergangenen Jahre mußten die Gcnter Baumwoll- spinner 14 Wochen streiken, um eine Arbeitszeitverkürzung von 15 Minuten pro Tag zu erzielen! Mittlerweile ist in der Textilindustrie die Bewegung für Verkürzung der Arbeitszeit stärker ungeschwollen. Die Erfolge des französischen Zehn- siundengefetzes haben auf die Arbeiterklasse Belgiens einen gewaltigen Eindruck gemacht, und wenn die konservative Mehrheit im Parlament es auch ganz ersichtlich darauf an- legt, die Anträge, die eine gesetzliche Maximalarbeitszeit fest- legen sollen, zum Scheitern zu bringen, so hat jene Majoritär doch wenigstens nicht mehr den Mut, die betreffenden Gesetz- entwürfe offenheraus zu bekämpfen. Was die Vergwerksindustrie betrifft, so ist es sehr wahr- scheinlich, daß in kurzem der Achtstundentag von der belgischen Kammer im Prinzip beschlossen werden wird. Wahr- hastig! Zur selben Stunde, da ich diese Zeilen niederschreibe, wird über einen Gesetzentwurf verhandelt, durch den das Bergwerksgesetz von— 1810 abgeändert werden soll. Es handelt sich nämlich darum, die Gesetzgebung der neuen Situa- tion anzupassen, die dadurch entstanden ist, daß man im Norden Belgiens unter der Erde ein unermeßliches Kohlenbecken entdeckt hat. Mehrere klerikale Abgeordnete, die— in Uebereinstimmung mit der Regierung— jene Minen an Privatleute verschenken wollen, suchen sich für diese Ver- geudung des nationalen Reichtums Verzeihung zu verschaffen, indem sie sich den Anschein geben, als wollten s t e den Arbeiter» eine Verbesserung ihrer Lage schaffen. Deshalb machen sie den Vorschlag, den Maximalarbeitstag in den noch nicht kau- zcssioniertcn Minen auf acht Stunden zu fixieren! Geht dieser Antrag durch, so dürfte er schwerlich früher als in zehn Jahren zur Auwendung gelangen: denn auf zehn Jahre schätzt man die Frist, die nötig sein wird, um das neue Kohlenbecken aus- keulungsfähig zu machen. Nun— svenigstens wird doch das Prinzip des Achtstundentages Einführung finden, und von dem Augenblick an, wo die Gesetzgebung bestimmt haben wird, daß die tägliche Arbeitszeit in den neuen Berg werken nicht mehr als acht Stunden betragen darf, wird es den Herrschaften schwer fallen, den sozialistischen Antrag zu be� kämpfen, der den Achtstundentag aus alle Sohlenbergwerke — alte und neue— angewendet wissen will. Gleichwohl würden wir einen Fehler begehen, wollten wir über Gebühr aus die Macht der Logik rechnen, wenn es sich darum handelt, die Verallgemeinerung einer Reform durchzusetzen, die ans feiten der Unternehmer leidenschaftlichen Widerstand auslösen wird. Mehr Hoffnung gewährt uns die außerordentliche Ent- falwng, welche die gewerkschaftliche Organisation seit einem Jahre in der Bergwerksindustrie sowie in mehreren anderen großen Gcwerbszweigen des Landes zu verzeichnen hat. Lange Zeit hindurch haben die belgischen Arbeiter die gewerkschaftliche Tätigkeit zu sehr vernachlässigt. Sie neigten zu dem Glauben: ihre starten Genossenschaften könnten— wie die Matrosenmesscr— allen Zwecken dienen. Die Er- fahrung hat sie eines Besseren belehrt. Sie-begreifen, daß die Genossenschaften den Gewerkschaften im Falle eines Streiks helfen können, aber daß sie sie nicht zu ersetzen ver- mögen. Daher ist in fast allen Berufen die Gewerkschafts- Propaganda an der Tagesordnung: Man erhöht die Beiträge, man schafft ständige Sekretariate, man begeistert sich an den Beispielen, die von den deutschen Gewerkschaften geboten werden. So wird denn mehr als je der 1. Mai dieses' Jahres in Belgien nicht bloß ein Friedens- und Freudenfest sein, sondern auch eine großartige Willenskundgebung des Prole- tariats: daß es arbeiten will, um zu leben, nicht aber nur leben, um zu arbeiten! IE. Bandervelde. Die Arbeit ist zum physischen, die Muhe zum geistigen Fort- schritte nötig; von der ersteren sind die Reichen, von der letzteren die Armen ausgeschlossen. Ein Zustand, welcher die Vorteile beider vereinigte, wäre den Uebcln keiner von beiden unterworfen. Wem es an fester Gesundheit oder starker Geisteskraft fehlt, ist nur ein halber Mensch. Daraus folgt, daß die arbeitenden Klassen zu un- nötiger Arbeit zwingen, sie jeder Gelegenheit zu geistiger Veredelung mutwillig berauben heißt, und daß die Reichen zu ihrem eigenen Unheil die Krankheit der Erschlaffung und Langeweile sich aufbürden. Shelley. Ernste Zeit. Aus Wien wird uns vom 29. April geschrieben: In der allerernstesten Stimmung begeht das Proletariat in Oesterreich seine Maifeier. Nicht weniger steht auf dem Spiele als die Wahlreform: es wäre zwecklos, es sich zu der- bergen: Seit gestern ist die Wahlreform in die stärksten Schwierigkeiten geraten und es droht ihr die ern st e st e Gefahr. Das Wahlrcform- Ministerium Gautsch steht unmittelbar vor der Demission, und wenn die Krone die Demission annimmt, so ist die Sicherheit, daß sie das begonnene Werk zu Ende führen will, aufs bedenklichste erschüttert. Von der Tatkraft, der Energie, der Entschlossenheit der Arbeiter hängt nun alles ab. Es ist überflüssig, zu sagen, daß es daran nicht fehlen wird. Die österreichische Arbeiterklasse geht vielleicht den allerschwersten Kämpfen ent- gegen, aber ihre Vergangenheit bürgt dafür, daß sie sie glor- reich bestehen wird. Dem mit der absoluten Verkommenheit der österreichischen Parlamentsparteien und der Verworrenheit unserer Verhält- nisse nicht Vertrauten wird es fast unmöglich sein, zu begreifen, wie diese„Wendung" eintreten konnte. Die Wahlreform wird in Oesterreich von allen Völkern und Klassen gefordert; neben dem Proletariat steht— wenngleich natürlich nicht mit dessen leidenschaftlicher Entschlossenheit, doch ebenso entschieden und einmütig— das Bürgertum der Nationen. Das ist der Fall bei den Deutschen, die national von der Reform am wenigsten zu erwarten haben, weil sie schon jetzt ungemein begünstigt sind; dennoch ist auch die deutsche Bourgeoisie, sowiedie bürgerlichen Wähler einmütig für die Aufhebung der Privilegien, für die Einführnng des gleichen Rechtes. Bei den slawischen Nationen ist die Wahlreform ebenso eine uneingeschränkte Volksforderimg: Sowohl Tschechen als Polen, Ruthenen, Slowenen, Italiener fordern die Reform des unsinnigen Kurie- systems auch als Nation. Daß dem die Haltung der Ab- geordneten nicht ausnahmslos entspricht, daß unter den aus dem Zensus gewählten Abgeordneten verbissene Wahlreform- feinde(individuelle: denn als Parteien sind alle Gruppen für die Reform) sitzen und wühlen, das ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß den kleinen Menschen der per- sönliche Vorteil über allen Volks- und Staatsnotwendigkeiten steht. Was sich in den bürgerlichen Parteien gegen die Re- form sträubt, sind nur die paar verkrachten, in ihrem Mandat bedrohten Politiker, vor allem die sogenannten Alldeutschen, die sich immer deutlicher zu dem parlamentari- scheu Lumpenproletariat entwickeln. Aber diese individuellen Gegnerschaften könnten der Reform einleuchtenderweise nichts anhaben; sie trauen sich schon jetzt nur auf Schleichwegen hervor, würden aber sofort verstummen, wenn die Reform auf den Weg der Beschließung gelangen würde. In der Forderung nach der Wahlreform sind die bürgerlichen Parteien aller Nationen einig mit dem gesamten internationalen Proletariat. Die Reform ist, wie man weiß, auch von der bekannten Zustimmung der K u r i c begleitet, die sehr wohl erkennt, daß das verlotterte Privilegienparlanient nicht weniger den Staat als wie die Völker schädigt. Die Krone hat sich mit der Reform nicht etwa bloß widerwillig und beiläufig abgefunden— wie es sonst bei Wahlreformen der Fall ist—, sondern sie ist ihr un- mittelbarer Wille; nicht mit Unrecht wird angenommen. daß der Unischwung innerhalb der Regierung zum nicht ge- ringen Teile auch von oben bewirkt wurde; dem übermächtigen Drucke von unten ist zuerst die Krone gewichen. Man sollte nun meinen, eine Reform, welche die Völker, die Krone und die Regierung will, müßte sich ohne größere Schwierigkeiten und Fährlichkeiten durchsetzen lassen; die politische Macht, die in diesen drei Faktoren verkörpert ist, werde das Werk rasch und ungehemmt zu Ende führen können. Und doch bringt s der schamlose und nichtsnutzige Egoismus der privilegierten Abgeordneten, der Abgeordneten ohne Wähler, zuwege, die Vorlage, in welcher ebenso der Wille von Millionen steckt als an ihr die Sehnsucht aller Völker hängt, in ernstliche Gefahr zu bringen. Die Vorlage hat nur einen geschworenen Feind: Den Großgrundbesitz, dessen lächerliches und aufreizendes Privileg sie nüt der Wurzel ausrottet. An sich wären die 85 Großgrund- besitzer unvermögend, der Vorlage weitergreifende Schwierig- keiten zu bereiten, wenn sich die Schlachzizcn aller Nationen nicht cber üben den Bereich ihrer Kurie in den nationalen Gruppen und Parteien eingenistet hätten und an den verbissenen Wahlreformfeinden des bürgerlichen Lagers nicht stille Ver- bündete fänden. So„wirkt" der feudale Adel aus die kleinen tschechischen Fraktionen, die die Wahlreform aus nationalen Chauvinismus bekämpfen; die verfassungstreuen Groß- grundbesitzer, die bei der bürgerlichen Presse im Reiche so beliebten Grabmayer und Hünzky, auf den reaktionären Teil der deutschen Fortschrittspartei; die klerikalen Großgrundbesitzer aus Oberösterreich und Tirol ver- giften das deutsche Zentrum; und über alle hinweg beherrscht die polnische Schlachta die gesamten Abgeordneten aus Galizien, die in dem berüchtigten'Polenklub ihren Sammelpunkt haben. Natürlich verkleiden sich alle Gegnerschaften in nationale Bedenken: das war ja vorweg die Gefahr, daß diese Ver- klcidung eben möglich ist. Die Wahlreform hat natürlich ihr großes, inneres Schwergewicht: dieses hat sie gezeugt und in den Ausschuß gebracht. Aber angesichts der Erschütterung der Stellung der Regierung im Parlamente, die durch die Wahlrcform, welche mit den Privilegien aufräumen will, die Gunst der Privilegierten verloren hat, also der Stütze der Parteien entbehrt, die sonst jeder Regierung zur Verfügung stehen— eben des Polenklubs und der Großgrundbesitzer— angesichts der Zahl der Gegner, die vielleicht aus- reichen würde, die Vorlage bei der Abstimmung(sie braucht als Abänderung der Verfassung eine Zweidrittelmehrheit) zu Fall zu bringen, jedenfalls aber es in der Hand hätte, die Verhandlung schon im Ausschusse ins Endlose zu ver- schleppen, angesichts dieser natiirlichen und sich durch die Unzuverlässigkcit der bürgerlichen Anhänger häufenden Schwierigkeiten, entschloß sich die Regierung notgedrungen zu einem wirksamen Schritt: sie unternahm den Versuch, für die Vorlage eine Majorität zu suchen, die die Reform in ihre Hut nehmen und bis ans Ziel tragen sollte. Die Konzentricrung dieser Majorität bedingte natürlich vor allem ein Kompromiß über die strittige�nationale Frage, welche die Verteilung der Mandate an die Nationen ist. Herr v. Gautsch bot den Parteien ein Kompromiß an, das erstens das Verhältnis zwischen slawischen und deutschen Mandaten zugunsten der Deutschen verändern sollte, und andererseits die Zahl der Mandate für Galizien um zehn(so daß das Land nun zwanzig mehr erhalten sollte als es jetzt be- sitzt) erhöhte. Nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten war es gelungen, die für die„deutsche Frage"(eben jenes„Ver- hältnis") entscheidenden Parteien auf deutscher und slawischer Seite zu gewinnen; diese eigentliche Schwierigkeit der Wahlreform war also und ist beseitigt. Um das Kom- promiß wäre damit die Wahlreform selbst dem Willen der Parteien einzuverleiben, so einzuverleiben, daß sie auch ihre Sache werde, sollte das Beamtenministerium unter Gantschs Vorsitz in ein rein parlamentarisches verwandelt werden, und zwar durch Eintritt der Führer aller wichtigeren Parteien. Die Wahlreform wäre also gesichert gewesen— und was hängt heute an Staatsinteressen an dieser Reform!—, wenn der Polenklub zugestimmt hätte. Daß die Situation so gestaltet wurde, daß es auf diese Zustimmung an- kam, war das Riskante des ganzen Planes, der die Frage vielleicht zu hastig zur Entscheidung reis machen wollte. Jedenfalls war der Punkt geschaffen, wo der Polenklub den tödlichen Streich führen konnte— und er hat i h n geführt. Er hat gestern die Vorschläge der Regierung als„unannehmbar" bezeichnet, den Eintritt in die Koalitionsregierung abgelehnt und damit Herrn v. Gautsch an den kritischen Punkt gebracht. Die Demission der Re- gierung scheint im Augenblick unvermeidlich, und wenn sie vor dem Dienstag nicht erfolgt, so ist nur die Furcht vor der Maifeier daran schuld. Der Eindruck ist nicht abzuweisen, daß die Krone ein zweideutiges Spiel beginnt. Es steht nämlich mit dem Polenklub so, daß, soweit er sich aus bäuerlichen und bürgerlichen Abgeordneten rekrutiert, auch er für die Wahlreform ist; ihr widerstrebt nur die Schlachta, die Klasse, die es an rücksichtsloser Brutalität mit den ärgsten der preußischen Junker aufnimmt. Sie ist es. die den Klub fast tyrannisch beherrscht und gegen deren Machtgebot die fort- geschritteneren Elemente nicht aufzumucken wagen. Die Schlachta ist aber wieder auf die Gunst der Krone au- gewiesen; ohne deren werktätige Unterstützung, die sich darin äußert, daß der gesamte Berwaltungsapparat des Landes für sie tätig ist, wäre ihre Herrschaft nicht aufrechtzuerhalten. Es ist auch noch nie vorgekommen, daß sich die Schlachzizcn einem strikten Wunsche der Krone widersetzt hätten, und daß sie es in einer Sache wagen könnten, die auch als die Sache der Krone gilt, scheint geradezu undenkbar. Man wird also nicht fehlgehen, ivenn man annimmt, daß die Schlachta Grund zu der Annahme zu haben glaubt, die Krone hätte die Wahlreform verlassen, erachte in ihr nicht mehr die Bedingung, ohne die es nicht geht. Das ist nicht unmöglich, ja eigentlich nicht unwahr- scheinlich; da Kaiser Franz Joseph seine Rekruten aus Ungarn nun auch ohne Wahlrecht erhält, wird sich seine Be- geisterung für die Wahlrcform ziemlich abgekühlt haben. Man wird bald sehen, wie die Dinge wirklich stehen. Nimmt die Krone die Demission Gautschs an und sucht sie mittels eines unverpflichteten Beamtenministeriums die Wablen der Dele- gationen herauszulocken, so ist es klar, daß sie' die Sache der Wahlreform, wenigstens vorläufig, aufgeben will. Dann wird eben nichts übrig bleiben, als den Kaiser in seiner ursprüng- lichen„Ucberzeugung" zu stärken: daß die Verzögerung, ge- schweige die Vereitelung der Wahlreform Oesterreich einem Zustande entgegenführen muß, der von einer Revolution nur dem Namen nach verschieden ist. Die österreichische Wahlreform tritt also wieder in ihre sachgemäße Forin zurück; welche Rückwandelung man vielleicht am kürzesten damit bezeichnet, daß sie vom Parlament wieder auf die Straße gelangt. Unter diesem Eindruck wird die Arbeiterschaft ihr Maifest begehen, das den Herrschenden noch einmal die Gelegenheit bieten wird, über die Kämpfenden Heerschau zu halten. Sie werden am Tage des ersten Mai erfahren, wie viel und was an Kraft und Wollen hinter der Wahlreform steht— dessen mögen sie bei ihrer Ent- scheidung eingedenk sein! Das Manifest des italienischen Proletariats. Der Parteivorstand unserer italienischen Bruderpartei hat zum 1. Mai folgenden Aufruf an die italienischen Sozialisten erlassen: Das sozialistische Proletariat Italiens_ ist am heutigen Tage berufen, von neuem seine Solidarität mit den Arbeitern aller Länder zu beweisen durch Teilnahme an der großen internationalen Kundgebung für den Achtstundentag. Von neuem wird es heute feierlich seinen festen Willen kund tun, die Errungenschast zu crlämpfen, die, von einigen Teilen des internationalen Proletariats bereits erreicht, im Programm des Gesamtproletariats steht als Zeugnis dafür, daß die Arbeiter aller Länder nicht nur gemeinsames Ziel, sondern auch gemeinsamen Weg haben. Aber an der großen internationalen Heerschau des Proletariats nimmt da? sozialistische Italien teil mit dem Gefühl des Schmerzes und der Entrüstung. Es hat sich keiner Siege zu erfreuen, es kann nicht frohen Sinnes auf das Wachsen seiner Kraft hinweisen als auf die sichere Bürgschaft kommenden Sieges. Denn wenn sie wirklich ihre Kraft gemehrt, so kann die italienische Parter daraus nur den Selbstvorwurf entnehmen, daß sie ihr nicht einmal gedient hat, den Arbeiter» Italiens das elementarste aller Rechte zu sichern. nämlich das der Achtung ihres Lebens von feiten der Regierung und ihrer Werkzeuge. Heute, wo das Echo der Solidarität, daS von einem Erdteil zum anderen widerhallt, die Stimme derer, die arbeiten und kämpfen, machtvoller und drohender macht, heute sollen die Arbeiter Italiens im ganzen Lande ihr Wort des Protestes und der Mahnung erheben. Zählen«vir unsere ungenannten Märtyrer, erheben wir öffent- lich Anklage gegen die Regierenden Italiens, weisen wir die feige Verleumdung zurück, durch die man die Opfer, die nur durch allzu viel Geduld und allzu viel Langmut gefehlt haben, für ihr Schicksal verantwortlich machen will, fordern wir die sofortige Bestrafung der Schuldigen, denen Straflosigkeit und Belobigung bisher Anreiz zum Blutvergießen war, zeigen wir. daß man fernerhin nicht ungestraft die Arbeiter Italiens niederstreckt. Zur Verteidigung des menschlichen Lebens, zum Protest gegen den langjährigen Frevel fordern wir die sozialistische Partei in den Maiversammluugen auf. Aus der brüderlichen Solidarität mit den Opfern, aus dem Bewußtsein der höchsten Interessen des Proletariats aus dem Glauben an das sozialistische Ideal wird die Partei die Energie ziehen, um der langen Reihe unbestrafter Proletariermorde endlich ein Ende zu setzen. ES lebe der Sozialismus! Der Parteivorstand. Die Maifeier. AuS Breslau meldet uns eine Privatdepesche vom 30. April: Wegen deS Maigedichts wurde die„BolkSwacht" konfisziert, Genosse KlühS als Verantwortlicher verhaftet. Aus Jena meldet uns ein Privattelegramm vom 30. April: Der von der Arbeiterschaft geplante Umzug wurde in letzter Stunde auf landespolizeiliche Anordnung verboten. Der Umzug der Studenten um Mitternacht wurde natürlich gestattet. Verbote werden außerdem gemeldet aus Elberfeld, Breslau und LandeShut; in Chemnitz wurde, wie in Dresden und Leipzig, genehmigt, daß die Festteilnehmer von bestinimten Sammelplätzen aus in ztvanglosen Gruppen gemeinsam nach dem Volkshause zu gehen. Der Polizeipräsident von Köln erläßt in der bürger- lichen Presse am Sonutagvormittag eine amtliche Bekannt» m a ch u n g, in der er srch auf das in unserem Kölner Parteiblatt vom 14. April veröffentlichte Programm der Maikommisfion bezieht, worin aufgefordert worden sei„zur Teilnahme an einem öffentlichen Aufzuge, unter der Bezeichnung eines gemeinschaftlichen Spazierganges, der am Dienstag, den 1. Mai, um V/3 Uhr nachmittags, von dem Volks- hemse, Severinstr. 197—199 abgehen soll und zu dem die Teilnehmer um 1 Uhr dort eintreffen sollen." Unter Hinweis auf die s 19 und 17 der preußischen Verordnung vom 11. März IbbO bringt dann der Polizeipräsident„zur öffentlichen Kenntnis, daß die zu dem Aufzuge erforderliche polizeiliche Genehmigung nicht erteilt ist. Dieser Auf« zug, sowie etwaige andere Aufzüge am 1. Mai d. I. dürfen daher nicht stattfinden. Die Teimabme an einem solchen Auszuge würde Bestrafung nach Z§ 17 und folg. a. a. O. zu gewärtigen haben." Mit einigen Tröpfchen Tinte macht der Kölner Polizeipräsident Weegmann auS einem gemeinschaftlichen Spaziergange einen öffentlichen Aufzug im Sinne des Vereinsgesetzes. Er verbietet eine Veranstaltung, die seit fünfzehn Jahren in Köln am 1. Mai stets unbeanstandet und ohne den gering st en Zivischenfall stattgefunden hat, eine Veranstaltung, d,e sogar im berüchtigten Sachsen, in Leipzig, ge- stattet worden ist. Weiter hat der Polizeipräsident der Mai- kommission die Bekanntgabe des Spazierganges, und der Plakaten- gesellschaften Kölner Buchdrucker daS Anheften der M a i« plakate verboten. Außerdem unterweist zurzeit ein Polizei- inspektor die Schutzleute in der Handhabung des neuen Polizeirevolvers und er gibt ihnen Anweisungen für den 1. Mai. Der Kölner Polizeipräsident ist ohne Zweifel des Glaubens, daß die Revolution, die er am 21. Januar glucklich ver- hindert hat, nun am 1. Mai stattfinden solle. Aussperrungen für Feiernde wurden weiter angedroht von den Bauunternehmern Magdeburgs; der Fabrikanteiwerein zu Hanuover droht mit völliger Entlaffung. Arbeitsruhe beschlossen serner die Tapezierer und die Glaser, sowie nach Möglichkeit die Handels- und Transport- arbeiter zu H a l l e a. S. und diePortefeuiller in Offen- b a ch zum größten Teil; dort schließt eine ganze Reihe von Fabrik- betrieben völlig. Die Buchdrucker von Hamburg und Altona hatten sich mit überwiegender Mehrheit grundsätzlich für die ArbeitZruhe entschieden. Die Vertrauensmänner in den ZeitnngSbetrieben sollten beschließen, ob schon in diesem Jahre die Arbeit ruhen solle. Ein Stadtpfarrer als Maifestredner. Bei der Maifeier unserer Konstanzer Parteigenossen hält der protestantische Stadt- Pfarrer Reichen von Wintcrthur(Schweiz) die Festrede. Die„Frommen" des Seekreises stellen sich darob beinahe auf den Kopf.— Aus dem Ausland wird gemeldet: Graz, 29. April. Angeregt durch die Vorgänge in Deutsch- l a n d war auch hier bei den Arbeitgebern und Behörden eine Agi- tation gegen die Maifeier eingeleitet worden, die gänzlich miß- lang. In den meisten Fabriken der Alpenländer wird ArbeitSruhe herrschen. Der t. Mai wird als Demonstration gegen die Ver» schleppung der Wahlreform wie nie zuvor gefeiert werden. Genf, 30. April. Angesichts der zu erwartenden Kundgebungen für den 1. Mai haben die Bundesbehörden die Kantonatbehörden angewiesen, strenge Maßregeln zu treffen. Besonders in Zürich werden ern st e Unruhen wegen der zahlreich dort an- wesenden Anarchisten befürchtet.(?) In vergangener Nacht hat die Polizei in Zürich den Anarchisten Holzmann verhaftet. Verantw. Nedasteur: Hans Weber, Berlin, Inseratenteil verantw.: ZU. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanßalt Paul Singer L-Co., Berlin S W. Hierzu SBeilageau.Unterbaltunastla»» Nr. 100. 23. Iahrgaug. 1. AilM i>cs JutiMtts" Knlim WsdlM Dienstag, 1. Mai 1906. Des Weltfeiertags wegen erscheint am Mittwoch- morgen keine Nummer des„Vorwärts"» dafür aber am Spätnachmittag eine Extraansgabe. Die Revolution in Rußland. Genosse Parvns verhaftet! Nach einer Meldung der Zeitung„N a s ch a S ch i s n" ist Genosse Parvus vor kurzem verhaftet und nach der Peter Paul-Festuug gebracht Morden. Genosse Parvus weilte bereits seit dem November vorigen Jahres in Rußland, wo er sich in aller Oeffentlichkeit journalistisch betätigte. Nachdem die Reaktion ein wenig Luft bekommen hatte, war einer ihrer Hanptstreiche die aber malige Kncbelnng der Presse. Nunmehr gehört anch Genosse Parvus zu den eingekerkerten Märtyrern der Freiheit! Gapon Petersburg, 28. April. sMeldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Eine Dame, die sich für die beliebte Gapons ausgab, besuchte den Advokaten Maroline und er- zählte ihm, Gapon habe den Februar in Petersburg verbracht, Ivo Arbeiter, die den von ihm geschaffenen Organisationen angehören, und eine junge Jüdin ihn besucht hätten. Sie selber sei nach Finn- land gereist, während Gapon in Petersburg verblieben sei, um seine Geschäftsangelegenheiten zu regeln. Im März sei er mit der ge- nannten Jüdin zu ihr gekommen. Später seien beide abgereist und hätten sie ohne Barmittel zurückgelassen; sie glaube, Gapon sei tot. lieber die Geldmittel Gapons befragt, erklärte sie, Gapon habe aus dem Auslande 14(1 Daß die Angeklagten im Sinne der angezogenen Vorordnung durch die Flugblattverteiluug aber eine öffentlich bemerkbare Arbeit verrichtet hätten, davon wußte niemand etwas zu bekunden. Als der Amtsanwalt auch gegen den verstorbenen Genossen eine Strafe von 6 M. beantragte, bat ein Angeklagter, den Toten doch auszuscheiden. Der Richter war damit selbstverständlich einverstanden, aber der AmtSanwalt zuckte mit den Achseln, bemerkte, es sei„amtlich nicht bekannt", daß der Angeklagte tot sei, und verlangte die Herbeibringung einer Sterbeurkunde. Das Ver- fahren gegen den Verstorbene» wurde indes«ingestellt und j die übrigen Angeklagten wurden sämtlich freigesprochen. Der Prozeß wegen des Magdeburger WahlrechtSflugblatteS wird am 8. Mai vor der ersten Strafkammer des Magdeburger Landgerichts stattfinden. Der„Aufreizung zum Klasseuhaß" sollen sich sieben Genossen schuldig gemacht haben. Die Magdeburger „Volksstimme" bedauert, die Anklageschrift nicht veröffonUich«» zu können, da sie viel Freude machen iviirde. Wegen BerrufSerklärnug von Arbeitswilligen erhielten zu Bielefeld vom Schöffengericht der Genosse H o f f m a n n von der„Volkswacht" und der Bevollmächtigte des WäschearbetterverbandeS Genosse B ü s ch e r je eine Woche Gefängnis. 44 Arbeitswillige haben die Beleidigungsklage gegen die Mannheimer„Volks stimm e" angestrengt. Die empfind- lichen Herren waren ihren Kollegen beim Streik in den Manliheimer Rheimnühlenlverken in de» Rücken gefallen. Uierter Uerbandststg des Vrrbllndes deutscher Gultwirts- gehSlseu. Köln, 27. April. Neber die Organisierung der weiblichen An- gestellten berichtet Frau M. Niedermeher- München: Die Kellnerinnen, in Süddeutschland sind nicht mit denen in Nord- deutschland zu verwechseln, d,e in sittlicher Beziehung nicht im besten Rufe stehen und meist in Antmierkneipen zu finden find. In Süd- deutschland arbeiten die Kellnerinnen genau wie die Männlichen Angestellten. Unferzr Sektion sind fast nur Aushülfskcllncrinncn angeschlossen; die meist jungen, stabilen Kellntrlnnen haben für die gewerkschaftliche Vereinigung keinen Ein». Statt eine« Entlohnung von 2,80 bis 3 M. für die Aushülfsstellung erhalten wir nur 50 Pf. oder gar nichts. Dazu kommt noch eine weitere Aus- beutung durch eine Menge Auslagen, die die Kellnerinnen haben und von ihrem erbärmlichen Lohn und sehr spärlichen Trinkgeld bestreiten müssen. Das Eafe-Restaurant„Habsburg" in München ist eine wahre Fundgrube der Ausbeutung. Dort müssen die Kellnerinnen, genau wie die Gäste, sogar bezahlen, wenn sie ihre Notdurft verrichten wollen, neben den großen Aus- lagen an Servisgeldern, für das Halten von Zeitungen, Kursbüchern und was noch alles drum und dran hängt. Ja sogar für die Auf- bcwahrung der zum Passieren der Straße gebrauchten Kleider, die sie im Geschäft ablegen, müssen die Kellnerinnen täglich IS Pf. entrichten. Und das alles bei der aufreibenden Arbeit und ohne vom Geschäftsinhaber entlohnt zu werden. Ist es ein Wunder, wenn da die armen Mädchen auf Abwege geraten? Nur die männlichen Gastwirtsgehülfcn können den ausgebeuteten Kellnerinnen helfen, indem sie ihren Dünkel und ihren Haß gegen- über der Kellnerin ablegen und sie als gleichberechtigt anerkennen, um mit ihr Schulter an Sckmlter die Mißstände und die Aus- beutung zu bekämpfen. Es hcitzt: Die Frau gehört ins Haus! Niemand wäre es lieber, wenn wir in der Lage wären, uns nur der Sorge für den Gatten, die Kinder und den Haushalt zu widmen, als uns Frauen selber. Aber der zu geringe Lohn der Männer und die große Verteuerung der Lebensmittel zwingen uns aus dem Hause an die Erwerbsarbcit. Gerade wir Frauen empfinden es am schmerzlichsten, wenn wir unfere Familie im Stich und unsere Kinder unversorgt lassen, nicht wissend, ob wir sie bei der Heim- kehr noch gesund und lebend wiederfinden. Glauben denn die männ- lichen Kollegen wirklich, daß wir uns aus Uebermut sozusagen in die Berufstätigkeit hineindrängen? Nur die bittere Not ist es, die uns treibt. Ich glaube nach dem Gesagten, daß die männlichen Kollegen doch eine andere Anschauung von uns erhalten, uns nicht mehr als Gegner betrachten, sondern uns als gleichberechtigt an- erkennen und uns unterstützen. Ich hoffe, daß die Delegierten daheim in diesem Sinne aufklärend wirken, damit man uns als treue Mitkämpferinnen für unsere gemeinsame Sache anerkennt. (Anhaltender, lebhafter Beifall.) Der Verbandstag beschloß, in eine intensive Agitation zur Gewinnung der weiblichen Angestellten und des HülfspcrsonalS zu treten und zu diesem Zwecke besondere Sektionen innerhalb des Verbandes zu bilden. Hum Punkte„Internationale Organisation" referiert Baumeister- London in einem großzügigen Bortrag, der nach einer historischen Darlegung der internationalen Be- strebungen der klassenbewußten Arbeiterschaft ausführt: Die beut- schcn Unternehmer, auch die ärgsten Hurrapatrioten, stellen trotz ihrer„nationalen" Gesinnung gerne Galizier, Polen und Italiener ein, wenn sie aus diesen einige Pfennige mehr herausschlagen können. Die besitzenden Klassen haben sich im Laufe der Jahre einen Geschäftsinternationalismus geschaffen und in erstauiüitchrr Weise ausgearbeitet, so daß das ganze gewerbliche Leben sozusagen von einer verhältnismäßig kleinen.Gruppe von Magnaten und Trusts beherrscht wird. Davon wird auch das Gaftwirtsgcwerbe in besonderem Maße betroffen, und deshalb ist ein direkter inter- nationaler Zusammenschluß der Angestellten unbedingt erforderlich. Die Frage der Jnternationalilät wurde brennend durch das Vor- gehen unserer Mitglieder in London, von deren fruchtbringender, aufklärender Tätigkeit Sie ja unterrichtet sind. Es wird sich bald zeigen, welche Wirkungen diese Aufklärung unter den nach Deutsch- land zurückkehrenden Kollegen haben wird. Der Verband wird einen direkten Nutzen von unserer Arbeit in England haben. Wollen wir auf diesem Gebiete weitere Erfolge haben, so muß die ganze internationale Frage auf dem jetzige» Verbandslage geregelt werden.(Lebhafter Beifall.) In seinem Korrcserat stellt P o c tz s ch die billigen und willigen deutschen Kellner des Auslandes in Parallele mit den italienischen, böhmischen und galizischen Maurern und sonstigen Arbeitern, die nach Deutschland kommen und dort die Löhne drücken. Er verweist auf die Aufklärung, die insbesondere der deutsche Maurerverband unter den Italienern usw. sowohl hierzulande als auch in deren Heimat selbst besorgt oder doch veranlaßt, und daß dieser Verband wie auch andere Organisationen durch Rede» und Schriften in der betreffenden Landessprache der Konkurrenz der ausländischen Arbeiter entgegenwirken. Weiter bestehen internationale Sekreta- riate und Karlellverträge zwischen den Berufsorganisationen der verschiedenen Länder. Für den Verband deutscher Gastwirts- achülfen aber gebe es außer der eben erst gegründeten Organisation in Oesterreich keinen Verband im Auslande, der auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehe. Wenn das in England dennoch der Fall wäre, würde er stakt der jetzigen englischen Ortsverwal- tungcn des Verbandes deutscher Gastwirtsgehülfen(in Bath und London) den Kollegen den Beitritt zu dem englischen Verbände empfehle», mit dem dann ein Kartellvertrag abzuschließen sein würde. Die Jnternatlonalität zerfalle ja in Nationalitäten, und die Kollegen in den einzelnen Ländern seien in bezug auf die gerade für die GaftwirtSnngestcllten so wichtige Sozialgesetzgebung auf die Einwirkung auf die Regierung und das Parlament ihres AufenthaltSlandcs angewiesen. Da nu» im Auslände auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehende Verbände nicht vorhanden sinh, sei der Verband genötigt, für die deutschen Kol- legen Ersatz zu schaffen. Die dem VerbandStage von den englischen Kollegen vorgelegte Resolution gehe viel zU weit. Er empfehle die Errichtung von S e k t i o n e n im Auslände. Diese seien auch deshalb nötig, damit die Kollegen im Auslände Nicht den gegnerischen Verbänden in die Hände fallen, so daß sie, wenn sie nach Jahren in die Heimat zurückkehren, was bei 90 Proz. der Fall ist, für den Verband deutscher Gastwirtsgehülfen verloren seien. Das kleine Propagandablatt, das die deutschen Kollegen der englischen Orts- Verwaltungen von Zeit zu Zeit in großen Zwischenräumen erscheinen ließen, die„Revue", könne nach wie vor weiter erscheinen und noch etwas ausgebaut werden. Der Rednet empfahl die Verweisung der vorliegenden Anträge, die u. a. ein internationales Sekretariat, srcmdsprachige Artikel im„Gastwirtsgehülfen" und dergleichen verlangen, an eine Kommission. In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, daß die Zahl der deutschen Kellner im Auslande außerordentlich groß sei, be- sonders in England. Wegen ihrer Anspruchslosigkeit und Unter- »'ürfigkeit seien die Deutschen dort beliebte Außbeutungsobjektc. Der KellnerbcrUf sei wie das Hotelgewerbe international; die Interessen der Kellner seien ebenfalls international; deshalb müsse eS der Verband auch sein. An allen Orten des Weltverkehrs müsse nian Zahlstellen schaffen, um besonders die jungen Kollegen für den Verband zu gewinnen und sie ihm zg. erhalten, da, wie gesagt. die meisten Kollegen wieder nach Deutschland zurückkehrten.— Der Gegenstand wurde schließlich an eine Kommission verwiesen, deren Beratungsergebnis In einer Resolution niedergelegt ist, die der Verbandstag einstimmig annahm. In der Resolution heißt es: „In außcrdeutscheN Länder«, wo bereits Organisationeii für die Angestellten im Gastwirtsgcwerbe borhonden stird, die auf dem Boben der modernen Arbeiterbewegung stchen, hat die Gründung von Ortsverwaltungen des Berbnndcs zu unterbleiben und hat hier die Hauptverwaltung dahin zu wirke», daß mit den betreffenden Organisationen Kartellverträge abgeschlossen werden. In Ländern, wo solche nicht vorhanden sind, kann im Einverständnis mit der Hauptverwaltung die Gründung von Ortsverwaltungen vor- genommen werden, wenn die Vorbedingungen hierfür günstige sind. Den in solchen Ländern bestehende» bezw. noch entstehenden Orts- Verwaltungen kann(immer im Einverständnis mit der Haupt- Verwaltung) gestattet werden, eine entsprechende Namcnänderung vorzunehmen sowie ein in außcrdcutschcr Sprache gehaltenes Propagandablatt herauszugeben, zu dessen Herstellung die Haupt- Verwaltung Zuschüsse leisten kann. Errichtet die Londoner Orts- Verwaltung ein Klubhaus, so kann die Hauptverwaltung, fall? sie sich von der Zweckmäßigkeit des Unternehmens überzeugt hat, einen Zuschuß bis zur Höhe von 2000 M. leisten. Sollte der Zuwachs an Mitgliedern in England es notwendig machen, so kann auch em Zusammenschluß der dortigen Orlsvernwltungen— entsprechend der für Deutschland beschlossenen Gaueinteilung— vorgenommen und cvent. ein besoldeter Beamter angestellt werden," Literarifched Eine Mai-Zeitung für die Jugend. Im fe st lichen Gewände ist die Mainummer der„Arbeitenden Jugxnd", das Organ der freien Jugendorganisationen, soeben erschienen. Die im Buntdruck geschmackvoll ausgeführte Titelseite ziert ein schönes Gedicht:„Menschheits-Frühling". Aus dem interessanten, dielseitigcm Inhalte ist neben einem schwung- vollen Mai-Artikel ein sehr aufklärend wirkender„Gott und Natur" überschriebener Artikel hervorzuheben, der in leichtverständlicher Form der Jugend die Idee des Darwinismus erläutert. Die Rubrik„Aus ünscrcr Bewegung", führt den Leser in die Jugend. bewcgung tiefer ein. Im flotte» Stil werden die Schwierigkeiten, die den Jugendorganisationen besonders von den Polizeiorganen bereitet werden, geschildert. Die Jugendlichen verstehen aber auch, geschickt die geistige Waffe zu führen. Ein Bericht des Verbands- tagcs der Arbeiterjugend Oesterreichs gibt einen Einblick in die österreichische Jugendbewegung. Aus der Aufzählung von sehr drastischen Fällen von Jugcndausbcutung und-Mißhandlung ist zu ersehen, daß die Jugendorganisationen sich auch auf sozialem Gebiet sehr intensiv betätigen. Im Innern der Organisation selbst herrscht reges Leben. Eine Menge von Versammlungen mit bildenden Vortragen und eine große Anzahl von Ausflügen werden in jedem Monat veranstaltet. Diese Veranstaltungen sollen offenbar das Solidaritätsgefühl unter dem jungen Proletariat stärken. Ein frischer Wind durchweht die Organisation. Alles strebt nach dem gemeinsamen Ziele. Um das zu erreichen, ist aber die Unter- stützung der erwachsenen organisierten Arbei- terschaft ndlwendig. In einem feurig geschriebenen Aufruf: „An die organisierte Arbeiterschaft" heißt es am Schluß:„Wenn die freie Jugendorganisation ihren hehren Aufgaben gerecht werden soll, wenn sie im Interesse der Arbeiterbewegung in dem Maße wirke» soll, wie es erforderlich ist, dann muß die gesamte erwachsene Arbeiterschaft die freien Jugendorganisationen unter- stützen. Datum, erwachsene Arbeiter, agitiert allerorts für die freien Juaendorganisationen. Sorgt für„Verbreitung der„Ar- bettenden Jugend", dem wirksamsten Kampforgan des jungen Pro- letariats. Abonniert auf die„Arbeitende Jugend". Fördert die Bestrebungen der freien Jugendörganisationc»- um Eurer Kinder willen, Eurer Ideale willen!" Dieser Ruf wird nicht ungehört verhallen. Die organisierten Arbeiter werden die junge Bewegung unterstützen, wissen sie dorb, daß die Jugendbewegung eine unbedingte Notwendigkeit ist und der Arbeiterbewegung zum Nutzen gereicht.— Die Zeitung ist zum Preise von 10 Pf. von der Expedition: Berlin d!.. Veteranenstraße 8 1. zu bezichen. GewerKtcKaMicKes. Sie sperren sich! Daß den Unternehmern eine Propaganda für Beschriinkimg der unbeschränkten Ausbeutungszeit nicht zusagt, ist klar. Da- her ihr ganz besonderer Haß gegen die MdM«; des Prole- tariats, die sie mit allen Mitteln zu hintertreiben suchen. Die großen und die kleinen Scharfmacher suchen sich in Maß- nahmen gegen die diesmal außergewöhnlich stark maifeiernde Arbeiterschaft gegenseitig zu übertrumpfen. So hat der Verein Deutscher Arbeitgebcrverbände folgende Mitteilung an die Verbände und Einzelmitglteder ergehen lassen: „Gemäß den, am 2. Mai 1901 von, Vorstande gefaßten Beschlüsse machen wir darauf aufmerksam, daß das unentschuldigte Fernbleiben der Arbeiter aus den Bctriebswerlstätten an, 1. Mai als Bruch des Arbeiterverhälftiisses aufzufassen ist und diese Arbeiter als Streikende zu betrachten sind. Wir ersuchen daher, uns gegebenenfalls die Namen der feiernden Arbeiter in alphabetischer Reihenfolge unter Angabe beS Geburtstages und des Geburtsortes mitzuteilen, damit dieselben nach Maßgabe des von Ihrem Verbände gefaßten Beschlusses zeitweilig von der Arbottsein stell»ng ausgeschlossen werden könne>,.* Die Freie Vereinigung der Berliner Holziildustriellen, die Berliner Stockfabrikanten, der Zcntralverband der Bautischler« meistcr Berlins und der Vororte, der Verband der Berliner Metalltndustricllen, der Verband der Berliner Metallivaren» fabrikantcn haben mit vielen anderen Verbänden beschlossen. alle Matfciernden auch tn den nächsten Tagen nicht zu be- schäftigen und bis zum K. Mai keine neuen Arbeiter anzu- nehmen bezw. einzustellen. Am 1. Mai werden die Verbünde Versammlungen abhalten, in denen Über etwaige weitöre Maß- nahmen Beschluß gefaßt werden soll. Der Verband der Baugeschäfte Berlins hält das Mai- fest für einen so hohen Feiertag, daß er es nach Art der aller- größton Feste an ziv et Tagen gefeiert lvünscht. Er hat durch Anschlag erklärt, daß die Maifeiernden nicht Vor dem— 8. Mai wieder eingestellt werden sollen. Die Berliner Buchbindermeister sehen in der Maifeier einen— Tarif druch, obwobl sie selbst bisher tn zahl- losen Fällen ihren Arbeitern dritte Feiertage beschert haben, sie zivischen Weihnachten und Neujahr und auch zwischen Karfreitag und Ostern feiern ließen, ohne darin einen Vertragsbruch zu erblicken. In Hamburg geben dreizehn der größten Arbeitgeber- verbände, darunter sämtliche See- und Binnenschiffahrts- und verwandten Betriebe, ferner die Eisen- und anderen Metall- industriellen bekannt, daß diejenigen Arbeiter, die wegen Beteiligung an der Maifeier von der Arbeit am 1.'Mai fern- bleiben, als kontraktbrüchig entlassen und nicht vor dem 11. Mai wieder eingestellt werden. Der Arbeitgeberschutzvcrband der Holzindustrio von Hamburg und den Nachbarstädten kündigt den am 1. Mai fern- bleibenden Gesellen und Arbeitern eine Aussetzung der Arbeit für iveitere drei Tage an. Und so weiter mit Grazie!— Der Htrsch-Dunckersche Gewcrkveretn der Maschinenbauer in Berlin bringt sich den Unternehmern in empfehlende Er- innerung durch einen Beschluß gegen die Maifeier, muß aber selbst bekennen, daß er zu schwach ist, sich der Mai- feier zu»vidersetzeu und empfiehlt seinen Mitgliedern, sich der Majorität zu fügen. So sperren sich die Unternehmer und ihre Trabanten.— Umsonst: Der Gedanke der Maifeier marschiert! Verttn und Umgegend. Die Antwort der Schmicdcgcscllc» auf den Mai-Ausfpertnngs- bcschlust der Meister. In einer ungewöhnlich stark besuchten Versammlung, die gestern abend bei Dräscl abgehalten wurde, befaßten sich die bei Jnnungs» meistern beschäftigten Schmicdegcselle» mit dem bereits im„Vor- wärts" veröffentlichten Kraftincicrbeschluß der Zunftgrößen, wo- nach die an der Maifeier teilnehmenden Schmiede entlassen und auf die schwarze Liste gesetzt werden sollen. Sämtliche Redner waren der Meinung, daß es sich hier um eine Gernegroß-Leistung des neuen Obermeisters handelt, die, wenn wirklich teilweise in die Tat umgesetzt, schlimmstenfalls nur zu einem bedeutungslosen Wechsel der Gesellen in einigen Werkstätten führen könne. Von den zirka S00 Meistern haben bislang nur IIS dein Obermeister angezeigt, daß sie sich dem Aussperrungsbeschluß fügen würden. Die Versammlung beschloß daher einmütia, jetzt erst recht an ihrem früheren Beschluß festzuhalten, und den 1. Mai durch strikte ArbcitSruhe z u feiern.— Das hätten sich die ehrenwerten Zunftmeister schon vorher an fünf Fingern abzählen können._ Achtung, Rohrleger und Helfer! Da die Rohrleger in Hannover bei der Firma K ä f e r l e sich im Ausstand befinden, die Firma hier in Berlin auf dem Bau Wormferstr. 11 aber Arbeiten ausführt, so ist der genannte Bau für die Kollegen hiermit bis auf weiteres gesperrt. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Buchbinder! Eine am 4. April abgehaltene Mitgliederversammlung der Zahlstelle Berlin faßte eine Resolution, nach der in den Betrieben, wo es die Organisationsverhältnisse rat- sam erscheinen lassen, am 1. Mai durch Arbeitsruhe demonstriert werden soll. Diesen Beschluß machten sich durch Abstimmung die '-personale der einzelnen Beiriebe zu eigen und wurden bei den Prinzipalen wegen Freigabe des 1. Mai vorstellig. Die Freigabe des 1. Mai wurde abg.stehnt. Der Verband Berliner Buchbindereibcsitzer hat daraufhin be schlössen, wegen Kontraktbruch die Tarifgemeinschaft a's aufgehoben zu betrachten und die Betriebe bis auf weiteres zu schließen. Die Tarifgemeinschaft ist zwischen dem Verband Deutscher Buchbinde reibeiitzer und dem Deutschen Buchbinderverband verein- bart und läuft am 31. August 1306 ab. Vor Zuzug wird gewarnt I Die Ortsverwaltung des Deutschen Buchbinderberbandes. Zahlstelle Berlin. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten! Achtung, Textilarbeiter! Der Streik der Färber der Firma W. Spiudler zu SpindlerS- selbe bei Köpenick dauert unverändert fort. Heute, Montag. haben sich die Färbereihiilfsarbeiter und Arbeiterinnen— 700 an der Zahl— init den Streikenden solidarisch erklärt und die Arbeit niedergelegt.— Zuzug i st st r e n g st e n s fernzuhalten!— Alle arbeiterfreundlicheu Blätter werden um Abdruck dieser Notiz ersucht. Deutscher Textilarbeiter-Verband, Filiale Köpenick. Der Streik und die„Aussperrung" der Berliner Schlosser scheint demnächst eine Wendung zu bekommen. Nachdem der Kampf nun schon mehrere Wochen lang gedauert hat, ohne daß die Meister in der Lage waren, ihren hochtönenden Drohungen bezüglich der all- gemeinen Aussperrung den nötigen Nachdruck zu verleihen, hat jetzt das Berliner E i n i g u n g s a in t beiden Parteien seine Ver- Mittelung angeboten. Das Angebot i st denn auch sowohl von den Arbeitgebern wie von den Schlossern an» genommen worden. In der gestrigen Streikversammlung wurde hierzu jedoch beschlossen, den Meistern keinerlei Einspruchsrecht darüber zuzugestehen, Ivelche Vertreter die Arbeitnehmer zu den Ver- Handlungen entsenden. Ebenso wie die Schlosser ihren Meistern ohne weiteres das Recht einräumen, Leute ihres Vertrauens zu den Ver- Handlungen zu delegieren, genau so wahren sie sich auch das Recht, ihre eigenen Vertreter nach Belieben zu wählen. Nnter diesen Vor- aussetzungen dürften die Einigungsverhandlungen bereits am 2. Mai beginnen. Der Streik in den Wagenbauanstalten hat nach reiflich fünf- wöchentlicher Dauer in den Hauptbetrieben nunmehr zu einer Einigung geführt. Es ist mit den einzelnen Firmen verhandelt worden, nachdem die Arbeitgeber-Vereinigung die Verhandlungen vor dem Einigungsamt zweimal abgelehnt hatte. Bei den Firmen Franke und K l i e m t soll die Arbeit am 2. Mai wieder auf- genommen werden. Auch mit der Firma K ü h l st e i n, dem größten Betrieb dieser Branche, sind die Verhandlungen am Montag ab- geschlossen worden, sodaß auch dort die Arbeitsaufnahme am 2. Mai erfolgt. Bei zwei weiterenFirmen schweben die Ver- Handlungen noch, doch ist auch hier im Laufe der nächsten Woche eine Einigung zu erwarten. Die ursprünglichen Forde- rungen auf eine zehnprozentige Lohnerhöhung und Einführung der 62 stündigen Normalarbeitszeit sind zwar nicht völlig durchgesetzt worden. Immerhin haben die genannten Firmen eine Lohnaufbesserung bis zu acht Prozent und die 63 stündige Arbeitszeit bewilligt. Gänzlich ablehnend hat sich nur die Firma L eu s ch n e r am Enkeplatz verhalten, und beschloß deshalb die am Sonnabend stattgefundene Versammlung der am Ausstand beteiligten Schmiede, Stellmacher, Sattler und Lackierer, den Streik bei dieser Firma energisch weiterzuführen. Achtung, Schuhmacher! Die Schuhfabrik von Aug. Schulz u. Ko., Brunnenstr. 92, beliebt eigene Praktiken, wenn Arbeiter ihre Entlassung fordern. Sie muß erst durch Polizei gezwungen werden, die Papiere herauszugeben. Gleichfalls weigert sie sich, Entlassungsscheine auszustellen. Das Handwerkszeug verschließt sie in ihrem Kontor oder in ihren Privaträumen. Trotzdem wenig Beschäftigung vorhanden, sucht sie fortwährend neue Arbeitskräfte. Wir ersuchen die Kollegen, bei der Arbeitssuche Vorstehendes zu berücksichtigen. Die Ortsverwaltung des Schuhmacherverbandes. Die Arbeiter in de» Berliner Wäsche-Verleihinstituten fFahrer, Mitfahrer, Hausdiener und Laufburschen) haben namens des Ver- bandes der Handels- und Transportarbeiter mit 21 Firmen der Branche einen Korporativ-Vertrag ab- geschlossen, der am 1. Mai d. I. in Kraft tritt und eine zweijährige Gültigkeit hat. Die Wochenlöhne sind wie folgt festgesetzt: Für Hausdiener in der Hansexpedition anfangs ans 24 M.. steigend nach einem Vierteljahr ans 26 M. und nacki einem Jahre um je IM. jährlich bis zum Höchstlohn von 33 M. TourenhauS- d i e n e r erhalten 13 M. und 10 Proz. von ihrer Tageskasse, die täglich bis 7'/z Uhr abends abgerechnet sein muß. Der Lohn der T o u r e n f a h r e r beträgt im Anfang ebenfalls 24 M. und steigt nach einem Vierteljahr auf 26 M., dann halbjährlich um 1,60 Mark bis 30,60 Mark und von da ab jährlich um je 1 M. bis zu 36,80 M. Für Kutscher beträgt der Anfangslohn 26 M., nach einem Vierteljahr 29 M., steigend mit ivöchentlicher Zulage von 1,60 M. jährlich bis zu 33 M. Mitfahrer und jugendliche Arbeiter erhalten bei■einem Alter von 14 bis 19 Jahren einen Wochenlohn von 14 bis 19 M. Mit dem erreichten 20. Lebensjahr erhalten sie den oben bezeichneten regulären Haus- dienerlohn. Tonren, die bisher von Hausdienern gefahren wurden, dürfen mit jugendlichen Arbeitern nicht besetzt werden. Für Aus- Hülssarbeiter darf der Stundenlohn nichr unter 60 Pf. betragen. Neu einzustellende Hausdiener, Kutscher und jugendliche Arbeiter, soweit der Verband über letztere verfügt, müssen Mitglieder des Zentral- Verbandes der Handels- und Transportarbeiter sein. Die Arbeitszeit ist mit Ausschluß der Pansen eine zehnstündige. Ueberstnnden ivcrdcn mit 60 Pf. vergütet. Es sind dann noch eine Reihe allgemeiner Bestimmungen getrosten worden nnter anderem, daß den Arbeitern nach zweijähriger Tätigkeit ein Soinmernrlaub von vier bis acht Tagen gewährt wird und daß tvegen Beteiligung an der Maifeier keine Entlassung stattfinden darf. Auch erhalten Kutscher für die Wartung der Pferde am Sonntag eine Entschädigung von je 1 M. Dieser Vertrag bedeutet für die betreffenden Arbeiter eine wesent- liche Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, da die bis- herigen Löhne, abgesehen von einigen Ausnahmen, durchschnittlich nur 22 M. und darunter betrugen. Noch nicht anerkannt haben den Tarif die Firmen Katz, Neichenberger, Kinase,„Phönix",„Silesia", „Germania",„Weißes Kreuz",„Hollandria", Pries, Koblanke, Siegert, Stengel, Wagner und London. Jedoch schweben auch mit diesen Firmen Unterhandlungen._ Bäckerstreik in Spanbau in Sicht? Die Bäckerinnung Spandau hatte sich bekanntlich den Berliner Innungen angeschlossen, und hat auch bisher an den Versamm- lungcn der 12 Innungen von Berlin und den Bororten mit der Gcsellenschaft teilgenommen. Jetzt erhält plötzlich ganz unver mittelt der Altgeselle folgendes Schreiben: Bäcker-Jnnung Zwangs-Jnnung. Spandau, den 25. April 1906. Air den Altgesellen Herrn Mayewski! In der am 24. d. M. abgehaltenen Jnnungsversammlung wurde Kentnis von den bis jetzt in Berlin gepflogenen Verhand lungen genommen. Tie zahlreich erschienenen Mitglieder lxauf tragten uns, Ihnen folgendes mitzuteilen:„Wir sehen uns nicht veranlaßt, weiter in Berlin zu verhandeln, denn abgesehen von den unnötigen Zeitverlust, ist es für uns interesselos, was die be teiligten Verbände gegen einander haben. Der Vorstand ist des halb beauftragt, in dieser Sache nur mit dem Gcsellenausschuß unsrcr Innung, unter Ausschluß sämtlicher Berbandsführer, zu verhandeln." Wir ersuchen Sie deshalb, Ihre Intentionen zu treffen und uns darüber zur Zeit zu unterrichten. Der Vorstand: gez. E. Nelke. Obermeister Eigenartig ist dabei, daß die Jnnungsversammlung, die diesen Beschluß faßte, am Dienstag, den 24. April, stattfand, während der Obermeister am Freitag, den 27. April, noch den letzten Verhandlungen beiwohnte, aber keine Erklärung abgab; ebenso, daß das Schreiben am 26. d. M. verfaßt wurde, aber am 23. erst in die Hände des Altgesellen gelangte. Was hat sich da wohl hinter den Kulissen abgespielt? Achtung, Schneider! Da an dem Streik bei Spiudler in Spindlcrsfeld auch die daselbst beschäftigten Schneider und Bügler ebenfalls beteiligt sind, so werden die Kollegen ersucht, dort keine Arbeit anzunehmen. Die Ortsverwaltung Köpenick. veutklbe» Kellt». Zur Metnllarbeiter-AuSsperrung in der Kreishauptmannschaft Dresden. D r es d e n, 29. April. Die noch vorgestern so halsstarrigen Unternehmer, die es wagten, in den ersten Verhandlungen mit der Kommission den Arbeitern auf deren Forderungen noch Verschlechterungen anzubieten, sind von der festen Haltung der dadurch arg provozierten Arbeiter schon soweit umgestimmt worden, daß sie in den gestern nachmittag wieder aufgenommenen Verhandlungen schon etwas nachgiebiger waren. Sie haben einige Zugeständiiisse gemacht. So soll in den Betrieben eine Normalarbeitszeit von Stunden eingehalten und Ueberstnnden, die aber möglichst zu vermeiden seien, mit 15 Proz. Zuschlag(gefordert wurden von den Arbeitern 26 Proz.) entschädigt werden. Auch die Alkordpreise sollen vor Uebernahme der Arbeit mündlich und schriftlich festgesetzt werden. Der einmal vereinbarte Akkordbetrag muß— abgesehen von den nach der Fabrikordnung und dem Gesetz zulässigen Abzügen— voll ausbezahlt werden. Ausbedungene Akkorde können nur durch Verbesserung der Modelle und Arbeitsmethoden beziehungsweise Fabrikationseinrichtungen bei Maschinen- und Massenfabrikation umgeändert werden. Der vereinbarte Stundenlohn muß bei Akkordarbeit mindestens erreicht werden. Unverschuldeter Fehl guß soll bezahlt werden, doch lehnten die Unternehmer die von den Arbeitern geforderte paritätische o in Mission Zzur Entscheidung über das„unver- schuldet" ab. Vielmehr sollen nach ihrem Vorschlage die B e- triebsleitungen darüber entscheiden. Ebenso wird der Mindestlohn abgelehnt. Weiter wird als Vor bedingung der Einigung die Beilegung sämtlicher zurzeit in Ver- bandsbetrieben schwebenden Konflikte verlangt, auch sollen die lieben Arbeitswilligen" nicht belästigt werden dürfen.— Ob die Arbeiter auf diese Bedingungen eingehen werden, ist noch mehr als fraglich. Gerade die Ablehnung der paritätischen Kommission zeigt, daß es den Unternehmern um einen dauernden Frieden nicht zu tun ist. Wenn die Betriebsleitung über den Fchlgutz ent- scheiden soll, so ist das gerade als wenn man den Bock zum Gärtner setzt. Auch die Festsetzung von Mindestlöhnen ist sehr wichtig. Nun, die Unternehmer müssen schon noch mehr heruntersteigen, wenn ihnen an dem flotten Fortgang ihres Betriebes etwas ge- legen ist. In den nächsten Tagen wird wiederum eine Versamm- lung der Former und Gießereiarbeiter sich mit den neueren Er- gcbnissen der Verhandlung befassen. Zu einem großen Kampfe wird es in den nächsten Tagen voraus- sichtlich im Kölner Baugewerbe kommen. Die Verhandlungen der Zentralverbände der Maurer und der Bauhülfsarbeiter sowie des christlichen Verbandes der Bauhandwerker und HülfSarbeiter mit den Vertretern des Unteriiehmertnmö haben zur Abschließuug eines neuen Tarifs an Stelle des am 1. Mai ablaufenden nicht geführt, trotz des großen Entgegenkommens der Arbeitervertreter, die im Einverständnis mit der Arbeiterschaft die ursprünglichen Forderungen erheblich reduzierten.— Die örtliche Leitung der genannten beiden Zentralverbände fordert die Mitglieder auf, sämtlich den 1. Mai durch ArbeitSruhe zu feiern. Aussperrung der Stcindrucker in Stuttgart. Sämtliche Stein- druckereien Stuttgarts haben ihren Arbeitern zu gleicher Zeit ge- kündigt, nachdem eine bei einer dortigen Steindruckereifirma be- stehende Lohnbewegung nicht hatte beigelegt werden können. 8o2ialeg. Arbeitersekretariat als Gutachter über Hausindustrie. Das großherzoglich badische Bezirksamt Mannheim hat dem Mannheimer Arbeitersekrctariat folgende Fragen zur gutachtlichen Aeußernng vorgelegt: 1. Ob und aus welchen Gründen das Weiterbestehen und die Ausdehnung einzelner hausindnstrieller Zweige für wirtschaftlich er- wünscht bezw. notwendig gehalten wird oder nicht. 2. Welche Vorteile oder Nachteile in wirtschaftlicher, sozialer und sittlicher Beziehung mit der Hausindustrie verbunden sind. 3. Welche Zweige der Hausindustrie die Tendenz der Zu- oder Abnahme zeigen. 4. Inwieweit das Bestehen der Hausindustrie als Neben- beschäftiguug der Landlvirtschast treibenden Bevölkerung als wertvoll erscheint. Hub Indurtne und Handel Rußlands Außenhandel und Finanzlage. Selbst das offizielle Wirtschaftsbild, das bei der bekannten russi- scheu Koloraturknnst sicher nicht zuungunsten Rußlands abgetönt ist, kann die ungünstige Lage des Landes nicht ganz verschleiern. Die Ausfuhr des halbverhungerten Rußlands stieg bei— Lebensmitteln, die Einfuhr darin ging zurück! Der„Torg. Pran. Gaz." veröffentlicht folgende Ziffern: Einfuhr Ausfuhr Wert in 1000 Rubel 1904 1906 1904 1906 Rohstoffe u. Halbfabrikate 330 774 305 344 301067 292 381 Fabrikate...... 156 636 155 128 23 244 24 855 Tiere........ 1 594 983 16 120 15 823 Lebensmittel..... 92 785 92 065 615 367 685 189 Der Wert der Einfuhr ging um rund 28 Millionen Rubel zurück, dagegen ging der Wert der Ausfuhr um rund 62 Millionen Rubel in die Höhe. Merkantilisten könnten mm argumentieren, die letzte Bilanz schließe um 100 Millionen Rubel gegenüber der vorjährigen ab: 28 Millionen ivcniger ausgegeben. 62 Millionen mehr ein- genommen, macht ein Pw? von 100 Millionen! Aber abgesehen . davon, daß der ColbertiamsmuS heute sehr tief im Kurse steht— nur bei den Agrariern hat er noch Kredit— hat das merkan- tilistische Argument in diesem Falle noch ein besonderes Loch: Die gesteigerte Ausfuhr an Lebensmitteln ist ein Zeichen steigender Armut und die Quelle größeren Elendes. Die von allen Barmitteln ent- blößten Bauern haben gezwungen alles Getreide verkaufen müssen, so daß sie nun selbst am Notwendigsten Mangel leiden. Größere Flächen Landes bleiben jetzt unbestellt, von der nächsten� Ernte wird man viel iveniger verkaufen können, als 1905 und trotzdem ist die Gefahr von Hungersnöten nicht abgewandt, damit rückt die Wahrscheinlichkeit von Agrarunruhen in greifbare Nähe. Aber auch selbst dann, wenn solche nicht aus- brechen, steht das absolutistische Regiment finanziell vor dem Zusammenbruch, wenn nicht ein neuer Niesenpump die Katastrophe noch weiter hinausschiebt. Es ist wohl kein Zufall, daß die russisch „offiziöse"„Vossische Ztg." folgende Berechnung veröffentlicht: „Die jetzige neue Anleihe von 843 750 000 Rubel nominal bringt netto etwa 717 Millionen Rubel. Davon sind zu decken das Defizit des Finanzjahres 1905 von 180 Millionen Rubel, ferner das Defizit des Extraordinariums von 1906, das mit rund 480 Millionen Rubel veranschlagt worden ist. Danach würden von der Anleihe noch 57 Millionen Rubel verbleiben. Demgegenüber sind etwa Ende des laufenden Jahres 400 Mill. Rubel Schatzbons fällig, die zur Hälfte im Jnlande plaziert werden sollten. Gleichfalls imJnlande untergebracht sind 150 Millionen Rubel Tresorbilletts, die im Jahre 1904 aus- gegeben wurden und im August 1908 fällig werden. In den nächsten beiden Jahren hätte Rußland also beinahe fünfhundert Millionen Rubel neuer Kreditoperationen durchzuführen, ent- weder durch Aufnahme kurzfristiger Schulden oder durch An- leiheemission, die sich aber zum Teil in Rußland selbst voll- ziehen könnten. Voraussetzung dieser Kalkulation ist, daß sich das ordentliche Budget im Jahre 1906 dem Voranschlage ent- sprechend realisiert, daß also neue schwere Störungen ausbleiben." Das ist eine deutliche Voranzeige Wittes, die weitere, wahr- scheinlich über die genannten Beträge hinausgehende Pumpversuche avisieren._ Steigerung der Gewinnquote. Die deutschen Kabelwerke A.-G Ruminelsburg haben den Schluß des Geschäftsjahres diesmal mit dem Kalenderjahr zusammenfallen lassen und geben nun für sieben Monate Abrechnung. Danach wurde in dieser Periode ein Brutto- Überschuß von 663 799 M., ein Reingewinn von 258 351 M. erzielt, gegen 863 621 M. Ueberschuß und 258 369 M. Reingewinn in den zwölf Monaten vorher. Die Position: Löhne. Unkosten und Zinsen figuriert in der letzten Abrechnung mit 434 233 M. gegen 616 948 M. im Lorjahre. Demnach entfallen auf je 100 M. für Löhne, Unkosten und Zinsen: Ueberschuß Reingewinn M. M. 1904/05..... 140 42 1905...... 154 59 Bei so günstiger Entwickeluqg und unter Berücksichtigung, daß die Verwaltung versichern kann, die günstige Entwickelung halte weiter an, werden die Arbeiter hoffentlich von der guten Konjunktur auch etwas zu spüren bekommen. Das Urteil im Mordprozetz Hennig. Der nach dreiviertelstündiger Beratung erfolgte Wahrspruch der Geschvorcnen geht dahin, daß Hennig des M o r d e s in Verbindung mit schwerem Raube, der Urkundenfälschung und des Diebstahls, sowie der Körperverletzung mittels einer Waffe schuldig sei. Mit- dernde Umstände sind, soweit sie zulässig und in besonderen Fragen angeregt waren, von den Geschworenen verneint worden.— TaS Urteil lautet auf Todesstrafe und 5 Jahre Zuchthaus, sowie Ehrverlust auf 5 Jahre. Auf die nochmalige ernste Ermahnung des Vorsitzenden, sein Gewissen nun zu erleichtern, erklärt der Angeklagte: er sei un- schuldig an dem Morde! Letzte Nachrichten und Denefchen. Die Maifeier in Italien. Rom, 30. April.(Privatdepesche unseres römischen Korre- spondenten.) Allerorts sind große Vorbereitungen für die Maifeier getroffen. Volksversammlungen und Umzüge sind vorgesehen. Den Mailänder Trambahnern, die morgen feiern, wurde von der Tram- bahngesellschaft angeboten, daß die Direktion 10 000 Lire für die Vesuvgeschädigten geben wolle, wenn die Arbeiter nicht feiern würden. Die Angestellten lehnten den Antrag ab und beschlossen, selbst eine Sammlung zu veranstalten, ohne die Arbeitsruhe am 1. Mai aufzugeben._ Maienfurcht. Paris, 30. April.(B. H.) Der Scinc-Präfekt hatte heute eine längere Unterredung mit den Kommandeuren der hier an- wesendcn Regimenter sowie mit den Polizeikommissarcn. In dieser Unterredung wurden die letzten Maßregeln für die öffentliche Sicherheit ani morgigen Tage festgesetzt. Die Panik unter der Pariser Bevölkerung hält an. Biete aristokratische Personen haben sogar die Stadt verlassen. Es heißt, in Brüssel seien bedeutende Geldbeträge bei der Bank deponiert worden. Man spricht von einer Milliarde._ Maiseier in den staatlichen Tabakfabriken. Lille, 30. April. Die Arbeiter der staatlichen Tabakfabriken beschlossen morgen zu feiern. Demission des Ministeriums Gautfch. Wien, 30. April.(Von einem besonderen Korrespondenten.) Ministerpräsident Freiherr v. Gautfch wurde heute vom Kaiser in Audienz empfangen und gab seine Demission, die vom Kaiser ge- nehmigt wurde. Prinz Konrad zu Hohenlohe hat die Berufung zum Ministerpräsidenten angenommen. Die ungarischen Wahlen. Budapest, 30. April.(W. T. B.) Bisher ist das Ergebnis von 196 Wahlen bekannt; der Kossuthpartei sind 138, der Verfassungs- Partei 29, der klerikalen VolkSpartci!2 und den Nationalitäten der Sachsen, Serben und Rumänen 9 Sitze zugefallen. Der Minister des Innern Graf Andrassy ist in drei Bezirken gewählt worden. Heute wurden der Justizminister iPolonyi, der Ackerbauminister Darantsi, der frühere Präsident des Abgeordnetenhauses Justh, Baron Banffy und Koloman Szell gewählt. Die Wahlen sind ruhig verlaufen, zahlreiche Wahlen erfolgten einstimmig. "ntergat"» eines«ergnügungSdampfers. London', 30. April.(W. T. B.) Der mit Ausflüglern besetzte Dampfer„Courir" ist heute nachmittag bei der Insel Sarle ge- funken. Nach einer Meldung sind viernndvierzig, nach einer andere» vier Personen ertrunken. Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.:Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. KerlagsanWlt.Paul Singer& Co.. Sellin SW, Nr. 100. 28. Jahrgang. 2. f eil» p des Jon»»#' ßttliiitt IdIMI»«. Wensw. 1. Mai HI06. Reichstag. SV. Sitzung vom Montag, den 3V. April. nachmittags 1 Uhr. Am Tische des Bundesrats: Frhr. v. Stengel. Frhr. d. Rheinbaben. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der Reichs- finanzref orm und zwar zunächst der Aendcrung des BrausteuergesetzcS. Das Haus tritt zunächst in die Beranmg deS§ Sa dieser Steuervorlage ein. Die Kommission hat die Sätze gegenüber der Regierungs- Vorlage in folgender Weise gemildert: Die Steuer soll erhoben werden von den ersten 250 Doppelzentnern in der Höhe von 4, M. von den folgenden 250„„„»» 4,50„ ff n tr l)00„ ff if tr n 5,00„ .„„ 1000„„ 5,50„ und so weiter immer von den folgenden 1000 Doppelzentnern um 50 Pf. mehr. Abg. Dr. Südekum(Soz.): Die Verhandlungen in der Kommission haben mich in meiner Auffassung, dasi es sich bei der Vorlage um eine Belastimg des Konsums handelt, nicht wankend machen können. Die Verhandlungen haben darüber keine Klarheit schaffen können, wie die Mehrheit des Hauses sich die Uebcrwälzung der geplanten Biersteuer denkt. Die Regierungsvorlage ist allerdings gemäßigt worden und die Mehrheit der Kommission glaubte, daß die Ab- wälzung der Steuer von den Brauereien ans das Publikum dadurch unmöglich gemacht sei. Einige Herren, die dafür gestimmt haben, haben es ausdrücklich in der Voraussetzung getan, daß die Abwälzung ncht geschehe. Aber trotz der Aenderungen des Kommissions- .ntrages ist es unmöglich, daß die Brauereien die Steuer tragen önnen. Berücksichtigt man auch nur die großen norddeutschen Aktien« sierbrauereien, so kommt man zu dem Resultate, daß die Brauereien oeitaus den größten Teil des heute erzielten Reingewinns an den SteuerfiskuS abgeben müßten, wenn es ihnen nicht gelingen sollte, ie Steuern überzuwälzen und zwar zunächst auf das Mittelglied zwischen Produzenten und Konsumenten, auf die Gastwirte. Die Richtigkeit dieser Auffassung wird durch ein Vorkommen ewiesen, das sich in den letzten Wochen an der Börse abgespielt �at, nämlich durch die Tatsache, daß der Kurs der Aktien der Bier- örauereicn in der letzten Zeit nicht gefallen ist, sondern gestiegen. Da sie Käufer doch keine Irrsinnigen sein werden, so müssen sie über- ,eiigt sein, daß die Steuer von den Brauereien auf irgend einen anderen Faktor des Wirtschaftslebens abgewälzt werden könne. Bezeichnend ist aber, daß diese Leute, die von der ganzen Sache doch etwas ver« stehen müssen, ihr Augenmerk nur auf die Aktien der Großbrauereien gerichtet haben. Sie müssen also überzeugt sein, daß der Rückgang oer Kleinbrauereien durch die in Aussicht stehende Steuer nicht etwa aufgehoben, sondern noch rapider gestaltet wird. In der Steuer» kommission ist ja natürlich von den Freunden der Biersteuer der alte Cant von der Rettung und Hütung des Mittelstandes gesungen worden. Der Vertreter der württembergischen Regierung hat sich sogar in die Unkosten eines längeren Ervosss über die Wirkungen der Staffelung in Württemberg gestürzt. Er konnte aber nicht bestreiten, daß nicht auch die Eutwickelung der Kleinbetriebe durch die Steuer aufgehalten ist und daß in der letzten Zeit doch auch die Großbrauereien von der EntWickelung begünstigt sind. Mit absoluten Zahlen kann man gar nichts beweisen. Wenn die Bevölkerung zunimmt, so ist es ganz natürlich, daß auch der Konsum zunimmt. Es ist überhaupt ein ganz verkehrtes Be mühen, die EntWickelung zum Großbetriebe durch steuertechnische Maßnahmen einhalten zu wollen. Gerade die EntWickelung des Kurses der Brauereiaktien in den letzten Wochen und Monaten zeigt, daß man in den Kreisen, die etwas davon verstehen müssen, ganz anders darüber denkt, als bei den Vertretern der Mehrhcitspartei. Die Frage der Abwälzung der Bierstcuer ist in der Kommission gar nicht verhandelt worden, die Freunde der Kommissionsbeschlüsse haben sich begnügt, einige Redens arten zu machen, wie, daß die Brauer und Gastivirte, die angeblich einen sehr hohen Gewinn hätten, imstande sein würden, die Steuer zu tragen. Die Herren von der Kommissionsmehrheit haben nicht einmal versucht, die Schaffung einer solchen Gewerbesteuer zu recht fertigen, obwohl das doch wirklich nahegelegen hätte. Die Kommission� Vorschläge werden wir genau so ablehnen, wie vorher die RegierungSl Vorlage. sLebHaster Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Rettich jk.): Auf irgend eine Weife muß es doch gelingen. die gestiegenen Bedürfnisse des Reiches mit seinen Einnahmen wieder in Einklang zu bringen. Die Berufung auf 8 6 des Flottengesetzes trifft gegen die Brausteuer schon deswegen nicht zu, weil ihre jetzigen Sätze viel zu minimal sind, als daß eine Abwälzung auf das Publikum überhaupt möglich wäre. Wenn aber infolge der Steuererhöhung ein Teil der Schankstätten eingehen würde, so wäre das auch noch kein Unglück. Das Bier ist nicht, wie in der Kom Mission gesagt wurde,„flüssiges Brot" oder doch höchstens„teures Luxusbrot". Leider hat die Kommission unsere weitergehenden Vor- schläge abgelehnt. Deshalb stimmen wir dieser Vorlage zu (Bravo I rechts.) Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.): Der Abg. Dr. Südekum hat mit vollem Rechte darauf hingewiesen, daß die Brau- stcuer sich immer mehr zur Gewcrbesondcrstcuer oder Sondergewerbesteuer entwickele. Eine solche Sondcrbelastung eines Gewerbes ist gar nicht zu rechtfersigen. ES unter« liegt keinem Zweifel, daß die Steuer auf de» Konsumenten abgewälzt werden mutz. Eine der größten Brauereien, die Schultheiß- brauerei, müßte 1,0 Millionen Mark Stcuer zahlen, während die gesamte Dividende 2,10 Millionen Mark beträgt. Kleinere Brauereien würden im Verhältnis noch stärker getroffen werden. Die vor- geschlagene Staffelung überschreitet bei weitem das Maß der Malz- ausbeute, die nicht 2 M. pro Doppelzentner überschreitet; durch den zufolge der Steuer entbrennenden Konkurrenzkampf werden die kleinen und mittleren Betriebe noch schneller verschwinden, als daß ihnen geholfen wird. Die Statistik beweist, daß eine ungerechte Staffelung die Groß- brauercien zu rücksichtslosem Vorgehen im Konkurrenzkämpfe zwingt. Dazu kommt die ivesentliche Erhöhung der Löhne, die besonders in Norddcntschland eingetreten ist. Kollege Rettich begrüßt den von den Steuern zu erwartenden Rückgang des Konsums im Interesse der Volksgesundheit. Ich will mich in eine physiologische Kontroverse mit ihm nicht einlassen! aber wir meinen, der Biergenuß drängt den ungesunden Schnaps- und Fuselkonsum zurück, der de» Freunden de? Herrn Rettich allerdings willkommen ist.(Sehr wahr! links.) Vergessen Sie doch nicht, daß die Aktien der Großbauereien sich viel- fach in den Händen kleiner Leute befinden! diese stärker zu besteuern, soll Mittelstandspolitik sein? Sie werden nur die Unzufriedenheit steigern und Wasser auf die Mühlen derer leiten, die davon Nutzen haben. Staatssekretär Frhr. v. Stengel spricht der Kommission für ihre fleißigen Arbeiten den Dank der Verbündeten Regierungen auS und verteidigt eine von der Regierung in der Konnnission vorgelegte, vom Vorredner und in der Presse angegriffene Statistik über das Gastwirtsgewerbe, die aus dem Unterschied zwischen Ganterpreis und Ausschankpreis den Bruttogewinn der Gastwirte berechnet. Abg. Dr. Becker(natl,): Die Regierungsvorlage wollte auch für die kleinsten Betriebe die bisherige Steuer von 4 Mark auf 7 M. erhöhen. Dem konnten wir nicht zustimmen, unsere Staffelung will die kleinen nicht mehr belasten als bisher und die mittleren oerhältiiisinüßig wenig gegenüber den großen. Statt der 07 Millionen, eiche die Regierungsvorlage aus der Steuer herausholen will, .vllen es nach unseren Vorschlägen nur 27—29 Millionen sein. Für die von unS vorgeschlagene Staffelung sind auch die Ver- treter der kleinen und mittleren Brauereien eingetreten.(Hört I hört I) Für die Staffelung dürfen nicht nur die Ansbenteverhältnisse der kleineren gegenüber den größeren Brauereien maßgebend sein, sondern auch die Generalunkosten, die bei großen Betrieben natnr« gemäß geringer sind, der Entrüstungsrummel seitens der Groß- brauercien ist also ganz unberechtigt. Eine Abwälzung der Steuer auf die Konsumenten halten wir bei der geringen in unserer Staffe- lung vorgeschlagenen Steuer nicht für möglich. Abg. Gamp(Rp.): Die Herren aus Bayern vertreten in der bayerischen Kammer eine hohe Bransteuer, hier aber treten sie für eine Erniedrigung der Steuer in Norddcntschland ein. Ich glaube, daß dabei doch andere Gründe maßgebend sind— und Herr v. Voll- mar wird mir das bestätigen— als die Rücksicht auf die Kon- sumenten. Es mag dem Abg. Südekum bedauerlich sein, daß von der Gesetzgebung auch mal die Agrarier Vorteil haben.(Zuruf: Mal? Heiterkeit.) Abg. Dr. Pachnicke(frs. Vp.): Dem Vorredner erwidere ich lediglich, daß die vom Bauernbund veranstaltete Versammlung ruhiger und würdiger war, als Generalversammlungen des Bundes der Landwirte im Zirkus Busch zu verlaufen pflegen. Man sagt, das Bier bringe nicht genug, nur 30 Millionen M. DaS ist aber nur die norddeutsche Braustenergemeinschaft, in Bayern bringt daS Bier 42 Millionen, in Württemberg 9, in Baden 8, im Elsaß 3'/z Millionen, wozu noch kommunale Biersteuern von 12 Millionen' kommen, alles zusammen also lOI'/z Millionen M. Die Art der Besteuerung, welche besonders die Großbetriebe treffen will, richtet sich direkt gegen den Fortschritt. Zum Schutz werden die Brauereien Prciskonventionen bilden, womit sie bereits begonnen haben. Zuletzt trägt also der Konsument den Schaden, und das widerspricht dem§ 0 des Flottengesetzes, den doch das Zentrum zu einem politischen Programmpunkt gemacht hat. Wie es scheint, stimmt das Zentrum trotzdem dieser reinen Finanz- steuer zu. Zum Schluß noch ein Wort über die Staffelung; sie soll der Mantel sein, der die steuertechnischen Blößen deckt. Aber Ihre Erwartungen auf Hülfe für den Mittelstand werden nicht ersüllt werden. Die notivendigen Mittel sind zu beschaffen durch eine Reform der Branntweinsteuer und durch direkte Steuern. Finanzminister v. Rheinbabcn: Mit Unrecht sagt man, daß daS Bier schon stark belastet sei, es bringt in der norddeutschen Brau- steuergemeinschaft 31 Millionen Mark, der Zucker, im ganzen Reich allerdings 130, der Branntwein 140 Millionen Mark. Wir sollten dem Beispiel der anderen Völker folgen und das Bier tüchtig be- steuern.(Sehr richtig!) In Deutschland werden 92 Liter Bier jährlich auf den Kopf der Bevölkerung, einschließlich der Säuglinge, konsumiert. Ausgegeben werden dafür 1340 Millionen Mark, nach anderen Statistikern noch mehr. Großbritannien erhebt achtmal, Oesterreich und die Vereinigten Staaten viermal so viel Steuer vom Bier als wir. In Süddeutschland, in Bayern ist bereits die Steuer fünfmal so hoch als in der norddeutschen Bransteuergemeinschast. Trotzdem ist eine Erhöhung des Preises nicht eingetreten: daS wird auch hier nicht der Fall fein. Mit schwerem Herzen haben die ver- bündeten Regierungen das Opfer der Erbschaftssteuer gebracht, aber in der Voraussetzung, daß der Reichstag auf dem Gebiete der indirekten Steuern eine ausreichende Besteuerung schaffen wird. Die Kommission bleibt erheblich hinter den Regierungsvorschlägen zurück: ich bitte Sie, jedenfalls nicht noch über die Kommissionsvorschläge herabzugehen, wie es der Anttag Speck erreichen will. Abg. Speck(Z.): Die große Mehrheit des HanseZ hält daS Bier für ein geeignetes Steuerobjekt. AuS den vom Herrn Finanzminister angegebenen Zahlen würde doch hervorgehen, daß daS Bier entgegen seinen Ausführungen in der Tat ein Volksnahrungsmittel ist: wenigstens ist es bei uns in Süddeutschland der Fall, allerdings, das gebe ich zu, ein teueres Nahrungsmittel. Weiter begründet Redner einen von ihm eingebrachten Antrag, der gegenüber den in der Kom- Mission angenommenen Sätzen eine Herabminderung der Stenererträge um 1 Million Mark erreichen soll. AuS dem Umstände, daß in Bayern bei höherer Besteuerung der Bierpreis nicht gestiegen ist, folgt nicht, daß es auch in Norddeutschland nicht der Fall sein wird. Präsident v. Ballcstrem teilt mit, daß vom Abg. Singer ein Anttag auf namentliche Abstimmung über§ 3a in der Fassung der Kommission und über den Antrag Speck eingegangen ist. Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel(auf der Tribüne schwer verständlich) bittet, den Anttag Speck abzulehnen, der gegenüber dem KommissionSantrage einen Ausfall von 4>/z Millionen Mark ergeben würde: außerdem würde er auch einen Bruch des in der Kommission eingegangenen Kompromisses bedeuten. Abg, Bruhn(Antis.) spricht sich gegen die Steuer ans, die er für eine höchst ungerechte erklärt, da sie in erster Linie die Gast- Wirte, nicht das Großkapital treffen würde. Abg. Stolle(Soz., bei der großen Unruhe im Hause auf der Tribüne schwer verständlich): Die Brausteuer muß mit Natur Notwendigkeit von den Brauern und den Gastwirten auf die Be völkerung übertragen werden. Und das widerspricht dem§ 0 deS FlottengesetzeS, denn es ist ganz klar, daß das Bier ein Artikel des Maffenkonsums ist. Der natürliche Weg zur Deckung der benöttgten Mittel ist die Erhöhung der Matrikularbeilräge. Das will man aber nicht. t879 erklärte Windhorst, durch Mattikularbeittäge werde der föderative Charakter deS Reiches bester gewahrt, und dann würden die Einzelstaaten auch mehr an der Finanzgebarung des Reiches interessiert, und ivücden eS sich dreimal überlegen, ehe sie im Bundesrate ihre Zustimmung zu unproduktiven Ausgaben des Reiches geben.(Sehr richtig 1 bei den Sozialdemokraten.) Heute aber gibt das Zentrum das Bewilligungsrecht der Einzelstaaten preis. Auch der Reichstag hat nach der Bewilligung der indirekten Steuern keinerlei Einfluß mehr auf ihre Erhebung. An einer Zusammenstellung, die mir eine Aktiengesellschaft mit einer halben Million Kapital gemacht hat, geht hervor, daß die Brauerei sowohl durch die RegierungS- Vorlage wie durch den Antrag Speck nicht nur ihre ganze bisherige Dividende von 5 Proz. verlieren, sondern auch ein so starkes Defizit haben, daß sie in wenigen Jahren zugrunde ge- richtet fein würde. Der angeblich hohe Gewinn der Brauereien be- trägt nach einer unbestrittenen Stattstik �der Brauereien bei einem Verbrauch bis zu 2000 Doppelzentner Malz 3,20 M., von 3000 Doppelzentner Malz 3,37, bei 4000: 4,27, bei 5000: 4,05, bei 7000: 5,8, bei 10 000: 5,48 und erst bei mehr als 100 000: 7.5.— Es liegt mir ja ganz fern, hier zugunsten des Großkapitals zusprechen, aber, wenn Sie die Prosperität der Aktiengesellschaften ganz aufheben, hindern Sie jeden Fortschritt in jedem Gewerbe. Schon dadurch, daß die süddeutschen Brauereien den Absatz in der Nähe haben, sparen sie erhebliche Spesen. Die süddeutschen Wirt- schaften sind im ganzen viel einfacher ausgestattet al§ die nord- deutschen. Daher kann in Süddeutschland eine höhere Braustcncr als in Norddeutschland getragen werden. Die Erhebungen der Re- gierung geben schon deshalb ein ganz falsches Bild, weil nur die Verhältnisse von Großstädten, wie Berlw, Magde- bürg, Leipzig und Breslau. darin berücksichtigt worden sind. Wir haben in unseren Kreisen eine Umfrage veranstaltet, die ein ganz anderes Ergebnis gehabt hat. Wieviel Steuern hat das Bier bereits zu ttagen! Einmal kommt der Staat mit der Bransteuer, dann kommt die Gemeinde mit der Kommunalbrausteuer, dann die Vergnügungssteuer und endlich die Konzessionssteuer. Und da be- haupten die Leute, daS Gewerbe fei noch in der Lage, weitere Lasten zu ttagen,«hne sie auf die Konsumenten abzuwälzen. Auf alle Fälle muß dann sofort doch der§ 0 deS FlottengesetzeS aufgehoben werden, denn er kann bei einer solchen Bransteuer keine Gültigkeit mehr behalten. Der Finnnzminister verweist darauf, daß die Bransteuer in England und Amerika viel höher sei. Warum berücksichtigt er nicht, daß die VermögenSverhältnisse bei der grvßen Masse deS Volkes dort viel besser sind als bei uns? Wir lehnen alle indirekten Steuern ab und verlangen eine progressive Reichseinkommensteuer. Mehr als hundert Millionen werden für unproduktive Zwecke, für Heer und Marine, aufgewandt. Mögen die Herren, deren Wahlspruch ist„Mit Gott für König und Vaterland" ihren Patriotisinns dadurch be- weisen, daß sie selbst zu den Lasten des Reiches beitragen, und nicht die Steuern auf die große Masse de? Volkes abwälzen. DaS geschieht mit der Brausteuer, denn das Bier ist ein Genuß- mittel, das der Arme zur Auffrischung seiner Kräfte notwendig braucht. Die nächsten Wahlen werden Ihnen den Beweis bringen. wie das Volk über diese Steuern denkt. Ich bitte Sie dringend, die Steuer abzulehnen.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Wolff(Wirtsch. Vg.) erklärt, daß seine Freunde, wie in der Kommission, so auch jetzt, den§ 3o sowie den Anttag Speck ablehnen würden. Die weitere Debatte wird vertagt. Da morgen um 12 Uhr die Trauerfeier für den verstorbenen Minister v. Budde stattfindet, beraumt der Präsident die nächste Sitzung auf morgen nachmittag 2 Uhr an. Tagesordnung: Fortsetzung der heutigen Beratung und Tabaksteuer-Gesetz. Schluß OV» Uhr._ Mordprozetz Hemng. Nachstehend geben wir ausführlich den Bericht über die Er- forschung der Täterschaft zu der brutalen, feigen und verschlagenen Mordtat, die durch HennigS Entweichung und der Polizei lang- wieriges Suchen ein ganz besonderes Aufsehen erregte. Auf der Anklagebank sitzt ein 31'/,, Jahre alter Mann, so gottes- fürchtig erzogen, daß er auch jetzt noch dem Präsidenten gegenüber seinen Glauben an einen lebendigen Gott, der die Geschicke der Menschen leitet, beteuern kann. Was den jungen Mann zu den ersten Verbrechen trieb, die ihm bereits 0 Jahre Zuchthaus ein- brachten, hat die Verhandlung nicht ergeben. Man geht wohl in der Annahme nicht fehl, daß im wesentlichen die Schwierigkeit des Kampfes umS Dasein die Veranlassung zu dem ersten Verbrechen gab. 6 Jahre Zuchthaus über den lOjiihrigcn verhängt— von da ab mußte es von Verbrechen zu Verbrechen gehen. Nach der bei seiner Flucht aus den Polizeihänden bewiesenen Ver- schlagenheit und Energie und nach der Art seiner Verteidigung vor Gericht war Hennig ein über daS Durchschnittsmaß begabker Mann. Selbst wenn er intelligenter und bestrebt gewesen wäre, auf andere Bahnen zu gelangen, hätte es ihm bei den bestehenden Institutionen gelingen können? Erzieht nicht die Tartüfferie der Zuchthaus« qual geradezu zu neuen Verbrechen? Der 31'/zjährige Angeklagte, dessen Lieblingslektüre der„Lokal-Anzeiger" ist, hat über ll'/a Jahre Gefängnis- und Zuchthausstrafe verbüßt I Das bei uns geltende Sttafsystem, der völlige Mangel an wirklicher Fürsorge für Straf- entlassene, die furchtbare Schwierigkeit des Kampfes um ein ehr- licheS Dasein, das grausame„Hilf dir selbst" das die Gesellschafts-, ordnung dem Bedürftigsten mitleidslos zuruft, der Mangel an sozialen Einrichtungen und an sozialem Geist der Gesellschaft ist unendlich mehr an dem feigen Mordraub schuld als die Charatter« losigkeit und innere Verlumptheit des Täters. Die Gesellschafts» ordnung hat auch diese Mordtat gezeitigt. Widerlich, fast widerlicher wie der Täter selbst ist die Sucht von Damen der feinen Gesellschaft. Eintrittskarten zu dem Mord- Prozeß zu erhalten. Ob wohl auch nur einer dieser angesehenen Stützen der Gesellschaft durch die Verhandlung das Gewissen ge- schärst, ihr klar geworden ist, daß ihre Klasse die Schuldige an der Bluttat ist? Ob auch nur einer dieser ZuHörerinnen die ErkennttnS auf- gedämmert ist, daß Leute wie Hennig nützliche Mitglieder der Gesellschaft wohl hätten werden können, wenn die herrschende Klasse nicht den Kampf umS Dasein erschwert, der arbeitenden Klasse die Gleichberechtigung vorenthält, geistige Bildung und wahren Lebensgenuß unendlich ihr erschwert und Menschenleben und Menschengesundheit der arbeitenden Klasse so geringwertig einschätzt? Wie viele von den Wohlhabenden, die unsere Gesellschaft als die beste preisen und rufen:„Herr Gott, ich danke dir, daß ich nicht so einer bin wie jener", wären besser geworden als Hennig, wenn sie mit ebenso viel Unbill wie ein einfacher Arbeiter um des Leibes Notdurft zu kämpfen gehabt hätten? »»» Vor dem Schwurgericht in Potsdam begann gestern die Ver- Handlung gegen den Lederarbeiter Rudolf H e n n i g, der der Er- mordung des Kellners G i e r n o t h beschuldigt ist. Der Angeklagte traf mit dem! um 8,10 Uhr aus Berlin ab- gehenden Vorortszug ein. Er war bis dahin im Berliner Unter- suchungsgefängnis interniert und wurde durch zwei Berliner Wacht- meister und einen Kriminalschutzmann nach Potsdam ttansportiert. Er war während der Fahrt an den Händen gefesselt, seine Gesichts- färbe ist auffallend bleich. Während des Transports bewahrte er seine Ruhe vollständig, freute sich über die schon so weit vor- geschrittene Vegetatwn und erklärte wiederholt, daß es ihn, furcht- bar aufregen würde, wenn er seinen als Zeugen geladenen Vater im Zuschauerraum sehen würde. Der Angeklagte verließ den Zug in Charlottenhof und wurde von dort unter sicherer Begleitung mehrerer Kriminalbeamten nach dem Gerichtsgebäude ttansportiert. In der ihm zugewiesenen Zelle harrte er, zusammengeduckt und vor sich hinbrütend, deS Beginns der Verhandlung. Unter den Zuhörern, die innerhalb des eigentlichen Gerichts- raumes Platz erhalten, befinden sich die Erbprinzessin zu Wied, Tochter des Königs von Württemberg. ferner zahlreiche Damen aus der Gesellschaft. Den Vorsitz ft'hrt Landgerichtsdireftor B archewitz, die An- klage vertritt Erster Staatsanwalt Dr. Mendelssohn. Gleich nach Erscheinen des Grichtshofes betritt, umgeben von einem starken Polizeiausgebot, die Hauptperson des gerichtlichen Dramas, der An- geklagte Rudolf Hennig, den Sitzungssaal. Er ist an den Händen stark gefesselt. Der verhältnismäßig kleine, gedrückt auS- sehende Mann in dem recht schäbig aussehenden graugrünen Sommerpaletot und mit dem eingedrückten braunen Filzhut, den er sich mit den gefesselten Händen vom Kopf reißt, macht alles andere, als den Eindruck eines Rinaldo Rinaldini. Der Vorsitzende richtet bei Eröffnung, zunächst zu den Ge- schworenen gewendet, an die Prozeßbeteiligten folgende Worte: Meine Herren Geschworenen! Aus dem großen Andrang im Saale und aus den vielfachen Notizen in den Zeitungen ersehen Sie den Grund, weshalb die Justizverwaltung es für angebracht gehalten hat, eine besondere Schwurgerichtsperiode für den heutigen Fall gegen den Lederarbeiter Hennig anzuberaumen. Das ist aber nicht der einzige Grund. Die ordentliche Schwurgerichtsperiode, welche in 14 Tagen beginnt, ist schon so belastet, daß an die Geschworenen zu große Anforderungen gestellt werden würden. Endlich aber ist der Angeklagte in Haft und die Sache so weit fertig. Es erschien deshalb angebracht, so früh wie möglich zu verhandeln. Sodann wendet sich der Vorsitzende an den Angeklagten: An. geklagter, Sie sind der Lederarbeiter Hennig? Angekl.(sehr leise und zögernd): Ja.— Vors.: Wann sind Sic geboren?— Angekl.: Im Oktober.— Vors.: In welchem Jahre?— Angekl.(von neuem zögernd): 1874.— Vors.: Angeklagter, das Gericht beschließt, Ihnen die Knebel abzunehmen. Aber die beiden Bemntcn, welche neben Ihnen sitzen,— rechts und links vom Angeklagten sitzen je ein uniformierter Schutzmann, außerdem noch hinter ihm ein Kriminal- schutzmann— haben den Befehl, sowie Sic den leisesten Versuch machen zu entfliehen, sich Ihrer sofort mit Gewalt zu bemächtige» uttb Sie zu knebeln. Angeklagter, Sie würden mit einem Flucht» versuch Ihre Lage nur verschlechtern. Es soll Ihnen das Recht der Verteidigung in vollem Maße gewährt werden. Dieses Rechtes würden Sie sich aber begeben. Der Angeklagte wird darauf ent- fesselt. Die Anklage lautet auf Raubmord, Urkundenfälschung. Diebstahl eines Fahrrades und Versuch, einen Menschen zu töten, um sich der Ergreifung auf frischer Tat zu entziehen. Die Zahl der vorgeladenen Zeugen beträgt 22. Vorleben des Augeklagten. Nach Erledigung aller Formolien beginnt das Verhör des An- geklagten, der seine Antworten auf die Fragen des Vorsitzenden mit sehv leiser, ka-um vernehmbarer Stimme abgibt.— Präs.: Was haben Sie getrieben, als Sie die Voltsschule verlassen haben?— Angekl.: Ich Isabc als Arbeiter in Appreturfabriken in Berlin ge- arbeitet.— PiÄs.: Wo sind Sie tonsirmiert worden?— Angekl: In der Thoniaskirche. Präs.: Bei welchem Geistlichen?— Angekl.: Das wiech ich nicht mehr.— Präs.: Sie haben wohl später kein« Verbindung mehr mit dem Geistlichen unterhalten. Saben Sie nach Ihrer Konfirmation noch manchmal über Religion nach- gedacht?— Angcll.: Nein.— Präs.: Den Glauben an Gott, der Ihnen im Vaterhause gegeben wurde, haben Sie wohl später verloren?— Angekl.: Nein. Ich bin bloß nicht mehr zur Kirche gegangen.— Präs.: Sie wollen also sagen, d.a ß Sie auch noch heute einen Herr- gott im Himmel anerkennen, der die Geschicke der Menschen leitet?— Angekl.: Ja.— Ter Angeklagte be- kündet auf weiteres Befragen des Vorsitzenden, daß er nach voll- endeten, 14. LebcnUjahre noch 2—3 Jahre im.Elternhause gewesen sei und dann, nachbem er ausgelernt, sich von den Eltern getrennt habe. Er habe noch einen Bruder und eine Schwester, er habe aber die Verbindung mit seiner Familie verloren und wisse nicht, ob Bruder und Schwester noch leben,— Präs.: Sie sind schon im Jahre 1890, also mit 1ö Jahren, wegen Körperver- letzung zu S M. G e l d st r a f e verurteilt worden. Sie sind wohl in schlechte Gesellschaft geraten?— Angekl.: Nein, erst nach- dem ich vom Hause fort war.— Präs.: Sind Sie nicht wegen Ihres« Verkehrs mit schlechter Gesellschaft, die Ihre Mutter nicht leiden wollte, von Hause weggegangen?— Angekl.: Nein, deshalb nicht.— Präs.: Daran reihte sich schon im Jahre 1803 eine schwere Strafe von b Jahren Zuchthaus, die Ihnen wegen Be. drohung und schiverer Ladendiebstähle auferlegt wurde. Sie haben die Strafe im Zuchthause in der Lehrterstraße verbüßt. Kaum tvaren Sie wieder ,n Freiheit, als Sie bei einem Uhrmacher einen großen Diebstahl verübten. Sie haben dafür 4 Jahre G e f ä n g. n i s erhalten und sind dann noch wegen Msinzverbrechens zusätzlich zu einem Jahre Gefängnis verurteilt worden. Erst Ende 1904 sind Sie aus Plötzensee entlassen worden?— Angekl.: Das ist alles rich. tig.— Vots.: Sie sind dann bald wieder auf schlechte Wege geraten und haben wieder Diebstahle begangen?— Angekl: Ja. ich hatte keine Papiere und fand nicht Arbeit.— Vors.: Im Oktober er- hielten Sie mehrere Monate Gefängnis. Tann waren Sie am hellen Tage in einen Uhrladen eingedrungen und hatten Uhren im Werte von 800 M. gestohlen. Dafür erhielten Sie vier Jahre Gefängnis?— Angekl.: Ja.— Vors.: Nach der Verbüßung dieser Strafe kamen Sie aber nicht frei, sondern wurden noch wegen MunzvergehenS bestraft. Geben Sie jetzt diese Tat zu? Früher haben Sie sie bestritten.— Angekl.: Das ist auch so.— Vors- Man fand aber bei Ihnen nach der Verhaftung in der Wohnung Tiegel und Platten zur Herstellung von Talern. Sie haben doch sicherlich Taler machen wollen?- Angekl.: Ja. es war alles vor- bereitet, ist aber nicht dazu gekommen.— Vors.: Daher erhielten Sie 7 Monate, so dag Sie ,m ganzen 5� Jahre Ge- fangniS zu verbüßen hatten. Wann verließen Sie das Ge- fangms wieder?— Angekl.: Am 13. März 10 05.— Vors.: Demnach hatten Sie, seit Sie das Elternhaus verlassen hatten, im ganzen 11 Jahre und 7 Monate im Zuchthaus bezw. Gefängnis zugebracht. Haben Sic nun noch ein- mal den Versuch gemacht, mit Ihrem Vater Verbindung zu er- halten?— Angekl.: Ich war einmal da. aber die Verhältnisse hatten sich geändert, ich konnte dort nicht bleiben. Mein Vater hatte sich wieder verheiratet und er nahm mich auch wenig freund- lich auf.— Vors.: Angeklagter, können Sie es Ihrem Vater der- denken, wenn er Ihnen, der alle Ermahnungen in den Wind ge- schlagen und die Mutter in die Grube gebracht hatte, nicht gleich um den Hals fiel? Haben Sie wenigstens gesagt: Vater, vergieb mir, ich werde mich bessern?— Angekl.: Das nicht.— Vors.: Als Sie aus dem Gefängnis kamen, hatten Sie doch Barmittel?— Angekl.: Ja, 70 M.— Vors.: Davon konnten Sie doch einige Zeit leben und sich nach Arbeit umsehen.— Angekl.: Ich brauchte Kluft (Kleidung) und Wäsche, da waren die paar Gröschen bald alle.— Vors.: Na, 70 M. sind doch keine paar Groschen. Was haben Sie sich, als Sie heraus kamen, zuerst gekauft?— Angekl.: Ein Paar Stiebeln.(Heiterkeit.)— Vors.: Na. seien Sie ehrlich, war nicht das erste, was Sie sich anschafften, ein Revolver? Das haben Sie selbst mal gesagt.— Angekl.: Nein, erst die Stiebel, dann den Revolver. Auslassungen über die Anklage. Präs.: Sie sind, wie Sie gehört haben, beschuldigt der ver- schiedensten Verbrechen. Bekennen Sie sich schuldig?— Angekl.: Doch nur teilweise.— Präs.: Sie sollen den Kellner Giernoth eruwrdet habe».— Angekl.: Das bestreite ich.— Präs.: Sie sollen durch dieselbe Handlung den Giernoth unter An- Wendung von Gewalt bestohlen haben.— Angekl.: Das bestreite ich natürlich auch.— Präs.: Der Urkundenfälschung, des in Stettin verübten Fahrraddiebstahls und des Schießens nach dem Schuh- mann in Stettin, wodurch Sie diesen verwundeten, bekennen Sie sich wohl schuldig?— Angekl.: Ja wohl, aber durch das Schießen habe ich mich nur befreien wollen.— Präs.: Sie haben fast immer einen Revolver bei sich getragen. Was hatte das für einen Zweck? — Angekl.: Ich habe von Jugend auf einen Revolver getragen.— Präs.: Als Sie aus der Strafhaft entlassen waren, ging's Ihnen wohl meist gut?— Angekl.: O ja! Ich machte Pfandschein- geschäfte und verdiente täglich etwa 60 M.— Präs.: DaS wäre ja viel.— Angekl.: Ich hatte die Absicht, wenn ich Geld genug hatte, in Hamburg«in Geschäft aufzumachen. Ich habe ja auch ein Geschäft dort eröffnet gehabt und handelte mit Büchern und Postkarten.— Präs.: Das Geschäft ging wohl nicht?— Angekl.: Nein, es ging schlecht.— Präs.: Dann sind Sie wieder nach Berlin zurückgekehrt und haben dort einen falschen Namen angenommen. Wie kamen Sie nun, wenn Sie mit Ihren Pfandschein-Betrügereien 60 M. täglich verdienten, auf den Gedanken, einen Mann zu finden, dem Sie die Kaution abnehmen wollten?— Angekl.: Der Gedanke ging nicht von mir aus. Ich bin durch einen Zufall dazu gekommen. Ich hatte einen Mann kennen gelernt, wie er heißt, weetz ick nich, er nannte sich Franz. Der sagte zu mir, er wüßte ein jutes Ding zu drehn, da könnte man leicht ein paar Tausend Mark erobern. Wir sollten beide in einen Eiscnbahnzug steigen und einen alleinreisenden alten Herrn berauben. Det schien mir aber zu gefährlich.— Vors.: Angeklagter, diese Erzählung haben Sie erst am 15. März, als Sie in Stettin verhaftet waren, vor» gebracht, also erst, nachdem der Raubmordversuch auf Herrn v. Zitzewitz geschehen war. Darüber hat ja der„Lokal-Änzeiger" berichtet gehabt. Der„Berliner Lokal-Anzeiger" ist ja nun einmal Ihr Lieblingsblatt.(Stürmische Heiterkeit.) Da werden Sie davon doch auch gelesen haben?— Angekl.: Gelesen habe ich eS allerdings; ich hatte gleich den Ge. danken, daß das der Franz gewesen sein muß.— Vors.: Ich be. merke für diejenigen, welche die Vorgange nicht kennen, daß die Angaben von dem Unbekannten erst gemacht worden sind, nachdem der Ueberfall auf den Kammerherrn v. Z. geschehen war.— Angekl.: Wenn ick ein Jahr später verhaftet werde, denn kann ick et doch nich ccn Jahr früher zu Protokoll geben.— Bors.: Nein, aber wenn Sie am 1. März verhaftet worden wären, hätten Sie von dem Franz und dem alten Herrn sicherlich nichts gesagt, aber— Angekl. �unterbrechend): Erlauben Sie mal! Det»ck nich fr ü herve rh a f t e t bin. iS doch nich meine Schuld! (Stürmische Heiterkeit.)— Vors.: Das allerdings nicht.— Angekl.: Also erlauben Sie mal, Herr Vorsitzender: Sie haben doch den Herren Geschworenen vorgehalten, daß ich früher von dem Franz nichts gesagt habe; darüber müssen wir uns erst mal klar werden. (Heiterkeit.)— Vors.: Gewiß, wir müssen uns nur richtig ver- stehen(Heiterkeit), dann wird sich schon alles aufklären. Es handelt sich ja um keine Kleinigkeit, sondern um Ihren Kops, das wissen Sie und das wissen wir.— Angekl.: Na, denn werden Sie doch also zugeben, daß ich recht habe.(Heiterkeit.)— Vors.: Also was hat Ihnen der Franz gesagt?— Angekl.: Er machte den Vorschlag mit dem alten Herrn, und da sagte ich, daß mir das zu unsicher sei; unter hundert Fällen glückten kaum zehn. Franz hatte noch einen Mann bei sich, den ich auch nicht kannte.— Vors.: Auch nicht den Namen?— Angekl.: Nein.— Vors.: Wie sprachen Sie sich denn an?— Angekl.: Mit„Du".— Vors.: Und wie trafen Sie sich denn?— Angekl.: Wir verabredeten immer bestimmte Lokale.— Vors.: Wenn Sie aber die beiden verpatzten, dann waren Sie sie doch für immer los.— Angekl.: Ich hatte darin Glück, die beiden anderen kannten sich genau. Vors.: Wie kamen Sie darauf, etwas mit Kautionen zu machen? Angekl.: Im Laufe des Gesprächs kamen wir darauf, daß man ja etwas mit Kautionen machen könnte. Im„Lokal-Anzeiger" suchten wir einen jungen Mann, als Büfettier, eventuell gegen Kautionsstellung.— Vors.: Es ist aber auffällig, daß Sie in der weiteren Sache die Führerschaft übernahmen. Sic selbst sind es doch, der allein mit dem Kellner Giernoth verhandelte.— Angekl.: Ich war am anständigsten angezogen, Franz sah etwas reduziert aus.— Vors.: Können Sie uns den„Franz" näher beschreiben?— Angekl.: Gewiß kann ich das. Franz hat ein noch länglicheres und blasseres Gesicht, das Haar trug er lang, mit einem dichten Busch im Gesicht.— Vors.: Hatte er einen Bart?— Angekl.: Da mußte man schon dichte ran gehen und eine Lupe nehmen, um den zu sehen.(Heiterkeit.)— Vors.: Als Sie in Stettin den Ueberfall auf den Kammerherrn lasen, sagten Sie sich wohl gleich: Herrjeh, das ist ja mein Franz?— Angekl.: Ja, die Beschreibung paßte doch. Ich war mit Franz in Stettin einige Tage zusammen gewesen. Dann kam er und sagte:„Kannst Du mir Geld borgen, ich habe nichts mehr!" Ich erwiderte ihm: Seh ick denn aus, wie einer, der Geld verborgen kann? Ick habe selbst nichts. Franz meinte da: wie wäre es, wenn wir det Ding mit der Eisenbahn jetzt drehten. Ich erwiderte: Nee, ick habe keene Luft. Franz ging dann weg mit den Worten: Na, denn schiebe ick det Ding allecne. Am Tage darauf las ich von dem Ueberfall auf Herrn v. Z. Der Angeklagte mutz dann den Fall Giernoth näher schildern.— Angekl.: Ich ging zu Giernoth, weil ich die beste Kleidung hatte, fand ihn aber erst nach mehrmaligem Besuch in der Wohnung dort an. Er war bereit, die Stelle anzunehmen und ich holte ihn Montag ab. Wir gingen zunächst nach der Skalitzerstraße zu einem Schlächter, der sein Ver- wandter war und von dem er die Kaution abholte.— Präs.: Haben Sie gleich gewußt, daß es ein Sparkassenbuch war?— Angekl.: Nein, er sagte zuerst nur;„ich hab's." Erst unterwegs- erfuhr ich aus dem Gespräch mit ihm, daß er nur ein Sparkassenbuch hatte. Die beiden andere» wußten gar nichts, diese waren natürlich der Meinung, daß er bar Geld hatte. Jckj stieg mit Giernoth in ein Abteil, Franz und der andere waren im Nebenabteil. So kamen wir nach Wannsee. Nach Verabredung gesellten sich die beiden anderen zu uns und fragten auch, wo ich denn hin wollte. Ich sagte: Nach Glienicke. Die beiden anderen sagten: Ach da wollen wir ja auch hin. da können wir ja zusammen gehen. Der eine sagte, ex kenne den Weg ganz genau, und so gingen wir denn zusammen weiter, immer dicht an der Chaussee, die wir überblicken konnten. Dann stellten wir uns plötzlich alle drei um ihn herum und er- klärten ihm, baß wir beschlossen hätten, ihm sein Geld abzunehmen. — Präs.: Was hat dieser denn dazu gesgs*»— Angekl.: Er sagte: Wenn es so ist, dann hilft es ja wohl nichts.— Präs.: Hatten Sie denn einen Revolver dabei gezogen?— Angekl.: Wir hatten alle drei Revolver.— Präs.: Und alle drei hatten Sie die Revolver gezogen?— Angekl.: Jawohl. Wir sagten dem Giernoth gleich, daß er keine Umstände machen soll, da er nicht ausrücken könne. Der Giernoth griff dann in die Brusttasche und gab daS Sparkassenbuch an mich. Franz nahm ihm auch noch seine persönlichen Papiere ab.— Präs.: Was geschah nun weiter?— Angekl.: Wir beratschlagte», was mit dem Sparkassenbuch geschehen solle. Ich sagte, ich würde es umsetzen, und Ihr müßt hierbleiben.— Präs.: Und da stand Giernoth immer ruhig dabei, ohne um Hülfe zu rufen und ohne wegzulaufen?— Angekl.: Was sollte er denn machen? Er konnte doch nicht weg, denn der Unbekannte hatte ihn am Kragen. — Präs.: Aber sagen Sie mal, auf der Chaussee konnte doch jeden Augenblick jemand kommen?— Angekl.: Es war weit und breit niemand zu sehen.— Präs.: War es nicht doch eine Stelle, wo man die Chaussee überhaupt nicht sehen konnte?— Angekl.: Kein, wir standen etwa 10 Schritt von der Chaussee. Wir verabredeten schließlich, daß Franz und ich nach Berlin fahren. daS Sparkassenbuch auf der Sparkasse versilbern und uns dann mit dem Un- bekannten Unter den Linden wieder treffen sollten. Der Un- bekannte sollte den Giernoth zunächst zwei Stunden festhalten, da» mit er nicht etwa früher wie wir nach Berlin kommen könnte.— Präs.: Aber Hennig! In nächster Nähe der Chaussee, wo Wagen, Automobile, Radler usw. zahlreich verkehren, soll der Unbekannte den Giernoth zwei Stunden lang bewachen?!— Angekl.: Davon war keine Rede. Er sollte mit Giernoth weiter in die Forst hinein gehen.— Präs.: Giernoth war doch ein kräftiger junger Mann. Der sollte sich so ohne jeden Widerstand von einem einzigen Mann in die Forst hineinbugsieren lassen.— Angekl.: O ja! Den Un- bekannten hätten Sie mal sehen sollen,.das war ein stämmiger Mann.(Heiterkeit.)— Präs.: Nun. Hennig. ich kann Ihnen nur sagen, daß die Sache sehr unwahrscheinlich klingt.— Angekl.: Im Gegenteil! Warum denn unwahrscheinlich?— Präs.: Weil eS viel wahrscheinlicher ist, daß Sie den Giernoth an der Stelle fest» gehalten haben, wo dessen Leiche gefunden ist; diese liegt etwas tief und man kann von dort die Chaussee nicht übersehen.— Angekl.: Warum sollte der kräftige Unbekannte denn nicht einen Sl jährigen Menschen 2 Stunden lang festhalten können?— Präs.: Alles das 10 Schritte weit von der Chausssse! Hatten Sie ihn denn geknebelt?— Angekl.: Der Unbekannte hatte ihm ein Tuch um daS Handgelenk gelegt und einen Revolver vorgehalten.—- Präs.: Wie ging die Sache nun weiter?— Angekl.: Wie ich mit Franz auf den Bahnhof kam, war der Zug bereits abgegangen. Wir mußten ziemlich eine Stunde warten. Wie wir da standen, kam plötzlich der dritte an. Ich kriegte einen großen Schreck. Er sagte: Ihr braucht nichts zu fürchten, ich habe ihn geknebelt und festgebunden.— Präs.: Hatten Sie denn einen Strick mit- genommen?— Angekl.: Der dritte hatte einen Strick bei sich.— Präs.: Als dieser wieder zu Ihnen stieß, hat er Ihnen da etwas vom Totschießen gesagt?— Angekl.: Nein. Mir kam die Sache nicht ganz richtig vor, aber wir hatten kein Interesse weiter, denn der Zug ging ab und so fuhren wir nach Berlin. Die Sparkasse war schon zu. Ich habe dann am nächsten Tage das Sparkassenbuch bei dem Bankier Werner für 500 M. oersetzt und darüber einen Wechsel und eine Quittung mit dem Namen Giernoth ausgestellt. — Vors.: Jedenfalls werden Sie zugeben, daß Sie damit, daß Sie den Namen Giernoth unter die Quittung und den Wechsel setzten, eine Urkundenfälschung begangen haben.— Angekl.: Dazu bin ich zu wenig Jurist.(Stürmische Heiterkeit.) Ich wußte ja damals noch nicht, daß er tot war und der Bankier wollte, daß ich den Namen heruntersetzen sollte.— Vors.: Aber daß Sie nicht auch Giernoth heißen, wußten Sie doch?— Angekl.: Ja. Der Angeklagte gibt dann an, daß sie sich, nachdem sie die Beute geteilt hatten, getrennt hätte. Der Unbekannte habe ihnen nicht? gesagt, daß er den Kellner erschossen hätte. Er glaube auch, daß Franz davon nichts wußte, denn als er ihn nach zwei Tagen getroffen habe. hätte dieser nichts davon gesagt.— Vors.: Daß Sie sich immer wader treffen, ist doch recht merkwürdig.— Angekl.: Wir haben das verabredet gehabt, denn wir wollten ja öfter ein Ding machen. Wir trafen uns im Kaisercafe, im Passagecafe und in einem Lokal in der Linienstraße.— Vors.: Wovon lebten Sie die ganze Zeit bis zum Februar? Auf Ihren Teil müssen denn doch nur 180 M. gefallen fein— Angekl.: 185 M.. aber ,ch hatte doch noch 100 M, und verdiente noch etwas mit Pfandscheinen.— Vors,: Der Un» bekannte ist, nachdem Sie ihn 5— 6 Tage getroffen hatten, wieder gänzlich von der Bildflächc verschwunden.— Angekl.: Ich habe ihn nie wieder getroffen.— Vors.: Und das soll nun also der Mörder des August Giernoth sein?— Angekl.: Ich kann es nicht anders annehmen.— Vors.: Hennig, und das soll man Ihnen glauben?— Angekl.: Weshalb denn nicht!(Heiterkeit.)— Vors.: Ich komme nun kurz auf Ihre Verhaftung in Berlin auf die Anzeige der Witwe, bei der Sie Wohnung nehmen wollten. Als die Be- amten kamen, zeigten Sie sich ganz ruhig?— Angekl.: Ja, daß ich wegen des Falles Giernoth gesucht werde, dachte ich nicht, ich ver- mutete, es handle sich um die alten Pfandscheinsachen.— Vors.: Wußten Sie, daß Sie wegen des Giernothschen Falles gesucht werden?— Angekl,: Das hatte doch den Tag vorher in der Zeitung gestanden.— Vors.: Und Sie hatten es sogleich gelesen?— Angekl.: Gewiß. Ich bin aber ganz ruhig mitgegangen, denn ich dachte mir: ich werde schon noch mal durchkommen.— Vors.: Sie konnten doch eigentlich ganz gut mitgehen, denn Sie hatten doch den Mord nicht verübt,— Angekl.: Aber ich war doch daran beteiligt. — Vors.: Aber das war doch nicht so schlimm. Der Angeklagte erzählt dann: Ein Beamter ging vor, einer hinten nach. Auf der Treppe zog ich den Revolver aus der Tasche, der aber gar nicht geladen war, hielt ihn dem Beamten entgegen und rief: Machen Sie Platz. Ich stieß ihn beiseite und lies davon.— Vors.: Es 'olgte dann die bekannte Flucht über die Dächer. Die haben Sie ja in den Zeitungen gelesen; sie ist wohl richtig geschildert worden? — Angekl.: I m ganzen ja, ein bißchen übertreiben ja alle Zeitungen.(Stürmische Heiterkeit.)— Vors.: Hatten Sie Geld bei sich?— Angekl.: Ja, 70 M. Davon kaufte ich mir gleich neue Kleidung und traf mich dann mit Franz in einer Konditorei. Wir hatten uns schon am Tage vorher dorthin verab- redet.— Vors.: Dieses ist das Unwahrscheinlichste von allein.— Angekl.: Als wir uns verabredeten, hatte ich doch an die Dachfahrt noch gar nicht gedacht. Ich sagte dem Franz: Jetzt wird mir die Sache in Berlin zu bunt, ich gehe weg von hier.— Vors.: Welchen Anlaß hatten Sie, nach der Flucht zu Franz zu gehen. Sie sagten doch, daß Sie einander so wenig trauten, daß sie weder Namen noch Wohnung einander angaben.— Angekl.: Ich hatte aber auch keinen Anlaß, nicht hinzugehen. Franz sagte mir: ick gehe mit Dir init nach Stettin. Dort habe ich mir ein Zimmer gemietet und ebenso Franz. Sie hätten sich dann immer wieder nach Ver- abredung getroffen. Sie hätten sich beide dort ganz sicher gefühlt. Schließlich sei Franz eines TageS mit der Mitteilung zu ihm gekommen, daß er mit seinem Gelde sehr klamm sei und fragte. ob er von ihm nicht Geld haben könne. Als dieS verneint worden, sei Franz wieder mit dem Vorschlage gekommen, jemand im Eisen- bahncoupe zu überfallen und zu berauben. Er sei aber dafür nicht zu haben gewesen. Als et dann später in der Zeitung den Ueber- fall aus den Herrn v. Zitzewitz gelesen, habe er sich gleich gesagt, daß Franz der Täter fem müsse. Nachdem Franz ihn in Stettin verlassen, sei er selbst dort geblieben und habe mehrere Fahrraddiebstähle begangen. Bei einem der- selben sei er dann in der bekannten Weise festgenommen worden. Als er zur Wache in Stettin gebracht worden, sei ihm der Ge- danke gekommen: Nun wirst Du wohl 15 Jahre Zuchthaus be- kommen, da habe ich in die Tasckze gegriffen, den Revolver heraus. gerissen und losgeschossen. Ich wollte mich bloß befreien. Ich er- hielt darauf heftige Schläge über den Kopf und war besinnungslos. — Präs.: Sie haben so vielfach mit dem Revolver bei jeder Ge- legenheit hantiert, sofort immer losgeschossen und nun gerade in diesem ernsten Falle wollen Sie den Revolver nicht abgeschossen haben!— Angeil.: Bei Giernoth lag doch keine Veranlassung dazu vor. Aber wenn man mich am Kragen hat, so ist das doch etwas ganz anderes I— Präs.: Sie haben nun alle Ihre sonstigen Straf, taten allein gemacht und hier, wo der Mord vorliegt, berufen Sie sich plötzlich auf zwei Komplicen, von denen der eine, Ihnen ganz Unbekannte, gänzlich verschwunden ist, und Sie den anderen auch nur dem Name» nach kennen wollen.— Angell.: Das ist nicht sehr wunderbar. Ich habe eS mit der Moral nicht immer genau genommen und wenn mir 20 Komplicen gesagt hätten, daß irgendwo etwas zu machen sei, wo 20000 M. herausschauten, so hätte ich es mit den Leuten zusammen gemacht. Das ist doch nicht wunderbar. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten weiter entgegen, daß es doch auffallen müsse, daß er mit Franz. den er so oft noch getroffen habe, nachher nichts mehr unternommen habe.— Angekl.: Das ist gar nicht anfallend.— Vors.: Wes, bald fuhren Sie denn mit ihm zusammen nach Stettin?—» Angekl.: Ich hatte gesehen, daß er ein tüchtiger Mensch war. und da dachte ich, mit ihm noch mal ein Ding drehen zu können.—- Vors.: Um so wunderbarer ist es, daß Sie spater immer allein waren und nicht mehr mit ihm etwas Aehnliches unternommen haben.— Angkl.: Sehen Sie. Herr Vorsitzender, das ist aar nicht wnderbar, ich lasse mich doch nicht zu all und jedem gebrauchen. — Vors.: Aber Hennig. das klingt wenig wahrscheinlich.— Angekl.: Aber auch nicht unwahrscheinlich.— Vors.: Man hat Ihnen«IN die ganzen Bände des Verbrecheralbums vorgelegt. Sie haben ja auch einen Mann bezeichnet, der Ihnen Aehnlichkeit mit Franz zu haben schien.— Angekl.: Ja.— Vors.: DaS war ein Artist Korell Dieser Mann ist gefunden worden und eS hat sich gezeigt, daß Sie ihn nicht kennen. Angekl.: Eine«-hnlich. feit ist aber da.— Vors.: Dieser Mann war seit 11—12 Jahren steckbrieflich gesucht worden, und cS war nicht anzunehmen. daß er gesunden werde.— Angekl.: Das konnte ,ch doch nicht wissen_ Vors.: Durch eine wunderbare Fugung ist dieser seil Jahren von Elbing aus steckbrieflich gesuchte Mann zwei Tage darauf gefunden worden. Er ,st der Franz nicht. Wie sollen w,r den nun finden?— Angekl.: Ich habe'b" beschrieben, er und kein anderer hat Herrn v. Zitzewitz überfallen.— Vors.. Man kann aber auch sagen: Sie haben den Ueberfall m der Zeitung gelesen und nach der Beschreibung de« Täters den Franz sich ruck- wärts konstruiert.— Angekl.: Da S s» n d a l l e S H Y p o t h e s e n. Ebenso gut könnten S,e b ew e, se n. d e r M o nd sc, ein Pfannkuchen.(Stürmische Heiterkeit.) Ich habe Franz genau beschrieben. Suchen Sie ihn und S,e haben den Mörder des Herrn v. Zitzewitz. Er wird aber auch schon im eigenen Interesse den Unbekannten, den er genau rennt, angeben, und dann haben Sie beide Mörder.— Präs.: �.>e Leiche ist 150 bis 200 Meter von der Chaussee entfernt aufgefunden worden, und zwar mit zwei Schüssen in die Schläfe. DaS ist genau so. wie Sie die Schüsse auf die Kriminalbeamten, nämlich von der Seite aus, abaegeben haben.— Angekl.: DaS ist doch ganz natürlich. Ich weiß nicht, was meine Person damit zu tun hat.— Präs.: Das will ich Ihnen sagen. Es erscheint ganz gut möglich, daß nur ei» einziger Mensch, der den Giernoth begleitete, den Schuß plötzlich von der Seite abgegeben haben kann.— Angekl.: Das sind doch alles bloß Hypothesen. Das geben Sie doch zu, Herr Präsiden tl— Präs.: Gewiß gebe ich daS zu.— Angekl.: Na also! Wenn wir hier mit Mög- lichkciten und Hypothesen arbeiten, kommen wir gar nicht zum Ziel. Wo kommen wir da hin? — Präs.: Ausfallend ist auch, daß neben der Leiche ein schwarzes Notizbuch gefunden worden ist. Es ist wahrscheinlich, daß dieses dem Giernoth herausgefallen ist, als ihm gegen seinen W i l l e n das Sparkassenbuch und die LcgitimationSpapiere heraus. genommen sind.— Der Vorsitzende hält dem Angeklagten schlich. lich noch vor, daß er in einem Schreiben an den.Lokal-Anzeiger diesem authentische Aufklärungen über den Mord angeboten habe. Er verlangte 1200 M. für drei Artikel und machte fÄ anheischig. bei Auszahlung der ersten 400 M. pränumerando das Arve,»- zeugnis des Ermordeten als Legitimation beizufügen. Die erfien 400 M. sollten am nächsten Abend 8 Uhr in der Expedition ab geholt werden, und zwar durch einen Dienstmami Tatsachlich erschien denn auch der Dienstmann vor der Expedition. Er hatte den Auftrag. daS Geld nach Treptow zu bringen, wo es ein Knabe in Empfang nehmen würde. Die Kriminalpolizei war von ver Sachlage benachrichtigt worden und als Henmg»n der Nahe Expedition auf den Ausgang der Affäre wartete, sah er einen Kriminalbeamten und verschwand schleunigst.— Der Vorsitzende hält Lew Auaeklägten'aus dem ön die Redaktion gerichteten Briefe und auf mehreren zu dieser Affäre gehörigen Briefentwürfen, in denen der Angeklagte die Hoffnung ausspricht, daß„das Geschäft zu gegenseitiger Befriedigung ausfallen wird", einzelne Momente vor, die darauf hindeuten, daß nur e r der Mörder sei. Er er- ivähnt dabei, daß Hennig kalligraphisch schön schreibe.— Angeil.: Sie gehen von ganz falschen Voraussetzungen aus. Was darin steht, trifft nicht zu. Mein Motiv zu den Briefen war doch nur, Geld zu erhalten, und da mußte ich die Neugierde der Zeitung aufs Höchste anspannenl — Andere Briefentwürfe, die in seinem Koffer bei seiner Wirtin in Berlin vorgefunden wurden, erkennt der Angeklagte nicht als von ihm herrührend, a». Die Vernehmung ist damit beendet. Entlastungsantrag. Nach der Vernehmung des Angeklagten stellt zu Beginn der Nachmittagssitzung der Verteidiger, Rechtsanwalt Kannes, den Antrag, noch weitere Mittel zur Anwendung zu bringen, um den unbekannten Franz und den dritten Unbekannten zu ermitteln. Insbesondere soll der seinerzeit Überfallene Freiherr v. Zitzewitz geladen werden. Der Staatsanwalt ist dagegen der Ansicht, daß alles Notwendige geschehen sei, was überhaupt geschehen konnte. Es handelt sich hier nicht um die Affäre Zitzewitz, sondern um den Mord an Giernoth. Der Verteidiger, Statsanwalt nnd Präsident treten dann in eine Erörterung über die eventuelle Formulierung dieses Antrages ein. Ter Vorsitzende bält eine Ladung des Frei- Herrn v. Zitzewitz für wenig ersprießlich. �Der Gerichtshof beschließt, über den Antrag erst nach Schluß der Beweisauf- nähme zu befinden, um nicht eine unnütze Verzögerung der Vcr- Handlung eintreten zu lassen. Hieraus wird in die Beweisaufnahme eingetreten. Kutscher Quinten: Ich war im Dezember vorigen Jahres Kutscher in Klein-Glienicke. Gelegentlich einer Fuhre, die ich in Nikolskö zu machen hatte, sah ich im Gebüsch einen Mann liegen, von dem ich zuerst annahm, daß er schliefe. Als ich näher hinzukam, sah ich, daß es ein Toter war. Mehrere Papiere lagen zu Füßen des Toten, unter anderem Korrespondenzkarten. Aus der kleinen Tasche des Paletots waren Geldstücke gefallen. Geld und Papiere habe ich dem Förster Rübning gegeben, dem ich die erste Meldung von dem Leichcnfund machte.— Vors.: Wo war der Fundort der Leiche.— Ungefähr 300 Meter von der Chaussee ent- fernt.— Präs.: Haben Sie gefehen, ob die Hände der Leiche mit Stricken gefesselt'waren?— Zeuge: Nein.— Dann wird als zweiter Zeuge Förster Rübning aus Glienicke vernommen. Zeuge: Ich bin sofort nach der Meldung von dem Leichenfund nach der von Quinten bezeichneten Stelle im Walde gegangen und habe die Leiche besichtigt. Sie lag im Jagen 39/00 etwa 150 Meter von der Berliner Straße entfernt. Die Leiche lag an der An- höhe, mit dem Kopfe rückwärts in schtefer Lage nach der Chaussee zu. Von der Chausiee aus konnte man die Leiche nicht sehen. Der Kopf lag noch dazu in einer Vertiefung.— Präs.: Haben Sie an den Händen Blut gesehen?— Zeuge: Nein. Ich habe bei der Leiche 27 M. gefunden, und zwar in einem Zwanzigmarkstück und sieben Mark in Silber. Alles steckte in der kleinen Tasche im Ueberzieher.— Präs.: War irgend etwas Auffälliges in der Nähe der Leiche?— Zeuge: Nein. Das Moos war nur sehr wenig aufgewühlt. Ich habe die Sache der Gerichtslommission mitgeteilt, die darauf an Ort und Stelle erschien. Hennig beim Gendarm? Der nächste Zeuge, Gendarm Kumorek, bestätigt die Angaben des Vorzeugen. Auf Befragen des Staatsanwalts gibt Zeuge noch folgendes an: Bald nach der Auffindung der Leiche kam ein Mann zu meiner Frau, der nach der Beschreibung identisch war mit dem. der steckbrieflich verfolgt worden war. Der junge Mann, etwa 23 Jahre alt, stellte sich als Cousin des Giernoth vor und fragte meine grau, was aus der Leiche geworden wäre. Frau Gendarm Kumorek: Drei Tage nach der Aufsindung der Leiche kam ein Mann zu mir, der fragte, ob die Leiche schon rekog- nosziert wäre. Er stellte sich vor, aber ich weiß nicht mehr genau, lvas er sagte. Er gab an, er sei ein Cousin des Ermordeten. Er wollte nun nähere Auskunft über die ganze Affäre. Ich sagte aber, er solle wiederkommen, wenn mein Mann da sei. Er kain aber nicht wieder.— Präs.: Wie sah der Mann aus, der zu Ihnen kam? — Zeugin: Er sah blaß auS, hatte vorstehende Backenknochen und einen Stock mit silbernem Knopf. Ich habe denselben Mann abends in einem Schlächterladen wiedergesehen, aber als er mich sah, rückte er aus.— Präs.: Würden Sie den Mann wieder- erkennen?— Zeugin smit großer Bestimmtheit): Jawohl.— Präs.: War es der Angeklagte Hennig, den Sie da avf der An- klagebank sehen?— Zeugin: Ich glaube ihn mit aller Bestimmtheit wiedererkennen zu können.— An. geklagter: Aber Zeugin, wollen Sie so leichtsinnig mit der Wahr- Heft umgehen?(Gelächter im Zuschauerraum.)— Präs.: Ich muß auf das allerentschiedenste bitten, sich ruhig zu verhalten. Es ist doch wahrhaftig keine Kleinigkeit, wenn sich ein Mensch wegen Mordes verantworten muß. Der Angeklagte ist eben nicht so ge- bildet, daß er die deutsche Sprache richtig beherrscht. Er wollte wohl nur sagen, daß die Zeugin sich richtig überlegen solle, was sie sagt. —- Die Z e u g i n bleibt mit aller Bestimmtheit bei ihren Angaben. Befund an Ort und Stelle. Nachdem Kreisarzt Dr. Meyer die Todesursache und die Art der Verletzungen, die bei dem Ermordeten vor- gefunden worden, bekundet hat, verteidigt sich Angeklagter gegen die Annahme, daß seine Behauptungen falsch seien. Hierüber entspinnt sich folgender Dialog zwischen dem Präsidenten und dem Angeklagten. Präs.: Angeklagter! Sehen Sic, es ist wirklich nicht glaublich, daß Giernoth, welcher ein hübscher, großer Mann war, sich von einem einzelnen anderen Mann von der Chaussee weg in die ah. gelegenere Stelle des Forstes bringen lassen wird.— Angekl.: Sie müssen doch bedenken, daß der Mann an der Hand geführt wurde und der Unbekannte mit dem Revolver neben ihm ging. Da wird er wohl von selbst laufen!— Präs.: Na, ich kann Ihnen sagen. i ch würde nicht laufen, so lange ich noch eine Hand frei habe. Denken Sie nur, was Sie alles nocl, ausgeübt habe», als Sie nur noch ein Hand frei hatten.— Angekl.: Ja, eine Menge Menschen sind doch schüchtern. Sie dürfen doch nicht vergessen, daß wir doch auch noch in der Nähe waren und leicht zurückgerufen werden konnten. Ter Unbekannte brauchte nur zu rufen!— Präs.: Man hat bei der Leiche keinen Strick�und keinen» Knebel aufgesunden. Es ist viel wahrscheinlicher, daß Sie, bei dem allein alles der Leiche Abgenommene vorgesunden ist, allein mit Giernoth gegangen sind, ihn in die tiefer gelegene Stelle der Forst geführt, dort plötzlich ihn mit dem Revolver niedergeschossen und das Sparkassenbuch aus seiner Tasche herausgerissen haben.— Angekl.: Wir kommen hier wieder zu Hypothesen I— Präs.: Tie Hypothesen, die ich hier ausstelle, sind aber wahrscheinlicher, wie Ihre.— Angeklagter: Sehen Sie, es kommt nur darauf anl Jeder macht sich von ein- und derselben Sache imnier ein anderes Bild und hält das für das richtige! Man darf doch nicht immer alles zuungunsten des Angeklagten auslegen, wenn zwei Hypothesen sich gegenüber stehen.— Präs.: Das ist alles ganz gut. Bedenken Sie aber auch, daß Sie beispielsweise eine Hypothese über den Attentäter des Herrn v. Zitzcwitz aufgestellt haben, die doch sehr in der Luft schwr'bt. — Airgekl.: Ich habe meine Vermutung schwerwiegend begründet. — Präs.: Das können Sie sich auch nachträglich auS den Notizen in den Zeitungen zurccht gelegt habe». Angekl.: Ja, wenn jede x-beliebige Hypothese hier gelten soll!— Präs.: Ihre Richter werden zu beurteilen haben, welche Hypothese die richtige ist. Ich möchte Sie noch fragen: Haben Sie dem Giernoth alle drei den Revolver vorgehalten?— Angekl.: Ja, alle drei.— Präs.: Na, dann waren Sie doch wohl bereit, ihn niederzuschießen?— Angekl.: Nein, es war bloß auf eine Drohung abgesehen.— Präs.: Also, wenn Gier- noth das Geld nicht gegeben hätte, hätten Sie wahrscheinlich gesagt: Adieu, Herr Giernoth, es tut uns leid, daß wir unsere Absicht nicht erreicht haben; nehmen Sie es nicht übel, wir wünschen Ihnen glückliche Reise. Ucberdies; Wenn Sie alle drei um den Mann herumstehen und der dritte knipst los— sind Sie dann nicht auch dem Mörder gleich zu achten?— Angekl.: Rein, es war von Anfang an ausgemacht, daß so etwas nicht geschehen soll. Kriminalinspektor Braun gibt eine längere Darstellung von den Maßnahmen der Kriminalpolizei zur Ermittelung des Mörders, die schließlich durch die Schriftver. gleichung der dem Bankier Werner gegebenen Quittung mit Schriftzügen aus den Hennigschen Akten gelang. Der Zeuge hat auch die umfangreichsten Recherchen nach der Richtung hin angestellt, ob der Angeklagte Komplizen gehabt hat. Diese sind ganz negativ ausgefallen. Im Geheimen sind alle die verschiedenen Lokale aufgesucht worden, wo der Angeklagte„ach der Tat verkehrte. Er ist aber überall allein gewesen, ohne daß ei» Verkehr mit einem anderen festgestellt werden konnte.— Angekl.: Das ist nicht richtig! Ich bin in den Winzerstuben, im Kaiser-Cafe. im Cafö Skandinavien mit Damen gewesen. Dazu kann ich doch keinen Mann gebrauchen! (Heiterkeit.)— Kriminalinspektor Braun: Der Angeklagte hat reichlich Gelegenheit gehabt, nach dem angeblichen„Franz" zu suchen. Er hat 44 Bände des Verbrecheralbums mit 20 000 Photographien durchgesehen und schließlich eine Photographie bezeichnet, neben welcher geschrieben stand:-Aus Elbing. Etwas Näheres über seine Person nicht bekannt."— Präs.: Da liegt es doch nahe, daß Sie sich gerade diesen herausgesucht haben! Angekl.: Das ist wieder eine Hypothese!. Im Automatenrestaurant? Geschäftsführer Kittauer bekundet, daß der Angeklagte mit dem jungen Mann, dem er eine Stelle verschaffen wollte, im Automatenrestaurant gesprochen habe.— Der Angeklagte bestreitet die Richtigkeit der Aussage.— Vors.: An sich ist das ja recht neben- sächlich.— Angekl.: Das wohl. Aber ich beantrage, diese Aussage zu protokollieren.— Vors.: Weshalb?— Angekl.: Weil ich die ganze Aussage als unrichtig beanstande,— Bors.: Sind Sie niemals im Automatenrestaurant gewesen?— Angekl.: Das wohl, aber niemals mit dem August Giernoth. Der Zeuge muß sich irren.— Zeuge: Das ist nicht richtig, ich bleibe bei meiner Aussage.— Die Vernehmung des Bruders des Ermordeten, des Schneiders Fritz G i o r n o t h und der Schwester desselben. Frau Rosa Bichl, bringen lediglich die Bestätigung bekannter Dinge. Beim Bankier? Zeuge B o l l h a r d t, Buchhalter im Bankgeschäft von Werner. bekundet, daß der Angeklagte am Nachmittag des 4. Dezember im Bankgeschäft erschienen sei, um auf ein Sparkassenbuch Geld auf- zunehmen. Er bezeichnete sich als Gastwirt Aug. Giernoth, der eine Damenkneipe soeben gekauft habe, und da der Verkäufer das Buch nicht annehmen wolle, Geld daraus haben müsse. Es seien ihm darauf 500 M. ausgezahlt worden, wofür er einen Wechsel ausstellen sollte. Der Angeklagte wollte zuerst nicht selbst schreiben, weil er keine gute Handschrift habe. Aer Zeuge glaubt, daß Hennig damals einen viel dunkleren Schnurrbart und stärkeres Kopfhaar als heute hatte. Denselben Eindruck hatte Bankier Werner. Uebcr die Entweichung. Zimmcrvcrmieterin Frau Echo ober hatte den bei ihr ein- logierten Angeklagten, der sich als Kaufmann Slrtur Hein bezeichnet hatte, als verdächtig angezeigt, so daß er von den beiden Kriminal- beamten, welche ihn nachher entweichen ließen, zur Wache abgeholt wurde. Ihrer Erinnerung nach hatte der Angeklagte damals einen dunkleren Schnurrbart und auf dem Kopfe vorne viel mehr Haare. Auf eine Reihe Zeugen wird verzichtet. Kriminalschutzmann P e t f ch e k wird vom Vorsitzenden darauf aufmerksam gemacht, daß er seine Slussage verweigern könne, weil er sich der fahrlässigen Gefangestetsentweichung schuldig gedacht habe. Der Zeuge erklärt sich bereit zur Zeugenaussage und schildert dw Verhaftung HennigS. der beim Weggehen der Wirtin gesagt habe. in einer Viertelstunde sei er zum Kaffee zurück. Er habe Nichts davon gesehen, daß der Angeklagte einen Revolver hatte, habe auch keine Ahnung gehabt, daß es sich um Hennig handle. Hatte er das qewnfct, dann wäre die Sache nicht so gekommen. Er habe nach allem angenommen, wirklich den Kaufmann Hein vor sich zu haben. Erkundigung nach der Beerdigung? Der inzwischen erschienene Totengräber Günther vom Glienicker Kirchhof bekundet: Am Tage der Obduktion ist ein Mann zu ihm gekommen und hat sich erkundigt, ob die Leiche in Glienicke begraben würde. Der Betreffende habe sich als Bruder vorgestellt und als ihm gesagt worden sei. daß die Beisetzung m Potsdam auf dem Sclbstmörderkirchhof stattfinde, entfernte er sich. Der ' v- r.... a<-____* r i— x&v.VT.Jk«rtvirttv» STt? />«*«£> ihn eine Zeit fällt, wo der Bruder des Giernoth noch nichts von dem Auffinden der Leiche wußte. In Stettin. Wächter Haase aus Stettin und Schutzmann Joecks be> künden die bekannten Vorgänge bei der Verhaftung des?ln- geklagten in Stettin. Schutzmann Joecks hat dabei bekanntlich einen Revolverschuß in die Backe bekommen und ist 12 Tage dienstunfähig gewesen. Er hat den Angeklagten mit seinem Stock zu Boden geschlagen. � Die ISjährige Zeugin Waldmann auS Stettin bekundet, daß der Angeklagte in Stettin während seines dortigen Aufenthalts vielfach in der Waldmannschen Restauration verkehrt habe und damals seinen Bart anders getragen habe, wie jetzt. Lluffallend war es. daß er immer in der Restauration seinen Hut aufbehielt. Der Angeklagte gibt als Motiv an, daß er schwerer erkannt sein wollte. Vernehmung des Baters des Angeklagten. Unter lebhafter Teilnahme betritt dann heftig weinend der tiljährige Vater des Angeklagten, der Invalide H e n n i g, ei» tiefbekümmerter Greis, dessen Brust eine Reihe Kriegsdenkmünzcn nnd Auszeichnungen schmücket, den Raum. Vors.: Wir können Ihren Schmerz sehr wohl begreifen. Vater Hennig. Als Vater können Sic Ihr Zeugnis verweigern. Zur Sache selbst werden Sie ja wohl wenig sagen können. Daß Ihr Sohn Ihnen vielen Kummer bereitet hat, wissen wir schon.— Zeuge Hennig Vater: Ich will keine Aussage machen.(Heftig schluchzend): Ich habe mir alle Mühe gegeben, ihn zu einem guten Sohne zu erziehen und ihm immer wieder die Hand zur Besserung geboten. Der Zeuge bittet um Entlassung, die ihm vom Gericht gewährt wird; mit ihm verläßt die Stiefmutter des Angeklagten, die bis dahin im Zuschauerraum geweilt hatte, das Gerichtsgebäude. Auf. die Vernehmung des Artisten, bei dem Hennig eine»Achn« lichkeit mit..Franz" gefunden hatte, wird verzichtet, nachdem der Angeklagte erklärt hatte, daß dieser absolut nicht identisch mit „Franz" sei. Angeklagter zurechnungsfähig? Hierauf wird zur Anhörung der Sachverständigen geschritten. deren Anwesenheit der Vorsitzende für eigentlich überflüssig bc- zeichnet. Medizinalrat Dr. H o f f m a n n- Berlin hat Hennig in Moabit von Anfang an beobachtet. Sluch er persönlich habe das Gefühl. daß die Sachverständigen heute überflüssig seien. Hennig habe sich heute durchaus logisch und redegewandt verteidigt und bis ins kleinste Detail Erinnerungsvermögen gezeigt, so daß wohl niemand hier irgendwelche Zweifel an der Zurechnungsfähigteit aufgestoßen sein dürsten; ebenso wenig ist rückweitig zur Zeit der Tat eine Geistesgestörtheit anzunehmen. Nur eine Episode im Gefängnis müsse hier noch erwähnt werden. Hennig habe es ver» sucht, den wilden Mann zu spielen. Er fing an. eine Viertelstunde lang laut um Hülse zu schreien, er gab blöd- sinnige Antworten, sprach alles nach, wußte seinen Namen nicht. Es war ganz das Bild einer Geisteskrankheit� Aber einige Momente machten uns'Aerzte stutzig. Der Pulsschlag blieb un- verändert. Alles sprach er nach, aber als wir ihm vorsagten: tennig hat Giernoth erschossen, da schwieg er und schüttelte mit dem opf.(Heiterkeit.) Ebenso schnell wie im Zuchthaus die Krank- heit gekommen, verschwand sie. Das stimmt auch nicht zu dem richtigen Bilde des sogenannten Zuchthausknalles. Gcrichtsarzt Dr. Marx bestätigt ebenfalls, daß Hennig nicht das Bild eines Geisteskranken darbot. Der Vorsitzende verliest noch eine Boschwerde, die der Slngc- klagte aus dem Untersuchungsgefängnis an das Potsdamer Land- gericht gerichtet hat. Er beschwert sich darüber, daß der Unter- suchungsrichter seine Anträge auf Ermittelung des„Franz" und sein Gesuch auf Vorlegung des Verbrecheralbums abgelehnt habe. Der Untersuchungsrichter habe ihm gesagt, es sei von oben be- fohlen worden, die Sache möglichst zu beschleunigen. Wenn er nun im allgemeinen auch nichts dagegen zu erinnern habe, wenn seine Sache beschleunigt werde, so müsse er sich doch darüber beschweren, wie er mit seinen Anträgen behandelt werde und daß mit der Absicht, die Sache so schnell wie möglich zu beendigen, die Voruntersuchung nur zum Schein geführt werde.— Präs.: Die Sache konnte ja doch bei der ganzen Sachlage schnell gehen. Die ganze Voruntersuchung war doch fix und fertig und es fehlten bloß noch S i e. �Das Verbrecheralbum wäre Ihne» schon vorgelegt worden, wenn Sie nicht den ivildcn Mann gespielt hätten.— Angekl.: Davon ist mir nichts bewußt. Die Beweisaufnahme wird hierauf ge- schloffen. Die den Geschworenen vorzulegenden Fragen lauten auf Mord in Verbindung mit schwerem Raub, ein- fachen: Raub, Urkundenfälschung. Diebstahl und versuchter Tötung. Für de» Infinit der Inserate aberuiiniut die Redakttou dem Pnblitnni gegenüber teiuerlet Vernniwortiing. Theater. Dienstag, den 1. M ai. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus, ilarm-n. Mittwoch: Die Wattür« -SVV" Mittwoch: Maria Stuart.(Anfang Deutsches. Der Kaufmann von Venedig. Mittwoch: Der Tartüff. Vorher! Die Mitschuldigen. Westen. Der Zigeunerbaron. Mittwoch: Schützenliesel NeueS. Cäsar und Kleopatra. Mittwoch: Tin SommernachtS- träum. LeCiiug. Der einsame Weg. Mittwoch: Und Pchpa tanzt.(An- sang S Uhr.) Ansang S Uhr: Schiller O. l Wallner-Theater.) lieber unsere Krast. Mittwoch: Weh dem, der lügt I Schiller Zl.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Helden. Mittwoch: Der Bogel im Käsig. Luisen. Geschlossen- Berliner. Die lustige Witwe. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Komische Oper. Figaros Hochzelt. Mittwoch: Die schwarze Nina. Kleines. Tragödie der Liebe.(An- sang 7'/, Uhr.) Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Residenz. LiebeSkunst. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Zentral. Die Puppe. Mittwoch: Die Fledermaus. LnstipielhanS. Die von Hochsattel. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Drianon. Loulou. Mittwoch- Dieselbe Vorstellung. Thalia. Hochparterre links. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Rtrtropol. Aus inS Mettopol. Mittwoch! Dieselbe Vorstellung. Deutsch> illmerttanisches. Arme Mädchen.,_ Mittwoch: Dieselbe Borstellung. Kasino. Madame Bontvard. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Die amerilanischc Burlesk. Compagnie. Vorn und hiuten. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Carl Weifc. Sherlock Holmes Abenteuer. Falles(kaprice. Komiker Schnitzel. Dalle« u. To. Speztaiüäten. Wintergarten. Spezialttälen. Belle-Alliance. Spezialttälen. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Tanbeuftrahr Abends 8 Uhr: Aus dem Innern Ostasrita«. Mittwoch 8 Uhr: Neapel. Sternwarte, Am von Soll Invalid eostr. 57/62. FerdinaiKl Bonns Berliner Theater. Ansang T'/j Uhr. Gastsp. des Neuen Operetten-TheaterS aus Hamburg.(Dir. Max Montt.) Unter persönl. Leitung d. Komponisten. Zum erstenmal: Die lustixe Witwe. Operette von F. Lehär. Mittwoch: Die lustige Witwe. Neues Theater. Ansang 7ll, Uhr. Caesar und Cleopatra. Mittwoch: Ein Sommemachtstraum. Donnerstag: Caesar und Cleopatra. Freitag: Ein Sommernaclitatraum. Kleines Theater. Zum ersten Male: Tragödie der Liebe. 4 Akte von Gunnar Heiberg. Ansang 7lJ, Uhr. Mittwoch: TragSdie der Liebe. Zentral-Theater. (Operette.) 8 Uhr: Die Puppe- Mittwoch halbe Pr.: FledermaiM. Komische Oper. Dienstag, den I.Mal, abends 8 Uhr: Figaros Hochzeit. Mittwoch: Die schwarze Nina. Donnerstag: Don Pasquale. Lustspielhaus- Allabendlich 8 Uhr: Die von Hochsattel. Residenz-Tlieater. Dirchtlon: Richard Hlcjcandcr. Heute zum 4. Male: Morgen und folgende Tage Ans. 8 Uhr Liebeskunst. Komödie in 3 Alten v. Leon Tanros und Michel Carrs. Hetropol-Theater Anfang 8 Chr. ......- in's........... QroCe Jahresrevue mit Gesang u. Tanz in 9 Bildern v. Jul. Freund. Musik von Viktor Hollsender. Raaohen überall gestattet. Urania JrÄ Abends 8 Uhr: Aus dem Innern Ostafrikas, Mittwoch abend 8 Uhr: Am Golf von Neapel. Sternwarte ,flya,ideB str. 67/62. V. Noaeks Theater. Dtrettion: Rod. Dill,«rumienftr. 16. Heute geschlossen t Nächste Extra-Vorstellung: Sonnabend, de» 5. Mai 1906 s Die Stiefmutter. Lebensbild in 3 Akten v. R. Benedix. Vorher: Die Dheaterprtnzesstn." Varl Velk- Theater. Gr. grantsurterftr. 132. Abends 8 Uhr: Sherlock Holmrs' Abenteuer oder: Die Jagd ums Leben. Englisches Sensations- Schauspiel mit Gesang und Tanz in acht Bildern Deutsdi-Amiirlkafllsclies Theater. Köpenickorstr. 67/08. Jeden Abend 8 Uhr: Arme Mädchen. Von Adolf Philipp. Fröbels Allerlei-Theater Schönhauser Allee 148. Jede« Sonntag 4 Uhr: JW Garten-Konaert-MW Theater, Spezialitäten Im Saale Extratanz. Gr. Tanzmusik. Bei ungünsttgem Wetter Vorstellung im Saal. Kasino-Tkeater Lothringerstr. 37. Täglich 8 Uhr. Madame Bonivard. — Borher das bunte Programm.—- „Siuftvögrlcheu- jc. Sonntag 4 Uhr: vis Herren Söhne, Trlanon-Theater. Anfang 8 Uhr: XiOOloa. Noll III er-Theater. Schiller-Thealer 0.(äBnaneivJhfntcr). Dienstag, abends 8 USr: Heber unsere Kraft.(2. Seit.) Schmiwiel in 4 Anfz. von Björnstierne Björnson. Mittwoch, abends 8 Uhr- HVeb' dem, der lügt. Donnerstag, abends8Uhr: Helden. Schiller-Theater N. tFriedr.-Wilh.TH.) Dienstag, abends 8 Uhr: Helden. Komödie in 3 Aufzügen von Beniard Shaw. Deutsch v. Siegsried Trebitjch. Mittwoch, abends 8 Uhr: Her VokvI Im Käfig. Donnerstag, abends8Uhr: Der MilltUrstaat. (Station Zoolog. Garten), Kantstr. 12. Dienstag: 24. Borstell, im Diens tags-Abonnemenr in erster Besetzung: Vor?!geunerharcn. Bolkstüml. Pr. Anfang 8 Uhr. Mittwoch nachm. 3 Uhr: Opern- Aufsührung des Eichelbergschen Kon« servatoriums. Abends 8 Uhr: Schütreiilieeel. Fritz Werner a. G. Volkstümliche Preise in erster Besetzung. Donnerstag: vnllme. Volkstum- liche Preise, in erster Besetzung. Passage-Theater. Anfang 8 Uhr. Heilte Preiiere! Das neue Mai-Programm. 1 4 erstklassige Spezialitäten ■ww www www »wwwww,> Folies Caprice jBiidapester Possen-Theater J Linlenstr., Ecke Friedrichstr. Dalles& Co. Vorher: ilomikerSchnitzeLl |Anf. 8Uhr. Kasse d. ganz. Tag! I geöffnet. Vvrvrrk. b. Werlheim. I Apollo-IltöglOT. Novität! Gastspiel der Novität I W. B. Urabtree. Vorn und Hinten. Burlesk-Pantomime in 3 Bildern. Außerdem Hobnt» von 10 neuen erstklassigen Spezialitäten. Nächsten Sonntag nachm. 3 Uhr er« Mäsjigte Preise: Cr. Familisn-Vorst. Reichsiiallen. Stettiner Sänger. Zum Schlusj: Einquartierung. Mllit.Hum. von Meysel. Ansang Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. SanssoueUtÄ Dir. Wilhelm Reimer. Sonnt., Moni., Donnerst.: HofliuaniiK Norddeutsclie Sänger und Tanzkränzchen. Sonnt. Bg. ö, Wochent. 8 U. Ken t Ken! Die Muhrsageriu. Neueröffnet! Welt-Aossteiags- Biograpli-tst. uur.) Theater lebender Photographien mit aHweeMmL ilmonnitätefl-Pföiir. Neu I Die Hungerleider. Neu I Soziales Bild aus dem Leben. Den ganzen Tag Vorstellung. 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Todcs-Auzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß Kollege Gustav Valerius, Turinstr. 25, an der Proletarierkrankheit ver- starben ist. Ehre seinem Zlndenken! Die Beerdigung findet Diens- tag, den 1. Mai, nachmittags 3'/, Uhr, von der Halle des Johannis-KirchhoseS in'Plötzensee aus slalt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 1571b Der Vorstand. E>«ßsBr>kSiftsn! Will die Planierung meines etwas hügeligen Grundstückes in Marien- dorf, zirka 1 Morgen, im Pauschale an Schachtmeister baldigst vergeben. Offerten an Fink, Bergmanh- straste 103. 15606 ' Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters Gnstav Bcnsch sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere demHerrn Stern sowie dem Gesangverein, dem Verband der städtischen Arbeiter und den Mit- gliedern de? Wahlvereins des 596. Bezirks unseren herzlichsten Dank. Wwe. Anna Bcnsch 1577b nebst Kindern. Kranz- und Klnmenblnderei von Rodert Meyer,. nur Mariannen-Straße 2. .(MarseiIlaise"-Bierkrug, -Liter, Stein bemalt, Kunstgußdeckel mit 3 Porträts erster Führer und Devise, hochfeines Zier- nnd Ge- brauchsstück. h Mk. 4,—. Packung frei. Gravierung billigst. J. See- staller, LoudSberga.L.(Bayern) Jlnswaliine- von heute an bis Pfingsten. l�©CS©i*tVOtSC]Hl� dunkle oder gestreifte, früher M. heute M. �".SS netto früher M. �.05, heute M. �,50 netto früher M. �t.SO, heute M. �",00 nötto Blaue Monteur-Röper-Jaeken u. Hosen früher Stück M. ratis �.40. heute M. � SV bunte eine Weste erhält jeder Käufer beim Einkauf eines Anzuges oder A A A A PaletOtS A A A A von 18 M. an netto. itnerikanische VerkaufsMen Rosenthalerstraße 53 Frankfurter Allee 186 Ecke der Weinmeisterstraße. Ecke der Weichselstraße. Dank. Für die mir aus Anlaß meines sechzigsten Geburtstages aus ParteiKreisen erwiesenen Ehrungen und Glückwünsche sage ich hierdurch meinen aufrientigen Dank. W. Bock, Gotha. Sozialiiemokrat Wallwreln f. il.UerLRelElista[|s Wahlkreis! (Landsberger Viertel.) j Todes- Anzeige. Den Mitgliedern hiermit zur! Kenntnis, daß unser Genosse, der! Posamentier Hermann Tetiert gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 1. Mai, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- halle'des Markus- Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 243/3 Der Vorstand. Posamentiere! Deutscher Textilarbeiter- Verband, Hiermit allen Kolleginnen zur unser Kollege Kollegen Nachricht, und! daß I Hermann Teuert verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 1. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle in Wilhelmsberg aus statt. 197/6 Bei- Vorst nnd. Wdemokratiseher Agitationsklub Osten.! Ige r Nachricht, 181d. Bezirk. Todes- Anzeig Den Mitgliedern zur daß unser langjähriges Mitglied, I der Posamenttercr Hermann Teuert gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute! Dienstag, den t. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Markus-KirchhoseS in Wilhelms- berg aus statt. 1581b! Zahlreiche Beteiligung erwartet! Der Vorstand.' BuÄIdemteßzlE#�!!! des 6. Berler Wahlkreises. TodeS-Anzeige. Den Genossen zur Nachricht, daß am 23. April unser Mitglied, der Maurer Erast Obst (Tresckowstr. 14) verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 2. Mai, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause aus auf dem Friedhof der Zions- gemeinde in Niederschönhausen- Nordend statt. Um zahlreiche Betelligung ersucht 248/5 Der Vorstand. Freie Pereimguug ! der Maurer Deutschlands.! Ortsverein Verlin. Todes- Anzeige. Am 28. April verstarb unser Mitglied Ernst Obst. Zahlstelle Nordost. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, de» 2. d. Mts., nach» mittags 4 Uhr, von der Tresckow» straße 14 nach dem ZionSttrchhos in Nordend statt. 129/17 Um rege Beteiligung erfucht Der Vorstand. Deutscher iMetallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, | daß unser Mitglied, der Arbeiter Bruno Grützner | verstorben ist. Ehre seinem Andenken k l 118/2 0!« Ortsverwaltung. 1038L» J Banksagung. Hierdurch sagen wir allen Per- wandten und Bekannten, dem Verein und Kollegen unieren herzlichsten Dank für die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung meines geliebten Mannes und unseres Vaters. 53/2 Die trauernden Hinterbtiebeneu Frau Tselrner und Kinder. iSozialfleniokpatiseliBr Wahlverein für den Bezirk | Rummelsburg. Den Mitgliedern zur Nachricht, I daß unser alter, braver Partei- | genösse, der Klempner FauD Oebauer | am 29. April verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Mittwoch, den 2. Mai, nachmittags um 5 Uhr, vom Trauerhause j Wilhelmstr. 6 aus statt. Um rege Beteiligung bittet Ter Vorstand. liipeiiis Kranken- und Sterhekasse der Metallarbeiter E. H. 29. Hamburg. Filiale Riimmelsburg. Todes Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Klempnermeister Paul Gebauer| am 29. April nach kurzem schweren Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. Mai, nachmittags 5 Uhr, vom Sierbebause, Wilhelm- straße Nr. 6, ans statt. Um rege Beteiligung ersucht 118/1 Bio Oetsvoewaliung. Todes- Anzeige. Den am Sonnabend, abends 7 Uhr erfolgten plötzlichen, schmerz- losen Tod meines innigstgeliebien -Mannes 15796 August Bredikow zeige ich hiermit tiesbetrübt an. Angnste Brcdikow geb. Poggenpohl. Die Beerdigung findet amU Dienstag, nachmittags 4 Uhr, von{ der Leichenhalle des Tgomns- Kirchhofes, Rixdorf, Hermann- straße aus statt. E. H. Vo. SO. Unser Mitglied Oskar Bredikow, zuletzt Britzerstr. 46 wohnhast, ist am Sonnabend im 62. Lebens- jähre gestorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung erfolgt am i Dienstag, den 1. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des St. Thomas-Friedhoses, Hermann- | straße in Rixdorf. Um zahlreiche Beteiligung der Mitglieder ersucht [ 198/13 Ber Vorstand. Zentralverband der Schuhmaclier Deutschlands,! Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Am 28. April verstarb unser• Kollege Rudolf Torge Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am j t. Mai, nachmittags 5 Uhr, von z der Leichenhalle des Friedhofes' in der Maxstraße, Schönebera. i aus statt. 169/13 vis Orlsvscwaliung. Deutscher Metaliarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Arbeiterin Berta Winter gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung sindet am! Mittwoch, den 2. Mai, nachmittags 4 Uhr,»on der Leichen« halle des Dankes-Kirchhoses in( der Müllerstraße aus statt. Rege Beteiligung erwartet Bis Ortsvcrwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. De» Mitgliedern zur Nachricht, daß der Tischler, Kollege Frame George am 29. April verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 3. Mai, nach- mittags S'lt Uhr, vom Trauerhause, Tempelhos, Berlinerstr. 161, aus nach dem Tempeihoser�Ge- meinde- Friedhose, Britzer statt. Um rege Beteiligung ersucht 84/9 Di» Ortsvarwaltung. Preise• beliebige Tel!« zahluug. OlBa Jacobson,.SÄ verantloortlichcr Redakteur! Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil vermtw, Btlflidruckerei u. BerlagSanjtatt gSoul Singer& Co., Berlin m. Nr. 100. 23. JalMttg. 3. KW des Jutmirtf Krim KillsbiM Dienstlig, l Mai 1906. Elve ionfftfii] der Meldentschen Krannkahlen- Kergleute {aftd am Sonntag in Halle statt. Anwesend waren die V e r- retvr der Belegschaften der in Frage kommenden Berg. reviere sowie die Vertrauensleute deS Bergarbeiter- Verbandes. Der Hauptvorstand des Verbandes ist vertreten durch den Redakteur Pokorny und Hauptkassierer Horn. Ferner sind die Gauleiter L ö f f l e r und Dolle, die Beamten des Zweigbureaus Zwickau und das Vorstandsmitglied Kautzsch anwesend. Einziger Gegenstand der Tagesordnung war:„Der Streik der mitteldeutschen Braunkohlenbergleute." Die Mitglieder der Lohnkommission bilden daS Bureau. An- wesend sind ferner je ein Vertreter des Verbandes der Maschinisten und Heizer sowie der Metallarbeiter. Zur Schilderung der Lage »rhkttr das Wort: Pokorny: Redner ersucht zunächst, davon Notiz zu nehmen, daß die Zahl e>n der Streikenden, die die bürgerliche Presse angegeben hat, erstens zu niedrig angegeben sind, daß ferner diese Zahlen gegenüber denen der Gesamtbelegschaft scheinbar in keinem Verhältnis stehen und doch zirka 80 Proz. der e i g e n t- l i ch e n Bergleute ausmachen. Er stellt fest, daß der Durchschnitts- lohn bei 306 Schichten jährlich in den letzten S Jahren um 20 M., auf 959 M. gestiegen ist. Wenn im Durchschnitt für jeden Arbeiter bei über 8000 Krankheitsfällen 14 Krankheitstage von den verfahrenen Schichten in Abzug zu bringen sind, so folgt daraus, daß jene 300 Schichten nur erreicht werden konnten durch ein nie dagewesenes Ueberstundenunwesen. Der Wert der Mehrleistung der geleisteten Arbeit betrug pro Kopf über 500 M. gegen- über der vor fünf Jahren. Die Rentabilität der Werke ist über alle Maßen günstig. Die Dividende der einzelnen Ge- sellschaften beträgt im Durchschnitt über 10 Proz. bis zu 30 Proz. hinauf. Die Löhne sind zwar nominal gestiegen, im Verhältnis zu dem realen Werte derselben gefallen, die Lebenshaltung der Arbeiter hat sich seit 1900 fortgesetzt verschlechtert. Diese Tatsache war die Vorbedingung für den eingetretenen Streik. Redner kommt auf die Konferenz vom 4. März zu sprechen, betont die Oeffentlichkeit dieser Vorverhandlung, konstatiert die Teilnahme von 25 Vertretern des Gewerkvercins und weist den Vorwurf der„sozialdemokratischen Mache" entschieden zurück. Er betont ferner das Ziel der Gewerkschaftsbewegung: Aus einem Arbeitsverhältnisse deS absolutistischen Regimes ein solches des K o n st i t u t i o n S r e g i m e s zu gestalten. Die öfter- reichischen Bergarbeiter haben bereits die Neun- stundenschicht erreicht, sie ist gesetzlich festgelegt. Die Arbeitsordnungen haben auch einen guten Teil dazu beigetragen, daß sich die Lage dermaßen verschärft hat. Der§ 7, welcher Ueberstunden unter Tage bis 8 Stunden, über Tage bis 15 Stunden vorschreibt, steht in der Geschichte der Arbeiterverträge einzig da. Wir fordern die Lohnerhöhungen, Mindestlöhne, Abschaffung der Frauenarbeit usw. nicht als Sozial- demokraten, sondern als Bergarbeiter; wenn die sozialdemokratische Partei als solche sich mit diesen Forderungen gewissermaßen identifiziert, so ehrt dieser Umstand diese Partei nur. Die Unfall- und Lohnfrage stehen im Bergbau in engster Ver- bindung mit einander; wenn% aller Unfälle auf Stein- und Kohlen- fall zurückzuführen sind, so beweist das, daß die Arbeitsbedingungen. Löhne usw. so schiebt sein müssen, daß die Sicherheit der Baue darunter leiden mu�.„Humane Behandlung der Arbeiter durch die Beamten!" Das müssen Taufende von Arbeitern als For- derung erst'aufstellen, um die Erfüllung jener Forderung müssen sie erst einen erbitterten Kampf führen. Diese eine Tatsache kennzeichnet den ganzen Zustand der mitteldeutschen Braunkohlen- reviere. Pokorny geht ferner auf die Arbeiterausschüsse ein, weist darauf hin, daß mit diesen Leuten, weil sie zum Teil Streikbrecher geworden sind, nicht verhandelt werden kann, weil es Ehrensache der deutschen Arbeiterschaft ist, mit Streikbrechern nicht zu paktieren, dieselben nicht zu Vertretern von Forderungen zu machen. Eher wird der Kampf bis zum Weißbluten geführt, oder auch abgebrochen und zu geeigneter Zeit wieder aufgenommen! Die Unternehmer haben eine Anzahl Antwortschreiben gesandt. AuS dem Verlesen dieser Schreiben geht hervor, daß die Unter- nehmer Verhandlungen wünschten, daß sie nur mit dem Wege, der einzuschlagen sei, sich nicht im klaren befinden. Redner schließt mit der Versicherung, daß er alles vermieden habe, was geeignet sei, Verhandlungen zu erschweren. An den Arboitern soll es nicht liegen; sie werden ihrerseits alles tun, um den Frieden herbeizuführen! In der Diskussion erklärt Niehl von den Maschinisten und Heizern, daß sie durch die Verhältnisse in bezug auf Lohn- und Fragen der Arbeitszeit usw. gezwungen gewesen seien, die For- derungen der Bergarbeiter mit zu den ihrigen zu machen, und so seien sie in wohlverstandenem Interesse mit zu den Ausständigen gestoßen. Der Vertreter der Metallarbeiter legt die ungünstigen Verhältnisse in den Reparaturwerkstätten der Gruben dar. Löhne von 25 Pf. pro Stunde sind für Leute, die eine vierjährige Lehrzeit hinter sich Klben, keine Seltenheit. Es ist vorgekommen, daß Leute über 90 Stunden pro Woche gearbeitet haben. Da aber in den Arbeitsordnungen nur eine Ucberarbeit bis 15 Stunden die Woche zugelassen ist, so wird diese gesetzwidrig geleistete Mehrarbeit als Akkord berechnet und gleich bezahlt. So werden selbst so rigorose Bestimmungen der Arbeitsordnung wie der 8 der bis 15 Ueberstunden zuläßt, noch umgangen! Redner geißelt weiter die sanitären und sonstigen Zustände in den Baderäumen der Gruben und der Werkstätten und, schließt mit der Versicherung, daß die Metallarbeiter Schulter an Schulter mit den ausständigen Berg- arbeitern aushalten würden bis zum Ende! Die Nachmittagssitzung findet im B e l l e v u e statt, da sich das erstgewählte Lokal für die Tagung der von Hunderten besuchten Konferenz als viel zu klein erwies. Kriefkaften cler ReclaKtton. — 0001. Durch chemische und physikalische Vorgänge.— C. R. 1900. Ja.— I. F. Die Einwilligung ist nicht crsorperlich. Wenden Sie ssch an die Schuldeputation unter Vorlegung des Sachverhalts.— W. P. 100« ES genügt Ihre Erklärung. Vielleicht nehmen Sic mit Stadtverordneten Hoffmann, Blumcnstr. 14, Rücksprache.— R. M. S. Wenden Sie sich an den Zentralverband der Maurer.— Für Ocsterreichrr. Nein.— H. W. 32. Eine Klage aus vollen Schadenersatz hat Aussicht aus Erfolg. Für Beträge bis WO M. ist das Amtsgericht, für höhere das Landgericht zuständig.— O. P. Rehnsdorf. Die Klage wäre nicht ganz aussichtslos. Wenden Sie sich an das Arbeitersekretariat.— R. W. 1. Ja. 2. Beides. 3. Einspruch.— N. 91. 40. Lehnen Sie Zahlung ab und lassen es aus eine Klage ankommen.— B. S. 43. Ohne Einsicht in die Polize und die in derselben erwähnten Papiere(«tatut, Vertrag) nicht zu beantworten. -- M. 3. 32. 1. Etwa 25 M. 2. Das kann als Scheidungsgrund anerkannt werden. 3. Wenden Sie sich an einen Verbandskollegen des Mannes.— R. B. Sicher mehr als 5 Kilometer. Die genaue Entfernung würden Sie wohl aus dem Gcmeirrdebureau erfahren.— Rote 23. Leider steht Ihnen ein Anspruch nicht zu, da die Mitteilung vom 17. Februar als rechtzeitige Kündigung aufgcsaßt wurde.— M. D. 103. Die Erben haben das Recht bis am 3. des aus das Sterbequartal folgenden Tages zum Ouartalsschlusi zu kündigen. Ist der Tod im April erfolgt, so kann also bis am 3. Juli zum 30. September der länger lausende Verwag gekündigt werden.— M. H. Die Auskunst des'Anwalts trifft zu.— Rechts- anwalt kl. 1. Ja. 2. Die Kosten richten sich nach der Höhe deS Objekts. 2. Für beide.— O. V., Oppelnerstraffe. Das Amtsgericht Alt- Landsberg ist zuständig, weil in dessen Bezirk Ihr Schuldner wohnt. — Louis B., Rixdorf. Ohne Darlegung des Sie betreffenden Falle» ist Ihre Frage unverständlich.— Koivalski. Ihrem Sohne steht ein Rechtsanspruch leider nicht zu, weil er noch nicht fest angestellt war.— F. 3. 506. 1. u. 2. Nein— Oster. Es müssen insgesamt 200 Wochen leinlchließlich der Krankheitswochen) vor eingetretener Invalidität nach- gewiesen werden.— Bnchbinder. Wenden Sie sich an eine Buchhandlung oder an eine Lederwarenhandlung.— A. X, 123. Leider hätte eine Klage wenig Aussicht aus Erfolg.— 3. F. 112. 1. bis 3. Leider würden Sie lediglich eine lvenig aussichlsvollc Klage auf Abstellung der Mängel an- strengen können. 4. Nein, vielleicht mit Ausnahme des Spiegels.— A. F. 23. Wenn Sie keinen Widerspruch erheben, wird der Zahlungsbcsebl vollstreckbar. Waren Sie bei Wschluff des Vertrages volljährig, so würden Sie zur Zahlung verurteilt werden und durch den Widerspruch nur Zeit gewinnen. D. H. 17. Die Kinder erben, falls kein Testament vorliegt,'l, des Nachlasses.— Borbedacht, M. B. 223. Nein.— 3torm. Das wäre leider nicht möglich.— O. W. 7. Der Staat hindert keinen Pastor zu heiraten. Die katholische Kirche will nur unbeweibte Pastoren haben.— A. 73. Sind Sie großjährig, so sind Sie an den Vertrag gebunden und werden eventuell verurteilt werden.— W. 3. Wir werden diesem Wunsche nachkommen. — Ruminclsburg 100. Nach Ansicht der Militärbehörde ja.— F. III. Geburtsurkunde und Militärpapiere sind sür die Heirat eines Volljährigen ausreichend.— Willy 3. 14. Wenden St« sich an dt« fiädttschen Hand» werker- und Fortbildungsschulen. WttternngSübersicht vom 30 April 1000, morgen» 8 Uhr. Slationen Swincmde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien L a ■s 3 i* C B K— 5 3 s s Wetter 74�SSW 751 WS® 749 WNW 752 SW 753 NW 750 WNW I 3Rcgen 2Regen 3 bedeckt 3 bedeckt 4bcdcckt 5 wolkig s gi SÄ f" S? M»Q Stationen - i 1- S c B B «— s.? aparanda 7K2S Petersburg 763 D Scilly 'Aberdeen Paris 750 N 752 WNW 749 SSO w«Ue, 2NebeI Iwolkenl 7wolkig theiter llbedeckt «s« SÄ w M iO Wetter-Prognose für Dienstag, den 1. Mai 1000. Kühl und veränderlich, vorherrschend wolkig mit leichten Regensällen und schlvachen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. BAEB SOHN Spezial-Haus grössten Massstabes. � Chausseestrasse 24a/25« 11 Brückenstrasse 11• Gr. Frankfurterstr. 20. Friedricbsberg. Frankftirtep Fernsprecher Nr. 8. Chaussee 5. Restaurant und Fostslile. [ Jeden Sonntag: Ol'. Bali""'�Sgerf�"| Jeden Bllttwoch: Kuntoristisehe Soiree der Willy Waide-Sänger. siach bet�: Familien-Kränzclien. x ÄÄ?| Vornehme, solide Rehr. Arnhold. Massanfertigung.. 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Sanssouci, Kottbuserstraße 4 a. Joels Viktoriagarten, Treptow, Köpenicker Landstraße. Ludwigs Parkrestaurant, Köpenicker Landstraße. Schweizergarten, Am Königstor. 6. Wahlkreis: Fröbels Allerlei-Theater, Schönhauser Allee 143. Julius Wernau, Schwedterstraße 23/24. Ballschmieder, Badstraße 16. Bernhard Rose-Theater, Badstraße 53. Marienbad» Badstraße 36. Bockbrauerei(frühere Norddeutsche), Chausscestraße 53. Feldschlößchen, Müllerstraße 142. Moabiter Gesellschaftshaus(Peters), Wiclefstraße 24. Patzenhofer(früher Ahrends Brauerei), Turmstraße 26. Kronenbrauerei, Alt-Moabit Nr. 47/49. Referenten: Elnirich, 6d. ßernrtein, Bloch, Oavidfobn, Ofiwelt, Richard fifther, Giebel, Grunwald, Dr. Rerzfcld, Rctzfchold, Kloth, Koblenzer, Lcdcbour, Lefcbc(Altona), Molhenbuhr, Müche, Robert Schmidt, Singer, Stroebel, Weber» Mietenthal. Wahlkreis TelwW Keeskom Ktorkaw Charlottenknrg. Nachmittags 4 Uhr. Maifeier in Wöllsteins Lastgarten. AK-Glienicke. COM Sa««- Abends 8»Hr. Referent Genosse Nods. Drifr Vormittags 10 Uhr. Lolal Landhans, Chausscestr 06. Nefei'cnt: Dr. Borehardt. öl IIa. Abends s„ Bnschkrng, Ruiwwerstr. 51. Cbaplollenirarg.«•*-««««• SjSä.SS"1" 3 „ Schulz, Kaiser Friedrichstraße. Eichwalde. Nachmittag« 2 Uhr. Lokal Hankels Ablage. Reserent: Genosse Konzc. Cniarlonnii Vorm. 10 Uhr. Lokal«esellscbattsliaus, Rheinflratze. Res.: Gen. Kasuar. r riCUCllaU. Nachmittags., Grabe, Kaiser-Allee 85. Gr.-LiChteFfelde. Vorm. 10 Uhr. Lokal Reisen, Chausseestr. 10. Res.: Gen. Sllcthhc. Johannisihal-Niederschöneweide-Rudow. iie����eu�ibe®(c&ÄeS Stcs.: Gen. John. Nachm.: Maiseier in Johannisthal(Linderhos). Res.: Gen. Diesner. ITKnonlpIr Vormittags 10 Uhr. Lokal Stadttheater. Referent: Genosse Hammachcr. KU|IClllbn. Abends.„„ Soimcnbarg. Königs-Wusterhausen. 32�mitta39%%cm:ort""II5u"chke(�icictle,J,nc)- Mariandnpt Vormittags 10 Uhr. Lokal Borgfcldt, Feldstr. 44. 1 Res.! Gen. Rartmann. fflarieuuuri. Mmds s„ � so. d»./.,»tuie. Kowawes. BmmiUag, 10 Uhr- s Berfammlttttgen. t Nes- Gen Uirtlapk Nachmittags. Vereinsbrauerei und »lAUUtl.. Roppes Vestshle, Hermannstraße 4S/4S. ÜPtintanf oncknrk Vorm. 10 Uhr. Lokal Sanssouci, Ruhlaerstr.20/21. 1 Ref.:®cn. Schneider, aeüfflaryeuuün.«dendss„ d». d»./..»r. vobn. ?nhnnnhann Vorm. 10 Uhr. Lokal vbst, Memmgerstr. 8. Referent: Genosse Rieger. �CUUIlCuCiy. Maifeier im selbe» Lokal. Festrede 8'/, Uhr. Referent: Genosse Angnstin. vtanlit, Nachmittags! Maiseier m Rirkena-NIdcben. iSlvyUlk. AdendS: Versammlung un Restaurant Scboilhanse. ISiloW. Vormittags 11 Uhr. Referent: Genosse Wllke. Treptow-BaumscbnlenweB. iSSÄ"?.K" SÄ' SSSÄS: Wannenn Vormittags 10 Uhr. Lokal Bayrischer Hot, Glienickerstraße 10. « dlllloCv. Reserent: Genosse Hctzschold. Wilmersdorf. Vorm. 10 Uhr. Lokal Wllhelmshot(Gchöneberg). Res.: Gen. Roeske. lohlnnilnnl Vorm. lOUHr: GcwerkjchastS- und Partewersammlung im Neuen Gesellschaftshaus. tbClllClUlUl 1. Eitel Fritzstr. 12. Referent: Gen. Vachs. Nachmittags: Maiseier im selben Lokal. ZOSSeU. Mittags 1 Uhr. Lokal Schimbe, Barutherstr. 51. Res.: Gen. Dr. Bosenberg. Wahlkreis Uiederlmrnim. Donnen Vormittags 11 Uhr: Versammlung im Llysium. Referent: Genosse Hegge. Dvl linll. Nachmittags 8 Uhr: Maifeier im Schtttzcnhnnse. Dnlrnor Vormittags 10 Uhr: Versammlung Im Degebrodt'schen Lokale. Ll nUvt. Nachmittags 2 Uhr: Maifeier im selben Lokale. I IpIltonllOpn rmokil'ipilvIlOI'n Vormittags lO Uhr: Versammlung in Arnbolds ktteinenverg-I'rieln'lCllSoerg.„Scb�ur-cu Adler". Res.: Gen. Jacobson. Nachmittags 4 Uhr: Maifeier im selben Lokale. MeSrieiiKeiae. ,0 ÄÄ"tehoi>et Nachmittags 4 Uhr: Gemeinsames Beisammensein am Wald« bei Graba. KanallUrot. Prinz Adnlbertstraß«.— Abends 7'/, Uhr: Bersammlnng bei Rapsch(„Wald» schtinke"). Referent: Genosse Sttlkmer. Mahleilnvf VonniitagS 10 Uhr: Versammlung in Hamanns Gesellschanshans in InilllloUuri. Aanlsdorf.— Nachmittags 4 Uhr: Maifeier bei Wernlcke in Mahlsdorf. (•Horirinhehonan Vormittags 9 Uhr: Versammlung\ im Restaurant„Riakeller*' rneoneasnagen. Abends 8 Uhr: Versammlung/ Friedrichstraße 97. Waidmannsiusl. Nachmittags 4 Uhr: MaUeier�.�m Vorsthans(Dimke, in Tonol Vormittags 10 Uhr: Versammlung bei Kllppenstnin. Reserent: Genosse Slllier. 1 Cy vi. Abends 8 Uhr: Maifeier w Trapps FestsOlea, Ähnhosftr. 1. Ref.: Gen. P. John. Ober-Schöneweide. Nachm. 4 Uhr: Maifeier im Schloßpark WUhelmlnenhof. Pfllllrnw S0l,m' 10 Uhr! Versammlung bei Roczyckl, Kreuzstr. 4. Ref.: Gen. Wermntb. yttllhUR, Nachm. 5 Uhr: Maifeier im„Rarkilrstcn", L'bcrsbacb, Berlinerstr. 101. Nieder-Schönbausen. Nachmittags 4 Uhr: Maifeier im„Sehvarsen Adler". Keinickendorf-Ost. Bei Ramlosr(früher Abraham). Schönhol, erftr. 14. .Vod Versammlung abends 8 Uhr. bei Franke, Eichbornstraße 18. ,, nvöl. Reserent: Hesse. Willielilisruh®er3?","t""Vüdbä 8 �„Panllnenane», Hauptstraße. Rummelsburg.!»'Ä.> N ÄÄ."1 RBderstorf. SS,'.'ZK: Reueubugeu-kreSersiturl.<�o etnolon Nachmittag» 4 Uhr: Maifeier im Restaurant„Perle", M-Stralau 21. öiraioU. Referent: Genosse Wollhelm. Veißensee. SSS'.° Z;!«?&"»...)»i.-«m. ßmleuburg. nknds�üh,.�' t ,.,.1.�/�-»«,,. sc I s,. Mliblenbeck. UL!U l Z\ SS! Wllbelmsberg.»■ Achtung, Gewrrkschnste»! Oeilentliehe Mai-VersamtnlnnDen am Vormittag des 1. Mai. Sämtlieke Versammlungen finden mit Biilfsarbritern und grauen statt. Die Tagesordnung in sämtlichen Versammlungen lautet: Lie beckeutung 1. Di unä ckv Wahireebi der Arbeiter. Bekleldniigs-Indiistrie. Referent: Frltü Knoop. yilels o-f. wyi- uci uiumc, hiib jäHuusir. i ib.—.«.rtimuüEucr, asaiojCDvancgt, äuiniuajci;, 11 gehen direkt in die Gruppenversamntlung.— Nachmittags Nnschlub an die Partei. Grnppcnversanimlnng bei lllbrlch ffr. Fiebig), Gr. Frnnkfurterstr. 38, vorm. 10 Uhr. Treffpunkt der Ttickereibranche, 8>/z— g Uhr bei Engel, Seytfelstr. 30.— Treffpunkt der Posamentiere, Uhr bei Stumo, Alte Jakobstr. IIS— Textilarbeiter, Wäschebrauche, Hutmacher, Färber, Kürschner, Dekateure usw. Handels-, Transport- n.»erkelirsgewerbe.»-iNSÄHtNlU?. Referent: P. Ebort. HandkunaSgehülsen und Gchülsinnen, Burcau.ülnaestellte, Kausleute, HandelShülsZarbetter, Geschäfts-, Arbeits. und Droschkenkutscher, Lagerhalter, Fensterputzer kommen im Versammlungslokal zusammen. teiterserliSlbAuer, Speichereiarbeiter. Sektionen des Z.-V. d. H.- u. T.-Arb. in Franken FesfNblen, Zrbasttanstfanc 39, vormittags 10 Uhr. Reserentin: Frau F. Vbiecke. BoIsarkSitS»'. Referent: Reichstagsabgeordneter v. Eeekebonr Gruppenversammlung:„Zke�e �H'elt". Hasenheide Nr. 108—114, vormittags 10 Uhr. Die Mitglieder der einzelne» Branchen treffen sich um 8 llhr morgen? in folgenden Lokalen__ Klavierarbeiter bei Möhrlng, Admiralftr. 18c.— Jalonsiearbriter bei Friedrich, Prinzenstr. 9.— Ztockarbciter bei Bareim, Brandenburger Ufer 6,— Modelltischler bei Schmidt, Gartenstr. 6.— Rahmenmacher bei Stramm, Ritterftr. 123.— Kammacher bei Krause, Adalbertstr. 59.— Perlmuttarbeiter bei Komnik, Köpenickcrstr. 34.— Bürstenmacher bei Lindemann, Morttzstr. 9.— Kistenmacher bei Baudach, BreSlaucrstr. 28.— Bodenleger im Gewerkschaftshause.— Einsever im Gewerkschaftshause.— Ttell- macher im„Rosenlhaler Hol'-, SHofcirthnlcrfti. 11/12.— Korbmacher bei Krause, Adalbertstr. 59.— Korbmacher in Friedrichsberg und Friedrichsfelde bei Witke in Lichtenberg. Dorfstr. 14. Die Tischler, Polierer und Drechsler treffen fich in ihren BerkehrSlokalen und gehen von dort aus nach der„Renen Welt«. ■hmhmm Jeder an der Maiseier teilnehmende Kollege erhält eine Maimarke. treffen sich bei Merkowaki, AndreasstraBe Nr. 26, vormittags 9 Uhr und gehen nach der ..»enen Welt". in Die Mitglieder gehen direkt in die Versammlung der Holzarbeiter. Böttcher �chnhwaren-Iudnstrle. Banarbeiter. Referent: M. Kaarenbrccber. Buchbinder und Buchbinderei-Arbeiterinnen, Etui- und Ledergalanterie- Arbeiter und Arbeiterinnen, 6ti*********** ÄJÄ' 10 m 16,»ormittagS 8 Uhr. Gruppen- Berfammlnng vormittags 40 Uhr der Kttnlxnbank, Frantfurterstr. 117. Refermt: K. Wlenontbnl. „Kranerei Frleckrlebsbaln", vormittags 10 Uhr. Galantrriearbeitcr: Referent: Treffpunkt bei Manzey, Reichenbergeratr. Dr. H. Werl. moe agS 9 Uhr: Slbftcmpelung der Maimarken im rkaebaftebanae".— Hieran anschlietzend: Liasarbeiter, viaser, viaZSchieifer."Ko�andant?»���"' Referent: E. Klotb. Glasarbeiter und Glasschleifer treffen sich bei Kaufeidt, Markusstr. 47, vormittag» 8'/, Uhr. Dachdecker bei Feind, Weinstr. 11, vormittags 10 Uhr. * Referent: Ernst Klar. Asphalteure und Pappdachdecker. Aussiug mit Familie.— Abends: Teilnahme an der Feier im.Gewerkschastshause-. Graveure und Ziseleure. Dre"denV0mÄnioaiiS.b'"etf/, Uhr; für die Kollegen im Norden: Am Königstor, vormittags 8'/, Uhr. 4i1ckd-41«ks« A. Boekers Festsble, Weberstrafte 17, vormittags 10 Uhr. . Reserent: Emil Dlttmer. Steinarbeiter, Granit- u. Marmorarbeiter. Äfo"ck'®rc"nT:R w8Äng.8ä 10 Ulr' Steinsetzer. Rammer. Stukkateure, Crips�ießer. Ma8lkerÄu�Jff1�,'t,mftr* l8m> Referent: R. Leopold. Die Mitglieder treffen sich um 9 Uhr in den Zahlstellen deS Verbandes. Schmiede u. Kupferschmiede. Reserent: C. Hirbig. Schneider u. Schneiderinnen. J&SÄtÄ Ä Reserent: Kürninzx. Tapezierer. Fßilt.mfVkn Kronen- Brauerei, Alt-Moabit 47 49(an der Gotzkowskybrücke). vorm. 10 Uhr. M- tf Jf LCA. Reserent: Moritz Lother. F. Wllke, Brnnnenstrafte 188, vormittags 10 Uhr. Referent: C. Hübsch. Bergftrafte 13, vormittags 10 Uhr. Referent: F.«aldn. Wendt(Cohns) Festsiile, Benthftraü« SO, vormittags 10 Uhr. Referent: Otto Wels. Verein Berliner Hausdiener. Ze Referent: P. Dnpont. � il Sophien-Sülc(oberer Saal), Sophienstrafte Nr. 17, vormittag» 10 Uhr. So• Referent: ReichstagS-'.'lbgeordneter Hahlke. Städtische Arbeiter. Drttsel8Fcsts%ec|cKnudKanskL5' 18U6t- 3 Versammlunjsen, vormittags 10 Uhr: 1.„Alhambra", Walhur. » Thcaterstr. 13. Rcsercnlln: Fran L. Brann.— 2. Ballsehmleder, Badstr. 10. Reserentin: Fran E. Ihrer.— 3. Viktoria- Braaercl, Lützowftrafte Rr. 111/113. Reserent: Redakteur Block.' lilisslMenblisg. 4 Bersammlungen vormittags iß Uhr: t. Boltshauo, Rofinenstr. 3(groffer Saal): Maurer. Putzer. Zimmerer. 2.„„„(kl. Saal): BauhülsSarbeiter, Maler, isteinsetzer, Töpfer. 3- Bauers Festsäle, Berli»erstr.80s: Holzarbeiter, Handels« u. Transportarbeiter u. die Belleidungsbraiiche. 4. Schultz' Feslsäle, Kaiser Friedrichstr. 34(unterer Saal): Fabrikarbeiter. �Metallarbeiter, Maschinlslen >, rf\ w, i o S i» tttth htP Ilhl'iftPlT fMolttni'f« und Heizer, Porzellanarbeiter, Schmiede und die übrigen Gewerkschaften. Reserenten:tag,»>/. Uhr: bei Thiel, vergslrab- tSt,S2- «erfaMMINNgeH. Maurer. Referent: Reichstags-Abgeordneter iLnbell. Für die übrigen 12. bei Hoppe. Hermannftr. t9/50. Ref.: Reichstags-Abg. Ed. Bernstein. Gewerkschasten: 13. bei Heikhans. Karlsgarlenstrahe. Reserent:«. Davidsohn. 8eliljiikbssg. Wort. .. II J BormittagS 10 Uhr bei M e i ft n e r. Bismarckstr. 00- nltlöl8»lll II, Umgegend. VersMinlimz Z-imilictierdeweckZckzstm. Köpenick U, Umgegend, versamtnp Slmnie�r kMrhedsilen. Mariendorf u. Umgegend. Weißensee.««fammSg"f«mu iSch«ff.». PIixaIaii.. Bormittag» 10 Uhr im Cafb Bellevue, Hauptstr. S: üiraian-ngmmeieillirg. wsnmnilnnp slmlliclier SsMrksnWtn. Friedriciisbero-LiGiitenberg. Referent: Artnr Schmidt. Dttfiuuiuiuug sämtlicher Gemerlischastell vormittags 10 Uhr im Schwarze» Adler. Franks. Chaussee 5. Referent: Dax Jakobson. f Vormittags 10 Uhr in tschOneberff, Wilhelmshof. EberSstr. 80: B M�ö�uHui Versammlung sämtlicher Gewerkschasten. Referent: Bvske. . Vormittags 10 Uhr in Rozy'ckis Gesellschaftshans, Kreuzstr. 3/4: nllmWg Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Referent: Wermnth. ■F i Vormittags 10 Uhr bei I. Klippenstein, Spandauerstr. 4: 1 6Q6li Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Referent: �lo Bsner. Vormittags 10 llhr im Gesellschaftshaus, Rheinstratze; Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Referent: Kaspar. Vormittags 10 Uhr in Sausfouci, Ruhlaerstr. LI/23: AngemSinv Versammlung. Referent: F. Schneider. ObsjP�chlm�oMo. re.dBi,•- Johannisthal. Versammlung»ÄfPlWRi» ivie Gewerkschasten refp. die Einberufrr der Gruppenversammltmgen haben ihre tversammlungen selbst anzumelden. Bei de» vorherigen ZufainmenKinsten bedarf cd keiner Anmeldung.— Gleichzeitig werden die Bureaus der Bersammlungen beauftragt, über die Zahl der«ersammlungsbesucher dem Gewerkschafts. Vureau, Engel-Ufer 15, Gewerkschaftshaus, Ä. Flureingang, schriftlich Kenntnis zu geben. Dsn Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Friedenau. Sclimargendorf. der im (lewerttsebafts-Kartell für Berlin und Umgegend vereinigten Organisationen. Dienstag, den 1. Mai, vormittags lö lihr. Tagesordnung in allen Versammlungen: Die Bedeutung des 1. Kai. Bauarbeiten „Englischer Garten", Alexanderstraße 27o. Referent: Genosse Fritz Kater. Fliesenleger« Butfsarbelter Neues Klubhans, Kommandantenstraße 72. Referent: Genosse Alfred Schröder. Isolierer u. StelnholzUger Boekers Festsäle, Weberstr. 17(nachmittags 2 Uhr). Referent: Genosse Ehrhard Schlenker. Kürfcbmr. Altes Schützenhaus, Linienstr. 5. Referent: Genosse Heinrich Ströbel. letaler. Feuersteins Festsäle, Alte Jakobstraße 75. Referent: Albert Weidner. jVlaurer. Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10/11. Referent: Genosse Hans Weber. Musikinstrumenten» Arbeiter. Bei Graumann, Naunynstr. 27(vormittags 9 Uhr). Referent: Genosse Engelbert Graf. Bobrer. Patts Vereinshaus, Dragonerstraße 15. Referent: Genosse Richard Schonheim. Tebitt» und Bootsbauer. Vereinslokal, Stralauer Allee 17s(vormittags 8 Uhr). Referent: Genosse Jonny Hinrichsen. rifcbler, Zink», Kinn» und Bklglelkr. Bei Zöls, Köpnickerstr. 137/138. Referent: Genosse Hermann Pnttlitz. Töpfer. Ausflug nach Johannisthal. Treffpunkt: 10 Uhr früh bei Senftleben. Zimmerer. Böhmisches Brauhaus, Landsberger Allee 11/13. Referent: Genosse Dütvell. Metallarbeiter. Brunnen-Säle, Brunnenstraße 15. Referent: Genosse Andreas Kleinlein. Gruppenversammtung der Sürsfenmaeher, Bleigläser, Konfektionsarbeiter, Traueuverein, Hausdiener, Tapezierer, jtlarkt- hallen-ilrbeiter, Stukkateure und Barbiere. Brunnen- Säle, Brunnenstraße 15. Referent: Genosse Andreas Kleinlein. Vereinigte Gewerksebatten CbaHottenburgs. Bei Schulz, Kaiser Friedrichstr. 24. Referent: Genosse Ernst Obst. Vereinigte Gewerkkebatten Ripdorfs. Flicks Gcscllschaftshaus, Hermannstraße 170. Referent: Genosse Heinrich Weisel. Die Organisationsmitglieder treffen sich eine Stunde vor Beginn der Versammlungen in ihren Verkehrslokalen und begeben sich dann zu den Versammlungen. Nie Versammlungen finden mit Frauen statt. Ueber den Ukrttuif nnb Kesich der Kerfninnilniigen ist dtin Kiirenn des Kortells Mitteilung zu rnnchen. Der Ausschuß. Partei- Speditionen: Berlin Zweiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mitten walder- straße SO, D. Part.— Britter Wahlkreis: St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hos rechts Part.— Vierter Wahlkreis O.: Robert W e n g c l s, RüderSdorserstr. 3, am Küstrinerplatz.— 8Q.: Paul B ö h m, ttausttzcr- platz 14/15(Laden).— Fünfter Wahlkreis: Leo Zucht, Keibelftr. 42 (Laden).—(Seehster Wahlkreis(Moabit): Karl Anders, Salzwedelersw. 8, im Laden.— Wedding: Karl Weihe, Wiesen» straße 41/42.— liosenthaler und Oranienburger Vorstadt: t ermann Raschle, Acker str. 36, Eingang Anllamersir.— Oiesnnd- rnnnen: F. Trapp, Rügenerstr. 24, vorn pari, links.— Slehün- hauser Vorstadt: Karl Mars, Lhchenerstr. 123.— Alt- Ollenicke: Reinhold Schulz, Rudowerstr. 83.— Oharlottenbnrg: Gustav Scharnb erg, Sesenhcimerstr. 1, EckeGoethestr., v. I.— Wilmers» «lorf-Balensee: Georg F e e s c, Berlincrftr. 45, Laden.— Liiehten- berg, Friedrichsfeldc, Wllhclinsberg, Uoxhagen, /Straian u. Kninnieisburg: Otto Seilet, O. 112, Kronprinzcn- ftrage 50, I.— Brünn»: H. Bluhme, Viktoriaftr. 2.— Blxdork: M. Heinrich, Prinz HandjerhsUahe 7, im Laden.— Schniargcn- dorf: Gustav K a m in s k y, Cunostrahe 2.— Kohüneberg: Wilhelm B ä u m l e r, Martin Lutherstr. 51, im Laden.— 'kenipelhof: M. Müller, Berlincrstr. 41/42.— Ober- htelibneweide: Julius G r u n o w, Edisonstr. 10, l.— Xieder- «ehüneweide: B o n a l o Iv s l y, Hasselwerderstr. 16.— Johannisthal: Franz Hiinold, Bismarckstr. 7.— Adlershof: Erich Steuer, Roonstr. 8. I.— Itiinigs-Wnsterhansen: Friedrich Bau mann, Luckenwalderstr. 4d.— liüpeniek: Friedrich Wo ick, Grünste. 4.— Friedenau- Steglitz- Südende: H. Be r n s e e, Schloß,'tr. 115, Gartenhaus I, in Steglitz Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, Düppelstr. 8. u. Fr. S ch e 1 1 h a s e, Ahornste. 15».— Marien- dorfj: Hermann Reich arbt, Chausseesteahe 16.— Itnunisehnlen- weg; Stock, Ernstste. 2, n.— Treptow: R. Voigt. Eisenste. 37. vorn Hl l.—«en- WeiBensee: W. Resle, Sedanstr. 105, Part. — Reinickendorf- Ost, Wilhelmsruh und Schün- holz; P. G u r s ch. Provinzstrahe 108, II.— Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waidinannslnst, Hermsdorf und Reinickendorf- West: Paul Kienast, Borsigwalde, Schubart« strahe 43.— Pankow-STiederscIiUnhansen: G. Fr e i w a l d t, Mühlenstr.73.— Riehwaide, Zeuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: MjonS G r ä tz, Eichwalde, Kronprinzenstr. 82, 1.— Teltow: § ermann Krüger, Neueste. 2.— Xowawes: Wilhelm I a p p e, riedrichslr. 1.— Spandan: K ö P P c n, Jagowste. S....... Außerdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschastlichen Werke dort zu haben Auch werden Inserate für den„Vorwärts" eutgege»tgeuommeu. IM?- Ritt« ausschneiden."WA Pflege Deinen Teint„Posenda" kohlensäarehaltiges, antiseptisches, herrlich duftendes, A preisgekröntes Ä Toilette-Pulver. SS weißer Teint. Keine Röte— gelbe Flecken— Runzeln— Sommersprossen!— Pickel— Mitesser!—■■•jj. bg. WW*. Macht das Wasser weich. Tausendfach||||]||0| zeich- jflfJJ*- bewährt und als geradezu ideales kung frappant! 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Sie mäkeln, tadeln, räsonnieren, bitten, versuchen alles mögliche, um den Preis zu drücken; an diese Herren und Danien richte ich die Bitte, draußen zu bleibe», nicht zu mir zu kommen. Ich verzichte auf deren Kundschaft. Es steht groß und mächtig draußen dran: Feste Preise! Kein Vor- schlagen. Kein Nachlassen. Wer trotzdem handelt, letzt also voraus, daß obige Angaben unwahr sind. Und diese Voraussetzung ist be- leidigend. Ich schlage nichts vor. Ich lasse nichts ab. Man möge also den Versuch unterlaffen, daran zu�rütteln. Natürlich ist niemand geztvungeu, zu kaufen. Wem ein Stück zu teuer ist, der kaufe es nicht, er soll nicht genösigt noch überredet werden. Er lasse sich billigere Sachen zeigen. Ich habe ja solch große Austvahl, eS sind oft auch einzelne oder zurückgesetzte Sachen da; es kann jedem Ge- schmack, jeder Preislage entsprochen werden. Ueber alles läßt sich reden, nur nicht über den Preis. Der Preis bleibt unbedingt fest. Wer trotzdem nichts findet, nun, der geht wieder, deshalb bleiben wir Freunde. Aeltere und einzelne Stücke werden ev. billiger angeboten. Jeder findet— dafür sorge ich— tvaS er brauchen kann. Die Jahre haben es bewiesen: Man kauft Herren- u. Knaben-Garderobe nirgends besser als bei mir. Hertmann Schlesinger Tarmstrasse 58 und Tnrmstrasse 85. 1 Damen-Konfektion direkt aus der Fabrik. Kein Liadon. Nach beendeter Engros-Saison auch Einzelverkauf enorm Stanb- mfintel Capes Jacketts Havetocs Kostüme Kostüm-Röcke Mädchen- Paletots Robert Baumprien, Haasvoigtei-Platz II, II. Etage (an der JerusalemerstraUe). Bei Vorzeigung dieses Inserats an der Kasse werden = 5 Proz. Kabatt vergütet= Auch Sonntags geökfnet! geltestes Uonz. Leihhaus Charlottcnbnrg, Wilmersdorferslr. 40 I. Hohe Beleihung. Oiskr. Sprechzimmer, Gelegenheitskäufe in Brillanten, Uhren, Gold- u. 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Es gilt Protest zu erheben gegen alle Maßnahmen, welche das Koalitionsrecht der Arbeiter zu zerstören geeignet sind, gegen die dem Unter- »«chmertnm willfährigen Maßnahmen, Verordnungen und Entscheidungen Inndes- und ortspolizeilicher Körperschaften! Es gilt aber auch zugleich Protest zu erheben gegen die den Weltfrieden in ernster Weise bedrohende abenteuerliche Weltpolitik, deren Verwirklichung dem arbeitenden Volke von neuem eine erhebliche Steigerung der Gnt- und Blutstener auferlegt; gegen eine Weltmachtpolitik, die dahin führen mnß, die Völker in blutigem Kampfe gegeneinander zu Hetzen. Angesichts einer solchen Politik empfiehlt der Ausschutz der Berliner Gewerkschaftskommission den Gewerkschaften folgende Resolution zur Annahme: In Ucbcreinstimnmng mit den Beschlüssen der iniernationalen Kongresse der Arbeiter aller Länder und mit den Beschlüssen der Parteitage der sozialdemokratischen Partei Deutschlands bekunden die Ver- sammelten, daß sie mit aller ihnen zu Gebote stehenden Kraft eintreten für die Verwirklichung der Gedanken, die durch die Maifeier zum Ausdruck gebracht werden. Die Versammelten betrachten die klassenbewußten Proletarier aller Länder als Kainpfgcnosien, mit denen sie gemeinsam siir die Völkerverbrüderung, für die Erhaltung des Friedens und Förderung des Kulturfortschcittes kämpfen. Die Versammelten erklären, einzutreten für die Befreiung der Arbeiter von jeglicher Ausbeutung und jeglicher Unterdrückung. Die Versainmelten fordern eine wirksame Arbeiterschutzgesetzgebung, in der mindestens bewilligt werden muß:>. Ein höchstens acht Stunden dauernder Normalarbeitstag; eine mindestens 36 Stunden dauernde Ruhepause für jeden Arbeiter in jeder Woche; Verbot der Erwerbsarbeit für Kinder im Alter von unter 1t Jahren. Die Versammelten fordern die rechtliche Gleichstellung aller Arbeiter ohne Unterschied deS Geschlechts und unbeschadet darum, ob sie in Industrie, Landwirtschast, Handel und Verkehr oder im öffentlichen oder Gesindedienst ihre ArbeitSkrast verkaufen. Die Versammelten fordern die Erweiterung der politischen und wirtschaftlichen Rechte für die Arbeiter. Vor allem Sicherstellung des KoalitionS- rechtes, der Vereins-, Versammlnngs- und Preßsteiheit und Erweiterung der Rechte der Arbeiter bei der Arbeiterversicherung. Da die Rechte der Arbeiter nur dann sichergestellt sind, wenn die Arbeiter ihre Rechte selbst ver- steten, so fordern die Versammelten: Allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht�niit geheimer Stimmabgabe für alle über 20 Jahre alten Personen ohne Unterschied des Geschlechts für alle Wahlen. Die Versammelten fordern die Beseitigung des Unrechts, welches in dem Vorrecht des Besitzes, in dem elendesten aller Wahlsysteme, in dem Dreiklassenwahlrecht zum preußischen Landtag und den diesem nachgebildeten Wahlsystemen zum Ausdruck kommt. Die Versammelten fordern die Beseitigung jeglicher Vorrechte des Besitzes und der Geburt. In der- Erkenntnis, daß die Arbeiterklasse nur die Rechte erhält, die sie sich selbst erringt und ununterbrochen verteidigt, geloben die Versammelten, zu diesem Zweck sich dauernd in politischen und wirtschaftlichen Kampforganisationen zusammenzuschließen. Zur Wahrung der politischen Rechte schließt sich die Arbeiterklasse in der sozialdemokratischen Partei zusammen; zur Erkämpfung wirtschaftlicher Vorteile vereinigen sich die Arbeiter in den Gewerk- schasten. Die Kampforganisationen der Arbeiter sind ein dauernder Protest gegen bestehende Unter- drückung und sie sind Machtmittel zur Erringung weiterer Rechte. Der vereinigte Kampf des Proletariats aller Länder ist das wirksamste Mittel zur Befreiung der Arbeiterklasse. In dieser Erkenntnis geloben die Versammelten, mit aller Kraft für den Ausbau, der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiterklasse wirken zu wollen. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, 28. April 1906. Wenn jemand aus fremdem Garten Aepfel holt und verkauft, dann hat er des Vergehens wider das Eigentum sich schuldig gemacht. Er hätte auch dann nicht das Recht, über die Aepfel zu verfügen, sie lediglich in seinem Interesse zu verwenden, wenn er zur Ein- crntung durch Auftrag des Eigentümers befugt war. Der Be- aufstagte hat nur einen Anspruch auf Vergütung für seine Leistung. Sieht man ab von Ererbtem usw., dann steht jemand das Ver- fügungsrecht über eine Sache rechtlich nur dann zu, wenn er diese durch Hingabe von Bargeld, anderen Objekten oder Arbeitskraft erworben hat. Aber nicht lückenlos ist dieser Rechtsgrundsatz. Das Volkseigentum hat man zur kapitalistischen Freibeute gemacht. Mit einem unserer wichtigsten Naturschätze, mit der Kohle, werden die Eigentümer, die Volksgenossen, von wenigen Kapitalisten in der unverschämtesten Weise bewuchert. Das Grubeniapital verfügt un- beschränkt über das Naturprodukt, aber es hat die Kohle nicht ge- kauft, nur das Recht, die Schätze ans Tageslicht zu bringen, ist ihm erteilt. Es könnte mithin eigentlich nur eine Vergütung für seine Leistung beanspruchen, aber es bestimmt als unbeschränkter Eigen- tümer über die Kohle. Ja, wenn jemand von einer Grube wider- rechtlich Kohle entnimmt, dann hat er nach der Rechtsprechung nicht eines Vergehens wider Volkseigentum sich schuldig gemacht, er hat gesündigt wider das Privateigentum der resp. Gesellschaft. Dabei ist in der Gesetzgebung den Grubenbesitzern das faktische Eigentums- recht an den Naturschätzen ausdrücklich noch vorenthalten. Früher übte der Staat oder Landesherr, als Verwalter des Volkseigentums, allein das Recht der Kohlengewinnung aus. Später wurde auch dem Privatkapital die Konzession zur Ausbeute erteilt, aber als Eigen- tümer sicherte der Konzejsionserteiler sich einen bestimmten Anteil an dem Ertrage. Der Privatunternehmer war gewissermaßen nur der mit Gewinnung und Verwertung der einem Dritten gehörenden Sache Beauftragte. In den heute noch bestehenden aber außer Hebung gesetzten Bergwerksregalen kommt das vorbehaltene Recht zum Ausdruck, zum Teil auch in der Konzessionserteilung zur Aus- beute em«S Kohlenfeldes durch die Bergbehörde. Auf Andrängen deS Grubenkapitals hat Preußen die Bergwerksregale außer Hebung, nicht aber gesetzlich außer Kraft gesetzt. Da wir noch mit etlichen ehemaligen Reichsunmittelbaren gesegnet sind, bleibt diesen die Möglichkeit, die seitens des Staates außer Hebung gesetzte Steuer für ihre Domäne weiter zugunsten ihres Geldbeutels wirken zu lassen. Und das geschieht auch! So zahlen z. B. die Grubenbesitzer in Westfalen und in Schlesien an den Staat keine Steuer, aber die Taschen des Herzogs von Arenberg und die derer von Tiele-Winckler müssen sie nach wie vor mit der Bergwerkssteuer spicken. Es sind Millionen, die auf diese Weise die Träger der Landeshoheit ein- stecken. Ja, wir haben die merkwürdige Tatsache zu verzeichnen, daß der Staat als Bergherr keine Steuer erhebt, er selbst aber als Bergbautreibender an die ehemaligen Reichsunmittelbaren Regale entrichten mutz. So wird mit dem Volkseigentum gewirtschaftet! Und wie nützt das Privatkapital die ihm eingeräumte Verfügung über die Naturschätze aus? Lediglich der eigenen Bereicherung, der Ausplünderung des Volkes, dient ihr Streben. Der Bergbau nimmt in der Rentabilitätsstatistik die hervorragendste Stelle ein. trotzdem haben die Kohlenmagnaten nun wieder erneut die Volksloirtschaft mit einer enormen Verteuerung der Brennmaterialien bedacht. Sieht man ab von den beiden Perioden ganz erzeptioneller Preise — 1889/92 und 1900/01—, dann haben wir seit 20 Jahren eine fortgesetzte Preissteigerung zu verzeichnen. Nach den Notierungen der Effener Börse ergeben sich folgende Durchschnittspreise pro Tonne: Flammkohlen. Fettkohlen.. Magere Kohlen Gaskohlen.. Hochofenkoks. GießereikokS.. Brechkoks I u. II Briketts... Bei den Preisen in den letzten Jahren erzielten die meisten Unternehmer ganz erkleckliche, weit über die sonst übliche Ver- zinsungsquote hinausgehende Gewinne. Besonders auch das letzte Jahr erwies sich unter Berücksichtigung deS Ausfalles durch den großen Bergarbeiterstreik als ganz hervorragend dividcndenergiebig. In den letzten drei Jahren erzielten Dividenden, Hibernia: 11, 11 und 11 Proz., Konkordia: 18, 10 und 12 Proz., Gelsenkirchen: 11, 10 und 11 Proz., Harpener: 10, 11 und 9 Proz., Kölner Bergw.: 27!�, 25 und 25 Proz., Magdeburger Bergw.: 35, 23 und 28 Proz.. Nord- ftern: 16. 14 und 15 Proz.. Arenberg: 40. 35 und 35 Proz.. Kon- solidation: 28. 26 und 23 Proz.. Rh..Nassauische B.-G.: 18. 22 und 24 Proz., Schalker Gruben: 32%, 10 und 27% Proz. Solche Gewinne genügen den Kohlenmagnatcn nicht. Das Syndikat hat ab 1. April eine erhebliche Steigerung der Preise eintreten lasten. Die Steigerung tritt in den BörscnnokierUngen schon scharf in die Erscheinung. Es notierten zum Beispiel an der Düsseldorfer Börse in Mark pro Tonne: Gaskohle...... Generatorcnkohle... Gasflammkohle.... Fette Fördcrkohle... Beste fette melierte Kohle Kokskohle...... Magere Förderkohle.. melierte Kohle. Anthrazit...... Gießereikoks..... Hochofenkoks..... Nußkoks...... Briketts...... 1905 16. März 11,00-13,00 10,50-11,80 9,75—10,75 9,00— 9,80 10,60—11,50 9,50—10,00 7,75— 9,00 9,50—10,00 19,50—24,00 16,00—17,00 15,00 17,00-18,00 1906 20. April 11,50-13,50 11,25—12,50 10,50—11,50 10,00—10,50 11,10—11,60 10,50—11,00 9,00—10,00 10,25—11,25 19,50—24,00 17,00—18,00 14,50—16,50 17,00—18,50 10,75—13,50 mehr in 1906 0,50 0,70—0,75 0,75 0,70—1,00 0,10-0,60 1,00 1,00-1,25 0,75-1,25 1,00 — 1,50 0,50 0,25 10,50—13,60 Also nur bei Anthracit und Nutzkoks ist der Preis geblieben, sonst sind Steigerungen bis zu 1,25 M. eingetreten. Die vor- stehenden Erhöhungen bedeuten eine ganz erhebliche Belastung des Konsums. In der Hauptsache schwanken die Differenzen zwischen 50 bis 125 Pf. pro Tonne. Legt man als Durchschnitt eine Steigerung von nur 60 Pf. zugrunde, den Satz, um welchen das Syndikat der Eisenbahnverwaltung die Preise gesteigert hat, dann ergibt sich ein Plus von fast 100 Millionen Mark für ein Jahr. Die vorjährige Produktion belies sich auf rund 121 Millionen Tonnen Steinkohlen und 53 Millionen Tonnen Braunkohlen. Im laufenden Jahre wird die Produktion die vorjährige ziemlich erheblich über- steigen. In den ersten drei Monaten 1906 wurden in Deutschland insgesamt 10'/- Millionen Tonnen Kohlen mehr gefördert als in der korrespondierenden Zeit deS Vorjahres. Da die Mengen für das ganze Jahr 1906 vergeben sind, dürfen wir wohl mit einer Gesamtproduktion von 185 Millionen Tonnen rechnen. Nehmen wir an, daß die Braunkohle der angesetzten Preissteigerung nicht ganz folgt, vielleicht nur um 50 Proz., dann würde sich folgende Belastung des Konsums ergeben: Für 130 Millionen Tonnen Steinkohlen eine Preissteigerung von 60 Pf. pro Tonne, gleich 78 Millionen Mark; für 55 Millionen Tonnen Braunkohlen eine Steigerung von 30 Pf. pro Tonne, gleich 16% Millionen Mark, mithin eine Gesamt- belastung des Konsums um 94% Millionen Mark oder 1% Mark pro Jahr und Kopf der Bevölkerung. Da wir außerordentlich vor- sichtig rechneten, wird die Wirklichkeit wohl einen erheblich höheren Betrag erbringen. Eine ganz genaue Berechnung läßt sich schon deshalb nicht aufstellen, weil Angaben über den Anteil der Gesamt- Produktion an den einzelnen Kohlensorten nicht vorliegen. Daß die Preissteigerung im Großhandel teilweise schon erheblich über den von uns zugrunde gelegten Satz hinausgeht, zeigt eine vergleichende Zusammenstellung der Großhandelspreise in verschiedenen Städten. In Hamburg stellten sich z. B. die Preise, frei Waggon Hamburg- Altona für rhein.-weftf. Kohle pro Tonne in Mark: im März 1905 1906 Fett-FördergruS. Ü. 11 12 „ Stückkohlen.... 16 17 . Schmiedekohlen Hl« 18 lg IV. 17 18 „ Nußkohlen I u. 11. j 19 20 Steinkohlcnbriketts.. 16 17 Flamm-Förderkohlen«•. 13>/z 14 , Stückkohlen•' J« 17 18 . Gaskohlen J t. 16'/, 17'/. , Nußkohlen I... 16 17 n... 16 17 mehr in 1906 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 In Straßburg ergibt sich per 1. Vierteljahr 1906 gegen dieselbe Zeit 1905 eine Steigerung des Durchschnittspreises von 40— 60 Pf. bei Saarkohle, von 100— 140 Pf. bei Ruhrkohle, von 80— 100 Pf. bei belgischer Kohle, von 40— 100 Pf. bei Koks und von 80— 100 Pf. bei Briketts. Hierbei kommt in Betracht, daß für die ersten Monate dieses Jahres' noch die vorjährigen Richtpreise galten. Selbst- verständlich regelt sich an solchen Plätzen, wo die Ruhrkohle mit der schlesischen, oder die Steinkohle mit der Braunkohle konkurriert, die Preisheraufsetzung nicht so glatt als in unbestrittenen Gebieten, aber nach einer kurzen Zeit hat man die Opfer unter sich verteilt und das gemeinsame Schröpfen setzt ein. Und der Kleinhandel folgt bald nach mit der Preissteigerung. Die tatsächliche Belastung des Konsums geht auch deshalb über den obigen Betraa hinaus, weil in der weiteren Abgabe in die zweite und dritte Hand der Preis über den Satz der Verteuerung im Großhandel weit hinausgetricben wird. Wenn die Großen plündern, erheischen auch die mittleren und kleinen Profitschlucker erhöhte Beute. Einer der kommandierenden Generale im rheinisch-westfälischen Bergbau. Geheimrat Krablcr, bemerste allerdings in der heute in Köln stattaesilndenen Generalversammlung des Kölner Bergwerks- Vereins, die ab 1. April gültigen höheren Kohlenpreise würden in der Hauptsache durch höhere Löhne absorbiert. DaS wäre ja eine ganz hübsche Maigabe, denn selbst bei unserer vorsichtigen Be- rechnung entfiele auf den Kopf der Bergarbeiter ein Betrag von zirka 150 M. Man höre die Botschaft I 150 M. mehr Lohn ohne Leistungssteigerung l Da? wäre schon etwas, die Gedinge müßten hinausgesetzt werden. Wir glauben aber nicht daran, daß die Absicht besteht, den Arbeitern das Mehr au« der Preissteigerung zufließen zu lassen, wir wollen ihnen aber doch die Zusicherung deS Herrn Krabler zur gefl. Verwendung bei den Lohnforderungen unter- breiten. Dann allerdings wird mau wieder Klagelieder hören über die Begehrlichkeit der Lohnfronder und über Gefährdung der Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt trotz der Monopolpreise im Jnlande. Man kann ruhig auf den Standpunkt sich stellen, die kapita- listische Produktionsweise habe die technische und kommerzielle Eni- Wickelung ganz außerordentlich befruchtet, ohne zu verkennen, daß die kapitalistische Prodnktions- und Distributionsweise in immer schärferer Form das Allgemcininteresse bedroht und deshalb die Vergesellschaftung der Produktionsmittel nicht nur das berechtigte, sondern auch vernünftige Ziel einer bewußt eingreifenden Volks- Wirtschaft ist._ D. parlamcntarircbea. Die Schulkommissio» des Abgeordnetenhauses begann heute ihre Beratungen mit§ 11, der von dem VermögenSübergange handelt. ES liegen niehrere frcikonscrvative Anträge vor, die an Stelle der Regierungsvorlage treten sollen. Danach kommen mehrere Fälle in Betracht. Bei den Sozietätsschulen geht das Vermögen durch Universalsukzession auf die Geineinden über; ähnlich liegt die Sache bei den Schulen, die eine juristische Person bilden, sowie bei den Künstlerschulen; bei den Sttfttmgsschnlen soll das Vermögen seinen allgemeinen und besonderen Zwecken erhalten bleiben, für die es bisher bestimmt war; für die Kirchenschulcn soll das Vermögen, soweit es für die Schule und für die Kirche benutzt wurde, getrennt werden und im Falle, daß Zweifel entstehen, der Rechtsweg offen stehen. Die Nationalliberalcn haben den Unterantrag gestellt, wonach das Vermögen den allgemeinen Volksschulzwecken erhalten bleibt, sowie den etwa für dasselbe stiftungsmäßig getroffenen besonderen Zwecken derjenigen öffentlichen Volksschule, für welche es bestimmt war. Die Regierung hat sich bekanntlich auf den Standpunkt gestellt, daß das Vermögen dem Schicksale der Schule folgen soll. Dadurch wird ennöglicht, daß eine konfessionelle Schule zur Simultanschule werden kann und umgekehrt. Dies wird in dem nattonalliberalen Antrage besser zum Ausdruck gebracht. Die Regierung ist der Meinung, daß»wischen dem nationalliberalen Antrage und der Regierungsvorlage keine materielle Differenz be- stehe. Das Zentrum erklärt sich für die Regierungsvorlage, die Freikonservaiiven und die Freisinnigen ziehen die Fassung des nattonalliberalen Antrages vor. Bei der Abstimmung wird dieser von einer Mehrheit der Konservativen und des Zentrums abgelehnt. dann werden die 8Z 11 und IIa angenommen, der umstrittene PassuS in der Fassung der Regierungsvorlage. Bei der Auseinandersetzung über daS Kirchenvermögen ist in dem freikonservativen Antrage das Verwaltungsstreitverfahren vor- geschlagen: ein vom Zentrum gestellter Antrag will den ordent- lichen Rechtsweg beibehalten wissen, da eS sich uni eine Entscheidung über Privatvermögen handle. Bon konservativer und freisinniger Seite wird dieser Standpunkt geteilt. Als Zlvischcninstanz ist der Oberpräsideut eingeführt. Uebrigens hat die Sache nur geringe praktische Bedeutung, da die Zahl der betreffenden Schulen nicht sehr groß ist. Der Anttag des Zentrums wird angenommen und mit dieser Aendermig der 8 11 o. Der§ 13 bestimmt, daß die Rechte Dritter, insbesondere der Kirchcngemeinden, unberührt bleiben, auch sollen die selbständigen Schulstistungen bestehen bleiben. Ein Zentrumsantrag spricht aus, daß bei gemeinschaftlichem, zu Schul- und anderen Zwecken bc- itimmtem Vermögen die Schulverbände an Stelle der bisher Unter- hnltungspflichtigen als Teilnehmer eintreten. Der Paragraph wird mit diesem Antrage angenommen.§ 14 handelt von den Küster- schulen. Hier soll der Schulvcrband an Stelle des bisherigen Trägers der Schullast treten; die Leistungen der Kirche bleiben wie bisher. Die Verpflichtung der Kirche in bezug auf die Bauten kann nach Vereinbarung durch eine Rente abgelöst werden. Eine Trennung kann durch die Behörden sowohl der Kirche als der Schule verlangt werden. Der Paragraph wird angenommen. Ebenso 8 27, der die Bildung von Schuldeputationcn in Stadtgemeindcn festsetzt. Zu 8 28, der von der Zusammensetzung der Schuldcputationen handelt, sind eine Reihe von Anträgen gestellt. Von freisinniger Seite wird gewünscht, daß der KrciSschnlinspektor nicht jederzeit, sondern auf Verlangen gehört werde; die Nationalliberalen wollen die Wahl der Mitglieder durch den Gemeindevorstand erfolgen lassen, das Zentrum wünscht, daß auch die Zahl der Pfarrer durch Gemcindebeschluß vermehrt werden kann. Nur dieser Antrag wird angenommen; sodann wird§ 28 angenommen. Von freisinniger Seite werden auch zu§ 29 die Anträge aus der ersten Leisung wiederholt. Bei der ersten Lesung war die Be- stimmung gestrichen worden, daß die Sozietäten konfessionelle Kom- Missionen verlangen können. Das Zentrum beantragt die Wieder- Herstellung. Die Anträge erster Lesung werden wiederhergestellt. Von freisinniger Seite wird beantragt, daß der Vorsitzende des Schulvorstandes durch diesen gewählt, nicht aber von der Schul- aufsichtsbehörde ernannt werde. Das Zentrum wünscht, daß die Regierungsvorlage aufrecht erhalten bleibe. Bei der Abstimmung werden diese Anträge abgelehnt und die§8 31 und 31a in der voii den konservativen Parteien vorgeschlagenen Fassung gegen die Stimmen der Freisinnigen angenommen, ebenso die Z§ 33— 39 mit geringen Aenderungen. Nächste Sitzung: Dienstag nachmittags 2 Uhr. Melierte Kammgarnstoffe Im l.so w r j•• j_ pp im Herrenstoffgeschmack, für-g g sd,..,, Kost umstoffe™re',8Ä; Iis bo Weiß-schwarz u. grau-weiß karierte Wollstoffe«95 los Voiles II. 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Südwesten: w stramm.«werftt0f,e m. NOrden: bei Bergmann, Brunnenstr. 79. Tagesordnung: 1. Bericht der Kornmission. 2. Bericht der Ver- trauensmänncr. 3. Verschiedenes. Jede Werkstatt mutz vertreten sein. Die in Tischlereien beschästlgtcn Drechsler sowie jede Branche in Treppengeländersabriken haben Delegierte zu entsenden._ Die Kommtsfion. Stellmacher bei Wohlfahrt, Rosenthalerstraste 57. Tagesordnmia: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Vertrauens- leute. 3. VerjchledeneS._ Stock- und Zelluloidarlieiter bei Barelnz, Brückenstr. 7. Der Obmann. Kraircke der Kistenmacker bei Banckaeb, Breslaiierstr. 88. AM- Jede Werkstatt mutz vertreten sein I-M> Branche der Kordmacher bei Hoirmann, Koppenstr. 47. 'AM- Jede Werkstatt mutz verttcten sein! Einsetzer! Mittwoch, den 8. April, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15(Saal 8). Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. VerbandSangelegen- Helten. 3. Verschiedenes.________ Die Kommission. Modell-«. Fodrilltislljler, Midclldrchsltr bei Wiesenthal, Ackerstr. 123. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Branchmangelegenheiten. 3. Verschiedenes._ Die Kommission. Mittwoch, den 2. Mai, abends 8'/,»hr, bei Lehman». Bülowstr. 59; Versammlung der Bohner. Das Erscheine» aller Kollegen ist dringend notwendig. 84/63 Ble Ortaverwaltnng. ! Rixdorf. Die Maifeier der Parteigenossen findet SUM" nur in der Vereinsbraiterei und Hoppes Testsälen statt. Alles andere sind Privatfestlichkeiten und haben mit der Partei nichts zu tun. 232/11 Der Norftlilid des fosinlkntolir. Mchlumms Mors. Deutscher Metallarbeiter verband. Verwaltungsstelle Berlin. oirbeltsnaebwels: Zimmer 84, Amt IT, 3353. Engel-Ufer 15. Hanpt-Bnrcan: Zimmer 1—5. Amt IT, 0070. Wegen der Maifeier jlusgesperrte! s-ü« Von den Betrieben, welche wegen der Feier dcZ 1. Mai ausgesperrt haben, versammeln sich die Vertrauensleute und Ausschußmitglieder— soweit sie Mitglieder des Deutschen Mctallarbeiter-Verbandes sind— am Mittwoch, den-S. Mai, vormittags IN Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshauscs, Engel-Ufer 15. 118/3 Mitgliedsbuch legitimiert! Die Vertrauensleute mögen sich so vorbereiten, daß sie Angaben über den Umfang der Feier und der Aussperrung in ihren Betrieben machen können. Alle Ausgesperrten, gleichviel ob organisiert oder nicht, versammeln sich am litltttUtff))* JtVU 3* mittags 1 Uhr, BM in der„Neuen Welt", Hasenheide 108/114. IMv Oi'tavcriraltwng. Achw»g: Hanschlosser! Achtmt»! Seit Freitag, de» t». April früh stehen die Kollegen in St Werkstätten im Streik. Die übrigen in Betracht kommenden Firmen haben bewilligt, darunter auch eine Anzahl Jnnungsfirmeu. Bon Montag, den 0. April ab» dürfen sämtliche Bauschlosser nur noch mit Berechtigungskarten arbeiten, diese find Sonnabend, de» 7. April den Vertrauensleuten ausgehändigt.— Die Bauarbeiter ersuchen wir, uns dadurch z» unterstützen, dast sie die aus die Bauten kommenden Schlosser nach den Arbeitsbercchtigungskarten fragen. Jeder Schlosser ohne Karte ist als Arbeitswilliger zu betrachte». Des weiteren machen wir alle Banschlosser darauf aufmerksam, dast ohne Zustimmung des Streikkomitees die Arbeit niedergelegt werden darf. 117/20 ZeutraMand der(Slaser Deutschlands. Ort«Verwaltung Berlin. Sektion der Bilderglaser(Einrahmer) Donnerstag, den 3. Mai, abends 7 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15(Saal 2): 73/5 IPKT VersammBung."WD Es ist Pflicht eineS jeden Kollegen, welcher in Rahmeilfnbrikcn l Bild er- werkstcllen) arbeitet, unbedingt zu erscheinen._ Der Vorstand. Das Streikkomitee. Cohen. Dr. med. Ad. Schlesinger, pr. Naturarzt und Naonetopath wohnt jetzt 29619/9* Belle=Alliancestr. 5 nahe HallesohesTor/Spr. 11-2, 5-7) Telephon Amt 6 a, 14914. Mitglied des Vereins der freigewählten Kassenärzte. a H Guttmann 9 A 9 feisrÄ 9 Kinderwagen-Kuhlicke nur Neue Konigstr. 43, 1 Treppe' Ecke Alte Schützenslr,, a. Alexanderplatz. 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TageS-Ordnung: 1, Berichterstattung über die Generalversammlung in Mühlhausen. Referent: Kollege Karl BUlIer. 2. Wahl von sechs unbesoldeten Zeniralvorstandsmiigliedern und drei Revisoren. » Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwarten 197/15 Ble Torstilnde. r | Funk > Liier % brool V�I Dr. med. A. Smith'eches Ambulatorium für Herz- u. Nervenkranke Berlin W. 2, Potsdamerstr. 52. Funktionelle Untersuohung und BehinUlung. Auiftlhrllohei Im Prospekt(frei). Literatur; Dr. med. Max Aeoh, Herz- u. Nervenleiden u, Ihre Behandlung mit unter- broohenen- u. Weohseletrdmen.— Hletorleohes, Theoretleohee u. Praktiechee In gemeinverttändl. Darstellung.(Zu bezieh, d. alle Buchbdi. PreU 50 Pf.) Schneidermeister IM SO,, Ä am Kottbnser Tor. iNciwei'e toettbernümt«" übneraugentod tctelllgt schmerzlos k grUndllcb Jtdet dimtriuge, selbst wralltlt, u. Jedtucdt autvcrtiärtuna. Dom 75 Pt., tll. f.- trk trfolg jOyn iarontlelt. tägl. Hntrhennungen. tt�tn�-rll�ciscn�hhU� Achtung! luker und 5S?öi üenossen!! 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Banbosstrastc 11._ Landagist Windlcr. 1483b Zeitungsfrauen finden sojort lohnende Beschästtgung Königgrätzcr- straste 56/57. 113/12« Strickerin aus.Keilserteninaschincii gesucht Rummelsburg, Türrschmidt- straste 14.+131« Arbeiterin ausKnabenwaschbliffe», Dutzend 4—6 Mark, Waschhoscn, Dutzend 2,50—3,50, dauernde Bc- schästigung, verlangt Laaser, Brmi- nenstraste 84, Fabrikgebäude, 1525b* Zeitungsfrauen. auch Männer, vcriangt Kronenstraste 65. 1491b* Zeitungsfrauen jinden� fosort dauernde und lohnende Beschästigimg Alt-Moabit 138._ 119/7 Zeitungsfrauen finden sosort lohnende und dauernde Beschästtgung Prinzenstraste 4t(Moritzplatz). 119/8* Zeitungsfrauen finden lohnende und dauernde Beschästtgung. Met- düngen Schützcnstvaste 22.(Tour Markgrasenstraste.) 118/12* Im Arbeitsmarkt durch besondoren Druck hervorgehobene Anzeigen kosten 30 Pf. die Zeile. Tüclitlgö Hohlschleifergehölfen Jiliake Berlin des .,. W..___.______ ZentrawerbaudeS».Stukkateure. ffiräämüpoitlidher Redaktciüll Wtbtt« Berlin. Wir des Z&. �ipflc. Sbtfiia. Stut lk Stofofi; MMrVLMdkiMÄ u. LttlggsgnM.Paul Singer& K?., Berlin svv." sur alle und neue Rastcrniesser finden gute dauernde Stellung bei* Kodevt C- rohmnn n, Warnsdorf. Vorarbeiter gesucht für Montage kleiner Dampfmaschinen. Bevorzugt solcher, der besonders mit hydraulische» Rohr- Montagen Bescheid weih. Offerten erbeten unter B. W. 7248 an Rndolf Bosse, Bremen.[119/1 Achtung, Wageufabrikeu! In den Wagensabriken von Kühlftein, Charlottenburg, L. Rühe Jnh. leuschner, Enckepl. 6, Kltemt, Neue Königstraste, Gebr. Wienicke, Pankow, Franke, Jnselsttaste, Gottschalk. Motorwagensabril in Reinickendors, befinden sich die sämtlichen Arbeiter im Streik. Wir ersuchen die Kollege« oller Branchen nach den obigen Be- trieben keine Arbeit anzu- nehmen. 176/9 Tie Agitatioiiskommissio». Beuticbcr Holzarbeiter- Verband. Wegen Streik und Dtsserenzen ist Ästig scriistiliiilleii von Tischlern von Franz Schulz. Frantsurter Allee 28, Ncukirch, Langestraste 9, Siegsried, Mainzerstraste, Kuhnert in Martinickenselde, Fromm- Hotz m Pankow, Meyer n. Co., Mcmelerstraste: von Treppengeländer- Arbeitern (Trechslcr. Tischler. Stellmacher, Polierer. Maschinenarbeiter und Bildhauer) von derTreppengclönder- sabril Joseph Drechsler, Gubener- straste 33; von Bodenlegern von den Bausen in Buch(Finna Damke, Franksurt n.C.); von Stellmachern von santtlicheu Stellmachercien, Wagensabriken und Drehrollensabrik Pläön, Wöstmann- siraste; Motorwagetnabrik Goilschall in Reinickendors; von Korbmachern von Bcckeri, Lange- siraste 33; von Tischlern, Polierer», Mn. schinenarbeitern und Hülfs- arbeitern von der Nähmaschinen- sabrik Friftcr und Rostmanu und nach Franksurt a. O.: von Klavierarbeitcru nach Däne- mark. Bio Ortevcm-altnng;. Achtung! Sootslmurr! Nachdem Herr E. Perdess zu Köpenick unsere Forderung schriit- lich anerkannt bat,...... Firma verhängte ausgehoben. Bi« Eohnkommissio Stralaucr Allee 17 E. ist die über seine Sperre hiermit Stukkateure! Infolge beständigen Tarifpcrliag» bruchcS ist die Firma Oskav Thiele, Friedenau, Güterbahnhof, bis ans weitere» gesperrt! lt. 100. 23. Jahrgang. 5. KeilW des.Fsmdck" Kerlim WsM Aienstag, 1. Mai 1906. jVlaifeier. Jährlich, am ersten Morgen im Mai, Singt es und klingt es und flattert herbei, Flötet und trillert durch Busch und durch Feld! Lerche steigt schmettemd zum himmlischen Zelt, Ruft zum Appell alle Vöglein im Kreise, Amsel und Buchfink und Drossel und Meise: „Achtung! Gleich kommen viel lustige Leut'; Festtag ist heut!" Zährlich, am ersten Morgen im Mai, Reißt Jungfer Sonne die Nebel entzwei, Scheucht sie von hinnen mit leuchtendem Strahl, Rötet den Berg und vergoldet das Tal; Küßt allen Blumen die Mündchen und Wangen: „Achtung! Gleich werdet Besuch ihr empfangen; Putzt euch und duftet in Tiefen und Äöh'n Doppelt so schön!" Jährlich, am ersten Morgen im Mai, Schalt es in qualmigen Städten:„Juchhei!" Männer und Frauen, ins Dunkel gebannt, Strömen zum Lichte im Sonntagsgewand, Aus der Fabriken graudüstern Verließen, Daß sie im Freien der Freiheit genießen! Wollen nach emsigem Schaffen und Tun Auch einmal ruhn. Jährlich, am ersten Morgen im Mai, Tönt aus Kontoren ein Zetergeschrei. Denn, wenn der Arbeiter wälderwärts zieht: Wo bleibt die Ordnung und wo der Profit? Wenn keiner schuftet, verliert noch am Ende Ach, der Äerr Chef ein Prozent Dividende! „2a", kräht der Aermste,„die Faulheit gedeiht; Schreckliche Zeit!" Jährlich, am ersten Morgen im Mai, Ist auf den Beinen viel Stadtpolizei. Lei, wie sie schnüffelt und stänkert und rügt, Wo sich das Volk gar zu munter vergnügt! Säbel find locker, Revolver geladen: „Achtung", so schnarrt es,„dem Plebs an die Waden! Gebt nicht Pardon, wenn er dreist sich erftecht! Schießt, haut und stecht!" Sttiger, fröhlicher Morgen im Mai! Ein Tag im Jahr ist dem Arbeiter frei. C i n Tag Vergessenheit! E i n Tag, nicht mehr; Armut und Knechtschaft, wie lastet ihr schwer! Soll er drum klagend verzichten und leiden? Nein, wie der Mai sich in Äoffnungsgrün kleiden! Stöhnt auch die Freiheit noch keuchend im Joch: Einst kommt sie doch! Menetekel. pancl-Hn�elcgcnbcitm Achtung! Maiversammlungen! Um eine schnelle und umfassende Berichterstattung von der Maidemonstration zu ermöglichen, bitten wir die Bureaus der in Berlin und den Vororten tagenden Maiversammlungen, über den Verlauf der Demonstration sofort nach Schluß der Versamm- l u n g einen knappgefaßten Bericht auf einer Postkarte an die Redaktion des„Vorwärts" abgehen zu lassen. Treptow- Baumschulenweg. Der Wahlvcrein hält heute seine Maifeier, mit Unterstützung aller in Betracht kommenden Vereine, wie Turn-, Radfahr- und Gesangverein, im Lokale von Speer, Baumschulenweg, Baumschulenstr. 78, ab. Nachmittags 4 Uhr findet großes Gartenkonzert und im Saale Tanz statt. Die Festrede wird vom Parteisekretär Genossen Fr. Ebert gehalten. Nachdem großes Feuerwerk. Die Kaffeeküche ist von 3 Uhr an geöffnet. � Bei dem geringen Eintrittspreise von 20 Pf. ist zu erwarten, daß die Partei- genossen ihre Pflicht erfüllen und für einen guten Besuch unserer diesjährigen Maiseier sorgen werden, damit dieselbe einen imposanten Eindruck macht. Der Vorstand. Johannisthal, Nieder-Schöncwcide und Rudow. Die Vormittags- Versammlungen in Hasselwerder und Nieder-Schöneweide finden um 10 Uhr statt. Referenten Genossen John und Dies ner. Die Maifeier genannter Orte findet nachmittags 4 Uhr im Lokal„Linden- hos". Johannisthal, statt. Llm Abend Versammlung. Referent Genosse B i e s n e r. Königs-Wuficrhausen. Heute nachmittag 2 Uhr findet im Lokal von Otto Ballmüller in Neue Mühle eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung:„Die Bedeutung des 1. Mai und das Wahl- recht der Arbeiter". Arbeiter, Parteigenossen! Sorgt für zahlreichen Besuch dieser Versammlung. Die Mitglieder der Gewerkschaften müssen zwecks Abstempelung ihre Verbandsbücher mitbringen. Nach der Versammlung große Maifeier, bestehend in Gesang, turnerischen Ausführungen, Theater und Ball. Nur durch Mitglieder eingeführte Gäste haben Zutritt. Billetts sind bei den Mitgliedern und beim Komitee zu haben. DaS Komitee des Wahlvereins. Reinickendorf-West. Die Maifeier findet nachmittags 4 Uhr im Lokale von Franke statt. Die Festrede hat Genosse Hesse über- nommen. Die Genossen werden ersucht, sich recht zahlreich an der- selben zu beteiligen. Einlaßkarten sind bei allen bekannten Partei» genossen zu haben. Der Vorstand. Schöneberg. Arbeiter, Parteigenossen! Wir weisen nochmals darauf hin, daß heute nachmittag im Obstschen Restaurant unsere Maifeier stattfindet. Das Komitee hat alle Vorbereitungen getroffen, um das Fest der Arbeit für alle Teilnehmer genußreich und würdevoll zu gestalten. Männer und Frauen, sorgt deshalb für imposanten Besuch des Festes. berliner I�aclmcbteu. Herr Stadttat Fischbeck, der Dezernent des städttschen Obdachs. hat sich in der letzten Sitzung des Kuratoriums in der eigenen Schlinge gefangen. Es handelte sich um die Anstellung eines Nacht- Portiers und dessen Wahl aus der Reihe der sich um diesen Posten bewerbenden Hausdiener der Anstalt. Bei der Abstimmung über diese Personalfrage frug Genosse Hoffmann, ob es zulässig sei, die Oeffentlichkeit darüber zu unterrichten, wer für oder gegen die Kandidaten gestimmt habe. Darauf antwortete der„passende Mann" mit einer Standpauke, in der er eine solche Mitteilung nicht nur für unzulässig hielt, sondern auch drohte, daß auf Grund der Kollegialverfassung der Herr Oberbürgermeister gegen eine derartige Disziplinwidrigkeit energisch einschreiten würde. Genosse Hoffmann fand es ganz in der Ordnung, daß über die Abstimmung der einzelnen Kuratoriumsmitglieder bei Anstellungen nichts weiter getragen werden sollte, ersuchte aber den Herrn Stadttat, sich seine eigenen Worte als Warnung dienen zu lassen, denn kein anderer als er selbst habe kürzlich im Plenum der Stadtverordneten- Versammlung diese eben aufgestellten Grundsätze in der gröblichsten Weise verletzt, als dort von der Anstellung des neuen Inspektors fürs Obdach die Rede war. Damals erklärte er vor aller Oeffent- lichkeit, gegen die Stimme des Herr» Hoffmann sei der Inspektor gewählt worden. So fing sich der schneidige Herr Stadttat in seiner eigenen Schlinge. Und da er sich dieselbe sehr fest zugezogen hatte, ließen ihn auch die übrigen Herren im Stich. Herr Magistratsbaurat Gottheincr teilt uns in bezug aus unsere Notiz: Gefälligkeitspolitik in der Komunne? mit, daß er in keinerlei verwandtschaftlichem Verhältnis zu dem Erbauer des Tietzschen Warenhauses Herrn Gottheiner, stehe: er kenne den Herrn nicht. An der Sache selbst ivird durch diese Feststellung natürlich nichts geändert. Die Unterbringung geisteskranker Verbrecher in den städtischen Irrenanstalten hat den Magistrat und die Stadtverordneten wieder- holt beschäftigt. Im Verfolg einer Anfrage der letzteren vom Jahre 1001 ist die Angelegenheit Gegenstand eingehender Er- wägungen gewesen, deren Resultat jetzt in einer Magistratsvorlage bekannt gegeben wird. Als besonders lehrreich wird der Fall des berüchtigten Schiffers Richard Erpel herangezogen, in welchem das Bundesamt für Heimatwesen die Kostenerstattung und Uebernahmepflicht der Stadtgemeinde Berlin ausbürdete, obgleich Erpel in Rüdersdorf(Landarmenverband Branden- bürg) seinen Unterstützungswohnsitz hatte und trotzdem derselbe auf Ersuchen der Polizei in die Irrenanstalt aufgenommen worden war. Zwar sprach sich das Bundesamt dahin aus. daß es sich hier um Polizei kosten handele, die Behörde lehnte deren Erstattung aber ab, da mittelbare Polizeikosten vorlägen, für die die Stadt aufzukommen habe. Mit Rücksicht auf die Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts, welches auch dann einen Armenpflege fall annimmt, wenn der Kranke im Interesse der allgemeinen löffentlichen) Sicherheit der An- staltspflege bedarf, will der Magistrat von der Anstrengung eines Prozesses gegen den Fiskus absehen; auch von einer Pc- t i t i o n, wie sie die Stadt Breslau mit negativem Erfolge versucht hat, verspricht man sich nichts, da die Erklärungen der Regierungsvertreter im Parlament zur Genüge erkennen ließen, daß an eine Aenderung des jetzigen Zustandes im Wege der Gesetzgebung nicht zu denken ist. Aus all diesen Gründen würde sich auch eine Beratung der Frage in gemischter Depu- tation nicht empfehlen. Der Magistrat ersucht daher die Stadt- verordnetenversammlung, ihren diesbezüglichen Beschluß für er» l e d i g t zu erklären. Das rätselhafte Verschwinden des Dienstmädchens Emma Krüger, welche im November vorigen Jahres zuletzt auf dem Vorortbahnhof in Nauen gesehen wurde, und nach deren Verbleib die Berliner Kriminalpolizei vergeblich forschte, hat nunmehr eine teilweise Aufklärung gefunden. Vor etwa 14 Tagen wurde in der Havel bei Rathenow eine bereits stark in Verwesung über- gegangene Leiche eines Mädchens aufgefunden und als unbekannt eerdigt. Ter Verwesungsprozcß war bereits so weit vorgeschritten, daß die gerichtsärztlichc Feststellung kein Ergebnis mehr zu liefern vermochte, ob die betreffende Person etwa eines gewaltsamen Todes gestorben sei. Nachträglich ist nun durch Schmucksachen, die bei der Toten vorgefunden wurden, sowie durch Monogramme in der Wäsche festgestellt worden, daß die Verstorbene mit der ver- mißten K. indentisch ist. Auffällig erscheint es, daß Blouse und Kleid, mit welchen die Tote bekleidet war, nicht als Eigentum des Mädchens erkannt werden konnten. Beitragsmarken vom Mctallarveiterverband sind am Freitag, den 27. April, auf dem Wege Köpenickerstraße- Schlesisches Tor bis Köpenickerstraße 154 verloren gegangen. Der Finder wird gebeten, dieselben bei P. Peix, Skalitzerstr. 70a, abzugeben. Im Deutsch-Amcrikanischen Theater wurde am Sonnabend zum erstenmal das Stück„Arme Mädchen" gegeben. Es sollte drei Szenen aus dem Arbeiterleben darstellen, war aber nichts weniger als das. Das Stück führt uns in eine Arbeiterfamilie, in der ein Arbeiter mit seiner Schwester und zwei erwachsenen Kindern, einer Tochter und einem Sohn, wirtschaftet. Während die Angehörigen schwer arbeiten müssen, um das Notdürftigste heranzusckiaffen, ist der Vater ein Trunkenbold und Nichtswer, der sich von seinen Kindern ernähren läßt und sogar zum Kuppler bereit ist. Dieser„Arbeiter" steht auf dem Standpuntte, daß man bei den Hungerlöhnen die Kapitalisten nur reich macht, und deshalb arbeitet er überhaupt nicht. Er wartet auf das Jahr 1014. Dann werden andere Zeiten an- brechen. Er besucht auch fleißig Versammlungen und Meettngs und wird uns gewissermaßen als Typus eines Arbeitervertteters vor- gestellt, eine Figur, wie sie in den Anfängen der Arbeiter- bcwegung von dem Bürgertum gedacht wurde: In der einen Hand die Pechfackel, in der anderen die Petroleumkanne. Dieser Popanz mag genügen, um den Charakter des Stückes zu kennzeichnen. Da hilft auch nicht darüber hinweg, daß dem Fabrikanten bei einer anderen Gelegenheit einige Wahrheiten über sie Sünden der von ihm repräsentierten Gesellschaftsklasse gesagt werden. Zwischendurch spielt eine Liebesgeschichte, in der der Neffe des Fabrikanten mit der Tochter des Arbeiters anbandelt, nachdem er eS verschuldet, daß eine nicht mehr im Hause befindliche Schwester zur Dirne geworden. Bei der Verlobung kommt das ans Tages- licht und der Bruder schwört Rache, die darin besteht, daß er den Verführer erschießen will, aber seine zur Dirne gewordene Schwester ttifft. Als der Schuß fällt, ertönt aus dem Hintergrunde die Arbeitermarseillaise, die eine an der Spitze eines Arbeitslosenzuges marschierende Musikkapelle spielt. Ein größeres Ragout ist uns bald noch nicht vorgekommen. Das ganze Stück charakterisiert sich als ein einziger großer grober Unfug. Rnbrennen zu Treptow. Die Rennen am Sonntag wiesen als Hauptmimmer ein Stundenrennen mit Motorführung auf. P. Günthcr-Köln, C. Simar-Paris und H. Przyrembel-Berlin stellten sich dem Startes und wandte sich das allseitige Interesse den beiden ersteren zu, war man doch auf das Auftreten Simars gespannt, der schon einmal in Treptow einen Sieg über Dcmke errungen und nun gegen Günther sein Können beweisen sollte. Der Kölner jedoch erwies sich als weit überlegen; von Anfang an die Spitze nehmend, passierte er seine Gegner nach Belieben und wohlverdienter Beifall lohnte dem Siege bei seiner Ehren- runde. Simar endete als zweiter und Przyrembel kam durch öfteres Versagen seiner Motoren auf einen ganz schlechten dritten Platz.— Tos 30 Kilomcter-Bcnnen war eine Art Experiment. Stol und Hellemann, zwei bekannte Treptower Flieger und Wie- werall, der als Schrittmacher bisher tätig war, starteten als Dauer- fahrer und scheint besonders Stol das Zeug zu einem guten Fahrer in sich zu haben, denn seine ruhige Fahrweise gefiel all- gemein. Unter der Führung von Eschweiler stand Stol das ganze Rennen durch und ist die Zeit eine gute. Wicwerall hielt sich ebenfalls tapfer, kam aber gegen den Sieger nicht auf, während Hellemann von vornherein ins Hintertreffen kam und überhaupt keine Rolle spielte, da er fortwährend von seiner Führung abfiel. — Die Fliegerrennen waren der Klasse III der Treptower Fahrer vorbehalten und machte die starke Besetzung der Felder zahlreiche Vorläufe notwendig. Die Rennen verliefen ohne Unfälle. Der Besuch der Bahn war außerordentlich gut. Krankenkaffenmitglicder und Krankenkassenvorstände werden darauf aufmerksam gemacht, daß die ErholungSstätten vom Roten Kreuz in der Jungfernheide und bei Station Eichkamp(für Männer), am Spandaücrberg und in Schönholz(für Frauen) am 1. Mai eröffnet werden. Für Kinder im schulpflichttgen Alter werden die Erholungs- stätten in Sadowa und in Schönholz ebenfalls am 1. Mai eröffnet. Ebenfalls am t. Mai eröffnet wird die Erholungsstätte der Stadt Schöneberg bei Station Eichkamp(für Männer). Die Anmeldungen für diese Erholungsstätte sind an Herrn Dr. Rabnow, Schöneberg, Hauptstraße 103, zu richten. Die Erholungsstätte der Stadt R i x d o r f in der Königsheide unweit des Bahnhofs Baumschulenweg— für lungenkranke Frauen und Kinder— wird am gleichen Tage eröffnet. Hier sind die An- Meldungen an den Verein zur Bekämpfung der Tuberkulose in Rix- dorf, Richardstraße 5 I, zu richten. Kranke, welche glauben, daß ihnen der Aufenthalt in der Erholungsstätte zuträglich sein könnte, wolle ihre Wünsche ihren Kassenärzten vortragen. Für Hin- und Rückfahrt hat die Eisenbahndirektion und die Große Straßenbahn Preisermäßigungen bewilligt in Form von Arbeiterwochenkarten, die gegen Vorzeigung der von der ErholnngS- stätte ausgestellten Erkennungskartc an den Eisenbahnstationen ver- kauft werden bezw. von Monatskarten a 3 M., die im Bureau der Erholungsstätten, Friedrichstr. 207, Hof rechts II, werktäglich von 10—1 Uhr erhältlich sind. In diesem Bureau werden auch alle weiteren Aufschlüsse über die Erholungsstätten erteilt. Feuerwehrbcricht. Gestern früh um 6 Uhr kam in der 206. Gemeindeschule in der Siemensstraße 20 Feuer aus. Dort brannte besonders Papier usw. im Keller. Die Wehr mußte kräftig Wasser geben, um die Gefahr zu beseitigen.— Ein Ladenbrand beschäftigte die Wehr längere Zeit in der Brunnenstraße 26. Durch tüchtiges Wassergeben gelang es, die Flammen auf den Laden, der fast vollständig ausgebrannt ist, zu beschränken.— Schwere Brandwunden erlitt am Sonntagabend der Militäranwärter Philipp bei einem Brande, der in seiner Wohnung, Kremmener- straße 7, aus Unvorsichtigkeit auskam. Samariter der Feuerwehr legten dem Verletzten an Händen und im Gesicht Notverbände an. Vor der Zugwache 16 in der Pankstraße wurde ein Kind von der elektrischen Straßenbahn überfahren, von der Feuerwehr nach der nächsten Unfallstation und dann nach dem Krankenhause gebracht, wo man mehrere Beinbrüche feststellte.— Vor dem Hause Grünerweg 30 ging eine Automobildroschke in Flammen auf.— Im dritten Stock des Quergebäudes Petersburgerstraße 50, brannte die Wohnung von McbS und in der Artilleriestraße 13 Kisten auf dem Hof. Ferner hatte die Wehr in der Nazarethkirchstraße 41 zu tun, wo Teer in einer Küche brannte und enormen Qualm verursachte. Lumpen waren in der Lessingstraße 23, Holzwolle u. a. in der Schwerinstraße 13, Stroh usw. in der Wolliner- straße 47, Möbel, Gardinen usw. in der Blumenstraße 35a, Wein» meisterstraße 10/11, Waldenserstraße 27, Schröderstraße IS und anderen Stellen in Brand geraten. Vorort- l�aedriedten. Schöueberg. Ein schwerer Unfall ereignete sich auf dem Neubau Odenwald- straße 5 in Schöneberg. Dort Ivaren zwei Italiener damit be- schästigt, im dritten Stockwerk den Balkon mit Zement zu versehen. Als einer der beiden Arbeiter einen schweren Zementsack auf die Balkondecke abwarf, brach dieser plötzlich durch und die beiden Leute stürzten in die Tiese. Sie fielen durch den Balkon deS zweiten Stockwerks und schlugen auf den der ersten Etage auf. Die beiden Verunglückten hatten an den Armen, den Beinen und am Kopf erhebliche Verletzungen erlitten und erhielten auf der Sanitäts- wache die ersten Notverbände. Charlottenburg. Der Wahlverein von Charlottenburg weist gegenwärtig 214� Mitglieder auf. Diese verteilen sich auf die einzelnen Berufe wie folgt: Maurer 424, Arbeiter 375, Tischler 134, Gastwirte 120, Schlosser 125, Zimmerer 124, Maler 34. Töpfer 70, Dreher 31, Schuhmacher 31, Schneider 27, Mechaniker 22. Klempner 20, Glaser 20, Barbiere 19, Unbekannt 18, Schmiede 17. Schriftsetzer 17, Kutscher 17, Tapezierer 16. Metallarbeiter 16. Händler 15, Kellner 15, Porzellan- arbeiter 13, Buchbinder 13, Buchdrucker 12, Stukkateure 12, An- schläger 12, Steinsetzer 11, Former 11, Rohrleger 11. Böttcher 11, Bureaubeamte 11, Uhrmacher 11, Schrifffteller 11, Bäcker 10, Kauf- leute 0, Hausdiener 9, Monteure 8, Stellmacher 8, Zigarrennlacher 7, Zigarrenhändler 7, Bodenlegcr 7, Einsetzer 6, Handlungsgehülfen 6. Je fünf Drechsler, Bildhauer, Feilenhauer. Gärtner. Fensterputzer, Heizer, Maschinenmeister und Gürtler. Je vier Musiker, Leder- arbeiter, Brauer, Steinmetze, Dachdecker, Sattler, Steindrucker und Glasbläser. Je drei Vergolder, Doktoren, Schleifer, Geschäftsführer, Schlächter, Konditoren. Gärtner und Drücker. Je zwei Lackierer, Stereotypeure, Photographen, Müller, Bohner, Kupferschmiede. Redakteure, Lithographen, Fuhrherren, Gerüstbauer, Rabitzspanner, Rohrer, Isolierer und Zementierer. Je ein Täschner, Dentist, Gold- schmied, Packer, Schreiber, Kürschner, Zeitungsspediteur, Stenograph, Bierfahrer, Zapfer, Kunstmaler, Apotheker, Verwalter, Korbmacher. Posamentier, Waschanstaltsbesitzer. Arzt, Zinngießer, Reisender, Notenstecher, Asphalteur, Lagerhalter, Zahnkünstler, Teppichreiniger, Installateur, Rechtsanwalt, Drogist, Hutmacher, Galvanoplastiker, Straßenbahnführer, Kernmacher, Ziseleur. Die Bereinigung der Maler usw. befaßte sich in ihrer letzten Versammlung mit der Feier des 1. Mai. Nach einem einleitenden Referate des Kollegen Flemming wurde beschlossen, sich in diesem Jahre recht zahlreich an der Maifeier zu beteiligen. DaS Ver- sammlungslokal ist der untere Saal des„Volkshauses".— Der An- trag der Gewerkschaftskommission, die Anstellung eines besoldeten Arbeitersekretärs und die damit verbundene Kopfsteuer von 15 Pf. pro Vierteljahr betreffend, wurde nach den Darlegungen des Refercn- ten Genossen Scheible gegen 3 Sttmmen angenomnien.— An Stelle des nach Köln verzogenen Kollegen Jost wurde Kollege Grießmeyer als Delegierter in die Gcwerkschaftskommission und Kollege Lange in die Volkshauskommission entsandt. Rixdorf. Auf dem Wege Wilhelmplatz— Berlinerstraße entlang bis Knie ist am Sonnabend ein Portemonnaie mit 36,35 M. verloren worden. Der Finder wird gebeten, dasselbe gegen Belohnung bei L u t s ch k e Weserstr. 204, Ouergebäude 3 Treppen links, abzugeben. Schmargendorf. In der am Mittwoch im Restaurant„Sanssouci" stattgesundeuen Generalversammlung des Wahlvereins gab Guttbier den Bericht des Vorstandes. Nach demselben haben im letzten Quartal statt« gefunden: fünf Mitglieder-, eine Generalversammlung, vier Volksversammlungen und vier Flugblattverbreitungen. Die Mitglieder- zahl beträgt 64. Nach dem Kassenbericht deS Genossen Rogatt steht einer Einnahme von 70,S3 M. eine Ausgabe von 75,35 M. gegenüber; es ist sonach ein Defizit von 4,42 M. vorhanden. Auf Antrag der Revisoren wurde der Kassierer einstimmig entlastet. An Stelle des ausgeschiedenen zweiten Vorsitzenden wurde der Genosse Karl Schmidt als solcher gewählt. Unter Verschiedenem wurde beschlossen. am 1. Mai abends 8 Uhr im Restaurant„Sanssouci" eine Bolls- Versammlung mit dem Thema:„Die Bedeutung des 1. Mai" ab- zuhalten; nach derselben findet gemiitlicheL Beisammensein mit Tanz statt. Die Genossen wurden ersucht, recht rege für den Besuch der Versammlung zu agitieren. Treptow-Baums chulenweg. Die letzte Gemeindevcrtretersitziing begann ihre Tätigkeit mit der Einführung der neugewählten Mitglieder, unter denen sich auch unsere Genossen G e r i s ch und Karow befanden. In den PetitionS- ausschuß wurde Genosse Gramenz und als Schiedsmannstellvertreter für den Bezirk Treptow Herr Professor Dr. Blumenthal gewählt.— Dem Antrag, dem Verbände der größeren Landgemeinden beizu- treten, wurde zugestimmt und die 24 Mark Jahresbeitrag bewilligt.— Der Freiwilligen Feuerwehr wurden zur weiteren Ausrüstung 3470 M. überwiesen. Hierbei wurde die höchst mangelhafte Unterstützung der Wehr durch die Hausbesitzer von allen Rednern scharf kritisiert und dem Gemeindevorsteher nahegelegt, hierzu Stellung zu nehmen.— Der nächste Beratungsgegenitand betraf die anbaufähige Herstellung der Dorfstraße und Neuen Krugallee. Hier handelt es sich in der Haupt- fache um die Ausführung des vor zwei Jahren mit der Untergrund- bahn abgeschlossenen Vertrages, Treptow und Baumschulenweg mit einer Straßenbahn zu verbinden. Das Projekt, toelches bisher durch das zu geringe Entgegenkommen Berlins nicht zur Ausführung gelangen konnte, scheint gesichert. Die Stadtgemeinde Berlin über- läßt jetzt Treptow in der Dorfstraße und Neuen Krugallee die nötigen Ländereien zur Verbreiterung des Dammes auf 11,5 Meter und zur Anlegung einer Promenade, welche auf beiden Seiten je eine Breite von 2,5 Meter haben muß. Die Gemeinde dagegen übernimmt die Pflasterung und verpflichtet sich, die anbaufähige Her- stellung der Neuen Krugallee zu beschleunigen. Auch übernimmt Treptow nach Fertigstellung der Straßen die Unterhaltung und Be- sprengung.— In nicht öffentlicher, ausgedehnter Sitzung wurde neben anderen Vorlagen der Antrag der Lehrerschaft auf Erhöhung der Mietsentschädigung und Abänderung des Normalbesoldungs- planes für die besoldete» Gemeindebeamten besprochen und einem neugebildeten Ausschuß überwiesen, dem von unserer Seite Genosse Gramenz angehört.— Einem von den sozialdemokratischen Vertretern geäußerten Wunsche, die Sitzungen an einem bestimmten Tage statt- finden zu lasten, soll nach Möglichkeit entsprochen werden. Ueder„Jugenderziehung und Sozialismus" sprach in der General- Versammlung des Wahlvereins Genosse Julian Borchardt. In klarer und verständlicher Form behandelte der Referent dieses Thema vom Gesichtspunkt des sozialistischen Erziehungsproblems. Hieran schloß sich eine kurze Diskussion, an welcher sich Genosse Gramenz beteiligte. Der hierauf erstattete Kassenbericht des Genossen Mickleh zeigte eine Einnahme von 760,83 M. und eine Ausgabe von 372,63 M. Der Bestand von 388,15 M. wurde der Fentralkasse überwiesen. In dem hierauf erfolgten Vorstandsbericht teilte Genosse König mit, daß ein neuer Beisitzer gewählt werden müsse. Die Versammlung wählte hierauf einstimnng den Genossen W. Traczyk. Genosse Lüdke erklärte hierauf sein Amt als Schriftführer niederlegen zu wollen und motivierte dies damit, daß der zwischen Treptow und Baumschulenweg vorhandene Streit zu persönlichen Störungen Ver- anlassung gegeben habe. Auf das Ersuchen verschiedener Genosten, sein Amt zu behalten, bis der Vorstand in dieser An- gelegenheit Ordnung geschaffen habe, erklärte sich Genosse Lüdke zur wettere» Ausübung seiner Tätigkeit bereit. Ferner wurde beschlossen, gegen die Genossen Paul Stenzel, Bäckermeister, OttoOesterwitz„HieronymusRedlich und Hecht, Barbier, beim Parteivorstand durch den Zentral- vorstand den Ausschluß aus der Partei zu beantragen, da dieselben bei der letzten Gemeindevertreterwahl nicht gewählt haben. Wegen desselben Vergehens soll beim Zentralvorstand beantragt werden, den bisherigen Genossen Otto K ü ch l e r, der sich vorsichts halber selbst schon abgemeldet hat, vorläufig nicht wieder aufzu- nehmen und den Genossen O t t o Hilgert und August Sommer eine Rüge zu erteilen. Stralau- Rummelsburg. Ein bedauernswerter Unfall hat sich am Sonnabendabend auf dem Bahnhof Sttalau-RunimelSburg ereignet. Der ö8jährige Eisen bahnbeamte Hermann Puhl, Kleine Andreasstr. 17, kam beim Rangieren eines leeren Vorortzuges so unglücklich zu Fall, daß er überfahren und an der Hauptschlagader schwer verletzt wurde. Bald darauf starb. P. infolge Verblutung. Der Bedauernswerte hinterläßt Frau und mehrere unmündige Kinder. Paul Gebauer, unser alter bewährter Parteigenosse, ist gestern nacht, nach kurzer Krankheit im Alter von 44 Jahren plötzlich ver- starben. Seit über 20 Jahren gehörte Gebauer als tätiges Mitglied der Partei und auch seiner Gewerkschaft an. Seine Tätigkeit für die Gewerkschaft entfaltete er bereits im Fachverein der Klempner und später im Deutschen Metallarbeiterverband. Diese beiden Organisa tionen vertrat Gebauer auch auf mehreren Kongressen. Die Rummelt burger Parteigenossen haben seiner rührigen Tätigkeit viel zu danken und verlieren in ihm einen äußerst tüchtigen und braven Genossen. Durch seine ruhige, zielbewußte Tätigkeit für die Partei hat sich Gebauer das Vertrauen aller Genossen erworben. Das Amt des Vertrauensmannes für unsere Partei bekleidete er vom Jahre 1809 bis 1003. Auf dem Parteitag in Mainz vertrat Gebauer als Dele- gierter den Kreis Niederbarnim. Auch als Gemeindevertreter wirkte er für unsere Partei bis zum 1. April d. I. Außer unseren Genossen trauert die Frau und ein Sohn schmerzerfüllt um den Dahin- geschiedenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 2. Mai, nachmittags ö Uhr vom Sterbehaus. Wilhelmstraße 6 aus statt. Wilmersdorf. Die Gewerkschaften sind in diesem Jahre durch da? rigorose Verhalten der Saalbesitzer am Ort gezwungen, die am 1. Mai übliche kombinierte Gewerkschaftsversammlung in Schöneberg „Wilhelmshof" abzuhalten. Laut Beschluß der Vorstände finden sich die Mitglieder der Gewerkschaften in ihren Zahlstellen um 9 Uhr ein, um dann geschlossen nach dem Versammlungslokal zu gehen. Die Feier findet nachmittags im Birkenwäldchen-Steglitz statt. Köpenick. Ein Raubanfall wurde am Sonntag auf der Köpenicker Chaussee verübt. Das 28 jährige Diensttnädchen Berta Samter aus Posen war in Müggelsheim gewesen und wollte nach Köpenick gehen, um auf dem dortigen Friedhofe die Begräbnisstätte des Vaters aufzu- suchen. Sie schritt die Chaussee entlang und da sie allmählich eine große Müdigkeit verspurte, bat sie einen vorüberkommenden Kutscher, doch mitfahren zu dürfen. Das junge Mädchen setzte sich auf den Wagen, doch auch dieser stockte plötzlich ivährcnd der Fahrt. Während NUN dsr Kutscher nach einem etwas abseits in der Forst gelegenen Lokal ging, um sich Wagenschmiere zu holen, blieb die S. allein auf dem Gefährt zurück Kaum war der Kutscher unsichtbar, so trat ein fremder Mann auf das Madchen zu, fiel über es her und würgte es am Halse. Er versuchte dann, seinem Opfer die Tasche zu entreißen. mußte iedoch davon ablassen, da mzwiichen auf die Hülferufe des Mädchens Spaziergänger hinzueilten. Der Täter ergriff die Flucht und entkam auch leider. Weihensee. -°„Das Verhalten der Polizei gegen die Streikposten auf dem Bau Rutenberg" lautete das Thema, über welches Genosse Fendel in einer nach dem„Prälaten" einberufenen öffentlichen Versammlung referierte. Redner geht auf die Entstehung der bei genannter Firma eingetretenen Arbeitsniederlegung ein und kommt alsdann auf das Verhalten der Polizei den Streikenden gegenüber zu sprechen. Man habe den Streikenden zugerufen:„Faule Bande, habt wohl nichts Lust zu tun!" Derartige Ausdrücke aus dem Munde von Beamten, meint Redner, hat sich die Arbeiterschaft aufs energischste zu ver- bitten. Sollten die Beamten ihre Aufgabe dazu mißbrauchen, streikende, um Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen kämpfende Arbeiter zu beschimpfen, so hat die gesamte Arbeiterschaft Ursache gegen ein solch unwürdiges Verhalten Stellung zu nehmen. Im weiteren Verlauf schildert Referent die Art, wie man die Arbeits-. willigen nach dem bestreikten Betriebe geführt habe.— An die Aus- führungen des Referenten knüpfte sich eine lebhaste Diskussion, worin unter anderem die Judasdienste eines Straßenbahnschaffners, welche derselbe der Gendarmerie über die Streikenden machte, gekennzeichnet wurden. Zum Schluß gelangte folgende Resolution zur einstimmigen Annahme:„Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten wie der Diskussionsredner einverstanden. Die Ver- sammelten sprechen den Ausständigen ihre Shmpathie aus und ge loben, soweit es noch nicht geschehen, den Beitritt zur gewerkschaft lichen und politischen Organisation zu bewirken. Die Versammelten verurteilen entschieden das Gebaren der Polizei den streikenden Arbeitern der Firma Rutenberg gegenüber und ersuchen die Geineindevertrettma Weißensees, Schritte zu unternehmen, um der- artige Vorkommnisse zu verhindern." Nieder- Schönhause». I» der an, 24. April stattgefundenen Generalversammlung des Wahlvereins erstattete Genosse Paetzold den Bericht des Vorstandes Danach haben stattgefunden: 2 Protestversammlungen, 2 öffentliche Wählerversammlungen, 3 Wahlvereinsversammlungen, 4 Flugblatt Verbreitungen und 5 Vorstandssitzungen. Redner bedauerte den schwachen Versammlungsbesuch und rügt die lasche Be� teiligung bei Flugblattverbreitungen; er crmahnte, nicht nur immer einzelnen Genossen die Parteitätigkeit zu überlassen. Die Gemcindewahlen streifend, konstatierte Redner einen starken Stimmenzuwachs unserer Partei am Ort, sowie eine Stärkung der Organisation.— Ein vom Vorstand gestellter Antrag. wonach bei Beerdigungen nur dann ein Kranz mit roter Schleife gespendet werden soll, wenn kein Geistlicher zugegen ist, wurde an- genommen. Den Kassenbericht gab Genosse Solomon, wonach einer Einnahme von 172,15 M. eine Ausgabe von 170,11 M. gegenüber� steht. Es verbleibt somit ein Bestand von 2,04 M. Die Mitgliederzahl beträgt für den Bezirk Nieder-Schönhausen 240. Davon entfallen auf Nieder- Schönhausen 135. Blanken felde 22, Mühlenbeck 51, Schildow 16 und Zühlsdorf 16 Mitglieder. Auf Antrag der Revisoren wurde der Kassierer entlastet. Nachdem noch Genosse Schwarz eine persönliche Angelegenheit zur Sprache gebracht hatte, forderte der Vorsitzende zu reger Beteiligung für die Maifeier auf. Herzfelde. Recht soilderbare Ailffassungen über das Versammlungsrecht der Arbeiter scheint der am hiesigen Orte stationierte Gendarm zu haben. Die Genoffen veranstalteten für die in den zahlreichen Ziegeleien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen am Sonntag eine öffentliche Versammlung, in der Genosse HanS Weber einen Vortrag über die Bedeutung des 1. Mai hielt. Vor Eröffnung der Versaminlung verlaugte der Gendarm, daß die anwesenden Frauen auf der Galerie Platz zu nehmen hätten. Darauf ausinerksam ge- macht, daß er mit diesem Verlangen eine gesetzwidrige Handlung begehe, antwortete der Gendarm in der den Vertretern der Staats gewalt eigenen Tonart, daß er andernfalls die Ver saminlung auflöse! Um nicht die gutbesuchte Ver- sammlung zur Auflösung zu bringen, kam man dem gesetz- widrigen Verlangen nach. Nach Erledigung der Tages- ordnung beschäftigte sich der Referent an Hand des vor- liegenden Falles mit der Beschränkung der Versammlungsfreiheit durch gesetzesnnkundige Beamte. Er riet den Versammelten, das Bureau mit einer Beschwerde an den Landrat zu beauftragen, damit dem Herrn Gendarmen die Gesetzesparagraphen besser instruiert werden. Als die Ausführungen Beifallsrufe und Zustimmungs klatschen der Versammelten auslösten, verbat sich der Gendarm beim Vorsitzenden diese Beifallsäußerungen, widrigenfalls er die Versammlung auflöse! Allgemeines Gelächter wurde natiir lich durch die Bekanntgabe dieses Verlangen? hervorgerufen. Mit dem Verspreche», daß zur nächsten Volksversammlung alle Männer ihre Frauen mitbringen würden, erreichte die Versammlung dank der Mithülfe des Gendarmen ihren agitatorischen Zweck. Karlshorst. Ein heftiger Zusammenstoß eines Automobils mit einem Last- wagen fand am Sonntagmorgen auf der Frankfurter Chaussee in der Nähe von Karlshorst statt. Das Auto, auf welchem sich zwei Herren und zwei Damen befanden, stlhr mit großer Schnelligkeit die Chaussee entlang und wollte an der genannten Stelle einem vor ihm fahrenden Planwagen ausweichen. Hierbei sauste der Kraft- wagen mit voller Gewalt gegen ein entgegenkommendes Laststihrwerk, wobei da? Auto teilweise zertrümmert wurde. Die Insassen wurden auf die Chaussee geschleudert, erlitten jedoch nur unerhebliche Ver letzungen. Ober- Schöneweide. Die Illumination am gestrigen Abend machte einen großartigen Eindruck in ihrer Schlichtheit. In welcher großartigen Weise die Metallbetriebe im Orte bewacht werden und welchen Schrecken die Herrschenden vor dem Maifest haben, wird dokumentiert durch das Aufgebot von Gendarinen, welche, wie im vorigen Jahre, hier, ein- quartiert sind. Die Meister, Vorarbeiter und Vorarbeiterinncn be ruhigen die Gemüter der Wankenden damit, daß ihnen die Anwart- schaft auf Meister- und Vorarbeiterposten versprochen wird. Auch wird getröstet, die liebe Schutzmannschaft steht demjenigen bei, der am 1. Mai zur Arbeit geht. Diese Lockungen sind nichts weiter, als die Versprechungen der Feinde, welche Euch und Euer gutes Arbeitergewiffen töten wollen. Darum, Arbeiter und Arbeiterinnen, bleibt am 1. Mai der Arbeit fern, daß niemand Euch des Verrates zeihen kann. Ein geplanter Umzug durch das Dorf ist auf jeden Fall verboten, er wird polizeilich verhindert. Nowawes- Neuendorf. Eine Gemeindevcrtretersitzung fand am Sonnabend in Neuen- dorf statt. Nach Einführung der Neu- resp. wiedergewählten Ge- meindevertreter unterzog unter geschäftlichen Mitteilungen der Gemeindevorsteher Obst die von uns bereits verschiedentlich be- lenchteten Arbeiterverhältnisse in der Deutschen Jutespinnerei-A.-G. einer scharfen Kritik. Er führte aus, daß die Zustände, die durch die Heranziehung ausländischer Arbeiter nach NowaweS-Neuendorf von genannter Firma herbeigeführt werden, unhaltbare geworden sind; die Gemeinde habe deshalb alle Ursache, sich damit zu be- schäfttaen und auf eine Aenderung hinzuwirken. Nicht nur in Neuen- dorf, sondern auch in NowaweS herrsche eine Empörung über diese Berhältniffe, es habe sich auch die dorttge Vertretung bereits mit der Sache befaßt. Wenn die Firma Arbeitskräfte brauche, möge fie höhere Löhne bezahlen. Um diesen Zuständen ein Ende zu machen, habe sich Redner jetzt mit dem Aintsvorsteher, dem Landrat und dem Regierungspräsidenten in Verbindung gesetzt, und sei zu hoffen, daß diese Maßnahmen tteffen, welche die durch die ausländischen Arbeiter drohenden Gefahren von uns abwenden. Gemeindevorsteher Döring, Direktor obiger Firma, erklärte, daß die Ausfi'ihrungen des Ge- meindevorstehers auf vollständiger Unkenntnis der Sachlage beruhen: die Löhne, welche die Firma zahle, seien sehr gute und die Arbeiter damit vollständig zufrieden; es sei nicht wahr, daß die Leute durch langfristige Konttakte gebunden seien, sie könnten zu jeder Zeit die Arbeit aufgeben; im übrigen herrsche hier im Orte taffächksch ein Arbeitermangel, wie die Arbeitergesuche anderer Bettiebe in auswärtigen Blättern beweisen; die ganze Sache werde nur aufgebauscht, um von einer gewiffen Seite ausgeschlachtet zu werden. Nachdem sich einige andere Vertreter vollständig auf den Standpunkt des Gemeindevorstehers gestellt hatten, erwiderte dieser, daß er seine Ausführungen voll aufrecht erhalte; die Löhne feien allerdings hier höher als in den Gegenden, wo die Arbeiter durch die Agenten der Firma hergeholt werden, aber die Lebens« Verhältnisse seien auch hier bedeutend teuerer als dort; zu ihm seien verschiedentlich Arbeiter gekommen, die ihn um Rat baten, wie sie wieder nach ihrer Heimat kommen könnten, er konnte ihnen aber nicht helfen, da sie— entgegen den Ausführungen des Herrn Döring — durch langfristige Verträge gebnnden waren.— Nach Er- ledigung dieses Punktes beschloß die Vertretung die Ausschreibung der Arbeiten zur Erbauung eines 26 klassigen Schulhauses an der Dorkstraße; dasselbe soll auch ein Brausebad und zwei Wannen- bäder enthalten, welch letztere eventuell auch von den Ein- wohnern mitbenutzt werden können. Zur Ausführung der Arbeiten sollen nur Neuendorfer Unternehmer herangezogen werden.— Die Räume, welche jetzt die Volksbibliothek im Rathause inne hat, sind bei der steigenden Frequenz derselben nicht mehr ausreichend. Da der Verein für Volksbildung um Bewilligung einer Unterstützung ersucht hat, wird beschlossen, ihm eine im Souterrain des Rathauses belegene Wohnung im Werte von 300 M. für die Bibliothek zu überlassen; sollte derselbe aber anderswo billigere Räume erhalten, so sollen ihm 300 M. in bar überwiesen werden. Nach Erledigung einiger weniger wichtiger Vorlagen wurde die öffentliche Sitzung geschlossen. Mariendorf. Vier Arbeiter schwer verunglückt. Ein folgenschwerer Gerüst ein st urz ereignete sich gestern gegen abend in der Lankwitzerstraße 22 zu Mariendorf. Vier Arbeiter wurden dabei so schwer verletzt, daß sie mittels Krankenwagen nach dem Britzer Kreiskrankenhause an der Ringchaussee geschafft werden mußten. lieber den bedauerlichen Vorfall haben wir folgendes festgestellt: Das Grundstück Lankwitzerstraße 22 ist Eigentum der E n g l i s ch e n G a s a n st a I t, und zwar wird jetzt dort ein sogenanntes Retorten- haus neu aufgeführt. Vier Arbeiter einer Kölner Baugesellschaft waren nun auf einem Hängegerüsb in einer Höhe von zirka 15 Metern damit beschäftigt, im Innern des Neubaues die eisernen Wände durch Nieten zu befestigen. Plötzlich gab das Gerüst nach, und im nächsten Augenblick stürzte es mit den vier Arbeitern in die Tiefe. Der Aufschrei der Verunglückten und das Gepolter der Bretter alarmierte die in der Nähe tätigen Arbeiter zur Hülfe- leistung. Schnell waren die Kollegen unter den Trümmern hervor- gezogen. Vier Angestellte der Gasanstalt, die in Samariter- diensten ausgebildet sind, nahmen sich der Verunglückten an und legten ihnen unter Beihülfe des inzwischen eingetroffenen Arztes Dr. Wilkens-Mariendorf die ersten Verbände an. Die Verletzungen waren aber so schwere, daß alle vier unverzüglich nach dem Britzer Kreiskrankenhause übergeführt werden mußten. Am schlimmsten ist der Arbeiter P u s ch aus Maricndorf verletzt. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Aber auch die Verletzungen der anderen drei Kollegen geben zu Besorgnissen Anlaß. Die Ursache des Einsturzes ist noch nicht genau festgestellt, doch scheint sie darin zu liegen, daß ein �-förmiges Hängeeisen gebrochen ist. Die Untersuchung ist ein- geleitet. Spandau. Wegen Flugblattverbreitung zur Gemeindestichwahl in Neu- Staaken am Sonntag, den 26. November 1905, hatten sich die Ge- nossen Schlosser Hermann Richter und Maurer Albert Dräbert vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten. Die Anklage be- hauptete, daß die Genossen die Flugblätter auf der Dorfstraße ver- teilt hatten, in der Verhandlung wurde aber nur erwiesen, daß Richter ein Flugblatt in einem Hof verteilt habe. Gegen Dräbert war gar nichts erwiesen. Die Angeklagten hatten selber zugegeben. Flugblätter nur in den Häusern und Hausfluren verteilt zu haben. Das Gericht verurteilte sie zu je 5 M. Geldstrafe, indem es ,on der Ansicht ausging, daß die Hausflure auch als öffentliche One an- gesehen werden müßten. Die Berusimgsinstanz wird hoffentlch an- gerufen werden. Eine Milchpantschcrin, die Frau Albertine Schröder atS der Pichelsdorferstraße wurde zu 100 M. Geldsttafe verurteilt.I Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„Sud-Ost». Morgen Mittwoch, abends 8'/, Uhr, bei Tolksdorf, Görlitzerstraße 18. Vortrag des Genossen Mahlo:„Politische Zeit- und Streitfragen". Deutscher Arbeiter-Abftinentenbund. Ortsgruppe Berlin. Mittwoch. den 2. Mai, abends'1,9 Uhr. im„Englischen Garten", Aleranderstraße 27g. Versammlung. Vortrag: Zllkohoi und Nervensystem. Reserent Dr. med. H. Fischer, Nervenarzt. Diskusfion. Gäste willkommen. Vermischtes. Ein flüchtiger Gemeindevorsteher. Nach Unterschlagung von 14 550 M. ist der Gemeindevorsteher Otto Rümenapp aus dem hinter dem neuen Palais belegenen Dorfe Eiche in der vorigen Woche flüchtig geworden. Rümenapp hatte vor einigen Jahren das Berg- restaurant auf dem Krähenberge bei Caputh aufgegeben, weil dessen Betrieb nicht lohnend war. Er betrieb zugleich eine große Gärtnerei. die er nach Eiche verlegte, wo er sich in der Nähe der Kirche ein Grundstück kaufte, um dort zugleich eine Geflügelzüchterei zu etablieren. Bald hatte er das Verttauen der Einwohner Eiches erworben. Im vorigen Jahre wurde er zum Ortsvorsteher gewählt. Er hat das ihm entgegengebrachte Vertrauen jetzt arg mißbraucht. Die Gemeinde hatte in einem Subhastationstermin das Grundstück des Bauunternehmers Schulz für 14 550 M. erworben, wozu das Geld aus der Nauener Kreiskasse entnommen werden sollte. Die Formalitäten sollten am Freitag in einer Gemeindevertretersitzung erledigt werden, die Rümenapp einberufen hatte. Er wartete diese Sitzung aber nicht ab, sondern fälschte eine Vollmacht, fuhr am Mittwoch nach Nauen und hob dort aus der KreiSkasse den Betrag ab. Mittag? fuhr er dann mit dem Schnellzug nach Hamburg. Von dort schrieb er seiner Frau, daß er nach Amerika auswandere, seine Frau und seine beiden Kinder sollten später nachkommen. Finanzielle Schwierigkeiten haben Rümenapp zu der Tat veranlaßt. Berliner Marktpreise. Aus dem amtlichen Bencht der städtischen Martthallen-Direktion. Rindfleisch la 65—68 pr. 100 Pfund, IIa 55-64. nia 50-54, IVa 40—49, engl. Bullen. 00—00, dan. Bullen- 00— 00, Holl. Bullen. 00-00. Kalbfleisch. Doppelländer 105—120, la 82-02, Da 68— 80, INa 54-66. Hammelfleisch la 60—70, Ha 54—60. Schweinefleisch 58-64. Kaninchen 0,70-0,95. Hichner. alte, Stück 1,50-2,25, alte per Pjd. 0,00, junge, per stuck 0,70—1,50. Tauben, junge 0,55-0,65, alte 0,00. Enten, junge, per stuck 1,85-2.40. per Pfd. 00-00. Hamburger per Stück 3-4,50. Ganse, zunge. per Psd. 0,95-0,98, per Stück 4,00-6,50. Hechte 108,00. Schleie, groß 97.00. Bleie 00-00, malt 00—00. Aale, groß 94.00. mittel 00-00, Lein 00-00, unsortiert 00,00. Plötzen 49,00. Flundern, pomm. I. P. Schock 4-8, Kieler, Stiege la 4-7, do. mittel, per Kiste 2-4. do. klem, per Kiste 00-00. Bücklinge. schweb, per Wall 0,00. norm. 0.00. Holland. 2. Kieler 2-3.50. Sttalsunder 3,50—4. Aale, groß, per Psd. 1,10—1,30, mittel 0,80-0,90, klein 0,50-0.60. Sprotten. Kieler. 2 Wall 2,00, Elb- per Kiste 0,00-0.00. Sardellen. 1902er. per Anker 78,00, 1904er 76 00, 1905« 74,00. Schottische Bollheringe 1905 00—00, large 40-44, fall. 36—38, med. 33-35. deutsche 37-44. �eringe, neue Matjes, per /, Tonnen 60—120. Hummern, IIa, 100 Psd. )— 00. Krebse, per schock, groge 00,00, mittelgroße 00,00, kleine 00,00, unsortiert 0.00. Eier. Land-, per Schock 00-00, frische 3,00. Butter per 100 Psrmd, la 117. IIa 112—116, lila 109-111, ab- jallende 108—112. Saure Kurken, Schock 3,50—4 M., Pfeffergurken 3,50—4 M. Kartoffeln per 100 Pfd. magn. von. 2,10-2,35, rote Dabersche 2,00-2,20, runde weiß- 1,80—2,00. Wirsingkohl, Holl., per Schock 8,00-24.00. Weiß- kohl dän., per Schock 7,00—9,00, Rotkohl, Holl,, per Schock 16,00—24,00. Grünkohl, per 100 Psd, 00-00. Rüben, weiße 00-00, Teltower 00-00. Kohlrüben, per Schock 2.50-4,50, Holl., 5-6. eingegangene DrucKfdmften. Notleidende Agrarier betitelt sich eine soeben von unserem München« Parteiverlage G. Birk u. Co. herausgegebene Broschüre von Bruno Schmitt. Die Schrift enthält eine Fülle von neuem und bei Wahlen verwendbarem Agitationsmaterial.— Der Preis für die 43 Seiten starke, geschmackvoll broschierte Schrift beträgt 40 Ps._ Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW.